OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG UNTER 1 8 7 3 REDACTION VON DR. CARL TH. RICHTER, к. K. O. ö. PROFESSOR IN PRAG. BAUTISCHLEREI ( Gruppe VIII, Section 1.) Bericht von WILHELM FLATTICH, Architekt, Director der k. k. priv. Südbahn für Hochbau in Wien. MÖBEL TISCHLERARBEITEN. ( Gruppe VIII, Section 2.) Bericht von BERNHARD LUDWIG, Möbelfabrikant in Wien. KORK- UND KORBFLECHTER- WAAREN. ( Gruppe VIII, Section 4 und 5.) Bericht von CARL KOHN, Civilingenieur in Wien. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K, K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1873. HOLZ INDUSTRIE ( Gruppe VIII.) BAUTISCHLEREI ( Gruppe VIII, Section 1.) Bericht von WILHELM FLATTICH, Architekt, Director der k. k. priv. Südbahn für Hochbau in Wien. Der officielle Katalog der Wiener Weltausftellung, in welchem nahezu alle Branchen des Gewerbes, der Induftrie und Kunft durch eine grofse Anzahl Firmen vertreten find, enthält verhältnifsmäfsig wenig Namen Gewerbtreibender, welche Gegenftände der Bautifchlerei zur Ausftellung brachten. Der Grund diefer Erfcheinung liegt wohl darin, dafs Bautifchler- Arbeiten mit Ausnahme von Parquetten bisher felten exportirt wurden, folglich die Fabrikanten durch die Ausftellung keine neuen Abfatzquellen für ihre Fabricate erwarteten. Betrachtet man indeffen die Ausftellungsgebäude felbft, die grofse Reihe der im Parke von Privaten aufgeführten Gebäude, die unendliche Menge der Käften, in welchen Gegenftände ausgeftellt waren, fo ergibt fich ein riefiges Material, welches die Bedeutung und Wichtigkeit der Bautifchlerei repräfentirt. Eine Vergleichung der Bautifchlerei von heute mit jener zur Zeit der letzten Parifer Ausftellung zeigt keine befonderen Fortfchritte in der Behandlung des Materials und in der Zufammenfetzung der einzelnen Theile; dagegen kann conftatirt werden, dafs die Erfolge, welche die Architektur in den vergangenen Jahren in allen Staaten fich errungen hat, der Bautifchlerei einen mächtigen Vorfchub leifteten. Das Bedürfnifs aller Volksfchichten, der höchften fowohl als der niedrigften, nicht nur unter Dach und Fach fich aufhalten zu können, fondern in der Lebensweife angemeffenen Localen zu wohnen und diefe Locale in harmonifcher Weife auszuftatten, hat darauf geführt, das Studium der Bautifchlerei in Verbindung mit der Conftruction und architektonifchen Anlage der Gebäude auszubilden. Das Refultat diefes eingehenden Studiums der Architekten in Gemeinfchaft mit in ihrem Fache geübten Tifchlern ift das Zustandekommen von brauchbaren Plänen für die verfchiedenartigften Anlagen, welche den Schulen für die Heranbildung der ftrebfamen Jugend eine praktiſche Grundlage verfchafften. Ein 2 Wilhelm Flattich. weiterer Hauptvortheil, welchen die Bautifchlerei durch die Mitwirkung der Architekten erlangte, liegt darin, dafs die Proportionen und Gliederungen der einzelnen Theile nach architektonifchen Regeln gebildet wurden, wodurch die Gegenftände an und für fich einen gröfseren Werth erhalten als folche, bei denen der Form keine Beachtung gefchenkt wird. Die Vortheile, welche die Bewohner eines Haufes geniefsen, deffen Tifchlerarbeiten praktifch, dauerhaft und harmoniſch ausgeführt find, deffen Fenfter der Witterung trotzen, deffen Thüren gut fchliefsen, deffen Fufsböden weder mit klaffenden Fugen durchzogen, noch mit aftigen Erhöhungen befäet und deffen Wände an den Stellen, welche fich leicht abnützen, durch in paffender Form angebrachte Verkleidungen gefchützt find, find durch ausgeführte Bauten erkannt worden; man fühlte, dafs nicht jedes Holzmateriale tauglich, nicht jede Arbeit brauchbar ift und nicht jede Fenfter-, Thür- und Fufsboden- Anlage für jeden Fall pafst. Diefe Einficht verfchaffte den Arbeitern, welche ihr Gefchäft richtig und folide betreiben, den Vorzug und ermöglichte, Preife zu erhalten, welche den Leiftungen entſprechen, während in früherer Zeit häufig die beften Arbeiten mit der unfolideften concurriren mufsten und die erftere öfters durch die letztere verdrängt wurde. Das Verlangen nach folider Bautifchlerei wurde in den vergangenen Jahren ein fo allgemeines, dafs Maffenerzeugungen nicht nur von einfachen, fondern felbft mit nicht unbedeutendem Luxus ausgeftattete Tifchlerarbeiten nöthig wurden. Die Nothwendigkeit der Maffenerzeugniffe führte einerfeits auf die Anwen dung von Mafchinen zur Bearbeitung des Holzes, andererfeits auf die Anlage grofser Werkstätten ,,, Tifchlerfabriken", um den Anforderungen entſprechen zu können. Wie jedes Gewerbe, welches eine ausgedehnte Anwendung findet, fo erhält auch die Bautifchlerei durch die Maffenerzeugung die Mittel zu ihrem Emporkommen, indem fie derfelben nicht nur die nöthigen Summen zur reichlichen Bezahlung der Arbeiter, fondern auch die Mittel zur Ausbildung ihrer Schüler liefert. Die Tifchlerei, fpeciell die Bautifchlerei, liefert hiefür die fchlagendften Beweife; an Stelle der früheren Meifter, welche mit wenig Mitteln und wenig Gefellen arbeiteten, findet man heute vielfach Etabliffements, deren Adminiftration unter der Leitung von wiffenfchaftlich und techniſch gebildeten Männern fteht. Die Bautifchlerei befchäftigt fich der Hauptfache nach mit der Herftellung von Fenftern, Thüren, Verfchalungen und Fufsböden aller Art. Die Aufgabe der Fabrication befteht darin, das Material in folcher Weife zu verwenden und die einzelnen Theile derart zufammenzufügen, dafs die Gegenftände dem Werfen und Reifsen des Holzes nicht mehr unterliegen; Flächen werden defshalb entweder aus fchmalen, einzelnen Brettchen zufammengefügt, oder aus Rahmen und Füllungen gebildet. Der Werth der Tifchlerarbeiten hängt von der angewendeten Holzgattung, von der Art der Zufammenftellung der einzelnen Theile und von dem Plane, nach welchem die Gegenftände gefertigt find, ab. Tifchlerarbeiten, wie Fenfter und Thüren, welche bewegliche Theile erhalten, ftehen im engen Zufammenhange mit der Schlofferarbeit, welche die Beweglichkeit vermittelt; bei der Projectirung, owie bei der Beurtheilung folcher Tifchlerarbeiten ift das anzuwendende oder angewendete Syftem der Schlofferarbeiten genau zu erwägen. Die verfchiedenen Syfteme der Fenfter- und Thürenconftructionen, welche in verfchiedenen Ländern feit langer Zeit beftehen, haben fich im Allgemeinen bis heute erhalten; fie bafiren hauptfächlich auf der Art der Schlofferarbeiten. Während man in Oefterreich und Deutfchland für beffere Arbeiten einen grofsen Werth darauf legt, die Schlofferarbeiten, Schlöffer, Riegel und Fenfterverfchlüffe foviel Bautifchlerei. 3 als möglich unfichtbar zu machen, was durch Einſtemmen und Einlaffen gefchieht, verwirft man insbefondere in Frankreich diefes Syftem, fucht Einftemmungen und Schwächungen der Holztheile thunlichft zu vermeiden, indem die Schlofferarbeiten. fichtbar gelaffen werden. Die Nachtheile des franzöfifchen Syftems beftehen darin, dafs ftets beide Fenfterflügel geöffnet werden müffen, und dafs das Sichtbarlaffen der Schlöffer und Riegel an den Thüren, felbft wenn fie künftlerifche Formen erhalten, als nur aufgefchraubte Theile nicht immer in organifchen Zufammenhang mit der Thüre felbft gebracht werden können. Die verfchiedenen bisher angewendeten Conftructionen, welche fich auch in der Ausftellung vorfanden, find: Das in Oefterreich übliche Doppelfenfter, das franzöfifche Fenfter und das Schiebfenfter, welches hauptfächlich in England in Anwendung kommt. In Oefterreich ift bis auf die neuefte Zeit ein Doppelfenfter- Syftem zur Anwendung gekommen, deffen äufsere Fenfterflügel fich nach aufsen öffnen. Diefer Anlage kann der grofse Vortheil des wirklich beften Verfchluffes gegen Wetter und der grofsen Einfachheit der Conftruction, welche mit verhältnifsmäfsig geringen Koften herzuftellen ift, nicht abgefprochen werden; fie hat indeffen den Nachtheil, dafs die Architektur der Façaden durch das Wegfallen der Fenfterleibungen nothleidet, dafs die Scheiben der nach aufsen geöffneten Flügel durch Sturm leicht zerbrochen werden und die oberen Holztheile durch die Witterung nothleiden. In neuerer Zeit hat man in Wien diefes Syſtem verlaffen, und fich der Schönheit halber auf den gefahrvolleren Weg der Verfchliefsung der Oeffnungen mittelft zweier nach innen aufgehender Fenſter begeben, obwohl fich nicht leugnen läfst, dafs, ungeachtet aller angewendeter Hilfsconftructionen, befonders auf der Wafferfeite, Fenfter, welche nach innen aufgehen, wenn nicht ganz ausgezeichnete Arbeit geliefert wird, felten dicht fchliefsen. Die franzöfifchen Anlagen bieten in folchen Fällen mehr Sicherheit, weil der Efpagnolett- Stangenverfchlufs die Flügel an den Stellen des Uebergreifens zufammenprefst. Diefer Vortheil und die fabriksmäfsige Erzeugung von guten Schlofferarbeiten nach dem franzöfifchen Syfteme haben demfelben in Deutſchland, wo noch vielfach einfache Fenfter in Anwendung kommen, Eingang verfchafft, wodurch es möglich wurde, eine nicht unbedeutende Menge franzöfifcher Schlofferwaaren in Deutfchland abzufetzen. Schiebfenfter, wie fie in England angewendet werden, rechtfertigen fich durch die in jenem Lande üblichen dünnen Mauern. Der Nachtheil diefer Anlage befteht in dem fchlechten Verfchlufie gegen das Eindringen der Kälte in dem unangenehmen Schlottern der Flügel in Folge des Anprallens des Sturmwindes, welches nur bei ganz exacter Conftruction in Verbindung mit theuren Eifenconftructionen aufgehoben werden kann. Eine einheitliche Fenfterconftruction, wie fie in Frankreich befteht, hat den grofsen Vortheil, dafs die Induftrie der Schlofferwaaren gehoben wird. Zum Verfchluffe der Fenfteröffnungen gehören nicht nur die Fenfterflügel, fondern auch jene Einrichtungen, welche zur Abhaltung der Sonne, zur Ventilation und zum ficheren Verfchluffe der Räume nöthig find; hiedurch entftehen fo vielfeitige Anforderungen, dafs die Löfung des Problems unendlich erfchwert ift. Eine fo günftige Beurtheilung die franzöfifche Fenfteranlage mit dem Efpagnolett- Stangenverfchlufs auch findet, fo bleibt ihr doch der Nachtheil, dafs die Efpagnolettftangen bei Anwendung von Doppelfenftern die Bewegung der, in der Regel zwifchen beiden Fenſtern eingefetzten Rouleaux hinderlich ift, während anderfeits die Jaloufien, welche in Frankreich aufsen angebracht werden, grofse Unbequemlichkeiten nach fich ziehen. Im Princip dürfte das in Oefterreich übliche Doppelfenfter- Syftem, welches in neuerer Zeit fich feinen Weg felbft bis in die füdlichen Theile Italiens gebahnt 4 Wilhelm Flattich. hat, weil es, abgefehen von anderen Vortheilen, auch das läftige Schwitzen der Glasfcheiben verhindert, als das Befte erkannt werden; zu wünfchen bliebe nur noch die Erfindung der zweckmäfsigften und vollkommenen fchützenden Anlage der nach innen aufgehenden Doppelfenfter und die gleichmässige Beftimmung folider Verfchlüffe, um der Schlofferinduftrie beſtimmte Anhaltspunkte zu geben. Die Conftructionen der Thürflügel find in den verfchiedenen Ländern weniger verfchieden, als jene der Fenfterflügel; die gewöhnlichen Thüren bilden fich in allen Ländern aus Rahmen mit oder ohne angearbeiteten Profilen und eingefetzten Füllungen. Reichere Ausbildung erhält man durch vorftehende Profilirungen, welche am folideften als zweiter durchgehender Rabmen, häufig auch nur durch aufgenagelte Leiften gebildet wird. Die Fufsböden theilen fich in Böden, welche aus einzelnen fchmalen Bret. chen von beliebiger Länge zufammengefetzt werden, und in folche aus Parquetten. Insbefondere die erftere Gattung, welche aus hartem oder weichem Holze gefertigt werden kann, hat die früher allerorts üblichen Fufsböden aus verleimten tannenen Tafeln mit Recht verdrängt, da die Einflüffe des Schwindens, wenn auch nicht ganz aufgehoben, fo doch vermindert werden. Die Parquettenfabrication hätte durch die Bretchenböden ebenfalls Noth gelitten, wenn nicht der Luxus ihr anderfeits wieder aufgeholfen hätte, da die Bretchenböden billiger herzuftellen find. Die Anforderung der Architektur in der inneren Ausftattung der Locale erfordert bei reicherer Ausbildung auch decorative Behandlung des Fufsbodens, wie der Wände und der Decken, welcher nur die Parquetteninduftrie nachkommen kann. Bei Parquetten unterfcheidet man maffive, das heifst folche aus vollem Holz zufammengeftemmt, und fournirte, das heifst folche, bei denen die Oberflächen nach beliebiger Zeichnung aus Fourniren von verfchiedenen oder gleichen Holzgattungen auf eine tannene zufammengeftemmte Tafel aufgeleimt werden. Die Parquetten erfordern ftets eine befondere Zeichnung, bei ihnen wie bei der ganzen Bauinduftrie ift der Fortfchritt durch den Einfluss der Architektur deutlich fichtbar; man begnügt fich nicht mehr mit zufammengelegten Parquetten nach einem beliebigen Mufter, man verlangt Zeichnungen, welche der Decoration des Raumes entſprechen und mit Borduren paffend umrahmt werden. Die Menge der verfchiedenfarbigen Hölzer geftattet erfindungsreichen Männern den gröfsten Spielraum ihrer Phantasien. Im Vorangeführten find die verfchiedenen Syfteme der Tifchlerarbeiten kurz zufammengeftellt, einerfeits um einen Standpunkt zu gewinnen, welcher als Bafis für die Beurtheilung der Ausftellungsgegenftände dienen kann, anderfeits um jene Lefer, welche mit der Kenntnifs der Tifchlertechnik weniger vertraut find, in diefelbe einzuführen, damit erkannt werde, welche Anfprüche an eine folide Bautifchlerei im Allgemeinen zu ftellen find und welche Vortheile fie bietet. Es ift nicht zu verkennen, dafs Gebäude, welche mit folid und fauber aus. geführten Tifchlerarbeiten verfehen find, an Werth und Dauer ungemein gewinnen, während Gebäude, in welchen diefes Handwerk vernachläffigt ift, wie diefs leider nur zu häufig in Miethhäufern vorkommt, einem fchnellen Ruin entgegen gehen; hauptfächlich diefer Gefichtspunkt ift es, welcher die Wichtigkeit der Bautifchlerei vor Augen führt. Am meiften betheiligt an der Ausstellung mit Gegenftänden der Bautifchlerei haben fich Oefterreich- Ungarn, Deutſchland, Schweden und Norwegen; dem entfprechend werden im Folgenden die ausgeftellten Gegenftände von OefterreichUngarn, Deutfchland, Schweden und Norwegen in Betracht gezogen, woran fich ähnliche Gegenftände anderer Länder anfchliefsen follen. Bautifchlerei. 5 Oefterreich- Ungarn. Befonders hervorzuheben find die Arbeiten des Herrn Paulik, welcher in feiner Jugend die Architekturfchule befuchte, um fich jene Fertigkeit im Zeichnen und Projectiren anzueignen, welche den aus feiner Werkſtatt hervorgehenden Gegenftänden den erhöhten Werth des vollften Verſtändniffes beilegt. Paulik fertigte die Bautifchler- Arbeiten für den Jurypavillon und für den Kaiferpavillon, die Arbeiten des Empfangsfalons und jene der zwei Salons Ihrer Majeftäten des Kaifers und der Kaiferin. Die Tifchlerarbeiten des Salons des Kaifers find aus fchwarz gebeitztem Birnholz mit Vergoldung, jene des Salons der Kaiferin aus lackirtem, weichem Holz gefertigt. Wenn Paulik ein vollendeter Tifchlermeifter genannt werden kann, fo ift Herr Markert, der Leiter der bedeutendften Mafchinentifchlerei, insbefondere was Maffenproductionen anbelangt, der Vertreter der wahren Tifchlerfabrik für den grofsen Confum. Markert lieferte in der verhältnifsmäfsig kurzen Bauzeit den gröfsten Theil der Tifchlerarbeiten für die officiellen Ausftellungsgebäude und jene des Kaiferpavillons, infoweit fie nicht von Paulik hergeftellt wurden. Ebenfo bedeutend für die Parquettenfabrication, wie Markert für die Tifchlerarbeiten im Allgemeinen, find die Herren Leiftler, Barawitzka's Nachfolger und Huber. Leiftler und Barawitzka's Nachfolger haben die Parquetten für den Kaiferpavillon geliefert. Die Parquetten der Genannten find nicht nur in techniſcher Beziehung vollkommen, fie zeigen auch das Streben, der künftlerifchen Seite in jeder Beziehung Rechnung zu tragen. Höchft vollendet genannt zu werden verdient das von Herrn Dübel in Wien ausgeftellte Portal in mattem Nufsholz, deffen Architektur durch reiche Sculpturen gehoben wird. Sinnreich zufammengeftellt find die von Herrn Küttag in Wien ausgeftellte Glasthüre mit Vorthüre, welche in polirtem Nufsholz gefertigt und mit trefflicher Schlofferarbeit verfehen find; die verfchiedenen möglichen Stellungen der Vorthüre, welche auch geöffnet, eine tiefe Leibung bildet, und die Vollendung der Arbeit beweifen die vollſtändige Kenntnifs und das eingehende Studium des Verfertigers. Jeder Architekt, welcher die Arbeit prüft, wird fich die Ueberzeugung verfchaffen, dafs er es hier mit einem Manne zu thun hat, welcher die fchwierigften Probleme zu löfen im Stande ift. Hervorragend in der Anfertigung von Portalen ift Herr Martin Kien in Wien, welcher ein grofses Portal in polirtem, amerikaniſchem Nufsholz und Paliffanderholz zur Ausftellung brachte. Herr Kien ift auch der Verfertiger des, unter dem Namen„ zerlegbares Haus", vor dem Eingange in die Rotunde fituirten Gebäudes; das aus Riegelwänden hergeftellte Gerippe ift nach Kien's patentirtem Syfteme innen und aufsen mit Tafeln verkleidet, welche paffend in einander greifen; bei den äufseren Verkleidungen ift die nöthige Rückficht auf die Witterung nicht aufser Acht gelaffen; am Ende der Ausftellung konnte conftatirt werden, dafs das Gebäude während des fechsmonatlichen Beftandes keinen Schaden gelitten hat. Das gute Ausfehen des Gebäudes, die Leichtigkeit, es ohne grofse Koften zu verfetzen, laffen erwarten, dafs diefes Syftem für Landhäufer, welche meift nur während der wärmeren Witterung gebraucht werden, vielfach in Anwendung kommen wird. Es möge geftattet fein, an diefer Stelle die Bemerkungen des Herrn Kien über die von ihm conftruirten Häufer einzufchalten; er gibt Folgendes an: • 6 Wilhelm Flattich. ,, Die von mir gefertigten Wohnhäufer find aus imprägnirtem Holz zerlegbar conftruirt und mit jeder Fahrgelegenheit, Achfe, Bahn und Schiff, leicht transportabel, fie find feuerficher, luft- und wafferdicht zufammengebaut, fie find heizbar, folglich auch im Winter bewohnbar; diefe Gebäude find in wenigen Tagen abgetragen und wieder aufgeftellt, wefshalb fie fich zur Aufftellung auf nur gepachtetem Grunde eignen." Herr Kien übernimmt die Herftellung einfacher Häufer diefer Art, fammt Tapecierung der inneren Wände, fammt der Anftreicherarbeit um den Preis von 3- bis 4000 fl. nach den bei ihm einzufehenden Plänen; Gebäude mit grösserer Ausdehnung und reicherer Ausftattung erfordern natürlich einen höheren Preis. Das ausgeftellte Gebäude war mit lackirten Möbeln ausgeftattet, welche von Kien felbft erzeugt werden. Weiter hervorzuheben find die Tifchlermeifter: Herr Welfer, welcher eine Wandverkleidung mit guter Zeichnung und vortreffllicher Arbeit ausftellte; Herr Wenzel Reymann, welcher Fenfter mit Spaletten zu Jaloufien in vorzüglicher Arbeit und reinem Holze ausftellte; finnreich ift die hier angewendete Art der Oeffnung der Luftflügel; Herr Nedbal, welcher Thüren; Herr Wackenroder und Herr Keymar, welche Hausthüren im Renaiffanceftil ausftellten, von welchen insbefondere jene des Herrn Wackenroder bezüglich der Arbeit und der Zeichnung lobenswerth zu nennen find; Herr Carl Rüppel, welcher ausgezeichnete Jaloufien in verfchiedener Behandlung ausftellte; die Jaloufien find mit der Schloffer- und Tapeciererarbeit verfehen und dürften wohl allen Anforderungen entſprechen. Die Bretchen laffen fich leicht in jede beliebige Stellung bringen; die Jaloufien können in jeder Höhe feftgeftellt und auch ähnlich wie Plachen ausgefpannt werden. Es ift zu wünſchen, dafs Herr Rüppel feine vortrefflichen Arbeiten auch zu Preifen herftellen kann, welche ihm viele Beftellungen fichern. Erwähnenswerth find Herr Schwab, welcher Parquetten; Herr Schneider, welcher eine gerade Holztreppe mit Geländer, in Eichenholz rein gearbeitet, die Herren Loquay, Pollak, Schramm und Twarufchek, welche Jaloufien ausftellten; die Herren Schmidt& Sugg, welche eine Zimmerwand aus Holztäfelung in Verbindung mit einem franzöfifchen Kamin in deutfchém Renaiffanceftil ausftellten; diefe Arbeit, welche ftilvoll gehalten ift, zeigt, welch' reiches, folides Ausfehen Zimmerdecorationen durch Anwendung von Tifchlerarbeiten in Verbindung mit Bildhauer- Arbeiten erhalten können; der Vicepräfident der Jury für Holzinduftrie, Section III, Herr Dafatiel, aus deffen Werkstätte viele mufterhafte Gegenftände hervorgehen, hatte den Kaften für die Collectivausftellung der Zuckerinduftrie Oefterreich- Ungarn, von Eichenholz im Renaiffanceftil gefertigt, welcher fowohl durch feine folide und präcife Arbeit, als durch feine Gröfse fich auszeichnete, ausgeftellt. Es wäre zu wünfchen gewefen, dafs auch Herr Dafatiel ein Fenfter zur Ausftellung gebracht hätte, da er fich vielfach mit dem Studium der Conftruction der nach innen aufgehenden Doppelfenfter befafst hat. Dafatiel ift auch einer jener Meifter, welcher die in Wien längere Zeit üblichen, fchwachen Fenfterhölzer verliefs und ftärkere Dimenfionen einführte. Befonders erwähnt zu werden verdient noch die Baufabrik, welche dem ehemaligen Wisgrill'fchen Zimmergefchäfte, einem alten bis in die neueſte Zeit durch feine gediegenen Leiftungen und fein reelles Vorgehen höchft achtbaren Wiener Gefchäfte, feine Entstehung verdankt. Diefes Etabliffement, welches von der öfterreichiſchen allgemeinen Baugefellfchaft übernommen wurde, hat fich unter der Leitung des bekannten hervor. Bautifchlerei. 7 ragenden Induftriellen, Herrn Rudolf Dittmar, zu einem der gröfsten Anlagen für die Erzeugung von Zimmer-, Tifchler- und Schlofferarbeiten entwickelt. Die Stelle des Leiters der grofsen Fabrik ift dem früheren Adjuncten des Herrn Wisgrill, dem Zimmermeifter Herrn Franz Zimmermann, feit dem Jahre 1869 anvertraut, welcher auch das in ihn gefetzte Vertrauen in vollfter Weife gerechtfertigt hat. Die Fabrik hat, aufser verfchiedenen Privatanlagen in der Ausftellung, im Auftrage der egyptifchen Regierung die egyptifche Baugruppe, das Palais Seiner Hoheit des Vicekönigs von Egypten in dem kurzen Zeitraume eines Jahres hergeftellt, von welcher auch die Tifchlerarbeiten hier genannt zu werden verdienen. Die Leiftungen diefer Fabrik, fowie jene der angeführten Etabliffements, und fo manche, welche hier nicht erwähnt find, haben bewiefen, welche Menge von Arbeiten in verhältnifsmäfsig kurzer Zeit durch die in Wien vorhandenen Kräfte bezwungen werden können. Wien hat durch diefe Leiftungen eine Probe abgelegt, welche der Stadt und den betreffenden Meiftern nicht nur ein Recht auf Anerkennung fichert, fondern auch ein Selbſtvertrauen erweckt, welches in der Folge noch manche fchöne Refultate liefern wird. Hervorragende Ausfteller aufserhalb Wien von Oefterreich und Ungarn find: Seine kaiferliche Hoheit Erzherzog Albrecht, welcher in einem eigenen Pavillon die, auf feinem Befitzthume in Schlefien erzeugten, vortrefflichen Tifchlerhölzer, Eichen-, Föhren- und Fichtenholz und fertige Tifchlerarbeiten, an welchen die Güte des Materiales auch dem Laien erkennbar war, zur Ausftellung bringen liefs; Teeg Rudolf aus Brünn, welcher ein gothifches Thor ausftellte; Dollinger Jofef aus Stockerau, welcher Fenfter und Thüren für den gewöhnlichen Gebrauch, fehr folid gearbeitet, Herr Alois Michel aus Peft, welcher ein fchönes Hausthor mit guter Zeichnung ausftellte. Firmen: Hervorragend und nennenswerth in der Parquetteninduftrie find die Centa A. J. von Cilli in Steiermark; Egger Johann von Villach in Kärnten; Knapp Franz von Littau in Mähren; Naglic Rudolf, Steinmetz Franz und die Parquettenfabrik des Baron Zois in Krain; Copony Martin in Kronftadt, welche fämmtlich Mufter von fchön gearbeiteten Parquetten nach üblichen Zeichnungen ausftellten. In einem eigenen Gebäude im Parke hat die Parquettenfabrik des Herrn Neufchlofs in Peft ihre Producte zur Ausftellung gebracht; die wirklich meifterhafte Waare war durch das in Holz in würdigem Stil ausgeführte Gebäude gut repräfentirt. Die Teplitzer Baugefellfchaft hatte Thüren und Fenſter mit den Befchlägetheilen, wie fie gewöhnlich erzeugt werden, in einem befonderen Pavillon ausgeftellt. Derartige Ausftellungen haben den Werth, allgemein bekannt zu machen, welche Anforderungen an gewöhnliche Beftellungen geftellt werden, wodurch eine Erleichterung im Gefchäftsbetriebe bei Abfchlüffen herbeigeführt wird. Es kann hier nicht unterlaffen werden, darauf aufmerkfam zu machen, dafs in Oefterreich- Ungarn, welches fo bedeutende Mengen Rohhölzer nach Deutſchland, Frankreich und Italien exportirt, durch die Anlage und Ausdehnung von Tifchler- und Parquettenfabriken noch bedeutende Summen jährlich gewonnen werden könnten; da die fertig gearbeitete Waare die Spefen der weiten Transporte auch leichter ertragen könnte, als die Rohrftoffe, fo dürfte fich der Export in der Folge vermehren. 8 Wilhelm Flattich. Deutſchland. Die Breslauer Actiengefellfchaft brachte ein eingerichtetes Speifezimmer mit Parquetten- Fussboden zur Ausftellung; die Lamperien waren wie die Möbel mit Ebenholz- und Metalleinlagen reich decorirt. Die reine und präcife Ausführung führte die Bedeutung der Werkſtatt vollſtändig vor Augen. Die eingelegten Borduren der Parquetten, welche tadellos pünktlich gefertigt waren, machten indeffen den Eindruck von nur patronirter Arbeit. Kuhn in Freiburg hatte ein patentirtes Fenfter zur Ausstellung gebracht, welches das Streben des Verfertigers zeigt, allen Anforderungen möglichft gerecht zu werden. In jedem Fenfterflügel ift ein zweiter Flügel zur Abhaltung des Schwitzens der Fenfterfcheiben eingefetzt; durch finnreich angebrachte, kleine Rinnen unter der Schlagleifte foll das Durchdringen des Regenwaffers vermieden werden; das durch die Rinnen unter der Schlagleifte und an den Seiten laufende Waffer wird durch eine Oeffnung unter der eifernen Wetterleifte ins Freie geleitet. Die Kehlleiften- Fabrik in Breigan brachte die verfchiedenften Gattungen Leiften zur Ausftellung. Etabliffements diefer Art verdienen hauptfächlich aus dem Grunde grofse Beachtung, weil fie einzelne Theile durch den Fabriksbetrieb billig herzuftellen in der Lage find und hiedurch zur Erniedrigung der Preife für Tifchlerarbeiten viel beitragen. Die Renaiffance- Actiengefellfchaft in Berlin hatte neben den Möbeln Lamperien etc. ausgeftellt; die Bedeutung diefer Gefellſchaft ift durch ihre Leiftungen, welche vielfach exportirt werden, bekannt. Ganz ausgezeichnet, fowohl bezüglich der Ausführung als bezüglich der Zeichnung, ift die von Herrn Türpe in Dresden ausgeführte Speifefalon- Wand mit Buffet in ausgefuchtem, fchönen Eichenholz. Die Vortrefflichkeit diefer Arbeit hatte ihr einen hervorragenden Platz in der Gallerie der Rotunde gefichert. Von der Parquetteninduftrie hatten fich hervorragend betheiligt: Die Illfelder Parquettenfabrik; Niederdorfer in München; Gentner in Schlefien; Schöttle, Gerfan und Weber in Stuttgart; die Parquettenfabrik in Ravensburg, von C. Sterkel& Blumer in Strafsburg. Anzuerkennen war die finnreiche Darftellung der Parquettenmufter in einen gemeinfchaftlichen Rahmen. Eine von Moor in Stuttgart ausgeftellte Wendeltreppe zeigte pünktliche Arbeit mit fchlechter Zeichnung; unerklärlich war insbefondere die abnorme Form der Wangen, welchen durch diefe Form ihre eigene Bedeutung verloren geht. Vollendet ausgeführt war die von Ziegler in Carlsruhe ausgeftellte Thür mit Karyatiden. Schweden und Norwegen. Die Ausftellungen von Schweden und Norwegen in der Holzinduftrie, fpeciell jene der Tifchlerarbeiten, zeigten deutlich den induftriellen Charakter; an allen Gegenständen war das fefte, feinfaferige, gleichförmige Material zu bewundern, welches die Waldungen jener Gegenden liefern. Ueberall traten die angefertigten Gegenstände in einer Weife hervor, welche Zeugnifs ablegen von dem Studium der Holzconftructionen felbft und auch der gefälligen Form, welche fie den Befchauern angenehm machen follen, um den Wunſch nach Befitz wachzurufen. Kein Land dürfte Aehnliches in diefer Induftrie erreicht haben; es findet fich keine Sucht nach prangendem Aeufsern, einfach, verftanden, ja man möchte Bautifchlerei. 9 fagen, billig fcheinen die Producte erzeugt, welche fowie das Rohmaterial mit Recht fich einen Platz im Welthandel zu fichern fuchen. Höchft beachtenswerth waren alle ausgeftellten Gebäude in ihrer ganzen Structur; es traten Conftructionen und Motive auf, welche einen harmonifchen, architektonifchen Eindruck machten, und was, nebenbei gefagt, eine Hauptfache ift, einfach und dauerhaft gefertigt werden können. Befonders nennenswerth find folgende ausgeftellte Objecte und Gegenftände Das fchwedifche Volks- Schulhaus von Dikmann in Stockholm, deffen innere Räume in zweckmäfsigfter Weife mit Holztäfelungen ausgeftattet waren, deren Formen wie auch jede des Aeufsern des Gebäudes durch Firnifsüberzug und aufgemalte Linien gehoben wurden. Bei der Anlage der Lamperien find in paffender Weife Rahmen für Bilder und Tafeln und Leiften für Huthaken etc. angebracht. In gleich zweckmäfsiger Weife waren die Einrichtungsgegenstände nach den neueften Erfahrungen zufammengeftellt. Ebenfo trefflich gearbeitet war das Reftaurationsgebäude von Strömman & Larfon in Göteborg, deffen Hauptform indeffen wegen der fchräg geftellten Giebeln, wodurch vielleicht der Charakter eines Schiffes gegeben werden follte, vom architektonifchen Standpunkte beanftändet werden könnten, wenn nicht diefe Form aus dem Grunde gewählt wurde, um mehr Schatten für die Veranda vor dem Gebäude zu gewinnen, oder um als Reklame für das Gefchäft zu dienen. Höchft originell war der Jagdpavillon von Bark& Wartburg in Göteborg, an welchem in den verfchiedenften Syftemen von Verfchalungen mit einfacher Malerei das Vollendetfte geleiftet ift, was auf der Ausstellung zu fehen war. Diefe Verfchalungen, welche durch Gliederungen von einander getrennt find, machen in Verbindung mit den Portalen und Fenftereinfaffungen einen vollkommen architektonifchen, ftabilen Eindruck, welchen hervorzubringen in Holzconftruction nicht immer gelingt. An diefe Bauten reihten fich das fchwedifche Fifcherhaus und der Pavillon von Jacobfen& Comp. in Fredrikftad, in welch' letzterem norwegifches Holz auf verfchiedene Art bearbeitet dargestellt ift; in dem erftgenannten war Schindelverkleidung in verfchiedener Behandlung ausgeführt, in dem letzteren war befonders die zierliche Ausführung der Balkongeländer hervorzuheben, bei welchen jede unangenehme Fuge durch vorftehende, ausgefchnittene Breter, gleich Spitzen, gedeckt war. Aufser den vorangeführten Bauten waren von Strömman& Larfon eine Reihe fchön gearbeiteter Tifchlerarbeiten, Thüren und Fenfter für den gewöhnlichen Gebrauch ausgeftellt, welche ebenfo wie die Bauten Zeugnifs ablegen von der grofsen Ausdehnung, welche der Handel mit Tifchlerwaaren und Hölzern diefer Länder erhalten hat und noch erhalten wird. Holzreiche Gegenden können durch die angeführten Gegenftände lernen, in welch' fruchtbringender Weife diefes Material verwendet werden kann, um nicht nur die Gegenftände des Bedürfniffes zu fertigen, fondern ein Product für den Handel, folglich Hilfsquellen für das Land zu fchaffen. Als ob die Schweden bei jedem Schritte ihr fchönes Holzmaterial den Befuchern der Ausftellung zum Kaufe anbieten, konnten fie auch nicht unterlaffen, die Käften, in welchen fie ihre fonftigen Waaren ausftellten, in paffenden, originellen, indeffen dem Holzftil entnommenen Formen auszuführen, und ohne Anftrich nur mit Firnifs überziehen zu laffen, um die Schönheit des Materials, gehoben durch zierliche Formen, zu zeigen. Die übrigen Staaten. Vereinigte Staaten von Nordamerika. Aufser den von John Davis& Sons aus Philadelphia und Royer in Cincinnati ausgeftellten Wagen 10 Wilhelm Flattich. rädern, deren Speichen durch eiferne Ringe feft zufammengefchraubt find, und welche hiedurch ohne einen feften Mittelkörper eine ansnehmende Stärke erhalten und ebenfo die Räder mit feftem Mittelkörper von Weeks in New- York war nichts von Bedeutung zu finden, was fich übrigens aus der grofsen Entfernung des Landes erklärt. England. Die englifche Ausftellung befchränkte fich auf Möbel, bei welchen insbefondere Marqueterie eine Hauptrolle ſpielt. Bautifchler Arbeiten waren keine ausgeftellt. Portugal. Mit Ausnahme eines Schubfenfters in fchönem Lärchenholz war von Bautifchlerei nichts ausgeftellt; indeffen zeigten die trefflichen Schnitzereien, meift durchbrochene Arbeit für Säulenfüfse und eigenthümlich geftaltete Deckengefimfe, den Fortfchritt der Holzinduftrie auch in diefem Lande. Befonders zu erwähnen ift das Modell einer Kapelle von Eichenholz, welches in zierlicher Form vollkommen rein und verftanden ausgeftellt war. Parquetten waren ausgeftellt von Maivel& Magalhac aus Liffabon. Frankreich. Die Bautifchlerei in Frankreich, von welcher Eingangs die Rede war, war in den Räumen des Pavillons der franzöfifchen Ausftellungscommiffion vollständig in ihrer Anwendung dargestellt. Diefe Ausftellung zeigte, wie innig verbunden die Art der Anlage der Thüren und Fenfter und Lamperien mit der ganzen Ausstattung der Räume zufammenhängt; der grofse Fortfchritt der Induſtrie in Frankreich, wenn auch der Gleichförmigkeit Bahn gebrochen wird, gibt den Vortheil der befferen und reicheren Behandlung zu verhältnifsmässig geringen Koften. Die ausgeftellten Gegenftände waren tadellos in ihrer Durchführung und harmonifch in der Zeichnung, fie boten indeffen im Vergleiche zu den bekannten Arbeiten nichts Neues. Die Bautifchlerei Frankreichs ift feit langer Zeit in einem fehr vollendeten Zuftande, nicht nur in den gröfseren Städten, fondern auch über das ganze Land ausgebreitet, findet man Werkstätten, welche tüchtige Arbeit liefern. Das Eingangsthor zum franzöfifchen Pavillon war aus gefchnitztem Eichenholz von Frédéric Bertrand in Paris im Stile Ludwigs XIII. ausgeführt. Hervorragende Parquetten waren von Meyzo únial jeune in Sarlat ausgeftellt. Schweiz. Die Bautifchlerei der Schweiz, welche an dem Schweizer Kaffeehaufe und dem Schweizerhaufe zur Ausftellung gebracht war, bot nichts befonders Neues. Diefe Gebäude erhielten das Anziehende meift durch die Behandlung der Zimmerarbeiten, welche mehr oder weniger alten, beftehenden Gebäuden nachgebildet waren. Im Vergleiche zu den fchwediſchen Gebäuden zeigte fich hier weniger tiefes Studium, wohl in der Erwartung, die aller Orten fo beliebten fchweizerifchen Formen werden im Ganzen immerhin eine angenehme Wirkung hervorbringen, was auch wirklich der Fall ift. Wenn auch nicht zu verkennen ift, dafs bei den Gebäuden der Ernft der Conftructionen, welcher bei den fchwediſchen Bauten fo wohlthuend hervortrat, in einigen mangelt, fo ift diefs wohl dadurch zu entfchuldigen, dafs diefe Gebäude nur während kurzer Zeit zu dienen hatten und defshalb im Detail weniger ftreng behandelt wurden; immerhin war dem Reftaurationsgebäude der Charakter eines eleganten Kaffeehaufes und dem Schweizerhaufe jener der Gemüthlichkeit im vollften Mafse eigen. Zu conftatiren ift, dafs die beiden Gebäude Zeugnifs von der Gefchicklichkeit der Werkstätten lieferten, welche jede Anlage in der beften Weife auszuführen in der Lage find. Schöne Parquetten waren ausgeftellt von Rohn in Baden. Zu erwähnen ift die Interlakner Parquettenfabrik, welche das Schweizerhaus ausführte. Bautifchlerei. 11 Italien. Die Italiener, welche lange Zeit der Bautifchlerei keine befondere Achtung widmeten, haben eingefehen, dafs auch das füdliche Klima gute Fenfter und Thüren nöthig macht. Die ausgeftellten Gegenftände, welche meift aus feinfaferigem Lärchenholz gefertigt find, zeigten eine exacte Behandlung; feit die Vortheile des wärmeren Bodens in gefundheitlicher Beziehung erkannt wurden, hat auch die Parquettenfabrication fich Eingang verfchafft und waren tüchtige Arbeiten von Dal Tedesco Marco in Venedig, Brunelli in Trevifo und Ronco in Padua ausgeftellt. Zu erwähnen find noch die ausgeftellten Oliven- und Citronenhölzer von Monaco. Belgien. Im Pavillon der belgifchen Commiffion, welcher von der Firma Gebrüder Deviffer in Molenbeck- Saint- Jean bei Brüffel ausgeftellt war, wurde die belgifche Bautifchlerei repräfentirt; franzöfifche Anklänge mit englifchen Motiven vermifcht, kamen zum Vorfchein; hiermit foll übrigens kein Urtheil über die Bautifchlerei des Landes gegeben fein, da diefer Pavillon anfpruchslos, wohl auch ohne Detailpläne nur zu vorübergehenden Zwecken gebaut wurde, folglich nicht mafsgebend fein kann. Eine von Snyers Rang& Comp. in Brüffel ausgeftellte Wandverkleidung mit einem Buffet zeigte eine fehr forgfältige Arbeit; zu jedem Theil ift das paffend textirte Holz ausgefucht, was befonders anerkannt zu werden verdient. Von Bulens in Brüffel waren Jaloufien in der Art, wie fie in Paris häufig vorkommen, ausgeftellt.. Pelfeneer in Brüffel hat die Fachwerke gefertigt, welche die Gruppen der belgifchen Abtheilung trennten, eine Arbeit, welche deutlich zeigte, dafs auch in diefem Lande das Streben vorwaltet, die Formen, welche jeden Materialien entfprechen, zur Anwendung zu bringen. Vorzüglich gearbeitet und fchön in der Zeichnung waren die von Taffon & Wafher in Saint- Joffe- ten Noode bei Brüffel ausgeftellten Parquettenmufter. Als eine meifterhafte Arbeit, wenngleich mehr Bildhauer- Arbeit als Tifchlerarbeit, ift die von Goijers frères ausgeftellte, in reinem Eichenholz gefertigte Kanzel zu erwähnen, welche in der Rotunde ausgeftellt und zu dem billigen Preife von 10.000 fl. angeboten war. Diefe Arbeit ift ein wahres Meifterwerk der Holzinduftrie zu nennen, fie entfpricht ebenfo den Anforderungen der Kunft als jenen der Conftruction und Solidität. Rufsland. Das von Rufsland ausgeftellte Bauernhaus, deffen aufserordentlich gewählte Conftruction mit, man könnte fagen, nationaler Decoration, fowie einige in ähnlichem Stile ausgeführte Käften zeigten, welch bedeutenden Auf fchwung die Leiftungen der Bautifchlerei genommen haben; diefe Induftrie fcheint zur Verwerthung des dort fo reichlich vorhandenen Materiales einen ähnlichen Weg wie Schweden zu nehmen, welchen es auch wohl mit Vortheil verfolgen kann. Die dargeftellten Gegenftände zeigten das Verftändnifs der Conftruction, welcher in nationaler Weife künftlerifche Formen gegeben find. Türkei. Die türkifchen Bauten, zu welchen Theile verwendet waren, welche in der Türkei gefertigt wurden, zeigten, in welch' umfichtiger Weife dem Schwinden des Holzes Rechnung getragen wird. Die byzantinifchen Mufter, welche gewöhnlich zu Grunde gelegt werden, eignen fich allerdings vortrefflich zur Bildung fchmaler Füllungen; die Arbeit des Ineinanderfügens der vielen kleinen Füllungen ift bewunderungswürdig. Egypten. Die von Egypten ausgeftellt gewefenen Käften im maurifchbyzantinifchen Stil, welche gleichmäfsig in reinem Holz behandelt find, gaben Zeugnifs, dafs auch hier die Bedeutung der Tifchlerei erkannt ift. Es war zu erkennen, dafs eine einheitliche Behandlung der Käften die Ausftellung jeder Gruppe adelte, welche hievon Anwendung gemacht hat. Brafilien. Eine Zufammenftellung der verfchiedenften Hölzer von allen. erdenklichen Farben zierte die Ausftellung Brafiliens; wo das Material in folcher 12 Wilhelm Flattich. Bautifchlerei. Menge und Güte vorhanden ift, läfst fich für die Zukunft der Tifchlerei und Holzinduftrie das Befte hoffen. Die Holzausftellung felbft und ausgeftellte Mofaiktafeln deuteten auch an, dafs man den Werth diefes Materiales vollſtändig erkannt hat. Japan. Die ausgeftellt gewefenen japanefifchen Gartenhäufer etc., welche übrigens mehr in das Bereich der Zimmerarbeit gehören, zeigten eine bewunderungswürdige, exacte Arbeit, wie fie in Europa nur bei Tifchlerarbeiten zu finden ift. Das gleichförmige harte Holz, ähnlich unferem Lärchenholz, an welchem nahezu keine Aefte und Riffe zu fehen find, begünftigt allerdings die Ausführung der Conftruction. Die Arbeit erhöht ihren Werth aber, wenn man die Unvollkommenheit der Werkzeuge, mit denen fie geleiftet, beachtet. Wenn die Anführung felbft wichtiger Objecte in diefem Berichte überfehen wurde, was bei der grofsen Ausdehnung der Ausftellung wohl nicht zu vermeiden und vielleicht defshalb zu verzeihen ift, fo erfucht der Verfaffer diefe Entfchuldigung anzunehmen. Es war fein aufrichtiges Beftreben, nicht nur die Bedeutung der Bautifchlerei hervorzuheben, fondern auch durch Anführung der ihm bekannt gewordenen Namen bedeutender Männer die Anerkennung auszudrücken, welche fie fich durch ihre Leiftungen verdient haben. Die Maſchinen für die Bearbeitung der Hölzer, welche auch ermöglichen, die einzelnen Gegenftände einheitlich, fchnell und billig zu erzeugen, werden in der Folge eine der gröfsten Rollen in der Behandlung der Holzinduftrie ſpielen; durch die Bearbeitung mit Mafchinen erhält man die Abfälle in folcher Form, dafs fie felbft wieder zur Fabrication verwendet werden können, wodurch eine nicht unwefentliche Erfparnifs an Material erzeugt wird. Die Weltausftellung hatte auch in diefer Beziehung Fortfchritte aufzuweifen, welche von dem Befucher nicht unbeachtet geblieben find. Der Bericht des Herrn Profeffors Exner, welcher diefen Gegenftand behandelt, kann die Lücke ausfüllen, welche in diefer Beziehung in diefem Berichte offen gelaffen ift. MÖBEL TISCHLERARBEITEN. ( Gruppe VIII, Section 2.) Bericht von BERNHARD LUDWIG, Möbelfabrikant in Wien. Die Möbelinduftrie hat jederzeit auf induftriellen Ausftellungen einen hervorragenden Rang eingenommen und das Intereffe des Befuchers im höchften Grade erregt; fo auch auf der jetzigen; nur war es hier dem Befchauer fehr erfchwert, fich einigermafsen ein richtiges Bild und vergleichendes Urtheil von dem Fortfchritte, welchen man bei diefem Induftriezweige in letzterer Zeit errungen, zu verfchaffen. Erftens hinderte daran die ungleichmässige Vertretung mehrerer Staaten und Länder, welche im Verhältniffe zu anderen und ihrer Production bald zu viel hervor bald gar zu fehr zurücktraten; zweitens die Anlage der Ausftellung felbft und die überwiegende Gruppirung der Ausftellungsobjecte nach Rohftoffen, welche es zu Wege brachte, dafs man bald in fämmtlichen Gallerien und gedeckten Annexen Möbel fand, und drittens die durchwegs ungeeignete Katalogifirung der Ausftellung. Doch wir fuchten uns, alle diefe Uebelftände womöglich übergehend, unfer Material zufammen und wollen darnach unfere Rundfchau bei dem Lande beginnen, welches eine beinahe 300jährige hoch entwickelte Induftrie aufzuweifen hat und dadurch bis vor kurzer Zeit zur Beherrfcherin fämmtlicher halb- und ganzcivilifirter Länder wurde, fozufagen den Ton angab, oder die Mode fchuf, nämlich bei Frankreich. Frankreich. Es hatte wie immer auf allen Weltausftellungen fo auch hier Brillantes zur Anfchauung gebracht, nur war der Fortfchritt in der Möbelinduftrie ein kaum bemerkbarer. Diefs läfst fich jedoch fehr leicht dadurch erklären, dafs für ein Land, das auf einer fo hohen Stufe der Entwicklung angelangt, wie Frankreich, die Erfindungen in der Technik fowie in der Kunft feltener erfcheinen und übrigens auch die kurz aufeinander folgenden Weltausstellungen den Induftriellen grofse Opfer auferlegten, deren Rückwirkungen fich auch in Wien äufserten und umfo mehr, je weiter ein Land von der Ausftellung felbft entfernt ift und daher mit der Entfernung auch zu gröfseren Koften genöthigt wird. Sehr häufig wurde auch der richtige Zweck der Ausftellung dadurch verfehlt, dafs man bei Anfertigung von Ausftellungsobjecten nicht mehr an das Verkaufen und an die praktifche Verwendung derfelben dachte, fondern fie mit allen erdenklichen Künfteleien und Zierraten ausfchmückte, um fo den Gegenftand fo theuer und abfurd als möglich zu machen. Daher kommt es auch, dafs wir in der franzöfifchen Abtheilung viele bekannte Paradeftücke wiederfanden, welche uns fchon auf früheren Ausftellungen begegnet waren und eben defshalb nicht an Mann gebracht werden konnten. Was die fpeciellen Expofitionen der einzelnen Firmen betrifft, fo hatten folgende Hervorragendes geleiftet: Fourdinois( Paris) brachte ein befonders fchönes, mit der gröfsten künftlerifchen Technik in Nufsholz ausgeführtes Cabinet im Renaiffanceftil, ebenfo ein vergoldetes Bett mit fchwarzem Grunde und reich 14 Bernhard Ludwig. 10 lo decorirtem Baldachin. Beide Objecte waren fchon auf der Parifer Weltausftellung vom Jahre 1867 erfchienen. Rondillon E. S.( Paris) führte uns in verfchiedenen Möbeln die Anwen- dung mehrerer Stilarten nach ihrer technifchen Fertigkeit und Manieren vor, worunter befonders ein Kaften mit plaftifch gefchnitzten Intarfien, ein Ebenholzkaften, Tifche von Ebenholz mit Elfenbeineinlagen, ebenfo vergoldete Tifche mit Marmorplatten, Marmorkamin mit Holzauffatz, Seffel, Fauteuils und mehreres Andere zu erwähnen find. Sämmtliche Holzarbeiten wie Decorationen zeugten von einem feinen ftiliftifch durchgebildeten Gefchmack und traten vortheilhaft aus der gewöhnlichen franzöfifchen Manier hervor. Krieger( Paris) ftellte ein Himmelbett von Nufsholz, reich gefchnitzt, im Renaiffanceftil mit fehr gefchmackvoller Tapezierung von rothem Atlas, verfchiedene vergoldete Spiegelrahmen mit Confols und einige Sitzmöbel im Stile Louis XVI. aus. Diefem gegenüber fanden wir eine Collection kleiner und gröfserer Möbel von Diehl( Paris), welche nebft verfchiedenen ehemaligen Parifer Ausftellungsobjecten einige gelungene Stücke aufzuweifen hatte, aber im Grofsen und Ganzen die franzöfifche Hauptrichtung und ihre Verirrungen im vollen Lichte zeigte. Die Luft nach Prunk und oberflächlichem Glanze ohne Stil und Berechtigung in Verwendung der einzelnen Hilfsmittel wie: Bronce, Elfenbein, Porzellan u. f. w. war hier ausgeprägt. Penon Henry( Paris) zeigte uns nochmals Bruchftücke von der Parifer Weltausstellung 1867, beftehend aus gefchnitzten Lamperien, Decorationen, Möbeln aus Ahornholz und einem Theil von einer Stiege aus Nufsholz mit reichgefchnitztem Geländer und Thür, dann reiche und gefchmackvolle Decorationen. Levy& Worms( Paris) ftellten ein vergoldetes Bett, die Füllung von fchönem Gobelin, einen fchwarz gebeitzten Birnholz- Kaften mit etwas ftörenden Marmorfüllungen, einen chinefifchen Kaften, mehrere Fauteuils im deutfchen Renaiffanceftile und Anderes mehr aus. Guéres frères( Paris) brachten gefchmackvolle Nufsholz- Möbel mit künftlerifch ausgeführten Schnitzereien, worunter ein Bücherkaften, ein Buffet und ein Uhrkaften im Renaiffanceftile befondere Erwähnung verdienen; ebenfo waren auch die Möbel mit Bronceverzierungen künftlerifch durchgeführt. Nebenan ftand eine Thür mit Wanddecoration aus carton pierre vom Bildhauer Hardouin( Paris), welche zu den gefchmackvollften diefer Art auf der Ausftellung gehörte. Gallais( Paris) ift Specialift in lackirten Möbeln und Phantafiearbeiten, welche er mit befonderem Verftändniffe und Gefchmack cultivirt. Goekler( Paris) brachte ein Bett und Spiegelkaften von Tuja und fchwarz gebeitzten Birnholz- Schnitzereien zur Anficht, welche Gegenftände er noch als Andenken der Parifer Ausftellung 1867 bewahrt. Noch wollen wir deffen Bibliothek im Renaiffanceftil von fchwarz gebeitztem Holze erwähnen. Hunfinger& Wagner's( Paris) Ebenholz- Möbel mit Elfenbeineinlagen waren weniger fchön zu nennen. Eine befondere Specialität waren die zerlegbaren und gefchmackvollen Seffel von Vanloy( Paris), ebenfo die Lederfeffel und Fauteuils von Eliaers ( Paris) und mehreren anderen Firmen, wie Jules Houry, A. Lanneau, Loremy, Grifey& Comp.( Paris) u. f. w., welche den Beweis liefern, wie ausgedehnt und vielfeitig die Möbelinduftrie in Frankreich ift. Und nur die vielfältigen, künftlerifch ausgebildeten Hilfsmittel in allen Zweigen der Induftrie machten es ihnen möglich, eine fo mannigfache Abwechslung in diefer Fabrication zu erzielen. Die Preife find im Verhältniffe zu Oefterreich bei den befferen Arbeiten fehr hoch und wären diefelben hier wohl fchwerlich an Mann zu bringen, wenn nicht die Sucht nach ,, fremden Erzeugniffen" den Franzofen zumeift Käufer zuführen würde. Möbel- Tifchlerarbeiten. 15 England. Das Land, welches Frankreich in der Höhe der künftlerifchen und technifchen Ausführung der Möbelfabrication am nächften fteht, ja in manchen Fällen es übertrifft, ift England, nur ift fein Ruhm ein viel jüngerer, als der Frankreichs. Es war auf der erften Weltausftellung in London 1851, wo die Engländer bemerkten, dafs fie in der Möbelfabrication weit zurück feien, und zwar waren es öfterreichifche Firmen, wie: Leiftler, Gröger und einige Andere, welche befondere Aufmerkfamkeit in diefer Richtung erregten. Bei der Wiener Weltausftellung theilte fich die Möbelfabrication Englands, dem Stile nach, in zwei Hauptrichtungen: in die Gothik, welche man hier wohl ,, englifch" nennen darf, weil fie in diefer Weife noch von keinem anderen Lande producirt wurde; zur Verwendung kommt dabei gröfstentheils lichtes Holz mit bunten Malereien, Majoliken u. f. w. Dann huldigen die Engländer in neuerer Zeit der Renaiffance und kommen damit in Form und Anwendung der techniſchen Mittel häufig mit dem franzöfifchen Gefchmacke in Berührung; doch cultiviren fie dabei die Intarfien mehr und find auf einer techniſch- ftiliftifch höheren Stufe angelangt, als die Franzofen. Mit den Intarfien thaten fie wohl hier und da des Guten zu viel und fuchten womöglich Alles in Flächen zu verwandeln, um fie dann mit verfchiedenen Materialien einlegen zu können; fo z. B. kamen Capitäler, Voluten und andere der Natur nach plaftifch fein follende Theile mit der gröfsten Kunftfertigkeit und Mühe mit Intarfien verziert vor, dagegen hatte man verfucht, wichtige Flächen, welche mit Intarfien auszufüllen gewefen wären, durch Gravirungen plaftifch zu machen, was keineswegs richtig ift. Die vorzüglichften Objecte fanden fich bei Jackfon& Graham( London), welche eine reiche Collection von Möbeln ausftellten. Diefelben waren mit der gröfsten techniſchen Kunftfertigkeit und in allen möglichen Holzgattungen ausgeführt, worunter fich befonders ein kleiner Schmuckfecretär auszeichnete, welcher in der Ausführung, Farbe und Zeichnung reizend war. Ferner eine Bibliothek von Ebenholz mit Elfenbeineinlagen und bunten Steinen verziert, deren unterer Theil jedoch auch fchon ein Ausftellungsobject auf der Parifer Ausftellung gewefen. Mehrere Tifche fielen befonders auf, wovon die Platten an Gefchmack und technifcher Ausführung mit kleinen Kunftwerken zu vergleichen wären. Aufserdem mufs ich eine Bibliothek, nach Angabe und Zeichnung von Oven Jones erwähnen, welche der Zeichnung und Farbe nach eine Art ,, Zukunftsmöbel" genannt werden kann, da man bei dem Anfchauen derfelben eine ganz neue Richtung erkannte, die förmlich nervös machte. Was die Arbeit felbft anbelangt, war fie auch bei diefem Stücke mit einer meifterhaften Technik durchgeführt. Holland& Sons( London) ftellte einen reich mit Holzmarqueterie eingelegten und mit Bronce verzierten Tifch auswelchen, wir fchon in der Londoner und Parifer Ausftellung gefehen hatten; eine Bibliothek, welche jedoch zu ihren bunten Büchereinbänden ein ruhigeres Gehäufe und eine weniger auffallende Vergoldung erfordert hätte. Die von Settingholz mit Elfenbein eingelegten Toilettemöbel von Walter ( London) waren trotz der techniſch guten Ausführung in künftlerifcher Beziehung mifslungen, da die Elfenbeineinlagen, wovon die Gravirungen theils grün und roth gefärbt waren, ohne Wirkung blieben; dagegen hatte Collinfon and Lock ( London) Möbel in altenglifchen Formen ausgeftellt, ohne fich dabei von der Gefchmacksrichtung eines anderen Landes leiten zu laffen; es waren diefs: Fauteuils, Seffel, Etagères und andere Gegenftände. Ebenfo brachte Morant, Boyd& Blanford( London) Efchenmöbel mit Füllungen von Fayencen, im antiken englifchen Charakter. Cooper& Holt( London) hatte ein im englifchen Gefchmacke gehaltenes Buffet, einen Servirtifch mit eingelegten und gemalten Füllungen exponirt, welche im Ganzen durch ihre Farbe einen angenehmen Eindruck hervorbrachten. 2 16 Bernhard Ludwig. Gillow& Comp.( London) präfentirte einen Buffetfchrank von NaturBirn und Ebenholz mit Tujafeldern eingelegt. Derfelbe war alt englifch, gefchmackvoll gezeichnet, die technifchen Hilfsmittel künftlerifch verwendet und präcis ausgeführt. Die Seffel von Clark& Sons( London) will ich noch wegen ihrer Preiswürdigkeit und gefchmackvollen Ausführung erwähnen. Was die äufsere Form und Arbeit der Claviere betrifft, fo fanden wir zu unferem Befremden, dafs von England in diefem Artikel nichts Befonderes aus geftellt wurde, wie diefs übrigens auch nach einer anderen Richtung hin betrachtend der Referent über Mufikinftrumente hervorhebt. Italien. An England können wir der künftlerifchen Reihenfolge wegen, nur die Erzeugniffe Italiens anreihen. Dasfelbe hat auch in Möbeln und Holzfchnitzereien alle feine Kraft angewendet, um würdig des Ruhmes feiner alten hoch entwickelten Induftrie der Glanzperiode der reichen Patricier auf der Wiener internationalen Weltausftellung zu erfcheinen, und es gelang ihm auch fo ziemlich im Grofsen und Ganzen. Man fah wieder, wie die Kunft fich mit der Induſtrie vereinigen kann und im Gewerbe fortgepflanzt, in neuer Geftaltung zu erfcheinen vermag. Die alten Traditionen, auf welchen das Kunft- Handwerk in Italien fufst, theilen fich bei der Möbelfabrication in drei Hauptrichtungen: In Holzfchnitzereien und Möbel mit plaftifchen Verzierungen; in Intarfienarbeiten mit gravirtem Elfenbein, Perlmutter, buntem Holze Marmor u. f. w. und in moderne italienifche Arbeiten mit Verwendung der verfchiedenften Materialien. Was die erfte Kategorie anbelangt, fo waren es vorherrfchend italienifche Renaiffance- Schnitzereien, welche mit eminenter Technik, fowie gefchmackvoller Anordnung und künftlerifch richtiger Verwendung ausgeführt erfcheinen. Obenan ftand Frullini( Florenz) mit feinen vortrefflichen Holzfchnitzereien, womit er Kamine, Sitzmöbel, Rahmen, Füllungen, Friefen, Lifenen u. f. w. decorirte. Eine koloffale Kaminverkleidung, ausgeftellt von Befarel( Venedig) fiel durch ihren, im Vereine mit Rahmen und Confolen, künftlerifch ausgeführten figürlichen Schmuck auf. Die Bibliothek, Rahmen und Lampenträger aus Nufsholz, von Morini( Florenz) exponirt, waren mit gefchmackvollen Zeichnungen und vortrefflicher Behandlung des Materiales ausgeführt. Bartolozzi( Siena) hrachte ein reich gefchnitztes Bett von Nufsholz, deffen Ornamentenanordnung ein befonderes künftlerifches Verſtändnifs verrieth. Noch zu erwähnen haben wir ein Himmelbett mit ornamentirten Säulen, von Truci( Florenz), fowie Salvatoves Spiegelkaften, mit auf Goldgrund gemalten Füllungen. Bei der bewundernswerthen Technik der Italiener war es kein Wunder, wenn hie und da Uebergriffe ftattfanden. Nichts kann leichter zu Irrthümern führen als die höchft entwickelte Technik. So fahen wir eine kleine gefchnitzte Etagère, welche ihrer Gebrechlichkeit wegen unbrauchbar und unter einen Glaskaften gehörte, fowie eine Schmuckcaffette mit Schnitzereien, welche fich jedoch gleich dem Befchauer, mit einem Glasfturz überdeckt, präfentirte; überhaupt wurden Rahmen und mehrere andere Gegenftände in derfelben unpraktiſchen Weife hehandelt. In der zweiten Kategorie, italienifche Intarfien" hatte Gatti( Rom) das Hervorragendfte geleiftet. Seine Arbeiten zeigten, bei Verwendung der verfchiedenften Materialien, als Ebenholz, Elfenbein, Perlmutter, Lapis lazuli, Malachit u. f. f. eine richtig künftlerifche Auffaffung. Die ausgeftellten Objecte beftanden in Rahmen, Schatullen, Schmuckkäften und diverfen anderen Nippfachen und waren mit einer exquifiten Präcifion ausgeführt. Möbel- Tifchlerarbeiten. 17 Von Pazzi( Rom) war ein Ebenholz mit Elfenbein eingelegter Kaften zur Anficht gebracht, welcher fowohl wegen Zeichnung und Gravirung, fowie der Technik in der Tifchlerarbeit zu den befferen italienifchen Erzeugniffen diefes Genres gehörte. Civita( Florenz) exponirte ein Cabinet von Ebenholz in italienifcher Frührenaiffance mit reizenden Pietra dura- Füllungen und Broncefiguren, ebenfo auch zwei kleine Salonkäften nach mehreren Zeichnungen, und Gomez ( Venedig) vier Seffel, ein Cabinet von Ebenholz mit Füllungen von lapis lazuli und anderen edlen Marmorgattungen, mit Figuren, die vier Jahreszeiten darftellend, und Karyatiden von antiker Bronce; leider entbehrten diefe für das Auge fo wohlthuenden Objecte in Bezug der Tifchlerarbeit die folide Ausführung, was bei Gegenftänden von folchem Werthe umfo mehr zu bedauern ift. Es erübrigt uns noch, von der dritten Kategorie, als den modernen italienifchen Arbeiten, zu berichten, welche mit den verfchiedenften Materialien, jedoch felten mit Verſtändnifs und in keinem Falle ftilvoll durchgeführt wurden. Es fchien, als ob die zu diefer Kategorie gehörigen Induftriellen noch nicht die Quelle ihrer Vorfahren, welche fo viel mafsvoll künftlerifch Schönes fchufen, entdeckt hätten. Erwähnenswerth find von diefen, durch die präcife Ausführung der Tifchlerarbeit: Meget's( Mailand) Möbel eines vollſtändigen Schlafzimmers aus Paliffanderholz mit Bronceverzierungen, deren künftlerifche Anordnung jedoch viel zu wünſchen übrig liefs. Daran reihte fich ein Schlafzimmer von Bertoloti ( Mailand) von Mahagoniholz mit Perlmutter, Elfenbein und Meffingeinlagen, das fehr mittelmäfsig in der Ausführung und ftillos in der Zeichnung gehalten war. Ferner ein Billard Lurafchi's( Mailand) und ein vergoldetes gefchnitztes Bett von Levara( Turin), wobei Zeichnung und Ausführung wie bei vielen Anderen wenig Anfpruch auf den guten italienifchen Künftlerruf machen dürften. Wenn wir alfo die ganze italienifche Möbelexpofition überblicken, fo müffen wir, mit wenigen, dafür aber eminenten Ausnahmen conftatiren, dafs bei Nachahmung ihrer guten Vorbilder und Erfindungen neuer Motive viel gefündigt wurde, weil ihnen das tiefere Studium und die Erkenntnifs des wahrhaft Schönen an denfelben fehlte; fie ahmen blofs nach und füllen damit die Kaufläden der Antiquare, ohne das Verftändnifs und die Gediegenheit der technifchen fowie künftlerifchen Ausführung ihrer Vorfahren beizubehalten. Deutfchland. Wenn wir uns nun der Möbelfabrication des deutfchen Reiches zuwenden, fo müffen wir gleich geftehen, dafs die Leiftungen Berlins auf der Wiener Weltausftellung weit hinter den Provinzftädten, wie: Dresden, Köln, Carlsruhe, Hamburg etc. zurückblieben, und gerade Berlin hätte, wenn auch nicht mit Kunftwerken brilliren, fo doch feinen Ruf mit Exportwaare behaupten könen. Wir fanden überdiefs, dafs fich mit geringer Ausnahme Deutfchland in diefer Induftrie noch keine Selbftftändigkeit gefchaffen, da wir in den meiften, von ihnen exponirten Arbeiten Zeichnungen und Motive, oder auch directe Copien von franzöfifchen Muftern erkannten. Obzwar man dem Erzeugniffe einen gewiffen Fortfchritt nach der Parifer Weltausftellung nicht ganz abfprechen kann, fo hat fich doch im Allgemeinen bis heute noch keine beſtimmte Stilrichtung in diefer Fabrication Bahn gebrochen. Dennoch conftatiren wir mit Vergnügen vorerft die einzelnen Firmen, welche eben im Streben nach Befferem mit ihren Objecten eine erfreuliche Aus nahme machten. An der Spitze ftand Dresden mit der von Friedrich ausgeftellten Col lection von Ebenholz- Möbeln, worunter ein Cabinetfchrank im Renaiffanceftile mit folchem Fleifse und Reinheit der Arbeit ausgeführt wurde, dafs er in diefer 2* 18 Bernhard Ludwig. Weife zu den gediegenften der ganzen Branche gezählt zu werden verdient; er würde jedoch durch das Hinweglaffen der blauen Emailöffnungen an Einheit der Zeichnung bedeutend gewonnen haben. Ebenfo hatte Türpe( Dresden) die fehr gefchmackvolle Wanddecoration eines Speifefaales mit Buffet in Renaiffance von Nufsholz, nach Zeichnungen Semper's jun. ausgeftellt, welche die, von ihm noch exponirten Boulemöbel, fowie eine, durch Schnitzereien in einen kleinen Gemüfegarten verwandelte Credenz, vortheilhaft überragten. Von Sto evefandt& Kollmar( Carlsruhe) war eine Credenz in Renaiffance von Nufsholz, gut in der Zeichnung und Ausführnng, ebenfo ein Bücherkaften, Confol, Tiſch und Seffel ausgeftellt worden. Die präcis gearbeitete Bibliothek von Himmelheber ebendafelbft machte durch die ruhige Farbe des amerikanifchen Nufsholzes einen angenehmen Eindruck. Wollbrandt( Hamburg) exponirte eine im gothifchen Stile von Nufsholz techniſch gut ausgeführte Herrenzimmer- Einrichtung, deren Stillöfung eine glückliche und zweckmäfsige genannt werden kann. Als einer guten Leiftung ift auch der Bibliothek von Mahr( Hamburg) zu erwähnen. Die Intarfienarbeiten nach hübfchen Zeichnungen von Plambeck ( Hamburg), beftehend in Tifchplatten, Füllungen und anderen Verzierungen, gehörten zu dem Beften, was von diefem Genre vom deutfchen Reiche ausgeftellt wurde. Die reichhaltige Collection Intarfienmöbel von Völkert( Heidelberg) war mit Präcifion gearbeitet, nur wäre mehr Architektur und ftiliftifche Anordnung der Interfien wünfchenswerth gewefen. Nach guten Zeichnungen in Frührenaiffance waren die fchön vergoldeten Spiegelrahmen und Confols von Pallenberg( Köln) angefertigt, ebenfo das Fauteuil aus fchwarzem Holze. Den mit Schnitzereien überladenen fchwarzen Salonfchrank von König( Köln) wäre eine vollſtändigere Vertheilung derfelben fehr zu Statten gekommen. Breslau war durch eine Actiengeſellſchaft für Möbel, Parquetten und HolzBauarbeiten vertreten; fie exponirte ein vollſtändiges Speifezimmer von Nufsholz mit Metall eingelegt. Die Tifchlerarbeit würde fich ohne der mifslungenen Schnitzerei, wenn das Ganze mit mehr gefundem Sinn und Stil gezeichnet wäre, viel beffer repräfentirt haben. Dagegen waren die von derfelben Firma ausgeftellten Parquetten nach fchönen, ftilvoll richtig angewendeten Zeichnungen ausgeführt. Dasfelbe galt auch von dem fchönen Ebenholz- Schranke in alter Renaiffance von Schönicke( Danzig), deffen Füllungen in ihrer Form wahrhaft reizend ausfahen. Die von Fifcher( Hamburg) exponirten Speifezimmer- Möbel aus Eichenholz gehörten zu den beften Arbeiten Deutſchlands; die gefchmackvolle decorative Verwendung des Materials war dabei befonders zu erwähnen. Heinrich( Mainz) hatte ein Buffet aus Nufsholz im Renaiffanceftile mit etwas Goldverzierungen zur Anficht gebracht, deffen zwei tanzende Herkuleffe eine zum Tragen des Gebälkes geeignetere Stellung verlangt hätten. Auch bei dem, von Degelbeck( Nürnberg) ausgeftellten Buffet, welches durch feine angewendeten Hilfsmittel, an die frühere Kunftperiode Nürnbergs erinnerte, fehlte leider die richtige und gefchmackvolle Verwendung derfelben. Die reich gefchnitzte Credenz aus Nufsholz, von Pohl( Berlin), war wenig zweckentfprechend und war auch mit Ornamenten nach Lynard, zu überladen. Die Actiengeſellſchaft Berlins exponirte Bruchftücke von Lamperien und Vertäfelungen in verfchiedenem Holze, eine Credenz, einen Tifch und Seffel aus Eichenholz im Renaiffanceftile, deren technifche Arbeit gut zu nennen war. Von der Stuttgarter Actiengefellfchaft und Parquettenfabrik waren Objecte ausgeftellt, von gebeiztem Birnholze mit Elfenbeineinlagen und mehrere andere Luxusmöbel, die, ihrer Art und Weife nach, franzöfifchen Urfprungs fein dürften. Dagegen zeigten Niederhöfer's Söhne( Edenkoben) durch Exponirung einer fchwarzen Bibliothek im Renaiffanceftile, dafs fie fich von der unvermeid. lichen Nachahmung franzöfifcher Mufter, emancipirt haben. Auch Heigl Möbel- Tifchlerarbeiten. 19 ( München), mit feinen guten Tifchlerarbeiten, verdient erwähnt zu werden. Die fonft anerkannte Firma F. Wirth's Söhne( Stuttgart), lieferte mit einem in plaftifcher Schnitzerei verzierten Buffet den Beweis, dafs ihr jedes feinere Verftändnifs, betreff des Reliefs, abhanden gekommen. Wir kommen nun zum Schluffe unferes Berichtes über Deutfchland zu derfelben Anficht zurück, die wir bei Beginn desfelben ausgefprochen, dafs es gerade in einem fo öffentlichen Wettftreite, wie die Weltausftellungen im Allgemeinen find, fich bitter rächt, wenn Städte wie Berlin, Breslau, Köln, Mainz, Stuttgart etc. für ihre Möbelinduftrie keine andere Grundlage haben, als die, welche fie fich durch Aneignung fremden geiftigen Eigenthums oder Nachahmung befonderer Extravaganzen gelegt haben. Dänemark. Wohlthuend ift daher der Gegenfatz, den uns das kleine fleifsige Dänemark in diefer Hinficht bietet. Hier finden wir eine beftimmte Stilrichtung, auf Grundlage künftlerifcher Beftrebungen Thorwaldfen's bafirend, in Verbindung mit einfach bürgerlichem Sinn, bei Verwendung derfelben. Befonders hervorzuheben haben wir in diefer Richtung ein Sitzzimmer von Rönne( Kopenhagen), deren reizende pompejanifchen Einlagen von bunten Hölzern, fowie einfache und gefchmackvolle Ausführung einen angenehmen Eindruck machten. An diefen reihte fich Hanfen( Kopenhagen) mit einem Speifezimmer aus Nufsholz in demfelben Genre, welches mit befonderem Verſtändniss gezeichnet und gearbeitet war. Lund( Kopenhagen) brachte einen Kaften und Spiegel aus Ebenholz und Schildpat mit Reliefverzierungen in Altfilber zur Anficht, wobei die Zeichnung und Ausführung eine vollkommen präcife zu nennen war. Auch Gebrüder Jenfen's ( Kopenhagen) Bücherkaften aus Nufsholz mit Birnholz- Einlagen, welche an manchen Stellen als plaftifche Schnitzarbeit hervortraten, war, trotzdem die Nachahmung den franzöfifchen Originalen nicht ganz gleichkam, dennoch als gelungen zu betrachten. Rufsland hatte fich befonders mit den Möbeln feines Kaiferpavillons hervorgethan, welche von Stange( Petersburg) geliefert wurden. Indem die ruffifche Fabrication national geblieben, hat fie den richtigen Weg eingefchlagen, und waren die Möbel fowohl techniſch wie künftlerifch fehr fchön ausgeführt. Sie waren nur infofern nicht ganz ruffifches Product, als ihre eigene Arbeitskraft noch nicht die, für das künftlerifch producirende Handwerk nothwendige techniſche Fertigkeit erreicht hat, und fie fich daher mit franzöfifcher Arbeitskraft helfen mufsten. Die Möbel des Empfangfalons beftanden aus einem Tifch von braunem Eichenholz mit rothem Tuch überfpannt und hohen gefchnitzten Seffeln. Die des Speifezimmers waren ebenfalls von braunem Eichenholz, die Seffel mit braunem Leder und Stahlnägeln tapeziert; auch fiel ein äufserft gefchmackvoller Ofen darin auf. Eine, dem Auge wohlthuende Abwechslung, boten die Möbel des Schlafzimmers, aus weifsem Ahornholze, und fanden wir darin ein breites Bett, einen Wafchkaften, Nachtkaften, Toilettetifch, Fauteuils, Seffel und eine zur Aufbewahrung des Bettgewandes beftimmte Truhe mit Metallbefchlägen, welche aber mit ihren Dimenfionen für unfere Wohnungen nicht zu empfehlen wäre; fämmtliche Möbel waren in altruffifchem Genre präcife durchgeführt. Schweden und Norwegen lieferte aufser der Bautifchlerei von Bark& Warburg wenig Bemerkenswerthes. Ebenfo hatte fich Belgien an der Expofition von Möbeln fehr fchwach betheiligt, und hat nur die Firma Sugers Barg& Comp.( Brüffel) ein Buffet und Seffel ausgeftellt. Von der Schweiz haben wir aufser einen Waffenfchrank aus Nufsholz im Renaiffanceftile, wenig ftilvolle Arbeit zu verzeichnen; die Uhrkaften- Induftrie Enyers Ba 20 Bernhard Ludwig. fowie die Möbel in ihrer eigenen naturaliftifchen Manier werden fich, wenn fie anders fortbeftehen wollen, fehr bald einer künftlerifchen Reform unterwerfen müffen. Auch das fchöne Monaco zahlte feinen Tribut mit einigen kunftvollen Galanterie- Arbeiten, die jedoch leider nicht ihr eigenes Erzeugnifs repräfentirten, fondern von Paris bezogen wurden. Spanien hatte aufser einer ganz baroken Wiege und einigen Käften, nichts Befonderes in diefer Branche gebracht. Amerika war, Claviere und Piano abgerechnet, in der Möbelinduftrie gar nicht vertreten. Dagegen können wir den Leiftungen Parvis( Kairo), Egypten vertretend, die Anerkennung nicht verfagen. Sie zeigten uns, wie dankbar die fchönen arabifchen Motive für Decorationen find, wenn fie mit Verftand verwendet werden. Unübertrefflich waren die Lackarbeiten Japans von Mufafhiya in Tokio und Sakabe Kumadjéro. Perfien und Indien hatten aufser ihren reizenden Galanterie- Arbeiten, in Möbeln wenig ausgeftellt und es ift defshalb nichts Bemerkenswerthes darüber zu berichten. Die mit fantaftifchen Schnitzereien und Einlagen verzierten Möbelarbeiten Chinas, boten uns wenig Lehrreiches und haben von jeher ihren Zweck dadurch erfüllt, dafs fie nur für Raritätenfammler fich eigneten. Wir kommen nun, nachdem wir die Erzeugniffe aller Länder, welche in diefer Branche exponirt hatten, befprochen, zu denjenigen unferer Heimat, zu der Möbelfabrication Oefterreich- Ungarns. Bevor wir jedoch auf eine eingehende Befprechung derfelben im Allgemeinen, fowie auf die Leiftungen Einzelner übergehen, fühlen wir uns verpflichtet, einige Erörterungen über die Verhältniffe vor der Weltausftellung und deren Einflufs auf die Qualität wie Quantität der ausgeftellten Objecte vorauszufchicken, um ein möglichft getreues Bild diefer Induftrie anderen Staaten gegenüber, zu bringen. Es war natürlich Pflicht jedes wahrhaften Oefterreichers, je nach feiner geiftigen oder materiellen Kraft, fo viel und fo gut, als nur möglich auszuftellen; auch musste, wenn anders die Weltausftellung einen praktifchen Nutzen fchaffen follte, auf eine allgemeine Betheiligung Rückficht genommen werden. Ein grofser Factor kam uns einerfeits dabei zu Hilfe, nämlich der, dafs wir ja in der Heimat und es in Folge deffen nicht fo grofser Opfer bedurfte, um unfere Erzeugniffe der Welt vor Augen zu führen. Anderfeits war es auch die nach vielen Agitationen endlich zu Stande gekommene Collectivausftellung, welche, den eigentlichen Zweck einer Weltausftellung vor Augen habend, es auch dem kleinften Gewerbsmanne ermöglichen follte, feine Erzeugniffe felbft auf den Markt zu bringen. Diefe hatten nun erfreulicher Weife den richtigen Standpunkt einer heutigen Weltausftellung begriffen, und fich nicht zur Herstellung aufsergewöhnlicher Artikel verleiten laffen, die ihnen über ihre Kräfte gehende Opfer auferlegt hätten und welche auch, im Handel gar nicht an Mann zu bringen, ihr eigenes Fabricat nicht repräfentirt hätten. Dagegen konnte im gegebenen Falle die Collectivausftellung es nicht verhindern, dafs vieles Mittelmäfsige zur Anficht gebracht wurde. Einige gröfsere Fabriken aber benützten die grofsartige Ueberhäufung durch die zur Organifirung der Ausftellung unbedingt nothwendigen Arbeiten, als auch die dadurch entstandene Arbeitercalamität und Preiserhöhung als Vorwand, fich nicht an der Ausftellung zu betheiligen, oder wenigftens nicht in dem Maafse, als fie es zur Repräfentation ihrer Firma bedurft hätten. Um nun den Unterfchied zwifchen unferen und den Leiftungen anderer Länder richtig beurtheilen zu können, mufs auch noch die Preisfrage in Betracht gezogen werden; und es find wahrhaft ftaunenswerthe Refultate, die wir in diefer Möbel- Tifchlerarbeiten. 21 Hinficht zu unferen Gunften anführen können; es wird beiſpielsweife für die befferen italienifchen, franzöfifchen und englifchen Arbeiten derfelbe Preis in englifchen Pfunden bezahlt als bei uns hier, für verhältnifsmäfsig gleiche Fabricate mit vieler Mühe in Gulden erzielt werden kann. Es ift diefs leider ein Factum, das fich nicht mit Gewalt ändern läfst; hier kann nur das ausdauernde Beftreben, gediegene und beffere Leiftungen preiswürdig herzuftellen, Solidität und Pünktlichkeit der Ausführung übernommener Aufträge u. f. w. Löfung bringen; nur in diefem Falle können wir uns den Welt. markt und damit die Quellen öffnen, welche England und Frankreich auf diefe Stufe gebracht haben. Da nun Ungarn fich einmal auf der Wiener Weltausftellung als eigener Staat repräfentirte, fo wollen wir auch deffen Leiftungen in diefem Induftriezweige feparat und vor den öfterreichifchen befprechen. In erfter Reihe nennen wir da die gediegenen Möbel von Kramer( Peft), welche aus einer Speifezimmer- und Salongarnitur beftanden; nur konnte man fich bei der, auf der oberen Fläche in Relief gefchnitzten, mit einer Glastafel überdeckten Tifchplatte nicht recht heimifch fühlen, weil fie dadurch den eigentlichen Zweck verfehlte; die Zeichnung und Ausführung war, mit Ausnahme der Seffel, welche zu überladen erfchienen, gut. Zerkowitz( Peft) brachte eine Credenz aus Nufsholz, worin man das Streben nach Stil und den Willen nach Befferem erkennen konnte. Die Credenz und die Schlafzimmer- Möbel von Gungl( Temesvar) verriethen, dafs er feine Studien in Wien dazu gemacht; die Ausführung war annehmbar. Beachtenswerth war noch: Thék, Schmelka, Sax, Zfolmay, Sipos u. A. m ,, welche ihre Leiftungen zur Anficht gebracht hatten. Da wir nun zu den einzelnen Erzeugniffen der öfterreichifchen Möbelfabrication auf der Wiener Weltausftellung übergehen, gereicht es uns zum Vergnügen, unter all dem Gebotenen doch manches wahrhaft Schöne gefunden zu haben und darüber berichten zu können. So hatte Michel( Wien) einen, von Profeffor Storck im italienifchen Renaiffanceftile reizend gezeichneten Juwelenfchrank von Ebenholz ausgeftellt; die Aufsenfeite mit braunem Birnholz, die Innenfeite mit Elfenbein eingelegt, deffen Ausführung in der Tifchlerarbeit, fowie der von Schindler( Wien) gelieferten Schnitzereien, meiſterhaft zu nennen war. Dübell( Wien) exponirte unter Anderem eine Salonthüre von Nufsholz und Palifanderholz, welche in Zeichnung und Ausführung tadellos, ohne die vergoldeten Gypsfiguren als Bekrönung noch edler ausgefehen hätte. Techniſch fchön waren deffen Möbel zu einem Speifezimmer von Nufsholz und Tuja mit leider verfchwindenden Ebenholzeinlagen, ein Schreibtifch, fowie eine Collection Sitzmöbel, zu welchen der gut gewählte Stoff mit der präcifen und gefchmackvollen Ausführung der Tapezierarbeit von Schenzel( Wien) herrlich pafste. Von Schönthaler( Wien), welchen man, nebenbei bemerkt, wohl als erften Reformator in der jetzigen Möbelinduftrie bezeichnen kann, war eine Collection gefchnitzter und eingelegter Möbel zur Anficht gebracht, welche für uns wohl nicht mehr neu waren, in ihrer ruhigen Schönheit aber jedes kunftfinnige Auge feflelten. Brillant in ihrem Arrangement fiel die Expofition von Haffa& Sohn ( Wien) auf, worin neben fchön vergoldeten und altverfilberten Sitzmöbeln ein grofses Himmelbett von maffivem Nufsholz im Rococoftile als Hauptftück hervor* Einen draftifchen Beweis für diefe oben angeführte Bemerkung liefern beiſpiels- weife die Preife für die gewifs künftlerifch fehr fchön ausgeführten Salonmöbel fammt Wändeund Plafonddecoration des neuen k. k. Opernhaufes, wo für die Salons Seiner Majeftät des Kaifers, Ihrer Majeftät der Kaiferin und der Herren Erzherzoge ein Preis von 22.000 fl. öfterreichiſcher Währung gezahlt wurde, während für den von uns, in unferem Berichte in der englifchen Abtheilung befprochenen Kaften, mit den zweifelhaften Einlagen ein Preis von 2600 Pfund Sterling, das ift 26.000 fl. öfterreichiſcher Währung in Silber verlangt wurde 22 Bernhard Ludwig. ragte, welches nach fchwungvollen Zeichnungen gefchnitten und technisch rein gearbeitet als Unicum in diefem Genre auf der Weltausftellung zu betrachten war. Nebenan fanden wir ein kleines, reizendes Damenboudoir von Fix ( Wien), welches mit Benützung maurifcher Motive einen ganz angenehmen Eindruck machte. Wenn man die einzelnen phantaftifchen Möbel mit den herrlichen Stoffen von Giani( Wien) und den gefchmackvollen Pofamenteriearbeiten, fowie der luxuriöfen Kleinigkeiten bis zur Feuerzange herab betrachtete, fo dachte man unwillkürlich an den leidigen Wiener Börfenfturz", der graufam die Illufionen manch' reizenden Frauenkopfes über den Befitz desfelben zerftörte. F. O. Schmidt( Wien) hatte Bruchftücke feines, früher im Muſeum ausgeftellten, prachtvollen Zimmers zur Anficht gebracht. Der Anblick diefes Kamins mit der fortlaufenden Wanddecoration in Frührenaiffance, gab Zeugnifs von dem feinen Gefchmacke und richtigen Verſtändnifs feines Exponenten. Von Albert& Sohn( Wien) war ein fchön gezeichneter und fleifsig ausgeführter Schreibkaften mit Bibliothek von Nufsholz in Renaiffanceftil ausgeftellt. Auch die Möbel Wahl's& Söhne( Wien) zeigten das Beftreben nach befferen Leiftungen in Stil und Arbeit. Bei Roderich's Credenzen wäre weniger Reichthum an Schnitzerei, dagegen mehr Stil und Zeichnung wünſchenswerth gewefen. Bemerkenswerth waren Kien's( Wien) Möbel in feinem zerlegbaren Haufe und ein Portal für einen Kaufladen von Nufsholz; Beides war fehr gut gearbeitet. Ebenfo die zerlegbaren Möbel Mannftein's, fowie auch deffen unzerlegbare, beftehend in einer Credenz, einem Spieltifch und Seffeln von Mahagoniholz, welche befonders durch ihre Gröfse dominirten; nur wäre denfelben eine vorfichtigere Verwendung der verfchiedenen Mahagoniholz- Gattungen anzuempfehlen gewefen. Wir brauchen wohl nur den Namen" Thonet" zu nennen, um jedem Laien die Vortheile ins Gedächtnifs zu rufen, welche durch das Inslebentreten der gebogenen Holzmöbel dem Publicum geboten wurden. Thonet's Söhne hatten auch bei diefer Ausftellung den Beweis geliefert, wie fehr fie fich bemühten, alle Hilfsmittel anzuwenden, um ihre Arbeiten fo viel als möglich gefchmackvoll und falonfähig zu machen. In der Collectivausftellung der Wiener Tifchler fanden wir ein Schlafund Speifezimmer von Kramer ausgeftellt, deffen Ausführung präcis zu nennen war. Ludwig Rich.( Wien) exponirte ein Ebenholzcabinet mit gefchmackvollen Elfenbeineinlagen in italienifcher Renaiffance fammt Tifch und Seffeln, nur waren die Zeichnungen zu der äufseren Conftruction nach unten zu ſtark gehalten. Gruber( Wien) brachte mehrere Speifezimmer Möbel von Nufsholz mit ganz fleifsiger Tifchlerarbeit zur Anficht, an welchen jedoch richtigere Verhältniffe in der Zeichnung, fowie weniger und beffer modellirte Schnitzerei, dem maffenhaften Reichthum derfelben vorzuziehen gewefen wären. Der Verfuch Oerley's( Wien) mit einer Herren- Zimmereinrichtung von Nufsholz mit fchwarzen Intarfien gehörte wohl noch nicht zu dem Gelungenften, war aber im Ganzen nett gearbeitet. Schottenhammel( Wien) hatte eine ganz hübfche, fchwarze Arbeit ausgeftellt, beftehend in einem Schreibtisch und Bücherkaften. Auch die beiden gefchmackvollen Billards von Seifert und Zizula ( Wien) find zu erwähnen, nur die von Erfterem daran angebrachten Schildpatfüllungen machten einen unruhigen Eindruck; beide waren mit gut ausgeführten Schnitzereien von Schindler verziert. Zaufal's( Wien) Schlafzimmer von Nufsholz und Tujafüllungen in Renaiffance war in feiner Ausführung gut zu nennen. Kuttag( Wien) ftellte eine Salonthür, mit finnreicher mechanifcher Verwandlung aus; leider läfst fie fich, durch die dadurch bedingte Mauerftärke felten verwenden. Möbel- Tifchlerarbeiten.* 23 Auch Kraus& Sohn( Wien) zeigte durch die Exponirung einer Schlafzimmmer- Einrichtung von Nufsholz mit gravirten und gemalten Ornamenten, dafs er fich einer ftiliftifchen Richtung, welche für unfere Zeit paffend ift, angefchloffen hat. Fuchs( Wien) brachte ein hübfches und zweckmäfsig ausgeführtes Muftercomptoir von Eichenholz zur Anficht und Martinek's( Wien) Nähmafchinenkäften waren auch ganz fchön gearbeitet. Auch die gefchmackvolle Rauchzimmer- Einrichtung von Bamberger ( Wien) ift zu verzeichnen, nur hätte man bei Decorirung desfelben, von der Imitation primitiver Schilfmatten für Teppich und Wandfüllung, Umgang nehmen follen. Irmler( Wien) hatte einen Waffenfchrank, Tifch und Seffel von Eichenholz ausgeftellt, welche nach ftilvollen Zeichnungen von Graf( Wien ausgeführt wurden. Dagegen wäre bei der von Stein( Wien) exponirten SpeifezimmerEinrichtung von Bux- und Ebenholz, eine beffere Zeichnung wünſchenswerth gewefen. Backé( Wien) ftellte eine grün lackirte Schlafzimmer- Einrichtung und Möbel eines Speifezimmers von Eichenholz im Renaiffanceftile aus, deren Ausführung und Arrangement gefchmackvoll war. Frankl's( Wien) Schlafzimmer- Möbel, vom ungarifchen Efchenholz fielen weniger durch gute Form, als durch die unharmonifche Znfammenftellung der Farben, auf; die Verwendung des fchönen einheimifchen Holzes ift anerkennenswerth, doch hätte fich der Exponent zur Erzeugung der Möbel einer kunftfinnigeren Firma bedienen follen, damit die fo intereffante Textur diefes Holzes beffer zur Geltung gebracht worden wäre. Schliefslich ein Schlafzimmer von Soulek ( Wien) in Nufsholz, deffen Architektur beffer für die Façade eines RingftrafsenPalais als in eine Wohnung pafste. Aus den Provinzen fanden wir ganz anerkennenswerthe Leiftungen, befonders wenn man bei ihrer Beurtheilung die Verhältniffe des Arbeiters und Abnehmers derfelben, betrachtet. So hatte unter Anderen Röhrs( Prag) eine Collection Möbel ausgeftellt, beftehend aus Käften, Tifchen und Fauteuils von Nufsholz im Renaiffanceftile, deren Zeichnung und Tifchlerarbeit gut zu nennen war; die Tapezierung wäre weniger zu loben. Ferner wurde von Kufska( Odrau, Schlefien) ein Confol mit Spiegel aus fchwarzem Eichenholze nach Zeichnungen von Graf exponirt. Eine Credenz von Brachtl( Troppau) war etwas zu reich in der Zeichnung gehalten, fonft aber präcife gearbeitet. Feeg( Brünn) brachte eichene, im gothifchen Stile ausgeführte Möbel zur Anficht. Wünfchenswerth wäre dabei. die Vermeidung des wenig paffenden Stiles. Was die Vergolder betrifft, fo haben aufser den Franzofen, welche in der Technik wie in der künftlerifchen Ausführung den höchften Rang einnehmen, blofs die Oefterreicher Hervorragendes geleiftet und verdienen hier Kölbl& Threm's( Wien) Arbeiten in erfter Reihe genannt zu werden. Es waren diefs zwei Wanddecorationen mit Spiegel, Confol und Vorhangftangen, welche bis ins kleinfte Detail meifterhaft gearbeitet, auch in einem kleineren Raume, eine noch gröfsere Wirkung hervorbringen dürften. Die vergoldeten Salonmöbel der Gebrüder Járay( Wien) machten einen angenehmen Eindruck, nur liefsen die Zeichnungen zu den einzelnen Möbeln und Rahmen in ihrer Conftruction Manches zu wünfchen übrig. Auch die Rahmenfabrik Ulrich's( Wien) fiel durch eine Collection. gefchnitzter und glatter Holzrahmen auf, deren Zeichnungen theilweife gut zu nennen waren; auch follten zwei verdoldete Spiegelrahmen ihren Platz ausfüllen, erzielten jedoch durch ihre fchlechte Vergoldung, fowie durch die, über diefelben angebrachte, gefchmacklofe Decoration gerade das Gegentheil. Ein koloffaler in derben Formen von Bühlmeyer( Wien) ausgeführter Kaminauffatz, zeigte von vortrefflicher Technik in der Vergoldung. Dagegen war bei Tauffig's( Wien) Spiegelrahmen weder Stil noch richtiges Verhältnifs zu finden. Bei Kinfky's Rahmen, liefs fich das Streben nach Befferem erkennen. 24 Bernhard Ludwig. Auch die Leiftungen Mallmann's( Wien) Schrodt's( Wien) und noch einiger anderer Firmen waren nennenswerth. Endlich fei noch des Mobiliars im Kaiferpavillon gedacht, welches im Verhältnifs zu der kurzen Zeit, die den Fabrikanten von der künftlerifchen Leitung des Baues zur Anfertigung desfelben geftattet wurde, als vollkommen gelungen betrachtet werden kann. Da es mir nicht gut zuläffig fcheint, als Berichterstatter über meine eigenen Ausftellungsobjecte zu berichten, fo erlaube ich mir nur einige Punkte anzuführen, welche mir bei dem Entwurf derfelben als Leitfaden dienten. Meine Abficht war, Arbeit und Zeichnung nicht allzufehr aus dem Rahmen der gewöhnlichen Erzeugniffe meiner Fabrik hervortreten zu laffen, und follten auch diefelben nach Beendigung der Ausftellung noch zu verkaufen fein; defshalb mufste vor Allem Preiswürdigkeit die Grundbedingung dazu bilden, fodann eine dem Zweck entſprechende Conftruction zum Verbrauche derfelben, fowie Einfachheit in der Architektur und womöglich richtige und gefchmackvolle Anwendung der von mir fchon längere Zeit cultivirten Intarfienarbeiten; wie diefes Ziel von mir gelöft wurde, mufs ich Anderen zur Beurtheilung überlaffen. Ferner erlaube ich mir noch der Detail arbeiten aus meiner Fabrik in Suben, Oberöfterreich, und deren Verbindung mit Fachſchulen Erwähnung zu thun. Der Zweck diefer Collection war die fyftematifche Darftellung der Lehr- und Lernmethode, mit welcher die Gefangenen in Suben in möglichft kurzer Zeit einen kunftinduftriellen Zweig der Holzinduftrie erlernen, der fie nach Abbüfsung ihrer beftimmten Strafe in die Lage verfetzt, fich einen genügenden und reellen Lebensunterhalt zu verfchaffen. Und nun wollen wir, um das Bild zu vervollſtändigen, noch einige Daten über die zu diefem Induftriezweige erforderlichen Rohmaterialien, Fourniere, Werkzeuge, Hilfsmafchinen, Erfindungen und Verbefferungen zur Bereitung von Halbfabricaten beifügen. Was das Rohmaterial betrifft, fo hat Frankreich in feiner wildwachfenden Pappel ein ausgezeichnetes Blindholz, welches für die Möbelinduftrie die beften Eigenfchaften in fich vereint und der franzöfifchen Fabrication anderen Ländern gegenüber grofse Vortheile bietet. Auch verwenden fie bei werthvolleren Arbeiten Eichen und fchlichtes Mahagoniholz. Zu ihren Fournieren verbrauchen fie gröfstentheils dunkle Hölzer, wie Nufs-, Eben-, Icaranda- und Mahagoniholz. England hat wieder directe Holzquellen an feinen Colonien und der billige Waffertransport macht es ihnen möglich, die beften Hölzer, wie Mahagoni, Nufsfchwedifches und amerikaniſches Nadelholz als Blindholz zu verwenden. Hingegen finden wir, dafs fie zur äufseren Decoration im Gegenfatz zu Frankreich und Oefter reich mehr lichte Farben, wie: Eichen. Efchen-, Setting-, ungarifche Eſchen, amerikaniſches Olivenholz u. f. w., lieben. Dagegen hat das deutfche Reich in feinem Norden ein wildes Föhren- oder Kieferholz, welches ebenfalls ein vortreffliches Material für Blindholz abgibt, und durchſchnittlich auch als folches verwendet wird; für die äufsere Ausfchmückung kommt wieder Nufs-, Mahagoni, Palifander-, Kirfch-, Eichen-, Efchen- und Birkenholz in Anwendung. Belgien fchliefst fich in diefer Hinficht mehr Frankreich an, während Rufsland, Schweden, Norwegen und Dänemark fich England nähern. Oefterreich hat trotz feiner reichen Forftproducte doch nicht das zu Blindholz für die Möbeltifchlerei paffende Rohmaterial wie Frankreich und England; die öfterreichifchen Holzarten find meiftens zu hornig und hart in ihrer Structur. Nur Böhmen macht hierin mit feinem fchönen Fichtenholze eine Ausnahme. Doch wird diefes feiner guten Eigenfchaften wegen gröfstentheils zu Inftrumentholz verwendet und ins Ausland exportirt, wodurch es durch den daraus erzielten hohen Preis der Möbelfabrication im Allgemeinen unzugänglich wird. Möbel- Tifchlerarbeiten. 25 Bei den Fournieren und den dabei ins Auge fallenden Farben ift das im eigenen Lande producirte Nufsholz, verbunden mit afiatifchem Nufsflader, vorherrfchend, welchen fich zunächft Eichen-, Efchen-, fchwarz gebeitztes Birn-, Palifander-, Mahagoni- und Ebenholz anfchliefsen. Was die Erzeugung der zur äufseren Decoration der Möbel in Verwendung kommenden Fourniere betrifft, fo finden wir, dafs durch das Schneiden mit Meffern anftatt mit Sägen ein bedeutender Fortfchritt in der Herſtellung derfelben zu verzeichnen ift, deren Hauptfitz bis jetzt Paris war und dort einen bedeutenden Handelsartikel diefes Induftriezweiges bildete. Später wurden die betreffenden Maſchinen auch in Amerika, England, Schweiz und Deutfchland und in neuefter Zeit auch in Oefterreich eingeführt. Die gröfsten Refultate hatten in diefem Artikel auf der Wiener Weltausftellung unftreitig Bartel's Söhne aus Hamburg aufzuweifen, welche die beften Leiftungen von mit Meffer und Säge gefchnittenen Fournieren exponirten. Auch mehrere öfterreichifche Firmen hatten fchöne Fourniere zur Anficht gebracht, wie Schmid, Sengen aus Wien und Hammer& Sohn aus Graz und mehrere Andere. Refumiren wir nun am Schluffe unferes Berichtes die Refultate der öfterreichifchen Möbelfabrication auf der Weltausftellung, fo finden wir, dafs ein allgemeines Streben und Ringen nach Vervollkommnung in künftlerifcher wie technifcher Richtung zu verzeichnen ift; nur übertrifft die letztere in vielen Fällen die erftere, indem häufig die technifch tadellos ausgeführten Arbeiten durch unverftanden ftillofe Zeichnung verdorben wurden. Forfchen wir nach der Urfache diefer Erfcheinung, fo ift fie wohl leicht zu finden, aber fchwer zu beheben; es ift vor allem Anderen das Zeichnen, die Empfindung für wahrhaft Schönes und Gutes, welches volksthümlich werden und feine Grundlage in der Volksfchule erhalten foll, wie das Alphabet. Wir find weit entfernt, aus jedem Gewerbsmanne einen Architekten und Künftler zu machen, allein es foll und mufs Aufgabe der Volksfchulen werden, den richtigen Begriff und das Gefühl für alles Schöne zu erwecken und zu läutern, den moralifchen Ehrgeiz, diefen gewaltigen Hebel des menfchlichen Geiftes anzuregen, um jenen Grad von Volksbildung zu erreichen, der für das künftlerifche Gedeihen des Gewerbes unumgänglich nothwendig ift; dann wird es für den Künftler ein Leichtes fein, feine guten Ideen verkörpert zu fehen. Ganz abgefehen davon, dafs man von dem Architekten nicht verlangen. kann, dafs er in allen Branchen der Induftrie heimifch fei, fo wird die Sorge um das Gelingen irgend eines Projectes, zu deffen Ausführung er fich mit einem kunftverftändigen Induftriellen verbunden hat, durch das Entgegenkommen desfelben um Vieles vermindert, und die Opfer, welche mancher Induftrielle für mifsglückte Ideen eines Künftlers( wovon die Ausftellung viele Beiſpiele aufzuweifen hatte) zu ertragen gezwungen war, werden, wenn er die Arbeit früher zu beurtheilen gelernt, wenn nicht ganz, fo doch zum grofsen Theile wegfallen. Es ift nicht zu leugnen, dafs in Oefterreich die Regierung in kurzer Zeit grofsartige Anftrengungen zur Hebung der Kunftinduftrie gemacht hat, fo zwar, dafs durch Errichtung des k. k. Muſeums für Kunft und Induftrie und dank der tüchtigen Leitung desfelben die Früchte fich fchon trotz feines kurzen Beftandes in Taufenden von Ausftellungsobjecten in der öfterreichifchen Abtheilung direct oder indirect nachweifen liefsen. Auch den vielfältigen und aneifernden Beftrebungen des niederöfterreichifchen Gewerbevereines müffen wir unfere vollfte Anerkennung zollen. Weiters werden Fachſchulen für die Zweige der Holzinduftrie nöthig werden. Aber leider finden wir im Herzen des Reiches nicht eine einzige fpecielle Fachschule für Tifchler und deffen einfchlägige Induftrie, weder die Genoffenfchaft noch die Regierung haben bisher für diefes Fach in 26 Bernhard Ludwig. Möbel- Tifchlerarbeiten. Wien etwas gethan, und wir werden doch ftündlich bei dem Gebrauch der gewöhn lichften Möbel daran erinnert, fowie uns auch ein Blick in die VIII. Gruppe der öfterreichifchen Abtheilung vollſtändig den Beweis geliefert hat, mit welchen Opfern und Mühe die technifchen Arbeiten hergeftellt wurden und mit wie ungleich geringeren Koften eine viel gefchmackvollere Arbeit erzielt würde, wenn ein richtiges Verſtändnifs bei Verwendung des Materials und eine zweckmäfsige ftilgerechte Zeichnung als Grundlage dabei dienen würde. Um nun diefen Uebelftand zu beheben, wäre es unumgänglich nothwendig, dafs bei dem in den Volksfchulen beginnenden Zeichenunterrichte auf die Stiliftik Rückficht genommen und felbe fyftematiſch, wie bei den verfchiedenen Schriftarten, z. B. Current-, Latein-, Block u. f. w. gelehrt werden foll, und zwar in Verbindung mit zweckmäfsigen ornamentalen Zeichnenvorlagen, denen kurz gefafste, auf die ftiliftifche Richtung derfelben Bezug habende Erläuterungen beigefügt würden; der Mangel diefes Unterrichtes bildet auch den Krebsfchaden der Kleininduftrie und es ift kaum möglich, für das Kleingewerbe in der Möbelfabrication eine andere Löfung ihrer bisherigen Verhältniffe zu fchaffen, als durch Gründung von fpeciellen Fachfchulen und zweckmäfsigen Mufterwerkftätten. verbunden mit technologifchen Sammlungen. Um aber diefe Lücken bis zum Heranziehen der jüngeren Generation theilweife auszufüllen, müfsten die Fachfchulen den beftehenden Verhältniffen angepasst und der jetzigen Generation von Arbeitern Rechnung tragen, um fich von da aus mit kräftigen Pulsfchlägen bis in die entfernteften Provinzen zu verpflanzen Und fo wollen wir denn am Schluffe unferes Berichtes der Hoffnung Raum geben, dafs die hier ausgefprochenen Anfichten ihren Zweck erreichen und anregend und fördernd, wie die Weltausftellung im Grofsen und Ganzen, fo auch hier im Kleinen, auf das Gewerbe wirken möchten und dafs durch das einmüthige Vorgehen der dazu berufenen Kreife jenes Ziel erreicht werde, welches für die fernere Entwicklung der Möbelfabrication Qefterreichs unerlässlich ift. KORK WAAREN. ( Gruppe VIII, Section 4.) Bericht von CARL Ko O H N, Civilingenieur in Wien. Der Kork ift ein natürliches Nebenproduct des Holzes und findet fich in grofsem Reichthum an der fogenannten Korkeiche( Qercus suber L.) Er erzeugt fich, wie eine Schichte vom Stamme gefchält wird, in kräftigem Wachsthum in 6 bis 10 Jahren von Neuem und wird auf diefe Art gewiffermafsen gezüchtet. Wird der Baum nicht gefchält, fo wirft er felbft feine äufsere Hülle ab, aber geht dabei früh zu Grunde. Er bildet bei dem ftets wachfenden Bedarf der verfchiedenften Induftriezweige nach Korkwaaren heute fchon einen nicht mehr unbedeutenden Handelsartikel und fehen wir die verfchiedenften Staaten, in deren Gebieten die Korkeiche gedeiht, grofse Sorgfalt auf diefelbe verwenden und von anderen Staaten, in denen Klima und Bodenbefchaffenheit fich dafür eignen, ganz bedeutende Verfuche der Anpflanzung der Korkeiche. Es handelt fich übrigens in diefem Berichte nicht darum, die Pflege der Korkeiche, die Abarten derfelben darzuftellen, oder die Art und Kunft der Entkorkung der Bäume zu befchreiben. Es handelt fich vielmehr darum, die HauptProductionsorte zu kennzeichnen, foweit es möglich ift, die Qualität, ebenso wie die Fabricate, zu welchen der Kork verwendet wird, näher kennen zu lernen. Die bekannteften Korkwaldungen, wo die Korkeiche in grofsen Ausdehnungen vorkömmt, liegen in den füdeuropäiſchen Ländern, namentlich in Spanien und Portugal. Frankreich befitzt einige Anlagen im Süden des Landes und grofsartige Waldungen in Algier. Die franzöfifchen Befitzungen fchliefsen hier eine Waldfläche ein, die über eine halbe Million öfterreichifche Joch der feinften Korkeichen trägt. Die Schälung derfelben hat fchon im Jahre 1870 über 100.000 Tonnen im Werthe von zehn Millionen Francs ergeben. Die Einnahme fteigert fich bei dem wachfenden Bedarf namentlich Europas um jährlich nahezu 15 Percent. Die Korkeichen- Zucht im Süden Frankreichs felbft aber ift noch zu unbedeutend, um mit ihrem Producte im Handel eine befondere Rolle zu fpielen und befriedigt nur den nächft gelegenen provinciellen Bedarf. Die bedeutendften Korkeichen- Waldungen hat in Europa, wie fchon erwähnt, Spanien und Portugal. Es gedeiht in ihnen aber auch das vorzüglichfte und feinfte Korkproduct. Die hochfeinen Korke finden fich in Catalonien, Arrenas de Mar, Barcelona und Sarogoffa. Die fpanifche Regierung hat in den letzten Jahren die Korkausfuhr aus diefen Provinzen verboten, um die leicht zu beftreitende und ganz ergiebige Erzeugung von Korkwaaren im Lande felbft zu erhalten. Diefe feinen Korke werden zu Platten und Sohleneinlagen gefchnitten, zu Pfropfen für die Champagne und für die chemifchen Laboratorien und Apotheken des ganzen Continentes zugerichtet. Es wird dafür der fogenannte Sammtkork verbraucht. Auch für Hutfutter, wie es England in bedeutenden Quantitäten verbraucht, wird diefe feine Korkforte verwendet. 28 Carl Kohn. In den übrigen Provinzen, Valencia, Murcia, Andalufien, Granada, Eftramadura, Alt- und Neu- Caftilien gedeiht wie in noch mehreren anderen Provinzen Spaniens eine Korkeiche, deren Korkproduct von geringerer Qualität ift. Die Regierung hat daher hier die Ausfuhr der Rohkorke niemals gehindert, da kaum die Arbeitskoften, wenn fie im Innern des Landes verarbeitet werden follten, verbunden dann mit den Handelskoften, im Preife eines Productes fo geringer Qualität und doch eigentlich nebenfächlicher Bedeutung rückerstattet werden können. Die Quantitäten Rohkork, welche die genannten Provinzen Spaniens alljährlich zum Export bringen, werden auf ein und eine halbe Million Centner gefchätzt, wovon Frankreich allein ein Drittheil confumirt. Auf der Wiener Weltausftellung war Spanien durch fünfzehn Ausfteller, welche im Korkhandel zu gleicher Zeit bedeutende Namen haben, repräfentirt und dem Producte nach fowohl durch Rohkorke als auch alle Arten von Korkftöpfeln. Italien hat die Korkzucht und die Korkeiche mit grofser Sorgfalt zu cultiviren verfucht, obwohl keine eigentlichen gefchloffenen Waldungen dafelbft beftehen. Die Korkarbeiten werden dagegen in Italien: in Genua, Mailand, Neapel fehr emfig gepflegt und zeigte die Weltausftellung in den Arbeiten von fieben Ausftellern den einfachften Flafchenftöpfel und fchöne aus Kork erzeugte Bilder und Land-, fchaften. Auch eignet fich der italienifche Kork durch feine Dichtigkeit zu den feinften Arbeiten. Auch Oefterreich pflegt im Küftenlande und zumeift in Dalmatien, wo die Korkeiche in ganzen Waldungen vorkommt, die Korkzucht mit ganz umfaffender Sorgfalt und hat man in den letzten Jahren fleifsige Verfuche gemacht, den Ertrag diefer Waldungen zu erhöhen. Es ift diefs für Oefterreich umfo wichtiger als feit der Verwendung der Korkpfropfen zum Verfchluffe der Bier-, Wein- und Branntwein- Fäffer der Bedarf in grofsartiger Weife geftiegen ift und überwiegend heute noch durch fpanifchen Kork gedeckt wird. Die Erzeugung der Stöpfel und Pfropfen wird zum grofsen Theile in Oefterreich felbft betrieben. Zumeift im Erzgebirge, in der Stadt und Umgebung Platten wird die Erzeugung und Verfertigung von Korkwaaren fehr eifrig gefördert und hat fich das" Comité zur Beförderung der Arbeit im Erz- und Riefengebirge", das feit dem traurigen Nothftande der fünfziger Jahre in den erwerbslofen Bezirken der Gebirge eine ganz fegensreiche Thätigkeit entfaltet hat, grofse Verdienfte erworben. Die zur Weltausftellung von vier Fabrikanten aus Platten gefandten Erzeugniffe zeichneten fich durch ihr fchönes Material, ihren glatten Schnitt und ihre grofse Billigkeit aus. Ausserdem hatten noch drei Wiener Korkwaaren- Fabrikanten gute und fchöne Waare ausgeftellt. Die Korkinduftrie, wie fie zum gröfsten Theil auf die Erzeugung von Pfropfen und Sohlenplatten, alfo Producte der einfachften Art befchränkt ift, wird durchgehends und überall als Hausinduftrie und mit den einfachften Werkzeugen betrieben. Alle bisherigen Verfuche, Kork mittelft Mafchinen zu verarbeiten, haben noch zu keinem praktifchen Refultate geführt. Auf allen Weltausftellungen find Mafchinen zum Kork-, zunächft zum Stöpfelfchneiden zur Anficht gebracht worden. Sie arbeiteten auch recht fchön, konnten aber nirgends in der Hausinduftrie oder als felbftftändige Unternehmung zur Geltung gelangen. Und infolange man kein fchneidehaltendes Material haben wird, welches dem Kork Widerftand zu leiften vermag, fo lange wird man genöthigt fein, Kork mit der Hand und dem einfachen Meffer zu fchneiden, wobei man das Meffer nach jedem Schnitt am Schleifftocke durch einen einfachen Strich fchärfen kann. Nur Amerika, durch feine theuere Arbeitskraft gezwungen, hat an 60 Korkwaaren- Fabriken eingerichtet, die Mafchinen- Stopfen und andere Korkwaaren im Werthe von 22 Millionen Dollar jährlich produciren. Das Product ift weniger fchön, aber billig und läfst die Arbeitskraft der Menfchen frei. Man würde allein 4000 Arbeiter brauchen, um blofs den Bedarf an Stopfen für New- York zu befriedigen. Korkwaaren. 29 Wie fo der Kork feine einfache aber beſtimmte Verwendung in dem Bedarfe der Welt findet, fo werden auch die Korkabfälle ausgiebig ausgenützt. Der fchlechtefte, poröfe und zerklüftete Kork wird für die Netzfifcherei als Schwimmkork verwendet und dazu verarbeitet; die kleinften Abfälle werden gebrannt und geben eine intenfiv fchwarze Farbe. KORBFLECHTER WAAREN. ( Gruppe VIII, Section 5.) Bericht von CARL KOH N, Civilingenieur in Wien. Die Korbflechterei ift ein uraltes Gewerbe und reicht in die Anfänge der menfchlichen Gefchichte zurück. Palmblätter, Schilf, Ruthen, verfchiedenartige Pflanzenfafern und gefpaltene Hölzer dienten der Arbeit, um Körbe und andere Behälter daraus zu erzeugen. Das erfte Buch Mofes fpricht fchon von Körben, worin gebackenes Brod und fonftige Nahrungsmittel aufbewahrt wurden. Auch heute find die Producte der Korbflechterei, zumeift Körbe, fowohl in der bürgerlichen Haushaltung als im Gewerbe und Handel in einer fo'vielfeitigen und reichen Verwendung, dafs das gefammte Korbflechter- Gewerbe einen keineswegs zu unter fchätzenden Factor in der Volkswirthfchaft aller Staaten und Völker bildet. Material findet fich an allen Orten dafür, die Werkzeuge dazu find von geringer Zahl und grofser Einfachheit und kann defshalb gerade die Erzeugung von Korbflechtwaaren allenthalben als Hausinduftrie betrieben und ärmeren Gegenden ebenfo wie fchwächeren Arbeitskräften immer eine Quelle des Einkommens werden. Je mehr die grofse Induftrie und das Mafchinenwefen die Menfchen und ihre Arbeit beherrfchen, defto forgfältiger müffen diefe Zweige der Arbeit und des menfchlichen Bedarfes gepflegt werden, denn es wird immer Kreife und Arbeitskräfte geben, welche die grofse Induftrie und Mafchine nicht gewinnen kann. Defshalb wird es auch hier wie in allen anderen Zweigen der Hausinduftrie nöthig, dafs der Staat oder beffer die Gemeinden und Vereine fich der Pflege derfelben durch Gründung von Arbeitsfchulen oder anderen Lehr- und Erziehungsbehelfen annehme. Auch liegt in der Korbflechterei ein grofses Kunftmoment und ift die Ausbildung des Formenfinnes und Gefchmackes von ganz beftimmter Wichtigkeit. Die Kunft, das Flechtmaterial zu färben, zu beizen und zu lackiren, macht wieder ein gewiffes Mafs von ch emifchem Wiffen dem Arbeiter nöthig. Es war daher von hohem Intereffe, fowohl die Erzeugniffe des Korbflecht- Gewerbes unferer Tage, wie fie in der Gruppe XXI.,„ Producte der Hausinduftrie" zu fehen waren, ebenfo wie Arbeiten aus früheren Jahrhunderten in den additionellen Ausftellungen zu fehen. Man konnte da die verfchiedenften Arbeitsarten, die verfchiedenartigften Formen für die verfchiedenartigften Bedürfniffe finden, bei denen allenthalben die aufserordentlichfte Nutzbarkeit und vielfeitigfte Verwendbarkeit herortrat. Die Form hat fich dabei, nur nach dem Zweck des Geflechtes verfchieden, faft allenthalben gleich erhalten. Das Material iſt je nach der Gegend, in denen die Geflechte erzeugt werden, wohl fehr verfchieden, aber je in einer Gegend durch lange Zeit immer dasfelbe. Dagegen. aber wechfelt fowohl die Zweckmäfsigkeit der Arbeit als die Kunft der Behand 30 Carl Kohn. lung des Stoffes. Und hier ift allenthalben der Fortfchritt durch die Jahrzehnte zu bemerken; nur die der modernen Cultur fernftehenden Völker, einige Colonien Englands, Frankreichs, Portugals u. f. w. behaupten heute noch die Arbeit ihrer Väter und Urväter und ahmen fie gleich nach. Freilich find viele diefer Arbeiten durch Uebung, Bedarf und Inftinct geleitet, auch durch ein aufserordentlich günftiges Material unterſtützt, dafs man kaum, wie wir weiter unten zeigen, etwas Vollkommeneres fchaffen kann. Ein Moment aber ift es, welches das ganze Korbflechter- Gewerbe in feiner Nutzbarkeit und Verwendung und das Product desfelben, insbefondere die Körbe und Korbwaaren durchdringt und deren ungeheure und vielfeitige Verwendbarkeit erklärt. Die bürgerliche Haushaltung, der Handel, das Gewerbe und insbefondere die Transportunternehmung verwenden taufendfach verfchieden die Korbwaaren wegen ihres geringen Gewichtes bei voluminöfer Faffungskraft, Stärke, Dauerhaftigkeit und Elafticität des Rohftoffes. Und fo dient der Korb und die Korbwaare als Emballage, als vielfach verfchiedenartiger Behälter und als eines der wichtigften Geräthe der Haushaltung. Auf der Weltausftellung war die Korbflechterei durch 58 Ausfteller aus 12 Staaten vertreten und durch eine zahlreiche Menge einzelner Objecte, welche diefelben zur Anficht vorlegten. Am ftärksten war Deutſchland mit 19 Ausftellern und zumeift Rohrgeflechten, Oefterreich durch 15 Ausfteller und überwiegend Korbflecht- Waaren, Rohr- und Korb- Galanteriewaaren und Italien durch 8 Ausfteller, welche Holz, Korb und Rohrgeflechte zur Ausftellung brachten, vertreten. Wie wir bereits erwähnt haben, richtet fich die Wahl des Materiales der Korbflechterei immer nach der Oertlichkeit, wo Körbe und ähnliche Gegenstände verfertigt werden. Zumeift werden Weidenruthen, gefchält und ungefchält, dann Schilf, Binfen, gefpaltene Eichen- und Kaftanienruthen und alle noch im frifchen Zuftande bearbeitet. Die Werkzeuge, welche der Korbflechter bei Arbeiten welcher Qualität immer braucht, find: Ein kurzes Schnitzmeffer, ein Ruthenfpalter, ein Klopfeifen oder Flechtenfchläger und eine Spitzahle. Mit diefen einfachen Werkzeugen, werden auf dem europäifchen Continent die vielfachen verfchiedenen Gattungen Korbwaaren ebenfo hergeftellt, wie in China und Japan die zierlichen Gefpinnfte über Schachteln und Käftchen und wie bei den Karaiben die Geflechte, welche von folcher Feftigkeit und Dichtigkeit find, dafs fie zum Wafferfchöpfen und Tragen benützt werden. Portugal hatte folche Korbwaaren, Matata genannt, ausgeftellt. Es find viereckige Körbe mit verticalen Wänden, deren Endftäbe durch den Boden hervorragen und gewiffermafsen die Füfse des Geflechtes bilden. Das Material ift zumeift Schilfrohr oder befteht aus Latanenftielen, welche mit aufserordentlicher Feftigkeit zufammengeflochten werden. Auch Brafilien hat aus Rio de Janeiro Körbe aus Palmenbaft( Palma coccifera) ausgeftellt, die gleichfalls wafferdicht und für die Aufbewahrung der Mundvorräthe beſtimmt find. Ihrer Geftalt nach find fie theils cylinderförmig, theils rund oder viereckig. Das Färben der gefchälten Ruthen oder gefpaltenen Hölzer, welche für Flechtwerke beftimmt find, gefchieht durch das Kochen derfelben in Alaun, zu welchem Brafilholz zugefetzt wird, um blau, Pinasholz, um roth, Gelbholz oder Indigo, um grün zu färben, die fchwarze Farbe wird gewöhnlich durch HatmacherSchwärze, die braune Farbe durch eine Löfung aus grünen Nufsfchalen erzeugt. Die anzufertigenden Objecte werden nach Zeichnungen, aber vollſtändig frei und ohne Formen und Hilfsmafchinen erzeugt. Es richtet fich darnach und nach der damit gegebenen Schwierigkeit der Arbeit in überwiegender Weife der Preis der Korbflecht- Waaren. Höchft intereffant war nach all' diefen Momenten die Ausftellung der öfterreichifchen Korbflechter, an der fich fieben der erften Wiener Firmen und die einzelnen Provinzen betheiligten. Man fand hier die einfachften Körbe, Korbflechterwaaren. 31 die fchönften und reich ausgeftatteten Korbgeflechte und Korbgalanterie- Waaren in aufserordentlich kunftvoller Arbeit und zarter Vergoldung. Ordinär eingeflochtene Feldflafchen und andere ähnliche Utenfilien bis hinauf zum feinften Parfumfläschchen, Flechtwerke, weifs und glänzend wie Elfenbein, waren hier ausgeftellt. Die Arbeiten der Hauptftadt zeichneten fich vor Allem durch Eleganz und Gefchmack aus, verbunden mit grofser Solidität der Arbeit. Aus Haindorf in Böhmen waren vollständige Korbgarnituren zur Ausftellung gebracht, welche durch gute Arbeit und mässigen Preis alle Anerkennung fanden. Was die Billigkeit der öfterreichifchen Korbwaaren anbelangt, fo boten in der That die Krainer und küftenländifchen Korbwaaren, freilich ordinäre Sorte, aber gut und feft gearbeitet, das Aufserordentlichfte. Fünf in einander gefteckte Henkelkörbe waren um I fl. 50 kr. zum Verkaufe angeboten. Mehrere fremde Befucher, zumeift Norddeutfche, haben Verbindungen mit den Erzeugern angeknüpft und folche Waare beftellt. Das mag ein beachtenswerther Wink dafür fein, dafs unfere Korbwaaren leicht einen gröfseren Abfatz nach Aufsen hin finden können, als diefs bis heute der Fall ift. Deutfchland war durch feine erften Firmen mit fchönen Rohrmöbeln, Strohgeflechten und Strohftühlen und zahlreichen anderen feinen und mittelfeinen Waaren vertreten. Befonders fchöne Arbeiten aus lackirtem Rohr waren aus Huben in Brandenburg, aus Hamburg und Mainz ausgeftellt. Nürnberg hatte äufserft zierliche Puppen und Kinderwagen aus Stroh- und Rohrgeflecht, deren Preife auch verhältnifsmäfsig nicht zu hoch waren, zur Ausftellung gebracht. Aus Kopenhagen fah man geflochtene Stühle und Bänke von aufserordentlicher Feftigkeit. Auch Stockholm hatte folche Möbel zur Ausftellung gefchickt. England war nur durch eine einzige Londoner Firma und da fehr ungenügend vertreten. Dagegen hatte es aus Britifch Indien fchöne Matten und Körbe und zierlich geflochtene Fächer, aus Indore Körbe ausgeftellt, die durch ihre befondere Ornamentik und Verzierung ganz befonders auffielen. Frankreich hatte die Ausftellung faft gar nicht mit feinen bekannten billigen und ausgezeichneten Korbwaaren befchickt. Ein einziger Parifer Ausfteller hatte, zur VIII. Gruppe gehörig, Gitterwerk ausgeftellt. Dagegen fah man in den zahlreichen franzöfifchen Originalemballagen aller Art und Form, was Frankreich in dem Korbflecht- Gewerbe zu leiften vermag. Eine befondere Specialität der franzöfifchen Korbflechter find die Packkörbe aller Gröfsen in viereckiger Form und aus ungefchälten Weidenruthen. Auch die franzöfifchen Obft- und GrünzeugKörbe, ebenfo die Körbe, deren fich der Fifchhändler bedient, find durch ihre dem Zweck augepafste Form bekannt und gefucht. Man findet in aller Herren Länder franzöfifche Körbe und es geht nach Sibirien, nach Auftralien, Perfien und anderen Länder und Welttheile ein Export der franzöfifchen Korbinduftrie alljährlich in vielen Hunderttaufenden von Deckel- und Emballagekörben. Sah man doch auf der Ausftellung perfifche Güter und Güter anderer Länder in franzöfifchen Korbemballagen. Man mufs fich der Parifer Ausftellung erinnern, wo Frankreich vom ordinären Aufternkorb bis zum feinftgeflochtenen, mit Emailfchildern ausgeftatteten Schmuckkäftchen feine Korbwaaren- Induftrie mit allen dazu nöthigen ftatiftifchen Daten ausftellte, um zu begreifen, was die franzöfifche Arbeit auf diefem Gebiete bedeutet. Italien hat aus Modena fchöne Holzgeflechte und aus Mantua weifse und gefärbte Korbwaaren, aus Capri beachtenswerthe Holzgeflechte für Hüte, aus Venedig dichtgeflochtene Matten, wie fie in den italienifchen Häufern gebraucht werden, dann fchöne Körbe und Obftträger aus weichen Binfen zur Ausstellung gebracht, welche die altbewährte Tüchtigkeit der italienifchen Arbeit von Neuem zeigten. Wir haben die einzelnen Gegenftände nicht befchrieben, wir haben nur den Charakter der einzelnen nationalen Gruppen der Ausftellung zu kennzeichnen verfucht, was in der That vollkommen genügt. 32 Carl Kohn. Korbflechterwaaren. Im Verhältniffe zur Parifer Weltausftellung 1867 war die Ausftellung der Korbwaaren in Wien in der That eine fehr mangelhafte und mittelmäfsige. Auch laffen fich die Fortfchritte des Flechtwerkes an einzelnen Objecten fehr fchwer beftimmen. Der Rohftoff und die Zubereitung desfelben ift feit Jahrzehnten unverändert geblieben; die Art und Weife der Arbeit defsgleichen, die Luxuswaaren aber folgen dem Gefchmack und find fo wandelbar und unberechenbar wie diefer. Eine Arbeit, welche in überwiegender Weife als Hausinduftrie zur Geltung kommt, ift überhaupt fehr ftetig und wenig wandelbar. Es braucht Jahrzehnte, bis eine Veränderung, ein Fortfchrittt bemerkbar wird. Soll er rafch und mit Vortheil erreicht werden, dann hat nur die Organifirung der Lehre und der Ausbildung für das Gewerbe, wie wir fie oben angedeutet haben, die Macht dazu.