OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3. DIE GLASINDUSTRIE. ( Gruppe IX, Section 3.) BERICHT VON JAKOB FALKE UND LUDWIG LOBMEYR. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1875. KOB EVEKE BEBIC VORWORT. Es find wenige Zweige der Induftrie, welche in fo eminenter, fo klarer und beftimmter Weife wie das Glas die beiden Seiten zeigen, die künftlerifche wie die commerzielle. Eine Trennung des Berichtes nach diefen beiden Richtungen ift daher nicht nur möglich, fondern fogar wünſchenswerth, zumal wenn, wie es hier der Fall ift, beide Berichterstatter fich bewufst find, dafs, fo fehr auch ihre Studien und Beobachtungen von verfchiedenen Gefichtspunkten ausgehen, dennoch ihre Anfichten in allen Punkten übereinftimmen. Wenn fie in der Anordnung und Eintheilung ihres Stoffes verfchiedene Pfade befolgen, fo liegt das in der Natur der Sache und kann nur beitragen, die Vielfeitigkeit der Anfchauungen zu vermehren. I* I. ABTHEILUNG. KUNSTINDUSTRIELLER BERICHT von JAKOB FALKE. DIE GLAS INDUSTRIE. ( Gruppe IX, Section 3.) Bericht von JAKOB FALKE UND LUDWIG LOBMEYR. Einleitung. - Betrachtete man das Glas, wie es auf unferer Weltausstellung vertreten war, lediglich aus dem künftlerifchen Gefichtspunkte, fo zeigte fich eine grofse, höchft auffallende Lücke. Das franzöfifche Kunftglas wenn wir uns der Kürze halber diefes Ausdruckes bedienen dürfen war gar nicht vorhanden, oder fo gut wie gar nicht, denn was man davon fah, waren Specialitäten, die aufserhalb der Mode, aufserhalb des modernen Gefchmackes lagen. Alfo gerade der Staat, der gegenwärtig faft in allen Zweigen der Kunftinduftrie noch den erften Rang behauptet und ihn in allen Dingen zu behaupten glaubt, war mit diefem Zweige, einem der feinften und zierlichften von allen, ausgeblieben. Für die vergleichende Betrachtung der Dinge, wozu ja die Weltausftellungen in Scene gefetzt werden, war das allerdings aus dem geographifchftatiftifchen oder commerziellen Standpunkt ein höchft fühlbarer Verluft, der mit einiger Anftrengung vielleicht hätte verhindert werden können. Minder grofs und bedeutungsvoll ftellte fich die Lücke für die äfthetifche Betrachtung dar, da Frankreich, wenigftens nach den früheren Ausftellungen zu fchliefsen, kein befonderes künftlerifches Princip in der Glasinduftrie vertritt, fondern im Wefentlichen übt, was anderswo geübt wird, nur diefes zum Theil, insbefondere was die Malerei betrifft, feiner und fchöner darftellt. Die verfchiedenen Kunftprincipien, wie fie heute und zum Theil erft feit dem letzten Decennium in der europäiſchen Glasinduftrie herrfchen, konnten auf unferer Ausstellung vollſtändig erkannt werden. Die Hauptftaaten oder Haupt. ftätten der Fabrikation waren entweder glänzend oder doch wenigftens für die Lehre vollkommen genügend vertreten: es waren England, Oefterreich oder fpeciell Böhmen, Italien oder Venedig- Murano. Diefe drei erſchienen als die Vertreter der drei heute herrfchenden Hauptprincipien. Aufser ihnen hatte Deutfchland zur Glasausftellung einen nicht unbedeutenden Beitrag geftellt, der künftlerifch aber nur nachahmend fich verhielt oder, weil zu gewöhnlich in feiner Art, fich aufser Frage ftellte. Dasfelbe, namentlich das letztere, war auch bei Portugal der Fall, während Rufsland gleich Frankreich auch noch mit beachtenswerthen Specialitäten erfchienen war. Belgien, diefes für die Glasinduftrie fo höchft bedeutungsvolle Land, hatte fich nur mit praktiſchen, nicht aber auch mit künftlerifchen Glasgegenständen betheiligt, wie es auf der Parifer 8 Jakob Falke. Ausftellung von 1867 der Fall gewefen war. Den ganzen Orient, deffen ehemalige Glasinduftrie nur in Parifer Imitationen fich noch mit ihrem Werthe und ihrer Bedeutung ahnen liefs, vertrat in diefem Zweige allein das ferne Japan, übri gens nur mit wenigen Gegenftänden, und diefe hatten nur culturgefchichtliches, nicht auch künftlerifches oder commerzielles Intereffe. Es ift bekanntlich eine höchft auffallende Erfcheinung, dafs in jenen techniſch fo hoch entwickelten Ländern Oftafiens, China und Japan, die Glasfabrikation fo gut wie ganz und gar überfehen worden und nicht zur Entfaltung gekommen ift. Der Unterfchied jener drei Kunftprincipien des Glafes, welche fich in der englifchen, böhmifchen und venetianifchen Induftrie ausgefprochen finden, gründet fich auf die Bearbeitung und das Material. Zunächft fcheidet fich alles Kunftglas in zwei grofse Gruppen dadurch, dafs die eine geblafen, die andere gefchliffen, oder richtiger gefagt, geblafen und gefchliffen ift. In Wirklichkeit ift eigentlich alles Kunftglas geblafen, aber das eine erhält feine Form blos auf diefe Weife, bei dem anderen wird fie wefentlich alterirt und in feinem künftlerifchen Charakter erft beftimmt durch die nachträglich hinzutretende Schleifung. Infofern kann man das gefchliffene Glas dem geblafenen als ein wefentlich anderes aus dem künftlerifchen Gefichtspunkt gegenüber ftellen. Die venetianifche Induftrie vertritt nun das geblafene Glas, die englifche und böhmifche das gefchliffene. In dem letzteren aber liegt ein fernerer Unterfchied darin, dafs das eine, das englifche, fogenanntes bleihältiges oder Flintglas ift, das böhmifche aber nicht. Diefer Unterfchied im Material, der zunächſt nichts weiter zu bedeuten fcheint, als dafs jenes im Gewicht fchwerer ift als diefes, führt doch weiter auch zu künftlerifcher Verfchiedenheit, bedeutend genug, um wieder das böhmifche und das englifche, die vereint dem venetianifchen gegenüber ftehen, principiell zu fcheiden. Beide ahmen den Kryftall nach, aber indem das englifche Glas durch feine Compofition die Fähigkeit gewinnt, bei kryftallinifcher Schleifung fein Licht in Farben zu brechen, fteht es dem Diamant nahe, während das böhmifche Glas, das jene Fähigkeit nicht befitzt, fich mehr wie der reine, farblofe Bergkryftall verhält, aus deffen Nachahmung es auch hervorgegangen ift. Auf der Ausbeutung jener Fähigkeit auf der einen Seite und dem Mangel derfelben auf der anderen Seite beruht der künftlerifche Unterfchied des englifchen und des böhmifchen Glafes. Man kann fagen, als Kryftall- Imitation haben beide, das engliſche wie das böhmifche Glas, viel Verwandtes, das in der gemeinfamen Art der Bearbeitung, in der Schleifung, zum Ausdruck kommt; in den verfchiedenen Beftandtheilen aber find auch ihre künftlerifchen Verfchiedenheiten begründet und vorgebildet. Wenn man wollte, könnte man noch ein viertes Kunftprincip des Glafes aufftellen und diefes als das franzöfifche bezeichnen, nämlich die farbige Bemalung des Glafes. Diefe aber liegt nicht im Wefen des Glafes, fondern ift nur von dem Porzellan durch den franzöfifchen Gefchmack auf das Glas übertragen. Es ift nöthig für diefe Malerei, das Glas erft undurchfichtig zu machen, alfo ihm feine wefentlichfte Eigenfchaft zu nehmen. Man kann daher diefes Kunftverfahren auch nur als Decorationsart, nicht als Princip auffaffen. Dasfelbe gilt von verfchiedener anderer Decoration, fo von der Aetzung, die einen Erfatz für das gefchliffene oder gravirte Ornament bilden foll, oder von der Verzierung mit Emailfarben auf durchfichtigem Grunde, die von dem deutfchen Glafe der Renaiffancezeit, wie von dem orientalifchen geübt wurde. Wir werden ihrer jedoch nach Befprechung der drei Hauptprincipien zu gedenken haben. I. Das venetianiíche Glas. Italien hatte weiter keine für unferen Gefichtspunkt intereffanten Glasarbeiten auf die Weltausftellung gefendet, als was von Venedig, oder noch genauer, von feiner Infel Murano gekommen war. Einheitlich nach feiner Herkunft, trug es daher auch einheitlichen Charakter, fo mannigfach auch die Gegenftände nach ihrer Beftimmung fich darftellten. Unter den verfchiedenen Arten von Kunftglas, die heute die herrfchenden find, ift das venetianifche das ältefte und das jüngfte. Wir nennen es das ältefte, weil feine volle künftlerifche Ausbildung im XVI. Jahrhundert ftattfand, während die Art des böhmifchen und des englifchen Glafes erft im XVII. und XVIII. Jahrhundert zur Entwicklung kam, und wir bezeichnen es zugleich als das jüngfte, weil das, was wir heute fehen, erft feit fünfzehn Jahren wie aus dem Nichts wieder erftanden ift. Das venetianifche Glas, ja felbft feine Berühmtheit reichen allerdings weiter zurück als in die Zeiten der Renaiffance, aber es ift uns aus feiner mittelalterlichen Periode an Gefäfs und Geräth fo wenig erhalten, dafs es in Bezug auf Nachbildung und Verwerthung für die Gegenwart völlig bedeutungslos ift. Auch gehört die eigentlich künftlerifche Entwicklung und Blüthe erft dem XVI. Jahrhundert an. Da erft gelangte diefe Induftrie, mitgetragen von dem Schwunge der Renaiffance, zu jener Fülle edler, leichter und eleganter Formen, zu jener Gefchicklichkeit und Verfchiedenartigkeit der Technik, wie fie die Muranefer Glasarbeiten vom XVI. und XVII. Jahrhundert kennzeichnen. Die Blüthezeit ging noch in das XVII. Jahrhundert hinüber. Darnach trat ein Verfall ein, theils durch das Aufkommen des böhmifchen Glafes, theils durch die Veränderung der Mode, theils durch den Niedergang Venedigs, wie auch der Kunft felbft, deren Höhe diefen und andere Induſtriezweige gleicherweife gehoben hatte, wenn auch jedem feine eigenen Formen geblieben waren. Von da an fchwand die Gefchicklichkeit und Mannigfaltigkeit der Technik, die Feinheit und Leichtigkeit des Materials, die Eleganz der Formen. Die Contouren wurden derber, unkünftlerifcher, die Maffe dicker und plumper nach Art des böhmifchen Glafes, ohne das verfchwundene künftlerifche Element gleich diefem auf einem anderen Weg durch Schliff, Gravirung und Politur zu erfetzen. Endlich gingen felbft die Oefen ein und Murano hörte auf, ein Kunftglas zu fabriciren. Erft feit wenigen Jahren iſt es, dafs die Muranefer Oefen fo zu fagen wieder angezündet wurden, und diefe wenigen Jahre haben hingereicht, das Venetianer Glas nicht blos zu einer Kunftwaare zu machen, die mit den alten Vorbildern wetteifert, fondern fie haben ihm wiederum einen folchen Ruf, eine folche Bedeutung verfchafft, dafs es als eigene und felbftftändige Art in die Concurrenz der Welt eintritt. Vom Jahre 1859 erft datiren die patriotifchen Beftrebungen in Venedig, die alte Glaskunft wieder hervorzurufen und der finkenden Stadt einen blühenden Induftriezweig zurückzugeben. Die fchwierige Aufgabe, die ebenfo technifch wie künftlerifch und commerziell zu löfen war, unternahm vor allen Dr. Salviati mit Hilfe eines finnenden Technikers in der Glasmacherei, Lorenzo Radi, der die verloren gegangenen Weifen eine nach der anderen wieder zu gewinnen trachtete. Heute ift die Aufgabe gelöft. In Murano 10 Jakob Falke. ift eine neue, blühende Glasinduftrie wieder erftanden, alle die alten Techniken und Formen, die künftlichften felbft fehen wir wieder als neue Arbeit vor unferen Augen auf den Ausftellungen; fie erhalten Beifall und Ruhm und werden gekauft und ein ganzer Stock gefchickter Arbeiter findet lohnende Befchäftigung. Das ift das Refultat patriotifchen Strebens, beharrlichen Wollens und intelligenten Vorgehens. Die grofse Fabrik von Dr. Salviati ift mittlerweile in die Hände einer vorzugsweife englifchen Gefellfchaft übergegangen, jedoch unter der oberen Leitung ihres Gründers geblieben, und fo ift zu erwarten, dafs fie den künftlerifchen Standpunkt, den fie bisher eingenommen, nicht verlaffen, ihre künftlerifchen Ziele nicht aufgeben werde, Sie könnte es auch nur zu ihrem Nachtheile thun, denn in diefer ihrer künftlerifchen Art befteht ihre Eigenthümlichkeit, ihr Werth und ihre Bedeutung. Mit derfelben würde fie fich felber aufgeben. Diefe ihre künftlerifche Art ruht, wie es bei aller Kunftinduftrie fein follte, auf der Technik und der Befchaffenheit des Materials. Es ift das venetianifche Kunftglas oben als das vorzugsweife geblafene bezeichnet worden. Die Formen, welche dem in der Hitze weichen und fchwellenden Glafe die Hand des Arbeiters gibt, find die bleibenden, d. h. fie werden nicht erft durch nachträgliche Arbeit mit dem Inftrument, mit dem Rade verändert, verfeinert oder gegliedert. Das venetianifche Kunftglas ift alfo noch in ganz befonderem Sinne Handarbeit und fomit auch in bevorzugter Weife als eine Kunftleiftung zu betrachten. Je mehr bei ihm die Mafchine und die Schablone zurücktritt, umfomehr ift das einzelne Stück gleich einem Individuum anzufehen, was bei dem englifchen und dem böhmifchen Glafe nur von den anfpruchsvolleren Gegenftänden gilt. Das venetianifche Glas fetzt daher auch bei dem einzelnen Arbeiter mehr Intelligenz, mehr Formverſtändnifs, mehr eigenen Gefchmack, eigenes Gefühl voraus, als bei demjenigen Arbeiter, der nach der Schablone arbeitet. Der Gefchicklichkeit freilich bedarf auch diefer, der böhmifche und der englifche Arbeiter, und wie wir noch fehen werden, zuweilen in ganz eminentem Grade. Das Wefentliche des venetianifchen Glafes ift alfo die leichte, fchöne, elegante Form, wie fie unter der plaftifch bildenden Hand entſteht. Unterſtützt wird diefe Eigenfchaft durch die Ductilität, die Zieh oder Dehnbarkeit des Materials, das fich leicht den bildenden Händen fügt und fchmiegt, fowie durch feine Leichtigkeit bei grofser Zähigkeit und Elafticität, welche auch materiell der ideellen Leichtigkeit entspricht. Die Vereinigung beider gibt dem venetianifchen Glas feinen Hauptreiz. Bei folcher Entftehung, wo die Hand die Hauptrolle fpielt. kann das venetianifche Glasgeräth einen Umftand nicht vermeiden, der in vielen Augen als Nachtheil gilt. Während bei dem böhmifchen und dem englifchen Glafe die einzelnen Stücke, die zu einer Serie gehören, unterfchiedslos einander vollkommen gleich find, bieten die von Murano ftets kleine Verfchiedenheiten und Ungleichheiten; manche gröfseren und kunftvolleren Arbeiten enthalten in fich felber Unregelmässigkeiten, welche bei dem gefchliffenen Kryftallglas ganz hinwegfallen. Infofern erfcheinen jene Gegenftände felten völlig tadellos, aber gerade diefe kleinen Fehler documentiren fie als Arbeit der kunftvollen Hand im Gegenfatz zur Schablone oder Mafchine und machen fie dadurch dem Kunftfreund nur um fo lieber. Hiermit ift aber nur die eine Seite des venetianifchen Glafes, allerdings die wefentlichfte, wie fie fich in der Gefchichte gebildet und wie fie fich uns auf der Weltausstellung dargestellt hat, gefchildert. Der Arbeiter, einmal zum Künftler geworden, begnügt fich nicht damit, fondern fucht fein Gebiet zu erweitern, feine Gefchicklichkeit wie fein Material felbft zu Leiftungen zu zwingen, die infofern über das Mafs des künftlerifch Zuläffigen hinausgehen, als fie mehr wie Kunftftücke, denn wie Kunftwerke erfcheinen. Diefe Erweiterung des Gebiets findet in zweierlei Weife ftatt. Einmal wird der Künftler durch die Zähigkeit und Das venetianifche Glas. 11 Bildfamkeit des Materials veranlafst, den Gefäfsen überaus complicirte Formen zu geben, die Ständer der Trinkgefäfse oder fonftige Glieder feines Geräthes mit allerlei Nebenzierath zu fchmücken, das wohl feine Gefchicklichkeit erkennen läfst, aber keineswegs immer die Schönheit erhöht und noch dazu den Fehler begeht, die Arbeit äufserft heikel und brechlich erfcheinen zu laffen. Insbefondere durch diefe Uebertreibung wird dem venetianifchen Glafe der Charakter des Luxusgeräthes aufgedrückt, der fonft keineswegs mit ihm verbunden zu fein braucht. In befcheidener Art gehalten, eignet es fich für den allgemeinen Gebrauch fo gut wie ein anderes. Die zweite Art der Erweiterung befteht in der Hinzufügung der Farbe, welche das englifche und böhmifche Kryftallglas gerade in feinen fchönften und edelſten Arbeiten völlig ausfchliefst. Diefe Anwendung der Farbe gefchieht nun,* gröfstentheils nach den alten Vorbildern, in höchft mannigfacher und zum Theil fehr kunftvoller Art, aber faft durchgängig fo, dafs das Material des Glafes felbft fchon gefärbt ift, fei es in der Hauptmaffe des Gegenftandes, fei es in den Theilen, die ornamental hinzugefügt find. Die eigentliche, vor allem figürliche Malerei, wie fie der franzöfifche Gefchmack vom Porzellan auf opak gemachtes Glas, insbefondere auf das fogenannte Beinglas übertragen hat, ift vom richtigen venetianifchen Glafe principiell ausgefchloffen. Einzelne Beiſpiele und Verfuche bilden Ausnahmen. Nach echt Venetianer Art ift das Glasgeräth entweder in feiner ganzen Maffe farbig, fo dafs es bei durchfallendem Lichte mit dem Spiel feiner Farbe wirkt. Diefs gilt von verfchiedenen Farben, z. B. von dunklen Tönen in Roth, Blau und Grün, in bevorzugter Weife aber von dem Opalglas, das irifirend je nach dem Lichte höchft wechfelnde Farbenfpiele zeigt Oder und das ift der zweite Falles ift andersfarbiges Glas in die klare Grundmaffe durch den Schmelzungsprocefs eingelegt, fei es in Fäden, die das Glas fpiralig umziehen und fich durchkreuzen( reticulirtes oder Filigranglas), oder in Blumen und fonftigen einfachen Figuren( Millefioriglas). Drittens fetzt man dem Geräthe Flügel, Knöpfe, Rofetten oder fonftige Blumen aus transparentem wie opakem Glafe an, die meift in ziemlich naturaliftifcher Bildung gehalten find, obwohl gerade fie dem Material wenig angemeffen ift. Es ift das auch eine Decorationsweife, die vor Zeiten fchon der Decadenz des Muranefer Kunftglafes angehörte. -- - - Mit diefen Bemerkungen ift die Hauptmaffe des venetianifchen Glafes, wie es auf unferer Weltausftellung erfchienen, bereits gefchildert. Gefäfs und Geräth, faft alles mit dem Anfpruch, Kunftarbeit zu fein, bildeten den Hauptbeftandtheil. Die Namen der Ausfteller waren nicht zahlreich; da fie aber alle von derfelben Stätte der Induftrie gekommen und diefe Induftrie fehr einheitlich und eigenartig in ihrem Charakter ift, fo hätten der Namen mehrere und die Infel Murano hätte noch manchen anderen fenden können wohl die Menge vermehren, uns aber nicht neue Seiten diefer Induftrie erfchliefsen können. Das Etabliffement von Salviati allein umfafste fo ziemlich alle Zweige; nennen wir noch Lorenzo Radi, Antonio Fuga. Giovanni Fuga, die Gebrüder To fo mit ihren Luftern, fo ift auch alles umfafst, was die venetianifche Glasausftellung Lehrreiches darbot. Leider war ihr nur ein äufserft befchränkter Platz zur Entfaltung angewiefen, der zu äufserfter Gedrängtheit zwang und durch die Ueberfülle den Eindruck des Einzelnen fchädigte. Den vorwiegendften Theil der Salviati- Ausftellung bildeten die Gefäfse, fowohl Trinkgefäfse, wie Teller, Frucht- und Blumenfchalen, Vafen, Leuchter u. f. w. Wie fie den Reichthum der Formen zeigten, ebenfo den Reichthum der farbigen oder fonft der technifchen Decoration, wie Gefäfse oder Reihen von Gefäfsen, Garnituren, die durch ihre Einfachheit fich dem unmittelbaren Gebrauche empfahlen, ebenfo folche, die an Kühnheit, an Ueberkünftlichkeit, wenn man will, nichts zu wünfchen übrig liefsen. Die Gefchicklichkeit hat in diefer Beziehung trotz der kurzen Zeit wieder den höchften Grad erreicht. Selbft deutfche Weingläfer, z. B. die berühmten Römer, waren in dem milden Ton der 12 Jakob Falke. alten Originale vortrefflich wiedergegeben, im Allgemeinen weit beffer als die deutfchen und böhmifchen Nachahmungen, deren Grün meift zu ftechend und fcharf ausfällt. Das viel verwendete Opalglas zeigte fich von reichem, zum Theil in das tief Goldige übergehenden Farbenfpiel. Die reticulirten Gläfer waren in ihrem Netzwerk von einer Regelmäfsigkeit und Sicherheit, die mit derjenigen der alten Originale wetteiferte. Neben den Gefäfsen zeigten fich als zweites Genre von Gegenständen in eminenter Bedeutung die Glasluftres, und hier find als Specialiften neben der Fabrik von Salviati noch insbefondere die Fratelli Tofo zu nennen. Die alten Venetianer Luftres verdanken ihre Ausbildung wohl erft der zweiten Hälfte des XVI. und mehr noch der erften Hälfte des XVII. Jahrhunderts. Sie verbinden daher Eigenthümlichkeiten beider Perioden, einmal den edlen Schwung der Linien in ihrem Bau, der in den Windungen der Stäbe zum Ausdruck kommt, andererfeits die Zierde in farbigen Blumen, die nebft blitzenden Blättern an fchlanken Stengeln hervorfchiefsen. Sie find, wie fchon oben angedeutet, ein vorzugsweise im XVII. und noch häufig im XVIII. Jahrhundert verwendetes Ornament. Diefe Luftres, edel in der Form, effectvoll mit ihren Lichtreflexen und doch mafsvoll, paffen vortrefflich in künftlerifch eingerichtete Wohnungen, in die ernftere, wie in eine mehr heitere. Ihre Wiederaufnahme durch die Muranefer Fabriken ift daher nur zu billigen. Was die Ausftellung brachte, fchlofs fich auch meiftens den alten Muſtern an. Doch ift es auch hier gegangen, wie bei den Gefäfsen. Die gewonnene Gefchicklichkeit hat das Mafs überfchreiten laffen und zu Koloffalleiftungen geführt, die wir techniſch begründen mögen, die aber ihre Schönheit verloren haben. Mit der Koloffalität, mit dem Reichthum haben fie die Mäfsigung und die Klarheit der Linien verloren, die unter all den Glanzlichtern doppelt nothwendig erfcheint. Wir möchten zu diefen Leiftungen den fonft bewunderungswürdigen Kronleuchter von Salviati, das gröfste Stück feiner Ausftellung, zählen. Alle Luftres diefer Art find nach alter Weife für Kerzen berechnet, doch zeigte die venetianifche Glasausftellung auch andere, die fich der modernen Beleuchtungsart angefchmiegt hatten und für Gas beftimmt waren. Darunter waren als befonders fchön einige Luftres bei Salviati zu nennen, deren flache Schalen aus goldigem Opalglas gebildet waren. Wie ihr Effect fich bei wirklichem Gaslicht macht, war freilich bei der von aufsen kommenden Tagesbeleuchtung nicht zu beurtheilen. Als ein drittes Genre von Gegenftänden ftellen fich unferer Kritik die venetianifchen Spiegel dar, für unferen Standpunkt natürlich nicht wegen der Spiegelfläche, fondern wegen der Umrahmung, die ebenfalls aus Glas gebildet wird. Diefe ift von doppelter Art. Die alte, insbefondere böhmifche Weife, über welche fpäter bei der Befprechung des böhmifchen Glafes noch zu reden fein wird, bildet den Rahmen ebenfalls aus Stücken von Spiegelglas, die in beftimmter Form zugefchnitten und durch eingefchliffene Ornamente verziert find. Die andere Art belegt einen Holzrahmen mit Blättern und Blumen aus geprefstem oder mit Hand und Eifen gebildetem Glafe, welche fo verbunden und angenagelt werden, dafs fie in hohem Relief eine naturaliftifche Decoration bilden. Die Ausstellung bot viele und fehr künftliche Beifpiele davon, aber das Genre felbft ift weder künftlerifch fonderlich gut, noch praktifch, da es einerfeits ziemlich rohen Effect macht, andererfeits der Reinigung unüberwindliche Schwierig. keiten bereitet. Mit der Wiederaufnahme diefer überhaupt ziemlich fpäten Spiegel ift daher der Kunft kein befonderer Dienft geleiftet. Noch weniger gefchieht das, wenn Angelo Fuga das Gebiet des Glasgeräths mit gläfernen Möbeln erweitern will. Das Glas foll bei Seffeln das Holzgeftell erfetzen und wird im Uebrigen tapezirt und beftickt wie eben ein anderes Sitzmöbel. Solche Gegenstände, ebenfo wie feine Tifche von Spiegelglas, mit Ornamenten von geblafenem Glas umgeben, gehören als nouveautés um jeden Preis" nur in das Gebiet des Abfurden. 99 Das venetianifche Glas. 13 Ganz anders verhält es fich dagegen mit der Glasmofaik in Art der byzantinifchen Wandmofaiken, mit der en Reftauration und Nachahmung Salviati alle feine fo erfolgreichen Bemühungen zur Hebung der venetianifchen Glasinduftrie begonnen hat. Zwar, da es fich hier zunächft um Wandmalerei in grofsem, in hiftorifchem Stile handelt, fo gehört diefe Mofaik eigentlich eher in das Gebiet der reinen Kunft, als das der Induftrie; allein Salviati felbft trachtel, diefe Technik, die in ihrer jüngften, kaum zwanzigjährigen Exiftenz bis dahin nur in Kirchen oder Capellen Anwendung gefunden, nunmehr auch architektonisch decorativ in Paläften und Wohnungen zur Verwerthung zu bringen. Und allerdings ift es eine Decoration, ebenfo dauerhaft wie prachtvoll. Weder vermag der Glanz der Farben in gleicher Weife anders erreicht zu werden, noch können die Farben fich verändern, da fie die Maffe der Würfel, aus denen das Bild fich zufammenfetzt, durchdringen. Die Erweiterung, die Salviati diefer Technik nach den Beiſpielen auf unferer Weltausftellung zu geben trachtet, von dem kirchlichen auf das bürgerliche Gebiet, von dem Figürlichen auf das Ornamen tale, ift daher wohl berechtigt. Uebrigens kennt, wie zahlreiche Beiſpiele auf unferer Ausftellung zeigten, die Muranefer Fabrikation noch eine andere, mehr induftrielle Art der Glasmofaik, und das ift die letzte Seite der venetianifchen Glaskunft, welche wir zu befprechen haben. Schon die Alten, die Aegypter, Griechen und Römer, verftanden es, die verfchiedenen Edelfteine, die koftbaren wie die bunten HalbEdelſteine in gefärbtem Glafe zu imitiren und daraus gar verfchiedene Gegenftände zu bereiten. Die heutigen Muranefer ftehen kaum darin zurück. Sie benützen ihre Imitationen allerdings nicht oder wenigftens nicht in künftlerifcher Weife zu Intaglios und Gemmen, wie die Alten es gethan, dagegen vielfach zu decorativer Mofaik. Aus Glasplatten, die Aventurin, Lapislazuli und viele andere Steinarten nachahmen, fetzen fie in geometrifchen Muftern Platten zufammen, die als Tifchplatten dienen und in Kaften und Cabinets die Füllungen bilden. Solche Arbeiten waren fowohl von Salviati wie von anderen der genannten Fabrikanten ausgeftellt. Das ganze Genre ift vom künftlerifchen Gefichtspunkt aus nicht befonders hoch anzufchlagen. Es knüpft fich an eine Liebhaberei der Kunftfreunde, die erft feit der Mitte des XVII. Jahrhunderts Mode wurde und auch heute vom Modegefchmack nicht unabhängig ift. Als Nebenzweig mag man immerhin fich das gefallen laffen; um wahrhaft verdienftvoll und auch bleibend zu fein, follte fich die venetianifche Glasinduftrie vor allem an das halten, was in ihrer Art edel und gut und, wenn möglich, auch brauchbar ift. II. Das englifche Glas. Dem venetianifchen Glafe ftellen fich, wie das in der Einleitung aus einandergefetzt worden, das englifche und das böhmifche gemeinfam gegenüber, infofern als fie ihre letzte Form durch Schleifung erhalten. Ihr Glas ahmt den klaren farblofen Kryftall nach, während das von Murano nicht das gleiche Streben hat, ja ein natürlicher Farbenftich ihm fogar ganz wohlthuend ift. Jene beiden fcheiden fich aber unter fich wieder darin, dafs vermöge ihrer verfchiedenen materiellen Zufammenfetzung das englifche Kryftallglas das Vermögen hat, bei kryftallinifcher, insbefondere prismatifcher Schleifung das Licht gleich dem Diamanten in die Regenbogenfarben zu zerlegen, das andere aber weifs bleibt, wie das Licht des echten Bergkryftalls. Hierauf gründet fich die eine Seite der künftlerifchen Behandlung des englifchen Glafes, welche es in charakteriftifcher Weife von dem böhmifchen fcheidet. Als das böhmifche Kryftallglas in feine Blüthezeit trat, etwa um das Jahr 1700 oder alsbald darnach, da waren feine fchönften Leiftungen faft durchweg facettirt und zugleich in Art der echten Kryftallgefäfse mit tief eingravirten Orna menten umzogen. Diefe Verbindung wäre künftlerifch unmöglich gewefen, hätte die Facettirung das Licht in Farben zerlegt, weil man alsdann nichts von der Gravirung gefehen hätte. Als nun die Engländer für ihre Induftrie das Flintglas adoptirten, welches brillantere Effecte, erhöhten Glanz darbot, da liefsen fie die eingefchliffenen Ornamente fahren, und hielten fich an die andere Seite, an die farbige Lichtwirkung. Sowohl den Kryftall- Luftern, die, aus kryftallinifch geprefsten und gefchliffenen Stücken zufammengefetzt oder damit behängt, im XVIII. Jahrhundert in aufserordentlicher Beliebtheit ftanden, fowie auch dem Tafelgefchirr wufsten fie damit einen Glanz, eine blendende Wirkung zu geben, welche das böhmifche Geräth nicht erreichen konnte. Diefe decorative Seite des englifchen Kryftallglafes hat ihm zwar feinen Ruhm verfchafft, nichtsdeftoweniger war fie bis in die neuere Zeit eigentlich nicht zum Princip erhoben oder wenigftens nicht in ihrer vollen Kraft ausgebeutet. Es kamen dazu höchft plumpe, fchwere Formen des an fich fchon fchweren Glafes, fo dafs das englifche Glasgeräth in der erften Hälfte diefes Jahrhunderts, von der äfthetiſchen Seite betrachtet, keineswegs einen befriedigenden Anblick darbot. Es war Glanz und Schein, aber diefer nicht einmal auf die höchfte Potenz getrieben oder durch die Form des Gefäfses veredelt. Jene Eigenfchaft, die Strahlenbrechung und farbige Wirkung, ift nun allerdings in neuerer Zeit von den englifchen Glasfabrikanten auf's fchärffte ausgebildet worden, indem die aus dickem Glafe beftehenden Gefäfse ringsum mit gefchliffenen Kryftall- oder Diamantformen überzogen wurden, fo dafs fie vortrefflich geeignet waren, die gefchmückte Tafel noch mit faibigem Licht zu überftrahlen. Von diefem Standpunkt aus war das, was die englifche Glasfabrikation fchon auf früheren Weltausftellungen vorführte, untadelhaft. Aber alles diefes Geräth hatte einen Fehler, den, dafs die Formen um nichts ihre plumpe und fchwere Art verloren hatten. Nun ift es allerdings überhaupt fchwierig, Gefäfsen, deren Contouren durch winklige Einfchnitte ftets unterbrochen, gewiffermafsen zerhackt find, edle Geftaltung zu geben, aber bis zu einer relativen Vollendung kann doch auch diefes Ziel erreicht werden. Die Gegenftände, welche die engliſche Das engliſche Glas. 15 Glasfabrikation auf unfere Weltausftellung brachte, gaben offenbar auch diefes Beftreben zu erkennen und infofern offenbarten fie einen Fortfchritt des Gefchmacks im Vergleich zu den Gegenftänden auf der letzten Parifer Ausftellung. Es waren im Verhältnifs nur wenige englifche Glasfabrikanten, die auf der Wiener Ausftellung erfchienen waren: James Green, Pellatt& Wood, Daniel& Son, E. Moore& Co., aber fie zeigten alle die gleiche Tendenz. Der diamantirte Brillantfchliff war von allen gleichmäfsig geübt und in derfelben künftlerifchen Art, mit demfelben Ziele, möglichft farbige Effecte hervorzubringen. Die Anwendung befchränkte fich nicht blos auf Flafchen und Gläfer; Salzfäffer z. B. waren in höchft raffinirter Weife wie ein riefiger Brillant gedacht, aus welchem eine Vertiefung zur Aufnahme des Salzes ausgefchliffen war. Natürlich war die Wirkung in ftarkem Lichte eine aufserordentliche. Glasluftres waren nicht zahlreich vorhanden, aber unter ihnen erglänzte einer bei James Green, der überhaupt auf diefer Ausftellung als der erfte Vertreter des englifchen Glafes erfchien, von fabelhafter Pracht. Bei feiner koloffalen Gröfse aus zahllofen Brillantkryftallen zufammengefetzt, war er in der That von einem Effecte, mit dem fich nichts weiter vergleichen liefs. Aber vom Standpunkt eines feineren Kunftgefühls, vom Stand der Form und der Schönheit feiner Linien und Glieder bot er allerdings Schwächen genug. Das fpecififche Princip des englifchen Kryftallglafes war aber bei ihm auf die höchfte Potenz erhoben und infofern war diefer Lufter bei James Green fein vollkommenfter Repräsentant. Doch diefes fpecififche, auf die farbige Lichtbrechung berechnete Princip des englifchen Glafes, obwohl auf feiner eigentlichen Natur beruhend, bildet doch nur die eine Seite feiner Fabrikation, und zwar die minder edle. Die andere Seite, welche ebenfo von allen Fabrikanten geübt wird und auf unferer Weltausftellung mindeftens gleichbedeutend auftrat, nimmt das Glas als geblafenen Kryftall, fucht ihm nach den Muftern der kryftallenen Renaiffancegefäfse, der alten venetianifchen Gläfer oder auch der griechifchen Thonvafen möglichft elegante und edle Form zu geben, facettirt aber diefe Form nicht gleich dem Kryftall oder den älteren böhmifchen Arbeiten, fondern überzieht die ſpiegelglänzende Rundung mit eingefchliffenen, neuerdings auch mit geätzten Ornamenten. Eine Zwifchenart und es gab viele Beiſpiele davon auf der Ausftellung fucht auch diefe edleren und feineren Gefäfse mit diamantirter Muſterung im Brillantfchliff ganz oder theilweife in beftimmter Zeichnung zu überziehen, und man mufs geftehen, dafs der englifche Arbeiter in der Ausführung diefes Schliffes auf der äufserft dünnwandigen runden Fläche eine bewundernswerthe Gefchicklichkeit an den Tag legt. Dennoch find Art und Wirkung diefer Gläfer nicht als gelungen zu betrachten, da die kleinen Kryftallformen, welche auf diefe Weife erlaubt find, weder für fich in der Zeichnung Schönheit haben, noch eine farbige Wirkung zu erzielen im Stande find. Sie geben nur weifses Licht. - - Das Wefen der zweiten Hauptart fieht ganz von der farbigen Wirkung ab. Ihre künftlerifchen Eigenfchaften beftehen in der Schönheit der Gefäfsform, fowie in der Schönheit und Angemeffenheit des mit Gravirung oder Aetzung darauf angebrachten Ornamentes. Was den erften Punkt, die Form betrifft, fo find es bei den englifchen Fabrikanten gegenwärtig vorzugsweife die antiken Thongefäfse, welche als Motive benützt werden. Sie müffen freilich vielfach verändert werden, theils des anderen Materials, theils der verfchiedenen Art des Gebrauches wegen, aber im Allgemeinen ift diefs mit grofsem Glück gefchehen. Die englifche Glasausftellung zeigte in Flafchen, Kannen und Krügen( jugs) höchft ausgezeichnete und gefällige Formen, und keineswegs in einzelnen, vielmehr in zahlreichen Beiſpielen. Minder glücklich waren vielleicht die Trinkgefäfse, insbefondere die Weingläfer, welche, da ihnen die directen antiken Vorbilder fehlen, felbftftändiger erfunden werden müffen. Auch hiefür gibt es allerdings gute Mufter fowohl in den feltenen Gefäfsen der Renaiffance aus 16 Jakob Falke. echtem Kryftall, fowie in den Venetianer Gläfern. Aber weder die einen noch die anderen hatten den Engländern fonderlich zum Vorbilde gedient. Ihre Weingläfer unterfchieden fich von jenen gerade in dem feinften Punkte, nämlich in der Bildung des Stengels oder Ständers, welche im Gegenfatz gegen die reiche Gliederung bei jenen höchft einfach in gerader und gleicher Säule ohne Auffchwellung oder Verjüngung, ohne Abfätze, Wulfte und Glieder, entweder rund oder facettirt gehalten war. Bei den meiften englifchen Weingläfern machte daher der dünne Stengel den Eindruck allzugrofser Schwäche und Brechlichkeit und ftand wenig in Harmonie mit dem bauchigen, halbkugeligen Gefäfs, das er trug. Hatten die Formen diefer Art des englifchen Glasgeräths entfchiedene Tendenz zu den griechifchen Vafen, fo war im Gegentheil das Ornament, mit dem es verfehen war, ganz vorwiegend naturaliftifcher Art. Obwohl nun die Willkür und Zufälligkeit der naturaliftifchen Verzierungsweife mit den feinen, wohl abgewogenen, berechneten Linien der antiken Formen in nicht geringem Widerfpruch ftehen, fo war doch der offenbare Gegenfatz dadurch gemildert, dafs auf den englifchen Glasgefäfsen diefes Ornament nicht in fo fchwerer und aufdringlicher Weife auftrat, wie man es wohl anderswo fieht. Es war im Ganzen von fehr zierlicher Art und glich in den meiſten Fällen leichten Kränzen, die daran und darüber gehängt waren. Auch war die Ausführung äufserft zart und fein und mit grofser Mühe und Kunft hergeftellt. So war der Eindruck nicht gerade ein ftörender, und man konnte immer noch, auch vom Standpunkt des Gefchmacks aus, diefe Arbeiten als Zierden der englifchen Kunftinduftrie betrachten. Freilich hätte fich mit einer anderen ftilvolleren Art der Ornamentation noch Gelungeneres fchaffen laffen, und vielleicht um viel geringeren Preis als derjenige, der für diefe Gegenftände verlangt und in England auch bezahlt wird. Mit diefen zwei Arten und der bereits erwähnten Mifchlingsgattung find die künftlerifchen Leiftungen der englifchen Glasfabrikation, wie fie uns auf der Wiener Weltausftellung entgegentraten, erfchöpft. Verfchiedene Beiſpiele, auch mit dem Kryftallglafe Farbe zu verbinden, indem ein Glied, fei es Henkel, Fufs oder Kelch, in rothem oder grünem Glafe ausgeführt war, erfchienen eben nur wie Verfuche, ohne das Wefen der Sache zu ändern oder fich zum Range einer felbftftändigen Art aufzufchwingen. Ebenfo kann man das geprefste Glas, das uns von E. Moore& Co. in South Shields in zahlreichen Muftern vorgeführt wurde, wohl technifch, aber nicht künftlerifch als eine befondere Art betrachten. Es ist nur eine andere Methode, das diamantirte Brillantglas auf eine wohlfeilere Art herzuftellen. Das weiche, englifche Glas erleichtert die Preffung, und fo läfst fich in billiger Weife anfcheinend das gleiche Reſultat erzielen, aber auch nur anfcheinend, denn der Effect des geprefsten Glafes kommt doch in keiner Weife dem gefchliffenen gleich. Immerhin ift es ein nicht zu verachtender Erfatz für den billigen Bedarf. III, Das böhmifche Glas. Wir faffen mit diefem Worte als Gattungsbezeichnung das öfterreichische Glas zufammen und haben ficherlich ein Recht dazu, denn das böhmifche Glas ift heute nicht nur quantitativ und qualitativ durchaus vorwiegend in Oefterreich, es hat auch in der Gefchichte desfelben ftets Art und Charakter beftimmt, Ehren. und Anfehen in der Welt ihm errungen. Wir bezeichnen aber mit dem Ausdruck, böhmifches Glas" nicht blos die. Landesherkunft, fondern auch ein befonderes Genre, wie wir das bereits mit den Benennungen ,, venetianifches" und„ englifches Glas" gethan haben. Bei der heute fo beliebten, alle gefunden Begriffe und Unterfchiede verwirrenden Nachahmung, bei der Sucht, alles, was der Andere leiftet, auch machen zu wollen, ift heute das böhmifche Glas freilich über feine Art hinausgegangen und ftellt fich uns in gar mannigfachen Kunft- und Decorationsweifen dar. Dennoch ist es nicht gar fchwer, fein eigentliches Wefen, das ihm Gemäfse herauszufinden. Wir wollen es zunächft darauf hin, auf diefen Kern feines Wefens, betrachten, und darnach auch der anderen Decorationsweifen gedenken, welche man zum Theil wohl felbft höher anzufchlagen geneigt fein mag. Wir nehmen dabei wohl den abfoluten Standpunkt ein, doch wollen wir uns bemühen, allerfeits den gegebenen Verhältniffen gerecht zu werden. Wie der heutige Stand der böhmifchen Glasfabrikation ift, darüber kann nach dem, was auf der Weltausftellung zu fehen war, kein Zweifel fein. Das öfterreichifche Glas war quantitativ grofsartig aufgetreten, und was feine verfchiedenen künftlerifchen Seiten betrifft, fo konnte auch in diefer Beziehung fchwerlich irgend etwas vermifst werden. Die Mittel, fich ein allfeitiges und erfchöpfendes Urtheil zu bilden, waren ausreichend vorhanden. Das Verhältnifs, in welchem fich, wie bereits oben angegeben, das böhmifche Glas zu dem englifchen ftellt, führt uns zur Erkenntnifs feines eigentlichen Wefens und derjenigen Aufgaben, welche feiner Natur die gemässeften find. Das böhmifche Glas ahmt, wie das englifche den Kryftall, den echten Berg kryftall nach; es ftrebt nach feiner vollen Durchfichtigkeit, Klarheit, Reinheit und Farblosigkeit. Diefes Ziel, die Aehnlichkeit mit dem Kryftall, erreicht es infofern eher, als ihm mit feinem Vorbilde eine Eigenfchaft des englifchen Glafes mangelt, nämlich diejenige, das Licht fo brillant in Farben zu brechen. Durch diefen Mangel verfagt fich von felber dem böhmifchen Glafe die ganze eine Hauptfeite des englifchen Kunftglafes, welche wir als die wefentlichfte desfelben oben vorangeftellt haben, der diamantirte Brillantfchliff, der die englifchen Gefäfse überdeckt. Diefe Decorationsweife auf das böhmifche Kryftallglas übertragen wollen, ift von vornherein als ein verfehltes Verfahren zu erachten, weil man trotz aller Mühe und Anftrengung immer und nothwendig um des verfchiedenen Materials willen hinter den englifchen Muftern zurückbleiben wird, ja ihr eigentliches Wefen gar nicht treffen kann. Was die böhmifchen Fabrikanten von diefer Art an Tafelgeräth ausgeftellt hatten, bewies das fchlagend. Es war aber auch nicht viel; ein richtiges Gefühl, die Einficht der Unzulänglichkeit mag fie von Mehrerem abgehalten haben. Nur in einer Beziehung erſchien die Nachahmung der englifchen diamantirten Art nicht ohne Bedeutung, bei den Luftern nämlich; davon werden wir weiter unten zu reden haben. 2 18 Jakob Falke. Der Ausfchlufs des diamantirten Brillantfchliffes weift von felber das böhmifche Kryftallglas auf die andere oben befchriebene Kunftart, deren Wefen in der Schönheit und Eleganz der Form und in der Schönheit der eingefchliffenen oder gravirten Verzierungen befteht. Es entspricht diefe Art nicht blos der Natur des böhmifchen Materials, fondern fie hat auch ihre hiftorifche Berechtigung, denn von dem echten Kryftall und dem daraus gebildeten Geräth, wie es zu Ende des XVI. und im Anfange des XVII. Jahrhunderts zu Prag in fo ausgezeichneter Weife gefchaffen wurde, hat die glänzende Entwicklung der böhmifchen Glasfabrikation ihren Ausgang genommen. Die Kryftallfchleifer Rudolfs II. find die Lehrmeifter der Glasarbeiter geworden. Man kann die Nachwirkung diefes Urfprungs in der Gefchichte des böhmifchen Kunftglafes durch das XVII. und XVIII. Jahrhundert verfolgen. Werden auch mit dem Wandel des Gefchmackes durch Einführung der Facettirung und der geraden Linie die Formen fteifer, wird auch das Ornament verzopfter, fo bleibt doch das farblofe, kryftallreine Glas und die gleiche Manier der Verzierung mit eingravirten Arabesken oder Figuren. Noch im XVIII. Jahrhundert ift die Nachwirkung der alten Kryftallgefäfse und ihrer Art unverkennbar und bewahrt das Glas vor fo manchen Excentricitäten, denen andere Induſtriezweige in jener Zeit des entarteten Gefchmacks anheimfielen. Die fchlimmfte Zeit für die böhmifche Glasinduftrie in künftlerifcher Beziehung ift erft mit dem Beginn des XIX. Jahrhunderts gekommen, theils in Nachahmung des voraneilenden englifchen Glafes, von dem die plumpen Formen, das maffive Material auf das böhmifche übergingen, theils durch das weite Genre des gefärbten Glafes, theils endlich durch die franzöfifche Manier mit Malerei von Blumen und Figuren, welche das Glas zum Nebengänger des Por zellans machte. - Wie wir in den letzten Jahren das böhmifche Kryftallglas von dem gefärbten und bemalten abgefehen überkommen haben, fo beftand fein Verdienft für das Auge allein in dem weifsen Lichterfpiel, das durch Politur und durch Brechung der Oberfläche in eine bewegte Ebene hervorgerufen wurde. Dem Gegenftande eine gute, elegante Form zu geben, lag ganz aufserhalb aller Abficht. Man dachte gar nicht daran. Konnte man doch felbft Trinkgläfer anftatt des Fufses auf ein viereckiges Poftament ftellen, als ob es fich um kleine Monumente handelte. Dagegen ift nun endlich ein Rückfchlag erfolgt, wiederum nicht ohne Einfluss des englifchen Glafes und feiner zweiten, von uns oben gefchilderten Manier, der wir zeitlich wohl den Vorrang laffen müffen. Der Rückfchlag ift bei uns aber nach feiner Art felbftftändig geworden und unterfcheidet fich künftlerifch wefentlich von dem englifchen Vorgange. Die Vorbilder der neuen Art des böhmifchen Kryftallglafes find nicht oder nur in felteneren Fällen die antiken Thongefäfse, wie das Ornament nicht naturaliftifch ift; vielmehr dienen als Mufter und Motive ganz beftimmt die echten Kryftallgefäfse der Renaiffancezeit und insbefondere müffen wir denjenigen, die in der kaiferlichen Schatzkammer zu Wien aufbewahrt werden und durch Vermittlung des öfterreichifchen Muſeums der Induftrie zugänglich gemacht worden find, einen directen Einflufs zufchreiben. Die heutige böhmifche Glasinduftrie kehrt damit als Kunft zu ihrem Anfange zurück; man würde aber Unrecht thun, wenn man ihr nachfagen wollte, dafs fie fich lediglich imitirend verhalte. Sie läfst fich vielmehr von ihren Vorbildern belehren und fchreitet auf dem gleichen Wege vor. Indem wir daran gehen, dasjenige zu befprechen, was die böhmifche Induſtrie in diefer neuen Art auf der Weltausftellung felbft uns vor Augen führte, wird uns felbftverſtändlich eine gewiffe Referve in Bezug auf unferen Mitarbeiter an diefem Berichte auferlegt, dem Niemand mindeſtens einen Hauptantheil an diefer Reform des böhmifchen Glafes abfprechen wird. Indeffen würden Bericht und Auffaffung unvollständig fein, wollten wir nicht dasjenige, was die Firma J.& L. Lobmeyr in Verbindung mit Meyr's Neffe( W. Kralik) in Adolf ausgeftellt hatte, an den Platz einreihen, der ihm zukommt. M Das böhmifche Glas. 19 Diefe Reform des böhmifchen weifsen Kryftallglafes datirt etwa feit zehn Jahren und nimmt ihren Ausgang, geiftig wie formell, von der Refidenz, von Wien. Je feiner, je künftlerifcher fie ift, um fo mehr liegt es in der Natur der Sache, dafs fie vorgefchrittener erfcheint bei jenen Fabriken, welche in directer Verbindung mit der Refidenz ftehen, deren Häupter gewiffermafsen in ihrer künftlerifchen Atmoſphäre leben. So war in der That der Eindruck, den die böhmifche Glasinduftrie in diefer einen Beziehung auf der Weltausftellung darbot. Es foll das nicht als ein Vorwurf gegen Diejenigen gefagt fein, welche fich noch nicht oder weniger an diefer Reform betheiligt hatten. Es liegt, wie gefagt, in der Natur der Sache, dafs eine folche auf dem feinften Kunftgefühl beruhende Aenderung nur langfam vor fich geht, und langfamer und fchwerer dort, wo die Bedingungen nicht vorhanden find, fich folches Gefühl und folches Verftändnifs zu erwerben, oder wo die Kräfte fehlen, dem Verſtändnifs in Erfindung und Ausführung nachzukommen. Es ift auch Eines zu beachten und in Anfchlag zu bringen, und diefes gilt zumal von vielen böhmifchen Fabriken. Für gewiffe Claffen und gewiffe Länder oder Abfatzftätten arbeitend, glauben fie von den Bedingungen, die ihnen dort localer Gefchmack, Sitte, Wohlftand auferlegen, abhängig zu fein und darnach ftellen fich denn ihre Producte dar. Ohne Zweifel hat das feine Richtigkeit, und es hiefse Thörichtes verlangen, wollte man ein ficheres und einträgliches Abfatzgebiet durch den plötzlichen Wechfel der künftlerifchen Art in Frage ftellen. Allein die Richtigkeit ift doch auch nur relativ, denn in den meiften Fällen wird fich wohl finden, dafs jene localen Bedingungen des Gefchmacks, denen fie fich unterwerfen, nur Gewohnheit find und vielleicht erft von ihnen felber oder ihren Vorgängern gefchaffen wurden. Diefe Bedingungen werden fich alfo wieder mit klugem und bedächtigem Vorgehen durch die Induſtrie felbft ändern laffen. Es kömmt dazu, dafs es nicht blos die Induftrie ift, innerhalb welcher fich der Gefchmack in einem Wandel begriffen zeigt, fondern dafs dasfelbe auch mit dem Publicum der Fall ift, ja diefes jener vieler Orten vorausgeht. Daher kann es eines Tages kommen, dafs der Confument das Angebot feines gewöhnlichen Producenten zurückweift, weil die gleich gebliebene Waare feinem veränderten Gefchmack nicht mehr entspricht. Alsdann ift der Uebergang der Induſtrie auf die neue Richtung zu spät, denn ein anderer Producent, der klüger die verän derte Stimmung zu benützen verftand, ift an die Stelle getreten. Solches ift wohl fchon öfter gefchehen und darum der Fall auch wiederum möglich und keineswegs unwahrscheinlich. Nach dem oben Gefagten wird es demnach nicht als Vorwurf erfcheinen, wenn wir in Bezug auf das öfterreichifche weisse Kryftall glas von den einen oder anderen Fabrikanten angeben, dafs fie noch auf dem alten Standpunkt ftehen. Wir wollen eben nur conftatiren, wie heute der factifche Zuftand ift oder vielmehr wie er fich auf der Wiener Weltausftellung darftellte. Zu denjenigen, bei denen der angedeutete Wandel des Gefchmacks noch in keiner Weife platzgegriffen hat, gehört z. B. die Voitsberger Actienfabrik in Steiermark, ebenfo die böhmifche Fabrik von Jofeph Innwald in Deutfchbrod. Es gehören hierher auch die mit Landfchaften und Figuren ausgefchliffenen Jagdgläfer von L. Mofer in Carlsbad, die alle, fo viel Kunft der Gravirung fie zeigen, einen gemeinſamen Uebelftand haben, dafs fie die regelmäfsigen Linien und Flächen eines facettirten Gefäfses in unregelmäfsiger, fcheinbar ganz willkürlicher Weife zerstören. Aehnlich ift es mit Clemens Rafch in Ulrichsthal, bei dem auch die mit Kryftallgehängen und dergleichen behängten Blumenvafen in diefelbe Kategorie fallen doch einige feiner Arbeiten gehörten auch der neueren Richtung an. Andererfeits find wohl die Firmen von J.& L. Lobmeyr in Verbindung mit Meyr's Neffe, Schreiber& Neffen und H. Ulrich, alle drei unter dem directen Einfluffe der Refidenz ftehend, als diejenigen zu nennen, welche am entfchloffenften in den Neuerungen vorgehen, wenn auch in ungleicher Art und 2* 20 Jakob Falke. mit ungleichem Erfolge. Während J.& L. Lobmeyr vor allem das höhere und vornehmfte Luxusgeräth cultiviren, ftrebt die Firma Schreiber und Neffen vielmehr nach formeller Veredlung des mehr gewöhnlichen Geräths, das dem grofsen und weiten Bedarf des bürgerlichen Haufes beftimmt ift. H. Ulrich dürfte in diefer Beziehung etwa die Mitte einnehmen. Natürlich gilt das nur relativ nach der Hauptrichtung, denn wir finden fowohl bei J.& L. Lobmeyr billiges und einfaches Geräth in veredelter Form, fowie bei den beiden anderen feinere Luxus arbeiten. Die Gelegenheit des grofsen Kunftlebens in der Refidenz hat es mit fich gebracht, dafs hier ganz befondere künftlerifche Kräfte zur Mitwirkung herbeigezogen werden konnten. So hat fich für Schreiber und Neffen das Talent A. Haufer's bewährt, fowohl bei gröfseren Luxusvafen, wie bei einfacherem Tafelgefchirr. Die Firma J.& L. Lobmeyr zählt unter den erfindenden Kräften. in ihrer Ausftellung die erften und beften Namen, fo: Hanfen, Schmidt, Storck, Teirich, und für die figürliche Ornamentation noch befonders Laufberger, Eifenmenger, Bitterlich, Sturm u. A. In Folge der Verwendung diefer Künftler find denn auch die Leiftungen nicht blos in äfthetiſcher Beziehung auf der entfprechenden Höhe, fie find auch formell fehr vielfeitig, denn die Eigenart der Künftler hat fich in ihnen ausgeprägt. Wir haben zwar oben gefagt, dafs die eigentliche Richtung die der Renaiffance ift, aber fie fchliefst andere, fo gothifirende( von Schmidt) wie gräcifirende Vafen( von Hanfen) nicht aus. Von den Arbeiten in Art und Geift der Renaiffance, ſpeciell der alten echten Kryftallgefäfse fteht am höchften das Trink- und Deflertfervice für den Allerhöchften Hof nach den Entwürfen von J. Storck mit vergoldeten und emaillirten Montirungen von Ratzersdorfer, und gravirten, von Eifert ausgeführten Ornamenten. Diefe Gefäfse haben auch die glückliche Neuerung, dafs fie, im Gegenfatz gegen den gewöhnlichen matten Schliff der Ornamente, den in den Tiefen auspolirten Schliff, wie ihn die alten Kryftalle zeigen, wieder eingeführt. Diefe Manier verfeinert in aufserordentlicher Weife die Lichtwirkung der Kryftalle. Als eine glückliche Erweiterung ift auch die Wiederaufnahme der facettirten Gläfer und mancher anderer Formen zu betrachten, die insbefondere in der erften Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in Uebung waren und noch in diefer fpäten Zeit dem böhmifchen Glas ein echt künftlerifches Gepräge gaben. Auch die Verzierung mit geätzten farbigen Rändern und Bändern, mit welchen einige Services bei H. Ulrich viel Beifall gewannen, liefse fich, wenn fein und zierlich angewendet, glücklich verwerthen und erweitern. Es find aber auch noch andere Firmen zu nennen, die im Kryftallglafe dem Beiſpiele gefolgt find und den Weg der Neuerung betreten haben. So die gräflich Seilern'fche Fabrik in Jofefsthal und Galthof, die fich mit zierlichen Formen mehr an englifche Mufter angefchloffen zu haben fcheint, ebenfo W. Hofmann in Prag, der einen ganzen Tifch feiner und zierlicher Kryftallgefäfse mit gechliffenen Ornamenten aufgeftellt hatte, fo die Fabrik von Graf Harrach in Neuwelt, die, neben vielen grofsen Gegenftänden nach alter Art, manches Anmuthige im Kleinen darbot, fo Reich& Comp. in Wien, die ebenfo im Gemifch der alten Mode auch das Streben nach feineren Formen erkennen liefsen, fo endlich J. E. Schmid in Annathal, der manche glückliche Motive befonders in Henkeln zeigte. Man fah vollkommen klar, dafs die neue Tendenz Boden gewonnen hat und fich ausbreitet. Und nach dem kurzen Anfange haben wir alle Urfache, hiermit vollkommen zufrieden zu fein. Aber, wie fchon oben angedeutet, ift in der heutigen böhmifchen Glas induftrie das weifse, farblofe Kryftallglas durchaus nicht das einzige, welches fich der künftlerifchen Befprechung darbietet. Man würde Unrecht thun, das farbige Glas zu überfehen, wenn es auch in diefem Jahrhundert bisher keinen hohen Standpunkt eingenommen hat. Das böhmifche Glas. 21. Das mit Farbe verzierte böhmifche Glas theilt fich für unferen Standpunkt in zwei Arten: in das mit Farbe überfangene oder in der Maffe gefärbte Glas und in das mit Malerei verzierte; fagen wir kurz, in das gefärbte und in das bemaite Glas. Jene Art, die wir zuerft befprechen wollen, ift echt böhmifch, wenn nicht nach dem Urfprung, doch nach ihrer Weife. Schon die Venetianer hatten ihre Gläfer zum Theil in der Maffe gefärbt nach dem Beiſpiele der Alten, bei denen der in Glas imitirte Edelſtein einen Hauptzweig ihres künftlerifchen Glafes gebildet hatte. Das böhmifche gefärbte Kryftallglas wurde erft im XIX. Jahrhundert von Bedeutung, als es fich darum handelte, dem drohenden Uebergewicht des englifchen Glafes mit neuer Art Concurrenz zu bieten. Das böhmifche gefärbte Kryftallglas eroberte fich auch einen Platz auf dem Weltmarkt; es beftach und blendete durch feine Effecte die Augen, aber die Augen der Menge. Höhere Anfprüche des Gefchmacks vermochte es nicht zu befriedigen; fo viel Mühe man fich auch mit der Decoration gab, fo koloffal zuweilen die Dimenfionen der Gefäfse waren, fo vortrefflich die Farbe, fo künftlich der Schliff, welcher die Ornamentation herausgravirt hatte. Seine Blüthe fiel eben mit einer im Gefchmack verderbten Zeit zufammen, deren künftlerifche Leiftungsfähigkeit in der ganzen Induſtrie fehr gering war. Sie vermochte das ganze Genre niemals auf eine hohe Stufe zu erheben, hielt es vielmehr auf dem Standpunkt fehr gewöhnlicher Effecte. Heute ift das Genre, wenn möglich, noch tiefer gefunken. Die Fehler find einerfeits höchft plumpe, derbe und unfchöne Formen, andererfeits fehr gewöhnliche Zeichnung der Ornamentation und bei den weifsüberfangenen Gläfern ein viel zu harter Gegenfatz des kalten Weifs mit der wieder herausgefchliffenen dunklen Grundfarbe. - - Die Menge der Induftriellen, welche folche Waare fabriciren wir nennen unter den Ausftellern Stölzle's Söhne zu Nagelberg in Nieder- Oefterreich, Clemens Rafch in Ulrichsthal, Elias Palme, Gebrüder Kraufe, W. Hofmann, H. Ulrich ift ein Beweis, dafs das Genre noch heute von grofser commerzieller Bedeutung ift. Um fo mehr ift es wünfchenswerth, auch auf diefe Art die künftlerifchen Reformbeftrebungen zu lenken und ihr eine Richtung, einen Charakter zu geben, der fie einem befferen künftlerifchen Verſtändniss Stand halten läfst. Das gefärbte Kryftallglas mit feiner farbigen Glut fcheint uns auch durchaus dafür befähigt zu fein, und wir möchten nicht wünſchen, dafs es gänzlich aufgegeben würde, weil feine heutige Art vor einem befferen Gefchmack nicht beftehen kann. Es traten auf der Ausftellung auch mehrfach Verfuch in diefer Richtung hervor, z. B. bei H. Ulrich Tafelgefchirr, insbefondere Trinkgläfern, bei denen Laubkränze aus der Farbe ausgefchliffen waren, wie uns bedünkt, ein ganz richtiges Verfahren. Nur ift auch in diefem Falle darauf zu achten, den Gefäfsen möglichst gute und elegante Formen zu geben. Verfchiedene und zum Theil fehr bedeutende Verfuche in diefer Art fah man in der Ausftellung von J.& L. Lobmeyr in Verbindung mit Meyr's Neffe. Der Reinheit von Form und Zeichnung war die gleiche Sorgfalt zugewendet. Verſchiedentlich hatten auch alte venetianifche Mufter die Motive hergegeben, indem ftilifirte Ornamente in Emailfarben auf dunkelgefärbtem Glafe ausgeführt waren. Eine Serie ähnlicher Arbeiten mit weifsem Linienornament auf blauem Glafe befand fich auch in der Ausftellung von Reich& Comp. Mit diefer Art aber, die gewiffermafsen einen Uebergang bildet, kommen wir fchon zur zweiten Art des farbigen Glafes, zu den bemalten Gefäfsen. Das bemalte Glas, obwohl es von den verfchiedenen Fabriken ziemlich in aller Weife neben einander geübt wird, läfst fich künftlerifch wieder in zwei Arten zerlegen, in die eine, bei welcher die Bemalung blos decorativ und ornamental ift, und in die andere, welche förmlich Figurenbilder auf Glas herftellt. Letztere Art ift entfchieden franzöfifchen Urfprungs, dort in Frankreich noch am meiften geliebt und auch am meiften geübt, obwohl fie auf unferer Ausftellung 22 Jakob Falke. von franzöfifchen Fabrikanten nicht vertreten war. Die erfte Art des farbig decorirten Glafes, die rein ornamentale, hat viel mehr Eigenthümlichkeit bewahrt, als das foeben befprochene gefärbte Glas. Die Urfache liegt wohl darin, dafs fie fich befonders an die fogenannte altdeutfche Art der mit Emailfarben verzierten Trinkgläfer, welche vom XVI. bis zum XVIII. Jahrhundert in Uebung ftanden, angefchloffen hat. Eine grofse Anzahl der öfterreichifchen Glasfabriken cultiviren diefes deutfche Genre und verzieren ihre Arbeiten nach alter Weife mit Ornamenten, Wappen, Adlern, Einzelfiguren, Infchriften u. f. w. Man wird aber noch immer durchgängig einen doppelten Unterfchied zwifchen den neuen und den alten Gläfern finden: jene find erftens in der Maffe zu grün und zweitens in den Farben zu hart. Sollen unfere Imitationen den alten Vorbildern an künftlerifchem Reize gleichkommen, fo müffen fie nach einer milderen Harmonie trachten. Das alte deutfche Glas war, man kann fagen, mehr nicht entfärbt, als pofitiv gefärbt. Dasfelbe gilt von den fogenannten Römern; die modernen find ebenfalls in den meiften Fällen zu grün. Auf das Genre der altdeutfchen emaillirten Gläfer braucht fich aber das farbig decorirte Glas nicht zu befchränken, noch befchränkt es fich darauf. Die Ausftellung zeigte gar mannigfache Verfuche, es zu erweitern, theils in Verbindung mit gefärbtem Glas, theils in Verbindung mit Kryftallglas. So hatten die Gebrüder Kraufe in Steinfchönau die Alhambra- Ornamentation benützt, doch war die Wirkung der damit in Blau, Roth und Gelb überzogenen Gefäfse eine zu grelle. Beffer waren die fchon erwähnten blauen Gefäfse mit weifsem Linienornament bei Reich& Comp. und J.& L. Lobmeyr. Letztere hatte vielfach altvenetianifche Motive verwendet, diefs Genre neu zu beleben, fo das goldene Schuppenornament oder ein weifs und goldenes Flechtwerk. Auch farbenreiche indifche und perfifche Motive waren auf grofsen Glasvafen verfucht. Nicht minder intereffant war die Wiederaufnahme verfchiedener Verzierungsweifen des XVIII. Jahrhunderts, fo insbefondere jener fchwarzen Ornamente nebft kleinen Scenerien, welche die Arbeiten Schaper's in Nürnberg unter den Kunftfreunden berühmt gemacht haben. In all diefem erkannte man mit Vergnügen das Beftreben, neue und richtige Bahnen aufzufuchen und fo auch diefem Zweige der Glasinduftrie eine edlere Haltung zu geben. Nicht das Gleiche kann man von den mit Gemälden verzierten Gefäfsen fagen, welche man bisher als die höchften Kunftleiftungen der Glasinduftrie nach dem Beiſpiele der Franzofen zu betrachten pflegte. Das Genre, wie es ift, kann eigentlich nicht verändert, nur in der Malerei verbeffert werden. Sein Fehler ift feine. Existenz. Ein Gemälde auf transparentem Glas wird geftört in feiner Ruhe durch die Reflexe in feiner Umgebung; auf opakem Glas aber tödtet es die Eigen thümlichkeit des Glafes und ift blofse Nachahmung der Porzellanmalerei. Zudem widerftrebt ein anfpruchsvolles Bild auf dem Gefäfs dem Princip; es beeinträchtigt die Form und die berechtigte Decoration. Doch laffen wir das Princip. Die böhmifche Induſtrie hatte fich mit grofsen Figurenmalereien auf koftbaren, zum Theil koloffalen Vafen alle erdenkliche Mühe gegeben und viele hatten Grofses darin zu leiften verfucht. An ihrer Spitze fteht die Firma von A. Pelikan in Hayda, die viel hohe Kunft auf dem brechlichen Glafe treibt. Ihr zunächft fteht Grohmann& Comp. ebendort, welche insbefondere eine Reihe bunter Vafen mit den Bruftbildern fchöner Damen ausgeftellt hatte, dann aber auch mit Landfchaften, Vögeln u. f. w. Aehnliche Vafen mit Malereien in Köpfen und Bruftbildern zeigte J. Ahne in Steinfchönau. Auch die Gebrüder Kraufe führten uns Landfchaften vor, fowie Stelzig, Kittel und Comp.( beide in Steinfchönau) Genrefcenen und andere bunte Bilder auf Beinglas. So fehr man bei allen diefen Arbeiten Mühe und Kunft anerkennen mufs, fo leiden fie doch an dem gemeinſamen Fehler, dafs fie ihr Material nicht bedenken, dafs fie zu felbftſtändig Kunft find. Die Gemälde werden daher zu hart, zu kräftig, zu bunt. Es ift ganz derfelbe Fehler bei den Malereien auf Das böhmifche Glas. 23 Porzellan. Die Franzofen, deren Beiſpiel wir ja nur in diefem ganzen Genre folgen, handeln darin viel klüger. Sie halten alle diefe Gemälde viel duftiger und zarter, wodurch diefelben weniger aufdringlich erfcheinen und mit dem Material fich harmonifcher zu einer Gefammterfcheinung verfchmelzen. Hier allein ift der Punkt, der diefe bemalten Glasgefäfse für ein künftlerifches Auge erträglich macht. Wir glauben aber auch nicht, dafs fie noch eine lange Dauer haben werden. Der Gefchmack drängt dahin, jeden Gegenftand nach den innewohnenden Kunfteigenfchaften des Materials zu geftalten und zu fchmücken und nicht den Nachdruck auf eine fremde Kunftweife zu legen, die zur Hilfe herbeigezogen wird. In diefer Beziehung fcheint ein anderer höchft bedeutender Zweig der öfterreichifchen Glasinduftrie, der uns noch zur Befprechung obliegt, derjenige der Spiegel und Luftres, eine fehr glückliche Richtung einzufchlagen. Die Spiegel waren bisher von unferem Standpunkt aus eigentlich von gar keiner Bedeutung, denn die Glastafel, die ohnehin künftlerifch nicht in Frage kommt, war meiftens vom Auslande geliefert und der Rahmen war Schnitzer-, Tifchler- oder Vergolderarbeit. Neuerdings aber, wie man zu fo vielen alten Kunftweifen zurückkehrt, hat man auch die alten böhmifchen Spiegel mit Spiegelrahmen wieder aufgenommen. Das Genre ift zwar erft in der barocken Zeit entftanden, und diejenigen Spiegel, die uns von diefer Art aus alter Zeit erhalten worden und heute von Alterthumsfreunden und Kunftfammlern gefucht werden, find meift fehr verzopft in der Form des Rahmens, fowie einigermassen roh in dem eingefchliffenen Ornament. Nichtsdeftoweniger find fie decorativ von fehr guter Wirkung, und es war ein vollkommen richtiger Gedanke, fie wieder zu beleben und in ihrer Weife zu veredeln. Das war auf unferer Ausftellung mehrfach gefchehen, z. B. von Jofef Taufig& Comp. in Wien, fowie auch von der Firma J.& L. Lobmeyr, die fich für die Zeichnung der künftlerifchen Gefchicklichkeit Storck's bedient hatte. Wir werden fpäter fehen, dafs auch Frankreich ein paar vortreffliche Beiſpiele zur Ausftellung gefendet hatte. Ein anderes älteres Genre von künftlerifch verzierten Spiegeln, welches allein die Firma J.& L. Lobmeyr wieder aufgenommen hatte, war dasjenige mit Malereien unmittelbar auf der Spiegelfläche, wobei die Gegenftände frei in der Luft zu fchweben fcheinen. Im XVII. und XVIII. Jahrhundert liebte man es, reiche Blumenguirlanden in diefer Weife gewiffermafsen frei über den Spiegel zu hängen. Die Beiſpiele von Lobmeyr zeigten im oberen Halbrund fchwebende Genien, welche von Eifenmenger ausgeführt waren. Kehren die Spiegel zu alten Manieren zurück, fo find die Glasluftres eher gezwungen, fich davon zu entfernen, um den rechten Weg zu finden. Vorbilder find die alten Kryftallluftres mit angehängten prismatifch gefchliffenen Stücken, deren Aufgabe es ift, möglichst viel Lichter auszuftrahlen. Diefe Manier ift höchft vortrefflich für das englifche Glas, weil hier zu dem Licht noch das wunderbare Farbenfpiel hinzutritt, wie das oben fchon ausgeführt worden. Aber eben weil diefes Farbenfpiel dem böhmifchen Kryftallglafe fehlt oder bei weitem nicht in gleichem Mafse zu Gebote fteht, vermag der gleich geformte böhmifche Lufter niemals den Effect des englifchen zu erreichen und follte fich daher auf eine andere künftlerifche Bafis ftellen. Diefe andere Bafis ift die der fchönen Form, der eleganten Bildung fowohl des Hauptftammes, wie der Seitenarme, welche einen fchönen Schwung verlangen, fowie endlich ein gutes Verhältnifs der Theile unter einander. Diefe Seite wird von den englifchen Glasluftern vernachläffigt. Dafs fie von der böhmifchen Induftrie bereits begriffen worden, zeigten viele Beiſpiele in der zahlreichen und grofsartigen Ausftellung von Glasluftern, welche in diefem Sinne fowohl die englifchen, wie die franzöfifchen Luftres, deren z. B. Barbédienne eine Anzahl gröfserer Exemplare ausgeftellt hatte, entfchieden übertrafen. Sie übertreffen darin auch ihre älteren Vorbilder, welche, dem XVIII Jahrhundert angehörig, höchft felten um die Gefammtfchönheit bekümmert find, fondern fich mit dem Lichterfpiel begnügen. 24 Jakob Falke. Das böhmifche Glas. Freilich fah man in der öfterreichifchen Glasausftellung auch zahlreiche verfehlte Beiſpiele von fehr unfchönen Formen nach alter herkömmlicher Weife, und insbefondere bemerkte man faft durchgängig noch einen Fehler, auf den wir ausdrücklich aufmerkfam machen wollen. Es ift zwar nothwendig, dafs ein folcher Kryftalllufter durch Metall, durch Bronze feinen Halt, feine Form bekömmt, allein zu viel vergoldete Bronze fchädigt die Wirkung des Glafes und gibt ihm einen ganz falfchen Schein. Daran litten auch die grofsen Kronleuchter von Barbédienne. Will man äfthetiſch richtig verfahren, mufs man die Luftres ganz aus Bronze machen oder die Bronze fo viel als möglich zurücktreten laffen und auf die nothwendige Function befchränken. Das war auch bei den englifchen Kronleuchtern gefchehen. Viele Vergoldung fteht in keiner Weife gut mit dem Kryftallglas, dagegen machte eine Neuerung, die von J.& L. Lobmeyr verfucht war, die Verbindung von Kryftallglas mit dunklem Stahl ftatt der vergoldeten Bronze bei Luftern und Candelabern eine fehr gute und edle Wirkung. Sie verdient es, nicht blos Verfuch zu bleiben, fondern zu allgemeiner Anwendung zu gelangen. IV. Das deutfche, ruffifche und franzöfifche Glas. Was die Glasinduftrie fonft aufser Italien, England und Oefterreich auf der Weltausftellung zu zeigen hatte, das bot keine wefentlich neue Seite dar oder es befchränkte fich auf Specialitäten und Imitationen, die kaum über den antiquarifchen Standpunkt hinausgekommen find. Von den drei Ländern, die für unferen Gefichtspunkt, den äfthetiſchen, noch in Frage kommen, verhält fich Deutfchland wefentlich imitirend in modernem Sinne; es befitzt keinerlei Originalität, keine ſchöpferifche Kraft. Rufsland imitirte mit feinen intereffanteren Sachen ebenfalls, aber mehr in alterthümlicher Richtung, und die einzige Specialität, die von Frankreich aufser Spiegeln und Luftern zur Ausftellung gebracht worden, war auch nur Nachahmung. Das Meifte, was Deutfchland an folchen Glasarbeiten gefendet hatte bei denen der Gefchmack oder die Kunft in Frage kommt, befchränkte fich auf fehr gewöhnliche Tifchwaare. Eine Ausnahme machten eigentlich nur zwei Fabriken: die baierifche von Steigerwald's Neffe und die fchlefifche von Graf Schaaffgotfche zu Jofefinenhütte, welche höhere Ziele anftreben. Jene fucht diefelben durch die Zeichnung und den Reiz des Ornaments zu erreichen, das fie ftreng in Münchner Art hält, aber indem fie zu viel Nachdruck auf das Ornament oder vielmehr die Zeichnung legt, tritt das Glas mit feinen Eigenthümlichkeiten allzufehr zurück. Die fchlefifche Fabrik hält fich ganz innerhalb deffen, was heute Mode ift; fie fucht, ohne originell zu fein, das Feinfte und Befte zu leiften und auch dem vornehmften Tifch zu genügen. Sie nimmt daher ihre Vorbilder von allen Seiten, wo die Mode fie empfehlenswerth erfcheinen läfst. Sie bemalt ihre Geräthe mit Figurenbildern in franzöfifcher Art, fie zeigt uns äusserft zierliche Trinkgefäfse nach englifchem Mufter und imitirt felbft die Venetianer in ihren eigenften Weifen. So führte fie uns viel Hübfches und Gutes vor Augen, nur fehlte ihr in allem das Eine, das Letzte: Selbftftändigkeit, Originalität. Das ruffifche Glas zeigte auf der Ausftellung zwei verfchiedene Seiten. Eine Glasfabrik, Czesky in Polen, Eigenthum der Gebrüder W.& E. Hordliczka, bewegte fich vollſtändig in den bisherigen Pfaden des böhmifchen Kryftallglafes: koloffale Vafen und plumpe Gefäfse mit Diamantfchliff, Manches auch mit Farben in gewöhnlicher Weife. Im Gegenfatz fchlägt die kaiferliche Glasfabrik in Petersburg eine ohne Frage künftlerifche Bahn ein. Was fie als Vorbild benützt, ift aber nicht das englifche oder böhmifche Glas, fondern das geblafene Glas einerfeits der Venetianer, andererfeits des Orients. Von den venetianifchen Muftern hält fie fich aber nicht an diejenigen, welche es auf die fchöne, zierliche Form abgefehen haben, fondern an die älteren Mufter, welche fich mit Malerei in Emailfarben fchmücken. In diefem Genre zeigte die Petersburger Fabrik einige vortreffliche Arbeiten. Technifch tritt fie damit auch der altdeutfchen Art nahe, nur macht fie die Sachen feiner. Auch die geblafenen und mit Emailfarben verzierten orientalifchen Glasarbeiten, die heute freilich fo gut wie ausgeftorben find, verhalten fich techniſch nicht viel anders, nur find die Emailfarben in ziemlich dickem Relief aufgelegt. Sie haben der kaiferlichen Fabrik den Anftofs zu einem neuen Genre gegeben. Es find Gefäfse von dunklem grünen oder blauen Glafe, welche ftatt der orientalifchen Arabesken mit dem farbigen Ornament der Holzbauten in fehr kräftiger coloriftifcher Weife verziert find. Es 26 Jakob Falke. Das deutfche, ruffifche und franzöfifche Glas. ift hier eine ähnliche Uebertragung gefchehen, wie in der Goldfchmiedekunft. Die Formen diefer Gefäfse find meift fteif und gradlinig, und auch dafür find die Motive im Holz zu fuchen, in den hölzernen Gefäfsen, deren fich der ruffifche Bauer bedient. Das Genre ift fomit wohl intereffant und beachtenswerth, aber nicht allzu originell, noch befonders reizvoll. Hat die ruffifche Fabrik von den alten orientalifchen Glasgefäfsen das Motiv genommen, fo war das Intereffantefte, was Frankreich an Glas zur Wiener Weltausftellung gefendet hatte, eine directe, in den meiften Fällen ganz genaue Copie derfelben. Diefe orientalifchen Glasgeräthe, meift Mofcheelampen, feltener flafchenartige Gefäfse oder Schalen, find eine gefuchte, theuer bezahlte Antiquität. Diefer Umftand hat einen Parifer Künftler, Brocard, veranlasst, fie getreu nachzuahmen, und mit diefen Copien, die eine anfehnliche Vitrine füllten, ift er auf unferer Weltausftellung erfchienen. Die Gegenftände find in verfchiedener Beziehung intereffant. Einmal bieten fie in der Genauigkeit des ftark erhabenen Farbenauftrags techniſche Schwierigkeit, welche von Brocard vortrefflich überwunden erfcheint; fodann enthalten fie meift originelle und vorzügliche Formen und Ornamentationen, die verwerthbar find, und drittens fieht der Kunft. freund in ihnen genaue Copien feltener und zum Theil berühmter Gegenstände, die ihm fonft, weil im Privatbefitz, nicht zu Geficht kommen würden. Augenblick. lich ift das Hauptintereffe an diefen Gegenftänden noch das antiquarifche, aber es ift fchon öfter( z. B. bei den Fayencen) gefchehen, dafs das antiquarifche Intereffe fich in ein eminent induftrielles verwandelt hat. Bei der Lebhaftigkeit, mit welcher die Franzofen das Neue zu ergreifen pflegen, ift es auch hier möglich. Von den übrigen franzöfifchen Glasarbeiten wollen wir wenigftens noch einer Specialität gedenken, der matt und farbig geätzten Glastafeln von J. Dopter& Co. in Paris. Die Gefäfse in gefchliffenem Glafe der Verreries de la Loire et du Rhône zu Rive de Gien waren völlig unbedeutend, während St. Gobain wenigftens gutes Kathedralglas für farbige Fenftergemälde gebracht hatte. Die Luftres mit Kryftallglas bei Barbédienne, deren wir fchon oben gedacht haben, gehören mehr in die Bronze- Induſtrie, als in die Glasfabrikation, aber einige Spiegel mit Rahmen erregten noch unfere Aufmerkfamkeit. Zwar gab es darunter fehr Verfehltes, z. B. einen koloffalen Spiegel von Alexandre jeune in Paris, deffen Rahmen ganz naturaliftifch von farbigem Glafe gebildet war, mit Palmzweigen, die frei heraustraten, und mit verfilberten Bronzefiguren dazwifchen, die Luftres trugen. Es war eine Monftrofität, wie fie zuweilen dem franzöfifchen Gefchmack paffiren kann. Dagegen hatte eine andere franzöfifche Firma, Lorémy Grifey& Co., einige Spiegel mit Glasrahmen ausgeftellt, die, gleich ausgezeichnet in Conftruction und Ornament, mit zu den reizendften Arbeiten auf der Ausftellung gehörten. In reiner Renaiffance gehalten, waren fie wieder ein Zeichen, dafs auch auf diefem Gebiete die Franzofen zu einem edleren Gefchmack zurückkehren. Sie liefsen nur bedauern, dafs die franzöfifche Glasausftellung fo fehr dürftig ausgefallen war und insbefondere im modernen Tafelgeräth auch gar nichts geliefert hatte, was nur der Rede werth fich zeigte. II. ABTHEILUNG. COMMERZIELLER UND TECHNISCHER BERICHT von LUDWIG LOBMEYR. Nach dem Erfcheinen des Buches:„ Die Glasinduftrie, ihre Gefchichte, gegenwärtige Entwicklung und Statiftik", welches in Gemeinfchaft mit den Herren Dr. Albert Ilg und Wendelin Boeheim von mir im Verlage von W. Spemann in Stuttgart 1874 herausgegeben wurde, erhielt ich die ehrende Aufforderung, für den officiellen Ausftellungsbericht über die Glasinduftrie den commerziellen und technifchen Theil zu fchreiben. Es ift an und für fich wenig verlockend, von einer kaum vollendeten Arbeit einen Auszug zu liefern, überdiefs wäre es mir auch von grofsem Intereffe gewefen, die Anfichten und Urtheile eines Anderen über diefe wichtige Induſtrie zu vernehmen; nach eingehender Befprechung fühlte ich mich jedoch verpflichtet, dem Rufe nachzukommen, und in dem mir vorgezeichneten Bereich nochmals eine kurze Ueberficht über die bei der Wiener Weltausftellung 1873 gemachten Beobachtungen zu verfaffen, fie mit einigen mir nachträglich bekannt gewordenen Daten ergänzend. Ich folge der in meiner früheren ausführlicheren Darftellung gemachten Eintheilung und beginne mit Spiegel. - I. Spiegel. a) Gufsfpiegel. Der Qualität nach ftellen fich die Erzeugniffe der verfchiedenen Staaten in nachftehende Rangordnung: franzöfifche, deutſche, belgifche, englifche, öfterreichifche, endlich ruffifche. Die hervorragendften Fabriken für diefe Producte find Eigenthum der " Société des Manufactures de glaces et de produits chimiques de St. Gobain, Chauny, Cirey et Montluçon", welche Gefellſchaft aufser diefen benannten fran zöfifchen Fabriken noch zwei in Deutſchland, nämlich jene zu Stollberg bei Aachen und die zu Waldhof bei Mannheim befitzt. Sie fandte belegte und unbelegte Spiegeltafeln nur aus der letztgenannten Fabrik und diefs wahrscheinlich nur defshalb, weil eben diefe gegenwärtig Producte liefert, die von denen keiner anderen eigenen Fabrik oder einer anderen Unternehmung übertroffen werden. Belgien, welches erft feit 1820 die Spiegelfabrikation betreibt, diefelbe aber bisher auf das kräftigfte entwickelt hat, fo dafs es bereits mit feinen Erzeugniffen allen übrigen vorher genannten Staaten als gefährlicher Concurrent auf dem Weltmarkte entgegentritt, hatte einige vortreffliche Proben feiner grofsen Leiftungsfähigkeit auf diefem Gebiete gefendet. Als Novität auf den Weltausftellungen galt eine circa 7 Quadratmeter grofse, 15 Millimeter ftarke und ausgezeichnet reine Spiegeltafel, welche die ,, Société de Courcelles pour la fabrication de glaces" ausgeftellt hatte. Derlei ftarke Platten, welche nur circa 30 Percente theurer zu ftehen kommen, als gewöhnliche, eignen fich befonders für die Schaufenfter der Geldwechsler, Juweliere etc., welche auf eine erhöhte Sicherheit bedacht fein müffen. Die Engländer hatten nur unbelegtes Spiegelglas, und zwar für ihre Schaukäften gefendet, an welchem wir übrigens die bekannte Thatfache von neuem beftätigt fanden, dafs ihre hiefür verwendete Maffe weniger weifs und felten fo rein ift, als das fremde Spiegel- oder gar das eigene, nämlich engliſche Kryftallglas. Im Ganzen genommen, ift jedoch die Leiftungsfähigkeit der franzöfifchen, deutfchen, belgifchen und der englifchen Fabriken eine ziemlich gleich hoch entwickelte, der Unterfchied in den Erzeugniffen ein nicht fehr wefentlicher, und der Preis je nach den Qualitäten ein fo übereinftimmender, dafs für den Bezug der Waare meift nur entfcheidend ift, woher Fracht und Zoll billiger kommen. In Oefterreich wurden bereits im vorigen Jahrhundert auf der 1700 errichteten kaiferlichen Fabrik zu Neuhaus bei Fahrafeld nächft Pottenftein, und nach deren 1831 erfolgter Ueberfiedlung, in Schlöglmühl bei Gloggnitz in NiederOefterreich Gufsfpiegel erzeugt, die damals fehr angeftaunt wurden. Nach ihrer Auflaffung 1840 verfuchten es Georg Chriftof Abele's Söhne in Deffernik in Böhmen, fpäter Peter Ziegler zu Elifenthal, ebenfalls in Böhmen, diefe Fabrikation fortzufetzen, leider ohne nachhaltigen Erfolg. Erft 1869 wurde diefer Induftriezweig wieder, und zwar von Andreas Ziegler's Sohn in Stankau bei Bifchofteinitz in Böhmen mit Gefchick aufgenom men, und es zeigten bereits die Producte, welche diefe Firma diefsmal zur Aus Spiegel. 31 ftellung brachte, was Gröfse sowie fchöne Qualität betrifft, eine überraschende Leiftungsfähigkeit dieser Fabrik. Da A. Ziegler's Sohn feine Fabrikseinrichtungen ftetig vervollkommnet, fo läfst fich von der weiteren Entwicklung bis zu dem angeftrebten Ziele einer vollen Concurrenzfähigkeit mit dem ausländifchen Fabrikate nur das Günftigfte erwarten. In Rufsland wurde gewifs fchon Anfangs unferes Jahrhunderts, und zuerft ebenfalls als Staatsinduftrie, die Gufsfpiegel- Fabrikation betrieben; auch gelang es dort, fehr grofse Platten zu erzeugen, wie man aus Spiegeln, die dem damaligen Staatskanzler Fürften Metternich als Gefchenk zukamen und wegen ihrer nach den Begriffen jener Zeit gewaltigen Dimenfion en Auffehen erregten, erfichtlich wurde. Sie waren jedoch von fo fchwärzlichem und blafenreichem Glafe, dafs fie heutzutage für keinen Prachtfaal mehr geeignet erfcheinen würden. Auch die kaiferlich ruffifche Fabrik gab die Spiegelerzeugung wieder auf und erft in letzterer Zeit haben Amelung und Sohn in Lifette bei Dorpat in Liefland diefe Fabrikation neu aufgenommen. Sie erzeugen, nach den ausgeftellten recht gelungenen, doch nicht fehr grofsen Muftern zu urtheilen, ganz hübfche Spiegel, auch welche bis zu 700 Rubel das Stück. b) Geblafene Spiegel. Die erften Glasfpiegel, welche fchon von den Alten erzeugt wurden, waren unbelegte aus dunklem Glafe; fpäter erft kamen die geblafenen, belegten Spiegel in Frankreich und Deutfchland nach; es finden fich die früheften Angaben über diefe in Schriften des XII. Jahrhunderts und 300 Jahre fpäter erfcheinen die Spiegel Venedigs im Handel. Mit dem Verfalle der Glasinduftrie in Murano und in den Niederlanden erftarb die Spiegelfabrikation dort gänzlich. In Frankreich erfand Louis Lucas de Nehou, und nicht Abraham Thévar, wie es in manchen Büchern heifst, 1688 das Verfahren, Spiegel zu giefsen, welche Fabrikation fich nachträglich auch in anderen Staaten einbürgerte, die Erzeugung der geblafenen Spiegel in Frankreich völlig verdrängte, jene in Baiern und Böhmen immer mehr befchränkte. In Baiern ift heute nur mehr Lohberg bei Lam genannt, welche Fabrik noch grössere Tafeln für Spiegel bläft. Es beftehen dort noch circa neun Fabriken, die blos Spiegelglas, und circa fünf, welche, wie noch einige Hütten im übrigen Deutfchland, nebft gewöhnlichen Fenstertafeln auch Scheiben für Spiegel, doch nur für kleinere„ Zollfpiegel" oder die fogenannten„ Judenmafs- Spiegel" blafen. Nur in Böhmen behauptet fich diefe Induftrie immer noch in fehr umfangreicher Weife mit noch verhältnifsmäfsig gröfseren Platten, wird jedoch auch schon in ihren Erzeugniffen auf fortfchreitend kleinere Mafse und auf die JudenmafsSpiegel und mit ihrem Abfatze auf die öfterreichifchen Staaten, die Donaufürftenthümer, die Levante etc. befchränkt, wo derlei Waare, da fie leichter, weil dünner, billiger, weil auch halb und dreiviertelweifs geliefert wird, noch immer fehr gefucht ift. Schleifereien und Belegftätten für folche geblafene Spiegel gibt es nicht nur in Böhmen, fondern auch in Baiern, zumeift in der Oberpfalz und bei Fürth in fo bedeutender Menge, dafs manche öfterreichiſche Glasfabrik grofse Mengen, zum Beiſpiel J. D. Stark in Prag von den 100- bis 127.000 Stück folcher Tafeln, welche er jährlich erzeugt, den gröfsten Theil nach Baiern zum Raffiniren liefert. Es find diefs meift Scheiben von 27 bis 70 addirten Zollen und Jude nmafsSpiegel, welche noch dünner als jene gewöhnlichen Zollfpiegel find, auch nur in den Mafsen von 8" und 10" als einfache oder 10" und 16" als doppelte in Kift 32 L. Lobmeyr. chen zu 30 Stück und je 12 Kiftchen in einer Ueberkifte verpackt gehandelt werden. Auf der Weltausstellung waren mit geblafenen und zwar grofsen und kleinen Spiegeln durchgängig fchöner Qualität nur öfterreichifche Fabrikanten. erfchienen, von denen fich befonders die Glasfabrik der C. Graf Kinsky Erben zu Bürgftein und jene von Jakob Mallmann in Elifenthal in Böhmen noch durch die reichen Rahmen, mit welchen fie ihre Erzeugniffe ausgeftattet hatten, hervorthaten, und die Firma Joh. Ant. Ziegler's Söhne noch dadurch die Aufmerkſamkeit erregte, dafs fie die ganze Erzeugnifsweife geblafener Spiegel klar erfichtlich machte und fomit ihre Expofition zu einer um fo intereffanteren, weil lehrreichen. geftaltete. So alt auch die Spiegelerzeugung und felbft jene der Gufsfpiegel ift, die eigentliche grofse Entwicklung diefes Induftriezweiges fällt doch erft in die letzten Decennien, ja in die allerjüngfte Zeit, als es gelang, die Maffe billiger, freier von Blafen und überhaupt reiner zu fchmelzen, in den Mafchinen für das Giefsen und die Bearbeitung der Platten eine ungleich gröfsere Vollendung zu erreichen. Auf diefem Gebiete ift Frankreich ftetig vorangegangen, es hat diefe Induftrie durch eine Menge eigener Erfindungen und gegenwärtig durch eine rafche Einführung des Siemens'fchen Gasofens( von welchem noch ſpäter die Sprache fein wird) zu jener gewaltigen Bedeutung gebracht, die fie heute unbeftritten befitzt. Ein, man kann fagen, noch längerer Stillftand als beim Raffiniren der Fritte und der Erzeugung der Platten herrfchte auf dem Gebiete der Belegung. Erft in jüngfter Zeit wird der alten Verfpiegelung mit Zinnfolien und Queckfilber durch neue Methoden, zunächft durch die chemifche Silberbelegung entfchiedener das Feld ftreitig gemacht. Wohl fchon feit 1840 ift man in Frankreich, immer aber noch ohne durchgreifenden Erfolg bemüht, auch die Platinirung der Spiegel zu erzielen, ein Verfahren, welches am billigften kommen follte, da das Platin hier auf der Vorderfeite der Glasplatte aufgetragen den Spiegel bildet, das Glas alfo nur als Unterlage diente und defshalb nur auf einer Seite gefchliffen zu werden brauchte. Weiters fahen wir Verfuche mit Goldbelegung, die wohl Verfuche bleiben dürften, da gelbe Spiegel immer ein häfsliches Bild geben. Nach dem heutigen Stande der Dinge gewinnt die Silberbelegung, die weisser und fchöner ift, immer mehr an Verbreitung, nachdem fie immer dauerhafter hergeftellt wird, und man das früher nur zu häufig vorkommende nachträgliche Auftauchen brauner Flecken bereits zu vermeiden weifs. Die Quecksilber- Verfpiegelung wird hauptfächlich aus dem Grunde, weil fie bei der Verfendung und bei der Hantirung mit der Waare leichter zu befchädigen ift, als jene mit Silber, anfcheinend bald aufser Gebrauch kommen, was ſchon infofern fehr wünſchenswerth wäre, als fie für die dabei befchäftigten Perfonen fehr gefundheitsfchädlich ift. Einer grofsen Beliebtheit erfreuen fich in neuefter Zeit die Spiegeltafeln mit mehr oder minder reichen Verzierungen, theils ornamentale, theils naturaliftifche oder figurale, welche Verzierungen durch Aetzung mit Flufsfpathfäure ( Fluor hydrique) in 3, 4 und mehr Tieflagen in verfchieden feinem Matt und auch mit Glanzlichtern hergeftellt werden und ziemlich plaftifch erfcheinen. Ganz vorzüglich erzeugt man folche Aetzungen in Paris; auch von Belgien wurden einige fchöne derlei Arbeiten gefendet; nicht minder hatte Deutſchland durch zahlreiche gelungene Leiftungen diefes Genres gezeigt, dafs es auf diefem Gebiete nicht zurückbleibt. Solche Arbeiten werden jedoch nicht von den Spiegelfabrikanten felbft, fondern von einigen Unternehmungen, fogenannten Kunftanftalten, ausgeführt, welche, da diefelben tüchtige Zeichner u. A. m. brauchen, was fie leichter in den Städten finden, meift auch dort ihren Sitz haben. Spiegel. 33 Die Fabriken felbft befaffen fich jedoch auch mit der Erzeugung von rohen Gufsplatten, ungemufterten, geftreiften oder netzartig verzierten Scheiben für Oberlichter bei Dächern oder unterirdifchen Räumen, Billardplatten*), dann auch mit dem Giefsen von Dachziegeln oder zuweilen felbft fehr grofsen Glasftücken für optifche Zwecke wie: Leuchtthurm- Apparate, Signallampen für Seefchiffe u. dgl. Die franzöfifchen Fabriken von St. Gobain etc. hatten von letzteren ganz ausgezeichnete Leiftungen zur Schau gebracht, wie denn überhaupt Frankreich in der Erzeugung folcher optifcher Apparate gegenwärtig fo Vorzügliches leiftet, dafs es mit felben ziemlich alle feefahrenden Staaten verforgt. *) Derlei Billardplatten follen fich jedoch eben fo wenig als die fteinernen etc. bewähren, da bei Wärmewechfel fich die Feuchtigkeit der Luft am kalten Glafe oder Steine niederfchlägt und dadurch ein Nachlaffen der Spannung des Tuches herbeiführt, ein Uebelftand, der bei Holzunterlagen nicht in fo bedeutendem Grade eintritt. 3 II. Tafelglas. Alle nur einigermassen entwickelten Induftrieftaaten Europa's, dann Amerika, erzeugen geblafenes, nicht gefchliffenes Tafelglas. Zur gröfsten Bedeutung für den Weltmarkt hat es hierin das fo rührige Belgien gebracht. Es liefert Tafeln von guter, gleichmäfsiger und nicht theurer Qualität, verfendet fie nach allen Staaten in den Gröfsen und in der Verpackung, wie diefs jeweilig verlangt wird, ift rafch und verlässlich in der Ausführung, immer beftrebt, den Bedürfniffen der verfchiedenen Märkte mit wachfamem Auge zu folgen, ihnen thunlichft Rechnung zu tragen und die neueften Erfindungen und Verbefferungen auf diefem Gebiete fchnell einzuführen. Belgien erzeugt jährlich auf 197 Oefen über 20 Millionen Quadratmeter Tafeln im Werthe von 40, im Jahre 1873 felbft 50 Millionen Francs, wovon es nur an 5 Percent im eigenen Lande verbraucht. Frankreich, das nach den letzten Ausweifen vom Jahre 1872 für 22 Millionen Francs Tafelglas producirte und bisher im eigenen Lande verbrauchte, ja felbft die Verforgung der Colonien mit diefem Artikel zumeift Belgien überliefs, hat in jüngfter Zeit in der Tafelglasfabrikation grofse Anftrengungen gemacht und bietet letzterem auch fchon auf manchen Märkten des Auslandes beachtenswerthe Concurrenz. Die belgifchen Fabrikanten fchreiben diefs der billigeren Arbeitskraft in den Norddepartements Frankreichs, der hohen Entwicklung der dortigen chemifchen Fabriken, den geringeren Abgaben auf Salz, endlich dem Umftande zu, dafs Frankreich den„ Holzbedarf für die Verpackung" im eigenen Lande findet, während Belgien ihn vom Auslande holen mufs. Sie erwarten es ift diefs beachtenswerth eine wirkfame Abhilfe von der Aufhebung des Einfuhrzolles auf Kiftenholz" nach Belgien, und find darum neuerdings bei der Regierung eingefchritten. - - Die höchfte Verwerthung aller Capital und Arbeitskräfte führt zweifellos allein zur gröfsten volkswirthschaftlichen Blüthe des Staates, und es wäre defshalb ungleich nachtheiliger, jene Kräfte auch nur theilweife brach liegen zu laffen, als mäfsige directe Opfer zu bringen, um die Arbeit bedeutend zu fördern. Da wir den belgifchen Fabrikanten ficher zutrauen können, dafs fie eben fowohl die Urfachen eines Uebelftandes auf ihrem Gebiete zu erkennen, als auch die Mittel für deffen Abhilfe zu erwägen wiffen, fo können wir aus diefem Falle erfehen, wie felbft bei einer hochentwickelten Induftrie kleine, unfcheinbare Factoren zur Bedeutung gelangen können. Wir erfehen daraus aber gleichfalls, dafs bei entſprechender Rührigkeit und verftändiger Einleitung auch ein von einer Seite felbft lange behaupteter Markt von Dritten neu gewonnen werden kann, wie nicht minder, dafs fich die Induftriellen nie der behaglichen Zuverficht hingeben dürfen, das beherrschte Abfatzgebiet unbeftritten zu befitzen. Das fran zöfifche Tafelglas ift etwas weifser als das belgifche, unterliegt aber mehr dem ,, Irifiren" oder dem fogenannten„ Abftehen", das man, wie behauptet wird, in Belgien dadurch gänzlich befeitigte, dafs die Tafeln, wenn fie aus dem Streckofen kommen, in Waffer, dem man der Menge nach I bis 2 Percent Salzfäure oder eine andere mineralifche Säure beigemengt hat, getaucht und dann forgfältig gereinigt werden. Tafelglas. 35 Das englifche Product ift etwas grüner als das belgifche, namentlich die I. und II. Wahl ftärker, es ift aber auch theurer als franzöfifches oder belgifches. In England beftehen aufser der gröfsten Tafelglasfabrik der Welt" Chance Brothers& Co. zu Spon- Lane bei Birmingham" noch viele und fehr bedeutende Fabriken, demungeachtet genügen anfcheinend deren Producte nicht nur nicht für den Bedarf des Landes, da es jährlich an folchem Tafelglas, Lampenfchirmen und Cylindern für mehr als 9 Millionen Francs einführt, fondern auch feine Colonien meift mit fremden Erzeugniffen verforgen läfst. Deutſchland hatte von diefem gewifs wichtigften und nothwendigften Producte der Glasfabrikation eine reiche Auswahl gefendet, darunter Scheiben, die wie die belgifchen, man kann wohl fagen, über allen Bedarf grofs waren, und zumeist nur zeigen follten, was man nunmehr zu leiften vermag. Im Vergleiche der belgifchen mit deutfchen Producten ift zu bemerken, dafs die letzteren noch mit der Lungenkraft des Arbeiters, die erfteren aber, dem Vernehmen nach, durch Nachhilfe mit Gebläfen erzeugt wurden, die es auch fchwächeren Arbeitern ermöglichen, Röhren oder Walzen über 3 Meter lang und 0.65 Meter im Durchmeffer aufzublafen. Die deutfchen Tafeln find weifs, von fehr guter Qualität und, wenn auch nicht in Reinheit, gleicher Dicke und ebener Streckung den belgifchen ganz gleich zu ftellen, doch die öfterreichifchen übertreffend. Während man in allen anderen genannten Staaten nur eine Art Tafelglas erzeugt, nach I., II., III. und auch IV. Wahl fondert und darnach zu verfchiedenen Preifen verkauft, gibt es in Oefterreich noch immer„ Solin, Halbfolin, halbweifses und ordinäres Glas", welches an und für fich in der Maffe verfchieden zugerichtet, und dann, wie es ausfällt, meift unfortirt verkauft wird. Die beften Tafeln liefert Meyrs Neffe in Adolf, weitaus die meiften erzeugt die Firma J. D. Stark in Prag, allein diefe und die Tafeln aller anderen Fabriken find meift dünner, unreiner und nicht fo plan, als die ausländifchen, von welch' letzteren freilich nur wenige auf unferen Markt kommen, weil bei uns weit mehr auf den billigften Preis als auf die Güte der Waare gefehen wird. Verfuche, um beffere, nach belgifch- deutfcher Art erzeugte Waare hier zur Geltung zu bringen, die Abnehmer von dem alten Schocktarife nach den Additionszollen ab- und zur Annahme des rationelleren ausländifchen Tarifes nach dem Flächenmafse zu bringen, fchlugen, wie es die Actien- Gefellfchaft » Bohemia" zu Heiligenkreuz bei Břas in Böhmen zu ihrem Schaden erfahren musste, leider fehl. Was Ungarn und Rufsland an Tafelglas zur Ausftellung brachten, war, zum wenigften gefagt, nicht befferer Sorte als unfere gewöhnlichen, und was fie davon überhaupt fchaffen, dient nur für den localen Bedarf. In Farbentafeln zeigte die Firma M. A. Pelletier et fils in St. Juft s. Loire, dafs den Erzeugniffen Frankreichs auf diefem Gebiete die keiner anderen Nation gleichkommen. Es waren von Pelletier's Tafeln in allen Farbenabftufungen, einfachfarbige, überfangene, doppeltfarbige wie emaillirte von einer Schönheit und Gröfse vorhanden, die alle Bewunderung verdienten. Belgien beginnt diefen Artikel erft zu cultiviren. Deutfchland, welches hierin immer Anerkennenswerthes leiftete, hat nicht den ausreichenden Bedarf, um diefen Zweig mehr zu entwickeln, und nicht günftiger fteht es damit in Oefterreich, von wo wieder nur Meyr's Neffe ein ziemlich vollſtändiges Bild von der Leiftungsfähigkeit der Firma auch in diefem Zweige bot. Geftreift oder gefchuppt eingeblafene Tafeln werden, da deren Erzeugung nicht fonderliche Schwierigkeiten bietet- es erfordert hauptfächlich nur ein Einblafen der Tafelwalze in eine cannelirte Metallform ziemlich von jeder entwickelteren Tafelglasfabrik geliefert und waren auch in den verfchiedenen Abtheilungen zur Ausftellung gebracht. - Geblafene Tafeln, farbige ausgenommen, werden felten geätzt, fondern meift mit einer Art dünner Emailfarbe bemalt. Es find diefs jene Art Tafeln, 3* 36 L. Lobmeyr. welche, weil zuerft meift Mouffelinmufter darauf getupft wurden, noch heute, wenn fie auch mit den verfchiedenften anderen Verzierungen bemalt find, oft als Mouffelintafeln bezeichnet werden. Man erzeugt fie in vortrefflicher Güte in allen gröfseren Städten Frankreichs, befonders in Paris, ferner in Belgien, in grofser Anzahl auch in Deutfchland, wie in München, Berlin u. a. O., endlich auch in Wien, wofelbft fie übrigens bis jetzt nur mäfsige Anwendung finden. Frankreich und Belgien brachten auch Mufter von farbigen und weifsen Tafeln, in welche Streifen, Kreife und dergleichen ftreng geometrifche Zeich nungen mittelft Mafchinen eingefchliffen waren, welches Verfahren kaum als Fort fchritt zu bezeichnen fein dürfte, da das Aetzen eine viel freiere, feinere Behandlung der Zeichnung zuläfst und kaum theuerer zu ftehen kommt. - Cathedralglas. Als man im frühen Mittelalter begann bunte Kirchenfenfter herzuftellen, befand fich die Erzeugung farbiger Glastafeln noch fehr in der Kindheit. Man konnte damals und verftand es nach fehr, fehr langer Zeit nicht beffer- nur ungleich dickes, unreines, nämlich blafiges, theils trübes Glas zu Stande bringen, das freilich oft die tiefften und prachtvollften Farbentöne aufwies. Die nur kleinen Mafse, in welchen das Product erzeugt werden konnte, nöthigten die Verglafung aus unzähligen kleinen Stücken zufammenzufetzer, ein Umftand, der auf die hiezu gewählten Zeichnungen von entfcheidendem Einfluffe war. Man vervollkommte allmälig die Producte, vollends in unferem Jahrhundert war die Farbentafel- Fabrikation bedeutend vorgefchritten. Sie lieferte reine, völlig klare, grofse Scheiben, in der ganzen Maffe gefärbt, oder aus weifsem, nur mit einer Farbfchichte überzogenem Glafe, Ueberfangtafeln", von welch' letzteren die Farbe ftellenweife abgefchliffen werden konnte, wodurch eine freiere Behandlung der Zeichnung, das Vermeiden des kleinen Mofaiks und befonders der vielen Bleiverbindungen möglich und gebräuchlich wurde. In der letzteren Zeit die Weltausstellung 1867 in Paris zeigte viele derlei aus England gelendete Proben( wie von Hardmann& Co. in Birmingham) kam man felbft dahin, mittelgrofse Kirchenfenfter mit nur einer rohen, weiſsen Gufsplatte, übergrofse mit 2 oder 3 derlei Platten zu verglafen, und diefe nach Art der älteren Glasmalereien, mehr oder weniger in mufivifchem Charakter, zu bemalen, wobei freilich auf befondere Farbenpracht verzichtet werden musste, die in diefer Technik nicht zu erreichen ift. Schon zur Zeit, als man zu Glasbildern reinere, gröfsere Farbentafeln verwendete, trat in dem Stile der Malerei eine bedeutende Wandlung ein. Man ging von der moſaikartigen Behandlung des Ganzen, der ftreng contourirten flatuarifchen Zeichnung, welche die alten Kirchenfenfter zeigen, immer mehr ab und näherte fich ftets entfchiedener der Oelmalerei. Diefs gefchah insbefonders in neuerer Zeit feit der Wiederaufnahme der Glasmalerei. Franzöfifche Ateliers und die königliche Glasmalerei in München brachten es vor ein paar Jahrzehnten hierin zur Vollendung. Doch' t diefe Herrlichkeit vor dem Auge des Kunftrichters nicht Stand. Man hatte zwar fehr kunftvolle Glasmalereien erlangt, doch den zauberifchen, ja weihevollen Schimmer der alten Kirchenfenfter dafür eingebüfst. - Es zeigte fich fchliefslich, dafs dieter fchöne Effect zumeift dem unreinen Glafe zuzufchreiben ift, das die Alten verwendeten und verwenden mufsten, weil fie kein anderes zu erzeugen im Stande waren und wie ich Dr. A. Jele's Angaben entnehme- dürfte es zuerft der Engländer Covell gewefen fein, welcher ein dem alten ähnliches Glas, wiewohl in fehr befchränkter Weife, wieder erzeugte. Kathedralglas. 37 Später, um 1860, begann Dr. Salviati in Venedig ähnliches Farbenglas herzuftellen und erreichte, wie wir auch auf der Ausstellung zu fehen Gelegenheit hatten, mit feinen„ Butzenfcheiben" fehr befriedigende Reſultate. Wie Dr. Jele weiters erwähnt, verfuchten es Chance Brothers in Birmingham und Wifthoff& Comp. in Königsfteele bei Efsen in Preufsen derlei unebene ( eigentlich mit rauher, körniger, nicht ſpiegelnder Fläche verfehene) Tafeln mittelft Giefsens zu erzeugen; andere ftreckten die geblafenen Tafeln auf einen durch Aufftreuen von Gyps oder Sand uneben gemachten Streckziegel. Wir fahen derlei Mufter auch in der belgifchen Abtheilung von Andris- Lambert& Co. in Marchienne au pont, J. De Dorlodot& Co. in Lodelinsart und A. Tagniart in La Louvière, ferner als gegoffen bezeichnete von bedeutender Gröfse und eigentlich von zu grofser Gleichmässigkeit und Schönheit der Arbeit, von Wifthoff im deutfchen Annexe. Da derlei Glas meift nur für Kirchenfenfter gebraucht wird, nennt man dasfelbe in neuerer Zeit„ Cathedralglas". Es fabriksmäfsig, d. i. in grofsen Mengen zu erzeugen, dürfte bei dem immerhin befchränkten Bedarfe nicht ausführbar oder mindeſtens nicht lohnend fein. Um fo beachtenswerther bleibt daher ein Unternehmen, das vor einem Jahrzehnt von C. Neuhaufer in Innsbruck gegründet wurde und fammt der Glasmalerei, mit der es vom Beginne in engfter Verbindung ftand, fich zu einer in weiteften Kreifen gewürdigten Kunftanftalt erhob, nämlich die„ Tiroler Glasmalerei und Cathedralglas- Erzeugung zu Innsbruck." - - Man macht dort keine gewöhnlichen Farbentafeln, fondern nur Cathedralglas und zwar gegenwärtig in fo vielen Farbentönen und Verfchiedenheiten, dafs man diefelben in circa 700 Nummern claffificirt. Es werden nur geblafene Tafeln von geringer Dimenfion angefertigt, die man nach gewöhnlichen Begriffen möglichft unfchön, nämlich blafig, unklar, ungleich in der Dicke etc. zu erzielen ftrebt, indem man durch Einblafen in eigene Formen, unregelmässiges Auftreiben etc. fich der primitiven Technik des Mittelalters thunlichft zu nähern, möglichft gleich unvollkommene Producte zu erreichen fucht, wie diefs dem Zwecke zumeift entſpricht. Das Etabliffement hatte die reiche Sammlung feiner Farbmuster in dem Pavillon für Glasmalerei jenfeits des Heuftadelwaffers ausgeftellt, an welchem etwas abgelegenen Orte diefelbe leider nicht die verdiente Beachtung fand. Es ift fomit in Innsbruck ein Inftitut gefchaffen, das in feiner Art einzig daftehen dürfte, und von dem auch ficher zu hoffen ift, dafs dasfelbe feine erlangte Bedeutung immer mehr erhöhen wird. Ich erwähne hier zum Schluffe noch eines ziemlich neuen Inftrumentes zum Schneiden des Tafelglafes, welches Werkzeug Jofef Légrády in Ottakring bei Wien nebft vorzüglichen echten Schneide diamanten in verfchiedenfter Faffung zur Ausftellung brachte. Jenes ift ein kaum linfengrofses Rädchen aus fehr hartem Stahl, das in geeigneter Faffung befonders dem Laien das fichere Schneiden gewöhnlicher, wie dickerer, felbft zolldicker Tafeln ungemein erleichtert. Da fie weniger dauerhaft find als der Diamant, wird der Glafer wohl immer diefen vorziehen, wenn letzterer auch beim Gebrauche eine ungleich ficherere Hand erfordert. Aehnliche ftählerne Schneidwerkzeuge wurden fchon 1869 von J. P. Monge in Philadelphia erzeugt, und haben, da fie fehr billig kommen, bereits grofse Verbreitung gefunden. III. Hohlglas. a) Bouteillenglas. Zur Aufbewahrung und Verfendung von Mineralwäffern, Weinen, Bieren, Spirituofen u. dgl. werden folche Mengen weifser, grüner, brauner und anderer Flafchen gebraucht, dafs diefer Artikel zu grofser Bedeutung gelangt ift. Frankreich, England, Belgien und Deutſchland erzeugen diefe Bouteillen. durchſchnittlich vorzüglich, und neuefter Zeit ift endlich auch Oefterreich, das zwar längst davon quantitativ viel, qualitativ jedoch meift nur mindere als die ausländifche Waare fchaffte, mit folchem Flafchenglas auf den Markt gekommen, dafs fchöne ftarke Sorten nicht mehr wie vorher eingeführt zu werden brauchen. Es ift die ,, Oefterreichiſche Glashütten Gefellſchaft zu Auffig a. d. Elbe", welche ganz nach Siemens'fcher Art eingerichtet, die erften Schwierigkeiten des Beginnens- das Unternehmen datirt erft vom Monate März 1873- überwunden hat, und nun Producte liefert, die jenen von Siemens in Döhlen und Dresden, deffen Hüttenwerke man, was Präcifion fowohl in der Leitung als auch in der Arbeit und in der Lieferung betrifft, eine Mufteranſtalt nennen kann, kaum nachftehen und dazu noch etwas billiger im Preife kommen. Die Flafchen von unferen übrigen Fabriken find meift dünn im Glafe, die Hälfe nicht genug forgfam gearbeitet, felbft die Formen öfters zu tadeln. Es wäre von den öfterreichifchen Fabrikanten, welche fich mit folchen Erzeugniffen noch auf der Ausftellung einfanden, zuvörderft noch F. Platenka in Dubnian zu erwähnen, deffen Proben durchschnittlich recht befriedigten. Bei dem ungeheuren Bedarfe von derlei Bouteillen, namentlich in Böhmen, Steiermark und Ungarn, wäre es fehr zu empfehlen, dafs den Anforderungen, welche der Käufer an gute Waare zu ftellen berechtigt ift, bald vollfte Aufmerkfamkeit zugewendet werde, und dafs befonders auch die Siemens'fchen, fpäter ausführlicher zu erwähnenden Wannenöfen, welche für den Fabrikanten folcher Artikel von unvergleichlichem Vortheile find, bald weit mehr Anwendung fänden. b) Ordinäres Hohlglas. Dasfelbe war in den fremden Abtheilungen gar nicht, in den inländifchen anerkennenswerth nur von Proffinagg Hermann Georg, und Dr. Ludwig in OberLembach bei Maria- Raft in Steiermark, St. Kuhinka und Sohn in Neu- Antonsthal in Ungarn, ferner Palme Bonhad& Comp. in Zvecevo in Slavonien vertreten. Was davon in Oefterreich Ungarn erzeugt wird, dient meift für den Bedarf des Landes, zum Exporte nach den Fürftenthümern, dem Oriente etc. Es ist bis jetzt in Mengen höchftens in folche Länder auszuführen, wohin es gröfstentheils zu Schiff verfrachtet werden kann, da anders die Spefen diefe billige und meift voluminöfe Waare zu theuer machen. Nachdem es aber möglich werden wird auf den„ Siemens'fchen Wannenöfen" auch folche ordinäre Waaren weit billige, als bisher zu produciren, fo können diefelben in nächfter Zeit wohl eine weit gröfsere Bedeutung erlangen. Hohlglas. 39 Sic) Glattes Schleifglas. Diefes wird in Oefterreich z. B. von Meyr's Neffe in Adolf fo fchön und preiswürdig geliefert, dafs damit nach Amerika ein bedeutender Export erzielt und bis jetzt die Concurrenz der anderen Staaten vollkommen bewältigt werden konnte. Der fchöne Quarz, welcher manchen öfterreichifchen Fabriken zur Verfügung steht, würde es übrigens ermöglichen, dafs diefe glatten Artikel bei uns weit allgemeiner in eben fo ausgezeichneter Weife geliefert werden. Es waren allerdings nicht nur von der oben genannten Firma, fondern auch von J. Schreiber und Neffen in Wien, J. E. Schmid in Annathal, dann der Voitsberger Actiengeſellſchaft, den gräflich Seilern'fchen Glasfabriken in Jofefsthal und Galthof, von S. Reich& Comp. in Wien u. A. fchöne Producte ausgeftellt; doch fo fehr diefe Leiftungen auch anzuerkennen find, läfst fich doch der Wunſch nicht unterdrücken, dafs man diefen Fabrikaten eine noch vermehrte Aufmerkfamkeit zuwende, wodurch das Gefchäft damit, befonders der Export, noch einer bedeutenden Ausdehnung fähig wäre. Es handelt fich hier nicht allein um die Sorge für eine weifse und reine Glasmaffe, möglichft frei von" Blafen und Schlieren", fondern auch um gute, zweckmässige wie auch gefällige Formen, dann eine ftets gleichmässige und forgfältige Arbeit. Wir verwenden gegenwärtig zu Model für ordinäres Glas Thon oder auch noch Eifen, für Schleifglas meift Holz und auch, doch feltener- Eifen, Stahl oder Meffing. Ein Franzofe, Jean Baptift Lhote, liefs fich im Jahre 1870 ein Privilegium für 15 Jahre auf Glasmodel ertheilen, welche aus einem Rückftande in den Gasretorten, dem fogenannten" Carbon", angefertigt werden. Sie find allerdings vortrefflich, aber das Material dazu ift gar fchwer zu befchaffen. " Model aus Graphit", der jedoch hiefür einer eigenen Behandlung bedarf, dürften denen aus Carbon kaum nachftehen, und der Dauerhaftigkeit wie der Feinheit wegen, durch welch' letztere eben das Glas fchönen Glanz erhält, den Holzformen vorzuziehen fein. Im deutfchen Annexe waren einige glatte Glaswaaren zu fehen, von denen jene der Fabriken aus Elfafs- Lothringen mehr den franzöfifchen, die übrigen den böhmifchen Waaren naheftanden. Auch Frankreich und Belgien hatten einige Proben von derlei Gläfern gefendet, die zwar meift grau in der Maffe, aber fehr fchön in der Mache waren, und an welchen fich Manches lernen liefs, wie praktiſch geformte Gläfer geftaltet fein follen. Ein eigener Artikel find die feinen Uhrgläfer, welche zumeift und vortrefflich in Dreibrunnen bei Saarburg und dort nahezu für die ganze Welt erzeugt werden. d) Glaswaaren für chemifche, pharmaceutifche und derlei Zwecke, worunter ich auch folche für Parfumeure rechne. Hier find vor allem die gute Ausführung, das forgfältige Einfchleifen der Stöpfel, die zweckmäfsige und faubere Arbeit bei angefetzten Hälfen, Röhren, Pippen u. dgl. einer Beachtung zu unterziehen. Diefe unumgänglichen Vorzüge waren an zahlreichen franzöfifchen und an einigen deutfchen derlei Geräthen hervorgetreten, an denen man fah, dafs die Arbeiter mit dem richtigen Verſtändniffe an die Ausführung gefchritten waren. * 40 L. Lobmeyr. Zu Glaswaaren für chemifche Zwecke würde fich unfer Kalkglas meift noch beffer als das ausländifche Bleiglas eignen, da es widerftandsfähiger gegen manche Säuren etc. ift; leider fällt es bei uns oft fchwer, derlei Sorten in gewünſchter tadellofer und forgfältiger Ausführung zu erhalten, namentlich iſt es in Oefterreich mit dem Einbohren der Stöpfel noch immer weniger gut als anderwärts beſtellt. Das weichere Bleiglas eignet fich dagegen mehr für Parfumerie- oder derlei Fläschchen in fantaftifchen Formen oder mit eingeprefsten Schriften u. dgl. Immerhin leiftet man auch ſchon bei uns darin Befonderes, wie an den zahllofen Muftern von St. Kuhinka in Neu- Antonsthal und noch beffer an den bizarren Formen zu fehen war, welche Ignaz Hackl in Wien in einem kleinen Schranke ausgeftellt hatte. # e) Halbgefchliffenes Glas, Gafthausgefchirr etc. Zu diefen Artikeln dient dasfelbe Material wie zum glatten Schleifglafe. Da diefe Waaren für den einfachen Haushalt, für Gaftwirthfchaften und derlei Locale gebraucht werden, fo find fie Maffenartikel von eminenter Bedeutung ebenfo für den localen Bedarf wie für den auswärtigen Handel. Belgien allein erzeugt hievon jährlich für circa 8 Millionen Francs und meift nur für den Export; Frankreich beziffert feine Erzeugniffe an" demi criftal" auf jährlich 19 Millionen Francs. Dafs bei folchen Nutzgefchirren befferer, wenn auch nicht feinfter Qualität, auf praktiſche, gefällige Formen, die richtige Stärke, nämlich die zweckmäfsige Vertheilung der Glasmaffe und auf ftets egale Waare vom Käufer fehr viel Werth gelegt wird, fteht aufser Frage. Nicht minder ift es aufser Frage, dafs man im Auslande, wo man meift in Metallmodel arbeitet, die mehr koften und defshalb auch mit mehr Sorgfalt gearbeitet werden, für die entsprechenden Mufter ein befferes Verſtändnifs verräth, als durchſchnittlich bei uns; dafs man dort mehr auf Zeichnungen wie auf Anfchaffung von Modellen verwendet, endlich in emi. nenter Weife dafür forgt, dafs ein eingeführtes Mufter immer egal geliefert werde, heuer, wie es im vorigen Jahre war und wie es zuverfichtlich im nächsten Jahre fein wird. Dafs diefes für den grofsen Markt von ungemeinem Vortheile ift, läfst fich leicht begreifen, es zu erreichen ift allerdings den ausländifchen Fabrikanten meift leichter, als den unfrigen, da die Theilung der Arbeit, die bei ihrer Glasmaffe einzuführen möglich, mit unterem Glasfatze nicht zu erzielen ift. Es iſt im Auslande allgemein gang und gebe, dafs ein Arbeiter jahraus- jahrein immer nur gleichartige Gegenftände fertigt, während der öfterreichifche Glasbläfer alles, vom Kleinften bis zum Gröfsten, nach einander auszuführen hat, und felbft wenn letzterer auch im Allgemeinen tüchtiger als der ausländifche fein mag, im Einzelnen nie die andauernde Uebung erreicht, um es diefem, der darauf befonders gefchult ift, gleichzuthun. Trotzdem liefse fich bei uns noch weit mehr Gleichmässigkeit in der Arbeit erzielen, als man zumeift findet. In Gaſthaus-, namentlich Henkelgefchirr, müffen wir wieder nebft Meyr's Neffe in Adolf, J. Schreiber und Neffen in Wien als die hervorragendften bezeichnen, diefen zunächft ftehen S. Reich& Comp. in Wien und Johann Sorger in Ferdinandsthal. Nicht minder müffen wir mancher deutfchen Producte, namentlich der elfäfsifchen Fabriken erwähnen, dann der ungarifchen, welche von den für ihr Land beftimmten, meift etwas eigenthümlichen Artikeln ebenfalls fchöne Proben zur Schau ftellten.. Hohlglas, 30 mob dim den f) Lampenartikel. 41 In unferem Jahrhundert, das durch die Erfindung fo vieler billiger und überaus leiftungsfähiger Brennftoffe in der Beleuchtung fo grofse Fortfchritte machte, ſpielen auch die Lampenartikel in der Glasfabrikation eine bedeutende Rolle. Sind auch die Oel-, Ligroïne- und andere derlei Lampen nunmehr wieder ziemlich verdrängt, fo finden jetzt die Gas- und Petroleumlampen eine nahezu univerfale Anwendung und ungeheure Maffen von Petroleumbehältern, Cylindern, Kugeln, Schirmen, Rauchfchalen kommen als wichtige Gegenftände des Bedürf niffes in den Handel. Mehr als vielleicht bei manchen anderen Waaren zeigt fich bei diefen, dafs in Oefterreich und Deutſchland ebenfo für den eigenen Bedarf diefer Länder, wie für deren Export der billige Preis über die Qualität der Waare geftellt wird. Die franzöfifchen und englifchen derlei Erzeugniffe find die beften und, wenn auch koftfpieliger, doch kaum die theureren, weil fie fchöner und dazu ungleich dauerhafter find. Die öfterreichifchen Lampenartikel, und namentlich jene von J. Schreiber und Neffen, find, wenn auch von minderer als die eben genannten, doch von guter Qualität, darunter in Bezug auf Gröfse und gleiche fchöne Mache manche fehr anerkennenswerthe Leiftungen und dazu weit niederer im Preife gehalten. In neuefter Zeit liefern übrigens deutfche Fabriken in der Laufitz und Sachfen noch billigere, freilich auch entfchieden mindere Producte. Verzierte Lampenkugeln oder dergleichen werden in Frankreich mittelft Aetzung ebenfo fchön als preiswürdig gemacht, fo, dafs es mit diefen Artikeln den Weltmarkt immer mehr dominirt und die früher in Böhmen maffenhaft erzeugte Waare mit matten und polirten Schliffen völlig verdrängt. In neuefter Zeit haben J. Schreiber und Neffen und auch J. Zahn& Comp. in Wien das Aetzverfahren in gröfserem Mafsftabe eingeführt, und dadurch die irrige Meinung praktiſch widerlegt, dafs unfer Kalkglas fich für diefe Technik nicht gut eigne. g) Geprefstes Glas. Was in erfter Linie Frankreich, dann England und Belgien mit dem weichen Bleiglafe durch Preffung zu leiften vermag, kann in Oefterreich mit dem ftrengflüffigen Kalkglafe nicht erreicht werden. ich Jedoch auch in Frankreich, wo geprefstes Glas vor Jahrzehnten Mode. artikel war, hat dasfelbe an Bedeutung verloren, und wird wenigftens fehe hier von Lufterbehängen ganz abnur mehr auf kleinere Artikel wie: Salzbehälter, Kerzenfchalen, Brief befchwerer, Nippfachen oder derlei Maffen waare verwendet. In England mehr als in Frankreich und Belgien erzeugt man noch manche fehr dicke Gafthausgläfer und Wirthsgefchirr mittelft diefes Verfahrens, namentlich hat in letzterer Zeit E. Moore& Co. in South Shields eine neue Art gepressten Glafes auf den Markt gebracht, das mehr das fchwere gefchliffene Kryftallglas imitirt, jedoch im Vergleiche zum gewöhnlichen englifchen Glafe ausnahmsweife leicht und weifs, geradezu auffällig billig, aber auch wie man verfichert, fehr gebrechlich ift. h) Kryftall und Farbenglas. Da es fich in diefem Fabrikationszweige zumeift um Leiftungen handelt, welche bereits in das Gebiet der Kunftinduftrie gehören, fo erübrigen mir nur wenige Bemerkungen. 42 L. Lobmeyr. Belgien, das in der Spiegel-, Tafel- und Halbkryftallglas-, dann in der Weinbouteillen- Fabrikation fo dominirend auftritt, hat fich mit dem eigentlichen Luxusglafe ftets wenig befchäftigt; es betreibt vor allem Maffenproduction. England cultivirt das Kryftallglas, das es auch in unvergleichlicher Schöne liefert, nebenher nur wenig das transparente Farbenglas. Frankreich erzeugt nebft hübfchem Kryftallglafe die vollſtändigfte Scala des jetzt überhaupt vorkommenden Farbenglafes und ift damit Oefterreichs bedeutendfter Concurrent. Deutfchland producirt in einigen baierifchen und anderen Fabriken meift mittelfeine Waare, feinere Qualitäten namentlich von Farbenglas liefert nur die gräflich Schaffgotfch'fche Fabrik Jofefinenhütte bei Warmbrunn in Schlefien und St. Louis in Elfafs- Lothringen. In Oefterreich, und zwar fpeciell nur in Böhmen wurde von jeher auf den Fabriken von Meyr's Neffen fowohl Kryftall- als Farbenglas am vorzüglichften gefchmolzen, eine Menge matter und anderer Farben verdanken dem jetzigen Chef der Firma, Wilhelm Kralik sen., ihre Erfindung und man ift dort unausgefetzt beftrebt, den höchften Anforderungen der Zeit zu genügen. Ebenfo hat fich auf gleichen Gebiete die gräflich Harrach'fche Fabrik Neuwelt" ftets durch ausgezeichnete Leiftungen, befonders durch die Erzeugung herrlicher Rubingläfer und Artikel in anderen Ueberfangfarben, ferner von den venetianifchen nachgebildeten Faden-, Aventurin- und anderen Gläfern und auch mancher matter Glasfarben hervorgethan. Die Firma J. Schreiber und Neffen richtete dagegen ihr Hauptaugenmerk zumeift darauf, den Glasraffineuren, welche in der böhmifchen Glasinduftrie eine fo bedeutende Rolle spielen, befferes und billigeres Rohmaterial zuzuführen, und erreichte in diefem Streben nicht nur höchft Anerkennenswerthes, fondern ermöglichte damit in der Erzeugung von Maffenartikeln einen grofsen Auffchwung. Von den Fabrikanten, welche fich an der Ausstellung betheiligten, wären noch diefsfalls J. E. Schmid in Annathal, C. Bodenmüller& Comp. in Neuhurkenthal und nicht minder S. Reich& Comp. in Wien zu nennen, von denen der erftere durch das fchöne feurige Kryftallglas, Bodenmüller durch die feinen und fatten Töne feiner farbigen Waaren, und der letztere fowohl was die Kryftallals Farbengläfer betrifft, und zwar durch diefe um fo mehr, überraschte, als derfelbe mit gleich feinen eigenen Producten noch nie auf dem Markte erfchienen war. Es gibt in Oefterreich und befonders in Böhmen noch eine Menge Fabriken, welche fich nur mit der Erzeugung des Rohglafes, nämlich dem Schmelzen der Glasmaffe, und dem Blafen oder Preffen derfelben in Formen, wie fie die Raffineure verlangen, befaffen; das Schleifen, Graviren oder Vergolden aber diefen gänzlich überlaffen. Diefe und auch die übrigen Fabriken find meift des billigen Holzes wegen noch abfeits vom grofsen Verkehre in waldiges Terrain gelegt, doch fcheint fich hierin eine allmälige Wandlung vorzubereiten. Man wird nämlich von der Holzfeuerung allgemach abgehen, vom Walde immer unabhängiger werden, fich den Kohlen, den Torf- oder den Diftricten mit anderen foffilen Brennftoffen nähern, wahrfcheinlicher aber die Fabriken an Bahnen oder Wafferftrafsen legen, welche jene Materialien billig beizufchaffen vermögen und zugleich auch die anderen Vortheile des leichten und rafchen Verkehres bieten. Was fich in fchwer zugängliche Waldeinfamkeit zurückzog, wird fich wieder den eine leichte Verbindung begünftigenden Strafsen zuwenden, welche die fämmtlichen Exiftenzbedingungen beffer zu geftalten vermögen. IV. Die Glaskurzwaaren. Hauptfächlich in Nord- Böhmen, in den Bezirken Gablonz- TannwaldMorchenftern, betrieben, ift fie nicht uur durch ihre hohe Productionsziffer- man fchätzt fie auf drei Millionen Gulden- fondern auch dadurch von grofser Bedeutung, weil fie in jenen rauhen und bergigen Bezirken mindeſtens 10.000 Arbeiter befchäftigt und an 30.000 Menfchen ernährt, welchen dort, wo eben nur mehr wenig Landbau und Viehzucht möglich ift, kaum ein anderer gleich lohnender Erwerb zu befchaffen wäre." Lufterglas" als: Prismen, Tropfen und dergleichen wird zu so niederem Preife fonft nirgends in gleich fchöner Qualität erzeugt und bildet noch immer einen grofsen Ausfuhrartikel. Allerdings überragt das englifche derlei Product, befonders was die Vorzüglichkeit des Kryftallglafes betrifft, das öfterreichifche fehr bedeutend, doch find ficher die englifchen Preife um nicht Geringeres höher, fo dafs felbft noch in Grofsbritannien mit unferen Waaren continuirlich ein fehr grofses Gefchäft gemacht wird. Frankreich cultivirt fchon feit langem auch blos geprefste, nicht überfchliffene Behänge, und liefert darin neuerer Zeit gewiffe Formen bereits fo glatt und ſpiegelnd, dabei von fo fchönem Materiale, dafs diefer Artikel allerdings auch unfererfeits einige Beachtung verdient. Nippfachen wie: Briefbefchwerer, Thermometerfäulen, geometrifche Körper, kleine Flacons etc.; Mefferleger, Kerzenfchalen u. dgl.; Schmuckartikel, nämlich: Brochen, Perlen aller Art und Knöpfe, theils zum Befatze der Damenkleider, künftliche Edelſteine, Nadeln u. a. m.; endlich die mannigfachen Erzeugniffe der Glasfpinner werden in den genannten Bezirken Böhmens in überrafchend reicher Abwechslung und zu ftaunenswerth billigen Preifen erzeugt, was eben den koloffalen Abfatz diefer Producte fchaffte. Die hervorragendften dortigen Firmen hatten, zumeift durch Herrn Emil Müller in Gablonz veranlafst, in einer Collectivausftellung eine fo vollſtändige Sammlung ihrer Erzeugniffe gebracht, wie eine ähnliche im weiten Gebäude nirgends wieder zu finden war, und welche durch die zahllofen, meift hübfchen Mufter, wie durch die befonders im Verhältniffe zu den Preifen fchöne Ausführung der Waaren thatfächlich überraschte. Waren auch von Frankreich und England, felbft hin und wieder von Deutfchland, ähnliche Waaren fchönerer Qualität zu fehen, fo forderte man für folche auch vielfach höhere Preife. dafs hierdurch gerade die grofse Leiftungsfähigkeit unferer Bezirke für den Weltmarkt um fo zweifellofer erfichtlich wurde. Es ift die nachhaltigfte Förderung diefer Induftrie gewifs nur lebhaft zu empfehlen. Jules de Brunfaut in Wien brachte Glasfeide und mannigfache daraus erzeugte Artikel fo vollendeter Art, dafs er in diefem Zweige der Glasfpinnerei unübertroffen blieb. Zum Schluffe fei es mir geftattet, dasjenige kurz nachzuholen, was bei der gewählten Eintheilung nach Fabrikationszweigen nicht wohl einzufchalten war. Amerika, das fich mit eigenen Glaserzeugniffen auf der Ausftellung gar nicht einfand, hat doch durch eine ganz neue Erfindung:„ die SandgebläfeMafchine von B. C. Tilghman in New- York" auch auf unferem Gebiete nicht wenig Epoche gemacht. Mittelft eines ſtarken Gebläfes wird feiner, fcharfkantiger Sand durch eine nicht zu grofse Oeffnung auf das Glas getrieben, wodurch diefes ungemein rafch, und je nachdem der' Sand feinkörniger oder gröber ift, etwas mehr oder weniger fein matt wird. Um Zeichnungen zu erzielen, deckt man das Glas mit einer Schablone von Eifen, Guttapercha oder aus einem fonft geeigneten Stoffe, ja, wie behauptet wurde, felbft nur mit einer Wachs- oder Lackfchichte. Es war lediglich eine kleine Mafchine aufgeftellt, die recht unvollkommen arbeitete; die vorgezeigten anderwärts gemachten Proben waren jedoch überrafchend gelungen. Es fchien im erften Augenblicke, als wäre hier das Ei des Columbus wieder gefunden, fo einfach und fo wirkungsvoll zeigte fich die Sache; doch war man bei eingehenderer Prüfung weniger befriedigt. Man vermochte die Zeichnung nur ziemlich unrein, mit franfiger Contur herzuftellen, denn felbft die beften Patronen, vollends Lackfchichten, wurden eben fo gut angegriffen, wie das harte Glas und waren bald verdorben. Die eigentliche Gravirung, welche ein plaftifches Ornament liefert, kann das Sandgebläfe eben fo wenig wie das Aetzverfahren erfetzen. Aber auch dieses Verfahren ift dagegen noch ungemein vorzuziehen, da es eine viel freiere Ausführung, die Anwendung mehrerer Tieflagen, dann ein kräf tiges und feineres Matt abgeftuft bis zum hellen Glanze zuläfst. Ungeachtet fchon bald zwei Jahre vergangen find, feit jene Erfindung in Wien bekannt wurde, ift von einer Weiterentwicklung derfelben doch nichts mehr zu erfahren, ja die ganze Sache fcheint vielmehr wieder im Sande verronnen zu fein. Möglich, dafs es mit einer anderen, wohl unendlich mehr Auffehen erregenden Erfindung, die vor Kurzem in Frankreich auftauchte, dem„ Hartglafe" oder„ verre mallèable" ähnlich ergeht. Diefelbe hätte eigentlich in diefem Ausftellungsberichte keine Stelle zu finden, da fie erft Ende 1874 auftrat; doch bei der grofsen Bedeutung, welche fie jetzt zu haben fcheint, bei der Möglichkeit, dafs fie eine ungeahnte Umwäl zung auf diefem Induftriegebiete verurfacht, mag es wohl zu entfchuldigen fein wenn ich das bisher Bekanntgewordene hier kurz zufammenfaffe: Ein Private, Roger de la Baftie, der fich anfcheinend zu feinem Vergnügen auf feinem Schloffe Richmond bei Pont d'Ain, nahe der Schweizer Grenze, mit Chemie etc. befafst, nahm in allen Ländern in Oefterreich am 5. October 1874 Die Glas- Kurzwaaren. 45 ein Patent auf„ eigenthümliche Verfahrungsarten und Apparate zum Härten des flachen und façonnirten Glafes". Einige Zeit darauf, am 5. Jänner 1875 wurde in Wien von einem CivilIngenieur, Karl Pieper in Dresden, auf eine gleiche Erfindung,„ Vulcanglas" genannt, ein Patentgefuch überreicht, und auch in Wien mit Verfuchen, Glas zu härten, und zwar gleich mit Erfolg begonnen. Es ift aufser Zweifel, dafs es fich hiebei nicht um eine eigenthümliche Glasmaffe, überhaupt nicht um eine chemifche, fondern eine phyfikalifche Frage handelt, und dafs fich jede Glasmaffe härten läfst, wenn ein fonft hierzu geeignetes Stück beiläufig bis zum Weifsglühen erhitzt, dann rafch in ebenfalls ftark, aber um 300 bis 400 Grad weniger gehitztes Fett getaucht und darin langfam abgekühlt wird. Hiedurch fcheint eine folche Verfchiebung der Theilchen zu entſtehen, dafs das Glas wefentlich andere Eigenfchaften zeigt. So waren folche Stücke, die früher leicht mit dem Diamant zu fchneiden waren, nur mehr mit Kraft zu ritzen, aber unmöglich zu zerfchneiden; fie waren nur mit folcher Gewalt zu zerfchlagen, dafs man eine 30, 50-, ja 80fache Widerftandsfähigkeit gegen gewöhnliches Glas ausrechnete; fie waren gegen rafche Erhitzung und wieder rafche Abkühlung ungemein geringer empfindlich, das heifst dem Springen weniger ausgefetzt als urfprünglich; fie klangen wie Eifenblech u. f. w. Wurden derlei gehärtete Stücke wieder erhitzt und langfam nach der gewöhnlichen Methode abgekühlt, fo hatten fie auch die Eigenfchaften des gewöhnlichen Glafes zurückerhalten. - Wird folches Hartglas jedoch zum Brechen gebracht, und Tafeln, welche felbft nur mit mäfsiger Kraft auf den Boden geworfen wurden, brachen, wenn fie auf ein Sandkorn fielen fo bricht es nicht wie das gewöhnliche, es zerftäubt in unendlich viele Theile von meift nur einem Quadratmillimeter Gröfse. - Bisher ift es noch nicht gelungen, Flafchen oder andere Gegenstände von ungleicher Dicke, Henkelgläfer etc. zu härten; diefes letztere würde möglicher Weife die Anwendung an und für fich auf nur flache, die etwas fchwierige und immerhin gar nicht ungefährliche Manipulation fie auf nur kleine Gegenstände befchränken. Eine weitere Schwierigkeit läge darin, die Scheiben, wenn fie mit dem Diamant, fomit überhaupt nicht gefchnitten werden könnten, praktiſch zu verwenden, da man fie nicht immer in allen unzähligen Mafsen vorräthig halten, und auch nicht gewöhnliche Tafeln vorher einfchneiden, dann erft zum Härten fenden könnte; dazu fcheinen gröfsere Scheiben für diefs Verfahren gar nicht geeignet zu fein, mindeſtens dadurch trübe und uneben zu werden. Ein nicht geringeres Bedenken erregt jedoch die Eigenfchaft, dafs folches Glas, wenn es bricht, wie jene bekannten rafch gekühlten Glastropfen völlig zerällt, ja zerplatzt, dafs die Stückchen weit auseinander gefchleudert werden, alfo die in der Nähe Befindlichen leicht befchädigen können. Ift es nicht möglich, diefe Nachtheile zu befeitigen, fo dürfte das Hartglas bald viel kühler beurtheilt werden, als diefs noch heute allgemein der Fall ift. Diefe neue franzöfifche Erfindung mufs fich fomit wohl erft bewähren. Unbeftritten hervorragend bleiben jedoch manche andere franzöfifche Leiftungen auf unferem Gebiete, von welchen ich noch einige erwähne. Nirgends dürfte die Glaschemie wiffenfchaftlich fo eifrig betrieben werden, als in Frankreich und zwar auch von Staatswegen, und in manchen fchwierigen 46 L. Lobmeyr. Fragen fuchte man längft damit die Induſtrie zu fördern, was freilich auch die dortigen Fabrikanten wohl zu benützen verftanden. Eine höchft intereffante chemifche Errungenfchaft bilden unter Anderem die franzöfifchen künftlichen Edelſteine, namentlich jene von Charles Feil in Paris, welcher fie nach genauen Analyfen der echten Steine, alfo meift mit Thonbafen, bei fehr ftarkem Feuer fchmilzt, hie durch ungleich härtere, farbenprächtigere als die gewöhnlichen und den echten Steinen wieder bedeutend näher kommende Producte erzielt. Auch die Imitation der Perlen ift dort zu einer Kunft entwickelt, die felbft die volle Achtfamkeit des Kenners erheifcht, um nicht einer Täufchung zum Opfer zu fallen. Die feither mächtigfte Einwirkung auf die Glasfabrikation ging jedoch von Deutſchland aus, was ich mit nicht geringer Befriedigung niederfchreibe. Es ift die gründliche Umwandlung des Ofenbaues nach wiffenfchaftlichen Principien, worauf ich fogleich näher zu fprechen komme. Bis ins vorige Jahrhundert hinein kannte man nur jene einfachen Roftöfen, wie fie auch bei uns noch häufig vorkommen. Als man dann begann mit Kohlen zu heizen und genöthigt war, die Glashafen nach der Feuerfeite zu decken, entwickelte fich ein gröfserer nnd befferer Ofenbau; doch war der Fortfchritt nicht von fehr wefentlicher Bedeutung. Erft durch die auf wirklich wiffenfchaftlicher Bafis beruhende Einrichtung der ,, Gasheizung" von F. und H. Siemens in Dresden, durch ihre" Gasöfen mit Regenerativeinrichtungen“,„ Hafenöfen mit continuirlichem Betriebe", vollends ihre ,, Wannenöfen" läfst fich im Ofenbaue ein fo gewaltiger und epochemachender Fortfchritt erkennen, wie er auf diefem Gebiete noch nicht da war. Die Hauptergebniffe diefes Syftems find eine 40- bis 50percentige Erfparnifs an Brennmateriale, welches dazu auch von der fchlechteften Befchaffenheit fein kann, während man früher nur das befte brauchen konnte, Erfparung an Flufsmitteln, ununterbrochenes Arbeiten und Erzielung einer in folchem Umfange früher unmöglichen Maffenfabrikation. Solche Oefen erfordern zwar ein ungleich gröfseres Capital zur Anlage und überhaupt ein umfaffender eingerichtetes Gefchäft; fie ermöglichen aber auch eine um fo viel billigere Erzeugung der Waaren, dafs die Fabriken alten Syſtems auf die Dauer nicht mehr zu concurriren im Stande find, fie bedingen fomit auch auf diefem Gebiete den unvermeidlichen Uebergang zur Grofsinduftrie. Für den Werth diefer Neuerung fpricht am überzeugendften, dafs in weni gen Jahren bereits in allen die Glasinduftrie betreibenden Ländern diefe Glasöfen eingeführt wurden und diefe Wandlung immer weiter um fich greift. Was die öfterreichifche Glasinduftrie betrifft, fo ift fie augenblicklich durch die Ungunft aller Verhältniffe in fchwieriger Lage. Um fo mehr ift es die Aufgabe aller Berufenen, auf den ihnen zugewiefenen Gebieten Umfchau zu halten, ob wir darin die volle Bedeutung einnehmen, welche dem böhmifchen Glafe früher den Weltruf erwarb, was zu thun ift, um allenfalls diefe Stellung dauernd zu behaupten oder nöthigenfalls fie wieder zu erringen. Mit Abficht habe ich im Verlaufe meines Berichtes auf den Kampf der belgifchen mit den franzöfifchen Tafelglas- Fabrikanten hingewiefen, um darauf aufmerksam zu machen, was durch thatkräftiges Handeln gewonnen, was durch kleine Verfäumniffe verloren werden kann, und möchte ich nur allen unferen Induftriellen das thatkräftigfte Handeln angelegentlichft und nachdrücklichft empfehlen. Die Glaskurzwaaren. 47 Ueber Gefchichte und Statiftik habe ich nahezu ganz gefchwiegen, auch in dem übrigen Berichte mich möglichft knapp gehalten, um meine diefsmalige Arbeit nicht unerwünſcht umfangreich zu machen. Sie foll ja nur ein Auszug aus meinem jüngft erfchienenen, Anfangs erwähnten Buche fein, in welchem Jene, welche fich lebhafter für diefe Induftrie interef firen, namentlich in hiftorifcher und ftatiftifcher Beziehung, fo Ausführliches zu finden vermögen, wie es ihnen fonft nirgends geboten werden dürfte.