OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3 UNTER REDACTION VON DR. CARL TH. RICHTER, K. K. o. ö. PROFESSOR IN PRAG. FLACHS- UND HANF- INDUSTRIE. ( Gruppe V, Section 3.) Bericht von CARL VON OBERLEITHNER, Gefellfchafter der Firma Eduard Oberleithner's Söhne in Mährifch- Schönberg. DER INTERNATIONALE CONGRESS DER FLACHS- INTERESSENTEN. Auszug aus den Protokollen, bearbeitet von ARTHUR FREIHERRN VON HOHENBRUCK, k. k. Sectionsrath im Ackerbau- Minifterium in Wien. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1874. FLACHS- UND HANF- INDUSTRIE. ( Gruppe V, Section 3.) Bericht von CARL V. OBERLEITHNER, Gefellfchafter der Firma Eduard Oberleithner's Söhne in Mährifch- Schönberg. Die Fortfchritte der Flachsinduftrie find fehr beachtenswerth und verbreiten fich auch in hocherfreulicher Weife. Belgien, Grofsbritannien, Irland und Frankreich liefsen anlässlich der Einführung der mechanifchen Flachsfpinnerei zeitweilig einen mächtigen Vorfprung vor den anderen Productionsländern erkennen. Die Weltausftellung des Jahres 1873 hat den Beweis geliefert, dafs Oefterreich und das deutfche Reich nicht nur das Verfäumte nachholten, fondern in manchen Branchen als Vorbilder dienen können. Die Expofitionen diefer Staaten gaben ein getreues Bild von den mannigfachen Ausäftungen und der reichen Blüthe diefer den beiden eben genannten Ländern angeftammten, einft Haus-, nunmehr Fabriksinduftrie. Nebft den oben genannten fünf Staaten trat Rufsland zum erften Male mit ganz fchätzenswerthen Flachserzeugniffen in die Schranken. In den anderen Staaten, wo man die Bedeutung der Wiener Weltausftellung unterfchätzte oder wo die natürliche Vorbedingung für die Flachsinduftrie, der Flachsbau, weniger reichlich fich vorfindet, begegnete man auch nur einer kleineren Anzahl von Expofitionen. Hervorragend find aber dafür unter den letzteren namentlich die füdlicher gelegenen Staaten in der Hanfproduction und Verarbeitung diefer werthvollen Fafer. Italien, Ungarn, felbft Spanien verdienen volle Anerkennung, insbefondere was die Fafererzeugung anbelangt. Es ift der conftatirte Fortfchritt weniger die Folge neuer Mafchinen oder Fabricationsweifen als vielmehr der allgemeineren Anwendung oder Veredlung bereits bekannter Herſtellungsmittel durch die Producenten felbft. Man hat dort, wo die Flachszubereitung einen Fortfchritt veranfchaulicht, das Kaltwaffer- Röftverfahren acceptirt und die dem belgifchen Verfahren entfprechende Handarbeit oder auch mafchinelle Bearbeitung des Flachsftrohes nach irifcher Weife angewendet. Mit denfelben Mafchinen, wie vor dreifsig Jahren arbeitend, zeigt die mechanifche Flachsfpinnerei dagegen einen erheblichen Fortfchritt. Das Verdienft ift allein dem Spinner zu Gute zu fchreiben. Die richtige Ver werthung des Spinnftoffes, die Sorgfalt in der Pflege der Mafchinen, die Kenntnifs des Flachfes verfchiedener Provenienz, die Herftellung entsprechender Qualitäten für die mannigfaltigften Artikel der Zwirnerei- und Weberei branche die Kenntniffe aller diefer Verhältniffe find fehr erweitert und allenthalben fehr vertieft. Wie wäre es anders möglich, dafs bei einem faft um 50 Percent höheren 2 Carl v. Oberleithner. Flachspreife als zur Zeit der Einführung der mechanifchen Spinnerei, bei höheren Arbeitslöhnen und Auslagen mannigfacher Art für Staats- und humanitäre Einrichtungen, der Garnpreis heute diefelbe Ziffer aufweifen könnte, wie vor dreifsig Jahren. Des Neueren bietet die Weberei von glatten Leinenftoffen und Zwilchen wohl nichts; es wäre denn, man wollte die allgemeinere Einführung der Powers looms, welche die Erzeugung kräftiger Qualitäten und Waaren von grofser Breite fördert, als hervorhebenswerth fignalifiren. Die Fabrication der HemdenBrufteinfätze( Chiffons), grofs und perfect, namentlich in den Expofitionen des Bielefelder Handelskammer- Bezirkes, ift ein werthvoller Factor zur Verwerthung des glatten Leinenzeuges. Wo aber der Fortfchritt für den Fachmann wie für den Laien prägnant in der Weltausftellung 1873 hervortrat, das ift in der Leinen Damaft weberei und in der Bleiche, Appretur und Aufmachung fowohl der glatten wie deffinirten Leinengewebe. Man hat es hier mit eminenten Leiftungen zu thun, auf deren Geftaltung in der Damaftweberei das Eingreifen der Kunft in die Induftrie, in den anderen Zweigen das raftlofe Streben der Fabrikanten nach möglichft edler Aufsenfeite, gepaart mit tadellofer Qualität der Stoffe, wefentlich förderlich eingewirkt haben. Die Färberei auf hoher Stufe, infoweit es fich um das Färben von Leinenzwirnen und glatten Leinenftoffen im Stück handelt, hat in der Anbringung der Farben auf Leinengarnen nur in den grauen Nuancen bisher Glück gehabt. Die Conftatirung diefer Thatfache ift von grofser Wichtigkeit, weil damit der Hauptgrund blosgelegt wird, wefshalb die Webwaaren- Fabrication dem an fie bezüglich der Anwendung der Farben ergangenen Appell bisher nicht entſprach. Die Erzeugung von mit Baumwolle gemifchten Leinenzeugen fteht nur mehr grofs da in Matratzen, Negerkleidern, Stoffrouleaux etc, alfo in farbigen Stoffen. Die Baumwolle und die Farbe find hier ganz an ihrem Platze. Erftere, weil das Baumwoll- Garn eben die Farbe leichter annimmt, fchöner wieder. bringt und auch länger anhält als das Leinengarn, Letztere, weil fie es ermöglicht, Stoffe zu liefern, welche ein häufiges Reinigen und Wafchen erfparen follen, da fie nicht auf jene Potenz der Reinlichkeit Anfpruch machen, welche allein die weifse Leib-, Tifch-, und Bettwäsche garantirt. Dagegen fcheint die Mifchung von Leinen mit Baumwolle bei der Fabrication von weifsem Leinenzeug in rapider Abnahme begriffen zu fein. Und diefs ift eine hocherfreuliche Erfcheinung. Denn wie durch die mit Baumwolle gemifchten Leinengewebe dem Trug im Leinenhandel Thür und Thor geöffnet wurde und wie durch die bezüglichen Erzeugungsftätten nach kurzem Floriren oft ganze Leinendiftricte zum Stillftand gebracht wurden, fo darf man auf die Wiederkehr des Vertrauens des Publicums in das Leinenzeug und auf das Wiederaufblühen der Leinenfabrication mit Sicherheit bauen, wenn der angedeutete Läuterungsprocefs fortfchreiten, mit anderen Worten, die Baumwoll- Mifcherei in der Weifsleinen- Fabrication ihr Ende finden wird. Möchte doch die gleiche Erfcheinung in den Erzeugungs- und Verbrauchsorten von mit Jutegarn gemengtem Leinengewebe auch alsbald zu Tage treten. Wo, wie bei allen Zeugen für Sacking, Packing etc. die Haltbarkeit, refpective die Widerftandsfähigkeit des Gewebes gegen äufsere Einwirkungen, namentlich gegen Feuchtigkeit in höchfter Potenz gefordert werden mufs, da follte man die Mifchung des Leinen mit der Jute geradezu auf das Strengfte vermeiden. Dem entgegen empfiehlt fich für gewiffe Artikel die Verwendung farbiger Jutegarne zur Mifchung mit Leinengarnen. Sie ift da eben fo vollberechtigt wie die Verwendung gefärbter Baumwoll- Garne bei der Erzeugung von farbigem Leinendrill. Die Kette der nachweisbaren Perfectionen fchliefst ein fehr werthvolles Glied. Es ift diefs die meiſterhafte Erzeugung von Damaft. Gebildwaaren halb Flachs- und Hanf- Induftrie. 3 Leinen, halb Seide. Ein Ausfteller aus Frankreich und zwei Ausfteller aus Sachfen boten Vorzügliches, Oefterreich verdient aber in diefem Fache den erften Preis, weil die Zahl der Exponenten eine grofse war, und die moderne Gefchmacksrichtung von ihnen faft ausfchliefslich eingehalten wurde. Es wäre zu wünſchen, dafs der Confum diefes Artikels durch die Weltausftellung in eben dem Mafse gehoben würde, als der Artikel anlässlich der internationalen Ausftellung Bewunderung hervorrief. Die Halbfeiden- Theeferviette hat, wie man in fo manchem Haushalte nachzuweifen vermag, viel mehr Dauerhaftigkeit, als man ihr auf den erften Blick zuzufchreiben geneigt ift. Sie ziert überdiefs die Tafel und erfcheint berufen, läuternd und belebend auf die Deffins der Reinleinen- Gebildwaaren zurückzuwirken, ift daher in letzterer Beziehung von grofsem Werthe. Was nun die Form anbelangt, in welcher die werthvollen Schöpfungen des gewerblichen Fleifses der Flachs- und Hanf- Induftrie zur Ausstellung gebracht wurden, fo mufs man conftatiren, dafs der in der öfterreichifchen Abtheilung befindliche Flachs- und Leinenwaaren- Pavillon das Höchfte an eleganter und gleichzeitig zweckentfprechender Darftellung veranfchaulicht hat, was man in der Textilbranche bisher fah. Diefe Expofition hatte auch noch das grofse Verdienft, durch höchft finnige Anordnung lehrreich zu wirken, indem fie dem Laien einen Blick in die einzelnen Phafen der Flachszubereitung und Spinnerei erfchlofs, dem Fachmanne einen Wink für künftige Ausftellungen gab und das Intereffe des grofsen Publicums für Flachsinduftrie- Producte dauernd wachzuerhalten ver fpricht.* Zahlreiche andere Ausfteller haben das Princip, die Stückwaare in Glasfchränken vorzulegen und die Prachtftücke der Gebildwaare auf Rahmen gespannt darüber anzubringen, in gleich anerkennenswerther Weife durchgeführt. Wo das Auffpannen der Gebildwaare nicht beliebt wurde, da zeigten fie diefelbe Unfcheinlichkeit, wie jene Leinenwaaren, welche ohne Glas und Rahmen ausgeftellt wurden. Vollkommen zweckentfprechend hat fich gleichfalls die Deponirung der Ausftellungsgegenstände in aufrechtftehenden Glasfchränken erwiefen. Auch wurde in vielen Fällen das Problem glücklich gelöft, weniger in die Augen fallende Artikel, wie z. B. Gefpinnfte oder Leiftungen mehrerer kleiner Erzeuger, durch eine gewiffe Uniformität im Rahmen vor dem gänzlichen Verfchwinden in den riefigen Dimenfionen des Weltbazars zu bewahren. Dafs man mit unbedeutenden Koften, aber mit gutem Gefchmacke auch eine ganz plaufible Form für die auszuftellenden Waaren herzuftellen vermag, das hat ebenfalls ein Ausfteller in der öfterreichifchen Textilabtheilung bewiefen, dem überdiefs das wenig beneidenswerthe Los zugefallen war, mit feinen Segeltüchern zwei verfügbare Winkelräume zu maskiren. Flachs. Von der hohen Bedeutung des Flachsbaues für die Agricultur und die Induſtrie fcheinen alle civilifirten Nationen überzeugt zu fein. In England, Belgien, Frankreich, Deutſchland und Oefterreich- Ungarn wetteifern feit einer Reihe von Jahren fämmtliche mafsgebende Factoren in dem Beftreben, die Flachsproduction zu heben und die Flachsfafer zu veredeln. Selbft in Rufsland, deffen Leinfaatund Flachsproduction den Confum im eigenen Lande weit überragt, hat die Regierung ihr Intereffe an diefem Culturzweige bethätigt, indem fie dem Handel mit den genannten Landesproducten durch mannigfache Einrichtungen Vorfchub zu leiften bemüht war. Die Wiener Weltausftellung hatte Gelegenheit geboten, von dem Standpunkte der Flachs cultur Kenntnifs zu erhalten. Sie ermöglichte es, die Flachsbau*) Siehe darüber auch Carl Giani, Bericht über die Pofamentirwaaren. 4 Carl v. Oberleithner. Producte in den Agriculturhallen zu fehen, in ihr fanden Aufnahme viele höchft fchätzenswerthe kartographifche Darftellungen über Flachsproduction und Confum und fie vereinigte hervorragende Männer aus allen flachsbauenden Ländern bei dem, im Monate Auguft im Palais der Jury abgehaltenen internationalen Congreffe der Flachsintereffenten. Die Verhandlungen diefes Congreffes dürften über die agricolen Verhältniffe des Flachsbaues und den derzeitigen Standpunkt der Flachszubereitung fo manchen werthvollen Auffchlufs geben. Nachdem die betreffenden Verhandlungen an anderer Stelle des Berichtes Aufnahme finden, fo kann hier nur von den ausgeftellten Flachfen die Rede fein. In der franzöfifchen Abtheilung fah man Flachfe aus Algerien, welche ein lebhaftes Intereffe zu beanfpruchen vermögen. Der Anbau des Leins wird dort im Februar vorgenommen, die Ernte findet im Mai ftatt. Jedoch hat man in Algerien auch noch eine andere Anfaatzeit. Es ift diefs der Monat October oder Anfang November. Der Lein diefer Herbftfaat wird Ende April des folgenden Jahres geerntet. Die vorgelegten Flachfe waren nicht Proben einer blofs verfuchten Leincultur, fondern fie waren die würdigen Zeugen für die vortrefflichen Eigenfchaften des, dem Handel bereits in grofsen Quantitäten zugeführten algierifchen Flachfes. Belgien, die Wiege der höheren Flachscultur, hatte fich ebenfalls an der Ausstellung betheiligt, wenngleich nur mit wenigen Sammlungen. Aber Ehre, dem Ehre gebührt! Die Courtrai- Flachfe nehmen, die Qualität betreffend, noch immer die erfte Rangftufe ein, find fehr beliebt wegen ihrer hellen, für Bleichgarne gewünſchten Farbe und dürften nur in den niederen Sortimenten, falls die Preisangaben eines belgifchen Ausftellers, welche offenbar zu hoch gegriffen waren, als Mafsftab dienen follten, einer Concurrenz entgegengehen. In diefem Wunderlande der Flachscultur herrfchen die natürlichen Vorbedingungen für den Flachsbau in reichem Mafse vor, der menfchliche Fleifs bringt fein Beftes dazu und fo fieht man denn den Leinbau alldort als Sieger gegen die Runkelrübe hervorgehen. Billige Transportmittel, darunter namentlich Canäle, ermöglichen es, das Flachsftroh auf weite Entfernungen zu den beft geeigneten Röftgewäffern zu führen, und eine weife Regierung forgt für die Hebung der Production, fowie in gleichem Mafse für den vortheilhafteften Abfatz der werthvollen Spinnfafer. Man fah daher auch unter anderen belgifchen Ausftellern aus Bruges, Courtrai, Lovendeghem, Moorbeeke und Ruddervoorde die Expofition des belgifchen Minifteriums des Innern als würdige Repräfentantin der belgifchen Flachfe. In Holland herrfchen faft diefelben Verhältniffe bei der Flachscultur vor, wie in Belgien. Zahlreiche Gefellſchaften haben fich für die Hebung der Leinfaat und Flachsproduction intereffirt. Man begegnete in der Ausftellung mehrfach Darlegungen der Refultate, welche diefe Corporationen zu erzielen in der Lage waren. Es hatten die Gefellſchaft zur Beförderung der Flachsinduftrie, defsgleichen jene zur Cultivirung des Moors in Herzogenbufch, ferner Gransberg & Comp. in Rotterdam, Hoogterp in Dockum, Poft huma& Gorter ebendafelbft Proben von vorzüglichen holländifchen Flachfen vorgelegt. Aus jenen nördlichen Ländern, in welchen die Leinenweberei noch als Hausinduftrie betrieben wird, wie diefs in Schweden, Norwegen und Dänemark der Fall ist, hatten fich einige Ausfteller ebenfalls eingefunden. Orlow Anderfen zu Friedriksborg dürfte darunter der befte Flachszüchter fein. Viel reichhaltiger als in den weftlichen Agriculturhallen fah man die Flachsbau- Producte in der öftlichen Agriculturhalle vertreten. Die Ausftellungen Deutfchlands, Oefterreichs und Rufslands gaben beinahe ein volländiges Bild des gegenwärtigen Standpunktes der Flachscultur in den genanntenStaaten, ein Bild, wie felbes, den Artikel Flachs anbelangend, keine der vorhergegangenen Weltausftellungen aufzuweifen hatte. Flachs- und Hanf- Induftrie. 5 In der Abtheilung des deutfchen Reiches waren aus dem Rheinlande und Weftphalen, wo häufig die Grünröfte angewendet wird, vorzügliche Flachfe ausgeftellt. Ueber ein aufserordentliches Erträgnifs berichtete der landwirthschaftliche Verein für Rheinpreufsen. Nach feinen Angaben war das Erträgnifs an gefchwungenem Flachs 990 bis 1125 Kilogramm per Hektare. Bezüglich der Anbaumethode.wurde bekannt gegeben, dafs diefes aufsergewöhnliche Refultat folgendem Vorgange zuzufchreiben fei: Vorfrucht Hafer, davor Klee, im Herbft Dünger, im Frühjahre Stroh abgezogen, dann mit Jauche und per Hektare circa 100 Kilo Guano gedüngt. Zahlreiche collective Ausftellungen belehrten über die Bestrebungen, welche man in Deutfchland der Hebung der Flachscultur allgemein angedeihen läfst. Hieher zählen die Expofitionen des General comités des landwirthschaftlichen Vereines in München, die collective Ausftellung aus dem Regierungsbezirke Wiesbaden. Der Flachsbau nimmt im Bezirke am hohen Wefterwald, wo wegen grofser Graswüchfigkeit des Bodens die Fruchtfolge meift auf Weidewirthschaft bafirt ift, erfreulichen Auffchwung. Auch vom Südweft- Abhange des Wefterwaldes und aus der Lahn- Tiefebene, dann aus der Gegend von Ilfen lagen Flachfe vor. Das Urtheil über diefelben lautet günftig, wenngleich auch da noch die Thauröfte vorherrfcht. In der hannoverifchen Collectivausftellung bemerkte man die Flachfe aus dem Landdroftei- Bezirke Osnabrück und zwar aus Hunteniederung, als Repräfentant des öftlichen Theiles. Durch die Einführung der mechanifchen Flachsfpinnerei hat auch in Sachfen der Flachsbau Fortfchritte zu verzeichnen. Man fand Proben derartiger Leiftungen in der Collectivausftellung fächfifcher Landwirthe. Die landwirthfchaftliche Centralftelle in Stuttgart lieferte Gefpinnftpflanzen in Samen und Stengeln, auch gefchwungenen und gehechelten Baft. Ihre Flachsausftellung kann als eine eminente hervorgehoben werden. Das Arrangement verdient ungetheiltes Lob, ihr Inhalt liefs wahrnehmen, dafs man felbft in Ländern mit niederer Eignung für den Flachsbau, durch eine emfige Cultur ganz glückliche Ergebniffe erzielen könne. An der Spitze der Beftrebungen für das Emporblühen der Flachsproduction in Deutfchland ftand von jeher die königlich preufsifche Regierung. Sie hat es gleich der württembergifchen an zahlreichen Opfern wahrlich nicht fehlen laffen. Und wo man, wie in Weftphalen und namentlich in Preufsifch- Schlefien, den Fortfchritt der Flachs cultur zu conftatiren vermag, mufs man anerkennen, dafs er die Folge von den bekannten Mafsnahmen der Regierung und einzelner hervorragender Vereine ift. In Preufsifch- Schlefien pflegen viele Grofs- Grundbefitzer den Flachsbau mit Vorliebe. Von ihrer grofsen Leiftungsfähigkeit konnte man fich in der Ausftellung durch die Flachfe zahlreicher Dominien aus den Kreifen Conftadt, Kreuzburg, Namslau und Rofenberg unterrichten. Die Dominialflachfe werden von den Spinnern hoch gefchätzt und gelangen zumeift auf dem Breslauer Flachsmarkte directe von den Händen des Producenten in jene der Spinnereien. Es find in Deutfchland jährlich bebaut mit Flachs und Hanf circa 5 Percent des Ackerlandes. Importirt werden jährlich für circa 15 Millionen Mark Werth, exportirt für circa 10 Millionen Mark, fo dafs auch dort der Bedarf bei Weitem nicht gedeckt erfcheint. Die gefteigerte Nachfrage nach Spinnmaterial und das Beftreben, den Werth der Bodenproduction zu heben, haben auch in O efterreich das Augenmerk der mafsgebenden Kreife auf die Hebung der Flachscultur geleitet. Der Initiative zweier mährifcher landwirthfchaftlicher Vereine und der Mitwirkung der kaiferlichen Regierung wird man es zu verdanken haben, wenn es gelingen follte, den fo werthvollen Culturzweig auf die Dauer zu erhalten und ihn der Induftrie nutzbar zu machen. In Niederöfterreich und Kärnten, in Böhmen, Tirol und Galizien, überall find hervorragende Männer und Corporationen ebenfalls an die Spitze der in Flufs gerathenen Bewegung getreten. Allen Bemühungen ift es gelungen, 6 Carl v. Oberleithner. den Artikel ,, Flachs" in der Weltausftellung fo vorzüglich zu exponiren, als ihn die Mufterländer des Flachsbaues fonft nur geliefert hatten. Wer vermöchte es, die fo verdienftlichen Leiftungen der landwirthschaftlichen Vereine von Mähr.- Neuftadtl, Mähr.- Schönberg, der LandwirthschaftsGefellſchaften von Wien, Laibach und Innsbruck, der Frau Fürftin Francisca von und zu Liechtenftein in Seebenftein, Niederöfterreich, des Grafen Althann, der Tefchner, Hannsdorfer, Heidenpiltfcher, Friedländer Spinnereien und vieler anderer zu unterfchätzen. Die ausgeftellten Flachfe waren zumeift Proben Desjenigen, was man aus dem öfterreichifchen Flachsftroh mittelft des belgifchen Röfte und Zubereitungsverfahrens zu fchaffen vermag. So vielfeitig glückliche Refultate berechtigen wohl zu der Hoffnung, dafs die Flachsbauer den leuchtenden Beiſpielen nachfolgen werden und in der That ift die Wahrnehmung eine hocherfreuliche, dafs namentlich im füdweftlichen Mähren der Grofs- und Klein- Grundbefitz fchon namhafte Quantitäten gefchwungener Wafferröft- Flachfe in den Handel bringt. Im Gebirge, wo die Flachsernte fpät, die Wäffer hart und von niederer Temperatur find, wo die geringe Capitalskraft den Klein- Grundbefitzer zwingt, die eingebrachte Ernte noch in demfelben Jahre zu verwerthen, da wird die Kaltwaffer- Röfte wohl nur fchwer Eingang finden. Die beffere Bearbeitung der Thauröft- Flachfe mit der Hand, oder wo die Arbeitskraft theuer mit Mafchinen, dürfte aber auch hier in Anwendung kommen. Es unterliegt keinem Zweifel, dafs die Weltausftellung in diefen Beziehungen nicht allein die Fortfchritte der hervorragendften öfterreichifchen Flachszüchter auf das Glänzendfte darlegte, fondern dafs diefer Wettkampf auch anregend auf die Zurückgebliebenen einwirken werde. Die öfterreichifchen Gebirgsgegenden find vorzüglich für den Flachsbau geeignet. Es bedarf nur eines allfeitigen Zufammenwirkens, um jenes Deficit zu decken, welches der Confum gegenüber der Production derzeit zeigt. Die von Arthur Freiherrn v. Hohenbruckverfafsten und im Pavillon des k. k. AckerbauMinifteriums ausgeftellten Karten über den Flachs- und Hanfbau der weftlichen Reichsländer find eine fehr fchätzenswerthe Arbeit, deren erläuternder Text viele beachtenswerthe Winke über den derzeitigen Standpunkt des Flachsbaues in Oefterreich und über jene Schritte enthält, welche fo vielfeitig, die Förderung der Flachscultur betreffend, unternommen wurden. Die Flachsausftellung des ruffifchen Reiches gehörte ebenfalls zu den lehrreichften. Man erhielt durch die Expofition des Börfencomité in Riga Kenntnifs von den alldort aufgeftellten Qualitätsbezeichnungen. Das ftatiftifche Comité zu Pfkow hatte eine Karte über die Flachsbau treibenden Provinzen Rufslands vorgelegt und eine reiche Ausstellung von den im Handel vorkommenden Flachfen jenes ausgebreiteten Productionsgebietes der Ausftellung gewidmet. Rufsland exportirte nach dem, vom Finanzminifterium hinausgegebenen Handelsberichte im Jahre 1871: de Leinfaat Flachs 2,400.000 Tfchetwerts im Werthe von 9,000.000 Pud 28,700.000 Rubel 99 50,000.000 29 Flachsheede 930.000 99 29 2,325.000 29 Rechnet man hinzu feinen Export an 2,000,000 27 thom Flachsgarnen im Werthe von Segeltuch sel Raventuch " Sackleinen 79 fo gibt diefs eine Exportziffer von 225.000 25.700" 750.000 99 84,025.700 Rubel. Dem gegenüber ift der Import an feiner Leinwand per circa 3,000.000 Rubel ein verfchwindend kleiner. Flachs- und Hanf- Induftrie. 7 Es dürfte fich für diefes grofse Productionsgebiet wohl empfehlen, in Rechnung zu ziehen, ob eine Herabfetzung des Zolles auf Flachsgefpinnfte und Gewebe, wenn der Eingangszoll auch immer noch ausreichend bliebe, um die ruffifche Flachsinduftrie zu fchützen, fo doch rathfam erfcheinen dürfte, um die von der Landwirthschaft gefchaffenen Werthe durch die Erleichterung des Abfatzes von Leinenmanufacten nach Rufsland wefentlich zu fteigern. Der ruffifche Flachsbau wird auch noch durch die Anwendung veredelter Zubereitungsmethoden gehoben werden. Es laffen hierüber die vorzüglich zubereiteten Flachfe des Fürften Repnine in Jagotine, der Adminiftration der Herrfchaft Kartowka und mehreSah man rer Ausfteller aus Archangel und Vologda keinen Zweifel aufkommen. doch in einer ruffifchen Garnexpofition hochfeine Gefpinnfte aus ruffifchem Materiale von fo hervorragenden Eigenfchaften, dafs die Vermuthung mehrfeitig auftrat, diefe Garne wären aus belgifchem Flachs gefponnen worden. Berichterstatter verdankt die Grundlage zu feinen Betrachtungen über Flachs in der Weltausstellung einem bewährten Fachmanne, deffen Referat in den Worten gipfelt: Zum Schluffe des kurzen Berichtes über Flachs auf der Wiener Weltausftellung will ich nur noch den Wunſch ausfprechen, dafs das ernfte Wollen und die Opferwilligkeit von Seite der verfchiedenen Behörden, Gefellſchaften. und Einzelner die Flachscultur zu heben, nicht erkalten möchte, damit die Intereffen diefes fo wichtigen Culturzweiges gewahrt und derfelbe lebensfähig fein und bleiben möge." Garne und Zwirne. Die olympifchen Zeiten mit ihren Schickfals- Spinnerinen find längft entfchwunden, vorüber find die fchönen Tage der romantifchen Zeit, wo das Spinnrädchen mit dem Pocal um die Wette die Zungen löfte. Aber in vieler Zeitgenoffen frifchem Angedenken fteht noch die traute Plauderftube- der Gang zum Rocken. Wie fie da fo friedlich beifammen fafsen, unfere Alten und am fchnurrenden Rädchen den Faden der Gefchichte in Dorf und Stadt gefchäftig weiter fpannen. De Girard's Mafchine hat der ehrfamen Spinnftube poetifchen Reiz hinweg. genommen und Millionen von Spinnrädchen zum Stillftande gebracht. Man muss fagen, dafs diefer Umfchwung zum Heile der gefammten Flachsinduftrie vor fich ging. Denn wie die Botennachricht vergebens den Wettlauf mit dem Telegramme unternehmen würde, fo wäre das mit der Hand gefponnene Flachsgarn auf die Dauer ficher im Kampfe unterlegen, gewifs infoweit, als eben das Maſchinengefpinnft der concurrirenden Baumwolle die Kraft hat, es zu vernichten. Wo das Handgefpinnft heute noch Exiftenzfähigkeit zeigt, wie z. B. in Flandern und im nördlichen Frankreich, da walten ganz eigenartige Verhältniffe vor. Verbrauchsartikel des höchften Luxus, wie Spitzen und Battifte zahlen eben derzeit noch die Handarbeit des Spinners. Es fteht aber zu erwarten, dafs in dem Mafse, als die Handarbeit in der Spitzenerzeugung durch Mafchinenarbeit an Terrain verlieren und die Spinnereitechnik in der Erzeugung hochfeiner Flachsgefpinnfte mittelft Mafchinen vorfchreiten wird, die Hand- Garnfpinnerei auch aus diefen ihren letzten Afylen verdrängt werden dürfte. Man follte daher felbft bei der Errichtung von Spinnfchulen für hochfeine Garne fchon gegenwärtig die Concurrenzfähigkeit fcharf im Auge behalten und von derartigen Inftituten, infoweit es fich um die Heranbildung von Handfpinnern für currente Leinengefpinnfte handelt, ganz abfehen. Schon die Gegenwart gehört hierin der Leinengarn- Mafchinenfpinnerei. Diefelbe hat fich eine achtunggebietende Stellung in der Fabrication erworben und im Induftriepalafte neuerlich behauptet. 8 Carl v. Oberleithner. Das Infelreich jenfeits des Canales und Frankreich waren zwar auch mit Garnen der Zahl nach fchwach vertreten, dagegen glänzten Belgien, Oefterreich, das deutfche Reich und felbft Rufsland durch Gefpinnfte von hervorragender Perfection. Den belgifchen Spinnern darf man den Ruhm nicht vorenthalten, dafs fie die Fabrication feiner Garne meiſterhaft inne haben. La Lys und St. Leonard ftehen an der Spitze. St. Leonard fcheint in den feinen Flachsgarnen einen kleinen Vorfprung erreicht zu haben, La Lys, auch hierin perfect, verdient aber diefsmal die Siegespaline unter den belgifchen Spinnern, denn ihre Werggarne zeigen diefelbe bewundernswerthe Egalität wie die Flachsgarne, was man von den anderen Werggarnen diefer Provenienz eben nicht fagen kann. Wie vormals der Name ,, Marshal- Garn" die befte Qualität bezeichnete, fo find heute die Ravensberger im deutfchen Reiche und die Hannsdorf- Halbfeiter in Oefterreich als die vorzüglichften Kettengarne, insbefondere für die mechanifche Weberei, gefchätzt. Zahlreiche andere Spinnereien der letztgenannten Staaten liefern fchwere Ketten von ebenfalls gediegener Qualität. So in Oefterreich die Wiefenberger, Lambacher, Tefchner und Spachendorfer Spinnerei, welch' letztere ein Sortiment überrafchend fchöner Gefpinnfte von hellgelber Farbe ausgeftellt hatte. Im deutfchen Reiche find bewährt Ullersdorf, Vorwärts, Alberti, Wiehart, Müller u. A. In leichten Kettengarnen excellirte befonders die Mährifch- Schönberger Spinnerei, deren gefchmackvolles Arrangement überdiefs Anerkennung verdient. Die Schufsgarn- Spinnerei Oefterreichs ift eine Specialität. Ihre Fühler bis nach Zautke in Mähren ausftreckend, hat fie ihren Sitz eigentlich in Böhmen und zwar in der Gegend von Trautenau und Hohenelbe. Die Bedeutung der böhmifchen Schufsgarn- Spinnerei geht fchon aus dem einen Momente hervor, dafs die Notirungen des Trautenauer Marktes tonangebend find für den Garnpreis hüben und drüben( Oefterreich, Preufsifch- Schlefien und Sachfen). Die collective Art, welche die Trautenau- Hohenelber Spinner für ihre Ausftellung gewählt hatten, mufs wegen der durch felbe gewonnenen Ueberfichtlichkeit fehr lobend hervorgehoben werden. Rufslands mechanifche Flachsfpinnerei datirt von derfelben Zeit wie jene Oefterreichs. Girardowo in Ruffifch- Polen und Weigelsdorf in Niederösterreich wurden beide unter den Augen de Girardé's errichtet, zählen alfo zu den älteften Flachsgarn- Mafchinenfpinnereien. Es fcheint aber, dafs man in Rufsland nicht fo rafch wie im deutfchen Zollvereine und in Oefterreich den Zeitpunkt wahrgenommen hat, dem von den Engländern completirten Spinnmafchinen- Syfteme Eingang zu verfchaffen. Oefterreich hat fchon in den dreifsiger Jahren trotz einem mit Todesftrafe verfchärften Ausfuhrverbote englifche, dann nach englifchen Modellen gebaute franzöfifche und nach der Aufhebung des Ausfuhrverbotes neuerdings Original- engliſche Flachs- Spinnmaschinen von Fairbairn und Lowfon eingeführt. Die Zahl feiner Spindeln beträgt 398.571 gegen 260.000 in Deutfchland und 1,640.000 in England. Die Zahl der Spindeln in Rufsland konnte nicht ermittelt werden, doch ift fie in fortgefetztem Steigen begriffen. Es bedurfte eben in diefem Staate eines Fermentes von Aufsen und diefs brachten die gegenwärtigen Befitzer von Girardowo in reichem Mafse mit. Indem fie diefe induftrielle Oafe zu neuer Blüthe emporbrachten, rüttelten fie die gefammte Flachsinduftrie Rufslands gleichfam aus dem Schlafe. Die Girardower Gefpinnfte reihen fich den beften Deutſchlands würdig an und geben kräftige Gewebe, wofür die aus denfelben verfertigten, ebenfalls ausgeftellten Leinen- und Damaftwaaren Zeugnifs ablegten. Ein ruffifcher Ausfteller hatte mit hellen, feinen Flachsgarnen von grofser Egalität debutirt, welche nach feiner Angabe aus ruffifchem Flachfe erzeugt worden fein follen. Die Tammerforfer Actiengeſellſchaft im Grofsfürftenthum Finnland ftellte nebft fehr fchönen Kettengarnen fehr geringe Schufsgarne aus. Flachs- und Hanf- Induftrie. 9 Kettengarne von folcher Perfection und Schufsgarne von folcher Unegalität ift man, aus einem und demfelben Spinnerei- Etabliffement herrührend, anderswo zu fehen nicht gewohnt. Die notificirte Preisdifferenz entfchuldigt nicht vollkommen, wohl aber die ifolirte Lage diefer Spinnerei von den Centren der Fabrication. Es unterliegt keinem Zweifel, dafs in der Weltausftellung 1873 die mechanifche Flachs- Spinnerei Oefterreichs Anfpruch auf den Löwenantheil der Anerkennung erheben konnte. Zählte doch die öfterreichifche Abtheilung der FlachsfpinnerBranche 74 Ausfteller und unter diefen die Expofition von Oberleithner's Söhne & Cie. aus Schönberg und Hannsdorf- Halbfeit, über welche ein ausländifcher Berichterstatter fagt: " In einem quadratförmigen Raume von der Gröfse eines mässigen Saales, nur fehr viel höher abgefchloffen von der öftlichen Hauptgallerie durch blaue Damaftportièren, befindet fich eine kleine Ausftellung von einem recht wichtigen, aber im Leben für höchft unfcheinbar erachteten Material, von Flachs, welche ich in Bezug auf gefchmackvolle Anordnung geradezu unter die Perlen des ganzen riefigen Gebäudes zählen mufs und dringend zur Befichtigung empfehle. Es iſt vielleicht kein zweites Beiſpiel dort vorhanden, welches fo geeignet wäre, die Herrfchaft des kunftgerecht fchöpferiſchen Genies über das rohe Material zu illuftriren, denn man tritt mit einer Art von heiliger Ueberrafchung in diefen kleinen Tempel ein, und dennoch ift's nur eine einfache Zelle mit Flachs und Fabricaten aus diefem Material, und es ift nicht fehr wahrfcheinlich, dafs der Lefer aus diefer Schilderung auch nur annähernd einen der Wirklichkeit entfprechenden Eindruck erhalten wird. In der Mitte erhebt fich eine Fontaine von etwa zehn Fufs Höhe, auf deren ornamentalem Mittelftück( wafferfpeiende Köpfe etc.) die lebensgrofse Statue einer italienifchen Spinnerin fteht, den Rocken unter dem linken Arme, den Faden fammt dem hängenden Knäuel mit der rechten drehend. Das fprudelnde Waffer fällt in eine mächtige Schale von 10 Fufs im Durchmeffer, die mit Weinlaub und Früchten des Feldes und des Gartens lieblich umkränzt ift, ftrömt aus Löwenmäulern ab und fliefst in dünnem Schleier hin und wieder über den Rand des mit glatt und zopfartig geflochtenem Tauwerk fchön gezierten Beckens in den Boden, aus dem Flachs und andere Stauden neben Schilf und Blattpflanzen wie Alifma etc. auffteigen, und das Alles ift ohne Ausnahme von Flachs gemacht, felbft das Waffer unter der Statue der Spinnerin. Rings an den Wänden liegen mannigfache Producte aus demfelben Material in vollendet fchöner Ausfchmückung und nirgends ein Wort der Reclame; in der That diefe Kapelle fpricht für fich felbft! Sogar den Namen des Ausftellers entdeckt man nur aufserhalb. Und was ift es, was fo bewunderungswürdig wirkt? Die prunklofe Schönheit der Form und Gruppirung in Verbindung mit der Einheit und Harmonie der Farbe, welche wie eine fchöne Bleiftift- Zeichnung in den fanfteften Uebergängen vom hellften Licht zum tiefften Schatten abgetönt ift- nirgends ein Mifston, wohin auch das Auge fich wende. Niemand follte verfäumen, diefes Cabinetftück zu fehen und daraus lernen, wie viel fich mit fo Wenigem erreichen läfst." Leider ift die Lage der mechanifchen Flachsfpinnereien augenblicklich keine günftige. Auf der ganzen Linie herrfcht Entmuthigung, welche fich am unwiderleglichften nachweifen läfst durch die in den letzten Jahren eingetretene Stagnation in der Errichtung von Flachsfpinnerei- Etabliffements. Man muss nebft den äufseren Feinden, die da find die Baumwoll- und Jutegefpinnfte, auch diejenigen im eigenen Lager erwähnen. Mangel an zureichendem Spinnftoffe oder, wo er der Maffe nach vorhanden ift, Mangel an gut zubereitetem, preiswürdigen Flachfe, hat die gedeihliche Entwicklung der Flachsſpinnerei an und für fich empfindlich gefchädigt. Der weite Kreis der Confumenten des Leinen wurde bedeutend gefchmälert durch den notorifchen Widerwillen der grofsen Approvifionirungsftätten für 10 Carl v. Oberleithner. das ftehende Heer, fowie des kleinften Händlers mit Leibwäfche gegen Alles, was den Namen„ Leinen" führt. In Grofsbritannien und Irland klagt man über theuere Kohlen und fchwierige Arbeiterverhältniffe. Auf dem Continente und namentlich in Oefterreich, wo die Spinnerei-Anlagen viel koftfpieliger find, die Art des Gefchäftsbetriebes grofse Flachs- und Garnlager zu halten bemüffigt, da fchmälert der hohe Zinsfufs das reine Einkommen in einer früher nicht geahnten Weife. Es wird des rafcheften Eingreifens aller an dem Beftande der Flachsinduftrie betheiligten Factoren bedürfen, um die Flachsfpinnerei, diefes hochwichtige Mittelglied zwifchen Flachsbau und Leinenmanufactur neu zu kräftigen. Man darf von der Einficht der Intereffenten erwarten, dafs fie den einzig richtigen Weg, als den man bezeichnen mufs:" Hebung des Flachsbaues, Steigerung des Confums der Flachsinduftrie- Ergeugniffe, Herbeifchaffung von billigem Capital", unverzüglich einfchlagen werden, um den faft in ganz Europa heimifchen Induftriezweig zum Frommen der Bodencultur und gewerblichen Thätig keit wieder emporzurichten. Ueber die ausgeftellten Leinenzwirne hat Berichterstatter nachfolgendes fachmännische Urtheil eingeholt: Die Fabrication von Leinenzwirnen dürfte faft fo alt fein als die des Hand garnes und hatte ihren Sitz in Oefterreich, hauptfächlich im Norden Böhmens. Man fand im Pavillon des Welthandels Auffchreibungen aus dem Ende des XVIII. Jahrhundertes vom Leitmeritzer Kreife, worin diefe Induftrie als bedeutend in Schönlinde genannt wurde. Im Anfange unferes Jahrhundertes wurde die Zwirnerei- Induftrie nach Schlefien verpflanzt und felbe ift bis heute hauptfächlich in diefen beiden Gebirgsgegenden geblieben, obwohl auch in Tirol etwas Leinenzwirne erzeugt werden. Die Zwirne wurden zuerft mit hölzernen Hand- Drehftühlen hergeftellt und erft feit Erfindung der Flachsfpinnerei auf Mafchinen, mit welcher gleichzeitig auch Mafchinen- Drehftühle erfunden wurden, hat man letztere für Leinenzwirne ( in Oefterreich 1848) in Anwendung gebracht. Es find aber heute noch immer in Oefterreich beide Fabricationsweifen in Uebung, wenn auch die anderen Länder keine Handarbeit mehr zur Zwirnerei benützen. Bis zur Zeit der Einführung der Mafchinenfpinnerei war die Zwirnerei ein von diefer getrennter Induftriezweig; feit diefer Zeit unterfcheidet man aber Zwirner, die felbft fpinnen, und folche, die fremde Garne zwirnen, und bei Letzteren eben wieder Mafchinen- und Handzwirner. Die gröfsten Fortfchritte in der Zwirnerei und der mit ihr eng verbundenen Färberei und Appretur der Zwirne hatten die Engländer und Franzofen gemacht, fo zwar, dafs die Fabrikanten der anderen Länder fich immer anftrengen mufsten, um mit jenen gleichen Schritt halten zu können. Heute ift jedenfalls fchon eine gröfsere Gleichmäfsigkeit in den Leiftungen der anderen Länder untereinander eingetreten, da in den letzten Jahren keine auffallende Neuerungen mehr gebracht worden find und die Nachftrebenden Fortfchritte gemacht haben. Die Blüthezeit hatte dieíe Induftrie erreicht, als die Nähmafchine gröfseren Kreifen( in Oefterreich circa 1865) zugänglich wurde und mit ihr der BaumwollZwirn anfing den Leinenzwirn zu verdrängen. Die gröfsere Elafticität, Gleichheit und Billigkeit, wenn auch bedeutend geringere Feftigkeit des Baumwoll- Fadens fichern ihm die Zukunft bei der Nähmafchine in Fällen, wo die Feftigkeit nicht den Ausfchlag gibt, und wenn es auch endlich gelungen ift, einen vollkommen entsprechenden Leinenzwirn für Nähmafchinen zu fabriciren, der für jede Schiffchenmafchine( Howe, Singer) fehr zu empfehlen und dem Baumwoll- Faden gewifs vorzuziehen ift, fo wird die Greifer ( Wheeler& Wilfon-) Mafchine doch mit ihrer bedeutenden Leiftung in Weifs Flachs- und Hanf- Induſtrie. 11 wäfche mit Baumwoll- Zwirn nähen und dadurch dem Leinenzwirn ein grofses Feld entzogen bleiben. Von der Gröfse der Etabliffements, deren Spindelzahl, Appretur, Mafchinen, kurz von dem ganzen Betrieb diefer Induftrie läfst fich kein Bild entwerfen, da nur wenige Fabrikanten diefes Induftriezweiges Daten zu geben geneigt find und faft Jeder in Etwas geheimnisvoll bleibt.. In Appreturen unterfcheiden fich hauptfächlich drei Sorten: Die englifche, der fogenannte„ Common finifh", eine matte, weiche, fich fett anfühlende Appretur; die franzöfifche, wovon eine ähnlich der englifchen und eine zweite eine Wachsappretur ift; die Glanzappretur, hart und weich, welche in allen Ländern auf verfchiedene Art mit ziemlich gleichem Refultate angewendet wird. Aufgemacht wurden die Leinenzwirne in England nach dem Gewichte, auf dem Continente nach dem Längenmafse, doch hat heute faft jede Fabrik bereits beide Arten in Gebrauch genommen. So lange nicht metrifche Nummern, Mafs und Gewicht obligatorifch eingeführt find, und auch jedes Packet Zwirn damit bezeichnet werden mufs, wird eine gewiffe unfolide Concurrenz aus diefer Induftrie nicht zu bannen fein und dem reell ftrebenden Fabrikanten ein fchwerer Stand bleiben. Nun zum Berichte über die einzelnen Länder und Ausfteller, welche von Weften nach Often betrachtet werden follen. In England haben drei bewährte Spinner und Zwirner ausgeftellt. Marfhal& Comp., Leeds, haben ihre anerkannten Pfundknaul- Strähn- und Spulenzwirne gefandt, Wm. Barboun& Sons, Lisburn, ähnliche Packungen und Specialitäten von Schufsgarn, einfach bis fechsfach, dann L. Ainsworth, Cleator Zwirn in allen englifchen Packungen. Ainsworth war unter den Erften, welche ganz brauchbare Leinenfpulen für Nähmaschinen gemacht haben. Die Bleiche und Färberei diefer drei Ausfteller ift fchön. Frankreich fandte nur eine kleine collective Ausftellung feiner ganz bedeutenden Zwirninduftrie in Lille; es haben die Firmen: Crespel& Detcamps, Roger& fils, Scrive frères, Ph. Vrau& Comp. ausgeftellt und die verfchiedenen bekannten, gefchmackvollen Packungen in kleinen Knäueln( Pelottes) dann Strähnchen, Spulen, Stopfgarn, Spitzenzwirn, in Weifs und befonders fchönen Farben zur Anficht gebracht. Die Zwirner Lilles fpinnen gewöhnlich nicht felbft. Italien hat nur eine kleinere Leinenzwirn- Ausftellung von Vittorio Lanza, Torre Pelice, die uns jedoch zeigt, dafs man in Italien auch mit diefem Induftriezweige zu befaffen allmälig fich entfchliefst. Belgien genofs die Befriedigung, die befte Form der Ausstellung gefunden zu haben. Es haben die Firmen: Cummont Deele rag, Aloft, J. B. Elieart, Nixove, J. B. Jelie, Aloft, J. Stichelmann& Sohn, Nixove, fehr überfichtlich gezeigt, dafs fie im Stande find, alle gewünſchten Sorten, Farben und Aufmachungen zu liefern. Die belgifchen Zwirner ſpinnen nicht felbft, da fie die guten grofsen Spinnereien an der Lys zu ihren Dienften haben. Die Bleiche von Cunont- Deelereg verdient befondere Erwähnung. Aus Deutfchland fahen wir zwei Ausftellungen der bewährten Spinner und Zwirner: H. C. Müller, Hirfchfeld, und S. D. Prufchwitz Söhne, Neufalz. Erfteres Etabliffement ragt durch fchönes Weifs und Farben hervor, während Letzteres für feine fchwarzen Zwirne befondere Anerkennung verdient. Es find noch die Zwirner C. Knapp, Pfullingen, mit Leinenfpulen- Zwirn und W. Marggraff, Beringen, mit diverfen Zwirnen hervorzuheben. In Oefterreich fanden wir in der Hauptgallerie Jofef Kühnel, Engelsberg, Spinner und Zwirner und in den Seitengallerien: Anton Friedrich jun., 12 Carl v. Oberleithner. Schönlinde, Jofef May's Sohn, Schönlinde, Jofef Mücke jun., Schönlinde, Ph. Michel's Witwe, Kreibitz, Carl Weifs, Daubitz. Ausgeftellt waren fämmtliche in Oefterreich fpeciell gangbaren Pack- und Schockzwirne, von J. May's Sohn und C. Weifs englifche Packungen und von den meiften Imitationen franzöfifcher Aufmachungen. Glatte Leinen und Zwilche. Die gefonderte Berichterftattung über diefe zwei Arten Gewebe würde fich vom Standpunkte der Weberei empfehlen, die Ueberfichtlichkeit aber fehr beeinträchtigen. Es hat den Anfchein, dafs die deutfche Ausstellungscommiffion, deren Syftem der räumlichen Anordnung man allgemeine Anerkennung zollte, ebenfalls die Ueberfichtlichkeit anlässlich der Rangirung ihrer Expofitionen höher zu ftellen für erfpriefslich erachtete, als die Sonderung diefer Gewebearten nach den vom Standpunkte der Weberei hiefür geltend zu machenden Gründen. Fafst man die Zwecke ins Auge, welchen Glattleinen und Drilche dienen follen, fo würde man nachfolgende Abgrenzung vorfinden: Segeltuch- Leinen; Packing und Sacking; rothe und färbige Drells; Drells für Bekleidungszwecke; Hausleinen; appretirte Leinen; Hemdeinfätze. Stricte vermag man aber bei der Berichterstattung auch diefe Reihenfolge nicht einzuhalten, da ein induftrieller Bezirk, ja oft ein Erzeuger mehrere der aufgezählten Sorten exponirt hatte. Möglichft will aber im Nachftehenden der aufgeftellten Claffification Rechnung getragen werden. Auf dem weiten Ocean, wo des Schiffers Glück und Ende zumeist von der Widerftandsfähigkeit des Segels abhängt, da erprobt fich die Qualität des verwendeten Materials, die Regelmässigkeit des Gewebes; fie ftehen beim Segeltuch obenan, der Preis wird Nebenfache. Je eine Segelleinen- Fabrik Frankreichs, Belgiens, Rufslands und zwei Oefterreichs vermögen den Anfpruch auf den vollen Befitz der angedeuteten Vorzüge zu erheben. Unftreitig ftehen Joubert, Bonnaire& Comp. in Angers( tiffage mécanique) mit ihren Hanf- und Flachs- Segelleinen première qualité No. o bis 7, qualité extra No. o bis 6 oben an. Man kann fich ein vollkommeneres Gewebe gar nicht denken und hat die Berechtigung, von den verwendeten Hanfgarnen der eigenen Spinnerei einen Schlufs auf die Haltbarkeit diefer eminenten Segeltücher zu ziehen. Mit Joubert wetteifern W. Wilford in Belgien und A. Baron v. Stieglitz in Rufsland. Das Etabliffement des Letzteren, im Gouvernement St. Petersburg gelegen, erzeugt mittelst 132 Webftühlen Segel- und Deckentücher, wie fie gleich perfect fonft nur aus den Mufterftätten älterer Induftrieftaaten hervorzugehen pflegen. Kein W nder nun, dafs nach folchen Vorgängern der Oefterreicher ftolz auf das von J. romann& Sohn in Sternberg( Mähren) ausgeftellte Segelleinen fieht, welches unmittelbar an das franzöfifche anzureihen ift. Während man den im deutfchen Reiche mit mechanifchen Webftühlen erzeugten Artikeln auf den erften Blick den Vorrang vor den Geweben des Hand- Webftuhles zuerkennen mufs, laffen Gromann's Fabricate wahrnehmen, dafs man mit Sorgfalt in der Fabrication und tüchtigen Handwebern Stoffe hervorbringen kann, welche bis zu den tadellofeften des Power loom's hinanreichen. Mannigfaltig find überdiefs diefes ftrebfamen Haufes Artikel. Man findet darunter wafferdichte, unverwesliche, dann farbiggeftreifte und carrirte Flachs- Segeltuche, Säcke ohne Naht, Matrofen - Flachs- und Hanf- Induftrie. 13 wäfche und Kleiderfäcke, Water- proof- Decken und Segeltuche aus Towgarn bis 312 Centimeter Breite. Eine rege Concurrenz entwickelt auf derfelben Bahn die Actiengefellſchaft der Leinen-, Spinn- und Webefabrik in Brünn. Man kann ihr Auftreten nur freudig begrüfsen, denn Oefterreichs Kriegsmarine, wohl fieggekrönt, zählt der Segel nicht viele, aber feine Handelsmarine ift dafür um fo beachtenswerther. Das deutfche Reich hatte Proben feiner Leiftungsfähigkeit, namentlich in der Herftellung von Drilchen grofser Breiten gegeben. Die mechanifche Weberei von E. Bodewig& Comp. in Mülheim am Rhein brachte 4 Meter 55 Centimeter bis 7 Meter 58 Centimeter breite Doppeldrilche, Johann Gotthelf Burfche in Pulsnitz( Sachfen) Atlasgewebe, genannt Ledertuch zu Lowry- Decken Handgefpinnft und Weberei von 4 Meter 12 Centimeter Breite. Vorzüglich find für Segelleinen, Segeltuch- Säcke und Prefsbeutel ohne Naht Fröhlich& Wolf in Caffel, für Säcke Tränkner& Würker in Leipzig und Grofs- Hartmannsdorf, für Leinen Filter, Prefsdrills, Twift, Leinen, Schlammbeutel, Gebrüder Kutfcher in Zoerbig bei Halle an der Saale, für Hopfendrills und carrirte Hopfendrills Gebrüder Weinberger in Nürnberg, Baiern. - Ein neues Abfatzgebiet den Drills zu verfchaffen, ftreben Plaut& Sohn in Nordhaufen am Hark an. Indem fie den Drill färbig bedrucken, führen fie den an und für fich unfcheinbaren Stoff ganz gewandt unter dem Namen:„ Läufer" in Mitten des bürgerlichen Wohnhaufes ein. Die gewählten Farben find: auf weifsem Grunde grün oder fchwarz, auf rothem Grunde kaifergelb, auf hellgelbem Grunde fchwarz. Im Fache Packing und Sacking fteht, was Oefterreich betrifft, nur die Expofition von Heinrich Klinger in Zwittau( Mähren) ebenbürtig da. Die vorgelegten Poftfahr- Beutel, Pulverfäcke, Doppelzwilch und anderen Zwecken dienlichen Gewebe zeugen von emfiger und auch verftändiger Fabrication; fie find gleich den beften Deutſchlands. Aber diefen Exponenten ausgenommen, kann man Rühmliches vom Zwittauer Fabrikskreife der Weltausftellung nach- nicht fagen. Wie wäre das auch anders möglich! Durch ein Machtwort auf den Ausfterbe- Etat gefetzt, fiecht diefe in manchen Kriegszeiten bewährte Erzeugungsftätte für Heereserforderniffe dahin, während die Ausftellungen des deutfchen Reiches und Frankreichs beweifen, dafs Flachs- und Hanfgewebe wahrlich noch für die gleichen Zwecke probat erfcheinen können, wenn eben nur der gute Wille für fie eintritt. In Deutfchland ift es die Hausinduftrie, wie felbe in Mähren auch vorkommt, welche das Leinenzeug für ärarifchen Bedarf liefert. In Frankreich hatten Villard, Caftelbon& Vial in Armentières( Nord) und Voiron ( Ifère) für Militärlieferungen fabricirte rohe, cremirte und gebleichte Leinen von 80 Centimeter bis 2 Meter 40 Centimeter, dann Drills und Vareufe zu 72 Centimeter, ferner Vérité, Bidault& Comp. au Mans( tiffage mécanique) Hanfgewebe für Kriegs- und Marinezwecke von 70 bis 75 bis 81 Centimeter, auch mit farbigen Streifen( liteaux) nebft Haushalt- Leinen ausgeftellt. Hiemit ift wohl der Beweis für die Verwendbarkeit der Leinen im Militär- Haushalt genügend erbracht. Im grofsen Ganzen hat der Verbrauch der bisher befprochenen Gewebe in letzterer Zeit mannigfache Zuflufscanäle erhalten. Es gebieten die Rückfichten auf die möglichft ausgebreitete Entwicklung des Verkehres an und für fich die Herabfetzung der Frachttarife. Dem in diefer Beziehung von den grofsen Transportgefellfchaften ets entgegen geftellten ,, non possumus" konnte man nur damit entgegen. wirken, dafs man ihres Werthes wegen früher in gedeckten Waggons transportirte Waaren, nun des billigeren Tarifes wegen den urfprünglich offenen, nunmehr für folche Güter mit getünchten und ungetünchten Decken verfehenen Lowrys anvertraut. Im Transportwefen finden diefe Artikel weiters ausgebreitete Verwendung bei den Poftanſtalten. Durch den maffenhaften Getreideverkehr, welchen das Eifenbahn- Wefen der Neuzeit im Vereine mit der Schifffahrt vermittelt, hat der Verbrauch von Getreide- und Mehlfäcken eine vorher nie geahnte Ausdehnung 14 Carl v. Oberleithner. erlangt. Die riefige Entfaltung der Zuckerinduftrie und Bierbrauerei macht die Prefsdrills, Filter für erftere, die Hopfendrills für letztere zu Artikeln des grofsen Confums. Abgefehen von dem maffenhaften Verbrauch von Zeltleinen für Kriegsund Vergnügungszwecke finden diefe Gewebe für humanitäre Einrichtungen ausgebreitete Verwendung. Die Lage der Verwundeten durch Abhaltung fchädlicher von Sonnenftrahlen und Regen herbeigebrachten Einwirkungen zu mildern, dienen die mannigfaltigften Apparate, deren Vorführung die Weltausftellung 1873 in dem Sanitätspavillon eine würdige Stätte eingeräumt hat. Mit dem allgewaltigen Auffchwunge, welchen das Feuerlöfch- Weien genommen hat und annoch nimmt, geht Hand in Hand die Frage nach Rettungsfchläuchen, Feuereimern, Springtuch etc. Wäre die Concurrenz einzelner gleichartiger, aus der Jute erzeugter Artikel( von welchen fpäter die Rede fein wird) nicht aufgetreten, dann hätte die Flachs- und Hanffabrication in den betreffenden Branchen koloffale Dimenfionen angenommen. Doch darf man den hier behandelten Flachs- und Hanfftoffen nicht die Concurrenzfähigkeit abfprechen, denn unter normalen Verhältniffen fcheint der Confum fich mehr diefen haltbaren Geweben wieder zuzuwenden und auf die billigeren Jute- Erzeugniffe zu verzichten. Dem Feinheitsgrade des verwendeten Materials nach ftehen von Leinen ftoffen zunächft die rohen und farbigen Drills für Treppenläufer, Möbelzeug und Rouleaux. Deren Beftimmung iſt, den Comfort der Wohnungen zu erhöhen, oder als Ueberzug die elaftifchen Schwingungen auf der Federmatratze gleichmäfsig zu vertheilen. Das Leinen bildet in diefen Stoffen gleichfam die Grundlage der Dauerhaftigkeit. Es räumt Schritt für Schritt der Baumwolle in dem Mafse den Platz, als der Deffin die Anwendung von Farben verlangt, welche die Leinengarn- Färberei bisher zu liefern nicht vermochte. Die beliebteften Farben find derzeit: roth, gelb, braun, grün; feltener begegnet man der blauen Farbe. Für Roth wird zumeift das Türkifchroth der Baumwoll- Garne gewählt: doch konnte man bei einigen Stücken auch das Rofa angewendet finden. Gelb und Grün fcheint man mit Vorliebe in den matten Tönen zu lieben. Das Catechubraun ift fehr empfehlenswerth, weil es dem Gefpinnft verhältnifsmäfsig die gröfste Feftigkeit ertheilt. Die Centren von Ganz- und Halbleinen- Drills für Matratzen- und Rouleauxftoffe, welche da find: in Oefterreich Sternberg( Mähren), in Deutſch land Göppingen( Württemberg), waren reichhaltig vertreten. Die Sternberger Collectivausftellung repräfentirte diefen Induftriezweig in einer Grofsartig. keit, wie man folche felbft für eine Weltausftellung im eigenen Lande impofanter nicht zu verlangen vermag. Gebrüder Gröger und Norbert Langer's Söhne, die bekannten Hauptträger diefes Fabricationszweiges, ferner Heeg& Friedmann haben die genannte Collectivausftellung zu einer der hervorragendften geftaltet. Das nächft Sternberg gelegene Bärn gab Kunde von feinem Eintritte in diefelbe Webereibranche durch die gediegenen Ausftellungen von Porfch& Ricker, fowie Hanfel Moriz. Man begegnete den gleichen Stoffen ferner in den Expofitionen von Camilla Fölfer zu Lichtenau in Oberöfterreich und Wilhelm, Strache zu Rumburg in Böhmen. Dafs folche dichte Gewebe kräftige Arbeiter erfordern, ift felbftverſtändlich. Man findet daher die Handweberei diefer Artikel meift in den Gebirgsgegenden, wo die Arbeitskraft nicht verweichlicht und überdiefs der Lohn billig ift. Im deutfchen Reiche waren die Vitrinen der Göppinger Fabrikanten Gegenſtand allgemeiner Aufmerkſamkeit. Den alten Ruf der Göppinger Drills bewährten Kaufmann& Söhne, welche eine mechanifche Weberei hiefür mit 127 Power looms errichtet haben und einen Umfatz von 404.000 fl. erzielen. J. B. Gutmann und Andere ebendafelbft zeugten für die grofse Ausdehnung diefer Fabrication in Württemberg. Mittelft der Expofition von C. A. Heffe jun. in Sebnitz nahm Sachfen gleichfalls hervorragenden Antheil an der Preis Flachs- und Hanf- Induftrie. 15 bewerbung für vorzügliche Leiftungen in diefem Genre. Gefchmackvolle Zufammenftellung und lebhafte Farben find Zierden der Erzeugniffe diefes Haufes. Die Göppinger Drills variiren in den Breiten von 140, 136, 120 bis 102 Centimeter und führen letztere den Namen Schuhdrills. Dem Ameublement in den füdlicheren Ländern zu entfprechen, erfcheinen die Möbeldamafte aus Leinen berufen. Die Firma Auguft Küfferle& Comp. in Wien verdient für die Einführung ftiliftifcher, von Künftlerhand entworfener Deffins volle Anerkennung. Ihr Fabricat zeichnet fich durch die gediegenfte Qualität, tadellofefte Fabrication und Wahl jener Farben aus, welche im Leinen echt hervorzubringen, daher dauerhaft find. Das fchon früher genannte Haus Norbert Langer's Sohne in Sternberg hatte auch in diefem Artikel Vorzügliches vorgelegt und muss man namentlich deffen perfecte Appretur hervorheben. Auch Oberöfterreich legte Proben feiner Leiftungsfähigkeit durch Johann Mathie fen. in Haslach vor. Mit grofsem Intereffe betrachtete jeder Fachmann die Möbeldamafte von Chriftian Dierig in Oberlangenbielau( Preufsifch- Schlefien). Diefer Fabrikant hat die Verkörperung des Deffins gleichfalls mittelft des reinen Jaquards acceptirt. Nur erfcheinen feine Gewebe vermöge ihrer feineren Qualität und ihres hohen Appretes bei Weitem dichter. Die Streifen des Grundes zeigen lebhafte, harmonifch aneinander gereihte Farben, die Conturen des Deffins der Mafchine heben fich wirkungsvoll ab. Man mufs den genannten Ausftellern das Verdienft zufprechen, dafs fie die Blicke der Erzeuger und Confumenten auf den Leinen- Möbelft off gelenkt haben. Denn nicht die Vervollkommnung der gangbaren Leinenartikel allein vermag den Abfatz von Flachsinduftrie- Erzeugniffen zu fördern. Es müffen neue oder wenigftens von der Fabrication minder beachtete Stoffe aufgefucht werden und zu letzteren dürften wohl die Leinendamaft- Möbelftoffe zählen. Sehr gering war die Zahl der Ausfteller von Drills für Bekleidungs zwecke. Doch fand der bekanntermafsen fehr fchwierig herzuftellende Artikel einige Hauptrepräfentanten. Wieder gehörten diefelben den öfterreichifchen und deutfchen Abtheilungen an. Es fällt fchwer zwifchen Vonwiller& Comp. in Haslach( Oefterreich), Kämmel's Erben& Comp. zu Grofs Schönau( Sachfen), J. J. Trendel's Sohn in Culmbach( Baiern) einen Unterfchied bezüglich deren Leiftungsfähigkeit zu ergründen. Man kann nur aus der Ueberlegenheit Vonwiller's, die diefe Fabrik in naturellen und gebleichten Drills zeigt, den Schlufs ziehen, dafs deren Erzeugung hauptfächlich für in den füdlicheren Ländern Europas beliebte Artikel berechnet ift. Im Exportgefchäfte nach Amerika find die Drills von Kämmel's Erben& Comp. rühmlichft bekannt und J. J. Trendel's Sohn fabriciren nach deren eigener Angabe nur für den Confum in Deutſchland. Hier trat auch zum erften Male die Leinenfabrication Italiens mit anerkennungswerthen Leiftungen auf. Während die Deffins der früher befprochenen Fabriken des deutfchen Reiches und Oefterreichs in ihren, den franzöfifchen und englifchen Concurrenten gleich hoch zu haltenden Kleiderftoffen, die zarten Rayirungen, die lieblichen Carreaux zur Schau tragen, zeigen die italienifchen Bekleidungsdrills Conturen, welche anderwärts kaum anfprechen dürften. Auch ftehen die Farben diefer Stoffe weit ab und beunruhigen das Auge. Wer aber den Gefchmack des italienifchen Landvolkes kennt, der weifs, dafs diefe Gewebe mit grauem, bis an kaffeebraun hinüber changirendem Grundton, fchwarz und fchmutzig gelb rayirten, quadrillirten und geflammten Muftern jenes Farbenfpiel find, welches fich dort in den leinenen Bekleidungsftoffen eingebürgert zu haben fcheint. Fratelli Remaggi in Navacchio und Pifa, fowie Affetto Fratelli in Chieri ( Torino) legten derartige Stoffe vor, denen vom Standpunkte der Fabrication Anerkennung gefpendet werden mufs. Im Fache der Hausleinen- Erzeugung, zu welchem auch ein Theil der Militärleinen zählt, fteht unbedingt, nach der Ausftellung zu urtheilen, Frankreich obenan. 2 16 Carl v. Oberleithner. " Die Collection von Villard, Caftelbon und Vial in Armentières ( Nord) und Voiron( Ifère) belehrte über die gangbarften Bleichgrade und Sorten. Man fah da rohe, cremirte und gebleichte Artikel. Leinen von 80 Centimeter, Betttücher von 2 Meter 40 Centimeter, Serviettes de toilette mit rothen Streifen von 65 s/ r 75, 68 s/ r 85, 70 s/ r 75 s/ r 70. Dann Zwilche von 72 Centimeter und Vareufe für Militärlieferungen, Franfenfervietten von 60, 70 und 80 Centimeter, theils roth, gelb und braun carrirt, theils geftreift, Küchentücher und Oeuil de perdrix. Ebenfo reichhaltig war die Expofition von J. Verité, Pidault& Comp. au Mans( Tiffage mécanique) in Lieferwaaren aus Hanfgarnen für das franzöfifche Kriegs- und Marineminifterium. Diefe und ihre Haushalt- Leinen haben 70, 80 bis 90 Centimeter, dann 2 und 3 Meter 70 Centimeter Breite und werden an ihnen diverfe Weifsegrade, toile écrue, cremée blanc de Pré und blanc de lait gekennzeichnet. Die regelmäfsige Stufenleiter der Breiten der franzöfifchen Leinen, welche dem Metermafs angepafst find, führt unwillkürlich zur Betrachtung oder zur Erwägung jener Mittel, welche geeignet erfcheinen dürften, das Chaos der in anderen Ländern gebräuchlichen Breiten ein für alle Mal zu nichte zu machen. Die Einführung des Metermafses in Deutfchland und Oefterreich wird hiezu den erften Impuls geben. Sie drängt die Frage: Welche Breiten werden gewählt werden müffen?" auch in diefen Ländern geradezu als eine der Beantwortung hochwichtige in den Vordergrund. Deren Löfung ift nicht fo einfach, als es auf den erften Blick fcheint. Denn es werden die Fabrication der Gewebe und die Confumenten der letzteren fich vereinigen müffen, um für jeden Artikel diejenigen Breiten feftzuftellen, deren Einführung nicht allzu grofse Koften für den Stofferzeuger und deren Maafse dem Confumenten das bieten, was der Zweck, für den er das Gewebe befchafft, verlangt. Als man an die einheitliche Garnnumerirung bei dem diefsbezüglichen internationalen Congreffe ging, begegnete man ähnlichen Schwierigkeiten. Es gelang aber dennoch, die vorzüglichften Spinnereibezirke des Continentes für das aufgeftellte Syftem zu gewinnen. Nur in England fcheint wenig Neigung vorhanden zu fein, von dem dort gangbaren Garnnumerirungs- Syftem abzulaffen. Diefs wird wohl auch der Fall fein, wenn eine andere Mafseinheit, als die Yard, von den Leinenintereffenten proponirt werden follte. Dadurch werden fich aber hoffentlich die Continentalen nicht abfchrecken laffen, denn deren Induftrie fteht ja derzeit fchon zumeift auf eigenen Füfsen. Auch ift der Confum innerhalb des Continentes ein fo beachtenswerther, dafs man ein felbftftändiges Vorgehen nicht mehr zu den Wagniffen zählen darf. Und wie nachtheilig die verfchiedenen Breiten auf den Verkehr mit Geweben, felbft nur zwifchen Nachbarftaaten wirken, dafür möge ein Beiſpiel zeugen. Die ausgebreitete mährifch- fchlefifche Fabrication liefert Leinen von 78 und 88 Centimeter; dem entgegen ift das weftphälifche Leinen circa 84 Centimeter breit. Wäre nicht fchon der Zoll zwifchen Oefterreich und Deutfchland ein faft unüberfteigliches Hindernifs für den Verfchleifs der Leinen von einem Zollgebiete nach dem anderen, fo würde ein nicht unerhebliches die namhaft gemachte Differenz der Waarenbreite bilden. Es kann für Leinenfabrikanten und Confumenten daher nichts dringlicher erfcheinen, als in dem Augenblicke, wo das Metermafs faft allgemein eingeführt werden mufs, zufammenzutreten und eine Einigung herbeizuführen. Kaum dürfte es ferner einen würdigeren Verhandlungsgegenstand als den foeben angeregten für den deutfchen und öfterreichifchen Leineninduftriellen- Verein geben. Von feiner Intervention darf man anhoffen, dafs die Behandlung diefes Gegenftandes alsbald vor ein internationales Forum gelangen werde. Mit der Erzeugung von Hausleinen und dergleichen Leinenwaaren hat fich die derzeitige Provinz Hannover von Alters her befchäftigt. In der Ausftellung war wenig hannover'fche Waare zu fehen. Ueber fie und ihr Erzeugungsgebiet gab aber das vorgelegte Werk:„ Zur Statiſtik der Leineninduftrie und des Leggewefens der Provinz Hannover von Wilhelm Woltmann, königlicher LeggeInfpector", den wahrheitsgetreueften Bericht. Es möge geftattet fein, auf diefe Flachs- und Hanf- Induſtrie. 17 fehr verdienftliche Brochure überhaupt aufmerksam zu machen und deren Schlufswort zur Stelle wiederzugeben. Dasfelbe lautet: ,, Die Leinwandinduftrie als Hausinduftrie geht rückwärts. Flachsbauen. Flachsbereiten, Spinnen und Weben find heut zu Tage keine Induftriezweige mehr, welche zugleich und nur als Nebenbefchäftigung betrieben, doch noch auf der Höhe der Zeit fich halten und mit letzterer fortfchreiten können. Die Verhältniffe, unter welchen die Leineninduftrie als Hausinduftrie einft. fich entwickelt hat und emporgeftiegen ift, haben im Laufe der Zeit durch die Einführung von Maſchinen auf dem fraglichen Induftriegebiete eine folche Umwandlung erfahren, dafs, wenn fchon der deprimirende Einfluss der Mafchinen auf die Handarbeit nicht bei allen Zweigen der Induftrie in gleichem Mafse fich zeigt, die Handarbeit vielmehr unter beftimmten Vorausfetzungen neben der Maſchinenarbeit noch recht wohl zu beftehen vermag, ihr, der Leineninduftrie, im Grofsen und Ganzen aber doch die Hauptbedingung für die Fortexiftenz in der bisherigen Geftalt das ift keine Concurrenz durch mechanifche Kräfte- genommen ift. Eine Hauptbedingung nur bedarf bei alle dem zunächft noch der Erfüllung und die befteht darin, dafs hinfichtlich des Betriebes der Flachscultur mehr und allgemeiner noch wie bisher den alten unzweckmässigen Gewohnheiten der Abfchied gegeben wird und Culturmethoden zur Ein- und Durchführung gelangen, welche geeignet find, den Fabriksbetrieb in feinen einzelnen Zwecken kräftig zu ftützen und die fegensreiche Entwicklung desfelben zu fördern." Da wäre denn für alle auf dem nationalen Flachs- und Hanfbau bafirenden Hausinduftrien der allein heilverfprechende Weg klar vorgezeichnet. Und man fah denfelben auch der Ausftellung nach bereits mit Glück vielfeitig betreten. So in den ganz vorzüglichen Expofitionen von Brunet& Serrat zu Barcelona. in Spanien und in der vollkommen würdigen Darftellung der Fabrication öfterreichifcher Hausleinen, welche die Römerftädter Fabrikanten gebracht hatten. Indem fie den fabriksmäfsigen Betrieb aufnahmen und ihre Gewebe einem forgfältigeren Bleichverfahren unterziehen, bringen fie ihre Waare auf den Standpunkt, welchen der Confum heut' zu Tage verlangt und fichern fich das innegehabte Abfatzgebiet. Das Intereffe der Frauenwelt am Linnen bethätigte fich lebhaft an den Vitrinen, welche gebleichte und appretirte Leinenzeuge aufgenommen hatten. Der aufmerkfame Beobachter konnte da die erfreuliche Wahrnehmung machen, dafs Diamanten, Perlen und Balltoilette den Sinn des weiblichen Gefchlechtes für die Gegenftände des Haushaltes nicht in dem Mafse abforbirt haben, wie man allgemein anzunehmen fcheint. Es war eine wahre Freude, den mannigfaltigften Ausrufen des Entzückens zu laufchen, welche den Lippen des zarten Gefchlechtes an den Expofitionen fo manchen Leinenausftellers entfchlüpften. Diefe hatten aber auch das Möglichfte geleiftet, um Kennern und Laien Auffchlufs über den gegenwärtigen Standpunkt der Fabrication von appretirten Leinen zu geben. Der Schmuck des Linnen ift der ihm eigenthümliche Glanz. Man muss den irifchen Bleichern und Appreteuren Gerechtigkeit widerfahren laffen. Sie haben es erfunden, den Geweben aus Mafchinengeſpinnft faft denfelben Glanz zu verleihen, welcher die Zierde der Handgarn- Leinwand war. Umfonft verfuchte man es bisher den Leinen mittelft Mange oder Cylinder den Appret der Beatlingmafchine eigen zu machen. Diefer ift an und für fich koftfpielig. Er wird noch dadurch erheblich vertheuert, weil er ein grundweifses Gewebe vom Bleicher verlangt. Waare, welche letztere Eigenfchaft nicht befitzt, verliert unter den Hämmern der Beatlingmafchine, deren Vorzug ift, den Faden an feiner ganzen Peripherie zu glätten, den früheren, allerdings nur oberflächlich vorhanden gewefenen Grad der Weifse. Man fieht daher auch nur da die Beatlingappretur mit Erfolg angewandt, wo das Bleichverfahren ebenfalls Fortfchritte aufzuweifen hat. Unftreitig find in Bleiche und Appret die Oefterreicher den Irländern am nächften gerückt. Man erinnere fich an die hervorragenden Leinenausftellungen 2* 18 Carl v. Oberleithner. aus Mähren, Schlefien und auch Böhmen und man wird zugeftehen, dafs mit Ausnahme der Tafchentücher von der Blaubeurer Bleiche in Württemberg, kein anderes als das öfterreichifche dem irifchen Leinen gleich hoch zu halten ift. Die minder günftigen klimatifchen Verhältniffe, welche der Continent gegenüber der grünen Infel aufweift, fcheinen von den öfterreichifchen Fabrikanten durch mannigfache Abweichungen von dem irifchen Bleichfyftem wett gemacht worden zu fein. Diefen Aenderungen dürfte man überdiefs die gröfsere Dauerhaftigkeit der mährifch- fchlefifchen Leinen zu verdanken haben. Der hohe Grad der Weifse, welchen der öfterreichifch- ungarifche Markt felbft für die ordinärften Leinengewebe verlangt, wird als Beweis für die Zweckmäfsigkeit des diefsfeitigen Bleichverfahrens fprechen. In der That trägt auch noch eine entsprechende Appretur nicht allein zum gefälligeren Anfehen der Gewebe bei, fondern fie ift, wie fchon früher angedeutet, der Prüfftein des vollendeten Bleichgrades. Ueberdiefs wird die auf Lager gehaltene, gut gebleichte und appretirte Leinwand im Detailhandel viel weniger dem Befchmutzen und Zerknittern unterworfen fein, als Waaren von minderem finiſh. Den Beleg hiefür liefert der Vergleich zwifchen einer gut und minder gut geputzten( geplätteten) Manchette. Auf der gleichen Stufe wie die irifchen und öfterreichifchen Leinen ftehen, was Bleiche und Appret anbelangt, die Tafchentücher von A. F. Lang in Blaubeuren und Lang& Seiz in Stuttgart. Beide von der Blaubeurer Bleiche herrührend, zeugen für die vollkommene Aneignung des irifchen Verfahrens. Die königlich württembergifche Regierung hatte erkannt, dafs zur Hebung der heimifchen Leineninduftrie namentlich die Einführung eines befferen Bleichverfahrens beitragen könne. Bleicher und Appreteure wurden auf Staatskoften aus Irland ins Land gezogen und erhalten. Deren Wirken war ein erfolgreiches. Es fand thatkräftige Unterstützung an dem Befitzer des Etabliffements Eduard Lang und fo zählt heute noch die Blaubeurer Bleiche zu den erften Deutfchlands. Was Bielefeld im Fache der Bleiche leiftet, ift rühmlich bekannt. Sein Appret läfst jedoch einen gewiffen Moire wahrnehmen, welcher beim weifsen Leinen in der Regel nicht gewünſcht wird. Die belgifche Waare von Rey aîné in Brüffel ift vorzüglich gebleicht; fonft bot die Ausftellung keine gediegene Leiftungen feitens Belgiens in diefem Fache. Man kann den Franzofen die Anerkennung nicht vorenthalten, dafs fie es unübertrefflich verftehen, das feinfte Linnen und den Batift zu bleichen und zu appretiren. Der franzöfifche Appret ift mild, Schufs und Kette des gitterartigen Gewebes erfcheinen wie Silberfäden lofe an einander gereiht, und doch ift die Fläche fo gefchloffen, als wäre der irifche high finifh bei der Appretur angewendet worden. Das find nicht zu unterfchätzende Vorzüge, welche die ihrem edlen Webemateriale nach höchft koftbaren Stoffe im Werthe noch fteigern. Bei den glatten Leinen fpielt auch die Aufmachung eine nicht unbedeu. tende Rolle. In der Regel ift die fogenannte Adjuftirung für den einheimifchen Markt möglichst einfach. Je weiter die Verbrauchsgebiete entlegen find, je mehr die Kundfchaft den äufseren Schein dem inneren Gehalte vorzieht, oder für letzteren das Verſtändnifs nicht hat, defto mannigfaltiger und bunter mufs die Aufmachung gewählt werden. Dafs man hierin des Guten zu viel thun kann, haben viele Expofitionen leider bewiefen. Man fah in vielen Schränken mehr Papier, Bandwerk und Etiquetten als Leinwand. Der Meifter in gefchmackvoller Adjuftirung fcheint das Haus S. C. Fenton& Comp.. in Belfaft zu fein. Sein prachtvoll weifses Linnen brachte in der Aufmachung unbedingt das Neuefte und Gefchmackvollfte, Queen's Linen, Family Linen, Shirting Linen, Bramante Florete waren in unerreichter Weife nett und durchaus nicht überladen adjuftirt. Als eine Gefchmacksverirrung mufs man dagegen jene fargartige Adjuftirung bezeichnen, welche zwei andere irifche Aussteller für Havy Linen family uſe und Tafchentücher gewählt hatten. Die irifche Leinenausftellung war an Zahl der Exponenten klein, wenn gleich fehr verdienftvolle Leiftungen aufweifend. Dickfon, Furgufon& Comp. Flachs- und Hanf- Induftrie. - 19 hatten Leinen und Tafchentücher von fchöner Bleiche gebracht und excellirten auch in bedruckten Kleiderftoffen. Die Expofition von Jaffe Brothers war fehr reichhaltig. Nebft ihren Imperial fronting havy family extra ftrong Linen, ihren fchön verzierten grano de oro, find hervorhebenswerth deren gebleichte, geftickte, bedruckte Leinen- und Batift- Tafchentücher. Diefe und ihre Kleiderleinen haben fehr gefchmackvolle Deffins. Das von C. Pegler& Comp. in Leeds vorgelegte Sortiment irifcher Leinen und ungebleichter Tafchentücher reiht fich den irifchen an. Frankreich fteht noch immer an der Spitze der Batiftfabrication. Bricout Molet in Cambrai erfcheinen als die beften Repräfentanten diefes Fabricationszweiges. Sie hatten die fchönften Batifte und darunter auch einige mit farbigen eingelegten Borduren exponirt. Ihnen verdankte man auch einen Einblick in jenes koftbare Material, aus welchem die hochfeinen Artikel erzeugt werden. Es find diefs Handgefpinnfte von Nr. 315 bis 710. Intereffant dürften nachfolgende Angaben über Länge und Gewicht diefer Garne fein; Nr. 315 hält 10.140 Meter im Gewichte von 45 Gramm, fomit 225.300 Meter per Kilo. Nr. 460 hält 16.600 Meter im Gewichte von 50 Gramm, fomit 332.000 Meter per Kilo, das feinfte, Nr. 750 hält 12.285 Meter im Gewichte von 24 Gramm, fomit 512.000 Meter per Kilo. Bucholz& Comp. in Valenciennes verdienen grofse Anerkennung für ihre Batifte écrue mit farbigem Rand, dann weifse und gedruckte Batift- Tafchentücher, deren Deffins äufserft gefchmackvoll und folid find. Die Deffins von F. Secour in Valenciennes find mehr bizarr, dürften aber gerade den Beifall derjenigen haben, bei denen der Chicque obenan fteht. Simonot Godard ebenfalls in Valenciennes, zeichnet fich aus durch Foulards en fil pour robes et mouchoirs de poche imprimés, toile fantaifie pour menure, rayée, färbig gewebt. Die weftliche Längengallerie des Induſtriepalaftes beherbergte eine ihrem Umfange nach grofse, und ihrem Inhalte nach reichhaltige Expofition. Es war diefs das belgifche Linnen, zur Anfchauung gebracht von Rey aîné in Brüffel, welches über die Fortfchritte der mechanifchen Weberei für fchwere Leinen Auffchlufs gibt. Rey aîné hat für glatte Leinen und Gebildwaare nahe an 1000 Power looms im Gange. Die vorgelegten Mufterbücher waren eine höchft fchätzenswerthe Collection. Im deutfchen Reiche nimmt die Bielefelder Fabrication den erften Rang ein. Zeitweilig durch das Hangen am Handgefpinnft in Verfall gerathen, hat fie in neuefter Zeit einen bewundernswerthen Auffchwung bethätigt. Die Errichtung von mechanifchen Flachsfpinnereien, deren an anderer Stelle bereits lobend gedacht wurde, mufs als erfter Schritt auf der fo glücklich betretenen fortfchrittlichen Bahn bezeichnet werden. Ihr folgte naturgemäfs der Uebergang zur fabriksmäfsigen Weberei. Und fördernd gefellte fich die Fabrication von Einfätzen für Leibwäfche hinzu, in welcher derzeit das Bielefelder Gefchäft culminirt. Die Zahl der für Hemdeinfätze befchäftigten Nähmafchinen beziffert fich in Bielefeld auf 2200, in Herfort auf 400. Die vorgelegten Hemdeinfätze zeugten für die Grofsartigkeit diefes neuen Induftriezweiges. Erwähnt und hervorgehoben werden follen zur Stelle die aufgelegenen Mufterbücher von S. A. Stern sen. in Bielefeld, weil fie in fyftematiſcher Anordnung die verfchiedenen Deffins darftellen und die Reichhaltigkeit der durchweg gefchmackvollen Mufter erkennen laffen. In Stückwaare, fogenannten Bielefelder Leinen, excellirten Bertels mann& Bergmann, A. W. Kisker, Gebrüder Wertheimer u. A. Hemdeneinfätze mit reizenden Stickereien hatte auch Jäger& Volz. in Strafsburg exponirt. Obgleich der Anwendung von bildlichen Darftellungen nicht abfolut entgegen, möchte den Fabrikanten von Hemdeneinfätzen doch möglichft vorfichtige Wahl auf das Wärmfte hiermit empfohlen werden. Man konnte da Extravaganzen wahrnehmen, welche zu beklagen find. 29 Für den Artikel Tafchentücher" find in der deutfchen Abtheilung, Württemberg und Preufsifch- Schlefien rühmlich eingetreten. 20 Carl v. Oberleithner. Entfprechende Qualität, nette Borduren, ausgezeichnete Bleiche und Appretur kennzeichnen die Tafchentücher von A. F. Lang zu Blaubeuren in Württemberg, deren Fabrication überhaupt ganz nach englifchen Vorbildern eingerichtet ift. Einen Schlag von leichteren Sacktüchern zu 41, 55 und 61 Centimeter, roh gebleicht, bedruckt, fehr forgfältig fabricirt, nett adjuftirt und viel Muftergefchmack verrathend, erblickte man in der Collectiv- Ausftellung von Lauban in Preufsifch- Schlefien. Wenn Ausftellungen den Zweck haben follen, Auffchlufs zu geben über den Standpunkt der Production, fo ift die Wiener Weltausftellung ein willkommener Anlafs gewefen, um den immenfen Fortfchritt der öfterreichifchen Leinenfabrication klar zu legen. Dahin fpricht fich auch das Urtheil ausländifcher Fachgenoffen aus und zuftimmen werden die Befucher aus aller Herren Länder. Von den Hauptleinen- Fabriksdiftricten waren hervorragende Leiftungen zu verzeichnen. Die mährifch- fchlefifchen Leinen aus den Schönberger und Freiwaldauer Fabriken, die Rumburger Weben und die Hohenelber Schocke und Tafchentücher nahmen den erften Rang ein. Wahl des Materiales, Weberei, Bleiche, Appretur und Aufmachung der bezeichneten mährifch- fchlefifchen Leinenwaaren ftellen fie auf die gleiche Stufe, welche die irifchen Leinen einnehmen. Den Kaufleuten waren die fchweren. Qualitäten der Leinenwaaren- Fabrik von Eduard Oberleithner's Söhne in Mährifch- Schönberg allbekannt. Das grofse Publicum wird Gelegenheit gefunden haben, fein Urtheil über diefs gröfste Leinenhaus Oefterreichs fich zu bilden. Gleich fchwere und vorzügliche Leinen fah man in den äufserft gefchmackvollen Ausftellungen von Regenhardt& Raymann in Freiwaldau und Carl Sieglsen. in Mährifch- Schönberg. Was diefe drei Expofitionen an Leinwand enthielten, war Alles muftergiltig. Sie haben ein getreues Bild ihrer vielfältigen Artikel als da find: 30ellige Leinen, Creas, Irländer, Rumburger Weben und Betttücher- Leinen in allen gangbaren Breiten gegeben und ihre Vorbilder allfeitig erreicht. Ihre und der Firma Auguft Küfferle& Comp. in Freiwaldau, Bleich- und Appreturanftalten find grofsartig in der Anlage und eminent in den Leiftungen. Die Aufmachung diefer Leinenfabricate entſprach vollkommen dem foliden Charakter der Gewebe, fie liefs an Nettigkeit und Perfection nichts zu wünſchen übrig. Dem Haufe Regenhardt& Raymannift es überdiefs gelungen, den öfterreichifchen Markt mit nach irifcher Weife erzeugten Tafchentüchern zu verfehen und den Confum der Original- Irländer Sacktücher in Oefterreich- Ungarn auf ein Minimum einzufchränken. Leinen von gleich fchwerem Schlag lieferte auch die Collectivausftellung von Rumburger Weben. Johann Richter jun. in Georgswald( Böhmen) und Mai& Hohlfeld in Georgswald( Böhmen) hatten diefen Artikel bis zum Preife von 250 fl. per Stück à 54 Ellen ausgeftellt. Das Maſchinengarn herrfcht Handderzeit auch fchon in den Rumburger Weben vor. An den Ausdruck gefpinnft" gemahnen nur mehr wenige Stücke. Es fteht zu erwarten, dafs diefe Bezeichnung auch an den Rumburger Weben bald verfchwinden wird, wie fie bei den Bielefelder Leinen den Charakter eines Ehrenprädicates verloren hat. Dort wird fie fchon wie ein verklungenes Märchen aus alter Zeit betrachtet. " Die Hohenelber rohen, gebleichten und farbigen Leinen und Tafchentücher konnte man bei keiner der vorhergehenden Ausftellungen fo hoch fchätzen lernen als bei der Wiener. Es ift diefs eine Sorte wohl leichterer Qualität, aber für den Confum, welchem fie zugeführt wird, in jeder Beziehung entfprechend. Die böhmifchen Handweber find fehr gewandt in der Anfertigung folcher Gewebe. Sie arbeiten viel für Exporthäufer der benachbarten Leinendiftricte des deutfchen Reiches. Ihre Lebensexiftenz hatte man vorzüglich im Auge, als das fogenannte Appreturverfahren in dem neuen Zollvertrage zwifchen Oefterreich und dem deutfchen Zollvereine Aufnahme fand. Hätte man damals den Antrag Flachs- und Hanf- Induftrie. 21 der mährifchen Leinenfabrikanten, welcher auf den vollſtändig freien Verkehr mit Leinengefpinnften und Geweben zwifchen Oefterreich- Ungarn und dem deutfchen Zollvereine einrieth, von Seite der vertragfchliefsenden Staaten angenommen, fo wäre dem Schmuggel mit Leinen mit einem Male das Handwerk gelegt worden, zu dem das Appreturverfahren nicht unwefentlich beitragen foll. Tauchmann& Söhne in Starkenbach, J. A. Kluge in Hermannfeifen und Oberaltftadt, Dominik Jerie in Starkenbach und viele Andere waren würdige Vertreter des Hohenelber Fabriksbezirkes. Die Zahl der hervorragenden Ausfteller in der öfterreichifchen Leinenabtheilung ift übrigens eine fo grofse gewefen, dafs die Aufzählung der Namen die Form eines Kataloges annehmen würde. Doch kann man nicht umhin, an die gediegenen Fabricate zu erinnern, welche Anton Hönig& Söhne in MährifchSchönberg, F. A. Heinz in Freudenthal, Anton Schmidt in Grofs- Ullersdorf, Camilla Fölfer in Lichtenau, der Wiener Weltausftellung geliefert hatten. Die mechanifche Weberei befindet fich in Oefterreich, was Leinen anbelangt, noch in den Kinderjahren. Zur Ehre der mährifch- fchlefifchen Handweber fei es gefagt, dafs fie den an früherer Stelle hervorgehobenen böhmifchen Webern an Gefchicklichkeit vollſtändig gleich ftehen. Man hat daher auch, als die Seidenweberei von Wien auszuwandern begann, das Augenmerk hauptsächlich auf die angedeutete Arbeitskraft angewendet, und fich in den Erwartungen nicht getäuscht. Die Leinen- Handweberei wird aber dem Schickfale der Handfpinnerei nicht entgehen. Es haben die mechanifch gewebten Leinenartikel der erzherzoglich Albrecht'fchen Fabrik in Tefchen, der Freiwaldauer und eines Schönberger Etabliffements gezeigt, dafs die Maſchinenweberei rüftig vorwärts fchreitet. Man producirt in diefen Werkstätten zwar noch theurer mit dem Kraftftuhl als mit der Hand, jedoch bieten die Rafchheit der Erzeugung und die Vorzüge der Fabrication in gefchloffenen Etabliffements nicht zu unterfchätzende Vortheile. Diefe werden bei dem raftlofen Fortfchritt, welchen die Mechanik auf allen Feldern bethätigt, wohl noch durch leichtere Handhabung und geringere Anfprüche des Power looms an die bewegende Kraft als bisher, unterſtützt werden. Oefterreich- Ungarn mufs grofsen Werth auf die Erhaltung und Entwicklung feiner Leinenwaaren- Induftrie legen. Sie bafirt auf dem einheimifchen Flachs- und Hanfbau, fie ift eine Ziffer des Activhandels, mit der man rechnen mufs. Selbftredend find nachfolgende Daten, welche den Antheil der einzelnen Textilinduftrien am öfterreichiſch- ungarifchen Import und Export während der Jahre 1868, 1869, 1870 klar darftellen. Baumwoll- Waaren Wollenwaren Seidenwaaren Summa dagegen Import 4,624.210 15,194.203 20,348.153 40,166.566 Export 5,882.665 16,412.046 10,344.000 32,638.711 Export Leinenwaaren Import 2,817.007 • 15.610.096 Es überfteigt daher der Export den Import an Leinenwaaren um öfterreichifche Währung fl. 12,793.089 oder in Percenten ausgedrückt um mehr als 450 Percent und ift defshalb der vollen Berücksichtigung werth. Die k. k. öfterreichiſche Regierung hat der Förderung des Flachsbaues bereits ihr Augenmerk zugewendet. Man kann ihren Bemühungen nach diefer Richtung nur ungetheilte Anerkennung zollen. Anders fteht es mit der Förderung der Spinnerei- und Webereibranche und mit der Eröffnung von neuen Abſatzgebieten. Mafchinen für Spinnerei und Weberei find bekanntlich aus dem Auslande annoch zu beziehen. Deren zollfreie Einfuhr fiel den fiscalifchen Rück 22 Carl v. Oberleithner. fichten, gewifs nicht dem Auffchwunge der heimifchen Mafchinenbau- Anstalten, zum Opfer. Die Befteuerung, im grofsen Ganzen eine empfindliche Belaftung der Gewerbe, artet namentlich den grofsen Etabliffements gegenüber an manchen Orten in Härte aus. Sie iſt auch nicht gleichmässig dem kleinen Mann gegenüber. Selbft der Lohnweber wird nicht nach einem Principe befteuert; in manchen Bezirken hält man ihn zur Steuerleiftung an, während er in anderen davon gänzlich enthoben ift. Mit gewohnter Offenheit wird diefs conftatirt, aber auch zugeftandendafs mit Abhilfen in diefer Richtung allein die öfterreichiſche Flachsinduftrie nicht gefichert werden kann. Sie wären Gaben der väterlichen Fürforge, für welche die k. k. Regierung gewifs den tiefgefühlteften Dank aller Betheiligten ernten würde. Das Uebel liegt jedoch tiefer. Seitdem das lombardifch- venetianifche Königreich von Oefterreich losgelöft wurde, ift der Verluft eines für die Leinenwaaren- Fabrication hochwichtigen Abfatzgebietes zu beklagen. Die Production überfteigt den Confum im Inlande. Eine unglückliche Getreide- Ernte in Ungarn reicht hin, eine Gefchäftsftockung herbeizuführen, wie fie die Gegenwart aufzuweifen hat, trotzdem die öfterreichifche Leinenfabrication aus Anlafs der Wiener Weltausftellung, fowie der durch die allgemeine Bauluft ftattgefundenen Hoteleinrichtungen vor Kurzem noch aufsergewöhnlich befchäftigt war. Da follte, da mufs Abhilfe gefchaffen werden. Der Verbrauch von Leinenwaaren ift ja im Allgemeinen in Zunahme begriffen. Frankreich, der Norden des deutfchen Reiches und namentlich Rufsland find Verbrauchsquellen, auf deren Zuleitung mit aller Macht hingewirkt werden follte. Die öfterreichifche Leineninduftrie hat in der Wiener Weltausftellung gewifs gezeigt, dafs fie den zollfreien Verkehr mit diefen Staaten nicht zu fcheuen braucht. Aber eine Zollfchranke von 12 Percent, wie folche das deutfche Reich, oder gar von 30 Percent, wie felbe Frankreich und Rufsland entgegenftellen, vermag fie nicht zu überfetzen. Möge die k. und k. Regierung die an früherer Stelle belegte Wichtigkeit der Flachs- und Hanfinduftrie Oefterreich- Ungarns berücksichtigen und die Anbahnung von diefem Fabrikszweige entſprechenden Zollverträgen alsbald zur Thatfache werden laffen. Eine wunde Stelle im öfterreichifchen Leinengefchäfte nach Aufsen ift auch der Verfall des Manufactur- Grofshandels in Trieft und der gänzliche Abgang des beifpielsweife in Irland, fo förderlichen Commiffionshandels mit Leinenwaaren. Dagegen mufs hervorgehoben werden, dafs der inländifche Detailhandel mit Leinenerzeugniffen, insbefondere in Wien, Peft, Trieft und an allen bedeutenden Orten, mächtig zu dem derzeitigen hohen Standpunkte der vaterländifchen Leinenfabrication beigetragen hat. Seine folide Handlungsweife, fein opferwilliges Ausharren, hat den fchwindlerifchen Experimenten fo mancher Abenteurer einen unüberfteiglichen Damm entgegengeftellt. Sein guter Rath war wefentlich fördernd zur Hand, wo und wann er von den Fabrikanten in Anfpruch genommen wurde. Am Endpunkte des bisher in der Richtung von Weften nach Often eingehaltenen Rundganges durch die Leinenabtheilung befinden fich die ruffifchen Expofitionen. Hielle& Dittrich in Girardow, Gouvernement Warfchau, befitzen das grofsartigfte Etabliffement in Rufsland. Sie haben nebft einer Flachsfpinnerei von 13.000 Spindeln, 900 mechanifche Webftühle im Gange und befchäftigen 3500 Arbeiter. Mannigfaltig find die Artikel, welche aus diefem Etabliffement. hervorgehen. Graue und gebleichte Dooks, Creas, Lackenleinen( ungebleicht) Einfatzleinen, Tela Ruffa, dann naturelle Leinen für Damenkleider, Leinen, Drills und Tafelzeuge etc. liefsen keinen Zweifel über die umfichtige Fabrication und deren Einrichtung nach den modernen Principien. Die Actien gefellfchaft von Tammerfors befchäftigt 959 Arbeiter und ift ihren Geweben nach, ebenfalls zu den beften Ausftellern der Leinenbranche zu zählen. Die Leinen der anderen ruffifchen Ausfteller hatten mehr die Eigenfchaften der gelungenen Hausleinwand. Es dürfte aber auch in diefem Lande der Confum alsbald Waare von höherem Weifsegrade allgemeiner als bisher fordern, wofür die riefigen Umfätze der genannten zwei Firmen fprechen. Flachs- und Hanf- Induftrie. 23 Im Stück gefärbte Leinenwaare, fowie bedruckte Tafchentücher waren in der Expofition der Zahl nach wenig vertreten. Unftreitig nahmen hierin die öfterreichifchen Ausftellungen den erften Rang ein. Tele roanne, Choletsleinen, gedruckte Tüchel hatten Gebrüder Stefan in Arnau und alle Leinen- FarbwaarenArtikel, namentlich für Bekleidungszwecke, Gebrüder Steinbrecher in Mährifch Trübau ausgeftellt. Auch das deutfche Reich befafs in der Expofition H. Schwaabe in Ernsdorf bei Reichenbach in Preufsifch- Schlefien einen ganz würdigen Vertreter von halbleinenen Schürzen- und Kleiderftoffen. Die gedruckten Tafchentücher eines württemberg'fchen Ausftellers zeigten wenig fcharfe Umriffe der Deffins. In Oefterreich gibt es eine grofse Anzahl von Lohnfärbern, welche Waare im Stück vortrefflich färben und Tafchentücher fchwerer Qualität eminent bedrucken. Dem gegenüber klagt man im deutfchen Reiche über den Mangel an derlei Färbern. Beide Productionsgebiete kranken in der Färberei der Leinengarne und in dem Bedrucken der undichteren Leinenftoffe für Damenkleider und BatiftTafchentücher. Es fcheint, dafs es allda noch immer nicht gelingen will, die Irländer mit ihren echten Farben zu erreichen. Noch mufs man eine Sorte von Leinengeweben erwähnen, welche in Oefterreich den Namen Canevas führen und unter den mannigfaltigften Benennungen, insbefondere von Sachfen, nach Cuba, St. Thomas, Venezuela, Mexico und Africa exportirt werden. Der Meifter in der Erzeugung der letzteren ift C. F. Neumann jun. in Eybau mit einer Jahresproduction von 115.000 Stücken und einer Arbeiterzahl von 500 Perfonen, ihn fecundiren würdig J. C. Zifche & Söhne in Schönbach bei Lebau, ebenfalls in Sachfen. Unter den öfterreichifchen Ausftellern erfcheint Mikulafchek C.& Sohn zu Sternberg in Mähren befonders hervorhebenswerth wegen der fehr niedlichen Mufter, welche feine Canevaffe zieren. Gebildwaare. Die Fabrication von Leinen- Gebildwaare ift in den Streit mit hinengezogen worden, welcher zwifchen den Vertretern der naturaliftifch gehaltenen Mufter und jenen der ftiliftifchen Zeichnungen entbrannte. Man kann den Letzteren nicht genug Dank wiffen, dafs fie dem wirren Untereinanderwerfen von Blumen, Gewinden und Ornamenten einen Riegel vorfchoben. Indem fie die Fabrication aufmerkfam machten, dafs mit Formen von viel einfacheren Linien, mit mehr Oekonomie anlässlich der Anbringung von Schattirungen, bei Weitem effectvollere Deffins erzielt werden können, haben fie gleichzeitig den Weg vorgezeichnet, welchen man betreten follte. Bei dem notorifchen Hange des Publicums an dem traditionellen Gefchmacke, wie er in den Grofs- Schönauer Gebilden gang und gébe war, wird man jedoch die Blume, felbft in naturaliftifcher Wiedergabe, nicht vollkommen miffen können. Sie wird einmal als eine Zierde des Tafelzeuges betrachtet. Der Künftler mag es beklagen, dafs man ihre Conturen mit Tafelgefchirr unterbricht oder fie mit den flüffigen Theilen der aufgetragenen Gerüchte entheiligt. Der Laie fühlt da ganz anders. Ihm erfcheinen die Formen der Blume voll Liebreiz, der Gedanke an ihren Duft würzt ihm das Mahl. Es ift nun eben fchwer, fehr fchwer, die Blume naturgetreu wiederzugeben und daraus erklärt fich zum Theile der Widerwille gegen ihre Anwendung. Die Heranziehung von bedeutenden Künftlern wird die erforderliche Läuterung des Gefchmackes auch in der Leinen- Gebildwaare zur Folge haben. Die Ausftellung dürfte gezeigt haben, dafs man mehrfeitig fchon recht glückliche Refultate erreicht hat. Es gehört jedoch zu einer fo totalen Umgeftaltung der Deffins viel Zeit und fie verurfacht namhafte Koften. Wer in Anfchlag bringt, wie lang es dauert, bis ein vom Künftler entworfener Deffin durch den Zeichner in die Carta rigata gefetzt, vom Kartenfchläger 24 Carl v. Oberleithner. levirt ift, die Karten ausgefchlagen, die Stoffe gewebt, gebleicht und appretirt find, der wird ftaunen, was von manchen Fabrikanten in der Vorführung gediegener Mufter aus Anlafs der Wiener Weltausftellung geleiftet wurde. An Webevorrichtungen find derzeit für die Gebildwaaren- Erzeugung der Schaftftuhl, die Jacquardmafchine für reinen Jacquard und die Jacquardmafchine in Verbindung mit Schäften( Vorzeug) wohl nur mehr ausfchliefslich in Function, feitdem der Zugftuhl durch Jacquard's geniale Erfindung überflügelt wurde. Die Erzeugung von Gefchachtmuſtern ſcheint einigermafsen vernachläffigt zu werden. Nicht als ob die Qualitäten der ausgeftellten Zwilch-, Handtuchund Tifchzeuge, oder deren Weberei irgend etwas zu wünſchen gelaffen hätten. Aber dafs ein Stillſtand in der Hervorbringung neuer Mufter eingetreten iſt, das mufs man conftatiren. Erklären läfst fich diefe Erfcheinung nur durch die gröfsere Freiheit, welche die Jacquardmafchine für die Herſtellung von Muſtern gegenüber dem Vorzug darbietet. Der Jacquardmafchine gehört denn auch die Zukunft, nachdem fie in der mechanifchen Weberei der Gebildwaaren die Hauptrolle fpielt. Staunenswerth ift der Fortfchritt, den die Leinenjacquards erkennen laffen. Die Ausftellung hatte hievon ehrende Beweife geliefert. Da bei den Jacquards je an einer Schnur nur eine Helfe, alfo auch nur ein Faden functionirt, fo erfcheinen ihre Gebilde je um fo vieles kleiner, als man beim Damaft mehr Helfen an einer Schnur anbringt. Diefer Umftand hat nun eine Reihe von höchft finnreichen Schnürungen des Harnifch nothwendig gemacht, welche den Zweck haben, namentlich die Borduren möglichft in derfelben Breite auszufertigen, wie felbe beim Damaft üblich find. Die Einführung des reinen Jacquard in der Leinen- Gebildwaaren- Fabrication dürfte in Oefterreich in die zweite Hälfte der vierziger Jahre fallen. Sie iſt eine bedeutende Errungenfchaft, denn während insbefondere die fünffchäftigen Damaftgewebe, welche man bis dort für die ordinären Sorten wählte, ein äufserft communes Ausfehen aufweifen, find die Jacquards desfelben Feinheitsgrades fchon ganz reizende Gebilde. Durch die bei ihrer Herftellung auf dem Handftuhl gemachten Erfahrungen wird auch der Uebergang zur mechanifchen Weberei wefentlich erleichtert. Bei dem Damaft unterfcheidet man den fünfbündigen, achtbündigen; felten kommt der zwölfbündige Damaft vor. Der achtbündige Damaft läfst das Leinengewebe wohl ordinärer erfcheinen als der fünfbündige. Der Erftere hebt aber das Mufter vom Grunde mehr ab, und follte daher vorgezogen werden. Ebenfo ift einzelnen Fabrikanten mehr Umficht in der Wahl der Platinenzahl zu empfehlen. Es kommt leider häufig vor, dafs man für Damafte Mafchinen von allzu niederer Platinenzahl wählt; die Conturen werden da zackig, unfchön und das Mufter wirft nicht. Anderfeits dürfte den Zeichnern zu rathen fein, der möglichften Ausnützung der Mafchine im Mufter mehr Rechnung zu tragen, als diefs bei vielen Damaften zu erfehen war. Bleiche und Appretur fpielen bei den Leinengebilden eine gleichwichtige Rolle. Wieder ift es die Beatlemafchine, welche unter Mitwirkung des Calanders es ermöglicht, die Conturen des Deffins vortheilhaft vom Atlas abzuheben. Ihre meifterhafte Anwendung, namentlich von Seite der öfterreichifchen Gebildwaaren- Fabrication, hat in der Weltausftellung Bewunderung erregt. Die Engländer excellirten diefsmal nur mit hochfeinen Oeuil de perdrix, fchwedifchen und wenigen anderen gebleichten Tafelzeugen Mit dem Muftergefchmack, welchen die naturellen Kaffeetücher eines irifchen Haufes bekundeten, dürften fich wohl kaum viele Befucher der Ausftellung befreundet haben. Was daran nicht Copie der Grofs- Schönauer Vorbilder war, liefs bezüglich Gefchmack Manches zu wünfchen übrig. J. Caffe in Lille hatte gleichfalls das hellgelbe Garn für die Kette feiner einfchlägigen Gebildwaaren gewählt, aber unvergleichlich frifcher war Flachs- und Hanf- Induftrie. 25 deffen Ton und prachtvoll hob fich der weifse Einfchufs davon ab. Man hatte in deffen Vitrine Damafte vor fich liegen, welche Zeugnifs gaben von dem hohen Standpunkte diefes Etabliffements. Nicht allein in den, der franzöfifchen Damaftfabrication längft eigenen Toilette- und Tafelzeug- Artikeln mit farbigen Streifen und Borduren, geknüpften und ungeknüpften Franfen, bietet J. Caffe das Höchfte. Seine fämmtlichen Gebilde, felbft jene, welche gleichfam den ganzen Apparat der Webekunft in fich tragen, find wunderbare Leiftungen. Umfonft wird man es verfuchen, es verfuchen, an feine reizenden Blumen die Sichel anzufetzen. Sie haben im Sturm die Gunft des Publicums erobert und werden in Taufenden von Damaften und Jacquards neu erblühen. Hieher gehörige Artikel mit geknüpften Franfen brachten auch die Italiener, wie: Flli. Remaggi, Fco. Cantaluppi in Bufto Arfizi bei Mailand. Es hat den Anfchein, als follte diefe Verzierung beim Leinendamaft Mode werden. An und für fich wird fie die Reinigung diefer Artikel erfchweren und verzur Wiederherstellung der theuern. Auch dürfte fie gefchickte Hände zur fchwierigeren Knüpfereien in Anfpruch nehmen. Es wäre denn, man wollte die Diefsfalls dürften fie aber Franfen geknüpft dem Wafchen unterziehen. bei nachherigem Gebrauche der Tafel- und Handtuchzeuge eine auf die Geruchsorgane gerade nicht wohlthuende Wirkung hervorbringen, welcher Uebelftand felbft den ungeknüpften Franfen, wenn auch in geringerem Mafse, anklebt. Unter den belgifchen Gebildwaaren- Erzeugern vermag man wieder nur die Firma Rey aîné unter die Zahl derjenigen einzureihen, welche das Niveau der Hausinduftrie glücklich paffirt haben. Man mufs ftaunen, dafs in einem die verwandte Lande, wo fo vorzügliche Gefpinnfte producirt werden, wo Spitzeninduftrie auf einer fo hohen Stufe fteht, die Leinendamaft- Fabrication, bis auf wenige rühmliche Ausnahmen, nicht vorwärts kommt. Diefs befremdet umfomehr, als doch bekanntermafsen die königlich belgifche Regierung die Hebung der Gebildwaaren- Erzeugung mit gleicher Opferwilligkeit anftrebt, wie die Entwicklung der anderen Flachs- Induftriebranchen. Ueber den derzeitigen Standpunkt der fäch fifchen Tafelzeug- Fabrication gaben zwei Matadore Auffchlufs. Proelfs sen. fel. Söhne in Dresden hatten eine wahre Gebild waaren- Gallerie ausgeftellt. Die Emancipation von dem Grofs- Schönauer Muftergefchmacke. verkörperten am deutlichften jene DamaftTifchdecken, welche an der öftlichen Wand zu fchauen waren. Sie find alle ftiliftifch gehalten, verrathen den Meifter, deffen edlem Gefchmacke man volle Anerkennung zollen mufs, und können als Vorbilder für den modernen Gefchmack gelten. In den Deffins der Tafelgedecke herrfcht noch viel das Blumenwerk mit feiner überladenen Schattirung vor. Auch dem Gefchmacke der öftlichen Culturländer und feiner Verehrer fuchen Proelfs zu entſprechen. Diefs mit einer Theedecke und Credenzferviette, deren Mufter das Beftreben des Zeichners verräth, dem geringen Sinne für Perfpective der chinefifchen und japanefifchen Originale gerecht zu werden. Im Fache der Damafte mit heraldifchen Deffins ift diefes Haus als hervorragend bekannt. Seine Hukaback und Bade- Handtücher mit farbigem Rande zählen zu den beften der Ausstellung. Auf der Höhe des modernen Muftergefchmackes angelangt find auch die in den grofsen Theefervietten von J. Meyer in Dresden verkörperten Zeichnungen. Bedauern mufste man, dafs das unvortheilhafte Licht den Effect diefer Damafte nicht zur Geltung kommen liefs. Das Prachtftück unter denfelben, ein Kaffeetuch mit blauer Bordure, hing fo hoch, dafs es der Beurtheilung faft ganz entzogen war. Es liefs jedoch das Beftreben wahrnehmen, dem bei den farbigen Borduren vorkommenden Uebelftande, welcher fonft in den Eckftücken zu Tage tritt, durch Benützung von zwei Ketten abzuhelfen. Nebenan hatte es Jemand verfucht, mit einem hiftorifchen Vorwurf 26 Carl v. Oberleithner. zu debutiren. Die Ausführung war aber fo plump, dafs das betreffende Gewebe allgemein Heiterkeit erregte. Da find einzelne Damafte von C. Faber in Stuttgart ganz andere Gebilde! Ihre Deffins huldigen entweder der Verherrlichung der Tafelfreuden, fo die Kaffeedecke mit Trinkfprüchen. Oder fie ziehen die Thierwelt in den Kreis der Ornamentation hinein und diefs mit einer Meifterfchaft, wie folche die grofse und ein Dutzend kleine Theefervietten mft den vier Jahreszeiten und zwölf Monatszeichen zur Schau trugen. Die Damafte der anderen Ausfteller aus Württemberg waren weniger hervorragend. Aber im Fache der Zwilch- und Jacquard- Tifchzeuge nahm man fehr erfreuliche Fortfchritte an den Expofitionen von Hermann Pichler in Urach und Laichingen, Guftav Schwarz in Kornthal, Mohr& Grofsmann in Stuttgart u. A. wahr. Im Allgemeinen dürften die württembergifchen Fabrikanten das Ausfehen ihrer Damafte durch die Verwendung von Mafchinen grösserer Platinenzahl und Anwendung eines höheren Apprets wefentlich zu fördern vermögen. A. W. Kisker in Bielefeld glänzte mit fehr fchönen gebleichten Tafelzeugen, befonders Jacquards. Einige Deffins, namentlich in Handtüchern, gehören zu den niedlichften, welche die Ausftellung aufzuweifen hatte. Auch find die Bielefelder Gebildwaaren vorzüglich gebleicht und appretirt. Mit naturellen Kaffeedecken hatte diefes Haus diefsmal weniger Glück. Aus Preufsifch- Schlefien lagen von Trautwetter, Wiefen& Comp. in Wüftewaltersdorf ganz nette Tifchzeuge vor. Die Deffins, farbig carrirt, find recht zart gehalten. Die Gebildwaaren- Erzeugung, wie felbe in Sorau, Bleicherode am Harz und Hildesheim betrieben wird, fcheint noch mehr dem Charakter der Hausinduftrie entſprechende Waaren zu liefern. A. Auerbach's Tifch- und Handtuch- Zeuge erfcheinen als ganz verdienftliche Gewebe. Es mufs conftatirt werden, dafs im deutfchen Reiche auch fehr beachtenswerthe Verfuche gemacht werden, die Leinen Gebildwaaren- Erzeugung im Wege der Schule zu fördern. Wer hätte nicht eine aufrichtige Freude gehabt, die Leiftungen zu fchauen, welche aus dem englifchen Fräuleininftitute und den Kreis- Weberfchulen in Paffau, Münchberg, fämmtlich in Baiern, hervorgingen. Altartücher, diverfe Parapomades, Tafel- und Handtuchzeuge von meift perfecter Weberei, gereichten den jugendlichen Händen zur Ehre. Sie berechtigen zu fchönen Hoffnungen, namentlich wenn man ihnen beffere Muftervorlagen bieten würde. Die Wiener Weltausftellung dürfte in diefer Richtung anregend wirken und deren reicher Mufterfchatz durch die gewerblichen Fachblätter den Schulen zugängig gemacht werden. Unter den grofsen Induftrien Oefterreichs nimmt die Leinen- Gebildwaaren- Fabrication eine Achtung gebietende Stellung ein. Zeugnifs von ihrer grofsartigen Entfaltung gab in erfter Reihe die Expofition von Regenhardt& Reymann in Freiwaldau und Wien. Ausjedem Stücke leuchtete das edle Material, die kunftgerechte Weberei und überdiefs ein Bleich- und Appreturverfahren hervor, welches in höherer Vollendung wohl bisher noch nicht gefehen wurde. Solidität und Eleganz zeichneten von jeher diefe Fabricate aus. Mit Recht gebührt den genannten Induſtriellen der Ruhm, den öfterreichiſch- ungarifchen Markt fchon feit einer langen Reihe von Jahren faft gänzlich von den Damaften anderer Provenienz befreit zu haben. Die höchfte Leiftung in der Bemeifterung der Schwierigkeiten einer complicirten Montage liefs deren Gewebe mit dem" Haideröschen" nach Kaulbach erkennen. Wer gerecht fein will, mufs zugeftehen, dafs die Anwendung der Sepiafarbe ein neues Feld für die Leinengebilde erfchliefst. Auch wie eine Kreidezeichnung von gewandter Hand präfentirte fich das auf der Rückfeite der Wand angebrachte Gewebe. Die Figuren erfcheinen lebensfrifch. Ihre Abfchattirung liefs bei Weitem jene Härten nicht wahrnehmen, welche den Ein Flachs- und Hanf- Induftrie. 27 druck fo mancher Leinendamafte der Ausftellung beeinträchtigten. Die Mehrzahl der Befchauer des mit grofsem Fleifse zu Stande gebrachten Gewebes hat das Haideröschen" als das Meifterftück der öfterreichifchen Gebildwaaren- Fabrication hingeftellt. 99 In den Vitrinen von Auguft Küfferle& Comp. in Freiwaldau und Wien lag ein wahrer Schatz von Damaftgarnituren, welche fich rühmlichft durch ftiliftifche Mufter auszeichneten. Diefen Vorbildern näher zu rücken, fcheint die Firma Eduard Oberleithner's Söhne in Mährifch- Schönberg und Wien beftrebt zu fein. Ihre halbfeidenen Kaffeetücher und ovalen Deffertfervietten ernteten entfchieden Beifall. Die genannten drei Fabriken find auch vollkommen Meifter in der Zwilch- und Jacquards- Tafelzeug- Gradel- und Fabrication von Toilette artikeln. Regenhardt& Reymann haben deren Erzeugung mittelft mechanifcher Webftühle in Oefterreich zuerft begonnen und rüftig betheiligen fich an diefem Fortfchritte die beiden anderen Etabliffements. Den koloffalen Anforderungen, welche die maffenhaften Hôteleinrichtungen der letzten Jahre an die Gebildwaaren- Induftrie Oefterreichs ftellten, zu entfprechen, war Hauptaufgabe diefer Fabriken. Sie haben auch die Chiffrewaare und Gewebe mit heraldifchen Muftern in den Kreis der Fabrication gezogen. Viele ihrer Leiftungen in diefen Fächern ftehen vollkommen ebenbürtig zur Seite den berühmten gleichartigen fächfifchen Damaften. Was die öfterreichifchen Gebildwaaren vor allen anderen auszeichnet, das ift deren fchwere Qualität. Wiederholt hat es die ausländifche Concurrenz verfucht, den öfterreichifch- ungarifchen Markt wieder zu gewinnen, aber jedesmal erwiefen fich die gebrachten Opfer als refultatlos. Mit farbig brochirten, halbfeidenen Kaffeetüchern zeichneten fich Johann N. Wurft& Söhne in Freudenthal ebenfalls hervorragend aus. Recht nette Jacquards fah man in der Expofition von Anton Hönig& Söhne in Mährifch- Schönberg, fowie auch Zwilch- Tifchzeuge in jener von Rudolf Pelz ebendafelbft. Die Freudenthaler Gradl und Tifchzeuge von F. A. Heinz, Johann Plifchke& Söhne und Anderer bethätigen eine emfige Fabrication. Die oberöfterreichifchen Tafelzeuge, welche auf gleicher Stufe mit den letztgenannten ftehen, hatte Camilla Foelfer zur Ausftellung gebracht. - Die öfterreichifchen Webereifchulen waren bisher noch nicht in die Lage gekommen, auf die Leinendamaft Erzeugung fördernd einzuwirken Sie find meiftens in den Centren anderer Webwaaren- Fabricationen fituirt. Diefs erfchwert den unerlässlichen täglichen Verkehr zwifchen den Leitern der Inftitute und den Fabrikanten. Hoffentlich wird die von dem k. k. Handelsminifterium intendirte Reorganiſation und Vermehrung der fo hochwichtigen Fachfchulen für Weberei einen innigen Contact zwifchen Arbeit und Wiffen herbeiführen und die öfterreichifche Fabrication diefer Branche den gleichen Nutzen hieraus ziehen, wie jene anderen, glücklicher fituirten Textil- Induſtrien. Im ruffifchen Reiche nimmt die Gebildwaaren- Fabrication ebenfalls einen tüchtigen Anlauf. Hielle& Dittrich, fowie die Compagnie par action de Tammerfors find auch hierin abermals an der Spitze vorfchreitend. Es möge zur Stelle geftattet fein, einen Wunfch auszufprechen, welcher der lauterften Quelle entſpringt und einzig den Zweck hat, das Intereffe der Fachkünftler für die Leinen- Gebildwaare wachzurufen. Die Ausstellung dürfte gezeigt haben, dafs die Fabrication nach allen Richtungen hin bemüht ift, den Anfor derungen der Gegenwart zu entfprechen. Man konnte vielfeitig deffinirte Leinenartikel wahrnehmen, welche berechtigt erfcheinen, den Anspruch auf kunftgewerbliche Leiftungen zu erheben. Die fcharfe Beurtheilung, welche die Wahl mancher naturaliftifch gehaltener Zeichnungen erfuhr, wird vom grofsen Publicum 28 Carl v. Oberleithner. nicht gebilligt. Was dem Kunftkenner vielleicht verwerflich erfcheinen mag, das hält oft der Laie für einen ganz entſprechenden Vorwurf. Beifpielsweife die Bildniffe berühmter Perfönlichkeiten oder andere der Malerei nachgebildete Figuren. Nachdem das Publicum nun ein Factor ift, mit welchem der Fabrikant ebenfalls rechnen muſs, fo dürfte er wohl Anfpruch auf eine Kritik machen können, die diefen Umftand vor Augen hält. Es wird eben eines innigen Zuſammengehens der Kunft und Fabrication, fowie hiebei der möglichften Berückfichtigung der Anforderungen des Publicums bedürfen, um das angeftrebte Ziel zu erreichen, und ein folches Vergehen anzuregen, ift Gegenſtand des hiemit ausgesprochenen Wunfches. Hanf- und Seilerwaaren. Es wurde fchon an einer früheren Stelle des Berichtes hervorgehoben, dafs die füdlicher gelegenen Gebiete Europas fich vorzüglich für den Hanfbau eignen. Man vermag überdiefs in einzelnen Ländern die Grenze des Hanfbaues dort nachzuweifen, wo der Flachsbau beginnt. So bedeckt beiſpielsweife in Mähren die Leinpflanze halbmondförmig die Anhöhen des mährifchfchlefifchen Grenzgebietes im Weften, der Sudeten im Norden und der Karpathen im Often, während der Hanfbau nur in den Niederungen der March von einiger Bedeutung ift. Dort, wo wie in Italien, das Beriefelungsfyftem in Anwendung gebracht werden kann, dürfte man Flachs und Hanf auf derfelben Scholle erbaut vorfinden. Die Daten über den italienifchen Hanfbau weifen einen erfreulichen Fortfchritt nach. Während diefes Land kaum 140.000 Centner Flachs erzeugt, kann man feine Hanfernte auf 500.000 Centner fchätzen. Erwiefenermafsen reicht die Flachsproduction dort nicht aus, um den Bedarf im eigenen Lande zu decken, während dagegen jene des Hanfes einen grofsartigen Export ermöglicht. Die Ausfuhr Italiens an Flachs und Hanfproducten ift vom Jahre 1864 bis 1871 von rund 21 Millionen Lire auf 52 Millionen Lire geftiegen, deren Mehrbetrag man der Ausfuhr an Hanf zufchreiben mufs. In der öfterreichifch- ungarifchen Monarchie, deren weftliche Hälfte allein an Flachs- und Hanf- Spinnftoffen und deren Samen eine Jahres production von 38 Millionen Gulden nachweifen läfst, werden in den weftlichen Ländern circa 68.000 Joch dem Hanfbau gewidmet. Man fchätzt den Werth des erzeugten Hanffamens auf circa 2,900.000 Gulden und jenen des Hanfes auf 7,200.000 Gulden. Doch find es nicht die weftlichen Länder, welche für den Artikel„ Hanf" von hervorragender Bedeutung erfcheinen. Vielmehr liegt die Maffenproduction von Hanf in der öftlichen Reichshälfte namentlich in der Bácska Ungarns. Das dritte hochwichtige Productionsgebiet für Hanf ift das ruffifche Reich. Rufsland exportirte allein im Jahre 1871: Hanf 3,650.000 Pud im Werthe von 12,200.000 Rubel Hanffeede 90.000 وو" 99 99 Hanffaat 22.000 Tfchetwerts " " وو 135.000 220.000 "" " Die italienifche Abtheilung der Weltausftellung glänzte mit ihrem bisher unübertroffenen Hanfe. Man hebt an dem italienifchen Hanf feine fchöne weifse Farbe hervor und fchreibt diefe Eigenfchaft der forgfältigen Röfte zu. Ungarns Hanf erfcheint weniger weifs und feinfädig. Er enthält zu Folge minderer Röfte Erden- und Mineraltheile, welche für feine Farbe, Biegfamkeit und Feinheit von Nachtheil find. Trotzdem verdient der ungarifche Hanf vollkommen Berücksichtigung, da er ein ausgezeichnetes, kräftiges und dauerhaftes Material ift. Schon auf der internationalen Hanf- und Seilprobe in Venedig wurde der ungarifche Bácskaer als der ftärkfte und dauerhaftefte anerkannt, und auch Flachs- und Hanf- Induftrie. 29 bei der Wiener Weltausftellung erfchien Ungarn mit folchen Primaqualitäten von Hanf, deren Stärke felbft den italienifchen übertrifft. Rufslands Hanfausftellung gab wenig Auffchlufs über deffen qualitative Eigenfchaften, dagegen hatte Spanien diefen Artikel fo vortrefflich ausgeftellt, dafs er, was Farbe und Feinheit anbelangt, dem italienifchen Hanfe fehr nahe fteht. Ueber das Brechen des Hanfes ohne vorhergegangene Röfte fprach fich ein von dem Berichterstatter zu Rath gezogener Fachmann nicht günftig aus, indem er äufserte: " Wie Japan der Ausftellung nach fich als ein wunderbares Land in vielen Dingen bewährte, fo fcheint es auch im Röften der Spinnftoffe fehr gewandt zu fein. Während man nun in Japan Stroh, Holzrinden, Schilf, Spähne u. f. w. durch Fermentation röftet, um diefelben zu verwendbaren Spinnftoffen zu verwandeln, will man in Mitteleuropa die bis jetzt auf zweckmäfsige Weife präparirten Spinnftoffe verdrängen und durch folche, aus ungeröfteter Brechung hervorgehende erfetzen, ja man glaubt durch diefe Manipulation nicht allein die Fafern blofszulegen, fondern auch deren Leimgehalt zu vernichten. Bei diefen ungeröftet gebrochenen Spinnmaterialien zeigt fich auch der grofse Nachtheil, dafs darin der Phosphatgehalt verbleibt, wodurch die daraus erzeugten Producte nach dem erften Nafswerden in Fermentation übergehen, an der Sonne verbrennen und im Schatten verfaulen. Defshalb würde es als zweckmäfsig erfcheinen, wenn die Regierungen und Privaten anftatt Hunderttaufende von Gulden für Rohbrechungs- Verfuche auszugeben, fich herbeilaffen würden, die italienifchen Röftungsbaffins und kleinen Hanfbrechanftalten mit Mafchinen durch Staatshilfe und communale Unterſtützungen zu errichten. Unter den auf der Ausftellung erfchienenen Hanf- Brechmafchinen haben fich nach praktifchen Verfuchen eine englifche und eine grofse ungarifche als die beften bewährt. In Anbetracht abgerechnet, dafs der Preis der letzteren etwas hoch erfcheint, und die Conftruction derfelben noch einige Modificationen erheifcht, können doch beide auf das Befte empfohlen werden. Dem hingegen bewährten fich die ausgeftellten Roh- Hanfbrech Mafchinen aus den oberwähnten Urfachen als unbrauchbar und fchädlich." Nach der Anficht desfelben Fachmannes find jene Seile die beften, deren Fäden mit der Hand gefponnen und durch entſprechende Maſchinen gedreht find. Das Handgefpinnft foll defshalb den Vorzug vor dem Maſchinengeſpinnft verdienen, weil bei letzterem der befte, längfte und fonach kräftigfte Hanf zerfchnitten werden mufs, und dafs alle Mafchinengarne verhältnifsmäfsig weicher als die Handgarne erfcheinen, die Hanfgarn- Fäden in einer fchwammigen Qualität zur Seilmafchine gelangen, wodurch die Seile das Waffer fchneller an fich ziehen, langfamer trocknen und fo leichter in Fäulnifs übergehen. Im Allgemeinen wird beklagt, dafs noch ein grofser Mangel an guten Seilmafchinen befteht. Ausnahmen machen nur hievon die von einzelnen Regierungen etablirten und unterftützten Fabriken. Diefer Mangel macht fich Trieft ausgenommen in der öfterreichifchen Monarchie am meiften bemerkbar. Dagegen befitzen die Fabriken der Schweiz und Deutfchlands der Zahl nach die meiſten jener Seilmafchinen, mit welchen Seile von den vorzüglichften Eigenfchaften erzeugt werden können. - Was nun die ausgeftellten Seilerwaaren betrifft, fo fteht in einzelnen Specia litäten, namentlich in fchweren Mafchinengurten, Geweben, Spagat, Bindfäden und Schnüren, Oefterreich in erfter Reihe. Es ift hocherfreulich, dafs Ungarn gleichfalls eine aufserordentlich reiche Collection von kleineren Specialartikeln, worunter auch Gurten und Schlauchgewebe, exponirt hatte. Man findet darin den Beleg, dafs das Vorhandenfein von vorzüglichem Rohmaterial der gewerblichen Production die Richtung vorzeichnet und fie felbft in Ländern, abfeits gelegen von dem grofsen Getriebe der Fabrication, zu erhöhten Leiftungen anfpornt. Mit mechanifch präparirten Gurten- und Schlauchgeweben fteht Deutſchland im Vordergrund. Spanien excellirte mit Schnürleinen. Italien und Rufsland waren 30 Carl v. Oberleithner. trotz ihrer reichen Hanfproduction, England trotz feiner vortrefflichen Maſchinen mit Seilerwaaren im Allgemeinen im geringen Mafse und fchlecht vertreten. Es verdient jedoch die Kabelerzeugung Englands befonders hervorgehoben zu werden, fowie auch eine deutfche und eine Schweizer Fabrik lobenswerthe Leiftungen in diefem Fache beftätigten. Die franzöfifche Abtheilung enthielt mehrere fehr intereffante Expofitionen der Hanfinduftrie. In der Expofition der Hanffpinnerei in Angers gewahrte man prachtvolle Hanffafern, Gefpinnfte von Nr. I englifch= 600 Meter das Kilogramm bis Nr. 20= 12'000 Meter das Kilogramm, fowohl von Hanf als auch von Hanfwerg, ferner Zwirne geglättet und ungeglättet, wovon die erfteren namentlich drei und vier Draht aufserordentliche Perfection kennzeichnet. Die Hanf. gefpinnfte, an und für fich doch zu den gröberen Artikeln gehörig, waren von einer Nettigkeit, wie felbe als eine Eigenthümlichkeit der franzöfifchen Fabrication fich darftellt und alle Anerkenung verdient. Ein Parifer Haus hatte nebenan fehr bemerkenswerthe Artikel ausgeftellt, welche für gymnaftifche Uebungen als eine complete Collection von hohem Werthe erfcheinen. Dafs die von den franzöfifchen Damen fo gern benützte Schaukel an diefem Platze auch nicht fehlte, ift wohl felbftverftändlich. Mit den reichhaltigen Netzen der fchwedifchen Fifchereihalle, deren fegelartig ausgefpannte Erzeugniffe aller Welt in die Augen fielen, concurrirte ebenfalls, wenngleich in einem verborgenen Winkel, ein franzöfifcher Ausfteller auf das rühmlichfte. Es ift intereffant, mehrere diefer Artikel, welche theilweife dem Fifchfang, theilweife der Jagd und den Gewerben dienen, kennen zu lernen. Tramail hyftafapé für Flufs- und Seefifche; Senne non montée pour petits poiffons et montée avec poches forcières pour gros Poiffons, Warnette für den Sommer-, Aléze für den Winter- Häringfang und für den Fang der Maquereaus, find die gewöhnlichften Netzartikel. Ein Meiſterſtück repräfentirte ein Filet non monté für Sardinenfang mit 1,346.000 Mafchen, welches in 13 Stunden mit der Mafchine fabricirt wurde, was bei der Handarbeit nur 50 Arbeiter in derfelben Zeit herzuftellen vermocht hätten. Für Jagdzwecke lag ein panneau à lapins, fo wie Netze zum Abfchliefsen von Fafanerien und Parks vor. Den gewerblichen Zwecken nutzbar zu werden find berufen die filets pour féchage de colle chaffis, gelatine fur chaffis. Und felbft dem Gartenbau liefert diefe Fabrik fchätzenswerthe Netze zum Abhalten der Vögel. Jute. Der Actiengeſellſchaft für Jute- und Flachsinduftrie in Braunfchweig ver dankte die Weltausftellung eine fafsliche Information über die Jute- Induftrie. Diefer Publication wird Nachfolgendes entnommen: " Jute, die Fafer der Corchoris capsularis und Corchoris olitorius, ift die wichtigfte der vielen in Oftindien vorkommenden Pflanzenfafern und wird namentlich in Bengalen maffenhaft gebaut. Die Pflanze wird dort in ähnlicher Weife wie in Europa der Flachs und Hanf in jedem Jahre neu ausgefäet, doch fordert die Zubereitung des Jute durch Röfte- und Reinigungsprocefs zum Zwecke des Verbrauches weniger Arbeit als die Flachs- und Hanffafer. Aber nicht allein die Fafer der Pflanze und deren holziger Theil, der circa einen Zoll ftarke Stamm, find von Werth, fondern auch die Blätter derfelben werden von den Eingebornen Bengalens zu verfchiedenen Zwecken benutzt und namentlich als ein beliebtes Nahrungsmittel gefchätzt. Die Ausfaat erfolgt im April oder Mai und wird durch die um diefe Zeit gewöhnlich vorherrfchende naffe Witterung begünftigt. Die Pflanze gebraucht circa 100 Tage von ihrer Ausfaat bis zur Reife und wird im Monat Auguft geerntet. Die Fafer ift dem Manillahanf ähnlich, in Farbe etwas röthlichbraun, nicht fo grob, aber auch nicht fo haltbar wie erftere; die Qualität variirt hinfichtlich Feinheit und Haltbarkeit je nach der Befchaffenheit des Bodens der verfchiedenen Culturdiftricte. Flachs- und Hanf- Induftrie. 31 Die feinfte Qualität ift Serajgunge, dann folgt Naraingunge und als geringfte Sorte Dowrahjute. Die feinen Qualitäten zeichnen fich namentlich durch eine helle, weifsgelbliche, oft filbergraue Farbe und durch Länge aus; es kommen darunter zuweilen Fafern in einer Länge von vierzehn englifchen Fufs vor. Die ordinären Gattungen find meift kurz, braun von Farbe, mit baftigen Theilen behaftet und haben ganz grobe, lange, holzartige Wurzelenden. Ein grofser Theil des in Bengalen gebauten Jute wird feit unvordenklichen Zeiten von den Hindus verfponnen und verwebt und bildet diefe Induſtrie die hauptfächliche Befchäftigung aller der volkreichen Diftricte von Niederbengalen. Man findet fie bei allen Claffen der dortigen Hindubevölkerung, in jedem Haufe, ganz in der Weife, wie das früher in Deutfchland volksthümlich gewefene Flachsſpinnen. Die Eingebornen fertigen aus dem Jute verfchiedene Gattungen von Geweben, wovon viele gefärbt werden; einen Theil davon verweben fie zu ihrer Kleidung, den gröfsten Theil aber zu Säcken für Reis, Zucker, Baumwolle etc. und find diefe Säcke unter dem Namen„ Gunny Bags" im Handel als ein bedeutender oftindifcher Exportartikel bekannt. Nach Dr. Forbes Watfon's früheren Ermittlungen werden in Oftindien circa fechs Millionen Centner Jutefafer producirt, wovon ein Drittel zur Ausfuhr und zwei Drittel zur Anfertigung von" Gunny Bags" und anderen Geweben Seitens der eingebornen Bevölkerung gelangen. - Seit der Zeit, dafs diefe Ermittlung ftattgefunden hat, mufs die Production in bedeutendem Mafse zugenommen haben, denn, wie aus den in der Anlage verzeichneten Zahlen fich ergibt, betrug allein die Ausfuhr von Jute aus Calcutta im letzten Jahre( 1872) 1,891.000 Ballen circa 6,000.000 Centner pro anno und es darf angenommen werden, dafs der Verbrauch in Indien keine Verminderung erlitten hat; denn, wenn auch wirklich die Handweberei der Hindus in der Abnahme begriffen fein follte, fo ift doch durch die in den letzten Jahren in. Indien entstandenen, fehr ausgedehnten mechanifchen Spinn- und Webereien ein ganz bedeutender neuer Factor für den Confum des Rohproductes an Ort und Stelle hinzugekommen, der die Handweberei mehr als aufwiegt. Dundee ift der Sitz der grofsartigen und zukunftsreichen Induftrien, indem es wohl vier Fünftel der gefammten englifchen Jutewaaren erzeugt. Nachftehende Zahlen find derfelben Quelle entlehnt: Ausfuhr von Jute aus dem Hafen von Calcutta. Diefelbe betrug vor 20 Jahren( 1852 und 1853) ftieg in der Saifon 1868 1869 auf وو 17 0.022 Ballen 962.4 87 987.314 22 " 9 1869 27 29 27 27 " " 1870 " 1870 1871 77 " 99 29 " 29 77 " 1871 " " 99 ንን 99 1872 . 1,89 1.9 1 2 وو 17 وو 1,3 7 7.1 65 Confum von Rohjute im Jahre 1872. Ungefährer Werth nach der Fabrication 3,000.000 Centner. 36,000.000 Thaler - In Europa: In Grofsbritannien und Irland auf dem Continente. in Nordamerika Summe 750.000 97 9,000.000 22 1,1 76.000 27 14, II 2.000 99 4,9 26.000 Centner 59,11 2.000 Thaler Der Confum in den übrigen Welttheilen ift nicht bekannt. Oftindien dürfte ein ebenfo grofses Quantum wie Grofsbritannien und Irland confumiren. 3 Ausfuhr an Jutewaaren aus Grofsbritannien und Irland. Nach den officiellen Ausweifen( Board of trade returns). 32 Carl von Oberleithner. In den Jahren Gewebe, Yards Säcke, Dutzend Garne, Pfund 1865 15,332.353 1866 19,477.420 1867 26,739.196 P ? ? 7,515.081 4,992.047 7.778.987 1868 1869 1870 1871 1872. 43,127.042 50,037.720 51,920.708 62,310.463 84,067.598 1,851.111 2,015.428 2,477.334 2,897.676 3,672.112 8,108.747 8,041.082 12,669,948 13,710.957 12,706.613 Der declarirte Ausfuhrwerth betrug 1872 1,734.085 Pfund Sterling. NB. Für die Jahre 1865, 1866 und 1867 find die exportirten fertigen Säcke in der amtlichen Statiſtik nicht aufgeführt. Der declarirte Ausfuhrwerth ift nur für das Jahr 1872 angegeben. In den erften 5 Monaten der Jahre: 1871 1872 1873. Gewebe, Yards 23,263.423 30.249.966 37,452.156 falfo geftiegen 1872) 30-03 Percent, gegen 1871 um Säcke, Dutzend 1,047.383 1,389.185 2,093.555 Jalfo geftiegen 1872) gegen 1871 um 32.60 " ( defsgleichen 1873) gegen 1872 um ( defsgleichen 1873) gegen 1872 um 23.88 Percent. 50.70 Garne, Pfund 4,909.434 5,381.658 4,864.058 falfo geftiegen 1872) gegen 1871 um 1872) 9.60 22 ( gefallen 1873) gegen 1872 um( 9.60 י Flachs- und Hanf- Induftrie. 33 Es kommen alle möglichen Marken und Bezeichnungen des Rohftoffes im Handel vor, doch haben die bekannten gröfseren Firmen ihre Standard- Bezeich nungen, die den Mafsftab zur Qualitätsbeurtheilung gewähren, und gibt es circa fechs Hauptgattungen, als: fine Quality, medium Quality, common Quality, low Quality, Rejections, das ift ordinärer Ausfchufs, Cuttings, das ift abgefchnittene Wurzelenden; letztere werden namentlich. zur Papierfabrication verwendet, gehen aber zum gröfsten Theile nach Nordamerika, wo folche zu dem Schufsgarn der ordinären Baumwoll- Packtücher, Cottonbagging, verfponnen werden. Was die Zubereitung des Rohftoffes vor Auflage auf die Mafchinen betrifft, fo ift diefe auf verfchiedene Weife oft verfucht worden; man ift aber immer wieder auf das zuerft angewandte, beinahe primitiv erfcheinende Verfahren des Befprengens desfelben mit Oel oder Thran und Waffer zurückgekommen. Der Verarbeitungsprocefs in der Spinnerei und Weberei ift dem für Werg und Flachs ähnlich. Man fpinnt die fchweren Nummern bis Nr. 10( gleich 60.000 Yards auf 20 englifche Pfund) wie Werg und nennt danach das Gefpinnft Jute Tow, die feinen Nummern bis 18-20( gleich 60.000 Yards auf 10 englifche Pfund) werden wie Flachs gefponnen und danach mit Jute Line benannt. Die Mafchinerie ift in den letzten zehn Jahren, wenn auch nicht im Principe, fo doch in der Stärke und Einfachheit der Conftruction wefentlich verbeffert worden. Die Natur der Fafer bedingt fehr haltbare, folid gebaute Mafchinen zu ihrer Verarbeitung; wie das Spinnen, fo erfordert auch das Verweben der Jutegefpinnfte fehr kräftig gebaute Mafchinen und macht infofern Schwierigkeiten, als die Kettenfäden durch die Bewegung der Webekämme auf dem Webftuhl Faferverluft erleiden, mithin gefchwächt werden. Die Appretur der Gewebe gefchieht gleichfalls durch fchwere Calandermafchinen unter grofsem Drucke zwifchen Papier- und Eifenwalzen, theils mit letzteren erwärmt, theils kalt. Das Färben der Jute ift leicht und billig zu befchaffen, doch fcheint die Farbe nur der Aufsenfläche der einzelnen Fafer zugänglich und fich nicht mit derfelben zu verkörpern, woher es wohl erklärlich, dafs die Farben namentlich beim Ausfetzen an die Sonne leicht wieder fchwinden. Das totale Bleichen von jute ift bis vor kurzer Zeit nur auf Koften der Haltbarkeit ermöglicht worden; indefs hat man auch diefen Uebelftand zu überwinden gewufst." Was nun die Vertretung der Jute- Induftrie in der Wiener Weltausftellung betrifft, fo war es wieder England, das beinahe durch gänzliches Fernbleiben feiner Jutefabrikanten von dem internationalen Wettkampfe glänzte. Nur Barrow Flax and Jute Comp. in Furnefs ermöglichten es den Befuchern, Kenntnifs zu erhalten von den englifchen Warp und Weftgarnen, Sacking Weft, rofa und blau gefärbten Jute Twift Zweidraht, fo auch von deren vorzüglichen Geweben mit prachtvollen Leiften, Matten, Tarpaulings und Bags. Moore& Weinberg in Belfaft zeichneten fich aus durch die Vorlage von Läufern, gedruckten Teppichen und Twilled Grain Bags. Die deutfche Abtheilung enthielt mehrere werthvolle Expofitionen. In der Ausftellung der Braunfchweiger Actien gefellfchaft fand man eine Darftellung des Spinnproceffes von der rohen Jute bis zur Feinfpinn- Schule und alle einfchlägigen Gewebe bis zu den Teppichen und Vorhangftoffen hinan. Alles muftergiltig und für die emfige Fabrication zeugend. Das fehr bedeutende Haus Rheinifche Jute- Spinnerei- und Weberei von Solf, Davenport& Comp. in Cöln hatte Proben feiner Garne für Weberei und Seilerei und reichhaltige Artikel, worunter befonders die rayirten una carrirten Jute- Matrofentuche hervorzuheben 3* 34 Carl v. Oberleithner. Flachs- und Hanf- Induftrie. find, ausgeftellt. Die Moritzburger Spinnerei und Alfred Hieronimus & Comp. in Bonn am Rhein find ihren Leiftungen nach ebenfalls von Bedeutung. Anfpruch auf den Löwenantheil der Anerkennung dürften wohl die öfterreichifchen Jute- Spinnereien und Webereien, insbefondere die erfte öfterreichifche in Simmering mit vollem Rechte erheben. Sie brachte in höchft gefchmackvollem Arrangement Alles vom Juteballen bis zur Quafte am Vorhang. Daher felbftverftändlich Gefpinnfte, Tarpaulin, Heffian, Sacking, Strohfäcke, geftreifte Jutegewebe, Patent Jute tow, Padding, Ducks, Drillings etc., fowie von Allem Mufterbücher. Und wie ihre Trophäe eine Zierde im Parterre der Rotunde war, fo verkleideten die inneren Decken und Wände des Riefenbaues bedruckte Juteftoffe aus derfelben Fabrik. Mit ihr wetteifert die Jutemanu. factur in Floridsdorf bei Wien auf das rühmlichfte. DER INTERNATIONALE CONGRESS DER FLACHS- INTERESSENTEN. ABGEHALTEN IN WIEN IM AUGUST 1873. Auszug aus den Protokollen, bearbeitet von ARTHUR FREIHERRN VON HOHENBRUCK, k. k. Sectionsrath im Ackerbau- Minifterium in Wien. EINLEITUNG. Seine Excellenz der Herr Generaldirector der Weltausftellung, Baron Schwarz- Senborn, hat im October 1871 den internationalen Congrefs der Flachsintereffenten angeregt und dem Vorftande des landwirthschaftlichen Vereines von Mährifch- Schönberg, Herrn Carl Oberleithner, die Einleitungen zu diefem Congreffe übertragen. Angefichts der zahlreichen Beweife der Anerkennung, welcher der landwirthfchaftliche Verein zu Mährifch- Schönberg für feine Beftrebungen zur Hebung des Flachsbaues in Oefterreich fich erfreute, glaubte deffen Vorftand der Mitwirkung der öfterreichifchen Corporationen ficher zu fein. Er trachtete daher für das Zuftandekommen des Congreffes im Auslande zu wirken. Zunächft in Deutfchland vorfprechend fand die Idee des Congreffes die wärmfte Aufnahme. Herr F. Kafelowfky, königlich preufsifcher Commiffionsrath, Präfident des deutfchen und öfterreichifchen Leineninduftrie- Vereines zu Bielefeld, lud Herrn Carl Oberleithner zu einer Conferenz nach Berlin ein, welche unter Mitwirkung des Herrn C. Flandorffer aus Hannsdorf in Mähren im Monate April 1872 ftattfand und bei welcher die Grundlagen für die dem Congreffe vorzulegenden Fragepunkte vereinbart wurden. Die Zuftimmung der deutfchen Gefellſchaft zur Hebung des Flachsbaues in Berlin zum Congreffe war in deren Organe Centralblatt für die Textilinduftrie" in der anerkennendften Weife ebenfalls erfolgt. 99 Im Juli 1872 erklärte der Generaldirector der Weltausftellung, dafs die Aufftellung der dem Congreffe vorzulegenden Fragen durch ein aus Fachmännern gebildetes, befonderes Comité erfolgen folle, deffen weitere Aufgabe in der Feftftellung aller übrigen vorbereitenden Schritte für den Congrefs zu beftehen hätte. In diefes Comité wurden zuerft berufen die Herren: Wirthschaftsrath F. W. Hofmann für die Wiener k. k. Landwirthfchafts- Gefellfchaft, Cosmas Schütz für die Klagenfurter k. k. Landwirthfchafts- Gefellſchaft, Richard Dolenc für die Laibacher k. k. Landwirthfchafts- Gefellſchaft, Auguft Graf Fries für die Brünner k. k. Gefellfchaft zur Beförderung des Ackerbaues, 36 Arthur Freiherr von Hohenbruck. J. Böhm für den landwirthfchaftlichen Verein Mährifch- Neuftadtl, C. Oberleithner für den landwirthschaftlichen Verein Mährifch- Schönberg, Ig. Ettrich, Spinnerei Fabriksbefitzer in Trautenau, Ed. Oberleithner, SpinnereiFabriksbefitzer in Mährifch Schönberg, Leopold Fedra, als Vertreter der Domänen- Direction in Tefchen, C. Flandorffer, Flachsfpinnerei- Director in Hannsdorf, Dr. Mauthner v. Markhof, Flachsfpinnerei- Befitzer in Troppau, Moriz Emmer, Flachsfpinnerei- Director in Zautke, W. v. Hudetz, Gutsbesitzer zu Brodky, Klemens Walzel, Spinnerei- Fabriksbefitzer in Trautenau und W. Jerie, Spinnerei- Fabriksbefitzer in Hohenelbe. Späterhin verftärkte fich diefes Comité durch die Berufung der Herren: Jofef Peter, k. k. Bezirkshauptmann in P., in Wien, Arthur Freiherr v. Hohenbruck, k. k. Minifterialfecretär im Ackerbau- Minifterium in Wien, Auguft Leydheker, Profeffor in Tetfchen- Liebwerd. Adolf Trientl, Wanderlehrer in Hall( Tirol), C. Dittrich, Flachsfpinnerei- Befitzer zu Schönlinde( Böhmen), J. Kluge, Flachsfpinnerei- Befitzer zu Altſtadt bei Trautenau( Böhmen), Franz X. Grutfch, Vorftand des landwirthfchaftlichen Bezirksvereines in Mödling( NiederOefterreich), Dr. H. Hampe, fürftlich Liechtenſtein'fcher Rechtsanwalt in Wien. Als Vertreter der Generaldirection der Weltausftellung fungirte anfangs Minifterialfecretär v. Pretis, fpäterhin Hofrath Dr. Migerka. In der erften Comitéfitzung vom 20. Juli 1872, in welcher der Generaldirector Herrn C. Oberleithner als feinen Stellvertreter bei den Verhandlungen des vorbereitenden Comités vorftellte, wurden der Entwurf des Statutes für den internationalen Congrefs der Flachsintereffenten und das Programm der Fragen berathen. Die hienach( fub Nr. 62 der officiellen Publicationen der Generaldirection) erfolgten Publicationen lauteten: STATUT FÜR DEN INTERNATIONALEN CONGRESS DER FLACHSINTERESSENTEN. Die hervorragende Bedeutung des Flachfes als Culturpflanze für die Landwirthschaft und als Rohproduct für die Induftrie läfst mit Sicherheit vorausfetzen, dafs auf der Weltausftellung 1873 neben der Pflanze und dem Producte auch die verfchiedenen Verfahrungsweifen, fowie die erforderlichen Geräthe und Mafchinen zur Gewinnung der Spinnfafer vollftändig vertreten fein werden. Um dem Bilde das belebende Wort beizufügen, liegt es in der Abficht, mit diefer Ausftellung einen internationalen Congrefs der Flachsintereffenten zu verbinden, deffen Aufgabe es fein foll, die Fragen des beiliegenden Programmes zu beantworten, fomit jene Mittel und Wege zu berathen, welche geeignet erfcheinen, einerfeits die Cultur des Flachfes für den Landmann lohnender zu machen, anderfeits dem Flachsfpinner ein befferes und billigeres Rohmaterial zuzuführen. Diefer Congrefs wird am 19., 20. und 21. Auguft 1873 abgehalten werden. Landwirthe, Induftrielle und Kaufleute, welche fich mit der Flachscultur, der Flachsſpinnerei oder mit dem Flachshandel befchäftigen, fowie Vertreter der Wiffenfchaft und der Fachliteratur werden eingeladen, fich nach vorhergegangener Anmeldung an den Berathungen und Befchlufsfaffungen des Congreffes zu betheiligen. Die bezüglichen Anmeldungen zum Congreffe haben bei den betreffenden Ausftellungscommiffionen des In- und Auslandes zu gefchehen. Auf Grund der von diefen der Generaldirection der Weltausftellung längftens bis 1. Mai 1873 mitzutheilenden Anmeldungen werden die auf Namen lautenden Legitimationskarten den Commiffionen zur Zuftellung übermittelt werden. Ein aus Fachverständigen gebildetes Comité wird die Voreinleitungen für den Congrefs treffen, fowie die demfelben zu ftellenden Anträge vorbereiten. Die Berichterftatter für die einzelnen Programmpunkte werden über Vorfchlag des Comités von Seite des Generaldirectors ernannt werden. Der Obmann des Comités hat die Plenarverfammlung der Theilnehmer zu eröffnen. Die Wahl des Präfidiums, die Feftftellung der Gefchäftsordnung bleiben dem Congreffe vorbehalten. Die Congrefsdebatten können in deutfcher, englifcher, franzöfifcher und italienifcher Sprache geführt werden. Auf die Programmpunkte bezügliche Zufchriften, Arbeiten und Anträge find bis längftens Ende Mai 1873 an die Generaldirection für die Weltausftellung, Wien 1873, mit der Bezeichnung ,, für den Congrefs der Flachsintereffenten" zu richten. Die Verhandlungen und Befchlüffe des Congreffes werden nachträglich veröffentlicht. und den Theilnehmern an demfelben zugeftellt. Der internationale Congrefs der Flachsintereffenten. 37 Programm der Fragen. I. Welche Erfahrungen find hinfichtlich der Wahl des Leinfamens und bezüglich der Leinfamen- Production gemacht worden und durch welche Mittel kann letztere gehoben werden? II. Welche Leinbau- Methoden beftehen, welche Methoden find die beften und welche Mittel würden fich für die Verbreitung diefer Methoden befonders empfehlen? III. Welche Flachszubereitungs- Methoden haben fich bewährt und find demnach zu empfehlen? IV. Welche Gebrechen zeigt der Flachshandel gegenwärtig und durch welche Mittel wären diefe Gebrechen zu beseitigen? V. Welche find im Allgemeinen die Mittel und Wege zur Hebung der Flachsproduction und befferen Verwerthung der Flachsbau- Producte? Wien, 24. Juli 1872. Der Generaldirector: Freiherr von Schwarz- Senborn m. p. In der Sitzung des für die Ausarbeitung eines Expofés ernannten Comités ( abgehalten zu Mährifch- Schönberg am 8. April 1873) wurde das an alle Congrefstheilnehmer, Corporationen und Intereffenten( unter Nr. 100 der officiellen Publicationen der Generaldirection) zugefendete Expofé redigirt: AUSZUG AUS DEM STENOGRAPHISCHEN PROTOKOLLE. I. Frage. Diefelbe lautet: " , Welche Erfahrungen find hinfichtlich der Wahl des Lein famens und bezüglich der Leinfamen- Production gemacht worden, und durch welche Mittel kann felbe gehoben werden?" Berichterstatter Jofef Peter:„ Indem fich der Referent für diefe Frage hiemit die Ehre gibt, feinen Bericht zu erftatten, wird er als Beantwortung derfelben eine Reihe von Anträgen zu ftellen und auf jeden Antrag eine kurze Begründung folgen zu laffen verfuchen, wobei er freilich, dem Zwecke und der zugemeffenen Zeit diefes Congreffes gemäfs, nur das nach dem gegenwärtigen Stande der Dinge Mafsgebende und Entfcheidende hervorkehren kann, das Detail aber, welches wohl in die Aufgabe eines landwirthfchaftlichen Handbuches fallen würde, bei Seite laffen mufs. Erfter Antrag: Vom Standpunkte des Linnengewerbes empfiehlt fich zum Anbau vor anderen Arten und Spielarten der gemeine, blau blühende Schliefslein( linum usitatissimum vulgare) mit Beobachtung der Abftammung und Samenerneuerung( des Samenwechfels). Um den Uebelſtänden, welche dem Zwifchenhandel in Säe- Leinfaat anhaften, beftmöglichft zu fteuern, ift die Bildung von gröfseren Import- und Samenbezugs- Genoffenfchaften empfehlenswerth. Es kann nicht bezweifelt werden, dafs der quantitative und qualitative Ertrag des Flachsfeldes wohl an erfter Stelle von der klugen Wahl des Saatgutes abhängig ift, dafs alfo von ihr alle Stufen der Linneninduftrie bedingt werden. Diefer Wahl der Leinfaat ift nun der erfte Abfatz meines Antrages gewidmet, und erlaube ich mir, zu deffen Begründung Ihre Aufmerkfamkeit für folgende drei Punkte in Anspruch zu nehmen. So entfcheidend nämlich die Wahl des Saatgutes für die Flachserzeugung und daher die Flachsgewerbe fein mag, fo ift fie erftens, was Species und Varietät des Leines anbelangt, im Ganzen nicht minder eine gelöfte Frage; der gemeine, blau blühende Schliefslein( linum 38 Arthur Freiherr von Hohenbruck. usitatissimum vulgare) hat fich fo allgemein und in folchem Grade bewährt, dafs wohl die Verfuche mit anderen Spielarten einiges Intereffe bieten, auch wohl für beftimmte Verwendungen Nützliches erbringen, aber kaum einen Grund fchaffen können, um jenem feine thatfächliche Beliebtheit in den vorzüglichften Flachs erzeugenden Ländern( Rufsland, Belgien, Holland, Irland) ftreitig zu machen. Indem diefes der Congrefs durch einen Befchlufs äufsern wollte, gäbe er nur einer Thatfache Ausdruck, ohne aber etwa die Verfuche mit anderen Spielarten, denen da und dort Beachtung gefchenkt wird, abgefehen allerdings von jenen Arten, welche entfchieden ungünftige Erfolge ergaben( wie Springlein u. f. f.), als fchlechterdings müfsig zu verwerfen. Zweitens aber kommen in Anfchlag aufser Species und Varietät auch die Keimfähigkeit der Leinfaat, das ift, ein möglichst hohes Percent des Keimproceffes fähiger Samenkörner, und ihre Keimkraft, das ift ihr Vermögen, nicht nur zu keimen, fondern auch kräftige und widerftandsfähige Pflanzen hervorzubringen, endlich die relative Güte und Menge des Ertrages üherhaupt. Diefe Eigenfchaften und Erfolge find nun aber in erfter Linie und in bedeutendftem Mafse von den natürlichen Anlagen, in zweiter von den Wirthfchaftseigenthümlichkeiten des Erzeugungslandes, mit einem Worte von der Heimat des Leinfamens abhängig und es ift fomit die Herkunft oder der Bezugsort desfelben nicht minder von wefentlichem Einfluffe auf den Ertrag des Flachsfeldes. Aus diefer Rückficht geniefsen bekanntlich die Säe- Leinfaaten der ruffifchen Oftfee- Provinzen, der Rigaer, Pernauer, Windauer, Pfkower und andere ruffifche Samen, dann die holländifchen oder Zeeländer Abfaaten hievon, man kann wohl fagen, einen Weltruf; in zweiter Linie und gröfserentheils nur in Oefterreich und Deutfchland werden verwendet der Tiroler und jener Samen, welcher auf den zu den Haffen der Oftfee ſtaffelweife abfallenden Gebieten im Nordoften des Königreiches Preufsen erbaut wird. -- Die fchwankenden Refultate von allerlei Verfuchen, die nicht als abgefchloffen betrachtet werden können, dürfte hier nicht am Platze fein zu erwähnen. Wohl aber geftatten Sie mir des Draboffer Samens zu gedenken, welcher zu fo lebhaften Debatten in Belgien und Holland Veranlaffung gegeben hat eines Samens, welcher in Central- Rufsland an den Ufern des Dnjeper auf einer Domäne, die unter der Verwaltung eines belgifchen Agronomen fteht, erzeugt und füdwärts übers fchwarze Meer verfchifft wird; ohne Zweifel eines ganz brauchbaren Samens, der aber doch kaum das überlaute Geräufch verdiente, welches von ihm gemacht wurde. Auch kann ferner nicht fraglich fein, dafs die aus folchen vorzüglichen Samenforten erzeugten einheimifchen Abfaaten nach Umständen in einer grösseren oder geringeren Anzahl von Gefchlechtern vorzügliche Culturen ergeben können, ein Gegenftand, auf welchen ich im Verlaufe diefes Berichtes noch zurück zu kommen die Ehre haben werde. alfo Für diefe Wahl unter den Bezugsorten will gleichfalls eine Regel gegeben fein. Nun fchiene es nach der Form der erften Frage des Programmes Aufgabe der Berichterftattung zu fein, zu erörtern, unter welchen Umftänden diefer oder jener Leinfamen nach feinem Bezugsorte fich empfehle, unter welchen anderen nicht; und es wäre wohl auch ohne Frage möglich, mit Zuhilfenahme der Erfahrungen aller Länder, theoretifche Regeln aufzuftellen, welche uns in den Stand fetzen könnten, zu beurtheilen, unter welchen Vorausfetzungen des Ackers nach Erwägung feiner phyfikalifchen, mechanifchen, allgemein klimatifchen und auch ökonomifchen Verhältniffe diefer oder jener Bezugsort vorzuziehen fei. Allein diefer deductive Weg würde fo fchwierig und einem Fehlfchluffe fo leicht unterworfen fein, dafs der inductive Weg, der Weg des Experimentes: der vergleichende Anbauverfuch mit verfchiedenen Leinfaaten oder die Anftammung unbedingt vorzuziehen ift. Diefer Erwägung wird denn im vorliegenden - Der internationale Congrefs der Flachsintereffenten. 39 Antrage durch Einfchaltung der Worte:„ mit Beobachtung der Anftammung" genug gethan. Drittens ift zu bedenken, dafs jene Gegenden, deren Boden und wohl auch klimatifche und ökonomifche Verhältniffe zwar zur Erzeugung guter Säe- Leinfaat geeignet find, aber nicht fo fehr, dafs nicht im Laufe der Jahre eine Entartung einträte, mindeftens periodifch die Erneuerung des Samens, den Samenwechfel bewirken müffen, wobei fich allerdings die Anzahl der felbft abzubauenden Abfaaten wirthschaftlicher Weife nach dem Fortfchritte der Entartung richten mag. Hierin darf uns Holland als Vorbild dienen; es bezieht ruffifchen Samen Puik- Puik, fäet nicht mehr als zwei Abfaaten davon wieder und verkauft die dritte Abfaat( Revelaars Enkel) zum Theil auch fchon die zweite Abfaat( Revelaars Kind) als„ Zeeländer" zu fehr lohnenden Preifen ins Ausland. Aber fogar in jenen Landfchaften, welche mit fo ausnahmsweifen Vorausetzungen ausgeftattet find, dafs ihr heimifcher Flachs keiner bis zur Deutlichkeit. fchädlichen Entartung unterliegt, erweift fich ein periodifcher Samenwechfel von Ort zu Ort oder doch von Gut zu Gut häufig von Vortheil und wird auch in der That in Rufsland, Tirol etc. nicht felten beobachtet Alfo fcheint die allgemeine Anempfehlung der Samenerneuerung gerechtfertigt. Auf den zweiten Abfatz des erften Antrages übergehend, mufs ich bemerken, dafs ein erfter Uebelftand des gegenwärtigen Zwifchenhandels in Leinfaat die Fälfchungen derfelben find. Es ift bekannt, wie wenig allerlei Verordnungen verfchiedener Regierungen, welche diefem Uebel zu steuern verfuchten, gefruchtet haben. Die neuzeitliche Macht der Publicität bietet aber in gewiffem Mafse ein Mittel dagegen, das fich allerdings mit Vorficht anwenden liefse. Abgefehen von den Fälfchungen der Leinfaat ift die gegenwärtige Bezugs. weife zum Schaden des Flachsbaues noch anderen Schwierigkeiten unterworfen. Wo, wie in Oefterreich und theilweife auch in Deutfchland fehr gewöhnlich ift, der Bezug der Leinfaat aus entfernten Gegenden blofs durch kleine ländliche Kaufleute vermittelt wird, welche den Leinfamen nebenher vertreiben und unmittelbar, das ift: ohne Dazwifchentreten gröfserer Importgefchäfte aus den Exportländern beziehen, dort ift es mit diefem Handel nicht zum beften beftellt; denn kleine Kaufleute haben erftens nicht die gehörige Platzkenntnifs an den Exportplätzen, fie befitzen zweitens dafelbft keinen oder nicht hinreichenden Credit, und weil fie die Waare und fomit ihr Capital fo kurz als möglich liegen laffen wollen, fo machen fie drittens ihre Beftellungen erft unmittelbar vor dem Anbau, das ift zu einer Zeit, da die erfte und befte Waare fchon lange von energifcheren Händen vorweggenommen worden, fo dafs fie nur noch die letzte und geringfte Waare um denfelben Preis erhalten, um welchen jene weitfichtigen Speculanten das Befte erwarben. Dem letzteren Mifsftande unterliegt auch die Vermittlung des LeinfamenBezuges durch Landwirthfchafts- Vereine und ähnliche patronifirende Organe, welche in der Regel die Waare nicht beftellen können, fo lange nicht die Anmeldungen der Auftraggeber, das ift der patronifirten Land- und Flachswirthe erfolgt find. Es wäre darum wünſchenswerth, dafs gröfsere Importgefchäfte den Handel zwifchen den Confumenten und Detail liften einerfeits und dem Erzeugungslande anderfeits vermitteln. Ich darf hier wohl daran erinnern, dafs fchon vor einem Jahrhundert der praktiſche Patriot Juftus Möfer in feinen„ Phantafien", im 6. Stück des I. Bandes: ,, Man forge auch für guten Leinfamen, wenn der Linnenhandel fich beffern foll" die Uebelftände des Leinfamen Handels einfah, und zu deren Behebung die Errichtung einer Handelscompagnie, welche den Bezug aus den ruffifchen Oftfee- Provinzen vermitteln follte, vorfchlug. Aber auch das Genoffenfchaftswefen darf mit gutem Fuge zu einer vortheilhaften Organiſation des Samenbezuges herangezogen werden; um fo mehr, da der Flachsbau mehrere Gelegenheiten darbietet( wie Beforgung von 40 Arthur Freiherr von Hohenbruck. Düngemitteln und Geräthfchaften, gemeinfame Bereitung in genoffenfchaftlichen Anftalten und Verkauf des Productes), deren Ausnützung beffer durch die Landwirthe felbft im genoffenfchaftlichen Vereine, als durch die Einzelnen mit fremder Hilfe erfchöpft wird. Damit aber folche Genoffenfchaften mit fernen Plätzen coulante Beziehungen pflegen können, ift es nothwendig, dafs fie die Verbindung mit foliden und wohlaccreditirten Bankhäufern fuchen, welche die Zahlung vermitteln und verbürgen. Solches wird ihnen aber in der Regel kaum anders gelingen, als unter folidarifcher Haftung ihrer Theilnehmer. Defshalb find Saamenbezugs- Genoffenfchaften mit folidarifcher Haftung und mit Anlehnung an wohl accreditirte Bankhäufer empfehlenswerth. Der zweite Antrag lautet: ,, Brauchbare Säe- Leinfaat könnte und follte um Vieles allgemeiner als in Wirklichkeit der Fall ift, gezüchtet werden." Die Erzeugung guter Säe- Leinfaat ift allerdings in weit höherem Grade, als die Fafererzeugung abhängig von dem Beftande und Gehalte des Bodens und es liegt nicht immer in der Willkür des Landwirthes, einen bauwürdigen Samen zu erzeugen. Zu Folge von Unterfuchungen fcheint nämlich die Züchtung von guter Säe- Leinfaat wefentlich bedingt zu fein von der im Boden enthaltenen, in affimilirbarem Zuftande vorhandenen Maffe von Erdfalzen, und zwar namentlich des Kali. Die vorzüglichften Leinfamen Böden: die Lehmböden devonifcher Formation in den ruffifchen Oftfee- Provinzen, des holländifchen, dem Meere abgewonnenen Schwemmlandes, die tirolifchen Grundfchuttböden, welche aus einer Zerfetzung von Gneis und Granit entstanden, find vorzüglich kalikräftig. Nun könnte zwar ein künftlicher Eintrag der benöthigten Erdfalze durch angemeffene Düngung, Brenncultur etc. die natürliche Eignung erfetzen; und er wird in der That mit gutem Erfolge angewendet. Allein abgefehen davon, dafs durch keine Düngung die durch die Natur gegebene gleichmäfsige Mifchung der Krumme erzielt werden kann, fo ift es wirthschaftlich, dafs vor Allem jene Gegenden in der LeinfamenProduction gefördert werden, welche vermöge ihrer natürlichen Eigenfchaften dazu veranlagt find. Solche Naturanlagen, das ift, kalikräftige Böden unter angemeffenem, hinreichendes directes Sonnenlicht bietendem Klima find aber allerdings weit allgemeiner verbreitet, als fie in Wirklichkeit ausgenützt werden. Es ift aber nachdrücklich zu betonen, dafs in Ländern mit intenfiver Wirthschaft es nicht wirthschaftlich ift, den Schwerpunkt des Flachsbaues in die Samenerzeugung zu legen, weil vorzüglich durch die Fafer vermöge der Gelegenheit, die fie bietet, Kenntniffe und Fertigkeiten an ihr zu verwerthen, jene höheren abfoluten Erträge gewonnen werden können, welche dem Werthe des Grund und Bodens und den Koften der Bewirthschaftung entſprechen. Vielmehr können hier nach dem durchfchlagenden Beifpiele Hollands, welches von demfelben Felde einen vorzüglichen Flachs und eine der trefflichften Säe- Leinfaaten zieht, beide Producte in guter Qualität erzielt werden. Sehr allgemein ift aber die Pflege des Samens vernachläffigt, während fie recht gut neben der Faferzucht Platz finden könnte, und hierauf fucht der Antrag Ihre Aufmerkfamkeit zu lenken. Der dritte Antrag lautet: ,, Zur Erzielung guter Säe- Leinfaat fowohl als guter Fafer mag im Allgemeinen das hol1 ändifche Verfahren, bei der Ernte insbefondere die Kortryk'fche oder eine analoge Methode ( Kapellung) mit Nutzen befolgt werden." Es wurde fchon in der Begründung des vorigen Antrages darauf hingewiefen, dafs die Erzeugung guter Leinfaat die Erzeugung guter Spinnfafer unter günftigen natürlichen Verhältniffen nicht ausfchliefst und es kann in der mehr oder minder intenfiven Landwirthschaft, welche auf diefem Congreffe vorwaltend vertreten ift, kaum davon die Rede fein, eine folche Samenzucht zu empfehlen, welche die Erzeugung der Fafer aufser Verhältnifs entwerthen würde. Der internationale Congrefs der Flachsintereffenten. 41 Das Vorbild, welches innerhalb diefer Grenzen fich als das nachahmens werthefte empfiehlt, ift ohne Zweifel der holländifche Flachsbau. Die Holländer wählen, wie bekannt ift, ein in Kraft ftehendes Land, fäen zwei Hektoliter auf die Hektare, ziehen den Flachs, wenn der Samen in der Mehrzahl der Kapfeln foweit gereift ift, dafs ein quer durch die Kapfel geführter Mefferfchnitt regelmässige Schnittflächen aufweift; bewahren den Samen in den Kapfeln auf, bis fie ihn zu gelegener Zeit ausdrefchen; reinigen und fortiren mit grofser Sorgfalt. In allen diefen Dingen darf uns das holländifche Verfahren als Mufter dienen. Was aber das Ernteverfahren anbelangt, fo darf die Kortryk'fche Methode der handvollweifen Aufkapellung der holländifchen, gebündelten Kapellung noch vorgezogen werden. Es könnten hier zwei weitere Fragen aufgeworfen werden: Soll zum Zwecke der Samenerzeugung die Saat gedrillt werden? Und ferner: Ift Samenraftung empfehlenswerth? Auf die erfte Frage ift zu bemerken, dafs das Drillen der Saat allerdings die Menge und Güte der Samenernte befördern kann; allein es mufs daran erinnert werden, dafs die Samenerzeugung auf Koften der Fafererzeugung in unferen Verhältniffen unwirthfchaftlich genannt wurde; es wird alfo nur in folcher Weife zu billigen fein, dafs es nicht den Faferertrag unverhältnifsmässig herabmindert, und es wird zu beachten fein, dafs unter gleichen Verhältniffen gedrillte Saat leichter dem Frofte erliegt als ungedrillte. In Bezug auf die Samenraftung gehen die Uebungen in auffallender Weife auseinander. Sie liefert zuweilen, wie zahlreiche Verfuche in Oefterreich und Deutfchland beftätigen können, ganz ausgezeichnete Refultate und es ginge kaum an, diefelben zu ignoriren. Dagegen in Rufsland, Holland etc. ift fie kaum in Gebrauch, fondern es kommt regelmässig letztjährig geernteter Samen im folgen. den Frühjahre zur Ausfaat. Ja nach den Rigaer Exportnormen wird die befte Säe- Leinfaat letzter Ernte, die nicht bis zu 15/27 Mai verfchifft worden, weil fie, wie man erfahren hat, durch längeres Liegen bei höherer Temperatur die Vorzüge ihrer Keimkraft einbüfsen würde, zur„ verwrackten Säefaat". Es wird Aufgabe der Pflanzenphyfiologie fein, diefen widerfpruchsvollen Gegenftand zu beleuchten. Es fcheint, dafs in einem minder gut fortirten oder an fich verfchiedenkräftigen Samen die Raftung, ähnlich wie das Dörren, durch Tödtung fchwächlicher Keime nützt. Aber es läfst fich auch nicht in Abrede ftellen, dafs man nicht felten eine pofitive Kräftigung der Keimkraft davon bemerken konnte. Im Ganzen erfcheint darnach die Sache als nicht fpruchreif, und es mögen noch immerhin die örtlichen Erfahrungen ihr Recht fortbehalten. Hier am Schluffe diefes Abfatzes fcheint mir auch paffend zu beantragen: Der hohe Congrefs wolle nachdrücklich dafür einftehen, dafs die Säe Leinfaat allenthalben nur vollständig gereinigt in den Verkehr gebracht werde. Der vierte Antrag lautet: ,, Zur Hebung der Leinfaat find zweckdienlich: 1. Verbreitung einfchlägiger Kenntniffe und Fertigkeiten unter den flachsbauenden Landwirthen; 2. Errichtung von Samenmärkten; 3. Förderung des Abfatzes der überfchüffigen oder fchon örtlich entarteten Leinfaat." Eine erfte Bedingung für das Gelingen einer fördernden Einwirkung auf die Erzeugung von Säe- Leinfaat ift allerdings das Vorhandenfein der natürlichen Vorausfetzungen, namentlich eines geeigneten Bodens Auf armen Sandböden, wie den flandrifchen, läfst fich wohl durch unausgefetzte Cultur eine höchft werthvolle Fafer, aber kein werthvoller Same ſchaffen. Wo alfo eine Hebung der Samenerzeugung angeftrebt werden foll, dort mufs das Land vor Allem dazu natürlich und wirthfchaftlich veranlagt fein. 42 Arthur Freiherr von Hohenbruck. Dann aber dient zu diefem Ende erftens allerdings, wie bereits oben angeführt, die Verbreitung einfchlägiger Kenntniffe und Fertigkeiten unter den flachsbauenden Landwirthen; fodann aber nichts mehr als eine Veranſtaltung, welche den Abfatz der überfchüffigen oder fchon örtlich entarteten Leinfaat erleichtert und lohnende Preife verfichert. Eine folche Anftalt find Samenmärkte, welche aber zur Vorausfetzung haben, dafs der Flachsbau concentrirt und auf zahlreichen kleinen und mittleren Gütern betrieben wird. Grofse Güter haben kein Intereffe, ihre maffenhaften Producte zu Markte zu fahren, fondern wollen aufgefucht fein. Uebrigens bietet die Anlage neuer Märkte immer die Schwierigkeit, das Intereffe der Käufer und Verkäufer an das Neue und Verfuchsweife zu feffeln. Eine folche empfehlenswerthe Anftalt, insbefondere für Gegenden, welche einen wenig concentrirten oder auf Grofsgütern betriebenen Flachsbau befitzen, wäre ferner, fei es ein Verein, fei es eine Genoffenfchaft, fei es endlich eine Handelsanftalt, welche fich, am beften gegen fefte Provifion, damit befafste, den blofs örtlich entarteten Samen nach Gegenden zu vertreiben, in welchen er beffere Ergebniffe liefert. Diefe Anftalt müfste, zumal in grofsen, verfchiedene natürliche und ökonomifche Verhältniffe umfaffenden Ländern fowohl zu einem allgemeineren Samenwechfel anregen, als auch den ausländifchen Samenbezug auf jenes Mafs bringen, welches den Intereffen der Volkswirthfchaft am meiften entspricht. Der fünfte Befchlufsantrag lautet: ,, In Anbetracht, dafs für die Löfung der Frage der Leinfamen- Production in mancher Beziehung genügende Erfahrungen zur Zeit noch nicht vorliegen, empfiehlt der Congress in Berücksichtigung der Wichtigkeit des Gegenftandes das fortgefetzte eingehende Studium derfelben in den leinbauenden Ländern, und bezeichnet es als eine wichtige Aufgabe des von ihm gewählten ftändigen Ausfchuffes, diefer Frage feine volle Aufmerkfamkeit zuzuwenden." Die Abficht diefes Antrages liegt fo klar vor und die Nothwendigkeit der Mafsregel ift fo evident, dafs mir die hohe Verfammlung ficherlich eine nähere Begründung desfelben erlaffen wird." Die Refolution des Congreffes über Frage I lautet hiernach: I. Auf Grund der mit einer Reihe von Leinfaat- Samen gemachten Erfahrungen ift auszufprechen, dafs fich vom Standpunkte der Leinengewerbe der Anbau des blau blühenden Schliefsleines( linum usitatissimum vulgare) zumeift empfiehlt. In Bezug auf die Wahl der Leinfaat empfiehlt fich erfahrungsgemäfs der Wechfelderfelben. Um den Leinfaat- Verfälfchungen, welche im Zwifchenhandel vorkommen, wirkfam zu begegnen, empfiehlt fich, die Bildung von gröfseren Import- und Samenbezugs Genoffenfchaften ins Auge zu faffen. 2. Brauchbare Säe- Leinfaat könnte und follte als um Vieles allgemeiner, als in Wirklichkeit der Fall ift, gezüchtet werden. 3. Behufs Erzielung guter Säe- Leinfaat fowohl als guter Fafer erfcheint die holländifche, insbefondere die Kortryk'fche oder eine analoge Erntemethode( Kapolung) zumeift empfehlenswerth. Nur ganz gereinigte Saat foll in den Handel gebracht werden. 4. Als für die Hebung der Leinfaat Erzeugung zweckdienlich erfcheinen: a) Belehrung der flachsbauenden Landwirthe, b) Errichtung von Samen Märkten, c) Förderung der Abgabe von überfchüffigem oder örtlich entartetem Saatgute 5. In Anbetracht, dafs für die Löfung der Frage der Leinfamen Production genügende Erfahrungen zur Zeit noch nicht Der internationale Congrefs der Flachs- Intereffenten. 43 vorliegen, empfiehlt der Congrefs in Berücksichtigung der aufserordentlichen Wichtigkeit des Gegenftandes das fortgefetzte, eingehende Studium derfelben in den leinbauenden Ländern und bezeichnet es als eine der wichtigften Aufgaben des von ihm gewählten ftändigen Ausfchuffes, diefer Frage feine volle Aufmerkfamkeit zuzuwenden. " II. Frage. Welche Leinbau- Methoden beftehen, welche Methoden find die beften, und welche Mittel würden fich für die Verbreitung diefer Methoden befonders empfehlen?" Berichterstatter Profeffor Leydheker: Unftreitbar geht das Intereffe der Flachsproducenten Hand in Hand mit dem der Flachsconfumenten, der Flachsinduftriellen; beide Erwerbsthätigkeiten, die Flachsproduction, fowie die Flachsinduftrie ftehen in fo inniger Wechfelbeziehung zu einander, dafs mit dem Wohle und der freudigen, gefunden Entwicklung der einen unbedingt die Exiftenz der anderen gefichert wird, im umgekehrten Falle aber auch gefährdet werden kann, fobald durch unrichtiges Vorgehen, durch mangelhaftes Erfaffen deffen, was die jeweiligen Zeitverhältniffe gebieten, der Lebensfaden der Flachsproduction oder auch der Flachsinduftrie durchſchnitten wird. Mit weit gröfserer Schwierigkeit und weit mehr Unficherheit hat der Landwirth feine Flachsproduction zu betreiben, als der Induftrielle feine Flachsveredlung; denn feine Thätigkeit wird vor Allem beeinflusst durch die beiden natürlichen Factoren, Klima und Boden, von welchen Einflüffen der Leineninduftrielle nur in einem fehr geringen Grade und in der Regel nur indirect berührt wird. Der Einfluss des Bodens, noch mehr aber der des Klimas, ift von der Natur gegeben. Auf diefe beiden Factoren ändernd einzuwirken, vermag der Flachsproducent nur in einem fehr geringen Grade, um fo weniger, je mehr ihm die Kenntniffe abgehen, mit was für Erfcheinungen, Vorgängen und Kräften er es hiebei zu thun hat. Die Naturwiffenfchaften, insbefondere die Phifiologie, Chemie und Phyfik find mithin in erfter Linie dazu berufen, weiter zu forfchen, um die Natur und das Wefen aller derjenigen Kräfte und Subftanzen genau kennen zu lernen, welche fämmtlich bei der Cultur des Flachfes mit thätig find. Die Unkenntnifs über das Wefen diefer beiden Naturfactoren läfst es mithin fehr erklärlich finden, dafs das ganze Vorgehen beim Flachsbau meift auf eine rein empirifche Grundlage bafirt ift. Bilden fomit Klima und Boden ein Conglomerat von unbekannten Gröfsen, mit denen es der Flachsproducent, wie jeder Land- und Forstwirth zu thun hat, und zu deren Auflöfung der Flachsbauer, ebenfo wie der Naturforfcher berufen ift, fo find es aber die natürlichen Factoren nicht allein, welche die Flachscultur beeinfluffen; Arbeit und Capital fpielen auch bei diefer wirthschaftlichen Thätigkeit ihre bedeutende Rolle. Dafs nun fowohl die Arbeit, als auch das Capital in einem fehr verfchiedenen Mafse bei der Flachsproduction in Benützung kommen, ift eine allbekannte Thatfache und laffen fich die verfchiedenartigen Refultate, welche bei der Flachs cultur erhalten werden, nicht felten auf den einen oder den anderen oder auf die beiden Factoren zugleich zurückführen. Da nun Letztgenannte weit mehr in der Hand und in der Machtfphäre der Menfchen liegen, als die von der Natur gegebenen Factoren, Klima und Boden, fo ift es felbftverſtändlich, auch vor Allem die Aufmerkfamkeit auf diejenigen Momente zu lenken, welche auf die Flachscultur Einfluss ausüben und auf die beiden Factoren Capital und Arbeit fich zurückführen laffen. 44 Arthur Freiherr von Hohenbruck. Die Art und Weife, wie der Landwirth feinen Flachs anbaut, beeinflusst nicht nur fein eigenes perfönliches Intereffe, die Rentabilität feines Erwerbsbetriebes, fie übt auch einen gleich mächtigen Einfluss auf die Leineninduftrie, fowie auf das ganze volkswirthschaftliche Leben. An ihn, den Landwirth als Flachsproducenten, tritt mithin vor Allem die Aufgabe heran, durch eine geeignete Culturmethode von feinem Flachsacker eine möglichft quantität- und qualitätreiche Ernte zu erzielen, durch die er nicht allein fich felbft eine entsprechende Grundrente fichert und damit feine volkswirthschaftliche Aufgabe als Landwirth zur Genüge löft, er fördert damit auch das Intereffe der Flachsinduftriellen, fowie der Flachs confumenten. Die Flachscultur ift, wie bekannt, ein fehr alter Culturzweig in der Landwirthfchaft, der fich über alle Länder der verfchiedenen Zonen verbreitet hat. Gerade aber, weil derfelbe fchon feit Jahrhunderten gepflegt und überall unter den verfchiedenartigften und mannigfachften, natürlichen und künftlichen Beeinfluffungen zur Durchführung gebracht wird, kann es auch kein Wunder nehmen, dafs heut zu Tage nicht nur jedes Land, ja jeder Landestheil, jede Gemeinde ein eigenes, den localen Verhältniffen mehr oder weniger angepafstes Vorgehen bei der Flachscultur innehält, das leider aber in den meiften Fällen weit davon entfernt ift, in jeder Beziehung zu befriedigen: dem Flachsbaue eine möglichst hohe Rente zu fichern und dem Flachsinduftriellen eine möglichft werthvolle Fafer zu liefern. Das ftrenge Fefthalten an dem Althergebrachten, die Furcht und Scheu vor allem Neuen, fowie die totale Unkenntnifs aller Erfcheinungen und Vorgänge, welche von dem Reinigungsproceffe bis zur Ernte fich ergeben und die alle bald in einem höheren, bald in einem niederen Grade das Refultat der Flachscultur zu beeinfluffen vermögen, bringen es mit fich, dafs mit geringer Ausnahme die Flachs. cultur auch heute noch ebenfo rein empirifch durchgeführt wird, wie vor Jahrhunderten. Wo von Natur aus die Verhältniffe der Flachs cultur fehr günftig waren, wie diefs vorzüglich in Belgien ftatthat, lag es auch nahe, dafs dafelbft nicht nur von Seiten der Flachsproducenten ein höherer Grad der Intelligenz der Production zugewandt wurde, fondern auch die Regierung durch ihre verfchiedenen hiezu beftellten Organe fördernd und hebend einzuwirken fuchte. Betrachten wir heut zu Tage alle Flachs culturen mit demfelben Endziele, nämlich der Erzeugung einer guten, werthvollen Fafer, die fich in den verfchie denen Ländern Europas ein begründetes Renommé erworben haben, fo laffen fie fich fämmtlich auf die belgifche Culturmethode zurückführen, find mithin mehr oder weniger eine Nachahmung der belgifchen Flachs cultur, felbftverſtändlich unter Berücksichtigung der gegebenen localen und wirthfchfchaftlichen Verhält niffe. Es dürfte daher auch der hohe Congrefs feine volle Zuftimmung geben, zu. dem sub I formulirten Antrage: , Von den in Uebung ftehenden mannigfachen Anbau-, Feldbeftellungs-, Einfaat- und Ernteweifen find die in Belgien, insbefondere die in Oft- und Weftflandern beftehenden, von dem Standpunkte der Flachsproduction als die vorzüglichften zu bezeichnen." Hierauf wird der erfte Abfatz des Antrages des Berichterstatters ange nommen. Der zweite Theil meines Antrages lautet: د" Unter den verfchiedenen Anfaat- Zeiten( Früh-, Spät- und Herbftfaat) ift der Frühfaat in Bezug auf die Erlangung einer kräftigen Fafer im Allgemeinen der Vorzug zuzuerkennen." Mit dem Worte„ Frühfaat" ift etwas mehr oder minder Prekäres gefagt. In dem einen Landestheile kann ein Zeitpunkt für fpät gelten, während er in dem anderen, z. B. im Gebirge, als früh angefehen werden mufs. Damit will nur gefagt werden, dafs fo früh als möglich mit dem Anbau vorgegangen werde, d. h. dafs die Saat vorgenommen werde, fobald dem Boden die nothwendige Winterfeuchtig Der internationale Congrefs der Flachsintereffenten. 45 keit innewohnt, und dafs der Lein aus der erften Entwicklung herausgebracht werde, ehe die anhaltende Trockenheit beginnt, weil damit die fchädlichen Einflüffe fern gehalten werden, welche die Leinfaat in der erften Jugend leicht ftören und oft vernichten. Ich erinnere nur an die Erdflöhe, welche oft die Leinfaat von vorneherein, beim Keimen, vernichten. Dagegen fprechen fich zwar viele Anfichten dahin aus, dafs die Frühfaat durch Fröfte in Mitleidenfchaft gezogen wurde. Man hat jedoch anderfeits die Beftätigung gefunden, dafs die einzelne Pflanze, wenn fie fich kräftig entfaltet hat, eine weit gröfsere Widerftandsfähigkeit befitzt, als eine Pflanze, welche kümmerlich emporwächft. Die Frühfaat wird befonders dann angezeigt fein, wenn wir durch vorausgegangene Culturen den Boden kräftigen, fo dafs die Pflanze fich dann ftark entwickelt und dadurch eine befondere Widerftandsfähigkeit gegen Froft und Kälte erhält. Die Frühfaat dürfte fich demnach empfehlen, weil dadurch eine gröfsere Sicherheit für das gleichmässige Aufgehen geboten wird, weil fie weniger von den Erdflöhen leidet und weil, was befonders bei Kleinwirthen der Fall ift, die Röfte noch in demfelben Jahre vollständig durchgeführt und dadurch im kommenden Winter mit der Aufbereitung vorgegangen werden kann. Der Kleinwirth wird fich felten die Mühe geben, den Flachs 2 bis 3 Jahre in Stroh aufzubewahren, er wird vielmehr wegen feines gröfseren Bedarfes nach Geld trachten, das Product fo rafch als möglich zu verwerthen. Diefs wird aber nur dann möglich fein, wenn er früh anbaut, damit er die Röfte noch in demfelben Jahre vollſtändig durchführen und im Winter aufbereiten kann. Die Frühfaat dürfte daher im Allgemeinen, weil fie eine kräftigere, ftärkere Fafer liefert, entfchieden den Vorzug vor der Spätfaat verdienen. Der Abfatz zwei des Antrages I des Berichterstatters wird vom Congreffe hierauf angenommen. Der dritte Theil des Antrages I lautet: ,, Die Anfaat von Lein als zweite Frucht ift, da fie eine wenig haltbare Fafer liefert, nicht empfehlenswerth." Hieraus ift zu entnehmen, dafs der Flachs, als zweite Frucht oder als Stoppelfrucht angebaut, felbftverſtändlich nie einen befonderen Ertrag liefern kann. Wenn wir der Anficht find, dafs der Flachs durch den frühen Anbau eine kräftige, haltbare Fafer erhält, fo liegt es nahe, dafs, wenn der Anbau erft im hohen Sommer vorgenommen wird, die Pflanze nicht befonders haltbar fein kann. Antrag 2 lautet: ,, Was die für den Flachsbau fo wichtige Düngungsfrage betrifft, fo ift auszufprechen: Die Düngung mit Stallmift foll nur vor der Vorfrucht gefchehen. Die Anwendung künftlicher Düngmittel dagegen, wie von Afche, Compoft, Phosphat, Chilifalpeter, kann mit grofsem Erfolge unmittelbar zum Lein ftattfinden. Die Kalkdüngung ift, da fie die Fafer rauh geftaltet und der Kalkftaub die Arbeiter namentlich in der Hechelei beläftigt, nicht empfehlenswerth." Wir haben bei der Flachs cultur auf die Befchaffenheit des Bodens, das heifst derjenigen Subftanz, aus welcher der Flachs fich aufbaut, unfere Hauptaufmerkfamkeit zu richten. Es ift diefs leider noch ein wunder Fleck, und zum gröfsten Theile ift die Wiffenfchaft daran Schuld, weil fie uns in diefer Beziehung ganz im Stiche läfst, und uns nicht angibt, welche Form die einzelnen Nährfubftanzen haben follen, in welcher Form fie in die Pflanze eindringen, und welche Metamorphofen fie in der Pflanze felbft durchzumachen haben. In diefen Fragen liegt noch ein geheimnisvolles Dunkel vor, und alle Verfuche, die auf die Kräftigung des Bodens zum Behufe des Flachsbaues gemacht werden, gehen nicht nach ftreng wiffenfchaftlichen Gefetzen vor, fondern haben mehr weniger den Anftrich der Empirie, und durchgehends nur einen localen Werth. Dennoch haben fich aus der Maffe von Erfahrungen einige allgemein giltige Normen herausgebildet, und diefe find es, welche ich mir Ihnen im Antrage 2 vorzutragen erlaube. 46 Arthur Freiherr von Hohenbruck. Es kommen allerdings noch andere Düngftoffe vor und namentlich in der neueren Zeit werden die verfchiedenartigften Subftanzen, darunter befonders das Kochfalz, verwendet, um den Flachsacker zu kräftigen und dadurch die Production zu heben und die Fafer zu ftärken. Aber in letzterer Beziehung find wir noch zu wenig vorgefchritten, als dafs wir ein endgiltiges Refumé ziehen könnten, und es ift das immer noch eine offene Frage, welche zu löfen Aufgabe der Wiffenfchaft ift. Im Allgemeinen hat jedoch die Erfahrung gelehrt, dafs die Anwendung von Stallmift- Düngung für die Kräftigung des Flachsackers weniger vortheilhaft ift, und zwar weil dadurch die Flachsfafer leidet, dafs aber anderfeits die Anwen dung von kalkhaltigen und phosphorfäurehaltigen Düngftoffen befonders kräftigend auf die Entwicklung der Leinpflanze wirken, wefshalb Afche, guter Compoft, Phosphat, dann Düngfalz, wie es in Stafsfurt und in Kalufz vorkommt, letzteres insbefondere wegen des Reichthums an Kali, befonders für den Flachsbau geeignet erfcheinen. Dagegen erweift fich die Verwendung von reinem Kalk als wenig empfehlenswerth, indem die Erfahrung lehrt, dafs die Kalkdüngung ungünftig auf die Fafer wirkt, dafs die Fafer an Werth verliert, und dafs fie bei der Aufarbeitung des Flachfes grofse Fatalitäten nach fich zieht. Um jedem Mifsverftändniffe vorzubeugen, mufs ich jedoch hervorheben, dafs fich der Stallmift nur direct nicht für den Flachsbau empfiehlt, dafs es jedoch angezeigt erfcheint, ihn für die Vorfrucht zu verwenden, und zwar insbefondere dann, wenn der Boden fchwer und kalt ift. Wenn wir auf die Momente, die hervorgehoben wurden, zurückweifen fo liegt es fehr nahe, dafs der Flachsproducent vor Allem darnach ftreben mufs, einen Samen zu verwenden, welcher rein ift und allen Samen, der mit anderen Sämereien vermifcht ift oder die Keimfähigkeit nicht befitzt, möglicft zu vermeiden. Wir haben geftern fchon gehört, dafs man eine vollkommene Reinheit und Ungemifchtheit leider nicht erwarten könne; es kommt daher nur in Betracht, eine möglichft grofse Reinheit des Samens zu erzielen. Was einmal der Flachsproducent fäet, wird er auch ernten, wenn er fruchtbaren, reinen Samen anbaut, fo wird er auch reinen ernten. Weiter wird, je reiner der Same ift, auch die bekanntlich ungemein koftfpielige Arbeit des Jätens mehr weniger verringert. Der Flachshändler ift nicht in der Lage, darauf Einflufs zu nehmen; daher mufs der Flachsbauer felbft darauf hinarbeiten, den Samen entweder möglichft zu reinigen, oder möglichft reinen zu kaufen. In den meiften Fällen wird ihm auch die Möglichkeit geboten, fich reinen Samen zu verfchaffen; nur mufs er darauf achten, dafs er die Saat nicht aus dritter Hand bekömmt, da fie dann leicht mit anderen Sämereien vermifcht fein kann. Der hohe Congrefs wird mit mir darin übereinstimmen, dafs eine möglichft forgfältige Reinigung des Samens unerläfsliche Bedingung ift und dafs es Streben der Technik fein foll, folche Maſchinen anzufertigen, die eine möglichft vollkommene Reinigung des Saatgutes ermöglichen. Das Jäten felbft mufs möglichft vollkommen erfolgen, denn unter Unkrautpflanzen wird eine Flachspflanze fich nicht entwickeln können. Je reiner der Samen, defto vollkommener die Saat. Ich beantrage daher als dritten Punkt folgende Refolution: Jäten." ,, Dringend zu empfehlen find das forgfältige Reinigen des Saatgutes und das wiederholte In fehr vielen Fällen wird theils durch unrichtiges Vorgehen beim Flachsbau felbft, theils durch äufsere Einflüffe, über welche der Flachsbauer leider nicht Herr ift, ein Zufammenfallen der Flachsftengel herbeigeführt. Diefes Lagern des Flachfes ift felbftverſtändlich in jeder Beziehung nachtheilig, nicht nur was die Fafer felbft anbetrifft, fondern auch auf die Samenbildung. Die Flachsfafer wird mürbe, fie wird lange nicht das Material zu liefern im Stande fein, wie diejenige, welche aufrecht ftehen geblieben ift. Der Same, welchen wir von gelagertem Flachfe erhalten, ift felbft als wenig verwerthbar zu betrachten. Es Der internationale Congrefs der Flachsintereffenten. 47 gibt aber Mittel dem Flachs aufzuhelfen, ihn zu ftützen, und das ift das Herrichten von Widerlagern. Wo der Flachs im Kleinen angebaut wird, kann das Errichten von Widerlagern als ein praktifches Vorgehen betrachtet werden; wo er aber im Grofsen- wie in Belgien angebaut wird, ift diefs nicht ausführbar und da wird es nicht felten für wirthschaftlich angezeigt erachtet, mit Stützen vorzugehen. - Es ift dann vortheilhaft, wenn durch irgend welche Einwirkung das frühzeitige Raufen verhindert wurde und es nicht möglich war, den Flachs früher zu raufen und auch nicht abzuwarten, bis andere Witterungsverhältniffe eintreten, welche zum Raufen am beften wären. Ich beantrage daher als vierten Punkt meines Antrages: ,, Das Stützen des Leines, beim Baue des lin ramé mit Vortheil angewendet, rentirt nur bei an und für fich werthvoller Fafer. Gelagerten Lein zu ftützen, ift auf gröfseren Flächen nicht gut ausführbar und erfcheint es vortheilhafter zu frühzeitigem Raufen zu fchreiten." Eine der Haupt- Schattenfeiten, die wir dermalen noch bei der Flachs cultur antreffen, ift die, dafs, nachdem der Flachs gezogen ist, derfelbe in der Regel auf dem Felde, wo er angebaut wurde, liegen bleibt und dafelbft ausgebreitet wird. Diefes Ausbreiten mufs auf jeden Fall nur um fo nachtheiliger auf Stengel und Pflanzen wirken, als die Einwirkung des Lichtes und der Feuchtigkeit fich auf die Stengel fowohl, als auch auf den Samen äufsert. Der Theil der Pflanze, auf welchen das Licht fällt, wird eine andere Wirkung erfahren, als jener, auf welchen kein Licht fällt. Der Baft am unteren Theile des Stengels wird eine Art Vorröfte erfahren, in Folge deffen die weitere Aufarbeitung eine ungleiche fein wird. Der Baft und Same, der nach unten gekehrt ift, wird lange nicht von folcher Güte und Befchaffenheit fein, wie der, welcher fich nach obenhin befindet. Immer wird der Flachs im unteren Theile ein weniger guter fein als jener, der dem Lichte ausgefetzt ift. Wir können diefs umgehen, wenn wir, wie in Belgien, die Pflanzen aufftellen in Kapellen oder Schragen und nach der Hand wieder wenden, fo dafs was früher nach innen war, jetzt nach aufsen kömmt, und die ganze Pflanze gleichmäfsiges Licht erhält und gleichmäfsig austrocknet. Diefs wird erreicht durch das Aufftellen in Schragen oder Kapellen. Auf ein weiteres Moment möchte ich noch aufmerkfam machen, nämlich auf die Abnahme der Samenkapfeln vom Stengel( Stroh). Es erfolgt diefes in vielen Fällen noch durch das Drefchen; der Same wird vom Stengel unmittelbar abgedrofchen. Diefs Abnehmen des Samens durch Drefchfchlägel ift weniger vortheilhaft, weil die Erfahrung lehrt, dafs, indem wir den Flachs nicht bei vollkommener Samenreife ernten, die weitere Ausbildung desfelben in den Samenbollen nach der Ernte erfolgt. Wir müffen daher darauf fehen, dafs der Same in den Kapfeln eingefchloffen bleibt. Diefs gefchieht nun viel beffer durch die Riffel, während durch die Drefchfchlägel die Samenbollen zerfchlagen werden. Bei dem Ablöfen der Kapfeln durch die Riffel bei dem Abriffeln- wird der Same in den Kapfeln erhalten; diefs hat aber noch den weiteren Vortheil, dafs wir eine vollſtändige Sonderung und Reinigung des Leinfamens vom Unkraut erhalten. Ich erlaube mir daher zu beantragen, dafs der hohe Congrefs ausfprechen wolle: 5. Es erfcheint empfehlenswerth, dafs das Aufbreiten des Flachfes auf dem Felde zum Trocknen durch Aufftellen in Schragen( Kapellen) erfetzt wird; ebenfo foll auch das Löfen der Samenbollen von den Stengeln mittelft der Riffeln an Stelle der anderen bekannten Trennungsmittel erfolgen." In den meiften Fällen ift die Leincultur in den Händen von Kleinwirthen, die nur dann das Beffere dem Guten vorziehen, wenn fie es durch das eigene Auge erfahren haben, daher wir diejenigen Momente, welche zur Befferung der Lein4 48 Arthur Freiherr von Hohenbruck, cultur in Anwendung kommen, vorerft dem Leinwirthe als das Beffere vorführen müffen. Hauptfächlich dürfte die Prämiirung gut beftellter Flachscultur zur Hebung diefes Induftriezweiges beitragen. Der Landwirth wird dadurch aufmerkſam gemacht, was er geleiftet hat und feine Nachbarn werden zum Flachsanbau angetrieben. Ein zweites Mittel ift die Anlegung von Mufterfeldern; diefe find nothwendig, um dem Kleinwirth zu zeigen, was er leiften kann und wie er vorzugehen hat. Drittens empfehle ich die Gewährung von Anleitungen zur Cultur des Flachfes. In diefer Beziehung werden wir an die landwirthfchaftlichen Vereine appelliren dürfen, dafs diefe als Lehrmeifter da feien und dem Kleinwirthe zur Seite ftehen mögen und endlich Alles das, was die Praxis lehrt, durch entſprechende Vorträge und Schriftitücke dem Volke bekannt machen. Ich empfehle daher als 6. Punkt zur Antwort auf Frage II, folgende Refolution: ,, Als Mittel für die Verbreitung zweckmäfsiger Leinbau- Methoden empfehlen fich: die Prämiirung gut beftandener Flachsculturen, Anlage von Mufterfeldern, vergleichende Flachsanbau- und Düngungsverfuche und Verbreitung deren Ergebniffe durch Wort und Schrift." Die Refolution des Congreffes über Frage II lautet: 1. Von den in Uebung ftehenden mannigfachen Anbau-, Feldbeftellungs-, Einfaat und Ernteweifen find die in Belgien, insbefondere in Oft- und Weft flandern beftehenden vom Standpunkte der Faferproduction als die vorzüglichften zu bezeichnen. Unter den verfchiedenen Ausfaatzeiten( Früh-, Spät- und Herbftfaat) ift der Frühfaat in Bezug auf die Erlangung einer kräftigen Fafer im Allgemeinen der Vorzug zuzuerkennen. Die Anfaat von Lein als zweite Frucht ift, da fie eine wenig haltbare Fafer liefert, nicht empfehlenswerth. 2. Was die für den Flachsbau fo wichtige Düngungsfrage betrifft, fo. ift auszufprechen: die Düngung mit Stallmift foll nur vor der Vorfrucht gefchehen. Die Anwendung künftlicher Düngmittel dagegen, wie von Afche, Compoft, Phosphat, ChiliSalpeter, kann mit grofsem Erfolge unmittelbar zum Lein verwendet werden. Die directe Kalkdüngung ift, da fie die Fafer rauh geftaltet und der Kalkftaub die Arbeiter namentlich in der Hechelei beläftigt, nicht empfehlenswerth. 3. Dringend zu empfehlen find das forgfältige Reinigen des Saatgutes und das wiederholte Jäten. 4. Das Stützen des Leines, beim Bau des lin ramé mit Vortheil angewendet, rentirt nur bei an und für fich werth voller Fafer. Gelagerten Lein zu ftützen, ift auf gröfseren Flächen nicht gut ausführbar und erfcheint es vortheilhafter, zu frühzeitigem Raufen zu fchreiten. 5. Empfehlenswerth erfcheint, dafs das Aufbereiten des Flachfes auf dem Felde zum Trocknen durch Aufftellen in Schragen( Kapellen) erfetzt werde, fodann das Löfen der Samenbollen von den Stengeln mittelft der Riffel an Stelle der anderen bekannten Trennungsmittel. 6. Als Mittel für die Verbreitung zweckmäfsiger LeinbauMethoden empfehlen fich die Prämiirung gut beftandener Flachsculturen und namentlich brauchbarer Säe- Leinfaat, Anlage von Mufterfeldern, vergleichende Flachsanbau- und Düngungsverfuche und Verbreitung deren Ergebniffe durch Wort und Schrift. Der internationale Congrefs der Flachsintereffenten. 49 " III. Frage. , Welche Flachszubereitungs- Methoden haben fich bewährt und find demnach zu empfehlen." Berichterstatter Dr. Grothe: Bezüglich der Antwort auf Frage III feien von Seite des vorbereitenden Comités keineswegs beftimmte Sätze aufgeftellt, fondern nur Vorfchläge von gut bewährten Methoden durch Discuffion feftgefetzt worden. Dem Ausfpruche, dafs unter den bisher angewendeten Methoden nur diejenigen fich als praktiſch bewährt haben, bei welchen die Leinftengel einem Gährungsproceffe unterworfen( geröftet) werden, ehe die Trennung der fpinn baren Fafer von der Holzfubftanz durch Brechen und Schwingen erfolgt, könne man im Grofsen und Ganzen wohl zuftimmen, denn alle diefe Methoden feien ja fo allgemein eingeführt, wie jene, welche auf natürlicher Röftung beruhen. Um die Anwendung des Gährungsproceffes zu erfparen, haben die Herren Coblenz und Leoni zu Vaugenlieu in Frankreich den Verfuch gemacht, den Flachs vom Felde direct in die Mafchine zu bringen. Wenn das Verfahren allgemein anwendbar wäre, fo würden wir viele Arbeiter erfparen; aber leider bringe man auf diefe Weife aus der Fafer nicht jene Subftanzen heraus, welche geeignet find, eine Gährung einzuleiten. Bei der geringften Veranlaffung z. B. wo Taue befeftigt und der Sonne ausgefetzt waren, habe fich eine vollſtändige Gährung gebildet. Die englifche Marine habe das Verdienft, durch eine Reihe von Verfuchen bezüglich der Anwendung der Taue es ermöglicht zu haben, dafs man erkenne, ob ein Tau aus geröftetem oder ungeröftetem Flachfe hergeftellt worden fei. Rolle. Die chemifche Herftellung fpiele auch bei der Flachsbereitung eine grofse Keine Mifchung unter Anwendung von Soda vermöge die Flachsftengel derart herauszulöfen, dafs fie vollkommen klar werden. Dafs wir mit folchen Verfuchen auf die Löfung der Frage hinarbeiten, fei er vollkommen überzeugt, doch für heute möchte er aber dem hohen Congreffe nur empfehlen, auszufprechen: , Unter den bisher angewendeten Flachsbereitungs- Methoden haben fich nur diejenigen praktiſch bewährt, bei welchen die Leinftengel einem Gährungsproceffe unterworfen( geröftet) wurden, ehe die Trennung der fpinnbaren Fafer von der Holzfubftanz durch Brechen und Schwingen erfolgt." Der zweite Antrag des Comités: , Von den gebräuchlichen Röftverfahren liefert die Wafferröfte, wie fie in der Gegend von Courtrai in der Lys ausgeführt wird, die vorzüglichften Refultate. Dasfelbe Verfahren läfst fich ohne grofse Schwierigkeiten auch an anderen Orten nachahmen uud ift dringend zu empfehlen.' Diefer Paffus wird vielleicht bei den Flachsproducenten einigen Zweifel erregen, indem eben nicht überall, wie in der Gegend von Courtrai, eine Lys fich befindet, und infofern mit vollem Recht. Allein es ift nicht blofs der Flufs Lys, fondern auch die an diefem Fluffe angewendete Methode, welche bewirkt, dafs der Flachs fo fchnell röftet und der Grund liegt am Waffer. Ich mufs geftehen, dafs ich theilweife derfelben Anficht bin. Wir wiffen ja, dafs in der Textilinduftrie das Waffer eine fehr hoch zu fchätzende Rolle spielt, defshalb könnte diefer Antrag vielleicht zur Annahme führen, dafs nicht daran gedacht worden fei, dafs das Waffer auch feinen Theil dazu beiträgt. Deffen war man fich fehr wohl bedacht, allein wir wollten nur andeuten, dafs das Verfahren ein fehr zweckentfprechendes, fehr leicht nachahmbares fei. Wenn man auch das Waffer nicht künftlich herftellen kann, fo ift doch die Art und Weife des Verfahrens mafsgebend. Wir lernten zahlreiche Beiſpiele und namentlich auf der Ausftellung kennen, bei welchen vorzügliche Erfolge erzielt werden. 4* 50 Arthur Freiherr von Hohenbruck. Der Antrag 3 lautet: ,, Es empfiehlt fich, gute Röftanftalten für Rechnung von Gemeinden oder Corporationen zu errichten, damit auch dem kleinen Flachsproducenten die Vortheile derfelben gegen eine entſprechende Vergütung zu Theil werden." Ich habe dem dritten Antrage des Comités zu diefer Frage nur hinzuzufügen, dafs er eine Empfehlung des allgemein als richtig anerkannten Principes der Arbeit in Gemeinfchaft ift. Es wird fich für die kleineren Grundbefitzer und Flachsbauer empfehlen, dafs fie nicht alle Arbeiten felbft verrichten, fich z. B. nicht felbft die Pfähle in den Flufs rammen, fondern dafs fie folche Arbeiten gegen eine angemeffene Entfchädigung von einem hiezu beftellten Organe vornehmen laffen können. Für die Qualität des Flachfes liegt dann eine Garantie darin, dafs fich der Flachs einer Gemeinde als gleichartig darftellt, was den Werth nur jedenfalls erhöhen kann und das Herabdrücken des Preifes, wie es bei dem Verkaufe von kleinen zu einander nicht paffenden Partien vorkommt, verhindert. Der 4. Abfatz des Comité- Antrages lautet: , Die Handarbeit beim Brechen und Schwingen des Flachfes wird durch Maschinenarbeit erfetzt werden müffen, wenn der Flachsbau noch rentabel bleiben foll. Der Congrefs conftatirt, dafs die Maſchinenarbeit auch für die feinften und beften Flachfe mit Vortheil anzuwenden und zu empfehlen ift." Diefer Antrag würde ohne Erläuterung auf Stelzen zu gehen fcheinen, befonders in jenem Punkte, wo er fich dahin ausfpricht, dafs man die feinften und beften Flachfe mit Maſchinenarbeit vollſtändig gut bereiten könne. Man hat vielfach darauf verwiefen, dafs man diefe Gattungen in Belgien und Holland mit der Hand fchwingt, auf kleinen Hecheln bearbeitet, und dafs man bis jetzt noch nicht zu Mafchinen gelangt ift, welche diefes Verfahren eliminiren. Die grofse Zahl von Schwing- und Brechmafchinen, welche bis jetzt nach den verfchiedenften Syftemen conftruirt worden find, weift darauf hin, dafs man noch nicht an das Ende der Arbeit angekommen ift, fondern dafs man nach den Fortfchritten, welche im Mafchinenfache gemacht worden find, wohl erwarten darf, dafs binnen Kurzem die letzten Schwierigkeiten überwunden fein werden. Defshalb können wir wohl mit Recht fagen, dafs die Maſchinen auch für die feinften und beften Flächfe mit Vortheil zu verwenden feien. Die Rentabilität des Flachsbaues hängt von der Veränderung der Handarbeit in Mafchinenarbeit ab. Wenn die Flachfe von Mafchinen verfponnen werden, fo müffen fie auch von Mafchinen vorbereitet werden, wie diefs bei den Wollwäfchereien bezüglich der Wolle und bei dem Decriniren der Baumwolle gefchieht. Bei dem 5. Abfatze: ,, Zur Beförderung und Ausdehnung der Flachsproduction tragen LohnfchwingeAnftalten, wie folche in Irland in grofser Zahl beftehen, wefentlich bei. Diefelben find mit ungleich geringeren Koften herzuftellen und zu verwalten, als Flachsbereitungs- Anstalten und ihre allgemeine Verbreitung mufs als ein Fortfchritt erkannt und möglichft begünftigt werden." fei das Comité von der Ausficht ausgegangen, dafs, falls einer Gemeinde oder einem Diftricte die Mittel zur Errichtung einer Flachsbereitungs- Anftalt fehlen, die Errichtung von Lohnfchwingereien, in welchen fich jeder feinen Flachs beliebig fchwingen kann, empfohlen werden foll. Auf diefe Weife würde eine gemeinfchaftliche Bearbeitung erzielt, wenn auch erft im fpäteren Stadium der Arbeit. Die Refolution des Congreffes über Frage III. lautet: 1. Unter den bisher angewendeten FlachsbereitungsMethoden haben fich nur diejenigen praktifch bewährt, bei welchen die Leinftengel einem Gährungsproceffe unterworfen ( geröftet) wurden, ehe die Trennung der fpinnbaren Fafer von der Holzfubftanz durch Brechen und Schwingen erfolgt. Der internationale Congrefs der Flachsintereffenten. 51 liefert die 2. Von dem gebräuchlichen Röftverfahren Wafferröfte, wie fie in der Gegend von Courtrai in der Lys ausgeführt wird, die vorzüglichften Refultate. Dasfelbe Verfahren läfst fich ohne grofse Schwierigkeiten auch an anderen Orten nachahmen und ift dringend zu empfehlen. Es wird Aufgabe des ftändigen Ausfchuffes fein, die Modificationen feftzuftellen, welche die verfchiedenen Verhältniffe der einzelnen Länder hiebei erheifchen. 3. Es empfiehlt fich, gute Röftanftalten für Rechnung von Gemeinden oder Corporationen zu errichten, damit auch dem kleinen Flachsproducenten die Vortheile derfelben gegen eine entsprechende Vergütung zu Theil werden. 4. Die Handarbeit beim Brechen und Schwingen des Flachfes wird durch Mafchin enarbeit erfetzt werden müffen. Der Congrefs conftatirt, dafs die Mafchinenarbeit auch für die feinften und beften Flächfe mit Vortheil anzuwenden und zu empfehlen ift. 5. Zur Beförderung und Ausdehnung der Flachsproduction tragen Lohn- Schwinganftalten, wie folche in Irland in grofser Zahl beftehen, wefentlich bei. Diefelben find mit ungleich geringeren Koften herzuftellen und zu verwalten als Flachsbereitungs- Anftalten, und ihre allgemeine Verbreitung mufs als ein Fortfchritt anerkannt werden. 6. Für die Handarbeit ift die Einführung der belgifchen Flachsbereitungs- Methode zu empfehlen. Sie kann unterſtützt werden durch Anlage von Brechanftalten, eventuell auch durch Benützung von Mafchinen. IV. Frage. " Welche Gebrechen zeigt der Flachshandel und durch welche Mittel wären diefe Gebrechen zu befeitigen." Berichterstatter Flandorffer verlieft den Bericht des Herrn Morel in Gent über diefe Frage: Die belgifchen Spinner traten wiederholt zufammen, um die Mängel des Flachshandels zu befeitigen oder zu unterdrücken. Nach manchen Richtungen waren ihre Anftrengungen von Erfolg. Dem vollſtändigen Gelingen ftand jedoch ftets der Mangel des Einverständniffes der fremden Spinner entgegen. Ein Congrefs, gleich diefem, ift daher auf das freudigfte zu begrüfsen. Käufer wie Verkäufer erfcheinen an der Frage der Geftaltung des Flachshandels gleichmässig intereffirt. Beiden mufs ein geregelter Zuftand erwünſcht fein. Ich habe zunächft zu bemerken, dafs wir uns nur mit dem Rohftoffe zu befchäftigen haben, welchen wir verbrauchen. Es erklärt fich hierdurch, dafs ich mich im Folgenden ausfchliefslich mit Belgien, Holland und Rufsland befchäftigen werde. Ich zweifle übrigens nicht, dafs das von mir bemerkte auch vom Flachfe anderer Provenienzen wenigftens theilweife gilt und dafs einer unferer Collegen im Congreffe die unvermeidlichen Lücken auszufüllen bereit fein wird. Der Flachshandel ift im Allgemeinen dreierlei Arten von Uebelftänden ausgefetzt: 1. Betrügereien, wie a) ungenügender Reinigung der inneren Theile der Flachsbündel; b) Aufnahme von Flachsabfällen, geringeren Qualitäten, felbft auch fremden Körpern, wie Steinen und dergl.; c) Benetzen des Flachfes, um das Gewicht zu vergröfsern; d) überhaupt Praktiken, welche zum Zwecke haben, eine geringere Waare als die abgehandelte zu liefern. 2. Der Ungleichmäfsigkeit im Sortiren, die fich dadurch charakterifirt, dafs verfchiedene Qualitäten gemifcht und unter derfelben Marke oder Bezeichnung abgegeben werden. 3. Der Entartung anerkannter Marken, WO folche beftehen. Ich verftehe darunter die Schaffung neuer, angeblich höherer Marken zum Nachtheile der beftehenden. Der Käufer erhält zu feiner Ueberrafchung oft eine Waare, die feiner an die gewählte Marke geknüpfter Erwartung keineswegs entſpricht. 52 Arthur Freiherr v. Hohenbruck. In die erfte der angeführten Claffen von Uebelſtänden ift eine grofse Zahl von Praktiken zu reihen, die, namentlich in gewiffen Gegenden, in einer wahrhaft beklagenswerthen Weife fich vermehrt haben. Die Erfahrung lehrt, dafs auch die nachdrücklichften Vorftellungen auf die Dauer erfolglos bleiben. Unglücklicher Weife ift der Spinner häufig nicht in der Lage, fich dadurch zu fchützen, dafs er die gefälfchte Waare zur Verfügung ftellt; denn in den meiften Fällen hat er vor Ankunft der Waare aus der Fremde fchon auf fich ziehen laffen, und das im Inlande zu feinen Gunften erwirkte richterliche Urtheil hat für ihn nur moralifche Bedeutung, da es in der Fremde nicht executionsfähig ift. Ein etwas wirkfameres Mittel beſteht im gemeinfamen Vorgehen der Kaufleute. So hat fich, um ein Beiſpiel anzuführen, das Börfencomité in Riga im verfloffenen Jahre in Folge Andringens der belgifchen Spinner entfchloffen, gewiffe Präventiv- Mafsregeln zu treffen. Ob aber die erzielten günftigen Refultate Dauer haben werden, ift mindeſtens zu bezweifeln. Dazu kommt, dafs die Flachs- Bezugsquellen zahlreich und zerftreut find und dafs fich nicht in jeder derfelben ein Centralcomité findet, das die Macht hat, den Mifsbräuchen entgegenzutreten. Wirkfam jedoch, wie das übereinftimmende Handeln der Käufer ift, erfcheint es mir fehr wünfchenswerth, dafs in den Flachsdiftricten, in welchen keine leitenden Comités find, folche fo rafch als möglich gebildet werden. Um die Wirkfamkeit diefer Comités zu unterſtützen, müfste meinem Dafürhalten nach die Ueberwachung und Prüfung am Bezugsorte erleichtert werden. Nur dadurch dürfte der Täufchung Seitens der Verkäufer begegnet und dem Händler der Einwand des Nichtwiffens gegenüber dem Spinner benommen werden. Für diefen Zweck erachte ich es als befonders wichtig, dafs man überall eine Packweife des Flachfes einführe, welche die Prüfung des Inhaltes erleichtert und die Aufnahme geringerer Qualitäten oder gar fremder Körper erfchwert. Die belgifche Weife des Flachsbindens hat mit Ausnahme des Netzens allen anderen Betrügereien fofort ein Ende gemacht. Ich lege wenig Werth auf eine rein formale. Uebereinstimmung, im vorliegenden Falle alfo auf die Uebereinftimmung der Verpackungsweife. Mir genügt, dafs fie dem oben ausgefprochenen Zwecke genüge. Die zweite Claffe von Mängeln ift auf die Ungleichmäfsigkeit des Sortirens in Gegenden, in welchen keine officiellen oder wenigftens keine allgemein bekannten Marken beftehen, auszudehnen. Da, wo wie in Belgien und Holland Marken nicht beftehen, machen fich diefe Uebelftände weniger fühlbar, da die ihre Einkäufe überwachenden Spinner für gleichmäfsiges Sortiren felbft Sorge tragen. Es ift die Möglichkeit zuzugeben, dafs fremde Käufer von belgifchen und holländifchen Flächfen fich über die Sortirung beklagen können; nichts deftoweniger dürften fie kaum Grund genug haben, die alten, von englifchen Käufern eingeführten Marken wieder in Gebrauch zu fetzen, was übrigens bei anerkannter Nützlichkeit immerhin wieder gefchehen könnte. In Rufsland dagegen fcheint mir eine Reorganiſation der Marken unumgänglich nothwendig. Es werden deren Zahlen vermindert und eine ftrenge Interclaffification eingeführt werden müffen, welche bis jetzt gänzlich ehlt. Man müfste fich auf zwei, höchftens drei Marken befchränken und diefen in Berücksichtigung der Verfchiedenheit der Leinbau- Diftricte auch die Bezeichnung der Provenienz beifügen. Eine Folge allzugrofser Markenzahl fehen wir an den thatfächlichen Zuftänden in Rufsland, wo viele der mit ,, K"( Krone) bezeichneten Flächfe als zweite und dritte Marke, welche in den Handel kommen, unter die Bezeichnung ,, W"( Wracks) zu fallen hätten. Gerade in Rufsland, diefem grofsen Flachsbezugs- Gebiete, erfcheint die thunlichft rafche Einführung von Comité's wünfchenswerth, welche untereinander in engfter Berührung in demfelben Sinne zu wirken hätten. Die Claffification hätte fehr einfach zu fein, wäre aber mit der gröfsten Strenge aufrecht zu halten. Die Theilung der Flächfe eines und desfelben Gebietes in zwei oder drei Claffen fcheint mir nicht fchwierig. Es dürften hierzu die Kenntniffe eines mit dem Brechen betrauten Arbeiters ausreichen. Die ungleich fchwierigere Claffificirung des gehechelten Flachfes ift wenigftens in allen Spinnereien Arbeitern übertragen, die ihrer Gefchicklichkeit nach nicht höher zu ftellen find. Ich ftehe aber nicht an zu erklären, dafs ich eine einheitliche Claffification, oder richtiger eine einheitliche Bezeichnung all' der in unabfehbarer Mannigfaltigkeit vorkommenden Flächfe für unausführbar halte. Was die dritte der oben angeführten Claffen von Gebrechen betrifft, die ftete Schaffung neuer Marken, welche früher beftandene auf die Bezeichnung einer geringeren Waare herabdrücken, fo begreift fie Uebelſtände, welche in erfter Linie befeitigt werden follen. In Rufsland ift diefer Mifsbrauch fo weit getrieben, dafs ich unbedenklich erkläre, dafs die gemeinhin als ,, Krone", ja felbft höher noch claffificirten Flächfe den Charakter folcher tragen, welche die officielle Claffification früher als ,, Wracks" bezeichnete. Bezüglich diefer letzteren ift die charakteriftifche Erfcheinung zu verzeichnen, dafs fie der allgemein bekannten Thatfache der ftetigen Verringerung des inneren Werthes des Flachfes zu Trotz vom Markte verfchwunden find; fie find einfach in den höher markirten Flächfen aufgegangen. Eine andere Erfcheinung, welche die Werthverminderung felbft der beftehenden Marken zu Tage treten läfst, ift die, dafs die ruffifchen und oftpreufsifchen Sommerflächfe den Winterflächfen nachftehen oder, was das felbe ift, dafs die frifchen Flächfe im Allgemeinen mehrwerthig find. Es wird defsgleichen als allgemein gültige Thatfache beobachtet, dafs jeder Lein ohne Rückficht auf feinen Urfprung periodifch entartet. Nach reiflichem Erwägen finde ich nur ein Mittel gegen die Folge- Erfcheinungen deffen, nämlich die Aufftellung von Flachstypen zu Beginn jeder neuen Ernte und deren Der internationale Congrefs der Flachsintereffenten. 53 Verfendung an die Verbrauchsplätze, um den Käufern während des Jahres die Vergleichung zu ermöglichen. Diefe Proben müffen in einer Menge gegeben fein, um die Beurtheilung ihrer Marke zu ermöglichen. Sie find von den Comité's oder was an ihre Stelle gefetzt wird zu liefern. Diefe Typen wären von den Handelskammern, Spinnervereinen oder ähnlichen Gefellſchaften in Empfang zu nehmen, zu verwahren und von diefen den Intereffenten zugänglich zu machen. Selbstverständlich haben die verfendenden Comité's Duplicate zu behalten, um auch den Verkäufern den Vergleich zu ermöglichen. Es bedarf übrigens nicht grofser Maffen von Proben. Belgien würde es beiſpielweife genügen, wenn Riga ein halbes Dutzend feiner Marken in Proben fchickte. Um diefe Darftellung der Gebrechen des Flachshandels zu beenden, habe ich noch Einiges zu berühren, nämlich a) die Tara, b) das Gutgewicht, c) die Verantwortlichkeit der Eifenbahnen in Bezug auf das Gewicht. Was die Tara betrifft, fo fcheint mir, da bisher jede conventionelle Tara nach längerem Beftande in Mifsbräuche umfchlug, das Empfehlenswerthefte, fich an die effective Tara zu halten, das heifst den Flachs zu feinem Preife zu bezahlen und die Emballage zu dem hie für vereinbarten Preife. Im Bezug auf das Gutgewicht erfcheint es mir ebenfo wenig zuläffig, vom Verkäufer zu fordern, dafs er über die verrechnete Menge hinaus liefere, als man im Rechte ift, zu verhindern, dafs er unter derfelben bleibe. Es fcheint mir, dafs eine ziemlich genaue Annäherung an das verrechnete Gewicht erreichbar ift, und find wir belgifchen Spinner in der Lage, die Ausführbarkeit deffen zu conftatiren. Die Eifenbahnen im Allgemeinen, insbefondere die internationale ruffifch- deutfche, lehnen in Bezug auf Gewicht und Collizahl jede Verantwortung ab, fobald die Aufgeber felbft die Waggons laden. Im Intereffe der Koftenverminderung und rafcherer Behandlung ist die Aufrechthaltung diefer Uebung wohl zu wünfchen; allein auch gegen die Ablehnung der Verantwortung läfst fich bei diefer Sachlage nichts einwenden, vorbehaltlich, dafs die Waare an ihrem Beftimmungsorte ankomme, ohne dafs die Emballage geöffnet wurde. Kann jedoch die Bahn auch nicht verhalten werden, für das auf dem Frachtbriefe erklärte Gewicht einzuftehen, fo kann fie doch, da die Controle über die Zahl der Colli, Ballen und Päcke leicht ift, für die Zahl verantwortlich gemacht werden. Gerecht, wie diefes Princip ift, follten die Flachs comité's überall feine Anerkennung und Durchführung anftreben. Das Gefagte zufammenfaffend, habe ich die Ehre, folgende Anträge zu unterbreiten, deren Verwirklichung die dem Flachshandel zur Zeit anklebenden Gebrechen wenn nicht ganz verfchwinden machen, fo doch erheblich vermindern würde: 1. Die Schaffung eines aus hervorragenden Kaufleuten oder Fabrikanten gebildeten Comité's in allen Flachsbau- Diftricten. Die Aufgabe diefes Comité's wäre, den Flachshandel zu regeln, indem es die Einführung der Mafsnahmen überwacht, welche es am geeignetften erachtet, um Betrug ferne zu halten, die Marken aufrecht zu halten, auf einheitliche Sortirung zu dringen u. f. w. Die Bildung diefes Comité's wäre den Intereffenten des Gebietes anheim zu ftellen. Die Comité's hätten fich in Verbindung zu fetzen, um vorkommenden Falles gemeinfam vorzugehen. Zu Beginn der Ernte haben fie den Flachs ihres Productionsgebietes zu claffiren und zu fortiren, und Proben zu bilden, welche fie den Flachs comité's oder, in Ermanglung folcher, den Handelskammern der Verbrauchsgegenden einfenden. Duplicate werden im Orte behalten, um die Uebereinstimmung der Waare mit den Typen zu controliren. 2. Die Schaffung von Comité's in den Verbrauchsgegenden. Sie haben die Intereffen der Confumenten zu wahren, und die Typen der Productions gebiete in Verwahrung zu nehmen. Producirt und confumirt zugleich irgend ein Gebiet, fo könnte ein und dasfelbe Comité feine Thätigkeit nach beiden Richtungen hin entfalten. 3. In allen Flachs- Productionsgegenden wird eine Verpackungsweife aufgeftellt, welche es ermöglicht, durch thunlich einfache Unterfuchung die Uebereinftimmung des Aeufseren mit dem Inhalte zu conftatiren. Ohne eine einheitliche Verpackung als nothwendig zu bezeichnen, lenke ich die Aufmerkfamkeit auf die flamändifche Aufmachungsweife. 4. Einführung der reellen Tara. 5. Im Falle der Aufgabe durch den Spediteur wären die Eifenbahnen für die Zahl der Colli verantwortlich zu machen; für das Gewicht auch dann, wenn die Colli vor ihrer Ankunft am Beftimmungsorte geöffnet werden. Den wirkfamften Schutz gegen die bemerkten und in Zukunft möglichen Gebrechen bietet aber das dauernde, freundliche Einvernehmen der Spinner. Möge der Congrefs in Wien derartige Beziehungen einleiten und ihnen die fo fehr erwünfchte Feftigkeit verleihen!" So weit geht der Bericht des Herrn Morel. Was dort in Belgien gilt, ift mehr weniger wohl auch für uns paffend. Wir Alle haben zu klagen über die Uebelſtände und Gebrechen, die fich befonders in den letzteren Jahren in den Flachshandel eingefchlichen haben. Die Aufgabe der Antwort auf Frage IV. ift, feftzuftellen, welche Mittel es gibt, den Flachshandel von den ihm anhängenden Gebrechen zu befreien. Zu dem vorliegenden Abfatze I möchte ich aber, dafs dafelbft gefetzt werde: 54 Arthur Freiherr von Hohenbruck. ,, Die Bildung von, aus Producenten und Confumenten, zufammengefetzten Comité's." Hierauf bemerkt der Berichterstatter, dafs im Mai vorigen Jahres in Gent von belgifchen Spinnern eine Verfammlung abgehalten worden fei, um gemeinfame Beftimmungen feftzufetzen. Das Refultat diefer Berathungen, das in Nr. 186 des„ Leineninduftriellen" vom 1. Juni 1872 publicirt wurde, fei folgendes: 1. Befchränkung und genaue Beftimmung der Marken für Kron flachs. Mit der erften diefer Marken foll nur das Allerbefte der ruffifchen Flachsernte bezeichnet werden. 2. Gleichartigkeit des claffificirten Flachfes in ein und derfelben Marke keine Beilage mehr von geringerem Flachs.- Unterlaffen irgend welcher Täufchung. - 3. Bewilligung der reinen oder wirklichen Tara an den Käufer; Stricke, Emballage u. f. w. werden zu ihrem wahren Werthe berechnet. 4. Sowohl die ruffifchen Häufer als auch ihre Abnehmer verpflichten fich, vorkommende Differenzen alfo zu fchlichten: a) Käufer und Verkäufer ernennen jeder einen fachverständigen Schiedsrichter, deren gemeinfames Urtheil fie im Voraus anerkennen. b) Falls die beiden fachverständigen Schiedsrichter fich nicht einigen, wählt das zuftändige Handelsgericht einen fachverständigen Obmann, gegen deffen Entfcheidung weitere Berufung von keiner Seite zuläffig ift. 5. Die ruffifchen Häufer nehmen für die betreffenden Gefchäfte Domicil in Gent. 6. Die unterzeichneten Spinner entfagen jeder Verbindung mit denjenigen ruffifchen Flachshändlern, welche nicht vorftehende Bedingungen unterfchreiben. 7. Sie theilen ihre Vorfchläge auch den fremden Flachsfpinnern mit, um gemeinfames Einverständnifs unter allen Flachsconfumenten herbeizuführen. Redner theilt hierauf aus Nr. 207 des ,, Leineninduftriellen" vom 26. October 1872 die neue Claffificirung der ruffifchen Flachsforten mit. Hiernach habe die Generalverfammlung der beim Flachsgefchäfte betheiligten Kaufmannfchaft am 24. Auguft 1872 in Riga befchloffen: 1. das bei gewrackter Waare, neben der Signatur der publicirten Wracke*, beftehende Privat- Flachsfortiment, in Abänderung des Capitel II,§. 3, Punkt c. der Börfe- Ufancen, auf folgende Marken zu reduciren: Kronflachs: K1 gewöhnlich Kron. puik Kron. PK1 SPK fuperior puik Kron. Wrackflachs: W2 gewöhnlich Wrack. PW 2 puik Wrack. Dreiband flachs: D3 gewöhnlich Dreiband. PD 3 puik Dreiband. SD 3 Slonezdreiband. PSD 3 puik Slonezdreiband. Livländifcher Flachs: HD 2 gewöhnlich Hofsdreiband. PHD2 FPHD2 SFPHD2 LD 3 puik Hofsdreiband. fein puik Hofsdreiband. fuper fein puik Hofsdreiband. gewöhnlich livländifch Dreiband. PLD 3 puik livländifch Dreiband. Dreiband- Wrackflachs: D W4 Dreiband- Wrack. Hi Flachsheede: gewöhnliche Heede. H 2 rothe Heede. SH 2 PH 2 Slonez- Heede. Pinken- Heede, wobei jedoch die Hinzufügung der Farben H, G und W bei Kron, G und W bei Wrack und W bei der livländifchen Waare beizubehalten ift. 2. Eine Jury, beftehend aus zwei über See handelnden Kaufleuten, zwei Productenhändlern, zwei Nachwrackern und dem Stadt- Oberwracker, zu conftituiren, welche a) im December eines jeden Jahres Types für das Privatfortiment feftzuftellen, ferner b) Streitigkeiten zwifchen Lieferant und Empfänger darüber, ob die gelieferte Waare den Ty pes entfpreche, zu entfcheiden, und endlich c) Unregelmäfsigkeiten und Mängel der öffentlichen Wracke zur Kenntnifs des Wettgerichtes zu bringen haben wird. Diefe Jury foll bei der Feftftellung der Tpyes auch noch zwei Stadtwracker mit Stimmberechtigung zuziehen. * Die Signaturen der öffentlichen Wracke werden bei in Matten emballirtem Flachs, zum Unterfchiede von der fchwarzen Farbe der Privatmarken, nach wie vor in rother Farbe aufgetragen, bei in Bobbins verpacktem Flachs aber auf befonderen Bretchen eingebrannt. Der internationale Congrefs der Flachsintereffenten. 55 3. Dem ausländifchen Käufer, in Abänderung der Punkt g und h,§. 8, Capitel II der Ufancen fortan, bei Bobbins, wie bei Matten- Emballage, ftets die effective Tara zu vergüten. Vorftehende Beftimmungen treten mit dem 1. November 1872 in Kraft. Das gebe unendlich viele kleine Abtheilungen und damit fei dem Confumenten nicht gedient. Er glaube, man folle den Flachshandel erleichtern, indem man fich mit Verbindlichkeiten über weniger Sorten einigen würde. Es fei leichter, den Flachs nur nach 2 bis 3 Sorten zu unterfcheiden, als wenn man ihn in 20 bis 30 kleine unterfcheide. Die Refolution des Congreffes zu Frage IV lautet: " Bezüglich der Frage IV befchliefst der Congrefs die Erörterungen der Gebrechen des Flachshandels und der Mittel zur Befeitigung derfelben dem ftändigen Ausfchuffe zu überlaffen, fpricht aber Herrn Morel für die eingehenden Vorarbeiten und Vorfchläge zur Beantwortung diefer Frage feinen Dank aus." V. Frage. Welche find im Allgemeinen die Mittel und Wege zur Hebung der Flachsproduction und befferen Verwerthung der Flachsproducte?" Berichterstatter Carl Oberleithner: Das in den Händen der Herren Congrefsmitglieder befindliche Expofé hat conftatirt, dafs die Flachscultur von den Regierungen, Vereinen u. A. vielfach, wenngleich mit zweifelhaften Erfolgen, unterſtützt wurde. Der erfte Antrag lautet daher auch: ,, Die Hebung der Flachscultur wurde von Regierungen, Vereinen und Privaten angeftrebt und oft mit erheblichen Opfern verfucht, vielfach jedoch ohne die berechtigten Erwartungen zu befriedigen. Der Congrefs conftatirt, dafs diefe Ergebniffe ihre Erklärung finden bald in einer Verkennung der Natur der aufgewendeten Mittel, bald in Fehlern in der Ausführung an fich richtiger Principien." Gewifs wird jeder, der in der erften Periode der Hebung der Flachscultur mitgearbeitet hat, zugeftehen, dafs, wäre man damals von der Thau- und Warmwafferröfte zum belgifchen Verfahren, verbunden mit der Theilung der Arbeit, übergegangen, die Flachscultur gegenwärtig auf einem anderen Standpunkte ftünde. Jahre mufsten vorübergehen, um den Unternehmungsgeift wieder zu beleben und zu Verfuchen mit Leinbau und Flachsinduftrie zu verlocken. Die zweite Periode, das ift die Einführung des belgifchen Flachsröftens und die Einführung der belgifchen Flachszubereitungs- Methode, ift mit grofsem Muthe und grofser Unterſtützung verfucht worden, aber die Refultate diefer Bemühungen find noch fehr gering und diefe Methoden nicht weit verbreitet. Wir fehen einige vorleuchtende Refultate, die durch die Einführung diefes Syſtems erzielt wurden, aber im Ganzen find wir erft am Anfange einer grofsen Bahn. Fragen wir, worin liegt es, dafs die Sache fo langfam geht, fo müffen wir vor Allem das Mifsgefchick in der Wahl der Röftmeifter verzeichnen. Die Röftmeifter aus Belgien find in der Regel wenig vertraut mit den localen Verhältniffen. Sie röften im Herbfte meift viel zu fpät, fie nehmen keine Rückficht auf das Waffer, oder auf die möglichft fchnelle Verwerthung des Productes, namentlich in jenen Gegenden, wo man gewohnt ift, es im felben Jahre noch zu verwerthen. Daraus erwächft grofser Schaden für die betreffenden Oekonomen. Es iſt das aber nicht die Schuld des Verfahrens, fondern derer, die es eingeführt haben. Zu dem Mangel an Erfahrung tritt bei den Röftmeiſtern die Verheimlichung der wirklichen Refultate. Auch ift es nicht gut, dafs von den Röftmeiftern zu hohe Preife in Ausficht geftellt werden. Ich war felbft davon 56 Arthur Freiherr v. Hohenbruck. - Zeuge. Man hat uns 60 bis 70 fl. per Centner Flachs verfprochen und wir haben dafür per Centner nur 30 bis 35 fl. erhalten. Wenn der Bauer nun den Preis nicht erzielt hat, der ihm in Ausficht geftellt wurde, fo wird er enttäuscht und jeder weitere Verfuch ift abgefchloffen. Dann glaube ich auch, dafs die Verfuche zu kurze Zeit gemacht werden. Wenn der Flachs ein Jahr nicht geräth, fo wird mit dem Flachsbau aufgehört, ohne dafs man aus der Fortfetzung der Verfuche fich ein richtiges Urtheil über die Vortheile diefer Cultur gefchöpft hätte; ebenfo verhält es fich bei der Zubereitung. Dagegen dürfte namentlich helfen die Entfendung von Lehrlingen in beffere Flachsgegenden und die Anftellung von Wanderlehrern, auf welche beiden Mafsregeln ich fpäter zurückkommen werde. Was die Anlage grofser Flachsbereitungs- Anstalten betrifft, fo ift fie felbftverständlich nur möglich, wo grofse Maffen gleichartiges Flachsftroh erzeugt werden. Solche Anlagen, mit grofsen Koften verbunden, rentiren felten; da grofse Maffen Flachsftroh möglichft gleichartig heut zu Tage fchwer aufzutreiben find, wefshalb auch die Zubereitung nach Schenk's Methode gar nicht und auch nach belgifchem Mufter, im Grofsen unternommen, nicht fo vorwärts gehen kann, wie fie gehen follte. Mein Appell geht aber auch an die Herren Flachs confumenten, Flachshändler und Flachsfpinner und geht, über Anregung des Herrn Moll auch bis zur Erzeugung der fertigen Leinen und Leibwäfche, ja bis zu deren Verkäufern. Herr Moll fagt, dafs die Maffe von Gewinnften, die an den Leinenwaaren gemacht werden wollen, und darunter auch der vom Detailhandel allzuhoch angefchlagene Gewinnft die Flachsbau- Producte in fo hohe Preife verfetzten, dafs fie faft nur von Bemittelten gekauft werden können. An den Herren Spinnern wird ebenfalls viel gelegen fein. Sie müffen wenigftens durch Annäherung der Preife die Sache fördern, und werden überdiefs die Corporationen und Regierungen an die Hand gehen, fo werden wir bald den Fortfchritt wahrnehmen. Nun erlaube ich mir auch noch ein Wort an die Landwirthe. Für die Induftrie allein ift der Congrefs nicht einberufen. Ich stehe als Vorftand des landwirthschaftlichen Vereines in Mährifch- Schönberg ja defshalb dem Vereine vor, um die Flachswirthe zu unterſtützen, ihren gerechten Forderungen Gehör zu verfchaffen und fie zu billigen. Aus demfelben Grunde habe ich mich am Congreffe betheiligt und darf wohl an die Landwirthe die Aufforderung richten, auch das Ihrige beizutragen, um der Flachscultur aufzuhelfen. Ich werde nicht mehr weiter eingehen, obwohl mir noch viel auf dem Herzen liegt. Ich glaube die zu Tage getretenen Fehler und die Mittel, welche gegen diefelben anzuwenden wären, nach beften Kräften bekannt gegeben zu haben. Darum hoffe ich, der hohe Congrefs wird auf Grund diefer vor mir gegebenen und noch aus der Debatte entſpringenden Erörterungen den geftellten Antrag anzunehmen in der Lage fein. Der Antrag 2 lautet: ,, Als das zweckdienlichfte Mittel, die Fürforge der Regierungen und die Anftrengungen von Gefellſchaften und Privaten wirkfamft zu unterftützen, erfcheint dem Congreffe die Bildung eines internationalen Organes, das, aus einem leitenden, den Sitz alljährlich wechſelnden Ausfchuffe und Mitgliedern in allen an der Flachs cultur intereffirten Staaten beftehend, die Flachsveredlung und beffere Verwerthung diefes Spinnftoffes fich als Aufgabe vorzuzeichnen und deren Löfung durch Gewinnung der Wiffenfchaft und der Preffe im Wege der Lehre, der Unterſtützung praktifcher Beftrebungen und, wenn nothwendig, der Erwirkung gefetzlicher Beftimmungen anzuftreben hätte." Nachdem wir in Antrag I das Mifslingen der gemachten Verfuche conftatirt haben, handelt es fich jetzt darum, die Mittel und Wege anzugeben, welche die Hebung der Flachs cultur und die Verwerthung der Flachsbau- Producte herbeizuführen vermögen. Ich fchicke voraus, dafs es einzelne Mittel zur Hebung der Flachs. production gibt, welche für den erften Augenblick vielleicht als nicht in den Rahmen Der internationale Congrefs der Flachsintereffenten. 57 des Congreffes gehörig erfcheinen dürften; ich will aber, fo weit es mir möglich ift, eine Erläuterung darüber geben, warum ich auch diefe Mittel als Förderungsmittel empfehle. Ich glaube, es find vor Allen berufen, und da muss ich mich den Auseinanderfetzungen des Herrn Sonntag ergänzend und nicht widerfprechend gegenüberftellen, die Regierungen. Denn ich glaube, dafs Jeder, der an den Staat eine Leiftung hat, auch an den Staat eine Forderung zu ftellen berech tigt ift. Herr Sonntag hat mit feiner Auseinanderfetzung eine Frage angeregt, welche mehr vor einen volkswirthfchaftlichen Congrefs gehören dürfte. Wenn ich auch vollkommen überzeugt bin, dafs man die Selbsthilfe als das höchfte Princip der Menfchheit und der Gefellfchaft anerkennen mufs, fo kann doch nicht geleugnet werden, dafs eine grofse Mehrzahl der Bevölkerung ein gewiffes Vertrauen in eine vom Staate geförderte Einrichtung zu fetzen gewohnt ift. Wir fehen aber auf einem anderen Felde, wie fchrecklich diefes Vertrauen getäuscht worden ift. Damit diefs nun bei der Flachscultur nicht gefchehe, fchlagen wir vor, dafs ein internationales Organ gebildet werde, welches die Verbindung zwifchen den Flachsbau- Verbefferern und Denjenigen herftellen foll, die dazu verpflichtet find, den Flachsbau mit materiellen Kräften, nämlich mit Geld zu unterſtützen. Defswegen haben wir geglaubt, die Unterftützung von Seite der Regierungen nicht ausfchliefsen zu follen. Wir haben ferner auf die Wiffenfchaft reflectirt, weil wir von der Ueberzeugung durchdrungen find, dafs eine grofse Zahl von Manipulationen, welche wir beim Flachsbau beobachten, höchft koftfpielig, und fagen wir es offen, höchft primitiv ift. Wir fehen, was für grofsartige Erfolge in der Zuckerfabrication errungen worden find dadurch, dafs die Wiffenfchaft und namentlich die Chemie, fich in fo hervorragender Weife nicht allein an der Frage der Erzeugung des Zuckers, fondern auch an der der Verwerthung der Abfälle betheiligt hat. Wir haben auch von der Preffe gefprochen, denn wenn wir der Preffe etwas für gut halten können, fo ift es das Eine, dafs fie uns noch nicht angegriffen hat. Es ift jedenfalls fehr wichtig, wenn fich die gefammte internationale Preffe diefer für die Bodencultur fo bedeutenden Frage fo annimmt, wie fie es in Rückficht auf die grofsen Werthe, welche in ihr fpielen, die Arbeitskräfte, die in ihr vertreten find, und den grofsen Handel, der zu einem Welthandel geworden ift, verdient. Und in der Ueberzeugung, dafs die gefammte Preffe, wo fich irgend etwas Lebensfähiges zeigt, ftets bereit ift, den Lebensprocefs zu wecken und zu fördern, wird diefer Congrefs die Mitwirkung nicht blofs der Fach-, fondern der gefammten Preffe zu erzielen fuchen. Das dient zur Motivirung der in Antrag 2 enthaltenen Punkte. Es handelt fich noch darum, die Mittel anzugeben, welche im Detail angewendet werden follen, und da erlaube ich mir zu proponiren: 1. Die Unterstützung der Regierung foll in Nachfolgendem beftehen: a) Errichtung von Flachsbereitungs- Schulen; b) Bewilligung von Reifeftipendien an Flachsbauer, Wanderlehrer; c) Förderung der Anlage von Leinbau- Mufterwirthschaften und Flachszubereitungs- Anftalten durch Bewilligung unverzinslicher, in Jahresraten rückzahlbarer Darlehen und Befreiung von Steuern und Abgaben; d) Bewilligung von Staatspreifen für vorzügliche Leiftungen im Leinbau und in der Flachszubereitung, für Verbefferungen in den Cultur- und Zubereitungsmethoden, für die Erzielung gröfserer Oekonomie im Spinnproceffe und für die Gewinnung höherer Feinheitsnummern aus gleichem Spinnmaterial. e) Ankauf von diefsbezüglichen Mafchinen und Geräthen zum Zwecke der Vertheilung an Flachscultivateure, Zubereiter und Spinner; f) Errichtung von Lehrkanzeln für Spinnerei- und Weberei- Mechanik an den polytechnifchen Inftituten und Gewerbefchulen; g) Abhaltung periodifcher Ausftellungen; 58 Arthur Freiherr von Hohenbruck. h) Schutz der von Producenten und Händlern aufgeftellten Marken; i) Herbeiführung billiger Frachttarife; j) Aufftellung von Confulaten in den flachsbauenden Diftricten und in den Haupt- Handelsplätzen, fowie rafche Veröffentlichung der Confulatsberichte; k) Berücksichtigung der aus Flachs gewonnenen Erzeugniffe bei den Anfchaffungen des Staates für Landheer, Flotte etc. Ich bin weit entfernt, diefe Berücksichtigung als Fabrikant zu verlangen; ich fpreche für die Bodenproduction. Wer wird das ordinäre Material verwerthen, wenn von Seite des Kriegsminifters gefagt wird, die Leibwäfche aus Leinen fei fchädlich. Es gab auch Menfchen vor Einführung der Baumwolle; ich weifs jedoch nicht, ob das gegenwärtig lebende Gefchlecht ftärker ift. Solche Behauptungen haben aber eine gewiffe Wirkung. Ich will nicht fagen, dafs man den Soldaten ganz in Leinwand ftecken foll; ich will der Baumwolle das Leibhemd, dem Tuchfabrikanten den Rock laffen, aber laffen Sie uns die übrigen Beftandtheile der Fournitur zur Verwerthung des ordinäreren Materiales, wodurch es uns allein möglich wird, das feinere zu billigeren Preifen abzufetzen. Ich ftelle diefsfalls keinen Antrag, ich wollte damit nur ein Mittel zur Befferung der Verhältniffe im Flachsbau anregen. Ein anderes Mittel wäre der freie Verkehr mit Flachs und Flachsproducten. Es beftehen nämlich noch in manchen Staaten fogar Ausfuhrzölle, wie bei uns gegen Rufsland. Schliefslich wäre noch die Einführung einer gleichartigen Statiſtik über die Flachsproduction und den Flachs confum von den Regierungen einzuführen. Ich komme nun zur Unterſtützung durch die Landwirthschafts Vereine, Gemeindevertretungen, die Intereffenten und patriotifchen Männer. Diefen würde die Initiative zu allen den Mitteln zufallen, welche wir hier vorfchlagen, ferner die Bildung von Genoffenfchaften zu Saatlein- Einkäufen, zur Herbeiführung der Verficherung des Leines auf dem Felde und zum befferen Erlöfe aus dem Flachfe. Was die Producenten und Confumenten zu thun haben, ift Ihnen Allen bekannt. Die Flachsproducenten hätten mitzuwirken durch beffere Cultur und Zubereitung, die gröfseren Grundbefitzer durch Verfuche auf ihren Gütern und die Flachsfpinner durch entſprechende Preife. Zum Schluffe kann ich den verehrten Herren nur noch die Annahme des Antrages 2 empfehlen. Es handelt fich hier um Bildung eines Vereines zur Hebung der Flachscultur und zur Verwerthung der Producte. Wir leben in einer Zeit, in welcher Vereinen das gröfste Vertrauen entgegen gebracht wird, und nachdem diefer Antrag im Grofsen und Ganzen nichts Anderes als die Gründung eines derartigen internationalen Organes bezweckt, fo glaube ich deffen Annahme den geehrten Mitgliedern empfehlen zu können."( Bravo! Bravo!) Da Niemand das Wort ergreift, fo fchreitet der Vorfitzende zur Abftimmung und wird auch Abfatz 2 des Antrages angenommen. Die Refolution des Congreffes zu Frage V. lautet hiernach: I. Die Hebung der Flachs cultur wurde von Regierungen, Vereinen und Privaten vielfach angeftrebt und oft mit erheb lichen Opfern verfucht, vielfach jedoch ohne die berechtigten Erwartungen zu befriedigen. Der Congrefs conftatirt, dafs diefe Ergebniffe ihre Erklärung finden bald in einer Verkennung der Natur der aufgewendeten Mittel, bald in Fehlern in der Ausführung an fich richtiger Principien. 2. Als das zweckdienlichfte Mittel, die Fürforge der Regierungen und die Anftrengungen von Gefellfchaften und Privaten wirkfamft zu unterstützen, erfcheint dem Congreffe die Bildung eines internationalen Organes, das aus einem leitenden, den Sitz alljährlich wechfelnden Ausfchuffe und Mit Der internationale Congrefs der Flachsintereffenten. 59 gliedern in allen an der Flachscultur intereffirten Staaten beftehend, die Flachsveredlung und beffere Verwerthung diefes Spinnftoffes fich als Aufgabe vorzuzeichnen, und deren Löfung durch Gewinnung der Wiffenfchaft und der Preffe im Wege der Lehre, der Unterstützung praktifcher Beftrebungen und, wenn nothwendig, der Erwirkung gefetzlicher Beftimmungen anzuftreben hätte. In Ausführung des eben gefafsten Befchluffes wegen Bildung eines inter nationalen Organes und wegen Zuſammenfetzung des ftändigen Ausfchuffes, welcher fich mit der Aufarbeitung des Materiales und mit der Vorbereitung des nächften Congreffes zu befchäftigen hätte, wurden in diefen Ausfchufs gewählt: Aus Amerika: Dr. Collyer, Mafchinenbauer in Nordamerika. Aus Belgien: A. Hennebert, Confeiller provincial à Colles ( Hainaut); H. Morel, Director der Flachsfpinnerei: La Lys in Gent; A. Müller, Negociant à Anvers; Fritz Ritter, Spinnereibefitzer zu Roulers. Aus Deutfchland: Dr. Eras, Secretär der Handelkammer in Breslau; Dr. H. Grothe, Mitglied des deutfchen und öfterreichischen LeineninduftriellenVereines in Bielefeld; Robert Hirt, Flachsfpinnerei- Befitzer in Freiberg in Sachfen; Ferdinand Kafelowsky, Commiffionsrath in Bielefeld, Präfes des deutfch- öfterreichifchen Leineninduftriellen- Vereines; von Kliting, Amtsrath in Schyrowka Preufsifch- Schlefien; F. W. Liedtke in Preufsifch- Königsberg; Mittnacht, Amtsrath in Kleinlaffowitz; Dr. R. Möller in Brackwede bei Bielefeld; H. Müller, Flachsfpinnerei- Befitzer in Hirfchfeld bei Zittau( Sachfen); Münzner, Ober- Oekonomie- Commiffionsrath in Freiberg; v. Pannewitz, Amtsrath in Paulsdorf( Oberfchlefien); Robert Sifon, königlicher Domänendirector a. D. in Pirna an der Elbe in( Sachfen); Carl Sonntag, Generaldirector der deutfchen Flachsbau- Gefellfchaft in Berlin; v. Watzdorf, Ritterguts- Befitzer auf Schönfeld. Aus England: Michael Andrews, Secretär der Flax- Supply- Affociation in Belfaft; Park Ballywalter, in New- Fonwards; William Esq. Ewart, Spinnereibefitzer in Belfaft; John Mullholland, Präfident der Flax- SupplyAffociation in Belfaft; Reesbrook in Belfaft(?); James N. Richardfon, in Belfaft; John Savage und Thomas Valentine, in Belfaft; Dr. Ferdinand Weinmann, Referent der königlich grofsbritannifchen Wiener AusftellungsCommiffion in London. Aus Frankreich: Simon Legrand in Berfée; Scrive in Lille. Aus Holland: Van Acken, Präfident des niederländifchen Vereines zur Beförderung der Flachsinduftrie in Rotterdam; J. A. Keuren aer, IngenieurMajor in Delft bei Rotterdam; E. C. Moll, Secretär des niederländifchen Vereines zur Beförderung der Flachsinduftrie in Rotterdam. Aus Italien: Dr. G. Cantoni, Director der königlichen Hochfchule in Mailand. Aus Oefterreich: Ignaz Ettrich, Spinnereibefitzer in Oberaltſtadt bei Trautenau( Böhmen); Leopold Fedra, erzherzoglicher Fabriksdirector in Tefchen( Schlefien); Carl Flandorffer, Director der Flachsfpinnerei in Hannsdorf( Mähren); Carl Foltz, Ausfchufsrath in Linz( Oberöfterreich); Wilhelm Ritter v. Hamm, k. k. Hofrath in Wien; F. W. Hofmann, Wirthfchaftsrath in Wien; Arthur Baron v. Hohenbruck, k. k. Minifterial- Secretär in Wien; Wenzel v. Hudec, Gutsbefitzer in Brodki( Galizien); Janig, Domänendirector in Reichenberg( Böhmen); W. Jerie, Spinnereibefitzer in Hohenelbe( Böhmen); Wilhelm Jeffe, erzherzoglicher Güteradminiftrator in Wien; Carl Kotnig, Realitätenbefitzer in Oberlaibach( Krain); Carl Langie, Delegirter der Landwirthfchafts- Gefellſchaft in Krakau( Galizien); Carl Oberleithner, Vorftand 60 Arthur Freih. von Hohenbruck. Der internationale Congress der Flachsintereffenten. des landwirthschaftlichen Vereines, Fabriksbefitzer in Mährifch Schönberg ( Mähren); Jofef Peter, k. k. Bezirkshauptmann in Wien; Otto Freiherr v. Petrinó, Gutsbesitzer zu Okna in der Bukowina; Adolf Raymann, Fabriksbefitzer in Freiwaldau( Schlefien); Kosmas Schütz, Secretär der k. k. kärntnerfchen Landwirthschafts- Gefellſchaft in Klagenfurt; Staniflaus Ritter v. Storowiciski, Gutsbefitzer in Brodkuwka( Galizien); P. Trientl, Caplan in Hall ( Tirol); Alois Ullmann, Flachshändler in Iglau( Mähren); G. Weffely, fürftlich Schwarzenberg'fcher Bergdirector in Schwarzbach( Böhmen). Aus Rufsland: Ferdinand Bauer aus Pfkow; Carl Dittrich, Firma Hielle& Dittrich in Schönlinde( Böhmen) und Zierardowo in Rufsland; Le Doct, Domänenpächter zu Drabowskoja, Kreis Zolotonofcha, Gouvernement Poltawa Nikolei Illü en, Profeffor in Petersburg; Ildefons Koffoff, Profeffor in Moskau; Georg Kriegsmann, Gutsbefitzer auf Ranzen bei Wolmar, Vertreter von Livland; Carl Lovis, Profeffor am Polytechnicum in Riga; Bafil Maximoff, in Koftroma; Firma Mitfchel aus Riga,( Chef Armiftaed); Fürft Repnine in Jagotine; Johann Stebut, Profeffor der Landwirthfchaft in Moskau; Firma Tretjakoff Witwe und Söhne, Spinnereibefitzer zu Szerpuchow, Gouvernement Moskau; Baron v. Wolf in Druween. Ueber Vorfchlag Peter's, der daran erinnert, dafs der gegenwärtige Congreis im Verlaufe der dreitägigen Verhandlung die Belgier mehrfach als Meifter aufgeftellt habe, befchliefst hierauf die Verfammlung, die Stadt Gent als Ort des nächften Congreffes zu bezeichnen.