OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3. DIE THONWAAREN- INDUSTRIE. ( Gruppe IX, Section 2.) BERICHT VON DR. EMIL TEIRICH, Mitglied der internationalen Fury. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF UND STAATSDRUCKEREI. 1873. D VORWORT. Nach dem Programm der officiellen Berichterstattung über die Wiener Weltausstellung 1873 foll der officielle Bericht noch ,, während der Feier des internationalen Feftes abgefafst und aufgelegt werden". Diefe Beftimmung zu erfüllen, übergibt die gefertigte Redaction des officiellen Berichtes in der vorliegenden Form die einzelnen Sectionsberichte der Oeffentlichkeit und glaubt damit den Befuchern der Weltausftellung das Studium derfelben wefentlich zu erleichtern. Nur eine Bemerkung fei an diefer Stelle geftattet. Der vorliegende, wie jeder andere während der Weltausftellungs- Feier publicirte Bericht wird einen Theil des officiellen Berichtes bilden, welcher nach dem Schluffe der Weltausstellung als ein Ganzes erfcheinen und die wiffenfchaftlichen Refultate der Ausstellung für die Dauer erhalten foll. Diefs mag dem Lefer die ftiliftifche Form, in welcher bereits die Vergangenheit der Ausftellung angenommen ift, erklären. PROFESSOR DR. CARL TH. RICHTER, Chefredacteur des officiellen Berichtes. DIE THONWAAREN- INDUSTRIE. ( Gruppe IX, Section 2.) Bericht von DR. EMIL TEIRICH, Mitglied der internationalen Jury. Die keramifche Induſtrie, deren Leiftungen auf der Wiener Weltausftellung in nie gefehen vollkommener Weife vereint zu ftudiren waren, hat eine Beurtheilung von zwei wefentlich verfchiedenen Gefichtspunkten zu erfahren. Reihen ihre rein techniſchen Verfahrungsweifen fie in das Gebiet der chemifchen Gewerbe, fo zählt fie, ihrer hervorragend äfthetifchen Seite wegen auch zu den wichtigften Zweigen des Kunftgewerbes. Die Kunft der Form und der Farbengebung hat von Uralters her den gleichen Antheil an dem Zuftandekommen des Thongefäfses gehabt, wie das Studium des vorkommenden chemifchen Proceffes, der übrigens zumeift bedingend auf die Decoration wirkt, die von ihm alfo bis zu gewiffem Grade abhängig erfcheint. Der Chemismus, welcher in diefer Induftrie ein fo entfcheidendes Wort zu fprechen hat, kann, foweit er fchon das natürliche Rohmateriale betrifft, uns die Grundlage einer Eintheilung der einzelnen Zweige der keramifchen Induſtrie bieten und uns zum Leitfaden durch das Labyrinth des übergrofsen Gebietes dienen, das wir hiemit betreten. Es ist eigenthümlich und auch fchon hervorgehoben worden, daís die Beftandtheile und Zerfetzungsproducte der älteften Formationen der Erdrinde in der Thonwaaren- Induftrie die fpätefte Verwendung fanden. Es find diefs vor Allem die Feldfpathe und Kaoline, das Material für die relativ junge, aber weit fortgefchrittene moderne Porzellan- und Fayencetechnik, im Gegenfatze zu dem unreinen Töpferthone der Alluvialfchichten, der feit undenklichen Zeiten zum irdenen Hausgeräthe geformt, zum Ziegel gefchlagen wird. Je nach den Eigenfchaften der verwendeten Rohmateriale und dem verfchiedenen Feuergrade, dem wir fie ausfetzen, erhalten wir: Den poröfen, nur gefinterten Scherben, alfo die Ziegel- und Terracotta- Erzeugniffe, dann die glafirten Thonwaaren, alfo das gewöhnliche Töpfergefchirre, die Majolica, die Fayence, das Steingut. I 2 Dr. Emil Teirich. Ein Zweig der keramifchen Induftrie, der ganz befondere Bedingungen zu erfüllen hat, der zum Theile nichts gemein hat mit den Zwecken der anderen, ift zweitens die Fabrication feuerfefter Producte, die wir daher auch getrennt behandeln wollen. Drittens erfcheint der dichte, halbgefchmolzene Scherben des Steinzeuges und der Wedgewoodwaare, fowie endlich des Porzellans. Je entwickelter aber eine Induftrie ift, je mehr fie fich nach allen Richtungen auszudehnen fucht und ihre Verfahrungsweifen verfchmilzt, den Kreis ihrer Hilfsmittel erweitert, defto fchwieriger wird es, ihre Erzeugniffe in einen engen, fchematifch begrenzten Rahmen zu claffiren, und es mufste auch hier ab und zu von dem ftrengen Fefthalten der Eintheilung abgewichen werden, um nicht vielfach Gleichartiges zu trennen. Die Gefammtzahl der Ausfteller von Thonwaaren ift eine bedeutende zu nennen, denn fie erreicht die Höhe von nahezu 500. Nachfolgende Zufammenftellung gibt ein Bild hierüber, fowie über die von der Jury zuerkannten Auszeichnungen. Hiervon erhielten Zahl Name des ausftellenden Landes der EhrenAusfteller. diplome. AnerkenMedaillen. nungsdiplome. - Belgien Brafilien China.. Dänemark Deutſchland IOO Egypten 729702 3 England 13 Frankreich 32 23 Griechenland 3 Japan 26 I Indien 17 Italien 55 I Kaukafus IO Marokko Monaco. Niederlande Nordamerika Oefterreich Portugal Rufsland Schweden Schweiz I I 7 3 79 9 4 I 2 4 • • • • Spanien Türkei Tunis. Ungarn Summe. 5 I I 838780 IO I I 27 I I I 8 II 103 217 I HHH I I 2 2322300 38 I I 9 74 6 I 15 2 615 I 5 492 12 152 115 Dafs vorftehende Zahlen to gut wie gar keinen Werth für die Beurtheilung des Standes unferer Induftrie in den einzelnen Ländern haben, fällt fchon bei Die Thonwaaren- Induftrie. 3 deren flüchtigfter Durchficht auf und es ift recht bedauerlich, dafs namentlich einige Länder in der Befchickung der Ausftellung weit hinter ihrer Leiftungsfähigkeit zurückgeblieben find. Es gilt diefs beifpielsweife von England, das zwar aufserordentlich Schönes fandte, von deffen Induftriellen fich jedoch relativ zu wenige zu einer Befchickung unferer Ausftellung entfchloffen hatten. Noch mögen hier einige Worte über die Art und Weife ihren Platz finden, in der zumeift Thonwaaren ausgeftellt wurden. Ganz abgefehen von der Schwierigkeit, dort vergleichende Studien zu machen, wo alle zufammengehörigen Objecte räumlich fo weit aus einander gerückt wurden, wie diefs zumeift hier der Fall war, haben die Ausfteller es im Allgemeinen an den nothwendigften Daten fehlen laffen, um Auffchlufs über das Wiffenswerthefte ihrer Fabrication zu geben. Vor Allem fehlte es aber an der Angabe der Verkaufspreife, die eines der wichtigſten Momente bei Beurtheilung eines induftriellen Productes abgeben. Aufserdem glauben wir, dafs es im Intereffe eines jeden Ausftellers liegen müfste, dasjenige auch für das Auge des Laien fofort erfichtlich zu machen, was er als neu und eigenthümlich der befonderen Beachtung empfiehlt und wenigftens in allgemeinen Umriffen die entfcheidenden Kennzeichen feiner verbefferten oder abgeänderten Fabrication zu geben, um deren Verdienft gebührend würdigen zu können. Intereffelos, weil nicht angeleitet, geht fo aber das grofse Publicum an den wichtigften und hervorragendften Leiftungen vorüber und der Nutzen einer Ausftellung wird für den Ausfteller und den Befucher illuforifch. Noch immer vergeffen die meiſten Induftriellen ihre Mitarbeiter, jene Kräfte, denen oft einzig und allein die Profperität ihrer Unternehmung, oder zum mindeſten und viel häufiger, das Gelingen ihrer Ausftellung zuzufchreiben ift. Faft möchte man glauben, dafs diefsmal fogar die Abficht des Verfchweigens folcher Namen vorlag, denn durch die Einführung der Mitarbeitermedaillen, von deren Exiſtenz doch jeder Induftrielle unterrichtet ſein mufste, wurde jedem zufälligen Vergeffen gewifs vorgebeugt. Es ift wahr, dafs der Jury, namentlich von franzöfifchen und englifchen Firmen Mitarbeiter behufs Prämiirung namhaft gemacht wurden, aber diefs genügt in folchem Falle nicht völlig und wir möchten das Vorgehen von Th. Deck in Paris empfehlen, der auf einer fchön ausgeftatteten Gedenktafel eine ftattliche Reihe feiner Collaborateurs aufführte und diefelben auch dem grofsen Publicum bekannt gab. Wenn wir im Folgenden, von Bekanntem ausgehend, vielleicht etwas zu weit zurück gegriffen haben in die Gefchichte der Entwicklung der Induftrie, die wir behandeln wollen, fo mag die Beobachtung uns zur Entfchuldigung dienen, dafs das grofse Publicum, als deffen Führer und Leitfaden diefe wenigen Zeilen auch zu dienen haben follen, einer etwas zufammenhängenden Darftellungsweife bedarf. Dem Fachmanne dürfte eine Wiederholung des vielleicht fchon öfter Gehörten wenigftens nicht ftörend fein. ZIEGEL UND TERRACOTTEN. Die Ziegel- und Terracotta- Erzeugung ist nicht nur unter den keramifchen Künften die ältefte, fondern ihr Anfang und Uebung reichen zurück bis in die vorhiftorifche Zeit, aus der gerade die Refte diefer menfchlichen Thätigkeit uns ab und zu als wichtigfte Documente über das Leben und Wirken unferer Vorfahren aufbehalten blieben. Es fcheint, dafs die erften Anfänge der Thonwaaren- Induftrie in der Töpferei zu fuchen find und nicht, wie etwa leichter zu vermuthen wäre, in der Verwendung des Thones zu ftructiven Zwecken, wenigftens nicht in gebranntem Zuftande. Den erften Gefäfsbildungen, rohen, dickwandigen, unbeholfenen und fchiefgedrückten Formen, entstanden ohne Zuhilfenahme der Töpferfcheibe oder 1* 4 Dr. Emil Teirich. fonftiger mechanifcher Hilfsmittel fehlt bei den einzelnen Völkern jede Stilrichtung, fo dafs nur fchwer die älteften keltifchen oder griechifch- italienifchen Gefäfse von einander unterfcheidbar find. Funde alter Thongefäfse, beiſpielsweife die in unferen Torfmooren, verfucht man circa 4000 Jahre zurück zu datiren. Die anthropologiſche Gefellſchaft ftellte unter den Refultaten der Unterfuchung des Atterfees( Oberöfterreich) Thongefäfse mit ganz bemerkenswerther Ornamentik aus der Broncezeit aus. Unterdeffen hat der gebrannte Thon in der Form des Ziegels gleichfalls bereits Verwendung gefunden. An den egyptifchen und affyrifchen Baudenkmalen finden wir nicht nur gut gebrannte, und darum bis auf unfere Zeit erhaltene, fondern auch decorirte, oder wenigftens mit Charakteren und eingeprefsten Zeichen aller Art verfehene Ziegel und Thonplatten. Es fcheint aber, als ob zuerft die Chinefen die Terracotta zur Verzierung der Aufsenfeite der Häufer verwendet, alfo zuerft diefes Materiale der Architektur dienftbar gemacht haben. Die mehrfach durchforfchten Schutthügel des Euphratthales bergen die älteften Refte der Thonwaaren- Kunft. Grofse Thonfarkophage, bedeckt mit Schutt und Topffcherben, theils unglafirt, meift aber mit grüner Glafur überzogen, liegen zu Taufenden aufgehäuft in diefen alten Begräbnifsftätten. Sie gleichen in ihrer eigenthümlichen Ornamentation Leichenwindeln, ausgeführt in Thon. Hier fieht man die intereffante Verwendung des gebrannten Ziegels, welcher in Form des Pfeilers die Wände aus ungebrannten Luftziegeln ftützt, welch' letztere merkwürdigerweife vor dem Zerfallen durch Jahrtaufende gefchützt blieben. Die Kunft des Wölbens war den Chaldäern fchon bekannt und theilweife find heute noch die Gewölbdecken an den Ruinen von Wurka erhalten. Auch glafirte Thonarbeiten fanden fich dafelbft vor, fo die fehr intereffante Anwendung von thönernen Nägeln mit glafirten Köpfen, welche rund und etwa 6 Zoll lang in die Mauern aus ungebrannten Luftziegeln behufs Schutzes derfelben dicht neben einander eingetrieben waren. Eine Decoration der Mauern in mofaikähnlicher Weife mit glafirten Platten wird gleichfalls an einigen Orten gefunden, die chronologifche Ordnung aller diefer Funde aber vorzunehmen, ift äufserft fchwierig und, wenn verfucht, ftets zweifelhaft. Eine andere eigenthümliche Conftruction diefer älteften, uns aufbewahrten Baudenkmale aus gebranntem Thon ift die fogenannte Topfmauer, die auch heute ihrer decorativ verwendbaren zelligen Aufsenfläche und ihrer befonderen Leichtigkeit wegen manchmal in Verwendung kommt. Das Ausstellungsobject der Wienerberger Ziegelfabriks- und Baugefellfchaft zeigte ein Topfgewölbe als überhöhte Kuppel. In ähnlicher Weife wendet man dort, wo leichte oder decorirte Gewölbedecken gewünſcht werden, namentlich in England, vielfach diefe Töpfe von runder oder fechseckiger Form an. Die Technik des Bildens plaftifcher, architektonifcher Gegenftände wurde jedenfalls auch damals fchon geübt. Statuetten und Votivtafeln aus Terracotta mit aufgeprefsten Basreliefs fehr eigenthümlichen Stiles von höchft naivem Charakter zählen mit zu dem Gefundenen. Höhere Bedeutung hat die griechifche Keramik fchon in ältefter Zeit. Schon in Homer's Gedichten findet fich ein Gebet, das die Töpfer fprachen, ehe fie an das Einfetzen ihrer Erzeugniffe in den Brennofen fchritten, und die Erfindung der Töpferfcheibe, einer der älteften Maſchinen der Menfchheit, wird der mythifchen Perfon des Talos, Neffen des Dædalos, zugefchrieben. Die erften und hervorragendften Künftler Griechenlands, ein Phidias, ein Polyklet, fertigten ihre Modelle in Thon, und ein griechifches Sprichwort fagt:„ Der rechte Mann zeigt fich dann am beften, wenn ihm der Thon unter die Nägel kommt." Bald entwickelt fich gewiffermafsen aus der gemeinſamen Urform der eine oder andere Zweig diefer Kunft zu kräftigerem, felbftftändigem Gedeihen und es Die Thonwaaren- Induftrie. 5 entfaltet fich auf hellenifchem Boden und in Etrurien die Gefäfskunft zu einer herrlichen Blüthe und grofsen Verbreitung. Waren die erften Gefäfse fchon, wenn auch in roher Weife bemalt, fo zeigen fie auch in der Maffe felbft fich durch Wahl beftimmter Thonforten mit Abficht fchwächer oder intenfiver gefärbt, und war diefe charakteriftifche Farbe des Thones um fo leichter zu erhalten, als das angewandte Feuer beim Brennen der Gefäfse ein fehr fchwaches blieb. So entstand eine Töpfervorftadt von Athen. Das geeignete Materiale wurde oft weit herbeigeholt und hochgefchätzt war der Thon vom Hügel Kolias. Alle Töpfererzeugniffe der Griechen zeichnen fich durch grofse, ganz auffallende Leichtigkeit aus, die fpäteren, als die griechifche Gefäfsbildnerei ihren Höhepunkt erreichte, auch durch befondere Politur und einen matten Glanz, der als Unterfcheidungsmittel von den vielfach in den Handel gebrachten Imitationen, befondere Beachtung verdient. Tragen fchon die älteften Gefäfse Spuren eines Henkelanfatzes, fo bemächtigt fich fpäter die Plaftik der Töpferei und beginnt mit der Decoration des plumpen Gebildes. An den tyrhennifchen Vafen fchon tritt das plaftifche Ornament auf; bald folgt die Nachbildung von Thiergeftalten, es tritt ein Syftem in die Anordnung der Decoration und diefe plaftifche Töpferei erreicht um den Beginn unferer Zeitrechnung auf den griechifchen Infeln ihren Höhepunkt. Die Einführung der damals fchon altbekannten Töpferfcheibe in die Thonwaaren- Induftrie der Hellenen hatte eine völlige Aenderung der Stilrichtung in diefer Kunft zur Folge. Es verändert fich mit der vervollkommneten künftlerifchen Geſtaltung der Gefäfse aber auch deren Rohmaterial, es wird feinkörniger, dichter, es erhält glattere Oberflächen und einen ftärkeren Brand. Nun tritt auch fchon die Glafur hinzu und mit dem erhöhten künftlerifchen Werthe der Producte in Modellirung und Zeichnung geht Hand in Hand die Vervollkommnung der Technik durch Anwendung farbiger Glafuren, Engoben und fonftiger Kunftfertigkeiten. Das Streben nach Erzielung eines gleichförmigen Orangetones der gebrannten Waare führt zu den fchönften Folgen. Wir find nun der Zeitperiode nahe gerückt, in der die hellenifche Keramik ihren Höhepunkt erreichte. Ihr entftammen die herrlichen mit allem Aufwande der Technik ausgeführten Vafen und Amphoren, die unfere Sammlungen fchmücken und aus deren bilderreicher Decoration wir, wie in einem aufgefchlagenen Buche, die fchätzbarften Auffchlüffe über das antike Leben, über die Religion und Sitte der Griechen lefen. Den älteren Gefäfsen mit fchwarzer Zeichnung auf rothem oder rothgelbem Grunde folgt zur Zeit des Höhepunktes diefer Kunft ein Umfchwung in der Anwendung der Glafur und Farbe, und es erfcheinen die Figuren nun hell, gewiffermafsen aus dem fchwarzen Grunde ausgefpart. Parallel mit diefer Kunftrichtung der griechifchen Keramik lauft eine zweite, von der erfteren wefentlich verfchiedene, die Kunft der vielfarbigen Töpferei. Die glasartige Schmelzglafur wird erfetzt durch einen leicht flüffigen, bei geringer Erwärmung fchon auffchmelzbaren, lackartigen Ueberzug, der meift mehr oder weniger aus einem wachsähnlichen Körper und tingirenden Erdfarben beftanden zu haben fcheint, welche Compofition faft ausnahmsweife auf weifsem, durch einen Bolusüberzug gegebenen Grunde aufgetragen wurde. Die intereffante Ausftellung Dänemarks zeigte moderne Nachbildungen aller diefer althellenifchen Gefäfsformen, oft von fehr gelungener Art; auch einige italienifche Thonwaaren- Fabrikanten haben fich hierin, freilich mit weit weniger Erfolg, verfucht. Gleichzeitig in der Periode der Blüthe der hellenifchen Gefäfsbildnerei aus dem gebrannten Thone fehen wir diefes Rohmaterial immer häufiger zu decorativen Zwecken benützt und namentlich an Bauwerken aus nachperikleifcher Zeit finden wir gebranntes Bauornament, meift ähnlich bemalt wie die letztgenannten Vafen, in vielfacher Anwendung. Zuerft foll diefs in Korinth gefchehen fein. Aber nicht nur zur ornamental decorativen, fondern auch zur figuralen Plaftik wurde, wie 6 Dr. Emil Teirich. fchon Eingangs erwähnt, die Terracotta damals verwendet. Farbige Terracotten fchmückten die Balken und fonftigen Theile des noch archaiftifchen Tempels von Metapont. Die Wände des Palaftes des Königs Maufolus in Halikarnaffus waren allerdings nur aus ungebranntem Ziegelmateriale ausgeführt, aber immer rein geglättet und wahrfcheinlich mit enkauftifchem Firnifs überzogen. Jedenfalls fand die polychrome Behandlung des gebrannten Bau ornamentes ftatt. Oft finden wir die glatten Glieder des Gefimswerkes, theils auf der Töpferfcheibe erzeugt, theils gezogen und mit Ergänzungsformen bemalt. Semper nennt die Terracotta in ihrer häufigen Anwendung zur Bekleidung der Balken und Säulen fchon des griechifchen archaiftifchen Tempels, den eigentlichen Vermittler zwifchen dem alten und neuen Stile und leitet das korinthifche Steincapital geradezu aus dem Töpferftile ab. Nach Italien gelangte die Kunft der vollendeten Töpferei aus Griechenland. Eine enorme Verbreitung wurde damit der Thonwaaren- Induftrie gegeben, denn das weltbeherrschende Rom trug diefe Technik nicht allein zurück wieder in den Orient, nach Kleinafien und Egypten, es verpflanzte fie bis an die Küfte der Nordfee, bis in die germanifchen Wälder. Die Töpferfcheibe gibt dem römifchen Gefäfse feine Grundform, aber der Plaftiker fetzt mit bildender Hand Henkel daran und ein Reliefornament, zu deffen rafcherer Herftellung er fpäter fich des gravirten Stempels, der auszudrückenden Form bedient. Ift das Werk vollendet und foll es gebrannt werden, fo vergifst der Künftler felten, zuletzt noch feinen Namen der weichen Thonmaffe einzuprägen. Glafur wird felten gegeben und fcheint nur wenig gelungen gewefen zu fein, aber der Luftre römifcher Waaren, wie jener der fogenannten famifchen Terracotta, ein reiner, rofenrother, warmer Farbenton, war prächtig und genügte. Auch hier findet fich Bemalung, doch nie ein Einbrennen derfelben. In der Stilrichtung folgt die römifche Töpferei den griechifchen Formen. Aus frühefter Zeit datiren die römifchen Terracotten, welche dem Todtencult gewidmet waren. Grofse, farkophagähnliche Afchenbehälter, Ampeln und Lampen, Thränenkrüge und Urnen finden fich faft in jedem der geöffneten römifchen Gräber; fonftige Terracotten, Darftellung aus dem Thierleben, Figuren und dergl. in vielen Exemplaren unter den ausgegrabenen Reften von Pompeji. Unterdeffen hat der Ziegelbau fich völlig eingebürgert und der gebrannte, künftliche Stein fich feine dauernde und fpäter fo unendliche Wichtigkeit in der Baukunft gefichert. Die Conftruction der Gewölbe wurde neu erfunden, der Ziegel decorirt und mit ornamentalen Terracottaftücken vereint zu Bauzwecken verwendet. Wo die, fiegreich an die Peripherie der damals gekannten Welt vordringenden römifchen Legionen vorübergehend oder dauernd Halt machten, wo eine römifche Colonie entftand, dorthin wurde auch die römifche Thonwaaren- Induftrie getragen und Ziegeleien gegründet, die das Material zur Befeftigung des verfchanzten Caftrums gaben. So läfst fich beiſpielsweite die Entftehung der heutzutage gröfsten Ziegelei der Welt, der zu Inzersdorf am Wienerberge, auf die Epoche der Gründung Wiens als römifches Lager durch die Legionen pia, fidelis und gemina zurückführen. Mannigfaltige Gefäfse und römifche Ziegel werden jetzt noch alljährlich bei den fortfchreitenden Abgrabungen dort gefunden und tragen das Zeichen der genannten Legionen. Es würde trotz der eingehaltenen fkizzenhaften Darftellungsweife dennoch zu weit führen, wollten wir hier, von den erften Anfängen beginnend, der Entwicklung und des Aufblühens der alten Thonwaaren- Induftrie bei anderen Culturvölkern ebenfo gedenken wie bei den hellenifchen und italienifchen. Gewifs ift, dafs China fchon lange vor der claffifchen Zeit Thonfiguren mit Göttergeftalten modellirte und brannte, dann aber auch in der Gefäfsbildnerei Die Thonwaaren- Induftrie. 7 Bedeutendes leiftete. Ein gleiches gilt von den Indiern, ja die Anfänge diefer Kunft laffen fich verfolgen bis in die Urwälder von Mexico und der füdamerikanifchen Völker. Wie fo manche Kunftfertigkeit aber, fo gerieth auch die claffifch antike Thonwaaren- Technik in Verfall, um erft wieder in Italien zu Ende des XIV. Jahrhundertes und fpäter in anderen Ländern zur neuen Blüthe zu erwachen. Nur wenige Beiſpiele von der Verwendung des Backſteines als Rohbau find uns aus alter Zeit bekannt. Die gröfsten Bauten der Römer fowie deren Wohnhäufer waren wohl aus Ziegeln gemauert, aber meift verputzt. Das Theatrum castrense und der Tempio del Dio redicolo bei Rom find folche, auf uns überkommene Ziegel- Rohbauten mit Terracotta- Gliederungen. Von einem antik claffifchen Ziegel- Rohbauftil kann daher nicht die Rede fein; ftets bot der gebrannte Thon in leicht handlicher Form zu einer minder koftfpieligen, dem Effecte nach aber mit der Stein- oder Marmorarchitektur gleich werthigen Bauweife die Hand. Anders wurde es, als im Mittelalter die Thonwaaren- Induftrie Oberitaliens neuerdings erblühte und der Ziegel als Erfatz des Baufteines angewendet wurde. Anfänglich nur befcheiden hinter den Kalkmörtel gebunden, trat er fofort in feine Rechte, als der kunftfertige Italiener des Mittelalters die trefflichen Eigenfchaften des Materiales kennen und würdigen lernte. Die Sucht der Künftler der fpäteren Gothik und der Frührenaiffance nach neuen Verfahrungsweifen und nach einer Bereicherung der ihnen zu Gebote ſtehenden Rohmaterialien kam ihm bei feinem Kampfe um Selbftftändigkeit wefentlich zu Statten. Das Gleiche gilt von anderen Stoffen, von anderen technifchen Verfahrungsarten, mit denen das gleichzeitige Kunft- Handwerk Italiens fich bereicherte, die es entweder dem claffifchen Alterthume, geftützt auf etwa noch fortlebende Traditionen, entnahm, oder die es in eigener genialer Conception zu erdenken wufste. In Venedig, dem Mailändifchen, vornehmlich aber in der Aemilia, blühte der Ziegel- Rohbau und hinterliefs uns eine Reihe von Prachtbauten, reich, faft überreich decorirt mit Thonornament, das, dem Rohftoffe und feinen ſpecififchen Eigenfcharten volle Rechnung tragend, bei allen Gliederungen der Architektur, meift ftrenge im Stil gehalten, ausgeführt wurde, was übrigens nicht ausfchlofs, dafs auch Steinornamente mit im Ziegel- Rohbau verwendet wurden. Bolognas Bauten, wo grofse, aus Ziegeln aufgeführte Säulen reiche Sandftein- Capitäle tragen, find hievon ein Beiſpiel. Zur höchften Entwicklung gelangte, die Verwendung der Thonwaare zu den Zwecken der Architektur in den Klofterhöfen und Kirchenfaçaden. Das reizendfte Bauwerk und das bekanntefte, die Höfe der Certofa bei Pavia, mit den hervorfpringenden figuralen Medaillons( eine treffliche Nachbildung hievon im South- Kenſington- Muſeum in London) entftammt diefer Epoche und das in fpät gothifcher Zeit erbaute Ospedale maggiore in Mailand, ein Werk Filaretes, entwickelt in feinen zierlich gegliederten gothifchen Fenſtern die reichfte und elegantefte Architektur, die aus diefem Materiale gedacht werden kann. Der Palazzo Bevilacqua in Bologna, der Palazzo della Scrofa in Ferrara find berühmte Bauwerke, in denen die Backſtein- Architektur bereits eine felbftftändige, aber der Ausdrucksweife des Materiales entſprechende Form gefunden hat. Auch hier findet man nicht felten und namentlich an den älteren Bauwerken bunte Bemalung der Terracotta- Ornamente. Aber nicht nur den Zwecken der Architektur wurde der gebrannte Thon dienftbar gemacht, auch die Kleinkunft bemächtigte fich diefes leicht zu behandelnden plaftifchen Materiales. Abgefehen von deffen Verwendung in der nationalen Töpferei, die dem Thongefchirre zur allgemeinften Verwendung verhalf, find uns viele Ausführungen von Kunftgegenftänden aus jener Zeit erhalten: Kamine, Vafen, Grabplatten 8 Dr. Emil Teirich. vorzüglich fchön modellirte Porträtbüften und Medaillons. Das öfterreichifche Muſeum felbft ift im Befitze einiger gut ausgeführter Stücke diefer Art. Die Glafur, welche auf dem Töpfergefchirre längft fchon im Wefentlichen die heutige Zufammenfetzung als eine Blei- oder Zinncompofition angenommen hatte, fie wurde nun auch künftlerifch, im Verein mit Farbe und als Email verwendet, die Majolica entſteht, die Robbias liefern nun auch der Architektur ein reizendes Decorationsmittel und die Thonwaaren- Induftrie tritt hiemit in ein Stadium der Vollendung, das anderen Ortes befprochen werden mufs. Blicken wir nach dem Norden Europas, nach Nord- Deutſchland und England, fo hat mit dem XIII. Jahrhunderte auch dort der Ziegel- Rohbau bereits feften Fufs gefafst. Die englifche Gothik macht faft ausfchliefsend von ihm Gebrauch. Günftig war ihm der Mangel an Baufteinen jener flachen, dem Meeresboden nur langfam entrückten Landftriche und jedenfalls auch die Schwierigkeit, der unaufhörlich nagenden, falzig feuchten Seeluft eine genügend wetterbeftändige Kalkmörtel- Schichte als Verputz entgegenzuftellen. Der gebrannte Thon hat feine Stabilität bewahrt. Unverwittert und feft ftehen heute noch die Monumentalbauten des Mittelalters ebenfo wie das fchlichte Haus des Bürgers. Auch hier hat fich eine Backſtein- Architektur des Mittelalters ausgebildet und Werke gefchaffen, die heute noch Kunde geben von dem Stande der Thonwaaren- Induftrie jener Zeit, welche im Allgemeinen in Deutſchland, Frankreich, Holland und England die gröfste Pflege und Entwicklung fand, wenn auch gerade der hier zu befprechende Zweig der Ziegel- und Terracottaerzeugung eine geringere Bedeutung darin einnahm als in Italien. Es gelangte eben die Technik glafirter ordinärer Thonwaare, wie fie in dem altdeutfchen Ofen ihr Prototyp findet, die Fliefen und Majolica- Erzeugung und die des Steingut- Gefchirres, in die Blüthe. Eine fchöne Anwendung der Terracotta findet fich in den Fufsboden- Beleg. platten der mittelalterlichen Kirchen, Ritterburgen und Wohnhäufer, die ornamentirt und fcharf gebrannt, ja oft in verfchiedenen Farben hergeftellt und zu Muftern vereinigt wurden. Die Belegplatten der Kirche in Bebenhaufen u. f. w. geben uns heute noch Beiſpiele hievon. Die Stilepoche der Renaiffance beeinflufst in fichtlicher Weife die Thonwaaren- Fabrication in Deutſchland und Frankreich, benützt fie aber weniger für die Zwecke der Architektur als das Mittelalter. Der eigentliche Einfluss der Renaiffance in Deutfchland äufsert fich auf die Gefäfsbildnerei, die Werke der Kleinkunft, auf die glafirte Thonwaare. Die Anwendung der Terracotta- und Rohbau- Architektur, aus welcher überhaupt ftets nur der Impuls zu Fortfchritten diefes Zweiges der ThonwaarenInduftrie ausgehen kann und zu erwarten fteht, ift in der modernen Zeit faft möchte man annehmen allenthalben in mächtiger, ftetiger und neuer Entwicklung begriffen. - - Seit den letzten Jahren ift auch Oefterreich hierin einen Schritt vorwärts gegangen, einen Schritt, der es freilich noch nicht fofort in die Reihe mit England und Nord- Deutfchland brachte, der aber grofs genug war, um zur berechtigten Annahme zu führen, es werde auch in diefem Zweige der Induftrie bald ebenfo den genannten Rivalen nachgeeilt fein, wie auf anderen Gebieten des menfchlichen Könnens und Wiffens. Die Ziegel- Rohbau- Architektur, ohne die wir uns nun und nimmer eine gedeihliche Entwicklung der Terracotta- Induftrie zu denken vermögen, hat in dem letzten Jahrzehent geradezu Bedeutendes geleiftet. Das techniſch Vollkommenfte zeigt uns die Ziegel- und Thonwaaren- Induftrie in Nord- Deutfchland und deren Verwendung in der Berliner Architektur. Die neuen Gebäude der Bank und Münze, der Bahnhöfe, der Synagoge, das Krankenhaus auf der Landsberger Chauffée, viele Villen im Thiergarten, dann aber auch der Neubau der Königsberger Univerſität und vor Allem die kürzlich Die Thonwaaren- Induftrie. 9 eröffnete Paffage von den Linden nach der Behrenftrafse, find treffliche Ausführungen, über deren architektonifch künftlerifchen Werth eine Discuffion zuläffig fein mag, die aber vom Standpunkte der Thonwaaren- Fabrication hier zu Lande gewifs noch Unerreichtes leiften. Nicht weniger trefflich find die Ausführungen in England, denen man dort allenthalben begegnet. England ift unbeftreitbar das Land der Thonwaare, es hat die Technik vervollkommnet und gewifs auch in der allerhäufigften und vielfältigften Anwendung erprobt. Hier find wir fo recht in das Centrum der Rohbau- und Ziegelarchitektur gerathen. Der praktiſche Engländer weifs eben die Vortheile diefer Bauweife völlig zu würdigen, er erkennt den Werth und die Billigkeit des Rohbaues für feine Wohnhäufer und Induftriebauten und fchätzt die herrliche Verwendbarkeit der Terracotta als Decorationsmittel. Die zwei gröfsten und bekannteften Bauten Londons, die koloffale Albert- Hall und das South- Kenfington- Muſeum mögen hier in Erinnerung gebracht fein. Nicht minder baut man in Amerika faft ausfchliefsend ohne Verputz und weifs die dort faft ausnahmsweife mit Mafchinen erzeugten Ziegel mit erftaunlich dünnen Fugen und grofser Präcifion zu vereinen. In Wien ift die Anwendung diefer Bauweife eigentlich erft feit circa zwanzig Jahren verfucht worden. Ein fchlimmerer Anfang als mit dem Baue des Arfenales und der Franz- Jofefskaferne um 1851 konnte kaum gedacht werden, und fo war es eigentlich der Monumentalbau der neuen Lerchenfelder Kirche, von dem die Anwendung der Terracotta als Decorationsmittel des Roh- Mauerwerkes erft fo recht datirt. Um diefe Zeit fällt denn auch die Einführung der Mafchinen in die Ziegelinduftrie. Aus den, urfprünglich den Zwecken der Landwirthschaft dienenden Drainröhren- Preffen, entſtand die heutige Ziegelmafchine. Beide kamen in England zuerft, anfänglich aber mit wenig Erfolg in Betrieb. Die rafch zunehmende Entwicklung der grofsen Städte, der Centren des Verkehres eines weitverzweigten Eifenbahn- Netzes, der neu erwachte und durch die verfchiedenen Weltausftellungen vielfach angeregte Sinn für Communalbauten u. f. f., er vermehrte faft allerorts die Bauthätigkeit und erhob viele Baugewerbe zur Fabrication. Zu letzteren zählt vor Allem die Ziegelerzeugung. Die fteigenden Anforderungen an diefe Induftrie fanden diefelbe allerorts zumeift ganz unvorbereitet. Die primitivfte Gewinnung des Thones, deffen Formen ohne Berücksichtigung fpecififcher Eigenfchaften gehandhabt wurden, dann aber vor Allem das Brennen der Steine, welches unvollkommenes, ungleiches Materiale und maffenhaften Ausfchufs gab, und wegen der nothwendigen Mitverwendung des Holzes zum Brande fehr koftfpielig war, alle diefe Theile der Ziegelerzeugung bedurften einer Verbefferung, denn nur wenig unterfchieden war bis dahin der bei der Ziegelerzeugung beobachtete Vorgang von jenem, der den Juden zur Zeit der Pharaonen fo vielen Kummer in Egypten machte. Der Mangel an den nöthigen Arbeitskräften zwang zuerft zur Aufftellung der Mafchine und ift vorzüglich jetzt das Motiv ihrer rafcheren Verbreitung, die fie zufehends gewinnt. Vielfache Verfuche, meift abzielend auf Continuität des Betriebes oder doch wenigftens theilweife Benützung der abgehenden Wärme aus den Brennöfen, führten bis vor Kurzem zu keinem nennenswerthen Refultate, weder in Oefterreich noch anderen Orts. Erft Friedrich Hoffmann in Berlin gebührt das, in neuefter Zeit ihm mit vollem Unrechte beftrittene Verdienft, die Frage des Ziegelbrennens wenigftens im Principe erfchöpfend gelöft zu haben. Es gefchah diefs durch Anwendung der Grundfätze der Siemen'fchen Regeneratorfeuerung in möglichft einfacher Weife auf das Brennen von Ziegeln und Kalk. Hoffmann's Ofen fand die rafchefte Aufnahme in allen Ländern, er brachte zudem einen Umfchwung hervor im ganzen Syfteme der Ziegelerzeugung, er 10 Dr. Emil Teirich. machte fie fo recht zur Fabrication. Unvergleichlich war der neue Ziegel beffer als der frühere und dabei mit einem Aufwande von Brennftoff gebrannt, der mindeftens 50 Percent unter demjenigen ftand, welcher in Oefen alter Conftruction zu verbrennen nöthig war. Freilich ift das Anlage capital zur Herftellung eines folchen Ofens ein gröfseres und zwingt deffen Continuität zur ununterbrochenen Production, für welche Abfatzquellen offen gehalten fein müffen. Das Affociationswefen, welches allerdings nicht felten die verdorbene Blüthe fchwindelhafter Actiengeſellſchaften getragen hat, bemächtigte fich diefer Induftrie, wandte ihr die nöthigen Capitalien zu und erhob fie namentlich in Oefterreich und fpeciell in Wien zu einer Entwicklung, die fie, wenigftens mit Rückficht auf Maffenproduction und Grofsartigkeit des Betriebes, nirgends fonft zu erreichen vermochte. Dabei fchritt man auch hier in der Verbefferung der Qualität vor. Führte fchon der Arfenalbau zur Erzeugung der erften Verblendfteine aus gefchlämmtem Thon und zur Einführung paffend profilirter Ziegel, um dem Maurer deffen Behauen zu erfparen, fo hob fich die ganze einfchlägige Thonwaaren- Induftrie mit der Errichtung der Thonwaaren- Fabrik zu Inzersdorf am Wiener Berge, welche im Vereine mit einem zweiten kleinen Etabliffement in der Nähe Wiens die neu erblühende Wiener Architektur kräftigft unterſtützte. Die gebrannte Thonwaare im Vereine mit dem Ziegel- Rohbau gewann, wenn auch langfam, fo doch ftetig an Terrain. Die gothifchen Kirchen und das akademifche Gymnafium Schmidt's, vor Allem aber die befondere Sorgfalt, die zuerft Architekt Hanfen der Anwendung diefer Bauweife zuwandte und in feiner evangelifchen Schule, der griechifchen Kirche, dem Heinrichshof, dem Mufikvereins- Gebäude zum Ausdruck brachte; dann endlich Ferftel's Neubauten des öfterreichifchen Muſeums und des chemifchen Laboratoriums der neuen Univerfität bürgerten diefelbe ein und trugen nicht wenig zur Hebung der öfterreichifchen Terracotta- und Ziegelinduftrie bei. Ehe die, über Oefterreich gerade während der Weltausftellung hereingebrochene, financielle Krife auch in diefer Induftrie einen Rückfchlag oder wenigftens einen momentanen Stillftand hervorrief, mochten die Wiener Ziegeleien allein, das heifst jene Etabliffements, die vorzugsweife ihre Producte nach der Hauptftadt abfetzen, eine Fläche von circa 2500 öfterreichifchen Joch occupirt und an 15.000 Arbeiter befchäftigt haben. Das hiebei engagirte Capital dürfte auf 18 bis 20 Millionen Gulden zu veranfchlagen fein und beträgt derzeit die jährliche Production an Ziegeln für den Wiener Markt rund 450 Millionen Stück. Welcher koloffalen Menge von Mauerwerk entſpricht diefes enorme Quantum von Ziegeln, deren Dimenfionen faft die gröfsten unter den überhaupt üblichen find. Noch heute ift das Ziegelmafs durch ein Landesgefetz auf II. 54.2% Wiener Zoll( 290. 140.65 Millimeter) normirt. Hoffen wir, dafs die Einführung des metrifchen Mafses die völlige Reorganiſation unferes etwas veralteten Baugefetzes nach fich ziehen wird, als deffen Grundlage wohl nur das norddeutſche Normal- Ziegelmafs( 250. 120. 65 Millimeter) wird angenommen werden können. Mit Einführung diefes wefentlich reducirten Mafses wird der Ziegelfabrication ein erneuter Impuls gegeben werden. Namentlich ſteht zu erwarten, dafs die mannigfaltigen Schwierigkeiten bei der Erzeugung von Mafchinenfteinen( von der noch heute üblichen enormen Gröfse) fortfallen und zu Gunften eines befferen Fabricates werden zu beheben fein. Dann wird aber auch das theilweife ganz ungerechtfertigte Vorurtheil gegen den Mafchinenziegel hier ebenfo fchwinden, wie es anderen Orts bereits gefchwunden ift, wo die Mafchinenarbeit alle Handarbeit fchon verdrängt hat. Uebrigens find die Fortfchritte, welche die Einführung der Mafchinenarbeit in die Ziegelinduftrie in den letzten fünf Jahren gemacht hat, ganz bedeutende. Seit 1864, wo auf den berühmten Werken Heinrich Drafche's die erfte Hertel'fche Ziegelpreffe in Oefterreich zur Thätigkeit kam, hat fich diefes Syftem, hie und da Die Thonwaaren- Induftrie. 11 etwas modificirt, vielleicht auch in den Details verbeffert, im Wefentlichen erhalten. und völlig eingebürgert. Mafchinenziegel, die aus allen Theilen der Monarchie zur Ausstellung gelangten, zeigten die rapide Vermehrung der Mafchinen für die Zwecke der Ziegelerzeugung feit der Parifer Ausftellung, zu welcher Zeit in ganz Oefterreich höchftens 5 Mafchinen in Thätigkeit waren, während heute deren Zahl über hundertfünfzig betragen dürfte. Wir müffen es uns hier verfagen, auf die Befprechung der heutigen Ziegelmafchine einzugehen und wollen hier als weiteren Fortfchritt in diefer Induftrie nur noch die Verallgemeinerung des Hoffmann'fchen Ringofen- Syftemes in Oefterreich hervorheben, das fich binnen Kurzem auf der ganzen Welt den Ruf der beften, bis heute allein praktifchen für die Maffenproduction errungen hat. Bleibt etwas hiebei zu wünfchen übrig, fo ift es, dafs die Erkenntnifs der Trefflichkeit diefer Erfindung nicht mit einer fo fchnöden Beraubung des genialen Mannes verbunden gewefen wäre, dem wir fie verdanken. Die mehrfachen Nachbildungen, welche Hoffmann's Ofen beiſpielsweife durch P. Loeff erfahren hat, bieten gegenüber dem Originale zum Mindeſten keinen Vortheil. Ein Concurrent mit dem Hoffmann'fchen Ofen, der doch eigentlich das Siemens'fche Regeneratorprincip in ureinfachfter Geftalt repräfentirt, ift in den letzten Jahren, namentlich in Nord- Deutfchland, der Gasofen geworden, der befonders in der Menthheim'fchen Conftruction Gutes zu leiften fcheint. Die Ausftellung brachte Zeichnungen diefes relativ neuen, und allerdings noch nicht ganz ficher functionirenden Apparates, der fich beiſpielsweife in der königlichen Porzellanmanufactur in Berlin, dann aber auch auf mehreren Ziegeleien, vorzüglich aber in der Terrocotta- Induftrie zu bewähren fcheint. Während in Hoffmann's Ofen nur mit gewiffen Schwierigkeiten verfchiedene Temperaturen in den einzelnen Abtheilungen des continuirlichen Ofencanales zu erzielen find und ebenfo fchwer die genaue Hervorbringung einer gewiffen, gewünſchten Farbe des Brenngutes fällt, behebt der Gasofen zum gröfsten Theile diefe Schwierigkeiten und dürfte jedenfalls der Terracotta- Ofen der Zukunft werden. Als Ziegelofen glauben wir demfelben, gegenüber dem Hoffmann'fchen Syftem, ein weniger gutes Prognoftikon ftellen zu müffen. Complicirtere Bauweife- ein dann aber auch die Hauptnachtheil bei fo fehr beanspruchten Apparaten geringere Erfparnifs an Brennftoff, die Unmöglichkeit abfolut jeden folchen zu verwerthen, wie diefs der andere Ofen geftattet, das find die Nachtheile die dem Principe ankleben, und die daher durch weitere Erfahrungen gemildert, nie aber ganz umgangen werden können. - Eine wefentliche Aenderung im Betriebe der öfterreichifchen TerracottaFabriken feit der Parifer Weltausftellung ist kaum zu conftatiren, die beiden Wiener Firmen, welche diefe Induftrie vor Allem repräfentiren, arbeiten, wenn auch mit vermehrten Mitteln, fo doch in alt hergebrachter Weife fort. Einen Anlauf zum Befferen macht die Wienerberger Ziegelfabriksund Baugefellfchaft mit ihrem eben in der Ausführung begriffenen Bau einer durchaus modernen, auf dem Höhepunkt der heutigen Thonwaaren- Induftrie ftehenden Fabrik. Hoffen wir, dafs diefe Beftrebungen von Seite des bauenden Publicums auf Unterſtützung treffen, und dafs der Einflufs diefes Etabliffements auf die Bauweife Wiens bald wieder ein recht fühlbarer werde. Die Wienerberger Ziegelfabriks- und Baugefellfchaft( früher Heinrich Ritter v. Drafche), ift für die öfterreichifche Ziegelinduftrie entfchieden tonangebend. Die Erzeugniffe ihrer grofsartigen Etabliffements, denen eine Area von 900 Joch behufs Thonausbeute zu Gebote fteht, zeichnen fich durch anerkannte Feftigkeit aus. Die enorme und Widerftandsfähigkeit gegen atmoſphärifche Einflüffe Erzeugungsfähigkeit von nahezu 200 Millionen Ziegeln im Jahr, die grofsartigen Einrichtungen zur Verfrachtung folcher Mengen, die Vorkehrungen zur Unterbringung eines Arbeiterperfonales von mehr als 8000 Seelen, die humanitären Anftalten der Gefellfchaft, die Errichtung des Arbeiter Kranken- und Unter 12 Dr. Emil Teirich. ftützungsvereines, des Penfionsinftitutes für die Beamten, die Erhaltung von Spitälern und Schulen für den Gebrauch der Arbeiterbevölkerung, alle diefe und noch manche andere intereffante Inftitutionen zeigen, wie die Leitung diefer Gefellſchaft fichtlich bemüht ift, ihre Etabliffements an die Spitze der modernen induftriellen Unternehmungen in jeder Hinsicht zu ftellen. Ihr Ausstellungsobject, ein Porticus als Abfchlufs des Kunfthofes, follte die Thätigkeit der Gefellſchaft illuftriren, welche dahin geht, den Roh- Bauftil in Oefterreich zu fördern und zu unterftützen. Im Stile der reinften italienifchen Renaiffance gebaut, waren an diefem grofsen Objecte alle Decorationsweifen durchgeführt, mit denen die moderne Thonwaaren- Induftrie dem Roh- Bauftile zur Verfügung steht. Eine reiche Sammlung der verfchiedenartigften von Hand und Mafchine geprefsten Ziegel aus gefchlämmtem und gefärbtem Thone, Form und Verblendfteine, Dachplatten jeder Sorte und Gröfse, Drainage- und WafferleitungsRöhren, Stallpflafter und Klinkerfteine etc. illuftrirten die mannigfache Thätigkeit der gefellſchaftlichen Fabriken. Befonders bemerkenswerth waren aber deren Terracotten, welche in den gröfsten Stücken ohne fichtliche Schwierigkeiten erzeugt werden und welche entfchieden durch Trefflichkeit der Modellirung und Behandlung des Thones fich vor allen übrigen Ausftellungen diefer Art auszeichneten. Die Giebelgruppe am Porticus aus weifsem Thon, die Reliefs an demfelben aus rother und endlich die vielen Figuren aus gelblicher, fteinähnlicher Maffe, zählten mit zu den beften Leiftungen auf der ganzen Ausftellung. Die Combination der rohen Terracotta mit der, in den letzten Jahren von der Gefellſchaft eingeführten Majolicatechnik, war an den Pilafterfüllungen des Ausftellungsobjectes zur glücklichen Durchführung gebracht. Anderen Ortes müffen wir diefe Technik eingehender befprechen. Die gefellfchaftliche Thonwaaren- Fabrik zu Inzersdorf verfieht faft ausnahmslos den Bedarf an Bauornament nicht nur von Wien, fondern faft von ganz Oefterreich, und exportirt von diefer Waare fogar alljährlich nicht unbedeutende Quantitäten. In Erwägung der grofsen Verdienfte, welche fich die Gefellfchaft um die bauliche Entwicklung Wiens erworben hat, wurde derfelben von der Jury das Ehrendiplom zuerkannt. Die Terracotta- Fabrik von V. Braufe wetter in Wagram bei Leobersdorf hat durch ihre diefsmalige Ausftellung ein anerkennenswerthes Streben nach vorwärts bekundet. Die vorgeführten Thonwaaren, meift figuralen Genres waren gut, wenn auch etwas ftumpf modellirt und aus fehr guter Maffe gebrannt, gleichfärbig im Ton und von anerkannter Güte. Weniger gelungen erfchien uns eine Suite von Bauornamenten, an denen doch der Mangel an ftilvoller Behandlung zu empfindlich wurde. Aufser der eigentlichen Ausftellungsgruppe zierten Braufewetter's Fabricate die Umgebung des Kaifer- und Jurypavillons und manche Theile des Parkes. Ein grofser, mit reichem ornamentalem und figuralem Schmuck verfehener Brunnen war das Befte, je aus der Fabrik hervorgegangene Werk. Die Preife für die Arbeiten find jedoch fehr hohe und die Anwendung diefer Thonwaaren zu Bauzwecken daher eine feltene, kaum nennenswerthe. In Erwägung aber der grofsen Verdienfte, welche die Gefellſchaft um die bauliche Entwicklung Wiens fich erworben hat, wurde derfelben von der Jury das Ehrendiplom zuerkannt. Aufser den beiden eben genannten Fabriken, welche fo ziemlich den ganzen öfterreichifchen Markt verfehen, ift kaum hie und da ein Beginn zur Erzeugung von Terracotten im gröfseren Mafsftabe gemacht worden. De Cente in Wiener- Neuftadt, deffen Hauptthätigkeit fich der Ofeninduftrie zugewendet hat, brachte die zu wiederholten Malen fchon gefehenen kleinen Figurengruppen nach den alten Modellen der aufgelöften Aerarial- Porzellanmanufactur, welche urfprünglich für Bisquit beftimmt, im unedleren Materiale auch viel vom Reize der feineren Modellirung eingebüfst haben. Der Thon, aus dem diefe Figuren hergeftellt find, ift übrigens eine fehr plaftifche, feine, gelbliche Maffe, aus der auch die grofse Porträtbüfte Sr. Majeftät modellirt war, die in höchft gefchmacklofer Weife zur Herme gemacht wurde. Die Thonwaaren- Induftrie. 13 Was in Oefterreichs Abtheilung hie und da an Terracotta- Waare ausgeftellt war, erhob fich kaum über das Mafs des Allergewöhnlichften; es waren diefs Erzeugniffe, die für die Entwicklung unferer Architektur ohne Bedeutung find und nur locale Verwendung finden können. Gewöhnlich find die Formen ftumpf und ohne Verſtändnifs modellirt, wie beifpielsweife der vom Fürften Schwarzenberg gebrachte Terracotta- Brunnen.. Unter den ungarifchen Ausftellern hatte W. Z folnay in Fünfkirchen einige gelungene Stücke gebracht, doch hat auch diefe Fabrication, welche neben jener des Steingutes betrieben wird, keine Ausdehnung noch gewonnen. Gute Ziegelerzeugniffe trafen wir aus allen Theilen der Monarchie, freilich oft fichtlich als Ausftellungsobject gearbeitet. Der Mangel an brauchbaren Verblendfteinen ist jedoch ein allgemeiner, nirgends aufser in Wien felbft werden diefe erzeugt, trotzdem dafs an manchen anderen Orten ein herrliches Rohmateriale zu Gebote ftünde. Unter den ausgeftellten Dachziegeln fanden fich mehrere mit Mafchinen erzeugte, dann aber zumeift auf der Handdrainröhren- Preffe hergeftellte. Namentlich Ungarn ift ein Abfatzgebiet für folche wellenförmige Dachziegel, die fich in den deutfch- öfterreichifchen Ländern keinen Eingang verfchaffen können. Urfprünglich eine Form, die den Niederlanden entftammte, ift fie geeignet, ein flaches, leichtes Dach zu geben und leitet das niederftrömende Regenwaffer fehr gut ab. Gegenüber den hierzulande gebrauchten Biberfchwänzen" haben diefe Ziegel auch noch den Vortheil, dafs fie durch Sturmwinde nicht leicht aufgehoben und zerbrochen werden können. Von den übrigen, oft etwas bizarren Formen unter den Dachplatten hat uns keine als befonders praktifch gefallen können. Auch dem fogenannten Kettenziegel von Freund und einer ähnlichen Idee eines zweiten Ausftellers, die Backſteine zu dübbeln oder durch fchwalbenfchweifförmige Einfatzftücke zu verbinden, können wir keine praktifche Verwendbarkeit zufprechen. Alles fchon dagewefen! Sehr feltene Fälle ausgenommen, wird ein damit hergeftelltes Mauerwerk zu koftfpielig, da die Fabrication paffend in einander gefugter Ziegel im Grofsen ftets fchwer überwindbare Hinderniffe in der Schwindung des Thones findet. Die Fabrication von Drainageröhren hat, nachdem die Landwirthschaft nicht mehr ihr einziges Heil in einer Drainage aller Böden fucht, nicht nur in Oefterreich, fondern allenthalben vielfach fich vermindert. England, deffen Terracotta- und Ziegelinduftrie eine fo bedeutende Ausdehnung und in mancher Richtung auch Vollendung erreicht hat, blieb uns die Nachweiſe über die in letzter Zeit gemachten, nicht unwefentlichen Fortfchritte, diefsmal fo gut wie fchuldig. Das Wenige, was Dulton and Watts in Lambeth an Terracotten ausftellte, reicht nicht an feine Leiftungen, die er beiſpielsweife mit der Amazonenvafe in London 1871 aufwies. Das, was er brachte, ift übrigens aus guter, fehr harter, wetterbeftändiger Maffe, nur etwas ftumpf ausgeformt, dagegen von einer nicht unangenehm gelblichen Farbe. Hinfichtlich der Modellirung ftanden feine, wie alle englifchen Erzeugniffe diefer Art, weit hinter den deutfchen und öfterreichifchen zurück. G. Jennings& Comp. in Lambeth, die bekannte Firma für fanitäre Waare, ftellte neben ihrem Steingut gleichfalls einige Stücke Terracotta, meift architektonifche Gliederungen, Capitäle und Aehnliches aus. Maffe und deren Behandlung war die gleiche, wie die eben vorhin befprochene. H. Dulton& Company in Lambeth, die Schwefterfirma der erften, brachte eine intereffante Collection der fogenannten blue metallic bricks oder Eifenziegel, ein äufserft dichtes Materiale, das dem der Münchner Pflafterplatten an die Seite zu ftellen ift. Der rothe, ftark eifenfchüffige Abraumthon der Staffordſhire- Gruben fintert durch geeignetes fcharfes Brennen in der Reductionsflamme des TerracottaOfens zu einer feften, klinkerartigen Maffe, deren Oberfläche das entftandene Eifen 14 Dr. Emil Teirich. oxydul Oxyd, eine blaufchwarze, oft matte Färbung verleiht. Die Gefchicklichkeit des Brenners, ein Kunftgriff bei der Erzeugung der Reductions flamme, ift das Wefen diefer Fabrication, die in den letzten Jahren in England wefentlich an Ausdehnung gewonnen hat. Wood and Ivery( Albion brick Works in Staffordſhire) brachten gleichfalls prachtvolle Stücke diefer Eifenziegel von bedeutender Gröfse, theilweife von ganz intereffanten Formen und zu fpeciellen Zwecken, wie z. B. Randſteine für Eifenbahn- Perrons, Gefimsverzierungen, Dachreiter, Firft- Deckplatten etc. Diefe Waare, welche im Roh- Bauftile eine fehr zweckmäfsige Verwendung finden kann, indem fie eine einfache und äufserft dauerhafte Deffinirung im Verbande mit anderen Ziegeln zuläfst, ift ohne Zweifel aus manchen öfterreichifchen Thonen gleichfalls leicht herzuftellen und würde einen Verfuch wohl lohnen. Erwähnen wir noch als einer Specialität der Ruftical- Terracotta der South Tyne Works, einer Imitation von Baumftämmen und Rinden, die zu diverfen Gartengeräthen verwendet erfcheinen. Die originelle Idee war mitunter ganz gut durchgeführt, was uns nicht hindert, den fehr zweifelhaften Werth folcher Ausführungen dahin geftellt zu laffen. Deutfchland hatte im grofsen Ganzen feine Terracotta- und Ziegelinduftrie fehr würdig repräfentirt. Zahlreiche Aussteller haben zum Theile ausgezeichnetes geleiftet, und Alles, was fie fandten, zeugte von guter Behandlung des allerdings meiſt trefflichen Rohmateriales, das man fich, dank der hier oft zu benutzenden Wafferfracht und der billigen Tarife der Bahnen, nicht fcheut, auch 50 bis 80 Meilen vom Fundorte entfernt, zu verarbeiten. Die Thone von Felten, Ullersdorf, von Lauban u. f. w. find berühmt und werden faft von allen Thonwaaren- Fabrikanten in gröfserer oder geringerer Menge wenigftens als Zufätze bezogen. E. March Söhne in Charlottenburg bei Berlin( aufser Preisbewerbung) ift unftreitig die hervorragendfte Fabrik von Terracotta- Waaren und Verkleidungsfteinen, wovon mannigfache Ausführungen, namentlich in Berlin und deffen Umgebung Zeugnifs ablegen. Die Behandlung der Maffe, deren Farbengebung und Modellirung ift faft immer eine genau ftudirte. Gut gefchulte Kräfte unter der Leitung des Eigenthümers ftehen dem Etabliffement zur Seite, welches auch in der Herftellung grofser Stücke Anerkennenswerthes leiftet. Das Ausstellungsobject felbft war ein Exedra im grofsen Halbkreis, beftimmt für eine Gartenanlage. Das Roth der auf der Rückwand ftehenden, reich verzierten Säulen, welche das bekrönende Gebälke tragen, war als fchwerere Farbe auf der hellgelben der Bafis nicht von befter Wirkung, aber Alles zeugte von fleifsiger, gewandter Ausführung und völliger Beherrschung des Materiales. Die Rückwand felbft war mit eingelegten Füllungsplatten und glafirten Fruchtkränzen decorirt. Erftere find trefflich gerathen und ein unfchätzbares Verkleidungsmateriale an Bauten, fowohl für die Aufsenfeiten als für die Innendecoration von Gängen, Veftibulen u. f. w. Das Ornament wird in die gelblich helle Thon- Grundmaffe eingedrückt, die entstandenen Vertiefungen mit dunklem Thone ausgefüllt und nach einiger Zeit, bis die Trocknung des Thones etwas vorgefchritten ift, durch Abfchaben der Platte geebnet, der überflüffige dunkle Thon entfernt, und fo der Deffin zum Erfcheinen gebracht. Die Schwierigkeit, beiden Thonforten, die fich hier zu vereinigen haben, gleiche Schwindung im Feuer zu geben, ift eine grofse, und auch March's Platten zeigten ab und zu Trennungsftellen des intarfirten Thones von der Grundmaffe. Die glafirten Fruchtkränze waren gut geftimmt und recht kräftig in der Farbe. Freilich ftehen wir auch hier erft vor den Anfängen einer Technik, von der es wünſchenswerth wäre, dafs eine häufigere Anwendung in der Architektur gemacht würde. Und eben darum freuten wir uns des freilich etwas zu feltenen Vorkommens derfelben auf dem Ausstellungsplatze. Wie fchön war nicht die Wirkung jener Reliefornamente aus gelblicher Terracotta mit blaugrün glafirtem Grund, welche als Deffinfüllungen an der Rückwand der Gartenbank angewendet wurden. Die Thonwaaren- Induftrie. 15 Im Mittelpunkte des Halbkreifes der Exedra ftand auf hohem Piedeftal die vorzüglich modellirte Geftalt der Germania in gelber, warmfärbiger Terracotta, eine anerkenneswerthe Leiftung in jeder Hinsicht. Noch wollen wir auf die Mofaik- Fufsboden- Plättchen aufmerkfam machen, welche, zum Deffin zufammengelegt, von fchöner Wirkung waren. March hat in den letzten Jahren gerade in diefem Zweige der Technik entfchiedene Fortfchritte gemacht. Nicht das gleiche Vorwärtsgehen illuftrirte das Object der alten und beftrenommirten Fabrik von Auguftin, jetzt La ubaner Actiengefellfchaft für Architektur, Thonwaaren und Kunftziegel- Fabriken. Zwar war auch hier die Qualität der ausgeftellten Ziegel und Bauornamente, die zu einem fchönen Verblend- Mauerwerke an dem ausgeftellten Porticus vereint waren, eine tadellofe wie wir fie von diefer alten Fabrik zu fehen gewohnt find, welche wefentlich mit dazu beitrug, in Deutſchland den Rohbau- Stil von Neuem einzubürgern und welcher die Architektur wohl zuerft feit 1854 ein richtiges Materiale hiefür verdankt, aber ein Fortfchreiten in der eingefchlagenen Bahn, namentlich aber eine Vervollkommnung der glafirten Terracotta- Waare zu Bauzwecken ift nicht zu conftatiren und die ganze Gefchmacksrichtung des Ornamentes hat eben feit den letzten Jahren auch nicht gewonnen. Hier wie fo oft, ja wie faft immer, tritt die merkwürdige Erfcheinung zu Tage, die auch beifpielsweife in der Bronce- und Möbelinduftrie eben auf der Weltausftellung zu beobachten war, dafs mit dem Uebergange eines Gefchäftes in die Hände einer Actiengeſellſchaft zwar deffen Betrieb erweitert, die techniſchen Verfahrungsweifen vielleicht ab und zu vervollkommnet werden, dafs aber die künftlerifche Seite der Induftrie vernachläffigt und auf Koften einer angeftrebten Maffenproduction von Mittelwaare hintangefetzt wird. Und doch wären folche Gefellſchaften eben durch die gröfseren ihnen zu Gebote ftehenden Mittel berufen, durch Heranziehen eminent künftlerifcher Kräfte tonangebend bei Hebung der äfthetifchen Seite unferer Kunftinduftrie zu wirken. Die Greppiner Werke, bekannter als jene von A. Stange in Bitterfeld, haben alle Anftrengungen gemacht, ihr Fabricat zur Geltung zu bringen, und eine grofsartige Säulendecoration im Zufammenhange mit Façaden- Rohbau zur Ausftellung gefandt. Sie haben damit den Beweis eines recht fleifsigen Fortarbeitens gegeben. Die ausgeftellte Fontaine mit badenden Kindergeftalten wollte uns zwar in Compofition und Modellirung weniger gefallen, war aber als Terracotta ein gelungenes Stück Arbeit. Auch hier war die verwendete Maffe hart gebrannt und dicht, von angenehm warmer Farbe. ganz Den Uebergang zur Steinzeug- Maffe bildet das dichte, ftark gefinterte Materiale, das Villeroy& Boch in Mettlach zu ihren Terracotta- Waaren verarbeiten. Die Modellirung, die verfchiedenen fteinähnlichen Töne des Materiales, die Vereinigung mehrfärbiger Maffen an einem Stück, an Medaillen und Wand- Verkleidungsplatten, an denen das Relief von verfchiedener Farbe als der Hintergrund gehalten ift, kurz die ganze hieher gehörige Ausftellung des ftrebfamften und bedeutendften aller deutschen Thonwaaren- Fabrikanten zeugte von befter Gefchmacksrichtung und einem eingehenden Studium des Materiales, das vorzüglicher nicht gedacht werden kann. Eine ganz fehenswerthe Collection von Terracotta- Figuren und Poftamenten, meift beftimmt zum Schmuck von Gärten und Veftibulen fandte C. L. Thorfchmidt& Comp. aus Dresden ein. Mit einer guten gelblichen Maffe von fehr reinem Farbenton war eine lobenswerthe Auswahl der Modelle und forgfältige Retouche der ausgeformten Figuren und Vafen etc. verbunden. Auch die im warmen Zuftande mit heifsen Lackfarben eingelaffenen Poftamente u. f. w., denen das Anfehen eines Bronce- oder Eifengufses gegeben war, fahen weit beffer aus, als diefs bei ähnlichen Imitationen fonft der Fall ift. J. Schwarz in Nürnberg brachte ein eigenthümliches Product von Terracotta, welcher fein gemahlene Speckſtein- Maffe, die Abfälle feiner Gasbrenner und 16 Dr. Emil Teirich. fonftigen Speckfte in- Induftrie, als Erfatz der Chamotte zugefetzt wird. Der Erfolg ift ein gelungener und wird unterſtützt durch Anwendung guter Modelle, meift antiker Nachbildungen und eine fehr faubere Arbeit. Diefe billigen Waaren, von einem eigenthümlich gleichförmigen, mattgelblichen Farbenton haben fich auch in Oefterreich bereits einen kleinen Markt erworben. Aufser den genannten Fabriken ftellte namentlich in Deutfchland eine grofse Reihe von Ziegelwerks- Befitzern auch die Anfänge einer Terracotta- Induftrie aus, die zumeift nebenher betrieben, fich auf die allereinfachften Bauornamente befchränkt. Da gewöhnlich ein tüchtiger Modelleur fehlt, trägt oft auch das Ornament den Stempel des Unverftandenen. Von den befferen Fabriken diefer Art fei die Dithmer'fche Ziegelund Thonwaarenfabriks- Actiengefellfchaft in Rennberg( Schleswig. Holftein) genannt, die recht gute rothe Verblendfteine und Bauornamente ausgeftellt hatte. Für jene Gegend, und die dortigen Bedürfniffe des Rohbau- Stiles, ift diefe Fabrik von Wichtigkeit und gutem Einfluss. Weniger gut war wohl Naumann's ( Plottendorf, Altenburg) Candelaber etc. gerathen, fowie die Verfuche mancher Anderer die hier füglich übergangen werden können. Ein eigenthümliches Genre der Terracotta- Induftrie vertraten drei Ausfteller Dänemarks, deren Erzeugniffe fich im Wefentlichften antiken Vorbildern fo eng als möglich anlehnten, oder, was mitunter genug fchlimm ausfällt, antike Formen in etwas willkürlicher Weife mit naturaliftifchen Motiven zu verfchmelzen fuchten. Die ganze Sammlung diefer Terracotten, welche aus einem fchwach gebrannten gelblichen oder rothen Thon von grofser Feinheit angefertigt find und deren Bemalung nicht eingebrannt, fondern mit Lackfarben hergeftellt ist, machte den Eindruck des Nüchternen, Kalten. Jedenfalls mufs das Streben diefer Induftrie darauf gerichtet fein, mit Emailfarben zu decoriren, und die Lackfarben, welche freilich ganz wefentlich die Fabrication erleichtern und vereinfachen, zu verbannen. Der lang renommirten Fabrik von P. Ipfen's Witwe in Kopenhagen gebührt unftreitig der Vorrang. Mit einer feltenen Präcifion malt der Künftler Angelonia dort die leichtflüffigen, farbenprächtigen Decors, griechifches, egyptifches und etruskifches Vafenornament. Aber auch ganz intereffante nordifche Motive werden verwerthet. Die Fabrik, welche auch figurale Terracotten, Statuetten u. dergl. nach guten Vorbildern, zumeift nach Thorwaldfen, erzeugt, fügte jeder derfelben gewiffenhaft den Namen des componirenden oder ausführenden Künftlers an, was zur Nachahmung empfohlen fein mag. Georg Heffe fowie V. Wendrich, beide gleichfalls in Kopenhagen, fchliefsen fich ganz der gefchilderten Richtung an, fie erreichen zwar nicht völlig die erftgenannte Firma, aber es find auch diefe Leiftungen, welche fich auf gelungene Imitation antiker Gefäfse beziehen, lobenswerth und verdienten bei uns folche Beftrebungen eine Nachahmung. Eine einzige Fabrik, die Sandbergaard Teglwerk von Meyer in Kolding, ftellte Formfteine zu Bauzwecken aus, gelblich weifs, fandig, aus leicht zerreiblicher Maffe plump geformt. Bei folcher Qualität will uns der Preis von 14 Rigsdaler für ordinäre und jener von 30 per mille franco Fabrik für Façonfteine ( 210. 100. 60 Millimeter) hoch genug erfcheinen. Die Niederlande und Holland repräfentirten vollſtändiger ihre bedeutende Ziegelinduftrie, welche namentlich der Bauunternehmer A. N. de Lint aus Delft in den verfchiedenften Muftern uns vor Augen führte. Meift waren es Ziegel von fehr kleinem Formate, das kein einheitliches ift und von 150 bis 170 Millimetern Länge einerfeits bei den Iffel und Friefifchen Steinen, dann aber zwifchen 180 und 200 Millimetern bei den Utrechter Typen fchwankt. Selten waren die Ziegel fehr präcife geformt, eine grobkörnige Sandfchichte, die fie umgibt, hindert diefs. Dabei ift die Farbe von Dunkelbraunroth bis ins Gelb ziehend und für den Werth Die Thonwaaren- Induftrie. 17 des Erzeugniffes und deffen Preis beftimmend. Im Uebrigen waren diefe Ziegel von vorzüglicher Qualität, fehr fcharf gebrannt und äufserft hart. Die Bruchfläche zeigte homogene Structur und find diefe holländifchen Backſteine von einer ganz befonderen Widerftandsfähigkeit bei Bauten in der falzigen Meerfluth. Wir laffen hier einige Preife der gewöhnlichen Ziegelforten folgen, welche mit jenen von van Henkeloom, einem zweiten Ausfteller, nur wenig differiren. F. L. Viffer in Workum brachte Dachziegel. Diefelben waren meift gewellt von fchwacher S- Form aus einem rothen Thon und von Hand, fchwer und wenig präcife, geformt. Auch in ihnen charakterifirt fich diefe Induſtrie in den Niederlanden als eine folche, die der Maffenproduction die Form opfert. Die Dachziegel werden meift aufgenagelt, feltener eingehängt. Sehr beliebt find fchwarz gedämpfte Platten, fogenannte Gesmoorde Haakpans zum Preife von 38 fl. und Gesmoorde holle Dakpans zu 22 fl. per mille. Die Preife gewöhnlicher Platten, welche durch einfache Deckung ein ziemlich leichtes Dach liefern, variiren bei Dimenfionen von 350 Millimeter auf 245 Millimeter bei einer Dicke von circa 30 Millimeter von 30 fl. bis 32 fl. Eine fchwarzbraun glafirte Sorte wellenförmiger Dachziegel koftet 40 fl. bis 62 fl. je nach der Qualität. Van Henkeloom& Comp. in Kampen bei Utrecht ftellte eine inftructive Collection der verfchiedensten marktgängigen Typen feiner eigenen Erzeugung aus. Meift waren es mit der Mafchine gefchlagene( nicht geprefste) Ziegel, und hat diefe Firma überhaupt in der ganzen Behandlung des Materials und durch eine ökonomifche Brennweife in verbefferten Oefen ein neues Leben in die althergebrachte Ziegeltechnik Hollands gebracht. Die Utrechter Typen z. B.: Utrechts Keuvrood machinaal( 220.105.50 Millimeter) koften per 1000 Stück II fl. 90 kr. öfterreichifcher Währung; Utrechts Gevelgraauw( Giebeifteine) 19 fl. 55 kr.; Utrechts Appelbloefem's foort 23 fl. 80 kr., alle von den erftgenannten Dimenfionen; Yffel Bovenfteen, befte ( 160.175.40 Millimeter) 4 fl. 90 kr.; Yffel Boerengraauw, befte( 160.175.40 Millimeter) 5 fl. 50 kr. bis 5 fl. 70 kr.; Friesfche gewone Geele( 170.80.40 Millimeter) 10 fl. 20 kr. Ordinäre billigfte Mauerziegel im gewöhnlichften Formate von 220.105.50 Millimeter werden mit 8 fl. 50 kr. bis II fl. 65 kr. verkauft. Aehnliche Sortimente und zu wenig abweichenden Preifen brachte die Mafchinenziegelei von Claafen& Plaat aus Velp bei Arnheim. Immer bleibt es hier wie in Belgien, ja in ganz Nord- Deutfèhland, wenn auch dort in geringerem Mafse, für die Ziegelfabrication charakteriftifch, dafs die Qualität des Materiales beim Verkaufe genau beftimmt und eine genaue Sortirung des Erzeugniffes nach Typen oder Marken vorgenommen wird, was in Oefterreich nur in feltenen Fällen gefchieht, und auch kaum früher gefchehen dürfte, fo lange unfere Baubehörde felbft keinen Unterfchied der Qualitäten zu machen weifs und die Verwendung eines Ziegelmateriales geftattet, das anderen Orts gar nicht mehr den Namen eines folchen erhält. Jedenfalls fteht die Sonderung und die Entstehung folcher diverfer Qualitäten in Holland im engen Zufammenhange mit dem dort üblichen Brennverfahren in grofsen fogenannten Luftbränden, die verfchieden ftark durchgebrannte Zonen haben. Im Allgemeinen find aber alle Ziegel dort, wie fchon erwähnt, fehr gut und fcharf gebrannt. Durch ein eigenthümliches Brennverfahren, welches geftattet, dafs durch fehr allmäliges Zuführen und Steigern der Hitze, der Ziegel in feiner ganzen innern Maffe ftark fintert, ohne dafs feine Oberfläche dabei ins Schmelzen geräth und eine Deformation eintritt, werden die Klinkerfteine fabricirt, die in den fteinarmen Gegenden der Marfchlande die Pflafterfteine zu erfetzen haben. Die fchon genannten drei Ausfteller brachten auch hievon ganz fchöne Sortimente, die je nach der Qualität und den Dimenfionen ftark im Preife variiren. So werden jetzt notirt: Geele Trottoir Klinkers( 200.95.50 Millimeter) per 2 18 Dr. Emil Teirich. 1000 Stück 18 fl.; Blaauwe harde Klinkers 26 fl.; Utrechter Typen je nach Farbe und Härte von 15-25 fl.; Gelbe Klinker, kleines Format( 150.70.40 Millimeter) 7 fl. Hier wie bei den Mauerfteinen fanden wir ftets den Mafchinenziegel um circa einen halben bis einen Viertelgulden höher notirt, als den von Hand erzeugten, ein Beweis, wie fehr dort die Anfchauungen über die Qualität des Mafchinenfteines von den bei uns landläufigen differiren, die entfchieden immer noch gegen den Mafchinenftein gerichtet find. Bei Besprechung der ausgeftellten Thonwaaren Hollands darf deffen Pfeifenfabrication nicht vergeffen werden, welche einen ganz eigenthümlichen und vielverbreiteten Induftriezweig darftellt, von dem uns Gödewagen in Guda fehr fchöne Mufter fendete. Alle diefe langröhrigen Holländer Pfeifchen, welche zu kaum glaublich billigen Preifen mit ganz erftaunlicher Präcifion auf der Mafchine erzeugt werden, find aus einem nur wenig poröfen, fehr dichten, weifslichgelben, kalkhältigen Thone geformt, demfelben, welcher der Delftwaare zu Grunde liegt. Auch glafirte Pfeifen hat Gödewagen ausgeftellt. Vergeblich fuchten wir Italiens Terracotta- Induftrie, wie fie von Alters her dort gepflegt wurde und fo herrliche Anwendung gefunden hatte, auf der Wiener Weltausftellung. Faft möchten wir glauben, dafs die ganze Technik allmälig in Vergeffenheit geräth, wenn wir nicht wüfsten, dafs Airaghi e Boni in Mailand Befferes zu leiften vermag, als er hier uns brachte. Bedauerlich ift die Uebung, durch Abfchleifen der Oberfläche der Figuren und Ornamente diefelben der wetterbeftändigen Oberfläche zu berauben und das Korn des Thones zu vernichten, die Form zu fchädigen. Solches gefchah mit der Venus, die fonft ganz gut modellirt war; fchlimmer aber noch ift es, wenn ein Anftrich des gelblichen, fteinähnlichen Materiales dazu dienen foll, rothe Terracotta zu imitiren, ein Verfahren, das nicht hart genug zu tadeln ift. Die Figuren Fifcherei, Bacchant und der Bernhardinerhund waren folcherweife verunftaltet. Schon während der Ausftellungszeit zeigte fich das Abblättern des rothen Anftriches an diefen Figuren Boni's. Gut modellirt waren feine Pilafterfüllungen im Renaiffanceftil. Unter dem Wenigen, das unfere Aufmerkfamkeit hier noch feffelte, nahmen die Erzeugniffe von T. Rondani in Parma einen relativ hervorragenden Platz ein. Einige Terracotten, Diaphragmen für elektriſche Batterien, diverfe Utenfilien für Filatorien, zum Theile mit einer leichtflüffigen Bleiglafur überzogen, find wenigftens regelrecht ausgeführt und zeugen von einer Fabrication in gröfserem Mafse. Ueberraschend albern und gefchmacklos war aber das aus einzelnen Keilftücken zufammengefetzte kegelförmige Säulenpoftament. A. Scappini in Civitavecchia imitirt griechifche Vafen mit netter Arbeit aber nicht recht gelungener Zeichnung. Chinaglia in Turin ftreicht feine fchlecht geformten Füllungen mit dicker, rother, wenig haltbarer Farbe an. Zu den ganz unbedeutenden Ausstellungen zählte auch jene von Angeletti e Biscarini in Perugia; fie zeigte nur gutes, fehr hart gebranntes Materiale, das mit einigem Verftändnifs trefflich verwerthbar wäre. Etwas beffer waren die Figuren von Piegaya in Lucca. Einige Ziegel, namentlich Dachplatten, wie fie in Italien fpeciell in Florenz üblich find, brachte Refigniani von Hand geformt, einige geprefste Dachziegel nach Art der Marfeiller, wie z. B. jene von E. Villain de Kergal in Brindifi boten wenig Aufsergewöhnliches. Einen guten Ueberblick über alle in Italien üblichen Baufteine, Dachziegel, Drainröhren u. f. w. gab die ziemlich vollſtändige Collection des Miniftero d'Agricoltura, Induftria e Commercio, leider ohne Angabe mancher wünſchenswerther Daten über die einzelnen Objecte. Meift find diefe Erzeugniffe übrigens äufserft billig, am preiswürdigften erfchienen uns aber darunter die koloffalen Orangenbaum- Töpfe von 4 Fufs im Die Thonwaaren- Induſtrie. 19 Durchmeffer, welche Squercina in Ponte da Brenta um 8 Francs das Stück liefert. Die mit färbigem Thon eingelegten, jetzt fchon durch die Einwirkung von Luft und Feuchtigkeit ganz zerftörten Fufsboden- Platten von A. Bettanzoni findcin erfter, gänzlich miſslungener Verfuch in diefer Richtung. Belgiens Terracotta- Induftrie war lediglich durch eine einzige Ausftellung vertreten. Es war die von A. Rodin& J. Van Rasbourg aus Ixelles. Einige recht flott, aber äufserft manierirt in Thon modellirte weibliche Charakterköpfe waren ganz im modern franzöfifchen Gefchmack gehalten und directe als Modell gebrannt worden. on Frankreich, das doch manches Gute uns hätte zu fenden vermocht, war diefsmal ganz zurückgeblieben und wies gar keinen Ausfteller auf. Wie wir fahen, beherrfchte diefes Feld im Prater diefsmal Deutſchland im Vereine mit Oefterreich; die Einfendungen aller übrigen Länder fanden wir von geringerer Bedeutung und nicht immer entſprechend dem jeweiligen Stande diefer Induftrie. FEUERFESTE ERZEUGNISSE. Dem Auffchwunge der grofsen Induftrie überhaupt, ganz vornehmlich aber der Eifeninduſtrie folgend, welche heute bei ganz enormen, früher nie gebrauchten Temperaturen, in ihren Siemens-, Beffemer- und Martinöfen arbeitet, und weiter angeregt durch die immer gröfseren Quantitäten, welche die Leuchtgas- Fabriken. an Chamotteretorten jährlich confumiren, hat fich in der Neuzeit die Erzeugung und namentlich die Vervollkommnung der feuerfeften Waaren wefentlich gehoben, an die man heute bedeutend gefteigerte Anforderungen betreffs Haltbarkeit und Dichte neben hoher Feuerbeftändigkeit ftellt. Der Typus eines feuerfeften Erzeugniffes ift heute noch immer und mehr als je, der englifche Dinasftein, der freilich als Original nicht zur Ausftellung gelangte. Vielfache Verfuche denfelben zu imitiren, liegen aber namentlich aus Deutſchland und Oefterreich vor. Hinfichtlich diefer Fabrication ftehen wir freilich auf dem Continente noch fo ziemlich auf dem Standpunkte des Taftens und Fühlens nach dem Rechten. Es fcheint ziemlich erwiefen zu fein, dafs der echte Dinasftein, deffen Rohmateriale ein feinkörniger, fehr reiner, darum höchft feuerbeftändiger QuarzSandftein ift, nur aus einem Agglomerat diefes gepochten Rohmateriales und zum Theile, je nach der beabfichtigten Qualität, aus einem Sande befteht, der als Verwitterungproduct des Felfens fich gleichfalls im Neaththale von Süd Wales vorfindet. Als Bindemittel foll lediglich circa I Percent Aetzkalk verwendet werden, mit dem man in Form von Kalkmilch die Quarzmaffe durchfeuchtet. Das halb feuchte Gemenge wird in Formen geprefst und getrocknet, wobei durch Aufnahme von Kohlenfäure der Aetzkalk bindet und dann fehr fcharf gebrannt. Sehr geringe Mengen eines, bei der angewandten hohen Temperatur gebildeten Kalkglafes, fritten die Quarzkörner zufammen. Vielfache Verfuche, in folcher Weife aus ähnlichem Geftein, welches fich unter Anderem auch in Oefterreich an verfchiedenen Orten vorfindet, Imitationen von Dinasſteinen zu erzeugen, find zum Theile gefcheitert, und hilft man fich, da ein Agglomeriren mittelft fo wenig Kalk, wie das englifche Recept angibt, meift die Hauptfchwierigkeit bietet, durch Zufatz von mehr Kalk und dem von fehr fettem feuerfeften Thon. Hiedurch leidet wefentlich die Feuerbeftändigkeit des Productes, dem nur der Name Dinasftein bleibt. 2* 20 Dr. Emil Teirich. Es ift gewiffermafsen heute Mode geworden, nach der Erzeugung folcher feuerfefter Steine zu ftreben, und Alles wird Dinasftein im Handel genannt, in deffen Maffe ein mehr oder minder reines Quarzpulver die Chamotte vertritt. Belgiens grofsartige Induftrie feuerfefter Producte war im Induftriepalafte relativ fchwach vertreten, obgleich vorzügliche Fabriken ihr Beftes fandten. Die Société de produits réfractaires de Saint- Ghislain, welche feit 1844 arbeitet, lieferte die vorzüglichften feuerfeften Quarz- und Chamottefteine, begünftigt durch ein ganz bedeutendes Vorkommen von feuerfeftem Thon, welcher in der Gegend von Andennes in unerfchöpflichen Maffen gefunden wird. Um diefen Mittelpunkt herum liegt die ganze belgifche Thonwaaren- Induſtrie gruppirt. Die ausgeftellten Mufter der gebräuchlichften diefer höchft plaftifchen Thone, die fich zu einer faft weifsen bis chamoix gefärbten Chamotte brennen, gaben ein recht anfchauliches Bild über das verwendete Rohmateriale. Von Quarzen fanden wir dreierlei Sorten verwendet, den reinen derben Quarzfels, dann ein grobes, graues Quarzconglomerat( Poudingue), das fich fchwach roth brennt, und endlich einen feinkörnigen, dichten Quarz- Sandſtein ( Quarzit) von hellgrauer Farbe, die fich nur wenig ins Röthliche bei fcharfem Feuer ändert. R. Keller aus Stolberg bei Aachen ftellte in Deutfchland fogenannte Dinasfteine aus dem gleichen Materiale aus. Unter den verwendeten Thonen, deren Farben vom hellften Grauweifs bis in das Schwarze oder dunkel Braunrothe variiren, werden die hellen Sorten von Sorée( blanche fine), die Terre de Matagne und St. François de Jamagne zu Chamotten am meiſten benützt. Die dunkel braunrothe Terre de Maibe, de Bavé, de Tahier, de Namur ( grife und ardoife) und die von Natoye find die fetteften, zur Bindung der Chamotte benützten Thone. Grofse Gasretorten von 550 bis 850 Kilogramm Gewicht, nach den verfchiedensten Syftemen gearbeitet, da bedeutende Quantitäten derfelben theilweife auch nach Frankreich, Deutfchland, Oefterreich- Ungarn, Rufsland etc. etc. exportirt werden, koften 70 bis 100 Francs, feuerfefte Ziegel von den verfchiedenften Formen, und von ganz befonders grofsen Dimenfionen, Hohöfen-, Wall- und Geftellfteine find ausgezeichnete Erzeugniffe diefer Fabriken. Alle diefe Producte find von Hand geformt und von anerkennenswerthefter Sauberkeit der Arbeit. Die Société anonyme des terres plaftiques et produits réfractaires d'Andenne, fowie Smal- Smal& Cie. hatten die inftructivften Mufter ihrer Roh- und Halbproducte( Chamotten) eingefandt. Die Preife diefer feuerfeften Thone, verladen im Waggon, variiren von 14 bis 20 Francs in ganzen Ladungen von 1000 Kilogramm, Chamotte von 28 bis 30 Francs, calcinirte Quarze 20 Francs. Die trefflichen Erzeugniffe von feuerfeften Ziegeln diefer belgifchen Fabriken find zudem von einer bei uns noch lange nicht erreichten Billigkeit. Gewöhnliche Chamottefteine werden mit 40 Francs, grofse Geftellfteine mit 50 bis 80 Francs per 200 Zollcentner verkauft. Die Gasretorte aus feuerfeftem Thon hat bereits die eiferne vollſtändig verdrängt, in ihr gipfelt gewiffermafsen die Induftrie des feuerfeften Thones. Die Unterfchiede in der Qualität der einzelnen Producte tritt nirgends fchärfer zu Tage als hier, am meiften aber hinsichtlich der technifchen Bearbeitung des Rohmateriales. Von diefer hängen die Dichte, alfo die Dauer und die Brauchbarkeit und die Gasverlufte der Retorte ab. Die belgifchen Erzeugniffe nahmen in diefer Hinficht unbedingt den erften Rang unter den ausgeftellten ein. Die Thonwaaren- Induftrie, 21 Die fchon genannte Société anonyme des terres plaftiques ct produits refractaires d'Andenne ftellte vorzüglich Intereffantes aus. Abgefehen von den gewöhnlichen feuerfeften Producten von fehr dicht und rein gearbeiteten, dünnwandigen Gasretorten und ihren anerkannt guten feuerfeften Ziegeln zum Preife von 35 Francs für 1000 Kilogramm, für Beffemer- und Siemensöfen, brachte die Fabrik Condenſationscylinder von I Meter Höhe auf 1 Meter Durchmeffer aus fteinzeugartiger Maffe zum Preife von 85 Francs das Stück, dann eine fehr fchön gearbeitete Salpeterfäure- Cascade für die Schwefelfäure- Fabrication zu dem fehr billigen Preife von 130 Francs. Ueberhaupt zeichnen fich belgifche feuerfefte Waaren durch befondere Billigkeit aus, die ihnen den weiteften Markt und einen ganz bedeutenden Export fichert. Alljährlich bezieht auch die Wiener Gasfabrik den gröfsten Theil ihrer Retorten aus Belgien. Smal- Smal& Comp., gleichfalls in der Provinz Namur gelegen, brachten Probeftücke enormer Hohöfen- Geftellfteine zur Anficht, die hart und feft von der Aufsenfeite, homogen und fcharfkörnig an der Bruchfläche fich zeigten. Noch feien erwähnt: Die Fabricate von de Lattre& Comp. zu Seilles bei Charleroi und eine kleine Sammlung von Zinkdeftillations- Retorten, erzeugt auf der hydraulifchen Preffe von J. N. Dor, dem Director der Fabriken zu Ampfin. Gröfsere Dauerhaftigkeit, refpective Dichte des Productes, Billigkeit und Schnelligkeit der Erzeugung find Vortheile diefes zwar neueren, aber fchon praktiſch vielfach erprobten Verfahrens zur Herftellung diefer Retorten. England hatte von feiner hervorragenden Induftrie in feuerfeften Thon waaren fo gut wie gar nichts gefendet. Die grofsartigen fchottifchen Fabriken waren ferne geblieben und die Dinasfteine von Glamorganfhire fehlten gänzlich. Die grofsen Diftricte von Stourbridge und Newcaſtle, die allein jährlich 120 Millionen Stück feuerfefter Ziegel erzeugen, waren nicht vertreten. Und doch ift Englands Import an folchen Waaren nach Oefterreich nicht unerheblich. und find namentlich deffen Dinasfteine für unfere modernen StahlSchmelzproceffe faft immer noch die einzig brauchbaren. Dulton& Watts brachten Proben ihrer Schmelztiegel aus fibirifchem und öfterreichifchem Graphit für die höchften Hitzegrade, und ftellten folche gebrauchte Stücke aus, die bereits 10 bis 15 Mal die Stahlfchmelzung beftanden hatten. Die Zuſammenfetzung derfelben variirt natürlich je nach der beabsichtigten Verwendung und wird vom Fabrikanten derfelben genau angepasst. Ueberhaupt verdrängt der Graphittiegel rafch alle anderen bisher gebrauchten Sorten von Thontiegeln und folche von Eifen. Gleichförmige Wandftärke, Dichtigkeit der Maffe und gutes Wärme- Leiftungsvermögen find die vorzüglichften Eigenfchaften von Dulton's Tiegelfabricaten. In gleicher Weife, und wohl von derfelben Qualität, wenn auch verfchieden in der Zufammenfetzung, find die bekannten Schmelztiegel von John Hynam in Deptford, welche namentlich zum Schmelzen von Gold und Silber treffliche Eignung zeigen. Faft unbegreiflich ift es, warum Oefterreich nicht ernftlich an die Fabrication der Graphittiegel gehen will. Das gröfste, zwingendfte Bedürfnifs danach liegt vor, treffliches Rohmateriale in Hülle und Fülle bleibt unbenützt. Erinnern wir nur an die in Gruppe I ausgeftellt gewefenen Graphite Böhmens, Mährens, Steiermarks und Niederöfterreichs. A. Genthe in Liechtenau bei Gföhl, Fürft Schwarzenberg in Schwarzbach( Böhmen), Eggert& Comp. in Mugrau ( Böhmen), Fr. Freiherr v: Kaiferftein in Raabs, Gewerkschaft Seegen Gottes" in Kunftadt( Mähren), Graf Twerke in Hochtauern Oberftein, die St. Lorenzer Graphitgewerkfchaft und der Kallwanger Bergbau in Leoben ( Steiermark), feien in bunter Reihe hier nur angeführt, um das Gefagte zu illuftriren. 29 22 Dr. Emil Teirich. Die meiften, oder viele diefer Firmen exportiren öfterreichifchen Graphit, der als Schmelztiegel nach Zahlung eines Eingangszolles von 25 kr. per 100 Pfund Zollgewicht wieder in fein Vaterland oft zurückkehrt. Namentlich feit den letzten Preisauffchlägen des Ceyloner Graphites hat fich diefer Export um ein Bedeutendes erhöht. Und trotz diefer Fülle des Rohmateriales, trotz dem trefflichen feuerfeften, plaftifchen Thone, der mit einen Hauptbeftandtheil der Combination einer Schmelztiegel- Maffe bildet, endlich trotz der Preisausfchreibungen unferes Gewerbevereins, ift Niemand zu bewegen, ernftlich an die Fabrication eines guten Tiegels zu gehen. Das allgemeine Bedürfnifs nach guter feuerfefter Waare hat namentlich in Deutfchland deren Production wefentlich gehoben, und das befondere Augenmerk auf die Imitation der Dinasfteine gelenkt. C. Kulmiz, der grofse oberfchlefifche Induftrielle, befchickte auch diefsmal mit den guten Erzeugniffen feiner Ida- und Marienhütte in Sorau. Der oberfchlefifche Bedarf an Chamotte wird von diefer wohleingerichteten und bedeutenden Fabrik grofsentheils gedeckt, welche auch nach Oefterreich importirt. Namentlich die öfterreichifch- fchlefifchen Eifen- und Coakshütten rühmen das Materiale diefes Etabliffements, das jährlich circa 370.000 Centner Thon verarbeitet. Haupt& Lange in Brieg benützen zur Erzeugung von Dinasfteinen den leicht zerreiblichen oberfchlefifchen Gneifs oder Quarzfchiefer und brennen. die erzeugten Steine in einem Mentheim'fchen Gasofen. Ihre Steine find zwar von gutem Ausfehen, doch zu wenig compact, und zeigen theilweife Sinterung; ein hoher Grad von Feuerbeftändigkeit dürfte ihnen kaum innewohnen. Noch wäre von den oberfchlefifchen Fabriken die gräflich v. Saurma'fche Chamotte und Thonwaaren- Fabrik zu nennen, die gleichfalls Dinasftein- Fabrication u. f. w. betreibt. Von dichter Maffe und den belgifchen Erzeugniffen am nächften ftehend, find jene von H. J. Vygen& Comp. in Duisburg am Rhein. Sie excelliren mit ihren bekannten, koloffal grofsen Hohöfen- Wallfteinen, fchönen Gasretorten, und vorzüglich gearbeiteten Graphit- Schmelztiegeln für Gufsftahl- Fabrication. Unbedingt ift diefes Gefchäft mit der Erzeugung eines dichten, wohlgeformten und fcharfgebrannten Materiales am weiteften vorgefchritten und Bedeutende Er arbeitet faft noch eleganter als die belgifchen Firmen. zeugungsfähigkeit, grofses Abfatzgebiet charakterifiren die Thätigkeit von Vygen& Comp. R. Keller in Stollberg bei Aachen. Es ift diefs eine der bedeutenderen. Fabriken ihrer Art, welche als Rohmateriale zur Erzeugung von Dinasfteinen den dichten Kohlen- Sandftein von weifsgrauer Farbe, ein ähnliches Materiale wie das von Andennes, benützt. Keller's Fabricate find von gutem Ausfehen und werden vielfach belobt. Von den rheinifchen Fabriken, welche auf der Ausftellung übrigens nicht vollzählig repräfentirt waren, wäre H. Schenkelberger bei Saarbrücken noch zu nennen. J. K. Geith in Coburg arbeitet nach wie vor treffliche, grofse HohofenGeftellfteine, und dichte Gasretorten aller Syfteme, die er in reichhaltiger Ausftellung vorführte. Seine Retorten find, um die Gasverlufte auf ein Minimum herabzudrücken, im Innern mit einer Bleiglafur verfehen. Einige feiner Gasretorten im Gewichte von circa 35 Centnern zählen zu den gröfsten bisher erzeugten. Die Steinberger Gewerkfchaft in Grofs- Almerode bei Caffel, von der, wenn wir nicht irren, nicht unbedeutende Quantitäten Chamottefteine in Oefterreich Verwendung fanden( Hohofen- Bau der Innerberger Gewerkschaft), hatte fchöne dichte Steine aus anerkannt gutem Materiale gebracht; auch die Frei Die Thonwaaren- Industrie. 23 herr von Waitz'fche Bergwerks- Verwaltung in Hirfchberg bei GrofsAlmerode arbeitet wefentlich für den Bedarf der umliegenden Eifenwerke. Die Stettiner Chamottefabrik früher„ Didier" hat unfere Ausftellung mit Chamottefteinen und Gasretorten befchickt, doch fteht ihr Fabricat den meiften vorgenannten Firmen an Dichte und Formung wohl zurück. Namentlich letztere wollten uns durchaus nicht befriedigen. Die Anwendung derfelben, ihre Einmauerung u. f. w. war durch ein Modell im Grofsen verfinnlicht. Die Fabrication der bekannten heffifchen Schmelztiegel war durch Gundlach& Sohn aus Grofs- Almerode ziemlich ſpärlich vertreten und Gebrüder Gundlach eben dafelbft brachten eine Suite von Graphit- Schmelztiegeln, feuerfeften Steinen u. dergl. befter Qualität. Es bleibt zu bedauern, dafs ein fo ausgedehnter Fabricationszweig fo fchlecht illuftrirt war. Zu Taufenden gehen die heffifchen Tiegel in die ganze Welt und weit übers Meer tragen fie den Ruhm ihrer Feuerbeftändigkeit. Ift auch der heffifche Tiegel heute fchon vielfach durch andere Fabricate, zum Theil von gröfserer Haltbarkeit, erfetzt, fo bildet er doch noch immer einen bedeutenden Induftriezweig in jener Gegend. Die baierifche, fpeciell die Paffauer Schmelztiegel- und Chamotte- Induftrie vertrat die bekannte und mit Recht renommirte Firma von J Kaufmann in Hafnerzell, die fehr elegante Graphit- Schmelztiegel gröfserer Dimenfionen brachte. Paffauer Tiegel zählen zu den beften und gefuchteften ihrer Art. G. Saxinger in Obernzell brachte gleichfalls ähnliche Tiegel zwar von minder gutem Ausfehen aber befter Qualität. Die Fabricate Saxinger's haben fich namentlich in Oefterreich in letzter Zeit rafch eingebürgert und haben zum Theile die von Kaufmann verdrängt. Die weniger bedeutenden Fabriken von Schwandorf und der Fürftenberger Kaolingewerkfchaft waren gleichfalls vertreten, und zeigten einen, wenn auch etwas langfamen Fortfchritt in ihrem Gefchäftsbetriebe. Deutfchland zählte in diefem Induftriezweige allein an zwanzig Ausfteller, die zum Theil felbft für den aufsereuropäifchen Markt, und nicht felten für den Export nach Oefterreich in mehr oder minder hervorragender Weife arbeiten. O efterreich felbft, fo reich an dazu geeignetem Materiale an dem eigentlich Deutfchland relativen Mangel leidet, zählt nur wenige Etabliffements, und zwar nur folche von geringerer Bedeutung, die wirklich brauchbares Materiale liefern. Die geologifche Reichsanftalt in Wien ftellte in ihrer verdienftlichen Sammlung nicht weniger als 82 Sorten feuerfeften Thones aus, mit denen nicht einmal die Reihe der bekannteften noch erfchöpft war. Steine für die höchften Temperaturen werden hier faft gar nicht erzeugt. Meift ift die Fabrication feuerfefter Producte ein Appendix anderer, ähnlicher Induftrien, oder find die Hüttenwerke genöthigt, fich ihren Bedarf felbft zu erzeugen. Nichts deftoweniger ift auch hier im Allgemeinen der Fortfchritt in diefer Fabrication feit den letzten Jahren ein ganz unverkennbarer. Mähren und Schlefien find, fo wenig auch noch die Durchforfchung diefer Kronländer nach feuerfeften Thonen vollendet ift, doch ziemlich reich an folchen, mehr oder minder trefflichen Lagern. Eines der vorzüglichften Thonlager, das von Blanfko in Mähren, wird vorzüglich von der Graf Salm' fchen Gewerkschaft ausgebeutet. Der Thon von Blanfko wurde in Oefterreich fo ziemlich zuerft zu refractären Erzeugniffen angewendet und hat fich feit jener Zeit ein ganz vorzügliches Renommée erhalten. Der Betrieb der Gruben, welcher auf bergmännifchem Wege gefchieht, vermag nicht den Bedarf zu decken. Der gewonnene Thon, von befonderer Weifse und Reinheit, bleibt fo auch nach dem Brande. Sein Preis ift ein enorm hoher und koften 100 Pfund desfelben in Wien I fl. bis I fl. 20 kr. Mayer in Blanfko verarbeitet das gleiche Material zu feuerfeften Ziegeln. 24 Dr. Emil Teirich. Schöne weifse Thone finden wir ferner bei Znaim, die V. Plankh in Krawfka zu einem guten, dichten, feuerfeften Ziegel verarbeitet, Gessner, Pohl& Comp. brachten, wenn auch in unvollkommener Ausführung Chamotte. fteine aus Müglitz, Graf Larifch feuerfefte Producte, Gasretorten, Ziegel etc. aus Polnifch- Euten bei Oftrau, wo J. M. v. Millers Erben& Hochftätter. die bedeutendfte Thonwaaren Induftrie in Verbindung mit ihrer chemifchen Productenfabrik betreiben, deren Specialität, das Steinzeug, anderen Ortes befprochen werden mufs, Die reichen Vorkommen von feuerfeften Thonen an den Ufern der Donau in der Umgebung von Krems in Niederöfterreich beuten die Fabriken von H. v. Drafche, dann die Wienerberger Ziegelfabriks- und Baugefellfchaft und viele andere Firmen aus, die den Thon auf der Wafferftrafse beziehen. Ein bedeutender Handel wird in diefer Gegend mit der Ausbeute des feuerfeften Thones getrieben. Namentlich find es die Gruben von Ober- Fucha unweit der Donaulände, welche den fogenannten„ Tachet" liefern, ein etwas unreines, nicht fehr feuerfeftes und wenig plaftifches Materiale, das unter Anderem. auch das Rohmateriale für die Wiener Ofeninduftrie und die geringe SteinzeugManufactur abgibt, die in und um Wien in der Entftehung begriffen ift. Podufchka verwerthet die Wien zunächft gelegenen Fundorte von Krummnufsbaum. Die Wiener Gasretorten- Fabrik der Imperial Continental Gasaffociation, die eine recht gute Ausftellung ihrer Fabricate, leider nicht aus dem beften Materiale lieferte, dann de Cente und Burghart in Wr. Neuftadt, die Fabriken in Ternitz, die von Lederer& Neffeny in Floridsdorf u. f. w., welche vorzugsweife für den Wiener Markt arbeiten, verwenden theils die letzteren Thone und jene aus der Gegend von St. Pölten, oder beziehen ihre Rohproducte aus Blanfko in Mähren. Auch hier, namentlich von de Cente und Anderen wurde der Verfuch gemacht, Dinasfteine aus den bei Wiener- Neuftadt am Leithagebirge vorkommenden Quarziten und Quarzfindlingen herzuftellen. Die erzeugten Producte entfprechen nur zu geringem Theile den Anforderungen, welche englifche Steine auch minderer Qualität leicht zu befriedigen vermögen. Böhmens Reichthum an Kaolinen ift bekannt, doch find die grofsen Thonlager bei Carlsbad, Teplitz und Pilfen nur wenig ausgebeutet und nicht genügend noch nach feuerfeftem Materiale durchforfcht, fo feltfam diefs auch klingen mag. L.& C. Hardtmuth in Budweis erzeugt in feiner Thonwaaren- und Ofenfabrik auch gute feuerfefte Steine, J. D. Stark in Prag ftellte in feinem intereffanten Pavillon eine Reihe von folchen Fabricaten, meift zu chemifchen Zwecken aus. M. Goldfcheider's Erben von Werk Moldau bei Pilfen fandten einige ihrer noch wenig vollkommenen Erzeugniffe, Fürft Schwarzenberg feuerfefte Steine und Thone aus Wittingau. Auch aus Kärnten und Steiermark, wo mächtige Lager folchen werthvollen Naturproductes noch brach liegen, wo die grofse Eifeninduftrie doch genug Impulfe zur Erzeugung der nothwendigen Chamottefteine geben würde, und wo über Trieft ein lohnender Export zu hoffen wäre, ift diefe Induftrie noch in den erften Anfängen. Freilich hilft der Reichthum des Landes an Magnefit, Quarzit und Serpentin über den Mangel an künftlichem feuerfeftem Materiale leichter hinweg. Die Collectivausftellung der Montaninduftrie von Klagenfurt, die Baumaterialien- Sammlung Kärntens, weifen eine Reihe von feuerfeften Thonen auf, fo die von Liefcha und Fohnsdorf, Köflach u. f. w. Das Berg und Hüttenwerk Johannesthal in Krain ftellte mittelmäfsige Quarzfand- Ziegel und gute Thonmuffeln zur Zinkdeftillation nach fchlefifchem und belgifchem Mufter aus, J. Holzer zu Gersdorf in Kärnten gleichfalls feuerfefte Steine. Die Thonwaaren- Induftrie. 25 Ungarn hat in diefer Richtung gleichfalls noch fehr wenig gethan, um feine Naturfchätze, von denen uns die Sammlungen der k. ungarifchen geologifchen Reichsanftalt, und die des Chemnitzer Bergbau- Diftrictes Kunde geben, zu heben; das Gleiche gilt von Kroatien, Slavonien und dem ganzen Orient, der noch völlig abhängig von Oefterreich, Deutfchland und England bleibt. Erft in letzterer Zeit wurden wenigftens einige Lager.von feuerfeften Thonen in Kroatien entdeckt, unter denen jenes von C. v. Czegel ganz befonders vorzüglich zu fein fcheint. Die gräflich Potocki'fchen Gruben von Mirów bei Krakau in Galizien ftellten gleichfalls, und zwar einen fehr fchön weifsgrauen Thon und daraus fabricirte Ziegel aus. Frankreich hatte nur zwei Ausfteller in diefem Zweige der Induftrie aufzuweifen Bousquet& Comp. in Lyon brachten Gasretorten von bekannter vollendeter Fabrication; die Campagnie parifienne du gaz in Paris gute Retorten, feuerfefte Steine, die uns jedoch den belgifchen an Dichte und Güte nachzuftehen fcheinen. Es fehlt das fefte fchöne Anfehen der Waare, die voll von Haarriffen fich zeigte. Die Gefellſchaft arbeitet zumeift für eigenen Bedarf, ähnlich der Wiener Fabrik. Auch Frankreich bezieht einen grofsen Theil feines Bedarfes von Belgien, Deutfchland und England. Noch weit weniger cultivirt Italien, das übrigens Mangel an derlei geeigneten Rohproducten leidet, diefe Induftrie. Biagi und Settimelli in Florenz nebft zwei anderen Firmen, von deren Producten die Ausftellung jedoch nichts zeigte, mögen die einzigen Erzeuger feuerfefter Waare auf der appeninifchen Halbinfel fein. In Spanien, und zwar in recht verdienftlicher Weife, hat Pablo Cucurny in Barcelona die Fabrication feuerfefter Producte aus heimifchem Materiale begonnen und auf eine Höhe gebracht, die einen nicht unbedeutenden Export nach den franzöfifchen Häfen und jenen des Mittelmeeres bis Conftantinopel zuläfst. Gasretorten, feuerfefte Steine, Muffeln und Cupolöfen find feine Erzeugniffe, alle von anerkannter, vielfach belobter Qualität. Aus einem eigenthümlichen, ftark glimmerhältigen Thone erzeugt Zamora in Oporto feuerfefte Schmelztiegel, von denen man verfichert, fie hielten die höchften Temperaturen aus. Die Maffe ift fett und hält fehr gut die Form. Ja felbft in Brafilien beginnt diefe Induftrie Boden zu faffen, wenigftens ftellte die Fabrica de Luca National in Rio Janeiro Schmelztiegel und Muffeln aus, die in der Vorftadt St. Chriftofle der Hauptftadt aus dort gegrabenem Thone recht gut angefertigt find. Die gröfste und bedeutendfte Fabrik dafelbft ift jedoch die von Esberard, welche recht gelungene feuerfefte Muffeln und Tiegel anfertigt. Die Anregung zu diefer Fabrication, fowie zu jener der Diaphragmen ging von dem verdienten Profeffor de Capanema aus, dem Director des brafilianifchen Telegraphenwefens. Die übrigen Länder brachten in diefer Richtung fo gut wie gar nichts. Diefs wundert am meiften von Schweden, deffen Induftrie jährlich enorme Quantitäten refractärer Erzeugniffe confumirt, die, wenn auch England den Bedarf meift deckt, doch auch in anfehnlicher Menge im Inlande fabricirt werden. Die feuerfeften Waaren, deren Qualität durch eine äufserliche Befichtigung nur zum geringften Theile geprüft werden kann, eignen fich eben gar wenig zum Ausftellungsobjecte. Nichts deftoweniger waren durch die gefchehenen Einfendungen die modernen Beftrebungen in diefem Induftriezweige gut charakterifirt und unferen öfterreichifchen Fabrikanten vor Augen geführt worden. Im Allgemeinen fahen wir die Handarbeit dem Formen durch die Mafchine vorgezogen. Das Gemenge von Thon mit vieler Chamotte oder Quarzfand läfst fich eben durch Druck allein, felbft durch den einer hydraulifchen Preffe, nur ſchwer 26 Dr. Emil Teirich. comprimiren, während die modellirende, weiche menfchliche Hand ihm jeden Dichtigkeitsgrad zu geben vermag. Verfuche durch mechanifchen Schlag oder Stofs die Maffe zu comprimiren, find leider unferes Wiffens im Grofsen nicht angeftellt worden, wir glauben diefe müfsten zu günftigen Refultaten führen. Als Zerkleinerungsmafchine hat der Steinbrecher in Verbindung mit einem Walzwerk in den meiften Fällen das alte Pochwerk, ja felbft den Kollergang überflügelt und kommt nunmehr häufig zur Aufftellung. Im Uebrigen ift das Verfahren der Mengung mittelft Kollergänge jenem im Thonfchneider meift vorzuziehen, die Trocknung der erzeugten Fabricate vor dem Brennen, ja das Formen auf geheizten Fufsböden ift in England häufig üblich, in Deutfchland, z. B. bei Kulmitz gleichfalls in der Einführung begriffen. Das Brennen gefchieht dort in runden Steingut- Oefen, in Deutfchland neuerer Zeit in jenen von Hoffmann und den Gasöfen von Mentheim, welche wenigftens in der Grofsinduftrie fehr bald die alten runden oder länglichen Horizontalöfen verdrängen dürften. GLASIRTE, NICHT GESINTERTE THONWAARE. Ordinäre Töpferwaare, glafirte Terracotten, Majolica, Fayencen und Steingut- Erzeugniffe. Wieder mufs in vorhiftorifche Zeiten zurückgeblickt werden, will man den Gebrauch der Glafur als fchützenden Ueberzug oder als Mittel zur Decoration des gebrannten Thones verfolgen. Auch hier werden wir in Egypten und Phönicien, jenen Wiegenländern unferer abendländifchen Cultur, die erften Denkmale der alten Anwendung und Kunftfertigkeit in den Grabftätten, in dem Schutte der Tempel und an den Wänden der Ruinen finden. Eigenthümlich mag es erfcheinen, dafs die hellenifche Kunft fich diefes Decorationsmittel faft ganz entgehen liefs, während es im Orient von Kleinafien nach dem Weften hin in ftets ausgedehnterer Weife Verwendung und Ausbildung fand. Die aus ungebrannten Mauerziegeln hergeftellten Wände der Affyrer und Chaldäer waren mit glafirten Mofaikplatten geziert, ja oft ganz überzogen, Sarkophagdeckel und figürliche Geftalten, Amulete und Götzenbilder finden fich oft mit einer Glafur überzogen, welche der ordinären, grauen Bleiglafur mit Kupferfärbung im Wefentlichen identifch ift. Allem Anfcheine nach war übrigens China auch den Egyptern in diefer Kunft vorausgeeilt, nicht allein der Zeit, fondern auch der Vollkommenheit nach, in der dort wie in Japan das Glafiren des Thones geübt worden war. Wenig ift über die römifche und fpätgriechifche Glafurtechnik zu fagen. Sie blieb unvollkommen, wenig angewendet und kaum zu Kunftzwecken beachtet, nur den Zwecken der ordinärften Töpferei dienend. Vereinzelte Terracottaftücke, überzogen mit Bleiglafur, deuten allein auf Verwendung diefer Kunft in der Architektur. Erft im Mittelalter entwickelt fich diefer Kunftzweig zu fchöner Blüthe. Unterdeffen haben die Völker an der Nordküfte Afrikas und die Bewohner einiger Infeln des griechifchen Archipels die keramifchen Induftriezweige cultivirt und erftere bei ihrer Invafion nach Spanien im VIII. und fpäter wiederholt im XIII. Jahrhundert über diefes Land fammt ihren traditionellen Kunftformen gebracht. Stets diente zur Bafis diefer maurifchen Gefätsbildnerei eine mürbe, mehr oder minder gefärbte, poröfe Grundmaffe, die bei relativ fchwachem Feuer gebrannt wurde und deren Ueberzug eine dicke, verfchieden gefärbte und durchfichtige Glafur von niedrigem Schmelzpunkt ift. Die Thonwaaren- Induftrie. 27 Die Schwierigkeiten, welche die Eigenfchaften des Schwindens und Reifsens der Thone beim Trocknen und Brennen der Erzeugung gröfserer, ebener Flächenplatten entgegegenfetzen, die weiteren, welche entſtanden, als man verfuchte, folche Flächen auch noch mit einer gleichmäfsigen einfärbigen oder gar decorirten Glafur zu überziehen, bewogen zur Anwendung der Plaftik in der mittelalterlichen Kunfttöpferei und dem Beibehalten möglichft gleichfärbiger Stücke, die felten eine gröfsere Ausdehnung erhielten. In der Zeit vom XIII. Jahrhundert bis fpät in das XVII. hinein blühte in Mittel- und Süd- Deutfchland die Kunft der Töpferei, theilweife noch unter dem Einfluffe des romanifchen Stiles, entwickelt fich zur Blüthe in der Zeit der Gothik und bringt viele Entwürfe der fogenannten kleinen Meifter der deutfchen Renaiffance zur Ausführung. Die Architektur bemächtigte fich hier des Stoffes. In Deutfchland ift es die Ofenkachel, welche meift grün glafirt und mit Plaftik geziert wird. Auch das Einpreffen von Verzierungen und das Ueberziehen der Fläche mittelft einer leichtflüffigen, durchfichtigen Glafur, welche die Vertiefung ausfüllt und damit den Deffin dunkler vom Grunde abhebt, oder das Ausfüllen der Vertiefungen mit andersfärbiger Glafur als dem Grundton, wird geübt und findet fich an altdeutfchen und franzöfifchen Fufsboden- Platten und Wandfliefen in ähnlicher Weife, wie wir es an den Majolica tiles von Minton und Minton Hollins auf der Ausftellung fahen. Ueberhaupt bilden folche Platten einen Hauptzweig der Thonwaaren- Kunft, denn gar häufig werden fie zur Decoration der Flächen als Belag mit beftem Erfolge benützt. Unter fichtlich italienifchem Einfluffe arbeitet die Künftlerfamilie der Hirfchvogel in Nürnberg ihre Kacheln, Platten und Krüge. Nach und nach tritt auch hier noch die Schmelzmalerei hinzu, bleibt aber immer unvollkommen und roh. Es ftehen ihr zu wenige Farben und eine zu wenig verfeinerte Technik zu Gebote. Unterdeffen hatte Italien die Kunft erlernt, den gefärbten Thonfcherben mit einer weifsen, opaken Zinnglafur zu überziehen und einen vollſtändig deckenden Ueberzug der Grundmaffe zu geben. Man fagt, die fpanifchen Mauren wären. die Lehrmeifter gewefen und die Infel Majorca die Schule. Gewifs ift, dafs diefe von den Völkern des Orients fchon gekannte und an Pracht- und Nutzgefäfsen fchon immer angewandte Kunft um das Ende des XIV. Jahrhundertes in Italien auftauchte. Auch dort hatte man fchon lange den Mangel eines völlig deckenden Ueberzuges für den unfchön gefärbten Thongrund gefühlt und durch das Verfahren des Engobirens zu helfen gefucht. Das ungebrannte Thonftück wurde in eine aufgefchlämmte, dünnbreiige Maffe eines feinen, weifsen Thones getaucht, getrocknet und diefer matte Ueberzug durch Einbrennen fixirt. Erft darauf wurde eine färbige Glafurdecke gegeben. Fliefen und Bauornamente aus jener Zeit find an Kirchenfaçaden und an Innenräumen aufbehalten geblieben. Pefaro, eine Stadt in Umbrien, war wohl die Hauptftätte diefer Fabrication und das Centrum einer Thätigkeit, die aus den Kinderfchuhen des HandwerksBrauches unter dem Schutze der Sforza und Medicis zur Kunstinduftrie emporwuchs. Die Erzeugniffe derfelben find unter dem Namen Mezzamajolica allenthalben bekannt, vielfach von Kunftliebhabern gefchätzt und beliebt und darum von jeher und bis auf die heutige Zeit ein Gegenftand der fpeculativen Imitation, von der uns beifpielweife die italienifche keramifche Ausftellung Beiſpiele zur Genüge brachte. Luca della Robbia, der berühmte Florentiner Plaftiker, bemächtigte fich zuerft der für Italien neuen Kunft und überzog feine Reliefs mit jener opaken Zinnglafur als Bafis für feine übrige Farbenpalette, die, wenn auch nicht allzureich, fo doch namentlich für ornamentale Zwecke genügend war. Die Renaiffance übte damals ihren vollen Zauber auf die Kunftinduftrie Italiens. Unter ihrem mächtigen Einfluffe wuchs und entfaltete fich der Sinn für das Schöne, die Kraft einer unendlich fruchtbaren, künftlerifchen Conception 28 Dr. Emil Teirich. und eines bedeutenden technifchen Könnens. Die alten Handwerks- Bräuche wurden neu belebt, immer neue Verfahrungsweifen entdeckt und alle Kunftfertigkeit bis ins Feinfte und Letzte eingeübt und getrieben. Auch Robbia blieb bei der urfprünglich nur weifsen Glafur nicht ftehen, und bald trat er, als Cofimo von Medicis ihm die Decoration feines Schreibgemaches mit glafirten Thonplatten übertrug, an diefem allgemein bewunderten Werke mit färbigem Ueberzug der Platten hervor. Die vielfachen Ausführungen Robbia's, meift Medaillons, Brunnen und dergl., mit naturaliftifch bunten Fruchtkränzen umrahmt, find zumeift erhalten und ein häufiger Schmuck unferer Muſeen. Die Ausftellung zeigte uns die Weife des alten Italieners in einem trefflichen Majolicabrunnen aus der Inzersdorfer Fabrik bei Wien und in mehreren Medaillons bei Ginori und anderen Thonwaaren- Fabrikanten Italiens, unter denen Minghetti's Madonna und Farina's Toilettetifch am meiften in die Augen fielen. Robbia's Familie empfing als Erbtheil feine künftliche Technik, die fie ängftlich durch ein Jahrhundert bewahrte, immer die gleiche Weife und Art des Grofsvaters beibehaltend. Nach und nach aber verfchwindet die ftilgemäfse und befcheidene Behandlungsweife des Reliefs und der Farbe. Immer reicher wird die zu Gebote ftehende Farbenpalette. Die erfte Periode der eigentlichen echten Majolica ift von 1500 bis 1538 zu rechnen, bis 1574 blüht diefe Kunft unter Herzog Guidobaldo's II. Regierung und verfchwindet fpäter wieder vom italienifchen Boden faft ebenfo rafch als fie gekommen. Der von der Mezzamajolica ftammende metallifche Glanz der glafirten Oberfläche verfchwindet zur Zeit der Blüthe diefer Kunft, die maurifch- fpanifche Decorationsweife macht der reinen, freien Formenwelt der Renaiffancezeit Raum, und nur Maeftro Gubbio verfolgt noch weiter die Kunft, Metallglanz hervorzubringen, in der er auch wirklich ungemein Vollkommenes leiftet. Zahlreiche franzöfifche und italienifche Teller und Vafen erinnerten im Induftriepalafte an diefe Specialität des alten Meifters. So erfreut fich die Majolica bald allgemeiner Beliebtheit, entwickelt ihre Decorationsweife vom Ornament in das Figurale und vervollkommnet und variirt ihre Formen in dem Mafse, als der allgemeine Gebrauch folcher Gefäfse zunimmt. Die berühmten Künftlernamen Francesco Xanto, Orazio Fontana, Battifta Franco und Rafael dal Colle find mit diefer Technik unzertrennlich. Die allgemein als die gröfsten Kunftwerke ihrer Art betrachteten zwei Vafen in der Apotheke von Loretto find das gemeinfame Werk der drei Letztgenannten. Die Königin Chriſtine von Schweden wollte dafür bekanntlich das gleiche Gewicht in Gold bezahlen. Der Stil der Majoliken geht aber allmälig in den Barockismus über, die Herzoge von Urbino verlieren das Intereffe an diefer Kunft, die folcher Protection nicht entbehren kann und fie verfällt. Form, Malerei und Technik finken gleichmäfsig, wenn auch die Erzeugung, welche fpäter fchon faft zur Maffenproduction wird, noch fortfchreitet. Die Verfuche zu Neapel und zu Caftelli im XVII. Jahrhundert und die Beftrebungen zur Hebung diefer Kunft im Caftel Durante noch im XVIII. Jahrhundert blieben erfolglos. Während die Majolica folche Phafen der Entwicklung, der Blüthe und des Verfalles in Italien durchläuft, hat fich diefe Kunftfertigkeit unter Franz I. nach Frankreich durch die Berufung eines Mitgliedes jener berühmten Robbiafamilie nach Paris verbreitet. In Frankreich aber entwickelte fich die Technik der glafirten Thonwaare, wahrfcheinlich angeregt durch deutfche( Nürnberger) Vorbilder, um den Anfang des XVI. Jahrhunderts durch Bernhard Paliffy in einer ganz felbftftändigen Die Thonwaaren- Induftrie. 29 Richtung. Paliffy verfieht feine Gefäfse mit plaftifchem, meift dem Thier- und Pflanzenreiche direct entnommenem Schmuck, erfindet eine ziemlich reiche Scale ( meift gebrochenen) Schmelzfarben und bemalt nun in völlig naturaliftifcher von Weife feine Formen. Seine Glafur ift nicht haarriffefrei, aber von grofsem Luftre. Die Mode verfchlang bald ungemeine Quantitäten folcher Erzeugniffe. Die Familie Paliffy's arbeitete in gleicher Richtung fort, ihr folgten andere Künftler, die hinter das Geheimnifs der Technik gelangt waren. Nach und nach bürgert fich hier wie in Deutfchland das Steingut ein mit feiner dichteren, nahezu gefinterten Thonmaffe, welche die Formen der Majolica nicht felten imitirt. Mit der Vervollkommnung der künftlerifchen Ausftattung des Gefäfses zwang die Nothwendigkeit auf eine Verbefferung der Grundmaffe zu denken, an die ja immer gröfsere Anforderungen geftellt werden. Die Thone werden forgfältiger gewählt, man weifs folche von rein weifser Farbe zu finden und behandelt fie mit Gefchick und Fleifs. Kaum ift daher in der fpäteren Zeit die Fayence von dem Steingut- Gefchirre, wenigftens hinfichtlich der Formenbehandlung, zu trennen. Ein eigenthümliches Gefchirr erzeugten die Niederlande, Holland und später England. Es ift diefs die gefchätzte Delftwaare, nach deren Mufter noch heutzutage, namentlich in England, gearbeitet wird. Das rohe, noch ungebrannte Gefäfs erhält einen Ueberzug von anfänglich nur weifsem, fpäter und jetzt auch farbigem, in Maffe zu Brei aufgerührtem Thon( Engobe). Diefe letzte Schichte wurde erft bemalt und anfänglich meift mit blauen Ornamenten in ziemlich charakteriftifcher Weife. Geoffroy& Comp. in Gien brachten Imitationen folcher Delftwaare unter Anderem zur Ausftellung. Delft und deffen Umgebung war der Sitz diefer Fayence Induftrie, die fich nicht auf Gefäfse befchränkte, fondern in Fliefen, Wandbekleidungs- Platten u. f. w. noch manches Gute leiftete. Die moderne Delfter Thonwaaren- Induftrie fteht der alten entfchieden nach, aber immer ift diefer Diftrict noch das Centrum der bekannten und ausgedehnten Fabrication der holländifchen Tegeltjes oder Wandverkleidungs- Platten. Heute leiften die englifchen Fabriken in ordinär glafirter Thonwaare, Steingut Fabrication und Majolicatechnik wohl anerkannt das Vorzüglichfte. Einige Fabriken am Rhein, in Luxemburg und Frankreich ftehen ihnen am nächften. Das ganz befonders vorzügliche Materiale, welches England in dem„ Poole clay" und den Thonen aus den Graffchaften Staffordſhire, Cornwall und Devon vorfindet und das nur mit wenigem Verfatz von Cornifh- Stone, einem feldfpathhaltigen Geftein, die prächtigfte Grundmaffe liefert, gab zur Gründung feiner ausgedehnten und weltberühmten Thonwaaren- Induftrie den Anftofs. Eigentlich waren auf der diefsjährigen Ausftellung nur die Etabliffements von Staffordshire vertreten, dem allerdings bedeutendften ThonwaarenFabriksdiftricte Englands. Merkwürdig, wie fich diefe Induftrie gerade an einem folchen Orte, dem eigentlich die Hauptbedingung und Eignung hiefür fehlt, nämlich jener reine weifse Thon, der aus den füdlichen Graffchaften faft durchwegs mit grofsen Unkoften befchafft werden mufs, und der die Grundmaffe alles englifchen Porzellans und aller Fayence bildet, in einer fo ganz enormen und relativ rafchen Weife, entwickeln konnte. Denn, fo angenehm für die Fabrication die billige Staffordfhire Kohle ift, fo wenig günftig für die Erzeugung gerade der gewöhnlichften Waaren aus jener Gegend ift der über den Steinkohlen- Flötzen fich vorfindende ftark gefärbte Thon. Alle Etabliffements haben dort eine bedeutende Ausdehnung und arbeiten für den allgemeinen Bedarf Englands und der Colonien, alle faft mit für den Export. Trotz der, für unfere gewifs nicht verwöhnten Begriffe, enormen Preife. 30 Dr. Emil Teirich. welche die englifchen Fabrikanten zu fordern fich für berechtigt halten und welche namentlich für Decorationsftücke, für durch die Hand des Künftlers verfeinerte Waare gelten, hat fich der Gefchmack auch bei uns diefen Erzeugniffen der Kunftinduſtrie zugewendet und werden derlei Fayencen namentlich feit den letzten drei Jahren hier relativ ziemlich ftark und mit Erfolg importirt. Schon im Jahre 1871 betrug diefer Import bei 250.000 fl. bei einem Eingangszoll von durchfchnittlich 5 bis 6 fl. pro 100 Pfund Wiener Gewicht. Eine eigentliche Stilrichtung diefer englifchen Erzeugniffe anzugeben, ift nicht möglich. Im Allgemeinen leidet die für den Hausgebrauch beftimmte Fayence, alfo Teller, Schüffeln, kurz das Gefchirre jeder Art, an demfelben Uebel, mit dem die Gefäfsbildnerei überhaupt noch mehr oder weniger zu kämpfen hat, fei es in der Porzellan-, fei es in der Steingut- Technik. Immer wird noch oft in der Form gegen den Stil des Materiales felbft gefündigt, immer noch nicht die Decorationsweife durch Malerei dem geformten Gegenftande angepafste in keinem der beiden Fälle mitunter auf das nächftliegende praktifche Bedürfnifs Bedacht genommen. Der Zeitraum zwifchen der letzten Weltausftellung vom Jahre 1871 und heute ift wohl ein zu kurzer, um einen wefentlichen Umfchwung, um bedeutende Nuancirungen in diefer Induftrie conftatiren zu können. Nach wie vor geht das Streben der beften Fabrikanten darauf hinaus, nach alten Muſtern zu copiren, wenn auch oft fo, dafs gewiffe Formen und Farben der gewohnten Technik zurecht gelegt werden. Eine folche Sucht der Imitation macht die Ausftellung eines Minton, der Worcefter- Fabrik oder eines Copeland geradezu zu einem bunten Gewirre aller Stilarten und Ausführungsweifen der vergangenen Stilepochen, ohne dafs, wie gefagt, immer deren urfprünglicher Charakter gewahrt bliebe. Diefs bezieht fich auf die feine, in England mit den höchften Preifen bezahlten Luxuswaare. Eine andere, von allen Fabrikanten mit nur geringeren Variationen angenommene Richtung fpricht fich in jenen Fayencen oder Majoliken aus, die als allgemein übliche Decorationftücke vornehmlich zu gelten, die fich aus der Imitation der italienifchen Robbia und Paliffywaaren herausgebildet haben, und die fich bald mehr der einen, bald der anderen Technik hinneigend, meift aber von Paliffy's Naturalismus arg beherrfcht find. Diefen mildernd und überhaupt die ganze Stilrichtung veredelnd wirkte in letzterer Zeit der Orient auf die englifche und auch die franzöfifche Thonwaaren- Induftrie ein. Und das orientalifche Element ift neben den beiden fchon genannten italienifchen und altfranzöfifchen Decorationsweifen heutzutage wefentlich beftimmend für die künftlerifche Ausftattung aller keramifchen Producte. Diefs kann beim orientalifchen Stile natürlich nicht von der Formgebung gemeint fein, denn der Orient hört fofort auf, muftergiltig zu bleiben, wenn er beginnt, Plaftik zu treiben. Nur in der Decoration der Fläche ift er ein guter Lehrmeifter. Damit ift nicht gefagt, dafs nicht auch viele orientalifche Formen, namentlich in der englifchen Thonwaaren- Induftrie Verwendung finden. Die Ausftellung brachte hievon fogar Vieles, zeigte aber auch, wie vorfichtig und mafsvoll mit diefen Motiven zu wirthfchaften ift. Vorzüglich fanden wir an Decorationsftücken folche Mifsgriffe. In ihrer Eigenfchaft als Ziergegenftände ift es ziemlich fchwierig, allgemeine Grundfätze zur Beurtheilung jener Formen aufzuftellen, die nur felten an gewiffe Gebrauchszwecke gebunden find. Hier vermag auch nicht die Regel, es müffe die Nützlichkeit der Schönheit vorangehen, leitend für unfer Urtheil zu fein, wie diefs zum Theile wenigftens bei Gegenftänden des Hausgebrauches angeht. Zwar lehnen fich die Erzeugniffe der Majolica und Paliffy techniſch faft ftets an die Form eines Hausgeräthes an, Candelaber, Schüffeln und Aehnliches werden dargeftellt, aber nie mit der Intention, wirklich jemals als folche zu dienen. Die Credenz, der Kamin, das Wohnzimmer bleibt ihr dauernder Platz im Haushalte, Die Thonwaaren- Induftrie. 31 für den von Alters her diefe Ziergegenftände gedacht und componirt wurden. Durch ihre Farbenpracht follten fie wirken, Tifch und Schrank zieren und den Mangel an auszuftellendem Gold- und Silber- Prachtgeräthe im bürgerlichen Haushalte erfetzen. Ihr urfprünglicher Zweck ift ihnen bis heute geblieben, und ein Aufwand von künftlerifchem Fleifs wird diefen Thonwaaren zugewendet, weitaus gröfser und erfolgreicher als diefs bei Schaffung von Nutz und Hausgeräthen für den eigentlichen Gebrauch gefchieht. Eine tüchtige Schulung der englifchen Künftler, die Verwerthung eingehender Stilftudien könnte hier von enormem Einfluffe werden, und im Vereine mit der wirklich fehr weit vorangefchrittenen Technik ganz bedeutende Erfolge erzielen. Das vorzügliche, plaftifche und beim Brennen trotzdem gut haltbare Rohmaterial geftattet die Anfertigung der gröfsten Stücke, feine helle Farbe erleichtert die Glafur, der fie nie ein ftörender Untergrund wird. Die Emailfarben, im Wefentlichen diefelben, wie fie auf dem weichen Porzellan verwendet werden, find von feltener Kraft und Feuer, das Glas felbft, meift gleichförmig im Flufs, freilich nicht immer ohne Haarriffe und Fehlftellen. Die Farbe wird theils unter, theils über der Glafur verwendet. Vielfachen Erfolg hat das Umdruckverfahren vom lithographifchen Stein und Kupfer, namentlich für die currente Waare zu erzielen gewufst, doch ift die Benützung von Farben bei diefem Verfahren, welches dort ftets unter der Glafur angewendet wird, auf jene geringere Anzahl befchränkt, welche eben auch diefe Anwendung bei hoher Temperatur vertragen; alle anderen Farben müffen nach der Glafur von Hand in die fchwarz unterdruckten Contouren ausgefüllt und dem neuerlichen Muffelfeuer ausgefetzt werden. Auf deutfchen Erzeugniffen, auf den Producten der Rheinifchen Fabriken wird das Druckverfahren jedenfalls in vollkommener Art, mit einer reicheren, ja überreichen Farbenpalette geübt, und über die Glafur gedruckt, wodurch einerfeits ein bedeutend brillanterer Effect, anderfeits eine wefentliche Vereinfachung und Billigkeit erzweckt wird. Von Oefterreich, von unferer alten, leider zu früh zu Grabe getragenen Porzellanfabrik ging mit der Anftofs zur Verallgemeinerung und Vervollkommnung diefer Technik aus. Der frühere Chemiker diefer Anftalt, Franz Kofch, hat Vieles hinzugefügt, das Ganze der Technik wefentlich vereinfacht, gewiffermafsen fichergestellt. Die öfterreichifche Ausftellung brachte eine kleine, aber hoch intereffante Mufterfammlung feiner Umdrucktechnik auf der Glafur. Der englifche Fabrikant hilft fich mit dem Vordrucken ichwarzer Con touren und dem nachträglichen Auftrag der Farbe mit dem Pinfel von Hand, eine koftfpielige und zeitraubende Procedur, deren Erfolg beiſpielsweife die Technik Kofch's mit einem Male erzielt. Eine befonders häufige Anwendung findet das Umdruckverfahren auf die Herftellung fchön decorirter Wandverkleidungs Platten. Die Erzeugung diefer Waaren wird in Egland namentlich, dann aber auch in Frankreich, am Rhein, in Spanien und Italien mehr oder minder geübt, ganz abgefehen davon, dafs der heutige Orient, dem diefe ganze Technik der Fliefen ja entftammt, noch fortfährt, feine primitiven und zum Theile kaum mehr an die alte Formenfchönheit auch nur anklingende Plattendecorationsweife zu üben. In vielfacher Weife wurde das Umdruckverfahren als unkünftlerifch kritifirt und verworfen. Wir vermögen uns diefer Anficht nicht anzufchliefsen. Hier wie bei der directen Glafurmalerei kann die Hand des Künftlers, kann der Stempel der Orginalität dem decorirten Stücke gewahrt bleiben; wird doch die Zeichnung, wenn fie der Künftler directe auf den Stein zeichnet, mit minutiöfer Genauigkeit auf dem Bisquit wiedergegeben, ja Kofch und theilweife in neuerer Zeit Minton geht in feiner Technik hier fo weit, durch geeignete Behandlung des Umdruckes auf der Glafur die täufchendfte Aehnlichkeit mit einem paftofen Pinfelauftrag zu erzielen. 32 Dr. Emil Teirich. Wir fehen in dem richtig und mit Verſtändnifs angewandten Umdruckverfahren das einzige Mittel, guten Muſtern, wahren künftlerifchen Leiftungen die nöthige Verbreitung zu verfchaffen, und damit dem noch fehr verwilderten Gefchmacke des grofsen Publicums bildend an die Hand zu gehen. Die billigfte Waare kann auf diefe Weife mit gutem Zierath verfehen werden. Minton bringt diefsmal ein ganz neues Verfahren des Umdrukes von Metallplatten und ftellt einige, aber nur wenige, fehr gelungene Verfuche damit aus, welche namentlich die Präcifion der Contour und auch die Möglichkeit illuftriren, gröfsere Flächen folcherweife mit einer fatten Farbe überlegen zu können. Die Fabrication der Wand- und Fufsboden Verkleidungsplatten ift in England zu einem Handelsartikel von einer in Deutfchland und Oefterreich . noch ganz ungekannten Bedeutung geworden. Kaum ein Haus, und fei es das geringfte und befcheidenfte in London, mag ganz eines folchen Schmuckes entbehren, faft kein Vorhaus oder Küche, die nicht ganz oder theilweife mit diefem fchönen, dauerhaften und fo reinlichen Materiale verkleidet wäre. Von den in England derzeit erzeugten Platten, und nicht wenige Firmen befchäftigen fich damit, laffen fich drei Arten trennen, von denen eine, die Encauftic tiles, oder eingebrannten Ziegelfliefen zumeift aus einem oder mehreren durch die ganze Maffe gefärbten, fehr fein bearbeiteten Thonen auf trockenem oder naffem Wege erzeugt wird, indem man die vielfach gefärbten und deffinirten dünnen Thonfchichten neben einander auf eine Unterlage oder Zwifchenlage von gröberer aber nicht minder haltbarer Maffe bringt und mit diefer feft verbindet. Solche Platten, die jede Abnützung vertragen, ohne ihre Deffinirung einzubüfsen und von ungemeiner Dauer find, bilden das Materiale für die schönen Mofaik- Fufsböden, denen man in England allenthalben begegnet, und die beim Bau des South- Kenfington- Mufeums und dem Parlamentsgebäude wohl in ausgezeichneter Weife zur Verwendung gelangten. Die Oberfläche folcher Platten bleibt zumeift unglafirt. Durch frittenden Feldfpath- Zufatz( cornifh ftone) wird eine befondere Verdichtung des Materiales erzielt, und gehen diefe Fabricate eigentlich bereits in die Gruppe des Steinzeuges über, ohne dafs wir es uns verfagen dürften, fie in den Kreis unferer jetzigen Befprechung zu ziehen. Die auf trockenem Wege erzeugten Platten werden mittelft Mafchinen geprefst und find in England zumeift Handfpindel- Preffen hiezu in Verwendung, in Deutfchland hydraulifche. Die Schwierigkeiten, verfchiedenfarbige Thone mit einer Unterlage fo zu vereinen, dafs beim Brande kein Reifsen, keine Trennung erfolgt, und zugleich die Platten vollkommen eben und winkelig bleiben, ift von den englifchen Fabrikanten zumeift glänzend gelöft. Eine andere Art von Verkleidungsplatten, ebenfo häufig wie die erften, aber zu anderen Zwecken verwendet, find die Platten mit Reliefs( Emboffed tiles). Hier wird der Charakter der echten Majolica und der Paliffywaare, die opake oder translucide Glafur auf modellirtem Thonkörper freilich nicht immer präcife gewahrt. Die Modellirung ift zudem nicht felten fchlecht. Sehr fchönen Effect machen jene eingeprefsten Platten, auf denen eine höchft dünnflüffige Glafur die Tiefen mit dunklerer Schattirung durch Zufammenfliefsen ausfüllt, und fo die Modellirung zur vollen Wirkung in ähnlicher Weife wie bei den bekannten Porzellan- Lichtbildern bringt. Eine dritte Art endlich, die Majolica tiles, eigentliche Fayencen, werden auf trockenem oder naffem Wege aus möglichft weifsem Tone hergestellt, unter oder ober der Bleiglafur bemalt oder bedruckt. unter. Die gröfste Mannigfaltigkeit, die fchönften Zeichnungen finden wir hierMeift ift es der orientalifche und fpeciell der perfiche Stil, in dem die Die Thonwaaren- Induftrie. 33 allerprächtigften Flächendecorationen namentlich von Minton Hollins gebracht werden. Mannigfaltig ift die Anwendung diefer Platten in neuefter Zeit auch in der Möbeltechnik fpeciell Englands und Frankreichs, in deffen Ausftellung wir eine ganze Reihe von zum Theil höchft glücklichen Anwendungen folcher Art fanden. Die Möbel von Cooper& Holt, Morant, Boyd& Blanford, dann Jackfon & Graham und Anderen feien hier beifpielsweife nur genannt. Alle Principien einer richtigen Flächendecoration haben für die künftlerifche Behandlung der Fufsboden- und Wandverkleidungs Platten die vollfte Geltung. Die Wirkung des Plaftifchen durch Andeutung von Licht und Schatten ift demnach vor Allem zu vermeiden und dem Materiale volle Rechnung zu tragen, das hart und eben gedacht werden mufs. Ganz befonderes Gewicht ift in diefer Hinficht auf die Belagplatten der Fufsböden zu legen, nie dürfen diefe durch allzu grelle Farbengebung oder einen prononcirten Deffin aus ihrer doch mehr oder minder ftets untergeordneteren Lage hervorzutreten fcheinen. Ein gleichfarbiger, in gebrochenen Thönen gehaltener Grund wird daher gerade hier am richtigften gewählt werden müffen und den Vortheil bieten, ein und diefelben Plattenmufter in verfchieden decorirten Räumen verwenden zu können, ohne deren Harmonie zu ftören. Nur in feltenen Fällen wird aus diefem Grund die Wiederholung eines und desfelben Deffins auf jeder Platte von guter Wirkung fein, es fei denn an Borduren oder bei Anordnung von Mittelrofetten. Immer aber mufs der ganzen Compofition die nöthige Ruhe gewahrt beiben. Anders wird natürlich die Wahl der Fufsboden- Bekleidung ausfallen, wenn es gilt, einen langen Corridor zu belegen oder den Boden eines Warmhaufes zu zieren. Anders auch wird die Bekleidung der Badftube zu wählen fein und noch ganz anders die Fliefen, beftimmt die Hausfaçade zu decoriren. Da es bei Behandlung von grofsen Flächen namentlich darauf ankommt, dafs deren Ornamentirung, von einer gewiffen Ferne aus gefehen, noch gut und einheitlich geftimmt in Wirkung bleibt, fo ift Grund und Zeichnung genau abzuwiegen und die Linien und Formen der letzteren derartig zu wählen, dafs in der Entfernung nicht gewiffe Theile der Zeichnung auf Koften anderer zurücktreten und verfchwinden. Eine decorirte Platte, die, wenn für fich und in der Nähe betrachtet, eine ganz gefällige Deffinirung zeigt, kann ganz leicht bei Verwendung mit ihres Gleichen an gröfseren Flächen fich als ganz verfehlt in der Zeichnung zeigen. Diefs Alles tritt mehr noch an der Wand als auf dem Fufsboden zu Tage. Gewifs ift, dafs die meiften Fehler hiebei daraus entſtehen, dafs dem Ornament auf der Platte, oder auch nur an gewiffen hervorragenden Theilen desfelben, eine beſtimmte Richtung gegeben wird, die beim Aneinanderreihen der einzelnen Flächenelemente gewiffe Linien dem Auge vorfchreiben, denen zu folgen es unwiderftehlich genöthigt wird. Wände mit ausgefprochener verticaler Streifung find ebenfo unangenehm und ftörend wie folche, an denen die Diagonalen mit allen Gegenftänden im Wohnraume fich kreuzen oder bei denen Horizontale das Auge nach einem Verfchwindungspunkt zu führen fuchen. Im Allgemeinen genügt das Flachornament des Orientes, wie wir es nicht allein an den Wänden der alten Mofcheen und fonftigen Bauten angewendet finden, fondern wie es in gleich trefflicher und in unfere Induſtrie übertragbarer Weife an den textilen Erzeugniffen dort zu finden ift, den geftellten Anforderungen. Die englifchen Fabrikanten haben diefs richtig erkannt und der orientalifche Stil, vor Allem das perfifche Ornament beherrscht zum grofsen Theile ihre FlächenDecorationsweife, während deutfche Fabriken in relativ fehr elenden Formenkram gerade in diefem Induftriezweige verfallen. Die Platten von Villeroy& Boch leiden manchmal unter der fchlechten Zeichnung ebenfo fehr wie faft alle jene von Frings aus der Sinziger Fabrik. Kommt hiezu noch der Uebelftand einer viel geringeren Präcifion bei Wiedergabe diefer an fich fchon werthloferen 3 34 Dr. Emil Teirich. Compofition, fo geht auch fofort die Ueberlegenheit englifcher Fabricate hieraus hervor. Die Erzeugung glafirter Stubenöfen fchliefst fich directe an die Plattenfabrication an. Hievon freilich finden wir weder aus England noch Frankreich etwas zu berichten; kehren wir nach Haufe zurück und halten wir im Vaterlande des Kachelofens Rundfchau, in Deutſchland. Die deutfchen Leiftungen auf diefem Gebiete find zum Theile mufterhaft. Schon im Mittelalter war diefs der Fall und die deutfche Renaiffance übte auch hier ihren bedeutfamen, der freien Formentwicklung fo günftigen Einflufs. Nächft Deutfchland war es die Schweiz, in der die Töpferei und befonders die Ofenfabrication fich hob. Schon in einem aus dem Jahre von 820 datirten Plane des Klofters von St. Gallen finden fich Kachelöfen angedeutet, doch find die älteften uns bekannten und erhalten gebliebenen jene, die Hefner Alteneck aus dem Brandfchutte des Klofters Tannberg fammelte. Der Ofen wird faft zum wichtigsten Möbel des deutfchen Haufes, er beansprucht den beften und vornehmften, oft auch den gröfsten Platz im Zimmer. Die Gefchichte der Familie ſpielt fich an feiner Seite ab, er dient zum Kochen und feine lange anhaltende, freundliche Wärme macht den Wohnraum den Tag über zu einem behaglichen. Rings herum auf feinem Sockel läuft die Sitzbank und hinter dem mittleren Aufbau und zwifchen der Wand ift der Platz als Schlafftelle benützt. Was Wunder, wenn ein fo wichtiges Stück auch mit Sorgfalt erzeugt, mit allem Schmuck verfehen wird! Nürnberg, die alte Stätte deutfchen Gewerbefleifses, war berühmt feiner Töpferei wegen, und noch bis auf den heutigen Tag fehen wir dort die Erzeugung von Kachelöfen, freilich zumeift nur fklavifche Imitation guter altdeutfcher Mufter, betrieben. Zumeift finden wir den altdeutfchen Ofen mit einer grünen Kupfer- oder dunklen Braunftein- Glafur, beide natürlich bleihältig, überzogen. Der Aufbau ift in der beften Zeit diefer Technik ftets ein architektonifcher gewefen, was wir hier fofort im Gegenfatz zu unferem modernen, vornehmlich öfterreichifchen Ofenftile hervorheben müffen. Dort durchziehen kräftige Gefimfe Kopf und Bafis des breiten Unterbaues, der auf vielfach geftalteten, mehr oder minder reich modellirten Füssen ruht. Ein fchmaler, gleichfalls gefimsbekrönter Oberbau ftellt fich auf diefen hohen Sockel. Ueberreich ift oft der ornamental plaftifche Schmuck des Ofens. Karyatiden, Füllungen aller Art mit Mufcheln und Thiergeftalten in Hauterelief, reiche Gliederungen der einzelnen Theile werden angewendet. Faft immer weifs der deutsche Meifter die architektonifche Form dem plaftifchen Materiale unter feinen Händen anzupaffen. Mit dem Ende des XVI. Jahrhundertes beginnt aber eine zweifache Veränderung im deutfchen Ofenftile. Es überwuchert die plaftifche Zierath und die Glafur wird polychrom, mit malerifcher Behandlung. So lange nicht der Barockftil fein ärgftes Unwefen im Rococo treibt, hält trotzdem die Töpferfchule an der traditionellen, immer doch mafsvollen plaftifchen Ausdrucksweife feft. Der grünen und braunen Glafur folgte eine weiſse, die Gelegenheit zur bunten Bemalung der Bildwerke gibt, die oft auf blauen Grund, gleich der Robbiawaare gefetzt werden. Namentlich die Schweiz ift reich an folchen Oefen. Nicht allzulange währt jedoch der Höhepunkt diefer Kunft. Bald verblafst die reiche Palette des Künftlers, und im XVIII. Jahrhunderte ift ihr Farbenfchmuck auf Weifs und Blau bereits reducirt. Noch verdanken wir dem Rococoftile mitunter, und das namentlich in Frankreich, welches die Ofentechnik ohnedem aus Deutſchland importirt hatte, gute, von richtigen künftlerifchen Principien geleitete Formen, meift aber weifs glafirt, mit eingefetzten gemalten Füllungen, oft mit reicher Vergoldung. Die Luftfchlöffer in Frankreich und die ihnen nachgebildeten Deutfchlands enthalten viele Mufter diefer Art. Die Thonwaaren- Induſtrie. 35 Diefe waren die Vorgänger unferes heutigen Ofens. Hat fich gewiffermafsen in der Hausinduftrie, in der Bauernftube, der alte deutfche Kachelofen mehr oder minder in etwas urfprünglicherer Form erhalten, fo ift doch zu Anfang unferes Jahrhundertes die Ofentechnik in erfchrecklicher Weife degenerirt. Und diefs gilt namentlich von Oefterreich und Süd- Deutfchland. Im Norden hat es wenigftens in den letzten Jahren nicht an Beftrebungen gefehlt, dem lange fühlbar gewordenen, und dem Architekten geradezu unerträglichen Mangel an guten Ofenformen abzuhelfen. Dort ift der Kachelofen im Gebrauch und gibt als folcher leicht die Gelegenheit zum richtigen, verſtändnifsvollen Aufbau. Bei uns zu Haufe ift in diefer Richtung erft feit ganz kurzer Zeit, erft als die Architektur ihre modernften Prachtbauten fchuf und fie harmonifch und ftilgerecht auch im Innern zu decoriren hatte, der Ruf nach Verbefferungen in diefer Induſtrie laut geworden. Aber nicht allein die abgefchmackte, geradezu erbärmliche Form unferes fogenannten fchwedifchen Ofens zwingt zur Klage, nein, diefelbe ift mindeftens ebenfo gerechtfertigt über die Technik, das Fabricat als folches. Nur mit ganz feltenen Ausnahmen traf man in der öfterreichifchen Ausftellung auf einen Ofen, der nicht ganz ftillos in der Form war, ftets aber ift, mit ganz feltenen Ausnahmen die Glafur mangelhaft, voll von Haarriffen, und die einzelnen grofsen Stücke, aus denen der Ofen zufammengefetzt wird, bieten fo grofse Schwierigkeiten der Erzeugung, dafs nur ausnahmsweife gerade Flächen, paffende Stofsfugen erzielt werden können. Sprechen wir aber gar nicht von den Heizgarnituren, von den elenden meffingverkleideten Thürchen, mit denen folche Oefen bei uns verfehen werden! Alles fchlecht, unfolid und gar nicht zweckentfprechend. Jedermann klagt hierüber, die Abhilfe wäre fo leicht, aber niemand denkt ernftlich daranzugehen. Der norddeutſche Kachelofen ift hierin dem befprochenen Begufsofen weit voraus. Während letzterer aus einer mehr oder minder feuerfeften aber mifsfärbigen Maffe geformt, getrocknet und dann mit einer hellen, weifsen Thonmaffe engobirt, und hierauf erft mit einer Bleiglafur überzogen wird, ift die Fabrication der Kacheln bei erfterem viel fubtiler. Nach dem Ausformen aus gut gefchlämmtem, aber nicht feuerfeftem Materiale, einem an kohlenfaurem Kalk reichen Thon, wird die Kachel gebrannt und allerfeits meift auf Schleifmafchinen abgefchliffen. Nun erft erfolgt der Ueberzug mit der Schmelzfarbe, einem weifsen zinn- und bleihältigen Email. Die Accurateffe, mit der beim Zufammenfchleifen und Setzen der Kacheln verfahren wird, ift geradezu eine erftaunliche. Im Allgemeinen find die Formen und die Ornamentik der norddeutſchen Oefen beffer als die der unferen, oft ift der Stil derfelben ein edler, faft antikifirender, immer aber leiden diefelben an einer Trocken- und Nüchternheit, die damit noch nicht behoben ift, wenn hie und da ein farbiges Friesband die monoton weifse Ofenfläche durchzieht. Auch das Ornament, welches feltener und dann höchftens weifs glafirt, meift aber mit einer erdigen, gelblichen oder bräunlichen Wachsfarbe überzogen wird, trägt nur wenig zu einem erfreulicheren Anblick bei, den man nur an einigen fogenannten Kaminöfen, einer gelungenen Verfchmelzung des Ofens mit einem mehr oder minder reich gezierten Kaminftücke, zu geniefsen vermag. Die Heizgarnituren find meift aus Gufseifen, gut in der Form und dauerhaft. Sieht man von den ganz ordinären, braunen oder gefprenkelten fogenannten Porphyröfen ab, fo fpielt im ganzen Grofsen die Farbe noch eine zu feltene Rolle in der Erzeugung guter, feiner Oefen. Nur durch deren Anwendung im Vereine mit einem motivirten architektonifchen Aufbau ift wahrhaft Gutes zu produciren. Freilich wird der ordinäre Ofen vorläufig hieraus keinen Nutzen zu ziehen vermögen, aber durch die Veredlung der ganzen Stilrichtung in der Ofenfabrication, welche, wenn auch nicht unbedingter Weife, fo doch am natürlichften und 3* 36 Dr. Emil Teirich. einfachften von der feinen Waare ausgehen muſs, wird auch das billige Product gewinnen. Im Allgemeinen kann für Oefterreich nur die Einführung des norddeutfchen und fo recht eigentlich nationalen Kachelofens in verbefferter Form aufs Wärmfte empfohlen werden. Sehen wir rafch durch, was Oefterreich zur Ausftellung brachte. Da war einmal vor allen Anderen De Cente in Wiener- Neuftadt, der einen grofsen Raum der Rotunde mit den verfchiedenartigften, weifsen, faft durchgehends Emailöfen gefüllt hatte. Das Email felbft ift ftets riffig, die Oefen zumeift nach dem in Oefterreich üblichen, fogenannten fchwedifchen Syftem conftruirt. Wie wenige der Formen find darunter gelungen; was nützt da ein von Hanfen's Schülern gezeichneter, mit einigem antiken Zierath aufgeputzter Ofen, wenn die ganze Richtung durch all' die anderen Ausftellungsobjecte fcharf genug charakterifirt wird. Viele unferer Induftriellen fcheinen überhaupt zu glauben, und diefer Anfchauung begegnen wir öfter, fich ein Verdienft um Hebung des Gefchmackes zu erwerben und Anerkennung zu verdienen, wenn fie ab und zu nach Skizzen eines hervorragenden Künftlers ein einziges Object, etwa zum Zwecke einer Weltausftellung, arbeiten und zu enormen Preifen verkaufen. Damit ift nichts, oder nur wenig gefchehen. Wird nicht die ganze Richtung der Fabrication veredelt, fo dafs ein richtiges Gefühl jeden Arbeiter durchdringt und eine Garantie für die ftilvolle Ausführung jedes Details im letzten Gehilfen gefunden wird, fo find derlei fporadifche Verfuche nichts als Kunftftücke ohne weiter greifenden Einfluss. Auch De Cente könnte Befferes in künftlerifcher Richtung leiften, um fo mehr, als er ja doch wenigftens die gröfsten Schwierigkeiten der Technik recht gut und feit Langem fchon überwunden hat. Sein grofses Gefchäft, fein bedeutendes Abfatzgebiet und die Würdigung feiner langjährigen Bemühungen um die Ofenfabrication in Oefterreich hat uns veranlafst, ihn als erfte und hervorragendfte Firma zu nennen, während eigentlich die Ofenfabrik von W. J. Sommerfchuh in Prag die erfreulichfte Leiftung auf diefem Gebiete aufzuweifen hatte. Sommerfchuh's Verdienft liegt in der wirklich gelungenen und ziemlich vollendeten Fabrication von Email- Kachelöfen nach norddeutfchem Mufter, fein Kaminofen mit grauer Decoration, fowie auch fein Kamin waren recht gute Erzeugniffe, mit denen fich in Oefterreich kein anderes meffen kann. Was die zwei faft lebensgrofsen orientalifchen Geftalten eigentlich unter den Oefen woll. ten, wurde uns nicht klar, da wir Herrn Sommerfchuh die Gefchmacklofigkeit nicht zutrauen, etwa Kamine damit zieren zu wollen. Freilich als fchwierige Stücke der Fabrication verdienten fie alle Beachtung. In eine Kritik des Emails, in einen Vergleich desfelben mit den Erzeugniffen von Seidl in Dresden etwa einzugehen, können wir uns erfparen, bis alle Schwierigkeiten zur Vermeidung der Kühlriffe von der Fabrik werden überwunden fein. In färbigen Oefen, und nur folche hat er ausgeftellt, leiftet Bernhard Erndt in Wien entfchieden Gutes. Sein grofser brauner Ofen mit färbigem, buntem Ornament, im Renaiffanceftil componirt, liefs wenig zu wünſchen übrig. Er war uns von der Parifer Ausftellung her wohlbekannt und hätten wir nur fehr gewünſcht, Erndt hätte uns eine neuere Leiftung vorgeführt. Aehnlich gut waren die anderen Erzeugniffe feines Etabliffements, dem Wien die einzig brauchbaren bunten Oefen verdankt. Unbegreiflich ift es daher, dafs fich der Gefchmack feines verdienftvollen Leiters bis zu jenem orientalifchen(?) mit Oelfarben grell bemalten Ofen verirren konnte, der das hübfche Enfemble feiner Ausftellung geradezu verunzierte. Nicht diefelben Erfolge hat in der Emailglafur- Technik der Namensvetter des Erfteren, Franz Erndt, aufzuweifen. Mit folcher Gefchmacklofigkeit, gepaart mit technifcher Unvollkommenheit, war es immerhin gewagt, eine Ausstellung zu Die Thonwaaren- Induftrie. 37 befchicken. Ein fürchterlich modellirter, mit Gold zur Hälfte überzogener weifser Barockofen und ein grauer und blauer Majolica- Ofen waren Zeugen einer verfehlten Fabrication. J. Ginzelmayer in Wien arbeitet gute, weifse, currente Waare althergebrachter Art und brachte auch mehrere Kamine in roher Terracotta, die nicht fchlecht in Zeichnung und Modellirung gehalten waren. Auch die Erzeugniffe der Ofenfabrik von H. Jelinek in Pilfen, durchwegs currente, weifse Waare in allen Gröfsen, allerdings von der bekannten landläufigen Form, aber recht verdienftlich gearbeitet, zeugten von gemachten Fortfchritten, was man, wenigftens nicht in gleichem Mafse, von der relativ grofsen zweiten Ofenfabrik des E. Dubsky in Wittenau fagen kann. Wie fchlecht waren da doch die Kamine ausgeführt, deren rother Thonfcherben durch einen liniendicken Anftrich von häfslicher Farbe gedeckt waren. Hier thäte etwas mehr Modellirkunft und eine gebildetere Gefchmacksrichtung dringend noth: C. Mayer in Blansko, Gebrüder Schütz in Olomoucan, Schadler in Linz, A. Sa maffa in Laibach bekundeten mehr oder minder das Streben nach Befferem, vervollkommnen aber doch nur fehr langfam ihr Verfahren und kleben zu fehr an den mehrfach gerügten Formen, von denen fich die Bialaer Ofenfabrik des Görg v. Kupke zu emancipiren fucht, indem fie den Berliner Kachelofen imitirt. Zwar find es fogenannte Begufskacheln, die fie herftellt, voll von Haarriffen, nicht genau couleurt und auch nicht präcife genug gefchliffen und gefetzt, aber immerhin und namentlich unter den fchwierigen Verhältniffen einer Fabrication in Bielitz dürfen wir folchen Beftrebungen unfere Anerkennung nicht verfagen. Wenn nur auch in dem rohen Thonwaaren- Ornament mehr Feinheit der Modellirung erzielt worden wäre! Nicht in gleicher Weife gelungen waren endlich die Oefen von A. Kummerer in Eger, der in ähnlicher Richtung arbeitet. Hier find wohl noch viele techniſche Schwierigkeiten zu überwinden, ehe an eine ernfthafte Erzeugung gedacht werden kann. Beffer war ein ausgeftellter weifser, ovaler Ofen und KachelSparherd. S. Andrik in Tamásfalva und A. Kerekes illuftriren mit ihren ausgeftellten Porphyröfen die Leiftungen einer, wir möchten faft fagen, ungarifchen Hausinduftrie und fallen eigentlich den andern Ausftellern gegenüber aufserBetracht. Was von neuen Ofenconftructionen zu fehen war, dürfte kaum viel Verbreitung finden und zur Nachahmung empfohlen werden, obwohl wir die Beftrebungen, Befferes in diefer Richtung zu leiften, gerne anerkennen und würdigen wollen. Nennen wir daher Chowanietz in Friedek und J. Kugler in Klofterneuburg, von denen der Erftere fich bemühte, einen Füllofen für Holz zu conftruiren, während der Zweite den Mängeln einer zu langfamen und ungleichförmigen Erwärmung durch feine Ventilationsöfen abzuhelfen fuchte. Ueberblicken wir noch einmal die Reihe der Ausftellungsobjecte unferer Ofenfabrikanten, fo werden wir das eingangs Gefagte beftätigt finden und mit dem Wunfche fchliefsen, es möge bald ein neuer Geift diefe intereffante, wichtige und lucrative Induftrie durchziehen. Reiche Früchte könnte hier übrigens die Kunftanftalt des öfterreichifchen Mufeums tragen, wenn fie es unternehmen würde, die Ofenfabrication ebenfo zu unterſtützen, wie fie es unternahm, die Thonwaaren- Induftrie Znaims( Mähren) durch gute Vorbilder wieder zu beleben. Diefe Induftrie, feit Langem bereits als Hausinduftrie in jener Gegend eingebürgert, begünftigt durch treffliche, weiſse Thonlager, von denen die der Herrfchaft Brenditz die bekannteften und reinften find, fand durch das Mufeum die kräftigfte Unterſtützung und nur diefer vermögen wir es zuzufchreiben, dafs die beiden Ausfteller, F. Slowak und A. Klammerth, angelehnt an die guten, der Sammlung des öfterreichifchen Mufeums entnommenen Mufter von alter Delfter und franzöfifcher Waare, wirklich beffere Bahnen eingefchlagen haben. 38 Dr. Emil Teirich. Namentlich der zweite Ausfteller, fchon bekannt feit der letzten Mufealausftellung in Wien vor zwei Jahren, gibt fich mit Erfolg viel Mühe, Fabrication und künftlerifche Ausftattung der Waare zu heben. Manches ift darin erreicht. Slowak und Klammerth ftellten Krüge, Flafchen, Teller, Vafen, Fruchtfchalen u. dergl. theils für den directen Gebrauch, theils zu decorativen Zwecken aus, für welch' letztere die Ausführung, namentlich die Malerei doch noch allzu wenig durchgebildet ift. Meift decoriren beide blau auf weifs. Die Glafur ift gelblichweifs, von einem angenehm warmen Farbenton. Läfst das öfterreichifche Muſeum diefe Induftrie nicht aus dem Auge und verfchliefsen fich nicht die Fabrikanten, wie es mitunter den Anfchein hat, der Erkenntnifs der Mängel, die unleugbar ihrem noch zu rohen Fabricate ankleben, fo kann mit den jetzigen Anfängen in Znaim für dauernde Zeiten der Keim zu einem grofsen, in jeder Richtung bedeutenden keramifchen Diftrict gelegt fein. Gefchirre für den Hausgebrauch werden in Znaim in bedeutenden Mengen, mit einer eigenthümlich dunkelbraunen Glafur, die meift fchwarz decorirt ift, und von befonderer Güte hergeftellt. Der fchon genannte Klammerth, dann Franz Jordan, J. F. Slowak, L. Lauer und C. Moeft ftellten von der genannten Waare mitunter recht gelungene Stücke aus, von denen die aus letzterer Fabrik gelbliche Glafur mit braunrother Streifung oder fonftiger Deffinirung trugen. Die mährifche Thonwaaren- Fabrication wurde endlich noch durch die Gebrüder Schütz in Olomoucan vertreten, die recht gutes Steingut aus den trefflichen Flöhauer und Liboyer Thonen erzeugen und auch Proben von letzteren ausftellten. Ein geeigneteres Materiale zu folchen Zwecken kann kaum gedacht werden. Das Streben der Aussteller, diefe Thone durch gute Verarbeitung zu verwerthen, mufs anerkannt werden. Die farbige Decoration ihrer Gefchirre, vom äfthetifchen Gefichtspunkte mitunter wenig lobenswerth, war aber techniſch intereffant. Graf Stadnitzky brachte endlich Hannagefchirre, von denen wir auch einige Mufter bei den Figurinen fanden, welche die mährifche Landescommiffion in den Nationaltrachten aufftellten. Diefe, fowie die fehr inter effante Collection der ungarifchen, flavonifchen und kroatifchen Töpferwaaren bildeten einen fehr inftructiven und anregenden Theil unferer Ausftellung. Vieles unter den bunt durcheinander gewürfelten Muftern war direct verwerthbar, Manches erinnerte in feiner Grundform an gute Ueberlieferung, an ftarres Fefthalten an hundertjährigen Formen. Hie und da find Spuren des orientalifchen Einfluffes entfchieden bemerkbar. Diefe Spuren find das Donauthal hinauf und im Stromgebiete der Save weiter zu verfolgen als im Gebirge. Es find diefs eben unverkennbare Refte der Invafion der Türken, Ueberbleibfel jener Zeit, wo fich vor den Mauern Wiens der Halbmond aufgepflanzt und Alt- Ofen der langdauernde Sitz des Pafchawefens war. Alle diefe Gefäfse zeugen von einem unverkennbaren Sinn für Farbe, und ihre Polychromie, nicht felten gut verftanden, ift trotz der fehr befchränkten Farbenpalette, die den bäuerlichen Keramikern zu Gebote fteht, in ihrer vielfachen Nuancirung eine äufserft bunte. Die böhmifche Steingut- Induftrie vertrat L.& C. Hardtmuth in Budweis in erfter Linie. Freilich können wir uns nicht verhehlen, dafs wir gerade von diefem bedeutenden Steingut- Gefchäfte eine erbaulichere Ausftellung gewünſcht und erwartet hätten. Das Meifte war ganz mittelmäfsige Handelswaare, weiſse, ordinäre Teller, Gefchirre für den Hausgebrauch mit landläufigen Decorationen durch Druck und Handmalerei. Auch einige Verfuche zu Weiterem waren nicht ganz geglückt und fo können wir uns beifpielsweife mit den chinefifchen Tellern auch nicht einverftanden erklären. Nichts deftoweniger hat die Fabrik Hardtmuth's, die auch in anderen Induftrien Bedeutendes bekanntlich liefert, eine nicht zu unterfchätzende Bedeutung Die Thonwaaren- Induftrie. 39 und erweitert den Kreis ihrer Thätigkeit feit jüngfter Zeit durch die Einführung der Ofenfabrication. Nur wenig war die öfterreichifche und fpeciell die böhmifche Fayence aus ihrem Verfteck hinter den böhmifchen Wäldern herausgetreten und doch find dort bedeutende Etabliffements, wie das von F. Nowotny und Anderen in voller Thätigkeit nicht nur für den inländifchen Markt, fondern auch für den Export, namentlich nach Rufsland und dem Orient. Die bekannte und mit Recht fehr beliebte Carlsbader Waare, innen weifs, aufsen dunkelbraun, glafirte Krüge, Schalen und Schüffeln, brachte Vincenz Kraus. Gar fehr contraftirte diefe Ausftellung mit jener der lebhaft kupfergrün glafirten ordinären Waare Oberöfterreichs, die von Fötinger in Gmunden herrührt, aber gar nicht ſchlecht gearbeitet ift. Ueberhaupt regt fich in dem kleinen Seeftädtchen, dem Schlüffel unferes herrlichen Salzkammergutes, ein Kunftleben en miniature, das fich als Hausinduftrie in den verfchiedenften Zweigen des Kunſtgewerbes zeigte. Franz Schleifs in Gmunden brachte eine Art Bauernmajolica, blau, grün und braun- violett, nach Art der holländifchen Delfter Waare, roh gemalte Krüge und Schüffeln, die freilich hinfichtlich Glafur und Auftrag noch Vieles zu wünſchen übrig liefs, die aber den Grund bilden könnte zu einer befferen Erzeugung. Leider fcheint der Ausfteller, feinen Preifen nach zu urtheilen, fchon der Anficht zu fein, bereits jetzt wenn auch nur befcheidenen äfthetiſchen Anfprüchen genügt zu haben, und ift diefs der Fall, dann wäre ihm freilich fchwer mehr auf die rechte Bahn zu helfen. Eine intereffante, für Oefterreich bedeutende Induftrie ift jene des nördlichen Böhmens in der Umgebung von Teplitz bis gegen Bodenbach, wo die Thone von Hohenftein, Prefchen und Parchen zu der bekannten Siderolithwaare ausgebeutet werden. Unterſtützt durch die äufserft billige Duxer Kohle und reichliche, billige Frauenarbeit, kann eben dort eine Billigkeit des Fabricates erzielt werden, die unter den jetzigen Verhältniffen Wunder nimmt. Thon von Prefchen ftellte F. Fifcher aus. Diefes fchöne Materiale ift in Wagenladungen von 200 Zollcentnern zum Preife von 35, 45 und 80 fl., je nach Qualität zu beziehen. Schöner Quarz in Stücken von 60 bis 70 fl. ab Station Auffig a. d. Elbe. Die Fabrication, meift fehr primitiver Art, mit wenigen Hilfsmitteln verfehen, liefert theils glafirte Thonwaare, theils aber, und wohl zumeift folche, die mit einem Bernftein- und Kopallack überzogen find, der als Bindemittel für alle denkbaren Farben gilt. Die Einfachheit und Leichtigkeit des Proceffes, der an und für fich der Phantafie gar keine Grenzen fetzt, unterftützt hier aber auch ein Ueberwuchern derfelben, eine Stillofigkeit und forglofe Compofition, wie fie in keinem keramifchen Induftriezweige zu finden ift. Wie mafsvoll, wie edel find in diefer Richtung die dänifchen Fabricate ähnlicher Art! Meift erzeugen Oefterreichs Fabriken naturaliftifche, nicht felten wie an manchen Stücken von E. Eichler in Dux, gut modellirte figurale Gegenftände; Tintenzeuge, Cigarrenhälter, Afchenfchalen, Vafen, Blumengefchirre etc. find Erzeugniffe, die zu Taufenden in allen Fabriken hergeftellt werden, wobei jede irgend eine Specialität verfolgt. So hat W. Schiller& Sohn in Obergrund, eine der bedeutendften diefer Firmen bei Bodenbach, fich ganz dem orientalifchen Gefchmack ergeben und lackirt nun munter die chinefifchen und japanefifchen Waaren mehr oder minder vom Originale abweichend und der Fantafie freies Spiel laffend. Gerbing's Witwe, ebendafelbft das ältefte Gefchäft diefer Art, hat nicht ausgeftellt, ebenfo fehlen uns einige Fabriken Auffigs und die von Parchen, dagegen bringt die fchon genannte Firma Eichler gute Stücke mit grüner antikifirender Bronce gefchmückt und fchlug nur feine ganze Ausftellung durch ein fchreckliches Mittelftück, einen erbärmlich modellirten Blumenftänder, der, fürch terlicher Gefchmack! mit der weifseften Silberbronce einfärbig gedeckt war. Selbft 40 Dr. Emil Teirich. wenn man die Abficht hatte, diefe neue„ Farbe", welche eigentlich aus Lack und gepulvertem Glimmer befteht, vorzuführen, hätte diefs. doch etwas paffender gefchehen können. Conrath& Hauptmann in Teplitz, eine der jüngeren Firmen, haben hie und da ein nicht fchlecht nach antiken Modellen geformtes Vafenpaar gebracht, meift grün oder kaffeebraun broncirt oder glänzend und mattfchwarz decorirt. A. Tfchinkel in Eichwald, deffen gelbglafirtes, mit Gold reich ausgeftattetes Siderolithgefchirr die fchlimmfte Form und Modellirung zeigte, ftellte nichtsdeftoweniger damit einen Typus der Erzeugniffe der ganzen öfterreichifchen Siderolithfabrication aus. Auch hier rufen wir den Einflufs und die Thätigkeit des öfterreichifchen Muſeums an, dem hier wohl der befte und weitefte Spielraum zu deren Entfaltung gelaffen wäre. Hoffen wir, dafs durch die Gründung eines Lehrcurfes für Keramik, die jetzt eben im Zuge ift, vor Allem diefer Induftrie aufgeholfen wird, die ihres bedeutenden Exportes nach Holland, dem Orient und vorzüglich nach Amerika für Böhmen von befonderer Wichtigkeit ift. In Ungarn, das fo unendlich reich an trefflichem Materiale ift, kann die Fayence- Induftrie keinen feften Fufs noch faffen. Die unerquicklichen focialen Verhältniffe, die dem Deutfchen Leben und Gefchäftsbetrieb erfchweren, regen zu keinem Anfange von diefer Seite an, und das ungarifche Volk ift derzeit noch zu wenig induftriell, die Arbeitskräfte zu wenig gefchult, als dafs fo rafch aus eigener Initiative Bedeutenderes, namentlich in einem Kunftgewerbe geleiftet werden dürfte. W. Zfolnay in Fünfkirchen ift entfchieden der einzige Fabrikant, der mit Verſtändnifs arbeitet und eine grofse Production zu leiten vermöchte, wenn nicht manche widrige Verhältniffe die Entwicklung des nicht ungünftig gelegenen Etabliffements verhindern möchten. Recht gelungen waren deffen Imitationen ungarifcher nationaler Gefäfse, Krüge, Teller u. f. w. Dabei entwickelt Zfolnay eine gewiffe Vielfeitigkeit in feinen Erzeugniffen So brachte er eine Art verglühtes Gefchirr, meift zu decorativen Zwecken, auf dem fehr naturaliftifch gemalte eingebrannte Blumen und fonftige Pflanzen, wenn auch in wenig aufprechender Weife ausgeführt, zu fehen waren. Auch recht gelungene Proben von aufgedruckten Decors ftellte diefer fehr rührige Fabrikant aus, deffen Etabliffement wir das befte Gedeihen wünſchen. Eine Sammlung von fehr gutem ordinären Töpfer- und Steingut- Gefchirr fanden wir aus der Gegend von Klaufenburg in Siebenbürgen. J. Ladányi fowie F. Kálmán ftellten folche Gefchirre aus, Erfterer mit einer eigenthümlich blaugrünen, Letzterer mit blauer Glafur, zum Theile grofse Stücke. Eine ganz fpecielle Art von, wenigftens im Feuer faft unverwüftlichem, grobem Gefchirr bringt D. Lukács aus Nádudvár. Kannen, Krüge und Schüf feln von grofsen Dimenfionen aus einer dunkelfchwarzgrauen, ftark graphithältigen Thonmaffe, die etwas gefintert ift und ohne Glafur verwendet wird. Durch Poliren werden auf dem matten Grunde phantafievolle, mitunter ganz fchöne Ornamente und Schnörkel aufgetragen und erfcheinen fo im fchwachen Glanze auf der dunkelgrauen Fläche. Das Gefäfs ift fertig und wird für wenige Kreuzer verkauft. In folcher Weife wären die Beiſpiele aus der nationalen Induftrie der öfterreichifchen Länder leicht zu vermehren und ftets wäre Gelegenheit vorhanden nachzuweifen, wie in diefer ganzen Induftrie fich die uralten Motive und Formen fo ziemlich rein und intact erhalten haben. Die Anwendung der glafirten Thonwaare in der Architektur, die Imitation der alten Majolicatechnik Robbia's war allein in Oefterreich auf der Ausftellung anfchaulich gemacht. Die Wienerberger Ziegelfabriks- und Baugefellfchaft in Wien hat an ihrem grofsen Ausftellungsobjecte die mannigfaltige decorative Verwendbarkeit des glafirten Bauornamentes illuftrirt. Medaillons, Lefenenfüllun gen, Friefe, Capitäle und fonftige Gliederungen ihres Porticus zeigten diefe für Oefterreich ganz neue Technik, welche erft feit kaum drei Jahren in der gefell Die Thonwaaren- Induftrie. 41 fchaftlichen Thonwaaren- Fabrik zu Inzersdorf geübt wird. Die Anfertigung der Reliefmedaillons( Büften berühmter Künftler) für die Aufsendecoration des öfterreichiſchen Muſeums gab hiezu den erften Anlafs. Weiter fortgefchritten fahen wir fchon die Technik am Neubaue des chemifchen Laboratoriums der Univerfität in Wien und endlich trat die Fabrik auf unferer Weltausftellung mit einer überaus reichen, für die angeftrebten Zwecke mehr als ausreichenden Farbenpalette hervor, die fie namentlich an den Lefenenfüllungen, fowie an dem fchönen, vom Profeffor V. Teirich entworfenen Majolicabrunnen entfaltete. Jedenfalls wird es nothwendig werden, zur entſprechenden Ausnützung der Farben einige gut gefchulte Maler für den Auftrag zu acquiriren, der ftellenweife noch zu wünſchen übrig läfst. Dagegen contraftiren die Wiener Erzeugniffe in der vortheilhafteften Weife mit jenen anderer Länder hinfichtlich der geforderten Preife, die wirklich fo geftellt find, dafs die Architektur die vollfte und uneingefchränktefte Anwendung von diefer neuen, fchönen Technik zur Innen- und Aufsendecoration machen kann. Das Verdienft, den theoretifchen Theil des eben befprochenen Emailverfahrens bearbeitet zu haben, ja die eigentliche Urheberfchaft desfelben ift dem Chemiker F. Kofch zuzufchreiben, welcher für die Wienerberger Gefellſchaft durch die letzten Jahre hindurch ununterbrochen thätig war. Aufser den fchon befprochenen Emails ftellte Kofch noch eine weitere Palette aus, die wir an den beiden grofsen Medaillons am Porticus der Inzersdorfer Fabrik wieder finden. Die treffliche Arbeit Profeffor Laufberger's, von dem die Malerei auf den einzelnen Platten, welche die Medaillons zufammenfetzen, herrührt, ift leider bei der grofsen Höhe, in der diefelben angebracht find, viel zu wenig zu würdigen. Was die Emails felbft betrifft, fo laffen diefelben an Pracht der Farbenwirkung nichts zu wünſchen übrig. Sie bieten ferner den grofsen Vortheil eines leichten, einfachen Auftrages und eines gleichförmigen, fehr fchönen Einfchmelzens. Was Deutfchland in der Ofenfabrication leiftet und auf die Ausftellung fendete, ift, wenn nicht immer vorzüglich, fo doch zumeift gut. Ch. Seidel in Dresden dürfte ebenfofehr hinfichtlich der Güte des von ihm erzeugten Fabricates, als auch, was deffen künftlerifche Formgebung anbelangt, wohl an der Spitze der deutfchen Fabrication ftehen. Sein Email auf den Kacheln ift in Schmelz und Luftre tadellos, rein gefloffen und dünn im Auftrag. Die Setzarbeit war von erftaunlicher Präcifion, die Farbe der einzelnen Kacheln abfolut gleichwerthig. Mehrere weifse Oefen, an denen die Decoration theilweife durch das Druckverfahren hergeftellt wurde, ein grauer Kaminofen im italienifchen Renaiffanceftil, wie wir ihn ähnlich im Gebäude unferes Ingenieurund Architektenvereins finden, ein brauner, mit blauen und gelben Blumen decorirter Zimmerofen und endlich jener im Rococoftil gehaltene feladongrüne Majolicaofen waren hervorragende, fehr bemerkenswerthe Leiftungen. Die feit kaum zehn Jahren beftehende Fabrik hat fich ein bedeutendes Renommée erworben, und namentlich durch Einführung des farbigen Emails in die moderne Ofenfabrication fich bedeutenden und wohlverdienten Ruf erworben. und Ihr zunächft fteht wohl, was Formgebung anbelangt, die Meifsner OfenChamotte waaren- Fabrik, beffer bekannt unter dem Namen Teichert, ein faft ebenfo altes Ofengefchäft, welches uns weifs glafirte Oefen mit Steinzeug- Glafur fandte, in denen das Streben bekundet wird, aus dem Rahmen des nüchternen norddeutſchen Ofenftiles in eine gefündere und freiere Richtung einzutreten. Freilich können wir die Verhältniffe des einen Ofens mit den beiden offenbar viel zu kräftig gehaltenen Karyatiden nicht loben, dafür war aber gerade an diefem Stück die weifse Farbe fehr gelungen. Teichert's Begufsöfen waren leider theilweife ftark haarriffig und techniſch daher als weniger gut gelungen anzufehen. Schöne Emailglafur gab die Thonwaaren- Fabrik der Magdeburger Bau und Creditbank ihren Kacheln, Flufs und Auftrag fowie Glanz waren vorzüglich. Auch diefes Gefchäft, vormals O. Duvigneau, hat, gleich fo vielen 42 Dr. Emil Teirich. Anderen, die jüngfte Gründungszeit in eine Actiengeſellſchaft verwandelt, und nicht immer zum Beften der künftlerifchen Seite der Production, die nicht nur in diefem Induſtriezweige, fondern noch weit mehr in manchem anderen gelegentlich folcher Umwandlungen, Rückfchritte machte. Aehnliches fanden wir zudem an einem erfchrecklich gelb und fchwarz decorirten Ofen von Lübke& Hornemann, die fonft, was SchmelzkachelFabrication anlangt, wahrhaftig Gutes geleiftet haben. Hier wie fo oft fchadet die elende Formgebung und die oft befprochene Gefchmacksrichtung, deren ausgefahrenes Geleife fo fchwer zu verlaffen fein mufs. Die Stettiner Ofenfabrik, vormals Keppler, erzeugt einen fchön weifsen Schmelz, der an den Kanten nur etwas zu ftark zufammenläuft. Hierin fteht die erftgenannte Magdeburger Fabrik wohl höher, doch war hier die Setzarbeit eine der Vollendetften unter allen ausgeftellten Arbeiten. Der ausgeftellt gewefene braune Kaminofen war technifch eine vorzügliche Leiftung, die der Fabrik manches Kopfzerbrechen gekoftet haben foll; ja felbft mit feinem künftlerifchen Aufbau könnte man fich eher einverstanden erklären als mit dem ihm zur linken Seite ftehenden, weifsen Kachelofen mit Zinnenbekrönung und den bunt gemalten Rittern. Solche Verbrechen am guten Gefchmack follten wohl nicht fo ungeftraft bleiben können. Die Oefen von Villeroy& Boch in Dresden find aus engobirter, feuerfefter Maffe mit Steinzeug- Glafur hergeftellt und höchft verdienftliche fchöne Fabricate diefes überhaupt hochftehenden Etabliffements, das nunmehr nach etwa 20jährigem Beftande, in jeder Hinsicht Treffliches brachte. Eine Suite von recht gut und einfach decorirten Wandbelags- Platten aus demfelben Materiale wie die Ofenkacheln ift fehr hübfch ausgelegt. Ein hervorragendes Product derfelben Firma find Fufsboden- Platten, deren wir anderen Ortes gedenken. Schroeder in Potsdam arbeitet eine gute Glafur und ift im Setzen von befonderer Präcifion. Weit mehr als den in der Farbe arg vergriffenen Majolicaofen, deffen erftes beffer ausgefallenes Exemplar, ein Gefchenk des Landrathes Friedenthal an den Kronprinzen von Preufsen, wir im Kronprinzen- Palais zu Berlin zu fehen Gelegenheit hatten, konnten wir von der Fabrik zu Tfchaufchwitz erwarten, deren Emailöfen ganz gute, ja befte Mittelwaare abgeben. Der erwähnte Ofen gab keinen allzugünftigen Begriff von den Fortfchritten, welche diefes Etabliffement in letzter Zeit, feit es Actiengeſellſchaft wurde, machte. Erwähnen wir nur flüchtig noch der Oefen von Seiller in Baireuth, deren Kacheln etwas ungleich in der Farbe find, dann jener weniger guten, mit matter und zu dick aufgetragener Glafur von J. F. Schmidt in Weimar und der befferen von Fr. W. Schmidt in Nürnberg. Schmidt in München, eine bedeutende Ofenfabrik, hatte einen ganz verunglückten, fchlecht blau glafirten und durch die kalte Verfilberung vollends ungeniessbar gemachten Ofen im Zopfftile ausgeftellt, der Steinmetz's Zimmerdecoration in der Rotunde ruinirte. Viel gelungener waren die Nachahmungen altdeutfcher Oefen, welche von den Firmen aus Nürnberg gefandt wurden. Fleifchmann ftellte zwei bunt decorirte, altdeutfche Kachelöfen aus, verdienftlich nach alten Muftern copirt, mit reicher figuraler Plaftik und Architektur. Die Fabrik geniefst ihrer Specialität in Nachbildung archäologisch intereffanter Gegenftände wegen, ein gewiffes Renommé. Fleiſchmann hatte auch anderen Ortes in mehreren Ausführungen Töpferarbeiten nach Hirfchvogel und anderen alten deutfchen Meiftern, meift Krüge, darunter die fogenannten„ Apoftelkrüge", und dergl. mit Glück imitirt und ausgeftellt. Lunz brachte einen recht gut modellirten, altdeutfchen, grün glafirten Kachelofen, ebenfo Schmidt aus Nürnberg. Auch diefe Beiden arbeiten wefentlich nach alten Vorbildern und imitiren meift Oefen der alten Nürnberger und Augsburger Meifter. Die Thonwaaren- Induftrie. 43 Im grofsen Ganzen gewährte die Ofenfabrication Deutfchlands ein fehr befriedigendes Bild und die Beruhigung, dafs ernftlich Gutes angeftrebt wird. Dabei freilich mufs nie vergeffen werden, die künftlerifche Auffaffung zu beffern, und darf die fchöne Form nicht über der Technik vernachläffigt fein. Sehr lobenswerth war faft durchgängig die Arbeit des Setzens ausgeführt, ein heikles und gefchulte Arbeitskräfte vorausfetzendes Gefchäft. Was endlich gleichfalls die deutfchen Oefen vornehmlich von jenen Oefterreichs auszeichnet, das ift deren gut gearbeiteter Feuerungsapparat, die gut fchliefs baren, foliden, meift gufseifernen Thüren, Röfte u. f. w., welche mit unferen elenden und leicht verbrennbaren Meffing- Ofenthürchen gar nicht an Schönheit und Dauerhaftigkeit in Vergleich zu ziehen find. So fahen wir beispielsweife Oefen und Ofenbeftandtheile von dem königlich württemberg'fchen Hüttenwerke Wafferalfingen, der Graf StollbergWernigerod'fchen Factorei zu Ilfenburg, der Königshütte zu Lauterberg am Harz und manchen anderen renommirten Eifenwerken nach guten Modellen. in höchft präcifer Weife und zu billigen Preifen ausgeftellt. Die deutfche Fayence- Induſtrie hatte fich durch mehrere, und zwar der bedeutendften Fabrikanten vertreten laffen, ohne wirklich Hervorragendes gebracht zu haben. Die Billigkeit der Waare ift allerdings erftaunlich, die Einführung des Druckverfahrens als Decorationsmittel hat den Schmuck, felbft der ordinären Waaren, wefentlich reicher gemacht, ift aber zu einer gefährlichen Waffe gegen den guten Gefchmack in den Händen des Fabrikanten geworden. Villeroy& Boch in Dresden und Mettlach lieferten hierin noch das Befte; die Fayencemaffe ift gut, die Formen beffer als bei Anderen und namentlich das lithographifche Druckverfahren, welches das Aufdrücken matter Flächen fo leicht zuläfst, wird in ausgedehntefter Weife und doch meift mafsvoll verwendet. Eine Neuigkeit ift Boch's antike Bronce, die er auf der Steingut- Maffe einbrennt, und mit welcher recht fchöne Erfolge zu erzielen find. Auch in weichem englifchen Porzellan arbeitet, wenn auch nur nebenher, diefe in der vielfeitigften Richtung thätige Firma. Villeroy& Boch find derzeit entfchieden die gröfsten ThonwaarenProducenten Deutfchlands. Der jährliche Werth ihrer Erzeugniffe beläuft sich in den vereinigten Fabriken zu Wallerfangen, Mettlach, Septfontaine und Dresden auf beinahe 21 Millionen Gulden jährlich. Hauptfächlich find es Steingut- Service und die berühmten Mettlacher Platten, in denen der Schwerpunkt des Gefchäftes liegt. Wir hatten eben bereits Gelegenheit, die Dresdener Ofenfabricate diefer Firma anerkennend zu erwähnen und müffen bei der Befprechung der Platten und Steinzeug- Induftrie nochmals auf deren hervorragende Leiftungen zurückkommen. Vollkommene mechanifche Einrichtungen, vorzüglich gefchultes Arbeiterperfonale und eine tüchtige Leitung find diefem ausgedehnten Gefchäfte eigen, deffen Kundenkreis fich nicht auf Deutfchland allein befchränkt. Im Gegentheile, Boch's Fabricate find im Auslande vielfach beliebt und bekannt. Die ausnehmend guten Leiftungen diefer Firma wurden auch durch Zuerkennung eines Ehrendiploms gewürdigt. F. A. Mehlem in Bonn brachte feine bekannten, viel verbreiteten Wafchgarnituren und Blumentöpfe, Beides mitunter herzlich gefchmacklos, zumeift auf chromolithographifchem Wege decorirt. Zwei grofse, weifse Vafen gehörten zu den fchönften Ausführungen der Fabrik. Faft wäre man, wie bei manchem anderen Fabrikanten, verfucht zu glauben, fowie bei gewiffen Büchern fei auch hier das Weifse das Befte. Vorftehender Tadel der künftlerifchen Seite der Erzeugniffe diefer bekannten Firma trifft mehr oder minder alle deutfchen Ausfteller von Fayencen. Selten nur hatte man das Glück, auf eine auch nur annähernd ftilgerechte Decoration zu ftofsen. Meift herrfcht fowohl in der Gefäfsform als namentlich in der farbigen. Decoration ein ganz wüftes Durcheinander vor, dem die Leitung durch Künftler 44 Dr. Emil Teirich. hand völlig mangelt. Hinfichtlich der Fabrication fteht die Bonner Fabrik mit auf der erften Stufe und reiht in die beftgeleiteten, fehr gut eingerichteten Etabliffements Deutſchlands. Die deutfche Fayence- Induftrie arbeitet vielfach für den Export, manchmal in eigenthümlichen Specialitäten, wie diefs z. B. die Steingut Fabrik Damm in Afchaffenburg thut, deren Befitzer( Marzell) ungeheure Mengen von türkifchen Kaffeefchalen zu Spottpreifen, in bunten Farben glafirt, nach dem Oriente liefert. Eine weitere Specialtät der Steingut- fowie Porzellanfabrication Deutfchlands ift die Erzeugung von Zifferblättern für die Uhreninduftrie der halben Welt, befonders aber für Baden. Uechtritz& Faift aus Schramberg in Württemberg brachten hievon eine Probe. Schlimmeres in Form und Zeichnung ist nicht zu denken. Hierin ift noch abfolut kein Fortfchritt zu erkennen und doch wäre mit einem Dutzend guter Zeichnungen der ganzen Induftrie geholfen. Einige der grün glafirten Steingut- Service derfelben Fabrik, meift höchft naturaliftifch in der Form, find übrigens ganz gut gerathen. Auch diefe letztere Fabrication wird als Specialität behandelt und im Grofsen getrieben. Die Preife diefer Fabricate find faft durchgehends billige, die Maffe meift fehr gut und dicht, fogenanntes Halbporzellan. B. Schaible& Comp. in Zell am Harmersbach brachten weifse, anfpruchslofe Fayencen aus ihrer erft kürzlich errichteten Fabrik, grün und gelb decorirt, von untergeordneter Bedeutung. Von ordinär glafirten Töpferwaaren nationalen Urfprunges hatte Deutfchland Weniges und nur Lückenhaftes gefandt. Wie dankbar wäre doch die Aufgabe gewefen, aus den deutfchen Gauen die fo höchft verfchiedenen und hochintereffanten Typen der landläufigen Thonwaaren- Induftrie zufammenzutragen, in der fich fo manche Eigenthümlichkeit des Volkslebens fpiegelt, die oft fo innig mit Brauch und Sitte des Landbewohners im Zufammenhange fteht. Fleifchmann's Kunftanstalt plaftifcher Gegenstände hatte nur wenige, aber theilweife recht gute Nachbildungen altdeutfcher Gefäfse aus der Blüthezeit der Nürnberger Töpferkunft ausgelegt. Beffer als die fklavifche Imitation diefer, in vieler Hinficht etwas roh behandelten Gefäfse, hätte uns ein Durchbilden der alten Formen, ein Zugrundelegen derfelben für moderne Schöpfungen gefallen. Fleifchmann's Streben bleibt nichtsdeftoweniger ein Verdienftliches, und wäre es noch weit mehr, wenn die Wahl der ängftlich nachgebildeten Originale eine forgfältigere wäre. F. Müller aus Kamenz( Sachfen) machte uns mit den dort gebräuchlichen, braunen Kochgefchirren und Milchgefäfsen bekannt. W. Lampé& Comp. in Mecklenburg- Schwerin brachten neben befferer Steingut- Waare auch Gegenftände des fpeciellen Hausgebrauchs der Gegend. H. Wiek in Marburg( HeffenNaffau) ftellte eine fehr charakteriftifche ordinäre Thonwaare, rothbraun und grün glafirt aus, eine Art von Bauernmajolica. Auch die fchon genannten Uechtritz& Faift brachten eine ganze Reihe von ordinärfter Fayence für den Gebrauch der ländlichen Bevölkerung, zum Theil dem öfterreichifchen Gefchmacke Rechnung tragend. Hätte nicht eine gewiffe Neugierde und, faft möchten wir fagen, Pietät uns getrieben, zuerft Umfchau im engeren und weiteren Vaterlande zu halten, wir hätten Oefterreichs Induftrie und die Deutſchlands dem Range nach erft in dritter Linie zu betrachten gehabt. Vielleicht ift unfer Urtheil über die heimifche Induftrie aber günftiger aus. gefallen, weil wir Englands herrliche Leiftungen dabei noch nicht ganz nahe ins Auge fafsten, weil wir nur erft einen flüchtigen Blick auf die künftlerifch mitunter bedeutenden Arbeiten Frankreichs machten. Schon im äufseren Arrangement imponirt Englands Fayence- Induftrie im Verein mit deffen Porzellanausftellung im Induftriepalafte. Welche Fülle des Die Thonwaaren- Induſtrie. 45 reitzvollften Studienmateriales, das wir hier nur flüchtig betonen und leider nicht eingehender würdigen können. Welche Variationen in der Technik, welche Durchbildung der Formen! Doch beginnen wir mit dem Hervorragendften: Mintons in Stocke upon Trent( Staffordſhire) haben diefsmal mehr und Hervorragenderes ausgeftellt als je. In vieler Hinficht ist ihr Wiener Debut ein glänzendes geworden. Diefs gilt vor Allem hinfichtlich ihrer Fayencetechnik, in der fie unerreicht daftehen. Mintons haben durchaus keine fogenannte currente Waare gebracht, ja fie erzeugen eine folche eigentlich gar nicht. Stets geht ihr Streben dahin, die künftlerifche Decoration in den Vordergrund zu ftellen und jedem Stück ihrer Fabrication den Stempel der Individualität aufzudrücken. Die Mannigfaltigkeit ihrer Technik, das Complicirte mancher Verfahrungsweifen erfchwert zudem in unglaublicher Weife die getreue Wiederholung einer und derfelben Waare. Wie rafch geht, wenigftens auf einige Zeit, nicht ein oder das andere Verfahren verloren. So konnte beifpielsweife gerade während der Weltausftellung keine Beftellung auf die fo fehr gefchätzte neue Plumcoloured- Waare aufgenommen werden, da die Fabrik momentan aufser Stande war, ähnliche Nuancen wie die ausgeftellten nochmals zu erzeugen. Die Proceffe und chemifchen Vorgänge in der keramifchen Induftrie find eben höchft fubtile, von taufendfältigen Zufälligkeiten beeinflufste Vorgänge, die fich in ihrer Wefenheit oft noch völlig einer fcharfen Controle durch die Theorie entziehen. Faft reizvoller, jedenfalls aber auch vom commerciellen Standpunkte bedeutender als die Porzellanausftellung war jene von Minton's Fayencen und Majoliken mit all' ihren weit veräfteten Genres, welche mehr oder minder vollkommen von dem Etabliffement geübt und verfucht werden. Der Körper der Minton'fchen Waare ift entweder weifs, vielfach fchwach gelblich gefärbt, oder, wie diefs bei vielen feiner Waaren der Fall, verwendet er durch die Maffe gefärbte Thone, mit denen er die fchönften Erfolge durch Combination erreicht. Wir erinnern an einige Stücke auf dunkel Siena bis chokoladebraunem, fehr dichtem Körper, fo an die trefflichen Teller von Moufille's Hand mit prächtig naturaliftifchen Blumen- und Vogelgruppen in brillanten, neuen Deckfarben keck fkizzirt und flüchtig, aber mit grofsem Effecte ausgeführt. Weniger gut gelungen find ihm die gröfseren, flach gehaltenen, langgeftreckten Gefäfse, die mit allzu grofsem Blattwerk in höchft unübersichtlicher Weife geziert find. Alle diefe Malereien find unter einer äufserft glänzenden Glafur aufgetragen, welche das Feuer derfelben ganz wefentlich erhöht. Schöne und bedeutend grofse Stücke find zwei modellirte Vafen, weifs, grau und gold decorirt von befter Wirkung. Ausgezeichnet und in techniſcher Hinficht befonders bemerkenswerth fanden wir zwei Blumentöpfe in derfelben braunen Maffe mit griechifchem Palmettenornament geziert, das mittelft eines durchaus neuen Umdruckproceffes decorirt wurde. In diefem Falle werden Stahlplatten gravirt und dienen zum Druck. Nur mit diefem Verfahren ift der gleichförmige und fatte Farbenauftrag möglich, der diefe Stücke charakterifirt. Die Details diefes Verfahrens, mit dem Minton diefsmal zuerft hervortrat, find noch Fabriksgeheimnifs. Im Uebrigen wendet Minton das in England übliche Umdruckverfahren von der Kupferplatte oder dem Stein recht häufig an. Was Minton's Ausftellung vor allen anderen auszeichnete und neben der ganz vorzüglichen Modellirung faft aller feiner Erzeugniffe diefen den höchften Reiz verlieh, das war die Pracht und Fülle feiner Farbenpalette, die er uns auf jeder Ausftellung reicher und vollkommener vorführt. Es bedarf eines eingehenden Studiums, die einzelnen Farbentypen, mit denen Minton vorzugsweife und zum Theile ganz allein arbeitet, genau kennen und würdigen zu lernen. Greifen wir darunter einige der auffallendeften heraus und übergehen wir dabe die vielen 46 Dr. Emil Teirich. Varianten der gewöhnlichen Farbenfcala, welche fich mehr oder minder bei allen englifchen Fabrikanten faft als typifch herausgebildet hat. Hier fallen vor Allem die perfifchblauen Gefäfse auf, mit denen Minton im Jahre 1871 gewiffermafsen zum erften Male den Markt betrat, obgleich zur felben Zeit auch andere englifche und franzöfifche Fabrikanten einem Verfahren nachftrebten, das fchon lange vorher eifrig gefucht und nicht gut gefunden wurde. Schon feit dem Alterthume ift Perfien der Sitz einer eigenthümlichen keramifchen Induftrie, welche fchon im Mittelalter für den Export arbeitete und ein Hauptlager ihrer Erzeugniffe auf der griechifchen Infel Rhodus hielt. Von hier aus gelangten die, meift auf einem eigenthümlich blauen Grund mit bunten Blumen reizend und ftilvoll gezierten Gefchirre in den abendländifchen Handel. Die Imitation folcher Waaren, angeregt durch die hohen Preife, welche Liebhaber dafür zu bewilligen geneigt waren, gelang anfänglich gar nicht und fcheiterte vorzüglich an der Zufammenfetzung der Grundmaffe, welche in einem eigenthümlich fandigen und etwas poröfen Thon befteht. Vornehmlich waren es die Franzofen, welche dem Perfifchblau aur die Fährte gelangten. Adalbert v. Beaumont und Colinot, fowie Gebrüder Deck in Paris arbeiteten mit Erfolg darin, und endlich kam das Geheimnifs nach England, wo es in wenigen Fabriken gekannt und als folches noch bewahrt wird. Minton hat heute in England das Perfifchblau in Mode gebracht und ganz vorzüglich reine Fabricate erzielt. Auf einer ganzen Reihe von Gefäfsen aller Art finden wir diefe fchöne Farbe angewendet und es ift nur zu bedauern, dafs es noch nicht gelungen, derfelben, welche auf dem eigens combinirten Thone fehr leicht flüffig und ziemlich dick aufgetragen wird, die üble Eigenfchaft des Abfpringens zu benehmen, an der zum grofsen Verdruffe der Fabrikanten auch die beiden zunächft zu nennenden Glafuren leiden. Minton's arbeiten, wie wir hören, eben jetzt an Befeitigung diefes Uebelftandes. Von grofsem Feuer waren die Proben einer gelben Glafurfarbe( Imperial chinefe yellow), welche vom Citronengelb durchs Goldige und in die Orangefarbe fpielt und meift an glatten Gefäfsformen, oft zeifiggrün geftreift, verwendet wird. So decorirte Gefäfse, deren Reiz eben nur in der befonderen Pracht der Farbe liegt, gleichen nicht felten gewiffen Kürbisarten, die wir ab und zu als Zier vor den Fenftern unferer Landbewohner finden. Von hohem Intereffe waren für den Coloriften die Gefäfse mit einem dunkeln Purpurblau überzogen, das einen kupferfarbigen Schein und fchwierige Zeichnung trägt. Es ift diefs das fchon Eingangs erwähnte Pflaumenblau( Plum colour), die dritte Novität Minton's. Die fo glafirten Gefäfse haben einen ganz eigenthümlichen Charakter des Unvollkommenen, Unfertigen, den einer, wir möchten fagen, naiven Technik, fie bezaubern aber durch das prächtige und faft räthfelhafte ihres farbigen Ueberzuges. Mehrere, meift kleinere Vafen diefer Art und fonftige Gegenftände finden fich unter der Ausstellung Mintons und fonft wohl nirgends, fie erinnern lebhaft an manche, jedoch feltene Sèvresftücke aus alter Zeit. Noch können wir es uns nicht verfagen, auf das prächtige, fchön abgeftimmte Maulbeerroth( mulberry purple), das Mazarinblau, das fogenannte Bleu de roi, und Cantonblau aufmerkfam zu machen, welche neben den mehr gebrochenen Farbentönen, dem Dovegrau, Unic violett, Pompadourroth, Pinc colour, Seladongrün, Perfifch türkis, Mayolicatürkis und wie fie alle heifsen mögen, theils als alt eingebürgerte Nuancen, theils als Modefarben Anwendung finden. Eine Reihe vorzüglicher Ausführungen fielen unter der Ausftellung Minton's fofort auf, fo zwei grofse Gartenvafen mit Widderköpfen, mit waffergrünem und blauem Grunde, zwei braune Vafen mit Weifs, Grau und Gold decorirt, dann jene Vafen von Störchen getragen und mit trefflich modellirten Puttengeftalten geziert. Viele Gartenftühle und dergl. wären hier noch zu nennen und hervorzuheben. Die Thonwaaren- Induftrie. 47 Auch diefsmal brachte das Etabliffement die fchon feit der Ausstellung 1871 her bekannten Sgraffiatoarbeiten, fo vier trefflich ausgeführte Teller auf ,, chocolate coloured body", der mit einer helleren, ja mit zwei Schichten anders gefärbter Thone überzogen ift. Im trockenen Zuftande wird durch Einritzen und mehr oder minder tiefes Herausnehmen mittelft eines Griffels nach Bedarf die eine oder andere Schichte entblöfst und deren Färbung wirkfam gemacht. Die ganze Zeichnung deckt hierauf die Glafur. So befcheiden die Mittel find, mit denen der Künftler hier nur zu arbeiten vermag, fo eigenthümlich und intereffant find die erzielten Effecte mit diefer Technik, die der italienifchen Renaiffancezeit entftammt und von der noch heut zu Tage, namentlich die nationalen Töpfer viele Anwendung zu einer allerdings meift ganz anfpruchslofen Gefäfsdecoration machen. Erinnern wir uns endlich noch an die fehr fchönen Service, namentlich Teller, dann aber auch einiger Nippes, zumeift in cream colrured- Waare ausgeführt, und von Coleman's gewandter Hand mit flüchtig und fkizzenhaft gezeichneten Genrebildchen und Thiergeftalten zierlich und reizvoll decorirt. Auch von der eigenthümlichen Imitation der Henri- deux- Waare, von der uns diefsmal Minton mehrere Stücke vorführte, fei hier noch Erwähnung gethan. Meift find diefe Gefäfse, welche eben nur als Curiofitäten gelten können und eigentlich mit zu den undankbarften Producten des Thonkünftlers zählen, gelblichweifs im Grund gehalten und darauf mit farbigen Thonen eine Art von Intarfiatur hergeftellt. Wir haben es hier mit einer feltenen und lange nicht geübten Technik zu thun, die fozufagen verloren gegangen war. Nur wenige alte Exemplare folcher Gefäfse zieren die Sammlungen unferer Amateurs. Die meiften Originale find im Baron Rothfchild'fchen Befitze in Paris. Das Ornament wird in den Grundton eingeprefst, die entstandenen Vertiefungen mit andersfarbiger Maffe gefüllt und fo fortgefahren. Durch Hinzufügen plaftifcher, meift fehr reizvoller und ftilgerechter Ornamente, figürlicher Darſtellungen und der durchfichtigen Glafur als Ueberzug werden diefe, meift im kleinen Mafsftabe nur ausgeführten Stücke zu wahren Bijoux der Keramik. Minton verfteht es vorzüglich, fich an diefe alte Technik anzulehnen, wenn er ihr auch nicht alle Effecte noch abgewinnt. Erft gegen Ende der Ausftellung completirte Minton feine Sammlung von Henry- deuxWaare durch das gröfste je erzeugte Stück diefer Art, durch ein Schild mit Umrahmung, beftimmt an die Wand gehangen zu werden und eine Uhr, fowie ein Aneroidbarometer zu tragen. Es ift diefe letzte Einfendung als ein Meifterftück in jeder Richtung zu bezeichnen. Jedenfalls zeugen diefe Imitationen von einer ungemein delicaten Hand des Anfertigers Charles Toft. Die Preife, welche hiefür jedoch gefordert werden, fcheinen uns aber trotz alledem enorm hoch gegriffen. Minton's Wandverkleidungs- Platten haben Weltruf und hätten, wäre nicht auch hier der fehr hohe Preis im Wege, eine allgemeinere Verwendung auch am Continente gefunden. Zum gröfsten Theile find Minton's Platten mit flachem Reliefornament verfehen und mit all' den reizenden Farben gefchmückt, die der Fabrik zu Gebote ftehen. Die gewählten Mufter wechfeln fehr und hat die Ausftellung diefsmal wieder mehrere neue Deffins gebracht und gezeigt, dafs namentlich der orientalifche Stil cultivirt wird. Nach wie vor ift der vorzügliche Keramiker Léon St. Arnoux der Director und die Seele des ganzen grofsartigen Gefchäftes, das feines Gleichen nirgends findet und in dem mit Recht von Jahr zu Jahr ein unverkennbarer Fortfchritt zu conftatiren ift. Der Firma wurde das Ehrendiplom von der Jury zuerkannt. Nächft Minton haben die englifchen Fabrikanten relativ viel zu wenig von glafirter Thonwaare in unferem Sinne gefandt. Wie fchön und prächtig vollkom men war in diefer Richtung Englands Ausftellung im Jahre 1871. 48 Dr. Emil Teirich. Wedgewood's Fabrik, deren Specialität diefe Art von Waaren ohnedem nicht ist, hat nur einige Stücke nach Art der Paliffywaare gebracht, ohne darin befonders Neues zu zeigen. Auch diefsmal brachte Leffore feine keck dahin geworfenen, aber reizend frifchen Genrebildchen auf Cream- coloured- Tellern und Platten, die allerdings fo ganz nur dem echt franzöfifchen Gefchmacke zu entsprechen vermögen, die aber von einer aufserordentlichen Technik des Malers zeugen. Leffore ift, wenn er auch ftilgerechte Arbeiten zu liefern nicht vermöchte, in der Compofition von einer Frifche und Anmuth, die auf der ganzen Ausftellung in ähnlicher Weife kaum gefunden werden konnte. Auch in der Fabrication von Henry- deux- Waare verfucht fich die Firma, wenn auch mit etwas weniger Erfolg als Minton. Ein Schachbret mit Figuren war in diefem Stile übrigens recht gut durchgeführt. Der Ausftellung Wedgewood's gegenüber wird das Urtheil fchwer- gewifs zählte fie mit zu den allerbeften ihrer Art, gewifs war auch hier die Technik auf ähnlich hoher Stufe ftehend wie bei Minton und doch wurde die Freudigkeit des Befchauens in uns nicht geweckt, wenn hie und da die berechtigte Kritik zu conftatiren vermochte, wie denn doch ein völlig einheitliches Zufammenwirken von künftlerifchem Gefchmack und technifchem Können vermifst wird. Jedenfalls fchadet der modernen Firma das Andenken an die grofsen Leiftungen der Vorfahren, die heute entfchieden nur mehr annähernd wieder erreicht werden. George Jones in Stoke upon- Trent und Brown Weft head, T. C. Moore & Comp. von Hanley repräfentiren, namentlich erftere, vollständig die moderne englifche Marktwaare in Majoliken und fogenanntem Paliffygenre, deren Fabrikanten zumeift hier nichts ausgeftellt haben. Einige Stücke des erfteren haben die Befucher der Ausftellung von 1871 bereits kennen gelernt, fo den knieenden Negerknaben als Träger eines runden Tifches und Anderes. Arbeiten, fowie namentlich jene zwei Vafen, decorirt mit. Scenen aus dem Sommernachts- Traum auf Gueridons, waren gut in Form und Farbe. Nur liefs hier, wie auch fonft nicht felten, der Flufs des Emails zu wünſchen übrig. Die Leiftungen Ludovici's als Maler und Decorateur möchten wir hervorheben, und unter diefen eine Vafe mit einer fitzenden Mädchengeftalt, umrahmt von Schilfpflanzen, gut im Colorit, keck in Zeichnung, das Ganze auf hellblauem, freilich etwas fleckigem Grunde, befonders nennen. Auch an anderen Malereien, fo beiſpielsweife der Haremfcene, zeigt fich das Talent Ludovici's, während vieles Andere zu dem weniger Gelungenen zählte. Im Allgemeinen charakterifiren fich G. Jones' Ausführungen durch einen noch fehr ungebändigten Naturalismus, wie er fich eben in diefe Induftrie von Anbeginn eingefchlichen und darin gewiffermafsen für den Fabrikanten fchon unausweichlich geworden ift. Ganz dasfelbe gilt von den Erzeugniffen der zweitgenannten Firma, die zumeift Porzellanwaaren ausgeftellt hatte. Eines ihrer auffälligften Stücke in Fayence war die grofse Fontaine, gut im Aufbau und mafsvoll in der Compofition. Auch hier fanden wir einige flott gemalte Panneaux, unter denen uns beiſpielsweife eine auffchwebende weibliche Geftalt, wenngleich recht fchleuderifch gemalt, in gutem Andenken fteht. - John Mortlock in London ift nicht felbft Fabrikant fein Einfluss auf die Verbreitung und Hebung der Thonwaaren- Induftrie Englands ift aber nicht zu unterfchätzen, indem er wefentlich thätig durch den Vertrieb namentlich der feinften Waaren fördernd wirkt. Seine Ausftellungsfchränke bargen fo auch die Erzeugniffe der beften englifchen Fabriken von Minton angefangen und manche Ausführungen diefer verdanken ihr Entftehen der Anregung Mortlock's. A. B. Daniell and Son, fowie Pellat and Wood, beide in London, arbeiten gleichfalls als Agenten englifcher Fabriken. Ihre Ausftellungen, meift zufammengewürfelt aus den Erzeugniffen verfchiedener Häufer, gaben ein gutes Bild der heutigen currenten englifchen Waare. Hier wäre es wohl am Platze, nochmals des Umftandes zu erwähnen, der den englifchen Mayoliken u. f. w. den Die Thonwaaren- Induftrie. 49 europäifchen Markt, wenn nicht verfchliefst, fo doch nur langfam zugänglich macht. Die geforderten Preife haben eben eine Höhe, an die fich unfere continentalen Begriffe noch lange nicht gewöhnt haben, und welche durch die etwas fehr abgerundete Umrechnung der Soveraigns in Gulden bei Feftftellung der Anfätze auf der Weltausftellung um nichts vermindert wurden. Es wäre an der höchften Zeit, dafs fich unfere heimifche Induftrie, der in unferem gefegneten Vaterlande ein unerfchöpflicher Reichthum der geeigneteften Rohmaterialien zu Gebote fteht, endlich diefem ġewifs äufserft lucrativen Gefchäftszweige zuwenden würde, dem in Deutſchland zum mindeften der gleiche Erfolg wie in England bevorfteht. Wir haben dabei ganz befonders eine Specialität des englifchen Thonwaaren- Marktes im Auge, die Wand- und Fufsboden- Verkleidungsplatten, von denen mehrere, wenn auch nicht alle bedeutenden Firmen Mufter fandten. Dafs Maw& Comp. darunter fehlte war recht bedauerlich. Hier war es vorzugsweife die Ausstellung von Minton Hollins& Comp. in Stockeupon Trent, die den Eindruck der reichften Mannigfaltigkeit und des beften Gefchmackes auf uns machte. Wir hatten die Erzeugniffe feines neu erbauten Etabliffements vor uns, das mit allen bekannten mafchinellen und fonftigen Werksvorrichtungen arbeitet und trefflich geleitet ift. Es würde zu weit führen auf die Details diefer Induftrie neuerdings einzugehen, die fich bereits faft alle Verfahren der modernen englifchen Keramik eigen und dienftbar gemacht hat. Unverkennbar ift für die Gefchmacksrichtung hier der Einflufs des Orients mit dem Owen Jones und Readgrave uns durch ihre trefflichen Publicationen fo recht eigentlich bekannt gemacht haben. Die richtige Würdigung diefes Stiles, als des wahren Typus einer Flächendecoration, hat bei Minton Hollins die reichften Früchte getragen. Die perfifchen Blumenornamente mit ihrem herrlich combinirten, den Raum fo trefflich füllenden Rankenwerk, find frei behandelt und fchön ins Moderne überfetzt. Die meiften der ausgeftellten Platten, fowohl der bedruckten, als auch der fogenannten Emboffed und Majolica tiles find als vorzügliche Fabricate zu bezeichnen. Es würde leider den gebotenen Raum für diefe kurze Befchreibung überfchreiten, wollte man eingehender die einzelnen Deffins charakterifiren, die äufserft fchönen, und was hervorzuheben ift, in grofsen Flächen ganz gleichtonigen Farben würdigen. Eine fchöne Wirkung machte jene Suite von Platten mit eingeprefster figuraler und ornamentaler Zeichnung. Die Schattenpartien der Deffins werden in der Platte vertieft und das Ganze mit einer leichtflüffigen, verfchieden gefärbten Glafurmaffe fo reichlich überzogen, dafs die Vertiefungen davon ausgefüllt, die erhabenen Stellen jedoch nur leicht gedeckt werden, wodurch die beabfichtigte Modellirung zum Vorfcheine gelangt. Eine hübfche Decoration gaben auch die reizend gezeichneten, mittelft Druckverfahren übertragenen kleinen Genrebildchen. Minder gelungen, namentlich in der Compofition, wollten uns die beiden Kamine erfcheinen, deren einer, zwar prächtig gemalt, auf grofsen Platten, das Leben der Aphrodite darftellend, der andere, beftimmt für ein Jagdzimmer, Thiere und Jagdfcenen in NussbaumholzRahmenwerk eingepafst zeigte. Im grofsen Ganzen befriedigte die Ausfüllung Hollins' ganz ausnehmend. Zwar minder mannigfaltig, aber ähnlich gut waren Robert Minton Taylor's Platten aus Fenton bei Stoke upon Trent, bei denen, in grofsen Flächen zufammgefetzt, die hohe Gleichförmigkeit zarter Nuancen überraschte. Auch hier gute Mufter, gefchmackvolle Wahl der Farben. Weniger hervorragend nach den Ausftellungen diefer beiden Specialiſten in diefem Fache erfchien die leider nicht fo vollſtändige Collection von Platten von Minton& Comp., deren wir bereits erwähnten, meift in Blumenornament in Relief geziert, und Copeland's grofse, gemalte Wand- Verkleidungsplatten 50 Dr. Emil Teirich. Simpfon& Comp. in London, deffen ganze Ausftellung in das englifche Commiffionshaus verlegt wurde, wohin fie einen mit Majolicaplatten verkleideten Kamin geliefert hatten, war damit eigentlich fo gut wie gar nicht repräfentirt. Das, was diefe relativ junge Firma in der Decoration folcher Platten zu leiften vermag, und das den Befuchern der letzten Londoner Ausftellung wohl noch im beften Gedächtniffe fein wird, läfst nur bedauern, dafs wir hier nicht mehr von deren Arbeiten zu fehen bekamen. Wir halten Simpfons Decorationsatelier in London für eines der vorzüg. lichften und bedeutendften. An die meiften Fortfchritte in der modernen Fayencetechnik Frankreichs knüpft fich der Name von Th. Deck in Paris, der einen mehr oder minder directen Einflufs bei jeder neuen Errungenfchaft diefes Induftriezweiges nachweislich genommen hat. Denn raftlos und felbftthätig vorwärts ftrebend, ift er theils durch Anregung neuer, theils durch glückliche Vollendung fchon angebahnter Verfahrungsweifen zu ganz vorzüglichen Refultaten gelangt. Man könnte Deck, deffen Fabrication freilich dem Umfange nach ohne jede grofse Bedeutung ift, in feiner künftlerifchen und technifchen Richtung den Minton Frankreichs nennen. Namentlich um Einführung und Imitation der orientalifchen Fayencen hat fich Deck die gröfsten Verdienfte erworben. Gefchmackvoll und edel in feinen Formen, verfügt er über eine Pracht der Farben wie kein Anderer. Durch Ueberfangen derfelben mit einer äufserft brillanten, ftark alkalinifchen Glafur erhöht er noch ganz wefentlich deren Feuer und Wirkung. Die Mannigfaltigkeit des Ausgeftellten erfchwert ein detaillirtes Eingehen auf die einzelnen hochintereffanten Leiftungen, unter denen ein grofses Prachtftück, eine Jardinière nach dem Entwurfe Reiber's vor Allem durch feine Dimenfionen auffiel. Auch hier waren die Motive dem orientalifchen Stile entnommen und die Ausführung im Detail ganz ausgezeichnet fchön. Mit dem ganzen Enfemble der Compofition können wir uns freilich nicht fo ganz zufrieden erklären. Deck ift perfönlich in feiner Fabrik als ausübender Künftler thätig. Er entwirft namentlich ornamentale Gegenftände und lehnt fich dabei faft immer an den perfifchen Stil an, der, wie wir fchon bemerkten, auf diefer Weltausstellung in allen Induftriezweigen faft in Mode gekommen ift. Treffliche Kräfte find in Deck's Atelier zudem thätig, unter denen wohl Anker als Porträt- und Genremaler den erften Rang einnimmt. Wer erinnert fich nicht feiner trefflichen Porträt- und Studienköpfe, die mit einem Effect behandelt find, der felten nur in gleicher Vollendung erreicht wird. Nicht minder reizend find Legrains Putten, die Genrebildchen trefflicher Compofition von Renvier, die grofsen Hiftorienbilder von Gluck u. f. w. Auch Deck wurde mit dem Ehrendiplome ausgezeichnet, das ihm wohl um fo eher zukommt, als er es durch perfönlichen Fleifs und emfiges Studium, als unbedeutender Gehilfe beginnend, in relativ wenigen Jahren zum Rufe eines der bedeutendften Induftriellen gebracht hat. In ganz anderer Richtung arbeitet E. Collinot in Paris, der uns eine äufserft gut zufammengeftellte Suite von perfifchen und japanefifchen Imitationen brachte, von denen die grofsen Wand- Verkleidungsplatten mit dem paftofen Emailauftrage wirklich fehr überrafchten. Die äufserft fchwierige Bewältigung grofser Emaillagen und vorzügliches Einfchmelzen derfelben ift technifcherfeits, die guten, wirklich im Geifte des Orientes ftudirten Decorationsweifen von künftlerifchem Standpunkte fehr anerkennenswerth. Auch hier wurden faft durchgehends orientalifche Motive bei der Compofition benützt. Die grofsen Panneaux, fogenannte Cloifonnée- Emails, bei denen das dick und überhöht aufgetragene, ftark zinnhältige Email in kleinen Flächen von der umgebenden Contour zurückweicht und erft auf diefem, gewiffermafsen fo modellirten weifsen Untergrund der Auftrag der anderen Farben erfolgt, Die Thonwaaren- Induftrie. 51 gaben prachtvolle Wanddecorationen ab. Der Quadratmeter folcher Platten wird jedoch mit 450 Francs berechnet, jener mit Malerei, fous couvert" mit 350 Francs. Unter den vielen, mitunter coloffalen Vafen und ähnlichen Gefäfsen heben wir noch einige hervor, an denen ein fchön gelungenes Craquelé erzeugt war. Arbeitet ſchon Collinot faft nur nach einer Richtung fort, fo gilt diefe Einieitigkeit in weit höherem Mafse noch von L. Parvillée in Paris, der wahrhaft Unübertreffliches in der Decorationsweife des orientalifchen Stiles leiftet. Seine Studien an Ort und Stelle, fein volles Eindringen in die Behandlungsweife des Ornamentes zeigte fich an jedem feiner ausgeftellten Stücke, die alle von ihm felbft entworfen und mit Beihilfe feiner Söhne ausgeführt werden. Meift find es Teller, Platten, dann aber auch Krüge u. f. w., die mit grofser Präcifion ein ganz opakes, dick aufgelegtes Email ziert, deffen Trennungsftellen tief herausgenommen erfcheinen. Er fowohl wie Collinot benützen die Eigenfchaft der ftark zinnhaltigen Emails, fich von der Contour zurückzuziehen, um ihre fchwarz umfahrenen Deffins. rein und gegen den dicken Emailauftrag relativ vertieft zu erhalten. Während Collinot jedoch vorher mit weifs em Email gewiffermafsen den Grund legt, ja das Relief faft modellirt, um erft darauf die Farbe zu fetzen, malt Parvillée fofort mit durch und durch gefärbtem Email. An fehr vielen chinefifchen Fayencen, namentlich den aus Kiukiang ftammenden Vafen fanden wir genau dasfelbe Verfahren angewendet, das Parvillée benützte. Die für feine Arbeit übrigens geforderten Preife halten wir für enorm hoch. Während die drei erftgenannten vorzüglich unter Benützung orientalifcher Motive arbeiten, wenn auch jeder in anderem Sinne, befchäftigt fich, gleich jenen in Italien, eine Reihe von Fabrikanten mit der Imitation der altitalienifchen und franzöfifchen Majoliken und Fayencen. Vor Allem imponirt unter diefen Geoffroy& Comp. in Gien, der 800 Arbeiter in feinem wohlgeleiteten Etabliffement befchäftigt. Vorzüglich find es die altitalienifchen Urbinowaaren, dann die altfranzöfischen Fayencen von Rouen, dunkelblau, auch untermifcht mit Roth auf hellem, blau grünlichem Grunde, die Fayencen von Mouftier und die denfelben ähnlichen von Delft, die mit manchem Gefchick, en gros, ja oft directe mittelft lithographifchem Umdruck reproducirt werden. Geht hiebei auch der eigentlich künftlerifche Werth zum Theile verloren, fo ift doch eine folche Verwerthung muftergiltiger alter Formen recht erwünſcht. Freilich unterläuft bei der Auswahl der Originale auch hier nicht felten ein grober Verftofs. In ähnlicher Richtung arbeitet eine Reihe anderer, zum Theile recht ftrebfamer kleinerer Firmen. So imitiren Soupireau& Fournier vorzugsweife italienifche Urbinowaaren, zum Theil auch altfranzöfifche Ausführungen. Wir heben unter dem Ausgeftellten einen im italienifchen Stile gehaltenen Ofen als den einzigen feiner Art im Induftriepalais hervor, und meinen, dafs ab und zu ein Verfuch, in folcher Weife zu decoriren, auch ganz erwünfcht wäre. Keinen rechten Erfolg vermögen wir uns aber von der Anwendung der Fayenceplatten nach alten, gleichfalls italienifchen Motiven an der Decke des Hotels Menier in Paris zu denken, von der einzelne Stücke, dann aber die Zeichenfkizze der ganzen Anordnung zu fehen waren. F. Laurin in Bourg la Reine brachte Majoliken und Fayencen, meift nach eigenen Compofitionen und in einem mehr naturaliftifchen Genre gehaltene Vafen, Schüffeln und dergl. in fehr flotter, oft allzu forglofer Behandlung. Seine Blumen, Blattpflanzen, Vögel etc. auf einem eigenthümlich taubengrauen Fond intereffiren, ohne dafs ihnen eigentlicher Kunftwerth zugefprochen werden kann. Von gröfserer Bedeutung ift A. Barbizet in Paris, der die alten Paliffywaaren nachahmt und mit einer eigenthümlich monotonen Farbenfcale behandelt. 4* 52 Dr. Emil Teirich. Eine grofse Tifchfchüffel, Grotefkfiguren moderner Arbeit, waren an fich ganz gut modellirt und glafirt, geben aber, in gröfseren Mengen, wie auf der Ausstellung zufammen betrachtet, ein etwas unerfreuliches, faft leichenfarbiges Bild. Th. Sergeant verfolgt denfelben Weg, auch er hatte einige gute Stücke aufzuweifen, fo feine im Scharffeuer gebrannten blauen Vafen u. f. w. In der Erzeugung von modernen Fayencen, von Tifchgeräthen u. f. f. nimmt H. Boulanger's Fabrik in Choify le Roi, was Ausdehnung des Fabriksbetriebes angeht, wohl den erften Rang ein. Hier wurden zum erften Male im Grofsen die Hilfsmittel der Technik zur Maffenerzeugung inFrankreich herangezogen, hier hat die mechanifche Arbeit fich in der letzten Zeit vollſtändig Bahn gebrochen, fo dafs die feit etwa fünf Jahren beftehende Fabrik heute ganz concurrenzfähig mit allen anderen dafteht. Ein Dutzend Teller, mittelft Umdruckverfahrens decorirt ift da mit 3.50 Francs zu kaufen. Die moderne Erzeugung Boulanger's von currenter Waare bezieht fich hauptfächlich auf Teller, von denen mehrere Sortimente in landläufiger Weife decorirt, neben einigen Wafchgarnituren zur Ausstellung gelangten. Ausserdem aber befchäftigt fich das Etabliffement mit der Erzeugung feinerer Fayencen, die dann wieder den beliebten alten Muftern der fpäteren Renaiffancezeit nachgebildet werden. Einige orientalifche Gefäfse mit goldumfäumten Cloifonnédecors hatten nicht die Feinheit anderer, z. B. der von Denk in Wien ausgeftellten. Noch fei des grau in grau gemalten, gelb umränderten Tifches gedacht, der von Goftiaux ausgeführt, im Mittelfeld die Vifion Fauft's darftellt. In die Randdecoration find die widerlichen Blocksberg Scenen verflochten. Als Fayencemalerei war diefe Platte fowie manche andere recht gelungen. Im gröfsten Gegenfatze zu den billigen Preifen Boulanger's fteht wohl die decorirte Fayence von E. Rouffeau in Paris, ein angeblich neues Genre, das als folches wenigftens bezahlt werden foll. Es find diefs Teller und Service, die auf gelblichem, recht warmem( cream coloured) Fond, bunte, ziemlich keck, aber auch etwas roh gezeichnete Vögel, Infecten etc. in ganz naturaliftifcher Weife tragen. Die ganze Decorationsweife erinnert lebhaft an die von Coleman, deren wir bei Minton gedachten. Rouffeau, lediglich Decorateur, fowie J. Houry in Paris oder Schlofsmacher, welche die Fayence und Porzellanmanufactur in ihrem Zufammenhange mit der Möbel- und Bronce- Induftrie zur Anfchauung brachten, boten trotz der Mannigfaltigkeit des Gebotenen wenig fehr Hervorragendes. Nichts deftoweniger hat die Lampenfabrication Schlofsmacher's eine grofse Bedeutung erlangt und viele feiner Erzeugniffe wandern jährlich nach Oefterreich. Hie und da fanden wir bei beiden letztgenannten Firmen einige wirklich recht gefchmackvolle und anmuthige Stücke. Das Gefammtbild der Thonwaaren- Induftrie Italiens, welches im Wefentlichen fich auf Imitation der alten Majoliken und Fayencen bezieht, und nur wenig Bedeutendes in der modernen Richtung aufzuweifen hat, ift ein ziemlich befchränktes. Gewöhnlich fchliefst fich der Erzeuger allzuenge an feine Mufter an, er imitirt mit vielem Verftändnifs die alte Technik, aber mit allen ihren Unvollkommenheiten, mit allen Schwächen. Ein Weiterftreben, eine Vervollkommnung auf Grundlage der altererbten Kunfttraditionen ift nur felten bemerkbar. Dabei mangelt meift der gute Gefchmack in der Wahl diefer alten Vorbilder- nicht alles Alte, auch aus befter Zeit, ift gut. Einer der originellften Fayencefabrikanten ift gewifs Farina& Comp. in Faenza, der alten Stätte diefer Induftrie. Einige gut mit Sgraffiato gezierte Gegenftände waren recht verdienftliche Werke. Der röthliche Thonfcherben wird engobirt und bleibt das Ornament nach Fortnehmen des Grundes weifs auf blafsroth ftehen. Zwei grofse Platten mit Die Thonwaaren- Induſtrie. 53 Medaillons in der Mitte, mehrere Vafen waren zur Illuftration des hübfchen Verfahrens ausgeftellt. Dabei bringt Farina auch noch eine neue Decorationsweife. mit an, die freilich dem Stile zuwiderläuft. Auf die weifse Engobage zeichnet er mit einem rothen Farbftift vor der Glafur Porträts und Ornamente, welche ganz den Eindruck einer Kreidezeichnung machen und deckt das Bild mit der Glafur. Ein Toilettetifch in Majolica war recht gelungen, gut in Modellirung und Farbe. Recht verftändig war die Anwendung des Metallluftre auf einigen Tellern, worunter beifpielsweife jener mit einem Porträtkopf, der von einer mehrfachen Reihe Pfauenaugen umgeben war, erwähnt fein mag. Giovanni Spinacci in Gubbio verfteht es freilich, feinen Luftrefarben mehr Glanz und Feuer zu geben als Farina, bleibt hinter diefem aber zurück in der Wahl feiner Vorbilder. Während Erfterer meift freier componirt, imitirt Letzterer fklavifch. An zwei grofsen, bemerkenswerthen Vafen und einigen Tellern mit befonders gelungenem Roth erſchien leider die blaue Farbe weniger gut gefloffen. Mindeſtens gleichwerthig, wo nicht beffer, war die Ausftellung von Angelo Minghetti& Sohn in Bologna. Diefe Firma legt das Hauptgewicht auf die Nachbildung der Robbiawaare und der Majoliken fpäterer Zeit. Ein grofses Medaillon, die heilige Familie darftellend, mit gut modellirtem Fruchtkranz, deffen Farben auch gut geftimmt waren, verdient trotz feiner etwas rohen Ausführung erwähnt zu werden. Eine koloffale Vafe, in fehr bunter und bemalter Majolica, war äufserft reich mit ftark outrirten, plaftifchen Figurendarftellungen geziert, anerkennenswerth hinfichtlich der techniſchen Ausführung und der zwar unvollkommenen, aber relativ zu andern Leiftungen doch immerhin nennenswerthen Modellirung. Eine kleine dofenförmige Vafe mit braunvioletter Engobage zeigte eine gute Anwendung der Sgraffiato- Technik. Torquato Caftellani in Rom brachte Bauernmajoliken in der Manier alter Urbiner Meifter. Auf einer Engobage von weifsem Thon wird die Mineralfarbe aufgetragen, die Glafur aufgefetzt und mit einem Male eingebrannt. Alle Uebelſtände eines folchen Verfahrens, namentlich aber die ftets matten Farbentöne, welche die Verwendung gepulverter Mineralien anftatt künftlich bereiteter Metallfarben nach fich zieht, zeigten fich an diefen Erzeugniffen, die nur einen gewiffen Reiz naiver Urfprünglichkeit fich bewahrt haben. Wir haben während der Betrachtung der genannten vier Ausftellungen die im Mittelpunkte des Raumes etablirte grofsartige Gruppe der Producte von Lorenzo Ginori in Doccia bei Florenz, umkreift. Das Gefammtbild, welches diefe Ausftellung bot, war ein entfchieden günftiges. Ginori arbeitet mit grofsen Mitteln und hatte viel gebracht. Seine Farbenpalette ift reich, feine Arbeiter find gefchult, aber der Charakter feiner ganzen Ausftellung vermochte oft nicht zu befriedigen. Wenn Ginori fich nicht direct an die Werke alter Meifter anlehnt, fo verfällt er meift in einen wüften Naturalismus, deffen Prototyp das Mittelftück feiner Aufftellung, die grofse Vafe mit dem von Benaffai gemalten Prairienbrand, bildete. Dabei ftört noch die überaus glänzende, firnifsartige Glafur, welche alle feine Fayencen tragen. Ginori arbeitet nach der Weife der alten Urbiner Meifter feit 1848, wo er das Verfahren wieder erfand, auf der Emailfchicht direct zu malen. Der gebrannte Scherben wird mit einer zinnhältigen weifsen Emailmaffe überzogen, auf diefe fofort gemalt, etwas verglüht und dann in die bleihältige OberflächenGlafur getaucht. Mit einem Male wird fchliefslich Alles zufammen eingebrannt. Auch die grofsen Porträts in Robbia- Manier, welche Ginori doch vielfach früher fchọn mit Erfolg imitirte, imponirten nur durch ihre Gröfse. Wie fchon erwähnt, waren feine Vafen, Gefäfse und Teller nach Art der Urbiner Meifter das Befte unter dem Gebrachten. Gewöhnlich entbehrt die Modellirung, befonders die der figuralen Theile, eines gewiffenhaften Studiums. 54 Dr. Emil Teirich. Wir legen an Ginori, deffen Fabrik eine alt begründete, feit 1735 ift, vielleicht einen ftrengeren Mafsftab als an andere Ausfteiler, die mit befcheidenen Kräften arbeiten; einem folchen Mafsftab aber vermag er auch nicht völlig gerecht zu werden, denn wir glauben einen Fortfchritt zu vermiffen, wenn wir uns den Eindruck gegenwärtig halten, der uns von feiner Ausftellung in Paris im Jahre 1867 geblieben ift. Die Jury hat nichts deftoweniger dem Etabliffement das Ehrendiplom zuerkannt. Die Fabrication von Majolica Wandbekleidungs- und Fufsboden- Platten, welche im füdlichen Italien die ausgedehntefte Anwendung finden, war hier faft gar nicht vertreten. Tajani bei Salerno fandte eine ganz unbedeutende Suite feiner bekannten Platten, die, bei einem beiſpiellos billigen Preife von circa 15 Centimes per Stück von 150 Millimeter im Quadrat, trotz ihrer fehr rohen und primitiven Ausführung relativ befriedigen müffen. Bedauerlich ist es, dafs auch die Ausftellung des Miniftero d'Agricultura, Induftria& Commercio keine reichhaltigere Sammlung folcher Fliefen uns brachte. Nur wenige Muſterſtücke aus Salerno und Neapel mit fehr unvollkommener Bemalung, theils frei, theils geometriſch ornamentirt, dann einige Platten, Florentiner Arbeit, auf denen das Deffin mittelft Patrone aufgetragen ift, veranfchaulichten diefe Technik. Aus Verona find zudem einige recht intereffante, meift braun glafirte Ofenkacheln mit mittelalterlichen Reliefornamenten gefandt worden, welche dort von mehreren heimifchen Töpfern für den Bedarf von beinahe ganz Oberitalien erzeugt werden. Hiemit könnten wir nun füglich unferen Rundgang durch Italien fchliefsen, denn was uns noch zu fehen übrig blieb, war zumeist ein trauriges Bild eines Verfalles der einft fo blühenden Thonwaaren- Induftrie des Landes. Ab und zu trafen wir wohl noch auf beffere Ausführungen, Reminifcenzen gleich, aus guter alterZeit. Antonibon& Sohn aus Nove bei Vincenza brachten unter Anderem einen Majolica- Rahmenfpiegel, der unfer Intereffe in Anspruch nehmen konnte, hart dabei gaben uns zwei koloffale, fehr dünne Platten mit übrigens herzlich fchlechter Decorirung einen Begriff von der Kunftfertigkeit Galvani's aus Pordenone in der Behandlung grofser Maffen. Statten wir endlich noch der Ausftellung Terniani's aus Faenza einen Befuch ab, um zu fehen, wie diefe ältefte der beftehenden Majolicafabriken, welche die gräfliche Familie, wie wir hören, nicht ohne Opfer im Betriebe erhält, auf abfchüffiger Bahn vom guten alten Wege abweicht. Zwei grofse, ovale Platten von Calzi mit Figuren reich bemalt, davon eine mit braunem Grundton, zeugten auch hier von einer gewiffen Technik, die, beffer verwerthet, Lobenswerthes erreichen liefse. Der Tifch mit achtzig Majolicatellern, für welchen von Terniani der befcheidene" Preis von 13.000 fl. gefordert wird, dürfte unverkauft geblieben fein. Der Name Devers aus Turin, deffen Hauptverdienft in der Malerei auf Majolica und Steingut liegt, und der manches gute Stück ausgeftellt hatte, fei hier noch genannt. Eine intereffante und reich decorirte Majolicafchüffel nach einem alten Holzmodell, Eigenthum des Conte Baldo, geprefst, ift ebenfo hervorzuheben. Im Allgemein genommen war es mit der Gefchirrfabrication Italiens für den Hausgebrauch äufserft elend beftellt. Einige wenige Stücke der fogenannten Bauernmajolica, aber keine der intereffanteften, gaben nicht im Entfernteften ein richtiges Bild jener nationalen Töpferei, wie fie heut zu Tage mit Erfolg noch von den Töpfern des flachen Landes in Süd- und Mittelitalien getrieben wird. Hier wäre es leichte Sache der italienifchen Commiffion gewefen, mindeftens eine ebenfo fchöne Collection zufammenzubringen, wie jene, die Caftellani im Jahre 1871 in London ausftellte und dem South- Kenfington- Muſeum widmete. Einige Vafen und Krüge mit rothem Grund ftellte die Societé Pefarefe aus, Benucci lieferte gleichfalls Die Thonwaaren- Induſtrie. 55 ordinäres, zum Gebrauche des Landvolkes beftimmtes Töpfergefchirr, aber ohne irgend ein Intereffe für folche rohe Erzeugniffe abgewinnen zu können. Eine fehr modernifirte Paliffywaare, bei der in der Farbengebung wenig. ftens der Naturalismus des alten Genres noch weit übertroffen wird, erzeugt die Societé induftrielle et artiftique de Monaco. Neben einer Reihe der heterogenften Induftrien, wie der Parfumedeftillation, der Marmorimitation und Holzintarfiatur, betreibt die Gefellſchaft auch die Erzeugung der genannten Thonwaare, ohne dafs ein eigentlich praktifcher Gebrauch diefer Paliffygefäfse denkbar wäre. Meift find es Vafen, Fruchtfchalen und Nippes, ganz bedeckt mit Blumen und Blättern, die im zarten Hochrelief modellirt und mit fehr brillanten Emailfarben bei ganz niederer Temperatur decorirt find. Ja einige Farben, wie beispielsweife gewiffe Roth fchienen geradezu nur Lackfarben zu fein, die auf kaltem Wege aufgetragen werden, nachdem gewiffe andere Nuancen durch Aufbrennen fixirt find. Die ganze Fabrication, wenn man die relativ unbedeutende Erzeugung alfo benennen darf, gefchieht von freier Hand und ift zumeift Frauenarbeit. Ein Herr Fifcher und deffen Frau leiten diefen Zweig der gefellſchaft. lichen induftriellen Thätigkeit und bekunden dabei einen anerkennenswerthen Gefchmack. Die Preife diefer Gegenftände find zudem mässig. Schweden war durch feine zwei gröfsten Fabriken repräfentirt, die von der Actiengeſellſchaft Rörftrand und jene von den Intereffenten der Fabrik zu Gustavsberg. Namentlich die erftere, die ältere feit 1726 betriebene Fabrik, weift einen entfchiedenen Fortfchritt in der Behandlung ihrer Fayencen und Majoliken auf, in denen der tüchtige Decorateur Jacobfon ein eigenes Genre gefchaffen hat, indem er fich an die alte Paliffywaare anlehnt. Eine ganz fpecififche Haltung in der das Grün völlig dominirt, ift diefen Fayencen eigen. Ein grofser, recht gut componirter Ofen und zwei ihm zur Seite ftehende, mehr als 6 Schuh hohe Candelaber waren äufserft gelungene Prachtftücke der ganzen keramifchen Ausstellung, und würden von noch gröfserem Effecte gewefen fein, wenn nicht die umgebenden Vafen und Gefäfse aller Art in derfelben grünen und braunen Farbe ftörend gewirkt hätten. In Bewältigung grofser Maffen hat die Fabrik viel geleiftet. Ein dunkelblaues, mit Gold decorirtes Gefchirr von guten Formen, dem alten, reichen Sèvresporzellan nachgebildet, verdiente alle Aufmerkſamkeit und ift eine der beften Arbeiten der Fabrik. Guftavsberg fteht diefer erfteren Fabrik, welche auch ein vorzüglich fchönes, weiſses und mafsvoll decorirtes Siderolithgefchirr ausftellte, das mit zu den allerbeften Erzeugniffen feiner Art zu zählen ift, wenigftens auf dem Gebiete der Fayencen, entfchieden nach; es verlegt eben den Schwerpunkt feiner Thätigkeit auf die Behandlung des Porzellans und der Parianmaffe. Hier wie dort wird das englifche Porzellan erzeugt und hiezu zum gröfsten Theile auch englifches Rohmateriale verwendet. Bedauerlich ift es, dafs gerade letztere Fabrik, welche, gut organifirt und günftig gelegen, alle Bedingungen der Profperität in fich trägt, nicht mehr vorwärtsfchreitet, ja faft hinter den früheren eigenen Leiftungen zurückzubleiben fcheint, jedenfalls aber fich von Rörftrand überflügeln liefs. Die vorzüglichen adminiftrativen und humanitären Anftalten, welche von den äufserft umfichtig geleiteten Actiengeſellſchaften ins Leben gerufen wurden und welche die heilfamften Erfolge und Einflüffe auf die Arbeiterbevölkerung aufzuweifen haben, machen die beiden genannten Fabriken ebenfo intereffant, wie die vollkommenen Fabrikseinrichtungen, mit welchen diefelben ausgeftattet find. Von Schwedens fonftiger grofser Ofeninduftrie war in dem Induftriepalafte nichts zu fehen. Wir bedauern diefs lebhaft, hat doch der fchwedifche Ofen feit Langem fchon den Ruf eines trefflichen Fabricates zu erlangen gewufst, zu einer Zeit, wo Weftmann neues Leben in diefen Induftriezweig brachte.- Meift find diefe Oefen aus Fayencekacheln zufammengefetzt, deren weifse Grundmaffe mit 56 Dr. Emil Teirich. einer durchfichtigen Bleiglafur gedeckt wird; doch find auch Begufsöfen und emaillirte Kacheln im Gebrauche. Das Materiale zu den feineren, weifsen Fayenceöfen liefern vorzüglich die Gruben von Högenäs, jenes für Begufs- und Emailkacheln die von Upfala, wo ein fehr kalkhaltiger, eifenfchüffiger Thon( Mergel) hiezu Verwendung findet. Holland und die Niederlande machen gleich Spanien, den ausgedehnteften Gebrauch von glafirten Thonkacheln oder Fliefen zur Wand- und Bodendecoration. Hier hat fich die alte Delfter Glafur techniſch bis auf die neuefte Zeit erhalten, wenn auch jede ihrer guten Kunfttraditionen verloren gegangen ift. Die Decoration aller diefer Wandverkleidungs- Platten ift äufserft roh und ftillos. Dabei gebietet diefe Fabrication blofs über eine ganz geringe und matte Farbenfcala. Die technifchen Unvollkommenheiten erklären fich zum gröfsten Theile aus der geringen Sorgfalt, mit der gewöhnliche Töpfer folche Platten herftellen, und den niedrigen Preifen, zu denen fie verkauft werden. So koften Ravenftein's Platten mit ihrer allerdings unangenehmen, braunvioletten Decoration 8 bis 12 Cents das Stück von 125 Millimeter im Quadrat; die weifsen Platten, von de Lint gebracht( Tegeltjes genannt), bei variablen Gröfsen von 130 bis 225 Millimeter im Quadrat 37 bis 45 fl. per Taufend; die von L. Viffer bei 170 Millimeter im Quadrat koften ungefähr dasfelbe. Die Grundmaffe aller diefer Wandverkleidungs- Platten ift ein fandiger Mergelthon, der fich fchwach gelblich brennt und fehr hart und feft wird. Die nachfolgend verzeichneten Sorten find die gangbarften; die in holländifchen Gulden angegebenen Preife gelten per 1000 Stück. Witte Muurtegeltjes 130 Millimeter im Quadrat koften 10 bis 30fl. Diefe fchön weifsen Wandverkleidungs- Platten, von denen auch eine grössere und befte Sorte mit den Dimenfionen von 190 X 130 Millimeter und 10 Millimeter Dicke zum Preife von 45 fl. erzeugt wird, find durchwegs ungefchliffen und an den Kanten abgefafst. Häufiger als diefe finden wir aber diverfe gefchilderte zum Preife von 40 fl. bei einer Gröfse von 130 Millimeter in Verwendung. Sie tragen meift einen weifsen Grund, auf dem mit einer einzigen Farbe diverfe plumpe Verzierungen kunftlos mit freier Hand gemalt find. Aehnlich diefer Sorte find dann die Paar'fchen landfchapte Tegeltjes, welche gewöhnlich violette oder blaue, mit wenigen Strichen in conventioneller Weife behandelte Landfchaftsbildchen tragen. Auch diefe find Handmalerei. Bruin gemarmerde koften 35 fl. und imitiren recht gut einen braunen Marmor; befonders beliebt aber find Schilpad Tegeltjes zum Preife von 32 fl., tiefbraun, fchildpattartig gemustert. Wie fchon erwähnt, ift die Malerei auf diefen Platten durchgehends mit der freien Hand erzeugt; P. W. van de Weijer in Utrecht ftellte dagegen folche aus, an denen das Umdruckverfahren vom lithographifchen Stein, von der Kupferplatte oder von einer Hochätzung in fehr primitiver Weife verfucht wird. Im grofsen Ganzen findet diefes mechanifche Decorationsverfahren bis jetzt nur wenige und unvollkommene Verwendung felbft in dem grofsen Etabliffement der Gebrüder Raveftein in Utrecht, welche alljährlich einige Millionen folcher Tegeltjes erzeugen. Kleine Platten werden noch billiger hergeftellt; alle find aber haarriffefrei, nicht gefchwunden, und geben ein fehr brauchbares Materiale ab. Hat die Schweiz auch keine Thonwaaren- Induftrie von hervorragenderer Bedeutung heute mehr aufzuweifen, fo wäre doch Gelegenheit gewefen, wenigftens die guten Ofenkacheln zu zeigen, welche mitunter von vorzüglicher Schönheit, beispielsweise an den Ufern des Zürcher Sees, dann aber auch in der Weftfchweiz erzeugt werden. Von All' dem hat die Schweiz nichts gefandt, und nur die bekannte Firma Ziegler in Schaffhaufen ftellte ihr dunkelbraun glafirtes Kochgefchirr befter Qualität aus. Das Gefchäft ift ein bedeutendes und verforgt einen grofsen Theil Die Thonwaaren- Induftrie. 57 des Landes mit feinem Bedarf. Wafferleitungs- Röhren und glafirte Dachziegel ( fogenannter Marfeiller Typus) werden gleichfalls von guter, fteinartiger Maffe erzeugt und mit der Braunftein- Glafur überzogen. Eine der allerbeften Ausstellungen und dem von uns mehrfach hingeftellten Ziele der Ofentechnik am allernächften waren zwei grofse fchöne Kachelöfen von L. Bonafede bei Petersburg. Rufsland, deffen Kunftinduftrie unter Zuhilfenahme feiner alt traditionellen, äfthetifchen Richtung überhaupt ein erfreuliches Bild auf der Ausftellung bot, brachte uns auch nahezu die beften Oefen, nach den Zeichnungen von Monighetti. Leider waren diefe fchönen Stücke in dem fogenannten ruffifchen Kaiferpavillon untergebracht, der ftets verfchloffen und nur den Begünftigten zugänglich war. Der eine Ofen war rund, der andere von einem eigenthümlich complicirten Aufbau, beide reich decorirt mit rothen und grünen Reliefornamenten auf weifsem Grund, altruffifchen Kachelmuftern in freier Weife nachgebildet. Nicht weniger gut waren die im gleichen Stile gehaltenen Vafen, Schüffeln und Teller in Fayence, welche das ftimmungsvoll eingerichtete ruffifche Appartement fo fchön zieren halfen. Wir können nur Bonafede, deffen Fabricate lange fchon des beften Rufes fich erfreuen, zu diefem neuen, ganz beachtenswerthen Erfolge beglückwünfchen und die von ihm eingefchlagene Richtung zur Nachahmung warm empfehlen. Ein ganz gut ausfehendes Kochgefchirr, meift diverfe Töpfe und Schüffeln, brachte C. Tybulfky aus Tímélew, Gouvernement Radom, das mit feiner braunen Glafur an unfer Bunzlauer Gefchirr erinnert. Einige Gefäfse waren mit Eifen montirt und fo in zweckmäfsiger Weife haltbarer gemacht. Die Töpferarbeit an allen diefen Waaren contraftirt vortheilhaft mit allen anderen Arbeiten aus ähnlichen Gegenden, wie denn überhaupt der ruffifche Arbeiter feltener in eine folch' fchleuderhafte Nachläffigkeit verfällt wie beispielsweife der in Italien. Eine befondere Anerkennung verdient endlich noch das Mufeum von St. Petersburg, welches prächtige Ueberrefte einer leider vergangenen Blüthezeit byzantinifcher Töpferei von der Ausfchmückung der Mofchee von Samarkand, aus dem XIV. und XV. Jahrhundert, ausftellte. Die ganze Pracht der blauen und grünen, leichtflüffigen, orientalifchen Emails überzieht die mufterhaft modellirten, mit reichem Flächenornament gezierten, meift durchbrochenen Fenfter- und Thürumrahmungen. Es gehören diefe reichen Decorations details einer Architektur, die an jene der Alhambra erinnert, mit zu den fchätzenswertheften Arbeiten des orientalifchen Stiles. Vollkommener hat Spanien feine Fayencen und fpeciell Azulejas ausgebildet. Pickmany Comp. in Sevilla ift die bedeutendefte Steingutfabrik des Landes, die nach englifchen und franzöfifchen Muftern mit heimifchen Kräften thunlichft viel zu leiften fcheint. Weift die Ausftellung Pickman's auch feit 1867 einen gewiffen Stillftand in der ganzen Richtung auf, fo fallen hier gewifs die befonderen Schwierigkeiten ins Gewicht, die das Fortarbeiten unter den obwaltenden politifchen Verhältniffen und bei einem eben auch nicht der induftriellen Arbeit befonders holden National charakter wohl wefentlich erklären. Ordinäre, bedruckte Service nach modernen Muftern, einige ziemlich rohe, landläufige Gefchirre mit einer matten Metalluftre- Decoration, endlich ein Paar grofser, im maurifchen Stile bunt decorirter Vafen mögen erwähnt fein. Die fpanifchen Ziegelfliefe, welche einen wesentlichen Zweig der Hausinduftrie des Landes repräfentiren, find die Ueberbleibfel jener altberühmten maurifchen Technik, welcher wir die Alhambradecorationen als vornehmftes und ewig muftergiltiges Werk verdanken. Soto y Tello in Sevilla brachte in feiner Weife ziemlich treu imitirte Alhambrafliefe, beſtimmt zur Reftauration des Originales, mit deren Durchführung 58 Dr. Emil Teirich. er betraut ift. Die Alhambra- Ornamente, die Soto ausgeftellt, find Wandverkleidungen, beftehend aus einer Art Mofaik, deffen einzelne Theile die verfchiedenften Prismen oder Dreieck- Formen und dergl. zeigen, welche ftets einfärbig, aber mit ganz entfchieden gehaltenen Farbentönen emaillirt find. Grün, Weifs, Blau und Schwarz finden wir hiebei am häufigften verwendet. Dafs die Fugen zwifchen den einzelnen Mofaiktäfelchen nicht völlig paffen, kann bei der etwas rohen Technik, die hier überhaupt zur Anwendung gelangt, nicht Wunder nehmen. Er wird, angeregt durch das gute Vorbild, feiner Aufgabe gerecht, verfällt aber in feinen übrigen Arbeiten in die gröfste Stillofigkeit. Man ftaunt diefe fchrecklich mit Landfchaftsbildern bekleckften Thonplatten an, und bewundert die Widerftandsfähigkeit des Fabrikanten fowohl wie feiner Kunden gegen jeden befferen Einfluss auf die eingefchlagene Richtung bei Betrachtung der unendlich roh decorirten ornamentalen Verkleidungsplatten. Weitaus beffer waren die beiden Füllungen mit den überlebensgrofsen Bruftbildern von Petrus und Paulus behandelt, die auf zufammengefügten Azulejos ziemlich correct gemalt waren. Novella y Garcés in Valencia brachte emailirte, zum Theile mit Reliefornament verfehene Platten, nicht felten gute Muſter bei recht verdienftlicher Ausführung. Ebenfowenig wie gewiffe Verirrungen der beiden bisher genannten Fabrikanten ift die originelle Idee von Novellay Garcés zu billigen, wenn er Teppichund Stickmufter zu imitiren trachtet, indem er die Platten mit kleinen Canevacarreaux verfieht, deren Grund er vertieft, und diefe fo entftandenen Lücken mit Emailmaffe füllt. Der erzielte Effect ift eigentlich vom technifchen Standpunkte kein fchlechter und wäre nur zu wünfchen, dafs diefes Verfahren zu Anderem als der Reproduction ftilwidriger Mufter feine Verwendung fände. Flache bemalte Fliefen verkauft Novella zum Preife von 25 Centimes, die mit Reliefs gezierten mit 37 Centimes per Stück von 200 Centimeter im Quadrat. Die letztgenannten Stickmufter- Imitationen koften 125 Francs per Stück und find relativ theuer zu nennen. Noch hat Coca, Befitzer der Fabrik Cailos in Valencia, derlei Azulejos ausgeftellt, die meift roher decorirt und in zwei oder drei Farben, welche mittelft Schablonen aufgetragen werden, gehalten find. Der weifse Grund des Emails tritt überall hervor und trägt ein dunkelgelbes und fchwarzes oder ein blaues Ornament. Der Preis einer folchen Platte ift 17 Centimes. Ausserdem fanden wir hier Azulejos, welche von Hand mit Blumenornamenten, meift Rofenbouquets, bunt, aber mit eigenthümlichen, glanzlofen Farben decorirt waren. Solche werden zum Preife von 80 Centimes in den Handel gebracht. Aufser den drei genannten Fabrikanten hat fich niemand zur Einfendung weiterer Azulejas gefunden, trotzdem eine Maffe von kleinen Meiftern in der Gegend von Sevilla, Valencia und Barcelona fich mit deren Erzeugung befafst. Alle diefe Azulejos und glafirten Platten, welche durchaus von Hand bemalt find, bilden einen wefentlichen Exportartikel Spaniens, und wurden fogar Verfuche gemacht, auch unferen öfterreichifchen Markt denfelben zu eröffnen. Die Billigkeit folcher Platten, welche 200 Millimeter im Quadrat meffen, ift erftaunlich und nur zu begreifen, wenn man die ungeheuere Ausdehnung diefer Induftrie kennen lernt, welche, fowie in Holland, viele Taufende von fleifsigen Händen auch am häuslichen Herde befchäftigt. Im Durchfchnitte liegt deren Preis per Stück zwifchen 32 bis 6 Kreuzern öfterreichifcher Währung. Warum von diefen fo wichtigen Producten des fpanifchen Töpfergewerbes nicht wenigftens eine Collectivausftellung veranstaltet wurde, ift recht fehr aufgefallen. Wie fchön wäre folcherweife eine wichtige Hausinduftrie des Landes zu einem anfchaulichen Bilde zu vereinen gewefen! Einige intereffante Poterien, welche durchwegs den nationalen Charakter tragen, waren die von Capo auf den Balearen, ein zum Theil unglafirtes, Die Thonwaaren- Induſtrie. 59 reich durchbrochenes Thongefchirr mit mannigfacher aufgelegter plaftifcher VerDiefe Gefäfse dienen theils zum zierung, wie Blumen, Rofetten, Knöpfchen etc. Schmucke des Wohnraumes, haben aber auch als Kohlenbecken, für Verflüchtigung von Parfums u. f. f. ihre praktiſche Verwendbarkeit. Diefe, fowie die rothen Bauerngefäfse von Eftremadura, welche mitunter ganz gute Formen tragen und mit einer höchft dünnen Bleiglafur überzogen find, hat unfer öfterreichifches Muſeum erworben. Portugal, deffen Auftrefen auf der Ausftellung überhaupt ein ganz würdiges und anerkennenswerthes war, hat auch von feiner modernen Fayence- Induftrie Proben gefandt, die wir vor allem bei J. Barlou aus Liffabon fanden. Angefichts der wirklich lobenswerthen Leiftungen von Baftos in der Porzellantechnik verftimmt Barlou's Fabrication durch elende Formgebung. Die Fabrik ift eine der bedeutenderen, gute Mufter werden durch den englifchen und franzöfifchen Import ftets vor Augen geführt, und doch nicht zum Vorbild genommen. Die gemalten fowie die bedruckten Fayencen, meift currente Marktwaare, waren doch fehr bedenklich fchlimm decorirt. Mehr Intereffe erweckten Mafra's nationale Fayencen von Caldas und deffen Paliffywaaren, welche mit guter Glafur verfehen, nur in der Farbe etwas roh erfchienen. Ein grofser Fifchkorb und einige andere Stücke der übrigens ziemlich reichhaltigen Ausftellung des Fabrikanten waren ganz verdienftliche Leiftungen. Hier trafen wir auch wieder die bekannten Stiergeftalten, die zu Taufenden auf den Märkten von Liffabon verkauft werden, alle nach demfelben Typus modellirt und meift mit einer fchwarzbraunen Bleiglafur überzogen. Das urfprüngliche Modell diefes jetzt typifch gewordenen nationalen Symbols ift unftreitig auf römifche Broncen zurückzuführen. Eine eigenthümliche Thonwaaren- Induftrie ift jene, welche in Porto im grofsen Mafsftabe geübt wird und ihre Erzeugniffe im ganzen Lande vertheilt. Es ift diefs die Fabrication kleiner Thonfigürchen im Nationalcoftüme, die oft recht gut modellirt, gebrannt und fchliefslich mit Lackfarben bunt bemalt find. Eine Actiengefellfchaft unter der Direction von Antonio Bafto ftellte diefe netten, oft recht gelungenen und charakteriftifchen Figürchen aus, die in ganz unglaublichen Quantitäten zum Preife von 2 bis 4 fl. per Stück auf den Markt kommen. Auch von fonftigen nationalen Töpfergefchirren hatte Portugal Proben gefandt, unter denen wir das mattfchwarze, oft fehr fchön geformte Gefchirr mit einem flüchtig eingravirten Ornamente hervorheben, an dem geradezu antike Profile zu entdecken waren. Es ftammt aus Gaia und ähnelt in ganz auffallender Weife den fchwarzen, mit glänzendem Ornamente gefchmückten Erzeugniffen der bäuerlichen Induftrie von Klaufenburg in Siebenbürgen. Manche andere Gefäfse aus der Gegend von Porto erfreuen durch ihre originelle Profilirung, ihre fpecififche Farbengebung, worunter namentlich wieder eine braunroth glafirte Sorte von Bauerngefchirr auffällt, das in Evora gebraucht wird. Nicht ganz vollständig haben die Länder des Orientes ausgeftellt. Die perfifchen Fayencen und die von denfelben beeinflussten rhodifchen Waaren moderner Manufactur fehlten in der verdienftlichen Collection der Gebrüder Ziegler in Tabris. Es wäre eben intereffant und wünſchenswerth gewefen, folche Fayencen, die heute die Motive zu den beften Ausführungen noch abgeben, welche nur ein Minton, Deck oder Collinot auf der Ausstellung vorführten, neben diefelben zu ftellen. Es würde fich bei aller den Orientalen eigenthümlichen Gefchicklichkeit in der Behandlung der Flächenverzierung zeigen, um wie viel weiter zum Theile wenigftens unfere Künftler die dem Orient und ſpeciell perfifchen Stile entnommenen Motive aus- und durchgebildet haben. 60 - Dr. Emil Teirich. Leider reichen die heutigen Arbeiten der Perfer eben nicht an jene vielbewunderten der vorigen Jahrhunderte mehr heran. Eine dauernde politifche und finanzielle Mifswirthschaft nicht wenig aber auch ein fchlechter europäiſcher Einflufs haben den guten, alten Stamm heimifcher Werkleute in feiner Fortbildung geftört, in falfche Bahnen gedrängt. Die herrlichen decorativen Arbeiten der berühmten Mofcheen bleiben unvollendet oder verfallen, das Können fowohl als die Luft zu ähnlichen Arbeiten ift gröfstentheils gefchwunden. - Heute ift Kafchan noch der Sitz einer beachtenswerthen Thonwaaren. Induftrie, die aber nur wenig mehr für den Export zu fchaffen hat. Ein befferes Bild von einer heimifchen Induſtrie gab nur die ziemlich reichhaltige Sammlung von Gefchirren indifchen Urfprunges. Theils find die ausgeftellt gewefenen Stücke Eigenthum des India- Muſeums in London, wie wir fie bereits auf der Expofition von 1871 kennen gelernt haben, theils find diefe von den einzelnen Landescomités zufammengetragen oder von heimifchen Arbeitern über der Letzteren Anregung eingefandt worden. Faft alle unter diefen zierlich geformten, mit feinen Profillinien umfäumten Gefäfse verrathen ihren gemeinſamen Urfprung aus der Metallotechnik, die in Indien von Alters her eine fo eminente Ausbildung und Bedeutung erlangt hat. Ihr find die fchön gefchwungenen, leicht zerbrechlichen Henkel der Gefäfse, die langen, dünnen Hälfe der Krüge entnommen, ja felbft das hie und da gemalte Ornament erinnert an die Motive, welche wir an den taufchirten Silberarbeiten Indiens in vollendeterer Weife durchgebildet finden. Wenn die hier fkizzirten hervorragenden Eigenfchaften der indifchen Poterien nicht fo ganz in die Augen fpringend an manchen der ausgeftellten Gegenftände erfichtlich waren, fo liegt diefs zu nicht geringem Theil an einer Corruption und einem Verfall des indifchen Handwerkes, der in den letzten Jahren ganz unleugbar gerade die civilifirten Theile des Landes durchfeucht hat. Dem entgegenzuwirken und in fehr richtiger Würdigung des unfchätzbaren Reichthums, der in der nationalen Hausinduftrie des Orientes geborgen liegt, hat die englifche Regierung durch Entfendung des Directors Hunter und Gründung der Madras fchool of Arts gefucht, deren Hauptaufgabe in der Heranbildung eingeborner Jünglinge zum Kunft- Handwerke befteht. Die erzielten Refultate find, dank der überaus eifrigen Bemühungen des leitenden Directors bereits vollſtändig befriedigende. Eine Sammlung guter Modelle ift angelegt, eingeborne Lehrmeifter find herangebildet worden und die vom Madras Committee ausgeftellten Arbeiten der Zöglinge erweifen mitunter recht tüchtige Leiftungen. Das Streben nach Erhaltung altindifcher Kunftdenkmale führte fo zur Nachbildung der Ornamentik alter Hindutempel durch die genannte Schule in Terracotta und war von folchen Ornamenten eine Anzahl zur Anficht gebracht. Aufser diefen waren fchön gezierte Alkarazas und andere Gefäfse ausgeftellt. Mancherlei glafirte Gefäfse, die recht gut den indifchen Charakter verdeutlichten, dann fchön durchbrochene Fenftergitter( Moncharabie genannt), dann einige Fliefen, brachte das North Weft Provinces Local Committee. Alle diefe Poterien, meift aus der Umgebung von Umroha ftammend, find zweifärbig und zwar gelb und braun oder blaugrün und weifs glafirt. Die Farben find meift fehr brillant, zum Theile jedoch voll von Haarriffen; die Modellirung mitunter weniger fein als an anderen indifchen Arbeiten. Eine Collection ordinären, nationalen Kochgefchirres und diverfer Gefäfse, beftimmt zu einem für uns mitunter fchwer verftändlichen Hausgebrauch, rührten von fünf heimifchen Töpfern aus Scind, Haiderabad und Kurrachee her, den bekannten Poteriediftricten Indiens. Sie repräfentirten die marktgängige Waare. Es find diefs gelbglafirte, mit Weifs decorirte Fenftergitter, perfifchblaue, violette und blaugrüne, leicht und flüchtig bemalte Gefäfse. Das Deffin ordnet fich aus Blumen und Rofetten meift fymmetrifch an. Die Thonwaaren- Induftrie. 61 Die Baroda- Arbeiten, fchwarze Gefäfse mit eingelegtem Silberornament verriethen am deutlichften ihren Urfprung an der Metallotechnik. Hier wie an den taufchirten, flafchenförmigen Gefäfsen find grofse Blumen das decorative Motiv. Eine ähnliche Art der Verbindung der Thonwaare mit metallifchem Zierath zeigten die braunfchwarzen Gefäfse von Punjab und Azimgurh, woran meift fchuppenförmige Einlagen von Silberdrath zu finden waren. Faft übereinftimmend mit diefer Technik fanden wir unter der fehr reichhaltigen, aber wenig bedeutenden Sammlung von diverfen Thongefchirren, welche die Türkei fandte, fchwarze Gefäfse von Ruftfchuk, aus einem durch die ganze Maffe gefärbtem Thon, der auch vielfach zur Erzeugung der echten fchwarzen Pfeifenköpfe verwendet wird, deren Imitation durch Dämpfen des Stückes beim Brennen übrigens von den Fabrikanten Conftantinopels ganz gut verftanden wird. Die Ruftfchuk Gefäfse find meift von guten, feinen Formen, die wohl der Antike entlehnt find und fich traditionell erhalten haben mögen. Der Scherben ift glänzend polirt, fehr dünn und durch einen aufgeprefsten Perlenftab oder ein ähnliches fortlaufendes Motiv profilirt. Ihren Hauptreiz aber erhalten diefe Gefäfse durch die im feuchten Zuftande aufgeprefsten kleinen Silberplättchen und Silberpunkte, die zu Rofetten in recht fchöner Vertheilung angeordnet find. Im Uebrigen zeigt fich an den meiften türkifchen Thonwaaren ein trauriger Verfall der Technik fowohl, als der Gefchmacksrichtung. Der Sitz der alttürkifchen Thonwaaren- Induftrie, ja auch der heutigen, find vorzüglich die Dardanellen. Dort blühte einft die berühmte Fabriksftätte Kutaja ( Kutahia), berühmt ihrer prächtigen Wandverkleidungs- Platten und architekturalen Fayencen wegen, von denen die alten Mofcheen noch reiche Ueberbleibfel enthalten. Die heutige Ausstellung der von der Regierung neuerdings feit einiger Zeit in Betrieb gefetzten Fabrik ift intereffant der alten, noch immer nicht ganz erlofchenen guten Motive wegen, mit denen fie die Decoration ihrer Fliefen vornimmt und nach denen fie Fläschchen und Schalen formt, aber doch noch von gar geringem Werth. Nichou, der am gleichen Orte die Thonwaaren- Induftrie im gröfseren Stile betreibt, machte Fortfchritte in deren Ausbildung gegenüber feinen Mitausftellern. Blaugrün glafirte, langhalfige Krüge mit Reliefs und Vergoldung roh geziert, die blauen Platten( Teller), genannt Nichané, die gedeckten Jourtfchalen, diverfe Sahans oder Wafferkrüge, alfo durchaus currente Waare wurde von ihm ausgeftellt. Ganz ähnlich wie diefer arbeitet einer der vielen Achmed's in KaleiSoultanié und Nichané bei Bruffa, von denen die fchon erwähnten Efsgefchirre und Haushaltungs- Geräthe für die ganze Türkei geliefert werden. Huffein auf den Infeln bei Tchanakalé zählte mit zu den wenigen türkifchen Fabrikanten, die ein fichtliches Streben nach fauberer, verſtändiger Arbeit kundgeben. Im Allgemeinen zeichnet fich die ganze Thonwaaren- Induſtrie an den Dardanellen durch eine äufserft glänzende und farbenprächtige Glafur aus, welche namentlich an jenen ausgewählten Stücken hervortritt, welche Hamdy Bey ausgeftellt und dem öfterreichifchen Muſeum überlaffen hat. Aehnlich meift in der grünen Glafur dem Dardanellengefchirr find die oft in den originellften Formen ausgeführten Blumenftänder und Gefäfse von Trapezunt. Diefe, wie faft alle türkifchen Gefäfse charakterifiren fich durch die Unmöglichkeit, eine Reinigung derfelben von Innen vorzunehmen, und fcheint diefe Eigenfchaft im Zufammenhange mit Sitten und Gebräuchen diefer Völker des Orientes zu ftehen, von denen man im grofsen Ganzen glaubt, dafs die rituellen Wafchungen nicht immer mit der nothwendigen Gründlichkeit vorgenommen werden. Zunächft feffelten das Intereffe die Gefäfse aus Yemen, den Küftenländern des rothen Meeres und von Arabien. Es find diefs die Gulleh, Djerreh und Scherbe, die Bardak und Testis aus dem Euphratthale, oft von charakteriftifchen, an die 62 Dr. Emil Teirich. antiken Formen erinnernden Profilen, theils direct auf den Scherben glafirt, theils engobirt, zuweilen als Bisquit gelaffen. Die Stadt Tfchanakalé in den Dardanellen vereinigt den gröfsten Theil der Töpfereien des Diftrictes, und zwar unter einem einzigen Dache. Früher in verfchiedenen Werkstätten vertheilt, wurden die Töpfer aus der Stadt gewiefen und bezogen eine Art Schupfen, der in Abtheilungen getheilt für alle zufammen gleichzeitig zur Stätte der Fabrication wird. Von einer folchen im eigentlichen Sinne des Wortes kann nun freilich keine Rede fein. Stets arbeitet der Meifter allein in feinem einzigen Raume, in dem alle feine Manipulationen vorgenommen werden. Dort wird der Thon mit den Füfsen vorgeknetet, dort geformt, wobei die Töpferfcheibe beinahe nie in Benützung gelangt, dort wird in höchft primitiver Weife die Waare noch in dem kleinen Backofen gebrannt und glafirt. Kleine Knaben find gewöhnlich die einzigen Gehilfen des Meifters und bewunderungswürdig ift deren affenartige Behendigkeit und Gefchicklichkeit namentlich beim Auftrage der Glafuren und der Bemalung der Gefäfse, wobei eine Drehung des auf die flache Hand geftellten Gegenftandes hinreicht, um mit der anderen, den Pinfel führenden, eine Kreislinie darauf zu befchreiben, wie wir diefs mit Hilfe der Töpferfcheibe zu thun gewohnt find. Der gänzliche Mangel an mechanifchen Hilfsmitteln, die Rohheit jedes der angewandten technifchen Verfahrens mufs natürlich an dem fertigen Producte zum Ausdruck gelangen. Die Glafur ift darum meift riffig, fleckig, durch Aneinanderfchmelzen zweier Gefchirre im Ofen oft befchädigt. In folcher Weife arbeiten über zwanzig Meifter vereint unter einem Dache für den Bedarf eines grofsen Theiles der Türkei, in welcher das Dardanellengefchirr allenthalben beliebt ift. Die nachträglich und auf kaltem Wege höchft nachläffig applicirte Vergoldung der glafirten Gefäfse gefchieht nicht von Seite des Töpfers, fondern erft in den Verkaufsläden des Gefchirrhändlers. Schon einmal wurde der Beftrebungen der türkifchen Regierung gedacht, durch die Fabrik Kutaja belebend auf die Thonwaaren- Induftrie des Landes zu wirken, und es iſt ein Verdienft Edhem Pafcha's, anregend in diefer Richtung gewirkt zu haben. Diefelbe Abficht leitete fie bei Gründung der Kunft- und Handwerker- Schule von Janina, in der die Zöglinge zu praktiſcher Arbeit angeleitet werden follen. Das, was wir von folchen Arbeiten zu fehen bekamen, war ziemlich troftlos und ftand unter dem Niveau des vielen Mittelmässigen der übrigen Ausfteller. Es fcheinen fowohl die geeigneten Lehrkräfte als auch der rechte Ernſt zu fehlen. Einige weifse(?) Fayenceteller, einige fchwache Verfuche einer farbigen Decoration darauf war Alles, was die Thätigkeit der Schule zu illuftri ren hatte. Ein Induftriezweig endlich, welcher die gröfste Bedeutung für die Umgebung von Ruftfchuk und Conftantinopel hat, ift die Fabrication der Pfeifenköpfe aus einem fehr fetten, ziemlich feuerbeftändigen, grauen Thone, der nach dem Formen, das ftets mit freier Hand gefchieht, oft durch eingravirtes Ornament oder durch Aufpreffen mittelft kleiner Model decorirt wird. Das Brennen gefchieht bei fehr fchwachem Feuer, das nur die Farbe des Materiales in Roth ändert und nun erft wird durch Poliren und Schleifen die Oberfläche geglättet, wozu man eine wachsartige Maffe benützt, die in den poröfen Thonkörper eingerieben wird. Die kalte Vergoldung wird zuletzt aufgetragen. Salich in Conftantinopel hatte die gröfste und befte Collection von folchen Pfeifen eingefandt. Er dürfte der hervorragendefte Erzeuger diefer Waare für den Export fein. Namentlich waren feine rothen Pfeifen, oft von recht guter Form und mit reicher Vergoldung verfehen, bemerkenswerth ob der Präcifion, mit der fie gearbeitet. Aufser diefen wurden von ihm die fchwarzen Köpfe von Ruftfchuk imitirt. Die Thonwaaren- Induftrie. 63 Aehnliche fchwarze Pfeifenköpfe fanden wir in der Sammlung von Mehmed Effendi aus Bagdad und fchön gearbeitete fchwarze mit eingelegtem Silberornament von Mustapha in Adrianopel, reich vergoldete, befonders grofse Köpfe von Hamdi Effendi in Conftantinopel ausgeftellt. Häufig genug werden übrigens auch glafirte Pfeifenköpfe erzeugt. Meift find folche dann grün oder gelb wie jene von Anaftafe in Diarbekir, der namentlich Nargilehs in fchöner Blumenform brachte. Hat auch der Tfchibukkopf im Wefentlichen feine Form beibehalten, fo variiren die Modelle doch in einer ganz mannigfaltigen Weife und find theilweife wirklich recht gefchmakvoll aus geführt. Die Preife aller diefer Fabricate find in den letzten Jahren übrigens enorm geftiegen und ift die Fabrication als folche in keiner Weife eigentlich fortgefchritten. Was die Türkei an Thonwaaren ausftellte, gab ein lebhaft buntes kaleidofkopifches Bild, ein farbiges Durcheinander, dem von vorne herein die fachkundige, ordnende Hand fehlte. Durch den Mangel eines Specialkataloges, der durch die geradezu unverftändliche Form noch verfchärft wurde, in welcher der türkifche Generalkatalog abgefafst ift, ging für das grofse Publicum der Werth des Ausgeftellten faft verloren. Nicht Jedermann findet Zeit, tagelang ordnend unter den Hunderten von Ausftellern herumzukramen, von denen viele nur ein einziges Gefäfs ohne irgend eine Befchreibung oder nähere Bezeichnung eingefandt haben. Wir haben doch nachgerade genug Weltausftellungen erlebt, um folch' grobe, principielle Fehler vermeiden zu können. Roher und plumper noch als die türkifchen Poterien ift das wenige von den verfchiedenften Seiten zufammengetragene tunefifche Gefchirr, das fich in der Collectivausftellung von Morpurgo vorfand. Zumeift waren es unglafirte, aber auch ganz fchmucklofe, flafchenförmige Gefäfse, eine Art Alkarazas, zur Wafferkühlung beftimmt. aus einem dichten, gelblichweifsen Thon. Glafirt waren in der kunftlofeften Weife einige originell geformte, hochhalfige Oellampen. Die Glafur felbft ift eine dunkel kupfergrüne. Einige wenige und äufserft primitiv gehaltene Fliefen liefsen kaum eine gewiffe Compofition des aufgemalten Ornamentes erkennen, und waren fo in ihrer Art ziemlich das wenigft Gute auf der ganzen Ausftellung. Von weit mehr Form- und Farbenfinn zeugten dagegen Viele die, von mehreren Ausftellern herrührenden Gefäfse aus Marokko. derfelben waren fchüffel- oder vafenförmige Prunkgefchirre in buntefter Weife, aber oft nicht ohne eine beffere Gefchmacksrichtung emaillirt. Die grellroth, grün, blau und gelb auf weifsem, engobirtem Grunde gemalten Deffins waren grofsentheils Flachornament und fcheinen der textilen Kunft, dem Teppich, entnommen zu fein. Die deckende Glafur war fehr glänzend und gut gefloffen. Wie fchon erwähnt, boten diefe Gefäfse einiges Intereffe und differiren völlig von allen übrigen, vom Oriente gebrachten Poterien. An ihnen war, wenn auch mitunter arg verfehlt, noch. hie und da die Linienführung der Antike zu verfolgen, deren Formen eigenthümlicher Weife ganz ohne Einfluss auf die türkifche Töpferkunft geblieben find. Noch mehr nahm es Wunder, unter dem Wenigen, was Griechenland fandte, fo felten Reminifcenzen an die Töpferkunft der Antike zu finden. Nur ein Ausfteller, Carmine Botazas, ein Töpfer aus Korfu, brachte einige meift vafenförmige, zwar roh, aber nach guten Schablonen geformte Gefchirre aus blafsgelbem fcharf gebranntem Thon. Eine meift einfärbige, höchft ordinäre, grüne oder dunkelgelbe Bleiglafur überzog diefe wenig hervorragenden Erzeugniffe einer vernachläffigten Hausinduftrie. Anders verhält es fich mit der Thonwaaren- Induftrie Egyptens. Zwar wären hier deren Erzeugniffe, unter welchen nur wenige glafirte Gegenftände ausgeftellt fich fanden, eigentlich nicht zu befprechen, doch läfst fich in diefem Falle, wie fchon manchmal früher, eine Trennung der Terracotta- Arbeiten von jenen, welche Glafuren tragen, nicht denken, ohne alle Ueberfichtlichkeit diefes Berichtes zu vernichten. 64 Dr. Emil Teirich. Das ganze Arrangement und Alles, was die egyptifche Abtheilung füllte, ift Eigenthum des Vicekönigs und von diefem eingefandt worden. Wir erhielten demnach eine Collection auserwählter, fehr fchön gearbeiteter und als charakteriftifch anerkannter Gefäfse, die nach Schlufs der Ausftellung als Gefchenke des Khedive an unfer öfterreichifches Muſeum übergegangen ift. Hier fanden wir zum Theile die alt ererbte Decorationsweife durch eingravirtes Linienornament wieder, welche die Gefäfse Altegyptens, fo häufig zeigen, oder einen fortlaufenden, in fchwachem Relief aufgeprefsten Perlenftab, fternförmige Zeichnungen und fo fort, gewöhnlich aus einfachen fich wiederholenden Motiven beftehend. Die dichte, feine Maffe der Nilablagerungen ift von äufserfter Plafticität und geftattet eine dünne Bildung der Gefäfswand. Viele der fo angefertigten Gegenftände, oft von ganz eigenthümlichen, fchwer verftändlichen Formen, zeigten deutlich Spuren einer im trockenen Zuftande vor dem Brande vorgenommenen Bearbeitung mit dem Meffer und eine freilich rohe Sculptur. Das nicht befonders fcharfe Feuer, dem alle diefe Poterien ausgefetzt werden, verändert die maufegraue Farbe des Rohmateriales in eine mehr oder minder braunrothe, die durch eine nachträgliche Politur wefentlich an Glanz gewinnt. Ueberhaupt vertritt diefe nachträgliche Appretur des fchwach gebrannten Thones in recht fchöner Weife die Glafur. Schalen aller Formen, doch nie in gröfseren Dimenfionen, wie denn überhaupt die meiften der ausgeftellten Poterien mehr einer Sammlung von Nippés ähnelten, dann Kaffeefchalen, Lampen und vor Allem ein Paar prächtige Candelaber bildeten neben den Pfeifenköpfen, welche jenen der Conftantinopolitanifchen Fabrikanten ähneln, in ihren vielfachen Varianten das Gros der ausgeftellten Objecte. Wir können mit Recht zufrieden damit fein, dafs diefe fehr intereffante Sammlung Wien erhalten geblieben ift. Das Befprochene und die fehr vollſtändige Sammlung des himmlifchen Reiches China und jene von Japan, denn die beiden letzteren haben ihre Porzellaninduftrie und zum Theile auch die Fayencewaaren fehr gut zur Anfchauung gebracht, gaben uns ein Bild der Werke der Hausinduftrie des Orientes, der fich jene der angrenzenden Länder Oefterreichs anfchliefst. Eine ziemlich grofse Reihe von grofsen vafenförmigen Gefäfsen, mit einem eigenthümlichen, ftark zinnhältigen Email decorirt, in Kiukiang( China) erzeugt, war über und über mit einem feinen, aber etwas verworrenen Deffin überzogen, der in Etwas an die modernen, in der Zeichnung wenig klaren perfifchen Teppichmufter erinnert. Die Zeichnung ift mit fchwarzen Linien umfahren und die Zwifchenräume mit dem blafs rofenrothen, fchwefelgelben, himmelblauen oder meergrünen Zinnemail dick ausgelegt, fo dafs fich, wie wir es bei Collirot oder Parvillé fahen, eine Art Relief der Emailfläche bildet. Das Ornament, in das manchmal fratzenartige Geftalten oder Drachenköpfe mit eingeflochten find, ift ein fymmetrisch angeordnetes, wenn die ganze Fläche damit decorirt wird. Es iſt jedoch nicht felten der Fall, dafs der ganze Fond des Gefäfses blofs roth oder, wie diefs fehr häufig gefchieht, fchwefelgelb emaillirt wird, über den fich dann ein einfeitiges, gewöhnlich dickäftiges, kleinblätteriges, aber grofsblumiges Rankenwerk quer dahinzieht, ohne durch eine Achfe in zwei fymmetriſche Theile zu zerfallen. Die von der Ranke getragenen, meift fternförmigen Blumen oder Rofetten fitzen feltfamer Weife ftets ohne Stiel auf derfelben. Eine Anzahl verfchiedener Thonwaaren aus anderen Diftricten bot weniger Intereffantes. Weifs glafirte Götzenbilder und Thiergeftalten, 3 bis 6 Zoll hoch, plump und ftumpf modellirt, mit braunem, grobem Emailauftrag gefleckt, werden in Shanton erzeugt. Aus Shangai fand fich ein eigenthümliches, dünnwandiges, rothes, aber unglafirtes Gefchirr vor, das an jenes aus Egypten erinnerte, und welches für den Hausgebrauch erzeugt wird. Solche Gefäfse exportirt China nach Japan. Eine ähnliche Waare erzeugt man auch in Chefoo, woher auch eine dunkelgraue mit fchönem Metallluftre verfehene, aber offenbar ordinäre Die Thonwaaren- Induftrie. 65 Theekanne ftammte. Die ganze Sammlung diefes hochintereffanten Gebrauchsgefchirres war übrigens zu wenig vollſtändig, um einen richtigen Ueberblick über die Mannigfaltigkeit der Form und Farbengebung zu verfchaffen, die in folcher ordinärer Waare mehr als in dem conventionell decorirten Porzellain zu finden ift. Nicht fo reich als in Chinas Abtheilung fanden wir die Fayencetechnik Japans durch prächtige Ausführungen repräfentirt. Und doch nimmt gerade die Fayence hier wie dort, wir glauben diefs mit voller Berechtigung behaupten zu können, einen künftlerifch weit höheren Rang ein, als das Porzellan. Gilt diefs nicht von der Form desfelben, fo doch ganz ficher von der coloriftifchen Behandlung der Stücke, in denen fich der ausgebildete Farbenfinn des Orients, deffen Talent für Flächenverzierung ausfpricht. Wir haben fchon im Vorftehenden auf den Zufammenhang vielfach hingewiefen, der zwifchen den orientalifchen Formen und Farbenfchatz und den europäifchen Fabrikanten befteht, die viele und reichliche Anlehen bei ihren entfernten Collegen oft und namentlich in der Neuzeit machten. Und fo bleibt nun nur wenig mehr über die Originale jener vielen Imitationen zu fagen übrig, denen wir vor Allen auf unferem Rundgang durch England und Frankreich begegneten. Das Prototyp der japanifchen Fayence ift die, aus dem Departement von Kagofima gefandte, unter dem Namen Satfumagefchirr bekannte Waare. Die Formen diefer Gefäfse, welche als die beften und am feinften decorirten gelten, find relativ gut zu nennen. Die Farbe ift meift ein Schwefel- bis Eigelb als Grund, auf dem bunte Blumen in regelmässiger Vertheilung angeordnet find, oder der mit feinen, oft recht fchönlinigen Ornamenten überftrickt erfcheint. Die angewandten Emails find zinnhältig, opak und zeigen alle guten und fchlechten Eigenfchaften derfelben, unter Anderem auch manche Haarriffe. Von befonderer Zierlichkeit fanden wir einige Theeſervice mit fehr matter Malerei. Satfumagefchirr war von jeher und ift noch heute fehr hoch im Preife gehalten. Aehnlich gefchätzt und charakteriſtiſch für die japanefifche Fayencetechnik ift die Awata waare, fo genannt nach dem Quartier Awata der Stadt Kioto, dem Orte ihrer Erzeugung. Der Scherben ift gelblich weifs und fehr hart, die bunte Decoration der ausgeftellten Theefervice, Schüffeln und Becken erinnert etwas an modern europäiſche Ausführungen. Eine fehr fleifsige Imitation, namentlich der echten Satfumawaare, ftellte Sampeï, ein junger Fabrikant in Awadji- Sima, Departement Miodo, aus. Die Porzellanthon- Maffe wird mit einer bleihältigen, meift von Haarriffen ziemlich freien Glafur überzogen und diefe bemalt. Die Wahl der Farben und die Ausführung der Malerei übertrifft faft die der Originale. Die Erzeugung diefer Gefäfse datirt erft aus den zwei letzten Jahren. Eine Sorte von graulich decorirtem Gefchirr für den Hausgebrauch wird im Departement Miné unter dem Namen Bank o yaki- Waare erzeugt, und hat ihren Namen von ihrem Erfinder. Es ift ein ordinäres Fayencegefchirr voll Haarriffen, ziemlich roh mit Blumen und Figuren decorirt, in braunweifslichem Farbenton. Einige ebenfalls fo verzierte Theekannen von weifslichem Bisquit von ganz befonderer Feinheit, ftammen aus demfelben Departement. Die Erzeugung von Götzenbildern und kleinen Grotefkfiguren, Statuetten u. f. w. aus glafirtem Töpferthon geht in China und Japan ins Maffenhafte. Aus Hiogo und Toukouoka wurden folche eingefandt. Die Arbeit an diefen Figuren, fowie an den gleichzeitig ausgeftellten grau glafirten ordinären Gefchirren ift ziemlich roh. Wie das ermattete Auge am grünen Anger gefund fich fieht und labt, fo fieht unfer Kunstgewerbe, das erft feit Kurzem zur Erkenntnifs feiner eigenen Schwäche gekommen ift, deffen Productionskraft innerlich erlahmt, deffen Ziele verrückt find, nicht felten auf jene urfprüngliche, unverdorbene Richtung hin, welche wir in der nationalen Hausinduftrie mehr oder minder rein, getreu nach uralten 5 66 Dr. Emil Teirich. Kunfttraditionen und althergebrachten Verfahrungsweifen geübt und bewahrt finden. An den oft bäuerifch rohen, aber durch und durch gefunden Formen diefer Erzeug. niffe des häuslichen Fleifses will unfere erfchlaffte, fchaffensmüde Phantafie fich Rath erholen. - - Faft find es nur mehr die Länder des Orients im weiteften Sinne des Wortes, in welchen die Hausinduftrie unverfälfcht nach alten Traditionen arbeitet denn. unfere heimifche und moderne Induftrie ift wenig dankbar für die geholten Vortheile, und unerbittlich verdrängt fie mit dem billigen Maffenproduct ihrer Mafchinen und Oefen die Hausinduftrie aus ihrem taufendjährigen Reiche. Schritt für Schritt folgt ihr die Mode, die graufame Mutter, die ihre eigenen Kinder vertilgt und mit ihr verfchwindet der Stil aus dem Kunstgewerbe. Die Mode ift der ewige Wechfel; das Haus und die gewerbliche Thätigkeit im ftillen Inneren desfelben, fie vertreten hartnäckig das confervative Princip. Wir haben von der Wiener Weltausftellung gehofft, dafs fie uns ein reiches Bild der nationalen keramifchen Kunftfertigkeit, vorzüglich des Orientes alfo, bieten werde. Wir dachten es uns als wichtige Aufgabe der fpeciellen Landes commiffionen, hierin fammelnd, jedenfalls aber vermittelnd aufzutreten und jedermann hätte ihnen Dank hiefür gewufst. Es kam jedoch anders. Die Hausinduftrie war nur äufserft lückenhaft vertreten gewefen und ein richtiges Bild, namentlich für denjenigen, welchem die Erfahrungen von vorneherein noch fehlen, war aus dem zerriffen Ausgeftellten kaum zu conftruiren. Wir haben es verfucht, den Induſtriepalaft von Weften nach Often durchwandernd, das Wefentlichfte hervorzuheben, wobei wir jene Fabriken felbft erwähnen mufsten, die zwar nicht im gröfseren Mafse Thonwaaren für den Handel erzeugen, diefe jedoch den localen Verhältniffen anpaffen und die fich alfo die Producte einer, meift nebenher noch florirenden Hausinduftrie directe zum Vorbilde nehmen. Manche Ausfteller erfuhren daher eine Befprechung und Erwähnung, ohne dafs deren Leiftungen von befonderem Werthe vom Standpunkte der Technik oder der Kunft, welchen wir hier einzunehmen hatten, gewefen wären. Zur Charakteriſtik der ganzen Induftrie eines Landes, an der folche aber oft wefentlichen Antheil nehmen, mufste das Augenmerk der Befucher der Weltausftellung auf fie gelenkt werden. STEINZEUG. Die Induftrie des Steinzeuges mag von jeher parallel mit der von irdenem Gefchirr und der Fayence gelaufen fein. Freilich fehlen hierüber Daten, die nicht weiter als in die Zeit des XIV. Jahrhunderts diefe Technik verfolgen laffen, welche damals an denfelben Orten am Rhein, in Belgien und Holland, dann aber auch von den Nürnberger und böhmifchen Töpfern geübt worden war. Es iſt begreiflich, dafs die Schwierigkeit des Brennens bis zur ſtarken Sinterung der ganzen Maffe von den alten Thonwaaren- Erzeugern nur felten völlig zu überwinden war. Erft die neuere Zeit brachte Leben in diefen Zweig der ThonwaarenInduftrie. Die Erfindung der Salzglafur, welche in die Mitte des XVII. Jahrhundertes fällt, gab der ganzen Technik einen neuen Auffchwung und eine veränderte Richtung. Auch auf diefem Zweige der Thonwaaren- Induftrie erklimmt bald die englifche Fabrication eine bedeutende Stufe, namentlich in der Erzeugung der falzglafirten Waare. Den höchften Culminationspunkt erreicht diefe Technik aber durch die epochemachende Erfindung Jofiah Wedgewood's, der feiner Maffe den höchften Grad von Feinheit bei genügender Plafticität zu geben wufste, und fie zu künftlerifchen Zwecken geeignet machte. So fehr feine Thonwaare von demjenigen Producte fich unterfcheidet, das heute unter dem landläufigen Namen Die Thonwaaren- Induftrie. 67 Steinzeug in den Handel geht, fo reiht fich, dem Chemismus nach, feine Maffe dennoch darunter. Wedgewood hatte, wie faft jeder Erfinder, feine Vorgänger in den Brüdern David und Philipp Elers, welche Deutfche waren, die nach England mit dem Prinzen von Oranien um 1688 kamen, in dem heute fo berühmten Diftricte von Staffordſhire ihre Thätigkeit als Thonwaaren- Fabrikanten begannen, und ebenfo wie in Italien und Deutfchland, angeregt von dem Verlangen, das importirte chinefifche Porzellan zu imitiren, manche Erfindung in der Erzeugung halbgefchmolzener, fteingutartiger Maffen machten. So ift ihnen die erfte Zufammenfetzung jenes fchwarzen, halbverglaften Gefchirres zuzufchreiben, das, aus ftark eifenfchüffigem Thon erzeugt, fpäter von Wedgewood zu feiner berühmten ,, Egyptianwaare" verfeinert wurde. Jofiah Wedgewood's Leben und Wirken( 1730 bis 1795) war ein für Englands Thonwaaren- Induftrie unendlich wichtiges und mit Recht begrüfst uns fein Standbild vor dem Bahnhofe in Stoke upon Trent als Vater diefer Landesgegend, welche den bezeichnenden volksthümlichen Namen ,, The Potereies" trägt. Wedgewood's Jafperwaare, in deren Erzeugung feine Technik culminirte, befteht im Wefentlichen nach feinen eigenen Aufzeichnungen aus circa fechs Theilen Schwerfpath, drei Theilen feinen weifsen Thon, einem Theil Quarz und einem Viertel Theile von kohlenfaurem Baryt. Bei fcharfem Feuer gebrannt nähert fich diefe Maffe wefentlich dem Porzellan, ift hart genug, um einen feinen Glanz zu zeigen, und ganz befonders geeignet zur Färbung mit gewiffen Metallfarben in gebrochenen Tönen, wie diefs Wedgewood namentlich in Blau und Seladongrün ausführte. Nach Wedgewood's Tode fetzten feine Erben die Erzeugung diefer Specialität fort bis auf den heutigen Tag, und wiewohl die eingefchlagenen Verfahrungsweifen feither vielfach bekannt geworden find, ohne eigentliche Concurrenz. Auch in diefem Jahre ftellte die Firma Jofiah Wedgewood and Sons eine reiche Collection der Waare aus, die ihren Namen trägt, in den mannigfachften Formen, meift weifs in Basrelief decorirt auf gefärbtem Untergrund ohne Glafur. Einen wefentlichen Fortfchritt in diefer Richtung hat übrigens das Etabliffement in neuerer Zeit nicht aufzuweifen, denn es fehlt feinen Erzeugniffen der fo unendlich delicate Auftrag, die Feinheit in der Modellirung, welche die alte Wedgewoodwaare vor Allem kennzeichnet. Das grofse perfönliche Intereffe und die Mitwirkung der Hand des grofsen Vorfahrens an jeder Arbeit feiner Fabrik läfst fich jetzt eben durch die beften Künftler, welche die Wedgewood's heute befchäftigen, nicht vollſtändig erfetzen. In ähnlicher Weife wie Wedgewood's Maffe müfsten, als hieher gehörig, eigentlich die Erzeugniffe in Parian zu befprechen fein. Seit kaum 30 Jahren, eingeführt durch die Mintons, Copeland und Mountford nach England, haben feither die herrlichen Eigenfchaften des Materiales ihm eine allgemeine Beliebtheit in der Verwendung zu plaftifchen Werken verfchafft, trotzdem dafs das Verhalten desfelben, beim Brande, in ganz bedeutender Weife zu fintern, gewiffe Schwierigkeiten dem Fabrikanten bereitet. Vor dem Bisquitporzellan hat eben die Parianmaffe den Vortheil einer warmen, dem antiken pentelifchen Marmor ähnlichen, diaphanen Structur und gelblichen Farbe, die eben für die Modellirung des Nackten fich unvergleichlich eignet. Wie kalt und trocken find nicht beiſpielsWeife die fonft trefflich modellirten fchwedifchen Bisquitfiguren im Vergleiche zu den herrlichen, wie vom Hauche des Lebens getroffenen Geftalten aus Copeland's Parian. Im Wefentlichen befteht die Grundmaffe aus fehr ftark mit Feldfpath verfetztem Kaolin. Sie fintert lange bevor das Bisquit gar gebrannt ift und erweicht durch und durch. Die Schwierigkeit, unter folchen Verhältniffen das Verziehen und gänzliche Zufammengehen der Gegenftände im Feuer zu verhüten, 5* 68 Dr. Emil Teirich. find bedeutend und erfordern vielfache Erfahrung in diefer Richtung. Unter dem von England Ausgeftellten fand man aber geradezu Parforceftücke einer fchwierigen Ausführung. Der gelblich warme Ton des englifchen Parian ift lediglich eine Folge des Brennens im Oxydationsfeuer. Indem bei ungehindertem Luftzutritt gebrannt wird, oxydirt fich die kleine Eifenmenge im Thon zu rothbraunem Oxyd, während das Reductionsfeuer unferes Bisquitofens nur Eifenoxydul Salze entſtehen läfst, welche den Grund zu jener kalten, grünlich oder bläulich weifsen Farbe des Bisquits legen. Es war die Einführung der Parianmaffe ein grofses Verdienft Copeland's, der fie als ,, ftatuary biscuit" zuerft in vollkommener Weife anwandte und auch heute noch das Befte und Delicatefte darin leiftet. Seither hat fich deffen Erzeugung, die anfänglich Geheimnifs blieb, auch auf dem Continent verbreitet und in vielen Fabriken wird mehr oder minder gutes Parian erzeugt. Eine Neuigkeit, welche am beften nach Wedgewood's gefinterten Maffen zu reihen und auch zu befprechen wäre, brachte Villeroy und Boch aus Mettlach. Aehnlich wie bei den Henry- deux- Gefchirren legt diefer mehrfarbige Thone in eine, meift hellere Grundmaffe ein, aus welcher Vafen, Teller, meift aber Ziergeräthe geformt find. Die angewandte Technik, auf mechanifchem Wege das Einlegen des Ornamentes auf beliebig gekrümmten Flächen vorzunehmen, ift derzeit noch Geheimnifs der Fabrik, wie denn überhaupt das ganze Verfahren erft einige Monate alt ift und die Erftlingsarbeiten nach demfelben fofort die Ausftellung befuchten. Eigentlich ift die Technik nichts als eine Vervollkommnung und Ausdehnung jener Methode, nach denen in Mettlach die bekannten Fufsboden- Platten erzeugt werden. An den erwähnten Gefäfsen aus„ neuer Maffe" ift das Ornament mit grofser Präcifion, oft in den feinften Linien ausgeführt, und im grofsen Ganzen gut in Zeichnung, welche zumeift dem Renaiffanceftile angehört. Das Verdienft der Einführung diefes Verfahrens gebührt einem talentvollen und fehr ftrebfamen Künftler des Etabliffements. Eine eigenthümliche Maffe, welche in neuefter Zeit in immer grösseren Mengen zu den fchon erwähnten Fufsboden- Platten verwendet wird, fchliefst fich an das neue Steinzeug- Gefchirre in ihrer Zufammenfetzung an. Es find diefs jene, die von Boch und Villeroy in Mettlach, dann in neuerer Zeit auch von Frings& Comp. in Sinzig am Rhein zu Fufsboden- Tafeln u. dergl. mit beftem Erfolge verarbeitet werden. Namentlich erftere Fabrik brachte uns davon eine reiche Ausstellung älterer und neuerer Mufter, zum Theil von grofser Schönheit. Im Wefentlichen befteht die Maffe aus einem fchwer finternden Thone, welcher in feinen einzelnen Theilen durch Feldfpathflufs zufammengekittet ift. Dünne Schichten verfchieden gefärbter Thone werden neben einandergelegt, durch eine gröbere Hintermaffe vereinigt und auf die gewünſchte Plattendicke gebracht. Das Ganze gefchieht unter hydraulifchem Druck in halbfeuchtem Zuftande. Gebrannt werden diefe Steine im Porzellanfeuer in Kapfeln. Weniger reich, und auch minder vollkommen in der Farbengebung und namentlich weitaus fchlechter in der Zeichnung find die Platten der viel jüngeren, erft drei Jahre alten Fabrik von Sinzig; doch ift auch hier das Material von gleicher Vorzüglichkeit und einer enormen Härte, die erlaubt, Stahlfunken daraus zu ziehen. Die angewandten Farben find zumeift etwas matt und an den deutfchen Fabricaten übrigens viel weniger brillant als die in England hervorgebrachten. Auch die Zeichnung, die ganze Ornamentirung, entspricht nicht immer allen Anforderun gen, die wir an eine ftilvolle Flächendecoration zu ftellen berechtigt find. Dabei find an den deutfchen Fabricaten die Conturen noch lange nicht von jener Präcifion wie an den englifchen, die freilich auch im Preife höher gehalten find, als jene. Immerhin wäre es wünſchenswerth in diefer Richtung auch fortzufchreiten und jene exacte Arbeit der Engländer zu copiren. Die Thonwaaren- Induftrie. 69 Güte. Aufser den beiden genannten Fabriken befchäftigt fich in Deutfchland keine mit deren Erzeugung, weder in nennenswerther Quantität noch in gleicher Die nöthigen mafchinellen Einrichtungen, die Schwierigkeit der Thonzufammenfetzung, welche bei verfchiedenfter Färbung doch gleiche Härte im höchften Feuer erhalten müffen und gleichförmig dabei zu fchwinden haben, um fich nicht von einander zu trennen, Alles das find Bedingungen, welche nur fchwer zu erzielen find und die grofse Erfahrung und ein eingehendes Studium der zu verarbeitenden Thone erheifchen. Auch in diefer Induftrie wurde von Boch der Verfuch gemacht die Gasfeuerung einzuführen. Die Schwierigkeiten. welche hiebei zu überwinden find, müffen bedeutende fein, da wie verlautet, vorderhand trotz mannigfacher Opfer kein günftiges Refultat erzielt werden konnte. Nicht in derfelben Weife, doch auf ähnlichem Wege erzeugen die Engländer ihre fogenannten Enkauftik tiles, welche ihre Verwendung, fowie die Mettlacher Platten weniger zur Wandverkleidung als zum Fufsboden- Beleg finden. Leider ift die Ausftellung von manchen hervorragenden Plattenfabrikanten nicht befchickt worden, fo blieb ihr Maw& Comp. ferne, der nach Minton wohl die befte Waare, jedenfalls aber auch bedeutendere Mengen als erftere davon erzeugt. Die jüngften Verfuche im South- Kenfington- Muſeum haben die Vortrefflichkeit der Minton'fchen Fabricate gezeigt. Auf dem Fufsboden der Eingangshalle an den Tourniquets war, nachdem Hunderttaufende von Befuchern fie betre ten hatten, keine Spur der Abnützung feiner Platten zu fehen, fie haben fich nicht glatt gefchliffen und haben die aller anderen Fabriken überdauert. Minton Hollins& Comp. erzeugen heute in ihrer feit zwei Jahren im Betriebe ftehenden neuen Plattenfabrik zu Stoke upon Trent Millionen von Enkauftik tiles, deren Hauptmaffe aus Cornifh und Devonkaolin und einem feldfpathhaltigen Geftein, dem fogenannten Cornifh- Stone befteht. Unftreitig ift die Präcifion der Arbeit, die Nettigkeit des Deffins von den Deutfchen noch. lange nicht erreicht. Während dort hydraulifche Preffen angewendet werden, um die halbfeuchte pulverige Maffe zu comprimiren, wenden die englifchen Fabriken nur Spindelpreffen hiezu an, ähnlich jenen, die in dem Maſchinenraume der Ausstellung ftanden. Meift find die verwendeten Thone gelblichweifs und rothbraun gefärbt, doch waren auch viele andere Farben auf den ausgeftellten Platten zu fehen, welche jedoch alle die Bedingung hoher Feuerbeftändigkeit zu erfüllen haben. Gute Effecte werden erzielt, wenn die fo eingelegten Platten mit einer Glafur überzogen werden, welche den etwas matten Erdfarben erhöhtes Feuer verleiht. Robert Minton Taylor ift gleichfalls Specialift in der Erzeugung folcher eingelegter Platten. Beide Firmen erzeugen neben diefen auch noch die bekannten Majolicaplatten, die anderen Orts zu erwähnen find. Hier fei nur auch noch deren Mofaikwürfel gedacht, die in ähnlicher Weife, wie die Enkauftik tiles auf kleinen Spindelpreffen aus faft ganz ftaubtrockener Maffe geprefst und fofort in Kapfeln gebrannt werden. Solche Mofaikwürfel bilden das Material zu dem fogenannten permanent Fresco, von dem eine der allerbedeutendften Ausführungen am grofsen Friefs der Albert- Halle in London zu fehen ift. Es war vorzüglich das Verdienft von Herbert Minton, das Verfahren von Proffer angewendet und vervollkommnet zu haben. Nur durch Proffer's Methode der Preffung der Thone auf trockenem Thone ift deren Schwindung, welche jede Platte beim Trocknen erleiden mufs, zu umgehen, und die Möglichkeit geboten, einen fehr fetten, plaftifchen Thon zu verarbeiten. Auf dem angedeuteten Wege gelingt es eben Platten herzuftellen, welche wie aneinander gefchliffen erfcheinen, die fcharfkantig und völlig eben und, was mit die Hauptfache ift, von abfolut genau gleicher Gröfse find. Natürlich vertheuert die koftfpielige Zubereitung des Thones und die forgfältige Fabrication das Product. Zu Imitationen der glafirten Enkauftik tiles wurde 70 Dr. Emil Teirich. demnach bald gefchritten. Die Thonplatte wird mit dem Deffin bedruckt und glafirt. Um die Täufchung vollſtändiger zu machen, werden auch die Seiten der Platten mit Farbe fo behandelt, dafs die Dicke des eingelegten färbigen Thones daran fcheinbar erfichtlich ift. Auch folche Platten, welche natürlich nur zu Wandbekleidungen oder den in England vielfach beliebten Blumen- Jardinièren dienen können, waren ausgeftellt. Zwei Ausfteller Spaniens, wo die Wandverkleidungs- Platten feit den Zeiten der maurifchen Cultur ftets eine bedeutende Anwendung zu architektonifchen Zwecken fanden, haben auch die Fabrication der enkauftifchen Platten dort eingeführt. Nolla in Valencia erfreut fich in diefer Fabrication bereits feit längerer Zeit eines begründeten Rufes. Im wefentlichen erzeugt er Mofaiktäfelchen in ähnlicher Weife wie die Engländer, wenn auch nicht ganz fo präcife und bei Weitem nicht fo gelungen in der Farbe, welche oft, wie beispielsweife fein Blau, arg fleckig wird. Nichts deftoweniger bilden Nolla's Mofaik- Fufsböden einen Exportartikel Spaniens nach den füdlichen Häfen, und finden vor Allem in Italien und den füdamerikanifchen Ländern ein grofses Abfatzgebiet. Das Einlegen verfchiedener Thone in eine Platte behufs deren Deffinirung fcheint noch Schwierigkeiten zu verurfachen, wenigftens übt Nolla diefes Verfahren nur felten und nur zur Herftellung kleiner Eckftücke für die Borduren feiner Mofaikpflafter. Eine zweite Fabrik, die von Llevat Reus in Catalonien arbeitet in ähnlicher Weife. Ihre auf wenige Farben, wie Weifs, Gelblich, Braun- und Schwarz befchränkten Platten find jedoch vollkommen gleichtönig und recht forgfältig gearbeitet. An Härte werden fie von den Erzeugniffen Nolla's entfchieden übertroffen. Dort, wo es gilt, Thongefäfse von befonderer Feftigkeit und Undurchdringlichkeit herzuftellen oder wo dem Einfluffe eines kräftigen chemifchen Agens Widerftand geleiftet werden mufs, dort findet die ordinäre Steinzeug maffe eine zweckmäfsige und höchft fchätzenswerthe Anwendung. Mit den erhöhten Anforderungen unferer chemifchen Induftrie ftieg daher ebenfo die Erzeugung der Steinzeug- Gefäfse und Apparate, wie mit dem Fortfchreiten der modernen Bautechnik. Immer koloffaler werden die Säurenkrüge, die Condenfationsapparate für die Säurenfabrication, die Durchmeffer der Rohrleitungen, welch' letztere namentlich in jüngfter Zeit fehr häufig und mit allerbeftem Erfolge die gemauerten Abzugscanäle erfetzen. Befonders find es die Eifenbahnen, welche zu ihren kleineren Durchläffen grofse Quantitäten von Röhren alljährlich confumiren und welche beiſpielsweife in Oberfchlefien eine nicht unbedeutende Induftrie mit deren Erzeugung befchäftigen. Die Glafur folcher Steinzeug- Waaren variirt meift mit den gebrauchten Rohmaterialien. Nicht felten findet man anftatt der haltbaren und eigentlich für das Steinzeug ſpecififchen Salzglafur eine bleihältige verwendet, die bei niederer Temperatur aufgebrannt wird. Durch Auftrag leichtflüffiger mit brauner Farbe auffchmel. zender Thone wird zudem oft eine tiefbraune, beim ordinären Steinzeug beliebte Farbe ertheilt. Solche Ueberzüge werden leicht riffig und fetzen den damit verfehenen Gegenstand dem leichteren Verderben aus. Der gewöhnlichfte Fehler, den viele der ausgeftellten Steinzeug- Waaren zeigten, liegt in der zu geringen Temperatur, bei der die Sinterung der Maffe vorgenommen wird, deren Kern dann porös und unverbunden bleibt. In dem richti gen und gleichförmigen Brande, der gerade hinreicht, die ganze Materialftärke des Gefäfses zu durchdringen, ohne andere Theile deffelben fo zu erweichen, dafs eine Deformation eintritt, liegt die Hauptfchwierigkeit diefer Fabrication, welche im Uebrigen nur wenig Befonderes bietet. England dürfte heutzutage die gröfste Anwendung von Steinzeug- Waaren machen. Grofsartig eingerichtete Etabliffements befchäftigen fich entweder ledig Die Thonwaaren- Induſtrie. 71 lich mit der Fabrication folcher Producte oder vereinen damit die Erzeugung feuerfefter Steine. Dort wurde übrigens auch die äfthetiſche Seite der SteinzeugInduftrie ausgebildet und manche trefflich modellirte Krüge, Schalen und fonftige Gefäfse fanden wir unter der Ausftellung von Dulton& Watts in Lambeth, welche unftreitig die hervorragendfte Firma in der Behandlung des Steinzeuges ift. Ihre grofsen Fabriken find faft durchgehends ausgezeichnet eingerichtet und ift dort namentlich die Bearbeitung des Thones auf mechanifchem Wege, auf der Drehbank u. f. w. im ausgedehnteften Mafse eingeführt. Die Hauptftärke der Fabrication liegt hier in den Erzeugniffen von falzglafirten Gefäfsen für die chemifche Induftrie, Röhrenleitungen für die Bewäfferung und Beriefelung, Abortfchläuchen u. f. w., die alle in den gröfsten Dimenfionen und mit anerkennenswerther Präcifion erzeugt find. Röhren vom gröfstem Diameter find trefflich gearbeitet, fehr fchön rund erhalten, und mit angeprefsten, nicht erft fpäter angefetzten Muffen verfehen, wozu in England allgemein Mafchinen und zwar der verfchiedenften Conftruction verwendet werden. Die von Dulton benützte prefst zuerft die Muffe und daran fofort das Rohr. Die Säurepumpen Dulton's mit Thonventilen und Asbeftpackung find wohl die vorzüglichften ihrer Art und haben wahrlich einem dringenden Bedürfniffe abgeholfen. Eine grofse Verbreitung und Anwendung verfchaffte Dulton feiner Briftolwaare, die im Wefentlichen aus einer fein bearbeiteten Steinzeug- Maffe erzeugt und nach dem Trocknen mit einer etwas bleihaltigen, oft fehr verfchieden zufammengefetzten Glafur durch Eintauchen überzogen wird. Hiebei ift man im Stande, durch theilweifes Tauchen in hellere und dunkler gefärbte Glafurmaffen verfchiedene recht warme Farbentöne zu erzielen. Die Waare wird gebrannt bei gleicher Temperatur, wie die mit Salzglafur, doch darf das Feuer die eingebauten Stücke nicht berühren. Ein eifriges Streben, immer neue Verwendung für das fehr treffliche Materiale zu finden, ift bei Dulton unverkennbar. Von weniger Bedeutung als Handelswaare, wenn auch mitunter nicht ohne befonderem Reiz find die decorativen Stücke, namentlich manche Gefäfse, Krüge etc., die Dulton erzeugt. An und für fich fchon verträgt die Maffe fchwerer eine feine Modellirung, immerhin könnten aber namentlich die Figuren auf diefen Gefäfsen beffer durchgebildet fein. Recht hübfch machten fich die eingravirten Ornamente und die flüchtig unter der Salzglafur angelegten blauen und braunen Töne. Einige Reliefplatten, welche beftimmt find, zur Decoration, als Füllungen für Möbel, Cabinette etc. zu dienen, waren recht gut und warm in der Farbe. Die Anwendung von Thonwaare in der Möbelinduftrie als Decorationsmittel nimmt fichtliche Fortfchritte in England. Eine andere Art des Steinzeuges ift die fogenannte Claretwaare, die im Wefentlichen durch Zufatz von Farben in die Maffe felbft erzeugt wird. Die Färbungen, welche der enormen Hitze des Steinzeug- Ofens ebenfo fehr zu widerftehen haben, wie der Einwirkung der Kochfalz- Dämpfe find wenige. Alle erleiden faft eine Veränderung. Braun und Graugrün ift leicht zu erreichen und von guter Wirkung. Dulton erzeugt diefe Specialität erft feit wenigen Jahren und ftellte einige fehr fchöne Stücke davon aus. Ein ähnliches Fabricat, nur weniger ausgebildet nach feinen verfchiedenen Richtungen, bringt H. Doulton& Comp. gleichfalls in Lambeth, das eigentlich zum Theile unglafirte, fehr hart gebrannte und ihres hohen Eifengehaltes wegen ftark finternde Klinkermaffe ift, die denn auch wirklich, ähnlich den Münchner Trottoirfteinen, zu folchen, dann aber auch zu Canalröhren u. f. w. verarbeitet wird. Es ift diefs die fogenannte terro metallic oder blue Staffordſhire- Waare, die feit einigen Jahren fich vielfach Eingang in der englifchen Bautechnik zu verfchaffen wufste. In derfelben Weife arbeitet Wood& Ivery in Staffordſhire, deffen wir bereits gelegentlich der Befprechung der Ziegel- und Terracotta Induftrie zu gedenken hatten. Diefe Erzeugniffe fowie die fchon genannten 72 Dr. Emil Teirich. Münchner Pflafterplatten, welche in ähnlicher Weife aus einem ftark eifenhältigen und darum leicht finternden Thon in Maffen hergeftellt werden, bilden eigentlich den Uebergang vom Steinzeug zum Klinker und von diefem zum ungefinterten Ziegel und Terracotta- Materiale. Paul Eckhardt in Grofsheffelohe bei München war der einzige Ausfteller in diefer, für fteinarme Gegenden hochwichtigen Induftrie, der München und mancheandere baierifche Stadt ein gutes Trottoir verdankt. Bedeutende Fortfchritte hat Deutfchland in der Erzeugung von. Steinzeuggefchirren für die Zwecke der chemifchen Fabriken vornehmlich gemacht. Immer gröfser werden die Anforderungen an den Fabrikanten, hinfichtlich der Präcifion feiner Arbeit und der Ausdehnung, welche er feinen Gefäfsen zu geben. vermag. Eine der hervorragendften Ausftellungen diefer Art brachte uns Fikentfcher aus Zwickau in Sachfen. Gefäfse aus trefflicher Maffe, mit guter Salzglafur verfehen, von ganz enormen Dimenfionen, Röhren von grofsen Durchmeffern und die immer mehr in Aufnahme kommenden Dunft- und Rauchfänge für Locomotivfchupfen, waren beachtenswerthe Leiftungen. Eines der renommirteften Gefchäfte diefer Art ift das von Geith in. Coburg, welches Ausgezeichnetes in jeder Hinsicht liefert; Naumann in Plottenburg( bei Altenburg) brachte Röhren etc. in kleineren Dimenfionen. Bedauerlich ift es, dafs die eigentlichen Bitterfelder Fabrikanten der Ausftellung ferne geblieben find. Dort wird eben die Steinzeug- Induftrie lebhaft betrieben, unterſtützt durch ein vorzügliches Materiale. Nur Jahn, eine der jüngsten. Firmen, brachte Rinnfteine und Röhren etc. mit Salz- oder leichtflüffiger Thonglafur. Weit ausgedehnter ift der Gefchäftsbetrieb von Gebrüder Nordmann in Treben und Hafelbach( Altenburg), der geradezu koloffale Röhren und Säurebecken von guter Arbeit ausgeftellt hat. Erwähnen wir endlich noch die Erzeugniffe der Clarahütte, die Apparate für Wiefenbewäfferung und die zur Sperre der Zweigleitungen nöthigen Ventilgehäufe als Specialität. Durchwegs gute Waare hatten die Rheinifchen Thonwaaren- Fabriken. gebracht, denen trefflicher Rohftoff zur Verfügung steht. Schade, dafs das einzige, aber fchön gearbeitete, in der Maffe fehr gute Stück von Gerz& Söhne in Höhr bei Coblenz, ein Kaminauffatz, beim Transport in Brüche ging. Die verwendete graue, äufserft dichte Maffe und die fchöne Ausführung macht den Wunſch rege, mehr von diefer allerdings nicht fehr grofsen Fabrik zu fehen. Thewaldt, gleichfalls aus Höhr im Naffau'fchen, verarbeitet in einem kleinen Etabliffement. feinen guten Thon zu weifslichem Steinzeug, das chemifch- pharmaceutifchen. Zwecken zu dienen hat. Auch die Erzeugniffe von Gebrüder Knödgen in Baumbach bei Coblenz, ein fehr dichtes, hellbraunes Salzglafur- Gefchirr, Krüge u. f. w., verdienen ihrer Qualität nach eine lobende Erwähnung. In Deutſchland erhält das Steinzeug- Gefchirr hie und da eine etwas künftlerifche Decoration, die zumeift der alten Weife des Mittelalters nachgebildet. ift. Bekannt find die Krüge und Kannen von V. Merkelbach in Grenzhaufen im Naffau'fchen, der feit Langem fchon die Fabrication folcher Gefäfse aus grauer, falzglafirter Steinzeugmaffe treibt, und ihnen mitunter keine zu fchlechten Formen gibt. Gewöhnlich find die Zeichnungen darauf durch eingravirte Linien begrenzt und die Flächen mit Blau unter der Salzglafur, ähnlich jenen von Dulton bemalt. Einige der ausgeftellten gröfseren Stücke fanden mit Recht allen. Beifall ihrer guten Form und Ausführung wegen. Auch A. Saeltzer in Eifenach brachte die, den Befuchern der Wartburg wohlbekannten Krüge und Humpen nach gut altdeutfchen Motiven, die als Erinnerung an einen intereffanten Ausflug von den Reifenden gerne trotz der ungerechtfertigt hohen Preife mitgenommen werden. Weniger gut in Form und Ausführung wollten uns endlich die Gefäfse, Reliefplatten und Figuren von H. Jannafch in Bernburg( Anhalt) gefallen. Die Thonwaaren- Induſtrie. 73 Die verwendete Maffe von weifsgelbem, falzglafirtem Thon ift unterdeffen trefflich und wird von demfelben Etabliffement in ausgedehnterer Weife zu WafferLeitungsröhren, Kühlfchlangen und fo fort verarbeitet, die ein fehr ftarkes und dichtes Ausfehen haben. In Belgien, gleichfalls den Bedürfniffen der chemifchen Induftrie folgend, hat die Steinzeug- Fabrication, namentlich jene mit Salzglafur neuerliche Fortfchritte gemacht, die uns freilich nur die Société anonyme des Terres plaftiques& produits réfractaires d'Andenne vor Augen führte. Cylinder von I Meter Durchmeffer bei eben fo viel Höhe, aus fehr gutem, feftem Materiale, zur Säureaufbewahrung; Ziegel aus Steinzeug behufs Herftellung von Salzfäure- Condenſationsthürmen, endlich als Meiſterſtück eine thönerne Kühlfchlange von fehr fchöner Arbeit und ein Tellerapparat für die Schwefelfäure- Fabrication wären hier zu erwähnen. Zudem find die Preife billig und, wie fchon bemerkt, die Arbeit vollendet. Die Fabrik, welche durch ihre feuerfeften Erzeugniffe weltbekannt wurde, ift trefflich geleitet. Oefterreich hat bis in die letztere Zeit nur wenig bedeutendere Leiftungen diefer Art aufzuweifen gehabt. Die Anfänge, welche die Königsaaler Fabrik mit der Einführung diefer Induftrie nothgedrungen machte, fie blieben lange ohne eigentlichen Nachfolger. Erft jetzt, in den letzteren Jahren, haben einige Etabliffements die Erzeugung falzglafirter Waare aufgenommen, ohne dafs man diefen jüngeren Gefchäften immer das Befte nachrühmen kann. Die Zufammenfetzung der Maffe ift noch immer viel zu wenig ftudirt. Es fehlt ihr an durchgehender Sinterung und nicht felten find es lediglich Imitationen von Steinzeugwaaren, feuerfefte Producte mit leichtflüffigen Glafuren, welche hier unter dem Namen Steinzeug fabricirt werden. Lederer& Neffeny in Floridsdorf bei Wien ift eine diefer jüngeren Fabriken, welche fich übrigens einen gröfseren Wirkungskreis erworben hat. Schornfteinauffätze, Futtertröge, Röhren find deren vorzüglichfte Producte, aus denen eine Fontaine zu arrangiren jedenfalls bizzar genug war. Macht letzteres Object auch keine äfthetifche Wirkung, fo zeigt es doch manche gute Seite der Fabrication, und mag daher als Illuftration derfelben nicht allzu ftrenge beurtheilt werden. Schäffner, gleichfalls in Floridsdorf bei Wien, treibt, wenn auch mit geringeren Mitteln und nicht ganz demfelben Erfolg, eine ähnliche Fabrication, deren Abfatzgebiet fich mit der Zeit wohl wefentlich noch vergröfsern wird. Die beiden vorgenannten Fabriken arbeiten vorwiegend für den Wiener Baubedarf und find die einzigen, welche daher genöthigt werden, auch hinficht. lich der Formgebung hie und da den Wünfchen eines Architekten nachkommen zu müffen. In brillantefter Weife hat die Hrufchauer Fabrik von Miller's Erben& Hochftetter ihre falzglafirte Waare ausgeftellt. Ein Säurekrug von ganz enormen Dimenfionen und trefflich gearbeitet, dann ein reichhaltiges Sortiment der fchwierigften Gefäfs- und Röhrenformen waren da zu fehen, ziemlich das Allerbefte auf der ganzen Ausftellung. Die gräflich OettingenWallerstein'fche Fabrik zu Königsaal hat gleichfalls in der Maffe fowohl als Präcifion der Arbeit Ausgezeichnetes geleiftet und ihren alten Ruf glänzend bewährt. Von vorzüglicher Schönheit und befonderer Güte fanden wir die reiche und grofse Ausftellung des öfterreichifchen Vereines für chemifche und metallurgifche Production in Auffig an der Elbe. Ein grofser SäureCondenfationsthurm, vollſtändig montirt, und eine aus achtzehn Gefäfsen beftehende Salpeterfäure- Batterie, gleichfalls zufammengeftellt, erwiefen die vorzügliche, präcife Fabrication und fchöne dichte, mit gleichförmiger Salzglafur überzogene Maffe, die im fcharfen Feuer trefflich geftanden hat. 74 Dr. Emil Teirich. Einige kleinere Fabriken, fo die von Moft auer in Eger und manche andere ftellten meift unbedeutendere Gegenftände aus und befchränken fich gewöhnlich auf die Erzeugung von Wafferröhren, Abortfchläuchen und Aehnlichem in kleineren Dimenfionen. Von grofser Bedeutung, namentlich für das nördliche Böhmen, ift die Erzeugung der fteinernen Mineral- Wafferkrüge, die bei Bilin und Karlsbad betrieben wird, und ganz erftaunliche Quantitäten zu billigften Preifen an die Brunnenverwaltungen abgibt. Solche Krüge, aus weifsgrauer Maffe, die fich im Oxydationsfeuer aufsen etwas roth färbt, find ftets mit Salz glafirt. DAS PORZELLAN. Die europäifche Porzellaninduftrie hatte zur Zeit ihres Entftehens nur japanifche und chinefifche Vorbilder, aus denen der, bei Einführung des neuen Stoffes herrfchende Rococoftil anfänglich abfolut nichts zu machen wufste. Keine alte Tradition, kein Kunftftil als Vorgänger, diente zum Anfchluffe an Beftehendes. Die erften Porzellangefäfse, die nach Europa kamen und nur koftbare Prunkftücke, aber keineswegs Gebrauchsgegenstände waren, blickten fremd in die fie umgebende europäiſche Formenwelt. Bekanntlich war der Apothekerlehrling Böttcher in Meifsen der Erfinder des fogenannten rothen Porzellans um 1705 und des harten weifsen vier Jahre fpäter. Er ift der Begründer der Meifsner Fabrik, die von Seite des Staats durch den Kurfürften von Sachfen im Jahre 1710 errichtet wurde. " Acht Jahre später unterzeichnete Carl VI. am 27. Mai 1718 zu Laxenburg ein ausfchliefsliches kaiferliches Privilegium, durch welches die drei Inhaber, der Holländer du Paquier, der ehemalige Werkmeifter Stenzel der Meifsner Fabrik und ein Kunftarbeiter, Conrad Hunger, berechtigt wurden, die durch ungemein heimliche Wiffenfchaft, Mühe, Sorge, Fleifs, Gefahr und Unkoften, ohne dafs das Aerar im geringften etwas dazu vorfchiefsen durfte, erzeugte, feingemalte, gezierte und auf allerhand Art fabricirte Porzellanmajolica und indianifches Gefchirr, Gefäfs und Gezeug, wie folche in Oftindien und anderen fremden Ländern gemacht werden, allein zu erzeugen und fowohl im Grofsen als im Kleinen in den gefammten Erbländern zu verkaufen". Die Wiener Fabrik begann demnach mit Privatmitteln zu arbeiten, zeigte fich jedoch bald unrentabel und ging im Jahre 1744 unter Maria Therefia's Regierung in die Hände des Staates über. Trotz vieler Mängel, die diefem Inftitute anhafteten, trotz der geringen Rentabilität feines gefchäftlichen Betriebes. ift deffen erfolgte Auflaffung im Jahre 1865 tief zu beklagen. Die Wiener Fabrik war die Pflanzftätte der öfterreichifchen keramifchen Induftrie, das Wiener Porzellan hatte nicht nur einen eigenen, ganz originellen Stil gefchaffen, der dem gewundenen Schnörkelwefen des Rococo einen Damm entgegenfetzte, fondern leiftete in der Decoration der Flächen geradezu Bedeutendes durch Gründung einer Porzellan- Malerfchule ebenfofehr, wie durch Einführung neuer technifcher Verfahren. Eine Reihe der beften Kräfte waren fo herangezogen worden, Kunft und Kunftfinn waren in der Entwicklung begriffen, die Saat früherer Weltausftellungen begann auch in Oefterreich zu keimen und Wiens aufftrebende Architektur hob und pflegte alles Kunftgewerbe; man fah, es müffe ein Centrum, eine Pflanzftätte des künftlerifchen Strebens gefchaffen werden, und man gründete nach dem Vorbilde des South- Kenfington- Muſeums das öfterreichifche für Kunft und Induftrie, aber man hob faft zu gleicher Zeit die öfterreichifche k. k. Porzellanmanufactur auf, zu einer Zeit, wo fie fo recht erft ihre fegensreiche und eine tonangebende Thätigkeit unter dem Einfluffe der günftigeren Gefchmacksrichtung hätte beginnen können. Für wenige Hundert Gulden wurden die koftbarften Formen und Modelle an einige Steingut- und Thonwaaren- Fabrikanten hingeworfen, und was noch Die Thonwaaren- Induſtrie. 75 mehr ift, die tüchtig gefchulten Kräfte zerfplittert, die unter dem Einfluffe einer faft anderthalb Jahrhunderte dauernden gefchäftlichen Thätigkeit und den alten Kunfttraditionen, wenn auch durch fchlechte Leitung nicht richtig ausgenützt, doch das Materiale zu einer äufserft erfpriefslichen Thätigkeit hätten abgegeben.. Freilich wird der begangene Fehler, wenn auch nur ftillfchweigend, zugegeben und man trifft eben jetzt Anftalten zur Gründung einer keramifchen Verfuchsftation als Appendix des öfterreichiſchen Muſeums. Hoffen wir, dafs die richtigen Kräfte dort herangezogen werden, denn wir werden hier bald fehen, dafs die öfterreichiſche Gefäfsbildnerei derfelben dringend bedarf. Das gleiche Schickfal der Auflöſung hätte beinahe das um 1738 vom Marquis de Fuloy gleichfalls aus Privatmitteln in dem Schlofs zu Vincennes errichtete und 1750 nach Sèvres verlegte Etabliffement getroffen, das erft zu jener Zeit vom Staate durch die Fermiers généraux" übernommen wurde. Der Kataftrophe von 1870 konnte diefe alte und vielberühmte Fabrik nicht widerftehen, fie fank faft gänzlich in Trümmer und begrub darunter Schätze, die zum Theile nicht wieder gefördert worden find. Aber mit feltener Energie und in richtiger Erkenntnifs der Nothwendigkeit des Fortbeftandes eines fo hochwichtigen Kunftinftitutes arbeitete man an der Reconftruction der zerftörten Fabrik, die auf der diefsjährigen Ausftellung wieder mit neuen Erzeugniffen aufzutreten vermochte. England machte fich den damaligen vorübergehenden Vorfall von Sèvres zu Nutzen und nahm die beften Kräfte der Fabrik mit Freuden auf. So fahen wir im Jahre 1871 bei Minton fchon aufser St. Arnoux noch Leffore, Mouffile und andere Künftler erften Ranges thätig. Dort freilich wird nach Böttcher's Erfindung nicht gearbeitet. England verwendet zu feinen Ausführungen die Grundmaffe des weichen Porzellans, das, unabhängig von dem harten und ganz verfchieden von deffen Zufammenfetzung, fchon in Italien um 1581 bekannt war und fpäter um 1671 durch einen Dr. Dwight in Fulham eingeführt wurde. Die Sucht, das importirte chinefifche Product imitiren zu können, führte auf die Entdeckung des weichen Porzellans viel früher als auf die des harten. Kaolin, das ausgewafchene Verwitterungsproduct des Feldfpaths in faft chemifcher Reinheit, und das Muttergeftein desfelben, der Feldfpath felbft, beide in den verfchiedenften Mifchungsverhältniffen geben die Grundmaffe des harten Porzellans und erfordern zur Anregung ihrer Verbindung zu einem neuen eigenthümlichen Körper eine der höchften Temperaturen, die in unferer Induftrie Verwendung finden. Bei folcher Hitze fintert die Mifchung zu einer rein weifsen, kryftallinifchen, allen Agentien höchft widerftandsfähigen Maffe, die den Temperaturswechfel erträgt und von bedeutender Härte und Klang ift. Die Glafur befteht im Wefentlichen aus den Stoffen der Grundmaffe, aber in geänderten Verhältniffen. Sie erfordert faft die gleiche Temperatur wie das Bisquit zum Brennen, und da nur wenige Farben bei folcher Temperatur Stand zu halten vermögen, wird es meiftens nöthig, ober der Glafur erft zu malen und die Farbe an der Muffel einzubrennen. Viel complicirter ift die Zufammenfetzung dęs weichen Porzellans. Eine Reihe von mehr oder minder feuerbeftändigen Thonen, Kaolinen von kalkhältigen Maffen, werden meift zu einem Gemenge verarbeitet, das fich durch einen Zufatz von phosphorfaurem Kalk gewöhnlich in Form von Knochenafche charakterifirt, welch' letzterer Zufatz die Schmelzbarkeit erhöht, die Maffe diaphan und milchig weifs macht. " 9 Solches weiches" Porzellan ift dann freilich leichter zu brennen, erfordert geringere Hitze und legt namentlich der plaftifchen Decoration die geringften Schwierigkeiten in den Weg. Die Glafur, ftets zinn- oder bleihältig, befteht zudem aus Quarz, Kali und Natron. Sie fchmilzt leicht, geftattet einen Farbenauftrag fowohl am Bisquit, als nach dem Glafiren und nimmt die aufgetragenen Emailfarben fo 76 Dr. Emil Teirich. gut auf, dafs diefelben faft in die Glafurmaffe eingefunken erfcheinen, während fie beim harten Porzellan meift etwas erhaben ftehen bleiben. Die Dauerhaftigkeit des weichen Porzellans ift eine geringere, die Glafur und Decoration eine weniger haltbare, aber die Leichtigkeit und relative Billigkeit von deffen Erzeugung haben ihm feine Stellung gefichert und namentlich in England wohl dauernd befeftigt. Die alte Sèvresfabrik, urfprünglich in St. Cloud um 1695 etablirt, arbeitete mit weichem Porzellan bis zur Einführung der Böttcher'fchen Erfindung, von welcher Zeit die Anwendung der weichen Maffe verfchwindet. Dr. John Dwight gründete die erfte Fabrik weichen Porzellans in Fulham 1671 die Fabriken in Bow und die in Chelſea folgten ziemlich fpät um 1730, aber der gröfste Auffchwung der englifchen Porzellaninduftrie datirt von der Aufdeckung der Kaolinlager von Cornwall durch William Cookworthy um 1755, dem Gründer der Briftolfabriken, welche lange Zeit tonangebend in diefer Induftrie geblieben find. Unterdeffen gewann auf dem Continente die Erfindung Böttcher's trotz ängftlicher Bewahrung des Geheimniffes rafche Verbreitung und erfreute fich eines befonderen Schutzes aller regierenden Fürften. Ringler, ein Arbeiter der Wiener Fabrik, gründete 1740 die Fabrik zu Höchft bei Mainz, zehn Jahre fpäter fabricirt fchon Kaufmann Wegeli nach Art der Höchfter Fabrik Porzellan in Berlin und legt den Grund zur heutigen königlichen Berliner Porzellanmanufactur, die neu regenerirt, auf der diefsjährigen Ausftellung noch immer anerkennenswerthe Leiftungen vor Augen führte. Friedrich II. verwandelte 1763 die Fabrik in Staats eigenthum. Um 1747 wird die Fabrik in Neudeck gegründet und fiedelt 1758 nach Nymphenburg über als königliches Etabliffement. Baron Ivan Antinowitfch richtet die Fabrik in St. Petersburg ein, welche 1765 durch Olfonfieff vergröfsert und erweitert wird. Keine Induftrie erfreute fich je fo hohen Schutzes, wie die des Porzellans, keiner ftanden zur rafchen Entwicklung folche Mittel zu Gebote, und überblickt man die erzielten Leiftungen, fo mufs zugegeben werden, dafs für den relativ kurzen Beftand diefer Induftrie in Europa viele und bedeutende Errungenfchaften in techniſcher und künftlerifcher Hinficht zu verzeichnen find. Weiter, viel weiter müfste aber trotzdem die Porzellaninduftrie fortgefchritten fein, hätte nicht gerade hierin eine Geheimnifskrämerei geherrfcht, die eine Mitwirkung von Aufsen her faft zur Unmöglichkeit machte. So gefchah, wenigftens im erften Jahrhunderte ihres Beftandes, die Entwicklung der Etabliffements von Innen heraus, denn nur die wenigen, unmittelbar damit in Verbindung geftandenen Kräfte, konnten fich mit Erfolg an einer Ausbildung der künftlerifchen und technifchen Verfahrungsweifen verfuchen. Die letzte Weltausftellung zu London im Jahre 1871, auf welcher die keramifche Induſtrie in einer bis dahin nie gefehenen Ausdehnung vertreten war, wies bereits im grofsen Ganzen genommen, trotzdem fie ein richtiges und abgefchloffenes Bild eigentlich nur von der englifchen Porzellanmanufactur geben konnte, einen wefentlichen Fortfchritt gegen 1867 nach. Diefer Fortfchritt ift abermals zu conftatiren, er ift deutlich zu fehen an der grofsen Ausbildung, welche die Technik der Porzellaninduftrie erhielt, und faft noch mehr, follte man meinen, an dem allerdings nur allmäligen Verlaffen des alttraditionellen Formenkrames und dem Streben nach reineren, künftlerifchen, dabei aber den Anforderungen des Gebrauches entſprechenden Modellen. In eigenthümlicher Weife geht hier die bildende Kunft mit der Technik Hand in Hand, ftets in reger Wechfelwirkung auf einander. Die eigene geiftige Armuth, die allgemeine Corruption des Gefchmackes und der Richtung des Kunftgewerbes bis in die Mitte diefes Jahrhunderts und der Widerwille, den berechtigten Einfluss des Künftlers in der Induftrie gelten zu laffen, führte den Fabrikanten, getrieben von der Unerfättlichkeit der Mode, die immer Neues verlangte, die ftete Nahrung brauchte, zur Umfchau nach bequemen Vorbildern. Die Imitation des Alten begann, freilich erft unvollkommen, weil das Die Thonwaaren- Induſtrie. 77 Verſtändnifs der alten Formenwelt fehlte, weil kein Kunftfinn bei der Auswahl nichts denfelben zur Seite ftand und weil die Technik zur Reproduction nicht ausreichte. So aber wurde wenigftens das Studium guter alter Vorbilder eingeleitet. Das Streben nach einer, auch heute noch nur allzuhäufig beliebten fklavifchen Nachbildung folcher Gegenftände, führte zur Wiederaufnahme alter, längft in Vergeffenheit gerathener Fabricationsproceffe und zur Entdeckung neuer. Minton in England, Ginori in Florenz und auch unfer Landsmann Fifcher in Herend gehen beiſpielsweife in folcher Weife vor. Die Ausftellung zeigte daher eine grofse Zahl von Porzellanen aus den verfchiedenften Stilepochen, die Formenwelt des Orients wird geplündert, aber felten nur wahrhaft verftanden und dem modernen Gefchmacke affimilirt. Aber auch hierin ift ein Fortfchritt unverkennbar und beifpielweife find die Compofitionen Binn's von der Worceſter Company im japanifchen Stile, was man im Allgemeinen auch gegen diefe Gefchmacksrichtung fagen möchte, doch fehr verftanden und ein Beiſpiel von dem Hineinleben des Künftlers in eine Stilrichtung, ohne in eine geiftlofe Imitation zu verfallen. Jedenfalls ift die techniſche Seite der Porzellaninduftrie heute weiter ausgebildet als die äfthetifche, wenn auch eine wefentliche Bereicherung der letzteren feit 1871 nicht ftattgefunden hat, ja kaum ftattfinden konnte. Uns möchte es zudem bedünken, dafs es vielleicht gerathener wäre, nicht allzu vielerlei Arten der Technik in einem Etabliffement, mitunter nicht ohne mancherlei Schwierigkeiten, einzuführen, und dafür lieber Specialitäten zu cultiviren, deren man vollſtändig Herr wird und auf deren technifche und künftlerifche Durchbildung und Vollendung die ganze, ungetheilte Kraft gelegt wird. Die Sucht nach immer Neuem führt zudem nicht felten auf Abwege. Greifen wir fofort ins Volle, da ift wieder die Worcefter- Company mit ihren Terracotta- Imitationen in Porzellan. Verdient es fchon in gewiffen Fällen Tadel, einem unedleren Stoffe in der Induftrie die Rolle eines feinen anzuweifen, wozu ihm jede Eigenfchaft fehlt, fo ift es bitter zu beklagen, wenn man fich beifallen läfst, die guten Eigenfchaften des Porzellans zu mafkiren und diefem reizenden Stoffe die Rolle der ordinären gebrannten Erde, der Terracotta, ſpielen zu laffen. Der Gedanke an die überwundene Schwierigkeit des matten, höchft gleichförmigen, braunen Auftrages über die Fleifchtheile kann hiefür nicht entfchädigen und die wirklich anerkennenswerth gute Modellirung der Stücke läfst nur bedauern, dafs der fchön durchbildeten Form nicht auch der Reiz des trefflichen Materiales zu Gute kommt. Die Sucht der Imitation führt aber weiters auch zu Fehlern, welche ihren Grund darin finden, dafs hartem Porzellan die Decorationsweife des weichen, der berühmten Pâte- tendre von Sèvres zugemuthet wird. Die Natur des zu behandelnden Stoffes fträubt fich dagegen, der Chemismus der ganzen Fabrication ſteht dem entgegen. Es iſt unmöglich die Farbenpalette, welche unter der Bedingung des geringeren Hitzegrades, des leichten Flufsmittels und der auffaugenden Unterlage des weichen Porzellans die Anwendung der herrlichften Halbtöne und die Verfchmelzung der Uebergänge zuläfst, auf das harte Porzellan zu übertragen. Der Künftler ift durch die erforderliche, enorme Feuerbeftändigkeit feiner Farben befchränkt, diefelben bleiben auf der Oberfläche der Glafur ftehen und zarte Uebergänge find kaum oder nur mit Aufwand aller Technik möglich. Ein unfruchtbares Bemühen! Ein Effect der Farbe, eine Wärme und Sattigkeit der Töne, wie fie der Fayence eigen ift, bleibt aus denfelben Gründen dem Porzellan überhaupt unerreichbar. Warum alfo immer und immer wieder Majolicas in Porzellan copiren, warum nicht einen richtigen decorativen Stil desfelben verfolgen und durchführen. Die öfterreichifche Ausftellung zeigt beifpielsweife bei Fifcher in Herend folche gequälte Malerei auf Hartporzellan, welcher die Sèvreswaare zum Vorbilde diente. Einen ehrenvollen Platz in der Porzellanfabrication nimmt Oefterreich ein. Wie in England dem Einfluffe des South- Kenſingthon- Mufeums ein wefentlicher .78 Dr. Emil Teirich. Fortfchritt in der künftlerifchen Behandlung des Porzellans zuzufchreiben ift, fo hat bei uns das öfterreichifche Muſeum für Kunft und Induftrie ein unleugbares Verdienft um die Verbefferung der Gefchmacksrichtung. Diefs gilt ebenfo von der Bronce- und Möbelinduftrie als von der Poterie. Auch unfere moderne Porzellaninduftrie beginnt das Streben der alten Wiener Fabrik endlich wieder aufzunehmen, das alte chinefifche Formenwefen auszurotten und den Stil des Porzellans, wenigftens jenen der Gebrauchsgegenstände zu regeneriren. Die Formen der anderen Zweige der Thonwaaren- Induftrie können uns hierin zum Vorbilde dienen. Grofse Variationen, ganz neue, bisher noch nicht angewandte Gefäfsprofile für das Gefchirr zum häuslichen Gebrauche werden wir freilich nicht in grofsen Mengen finden. Es iſt zudem ganz eigenthümlich, wie in den verfchiedenften Ländern manche Gefäfsformen fich unabhängig von einander und doch fo vollſtändig ähnlich durch die Hausinduftrie zu entwickeln vermochten, um endlich als anerkannt praktifch und dem Zwecke völlig entfprechend, mit erftaunlicher Confequenz durch Jahrhunderte unverändert forterhalten zu bleiben.. Diefs ift natürlich mehr der Fall, wo die Segnungen unferer überfeinerten Civilifation noch nicht durch das Gefchenk der Mode die natürliche Kunftrichtung aus ihren Bahnen gedrängt haben, wo nicht eine fpeculationsfüchtige Fabrication an der Verderbnifs des Gefchmackes arbeiten konnte. Von dort her aber müffen wir unfere Urformen holen, an denen dann freilich nur weniges durch Verfeinerung der Profillinie, durch Modellirung und Anfatz des Henkels zu ändern fein wird, wenn nicht wieder die Beftimmung des Gefäfses ganz oder theilweife der Form geopfert werden foll, wenn die Eigenfchaften des ficheren Aufbewahrens und Entleerens von feften oder flüffigen Körpern die Tragbarkeit und handliche Geftalt, wenn die leichte Reinhaltung oder die Stabilität des Gefchirres nicht leiden foll. Beim Nutzgefäfs- das fehen wir bleibt für den Künftler kaum viel mehr als die Fläche zur Anbringung feiner Decors. - Anders verhält fich's mit dem Ziergeräth. Hier mag gröfsere Freiheit gelten, hier fallen manche Schranken für die Phantafie des Decorateurs. Aber auch hier möchten wir glauben, dafs ein Allzuviel fchaden könnte. Meift fehlen unfere Künftler darin, dafs der ganze Körper des feinen Porzellans mit der farbigen Decoration gedeckt und damit deffen fpecififche, gute Eigenfchaften maskirt werden und verloren gehen. So fehr daher die farbige Decoration des Porzellans gewünſcht werden mufs, fo darf diefelbe, glauben wir, doch nie fo weit gehen, den ganzen disponiblen Raum zu occupiren. Stets foll der natürliche Ton des Materiales auch als der wirkliche Träger des Ornamentes zur Geltung kommen. In diefem Sinne wären dann freilich die über und über bemalten Fayencevafen eines Ginori ebenfo verwerflich wie gewiffe Porzellangefäfse, die z. B. Denk ganz mit einer Imitation von Champ- levée Email überzogen hat, fo fehr wir auch das Verdienftliche der gelungenen, höchft fubtilen Ausführungsweife anerkennen müffen. Wir kommen hiebei auf die Terracotta Imitation von Worceſter zurück die wir bereits tadelnd erwähnten und müffen als Beiſpiel einer ähnlichen Verirrung die ganz übergoldeten Henkel und Gefäfse von Fifcher und Mieg oder die grofse Vafe der kaiferlich ruffifchen Manufactur anführen. Hier wird der ganze Charakter des Thongefchirres verleugnet und die Illufion einer Goldoder Broncemontirung angeftrebt, wobei natürlich natürlich der beftehende innere Zufammenhang der Theile geleugnet ift. Die moderne Anfchauungsweife differirt, wie wir mit Vergnügen conftatiren konnten, bereits entfchieden mit der alten, das Porzellangefäfs wird doch fchon feltener lediglich zum Träger eines Bildes, einer, mit allen Mitteln der Emailtechnik ausgeführten Malerei benützt, fondern es verfolgt in dem Aufbau feiner mehr gegliederten Form den Selbftzweck, es betont in der Contour fchon das innerfte Wefen. Die Thonwaaren- Induftrie. 79 Damit ist freilich noch nicht gefagt, dafs Fehler in diefer Richtung nicht mehr häufig genug begangen werden. Die Ausftellung wimmelt noch von Beiſpielen diefer Art, von Gefäfsen der unbrauchbarften Formen, aber geziert in der planlofeften Weife mit Landfchaften, Blumenftücken, Hiftorienbilder und Porträts. Einem wilden Naturalismus ift dabei Thür und Thor geöffnet, ftilvolles Ornament findet fich felten vor, das rein decorative Flächenornament hat noch immer nicht feine ausfchliefsliche Anwendung gefunden, das plaftifche tritt noch allenthalben auf. Erfreulicher ift im Allgemeinen aber das Fortfchreiten in der Anwendung der Farbe zur Decoration des Gebrauchsporzellans, das Aufgeben der verzopften Sucht nach rein weifsen Stücken, die ein Kunftftück der Fabrication ftets find, aber vom Kunftwerk nicht felten weit entfernt ftehen. Betrachten wir beispielsweife die Theile des Theeſervices, welche uns die Berliner königliche Manufactur als Neueftes bringt. Die Modellirung iſt in der harten Maffe zum Erftaunen fein durchbildet, die Formen find fcharf geblieben im Brande, die Glafur hat die delicateften Formen, die zarteften Reliefs gefchont, aber mit ihrem kalten Weifs zugleich den ganzen Effect getödtet. König Ludwig von Baiern, über deffen befondere Beftellung erft vor wenig Monaten diefe Ausführung vorgenommen wurde, thäte gut, der Farbe ihr Recht einzuräumen und das weifse Stück durch feine Münchner Künftler weiter decoriren zu laffen. Freilich bietet ihm dazu der gewifs unglück lich gewählte Zopfftil des Ganzen wenig gute Gelegenheit. Als eine Klippe für den Porzellanfabrikanten hat fich noch immer die Anbringung der Glafur gezeigt, die namentlich auf dem englifchen Porzellan von einem ausgezeichneten, oft aber fehr ftörenden, für die Decoration der Gefäfse aufserft fchädlichen Einfluffe ift. Das Glanzlicht fchädigt das Ornament am meiften dort, wo die plaftifche Verzierung angewendet wurde und die Reflexwirkung fich mehrt. Diefe letztere zu erhöhen, bemühen fich einzelne Fabrikanten auch noch mit einer profufen Anwendung eigenthümlicher Emails und Luftres, die namentlich auf plaftifchen, figuralen Darftellungen ganz unbedingt eine verwerfliche Richtung bezeichnen. Ein fo vorlautes, rücksichtslofes Hervordrängen der eigenthümlichen Technik und ein völliges Zurückdrängen der Form ift entfchieden unftatthaft. Die Bellek Company und andere mehr verfallen in diefen Fehler, wenn fie, um mit ihrem eigenthümlichen Luftre zu brilliren, Alles damit überziehen. Namentlich findet diefer Ueberzug auf Parianmaffe ftatt; er ift eine Imitation der alt maurifchen Technik der Metallluftres, wenn auch hier nicht foweit gegangen wird wie im Orient. Die modernfte Wiederaufnahme diefer gefärbten Metallluftres verdanken wir dem Franzofen Brianchon. Jetzt ift es eine Reihe von Fabriken, welche das Verfahren kennen und üben, durch Auftrag leicht reducirbarer Metalllöfungen ( Gold, Wismuth, Cobalt etc.) im Gemenge mit einer Terpentin oder Oelforte und nachheriges fchwaches Brennen die verfchiedenartig gefärbten Luftres zu erzeugen, aber auch in diefem Jahre war Brianchon's Ausftellung die reichfte, und zeigte eine neuerliche Bereicherung feiner Farbenfcala um mehrere fchöne Mitteltöne. In gleichem Sinne wird gefehlt bei Anbringung der Vergoldung. Wir haben diefe Anwendung beim Ueberzuge ganzer Gefäfse oder ganzer Theile derfelben bereits gerügt, aber felbft wo nicht fo weit darin gegangen wird, fieht man zu grofse Flächen mit glänzend polirtem Gold überzogen; ein Vorgang der ganz unfehlbar die Form des Gefäfses vernichtet. Beffer verwendbar wäre hier eine matte Vergoldung, die aber, fo wenig haltbar eine folche überhaupt herftellbar ift, noch dadurch leidet, dafs beim geringften Gebrauche die hervorragenderen Theile der Form fich glänzend poliren, womit dann alles verdorben ift. Beifpiele diefer falfchen Art der Decoration fanden fich auf der Ausftellung in Menge, namentlich in der öfterreichifchen und deutfchen Ausftellung. 80 Dr. Emil Teirich. Ein erft in der jüngften Zeit wieder ftark in Aufnahme, namentlich in England gekommenes Verfahren der Decoration, welches die fchönften Effecte erreichen läfst, ift der Pâte fur- pâte Auftrag, urfprünglich eine chinefifche Erfindung, fpäter, aber fchon vor längerer Zeit, mit Erfolg von Sèvres imitirt und von dort durch den Modelleur- Salon im Jahre 1871, nach der Aufhebung der Fabrik, in Minton's Atelier übertragen. Auf einem matt gefärbten Untergrund wird nach Herftellung des Stückes im rohen, ungebrannten Zuftande ein plaftifches Ornament oder Figuren in der Weife aufgetragen, dafs man die ungefärbte Grundmaffe in Waffer auffchlämmt und mit dem Pinfel in dünnen Lagen auf eine farbig emaillirte Fläche aufträgt. Nach dem Brande verfchmilzt das aufgelegte Ornament, und war die aufgetragene Maffe nicht allzu dick geformt, fo wird beim auffallenden Lichte die Zeichnung des Auftrages fich fo geben, dafs die dickeren Stellen das Licht, die dünner Aufgetragenen, wo der farbige Untergrund durchfchimmert, die Schatten geben. Eine andere Specialität, aber wenig geübt, ift die Erzeugung der Pâte changeante, gleichfalls einer franzöfifchen Erfindung, die der Alles imitirende Minton nach England verpflanzte. Die bei auffallendem Lichte grauliche Maffe wird herrlich purpurroth bei Kerzenlicht. Zwei prächtige Candelaber und Tafelauffatz von Sèvres ausgeftellt, zeigen am fchönften diefen überrafchenden Effect. Freilich ift dergleichen techniſch hochintereffanten Verfahren begreiflicher Weife ein eigentlich künftlerifcher und decorativer Werth abzufprechen. Erfreulich find die gelungenen Ausführungen in Parianmaffe, welche namentlich in England fich als treffliches Materiale für plaftifche Werke bewährt hat, wie denn überhaupt die englifchen Fabriken in Auffindung der verfchiedenartigften Techniken fich gegenfeitig zu überbieten trachten. Parian ift eine ftark mit Feldfpath verfetzte, weiche Porzellanmaffe, meift durch den Brand zu fanften Tönen gefärbt und mit oder ohne Glafur angewandt. Die gelungenen figuralen Darftellungen in diefer„ Elfenbein- Maffe" erfreuen ftets durch die wohlthuenden warmen Reflexe des an den Kanten und Contouren diaphanen Körpers. Parian fo wie das Porzellanbisquit finden wir unter den ausge fteilten Objecten oft in ganz vorzüglicher Weife verwendet, um plaftifche Werke darzuftellen. Erinnern wir nur an die Bisquitfiguren der Fabriken Guftavsberg, Meifsen, Copeland, an einige franzöfifche und deutfche Fabriken, deren Nippes oft mit grofser Virtuofität aus matt gefärbtem Bisquit modellirt find. Eine reiche Ausftellung an Porcellan hat Frankreich arrangirt, wozu die alte Manufactur von Sèvres, die Lehrerin fo unzählig vieler Etabliffements der ganzen Welt, die meiſten Beiträge lieferte. Phönixgleich ift die Fabrik aus der Afche erftanden, zu den fie während des deutfch- franzöfifchen Krieges im Jahre 1871 gebrannt wurde. Man war raftlos thätig, um die Paufe unfühlbar zu machen, welche der Neubau der Fabrik nach fich ziehen musste, aber trotzdem gingen manche Künftler dem Etabliffement in der Zwifchenzeit verloren, die fich nach England begaben. Auf der Weltausftellung, im Kunfthofe, hat Sèvres eine ftattliche Zahl feiner neueren Producte aufgeftellt und einige Stücke der älteren Fabrication dazu, ganz abgefehen von der koloffalen weifsen Steinzeug Vafe, die den Befuchern der Parifer Weltausftellung bekannt fein dürfte. Drei der hervorragendften Stücke find die beiden in orientalifchem Stile gedachten Candelaber und ein Mittelftück als Kamin- oder Tafelauffatz dazu, von Forgeot alle drei in bedeutenden Dimenfionen gehalten, und aus einer grünlichen warmen Pafte modellirt, die nun auf die verfchiedenfte Weife durch Auftrag von farbigen Engobagen und Sgraffirung derfelben unter einer, etwas milchigen Glafur decorirt ift. Leider hält letztere nicht ganz gut, namentlich auf röthlicher Engobage( theilweife in Pâte changeante) und wird riffig. Die fpäter zugefügte Golddecoration der Gewänder, kurz, all' das ift herrlich ausgeführt. Die Thonwaaren- Induftrie. 81. Mindeſtens ebenfo vorzüglich und ruhmvoll find zwei grofse jaspisgrüne Vafen mit naturaliftifcher weifser Pâte sur- pâte- Decoration, als Blumen, Blättern und Vögeln, von fehr delicatem Farbenton. Weniger glücklich, obwohl hinfichtlich der technifchen Ausführung mit den anmodellirten Schlangenhenkeln bewunderungswürdig, ift die von Humbert gemalte Vafe Rimini I., eine Novität in der Imitation des Majolica- Effectes. Namentlich auf der hinteren Seite find die Conturen der Malerei viel zu hart geblieben. Eine dunkelblau marmorirte Vafe mit Broncehenkeln, und Golddecoration ift vorzüglich fchön in Farbe, weniger gelungen dagegen eine andere, reich modellirte Vafe, die einen Bachantenzug trägt, an der jedoch die blaue Glafur ebenfowenig gefallen kann wie die Formgebung. Noch wären zu erwähnen zwei Vafen, genannt Socibius, mit blauem verfchwimmendem Email von fchönem Effect, die einen gut braun in braun von Fragonarol gemalenen Puttenfries tragen, eine Elfenbein- Imitation, die uns weniger gelungen erfcheinen will, treffliche Imitationen chinefifcher brauner Vafen mit Blumenornament von Bulot& Merigot und viele ältere Vafen, die alle mehr oder weniger bekannt find. Gewifs ift, dafs Sèvres auch unter der neuen Direction von Robert nach dem höchft bedauerlichen Rücktritt Regnaults nicht zurückgegangen ift, aber die Führerfchaft in dem Mafse wie früher dürfte ihm doch verloren gegangen fein, es ift nicht mehr das Centrum der modernen Porcellaninduftrie; es hat fich heute diefe Fabrik gewiffermafsen auf den Ifolirfchämel geftellt und ift aufser Contact mit der laufenden Induftrie gekommen. Daher der fichtlich geringere Einfluss auf die Fabrication des Landes. Der berühmten Fabrik wurde das Ehrendiplom verliehen. Eine gefchmackvolle Ausftellung verdanken wir der äufserft thätigen Firma Hache& Pepin Lehalleur frères, deren Fabrik zu Vierzon treffliches Gebrauchsgefchirre arbeitet. Seine gezierten Porzellane im perfifchen Stile gut in Farbe und in der Maffe, feine feinen Decors auf Porzellan find fehr rühmenswerth. Eine ganze Suite von recht fchönen Servicen für Thee und Kaffee, Teller u. f. f. illuftriren vollſtändig die heutige modern franzöfifche Manufactur, die fich in den Details ja doch immer noch an die alte Sèvres- Induftrie anfchliefst, ab und zu aber von englifchem Einfluffe zeigt, wärend die Nachbarfchaft. mit Deutfchland, überhaupt in der keramifchen Induftrie, kaum zu errathen wäre. Die verarbeitete Porzellanmaffe zeichnet fich durch befondere Güte und Feinheit aus, ihre Behandlung gefchieht faft vollſtändig auf mechanifchem Wege, und es iſt ein Verdienft des techniſchen Leiters Ford, namentlich bei Erzeugung von Tafelfervicen zuerft die mechanifch angetriebene Oval- Drehfcheibe in Anwendung gebracht zu haben. Die Decoration gefchieht zumeist mittelft des lithographifchen Umdruckverfahrens unter der Glafur, welches mit ziemlicher Präcifion gehandhabt wird. Die Preife der gewöhnlichen Tifchfervice find billige. Die Firma wurde mit dem Ehrendiplome ausgezeichnet. Was D. Vion& Baury in Paris ausftellten, war wie immer meift figuraler Art, nicht felten recht verdienftlich modellirt und namentlich die Bisquitwaare bemerkenswerth, von der Büften und Statuetten in gröfserer Ausführung, fehr rein und fauber modellirt zu fehen find. Dafs die Formen mitunter ziemlich manierirte find, wird dabei Niemand Wunder nehmen. Im Uebrigen find es meift Nippes im modern franzöfifchen oder Rococogefchmacke, die bunt, aber mit matten Farben, dem alten Sèvres- oder Meissner Porzellan nachcolorirt find und mit unter zu naturaliftifchem Auftragen leiden. Das verwendete Porzellan ift von fehr guter plaftifcher Qualität und die Behandlung desfelben bei Herftellung grofser Gegenftände eine fehr gefchickte. So find die beiden grofsen Engelgeftalten in weifsem, mackellofem Bifquit vorzügliche Ausführungen. Brianchon wird, fo fehr wir feine Verdienfte um Wiedereinführung des Metallluftre in die Thonwaaren Fabrication anerkennen wollen, mit der Zeit langweilig. Er überzieht an Porzellan und Fayencen Alles ohne Wahl mit 6 82 Dr. Emil Teirich. feinem„ Nacre", ohne zu bedenken, wie vorfichtig gerade bei Verwendung fo exceptioneller Decorationsverfahren vorzugehen ift. Uebrigens conftatiren wir auch bei ihm einen Fortfchritt. Er hat einige neue Luftrefarben wieder gebracht, unter denen der graue und blafs rofenrothe Ton alle Anerkennung verdient. F. Woodcock in Paris bringt eine ganze Collection von Bisquitfabricaten, unter denen er die Blumen zu feiner Specialität gemacht hat und die er auch wirklich mit befonderer Virtuofität behandelt. Die Bisquitblumen werden nachträglich mit Lackfarben bunt bemalt und wie diefs fchon nicht anders denkbar, ganz naturaliftifch behandelt. Das Brennen der Bisquitwaare gefchieht in Muffeln, die mit Theer erhitzt werden. In ähnlicher Weife und ganz demfelben Artikel arbeitet Detemmerman in Paris, deffen Blumen uns faft noch feiner modellirt und zarter behandelt vorkommen als die von Woodcock. Auch hier wird oft die Illufion der Natur durch Auftrag von Lackfarben angeftrebt. Die vielen Etabliffements, die fich in Frankreich und fpeciell in Paris mit der Decoration befaffen, und die meift neben der Bronce- und Möbelinduftrie auch die der Thonwaaren betreiben, haben viel zu Wenige ausgeftellt. Eine ganze Reihe von Fabrikanten arbeitet diefe ,, Parifer Artikel" für den grofsen Export und liefert ihre zierlichen kleinen Möbel, Panneaux und Nippes in alle Welt. Auch hier in Oefterreich find diefe Artikel vielfach gekannt und werden gar oft dazu verwendet, wenigftens die Schaufenfter unferer Fabrikanten zu zieren. Unleugbar find alle diefe Erzeugniffe von einem leichten, auf den erften Blick faft ftets feffelnden Gefchmack und Reiz. Diefs gilt namentlich von ihrem Enfemble, das aufserordentlich befticht. Und doch vertragen alle diefe Arbeiten kaum eine wenn auch nur etwas fchärfere und eingehende Kritik des Details, das faft ftets roh behandelt, nicht im geringften durchgebildet erfcheint. Dasfelbe gilt auch von der technifchen Seite der Fabrication, die nicht immer als die folidefte fich erweift. J. Houry in Paris ift eine Firma, die in dem gefchilderten Genre arbeitet und mitunter reizende Dinge ausftellt. Die Porzellane und Fayencen, welche faft an allen Cabinets, Tifchchen, Vafen, Lampen u. drgl. eine profufe Anwendung finden, find durchwegs nach Angabe und Zeichnung von Charles Houry in verfchiedenen Fabriken theils ganz ausgeführt, theils in des letzteren Atelier wenigftens emaillirt und bemalt. Während bei Houry die Verbindung von Holz mit der Thonwaare am häufigften vorkommt, montirt Schlofsmacher diefelbe gewöhnlich in Bronce. Seine Specialität ift die Anfertigung der bekannten Moderateurlampen, die er denn auch in allen Stilarten und Gröfsen maffenhaft erzeugt. Auch er dekorirt die, von den Fabriken weifs gelieferten Porzellanfayencen durch feinen Maler Sieffert. Meift ift die Ausführung des Decors auf Porzellan bei Schlofsberg's Erzeugniffen beffer als die Broncearbeit. Eine Reihe anderer, zum Theile auch minder bedeutender Decorateure von Porzellan wäre noch zu erwähnen, welche natürlich ebenfo die Fayence mit in den Kreis ihrer Thätigkeit einbezieht. Die Arbeiten diefer Firmen ähneln einander zumeift fehr. Gewöhnlich find es flüchtig bemalte Modewaaren, oft von höchft bizarrer, felten correcter Zeichnung aber faft ftets gut in der Farbe gehalten und durch eine lebendige Art der Behandlung beftechend. Derlei fkizzenhaft decorirte Ziergefäfse und Nippes, dann aber auch Service haben fich namentlich bei uns in letzterer Zeit vielfache Freunde erworben und werden aus England fowohl wie aus Frankreich in nicht geringen Mengen importirt, da, wie die Ausftellung der öfterreichifchen Pozrellanmaler zeigt. es in Wien faft zur Unmöglichkeit gehört, auch nur annähernd gleich Gutes herſtellen zu laffen. Aber auch Deutſchlands Porzellanmalerei ift in diefen Leiftungen den Franzofen keineswegs gewachfen und verfolgt in feiner Porzellanmalerei, die abgefehen von den grofsen Fabriken doch als Hausinduftrie fo grofse Bedeutung an manchen Orten, fo in Thüringen erreicht hat, eine ganz andere Richtung. Die Thonwaaren- Induftrie. 83 Doch kehren wir nach Frankreich zurück und erinnern wir uns der Leiftungen eines E. Rouffe au in Paris, der einige recht gute Stücke im perfifchen Stile und mehrere weniger gelungene Verfuche im Auftrage der Pâte fur pâte neben vielen Fayencedecorationen ausftellte. Nennen wir weiter G. Thierry in Paris, der allerdings nur currente Waare, Kaffee und Speifefervicen bemalt und kaum hervorragendere Arbeiten auszuführen in der Lage wäre, dann Mademoifelle F. Caille, welche einige nicht übel decorirte Teller und Platten brachte und endlich Madame B. de Callias, welche wie erftere Dame ihren Dilettantismus an kleinen Gefäfsen, Nippes und dergl. ausübt, wobei der Mangel einer guten Zeichnung befonders in die Augen fällt. Zum Schluffe diefer Befprechung der Porzellaninduftrie Frankreichs ift noch Groffe in Paris zu nennen, der Erzeuger eines recht fchönen Porzellans für chemifche und pharmaceutifche Zwecke, nicht felten von ganz fchwierigen und ftets gelungenen Formen, grofse Abdampffchalen, Retorten mit fehr langen Hälfen, Wannen für den Gebrauch der Photographie und ähnliches Gefchirre, oft von bedeutender Feinheit zählen hiezu. Fafst man den Totaleindruck zufammen, den Frankreichs Porzellan und und deffen Decorationsweife auf uns heute macht, fo ift nicht zu leugnen, dafs eine gewiffe Mattigkeit der angewandten Mittel fich in den meiften Fällen, Sèvres nicht ausgenommen, verräth. Der Gefchmack, die herrfchende Mode neigt fich vollſtändig den gebrochenen, weichen und unentfchiedenen Farbentönen zu, eine Thatfache, die wir in allen Kunftinduftrien als ein Zeichen, wenn nicht fchon des beginnenden Rückfchrittes, fo doch eines unleugbaren Stillftandes anzufehen gewohnt find. Nur Mangel an Selbftvertrauen und gründlichen ftiliftifchen Studien. bringt den Decorateur zur charakterlofen Ornamentik und ftumpfen Farbengebung, bei der er, im Gefühle einer gewiffen Sicherheit gegen allzu auffällige Mifsgriffe, feine Unficherheit verbirgt. Viel kühner und bewufster tritt der englifche Künftler auf, und breitet die ganze Kraft feiner Palette vor uns aus. Dafs diefs mitunter zu weit geht, dafs die Contrafte feiner Farben nicht immer völlig im Gleichgewichte bleiben und die Harmonie, die Neutralifation der Töne öfter geftört wird, fällt im Allgemeinen nicht fo fchwer in die Waage, denn im Grofsen und Ganzen laffen fich die Engländer doch von ganz guten Stilprincipien leiten.. Wir erkennen diefs an der wefentlich häufigeren Anwendung der ftilifchen Ornamente an ihren Poterien und an dem wohlthätigen Einfluffe, den die orientalifche decorative Kunft, nicht fpeciell zwar die des orientalifchen Porzellans, fondern die der Fläche im allgemeinen, auf ihre Arbeiten hat. Aus England bringt Minton& Comp. in Stoke- upon- Trent diefsmal wie immer das Meifte, Befte und Intereffantefte. Faft möchte man glauben, dem Etabliffement fei nichts unerreichbar, denn alle feine Erzeugniffe find thunlichft vollkommen ausgeführt und die Gefchicklichkeit, mit der die Firma die beften künftlerifchen Kräfte heranzuziehen fucht, mit der fie ihre Modelle fich wählt, und aus aller Herren Länder zufammenträgt, verdient volle Anerkennung. Als technifcher Leiter wirkt noch immer Mr. St. Arnoux; Solon's Name, als der Meifter der Pâte fur pâte, wurde fchon genannt, Boullemier in feiner erftaunlich kecken Manier cultivirt mit fehr viel Farbenfinn das Genre und den figuralen Theil der Decoration. Ein Tellerfervice mit reizenden Kindergeftalten im Fonde, mit Goldpurpur gemalt, von ganz abfonderlich fchöner, felten erreichter Farbenpracht, ift fein Werk. Moufille arbeitet lediglich als Pflanzenund Thiermaler, aber in überraschend wirkungsvoller Weife, Henk und Longmore find Modelleure von grofsem Werthe für das Etabliffement. Erwähnen wir noch der trefflichen Leiftungen des Porträtmalers A. Green und der Landfchaften von Mitchel. Prachtftücke lieferte die South- Kenfington- Malerfchule( Marks) in den kleinen Porzellanbildern, darftellend die fieben Alter nach Shakespeare in ganz erftaunlich guter und präcifer Ausführung und mit trefflich geftimmten Farben. 6* 84 Dr. Emil Teirich. Die Ausstellung Minton's in Pâte fur pâte ift ganz. befonders reizend. Zwei flache Pilgerflafchen mit braunem Grunde und zwei herrlichen Kindergeftalten im Auftrage, find Meifterwerke, deren ähnlich gehaltene Schweftern bereits vor zwei Jahren die allgemeine Anerkennung fanden. Ein Hauptfortfchritt Minton's befteht in der Ausdehnung, welche er dem Pâte fur pâte Procefs in feinem Etabliffement gegeben hat. Eine Reihe von Gefäfsen, fchön in der Form und mitunter reizend geziert, durch meift fchwebende Geftalten, deren wallende Bekleidung Gelegenheit bietet, alle Reize diefer fubtilen Technik zu entfalten, war ausgeftellt. Der olivengrüne, dunkle Untergrund, den Minton jetzt den meiften feiner Gefäfse gibt, ift ganz geeignet, das Weiche der Pâte zur Geltung zu bringen. Um wie vieles härter, wenn auch nicht minder vollkommen ausgeführt, fteht nicht Weifs auf dem blauen Grunde der länglichen Caffette, deren fein ausgeführte Figurengruppen im übrigen alle anderen übertreffen. Als neu ift endlich auch noch der dunkle, intenfiv- fleifchrothe Untergrund für einige Ausführungen in Pâte fur pâte zu bemerken. Stücke von Bedeutung find jene, nach japanefifchen Motiven gefertigten kleinen Gefäfse mit verfchieden gefärbtem figuralem und conventionellem Ornament geziert, das auf dem urfprünglich weifsen Körper des Gefäfses mit durch und durch gefärbter Porzellanmaffe modellirt ift. In zweifach gefärbter Maffe find auch die Candelaber mit weiblichen tragenden Geftalten ausgeführt, deren Körper weifs, deren Gewandung feladongrün gehalten ift. Die Glafur deckt nachträglich beide. Die Grundmaffe ähnelt hier in ihrer Zufammenfetzung dem Parian, und ift deren Compofition ein Verdienft von Leafon, dem Bereiter der Mintonfchen Thonmaffen in Stoke. Ziemlich häufig wendet Minton das Druckverfahren an, namentlich an feinen Fayencen, dann aber auch zur Decoration des Porzellans, doch meift fo, dafs die vom litographifchen Steine abgenommene Contur fchwarz auf das Bisquit gedruckt, verglüht und glafirt wird, und nun erft mit den Emailfarben die Flächen bemalt werden. Bei der Weichheit der Glafur und der Anwendung leichtflüffiger Farben finkt der obere Auftrag fo beim Brennen ein, dafs der Effect der Decoration durch ein folches Verfahren nicht leidet. A. Reynholds ift der Leiter der ausgedehnten Druckerei des Etabliffements und er ift auch der Erfinder jenes neuen Verfahrens, von der Metallplatte zu drucken, deffen wir bei Befprechung der Fayencen Minton's erwähnt hatten. Das gröfste Stück, welches Minton's Porzellanausftellung aufweift( diefelbe occupirt vornehmlich die Mittelgruppe feiner Aufftellung) ift eine Vafe, bemerkenswerth der techniſchen Schwierigkeit wegen, die ihre Herftellung haben mochte, obgleich die ungleich fchwierigere Erzeugung noch gröfserer Stücke in hartem Porzellan namentlich von der Berliner und Meifsner Manufactur zu fehen ift. Noch möchten wir zweier kleiner Vafen gedenken, die mit Limogemalerei decorirt, an Feinheit zwar den ausgezeichneten Stücken von Worceſter nachftehen, die aber, wie wir glauben, von demfelben Künftler wie jene gemalt find. Minton cultivirt derzeit nur ganz felten diefes Genre. Eine Specialität Mintons, der er aber auch die weitefte Verbreitung verfchafft hat, ift fein Türkisblau, eine Farbe von fo delicater Zartheit und Reinheit im Ton, wie felten eine zweite. Dabei ift diefe Farbe nur dem weichen Porzellan zu appliciren, jeder Verfuch, fie auf hartem einzubrennen, mufs naturgemäfs fcheitern. Minton arbeitet mit diefer Farbe feit 1870, wo er nur fehr wenige zum Theil auch wenig gelungene Stücke davon brachte. Beffer fchon war deffen Auftreten 1871 zu London, wo diefe Erzeugniffe dasfelbe Auffehen hervorriefen, wie deffen Perfifchblau auf Fayence. Das Türkisblau wurde urfprünglich chinefifchen Cloifonnés nachgebildet, und auch auf die diefsjährige Ausftellung bringt Minton zwei grofse Vafen diefer Art. Meift wird das ganze Gefäfs mit Blau überzogen, dann gebrannt und hierauf erft mit weifser oder Die Thonwaaren- Induftrie. 85 bunter Farbe bemalt und deffinirt. Der Effect ift ein vorzüglicher und weitaus beffer als der des Pompadourroth, das ähnlich verwendet wird, und jedenfalls auch mit eine feiner feinften Farben darftellt. Ein fo zartes, milchiges Rofenroth, wie auf den beiden kleinen ausgeftellten Vafen dürfte kaum noch gefunden werden. Erwähnenswerth ift endlich noch ein Verfahren der Vergoldung des Porzellans, welches, wenn deffen Herftellung durch Verbefferung des techniſchen Proceffes billiger zu ftehen kommen wird, von bedeutendem Vortheile für das Nutzgefchirr fein kann. Um die Goldfchichte, welche bekanntlich nur allzuleicht vom glafirten Untergrunde abzuwifchen ift, auf welchem fie nur oberflächlich aufgetragen liegt, haltbarer zu machen, wird an den Stellen, welche Vergoldung erhalten follen, mit Flufsfäure die Glafur aufgerauht, und fo dem Golde ein fefter Boden gefchaffen, in dem es mit Sicherheit fteht. Aber auch neue Effecte find mit diefem Verfahren zu erzielen, wenn man die Vergoldung über die geätzte Fläche fortfetzt und dann poliert, wobei das tiefer liegende Gold auf dem Aetzgrund matt bleibt. Der Totaleindruck endlich, den Minton's Ausftellung macht, ift ein fehr lobenswerther. Abgefehen von der Mannigfaltigkeit der techniſchen Proceffe, die er, unermüdlich nach Neuem ringend, einbürgert und vorführt, ift deren künftlerifche Verwendung äufserft gefchickt. Wir befprachen bereits die ausgezeichneten künftlerifchen Kräfte, über die Minton verfügt, wir können aber hinzufetzen, dafs er geradezu aus der ganzen Welt feine Modelle und Zeichnungen fammelt und befchafft. Gewifs untadelhaft ftilvoll find wenige feiner Erzeugniffe, aber fie machen alle den wohlthuenden Eindruck eines in den richtigen aeſthetiſchen Grenzen gehaltenen Naturalismus, aus welchem am eheften vielleicht Moufille mit feinen Malereien heraustritt. Trivialität und ganz Unverftandenes wird aber auch an diefen Erzeugniffen niemals nachzuweifen fein. Immer mehr entledigt fich zuerft Minton, dann aber auch Worcefter des franzöfifchen Einfluffes, der von Sèvres mächtig geübt, feit den Zeiten Georg IV., wo das Sèvresporzellan zuerft nach England gelangte und dort die verdiente Werthfchätzung fand, bis in die jüngfte Zeit beftimmend auf die Stilrichtung wirkte. Wir haben fchon oft auf die gröfsere Selbftftändigkeit hingewiefen, mit der die englifchen Künftler eine eigene Richtung des decorativen Verfahrens einfchlagen. Was von der Farbe gefagt wurde, gilt auch, von der Form, die meift originell, nicht immer lobenswerth, aber doch nie geiftlos copirt erfcheint. Dafs diefe Sucht nach Emancipation, wefentlich unterſtützt durch den Charakter des englifchen Volkes und deffen unleugbare Vorliebe für das Aufsergewöhnliche und Bizarre, ab und zu auf Abwege führen mufs, ift felbftverſtändlich. Nur fo ift es auch zu erklären, wie die unfchönen eckigen Formen gewiffer japanefifcher und chinefifcher Gefäfse und Nippes von Minton, mehr aber noch von der Worcefter Fabrik nachgebildet werden konnten, wobei aufserdem hierauf ein Fleifs verwendet erfcheint, der wahrlich einer befferen Sache werth gewefen wäre. Doch wenden wir uns zu dem reich gefüllten Glasfchrank der letztgenannten Fabrik. Die Royal porcelain works in Worceſter, wohl eines der älteften englifchen Etabliffements, gegründet von Dr. Wall um 1751, alfo noch vor Wedgewood, ftellten unter der Leitung Mr. Binns, des artiftifchen Directors, eine Reihe der verfchiedenften Arbeiten aus, bei denen in ihrer Gefammtheit fchon fofort eine treffliche Formgebung und feine Ausführung des Modelles auffällt. Zwei grofse Vafen, die letzten Werke des bereits verftorbenen, in England hochgefchätzten Künftlers Bott, von denen wir bereits eine auf der Ausftellung im Jahre 1871 zu London fahen, find ganz ausgezeichnete Leiftungen der Limogemalerei, jener berühmten franzöfifchen Technik des XV. Jahrhunderts, weifs auf 86 Dr. Emil Teirich. dunkelfchwarzblau emaillirtem Grunde zu malen. Das Sujet für die figuralen Darftellungen als Friefe um den Bauch der Vafen find der altenglifchen Gefchichte entnommen und ftellen Schlachtfcenen aus der Epoche der normanifchen Invafion mit ganz befonderer Feinheit und Präcifion der Grifaillemalerei dar. Die Cartons zu den in Rede ftehenden Friesbildern find ein Werk von Maclife. Beachtenswerth, wenn auch nicht befonders fchön, ift die elfenbeinartige, matt glafirte Parianmaffe an den japanefifchen Gefäfsen, welche in grofser Zahl und durchwegs gut im Stile ihrer Originale, ganz felbftftändig componirt find. Dafs wir uns mit dem ganzen chinefifchen Stile des Porzellans nicht einverftanden erklären können, und es weitaus vorgezogen hätten, fo viel Talent und Gefchick auf die Ausführung gefälligerer, künftlerifch werthvollerer Formen verwendet zu fehen, kann nicht hindern, dafs wir der äufserft exacten Technik alle Bewunderung zollen, mit der diefe Gegenftände angefertigt find. An und für fich ift fchon die Maffe für den Körper der Gefäfse, eine gute Compofition von Hadley, ein äufserft reizvolles, warmes Materiale, das ganz die Wirkung des fchönften alten Elfenbeines macht. Die Modellirung, abgefehen von Einwendungen gegen den Stil überhaupt, ift trefflich, und vor Allem dort Bewunderung erregend, wo die Gefäfse mit doppelten Wänden angefertigt werden, von denen die äufsere in der zierlichften Weife durchbrochen ift und den Eindruck der Elfenbeinfchnitzerei macht. Solche Doppelwände haben befonders den Zweck, Gefäfse in der Hand halten zu können, auch wenn fie mit fehr heifsen Flüffigkeiten gefüllt find. Die Schwierigkeiten bei Herftellung einer fo delicaten Modellirung in ungebrannter, und daher äufferft leicht zerbrechlicher Porzellanmaffe find erftaunliche, und wurden zuerft in Sèvres zu Louis Phillip's Zeiten überwunden, wo derlei Gefäfse zuerft als Imitationen orientalifcher erzeugt wurden. Heute finden wir ähnliches bei verfchiedenen Ausftellern, wie beifpielsweife bei Fifcher in Herend, welcher fich eben diefe alten Sèvresarbeiten zum Theile zum Vorbilde nahm, wenn auch von geringerer Feinheit. Von der Verirrung, welche dem Porzellan zumuthet, die Rolle der Terracotta zu fpielen, indem es mit einer matten, braunen Erdfarbe überzogen erfcheint, haben wir bereits gefprochen. Uns fcheint zudem die, für die Gewinnung benützte blaue Glafurfarbe gleichfalls wenig gut zum Braun des Fleifches geftimmt, aber auch hier verdient die treffliche Modellirung der Figuren die lobendfte Erwähnung. Das ganze Genre mit feinem trüben Totaleindrucke dürfte, wie wir glauben, überhaupt fich wenig Freunde auf der Ausftellung erworben haben. Unter dem Vielen, das Worcefter als Beweis der hohen Gefchicklichkeit feiner Mitarbeiter brachte, gefiel als ganz befonders fein ein delicat modellirtes, kleines Kaffeefervice mit Türkifen, auf gemuftertem Goldgrund fehr effectvoll decorirt. So fchön die Wirkung folcher Stücke ift, fo wenig fteht dem Porzellan zu, gewiffermafsen die Goldfchmiede- Technik zu imitiren. Speciell für den Zweck eines Gefäfses ift zudem eine folche Decorationsweife, welche den praktifchen Gebrauch von vorne herein ausfchliefst, kaum zu empfehlen. Als technifche, präcife Leiftung find übrigens diefe Stücke„ jewel porcelain" von Bedeutung. Das ganze Service wurde vom Earl of Dudley zu fehr hohem Preife erworben. Eine Reihe von fehr gut ausgeführten, befonders in der Malerei gelungenen Stücken, Vafen, Taffen und anderen Gegenftänden, meift decorative Zwecke verfolgend, vervollſtändigte die Expofition, deren reich decorirte Porzellanfervice, Teller und dergl. von dem Einfluffe der tüchtigen artiftifchen Leitung Mr. Binn's Zeugnifs gaben, der eine Reihe äufserft gefchulter Kräfte zu vereinen wufste. So nennen wir hier Bejot für das japanefifche Genre, Callowhitte als Thierund Blumenmaler, Rufhton für Figuren, und könnten die Zahl diefer hervorragenden Künftler noch um einige vermehren. Das, was diefe Worceſter Fabrik diefsmal zur Expofition brachte, zeigte von einem ganz befonderen Fleifse und einer forgfältigen, umfichtigen Wahl der Vor Die Thonwaaren- Induftrie. 87 würfe. Wenn nicht immer das Richtige dabei getroffen wird, fo liegt viel Schuld an der Sucht ftets Neues zu bringen und der herrfchenden Gefchmacksrichtung, jeder momentan herrfchenden Mode des Londoner Publicums Rechnung zu tragen. Als dritter im Bunde unter den hervorragendften englifchen Firmen ift Copeland and Sons in Stoke upon Trent zu nennen. Das Streben nach der vorzüglichften Modellirung ift in allen Erzeugniffen diefer Firma anzuerkennen. Die ganz unübertroffenen Leiftungen derfelben in Parianmaffe haben wir anderen Ortes wiederholt zu würdigen gefucht und erwähnen hier nur noch, dafs auch fein Porzellanbisquit diefelben Vorzüge in der Formgebung aufweift. Die Sicherheit in der Behandlung des Figuralen veranlafst aber auch zur häufigften Anwendung desfelben bei allen Gelegenheiten als Decorationsmoment für Gefäfse, Jardinièren, Lampenvafen u. f. w. die meift nach Zeichnungen und Modellen von Abraham ausgeführt find. Ganz befonders fein find die Farben, welche Copeland auf feinem Porzellan anwendet, und die, wenn auch nicht immer gleich gut nuancirt wie die von Minton, doch ftets fehr rein im Ton und vorzüglich fchön und gleichförmig im Auftrage find. Die farbige Decoration der Arbeiten Copelands, fobald es fich nicht um das Ueberziehen ganzer Flächen handelt, befchränkt fich im Wefentlichen auf Blumenmalerei. Hürten ift einer der beften Maler diefes Genres. Lobenswerth ift endlich das Mafshalten bei Anbringung der Vergoldung, die ziemlich frei von jenen Fehlern ift, die wir gleich Eingangs als nur zu häufig vorkommend, zu tadeln hatten. Jedenfalls ift Müller, der Leiter der Vergolderarbeiten, von einem feinen Verftändniffe für die Anwendung diefes, fonft doch fo brauchbaren Zierathes für das Porzellan, begabt. Aufser den decorativen Gegenftänden bringt Copeland auch eine reiche Auswahl von fehr fchön gearbeiteten, Kaffee-, Thee- und Speifefervicen, die durch das ausgezeichnet feine und zart geformte Porzellan intereffiren, wenn darin auch fchon hinfichtlich der künftlerifchen Behandlung nichts von Bedeutung geleiftet wird. Auch einige PorzellanVerkleidungsplatten, fo namentlich ein Panneaux mit Blumenbouquets auf meergrünem Grunde find zu erwähnen, wie denn überhaupt nur die Decoration mit Pflanzenórnament bei Copeland verdienftlich erfcheint, während alle andere Malerei, namentlich des figuralen Theiles fchwach genug ift. Die ganze Ausftellung Copeland's macht einen freundlichen, eleganten Eindruck und erfreut, ohne die Kritik durch ein Verfolgen gewiffer bizarrer Richtungen herauszufordern. Ein felbftftändiges, bahnbrechendes Vorgehen, wie wir es bei Minton oder Worceſter fanden, ift nicht Copeland's Sache, der fich überhaupt gerne an die Erzeugniffe und die Technik der erftgenannten Firmen anlehnt. Einen guten Ueberblick über die Leiftungen der eben befprochenen drei Fabriken gab die Ausftellung von John Mortlock, welcher, felbft nur Händler, nicht unwefentliche Verdienfte um Hebung der englifchen ThonwaarenInduftrie fich erworben hat, indem er für den ausgedehnteften Abfatz, namentlich der befferen, künftlerifch durchgebildeten Arbeiten thätig war. Manche Anregung zu Neuem, Vollkommenerem ift fo von ihm ausgegangen und war er in doppelter Hinficht den Firmen, die er vertritt von Nutzen. Seine Vitrine zeigt uns eine ausgewählte Collection, unter der wir die beften der vorhin befprochenen Erzeugniffe, fowohl in Porzellan als auch in Fayence fahen. Jedenfalls wandert das Neuefte und Befte aus der Hand des Fabrikanten fofort in die Mortlocks. Eine andere Richtung fchlägt A. B. Daniell& Sohn ein, der mehr die currente Waare führt und hauptfächlich Coalport- Porzellan führt, deffen altbewährter Ruf fortdauert. Seit 1751 exiftirt die Fabrication diefes Porcellans. bei Brofely in Shropſhire und fchon um 1772 brachte Thomas Turner aus den damals fchon berühmten Worcefter Works die Kunft der Imitation des alt 88 Dr. Emil Teirich. chinefifchen Porzellans durch tiefblauen Druck. Rofe, der Gründer der Coalport Technik, war Turners Lehrling, gründete die Jackfield Pottery, vereinigte fpäter die beiden und vergröfserte diefe durch Einbeziehung der Swanfea Works. Noch heute ift John Rofe der gegenwärtige Befitzer der Fabriken von Coalport, ein hochgeachteter Induftrieller und Keramiker. Sein Porzellan ift trefflich, meift allerdings für den Hausgebrauch als currente Waare beftimmt. Das relativ Wenige, was Daniell, der zumeift diefes Coalportporzellan verfchleifst, brachte, ift zu ungenügend, um einen vollſtändigen Ueberblick über die Leiftungen des bedeutenden Gefchäftes zu gewähren. Auffallend ift eine eigenthümlich. decorirte Suite von Thee- und Kaffeefervicen, welche ein von Hand gemaltes und mit vieler Mühe und Sorgfalt ausgeführtes indifches Shawlmufter tragen. Dafs eine folche Decorationsweife unferen Begriffen einer Verzierung der keramifchen Producte bei Weitem nicht entſpricht, braucht nach all' dem bisher Gefagten wohl keiner weiteren Ausführung. Ebenfo wenig vermögen wir uns mit der Idee zu befreunden, aus Blumenkelchen Kaffee zu trinken, mögen fie auch noch fo naturwahr modellirt und colorirt fein. Wir heben hier gerade zwei der augenfcheinlichften Mifsgriffe der Coalportfabrik hervor, um daran den Wunfch zu knüpfen, es möge denn auch diefe mehr und mehr eine ftilvolle Decorationsweife adoptiren, was gerade hier am wichtigften wäre, da diefe Erzeugniffe ihrer Billigkeit wegen am weiteften in alle Schichten der Bevölkerung dringen, wo dort der gute Gefchmack auch in England feine Zufluchtsftätte ebenfowenig gefunden hat, wie bei uns zu Haufe. Wir übergehen die wenigen übrigen Ausfteller, von denen z. B. Pellat and Wood nichts von irgend einer Bedeutung brachte und deren Ausftellungen nicht einmal das Verdienft haben, ein richtiges Bild der currenten eng. lifchen Porzellanwaare zu geben, und wenden uns zu Dänemarks Porzellanen, welche gewiffermafsen zwifchen den englifchen und deutfchen Fabricaten ftehen. Bing und Gröndahl in Kopenhagen imponirten im Rundgange der Rotunde durch eine Ausstellung von wenigen Stücken, unter denen die beiden Engelgeftalten in Bisquit nach Thorwaldfen hinfichtlich der Feinheit in der Modellirung alles Lob verdienen. Es find diefs bedeutende Arbeiten und zeigen befonderes Gefchick in Behandlung grofser Maffen. Schade, dafs ihr Bisquit von einer fo kalten, kreidigen Farbe ift, ohne jede Spur des Warmen, Durchfcheinenden, welches uns in erhöhtem Mafse am Parian erfreut. Zwei Porträtbüften, gleichfalls aus weifser Bisquitmaffe gebrannt, laffen denfelben Mangel erkennen. Den Mittelpunkt der Ausftellung bildet eine, etwa 41 Fufs hohe Vafe von antiki firender, langgezogener Amphorengeftaltung mit unendlich flau gehaltenem Colorit. Der fchwefelgelbe Körper und blafsviolette Fufs würden übrigens noch fo ziemlich harmoniren, ftörte nicht das dunkle Architekturftück den Effect, welches mit einer ganz wirkungslofen, architektonifchen Goldumrahmung von dem gelben Grund faft unvermittelt fich abhebt. Zwar ist das Bild felbft, das Innere der Peterskirche zu Rom darftellend, fehr gut von Sörenfen gemalt und namentlich die Perſpective effectvoll heraus. gebracht, aber doch trägt die ganze Ausftellung den Charakter einer erftarrenden, trockenen Nüchternheit. Einen befferen Eindruck macht die Sammlung des Porzellangefchirres im Meifsner Gefchmack, eine Imitation eines beftehenden alten Services, im dänifchen Transept. Wären nur die Farben um etwas brillanter gehalten, aber die ganze Ausftellung macht faft den Eindruck des Ausgewafchenen. Dabei ift das Porzellan felbft, obwohl von befonderer Weifse, doch etwas zu fchwer und dick modellirt. Wir erwähnen diefer Uebelftände, ohne den trefflichen Erzeugniffen diefer alt renommirten Fabrik unfere volle Anerkennung zu verfagen, die wir namentlich auch der Imitation der alten Sèvres- Service, blau auf weifs über der Glafur decorirt, zufprechen. Das Porzellan felbft ift ein hartes. Die Thonwaaren- Induftrie. 89 Die königliche Porzellanmanufactur in Kopenhagen weift in ihrer diefsjährigen Ausftellung einen wefentlichen Fortfchritt auf gegen die Leiftungen der letzten Zeit. Offenbar verdankt fie dem Umftande, dafs fie in die Hände von Privaten feit etwa vier Jahren übergegangen ift, neue Impulſe. Ein fehr fchönes, fein gearbeitetes Service, weifs, mit zartem, blauem Deffin unter der Glafur, ein blumendecorirtes Service im Meifsner Gefchmack und ein anderes mit blauem Rand und einem herumlaufenden weifsen Lorbeerkranz find fehr tüchtige Leiftungen, die ebenfo eine gute techniſche Behandlung des aus England meift bezogenen Rohftoffes, fowie eine mafsvolle, ja felbft ftiliftifche Behandlung der Farbe, die überhaupt fehr rein und gut geftimmt an allen Waaren erfcheint, verrathen. Diefs zeigt fich auch im hohen Grade an der zweiten Ausftellung diefer Fabrik in der Rotunde. Das Druckverfahren findet bei der Decoration hier gar keine Verwendung. Weniger gut will uns die Modellirung der kleinen Bisquitfiguren gefal len, die in der Compofition gut, in der Ausführung aber nicht immer von aller Feinheit ift. In diefen Arbeiten, fo fcheint es, erreicht die moderne Kopenhagener Fabrication nicht mehr die Leiftungen Müller's, der um den Anfang unferes Jahrhundertes mit der Modellirung figuraler Gegenftände nach Meifsner Motiven dort begann, denen bald die, heute noch reproducirten Bisquitftatuetten nach Thorwaldfen's Werken, folgten. Ein Zug von Diftinction geht aber heute noch durch die ganze Fabricationsweife, der man nirgends ein fchleuderhaftes Arbeiten von marktgängiger Waare vorzuwerfen vermag. Das erzeugte Porzellan ift durchgehends von hochgradiger Feinheit und fchönem Anfehen. In manchem Sinne verwandt mit den Erzeugniffen der befprochenen Fabriken find die der Manufacture Imperiale de Porcelaines à St. Petersbourg in Rufsland. Die kaiferlichen Fabriken, welche namentlich in letzteren Jahren eine regere Thätigkeit entwickeln, haben eine ziemlich anfehnliche Collection gefandt, unter der fich wohl am meiften die, vom feltenften Rohmateriale begünftigte Steinfchleiferei, dann aber auch die Glasfabrik auszeichnet. Namentlich letztere hat durch Zurückgreifen auf national- ruffifche und byzantinifche Decorationsmotive recht fchöne Erfolge in manchen Richtungen erzielt. Weniger tritt diefs zu Tage an den Leiftungen der Porzellanmanufactur, der es jedenfalls an einer leitenden Stilrichtung fehlt und deren Erzeugniffe, bei fonft oft recht anerkennenswerthem technifchen Verfahren, nicht recht zu erfreuen vermögen. Die Fabrik arbeitet nicht fo eigentlich für den Verkauf, als faft ausfchliefsend nur für die Bedürfniffe des Hofes, worin vielleicht auch mit ein Grund der Erklärung für manche eigenthümliche Ausführung liegen mag. Sehr ſchön find die der Fabrik zu Gebote ftehenden Emailfarben, deren ganze Pracht Kraffowsky auf der grofsen Tifchplatte entfaltet, welche mit einem reichen Kranz der fibirifchen Flora geziert ift. In ähnlicher Weife find zwei grofse Vafen decorirt und zeigen fich hier die Farben als befonders brillant auf Hartporzellan. Eine koloffale Vafe mit Broncemontirung, von etwa 5 Fufs Höhe, ragt unter allen anderen Ausführungen hervor. Auf braunem, kupferrothem Grunde zieht fich um den Bauch der Vafe ein Kinderfries von Mironoff's Hand gemalt. Zwei grofse goldene Masken unter den Henkelanfätzen müffen für den Mangel, an fonftigem Reliefornament aufkommen. Wir haben bereits Gelegenheit gefunden, uns über eine folche Decoration zu äussern. Im Uebrigen befchäftigt fich die Fabrik mit der Erzeugung von Servicen und figuralen Darftellungen; eine Vafe mit Scenen aus der Aufhebung der Leibeigenfchaft in Medaillons grau in grau gemalt, ein Stück aus der Collection des bekannten ruffifchen Sammlers Kotfchubey, in byzantinifchem Stile gehalten, ift eine der beften Leiftungen hinfichtlich der Form und der angewandten ftilvolleren Ornamentik. Imitationen von altem Wiener und Meifsner Porzellan, Anlehnung an die Sèvrestraditionen find unverkennbar. Verfuche, die Pâte fur pâte auf dem harten 90 Dr. Emil Teirich. Porzellan anzuwenden, fcheiterten theilweife wenigftens an dem hiebei nothwendigen zu paftofen Auftrag, den das weiche Porzellan nicht erheifchen würde. Nicht zu verkennen ift das eifrige Streben des dermaligen Directors Schaufelberger, eines Schweizers, theils ftilvollere Mufter einzuführen, theils die tech nifchen Verfahrungsweifen auszubilden, wozu ja der Grund feit Langem gelegt ift. Erwähnt mag hier fein, dafs die Fabrik zum Theile nur ruffifchen Thon und zwar aus Gluchow verarbeitet. Spath und Quarz bezieht fie aus Finnland, mehr als die Hälfte ihres Kaolins ift engliſcher Thon, welcher auch feiner Billigkeit wegen dem heimifchen Producte vorgezogen wird. Sehr intereffant und reichhaltig war die prächtige Collection von Glaspaften und Emails des Chemikers der Fabriken des bekannten L. Bonafede. Die kaiferlich ruffifchen Fabriken wurden mit dem Ehrendiplom ausgezeichnet. Die gleiche Anerkennung wurde zudem den Fabriken von Berlin und Meifsen zu Theil. Die beiden Hauptausftellungen des deutfchen Reiches haben uns jedoch ziemlich kalt gelaffen und nicht fo recht erfreut, als wir gehofft. Namentlich den Leiftungen der Engländer und Franzofen ftehen die deutfchen Fabricate mit ihrer entfchiedenen Nüchternheit in Form und Farbengebung, wie fie ja überhaupt der norddeutfchen Kunft in allen ihren Zweigen anhaftet, ganz entfchieden zurück. Die königliche Porzellanmanufactur in Berlin, der wir die werthvollen Verfuche über die Einführung des continuirlichen Mentheim'fchen Gasofens in die Porzellantechnik verdanken, ift überhaupt thätig, gelegentlich ihrer Ueberfiedelung in den Neubau zu Charlottenburg fich mit allen modernen technifchen Hilfsmitteln zu verfehen. Hoffen wir eine recht gute Anwendung derfelben. Namentlich die Malerei leidet hier an grofsen Härten und ift ftellenweife zu tief gehalten. An allen Objecten vermiffen wir den rechten Schwung und Geift, ftets verliert fich die Ausführung in eine Miniaturmalerei, die ängftlich pinfelnd über dem Detail das Ganze der Compofition vergifst. Eine eigenthümliche Düftere charakterifirt die meift tief in der Farbe gehaltenen Gemälde. Einige, fonft ganz prächtige Vafen eine gelungene Tifchplatte von Loofchen wären wir geneigt hervorzuheben. Das Porzellan felbft hat an feiner alten Vorzüglichkeit nichts eingebüfst. Das fchon gelegentlich erwähnte Service für den König von Baiern, im Stile Louis XII., zeigt diefs. Dasfelbe ift mit aller Feinheit in flachem Relief modellirt, und harrt erft noch feiner farbigen Decoration. Wieder brachte die Fabrik die grofse ovale, bei vier Fufs lange Jardeniere in trefflichem weifsen Bisquit ,, das Werk der gewandten Modelleure Mantel und Fack, die uns von der Londoner Ausftellung im Jahre 1871 her noch in gutem Gedächtniffe fteht, wie denn überhaupt manches fchon Gefehene neuerdings vorgeführt wurde. Ein Grund zur Entfchuldigung eines folchen Vorganges, den wir übrigens bei fehr vielen anderen Etabliffements zu beobachten Gelegenheit fanden, mag in der fchon Eingangs erwähnten Ueberfiedlung der Fabrik in ihr neues Gebäude am Thiergarten zu finden fein. Die königlich fächfifche Porzellanmanufactur in Meifsen hat vor der Berliner Manches voraus. Schon das Fefthalten an den alten Modellen und der ganzen, allerdings etwas matten Technik des Vieux Saxe, diefes fich felbft copiren, verhindert ein zu empfindliches Abweichen vom richtigen Wege. Dafs diefer Stil der Renaiffance, in folcher Weife in der Porzellaninduftrie verwendet, nicht am rechten Platze ift, braucht wohl kaum wiederholt zu werden. Die koloffalen Vafen und Candelaber, nach Zeichnungen des verftorbenen Architekten Widmann, die Ahasverus der Weltausftellungen, fanden fich wieder ein. Eine Unzahl von Figürchen und genrehaft ausgeführten Sächelchen erinnert an die alte Zeit und es mag wohl auch ein ökonomifches Intereffe mitfpielen, wenn nach diefen alten Modellen die beim Publicum aber immer noch beliebten Die Thonwaaren- Induſtrie. 91 und leicht verkäuflichen Sachen erzeugt werden. Vorzüglich fchön find einige Ausführungen in Bisquit, worunter die Schilling'fchen Gruppen befonders vollendet und prächtig modellirt erfcheinen. Auch die fchon einmal gefehene Dianavafe ift wieder erfchienen. Ihre Malerei ift ziemlich reizlos und kalt geblieben, das ganze Stück macht einen wenig erfreulichen Eindruck. Unter den Tellern und Servicen fanden wir einiges Gute, fo die mit Wouvermann'fchen Bildern gefchmückten Rococcoteller und andere; das Befte, wenn auch wieder nicht neueften Datums, find die herrlichen Limoufiner Vafen, wahre Prachtftücke in der Ausführung, die jenen der königlichen Worcefterfabrik fich kühn an die Seite zu ftellen vermögen. Ueberall ftöfst man auf die guten Traditionen des älteften Stiles der deutfchen Porzellantechnik, die zum Theile latent, durch einen kräftigen Impuls von mafsgebender und befähigter Seite zur herrlichften Entfaltung nnd Belebung diefer Induftrie führen könnten, welche an Leuteritz als Modelleur und Müller als Maler jedenfalls vorzüglich verwendbare Kräfte hat. Die meift fehr bedeutenden deutfchen Porzellanfabriken, welche fich in den Händen von Privaten befinden, leiften faft gar nichts für Verbefferung des Gefchmackes in diefer Induftrie. Meift haben fie, vor Allem die technifche Seite ihres ausgedehnten Betriebes zu fördern, vor Augen, ftreben Maffenproduction, theilweife Export an, leiften aber faft gar nichts vom berechtigten, äfthetiſchen Standpunkte. Das fchöne Etabliffement von Thielfch& Comp. in Altwaffer bringt relativ noch das Befte; einige grofse, flache Schalen find von gelungener Ausführung. Weniger fprechen fchon die Erzeugniffe einer nicht minder grofsen Fabrik, der von Carl Krifter in Waldenburg, an, welche denn doch in ihrer Ornamentirung etwas beffer fein könnten. Vermag man doch auch im Centrum Schlefiens, gerade wegen der Leichtigkeit der Reproduction guter Zeichnungen mittelft des Umdruckverfahrens, fich einigermafsen ftilvolle Decorationsentwürfe zu verfchaffen. Kügemann in Nürnberg, mit feiner unbedeutenden, anfpruchslofen Induftrie, verdient feiner befcheidenen Decorationsweife wegen eine Erwähnung; Uechtritz& Faift in Schramberg führen uns dagegen wieder fo recht den ganzen Jammer der deutfchen, fpeciell Schwarzwälder Uhreninduftrie mit ihren Zifferblättern vor Augen. Ift es nicht niederfchlagend, wenn trotz ewigem Hinweifen auf das, was Noth thut, eine grofse deutfche Induftrie zu Grunde gerichtet wird durch die craffefte Gefchmacklofigkeit, durch den Mangel jedes künftlerifchen Empfindens. Die reiche Uhrenausftellung Deutfchlands weift faft keine Ausnahme von dem Gefagten auf. Nur rafche Umkehr kann da helfen, fonft wird es zu fpät, und Deutfchland verliert einen guten Theil feines Marktes. Kunstgewerbe- Schulen und Muſeen thut eure Schuldigkeit! Porzellan für chemifche und pharmaceutifche Zwecke erzeugt neben der königlichen Manufactur in Berlin, die fich vielfach damit befchäftigt und anerkannt Gutes darín leiftet, von vorzüglicher Qualität die Actiengefellfchaft für Telegraphenverkehr in Berlin und C. G. Schürholz in Plauen, erftere namentlich Stücke von fehr grofsen Dimenfionen; letztere Fabrik erzeugt aufserdem Bisquitfiguren zum Theil mit matter Bemalung, transparente Lichtbilder u. f. w. in mitunter recht guter Ausführung und Modellirung. Dafselbe gilt von Dreffel, Kifter& Comp. in Rudolftadt und Paffau, deren Figuren in grofsen Maffen zu billigen Preifen auch nach Oefterreich gehen. Die Figürchen, in der Modellirung gar nicht fo übel, find meift mit Farben matt bemalt, oft aber auch als Bisquit belaffen, das recht gut weifs und richtig gebrannt ift. Ganz an das franzöfifche Genre fich anlehnend in der Erzeugung von kleinen Porzellangruppen und Statuetten, meift lasciven Nuditäten, ift Macheleidt, Triebner& Comp. Seine Figürchen find übrigens nicht fchlecht modellirt und ein gewiffer Chic ift diefen Darftellungen nicht abzufprechen. Die deutfche Emailmalerei, foweit diefelbe nicht fchon durch die aus geftellten Porzellane der einzeln befprochenen Fabriken zur Vertretung gelangte, 92 Dr. Emil Teirich. hat ihren Sitz einerfeits in München, anderfeits in Thüringen, wo eine grofse Zahl kleiner Meifter, oft nicht ohne viel Gefchick currente Porzellanmalereien verfertigt, die wir auf den baierifchen Bierkrügen, auf Dofen, Hausaltärchen u. f. w. dutzendweife allenthalben finden. Die Kunft vererbt fich, und das namentlich in Thüringen, vom Vater auf den Sohn. Stets find es einige bekannte und fehr beliebte, theils genaue, theils ein für allemal variirte Copien nach den Bildern altitalienifcher Meifter, dann aber auch andere Sujets, oft eigener Compofition. Die angewandten Farben find meift recht gut, wie denn überhaupt die Technik bei folcher Maffenproduction zu einer gewiffen Sicherheit gelangt ift. Die Induftrie hat für das Land Bedeutung, fie wird gewiffermafsen meift als Hausinduftrie getrieben. Harras, Haag, weniger Ens& Greiner in Laufchau( SachfenMeiningen), die jedoch über 100 Perfonen mit Miniaturmalerei befchäftigen, verdienen Erwähnung. F. X. Thallmayer in München hat unferen Erwartungen nicht entfprochen. Als erftes Etabliffement diefer Art hätte er Befferes leiften follen. Ein im ,, Münchner" Renaiffanceftil decorirtes Service befriedigt gar nicht, es ift in Zeichnung und Farbe verfehlt. Die Copien nach der Münchner Schönheitsgallerie bereits fehr bekannt- find hart im Colorit. Solche Vernachläffigung der artiftifchen Seite diefer, fonft mit lobenswerthem Fleifse ausgeführten Arbeiten, ift gerade in München weniger verzeihlich als an den thüringifchen. C. A. Pfeil in Charlottenburg und Greiner, zwei der bekanntesten Emailfarbe- Fabrikanten, hatten eine recht vollſtändige, aber nichts wefentlich Neues bietende Suite ihrer Erzeugniffe ausgeftellt. So wenige Anftrengung die deutfche Fayence- Induſtrie in den letzten Jahren gemacht hat, um ihre künftlerifche Aufgabe zu löfen, fo fteht diefelbe fowohl in äfthetiſcher Richtung als hinfichtlich der Vervollkommnung ihres technifchen Betriebes, wenn wir die Privatinduftrie allein ins Auge faffen, entfchieden über der Porzellanmanufactur, die in O efterreich ganz unftreitig ein regeres Leben führt. Ja, hier findet gewiffermafsen das Umgekehrte ftatt, denn unfere heimifche Steingut- Erzeugung liegt arg danieder, und wir haben gefehen, wie wenig Gutes uns die Ausftellung in diefer Richtung zu bringen vermochte. Vor Allem war es wieder unfere böhmifche Porzellaninduftrie, welche, wenn auch lange noch nicht vollſtändig fo doch fehr gut repräfentirt war. Immer grössere Bedeutung gewinnt dort die Porzellanfabrication, die, zufammengedrängt in einen reich gefegneten Erdenwinkel, alles Rohmateriale für das Porzellan und den billigften und brauchbarften Brennftoff vorfindet, und günftiger fituirt ift, als die grofsartigften Thonwaaren- Diftricte Englands. Die Privatinduftrie Oefterreichs hat diefsmal erfreuliche Leiftungen des Fortfchrittes nachgewiefen, und war entfchieden in decorativer Hinficht beftrebt gewefen, den Anforderungen zu genügen, die nach dem Auflaffen der kaiferlichen Manufactur an fie geftellt werden mussten. Haas und Czizek in Schlaggenwald bereiteten fich für diefes Jahr theilweife mit ganz Neuem vor. Befonders find es die, nach Profeffor Haufers Entwürfen ausgeführten zwei grofsen Vafen mit Schale, die im Grundton weifs, doch mit buntem, in der Farbe etwas mattem, antikifirendem Renaiffance Ornament gefchmückt find. Den Körper der Vafe umzieht ein Fries mit Darftellungen von Nereiden, fehr bunt auf Goldgrund gemalt. Eine Suite von Porzellangefchirren, diverfen Zwecken dienend, mit einem meift einfeitigen, japanefifchen Motiven nachgebildetem Ornament, dann zwei Vafen mit bunter, pompejanifcher Decoration, zählen mit zu den beften Stücken der Porzellantechnik auf der Weltausstellung, wenn auch die Malerei als folche theilweife etwas zu wenig verftanden und nicht genug präzife zu fein fcheint. In gleicher Weife heben wir eine gute, grofse blaue Vafe im orientalifchen Stile mit Biumen decorirt hervor, und erwähnen zweier, durchſchnittlich fehr gut ausgeführter Service, wovon das eine blau, das andere Die Thonwaaren- Induftrie. 93 meergrün mit fehr zartem Goldornament geziert ift. Ueberall ift ein Streben nach Befferem bemerkbar und anzuerkennen, ein Streben, das die Firma fchon gelegentlich der vor zwei Jahren abgehaltenen Mufealaus ftellung bekundete. Fifcher und Mieg in Pirkenhammer( aufser Preisbewerbung) find die zweiten grofsen Repräfentanten der böhmifchen Porzellaninduftrie, welche, angeregt durch die Gründung einer keramifchen Verfuchsftation in Wien, die ihre Filialen wohl fo rafch als möglich in das Herz der Induftriediftricte entfenden müfste, wenn anders ein Refultat von folchen Beftrebungen zu erwarten fein foll, neue Impulfe erhalten wird, und die, geftützt auf ein aufserodentlich gutes, reichhaltiges Rohmaterialien- Lager, gewifs binnen Kurzem eine ganz wefentliche Ausdehnung erfahren dürfte. Die bedeutende Fabrication der vorgenannten Firma, welche zum Theile für den Export arbeitet, und in manchen Erzeugniffen fich fichtlich den Forderungen folcher Verhältniffe anzupaffen bemüht ift, hat fich redlich beftrebt. auch höheren Anfprüchen zu genügen und in Carrier eine Kraft gewonnen, die in gewiffer decorativer Richtung ebenfo Verdienftliches leiftet wie in techniſcher Richtung der erprobte ehemalige Leiter der bekannten Fabrik zu Klöfterle, der nun bei Fiſcher und Mieg feine reichen Erfahrungen jedenfalls beffer zu verwerthen im Stande ift. Carrier ift vor Allem Franzofe und dann Landfchafter und geübter Maler von Genrebildern, in denen er feine Nationalität nicht zu verleugnen vermag. Seine Pinfelführung ift eine flotte, feine Contouren nicht immer richtig, aber mit einem Zuge gewandt hingezeichnet. Die von dem fehr fruchtbaren, rafch arbeitenden Künftler decorirten Vafen u. f. w. find das Erfreulichfte an der Ausftellung von Pirkenhammer, die im Weiteren noch recht lobenswerthe antikifirende Gefäfse, Service und Aehnliches aus ihrem fehr fchönen, feinen Porzellan bringt, das wie wir glauben, das Befte Oefterreichs fein dürfte. Weniger gelungen erfcheinen uns die Verfuche der matten Vergoldung und Verfilberung, mit welcher ganzen Gefäfsen der Charakter der Metallotechnik gegeben werden foll. Abgefehen von der geringen Dauer diefes Ueberzuges, ift auch das Princip diefer Decorationsweife, wie bereits mehrfach ausgeführt, ein Verwerfliches. Einige, unter der Ausftellung diefer Fabrik befindliche Gegenstände, find in Wien felbft decorirt. Wahlifs, der Vertreter diefer und vieler anderen Firmen in Wien, bezieht weifses Porzellan und läfst dasfelbe hier bemalen. Einige Teller des beften feiner Decorateure, J. Zebifch, find recht fchön ausgefallen. Aber auch das chromolithographifche Umdruckverfahren des mehrerwähnten Chemikers Kofch wird durch Wahlifs in Wien geübt. Kofch ift völlig Herr feiner fchonen Technik, die wir nirgends in ähnlicher Vollendung wiederfinden. Alle Farben und vor Allem auch Gold und Silber druckt er auf die Glafur vom lithografifchen Stein ab. Die Pracht feiner Emails, die Schärfe und Präcifion feiner Conturirung befriedigen höchlich. Die Anwendung, welche von diefem Umdruckverfahren gemacht wird, ift leider eine noch etwas zu befchränkte Die Decoration von Tellern und Servicen, namentlich das Verfehen derfelben mit den fehr beliebten farbigen Monogrammen gefchieht auf diefe fehr billige Art. Wahlifs importirt alljährlich auch undecorirtes Porzellan und Steingut aus Deutfchland und England, welches feinen Schmuck in Wien erft erhält. Unter den Decorateuren und Malern auf Porzellan nimmt die Firma Albin Denk's Witwe in Wien eine hervorragendere Rolle ein. In einer fchön arrangirten Vitrine bringt fie nach den verfchiedenften Stilarten gemaltes Porzellan, meift kein Gebrauchsgefchirr. Auch hier treffen wir wieder auf Haufer's Entwürfe an zwei gelungenen Vafen mit griechifchem Renaiffance- Ornament. Zwei treffliche in der Farbe gut gerathene Vafen find die mit Blafsblau und Seladongrün gezierten, das Cloifonnée imitirenden, und zwei ebenfolche mit Alhambra- Ornament auf 94 Dr. Emil Teirich. olivengrünem Grunde, wobei uns freilich das Ornament felbft für die kleine Fläche zu grofs erfcheint. Der mittlere Teller will uns da beffer gefallen, das gut in der Farbe geftimmte Ornament ift fchön und ebenmäfsig auf der Fläche vertheilt. Weniger gut gelungen find die Imitationen alter Porzellane, fo der alten Wiener Waare Dunkelblau mit Goldrelief. Im Ganzen ift die Decorationsweife der hier ausgeftellten Porzellane, die mitunter alles Lob verdienen, durch das Streben gekennzeichnet, das coloriftifche Moment zu betonen und darum dem vielen, matt und kraftlos gehaltenen namentlich deutfchen Porzellane weitaus überlegen. Unter den Servicen fällt das mit mulberyrothem Saum und Golddeffinirung, Eigenthum des Erzherzogs Wilhelm, befonders auf. Wir vermögen demfelben jedoch keinen befondern Gefchmack abzugewinnen. Fifcher in Herend( Ungarn) ift feit den beiden letzten Weltausftellungen fich felbft treu geblieben, und copirt nach Thunlichkeit, aber ziemlich ohne Auswahl, Porzellane jeder Provenienz und jeden Stils. Die Fertigkeit, zu der er es hiebei, wenigftens in einzelnen Stilrichtungen gebracht hat, ift bemerkenswerth, fein Streben dem Originale mit Beibehaltung aller Schwächen und Unvollkommenheiten abfolut gleichzukommen, alfo ein ein Facfimile zu liefern. hat aber künftlerifch gar keinen Werth. Wie ganz anders ftudiren beispielsweife die Engländer den orientalifchen Stil und verwenden deffen Motive zu reizvollen, aber immer modernen, Schöpfungen. Was follen wir aber mit unvollkommen vieux Saxe- und noch minder gelungenen Sèvres- Imitationen beginnen, denen ja doch der Reiz des echt Alten genommen ift, jener hiftorifche, wenn auch oft vielleicht nur eingebildete Werth, den Sammler auf Antiquitäten überhaupt legen? Im Uebrigen hat Fifcher feit den letzten Jahren feiner Fabrication eine gröfsere Ausdehnung zu geben gewufst, und ift anzuerkennen, dafs er in Ungarn unter Verhältniffen zu arbeiten gezwungen.ift, die Alles dort Erzielte als doppelt verdienftlich erfcheinen laffen. Die alte, beftrenommirte gräflich Thun'fche Fabrik zu Klöfterle hat auch diefsmal techniſch fehr Vollendetes ausgeftellt. Die überaus fchwierigen Formen der Suppenterrinen und flachen koloffalen Fleiſch- und Fifchfchüffeln werden die Anerkennung jedes Fachmannes finden. Weniger gelungen ift das Bisquit. Ein blau mit Gold decorirtes Service und ein anderes mit buntem RenaiffanceOrnament auf fchwarzem Grund verdienen Erwähnung. Noch find alle diefe Leiftungen ein Verdienft des um die öfterreichifche Porzellanmanufactur fehr verdienten Directors, Venier, der namentlich fchon feit Langem als Ofenbauer und Pyrotechniker für die Einführung der Gasfeuerung thätig ift. Warum das Etabliffement nicht fo viel daran wendet, nach eigenen Zeich nungen zu arbeiten und die auf der Mufterausftellung gebrachten( und auch im Prater wieder erfchienenen) Decors von Haas& Czizek nach Haufer's Zeichnungen theilweife imitirt, ift uns nicht recht erklärlich. Um endlich alle öfterreichifchen Porzellanfabriken zu nennen, die auf der Ausftellung vertreten waren, fei auch der Ellbogner- Fabrik, der ActienGefellfchaft für Porzellan- und Steinkohlen Induftrie Erwähnung gethan, deren grau decorirtes Porzellan, chinefifche Vafen und fonftigen Imitatio nen kaum das Mittelgut erreichte, und die in Form und farbiger Decoration noch manches nachzuholen hat. Einige grofse Kübel, Abdampffchalen für chemifche Zwecke, Apothekergefchirr find weitaus beffere Leiftungen und auch das eigent liche Gebiet der Fabrication. Auch die Fabrik Dallwitz bei Carlsbad( Franz v. Ried 1) brachte, trotzdem auch fie die fchon erwähnten Mufter von Haas& Czizek fo gut als möglich zu imitiren trachtete, nichts Erfreuliches. Ift das Ellbogner Porzellan grau, fo ift diefes hier unfein und gelblich. Die Thonwaaren- Induftrie. 95 Die meiſten Erzeugniffe der Fabrik find gewöhnliche currente Waare, meift Service, Tifchgefchirre jeder Art u. f. w. Eine ziemliche Sammlung diverfer Decorationsmethoden und Ausführungsweifen zeigten uns die in gröfserer Auswahl an der Ausftellung betheiligten Porzellanmaler Wiens, die fich zum Theile zu einer Collectivexpofition vereinigt hatten. Wir müffen geftehen, dafs wir nur in geringem Mafse von diefen Leiftungen erbaut waren; wie wenig, wie fehr wenig Gutes, ift darunter. Die alte Technik der kaiferlichen Porzellanmanufactur ift jetzt, wenige Jahre nach deren Auflöfung, bereits im Verfalle, keine der alten Traditionen, die, wenn fie heut auch nicht mehr jene unumwundene Bewunderung finden würden, der fie fich zu Anfang unferes Jahrhunderts erfreuten, die aber doch einen guten, gefunden Kern einer tief künftlerifchen Auffaffung bargen, hat die alte Fabrik zu überdauern vermocht. J. Zafche nimmt unter den Wiener Miniaturmalern wohl den hervorragendften Rang ein, feine Technik erinnert an die fchon befprochene der Thüringer Maler, denen er auch in Wahl des Sujets nahe kommt. Meift find es Heiligenbilder auf Porzellan oder Metall, zum Theile nach guten alten Vorbildern der Wiener Gallerien, beftimmt, Hausaltärchen und dergl. zu zieren; auch die Blumenmalerei wird von ihm fleifsig geübt. Bekannt find feine Alpenblumen- Bouquets, die mehr ihres Colorits als der Compofition wegen genannt werden können Einige gute Teller, Nachbildungen alter Wiener Porzellans, zeugen von einem Streben Zafche's, gelegentlich auch mehr als das Gewöhnliche zu leiften. F. Hubl, jetzt Lehrer in einer neu errichteten Fachſchule für Porzellanmalerei bei Carlsbad, ein erft vor Kurzem aus der Kunftgewerbe- Schule des öfterreichifchen Muſeums gefchiedener Zögling derfelben, brachte einige decorirte Teller im Stile der Renaiffance, mit Putten geziert, die, wie faft alle auf der öfterreichifchen Ausftellung den Charakter der Geftalten des Laufberger'fchen Kinderfriefes am Vorhange des neuen Opernhaufes tragen. Compofition und Ausführung haben vollkommene Aehnlichkeit mit Laufberger's Manier und wir glauben auch nicht zu irren, wenn wir hie und da an Hubl's Tellern den Zug einer geübteren Hand als der feinen zu erkennen vermeinen. Auch diefe Bemalung des Efsgefchirres mit Figuren und Rankenwerk dort, wo die reine Fläche zur Aufnahme der Speife ausgefpart bleiben follte, läuft unferen Begriffen über ftilvolle Decoration zuwider. Das Service ift auf Beftellung des bekannten Teppichfabrikanten Haas angefertigt worden. Wenn Hubl, dem jedenfalls noch viele Studien zu machen bleiben, in feinem gewohnten Eifer fortarbeitet, fo ift künftig wirklich Bedeutendes von ihm zu erwarten. Miefsner, Porzellanmaler in Alt- Rohlau, brachte einen trefflichen männ lichen Kopf, gute Blumenmalereien; Breitenfelder Kindergeftalten, die freilich jenes Reizes entbehrten, den wir an franzöfifchen Ausführungen diefer Art zu finden gewohnt find. Verdienftlich find die Leiftungen von Kadletz, Heiligenbilder, Blumen und Imitationen von altem Wiener Porzellan. Roher in Contour und Farbe waren Jäckel's Heiligenbilder, die gegen die fehr feine Manier von Hille freilich ftark abftechen. F. Beck brachte fchwarzes, mit Gold decorirtes Service für Thee und Kaffee, Willert hart gemalte Blumen. Traurig fahen die Platten von Gefswald aus. Specialitäten von Porzellanblumen u. dergl., beftimmt zu der nicht feltenen Anwendung in der Marqueterie und Ledergalanterie- Arbeit, erzeugen Hille in feiner feinen Weife und G. Heinz, ohne darin wefentlich Bemerkenswerthes zu leiften. E. Weybora in Wien ftellte gut emaillirte Uhr- Zifferblätter und Schrifttafeln aus. J. Leth brachte eine ganz gelungene Reihe feiner eingebrannten Photo graphien. Er beherrfcht fein Verfahren jetzt zufehends mehr als früher, doch hat diefe, zudem nicht einmal befonders billige Art der Decoration des Porzellans 96 Dr. Emil Teirich, in Grau fo wenig Erfreuliches an fich und ift fo baar jedes anregenden Effectes, dafs deren Anwendung naturgemäfs ftets eine befchränkte bleiben dürfte. Carl Anger in Aich fandte Photographien auf Porzellan ein. Im grofsen Ganzen ift an neuen Decorationsverfahren aufser den fchon erwähnten Arbeiten von Kofch, die theilweife noch ihres Abfchluffes harren, nichts zu fehen gewefen. Erwähnen wir zum Schluffe noch der trefflichen Mufter von reintonigen Porzellan- und Fayencefarben, die der fehr verdiente Chemiker und Fabriksdirector Röfsler aus der Ellbogener chemifch- technifchen Fabrik einfandte und die fich getroft mit allen ähnlichen Erzeugniffen zu meffen vermögen. Seine Luftre- und Nacrefarben ſtehen den franzöfifchen in keiner Hinficht nach. Wohin wir in der öfterreichifchen Porzellaninduftrie blicken, überall begegnen wir einem eifrigen Streben, nicht immer auf dem rechten Wege, oft noch taftend, fchreitet die Fabrication vorwärts, die wir mit dem Wunſche begleiten, fie möge bei dem allgemeinen und grofsen Auffchwunge des Kunftgewerbes, der fich in der ganzen Ausstellung unferes Vaterlandes manifeftirte, nicht zurückbleiben. Italiens Porzellanmanufactur hatte in Ginori( Doccia) ihren einzigen und leider nicht den beften Vertreter. Die Decoration tritt nicht über das Mafs des gewöhnlichen Mittelgutes heraus. Die Maffe felbft ift zwar von anerkennenswerther Güte, aber kein heimifches Product, fondern wird von Limoges aus Frankreich, alfo importirt. Einige Imitationen alten Capo di monte Porzellans, mit feinem reichen figuralen Relieffchmucke und der bekannten minutiöfen Farbengebung find kaum als gelungen zu betrachten, jedenfalls aber fehr fchleuderifch behandelt. Mehrere Stücke, fo ein gröfserer Tafelauffatz und zwei Candelaber nahmen fich Meifsner Waare zum Vorbild, ohne diefer auch nur entfernt nachzukommen. Schon die Farbengebung ift hiefür zu wenig geftimmt, zu fcheckig geworden. Die Bisquitfiguren, mitunter nicht ohne Verdienft modellirt, find im Feuer nur zum Theile gerathen. Einige davon erhielten offenbar zu ftarke Hitze und fchmolzen ab. Wir hätten gewünſcht, Ginori's Ausftellung lobender erwähnen zu können. Er hat doch im Jahre 1871 zu London gefehlt und hätte feit der Parifer Ausftellung, wo er grofsen Beifall erntete, wohl etwas weiter fortfchreiten können. Bei Berücksichtigung der erfchwerenden äufseren Verhältniffe, unter welchen in manchen Ländern der Fabrikant erzeugt, find gewiffe Leiftungen noch anerkennenswerth, die fonft wohl unberücksichtigt bleiben müfsten. Diefs gilt auch von der einzigen, bedeutenderen Porzellanfabrik Vifta Alegre von Fereira Pintos Baftos& filho zu Ilhavo in Portugal, welche vornehmlich gegen den englifchen Import gerichtet, fich den englifchen Muftern auch nach Thunlichkeit anfchliefst. An den Thon- und Wafchfervicen ift diefs deutlich erfichtlich, die Decorationsweife monoton, aber mafsvoll, jedenfalls befriedigend. Die Porzellanmaffe felbft ift etwas dick und plump gearbeitet. Es werden neben der vorzüglichen Thonerde von Feira in diefer Fabrik auch englifche und franzöfifche Kaoline benutzt. Wo felbftftändige Decoration, wie an den beiden mattgezierten blauen Vafen verfucht wird, zeigt fich deutlich die Unzulänglichkeit der Kräfte. Das erzeugte Porzellan ift durchwegs ein hartes. Gehen wir nun an die Betrachtung deffen, was uns der Orient an Porzellanen brachte. Nur China und Japan, die Länder, in denen die Wiege diefer Induſtrie geftanden hat, betreiben diefelbe. Mehr oder minder unbeleckt von der Cultur des Abendlandes haben fich hier Sitten und Gebräuche erhalten, und mit ihnen im engften Zufammenhange das Hausgeräth. Das Gefäfs, als wichtigſtes darunter, mufste naturgemäfs feine althergebrachte Form und Decorationsweife, wenigftens ihrem innerften Wefen nach, unverfälfcht bewahren. Eine reiche und was noch mehr ift, wirklich inftructive Ausftellung der Porzellaninduftrie von China, wie fie vollſtändiger auf Weltausstellungen noch Die Thonwaaren- Induftrie. 97 nie gefehen wurde, verdanken wir den Bemühungen des öfterreichifchen Generalconfuls G. Ritter von Overbeck in Hongkong, der fich der recht mühevollen Aufgabe unterzog, durch Beiträge aus feinen eigenen reichhaltigen Sammlungen und jenen feiner Freunde ein recht lebendiges, wenn auch vielleicht hie und da noch immer lückenhaftes Bild der, modernen Induftrie Chinas zu geben. Wir haben bei mehreren Gelegenheiten bereits unfere Anficht über den chinefifchen und japanefifchen Stil in der Porzellandecoration ausgefprochen. Ein Blick auf die bauchigen, meift ziemlich plump modellirten und flüchtig bemalten Gefäfse aus China illuftrirte das Gefagte. So fehr beiſpielsweife die europäifche und moderne textile Kunft ihre Motive und beften Impulfe der FlächenDecorationsweife des Orientes zu entnehmen vermag, ebenfo fehr müffen wir bemüht fein, die, mit dem Porzellan als folchem gleichzeitig mit importirte chinefifche Stilrichtung aus ihrem lange ufurpirten Sitze wieder zu verdrängen. Im Wefentlichen hat fich die ganze Erfcheinung des modernen chinefifchen Porzellans gegenüber den alten Arbeiten kaum geändert. Die althergebrachten, traditionellen Formen und Decorationsweifen, welche fich in gewiffen Familien vererben und dadurch Jahrhunderte lang ſtationär bleiben, wiederholen fich auch heute noch, zum Theile nur angekränkelt durch die Sucht, ftets neue und durch das Bizarre des Gedankens überrafchende, und darum beliebte und gut bezahlte Exportwaare zu fchaffen. In der Collection des Erzbifchofs Gray fanden fich zumeift folche alte chinefifche Porzellane, mitunter von ganz befonderer Gröfse mit figuralen oder Blumenmalereien bedeckt, meift blau auf weifs, aber auch bunt decorirt. Im Allgemeinen find die Farbenfcalen, wenn auch jetzt nicht reichhaltiger als früher, fo doch jedenfalls der gröfseren Reinheit der angewandten Farben wegen brillanter. Am auffälligften ift diefs am Kobalt zu beobachten, deffen geringeres Feuer an altchinefifchen Vafen oft zum Kriterium, und meift dem einzigen neben den darauf mitunter vorkommenden Infchriften, eben ihres Alters wird. Ift es an und für fich fchon fchwierig, fich in der noch wenig von fachmännifcher Seite durchftudirten chine fifchen Poteriekunft in ihren vielfältigen Erfcheinungen zu recht zu finden, fo wird diefs wefentlich erfchwert durch die befondere Gefchicklichkeit der Chinefen in der abfolut getreuen Imitation ihrer Antiquitäten, meift berechnet auf Täufchung europäiſcher Käufer. Heute noch tragen die modernen chinefifchen Porzellandecorationen diefelbe Symbolik der Farbe an fich, die dem Befitzer den Dienft, dem das Gefäfs gewidmet ift, oder den Ort der Erzeugung herauszulefen geftattet. Eine genaue Kenntnifs der Metaphyfik der Chinefen würde dazu gehören, fich völlig in den verfchiedenen, wir wollen nicht fagen Stilarten, aber traditionellen Gefchmacks richtungen zurechtzufinden und eine richtige Claffirung der Porzellane einzelner Culturepochen und Provenienzen vorzunehmen. Diefe grofse Arbeit ift bisher nur äufserft lückenhaft gefchehen. Zum Glück ist es häufige Gewohn heit der chinefifchen Töpfer von jeher gewefen, ihre Gefäfse mit Schriftzeichen zu verfehen. Diefe, fowie die Form und Farbengebung dienen zu Kennzeichen der regierenden Dynaftien und damit der Stilepochen in diefer Induſtrie. Im grofsen Ganzen ift der Charakter der chinefifchen Gefäfse durch ihren Mangel an Profilirung beftimmt. Gewöhnlich ift die Form derfelben vafenförmig und erfcheint die Oberfläche in keiner Weife untertheilt. Der Malerei bietet diefer Umftand einerfeits die gröfste Freiheit, denn nirgends wird fie gewiffermafsen räumlich befchränkt, andererfeits aber, da jede Flächeneintheilung fehlt, wird die Anbringung eines ftilvollen, ja felbft eines auch nur fymmetrifchen Ornamentes wefentlich erfchwert. Wir finden demnach auch als ein Charakteriftikon der chinefifchen Ornamentation einen völligen Mangel an Symmetrie, eine einfeitige Anordnung des Deffins, ja eine fcheinbar vollkommene Sorglofigkeit des ausführenden Künftlers bei Wahl des Platzes für feine Decoration auf dem ihm zu Gebote ftehenden Raume. Unleugbar fchädigt diefs den Effect der ganzen Malerei 7 98 Dr. Emil Teirich. ganz entfchieden, es muss aber auch zugeftanden werden, dafs Gefäfse zu fehen waren, in denen trotz diefer abfichtlichen oder zufälligen Unordnung in der Anordnung des Ornamentes dennoch, vielleicht aus angeborenem, feinem, äfthetifchem Gefühle, der Künftler eine ganz fchöne Harmonie zwifchen Grund und Zeichnung, eine vollkommene Harmonie der Maffen herzuftellen gewufst hat. Die Plaftik der Chinefen, wie fie fich in der Thonwaaren- Induftrie auch fpiegelt, ift bekanntlich deren allerfchwächfte Seite und nicht im Stande, die menfchliche Geftalt richtig wiederzugeben. Eine plaftifche Decorationsweife wird man daher zumeift, und wohl auch mit Vergnügen vermiffen. Trotzdem wimmelt es von einer Unmaffe plaftifcher Darftellungen im grotesken Stile, der fich zumeift Thiergeftalten, fabelhafte Ungeheuer, zum Vorwurfe nimmt. Auch diefe haben eine wefentlich fymbolifche Bedeutung, die einerfeits in dem Cultus, anderfeits in dem Kaftengeifte und den Standesunterfchieden des Volkes wurzelt. Häufig finden wir Darftellungen des Drachen, des Attributes der höchften Staatsgewalt, wie folche auch von modernen Meiſtern, z. B. Pohing in Canton ausgeftellt waren. Der Hund des Fo, das heilige Pferd u. f. w., alle dienen neben ihrer mythifchen und fymbolifirenden Bedeutung auch zur Bezeichnung der Rangclaffen der chinefifchen Gefellſchaft. Unter den figuralen Darftellungen find bunt bemalte, meift ins Fratzenhafte verzerrte, kleine Götzenbilder, gewöhnlich in fitzender Stellung, die häufigften. Der Buddhismus gibt hiezu Motive genug. Am häufigften waren von altersher die Darftellungen des Obergottes, des Lao- tfe, dann des ehrwürdigen Greifes Cheou- lao, des Symboles der Langlebigkeit und des Pou- taï, des Gottes der Zufriedenheit. Seltener trifft man die Geftalten des Weifen Confucius und anderer Philofophen, häufig aber auch die der heiligen Jungfrau Jao- tcheou. Die Fabrication felbft des Porzellans wird in China unterftützt durch ein treffliches Material, das fich in den Kaolinen von vorzüglicher Reinheit und dem fchönften Feldfpath( petunfe) in unerfchöpflichen Maffen vorfindet. Von dem Commiffär der Duane in Kivonkia ift eine intereffante Rohmaterialien- Sammlung ausgeftellt worden. Viele Orte des Vorkommens wurden feit undenklichen Zeiten Centren der chinefifchen Töpferinduftrie und find es theils geblieben bis auf den heutigen Tag, theils verfallen und wieder verfchwunden, wie die alte Fabriksftadt King- te- chin, die Wiege des chinefifchen Porzellans, oder Jao- tcheou, der berühmte Poteriediftrict. Eine felbft auf die einzelnen Theile der Decorationsmalerei fich erftreckende Arbeitstheilung und das Uebergehen gewiffer traditioneller Verfahrungsweifen vom Vater auf den Sohn, mit einem Worte die Stetigkeit in einer jeden Hausinduftrie, bewirkten die Ausbildung gewiffer, charakteriftifcher Typen des chinefifchen Porzellans, welche jede einer beftimmten Familiengruppe eigen ift. Ein Blick auf die Ausftellung, fo wenig diefelbe in diefem Sinne auch geordnet war, liefs diefs mit Sicherheit erkennen. Dabei lebt der chinefifche Töpfer in einem ewigen Kampf mit felbft. gefchaffenen Schwierigkeiten bei der Erzeugung feiner Waare. Die angeborene grofse manuelle Fertigkeit der Chinefen fucht fich in jeder und immer neuer Form zur Geltung zu bringen. Grofse Sorgfalt wird der Vorbereitung der Porzellanmaffe zugewendet, dann aber mufs fie auch das Aeufserfte leiften. Nirgends findet man fo viele koloffale Vafen und fonftige Decorationsgegenstände aus Porzellan, die prächtig im Feuer beftanden haben. Der Scherben des gewöhnlichen Porzellans ift wohl meiftens ziemlich dick gehalten, ja oft ganz erftaunlich plump geformt, aber doch werden oft papierdünne Schälchen erzeugt, und nicht genug daran, auch noch mit Ornament durchbrochen; auch das genügte nicht. Man nahm eine eierfchalendünne Vafe, überzog fie mit blauer Kobalt- Glafurmaffe und fteckte fie in eine zweite, zierlich durchbrochene von ähnlicher Form hinein, fo, dafs nur am oberen Die Thonwaaren- Induftrie. 99 Rand die beiden Gefäfse fich tangiren. Beim Brande fchmelzen diefe an den Berührungsflächen zufammen, bilden einen Körper, und ein reizender und überrafchender Effect ift mit diefem fogenannten travail réticulé erzielt. Die zum Ausformen verwendeten Modellformen find nicht wie bei uns aus Gyps, fondern aus, an der Sonne getrocknetem, Thon gefertigt. Um fo wunderbarer ift uns die Präcifion und Schärfe, mit der die Profilirung oder das Relief erfcheint, da nur wenig später retouchirt wird. Die Glafur und die Farben werden faft ausnahmslos in einem einzigen Feuer eingebrannt. Die alten Farben beftanden faft lediglich aus gepulverten Mineralien, heutzutage arbeitet der fortgefchrittene chinefifche Porzellanmaler auch fchon mit chemifchen Präparaten, meift englifchen Importartikeln. Während einerfeits das Streben der Fabrikanten dahin gipfelt, eine möglichft gut verbundene, haarriffefreie Glafur zu erzielen, denkt fchon der andere feit Langem an die Erzeugung des Craquelé, des künftlich mit mehr oder weniger dichten Riffen verfehenen Glafurüberzuges, von dem namentlich einige fehr gut gelungene, weil fehr regelmässig gefprungene Proben an grofsen Vafen ausgeftellt waren. Diefe ganz feine Sprenkelung der Oberfläche, welche an die Zeichnung der Haut der Forelle erinnert( darum truité genannt), war von jeher eine beliebte Curiofität und ein Gegenftad der europäiſchen Imitationsfucht. Bekanntlich hat Sevres, Minton, Worceſter und Andere die Technik diefes Craquelé längft aufgefunden und auf der Ausftellung in fchönen Muftern gezeigt. Aus Kivonkia fandte Kopfa, der Commiffär der Duane, neben eigenen alten und neuen Hausgeräthen, auch Vafen, worunter fchöne, grauliche Craquelés von befonderer Gröfse( 4% Fufs Höhe) bemerkt zu werden verdienen. Durch Einreiben mit einer braunen, mehr oder minder dunkeln Farbmaffe und nachheriges Verglühen wird das Craquelé, namentlich an einigen chine fifchen Stücken, fehr ftark prononcirt. " Auch von dem berühmten travail au grain de riz" fah man Einiges unter den alten chinefifchen Arbeiten. Das Ornament, meift Blumen, wird vertieft in eine Porzellanplatte eingedrückt, und mit einer weifsen oder färbigen Glafurmaffe überzogen, die fich in den Vertiefungen verdichtet; eine Technik, die, wie wir fahen, bei Minton Hollins beifpielsweife zur Plattendecoration gebraucht wird. Ueberhaupt dürfte keine der modernen Decorationsweifen in der Porzellan- und Fayence- Induftrie Europas exiftiren, zu der nicht eine chinefifche Ausführung den erften Impuls gegeben hätte. An Pohin g's Gartenftühlen und grofsen Vafen finden wir den feladongrünen Grund, auf dem mit paftofem Auftrag ein weiſses Ornament plaftifch, faft mit dem Pinfel modellirt erfcheint. Wir ftehen vor denjenigen Arbeiten, die zur berühmten Pâte sur- pâte- Technik den erften Anlafs gaben. Pohing's Ausftellung gibt ein inftructives Bild der modernen chinefifchen Porzellantechnik, wie fie für den europäiſchen Markt arbeitet; runde, viereckige oder fechseckige Vafen, bunte Figuren, Gartenfitze und Kübel, Blumengefchirre und Service in buntefter Abwechslung finden wir in deffen Schaukaften. Zum erften Male treffen wir hier auf einer chinefifchen Ausftellung überhaupt auch die Namen einiger Fabrikanten. So brachte Jiit- ching Vafen mit Cloifonnédecoration, gut in Farbe und befferem Gefchmack, und Hsii aus Hankow, modernes Gefchirr für den Hausgebrauch, darunter Taffen und Schüffeln mit Korallenfchmuck, kleinen und grofsen Vafen, Craqueléwaare u. f. f. Sehr bemerkenswerth und von befonders fchöner Wirkung find die fogenannten Maroonvafen. Der weifse Körper derfelben ift über und über mit einer dicken, leicht flüffigen dunkel purpurro then Glafurmaffe überzogen, in der fich blaue Flimmer, ähnlich dem Aventurin ausgefchieden haben. Eine ähnliche Maffe, die wir unter den neueften Glaspaften der Verrerie imperiale de St. Petersbourg fanden, rührt von L. Bonafede, dem Director und Chemiker der kaiferlich ruffifchen Fabrik her. 7* 100 Dr. Emil Teirich. Am vollständigften unter den modernen Sammlungen aber ift die von R. v. Overbeck und dem Handelshaufe Carlowitz& Comp. ausgeftellte Suite von Porzellanen aus dem Diftricte von King- te- chin bei Kur- Koing. Das dort erzeugte Porzellan gilt für das Befte und rühren namentlich, die grofsen, oft 5 Fufs hohen Vafen von da her. Die Decoration des weifsen Gefchirres wird in Canton beforgt, und befaffen fich dort drei Decorateure oder Maler hiemit, ganz unabhängig von dem Erzeuger des Gefäfses. Kur- Koing ift ein dem Export geöffneter Hafen, aus dem das meifte Por zellan China verläfst, um den europäifchen Markt zu bekommen. Nahe verwandt und bis vor Kurzem auch oft genug völlig confundirt mit der Porzellaninduftre Chinas ift die des japanefifchen Reiches. In dem Augenblicke, wo wir diefe Zeilen fchreiben, ift Japan fchon nicht mehr dasfelbe, was es damals war, als fein eigenthümlicher Stil nach chinefifchen Traditionen entftand und bald felbftftändig und frei fich entwickelte und fortblühte. Heute ift Japan vom Schienenftrange bereits durchzogen und qualmende Dampfer liegen in feinen, der europäiſchen Civilifation weit geöffneten Häfen vor Anker. Und gierig und faft unerfättlich find die Japanefen in der Aufnahme und Aneignung aller Herrlichkeiten des Abendlandes. uns zu Hoffen wir, dafs diefer Eifer kein blinder fei, das nicht auch hier, wie beispielsweife in der Türkei, zu beklagen bleibt, die abendländifche Cultur habe nur nivellirend und nicht reinigend auf die beften, originellften und edelften Eigenfchaften der Völker in Kunft und Sitte gewirkt. Das Gute von nehmen, dieberechtigten Eigenthümlichkeiten der eigenenNationalität aber ängstlich zu bewahren, das meinen wir, müfste das erfte und Hauptaugenmerk Japans fein. Noch hat fich feine Porzellaninduftrie nicht allzuviel aus ihren alten Bahnen durch europäifchen Einflufs lenken laffen, aber es fteht zu erwarten, ja es zeigt fich jetzt fchon an den Arbeiten jener Meifter, die für den Export arbeiten, ein Abgehen von den alten Formen, eine Sucht der Imitation abendländifcher und nicht immer der beften Originale. Daran wäre freilich nun nicht allzuviel gelegen. Wir fchwärmen eben nicht befonders für japanefifche Vafenprofile und Porzellanmalerei und glauben, dafs ein Vorführen wirklich guter europäiſcher Mufter nur fördernd auf die ganze Induftrie einwirken könnte. Was uns aber beforgt macht, das ift die Schleuderhaftigkeit, die feit dem vermehrten Export in den Werkstätten einzureifs en beginnt und die Gefahr, dafs binnen Kurzem der echt japanefifche Stil zwar verloren, aber durch ein finn- und geiftlofes Mifchmafch erfetzt fein wird, das heutzutage unter europäifchem Einfluffe beiſpielweife die edle perfifche Teppichmanufactur zu vernichten droht. Unter dem, im japanefifchen Bazar verkauften, war eben mitunter fo elendes Fabricat, dafs wir zu folchen Befürchtungen wohl alle Urfache haben. Der Einflufs Chinas auf die Porzellaninduftrie Japans ift ein fichtlicher, aber auch hiftorifch erwiefener. Im XIII. Jahrhunderte zogen manche Japanefen über's Meer nach China, um dort in die Geheimniffe der Töpfer- Werkftätten zu dringen, Glafur und Vergoldung zu lernen. Heute wird in der Stadt Arita im Departement Saga die befte und feftefte Sorte von Porzellan im Grofsen erzeugt. Ueber 15.000 Menfchen befchäftigen fich mit diefer Induftrie, welche den Hauptbedarf des eigenen Landes fowie einen bereits lebhaft geworden Export befriedigt. Die aufserordentliche Feinheit der Maffe, die namentlich zu fehr dünnen Schalen verarbeitet wird, der diaphane, warme Farbenton des Scherbens, deffen befondere Härte, zeichnen diefe Qualität vor allen anderen aus. Es ift das berühmte Porzellan von Hizen, von dem wir fprechen und das unter diefem Namen allbekannt und gefchätzt ift. Die Decors find entweder blau( Kobalt) unter der Glafur oder bunt in der Muffel eingebrannt. Die oft vorkommende Vergoldung und Bronzirung des Die Thonwaaren- Induftrie. 101 Porzellans gefchieht auf kaltem Wege. Vafen von 1623 Meter Höhe und 0.495 Meter Durchmeffer find durch die Regierung von Saga eingefandt worden. Die Möglichkeit folch' ungeheuerer Ausführungen liegt in der Vorzüglichkeit des zu Gebote ftehenden Materiales, das den Anlafs zur Gründung diefes älteften Sitzes der japanefifchen Porzellaninduftrie gab. Japan ift äufserft reich an den beften Mineralien für die Thonwaaren- Induftrie. Bekannt find die Fundorte für Thone wie Owari, Oomi, Settfu Jamafhiro und das erwähnte Hizen. Prächtiger, blendend weifser Quarz findet fich in Hida, Kay, Mino, Kaga und Hokij in unerfchöpflichen Mengen, ein gelblich gefärbter in Hitachi. Schöne Orthoklafe fandten die Departements Satfuma und Mino ein; aus letzterem ftammt auch eine eigenthümliche Feldfpath- Breccie, die gleichfalls in der Fayencetechnik Verwendung findet. Der Reichthum an Mineralfarben zeigt fich in den Sammlungen der Bleiglanze von Bizen, Echin, Rikufen und Nijgata; Zinnerz findet fich in Satfuma und Suwo, Antimonerz in Ofumi, Jyo und Minafaki, und die vielfach angewandten kobalthältigen Mineralien in Mino, Uzen, Ife und Mikawa. Die ganze Ausstellung diefer Rohproducte war eine äufserft inftructive, in folcher Vollständigkeit in Europa noch nie gefehene. Sie war zudem auch noch durch Halbfabricate des Porzellans vervollſtändigt. Das Hizenporzellan wurde durch das Ehrendiplom ausgezeichnet. Von diefem, wie überhaupt von allem japanefifchen Porzellan wurden nur moderne Erzeugniffe eingefchickt. In Kioto der weftlichen Hauptftadt das Reiches, am fchönen Kogamo gelegen, fabricirt man im Quartier Godjizaka eine fehr gefuchte, weifse Porzellanforte mit Blau zumeift, dann aber auch mit Roth und Gold decorirt. Ihr fchliefst fich das Porzellan von Nagafaki an, blau bemalt unter der Glafur. Durch ein dunkleres, blaues Mittelfeld unterfcheidet fich von diefem im Allgemeinen die Kagawaare aus dem Departement Ifchikawa. Mehrere Stücke diefes charakteriftifch aber wenig fchön bemalten Porzellans, deffen feine minutiöle Decoration den ungemeinften Fleifs bekundet, waren ausgeftellt, darunter die mit Roth und Gold gezierten, fehr gefchätzten Arbeiten. Das meifte in Japan erzeugte Porzellan, deffen Decoration nicht unter der Glafur gefchieht, alfo die ganze Muffelarbeit, wird in Yeddo verrichtet, dem Sitz einer Genoffenfchaft von etwa fünfzig Malern, die ihre Kunft nach Thunlichkeit geheim halten. Der moderne europäifche Einflufs macht fich an den Arbeiten diefer Gilde fchon deutlich fühlbar. Meift find die Vafen und fonftigen Gefchirre weifs, auf gelbem Grunde geziert. Manche Teller mit Blumenornament und einige feine Schalen und Taffen mit Schilfdecoration find fehr fauber ausgeführt. Mit zu den beftbemalten zählen die aus der Stadt Seto im Departement d'Aidtfi herrührenden Porzellane. Grofse Stücke von den fchwierigften Formen, oft ftark durchbrochen, Vafen mit langgezogenen Hälfen, ein Kamin, grofse, 3 Schuh lange und 18 Zoll hohe Platten, vollkommen eben und gerade, mit guten Landfchaftmalereien, Hochgebirgs- Gegenden darftellend, dann endlich viele marktgängige Waare lagen von dort vor. Die kobaltblaue Farbe ift die häufigfte. Sie liegt unter der Glafur, auf die eine reiche Vergoldung durch den paftöfen Auftrag von Goldlack getragen wird. Durch Modellirung diefes Lackes werden ganze Darftellungen in Relief hergeftellt, deren Contouren hie und da mit wenigen Pinfelftrichen einer helleren Goldfarbe markirt find. Das Fabricat des Meifters Manfuke aus dem Departement Guifau illuftrirt die gewöhnliche Gebrauchswaare. Es find diefs die blau im Scharffeuer decorirten cylindrifchen Theetaffen. Im Allgemeinen ftellt fich das Porzellan Japans feiner Form, als auch der farbigen Ornamentirung nach, über jenes von China. Sein blaues Kobalt 102 Dr. Emil Teirich. fetzt fich zudem weit beffer mit dem grünlich weifsen Fond der Glafur in Harmonie, als auf dem weifsen Porzellan von chinefifcher Abkunft. Der Körper der Waare ift in Japan zudem meift dünner im Scherben, die figuralen Zeichnungen darauf ftellen in naturaliftifcher Weife gewöhnlich modern gekleidete Japanefen dar. Hin und wieder finden wir auch hier Craquelés, doch weniger gut als die chinefifchen und manche gut und fleifsig à jour gearbeitete Nippes oder felbft auch gröfsere Gegenftände. Nur wenige Stücke in der Ausftellung erinnerten an das glasartige, emaillirte Porzellan, das die höchfte Werthfchätzung erfährt. Der Körper desfelben verfchwindet hier völlig und verfchmilzt mit der Glafur zu einer feinen, diaphanen Maffe von vollſtändiger Homogenität und einer jaspisartigen, milchigen, grünlich weifsen Farbe. Die Imitation diefer Waare ift unferen modernen Fabrikanten noch nicht geglückt. Figuren, Blumen und fonftiges Pflanzenornament in höchft zartem Auftrage zieren diefe reizenden kleinen Gefäfse und tellerartigen Formen. Noch haben wir endlich einer Eigenthümlichkeit Japans, des lackirten Porzellans( lacquée burgautée), zu gedenken, das durch mehrere, ziemlich grofse Vafen repräfentirt war. Das Porzellan wird entweder als Bisquit oder nach dem Aufrauhen der Glafur durch Abfchleifen, mit dem fchwarzen, japanefifchen Lacke( Ouroufino- ki genannt) überzogen und mit einer dunkel perlmutterartig fchillernden Mufchelfchale( burgau), welche zum Theile auch noch künftlich gefärbt ift, mufivifch eingelegt. Die einzelnen Stücke der Einlage werden äufserft präcife zugefchnitten und gewöhnlich zu Landfchaftsbildern zufammengefetzt. Bunte Vögel und phantaftifche Thiere bilden die Staffage in der meift mit Waffer belebten Scenerie. Diefe Arbeiten find mit befonderer Gefchicklichkeit ausgeführt, die Bilder find nicht ohne Talent und mit feinem Gefühl für Vertheilung von Perlmutter und fchwarzem Grund componirt. Es hätte uns weit aus dem Rahmen unferes gedrängten Berichtes geführt, wenn wir es verfucht hätten, weiter in die Details der Technik und Decorationsweife unferer abendländifchen Thonwaaren- Induftrie einzugehen. Wir mufsten uns begnügen, felbft dort, wo ein erhöhtes Intereffe vorlag, nur flüchtig anzudeuten, nur den Stand der Induftrie zu markiren, um für ein tieferes Studium gewiffermafsen Fixpunkte des Ausganges zu fetzen. Es ift uns daher um fo mehr verfagt, uns mit der ferner liegenden orientalifchen Technik näher zu befchäftigen, deren fchönfte Erfolge, wie wir fahen, fich unfere europäiſchen Fabrikanten mit Fleifs und auch oft mit Glück zu Nutzen gemacht haben. Möge die abendländifche Cultur fich dem Oriente dankbar erweifen und ihm das Geliehene nicht nur unverfehrt, fondern veredelt wieder zurückerftatten, anftatt das ihm noch Verbliebene durch europäiſche Corruption zu verderben.