OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3. LEDER. ( Gruppe VI, Section 1.) BERICHT von S. GOLDSCHMIDT, Chef der Firma Jacob S. Goldfchmidt, Mitglied der Handelskammer, Präfident der erften böhmifchen Lederinduftrie- Gefellfchaft in Prag. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI, 1873. TH LEDER. ( Gruppe VI, Section 1.) S. Bericht von GOLDSCHMIDT, Chef der Firma Jacob S. Goldfchmidt, Mitglied der Handelskammer, Präfident der erften böhmifchen Lederinduftrie- Gefellfchaft in Prag Bei den letzten Weltausftellungen in London und Paris waren die Berichterftatter über die Gruppe Leder zugleich Mitglieder der Jury. Die eingehenden Studien, die fie in diefer Eigenfchaft in der anregenden Gefellſchaft hervorragender Fachgenoffen als Collegen machen konnten, ja machen mussten, fetzten fie in den Stand, Details zu berühren, welche jenen, denen officielle Belege nicht zugänglich find, fremd bleiben müffen. So waren in den Fragebogen der Jury für die Wiener Weltausstellung Angaben über Art und Gröfse des Betriebes verlangt, woraus fich vielleicht wenigftens theilweife eine Statiſtik der Ledererzeugung hätte herftellen laffen, wenngleich folche Angaben da, wo Furcht vor Erhöhung der Einkommensteuer herrfcht, nicht fehr verlässlich find. Ich fchicke diefe Bemerkung voraus, um den Standpunkt zu kennzeichnen, von dem ich bei meinem Berichte ausgehen musste, der fich mehr auf den Rang, den die Erzeugniffe ganzer Länder unter einander und auf die Fortfchritte der Lederinduftrie feit der Weltausftellung in Paris im Jahre 1867, als auf die Würdigung der Leiftungen Einzelner befchränkt. Uebrigens ift die eingehende Prüfung und Würdigung diefer Leiftungen auch eine Sache der Jury und nicht des Berichterftatters. Meine Behelfe find auf den fehr unvollſtändigen, officiellen Generalkatalog und auf die Kataloge der einzelnen Staaten, fowie auf felbft gemachte Notizen befchränkt, und fo kann es leicht kommen, dafs ich eine oder die andere der vorzüglichften Leiftungen mit Stillfchweigen übergangen habe und verwahre ich mich im Vorhinein, wenn dergleichen vorgekommen fein follte, vor dem Vorwurfe der Parteilichkeit. Betrachten wir nun die Refultate der Ausftellung. Quantitativ fowie qualitativ den gröfsten Antheil hatte Deutfchland an der Gruppe VI, die Zahl der Ausfteller, 191, war fogar gröfser als die der öfterreichiſchen. Lobend mufs die Art der Aufftellung erwähnt werden, die trotz der Fülle des Materiales und der Enge des zugewiefenen Raumes fehr zweckmäſsig 1 2 S. Goldfchmidt. angelegt war. Es war ein glücklicher Griff, zum Obervorftand der Gruppe Herrn J. C. H. Lietzmann aus Trier, einen bewährten Fachmann, zu ernennen und ift es nur zu bedauern, dafs das Arrangement diefer Gruppe nicht auch in den anderen Ländern fo bewährten Kräften anvertraut wurde; es wäre dann wohl nicht fo viel dabei zu rügen gewefen. Wenn auch in der öfterreichiſchen Abtheilung die Aufftellung weder nach Sonderung der Sorten, noch nach der geographifchen Eintheilung, fondern nur nach der, Anficht" des leitenden Architekten durchgeführt wurde, fo bot doch der Mitteltract ein hübfches Bild: wenn es auch nicht nöthig gewefen wäre, die Ausftellung der Saffianfabrikanten fo wie jene der berühmten öfterreichifchen Schuhund Handfchuh- Fabrication fo zufammenzudrängen, um die troftlofe Leere der übrigen Räume diefer Gruppe beffer zur Anfchauung zu bringen. Zu bedauern ift es, dafs fich auch hier der Dualismus geltend gemacht hatte, fo dafs die ungarifche Lederinduftrie in der ungarifchen, die kroatifche und flavonifche dagegen wieder in die betreffende Ländergruppe unter die anderen Erzeugniffe eingereiht war, fo dafs die öfterreichiſche Lederinduftrie an drei verfchiedenen Orten gefucht werden musste. Geradezu traurig fah dagegen die Aufftellung der Gruppe VI des Königreiches Italien aus. Zwifchen eng aneinander ftehenden Holzgerüften fich durchzwängend, fah der Befchauer eine Anzahl ohne jede Ordnung über- und durcheinander gehängter Felle und Häute, denen oft fogar die Bezeichnung der Ausfteller fehlte, fo dafs durch diefe Art der Aufftellung ein praktiſcher Nutzen weder für den Ausfteller, der doch bekannt zu werden wünſcht, noch für den Befucher, der fich mit dem Ausgeftellten vertraut machen will, entſtehen konnte. Der Zahl der Ausfteller nach zunächft kam die franzöfifche Ausstellung, deren gefchmackvolle Zufammenftellung anerkannt werden musste, wenn auch der Totaleindruck dadurch gefchwächt war, dafs durch die in demfelben Raume aufgeftellten prachtvollen Wägen der Ueberblick geftört war. Ausfchliesslich der Gruppe VI gewidmet war der derfelben zugetheilte Raum blofs in der belgifchen Abtheilung und machte dadurch den angenehmen Eindruck eines abgefchloffenen Ganzen. In der ruffifchen Abtheilung bot fich das Ausgeftellte in fchmucklofer, aber zweckmäfsiger Weife auf Tifchen dem Befucher dar. Die Ausftellungen der übrigen Länder waren in den einzelnen, denfelben zugewiefenen Räumen fo angebracht, wie es die geringe Zahl der ausftellenden Ledererzeuger geftattete und wird nur der Eigenthümlichkeit halber bemerkt, dafs die fchwedifche Lederausftellung nicht in dem Induſtriepalafte, fondern in der Agriculturhalle untergebracht war, wo fchwerlich Jemand Leder hinter den ausgeftellten Pflügen fuchte. Wenn ich nun auf den eigentlichen Gegenſtand diefes Berichtes zur Beurtheilung der ausgeftellten Lederforten übergehe, glaube ich, um fyftematifch vorzugehen, zuerft das gebotene Material in zwei Hauptforten theilen zu müffen, in jene, wo der Zweck bei der Fabrication dahin geht, möglichft feftes, wenig dehnbares Leder zu erzeugen, und in folche, wobei im Gegentheil ein möglichft weiches und mildes Product zu liefern angeftrebt wird. Zu den erften wäre Sohlleder, fowohl gefchwitztes als gekälktes, als auch Riemen- und Zeugleder zu rechnen, zu der zweiten Alles, was zu Oberleder für Schuhe und Stiefel, fowie für den Bedarf der Riemer, Sattler und Buchbinder, und als Futter für Schuhmacher und Hutmacher beftimmt ift. Zwifchen gefchwitztem, als dem eigentlichen Sohlleder und dem gekälkten, wozu fowohl Knoppernterzen als Lohterzen ,,, Vaches" und in weiterer Beziehung Riemen- Zeugleder, fowie überhaupt alle in Loh gegärbten Leder gehören, mit Ausnahme des Sohlleders, befteht der principielle Unterfchied in der Art, wie die Enthaarung der rohen Haut bewerkstelligt wird. Leder. 3 Bei dem erften werden die Haare lofe gemacht durch die Einwirkung einer künftlich geleiteten Fäulnifs, bei der zweiten durch Einlegen in Kalkmilch. Um wiffenfchaftlich zu präcifiren, müfste man fagen: die zu Sohlleder beftimmte Haut wird enthaart unter der Einwirkung der fauligen Gährung auf ihre Eiweifskörper, die Eiweifskörper werden dabei möglichft erhalten. Die zu Vaches- Terzen oder auch Oberleder beftimmte Haut wird enthaart unter der Einwirkung des Kalkhydrats auf ihre Eiweifskörper; diefe Eiweifskörper werden durch Kälken und Reinmachen der Haut mehr oder weniger entzogen. Für die Beurtheilung des Sohlleders ift es nothwendig, dasfelbe in drei verfchiedene Gruppen zu theilen, nämlich nach den Gerbeftoffen. Es kann mit ungarifchen Knoppern oder Valonea( Ackerdoppen) verfetztes Leder, wie es hauptfächlich in Oefterreich, Italien und Griechenland gearbeitet wird, weder mit dem in Eichen- oder Fichtenrinde verfetzten, wie es Frankreich, Deutfchland, die Schweiz, Schweden, Dänemark und Rufsland liefert, noch mit dem mit Extracten gar gemachten, wie es England und Amerika ausftellte, verglichen werden, fondern es mufs jede diefer Gattungen feparat in ihren Refultaten beurtheilt werden, wenn man überhaupt objectiv vorgehen will. Es würde eine müfsige Arbeit fein, hier auf eine Unterfuchung einzugehen, was beffer ift, ob in Knoppern oder in Eichenlohe gegerbtes Sohlleder. Es ift diefs ein Streit, der fchwer auszutragen ift, da die Vorzüge der einen oder der anderen Gerbeweife kaum unanfechtbar in der Praxis nachzuweifen find. Es handelt fich hier auch nur um das, was wirklich erreicht wurde und nicht um das, vom theoretifchen Standpunkte aus hätte erreicht werden können. Der Gerber arbeitet zu feinem Vortheile und für den Bedarf feiner Kunden. Ift das, was feine Kunden verlangen, in möglichft guter Qualität geboten und hat er feinen Nutzen dabei, fo ift eben erreicht, was erreicht werden follte. Es ift hier noch ein Umftand zu berücksichtigen, der oft den intelligenteften Gerber von radicaler Umwandlung feiner Arbeitsweife zurückhalten mufs. Es iſt diefs die aufserordentliche Zähigkeit, mit der die Kundfchaft, in letzter Inftanz alfo der Schuhmacher, an altgewohnter Waare hängt. So ift in Niederöfterreich, Ungarn, Polen, Mähren und Schlefien kaum anderes, als in Knoppern gegerbtes Leder zu verkaufen, wogegen in Böhmen, mit Ausnahme eines kleinen Theiles an der mährifchen Grenze, faft ausfchliefslich in Eichenlohe gegerbtes Leder für Männer- und in Fichtenlohe gegerbtes für Frauenfchuh- Sohlen gefucht wird. Es mufs hier überhaupt für Böhmen eine Ausnahme gemacht werden. Der Lederhändler und Schufter hängt hier nicht fo feft wie in anderen Ländern am Althergebrachten und ift zweckmäfsigen Neuerungen zugänglicher. Als vor 22 Jahren der Schreiber diefes als der Erfte franzöfifches geklopftes Leder nach Böhmen einführte, fo war diefs bald fo beliebt, dafs es trotz des höheren Preifes die in das Knoppernleder verdrängte, und fo kommt es, dafs diejenigen Gerber, Oefterreich in Eichenlohe gegerbtes oder dem ähnliches Leder erzeugen, ihren Markt hauptfächlich in Böhmen fuchen und finden. Was das Gerbematerial, Knoppern und Valonea betrifft, fo fei hier bemerkt, dafs die Knoppern durch den Stich einer Gallwespe( cinips quercus calicis) entftandenen Auswüchfe der Eichel, der Sommer- und Wintereiche( quercus pedunculata L. und quercus robur L.) find. Valonea( Ackerdoppen) oder orientalifche Knoppern dagegen find die Kelche der Eichel der Ziegenbart- Eiche,( quercus aegilops L.), welche in Kleinafien, Griechenland und den Infeln des Archipels häufig wächft. Während Knoppern das altgewohnte Gerbematerial der öfterreichifchen Sohlleder- Fabrikanten find, wurden hier die erften Verfuche mit Valonea zu gerben im Jahre 1842 gemacht. Erft im Jahre 1858, bei einer vollſtändigen Mifsernte der Knoppern, wo der Centner Knoppern auf 30 fl. zu ftehen kam, während Valonea I* 4 S. Goldfchmidt. nur 18 fl. koftete, wurde die Verwendung der letzteren allgemein, hörte jedoch im Herbfte 1859 bei günftigerer Knoppernernte fofort wieder auf. Es ift diefs hauptfächlich dem Vorgehen Triefter Händler zuzufchreiben, die nur geringe Sorten importirten, die felbftverſtändlich den Gerbern nicht conveniren konnten, und fo war diefer Artikel vom Jahre 1859 bis 1867 faft vollftändig wieder aufser Gebrauch gekommen. Als im Jahre 1867 wieder ein bedeutender Ausfall in der Knoppernernte entftand, wurde durch Wiener Händler, die fich mit grofsen Importeuren direct in Verbindung fetzten und nur gute Sorten einführten, die Aufmerksamkeit der Gerber wieder auf diefen Artikel gelenkt und feitdem kam die Valonea fo in Aufnahme, dafs nach und nach die Knoppern immer mehr dadurch verdrängt werden. Der Beweis hiefür ift, dafs, als im Jahre 1871 eine fo reichliche Ernte von Knoppern gemacht wurde, dafs heute, im Jahre 1873 noch grofse Vorräthe davon lagern, der Import von Valonea ein nicht viel verringerter blieb, trotzdem die Ernte in Valonea eine weit fchwächere war, wodurch die Preife derfelben bedeutend in die Höhe gingen. Eine volle Ernte von Valonea wird für Kleinafien auf 34.000 Tons, die vom Archipel auf ungefähr 10 Percent diefes Quantums gefchätzt, wovon wohl 120.000 bis 200.000 Centner in Oefterreich confumirt werden. In Trieft pflegt jetzt ein Stock von 50.000 bis 90.000 Centnern vorräthig zu fein. Ein eigenthümlicher Umfchwung vollzieht fich in der öfterreichifchen Sohlleder- Gerberei feit einigen Jahren. Während in Deutſchland die grofsen Sohlleder- Fabrikanten an dem Syftem der Sohlleder- Gerberei, dem Abhaaren durch Schwitzen fefthalten, ja die Halbfohlleder- Gerberei, wo die Häute mit Zuhilfenahme von Kalk enthaart werden, als etwas ihnen nicht Ebenbürtiges anfehen, gehen die öfterreichiſchen Gerber immer mehr von der Pfundleder- Erzeugung, dem Schwitzfyftem, ab und wenden fich der Terzenleder- Fabrication, alfo dem Kälken, zu. Es mag diefes daher kommen, dafs man nach und nach die Ueberzeugung gewann, dafs ein gar zu fprödes Leder nicht dem Zwecke entſpricht und ein etwas elaftifcheres vorzuziehen ift. Anderfeits wird die Erzeugung dadurch etwas befchleunigt, dafs Terzenleder keine fo lange Fabricationsdauer wie Pfundleder benöthigt, ein Umftand, der bei dem hohen Zinsfufse in Oefterreich nicht zu unterfchätzen ift. Einen mächtigen Einfluss hierauf hat der Uebergang der Erzeugung von Militärfchuhen aus der eigenen Regie des Staates in das Monopol der Heeresausrüftungs- Gefellſchaft von Skene& Conforten gehabt. Da es, fo lange das Aerar Militärfchuhe erzeugen liefs, nicht geftattet war, hiezu anderes als gefchwitztes Pfundleder zu verwenden, konnten die Gerber immer auf ficheren Abfatz rechnen. Nachdem aber der Heeresausrüftungs- Gefellfchaft erlaubt wurde, aufser anderen Sohlleder- Sorten auch Knoppernterzen zu verwenden, fiel der fefte Abfatz weg, daher auch für die Erzeuger der Grund, fich einer länger dauernden und fchwierigeren Manipulation zu unterziehen. Das Refultat des Gewichtsergebniffes bei Terzen dürfte zwifchen 50 bis 52 Pfund für je 100 Pfund frifche Haut, je nach der Schlachtung der rohen Häute fchwanken. Aufserordentliche Gewichtsergebniffe, wie felbe manche Ausfteller auswiefen, dürften eben Ergebniffe aufsergewöhnlich guter Schlachtung und aufsergewöhnlichen Aufwandes von vorzüglichem Gerbeftoffe gewefen fein, find aber kaum als Norm anzunehmen. Bei Pfundleder pflegt das Gewichtsergebnifs einige Percente höher als bei Terzen zu fein. Im Allgemeinen hat die Fabrication von Sohlleder in Oefterreich feit 1867 bedeutend zugenommen. Nicht allein dafs die beftehenden Fabriken faft fämmtlich ihren Betrieb erweiterten, fo entftanden in Brünn eine und in Wien zwei neue gröfsere Fabriken. Hier ift befonders Max Grünfeld in Brünn hervorzuheben, Leder. Οι 5 eine Firma, die in der kurzen Zeit ihres Beftandes durch die Vorzüglichkeit ihrer Erzeugniffe fich einen ehrenvollen Ruf verfchaffte, dann Albert Katfcher in Wien mit ebenfalls beliebtem Fabricat. Es werden jetzt in Wien wöchentlich circa 2500 bis 2800 Häute, in Brünn 1900 bis 2100 zumeift inländifcher Schlachtung zu Sohlleder verarbeitet. Von den älteren Fabrikanten ift Jofef Kainz in erfter Reihe zu erwähnen, deffen Fabricat eine Specialität für die Wiener Schuhmacher bildet, welches felbe nicht leicht entbehren können. Aehnliches leiften Jofef Salzer und Franz Setzer. Es kann mit Befriedigung conftatirt werden, dafs die öfterreichiſche Sohlleder- Fabrication feit 1867 erhebliche Fortfchritte fowohl in Hinficht auf Qualität des Fabricates als in jener der Zurichtung gemacht, was auch allgemein von auswärtigen Fachmännern lobend anerkannt wurde. Die Wiener und Brünner Fabriken, fowie die von Carl Lebwohl in Nikolsburg, der Pfundleder von allgemein anerkannter Güte ausftellte, zeichnen fich nach beiden Richtungen vortheilhaft aus, wenn auch nicht unerwähnt bleiben mag, dafs der künftliche Anftrich, durch welchen manche Ausfteller ihr Fabricat zu verfchönern glaubten, vielleicht den Laien, aber nie den Fachmann täufchen kann. Es ist hier noch ein Artikel zu erwähnen, der mehrfach und in guter Qualität ausgeftellt war. Es ift diefs das Ufo- Schweizer Sohlleder genannte, geklopfte Pfundleder. Schreiber diefes veranlafste in den fünfziger Jahren die erften Verfuche mit dem Klopfen des Pfundleders, um dasfelbe durch beffere Appretur im Handel einzuführen, da fich das confumirende Publicum in Böhmen mit Vorliebe dem gehämmerten ausländifchen Sohlleder zuwandte. Als derfelbe im Jahre 1860, der Erfte in Oefterreich, einen Berendorf'fchen Klopfhammer aufftellte, wurde diefe Art der Zurichtung fo beliebt, dafs die meiften Fabrikanten dergleichen Mafchinen kommen liefsen und fich zugleich bemühten, ihr Fabricat fchon in der Gerberei geeignet dazu zu machen. - Unter den beften Erzeugern diefer Sorte find aufser Sigmund Flefch & Comp. noch Jacob Gerlach Söhne in Wien, Adolf Flefch und E. Bloch Söhne in Brünn zu nennen. Ein weit completeres Bild der öfterreichifchen Sohlleder- Fabrication hätte. die Ausftellung gegeben, wenn nicht die oberöfterreichifchen Lederer, wie dort die Sohlleder- Gerber heifsen, fich faft zur Gänze fern gehalten hätten; auch die fteierifchen hatten fich wenig betheiligt. Die Collectivausftellung der Kärntner Gerber, unter welchen Eduard Janefch zu nennen, erwähnend, kommen wir zu den Triefter und Görzer Fabriken, die fich in Gerbung und Zurichtung der italienifchen Fabricationsweife anfchliefsen. Bei Cæfare Tofi in Görz, Fratelli Aquaroli in Sagrado, Domenico Defeppi in Trieft fanden wir diefen Typus genau wiedergegeben. Die ungarifche Sohlleder- Fabrication war auf der Ausftellung ebenfalls fehr wenig vertreten, und wäre hier die Pefter und Agramer Actienfabrik und Francesco Palefe& Comp. in Fiume hervorzuheben. Indem wir hier den Bericht über die Oefterreich eigenthümliche Gerbeweife fchliefsen, müffen wir noch die grofse Fabrik von Franz Schmidt in Krems erwähnen, deren Fabricationsweife den Uebergang von der Knoppern- zu der Eichen- Lohgerberei bildet und Adolf Schmidt in Boffan, als den einzigen, der aus Ungarn in Eichenlohe gegerbtes Sohlleder ausftellte. Wir kommen nun zur Ausftellung der Vorarlberger Gerber, die fich dadurch auszeichnen, dafs fie fich ganz ihren geographifchen Nachbarn in Gerbung und Appretur nähern. Jedenfalls müffen wir ihnen das Verdienft vindiciren, die Erften gewefen zu fein, die in Oefterreich Sohlleder in Eichenlohe gerbten. Der bedeutendfte darunter ift Ferdinand Kurrer in Bregenz, der auch Sohlleder und Vacheleder von guter Gerbung ausftellte. 6 S. Goldfchmidt. Aus Böhmen waren nur mit Fichtenlohe gegerbte, fogenannte Lohterzen ausgeftellt, wie felbe in diefem Kronlande für leichtere Arbeiten verlangt werden. Es wird hier weniger auf befondere Appretur, als auf Feftigkeit der Häute gefehen, wefshalb auch hier die Zurichtung nicht jene Vollkommenheit erreicht, welche wir zum Beiſpiel bei den Vacheledern von Jofef Pöfchl Söhne in Rohrbach, deren Zurichtung in allen Sorten wirklich vorzüglich ift, lobend bemerkten. Wir müffen hier Jofef Hönig in Auffig erwähnen, der in Böhmen die Terzengerberei aus Wildhäuten mit grofsem Erfolge einführte. Heute wird ein grofser Theil, ja vielleicht der gröfste Theil der nach Hamburg eingeführten, grüngefalzenen Rio de Janeiro- Häute in Böhmen zu Terzen verarbeitet. in Von Kratzenleder- Fabrikanten hatte nur Johann Franz Klinger Reichenberg ausgeftellt, aber diefe Sorte Gerberei in hervorragenderWeife vertreten. Was nun Gefchirrleder betrifft, fo haben Pöfchl in Rohrbach, Schmidt in Krems und Jofef Seykora Söhne in Adlerkofteletz Bemerkenswerthes ausgeftellt. Die fertigen Riemen waren durch mehrere Fabriken faft durchgehends in guter Herrichtung vertreten, fo dafs auch hier ein Fortfchritt feit 1867 conftatirt werden kann. Wenn wir die Ausstellung jener Länder verfolgen, die zumeift Knoppern und Valonea als Gerbeftoff verwenden, fo finden wir Italien am ftärksten vertreten. Wie fchon Eingangs bemerkt, unzweckmäfsig ausgeftellt, war es fchwer das Einzelne zu finden. Severino Sachetti in Bologna, Zamboni in Verona ftellten hübfches Sohlleder, Marcello Cafarini in Genua fchönes, etwas dunkelfarbiges Vacheleder, Pietro Delluca in Turin Vaches und fchwarze Zeugleder von hübfcher Gerbung und Appretur aus. Hervorzuheben find auch Fratelli Durio in Turin, deren dem Schweizer Sohlleder ähnliches Fabricat in Oefterreich bereits beliebt geworden ift. - Eine befondere Erwähnung verdient die Ausftellung von Nicola Baluffi & Sohn in Chiaravalle, Provinz Ancona. Diefelben ftellten unter Anderem eine fehr hübfch zugerichtete, leichte Sohlenhaut aus, von fatter Gerbung, welche fich im Ausfehen durchaus nicht von befferen Fabricaten Italiens unterfchied und brachten ein Atteft ihrer Commune bei, worin amtlich beftätigt wird, dafs diefe Haut in 25 Tagen gegerbt wurde. Es fehlten aber alle Andeutungen, ob die anderen ausgeftellten Häute diefer Firma ebenfalls nach diefem Verfahren zubereitet oder nach gewöhnlicher Art gegerbt waren, da das äufsere Anfehen ein gleiches war. Es fehlten übrigens auch alle Angaben über die Koften des Verfahrens und ebenfo über das Gewichtsergebnifs. Es wäre diefs um fo wünſchenswerther gewefen, da ohne über diefe Punkte unterrichtet zu fein, der Werth diefer Neuerung nicht zu beurtheilen ift. In der griechifchen Ausftellung fanden wir blofs das Erzeugnifs von Emanuel Saluftro in Syra, ähnlich dem Bolognefer, aber weicher; in der türkifchen Vacheleder von Perikles Vouros in Conftantinope!, dem franzöfifchen nachgemachte und einige andere Sorten, die nur für den fpeciellen Gebrauch des Landes gefertigt, fich der Beurtheilung entziehen. In der egyptifchen Abtheilung befand fich ein Röllchen fchwarzes und braunes Gefchirrleder nach franzöfifcher Art zugerichtet ohne Bezeichnung des Ausftellers. Wir kommen nun zu der zweiten Gruppe der Soh! leder- Fabrication, in der Eichenlohe faft ausfchliefslich den Gerbeftoff bildet und beginnen mit der Ausftellung des deutfchen Reiches. Die Ausftellung der deutfchen Sohlleder- Fabrikanten bot ein ziemlich vollſtändiges Bild der ganzen Fabricationsweife vom Beften bis zum Schlech teften und lag darin der befondere Vortheil, Jeden, der ausftellen wollte, zu gelaffen zu haben. Leder. 7 Wie es zu erwarten war, hat Trier die bedeutendfte Collection geliefert und feinen alten Ruf bewährt. Feft und voll, ohne alle künftliche Appretur hingen dort die Sohlleder- Hälften in decorativer Weife ausgeftellt und zeigten ihre wahre Güte in den einzelnen darunter liegenden Ausfchnitten. Wird von einem guten Leder fatte Gerbung verlangt, fo haben diefe Leder eine folche. Die Textur ift gleichmässig und zeichneten fich einige Sohlenfchnitte dadurch aus, dafs oft dunkle Streifen den Schnitt durchfetzten. Es ift diefs die Folge des in den erften Farben zugefetzten Eifens. Diefer Schnitt, befremdend für den Nichtkenner, wird in Deutfchland gerne gefehen und bedingt ein feftes, gefchloffenes Sohlleder. Es ift diefs Zufetzen von Eifen keine Neuerung in der Sohlleder- Fabrication, fondern wir finden diefs fchon in den älteren Werken über Gerberei erwähnt. Es ift hier unter den Guten fchwer, den Namen des Beften zu nennen. Dem Ausgeftellten nach der Erfte wäre hier F. A. Ladner zu nennen, dem fich ebenbürtig die Anderen anfchloffen. A. Pies, J. W. Schmelzer, Thomas Varain& Sohn, Müller Vanvolxen, J. Dillinger, P. Van volxen, J. Klauck, S. Haas, R. Müller, J. P. Oberconz, H. Simon, Jofef Simon M. Beres; es find lauter Namen von bekannt gutem Klange, die fich hier zufammenfanden. Befonders hervorzuheben ift auch Nels in Prüm. Haben die Gerber an der Mofel Vorzügliches geliefert, fo find jene am Rheine nicht hinter ihnen zurückgeblieben. Nennen wir zuerft P. J. Harff in Köln, F. H. Kaumann in Ehrenbreitenftein, H. Schmidt- Dumont in Wefeling. Ihnen fchliefsen fich die anderen mit geringen Ausnahmen an. Die fchlefifchen Gerber haben fämmtlich gutes Fabricat ausgeftellt; eben fo gut ift die Ausftellung der Gerber von Buxtehude( Hannover) mit der altrenommirten Fabrik von Wachenfeld an der Spitze. Fortfchritte in der Fabricationsmethode find bei den deutfchen SohllederGerbern nicht zu verzeichnen, fie halten alle an ihrem altbewährten Principe feft. Fortfchritte in der Appretur finden wir bei Nels in Prüm, Harff in Köln.. Denen zur Seite ftehen Friedrich Bartfch Söhne in Striegau und Andere mit gewalztem Leder. Von füddeutfchen Gerbern find zu erwähnen Elias Kohn in Nürnberg und Chriftian Prechtel& Comp. in Forchheim mit geklopftem Sohlleder in heimifchen Häuten. Von Elfäffer Fabrikanten ftellten blofs F. G. Herrenfchmidt Söhne in Strafsburg nach franzöfifcher Art gegärbtes und gehämmertes Leder aus. Die Vacheleder- Gerberei Deutfchlands hat ebenfalls eine hohe Stufe der Vollkommenheit erreicht, fowohl was die Gerberei, als was die Appretur betrifft und wird die letztere in den grofsen Fabriken immer mehr mit Zuhilfenahme von Mafchinen, befonders Walzvorrichtungen betrieben. Von vorzüglichem Vacheleder fanden wir zuerft das Fabricat von F. G. Herrenfchmidt Söhne in Strafsburg, die Vache- Liffée nach Parifer Art zugerichtet brachten, ferner von Louis Zix in St. Johann, R. A. Korn in Saarbrücken, Gebrüder Fahr in Pirmafenz und F. J. Burghardt in Gemünden. In Riemenleder haben die deutfchen Gerber ebenfalls viel Gutes ausgeftellt. Wir erwähnen unter Anderen H. K. Dienftbach in Unter- Liederbach und A. Kahen, Leidesdorf in Mühlheim am Rhein. Der Letztere mit verfchiedenen Arten gefchmierter Leder für Mafchinenfabriken. Etwas Neues haben J. H. Bleuenheuft's Nachfolger in Aachen in Pumpenleder ausgeftellt: diefelben präpariren die ganzen Häute in einer eigenen Art und machen diefelben dadurch dichter und widerftandsfähiger. Von fertigen Mafchinenriemen war in der XIII. Gruppe auch Manches ausgeftellt, was von dem Auffchwunge diefes Fabricationszweiges zeigte. Hier find unter Anderen hervorzuheben: Carl Beringer in Stuttgart, J. J. Schleyer in Reutlingen, Gebrüder Kraft in Fahrnau und Gebrüder Honore in Leipzig, 8 S. Goldfchmidt. welche geleimte Lederriemen ausftellten, nebft einer Mafchine, die die grofse Spannung zeigte, welche diefe Riemen aushalten können. Helles Gefchirrleder, fowie fchwarzes hatten Schleyer in Reutlingen und Jacoby in Weifsenfels; auch in der Collectivausftellung der Fabrikanten in Mühlheim an der Ruhr fanden fich fchöne Erzeugniffe diefer Art. Ein bemerkenswerther Zufall ift es, dafs faft der ganze Fabricationszweig der deutfchen Brandfohlleder- Gerberei auf der Ausftellung nicht vertreten war. Die grofsen Berliner Gerbereien find hauptfächlich auf diefen Artikel eingerichtet und werden dort aufser inländifchen Häuten auch Wildhäute, zumeift Ceara, verarbeitet. Die zur Fabrication nöthige Eichenlohe wird gröfstentheils aus Böhmen bezogen, von wo jährlich 80.000 bis 100.000 Centner nach Berlin gehen. Auch in anderen Städten Nord- Deutfchlands wird diefer Artikel ftark gearbeitet, befonders aber in Hannover und Braunfchweig. Das Berliner Brandfohl- Leder ift jedoch das beliebtefte und erreicht ftets die höchften Preife. Wir kommen nach Frankreich, wo wir ebenfo, wie im deutfchen Reiche, die beften Namen vertreten finden: N. Galien& Comp. in Longjumeau, Durand frères in Paris, A. Peltereau in Chateau. Renauld und Andere haben Vorzügliches ausgeftellt, fowohl in Sohlleder als Vache und den hohen Rang der franzöfifchen Gerberei und Appretur auf das befte bewährt. Alegatière fils in Lion- Vaife ftellte Sohlleder mit gerafpeltem Kaftanienholz gegerbt aus, welche Gerbemethode fchon auf der Parifer Ausftellung 1867 Aufmerkfamkeit erregte. So fchön auch die erzielten Producte waren- Refultate in Bezug auf Preis und Gewicht find uns unbekannt fo kann die Idee, den Gerbegehalt des Holzes anftatt den der Rinde zu benützen, doch nicht als Neues gelten. In den Memoires de l'academie des fciences vom Jahre 1738 finden wir einen Auffatz des berühmten Naturforfchers Buffon, worin derfelbe über von ihm veranlafste Verfuche, mit Eichenholz anftatt mit Rinde zu gerben berichtet. Mit welcher Aufmerkfamkeit und Sorgfalt diefe Verfuche damals gemacht wurden, mag daraus hervorgehen, dafs Buffon erwähnt, dafs der Splint, alfo das Werthlofere am Holze mehr Gerbeftoff enthält als der Kern. Ganz vermifsten wir in der franzöfifchen Ausftellung die Gerberei mit Garrouille, die im Süden Frankreichs die eigenthümliche Stellung hat, die die Fichten- Lohgerberei in Böhmen einnimmt, nämlich nur für den Localbedarf eingerichtet zu fein. Garouille ift die Rinde der Wurzeln der Zwergeiche( Quercus coccifera L.) wird als Gerbeftoff nur für Vacheleder verwendet und gibt ein feftes, dunkelbraunes Leder. Die ausgeftellten Riemenleder, fowie die Sattler- und Gefchirrleder waren ebenfalls von befonderer Schönheit. Befonders grofsartig hatten Scellos Domange aus Paris Riemen und Riemenleder ganz abgefondert in der Mafchinenhalle aufgeftellt. Im Allgemeinen in Gerbung und Zurichtung bemerkenswerth war befonders ein Riemen für grofse Transmiffion zu beachten, der aus lauter fchmalen Streifen beftand, die der Breite nach fo zufammengefügt waren, dafs der Schnitt der einzelnen Streifen die Breite des Riemens ergab. Es laffen fich fo Riemen von beliebiger Breite und Stärke zufammenfetzen, die eine grofse Haltbarkeit haben mögen und doch in ihren einzelnen Theilen aus fchwachem Leder, eventuell Abfällen beftehen. Wenn wir auf das Nächftliegende und auch Nächftbedeutende übergehen, fo finden wir Belgien mit feiner hervorragenden Lederinduftrie, die in zweckmäfsigfter Weife ausgeftellt war. Die Bedeutung Belgiens in feinem Leder- und Häutehandel und den befonderen Reichthum des Landes an vorzüglichen Gerbeftoffen mögen folgende Daten kennzeichnen, die wir der deutfchen Gerberzeitung entlehnen. Es wurden importirt in den Jahren Leder. von England ): دو 97 La Plata Frankreich Uruguay Kilogramm roher Häute. 1868 1869 1870 • • • 1,482.540 12,993.534 2,217.827 2,053.028 13,192.987. 13,073.336 . • 1,800.596 1,538.448 5,811.987 6,202.205 4.788.247 5,115.948 Dabei wurden jährlich noch importirt circa von Frankreich England vom Zollverein Kilogramm fertiger Leder. Dagegen wurden Eichenrinde exportirt: nach England Frankreich د, dem Zollverein 350.000 48.000 88.000 1869 1870 8,661,981 9,044.975 1871 9,071.568 2,465.242 2,271.081 1,643.978 3,405.965 3,419.626. 3,322.744 9 Kilogramm. Den gröfsten Antheil an der Sohlleder- Fabrication Belgiens dürfte Stavelot, Provinz Lüttich, haben. Wir fanden jedoch diefen grofsen Fabricationsort für Sohlleder nur durch einen, aber vorzüglichen Ausfteller, Antoine Maffenge, vertreten, fo wie überhaupt die Betheiligung an der Ausftellung von Seite der belgifchen Gerber keine fehr lebhafte war, doch konnte das Ausgeftellte dem Beften anderer Länder an die Seite geftellt werden. Wir erwähnen hier noch befonders V. Cherequefosse in Turnai mit Vacheleder, Jos. Devex in Herve mit deffen bekanntem Kratzenleder und E. Colson in Huy mit Mafchinen- Riemenleder und fertigen Mafchinenriemen. Die Ausftellung der fchweizer Gerber blieb hinter jener von 1867 weit zurück. Während damals die fchweizer Sohlleder- Fabrication in befonders hervorragender Weife vertreten war, hatte hier einer der erften und gröfsten Fabrikanten, J. Wunderly in Meilen, feine Anmeldung zurückgezogen, auch die Gerber der franzöfifchen Schweiz waren ganz fern geblieben. Es ift diefs um fo mehr zu verwundern, als der Hauptexport der fchweizer Sohlleder nach Oefterreich, fpeciell nach Böhmen, gerichtet ift. Aus Schweden waren blofs von drei Gärbern Wild- Sohlleder ausgeftellt, welches fich in der Gerbung dem deutfchen nähert und auch recht hübfch appretirt war. Norwegens drei Ausfteller hatten Aehnliches geliefert, auch Dänemark, wo der Gruppe VI wenigftens ein anftändiger Raum an einer freien Wand gegönnt war, hatte nicht viel mehr Repräfentanten feiner Sohlleder- Gerberei, doch find diefelben ihren nordifchen Nachbarn mindeftens gleichzuftellen; befonders erwähnenswerth ift hier M. J. Ballin in Kopenhagen. Etwas Neues ftellte die Kopenhagener Lederfabrik in einem kleinen Käftchen faft verfchämt aus, nämlich einen Verfuch, aus zu Pulver verkleinerten Lederabfällen künftliches Leder zu erzeugen. So viel das Aeufsere zeigte, war es eine Mifchung von Kautfchuk mit Lederftaub. Ueber die Haltbarkeit könnte nur ein Tragverfuch entfcheiden, jedoch fchien auch der Preis der ausgeftellten Sohlen zu hoch, um der Sache eine grofse Verbreitung in Ausficht zu ftellen. Rufsland war mit feiner Sohlleder- Fabrication faft gar nicht vertreten. Was die erblichen Ehrenbürger und Lieferanten des Kriegsminifteriums, Gebrüder Malkiel in Welionach, als Sohlleder für Militärzwecke ausgeftellt hatten, wird wahrfcheinlich vorfchriftsmäfsig gearbeitet fein, entzieht fich aber vielleicht eben dadurch 10 S. Goldfchmidt. der Beurtheilung nach hierländifchen Begriffen von gutem Sohlleder. Hübfches Vacheleder war von Stanislaus Pfeiffer in Warfchau ausgeftellt. Wir kommen nun zur dritten Gruppe der Extractgerberei, haben aber bei der geringen Zahl der englifchen Lederausfteller nur zwei Firmen, die Sohlleder überhaupt und nur eine, P. und E. Evans in Briftol, die Sohlleder als Specialität ausftellten, keinen Anlafs zu vergleichen. Das von oben Genannten ausgeftellte Sohlleder war in Durchgerbung und Appretur vorzüglich. Als ein befonderes Kunftftück im Fache der Gerberei mufste die ausgeftellte Hippopotamus-( Nilpferd-) Haut angefehen werden, die in der felbft diefer Art Häute feltenen Stärke von faftdrei Zoll an allen Stellen vollſtändig durchgegerbt war. Es ift die Theilnahmslofigkeit der englifchen Lederinduftrie um fo befremdender, als doch der Handelsverkehr Englands mit Oefterreich auch in Leder ein enormer und jedes Jahr fteigender ift. Was die Lederfabrication und ihre Ausdehnung in England betrifft, fo können wir zu einem annähern den Begriffe der Gröfse des gefchäftlichen Verkehrs kommen, wenn wir hören, dafs auf dem Londoner Markt der Verkehr in überfeeifchen rohen Häuten allein folgende Ziffern erreichte: 1871: 226.402 Ochfen- und Kuhhäute, 8103 füdamerikanifche Pferdehäute, 6,054,863 Kyps- und Büffelhäute; 1872 390.936 Ochfen- und Kuhhäute, 6231 füdamerikanifche Pferdehäute und 7,001.989 Kyps- und Büffelhäute. Um eine deutlichere Idee der ungeheuren Bedeutung des Londoner Marktes für den Verkehr in überfeeifchen rohen Häuten zu geben, fügen wir eine ftatiftifche Vergleichungstabelle I des Londoner Häutemarktes bei, welche die Bewegung auf demfelben in den letzten fieben Jahren ziffermäfsig nachweift und welche wir dem Jahresberichte der Herren F. Schmitz& Comp. in London entnehmen. Von den englifchen Colonien waren Leder ausgeftellt, welche fchon des halb Beachtung verdienen, da folche nicht ohne grofsen Einfluss auf die ganze europäiſche Lederfabrication bleiben werden. Wenn wir aus ftatiftifchen Berichten, die uns vorliegen, erfehen, dafs die Garleder- Einfuhr Englands im Jahre 1861: 5,219.000 Pfund betrug, dagegen bereits im Jahre 1871 auf 17,589.699 Pfund im Werthe von 1,094.643 Pfund Sterling und im Jahre 1872 weiter auf 27,929.014 Pfund im Werthe von 1,795.883 Pfund Sterling ftieg, welches in dem letzten Jahre eine Zunahme von 10,339.315 Pfund im Werthe von 701.240 Pfund Sterling ergab; dafs ferner daran auftralifches Sohlleder im Jahre 1871 mit 9015 Ballen, 1872 dagegen fchon mit 13.823 Ballen, was an 500.000 halbe Häute ausmacht, participirt, wenn wir ferner hören, dafs im Jahre 1871: 248.963 Stück, im Jahre 1872 dagegen 517.000 Stück gegerbte Kypfe zumeift von Bombay eingeführt wurden, dafs weiter in den acht öffentlichen Auctionen, die in London im Jahre 1872 abgehalten wurden, 7,828.909 Stück in Oftindien gegerbte Schafund Ziegenleder verkauft wurden, aufser den gewöhnlichen jeder Auction folgenden Privatverkäufen, fo gewinnen diefe, zumeift nur als Decorationen an den Seitenpfeilern verwendet gewefenen Leder ein grofses Intereffe und laffen fehr bedauern, dafs eine eingehende Prüfung auch fchon defshalb ohne Erfolg gewefen wäre, da Provenienz und Erzeugungsort unbekannt geblieben. Durchwegs icheint aber darauf die englifche Gerbe- und Zurichtungsweife einen mächtigen Einflufs gehabt zu haben. Was Amerika betrifft, fo waren die Vereinigten Staaten von mehreren Fabrikanten vertreten, welche zumeift in Eichenlohe nach amerikanifcher Art gegerbtes Sohlleder ausgeftellt hatten, worunter das von Thomas Schorr in New Orleans befonders gut gegerbt war. Auch Hemlock, deffen Ausfuhr nach Europa jedes Jahr fteigt und wovon befonders im Jahre 1872 in Nord- Deutfchland viel umgefetzt wurde, war vertreten. Leder. 11 Welche bedeutende Rolle das Hemlock leder im vergangenen Jahre ſpielte, kann man daraus erkennen, dafs gegen Ende des Jahres 1871 in Liverpool ein Stock von 300.000 Hälften beftand, zu dem im Laufe des Jahres 1872 noch circa 600.000 Hälften importirt wurden und trotzdem waren Ende 1872 die Lager in Liverpool zur Gänze geräumt, alfo im Jahre 1872 an 900.000 Hälften verkauft. Durch das liebenswürdige Entgegenkommen des kaiferlich brafilianifchen Ausftellungscommiffärs Herrn von Saldanha kam mir das vorzügliche Werk des Herrn Joaquim Manoel de Macedo, Notions de choreographie du Brefil zu, welchem ich entnehme, dafs im Finanzjahre 1870 und 1871, nämlich vom 1. Juli 1870 bis 30. Juni 1871 die Exportation von Brafilien in rohen Häuten betrug 12,442.007 Kilo in gefalzenen Häuten und 9,021.440 Kilo in getrockneten. Diefe Ziffern kennzeichnen am beften die Wichtigkeit diefes mit allen Naturproducten reich gefegneten Landes für die Lederinduftrie. Nach den freundlichen Erläuterungen des Herrn von Saldanha ift es befonders die Provinz Minas de Geraes im Innern des Landes, wo die Viehzucht am meiften blüht. - Indem wir hier unferen Bericht über die Sohl- und Vacheleder- Gerberei, foweit felbe auf der Wiener Weltausftellung vertreten war, fchliefsen, können wir nur unfer Bedauern darüber ausfprechen, dafs wir gar kein ftatiftifches Material haben, die Zahl der Häute, die Europa diefer Induftrie liefert, auch nur annäherungsweife anzudeuten. Wir fügen defshalb eine Tabelle II über den Verkehr in rohen überfeeifchen Häuten, die in den Haupthäfen Nordeuropas 1872 eingeführt wurden, bei. Wenn wir bedenken, welche coloffale Maffe von Hornvieh nur in den Städten Europas gefchlachtet wird, wo zumeift fchwerere Häute fallen, die zu Oberleder nicht geeignet find, welche alfo alle diefem Zwecke zugeführt werden, fo kommt eine fo riefige Ziffer heraus, dafs die Bedeutung der Sohlleder- Fabrication in nationalökonomifcher Beziehung erft ins rechte Licht tritt. Wir kommen nun zu dem zweiten Theil unferer Aufgabe, zu dem Berichte über zugerichtete, gefärbte und lackirte Leder. Bevor wir diefelbe erfüllen, erlauben wir uns einen kurzen Ueberblick über ( Anilin-) Steinkohlentheer- Farben und deren Verwendung in der Lederfärberei einzufchalten. Die Fabricationsweifen der verfchiedenen Lederforten find in dem vorzüglichen Berichte des Herrn Carl Denninger in Mainz über die Londoner Weltausstellung vom Jahre 1851 ausführlich befchrieben, und die Färberei mit Theerfarben ift die einzige principielle Neuerung feit jener Zeit. Was nun die Darftellung diefer Farben anbelangt, fo werden fie hauptfächlich aus drei im Theer enthaltenen Körpern gewonnen, nämlich aus dem Benzol C6H6, dem Naphtalin C₁0H, und der Carbolfäure C6H6O. Während man aus der Carbolfäure direct Farben erzeugen kann, mufs man das Benzol erft in Anilin CH, N, das Naphtalin in Naphtylamin C10 H, N umwandeln, um es zu diefem Zwecke verwenden zu können. Diefes gefchieht bei beiden Körpern in der Weife, dafs man fie durch die Einwirkung der Salpeterfäure erft in Nitrobenzol und Nitronaphtalin, und diefe wieder durch die Einwirkung von Wafferftoff in statu nascendi in Anilin und Naphtylamin umwandelt. Die für die Lederfärberei wichtigften Farbftoffe find die Farben aus der Carbolfäure: die Pikrinfäure, das Corallin und die unter den Namen des Phenylbraun bekannten braunen Farbftoffe. Zweitens die Anilinfarben, zu denen die verfchiedenen Sorten des Anilinroth, Anilinviolet, Anilinblau und Anilingrün zählen, welche je nach ihrer Darftellung und chemifchen Conftitution nicht nur verfchiedene Nuancirungen erzielen laffen, fondern auch durch verfchiedene Löslichkeitsverhältniffe fich charakterifiren. Drittens gehören hieher die fogenannten 12 S. Goldfchmidt. Naphtalinfarben( Farben aus Naphtylamin). Es find diefs das Naphtalingelb oder Manchefterblau. Das Naphtalinroth, das Naphtylblau und Naphtylbraun finden bis jetzt noch keine Verwendung in der Lederfärberei. - Nach diefer kurzen Betrachtung der bei der Lederfärberei verwendeten Farben wenden wir uns zu dem befonderen Theile unferer Aufgabe, der Betrachtung der zugerichteten, gefärbten und lackirten Leder. Vor Allem fei erwähnt, dafs wir in der öfterreichifchen Abtheilung der Gruppe VI zwei Fabriken vertreten fahen, die uns die Farbenpracht der Anilinfärbe reien auf Leder in gelungener Ausführung vorführten. Es war dies die altbekannte Fabrik von A. H. Süfs Söhne in Wien, welche aus 423 Fellen verfchiedener Farben, die Schattirungen eines Regenbogens zufammengeftellt hatte, welche finnreiche Anordnung in decorativer Hinficht eine Zierde der öfterreichifchen Lederausftellung bildete. Auch die anderen Erzeugniffe der Fabrik waren in zweckmäfsigfter Anordnung zur Schau geftellt, um die Vielfeitigkeit der Leiftungen zu zeigen. Die zweite war die ,, Erfte böhmifche Lederinduftrie- Gefellfchaft in Prag" ( vormals Ludwig B. Goldfchmid), deren früherer Befitzer und jetziger leiten. der Verwaltungsrath der Erfte war, der bereits 1862 Anilinfärberei auf Leder in Oefterreich einführte. Die Erzeugniffe der Fabrik zeichnen fich durch Reinheit der Farben und der Zurichtung, die faft durchwegs Mafchinenarbeit ift, aus. Specialität der Fabrik ift das Färben von englifchen gefpalteten Schaffellen, obgleich auch andere Sorten gefärbt werden, wie diefs die ausgeftellten färbigen Saffiane und Handfchuh- Leder bewiefen. Die Erzeugung von lackirten Schaffellen fowie von grofsen Häuten wird ebenfalls betrieben. Von gefärbt lackirten Fellen hatten Anton Lipp& Söhne in Wien eine hübfche Collection, fowie Franz Riekh in Graz lackirte Felle und Häute in bekannt guter Qualität ausgeftellt. Von gefärbtem Leder ift hier noch die Ausftellung von Jacob Pilinsky in Wien der fchönen Farben und forgfältigen Zurichtung halber zu erwähnen. Die Collectivausftellung der Wiener Handfchuhleder- Fabrikanten fchlofs fich, was die Färberei betrifft, würdig den oben genannten an. Die Leiftungen der Wiener Glacéleder- Erzeuger find zu bekannt, um noch hervorgehoben werden zu müffen. Wir erwähnen hier Chriftian Arwart, Leopold Ullrich und Gebrüder Strafser. Ebenbürtig vom Standpunkte der Gerberei find die Leiftungen von Jofef Budan und J. U. Benker in Prag und H. M. Eckstein in Lieben. Ferner find zu erwähnen F. Mehlfchmiedt und S. Schönberger in Prag und von mährifchen Ausftellern Peter Nowak fen. in Trebitfch. Von fämifch gegerbtem Leder für Handfchuhleder- Fabrication war manches Hübfche, jedoch nichts befonders Hervorragendes ausgeftellt. Wenn wir nun von den verfchiedenen farbigen Fellen und Häuten, wo die Kunft des Färbens, zu den fchwarzen und braunen Nüançen übergehen, wobei die des Zurichters hauptfächlich hervortritt, fo müffen wir zuerft in hervorragender Weife die Wiener Saffianleder- Fabrication hervorheben. Es ift hier feit dem Jahre 1851 in der Weife ein Umfchwung eingetreten, dafs die feit der erften Weltausftellung in London bekannt gewordenen oftindifchen Schaf- und Ziegenfelle, die früher allein verwendeten türkifchen, walachifchen fiebenbürger- und ungarifchen Ziegen- und Schaffelle ftark in den Hintergrund gedrängt haben. Zur Verbreitung diefes Artikels hat der Umftand beigetragen, dafs durch das Emporblühen der deutfchen Lacklederfabrcation die fonft zu genarbten, fchwarzen, für Damenfchuhe verarbeiteten, leichten, rohen Kalbfelle eine vor theilhaftere Verwendung gefunden hatten und zweckmäfsig durch die billigeren, feinnarbigen, oftindifchen Ziegenfelle erfetzt wurden, in deren Zurichtung man bald fo grofse Fortfchritte gemacht hatte, dafs die Wiener Erzeuger mit denen anderer Länder wetteifern können. Speciell in diefem Artikel hatte H. Gerhardus und Hafsek& Hoffmann in Wien vorzüglich fchöne Fabricate ausgeftellt. Wir erwähnen hier auch Leder. 13 E. und A. Pollak in Wien, die Söhne des um die öfterreichifche Lederfabrication hochverdienten Adam Pollak. Sowohl zugerichtetes Ziegenleder als auch glatte und gezugte fchwarze Häute, fowie eingewalkté Vorfüfse hatte Jacob Foges in Wien gebracht, der das Verdienft hat, die Gerberei und Zurichtung der rothen Juchten in Oefterreich eingeführt zu haben, von welchem Artikel er fchöne Proben vorlegte. Bernard Weifs& Sohn in Wien hatte eine grofse Collection verfchiedener Lederforten ausgeftellt, die erwähnt zu werden verdient, fowie Lucas Harthaufer's Juchten- Imitation und Johann Krätzer's verfchiedene Felle und Häute. Uebergehend zu jenen Sorten, die zumeift nach Gewicht verkauft werden, müffen wir vor Allem die Ausftellung von Jofef Seykora Söhne in Adlerkofteletz erwähnen, die fich befonders durch die vorzügliche Zurichtung aller ausgeftellten Artikel auszeichnete. Die eingewalkten Schäfte, welche den ruffischen erhebliche Concurrenz machen dürften, erregten allgemein die Aufmerkſamkeit der Sachverſtändigen. H. Bergmann Sohn& Comp. in Neubydžov, die befonders fchwarz gezugte Häute und zugerichte Spalthäute als jene Artikel ausgeftellt hatten, in denen die öfterreichifchen Gerber unübertroffen find, rivalifirten mit den obigen. Den Beiden folgen in Böhmen David Kreitner in Hohenbruck. D. Löwit& Sohn und J. Kohn Sohn in Pilfen. Für Mähren fteht in erfter Reihe Adolf Flöfch in Brünn, F. Klein in Schönberg und Ignaz& Emanuel Höck in Iglau. Von braunen Kalbfellen hatte befonders Friedrich Göbel in Wien, deffen Erzeugniffe zu den beliebteften des Wiener Platzes gehören, feinen alten Ruf bewährt. Anton Lafsnik in Cilly hatte befonders fchöne, braune Kuh- und Kalbleder ausgeftellt, fchwarzgenarbte Kalbfelle W. Pollak in Raudnitz und Miromil Breuer in Elbeteinitz. Die grofsen Kalbfell Gerbereien in Roveredo find bekannt und werden hier die braunen und fchwarz gewichsten Kalbfelle von P. Noriller in Roveredo befonders erwähnt. Was die ungarifche Ausftellung betrifft, fo finden wir zumeift die bereits in der erften Abtheilung Genannten wieder. Die Pefter Actien- Lederfabrik hatte gezogenes Kuh- und Kalbleder in hübfcher Appretur ausgeftellt, fowie auch Adolf Schmidt in Boffan, der als neue Erfindung das Modell einer Mafchine brachte, welche den Zug auf Oberleder erzeugen foll. S. Wertheimer in Peft hatte zugerichtete Schaf- und Ziegenleder nach Art der Wiener ausgeftellt. In der kroatifchen Abtheilung hatte die Agramer Lederfabrik fehr hübfches gewichstes Kalbleder zur Anficht gebracht. Die Ausftellung des deutfchen Reiches befprechend, haben wir zuerft Mayer, Michel& Denninger in Mainz und Freiburg zu beachten. Gegründet 1798, wurden in den vier Etabliffements diefes Haufes im Jahre 1871: 916.638 Ziegenund Schaffelle, 437.716 Kalbfelle und 7476 Häute verarbeitet und erreichte die Production einen Werth von 3,200.000 Gulden füddeutfcher Währung. Die Mannigfaltigkeit der Erzeugniffe, die faft alle Zweige der Lederinduftrie umfasst, und der Weltruf des Etabliffements enthebt uns der Mühe bei diefer Ausftellung in Details einzugehen. Auf allen bisherigen Weltausftellungen mit den höchften auzgezeichnet, hat die Firma auch diefsmal ihren alten Ruf bewährt. Auf die Erzeugung von lackirten Ledern, Wichs- und Kidkalbfellen befchränkt, gilt Aehnliches bei Cornelius Heyl in Worms, gegründet 1834; erreichte der Werth der Production 1871: 3,241.122 Gulden. Es folgt nun Dörr& Reinhard in Worms mit den gleichen Artikeln vorzüglicher Ausführung; 1839 gegründet, wurde im Jahre 1871 ein Umfatz von 2 Millionen GulPreifen den erreicht. 14 S. Goldfchmidt. Der Qualität der erzeugten Waare nach, wenn auch nicht in der Gröfse des Umfatzes folgt dem die Lackleder- Fabrik von L. Melas& Comp. in Worms. Seit 1857 beftehend, hat diefes Etabliffement fehr bedeutende Fortfchritte gemacht und zählt zu den beften in Deutfchland. Die jüngfte unter den füddeutfchen Fabriken ift L. Schlöffer& Comp. in Worms, die fehr fchöne lackirte und gewichfte Kalbfelle ausgeftellt hatte. Erft 1871 gegründet, wurde, wenn befonders die kurze Zeit des Beftehens in Anfchlag gebracht wird, Vorzügliches geleiftet. Wir haben, um die Reihe der grofsen Lackleder- Fabriken in Worms zu vervollſtändigen, der Wormatiage fellfchaft für Lederfabrication zu erwähnen, die 1871 einen Umfatz von 2,255.000 fl. machte. Als die erfte und gröfste Leder- und Lackirfabrik Baierns finden wir die Actiengefellfchaft für Lederfabrication. vormals Ignaz Mayer, in München. Gegenwärtig ift befondere Specialität der Fabrik die Erzeugung von genarbten lackirten Wagenverdeck- Häuten und von gelbem Sattlerleder. In der Fabri cation der lackirten Verdeckhäute ift felbe in Deutfchland noch unübertroffen. Schöne Fabricate in lackirten Verdeckhäuten hatten ferner ausgeftellt: Adolf Günther in Kaufbaiern, A. Rühl& Comp. in Eckrad und J. M. Moellen in Popfingen. Farbiges Lackleder, ein befonders fchwierig zu erzeugender Artikel, brachten in guter Qualität Carl Rehm in München und Theodor Linfe in Popfingen. Schwarz genarbte, gefchmierte Wagenverdeck- Häute, mit welchen Deutfchland noch zumeift Oefterreich verfieht, wo diefer Artikel noch wenig fabricirt wird, waren gröfstentheils durch die Collectivausftellung der Fabrikanten in und bei Mühlheim an der Ruhr vertreten, wo diefer Zweig der Lederinduftrie feinen Hauptfitz hat. Die aufserordentlich thätigen und intelligenten Gerber der dortigen Gegend haben fich diefe Specialität fo zu eigen gemacht, dafs eine Concurrenz mit denfelben äufserft fchwierig fein dürfte. Zu den beften gehören Heinrich Coupienne, Friedrich Richter& Comp. und Guftav Schürmann. Gefärbte Lederwaaren waren höchft brillant vertreten durch Hering& George in Strafsburg, G. Zingrafin Bonnames und von Carl Bettelhäuferin Mainz mit einer grofsen Collection diverfer Leder in fchöner Ausführung. Carl Simon Söhne in Kirn an der Nahe hatten fchöne gefärbte oftindifche Ziegenleder fowie Gebrüder Hausmann in Frankfurt farbige Ziegen- und Kalbfelle ausgeftellt. In fchwarzen Ziegenledern hatte Wilhelm Simon in Kirn fehr fchöne Waare. Die bedeutende Berliner Farbenleder- Fabrication war blofs durch Löwenthal& Waldow, aber von diefen in hervorragender Weife vertreten. Die von denfelben ausgeftellten Ledertapeten zeugten von befonderem Gefchmack. Die Fabrication von Kalbkidleder dürfte wohl in Deutfchland am ftärksten in Europa und zwar gröfstentheils für den Export nach England und Amerika betrieben werden. Die Centralpunkte diefer Induftrie find bis jetzt München und Dresden, von wo fie fich fowohl nach Süd- wie Nord- Deutfchland ausbreitete. Die Menge der Erzeugung dürfte nicht viel geringer fein als die der lackirten Kalbfelle. Auf der Ausftellung war felbe hauptfächlich vertreten durch Bromberger & Seiler, Auguft Rücker in München und die Dresdner Lederfabrik, vormals Robert Bierling der Vierte, doch hatten auch andere Vorzügliches geleiftet, befonders die früher genannten Wormfer und Mainzer Lackirfabriken, die faft alle diefen Artikel jetzt erzeugen. In alaungaren Schaffellen für Handfchuhe war manches Schöne ausgeftellt. Wir nennen hier als vorzüglich M. Geifthöfel in Ham an der Lippe, J. Röckl in München, Johann Ludwig Ranninger& Söhne in Altenburg und G. Jahn in Brandenburg. F. A. Umenhofer in Brandenburg hatte fchöne Felle für feine Uhren- Blasbälge; von Alaun- Schafleder für Schuhmacher hatten Ch. Dörr in Grüneberg und Albert Gräbner in Raguhn fchöne Mufter aufgelegt. S Leder. 15 Die bekannte Fabrik von Heinrich Bierling in Gera hatte eine fchöne Collection von verfchiedenartigem fämifchgaren Leder gebracht, fowie Carl Wildprett in Augsburg fchönes Pergament. Zu fchwererem Leder übergehend, haben wir zu bemerken, dafs die FahlLederfabrication fehr fchwach vertreten war. Wolf Rothe in Walsrode, Franz Kuchler Söhne in Paffau, H. C. Kleeberg in Uelzen und Friedrich Käs in Backnang, Heinrich Reger& Comp. in Kinzelsau dürften mit zu den beften gehören. Von Javahäuten hatte Franz Hartmayer in Neckar- Steinach und Auguft Söhlmann& Comp. in Linden in fchweren Maftkalb- Fellen wohl das Befte. Braune Kalbfelle waren von vorzüglicher Befchaffenheit und je nach Wunfch und Liebhaberei der befonderen Kundfchaft bald fefter, bald milder im Griffe ausgeftellt. Zu den Beften gehören: Guftav Müller und Franz Müller in Bensheim, V. v. Wafilowsky in Ober- Mofel, W. Pretorius& Comp. in Alzey und C. W. Roth in Haufen. Noch müffen wir hier einen jungen und kleinen Fabrikanten mit in die erfte Reihe ftellen, fowohl was Gerbung als auch Zurichtung anbelangt; es ift diefs Oswald Feldmann in Oederan. haben. Von Cylinder- Kalbfellen dürfte Meifsner in Mitweida das Befte gebracht Gewalkte kalblederne Schäfte und Vorfchuhe hatten Charles Simon in Barr, Hefs& Comp. in Pfungstadt, fowie Franz Fifcher in Offenburg, der aus mit den Haaren gegerbten Kalbfellen gewalkte Vorfchuhe ausgeftellt hatte. Zu Schuhleder zugerichtetes Rofsleder, wovon fehr viel ausgeftellt war, ift fchon defshalb ein bemerkenswerther Artikel, weil er eine Specialität Deutfchlands und der nordifchen Länder ift, während er in Oefterreich fehr wenig und in Italien und Frankreich faft gar nicht gearbeitet und verbraucht wird. Zu den beften Ausftellern diefes Artikels gehören Lewald Söhne in Fürth, Julius Völker in Eifenberg, A. Seehaufen in Arentfe, F. Brettmeyer& Kotfch in Zerbich, Z. Spier in Wikrath und Auguft Fänger in Berlin. Munk und Neuhaus in Hamburg hatten eine ganze Rofshaut ausgeftellt, welche zeigte, wie die einzelnen Theile, wie Schäfte und Vorfchuhe etc. herauszufchneiden find. Es war nämlich immer an der betreffenden Stelle die Zurichtung für den einzelnen Gegenftand ausgeführt, ohne denfelben von der ganzen Haut zu trennen. Sogar gewalkte Vorfchuhe waren in Verbindung mit der Haut gelaffen. Der Zahl der Ausfteller nach, wenn auch nicht der Maffe des in diefen Lederforten Gebotenen, kommt nun Italien. Auch hier verhinderte die unzweckmäfsige Ausftellung eine eingehende Prüfung der einzelnen Sorten. Der gröfste Ausfteller und faft der einzige, der feine mannigfachen Erzeugniffe in geordneter Weife zur Schau ftellte, war Severino Sachetti in Bologna mit diverfem Oberleder und Kalbfellen guter Zurichtung. B. Modena in Reggio brachte braune und fchwarze Kalbfelle, wovon fich befonders die braunen durch ihre Milde auszeichneten; ebenfo die Maftkalb- Felle von Pietro Delucca& Comp. in Turin und G. Mecciorin& Comp. in Padua, fowie jene von Gebrüder Narizzano und Gherfi in Genua. Ueberhaupt fcheint die Kalbfell- Gerberei in Italien weitere Fortfchritte gemacht zu haben, als die anderen fonft zu Oberleder verwendeten Sorten, obgleich auch von Kuhleder und Kypfen manches Hübfche zu fehen war. Von zugerichteten Ziegenleder hatte Carlo Marti in Mailand eine fchöne Sammlung der verfchiedenartigen Zurichtungsweifen, fowie Luigi Arnaud on in Turin hübfche gefärbte Leder. Wir wenden uns nun nach der franzöfifchen Abtheilung, wo wir zuerft die grofsen Parifer Lederfabrikanten vertreten finden. Gewohnt, in der Hauptftadt des Luxus für einen Kundenkreis zu arbeiten, der felbft wieder die höchften Preife erzielt, wenn er das Vollendetefte leiftet, wie diefs z. B. bei den Parifer Wagen- und Sattlerwaaren- Fabriken der Fall ift, brauchen diefe grofsen Etabliffements ohne 16 S. Goldfchmidt. ängftliche Rückficht auf den Koftenpreis eben nur dahin zu ftreben, das Befte zu liefern, um eines ficheren Abfatzes gewifs zu sein, und fo find fie auf jene hohe Stufe der Vollkommenheit gekommen, die wir auf der Ausstellung an ihnen bewunderten. Es ist hier fchwer, dem Einen oder dem Andern den Vortritt zuzuerkennen, da faft nur die erften Firmen Frankreichs vertreten waren. A. Houette& Comp. mit lackirten Kalbfellen; René Pillais mit lackirten Fellen verfchiedener Art; L. Soyer& T. Sueur& fils mit genarbten, lackirten Wagenverdeck- Ledern; Bayvet frères mit farbigen Saffianen und Saffianimitationen; Baffet& Comp. mit Chevres dorés, ein Artikel, in dem die Parifer Fabrikanten noch unerreicht find; L. Lefaulnier, der einzige, der zugerichtetes Rofsleder ausftellte und J. Ottenheim mit eingewalkten Schäften. Le Paillard mit Cylinder- und Kardenleder und endlich Roullier& Comp., der als Gegenfatz zu feinen Collegen, die nur das Befte und Feinfte brachten, fogenanntes Cuir factice ausftellte, aus Falz- uud Spaltabfällen, die, zufammengeklebt und unter dem Drucke einer hydraulifchen Preffe gebracht, einen Artikel geben, der von den Fabrikanten billiger Schuhwaaren als Erfatz für Brand- Sohlleder und zu Abfätzen gekauft wird und der doch auch diefs gut erzeugt, während Verfuche deutfcher Fabrikanten, diefen Artikel nachzumachen, fich als unbrauchbar erwiefen. Von alaungaren Fellen hatte H. Dufort fchöne Glaçefelle und auch die bekannte Handfchuhleder- Fabrication von Annonay war durch B. Rouveux& Rouveux ainé gut vertreten. Wir können nicht alle Namen nennen, die Vorzügliches geleiftet, da wir fonft faft die Lifte der Ausfteller wiedergeben müfsten. Wir möchten nur als Beiſpiel der Nachahmung eine der Urfachen erwähnen, welche es möglich machte, Frankreichs Lederinduftrie auf die hohe Stufe zu bringen, auf der fie fich gegenwärtig befindet. Es fcheint uns diefs die ftreng durchgeführte Theilung der Arbeit zu fein. Während bei uns auch der kleine Gerber alle Artikel arbeitet und der gröfsere Fabrikant Gerber, Zurichter, Färber und womöglich auch Detaillift fein möchte, ift dort die Theilung der Arbeit gröfstentheils fo durchgeführt, dafs der Gärber feine Waare in lohgarem Zuftande an feinen Commiffionär fchickt oder felbe zu Markte bringt, von wo fie der Zurichter direct oder indirect durch den Lederhändler bekommt und felbe erft nach deffen Angabe für den Bedarf fertig macht. Der Zurichter ift defshalb meiftentheils für Specialitäten eingerichtet und erlangt durch die fortwährende gleiche Befchäftigung eine Meiſterſchaft, die er nie erreichen könnte, wenn feine Thätigkeit fich auf alle Zweige der Zurichterei erftrecken würde. Wie alt diefe Art der Arbeitstheilung in Paris war, erfieht man aus den Statuten der Tanneurs und Corroyeurs aus dem Jahre 1345, der Peauffiers vom Jahre 1357 und der Megiffiers vom Jahre 1407, wo bis ins kleinfte Detail einem jeden feine beftimmt abgegrenzte Thätigkeit vorgefchrieben wird. Der Bourfier, Säckler, durfte allein lederne Hofen machen, aber dem Peauffier ftand das Recht zu, felbe zu wafchen, der Chamoifeur durfte feine Felle nicht beim Fleiſcher kaufen, fondern musste felbe vom Megiffier nehmen, der die Wolle abmachte, jedoch blofs in Alaun, und nicht in Fett gerben durfte. Die Statuten der Gerber und Zurichter von Paris vom Jahre 1345 enthalten 44 Paragraphe, wovon 16 das Verhältnifs der Gerber und 28 das der Zurichter als zweier abgefonderter Genoffenfchaften behandeln. Wie ftreng auf gute Qualität des Leders gefehen wurde, beweift die Beftimmung, dafs alles Leder von fachverständigen Gefchworenen, welche die Gärber unter fich ftets auf zwei Jahre wählten, gebracht und von denfelben geprüft und abgeftempelt werden mufste. Wurde das Leder nicht für gut befunden, fo mufste es noch einmal in die Grube verfetzt werden, konnte es dadurch nicht mehr verbeffert werden, fo wurde es verbrannt und der Gerber mufste eine Strafe bezahlen, die im Wiederholungsfalle verfchärft wurde. Bei den Corrogeurs wurde in ähnlicher Weife allmonatlich durch Gefchworene Umfchau gehalten. Leder. 17 In der nächften Nähe der franzöfifchen Lederausftellung fand fich die belgifche, deren vortreffliches Arrangement fchon früher erwähnt wurde. Hier bewährten die zumeift fchon von früheren Ausftellungen bekannten Fabriken ihren alten Ruf, und bewiefen, wie fehr fie fich bemühten, ihren Nachbarn gleichzukommen. Die lackirten Wagen-Verdeckhäute von E. B. Verboekhoven und E. Schovaers& Collet& Comp. in Brüffel find eben fo gut, wie deren andere Fabricate. Die Société anonyme de Quadrecht in Genf hatte eine grofse und fchöne Collection verfchiedenartig zugerichteter Kuh- und Kalbleder, A. Sibaert Peel in Courtray fehr fchöne Schäfte, J. Lebermuth& Comp. Wichs- Kalbfelle und zugerichtete Ziegenleder, R. Sto ht in Brüffel genarbte Ziegenfelle, fo wie Glacéfelle in fchwarz und doré, in welcher Sorte er eine Specialität in Belgien ift. Hervorzuheben find ferner: Quittmann& Comp. in Brüffel mit der gröfsten Sammlung in der ganzen Lederausftellung von den verfchiedenartigft gefärbten und appretirten Ziegen- und Schafledern, letzteres fowohl in gefpaltenen, als auch ungefpalteten Fellen, und F. A. Schmitz& Comp. in Kockelberg bei Brüffel mit ähnlichen Sorten. Sehr fchwach hatten fich die Niederlande betheiligt; doch hatte S. Schagen in Amfterdam zugerichtete Rofsleder ausgeftellt, welche zu den fchönften gehörten. Die Schweiz, die ihren Bedarf von Oberleder zumeift vom Auslande bezieht, fo Fahlleder aus Württemberg, befonders aus Reutlingen, wo fich die Oberleder- Gerber ganz für den Schweizer Bedarf eingerichtet haben, und das Hauptcontingent für die beiden Züricher Ledermärkte liefern, war blofs durch drei Ausfteller vertreten, die braunes und fchwarzgewichstes Kalbleder ausftellten, von denen das von Franz Feffe in Laufanne den guten deutfchen Fabricaten an die Seite geftellt werden kann. Die nordifchen Königreiche waren in diefen Sorten ebenfalls fchwach vertreten. Dänemark hatte zumeift Rofsleder ausgeftellt, welches alles Lob verdient. Ganze und gefpaltene Rofshäute hatte Ludwig Seligman in Veile, gefchnittene und gewalkte rofslederne Vorfchuhe Jofef Engelbrecht in Kopenhagen gebracht. E. E. Jorg onfen in Kopenhagen ftellte Handfchuh- Leder fowohl, als Glace, als auch lohgargegerbt aus, wovon befonders die lohgaren dänifchen Lamm- und Schaffelle fchön waren; jedoch find auch die Glaceleder, fowohl weifse als gefärbte, lobend zu erwähnen. Schweden hatte fowohl braunes als fchwarzes Fahlleder, als auch Rofsleder und Kalbleder gefchickt, die in Gerbung und Zurichtung anerkennenswerth waren, was auch von den ausgeftellten fämifch gegerbten Häuten und Fellen von J. G. Buhre in Stockholm gilt. G. S. Johannesfon in Stockholm hatte fchöne Rofsleder Schäfte und fchwarzgenarbtes Kuhleder und A. W. Lundin in Stockholm braune Kalbfelle, die gröfste Sammlung J. G. Karlberg in Wenersburg gebracht, der lohgare und Glace- Kalbleder ausftellte. Wir kommen nun zu Rufsland, deffen berühmte Juchtenfabrication durch Theodor K. Savin in Oftafchkoff in hervorragender Weife vertreten war, befonders in feiner, leichter Waare für Buchbinder und Tafchnerzweke. Was fonft befonders in rothen Juchten zu fehen war, war nicht geeignet, befondere Fortfchritte nachzuweifen. Zu erwähnen ift ferner Abraham Ernft Horwitz in Wifchny Wolotfchock mit Juchten, Rofs- und Kidleder, Stern Friedlander in Moskau mit fchwarzen und weifsen Juchten, und Moriz Stern dafelbft mit hübfchem Kalbleder. Der zweite Artikel, in dem fich die Lederfabrication in Rufsland verdienterweife einen guten Ruf erworben hat, fanden wir faft ausnahmslos durch deutfche Namen vertreten. Es ift diefs die fchon lange bekannte und beliebte Fabrication 2 18 S. Goldfchmidt. von gut gefchnittenen und gewalkten Schuh- und Stiefel- Obertheilen, die fchon in London und Paris in vorzüglicher Weife vertreten war. Wie fchon auf den früheren Ausftellungen war auch hier N. Th. Hübner in Petersburg der erfte, diefem folgen S. Behne, B. Zietemann, H. W. Gronberg, A. Müller, E. Bergmann, S. Frimont, Theodor Hantfch und Peter Waffilieff dafelbft. Die Ausfteller aus Warfchau, Adolf J. Bauernfeind mit Kalbleder, fowohl braun als fchwarz, S. Fröhlich und Stanislaus Pfeiffer mit Kalbfellen und Rofsleder, und endlich Carl J. Lampe mit verfchiedenartig appretirten Ziegenfellen, ftehen ihren Collegen in Deutfchland nicht nach. Die gefärbten Leder aus dem Kaukafus in der ruffifchen Abtheilung zeigten in Farbe und Zurichtung den urfprünglichen Typus der afiatifchen Völker, die fich mit dem einmal Erreichten begnügen, ohne den Fortfchritt zu fuchen. Wie fchon bemerkt, hatte fich die englifche Lederinduftrie, die auf der Pariler Ausftellung fo glänzend vertreten war, faft ganz von der Wiener ferngehalten. Wir fanden hier nur John Dixon& Son in London mit fchönen, verfchieden genarbten lackirten Wagen-Verdeckledern und lohgaren Spalthäuten Newton Gough & Comp. in Manchefter mit zugerichtetem Oberleder, und John S. Deed& Sons in London als den einzigen Vertreter der englifchen Farbenleder- Fabrication. Ein kleiner offener Schrank enthielt das Ganze, was Portugal in diefer Gruppe zur Ausftellung beigetragen. Callao Venoe in Olivaes hatte ein rothes Ziegenfell und lohgare Schaffelle, Henrique& Agard in Belem lichte Kalbfelle und Jofe Lamas& Comp. in Liffabon etwas Allanuleder ausgeftellt. Spaniens Ausftellung war in einem ziemlich verfteckten gefchloffenen Schranke derart aufgeftellt, dafs man die Namen der Ausfteller nur aus dem Kataloge, das von denfelben Ausgeftellte aber einzeln nicht unterfcheiden konnte. Was aber zu fehen war, reizte nicht zu eingehenden Forfchungen. Wenn wir nun zu dem Often übergehen, fo haben wir zuerft Rumänien zu erwähnen mit einer kleinen Zahl von Ausftellern, die für den Bedarf ihres Landes arbeiten, und zumeift fchwarz gezogenes Kuhleder nach jener Weife zurichten, in der die öfterreichifchen Gerber fich auszeichnen, aber ohne fich mit diefen ver gleichen zu können, jedenfalls aber fchon durch diefen Verfuch das ehrenvolle Beftreben zeigen, wenigftens im eigenen Lande concurrenzfähig zu werden. Dann folgt Griechenland mit Juchten nach ruffifcher Art gegerbt und zugerichtet und bunten Ledern, welche aber in Farbe und Zurichtung zu wünſchen übrig laffen. Die Lederausftellung der Türkei war in der Hauptgallerie als Decoration der Wandfläche benützt. Was auf den Tifchen ausgeftellt war, war theils fo, wie es eben im Lande gebräuchlich, und theils anfcheinend franzöfifchen Vorbildern nachgeahmt. Zu erwähnen find blofs die Fabricate der kaiferlichen Fabrik in Conftantinopel, und jene von Perikli Vouros dafelbft, befonders die erfte mit einer grofsen Collection der verfchiedenartigften Erzeugniffe. Als die erfte Schauftellung diefer Art kann die Sammlung von gemusterten Ledern gelten, welche in der japanefifchen Abtheilung zu fehen war. Ohne auf die Art der Gerbung einzugehen, über deren Weife uns genaue Nachrichten fehlen, war an diefen Fellen befonders der aufserordentliche Gefchmack in den Deffins, und die Reinheit der Ausführung zu bewundern, die die meiſten Arbeiten diefes intelligenten Volkes auszeichnen. Die amerikanifche Abtheilung enthielt von Oberleder faft nichts, nur Visconfin Seather Company hatte gewichstes Oberleder und dergl. Spaltfeiten ausgeftellt, die ihrem Zwecke entſprechen, ebenfo die imitirten Ziegenleder von H. G. Ely& Langen in New- York. Brafilien hatte verfchiedens Leder ausgeftellt, worunter die von Jofé Feydyt Söhne in Rio de Janeiro, in Mimofarinde gegerbt, fich durch gefällige Leder. 19 Farbe auszeichneten. Ift diefe Farbe das Ergebnifs des Gerbemateriales, fo wäre folches für manche Zwecke fehr zu empfehlen. Die anderen, fowohl lackirten als gefärbten Leder, liefsen Manches zu wünſchen übrig. Bemerkenswerth waren die von Dr. Herman in Rio Grande da Sul ausgeftellten Möbel aus geprefstem Leder. Die Preffung des Leders war eine aufserordentlich fcharfe und die ausgeprägten Arabesken durchaus im edlen Stile gehalten. Wie wir erfahren, hat Herr Dr. Herman diefe Induftrie dort eingeführt und fich dadurch gewifs ein grofses Verdienft erworben. Es wäre wünſchenswerth, wenn Näheres über die Art des Verfahrens bekannt würde. Vom Cap der guten Hoffnung hatte der bekannte rührige öfterreichifche Conful Adler in Elifabethport Mufter von lohgarem Schaf- und Ziegenleder eingefchickt. Wenn wir nun aus dem bisher Gefagten ein Refumé ziehen wollen über die Leiftungen der Lederfabrication jener Nationen, die in hervorragenderer Weife auf der Wiener Weltausftellung vertreten waren, und über ihre Fortfchritte feit der Weltausstellung in Paris, fo fehen wir, dafs bei der Sohlenleder- Gerberei doch jene das Befte erzeugen und auch wahrfcheinlich das günftigfte Refultat erzielen, die am zäheften an der alten Methode der Sauer- oder Grubengerbung fefthalten, wie diefs die guten deutfchen und belgifchen Gerber thun; dafs dagegen das fchönft Appretirte jene liefern, die die beften Mafchinen dazu haben wie die Franzofen. Nur die öfterreichifchen Gerber haben theilweife eine principielle Aenderung ihrer Fabricationsweife unternommen. So fonderbar es auch klingen mag, fo hat die Lederinduftrie die Fortfchritte, die feit 1867 gemacht, nicht fich felbft, fondern der verbefferten Hilfsmafchine, alfo der Mechanik zu verdanken, welche Fortfchritte wir in dem verbeffertem Klopfhammer, der Ausftofsmafchine und anderen Hilfswerkzeugen von Berendorf in Paris in den Walzwerken von Ebeling& Schwarzenbach, ferner in den diverfen Mafchinen von Frei in Wien und Anderen ausgeftellt fahen. Was von der Sohlenleder- Gerberei gefagt wurde, gilt auch von der Oberleder- Gerberei, wenn auch hier mit Ausnahme. In der Zurichterei wurden verfchiedene Verbefferungen eingeführt und auch hier hat die öfterreichifche Lederinduftrie die bedeutendften Fortfchritte gemacht, wenn auch vielleicht nur darum, weil fie den weiteften Weg zu machen hatte, ihre vorgefchrittene Concurrenten einzuholen. In der Kuhleder- Zurichtung ift die öfterreichifche Lederfabrication ihren Collegen mindeftens ebenbürtig, wenn fie auch wohl ungünftigere Gewichtsrefultate erzielt, als die franzöfifchen und belgifchen Gärber, die auch hier noch an der fauren Gährung fefthalten. Ebenfo dürfte fie in der Zurichtung von Ziegenledern der deutfchen wenigftens nicht nachftehen, auch in dem Hauptfortfchritte der Färberei; in der Anwendung der Anilinfarben ift die öfterreichifche Lederinduftrie ebenfalls nichts zurückgeblieben. Eigenthümlich ift es, dafs es noch manche Artikel gibt, die in Oefterreich noch faft gar nicht erzeugt werden, obgleich alle Factoren dazu vorhanden find und Spaltmafchinen hier fchon länger und in ausgedehnterem Mafse verwendet werden als in Deutfchland; es find diefs Wagenverdeck- Leder und Rofsleder in der Verwendung als Schuhleder. Worin die öfterreichifche Lederinduftrie fich mit keinem ihrer Nachbarn meffen kann, was um fo auffallender ift, als uns die Natur mit den Rohmaterialien befonders begünftigte, das ift die Lackleder- Fabrication. Unfere rohen Kalbfelle gehen trotz des Ausfuhrzolles nach Deutfchland und Frankreich, und kommen trotz des hohen Einfuhrzolles fabricirt wieder herein, ja, man könnte fagen wir fchicken die rohen Kalbfelle und die Lohe hinaus, da die Ausfuhr der letzteren ebenfalls eine enorme ift, blofs um unferen Nachbarn mit dem Arbeitslohne tributär zu bleiben. 20 S. Goldfchmidt. Wir haben nun noch die verfchiedenen Verfuche, radicale Aenderungen und Verbefferungen in der Gerberei einzuführen, zu erwähnen, die auf der Ausftellung vertreten waren, wenn diefs auch nur flüchtig gefchehen kann, da die Manipulationsweife und die Refultate befonders des Gewichtsergebniffes und der Haltbarkeit nicht angegeben waren. Soweit uns bekannt ift, waren diefs blofs die fchon früher erwähnten Sohlleder von N. Baluffi& Sohn, ferner von H. Gramm in Ludwigsluft, Leder mit Mineralfalzen präparirt, dann von Rambacher in Antoing, kleine Riemenproben und endlich Sohlleder mit dem Miller'fchen Extract gegerbt. Der Miller'fche Extract, aus der canadifchen Fichte ( pinus canadienfis) erzeugt, gerbte nach Angabe das ausgeftellte Sohlleder in sechs Monaten und die ausgeftellte Walrofshaut in acht Wochen. Noch haben. wir des Extractes aus Kaftanienbaum- Holz vom Aime Koch et Comp. zu erwähnen. Wenn wir nun diefe wenigen Verfuche, zu ändern und zu beffern, deren Refultate noch dazu fraglich find, gegen die grofse Maffe derer halten, die noch faft genau an dem alten Verfahren hängen, das wir fchon in dem älteften Werke über Gerberei, welches 1708 von Desbillets, Mitglied der königlichen Akademie der Wiffenfchaften in Paris, erfchien, befchrieben ift, fo dürfen wir wohl behaupten, dafs das Gerbergewerbe eines der confervativften ift, da es kaum ein zweites geben dürfte, in dem im Verlaufe von mehr als anderthalbhundert Jahren die Chemie nicht eine radicale Umwälzung hervorgebracht hat; es ift diefs um fo mehr zu ver wundern, als die praktiſche Chemie auf allen Gebieten der Induftrie fo riefige Fortfchritte gemacht hat und gerade hier, wo es fich um rein chemifche Proceffe handelt, ein fo weites Gebiet menfchlichen Wiffens und Wirkens unbeachtet liefs. Es wurden zwar die verfchiedenartigften Verfuche gemacht, aus der thierifchen Haut, durch Einwirkung anderer Stoffe als Vegetabilien fchneller oder beffer dem lohgaren ähnliches Leder zu erzeugen, aber immer fcheiterten diefelben an der Unrentabilität in Bezug auf den Koftenpreis oder das Gewichtsergebnifs oder an der geringeren Haltbarkeit des Fabricates, und die hervorragendften unter den Freunden des Fortfchrittes auf dem Gebiete der Gerberei mufsten ihre Verfuche oft mit dem Verlufte ihres Vermögens büfsen; und warum follte es doch unmöglich fein, diefen Gerbftoff auch auf anderem Wege als aus Vegetabilien zu bereiten und durch Verbindung mit der thierifchen Haut Leder zu erzeugen? Wohl wird man einwenden, dafs fich fchon bedeutende Chemiker mit der Analyfe folcher Stoffe befchäftigt, dafs fchon fehr intelligente Gerber diefes Verfahren gefucht und ihre Verfuche theuer gebüfst haben, ohne praktiſche Erfolge zu erzielen. Was aber dem Einen nicht gelang, dem nur die Theorie, und dem Anderen, dem nur die Praxis geläufig, follte diefs unmöglich fein, wenn die Theorie mit der Praxis, wenn der Chemiker mit dem Gerber vereint einem gleichen Endziele zuftreben? - Die Gerberei ift ein Gewerbe, deffen Refultate auf der Einwirkung gewiffer Stoffe auf die thierifche Haut, beruhen, diefe zu finden, wäre die Aufgabe des Chemikers. Diefe Einwirkung fo zu leiten, dafs ein möglifchft praktiſches Refultat gewonnen wird, wäre die Aufgabe des Gerbers. Dem Einzelnen ift bis jetzt die Löfung der Aufgabe auf anderem als dem bisherigen Wege, beffer, billiger oder fchneller Leder herzuftellen, nicht gelungen. Wäre es nicht dem mächtigen Hebel der Affociation möglich, was dem Einzelnen nicht gelang? Sollte es nicht möglich fein, durch einen Verein der dabei am meiften intereffirten Lederfabrikanten eine Verfuchsftation. für Gerberei zu gründen, wonach Anftellung eines bewährten Chemikers und eines tüchtigen Gerbers, die vereint arbeiten würden, Verfuche gemacht werden könnten, ohne zugrofse Koften für den Einzelnen, eine complete Umwälzung des bisherigen Gerbeverfahrens auf wiffenfchaftlichem und praktifchem Wege herbeizuführen, und zugleich ein Inftitut zu gründen, wo alle neuen Erfindungen auf dem Gebiete der Hilfsmafchine für die Leder. 21 Gerberei geprüft werden könnten, womit gleichzeitig eine Bildungsanftalt für angehende Gerber zu verbinden wäre, die tüchtige und gebildete Gerber fchaffen würde, die wiffenfchaftlich und praktifch ausgebildet, neuen Ideen zugänglich, auch die Fähigkeit haben würden, felbe praktifch zu verwerthen. Sollte diefe Idee zweckmäfsig ins Leben gerufen werden, fo dürfte wohl bei einer nächsten Weltausftellung der Bericht über die Ledererzeugung anders lauten als bisher, wo es in jedem Berichte hiefs, es wird beffer zugerichtet, es wird fchöner gearbeitet als früher, aber heute wird noch gegerbt wie vor hundert Jahren, und heute wie vor hundert Jahren gilt, um gut zu arbeiten, der Grundfatz: Viel Zeit und viel Lohn. Die als Lohproben ausgeftellten Rinden gehören in die Gruppe II, die uncomplete Sammlung von Vallone a und Knoppern in dem Pavillon des Welthandels gleichfalls. Was fonft an Gerbematerialien der exotifchen Länder ausgeftellt war, hat für unfere Verhältniffe wenig Werth. Unverſtändlich in ihrer Form, felbft in Namen oft nicht richtig angegeben, kennen wir deren Wirkung nicht und waren auch nicht im Stande, folche auf der Ausftellung zu unterfuchen. Wenn wir fomit auf die Berichterstattung über ausgeftellt gewefene Gerbematerialien verzichten müffen, fo können wir doch nicht umhin, bei der grofsen Bedeutung, welche diefe Erfindung für die gefammte Lederinduftrie hat, auf das von der königlich preufsifchen Staatsforft- Verwaltung ausgeftellt gewefene Modell des Jofef Maitre' fchen Dampfentrindungs- Apparates und auf die Proben von mit demfelben gewonnenen Rinden und insbefondere auf die beigegebene Brochure des Profeffors Dr. C. Neubauer in Wiesbaden aufmerkfam zu machen. Bereits auf der Parifer Weltausftellung war der Maitre'fche Apparat ausgeftellt und erregte gerechtes Auffehen, jedoch in fehr verfchiedener Richtung. Während die Einen darin eine complete Umwälzung des bisherigen Schälverfahrens erblickten, hielten Andere die Erfindung für reinen Schwindel. In richtiger Würdigung der Wichtigkeit der Sache liefs die königlich preufsifche Regierung zu Wiesbaden eine genaue Prüfung derfelben anftellen, deren Ergebnifs das erwähnte Werk ift. Es heifst: Die Schälung von Eichenrinden zu jeder Jahreszeit, vermittelft Dampf nach dem Syftem von J. Maitre. Im Auftrage der königlich preufsifchen Regierung zu Wiesbaden forfttechnifch, chemifch und durch Gerbverfuche geprüft von Dr. C. Neubauer, Profeffor in Wiesbaden, W. Wohmann, kaiferlicher Forftmeiſter zu Metz und C. A. Lotichius, Lederfabrikanten zu St. Goarshaufen am Rhein. Wiesbaden C. W. Kreidl's Verlag. Die Refultate diefer Unterfuchungen, welche namentlich bezüglich der chemifchen Unterfuchung viel Intereffantes und Neues bieten, ftellen feft, dafs I. die chemifchen und praktifchen Refultate bezüglich des GerbeftoffGehaltes der Eichenrinden fich in Uebereinftimmung befinden, dafs nämlich die Qualität des Leders dem durch chemifche Unterfuchungen feftgeftellten GerbeftoffGehalte der Rinden entfpricht; 2. der Gerbftoff- Gehalt diefer Rinden während der verfchiedenen Jahreszeiten keinen fo erheblichen Schwankungen unterliegt, dafs diefelben bei der Lederfabrication in die Wagfchale fallen; 3. der Gerbftoff- Gehalt durch das Schälbarmachen der Rinde durch Dampf nach den chemifchen Unterfuchungen fowohl als nach den Gerbverfuchen, namentlich auch von dem im Winter gefällten und im darauffolgenden Frühjahre gefchälten Holze, keine Einbufse erleidet; fomit 4. die Dampf- Schälmethode nach diefen Richtungen hin für die Lederfabrication keinen Bedenken unterliegen kann. Die mit Dampf gefchälten Rinden gegerbten, mit ausgeftellten Leder waren fehr fchön gegerbt. 22 S. Goldfchmidt. Statiftifche Vergleichungstabelle I des Londoner Häutemarktes. La Plata Rio Grande Brafilifche Import Auftralifche Cap Diverfe Südamerikanifche Oftindifche Totale trocken gefalzen trocken gefalzen trock. gefalz. gefalzen gefalzen trock.gefalz. Pferdehäute Kips u.Büffel Jahr 1866 3.988 1867 2.700 1868 110.796 1.829 83.145 47-772 35.510 60.721 2.597 24.339 1869 - 50.707 1.284 1870 2.738 38.992 6.046 1871 1.049 34.739 4.018 28.877 86.457 20.823 2.835 656 1872 3.198 85.126 7.626 28.013 230 297.265 35.908 5271 503.059 4.256 195.025 36.339 20.950 377.925 2.100 128.697 39.236 18.626 276.316 94.286 61.191 6.233 242.578 60.017 71.849 12.886 281.820 59.305 84.300 II.145 216.035 65.705 89.116 123.029 401.813 24 269 2,755-472 15.663 3,275.603 55.927 3,296.817 12.810 3,854.320 12.020 5,326.218 9.327 5,782.103 6.504 7,142.176 Stock am 31. December 1866 14.926 17.682 37.097 2.381 295 72.381 5.824 443.621 1867 IOO 1.037 15.178 2.046 152 18.513 70 185.997 1868 24.405 I.155 6.521 8.892 1.396 5.309 47.678 3.095 358.750 1869 3.528 - II.410 4.802 451 1870 989 1.000 2.060 597 10.233 2.773 5.988 1871 400 5.499 4.395 1872 1.175 8.951 2.792 10.704 187 3.320 20.191 23.640 13.273 24.150 I.200 327.326 - 624.684 I.224 351.924 1.507 492.III Ver1871 1.638 käufe u. 1872 3.598 Tranfit 30.240 6.078 89.450 7.626 21.420 28.013 656 - 61.149 81.204 65.143 84.281 16.946 226.402 119.896 390.936 8.103 6,054.863 6.221 7,001.989 TABELLE II des Verkehres überfeeifcher Häute exclufive Kypshäute und an den Haupt- Häutemarkten Nordeuropas im Jahre 1872. Leder. Totale des Einganges 1872. ab der verbliebene Beftand am 31. Stück 3,888.913. Dec. daher im Jahre 1872 verkauft Stück 3,784.583. 104.300. Import 1872 La Plata Rio Grande trocken gefalzen trocken gefalzen Diverfe Nebenforten, exclufive Kips Total Stock am 31. Dec. 1871 verblieben Einfuhr 1872 in London 42.J12 238.951 1.048 • 3.198 85.126 7.626 9.743 28.013 99 99 Liverpool 24.233 313.264 650 46.727 41.288 123.029 236.055 333.133 246.992 620.929 Briftol u.Nebenhäfen " 150.696 130.299 280.995 Havre. 2) 174.930 བ་ ས Antwerpen 238.130 " 9 31 " Hamburg. 5.000 Totale des Imports 1872. Stock am 31. Dec. 1872 verblieben. 487.603 1,807.645 199.395 m. trock. LaPlata 714.213 13.010 25.076 106.000 31.000 175.000 53.334 483.654 68.805 281.688 13.617 361.000 1,056.677 724.818 1,004.046 678.000 3,888.913 in London Liverpool 1.175 2.672 500 3.320 9.469 4.495 12.641 Briftol und Nebenhäfen Havre 500 500 - 1.000 14.235 II.200 m. trock. LaPlata 4.647 30.082 Antwerpen 7.016 37.870 346 306 3.074 48.612 " Hamburg 7.500 7.500 Totale der Stockes 23.923 51.245 346 806 28.010 104.330 23 OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3. LEDER. S. ( Gruppe VI, Section 1.) Bericht von GOLDSCHMIDT, Chef der Firma Jacob S. Goldfchmidt, Mitglied der Handelskammer, Präfident der erften böhmifchen Leder induftrie- Gefell fchaft in Prag. RAUHUND KÜRSCHNERWAAREN. ( Gruppe VI, Section 3.) Bericht von J. MAX HIRSCH, öffentlicher Gefellfchafter der Firma Hirfch und Eidam in Wien. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1873. ( I not goD) VORWORT. Nach dem Programm der officiellen Berichterstattung über die Wiener Weltausstellung 1873 foll der officielle Bericht noch ,, während der Feier des internationalen Feftes abgefasst und aufgelegt werden". Diefe Beftimmung zu erfüllen, übergibt die gefertigte Redaction des officiellen Berichtes in der vorliegenden Form die einzelnen Sectionsberichte der Oeffentlichkeit und glaubt damit den Befuchern der Weltausftellung das Studium derfelben wefentlich zu erleichtern. Nur eine Bemerkung fei an diefer Stelle geftattet. Der vorliegende, wie jeder andere während der Weltausftellungs- Feier publicirte Bericht wird einen Theil des officiellen Berichtes bilden, welcher nach dem Schluffe der Weltausftellung als ein Ganzes erfcheinen und die wiffenfchaftlichen Refultate der Ausftellung für die Dauer erhalten foll. Diefs mag dem Lefer die ftiliftifche Form, in welcher bereits die Vergangenheit der Ausftellung angenommen ift, erklären. PROFESSOR DR. CARL TH. RICHTER, Chefredacteur des officiellen Berichtes. LEDER. ( Gruppe VI, Section 1.) S. Bericht von GOLDSCHMIDT, Chef der Firma Jacob S. Goldfchmidt, Mitglied der Handelskammer, Präfident der erften böhmifchen Lederinduftrie- Gefellfchaft in Prag. Bei den letzten Weltausftellungen in London und Paris waren die Berichterftatter über die Gruppe Leder zugleich Mitglieder der Jury. Die eingehenden Studien, die fie in diefer Eigenfchaft in der anregenden Gefellſchaft hervorragender Fachgenoffen als Collegen machen konnten, ja machen mufsten, fetzten fie in den Stand, Details zu berühren, welche jenen, denen officielle Belege nicht zugänglich find, fremd bleiben müffen. So waren in den Fragebogen der Jury für die Wiener Weltausftellung Angaben über Art und Gröfse des Betriebes verlangt, woraus fich vielleicht wenigftens theilweife eine Statiſtik der Ledererzeugung hätte herftellen laffen, wenngleich folche Angaben da, wo Furcht vor Erhöhung der Einkommensteuer herrfcht, nicht fehr verlässlich find. Ich fchicke diefe Bemerkung voraus, um den Standpunkt zu kennzeichnen, von dem ich bei meinem Berichte ausgehen musste, der fich mehr auf den Rang, den die Erzeugniffe ganzer Länder unter einander und auf die Fortfchritte der Lederinduftrie feit der Weltausstellung in Paris im Jahre 1867, als auf die Würdigung der Leiftungen Einzelner befchränkt. Uebrigens ift die eingehende Prüfung und Würdigung diefer Leiftungen auch eine Sache der Jury und nicht des Berichterftatters und kommt diefelbe in der Prämiirung vollkommen zum Ausdruck. Meine Behelfe find auf den fehr unvollständigen, officiellen Generalkatalog und auf die Kataloge der einzelnen Staaten, fowie auf felbft gemachte Notizen befchränkt, und fo kann es leicht kommen, dafs ich eine oder die andere der vorzüglichften Leiftungen mit Stillfchweigen übergangen habe und verwahre ich mich im Vorhinein, wenn dergleichen vorgekommen fein follte, vor dem Vorwurfe der Parteilichkeit. Betrachten wir nun die Refultate der Ausftellung. Quantitativ fowie qualitativ den gröfsten Antheil hatte Deutfchland an der Gruppe VI, die Zahl der Ausfteller, 191, war fogar gröfser als die der öfterreichifchen. Lobend mufs die Art der Aufftellung erwähnt werden, die trotz der Fülle des Materiales und der Enge des zugewiefenen Raumes fehr zweckmässig 2 S. Goldfchmidt. angelegt war. Es war ein glücklicher Griff, zum Obervorftand der Gruppe Herrn J. C. H. Lietzmann aus Trier, einen bewährten Fachmann, zu ernennen und ift es nur zu bedauern, dafs das Arrangement diefer Gruppe nicht auch in den anderen Ländern fo bewährten Kräften anvertraut wurde; es wäre dann wohl nicht fo viel dabei zu rügen gewefen. Wenn auch in der öfterreichifchen Abtheilung die Aufftellung weder nach Sonderung der Sorten noch nach der geographifchen Eintheilung, fondern nur nach der Anficht des leitenden Architekten durchgeführt wurde, fo bot doch der Mitteltract ein hübfches Bild: wenn es auch nicht nöthig gewefen wäre, die Ausftellung der Saffianfabrikanten fo wie jene der berühmten öfterreichifchen Schuhund Handfchuh- Fabrication fo zufammenzudrängen, um die troftlofe Leere der übrigen Räume diefer Gruppe beffer zur Anfchauung zu bringen. Zu bedauern ift es, dafs fich auch hier der Dualismus geltend gemacht hatte, fo dafs die ungarifche Lederinduftrie in der ungarifchen, die kroatische und flavonifche dagegen wieder in die betreffende Ländergruppe unter die anderen Erzeugniffe eingereiht war, fo dafs die öfterreichiſche Lederinduftrie an drei verfchiedenen Orten gefucht werden musste. Geradezu traurig fah dagegen die Aufftellung der Gruppe VI des Königreiches Italien aus. Zwifchen eng aneinander ſtehenden Holzgerüften fich durchzwängend, fah der Befchauer eine Anzahl ohne jede Ordnung über- und durcheinander gehängter Felle und Häute, denen oft fogar die Bezeichnung der Ausfteller fehlte, fo dafs durch diefe Art der Aufftellung ein praktiſcher Nutzen weder für den Ausfteller, der doch bekannt zu werden wünſcht, noch für den Befucher, der fich mit dem Ausgeftellten vertraut machen will, entſtehen konnte. Der Zahl der Ausfteller nach zunächft kam die franzöfifche Ausstellung, deren gefchmackvolle Zufammenftellung anerkannt werden musste, wenn auch der Totaleindruck dadurch gefchwächt war, dafs durch die in demfelben Raume aufgeftellten prachtvollen Wägen der Ueberblick geftört war. Ausfchliefslich der Gruppe VI gewidmet war der derfelben zugetheilte Raum blofs in der belgifchen Abtheilung und machte dadurch den angenehmen Eindruck eines abgefchloffenen Ganzen. In der ruffifchen Abtheilung bot fich das Ausgeftellte in fchmucklofer, aber zweckmässiger Weife auf Tifchen dem Befucher dar. Die Ausftellungen der übrigen Länder waren in den einzelnen, denfelben zugewiefenen Räumen fo angebracht, wie es die geringe Zahl der ausftellenden Ledererzeuger geftattete und wird nur der Eigenthümlichkeit halber bemerkt, dafs die fchwedifche Lederausftellung nicht in dem Induftriepalafte, fondern in der Agriculturhalle untergebracht war, wo fchwerlich Jemand Leder hinter den ausgeftellten Pflügen fuchte. Wenn ich nun auf den eigentlichen Gegenftand diefes Berichtes zur Beurtheilung der ausgeftellten Lederforten übergehe, glaube ich, um fyftematisch vorzugehen, zuerft das gebotene Material in zwei Hauptforten theilen zu müffen, in jene, wo der Zweck bei der Fabrication dahin geht, möglichft feftes, wenig dehnbares Leder zu erzeugen, und in folche, wobei im Gegentheil ein möglichſt weiches und mildes Product zu liefern angeftrebt wird. Zu den erften wäre Sohlleder, fowohl gefchwitztes als gekälktes, als auch Riemen- und Zeugleder zu rechnen, zu der zweiten Alles, was zu Oberleder für Schuhe und Stiefel, fowie für den Bedarf der Riemer, Sattler und Buchbinder, und als Futter für Schuhmacher und Hutmacher beftimmt ift. Zwifchen gefchwitztem, als dem eigentlichen Sohlleder und dem gekälkten, wozu fowohl Knoppernterzen als Lohterzen ,,, Vaches" und in weiterer Beziehung Riemen- Zeugleder, fowie überhaupt alle in Loh gegärbten Leder gehören, mit Ausnahme des Sohlleders, befteht der principielle Unterfchied in der Art, wie die Enthaarung der rohen Haut bewerkstelligt wird. Leder. 3 Bei dem erften werden die Haare lofe gemacht durch die Einwirkung einer künftlich geleiteten Fäulnifs, bei der zweiten durch Einlegen in Kalkmilch. Um wiffenfchaftlich zu präcifiren, müfste man fagen: die zu Sohlleder beftimmte Haut wird enthaart unter der Einwirkung der fauligen Gährung auf ihre Eiweifskörper, die Eiweifskörper werden dabei möglichft erhalten. Die zu Vaches- Terzen oder auch Oberleder beftimmte Haut wird enthaart unter der Einwirkung des Kalkhydrats auf ihre Eiweifskörper; diefe Eiweifskörper werden durch Kälken und Reinmachen der Haut mehr oder weniger entzogen. Für die Beurtheilung des Sohlleders ift es nothwendig, dasfelbe in drei verfchiedene Gruppen zu theilen, nämlich nach den Gerbeftoffen. Es kann mit ungarifchen Knoppern oder Valonea( Ackerdoppen) verfetztes Leder, wie es hauptfächlich in Oefterreich, Italien und Griechenland gearbeitet wird, weder mit dem in Eichen- oder Fichtenrinde verfetzten, wie es Frankreich, Deutfchland, die Schweiz, Schweden, Dänemark und Rufsland liefert, noch mit dem mit Extracten gar gemachten, wie es England und Amerika ausftellte, verglichen werden, fondern es mufs jede diefer Gattungen feparat in ihren Refultaten beurtheilt werden, wenn man überhaupt objectiv vorgehen will. Es würde eine müfsige Arbeit fein, hier auf eine Unterfuchung einzugehen, was beffer ift, ob in Knoppern oder in Eichenlohe gegerbtes Sohlleder. Es ift diefs ein Streit, der fchwer auszutragen ift, da die Vorzüge der einen oder der anderen Gerbeweife kaum unanfechtbar in der Praxis nachzuweifen find. Es handelt fich hier auch nur um das, was wirklich erreicht wurde und nicht um das, was vom theoretifchen Standpunkte aus hätte erreicht werden können. Der Gerber arbeitet zu feinem Vortheile und für den Bedarf feiner Kunden. Ift das, was feine Kunden verlangen, in möglichft guter Qualität geboten und hat er feinen Nutzen dabei, fo ift eben erreicht, was erreicht werden follte. Es ift hier noch ein Umftand zu berücksichtigen, der oft den intelligenteften Gerber von radicaler Umwandlung feiner Arbeitsweife zurückhalten mufs. Es iſt diefs die aufserordentliche Zähigkeit, mit der die Kundfchaft, in letzter Inftanz alfo der Schuhmacher, an altgewohnter Waare hängt. So ift in Niederösterreich, Ungarn, Polen, Mähren und Schlefien kaum anderes, als in Knoppern gegerbtes Leder zu verkaufen, wogegen in Böhmen, mit Ausnahme eines kleinen Theiles an der mährifchen Grenze, faft ausfchliefslich in Eichenlohe gegerbtes Leder für Männer- und in Fichtenlohe gegerbtes für Frauenfchuh- Sohlen gefucht wird. vor Es mufs hier überhaupt für Böhmen eine Ausnahme gemacht werden. Der Lederhändler und Schufter hängt hier nicht fo feft wie in anderen Ländern am Althergebrachten und ist zweckmässigen Neuerungen zugänglicher. Als 22 Jahren der Schreiber diefes als der Erfte franzöfifches geklopftes Leder nach Böhmen einführte, fo war diefs bald fo beliebt, dafs es trotz des höheren Preifes das Knoppernleder verdrängte, und fo kommt es, dafs diejenigen Gerber, die in Oefterreich in Eichenlohe gegerbtes oder dem ähnliches Leder erzeugen, ihren Markt hauptfächlich in Böhmen fuchen und finden. Was das Gerbematerial, Knoppern und Valonea betrifft, fo fei hier bemerkt, dafs die Knoppern durch den Stich einer Gallwespe( cinips quercus calicis) entftandenen Auswüchfe der Eichel, der Sommer- und Wintereiche( quercus pedunculata L. und quercus robur L.) find. Valonea( Ackerdoppen) oder orientalifche Knoppern dagegen find die Kelche der Eichel der Ziegenbart- Eiche,( quercus aegilops L.), welche in Kleinafien, Griechenland und den Infeln des Archipels häufig wächft. Während Knoppern das altgewohnte Gerbematerial der öfterreichischen Sohlleder- Fabrikanten find, wurden hier die erften Verfuche mit Valonea zu gerben im Jahre 1842 gemacht. Erft im Jahre 1858, bei einer vollſtändigen Mifsernte der Knoppern, wo der Centner Knoppern auf 30 fl. zu ftehen kam, während Valonea I* 4 S. Goldichmidt. nur 18 fl. koftete, wurde die Verwendung der letzteren allgemein, hörte jedoch im Herbfte 1859 bei günftigerer Knoppernernte fofort wieder auf. Es ift diefs hauptfächlich dem Vorgehen Triefter Händler zuzufchreiben, die nur geringe Sorten importirten, die felbftverſtändlich den Gerbern nicht conveniren konnten, und fo war diefer Artikel vom Jahre 1859 bis 1867 faft vollſtändig wieder aufser Gebrauch gekommen. Als im Jahre 1867 wieder ein bedeutender Ausfall in der Knoppernernte entftand, wurde durch Wiener Händler, die fich mit grofsen Importeuren direct in Verbindung fetzten und nur gute Sorten einführten, die Aufmerkſamkeit der Gerber wieder auf diefen Artikel gelenkt und feitdem kam die Valonea fo in Aufnahme, dafs nach und nach die Knoppern immer mehr dadurch verdrängt werden. Der Beweis hiefür ift, dafs, als im Jahre 1871 eine fo reichliche Ernte von Knoppern gemacht wurde, dafs heute, im Jahre 1873 noch grofse Vorräthe davon lagern, der Import von Valonea ein nicht viel verringerter blieb, trotzdem die Ernte in Valonea eine weit fchwächere war, wodurch die Preife derfelben bedeutend in die Höhe gingen. Eine volle Ernte von Valonea wird für Kleinafien auf 34.000 Tons, die vom Archipel auf ungefähr 10 Percent diefes Quantums gefchätzt, wovon wohl 120.000 bis 200.000 Centner in Oefterreich confumirt werden. In Trieft pflegt jetzt ein Stock von 50.000 bis 90.000 Centnern vorräthig zu fein. Ein eigenthümlicher Umfchwung vollzieht fich in der öfterreichifchen Sohlleder- Gerberei feit einigen Jahren. Während in Deutſchland die grofsen Sohlleder- Fabrikanten an dem Syftem der Sohlleder- Gerberei, dem Abhaaren durch Schwitzen fefthalten, ja die Halbfohlleder- Gerberei, wo die Häute mit Zuhilfenahme von Kalk enthaart werden, als etwas ihnen nicht Ebenbürtiges anfehen, gehen die öfterreichifchen Gerber immer mehr von der Pfundleder- Erzeugung, dem Schwitzfyftem, ab und wenden fich der Terzenleder- Fabrication, alfo dem Kälken, zu. Es mag diefes daher kommen, dafs man nach und nach die Ueberzeugung gewann, dafs ein gar zu fprödes Leder nicht dem Zwecke entspricht und ein etwas elaftifcheres vorzuziehen ift. Anderfeits wird die Erzeugung dadurch etwas befchleunigt, dafs Terzenleder keine fo lange Fabricationsdauer wie Pfundleder benöthigt, ein Umftand, der bei dem hohen Zinsfufse in Oefterreich nicht zu unterfchätzen ift. Einen mächtigen Einfluss hierauf hat der Uebergang der Erzeugung von Militärfchuhen aus der eigenen Regie des Staates in das Monopol der Heeresausrüftungs- Gefellſchaft von Skene& Conforten gehabt. Da es, fo lange das Aerar Militärfchuhe erzeugen liefs, nicht geftattet war, hiezu anderes als gefchwitztes Pfundleder zu verwenden, konnten die Gerber immer auf ficheren Abfatz rechnen. Nachdem aber der Heeresausrüftungs- Gefellfchaft erlaubt wurde, aufser anderen Sohlleder- Sorten auch Knoppernterzen zu verwenden, fiel der fefte Abfatz weg, daher auch für die Erzeuger der Grund, fich einer länger dauernden und fchwierigeren Manipulation zu unterziehen. Das Refultat des Gewichtsergebniffes bei Terzen dürfte zwifchen 50 bis 52 Pfund für je 100 Pfund frifche Haut, je nach der Schlachtung der rohen Häute fchwanken. Aufserordentliche Gewichtsergebniffe, wie felbe manche Ausfteller auswiefen, dürften eben Ergebniffe aufsergewöhnlich guter Schlachtung und aufsergewöhnlichen Aufwandes von vorzüglichem Gerbeftoffe gewefen fein, find aber kaum als Norm anzunehmen. Bei Pfundleder pflegt das Gewichtsergebnifs einige Percente höher als bei Terzen zu fein. Im Allgemeinen hat die Fabrication von Sohlleder in Oefterreich feit 1867 bedeutend zugenommen. Nicht allein dafs die beftehenden Fabriken faft fämmtlich ihren Betrieb erweiterten, fo entstanden in Brünn eine und in Wien zwei neue gröfsere Fabriken. Hier ift befonders Max Grünfeld in Brünn hervorzuheben, Leder. 5 eine Firma, die in der kurzen Zeit ihres Beftandes durch die Vorzüglichkeit ihrer Erzeugniffe fich einen ehrenvollen Ruf verfchaffte, dann Albert Katfcher in Wien mit ebenfalls beliebtem Fabricat. Es werden jetzt in Wien wöchentlich circa 2500 bis 2800 Häute, in Brünn 1900 bis 2100 zumeift inländifcher Schlachtung zu Sohlleder verarbeitet. Von den älteren Fabrikanten ift Jofef Kainz in erfter Reihe zu erwähnen, deffen Fabricat eine Specialität für die Wiener Schuhmacher bildet, welches felbe nicht leicht entbehren können. Aehnliches leiften Jofef Salzer und Franz Setzer. Es kann mit Befriedigung conftatirt werden, dafs die öfterreichifche Sohlleder- Fabrication feit 1867 erhebliche Fortfchritte fowohl in Hinficht auf Qualität des Fabricates als in jener der Zurichtung gemacht, was auch allgemein von auswärtigen Fachmännern lobend anerkannt wurde. Die Wiener und Brünner Fabriken, fowie die von Carl Lebwohl in Nikolsburg, der Pfundleder von allgemein anerkannter Güte ausftellte, zeichnen fich nach beiden Richtungen vortheilhaft aus, wenn auch nicht unerwähnt bleiben mag, dafs der künftliche Anftrich, durch welchen manche Ausfteller ihr Fabricat zu verfchönern glaubten, vielleicht den Laien, aber nie den Fachmann täufchen kann. Es ift hier noch ein Artikel zu erwähnen, der mehrfach und in guter Qualität ausgeftellt war. Es ift diefs das Ufo- Schweizer Sohlleder genannte, geklopfte Pfundleder. Schreiber diefes veranlafste in den fünfziger Jahren die erften Verfuche mit dem Klopfen des Pfundleders, um dasfelbe durch beffere Appretur im Handel einzuführen, da fich das confumirende Publicum in Böhmen mit Vorliebe dem gehämmerten ausländifchen Sohlleder zuwandte. Als derfelbe im Jahre 1860, der Erfte in Oefterreich, einen Berendorf'fchen Klopfhammer aufftellte, wurde diefe Art der Zurichtung fo beliebt, dafs die meiften Fabrikanten dergleichen Mafchinen kommen liefsen und fich zugleich bemühten, ihr Fabricat fchon in der Gerberei geeignet dazu zu machen. Unter den beften Erzeugern diefer Sorte find aufser Sigmund Flefch & Comp. noch Jacob Gerlach Söhne in Wien, Adolf Flefch und E. Bloch Söhne in Brünn zu nennen. Ein weit completeres Bild der öfterreichifchen Sohlleder- Fabrication hätte die Ausstellung gegeben, wenn nicht die oberöfterreichifchen Lederer, wie dort die Sohlleder- Gerber heifsen, fich faft zur Gänze fern gehalten hätten; auch die fteierifchen hatten fich wenig betheiligt. Die Collectivausftellung der Kärntner Gerber, unter welchen Eduard Janefch zu nennen, erwähnend, kommen wir zu den Triefter und Görzer Fabriken, die fich in Gerbung und Zurichtung der italienifchen Fabricationsweife anfchliefsen. Bei Cæfare Tofi in Görz, Fratelli Aquaroli in Sagrado, Domenico Defeppi in Trieft fanden wir diefen Typus genau wiedergegeben. Die ungarifche Sohlleder- Fabrication war auf der Ausftellung ebenfalls fehr wenig vertreten, und wäre hier die Pefter und Agramer Actienfabrik und Francesco Palefe& Comp. in Fiume hervorzuheben. Indem wir hier den Bericht über die Oefterreich eigenthümliche Gerbeweife fchliefsen, müffen wir noch die grofse Fabrik von Franz Schmidt in Krems erwähnen, deren Fabricationsweife den Uebergang von der Knoppern- zu der Eichen- Lohgerberei bildet und Adolf Schmidt in Boffan, als den einzigen, der aus Ungarn in Eichenlohe gegerbtes Sohlleder ausftellte. Wir kommen nun zur Ausstellung der Vorarlberger Gerber, die fich dadurch auszeichnen, dafs fie fich ganz ihren geographifchen Nachbarn in Gerbung und Appretur nähern. Jedenfalls müffen wir ihnen das Verdienft vindiciren, die Erften gewefen zu fein, die in Oefterreich Sohlleder in Eichenlohe gerbten. Der bedeutendfte darunter ift Ferdinand Kurrer in Bregenz, der auch Sohlleder und Vacheleder von guter Gerbung ausftellte. 6 S. Goldfchmidt. Aus Böhmen waren nur mit Fichtenlohe gegerbte, fogenannte Lohterzen ausgeftellt, wie felbe in diefem Kronlande für leichtere Arbeiten verlangt werden. Es wird hier weniger auf befondere Appretur, als auf Feftigkeit der Häute gefehen, wefshalb auch hier die Zurichtung nicht jene Vollkommenheit erreicht, welche wir zum Beiſpiel bei den Vacheledern von Jofef Pöfchl Söhne in Rohrbach, deren Zurichtung in allen Sorten wirklich vorzüglich ift, lobend bemerkten. Wir müffen hier Jofef Hönig in Auffig erwähnen, der in Böhmen die Terzengerberei aus Wildhäuten mit grofsem Erfolge einführte. Heute wird ein grofser Theil, ja vielleicht der gröfste Theil der nach Hamburg eingeführten, grüngefalzenen Rio de Janeiro- Häute in Böhmen zu Terzen verarbeitet. Von Kratzenleder- Fabrikanten hatte nur Johann Franz Klinger in Reichenberg ausgeftellt, aber diefe Sorte Gerberei in hervorragenderWeife vertreten. Was nun Gefchirrleder betrifft, fo haben Pöfchl in Rohrbach, Schmidt in Krems und Jofef Seykora Söhne in Adlerkofteletz Bemerkenswerthes ausgeftellt. Die fertigen Riemen waren durch mehrere Fabriken faft durchgehends in guter Herrichtung vertreten, fo dafs auch hier ein Fortfchritt feit 1867 conftatirt werden kann. Wenn wir die Ausftellung jener Länder verfolgen, die zumeift Knoppern und Valonea als Gerbeftoff verwenden, fo finden wir Italien am ftärksten vertreten. Wie fchon Eingangs bemerkt, unzweckmäfsig ausgeftellt, war es fchwer das Einzelne zu finden. Severino Sachetti in Bologna, Zamboni in Verona ftellten hübfches Sohlleder, Marcello Cafarini in Genua fchönes, etwas dunkelfarbiges Vacheleder, Pietro Delluca in Turin Vaches und fchwarze Zeugleder von hübfcher Gerbung und Appretur aus. Hervorzuheben find auch Fratelli Durio in Turin, deren dem Schweizer Sohlleder ähnliches Fabricat in Oefterreich bereits beliebt geworden ift. - Eine befondere Erwähnung verdient die Ausftellung von Nicola Baluffi & Sohn in Chiaravalle, Provinz Ancona. Diefelben ftellten unter Anderem eine fehr hübfch zugerichtete, leichte Sohlenhaut aus, von fatter Gerbung, welche fich im Ausfehen durchaus nicht von befferen Fabricaten Italiens unterfchied und brachten ein Atteft ihrer Commune bei, worin amtlich beftätigt wird, dafs diefe Haut in 25 Tagen gegerbt wurde. Es fehlten aber alle Andeutungen, ob die anderen ausgeftellten Häute diefer Firma ebenfalls nach diefem Verfahren zubereitet oder nach gewöhnlicher Art gegerbt waren, da das äufsere Anfehen ein gleiches war. Es fehlten übrigens auch alle Angaben über die Koften des Verfahrens und ebenfo über das Gewichtsergebnifs. Es wäre diefs um fo wünſchenswerther gewefen, da ohne über diefe Punkte unterrichtet zu fein, der Werth diefer Neuerung nicht zu beurtheilen ift. In der griechifchen Ausftellung fanden wir blofs das Erzeugnifs von Emanuel Saluftro in Syra, ähnlich dem Bolognefer, aber weicher; in der türkifchen Vacheleder von Perikles Vouros in Conftantinopel, dem franzöfifchen nachgemachte und einige andere Sorten, die nur für den fpeciellen Gebrauch des Landes gefertigt, fich der Beurtheilung entziehen. In der egyptifchen Abtheilung befand fich ein Röllchen fchwarzes und braunes Gefchirrleder nach franzöfifcher Art zugerichtet ohne Bezeichnung des Ausftellers. Wir kommen nun zu der zweiten Gruppe der Sohlleder- Fabrication, in der Eichenlohe faft ausfchliefslich den Gerbeftoff bildet und beginnen mit der Ausftellung des deutfchen Reiches. Die Ausftellung der deutfchen Sohlleder- Fabrikanten bot ein ziemlich vollſtändiges Bild der ganzen Fabricationsweife vom Beften bis zum Schlechteften und lag darin der befondere Vortheil, Jeden, der ausftellen wollte, zugelaffen zu haben. Leder. 7 Wie es zu erwarten war, hat Trier die bedeutendfte Collection geliefert und feinen alten Ruf bewährt. Feft und voll, ohne alle künftliche Appretur hingen dort die Sohlleder- Hälften in decorativer Weife ausgeftellt und zeigten ihre wahre Güte in den einzelnen darunter liegenden Ausfchnitten. Wird von einem guten Leder fatte Gerbung verlangt, fo haben diefe Leder eine folche. Die Textur ift gleichmässig und zeichneten fich einige Sohlenfchnitte dadurch aus, dafs oft dunkle Streifen den Schnitt durchfetzten. Es ift diefs die Folge des in den erften Farben zugefetzten Eifens. Diefer Schnitt, befremdend für den Nichtkenner, wird in Deutfchland gerne gefehen und bedingt ein feftes, gefchloffenes Sohlleder. Es ift diefs Zufetzen von Eifen keine Neuerung in der Sohlleder- Fabrication, fondern wir finden diefs fchon in den älteren Werken über Gerberei erwähnt. Es ift hier unter den Guten fchwer, den Namen des Beften zu nennen. Dem Ausgeftellten nach der Erfte wäre hier F. A. Ladner zu nennen, dem fich ebenbürtig die Anderen anfchloffen. A. Pies, J. W. Schmelzer, Thomas Varain& Sohn, Müller Vanvolxen, J. Dillinger, P. Vanvolxen, J. Klauck, S. Haas, R. Müller, J. P. Oberconz, H. Simon, Jofef Simon, M. Beres; es find lauter Namen von bekannt gutem Klange, die fich hier zufammenfanden. Befonders hervorzuheben ift auch Nels in Prüm. Haben die Gerber an der Mofel Vorzügliches geliefert, fo find jene am Rheine nicht hinter ihnen zurückgeblieben. Nennen wir zuerft P. J. Harff in Köln, F. H. Kaumann in Ehrenbreitenftein, H. Schmidt- Dumont in Wefeling. Ihnen fchliefsen fich die anderen mit geringen Ausnahmen an. Die fchlefifchen Gerber haben fämmtlich gutes Fabricat ausgeftellt; eben fo gut ift die Ausftellung der Gerber von Buxtehude( Hannover) mit der altrenommirten Fabrik von Wachenfeld an der Spitze. Fortfchritte in der Fabricationsmethode find bei den deutfchen SohllederGerbern nicht zu verzeichnen, fie halten alle an ihrem altbewährten Principe feft. Fortfchritte in der Appretur finden wir bei Nels in Prüm, Harff in Köln. Denen zur Seite ftehen Friedrich Bartfch Söhne in Striegau und Andere mit gewalztem Leder. Von füddeutſchen Gerbern find zu erwähnen Elias Kohn in Nürnberg und Chriftian Prechtel& Comp. in Forchheim mit geklopftem Sohlleder in heimifchen Häuten. Von Elfäffer Fabrikanten ftellten blofs F. G. Herrenfchmidt Söhne in Strafsburg nach franzöfifcher Art gegärbtes und gehämmertes Leder aus. Die Vacheleder- Gerberei Deutfchlands hat ebenfalls eine hohe Stufe der Vollkommenheit erreicht, fowohl was die Gerberei, als was die Appretur betrifft und wird die letztere in den grofsen Fabriken immer mehr mit Zuhilfenahme von Mafehinen, befonders Walzvorrichtungen betrieben. Von vorzüglichem Vacheleder fanden wir zuerft das Fabricat von F. G. Herrenfchmidt Söhne in Strafsburg, die Vache- Liffée nach Parifer Art zugerichtet brachten, ferner von Louis Zix in St. Johann, R. A. Korn in Saarbrücken, Gebrüder Fahr in Pirmafenz und F. J. Burghardt in Gemünden. In Riemenleder haben die deutfchen Gerber ebenfalls viel Gutes ausgeftellt. Wir erwähnen unter Anderen H. K. Dienftbach in Unter- Liederbach und A. Kahen, Leidesdorf in Mühlheim am Rhein. Der Letztere mit verfchiedenen Arten gefchmierter Leder für Mafchinenfabriken. Etwas Neues haben J. H. Bleuenheuft's Nachfolger in Aachen in Pumpenleder ausgeftellt: diefelben präpariren die ganzen Häute in einer eigenen Art und machen diefelben dadurch dichter und widerftandsfähiger. Von fertigen Mafchinenriemen war in der XIII. Gruppe auch Manches ausgeftellt, was von dem Auffchwunge diefes Fabricationszweiges zeigte. Hier find unter Anderen hervorzuheben: Carl Beringer in Stuttgart, J. J. Schleyer in Reutlingen, Gebrüder Kraft in Fahrnau und Gebrüder Hornre in Leipzig, 8 S. Goldfchmidt. welche geleimte Lederriemen ausftellten, nebft einer Mafchine, die die grofse Spannung zeigte, welche diefe Riemen aushalten können. Helles Gefchirrleder, fowie fchwarzes hatten Schleyer in Reutlingen und Jacoby in Weifsenfels; auch in der Collectivausftellung der Fabrikanten in Mühlheim an der Ruhr fanden fich fchöne Erzeugniffe diefer Art. Ein bemerkenswerther Zufall ift es, dafs faft der ganze Fabricationszweig der deutfchen Brandfohlleder- Gerberei auf der Ausstellung nicht vertreten war. Die grofsen Berliner Gerbereien find hauptfächlich auf diefen Artikel eingerichtet und werden dort aufser inländifchen Häuten auch Wildhäute. zumeift Ceara, verarbeitet. Die zur Fabrication nöthige Eichenlohe wird gröfstentheils aus Böhmen bezogen, von wo jährlich 80.000 bis 100.000 Centner nach Berlin gehen. Auch in anderen Städten Nord- Deutfchlands wird diefer Artikel ftark gearbeitet, befonders aber in Hannover und Braunfchweig. Das Berliner Brandfohl- Leder ift jedoch das beliebtefte und erreicht ftets die höchften Preife. Wir kommen nach Frankreich, wo wir ebenfo, wie im deutfchen Reiche, die beften Namen vertreten finden: N. Galien& Comp. in Longjumeau, Durand frères in Paris, A. Peltereau in Chateau. Renauld und Andere haben Vorzügliches ausgeftellt, fowohl in Sohlleder als Vache und den hohen Rang der franzöfifchen Gerberei und Appretur auf das befte bewährt. - Alegatière fils in Lion- Vaife ftellte Sohlleder mit gerafpeltem Kaftanienholz gegerbt aus, welche Gerbemethode fchon auf der Parifer Ausftellung 1867 Aufmerkfamkeit erregte. So fchön auch die erzielten Producte waren- Refultate in Bezug auf Preis und Gewicht find uns unbekannt fo kann die Idee, den Gerbegehalt des Holzes anftatt den der Rinde zu benützen, doch nicht als Neues gelten. In den Memoires de l'academie des fciences vom Jahre 1738 finden wir einen Auffatz des berühmten Naturforfchers Buffon, worin derfelbe über von ihm veranlafste Verfuche, mit Eichenholz anftatt mit Rinde zu gerben berichtet. Mit welcher Aufmerkfamkeit und Sorgfalt diefe Verfuche damals gemacht wurden, mag daraus hervorgehen, dafs Buffon erwähnt, dafs der Splint, alfo das Werthlofere am Holze mehr Gerbeftoff enthält als der Kern. Ganz vermifsten wir in der franzöfifchen Ausftellung die Gerberei mit Garrouille, die im Süden Frankreichs die eigenthümliche Stellung hat, die die Fichten- Lohgerberei in Böhmen einnimmt, nämlich nur für den Localbedarf eingerichtet zu fein. Garouille ift die Rinde der Wurzeln der Zwergeiche( Quercus coccifera L.) wird als Gerbeftoff nur für Vacheleder verwendet und gibt ein feftes, dunkelbraunes Leder. Die ausgeftellten Riemenleder, fowie die Sattler- und Gefchirrleder waren. ebenfalls von befonderer Schönheit. Befonders grofsartig hatten Scellos Domange aus Paris Riemen und Riemenleder ganz abgefondert in der Maſchinenhalle aufgeftellt. Im Allgemeinen in Gerbung und Zurichtung bemerkenswerth war befonders ein Riemen für grofse Transmiffion zu beachten, der aus lauter fchmalen Streifen beftand, die der Breite nach fo zufammengefügt waren, dafs der Schnitt der einzelnen Streifen die Breite des Riemens ergab. Es laffen fich fo Riemen von beliebiger Breite und Stärke zufammenfetzen, die eine grofse Haltbarkeit haben mögen und doch in ihren einzelnen Theilen aus fchwachem Leder, eventuell Abfällen beftehen. Wenn wir auf das Nächftliegende und auch Nächftbedeutende übergehen, fo finden wir Belgien mit feiner hervorragenden Lederinduftrie, die in zweckmäfsigfter Weife ausgeftellt war. Die Bedeutung Belgiens in feinem Leder- und Häutehandel und den befonderen Reichthum des Landes an vorzüglichen Gerbeftoffen mögen folgende Daten kennzeichnen, die wir der deutfchen Gerberzeitung entlehnen. Es wurden importirt in den Jahren Leder. 9 1868 1869 1870 von England 1,482.540 2,217.827 2,053.028 La Plata 2: 12,993.534 13,192.987 13,073.336 Frankreich د, 1,800.596 1,538.448 5,811.987 17 Uruguay 6,202.205 4.788.247 5,115.948 Kilogramm roher Häute. Dabei wurden jährlich noch importirt circa von Frankreich England vom Zollverein Kilogramm fertiger Leder. Dagegen wurden Eichenrinde exportirt: 350.000 48.000 88.000 nach England Frankreich dem Zollverein Kilogramm. 1871 9,071.568 2,271.081 1,643.978 3,419.626 3,322.744 1869 1870 8,661,981 9,044.975 2,465.242 3,405.965 Den gröfsten Antheil an der Sohlleder- Fabrication Belgiens dürfte Stavelot, Provinz Lüttich, haben. Wir fanden jedoch diefen grofsen Fabricationsort für Sohlleder nur durch einen, aber vorzüglichen Ausfteller, Antoine Maffenge, vertreten, fo wie überhaupt die Betheiligung an der Ausftellung von Seite der belgifchen Gerber keine fehr lebhafte war, doch konnte das Ausgeftellte dem Beften anderer Länder an die Seite geftellt werden. Wir erwähnen hier noch befonders V. Chere quefosse in Turnai mit Vacheleder, Jos. Devex in Herve mit deffen bekanntem Kratzenleder und E. Colson in Huy mit Maſchinen- Riemenleder und fertigen Maſchinenriemen. Die Ausstellung der fchweizer Gerber blieb hinter jener von 1867 weit zurück. Während damals die fchweizer Sohlleder- Fabrication in befonders hervorragender Weife vertreten war, hatte hier einer der erften und gröfsten Fabrikanten, J. Wunderly in Meilen, feine Anmeldung zurückgezogen, auch die Gerber der franzöfifchen Schweiz waren ganz fern geblieben. Es ift diefs um fo mehr zu verwundern, als der Hauptexport der fchweizer Sohlleder nach Oefterreich, fpeciell nach Böhmen, gerichtet ift. Aus Schweden waren blofs von drei Gärbern Wild- Sohlleder ausgeftellt, welches fich in der Gerbung dem deutfchen nähert und auch recht hübfch appretirt war. Norwegens drei Ausfteller hatten Aehnliches geliefert, auch Dänemark, wo der Gruppe VI wenigftens ein anftändiger Raum an einer freien Wand gegönnt war, hatte nicht viel mehr Repräfentanten feiner Sohlleder- Gerberei, doch find diefelben ihren nordifchen Nachbarn mindeftens gleichzuftellen; befonders erwähnenswerth ift hier M. J. Ballin in Kopenhagen. Etwas Neues ftellte die Kopenhagener Lederfabrik in einem kleinen Käftchen faft verfchämt aus, nämlich einen Verfuch, aus zu Pulver verkleinerten Lederabfällen künftliches Leder zu erzeugen. So viel das Aeufsere zeigte, war es eine Mifchung von Kautfchuk mit Lederftaub. Ueber die Haltbarkeit könnte nur ein Tragverfuch entfcheiden, jedoch fchien auch der Preis der ausgeftellten Sohlen zu hoch, um der Sache eine grofse Verbreitung in Ausficht zu ftellen. Rufsland war mit feiner Sohlleder- Fabrication faft gar nicht vertreten. Was die erblichen Ehrenbürger und Lieferanten des Kriegsminifteriums, Gebrüder Malkiel in Welionach, als Sohlleder für Militärzwecke ausgeftellt hatten, wird wahrfcheinlich vorfchriftsmäfsig gearbeitet fein, entzieht fich aber vielleicht eben dadurch 10 S. Goldfchmidt. der Beurtheilung nach hierländifchen Begriffen von gutem Sohlleder. Hübfches Vacheleder war von Stanislaus Pfeiffer in Warfchau ausgeftellt. Wir kommen nun zur dritten Gruppe der Extractgerberei, haben aber bei der geringen Zahl der englifchen Lederausfteller nur zwei Firmen, die Sohlleder überhaupt und nur eine, P. und E. Evans in Briftol, die Sohlleder als Specialität ausftellten, keinen Anlafs zu vergleichen. Das von oben Genannten ausgeftellte Sohlleder war in Durchgerbung und Appretur vorzüglich. Als ein befonderes Kunftftück im Fache der Gerberei mufste die ausgeftellte Hippopotamus-( Nilpferd-) Haut angefehen werden, die in der felbft diefer Art Häute feltenen Stärke von faft drei Zoll an allen Stellen vollſtändig durchgegerbt war. Es ift die Theilnahmslofigkeit der englifchen Lederinduftrie um fo befremdender, als doch der Handelsverkehr Englands mit Oefterreich auch in Leder ein enormer und jedes Jahr fteigender ift. Was die Lederfabrication und ihre Ausdehnung in England betrifft, fo können wir zu einem annähernden Begriffe der Gröfse des gefchäftlichen Verkehrs kommen, wenn wir hören, dafs auf dem Londoner Markt der Verkehr in überfeeifchen rohen Häuten allein folgende Ziffern erreichte: 1871: 226.402 Ochfen- und Kuhhäute, 8103 füdamerikanifche Pferdehäute, 6,054,863 Kyps- und Büffelhäute; 1872: 390.936 Ochfen- und Kuhhäute, 6231 füdamerikanifche Pferdehäute und 7,001.989 Kyps- und Büffelhäute. Um eine deutlichere Idee der ungeheuren Bedeutung des Londoner Marktes für den Verkehr in überfeeifchen rohen Häuten zu geben, fügen wir eine ftatiftifche Vergleichungstabelle I des Londoner Häutemarktes bei, welche die Bewegung auf demfelben in den letzten fieben Jahren ziffermäfsig nachweift und welche wir dem Jahresberichte der Herren F. Schmitz& Comp. in London entnehmen. Von den englifchen Colonien waren Leder ausgeftellt, welche fchon des- halb Beachtung verdienen, da folche nicht ohne grofsen Einfluss auf die ganze europäiſche Lederfabrication bleiben werden. Wenn wir aus ftatiftifchen Berichten, die uns vorliegen, erfehen, dafs die Garleder- Einfuhr Englands im Jahre 1861: 5,219.000 Pfund betrug, dagegen bereits im Jahre 1871 auf 17,589.699 Pfund im Werthe von 1,094.643 Pfund Sterling und im Jahre 1872 weiter auf 27,929.014 Pfund im Werthe von 1,795.883 Pfund Sterling ftieg, welches in dem letzten Jahre eine Zunahme von 10,339.315 Pfund im Werthe von 701.240 Pfund Sterling ergab; dafs ferner daran auftralifches Sohlleder im Jahre 1871 mit 9015 Ballen, 1872 dagegen fchon mit 13.823 Ballen, was an 500.000 halbe Häute ausmacht, participirt, wenn wir ferner hören, dafs im Jahre 1871: 248.963 Stück, im Jahre 1872 dagegen 517.000 Stück gegerbte Kypfe zumeift von Bombay eingeführt wurden, dafs weiter in den acht öffentlichen Auctionen, die in London im Jahre 1872 abgehalten wurden, 7,828.909 Stück in Oftindien gegerbte Schafund Ziegenleder verkauft wurden, aufser den gewöhnlichen jeder. Auction folgenden Privatverkäufen, fo gewinnen diefe, zumeift nur als Decorationen an den Seitenpfeilern verwendet gewefenen Leder ein grofses Intereffe und laffen fehr bedauern, dafs eine eingehende Prüfung auch fchon deshalb ohne Erfolg gewefen wäre, da Provenienz und Erzeugungsort unbekannt geblieben. Durchwegs fcheint aber darauf die englifche Gerbe- und Zurichtungsweife einen mächtigen Einflufs gehabt zu haben. Was Amerika betrifft, fo waren die Vereinigten Staaten von mehreren Fabrikanten vertreten, welche zumeift in Eichenlohe nach amerikaniſcher Art gegerbtes Sohlleder ausgeftellt hatten, worunter das von Thomas Schorr in New Orleans befonders gut gegerbt war. Auch Hemlock, deffen Ausfuhr nach Europa jedes Jahr fteigt und wovon befonders im Jahre 1872 in Nord- Deutſchland. viel umgefetzt wurde, war vertreten. Leder. 11 Welche bedeutende Rolle das Hemlock leder im vergangenen Jahre ſpielte, kann man daraus erkennen, dafs gegen Ende des Jahres 1871 in Liverpool ein Stock von 300.000 Hälften beftand, zu dem im Laufe des Jahres 1872 noch circa 600.000 Hälften importirt wurden und trotzdem waren Ende 1872 die Lager in Liverpool zur Gänze geräumt, alfo im Jahre 1872 an 900.000 Hälften verkauft, Indem wir hier unferen Bericht über die Sohl- und Vacheleder- Gärberei, oweit felbe auf der Wiener Weltausftellung vertreten war, fchliefsen, können wir nur unfer Bedauern darüber ausfprechen, dafs wir gar kein ftatiftifches Material haben, die Zahl der Häute, die Europa diefer Induſtrie liefert, auch nur annäherungsweife anzudeuten. Wir fügen hier deshalb eine Tabelle II über den Verkehr in rohen. überfeeifchen Häuten, die in den Haupthäfen Nordeuropas 1872 eingeführt worden find, bei. Wenn wir bedenken, welche coloffale Maffe von Hornvieh nur in den Städten Europas gefchlachtet werden, wo zumeift fchwerere Häute fallen, die zu Oberleder nicht geeignet find, welche alfo alle diefem Zwecke zugeführt werden, fo kommt eine fo riefige Ziffer heraus, dafs die Bedeutung der Sohlleder- Fabrication in nationalökonomifcher Beziehung erft ins rechte Licht tritt 12 S. Goldfchmidt. Statiſtiſche Vergleichungstabelle I des Londoner Häutemarktes. La Plata Rio Grande Brafilifche Import Auftralifche Cap Diverfe Südamerikanifche Oftindifche Totale trocken gefalzen trocken gefalzen trock. gefalz. gefalzen Jahr 1866 3.988 1867 2.700 1868 110.796 1.829 83.145 47.772 230 1869 60.721 2.597 50.707 1.284 1870 2.738 38.992 6.046 1871 1.049 34.739 4.018 24.339 28.877 86.457 20.823 2.835 656 1872 3.198 85.126 7.626 28.013 gefalzen trock.gefalz. 297.265 35.908 5271 503.059 35.510 4.256 195.025 36.339 20.950 377.925 2.100 128.697 39.236 18.626 276.316 94.286 61.191 6.233 242.578 60.017 71.849 12.886 281.820 59.305 84.300 II.145 216.035 65.705 89.116 123.029 401.813 Pferdehäute Kips u.Büffel 24.269 2,755.472 15.663 3,275.603 12.020 55.927 3,296.817 12.810 3,854.320 5,326.218 9.327 S, 782.103 6.504 7,142.176 Stock am 31. December 1866 14.926 17.682 37.097 2.381 295 72.381 5.824 443.621 1867 1868 IOO 1.037 15.178 2.046 152 18.513 70 185.997 24.405 1.155 6.521 8.892 1.396 5.309 47.678 3.095 358.750 1869 - 3.528 - II.410 4.802 451 1870 989 1.000 2.060 597 10.233 2.773 5.988 20.191 23.640 I.200 327.326 - 624.684 1871 400 5.499 4.395 2.792 187 1872 I.175 8.951 10.704 3.320 13.273 24.150 1.224 351.924 1.507 492.III Ver- 1871 1.638 käufe u. Tranfit 1872 3.598 30.240 6.078 89.450 7.626 28.013 21.420 656 65.143 61.149 84.281 81.204 16.946 226.402 119.896 390.936 8.103 6,054.863 6.221 7,001.989 TABELLE II des Verkehres überfeeifcher Häute exclufive Kypshäute und an den Haupt- Häutemärkten Nordeuropas im Jahre 1872. Leder. ab der verbliebene Beftand am 31. Dec. daher im Jahre 1872 verkauft Totale des Einganges 1872 Stück 3,888.913. 66 104.300. Stück 3,784.583. La Plata Rio Grande Import 1872 trocken gefalzen trocken gefalzen Diverfe Nebenforten, exclufive Kips Total Stock am 31. Dec. 1871 verblieben Einfuhr 1872 in London 42.112 3.198 99 " Liverpool 24.233 238.951 85.126 313.264 Briftol u.Nebenhäfen وو 16 وو 150.696 1.048 9.743 7.626 28.013 650 46.727 130.299 41.288 123.029 236.055 333.133 246.992 620.929 280.995 Havre. 99 وو 174.930 199.395 m. trock. LaPlata 68.805 281.688 " " Antwerpen 238.130 3 99 " 27 Hamburg. 5.000 714.213 106.000 13.010 31.000 25.076 175.000 13.617 361.000 724.818 1,004.046 678.000 Totale des Imports 1872. Stock am 31. Dec. 1872 verblieben 487.603 1,807.645 53.334 483.654 1,056.677 3,888.913 in London I.175 3.320 4.495 وو Liverpool 2.672 500 9.469 12.641 Briftol und Nebenhäfen 99 500 500 - 1.000 Havre وو 14.235 II.200 m. trock. LaPlata 4.647 30.082 " Antwerpen 7.016 37.870 346 306 3.074 48.612 وو Hamburg 7.500 7.500 Totale der Stockes 23.923 51.245 346 806 28.010 104.330 13 RAUHUND KURSCHNERWAAREN. ( Gruppe VI, Section 3.) Bericht von J. MAX HIRSCH, öffentlicher Gefellfchafter der Firma Hirfch und Eidam in Wien. Die Wichtigkeit und weittragende Bedeutung der Pelzfelle als Handels artikel und deren vielfeitige Verwendung zu Zwecken der Kürfchnerei trat anlässlich der Wiener Weltausftellung mehr als je hervor. Deutlich fprach hiefür der leicht erfichtliche Umftand, dafs beinahe alle europäifchen und überfeeifchen Staaten Pelzwerk ausgeftellt haben. In der Abtheilung des mit Pelzthieren reich gefegneten Rufsland fowohl, als in der des füdlichen Italien, in Amerika und in Japan, in den Colonien Englands und Frankreichs, überall fahen wir Pelzwerk, theils als Landesproduct in rohem Zuftande, wenn auch weniger vertreten, theils als fertige Kürfchnerwaare, diefe jedoch in grofser Menge und Mannigfaltigkeit. Pelzfelle find eben ein Urproduct der ganzen bekannten Erde, feit undenklichen Zeiten zum Nutzen und zur Zierde der Menfchen verwendet, als natürlicher Schutz gegen Kälte, wie zur Verherrlichung fürftlicher Pracht, zum Schmuck des Kriegers, wie auch als fchönfter Ausputz fertiger Wintertoiletten. Das Emporblühen des Handels mit Pelzwerk und den wachfenden Verbrauch desfelben in Oefterreich und fpeciell in Wien finden wir erfchöpfend dar geftellt in der fachmännifchen Abhandlung des Herrn Georg Katzmayer:„ Pelzwaaren- Erzeugung und Rauhwaaren- Handel", enthalten in dem vom Herrn Profeffor Dr. W. F. Exner redigirten Werke:„ Beiträge zur Gefchichte der Gewerbe und Erfindungen Oefterreichs". Um nun zu fehen, inwieweit die Wiener Weltausftellung ein Bild wiedergab von der Production der Pelzfelle und von deren Verbreitung über die Erdfläche, von dem internationalen Handel mit demfelben und dann von der Verfchiedenartigkeit der Verwendung und von der Art der Verarbeitung derfelben, fo wollen wir uns mit diefen Fragen des Weiteren befchäftigen. umfomehr als der fonft fo ausgezeichnete öfterreichifche Bericht über die Weltausftellung 1867 das ganze Gebiet nicht beachtet hat. Hier fei es auch gleich gefagt, dafs wir einer eigentlich orientirenden Darftellung des Handels mit Pelzfellen auf der Ausftellung nicht begegneten, obzwar diefer ein fehr namhafter, ja die ganze Erde umfaffender ift, da doch jeder Erdtheil Pelzthiere und beinahe jedes Land wieder Specialitäten producirt, welche bis zu ihrer fchliefslichen Verwendung durch den Kürfchner diefem fehr oft und in grofsen Mengen von den entfernteften Weltgegenden zugemittelt werden, was gewifs eine grofse Handelsbewegung involvirt. J. Max Hirfch. Rauh- und Kürfchnerwaaren. 15 Die Veranfchaulichung diefes Welthandels durch eine überfichtlich geordnete, ftatiſtiſch erläuterte Zufammenftellung der verfchiedenen Pelzthier- Gattungen war umfo gewiffer zu erwarten, afs viele grofse deutfche( Leipziger) und auch manche Wiener Häufer ftets mit allen exiftirenden Pelzfellen fortirt find; dennoch vermifsten wir mit Bedauern eine derartige lehrreiche, grofse Ausstellung, die gewifs alle Fachleute freudig begrüfst hätten und welche auch dem Laien von Intereffe gewefen wäre, denn er hätte bei Namhaftmachung des Urfprunges der Felle fich die Mühen und Gefahren vergegenwärtigen können, mit denen die Jagd der Millionen von Pelzthieren verbunden ift, und er hätte der Kürfchnerinduftrie gewifs erhöhte Aufmerkfamkeit zugewendet für die oft erftaunliche Umwandlung des meift unanfehnlichen rohen Felles zum fchönften fertigen Pelzftück. Wohl fanden wir, wenn auch zerftreut, in der Ausftellung viele der zur Verarbeitung gelangenden Pelzfelle und werden auf diefe wie auch auf die vielen fchönen Kürfchnerwaaren zurückkommen, wir halten es aber auch in dem Rahmen diefes Auffatzes paffend, zu bemerken, woher und in welcher Menge die verfchiedenen Pelzfelle kommen und wohin fie hauptfächlich ihre Richtung nehmen, wobei wir bezüglich der amerikanifchen Waaren die an deren Verkaufsftellen, d. i. bei den Londoner Auctionen amtlich notirten Verzeichniffe zur Grundlage nehmen und ferner uns auf die Autorfchaft des beftens verfirten und hiefür mafsgebendften Rauhwaaren- Händlers Herrn Heinrich Lomer in Leipzig ftützen, dem wir auch viele intereffante Daten und Rückblicke auf den Handel mit Pelzwaaren und deren Verbrauch in den vergangenen Jahrhunderten verdanken. Diefe erftrecken fich wohl weniger auf den europäiſchen Handel, da es darüber keine Aufzeichnungen gibt; bekannt ift nur, dafs Deutfchland bereits im erften Decennium des XVII. Jahrhunderts mit Rufsland und mit Schweden Pelzhandel trieb, welcher gegen Ende des vorigen Jahrhunderts an Dimenfionen gewann; von da ab nahmen ruffifche Waaren ihren Weg überall hin über Breslau und Leipzig und namentlich letztere Stadt verftand es, der Binnenplatz für den europäiſchen Markt zu werden; England kaufte hier ruffifches Pelzwerk und exportirte dahin amerikanifches, Mitteleuropa dirigirte feine Producte nach diefer Stadt, wo fich Käufer und Verkäufer von allen Weltgegenden zufammenfanden und da beide Theile ihren Nutzen gewahrten, fo gedieh der Leipziger Messhandel zu voller Blüthe und entfaltet fich von Jahr zu Jahr fortfchreitend. Den Verbrauch von Pelzwaaren in Europa betreffend, läfst fich annehmen, dafs er fchon in frühefter Zeit ein bedeutender war; England und Frankreich importirten fchon vor 250 Jahren von ihren amerikanifchen Befitzungen Pelzfelle, und von Deutfchland wie auch von Oefterreich wiffen wir, dafs das Kürfchnergewerbe da uralt ift; wir wiffen auch, dafs in der Vorzeit Pelzthiere allerwärts hauften, deren Felle zur Pelzbereitung verwendet wurden. Wohl mufsten gröfsere Raubthiere, als Bären, Luchfe, Wölfe, der fortfchreitenden Cultur weichen und es gibt jetzt in Europa in gröfseren Mengen nur noch Füchfe, Marder, Iltiffe und wilde Katzen, doch wird der Ausfall an eigenen Producten durch ruffifche, fchwediſche und dann auch amerikanifche gedeckt. Mit der durch beffere Communicationen ermöglichten leichteren Befchaffung fremdländifcher Waaren, mit dem überall anwachfenden National- Reichthum und mit der fteigenden Beliebtheit, deren fich Pelzwerk als beftes und dauerhafteftes Winterkleid erfreute, entwickelte fich auch der Verbrauch von Rauhwaaren und da es namentlich Amerika ift, welches hievon das mafsgebendfte Contingent zu Markte ftellt, und weil in fpecieller Berücksichtigung der Wiener Weltausstellung wir bei dem weit gröfsten Theile der fertigen Kürfchnerwaaren amerikaniſches Pelzwerk angewendet fahen, fo wollen wir uns vorerft mit Amerikas Pelzproduction und mit feinem Rauhwaaren- Handel befchäftigen. Der amerikanifche Pelzhandel läfst fich bis zum Anfang des XVII. Jahrhunderts zurück verfolgen; bereits im Jahre 1608 betrieb eine grofse franzöfifche 16 J. Max Hirfch. Gefellſchaft in Canada fchwunghaften Pelzhandel, welcher bald unternehmende englifche Coloniften von New- York anlockte; diefe dehnten ihre Jagdftreifungen und ihre Handelsbeziehungen immer weiter nach Norden und nach Weften aus, bis allmälig, in dem Verhältnifs, als der franzöfifche Theil Amerikas an England fiel, der Handel ganz in ihren Händen concentrirt ward. Doch fchon zur Zeit, als Frankreich in Amerika noch mächtig war, bereits hundert Jahre vor der Einverleibung Canadas, befafsen die Engländer in den unermesslich grofsen, weftlich hinter der Hudfons- Bay gelegenen Territorien die ergiebigften Jagdftrecken und gefchützt durch ein unbefchränktes Monopol gründete fich im Jahre 1670 die noch heute ehrenvoll und thatkräftig beftehende Hudfonsbay- Compagnie, welche mit raftlofer Energie die Ausbreitung ihres Handels in diefen von vielen wilden Stämmen bewohnten, uncultivirten und communicationslofen Gebieten anftrebte und erreichte. Die gefchäftliche Gebarung diefer mächtigen Compagnie ift heute noch die gleiche wie vor 200 Jahren; in ihren Territorien, fo grofs wie beinahe ganz Europa, kennen die Eingebornen kein Geld, fondern fie erhalten für ihre Jagdbeute als Gegenwerth mehrentheils nützliche und wohl auch folche Gegenftände, die ihnen Freude machen, fo u. A. Gewehre, Munition, Kleider, Meffer, Pfeifen, Tabak, Spiegel, Glasperlen u. f. w., deren Werth fowie der der Waaren, welche die Indianer bringen, in einem Taufchtarif feftgeftellt ift; darin ift wohl auch das Werthverhältnifs von Branntwein zu Pelzfellen beftimmt, doch macht es der Humanität der Compagnie alle Ehre, dafs fie diefes verderbliche, aber von den Indianern über Alles gefchätzte Taufchmittel in der Regel gar nicht, und ausnahmsweife nur dann anwendet, wenn fie durch das gleiche Mittel von Concurrenten dazu gezwungen wird. Die derart erhandelten Felle gelangen, meift reell und mit Verftändnifs fortirt, im Januar, März und September eines jeden Jahres in London zur Auction und werden da von Engländern, Franzofen, Ruffen, Deutfchen und zum Theil auch von Amerikanern gekauft. Seit der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten, denen auch die befonders reichen Oregon- Jagdgebiete zufielen, mehrte fich die Concurrenz, welche die Hudfonsbay- Compagnie immer zu beftehen hatte; feitdem wird der Pelzhandel bis an die Grenzen des Hudfonsbay- Territoriums fehr fchwunghaft betrieben, indem New- Yorker grofse Häufer und Compagnien durch ihre Agenten theils mit den Indianern direct verkehren, theils die von Kleinhändlern gefam melten Waaren zufammenkaufen. Die Production Canadas und der Vereinigten Staaten ift eine fehr bedeutende, läfst fich jedoch nicht fo wie die der Hudfonsbay- Compagnie genau beziffern; denn während diefe ihre Waaren( circa 35.000 Büffelhäute ausgenommen, welche in Amerika verkauft werden) nur nach London verfchifft, fie nur da in ihrem Waarenhaus alljährlich verauctionirt und die Menge fich aus ihrer Waarenlifte feftftellen läfst, fo kann diefs bei den übrigen amerikanifchen Waaren bezüglich ihrer totalen Menge nicht gefchehen; ein Theil derfelben bleibt eben zur Verarbeitung im Lande, ein Theil gelangt in verfchiedene fefte Hände nach Europa, und zwar mehrentheils nach Leipzig und ein Theil, wohl der gröfste, wird nach London dirigirt, um da nach dem Beiſpiel der Hudfonsbay- Compagnie im Auctionswege verkauft zu werden, jedoch nicht concentrirt in einem Haufe, fondern je nach der Gefchäftsverbindung der Verfrachter bei mehreren mitunter fehr hervorragenden Maklern, wie C. M. Lampfon& Comp., Marcus& Comp., Culverwell, Brooks& Comp. u. m. A. Das bei diefen verfchiedenen Auctionen unter den Hammer gebrachte Waarenquantum überragt in vielen Artikeln das der Hudfonsbay- Waaren, fo in Bifam, Schuppen, Skunks, Seeottern, Füchfen, und hat fich namentlich in den letzten Jahren vergröfsert; diefs hat feinen Grund in den Zufuhren aus Alaska, dem früheren Ruffifch- Amerika, deffen Producte nun in London zum Verkauf gelangen, während fie ehedem, vor der Abtretung diefes Gebietes, ihren Weg über St. Peters Rauh- und Kürfchnerwaaren. 17 burg nahmen und uns durch die ruffifch- amerikaniſche Pelzcompagnie zugemittelt wurden. Das Quantum der Waaren variirt jedoch fo häufig als deren Werth; während erfteres von der Gunft des Winters abhängt, beſtimmt den letzteren die Kaufluft und die Nachfrage, wohl auch oft, aber nicht immer, der Ueberflufs oder der Mangel an Stücken. Und um nun den unerfchöpflichen Reichthum Amerikas an Pelzfellen, fowie deren oft verfchiedenen, aber immer bedeutenden Werth ziffermäfsig zu veranfchaulichen, und um zu fehen, wie enorm umfangreich der Handel mit diefen Producten und deren Verbrauch in Europa ift, fo bringen wir hier das Verzeichnifs über Menge und Werth der amerikanifchen Waaren, die in den letzten zehn Jahren von der Hudfonsbay- Compagnie und von dem übrigen Amerika in London eingeführt worden find, ferner das fchätzungsweife anzunehmende Quantum der jährlich direct nach Leipzig gelangenden Waaren. Als beachtenswerthen Beleg für den Auffchwung der Gefchäfte der Hudfonsbay- Compagnie wie auch für die grofsen Preisfluctuationen, gleichzeitig ein intereffanter Beitrag zur Gefchichte der Preife, ftellen wir die von Herrn Heinrich Lomer angegebenen Einfuhrliften und Preife von Waaren der HudfonsbayCompagnie aus den Jahren 1729 und 1829, verglichen mit den Ergebniffen des Jahres 1872, an die Spitze. Quantum und Werth der in den Jahren 1729, 1829 und 1872 von der Hudfonsbay- Compagnie eingeführten Waaren: 1729 1829 nur Früjahr 1872 Stücke höchfter Preis Stücke höchfter Preis DurchStücke fchnittsPreis Zobel 12.480 fl.5Nerze 13 82.268 fl. 8.35 59.207 fl. 16- 14.479 وو 2- 39.226 8.وو Ottern 340 " 2:25 IO.860 27 1313.782 21"" Füchfe, rothe 130 " 5.50 1.602 " 4.75 7.699 وو 5- weifse " 443 99 4.25 2.804 وو 5- " -Kreuz - 16 461 23.50 2.027 " 1499 -Silber 186 77 8754° » 120- " 9 -Kitt. 96 4.800 13 -75 3.792 I- 75 Vielfrafse. 330 " 5.5° 381 29 3:35 1.656 8- Wölfe 140 27 12.65 1.358 " 12:50 2.790 " 5.50 Biber 62.160 per Pfd. fl. 3:25 gleich St. circa fl. 4:25 30.248 per Pfund 165.031 St. 6- fl. 5 bis 2212 gleich St. circa fl. 7 bis 30 2 18 J. Max Hirfch. Durchschnittliches Quantum und Werth der amerikaniſchen Waaren, welche jährlich direct nach Leipzig gelangen. Gattung Werth Stücke fl. kr. Bären 1.000 15.000 Bifam 1,000.000 450.000 Biber 10.000 50.000 Füchfe, rothe. 15.000 60.000 Kreuz. 500 6.000 Silber. 50 " 3.000 Kitt 2.000 3.000 Gris 10.000 15.000 27 Iltiffe virgin. 2.000 30.000 Luchfe 1.000 5.000 Luchskatzen 2.000 2.000 Nerze 20.000 100.000 Opoffum 20.000 6.000 Ottern 4.000 60.000 See Ottern. 200 20.000 Schuppen 150.000 Skunks Zobel 150.000 100.000 150.000 5.000 50.000 Rauh- und Küríchnerwaaren. Import amerikanifcher Rauhwaaren in London im Jahre 1863. HudfonsbayCompagnie Das übrige Amerika Totale Werth pr. Stück ö. W. Gefammtwerth öfterr. Währ. fl. kr. fl. kr. 10.968 20 - 219.360 - Bären Bifam 7.294 356.544 1,896.104 2,252.648 3.674 40 901.059 20 Biber 113.151 8.770 121.921 3 50 426.723 50 Dachfe. 1.370 I.256 2.626 - 40 1.050 40 Füchfe, rothe 6.461 39.307 45.768 5 50 251.724 - Kreuz 13 1.899 I.241 3.140 20 62.800 Silber 569 345 914 120 109.680 Blau. 303 303 12 3.636 Weifs 3.359 1.650 5.009 3 15.027 Kitt. 17 5.532 5.209 10.741 2 21.482 - Gris. 17 14.977 14.977 I 5° 22.465 50 Iltiffe virgin.. 6.044 2.971 9.015 16 135.240 Luchfe. 4.566 3.237 7.803 6 5° 50.719 50 Luchskatzen. 5.124 5.124 2 25 II.529 - Nerze 43.878 32.719 76.597 5 Opoffum 66.821 66.821 - 30 Ottern. 13.331 See- Ottern 106 Schuppen 3.812 Seehunde. Skunks 6.923. 225 475.970 450 8.231 1.908 91.948 20.254 12 331 150 382.985 - 20.046 30 243.048 49.650 479.782 8.681 93.856 I 25 597.727 50 9 78.129 I 93.856 Vielfrafse. 1.425 Wölfe. 3.915 I.III Zobel 79.975 20.510 Chinchillas 37.676 I.425 7 5.026 100.485 37.676 9.975 4 50 22.617 IO 1,004.850 2 75.352 2* 19 Bären Bifam 20 J. Max Hirfch. Import amerikanifcher Rauhwaaren in London im Jahre 1864. Hudfonsbay Compagnie Das übrige Amerika Totale Werth pr. Stück ö. W. Gefammtwerth öfterr. Währ. fl. kr. fl. kr. 11.876 20 - 237.520 - 7-754 4.122 509.342 2,329.919 2,839.261 38 1,078.919 18 Biber 145.683 10.529 156.212 3 25 507.689 - Dachfe I.123 1.815 2.938 - 35 Füchfe, rothe 5.736 28.396 34.132 6 Kreuz 27 1.788 I.457 3.245 19 1.028 30 204.792 61.655 Silber 17 586 443 Blau. 78 150 1.029 228 14 IIO - 113.190 3.192 Weifs 12.258 1.215 13.473 3 40.419 Kitt. 2.409 4.655 7.064 2 Gris. 15.243 15.243 I 50 Iltiffe virgin. 5.392 2.594 7.986 15 - Luchfe. 4.876 2.269 7.145 Luchskatzen 3.373 3.373 2 - 7 50 14.128 22.864 50 119.790 53.587 50 6.746 Nerze 61.444 38.427 99.871 4 50 449.419 50 Opoffum 115.979 115.979 - 25 28.994 75 Ottern. 15.406 6.017 IO 21.423 50 224.941 50 See- Ottern 149 423 Schuppen. 1.279 488.506 572 130 489.785 I 74.360 489.785 - Seehunde 4.056 8.231 8 50 12.287 104.439 50 Skunks 2.332 136.122 138.454 - 95 131.531 30 Vielfrafse. 1.320 1.320 8 - Wölfe 7.995 Zobel II2.373 Chinchillas 22.819 42.645 7.995 4 135.192 9 42.645 2 10.560 31.980 - - 1,216.728 - - 85.290 Rauh- und Kürfchnerwaaren. Import amerikaniſcher Rauhwaaren in London im Jahre 1865. 21 HudfonsbayCompagnie Das übrige Amerika Totale Werth pr. Stück ö. W. Gefammtwerth öfterr. Währ. fl. kr. fl. kr. Bären: Bifam 7.017 416.207 2,189.054 2,605.261 4.177 II.194 18 - 201.492 - 45 1,172.367 45 Biber 117.699 6.960 124.659 3 50 436.306 50 Dachfe 1.544 1.628 Füchfe, rothe 8.613 31.550 3.172 40.163 - 25 793 5 50 220.869 50 Kreuz " 1.857 I. III 2.968 18 53.424 Silber " 444 404 848 90 76.320 Blau. " 32 224 256 14 3.548 Weifs " 4.805 2.151 6.956 3 50 24.346 Kitt. " 3.126 4.091 7.217 2 14.434 - Gris " II.023 II.023 I 5° 16.534 50 Iltis virgin. 5.287 1.427 6.714 17 - 114.138 Luchfe. 5.388 1.666 7.054 Luchskatzen 2.251 Nerze. 60.277 17.676 2.251 77.953 8 2 5 - Opoffum Otter - 13.597 See- Otter. 125 134.000 5.387 435 134.000 18.984 - IO - 560 120 Schuppen. 2.850 541.529 544-379 - Seehunde I.421 10.039 II.460 IO - Skunks 1.504 102.760 104.264 - Vielfrafs I.203 42 I.245 8 Wölfe 5.933 656 Zobel 124.739 Chinchillas 16.977 41.492 6.589 141.716 9 - 2 41.492 - 25 56.432 4.502 389.765 33.500 189.840 67.200 95 517.160 05 95 114.600 99.050 80 9.960 4 5° 29.650 50 1,275.444 82.984 - 42 22 J. Max Hirfch. Import amerikanifcher Rauhwaaren in London im Jahre 1866. HudfonsbayCompagnie Das übrige Amerika Totale Werth pr. Stück ö. W. Gefammtwerth öfterr. Währ. fl. kr. fl. kr. Bären Bifam 8.622 320.412 1,305.339 1,625.751 3.318 II.940 15 179.100 - - 60 Biber 145.829 5.044 150.873 4 975-450 60 603.492 Dachfe. 1.076 1.126 2.202 - 40 880 80 Füchfe, rothe 7.876 23.375 31.251 เก 5 156.255 - Kreuz 29 1.933 1.302 3.255 15 48.525 Silber 519 477 966 70 67.620 Blau. 29 34 434 468 13 6.084 - Weifs " 5.900 4.243 IO.143 3 50 35-500 50 Kitt 99 5.138 3.353 8.491 2 Gris " 12.832 12.832 Iltis virgin. Luchfe Luchskatzen Nerze 4.585 I.741 6.326 I 50 IIO.705 17 50 16.982 19.248 - 16.499 5.728 22.227 5 - III.135 - 1.405 1.405 2 51.328 Opoffum - 7.057 58.375 5 218.799 218.799 - 2.810 291.875 - 20 Otter See- Otter. 18.366 85 2.152 20.518 IO - 186 271 IIO - Schuppen. 3.320 284.574 287.894 - 90 43.759 205.180 29.810 - 259.104 60 80 Seehunde. 1.845 13.571 15.416 II - 169.576 Skunks 2.767 73.873 76.640 I - 76.640 Vielfrafs 904 Wölfe. 12.583 Zobel 142.510 Chinchillas 32 343 7.695 83.960 936 7 50 7.020 - 12.926 3 50 150.205 83.960 8 50 1,276.742 50 45.241 I 85 155.326 - Rauh- und Kürfchnerwaaren. Import amerikanifcher Rauhwaaren in London im Jahre 1867. 23 HudfonsbayCompagnie Das übrige Amerika Totale Werth pr. Stück ö. W. Gefammtwerth öfterr. Währ. fl. kr. fl. kr. Bären Bifam 7.410 3.753 411.911 2,488.521 2,900.432 II.163 13 145.119 - 55 1,595.237 60 Biber 182.109 9.328 191.437 4 25 813.607 25 Dachfe 504 6.172 6.676 - 45 3.004 20 Füchfe, rothe 20.656 57.915 78.571 3 75 294.641 25 Kreuz " 2.612 1.904 4.516 14 63.224 Silber " 840 721 1.561 65 101.465 Blau 99 42 1.308 I.350 12 - 16.200 Weifs " 5.396 3.873 9.269 3 25 30.124 25 Kitt 29 4.374 13.369 17.743 75 31.050 25 Gris. 99 42.205 Iltiffe virgin.. 4.855 3.900 42.205 8.755 18 I - 42.205 157.590 Luchfe 35.918 12.101 48.019 4 - 192.076 Luchskatzen. 8.743 Nerze . 58.202 25.740 8.743 83.942 I 50 13.114 50 5 25 440.695 50 Opoffum 275.592 275.592 - 20 Ottern. See- Ottern 15.257 148 3.888 19.145 9 55.118 40 172.305 613 761 IOO 76.100 Schuppen. 9.432 530.410 539.842 75 404.881 50 Seehunde 2.091 Skunks 2.536 6.451 147.212 149.748 8.542 12 5° 106.775 - 75 II2.311 Vielfrafse. 756 465 I.221 7 - 8.547 Wölfe 6.313 3.995 Zobel 124.707 25.914 10.308 150.621 4 50 46.386 9 1,355.589 Chinchillas - 67.109 67.109 I 75 II7.440 75 Bären Bifam 24 J. Max Hirfch. Import amerikaniſcher Rauhwaaren in London im Jahre 1868. HudfonsbayCompagnie Das übrige Amerika Totale Werth pr. Stück ö. W. Gefammtwerth öfterr. Währ. fl. kr. fl. kr. 6.691 3.330 IO.021 15 - 150.315 - 618.489 2,520.660 3,139.149 - 45 1,412.617 05 Biber 146.744 6.221 152.965 4 50 688.342 50 Dachfe. 1.551 5.511 Füchfe, rothe 26.489 45.170 7.062 71.659 3 50 - 35 Kreuz " 7 4.980 1.409 6.389 IO Silber F 1.213 842 2.055 60 - 2.471 70 250.806 50 63.890 123.300 Blau. - 753 " 753 13 - 9.789 - Weifs 2.527 79 54° 3.067 3 75 II.501 25 Kitt 5.898 9.652 15.55° I 5° 23.325 Gris 28.862 28.862 I 25 36.077 50 Iltiffe virgin. 6.298 2.589 8.887 18 50 164.409 50 Luchfe. 76.473 9.641 86.114 3 50 301.399 - Luchskatzen. Nerze 73.473 Opoffum Ottern. See- Ottern - 5.758 27.823 101.296 5 169.472 169.472 5.758 I 25 7.197 50 506.480 - - 25 42.368 16.966 123 3.244 20.210 IO 50 212.205 Schuppen. 21.162 Seehunde. 2.141 1.090 323.299 64.448 1.213 90 109.170 Skunks 6.067 92.712 344.461 66.589 14 98.779 I - 75 258.345 75 - 932.246 98.779 Vielfrafse 1.104 Wölfe 7.794 Zobel 106.254 Chinchillas 129 5.055 20.184 70.053 I.233 6 75 8.322 75 12.849 4 2 25 54.608 25 126.438 II - 1,390.818 - 70.053 I 75 122.592 75 Rauh- und Kürfchnerwaaren Import amerikaniſcher Rauhwaaren in London im Jahre 1869. HudfonsbayCompagnie Das übrige Amerika Totale Werth pr. Stück ö. W. Gefammtwerth öfterr. Währ. fl. kr. fl. kr. Bifam Biber 157.415 Bären 8.412 3.515 II.927 15 404.125 2,886.000 3,290.125 - II.229 168.644 5 - 178.905 - 45 1,480.556 25 - 843.220 Dachfe. 1.702 3.502 Füchfe, rothe 20.255 53.813 5.204 74.068 3 25 - 40 2.081 60 240.721 Kreuz 5.090 77 2.295 7.385 8 50 62.772 50 Silber 1.412 1.286 " 2.698 60 161.880 Blau. 122 79 332 454 14 6.356 Weifs 12.083 22 2.505 14.588 2 75 40.117 Kitt. 6.588 " 9.604 16.192 I - 16.192 Gris. - وو 28.159 28.159 - 90 Iltiffe virgin. 7.451 4.990 12.441 14 25.343 10 174.174 Luchfe. 68.362 12.029 80.391 2 75 221.075 25 Luchskatzen. 6.992 Nerze. 74.218 Opoffum Ottern. 12.530 See- Ottern 217 Schuppen. 4.825 24.485 154.460 4.192 2.293 383.525 388.350 6.992 98.703 4 I 6.992 394.812 154.460 16.722 14 - 25 -38.615 234.108 2.510 90 - 90 Seehunde 1.671 126.062 127.733 14 225.900 349.515 1,788.262 - Skunks. 6.517 105.100 III.617 I 5° 167.425 50 Vielfrafse I.445 - I.445 6 25 9.031 25 Wölfe. 9.309 3.295 12.604 4 Zobel Chinchillas 80.709 25.521 138.459 50.416. 106.230 12 50 1,327.875 - 138.459 I 50 207.688 50 25 Bären Bifam 26 J. Max Hirfch. Import amerikanifcher Rauhwaaren in London im Jahre 1870. HudfonsbayCompagnie Das übrige Amerika Totale Werth pr. Stück ö. W. Gefammtwerth öfterr. Währ. fl. kr. fl. kr. 12.224 16 50 201.696 - 8.214 4.010 288.344 3,400.250 3,688.594 122.985 62.598 185.583 40 1,475.437 60 Biber 5 25 974.310 75 Dachfe. 2.167 4.358 6.525 40 Füchfe, rothe 13.022 36.744 49.766 4 2.610 199.064 Kreuz 99 3.305 3.321 6.626 9 Silber 16 867 I.412 2.279 65 - Blau. 29 47 2.172 2.219 59.634 148.135 - 13 50 29.956 50 Weifs 99 4.602 3.456 8.058 4 - 32.232 - " Kitt. 4.949 Gris. - " 7.891 26.368 12.840 I 20 26.368 I - 15.408 26.368 - Iltiffe virgin. Luchfe Luchskatzen Nerze Opoffum Ottern. See- Ottern 7.941 4.015 II.956 15 37.407 II.451 48.858 3 8.538 8.538 I - 27.586 33.944 61.530 4 50 179.340 146.574 8.538 276.885 - 144.170 144.170 - 25 36.042 50 10.965 Schuppen 72 1.678 Seehunde 684 Skunks. 6.902 7.197 2.431 440.150 94.790 107.198 18.162 15 272.430 Vielfrafse. 1.418 Wölfe Zobel Chinchillas 30 5.834 4.646 51.423 32.317 104.100 2.503 85 441.828 95.474 16 114.100 1.448 10.480 4 50 212.755 I 441.828 1,527.384 2 228.200 - 6 8.688 47.160 83.740 14 104.100 1,172.360 I 25 130.125 Rauh- und Kürfchnerwaaren. Import amerikanifcher Rauhwaaren in London im Jahre 1871. HudfonsbayCompagnie Das übrige Amerika Totale Werth pr. Stück ö. W. Gefammtwerth öfterr. Währ. Bären Bifam 8.409 4.089 450.912 3,863.000 4.313.912 fl. kr. fl. kr. 12.498 20 - 249.960 - Biber Dachfe. Füchfe, rothe 1.735 6.978 186.889 49.942 236.831 2.432 40.327 50 2,156.956 5 50 1,302.570 50 - 4.167 - 45 47.305 4 50 1.875 15 212.872 50 Kreuz 79 2.553 3.222 5.775 II 63.525 - Silber 29 678 1.430 2.108 65 137.020 Blau. IO " 3.215 3.225 15 48.375 Weifs 1.805 1.785 3.590 4 50 16.155 Kitt. 99 3.081 7.872 10.953 I 50 16.429 50 Gris. - 27 26.838 26.838 I 50 40.247 - Iltis virgin. 6.729 4.340 II.069 18 - 199.242 - Luchfe. Luchskatzen 19.390 12.481 31.871 3 50 III.548 50 10.156 10.156 - 50 5.078 - Nerze . 31.903 23.332 55.235 6 Opoffum - 87.000 87.000 - 14 Otter 13.093 7.010 20.103 18 See- Otter. 79 Schuppen. 3.265 Seehunde. 7.928 3.814 528.985 87.780 3.893 90 - 331.410 40 34.800 361.854 350.370 - Skunks 3.273 103.025 Vielfrafs 1.848 417 532.250 95.708 18 106.298 2 2.265 7 I - 532.250 - 1,722.744 212.596 - 15.855 - Wölfe 6.668 4.588 II.256 4 50 50.652 - Zobel 55.241 30.512 85.753 Chinchillas _ 58.600 58.600 4 3 14 50 1,243.418 50 3 - 175.800 - 27 28 J. M. Hirfch. Import amerikanifcher Rauhwaaren in London im Jahre 1872. Hudfonsbay. Compagnie Das übrige Amerika Totale Werth pr. Stück ö. W. Gefammtwerth öfterr. Währ. fl. kr. fl. kr. 13.557 24 325.368 Bären Bifam 8.408 5.149 704.789 3,238.596 3.943.385 - Biber 165.031 55.425 220.456 6 - Dachfe. 1.862 4.425 6.287 - Füchfe, rothe 7.699 69.122 76.821 5 Kreuz 99 2.027 4.495 6.522 14 60 2,366.031 50 1,322.736 3.143 50 384.105 91.308 - - Silber " 54° 1.942 2.482 120 - Blau. 99 36 3.592 3.628 27 297.840 97.956 Weifs 29 2.804 911 3.715 5 18.575 Kitt. " 3.792 10.649 14.44I I 75 Gris 99 28.667 28.657 I 75 ન ન 25.271 75 50.149 75 Iltis virgin. 7.059 Luchfe. Luchskatzen Nerze Opoffum 34.289 - 3.651 14.835 8.740 7 50 10.710 22 5° 240.975 49.124 - 368.430 - 8.740 - 60 • 39.226 94.809 134.035 8 5.244 1,072.280 Otter 13.782 See- Otter. Schuppen. 59 3.968 Seehunde. Skunks Vielfrafs Wölfe 142.700 5.873 4.337 456.179 II.825 141.791 153.616 21 142.700 - 50 71.350 19.655 21 412.755 4.396 150 - 659.400 460.147 I 25 575.183 75 3,225.936 2.621 1.656 2.790 Zobel. Chinchillas 59.207 494 1.525 32.653 91.860 16 204.813 207.434 3 50 726.019 2.150 8 - 17.200 4.315 5 5° 23.732 50 - 1,469.760 92.960 92.960 3 75 348.600 Rauh- und Kürfchnerwaaren. 29 Es wurden demnach in den letzten zehn Jahren von Amerika in London eingeführt und dort im Auctionswege verkauft: 8,494.080 verfchiedene Felle von der Hudfonsbay- Compagnie, 36,477.644 Felle von dem übrigen Amerika, zufammen 44,971.724 Felle im Werthe von 73,499.311 fl. 68 kr.; aufserdem gelangen jährlich direct nach Leipzig circa 2,342.750 diverfe Felle im Werthe von circa 1,175.000 fl., und es kann mit Hinzuziehung des im Lande felbft zurückbehaltenen und dort verarbeiteten Theiles der Gefammtwerth der amerikanifchen Pelzproduction auf mehr als ein Drittel des Werthes der Producte der ganzen übrigen Welt veranfchlagt werden. Der Verbrauch von Pelzwerk in Amerika ift ein grofser und befchränkt fich nicht allein auf einen namhaften Theil eigener Producte, fondern es wird auch viel ruffifches und deutfches Pelzwerk, ferner von England fertige Kürfchnerwaare importirt; die Beliebtheit einer Gattung von Pelzwerk in Amerika ift immer von nachhaltiger Rückwirkung auf den europäiſchen Markt; bedingt die dortige Mode ein Landesproduct, fo wird davon ein grofser Theil guter Waare zurückbehalten und der Reft hat in London hohe Preife, oder handelt es fich um ein europäiſches oder ruffifches Pelzwerk, fo werden darin grofse Einkäufe bewerkstelligt, was die Waare immer vertheuert; fo galt dies im Laufe der letzten 10 Jahre von deutfchen. und öfterreichifchen Marder- und Iltifsfellen, von fchwarzen Perfianer und Aftrachanfellen und von Nerzen, in der jüngften Zeit aber vom Biber- Seehund und Luchs. Ruffifche Fehen, welche ehedem zu Hunderttaufenden für Amerika gekauft wurden, find dort feit einigen Jahren vernachläffigt und weil Fehenbäuche für leichte Futter dennoch gleichmässig ftark begehrt find, ift feit drei Jahren der abnorme Umftand eingetreten, dafs Fehenrücken, der bei weitem beffere Theil des kleinen Fellchens, im Verhältnifs viel billiger find, als Fehenbäuche. Nächft Amerika ift Rufsland der wichtigfte Factor in der Verforgung der übrigen Welt mit Pelzfellen; feine Production überragt quantitativ die Amerika's und begegnen wir da nebft einer Menge der allerwerthvollften Thiergattungen einer erftaunlichen Anzahl von minder koftbaren Pelzthieren, deren Felle aber wegen. der grofsen Menge und des billigen Preifes in der ganzen Welt verwendet werden. Namentlich in dem fonft fo unwirthlichen Sibirien find die dem Gedeihen der Pelzthiere förderlichen, ja unentbehrlichen Elemente reichlich vorhanden; rauhes Klima, wafferreiche, fruchtbare, gebirgige und bewaldete Landftrecken bringen die meiſten Pelzthiere hervor; wir finden im Nordoften Sibiriens die theuerften Zobel, ferner Ottern, Füchfe, Bären, Wölfe und Millionen von Eichhörnchen( unter der Benennung Fehe allbekannt), füdlicher und im Weften diefelben. Thiergattungen mit minder guten Fellen, aber in den Barabafteppen Hunderttaufende der beften Hermeline. In dem an der Grenze des europäifchen und des fibirifchen Rufsland gelegenen kleinen Orte Irbit kommen die meiſten diefer Waaren fchon im Februar zu Markte und gelangen da in ruffifche und deutfche Hände; ein Theil wird nach Kiachta, einem fibirifch- chinefifchen Grenzorte zur Einfuhr nach China, ein Theil nach Leipzig befördert, um von da den Weg durch die Welt zu machen, und ein Theil bleibt im Lande, um den Confumenten zugeführt zu werden. Doch von viel gröfserer Wichtigkeit für den ruffifchen wie für den internationalen Pelzhandel ift Nischny Nowgorod im Herzen Rufslands, der bedeutendfte Mefsplatz der Welt, der Sammelpunkt mehrerer Hunderttaufende von Fremden. Nischny Nowgorod ift der Regulator des ruffifchen und afiatifchen Pelzhandels; hier ftrömen die verfchiedenften Waaren von und nach allen Weltgegenden zu und ab, fowohl der Reft der fibirifchen Collection, als die Producte Rufslands, Perfiens, der Bucharei und Tatarei( meift Lammfelle), ferner europäiſche und amerikanifche Waaren im Gefammtwerthe von circa zehn Millionen Gulden werden hier umgefetzt. 30 J. Max Hirfch. Von diefer Haupt- Verkehrsader gelangen ruffifche und andere fremdländifche Producte in grofsen Karawanenzügen( welche wieder Thee zurückbringen) nach Kiachta für China; von hier wird der ganze grofse ruffifche Markt verforgt, und auch für deutfche, englifche und amerikaniſche Rechnung wird hier nicht wenig eingekauft. Die Production Sibiriens und Rufslands fpecificirt anzuführen, wäre fehr weitläufig und verzeichnen wir nur die im jährlichen Durchfchnitt vorkommende Menge der wichtigften, meift exportirten Pelzgattungen, wobei fich erftaunlich hohe Ziffern ergeben. Es kommen jährlich zum Verkauf: Zobel, circa 100.000( darunter Felle bis 200 fl. per Stück) Fehen, " 7,000.000 Hermeline, " 400,000 Weifse Füchfe, 60.000 " Rothe 100.000 29 " Silber" " 3000 See- Ottern " Marder " 7 Nerze " 300 200.000 50.000 Der Verbrauch von Pelzwerk in Rufsland ift den klimatifchen Verhältniffen und der dort herrfchenden Mode zufolge ein fehr bedeutender; aufser dem gröfsten Theil feiner eigenen, confumirt Rufsland auch eine namhafte Menge amerikaniſcher Producte, fo Biber, Schuppen, Skunks, virginifche Iltiffe und Füchfe, ferner norwegifche Marder, Füchfe, Luchfe, und von mitteleuropäiſchen Waaren viele Füchfe, Ottern, Marder, welch' letztere dort mehrentheils gefärbt werden, wie überhaupt ruffifche Kürfchner Meifter in der Kunft des Pelzfärbens find; es werden da nicht nur viele Schaffelle bunt und fchwarz gefärbt, fondern auch den verfchiedenften Gattungen von Fellen, häufig felbft den feinften, wenn diefe hell gefprengt oder fahl find, eine gleichmäfsige dunkle Farbe aufgetragen, was der Kürfchner„ blenden" nennt; derart geblendete Pelzwaaren, wie: Biber, Marder, Zobel u. f. w., find von den echtfarbigen fchwer zu unterfcheiden und werden in Rufsland fehr häufig angewendet, doch wird durch das Blenden die Weichheit und Dauerhaftigkeit des Haares arg gefchädigt. Die ruffifchen Pelzwaaren- Arbeiten find in der Regel gut, aber es wird wenig Neues gefchaffen, und da in Rufsland Pelzwerk vorzugsweife ein Bedarfsund nur infoferne Luxusartikel ift, als der Reichere wohl einen koftbareren Pelz, aber in der althergebrachten Form kauft, fo kann von einer Entwicklung des Gefchmackes keine Rede fein. Schön und correct gemacht find nur Pelzfutter, ermöglicht allein durch den Umftand, dafs alle Pelzgattungen in grofser Menge gebraucht werden, wobei das Zuſammenfortiren egaler Felle ohne Mühe gefchehen kann, und da meift mehrere Futter einer Gattung zugleich gemacht werden, fo fetzen rufiffche Kürfchner die verfchiedenen, in Farbe und Haar ungleichen Partien des Felles jede für fich zufammen und erhalten dann gleichmäfsige Futter von Rücken, Bäuchen, Köpfen, Pfoten des betreffenden Felles. Aufser den Pelzgattungen, die überall zu gleichen Zwecken, für Futter und Befatz, verwendet werden, verarbeiten die Ruffen( und nur noch die Schweden) Rennthier- und gemeine Seehund- Felle zu ganzen Pelzröcken, mit der Pelzfeite nach Aufsen. Auf die anderen Productionsländer übergehend, begegnen wir in Europa ganz anderen Pelzthieren; hier gibt es keine Bifam, Biber, Skunks oder Schuppen, und was von Zobel oder Nerzen vorkommt, find meift kleinere fchwächere Felle von viel geringerer Qualität; nur noch im hohen Norden, auf Grönland und Island, in Schweden und Norwegen gibt es blaue und weifse Füchfe und die hier vorkommenden Luchfe und Vielfrafse find ihrer Güte und fchönen Zeichnung wegen fehr gefchätzt. Rauh- und Kürfchnerwaaren. 31 Die fonftigen Pelzproducte diefer nordifchen Staaten kommen in ganz Europa vor, haben aber den Vorzug befonderer Gröfse und eines feinen, kräftigen Haares; diefelben werden zum geringen Theile im Lande felbft verarbeitet, fondern meift nach Rufsland ausgeführt, wogegen wieder ruffifche, amerikaniſche und deutfche Waaren, als: Hermelin, Zobel, Biberfeehunde, Bifame, Füchfe, Steinmarder, Iltifs und namentlich viel braun gefärbte franzöfifche Kaninchenfelle eingeführt werden. Pelzwerk wird da in den Städten und auf dem Lande weniger als Modeoder Luxusartikel denn als praktiſcher Gegenftand getragen, und werden meift billige Waaren, diefe jedoch in grofser Menge abgefetzt. Einen grofsen Reichthum an Pelzfellen bergen die mitteleuropäiſchen Staaten bis in die Türkei und bis auf wenige Ausnahmen begegnen wir überall denfelben Gattungen, freilich in den unterfchiedlichften Qualitäten. Bei allgemeiner Betrachtung der wichtigften Pelzthiere findet man jährlich: Edelmarder, circa 140.000 Stück Werth d. Z. circa 12. fl. pr. Stück. Steinmarder, " 250.000" " " ን Füchfe, 250.000 " ንን " " " 9 9.99 2.50" وو " " Iltiffe, 400.000 " " 9 " " 3.12 99 99 Hauskatzen, Kaninchen, " 500.000 6,000.000 .. ንን " " I. 27 " 9 " Hievon liefern die Schweiz, Baiern, Tirol und Steiermark die meiſten und beften Edelmarder und Luchfe, Bosnien, Serbien, Kroatien, Steiermark die beften Steinmarder und Iltiffe, Holland, Schleswig- Holftein, Baiern, Salzburg und Steiermark die beften Katzen; von hervorragender Bedeutung als Handelsartikel und für den grofsen Verbrauch find die Kaninchenfelle, von denen, zu Zwecken der Kürfchnerei braun gefärbt, Frankreich und Belgien circa 3 Millionen in den Verkehr bringen; Oftpreufsen und Galizien präpariren jährlich circa 2 Million weifse Kaninchenfelle, welche theils als Imitation von echtem Hermelin verarbeitet werden; nicht minder wichtig für Pelzbereitung find Lamm- und Schaffelle, von denen zu diefem Zwecke Oefterreich, Deutfchland, die Türkei, Italien, Spanien und Frankreich jährlich circa 2 Millionen liefern. Von allen diefen Producten wird nur ein Theil im eigenen Lande verarbeitet, und gelangt, was nach Deckung des eigenen Bedarfes überflüffig erfcheint, in der Regel zur Oftermeffe nach Leipzig und vertheilt fich von da nach allen Richtungen. Der Verbrauch von Pelzfellen in Mitteleuropa ift ein fehr bedeutender und zum Theil in dem factifchen Bedarf als unerfetzliches Schutzmittel gegen Kälte begründet, in vielen Gegenden auf die verfchiedenes Pelzwerk bedingenden Landestrachten zurückzuführen und in den grofsen Städten trägt das Wohlgefallen an Pelzwaaren viel, bei den feinen Pelzgattungen das Meifte zu dem grofsen Verbrauch derfelben bei, immer aber ift und bleibt hiebei ein zeitlich eintretender kalter Winter der mafsgebliche Factor. Von den meift confumirenden Staten brauchen an wichtigen Pelzfellen: England viel amerikanifche und fibirifche Zobel, Otter, Hermelin, Biber, fchwarze Katzen, Kaninchen und für eigenen Bedarf, wie für den Export nach Amerika gut % des ganzen Quantums von Pelz- Seehunden. Frankreich verarbeitet viel fchwarz gefärbte Perfianer und Aftrachaner Lammfelle, ruffifche Fehen, Futter von weifsen Kaninchen und Fehenbäuchen, Skunks und eine grofse Menge von Edel- und Steinmardern und amerikanifchen Zobeln, von denen es meift lichte Felle kauft, die dann fchön gefärbt werden; Italien und Spanien fchliefsen fich bezüglich der Gattungen gangbarer Pelzartikel Frankreich an, brauchen aber nicht fo viel als diefes; Deutfchland verwendet fehr viel Bifam, Edel- und Steinmarder und die meiſten Iltiffe, Nerze, Ottern, Füchfe, Schuppen und Kaninchen, und Oefterreich verbraucht aufser einem grofsen Theil feiner eigenen reichen Production fehr viel Bifam, Schuppen, Skunsk, Nerze, Hermelin, Kaninchen; 32 J. Max Hirfch. Wien fpeciell confumirt viel Edelmarder, amerikaniſche und fibirifche Zobel, Seeottern, Biber und Bifam und in Ungarn gehören fchwarze Perfianer Befatze auf Herrenröcke und dergleichen Mützen zur Nationaltracht, überdiefs werden da die reichen Magnatencoftume mit den edelften Fellen, Marder, Nerze, Zobel, befetzt. Wir fchreiten nun, nachdem wir die ebenfo bedeutende als weitverzweigte Production von Pelzfellen, den Millionen betragenden Handel mit denfelben, fo wie deren Verbrauch in den verfchiedenen Ländern in grofsen Zügen angeführt, zur Befprechung der in der Weltausftellung zur Anfchauung gebrachten Rauhund Kürfchnerwaaren, und beginnen, die grofsen Räume des Induftriepalaftes von Weft nach Oft verfolgend, mit Amerika, welches die Ausftellung mit Pelzwaaren fpärlich befchickt hatte. Ein New- Yorker Kürfchner brachte eine kleine, aber gewählte Collection fertiger Pelzgegenftände für Damen von Scalskin-, Hermelin-, Greber- und Nerzfellen, letztere von befonderer Güte; die Ausstattung diefer Waaren war eine luxuriöfe diefs, fo wie die bei einzelnen Stücken keineswegs fparfame Verwendung der Felle erklärt die hohen Preife und gleichzeitig den Umftand, dafs Amerikaner, trotz der Leiftungsfähigkeit dortiger Kürfchner, ihre PelzwaarenEinkäufe gerne in Europa beforgen. - Von Landesproducten zeigte Brafilien neben einigen Leoparden, Tigerkatzen, Ameifenbären, Dachfen und Ottern, wohl der Seltenheit wegen, einige Exemplare von ganz verkümmerten, glatten Wafchbär- Fellen, die nur in Nord- Amerika gut und zahlreich vorkommen. England hatte zu unferem Bedauern von fertigen Kürfchnerwaaren nichts ausgeftellt; hingegen fanden wir da zwei Firmen, deren prachtvoll gefärbte Schafund Ziegenfelle noch von Niemand übertroffen find; die Gröfse und Wollreichheit der englifchen Schaffelle, welche die Engländer vorzüglich kräftig im Leder zu präpariren, und welchen fie reine, feurige Farben in allen Schattirungen zu geben verftehen, eignen diefe Felle ganz befonders für Thür-, Bett- und Tifchvorlagen, als welche fie überall gefucht find; noch viel fchöner in Farbe find die Ziegenfelle, die meift zu Pofamenteriezwecken verwendet werden. In der Abtheilung der englifchen Colonien bemerkten wir in Weftafrika eine Auswahl der von dort in den Handel gelangenden Affenfelle, vom Cap der guten Hoffnung unter einigen wenig beachtenswerthen Fellen einige der allerfchönften Pelz- Seehunde und von Queensland eine Collection der dort in grofser Menge vorkommenden Opoffum, welche auch als fertige Decken, wohl unregelmässig zufammengefetzt, ausgeftellt waren; ferner hat eine Firma von Melbourne einige dort gangbare Damengarnituren von naturellen Opoffum-, Känguruh- und Emuvogel- Fellen zur Anfchauung gebracht, welche in Form und Ausftattung, dem ordinären Pelzwerk entfprechend, ziemlich primitiv gearbeitet waren; intereffant wegen des verwendeten Felles war eine Garnitur vom Federfell des Kiwi- Vogels, Privateigenthum einer auftralifchen Dame. Frankreich hat den friedlichen Wettkampf auf dem neutralen Boden der Ausstellung mit fertigen Pelzwaaren beinahe ganz gemieden und fpeciell wegen Vergleichung der namentlich in Paris florirenden Phantafie- Kürfchner arbeiten mit den von anderen Grofsftädten ausgeftellten, ift diefs zu beklagen. Wir fahen da bei einem Rauhwaaren- Händler, der auch Kürfchnerwaaren erzeugt, eine grofse Anzahl von Pelzfellen, welche Kürfchner und Hutmacher verwenden; diefe Ausftellung zeigte uns in einzelnen Exemplaren den ungeheuern Reichthum der Natur an den verfchiedenften Pelzthieren, wie fie naturell und gefärbt im Handel vorkommen neben dem prächtigen Silberfuchs bemerkten wir die koftbare Seeotter, neben dem zartgrauen Chinchilla den fchwärzeften fibirifchen Zobel, Füchfe von den Pyrenäen neben fchön geblendeten Steinmardern - Rauh- und Kürfchnerwaaren. 33 und Schuppen und aufser diefen und vielen anderen Fellen für Kürfchner noch eine reiche Collection von franzöfifchen, für Hutmacher in allen Nuancen gefärbte Kaninchen. Doch vermifsten wir bei diefer Ausftellung den richtigen Standpunkt des Rauhwaaren- Händlers, der am mafsgebendften nach feinem Sortiment beurtheilt wird, denn nach älteften Ufancen werden z. B. Bifam, Feh per 100 Stück, amerikanifche Zobel, Marder, Nerze, Iltiffe, Hermeline per 40 Stück, fibirifche Zobel per 20 Stück, Affen, Biber, Perfian etc. per 10 Stück gehandelt; ein richtiges Sortiment von zubereiteten Waaren ift das untrüglichfte Merkmal eines umfangreichen Handels, denn um 100, 40, 20 oder 10 Stück ganz gleicher Felle, refpective viele folche gleiche Packete zu erhalten, mufs man immer vorerft eine bedeutende Menge der betreffenden Felle haben. Verdienftlich bleibt diefe Ausftellung immerhin durch die Mühe, fo viele Pelzgattungen vorzuführen, wobei jedoch die Verlegung des Urfprunges mancher Thiere in einen anderen Welttheil unangenehm berührte, fo z. B. waren fibirifche Zobel als von Europa ftammend, Alaska- Silberfuchs von Afien, Kamtfchatka- Zobel von Amerika kommend u. f. w. nominirt. Derfelbe Ausfteller brachte einige Damenpelze und Muffe, bei denen fehr gute Felle verwendet waren. Noch fanden wir in Frankreich einige kleine Fufsteppiche und Fufsfchämel von galonirten Fuchsfchweifen, die weder neu noch fchön waren, und bei einem Ausfteller aus Bayonne ein kleines Sortiment ungarifcher und Bearner Lammfelle, welche vorzüglich zubereitet waren. In Italien ift in Folge der wenig ftrengen Winter für Kürfchnerei ein eng begrenztes Feld; fchweres Pelzwerk wird da gar nicht gebraucht, theueres fehr wenig, am gangbarften für Herrenpelz- Futter find fchwarze Aftrachan, Fehen und Fehenbäuche, und Damen lieben weifses Fellwerk von hellbrauner, mehr gelblicher Zobelfarbe. Ein Ausfteller aus Turin fuchte diefer Gefchmacksrichtung gerecht zu werden und brachte die verfchiedenften Felle, als Füchfe, Marder, Kaninchen, ferner Muffe von Greben, fchön und lebhaft braun gefärbt; aufserdem find in Italien noch einige von der Handelskammer zu Avelino gefandte, fehr fchön gefärbte Schafund Ziegenfelle, die aber im Leder zu hart waren, zu verzeichnen, wie auch eine gut naturalifirte Tigerdecke. Einen viel günftigeren Standpunkt haben die Kürfchner in Dänemark, deren ausgeftellte Arbeiten ganz vorzüglich waren; wir fahen da zwar mehrentheils nur Decken und naturalifirte Thierteppiche, welch' letztere von ganz befonders fchönen, meift heimifchen Fellen angefertigt, aber gar einfach montirt, während Erftere mit viel Fleifs und Gefchmack zufammengefetzt waren; fchön und angenehm waren da Bettdecken von Eidergans- Fellen und ganz vorzüglich gearbeitet, mit Nähten, wie von zarter Frauenhand, einige Futter von Iltifs und von Fehen, die wir aber als theuer bezeichnen müffen. Von grönländifchen Landesproducten hatte die dänifche Regierung einige fehr fchöne Felle von weifsen und blauen Füchfen, Rennthieren, Eisbären und Seehunden ausgeftellt. Noch mehr als in Dänemark find die Verhältniffe der Entwicklung der Kürfchnerei in Schweden und Norwegen günftig; nicht allein befitzen diefe Länder Reichthum an eigenen Producten, fondern Pelzwerk ift da, wie wir bereits erwähnten, auch beliebt, und viele Fremde, welche die grofsen Städte befuchen, machen da gerne Einkäufe. In der Ausstellung diefer Staaten haben wir vor Allem die des„ Norwegifchen Jägerei- und Fifchereivereines" als eine fehr intereffante und verdienftliche zu verzeichnen; wir hatten da Gelegenheit, die aufserordentliche Feinheit und Reinheit der Felle, deren Ruf fo verbreitet ift, zu bewundern, und in der That waren die ausgelegten blauen, weifsen und rothen Füchfe, Eisbären, braune 3 36 J. Max Hirfch. und waren alle gleich vorzüglich gearbeitet, wie auch die verwendeten Felle die allerbeften waren. Wir fahen da eine grofse Menge von Herren- und Damenpelzen, Muffe und naturalifirte Thierteppiche, und unter den vielen fchönen von Zobel-, Marder-, Hermelin, Chinchilla und anderen Fellen verfertigten Sachen, jedes Stück wie gegoffen, als befonders bemerkenswerth eine elegante Damenmode- Jacke mit dem fchönften Schwarzfuchs befetzt, einen Muff von den dunkelften fibirifchen Zobeln. Herrenpelze mit amerikanifchem Zobel und mit Seeotter befetzt; in ihrer Gefammtheit gereichen diefe Waaren nächft dem Ausfteller der Wiener Kürfchnerei zur gröfsten Ehre und bekunden eine weit vorgefchrittene Induftrie. Sie fanden Rivalen nur an der noch viel umfangreicheren Ausftellung der Firma J. P. Hirfch& Eidam, deren Erzeugniffe wir zum mindeften als ebenbürtige bezeichnen müffen. Hier fanden wir in gröfster Auswahl die von den koftbarften, wie auch von den gewöhnlichften Pelzfellen in verfchiedenartigfter Verwendung verfertigten Gegenftände, alle mit minutiöfer Genauigkeit, folid und gefchmackvoll gearbeitet, darunter befonders hervorzuheben: eine grofse Mantille aus fibirifchen Zobelfellen mit Hermelin gefüttert, das werthvollfte Stück in der öfterreichifchen Pelzabtheilung eine in diefer Zufammenftellung ganz neue und fehr elegante Polonaife von perfifchen Breitfchwanz- Fellen mit Silberfuchs- Nacken befetzt, ein Herren- Reifemantel mit Edelmarder gefüttert und mit Seeotter befetzt, ein Herrenrock von beftem Sealskin mit fchwarzem Perfianer gefüttert, Herrenpelze mit Zobel und mit Nerz gefüttert. Von Commerzartikeln, wie fie diefes Haus für den Export erzeugt, fahen wir Bifam, Fuchs- und Fehenmuffe, Aftrachanpaletots, Fuchskörbe von Pelzftücken, Reifemützen u. f. w., welche bei billigen Preifen folid und correct gearbeitet waren. Aufser den vielen Pelz- Bekleidungsgegenftänden brachte diefelbe Firma eine reiche Collection von Pelzmofaik- Teppichen, Wagendecken und naturalifirten Thierteppichen, welche, auf einem freiftehenden Kaften in der Mitte der Pelzwaaren- Abtheilung gut arrangirt, nicht allein durch das farbenreiche Bild die Aufmerkfamkeit der Befucher auf fich lenkten, fondern auch durch die fchöne, unverdroffene Arbeit voll befriedigten; wenn wir auch hier vor allen diefen guten Stücken eines hervorheben follen, fo verdient diefs namentlich ein grofser Teppich, der, von Zobel und Marderkopf- Theilen, untermifcht mit Sealskinftreifchen, in Deffin zufammengefetzt, eine fehr angenehm wirkende, ruhige Farbenmifchung darftellte. Eine nicht minder befriedigende Leiftung mit feiner zwar kleinen, aber durchaus fchöne Stücke enthaltenden Ausstellung bot Herr E. Hofmann, deffen Arbeiten eine fehr verftändige Verwendung der Felle, vereint mit dem vorzüglichften Gefchmack, bekundeten; die Muffe hatten tadellofe Formen, die Adjuftirung war eine fehr elegante und in diefer Beziehung zeichneten fich befonders zwei Decken von Fehen und von amerikanifchem Luchs aus. Höchft intereffant war auch die gröfsere Ausftellung des Herrn Franz Neumann, welche eine Menge von Herren- und Damen- Pelzbekleidungen enthielt, wie auch das Modell eines Nordpol- Fahrers in feinem Wintercoftume, wie es von Wafchbär- Fellen angefertigt ift, ferner einen riefig grofsen, viel bewunderten Königstiger und einen Teppich, deffen Medaillon das gelungene Wiener Stadt wappen, in Pelzmofaik ausgeführt, bildete. Zum Theil von feinen Pelzfellen in verfchiedener Weife angefertigte Gegenftände ftellte Herr Auguft Schwarz aus; wir fahen da in grofser Auswahl Herren- und Damenpelze, Muffe und Kragen, wie fie für den gewöhnlichften Gebrauch angefchafft werden, bis zur eleganten Theatermantille mit Weifsfuchs befetzt, ferner theils montirte, theils unausgefertigte Leoparden-, Löwen-, Bären-, Wolf- und Fuchsfelle, mit denen zwei hohe Wände ausgiebig decorirt waren, was nicht wenig zur Hebung des guten Eindruckes, den die öfterreichifche Pelzabtheilung machte, beitrug. Rauh- und Kürfchnerwaaren. 37 Befcheiden bewerkstelligte Herr Anton Sluinsky feine Ausstellung, aber was er zur Anfchauung brachte, zeigte den erfahrenen Meifter feines Faches, wie denn auch fämmtliche Gegenstände vortrefflich gearbeitet waren; ganz befonders fielen da prächtige Kalpak mit Reiherbufch, Kopfbedeckungen für ungarische Magnaten und für öfterreichifche Generale der Cavallerie, ferner Bettvorlagen und Fufskörbe auf, welche von bunt gefärbten Lammfellen präcis zufammengefetzt, die fchönften Blumen und verfchiedene Landeswappen treu darftellten. Schliefslich kommen wir zur Ausftellung des Herrn J. Wopalensky, deffen vortrefflicher Gefchmack fich an den ausgelegten Waaren, namentlich bei den viel bewunderten eleganten Damenhütchen, glänzend bewährte; reizend fchön in der Montirung waren drei kleine Teppiche, je einer von weifsem, blauem und von Silberfuchs, ferner ein prachtvoller Muff von fibirifchen Zobeln und eine Decke von Weifsfuchs. Den hier befprochenen Vorzügen diefer Collectivausftellung, welche eine folche Fülle des Vollkommenften bot, wie fie vereint noch nie gefehen ward, wollen wir aber auch beifügen, dafs bei einigen ausgeftellten Pelzen in dem Bemühen, vorzüglich Schönes zu bringen, die Futter von Zobel, Bifam, Schuppen künftlich ausgelaffen waren; durch diefe mühfame langwierige Arbeit wird jedes Fell bedeutend länger und fchmäler, fein Rückenftreif tritt intenfiver hervor und gibt fo den vielen an einander gereihten Fellen eine ſchönere, markirtere Zeichnung; doch oft werden durch die vielen Nähte folche Futter fteifer, das Fell wird eher angeftrengt als gefchont und die viele Arbeit vertheuert den Gegenftand. So wollen wir beiſpielsweife erwähnen, dafs wir in der öfterreichifchen Abtheilung in einem Kaften zwei mit Schuppen gefütterte Pelze fahen, von denen der auf gewöhnliche Art gefütterte 80 fl., der andere aber, der ein ausgelaffenes Futter hatte, 250 fl. koftete, welche Preisdifferenz in den unnöthig vermehrten Herſtellungskoften zu fuchen ift. Freilich trifft diefe Bemerkung nur einzelne Stücke; im Allgemeinen zeichnete fich diefe grofse Collectivausftellung dadurch aus, dafs die Preife der Waaren bei ihrer Vorzüglichkeit und trotz der keineswegs günftigen Arbeitslöhne äufserft mäfsige waren, was dadurch erklärlich fein dürfte, dafs feines Pelzwerk, wie es meift ausgeftellt war, in Wien, wenn auch fehr beliebt, doch nicht fo gang und gäbe ift, wie z. B. in Rufsland oder in Frankreich; will nun der Wiener Kürfchner dennoch grösseren Abfatz erzielen, und weil es ihm nur zu oft widerfährt, dafs wie immer befchaffene Pelzwaaren, feien fie auch von deutfchen oder amerikanifchen Fellen angefertigt, wenn fie nur von Rufsland oder Frankreich kommen, feinen beften Erzeugniffen vorgezogen werden, da gewöhnlich alles Pelzwerk von Rufsland, alles Faſhionable von Frankreich ftammend betrachtet wird, fo mufs er mit dem geringften Nutzen verkaufen, wie denn auch Fremde fehr häufig die billigen Preife der fchönen und foliden Wiener Pelzwaaren anerkennen. Zu den anderen Objecten in der öfterreichifchen Pelzabtheilung übergehend, verzeichnen wir noch die von einem Wiener Separatausfteller gebrachten wenigen, aber ziemlich gut gearbeiteten Waaren, dann die von einem Prager Kürfchner ausgeftellten Pelze, Muffe und kleinen Phantafiegegenftände, welche mit viel Fleifs und Gefchicklichkeit gemacht waren; namentlich ein Reifepelz mit gallonirtem Schuppenfutter, nahm fich vortrefflich aus, kann aber nicht praktiſch genannt werden, da er kaum den Anforderungen der Dauerhaftigkeit, die man an einem Schuppenpelz ftellt, entſprechen dürfte. Ferner brachte ein bedeutender Kürfchner aus Galizien, der in Krakau und Lemberg etablirt ift, eine grofse Menge der verfchiedenften Pelzwaaren, wie fie dort erzeugt und getragen werden. An diefen Erzeugniffen konnte man deutlich erkennen, dafs deren Abfatz in Galizien nicht an Mode oder befondere Gefchmacksentwicklung gebunden feida ftreicht fchon kalter nordifcher Luftzug, und der warme Pelz wird zum Bedürfnifs. 38 J. Max Hirfch. Wir fahen da wohl defshalb auch fehr viele ordinäre, dem Minderbemittelten paffende Gattungen, fowohl für Männer als für Frauen; theilweife waren auch Modeftücke ausgelegt, denen aber das Bemühen, fie möglichft billig und für Jedermann erreichbar herzuftellen, anhaftete, wodurch die Schönheit des verwendeten Felles beeinträchtigt war. Gut und fauber gearbeitete Stücke gab es unter den Muffen, welche dort im Allgemeinen gröfser als in Wien gemacht werden; auch haben wir zu bemerken, dafs hier Pelzforten zu Zwecken verwendet waren, denen wir fie in fonft keinem Lande dienftbar gemacht fahen, z. B. Vielfrafs als Futter in Männerpelze, Opoffum als Damen- Pelzfutter u. f. w. Recht verdienftlich war die Ausftellung einiger Brünner Kürfchner, deren Gegenftände forgfam und von guten Fellen gemacht waren; die Form der Muffe und Krägen entſprach den Wiener Erzeugniffen, nur die Ausftattung mancher Stücke liefs weniger geübten Gefchmack erkennen. Ein Pelzfärber aus Pilsen brachte bunt gefärbte öfterreichifche Schaffelle zur Anfchauung, welche wegen ihrer Billigkeit als Erfatz für englische Schaffelle zum Theil im Lande verwendet, und auch nach Deutfchland exportirt werden; doch wie die Felle an Gröfse und Wollreichheit den englifchen nachftehen, fo erreicht auch die Farbe lange nicht die Reinheit und den Glanz derfelben. Schliefslich zeigten zwei Troppauer und ein Bielitzer Kürfchner die Producte ihres Fleifses in einigen Männerpelzen und Damenmuffen, die theilweife fehr gut gearbeitet waren. Von den in Ungarn ausgeftellten Pelzwaaren, dabei einige Damengegenftände wenig forgfam gemacht, erregten ein blaufammtener, mit Gold verfchnürter und mit fchmalen Edelmarder- Streifen correct befetzter Magnatenmantel, und namentlich die vielen Bunda viel Interreffe; es find dies Pelze ohne Tuchüberzug von Lammfellen, welche mit der Wolle nach innen, dem Leder nach Aufsen getragen werden und in ganz Ungarn Nationaltracht der Bauern find; die Aufsenfeite, mit bunten Stickereien reich verfehen, ift je nach den Diftricten, wo folche Bunda getragen werden, braun, fchwarz oder weifs, und foll das Leder immer weich präparirt fein, was an den ausgeftellten Stücken nicht der Fall war. Nicht minder intereffant geftaltete fich die Ausftellung des Pefter Rauhwaaren- Händlers L. W. Heidelberg, welcher in vortrefflichem Sortiment heimifche Producte: Füchfe, Edelmarder, Steinmarder, wilde Katzen, Dachfe, Fifchottern u. f. w., wie fie im Handel vorkommen und theils im Lande verwendet, theils nach Deutfchland und Rufsland exportirt werden, zur Anfchauung brachte. Bei der Ausstellung Rufslan ds angelangt, hatten wir Gelegenheit, fowohl durch die Koftbarkeit der Felle ausgezeichnete, als durch die Art der Verwendung derfelben eigenthümliche, aber auch folche Waaren zu fehen, die unter dem Niveau des bisher Bemerkten ftanden. Vorzügliches leiftete die Firma Odno ufchefsky aus St. Petersburg; ein etwa 50 Centimeter langer Damenkragen von den fchönften, glänzend fchwarzen Füchfen, der den Werth von circa 4500 fl. repräfentirte, rief die Bewunderung aller Kenner hervor, die ausgelegten Futter im Preife von 1500 bis 6000 fl. von Steinmarder, virginifchem Iltifs, Zobel, Schwarzfuchs, waren nach ruffifcher Manier immer von den gleichen Partien der Felle, von Rücken, Pfoten, Köpfen, fehr correct und im brillantem Sortiment zufammengefetzt, und auch die fertigen kleinen Damengegenftände, Muffe und Krägen, darunter welche von Seeotter- Fell, wie fie nur in Rufsland getragen werden, waren zum Theil von fchönen Pelzfellen, doch in Bezug auf Form und Ausftattung nichts weniger als gefchmackvoll. Die von der Firma Petroff, Gregor& Medwejeff aus St. Petersburg ausgeftellten fertigen Damenpelze hatten als Futter die nur nach Rufsland gelangenden, fonft im Handel felten vorkommenden weifsen chinefifchen Ziegenfelle, welche fehr angenehm weich und warm find; die Façon diefer langen, weiten Pelze zeugt von dem confervativen Gefchmack ruffifcher Damen, da bei uns Pelze Rauh- und Kürfchnerwaaren. 39 in diefer Gröfse für die Strafse feit 10 Jahren aufser Mode find und nur mehr für die Reife getragen werden. Vortrefflich gearbeitet und praktifche Verwendung des Materiales bekundend war das galonirte Futter von Schwarzfuchs- Schweifen, welches nebft zwei guten Futtern von Zobelkehlen und Pfoten Herr Bjelkin aus Moskau brachte. Wenig lobenswerth, wenngleich fehr umfangreich, war die Ausftellung eines Kürfchners aus Riga; hier fahen wir Wiener und deutfche Erzeugniffe untergeordneten Ranges und in England gefärbte Schaffelle als ruffifche Kürfchnerwaare präfentirt, und die eigenen Erzeugniffe, mehrentheils von ordinären Fellen, waren gar nicht gut gearbeitet, dabei die Preife fehr hoch. Originell zwar, aber primitiv in der Ausführung waren die von einem Archangeler Haus gebrachten Gegenftände, darunter ein dort getragener Kaftan von Rennthier- Fellen, eine unförmlich grofse, fchwere Haube von Vielfrafs, dann Muffe und Krägen von Wildenten-, Möven und Hermelinfellen. Von Kürfchnerwaaren wollen wir noch die von Herrn Baranofsky aus St. Petersburg ausgeftellten Schaffelle und Schaffell- Pelze wegen ihrer ganz vorzüglichen Zurichtung bemerken; diefe Pelze, der Landestracht gemäfs mit kurzen Leibern und faltigen Schöfsen, waren im Leder fchwarz und grau, in der Wolle bunt gefärbt, das Leder fo fein und fchmiegfam präparirt, dafs es einen Tuchüberzug vollkommen erfetzt. Auch mit verfchiedenen Gattungen feiner reichen Fellproduction hat Rufsland die Ausftellung befchickt. Das Gouvernement Irkutsk ftellte eine grofse Collection dort vorkommender Pelzfelle zur Schau: rothe, blaue, Kreuzund Silberfüchfe; Kolinsky Fehen in unterfchiedlichen Qualitäten und prachtvolle Zobel; ebenfo brachte Herr Ladislaus Kletfchkofsky einzelne Exemplare von Fellen aus dem Gouvernement Archangel: rothe, blaue und weifse Füchfe, Fehen, grofse weifse Hafen, Vielfrafse und vorzüglich fchöne Hermeline. In der Türkei begegneten wir bei einem Kürfchner aus Conftantinopel einigen recht gefchmackvoll gemachten Damen- Pelzgegenftänden, meift von Grebenfellen, die viel am fchwarzen Meere vorkommen; derfelbe brachte auch eine mit viel Gefchicklichkeit von türkifchem Hamfter, Wildenten und Greben zufammengefetzte Tifchdecke. Von verfchiedenen türkifchen Provinzen waren Halbfabricate eingefandt, Futter von Wildenten- Fellen, von türkifchen Hamſtern, von amerikanifchen und europäischen Füchfen, welche aber weder im Sortiment, noch in der Zurichtung oder in der Arbeit befriedigten; ferner eine grofse Menge von Marderfellen, die mehrentheils nach Oefterreich und Deutfchland exportirt werden. Für die rumänifche Ausftellung hatten mehrere Private ihnen gehörige Wölfe, Bären, wilde Katzen, wie sie in Rumänien gejagt und von dortigen Kürfchnern fehr gut naturalifirt wurden, beigeftellt; ferner fahen wir da einige Futter von Füchfen und von Marderabfällen, welche von Griechen und Serben gerne benützt werden. Sehr intereffant war die Ausftellung von Perfien. Aufser Lammfellen, welche einzig in ihrer Art und in der ganzen Welt verbreitet find und die in Originalballen zu Zehntaufenden über Rufsland, in letzterer Zeit auch über Trieft exportirt werden, waren andere Pelzfelle als perfifche kaum gekannt, da fie entweder im Lande felbft verwendet, oder in Rufsland, wohin fie eventuell gelangen, mit anderen gleichen Fellen vermengt werden und ihren Originalcharacter verlieren. Hier fahen wir nun aufser Schiraz( Lammfellen) auch perfifche Wildwaaren, dabei grofse, rauhe Steinmarder, an Farbe zwar hell, aber fehr fein und rauh in der Wolle; grofse, helle Füchfe, ähnlich den nordamerikanifchen oder tartarifchen Steppenfüchfen, doch viel gröfser und rauher als diefe; ferner fahen wir fehr fchöne Grebenfelle und grofse, gut ausgearbeitete Schwäne. Ganz befonders fchön in feiner Art war das einzige fertige Pelzftück, ein grofser Schafpelz ohne Tuchüberzug, das Leder, unübertrefflich gut zugerichtet, war von fammtartiger Weich 40 J. Max Hirfch. heit und fchön goldbraun gefärbt, die Wolle fein und dicht und fchön naturell dunkelbraun. In China fanden wir einige rohe und montirte Leopardenfelle, dann als Decoration eine zufammengefetzte Tafel von Wolfsfellen, welche fehr weich und dünnlederig zugerichtet und vorzüglich fchön genäht waren; gute Zurichtung und feine Näherei find überhaupt ein auszeichnendes Merkmal der chinefifchen Kürfchnerei; die in letzterer Zeit öfter im Handel vorkommenden, in grofser Kreuzform zufammengefetzten Tafeln von chinefifchen leichten Zobelfellen, welche auch vortrefflich geblendet find, bezeugen dies genügend, und wir bedauern lebhaft, dafs die wegen der originellen Formen fertiger Pelzgegenstände und wegen der vorzüglichen Arbeit fehr intereffanten chine fifchen Kürfchnerwaaren nicht vertreten waren. Japan endlich hat eine Menge der in feinen Gewäffern lebenden Seeottern, welche nach China, Rufsland und England exportirt werden, fowie einzelne Exemplare von kleinen, rauhen Bären- und von Marderfellen ausgeftellt, welch' letztere fehr klein und ftruppig find und mit den europäiſchen Edelmardern wohl Aehnlichkeit haben, ihnen qualitativ aber weit nachftehen.