OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3. STAHL- UND EISENWAAREN. ( Gruppe VII, Section 2.) Bericht von F. W. HAARDT. ERZEUGNISSE AUS KUPFER, ZINK, BLEI, ZINN, NICKEL UND DEREN LEGIRUNGEN. ( Gruppe VII, Section 4.) Bericht von GUSTAV EDLEN V. ROSTHORN. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1874. STAHL- UND EISENWAAREN. ( Gruppe VII, Section 2.) Bericht von F. W. HAARD T.* Der öfterreichiſche Theil diefer Ausftellung erfreute fich eines ſpeciellen Pavillons, des fogenannten Eifenhofes, der alle inländifchen Metallwaaren in fich aufnahm, mit Ausnahme einiger gröfserer Expofitionen, die oft in Verbindung mit den anderweitigen Fabrikaten der betreffenden Ausfteller im angrenzenden Theile des Hauptgebäudes untergebracht waren. Die Induftriellen Oefterreichs hatten in allen Zweigen der gewerblichen Thätigkeit ein beftimmtes Gefühl der Solidarität an den Tag gelegt und durch eine faft allgemeine Betheiligung an der Ausftellung bewiefen, dafs fie fich der Pflicht bewusst waren, in diefem induftriellen Wettkampfe die Ehre des Landes zu wahren, und der ftaunenden Welt zu zeigen, was diefer fo vielfach verkannte Kaiferftaat zu leiften im Stande fei. Die Angehörigen der Metallwaaren- Branche waren für ihren Theil diefer Pflicht und Rückficht im vollften Mafse gerecht geworden; denn fie waren mit ihren Fabrikaten aus allen Theilen des grofsen Reiches herbeigekommen und keiner war zurückgeblieben, der nur irgendwie eine Beachtung auf induftriellem Gebiete in Anspruch nehmen kann. Der Eifenhof lieferte den vollgiltigen Beweis, dafs die allgemeine Theilnahmlofigkeit, die man auf den früheren Ausftellungen in London und Paris in diefen Artikeln zu beklagen hatte, nicht in der Inferiorität unferer Fabrikation, fondern in anderen Urfachen zu fuchen fei. Was die Betheiligung des Auslandes betrifft, mufs vorhergefchickt werden, dafs man auf den früheren Ausstellungen daran gewöhnt worden, in diefem Induftriezweige qualitativ und quantitativ England überall an der Spitze zu fehen; neidlos wurde ihm bisher die Palme zuerkannt. Es mufste * Die vorliegende Berichterstattung wurde durch den Umftand erfchwert, dafs dem Veлfaffer der Auftrag hierzu in Folge deffen, dafs, dem Vernehmen nach, die von einem anderen Sachverständigen übernommene Berichterstattung zurückgelegt wurde, erft nach erfolgtem Schluffe der Ausftellung zukam. Eine örtliche Erhebung und Vergleichung der Objecte und die Feftftellung des aus dem unmittelbaren Eindrucke fich Ergebenden ward hierdurch unmöglich, und mufste die Befprechung auf Grund von Privatnotizen und im Gedächtniffe verbliebener Wahrnehmungen erfolgen. Der Verfaffer glaubte diefs ausdrücklich bemerken zu follen, um dadurch das Vorhanden fein etwaiger Lücken zu entfchuldigen. I* 2 F. W. Haardt. daher überraschen, dafs diefsmal die Betheiligung Englands fo weit hinter jeder Erwartung zurückblieb. England hat den Nutzen reicher Auslagen auf den Weltausftellungen früher zu fehr wahrgenommen und auszunützen gewufst, als dafs feine diefsmalige Enthaltfamkeit nicht in ganz fpeciellen Urfachen gefucht werden follte. Wir find fehr geneigt, diefe Urfachen in den zahlreichen und andauernden Striks zu vermuthen, die gerade auf dem Gebiete der Stahl- und Eifen- Induftrie in England von fo nachtheiligem Einfluffe gewefen find. Diefer Induſtriezweig hängt faft ausfchliesslich von dem Fleifse und der Gefchicklichkeit, alfo mehr oder weniger von dem guten Willen der Arbeiter ab, da gerade in ihm die Handarbeit eine hervorragende Rolle spielt. Es wäre daher für die englifchen Induſtriellen eine zinstragende Auslage gewefen, wenn fie grofse Zuzüge englifcher Arbeiter zur Wiener Weltausftellung organifirt, und auf diefe Weife durch eigenen Augenfchein ihren Arbeitern Gelegenheit verfchafft hätten, wahrzunehmen, dafs es mit der traditionellen englifchen Ueberlegenheit fehr bedeutend abwärts geht, und dafs Rheinpreufsen und Elfafs, in manchen Artikeln auch Amerika und Oefterreich, gefährliche Concurrenten geworden find. Vielleicht hätte diefe Wahrnehmung und ihre Verbreitung auf heimischem Boden den englifchen Fabrikanten auf indirecte Weife reichlich entfchädigt für die Opfer, die jene Reifen verurfacht hätten. Gehen wir auf die einzelnen Abtheilungen diefes Induſtriezweiges über, fo ragte im Eifenhof zunächft als ältefter und ausgebreitetfter Induftriezweig Oefterreichs unfere Senfenfabrikation hervor. 090 Senfen. nobuss Der glücklich entworfene und durchgeführte Gedanke einer CollectivAusstellung ermöglichte ein vollſtändiges und überfichtliches Bild diefes wichtigen Artikels, der in früheren Jahrhunderten auf allen Märkten der Welt eine monopoliftifche Stellung behauptete, und diefe mit feinem Rohstoff, dem fteireifchen Stahle, redlich theilte, der feinerfeits fo weit der Himmel blau- wie es in alten Gefchäftsberichten heifst, diefelbe Verbreitung und Anerkennung fand. odom Es mufste auffallen, dafs fast von keinem anderen Lande Senfen und die dazu gehörigen Nebenartikel, als: Strohmeffer, Sicheln u. f. w., hier ausgeftellt waren. Wir möchten diefs faft als eine verdiente Huldigung betrachten, die man der fteierifchen Induſtrie dargebracht hat. Vielleicht wirkte dabei noch der fehr profaifche Grund, dafs man dem fremden Befchauer die Waare nicht ohne jene Fabriksmarke vorführen mochte, die auf den Weltmärkten allein die Verkäuflichkeit diefes Fabrikates fichert, die aber faft ausnahmslos unferen fteierifchen Werken entlehnt wurde, um damit das geringere auswärtige Fabrikat zu fchmücken. Die öfterreichiſche Senfen- Induftrie hat auch diefsmal ihren alten Ruf auf das Glänzendfte bewährt. In zahllofen Formvariationen, dem Bedarfe und den Anforderungen der verfchiedenen Abfatzgebiete entſprechend, zeigten die ausgeftellten Fabrikate in der Bearbeitung und Adjuftirung eine vollkommene Beherrfchung der Materie; auch Form und Farbe liefsen nichts zu wünfchen übrig. Wer diefen Artikel auf den früheren Ausftellungen eingehender gewürdigt hat, dem mufste fich hier fofort die Wahrnehmung aufdrängen, wie vortheilhaft unfere Senfenfabrikanten die Erfahrungen diefer Ausftellungen für fich auszunützen verftanden hatten, fo weit es das äufsere Anfehen ihres Erzeugniffes betrifft. Während fchon früher die auswärtigen, namentlich die franzöfifchen und englifchen Fabriken, beftrebt waren, die Senfen in ihrer äufseren Ausftattung durch Lackiren, Poliren, Patroniren, Bronziren dem Käufer vortheilhaft erfcheinen Stahl- und Eifenwaaren. 3 zu laffen, indefs unfere Senfen mit Verfchmähung diefer äufseren Zierathen ftets in ihrem Urzuftande in den Handel gebracht wurden, lieferte die diefsmalige Ausftellung den erfreulichen Beweis, dafs man auch hier den grofsen Vortheil nicht unterfchätzt hatte, der in der fchöneren, dem Auge wohlgefälligeren Ausftattung gelegen ift, indem, wenngleich diefe Zierathen zur Güte des Fabrikates nichts beitragen, fie doch bei dem weniger fachmännifch durchbildeten Käufer die Abfatzfähigkeit der Waare in hohem Grade fördern. Die Kärntner und Krainer Senfenfabrikation hatte allerdings noch an dem früheren Ufus feftgehalten und die Senfen fo ausgeftellt, wie fie aus dem Hammerwerke kommen, wahrfcheinlich um dem Käufer die Beurtheilung der Qualität zu erleichtern; aber es darf angenommen werden, dafs die diefsjährigen Erfahrungen hingereicht haben, auch in diefen Kronländern die Erkenntnifs zu bewirken, dafs der grofse Haufe der Käufer für eine äufsere elegante Ausftattung nur zu fehr empfänglich ift. Dafs die Qualität unferer Senfen, die Schneide, gegen das altgewohnte Renommée nicht zurückgeblieben war, dürfen wir wohl als felbftverftändlich vorausfetzen, da das Rohmaterial, nämlich das aus reinem Spatheifenftein mit Holzkohle erblafene Roheifen, welches hier zur Anwendung kommt, noch immer dasfelbe ift. Zum erften Male begegneten wir einer ausgedehnteren Anwendung des Beffemer- Stahl es zur Senfenfabrikation. Mit Befriedigung verdient es con ftatirt zu werden, dafs diefes Material dem bisher faft ausfchliefslich dazu verwendeten Gärbftahl und Gufsftahl das Vorrecht ftreitig macht. Es mufs aufrichtig gewünſcht werden, dafs die Verwendung des Beffemer- Stahles zur Senfenfabrikation fich bei uns verallgemeinere, da diefer Rohftoff eine ftets gleichartige Qualität, leichtere und bequemere Bearbeitung und billigeren Preis für fich hat, und gerade die Güte unferes Beffemer- Stahles in Folge unferes unübertrefflichen fteierifchen und kärntnerifchen Rohmateriales vom Auslande nicht fo bald erreicht werden dürfte. Neben der öfterreichifchen Ausftellung verdient von fremden Ausftellern auf dem Gebiete der Senfen- und Sichelfabrikation noch die Collection von James Füffel Sons& Comp. in Frome eine befondere Erwähnung, da fie allen Anforderungen einer fchönen und reinen Waare vollkommen entfprach. Die renommirten Senfenfabriken: Haueifen in Stuttgart, Auffer mann in Weftfalen, die franzöfifchen Firmen: Goldenberg, Talabot, Jackfon und Andere, die auf den Weltmärkten in diefem Artikel eine Rolle spielen, hatten fich an unferer Ausftellung nicht betheiligt. Obgleich aber die Gefchäftsleute der ganzen Welt darüber vollständig im Klaren find, dafs die beften Senfen aus der Steiermark, Niederöfterreich, Kärnten und Tirol kommen, fo ift doch als leidige Thatfache anzuführen, daſs unfere berühmten und uralten Senfenfirmen: Weinmeifter, Forcher, Zeilinger, Huber, Mofer, Pieslinger, Schröckenfuchs und Andere, den wenigften Gefchäftsleuten diefes Faches im Auslande bekannt find. Während diefe fehr wohl den Ruf der Marken: Halbmond, Krone, Kreuz, Pofthorn, Schwert, Glocke, Herz, Tannenbaum etc. etc. zu würdigen wiffen, hatten fie doch kaum jemals Gelegenheit, mit unferen Fabrikanten perfönliche Berührung zu pflegen. Es ift daher nicht zu verwundern, dafs der auswärtige Fabrikant, der mit demfelben Zeichen( Fabriksmarke) dienen kann, im perfönlichen Verkehre mit den fremden Abnehmern die Beftellungen davon trägt, und häufig unferen Fabrikanten das leere Nachfehen läfst. Die vor Jahrhunderten beftandene Uebung, den Käufer an fich herankommen zu laffen, eine Uebung, die man im Wefentlichen auch heute noch vielfach beizubehalten beftrebt ift, mufs den veränderten Verkehrs- und Gefchäfts 4 F. W. Haardt. verhältniffen weichen, und es verdiente wohl erwogen zu werden, ob eine directe Verbindung mit den ausländifchen Käufern( Eifenhandlungen) nicht dem bisherigen Modus der Verſtändigung mit einzelnen hierher kommenden Zwifchenhändlern vorzuziehen fei; jedenfalls können wir aus Erfahrung conftatiren, dafs es die grofsen ausländifchen Senfenfabriken nicht verfchmähen, die Käufer von Senfen überall aufzufuchen, oder auffuchen zu laffen, und auf diefe Weife für die Entgegennahme regelmäfsiger Beftellungen das Ihrige zu thun, während unfere Senfenfabrikanten häufig über Mangel an Abfatz, das heifst über Ausbleiben der Zwifchenhändler klagen. Sowohl die Qualität der Waare als auch die Ausdehnung diefes Fabrikationszweiges( es hatten fich über 100 renommirte Senfenfabriken an der Collectiv- Ausstellung betheiligt, eine Anzahl, die kein zweites Land in diefem Artikel auch nur annähernd aufzuweifen vermag) berechtigen vollkommen zur Annahme, dafs, wenn man es an den directen perfönlichen Beziehungen und Bemühungen nicht fehlen liefse, auch die Abftellung einiger alten Uebelſtände und unzeitgemäfsen Gewohnheiten ernftlich in Angriff nähme, Oefterreichs Ruf als erfte Senfen- Bezugsquelle auch im Abfatze feinen Ausdruck fände. Abgefehen von den vielen Feiertagen, die befonders in unferen alpinen Gegenden beftehen, und trotz eines Verluftes von jährlichen 5 bis 6 Percent der gefammten Arbeitskraft mit feltener Gewiffenhaftigkeit aufrecht gehalten werden, müsste auch das bisherige Verhältnifs von Arbeitgeber und Arbeitnehmer diefes Zweiges einer Reform an Haupt und Gliedern unterzogen werden. Das bisherige Syftem des Leihkaufes, das Dingen der Arbeiter auf ein ganzes Jahr mit grofsem Angeld und obligatem Trunk, fonft aber mit fehr geringer Baarlöhnung, müfste mit den Anfprüchen der neueren Zeit in beffere Uebereinftimmung gebracht werden. Wenn dem Arbeiter durch rationelle Accordarbeit ein lebendiges Intereffe an feinem eigenen Wohlergehen und dem gleichzeitigen Gedeihen des Werkes eingeflöfst würde, wenn man feiner Ausbildung, feinen Begriffen über den Stand der auswärtigen Productions- und Abfatzverhältniffe beffer zu Hilfe käme, würden die Arbeitsleiftungen ganz andere fein und unfere Concurrenzfähigkeit aufser Frage bleiben. Allerdings würde noch dazu gehören, dafs auch der Arbeitgeber feinen Hauptberuf in der Entwicklung feiner Fabrikation erblicke, nicht aber, wie diefs fo oft und vielfeitig der Fall ift, darin, dafs er als Schankwirth feinen Arbeitern einen grofsen Theil ihres Verdienftes gegen Getränke wieder abnehme, oder feine Hauptaufgabe darin fuche, die Erzeugniffe feiner Landwirthschaft durch Abgabe an feine Arbeiter, oft auf Koften feines Fabrikationsbetriebes, zu möglichst hohen Preifen zu verwerthen. Die Ausftellung felbft hat nicht wenig dazu beigetragen, unfere Ueberlegenheit neuerdings der ganzen Welt fo recht augenfällig zu demonftriren. Es handelt fich nur darum, dafs wir in richtiger Weife die Confequenzen daraus ziehen. Hierbei müffen wir auch das Princip der Affociation in allen denjenigen Fällen zu ernftlicher Erwägung empfehlen, wo es dem einzelnen Fabrikanten, fei es vermöge feiner örtlichen Lage, feiner Vermögensverhältniffe, feines Gefchäftsumfanges oder aus welch anderen Urfachen, nicht convenirt, für fich allein auf dem Weltmarkte aufzutreten. Werkzeug- Fabrikation. Unfere Werkzeug- Fabrikation, ein höchft beachtenswerther Zweig der Metallwaaren- Induftrie, hat fich in ihren hervorragenden Repräfentanten auch diefesmal die allgemeine Anerkennung erworben, und die ihr zugemeffenen Belohnungen redlich verdient. Ein grofser Theil unferer Ausfteller hat für feinen Theil bewiefen, dafs man mit den fteigenden Anforderungen der neueren Technik gleichen Schritt zu Stahl- und Eifenwaaren. 5 halten verfteht. Zu wünſchen wäre es nur, dafs auch die anderen Gewerbetreibenden diefes Faches bemüht fein wollten, diefen Anforderungen mehr als bisher gerecht zu werden und fich die Concurrenz- Erzeugniffe des Auslandes zu ernftlicher Nachahmung dienen zu laffen. Trotzdem, dafs uns ein ausgezeichnetes Rohmaterial zu Gebote fteht, ein Rohmaterial, welches noch vielfach von der ausländifchen Concurrenz aus Oefterreich bezogen wird, und wovon die erzeugten Fabrikate trotz doppelter Fracht und Zollvertheuerung wieder hieher zurückgeführt werden, haben wir die bedauerliche Erfcheinung zu verzeichnen, dafs unfere Einfuhrliften in diefem Artikel ein bedeutendes Mehr aufweifen. Die Ausstellung des deutfchen Zollvereines, unferes gefährlichften Concurrenten, zeigte in vielen Artikeln durch Reichhaltigkeit, Form und Güte eine Ueberlegenheit, die auszugleichen, eine erhöhte Anftrengung erfordert. Die Feilen von Mannesmann und von Corts in Remfcheid, die Meiffel und Hobeleifen von Braunfchweig und Arns, die Sägen von Wüfter, Dörken und Anderen, die Schneid- Werkzeuge, Zangen, Bohrer, Hämmer und Amboffe, die Zimmermannsgeräthe u. f. w. zeigen eine Beforgnifs erregende Tüchtigkeit. Dazu kommt, dafs die Concurrenzfähigkeit des deutfchen Zollvereines noch einen durchaus ebenbürtigen Zuwachs erhalten hat in den Werkzeug Fabriken des Elfafs, von Somborn, Goldenberg, Coulaux und Anderen, welche theilweife auch auf der Ausstellung würdig vertreten waren und deren Erzeugniffe vollkommen muftergiltig genannt werden mussten. In erfter Linie mufs die ega le und glatte Schmiedung der Zollvereinswaaren, nicht minder aber auch der reine und glatte Schliff als nachahmenswerthes Mufter aufgeftellt werden. In beiden Beziehungen hat die öfterreichiſche Fabrikation noch eine letzte Anftrengung durchzumachen. Die neuefte Schleifmethode, die fich von England aus im Zollvereine vielfachen Eingang verfchafft hat, findet auch bereits in Oefterreich Anwendung. So fchien die grofse Circularfäge, welche von der Firma Vogel& Noot, eine andere, welche von Martin Miller's Sohn ausgeftellt war, bereits auf den geraden Seitenflächen der Steine und nicht mehr auf der Kopffeite gefchliffen zu fein und auch die berühmte Feilenfabrik unferes Anton Fifcher( jetzt Egidi Kindberger Actiengeſellſchaft) hat neue Schleifmethoden in ihren Fabriken bereits eingeführt. In der öfterreichifchen Abtheilung boten die bekannten Firmen J. Weifs& Sohn, und Franz Wertheim ein umfaffendes Bild der gefammten Werkzeug- Fabrikation; befonders fand die Holzmontirung in Hobel, Hobelbänken, Sägegeftellen etc. die allgemeinfte Anerkennung. Die folide und exacte Arbeit, verbunden mit grofser Reichhaltigkeit und Preiswürdigkeit, laffen einen wefentlichen Fortfchritt gegen frühere Ausftellungen erkennen und erklären die Thatfache, dafs, fo namhaft auch in anderen Artikeln der Werkzeug- Branche der Import nach Oefterreich- Ungarn ift, in diefem Genre die auswärtige Concurrenz als befeitigt angefehen werden kann. Franz Neuner und In gleicher Weife hatten die Wiener Firmen Franz Zeitler ihrer Ausftellung von Werkzeugen für Drechsler, Spängler, Tifchler, Schmiede u. f. w. auch ein grofses und fchönes Enfemble von SchneideWerkzeugen der mannigfachften Art beigefügt. Bei unferer Werkzeug- Fabrikation ift der Umftand, dafs fie im Exporte nicht die verdiente Verbreitung findet, wefentlich auf die Thatfache zurückzuführen, dafs uns hier die exportirenden Commiffionshäufer fehlen, welche den Gewerbetreibenden anderer Länder einen grofsen Vorfchub leiften, indem fie durch das Anbieten und Einbürgern ihrer Erzeugniffe auf ausländifchen Plätzen die Induftriellen befähigen, ihren Betrieb ftetig auszudehnen, rationell zu entwickeln und der fremden Concurrenz ebenmäfsig fich zu entfalten. Im engften Zuſammen 6 F. W. Haardt. hange damit, fteht eine andere hochwichtige Erscheinung die der Theilung der Arbeit. - Was unfere Fabrikanten in einem und demfelben Etabliffement zu erzeugen genöthigt find, um für ihre anderen Fabrikate den Abfatz zu fichern, damit befchäftigen fich im Auslande eine Menge einzelner Fabriken und werden diefe dadurch felbftredend in die Lage verfetzt, ihre Specialität in jeder Beziehung auszubilden und dominirend zu machen. In der Remfcheider Abtheilung fanden wir z. B. fpecielle Ausfteller polirter Werkzeuge für Gold, Silber- und Weifsblech- Arbeiter, dann wieder Specialitäten für Schneidkluppen, für Bohrer, für Loch-, Draht- und andere Zangen, für Sägebogengriffe, Bohrdreher, für Schraubenfchneider und Winkelmeffer, für Blechfcheeren, für Feilkloben, kurz für jeden nennenswerthen und unter dem Syfteme des bequemen commiffionsweifen Vertriebes zur Bedeutung anwachfenden Einzel- Artikel. Auf einem Rayon von kaum zwei Quadratmeilen ftehen dem Fabrikanten wenigftens 100 gröfsere Commiffionshäufer, die in diefen Artikein alle fünf Welttheile regelmässig bereifen laffen und überall Filialen und Agenturen etabliren, zu Gebote. In den bedeutenderen Artikeln, als Feilen und Sägen u. f. w., auf die wir noch befonders zurückkommen, haben viele dortige Fabriken bereits eine Ausdehnung erlangt, dafs fie die Vermittlung eines Commiffionärs entbehren und felbft den Vertrieb in die Hand nehmen konnten. Unferen öfterreichifchen Fabriken ftehen folche Vermittlungen nicht zu Gebote. Die Vereinigung von Fabrikant und Commiffionär in einer Perfon macht die Kraft vielfach zerfplittern, was der Entwicklung unferer Induftrie nicht förderlich fein kann. Um fo anerkennenswerther erfcheint daher die von einzelnen Firmen erlangte hervorragende Stellung ihrer Fabrikation. Die Ausftellung des Zollvereines erfchien in Wien zum erften Male bereichert mit den Fabrikaten aus Elfafs Lothringen, die fich in jeder Beziehung würdig und ebenbürtig ihrem neuen Vaterlande anreihten. Die ausgeftellten Werkzeuge der Elfafs'fchen Fabriken excellirten in Form und Vollendung und auch in den Preifen waren diefelben nicht zurückgeblieben. Es erfcheint daher auch die Mittheilung vollen Glauben zu verdienen, dafs die Elfäfser Iduftriellen unter den neuen Verhältniffen für den Entgang des franzöfifchen Marktes fofort einen ausgiebigen Erfatz in den füd- und mitteldeutſchen Plätzen gefucht und gefunden haben und dort erfolgreich gegen die rheinifche und weftfälifche Concurrenz aufgetreten feien. Aufser Oefterreich und Deutfchland war die Werkzeug- Fabrikation nur fehr ungenügend vertreten und war auch auf diefem Gebiete England bedeutend zurückgeblieben. Die grofsen Firmen Ward& Payne, Spear& Jackfon, Taylor, Kenyon hatten durch gewohnte vollendete Arbeit das alte Renommée auch auf der Wiener Ausftellung gewahrt. Aber man konnte diefe Betheiligung nicht als eine der englifchen, insbefondere der Sheffielder Induftrie vollkommen entfprechende gelten laffen, und auch hier möchte die Vermuthung nicht unbe. gründet fein, dafs die häufigen Striks in der englifchen Werkzeug- Fabrikation auf die Betheiligung an der Wiener Ausftellung ihre nachtheilige Rückwirkung nicht verfehlt haben. Frankreich hatte uns in diefer Abtheilung faft gänzlich im Stich gelaffen. Von den wenigen Ausftellungen hatte die renommirte Firma Dandoy, Maillard Lucq& Comp. in Manbeuge die vollständigfte und beachtenswerthefte Collection gebracht. Diefe Firma hatte ihre Werkzeuge in der Mafchinenhalle mit ihren Preffen, Bohrmaſchinen, Scheeren, Schraubftöcken u. f. w. exponirt und durch die Reichhaltigkeit und faubere Arbeit ein vortheilhaftes Bild ihrer FabrikationsEinrichtungen und der Schulung ihrer Arbeiter dargeboten. Stahl- und Eifenwaaren. Mefferfchmied- Waaren und chirurgifche Inftrumente. 7 In Meffern und Scheeren blieb die Wiener Ausftellung hinter allen ihren Vorgängern weit zurück. England, welches diefe Partie früher zu feinen Glanzpunkten zählte, war nur durch wenige Ausfteller vertreten, unter denen man die berühmten Sheffielder Firmen gänzlich vermifste. Selbft aber bei den wenigen Ausftellern, die theilweife Kaufleute waren, fchien es nur darauf abgefehen, unter der Aegide der Weltausftellung einen möglichft einträglichen Detail verkauf zu betreiben. Diefer Rückficht waren auch die ausgeftellten Gegenftände angepasst, die vorwiegend aus Tafchenmeffern beftanden, während Tafel- und Deffertmeffer faft gänzlich fehlten. Befondere und lobende Erwähnung verdient indefs die Fabriksfirma Brookes& Crookes aus Sheffield, welche ihre ausgeftellten, muftergiltigen Erzeugniffe: Tafchenmeffer, Scheeren, Rafirmeffer und Etui- Ausftattungen, vorzugsweife dem Wiener Gefchmacke angepasst hatte. Frankreich hatte in diefen Artikeln gar nicht ausgeftellt und felbft in feinen fonft fo berühmten Specialitäten verdienten nur die chirurgifchen Inftrumente der Firmen Charrière Collin fen. Succ. und L. Mathieu eine beifällige Erwähnung. Auch Solingen war nicht in der Weife vertreten, wie man es von feiner ausgedehnten Fabrikation und der fonft fo ausgiebigen Betheiligung Preufsens hätte erwarten können. Nichtsdeftoweniger lieferte aber feine Collectiv- Ausftellung ein vollſtändiges Bild der dortigen Fabrikation, die in ihrer ganzen Arbeit, insbefondere in Form und Schliff Zeugnifs gibt von den grofsen Fortfchritten, welche diefe Induftrie in Solingen erfahren hat und die es in Verbindung mit den, im Vergleich zu den englifchen billigen Preifen begreiflich erfcheinen laffen, nicht nur, dafs Solingen im Welthandel eine grofse Rolle spielt, fondern auch Sheffield die Spitze bietet. Die füddeutfche Mefferfabrikation war durch die Collectiv- Ausftellung von Tuttlingen angemeffen vertreten und hatte eine fchöne, wenn auch weniger preiswürdige Handelswaare geliefert; der renommirte Heilbronner Fabrikbezirk, der in Mefferfchmiedwaare auf früheren Ausstellungen verdiente Anerkennung gefunden, hatte fich diefsmal vom Schauplatze fern gehalten. Eine prachtvolle Collection von Meffern war von Alexander Zawlajeff in Moskau geliefert worden. Wenn uns nicht von verlässlicher Seite der ruffifche Ursprung diefer Fabrikate beftätigt worden wäre, hätten wir verfucht fein können, die Klingen für englifche oder Solinger Erzeugniffe zu halten. Sowohl in Form als Schliff mufsten diefe Meffer den beften der Ausftellung angereiht werden. Eine wahrhaft ftaunenswerthe Leiftung hatte uns Japan dargeboten. Seine ausgeftellten Meffer und Säbelklingen zeugten von einer Vollendung, die von den erften Fachgenoffen als unübertroffen bezeichnet wurde. Allerdings fah man es diefen, in geringer Anzahl ausgeftellten Erzeugniffen an, dafs fie nicht fabriksmäfsig hergeftellt, fondern beinahe als Kunftproducte betrachtet werden mufsten; über den Preis und die fonftigen Verhältniffe diefes Induſtriezweiges hat man denn auch nichts Beftimmtes erfahren können. Offenbar war die Politur diefer Klingen durch fleifsige Bearbeitung mit Blutftein hevorgebracht, wozu man fich fonft überall der gewöhnlichen Schleifen bedient. Unwillkürlich wurde man durch die haarfcharfe Schneide und Spitze diefer Klingen und ihre forgfältige Bearbeitung an das japanifche Harakiri und die durch diefes bewirkte Blitzesfchnelle der Execution erinnert. Herr Ignaz Band 1, Mefferfabrikant in Steyer, hatte eine fchöne Collection feiner Erzeugniffe ausgeftellt und damit feinen guten Ruf, den er als einer der bedeutendften Mefferfabrikanten in der öfterreichifchen Gefchäftswelt geniefst 8 F. W. Haardt. bewährt, Man fah es diefen Fabrikaten an, dafs Herr Bandel grofse und erfolg. reiche Anftrengungen gemacht hatte, in Form, Schliff und Adjuftirung die Sheffielder und Solinger Erzeugniffe einzuholen. Herr Ignaz Rösler fen. in Nixdorf hatte in Tafchenmeffern und Scheeren eine fehr beachtenswerthe Mittelwaare geliefert, welche als folche auf den inund ausländifchen Märkten anerkannt und gefucht wird. Herr Rösler ift in diefem Genre den beften auswärtigen Fabriken vollkommen ebenbürtig, und feine Ausstellung liefs es deutlich erkennen, dafs er fich in der techniſchen Einrichtung feiner Fabrikation auf der Höhe der Zeit gehalten hat. Herr Carl Pfurtfcheller in Vulpmes war ebenfalls mit einer guten und preiswürdigen Handelswaare vertreten, und feine ausgeftellten Meffer liefsen auf eine grofse Sorgfalt fchliefsen, mit der diefe Fabrikation geleitet wird. Wenn es gelingt, unfere Schleifer ihrer bisherigen Arbeitsmethode zu entwöhnen und ihnen die rationellere Art der Sheffielder und Solinger Schleifer beizubringen, wäre eines der wefentlichften Hinderniffe befeitigt, welches den gröfseren Auffchwung unferer Mefferfabrikation aufhält. Während unfere Schleifer, auf oder über dem Schleiffteine fitzend, das Andrücken der Mefferklinge an den Stein mit dem Gewichte ihres Körpers unterftützen, fitzen die Schleifer des Auslandes vor dem Steine und vollziehen und reguliren den Druck der Klinge gegen den Stein mit den Knien, wodurch fie den zu fchleifenden Gegenftand weit beffer in der Gewalt und im Auge behalten und die Regelmässigkeit des Schliffs zu fichern in der Lage find. Von Seiten unferer Mefferfabrikanten wird diefer grofse Vortheil nicht verkannt und auch Herr Bandl foll bereits derartige Verfuche gemacht haben, an dem Widerspruch der Schleifer aber gefcheitert fein. Auf der Ausftellung zeigte es fich recht deutlich, dafs unfere Meffer in den feineren Sorten noch hinter den ausländifchen Fabrikaten zurückftehen, weil der Schliff nicht ebenbürtig ist. Der grofse Abfatz der inländifchen Erzeugniffe vollzieht fich daher auch nur in den mittleren und geringeren Sorten. Während dagegen im Auslande die Anwendung von getempertem Gufs ( fonte malléable) zur Herftellung von Efsgabeln ftets gröfsere Verbreitung findet, erfolgt die Anfertigung in Steier nach wie vor aus gutem Stahl, was hier vom Standpunkte der Qualität des Erzeugniffes lobend hervorgehoben zu werden verdient. Eine Specialität der steierifchen Messerfabrikation, der fog. Tafchenfeitel darf hier nicht mit Stillfchweigen übergangen werden, weil er einen namhaften Exportartikel nach dem Orient, nach der Nordküfte von Afrika und nach Perfien bildet, wo man diefes billige und doch qualitätsmäfsige Geräthe zu fchätzen gelernt hat. Der dazu verwendete gute fteierifche Stahl wird dem Tafchenfeitel bei feinem billigen Preife von fl. 18 per 1000 Stück- wohl die dauernde Alleinherrfchaft fichern. Auf der Ausstellung war auch nur Steier in diefem Artikel vertreten. - Eine weitere Specialität der fteierifchen Ausftellung bildeten die Maultrommeln, worin wir ebenfalls die ganze Welt verforgen. Bedauerlicher Weife ift der Verbrauch, im Rückgange begriffen. In Gefchäftskreifen ift man geneigt, den Grund diefer Erfcheinung dem unreellen Gebaren einiger Commiffionäre beizumeffen, welche fich durch Verfetzung der Nummern( indem fie nämlich 3er für 4er, 4er für 5er u. f. w. verpackten und verfchickten) unberechtigten Vortheil fchafften, und auf diefe Weife dem fremden Käufer das ohnehin nur geringen Nutzen bringende Gefchäft verleideten. - Die ausgeftellten chirurgifchen Inftrumente find zwar fchon in einer anderen Gruppe, jedoch nur vom wiffenfchaftlichen Standpunkte au gewürdigt worden. Wir können hier indefs den Artikel nicht mit Stillfchweigen übergehen, da wir in unferem Berichte mehr den commerziellen Standpunkt im Auge haben, die chirurgifchen Inftrumente in unferen Rahmen der Stahlwaaren Stahl- und Eifenwaaren. 9 gehören und eine weitere Verbreitung der Urtheile darüber befonders öfterreichifchen Ausftellern zum Vortheile gereicht, da ihre einfchlägigen Erzeugniffe unbedingt zum Exporte in gröfserem Mafsftabe geeignet find. Von den Ausftellern chirurgifcher Inftrumente nehmen die Fabrikanten aus Wien: Jof. Leiter, Rud. Thürriegel und J. Reiner, den erften Rang ein. Sie erreichen felbft ihre beften Concurrenten aus England, Amerika, Frankreich und Dänemark, da fie in Bezug auf Qualität, Reinheit und Exactität der Arbeit diefen in keiner Weife nachftehen. Die Form der einzelnen von ihnen ausgeftellten Inftrumente war gut und zweckmäfsig, möglichft glatt und einfach, frei von allen überflüffigen Verzierungen, welche ihre penible Verwendbarkeit beeinträchtigen und den Preis ohne Noth erhöhen. Gegenüber den franzöfifchen Fabrikanten zeigte fich bei den Wienern das Beftreben, den Mechanismus der complicirten Inftrumente möglichft zu vereinfachen; die von Leiter exponirten Inftrumente, deren Ausführung zu den fchwierigeren gehörten, z. B. Lithotryptoren( Steinbrecher), laffen erkennen, dafs zur Anfertigung derfelben entſprechende Arbeitsmafchinen verwendet worden und in feinem Etabliffement überhaupt die neueften technifchen Hilfsmittel thätig find. Leiter hatte auch zum Schutze gegen Oxydation und den Einfluss ätzender Säuren etc. feine Waaren auf galvanifchem Wege vernickelt. Aufser Amerika, wo das Vernickeln auch für andere blanke Waaren ganz allgemein ift, ftellte nur Dänemark( Hansen in Copenhagen) vernickelte chirur gifche Inftrumente aus. Aufser Wien waren auch Prag, Graz und Peft in diefen Artikeln mit preiswürdiger Waare vertreten. Der gröfste Theil der inländifchen Fabrikation diefer Inftrumente findet guten Abfatz im Lande felbft. Ueberdiefs ift der Export nach dem Orient nicht unbedeutend, und die ferbifche und rumänifche Regierung pflegt ihren ganzen Bedarf an folchen Inftrumenten für Militär- und Spitalszwecke durch die drei genannten Wiener Fabrikanten anfertigen zu lafsen, während die Türkei, neueftens auch Rufsland, zeitweilig fehr namhafte Aufträge hieher ertheilt. Selbft nach Deutſchland, Nordamerika und anderen Staaten findet ein regelmäfsiger Abfatz, befonders der Leiter'fchen Erzeugnifse ftatt, und es ift erfreulich, dafs unfere Fabrikanten die frühere monopoliftifche Pofition Frankreichs in diefem Artikel überholt haben, eine Erfcheinung, deren Ausgangspunkt man in der erften Londoner Ausftellung und den dort gefammelten Wahrnehmungen zu fuchen hat. Feilen und Sägen.. Mit der Entwicklung des Eifenbahnwefens und der dadurch bedingten Erweiterung der Mafchinenfabrikation hat der Bedarf und folgeweife die Fabrikation von Feilen und Sägen einen koloffalen Auffchwung genommen. Geftehen wir es offen, dafs Oefterreich in diefem Entwicklungsgange mit anderen Induftrieftaaten nicht gleichen Schritt gehalten hat. Eine nähere Prüfung unferer Importtabellen conftatirt denn auch die Thatfache, dafs von allen Fabrikaten diefer Art die Feilen und Sägen den gröfsten Import ausweifen. Bei unferem ausgezeichneten Rohmaterial und unferen ausgiebigen und vielfach noch unbenützten Wafferkräften wäre es daher eine lohnende Aufgabe, diefen Artikeln eine gröfsere Beachtung zuzuwenden, um die Mitbewerbung des Auslandes auf dem heimifchen Markte einzudämmen und allmälig ganz zu befeitigen. Den ausgeftellten Feilen von Anton Fifcher( jetzt Egidi KindbergerActiengefellfchaft, Zeichen: Anker), Braun in Vöcklabruck Bleckmann in 10 F. W. Haardt. Mürzzufchlag, A. Klinzer in Klagenfurt, Erzherzoglich Albrecht'fche Werke in Carlshütte, kann man einen grofsen Fortfchritt gegen frühere Ausstellungen nicht abfprechen. Ihre Erzeugniffe bekunden das ernfte Beftreben, auch in den feineren Sorten, den Schlichtfeilen, allen Anfprüchen gerecht zu werden, nachdem diefe Fabriken in den Baftard- oder Vorfeilen den Kampf mit der ausländifchen Concurrenz bereits mit dem günftigften Erfolge aufgenommen haben. Diefen Firmen fteht der Vortheil eigener Gufsftahl- Fabrikation zur Seite, und zwar eines Gufsftahles, der wie die gleichzeitig ausgeftellten GufsftahlProben zeigen, fich durch zähen und feinen Bruch auszeichnet und mit dem eine der Grundbedingungen hervorragender Leiftungsfähigkeit gegeben erfcheint. Wenn die öfterreichifche Feilenfabrikation in Schliff und Hieb ihre Anftrengungen fortfetzt, auch in der Härtung die ausländifchen Erzeugniffe einholt, dann wird ihr der Markt um fo eher gefichert fein, als der Confument in unferem bewährten Rohmaterial gröfseren Vortheil findet, da er diefe Feilen zu wiederholten Malen zum Aufhauen bringen kann, während die Feilen aus dem Zollverein, zu denen häufig nur untergeordnete Stahlforten, Cementftahl, Puddelftahl etc. verwendet werden, diefe Operation nicht im gleichen Mafse aushalten, und oft fchon nach dem erften Ausglühen( was bei jedesmaligem Aufhauen wiederholt werden mufs) vollſtändig ihren Stahlcharakter einbüfsen und keine Härte mehr annehmen. Allerdings hängt in Folge des Antheiles der Handarbeit an der Feilen Fabrikation fehr viel von der gröfseren oder geringeren Gefchicklichkeit der Arbeiter ab; aber was den auswärtigen Arbeitern gelungen ift, wird wohl auch den unferigen zu erreichen möglich fein. Im Auslande und namentlich in England und neueftens auch in RheinPreufsen wird übrigens eine neue Methode zum Schleifen der Feilen angewendet, die felbft auch minder befähigte Arbeiter zu verwenden geftattet. Auch die Feilen- Haumafchine des Engländers Dodges gelangt mehr und mehr zur Verwendung. Auch diefe Mafchine gewährt den wichtigen Vortheil, dafs fie von weniger geübten Händen bedient werden kann, und weit leiftungsfähiger ift, als die Menfchenhand. Während z. B ein gefchulter Feilenhauer bei gewöhnlichen Sorten kaum 60 Hiebe per Minute vollziehen kann, leiftet die Dodges- Mafchine fünf- bis fechsmal mehr. Da die Hauerarbeit der theuerfte und fchwierigfte Theil der Fabrikation ift, fo erklärt fich ungezwungen hiedurch allein fchon die wachfende Anwendung der Mafchinenarbeit. Dazu kommt aber, dafs der Hieb mit der Mafchine regelmäfsiger und widerftandsfähiger ift. Obgleich die Zähne für den erften Augenblick nicht die Schärfe der mit der Hand gehauenen Feilen aufweifen, fo gewähren fie doch dagegen den weit gröfseren Vortheil, dafs die Zähne ungleich dauerhafter und wirkfamer aushalten. Eine namhafte Verwohlfeilerung der Production bedarf nach dem Gefagten kaum der ausdrücklichen Erwähnung. Die Ausstellung felbft zeigte uns, namentlich in der weftfälifchen Abtheilung, fehr fchöne Feilen, die mit der Mafchine gehauen waren und den Beweis lieferten, dafs das frühere Problem der Feilhau- Mafchine durch gleich mässigen und richtiggeftellten Hieb feiner Löfung viel näher gerückt ift. In Sheffield find mehrere Feilenfabriken ausfchiefslich auf die Haumafchine eingerichtet, und auch in Remfcheid hat fich unter den Feilenfabrikanten eine Association gebildet, um diefe Hauverfuche in grofsem Mafsftabe durchzuführen. Bereits liegen günftige Refultate vor. In Oefterreich ist es wieder die erfte und gröfste Feilenfabrik: Anton Fifcher( Egidi Kindberger Actiengeſellſchaft), welche, gleichwie mit der neueren Stahl- und Eifenwaaren. 11 Schleifmaschine, fo auch die Verfuche des Feilhauens mit Maſchinen in gröfserem Mafsftabe durchgeführt und bereits fehr günftige Refultate aufzuweifen hat. Die Fifcher'fche Fabrik hat ferner die beften Schmiedemafchinen in ihren Werkstätten eingeführt, und fchmiedet nicht blos den Körper der Feile in Gefenken, fondern erzeugt in gleicher Weife die Angeln der Feile, wodurch überall die gröfste Gleichmässigkeit und Accurateffe in der Form der Feile erzielt wird. Allerdings hat es auch hier nicht an Schwierigkeiten der Einführung gefehlt, und die Mafchinen felbft, obfchon in England von den renommirteften Fabriken geliefert, bedurften hier mehrfacher Abänderungen und Verbefferungen, um auf dem heutigen Standpunkte anzukommen, wo die mit der Mafchine gehauenen Feilen bereits allen billigen Anforderungen entſprechen. Der gänzliche Umfchwung, der fich gegen frühere Perioden in der Verwendung der Feilen und daher auch in der Nachfrage, folgeweife in der Fabrikation felbft vollzogen hat, läfst die uralte und ehedem weltberühmte fteierifche Feilenfabrikation gewaltig in den Hintergrund treten. In früheren Zeiten, wo man von der Feile nur einen einfachen, wir möchten fagen, handwerksmäfsigen Dienft verlangte, war die fteierifche Feile( Bund- oder Strohfeile, weil fie in Bund verkauft, und in Stroh eingewickelt wurde) das begehrtefte Werkzeug diefer Art und auf allen Märkten der Welt gekannt und gefucht; aus diefer Zeit datirt auch das grofse und weitverbreitete Renommée der fteierifchen Marken( Zeichen), deffen gröfsere oder geringere Berühmtheit allein für den Verkauf und Preis mafsgebend war. Der Schloffer, Mefferfchmied oder fonftige Confument der fteierifchen Feile fchätzte in diefem Erzeugniffe nicht blos ein nach damaligen Begriffen und Bedürfniffen qualitätsmäfsig ausgezeichnetes Werkzeug, felbft die Feile im abgenützten, unbrauchbaren Zuftande lieferte ihm noch immer bis zum letzten Atom ein unübertreffliches Material, welches er zu Stahlartikeln, zu Meffern, zu Schneidarbeiten, zum Verftählen u. f. w. mit um fo gröfserer Vorliebe verwendete, als die Eigenfchaft des fteierifchen Stahles auch dem Mindergeübten feine Vorarbeitung, befonders im Schweifsen und Härten leicht machte, während andere Stahlgattungen ftets einen geübten Arbeiter erforderten. Auch heute haben die fogenannten fteie rifchen Feilen, d. h. die Bundund Strohfeilen, noch immer einen gewiffen Abfatz, aber nur noch nach folchen Ländern, wo die moderne Induftrie noch keine Wurzel gefafst hat, wo alfo der Huf- und Wagenfchmied, der Dorffchloffer und ähnliche Handwerker die einzigen Confumenten find. Diefs gilt namentlich von Italien, Spanien und der Levante etc. Aber felbft diefer Abfatz wird durch die deutfche Concurrenz wefentlich beeinträchtigt, da fie zu diefer Gattung von Feilen den ordinärften und billigften Stahl verwendet, daher in den Preifen vollständig concurrirt, und durch Anwendung beliebiger Fabriksmarken die Täufchung des letzten Käufers vollendet. Wir können daher das aus unferen gewerblichen Kreifen fo vielfach geftellte Verlangen nach einem gefetzlich geregelten internationalen Markenfchutz für unfere Induftrie nur als ein berechtigtes anerkennen. Aber mehr noch hat feitens der Induftriellen zu gefchehen. So z. B. ift der Vorgang in dem Remfcheider Fabriksbezirke, wo fich die bedeutendften und berühmteften Feilenfabri kanten als: Mannesmann, Kotthaus& Bufch, Honsberg, Greb und andere gemeinfam an die Spitze eines Commandit- Unternehmens geftellt haben, um fpeciell die Mafchinenhauerei nach Dodges' Patent im gröfserem Mafsftabe durchzuführen, den Steierer Feilenfabrikanten zur Nachahmung dringendft zu empfehlen. Die concentrirte Lage der fteierifchen Fabrikation ähnelt der gleich concentrirten Lage der Remfcheider Fabrikation, und erleichtert dadurch im hohen Grade die Errichtung gemeinfamer Anlagen für die Benützung aller Fabrikanten. Die genoffenfchaftliche Vereinigung der Steierer Induftriellen wäre aber auch nach anderen Richtungen von grofsem und nachhaltigem Nutzen. 12 F. W. Haardt. Noch vor einem Decennium war England in der Feilenfabrikation das unerreichte Mufterland und eine englifche Feile war gleichbedeutend mit dem Begriff eines in jeder Beziehung vollendeten Werkzeuges. Neidlos und ohne Widerrede galt diefes Urtheil als ein endgiltiges bei Freund und Feind und ficherte der englifchen Concurrenz überall, trotz ihrer durchgängig hohen Preife, den Sieg im Voraus. Die englifche Fabrikation fetzte ihr ganzes Beftreben darein, diefe gute Meinung zu bewahren; man verwendete zur Fabrikation ftets einen ausgezeich neten Stahl und die Arbeiter aller Abtheilungen diefer Fabrikation, als: Schmied. Schleifer, Hauer, Härter u. f. w., wetteiferten in demfelben Streben. Deutfcher Fleifs, Ausdauer und Gefchicklichkeit, im Gegenfatze zu den häufigen Störungen und Unterbrechungen in den englifchen Fabriks diftricten, haben diefes Urtheil aber ins Wanken gebracht, und wenn die Wiener Ausftellung allein für die Entfcheidung hätte mafsgebend fein follen, fo wäre man verfucht worden, den preufsifchen Fabriken A. Mannesmann in Remfcheid und Gottlieb Corts dafelbft den erften Preis zuzufprechen. Die von diefen Firmen zur Ausstellung gebrachte Collection bekundete die hohe Meifterfchaft, die dort bereits erreicht worden ift, und die der englifchen Concurrenz zum mindeften als vollkommen ebenbürtig erachtet werden mufs; in Form, Farbe und Hieb zeigten fich die Feilen diefer Firmen vollendet, und das weiterverbreitete gefchäftliche Renommée derfelben läfst die Voraus fetzung zu, dass auch die innere Güte der äufseren Form entſpricht. Die Firma A. Mannesmann gehört zu den älteften der Gegend, wurde ichon auf der erften Londoner Ausstellung mit der goldenen Medaille belohnt und erhielt auch auf allen folgenden Ausftellungen die erften Preife. Die Firma Corts ift jüngeren Datums, hat fich aber durch raftlofe Arbeit in kurzer Zeit einen ehrenvollen Ruf gefichert. Die Collectiv- Ausftellung von Remfcheid brachte auch noch von anderen Feilenfabriken fehr beachtenswerthe Mufter zur Vorlage, und lieferte den Beweis, welch grofse Ausdehnung die Fabrikation in dortiger Gegend und folgeweife, welche Wichtigkeit diefer Artikel erlangt hat. Auch die Elfafser Feilenfabriken hatten in der Ausftellung, gleichwie in ihren übrigen Werkzeugen, fehr verdienftliche Leiftungen aufzuweifen. Englands Veteranen im Gebiete der Feilenfabrikation hatten fich faft gar nicht betheiligt, und nur die bekannte Firma John Kenyon in Sheffield hatte durch eine muftergiltige Collection das alte Renommée ihres Haufes aufrecht erhalten. Die franzöfifchen Feilenfabriken von Ruf hatten faft gar nicht ausgeftellt; befonders vermifste man die berühmten und gefuchten kleinen Feilen für Uhrmacher, Chirurgen, Dentiften, worin Frankreich noch immer Meifter ift. Bei der Firma: J. E. Bleckmann in Mürzzufchlag verdient noch deren Ausstellung von Gufsftahl- Façonftücken( aus dem Tiegel direct in die betreffende Form gegoffen) eine befondere, anerkennende Erwähnung, weil diefer Stahlformgufs noch eine grofse Rolle zu fpielen berufen fein dürfte. Der Bleckmann'fche Stahlgufs zeigte fich fehr glatt und rein, und liefs dadurch auf eine grofse Sorgfalt in der Arbeit fchliefsen. Sägen bilden gleichfalls einen wichtigen Fabrikations- Artikel, deffen Import aus England und Rheinpreufsen nach Oefterreich- Ungarn noch immer in gröfserem Mafsftabe ftattfindet. Unter den öfterreichifchen Ausftellern zeichnete fich die altrenommirte Fabrik Martin Miller's Sohn in Wien durch vortrefflich gearbeitete Circularund Mühlsägen aus. Schliff und Bearbeitung zeugten von einer guten Einrich Stahl- und Eifenwaaren. 13 tung, und nach den äufseren Merkmalen zu fchliefsen, hatte man dazu einen Gufsftahl befter Qualität verwendet. Auch die Firmen J. Braun Söhne in Vöklabruck und Vogel& Noot in Wien hatten fehr beachtenswerthe Leiftungen vorgeführt. Die ausgeftellten Sägen, namentlich die grofsen Circularfägen diefer Firmen, gaben Zeugnifs davon, dafs man fich die neueften und bewährteften Richt- und Schleifmethoden, namentlich das Schleifen zwifchen den Flachfeiten zweier entgegengesetzt umlaufender Steine angeeignet hatte. Insbefondere hatte die Firma Vogel& Noot eine vollſtändige Collection ihrer Sägen und ihrer Spaten und Schaufeln exponirt, welche der weiteren Entwicklung diefer ftrebfamen jungen Firma eine fehr günftige Zukunft verfprechen. Es ift erfreulich, conftatiren zu können, dafs fie jetzt fchon nicht blos auf den inländifchen Märkten, fondern auch im Auslande einen guten Ruf fich zu erwerben gewufst hat, namentlich aber für militärische Zwecke einen fteigenden Abfatz findet.- Die Errichtung eines eigenen Stahl- und Eifenwerkes in Wartberg mit grofser und unverfiegbarer Wafferkraft, in Verbindung mit billiger Holzkohle und dem bewährten fteierifchen Rohmateriale, kann den Beftrebungen diefer Firma nur förderlich fein. Die wichtigen Species der Mühl- und Spannfägen war von unferen Ausftellern nur vereinzelt nach Gebühr gewürdigt worden, fanden dagegen in der deutfchen Abtheilung aus Remfcheid und dem Elfafs vielfeitige Vertretung. Im Auslande werden diefe beiden Gattungen Sägen aus eigens dafür hergerichteten billigen Gufsftahlplatten erzeugt, und ift dadurch eine wohlfeile Maffenfabrikation ermöglicht. In Oefterreich fcheinen die Walzwerke für diefe Stahlplatten noch nicht genügend eingerichtet zu fein; wenigftens geniessen unfere Sägenfabrikanten darin feitens der Walzwerke keine ausreichende Unterftützung. Hoffentlich wird die fortfchreitende Entwickelung unferer Sägenfabrikation und der daraus fich ergebende gröfsere Bedarf an folchen Stahlplatten unferen Walzwerken hinreichend lohnend erfcheinen, um die Herftellung folcher Platten fabriksmäfsig durchzuführen. England hatte feine Sägenfabrikation nur im befcheidenen Mafse zur Vertretung gebracht, obfchon fie auch heute noch von allen Fachmännern als die erste und bedeutendste der Welt anerkannt wird. Von renommirten Firmen verzeichnen wir die ausgeftellten Sägen von Taylor Brothers, Spear& Jackson, John Kenyon als vollkommen mustergiltig und den alten Rut ihrer Fabrikation aufrecht haltend. Nadeln. Die Nadelfabrikation unferes Landes wurde auf der Aufftellung von der Firma: M. W. Schlofs in Hainburg würdig vertreten. Die ausgeftellten Erzeugniffe diefer Fabrik entſprachen allen billigen Anforderungen. Es verdient dies um fo gröfsere Anerkennung, als die Fabrik unter den fchwierigsten Verhältniffen emporzukommen fuchen mufste. Vor etwa 30 Jahren, von dem damals hieher übergefiedelten Aachener Nadelfabrikanten Theodor Neufs gegründet, mufsten alle Arbeiter, alle Materialien von auswärts importirt werden. Inzwifchen hat fich am Fabriksorte felbft eine genügende Arbeitergeneration herangebildet, und die Anwendung der neueften Mafchinen fetzten den Fabrikanten in den Stand, feine Erzeugniffe den auswärtigen ebenbürtig herzuftellen. Allerdings ift es trotz unferes guten Rohmaterials noch nicht gelungen, auch in Bezug auf den zu verwendenden Stahldraht vom Auslande unabhängig zu werden, denn die Hainburger Fabrik ist noch immer genöthigt, das Material vom Auslande zu beziehen. Dies mag auch die Urfache fein, wefshalb diefe Fabrik 14 F. W. Haardt. in ihren Exportbeftrebungen nur geringe Fortfchritte machen konnte, vielmehr häufig den billigeren Preifen der deutfchen Nadelfabriken weichen musste. Der Hauptfitz der Nadelfabrikation im Allgemeinen ift feit Generationen Aachen( Rheinpreuſsen). Ein durchgebildeter und weitverzweigter Arbeiterftand, vortrefflich eingerichtete Etabliffements für die Erzeugung aller Hilfsmafchinen und Materialien, vollſtändig durchgeführte Theilung der Arbeit fichern diefer Gegend ein nur zu begreifliches Uebergewicht, befonders seitdem von der renommirten Firma Schleicher in Schönthal das Schleifen der Nadeln auf mechanifchem Wege, durch finnreich conflruirte Maſchinen eingeführt wurde. Diefe Maschinen find jetzt, nachdem das Patentrecht der Firma Schleicher abgelaufen, von allen Nadelfabriken in Deutſchland in Anwendung gebracht worden. Es konnte in Folge deffen der Lohn fürs Schleifen( früher die hauptfächlichste und fchwierigste Operation) auf die Hälfte herabgemindert werden. Gleichzeitig hat man auch durch Anwendung von Ventilatoren den schädlichen Stahlstaub befeitigt und dadurch die Bedingungen für den Gefundheitszustand der Schleifer wefentlich verbeffert. Die Branche der Nadelfabrikation war England( nur in befchränktem Mafse) vertreten. von Rheinpreussen und Die Erzeugniffe der altrenommirten Firma Ph. H. Pastor's Söhne in Burtscheid( Aachen) fanden in Folge ihrer befonders fchönen und forgfam durchgeführten Arbeit allgemeine Anerkennung. Auch machten sich die alten Aachener Firmen Leo Lammertz, Prinz& Comp. vortheilhaft bemerkbar. Wenngleich in Weftfalen die Nadelfbrikation sehr verbreitet ift, waren doch die ausgestellten Erzeugniffe aus Lündanfcheid und Altena von untergeordneter Bedeutung. Von der eigentlichen Stätte der Nadelfabrikation in Weftfalen, der Stadt Iserlohn, in welcher fich 10, mehr oder minder bedeutende Nadelfabriken befinden, war kein Ausfteller erſchienen. Von Redditfch, bekanntlich dem Hauptfitze der englifchen Nadelfabrikation, war auf der Wiener Ausftellung nur eine einzige Firma, nämlich H. Milward& Sons, vertreten. Von Nähmaschinen Nadelfabrikanten fahen wir nur die Erzeugniffe kleinerer Firmen, als: Woodfield, Avery& Sons in Redditsch. Die Herren Taylor in Birmingham, Hayes, Crosley& Comp. in London dürften als Commiffion äre mit ihrer Ausftellung nicht in Betracht zu ziehen fein. In Summa bot die englifche Ausstellung von Nähnadeln und NähmaschinenNadeln ein äusserft fchwaches und unvollkommenes Bild diefes Artikels, deffen Production und Export bekanntlich sehr belangreich ift. Aus Schwabach( Bayern), dem älteften Sitze der Nadelfabrikation, wo man fich jedoch vorzugsweife nur mit der Erzeugung der fogenannten Schmiednadeln, das find Schuhmacher-, Kürfchner- Nadeln etc., dann Stricknadeln befafst, machen fich in neuerer Zeit durch die Firma Städtler& Uhl lobenswerthe Bestrebungen geltend, in den befferen Sorten den Aachener Fabrikaten nachzukommen. Die Ausftellung der benannten Firma gab ein glänzendes Zeugnifs von den erzielten Erfolgen. Die Firma Wolff& Knippenburg, welche vor etwa 10 Jahren in Ichterhausen( Thüringen) die Nadelfabrikation eingeführt, und diefen Fabrikationszweig, dem Vernehmen nach, mit grossen pecuniären Opfern dafelbft heimifch gemacht hat, überrafchte uns mit einer Ausftellung, welche, was Vollftändigkeit anbelangt, den beften diefer Branche angereiht werden mufs, indem fie alle verschiedenen Qualitäten der Nähnadeln, wie auch der Nähmafchinennadeln umfasste. Der Nadelfabrikant, Herr F. Neuss aus Aachen, welcher in der MaſchinenAbtheilung ausgestellt hatte, verlieh feiner Ausftellung dadurch ein befonderes Intereffe, dafs er durch zwei feiner Arbeiterinen fogenannte Email- Pins( Stahl Stahl- und Eifenwaaren. 15 ftecknadeln mit Emailköpfen) vor den Augen des Publicums anfertigen liefs. Die Gewandtheit und Schnelligkeit, mit welcher diefe Manipulation vor fich ging, erregte gerechtes Erftaunen. Der Fabrikationstifch mit zwei Lampen und einem Blafebalg zur Erzeugung der Spitzflamme, welche von den beiden Arbeitenden felbft in Bewegung gefetzt wurden, war defshalb auch den ganzen Tag von der fchauluftigen Menge förmlich belagert. Die Fabrikation des Herrn Neufs umfasst das ganze Gebiet der Nähnadelbranche, fowie der Stahlftecknadeln mit Emailköpfen in den verfchiedenften Modellen. Wenn die Nähnadel- Fabrikation im Verhältniss zu den zahlreichen Fabriken und dem koloffalen Confum im Allgemeinen nur fchwach vertreten war, fo mag diefs wohl feinen Grund darin haben, dafs auf diefem Gebiete feit einer langen Reihe von Jahren keine nennenswerthen Verbefferungen ftattgefunden haben, alfo eigentlich Neues nicht zu bieten war. Form und Qualität blieben ftabil und auch Mode und Geschmack finden hier kein Feld für ihre Thätigkeit. Die fämmtlichen grösseren Fabrikanten find ohnediefs der Gefchäftsweltallfeitig bekannt und mit Auszeichnungen und Medaillen von früheren Ausftellungen genügend bedacht; fie fanden daher wahrfcheinlich keine Nothwendigkeit, fich noch ferner die grofsen, mit jeder Ausftellung verbundenen Opfer aufzuerlegen. Drahtgewebe, Nägel und Schrauben. Der Umftand, dafs unfere Drahtziehereien noch vorwiegend fteierifches und kärntnerifches Holzkohlen- Roheifen verarbeiten, fichert den daraus erzeugten Fabrikaten fortdauernd einen qualitätsmäfsigen Vortheil, der es erklärt, dafs der auswärtigen, unter billigeren Fabrikationsverhältniffen arbeitenden Concurrenz zu Trotz die früher nicht unbedeutende Einfuhr in diefen Artikeln nach Oefterreich- Ungarn faft gänzlich aufgehört hat. Während die Drahtziehereien felbft in dem Capitel des Hüttenwefens ihre Beurtheilung finden, verzeichnen wir hier die Firmen: Egidi KindbergerActiengeſellſchaft, Graf Egger, Graf Dubsky, Jof. Pöckh in Wiener- Neuftadt, Franz Burghard ebendafelbft, welche mit Drahtftiften, Nieten und Holzfchrauben in der Ausftellung angemeffen vertreten waren. Befonders war es die erftgenannte Gefellfchaft, welche durch ihre gute und faubere Arbeit einen neuen Beleg bot für die muftergiltige Leitung ihrer ausgedehnten und vielfeitigen induftriellen Unternehmungen. Die geftellten Preife gaben den vollgiltigen Beweis, dafs die öfterreichifche Fabrikation im Allgemeinen rationell und mit vortheilhaft arbeitenden Mafchinen betrieben wird. In dem Mafse, als die Drahtftiften- Fabrikation an Ausdehnung gewinnt, mufs die Erzeugung der gefchmiedeten Nägel das Feld räumen. Sie kann nur noch an denjenigen Orten fortbeftehen, wo Material, Arbeitslohn und Brennftoff billig find. Bei dem niedrigen Preife der gefchmiedeten Nägel kann man an die Schönheit der Arbeit nur mäfsige Anfprüche ftellen. Wir möchten es daher hier gewiffermafsen als Curiofum hervorheben, dafs Belgien, wo die Nagelfchmiederei in der Gegend von Lüttich und Charleroi unter dem Einfluffe des billigen Eifens und Brennftoffes noch fehr umfaffend betrieben wird, gefchmiedete Nägel ausgeftellt hatte, die durch die Schönheit der Arbeit einer jeden Mufealfammlung Ehre machen würden. Man hätte verfucht fein können, diefe Nägel als für die Ausstellung mit grofsen Vorrichtungen und Koften hergeftellt anzufehen, wenn man nicht wüfste, dafs in Belgien im Allgemeinen auf die correcte Schmiedung diefer Nägel grofser Werth gelegt würde, um auf diefe Weife die inferiore Qualität des dazu verwendeten Coaks- Eifens auszugleichen. 2 16 F. W. Haardt. Die öfterreichifchen Nägel diefer Art, namentlich die Fabrikate aus OberOefterreich, Steiermark und Kärnten, bieten wegen des dazu verwendeten Holzkohlen Eifens einen grofsen Vorzug. Einen hervorragenden Rang und eine ftetig zunehmende Bedeutung nehmen die gefchnittenen Nägel ein, die aus Blech- und Bandeifen maſchinenmäfsig erzeugt werden, und deren Production in Oefterreich gegenwärtig fchon auf mehr denn 10 Millionen Pfund veranfchlagt werden kann. Diefe Fabrikation hat ihren Hauptfitz in öfterreichifch Schlefien, Steier und Ober- Ungarn, und wird vorzugsweife durch das gute Holzkohleneifen gefördert. Wiederholte Importverfuche, namentlich von Belgien, fcheiterten bisher an den qualitätsmässigen Anfprüchen, die hier unter dem Einfluffe der gewohnten guten Waare ziemlich hoch gefpannt find, und die das Ausland nicht befriedigen kann. Die bedeutendfte Fabrik diefer Branche ift die der Homboker und Marienthaler Eifenwaaren- Induſtrie- und HandelsActiengeſellſchaft„ Moravia" in Olmütz mit einer Jahreserzeugung von 2000 Millionen Stück im Gewichte von etwa 30.000 Centner. Als eigenthümliche auf der Ausfteilung vertretene Specialität diefer Fabrik müffen die fogenannten Tacks, eine Gattung fehr kleiner und fehr fchön gearbeiteter Schuhnägel betrachtet werden, die aus beftem Holzkohlen- Blech mit amerikanifchen Mafchinen erzeugt werden. Dahin gehören ferner Sohlennägel oder fogenannte Mausköpfl, die auf eigenartigen Mafchinen aus Draht fabricirt werden. Sie find wegen ihrer grofsen Köpfe und verhältnifsmäfsig dünnen Schäfte als die beften diefer Art zu bezeichnen. Die Fabrik hat über 100 diverfe Mafchinen zur Nägelerzeugung mit 250 Arbeitern in Thätigkeit, und braucht 60 Pferdekräfte zu ihrem Betriebe; fie verfieht alle Märkte des Inlandes mit ihren Erzeugniffen und exportirt ihre Nägel auch nach Russland und den Donaufürftenthümern. Die erwähnten Schuhnägel- Specialitäten, welche keine andere Fabrik in Europa erzeugt, finden auch einen grofsen Abfatz nach Deutſchland. Die Firma Bulatti& Blaskopf in Budweis darf nicht mit Stillfchweigen übergangen werden, weil die von ihr ausgeftellten Blechnägel zu den fchönften diefer Gattung gehören, daher auf eine vorzügliche Einrichtung ihrer Mafchinen gefchloffen werden kann. Die bekannte Firma Brevillier& Comp. in Wien hatte befonders in Schrauben ihren alten Ruf neuerdings glänzend bewährt, da ihre ausgeftellten Holzfchrauben, fog. franzöfifche Schrauben( vis à bois) als vollendet gelten und mit den beften franzöfifchen den vollen Vergleich recht wohl aushalten können. Die Firma Brevillier& Comp. erzeugt in ihren grofsen Etabliffements zu Neunkirchen, aufser ihrem berühmten Weifsgufs( getemperten Gufs), auch noch Blechnieten und andere kleine Metallwaaren, die ebenfalls als muftergiltig angefehen werden können. An die Ausftellung diefer Firma reihte fich würdig jene von Hinterleithner& Comp. in Wien, deren Holzfchrauben und Drahtftifte ebenfalls einen weitverbreiteten Abfatz finden. Diefe Firma ftellte in ihren fonftigen Eifenwaaren, als: Nieten, Reiber, Fenſterbefchläge, Muttern u. f. w., ein vollständiges Enſemble jener kleinen Bedarfsartikel aus, welche den Eifenhandlungen unentbehrlich find. Es ift ein ehrendes Zeugnifs für die Strebfamkeit des Chefs diefer Firma, dafs er noch vor zwei Decennien zu den kleinen Handwerksleuten zählte, und jetzt zu den accreditirteften und renommirteften Grofsinduftriellen gehört; er befchäftigt in feinem Etabliffement 4-500 Arbeiter und die Artikel finden in allen Theilen der Monarchie einen geficherten Abfatz. Ein fchönes Affortiment von Schrauben war von der Firma Bauer& Juft in St. Pölten zur Ausftellung gebracht worden, und bekundete, dafs auch in diefer Fabrik die beften Apparate in Thätigkeit ftehen. Stahl- und Eifenwaaren. 17 Die Firma Anton Urban in Wien hatte grofse Schrauben für Eifenbahnfchienen, Bau- und andere gröfsere Zwecke ausgeftellt, die recht verdienftliche Arbeit nachwiefen. Ueberdies lieferte diefes Etabliffement alle Schienenbefeftigungs- und Verbindungsmittel, 1 refstheile für den Waggonbau, Winkelträger, Stifte, Splinten u. f. w. Sie ift darauf derartig vortheilhaft eingerichtet, dafs die auswärtige Concurrenz hier nicht ankommen kann. Drahtgewebe. In Drahtgeweben nahm die Firma Hutter& Schrantz in Wien eine hervorragende Stelle ein. Eine genaue Prüfung der ausgeftellten Erzeugniffe machte es begreiflich, dafs diefe Firma in ihrer Specialität den öfterreichiſch ungarifchen Markt vollſtändig beherrscht. Sowohl in Grofsartigkeit der Erzeugung, foweit die Gröfse und Feinheit der Drahtgewebe darauf fchliefsen läfst, als in vollendeter Arbeit überragte diefe Fabrik alle anderen auf der Ausftellung. Die grofse Mannigfaltigkeit ihrer Fabrikate liefs den Auffchwung, welchen diefes Etabliffement in wenigen Jahren genommen hat, recht augenfcheinlich hervortreten. In Metalltüchern für Papierfabriken werden nicht nur alle Confumenten des Kaiferftaates verforgt, fondern auch gröfsere Exporte nach Rufsland und Deutſchland ausgeführt. Ferner find die Drahtgewebe von Hutter& Schrantz in allen unferen Zuckerfabriken, Dampfmühlen, chemifchen Fabriken, Fabriken landwirthschaftlicher Mafchinen, Bergwerken, vorherrfchend, und finden neueftens auch in den zahlreichen Holzfchleifereien unferes Landes einen fteigenden Abfatz, in welch letzterer Specialität ihr bisher keine andere Fabrik beizukommen vermochte. Es mag als eine Probe ihrer grofsartigen und bisher noch nirgend erreichten Leiftung betrachtet werden, dafs ein ausgeftelltes Drahtgewebe für Holzfchleiferei eine Breite von 115 Zoll und auf den Breitezoll 250 Fäden zählte; Selbft die japanefifche Commiffion fand diefe Leiftung fo aufserordentlich, dafs fie die Waare für ihr Land erftanden hat. Hutter& Schrantz find auch feit Jahren die Lieferanten für den Bedarf der k. k. Armee. Das Ausland, namentlich Deutſchland, hatte ebenfalls in Drahtgeweben verfchiedene Mufter vorgeführt, die aber angefichts der Ausftellung der Herren Hutter& Schrantz fo geringfügig genannt werden mussten, dafs ihre nähere Befprechung hier füglich unterbleiben kann. Schlofferwaaren, feuerfefte Schränke, eiferne Möbel etc. Wenn man fich die Thatfache vergegenwärtigt, dafs die fabriksmäfsige Schlofserzeugung in vielen Ländern eine fehr grofse Ausdehnung erlangt hat, mufs man im Allgemeinen die Betheiligung diefer Fabriken an unferer Ausftellung als eine fehr ungenügende bezeichnen. In England, Frankreich, Deutſchland und Amerika ift diefer Fabrikationszweig in voller Blüthe, und fichert neben einer exacten Arbeit eine folche Billigkeit der Preife, dafs die Handarbeit dagegen nicht aufkommen kann. Es ift eine fonderbare Erfcheinung, dafs alle Verfuche, die bei uns zur fabriksmässigen Schlofserzeugung früher angeftellt wurden, regelmäfsig mifslungen find, und dafs das grofse Bedürfnifs in diefem Artikel bis in die jüngste Zeit durch handwerksmäfsigen Betrieb befriedigt wurde. Erft in letzterer Zeit wurde die Mafchine zur Erzeugung herangezogen. Auf der Ausftellung fehlte es nicht an vielversprechenden Anfängen, welche erwarten laffen, dafs auch in Oefterreich in Oefterreich die fabriksmäfsige Schlofserzeugung weitere Ausdehnung gewinnen werde. 2% 18 F. W. Haardt. Unfere erften Schloffermeifter, als: Albert Milde, C. Tagleicht, Biro, Wilhelm, Gfchmeidler, können mit ihren vollendeten Handarbeiten in Bezug auf die Form allerdings jeden Vergleich aushalten. Namentlich fand die reichhaltige Ausftellung von Albert Milde in Schlöffer-, Thür- und Fenſterbefchlägen, getriebenen Gittern, fchmiedeeifernen Stiegenfproffen, ihrer künftlerifchen Ausführung wegen, die allgemeinfte Anerkennung. Die rege Bauthätigkeit Wiens, die Opulenz, welche fich bei unferen Neubauten bemerkbar macht und die Bezahlung vollendeter Leiftungen zur Gewohnheit machte, haben hier unter der thätigen Anleitung unferer berühmten Architekten: Hanfen, Schmidt, Ferftl und anderer eine moderne Schule der Baufchlofferei gefchaffen, welche mit ihren ausgeftellten Arbeiten die Bewunderung aller Fachleute erregte. Es gilt diefes nicht blos von den Schlofferwaaren im engeren Sinne; es gilt diefes auch befonders von den getriebenen Arbeiten unferer Schloffermeifter in Befchlägen, Geländern und ähnlichen Leiftungen, wovon die ausgeftellten Arbeiten hervorragende Proben lieferten. Selbft die Krone, welche die Ausstellungsfpitze, die Laterne der Rotunde zierte, war aus einer Schlofferwerkftätte, derjenigen des Herrn J. Gfchmeidler, hervorgegangen, der auch die vielfach bewunderten Gitter an den Stiegenthüren der Rotunde geliefert hat, während die von allen Kennern gleichfalls gepriefenen Gitter am kaiferlichen Pavillon, am Jurypavillon, am öftlichen Ausftellungsflügel und anderen, aus den Werkstätten von Milde, Gridl und Tagleicht hervorgegangen waren. Für den grofsen Markt haben jedoch diefe Leiftungen nur eine fecundäre Bedeutung. Die eigentliche Schlofferwaaren- Induftrie war durch die„ Moravia", Homboker und Marienthaler Eifenwaaren- Induftrie und Handels- Actiengefellfchaft reichlich vertreten. Sie brachten eine grofse Auswahl von Schlöffern aller Gattungen und ihrer anderen Blechwaaren- Fabrikaten zur Ausftellung, die in Folge ihrer foliden Arbeit und billigen Preife einen ſtarken Handelsartikel bilden. Die Firma Carl Grundmann in Wien brachte ihre fabriksmässigen Erzeugniffe fertiger Schlöffer und einzelner Schlofsbeftandtheile zur Geltung, und ebenfo hatte Herr Eduard Gehring in Wien eine reichhaltige Collection von Patent- Möbelfchlöffern ausgeftellt; auch von anderen Seiten, namentlich von Hermann Jeitteles& Sohn in Prag, J. V. Floigl in Graz und anderen, find in guter Mittelwaare viel verfprechende Anfänge zu verzeichnen, die fabriksmäfsige Schlofserzeugung bei uns einzubürgern. Das Ausland hatte, wie bemerkt, in der Schlofsfabrikation nur wenig zur Anfchauung gebracht; namentlich fehlten aus England, Frankreich, Deutfchland jene grofsen Firmen, die auf den Weltmärkten den Ton angeben. Amerika hatte uns durch die W eftfield Lak Works Company einzelne Mufter vorgeführt, die durch ihre ſchöne und folide Arbeit anerkennenswerth erfchienen. Die Gröfse des Antheiles der Mafchinenarbeit war jedoch an ihnen nicht feftzuftellen. Nirgends wird die Solidität eines Schloffes höher gefchätzt als in Amerika, und es ift daher auch natürlich, dafs dort nur von Schlöffern der beften Qualität die Rede fein kann. Thatfächlich hat daher in Amerika die fabriksmäfsige Erzeugung fowohl von Thür-, als Koffer, Vorleg- und andern Schlöffern fehr grofse Dimenfionen angenommen. In der That eignen fich auch wenig Bedarfsartikel beffer, als diefe, für fabriksmäfsige Maffenerzeugung. Stahl- und Eifenwaaren. 19 . Feuerfefte Caffen. Sachgemäfs reiht fich dem eben behandelten Artikel die Fabrikation feuerfefter Caffen an. Diefer Zweig war auf der Ausftellung in den berühmteften Firmen diefes Faches aus allen Ländern angemeffen vertreten. Ueber die öfterreichifchen Matadore Wertheim& Comp., Friedrich Wiese ift hier wenig zu fagen, da ihre Leiftungen fo allfeitig anerkannt find, dafs es fchwer fallen dürfte, etwas Neues darüber zu bringen. Aufser den Caffen, feuerfeften Tifchen und Schreibpulten hatte die Firma Wertheim& Comp. im Eifenhof ein ganzes Zimmer feuerficher hergeftellt. Die Firma Polzer& Stern in Wien hatte fich ihren älteren Collegen. würdig an die Seite geftellt und ihre Arbeit liefs auf grofse Sorgfalt in der Ausführung der einzelnen Theile fchliefsen. Die Firmen: Becher& Hildesheim in Wien und V. Kanduth in Graz wurden von der Jury gleichfalls als verdienftlich und beifallswürdig anerkannt. Aus England hatte fich die renommirte Firma: Hobbs Hart& Comp., aus Frankreich: Pierre Haffner und N. Fichet, aus Berlin: St. Arnheim mit ihren bewährten Leiftungen an der Ausftellung betheiligt. Die Firma: S. Haffner erregte noch eine befondere Aufmerkſamkeit durch eine grofse Collection fabriksmäfsig erzeugter Schlöffer( Handelswaare), die in Preis und Ausführung allen Anforderungen entſprach. Eiferne Möbel. In eifernen Möbeln war die öfterreichifche Betheiligung eine fehr beachtenswerthe und eine Vergleichung mit der verhältnifsmäfsig gering vertretenen ausländifchen Concurrenz läfst den erfreulichen Schlufs zu, dass wir in Qualität, Gefchmack und Preis mit dem Auslande auf fremdem Markte erfolgreich in Mitbewerbung treten können. Der eigene Markt ift ohnehin unferem Gewerbsfleifse gefichert. Die vortheilhaft bekannte Fabrik von A. Kitfchelt's Erben in Wien hatte durch eine grofse Collection ihren alten, bewährten Ruf neuerdings behauptet; ihre Leiftungen ftellten fich in Eleganz und Solidität den beften diefer Gattung würdig zur Seite, und wurden mit der Fortfchrittsmedaille ausgezeichnet. Die Wiener Firmen: J. Dillmann& L. Fifcher, R. Mitzky& Sieber. R. Rigl& Comp. hatten ebenfalls recht verdienftliche Leiftungen aufzuweifen, welche von der Jury mit der Verdienftmedaille anerkannt wurden. Die Firma J. Schlefinger in Wien hatte das Gebiet der eifernen Gartenmöbel befonders cultivirt und fand, der foliden und gefchmackvollen Arbeit. wegen, vielfache Anerkennung. Unter diefer Rubrik darf die italienifche Firma: Fratelli Ghibellini in S. Giovanni nicht mit Stillfchweigen übergangen werden, da fie prachtvoll lakirte und ausgeftattete eiferne Bettftellen zur Ausftellung gebracht hatte, welche die Aufmerkfamkeit aller Befucher auf fich zogen. Diefe Collection war denn auch fofort an verfchiedene Befucher verkauft worden. 20 F. W. Haardt. Grobe Schmiedewaaren. Die Erzeugung grober Schmiedewaaren war vorzugsweife durch ſteierifche und böhmifche Ausfteller zur Anfchauung gebracht. In diefe Claffe fällt die Fabrikation von Amboffen, Schraubftöcken, Hämmer u. dgl., welche durch die Vordernberg Köflacher Montan- InduftrieGefellfchaft, durch Czimek und Andrieu in Graz, durch die Ausftellung von Metzeseifen( Ungarn) eine angemeffene Vertretung fand. Nagelfchmiede- Arbeiten waren durch die Erzherzogliche IndustrieVerwaltung in Tefchen, Joh. Globotfchnigg in Eisnern( Krain), Nagelfchmied Gefellfchaft in Lofenftein, Philipp Wiener in Prag, Adam Hönnel in Göllnitz, Mich. Streck& Söhne in Göllnitz, Walko& Schütz in Göllnitz in marktgängiger und preiswürdiger Waare vertreten. Obfchon die gefchmiedeten Nägel in den Drahtftiften einen überlegenen Rivalen gefunden haben, ift der Artikel doch noch immer fo vielfach verbreitet, dafs fich Taufende von Arbeitern damit ihren, wenn auch befcheidenen Unterhalt verdienen. Eine neue Concurrenz enfteht den Nagelfchmieden in der Herftellung der Hufnägel mittelft Maſchinen. Im Auslande hat diefe Erzeugungsweife bereits grofse Dimenfionen angenommen und auch in Oefterreich kann fie auf eine gröfsere Verbreitung rechnen, fofern es gelingt, die mehrfach dagegen beftehenden, in alten Gewohnheiten begründeten Vorurtheile zu befeitigen. Herr Schlefinger in Ottakring bei Wien hatte die auf feinen amerikanifchen Maſchinen erzeugten Hufnägel in aufserordentlicher Schönheit und Güte ausgeftellt. Hand in Hand mit der Nägelerzeugung durch Verwendung von Mafchinen geht auswärts die Fabrikation der Hufeifen mittelft Mafchinen. In Amerika, England und Deutſchland fchon vielfach im Gange, ftöfst fie in Oefterreich gleich der Erzeugung von Hufnägeln auf diefem Wege noch auf vielfache Hinderniffe. Schon vor mehreren Jahren wurden derartige Mafchinen auf dem ärarifchen Stahl- und Eifenwerke Eibiswald aufgeftellt und in Betrieb gefetzt, ohne dafs bis jetzt nennenswerthe Reſultate zu verzeichnen wären. Der Umftand, dafs in Oefterreich, namentlich in Böhmen, die Fabrikation der Stiefel eifen in ziemlich ausgedehnter Weife betrieben wird, und trotz verhältnifsmäfsig hohem Eingangszoll auch noch ein namhafter Import diefes Artikels hieher ftattfindet, gibt uns Veranlaffung, darauf aufmerkfam zu machen, dafs auch diefer Artikel im Auslande maſchinenmäfsig hergeftellt wird, und wir daher trotz der billigften Arbeitslöhne dennoch immer im Nachtheile bleiben, weil Handarbeit gegen die Mafchine fchwer aufkommen kann. Unter Anderen hatte Herr C. Lüftner in Prag eine vollſtändige Collection folcher Stiefeleifen im Eifenhof ausgeftellt, wie folche in der Gegend von Horowitz u. f. w. in grofsen Maffen erzeugt werden. Zieht man aufser den, nur ein kärgliches Auskommen gewährenden Arbeitslöhnen den billigen Eifenbezug und den billigen Brennftoff in Betracht, mufs man wohl, wenn dann noch ein Import mit einem Eingangszoll von fl. 2- Silber per Zollcentner ftattfindet, wie diefs thatfächlich der Fall ift, zugeben, dafs die Vortheile der auswärtigen FabrikationsMethode überwiegend find. In der That find die im Auslande im Betrieb ftehenden StiefeleifenMafchinen von einer aufserordentlichen Leiftungsfähigkeit; fie verarbeiten zu diefem Artikel Draht, der durch die felbftthätige Mafchine auf kaltem Wege in die Form der Stiefeleifen gebracht wird, während die öfterreichifchen Werkftätten Flach- oder Quadrateifen dazu verwenden, und diefs im warmen Zuftande verarbeiten. - Stahl- und Eifenwaaren. 21 Die dazu hier verwendeten Preffen bleiben weitaus hinter der Leiftungsfähigkeit der im Auslande in Verwendung ftehenden Mafchinen zurück; die Anwendung folcher Mafchinen follte alfo auch hier ernftlich ins Auge gefafst werden. Auf diefe Weife würde nicht blos dem Import diefes Artikels ein Ende gemacht, fondern wir würden, bei unferen natürlichen Vortheilen, fogar am Export theilnehmen können, und z. B. vermöge unfererer geographifchen Lage an der Befriedigung des ruffifchen Marktes hervorragenden Antheil gewinnen, da in Rufsland grofse Maffen folcher Stiefeleifen verwendet und vom Auslande bezogen werden. Die ruffifchen Formen find vielfach den in Galizien gangbaren ähnlich, alfo in ihrer Form der öfterreichifchen Erzeugung hinlänglich bekannt und geläufig. Um einen annähernden Begriff der Vortheile der Fabrikation mittelft Mafchinen zu geben, fei hier noch bemerkt, dafs ein einzelner Arbeiter mit der Mafchine täglich 400 Paar Stiefeleifen fix und fertig zu Stande bringt, während leiften die Handarbeit nur einen befcheidenen Bruchtheil diefer Ziffer zu vermag. - Unter die groben Schmiedewaaren rubriciren wir ferner die Aexte, Hacken, Beile, Schaufeln etc., wie folche im Inlande, namentlich in Steiermark, NiederOefterreich und Ungarn, in hinreichender Menge und zu verhältnifsmäfsig billigen Preifen hergeftellt werden, ohne aber den Import abwenden oder gar an einem Export theilnehmen zu können. Unfere Geräthe der vorbezeichneten Art leiden an einer unbehilflichen Form und laffen auch in der Qualität viel zu wünfchen übrig. In England und Amerika dagegen weifs man den Werth diefer Werkzeuge beffer zu würdigen, und verwendet auf deren Anfertigung mit Recht eine grofse Sorgfalt, damit fie fowohl durch ihre handfame, zweckentfprechende Form, als durch ihre Schneide den damit hantirenden Arbeitern die gröfsten Dienfte leiften. Die Wiener Ausstellung brachte in der amerikanifchen und englifchen Abtheilung reiche Collectionen folcher Geräthe zur Anfchauung, und fteht daher zu erwarten, dafs deren genauere Prüfung auch in unferen öfterreichifchen Fabrikanten und Arbeitern den Vorfatz gekräftigt hat, fortan auf die beffere Ausftattung ihrer Erzeugniffe eine gröfsere Sorgfalt zu verwenden. In gleicher Weife hatte auch eine Elfafser Firma eine fchöne Sammlung folcher Geräthe ausgeftellt, die in Form und Anfehen den amerikanifchen ziem lich genau nachgebildet waren. Der billige Preis, den wir gegen diefe ausländifchen Erzeugniffe für unfere Fabrikation geltend machen können, ift nicht allein entfcheidend. In dem Mafse, als auch bei uns der Werth der Zeit beffere Würdigung erfährt, wird fich auch unfer Arbeiter nach einem Werkzeuge umfehen, welches ihm bei geringerer Anftrengung und kürzerer Zeit mehr zu leiften geftattet, wie diefs thatfächlich bei den amerikanifchen und englifchen Geräthen der Fall ift. In den erwähnten Artikeln verdient die Hüttenberger Eifenwerks- Gefellfchaft in Klagenfurt aus dem Grunde befonderer Erwähnung und Anerkennung, weil fie die Schaufeln, Hacken, Hauen, Krampen, Steinkeile, Brechftangen, Hämmer, Pflugfchaaren etc. aus Beffemer- Stahl erzeugt, und dadurch eine ungleich gröfsere Solidität und Dauerhaftigkeit gewährleiftet. noch die Unter die groben Schmiedewaaren müffen wir fchliefslich Wagenachfen und Wagenfedern rubriciren, wie folche in anerkannt vorzüglicher Qualität und fchöner Arbeit durch: J. Heifer in Gaming, Gaismayer& Schürhackl in Scheibbs, Ferdin. Hüffel in Hainfeld, C. M. Faber in Eibiswald ausgeftellt waren und durch die Jury in hervorragender Weife ausgezeichnet wurden. 22 F. W. Haardt. Blechwaaren und Kochgefchirr. In der Herſtellung von Blechwaaren, worunter wir die Schlofferwaaren, alfo die Verwendung von fogenannten Schlofsblechen, hier nicht verftehen, werden die öfterreichifchen Gewerbetreibenden durch die ausgezeichnete Güte des fteierifchen und kärntnerifchen Eifens, welches unfere Feinblechwalzwerke faft ausfchliefslich verarbeiten, wefentlich unterſtützt. Diefe Bleche find daher auch anerkannt von einer Zähigkeit, die von keinem Concurrenzwerke übertroffen wird, und die fie zu allen weiteren Verarbeitungen in ausgezeichneter Weife geeignet machen. Vor Allem verdienen die Blechwalzwerke„ Union"," Styria", Stift Admont'fches Werk„ Trieben" einer lobenswerthen Erwähnung, da ihre ausgeftellten Producte, namentlich die polirten und decapirten( vom Zunder gereinigten Bleche) durch die gleichzeitig in vorgelegten fchwierigen Proben erfichtlich gemachte weitere Verarbeitung diefer Bleche den Beweis lieferten, dafs fie geradezu unverwüftlich genannt werden können. In gleicher Weife reihten fich die böhmifchen und mährifchen BlechWalzwerke an, namentlich diejenigen von Graf Affeburg in Böhmen, Graf Harrach in Mähren. Eine ausgedehnte Verwendung finden diefe feineren Bleche zur Erzeugung von Wirthfchafts- und Küchengefchirren, und hier war es die Induftrie von Brünn, die vor allem lobende Erwähnung verdient. Die fabriksmässige Erzeugung emaillirter Kochgefchirre wird dort in fchwunghafter Weife betrieben und verfteht man es auf diefen Gefchirren ein Email herzuftellen, wie es dauerhafter, fchöner und weifser von keiner Concurrenz geliefert worden ift. Die Firmen: Auguft Bartelmus& Comp., H. Cerwink a's Witwe, letztere auch in fchönen Gufsgefchirren, hatten in reichhaltigen Affortiments jedem Hausbedarf entſprechende Kücheneinrichtungen zur Ausftellung gebracht. Auch von A. M. Pleifchl in Wien war auf diefem Gebiete Lobenswerthes geleiftet, und wenn fein Email auch nicht die fchöne weifse Farbe trug, womit die Brünner Fabrikanten excellirten, fo rühmt man an ihm doch den befonderen Vorzug einer aufserordentlichen Haltbarkeit. Den Blechgefchirren reihte fich noch die grofsartig entwickelte Erzeugung gufseiferner emaillirter Küchengefchirre an, wie folche auf den Werken Sr. kaif. Hoheit des Herrn Erzherzog Albrecht in Tefchen, von Graf Waldftein, Märki& Göczmann, der Pilsener ActienGefellfchaft in bedeutender Ausdehnung betrieben wird. Auch in verzinnten Wirthschafts- und Küchengefchirren war durch die Firma Haardt& Comp. in Wien ein vollſtändiges Affortiment zur Ausftellung gebracht worden. Diefe Firma ftellt nach englifcher und franzöfifcher Art die Gefchirre aus fteierifchem Blech mit Mafchinen aus einem Stück ohne Falz oder Naht her, welche Fabrikationsmethode die ungleich gröfsere Dauerhaftigkeit und Schönheit der Form erzielt. Deutfchland hatte auf diefem Gebiete ebenfalls fehr beachtenswerthe Leiftungen zur Ausftellung gebracht, und liefs durch zahlreiche Betheiligung auf eine grofse, allgemeine Verbreitung diefer Fabrikation einen vollgiltigen Schlufs ziehen.- Befonders verdienen die Fabriken: Weifsmüller in Düffeldorf, Thiel in Lübeck, Philippi& Cetto in Stromberg, Knödgen, Mantel& Comp in Fraulautern wegen der Mannigfaltigkeit und Schönheit ihrer Fabrikate, fowohl in rohen als verzinnten und emaillirten Wirthfchaftsund Kochgefchirren, hier lobend erwähnt zu werden. Belgien befitzt ebenfalls einen auf diefem Gebiete wohlbegründeten, auch im Auslande anerkannten Ruf. Stahl- und Eifenwaaren. 23 Die Firmen Delloye Maffon& Comp., Tremoreaux& Comp. in Brüffel und Moll& Comp. in Goffelies hatten diefen Ruf durch tadellofe Erzeugniffe auf der Wiener Weltausftellung vollkommen bewährt. Der Altmeifter diefes Fabrikationszweiges, der Franzofe Jappi, der in diefer Branche Taufende von Arbeitern befchäftigt und auf allen Märkten der Welt als der Erfte gilt, hatte fich leider an unferer Ausftellung gar nicht betheiligt. Ebenfo hatten die grofsen en glifchen Fabriken hier jede Betheiligung unterlaffen. Eine weitere bedeutende Verwendung finden die fteierifchen Feinbleche, zur Erzeugung von lackirten Taffen, Holzkörben und ähnlichen Artikeln, wie folche von Herrn Carl Kronig in Wien in grofser Anzahl ausgeftellt worden waren. Herr Kronig gilt bekanntlich als der erfte und bedeutendfte Fabrikant in diefen Artikeln, und feine Erzeugniffe finden in allen Provinzen einen ftändigen Abfatz und gehen auch in ziemlich namhaften Partien ins Ausland. Herr Jofef Benke in Prag hatte in diefen Artikeln gleichfalls recht gefchmackvolle und reine Waare ausgeftellt. Die Firma W. Bachmann& Comp. in Wien hatte neben ihren chinafilbernen Erzeugniffen eine Collection von verzinnten Efslöffeln( aus fteierifchem. Eifenblech) ausgeftellt, und darin alle Sorten aufgenommen, die im In- und Auslande im Verkehr vorkommen. Die Eleganz und Reinheit diefer Waare, der billige Preis, bis zu 36 kr. per Dutzend, laffen es begreiflich erfcheinen, dafs diefe Efslöffel auf allen Märkten gefuchte Artikel find. Die Firma verforgt daher nicht blos das Inland mit diefem Artikel, fondern exportirt auch in grofsem Mafsftabe nach Deutſchland, Rufsland und Amerika. Die Fabrikation der blechernen lackirten Zuckerformen hat vorzugsweife in Brünn ihren Sitz und von dort aus werden faft alle Zuckerfabriken des Kaiferftaates verforgt. Auf der Ausstellung war diefer Artikel angemeffen vertreten. Eiferne Röhren gewinnen eine ftetig zunehmende Bedeutung durch die Verallgemeinerung ihrer Anwendung und den fortwährend fteigenden Bedarf. Wir können hier leider nur über ausländifche Fabrikate berichten, da Oefterreich auf diefen Artikel gar nicht eingerichtet ift, alfo auch nichts zur Ausstellung bringen konnte. Die früheren Fabrikationsverfuche, welche von Töpper in Scheibbs, Gebrüder Klein in Zöptau, Graf No ftitz in Böhmen in Bezug auf die Herftellung von Gasröhren vorgenommen wurden, mufsten gegenüber der erdrückenden englifchen Concurrenz aufgegeben werden, obfchon damals der Schutzzoll die vierfache Höhe des heutigen Zolles betrug. Der ganze Bedarf wird daher von auswärts, vorzugsweife von England gedeckt, wo diefe Fabrikation riefige Dimenfionen gewonnen hat. Auf der Ausstellung war daher der Artikel vorzugsweife nur von England, in geringerer Weife auch von Belgien vertreten. Es mag allerdings keine leichte Aufgabe fein, heute, wo unfer Markt vollſtändig in den Händen der ausländifchen Fabrikanten ift, und wo der Mangel eines fchützenden Zolles( die eifernen Röhren zahlen gegenwärtig einen geringeren Eingangszoll als das dazu verwendete Rohmaterial) jede Ermunterung zur Etablirung diefes Fabrikszweiges bei uns fehlen dürfte, für die Errichtung einer inländifchen Fabrik diefer Art das Wort zu führen. Aber an geeignetem, gut fchweifsbarem Eifen fehlt es nicht. 24 F. W. Haardt. Bau- und Ornamentguss. Während der gewöhnliche Eifengufs, namentlich der fogenannte Mafchinengufs, in einer anderen Gruppe bereits feine Beurtheilung gefunden, bleibt uns hier noch die Befprechung des wichtigen Gebietes des Bau- und Ornamentguffes übrig. Im Allgemeinen mufs conftatirt werden, dafs von allen Seiten die gröfsten Anftrengungen gemacht waren, um diefen Artikel würdig zu repräfentiren und. möglichft Vollendetes zu bieten. Selbft das entfernte und induftriell fo wenig entwickelte Brafilien hatte auf diefem Gebiete beachtenswerthe Verfuche gemacht. Rufsland und England hatten fich im Verhältniffe zu den anderen Staaten quantitativ weniger betheiligt, obgleich die ausgeftellten Objecte einen genügenden Beweis ihrer Leiftungsfähigkeit lieferten. Befonders erwähnenswerth war das von der Coalbrookdale Company ausgeftellte eiferne Gitter, welches als Umzäunung des englifchen Commiffionshaufes diente, und ein anderes, welches die englifche Abtheilung zierte und der fauberen Ausführung wegen allgemeine Anerkennung fand. Rufsland excellirte durch das von San Galli in Petersburg am Hofe der ruffifchen Ausftellung aufgeftellte Gitter mit Thor. In Folge feiner glatten und exacten Ausführung und feiner wahrhaft künftlerifchen Durchführung bildete es ein hervorragendes Stück der Ausftellung und erfreute es fich der ungetheilten Anerkennung aller Fachleute. Den Glanzpunkt der Gufswaaren- Ansftellung bildeten aber die Erzeugniffe von Frankreich, Deutíchland und Oefterreich. Was zunächft die franzöfifchen Erzeugniffe betrifft, fo wird Niemand. an den herrlichen Leiftungen von Durenne in Paris und der Société Val D'Osne vorübergegangen fein, ohne fich zu fagen, dafs es fchwer fei, etwas Schöneres und in der Ausführung Vollendeteres fchaffen zu können. Hier hatte der Former feine Künftlerfchaft gezeigt, hier waren ohne Cifeleur Figuren und Ornamente aus Gufseifen gefchaffen, welche faft ohne jede Nacharbeitung fo rein und glatt gegoffen waren, dafs man über diefen Fortfchritt in der GufseifenInduftrie nur Bewunderung ausdrücken konnte. Die ausgestellten Objecte, vor allen die Fontaine in der Mitte der Rotunde und die gufseifernen Gruppen, fowohl die bearbeiteten als diejenigen, an welchen noch die feinen Formnäthe zu fehen waren, liefern den Beweis, dafs das Gufseifèn bezüglich feiner Verwendbarkeit zu monumentalen Zwecken ebenfo gut wie Bronze zu verarbeiten ift, vor diefer aber den Vorzug hat, dafs es vermöge feiner gröfseren Dünnflüffigkeit die Form äufserft fcharf wiedergiebt und bei richtiger Behandlung und Zubereitung des Formfandes eine fo reine und glatte Oberfläche erhält, dafs aufser der Befeitigung des locker anhaftenden und mit einer Bürfte leicht zu entfernenden Sandes und der feinen Gufsnäthe weitere Nacharbeiten. völlig überflüffig werden, während beim Bronzegufs erft die äufsere Gufshaut entfernt werden und dann das Object durch den Cifeleur in langer und mühfamer Nacharbeit erft ein lebensfähiges Anfehen erhalten mufs. Ein guter Oelanftrich oder ein metallifcher Ueberzug fichern dem eifernen Gufsftück eine gleich lange Dauer als dem broncenen, das vielleicht das Zehnfache von dem des erfteren koftet. In der deutfchen Abtheilung war es vor Allem die gräflich StollbergWernigerode'fche Eifengiefserei in Ilsenburg, welche mit ihren gefchmackvollen und bedeutenden Leiftungen herrvorragte, und neuerdings, gleich wie auf den früheren Parifer und Londoner Ausftellungen, beredtes Zeugnifs ablegte von der intelligenten Leitung diefes Etabliffements, der Kunftfertigkeit der Arbeiter, fowie von der vorzüglichen Qualität des verwendeten Materials. Stahl- und Eifenwaaren. 25 Von dem kleinften Schmuckkäftchen bis zu den Tragfäulen des ausgefteliten grofsen Balcons fanden wir diefelbe Sauberkeit, denfelben feinen Gefchmack. Am meisten feffelte der feine Kunftgufs in Imitationen von alten Rüftungen, Schalen, Vafen, Tellern, Käftchen u. f. w., für welche meiftens berühmte Antiken, z. B. von Benvenuto Cellini, als Mufter und Modelle gedient hatten. Aber auch der Baugufs war bei diefem Etabliffement ftark vertreten, und die hübfchen Candelaber, Balcongitter, Treppen und Säulen verdienten Beifall und Anerkennung, der auch von der Jury durch Ertheilung des Ehrendiploms Ausdruck gegeben wurde. Der Ilfenburger Ausftellung gegenüber befanden fich die Erzeugniffe der gleichfalls berühmten Eifengiefserei Lauchhammer, die nicht minder Anerkennung fanden. Auf 10 gufseifernen Säulen, in Styl und Form gleich tadellos aus. geführt, ruhte ein grofser Balcon, der durch verfchiedene gefchmackvolle Gitter umgränzt war und den man auf zwei Wendeltreppen erftieg, deren eine bei einer bedeutenden Breite freitragend conftruirt war, während die andere auf einer Spindel ruhte. Unter diefem Balcon war der emaillirte Eifengufs diefes Werkes placirt, von dem namentlich der grofse, ungefähr 5 Fufs weite und ebenfo tief aus einem Stück mit kaum 4 Linien ftarker Wandung gegoffene Gährbottig die allgemeine Aufmerkfamkeit erregte. Auf dem Balcon befanden fich die feineren Erzeugniffe diefes Werkes, von denen vor Allem die aus Gufseifen hergeſtellten polirten Camine ins Auge fielen. Es find diefe Camine Specialitäten von Lauchhammer, und werden von keinem anderen Werke des Continents in Reinheit des Schliffs und der Politur überboten oder auch nur erreicht. Früher wurden diefe Camine faft ausfchliefslich aus England bezogen. Diefelben waren jedoch aus Schmiedeeifen, welches der Politur leicht fähig ift; jetzt aber ift die englifche Waare durch Lauchhammer verdrängt, weil die gufseifernen Camine ebenfo fchön als die fchmiedeeifernen find und bedeutend billiger zu ftehen kommen. Aufser den Caminen fielen befonders die Lauchhammer'fchen Reguliröfen auf, welche theils mit gefchliffener und bronzirter, theils mit gefchwärzter Oberfläche fauber und gefchmackvoll ausgeführt waren. Diefe Oefen bilden einen wichtigen Fabricationsartikel des genannter. Werkes, und find in Deutſchland allgemein als fehr zweckmäfsig anerkannt und verbreitet. Namentlich beim Heizen mit Steinkohlen erweifen fie fich als fehr vortheilhaft, weil fie nicht nur eine volldas ftändige Luftcirculation im Zimmer ermöglichen, fondern auch durch Auf- und Zumachen der Regulirfchraube die Temperatur nach Belieben zu regeln geftatten. Auch die aufserhalb des Gebäudes ausgeftellten Erzeugnine von Lauchhammer, namentlich ein eiferner Brunnen, mehrere Candelaber und Säulen, waren muftergiltig und gediegen ausgeführt. Die Verleihung des Ehrendiploms an diefes Werk gibt Zeugnifs, dafs auch die Jury feine Leiftungen als aufserordentliche anerkannte. Die Erzeugniffe der Eifengiefserei von Mägdefprung, einem kleineren. Eifenwerk mit Hochofenbetrieb, im öftlichen Theile des Harzes gelegen, befitzen namentlich im fogenannten Kunftgufs einen gewiffen Ruf, den diefes Werk auch auf der Ausftellung durch faubere und gefchmackvolle Arbeiten bewährt hatte. Die Ausstellung des königlich württembergifchen Hüttenwerkes Wafferalfingen war in Bezug auf den Bau- und Ornamentgufs feiner fonft fo hervorragenden Stellung in geringei em Grade gerecht geworden; feine hierher einfchlägigen Erzeugniffe waren wohl recht gefchmackvoll gruppirt, ftanden aber in der Ausführung den vorher erwähnten Werken nach. Kaiferslautern hatte befonders in Reguliröfen nach Meidinger's Patent eine ziemlich beachtenswerthe Arbeit geliefert. Der ausgeftellte Pavillon 26 F. W. Haardt. war in feiner Ausführung hinter den fonftigen Leiftungen diefes Werkes zurückgeblieben. Die Gewerkfchaft Hammerau, Afchthal und Hohen Afchau in Bayern hatte einige exact ausgeführte Eifengüffe zur Schau geftellt, welche Anerkennung fanden. Erwähnenswerth bleiben noch die Giefserei- Erzeugniffe der Karlshütte zu Dellinghaufen im Herzogthume Braunfchweig, weil diefelben in fo vorzüglichem und reinem Guffe ausgeführt waren, dafs fie allgemeine Anerkennung fanden. Namentlich die fehr praktifchen und fauber ausgeführten Regul.röfen find es, die alles Lob verdienen. Was nun unfere eigenen vaterländifchen Leiftungen auf diefem Gebiete betrifft, fo fchicken wir zunächft die Thatfache voraus, dafs fich hier erft in neuefter Zeit ein erfreulicher Fortfchritt in der Gufseifenbranche bemerkbar gemacht hat. Es fehlte nicht an grofsen und vielverbreiteten Eifengiefsereien, die Mafchinen und ordinären Gufs zweckentfprechend erzeugten, aber fo bald es fich um feineren Bau- und Ornamentgufs handelte, fo wandte man fich nach Frankreich, England und Deutfchland, weil man glaubte, dafs feinerer Eifengufs in Oefterreich nicht erzeugt werden könne. Diefes Verhältnifs hat aber in letzterer Zeit eine beachtenswerthe Wendung zum Befferen genommen. In dem Mafse, als man in den letzten Jahren mehr und mehr den grofsen Werth und Reichthum unferes vorzüglichen Eifenmaterials für die Technik erkannt hatte, und in dem Mafse, als fich Kunft, Architektur und Induftrie mächtig zu regen anfingen und man die Wichtigkeit und Verwendbarkeit des Gufseifens auch zu Bauzwecken erkannte, wurde auch bei uns die GufseifenInduſtrie rege und machte man bedeutende Anftrengungen, dem Auslande den Vorrang ftreitig zu machen. Inwieweit diefe fchon im Jahre 1873 erfolgreich waren, zeigte uns die Aus ftellung öfterreichifcher Producte. Als die hervorragendfte Leiftung auf diefem Gebiete mufs die Expofition der Meidlinger Giefserei des Herrn R. Ph. Waagner bei Wien betrachtet werden. Die in dem nördlich des Hauptgebäudes errichteten Pavillon ausgeftellten Objecte, fämmtlich in den Bereich des Bauguffes gehörig, müffen den beften Erzeugniffen des Auslandes zur Seite geftellt werden; denn die einzelnen Gegenftände als: Gitter, Balcone, Candelaber, Geländerftäbe, Treppen, Säulen etc., waren in fo reinem und fcharfem Guffe ausgeführt, und die Bearbeitung der complicirteren Stücke mit folcher Gefchicklichkeit durchgeführt, dafs man darüber nur Eine Stimme des ungetheilten Beifalls vernahm. Erfreulich ift es, dafs wir nunmehr im Bezuge diefer Artikel vom Auslande unabhängig find; mehr aber noch, dafs die Leiftungen des Waagner'fchen Etabliffemants auch bereits über die Landesgrenzen hinaus die verdiente Anerkennung finden, da namhafte Beſtellungen aus Italien, Rufsland, felbft aus Brafilien zur Ausführung kamen, neuerlich auch bedeutende Mengen feiner decorativen Erzeugniffe nach dem deutfchen Zollvereine, namentlich nach Süddeutſchland exportirt wurden. Hiebei wollen wir nicht unerwähnt laffen, dafs Waagner's Stalleinrichtungen, von denen er Mufter in feinem Pavilion ausgeftellt hatte, ihrer foliden, fauberen und praktiſchen Einrichtung und Ausführung wegen ebenfalls im In- und Auslande die ausgedehntefte Verwendung finden und einen grofsen wohlverdienten Ruf geniessen. Auch das in Conftruction und Ausführung gelungene, aus Gufs- und Schmiedeifen hergeftellte Palmenhaus wird den Befuchern der Ausftellung noch in freundlicher Erinnerung ftehen. Aufser der Waagner'fchen Ausftellung verdienen in der ehrenvollften Weife erwähnt zu werden: Die Herren Leopold Lindftedt in Wien, die Fürft Salm'fche Eifengiefserei in Blansko, die Schlick'fche Eifen Stahl- und Eifenwaaren. 27 Giefserei in Peft. Es waren unter den ausgeftellten Güffen Stücke, die den aufserordentlichen Fortfchritt der öfterreichifchen Gufseifen- Induftrie bethätigten und es zweifellos erfcheinen laffen, dafs der Bedarf an folchen Artikeln von. unferen Werken mindeſtens ebenfo gut und ebenfo billig befriedigt werden könne. Angefichts der Wichtigkeit diefer Frage möge es hier geftattet fein, der durch Verwendung des Gufseifens als Baumaterial gegenüber Zink, Holz und Stein fich ergebenden Vortheile zu gedenken. Handelt es fich zunächft um die vergleichsweife Tragfähigkeit des GufsEifens, fo finden wir, dafs die zuläffige Belaftung per Quadratcentimeter bei Gufseifen Granit " • Cement im Maximum " Sandſtein.. " 99 gutem Mauerwerk • Eichenholz 27 Buchenholz " Kieferholz " 9 circa 700 Kilogramm 99 45 " 9 27 9 " . » 30-55 " 29 25 99 66 19 60 99 " 99 5° 27 beträgt, wonach alfo das Gufseifen 15mal mehr als Granit, 28mal mehr als das befte Mauerwerk, 13mal mehr als der feftefte Sandftein, I Imal mehr als Eichenholz und 14mal mehr als Kieferholz zu tragen im Stande ift. Daraus folgt, dafs der Nettoquerfchnitt des Gufseifens bei gleicher Tragfähigkeit um die angegebenen Verhältnifszahlen geringer fein kann. Ein befonderer Vortheil bei Verwendung des Gufseifens liegt aber darin, dafs fich dasfelbe mit Leichtigkeit in alle möglichen Formen äufserft fcharf ausgiefsen läfst, und nach demfelben Modell grofse Mengen in verhältnifsmässig kurzer Zeit hergestellt werden können. Beim Gufs von Ornamenten hat man bisher vielfach das Zink dem Eifen vorgezogen und man findet Gefimfe, Confols, Balcons, Bekrönungen u. f. w. gewöhnlich aus Zink hergeftellt, obwohl kein in der Technik in Verwendung kommendes Metall in Berührung mit der äufseren atmoſphärifchen Luft in Folge feiner Oxydirung fo rafch der Zerftörung ausgefetzt ift, als Zink, das trotz allen Anftrichs kaum eine Dauer von 20 bis 25 Jahren überftehen möchte. Compacter gegoffene Zinkftücke mögen eine längere Dauer behaupten, aber auch an diefen nagt der Zahn der Zeit mit verhältnifsmäfsig rafcher Wirkung. Auch bleibt die Thatfache beftehen, dafs das Rohmateriale um das Vier- oder Fünffache theurer ift als Eifen. Dann ist auch darauf aufmerksam zu machen, dafs das dickflüffige Zink bei weitem nicht fo fcharfe und faubere Abgüffe liefert, als das dünnflüffige Eifen. Jene müffen, wenn fie fcharf und rein werden follen, cifelirt werden, während diefe fertig find, wenn fie aus der Form kommen. Erwähnen wir nur der feineren Erzeugniffe von Durenne, Waagner, Lauchhammer, Ilfenburg und Carlshütte, fo mufs wohl zugegeben werden, dafs der Zinkrohgufs mit dem Eifenrohgufs bezüglich der Schärfe eine Concurrenz nicht aushalten kann. Vergleichen wir Zink und Eifen betreffs ihrer Fähigkeit, in angeftrichenem Zuftande der Atmoſphäre zu widerftehen, fo finden wir zunächft beim Zink, dafs die Oberfläche desfelben vor dem Ueberzuge mit Oelfarbe künftlich oxydirt werden mufs, weil erfahrungsmäfsig auf dem metallifchen Zink keine Farbe lange haftet. Diefe Oxydfchichte trennt fich aber im Laufe der Zeit in Folge des Einfluffes der Temperatur und der Atmoſphäre vom Metall, wodurch felbftredend auch der Anftrich verloren geht. Beim Eifen ift es anders. Jedes metallifche Eifen überzieht fich mit einem Oxydhäutchen, fobald das flüffige Metall in den feften Zuftand übergeht. Diefes 28 F. W. Haardt. im Waffer unlösliche Oxydhäutchen ift aber mit dem Metall innig verbunden und fchützt dasfelbe zugleich vor weiterer Oxydation. Hieraus geht hervor, dafs ein Oelanftrich auf dem Eifenguffe bei weitem beffer halten mufs, als auf dem Zinkguffe. Es ist nach den oben angeführten Erfolgen auf der Wiener Weltausstellung anzunehmen, dafs diefer Induftriezweig in Oefterreich einen weiteren Auffchwung nimmt und eine Ausdehnung erfährt, welche dem Wohlftande unferes Landes von gröfstem Nutzen fein wird. ERZEUGNISSE AUS KUPFER, ZINK, BLEI, ZINN, NICKEL UND DEREN LEGIRUNGEN.* ( Gruppe VII, Section 4.) Bericht von GUSTAV EDLEN V. ROSTHORN. Um der befferen Ueberficht willen theilen wir diefe Materie in 2 Ab theilungen: 1. jene der Halbfabrikate; 2. jene der fertigen Waaren. Die Wiener Weltausstellung hat in Bezug auf die Metallerzeugung ein richtiges Bild der in den einzelnen Ländern gemachten Fortfchritte nicht gegeben; denn würde man nur von den ausgeftellt gewefenen Metallen und Metallwaaren auf den heutigen Stand diefer Induftriezweige fchliefsen, müfste Oefterreich unbedingt als das meift vorgefchrittene Land bezeichnet werden, während doch thatfächlich England, Frankreich und Belgien in vielen Metallerzeugniffen Oefterreich überragen. Die unrichtige Anfchauung, welche die Wiener Weltausstellung über Metalle und Metallwaaren veranlafste, erklärt fich eben durch die auffallende Enthaltfamkeit, welche England, Frankreich, Belgien und auch Deutſchland in Bezug auf die Befchickung der Ausftellung beobachteten. Welcher Grund hiebei mafsgebend war, kann nicht mit Beftimmtheit angegeben werden. Die Vermuthung geht dahin, dafs fremde Fabrikanten von der Ausftellung keinen befonderen Nutzen hoffen konnten, weil es die Verhältniffe kaum zuläffig erfcheinen laffen, dafs fremde Ausfteller von Metallwaaren einen Markt in Oefterreich gewinnen. Diefe Vermuthung gewinnt an Wahrfcheinlichkeit, wenn berücksichtigt wird, wie grofsartig z. B. Frankreich in Bronzearbeiten auf der Ausftellung vertreten war. Da, wo es vorwiegend auf Gefchmack und Kunftfertigkeit ankam, hat insbefondere Frankreich nicht gezögert, die Ausftellung auf das Reichlichfte zu befchicken in der Vorausficht eben, fich ein grofses Abfatzgebiet zu erringen. * Wenn der vorliegende Bericht lückenhafter erfcheint, als wir es im Intereffe des Gegenftandes felbft wünſchen, fo wolle das damit entfchuldigt werden, dafs wir den Auftrag zur Abfaffung desfelben fo fpät erhielten, dafs wir nur die Notizen zu benützen in der Lage waren, welche wir uns während den Berathungen der Jury gemacht hatten. 30 Guftav Edler v. Rofthorn. Kupfer als Halbfabrikat. Oefterreich- Ungarn. Die Ausstellung wurde von den meiften Befitzern von Kupferhämmern und Walzwerken der Monarchie befchickt, daher fie ein äufserft anfchauliches Bild über diefe hochentwickelte, von keinem Lande der Welt übertroffene Induftrie entrollte. Insbefondere find de Leiftungen der Firma Georg Zugmayer& Söhne in Waldegg als ganz ungewöhnliche zu bezeichnen. Ihre gewalzten und getieften Kupferwaaren erſchienen geradezu muftergiltig. Drei Gegenftände namentlich übertrafen alles von anderen Ländern Gebotene. Sie lieferten den Beweis fowohl von den vortrefflichen Einrichtungen der Fabrik, als von der aufserordentlichen Gefchicklichkeit der Arbeiter. Namentlich dies leztere Moment erfcheint uns fehr betonenswerth, denn die Betriebseinrichtungen, wie: Schmelzöfen, Walzwerke, Glühöfen und Dampffcheeren, kann fich wohl Jeder, der Luft und Geld dazu hat, fchaffen, aber Arbeiter, wie fie z. B. beim Schmieden einer grofsen Vacuumfchale nöthig find, finden fich nur fehr fchwer. Es ift eben ein Vorzug von lange beftehenden Fabriken, welche, wie die in Rede ftehende, in die zweite Hälfte des vorigen Jahrhunderts zurückreichen, dafs fie über einen tüchtigen Arbeiterftock verfügen, der fich durch zwei oder drei Generationen herangebildet hat. waren: Wir glauben diefer drei Objecte eingehender gedenken zu follen. Es ein Kupferblech von 2.8 Meter Breite, 10 Meter Länge und 2.5 Meter Dicke( 28 Quadratmeter Fläche). Es war diefs das gröfste Kupferblech der ganzen Ausstellung und näherte fich ihm nur jenes von Heckmann in Berlin, das allerdings 23 2 Quadratmeter hatte, aber bedeutend fchmäler war( 1.94 Meter Breite); - eine Kupferplatte von 2.7 Meter Breite, 55 Meter Länge, im Gewichte von 2614 Kilogramm ein bisher von keinem Ausfteller erreichtes Gewicht; eine Kupferfchale für einen Vacuumapparat von 5 Meter Durchmeffer. Aufser diefen drei befonders hervorragenden Schauftücken haben die Herren Georg Zugmayer& Söhne fehr fchön gearbeitete, gebogene Locomotiv-. Feuerkäftenplatten für Rohr- und Heizwand, dünne Emaillirbleche, getiefte Kupferfchalen in abfteigender Gröfse bis zur Schöpffchale, getriebene Kupferwaaren für Apparate zur Zucker-, Spiritus- und Bierfabrikation, Nieten, Stangen, getriebene Efsformen u. f. w. ausgeftellt. Alles aus beftem Materiale und von vorzüglicher Ausführung. Nicht unerwähnt können wir laffen, dafs Heckmann in Berlin zu dem in der Maſchinenhalle ausgeftellten fehr fchönen, höchft elegant gearbeiteten und vorzüglich conftruirten grofsen Vacuumapparate die beiden Kupferfchalen von der Firma Georg Zugmayer& Söhne bezogen hatte. Ch.& H. Chaudoir in Simmering bei Wien. Die Fabrik diefer Herren zählt zu den neueren Anlagen, ragt aber nichtsdeftoweniger durch vollendete Leiftungen hervor. Die ausgeftellten gröfseren und kleineren Kupferbleche, die Feuerkäftenplatten, die fertigen Locomotiv- Feuerkäften, wovon einer aus gerippten Platten beftand, die Schalen für Zuckerfabrikation und andere getiefte Schalwaaren gaben Zeugnifs von einer grofsartigen Betriebseinrichtung. Die ausgeftellten kleinen Kupferfchalen waren auf bisher nicht gebräuchliche Weife geftanzt und dürften, da fie billig herzuftellen find, zu einem bedeutenden Handelsartikel werden. Kupfer als Halbfabrikat. 31 Die Herren Ch.& H. Chaudoir haben das Verdienft, in Oefterreich die Erzeugung gezogener Röhren aus Kupfer und Meffing eingeführt zu haben. Die Ausftellung einer grofsen Anzahl von gezogenen Röhren in den verfchiedenften Dimenfionen bot hohes Intereffe. F. Ringhofer in Kamenitz( Böhmen) hat fchöne hartgewalzte Bleche von fehr anfehnlicher Länge und Breite ausgeftellt, defsgleichen eine Kupfer fchale, welche die tieffte der ganzen Ausftellung war; doch war ihr Durchmeffer geringer als jener der von Zugmayer& Söhne ausgeftellten Schale, Die Herren Johann Liebig& Comp. in Gutenftein, Brüder Ste rn berger in Windifch- Feiftritz( Steiermark), die Berg und Hüttenverwal tung in Brixlegg( Tirol) haben theils getiefte Kupferwaaren in verfchiedenen Gröfsen, theils Bleche, Stangen und Nägel, letztere für Schiffsbau, ausgeftellt. Es waren diefs durchgängig fehr verdienftliche Leiftungen, befonders wenn die nicht im grofsen Styl eingerichteten Anlagen in Betracht gezogen werden. Die Kupferhammerwerke Ungarns, als die königlich ungarifche Montandirection, die oberungarifche Waldbürgerfchaft in Iglo, Th. Edl& Th. Weifs bei Prefsburg, Paul Szontagh in Cfetek, Michael Fabricius in Hermannftadt brachten recht hübfche Kupferarbeiten, gröfsten. theils getiefte Schalen und Keffel. aber wenig Walzproducte. Deutfchland. An der Ausftellung haben fich alle bedeutenderen Firmen betheiligt. Berliner Kupfer- und Meffingwerke von C. Heckmann. Ein Kupferblech von 23 2 Quadratmeter Fläche, defsgleichen die wellenförmig gebogene Mantelplatte eines Locomotiv- Feuerkaftens zeugten von hoher Leifiungsfähig. keit. In noch höherem Mafse verdienen aber die fertigen Apparate und unter diefen insbefondere der grofse Vacuumapparat hervorgehoben zu werden. Das Kupferwerk der Mansfeld'fchen Kupferfchiefer bauen den Gefellfchaft in Rottenburg dagegen trat mit feinen fertigen und halbfertigen Erzeugniffen nicht befonders hervor; denn ein zufammengefetzter Locomotiv- Feuerkaften, eine Schale für Zuckerfabrikation, ein gewalztes Blech von befcheidenen Dimenfionen und verfchiedene ftarke Kupferftangen war Alles, was dem Befchauer geboten wurde. Die genannte Gefellſchaft betreibt diefe Arbeitsrichtung nur als Nebenfache, dagegen überragt fie die Kupferfchmelzwerke der ganzen Erde, da fie aus armem, aber filberhältigem Kupferfchiefer jährlich bei vier Millionen Kilogramm raffinirtes Rohkupfer erzeugt. F. A. Hefse's Söhne Kupferwalzwerk und Hammerwerk in Heddernheim bei Frankfurt a. M. Die Ausftellung bot fehr hübfche und fleifsig gearbeitete Erzeugniffe, befonders in kleinen Dimenfionen. Eine gerippte Locomotiv- Feuerkaften platte überrafchte durch vorzügliche Anarbeitung und Reinheit der Platten. Eine anerkennenswerthe Specialität diefer Firma find die geprefsten Kupfernieten mit forgfältiger Ausführung. Die Herren Aron Hirfch& Sohn in Halberstadt ftellten verfchiedene Kupfer- Erzeugniffe aus, von denen insbefondere die gezogenen Kupferröhren verfchiedener Dimenfionen erwähnenswerth find. Das Grünthaler, ehemals königlich fächfifche Kupferwerk von F. A. Lange ift durch gut gearbeitete Fabrikate vortheilhaft bekannt, defsgleichen Th. Martin's Kupferhammerwerk in Keslow bei Gleiwitz, welches getriebene HochofenWafferformen aus Kupfer ausftellte, die ein vorzügliches Material und fleifsige und genaue Arbeit bedingen. 3 32 Guftav Edler v. Rofthorn. Frankreich. J. J. Laveiffière& fils in Paris haben Frankreich in Meta llarbeiten in grofsartigfter Weife vertreten. Wer erinnert fich nicht, bei Eröffnung der Ausftellung am 1. Mai 1873 in der Rotunde die halbfertige Aufftellung diefes Haufes gefehen zu haben, die damals von dem unkundigen Publicum als eine Orgel betrachtet wurde? Allmälig wurde aus der vermeintlichen Orgel ein Feftungsbau, eingerahmt von aufrecht ftehenden Kupfer- und Meffingröhren, mit Kupferplatten gepanzert, der Fufsboden, die Treppe, das Dach, Alles mit Metallblechen belegt. Und um den feftung sähnlichen Eindruck zu erhöhen, ftarrte am Eingange die Mündung einer dräuenden Kanone dem Befchauer entgegen. Es gab unter den hier aufgefpeicherten Maffen von Metallen eine Menge von gewalzten und getieften Kupferwaaren, worunter zwei Schalen mit 3 Meter Durchmeffer. Ferner eine Sammlung von zwanzig Stück gebogenen reinen Kupferplatten für zwanzig verfchiedene Typen von Locomotiv- Feuerkäften. Am meisten Auffehen erregten die gezogenen Kupferröhren, welche die verfchiedenften Dimenfionen zeigten. Es fei hier jener gedacht, die bei einem Durchmeffer von 440 Millimetern 62 Meter Länge hatte. Es ift diefs wohl eine ungewöhnliche Leiftung, die ganz aufserordentliche Mafchinen, Vorrichtungen und Werkzeuge vorausfetzt. Diefe Firma hatte aufser Kupfer noch verfchiedene Legirungen ausgeftellt, wovon unten die Rede fein wird. Laveiffière imponirte nicht nur durch das Maffenhafte der Ausstellung. fondern noch mehr dadurch, dafs er angeblich im Jahre 1872 für 34 Millionen Francs Metallwaaren erzeugte und verkaufte. Diefe koloffale Ziffer gewährt einen Einblick in riefenhafte FabriksAnlagen. Ufines de Vedenes von Manhespère& fils in Lyon. Die Ausftellung bot ein gefälliges Bild von Kupferfabrikaten, worunter gebogene Locomotiv. Feuerkaftenplatten, getiefte Schalen, Böden, Becken für Zuckerfabrikation und Brennereien, Alles gut und fleifsig gearbeitet. Weniger rein waren die ausgewalzten Feuerkaften- Mantelplatten, welche bei öfterreichifchen LocomotivFabrikanten kaum zur Uebernahme gelangen dürften. Manche grofse Fabrikanten, wie: Eftivant frères in Givet, L. Letrange in Romilly, Baraguey Fougues, Raffin Durand, R. Cubain& Comp., waren auf der Ausftellung nicht vertreten. England. England, mit der gröfsten Metallinduftrie der Erde, war in Kupfer zwar fehr fpärlich, aber qualitativ vortrefflich vertreten. So vermifsten wir, um nur einige hervorragende Firmen zu nennen: Vivian Sons in Swanfea. Newton Keates& Comp. in Liverpool, Th. Stephenfon Metall Tube and Copper Roller& Comp. in Birmingham und viele Andere. Aufser den gewöhnlichen Erzeugniffen hatte The Brougth on Copper Comp. in Mancheſter fehr fchöne gezogene Kupferröhren von tadellofer Reinheit ausgeftellt; ferner aufserordentlich fchöne Druckwalzen von bedeutendem Durchmeffer. Es ift das ein Gebrauchsgegenftand für CattundruckFabriken, welcher in Oefterreich- Ungarn nicht erzeugt wird. Abgefehen von der äufserft fchwierigen Herftellung, fichert diefen Walzen der Umftand ein faft monopolartiges Vorrecht, dafs fie mit eingravirtem Deffein bezogen werden und man mit ihnen die Mufter der neueften franzöfifchen und englifchen Moden erhält. Kupfer als Halbfabrikat. 33 R. W. Winfield& Comp. in Birmingham lieferten in den façonnirten Kupfer- und Meffingröhren ein neues Fabrikat für ornamentale Zwecke, deffen Gefchmack vielfeitige Anerkennung fand. Eweritt Allen& Comp. in Birmingham ftellten gut gearbeitete gezogene Röhren und Keffe! aus. Rumänien war durch gut gearbeitete Kupferwaaren vertreten, welche Adolf Schmidt in Bukareft ausftellte. Die übrigen Länder, felbft Rufsland, welches durch die Ausstellung des Fürften Paul Demidoff vertreten war, brachten nichts Befonderes und können daher füglich unerwähnt bleiben. Zink. Walzproducte aus Zink ftellte nur die Donnersmark- Hütte nächft MährifchOftrau des Grafen Guido Henkelv Donnersmark aus. Die Ausftellung bot hohes Intereffe; wir fahen Bleche von riefigen Dimenfionen, dabei von einer Reinheit und Gleichförmigkeit, welche für ganz vortreffliche Betriebs- Einrichtungen fprechen. Die Firma Carl Diener& Comp. in Wien führte in ihrer Ausftellung viele und fehr hübfche Zinkornamente vor, die fich durch fchöne Zeichnung und reinen Gufs auszeichneten. Diefe Firma hatte, nebenhin bemerkt, die gefammte Dacheindeckung der Wiener Weltausftellung, infoweit fie aus Zink beftand, zur Ausführung übernommen, wofür angeblich 12 Millionen Kilogramm Zinkbleche erfordert wurden. Emil Defchler in Augsburg, dann L. Grado in Paris zeigten Schilder und Zinkornamente in reicher Auswahl. Blei. G. Winiwarter in Gumpoldskirchen bei Wien hatte eine reichhaltige Sammlung von Bleiblechen in den verfchiedenften Dimenfionen ausgeftellt. Unter denfelben nahm ein zwei Meter breites, fehr langes, fchön gewalztes Blech die Aufmerksamkeit befonders in Anfpruch. Auch die zahlreichen gezogenen Bleiröhren von den verfchiedenften Durchmeffern erfchienen in hohem Grade beachtenswerth. Bleibleche waren ferner noch von: Laveiffière& fils in Paris und von Aron Hirfch& Sohn in Halberstadt ausgeftellt. Eine befonders hervorragende Rolle in Blei- Erzeugniffen fpielt das Haus Monduit, Bechet& Comp. in Paris. Diefe Firma brachte in einem der Ausftellungshöfe die mit Blei eingedeckte Spitze eines Thurmes, nebft fehr ſchön modellirten, dazu paffenden Figuren zur Anficht. Diefe etwas koftfpielige Dachbedeckung für Kirchthürme fcheint befon ders in Frankreich fehr beliebt zu fein, denn Herr Monduit lieferte den Nach weis eines durchfchnittlichen Jahresumfatzes von 4 bis 5 Millionen Francs. Sehr fchöne, vollkommen runde und gleichförmige Schrote waren ausgeftellt von J. Rainer in Klagenfurt und Anton Moritfch in Padua. Diefe beiden Fabriken haben ein fehr ausgedehntes Gefchäft und verforgen die jagdluftigen Bewohner eines grofsen Theiles von Europa mit dem tödtlichen Blei. Die Bleiberger Union hatte im Kärntner Pavillon unter Gruppe I ausgeftellt, daher ihre Blei- Ausftellung hier nicht befprochen wird. 3* 34 Guftav Edler v. Rofthorn. Die anderen Metalle, als: Zinn, Nickel, Aluminium, waren als Halbfabrikate nicht ausgeftellt. Die Metallschläger von echtem und unechtem Gold und Silber, von Zinn und Kupferfolien und von Staniol hatten die Ausftellung ftark befchickt. Die erfte Stelle gebührt den rühmlichft bekannten Nürnberger und Fürther Fabrikanten, welche fich an der Collectiv- Ausftellung baierifcher Blattmetalle betheiligten. Aufser diefen hieran theilnehmenden fechzehn Induftriellen hatten Heinrich Brunbauer in München, Georg Ernft Schätzler und Jean Trump in Nürnberg, ferner Meffière und L. Lambert in Paris die Ausstellung gut befchickt. In gleicher Weife verdienen in Oefterreich hervorgehoben zu werden die Ausfteller: C. Falk& Comp., Johann Geifsler& Sohn in Wien. Metall- Legirungen als Halbfabrikate. Am meisten verbreitet find Metall- Legirungen aus Kupfer und Zink als Meffing und Tombak; dann Packfong( Neufilber) aus Kupfer, Zink und Nickel beftehend. Diefe Legirungen find, felbft bei gleichartiger Benennung, in ihrer Qualität verfchieden; in Bezug auf Dehnbarkeit und Farbe zeigen fie nämlich mehr oder minder grofse Abweichungen. Die öfterreichifchen Fabriken haben mit ihren Ausftellungs- Objecten die fremdländifchen in jeder Beziehung übertroffen. Sie boten in ihren Erzeugniffen eine ftaunenswerthe Mannigfaltigkeit. Die meiſten öfterreichifchen Fabriken hatten im Eifenhof ausgeftellt, näm lich: Actiengefellfchaft der Metallfabrik in Oed, vormals Gebrüder Rofthorn, Carl Klein in Reichraming, F. J. Habtmann& Eidam in Frauenthal( Steiermark), Schoeller& Comp. in Trieslinghof, Ch. H Chaudoir in Simmering, Meffingwerk Achenrain von C. Kulmiz in Tirol. Die anderen Fabriken, als: M. Hainifch in Nadelburg und Schoel ler& Comp. in Berndorf. hatten in der Hauptgallerie des Palaftes ausgeftellt. Diefe Fabriken erzeugen alle oben genannten Legirungen mit Ausnahme der Herren Schoeller& Comp. in Berndorf, welche nur Pakfong( Neufilber) ausgeftellt hatten. Die Ausftellungsobjecte beftanden in Blechen und Drähten. Von erfteren fah man die matte, gefchabte, gefchliffene, polirte und Federfcharte in den ver fchiedenften Dimenfionen von o'I Millimeter bis 15 Millimeter Stärke, von 100 Millimeter bis 1000 Millimeter Breite, alles ausgezeichnet durch grofse Reinheit, Glätte und Gleichförmigkeit. Defsgleichen fah man Meffing, Tombak, Pakfong und Kupferdraht in allen denkbaren Stärken von o'05 Millimeter bis 80 Millimeter, ferner Façondraht in Meffing, Tombak und Kupfer, vier fechs- und achteckige Stangen, aufserdem die verfchiedenartigften Façondrähte nach gegebenen Querfchnitten gezogen; endlich haarfeinen Draht zum Weben im Gewichte von 12 Kilogramm mit 7000 Meter Länge. Diefe Mannigfaltigkeit der Erzeugniffe wird durch den Begehr bedingt und machen die öfterreichifchen Fabriken alle Zugeftändniffe, um die Wünſche des Verarbeiters zu erfüllen, in deffen Vortheil es liegt, feine Erzeugniffe mit dem möglich kleinften Metallabfall herzuftellen. Wenn ein Spengler( Klempner) zum Beiſpiel meffingene Kaffee- Maſchinen von zwölf Sorten( eine bis zu zwölf Taffen) anzufertigen hat, fo erhält er Meffingbleche, die genau die Breite für diefe zwölf verfchiedenen Sorten von Kaffee- Mafchinen haben. Ebenfo wie die Wünſche des Spenglers werden die Anforderungen der vielen anderen Metallarbeiter bezüglich der Qualität und der Ausmafse nach Länge, Breite und Stärke der Bleche befriedigt. Metall- Legirungen als Halbfabrikate. 35 Diefs erklärt die in Oefterreich übliche grofse Mannigfaltigkeit der Metallerzeugniffe und hat zur Folge, dafs die Fabriken, welche faft alle Niederlagen in Wien halten, ein Sortiment von über Taufend verfchiedenen Erzeugniffen vorräthig haben müffen. Es erfchwert und vertheuert diefs allerdings die Production, doch kommt es theilweife wieder dem Exporte zugute, da einzelne noch an früheren Gewohnheiten hängende auswärtige Abfatzgebiete hiedurch mit erhalten werden. Die vorbenannten Fabriken Oefterreichs bedürfen im Jahre an 1½ bis 2 Millionen Kilogramm Kupfer und etwa 12 Million Kilogramm Zink. Das erftere, im Werthe von circa 2 Millionen Gulden, wird faft ausnahmslos vom Auslande bezogen; denn obwohl namentlich Ungarn fammt Nebenländern beiläufig die gleiche Menge von Kupfer erzeugt, kann diefes doch nicht zu Legirungen, fon dern nur unvermifcht verarbeitet werden. Die Legirungen erfordern ein weit reineres von Eifen, Schwefel, Phosphor und anderen Metallen und Metalloiden freies Kupfer, das mit kleinen Ausnahmen ( Domokos, Brixlegg) vom Auslande bezogen wird. Es find diefs auftralifche und amerikaniſche Kupferforten, vor allem aber das hochberühmte Mansfelder- Kupfer aus der preufsifchen Provinz Sachfen bei Eisleben. Vielleicht wird auch für Ungarn in Folge gröfserer Fortfchritte der Induftrie die Zeit kommen, wo es durch Raffinade feines Kupfers einen um zehn Gulden öfterreichifcher Währung höheren Preis für 100 Kilo erzielen kann, und wenn es auch nur die Hälfte feiner Production raffinirt, jährlich eine Million Gulden mehr Erlös dafür erhält. Der Verkaufswerth der Erzeugniffe der öfterreichifchen Fabriken, welche Meffing, Tombak, Pakfong in Blech und Draht erzeugen, worunter wir auch jene von Cornides& Comp., die nicht ausgeftellt hatten, zählen, beträgt zwi fchen 5 und 7 Millionen Gulden. Der Abfatz findet gröfstentheils im Inlande ftatt. Etwa an 12 Percent der erzeugten Mengen werden ausgeführt, und zwar nach Italien, dem Orient, nach Conftantinopel, Egypten und Oftindien. Die Ausfuhr nach Italien, welche früher nach Venedig, der Lombardei, dem Kirchenftaat, Neapel und Sicilien von Belang war, hat fich feit dem Verluft der Lombardei und Venetiens, dann dem Abfchluffe des öfterreichifch- italienifchen Handelsvertrages bedeutend vermindert, indem England und Frankreich, begünftigt durch billige Fracht zur See, von dem italienifchen Abfatzgebiete Befitz ergriffen haben.* Die Ausftellung von Halbfabrikaten von Metall- Legirungen war anderen Ländern nur fchwach befchickt. von * Die meiſten der oben benannten Fabriken wurden in früheren Jahrhunderten gegründet. Das Meffingwerk in Reichraming, gegenwärtig Carl Klein gehörend, früher Eifenwerk, war fchon 1604 zum Meffingwerk umgeftaltet. Das Meffingwerk Achenrain wurde 1653 von Andre Pranger und Carl Afchauer aus Innsbruck gegründet, war längere Zeit Staatseigenthum und gehört gegenwärtig dem Commercienrathe C. Kulmic. Die Frauenthaler Meffingfabrik in Steiermark, gegenwärtig im Befitz von Franz Jofef Habtman's Eidam, wurde 1714 von einem Freiherrn Zehentgrab gegründet und war lange Zeit Staatseigenthum. Alle diefe Fabriken erzeugten Gufswaaren oder gehämmerte Meffingbleche, da das Walzen vor 1765 nicht bekannt war. Die Metallwaarenfabrik zu Nadelburg wurde von der Kaiferin Maria Therefia 1756 gegründet, gelangte in den Befitz des Grafen Theodor Batthiany, dann im Jahre 1816 von deffen Erben auf Hainifch und ift gegenwärtig Eigenthum des Michael Hainifch. Der Gemal der grofsen Kaiferin Maria Therefia, Kaifer Franz I., liefs im Jahre 1765 Matthäus Rofthorn aus England kommen, damit er in Oefterreich die Metallknopf- Fabrikation und das Silberplattiren einführe. Rofthorn erbaute die erften Metallwalzwerke, auch das erfte Eifenwalzwerk in Oefterreich. Seine Söhne errichteten die Fabrik in Oed am Kaltengang, die gegenwärtig von feinen Enkeln betrieben wird. 36 Guftav Edler v. Rofthorn. England war durch die Broughton Copper Company in Manchefter und R. W. Winfield& Comp. in Birmingham vertreten. Beide brachten gezogene Meffingröhren, Winfield auch deffinirte und fehr hübfch und gleichförmig gewalzte Meffingbleche von aufserordentlicher Länge, bis über 50 Meter. Frankreich glänzte mit Meffingblech und Draht von J. J. Laveiffière& fils in Paris. Deutfchland war durch die Erzeugniffe von Aron Hirfch& Sohn in Halberstadt und D. Geitner's Argentanfabrik in Auerhammer gut vertreten. Auch die Firma H. A. Fürft& Comp. in Berlin hatte gut gewalzte Meffing- und Tombakbleche ausgeftellt. In leonifchen Waaren erwies fich die leonifche Fabrik der Ahrner Gewerkfchaft in Tirol der Collectiv- Ausftellung baierifcher Leonerdrähte in Fürth und Nürnberg vollkommen ebenbürtig. Metallwaaren. a) Gufs waaren. M. Hainifch in Nadelburg hatte eine fehr reichhaltige Sammlung von fchön und rein gegoffenen Meffingwaaren ausgeftellt. Es waren da Mörfer fammt Stöfser in den verfchiedenften Gröfsen, ebenfo Bügeleifen( Plätteifen), Glocken, Pipen, Hähne, Leuchter, alle denkbaren Verzierungen von Pferdegefchirren aus Meffing u. f. w. Eine ähnliche Sammlung hatte auch die Genoffenfchaft der Giefser in Wien ausgeftellt, darunter gegoffene Zinnmodeln von Jofef Pimpfinger. Diefe Modeln, welche eine ungemeine Abwechslung geftatten, werden vorzugsweife von Zuckerbäckern verwendet und hat fich Herr Pimpfinger einen folchen Ruf erworben, dafs feine Erzeugniffe nach Frankreich, England, Amerika u. f. w. ausgeführt werden. Sehr fchöne, fchon auf den Rang von Kunftarbeiten Anfpruch machende Meffingwaaren hatten Jofef Grüllmeyer und Ludwig Faber, beide in Wien, in Zinkgufs und in Galvanoplaftik ausgeftellt. b) Chinafilber.* In diefem bedeutfamen Induftriezweige ift in Oefterreich die Firma Schoeller& Comp. in Berndorf als die quantitativ bedeutendfte zu verzeichnen. Ihre Ausftellung zeigte die ganze Reihe von Vorrichtungen, um Efsbeftecke und Teller, Taffen und Schüffeln zu erzeugen. Ihre Fabrik ift in der Lage, täglich 1500 bis 2000 Dutzend Efsbeftecke vollkommen fertig herzuftellen. Aufser den in der Hauptgallerie ausgeftellten Erzeugniffen von Schoeller & Comp. in Berndorf befand fich auch in dem Gange um die Rotunde eine fehr gewählte Ausftellung von Kafee- und Theefervicen aus Chinafilber. Die Firmen Conraetz& Reuter, J. L. Herrmann; Guftav Simon. Rudolf Lackner, Wenzel Bachmann& Comp., fämmtlich in Wien, traten mit fchön geformten gefchmackvollen Erzeugniffen von Chinafilber auf. Das Chinafilber verdrängte nicht nur das Zinngefchirr vollſtändig, fondern auch felbft von Silber wird immer weniger Gebrauch für Tifchgeräthe gemacht. Chinafilber koftet beiläufig ein Drittel des Silbers, ift von diefem durch das Auge nicht zu unterfcheiden und wird, wenn es abgenützt ift, mit dem dritten Theile feines Ankaufspreifes von den Fabriken zurückgenommen. * Galvaniſch verfilberter Pakfong. Chinafilber. 37 Welch riefiger Umfatz in Chinafilber ftattfindet, möge daraus entnommen werden, dafs ein modern gut eingerichtetes Hôtel an 60.000 bis 100.000 Gulden auszulegen hat, um fich in diefem Artikel vollſtändig einzurichten. Auch in anderen Staaten ift diefer Induftriezweig von hoher Bedeutung, und es bedarf nicht mehr, als auf die vorzüglichen, allgemein bewunderten Erzeugniffe von Chriftophle& Comp. in Paris und Elkington& Comp. in London hinzuweifen. Aus Deutfchland trat die Firma H. A. Fürft& Comp. in Berlin mit ihren Chinafilberwaaren vortheilhaft hervor. Einen bedeutenden Fabrikationszweig in Oefterreich bildet die Anfertigung von verzinnten eifernen Löffeln, welche, in erftaunlicher Menge erzeugt, grofsen Antheil an unferem Exporte haben, und in den Ländern der öfterreichifch- ungarifchen Monarchie unter der bäuerlichen Bevölkerung einen fehr gefuchten Gebrauchsgegenstand bilden. Wenzel Bachmann& Comp. in Wien, eine der erften Firmen diefer Branche, hatte eine fehr reiche und gefchmackvoll zufammengeftellte Sammlung folcher Löffel ausgeftellt, Schöne und höchft preiswürdige Erzeugniffe waren auch ausgeftellt von: Carl Koch& F, J. Schneider in Neudeck, F. A. Kerl's Erben, Franz H. Kolb in Platten, Carl Möfchl's Erbe in Neuhammer, fämmtlich in Böhmen, und von Victor Mohor in Wien. Spengler-( Klempner-) und Metalldruckwaaren. Mit Spengler- und Metalldruckwaaren hatte Oefterreich- Ungarn die Ausftellung fehr ftark befchickt, und zwar mit Waaren in Meffing, Tombak und Pakfong. Diefe Induftrie fpielt in Oefterreich eine grofse Rolle und werden namentlich die Erzeugniffe der Metalldrucker, wie deren durch die Firmen: Jofef Mühlhaufer& Ch. Patfch, Ferdinand Weifsmandl, Julius Punfchert, Jofef Utzt( fämmtlich in Wien) gut vertreten waren, nach allen Ländern, insbefondere aber nach dem Oriente ausgeführt. Unter den Spenglern find hervorzuheben; die Collectiv- Ausftellung der Spenglergen offenfchaft in Wien, Auguft Reifs' Witwe, Moriz Weiner und Georg Kutfchera in Peft. Aus Iferlohn waren fchön geprefste Meffingwaaren von Kifsling& Millmann und von Schmöle& Comp. ausgeftellt. Rufsland war mit Samovars vertreten. Metallknöpfe. Metallknöpfe mit Wappen und Buchftaben waren von Thalhammer& Welzl in Wien, A. F. Bagriot in Paris und von Ladislaus Münchheimer in Warfchau in fchönen Collectionen eingefendet. Die herrfchende Mode befchränkt die Anfertigung von Metallknöpfen auf Uniform- und Wappenknöpfe. Die Erzeugung von Knöpfen aus Metall, mit gefafsten imitirten Edelſteinen, wird in Oefterreich fehr fchwungvoll betrieben. Der Sitz diefer Induftrie ift in den Orten längs der böhmifch- fächfifchen Grenze: Gablonz a. d. N., Teplitz, Tyffa, Peterswald. Die Firma Weigend& Püfchner in Tyffa bot eine reichhaltige Sammlung von vielen hundert verfchiedenen Knöpfen diefer Art, welche einen fehr bedeutenden Ausfuhrartikel, insbefondere nach England, Rufsland und Amerika bilden. 38 Guftav Edler v. Rofthorn. Erftaunlich find die Mengen von Meffing- und Tombakblech und Draht, welche dafür und für die Anfertigung von falfchem Schmuck verbraucht werden. Böhmen allein bedarf dazu circa 200.000 Kilogramm im Jahre. Bronzeketten. Scheinbar unbedeutend, fpielt diefer aus Meffing- und Tombak draht angefertigte Artikel in unferen Ausfuhrliften eine namhafte Rolle. Gröfstentheils Uhrketten, werden diefe in der Façon mit derfelben Sorgfalt angefertigt, wie die echten Goldketten. Der jährliche Verbrauch an Meffing- und Tombakdraht in Oefterreich ift annähernd auf 30.000 Kilogramm zu veranfchlagen. Der Metallwerth beträgt kaum zehn Percent des Verkaufspreifes der Erzeugniffe. Diefe Bronzeketten werden nach Deutfchland, Rufsland, Frankreich und Amerika ausgeführt und beträgt der Verkaufswerth bei einer halben Million Gulden im Jahre. An der Ausstellung betheiligten fich die Wiener Firmen: Jean Bolzani, Adolf Ritter, Franz Bowensky, J. Seidl, Wilhelm Tobias, Franz Reiter u. f. w. Metallgewebe. Sehr dünn gezogener Meffingdraht wird wie Garn verwebt. Diefe Erzeug niffe, Metalltücher" genannt, finden häufige Verwendung bei der Papierfabrikation, bei Zuckerfabriken und bei Kunftmühlen. Befondere Aufmerkſamkeit erregten die ausgeftellten Erzeugniffe von Hutter& Schrautz in Wien. Diefe Gewebe zeichneten fich durch anfehnliche Gröfse( 3 Meter breit), durch Reinheit und Gleichförmigkeit aus. Auf eine Entfernung von nur wenigen Schritten fehen fie einem Baumwollftoffe täufchend ähnlich. Aufser diefer Firma führten Paul Kollerich in Peft, Georg Rothkäppl und Johann Meerkatz in Wien fehr verdienftliche Leiftungen vor. Für Metallgewebe werden in Oefterreich jährlich an 30.000 Kilogramm Meffingdraht verwendet. Die dünften Sorten werden bei Anfertigung von Briefpapier gebraucht. Die betreffenden Gewebe find fo zart, dafs der Quadratcentimeter 40 Kettenfäden zählt. Sehr Beachtenswerthes bot auch Hugo Neumann in Warfchau. Mundharmonika's. Für diefe Fabrikation werden in Oefterreich im Jahre circa 35.000 Kilogramm Meffing- und Packfongbleche verbraucht. Sie wird vorzugsweife in Wien betrieben und der gröfste Theil der Erzeugniffe nach Rufsland und Amerika ausgeführt. Die bedeutendften Fabrikanten: Wilhelm Thie, Filipp Brunnbauer, Franz Mayer, Leopold Pippifch, Johann Troppitz, Carl Pitfch, fämmtlich in Wien, hatten die Ausstellung befchickt. Metallrahmen. Einen fehr namhaften Fabrikationszweig bilden die Erzeugniffe von Metallrahmen für Cigarren- und Geldtafchen, ferner von Etuisbefchlägen und Charnierebändern. Es werden in diefen Artikeln an verfchiedenen Metall- Legirungen, Metallrahmen. 39 Meffing, Tombak, Pakfong im jährlichen Durchschnitte an 200.000 Kilogramm verwendet. Auch diefe Metallrahmen, welche gröfstentheils mit Leder und Holz montirt werden, find ein fehr bedeutender Ausfuhrartikel, insbefondere nach Amerika das überhaupt für eine Reihe von in den grofsen Induftriezweig der Metallwaarenfabrikation gehörigen Artikeln ein mächtiges Abfatzgebiet bildet, welches leider nur durch die hohen Eingangszölle verkümmert wird. Britanniametall.* Diefes Metall wurde in England zuerft eingeführt und bildet einen Hauptbeftandtheil des dort fo allgemein verbreiteten Theetifches in der Geftalt der Theekanne und Schwenkfchale. Von fchönerer, hellerer Farbe als das Zinn, wird diefes Metall, da es härter ift, nicht fo leicht befchädigt und da es fich mit wenig Mühe rein und glänzend erhalten läfst, bildet es einen mächtigen Rivalen des Chinafilbers. Emerich Kolbenheyer in Wien, eine der bedeutendften Firmen diefes Induftriezweiges, hatte eine reiche Sammlung von verfchiedenen Haushaltungsgegenftänden in fchöner, gefchmackvoller Form ausgeftellt, unter welchen ein aus einem Stück angefertigter Samovar( wohl die gröfste derartige Leiftung) befonders anzuführen ift. Aus England ftellten Shaw& Fifher in Sheffield, aus Deutfchland Gerhardi& Comp. in Weftfalen gut gearbeitete Britanniageräthe aus. Metallbuchftaben. Die Weltausftellung war von mehreren Erzeugern von Metallbuchftaben und Auffchriften in fehr bemerkenswerther Weife befchickt. Aus O efterreich hatten Hervorragendes zur Anficht gebracht: Michael Winkler und Alois Winkler in Wien. Aus Frankreich: P. L. Hugede in Paris. Aus Deutfchland: Koch& Bein in Berlin. Metallbettgeftelle. R. W. Winfield& Comp., dann Peyton& Peyton, beide Firmen in Birmingham, hatten eine zahlreiche Sammlung von hellglänzenden, hübfch verzierten Bettgeftellen aus Meffing und Tombak in gefchmackvollen Formen ausgeftellt. Aus Italien hatten Johann Pizzuto, Sanctus Pizzuto, Ludwig Cavallaro, fämmtlich in Palermo, Bettgeftelle aus Zink und anderen Metallen ausgeftellt, welche von guter, folider Arbeit und Gefchmack zeugten. Metallpatronen. Seit 1866 ift das Hinterladegewehr bei allen Armeen in Europa allmälig zur Geltung gekommen und find die Dreyfe'fche Papierpatrone mit Zündfpiegel und die Chaffepotpatrone mit Seidenumhüllung vollſtändig durch die Metallhülfe verdrängt worden. * Eine Legirung von Zinn, Kupfer, Antimon und manchmal auch mit Zufatz von Zink. 4 40 Guftav Ritter v. Rofthorn. Nachdem der Bedarf für fämmtliche Armeen Europa's binnen wenigen Jahren befchafft werden mufste, fo ift es natürlich, dafs die Metallfabriken, welche das Blech dazu liefern, in diefem Artikel ausgiebige Aufträge erhielten. Zur Erzeugung der Hülfen wurden viele Fabriken, mehrere auch als Staatsanftalten errichtet, und ift es befremdend, dafs die Wiener Weltausstellung nur von zwei öfterreichifchen Fabrikanten befchickt wurde. Es find diefs G. Roth in Wien und das Confortium Zboril in Simmering. Beide Ausfteller zeigten die mühfame Anfertigung der Hülfen durch die ganze Reihenfolge der Vorrichtungen vom Blech bis zur fertigen Hülfe. Jede folche Hülfe wird, um übernahmsfähig zu fein, an 30 verfchiedenen Stellen gemeffen und mufs 10 fcharfe Schüffe aushalten, ohne befchädigt zu werden. Es mufs daher das befte Material von Kupfer und Zink zur Legirung verwendet und die Anfertigung mit äufserft er Sorgfalt vorgenommen werden. G. Roth ift für eine Erzeugung von 200.000 Stück täglich eingerichtet, wofür 2500 Kilogramm Metallblech verbraucht werden. Das Confortium Zboril erzeugt etwa 50.000 Stück täglich. Die verfchiedenen Armeen haben nicht nur der äufseren Form, fondern auch dem Materiale nach verfchiedene Hülfen. Oefterreich- Ungarn, Italien, Schweden, Dänemark und die Schweiz verwenden Tombak; Deutſchland, Holland, Türkei, Spanien, Rufsland, England, Serbien, Rumänien, Frankreich, Belgien Meffing. Vom Jahre 1868 bis Ende 1873 find in Oefterreich für Patronenhülfen 2½ Millionen Kilogramm Metallbleche aufgearbeitet worden. Die Metallpatrone, die zuerft in Amerika während des Krieges zwifchen den Nord- und Südftaaten in Anwendung kam, hat fich nicht allein, weil fie beffer als die Papierhülfe, fondern auch billiger als diefe ift, eine fo rafche Verbreitung errungen. Die Papierhülfe ift nach einem gemachten Schufs unbrauchbar, die Metallhülfe kann oftmals und wie Verfuche zeigten, allerdings nur ausnahmsweife, bis 100 Male geladen und gefchoffen werden. Wenn auch bei der erften Anfchaffung die Hülfe fich auf etwa zwei Kreuzer öfterreichifche Währung ftellt, fo wird fie doch. da fich die Koften auf die Anzahl der daraus gemachten Schüffe vertheilt, ungleich billiger. Allerdings gilt diefs nur im Frieden, wo bei Uebungen und Manövern abgefchoffene Patronen gefammelt und wieder geladen werden. Nachdem aber glücklicherweife die Friedensjahre die Kriegsjahre nach den gemachten Erfahrungen der letzten fünfzig Jahre um das Sieben. fache überwiegen, fo ftellt fich die Rechnung weitaus zu Gunften der Metall patrone. Eine grofse Menge von Meffing-, Tombak- und Pakfongblechen wird auch für Blasinftrumente, für Stecknadeln und Oefen verwendet. Da diefe Gegenftände in anderen Gruppen ausgeftellt waren, fo entziehen fie fich der Befprechung und Beurthtilung in diefem Berichte. Nach diefen einzeln befprochenen Metallwaaren erübrigen noch die taufenderlei Gegenftände für den Hausbedarf und den Luxus, als: die Bade- Apparate, Vogelkäfige, Feuerzeuge, Metallfchnallen, Dofen, Büchfen, Leuchter, Pferdegefchirrverzierungen, Toilettegegenstände u. f. w., von welchen faft alle Staaten Beiträge eingefchickt hatten. Auch der Orient, namentlich aber Japan und China, waren in diefer Abtheilung mit Arbeiten vertreten, welche die Signatur unendlicher Sorgfalt bei der Ausführung trugen. Metallpatronen. 41 Bei einem Ueberblicke über diefen Theil der Ausftellung erfüllt es uns mit Stolz, fagen zu können, dafs die öfterreichifchen Metallerzeugniffe von keinem fremden Lande übertroffen wurden, ja in vielen Artikeln diefes vielgeftalteten Induftriezweiges Oefterreich geradezu muftergiltig auftrat, fo dafs die Behauptung vollberechtigt erfcheint, dafs die Entwicklung in techniſcher Bezie hung und das vorhandene Materiale Oefterreich befähigen, auf dem Weltmarkte eine hervorragende Rolle zu spielen, wenn billige Verkehrswege und Handelsverträge ihn leichter zugänglich machen. 又 米