OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3. DIE ARZNEIWAAREN. ( Gruppe III, Section 2 und 8.) BERICHT VON K. D. RITTER VON SCHROFF, k. k. Hofrath und Profeffor der Medicin. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1873. 23 AON 2CHFORD BEBICHI BSZEIMVVBEй DIE ECTION DES MELVIE 0221EFFACE- BEKICHI VORWORT. Nach dem Programm der officiellen Berichterstattung über die Wiener Weltausstellung 1873 foll der officielle Bericht noch ,, während der Feier des internationalen Feftes abgefafst und aufgelegt werden". Diefe Beftimmung zu erfüllen, übergibt die gefertigte Redaction des officiellen Berichtes in der vorliegenden Form die einzelnen Sectionsberichte der Oeffentlichkeit und glaubt damit den Befuchern der Weltausstellung das Studium derfelben wefentlich zu erleichtern. Nur eine Bemerkung fei an diefer Stelle geftattet. Der vorliegende, wie jeder andere während der Weltausftellungs- Feier publicirte Bericht wird einen Theil des officiellen Berichtes bilden, welcher nach dem Schluffe der Weltausftellung als ein Ganzes erfcheinen und die wiffenfchaftlichen Refultate der Ausftellung für die Dauer erhalten foll. Diefs mag dem Lefer die ftiliftifche Form, in welcher bereits die Vergangenheit der Ausftellung angenommen ift, erklären. PROFESSOR DR. CARL TH. RICHTER, Chefredacteur des officiellen Berichtes. DIE ARZNEIWAAREN. ( Gruppe III, Section 2 und 8.) Bericht von K. D. RITTER V. SCHROFF, k. k. Hofrath und Profeffor der Medicin. Wir nehmen auch hier das Wort und den Begriff der Arzneiwaaren in demfelben Sinne, in welchem wir es in unferem früheren Berichte über die Parifer Ausstellung vom Jahre 1867, wo wir unfer Gebiet genauer begrenzt haben, und in dem letzten Berichte für die additionelle Ausftellung unferer jetzigen Weltausftellung( fiehe Beiträge zur Gefchichte der Gewerbe und Erfindungen Oefterreichs etc. redigirt von Profeffor Dr. Exner, 1. Reihe S. 146) genommen haben. Wir werden alfo über jene Gegenftände der Ausftellung Bericht erſtatten, welche für die Medicin und Pharmacie von Bedeutung find, mögen fie rohe Naturproducte, Drogen im engeren Sinne des Wortes, oder pharmaceutifche Präparate fein. Man hat an der Parifer Ausstellung befonders lobend hervorgehoben, dafs die einer Gruppe naturgemäfs zukommenden Gegenftände aller Länder in einem Kreife an einander fich reihten. Aber es war zu bedauern, dafs gerade in Beziehung auf den Gegenſtand unferes Referates an eine durch die räumliche Anordnung der Gegenftände erleichterte Ueberficht nicht zu denken war, indem ein fehr grofser Theil der Objecte aufserhalb des eigentlichen Ausstellungsrayons oder, zwar innerhalb desfelben, aber an ganz unpaffenden Orten, die gerade zur Verfügung ftanden, untergebracht zu werden fich gefallen laffen musste. Dazu kam, dafs wegen Befchränktheit des Raumes die Gegenftände oft hinter und über einander fo fehr zufammengedrängt waren, dafs fie eine Unterfuchung fehr häufig gar nicht zuliefsen. Diefer grofse Uebelftand kommt bei unferer Ausstellung nicht vor, indem bei der Grofsartigkeit der Anlage jedem Lande Raum genug dargeboten ift, feine Expofitionsobjecte auf die zweckmäfsigfte Weife unterzubringen. In der That haben wir noch bei keiner Ausftellung die uns zunächft intereffirenden Drogen fo inftructiv aufgeftellt gefunden, wie bei unferer. Dazu kommt, dafs jene Länder, welche fich überfeeifcher Colonien erfreuen, die Producte ihrer Colonien gleich neben dem Mutterlande in den anftofsenden Seitengallerien unterzubringen Gelegenheit fanden. Bei der Befchränktheit des Raumes, welcher diefem Berichte gegönnt ift, werden wir uns bei unferen Mittheilungen auf das Wichtigere und Intereffantere zurückziehen müffen und ein tieferes Eingehen in das Detail und in das viele Neue, das uns insbefondere der Orient zugeführt hat, als die Aufgabe befonderer 6 K. D. Ritter v. Schroff. Arbeiten anſehen, ohne uns zu verfagen, hie und da wiffenfchaftliche Bemerkungen einzufchalten. Wir werden zunächft die einzelnen Länder, welche fich an der Ausftellung betheiligten, in jener Reihenfolge bezüglich unferes Gegenftandes in Betrachtung ziehen, in welcher fie vermöge der bei Entwerfung und Ausführung des architek tonifchen Planes zu Grunde gelegten Idee die Räumlichkeiten für ihre Ausftellungsgegenstände angewiefen erhielten, alfo von Weften nach Often; hierauf wollen wir die Heroen unter den Drogen und einige der intereffanteren derfelben etwas näher befprechen und mit einigen aus dem grofsen Ganzen fich ergebenden Betrachtungen fchliefsen. Ziehen wir eine vergleichende Parallele zwifchen der letzten Parifer Weltausstellung und der unferigen, fo ergibt fich auch bezüglich unferes Gegenftandes dasfelbe Refultat wie bei den übrigen Ausftellungsgegenständen: der Weften tritt mit geringen Ausnahmen bedeutend zurück gegen den Often, welcher in einer Weife vertreten ift, wie nie zuvor bei irgend einer der früheren Weltausftellungen, was in der geographifchen Lage Oefterreichs und in der näheren Beziehung desfelben zum Orient feine Begründung hat und auch in vorhinein nicht anders zu erwarten war. AMERIKA, als der am meiſten nach Weften gerückte Erdtheil, war mit Ausnahme der in fchöner rafch vorwärts fchreitender Entwicklung begriffenen Republik Venezuela am fchwächften repräfentirt. Mexico, die argentinifche Republik, Ecuador, Chili haben fich an unferer Ausftellung gar nicht betheiligt, was bezüglich der beiden letzteren um fo mehr zu bedauern ift, als fie in Paris in Beziehung auf gröfstentheils wiffenfchaftlich beftimmte Drogen Ausgezeichnetes zur Anfchauung brachten. Folgende felbftftändige Staaten Amerikas befchickten unfere Ausftellung, wobei wir die Amerika angehörigen Colonien auf ihre Mutterländer verweifen. Die vereinigten Staaten Nordamerikas brachten uns durch das Handlungshaus Mc. Kesson& Robbins in New- York mehrere der in Nordamerika in medicinifcher Verwendung ftehenden Rinden und Wurzeln, fowie die aus ihnen bereiteten Fluidextracte, 7 ätherifche Oele und eine gröfsere Anzahl von mit reiner Gelatine überzogener Pillen, welche letzteren dortlands fehr beliebt. find und in allgemeiner Verwendung ftehen. Die Rinden ftammen von Myrica cerifera, Gossypium herbaceum, Viburnum Opulus, Ulmus( fulvus?), Cornus florida, Populus tremuloides, Xanthoxylum fraxineum, Laurus Sassafras, Euonymus atropurpureus, Cerasus serotina, Hamamaelis virginica; die Wurzeln von Trillium pendulum, Apocynum androsæmifolium, Leptandra virginica, Rubus villosus, Sanguinaria canadensis, Cimicifuga, Caulophyllum thalictroides, Corallorhiza odontorrhiza, Inula Helenium, Iris versicolor, Panax quinquefolium, Coptis trifolia, Hydrastis canadensis, Veratrum viride, Hydrangea arborescens, Asclepias incarnata, Arum triphyllum, Podophyllum peltatum, Statice caroliniana, Cypripedium pubescens, Asclepias tuberosa, Spigelia marilandica, Phytolacca decandra, Nymphæa odorata, Nuphar advena, Eupatorium purpureum, Aralia nudicaulis, Polygala Senega, Aristolochia Serpentaria, Symplocarpus foetidus, Asarum canadense, Convallaria multiflora, Aralia racemosa, Stillingia sylvatica, Helonias dioica, Baptisia tinctoria, Rumex crispus, Gelsemium sempervirens. Alle diese in Gläfern mittlerer Gröfse, daher in wenig Exemplaren und in den Gläfern entſprechender Gröfse aufgeftellten Drogen bieten nichts Neues dar; die mit durchfchoffenen Lettern gedruckten ftehen theils feit vielen Jahren bei uns in ärztlicher Verwendung, theils find fie noch Gegenftand lebhafter Befprechung, was insbefondere von Veratrum viride gilt, dem man eine befondere von unferen Veratrumarten fpecififch verfchiedene Wirkfamkeit zufprechen wollte. Unfere mit dem Wurzelfyfteme von Veratrum Die Arzneiwaaren. 7 viride in pharmakognoftifcher und pharmakodynamifcher Hinficht angeftellten Unterfuchungen haben ſichergeſtellt, dafs in erfterer Beziehung dasfelbe genau übereinstimmt mit jenem von unferem Veratrum Lobelianum Bernh. und dafs in letzterer Beziehung die in qualitativer Hinficht identifche Wirkung desfelben in quantitativer Hinficht dagegen jener von Veratrum album Bernh. unferer Alpen nachfteht, daher unfere Veratrumarten das Bedürfnifs nach Veratrumwirkung vollkommen decken. Aus den meiſten der oben angeführten Rinden und Wurzeln wurden in bekannter Weife auf kaltem Wege durch wiederholtes Deplaciren Fluidextracte dargeftellt. Jede Fluidunze Extract repräfentirt eine Unze der angewandten Subftanz. Aufser diefen liegen aber noch Fluidextracte vor von Chelone glabra, Eryngium aquaticum, Galium Aparine, Geranium maculatum, Erechthites hieracifolia, Epigæa repens, Spiræa tomentosa, Lobelia inflata, Chimophila umbellata, Smilax officinalis, Stillingia sylvatica. Von ätherifchen Oelen fieht man das von Mentha piperita und Mentha viridis, von Hedeoma pulegoides, Laurus Sassafras, Tanacetum vulgare, Gaultheria procumbens, Chenopodium anthelminthicum. Von den mit Gelatine überzogenen Pillen heben wir nur hervor die 3 Sorten Chininpillen von verfchiedener Schwere, die Afantpillen, die bei den Amerikanern fo beliebten blauen Pillen, einige Abführ-, Jod- und Eifenpillen. Die Methode, Pillen einen gelatinöfen Ueberzug zu geben, fcheint in jenen Fällen, wo man üble Gerüche decken und das Verdunften und daher das Eintrocknen. derfelben vermeiden will, Nachahmung zu verdienen. Aufser diefen mit Gelatine überzogenen Pillen liegen noch in befonderen Standgläfern in grofser Menge Pillen verfchiedenen Inhaltes vor, welche mit einer aus Zucker und Maisftärke beftehenden Hülle von weifser und rother Färbung überzogen find. Das Haus W. M. Warner& Comp. in Philadelphia ftellte fie aus. Bei jedem Artikel waren die Preife angegeben. Die Republiken S. Salvador, welche ausgezeichnet fchönen Schwefel vulcanifcher Abkunft, Chinarinden unbeftimmter Abftammung in gerollten Stücken von grauer, meiftens aber röthlichbrauner Farbe des Periderma; Columbia, welche aufser den gewöhnlichen Handelsartikeln der Tropenländer unanfehnliche Exemplare von unbeftimmter Chinarinde und Sassaparille; Uruguay, das aus Bufchenthal Fleifchextract in Hülle und Fülle nebft getrocknetem Fleiſche brachten, tragen zur Vermehrung unferer Kenntniffe über füdamerikanifche Drogen nicht bei. Selbft Brafilien, das uns bei der letzten Parifer Ausftellung durch die lebhafte Betheiligung Peckoldts an derfelben einen lehrreichen Einblick in die reichen Schätze ärztlicher Drogen diefes an Naturproducten von der Natur verfchwenderifch ausgeftatteten Reiches thun liefs, und das fich einer ausgezeichneten von dem trefflichen C. Fr. Martius verfafsten Materia medica vegetabilis erfreut, bringt bei aller Pracht, die es auf anderen Gebieten entfaltet, doch faft nur Genufsmittel, unter denen wir Maté von Ilex Gongonha im zerkleinerten Zuftande in Blechbüchfen, als naturelle Waare in Thierhäuten eingenäht, grofse dicke Stangen Guarana, ausgezeichneten Cacao hervorheben. Ueberdiefs find noch zu erwähnen Tonkabohnen, Sassaparille von unbeftimmter Abftammung, Elemi von Icica Icicariba, Resina de Jatoba, Guajakholz, Quina vermelha, Samen von Curcas purgans, Gummi von Angiko, Gummi elasticum, fehr viel Kautschuk, Carnaubawachs; ein angebliches Benzoëharz, einen aufsen fchwarzen Klumpen darftellend, der aus einer mit Harz verfehenen zufammengeftampften, hie und da noch in Stücken erhaltenen Rinde befteht und deutlichen Benzoëgeruch befitzt. Die als Quina vermelha bezeichnete Rinde von Pernambuco, auch China ferrugenta genannt, ftellt dünne gerollte oder auch breitere Rindenftücke dar, die aufsen rehbraun mit dichten Korkwärzchen verfehen, unter dem Periderm dunkelgrau- röthlichbraun, auf der Innenfläche fchwärzlich oder röthlichbraun, beftäubt erfcheinen; einzelne Stücke erfcheinen aufsen ockergelb oder weifslich, 8 K. D. Ritter v. Schroff. mit Flechten verfehen, unter dem Periderm kaftanienbraun. Aufşerdem liegt noch eine nicht näher beftimmte Quina amarella vor. Die Republik Venezuela hat in der Benützung der reichen Schätze ihrer Ländereien unter der weifen und energifchen Leitung ihres dermaligen Präfidenten Guzmann Blanko feit der letzten Parifer Ausftellung grofse Fortfchritte gemacht, wie diefs ihre Vorlage auf unferer Ausstellung, worüber eine von Dr. Ernft verfafste, in Carácas( 28. Februar 1873) erfchienene vortreffliche Abhandlung vorliegt, aufser Zweifel fetzt. Unter den Genufs- und Nahrungsmitteln heben wir nur den Cacao hervor, welcher als der befte gilt und von welchem gegen 700.000 Centner jährlich ausgeführt werden. Unter den verfchiedenen Sorten rühmt fich der von der Pflanzung Chuao, welche Eigenthum der Univerſität von Carácas ift, der vorzüglichfte zu fein. Auch lagen mehrere ganze ausgewachſene Früchte und eine durchgefchnittene Frucht vor. Theils als Gewürz, theils als Heilmittel oder Pfeilgifte erwähnenswerth find folgende: Ingwer, Vanille von Vanilla pompona, die gegen Cholera empfohlene aromatiſche Wurzel Raiz de Mata von Aristotelia barbata Jacqu. und A. dictyantha Dch., Wurzel und unterer Stammtheil mehrerer Species von Ivesine( wird unter dem Namen Valeriana wie diefe gebraucht), das Rhizom von Polypodium aureum Z die unter dem Namen Galicosa als Antisyphiliticum gerühmte Wurzel und unteren Stammtheile von Latreillea latifolia Benth., Calaguala( Rhizom von Polypodium Otites L.), Zarzaparilla von unbekannter Abftammung( die Sassaparille von Caracas wird gewöhnlich von Smilax syphilitica und Sm. officinalis abgeleitet), Stengel und Zweige von mehreren Mikania- Arten, namentlich Mikania gonoclada DC. als blutreinigendes, giftwidriges Mittel unter dem Namen Guaco vielgerühmt, Guasimorinde von Guazuma ulmifolia Lam. zu erfrifchenden Getränken, Simaruba von Simaruba amara Aubl. aus dem Staate Guayana, die gerbfäurereiche Rinde von Weinmannia glabra L. unter der Bezeichnung Curtidor, Torco, wahrfcheinlich die Rinde von Croton Malambo, die ungemein bittere Rinde von Vallesia hypo glauca als Amargoso im Lande bekannt; 2 Chinarinden, die eine von Trujillo, die andere von Tocuyo, von unbeftimmter Abkunft( bei diefer Gelegenheit wird eine baldige genauere Berücksichtigung der von den fo zahlreichen Cinchonaarten Columbiens abftammenden Rinden in Ausficht geftellt), die Rinde von Rhizophora Mangle L. unter dem Namen Mangle colorado als treffliches Gerbmittel bekannt, die gleichfalls gerbfäurehältige Rinde von Mangifera indica( Margo genannt), die das Kino occidentale liefernde Rinde von Coccoloba urifera L. ( Uva de Raya), Blüthen von Brownea grandiceps( Rosa de Montanna) als blutftillendes Mittel, Früchte von Myrospermum frutescens Jaqu. und von M. secundum Kl.( Sereipo) mit einem die Samen umhüllenden Balfam, Samen von Kola acuminata R. Br. gegen Leberleiden, Samen von Simaba Cedron Planch. aus dem Weften der Republik und Neugranada, auch bei uns als Fiebermittel bekannt, in Venezuela auch gegen Schlangenbifs in Anwendung( die ganze Frucht, etwas gröfser, als eine Wallnufs liegt vor) in Venezuela als Pepa de Cedron bekannt, Samen von Nectandra Cymbarum Nees( Sassafras del Orinoco), Pichurimbohnen aus Guayana und vom Orinoco, von Nectandra Puchury major et minor Nees( Cobalonga), die fehr aromatifchen Früchte von Xylopia longifolia Alph. aus Guayana ( Fruta de Burro), Samen von Mucuna pruriens DC.( Ojo de Zamuro, das alk. Extr. beliebtes Volksmittel gegen Afthma), Früchte von Myristica punctata Spruce, reich an talgartigem Fett, Früchte von Anacardium occidentale L.( Pepas de Merey), Samen von Feuillea cordifolia L.( Pepas de Secua) fammt dem daraus gewonnenen Oele, Samen von Carapa guianensis Aubl.( Carapa) fammt den daraus erhaltenen fetten Oele, Samen von Dipterix odorata Willd. aus Guayana( Tonkabohnen, Sarapia), Samen von Copaifera Jaquini Desf.( Copaiva) aus Maracaybo, Samen von Abelmoschus moschatus R. Br.( Algalias), Samen von Asagræa officinalis Lindt. ( Cebadilla)( häufig auf den grafigen Abhängen des Küftengebirges, unentfchieden, Die Arzneiwaaren. 9 ob fie hier einheimifch ift; der Same wird zu 2.500-3.000 Centnern namentlich nach Hamburg und den Vereinigten Staaten ausgeführt), die gerbftoffreichen Schoten, Dividivi genannt, von Lebidibia coriaria Schlecht., Früchte von der angebauten Cassia Fistula Z., Früchte von Hymenæa Courbaril L.( Algarroba, die harten Samen liegen in einem faft wie Süfsholz fchmeckenden gelben Fruchtmehl), die unter dem Namen Negerköpfe, Cabeza de Negro, bekannten Früchte von Apeiba Tibourbou Aubl. fammt dem aus dem Samen derfelben geprefsten fetten Oele, Tamarinden als Hülfenfrucht und ihr Mus, Caobafrucht von Swietenia Mahagoni L. vom Tuy. Von den 100 aufgeftellten Holzarten erwähnen wir blofs die von Copaifera Jacquini Desf.( Aceite), von Swietenia Mahagony L.( Caoba), von Cedrela odorata L.( Cedro amargo), von Guajacum sanctum L.( Guajacan), Psidium Guava Raddi ( Guayavo de comer), von Hura crepitans L.( Javillo negro), von Hymenæa floribunda Kth.( Nazareno), von Sapote Achras Mill.( Nispero), von Juglans cinerea L. ( Nogal), von Ceroxylon Klopstochia Mart.( Palma de cera), von Oreodoxa regia Kth.( Palma real), von Pimenta vulgaris W. A.( Pimenton), von Myrospermum secundum Kl.( Sereipo), von Crescentia Cujete L.( Totumo), von Guajacum arboreum DC.( Vera). Von Balfamen, Fetten und ätherifchen Oelen, Harzen und Gummi, Pfeilgiften find folgende beachtenswerth: Balsamum Copaivæ von Copaifera Jacquini Desf. aus Maracaibo, Balsamo de Gil und Balsamo simpatico legitimo bei Verwundungen, Oleum Anacardii bereitet von J. Braun& Comp.( der bekannte ätzende Balfam aus der Fruchtfchale von Anacardium occidentale), Tinctura Eucalypti Globuli nach der Vorfchrift Dr. Keller's in Wien, von Apotheker Fifcher in Carácas bereitet und von den Aerzten vielfach mit gutem Erfolge gegen Fieber angewandt, Esencia und Estracto liquido de Sarsaparillo, Resina Merei von Anacardium occidentale L., Caricarito, Harz von Elaphrium tomentosum Jacqu., Resina Algarroba von Hymenæa Courbaril, eine Art Copal, Paraman, ein dunkelfarbiges Harz von Moronobæa coccinea Aubl., in Guayana meift als Pech verwendet, Resina Caranna von Icica Caranna HBK., Resina Tacamahaca, wahrfcheinlich von Icica heptaphylla Aubl., Cascarillo- Oel von einer Art Laurinee durch Einfchnitte in den Stamm erhalten, Gummi von Peireskia aculeata Mill., Goma de Tuna von Opuntia Ficus indica Mill., Manteca de Ladron, das flüffige Fett des Bernadinerkrebfes, gegen Luxationen und Anfchwellungen der Gelenke als Einreibung gebraucht, Manteca de Tortuga, fowohl das flüffige Oel als der fchwer flüffige Bodenfatz desfelben aus den Eiern von Testudo Arrau und T. Terekay Humb. an den Ufern des Orinoko gewonnen, worüber Humboldt in feiner Reisebefchreibung III, 65-69 Näheres berichtet, fettes Oel von Coroba, Ricinus, Cocos, Carapa, Sesam. Curare ift theils in einer Calebasse in gewöhnlicher Art des Vorkommens, theils in lofen Stücken in einem offenen(!) Glafe ausgeftellt. Cuero de Mato, Haut von Ameiva vulgaris Licht. Von Farbftoffen nennen wir Chica aus den Blättern der Bignonia Chica HBK., rothen und gelben Orlean, Cochenille, Curcumawurzel, die an Berberin reiche Rosuarinde von Zanthoxylum ochroxylon DC. und Indigo. Von Stärkemehlarten ift aufser den bekannten von Zea Mais, Ipomoea Batatas, Dioscorea- Arten, Musa paradisiaca, Manihot utilissima, in beiden Abarten, Colocasia esculenta noch zu bemerken die von einer Ingafpecies abftammende Chiga genannte und die von Arracacha esculenta Bank. und Calathea Allouya Lindl. abftammende Sorte. Aufser gelbem und weifsem Bienenwachs liegt auch Cera vejetal von Myrica arguta Kth. von grünlicher Farbe im friſchen Zuftande vor. ENGLAND UND SEINE COLONIEN waren im Vergleich zu früheren Ausstellungen nur fchwach vertreten. Die geringe Theilnahme, welche England feiner colonialen Drogenausftellung widmete, ſprach fich auch in dem Mangel eines gedruckten 10 K. D. Ritter v. Schroff. Kataloges hierüber aus. Beginnen wir fogleich mit dem Paradiefe Englands, mit Oftindien, fo ift hier gleichfalls insbefondere zu bedauern, dafs die ihm angehörigen Objecte in einer Weife zur Anfchauung gelangten, welche deren genaueres Studium gar fehr beeinträchtigt; die Aneinanderreihung, die Art der Aufftellung, die Unterbringung in verhältnifsmäfsig kleinen Gläfern mit hermetifchem Verfchluffe, welcher ein Oeffnen derfelben unmöglich macht, laffen viel zu wünſchen übrig; eine nicht unbedeutende Anzahl derfelben war fo hoch aufgeftellt ( was leicht hätte vermieden werden können), dafs die Etiquette und die in dem Glafe enthaltene Subftanz nur mittelft eines Tafchenperfpectives erkannt werden konnte. Um einige Ordnung in die ausgeftellten Gegenftände zu bringen, ift es nothwendig, diefelben in Gruppen zu theilen. Als die wichtigſte mufs diejenige angefehen werden, welche unter dem Titel Materia medica, aufser einigen anderen Drogen, in etwas gröfseren Gläfern mit Etiquetten, welche aufser dem lateinifchen und englifchen Namen auch die Bezeichnungen in 7-10-13 oftafiatifchen Sprachen enthalten, die der indifchen Pharmakopee angehörigen Objecte enthält, woran wir die oft indifchen Chinaforten, von Mac Ivor und Markham ausgeftellt, und die in einem befonderen Kaften befindlichen Genufs mittel Indiens anreihen. Wenig Befriedigung gewährt die in kleinen, gleichfalls hermetifch verfchloffenen Gläfern befindliche, von einem Lecturer gebrachte Sammlung der Hortic. und agric. Soc. Die Etiquetten nehmen den gröfsten Theil des Glafes ein, fo dafs man von dem Inhalte wenig Notiz nehmen kann. Eine weitere Gruppe umfafst unter dem Titel vegetabilifche Nahrungsmittel die amylumreichen, längst bekannten Subftanzen und Mehlarten ( Arrowroot aus Bombay und Bengalen, Tapiocca, flour of Yam, Mehl aus Acer arietinum) und die letzte Abtheilung trockene Extracte, Gummi und Harze. Was den Inhalt der Materia medica betrifft, fo fanden wir viele alte Bekannte unferer Pharmakopoen, aber auch intereffante einheimifche Medicamente. Unter den Gewürzen und aromatifchen Stoffen erwähnen wir Coriander, Fenchel, Kümmel, Dillfrüchte, Früchte von Daucus Carotta, Ptychotis Ajowan, Capsicum fastigiatum, C. grossum, Illicium anisatum, Cardamomen von Elettaria Cardamomum, Cardam. medium, C. Korarima, Sinapis dichotoma, S. ramosa, Wurzeln vom grofsen Galgant, Pyrethrum, Nardostachys Jatamansi, von Anatherum muricatum, Rofenblüthen, Saffran, Kampher. Unter den narkotifchen Mitteln heben wir hervor: Opium in Stücken, nicht in Kugeln, Capita Papaveris( fehr grofse Köpfe, der Länge nach angeritzt, 3 Sorten: von Seylah hesah, Maghahia, Bhugobee), Wurzel von Belladonna, Blätter und Samen von Hyoscyamus niger, von Datura Stramonium und von Datura alba, Wurzel von Physalis somnifera aus Bombay, Kokkelskörner, Samen und Rinde von Strychnos Nux vomica, Cannabis sativa, Digitalis purpurea, Blätter und Samen von Conium maculatum. Drei Species von Aconitum, und zwar: A. Napellus( die Wurzel führt die einheimifchen Bezeichnungen): Mahoor H.( Hindoftan) Bish, Butsnab- Bish B.( Bengalen), Ativassa( Tel.), Bikh, Bish, Bishnak, Ati- singeen- bish N.( Nepal), Butchnab( Bombay); A. ferox in 2 Gläfern, in deren einem kleinere Exemplare mit Stengelreften, unferem Napellus ähnlich, in dem anderen etwas gröfsere Tubera, unferen Exemplaren von Ac. ferox gleich( die indifchen Bezeichnungen find durchwegs diefelben wie bei Ac. Napellus); Aconitum heterophyllum( Atees, Atis). Unter den draftifchen Heilmitteln find zu erwähnen: Aloë in 3 Sorten( Barbados, socotrina und A. von Aden), Gummigutt von Garcinia Morella, in baculis, und von Garcinia pictorum ( Mysore Gamboge, in einzelnen kleinen Stücken), Ricinus- und Crotonfamen, Colocynthen, Sennesblätter von Cassia lanceolata, C. acutifolia, C. obovata, alfo alexandrinifche, Senna und keine Tinnevelly- Senna. Anthelminthica: Kamala und Punica Granatum. Adstringentia: Gallæ von Quercus infect., von Tamarix furas, Terminalia Chebula, Wurzel, Rinde und Extract von Berberis Lycium, B. aristata und B. asiatica, Früchte von Randia dumetorum, Betelnüffe, Kino von Pterocarpus t t Die Arzneiwaaren. 11 Marsupium( in ziemlich grofsen Stücken), von Butea frondosa, Gambir, Catechu von hellbräunlichrother Farbe, Aegle Marmelos, Rinde von Holarrhena antidysenterica, Hæmatoxylon campechianum. Ueberdiefs Tamarinden, Röhrencassia, Süfsholz, Fonum græcum, Flores Rhoeados, Colombowurzel, Galbanum von Opoidea galbanifera oder Ferula galbanifera, grofse Exemplare von Myrrha. Ausserdem noch: An Samen: Gynocardia( Chaulmoogra) odorata, Guilandina bonducella, Garcinia purpurea( nebft ihrem feften Oele), Arachis hypogæa, Raphanus sativus, Früchte von Nymphæa pubescens, Tribulus lanuginosus, Früchte von Diospyros embryopteris, Pharbitis nil, Plantago ispaghula. An Blüthen: Aeschynomene paludosa. Blätter: Helicteris isora, Tylophora asthmatica. Ganze Pflanzen: Hydrocotyle asiatica, Ophelia chirayta. Wurzeln: Tinospora cordifolia, Hemidesmus indicus, Trapa bispinosa( Wurzel fieht wie Hermodatteln aus), Cissampelos Pareira, Coptis tecta( umgeben von einem eigenen Geflechte), Salvia Hæmatodes ( Red Behen, dicke, aufsen braunröthliche Wurzeln), Murdannia scapiflora. Haare von Mucuna pruriens, Querfchnitte der Stengel von Nelumbium speciosum. Rinden: Alstonia scholaris, Azadirachta indica( auch die frifchen Blätter in Gebrauch). Chinarinden: Calisaya, die gewöhnliche Handelsrinde, graue Rinde von Cinchona condaminea, von C. crispa, C. Chahuarguera beifammen in einem Glafe( offenbar importirte Rinden), Cinch. succirubra( original in 2 Gläfern), C. succirubra ohne Bezeichnung, gewöhnliche Handelsrinde; C. succirubra von Darjeeling, ziemlich grofse und dicke Rinden; C. succirubra( mossed); C. succirubra in Kangrah gewachsen( Provinz Kuhiftan im Lande der Seiks, der Anbau 1864 vom Major Nassau Lees begonnen. Exemplare find fehr dünn, gerollt, röthlichbraun, matt, oder fchwärzlichbraun mit mehr glatter Oberfläche, fein längsrunzlig; unter dem Periderm röthlichbraun, Innenfläche gelblichbraun). Aufserdem oftindifche Chinarinden von den Neilgherries( from the Government Cinchona plantations) von Mac Ivor in kleinen Bündeln: graue Rinde Nr. 7 von C. micrantha von 10 Jahre alten Bäumen( fchwärzlichgrau, häufiger afchgrau oder weifslich von Flechtenanflügen, theils fein längsrunzlich und ohne Querriffe, theils mit näher oder entfernter ftehenden Querriffen, unter dem Periderm licht rehbraun, Innenfläche licht zimmtbraun, beftäubt). Braune Rinde Nr. 6. Von C. officinalis von 9 Jahre alten Bäumen( verhältnifsmäfsig dicke, grofse Rinden mit zahlreichen Querrunzeln und Querriffen, feltener zugleich mit Längsrunzeln und Längsriffen, wodurch viereckige Felder, Borkefchuppen, abgegrenzt werden, aufsen dunkelgraubraun, unter dem Periderm kaftanienrothbraun, Innenfläche ziemlich lebhaft gelbbraun, längsfaferig). Braune Rinde Nr. 5. Von C. crispilla von 9 Jahre alten Bäumen( Rinde dick mit fehr unebener Oberfläche, grobrunzlig, aufsen dunkelafchgrau mit Flechtenanfätzen, unter dem Periderm maronenrothbraun, Innenfläche zimmtbraun). Rothe Rinden von C. succirubra Nr. 1. Von 10 Jahre alten Bäumen, aufsen licht afchgrau oder graubraun, hie und da fchwärzliche oder grünliche Anflüge, mit Flechten und fchwarzen Apothecien, ziemlich zahlreiche Querriffe, unter dem Periderm rothbraun, Innenfläche röthlichbraun, ziemlich dicke Aftrinden. Nr. 2, mossed. Von 10 Jahre alten Bäumen aufsen fchwärzlichbraun mit gelben Korkwärzchen und Korklängsleiften, Innenfläche lichtröthlichbraun, dicker als Nr. 1. Nr. 3. Von 20 Monate alten Bäumchen, aufsen gelblichbraun, mit zahlreichen Längsrunzeln, Innenfläche zimmtbraun. In einem Käftchen neben diefen Rinden befinden fich die aus diefen oftindifchen Rinden erhaltenen chemifchen Chinapräparate aus der Fabrik von Ootacamund: Sulfas Chinini von C. officinalis, von C. succirubra, amorphes Chinin von braungelber Farbe, falzfaures Cinchonin von C. micrantha, Cinchonidin in perlmutterartig glänzenden Schüppchen, Chinidin, Chinovin, Chinovafäure, Chinaroth, Quinovazucker erhalten aus Chinovin. Ueberdiefs hat auch Markham Rinden von C. Calisaya und C. succirubra( bemoofte und unbemoofte) gleichfalls von den Neilgherries ausgeftellt. 12 K. D. Ritter v. Schroff, Narkotifche Genufsmittel, in einem befonderen Schranke aufgeftellt: Tabak in fehr verfchiedenen Zubereitungen, als da find: grofse, weiche Kuchen von Kautabak; ganz weiche, braune Maffe mit Gewürznelken, Yurda oder Tabak for eating. Cannabis indica: Ganjah in verfchiedenen Sorten, fo in kleinen Bündeln, kleinere Stengel mit Blüthenfchwänzen enthaltend; ein gröfseres, an Blüthenfchwänzen fehr reiches Exemplar, überdiefs in 3 Gläfern kleinere Theile der Cannabis. Bhang, die zerkleinerten Blätter, Stengel und Samen. Churrus in 3 Gläfern in 2 Sorten; die eine aus Punjab in viereckiger Form, aber auch in Stangenform, bildet eine homogene, dunkelfchwarzbraune, an der Luft Feuchtigkeit anz.ehende, mit dem Meffer wie Leder fchneidbare Maffe, auf der Schnittfläche lichtchocolatebraun, von eigenthümlich aromatifch narkotifchem Geruche, in Alkohol, den er braun färbt, theilweife löslich. Die zweite Sorte, Charras aus Bengalen, bildet unregelmäfsige, aufsen lichtgelb, innen auf der Bruchfläche braun gefärbte Stücke mit eingeftreuten gepulverten Hanfreften. Majun, ein Gemifch aus Hanf und Opium, zum Effen beftimmt, in verfchiedenen Zubereitungen und verfchiedene landesübliche Beinamen führend; eine Art Majun bildet grünlichgelbe, viereckige Stücke, wie gröfsere Morsellen ausfehend. An diefe reihen fich Mommiai, Moddut, eine Zubereitung von Opium, Kumoonie. Von Opium lagen vor: Opium von Benares( Opium mould Benares), Opiumkugel( Provision Opium) noch ganz weich anzufühlen, in zwei Halbkugeln von gebranntem Thon eingefchloffen. Lewah Opium of 53/100 consistance, als Pafte zwifchen den Mohnblättern zur Bereitung der Umhüllung der Opiumkugeln verwendet; auch liegen Mohnblumenblätter zu grofsen Scheiben zufammengeklebt, fowie feine und gröbere Mohnabfälle. Abkaree Opium Benares bildet viereckige, würfelförmige, dunkel braunfchwarz gefärbte Stücke, in Papier eingewickelt. Diefe Art Opium wird zu medicinifchen Zwecken, das Kugelopium nur zum Rauchen verwendet. In Gläfern befanden fich: Opium von Berar, harte, aufsen glänzende Stücke, 2 Sorten von Opium von Centralindien( Indore), deren eine braunfchwarze glänzende Stücke darftellt. Ueberdiefs 45 verfchiedene Theeforten aus den Neilgherries, Darjeeling, verfchiedene mit Zucker überzogene, bei den Hindus beliebte Samen: Sesam, Mandeln, Mohnfamen etc. Wundarzt Bidie brachte eine kleine Sammlung von Drogen zur Schau, aus der wir Sinapis juncea, Polanisia icosandra, Anethum Sowa, Cassia absus, Früchte von Hydrocarpus inebrians, Cubeben erwähnen. Die letzte Gruppe umfafst die zahlreichen Gummiarten, Harze, Balfame, Farb- und Gerbftoffe, fette Subftanzen, in einer ausgedehnten Sammlung vertreten, aus welcher wir nur Einiges hervorheben wollen: Kuteera Gum von Sterculia urens, Cochlospermum Gossypium, Gummi von Acacia speciosa, Ac. arabica( Kushlia gum), Ficus religiosa, F. elastica, Trachylobium mozambicense ( Gum Animi), Vateria indica( meergrünen Copal liefernd), Harz von Shorea robusta, Hopea odorata( lichtweingelbe, durchfichtige gröfsere Harzmaffen liefernd), Ailanthus malabarica, Dammar, black Dammar von Canarium strictum. Schöne Benzoë, wahrfcheinlich die fiamefifche, Asa foetida, Harz von Balsamodendron Roxburghii( Bdellium), Olibanum, Harz von Boswellia thurifera, Bosw. bhaudagiana, Myrrha, Mastix, Gurjunbalfam. Kino von Pterocarpus Marsupium in mehreren Sorten, und von Butea frondosa; Gamber in viereckigen Stücken; Wurzel von Morinda citrifolia, Blüthen von Butea frondosa. Dafs es an den Samen von Ricinus, Croton Tiglium, Gynocardia( chaulmoogra) odorata, Carthamus tinctorius, Sesamum indicum, Sinapis glauca, S. dichotoma, Guizotia oleifera, Mohn und Lein nicht fehlte, veifteht fich von felbft. An der gegenüber ftehenden Wand waren die thierifchen Drogen untergcbracht. Wir erwähnen daraus: oftindifche Haufenblafe in Pfeifenform von Polynemus indicus, Mofchusbeutel mit Bauchhaut( die mit Haaren befetzte Bauchhaut gehört allerdings einem Mofchusthiere an, weniger gilt diefs von dem mittelft ftarkem Bindfaden an feinem unteren Ende feft eingefchnürten kugelförmigen, grofsen Die Arzneiwaaren. 13 Sacke, dem die den Mofchusbeuteln eigene Structur abgeht, übrigens ftarker Mofchusgeruch), einige unbeftimmte Mylabrisarten( es find Mylabris pustulata und M. punctata), eine unbeftimmte Art von Lytta( die fchwarze Farbe, der rothe Kopf fprechen für Lytta gigas, der Umftand, dafs bei dem einen Exemplare auf den Flügeldecken fich 3 Längsftreifen befinden, ſpricht dafür, dafs wenigftens 2 Species vorliegen), oftindifche Blutegel von mehreren Species abftammend( bei einigen Exemplaren auf dem Rücken weder Streifen noch Flecken, bei anderen drei fehr dünne Streifen), Cochenille aus dem Punjab, Leberthran vom Hai, Gummilack. Ceylon brachte feinen Stolz, prachtvollen Zimmt in langen Röhren zu grofsen, runden Bunden zufammen gebunden, dann eine bezüglich ihrer Abftammung nicht beftimmte Cinchona bark, von Layard ausgeftellt; diefelbe ftellt junge, braune und graue Aftrinden dar mit hervorragenden Längsrunzeln, zahlreichen runden oder länglichen, zum Theil abgeriebenen Korkwärzchen, manche Stücke find fchwärzlichgrau oder lichtrehbraun gefärbt, beftäubt, ohne oder höchftens mit fehr fpärlichen Querriffen verfehen, unter dem Periderm rothbraun oder gelbbraun, innen gelbbraun oder graubraun. Ueberdiefs Arrowroot, Tapiocca, Cassava, Thee, viele Kaffeeforten, Vanille. Aus der Reihe der vielen Hölzer feien genannt Cæsalpinia Sappan, Diospyrus ebenus, Artocarpus pubescens, Caryota urens, Tectonia grandis, Vitex albissima, Areca Catechu. An Flechten Roccella tinctoria. Queensland, Victoria, Aukland vertraten den Reichthum Auftraliens fchwach. Das erftere Land ftellte in ganz kleinen Exemplaren ungefchälten Zimmt von Laurus Cinnamomum, Tinnevelly- Senna aus dem botanifchen Garten von Brisbane; Queensland nuts von Macadamia ternifolia, enorm grofse Früchte von Araucaria Bedwilli, Tapiocca, Cassava von Manihot Janipha, Mehl von Manihot utilissima, von Musa paradisiaca, von Convolvulus Batatas, Colocasia esculenta aus. Victoria lieferte Opium aus dem Gippsland in flachen Kuchenfegmenten, aufsen mit vertrockneten Blättern umgeben. Bofifto ftellte Eucalyptus und aus demfelben dargestellte Präparate aus, als: Oleum Eucalypti Globuli, E. fissilis, E. Stuartianæ, E. amygdalinæ, E. fabrorum, ferner Eucalyptol, Liquor, Tinctura, Pulvis und Gummi von mehreren Eucalyptusarten. Ueberdiefs lagen vor: Oleum Mentha piperitæ, M. viridis, Melaleucæ genistifoliæ, Essentia Atherospermatis, Botanybai- Harz von Xanthorrhoea hastilis, Arrowroot aus dem Gippsland. Aukland war ftark an fchönem, reinem, durchfichtigem Kaurie Gum und an Fungus( Hirneola polytricha, Hirn. Auricula Judæ); letzterer wird als Efswaare viel nach China exportirt. Mauritius liefert die Früchte von Myristica moschata und Gewürznelken. Von den 62 Holzarten führen wir an: Camphora officinalis, Nephelium Litschi, Acacia Lebbek, Cinnamomum Cassia, Hymenæa verrucosa, Artocarpus integrifolia. Cap der guten Hoffnung. Es lagen 2 Sorten Aloë vor, beide in viereckigen Holzkiftchen: die eine als grofses viereckiges Stück, an den Kanten durchfcheinend, gibt ein canariengelbes Pulver; die andere licht graulich leberartig, undurchfichtig, von mufchligem Bruche. Bucchublätter und überdiefs Blätter von Barosma crenulata, jene ftellen ein Blättergemifch von Barosma- Arten dar. Ueberdiefs weifses und braunes Gummi und wilder Capsaflor, ohne Angabe der Mutterpflanze, welche aber Liperia crocea Eckl. ift und fich in unferer Sammlung befindet, am Cap ftatt Saffran im Gebrauch( das Ausfehen desfelben ftimmt mit dem des macedonifchen Saffrans überein, die Eigenfchaft, dem Waffer fogleich feinen gefättigt gelbröthlichen Farbftoff mitzutheilen, die Form der Blüthen laffen eine Verwechslung mit dem echten Saffran leicht zu); fehr grofser Kuchen von vegetabilifchem Wachs, wahrfcheinlich von Myrica cerifera. Weftafrika brachte Bienenwachs, Capsicum, Ingwer, Palm nuts kernels, Guinea seed( find wohl Grana paradisi), Palmöl; Natal 2 Sorten Arrowroot; Bahama Infeln Cascarillrinde, Canella alba und Schwämme. 14 K. D. Ritter v. Schroff. Was das Mutterland England betrifft, fo ift fehr zu bedauern, dafs mehrere der gröfseren Firmen, wie Howard, Morfon( Darfteller des kryftallifirten Aconitin), Mac Pharlan( durch die Darſtellung des von Matthiessen und Wright entdeckten Apomorphin bekannt), gar nicht oder, wie Morfon, fehr unbedeutend ausgeftellt haben; dagegen ift das Haus Smith& Comp.( Edinburgh und London), von der Parifer Ausftellung her im beften Andenken, durch feltene zum Theil neu entdeckte und dargestellte chemifch- pharmaceutifche Präparate in würdiger Weife repräfentirt. Wir machen insbefondere auf folgende Opiumalkaloide und deren Salze( eine Specialität der Firma) aufmerkfam: Morphin und Morphinfalze, falzfaures Thebain, Codeïn, Narceïn( aus Waffer und Alkohol erhalten, das letztere in fchönen feidenglänzenden Kryftallen), Narkotin, mekonfaures Papaverin, reines, kryftallifirtes, falzfaures und fchwefelfaures Kryptopin( von Smith 1864 entdeckt), Mekonin, Thebolaktiksäure( gleichfalls von Smith zuerft dargeftellt), farblofes, wafferklares( fängt bereits fich zu färben an) Coniin, Coffeïn in einem grofsen Kuchen, Aloin( 1850 von Smith entdeckt), ein aus 200 Kilo Aloë durch Deftillation aus der wäfferigen Löfung erhaltenes aromatifches flüchtiges Oel( neu), Cantharidin, Resina Scammonii alba( gepulvert), Resina Scammonii in Stücken, Jalapin, fette Subftanz von Capsicum in Waffer und Alkohol löslich, Mannit aus Taraxacum, Furfurin und falpeterfaures Furfurin. Bell& Comp. ftellten flüffige Extracte: Belæ, China, Sarsaparillæ, Malti; succus Conii, Hyoscyami, Scoparii, Taraxaci; dickere Extracte von Belladonna, Conium, Cannabis indica, Lactuca, Hyoscyamus, Taraxacum, Aloin und fchwefelgelbes Podophyllin von Morfon, aufserdem ein reichhaltiges Sortiment der in England fo beliebten granulirten Braufepulver( Citras Bismuthi, Ferri, Quiniæ, Ferri et Quiniæ, Lithiæ, Soda Citro Tartras, Sal Friedrichshalli, Sal Püllna, Carlsbader Salz, Vichyfalz, Ferri Jodidum, unterphosphorig. faurer Kalk), Braufepaftillen( einfache, folche mit Lavendel, Jalapinpaftillen mit 2 Gran Jalapin in 1 Paftille), Leberthran, Oleum Anacardii occidentalis, raffinirte Gelatine, Spiritus Ammoniæ aromaticus aus. Bush führte aufser einer grofsen Menge von Effenzen und ätherifchen Oelen gleichfalls ein Sortiment von granulirten Braufepulvern vor: granular effervescent Lemonade, Citras Magnesiæ et Potassæ et Lithii; granul. efferv. tasteless Seidlitz Powder, Seltzer powder, Vichy-, Carlsbader Salz, efferv. Ginger beer granules. Calvert, der bekannte Carbolfäure- Fabrikant brachte reine kryftallisirte Carbolfäure in einem fehr grofsen Kuchen, flüffige Carbolfäure, verfchiedene pharmaceutifche Carbolfäure- Präparate: Zahnpulver, Toilettenfeife mit 10% Carbolfäure, Carbolic Dog soap, carbolifirte Schafwafch- Flüffigkeit, carbolic. acid. disinfecting powder, carbolifirtes Werg, Pikrinfäure und pikrinfaure Salze. Britifh Seaweed Company ftellt Algen von den Hebriden, darunter ungewöhnlich grofse Exemplare von Laminaria und die verfchiedenen, aus den Tangen gewonnenen chemifchen Producte aus: Kohle für Filter, Cycle charcoal zum Filtriren des House sewage, Jod, Jodkalium, Bromkalium, Chlorkalium. fchwefelf. Ammonium, effigf. Kalk, kohlenf. Kali und aus diefem doppelt kohlenf. Kali. Andere Firmen legten verfchiedene Arten bekannter Harze: Anime, Kaurie, Copal, Mastix, Sandarac, Gum Manilla; andere Fifchöle, verfchiedene Sorten Stärke und Arrowroot bekannter Abkunft vor. Zum Schluffe müffen wir noch der Drogen des englifchen Welthandels gedenken, welche in einem befonderen Haufe in der Nachbarfchaft des Triefter Welthandels fich befanden. Sie waren in verfchloffenen Gläfern von befcheidener Gröfse, daher in kleinen Exemplaren ohne befondere Auswahl untergebracht und auch nicht überfichtlich geordnet. Da diefelben, wie wir nach einer genauen Durchmufterung derfelben wohl mit Grund behaupten können, zum gröfsten Theile in dem Triefter Welthandel, und zwar in einer ausgezeichneten Weife repräfentirt find, die wenigen dafelbft nicht vorkommenden entweder bereits befprochen worden find oder am geeigneten Orte noch ihre Befprechung finden werden, überdiefs die Sammlung auf Vollständigkeit keinen Anfpruch machen kann, fo Die Arzneiwaaren. 15 glauben wir mit diefer Bemerkung uns begnügen zu dürfen, ohne in die Sache näher einzugehen. FRANKREICH war in feinen Colonien und in Algier, das felbftftändig für fich getrennt von den Colonien, wie in Paris, ausgeftellt hat, glänzend vertreten. Die Drogen find faft durchgehends bezüglich ihrer Abftammung wiffenfchaftlich beftimmt und gibt ein zweckmäfsig abgefafster Katalog die entfprechende Auskunft, felbft mit einigen Worten Andeutungen ihrer Wirkungen. Die Unterbringung derfelben in grofsen Gläfern mit entfernbaren eingeriebenen gläfernen Stöpfeln Bei der Aufläfst eine genauere Betrachtung und Unterfuchung derfelben zu. ftellung hat man hie und da der Eleganz zu fehr Rechnung getragen und darüber die Aneinanderreihung des Zufammengehörigen vernachläffigt. Bei keiner der früheren Ausftellungen war man fo leicht wie hier im Stande, eine genaue Einficht in die vorliegenden Objecte zu nehmen. Im Allgemeinen muss noch bemerkt werden, dafs Frankreich in den letzten Decennien die gröfsten Anstrengungen gemacht hat, vermöge feines confequent durchgeführten Akklimatifationssyftems in feinen Colonien Alles zu vereinigen, was die Natur auf die verfchiedenften Punkte der Erde vertheilt hat; daher man auf denfelben nicht nur das Einheimifche, fondern auch viel Fremdes und in den tropifchen Befitzungen fich häufig Wiederholendes findet. Bei dem hier dargebotenen Reichthume müffen wir uns in unferer Mittheilung nur auf das Wichtigere befchränken. Wir betrachten zunächft die amerikaniſchen Colonien: Martinique, Guadeloupe, Guyane, Saint- Pierre- Miquelon. Martinique. Die hier gebauten Gewürze: Gewürznelken, Zimmt, Tonkabohnen, Muscatnüffe, Früchte von Myrtus acris( fehr ähnlich denen von Myrtus Pimenta), haben keine befondere Bedeutung für den Handel, da fie im Lande felbft meiftens verbraucht werden. Um fo wichtiger find die Medicinalpflanzen, an denen Martinique fehr reich ift. Aufser den bekannten: Bittera febrifuga, Cassia Fistula, Citrus medica, Contrayerva, Erythroxylon coca, Exostemma floribundum, Guajacum officinale, Ilex paraguyensis, Quassia amara, Simaruba excelsa und S. officinalis, Spigelia anthelmia, Swietenia Mahagoni erwähnen wir noch insbefondere Cinchona nitida und eine nicht näher beftimmte Species von Cinchona, durch Belanger eingeführt, welche vortrefflich gedeihen follen auf den Höhen der Infel. Die vorliegenden Proben, dünne eingerollte Rinden von grauer, ins Bräunliche ziehender Farbe gehören noch fehr jungen Exemplaren an. Dafs man die an Alkaloiden arme C. nitida pflanzt, ift zu bedauern. Die Rinde von Andira racemosa, im Volke Angelin genannt, gilt als vermifugum. Die Blätter von Anona muricata und von A. squamosa als adstringentia, tonica, ebenfo die Rinden von Carapa Guyanensis, Cecropia peltata, Cerasus sphærocarpa, Sapota Achras. Als Narcotica finden Anwendung die Blätter von Atropa arborescens und Solanum triste. Als fchweifstreibend werden angeführt die Blätter von Aralia. arborea, von Ruellia und Stachytarpheta jamaicensis. Die Blüthen von Tecoma leucoxylon dienen als Antisyphiliticum. Stimulantia find die Blüthen von Uvaria odorata, die Pulpa der Früchte von Coffea arabica, die Blüthen der Sauvagesia erecta, unter dem Namen Bergthee bekannt, die Blätter von Spermacoce. Purgantia find die Samen von Iatropha multifida, die Rinde von Plumiera rubra( deren Blüthen gehören zu den Bruftmitteln), die Blätter von Cassia brasiliensis. Escharotica und Vesicantia find die Samen von Caryota urens, im gepulverten Zuftande jene von Guilandina bonducella, die Wurzel von Plumbago scandens. Gegen Flechten werden empfohlen die Blätter von Cassia alata, gegen Leberleiden Egletes domingensis, als Emmenagogum die Blätter von Laurus Persea, gegen Atonie des Darms die Blätter von Lantana Camara, gegen Dyfenterie Mangifera indica, bei Milzleiden Scutellaria purpurescens. Als Diureticum die ganze den Gräfern angehörige Pflanze Chloris radiata, die Wurzel von Heliconia caribæa. Als Fiebermittel aufser den Cinchonen Exostemma floribundum, vulgo 16 K. D. Ritter v. Schroff. Quinquina Piton, zugleich Brechmittel, die Rinde von Sapota Achras. Unter den Färbepflanzen ift Holz und Extract von Hæmatoxylon campechianum, die Wurzel von Morinda Rojoc, die Blätter von Anacardium occidentale, insbefondere Bixa orellana zu erwähnen. Die ölreichen fowie die amylumreichen Pflanzen find die in den Tropenländern gewöhnlichen und bilden ihre Producte keinen Exportartikel. Guadeloupe. Die früher fo blühende Cultur des Kaffeebaumes, welche im Jahre 1790 bis 7,500.000 Pfund als Erträgnifs lieferte, ift in Folge von Stürmen, Krieg und der Krankheit des Kaffeebaumes bedeutend zurückgetreten. Man baut aufser Coffea arabica auch die Varietät Coffea microcarpa und die Bevölkerung nimmt wohl auch zu Surrogaten ihre Zuflucht, welche Psychotria citrifolia( Bergkaffee) und Cassia occidentalis liefern; die Samen der letzteren werden im geröfteten und gepulverten Zuftande auch gegen hartnäckige Sumpffieber angewendet. Unter den Gewürzen ift die Frucht von Vanilla pompona und von Vanilla sativa hervorzuheben. Zu arzneilichen Zwecken werden verwendet die Wurzel rinde von Acacia Farnesiana, die Blätter von Anona muricata, beide als adstringentia, die Blätter von Capraria biflora, Thee der Antillen, als excitans, die Rinden von Exostemma Caribæa, vulgo Quinquina caraïbe, und von Exostemma floribundum, vulgo Bois Tabac, beide als febrifugum und emeto- catharticum. Bursera gummifera liefert Resina de Gomant und Hymenæa courbaril Resina Anime. Fette Oele liefern Aleurites triloba, Calophyllum Calaba, Lucuma mammosa, Oreodoxa cleracea und Or. regia. Guyana birgt zumal in feinen unermefslichen Wäldern eine reiche Fülle ungehobener Schätze der Natur. Diefe Colonie könnte enorme Quantitäten Simaruba, Quassia amara, Sassaparille, Copaivbalsam, Pareira- brava- Wurzel liefern, wenn Nachfrage darnach wäre; da fie fehlt, ift der Export faft Null. Wir heben aufser den bekannten Gewürzen und den genannten noch hervor: die Blüthen von Bignonia leucoxylon, von Boerhavia diandra, vulgo Ipeca du pays, von Chenopodium anthelminticum, die als Diureticum geltende Rinde von Erythrina corallodendron, die in den Tropenländern fo beliebten Blätter von Eupatorium Ayapana, die indifche Melisse Hyptis capitata, ferner Justitia pectoralis, Mucuna urens, Myristica sebifera, Potalia amara( emmenagogum und antisyphiliticum), Nandhiroba, Psidium aromaticum zu Theeaufgüffen. Unter den thierifchen Drogen ift befonders die Schwimmblafe des Silurus felis zu erwähnen, welche zur Klärung des Bieres vorzüglich verwendet wird und die aus ihr bereiteten bänderartigen, fchön weifsen Stücke, welche fich im Waffer vollkommen löfen und die Haufenblafe zu erfetzen vermögen. Als Stellvertreter des arabifchen Gummi dient das von Anacardium occidentale, das überdiefs in feinem Samen ein fettes Oel liefert, abftammende Gummi; auch Achras balata fpendet Gummi. Die häufig wachfende Humiria balsamifera liefert einen fchönen Balfam( unfere Sammlung bewahrt denfelben in dem harten Gehäufe von Palmfrüchten), Hymenæa Courbaril gibt Anime und Icica aracouchini gleichfalls Harz. Die Samen von Astrocaryum vulgare und Astrocaryum acaule, von Bertholletia excelsa, Carapa guyanensis, Livistonia sinensis, Mauritia flexuosa, Omphalea dianara, Ravenala guyanensis, Sagus Raphia etc. liefern fettes Oel. Saint Pierre und Miquelon theilen mit dem Nachbarlande, der grofsen Infel von Neufoundland, und mit Canada diefelben Erzeugniffe. Zu Genufsmitteln werden auch hier verwendet die Blätter von Gaultheria procumbens, Thee rouge, von Ledum latifolium, Thee jaune, von Vaccinium hispidulum, Thee von Neufoundland. Unter den thierifchen Producten: Castoreum( im Katalog, aber nicht in der Ausftellung zu finden; die Herren Shehan, Clinton& Comp. find geneigt über Beftellung dasfelbe in grofser Menge zu liefern), Oleum jecoris aselli, welches letztere von der Firma Delahaye& Vettier fo rein, blank gewonnen wird, dafs es nach dem Urtheile der Academie de médecine von Paris mit dem beften norwegifchen und englifchen wetteifern kann; aufserdem geht fehr Die Arzneiwaaren. 17 viel brauner Leberthran nach Frankreich, wo er zum Theil in der Nähe von Paris gereinigt unter dem Namen Jungfernöl um einen wohlfeilen Preis verkauft wird. Dr. Vivien ftellt ein medicinifches Extract aus der Stockfifch- Leber aus, von dicker Confiftenz und brauner Farbe, fowie damit gefüllte Dragées mit gelbem, weifsem und rothem Ueberzuge, eine unglückliche Idee! Auch Leberthran vom Hai liegt vor. Senegal fowie die Niederlaffungen am Gabon repräfentiren die weftafrikanifchen Befitzungen Frankreichs. Die erftere Colonie hat für letzteres eine fehr grofse Bedeutung, weil es feinen enormen Bedarf an Gummi zu medicinifchen und insbefondere zu technifchen Zwecken vollkommen deckt. Da dafelbft diefelben Akacia- Arten wie in den oberen Nil- Ländern vorkommen und die anderweitigen klimatifchen Bedingungen fehr ähnlich find, fo erklärt fich die Gleichheit der Producte beider Länder. Aufser anderen Akacia- Arten find es insbefondere Acacia Verek, Acacia Nebouede, Acacia albida, Acacia Adansonii, deren Rinde überdiefs reich an Gerbfäure, welche Gummi vorzüglich in den Ländereien der Mauren Braknas und Trarzas, dann in Galone, Bondou und Bambouk liefern. Die jährliche Ausfuhr beträgt ungefähr 3 Millionen Kilogramm. Bordeaux hat den Handel damit faft ausfchliefslich in den Händen. Es liegen 23 Proben verfchiedener Gummiforten des Handels, welche eine eigene mit dem Gummihandel fich befchäftigende Gefellſchaft ausgeftellt hat, vor. Bei jeder ift die Eignung derfelben für befondere Zwecke, für Pharmacie, Deftillerie, Confiferie, Spitzen und Weifszeug, für Gewebe, Tinte etc. angegeben. Eine andere Compagnie hat Gomme bas du fleuve, Gomme de Galam und Salabreda- Gomme ausgeftellt, gleichfalls mit Angabe der Verwerthung zur Erreichung befonderer Zwecke. Kein Land ift fo reich an ölfpendenden Pflanzen als der Senegal: Arachis hypogæa, Balanites ægyptiaca, Bassia butyracea( Galambutter), Carapa Touloucouna, Chrysobalanus icaco, Curcas purgans, Ricinus und Cucumisarten, Elais guineensis, Lophira alata, Sesamum orientale find die vorzüglichften. Als Gewürz dient der Pfeffer von Sedhion, von Uvaria æthiopica. Zu medicinifchen Zwecken werden verwendet: die Blätter von Adansonia digitata als Emolliens, die Früchte und ihre Pulpe als kühlendes Mittel; die Früchte von Balanites ægyptiaca dienen als Purgans, die Wurzel als faponinreiche Subftanz; die Rinde von Khaya senegalensis, Cail cedra, als bitteres Tonicum; die Wurzel von Celastrus senegalensis, vulgo Guenoudek, als Antidysentericum; Lawsonia inermis, vulgo Hemie oder Foudenn, als Anthelminthicum und emmenagogum. Ueberdiefs Smilax Sarsaparilla und Tamarindus indica in bekannter Verwendung. Unter den Producten Gabons find aufser Amomum citratum befonders die zu Gottesurtheilen verwendeten Gifte: die bekannten, in ärztlicher Verwendung bereits ftehenden Calabarbohnen von Physostigma venenosum, das ausgezeichnete, von Pelikan geprüfte Herzgift Inée oder Onaye und Icaja, oder mehr bekannt unter dem Namen M'boundou, hervorzuheben. Das Letztere ftammt von einer Strychnacee und ftellt von 1-10" dicke holzige Aftftücke dar, mit theils grauer, theils rothbraun gefärbter, fehr dünner Rinde und weifsem, relativ ftarkem Holzkörper von faferigem Bruche. Inée oder Onaye verdankt feinen Urfprung einer Apocynee oder Asclepiadee und befteht aus den mehrere Centimeter langen, zum Theil aufgefprungenen Balgkapfeln, in denen die zahlreichen mit einem weifsen Haarfchopf verfehenen Samen, deren mehrere auch frei im Glafe fich befinden, enthalten find. Noch ift zu erwähnen Tetrapleura Thonningii, deren Rinde in Abkochung als Brechmittel und als Räucherung fiebervertreibend wirkt; ferner die Copal liefernde Guibourtia und die ölreiche Irvingia Barteri, von welcher die bekannte Dica abftammt, welche in rohen und in geprefsten Kuchen vorliegt. Die im indifchen Ocean gelegene Infel Reunion oder Bourbon, ungemein reich an Kaffee( aufser Coffea arabica wird auch Coffea mauritiana, Coffea microcarpa, Coffea laurina gebaut), an Gewürzen: Vanille, Gewürznelken 2 18 K. D. Ritter v. Schroff. Piment, Muscatnüffen und Macis, befitzt auch fehr viele zu medicinifchen Zwecken verwendbare und an Arom reiche Pflanzen; zu den letzteren gehören der Fahamoder Bourbonthee von Angræcum fragrans, welcher, trotzdem dafs er bei der letzten Parifer Ausftellung in grofser Menge zum Verkaufe ausgeboten wurde, fich namentlich bei uns einzubürgern nicht im Stande war, ferner die Vetiver wurzel von Andropogon muricatum( auf Bourbon als Choleramittel gefeiert feiner Zeit), Betel von Piper Betle, Patschouli von Pogostemon Patschouli, Blätter und Holz von Cookia anisetta, Blätter und Früchte von Agathophyllum aromaticum, unter dem Namen Ravensara in alten Sammlungen längft bekannt. Von der grofsen Zahl medicinifcher Pflanzen erwähnen wir nur folgende: Adstringentia: Rinde von Acacia Lebbek, Andromeda pyrifolia, Anthiræa verticillata, Celtis madagascariensis( auch febrifugum), Diospyros sapota negro, Jossinia elliptica, Mangifera indica, Psidium pyriferum, Sidoxylon borbonicum, die Blüthen von Parthenium hysterophorus, die Wurzel von Polygonum serratum, das Kraut von Kyllingia brevifolia; Diaphoretica: Adianthum rhizophorum, Ageratum conyzoides, Anatherum muricatum, Andropogon citriodorum, Dodonæa viscosa, Eupatorium Ayapana, Leea sambucina, Quivisia ovata, Siegesbeckia orientalis( herbe divine, als ausgezeichnetes sudorificum gerühmt); Diuretica: Die Blätter von einer Art Cajanus, die Wurzel von Cocos nucifera, Equisetum( ohne Angabe der Species), Euphorbia thymifolia, Phyllanthus Niruri; Purgantia: Curcus purgans, Croton Tiglium, Ipomoea angulata, Liane de Salam( unbeftimmt), Oxalis corniculata(?), Tamarindus indica; Febrifuga: Toddalia aculeata, Adansonia digitata( im Katalog als mucilaginosum und antidysentericum angeführt), Celtis madagascariensis, Mussænda arcuata( Blätter), Sidoxylon borbonicum; Narcotica: Cannabis indica, Datura Stramonium( Blätter als anti- asthmaticum); Emollientia: Triumfetta glandulosa, Hibiscus( Blüthe), Bolbophyllum natans, Adansonia digitata( Früchte); Excitantia: Leucas zeylanica, Laurus cupularis( die Blätter zu aromatifchen Bädern), Laurus persea( zugleich emmenagogum), unbekannte Species von Laurus, Eucalyptus Globulus, Angræcum fragrans; Emetica: Gendarussa vulgaris, Secamone emetica, vulgo Ipéca du pays; Antidysenterica: Terminalia catappa, Polypodium umbrosum, Mangifera indica, Euphorbia hypericifolia, Celtis madagascariensis, Adansonia digitata( Rinde). Die Blätter von Elæodendron orientale, vulgo Bois rouge, gelten als ein Gift; Acacia dealbata und Acacia Lebbek liefern Gummi, Calophyllum Tacamahaca gibt Tacamahacaharz. Fettes Oel und Amylum werden aus den in den Tropenländern allerwärts vorkommenden bekannten Pflanzen gewonnen. Mayotte und Nossi- Be im Canal von Mozambique, fowie Sainte Marie de Madagascar hatten fchönes Tacamahacaharz von Calophyllum Tacamahaca, jene Colonie noch überdiefs Arecanüffe, gelbes Sandelholz, Cocosnüffe fammt deren Oel, Roccella montagnei und Samen von Bixa orellana ausgeftellt. Neu Caledonien, in feiner erften Entwicklung begriffen, verfpricht bei dem Reichthum feiner Producte( das an neuen Pflanzen fehr reiche von Pancher& Sebert ausgeftellte Herbarium von Neu- Caledonien liefert den beften Beweis hiefür) eine glänzende Zukunft. Wir erwähnen vor allen eine nicht näher beftimmte Rubiacee, welche in ihrer Rinde Cinchonin und Chinin enthält und welche als bitter adftringirendes Mittel Anwendung findet, ferner die Rinde einer Ocotea- Art, das Sandelholz von Santalum austrocaledonicum, die Samen und das purgirend wirkende Oel von Fontainea Pancheri, Harz von Calophyllum Inophyllum und von Spermolepis gummifera, Kaoriharz und deffen Oel von Dammara Kookii und Dammara ovata( das letztere findet Verwendung gegen Rheumatismus und zur Erhaltung anatomifcher Präparate), die tonifch wirkenden Blätter von Melaleuca viridiflora, Exidia Auricula Judæ, ein in China gefuchter Genufsartikel, und Polyporus betulinus. Eine grofse Anzahl zum Theil ganz neuer Hölzer. Die Arzneiwaaren. 19 Tahiti ftellte gleichfalls Exidia Auricula Judæ aus, das in ziemlich bedeutender Menge nach China und San Francisko exportirt wird. Vanille und das unvermeidliche Genufsmittel Piper methysticum in einem ausgezeichneten Exemplare, im Katalog als antisyphiliticum angeführt, find noch zu erwähnen. Aus der letzteren Wurzel wird viel Alkohol gewonnen. Von den zahlreichen, ausgezeichnetes Holz liefernden Bäumen fei nur jener gedacht, von denen man ärztlichen Gebrauch macht, als da find Rinde und Samen von Chiococca barbata, Rinde von Echites costata und Hernandia sonora. Fettes Oel liefern die Cocuspalme, Aleurites triloba( auch als Abführmittel in Gebrauch) und Calophyllum inophyllum, Amylum die auf Tahiti häufig wachfende Tacca pinnatifida, Parfum Santalum Freycinatianum. Es erübrigt noch, die franzöfifchen Niederlaffungen in Indien und Cochinchina zu befprechen, beide ungemein reich an Naturproducten, welche den Arzt intereffiren; jene fchliefsen fich an Oftindien, diefe machen den Uebergang zu jenen von China. Franzöfifch Indien brachte aufser Zimmt, Gewürznelken, Sternanis, fchwarzem Pfeffer, Coriander, Pfefferkümmel die aromatifchen Blätter von Feronia elephantum, die Blüthen von Bassia latifolia und die Früchte von Anethum sova als gewürzhafte Subftanzen. Von den zahlreichen medicinifchen Pflanzen heben wir nach ihrer Wirkung geordnet folgende hervor: Purgantia: Acalypha indica( Wurzeln und Blätter), Alangium decapetalum( zugleich wurmtreibend), Allamanda cathartica, Aloë littoralis, Cassia obtusa, C. Roxburghi, Cerbera thevetia( Rinde und Wurzel, Samen fehr giftig), Coccinia indica, Cucumis Colocynthis, Cynanchum extensum( zugleich brechenerregend), Dæmia extensa( zugleich emeticum), Euphorbia hypericifolia, Hura crepitans( emeto- catharticum), Iatropha multifida, Mirabilis Jalapa, Ricinus communis, R. viridis, R. spectabilis und R. inermis( die Samen der beiden letzteren befonders grofs). Emetica: Blätter von Adhatoda vasica, Wurzel von Asclepias prolifera und Asclepias volubilis, Samen von Azadirachta indica( zugleich anthelminthicum), Gendarussa vulgaris, Hemidesmus indicus( als emeticum angeführt, die Wurzeln bekannter Stellvertreter der Sassaparilla), Wurzel von Tylophora asthmatica. Narcotica: Cannabis indica, Samen von Anamirta Cocculus, Datura fastuosa ( Kraut gegen Afthma), Datura lucida( Wurzel), D. metel( Früchte und Blätter betäubend), Ignatia amara, Strychnos nux vomica, Str. Potatorum, Strychnos sancti Ignatii( Innaci cottaï, alfo verfchieden von Ignatia amara?). Diaphoretica et stimulantia: Acorus calamus, Alpinia galanga major, Chavica Roxburghi, Cinnamomum, Fenchel, 2 Arten Galanga, darunter officinalis, Nepeta calabarica, fchwarzer und langer Pfeffer, Valeriana Jatamansi. Diuretica: Chavica Roxburghi, Euphorbia pilulifera, Phillanthus niuri, Physalis flexuosa. Emollientia: Martynia viscosa( die pulpenreiche Frucht), Pavonia odorata, Pedalium murex ( Samen). Adstringentia: Achyranthes aspera, Aegle marmelos( ganze Früchte und Blätter), Ailanthus excelsa( Rinde und Blätter), Areca Catechu, Cratæva nurvala( Rinde), Chicrassia tabularis( Rinde), Ficus religiosa( Blätter und Rinde). Vesicantia: Ammania vesicatoria, Anacardium orientale( Früchte), Cratæva nurvala( Wurzel), Plumbago zeylanica( Wurzel), Salvadora persica( von fchwacher Wirkung), Sinapis sinensis( rubefaciens). Vermifuga: Alangium decapetalum, Euphorbia microphylla, Punica Granatum, Rottlera tinctoria fowohl in Früchten als die davon gefammelten Drüsen( Kamala, man unterscheidet zwei Varietäten: Kapila podie und Kapila Kaï), Vernonia anthelminthica. Febrifuga: Andrographis paniculata( Wurzel), Anisomeles malabarica, Exacum hyssopifolium, Feronia elephantum( Wurzel in Fiebern der Kinder), Gentiana chirayta, Menispermum cordifolium, Scopolia aculeata( Wurzel), Toddalia aculeata. Antidysenterica: Aegle marmelos, Tylophora asthmatica, Verbena nodiflora, Wrightia antidysenterica. Noch verdienen Beachtung: Aristolochia indica( Wurzel emmenagogum), Bambusa arundinacea( Tabaxir liefernd), Butea frondosa( Wurzel gegen Fieber 2* 20 K. D. Ritter v. Schroff. der Kinder, Samen wurmwidrig), Casalpinia Sappan( Samen emmenag.), Gracilaria lichenoides( Zeylonmoos), Gratiola Monnieri( aphrodisiacum), Hydrocotyle asiatica, Jonidium suffruticosum( gegen Harnbefchwerden), Mimusops elengi ( gibt ein ärztlich verwendetes Oel), Monetia barlerioides( gegen Huften und Schwindfucht), Nerium odorum( Wurzel, gegen Hautaffectionen), Piper betle und P. Cubeba, Solanum Jacquini( expectorans), Solanum trilobatum( gegen Schwindfucht), Tephrosia nitida( gegen Dyspepsie). Acacia arabica, A. Lebbek, A. leucophloea, Azadirachta indica, Bassia latifolia, Cassuvium pomiferum, Cocos nucifera, Feronia elephantum, Mangifera indica, Odina pinnata, Spondias mangifera liefern Gummi. Vateria indica gibt Harz, weifser Dammar insgemein genannt, Canarium strictum gibt fchwarzen Dammar, Boswellia serrata liefert Weihrauch. Unter den Oel gebenden Samen erwähnen wir mit Uebergehung der gewöhnlich in den Tropenländern vorkommenden folgende: von Argemone mexicana, Azadirachta indica, Bassia latifolia, Bauhinia candida, Bombax malabaricum, Butea frondosa, Cochlospermum Gossypium, Polanisia viscosa, Sterculia foetida, Thespesia populnea. Amylum liefern Eleusine Coracana, Penicillaria spicata, Musa paradisiaca, Maranta arun dinacea etc. Aus dem Thierreich: Mylabris punctata und Myl. pustulata, alfo diefelben wie in China. Cochinchina hatte im Jahre 1869 eine Handelsbewegung von 77,500.000 Fr., wovon 50,000.000 auf die Ausfuhr, 27,500.000 Fr. auf die Einfuhr fallen; es ift die Kornkammer des äufserften Often. Von Gewürzen und aromatifchen Subftanzen machen wir namhaft: Amomum racemosum et villosum, A. xanthioides, A. Zingiber, Piper nigrum aromaticum und den wilden Pfeffer, Vanille, die Rinde von Alixia aromatica, das Holz von Aquilaria Agallocha. Unter Matières medicinales ftellte Barbed or aus: Rofsaloe grünen Anis, römifchen Kümmel, Arekanüffe, die Alge Gelidium spiniforme, das Haï- thao der Chinefen, eine adftringirende fiebervertreibende Rinde einer Crotonfpecies, Süfsholzwurzel, Rinde von Haopha, einer Laurinee angehörig( Fiebermittel), Sternanis, Betelblätter, Krähenaugen, Rhabarber von Rheum palmatum( das fchlechte Ausfehen ſpricht nicht für diefe Abftammung, ftimmt mehr für Rheum rhaponticum), Sterculia scaphigera( auch von China ausgeftellt). Von Bäumen find bemerkenswerth einige Balfam liefernde Arten von Dipterocarpus, namentlich D. levis und D. crispalatus, Cinnamomum Camphora, Pterocarpus santalinus, Shorea rubriflora( liefert ein dem Tacamahak ähnliches Harz). Unter den Färbeftoffen wird aufser Catechu, Orlean, Indigo, auch Coscinium fenestratum( wohl wegen des reichen Gehaltes an Berberin), Gummigutt, Gamber aufgeführt. Eine ziemlich fchlechte Sorte Benzoë von Styrax Benzoin. Unter den öligen Subftanzen ift nur das Fett von Croton sebiferum hervorzuheben. Unter den thierifchen Stoffen machen wir aufser Bienenwachs auf zubereitete Fifchfloffen, welche mit den von China ausgeftellten Haififchfloffen zufammenfallen, auf Fifch- Schwimmblafen, auf die efsbaren Schwalbennefter und auf die im Lande hochgefchätzte Fifchfauce, von welcher über 7,000.000 Litre im Lande verzehrt werden, auf die japanifche Haufenblafe insbefondere aufmerkfam. Algerien. Wie fich Frankreich und Algier bei der Parifer Ausftellung Thapsia garganica zur allfeitigen Benützung auserwählt hatten, fo ift diefs gegenwärtig mit den in Algier fo trefflich gedeihenden Eucalyptusarten, insbefondere mit Eucalyptus globulus und E. argentea der Fall, welche in einer den Franzofen eigenen Weife nach allen möglichen Richtungen zur Darstellung der verfchieden iten Präparate ausgebeutet werden, worüber wir in einem befonderen Artikel ſpäter berichten werden. Von der in Frankreich eingebürgerten und von feiner Pharmakopee aufgenommenen Thapsia liegen auch hier aufser der Wurzel und den Früchten Emplastrum Thapsia, Thapsia veterinaire und das Harz vor. Dafs die gleichfalls in Nordafrika, in der Gegend der altzn Kyrene wachsende Thapsia Die Arzneiwaaren. 21 Silphium in ihrer bei Weitem ftärker entwickelten Wurzelrinde mehr und kräftiger wirkenden Harzfaft enthält, haben meine vergleichenden Verfuche mit beiden Wurzelrinden aufser Zweifel gefetzt. Nähere Auskunft über die Wurzelrinde von Thapsia Silphium gibt meine Abhandlung über eine in der Gegend der ehemaligen Kyrene gefammelte Wurzelrinde und über das Silphium der alten Griechen( med. Jahrbücher Z. d. G. d. A. 1. und 2. Heft 1862). Opium in 2 Sorten ftellt blofs der Acclimatifationsgarten aus, während bei der Parifer Ausftellung mehrere Landwirthe Opium ausgeftellt hatten, zum Beweife, dafs der Anbau von Papaver behufs der Gewinnung von Opium fich nicht lohnt, wie denn ziffermäfsig im Katalog nachgewiesen wird, dafs durch das Erträgnifs an Opium kaum die Erzeugungskoften gedeckt werden. Man hat alfo keine Urfache, ferner noch von einem algierifchen Opium als Handelswaare zu fprechen. Dem Katalog zu Folge foll das algierifche Opium eine grössere Menge Morphin und weniger Codëin und Narcëin enthalten als das im centralen oder nördlichen Frankreich gewonnene. Die eine der Opiumforten ftammt von Papaver somniferum und bildet meift platte Kuchen oder unregelmässige runde Stücke, aufsen nicht bedeckt, auf dem Bruche ziemlich gleichmässig fchwarzbraun. Die andere Sorte ift aus bengalifchem Mohn gewonnen und ftellt grofse, unregelmäfsige, aus einzelnen Thränen beftehende Stücke von fchwarzer Farbe dar. Derfelbe Garten brachte bei der Parifer Ausstellung Chinarinde von Cinchona Calisaya, heuer vermiffen wir fie. Als dem Lande eigenthümlich erfcheinen drei bei den Einwohnern übliche Theeforten: Thé des Bibans, Thé de l'Aurès( von beiden die Abftammung dem Kataloge zu. Folge unbekannt, der in der Flora Algiers tüchtig bewanderte Herr Commiffär theilte uns aber gefälligft mit, dafs jener von Cistus albidus, diefer von Cistus heterophyllus Desfont. abftammt, aufser den aromatifch riechenden Blättern find auch aufgefprungene Kapfelfrüchte darunter), Thé arabe( Blüthenköpfchen von Paronychia nivea und argentea Lam., zweier an den Ufern der Bäche, an trockenen Weiden häufig vorkommender kriechender Gewächfe, welche den Coloniften in der Form des Thee aufguffes als stimulans, fchweifstreibend gelten; die Blüthen der zweiten Art, Sanguinaire des Volkes, dienen als emmenagogum); gewiffermafsen als die vierte Art Thee die Blätter von Aceras, Feuilles d'Aceràs( Faham d'Algerie), von Orchis anthropophora, gemein auf den Abhängen des Sahel; die im Schatten getrockneten Blätter geben einen fehr aromatifchen Aufgufs; Blätter von Lippia citriodora, Verveine de l'Inde( bei den Einwohnern als aromatifcher Thee in Gebrauch); Stengel und Blätter von Nymphæa alba; ferner Ergot du Diss, Mutterkorn von Ampelodesmos tenax, von franzöfifchen Aerzten als ftärker wirkend erkannt als unfere Droge; Radix Pyrethri, in grofser Menge in Oran wildwachfend an den Abhängen des Atlas in der Seehöhe von 1.000 Meter, Export beträgt jährlich 10-12 Taufend Kilo, der Preis per Quintal 12-15 Francs, bisweilen auf 35-40 Francs fteigend. Der Gefammtexport von Medicinalwurzeln aus Algier nach Frankreich betrug 58.115 Kilo im Jahre 1870 im Werthe von 116.310 Francs. Als einheimifches Gewürz ftatt des Pfeffers dienen den Eingebornen die beerenartigen Früchte von Schinus Molle. Aufser den nährenden Wurzeln und Knollen mit den aus ihnen dargestellten Amylum- und Mehlarten, fehr vielen Sorten von Datteln und aufser den Färbepflanzen, ferner Cochenille und Kermes, fowie den vielen Oelarten von Olea europæa, Ricinus( amerikaniſcher, chinefifcher, japanifcher Abkunft), Melia Azedarach, Lein- und Arachisöl und aufser dem feften Oel von Latania borbonica wollen wir noch erwähnen: Scilla maritima( rothe Varietät) in ganzen Exemplaren und in getrockneten Schuppen; unter der Bezeichnung Sené von Mercier ausgeftellte Senna, welche aber nichts Anderes ift als die Blätter von Globularia Alypum, welche die Bezeichnung falfche Senna verdienen; Follicules de Senne von Cassia Senna L., Manna der Wüfte Parmelia esculenta, Blüthen von Lavandula Stoechas, Lavatera hispida, Helichrysum Fontanesii 22 K. D. Ritter v. Schroff. L'All., Blätter und Blüthen von Borago officinalis( in Algier und Frankreich als kühlendes Mittel fehr gefucht), Parietaria officinalis, Fumaria capreolata, Erythea centaurium, Rinde der Granatäpfel, Granatwurzel- Rinde( 160-2 Francs per Kilo), Rinde von Daphne Gnidium, Radix Liquiritiæ und Asparagi, Früchte von Capsicum( Piment très fort fehr lange, brennend fcharf fchmeckende, Piment doux halbkuglige, fehr mild fchmeckende, Piment demidoux längliche Kapfelfrüchte), Cannabis indica und verfchiedene daraus bereitete Hafchifchforten, Harz von Pinus haleppensis, Terpentinöl, Schiffstheer, Galipot, Colophonium, Oleum Lentisci, Caroubes de Judée, maffenhaft an den Abhängen des Atlas, Früchte von Ceratonia Siliqua und ein daraus bereiteter Syrup, Glandes von Quercus Ilex var. Ballotta, fehr grofse, leichte, matte, bräunlichrothe Galläpfel, ähnlich den Bassora- Galläpfeln. Als neu heben wir hervor die Tinctur aus den Blättern der Dattelpalme, Erfatzmittel der Arnicatinctur und die Tinctur aus dem Holze derfelben Palme. Dafs Algier bei feinem Reichthum an Korkeichen- Wäldern ausgezeichnete Korke in allen Formen und Gröfsen ausftellt, ift felbftverſtändlich. L'Allemand hat überdiefs faft alle Medicinalpflanzen Algiers als Drogen, fowie im Herbar ausgeftellt, worin fowie auch als Droge noch Adiantum C. V., Scolopendrium, Lorbeeren, Hollunderblüthen, Solanum nigrum( 100 Kilo zu 70-80 Francs), Marrubium vulgare, Conium maculatum, Folia Stramonii, Rinde der Früchte, Samen von Citrus vulgaris, fleurs d'Orange Bigaradier paradiren. Thieriſche Drogen: aufser Cochenille, Kermes noch Meloë majalis, Leberthran vom Hai und Fifchöl. Das Mutterland Frankreich war im Vergleich mit der Parifer Ausftellung felbftverſtändlich fchwach vertreten und bietet wenig Neues von Bedeutung. Wir bedauern, dafs die ausgezeichnete Firma Menier unter den Ausftellern fich nicht befindet. Die Vorliebe der Franzofen für elegante Arzneiformen findet auch diefsmal vielfachen Ausdruck. Wir laffen in Kürze die verfchiedenen Ausfteller die Revue paffiren. In einem Schrank mit der Ueberfchrift: Produits pharmaceutiques, in welchem Societé de prod.pharmac. Adrian, Delpech, Limousin exponiren, bildete den Glanzpunkt das von Nativelle fchon 1866 entdeckte, jetzt aber in vollkommen reinem Zuftande dargestellte kryftallifirte, von der Academie de Médecine mit dem Preife Orfila gekrönte Digitalin, welches in anfehnlicher Menge, blendend weifs in einer eigenen Abtheilung des Schrankes auf blaufammtenem Poftamente prangt. Während das 1867 in Paris exponirte Digitalin Nativelle's noch mit der von ihm fogenannten substance inerte gemengt war, repräfentirt das nun vorliegende Präparat, eine fchön weifse, feine, fehr leichte, wollig ausfehende Maffe, die reine wirkfame Subftanz, von der als pharmaceutifche Präparate ein Syrup( per Flafche 3-4 Francs) und Dragées de Digitaline crystallisée( 60 Stück, deren jedes 14 Milligramme enthält, koften 3 Francs) vor uns liegen. Delpech und Ardisson bringen eine grofse Reihe von Eucalyptuspräparaten, über die wir fpäter berichten, ferner Capsules und Saccharure à l'extrait alcoolique- étheré de Cubèbe; Limousin Chloral perlé, Dragées de Chloral( 25 Centigramme in I Stück) und Cachets medicamenteux, fehr weifse Oblaten aus zwei an einander gefchweifsten Scheiben mit darin eingefchloffenen medicamentöfen Stoffen: Rhabarber, Chinin, Schwefel etc., ferner Granules de Codeine zu I Centigramm, de Strychnine zu I Milligramm, verfchiedene Alkaloide, äthylfchwefelfaure Salze( Sulfovinate wurden bekanntlich zuerft von Rabuteau als leichte und angenehme Purgantia in die Praxis eingeführt). Von den verfchiedenen pharmaceutifchen Geräthfchaften erwähnen wir zwei Tropfenzähler, ein titrirter mit Kautfchukkugel und ein zweiter von Lebaigue. Mit Uebergehung der Ausfteller von Chininfalzen find noch zu verzeichnen: Hottot, welcher leider fein Aconitin nicht brachte( wir hätten gerne Verfuche damit ange ftellt), ftellt Pepsin und Präparate desfelben: Pepsinwein und Paftillen, Pepsine Die Arzneiwaaren. 23 acidifiée, dabei auch produits physiologiques von Boudault und Corvisart: Peptone des Kalbes, Ochfen, Huhns, Fifches als Producte künftlicher Verdauung aus. Das Gleiche thun Perret und Hugo: neutrales, albuminfreies extractives Pepsin mit Peptonen, titrirtes Pepsine amylacée( die 11/ 2fache Menge Fibrin verdauend), reines neutrales Pepsin in Pailettes die 40fache Menge Fibrin verdauend, Pepsine acidifiée amylacée die 6fache Menge Fibrin verdauend, Dragées mit Pepsin allein oder in Verbindung mit Diastase und Quinium, Bisquits mit Pepsin und Diastase, aufserdem purgirende Bisquits mit Scammoniumharz, Boules de Quinquina ferro- manganique( 240 Chinin, 16 Eifen, 4 Mangan) reines Quinium aus der Loxarinde und Quinium aus 3 Chinarinden. Desnoix& Comp. aufser Pflaftern, Sparadrapen etc., Samen und Harz von Thapsia nebft Pflafter und Sparadrap daraus das von Tabourin und Lemaire in die medicinifche Praxis eingeführte Hæmatosin, daneben die Afche von 100 Grammen desfelben, welche 10 750 Gramme beträgt. Nach Boussingault enthält die Afche 84121% Eifensesquioxyd( äquivalent 58.884 Eifen) und 13 512% Phosphorfäure. Als Curiofum hängt nebenan ein aus dem Eifen des Hæmatosin geformtes Ehrenlegions- Kreuz im Gewichte von 1'251 Gramm.„ Hæmatosin ift die an Eifen reichfte organifche Subftanz, ift daher, da es leicht affimilirbar ift, das Medicament ferrugineux par excellence"; dasfelbe liegt in Subftanz, längliche und fchalige metallifch glänzende Stücke, in Pulverform und in verfilberten Pillen vor, übrigens bringt Tabourin dasfelbe noch in Form von Paftillen und Chocolate in den Handel. Rigollot liefert nebft Senffamen fein Senfpapier als Erfatzmittel der Senfteige, Moutarde en feuilles. Fumouze und Albespeyre ftellen ihre bekannte Specialität in Vesicatoren, papier epispastique, vor, nebft franzöfifchen, ruffifchen und chinefifchen( aus Mylabriden beftehenden) Canthariden, ferner Meloë Proscarabæus aus Spanien und das daraus dargeftellte Cantharidin; nebftdem Papier antiasthmatique de Barral und eben folche Cigarretten, Capsules de Racquine mit verfchiedenen medicamentöfen Stoffen gefüllt. Reynald& Comp. liefert Porte reméde Reynald, d. i. bougieartige Stängelchen mit Arzneiftoffen: Tannin, fchwefelfaurem Zink etc. imprägnirt für die Harnröhre und ebenfo gefüllte Vaginalkapfeln. Mit Uebergehung deffen, was an Gelatinekapfeln, trockenen Extracten allbekannter Arzneikörper, an Leberthran, ätherifchen Oelen, an Maticokapfeln, Elixir und Vin de Coca, Vichyfalz und Vichypaftillen, Producten der Varekafche ( Jod- und Brompräparaten), Spiritus Menthæ, an Canquoin'fchen Aetzftiften etc. zur Ausftellung gelangt ift, erwähnen wir noch der von Rigaud und Leconte gebrachten Novität Essence de Boldo. Auf der letzten Parifer Ausftellung zog unter den 62 von der Republik Chili ausgeftellten Drogen befonders Boldoa fragrans, eine Chili eigenthümliche Monimiacee, durch das ausgezeichnete Arom, welches alle Theile der Pflanze, insbefondere aber die mit Oeldrüfen reichlich verfehenen Blätter durchdringt, die Aufmerkfamkeit der Befchauer auf fich. Ich habe in meiner kleinen Abhandlung über die chilenifchen Drogen der Parifer Ausftellung( Nr. 32 etc. des Wochenblattes der Gef. d. A. 1867) diefer Pflanze insbefondere gedacht. In der neueſten Zeit will Verne ein Alkaloid, Boldine, aus der Pflanze, welche in zwei getrockneten Exemplaren beiliegt, dargeftellt haben, das auch im unreinen Zuftande in einem kleinen Glafe zu fehen ift. Die Effenz wird gegen Leberkrankheiten, namentlich bei Schafen, aber auch beim Menfchen gerühmt. Was fonft von den Beiden noch geboten wird: verfchiedene Paftillen und elegante Pillen, darunter folche aus dem Extract von Paullinia sorbilis, Granules, auch mit Coniin, Kapfeln mit ätherifcher Löfung von Chloral, Castoreumtinctur etc. ift von geringer Bedeutung. PORTUGAL. Das Mutterland gibt uns wenig Stoff zum Berichten: ausgezeichnete Feigen, Mandeln, Trauben, Orangenfchalen mit deren Effenz, OrangenblüthenEffenz, Ricinus- und Mandelöl, Erdäpfelftärke und unbedeutende pharmaceutifche 24 K. D. Ritter v. Schroff. Präparate erregen kein befonderes Intereffe. Um fo reicher ift die in die Agriculturhalle verlegte Ausstellung der portugiefifchen Colonien, welche fchon in Paris, wo fie in einem befonderen Pavillon prachtvoll ausgeftellt war, Auffehen erregte, ausgefallen. Neues ift nichts hinzugekommen und auch die in Paris fchon vermifste wiffenfchaftliche Beftimmung der nur mit der landesüblichen Bezeichnung ausgerüfteten Drogen hat keine weiteren Fortfchritte gemacht, was bei dem Umftande nicht befremden darf, als der berühmte Botaniker Dr. Welwitfch, unfer Lands mann, von dem gröfstentheils die vorhandenen wenigen wiffenfchaftlichen Beftim mungen herrühren, feitdem mit Tode abgegangen ift und ein würdiger Stellvertreter noch nicht gefunden worden zu fein fcheint. Alle Colonien: Madeira, Indien, Goa, St. Thomas, Mozambique, Cap vert, vor allen aber Angola finden ihre Vertreter, jedoch find die Drogen nicht nach den einzelnen Colonien geordnet. Wir werden nur die genau und die beiläufig beftimmten Drogen mit Uebergehung der zahlreichen übrigen wiffenfchaftlich nicht beftimmten anführen. Von den vorliegenden 45 Arten Samen und Früchten find näher beftimmt: Piper nigrum, Areca Catechu fowohl mit als ohne Hülle, Nux vomica, Artocarpus integrifolia, alle 4 aus Indien; Anacard. occidentale, fowohl aus Indien als Angola mit dem daraus gewonnenen Oleum Anacardii, Wein und Branntwein( Aguardente, Vinho de Caju); Cassia Tara von Capvert, Thiago; Cassia occidentalis( Fedegoso) theils geröftet, theils ungeröftet, Café negre in grofser Menge aus Angola, auch Wurzel und Stamm derfelben liegen vor; Sesamum indicum, Adansonia digitata, Sapindus Saponaria beide von Capvert, Thiago; von der letzteren auch Uvaria æthiopica( Malagueta preta); Cacao von St. Thomas und Kaffee von Macao und Timor; 15 Sorten Ricinusfamen und fehr viele Curcasfamen fammt deren Früchten; ganze Tamarindenfrüchte der Länge nach aufgefchnitten von Capvert; überdiefs drei verfchiedene Sorten derfelben: fehr lange und fchlanke, fehr kurze und breite, und lange, breite und dickere als die beiden erften Sorten, alle von Ilha de St. Thiago; Terminalia citrina Indien, Elais guineensis Angola, Vateria indica Indien, Calophyllum inophyllum( sementes de puna vermelho), Phaseolus radiatus, Dolichos uniflorus, alle 3 gleichfalls aus Indien; Bixa orellana Angola; Penicillaria aus Angola. Von den 13 vorliegenden Rinden ift blofs die Zimmtrinde aus Indien zu nennen, die übrigen Rinden führen nur die einheimifchen Bezeichnungen. Von den 86 Wurzeln fallen allein auf Angola 65. Näher beftimmt find blofs: Pircunea saponacea Welw; Cassia occidentalis( Fedegoso), Boerhavia sp., Glycyrrhiza sp., Cocculus sp.,( Raiz de Abutua, auch die Blätter liegen vor), Swietenia angolensis, alle 6 aus Angola; Serpentaria Indien, Lupoca( Smilacea), Luzassa( Araliacea), Catebula( Labiata), Mueia( auch Rinde)( Combretacea), Mufufutu( Mimoseæ), Mubango( überdiefs Rinde und Samen) Euphorbiaceæ, alle 6 aus Angola; Ruiva dos tintureiros Indien. Von den 7 Arten Blättern ift keine einzige beftimmt und unter den ganzen Pflanzen befinden fich 3 Arten Parmelia und mehrere Roccella- Arten von Angola. Ueberdiefs waren noch 6 Gummiarten, 5 Arten Harz und 23 Arten fetter und ätherifcher Oele vorhanden. Von den erfteren erwähnen wir Gummi arabicum von Capvert, gleichfalls fehr fchönes weifses Gummi von Acacia Farnesiana St. Thiago, Gomme d'Acajou Indien, Gomma de Mubangou und de Muance aus Angola, überdiefs viel Gummi elasticum. Unter den Harzen find erwähnenswerth: Sanguis draconis von Dracæna Draco Capvert, Thiago, fieht fehr unrein, fchmutzig dunkelbraunroth aus, in unregelmässigen Stücken, auf dem Bruche hie und da lichtgelbroth; Resina de Mubafo( Burseracea) ähnlich dem Elemi; viel Copal. Unter den Oelen ift aufser den bekannten von Ricinus, Anacardium occidentale, Elais guineensis, Cocos, Arachis noch zu erwähnen: Ceba de Brindão von Vateria indica, oleo de puna vermelha von Calophyllum spurium, Oleum de Mulango von einer Crotonfpecies aus Angola, oleo de Umpeque von einer Ximenæafpecies; ferner einige Fifchöle, Wallfifchöl und Schildkrötenöl. Zum Schluffe zeigen wir noch an Palmeffig und daraus dargestellte Effigfäure von Cocos nucifera, Effig von Hyphæna coriacea( Vinaigre de sura), Effigfäure Wein und Branntwein aus Zuckerrohr, Die Arzneiwaaren. 25 Branntwein von Citr. Aurant., Citr. medica, Ananas und Cocos, Palmwein von Elæis guineensis( Vinho de palmeira) Angola, Espirito de Palmeira brava von Caryota urens. SPANIEN hatte ebenfo wie Portugal in der Agriculturhalle ausgezeichnete Südfrüchte: Mandeln, Feigen, getrocknete Weinbeeren, Johannisbrot ausgeftellt. Von geringer Bedeutung find Anis, Kümmel, Capsicum, rad. und extr. Liquiritiæ, Eibifch, Eicheln, Medicinalkräuter und Blüthen, Cortex Granatorum, Mohn, weiſses und fchwarzes Pech, Weihrauch. Mehr Aufmerksamkeit erregen ausgezeichnet ſchöne Cochenille in 6 Proben von den canarifchen Infeln, gebauter und wilder Saffran, jener von 5, diefer von 3 Ausftellern geliefert, Vanille von mehreren Exponenten, dann insbefondere inländifches Opium in 3 Proben, welche in einem eleganten Mahagoni- Käftchen vom Apotheker Albareda in Caspe, Provinz Saragoza, herrühren; fie ftellen wallnufsgrofse bis halbfauftgrofse Stücke von gutem Opium geruch und fchönem Ausfehen dar. Aufser diefem Käftchen barg der grofse, elegante Glasfchrank noch viele Oele und pharmaceutifche Präparate, unter denen Oleum Unonæ odoratissimæ vom Apotheker Wefterhagen in Manilla, ein in der neueften Zeit gefuchter Parfumerieartikel, Maftixbaumöl, Oleum Salviæ, Citri, Juniperi etc. Die pharmaceutifchen Präparate, wie medicinifchen Syrupe von Aguila( Theer mit pyrophosphorfaurem Eisen, Matico, Jodbromür( Bromuro de Yodo), OrangenblüthenWaffer, jodirter Rettigfyrup, verfilberte Pillen von Arola, von Formiguera ausgeftellte verfilberte Pillen des Dr. Fors mit Mangan- Eifencarbonat und Pepsin, jodirter Leberthran, eifenhaltiger Leberthran, Extracte und Paftillen aus der Fabrik von J. Perez, epispaftifches Papier von Fortuny, Granules mit Akonitin, Codein etc. follen nur genannt fein. Als Curiosum ftehen auf einem Tifchchen neben diefem Schranke 12 Gläfer mit vollſtändigen Bandwurm- Exemplaren, wobei das Kopfende nicht fehlt, und dazwifchen ein kleines Glas mit einer wafferhellen Flüf figkeit, unfehlbar das Bandwurm treibende Mittel des Sisbert Nr. 27. ITALIEN. Der Reichthum an edlen Südfrüchten war würdig repräfentirt. Es lagen Medicinalpflanzen von der Handelskammer in Avellino und von Solarino in Syracus vor. Aufser Saffran, welcher aus den Jahren 1870, 1871 und 1872 von Cappa in San Nicandro di Aquila gebaut, und von Cav. Reccagni in Vicenza vorliegt, und aufser Iriswurzeln, welche auch in runder Form von verfchiedener Gröfse als fogenannte Iriserbfen in langen Schnüren aneinandergereiht von Grazzini ausgeftellt find, ganz abgefehen von Ricinusfamen, Senf, Anis, Carruben, Calmuswurzeln etc. ift insbefondere die Manna hervorzuheben. Die den Haupthandel beherrschende ficilianifche Manna ift von Palermo aus durch Fürften als M. canellata und electa prachtvoll exponirt. Marra in Salerno liefert fette Manna. Dafs die in der jüngften Zeit als Handelsforte angezweifelte Manna calabrina als folche noch exiftirt, beweift Della Torre von Monte St. Angelo, indem er fehr fchöne Manna cannellata in grofsen Stücken als calabrinifche Manna, Manna montis sancti Angeli, Provinz Capitanata, dem Befchauer vorführt; die jährliche Production beträgt 15-20 Centner à 200 Lire per Centner. Eine neue Manna- Art von der Ulme, Ulmenbaum- Manna, gleichfalls von Monte St. Angelo, ftellt Medina aus. Aus den Blättern, Blüthen und Früchten des Oelbaumes hat de Luca in Neapel Mannit gewonnen, den auch aus gewöhnlicher Manna dargestellt in fehr grofsen Stücken vollkommen rein Dufour bringt. An die Manna fchliefst fich an Radix Liquiritiæ ( trockene, conditionirte, gefchälte und gefchnittene zu IIO Lire per 100 Kilo von Masumeci Galli Catania) und ihre Präparate: Süfsholz- Teig, eingedickter Süfsholz- Saft in Lorbeerblättern und daraus fabricirte Sächelchen wie Süfsholz- Brödchen von mehreren Ausstellern. Amylum von Arum italicum. Unter den fetten Oelen find Oliven-, Mandel-, Ricinusöl von mehreren Firmen vortrefflich vertreten. Aus der Reihe der ätherifchen Oele heben wir hervor: Oleum Citri, Bergamottæ aus Calabrien und Sicilien insbesondere, Essence de Portugal, de Bigarade, di Limoncello. 26 K. D. Ritter v. Schroff. di Mandarino, Cedrino, Oleum Mentha piperitæ in grofser Menge von Vivaldi in Padua erzeugt, O. Laurocerasi. Citronen- und Bergamottenfaft im concentrirten Zuftande. Von chemifchen Präparaten erwähnen wir: Weinftein aus den Blüthen und Früchten von Myrtus australis von de Luca dargeftellt, Borfäure in verfchiedenen Graden der Reinheit; fehr viele, mitunter ganz eigenthümliche Präparate aus den China- Alkaloiden von Dufour in Genua, wie Antimoniato di Chinina, einfach und doppelte fchwefelborfaure Chininfalze, citronenfaures Chinin mit citronenfaurer Borfäure von Manelli, übrigens die gewöhnlichen Chinin-, Cinchonidinfalze; Acidum citricum, Asparagin, Mifchung von Salzen und organifchen Stoffen zur Herftellung künftlicher Seebäder. Unter den pharmaceutifchen Präparaten verdienen die von Almen in die medicinifche Praxis eingeführten, von de Cian in Venedig fehr nett hergeftellten Gelatinæ medicatæ in lamellis befonders hervor. gehoben zu werden, 20 Arten find aufgestellt mit genauer Angabe der Menge der arzneilichen Subftanz, fo enthält Gelatina Acidi arsenicosi in einem Quadrat 2 Milligramm, Gel. Digitalini 1 Milligramm, Gel. Opii 2 Centigramm, Gel. Morphini hydrochlorici I Centigramm, Gel. extracti Aconiti 2 Centigramm, Gel. extracti colocynth. comp. 5 Centigramm, Gel. extr. Belladonnæ 2 Centigramm etc. Sehr viele Pasticche di terra cattu aromatica von Mondini und Marchi. Viele Cocapräparate: Elixir, Wein, Rofoglio etc. Branntwein mit Achillea moschata, verfchiedene Geheimmittel in den mannigfaltigften Formen. SCHWEIZ. In der Agriculturhalle in grofsen Mengen condenfirte Milch von der Anglo Swiss condensed Milk Company in Cham, von der Gefellſchaft Alpina in Thurgau, von Gianelli in Teffin, ferner allerhand Milchpräparate von Schröder. Schabziegerkraut( Melilotus coerulea) in 3 Nummern. Im Gegenfatz zur Milde der Milch Fleur d'Iva und Iva- Bitter, Iva- Doppelbitter v. Affolter( Ivafabrik in Chur) und von dem den Reifenden in angenehmfter Erinnerung lebenden Apotheker Bern hard in Samaden, welcher auch ein Pflanzentableau ausgeftellt hat; bittere Liqueure von Tripp und Geny in Genf. In dem eigentlichen Ausftellungsraume: Milchzucker in den gewöhnlichen Formen und als Pulver; Hübfchmann in Stäfa brachte viel Aconitin und noch mehr Lycoctonin( alles im Handel vorhandene ftammt von ihm, die beiden früher von ihm dargeftellten Präparate Acolyctin und Napellin fehlen), ferner Veratrin, Piperin, Colocynthin, einige Extracte: secalis cornuti Bonj., Conii mac. spirit., Colocynthidis, Belladonnæ Pharm. helv., Aconiti spir. Pharm. helv.; Oleum Absinthii purissimum und venale, Juniperi, Carvi. Was fonft noch ausgeftellt ist, gehört der Parfumerie, der Geheimmittel- Krämerei, den alltäglichften Artikeln an. Eine Ausnahme machen die von Bäfchlin ausgeftellten medicinifchen Verbandftoffe. BELGIEN. Pharmacie anglaise: Aetherifche Oele: Matico, Bittermandelöl, Sassafras, Chimophilæ corymbose, Lavandulæ, Citri, Anisi, Mentha pip., Thymi, Caryophyllorum, Sinapis; Kreffenerzeugniffe, als Antiscorb. angerühmt von Dupuy; Geheimmittel: Sirop Vanier& Dupuy gegen Afthma etc., Sirop Napolitain von Berard& Bruder( tonifch, bitter, erfrischend für Soldaten und Arbeiter), hygie nifche Liqueure und anderer Schwindel. Schöne Cichorienwurzel und Liebig's Fleiſch extract. Die nordifchen Reiche, Schweden, Norwegen, Dänemark, brachten gröfstentheils nur einheimifche Erzeugniffe. SCHWEDEN ftellte verfchiedene Thranforten, insbefondere Dorfch- Leberthran, verfchiedene Oelgelatinen und dann Gelatinæ medicatæ in lamellis von Almèn aus. Bruckmann's Dorfch- Leberthran I. Qualität, Oleum jecoris Aselli albissimum, aus ganz frifchen Lebern von eben gefangenen Fifchen gewonnen, läfst an Reinheit und Klarheit nichts zu wünſchen übrig, dagegen fcheint die von derfelben Firma ausgeftellte Gelatina Olei jecoris Aselli nicht gut haltbar zu fein, indem fich Die Arzneiwaaren. 27 eine mehr oder minder dicke Schichte des Thranes oberhalb der weifsen Gallerte abgefchieden hat. Mehrere Firmen haben derartige Gelatinen, und zwar fowohl einfache als mit arzneilichen Subftanzen verfehene: mit Eifen, Chinin, Ricinus-, Olivenöl ausgeftellt. Almèns Gelatinæ medicatæ in lamellis befinden fich in einem Buche, jede Art in einem Bogen desfelben; der Gehalt an arzneilicher Subftanz ift genau angegeben; fie enthalten effigfaures und falzfaures Morphin zu je 1 Centigramm, Opium und Dover's Pulver zu je 3 Centigramm, Extr. opii und Belladonnæ zu je 3 Centigramm, Extr. Fabæ calabaricæ, Atropin. sulfuriçum zu je 1 Milligramm etc. Ueberdiefs liegen Terpentin, Terpentinöl, Holzkreofot- Oel, HolzdeftillationsProducte Theer, Pech, Pechöl von mehreren Ausftellern und Fabriken vor; ferner eingemachte Preifselbeeren, Ackerbeeren, befonders aber gelbe Sumpf- Brombeeren von Rubus chamæmorus, eine Lieblingszuthat zu eleganten Diners in Schweden und Norwegen, der man diuretifche Eigenfchaften zufchreibt( die ruffifche Pharmakopee hat auch die Blätter diefer Rubusart fich beigelegt). Die Dampf- Cichorienfabrik von Netzler bei Helfingborg ftellt aufser den Producten der Fabrik fchwedifche, holländifche, deutfche Cichorienwurzeln im zerfchnittenen Zuftande aus. NORWEGEN, das vor allen anderen Ländern auf Fifchfang angewiefene Land, tellte feinen Fifchreichthum finnig in einem befonderen Fifcherhaufe aus. Nur die rühmlichft bekannte, vielfach prämiirte Firma Möller exponirt in würdiger Ausftattung im Induftriepalafte feine Erzeugniffe, vor Allem Pure cod liver oil, ferner Dampf- Medicinalthran aus 6 Tage alten Lebern bei 75° C. gefchmolzen( fehr licht und klar), blanker Thran aus alten Lebern über offenem Feuer gefchmolzen ( höchfte Temperatur 125° C.) lichtbraun, braun blanker Leberthran aus alten Lebern über offenem Feuer gefchmolzen( höchfte Temperatur 188° C.), ift die dunkelfte Sorte, aber doch noch immer hellbraun, roher Medicinalthran von verfaulten Lebern ohne Erwärmung gefchöpft. Im Fifcherhaufe von verfchiedenen Ausftellern Leberthran aus Aalefund, Levanger, Drontheim, Bergen, Tromföe und Nordkap. Die Sammlung norwegifcher Fifche des Muſeums von Bergen bringt die Entwicklung des Dorfches in feinen verfchiedenen Entwicklungs- und Altersperioden in Weingeift aufbewahrt. Aufserdem Robben-, Häring-, Weifsfifch-, Wallrofs-, Haififchthrane, Fifchblafe von Hoel in Aalefund. Chr. Holft ftellt Flechten und Farrenkräuter aus. DAENEMARK brachte aus feinen Colonien, und zwar aus Island braunen Dorfchthran, hellen und braunen Meerkalbsthran, fehr fchönen Talg vom Schaf; aus Grönland vom k. grönländischen Handel verfchiedene Thrane: brauner Sæltran, Lyfebruner, Trekronethran, Wallfifchthran; aus St. Croix, von F. Benzon ausgeftellt, Blätter von Myrcia acris( Bay- leaves), daraus bereitete Effenz( Essentia Malageta) und Spirits( Bay Spirits). Das Mutterland liefert durch A. Benzon getrocknete Arzneikräuter: Flores Sambuci, Hyperici, Tanaceti, Cyani, Malvæ sylvestris, Rosarum rubrarum, Lavandulæ; aufserdem fchöne chemifche und pharmaceutifche Präparate: Dextrin, extractum Malti, Mellago nutriens ad modum Liebigii, Albumin, Zahnelixir und Zahnpulver. HOLLAND hatte unfere Ausstellung bei Weitem glänzender befchickt als die letzte Parifer; es fehlte dafelbft der Glanzpunkt und Ruhm der Niederlande, das Product der mit grofsen Koften und unfäglichen Schwierigkeiten aus dem amerikanifchen Cinchonengebiete in Java eingebürgerten Chinabäume, die unentbehrliche Rinde, deren Alkaloide den erften Platz im Arzneimittelíchatze unbedingt einnehmen. Die niederländifche Regierung hat im wohlverftandenen eigenen Intereffe die durch einige Zeit vernachläffigte Cultur der Chinabäume in den letzten Jahren energiích in die Hand genommen und ift eben daran, die wohlverdienten Früchte 28 K. D. Ritter v. Schroff. zu ernten. Die Producte der niederländifchen Colonien find theils im Induftriepalafte an einer gefchmackvoll arrangirten Trophäe, welche die niederländifche Handelsgefellſchaft aufgeftellt hat, und auf einem der Demonftration der Chinacultur gewidmeten Tifche, theils in der Agriculturhalle untergebracht. Die Trophäe enthält fowohl in liegenden als in ftehenden Käften die Drogen fammt den getrennt davon aufgeftellten Emballagen derfelben. Wir heben von den Drogen zunächft folgende Samen und Früchte hervor: fchwarzer und weifser Pfeffer( auch ein Pfefferballen), langer Pfeffer, Cubeben nebft dem Sack, Kokkelskörner, Muscat nüffe und Macis fammt dem betreffenden Faffe, in 4 Sorten und daraus bereiteter Muscatbalfam von der bekannten länglichviereckigen Form in Umhüllung fammt Kifte und in einer Flafche, männliche oder wilde Muscatnüffe, gefchält und ungefchält, gekalkt und ungekalkt nebft Sack, Muscatnufs- und Macisöl, Java- Vanille, Java- Cardamomen( noch in Gruppen zu mehreren Stücken am Stengel), Tamarinden und Confituren daraus, Cassia Fistula, Arecanüffe fowohl in ganzer Frucht als in Kernen, Cocosnüffe und Cocosöl, d' Joko( Noten) Nüffe zum Gebrauch in Färbereien ( eine Art Myrobalanen). Von den Rinden mit Ausfchlufs der fpäter zu befchreibenden Chinarinden bemerken wir 3 Sorten Java- Zimmt fammt Zimmtöl und Kifte dazu, Cassia lignea von Sumatra, Cassia vera von Timor und Padang von ziemlicher Dicke, zimmtrothbraun, Culilawanrinde in fehr grofsen Exemplaren fowohl mit als auch ohne die Auffenrinde, Sogarinde( gerbftoffreich). Von Wurzeln liegen blofs ungefchälter Ingwer und Java- Curcuma in ganzen Exemplaren und gepulvert von verfchiedener Qualität vor. Sonft find noch zu erwähnen Gewürznelken und deren Oel nebft mehreren aus Gewürznelken angefertigten Spielereien und Sack, Cajeputöl fammt Kifte, fehr fchöne Exemplare von Penghawar- Djambi in einer Kifte, Sanguis draconis in viereckigen Stücken und halbrunden Stangen, Benzoė von Baros( Weftküfte von Sumatra) und Benzoë von Palembang( Moessie Oeloe), jene in 4 Sorten, deren 1. faft ganz aus weifslichen Mandeln befteht, die 2. und 3. find bräunlich mit mehr oder weniger zahlreichen Mandeln, die 4. fieht faft granjtartig aus und enthält fehr kleine Mandeln, alle 4 Sorten bilden viereckige Stücke und find von dünnem Zeug umgeben; geringer find die 3 Sorten von Palembang Benzoë, fämmtlich dunkelbräunlich, enthalten faft keine oder doch fehr wenige, meiftens kleine Mandeln; Copal von Borneo in 2 harten und in 2 weichen Sorten, mitunter fehr grofse Stücke, Dammar von Palembang in 4 Sorten, von Batavia und Padang in je zwei Sorten, Gambir in 3 Sorten, Guttapercha aus allen Niederlaffungen in fehr vielen Sorten, ebenfo Gummielafticum in verfchiedenen Formen, Tingkawang- Fett von Borneo, wachsartige graulichweifse Maffe in rundlichen Stangen, eine Probe davon rein weifs, wie eine Kerze geformt, Java- Indigo in 10 Sorten, Java- Arrowroot, Caffawamehl, Java- Sagomehl, Macaffar- Sago, grobund feinkörnig, efsbare Vogelnefter, Agar Agar( fowohl die Alge felbft als die daraus bereiteten bandartigen Gelatinftreifen mit ihrer bekannten Verwendung im tropifchen Afien als Surrogat der Haufenblafe), Reis gefchält und ungefchält, Zucker. Kaffee in 22 Sorten: Menado, Padang und Macaffar zu je drei Sorten, Timor eine Sorte; Thee von 8 Plantagen in verfchiedenen Sorten: Pecco, Pecco orange, Pecco Souchon, Tonkay, Schin, Hysant, Uxim, Imperial; überdiefs noch 24 Sorten in der Agriculturhalle von der Plantage Sinagar; Theecultur von Kerkhoven und Holle; Cacao von Java, Cacaofamen aus allen Ländern in Form einer vierfeitigen Pyramide, Cacaobutter. Chinarinden. Die Chinacultur findet ihren Ausdruck theils in den von der niederländifchen Handelsgefellfchaft ausgeftellten, für den Handel herge richteten Chinarinden, theils in der von der niederländifchen Regierung( van Gorkum, Director der Chinacultur auf Java) auf einem befonderen Tifche unter Glas und leider nicht entfernbarem Rahmen dargelegten Chinacultur auf Java. Die letztere, welche ganze blühende und fruchttragende Herbarexemplare grofsen Stiles fammt den beigelegten Rinden der in Java cultivirten Cinchona- Arten enthält, ift von einer kurzen Ueberf.cht der Chinacultur in Java begleitet, welche wir des Die Arzneiwaaren. 29 allgemeinen Intereffes wegen mittheilen: Die erften Ausfaaten( semences) von Chinapflanzen in Java fanden 1854 ftatt und wurden diefe erften Verfuche mit Verbefferungen 1864 erneuert; man befolgte die neue Methode, die darin beftand, Pflanzungen in freier Luft und im Schatten zu fchaffen. 1869 fanden die erften Ernten ftatt und gaben gute Refultate, die bis Ende 1872 auf 30.000 Kilo angefchlagen werden können, von denen 20.000 Kilo nach Europa exportirt wurden. Gegenwärtig kann man die Ernte von 1873 auf 30.000 Kilo anrechnen und mit Sicherheit vorausfagen, dafs von nun an in drei Jahren( 1876) die jährlichen Ernten 100.000 Kilo erreichen werden. Ohne die Pflanzungen der C. Pahudiana zu rechnen, fchätzt man die Zahl der diefes koftbare Product liefernden Pflanzen auf mehr als zwei Millionen und unter diefer Zahl find ungefähr % in freier Erde an freier Luft in den beften Wachsthumsverhältniffen. Ende diefes Jahres werden mit zwei Millionen Pflanzen alle Pflanzungen beendet fein, und wird fich das Erträgnifs jährlich vermehren, während die Auslagen fich fehr merklich vermindern werden. Sobald man erkennt, dafs die Pflanzen befferer Qualität find, werden fie adoptirt und ftatt anderer minder guter cultivirt. Seit 1869 haben befondere Unternehmer, zerftreut unter der ganzen Bevölkerung des oftindifchen Archipels, an den Vertheilungen von einigen taufend Pflanzen und Millionen Samen theilgenommen. Es wird ferner noch conftatirt, dafs zahlreiche Europäer fich gegenwärtig mit Energie und mehr oder weniger Erfolg der Chinacultur widmen. Es werden 8 Cinchona- Arten, die in Exemplaren der Pflanze auf Cartons mit Blättern, Blüthen, Früchten und als Rinde vorlagen, auf Java gebaut. Bei jeder Species waren der Alkaloidgehalt und meiftens auch die Zahl der cultivirten Bäume angegeben. Cinchona caloptera aus Samen, von Hafs karl mitgebracht, gezogen 1854; Rinde mit Flechtenüberzug; enthält 3.4% Chinabafen und zwar Chinin. 0.3-0.6, Cinchonin 16-2.8%. 10.000 Bäume. Cinchona micrantha, aus englifchen Pflanzungen nach Java 1862 eingeführt; verhältnifsmäfsig ftarke Rinde; enthält 72% Alkaloide, davon Cinchonin 6.7%. 1000 Bäume. Cinchona Pahudiana aus Samen, von Hafskarl mitgebracht; 1854 gezogen; mehrere Exemplare, darunter ein fehr starkes mit Flechten; blühende und fruchttragende Pflanze; enthält 14% Alkaloide, davon Chinin o 2, Cinchonidin o 8%. Zahl der Bäume nicht angegeben. C. Calisaya. Etiquette zum Theil verfteckt und wegen der nicht entfernbaren Rahme nicht ganz zu lefen, daher weder Alkaloidgehalt noch Zahl der Bäume angegeben werden können; man findet nur fehr fchöne, grofse, ftarke Exemplare. C. lancifolia, aus Samen, von Karften in Neu- Granada gefammelt, gezogen 1854. Schöne grofse Exemplare. Die Rinde enthält 3.3% Alkaloide, davon Cinhin 15%, Cinchonin 2.5%. 60.000 Bäume. C. officinalis von englifchen Pflanzungen eingeführt 1865. Alkaloidgehalt 4: 3%, davon Chinin 1-75%, Cinchonidin und Chinidin 1%, Cinchonin o 5%. C. succirubra, aus englifchen Pflanzungen eingeführt 1862. Alkaloidgehalt 6-7%, davon Chinin 1%, Cinchonidn 2-8%, Cinchonin 15-3%. 190.000 Bäume. C. Hasskarliana aus Samen, von Hafs karl gebracht, gezogen 1854. Alkaloidgehalt 45%, davon Chinin 1.3, Chinidin und Cinchonidin 1%. 80.000 Bäume. Aufserdem 5 fehr lange ftarke Stämme, und zwar von C. Calisaya, 10 Jahre alt, von C. Hasskarliana, gleichfalls 10 Jahre alt, von C. succirubra, 9 Jahre alt, von C. officinalis, 7 Jahre alt, von C. Pahudiana, 8 Jahre alt. Die Stämme find fo ftark, dafs fie ein ungemein ftarkes Wachsthum der Pflanze vorausfetzen bei dem geringen Alter derfelben. Eine Anzahl von Rinden liegt auch für den 1 30 K. D. Ritter v. Schroff. Handel hergerichtet unter den Drogen der Trophäe der niederländifchen Gefellfchaft vor: Rinden von C. Calisaya, C. succirubra, C. officinalis, C. Hasskarliana, C. Pahudiana, welche in Kürze charakterifirt werden follen; fie unterfcheiden fich von den oftindifchen Chinarinden in keiner Weife, wie wir folche in unferer Sammlung haben. C. Calisaya, 2 Millimeter dick, halb oder ganz gerollt, grau oder graubraun, zum Theil mit Korkwärzchen oder ganz mit Kork bedeckt, zum Theil mit fehr zahlreichen kurzen Querriffen, unter dem Periderm rothbraun oder braun, Innenfläche zimmtbraun. C. succirubra, halb oder ganz gerollt, dickere und dünnere Rinden, jene rehgrau oder rehbraun mit weifsen Flecken, längsrunzelig, hie und da mit zahl. reichen kurzen Querriffen, diefe rehgrau, unter dem Periderm rothbraun, Innenfläche bei allen zimmtbraun oder hellröthlichbraun. C. officinalis, 1-2 Millimeter dick, rehgrau, weifslich, längsrunzlig und faft durchgehends mit zum Theil ganz herumlaufenden Querriffen verfehen, hie und da Flechtenanfätze, unter dem Periderm röthlichbraun, Innenfläche gelb. zimmtbraun. C. Hasskarliana, 2-3 Millimeter dick, gerollt, grau mit weifsen Flecken, theils( feltener) längsfurchig und ohne Querriffe, theils( viel häufiger) ohne Längsfurchen und mit ganz kurzen Querriffen, mit Korkwärzchen, unter dem Periderm dunkelrothbraun. Wer ein Freund von Emballagen, beftehend in Originalkiften, Fäffern, Säcken, Körben, Ballen etc. ift, kann fich an dem Reichthum der diefsbezüglichen Gegenftände wahrhaft ergötzen. Das Mutterland gibt uns zum Referiren wenig Stoff. Pfeffermünze in verfchiedenen Sorten, Coriander, Cichorienwurzel( zur Bereitung des bekannten Kaffeefurrogates), Seeländer Krapp in 24 Sorten vom feinftberaubten bis zu Mullen fammt Mufter- Krappwurzel, nebft anderen fetten Oelen befonders Leberthran, blanker medicinifcher Bergener und von den Lofoden, endlich die in Holland üblichen Färbeftoffe zum Färben der Butter und insbefondere Annato zum Färben der allerwärts, befonders in England fo beliebten holländifchen Käfe find fo ziemlich Alles, was uns angeht. DAS DEUTSCHE REICH, abgefehen von dem Reichthum ausgeftellter fetter und ätherifcher Oele, fowie der in der Neuzeit beliebten, befonders zubereiteten Nahrungsmittel und einiger Rohftoffe, glänzte vor allen durch die Schönheit, Mannigfaltigkeit medicinifch verwertheter chemifcher Präparate von den allbekannten Firmen Jobft, Merck, Trommsdorf, Zimmer, Marquart u. f. w. Rohe und verarbeitete Cichorien von mehreren Cichorienkaffee- Fabrikanten, isländifches Moos, getrocknete Johannisblumen und Heidelbeeren, Riefen- Honigklee( Melilotus alba), Medicinalpflanzen, Arznei- und Gewürzpflanzen von einigen Vereinen, 9 Sorten Schwämme: Feuer-, Wund-, Zünd-, Hühneraugen- und Befchneidfchwämme, Honig, dürfte fo ziemlich Alles fein, was an Rohftoffen vorlag mit Ausnahme einiger den Präparaten beigelegten. Condenfirte Milch von mehreren Fabriken, Vereinen und der landwirthfchaftlichen Akademie Eldena, Milchwein aus Bad Ottenftein, die bekannten Kinder- Nährmittel nach Liebig's Recepten oder nach eigenem Ermeffen, Malzextract und alle möglichen Präparate daraus, homöopathifcher Gefundheitskaffee von Schwabe& Wittig, einfach. Gefundheitskaffee von Kraufe, Zwiebackpulver mit Fleifchextract, Fleiſchfuppen- Mehl, medicinifch- diätetifche Präparate von Gravelius& Roth mögen das Capitel der in die Medicin hinüber fpielenden Nahrungsmittel fchliefsen. Fette Oele brachten Sievers( Leinöl, Rüböl), Engelmann( überdiefs Dotteröl), Wolf, Heins& Asbeck insbefondere Palmnufsöl von Elais guineensis, nebft ausgezeichneten 2 Exemplaren des an Früchten fehr reichen Fruchtftandes diefer Palme, Cocosnufsöl nebft dem Rohmaterial( Heins& Alsbeck ftellten auch t e 1 Die Arzneiwaaren. 31 klares flüffiges Cocosöl mit geringem weifsen Bodenfatz aus), Candelnufsöl nebft den beigelegten Früchten von Aleurites triloba, die betreffenden Prefsrückstände lagen bei. Bei Weitem mehr Firmen betheiligten fich an der Ausftellung ätherischer Oele aus ihren Dampffabriken, wir nennen blofs Hänfel in Pirna, Kluge& Poritfch in Leipzig, Heine& Comp.( reiches Sortiment ätherifcher Oele in gröfserer Menge, aus denen wir Oleum Matico, Canellæ albæ, Angelicæ, Cubebarum, Cardamomi, Sabinæ, Succini, Myrrhæ, Galbani, Elemi etc. hervorheben), Gillmeifter& Sibeth, Geifs( ftellt 58 ätherifche Oele, 12 Effenzen, 6 Aetherarten, 23 Vegetabilien aus), Sachfe in Leipzig( viele ätherifche Oele in grofser Menge, unter anderen auch Thymol und Menthenkampher etc. Diefelbe Firma legt auch aus ihrer Pulverifirungsanftalt fehr viele Pulver medicinifcher Subftanzen vor), Bieber in Hamburg( aufser ätherifchen Oelen als Specialität: Mandelöl Exportartikel, Oleum Amygdal. amar æther., Ol. Amygdal. amar. blaufäurefrei, Ol. nuc. Persicorum æther. und pressum nebft feingepulverten Wurzeln). Job ft in Stuttgart hatte in der Rotunde in gefchmackvoller Weife vorzugsweife verfchiedene Opiumforten, darunter 2 deutfche fammt den gewöhnlichen und jenen von Heffe in Jobft's Laboratorium entdeckten neuen Opiumalkaloiden, ferner Chinarinden, darunter die 1870 und 1872 importirten, von Job ft analyfirten und von ihm vorzugsweife in den pharmaceutifchen Verkehr eingeführten javanifchen Rinden nebft dem feltenen Cort. China cupreus und Cort. China albæ Payta mit einer Reihe zum Theil neuer China- Alkaloidfalzen und dem in der Paytarinde gefundenen Alkaloide Paytin nebft noch einigen anderen Drogen und Präparaten ausgeftellt. Die von Job ft und Heffe über einige der hier vorliegenden Gegenftände veröffentlichten Auffätze find beigegeben. Was die Opiumforten betrifft, fo lagen vor: Opium constantinopol. mit 10% und Opium smyrnæum mit 8-9% Morphin, jenes in flachen Kuchen, diefes in kugligen, mitunter platt rundlichen Stücken; Opium ostindicum in 3 Sorten: Benares und Patna in Kugelform mit 5-6% Morphin, Malwa als halber flacher Kuchen mit 6-8% Morphin; Opium persicum in 3 Sorten: belaubte Brote mit 10% Morphin, runde, etwas plattgedrückte, in Blätter eingehüllte Brode mit 9-10% Morphin, Stangen mit 5% Morphin; Opium germanicum: württembergifches, um deffen Einführung und Cultur Jobft fich bekanntlich fehr verdient gemacht hat, bildet unregelmässige, braunfchwarze Conglomerate von Mandel- bis Wallnufsgröfse und etwas darüber, mit 12-15% Morphin( der von Jobft 1870 aus Kleinafien mitgebrachte, 1871 und 1872 in Württemberg angebaute Mohnfamen und Fruchtkapfeln lagen vor; die aus Afien mitgebrachten letzteren find kugelförmig, während die aus der württembergifchen Pflanzung erhaltenen mehr länglich find); fchlefifches bildet einen fehr grofsen, unbedeckten, glänzend fchwarzen Kuchen, in welchem einzelne Thränen fchwerer zu unterfcheiden find, als in dem württembergifchen Opium, Gehalt 9-10% Morphin. In Betreff der Chinarinden ift zu bemerken: Cortex Chinæ albus Payta, es liegt nur ein kleines, blafsgelbes, flaches Stück diefer Rinde vor; Cortex China cupreus, kupferroth auf beiden Seiten, aufsen mit flachen, gelblichen Flecken verfehen( wahrfcheinlich Borke), die an einzelnen Stellen fehlt, fo dafs dadurch kleine Erofionen entstanden find; von den javanifchen Rinden: von C. Pahudiana 1870 importirt, von C. Calisaya 1870 und 1872, von C. Hasskarliana 1872, von C. officinalis 1872 eingeführt. Was die Opiumalkaloide betrifft, fo find aufser den bekannten und deren Salzen( Morphin-, Codeïn-, Narceïn-, Thebain-, Papaverin-, Cryptopin- Salzen) insbefondere die von Heffe entdeckten Alkaloide und deren Salze hervorzuheben, da fie bisher auf keiner Ausftellung erfchienen find: Pfeudomorphin und deffen Verbindung mit Salzfäure und Schwefelfäure, die erfteren beiden in weifsen Lamellen, die letztere in kleinen glänzenden Kryftallen; Codamin, 1870 entdeckt, hübfche, gelbe Kryftalle, Lanthopin 1870 entdeckt, fehr kleine Quantität in einem Glasröhrchen, Laudanin 1870 entdeckt, etwas glänzende weifse Kryftalldrufen, deffen Verbindung mit Salz- und Oxalfäure, Meconidin 32 K. D. Ritter v. Schroff. 1870 entdeckt, orangegelb, in kleinen Stücken, anfcheinend amorph; Lauda nosin 1871 entdeckt, etwas gelblich, anfcheinend amorph, Hydrocotarnin 1871, bernfteingelbe, verhältnifsmässig grofse Kryftalle, Roehadin 1865, weifs, fcheinbar amorph, in einem Röhrchen. Aus der Reihe der China- Alkaloide heben wir aufser den bekannten: Chinin præcipit., Cinchonin, Cinchonidin und deren Salzen noch Conchinin und als neu Chininum purum in langen, feidenartig glänzenden Kryftallen, Chinin. eugenicum, Chinin. biacidum( tetra- sulfuricum) in grofsen aus feideglänzenden Kryftallen beftehenden Stücken, Conchinin. muriaticum und sulfuricum, Paytin ( eine kleine Probe in einem Röhrchen) hervor. Ein grofses, feftes viereckiges Stück Chinoidinum purissimum nebft Chinoidinum citricum in lamellis und Chinoidinum sulfuricum. Merck hat feine rühmlichft bekannten Präparate, namentlich organifchen Urfprungs, in grofsen Quantitäten ausgeftellt. Hervorzuheben ift das fonft nirgends exponirte Apomorphinum hydrochloratum, fchön kryftallifirt. Sonft find nur die in feinem letzten Preiscourant enthaltenen Stoffe zu finden, von befonderer Reinheit. Aufser den bekannten Alkaloiden der Chinarinden und des Opiums und deren Verbindungen mit Säuren und Salzen( zu beachten Morphium aceticum crystallisatum, Morphium jodatum, M. bromatum, Papaverinum hydrochlo ratum) find hervorzuheben Veratrin, Acid. veratricum, Filicin, Colchicin, Sabadillin, Rhein, Strychnin und Brucin, Solanin, Solanidin, Atropinum purum und sulfuricum, Hyoscyaminum( wahrfcheinlich in der zuletzt von ihm dargestellten flüffigen Form, in der es mir behufs anzuftellender Verfuche von ihm zugeftellt worden war, der nicht zu eröffnende Schrank liefs eine Unterfuchung des in einem papiernen fchwarzen Carton aufbewahrten Präparates nicht zu), Coniin, Aconitin, Anemonin. Berberin hydrochloratum, Picrotoxin, Amygdalin, Ononin, Scoparin, Coumarin, Cocain, Colocynthin, Cantharidin( fchön kryftallifirt), Glycyrrhizin etc. Von unorganifchen Präparaten: Ferrum oxydatum dialysatum in lamellis, Ferrum aceticum in lamellis, Ferro- Natrium pyrophosphoricum in lamellis, Ferrum lacticum crystallisatum, Magnesia lactica, Lithium carbonicum, Zincum valerianicum. Wie mir Herr Merck foeben fchreibt, ift es ihm gelungen in der letzten Zeit Cousseïn kryftallifirt darzuftellen. Verfuche werden zeigen, ob diefer kryftallifirte Körper der vollſtändige Träger der wurmtreibenden Wirkung der Coussoblüthen ift, oder ob fich daran auch die neben jenem noch vorhandene harzartige Subftanz betheiligt. Vielleicht fchickt Herr Merck das kryftallifirte Cousseïn noch ein.( Das foeben erhaltene Präparat ift fehr fchön kryftallifirt). Trommsdorf hat die Ausftellung reichlich bedacht, indem er 181 Präparate vorgelegt hat. Wir heben aus denfelben hervor Aesculin, Chrysophansäure, Emodin, Indigotin in fchönen Kryftallen, Melampyrit( Dulcit) und Quercit, beide fchön kryftallifirt, Lactucerin, Stramonin, Syringin, Acidum filimelissinicum, Ac. sorbinicum, Ac. subericum, Quercitrin, rohes Coffeïn in dicken, wafferfreien Kryftallen, Benzoïn, Styracin, Zimmtalkohol, Benzalkohol, Carboneum trichloratum, Acid. monochloraceticum. Von den unorganifchen Verbindungen Zincum und Cuprum sulfocarbonicum, Natrium æthylosulfuricum, Lithium citricum etc Die vormals Schering'fche, nun chemiſche Fabrik auf Actien in Berlin war vortrefflich vertreten. Wir erwähnen daraus: Tannin in feideglänzenden Kruften, Tannin in fehr feinen lockeren glänzenden Fäden, Chloralhydrat in flachen Tafeln und in lofen Kryftallen, Crotonchloralhydrat in grofser Menge, fchwefligfaures Chloral, Chloralnatrium, Chloralanhydrat, Chloralalkoholat, Aethylenchlorid, äthylfchwefelfaures Natrium, Chlorkohlenftoff, Monobromcampher, Jod doppelt refublimirt in grofsen Blättern, Jodcadmium filberglänzend, Bromcadmium asbeftartiger Structur, falpeterfaures Silber in grofsen Kryftallen, Cyankalium in verfchiedener Form etc. Die deutfchen Chininfabriken waren durch Zimmer in Frankfurt, Böhringer in Mannheim, Koch in Oppenheim, Chininfabrik in Braunfchweig 1 = Die Arzneiwaaren. 33 fehr würdig vertreten. Wir heben vor allen die Ausftellung der Zimmer' fchen Fabrik hervor, deren Erzeugniffe durch einen blauen Vorhang vor dem Lichte gefchützt waren. Sie enthielt eine vollständige Sammlung aller bisher bekannten Beftandtheile der Chinarinde, 28 Chininfalze, aus denen wir einige feltenere anführen: Jod- und bromwafferftofffaures, kiefelfluorwafferftofffaures, rhodanwafferftofffaures, bernfteinfaures, pikrinfaures, chinovafaures, citronenfaures Eifenchinin, Chinin- Queckfilberchlorid, Jodmethylchinin, Anisölchinin, Dalleiochinin, Herapathit, Dichydroxylchinin( von Kerner entdecktes Oxydationsproduct des Chinins, blendend weifs in feinen Kryftallen); Cinchonin, Chinidin, Cinchonidin und viele Salze derfelben, Chinafäure in grofsen Kryftallen, Chinovafaurer und chinovafaurer Kalk, chinagerbfaures Eifenoxyd, Chinaroth, Chinawachs, Cinchocerotin. Die gewöhnlichen Chininfalze des Handels ftehen am Fuffe diefer Sammlung beifammen. Die oberfte Reihe war nicht zu fehen, weil der Vorhang nicht darüber hinaus gebracht werden konnte. Witte in Roftock vorzugsweife Coffeïn in verfchiedenen Zuftänden und Formen: braun, Kugeln aus ftrahlig divergirenden Kryftallen, reines mit federförmigen Kryftallen von befonderer Länge, 3 grofse mühlfteinartige Kuchen von reinem Coffein, gegen 2 Schuh im Durchmeffer und 3-4 Zoll dick. Aufserdem noch. andere Präparate: Ferrum oxydatum saccharatum, fehr weifses Pepsinum solubile, oleum crotonis. Die Ausftellungen der übrigen Chemiker haben weniger Intereffe für uns. Aus Marquart's Sammlung betonen wir Cymol e camphora, bei Erdmann verfchiedene Aetherarten, bei de Haen Acidum phosphoricum glaciale in Würfeln und Stangen, in 2 grofsen Standgläfern, Carbolfäure kryftallifirt und in Löfung, Aetzkali und Aetznatron in verfchiedenen Sorten, aus der chemifchen Fabrik Harburg- Stafsfurth aufser Kalifalzen Campherkuchen, bei Kahlert eine enorme Menge raffinirter Jodine in Geftalt eines fehr grofsen flachen Brodes, bei Kraufe Gold- und Silberfalze, fehr fchöne Mufter von Höllenftein in Stangen, kryftallifirt, in Platten, mitigirter Höllenftein, bei Merkel unorganifche Präparate der Ph. germanica, bei Leo aufser dem oben erwähnten Kindernahrungs- Extract und einigen unorganifchen Präparaten noch flüffige Extracte von Taraxacum, Valeriana, Secale cornutum, überdiefs Ergotinum siccum; bei der St. Georgs- Apotheke in Augsburg die Extracte Pharmacopoeæ germanicæ. Krebs, Kroll& Comp. verfehlten nicht ihr Sauerftoffwaffer, concentrirtes Ozonwaffer nach Dr. Lender nebft dem Apparate zur Inhalation von Ozon vorzuführen. Groetzner präfentirt feine fabriksmäfsig erzeugten, mit arzneilichen Flüffigkeiten gefüllten Kapfeln und gelatinirte Pillen. Herb in Pulsnitz ftellt gewöhnliche Haus-, Reife- und Tafchenapotheken aus. Schubert, Täfchner, Willmar, Schwabe verforgten die Ausstellung mit homöopathifchen Apotheken, befonders letzterer brachte in feiner homöopathifchen Centralapotheke alle Stammtincturen und vegetabilifchen Normalpräparate, überdiefs Schatullen mit Apotheken, Hand- und Tafchenapotheken und feine Pharmacopoea homoeopathica polyglottica, deren allgemeine Einführung mit Gefetzeskraft bei den verfchiedenen Regierungen angeftrebt wird. OESTERREICH war auch in Beziehung auf den Gegenftand unferes Referates würdig vertreten. Es kann allerdings in Ermanglung überfeeifcher Colonien mit feltenen Drogen nicht prunken, allein, was das Land erzeugt, hat es der Befchauung zugeführt, felbft unfer öfterreichifcher Saffran, bisher auf keiner Ausftellung erſchienen, hat drei Ausfteller gefunden; man fieht ihn in der additionellen Ausftellung, unter den von Wilhelm ausgeftellten Drogen und in der Agriculturhalle von dem Erzeuger Schwinner in Maiffau; er bewährt feinen alten Ruf Aus dem foeben beim Saffran Gefagten ift zu erfehen, dafs unfere Objecte in verfchiedenen Localitäten aufzufuchen find, wir müffen aufser den dort erwähnten noch den Pavillon für den Welthandel, jenen des Fürften Schwarzenberg und die öfterreichifche Unterrichtsabtheilung hinzufügen. vollkommen. 3 34 K. D. Ritter v. Schroff. Wir beginnen mit den in dem füdlich gelegenen bedeckten Hofe II h des Induftriepalaftes untergebrachten Gegenständen. Andès& Froebe in Wien gaben in einer befonderen Aufftellung eine klare Darftellung der Art der Harzung der Schwarzföhre mit den Producten: roher Terpentin, Colophonium, Fichtenpech, Weifspech. Merbeller in Budweis ftellt Buchentheer, Holzeffig, holzeffigfaures Eifen, Holzgeift; Fillè n in Prag weifses Pech und noch andere Theerproducte aus. Apotheker H. Mall in Landeck, Vegetabilienhändler im Grofsen, ftellt in grofser Menge, von befonderer Schönheit und Frifche aus: Folia uvæ ursi, Frendes Sabinæ( faft durchgehends cupressifolia), Lichen islandicus( meiftens in Exemplaren mit breitem Thallus), Herba Aconiti( fo fchön grün wie an der lebenden Pflanze), Tubera Aconiti, Rhizoma Veratri ohne Wurzeln, Radix Berberidis, Radix Imperatoriæ, fchöne, grofse, vollſtändige, faft frifche Exemplare ohne eine Spur von Wurmfrafs. Apotheker Pöll in Mals bringt eine fehr fchöne Sammlung einheimifcher Medicinalpflanzen und ihrer officinellen Theile in Käftchen aufbewahrt, überdiefs mehrere grofse Exemplare von Agaricus albus, einige Extracte, Roob und Spiritus. Die Sammlung enthält: Secale cornutum in durchgehends ftarken, gefunden Exemplaren, Cetraria islandica, fehr reine Exemplare mit meiſt breitem Thallus, Sabina, Achillea moschata, Artemisia nutellina, A. Abrotanum, A. Absynthium, A. vulgaris, Tussilago Farfara, Blüthen und Blätter, Radix, Folia et flores Arnica, Herba et semen Hyoscyami, H. Salviæ, Hyssopi, Marrubii, Folia Menyanthis trifoliatæ, Veronica officinalis, Uvæ ursi, Herba et tubera Aconiti Napelli, die letzteren von ungewöhnlicher Gröfse und Stärke. Von Wurzeln: Filix mas, Veratrum album, sowohl Rhizom als Wurzeln für fich, Rumex alpinus, ausgezeichnete Exemplare, Carlina, Taraxacum, Imperatoria Ostruthium, Gentiana lutea, fchöne grofse Exemplare, Bryonia( überdiefs in einem fehr grofsen Exemplare, auf dem oberen freien Theile des Kaftens untergebracht), Berberitzen- Wurzel- und Zweigrinde. Von Blüthen: Flores Cyani, Pruni spinosa, Primulæ glutinosa( führt auch den Namen Speik; was nennt man nicht alles Speik?). Endlich noch Stipites Dulcamaræ, Heidelbeeren, Canthariden, Honig. Wand hängt ein Glaskaften, in welchem ganze, ausgezeichnete, fchön confervirte Herbarexemplare von Filix mas, Polypodium vulgare, Gnaphalium Leontopodium, Artemisia Mutellina, Arnica, Arctostaphylus, Uva ursi, Hepatica, Aconitum Napellus ( Prachtexemplar), auf weifsen Cartons aufgefpannt fich befinden. Der bekannte Apotheker Stapf in Innichen, Inhaber einer Pulverifirungsanftalt, ftellt eine grofse Suite von Drogen in kleinen charakteriftifchen Exemplaren fammt den daraus bereiteten Pulvern aus. Wilhelm( Gefchäft gegründet 1826) hat eine nette Drogenfammlung der von der Firma importirten Drogen gefchmackvoll aufgeftellt, aus der wir nur folgende hervorheben wollen: öfterreichiſcher, franzöfi fcher, fpanifcher, levantifcher Saffran, Folia Eucalypti, aromatifche Kräuter und ihre Oele, darunter Herba Unonæ odoratissimæ und ihr Oel Ylang- Ylang, Valeriana officinalis, darüber Valeriana celtica und Oleum Valer. æthereum, weifse und fchwarze Niefswurzel, Aronswurzel, Rheum chinense und Rh. austriacum, Veracruz- und Tampico- Jalapa, erftere in fchönen grofsen birnförmigen Stücken, von Chinarinden aufser den gewöhnlichen Handelsrinden noch gelbe Chinarinde von Puerto Cabello, gelbe von Maracaibo, Guayaquilrinde, türkifches Opium in einem halben Brode, Senna alexandrinifche, Mekka und Tinnevelly, Traganth, fpanifcher Pfeffer, Galläpfel, auch chinefifche etc. etc. Medinger ftellt ein fehr grofses Stammftück von Quassia jamaicensis, fchöne Stämme von Quassia surinamensis, ftarke Stämme von Farbhölzern: Rothholz von Fernambuk, Sapan, Limas, Coftarika, Lignum St. Marthæ, Gelbholz, Sandelholz, überdiefs Rad. Gentianæ, Calami, Valerianæ, Ireos, Curcuma in toto und fein pulverifirt aus. Aehnliches bringen die Gebrüder Levy in Trieft, Schwab in Pettau. Zacherl hat aufser feinem Infectenpulver fammt den Blüthenköpfchen von Pyrethrum roseum caucasicum eine fehr fchöne, gefchmackvoll aufgeftellte Sammlung gebleichter orientalifcher Schwämme, von den feinften Champignons mit äufserft An der Die Arzneiwaaren. 35 feinen Poren bis zu den gröberen und ganz groben mit ungleich grofsen Poren dem Publicum vorgeführt; unter jenen zeichnet fich befonders einer in korallenförmiger Form( wahrfcheinlich ein Ueberzug eines Korallenftockes) aus, daneben rohe Schwämme in Weingeift. Hochftetter brachte Ceresin als Erfatz des Bienenwachfes und daraus dargestellt einige Salben: Unguentum simplex, populeum und citrinum. Aetherifche und fette Oele find von fehr vielen Firmen in ausgezeichneter Weife gebracht worden; wir nennen nur Kurzhals, Pollak, Engelhofer und Kundegraber, H.& S. Schmidt, Herzog, Bauer, Horowitz, Jaich, Müller, Pongratz, Hertrum, Mazzurana etc. etc. Rosmarineffenz ftellte Abelich aus Zara, Campher in ziemlich grofsen, runden, durchbohrten Broten die Campher- Raffinerie zu Oberalm bei Hallein des Volderauer, DorfchleberThran lichtgelber und lichtbrauner Farbe Maager, animalifches Oel Meltzer aus. Unter den chemifchen und pharmaceutifchen Producten find zu erwähnen: Albumin aus Ei und Blut, eingedampfte Eidotter von Pollak, Kopperl, Berg, Hofmeier; letzterer führt die Gewinnung vom rohen Blutkuchen an durch alle Phafen bis zur erften Qualität vor, Patent- Blutalbumin, Eialbumin. Würth& Comp., Gebrüder Ploy, Reiffer und Alder ftellten meiftens unorganifche medicinifche und pharmaceutifche Präparate von fchönem Ausfehen, die letzteren beiden auch Extracte aus derfelben Pflanze, wie Belladonna, Hyoscyamus, Cicuta, nach Angabe verfchiedener Pharmakopoeen; Wagemann& Seybel Weinfteinfäure in grofsen Kryftallen in Form einer grofsen Schale, Seignettefalz in grofsen Kryftallen aus; Schorm in Wien bringt neben Carbolfäure und anderen Präparaten auch Coniin und Methylconiin. Sarg hat feine bekannten ausgezeichneten Glycerinpräparate in der Rotunde aufgeftellt; Rach hier ähnliche Präparate, wie flüffige Glycerinfeife, Toilettenglycerin, Jodkalium- Seife etc. Hof- Zahnarzt Günther zeigt Kryftallgold in grofser Menge und Zähne mit demfelben plombirt. Krahl in Olmütz zeigt feine bekannten Eifenzucker- Präparate und andere Saccharate: verftärkten Eifenzucker, Saccharyl- Ferridhydrat in fefter Form und in Löfung, Saccharo- Ferrür, lösliche Eifenpeptone, flüffige Eifenfeife, faures ölfaures Eifenoxyd, Saccharofluorcalcium, Saccharocalciumphosphat, Saccharomanganid, Magnefium- Saccharat, Saccharylaluminat, Zinksaccharat, flüffige Zinkoxyd- Seife, flüffige Queckfilberoxyd- Seife, flüffige Kupferoxyd- Seife; Di Valle in Eger exponirt alle Extracte der öfterreichifchen Pharmakopee in Porcellan- Standgefäfsen von gutem Ausfehen und charakteriftifchem Geruch; die Triefter Apotheker: Prendini, Ludovicich, Zanetti ftellen maffenhaft Paftillen aus, mitunter Specialitäten wie Paftillen aus alaunhaltigem Cassiamarke( Prendini), Paftillen aus falpeterhältigem Cassiamark( Ludovicich); Popp Zahnpafta und Anatherin- Mundwaffer; Pfeffermann Zahnpafta; Ebermann aus Prag Zahnpulver und Zahnpafta; Baftler Alcannin- Mundwaffer und fein Choleramittel; Neuftein Preshel's Storaxcrême, Antispyloma; Stiegler in Steyer Limonade gaceuse mit verfchiedenen Fruchtfäften, Malzextract, chemifches Zahnpulver; Selbft Kumys Mooke Pyrker's Kalicrême und Kiefernadel- Extract für Bäder. Schliefslich von Stahlberg und Winogradow in Gaisberg fehlt nicht. erwähnen wir der von Moll ausgeftellten homöopathifchen Haus-, Reife-, Thierapotheken fammt den nöthigen Geräthfchaften. In der Unterrichtsabtheilung befand fich ein Herbar, welches eine Sammlung öfterreichifcher Medicinalpflanzen nach natürlichen Familien geordnet von Dr. S. A. Heller enthält, ferner eine fehr fchöne Drogenfammlung, eine Auswahl aus der reichhaltigen pharmakognoftifchen Sammlung des allgemeinen öfterreichifchen Apothekervereines, aus der befonders die ausgezeichnete ChinarindenSammlung, fowohl nach Handelsrinden als nach genauen botanifchen Beftimmungen von Dr. Vogl, unferem gröfsten Kenner der Quinologie, geordnet, ferner eine Sammlung von intereffanten Früchten in Gläfern: Attalea funifera, Bertholletia, 3* 36 K. D. Kitter v. Schroff. Hyphæna, Mangifera indica, Syagrus botryophora, Heritiera, Acrocomia, eine nette Opiumfammlung, zwei anfehnliche Beutel eines böhmifchen Bibers, Castoreum canadense, grofses Exemplar von Simaruba, feltene Meerfchwamm- Exemplare, Copalchirinde von Croton Pseudochina nebft anderen Gegenftänden befinden; die letztere Rinde wurde vor einigen Jahren als befonders fchöne Cascarillrinde in Wien angeboten, mit der fie keine Aehnlichkeit hat, da, wie bekannt, die echte Cascarillrinde nur in kleinen Exemplaren vorkommt, ein bedeutendes Arom befitzt, das fich fowohl dem Geruchs- als dem Gefchmacksorgan zu erkennen gibt, was bei jener Rinde nicht der Fall ift. Die Bahamainfeln, auf denen der baumartige drei bis fünf Fufs hohe Strauch, von welchem die echte Cascarillrinde abftammt, wächft, haben echte Cascarillrinde ausgeftellt. Des Schwarzenbergifchen Pavillons und eines in feiner Umgebung befindlichen Baffins, in welchem fich zwei nette Biber aus der bekannten Bibercolonie des Fürften luftig herumtummelten, müffen wir infoferne gedenken, als fich in demfelben auf den Schwarzenbergifchen Herrfchaften aus anatolifchem( weifsem und blauem) Mohnfamen erhaltene Mohnpflanzen befinden, aus deren Kapfelfrüchten Opium gewonnen worden ift, das unter der Bezeichnung Opiumextract in bedeutender Menge in einem grofsen Glafe vorliegt; dasfelbe hat ein fchönes Ausfehen, einen intenfiven Opiumgeruch, befteht aus dunkelbraun- röthlichen Stücken mit zahlreichen Thränen und enthält nach der Analyfe des Schwarzenbergifchen Agriculturchemikers Hannamann 13% Morphin. In dem den Pavillon. umgebenden Garten werden Mohnpflanzen gezogen, aus deren Kapfelfrüchten der fürftliche Beamte Herr Kroh durch Anfchneiden der unreifen Kapfeln foeben Opium gewonnen hat, das einen guten Opiumgeruch hat. Aus der Agriculturhalle erwähnen wir aufser dem oben citirten ausgezeichne ten Saffran von Schwinner noch Speik von Trattner in Tamsweg, Lerchenterpentin von Flora in Mals, Folia uvæ ursi von demfelben, Iriswurzel von Petz in Botzen, Kürbiskerne und Mohnfamen aus Steiermark, Feuerfchwämme, rohe und verarbeitete, von Kentner in Krain, Equisetum von Pippal, Malven aus Galizien, Mandeln, Piniolen, Feigen, fchöne Exemplare der Rinde von Quercus pedunculata, Leinfamen, eine Sammlung einheimifcher Drogen in porcellanenen Standgefäfsen von der Ackerbau- Gefellſchaft in Görz, Süfsholz- Wurzel von Benda in Aufpitz, eingedickter Süfsholz- Saft in Stangen von Martucci in Trieft, Cichorienwurzeln von Mähren und anderen Ländern, Berberitzenrinde aus Tirol, Angelica, Alkermes von Mayhuber, fehr viel Sumach aus Tirol und Dalmatien, Malz, Malzextract, Malzpulver, Malzbonbons, Chocolate von der Wilhelmsdorfer MalzproductenFabrik des Küfferle; Malzpräparate von Fraenkel in Wien, Malzproducte, condenfirte Tiroler Alpenmilch, condenfirter Kaffee von Gfall in Innsbruck, Rosmarineffenz von Zarich in Dalmatien, Kirfchengeift vom Grafen Enzenberg in Tirol, Kirfchenwaffer und Enzianliqueur vom Vorarlberger landwirthfchaftlichen Verein, getrocknete Medicinalpflanzen von Bertoli in Tirol, detto von der landwirthfchaftlichen Gefellſchaft in Linz, ausgeftellt von Huber, Badefchwämme von Oppenheim, Blutegel- Sumpf im Zimmer von Nachtmann in Tannwald. In der additionellen Ausftellung befand fich in einem Glaskaften ein ausgezeichnetes Exemplar eines männlichen böhmifchen Bibers, den ich durch die Güte des Herrn Fürften Schwarzenberg in einem fo frifchen Zuftande erhielt, dafs es möglich war, alle den Arzt intereffirenden Theile demfelben zu entnehmen und als inftructive Präparate aufzubewahren, welche zum Theil in demfelben Kaften fich befinden und in den beiden getrockneten Bibergeil- Beuteln, von denen der eine der Länge nach geöffnet ift, und in einem leeren Fettfack, deffen Inhalt in einem Glafe aufbewahrt wird, indefs der andere unverfehrte, gefüllte Fettfack in einem zweiten Glafe fich befindet, das Ganze in feiner natürlichen Verbindung, beftehen; ein letztes Präparat enthält den Penis in feiner natürlichen geknickten Lage, die beiden Hoden mit ihren langen Samenleitern, Die Arzneiwaaren. 37 die Cowper'fchen Drüfen und ein Stück Maftdarm in einem Glafe mit Weingeift gefüllt und wird in unferer pharmakognoftifchen Sammlung aufbewahrt. Die Befchreibung des Bibers und der Präparate befinden fich in der zweiten Auflage meines Lehrbuches der Pharmakognofie und ift in dem Kaften zu fehen. Auf dem Glaskaften habe ich eine kleine Probe Crocus austriacus, zwei Sorten mährifcher Rhabarber und einen Kuchen mit Speik, Valeriana celtica, aufgeftellt und das Nähere über diefe Gegenftände fowie über die Export- Verhältniffe öfterreichifcher Arzneikörper in dem oben angeführten Artikel mitgetheilt, auf welchen ich hiermit verweife und daher in diefem Berichte nicht näher auf diefelben eingehe. Als Glanzpunkt unferer öfterreichiſchen Ausftellung, was Drogen betrifft, mufs unftreitig die des Triefter Welthandels angefehen werden. Die Gegenftände mit Angabe des Im- und Exportes find von kundiger Hand in den ſchönften charakteriftifchen Exemplaren in bedeutender Menge theils in Käften unter Glas, theils in grofsen, mit leicht entfernbaren Glasftöpfeln verfehenen Standgläfern zweckmässig aneinander gereiht auf eine fehr inftructive Weife aufgeftellt, fo dafs man mit wahrem Vergnügen bei der Betrachtung derfelben verweilt. Wir können es uns nicht verfagen, das Wichtigere aus derfelben mitzutheilen: * In Beziehung auf die Ein- und Ausfuhr mufs bemerkt werden, dafs diefelbe zu Land in Zollcentnern, zur See in Wiener Centnern angegeben ift; alle Angaben gehören dem Jahre 1871 an. Die zahlreich vertretenen Gummiforten: G. arabicum, G. Geddah, G. Sennary, G. Senegal, G. Fachmi, G. Scharky, G. Litti, G. Suakim, G. Sennary Gedda, G. Gedda Oftindien, Kirfchgummi find in den verfchiedenen Handelsforten, naturell, und mehr weniger ausgewählt, repräfentirt. Die Einfuhr befteht zu Land in 248 Z. C., zur See in 48.446 W. C., Ausfuhr zu Land 24.226 Z. C., zur See 14.514. Das meifte kommt aus Egypten. Gummi Tragacantha in fünf Sorten, meiftens perfifches. Einfuhr aus der Türkei 251 W. C., Ausfuhr zu Land 305 Z. C. Opium, das meifte aus der Türkei, etwas aus Egypten. Einfuhr zu Land 1 Z. C., zur See 725 W. C. Ausfuhr zu Land 665 Z. C. zu Land, 10 W. C. zur See. Sennesblätter, und zwar Mekka klein, naturell, doppelt gereinigt, alexandrinifche parva, electa, naturalis. Einfuhr zu Land 1o Z. C., zur See 3513 W. C., Ausfuhr zu Land 1974 Z. C., zur See 536 W. C. Radix Rhei in eilf Sorten, öfterreichifche in fchönen grofsen durchbohrten Stücken, englifche in gröfseren flachen Stücken, R. Rhei natur. von Shangai, R. Rhei 1/2, detto 3/4 mundirt in verfchiedenen Graden der Feinheit und in verfchiedener Form. Alle eilf Sorten in fehr charakteriftifchen Exemplaren. Einfuhr zu Land 6 Z. C., zur See 28 W. C., Ausfuhr 79 Z. C. zu Land, 4 W. C. zur See. Radix Ireos: Einfuhr zu Land 104 Z. C, zur See 1035 W. C., Ausfuhr zu Land 436, Z. C., zur See 431 W. C. Radix Sassaparilla Lima naturalis in ganzen Wurzeln, dann in drei Sorten gefchnitten, Caracas in drei Sorten, alle gefchnitten, dann Manzanilla und Costa ricca: Ausfuhr zu Land 8 Z. C., zur See 13 W. C. Eine fehr fchöne Sammlung von Chinarinden, darunter auch oftindifche von C. succirubra und von Java von C. Pahudiana, überdiefs Cort. China Loxa mit Moos, Kronchina, C. Chinæ carthagenæ flavæ et rubræ, C. China rubræ I und II, Cort. Chinæ bicolorat., C. Chinæ aus Lima I und II, C. Chinæ Pitayo, C. China flavus dur. Maracaibo, Puerto Cabello, Guayaquil I und II, C. China regius Calisaya ausgefucht in gefchloffenen Röhren, in offenen Röhren, in flachen unbedeckten Stücken, Huanuko elect. Opium perfifches in Stangen, Smyrnaer und conftantinopolitanifches I. Das meifte Opium aus der Türkei, eine kleine. Partie aus Egypten. Saffran fpanifcher von guter Qualität( fiehe meinen oben angeführten Bericht). Wir erwähnen nur noch Radix Ipecacuanha, R. Pyrethri, R. Jalapæ mexic. und Tampico, R. Chinæ nodose, R. Rubiæ tinctoriæ türk. I, Tarsus II, griechifche, cyprifche, fyrifche I und II, R. Serpentariæ, R. Ratanhiæ Para I, Payta, Rad. Senegæ, R. Zingiberis gefchält und ungefchält, afrikaniſcher, bengalifcher, Cochinchina; Cortex Condurango, C. Thymiamatis, C. Mezerei, C. rad. Punica Granat., C. Mezerei, C. Simarubæ, Nux vomica, Faba a 38 K. D. Ritter v. Schroff. St. Ignatii, Faba Calabar., Colocynthen, Tamarinden aus Egypten, Weftindien und befonders fchön aus Oftindien; alle Gewürze, viele Theeforten, Succus Liquiritiæ aus der Levante, Abruzzen, Sicilien vier Sorten, Martucci zwei Sorten, Calabrien, Manna canellata capace in ausgezeichneten Exemplaren, M. canell. Bruch, M. gerace, M. vulgaris, Mannit; Aloë capensis, hepatica, Barbados; ätherifche ( ol. Rosmarini etc.) und fette Oele; Balfame, Mekka-, Copaiva-, Peru- Balfam; Benzoë in drei Sorten, Weihrauch egyptifcher, indifcher in vielen Sorten, Maftix, Sandarak, Myrrha, Copal, Damar; Castoreum von der Hudfonsbai, canadense, Mofchus ex vesicis und kabardinifcher, Ossa Sepiæ in fehr vielen Exemplaren in allen Gröfsen, Mumia vera ægyptiaca, Leberthran, eine befonders reichhaltige fehenswürdige Sammlung von Meerfchwämmen. UNGARN hat feine in unfer Fach einfchlägigen Gegenftände theils im Induftriepalafte, theils in der Agriculturhalle vorgelegt. Zu erwähnen find Capsicum, das Lieblingsgewürz des Landes, Honig und Wachs, beide von ausgezeichneter Qualität, das Letztere in allen Graden der Feinheit, vom rohen bis zum blendend weifsen( Levius), fchöne Krappwurzel in 7 Proben( Leitenberger und Schloffer), Feuerfchwämme, Malven, Mohn-, Lein-, Ricinusfamen, Malva rosea, Blüthen von Aster montanus und ein daraus bereitetes Extract von Acurti in Zengg, in Dalmatien als Schlangenmittel geehrt, Medicinalkräuter: Salvia, Melissa, Mentha piperita von Hamaliar, ebenfo von A. van der Werth und noch einigen Anderen, Flores Stoechados citrinæ, Eicheln, Fichtenharz, Kolophonium, Pech, Terpentinöl- Balfam von Königsmann in Pinkafeld, Knoppern und Galläpfel; unter den Letzteren befinden fich( Ausftellung der Staatsforfte Kroato- Slavoniens) auch fehr grofse mit höckriger, felbft ftachliger matter Oberfläche, von weifs grauer bis ins Gelbe ziehender Farbe, wodurch fie den türkifchen Galläpfeln ähnlich werden, ziemlich leicht, undurchbohrt, in der ziemlich grofsen Höhlung befindet fich ein runder kleiner erbfengrofser Körper, in welchem man nach Eröffnung der bräunlichen Schale eine lebende weifse Raupe zufammengerollt findet, die fich zu einer Cynipsart entwickelt, welche in der feltenen Sammlung fchädlicher Infecten( von der ung. Altenburger Akademie exponirt), fowie in der ausgezeichneten Sammlung von Galläpfeln mit der Entwicklungsgefchichte der verfchiedenen Cynipsarten von Profeffor Meyer in der Unterrichtsabtheilung als Cynips hungarica Haet. bezeichnet ift und auf Quercus pedunculata lebt. Pharmaceutifche und chemifche Producte haben die ungarifche pharmaceutifche und technifch- chemifche Centralanftalt, ferner Benedetti, Prodanyi, und Dr. Wagner ausgeftellt; Arzneien, pharmaceutifche Präparate, meift Geheimmittel, haben einige Apotheker, fowie Zahnpulver, Zahnpaften, Mundwäffer und Zahntincturen einige Zahnärzte vorgelegt. Auch an Kumys fehlte es nicht, die 1. öfterreichiſch- ungarifche Kumysanftalt Gleichenberg- Peft brachte ihn. RUSSLAND. Mattheifen in Moskau legte eine Sammlung aus 26 Nummern beftehend von ruffifchen Exportartikeln in reichlicher Menge in grofsen Gläfern, befter Qualität vor: Kali carbonicum, Radix Liquiritiæ naturalis und electa, beide gefchält, Lycopodium gefiebt, Semen cydoniorum natur. u. elect., Semen Sinapis, Semen Sinapis Sarepta gepulvert, fehr lichtes, weifsgelbliches Pulver, Tubera Salep grofse fchöne Exemplare in beiden Formen als rad. globosa und palmata, Radix Sumbul in Querfchnitten gefunder Befchaffenheit, Flores Cinæ levantifche Sorte, Secale cornutum, Semen Carvi et Anisi, nebft Oleum Anisi, Oleum Lini, Herba Ballotæ lanatæ, Gallæ turcicæ, Infectenpulver, Gummi Ammoniacum in granis, fehr fchön, rein, gelbweifs, in grofsen unregelmässigen Körnern, Gummi Galbani in granis, Lapides Cancrorum in grofsen Exemplaren, Cantharides, Colla piscium und Beluga in dünnen Blättern. Diefelben Artikel in kleineren Gläfern von II auff ausgeftellt. Die Arzneiwaaren. 39 Museum horti Petropolitani lieferte eine grofse Sammlung einheimifcher pflanzlicher arzneilicher Drogen, unter denen wir hervorheben: Radix Rhei in kleinen Stücken, die meiften ähneln unferer mährifchen Rhabarber( ausgezeichnete chinefifche Rhabarber, wie man fie fonft als Rh. moscoviticum von Rufsland zu beziehen pflegte, fehlen), Rad. Liquiritiæ, Herba Ballotæ lanatæ, Folia Rubi Chamæmori, Blätter von Bidens tripartita, von Genista, Hedera terrestrix, H.Hyperici, Persicaria, Ribis nigri, Flores Pyrethri rosei, Capita Papaveris auffallend klein, Cortex Frangulæ etc. etc. Crocus persicus, wohl nicht einheimifch Thee, insbefondere ruffifcher Caravanenthee in feften viereckigen Kuchen, in der charakteriftifchen Verpackung( bemalte Kiften und eigenthümliche Körbe), vom Musée d'Irkutsk. Ferner fchwarzer und geprefster Thee der Provinzen Foutchou' und Khan- Kouu, in 8 Sorten ſpeciell für Rufsland und in 6 Sorten, wie fie den Mongolen, Buriaten, Kirgifen, Khiwanern, Bucharen und Perfern genoffen werden, von Niemtfchin off in Kiakhta, Provinz Transbaikal, eingefendet. Haufenblafe ift von mehreren Ausftellern in verfchiedenen Sorten ausgeftellt, fo von Ananoff in 6 Sorten( Producte des Fifchfangs von Saliansk im caspifchen Meere) aufser Blätter- Haufenblafe viele Exemplare in langen, peitfchenftockähnlichen Formen, welche aus langen Strängen beftehen, die horizontal und fpiralförmig mit Haufenblafen- Fäden umwunden find, oft fehr künftlich mit ftellenweife angebrachten mitunter durchbrochenen Knoten verfehen; diefe Form führt die Devife Wefiga zu Speifen. G. Hauff ftellte ein Tableau mit allen Arten von Fifchblafen auf; wir führen aufser den fchon angeführten noch an: Prima perfifche Ossetrowa( Störblätter), Prima Promislowa, Ossetrowa Mescheumock, diefelbe gebleicht, Prima Saliansky Ossetrowa- Blätter ungebleicht, detto gebleicht, Prima Flufs Ossetrowa, Ossetrowa Patriarch in Klammern, künftliche Ossetrowa aus Beluga, detto aus Beluga und Samovoi bereitet, Prima dicke Beluga und dünne in Blättern, Secunda Beluga braun, Beluga Mefcheumock, Samovoi- Blätter, Samovoi Buch II, gewalzte Samovoi I und II, Prima gebleichte Schnitzel, Secunda blutige Schnitzel, Trucha in kleineren Schnitzeln. Bei einigen Sorten find die Preife beigegeben: gebleichte Oss Blätter p. Pud 180 R., blutige Osseter p. Pud 160 R., Beluga Blätter p. Pud 160 R., Samovoi p. Pud 80 R., künftliche Samovoi p. Pud 60 R. Pallifen, Factorei Korabelnaja in Ruffifch- Lappland, brachte verfchiedene Sorten Thran, fo Prima Dampf- Medicinal- Leberthran von Dorfchleber, detto von frifcher Dorfchleber kalt bereitet, hellbraungelb, während der erftere hellgelb, blanker Thran von Dorfch- und Schellfifch Leber, detto gefchmolzen, blanker Thran von Seileber, brauner Leberthran gekocht von Dorfch- und Scheilfifch- Leber, brauner Thran gekocht von Wallfifch- Speck. Wir übergehen die vielen anderen thierifchen Fette und erwähnen nur noch fehr fchön weifsen Hammeltalg, Robbenfett, Fifchfett, Häringsfett. Ueberdiefs fehr vieles, ausgezeichnetes Wachs und Honig; endlich Kork in einer aus Korkeichen- Rinde aufgebauten Grotte. Von ätherifchen Oelen ift insbefondere zu erwähnen Oleum Sinapis bisrectificatum in grofser Menge vorhanden, von Branitzki in Kiew, nebftdem Oleum Mentha piperitæ bis rectificatum, Oleum chamomillæ, Oleum Anisi, Oleum Cumini aus Efthland. Die Waldproducte in zahlreich ausgeftellten Theerforten von Coniferen, von der Birke und Buche als Buchenholz- Theer mit deffen Producten: Holzeffig, holzeffigfaurer Kalk, Holzgeift, Balfam von Birkenther, viel Terpentin, auch rother, Terpentinöl vertreten. Unter den pharmaceutifchen Präparaten einige Geheimmittel, unter den Genufsmitteln Moosbeeren- Effenz und Moosbeeren- Syrup von Petroff als erfrifchendes Getränk ausgeftellt. Unter den chemifchen Producten Schlippe's Salz von dem Erzeuger, Albumin und zwar fowohl Blutalbumin in verfchiedenen Graden der Reinheit als Eialbumin von Schagnin, Garanzin und Krapp aus Aftrabad. Kaukafus. Als die Geburtsftätte des zu einem grofsen Rufe gelangten Infectenpulvers hat der Kaukafus von mehreren Erzeugern desfelben grofse 40 K. D. Ritter v. Schroff. Quantitäten davon ausgeftellt. Wir erwähnen nur Markar Terpetroffian, welcher unferem Zacherl das in feiner Fabrik, in der 50 Leute vom 15. Juli bis 15. September 4000-5000 Pud diefes Artikels bereiten, gewonnene Product liefert; nebft den vollſtändigen Blüthen von Pyrethrum roseum und einer weifsen Compofite( Pyr. caucasicum), welche die 1. Sorte liefern, liegen noch gelbblühende Compofiten und Pyr. roseum, von denen die 2. Sorte bereitet wird, vor. Früchte von Rhamnus infectoria, Saffran von guter Befchaffenheit aus Derbent, Opium aus demfelben Bezirke in mehreren Gläfern, darunter auch unter derfelben Bezeichnung geprefster Saffran, ferner in einem Glafe mit der Etiquette Opium in dem oberen Theile desfelben braune, etwas harzig glänzende, dem perfifchen Opium ähnliche poröfe Stücke, in dem unteren Theile Saffran; grofse dicke Wurzeln von Statice coriaria, Krapp, gepulverte Wurzel von Asphodelus ramosus zur Erzeugung von Leimen für Buchbinder verdienen Erwähnung. Einiges Intereffe erregt eine Sammlung von Volks- Arzneimitteln in Transkaukafien, deren Beftimmung mitunter irrig ift. Wir wollen einige aus diefer Lifte hervorheben: Karra gallila, Fructus Myrobalani nigri, Purgatif, Lari galila, Fruct. Myrobalani Belliricæ, gegen Gonnorrhoe, Tschakan, unreife Früchte von Viscum album, Carni- arucha, semen Plantaginis, gegen Tripper, Maku- chili, ganze Cardamomenfrüchte, Salbi gazal, Nuces Cupressi gegen Zahnkrankheiten, Banset saitung, verfteinerte Palmfrüchte gegen Steinkrankheiten, Tinfili, Grana Paradisi, Sumbul indi, Radix Nardi indicæ, und Lochuri, Cortex Winteranus, beide Aphrodisiaca, Ratschuli tzamali, Radix Dictamni Fraxinella gegen Huften, Odur Kairi( fälfchlich Radix Ireos, ift Pyrethrum romanum) gegen Zahnweh, Rewandi, fälfchlich Radix Violæ, ift Radix Rhei unferer öfterreichifchen Rhabarber ähnlich, Pigwali- tzamali, Radix Aristolochiæ, an Schnüren gereihte Stücke, gegen Huften, Jorda- Salami, Rad. Pæoniæ tenuifolia gegen Huften, Kilatur, Radix Polypodii unferem Polypodium vulgare ähnlich, gegen Huften, Gawardzuwa, Radix Polypodii cujusdam, grofse, aufsen dunkelrothe Stücke, gegen Würmer, Schrefch, Pulv. rad. Asphodeli ramosi, Sussunakistschia, perfifche Canthariden, Mylabris callida, gegen Gonorrhoe, SchildkrötenEier gegen Hernia, Teriak, perfifches Opium in Stangen etc. Turkeftan's Ausftellungsgegenstände, fehr unzweckmäfsig aufgeftellt, beftehen aus einer Sammlung von Volksmitteln mit ruffifchen Bezeichnungen ohne weitere Angabe, aus Opium in Stangen in Papier eingewickelt, Capita Papaveris, Crocus, Flor. Rosarum rubrarum, Früchte von Terminalia chebula, Bezetta, aus einigen Oelen und Farbftoffen. GRIECHENLAND ftellte bei der 2. temporären Ausstellung des Gartenbaues vom 15.- 25. Juni in den derfelben gewidmeten Räumen eine prachtvolle Collection von Früchten: Orangen, Citronen in 40 Varietäten aus Athen und überdiefs feltene Pflanzen durch Profeffor Orphanides, den Entdecker vieler neuer Arten griechifcher Pflanzen, aus, unter denen befonders mehrere Arten Colchicum hervorzuheben find: Colchicum Euboeum Orph., Colchicum polymorphum Orph. mit 2 Varietäten obtusilobum und acutilobum, Colch. Boissieri Orph. und deffen Varietät, Colch. Taygeteum Orph. Aus dem grofsen Reichthume Griechenlands von Colchicum arten führen wir noch an: Colchicum lingulatum Boiss., Colch. variegatum( verum) L., Colch. Bivonnæ Goss. und C. Cupani Goss. An diefer Stelle bemerken wir, dafs diefe Ausstellung Gelegenheit bot, die feltenften officinellen und tropifchen Nutzpflanzen in fchönen lebenden Exemplaren zu fchauen, wobei Belgien die Palme gebührt unter den Ausftellern, namentlich waren es der botanifche Garten in Gent und Linden( Gent und Brüffel) welche das für uns Intereffantefte vorführten. Aus dem Vielen nur Einiges: Caryophyllus aromaticus, Chiococca racemosa, Cinchona nobilis, Cinchona succirubra, Cinchona officinalis, C. Pahudiana, C. speciosa, Cinnamomum Cassia, Cinnam. zeylanicum, Cinnam. aromaticum; Cephaëlis Ipecacuanha blühendes Exemplar, Hæmatoxylon campechianum L., Piper nigrum L., Pip. Cubeba L., Copaifera officinalis, Erythroxylon Coca, Myrospermum Die Arzneiwaaren. 41 peruiferum, Quassia amara, Simarubra excelsa DC., Smilax sarsaparilla Z., Vanilla aromatica, Zingiber officinale, Myristica moschata, Thea viridis und assamica, Simaba Cedron, Galaktodendron utile etc. Im Induftriepalafte trat in der aus 178 Nummern beftehenden ausgezeichneten Sammlung von Hölzern der griechifchen Flora von Profeffor Orphanides ein fchönes Exemplar eines Strauches von Astragalus creticus mit austretendem Traganth hervor. Der Letztere aus dem Peloponnesos vom Berge Taygetus, aus Patras etc. in fehr fchönen Exemplaren und in den bekannten Formen, Grains du Levant von Rhamnus græca, Eicheln in mehreren Sorten von Quercus Taygetea ( fehr grofs), von Quercus makrolepis( Vallonen ausgeführt), Quercus stenophylla und Querc. Portogallusa( felten im Handel), efsbare Früchte von Elæagnus angustifolia, 26 verfchiedene Sorten Olivenfrüchte mit deren Oel, fehr viele Anisfrüchte von Argos, Theben etc, ebenfo Coriander aus denfelben Bezugsquellen, Mandeln, grofse Piftazien, Feigen, Corinthen von Voftizza, Missolungi etc., Raisins dites Sultanine( Rofinen ohne Kerne), Honig aus vielen Gegenden( der altberühmte vom Berge Hymettus fehlt nicht), Terpentin von Euboea, Terpentinöl, fchönes weifses, glänzendes klebendes Harz von Megara, Roccella tinctoria, Krapp, entftammen dem klaffifchen Boden Griechenlands; das Meer liefert die bekannten feinen Schwämme. Aetherifche Oele fandte Corfu, die Gemeinde Sparta(!) Orangenblüthen- Waffer, St. Maura fchönes Meerfalz. Mehrere Mineralwäffer. TÜRKEI. Den Glanzpunkt der ganzen Ausftellung bildete die von Fayk Bey( Della Sudda) gebrachte Sammlung von 100 Sorten( 3 mehr als in Paris) Opium des türkifchen Reiches in einem horizontalen Glaskaften auf einem Tifche. Diefelben wurden theils von den Gouvernements eingefchickt, theils bei ihrer Ankunft in der Douane von Fayk Bey angekauft. Ausserdem liegen die betreffenden Mohnköpfe und Mohnfamen, die gebräuchlichen Inftrumente bei der Opiumgewinnung und Rumexfamen bei. Ein ausführliches Tableau gibt bei einer jeden Opiumforte die Bezugsquelle, eine kurze Befchreibung der Form, Waffer- und Morphingehalt in Percenten genau an. Die Form der einzelnen Brote ift fehr mannigfaltig: planconvex, oder auf beiden Seiten flach, halbkuglig, konifch, ganz kugelförmig, faft alle mit rundem Bohrloche in der Mitte; eine geringe Sorte von Bagdad( 109% Morphin) von der Confiftenz eines weichen Extractes in einer Blechkapfel, eine Sorte nach Art des perfifchen Opiums in Stangen. Die Opiumbrote find durchgehends in Blätter gehüllt, deren Hauptnerven deutlich fichtbar find und im Opium felbft ihren Abdruck fammt dem ihrer Seitennerven zurücklaffen. Um zu zeigen, wie fehr der Morphingehalt derfelben Sorte variirt, wollen wir einige Belege vorführen. Von 17 Sorten von Angora fchwankt der Gehalt an M. von 0 51-13: 36, von 15 Sorten aus Konia von 2.57-13: 36, von 25 Sorten aus Houdavendighiar von 2.94-12: 55, von II Sorten aus Sandjak Ismir von 0.96-10: 55, von 8 Sorten aus Sivas von 122-12 85, von 5 Sorten aus Diarbekir von 0.95-8.64, von 7 Sorten aus Pizren von 3.4-10: 09, von 2 Sorten aus Aleppo von 181-186. Ueberdiefs haben zahlreiche Ausfteller Opium gebracht. Von demfelben Fayk Bey, der fich, wie bekannt, um die rationelle Gewinnung des Scammonium grofse Verdienfte erworben hat, ift in einem befonderen gefälligen Auffatze die Scammoniumgewinnung repräfentirt, wie er fie in feiner eigenen Fabrik in Kleinafien übt. An den Wänden riefige Exemplare von Scammoniumwurzeln, im Inneren des Glasfchrankes ein grofser Block von Resina Scammonii, 25 Kilo fchwer, ferner Resina Scammonii alba und einige durch Einfchnitte in die Wurzel gewonnene Scammoniumforten, fo von Awadjik( aufsen graugelbe, ftellenweife fchwärzlichgraue, unregelmässige Stücke), von Keftron am Libanon gewonnen ( runder, etwas plattgedrückter, halbirter Kuchen, aufsen graubraun und weifs gefleckt, auf der Durchfchnittsfläche erdbraun, die anderen Stücke fchwarzgrau), von Marache( Conglomerate aus kleineren Stücken, fchwärzlichgrau, hie und da etwas wachsglänzend), von Maniffa( erdig gelb beftäubt, darunter fchwach 42 K. D. Ritter v. Schroff. harzglänzende Stücke). Aufserdem Scammonium von vielen anderen Ausstellern aus den Vill. Archipel, Aidin, Adana, Libanon, Aleppo etc. Unter den türkifchen Handelsartikeln, medic. Drogen betreffend, führen wir an: Galläpfel von Aleppo, Diarbekir, Janina, Tripolis etc. in den verfchiedenften Sorten in grofser Menge, von den kleinften, erbfengrofsen bis zu den wallnufsgrofsen Baffora- Galläpfeln, von der dunkelften, fchwarzgrünen bis zur hell gelblichweifsen Farbe; rothe Caroben( Carobe de Giudea), Saffran, Safflor; Salep von vielen Orten( Prov. Janina, Kaftambolu, Angora, Adana etc.) in beiden Formen fowohl globosa als palmata in fchönen Exemplaren; Traganth in 15 Gläfern, darunter 5 Proben in sortis, 10 Proben in fchönen weifsen Blättern, von Diarbekir, Konia, Aleppo, Bagdad, Angora; Maftix von Chios ausgezeichnet fchön in grofsen Stücken, aber auch in sortis, meiftens mittlerer Qualität; Gummi arabicum von Tripoli, Piftaziengummi von Aleppo, Terpentin von Cypern, Ladanum von Creta und Cypern, vor allen Rofenöl in bedeutenden Mengen von vielen Ausftellern, unter denen wir nur Pappazoglu und Himfen nennen, ebenfo Rofenwaffer, Wachs, Honig, Badefchwämme. Was fonft an Genufsmitteln: Datteln, Mandeln in verfchiedenen Sorten, Feigen, Johannisbrod, Rofinen, Jujubæ, Weinbeeren, Oliven; an Gewürzen, aromatifchen Kräutern, fchleimigen und anderen Mitteln: Kümmel, Fenchel, Anis, Coriander, Capsicum, Samen von Nigella orientalis, Foenum græcum, Senffamen, Samen von Cannabis indica( Hach- Hach), nebft Hafchifch von Houdavendighiar, Quitten, Kürbis-, Ricinus-, Wurm-, Adjourfamen, Wachholderbeeren, Gelbbeeren( von Rhamnus infectoria), Bablach-, Lein-, Sefam-, Mohnfamen, Wurmkraut, Granatäpfel- Schalen, Frucht von Celtis australis, Kraufe. münze, Salbei, Abfynth, Origanum, Chamillen, Lindenblüthen, Rofenblumen von Damascus und Bagdad und deren Präparate: Rofenfyrup, Conferve, Branntwein, verzuckerte Rofen, Eibifch- und Malvenblumen, Salbei- Infelthee, bittere Pomeranzenblätter, Weintrauben- Blätter, Süfsholz- Wurzel, Krappwurzel, Senna, Sumach etc. zu fehen, ift ebenfo wenig von einer befonderen Bedeutung als Fichtenharz, Kolophonium, Theer, Pech, weifses Harz, Feuerfchwämme von Widdin, Haufenblafe vom Vill. Donau und Vill. Scotara, Hirfchhorn, die gewöhnlichen fetten und ätherifchen Oele, deftillirte Wäffer, Syrupe, Serailpaftillen, kleinere und gröfsere ( bis zur Brotform) vergoldete, wahrfcheinlich aus Aloëholz oder anderen wohlriechenden Subftanzen beftehende runde Plätzchen, Mofchusfeife, Traganth- Gummifeife, Blume gegen den böfen Blick, Haar- Wafchwaffer etc. etc. Zum Schluffe erwähnen wir noch aufser anderen Manna- Arten die in der neueften Zeit viel befprochene Trehala, von Fayk Bey gleichfalls ausgeftellt, und die von der Firma Ovanefs Dedeyan in nuce gebrachte Ausftellung türkifcher Handelsproducte in kleinen Exemplaren: Traganth, Maftix, Rofenöl, Scammonium, Opium, Leinfamen, Galläpfel, Salep, Weihrauch. EGYPTEN hat fehr fchön und gut überfichtlich feine reichen Schätze zur Anfchauung gebracht, wobei eine finnige, vom richtigen Gefühl für Naturfchönheit geleitete Anordnung nicht zu verkennen ift. In der Mitte der Gallerie erhebt fich ein an Früchten überreiches wahres Prachtexemplar einer Dattelpalme, um welches fich ganze Exemplare oder doch wenigftens die charakteriftifchen Theile derfelben von Pflanzen gruppiren, welche wegen ihrer Verwendbarkeit als Genufsmittel oder als Arznei von befonderem Intereffe find, als da find: fchöne Exemplare von Tamarindus indica mit Blättern und Früchten, Balanites ægyptiaca mit Früchten, Pistacia Terebinthus, Coffea arabica, Iatropha Curcas, alle 3 mit Früchten, Acacia Catechu mit Schoten, Pinus halepensis mit Zapfen, das von den Bewohnern des Landes feit uralten Zeiten hochgehaltene Nelumbium speciosum mit dem eigenthümlichen Fruchtftande, Laurús nobilis und Melia Azadirachta, beide mit Früchten, Schinus molle und Pistacia Lentiscus mit Früchten, blühende Summitates Cannabis indicæ( dicht gedrängte dicke Blüthenftände, dicker als die oftindifchen), Lawsonia inermis, Carthamus tinctorius, etc. etc. Diefe höchft intereffante Gruppe wird von Die Arzneiwaaren. 43 einer umlaufenden Reihe von Käften umgürtet, welche einzelne Pflanzentheile enthalten. Wir heben hervor: Früchte von Ricinus inermis, viridis, sanguineus nebft Ricinusöl, Früchte von Iatropha Curcas, grofse Hülfen von Cassia Fistula fammt deren Pulpa, Früchte von Ceratonia Siliqua, Fructus Colocynthidum, Fructus Aegle Marmelos( in Egypten cultivirt), Tamarinden von Sudan und Cordofan nebft Pulpa Tamarindorum, Cardamomen, Anis, Cuminum, Nigella, fchwarzer Pfeffer, Oliven, Datteln und deren Teig etc. Mehrere derfelben befanden fich unter der ausgedehnten in Körben an den Wänden ausgeftellten Sammlung von Genufsmitteln. In gläfernen Wandkäften waren befonders beachtenswerth Folia Sennæ aus Oberegypten in 2 Gläfern, in dem einen Folia Sennæ von Cassia lenitiva, in dem anderen gemifchte Sennesblätter( überdiefs an der Trophäe in 2 Gläfern Folia Sennæ vom oberen Nil und von Cordofan, beide enthalten nur Blätter von Cassia obovata, die aus Cordofan befonders grofs), Foliculi Sennæ, Gummi arabicum von Sudan in mehreren Sorten, darunter weifses und rothbraunes, Folia Eucalypti( die Cultur von Euc. Glob. von Gaftinel Bey eingeführt und acclimatifirt in Cairo; ( die Blätter find fehr grofs), daraus bereitet Resina Euc., Aqua Euc.( Hydrolat), Alcoolat d'Euc., Tinctura Euc., wäfserig alkoholifche Extracte mit und ohne Harz, Eucalyptol( gereinigt und ungereinigt dargeftellt von Gaftinel), Oleum Euc. amygdalinæ von angenehmerem Geruch als von Euc. Glob., Resina Eucalypti Globuli, Holzkohle von E. Globulus; Mohnfamen, Mohnköpfe aus Oberegypten grofs, horizontal angefchnitten. Von Opium lagen 3 Sorten vor: Von Esneh in Oberegypten, 3% Morphin, rundliche, flache, wenig bedeckte Brote; von Syout in Oberegypten, 8.2% Morphin, flache runde Kuchen von verfchiedener Dicke in Blätterumhüllung; von Akhmyn in Oberegypten, 81% Morphin, wenig bedeckte flachrunde Brote. Das früher erzeugte Opium war von fchlechter Qualität, wie denn das Opium von Esneh nur 2-3% Morphin enthält, ja es kam Opium vor, das, wie uns Herr Gaftinel berichtete, gar kein Morphin enthielt. Derfelbe verbefferte die Methode der Opiumerzeugung nach jeder Richtung, worüber auch gedruckte Berichte vorlagen, und erzielte ein fo gutes Refultat, dafs das nach diefer Methode bereitete Opium mitunter 9-10% Morphin enthält. Von Hafchifch lagen Blüthenzweige aus Unteregypten vor. Herr Gaftinel erzählte uns, dafs die mit arabifchem Hanffamen eingeleitete Cultur bei den Verfuchen das intereffante Refultat ergab, dafs mit jeder weiteren Cultur der Gehalt der Pflanze an techniſch verwendbarer Fafer fowie an Gröfse verlor, dagegen mit der ftets ftärker hervortretenden Kleinheit an narkotifchen Beftandtheilen gewann; er hält daher die Hafchifch liefernde Varietät der Hanfpflanze blofs für eine Degeneration der Cannabis sativa. Von Hafchifchpräparaten lag Alcoolat de Hafchifch, alkoholifcher Extract von Hafchifch und das von Gaft inel dargestellte Hafchifchin, ein Harz als wirkfames Princip, vor. Ueberdiefs find folgende zum Genufs beftimmte 10 Hafchifchpräparate vorhanden: Gateau au Hafchifch( Ghoraibé), Extrait gras du Hafchifch, Confitures mit Zucker, Honig und dem fetten Extract( Roumi), Zucker und fettes Extract( Zelzeleh), Electuarium aus dem fetten Extract, Zucker und Hafelnüffen ( Indi), Electuarium aus fettem Extract, Zucker und Muscatnufs( Gara- ouich), Electuarium Dava- Mesc, Zucker und fettes Extract, Confitures aus fettem Extract, Honig, Cubeben und Ingwer( Lessan- asfour), Confitures von Mandeln au Hafchifch, Datteln au Hafchifch, im fetten Extract gekocht. Ausserdem find zu erwähnen: 4 Arten von Stärkmehl, Galläpfel von Tamarix, Henna ganz und gepulvert und die aus den 3 letzteren dargestellten Gerbfäuren, Saffran, Indigo und Indigotin, Krapp und Garancine, fette Oele aus Ricinusfamen, füfsen Mandeln und Baumwollfamen, Ol. Carthami, Lactuca sativa, MohnfamenOel; ätherifche Oele: Ol. Menthæ, Canellæ, Geranii rectificati, Flor. Naphæ, Citri, Cedrat; der Riechftoff von Acacia Farnesiana durch Ausziehen mit Aether oder Schwefel- Kohlenftoff von Gaftinel erhalten, Oleum Sinapis, fchönes 44 K. D. Ritter v. Schroff. Wachs, aus dem oben erwähnten Opium von Syout durch Gaftinel dargestellte. Alkaloide nebft anderen Alkaloiden und anorganifchen Präparaten, deftillirte Wäffer, Tincturen, Extracte, gepulverte Drogen und mehrere Samen und Früchte ohne fonderliche Beziehung zur Medicin. TUNIS zeigte eine befondere Vorliebe für Wohlgerüche und narkotifche Genufsmittel; daher die Effenzen von Rofen, Jasmin, Quitten, Aloë, Millefleur, Nesri, doppelt Jasmin, Baar, Zimmt, fowie Räucherpaftillen von Ambra, Aloë, Benzoë, Schnuda und Honsia, Gemifche verfchiedener Subftanzen, Jasmin-, Weihrauchöl, parfümirtes Malvenwaffer, Orangenblüthen-, Jasmin-, Rofen-, Nesri-, Gensfura-, Millefleur- Waffer, Zibethpomade, Mofchus, fälfchlich Castoreum genannt, eine fo grofse Rolle spielen. Von medicinifchen Pflanzen liegt aufser Mentha Pulegium, Inula graveolens, Lavandula Stoechas, Teucrium polium, Artemisia campestris, Delphinium noch ein Verzeichnifs vor, in welchem die Namen in der Sprache des Landes und nebenan Andeutungen der wiffenfchaftlichen Bezeichnungen folgender Pflanzen zu finden find: Cassia Senna( Sacars), Laurus nobilis( Ratac), Mercurialis ( Ahbaf el Hal), Smyrnium( Nonah), Verbascum( Saleh el Nasar), Chenopodium ( Atbalabar), Malva( Nauar Kez), Chamomilla( Babunes), Elichrysum( Diak), Marrubium( Kariaz), Cuscuta( Acbal Esahco), Juncus( Zariet Ahdar), mehrere unbeftimmte Labiaten, Taraxacum( Canhat Nakoa), Saponaria( Zizu), Papaver ( Butar Anuz), Delphinium( Hafchifch el Tarran), Juniperi lignum( Tefaa), Matricaria( Fihuan), Artemisia( Schih), Ricinus( Aksiha Nussa), Pistacia( Rihan), Artemisia maritima?( Tahun Mezajan), Tamarix africana( Taraba), Althææ radix( Bed et Danal), Ptychotis( Am Rubia), Adiantum Capillus Veneris( Cusbora el Bir). Ueberdiefs find zu fehen: Cannabis sativa des Arabes( Kif des Arabes), Opium, Saffran, Henna, Indigo, Rofenblätter, Capita Papaveris, Capsicum, Taufendguldenkraut, Mandeln, Piftazien, Honig, weifses und gelbes Wachs, Meerfchwämme. MAROKKO ftellte nicht nur die bekannten Erzeugniffe des Landes, fondern auch eine Sammlung einheimifcher Arzneimittel mit den einheimifchen Namen aus; aus der Reihe der Letzteren gelang es einige derfelben näher zu beſtimmen. Von jenen führen wir an: Sandarac in zwei Sorten, die eine ftellt die gebräuchliche Handelswaare dar, die andere erfcheint in fehr langen Thränen, beide sehr rein, fchönes Gummi Euphorbii, Flores cinæ berbericæ, ein angebliches Gummi Amoniacum( weifsgelbliche, den Nageleindruck leicht zulaffende, längliche Stücke Harz, eingebettet in eine braungraue Maffe, fammt einem Stücke des Holzes von dem das Gummiharz liefernden Baume, das Holz fehr dicht und fchwer), Gummi arabicum, G. Senegal, G. Amrad, füfse und bittere Mandeln, Pfirfich- und Amarillenkerne, Sefam, Anis, Fenchel, Kümmel, Oliven, Rofinen, Hafchifch, Rofenblätter, Granatblüthen, Safflor in länglich runden Kuchen( Azfur), Krapp, Henna, Iriswurzel in fchönen grofsen, Stücken( importirt oder Landeserzeugnifs?). Von diefen gelang es zu beftimmen: Azir Rosmarinblätter, Gurd Früchte von Vitex Agnus castus, Halba Samen von Fonum græcum, Kusbur Elbir Adiantum Capillus Veneris, Tafrira Radix Thapsiæ garganicæ, Hauedarterai Flores Paronichiæ argenteæ, Tighift Wurzel vom Seifenkraut, Begolicia Radix Liquiritiæ ungefchält, Igg Carobe di Giudea, Kiftelhija Taufendguldenkraut fammt Blüthen, Takud kleine grauröthliche, fehr unregelmäfsige, beftäubte Galläpfel, Habras zaktuna( diefe Auffchrift führte ein Glas, welches zu oberft Samen von Delphinium Staphysagria, darauf die Samen von Hyoscyamus und zu unterft ganz kleine glänzend fchwarze Samen enthält). Bei einigen der übrigen läfst fich die Familie und Gattung( Labiatæ( Mentha und Thymus), Valeriana, Umbelliferæ) beftimmen, bei den übrigen bleibt man auch in diefer Beziehung im Unklaren. Wir haben die Namen aller und eine kurze Befchreibung derfelben aufgenommen und gedenken bei mehr Mufse die Sache weiter zu verfolgen. Die Arzneiwaaren. 45 PERSIEN betheiligte fich bei unferer Ausftellung bei Weitem mehr als diefs in Paris der Fall war, wenngleich dasfelbe Land bei feinen grofsen arzneilichen Schätzen hätte mehr bringen können. Dafs Perfien im Allgemeinen fo ausgezeichnet fich präfentirt, verdankt es wefentlich der Mitwirkung des Herrn Dr. Polak, welcher durch langen Aufenthalt in Perfien das Land und feine Production emfig ftudirt hatte und der perfifchen Regierung die beften Rathfchläge bei Betheiligung an der Ausftellung ertheilt hat. Der von ihm verfafste Specialkatalog ift mufterhaft und läfst uns in die Verhältniffe Perfiens klaren Blickes fchauen. Die uns intereffirenden Gegenftände waren in gläfernen Käften aufgeftellt. Wir befprechen zunächft die wichtigeren derfelben und laffen darauf den Reft folgen. Vor Allem feffelte unfere Aufmerkfamkeit die Sammlung von einigen Opiumforten. Man war in früheren Zeiten gewohnt, das perfifche Opium, welches nur in Stangenform nach Europa gelangte, als das fchlechtefte zu bezeichnen, indem es nur I Percent Morphin enthielt. Ich felbft habe mehrere Stangen diefes Opiums mikrofkopifch unterfucht und diefelben ftets mit viel Mehl vermifcht gefunden. In der jüngften Zeit find Proben perfifchen Opiums zu uns gelangt, welche beweifen, dafs Perfien allerdings auch gutes Opium erzeugt und dafs es in früheren Zeiten nur die fchlechtefte Qualität nach Europa gelangen liefs. Auch die vorliegende Ausftellung bringt uns einen befferen Begriff über perfifches Opium bei. In zwei kleinen hölzernen Kiften zweierlei Stangenopium: Opium von Kafchan 1. Qualität von Ziegler& Comp. ausgeftellt, Opium von Yezd 2. Qualität, die Stangen find in bekannter Weife mit glattem Papier von weisser und rother Farbe eingewickelt und mit Bindfäden umgeben; die erftere Sorte ift noch fehr weich, von lichtbrauner Farbe. Ueberdiefs liegt noch Stangenopium von der k. perfifchen Regierung vor als Opium Malajir in einer Blechbüchfe zufammengedrängt. Eine lange runde Blechbüchfe enthält fehr dunkel, faft fchwarz gefärbtes Opium von fefter Confiftenz aus Masenderan, k. perfifche Regierung. Eine niedrige Blechdofe enthält fehr weiches, lichtgelbbraun gefärbtes, an die Wandungen des Gefäfses fich anlegendes Opium von ftarkem Opiumgeruch, es ift als Opium von Kum bezeichnet. Opium von Yezd, Blechbüchfe mit Stangenopium. Die Opiumcultur ift im Steigen und die Ausfuhr befonders nach Indien beträchtlich. Ein zweiter des beften Rufes aus alter Zeit fich erfreuender Arznei- und Färbeftoff ift. der Saffran; derfelbe liegt aus Khoraffan in kleinen, feft zufammengepressten Kuchen vor, braun von aufsen, auf dem Bruche fchön roth; auch Safflor von gutem Ausfehen ift vorhanden. Von Gummiharzen, an denen Perfien fo reich ift, ift blofs Afand in kleinen Körnern aus Khoraffan zu fehen. Traganth in Knollen von Azerbeidfchan und Kirmanfchah, Salep von Kirmanfchah, verfchiedene Manna- Arten, bei den Perfern fehr beliebt, von der Tamariske, Salix capr., von Aftragalus, von Echinops candidus unter dem Namen Tighalmanna bekannt, vor allem aber von der fo vielfach verwendeten kurdifchen Eiche, Quercus Vallonii, welche unter dem Namen Gezengebin als Leckerbiffen allgemein genoffen und in Ispahan und Yezd fabriksmäfsig gereinigt, in Kuchen geformt wird und mit Piftazien und Mandeln verfetzt in den Handel kömmt, eine grün gefärbte, angenehm füfs fchmeckende Maffe; die gerne genoffenen geröfteten Eicheln derfelben kurdifchen Eiche, viele Arten von Galläpfeln, darunter auch Baffora- Galläpfel, Gummi von Mandel- und Aprikofenbäumen, Sarcocolla von einer Penæa- Art, fchöner Krapp, Fenchel, Coriander-, fchwarze und grüne Kümmel-, Peterfilienfrüchte, Dillfrüchte, Piftazienharz und Samen, Mandeln, fchwarze Rofinen, Flohfamen und andere fchleimgebende Samen, Kreuzbeeren, Mohn- und Ricinusfamen von blaffer Marmorirung, Sumach, Henna( Lawsonia inermis), Früchte von Jujuba und Melia Azedarach fowie von Berberis; Kürbis-, Gurken-, Melonen-, Lactucafamen und fchliesslich Haufenblafe von verfchiedener Form erfchöpfen unferen Bericht. JAPAN und CHINA waren bisher auf den Ausftellungen fehr fchwach vertreten, beide Länder haben Wien in Beziehung auf Drogen reichlich befchickt. 16 K. D. Ritter v. Schroff. Japan hat den Vorzug vor China, dafs es feine Arzneikörper grofsentheils wiffenfchaftlich beftimmt vorlegte; dem Vernehmen nach rührt die botanifche Bezeichnung von dem berühmten, leider bereits verftorbenen Botaniker Miquel, welcher in der Flora Oftafiens befonders bewandert war, her. China hat zwar eine bei Weitem gröfsere Menge von Drogen ausgeftellt als Japan, allein gröfstentheils ertbehren diefelben der Zurückführung auf ihre Abftammung, andererfeits find fie in einem fo haverirten, gröfstentheils verfchimmelten Zuftande angelangt, dafs fie das Studium derfelben theilweife ganz unmöglich machen oder doch ungemein erfchweren; befonders gilt diefs von den durch die Seezoll- Behörde eingelieferten Drogen, welche gerade den gröfsten Theil der Sammlungen ausmachen. In der letzten Zeit hat man fich bemüht, diefelben fo viel als möglich zu reinigen. Dr. Kerr in Canton, welcher eine reiche Sammlung chinefifcher Drogen und Medicamente eingebracht hat, gibt mit geringen Ausnahmen blofs die Namen nach ihrer Ausfprache ohne Beigabe der chinefifchen Zeichen, wodurch die Beftimmung fehr erfchwert wird. Dr. Bretfchneider, der als Arzt der ruffifchen Miffion in Pecking feit mehreren Jahren in China lebt und in der Gefchichte der chinefifchen Botanik gründliche Studien gemacht hat und noch macht, verficherte mich, dafs man auf die Angabe der Ausfprache der chinefifchen Bezeichnung keinen grofsen Werth legen dürfe, da das verfchieden geübte Ohr die Laute der chinefifchen Zeichen verfchieden auffafst und ebenfo die Mutterfprache des Ueberfetzers häufig die eigenthümlichen Laute für die chinefifchen Zeichen gar nicht befitzt, wie diefs befonders bei der franzöfifchen Sprache der Fall ift. Beffer eignen fich dafür die englifche und die ruffifche Sprache. Unfer pharmakologifches Inftitut befitzt 393 chinefifche Drogen, mit deren Studium ich mich vielfach und ernftlich befchäftiget habe. Es ift mir auch gelungen, mehr als die Hälfte derfelben wiffenfchaftlich zu beftimmen, allein es bleibt noch immer eine nicht geringe Zahl von unbeftimmten Artikeln übrig, über welche ich mit Hilfe der in Wien auszuftellenden chinefifchen Drogen einige Aufklärung gehofft hatte, in welcher Erwartung ich leider getäuscht worden bin, doch hoffe ich fpäter bei mehr Mufse manchen Gewinn daraus zu ziehen. In dem Specialkatalog der chinefifchen Ausftellung III. Abtheilung iſt S. II bei der Anführung der Sammlung von Dr. Kerr angegeben ,, nebft Befchreibung." Bisher war es mir nicht möglich, diefe Befchreibung zu erhalten. Nach Mittheilung des Commiffärs ift diefelbe verloren gegangen, was auch mit der Mehrzahl der chinefifchen Zeichen, welche Kerr beigegeben hatte, der Fall ift. Ich hatte in einem in der ,, Allgemeinen Illuftrirten Weltausftellungs- Zeitung" vor längerer Zeit erfchienenen Auffatze darauf aufmerkfam gemacht, wie nothwendig es fei, dafs man bei den chinefifchen Drogen die chinefifchen Zeichen und zwar wie fie in den verfchiedenen Provinzen und in den verfchiedenen Sprachdialekten üblich find und wo möglich die charakteriftifchen Theile der Pflanze, von welcher fie abftammen, jeder Droge beigebe. Wie fchwer auch das Letztere ins Werk zu fetzen ift, fo leicht hätte der erftere Wunfch erfüllt werden können. JAPAN hatte feine Drogen an der Wand in kleinen mit vorderer Glaswand verfehenen Käftchen recht inftructiv aufgeftellt. Wir müffen uns begnügen, die felben nach Pflanzentheilen geordnet vorzuführen und bemerken zugleich, dafs die Beftimmungen gröfstentheils richtig find und wenig Fehler, wahrfcheinlich auf Schreibfehlern beruhend, vorkommen. Wir treffen mehrere längst bekannte, bei uns einheimifche Pflanzen an, andere find in unferer Sammlung chinefifcher Drogen repräfentirt, daher wir uns ein Urtheil zuerkennen dürfen. Uebrigens trifft man in China die meiften hier bei Japan ausgeftellten Objecte, was bei der theilweifen Aehnlichkeit der klimatifchen Verhältniffe beider Länder und dem fteten Wechfelverkehr zwifchen ihnen fich leicht erklärt. An Früchten und Samen kommen vor jene von Anethum graveolens, Coriandrum sativum, Foeniculum vulgare, Cnidium japonicum, Papaver somniferum, Artemisia capillaris, Cannabis sativa, Cassia tora, Euphorbia Lathyris( find mehr 1. er ei Is де де n n er 1. d h n n $ n n e 3. t 1 1 ב t 1 Die Arzneiwaaren. 47 länglich als die unferigen) Globba japonica, Gleditschia japonica, Kochia scoparia, Lappa major, Linum usitatissimum, Nepeta botryoides, Malva pulchella, Perilla arguta, Plantago major, Pharbitis triloba( weifser und fchwarzer Same), Ricinus communis; ferner Früchte von Boymia rutacea, Cornus officinalis, Crataegus sanguinea, Cydonia japonica( Längsftücke der Frucht, in unferer Sammlung), Datura Stramonium, Forsythia suspensa, Gardenia florida, Juniperus rigida, Kadsura japonica, Melia japonica, Prunus amurensis, Pseudægle sepiaria, Rosa multiflora, Schizandra japonica, Zanthoxylum piperitum, Zizyphus Jujuba; Kerne von Amygdalus persica und Prunus armeniaca, Nüffe von Nelumbium speciosum. Blüthen von Alcea rosea, Amygdalus persica, Carthamus tinctorius, Celosia margaritacea, Daphne Genkwa, Lonicera japonica, Matricaria Chamomilla, Petasites japonica, Ptarmica sibirica, Pyrethrum sinense nebft einer anderen nicht beftimmten Species, Rosa rugosa, Sambucus racemosa, Sophora japonica. Blätter und Kräuter von Adiantum caudatum, Artemisia vulgaris, Digitalis purpurea, Equisetum limosum, Hydrangea Thunbergi, Hyoscyamus niger, Lonicera japonica, Mentha arvensis, Pleurogyne rotata, Polygonium tinctorium, Ptarmica sibirica, Perilla arguta, Prunella vulgaris, Salsola asparagoides, Solanum lyratum, Salvia officinalis. Rinden: Magnolia hypoleuca, Evodia glauca, Cinnamomum Loureirii( in 3 Sorten), Morus japonica, Pæonia montana. Hölzer: Juniperus rigida ( zerkleinert in dünnen Blättern), Sambucus racemosa, Sophora japonica. Wurzeln: Aconitum Fischeri( rübenförmig, ziemlich lang, ähnlich den Knollen unferes Acon. Napellus), Adenophora Thunbergii und verticillata( gelb, fpindelförmig mit vielen Querrunzeln), Akebia quinata, Alcea rosea, Amomum Zingiber, Anemarrhona asphodeloides( in unferer Sammlung vorhanden), Angelica Archangelica ( von unferer verfchieden), Angelica japonica( fieht unferer Angelicawurzel ähnlich), Alisma Plantago, Aretia personata( an dem Käftchen Arctium), Aristolochis Kæmpheri( unferer Arist. longa ähnlich), Asarum Thunbergianum, Atractylis lancea und ovata, Astragalus reflexistipulus, Atropa Belladonna( fieht mehr unferer Scopolina ähnlich), Bupleurum junceum( am Käftchen japonicum), Cocculus Thunbergii, Coptis anemonæfolia, C. brachypeta und C. trifolia, Daphnidium strychnifolium( fehr dicke, glatte, faft fteinartig ausfehende, fpindelförmige Wurzeln), Falcaria japonica, Glycyrrhiza glabra, Gentiana Bürgeri, Geum japonicum, Hoteia Thunbergii, Houttouynia cordata, Imperata Thunbergii, Leontodon Taraxacum, Menyanthes trifoliata, Melittis Melissophyllum, Nuphar japonicum, Pæonia albiflora( in unferer Sammlung), Panax Ginseng von 3 Orten( die eine Sorte ungebrüht), Panax repena( plattgedrückt mit fchüffelförmigen Vertiefungen und Seitentrieben), Plathycodon grandiflorum, Pityrosperma biternatum, Polygonum Convolvulus, Polygonum officinale, Polygala japonica, Pueraria Thunbergiana, Rheum undulatum( grofse, ziemlich lange, etwas gedrehte Stücke, aufsen gelb oder röthlichbraun, beftäubt), Sanguisorba officinalis, Scrofularia Buergeriana, Scutellaria lanceolata, einige Umbelliferen. Knollen: Asparagus lucidus, Arisæma vulgare et japonicum, Cyperus rotundus, Flueggea japonica, Ophiopogon japonicum, Scirpus tuberosus. Pilze: Boletus, Parafit des jap. Maulbeerbaumes, Pachyma in 2 nicht beftimmten Arten, Sclerotium( ohne weitere Bezeichnung). Mit Uebergehung der faft nur längft Bekanntes enthaltenden Genufsmittel, Gemüſefamen, technifchen und ölliefernden Samen erwähnen wir nur noch: Sphærococcus lichenoides, fpanifchen Pfeffer, Galläpfel von Rhus semialata ( kleiner als die gewöhnlichen chinefifchen), die Rinde von Myrica nageja ( nach mündlicher Mittheilung eines Japanefen als Fiebermittel verwendet), Kampher in kleinen Körnern in 2 Sorten: eine weniger reine, mehr röthliche, zu einzelnen Stücken und eine fehr reine, im Glafe zu einer Maffe zufammengebacken, in kleinen Kryftallen kryftallifirend, Kampheröl und andere( 28) Oele, darunter Oleum Caryophyllorum, zwei nicht näher beſtimmte Harze. Von thierifchen Stoffen gelbes und weifses Wachs, Krebsaugen, im Katalog als Canthariden bezeichnete Infecten( fchwarz mit 3 gelben Längsftreifen). 48 K. D. Ritter v. Schroff. CHINA. Die Ueberficht des aus China maffenhaft ausgeftellten uns zunächt intereffirenden Materiales war defswegen einigermassen erfchwert, weil mehrere einzelne Sammlungen vorliegen, welche häufig diefelben Gegenftände enthalten und an fehr verfchiedenen Orten untergebracht find, wodurch die Orientirung erfchwert wird. Wir müffen überhaupt bemerken, dafs diefe Ausftellung, fo fchönes Material fie auch zu weiteren Studien darbietet, doch wenig geeignet ift, ein klares Bild zuzulaffen. Wir wollen das Mögliche verfuchen und uns auf das Wichtigfte befchränken. Aufser den oben angeführten grofsen Sammlungen von Dr. Kerr und von der Central- Seezollbehörde, welche die Drogen abtheilt in einheimifche exportirte und in nach China importirte, waren noch zu erwähnen die Ausstellung von Milish in Macao, Viceconful dafelbft, welche mehrere Drogen aus Südchina enthält, ferner chinefifche Heilmittel unter der Sammlung von Janffen Vafsner nebft einigen anderen untergeordneten. Die Sammlung von Milisa enthielt nur bekannte Drogen des Handels, über welche aber intereffante Auffchlüſse gegeben werden, daher wir fie der Reihe nach aufführen: Cassia lignea in mehreren Bündeln( die jährliche Production 50-65.000 Piculs, die Durchfchnittspreife Doll. 16.75- Doll. 17 p. Picul), Flores Cassia( Prod. 1.000-2.000 Pic., Preife Doll. 27.75-28 p. Pic.), Oleum Cassie in blechernen Flafchen( Prod. 500-800 Pic., Pr. Doll. 170 p. P.), Sternanis ( Prod. 15-25.000 Pic., Pr. Doll. 24.50 p. P.), Sternanisöl in blechernen Flafchen ( 7-800 Pic., Pr. Doll. 250-255); Rhabarber, kommt in Szechuen, Schenfi und den benachbarten Provinzen vor und wird in Canton zu Markt gebracht, auch von Shanghai und Tientfien wird Rhabarber exportirt( Ausfuhr 2.500-3.000 Pic., Pr. Doll. 40-80 p. P.). Die vorliegende Rhabarberprobe von gewöhnlicher Form, planconvex, auch cylindrifch, Grundfarbe weifs, alte Stücke. Radix Curcuma eine geringere und eine beffere Sorte( Preis Doll. 4'50-5); Chinawurzel, kommt im Weften von China und in Hanan vor( Prod. 4-5.000 Pic., Preis Doll. 3.50-450 p. P.); Gallen kommen hauptfächlich von Kwanghi und auch von Szechuen,( die Ernte 10.000 Pic., exportirt 6-8.000 Pic., Pr. Doll. 11-11 25). R. Galangæ ift der kleine Galgant, der Artikel gegenwärtig fehr vernachläffigt. Pfeffermünzöl befonders in Canton deftillirt und nur von Chinefen verbraucht. ( Preis je nach Qualität Doll. 600-800 p. P.). Waifa, Farbftoff. Caneel ungefchält, kommt in Annam vor und wird in Canton auf den Markt gebracht( 3.000-4.000 P., Preis Doll. 23-24). Kampher von Formosa exportirt in Blei- und Holzkiften 1 Picul netto,( Prod. durchfchnittlich 10.000-12.000 Pic., Pr. Doll. 17-17.50 p. P.), ausgeftellt in Gläfern, bildet kleine weifse Körnchen, die im Glafe zu einem Kuchen zufammen gebacken find, geht nach Indien, Amerika, Hamburg und London, welch' letztere Stadt am meiften confumirt. Uebrigens war Kampher auch noch von anderen Seiten ausgeftellt, namentlich verdient auch Kampheröl und Kampher aus Tamfui( Formofa) erwähnt zu werden, welche als Erzeugnifs der Bereitung mittelft des ausgeftellten Apparates beigegeben find; auf dem Ofen liegt ein fehr grofser angehauener Stamm des Kampherbaumes und unterhalb Kampher- Holzfpäne nebft allen zur Kampherbereitung nothwendigen Geräthfchaften, wohin auch das Hackmeffer zum Abhacken der Kampherfpäne gehört. Evans& Comp. in Hankow brachten 2 Sorten chinefifchen Opiums, die eine aus der Provinz Szechuen, die andere aus der Provinz Yunan; jene bildet einen grofsen plan convexen Kuchen, auf der convexen Seite mit grünlichem Ueberzug, auf der flachen Seite glatt, glänzend; diefe befand fich in einem bemalten Kiftchen und ftellt einen viereckigen, dicht in Blätter gehüllten Kuchen dar, deffen Inneres noch ganz weich ift, Farbe braunroth. Aufser der von Milish ausgeftellten Rhabarber ftellten noch mehrere Andere Rhabarber aus, fo Evans& Comp. 3 Sorten von verfchiedener Qualität, ziemlich alte Waare, die erfte Qualität gut mundirt, die zweite halbmundirt, die dritte gar nicht mundirt, ftimmt mit der von Rh. Rhaponticum abftammenden Wurzel fo ziemlich Die Arzneiwaaren. 49 ülerein. Unter den Drogenmuftern der Seezoll- Behörde befand fich eine zum Export für England beftimmte Rhabarber von fehr guter Befchaffenheit, der ehemals moskowitifchen Rhabarber vollkommen gleich, die einzige fchöne Rhabarber der chinefifchen Ausstellung. Sowohl die Sammlung von Dr. Kerr, aus 151 Artikeln beftehend, als jene der Seezoll- Behörde mit 336 Artikeln enthalten viele Drogen, welche fich in unferer Sammlung befinden und die wir zu beftimmen im Stande find. Aus der letzteren Sammlung erwähnen wir Ginseng in 17 Behältern, fowohl ganz gebrühte, als halb gebrühte und ungebrühte, theils aus Korea, theils einheimifche aus der Mandfchurei. ( Uebrigens werden aus Amerika fehr grofse Mengen des amerikaniſchen Ginfeng, wie die Ausftellung der nach China importirten Artikel beweift, und aus Japan eingeführt). Von Aconitum liegen 4 Arten vor, und zwar: Kwang woo( kurze, fehr dicke, grau beftäubte Knollen), Pe fao tze( ähnlich unferen Napellusknollen), Tsaou woo, langgeftreckt, mager, Tsaou woo, mittelgrofs, fehr breit, etwas flachgedrückt ( befchrieben im„ Beitrag zur Kenntnifs des Akonit" von v. Schroff jun. Braumüller 1871); ferner Knollen von Ophiopogon japonicum, Wurzel von Pæonia rubra, Bupleurum octoradiatum, Dictamnus sp.? Libanotis, Adenophora, Radix Bryoniæ, Angelicæ, Coptis tecta, Rad. Martelli, Thalictrum rubellum, Anemarrhæna asphodeloides, Polygala tenuifolia, Arisæma japonicum, Lotuswurzel, ein grofses, fchönes Exemplar von Ingwer, das während feines Aufenthaltes in der Ausftellung ganz anftändige frifche grüne Triebe entwickelt. Blätter von Caprifolium und Hibiscus mutabilis, Equisetum hiemale. Unter den Samen und Früchten finden wir fchwarze Malvenfamen, Schilfrohr- Samen, die Früchte einer Species Forsythia, von Quisqualis indica, Cardamomen, Ricinusfamen, Früchte und Samen von Croton Tiglium, Melonen- und Pomeranzenfchalen, Querfchnitte von Citrus medica, Granatäpfel- Rinde, Hülfe der Lotusnufs, Lotusfamen, Pfirfichkerne, Samen von Salisburia adiantifolia, Mohnköpfe( fehr lang und fchmal); unter den Rinden jene von Evodium glaucum, Bamboorinde; unter den Blüthen Chamillen, Rofen, Lotusblumen. Unter den thierifchen Subftanzen find erwähnenswerth Taufendfüffe, chinefifche Canthariden, Exuviæ von Cicaden, Corallen etc.; unter den anorganifchen Auripigment, Zinnober. Als fette Oele Ricinusöl, Sefamöl und das Oel einer Scrophularinee. Von den nach China importirten Artikeln aufser manchen bereits genannten verdienen erwähnt zu werden: Kampher aus Sumatra, Borneo, alfo Dryobalanops- Kampher, in 2 Sorten( die eine beſteht aus kleinen durchfichtigen, glänzenden, die andere aus bräunlichen Stücken), Sanguis draconis von Hinterindien etc., Mutternelken aus dem indifchen Archipel, Cardamomen aus Saigon und Siam, Storaxbalfam aus Perfien( eine lichtere und dunklere Sorte), Cubeben, Rinde des Manglebaumes aus Siam, japanifches Wachs, Gummigutt von Siam, Chinaroot( der bekannte Pilz), Bezoar von Cochinchina, Agar von Japan und den malayifchen Infeln( die rohe Alge felbft und die zubereitete in der bekannten Form), zubereitete Haififchfloffen, ein chinefifcher Leckerbifsen, efsbare Vogelnefter. Indem wir die zahlreichen Theeforten dem betreffenden Berichterstatter überlaffen, führen wir noch 5 von Faber ausgeftellte Holzarten zum Räuchern an: Sandel-, Cypreffen-, Kang, Ya-, Tfchinholz. * Zum Schluffe erwähnen wir noch eine Sammlung pflanzlicher Arzneimittel, welche der Apotheker Grupe in Manilla eingefendet hatte. Sie enthielt die bei den Bewohnern der Philippinen gebräuchlichen Volks- Arzneimittel, 61 an der Zahl, von denen 54 botanifch beftimmt find, unter gleichzeitiger Angabe des tagalifchen Namens und der Art ihrer Verwendung. Diefe Sammlung erfcheint um fo werthvoller, einerfeits da fie einige nach Angabe des Ausftellers in der That auch für den Gebrauch in Europa werthvolle Drogen enthält, anderfeits aber befonders defshalb, weil fie uns willkommene Gelegenheit darbot, eine Reihe von Drogen unferer Sammlung, die wir der Güte des verftorbenen Martius verdanken, bezüglich ihrer Abftammung botanifch feftzuftellen. Diefelben befinden fich unter einer Anzahl von chinefifchen Arznei4 50 K. D. Ritter v. Schroff. mitteln, welche der Mehrzahl nach durch ein fpanifches Handlungshaus nach Europa gelangt waren, und gehören aufser China anderen Ländern, wie den Philippinen, Cochinchina, Neuholland an. Zwölf derfelben ftimmen vollkommen mit den Drogen überein, welche Dr. Preifs aus Neuholland mitgebracht und dem Hamburger Apothekerverein gefchenkt hat( ihre Befchreibung fiehe Jahrbuch für praktifche Pharmacie VIII. S. 156). Von diefen blofs mit dem einheimifchen Namen verfehenen Objecten find nun nach Grupe auf folgenden Urfprung zurückzuführen: Galamai amo, Blätter und Stengel von Polyscias odorata( Araliacea), äufserlich in Abkochung gegen Scabies; Hampas- tig- balan, Nebenwurzeln von Smilax Pseudochina, gegen Syphilis; Hierva Lagundi, Blätter und Stengel von Vitex trifolia, zu ftärkenden Bädern bei Wöchnerinen; Hierva Sambong, Kraut von Conyza balsamifera ( Asteraceæ, Composite), Aufgufs gegen weifsen Flufs; Lagdanbibi, Stengel von Menispermum Cocculus, in Abkochung zur Beförderung der Menftruation und als Abortivmittel; Niog- Niogan( bei Grupe Niug- Niugan), Holz und Früchte von Quisqualis indica( Combretacea), das Holz in Abkochung gegen Nierenleiden, die Früchte als fehr beliebtes Vermifugum; Saga( bei Grupe Saaga), holzige Wurzel von Abrus precatorius( Leguminosa), gegen Epilepfie; Suma( bei Grupe Sumac), Holz von Menispermum Coca, zu Brei zerquetfcht kleinen Kindern bei verdorbenem Magen auf den Magen zu legen; Palo sant, Holz von Sandoricum ternatum( Meliacea), zu Räucherungen bei Epidemien. Von den übrigen Gliedern der Grup e'fchen Sammlung feien hier nur folgende angeführt: 1. Dita, Rinde von Echites scholaris( Apocyneæ), eines befonders auf Luzon fehr häufig vorkommenden Baumes, bei den Eingebornen fehr beliebt bei allen Fieberarten. Grupe hat als den wirkfamen Beftandtheil derfelben einen unkryftallifirbaren, fehr hygrofkopifchen Bitterftoff, von ihm Ditaïn genannt, dargestellt und auch vorgelegt. Derfelbe foll nach dem Ergebniffe vielfacher Verfuche in Manilla das Chinin vollkommen erfetzen, ohne die Nachtheile desfelben zu befitzen, und wird von dem Ausfteller wegen des verhältnifsmäfsig geringen Preifes feiner Herſtellung auch für den europäiſchen Gebrauch empfohlen( 50 Kilogramme Ditarinde ftellen fich loco Manilla auf circa 10 Francs, I Kilo Ditain in Europa auf circa 150-160 Francs). 2. Extractum antidysentericum aus den Fruchtfchalen von Garcinia Mangostana, als ausgezeichnetes Mittel gegen chronifche Dyfenterie, fowie gegen Blennorrhöen der Harnröhre, der Blafe, des Uterus, als Klysma zu 16 Gramme Extract mit 5 Decigrammen Laudanum für 8 Klysmen; innerlich in Pillen- oder Mixturform, für Kinder als Syrup auf 30 Gramme 10-20 Centigramme Extract. Preis in Europa per Kilo 20-22 Francs. 3. Balsamo de Maria, von Calophyllum inophyllum oder Cal. Tacamahaca, dunkelgrün, zäh, von geringen Geruch. 4. Von ätherifchen Oelen ein faft farb- und geruchlofes aus einer Citrusart deftillirtes, fehr geeignet zum Verfetzen theurer ätherifcher Oele, und Oleum Unonæ odoratissimæ. Das Königreich HAWAI war, wie immer, reich an Pulu( Spreuhaare von Cibotium), aufserdem lagen Arecanüffe und Agar- Agar vor. Wir haben unferen Gang durch die Ausftellungsräumlichkeiten vollendet und uns bemüht, ein klares Bild von den unferem Referate zukommenden Gegenftänden zu liefern. Dem Lefer diefes Berichtes wird fich nicht nur eine Fülle von Kennt niffen medicinifchen Wiffens aufdrängen, er wird auch ein reiches Material finden, das ihn in den Stand fetzt, aufser dem medicinifchen Standpunkte Betrachtungen der mannigfaltigften Art anzuftellen, welche in das Gebiet des gefammten Wiffens und in die Culturverhältniffe der verfchiedenen Völker und Nationen einen tieferen Einblick geftatten. Das ift ja der höhere Gewinn, der fich aus der Bewältigung des dargebotenen maffenhaften Materiales ergibt und der nach Mafsgabe des Die Arzneiwaaren. 51 allgemeinen Wiffens nach den verfchiedenften Richtungen der Erkenntnifs verfchieden fich geftaltet, der ankryftallifirend an das Vorhandene die geiftige Bewegung freier macht und für die Löfung neuer Aufgaben mehr und mehr befähigt. Zum Schluffe erlauben wir uns noch über einige Gegenftände der Ausftellung einige kurze Bemerkungen beizufügen; es betreffen diefelben die China, das Opium und Eucalyptus Globulus. CHINA. Konnte man fchon nach der Parifer Weltausftellung das Problem, die Cultur der Chinabäume aufserhalb des Mutterlandes anderwärts einzuführen, als gelöft anfehen, fo ift diefs gegenwärtig noch bei Weitem mehr der Fall. Java und Oftindien liefern bereits in den allgemeinen Verkehr gefetzte Chinarinden, welche an den koftbaren fiebervertreibenden Alkaloiden reicher find als die Rinden der Mutterländer, womit unfere Unabhängigkeit von diefen glänzend dargethan ift. Man kennt gegenwärtig diejenigen Species des Genus Cinchona genau, welche die alkaloidreichften Rinden liefern und baut nur diefe; auch verfteht man die Art der Cultivirung und der Behandlung der Rinde bei Weitem beffer als in den Ländern des natürlichen Cinchonengebietes. Eine andere Frage ift die: Werden auch andere Länder, wo man Chinabäume zu pflanzen verfucht hat, zu einem gleichen glücklichen Refultate gelangen? Ich glaube diefelbe, fo lange die politifche Geftaltung bleibt wie fie gegenwärtig befteht, verneinen zu müffen. Java und Oftindien erfreuen fich fo günftiger klimatifcher Verhältniffe, verfügen über ein fo riefiges für die Cultur geeignetes Territorium, haben bereits einen fo grofsen Vorfprung voraus, dafs die anderwärts gemachten Verfuche auf nachhaltigen Erfolg nicht rechnen können. In Algerien hat man längft die Verfuche aufgegeben, Chinabäume zu cultiviren, Martinique, das Cinchona nitida cultivirt, Ceylon und alle übrigen Länder, wo der Verfuch gemacht wird, Chinabäume zu pflanzen, werden die Concurrenz mit dem in der Cultur der Chinabäume fo weit vorgerückten Java und Oftindien nicht beftehen können. Unfere Ausftellung bietet eine treffliche Gelegenheit dar, die Chinacultur auf Java zu ftudiren. OPIUM. Wie der Bericht zeigt, hat man in fehr vielen Ländern, welche am Opiumhandel noch nicht theilnehmen, Verfuche gemacht, Opium im eigenen Lande zu gewinnen. Die Erfahrung hat längft überzeugend nachgewiefen, dafs überall, wo Papaver somniferum gedeiht, auch ein wirkfames Opium erhalten werden kann. Abgefehen von den älteren Verfuchen in verfchiedenen Ländern, war es befonders Frankreich und Algier, wo die Opiumerzeugung erfolgreich durchgeführt zu fein fchien. Man fprach von einem franzöfifchen Opium, das einen Gehalt an Morphin von 21-22% befitzen und die Erzeugungskoften nicht nur reichlich decken, fondern einen fchönen Gewinn fichern follte. Auf der letzten Parifer Ausftellung fehlte dasfelbe und Guibourt, hierüber befragt, verhehlte mir nicht, dafs einiger Humbug dahinter gefteckt fei, nach deffen Entlarvung die Opiumerzeugung aufgehört habe. Algier brachte damals von einigen Landwirthen auf ihren Befitzungen erzeugtes Opium zur Ausftellung, das fich allerdings keines fehr grofsen Morphingehaltes erfreute, nichts deftoweniger Anlafs gab, von einem algierifchen Opium zu fprechen, das Ausficht hätte, im Handel eine Rolle zu fpielen. Unfere Ausftellung bringt zwar algierifches Opium in 2 Sorten, allein nur aus dem Acclimatifationsgarten von Algier, zugleich mit der Bemerkung, dafs die Erzeugung des Opiums bei den Landwirthen aufgehört habe, weil kein Gewinn damit verbunden fei. In der neueften Zeit hat man fich befonders auf die von Karften ausgegangene Anregung in Deutfchland, fchliesslich auch in Böhmen auf die Opiumgewinnung verlegt und jedenfalls infofern mit Glück, als man ein Opium erzielte, deffen Morphingehalt 10% und einige Percente wohl auch darüber beträgt. Ganz befonders glücklich find die in Württemberg mit den Mohnpflanzungen, zu welchen Jobft den Samen aus Kleinafien geliefert hatte, angeftellten Verfuche ausgefallen, mit welchen die auf den fürftlich Schwarzenbergifchen Herrfchaften, welche fich desfelben Materiales bedienten, in jüngfter Zeit begonnenen Experimente wetteifern; Schlefien liefert gleichfalls ein gutes, jedoch den beiden genannten etwas nachstehendes, 4* 52 K. D. Ritter v. Schroff. lohnendes Refultat. Wie fehr es übrigens auf eine zweckmäfsige Cultur der Mohnpflanze und ein richtiges Verfahren bei der Gewinnung und Einfammlung des Milchfaftes der unreifen Kapfeln der Pflanze ankommt, um ein günftiges Refultat zu erzielen, zeigen die von Gaftinel in Egypten, der Urheimat des Opiums, vorgenommenen Verfuche. Die Opiumerzeugung hatte in Egypten, wo fie einft in der gröfsten Blüthe ftand, ganz aufgehört, weil das Product mit der Zeit fo fchlecht geworden war, dafs es nur 2-3% Morphin enthielt und dafs daher dasfelbe feiner Credit vollständig verloren hatte. Seitdem Gaftinel eine beffere Methode des Anbaues und der Gewinnung angebahnt hat, erzeugt Egypten 9-10% morphinhaltiges Opium und ist kein Zweifel, dafs es fehr bald gefucht fein wird. So viel kann man fchon jetzt mit Beftimmtheit behaupten, dafs der Anbau der Mohnpflanze behufs der Opiumgewinnung überall da lohnen werde, wo fowohl das Ackerland als die Arbeitskräfte nicht zu hoch im Preife ſtehen und wo man es insbefondere verfteht, auch ſchwächere, für fchwere Arbeiten nicht hinreichende Arbeitskräfte zu verwenden. EUCALYPTUS GLOBULUS. In der Region der Eucalyptusbäume ift der Gehalt 1er Blätter an ätherifchem Oel und des Holzes an adftringirenden Beftandtheilen längst bekannt. Die Verwendung derfelben und ihrer Erzeugniffe zur Heilung miasmatifcher Fieber gelangte aber befonders feit der letzten Parifer Ausftellung erft zur Kenntnifs. Der um die Horticultur und um den Obftbau viel verdiente Beer bemühte fich, den Anbau des Eucalyptus Globulus und die Verwendung der Blätter zur Heilung von Wechſelfiebern in Wien in Anregung zu bringen, wobei er fich meines Rathes bediente. Er theilte den Samen der Pflanze reichlich aus, man gewann bald eine bedeutende Menge Exemplare und benützte die Blätter zur Erzeugung einer Tinctur, welche von einigen Aerzten, insbefondere von den M. Dr. Lorinfer und Keller, in Folge damit erzielter Heilungen von Wechfelfiebern, als ein wirkfames Fiebermittel erkannt wurde. Auch in den Malariagegenden Ungarns fahen die Aerzte günftige Erfolge nach der Anwendung diefer Tinctur. An gegentheiligen Beobachtungen fehlt es allerdings nicht, jedoch haben die Veröffentlicher derfelben, insbefondere baierifche Aerzte, immerhin einige antifebrile Wirkungen dem Mittel zuerkannt. Wenn alfo auch Eucalyptus Globulus die ChinaAlkaloide nicht zu erfetzen, und noch weniger zu verdrängen im Stande ift, fo bleibt er doch immer ein fchätzbares Surrogat, das befonders in jenen Fällen, in welchen die China- Alkaloide nicht vertragen werden oder der Organismus mit denfelben überfättigt ift, fowie in leichteren Wechſelfiebern angewendet zu werden verdient. Vergebens hat man bisher nach einem Alkaloide in der Pflanze gefucht, es ift auch keine Ausficht, ein folches in ihr zu entdecken. Als den Träger der Wirkfamkeit des Eucalyptus Globulus fieht man das in ihm reichlich vorhandene ätherifche Oel an, deffen Evaporirung man auch die Eigenfchaft zufchreibt, die Umgebung von Miasmen zu reinigen, daher man den Anbau diefes wunderbar fchnell fich entwickelnden Baumes, der ein treffliches Bauholz liefert, in Malariagegenden befonders empfiehlt. In Algier bedeckt er bereits eine Fläche von 300-400 Hektaren. Bei diefen Verhältniffen darf es nicht auffallen, dafs fich die Pharmacie diefes Baumes bald bemächtigte und die mannigfaltigften Präparate daraus anfertigte. Algier und Frankreich überbieten in diefer Beziehung alle übrigen Länder, welche ihnen übrigens eifrig nachfolgen. Befonders find es Delpech und Ardiffon, welche fowohl in der franzöfifchen als in der algierifchen Abtheilung ihre Präparate vor legen, und in der That das Möglichfte in diefem Artikel geleiftet haben. Anch andere Pharmaceuten find darin nicht zurückgeblieben. Wir finden die Blätter und Pulver von Eucalyptus Globulus( Rivoire verkauft fie zu 1 Fr. 25 C. per Kilo) und argenteus, Eucalyptol, Alcoolature, Extr. aquosum et alcohol., Capsules mit der Effenz gefüllt, Eucalyphen, Eucalyphenöl( von Miergues und Leroux in Bou farik), principe actif d'E. et de son goudron, antiputrid, antihämorrhagifch, antiepidemifch, adftringirend, vulnerär und insecticid, Eau de Toillete d'E., Bain d'E., Anticalvitique d'E., Injection d'E., Eau dentifrice d'E., Oleolé d'E., zu Frictione. Die Arzneiwaaren. 53 bei rheumatifchen Schmerzen etc., Eucalyptol saponine, Baume anésthésique local d'E., Vin d'E., Eucalypabsinthe, Prophylacticum des Fiebers zu 12 Kaffeelöffel in einem Glafe Waffer, von Rivoire, Eucalyppflafter( Taffetas vulneraire Miergues), Pâte d'E., Sirop d'E., Cigarrettes d'E. Auch Auftralien, diefes Mutterland der Eucalyptusbäume, insbefondere Victoria, Egypten, wo Gaftinel den Baum eingeführt und überdiefs ein Harz aus demfelben dargestellt hat, Venezuela, wo die Keller'fche Tinctur befonders in Anwendung fteht, liefern ähnliche Präparate. Wenn wir vielleicht die Geduld des Lefers mit unferem letzten Artikel auf eine harte Probe geftellt haben, fo gefchah diefs nur, um zu zeigen, zu welcher Fülle von Präparaten ein Modemittel, wie es Eucalyptus Globulus ift, den Anlafs geben kann. Zu medicinifchen Zwecken genügen die Tinctur und das ätherifche Oel. Wien, den 3. Auguft 1873.