OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3. DIE STEINWAAREN. ( Gruppe IX, Section 1.) BUCHERE BERICHT VON HEINRICH WOLF. INDUSTR k. k. Bergrath und Chef. Geologe an der k. k. geologifchen Reichsal Technologisches Gewerbe-#** WIEN WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI 1877. 4 ло 11 DIE STEINWAAREN. ( Gruppe IX, Section 1.) Bericht von HEINRICH WOLF, k. k. Bergrath und Chef- Geologe an der k. k. geologischen Reichsanstalt. 4 Einleitende Worte. Den vorliegenden Bericht abzufassen, der in Folge der vielfachen Befchäftigung des Verfaffers aufserhalb Wien's ziemlich verspätet erfcheint, ift überhaupt nur dadurch möglich geworden, dafs dem Verfaffer zahlreiche Daten zur Verfügung ftanden, die derfelbe während feiner Thätigkeit als Juror der Wiener Weltausftellung 1873 in der Abtheilung für Stein und Cementwaaren gefammelt hatte. Diefe Sammlung wäre allerdings erfolgreicher geworden, wenn dem Verfaffer fchon damals bekannt gewefen wäre, dass ihm auch die Berichterstattung für diefe Gruppe werde übertragen werden. Dem defignirten officiellen Berichterstatter, der zugleich als Juror fun. girte, würden die Ausfteller alle Auskünfte bereitwillig ertheilt haben, zudem damals die meiften derfelben in Wien anwefend waren. Im letzten Monate der Ausftellung jedoch, in welchem der Verfaffer um die Uebernahme diefer Aufgabe erfucht wurde, waren die Preife bereits zuerkannt, die Mehrzahl der fremden Ausfteller war von Wien abgereift, die Ausfteller überhaupt hatten kein Intereffe mehr, dem fchriftlichen Anfuchen um Mittheilung diefer oder jener Daten nachzukommen und die geftellten Anfragen blieben daher gröfstentheils unbeantwortet. Die Objecte, welche Gegenftand diefes Berichtes find, waren über den ganzen fo ausgedehnten Ausstellungsraum verftreut, und unter den Gruppen: I. Berg. und Hüttenwefen, II. Land- und Forstwirthschaft, VII. Metallinduftrie, IX. Stein, Thon- und Glaswaaren, XIII. Mafchinenwefen und Transportmittel, XVII. Marinewefen, XVIII. Bau- und Civil- Ingenieurwefen, XXIII. Kirchliche Kunft, XXIV. Objecte der Kunft früherer Zeiten, XXV. Bildende Kunft, XXVI. Erziehungs, Unterrichts- und Bildungswefen eingetheilt. Unter folchen Verhältniffen war es ganz unmöglich, unmittelbar fich eine vollständige Ueberficht über das ausgeftellte Material zu verfchaffen. Es mufste eine folche durch wirkliche Aufnahme der Gegenftände und Auffuchung derfelben in allen Winkeln des Platzes mühfam conftruirt werden. Trotz diefer I* 4 Heinrich Wolf. Mühewaltung, welcher die letzten 14 Tage der Ausftellung gewidmet waren, kann der Berichterstatter nicht mit Beftimmtheit behaupten, Alles aufgefunden zu haben, was ausgeftellt war. Die durch diefe Zufammenftellungen gewonnene Ueberficht ergab, dafs die Objecte, welche zur Schau gebracht wurden, in zwei grofse Abtheilungen einzutheilen find, und zwar: A. Steinmaterial( Gruppe der natürlichen Steine) und B. Verbindungsmaterial( Gruppe der künftlichen Steine). Diefe Hauptabtheilungen laffen fich, je nach dem beabfichtigten Zwecke, den der Ausfteller mit feinem Objecte verband, zur leichteren Ueberficht in folgende kleinere Unterabtheilungen bringen: A. Gruppe der natürlichen Steine. 1. Ausftellungen von Baumaterial als Lehrfammlungen zur Darstellung des Reichthums eines Landes, Bezirkes etc., exponirt durch Inftitute oder Corporationen, alfo von Nichtproducenten; 2. Baufteine, ausgeftellt von den Producenten; 3. Steine und Mofaikarbeiten in mehr künftlerifcher Ausführung; 4. Mühlfteine und Schleiffteine, Smirgel, diverfe. B. In der Gruppe der Verbindungsmaterialien find zu nennen: 1. Asphalt, 2. Gips, 3. Cement, 4. künftliche Stein- und Cementwaaren, 5. Smirgelwaaren. Die nachfolgenden Zeilen enthalten den Bericht über die Gruppe der natürlichen Steine, geordnet nach den Ländern, wie die Expofitionen im Ausstellungsraume felbft, und zwar in der Richtung von Weften gegen Often, fich an einander reihten. Natürliche Steine. 1. BAUMATERIAL ALS LEHRSAMMLUNG. ( Ausgeftellt von Nichtproducenten.) Nordamerika. Von der Northern Pacific Railway, der Cincinnati Rockport and South- Western Railway: Granite, rothe Sandfteine etc. Vom Staate Ohio, Utah und Alabama waren Sandfteine, Granite, kryftallinifche Kalke, Thone ausgeftellt, welche deren Verwendbarkeit als Baumaterial bekundeten. Aufser diefen waren noch manche Objecte aus Granit und Kalk fichtbar, ohne Firma- und Nummerbezeichnung, welche aber fchönen Schnitt und feine Politur zeigten. Von den amerikanifchen Staaten betheiligten fich noch Brafilien, Uruguay und Venezuela an der Einfendung von Mufterftücken zur Information. Spanien. Aus Spanien ftellten aus die Bergfchule von Logroño und die Provinzial Commiffion von Burgos: Marmormufter, Magnefitwürfel, Steinwaaren. 5 dann gefchnittene und gefchliffene Marmorplatten; die Provinzial- Commiffion von Lugo fandte Granite und Schiefer. Das Inftituto Balear de segunda Enseñanza in Palma auf den Balearen fandte eine Anzahl Marmorarten, wofür es mit der Verdienftmedaille ausgezeichnet wurde. Frankreich hatte aus feinen Mittelmeer Provinzen Algier, Conftantine und Oran, unter Mitwirkung der dortigen Bergbehörden, eine ziemlich ausgedehnte Collection von nahe 100 Mufterftücken, bestehend aus Marmoren, Dolomit für Weifscement, hydraulifchem Kalke, Puzzolanerde, Gips, Sandſtein, Trachyt, Porphyr, Granit. Serpentin etc. etc. als Matériaux de Conftruction in rohem Zuftande gefandt. Diefe Collection unterfchied fich von den vorher angeführten diefer Art dadurch, dafs fie gute Fundzetteln mit Angabe der Formationen, aus welchen diefe Stücke entnommen waren, hatte, und dafs aufserdem für die in der Provinz Oran vorkommenden Materialien in einer Tabelle deren Widerftandsfähigkeit gegen das Zerdrücken( rückwirkende Feftigkeit) überfichtlich zufammengeftellt war( Verdienftmedaille). Italien nahm wohl in der Vorführung feiner Steinfchätze unter allen Ländern den erften Rang ein. Die rege Theilnahme von Privaten, Corporationen und der Regierung in der Einfendung und umfichtigen Zufammenftellung der zahlreichen und verfchiedenartigften Muſterſtücke zeigt wohl, welch hohen Werth man in diefem Lande der Steininduftrie, namentlich im decorativen Theil, zuwendet. Bedauerlich war nur der kärglich zugemeffene Raum, welcher für die Schauftellung diefer Objecte zur Verfügung ftand. Italien hätte für feinen Theil den 2-3fachen Raum, den es thatfächlich occupirte, bedurft, um Alles zur richtigen und genufsreichen Anfchauung zu bringen. Es mussten die Objecte über, unter und dicht neben einander, ohne irgend dem Auge einen Ruhepunkt zu geftatten, aufgeftapelt werden. Ebenfo wirkte das ungleiche Format ſtörend. Die reine und nette Ausführung der einzelnen Muſterſtücke in Schnitt, Schliff und Politur, namentlich bei den Decorationsmaterialien aus Marmor, zeigt, dafs Italien den hiftorifch hohen Rang, welchen es in Bezug auf derlei Steinarbeiten gegenüber anderen Ländern einnimmt, noch immer feft behauptet. Unter den Ausftellern, welche den Reichthum des Landes an verfchiedenartigem Steinmaterial vorwiefen, ragte vor Allem das königliche Minifterium für Ackerbau, Induftrie und Handel hervor. In mehr als 1000 Nummern waren die Stein-, Erd- und Thonarten, je nach dem Zweck, dem fie dienftbar find, in zwei Hauptgruppen getheilt, und zwar in die der Baumaterialien und in die der Decorationsmaterialien. Unter den Baumaterialien fanden wir Fettkalk, hydraulifchen Kalk, Gips, Puzzolane, Sand, Ziegelthone, feuerfefte Thone, Asphalt und Baufteine in Würfeln von 10 und 20 Centimeter Kantenlänge aus Kalken, Kalktuffen. Travertin, vulkanifchem Tuff, Peperin, Sandfteine, Trachyte, Laven. Granit, Gneifs etc.; daran fchlofsen fich Fabricate wie Ziegel, Terracotten, Thon- und Steinröhren. Unter letzteren heben wir befonders die gebohrten Wafferleitungsröhren aus Serpentin der Brüder Zaccheo in Nonio( Kreis Novara) hervor. In der zweiten Gruppe der Decorationsmaterialien waren alle jene Steine vereinigt, welche feinen Schnitt, Schliff und Politur annehmen, wie Syenit. Granit, Porphyr, auch Serpentin, Cipollin etc. 6 Heinrich Wolf. Diefer Abtheilung waren wieder angefchloffen: Ornamente aus Terracotta, Fufsbodenplatten aus künftlicher Breccie in verfchiedenen Farben, künftlicher Marmor etc. Name wie Fundort des Gefteins und der Erdarten waren auf der Rückfeite felbft angegeben und auch in einem eigenen Kataloge von den Pro fefforen Ponzi und Mafi überfichtlich zufammengeftellt. Diefe Sammlung wurde mit der Fortfchrittsmedaille ausgezeichnet. Da diefelbe in duplo vorhanden war, fo blieb eine derfelben durch Taufch gegen ungarifche Mineralien der geologifchen Landesanftalt in Peft. Die Handelskammer von Catania auf Sicilien brachte die Granite, Marmore, Kalke etc. des Landes in 6-5 Centimeter grofsen quadratifchen, gefchnit tenen und gefchliffenen Platten in ca. 300 Stücken zur Anfchauung. Ferner waren vollſtändig zufammengeftellt die Kiefel- und Kalkfinterbildungen aus den Thermalquellen des Eruptivgebietes von Sicilien. Ebenfo vollſtändig vertreten waren in diefer Sammlung die Eruptiv- und Trümmergefteine des AetnaGebietes. Diefe beiden letzten Gruppen umfafsten ebenfalls nahezu 300 Stück. Von Einzelausstellern find in erfter Linie zu nennen: Biondetti Gaspare e figlio wegen der faft vollſtändigen Mufterfammlung von Marmoren. aus Rufsland, Griechenland, Spanien, Tirol, Sicilien und den verfchiedenen anderen Provinzen Italiens, als Beweis, dafs in deffen Laboratorium zu St. Vito in Venedig diefe Marmorforten verarbeitet wurden. Es waren ebenfalls bei 300 Stück gefchnittene und gefchliffene Platten von 20 und 12 Centimeter Seitenlänge. Diefem Ausfteller wurde die Verdienftmedaille zuerkannt. Hervorragend waren auch die von Dr. Alceo Feliciani in Rom vorgelegten Mufter der Baufteine des antiken Rom's. Es waren prachtvoll gefchnittene und polirte Lumachellen, Travertine, Porphido rosso, Verde antico, Granite, Syenite, alle Sorten der alten griechifchen Baufteine. Sämmtliche Stücke, ca. 800, waren Platten von 14 und 8 Centimeter Seitenlänge. Diefe höchft. intereffante und inftructive Lehrfammlung ward durch die Verdienftmedaille aus. gezeichnet. Erwähnenswerth in diefer Abtheilung der Steinmaterialien find noch jene 100 4zölligen Würfel, die der Ingenieur Dr. Carlo Barcelloni Corte in Belluno ausftellte eine vollſtändige Sammlung der Marmore von Südtirol und der alpinen Theile der Provinzen Verona, Vicenza und Belluno mit genau bezeichneten Fundorten. - Schweden hat durch feine geologifche Landesanftalt die fchwediſchen Fels- und Bodenarten in rohen, behauenen Handftücken und in gefchliffenen Exemplaren zur Ausstellung gebracht. Die Handftücke( 223) waren zugleich Belegftücke für die geologifche Karte des Landes und nach dem geologifchen Alter geordnet. Die gefchliffenen Stücke( 176) waren Würfel von o im. Kantenlänge in prachtvollem Schnitt und Schliff. Ueberhaupt waren alle fchwedifchen SteinArbeiten durch eine exacte Ausführung ausgezeichnet. In diefer Sammlung waren vertreten die Granite von Hufoud fta ,, Malmö, Oernsköldsock und Lisjö, welche nun vielfach nach Rufsland, Deutfchland und auch nach Frankreich exportirt werden. Hyperite und Porphyre von Elfdal, welche zu kleineren Luxusarbeiten Urnen, Vafen, Briefbefchwerern verarbeitet werden. Diorite, Serpentine, Phonolithe, Topfftein, Gneifs von Weftgothland, Marmor von Claeftorp, Kolmarden, Sala, Singó, welche zu aritektonifchen Zwecken verarbeitet, Sandfteine von Lilla Hals in Oft Steinwaaren. 7. Gothland, von Roslagen, von Storsjö, von Gothland, welche zu Treppenftufen, Thür- und Fenftergewänden, Sockelplatten, Schleif- und Mühlfteinen verwendet werden. Sämmtliche Stücke waren mit der genauen Formationsangabe verfehen. Der für diefe Sammlung ausgegebene Katalog weifet vielfach die fpecififchen Gewichte der Gefteine, ihre wafferauffagende Kraft, fowie deren Ver wendungen nach, und führt auch die monumentalen Bauten des Landes an, welche aus diefen Materialien zur Ausführung gelangten. Wurde mit der Fort fchrittsmedaille ausgezeichnet. Deutfches Reich. Das Deutfche Reich bot nur für feine neu erworbenen Provinzen Elfafs- Lothringen im Elfafser Bauernhaufe und im deutfchen Adnexe eine Zuſammenftellung der Steinarten, meift in 6zölligen Würfeln oder in Rohftücken dar. Es find daraus hervorzuheben die Gipfe von Woltenheim, Willgotheim im Strafsburger Kreis, von Zimmersheim im Mühlhaufer Kreis. Die Liaskalksteine von Polter, die Jura- Kalksteine von Queulen im Metzer Kreife für die Cementfabrication; die Buntfandfteine und Vogefenfandfteine( Trias f.) und Quarzitfandfteine von Mockweiler, Waffelnheim, Bühl und Sierk, für Mühl-, Schleif- und Pflasterfteine. Die Granite von Wind ftein, Krut, Rufs. Die Syenite und Grünfteine von Markirch, Belfofs. Die Porphyre von Rufs, Urbach und Burbach. Die kryftallinifchen Kalke von Rappoltsweiler Die rothen, grünen, weifsen und fchwarzen Marmore von Rothau, Schirmek und Rufs. Diefe Gefteine, welche fich auch für Decorationszwecke eignen, waren fcharf behauen, theilweife auch in fchön gefchliffenen und polirten Exemplaren ausgeftellt. Diefer in mehr als 300 Stücken beftehenden, wohlgeordneten Samm lung( in Gruppe II und IV eingetheilt) wurde von der Jury der Gruppe XX ,, Das Bauernhaus mit feinen Einrichtungen und feinen Geräthen" mit anderen im elfäfsifchen Bauernhaufe aufgeftellten Gegenftänden die Verdienftmedaille zuerkannt. Andere ähnliche Sammlungen lagen aus dem Deutfchen Reich nicht wieder vor, man müfste nur die einzelnen Handftücke, welche die bergakademifche Mineralien- Niederlage zu Freiberg ihren übrigen Sammlungen zu Unterrichtszwecken eingereiht hatte, hieher rechnen wollen oder jene fünf unregelmässigen Blöcke von Keuperfandftein und Mufchelkalk aus Mittelfranken von Hohenlandsberg und Nordheim, welche wegen der Bezeichnung:„ Aus dem Fürftenthum Schwarzenberg", in die öfterreichifche Abtheilung, Gruppe XVIII, im Hofe 14 B, verftellt waren. Oesterreich zeigte durch die von der k. k. geologifchen Reichsanftalt durchgeführte Zufammenftellung der nutzbaren Mineralftoffe aus den alten erbländifchen Provinzen und theilweife auch aus Ungarn in fyftematiſcher Formationsfolge nach den Hauptgebirgsfyftemen innerhalb der Monarchie, dem hercynifchen, dem karpathifchen und dem alpinen Gebiete gruppirt, die Reichhaltigkeit und die Güte des in diefen Landestheilen vorhandenen Materiales. In mehr als 800 Nummern waren die Baufteine, die Mühl- und Wetzfteine, die Dachfchiefer, hydraulifchen Kalke als Rohftein und im verarbeiteten Zuftande, die feuerfeften Thone, die Glasquarze und andere Zufchlagsmateria lien, fowie die Erdfarben in fyftematifcher Folge aufgeftellt. Die fämmtlichen 8 Heinrich Wolf. Baufteine waren in dem gleichen Maafse von 6 Zoll Kantenlänge. Die zu Decorationszwecken geeigneten, Schliff und Politur annehmenden Gefteine, wie Granite, Syenite, Porphyre, Marmor, waren in diefer verfeinerten Bearbeitung ausgeftellt. An diefer Collection betheiligten fich nicht nur die erften Firmen unferer Steininduftrie, wie Cloetta& Schwarz in Sta. Croce, der Nachfolger von Robert, Baron Löwenftern in Ober- Alm bei Salzburg, die Strafsen- und Brückenbaugefellfchaft in Wien, die Schärdinger Granitgewerkfchaft, die Wiener Union. Baugefellfchaft, fondern auch die grofsen Transportunternehmungen der Süd- und der Staatsbahn, der Nordwestbahn, der Rudolfs Bahn etc. etc. Bei der Verfchiedenheit in der Ausführung und Bearbeitung der eingefendeten Stücke ift es natürlich, dafs diefe Sammlung keinen fo gefälligen Detaileindruck machte, wie die ähnlichen von Schweden oder von Italien. Dagegen gebührt derfelben entfchieden der Vorzug in der Durchführung der geographifchen Zufammenfaffung des ein und derfelben Formation angehörigen Materiales und wegen der Beigabe von Daten über Verwendungsart, Productionsmengen und Preife in dem für diefe Sammlung ausgegebenen Specialkataloge. Da diefe Sammlung fchon bei der Anlage die Beſtimmung hatte, das nach Schlufs der Ausftellung von in- und ausländifchen Firmen zur Dispofition bleibende gleichartige Material in fich aufzunehmen und in den Räumen der geologifchen Reichsanftalt aufgeftellt zu werden, fo war derfelben fchon von vornherein der bleibende Charakter aufgedrückt, welcher in der Art der Zufammenftellung feinen Ausdruck fand. Die Sammlungen der k. k geologifchen Reichsanftalt waren hors concours. Aus den nördlich und öftlich gelegenen Theilen der Monarchie waren befonders bemerkenswerth in der Collectiv- Ausstellung der Baumaterialien der Bukowina die prächtigen Gipsmarmore, welche bei dem Bau der erzbifchöflichen Refidenz in Czernowitz benützt wurden, die übrigen Baufteine, Cementsteine und die vollständige Zuſammenftellung des im Lande für die Strafsenbefchotterung benützten Materiales. Die Ausstellungs- Commiffion in Brody brachte mehrere I Kubikfufs haltende Würfel von Gips und Marmor dann gebrannte Kalke und Gipfe aus dem ihrer Wirkfamkeit unterliegenden Rayon. Eine befondere Aufmerkfamkeit erregte die Collectiv- Ausftellung mährifcher Baufteine, auf Veranlaffung des Executiv Comité's der AusftellungsCommiffion in Brünn zufammengeftellt durch Ottokar Burkhart. Von mehr als 30 Fundorten waren 2 zolldicke Platten von 6 Zoll Kantenlänge, meift fehr nett gearbeitet und gröfstentheils gefchliffen und polirt, ausgeftellt. Ein lithographirter Katalog gab die nöthigen Erläuterungen über Bezugsort. Verwendungsart, Preis und Gewicht pr. Kubikfufs. Es feien hier erwähnt die Granite von Deutfch- Konitz, von BöhmifchRudoletz, Pöltenberg, Rokotin, Trebitfch. Die eocenen Sandfteine, von Buchlowitz, Koritfchan, Střzilek, von Pradlisko, Pafchowitz bei Ungarifch- Brod. Die Jurakalke von Nikolsburg, Latein, Střzilek. Die Devonkalke von Weifskirchen, Rittberg, Grügau. Die kryftallinifchen Kalke von Rofchtin, Čechtin, Czelechowitz. Bafalte und Tuffe von Rautenberg und von Raafe. ( Diefer Sammlung ward die Verdienftmedaille zuerkannt.) Aus den füdlich und weftlich der Donau liegenden Provinzen betheiligten fich die Actienge fell fchaft für Forft induftrie mit der Ausstellung der Steinwaaren. 9 nutzbaren Gefteine des Bezirkes Waidhofen a. d. Ybbs in Niederösterreich, darunter rothe, weifse, zum Theil geäderte Marmore von Peuthenberg bei Scheibbs. Das Mufeum Francisco Carolinum in Linz fandte die Marmore Oberösterreichs in übergrofsem Format im gefchliffenen Zuftande von circa 30 Fundftellen, und zeigte fomit den Reichthum des Landes an fchönem Schnitt und politurfähigem Marmor aus der Trias- und Jura formation der nördlichen Kalkalpen. Erhielt die Verdienftmedaille. In gleicher Weife exponirte das Landesmufeum in Laibach die Baufteine von Krain, meift Marmorforten aus der Kreide des Karftgebietes, der Kohlenformation und der Trias der füdlichen Alpen. Auch diefe Sammlung erhielt die Verdienftmedaille. Die Vordernberger Radmeifter- Communität, die Adelsberger Grottenverwaltung, das Confortio Agrario Trentino betheiligten fich in analoger Weife an der Schauftellung von Mufterftücken aus den ihrem Thätigkeitsbereich unterftehenden Gebieten. Die Collectiv- Ausftellung der Ackerbaugefellfchaft in Görz. beftehend in 20 Stück kubikfufsgrofsen Würfeln aus Seekreide, Sandfteinen der Eocenformation und in Marmor aus der Kreideformation des Karftes erhielt das Anerkennungsdiplom. Die Gemeinde Pirano in Iftrien fandte 16, I Quadratfufs meffende Platten von den Kreidekalken des Karftes. Diefe Platten, in vier Felder getheilt, zeigten in jedem Felde eine andere Bearbeitung des Gefteines bis zum vollkommenen Schliffe. Diefe fehr nette Arbeit ward mit dem Anerkennungsdiplom belohnt. Die Handelskammer in Rovigno in Iftrien gab die Vorkommniffe ihres Bezirkes an Steinmufter in 200 Stück 3zölligen Würfeln und brachte ferner Asphalte, hydraulifche Kalke etc. zur Ausftellung. Die Gemeinde Pola, fowie die Realfchule zu Spalato in Dalmatien fandten als Materiali di conftruzione Breccien von Muje, gefleckten Marmor von Coemina, Kreidekalke und Asphalte von Trauz etc. etc. Aus der Bocche di Cattaro fandten die Herren Rade Popović und Andrea Andrič 9 Stück Marmor in verfchiedenen Farben aus dem Nummulitenkalk der Bocche. Ungarn. Aus Ungarn brachten die Donau- Dampffchifffahrtsgefellfchaft und die Direction der Auguft Herzog v. Sachfen Coburg'fchen Güter eine Zufammenftellung der auf ihren Dominien vorkommenden Baumaterialien. Erftere ftellte die als Baufteine verwendbaren Kalk- und Sandfteine der Liasformation bei Fünfkirchen in Ungarn nebft einer geologifchen Sammlung aus. Letztere brachte die Boden- und Steinarten von den Gütern Murany,' Edeleny, Fülek, Derénsceny, welche faft fämmtliche Formationen umfafsten, in 6zölligen Würfeln zur Anfchauung. Es waren hauptfächlich: Bafaltlaven, Trachytlaven, Bimsfteine und vulkanifche Tuffe; ferner Gneifs, Glimmerfchiefer, Thonfchiefer, Dolomite, Kalke, Rothfandfteine etc. etc. Diefe Stücke mit genauen Fundzetteln und theilweifer richtiger Formationsbezeichnung dienten zur Darstellung der Nebenzweige der Urproduction in den Forft- und Waldterritorien. Rumänien. Die fürftliche Regierung von Rumänien fandte Marmore von Gor a, Valeca, Mehedintz, Muscel; Granite von Mehedintz, blaugraue 10 Heinrich Wolf. und gelblichgraue Kalkmergel von Dambrovitza, die zu lithographifchen Steinen verwendbar find; Pflasterfteine vom Granit zu Prahova, kryftallinifchen Gips von Muscellu, Schleiffteine aus dem Karpathen- Sandfteine von Bacaur, Handmühlfteine aus Gneifs von Baltiano. Die ganze Collection zeigt jedoch in Form wie Anordnung den unentwickelten Stand der Bau- und Stein- Induftrie des Landes. Griechenland fandte eine grofse Anzahl von Baufteinen, in Blöcken gefchnitten, gefchliffen und polirt, namentlich Marmore in allen Farben, Conglomerate, Breccien, Sandfteine, Trachyte und Trachytlaven. Letztere werden zu Handmühlfteinen verwendet. Unter diefen Stücken verdienen hervorgehoben zu werden wegen der grofsen Dimenſionen, in welchen gleichartige Stücke zu erhalten find: der Marmor von Skyro, von der Infel Balakfa, von Dimariftica, Spira, Lacédémone etc. etc., die theilweife auch fchon in antiker Zeit in Verwendung waren. Egypten fandte Alabafter von Syout, rothen und gelben Marmor von Benifoueff, lithographifche Steine von Valleé l'egarement, Nummulitenkalke von Tourrah als Baufteine. Indien fandte durch fein geologifches Aufnahmsamt unter der Direction des Herrn Ouldham Gips, von Oftato or und Skalkar am Himalaya, Schiefer von Kangrar, Serpentine, Kalkfteine von Edeyengoody, Sandfteine von Munoleh, Quarzite von Moorunhal etc. etc. Diefe mit anderen nutzbaren Mineralftoffen in Handftücken vorgelegten Steinmufter zeigten von einer grofsen Sorgfalt in der Auswahl der Stücke, doch begnügte man fich in den meiften Fällen mit der petrographifchen Bezeichnung, ohne die Formationsreihe näher zu benennen, aus welcher diefe Stücke entnommen waren. Japan brachte fchön gefchnittene Mufterfteine von Granit, Syenit von Rauhwacken, von Bimsfteintuffen, Kalktuffen, weifsem Marmor von Hitachi Inaba, Harima und zeigte auch hier wie bei allen anderen Ausftellungs- Objecten feine Ueberlegenheit in der manuellen Fertigkeit bei Bearbeitung diefes Materiales gegenüber allen öftlichen Völkern. Neuseeland, der öftlichfte Theil unferer Erde, von welchem Gegenftände zur Weltausftellung gelangten, fandte von eigentlichen Steinen nur Weniges, doch war es vertreten durch Marmor von Colingwood in der Provinz Nelfon, gewöhnliche Kalksteine von Upper- Malvern in Canterbury, Phonolith von Hillsborough in Canterbury, den Sandſtein von Caftle Hill, den Trachyt von Banks-Peninfular. Ebenfo waren feuerfefte Thone und Quarzfand für Glas und als Zuſchlagsmaterial exponirt. Diefe nur fehr wenigen Gegenftände zeigten jedoch in der Art ihrer Darftellung, dafs die weftliche Cultur im fernften Often feften Fufs gefafst. Steinwaaren. 11 2. BAUSTEINE, STEINMETZARBEITEN. ( Baumateriale, ausgeftellt von Producenten.) Amerika. Bearbeitetes Steinmaterial für Bauzwecke war aus den amerikaniſchen Ländern nur von einigen Firmen aus den Vereinigten Staaten von Nordamerika eingefandt worden; doch war es häufig nicht erkennbar, welcher der im Katalog angeführten Firmen die exponirten Gegenftände gehörten. Meyers A. G., Directeur der Bureaux zur Förderung amerikaniſcher Induftrie, zeigte Würfel kryftallinifcher Marmorforten, roh und gefchliffen, fowie fchön gefchliffene Platten von dichtem Gips. Es follte hiedurch aufmerkfam gemacht werden, dafs Amerika Steine für Luxusarbeiten und für die KunftInduftrie, die es bisher grofsentheils noch aus Italien und Frankreich importirt, felbft befitzt. J. Mc. Dermott& Comp. exponirten eine reiche Auswahl von Baufteinen aus den verfchiedenen Staaten Nordamerika's. Unter diefen Baufteinen ift der rothe Sandftein der meift angewendete und verbreitetfte. Diefe Firma erzeugt feit dem Brande von Chicago die Sandfteinquader mittelft Mafchinenarbeit; nur hiedurch wurde es möglich, den Kubikfufs um 50-75 Cent. zu liefern. Mit der Verdienftmedaille ausgezeichnet. England war in der Gruppe der Baumaterialien( Steinwaaren im Allgemeinen) nur durch Schiefer in allen feinen Anwendungen vertreten. Die Vorzüge der englifchen Schiefer find längft allfeitig anerkannt. Ihre leichte Spaltbarkeit, bis herab zu o 5mm ftarken Platten, und die durchwegs ebene Schieferung und verhältnifsmäfsig grofse Widerftandsfähigkeit begründen ihren Export faft nach aller Herren Ländern. Es ift nicht zu leugnen, dafs diefe Vorzüge nicht allein im Material felbft liegen, fondern, dafs ein gut Theil davon auf der Art der Gewinnung der Rohplatten und in der Methode der weiteren Bearbeitung beruht. Die Gewinnung ift eine durchweg bergmännifche, welche das Rohmaterial, im frifcheften Zuftande, unbeeinflufst noch von den verändernden Einwirkungen der Atmoſphärilien, zur mafchinellen Verarbeitung bringt. Ueberall, wo diefelbe Methode der Bearbeitung und Gewinnung des Schiefermaterials im übrigen Europa eingeführt wurde, find auch die englifchen Schiefer vom localen Markte verdrängt. Unter den Firmen aus England ragten hervor: Die Welsh Slate Com pany in London mit ihren Schiefererzeugniffen in allen Dimenfionen bis zu 3 langen, 2 breiten und nur o 08m ftarken Platten. Aufser den Dachfchiefern waren die vorzüglichften Erzeugniffe: Bodenplatten, Billardplatten, Platten für Cifternen und für Säurebottiche in chemifchen Fabriken. Diefe Gefellfchaft befchäftigt an 800 Arbeiter bei einer Dampf- und Wafferkraft von mehr als 300 Pferden, welche Mafchinen zum Spalten, Sägen, Hobeln, Bohren, Glätten und Poliren der Schiefer bedienen.( VerdienftMedaille.) Die Cwmorthin Slate Company zu Port- Madoc in Nordwales fandte ähnliche, für den Export beftimmte Erzeugniffe mit gleich vorzüglicher Arbeit. Diefe Firma ftellte einen Kamin aus, der mit Schiefern fournirt war, auf welchen mittelft Lack prachtvolle Marmorarten nachgeahmt waren, die von natür 12 Heinrich Wolf. lichem Marmor nur dadurch zu unterfcheiden waren, dafs die Politur des letz teren niemals jene Frifche und Feuer der Farbe zeigt, welche mit dem künft lich aufgetragenen Lack zu erzielen find. Die Preife folcher kunftvoller Imitirungen laffen jedoch eine ernsthafte Concurrenz mit den Fabricaten aus natürlichem Marmor kaum erwarten.( Diefe Firma erhielt ebenfalls die Verdienftmedaille.) Die Pen- Yr- Orfedd Slate Quarry Company zu Carnarvon in Nordwales fandte aufser rothen und graufchwarzen Dachfchiefern, Platten für Pflafterungen, für Billarddecken, für Cifternen, für Säurebottiche etc. etc. Erhielt das Anerkennungsdiplom. J. W. Greaves von Port Madoc in Nordwales und W. Turner in Carnarvon hatten ebenfalls die currenten Artikel in Schieferwaaren eingefendet. Portugal, obgleich fehr reich an Marmor, kryftallinifchen Kalken und Sandfteinen, zeigte von feinen exportfähigen Steinwaaren verhältnifsmäfsig doch fehr wenig. Bekannt find die Productionsorte Montes Claros, Eftrem oz, nicht minder die fchönen Marmorforten der Umgebung von Liffabon, aus welcher wegen der verfchiedenen Farben und der vorzüglichen Qualität des Materiales Exportwaare namentlich nach Brafilien geliefert wird. Es beftehen in Liffabon Fabriken mit ca. 100 Steinfägen, welche theils mit Dampf, theils mit Wafferkraft betrieben werden und an 30.000 Kbm. an Quadern und anderen Werkftücken im Werthe von 2 Mill. Francs erzeugen.. Herr Joaquim Antunes dos Santos in Liffabon ftellte diefe verfchiedenen Marmorforten( Platten in Rahmen, 13 Stück) mit Preisangaben pr. kubifchen Meter aus. Der Durchfchnittspreis ftellt fich auf 198 fl.( Verdienftmedaille.) Prato Antonio zeigte nebft Breccien und Marmor auch Schieferwaaren in vorzüglicher Arbeit. Die Gefellſchaft für die Gewinnung der Marmore von Eftremo fandte Marmorplatten und Quader, welche nach Liffabon um 158 fl. um 158 fl. pr. kubifchen Meter geliefert werden und ebenfalls Exportartikel nach Brafilien bilden.( Anerkennungsdiplom.) Die Vallongo Schiefer- und und Marmor quader- Compagnie ftellte vorzügliche Schieferwaaren, darunter eine Schieferplatte, 4" lang, 2.2™ breit, aus den Brüchen bei Gallina, montirte Gefäfse für Säuren, und Dachfchiefer aus den Brüchen von Telhado, Soalho, Bilhar; ferner mit Schiefer belegte Kamine mit prachtvoller Marmor- Imitation um den ftaunend billigen Preis von 180 fl. aus. Von den erwähnten Imitationen zeigte zahlreiche Mufter Herr Ennes Francisco in Vallongo auf 10 Centim. breiten, 15 Centim. langen und Imm dicken gefchliffenen Schiefertafeln. In fehr lebhaften frifchen Farben ift das Geäder der edlen Marmorforten naturgetreu auf dem Schiefer aufgetragen, welche dann, mit Lack überzogen, abfolut darüber täufchen, ob man natürlichen, gefchliffenen und polirten Marmor oder eine Imitation vor fich hat. Herr Ennes erhielt für die Vervollkommnung der Schiefertechnik die Verdienftmedaille. Frankreich ift reich an grofsen Steinbrüchen, befonders in Marmor Diefe wurden fchon von den Cäfaren, welche nicht nur Italien, Griechenland, Egypten, fondern auch Gallien nach fchleif und politurfähigem, farbenprächtigem Material durchfuchen liefsen, eröffnet, um das damalige prunkvolle Rom zu fchmücken. Steinwaaren. 13 Man fchätzt, dafs mindeftens ein Zehntel der Luxusbauten des alten Rom's aus. gallifchem Steinmateriale beftand. Nach der Zerftörung Rom's verfielen auch die Brüche der antiken Welt, mit ihnen auch die des damaligen Galliens. Einige franzöfifche Städte, wie: Niemes, Toulouſe, Arles, Aix, Marfeille, Vienne etc. etc. bewahren aus jener Zeit noch Fragmentemonumentaler Bauten. Das erftehende Chriftenthum fchmückte feine Kirchen mit dem koftbaren Materiale der Tempel und Paläfte des der Zerftörung und Plünderung überantworteten heidnifchen Rom's. Die Brüche blieben verfallen bis in die Blüthezeit des Mittelalters im wo fie damals wieder XIII. bis XV. Jahrhundert. Namentlich Italien war es, theilweife in Betrieb gefetzt wurden. In Frankreich ergriffen Franz I. und Heinrich II. die Initiative zur Auffuchung und Wiedereröffnung der von den Römern einft benützten Brüche, um Material zur Ausfchmückung ihrer eigenen Reſidenzen zu erlangen. Heinrich IV. und Louis XIV. fetzten die erweiterte Anwendung diefer edleren Gefteinsforten in den Paläften von Verfailles, Louvre ,. Tuillerien, Trianon, Mally, Meudon und Fontainebleau fort. Während der durch die letztgenannten Monarchen eröffneten Bauperiode wurden getreu dem Motto: L'ètat est moi" die Brüche auf Koften des Staates. betrieben und die Concurrenz durch Private unterdrückt. Alle Bedürfniffe, die etwa Privatbauherren an edlen Marmorarten hatten, find vom Staate befriedigt worden, da derfelbe Befitzer der Vorräthe war, die fchliesslich Napoleon I. erfchöpfte. Diefe alten Brüche lieferten die unter den folgenden Namen bekannten. Marmorforten: Sarrancolin, Campane, Blanc de St. Beat, Departement Pyrenäen. Griottes, Departement Herault. Rouge antique, Departement Aude. Languedoc, Vert des Alpes. Giand antique, Departement du Nord. Jaune de St. Beaume, Departement du Vâr. Brocatelle et Jaune du Jura. Brèche di Alep.( Bouche du Rhône.) Diefe feit Louis dem XIV. nicht benützten Brüche wurden auch nach Erfchöpfung der daraus gewonnenen, unter ftaatlicher, vielmehr königlicher Verwahrung geftandenen Vorräthe vom Staate nicht wieder in Betrieb gefetzt. Die Privat- Induftrie fcheute fich, die Communicationswege in den induftrielofen Bergen wieder herzuftellen, und fo wurde der in Frankreich doch ziemlich grofse Bedarf an Luxusmarmor durch mehr als 40 Jahre, feit unter Napoleon I. wieder eine Bau- Epoche begonnen hatte, mit fremdem, meift italieni fchem Materiale befriedigt. Die vorzüglichften eingeführten fremden Sorten waren: la Brèche violette de Serravezza le Bleu fleuri le Bleu turquis le Jaune de Sienne وو le Portor de la Spezzia le Portor de le Levante. 99 Der Marmorhandel wurde in diefer Periode nicht fehr rationell betrieben und die Waaren durch den Zwifchenhändler, der fich zwifchen den Stein 14 Heinrich Wolf. bruchbefitzer, den Fabrikanten und den Arbeiter drängte, wefentlich vertheuert. Dem Haufe Dervillé& Comp. ift es feit dem Jahre 1840 durch allmälige Vergröfserung der Gefchäfte gelungen, den Zwifchenhandel zwifchen der Erzeugung des Rohmateriales und der Fertigftellung der zu confumirenden Waare zu befeitigen. Diefem Haufe ift es auch gelungen, die alten verlaffenen Steinbrüche wieder dem Betriebe zuzuführen und noch neue Lagerftätten koftbaren Materials für Decorationszwecke zu entdecken. Diefe Firma erzeugt nun nach vielfältig mifslungenen Verfuchen fünf. zehn verfchiedene Sorten von franzöfifchem Marmor, welche nicht nur im Hausgebrauch, fondern auch für innere und monumentale Ausfchmückung Verwendung finden. Diefe Firma fandte Rohblöcke des fchönen Gefteines Sarrancolin bei dem Badeorte Bigone in den Hochpyrenäen, von 3-4 Kbm. Inhalt. Preis: 800 Francs pr. Kbm. à Paris. Von diefem Gefteine find die 30'5" hohen Säulen, Monolithe, an der grofsen Stiege der Neuen Oper in Paris und die 16 Säulen im Neuen Louvre. Le Griotte vive bei Carcaffone im Departement du Herault findet vorzüglich feine Verwendung bei Ausfchmückung oder Verkleidung der Innenräume, wie im Sitzungsfaal des gefetzgebenden Körpers, der Neuen Oper, bei grofsen Handelsfirmen zur Anfertigung anderer Luxuswaaren, wie fie Barbe dienne, Paillard, Cornu, Deniere und Andere in Wien zur Ausstellung brachten. Der Preis variirt je nach der Qualität von 650-800 Francs pr. Kbm à Paris. Le blanc statuaire de St. Béat bei dem Badeorte Luchon in Haut- Garonne ift der einzige weifse franzöfifche Marmor, welcher mit dem Marmor von Carrara bei Sculpturarbeiten einigermafsen in Concurrenz tritt. Die Bafen und Capitäler zu den Säulen aus Sarrancolin in der Neuen Oper zu Paris und hunderterlei Sculpturarbeiten, darunter le premier miroir von Baryault, fowie einige Statuen in der franzöfifchen Abtheilung der Kunsthalle find aus diefem Marmor. Derfelbe wird um 800 Francs pr. Kbm. abgegeben. Le Languedoc bei Carcaffone, Departement Herault. Diefer Marmor ift vielfach verwendet in Marſeille, ferner in der Kirche Skalci in Venedig, S. Martino in Neapel, S. Anunziata in Genua, zu vielen Säulen im Neuen Louvre, am Place Napoleon III.; jene des Brunnens S. Michele im Parke Monceau find von diefem Marmor. Preis 550 Francs pr. Kbm. à Paris. Le vert des Alpes bei Barcelonette, Departement Bas- Alpes, auch Vert de Maurin genannt, ein in der äufserlichen Erfcheinung dem Serpentin fehr ähnlich fehender Marmor, ift ebenfalls vielfach verwendet in der Neuen Oper, im Neuen Louvre, in Weſtminſter zum Grabdenkmal des Prinzen Albert: wird fehr begehrt für England und Belgien. Der Preis ift 800 Francs pr. Kbm. Von den anderen Brüchen koftet pr. Kbm. à Paris: La Griotte Campan bei Carcaffone, Departement Herault. Le rose bei Carcaffone, Departement Aude Marie- Jane bei Luchon. Breche d'Alep, Bouches de Rhône Jauné St. Beaume, Departement du Vâr. Rofe Enjugeraie, Departement du Sarthe. Grand Antique, Departement du Nord. Saint Anne Noir francais Le Hergies • • . 650 Francs . 650 . 700 • . 55° • 55° . 450 29 י י " " • 400 " $ 450 " $ 300 77 . 300 99 Die letzteren drei Sorten werden gebraucht für wohlfeilere Waaren, wie Blumenftänder, Tifch- und Kaftenplatten und billige Kamine, und find haupt. Steinwaaren. 15 fächlich geeignet, mit den fehr billigen gleichartigen Producten aus Belgien zu concurriren. Die franzöfifche Marmor- Induftrie ift hauptfächlich concentrirt im Departement du Nord, Languedoc und Pyrenäen. Die feinere Ausarbeitung zur Luxuswaare und deren Montirung mit Ebenholz, Bronze etc. erfolgt in Paris, welche Stadt auch in diefer zum Theil höchft originellen, gefchmackvollen Arbeit bisher den erften Rang behauptete. Die Firma Dervillé& Comp., welche fich fo grofse Verdienfte um die Entwicklung der Stein- Induftrie in Frankreich erwarb, befitzt fechs Fabriken, welche mit Dampf- und Wafferkraft reichlich ausgeftattet find, zu Honduin, Hon, Hergies, Pont Sambre, Jeumont und Valenciennes, dann Waarenhäufer in Paris, Marfeille, Bruxelles, Portier, Cette und auch in NewYork für den amerikaniſchen Bedarf, welcher in den letzten Jahren ein ftets fteigender wird. Dervillé erhielt die Fortfchrittsmedaille. Von anderen Firmen hatte noch Herr Favrè Parifer Baufteine in der Gröfse von 2 Kbm. in der franzöfifchen Agriculturhalle ausgeftellt. Die Herren Civet fils& Comp. in Paris fandten Quader aus Kreidefandftein und Kalken, ferner eine Collection Mufterfteine, welche die Mannigfaltigkeit des Materiales bezeugten, worüber diefe Firma verfügt. Eine zur Vertheilung gelangte Brofchüre gab Auskunft über die Lagerungsverhältniffe der gewinnbaren Steinbänke, über das Gewicht pr. kubifchen Meter, über die rückwirkende Feftig. keit und über jene öffentlichen Bauten, bei welchen die vorgelegten Mufterfteine, für Säulen, Statuen, Kamine und diverfe ornamentale Arbeiten Verwendung fanden. Diefer, nebft Dervillé eine der erften Firmen Frankreichs, wurde die Verdienftmedaille zuerkannt. Die Vereinigten Gefellfchaften der Dachfchiefergruben zu Rimogne in den Ardennen hatten durch ihre Vertreter, Gebrüder Rother in Bingen am Rhein, ihre Chloritfchiefer von ausgezeichneter Qualität und fehr grofser Haltbarkeit in einem eigenen Pavillon zur Anficht gebracht. Diefe Gefellfchaft hat grofse, mit Mafchinen betriebene Werkstätten, in welchen nicht nur die Schablonenfchiefer, fondern auch Fufsbodenplatten, Platten für chemifche Fabriken u. a. m. gefchnitten und gehobelt werden. In diefem Pavillon waren aber nicht nur die grüngrauen Ardennenfchie. fer, fondern auch rheinifche fchwarze Schiefer und die englifchen violetten Schiefer zu einer effectvollen Dachdeckung, welche Herr Schieferdeckermeifter Schwabe in Wien ausführte, benützt. Die Vertreter diefer Gefellſchaft verftanden es, durch eine zweifache Ausftellung von der Jury der Gruppe IX die Verdienftmedaille und von der Jury der Gruppe XVIII das Anerkennungsdiplom zu erringen. Schweiz. Die Schweiz war vertreten durch das Cantonsbauamt in Schaffhaufen, welches Baufteine, Sandſteinwürfel in der Gröfse von I Kbf.' und durch Herrn Bavier Simon in Chur, welcher Tifchplatten von Bündtner Marmor und von Serpentin fandte. Es waren reine, nette Arbeiten. Herr Bavier erhielt das Anerkennungsdiplom. Nicht unerwähnt dürfen auch die Schweizer Arbeiten der Haus- Induftrie in Serpentin bleiben. Es find diefs die Töpfe und Keffel für den Hausgebrauch, welche im Canton Teffin fehr verbreitet sind und theilweife auch wegen ihrer Billigkeit in das angrenzende Italien ausgeführt werden. Patocchi Jofef in Bignasco fandte Töpfe und Keffel in allen Dimen fionen, wie fie auf offenen Feuerherden in den von grofsen Verkehrswegen entfernten Gebieten noch in Verwendung ftehen. 16 Heinrich Wolf. Diefer Serpentin liefse fich mit den neueren Mitteln der Technik wohl noch beffer verwerthen. Italien. An eigentlichen Baumaterialien fandten die italienifchen Producenten nur Weniges, während für die decorative Ausftattung von Innenräumen die italienifchen Firmen durch ihr Auftreten, en mafse" allen übrigen Ländern imponirten, abgefehen von den zahlreichen Genre arbeiten, welche als Statuetten, nicht wie fichs gebührte, in der Kunfthalle, fondern in dem ohnehin zu beengten, der Induftrie zugewiefenen Raume fich breit machten. Derlei Arbeiten werden in der nächften Abtheilung befprochen werden. Marmor, als Handels- und Exportartikel, liefert wohl Italien aus feinen alten berühmten Brüchen in den apuanifchen Alpen bei Carrara, Mafsa, Seravezza in alle Welttheile, und nimmt in diefer Richtung den erften Rang ein. Der Exportwerth betrug im Jahre 1872 an 10 Millionen Lire( 9,960.000). Die Firma Binelli fratelli war die einzige, welche Rohblöcke von Marmor als Handelsartikel einfandte, u. z. von den verfchiedenen Varietäten: I. den reinen Statuenmarmor, welcher blendend weifs ift und höchft feine mikrokryftallinifche Structur befitzt; 2. den mit feinen dünnen, dunkleren Adern durchzogenen weissen Marmor ( ftatuario venato); 3. den Bardiglio, einen mit feinen zickzackförmigen dunklen Adern durchzogenen, nicht mehr reinweifsen Marmor, aber von höchft feinkörniger Structur und gleich dem Statuenmarmor leicht bearbeitbar, von taubengrauer Färbung; 4. den Ordinario, welcher wegen feines gröberen Kornes, gröfserer Härte und unreinerer Farbe nicht mehr zu Statuen verwendet werden kann, fondern zu Tifch- und anderen Belegplatten verfchnitten und fo in den Handel gebracht wird. Diefe Firma fandte Blöcke von 2.5 Meter Länge, I 25 Meter Breite und Io Meter Dicke. Die Steinarbeiten von Pegraffi Salefio e figli in Verona in dem Oolith von Volargne im Etfchthale, und jene der italienifchen Gefellfchaft für hydraulifchen Kalk und Cement in Bergamo, welche gebohrte Steinröhren für Wafferleitung aus demfelben Materiale und auch Zimmeröfen aus Serpentin ausftellte, wurden durch Auszeichnungen anerkannt. Analog wurde die Giunta fpeciali di Trapani für die Exponirung von fchwarzen und gelben Marmoren mit einem Anerkennungsdiplom belohnt. An Deck- und Pflafterplatten waren von der Giunta mineraria di Torino, den Brüdern Fontana und der Firma Ganna Severino in Luferna Gneifsplatten in wirklich riefigen Dimenfionen ausgeftellt, mehr um die Qualität und Gleichartigkeit des Materiales, welches für die Längen- und Breitendimenfionen in verhältnifsmässig fehr dünnen Platten ganz ebenflächig bricht, zu zeigen, als die wirkliche Handelswaare zu exponiren. Es waren Platten von 7:35 Meter Länge, 140 Meter Breite un o 18 Meter Dicke neben anderen von 4'7 Meter Länge, 2.5 Meter Breite und nur o'02 Meter Stärke zu fehen. Von eigentlichen Dachfchiefern und Schreibtafeln aus Culm- oder Liasfchiefern waren aus Italien nur von Lavagna bei Genua Repräfentanten eingefandt durch die Firma Repetto Gaspare. Diefe Firmen erhielten ebenfalls Anerkennungsdiplome. Schweden- Norwegen leiftet Vorzügliches in Bearbeitung der harten Steine, wie: Porphyre, Granite, Syenite. Diefs zeigten fchon die Mufterfteine, welche von der geologifchen Landesanftalt ausgeftellt waren. Steinwaaren. 17 Die Monolithe, welche für Grabdenkmäler beftimmt, aus grobkörnigem Syenit mit fleifchrothen Orthoklas, grünlichgrauem Quarz von Kullgren in Uddevalla eingefandt waren, fo auch ein Taufbecken aus Porphyr von der königlichen Domäne Ladegaard föen, und die Arbeiten aus der Strafanft alt in der Akerhusfeftung in Chriftiania, beftehend in Stiegenftufen, Sockeln, kleineren Grabmonumenten, Vafen von Granit, welche fich aufserdem noch durch grofse Billigkeit bemerkbar machten, zeigen eine Reinheit der Arbeit, die in gleichem oder ähnlichem harten Gefteine durch andere Länder nicht in folcher Vorzüglichkeit zur Anficht gebracht wurden. Schweden Norwegen behauptet in diefer Art Exportwaare gegenwärtig den erften Rang unter allen übrigen Ländern. J. Kullgren erhielt die Fortfchrittsmedaille, die übrigen Ausfteller Anerkennungsdiplome. Dänemark. Aus Dänemark waren an natürlichen Baufteinen nur jene aus den Steinbrüchen von Faxoe auf Seeland eingelangt. Es waren Gefimsftücke aus Sandftein, und Grabmonumente von Marmor. Obgleich nicht zu entnehmen war, wer der Ausfteller diefer Einfendung gewefen, ob irgend eine Gemeinde oder eine andere Corporation, fo wurde doch ein Anerkennungsdiplom, unter der Ortsbenennung Faxe. dem Ausfteller diefer Gegenftände zugefprochen. Belgien befitzt eine bedeutende Stein- Induftrie für Decorationszwecke und in Gegen. ftänden für den Hausgebrauch, welche meift diefelben Fabrikanten betreiben, die als franzöfifche Ausfteller ihre Gefchäfte yon Paris aus leiten, oder auch umgekehrt, belgifche Fabrikanten, die ihre Commandite nicht nur in Brüffel, fondern auch in Paris haben. Muſterſtücke in der Breite von o 75 Meter und Höhe von 15 Meter, bei 002 Meter Stärke waren ausgeftellt von Puiffant frères. Darunter war der tieffchwarze und politurfähige Kalk, bekannt unter dem Namen„ Marmor von Namur, fpeciell bezeichnet als Noir de Golzines, in der Gemeinde Boffière. aus Die übrigen, mehr communen Sorten, welche die Concurrenz mit denen Südfrankreich für Decorationszwecke nicht befiegen können, dagegen aber allgemeinere Verwendung und ihren Vertrieb auch nach Deutfchland und England finden, find: Bleu de Saulme, Gemeinde Saulme; St. Anne, Gemeinde Luftin; St. Remybleu, Gemeinde de Rochefort; Imperial( roth mit weifsen Flecken), Gemeinde Vodélée; Bleu Belge( fchwarz mit weifsen Striemen), Gemeinde de Bouffioulx, Pr. de Hainaut; Griotte, Gemeinde Vodélée, Provinz Namur; Brêche de St. Gerard etc. etc. Ferner find der Sandftein von St. Gerard, die Breccie von Wailfart, beide aus der Kohlenformation in der Provinz Namur fehr ftark verwendete Materialien; ebenfo der fogenannte Granit, ein fchwarzgrauer Marmor, deffen körniges Ausfehen von den zahlreichen Crinoidenftielen stammt, die fich als weifser Kalkfpath von der dunkleren Grundmaffe deutlich abheben und ihm den Namen verliehen. Puiffant frères erhielten die Verdienftmedaille. 2 18 Heinrich Wolf. Die Firma De Jaiffe Devroye aus Mazy- Golzines in der Provinz Namur zeigte die verfchiedene Bearbeitung eines Rohblockes vom Bruche bis zur feinften Politur. Die Ausftellung diefer Firma in der Hauptgallerie, eine Vafe auf einem 15 Meter hohen Piedeftal aus Noir fin mit Goldverzierung, zeigt unübertroffene Reinheit der Arbeit( Verdienftmedaille). Ebenfo find zu erwähnen die Firmen: Vincent fils( Verdienftmedaille), A. Lintello in Brüfsel( Anerkennungsdiplom), F. Tainfy, successeur de A. J. Leclercq( Verdienftmedaille). Deutfches Reich. Das Deutfche Reich war fehr vorzüglich vertreten und auf dem Ausftellungsplatze gut fituirt, und zeichnete fich nicht fo durch Zerfplitterung feiner Gegenstände, die in ein und diefelbe Gruppe gehörten, aus. Es zeigte eine grofse Anzahl von bearbeiteten Steinen, die auch in anderen Induftrieen, als im Baufache, Anwendung finden. Es verdienen hervorgehoben zu werden: Maximilian Pougnet zu Landroff in Lothringen, mit riefigen Sandfteinblöcken( Kohlenfandftein) von 3 Kubikmeter Inhalt, grofsem Brunnentrog und Sandfteinplatten. Franz Ritterrath in Trier, mit feinen Säulen aus Sandftein, 4 Meter hoch, o7 Meter Querfchnitt und mit Platte von 3.50 Meter Länge, 2.0 Meter Breite und o 25 Meter Dicke. E. Rothfchild in Stadtoldendorf( Braunfchweig), mit feinen Tiſchplatten, Gefimsftücken und Stiegenftufen aus Rothfandftein( Dyas). C. A. Merkel zu Halle an der Saale, für feine Quaderfandftein Producte, deren Hauptabfatzgebiet Berlin ift. Die Steingewerkfchaft Haidhof und Granitgewerkschaft Nabburg in Bayern, mit Pflafter-, Rand- und Rinnfteinen aus Granit. C. Kulmiz in Saarau, Schlefien, wegen feines gleichmäfsig feinkörnigen Granits, wovon Platten 4.80 Meter lang, 2.70 Meter breit und nur 0 18 Meter dick, ferner Säulenfchäfte von 56 Meter Höhe und von 0.80 und 0 60 Meter. Querfchnitt vorlagen. Der Solenhofer Actienverein, welcher die Pflafter- und Malztennenplatten aus den oberjuraffifchen Kalkmergeln und Lithographiefteine, von 20 Meter Länge, 1'40 Meter Breite geätzt, exponirte( Fortfchritts medaille). Ehrhardt Ackermann in Weifsenftadt( Fichtelgebirg), zeichnete fich durch Reinheit in der Bearbeitung harter Steine, wie Syenit, Granit und Porphyr, aus. Er ftellte einen Obelisk und zwei Fontainefchalen aus rothem und fchwarzem Granit, Säulenfchäfte, Taufbecken, Grabpyramiden etc. und eine Suite Mufterſtücke von den auf feinen Werken bearbeiteten Gefteinen aus. Für die vorzügliche Bearbeitung, Reinheit des Materiales, Billigkeit der Producte und ausgedehnten Betrieb erhielt Ackermann die Fortfchrittsmedaille. L. W. Grimm in Schwarzenbach am See( Fichtelgebirge), welcher den rothen Granit zum Schubert- Denkmal in Wien lieferte, fandte ebenfalls Säulen und Tifchplatten mit eingelegter Arbeit. Die weftphälifche Marmorwerks- Actiengefellfchaft zu Allagen bei Soeft lieferte aus ihren Brüchen in den devonifchen und den Kohlenkalken des Rheins die 34 grofsen Säulen, am Ausgange der Rotunde zu dem Pavillon, welcher die Collectiv- Ausftellung der rheinifchen Seidenfabrikanten umfchlofs. Eine kleine Collection gefchliffener Handftücke von den verfchiedenen Brüchen ergänzte diefe Expofition. Für ausgedehnten Betrieb, und für zweckmäfsige Einrichtung des mafchinellen Betriebes in Schleif-, Schneid- und Polirarbeit ward diefer Firma die Verdienftmedaille zugefprochen. Steinwaaren. 19 In Schieferwaaren, Dachfchiefer, Pflafterplatten zeichneten fich die Leheftener Collectiv. Ausftellung und die Schieferbau ActienGefellfchaft Nuttlar a. d. Ruhr aus. Erftere durch das gleichmässig dünnfpaltbare Material für Dachfchiefer( Verdienftmedaille). Letztere durch die Bearbeitung der Schieferfteine zu Billard-, Piffoir- und Tifchplatten. Der Speck ftein, der in Deutfchland bei Göpfersgrün im Fichtelgebirge. in gröfserer Menge gefunden wird, liefert Exportartikel von auf der Drehbank geformten Waaren wie: Gasbrenner, Spindeln für Spinnereien etc. Ausfteller waren: Lauboeck und Hilpert zu Wunsiedel in Bayern, Ernft Schwemmer und J. v. Schwarz in Nürnberg. Letzterer brachte nicht nur Gasbrenner, fondern er fuchte auch Figuren und Vafen darzuftellen( Anerkennungsdiplom). Oefterreich hat durch feine in der letzten Zeit durchgeführten Eifenbahnbauten und namentlich durch den Auffchwung der architektonifchen Bauten in Wien bedeutende Fortfchritte in der Stein- Induftrie gemacht Waren fchon früher die erften Steinmetzen Wien's für kunftvollere Arbeiten eingerichtet und mit Schleifereien verfehen, um den localen Bedarf zu decken, und hatten fich die Herren: Juftin Robert in Ober Alm bei Salzburg und Cloetta & Schwarz in St. Croce bei Trieft mit den von ihnen errichteten Schneid-, Sägewerke und Schleifereien für den Export gerüftet, fo fchienen doch diefe gröfseren Werke dem riefigen Auffchwunge, den die Bauluft in der Periode 1868-1873 nahm, nicht zu genügen, und Actiengeſellſchaften entftanden, welche den Baumaterialienmarkt zu beherrfchen fuchten, und zwar durch beffere Ausnützung der natürlichen Lagerftätten und rationelle Einrichtung in der Gewinnung der Rohmaterialien, durch mafchinellen Betrieb. Solche Unternehmungen find: die Actiengefellfchaft für Strafsenund Brückenbau, welche vorzüglich die Exploitirung der grofsen Granitfteinbrüche in Mauthaufen und Neuhaus a. d. Donau zur Bafis ihrer Thätigkeit wählte; ferner die Schärdinger Granit- Actienge fellfchaft, die niederöfterreichifche Steingewerkfchaft, die Olmützer Schieferbergbau-, dann die erfte öfterreichifch fchlefifche Schieferbaugefellfchaft, die böhmifche Actiengefellfchaft für Baumaterialien in Prag, die Perlmo ofer Portland Cement Actiengefellfchaft etc. etc. Alle diefe Gewerke hatten theils felbftftändige Pavillons oder ftellten in fonft effectvoller Weife in den Gallerien und Höfen aus. - Vor Allem war hervorzuheben: Der Pavillon der Strafsen und Brückenbaugefellfchaft, in welchem der ganze Betrieb, in Zeichnung und Tabellen, dargestellt war. Die Producte, durchaus Arbeiten in Mauthaufener und Neuhaufer Granit, waren Obft- und Gypswalzen, Säurebehälter, Canalzüge, Pferdemufcheln, Grabmonumente, Quadern aller Art, Pflafter- und Randfteine. Auch wurde das Spalten grofser Blöcke, mit Bohrung zahlreicher tiefer Bohrlöcher mittelft der Burleigh'fchen Mafchine am Ausftellungsplatze gezeigt, welches die Vortheile gegenüber der bisherigen Methode, mittelft Schrämen und Keilen zu fpalten, erweifen follte. Die nachträglichen Erfahrungen haben jedoch ergeben, dafs durch diefe Neuerung zwar ſchneller gröfsere Blöcke gefpalten werden können, aber die Koften der Arbeit unverhältnifsmäfsig theurer feien. Es wurden erzeugt ebenflächige Platten von 0.25 Meter Stärke, 5 Meter Länge und 3 Meter Breite. Für ausgedehnten Betrieb, Einführung neuer Gewinnungsmethoden etc. ward diefer Gefellfchaft die Fortfchrittsmedaille zugefprochen. Die Firma Cloetta& Schwarz in Trieft, welche einen grofsen Export nach Conftantinopel, Salonichi, Smyrna, Alexandrien, Cairo mit den fo aus2* 20 Heinrich Wolf. gezeichneten Karftkalken von St. Croce betrieb, und einen bedeutenden Confum in neuerer Zeit auch in Wien zu decken hatte, occupirte einen freien Raum hinter dem Kärntner Pavillon und zunächft dem Pavillon der Strafsen und Brückenbaugefellſchaft. Als Unicum zeigte fie einen Rohblock von tadellofer Reinheit und Gleich artigkeit des Steines von St. Croce, in einer Länge von 12 Meter und von nur 0.8 Meter Breite; ferner eine Säule von 12 Meter Höhe, deren Capital, Bafe und Sockel aus verfchiedenen Gefteinen combinirt war. Das Capital, wie die Bafe, war aus lichtem Rudiftenkalke von St. Croce, erfteres rein behauen, fein geftockt, letztere gefchliffen. Die Säule felbft und das Poftament waren aus dem hell- und dunkelgrau gefleckten Marmor von ReppenTabor( Fiorito di Tabor genannt), der Mittelfockel jedoch beftand aus der hellfleifchrothen Kreidebreccie von Buccari. Die tieffchwarzen Marmore von Reppen eignen fich zu Gefimfen, Einfaffungsleiften, Tifchplatten etc.; eine Platte von 4 Quadratmeter und von nur 0.04 Meter Dicke, rein gefchliffen und polirt, zeigte die Schönheit und Reinheit diefes Materiales. Cloetta& Schwarz errangen fich für ihren Export und für grofsen Betrieb mit Dampffchneiderei, Schleiferei und Dreherei die Fortfchrittsmedaille. Die Böhmifche Actiengefell fchaft für Baumaterialien hatte in der Quergallerie, 11. Abtheilung, einen Kamin aus rothem filurifchem Marmor, Pflasterplatten diverfer filurifcher Marmore der Umgegend Prag's, in gefchliffenem Zuftande, Saturationskalk, dann Cement und Cementplatten ausgeftellt. Die fonft guten Materialien, namentlich des Cementes, welcher bei den Probearbeiten auf dem Ausftellungsplatze nur eine fehr unaufmerkfame Behandlung erfuhr, liefsen den erzielbaren Effect nicht recht erkennen. Für grofsen Betrieb wurde diefer Gefellſchaft die Ehrenvolle Anerkennung zu Theil. Die Oefterreichifche Bergbahngefellfchaft hatte die von Robert gegründeten Marmorwerke zu Ober- Alm bei Salzburg von deffen Erben, dem Baron v. Löwenftern übernommen und ftellte die verfchiedenen Marmorforten der Adnether Brüche aus. Es find diefs der dichte, gelb bis grauliche weifse Kalk des Kirchenbruches von Adneth( weiſser Jura); der gelblich bis fleiſch und rofenroth gefärbte, und auch durch die eingefchloffenen Verfteinerungen, welche in Kalkfpath umgewandelt find, weifs gefleckte Kalk des Bruches St. Urbano; der feurigrothe mit fchwarzen Ringen durchzogene Marmor des Lienbacher Bruches, welcher fich für Schmückung der Innenräume fo fehr eignet; die dunkelroth bis braunen feinmufchligen Bruch zeigenden Marmore aus dem Motzau, Langmoos- und Schneelbruche, welcher zu Stiegenftufen, Säulen, Thür- und Fenstereinfaffungen, Podeftplatten und Ballluftern hauptfächlich verwendet wird, dann der fogenannte Domberger Scheckmarmor, welcher mit rother dichter Grundmaffe einem grofsen Korallenriff feine Entstehung verdankt, deffen cylindrifche Verzweigungen, in Kalkfpath umgewandelt, im Querſchnitte die weifsen runden Flecken im rothen Grunde erzeugen, worin die Benennung Scheckmarmor und Tropfmarmor begründet erfcheint. Alle diefe Marmore find fehr milde, laffen fich gut hobeln, drehen und bohren, nehmen auch leicht eine fchöne und dauerhafte Politur an, fo dafs fie zu den feinften ornamentalen Luxusarbeiten verwendet werden können. Die Hauptproduction der Ober Almer Fabrik liegt jedoch in der Herftellung der fogenannten Mofaikfufsbodenplatten, welche wegen des glänzend feinen Schliffes und der Politur unter dem Namen ,, Glasmofaik" ausgeftellt waren. Aus den vorhin erwähnten, verfchieden gefärbten Marmoren werden die Abfälle weiter verkleinert, und durch Cement, welchem die natürliche Färbung Steinwaaren. 21 der verwendeten Steine gegeben wird, wieder gebunden und in die Plattenformen geprefst, welche nach einiger Zeit abgefchliffen und egalifirt werden. Es läfst fich nach eingefandter Zeichnung jedes Farbenmufter ausführen, jedoch befchränkt fich der Fabriksbetrieb für currente Waare auf 4 Mufter, u. z: und die Steine weifs find, I. 2. 3. 4. wo der Grund weifs 94 99 " " 9 64 roth fchwarz roth 99 " 99 99 " fchwarz und weifs find und 99 " 99 99 99 Von diefer Fabrik waren ausgeftellt: Fufsbodenplatten, Wandverkleidungen, Podeftplatten, Stiegenftufen, Säulen, Piffoirplatten, Ofenfockeln etc. etc. Herr Franz Goriup in Görz fandte Breccienmarmorplatten in der Stärke von 2 Centimeter, welche mit der Handfäge gefchnitten waren. Herr Wilhelm Köchl ftellte den Brixener Granit, eigentlich den von der Franzensfefte in einem nett gearbeiteten Würfel in der Gröfse von I Meter Kan tenlänge aus, deffen eine Fläche gefchliffen und polirt war. Diefer Granit, eigentlich ein Centralgneifs, wurde hauptfächlich bei den Viaducten und Brücken- Objecten der Pufterthalerbahn verwendet. Herr Luzzato in Aleffandria brachte die Breccienmarmore aus den Brüchen von Grifignano und Rovigno in Iftrien zur Anfchauung, die vorzüglich als Stiegenftufen Verwendung finden. Ferner aus dichtem Karftkalk 2 Säulen: a) 4 Meter hoch und o 45 Meter Durchmeffer; b) 5 Meter hoch und o'54 Durch meffer. Diefem wie dem vorgenannten Ausfteller Goriup wurden Anerkennungsdiplome zuerkannt. Herr Giovanni Meneguzzi in Arco, Südtirol, brachte den doitigen juraffifchen Oolith in einem Säulencapital und in mechanifch gebohrten Wafferleitungsröhren zur Ausftellung. Diefe Röhren, von 4-16 Centimeter innerem Durchmeffer und mit 4-6 Centimeter Wandftärken, halten durchschnittlich einen Wafferdruck von 5 Atmoſphären aus, und werden pr. laufenden Meter in vorgenannter Dimenfion zum Preife von o 76-3.36 fl. Silber loco Fabrik geliefert. Gröfserer Wafferdruck erfordert gröfsere Wandftärken und bedingt höhere Preife. Für die vorzüglich reine Arbeit an dem Capitäl und für die grofse Erzeugung von Wafferleitungsröhren aus vorzüglichem Materiale wurde diefer Firma die Verdienftmedaille zuerkannt. Herrn Anton Ohrfandl in Klagenfurt gebührt das Verdienft, die mehr als locale Bedeutung des fchon den Römern bekannten Pörtfchacher Marmors erkannt und zur Geltung bei den Bauten in Wien gebracht zu haben. Von diefem weifsen, feinkörnig kryftallinifchen Kalke, welcher in verfchiedene, jedoch immer lichte Färbungen, wie die Pfirfichblüthe und in die des Taubengrauen übergeht, war eine reiche Collection verfchiedener Gegenftände, ausgeftellt. Aber auch von dem Treffener( Krafsthaler) kryftallinifchen Marmor, weifs bis blaugrau von Farbe, und von dem rothen, erft neu entdeckten Altendorfer Bruch waren rohe und verfchieden bearbeitete Werkſteine, Säulen, Grabmonumente, Pflasterplatten etc. ausgeftellt. Für die Einführung der Marmor Induftrie in Kärnten erhielt Herr Ohrfand die Verdienftmedaille. Herr Stanislaus Starowiejski von Krosno in Galizien brachte eine Kamingarnitur aus Sandſtein von Odczykow, eine Schale vom Krzeszowicer Porphyr und zwei Vafen von fchwarzem Dembniker Marmor zur Ausftellung. Für die reine und nette Arbeit erhielt er das Anerkennungsdiplom. Herr Johann Steinhäufer in Laas( Südtirol) brachte aus den, dem Carrara Primaforte( Statuenftein) fehr nahe ftehenden, aber ihn in der Dauerhaftigkeit übertreffenden La afer Marmor zwei Kamine, Tifchplatten und Fufsbodenplatten zur Ausftellung. 29 Heinrich Wolf. Das Vorurtheil, welches die Wiener Bildhauer gegen die Verwendung diefes Steines als Statuenftein ftatt jenes von Carrara hegen, ift von den Münchener Bildhauern längft überwunden. Auch in Wien dürfte eine energifche Unternehmung diefem Steine volle Geltung zu verfchaffen wiffen. Herr Steinhäufer erhielt die Verdienftmedaille. Herr Torrelli Giulio in Rovereto( Südtirol) ftellte 56 Marmorforten aus dem Jura Südtirol's und des Etfchgebietes zwifchen Trient und Verona, in prachtvollem Tableau, auf einem Sockel von Rosso di Trento und einem bruno di Caftione aus. Diefe Stücke waren Quadrate von 20 Centimenter Stärke, eine Seite gefchliffen und polirt, wobei die Wirkung der Farbentöne der verfchiedenen Sorten, gut ftudirt, zur vollen Geltung gelangte Herr Torrelli erhielt die Verdienftmedaille. Aus Südtirol wurden noch kryftallinifche Marmore, mehr oder weniger ähnlich dem Laafer, von den Gebrüdern Schmidinger aus Göflan und von Herrn Georg Mutfchlechner ein Marmor von Ober Burgftein im Thale Tauzers, einem Seitenthale des Pufterthales, ausgeftellt. Von letzterem Punkte waren Blöcke und Stiegenftufen, Gefimsftücke verfchiedener Dimenſion und Bearbeitung vorgelegen. Für Exploitirung diefes neuen Materiales ward Herrn Mutfchlechner die Verdienstmedaille zuerkannt. Die Dachfchiefer- Induftrie Oefterreichs, welcher in den jüngften Jahren eine bedeutendere Aufmerkfamkeit zugewendet wurde, und welche bisher nur mit geringem Capital, und meift nur von den Grundbesitzern( einzelnen Bauern) im Tagbruche betrieben wurde, erhebt fich allmälig auf jene Stufe, die die gleichen Induftriezweige am Rhein, in Belgien, Frankreich und England feit langem innehaben. Bekannt find die zahlreichen Brüche, welche zwifchen Olmütz und Troppau und weiter in diefer Richtung gegen Jägerndorf in Oefterreichifch- Schlefien, in mehreren Zügen des Culmfchiefers( der unteren und unproductiven Kohlen formation angehörig) angelegt find. Diefe concentriren fich mehr und mehr in fefter Hand. Man unterfcheidet, den Lagern nach, einen unteren Klotz oder Blockfchiefer, deffen Schieferungs- und Spaltungsflächen mit der Schicht oder Ablagerungsfläche nicht parallel find, d. h. eine falfche Schieferung durch Seitendruck hervorgebracht zeigen. Dann unterfcheidet man einen hangenderen Stockfchiefer, welcher zwar parallel der Schichtung fpaltet, aber in dickeren Schichten bricht. Eine dritte Varietät bildet endlich der fogenannte Blattelfchiefer, welcher ebenfalls parallel der Schichtung, aber vollkommen ebenflächig in fehr dünne Platten ſpaltet. Diefe letztere Varietät ift diejenige, welche dem englifchen Schiefer zunächft fteht und in der Qualität und Ebenflächigkeit die rheinifchen und belgifchen Schiefer überholt. Von den verfchiedenen Ausftellern verdienen hervorgehoben zu werden: Die erfte öfterreichifch- fchlefifche Schieferbruchgefellfchaft des A. Alfcher, J. Hanel& Comp. in Eckersdorf und Freihermersdorf bei Dorftefchen nächft Troppau. Diefe zeigten eine complete Sammlung lackirter Dachfchiefer und Schieferfteine in allen Muftern, wie Tifch- und Billardplatten, Piffoireinfaffungen, Pflafterplatten und kleinere Gegenftände wie Briefbefchwerer etc., zu verhältnifsmäfsig fehr billigem Preife wie z. B. Schieferplatte, 10 Fufs lang, 4 Fufs breit, I Zoll dick, um 35 fl. An Dachfchiefern waren Schuppen, Quadratfteine und englifche Rechtecke in den verfchiedenen Dimenfionen ausgeftellt. Die Maſchinenfchneiderei und Schleiferei geftattet, billige Preife zu ftellen. Steinwaaren. 23 Die Schieferbergbau- Actien gefellfchaft Olmütz hat das Verdienft, den Abbau der Schieferfchichten mittels Stollen zu bewerkstelligen, wobei durchaus in derfelben Schieferlage beffere Qualitäten erzielt werden, als mittels oberflächlichem Tagbau. Mit ihrem mafchinellen Betriebe in der Förderung, Wafferhaltung, ferner beim Zurichten und Hobeln der Schiefer ift fie im Stande, mehr als 250.000 Quadratklafter Dachfchiefer im Laufe eines Jahres zu gewinnen. Vorzüglich auf den Export eingerichtet, erzeugt fie ihre Schiefer in jenen Formen, die in anderen Ländern üblich find, wie englifche, belgifche, franzöfifche und böhmifche Schuppen, Schablonen und Quadratfchiefer, fowie englifche Rechtecke. Sie erzeugt Tifchplatten, rund gefchweift, von I fl. 50 bis 5 fl. pr. Stück, Fenfterparapetverkleidungen, Fenftereinfaffungen, alle Sorten Schriftplatten etc. Herr Carl Weifshuhn bei Wald- Olbersdorf in Oefterreichifch- Schlefien, nahe an der preufsifch- fchlefifchen Grenze, zeigte in einem geologifchen Profile die Lagerung und die Mächtigkeit der Schiefer in der Culmformation, wobei die einzelnen Lagen der Schiefer mit den darin vorkommenden Verfteinerungen fehr inftructiv ausgeftellt waren. Die Erzeugniffe diefes Herrn beftanden ebenfalls in verfchiedenen Sorten Dachfchiefer, nebft Tifch und Bodenplatten, fämmtlich von guter Qualität. Die vorgenannten Ausfteller wurden fämmtlich mit der Verdienftmedaille ausgezeichnet. Ungarn mit feinen Nebenländern. Das Oft Reich unferer Monarchie, deffen Bewohner erft in den Städten und Orten gröfseren Verkehres von der Lehmhütte zum Ziegelhaus, und erft in Ausnahmsfällen zum Steinpalaft vorfchreiten, hat noch eine wenig entwickelte Stein- Induftrie, diefe befchränkt fich auf die Hauptftädte. Gleichwohl haben die Grofsgrundbefitzer wie: Prinz Auguft von Sachfen- Coburg- Gotha oder die königlich ungarifchen Domänen in ihren landwirthschaftlichen und forftlichen Ausftellungen denfelben als Anhang auch die auf diefen Gütern vorkommenden nutzbaren Gefteine in mehr oder weniger gelungener Bearbeitung zur Anficht beigegeben. Bekannt feit langem find die rothen Marmorbrüche des Jura von Piske und Tokod bei Gran. Die Pefter Bauten zeigen die zahlreiche, faft ausfchliefsliche Verwendung diefes Gefteines als: Balconplatten, Stiegenftufen, Podeftplatten etc. Die Firma Anton Gerenday hat fich faft ausfchliefslich die Exploitirung diefes Materiales gefichert, und deren Arbeiten find nicht nur im Lande, fondern auch auswärts durch die verfchiedenen Ausftellungen gut bekannt geworden. Diefelben befchränken fich nicht auf die oben erwähnten currenten Artikel, fondern es waren allerdings auch fogenannte Ausftellungs. Effectftücke in genügender Anzahl exponirt. Wir erwähnen eine Marienftatue aus Carrara auf einem Piedeftal von rothem Pisker Marmor, ein Taufbecken von grauem Dognaczker Marmor, und Anderes. Diefer Pisker Marmor zeigt die im Juramarmor überall herrfchende nierenartige, dunklere Umgrenzung eines lichteren, reineren Kalkkernes derfelben Grundfärbung. Diefe dunklere Umgrenzung zeigt in deren Maffe den Kalk mehr durch Thon erfetzt, und hiedurch weicher als der umfchloffene hellere Kern. Die Witterungseinflüffe bewirken bald ein Erbleichen der Schliffflächen an diefen Stellen, und die fortgefetzte Verwitterung ein Ausbröckeln diefer dunkleren Umfchliefsungsmaffe, und hiedurch ein Vortreten des lichteren Kernes, ähnlich den Aftknorren im abgenützten Fichtenbrett. Diefem Umftande ift es zuzufchreiben, dafs am Wiener Platze der Pisker Marmor durch den Trientiner Marmor verdrängt wurde, welchem die erwähnten Uebelftände in bedeutend geringerem Maafse zukommen. Herr Gerenday erhielt die Verdienftmedaille. 24 Heinrich Wolf. Die Neufohler Steinbruchgefellfchaft, repräfentirt durch Adolf Weiís, exploitirte Sandſteine von gleichmäfsig feinem Korne, welches die Verwendung derfelben auch zu Schleiffteinen geftattet. Diefe Eigenfchaften waren an einem Rohblocke fichtbar, welcher 7 Meter Länge, einen Querfchnitt von o 6 Meter Kantenlänge zeigte. Der Preis per Kubikfufs zu 1 fl. 50 loco Bruch, zu I fl. 80 in Peft, erlaubt die Verwendung als Bauquader. Diefe Gefellſchaft erhielt das Anerkennungsdiplom. Die Staatsbahngefellfchaft, welche in höchft umfangreicher Weife in einem Pavillon die auf den ihr eigenthümlichen Domänen beſtehenden Induftrien und deren Producte zur Darstellung brachte, exponirte auch die Materialien der IX. Gruppe, und zwar Tifchplatten und Treppenftufen aus. dem dichten Kalke von Oravicza; Votivtafel, gefchliffen und polirt von dem Marmor in der Anina; Platten aus kryftallinifchem weifsen Marmor von Dognacska und eine gefchliffene Syenittafel von ebenda etc. etc. Die Preife berechnet die Gefellſchaft pr. Quadratfufs Stiegenpodeftplatten, in gleicher Bearbeitung glatte volle Vorlegftufen bis Peft bis Wien für Balconplatten, von einer Seite bearbeitet, mit einfachem Gefimfe 2 fl. 70 99 99 " " 2 2 20 " " 30 29 66 2 2 2 2 2 fl. 86 26 99 " 9 46 2, 76 3- 20 3- 36 mit Rundftab freitragende Stiegenftufen, die untere Fläche rauh, gefpitzt, mit Rundftab und Plattel Der Staatsbahngefellfchaft wurde von den Juroren der Gruppe IX die Verdienftmedaille zuerkannt. Herr Guftav Mofer, zu Warasdin in Croatien, brachte ein vorzügliches Bildhauermaterial von Vinica, nächft der Bahnftation Friedau in Steiermark, in einem Blocke, von 2 Meter Höhe und o 7 Meter Querfchnitt, zur Anfchauung. Es ift ein Foraminiferenkalk, ähnlich dem Margarethener Kalk, welcher unter dem Namen„ Margarethener Sandftein" von den Bildhauern verwendet wird. Der Stein von Vinica( fprich Vinitza) ift jedoch dichter und noch feinkörniger, daher für Bildhauer noch beffer geeignet. Herr Mofer erhielt das Anerkennungsdiplom. Obwohl Ungarn an mehreren Punkten Dachſchieferlager in älteren Formationen befitzt, werden diefe doch noch nicht ausgebeutet. Nur der Liasfchiefer, welcher die kleinen Karpathen an deren Weftfeite in der Nähe von Prefsburg flankirt, wird bei Marienthal, unweit Neudorf, von einer Gewerkfchaft ausgebeutet. Wegen feines höheren Kalkgehaltes gegenüber allen älteren Dachfchiefern befitzt er jedoch gegen Witterungseinflüffe nicht die gleiche Widerftandsfähigkeit. Die Marienthaler Schiefergewerkfchaft weifs diefen natürlichen Eigenfchaften, welche einer allgemeineren Verwendung im Baufache hinderlich find, durch Verwendung ihres Materiales zu Rechentafeln für Schulen, womit fie einen ausgedehnten Export erzielt, Rechnung zu tragen. Sie erzeugt auch gefchliffene und polirte Tifchplatten, Sockelfteine, gehobelte und gefchliffene Pflafterplatten. Diefer Gefellfchaft wurde die Verdienftmedaille zuerkannt. Die übrigen Länder Europa's konnten der Natur der Sache nach in dem gleichen Genre von Producten hinter Ungarn nur zurückſtehen. Aus Russland hat Herr Jofef Manfel von Smilow bei Schidlovetz im Gouvernement Radom Canalrinnen, Bottiche, Futtertröge, Thür- und Fenfterverkleidungen, Steinwaaren. 25 Brunnengrände, ferner Platten von 5 Meter Länge, 180 Meter Breite und nur o'15 Meter Dicke von feinkörnigem Sandftein ausgeftellt. Diefe Sandfteine find auch für Bildhauerarbeiten fehr geeignet. Der Ausfteller erhielt die Verdienftmedaille.. Rumänien. Aus Rumänien ftellte Herr Barbu Bellu, von Besdadu, einen Lithographirftein aus, welchem gefchliffen, das fürftliche Wappen, mit einem rumänifchen Texte begleitet, eingravirt war. Herrn Barbu Bellu wurde das Anerkennungsdiplom zugefprochen. Türkei. Aus der Türkei endlich waren durch Herrn Flamm in Tultfcha a. d. Donau Quadern von fchwarzem Marmor und Platten von rothem Sandſteine, wahrfcheinlich von den Balkangehängen, und ein Mofaiktifch ausgeftellt. Auch diefem Herrn wurde das Anerkennungsdiplom zugefprochen. Central- Afien. Aus Central- Afien hatte Dr. Leitner antike und moderne Steinwaaren ausgeftellt( Verdienftmedaille). Japan. Von Japan waren aus dem Arfenal von Jokumské Baumaterialien aller Art( inclufive Cement), darunter vorzüglich reine Arbeiten in Granit und Marmor ausgeftellt. Auch diefer Expolition ward die Verdienftmedaille zuerkannt. 3. STEIN WAAREN ( von mehr oder minder künftleriícher Ausführung). Ich trenne diefe Gruppe von den anderen Steinwaaren, welche eigentlich Baumaterialien find, ab, weil fie nicht mit demfelben Maafse gemeffen werden können, obgleich die Preife: Anerkennung, Verdienft- oder Fortfchrittsmedaille die gleiche Auszeichnung wie in der vorhin abgehandelten 2. Abtheilung diefes Berichtes andeuten. Die in diefer 3. Abtheilung zu befprechenden Producte dienen zur Ausfchmückung und Ameublement der Wohnräume, zur Schmückung von Monumentalwerken etc.; fie erfordern eine mehr akademifche, künftlerifche Ausbildung des Producenten, des Arbeiters. Es ift das Kunstgewerbe, welches hier als Producent auftritt. Diefes Moment wurde auch dadurch anerkannt, dafs zu den drei vorhin genannten Auszeichnungen hier auch folche für guten Gefchmack verliehen werden konnten. Wenn wir die Länder alle die Revue paffiren laffen, wie fie im Prater vertreten waren, fo fehen wir, dafs auch in der Gruppe der Steinarbeiten die Kunftinduftrie und das Kunftgewerbe in Frankreich die breitefte und folidefte Bafis bis heute behaupten, und dafs das franzöfifche Kunstgewerbe insbesondere das viel ältere italienifche mit Ausnahme der fogenannten Florentiner Mofaikarbeiten weit überholte. Abgefehen von Frankreich fehen wir die Beftrebungen auch in Oefterreich und in Deutſchland danach gerichtet, der Kunstinduftrie auf diefem Gebiete eine weitere gröfsere Bafis zu fchaffen. 26 Heinrich Wolf. England und danach Amerika rangiren erft hinter den letztgenannten Ländern. Rufsland jedoch fteht ganz beifeite, und nur in einem Zweige behauptet es den allererften Rang auf dem ganzen Erdenkreife, und diefer Zweig ift die Edelfteinmofaik, welche nur durch die kaiferlichen Fabriken eines fo grofsen Reiches auf diefe Stufe gehoben werden konnte. Diefelben find jedoch nicht auf den Erwerb angewiefen, fondern haben nur der Kunft allein ihre Thätig. keit zu weihen. Auch Indien und Japan zeigen in den exponirten Gegenständen eine kunftvolle Kleininduftrie; von China jedoch, obgleich diefem Lande vielleicht ein höherer Rang in der Anfertigung von Nippfachen aus Stein zukommt, war nichts Geordnetes aufzufinden. In den einzelnen Ländern find folgende bemerkenswerthe Leiftungen hervorgetreten: Amerika. W. R. Hani om& Sohn brachten Verkleidungen, Tifchplatten etc. aus Champlainmarmor und dem rothen Marmor von Vermont, welche mit Mafchinen bearbeitet waren( Anerkennungsdiplom). Spanien. Nolla Miguel é hijos in Valencia brachten Mofaikbodenplatten in prachtvollen Muftern; es wurde ihnen die Fortfchrittsmedaille zuerkannt. Vicente Eftrada in Barcelona fandte Mofaiktafeln, dann einen Kamin von weifsem kryftallinifchen Marmor mit Füllungen von fchwarzem Marmor, wodurch ein fehr hübfcher Effect erzielt war, in fehr netter Bearbeitung ( Verdienftmedaille). Schweiz. Hubert Freiherr v. Stücker brachte Sculpturen in Breccienmarmor, Caffetten, Toilettefpiegel mit Alabafterverzierungen und anderen kleinen Nippfachen zur Ausftellung. Ihm wurde das Anerkennungsdiplom zu Theil. Frankreich. In erfter Linie kommt Eugene Cornu& Co. zu ftehen, welcher die vorzüglichften Marmorforten Italiens, Frankreichs, Algiers zu den verfchiedenften Ameublementftücken, die Armirung derfelben mit Bronze und Email, in den verfchiedenften Stylarten combinirt, ausftellte, und damit grofsen Effect hervorbrachte. Diefe Firma zeigte die reichfte Ausstattung an Kaminen zu Preifen von 6-10.000 Francs, Säulen, Candelabers, Uhrgehäufe, Lufter etc. Eugene Cornu& Co. war hors concours. Ausserdem waren Gleiche Richtung vertraten die Firmen Dervillé& Co., Loichemolle, Dupuis, Parfoury& Lamaire( Verdienftmedaille). Maliano& Favier für algerifche Onyxplatten( einem aus warmen Quellen abgefetzten Travertin), mit der Anerkennung belohnt. G. Hermann in Paris bekam für die Bearbeitung befonders harter Steine und der daraus gefertigten Gegenftände wie: Vafen von Bergkryftall, Porphyr, Granit und deren Armirung mit Bronze, die Verdienftmedaille. Varangoz in Paris, für gefchnittene und gefchliffene Prismen aus Berg. kryftallen zu Lufterfteinen, erhielt ebenfalls die Verdienftmedaille. Steinwaaren. Italien. 27 Die kunftvollen Objecte von der Fabrica Vaticano in Blumenmofaik von unvergleichlicher Schönheit, ferner die Arbeiten in pietra dure( Edelſteinmofaik) aus der Galleria reale in Florenz zeigen die vollendetfte Technik. Nicht minder auch die Arbeiten von Pietro Bazzanti e figlio in Steinfchmuck und in Mofaiken antiker Form, dann die Serpentinvafen des Cavaliere Moglia Luigi in Rom und die Arbeiten des Torrini Giocondo in Florenz, eine Figur aus Achat, drei Tifchplatten aus Marmormofaik und ein Landfchaftsbild in Mofaik. Alle die Genannten erhielten für ihre kunftvollen Objecte die Fortfchrittsmedaille. Die Medaille für Guten Gefchmack ward zuerkannt: Dem Andreoni Giuſeppe in Pifa; den Brüdern Beccuci in Florenz; dem Cecchi Carlo in Pifa, für ihre Arbeiten in Alabafter. Die Verdienftmedaille ward zuerkannt: für Mofaikarbeiten dem Bonanno Luigi in Rom, dem Cav. Emanueli Giovanni in Mailand für einen Kamin von Marmor di Port d'oro mit Füllungen von Cararra und Malachit, und einen Salonfpringbrunnen aus 4 Wafferfpeiern( Schildkröten), in deffen Becken ein Fifcherknabe angelt; dem Francolini Tito in Florenz, für ein Reliefbild in hartem Stein( aus der Kunfthalle übertragen); dem Galandi Luigi in Rom für Mofaikarbeiten; defsgleichen dem Orlandini Leopoldo in Florenz; dem Piazza Giacomo in Volterra, für Arbeiten in Alabafter; dem Scheggi Cefare e fratelli in Settinano, für Vafen mit Unterfatz aus Serpentin( zum Preife von 2400 fl.); dem Ferdinand Vichi in Florenz, für feine Säulen, Vafen und Statuetten in Serpentin und Marmor, für 12 Tifchplatten mit Intarfien von Porphyr und fchwarzem belgifchen Marmor( von Namur). Anerkennungsdiplome wurden zuerkannt: dem Caponetti Antonio in Neapel, für die fehr netten Arbeiten an Kaminen von Carrara, deren Fufs aus Port d'oro und deren Füllungen aus Holz waren; dem Eugeni Felice in Rom für Schnitzereien in Bergkryftall; dem Gianoli G. B. in Sondrio, für Arbeiten in Serpentin; dem Manefchi Filippo in Rom, für Mofaik; dem Peduzzi Renato in Mailand für Kamine und Sculpturen aus Carrara; dem Rocchi Carlo in Florenz, für einen Kamin aus Carrara, im Style des 16. Jahrhunderts; dem Scappini Giovanni in Florenz, für Arbeiten in pietra dura; dem Taddei Luigi in Venedig. für Mofaikarbeiten; dem Taddeini Bartolomeo in Volterra für Alabafterarbeiten; dem Ugolini Giovanni e Antonio Mazzanti, für kleine Mofaikarbeiten; dem Zamolo Giovanni in Venedig, für Kamine aus Sienamarmor mit Cariatiden von nero antiquo und Säulen von Verde antiquo. Schweden, welches eine eigentliche Kunftinduftrie an Steinwaaren nicht befitzt, debütirte jedoch mit ganz originellen Schmuckſteinen, welche in Goldfaffung, als Chemifetteknöpfen, Stecknadeln, Ohrgehängen und an Fingerringen Verwendung fanden, wegen deren Neuheit viele Liebhaber und Käufer fich einftellten. Es waren diefs die kleineren zierlicheren Verfteinerungen aus den filurifchen Kalken, die in vorzüglicher Erhaltung die Naturhifto riker unter den Ausftellungsbefuchern fehr inter effirten. Der Ausfteller Herr J. W. Klintberg erhielt ein Anerkennungsdiplom. Belgien hatte feine Exportfähigkeit in diverfen Artikeln gezeigt, und war vertreten durch A. Lintelo in Brüffel, welcher aus Marmor du Namur alle Arten Uhrgehäufe und Käften, Vafen, Etagères mit Malachit Intarfien und Metallfournirung in vor 28 Heinrich Wolf. züglich reiner Arbeit vorftellte; durch F. Tainfy, successeur de A. J. Leclercq in Brüffel, welcher mehrere Kamine aus verfchiedenen Marmoren in ganz vorzüglicher Arbeit zu Preifen von 1000-6000 fl. brachte und durch Puiffant frères, mit seinen Kaminen von fine rouge Griotte. Gefimsanfätzen von Pierre du Namur, von Carrara blanc claire, combinirt mit Pierre du Namur, und Vafen aus letztgenanntem fchwarzen Marmor. Die Genannten erhielten die Verdienftmedaille. Deutsches Reich. In diefer Abtheilung( der Steinarbeiten für innere Hauseinrichtung und Decoration) waren aus dem Deutfchen Reiche nur wenige Firmen mit hervorragenden Leiflungen auf dem Weltausftellungsplatze erſchienen. In erfter Linie zu nennen find: Die Actiengefellfchaft zu Zöblitz im fächfifchen Erzgebirge, welche die dortigen vorzüglichen Serpentinlager einer höheren Verwerthung zuzuführen fucht. Die erzgebirgifchen Serpentine, welche in den kryftallinifchen Schiefern eingelagert find, in deren Fortfetzung längs der bayerifch- böhmifchen Grenze wieder ähnliche Serpentinlager in der Gegend bei Marienbad erfcheinen, eignen fich vorzüglich zur decorativen Ausftattung wegen ihrer leichteren Bearbeitung und ihrer guten Politurfähigkeit, fowie wegen ihres reicheren Farbenwechfels, welcher von Lichtlauchgrün bis in dunkles Stahlgrün mit den verfchiedenartigften Nuancirungen in Dunkelkirfchroth und Braun verläuft, und aufserdem durch die zahlreichen Granaten, welche der Grundmaffe eingelagert, in ihrer Zerfetzung als dunklere Flecken darin erfcheinen, und die den Effect, befonders in lichterer Grundmaffe erhöhen. Die Ausstellungs- Objecte diefer Gefellſchaft beftanden in prachtvoller Serpentin Mofaik auf Vafen, Chatullen, Tifchen, dann in Kaminen, Meublements etc. Diefer Gefellfchaft wurde die Verdienftmedaille zuerkannt. Die Gebrüder Pfifter in München hatten Kamine von Carrara, dann Fufsbodenplatten aus Marmor von Spezzia und Port d'oro, dann von Prato in Toscana ausgeftellt, welche in den Hallen des Römifchen Bades zu Wien ihre Verwendung fanden. Es ward das Anerkennungsdiplom gewährt. J. W. C. Reyer& Co. in Hamburg hatten Kamine und Tifchchen aus italienifchen und belgifchen Marmoren ausgeftellt, ebenfo Roth von Hamburg. Beiden wurde das Anerkennungsdiplom zuerkannt. M. L. Schleicher in Berlin hatte eine nette, rein gearbeitete Collection von Alabaftervafen, Kaminen von Marmor, Port d'oro und aus Lumachello, dann. Säulen aus Marmorbreccien, Wafferbecken etc. ausgeftellt. Vollkommen neu waren die von derfelben Firma mit Maſchinenfchnitt und Hobel erzeugten 4-5 Meter langen und 2-3 Centimeter breiten Marmorleiften, und dann Bilderrahmen, welche für Zimmerdecoration einen neuartigen, billigen Schmuck ermöglichen. Wegen grofsem Vertrieb der Erzeugniffe und wegen diefer Einführung neuer Decorationsmittel wurde diefer Firma die Fortfchrittsmedaille zuerkannt. Oefterreich. und Wenn wir von jenen currenten Bildhauer- und feineren Steinmetzarbeiten abfehen, wie fie die Votivtafeln und Denksteine unferer Friedhöfe zeigen die durch ein eigenthümliches Reglement vom Ausstellungsplatze ausgefchloffen waren, welches aber von Kundigen doch umgangen werden konnte, fo blieb für decorative Arbeiten in Stein nur ein fehr reducirtes Gebiet für uns in Oefterreich übrig, welches aber genügend gut vertreten war. Steinwaaren. 29 Unter jenen Leiftungen, welche hervorgehoben zu werden verdienen, gehören die des Jofef Horner in Linz für zwei Votivtafeln in Marmor mit nett gearbeiteten Reliefs.( Anerkennungsdiplom.) Ferner von Franz Lichtblau in Saubsdorf in Oefterreichiſch- Schlefien ( Grabmonumente aus dem grauen kryftallinifchen Marmor); von Jofef Franke in Grofs- Kunzendorf( ein Taufbecken aus gleichem Marmor); von Albert Förfter in Zuckmantel( nette, gute Arbeit aus fchlefifchem Marmor an einem Tifch mit Fufs aus einem Stück); ferner von Fabian Hochftim in Krakau ( Toilettegegenftände aus Dembnicker Marmor und Mienkinaer Porphyr, welche nett gearbeitet waren); dann von Conftantin v. Orlowski aus Brzozdowce in Galizien( Tifchplatten, Vafen, Leuchter etc. aus dem Gyps des Dnieftergebietes) ,, dann von Jofef Schroth aus Saubsdorf( Brunnen mit Vafe und Mufchel aus fchlefifchem Marmor). Allen diefen wurde das Anerkennungsdiplom zuerkannt. Andrea Francini in Wien brachte in der Rotunde einen fehr gefchmackvollen Kamin aus Carrara( clair blanc) mit einem Unterfatz aus grauem Marmor, mit reicher Decorirung, zur Ausftellung. Es wurde ihm die Verdienftmedaille zuerkannt. Carlo Vanni's Nachfolger, welcher auch den Kamin im Kaiferpavillon lieferte, brachte aufserdem einen Kamin aus grünem Marmor( verdi di prato), dann vier Säulen und Vafen von Serpentin, zwei Kamine von Carrara, kleinere Büften und verfchiedene andere Artikel und Nippfachen aus Carrara und Alabafter in gefchmackvoller Ausführung zur Anfchauung. Ihm wurde die Verdienft. medaille zuerkannt. Anton Wafferburger in Wien hat mit feiner gothifchen Grabcapelle, rechts vom Südportal der Rotunde, in der Elifabeth Avenu entfchieden den erften Rang in Vorführung ftylvoller Objecte zu erringen verftanden. Der Entwurf hiezu war Friedrich Schmidt, die Detail- Ausarbeitung deffen Schüler Karl Schaden, die Ausführung, fo weit fie den figuralifchen Theil betraf, die vier Cardinaltugenden darftellend, Luis le Grain und die ornamentale Ausarbeitung Jofef Pokorny übertragen. Die übrigen zum architektonifchen Aufbau nöthigen Verfatzftücke waren im Atelier Wafferburger felbft gearbeitet, und zwar die Aufgangsftufen fammt Fries aus Mauthaufener Granit. Die fechs Säulen waren aus dem fleifchrothen Granit des fächfifchen Erzgebirges. Diefes Material war rein gefchliffen und polirt. Das Material für den ornamentalen und weiteren gothifchen Ausbau der Capelle war von dem neuen, in der Bildhauerei fo beliebt gewordenen Mokritzerftein aus Krain gearbeitet. Der Sarkophag jedoch, das Hauptftück des ganzen Ausftellungs- Objectes, durfte wegen des vorhin erwähnten eigenthümlichen Reglements nicht aufgeftellt werden, wenigftens fo lange, bis die Ausftellung officiell gefchloffen war. Dann erft wurde derfelbe auf den Platz gebracht und aufgeftellt, damit ein completes Bild diefes Objectes aufgenommen werden konnte. Herr Wafferburger erhielt für diefes Object die Fortfchrittsmedaille. Nicht unerwähnt darf hier bleiben die Kanzel für die neue Fünfhaufer Kirche, welche in der Rotunde aufgeftellt war. Der Entwurf von Friedrich Schmidt( gothifch) wurde ausgeführt in Mokritzerftein durch Franz Schönthaler. Diefes Object reiht fich dem vorbefprochenen, von Wafferburger ausgeftellten würdig an. Jedoch wurde das eine von der Jury für kirchliche Kunft und das andere von der Jury für Stein waaren beurtheilt. An beiden Objecten konnte man fehen, wie das hauptfächlich verwendete Material es ermöglicht, des Bildhauers Kunft zur vollen Geltung zu bringen. Es ift der Mokritzerftein ein tertiärer Foraminiferenkalkstein, und nicht ein Sandftein, wie ihn die Bildhauer und Steinmetze in Wien fälfchlich benennen. Volle würdige Befprechung erfuhren beide Objecte in dem 30 AC Heinrich Wolf. Bericht für kirchliche Kunft von Hanns Petfchnig, auf welchen ich hiemit verweife. Hier fei nur noch erwähnt, dafs dem Herrn Franz Schönthaler für feine ftylvolle Arbeit die Fortfchritts medaille zuerkannt wurde. Ungarn hatte nur fchwache Verfuche für Decorirung von Innenräumen mit Steinarbeiten aufzuweifen. Es betheiligten fich: Bernaschek Adolf in Kronftadt mit einer Tifchplatte aus Steinmofaik; Depold Lajos in Peft in Nachahmung venetianifcher Mofaik; Gebrüder Krifto folly in Peft ebenfalls mit Moſaikarbeit. Von hervorragenderer Bedeutung waren die Objecte des Herrn Hofhaufer Ludwig in Peft, welcher einen Kamin von weifsem kryftallinifchem Dognacska- Marmor in hübfcher Ausführung zur Schau ftellte. Defsgleichen find hervorzuheben die Büften und Säulen aus Carrara und Alabafter( darunter die Büfte Andráffy's), welche von Herrn S. Pettanú( Pezzano) exponirt waren. Den beiden Letztgenannten, Hofhaufer und Pezzano, wurden Anerkennungsdiplome zuerkannt. Russland. Wenn wir von der Ausfchmückung des ruffifchen Kaiferpavillons mit Altar und Tifchen aus weifsem kryftallinifchem Marmor durch Maderni& Ruggio abfehen, wofür die Verdienftmedaille zuerkannt wurde, fo waren aus Rufsland keine weiteren Objecte aus weicherem Steinmateriale, wie folches für Sculpturen und in der Plaftik in Anwendung ift, ausgeftellt. Man müfste nur die von Herrn Ilazka Sachita aus Pervufchin im Gouvernement Orenburg exponir. ten, aus Steinfalz gedrechfelten und gefchnitzten Candelaber, Leuchter etc. einbeziehen wollen. Dagegen find die Arbeiten in harten Steinen beffer und vorzüglicher zur Darstellung gelangt, als es jedem anderen Lande möglich wäre. Die kaiferliche Fabrik für Mofaik in Peterhof mit ihrem Director Jeffinovics und dem Meifter Kokovin, dann die kaiferlichen Manufacturen in Jekaterinenburg und in Kolyvani leifteten das rühmlichfte und effectvollfte in Arbeiten aus harten Steinen, welche am Ausftellungsplatze überhaupt zu fehen waren. Diefe Fabriken verarbeiten nur ruffifche Materialien, welche in den Bergwerken des Urals und Sibiriens gefunden werden und an die Fabriken abzulie. fern find. Es find keine eigentlichen Handels- und Verkaufsartikel, welche hier producirt werden, fondern die Producte find meift zu Gefchenken beftimmt, welche die ruffifche Kaiferfamilie an andere Höfe oder an auszuzeichnende Perfonen vertheilt. In den drei genannten Fabriken arbeiten an 160-200 Perfonen. Die Gegenstände waren nicht nur in der Rotunde, fondern auch in der Gallerie aufgeftellt. Man fah eine Vafe von graubraunem Porphyr auf einem Piedeftal von grünem Granit; eine folche von Rhodonit( Kiefelmangan) auf einem Piedeftal von Marmor mit Jaspis- Intarfien aus der Fabrik von Kolyvani. Von der Fabrik in Peterhof einen Juwelenfchrank aus Malachitmoſaik; einen Tifch von fchwarzem Marmor mit eingelegten Trauben aus Edelſteinmofaik; eine Caffette mit eingelegten Früchten, worunter die Kirfchen durch Carneol, die Birnen durch Jaspis, die Pflaumen aus Chalcedon, die Trauben durch Amethyft, die Oliven durch Topas, die Stachelbeeren durch weifsen Carneol und die Blätter durch Nephrit dargestellt waren; ferner eine Caffette mit Blumenmofaik, in welcher die Glockenblumen durch Lazurftein, die Nelke durch Steinwaaren. 31 Milchopal, das Vergifsmeinnicht durch Türkis, die Stengel durch Jaspis, die Blätter durch Nephrit und ein das Bild vervollſtändigender Schmetterling durch Jaspis und Rhodonit dargestellt wurde. Neben diefen Gegenftänden waren noch viele diverfe Schmuck- und Toilettegegenftände exponirt. Diefe hervorragenden Leiftungen wurden mit dem Ehrendiplom ausgezeichnet, dem einzigen, über welches die Jury der Gruppe IX verfügen konnte. Die kaiferlichen Fabriken, welche nicht für Handelswaare forgen, gaben jedoch der Privat- Induftrie die Vorbilder und die Anregung, diefe Lücke auszufüllen, und wir fehen in der That unter den verfchiedenen Firmen, welche Es ift C. Höffdiefen Gefchäftszweig vertreten, eine befonders hervortreten. rich in Petersburg mit feinen Arbeiten aus Mofaik und in Malachit, in der Mofaik aus Rhodonit, Lazulith, Labrador, Onyx, Amethyft, Rauchtopas, Nephrit, Chrysopras, Korallen, Jaspis und Aventurin. Unter vielen Nipp- und ToiletteGegenständen waren 7 Spieltiſche aus Serpentin mit Lazulith- und Malachit- Intarfien in fchöner Conception bemerkbar. Höffrich erhielt die Verdienft. medaille. Aufserdem ward aus Rufsland noch folgenden Firmen für ähnliche Arbeiten das Anerkennungsdiplom zuerkannt: Herrn Johann Spörhafe in Petersburg, für fournirte Arbeiten in Malachit und für verfchiedene Gefäfse aus Nephrit, Chalcedon etc. etc.; Herrn Johann Stebak off in Jekaterinenburg( Gouvernement Perm), für Toilette- Artikel von Rhodonit, Bergkryftall, Amethyft, Onyx; Herrn Kortfchakoff- Siwitzky in Kameni- Brod( Gouvernement Kiew), für Tiíchplatten und Labradorblöcke. Es feien hier noch erwähnt die Nephritgefäfse und gefchnitzten Graphitgegenstände, welche Herr Joh. Peter Alibert aus Mont Batugol in Sibirien in der Gruppe I exponirte, und wofür ihm die Verdienftmedaille zuerkannt wurde. Türkei. Die Türkei war vertreten durch Andrias in Conftantinopel, welcher einen Kamin für ein bürgerliches Wohnhaus aus grofs- kryftallinifch- parifchem Marmor, dann den Achmed brunnen, der eigentlich nicht zur Vollendung gelangte, ausftellte. Die Jury hatte ihm die Verdienftmedaille zuerkannt. Dragomanovich in Corfu brachte zwei Kamine von gelbem Marmor der dortigen Gegend zur Ausftellung, welchen, ihrer netten Arbeit und des billigen Preifes wegen( 200 Francs pr. Stück), das Anerkennungsdiplom zu Theil wurde. Perfien. Aus Perfien waren aus der kaiferlichen Sammlung eine Anzahl von Nephritgefäfsen, und von dem Handelshaufe Ziegler& Co. in Tabris fechs Schaalen und fechs Taffen aus Speckstein von Khoraffan ausgeftellt, welche wegen ihrer netten Sculpturen im nationalen Style die Anerkennung errangen. Indien. Aus Indien hatte Herr H. G. Keene in Agra kunftvolle Speckſteinfchnitzereien, dann Taffen und Chatouillen und zierlich gearbeitete Luftgitter aus weiſsem und rothem Sandftein ausgeftellt. Ihm wurde die Verdienftmedaille zuerkannt. Ghulam Abad im britifchen Punjab brachte Nephritchatouillen mit eingelegtem Edelsteinzierath in reiner, netter Arbeit( Anerkennungsdiplom). Der Secretär des Local- Comités zu Lahore im Punjap fandte nebft Armringen, gefchmackvoll gefchnitzte Degengriffe aus Nephrit und noch 32 Heinrich Wolf. andere Schmuckgegenftände aus Achat, Chalcedon etc. Es wurde ihm die Verdienftmedaille zuerkannt. Ebenfo fandte der Secretär des Local- Comités der nordwestlichen Provinzen Schmuckgegenftände in netter Ausführung aus Achat, Chalcedon, Halsketten von Nephrit, Flurplatten und zierliche Luftgitter. Es wurde ihm ein Anerkennungsdiplom zuerkannt. Japan. Aus Japan waren auch in diefem Genre ganz vorzügliche Arbeiten vorhanden. Zeigte fchon die grofse Dioritplatte mit dem ausgemeifselten Schilfrohr, welche im Gartenplan des japanefifchen Haufes neben dem Bächlein an einem Baume gelehnt ftand, und dann in den Befitz der Wiener Gartenbaugefellſchaft überging, die grofse Technik auch in der Sculptur, fo zeigten die in der japanischen Galerie ausgeftellten aus einem Stück Diorit gefchnitzten, in einanderhängenden Ringe und die verfchiedenen Tufchzeuge aus Serpentin, dann die Schmuckarbeiten aus Bergkryftall, welche ein Herr Aracoura von Jeddo ausftellte, und dann die aus den kaiferlichen Sammlungen stammenden Objecte der Plaftik und der Hauseinrichtungen in gefchnitztem, gedrechfeltem und gefchliffenem Zuftande aus den verfchiedenften Gefteinen, wie weifsem. rothem und gelbem Marmor, dunkelgrauen Numulitenkalken, Conglomeraten etc., welche Fortfchritte die öftliche Civilifation in kunftvoller Steinarbeit gemacht hat. Diefen beiden Ausftellern wurde die Verdienftmedaille zugefprochen. 4. MAHL, SCHLEIF UND WETZSTEINE, DANN SMIRGEL UND SMIRGELWAAREN. Diefe Abtheilung der Steinwaaren war nicht auf der Ausftellung durch alle Länder befchickt. Nur diejenigen Länder, welche in vorragender Weife die manuelle Arbeitskraft auf die Maschine übertragen haben, befchickten diefelbe. Die Mahlfteine fanden zumeift ihre naturgemäfse Aufftellung in den landwirthschaftlichen Abtheilungen der einzelnen Länder und waren fcharf gefondert von den Schleif und Wetzfteinen, dem Smirgel und den Smirgelwaaren, die fich mehr der Maſchinen Abtheilung und den Metall- Induftriezweigen anfchloffen. Mit diefer Sonderung ift dargethan, dafs die Fabrication der Mahlfteine owohl, als auch die der Schärfungsfteine als felbftftändige Induftriezweige fich nur da entwickeln konnte, wo die anderen Induftrieen eine folche Ausdehnung erlangten, dafs fie fich nicht mehr mit der Herftellung ihrer Hilfswerkzeuge befaffen konnten. Darum fehen wir, dafs von Ländern, wo nur die Hand- und Bauernmüllerei herrfchend ift, keine Mahlft eine, und dafs in Ländern, wo die Mafchinenfabrication und mechanifchen Induftrieen nicht auch für den Export fähig find, die Bearbeitung der Schärfungsgefteine noch nicht den engen Horizont der Haus- Induftrie und des Kleingewerbes verlaffen hat. Wir fahen von England, welches fein Mehl fertig importirt oder mit Stahlwalzen erzeugt, und für feine Cementmahlerei nur franzöfifche oder belgifche Steine bezieht, keine Mahlfteine in der Ausftellung. Defsgleichen nicht von Amerika. Dagegen war von Frankreich der Ausftellungsplatz mit Mühlfteinen faft überfchwemmt, da die Kunftmüllereien Deutfchlands und Oefterreich- Ungarns gegenwärtig noch gröfstentheils franzöfifche Mühlft eine beziehen. Sich diefem Import zu entziehen, machten Deutfchland und OefterreichUngarn fchon feit längerer Zeit Anftrengungen, indem diefe Länder die Fabri Steinwaaren. 33 cation der Mühlfteine nach franzöfifcher Art bei fich einzubürgern fuchten und das Rohmaterial hiezu, die Carreaux von La Ferté sous Jouarre direct beziehen, oder auch durch heimifchen Quarz zu erfetzen fuchen. Oefterreich Ungarns Beftrebungen in diefer Richtung find jedoch von gröfserem Erfolge begleitet, da es unterſtützt ift durch den heimifchen Süfswaffer. quarz, welcher als Nachwirkung der grofsen Trachyt- Eruption in Ungarn erfcheint, der, ganz analog jener in der Dordogne und Maine in Frankreich, lange dauernde Ausftrömungen heifser Quellen folgten, welche viel Kiefelfäure gelöft enthielten und beim Erkalten an der Oberfläche abfetzten. Je näher dem Aufftrömungspuncte der Quellen, defto dichter, opaker find die Quarzmaffen, und je entfernter von diefem Aufftrömungspuncte fchliesslich diefe Kiefelfäure in einzelnen Tümpeln abgefetzt wurde, um fo weniger dicht und opak, d. h. poröfer wird folcher Abfatz. Gleichzeitig nehmen in fich auf und bedecken diefe Kiefelfäure- Niederfchläge die verfchiedenen Gräfer und Pflanzenrefte und andere Gegenftände, die an der Oberfläche wuchfen und sich vorfanden; sie werden dadurch noch poröfer und zur Verwendung als Mühlfteinquarz geeigneter. Diefe Süfswafferquarze belegte man nun mit eigenen Namen, um fie fchon hiedurch zu unterfcheiden, und nannte die erftere dichtere Varietät Hydroquarzit und die andere, wegen der Ablagerung an niedereren, verfumpften Stellen und der Aufnahme von Sumpfgräfern und anderen Pflanzen und hiedurch bedingten poröferen Zuftände, Limno quarzit. Es fcheint, dafs bei den Franzofen diefe letztere beffere Varietät durch den langjährigen und ausgedehnten Betrieb fchon ganz ausgebeutet ift, oder nur mehr in fehr kleinen Stücken zu haben ift und nun durch die derbere Varietät vertreten werden mufs. Die Carreaux fowohl, als wie die fertigen Mühlfteine, die aus Frankreich am Wiener Platze zu fehen waren, fchienen diefe Anfchauung zu unterſtützen. Um fo grösser war das Erftaunen der Fachleute, als ich dem ungarifchen Quarzit, den fie feine Nationalität nicht anerkennen wollten und die fie nur als franzöfifchen zu betrachten wufsten, in der Weife zur Anerkennung verhalf, indem ich an den Durchfchnitten der Pflanzen: Phragmites Ungeri, der Typha Ungeri und des Glyptostrobus europaeus erwies, dafs diefe den ungarifchen Limno quarzit en eigenthümlich und in franzöfifchen Süfswafferquarzen, wie fie am Platze vorlagen, nicht erweisbar feien, während die andere Gruppe der Süfswafferquarze, welche der Ausflufsftelle der einftigen Quellen näher liegen, die ungar ifchen fowohl, als die franzöfifchen, die Hydro quarzit genannten Varietäten in der Qualität fich gleich ftehen. Infofern als die öfterreichiſch- ungarifchen Mühlfteinfabrikanten das Verftändnifs erlangen werden( welches fie aber gegenwärtig noch nicht befitzen), die Limno quarzit genannten Varietäten mit den Pflanzenreften aufzufinden und vorherrfchend zu verwenden, infofern werden fie ftets ein befferes Fabricat liefern können, als es den Franzofen mit ihrem Materiale noch möglich ift. Bei der Verwendung diefes Materiales ift nämlich darauf zu ſehen, dafs die Einfchlüffe von Phragmites und Typha mit ihrer Querfchnittsfläche parallel zur Mahlfläche und die Längenachfe diefer Pflanzenrefte parallel zur Drehungsachfe des Läufers ftehen. Solche Hydroquarzite und Limnoquarzite aus Niederfchlägen von einftigen Kiefelfäure führenden heifsen Quellen find in Ungarn an vielen Puncten innerhalb der Region des Eruptionsgebietes der Trachyte gefunden worden und noch zu finden. Ich nenne nur in dem centralen Eruptionsftocke von Kremnitz- Schemnitz die Süfswafferquarze von Hlinik( auch Geletnek genannt), und Wlcy Potok, von Lutilla, Deutfch- Litta und Szlaska; im Eperies- Tokajer Trachytgebiete die Süfswafferquarze von Erdöbenye, Basko, Fony und Sárospatak, und in dem grofsen Trachytzuge am Südrande der Karpathen zwifchen 3 34 Heinrich Wolf. dem Vihorlat und dem Gutin an der Siebenbürgergrenze, die Umgegend von Beregh. Hiebei ziehe ich die Vorkommniffe in dem grofsen fiebenbürgifchen Trachytzuge des Munczel und des Hargitta gebietes längs der rumänifchen Grenze noch gar nicht in Betracht. Alle diefe Lager ftehen noch faft uneröffnet zur Unterſtützung und WeiterEntwicklung unferer Mühlfteinfabrication zur Verfügung, und ich zweifle nicht, dafs wir in Oefterreich- Ungarn hiedurch die volle Emancipation vom franzöfifchen Materiale in nicht zu ferner Zeit erlangen werden. Mit den dargelegten Verhältniffen über den Werth unferes inländifchen Materiales als Geologe, und über das Vorkommen derfelben von der geologifchen Landesaufnahme her; durch Autopfie vollkommen vertraut, konnte ich diefelben als Juror am Ausftellungsplatze im Hofe 14 A der ungarifchen Abtheilung an einem Mühlfteine, welcher von der Uj- Bánya er Mühlftein Actiengefellfchaft ausgeftellt war, den übrigen Jurymitgliedern demonftriren, welche diefen Stein nur aus Carreaux, von La Ferté erzeugt, fich vorftellen konnten. Ich reclamirte mit Erfolg für die Uj Bányaer Gefellfchaft aus die fem Anlaffe die Fortfchrittsmedaille. Herr Roger, einer der bedeutendften Fabrikanten franzöfifcher Mühlfteine und Befitzer von Steinbrüchen in La Ferté, welcher feine Expofition" hors concours" erklärte und als Experte anwefend war, hatte fo viel Wahrheitsliebe, meine Beweife anzuerkennen und zuzugeftehen, diefe Steine der Uj- Bányaer Gefellfchaft feien von keinem Carreaux aus La Ferté gefertigt. Erft nach deffen Erklä rung ftellten fich die Mitglieder der Jury, die Herren v. Cohaufen und van der Wyngaert, welche die ärgften Zweifler waren, zufrieden. Ich habe die Vorgänge bei Beurtheilung des inländifchen Mühlfteinmateriales hier im Detail miteingeflochten, um die Ausfagen zu illuftriren, welche von dem Berichterstatter für Mühlfteine Hrn. van der Wyngaert im Wiener Weltausftellungsberichte des Deutfchen Reiches für die Gruppe IX, redigirt von Herrn v. Cohaufen m Hefte 10, Seite 416 und 417, erftattet find. Es fei diefe Ausfage vollinhaltlich hieher gefetzt. Nach einer kurzen Bemerkung, dafs man früher aus ungarifchem Rohmateriale keine guten Mühlfteine erzeugen konnte, fährt der Berichterstatter fort: ,, Es war mir daher um fo angenehmer, diefes Mal in der Ausstellung folche vorzügliche, aus ungarifchem Süfswafferquarz zufammengefetzte Mühlfteine vorzufinden, als der in unferer Jury als Experte fungirende franzöfifche Mühlfteinfabrikant( Herr Roger), fowie das öfterreichifche Jurymitglied( Herr Wolf) fie unbedingt für aus der beften Maffe von La Ferté fous Jouarre zufammengefetzt erklärten und erft dann zu einer anderen Ueberzeugung gelangten, als ich fie auf die in den ungarifchen Stücken vorkommenden Petrefacte aufmerkfam machte, eine Erfcheinung, die bei den franzöfifchen Steinen niemals vorkommt". Nach dem Vorgeführten ift es wohl erfichtlich, dafs auch Berichterstatter von der Eitelkeit fo weit getrieben werden, um fich mit fremden Federn fchmücken zu können ,,, die Wahrheit umzuftülpen". Nebft dem vortrefflichen Material der Süfswafferquarze kommt in den Trachytgebieten Ungarns und Siebenbürgens auch der zellige, blafige und drufige Trachyt vor. Es find eigentlich Laven, die fo, wie die am Rhein, für die Bauernmühlen und gewöhnliche Müllerei fehr gefuchte Mahlfteine liefern. Oefterreich ob und unter der Enns befitzt das ebenfalls fehr beliebte Mühlfteinmaterial aus dem kryftallinifchen Sandftein von Wallfee und Perg an der Donau. Diefer Sandftein entſteht aus den groben Meeresfand- Ablagerungen von reinem Quarzfand, der fich aus dem Quarz der kryftallinifchen Gefteine( Granit, Gneifs und Glimmerfchiefer) am Grunde der mitteltertiären Ablagerungen gebildet und am Rande derfelben zufammengefchwemmt wurde. Steinwaaren. 35 Erft fpäter ward diefer Sand unter der Decke des Schlieres( eines kalkreichen Thones) durch Infiltration des Kalkgehaltes aus dem Schlier, der als Kalkfpath fich abfetzte, zu Sandftein gebunden, der dann dem kryftallinifchen Sandftein von Fontainebleau vollkommen gleicht. Das Bindemittel diefes Quarzfandfteines, der Kalkfpath, reibt fich beim Mahlen fchneller ab und die fcharfen Quarzkörner treten, die Fruchtkörner beffer angreifend, ftärker hervor. Diefe Eigenfchaften begründen die Beliebtheit diefes Materiales. Böhmen und das angrenzende Sachfen befitzen in dem unteren Quaderfandftein. welcher oft fehr kiefelreiche, fefte Lager enthält, fehr gut verwendbares und für allerlei Mahlgüter zweckentfprechendes Material. Ich mache bei diefer Gelegenheit die Mühlfteinfabrikantenauf den Quarzitfandftein an der Bafis der böhmifchen Braunkohlenformation aufmerkfam, der fich zwifchen Eger und Teplitz an vielen Punkten findet und hinfichtlich feiner Härte den ungarifchen und franzöfifchen Süfswafferquarzen nahezu gleichkommt, denn diefer Braunkohlenquarzit( fo nennen ihn die Geologen) ift ebenfalls ein Product des am Grunde der tertiären Ablagerungen längs des Erzgebirges zufammengefchwemmten Quarzfandes, deffen Zwifchenräume hier nicht etwa durch Infiltration von Kalk aus den Tagwäffern ausgefüllt find, fondern durch Infiltration der Kiefelfäure, welche in den zahlreichen Thermalwäffern aus der Tiefe empor kam, verftopft wurden und ihn zu einem feften Quarzit gebunden haben. Als Schleif und Wetzsteine waren verwendet die rothen Sandfteine der Vogefen und des Elfaffes, Böhmens und des Dnieftergebietes in Podolien; die Kreide und Eocenenfandfteine aus den Vorbergen der Weftalpen Italiens, der Schweiz, Vorarlbergs, der Oftalpen Oefterreichs ob und unter der Enns, und den Vorbergen der Karpathen bis nach Rumänien hinein. In Smirgel und Smirgelwaaren prävalirte Deutſchland allein, da fich die Firma Pfung ft in Frankfurt a. M. den alleinigen Verkauf des Rohfmirgels von der Naxos- Union gefichert hat. An der Ausftellung in diefer Abtheilung der Gruppe IX haben fich betheiligt und find hervorzuheben: Amerika. Herr J. E. Mitchell in Philadelphia hatte mit Mafchinen erzeugte Schleif-, Wetz- und Abziehfteine( Oelfteine) gebracht. Die Rohfteine find aus den verfchiedenen Staaten Amerika's. Sehr gute Steine find jene vom Whiteving am Lake Hurou und von Maffillon in Indiana, von Borea am Blake river. Heri Die vorgelegenen Schleiffteine hatten 03-07 Meter Durchmeffer. Mitchell erhielt ein Anerkennungsdiplom. J. Mc. Dermott& Comp. von Cleveland, Ohio brachte eine grofse Anzahl gedrehter Schleiffteine für Trockenfchliff aus den verfchiedenften Geftei nen Amerika's. Diefer Firma ward die Verdienftmedaille zuerkannt. England war vertreten durch eine Firma, welche in der additionellen Ausftellung des Welthandels und in der allgemeinen englifchen Abtheilung feine Schärfungsfteine exponirte, und zwar Thomas Hazeon& Comp., welche die beften natürlichen Schärfungsmaterialien mit deren commerziellem Namen in Rohftücken und theilweife bearbeitet vorführten. Wir fahen die Oelfteine von Wafhita in Arkanfas, feine, faft dichtweifse Quarzitfandfteine, die Oelfteine aus Canada, ganz ähnlicher Art, die perfifchen Steine, dann die türkifchen aus KleinAfi en, die dunklen( rouge- bleu) und lichten( rouge- whit), die Steine aus Peru, aus Frankreich und Deutfchland. Die letzte Sorte befteht nach dem vor3* 36 Heinrich Wolf. gelegenen Mufter aus verkieftem Holz, über deffen Vorkommen Weiteres nicht zu erheben war. Frankreich sandte blos Mahlfteine theils aus maffivem Quarz für Cementmahlerei, theils aus Carreaux von Süfswafferquarz zufammengefetzt für Müllerei. Von den Ausftellern war Roger fils& Co. wegen feiner Theilnahme an der Jury hors concours. Von diefer Firma waren vorhanden ein maffiver Mahlftein für Cement, dann drei Paar aus Carreaux gefertigte mit weicherem Herzftück für Gries, Weizen- und Roggenmahlerei. Defsgleichen fandte Alexander Fauqueux in Lyon aus Steinen von La Ferté drei Paar fehr fchön, bei guter Auswahl der Carreaux, gut gearbeitete Steine für Griesmahlerei, dann für Weizen und Roggen und auch für Cement. Bailly& Comp. in La Ferté fandte ebenfalls drei Paar Mühlfteine aus fehr poröfem Quarz, hier fah man oft fehr kleine Carreaux verwendet, fo dafs zwei Reihen derfelben vom Herzftück gegen die Peripherie hin nöthig und mit Cement verbunden wurden. Dupety, Theurey- Gueuvin, Bouchon& Co. in La Ferté fandte ebenfalls drei Paar Mahlfteine mit befonders netter Armirung. Die drei letztgenannten Firmen errangen die Fortfchrittsmedaille. Die Firma Gaillard aîné, Petit& A. Halbou in La Ferté fandte nur einen Mühlftein, aber in ganz vorzüglicher Qualität. Erhielt die Verdienftmedaille. Defsgleichen die Firma J. Moulin in Épernon, Departement Eure et Loire, für zwei Paar Mahlfteine ohne Herzftück, und für ein Paar Mahlfteine mit Herzftück. Das hiezu verwendete Material ift aber weniger gut als jenes von La Ferté, die Steine jedoch nett und zweckmäfsig gearbeitet. Chaffaing Peyrot& Comp. in Domme, Departement Dordogne, fandte vier Mahlfteine, wofür ihm das Anerkennungsdiplom zu Theil wurde. Es hatten noch einige Firmen aus Frankreich die Expofition befchickt, welchen aber keine Auszeichnung zuerkannt werden konnte. Italien fteht in der Mühlfteinfabrication fehr weit zurück. Was an künftlichen, nach franzöfifcher Art conftruirten Mahlfteinen zu fehen war, zeigt ein noch ungenügendes Verſtändnifs diefer Arbeit. Dagegen waren die anderen Mahlfteine aus heimifchem Materiale, in einem Stücke, gut gearbeitet. Ceschina e Busi in Brescia brachten einen Mahlftein von weifsem, feinkörnigem Granit, einen von rothem Quarzfandfteine, einen von Puddingftein, dann zwei Schleiffteine aus Sandfteinen der Kreideformation. Es wurde ihnen das Anerkennungsdiplom zuerkannt. Ferrata e Vitali in Brescia ftellten fünf Sorten Mahlfteine aus, welche den Brüchen im Valle Camonica und dann bei Bergamo und Como entnommen waren. Die Steine waren mit franzöfifcher Schärfung verfehen. Es waren darunter Kreidefandfteine, ein Verrucano und ein Puddingftein aus Quarz und Jaspiskiefeln, welcher nach Art der franzöfifchen aus Carreaux zufammengefetzt war. Die fehr billigen Preife von 400 Francs bis abwärts zu 120 Francs pr. Paar, fichern diefer Firma einen grofsen Vertrieb ihrer Steine, der bis Dalmatien und Egypten reicht. Namentlich find die kleinen Handmühlfteine für Reisfchälung fehr gefucht. Ferrata e Vitali befchäftigen an 200 Arbeiter, fie erhielten ein Anerkennungsdiplom. An Schleif- und Wetz ft einen fahen wir folche von vorzüglicher Härte und fchöner Arbeit von Taddei Cipriano in Palazzago bei Bergamo; von Steinwaaren. 37 der Firma M. Chiodelli e Donadoni in Nembro war eine grofse Collection Nembrofchleiffteine, in je 24 Nummern nach den verfchiedenen Gröfsen geordnet, zu fehen. Nach der vorgelegenen Preislifte liefert diefe Firma die mit Choix rayex bezeichneten Steine von Nr. 1, erfte Qualität 240 Stück, zu 475 Francs, Nr. 24 700 Stück zu 130 Fr.; die Pierre tenders Nr. 1, erfte Qualität. 240 Stück zu 125 Fr., Nr. 24 700 Stück zu 65 Fr. Den zwifchenliegenden Nummern 2-23 entſprechen Preife, welche ebenfalls zwifchen den angegebenen Grenzwerthen inneliegen. Diefer Firma ein Anerkennungsdiplom zuerkannt. wurde Belgien war nur durch eine Firma Daffonville de Saint- Hubert aus der Provinz Namur vertreten. Es waren acht Mahlfteine aus La Ferté Carreaux gefertigt, wovon die Bodenfteine auf runden Herzftücken aufgefetzt waren. Für die fonft fehr gut gearbeiteten Stücke und für die fehr zweckmäfsigen Cementmahlfteine aus dem dunklen belgifchen Süfswafferquarz ward Herrn Daffonville von der Jury der Gruppe IX zuerkannt die Verdienftmedaille, welche fchliefslich vom PräfidentenRathe in eine Fortfchrittsmedaille umgewandelt wurde, wozu wohl nur die effect. volle Aufftellung diefer Firma, in einer der Gallerien des Hauptgebäudes, den Anftofs gegeben haben mag. Deutfches Reich. Das Deutfche Reich hatte fehr viele Mühlfteine nicht nur aus den heimifchen Gefteinen, von denen namentlich die unteren Quaderfandfteine, dann die Lavengefteine des Rheines zu nennen find, fondern auch eine bedeutende Menge Kunftmühlfteine aus franzöfifchen La Ferté Steinen zur Ausstellung gebracht. Auch ein Verfuch, aus heimifchem Quarz nach franzöfifcher Methode Mah!- fteine künftlich zufammenzufügen, war zu fehen. Es ward hier jener Feuerftein verwendet, der hie und da an den Geftaden der Oftfee aus den Schichten der oberen Kreide ausgefpült und am Rande des Strandes von den Wellen zufammengehäuft wird. Die Geftalt diefer Steine ift ftets eine unregelmäfsig runde, linfen-, kugel- und walzenförmige. In diefen Formen find die einzelnen Steine unter einander nicht gut bindungsfähig, fie müffen defshalb erst in eckige Stücke zerfchlagen werden. Dann find fie aber niemals mehr fo grofs, um aus wenigen Stücken einen Mahlftein zufammenfetzen zu können; ferner ift der Feuerftein zu derb, niemals porös und ftets von dunklen Farben. Man wird daher wohl mit Mühe und Aufmerkfamkeit brauchbare Mahlfteine aus den Feuerfteinen herftellen können, ein bevorzugtes Material kann derfelbe jedoch niemals für die Mühlfteinfabrication liefern. Von den Ausftellern des Deutfchen Reiches ift zunächft Lueders und Kubon in Dresden zu nennen, welche vorzügliche franzöfifche Mühlfteine brachten. Diefe hatten Herzftücke aus Quaderfandftein und der Läufer hatte ftatt der Cementdecke eine Eifendecke, an welche der Oberring angegoffen und die Näpfe für das verftellbare Balancirgewicht eingelaffen waren. Für diefe Neuerung, welche durch Zeichnungsvorlagen erläutert war, ward die Fortfchrittsmedaille zuerkannt. Es war aber auffallend, mit welch' kleinen Carreaux diefe Mahlfteine erzeugt wurden. Bei einem Durchmeffer von 126 Meter nahm das Herzftück 0.73 Meter und die übrigens fehr fchönen Carreaux nur 0 53 Meter vom Durchmeffer in Anfpruch, und innerhalb diefer o 53 Meter waren zwei bis drei allerdings mit Schmatzen ineinandergreifende Reihen von La Ferté- Steinen eingefügt. Bei den in Oefterreich gefertigten Steinen gibt es nur eine Carreauxfchichte, die bis an 38 Heinrich Wolf. das Herzftück durchgreift. Möglich dafs die Eifendecke, die entfchieden einen befferen Schutz dem Läuferfteine gewährt, es geftattet, folche winzige Steine mit Vortheil zu verwenden. Carl Goltdammer in Berlin hatte drei Paar Mühlfteine mit fehr drufigen Herzstücken von gleichem Stein ausgeftellt. Die Carreaux waren in einer durchgreifenden Reihe angeordnet, oder in zwei Reihen, wenn das Herzftück 50 Centimeter hatte. Ihm wurde die Verdienftmedaille zuerkannt. A. Fauqueux und Behrlé in Renchen im Grofsherzogthume Baden brachten ein Paar Mahlfteine für Korn und ein Paar für Gemifchtes auf den Platz. Die Carreaux waren durchgreifend bis ans Herzftück, nette Arbeit.. Erhielten ebenfalls die Verdienftmedaille. Carl Mosqua in Hildesheim brachte eine Menge der verfchiedenartigften Mahlfteine aus den verfchiedenften Steinforten nebft franzöfifchen Mahlfteinen für Weizenmahlerei Wir fahen Mahlfteine aus Keuperfandfteinen, Steine für Holzfchleifereien, Reis- und Weizenfchälftcine, für Hartgummifchliff etc. etc. Herr Mosqua erhielt ebenfalls die Verdienftmedaille. Von Friedrich Wilhelm Schulze in Berlin waren zwei franzöfifche Mahlfteine von vorzüglichem Steinmaterial in reiner, netter Bearbeitung eingefandt. Auch hier wurde die Verdienstmedaille zuerkannt. Fr. S. Schroeder und Gebrüder Beutler in Havelberg fandten zwei Mahlfteine, welche aus den Feuerfteinen von Rügen zufammengefetzt waren. Obgleich die einzelnen Stücke fehr klein und die Farben derfelben fehr wechfelnd, daher der ganze Mahlftein dunkler und lichter gefleckt erfchien, fo hat ihnen die Jury doch wegen der netten Arbeit und wegen der Anwendung vater. ländifchen Materiales zur Erzeugung von franzöfifchen Mahlfteinen die Verdienftmedaille zuerkannt. Friedrich Wegner in Stettin fandte drei Paar Mühlfteine, welche, bis auf das Herzftück durchgreifende Carreaux zeigten. Es lagen dabei die Mufterſtücke des verwendeten Quarzes aus La Ferté, an welchen die Qualität des verwendeten Materiales beffer unterfucht werden konnte. Auch diefer Firma wurde die Verdienftmedaille zuerkannt. Das Anerkennungsdiplom erhielten: Carl Franke in Keffelsdorf bei Löwenberg in Schlefien, für Graupenmahlfteine aus Quarderfandftein. Die Gebrüder Kraufe in Quedlinburg, für franzöfifche Steine, wovon zwei mit Kalkherz und einer Reihe Carreaux, dann zwei mit Quarzitherz, an welches aber zwei Reihen kleinerer Carreaux angefügt waren. W. G. Heim von Oberenfingen in Württemberg, für Mahlfteine, für Kopp-, Schleif- und Schälfteine aus Sandſteinen von gleichmässigem Mittelkorn. Julius Scholz in Breslau für Roggenftein und C. Schönfelder& Co. in Brieg für das an nicht fehr guten Steinen angewendete neue Syftem der Balancirbefchwerung. Es waren noch eine ganze Reihe von Mühlfteinen aus allen Theilen des Deutfchen Reiches eingefandt, welche jedoch nicht geeignet fchienen, um die Producenten mit einem Anerkennungsdiplom auszuzeichnen. Die Mühlfteinfabrication fteht im Deutfchen Reiche nicht auf der gleich hohen Stufe wie in Oefterreich, dagegen befitzt jenes in der Fabrication der Schärfungsgefteine einen entfchiedenen Vorrang gegenüber dem gleichen Productionszweige in Oefterreich. Wir erwähnen die Schleiffteine aus rothem Sandfteine von Keller frè. res und jene von Louis Weyer& Co. in Zabern aus Elfafs- Lothringen, welche fich durch ihr gleichmässig feines Korn und durch ihre feine Ausarbeitung auszeichnen. Es waren Steine bis zu 2.6 Meter Durchmeffer bei einer Stärke von nur 0:35 Meter ausgeftellt. Beiden Firmen wurde die Verdienftmedaille zuerkannt. Steinwaaren. 39 C. M. K. Ankenbrand zu Eltmann in Bayern erhielt für drei Schleiffteine aus Flyfchfandfteinen mit 2'4-26 Meter Durchmeffer, welche gut gearbeitet waren, das Anerkennungsdiplom Die gleiche Anerkennung errang die Steinhauergewerkfchaft in Büdingen für drei Schleiffteine. In Smirgel und Smirgelpräparate zeichneten fich aus die Firmen: Julius Pfung ft in Frankfurt a. M., welcher fich von der Naxos- Union den alleinigen Bezug des Rohfmirgels für Deutfchland, Oefterreich und Frankreich gefichert hat. Derfelbe beträgt mindeſtens 30.000 Centner, der ganzen Production auf Naxos. Pfung ft erzeugt 22 Sorten gekörnte Prima und 6 Sorten gefchlämmte Waare und verwendet für die verfchiedenen Wetz- und Abziehfteine keine Thonund Kautfchukbindemittel. Die Verdienftmedaille ward ihm zuerkannt. Defsgleichen errangen Merkelbach, Stadelmann& Comp. in Grenzhaufen bei Coblenz, dann H. H. Rischmeyer& Comp. in Hamburg für ihre ausgezeichneten Smirgelpräparate, beftehend in Wetz und Schleiffteinen und Polirftäben, letzterer hauptfächlich für feine vielfeitigen Fabricate und Schärfemittel für Uhrmacher und Graveure, aus Arkanfas, Levantiner und oftindifchen Oelfteinen, womit er grofsen Export erzielt, die Verdienftmedaille. aus Das Anerkennungsdiplom für verfchiedenartige Schärfepräparate Smirgel, Glas und Bimsftein erhielten S. Oppenheim& Comp. zu Hainholz in Hannover, Schumacher'fche Fabrik zu Bietigheim in Württemberg, Schle. finger& Comp. zu Harburg, und Georg Vofs& Comp. zu Deuben in Sachfen. Oefterreich. In Oefterreich einer der Erften, welche die Mühlfteinfabrication überhaupt förderten, ift Jofef Ofer in Krems, welcher zugleich zuerft beftrebt war, inländifches Material für franzöfifche Mahlfteine zu verwendenSchon vor mehr als 15 Jahren fahen wir ihn, den Gangquarz in den kryftalJinifchen Schiefern der Umgebung von Zwettl zu feinen Steinen verwenden. Jedoch konnte diefes Material, welches feiner kryftallinifchen Ausbildung wegen fpröde und nicht fo zähe und hart ift, als wie die durch Quellen an der Oberfläche der Erde abgefetzte und ausgebreitete Kiefelerde, und welches beim Schärfen des Steines die Kanten der Luftfurchen leicht abfpringen läfst, keine allgemeine Verwendung finden. Ofer felbft ging von der Benützung diefes Quarzes ab, und benützt nun wieder La Ferté- Steine. Selbft praktifcher Müller, kennt er viel beffer die Bedürfniffe der Müllerei, und ift ftets bedacht, Verbefferungen zu erfinden, ohne dabei den materiellen Nutzen für fich in erfter Linie zu ftellen. Wir fahen an einigen feiner Steine für den Balancier ftatt 4, 10 Einfätze, welche durch den ganzen Stein durchgriffen. Wir fahen an feinen Bodenfteinen die Mittel- oder Herzftücke verfenkt, fo dafs diefe gar nicht zur Abnützung kommen und fohin nicht zur Verunreinigung der Mehle beitragen können. Eine weitere neue Einführung waren die konifchen Auflagefteine. Da über deren Werth noch keine praktiſche Erprobung Auskunft gab, ftiefs die Zweckmäfsigkeit diefer Neuerung auf Bedenken. Ofer hatte aufserdem noch Holzftofffteine aus den Brüchen von Wallfee und Perg a. d. Donau ausgeftellt. Ihm gebührte und er erhielt die Fortfchritts medaille. Diefelbe Auszeichnung erhielt auch die Firma Jofef Schwartz& Sohn in Wien, welche, capitalskräftig und mit kaufmännifchem Sinne ausgeftattet, die Verhältniffe und Bedürfniffe des Marktes im weiterem Umkreife kennt und zur Befriedigung derfelben fich entſprechend einzurichten verfteht. So wurde diefe 40 Heinrich Wolf. Firma Mitbefitzer von Steinbrüchen in La Ferté, von ungarifchen Trachyt- und Quarzbrüchen am Granfluffe bei Hlinik( flavifch und deutfch, ungarisch aber Geletnek genannt) und bei Szlaska. In der Fabrik zu Penzing werden faft ausfchliesslich nur franzöfifche Mahlfteine verfertigt, während in jener bei Hlinik vornehmlich der poröfe, zellige Trachyt, welcher in der ungarifchen Landmüllerei fehr beliebt ift, verarbeitet wird. Schwartz& Sohn konnten in der Eigenfchaft als franzöfifche, öfterreichiſche und ungarifche Fabrikanten erfcheinen, und in diefen drei verfchiedenen Abtheilungen als Preisbewerber auftreten. Schwartz & Sohn hatten 6 Paar Mahlfteine und Proben von ungarifchem und franzöfifchem Quarze exponirt. Die Verdienftmedaille erhielten die Gebrüder Ifrael, welche ihre Fabriken in Währing bei Wien, in Gratz, in Hoffnung bei Zwickau in Böhmen, dann in Jonsdorf bei Zittau in Sachfen etablirt haben und fich internationale Mühl- und Schleifftein- Fabrikanten nannten. Sie fuchten diefen fich felbft gegebenen Titel zunächft dadurch zu rechtfertigen, indem fie als Specialität die Mahlfteine als Modell im verjüngtem Mafsftabe, I Fufs Durchmeffer, aus allen möglichen Gefteinen, die in den verfchiedenften Ländern in der Mülierei Anwendung finden und fanden, in einem eigenen Pavillon zu Ausftellung brachten. Diefe hatten als blofse Ausftattungsftücke für die Jury keinen Werth, fie prämiirte aber die reine Arbeit an den Cementmahlfteinen, an den Koppfteinen aus Quaderfandftein, die Reisfchäl- und Graupenfteine und die neue Balancirbefchwerung. Mufterhafte Arbeit lieferten in franzöfifchen Steinen Johann Hübner und Carl Opitz in Pardubitz in Böhmen, die die Erften waren, welche diefen Fabricationszweig in Böhmen einführten. Auch wurden noch die Mahlfteine aus dem kryftallifirten Sandſtein von Wallfee a. d. Donau, ausgeftellt durch Johann Mayr& Comp. in Inzersdorf bei Wien, mit der Verdienftmedaille ausgezeichnet. Das Anerkennungsdiplom ward zuerkannt den Brüdern Pichler in Floridsdorf bei Wien, für ihre franzöfifchen Steine und den Walfeeerftein für Glafurmalerei. Eine grofse Reihe von Ausftellern aus den Provinzen konnte bei der Preisvertheilung nicht berücksichtigt werden. An Schleiffteinen aus den eocänen und den Kreidefandfteinen der Voralpen lieferten Beachtenswerthes: Ifidor Braun zn Vöcklabruck in Oberösterreich, durch die Güte des Materials, welches bei ganz gleichmäfsigem Korn Schleiffteine von mehr als 2 Meter Durchmeffer bei nur 0 2 Meter Stärke anzufertigen geftattet, und Franz Perda in Hadersfeld bei Krizendorf a. d. Donau in Niederöfterreich, in feinen verfchiedenen Sorten Schleiffteinen gleicher Kategorie. Beide erhielten die Verdienftmedaille. Das Anerkennungsdiplom wurde noch zuerkannt dem Joh. Troll von Schwarzach in Vorarlberg, für feine Wetzfteine für Senfen und Sicheln aus dem feinkörnigen dunklen Sandſtein der Bregenzer Ache, welche grofse Beliebtheit bei den Landwirthen in Deutſchland und der Schweiz fich errangen und Heinrich Lewicki in Wien für feine künftlichen Schleif- und Polirfteine, für Trocken. nnd Nafsfchleiferei, fowie für feine Abzieh- und Wetzfteine und Rutfcher aus Smirgel. Ungarn war nur mit wenigen Firmen vertreten. Aufser Schwartz& Sohn, welche auch hier mit ihren Hlinikerfteinen fich geltend machten, hatte die Uj- Bánya er Gefellfchaft ihr vortreffliches Material vorgeführt, welches in der vorausgefchickten Steinwaaren. 41 allgemeinen Befprechung eine Würdigung fand. Diefe Gefellſchaft erhielt, wie fchon erwähnt, die Fortfchrittsmedaille. Ausserdem brachte das Agentur- und Commiffionsgefchäft Geittner& Raufch in Peft unter der Ueberfchrift ,, Bars- Geletniki- Malomkö Gyar- és Förak tár" Mahlfteine von drufigem, rothem und grauem Trachyt, dann einen unausgeführ ten Quarzmühlftein, um das vortreffliche zur Verfügung stehende, aber in der ungarifchen Kunftmüllerei noch nicht allgemein anerkannte Material zu zeigen. Geittner& Raufch hatten auch in Vertretung von Brzorád& J. Rezsö in Sárospatak im Zempliner Comitat 8 Sárospatakerfteine von fehr drufigem Quarz in drei Qualitäten, welche im Preife von 160-200 fl. bei einem Durchmef fer von 36 Zoll und von 340-380 fl. bei einem Durchmeffer von 60 Zoll gelie fert werden, ausgestellt. Aus der eigenen Fabrik in Peft brachten Geittner& Raufch 6 Paar La Ferté- Mahlfteine zur Ausftellung, wobei Herzftücke aus Sandftein, Kalkstein und Trachyt Anwendung fanden. Die Carreaux waren in einer durchgreifenden Reihe bis an das Herzftück und die vorgelegten behauenen Würfel aus den verarbeitenden Quarzen zeigte die Qualität der verwendeten Steine. Für diefes Fabricat ward die Verdienftmedaille zuerkannt. Rumänien. Von Rumänien fahen wir Gneifsmahlfteine für Handmühlen von Gornju Baltiano in Baldeni und Schleiffteine aus Karpathenfandftein von der Gemeinde Bacaur ausgeftellt. Wir erwähnen diefs nur, weil diefe Materialien in folcher Bearbeitung fchon zur anthropozoifchen Zeit, als man anfing die Körner zu quetfchen und zu reiben, Verwendung fanden, und weil von dort nichts Anderes vorlag. Russland war repräfentirt durch Cäfar Skoryna in Warfchau und durch Drzevetski aus Kremenetz in Volhynien. Erfterer hatte ein paar franzöfifche Mahlfteine gebracht, der Andere einfache Steine aus heimifchem Materiale. Die Fabrication der franzöfifchen Mahlfteine zeigt, wenn nicht andere Firmen in Rufsland Befferes machen, wovon aber auf der Ausftellung Nichts zu fehen war, dafs diefer Induftriezweig in Rufsland noch eine lange Bahn der Entwicklung zu durchlaufen hat, um der agricolen Bedeutung diefes Reiches zu entſprechenHerrn Skory na ward ein Anerkennungsdiplom zu Theil. Von allen übrigen Ländern des Oftens und des Südoftens lag nichts vor, was einer Preisertheilung würdig erkannt worden wäre, denn die vorgefundenen Steine befchränkten fich auf die primitiven Handmühlen, welche für den Bedarf jeder Mahlzeit in Bewegung gefetzt werden. Wir fahen folche Handmühlfteine aus Rauhwacke und aus Trachyttuffen von Flamm in Tultfcha im Donauvilajet der Türkei, und von Dr. Leitner aus Kabul und der Bokhara, vorgeführt. 4 42 Heinrich Welf. SCHLUSSWORTE. In den vorftehenden Blättern wurde die Gruppe der natürlichen Steine in vier Abtheilungen befprochen. In der erften Abtheilung waren jene natürlichen Vorkommniffe vorge. führt, welche die Einzelnftaaten, die fich an der Ausftellung betheiligten, in ihren wiffenfchaftlichen Inftituten und Mufeen zu Unterrichtszwecken vereinigt haben. Hier fanden wir, dafs Schweden durch feine geologifche LandesAnftalt das Vorzüglichfte leiftete; an diefes reihen fich die Materialien, welche Oefterreich durch die geologifche Reichsanftalt ausftellte; an diefe fchliefst fich Italien mit der Ausftellung feiner Stein, Erd- und Thonarten durch das königliche Minifterium für Ackerbau, Induftrie und Handel an, und nun folgte erft Frankreich mit der von feinen Bergbehörden in den Provinzen Algier, Conftantine und Oran zufammengeftellten Sammlung der nutzbaren Gefteine diefer Provinzen. Von Deutfchland, England und Rufs land ward in diefer Richtung nichts organifirt. Nur aus dem fernen Indien war durch das dortige geologifche Aufnahmsamt eine grofse Reihe der nutzbaren Minerale und Gefteine ausgeftellt, welchen aber die wiffenfchaftliche Durcharbeitung und Gruppirung mangelte. In der zweiten Abtheilung, jener der Baufteine und Steinmetzarbeiten, ausgeftellt von den Producenten, finden wir, dafs aufser Deutfchland und Oefterreich- Ungarn, welche alle Steinarten exponirten, nur noch jene Länder ausftellten, welche mit ihrem Export andere Länder überragen. So fahen wir aus England in diefer Abtheilung nur die Schiefer in allen Sorten; von Frankreich nur die Rohblöcke der edleren farbenreichen Marmorforten; von Italien die Arbeiten in Alabafter und Carraramarmor; von Schweden die Arbeiten in Granit und Syenit. Deutfchland erfcheint mit feinen heimifchen Marmoren und Schiefern und Oefterreich mit feinen Karftfteinen längs der iftrifchen und dalmatinifchen Küfte, fowie mit feinem Granit von Mauthaufen und feinen fchlefifchen Schiefern nach dem Often und Norden exportfähig. In der dritten Abtheilung: Steinwaaren von mehr oder minder künftlerifcher Ausführung, welche zum Schmuck der Wohnräume oder zu monumentalen Ausführungen dienen, ragen über die andern Länder hervor: Rufsland mit feiner Edelſteinmofaik und der Bearbeitung fehr harter Steine überhaupt, in den kaiferlichen Fabriken; Italien mit feiner Marmormofaik, wie fie in der Fabrik des Vaticans in Rom und der königlichen Fabrik in Florenz betrieben wird; Frankreich mit feinen im reinften Zopfftyl durchgeführten Meublements in Stein und Bronze; Deutfchland mit feiner Serpentinmofaik und vielfeitigen kunftvollen Anwendung des Serpentins durch die Zöblitzer Actien gefellfchaft; Oefterreich mit feiner ftylgerechten reinen Durchführung der Steinmetz- und Bildhauerarbeiten in den monumentalen gothifchen Kunftwerken. In der vierten Abtheilung der Steinwaaren, den Mahl- und Schärfungsgefteinen, fahen wir Frankreich und Oefterreich- Ungarn, unterftützt durch eigenes, vortreffliches Material bei der Fabrication der Mahlfteine, um die Palme ringen, welche mit der Zeit Oefterreich- Ungarn bleiben mufs. Deutfchland nahm dagegen, foweit die Länder am Ausftellungsplatze vertreten waren, unter diefen in der Erzeugung der Schärfungsgefteine, befonders durch feine Smirgelpräparate, den erften Rang ein. Steinwaaren. 43 Somit fchliefse ich den gegenwärtigen Bericht, der fo vielfach durch meine anderweitigen Befchäftigungen auswärts von Wien unterbrochen wurde, und defshalb fo fpät zum Abfchlufs gelangte. Ich fchliefse ihn( April 1877), ohne den vorgefteckten Rahmen diefes Berichtes, welcher auch die Verbindungsmaterialien, wie Afphalt, Gyps, Cement und Cementwaaren umfchliefsen follte, auszufüllen, weil in Folge diefer Verfpätung ein getreues Bild des Induftriezwei ges der Cement Fabrication, wie es fich in der Ausftellung zeigte, gegenüber den feither errungenen Fortfchritten in Deutſchland und Oefterreich als zu veraltet erfcheinen würde. Das neue Erproben der Kräfte der Concurrenten aus England, Frankreich, Deutſchland, Oefterreich- Ungarn auf dem Tummelplatze Paris im Jahre 1878 wird die Gelegenheit geben, in einem dann abgefafsten Berichte, wenn der Berichterstatter in einem Juror für diefes Fach noch vor dem Beginne der Ausftellung gefunden wird, getreu und wahrheitsgemäfs von dem errungenen Range ein Bild der weiteren Entwicklungsfähigkeit diefer Induftrie in Oefterreich Ungarn aufrollen zu können.