OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3. SPRITZEN UND PUMPEN. ( Gruppe XIII, Section 2.) BERICHT VON PETER Z WIAUER, Ingenieur. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K, K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1874. S SPRITZEN UND PUMPEN. ( Gruppe XIII, Section 2.) Bericht von PETER ZWIAUER, Ingenieur. Die Bewerkstelligung der Ortsveränderung von Waffer und Luft bildet einen wichtigen Gegenftand für die Thätigkeit des Ingenieurs. Wir finden deffen Sorge, Waffer und Luft herbeizufchaffen oder fortzuführen, auf zahlreiche induftrielle oder Zwecke des öffentlichen Gemeinwefens hingerichtet. Die Bewäfferung der Grundcomplexe zu Zwecken der Landwirthfchaft, die Antagfchaffung der Grundwäffer beim Bergwerksbetriebe, die Bewegung von Flüffigkeiten in den verfchiedenen Zweigen der chemifchen Induftrie, die Wafferverforgung der Städte, die Bekämpfung der verheerenden Flammen der Schadenfeuer, bieten dem Conftructeur ein nicht minder ergiebiges Feld des Schaffens, als die bedeutenden Probleme der Luft- Zu- und Abführung, deren Löfung für die Zwecke des Hochofenbetriebes, des Bergbaues( fchlagende Wetter) und der Ventilation der den Menfchen zum Aufenthalte dienenden Räume erheifcht wird. Mit Rückficht auf diefe ausgedehnte Anwendung der Pumpen, Spritzen, Gebläfe etc. konnte es denn auch nicht überrafchen, dafs diefe Objecte in den Ausftellungsräumen durch eine reichhaltige Sammlung vertreten waren. Wollen wir, damit die ganze Sache an Durchfichtigkeit gewinne, ein gewiffes Syftem beobachten, fo theilen wir die Pumpen in Kolbenpumpen, Kettenpumpen, in rotirende, und in Strahlpumpen ein. Ein zweiter Theil foll dann die Luftpumpen, gemeinhin Gebläfe und Exhauftoren behandeln. Die Kolbenpumpen erfcheinen uns in zwei verfchiedenen Anordnungen, als direct und als indirectwirkende, oder beffer gefagt, mit und ohne rotirende Bewegung. 2 Peter Zwiauer. Die in den gröfsten Dimenfionen ausgeführten directwirkenden Pumpen, welche zuerft in Cornwall zur Wafferhebung in den zahlreichen Bergwerken zur Verwendung kamen, und mit dem allgemeinen Namen Cornwallmafchinen bezeichnet werden, fehlten gänzlich, obwohl deren Ausftellung von einzelnen Etabliffements geplant wurde. Die Steuerung der Cornwallmafchinen beftand aus einem ziemlich complicirten Syftem von Ventilen, welche durch Anfchläge an zwei mit der Kolbenftange durch einen Balancier verbundenen Stangen( Steuerbäume) bewegt wurden, und die genaue Regulirung auf eine gewiffe Anzahl von Hüben per Minute war durch die fogenannte Katarakte bewirkt. Die Mafchinen, deren Dampfcylinder über Tag ftanden, hatten das lange und fchwere Geftänge der Pumpe zu heben, und arbeiteten daher nur im Aufgange. Beim Niedergang mufste der fchon gebrauchte Dampf comprimirt werden, und bildete fo eine Bremfe, um das Niederfinken der grofsen Geftängelaft langfamer zu machen. Sie verrichteten diefe Arbeit möglich ft ökonomifch, nämlich mit fehr grofser Expanfion, und es wurde faft ausnahmslos auch Condenfation angewendet. Ganz abweichend von diefem Mafchinentypus, find die erft feit wenigen Jahren bekannten, directwirkenden Pumpen horizontaler Aufftellung. Was fich bei den Cornwallmafchinen naturgemäfs gebot( die Anwendung von möglichft exact arbeitenden Steuerungstheilen, Ventilen, welche nicht langfam, fondern plötzlich und fcharf die Vertheilung bewirken etc.), konnte und durfte hier nicht gebraucht werden, und es blieb der Steuerungsapparat dasjenige, was bei diefen Conftructionen die Hauptfchwierigkeiten bot. Diefe wurden auf drei verfchiedene Arten gelöft, von Gebrüder Decker, von Cameron und von Maxwell& Cope, und die Pumpen werden vorzüglich von Gebrüder Decker, von Whitley Partner( und Anderen) und von Hayward Tyler& Comp. ausgeführt. Gebrüder Decker haben ihre Pumpen mit einer Steuerung verfehen, welche aus einem gewöhnlichen runden Schieber befteht, der durch eine Schieberftange von aufsen in Bewegung gefetzt und dann durch den Dampf felbft weiter bewegt wird. Die Schieberftange trägt Anfchläge mit Kautfchukpuffern, an welche ein an der Kolbenstange befeftigter Arm ftöfst und fo den Impuls zur Bewegung gibt. Durch diefe plötzliche Umkehrung der Bewegung entſteht immer ein Stofs, der nicht einmal durch die tiefen Fundamente der Pumpen aufgehoben wird. Die Pumpe von Maxwell& Cope, durch Hayward Tyler& Comp. auf der Ausstellung vertreten, ift von wefentlich anderer Conftruction. Die Dampfvertheilung findet durch einen im Kolben fich bewegenden Schieber ftatt und wird zur Bewegung des Schiebers der im Dampfcylinder enthaltene Dampf verwendet. Die Cameron'fche Pumpe von Whitley Partners, von Tangye Brothers, von A. Carr, von M. Nicol, von der Berliner Union, vom Neptun( Actiengeſellſchaft in Berlin) ausgeführt, enthält gleich der Decker'fchen Pumpe einen cylindrifchen Steuerkolben, welcher aber nicht von aufsen, fondern durch directen Dampf aus dem Schieberkaften bewegt wird. Diefe Bewegung wird durch zwei kleine Schieber vermittelt, welche von dem Kolben aus abwechſelnd vorne und hinten zwei kleine Dampfcanäle öffnen und hiedurch den Dampf hinter dem Steuerkolben ausftrömen laffen; auf der anderen Seite des Kolbens entſteht ein Ueberdruck, der Kolben bewegt fich und nimmt den Vertheilungsfchieber mit. Alle diefe directwirkenden Pumpen haben vom ökonomifchen Standpunkte aus den Nachtheil, dafs eine Expanfion des Dampfes unmöglich ift, weil dem Pumpenkolben ein im gröfsten Theile feines Weges gleicher Widerftand entgegengefetzt wird, und alfo der Druck auf den Dampfkolben auch gleich grofs fein mufs.- Wie die später folgenden Diagramme zeigen, haben die Pumpen der Gebrüder Decker auch nicht die Spur von - Spritzen und Pumpen. - - 3 Expanfion, fondern faft vollen Druck. Es ift diefs alfo für nur halbwegs. rationellen Betrieb der Anlage ein entfchiedener Nachtheil. Vortheil dagegen ift bei allen diefen Apparaten grofse Einfachheit in der Aufftellung. Die fämmtlichen hier angeführten Pumpen nehmen fehr geringen Raum ein, etwas mehr als den doppelten Hub in der Länge. Die Pumpe von Hayward Tyler hat keinen todten Punkt fie kann in jeder Stellung angelaffen werden und wird, fobald fie Dampf hat, gehen.- Die Cameron'fche Pumpe hat einen Handhebel, mittelft deffen man vor dem Anlaffen des Cylinders den Schieber fo ftellen kann, dafs auf die richtige Seite Dampf kommt. Die Pumpen, welche mit den Dampfcylindern diefer verfchiedenen Conftructionen in directer Verbindung ftehen, find fämmtlich Kolbenpumpen mit Lederdichtung( Stulpenliderung). Nur für heifse oder fōnft das Leder angreifende Flüffigkeiten werden Metallringe verwendet. Die Ventile find bei den Decker'fchen Pumpen Lederklappen mit ftarker fchmiedeiferner Armirung, bei den Hayward- Tyler'fchen Kautfchukkugeln mit feftem Metallkern, bei den Cameron'fche Lederklappen mit Armirung. Sobald aber andere Flüffigkeiten als kaltes Waffer zu heben find, müffen die Stoffe, aus denen jetzt die Ventile hergeftellt find, aufgegeben werden, um metallenen Sitzventilen Platz zu machen. Bei gröfseren Pumpen gebraucht Hayward- Tyler den Kunftgriff, mehrere kleinere Ventile ftatt des einen anzuwenden, fo dafs fchliefslich eine Pumpe von 305 Millimeter= 12 Zoll englifch Cylinderdurchmeffer 4. 16= 64 Ventile enthält. Eine andere Anordnung von einer directwirkenden Pumpe ift an der DampfFeuerfpritze von Merryweather& Sons angebracht. Die Dampfvertheilung wird bei diefer Mafchine durch zwei Schieber bewerkstelligt, deren Stangen an Hebeln angreifen, welche auf einer Achfe fitzen, parallel zur Achfe des Cylinders und auch in derfelben Horizontalebene. Ein Stück diefer Achfe ift fchwach fchraubenförmig verwunden und wird von einer Hülfe, welche an der Kolbenftange feftgemacht ift, umfafst. Bewegt fich der Kolben, fo ift diefe fchraubenflächige Achfe gezwungen, um die horizontale Erzeugende, in welche die befprochene Hülfe fie zwingt, beibehalten zu können, eine Drehung von einem beftimmten Winkel zu machen. Hierdurch wird ein verftellbarer Anfchlag in Berührung mit dem Hebel der Schieberftange gebracht, der Schieber verfchoben, und fo die richtige Dampfvertheilung bewirkt. Die Schieber beider Mafchinen find mit einander verbunden, fo dafs der eine von der Bewegung des andern abhängig ift. Eine Variation der Decker'fchen Anordnung war von einer franzöfifchen und einer amerikaniſchen Firma ausgeftellt. Statt des feften Armes war nämlich ein Daumen auf der Kolbenstange befeftigt, der an den Schieberhebel angreift, aber durch eine gewiffe Form des Daumens eine langfamere Umfteuerung, alfo einen ruhigeren Kolbenwechfel bewirkte. Die Pumpen mit rotirender Bewegung boten, wie die früher befprochenen mancherlei Unterfchiede dar. Namentlich war es das Beftreben, den grofsen Raum welchen diefe Construction durch das Schwungrad, durch Triebftangen etc. erfordert, auf ein Minimum herabzudrücken. Eine der gröfsten diefer Art war die Pumpe der Erften Brünner Maſchinenfabriks- Actiengefellſchaft. Sie bediente das Hochdruck- Refervoir und war alfo faft immer in Thätigkeit. Die Mafchine hatte Corlifs- Steuerung in der von Lutz angewendeten Form und die hintere Kolbenftange des Dampfcylinders trug den Pumpenkolben. Eine andere, am entgegengefetzten Ende der Mafchinenhalle aufgeftellte Pumpe war die von Prunier frères in Lyon gebaute, welche das NiederdruckRefervoir bediente. Sie hat in einem Cylinder zwei Kolben, welche fich ftets entgegengefetzt bewegen und dadurch bald ein Vacuum, bald einen gewiffen Ueberdruck zwifchen fich erzeugen. Die ihnen eigenthümliche Kolbenconftruction bedingt den Umftand, dafs fie nur auf fehr geringe Höhen drücken können. Die 4 Peter Zwiauer. Aufftellung der Pumpe ift vertical und fie erfordert keinen gemauerten Brunnenfchacht, fondern ein weites gufseifernes Rohr, in Verbindung mit dem ganzen Geftell, erfetzt denfelben. Ausserdem waren Pumpen in fehr grofser Anzahl vertreten, deren Conftructionen nichts Neues boten- Waffer Stationspumpen etc. Eine Pumpe, welche längft zu den Verfchollenen zählte, tauchte hier wieder auf; es ift die Kettenpumpe, noch angewendet für fehr unreine Flüffigkeiten; fie wurde namentlich von England und Amerika gebracht. Die Centrifugalpumpen nehmen wegen ihrer unbeftreitbaren Vorzüge eine unglaublich rafche Verbreitung. Sie find namentlich fo beliebt, weil fie bei ganz geringem Raume fehr grofse Wafferquantitäten fchaffen und weil aufserdem eine bedeutende Forcirung ihrer Leiftungsfähigkeit möglich ift. Dagegen geben faft fämmtliche nicht mehr als 60 bis 70 Percent Nutzeffect. Eine deutfche Firma baut nun, wohl zum erften Male, Centrifugalpumpen mit einem äufseren Leitfchaufelapparat, um hiedurch den Nutzeffect der Pumpe bedeutend zu erhöhen. Zum Anfüllen des Saugrohres, refpective zum Anfaugen, benützt diefelbe Firma Ejectionsapparate, und zwar Waffer- und Dampfejecturen beide ihr eigenthümliche Conftructionen. Sie wirkten, wie man an den ausgeftellten Pumpen fehen konnte, ganz vorzüglich. Mit diefen Apparaten erfpart man das läftige Bodenventil und ist aller diefsbezüglichen Unannehmlichkeiten enthoben. Die anderen Centrifugalpumpen hatten keine Leitfchaufeln, fondern nur centrale Anfaugung und tangentialen Austritt. Eine neue rotirende Pumpe haben Brotherhood& Hadingham in London gebracht, diefelbe Firma, welche die einfach wirkender Drei- Cylinder Mafchine„ Paragon" ausftellte. Auch eine Verbindung diefer beiden Objecte war zu fehen. Die ausgeftellte Pumpe, Helical"-Pumpe kann ftehend oder liegend angebracht werden. Sie befteht aus einem Rade, welches acht radial geftellte Arme von gleicher Höhe enthält. Um den Cylinder herum ift nun ein Canal von gleicher Breite fchraubenförmig gewunden. An einer Stelle des Umfangs geht nach einer Seite das Saugrohr, nach der anderen Seite das Druckrohr. Die Peripheriegefchwindigkeit diefer Pumpe ift wefentlich kleiner als die der übrigen. Um einen ruhigen Gang der Pumpen hervorzubringen, zeigte die Chemnitzer Mafchinenfabriks- Actiengefellſchaft, dafs man Centrifugalpumpen durch Frictionsräder antreiben kann. Das Hauptaugenmerk des Conftructeurs richtet fich bei den Centrifugal pumpen immer auf die leichte Demontirung der ganzen Pumpe und auf eine gute Zapfenconftruction. Durch die gefteigerten Ansprüche, die man an Centrifugalpumpen und an Ventilatoren ftellt, gelangte die Umfangsgefchwindigkeit diefer Mafchinen auf fehr grofse Ziffern und bei nicht genau äquilibrir. ten Flügelrädern entſtehen Schläge, welche für den Zapfen fehr fchädlich werden. Ein ganz neues Product find die Pumpen mit zwei ineinander greifenden Rädern, gleichfam rotirende Kolben. Eine folche Mafchine mit ungleichen Umdrehungszahlen der beiden Kolben war von der belgifchen Mafchinenfabrik ( L. Moreau Directeur Bruxelles) ausgeftellt. Die übrigen befanden fich aber durchgängig in der amerikanifchen Abtheilung, wo fogar auch eine Dampf- Feuerfpritze Mockba", Patent Holly, ausgeftellt war. " Diefe hatte alle ihre Bewegungsmechanismen rotirend, felbft die Dampfmaschine, nur eine kleine Speifepumpe für den ftehenden Keffel, war nicht rotirend, fondern hatte wie alle anderen Dampffpritzen einen Plungerkolben. Eine andere Art von Pumpen, fchon theilweife auf der Parifer Ausftellung bekannt, welche aber heute einen unendlich gröfseren Wirkungskreis haben, die Injectoren und Ejectoren haben grofse Verbreitung erfahren und waren bei der Ausftellung fehr zahlreich vertreten. Spritzen und Pumpen. 5 Namentlich find es die Conftructionen mit feften Düfen, welche heute fehr ftark angewendet werden, weil die innere Dichtung fchwer zu überwachen ift. Der in Oefterreich und auch fonft verbreitetfte ift der Friedmann'fche Injector, aus zwei Dampfdüfen und einer Wafferdüfe beftehend; fein Vorzug liegt in der grofsen Einfachheit, in der Leichtigkeit der Behandlung und in der Sicherheit der Function. Er hat nur zwei verftellbare Hähne oder Ventile, das Ueberlaufventil und den Wafferhahn, und zwei kleine Condenfations- Wafferhähnchen. Nächft ihm ift der Schau'fche Injector, welcher gleich dem Friedmannfchen ein feftes, unveränderliches Düfenfyftem hat. Die beiden Conftructionen unterfcheiden fich durch die Art der zweiten Wafferaufnahme, welche bei der Friedmann'fchen durch eine Wafferdüfe( Zwifchenrohr) ftattfindet, und bei der Schau'fchen durch den Ueberfprungraum ftattfinden foll. Beide Injectoren gehören zu den nicht faugenden, wie auch die Locomotiv- Injectoren Conftruction Borfig und Conftruction Haswell und es mufs ihnen das Speifewaffer aus einem höher gelegenen Refervoir zugeführt werden. Der Injector, welcher an der Borfig'fchen Locomotive angebracht war, gleichfalls Conftruction Borfig, zählt, wie die beiden erwähnten, unter die nicht faugenden Injectoren. Auch Haswell hat einen eigenen Injector an feinen Locomotiven, der aber auch nicht faugt. Unter die faugenden Injectoren gehört nur der Giffard'fche in feiner verbefferten Auflage als Patent Robinfon& Gresham und der Injector Syftem Blancke, welcher jedoch auch noch eine andere Eigenthümlichkeit hat, nämlich die, dafs er am Ueberlauf- ein zweites Saugrohr angefetzt hat, und dadurch eine zweite Wafferaufnahme dem Dampf ermöglichen foll. Alle diefe Injectoren geftatten nur Waffer bis zu 30 Grad Celfius zu faugen, und können durch ein vom Führerftand aus verfchliefs bares Ueberlaufventil zum Vorwärmen des Tenderwaffers verwendet werden. Die Decker'fche Pumpe. Die Decker'fche Pumpe beſteht aus einem Dampfcylinder und einem Pumpencylinder, zwifchen welchen ein Verbindungsftück liegt, welches die Deckel der beiden Cylinder, und gleichzeitig die Schlittenfläche für das Führungsftück der Kolbenstange bildet. An letzterer ift der Steuerarm befeftigt, welcher die Schieberftange mit einem Auge umfafst, das aber nicht genau darnach gebohrt ift. Die Schieberftange führt fich einerfeits in den Stopfbüchfen des Schieberkaftens, andererfeits in einem Auge, welches an das Cylinder- Verbindungsstück angegoffen ift. An diefelbe find in den richtigen Abftänden Stellringe angebracht und vor denfelben liegen je ein oder zwei Kautfchukpuffer. Stöfst der Steuerarm an den Puffer, fo mufs, nachdem diefer gehörig comprimirt ift, die Schieberftange dem Drucke des Armes weichen, der Schieber wird in feine mittlere Lage gebracht, wo alle Canäle gefchloffen find. Jetzt tritt ein Theil des im Cylinder bereits benutzten Dampfes hinter die Steuerkolbenfläche und im nächften Moment mufs der Steuerkolben in feine äufserfte Lage gehen, und öffnet hiedurch die entſprechenden Dampf- Ein- und Austrittscanäle, fo dafs der Kolbenwechfel ftattfinden kann. Die Schieberftangen find vorne und hinten in den Steuerkolben eingefchraubt, und dient die hintere einem Hebel zum Angriff, mittelft deffen man den Steuerkolben von aufsen vor dem Anlaffen der Pumpe nach Belieben ftellen kann. Die Anordnung hat einen Uebelftand, der nicht unwefentlich ift, und diefer befteht darin, dafs die Hubbegrenzung der Kolben keine fo genaue ift, weil, wenn die Pumpe im fchnellen Gang ift, die beweglichen Theile eine lebendige Kraft haben, mittelft deren fie, ehe noch die Umfteuerung ftattfindet, noch nach dem Anftoffe des Steuerarmes an die Puffer einen gewiffen Weg zurücklegen. Geht die Pumpe hingegen langfam, fo wird, fobald der Steuerarm den Schieber 6 Peter Zwiauer. Spritzen und Pumpen. 7 in Bewegung gefetzt hat, der Kolben nur mehr einen fehr kleinen Weg zurück. legen, und da die Umfteuerung in derfelben Zeit erfolgt, ift der Kolbenweg bedeutend kürzer als beim fchnellen Gang der Pumpe. Hiedurch wird der fchädliche Raum im Dampfcylinder fehr grofs, da diefe Ungleichheit bei den beiden Pumpen, welche zum Betriebe der Fontainen dienten, bis drei Zoll betrug. A Die Dispofition war folgende: Rechts und links von einem ftehenden Windkeffel waren die beiden Pumpen aufgeftellt, fo dafs der Windkeffel genau in dem Mittel des Verbindungsftückes ftand. Derfelbe war durch einen Blechboden in zwei Theile getheilt, von denen der obere als Druck- Windkeffel, der untere als Saug- Windkeffel diente. An demfelben waren alle nöthigen Armaturen angebracht. Der Pumpencylinder ift fo eingerichtet, dafs man den cylindrifchen Theil desfelben leicht herausnehmen kann, wenn er nachgedreht werden foll. Der Kolben hat Lederftulpenliderung und die Ventile beftehen defsgleichen aus ftark mit Schmiedeeifen armirten Lederklappen. Der Abdampf aus den Dampfcylindern wird bei den vorliegenden Pumpen nicht ins Freie, fondern in ein mit mehreren Düfen verfehenes Gehäufe( Strahlcondenfator) geleitet, welches zwifchen dem Saugrohr und dem Saug- Windkeffel 80 S Peter Zwiauer. angebracht ift. Der Dampf wird alfo in den Saug- Wafferftrahl geleitet und dadurch entſteht hinter dem Kolben ein leichtes Vacuum. Diefe Conftruction hat einen grofsen Werth für den Pumpenbetrieb unter Tag im Bergbau, weil man fo eine lange Abdampfleitung bis über Tag erfpart. Ausserdem ift noch ein Ventil angebracht, welches geftattet, den Strahlcondenfator auszufchalten und den Dampf direct ins Freie zu leiten. An dem Druck- Windkeffel ift ein Luftzuführungs Apparat vorhanden, welcher die mit dem Waffer entwichene Luft wieder erfetzen mufs. Der Apparat beſteht aus einem kleinen Keffel, welcher durch einen Hahn mit dem Wafferraum, durch einen zweiten Hahn mit dem Luftraum des Windkeffels in Verbindung fteht. Die andere Stellung beider Hähne bringt den Keffel mit der freien Luft in Verbindung. Die Wirkungsweife ift nun leicht einzufehen. Ift der Apparat mit Luft gefüllt, und communiciren beide Gefäfse, fo wird das eindringende Waffer die Luft in den Windkeffel drücken. Bringt man beide Hähne in die zweite Stellung, fo wird das Waffer aus dem Keffel ablaufen, und fich derfelbe wieder mit Luft füllen. Die Decker'fche Pumpe bietet den Vortheil, dafs fie fehr geringen Raum einnimmt, jedoch ift bei der Aufftellung im Pumpenfchachte zu beachten, dafs ein Nachfehen des Schiebers ermöglicht ift. Für ftabile Aufftellung und lange Zeit dauernde Benützung ift die Pumpe hinter eine folche mit Schwungrad und Triebftange zu ftellen, und zwar aus dem Grunde, weil fie einen fehr grofsen Dampf Spritzen und Pumpen. 9 verbrauch bedingt. Die nebenftehenden Diagramme zeigen, dafs die Pumpe faft ganz volle Füllung im Dampfcylinder hat, und wenn man mehrere Diagramme vergleicht, fo fieht man, dafs der Kolbenhub wirklich fehr verfchieden ift, wenn auch die Diagramme einer und derfelben Verfuchsreihe entftammen. Die directe Umkehrung der Kolbenbewegung und das damit verbundene Zurückfallen der Ventile verurfacht einen fehr heftigen Stofs, der am deutlichften fichtbar war an den am Windkeffel befeftigten Armaturftücken. Obgleich die Mafchine fehr tiefe Fundamente hatte, waren die Wirkungen der Stöffe noch immer fehr ftark. Die durch directe Einleitung des Dampfes in das Saugrohr herbeigeführte Condenfation ift fehr gering und beträgt nicht mehr als o'14 Atmoſphären gleich 175 Wiener Pfund pro I Quadratzoll. Von dem hiezu angewendeten Condenſationsapparat konnte der Berichterftatter keine Zeichnung erlangen, derfelbe entzieht fich folchergeftalt feiner Befchreibung. Die bei der Weltausftellung thätigen Pumpen waren zur Bedienung der Fontainen eingerichtet. Wegen der vorübergehenden Beftimmung waren die Pumpen fchon ftärker conftruirt, um eine etwaige ſpätere Verwendung im Bergbau als Wafferhaltungsmafchinen zu ermöglichen. Die Pumpencylinder hatten eine Wandftärke, welche eine Wafferfäule von 15 Atmoſphären oder circa 450 Fufs Höhe zu haben geftattete, nur müfsten dann gröfsere Dampfcylinder disponirt werden. Der cylindrifche Theil des Pumpenkörpers, in welchem fich der Pumpenkolben bewegt, ift durch Schrauben mit den beiden Endftücken verbunden, welche die Ventile enthalten, um dadurch das allfällige Nachdrehen oder Erfetzen bei zu grofser Abnützung zu erleichtern. Der Verwendung der Pumpen in Schachten fteht die Schwierigkeit der Demontirung des Cylinders entgegen, welche, wenn der Schacht einen runden Querfchnitt hat, faft zur Unmöglichkeit werden kann. Die Cameron'fche Pumpe. Die Pumpe befteht wie die Decker'fche aus einem Dampf- und einem Pumpencylinder, die durch ein Verbindungsftück, welches zugleich die beiden Deckel der Cylinder bildet, feft mit einander verbunden find. Die gebräuchliche Aufftellung ift die horizontale, doch kommen auch verticale Anwendungen vor. Die kleineren Gattungen haben eine eigene, von der Berliner Union, vormals M. Webers, beliebte Aufftellung; es find hier beide Cylinder gar nicht unterſtützt, fondern hängen frei an den Deckeln des erwähnten Verbindungsftückes, während diefes, um den vorkommenden Kräften möglichft Widerstand leiften zu können, ein halber Cylinder ift, deffen verticale Elemente fich gegen das Fundament verbreitern, um alfo eine gröfsere Anhaftungsfläche herzuftellen. Von dem cylinderifchen Verbindungsstück ift oben ein Theil ausgefchnitten, um die beiden Stopfbüchfen etc. zugänglich zu machen. 10 - Peter Zwiauer. Die gröfseren Gattungen find fundirt wie die meiften übrigen Pumpen, nämlich jeder der beiden Cylinder ift für fich auf einen Stein geftellt und feft. gefchraubt. Die fixe Verbindung beider ift durch das oben befprochene Deckel ftück hergeftellt, welches auch die genaue Stellung der beiden Cylinder in einer Achfe ermöglicht.- Uebrigens ift diefs nicht die einzige Anordnung; für Bergwerks- oder Wafferhaltungs- Zwecke wurde diefe Pumpe in grofsartigen Dimenfionen hergeftellt und damit die Undichtheit des Pumpenkolbens fich nicht dem Auge entziehe, gab man den Vortheil des geringen Raumbedarfes auf, und ftellte zwei Waffercylinder mit Plungerkolben fymmetrifch vom Dampfcylinder vorne und hinten auf. Für folche Anordnung gibt man, wie felbftredend, geringere Tourenzahlen, aber grofse Hübe. - Eine ausgeführte Pumpe hatte einen Dampfcylinder Durchmeffer von 32 Zoll englifch= 800 Millimeter, einen Pumpen cylinder- Durchmeffer von 102 Zoll englifch 263 Millimeter und einen Hub von 6 Schuh englifch= r825 Millimeter. Die Pumpe war beftimmt, 22.500 Gallons pro Stunde= 102,150 Liter zu fchaffen. Diefs entſpricht einer Anzahl von 9 bis II Hüben pro Minute und alf einer Kolbengefchwindigkeit von 550 bis 660 Millimeter, das ift 21 bis 25 Zoll pro Secunde. Diefe Pumpe, welche alfo ganz bedeutende Dimenfionen erhielt, fteht auf einem gufseifernen hohlen Rahmen, auf welchen beide Cylinder für fich angefchraubt find. Unter einander find diefelben durch ftarke fchmiedeeiferne Zugftangen verbunden, welche die in der Achfe der Cylinder auftretenden Kräfte aufheben. Dasfelbe Princip wurde auch für Prefspumpen bei hydraulifchen Preffen angewendet und werden dann zwei kleine hydraulifche Plungercylinder vor und hinter dem mächtig grofsen Dampfcylinder angeordnet. Die Cameron'fche Pumpe wird felbftverſtändlich noch in vielen anderen Modificationen auf ihrem Untergeftelle befeftigt. Als locomobile Mafchine ward fie mit einem Field'fchen Keffel zugleich auf eine eiferne Geftellplatte gefchraubt. Dann hat der Dampfcylinder zwei Füfse, der Pumpencylinder ift mit einer Nafe noch an der Kante der Geftellplatte feftgefetzt. Der Pumpen cylinder hat an feinen beiden Enden die Ventilköpfe angegoffen; die Ventile find aus Leder, mit Schmiedeeifen armirt für Förderung von kaltem Waffer. Für warme Flüffigkeiten oder folche, welche die Lederklappen zerftören, werden Metallventile verwendet. Der Windkeffel ift in der Mitte des Pumpencylinders über denfelben geftellt, eine Anordnung, welche nicht mehr ganz ihren Zweck erfüllt. Soll der Windkeffel ordentlich wirken, fo mufs das elaftifche Luftpolfter( als folches ift derfelbe aufzufaffen) gerade über dem Druckventile liegen Sind alfo bei einer doppeltwirkenden Pumpe zwei Druckventile, fo follen auch zwei Druckwindkeffel, aber gerade vertical über den Ventilen angebracht werden. Dann werden fie ihren Zweck, nämlich den eines elaftifchen Puffers, einer Befchwerung des Druckventiles erfüllen. Steht der Windkeffel von beiden vorliegenden Pumpen in der Mitte zwifchen den beiden Ventilköpfen fo hat keines derfelben den erwähnten Vortheil. Obgleich das Waffer den Druck überallhin gleich fortpflanzt, fo ift doch die Wirkung nicht diefelbe. Bei grösseren Pumpen würde es fich nach der Meinung des Berichterftatters empfehlen, über den Druckventilen kleine Windkeffel anzubringen, da der eigentliche Windkeffel als Druckregulator dient und nicht fenkrecht über den Ventilen angebracht werden kann. Das fchon befprochene Verbindungsftück hat in der Ausführung von Whitley Partners die Form eines halben cylindrifchen Rohres, welches durch einen horizontalen Schnitt durch die Achfe erzeugt wurde, damit die beiden Stopfbüchfen, übrigens mit achteckiger Mutter nachzufpannen, leichter zugänglich find. Zwifchen den Cylindern ift nur fo viel Raum, als nothwendig ift, um eine der beiden Stopfbüchfen ganz zu öffnen und eine neue Packung einzulegen Die Spritzen und Pumpen. 11 Dampfcylinderflanfchen find nicht kreisrund, weil fonft die Dampfcanäle nicht ordentlich anlaufen könnten, fondern die Flanfche hat an der oberen Seite einen Anfatz, welcher äquidiftant zu dem Schiebercanale ift. Oben trägt der Cylinder einen aufgefchraubten Schieberkaften, der aus dem kreisrunden Gehäufe für die Steuerkolben befteht, welches fich unten an die Dampfcanäle anfchliefst. In der Mitte diefes cylindrifchen Schieberkaftens ift oben eine Welle eingelagert, welche innen einen Hebel trägt. An der Fortfetzung der Welle aufser dem Schieberkaften ift ein gleicher, nur etwas längerer Hebel befeftigt, um durch Drehen den Hebel mit der Hand bewegen zu können. An den beiden Deckeln des Cylinders find kleinere Cylinder angefetzt, welche durch einen zweiten Canal mit dem Schieberkaften verbunden find. In den kleinen Cylindern fitzen die Steuerventile, deren Enden in den Raum, welchen der Dampfkolben bei jedem Hube befchreibt, hineinragen. Die beiden Ventile werden durch frifchen Dampf, welcher durch den fchrägen Canal ftets vom Schieberkaften kömmt, auf ihre Sitze angedrückt und verfchliefsen hierdurch kleinere verticale Canäle, welche, wenn die Ventile abgehoben find, den Dampfcylinder mit dem Raume hinter den Steuerkolben verbinden. Diefe fchliefsen nicht ganz dampfdicht an ihre Gehäufe und find durch einen Rahmen miteinander verbunden, zwifchen welchem der Schieber mit zwei Nafen gefasst wird. Das Spiel der Mafchine ift nun folgendes: Geht der Kolben in der beiftehenden Zeichnung von links nach rechts, fo wird er am Ende feines Hubes an das rechte Ventil anftoffen, dasfelbe von feinem Sitze abheben und dadurch den Canal frei machen, welcher von der rechten Seite des rechten Steuerkolbens zum Cylinder führt. Da die Steuerkolben nicht ganz dampfdicht paffen, fo hatte fich zwifchen den Kolben und den Deckeln Dampf gefammelt. Ift aber jetzt der Raum zwifchen dem rechten Steuerkolben und dem Deckel mit dem Dampfcylinder( auf der Seite, wo Dampfausftrömung ift) in Verbindung, fo wird der hinter dem Steuerkolben befindliche Dampf durch den Cylinder entweichen und der Steuerkolben wird durch den zwifchen dem linken Kolben und Deckel befind lichen gefpannten Dampf verfchoben. Der Schieber mufs die Bewegung der Kolben mitmachen und befindet fich dann in feiner äufserften rechten Stellung. Die Dampfvertheilung ift nun derart eingeleitet, dafs rechts vom Kolben Dampfeinftrömung ift, während links vom Kolben die Ausftrömung möglich wird. Eine bedeutende Expanfion des Dampfes ift fonach auch bei diefen Pumpen nicht möglich und daher für längere rationelle Arbeit diefelbe nicht zu empfehlen. Wohl gewährt fie dafür den Vortheil, dafs fie ziemlich leicht zum Gehen zu bringen ift, alfo auch für verzweifelte Fälle noch Sicherheit bietet. Sollte der Steuerkolben oder der Schieber fich feftgefreffen haben, fo genügt es den Kolbenwechfel einige Male durch Steuerung von Hand zu bewirken, um die Mafchine wieder in Gang zu haben. Durch die Dapmfeinftrömung vom Steuerkolben hinter 12 Peter Zwiauer. dem Dampfkolben fcheint das Harte des Kolbenwechiels vermieden zu fein. Was die Functionirung der Steuerung anbelangt, fo fagt ein Auffatz der englifchen Zeitfchrift Engineering, dafs, als die Pumpe mit 100 Pfund Druck im Windkeffel und im vollen Gange arbeitete, und man das Saugrohr plötzlich aus dem Waffer nahm, die Kolben die Cylinderdeckel nicht berührten. Jedenfalls arbeitete dann die Steuerung fehr exact, wenn durch eine fo plötzliche Entlaftung der Kolbenhub gar nicht irritirt wurde Bei der grofsen, vorerwähnten Dampfpumpe, welche für eine Kohlengrube hergeftellt wurde, ift im Allgemeinen genau diefelbe Anordnung vorhanden, nur find die beiden Theile des Schiebers getrennt, Ein- und Ausftrömung für beide Cylinderhälften gefchieden, aber das Steuerkolben Gehäufe in einem Stück. Defsgleichen find die Ventilköpfe zum Anfchrauben an den cylindrifchen Theil des Pumpenkörpers eingerichtet; fie enthalten je nur ein Ventil und find oben durch einen Deckel gefchloffen. Aus diefem Grunde find die Ventile leicht nachzufehen und leicht in Ordnung zu erhalten. Um die Bearbeitung zu erleichtern, ift fogar die Stopfbüchfe nicht an den Cylinder angegoffen, fondern durch Flanfchen mit demfelben verbunden. Sollte fich alfo der Cylinder fo ftark abgenutzt haben, dafs ein Nachdrehen nicht mehr möglich ift, fo kann man ohne grofsen Schaden den cylindrifchen Theil des Pumpenkörpers leicht erneuern. Auf der einen Seite der Pumpe find die Saugköpfe, auf der anderen die Druckköpfe befeftigt. Die gröfste Druckhöhe, welche mit diefen Pumpen erreicht wurde, beträgt 1140 Fufs englifch, das ift 347.5 Meter vom Saugwafferſpiegel bis zum Ausguffe gerechnet. Diefe Druckhöhe entſpricht einer Wafferfpannung von 34'3 Atmoſphären, einer Gröfse, welche man bei den alten directen, einfachwirkenden Wafferhaltungsmafchinen nicht erreichen konnte. Die Bergwerkspumpe, welche foeben befprochen wurde, finden wir in der Ausftellung noch einmal von A. Carr in New- York Norwalk Iron works, in Norwalk, Connecticut, nur mit dem Unterfchiede, dafs man die Federkolben- Dichtung, gegen eine von aufsen fichtbare von Stopfbüchfen auf Plungerkolben vertaufchte ( ein Princip, welches fehr oft bei der Ausftellung ausgeführt erfchien). Der erfte Plungerkolben ift an der Kolbenstange des Dampfcylinders befeftigt und bildet in feiner Forfetzung den zweiten Plungerkolben. Die Mafchine nimmt felbftredend einen bedeutend gröfseren Raum ein; fie gewährt dagegen den Vortheil, dafs die fämmtlichen Dichtungen von aufsen beobachtet werden können, Diefe Pumpe war in Thätigkeit gefetzt und ging fehr ruhig; freilich hatte fie kaum 3 Fufs Saughöhe und nicht viel mehr Druckhöhe. Was die Anwendbarkeit der Cameron'fchen Pumpe anbelangt, fo mufs gefagt werden, dafs fie durch die horizontale Stellung des Steuerkolbens, welche Bedingung für den Gang der Mafchine ift, viel daran verliert. Da es unbedingt nöthig ift, dafs die Steuerkolben horizontal liegen, was bei einer verticalen Stellung nicht der Fall fein würde, fo unternahm Herr A. Friedmann die Reconftruction, um den Pumpen eine möglichft kleine Grundfläche zu geben. Bei der von Alexander Friedmann ausgeführten Pumpe ift der Steuerkolben horizontal, die Cylinderachfen vertical. Die Dampfcanäle gehen ganz wie fonft, nur gegen das Schiebergeficht zu verändern fie fich von einem Rechteck durch das Quadrat in ein Rechteck, welches fenkrecht auf das urfprüngliche fteht. Die beiden Steuerventile, die kleinen Kegel, ftehen nun auch vertical, und ift die Anwendung von Federn oder fonft einem Mittel, um das untere Ventil zu fchliefsen, vollständig überflüffig, da dasfelbe durch den Dampf immer gefchloffen erhalten wird. Die Wirkung des Mechanismus ift genau diefelbe wie bei der horizontalen Pumpe. Für grofse Hube dürfte die Anwendung diefer Anordnung nicht zuläffig fein, da die beiden Accelerationen fich addiren, welche von der Kolbenbewegung durch den Dampfdruck und der Fallgefchwindigkeit des ganzen beweglichen Syftemes herrühren. Spritzen und Pumpen. 13 Die in der Fabrik des Herrn Alexander Friedmann aufgeftellte Pumpe diefer Conftruction hat einen aufserordentlich ruhigen Gang, geht fehr ficher und diefs empfiehlt diefelbe für die Anwendung als Schiffsleckpumpe. Durch die verticale Aufftellung der Pumpe ift die Befeftigung an den Spanten fehr erleichtert und foll diefelbe wirklich fchon von den meiften Marinen als Schiffsleckpumpe angenommen fein. Der Pumpencylinder ift nach den rationellften Principien conftruirt. Die Pumpe hat einen gufseifernen Kolben mit drei felbftfedernden Ringen. Die Ventile find leicht zugänglich, und es liegen die Saug- und Druckventile für je eine Kolbenfeite vertical übereinander. Gerade über den zwei Druckventilen, welche in einer Horizontalebene in der unteren Hälfte des Pumpencylinders liegen, find zwei Windkeffel angebracht. Die Uebergänge aus dem runden Querfchnitte der Rohrleitungen in die rechteckigen der Canäle find fehr forg. fältig ausgeführt. Bei der hier gezeichneten Pumpe find die beiden Cylinder wie bei Cameron's Originalconftruction durch ein Cylinderdeckel Verbindungsftück gegen einander fixirt; doch ift es ein unbeftreitbarer Vortheil der verticalen Aufftellung, dafs man diefelben auch auseinander rücken kann, wie es eben der fpecielle Zweck, für den die Pumpe beftimmt ift, verlangt. Der Schieberkaften ift wie bei Cameron's Conftruction auf den Cylinder gefchraubt und liegt das Schiebergeficht mit den Schieberkaftenflanfchen in einer Ebene. Diefs bietet für die Bearbeitung den Vortheil, dafs man das Ganze in einem Striche durchhobeln kann. Die Stopfbüchfen und fonftigen Theile fowie die Vorrichtung zur Bewegung des Schiebens von Hand find genau nach der Original conftruction gebildet. Der Pumpen cylinder hat unten noch zwei Füfse, obgleich die Befeftigung der Pumpe in der Regel, durch die feitlichen Flanfchen, welche an beide Cylinder angegoffen find, gefchieht. Die Pumpe hat noch den Vortheil, dafs man fie aufserordentlich leicht. demontiren kann. Durch Abheben der oberen Cylinderdeckel kann man zu den beiden Kolben gelangen. Bei der verticalen Anordnung hat man den Vortheil, dafs die bewegten Theile fich gleichmäfsig abnützen, denn wenn bei den horizontalen Pumpen das Gewicht der bewegten Theile( Kolben, Kolbenftange etc.) noch fo gering ift, fo wird eine ungleiche Abnützung an den unteren Cylinderhälften eintreten, welche fchliefslich das Auswechfeln der Brillen und das Nachdrehen der Cylinder für einen dichten Schlufs der Kolben nothwendig machen wird. Unter den englifchen Ausftellern fanden wir die Firma Mc. Nicol, welche drei„ Excelfiorpumpen" brachte, von denen eine gewöhnlich in Thätigkeit war. Die Pumpen haben im Aeufseren grofse Aehnlichkeit mit den Pumpen von Whitley Partners oder Tangye Brothers Specialpumpe. Auch bei der Excelfiorpumpe dient ein Steuerkolben zur Bewegung des Schiebers. Sie unterfcheidet fich nur durch den Mangel der kleinen Endventile, welche hier durch ein Syftem von Dampfcanälen erfetzt werden, welche im Princip dasfelbe bezwecken, was die kleinen Ventile follten: der Dampf hinter dem Steuerkolben konnte in den Dampfcylinder entweichen, und zwar auf die Seite, auf welcher gerade Ausftrömung ift; alfo kann der Dampf auf der anderen Steuerkolben- Seite den Schieber bewegen, und alfo umfteuern. Die Idee, fowie die Ausführung derfelben ift fehr fchön und die Arbeit an den Pumpen fehr exact. Der Gang der Pumpe war fehr ruhig; fie arbeitete allerdings mit fehr geringem Drucke. Die Pumpe von Maxwell& Cope. Die Pumpe, welche Hayward Tyler& Comp. nach dem Patente von Maxwell& Cope. ausgeftellt haben, hat die Schwierigkeit, eine correcte Steuerung 14 Peter Zwiauer. ohne eine rotirende Bewegung herzuftellen, auf ganz andere Weife gehoben, als die anderen vorerwähnten. Der Pumpen cylinder fteht, wie bei der Cameron'fchen Conftruction, mit dem Dampfcylinder durch ein Stück in fefter Verbindung, welches zugleich die Deckel der beiden Cylinder bildet. Die im Nachfolgenden befchriebene Steuerung wird durch die beiftehende Zeichnung verftändlicher. De Dampfcylinder zeigt von aufsen gar keinen Steuerungsapparat; man fieht nur einen Kolben- Schmierhahn und zwei Dampfrohre, welche direct in den Cylinder münden. Der Kolben, der an den Enden durch zwei felbftfedernde Ringe gegen die Cylinder wand abgedichtet ift, beſteht aus zwei concentrifchen Cylindern, deren ring förmiger Zwifchenraum während des Ganges mit Dampf erfüllt ist, und welche an beiden Enden durch aufgefchraubte Deckel verfchloffen find. I Innern des kleineren Cylinders be wegt fich der cylindrifche Schieber, welcher die Dampfvertheilung bewirkt. Die Dampfeinftrömung liegt in der horizontalen, die Ausftrömung in der verticalen Achfe des Cylinders. Der Kolben hat zwei längliche Schlitze, welche fo befchaffen find, dafs während des ganzen Kolbenweges die Ein- und Ausftrömungsöffnungen in der Cylinderwand auf diefen Schlitzen bleiben. Der Schlitz für die Einftrömung communicirt durch eine viereckige Oeffnung mit dem ringförmigen Raum im Kolben. Von hier kann der Dampf durch zwei rechteckige Oeffnungen, welche mit gleich grofsen in der Schieberwand in Verbindung ftehen, in den inneren Raum des Schiebers gelangen. An der unteren inneren Seite des Kolbens befindet fich nun das Schiebergeficht, welches der Schieber deckt, der ganz nach den Vertheilungsfchiebern gewöhnlicherDampfmafchinen conftruirt, aber rund geformt ift. Der Schieber ift um den Schieberhub kürzer als die lichte Länge des Dampfkolbens, um keinen überflüffigen Raum mit Dampf füllen zu müffen und dem Schieber eine längere Führung zu geben. Zwei kleine Spritzen und Pumpen. 15 Canäle, welche von dem innern Raume des Kolbens aufser dem Schieber gegen die Cylinderwand führen und deren Coincidiren mit anderen Canälen die Umfteuerung bewerkstelligt, find auf beiden Seiten des Steuerkolbens ausgefpart. In der Mitte des Schiebergefichtes liegen wie normal der Ausftrömungscanal, zu beiden Seiten die Einftrömungscanäle, welche je durch den Mufchelfchieber mit dem Ausftrömungscanal in Verbindung gefetzt werden. Die Einftrömungscanäle münden gegen aufsen durch die Deckel des Kolbens und laffen alfo den Raum hinter oder vor dem Kolben fich mit Dampf füllen. Der mittlere Canal führt in einen Schlitz im Kolben, welcher fich natürlich zwifchen den beiden Dichtungsringen befindet. Diefer Schlitz ift fo lang wie der für die Einftrömung und mufs auch in der ganzen Länge des Kolbenhubes mit der Oeffnung in der Cylinderwand für die Ausftrömung coincidiren. Dadurch kann, wenn der Schieber eine Stellung eingenommen, der Dampf während des ganzen Kolbenweges von der betreffenden Seite ausftrömen. Damit die betreffenden Canäle im Cylinder und im Kolben einander immer ganz decken, darf fich der Kolben um feine Achfe nicht verdrehen; es ift alfo an feinem Umfange irgendwo ein Stift angebracht, der fich in einem langen Schlitze in der Cylinderwand führt und eine Verdrehung hindert; defsgleichen ift ein folcher Stift am Schieber angebracht, da auch diefer in feiner Lage gegen den Kolben bleiben mufs, da fonft die ganze Steuerung problematifch würde. Die Dampfvertheilung ist nun folgende: Nehmen wir an, der Kolben gehe nach links, dann fteht der Schieber gleichfalls in feiner äufserften linken Stellung. Der Steuerfchieber ift jetzt im Gleichgewichte, denn der Dampfdruck ift auf beiden Seiten vorhanden. Ift der Kolben nahezu am Ende feines Weges angelangt, fo trifft ein kleiner, in die Cylinderwand eingegoffener Canal auf den Einftrömungsfchlitz des Kolbens, und enthält alfo dann frifchen Dampf. Gleich zeitig kommt der oben befprochene Canal des Kolbens in Verbindung mit der Ausmündung des erften Canals, und in Folge deffen tritt gefpannter Dampf links vom Schieber ein. Rechts vom Schieber befand fich noch Dampf von der letzten Schieberbewegung her, welcher nun austreten können mufs. Um diefs zu ermöglichen, kommt der fymetriſch liegende kleine Kolbencanal direct mit der Ausftrömungsöffnung in der Cylinderwand zum Decken, wie aus dem Querfchnitte erfichtlich ift. Das Coincidiren beider Canalpaare tritt gleichzeitig ein, der Schieber wird alfo exact in dem Moment in feine äufserfte Stellung verfchoben, wo das Gleichgewicht in dem inneren Kolbenraume aufgehoben wird. Die Dampfvertheilung ist nun für den neuen Hub eingeleitet, und es tritt am Ende desfelben das nämliche Spiel ein. Wie man aus diefer Befchreibung fieht, ist auch hier eine Expanfion des Dampfes, alfo eine rationelle Arbeit unmöglich. Der Hub der Pumpe ift geringer als die halbe Cylinderlänge, und der Kolben länger als der Hub. Die Hubbegrenzung ift fehr genau und die Steuerung arbeitet fehr exact. Selbft bei fchnellem Gange ift der Kolbenwechfel fehr ruhig. Es ist noch zu erwähnen, dafs der Kolben durch Anbringung fymetriſcher Ausfparungen gegenüber den Ein- und Ausftrömungsfchlitzen vollſtändig entlaftet ift. Defshalb kann die Abnutzung nur gering fein, denn der Kolben trägt nur fein eigenes Gewicht( und das des Schiebers), und zwar auf eine grofse Fläche vertheilt. Leider war es dem Berichterstatter nicht möglich, die Pumpe zu indiciren. Die Pumpe ift wie jede andere Pumpe conftruirt; fie hat Kolben mit Lederftulpen Dichtung und Kautfchuk- Kugelventile für Kaltwaffer und nicht zu grofse Druckhöhen, hat Kolben mit elaftifchen Ringen und Metall- Sitzventile für warme Flüffigkeiten, oder grofse Druckhöhen. - Um bei gröfseren Dimenfionen der Pumpen die Kautfchuk- Kugelventile, welche einen Metallkern enthalten, beibehalten zu können, ordneten Hayward 2 La 16 Peter Zwiauer. Tyler& Comp. mehrere kleine ftatt eines grofsen Ventils an. Die Anordnung ift fehr beliebt und gewährt den Vortheil, dafs die Ventile durch kleine Unreinigkeiten des Waffers nicht undicht werden, weil diefe beim nächften Hub der Pumpe weggefchwemmt werden; und felbft in dem Falle, dafs diefelben gerade am Ventilfitze fich befinden, das Spiel nicht hindern, weil die Kautfchukkugeln fo elaftifch find, dafs fie unter dem Drucke der Flüffigkeit fich der Form der eingefpülten Unreinigkeit anfchmiegen, und diefe fo an den Sitz anpreffen werden, dafs fie dennoch fchliefsen. In Confequenz diefer Conftruction kamen Hayward Tyler& Comp. bei einem zwölfzölligen Cylinder auf vier Ventile ftatt eines, alfo im Ganzen fechzehn Kugeln. Die Pumpen find in allen Gröfsen fehr uniform gebaut und haben durchwegs nur einen Windkeffel, der in der Mitte zwifchen den beiden Druckventil- Sätzen angebracht ift. Diefs ift bei der fonft fo fchön durchgeführten Conftruction ein entfchiedener Mangel. Bei den kleineren Pumpen ift der Windkeffel an den Deckel des Ventilgehäufes angegoffen, welches mit Vermeidung der vorftehenden Flanfchen durch Charnierefchrauben an den Pumpenkörper angeprefst wird. Diefe Pumpe, fowie alle die vorbefprochenen direct wirkenden Pumpen, haben den Nachtheil, dafs fie fämmtlich den Dampf nicht expandiren können. Es kommt alfo in Bezug auf die Oekonomie nur darauf an, welcher von ihnen am wenigften Kraft, refpective Dampf zur Umkehrung der Kolbenbewegung braucht. Bei der Decker'fchen Pumpe wird durch den Anftofs des Steuerarmes der Schieber in feine mittlere Lage geftofsen, von diefer durch den im Cylinder enthaltenen Dampf, welcher alfo hinter den Steuerkolben treten kann, in feine extreme Stellung gefchoben. Um fich ein Bild von dem Kraftverbrauche zur Steuerung zu machen, vergegenwärtige man fich, dafs der Schieber im Anfange feiner Bewegung durch den Steuerarm mitgenommen wird, alfo nicht mehr Kraft braucht, als fein paffiver Widerftand beträgt. Die Hubvollendung wird durch den Abdampf aus dem Cylinder bewirkt; der Kraftverbrauch ift jedenfalls gering. Bei der Cameronfchen Pumpe wird der Kolbenwechfel durch Anftofsen des Kolbens an die Steuerventile bewirkt, infoferne, als diefe den Raum hinter dem nicht ganz dicht fchliefsenden Steuerkolben mit der Ausftrömungsfeite des Cylinders in Verbin dung fetzen; die Bewegung des Steuerkolbens aber gefchieht durch friſchen Dampf, deffen Verbrauch jedenfalls gröfser ift, als zur Bewegung des Schiebers erforderlich wäre, indem der Widerftand des Schiebers in keinem Verhältniffe zur aufgewandten Dampfarbeit fteht. Die Pumpe wird alfo, abgefehen von allen zufälligen und unvermeidlichen Dampfverluften, mehr Dampf brauchen als die Decker'fche. Das Undichtfein der Steuerkolben bedingt von vornherein einen Mehrverbrauch an Dampfe, indem die Canäle zu den kleinen Endventilen bei jedem Hub mit frischem Dampf gefüllt werden müffen; verbindet fich damit noch eine geringe Undichtheit der Endventile, fo exiftirt eine continuirliche Dampfftrömung aus dem Schieberkaften durch den Cylinder in die Ausftrömung, welche Dampfverlufte bedingt, die man nicht beobachten kann und erft an dem gefteigerten Kohlenverbrauche erkennen wird. Bei der Maxwell& Cope'fchen Pumpe erfolgt die Umfteuerung ebenfalls durch frifchen Dampf, während auf der anderen Seite Dampfausftrömung erfolgt. Doch ift es leicht einzufehen, dafs auch diefe Pumpe mehr Dampf brauchen wird, als die Decker'fche, weil, wie bei der Cameron'fchen, zur Bewegung des Schiebers frifcher Dampf confumirt wird, und die fchädlichen Räume hier gröfser find als bei den beiden anderen. Die kleinen Canäle, deren Coincidenz die Umfteuerung bewirkt, müffen mit Dampf gefüllt fein. Der Steuerkolben, wenn die Pumpe nicht gerade für eine beftimmte Dampftemperatur gearbeitet ift, kann nie ganz genau dicht laufen, was ja doch erfordert wird; denn obgleich Kolben und Schieber von demfelben Materiale( Gufseifen) find, hat doch gewifs der Kolben vermöge feiner Form eine andere Ausdehnung als der Schieber, der ja viel Spritzen und Pumpen. 17 geringere Maffe hat. Eine vollſtändige Dichtung der beiden Theile gegen einander ift alfo unwahrfcheinlich. Diefe letzte Conftruction hat aber einen nicht unerheblichen Nachtheil. Diefer beſteht darin, dafs ein Nachfehen der bewegten Theile ( Kolben und Schieber) faft unmöglich wird. Will man felbft den Kolben herausnehmen, fo hat man dann den Schieber noch nicht vor den Augen. Wenn die Pumpe über Tage fteht, fo geht es noch an. Ift aber der Fall da, dafs man einen Schacht hat, in dem die Pumpe fteht, wo man alfo mit dem Raum, befchränkt ift, fo wird z. B. ein Auswechfeln des Schiebers fehr unbequem; denn hat man die Cylinderdeckel abgehoben, fo mufs man den Pumpenkolben losfchrauben, um dann die Kolbenftange fammt dem Dampfkolben und Schieber herausziehen zu können. Erft dann kann man den Deckel des Kolbens öffnen und den Schieber herausnehmen. Man mufs alfo faft die ganze Länge der Pumpe noch hinter derfelben an freiem Raume haben. Alle drei Syfteme von Pumpen haben eine grofse Anwendung im Bergbaue gefunden. Das Princip, lieber mehrere kleine Pumpen als eine grofse für diefelbe Gefammtleiftung zu bauen, ift gegenwärtig fehr beliebt geworden, und hat die Riefen unter den Mafchinen, die grofsen Wafferhaltungsmafchinen mit ihren koloffalen Dimenfionen faft ganz verdrängt. Die durch Aufftellung mehrerer kleineren Mafchinen, allenfalls mit einer Refervemafchine erhöhte Sicherheit im Betriebe, wurde vielfach erkannt, und unter Anderem von H. und R. Lamberts in Burtfcheid in der Art benutzt, dafs diefelben kleine Pumpen mit rotirender Bewegung, welche mit geringerer Füllung arbeiten( 1/4 bis 1/3), in gröfserer Anzahl in einer Grube neben einander aufftellen und von einer Dampfleitung aus fpeifen. Die befprochenen, von Hilt, Bergwerksdirector in Kohlfcheid, conftruirten Pumpen drücken auf 210 Meter in einem Satz und ihre Keffel ftehen über Tage. Die Druckhöhe foll aber bis auf 400 Meter kommen. Der Dampfcylinder ift direct mit 2 Pumpencylindern verbunden, welche hinter demfelben aufgeftellt find. In diefen arbeiten Plungerkolben, weil diefelben geringere Reibungswiderstände verurfachen und leicht zu beauffichtigen find. Vor dem Dampfcylinder liegt ein Führungsftück, welches auf 2 Flächen gleitet und das eine Ende der Triebftange fafst. Die gekröpfte Achfe ift von Gufsftahl und trägt 2 kleine, aber fchwere Schwungräder, welche die Gleichförmigkeit der Bewegung bezwecken. Steuerung gefchieht durch Doppelfchieber. Die Die Ventile find entlaftete Doppelfitzventile, welche bei 7 Zoll PlungerDurchmeffer, eine Weite von 8 Zoll erhielten. Da die Pumpen ziemlich rafch laufen( 45 bis 60 Touren per Minute), fo ift die Waffergefchwindigkeit in den Steigrohren fchon bedeutend und in Folge deffen trat eine Drucküberhöhung im Steigrohre um mehrere Atmoſphären ein. Es war alfo eine Mehrleiftung über das theoretische Wafferquantum. Freilich arbeitete dafür die Mafchine mit 5/10 Füllung. ftatt wie beabsichtigt mit 4/10. Der Conftructeur, Herr Hilt, hat in Folge deffen dem Druckventile 9 Zoll Diameter gegeben, und nun hat fich diefe Drucküberhöhung im Ventilkaften bedeutend vermindert. Die Aufftellung der Mafchine in Gruben ift die fchon befprochene, dafs man mehrere aus einem Dampfrohr fpeift. Der Hauptvortheil aber diefes Syftems von Plungerpumpen mit rotirender Bewegung und gröfserer Tourenzahl ift aber der, dafs es Billigkeit und geringen Raum mit fchneller Aufftellbarkeit und ökonomifcher Arbeit verbindet. Der Conftructeur will noch einen Condenfator mit dem Dampfcylinder in Verbindung ftellen, fo dafs man in der Expanfion noch höher gehen kann. Der Nachtheil, welchen die Aufftellung der Dampfkeffel über Tag bietet, mindert fich, wenn man bedenkt, dafs bei einer Länge der Rohrleitung von 210 Meter die Dampfverlufte durch Condenfation 5 Percent des verbrauchten Dampfes betragen, felbft ohne eine befondere Einhüllung der Dampfröhren, wie aus den Angaben des Herrn Hilt hervorgeht. Die erhöhte Sicherheit diefer Aufftellung nun geftattet eben, im Nothfalle in wenigen Tagen eine ähnliche 2* 18 Peter Zwiauer. kleine Pumpe in Thätigkeit zu fetzen und aus der fchon beftehenden Dampfleitung zu fpeifen, was wohl einigen Effectverluft zur Folge haben wird, den man aber im Falle der Noth gewifs gern ertragen wird. Der Conftructeur beabfichtigt, bei neuen Mafchinen die Ventile mit Spiralfedern zum Dichthalten zu verfehen, um einen möglichft genauen Schlufs derfelben zu erzielen, was bei grofsen Druckhöhen von Wichtigkeit ift. Diefelbe Aufftellung nun haben auch fchon Hayward Tyler& Comp. mit dem Maxwell& Cope'fchen Pumpen angewendet, und zwar ebenfalls mit Erfolg. Nur haben eben die letzteren Pumpen bei gleicher Capacität noch geringere Raumbeanfpruchung als die erfteren, und find alfo unter Umständen vorzuziehen, wo nämlich Brennmaterial fehr billig und die Herftellungskoften eines gröfseren Raumes in der Grube fehr grofs find. Untenftehend ift eine folche Anordnung fkizzirt: Es find die Pumpen parallel neben einander aufgeftellt gedacht, aus demfelben Dampfzuleitungsrohr gefpeift, natürlich mit Schiebern oder Hähnen verfehen, um jede einzelne Pumpe ausfchalten und nachfehen oder Reparaturen an ihr vornehmen zu können. Der abftrömende Dampf kann entweder in einem Wetterfchacht( upcast shaft) als Ventilationsmittel dienen, oder aber in einen Strahlcondenfator geleitet werden, um die Leiftung der Mafchine noch zu erhöhen. Jedenfalls ift die Dampfleitung in den Schacht bedeutend billiger und auch ficherer, als das Geftänge, welches die alten directwirkenden Wafferhaltungsmafchinen beanfpruchten. Auch ift die Aufftellung der kleinen Mafchinen viel einfacher, da keine grofsen, fchweren Stücke daran vorkommen, als etwa die Schwungräder. Sehr vortheilhaft dürfte es noch fein; wenn man die wefentlichften Beftandtheile fchon fertig montirt in die Grube bringen, die Ingangfetzung alfo dann in kürzefter Frift gefchehen kann. STEAM PIPE EXHAUST MICHHO HOP CHI HOH RISING PIPE MAIN SUCTION PIPE CHHO F.W. BADER.WIEN sc. Wie vortheilhaft übrigens diefe Anordnung ift, zeigt am beften der Erfolg, da man überall nach ihr greift, wo Neues erbaut wird. Spritzen und Pumpen. 19 Die Dampffpritze von Merryweather and Comp. Die von Mesrs Merryweather and Comp. ausgeftellten Dampf Feuerfpritzen( zwei in der Mafchinenhalle und eine im englifchen Tranfept des Induftriepalaftes) hatten eine von den übrigen Dampffpritzen vollſtändig abweichende Einrichtung. Die Mafchine, welche hier befonders befprochen werden foll, der Conqueror, ift zweicylindrig, und die beiden Cylinder find horizontal zwifchen den Rahmen der Mafchinen angebracht. In derfelben Achfe liegen die Pumpen cylinder, welche mit den Dampfcylindern durch ftarke fchmiedeeiferne Zugftangen verbunden find. Die Mafchinen hatten keine rotirende Bewegung, welche den Hub des Dampfkolbens begrenzen würde; es war defshalb eine andere von Mr. Field conftruirte Einrichtung angewendet, welche bei Verfuchen die zufriedenftellendften Refultate gegeben haben foll. Die leitenden Gedanken mögen ungefähr folgende gewefen fein: Jede Mafchine ift mit einem Mufchelfchieber verfehen, welcher aber eigentlich ein kleiner Cylinder ift. Die Bewegung desfelben erfolgt von einer etwa um 90 Grad verdrehten flachen Stahlftange, die von einem an der Kolbenftange feften Auge umfafst wird, und alfo während des ganzen Kolbenhubes continuirlich eine Drehung um weniger als 90 Grad machen muss. Der Mufchelfchieber ift alfo durch Hebel und Stange von diefer Stahlflange aus bewegt, welche durch den Kolbenhub eingeleitet wird; jeder der beiden Mufchelfchieber ift alfo in Rapport mit feiner Mafchine und hat noch einen kleinen Kolben, welcher von der Drehſtange der anderen Mafchine in Bewegung gefetzt wird. Die Kolbenftange diefes kleinen Kolbens ift in der halben Länge hohl und hat zwei eingebohrte Löcher, welche dem Dampf erlauben, zu jedem Ende des cylindrifchen Schiebers zu gelangen, um den Hub desfelben zu vervollſtändigen. Der Dampfzutritt zu dem kleinen letztbefprochenen Kolben ift durch einen dritten Schieber regulirt, welcher von derfelben Drehftange bewegt wird. Die Oeffnungen in der hohlen Kolbenstange find fo angebracht, dafs die Communication zwifchen dem dritten Schieber und der hohlen Kolbenftange hergeftellt ift, noch bevor jeder der Kolben der Mafchinen die Mitte des Hubes erreicht hat. Nun beginnt alfo die rechte Mafchine den linken Schieber aufzuziehen zu dem Zwecke, um den linken Kolben in dem Augenblicke des Kolbenwechfels aufzuhalten, noch ehe der rechte Kolben die Mitte feines Weges erreicht hat, fo dafs zur Zeit, wo die rechte Mafchine in der Mitte des Hubes angekommen ift, der Schieber von der linken Mafchine fchon wieder langfam aufgezogen wird und der Kolben gerade wechfelt. Die linke Mafchine beein flufst die rechte Mafchine auf ganz diefelbe Weife. Durch diefe wirklich finnreiche Einrichtung ift der Kolbenwechfel ohne irgend welchen Zeitaufwand ermöglicht und die Mafchine kann eine beliebige Anzahl von Hüben per Minute machen. Diefe Einrichtung foll nach den Angaben der Conftructeure fowohl die Leiftungsfähigkeit, als auch die effective Leiftung im Vergleiche zu den alten Mafchinen derfelben Firma bedeutend erhöht haben. Ein weiterer Vortheil ift in der Möglichkeit zu finden, dafs man jeden der beiden Cylinder für fich arbeiten laffen kann, wenn der andere vielleicht betriebsunfähig fein follte. Man ftellt dann den Kolben des nicht arbeitenden Cylinders auf Mitte Hub und fixirt feinen Schieber durch einen Stahlzapfen. Diefer Vortheil ift von nicht unbeträchtlichem Werthe und kann unter Umftänden für die Mafchine den Ausfchlag geben. Die übrige Mafchine hat ungefähr folgende Anordnung: Der Keffel, ein Field'fcher Patentkeffel, ruht auf der Hinterachfe, welcher um denfelben vorne herumgebogen ift. Der Wafferkaften ift über den beiden Dampfcylindern an der Verkleidung des Keffels befeftigt. Die Saugöffnungen der Pumpen S 20 Peter Zwiauer. find über den Vorderrädern und die Rohrftutzen vorne nach auswärts gebogen. Die Druckrohrftutzen liegen in der Mitte beider Pumpen cylinder. Der grofse Windkeffel ift gleichfalls im Mittel der Pumpen aufgeftellt und über demfelben ift der Kutfchbock. Hinter dem Kutfchbocke find Sitze für Mannfchaften und die Mafchinen find durch Fufsbretter vor Befchädigung gefchützt. Der Rahmen des Wagens ift von Blattfedern getragen, aus kräftigem Façoneifen hergeftellt. Gegen die Pumpen ift er nach abwärts gebogen, aber die Enden find wieder horizontal. Als Verbindungen zwifchen den Rahmen find die beiden Cylinderpaare zu betrachten. Was die Leiftung der Mafchine betrifft, fo kann der Berichterstatter nur die Angaben der Conftructeure anführen. Die Mafchine hat in 7 bis 8 Minuten Dampf von 100 Pfund englifch Preffung von kaltem Waffer erzeugt. Der Strahl von 21 Zoll englifch( 56 Millimeter) Durchmeffer wurde 320 englifche Fufs ( 97.5 Meter) weit horizontal geworfen und die Saugleitung war ungefähr 1000 Fufs ( 305 Meter) lang. - - Bei diefer Gelegenheit kann die principielle Anordnung der Prefspumpe der hydraulifchen Schmiedepreffen von John Haswell, Director der Mafchinenfabrik der k. k. öfterreichifchen Staatseifenbahn Gefellſchaft in Wien, nicht unerwähnt bleiben. Leider war die erwähnte Anlage bei der Ausftellung nur durch die damit erzeugten Producte vertreten.- Die dort aufgeftellte grofse Schmiedepreffe übt auf das eingelegte Schmiedeftück einen effectiven Druck von 24.000 Wiener Centner aus; die Wafferfpannung ift bei einem Plungerdurchmeffer von 24 Wiener Zoll circa 420 bis 430 Atmoſphären. Der zum Betriebe der Preffe gehörige feitwärts aufgeftellte Dampfcylinder hat einen Durchmeffer von 60 Wiener Zoll und arbeitet mit 5 Atmoſphären Dampfüberdruck. Die Pumpenkolben rechts und links haben 61, Zoll Durchmeffer, der Dampfcylinder ift mit jedem Pumpencylinder durch 2 flache Schmiedeifenftangen von 20 Quadratzoll Querfchnitt verbunden, welche die axialen Drücke aufzunehmen haben. Zugleich bilden diefe Lineale eine Gleitbahn, auf welcher ein Kreuzkopf( zur Verbindung von Kolbenftange und Plunger) läuft. Dadurch find alle in der Mafchine entſtehenden Drücke aufgehoben und das fchwache gufseiferne aus 2 getrennten Balken beftehende Bett, deffen Querverbindung die 3 darauf ruhenden Cylinder bilden, ift auf 2 Eichenpfoften gelegt und nur ganz leicht an ein circa 3 bis 4 Schuh tiefes Fundament gefchraubt, welches mehr dazu dient, eine unveränderliche Unterlage für die darauf ruhenden Theile zu bilden, als irgend welche ftörende Kräfte durch feine Maffe aufzunehmen. - Die Pumpe geht zur Bedienung der Preffe nur kurze Zeit; 2 bis 3 Hübe hintereinander ift fchon die gröfste Leiftung. Defshalb ift fie mit Ventilfteuerung verfehen und zur Bewegung der Ventile dient ein kleiner Steuercylinder, deffen Schieber der Mafchinenwärter entweder von Hand aus bewegt, oder der durch Anfchläge von dem Kreuzkopf des Pumpenkolbens aus bewegt wird. . Die eigentliche Preffe befteht aus einem Gerüfte, welches den oberen und den unteren Theil des Apparates bildet; diefe beiden Theile, mächtige Gufsftücke, find durch vier 9 Zoll ftarke fchmiedeiferne Schrauben miteinander verbunden. -In dem oberen Kopfe ift der Plunger, welcher den Druck auf das unten eingelegte Schmiedeflück ausübt, eingefetzt. Um den Plunger und die an denfelben befeftigten Gefenke wieder aufzuheben ist auf dem oberen Kopfe noch ein kleiner Cylinder geftellt, deffen Plunger ein Querftück trägt, an welchem mittelft Zugftangen der Prefsplunger aufgehängt ift. Da nun die als neu erfchienenen Pumpenfyfteme ohne rotirende Bewegung im Vorftehenden fo weit dargestellt find, als es die Umftände erlaubt haben, fo reiht fich die grofse und fehr reiche Claffe der Pumpen mit rotirender Bewegung folgerichtig hier an. 08 0.8 600 Spritzen und Pumpen. 4895 21 Die Prunier'fche Pumpe. Als die neueften und wichtigften find wohl die beiden Pumpen für Niederdruckleitungen zu nennen, welche Prunier in Lyon ausgeftellt hatte. Die Pumpen ftanden an dem öftlichen Ende der Mafchinenhalle in einem eigenen Gebäude, welches zugleich das franzöfifche Keffelhaus bildete, und verforgte die Speifung desNiederdruck- Refervoirs, welches in nächfter Nähe ftand. Auf einem thurmartigen, oben fich verjüngenden Gerüfte, welches fich auf ein Steinfundament ftützte, lagerte die Kurbelwelle mit zwei Schwungrädern. DerBrunnenfchacht war aus einem gufseifernen Rohre gebildet und mit dem Mafchinengerüfte feft verbunden. Der Dampfcylinder, fowie ein Querhaupt befinden fich in der unteren Hälfte der Säule; ein anderes Querhaupt über dem Cylinder führt die Triebftange. In demfelben fteckte ein zweites, unten offenes Rohr, der Pumpencylinder. Die Urfache nun, warum der Brunnenfchacht durch diefes Rohr erfetzt ift und der Pumpencylinder alfo ganz im Waffer fteht, geht klar aus der Befchreibung von Herrn Prunier hervor. Er betrachtet nämlich das Sauggebiet der Pumpe als einen Kegel, deffen Spitze eben das untere Ende des Brunnenfchachtes, deffen Bafis durch einen Kreis auf der Oberfläche der wafferführenden Schichte gebildet wird. Mehr wird fich die Wirkungsfphäre der Pumpe einer Kugel nähern, deren Centrum das offene Ende des Brunnenfchachtes ift. Selbftverftändlich legt der Ingenieur diefe Kegelfpitze möglichft tief in die wafferführende Schichte und gewinnt hiedurch ftets Waffer von gleicher Temperatur, welches weiters keine fchädlichen oder unfchädlichen Subftanzen enthält, als diejenigen, welche das Grundwafferjener Schichte eben führt. Dadurch nun, dafs die Pumpe in jenem Schachte arbeitet, der mit feinem unteren Ende in die Waffer. S 22 Peter Zwiauer. fchichte taucht, wird in demfelben ein luftverdünnter Raum erzeugt, welcher gleichfam eine Drainage der Schichte bewirken foll; alle Waffertheilchen werden aus dem Boden angefogen und müffen dem Wafferfchachte zueilen. Diefs ift das Princip der Wafferzuführung bei der Prunier'fchen Pumpe. Freilich bleibt das Waffer auch aus, wenn das Grundwaffer ausbleibt, gerade fo gut wie bei jeder anderen Pumpe; doch ift es wichtig, dafs der gufseiferne Brunnenfchacht billiger fein dürfte als ein gleich weiter gemauerter. Das Conftructionsprincip der Pumpe felbft befteht im Wefentlichen darin, dafs zwei Kolben, welche von einer Welle aus bewegt werden, in einem Cylinder fortwährend in entgegengefetzten Richtungen arbeiten. Hiedurch entfteht einmal, wenn fich die beiden Kolben von einander entfernen, ein luftverdünnter Raum zwifchen ihnen, und das andere Mal entſteht ein Ueberdruck, welcher das zwifchen den Kolben befindliche Wafferquantum über den oberen Kolben bringt, der es dann wegfchafft. Da aber der Pumpencylinder unten offen ift und in dem Brunnenfchachte fteht, fo wird durch den unteren Kolben wieder Waffer zum Cylinder gepumpt. Das ganze Syftem läfst fich als zwei getrennte Pumpen betrachten, von denen die eine das Waffer vom Schachte zum Cylinder, während die andere das Waffer durch den Cylinder oben wegfchafft. Die entgegengefetzte Bewegung der beiden Kolben gefchieht nun dadurch, dafs der untere Kolben an einer maffiven Kolbenstange befeftigt ift, welche in ihrer Fortfetzung den Dampfkolben trägt. Von demfelben geht die hin und hergehende Bewegung des unteren Kolbens direct aus. Nach oben zu trägt die Kolbenstange ein Gleitftück, an dem die Triebftange befeftigt ift und diefe greift an der gekröpften Schwungrad- Achfe an, welche in zwei Lagern läuft und aufsen zwei Schwungräder trägt. In denfelben befinden fich Kurbelzapfen, deren Radien genau der Richtung des Triebkurbelradius entgegengefetzt ftehen, aber denfelben Kurbelradius haben. An diefe beiden Zapfen in den Schwungrädern greifen zwei Triebftangen, welche an ihrem unteren Ende unter dem Dampfcylinder ein gerade geführtes Querftück bewegen; an demfelben ift die hohle Kolbenftange des oberen Pumpenkolbens befeftigt, welche die maffive Stange des unteren Kolbens umfchliefst und fich an diefer führt. Durch diefe Conftruction wird ftets die entgegengefetzte Bewegung der beiden Pumpenkolben bewerkstelligt. Diefe find aus Ringen derart zufammengefetzt, dafs die Ringe nach oben zu immer kleiner werden, der Kolben im Ganzen alfo eine conifche Form hat. Ueber die Ringe, welche mit Oeffnungen verfehen find, deren Gefammtquerfchnitt gleich ift dem des Pumpencylinders, find als Ventile, Kautfchukringe feft aufgezogen, welche einmal beim Saugen fich ausdehnen, dann beim Drücken auf die Sitze aufgeprefst werden. Diefe Conftruction ift Urfache, warum diefe Pumpen nur für niedrigen Druck gebraucht werden können ( etwa bis zu 1 Atmoſphäre- Ueberdruck). Die beiden conifchen Kolben bewegen fich alfo ftets in entgegengesetztem Sinne und die maffive und die hohle Kolbenftange führen fich gegenfeitig in Stopfbüchfen. Eine derfelben befindet fich an dem oberen Ende der hohlen Kolbenftange, und fie trennt den Raum zwifchen den beiden Kolben von der atmoſphärifchen Luft. Da die hohle Kolbenftange im oberen Cylinderdeckel gleichfalls in einer Stopfbüchfe läuft, fo hat man alfo eine Stopfbüchfe mehr zu beforgen. Ein Vortheil, welchen diefe Pumpe hat, befteht darin, dafs man in der Tourenzahl nicht befchränkt ift, weil die bewegten Maffen bei forgfältiger Conftruction ziem lich leicht zu balanciren find, und die Kautfchukringe an den Pumpenkolben ein fehr geringes Spiel haben und zugleich fich durch ihre Elafticität immer zu fchliefsen trachten. Jedenfalls ift aber die Anlage folcher Pumpen ziemlich theuer. Ift es nun der Fall, dafs das Grundwaffer tiefer unter der Oberfläche liegt, fo mufs der Schacht, fomit auch der Pumpencylinder nachrücken; es erfordert dann die Pumpe das theuere Geftänge, nur mit dem Unterfchiede, dafs man dann doppeltes Geftänge braucht. Spritzen und Pumpen. 23 Der Ausgleich der hin- und hergehenden Maffen ift gröfstentheils im Mechanismus felbft bewirkt, wenn die beiden Kolbenftangen nämlich gleiches Gewicht haben Dampfkolben und Triebftangen müffen fich dann mit den aufsen liegenden Stangen balanciren. Der Dampfcylinder, der alfo in der Mitte liegt, ift wie ein gewöhnlicher Cylinder conftruirt, nur ift die Steuerung für die obere und für die untere Kolbenfeite getrennt. Es find zwei Schieberkaften vorhanden, und es beforgt ein Schieber immer nur die Dampf- Ein- und Ausftrömung für eine Kolbenfeite. Die Schieberbewegung erfolgt durch unrunde Scheiben. welche in Rahmen laufen und das Aufziehen und Schliefsen der Schieber nicht in fchleichender, fondern in mehr ruckweifer Bewegung bewirken. Die ausgeftellten Pumpen waren mit Condenſation verfehen und es ftrömte das Waffer aus dem Abflufsrohre direct in den Condenfator, der unter dem Cylinder lag. Das Con denfationswaffer wurde durch zwei Luftpumpen, deren Kolbenstangen an das untere Querftück befeftigt waren, weggefchafft. Diefe Pumpen, im Ganzen recht hübfch in ihrer Aufftellung, arbeiteten auch mit gutem Erfolge. Namentlich erzeugten fie ein fehr gutes Vacuum. Wie fchon gefagt, find fie am beften anzuwenden, wenn das Grundwaffer nicht mehr als etwa 8 Meter unter dem Bodenniveau zu finden ist, weil fonft theueres Geftänge angebracht werden mufs. In der Höhe der oberen Führung war eine Gallerie um das thurmartige Gerüfte angebracht und zwifchen den beiden neben einander aufgeftellten Pumpen ein Verbindungsgang. Die Druckröhren vereinigten fich in der Mitte und führten dann das Waffer in das Niederdruck- Refervoir. Die Pumpe der erften Brünner Maſchinenfabrik. Gerade am entgegengefetzten Ende der Mafchinenhalle ftanden die Pumpen der erften Brünner Mafchinenfabrik, ebenfalls in einem eigenen Gebäude, welches gleichzeitig als Keffelhaus diente. Die Pumpen verforgten die Hochdruckleitung und drückten das Waffer in den von derfelben Firma gebauten Wafferthurm. Die Pumpe hatte an und für fich nichts Neues, doch war fie mit aller Sorgfalt conftruirt, mit aller Sorgfalt ausgeführt Die Aufftellung war horizontal. Die Pumpencylinder waren hinter den Dampfcylindern felbftftändig aufgeftellt. Von den Dampfcylindern waren die Führungen, Triebftangen, Kurbeln und das Schwungrad einer completen Dampfmafchine. Die beiden Mafchinen waren fyme trifch conftruirt, und es lag das Schwungrad, zur Ausgleichung der Bewegung in der Mitte. Was den Bau der Dampfmafchinen anbelangt, fo war diefelbe nach den erften Corlifs Syftem gebaut; fie hatte kein eigentliches Bett als fchweren Rahmen, fondern die Fortfetzung des Cylinderdeckels bildete Führung und Verbindung zwifchen Cylinder und Lager. Mit einem Worte, es war die fo beliebte Bayonnettaufftellung. Die Steuerung der Mafchinen war jene der Firma eigenthümliche Conftruction der Corlifsfteuerung mit den Schleifbogen und Federn, welche wir fchon auf der Parifer Ausftellung gefehen haben. Nur war hier die Einwirkung des Regulators auf die Steuerung nicht nothwendig, wefshalb auch der Regulator entfiel. Der Abdampf mufste, bevor er entweichen konnte, einen zwifchen den beiden Mafchinen unter dem Boden horizontal angeordneten Speifewaffervorwärmer paffiren, um einen Theil feiner Wärme abzugeben, und den Betrieb zu einem möglichst ökonomifchen zu geftalten. Die Pumpe felbft war als Kolbenpumpe und der Kolben mit Selbftfpan. nerfedern conftruirt. An den Cylinder waren unten die Saugventilkaften, oben die Druckventilkasten angegoffen. Die beiden Saugröhren, fowie die Druckröhren, paffirten den Windkeffel, der durch einen Boden in zwei Theile gefchieden war, in einen Saug und in einen Druckwindkeffel. 汇 ◎$ 24 約 Z 0 ° ° 0 ° 0 о 0 0 25 O ° 0 0 0 0 о 0 0 0 О 0 О L 26 Peter Zwiauer. Die Ventile, gewöhnliche Sitzventile, waren mit Stahlfedern garnirt, welche einen fichern Schlufs derfelben verforgten. Die Pumpen gingen im Durchschnitte mit 16 bis 18 Touren per Minute, ein ziemlich langfamer Gang. Es refultirt daraus eine Kolbengefchwindigkeit von circa 2 Fufs oder 630 Millimeter per Secunde. Die Mafchine war für hohe Expanfion gebaut, um möglichfte Dampferfparnifs zu erzielen. Im vorliegenden Diagramme, welches von Herrn Profeffor J. F Radinger aufgenommen wurde, zeigt fich, dafs die Mafchine mit circa o 15 Füllung arbeitete; das Manometer am Windkeffel zeigte 55 Pfunde. Man fieht klar, dafs, wo es fich um eine ftabile Anlage handelt, man immer diefe Pumpen, oder Pumpen mit rotirender Bewegung, hochgefpanntem Dampf und geringer Füllung, bauen wird, während für proviforifche Anlagen, oder doch folche, welche fehr ſchnell hergeftellt fein wollen, die direct wirkenden Pumpen irgend welcher Conftruction gut zu verwenden fein werden. Man mufs fich dann eben gefallen laffen, dafs die Mafchine das Brennmaterial geradezu frifst, und die Oekonomie des kurzen Betriebes hintanfetzen. to to 15. Ueber die anderen bei der Ausftellung befindlichen Pumpen mit rotirender Bewegung zu fprechen, würde zu weit führen, befonders, wo eigentlich Neues nicht geboten wurde. Als Anfänge der Eifeninduftrie in Italien mufs eine Pumpe von De Morfier e Mencotti in Bologna erwähnt werden, welche in ihren Details recht hübfch ausgeführt war und in der ganzen Dispofition das Beftreben zeigte, im Raume möglichft zu fparen. Direct hinter dem Dampfcylinder war eine Schwungradwelle eingelegt, welche zwei kleine fchwere Schwungräder mit Kurbelzapfen trug, von denen die Triebftangen zu dem Gleitftücke zwifchen Pumpen und Dampfcylinder gingen. Auf der Schwungradwelle war das Excenter gekeilt und die Bewegung durch einen Zwifchenhebel auf den über dem Cylinder liegenden Schieber übertragen. Aus der Reihe der gewöhnlichen, nach bekannten Principien conftruirten Pumpen mit Kraftbetrieb wollen wir die von Lehmann in Berlin, dem Erbauer der Calorimotoren, erwähnen; die Pumpen find nett conftruirt und für Riemenbetrieb eingerichtet. Es find liegende Pumpen für Keffelfpeifung und ftehende Pumpen für Schächte, Brunnen etc. Die Pumpen find Kolbenpumpen mit Lederftulpenlide rung conftruirt; die Ventile, auch Lederklappen, find geneigt angebracht, und zwar Saugventile und Druckventile oben. Direct über den Druckventilen ftand ein kleiner Windkeffel. Die Deckel für die Ventilkaften find, weil die Pumpen in fehr kleinen Dimenfionen ausgeführt find( 65 Millimeter Durchmeffer und 150 Millimeter Hub) durch vier Charnierfchrauben feftgehalten. Die beiden Rohre mündeten an entgegengefetzten Seiten. Die Pumpen ftanden auf einem kleinen fchwachen gufseifernen Bett, welches auf einem Ziegelfundamente ruhte. Die Führung der Kolbenstange gefchah in der Stopfbüchfe einestheils und in einem Auge anderntheils, welches von der gabelförmigen Triebftange umfafst war; auf der einen Seite der gekröpften Achfe war Feft und Losfcheibe für den Antrieb gekeilt, auf der anderen Seite ein kleines Spritzen und Pumpen. HG 0 27 28 Peter Zwiauer. Schwungrad. Für die beiden Riemenfcheiben war eine einfache Ausrücke vorrichtung angebracht. Die Pumpen gingen ziemlich ruhig, und wurden mittelft Riemen von den Calorimotoren derfelben Firma getrieben. Eine ähnliche Specialität war von Buffaud frères in Lyon gebracht. Kleine Speifepumpen für Dampfkeffel, an die Wand anzufchrauben. Der Pumpencylinder lag hinter dem Dampfcylinder. Die zweite Führung der Kolbenftange gefchah durch einen Kreuzkopf, der einfeitig conftruirt auf einer Gleitfläche an dem Wandbette lief. Excenter und Schwungrad, mit Kurbelzapfen, fafsen freitragend vor dem Lager auf der Achfe. Die Pumpe, als Kolbenpumpe conftruirt, hatte für Speifungen von kaltem Waffer Lederklappen, welche geneigt angebracht waren, und zwar die Druckventile über die Saugventile unter dem Cylinder. Ein Nachtheil der Conftruction befteht darin, dafs der Schieber fchwer zugänglich ift, denn man kann nur von oben oder von unten den Schieberkaften öffnen. Die Kolbenftange ift mit der Gabel zur Aufnahme der Triebftange aus einem Stücke gefchmiedet; hiedurch wird das Demontiren ziemlich erfchwert. Jeder einzelne Theil ist für fich an die Fundamentplatte gefchraubt und diefe wieder mit ftarken Schrauben an die Wand gehängt. Die Pumpe hat als Speifepumpe keinen Windkeffel und Saug- und Druckrohr fetzen fich unten und oben von den Ventilkaften fort Soll die Speifepumpe in warmem Waffer arbeiten, fo wird man wohl metallene Sitzventile ftatt der Lederklappen anwenden. Die ausgeftellten Pumpen zeichneten fich durch grofse Sorgfalt in der Ausführung aus und ift auch die Conftruction wohl durchdacht. Alex. Wilfon& Co. haben einfachwirkende Keffelfpeifepumpen, welche unter dem Namen Vauxhall- Donkey- Pumpen fehr bekannt find, und doppeltwirkende Pumpen ausgeftellt, deren Conftructionsprincip hier Erwähnung finden foll. Die Pumpen find fehr ingeniös conftruirt und in der Regel fo eingerichtet, dafs fie vertical oder horizontal an einer Wand zu befeftigen find. Die beiden Cylinder liegen in derfelben Achfe und ift der Pumpenplunger die Fortsetzung der Kolbenftange des Dampfkolbens. An der Kolbenftange ift durch einen kräftigen Bolzen ein Querftück befeftigt, welches in einem Auge fich an einer( an beiden Cylindern befeftigten) Stange führt, und trägt aufsen den Zapfen zur Aufnahme einer Triebftange. Ueber dem Dampfcylinder liegt eine kleine Welle, an welche aufsen eine Schwungfcheibe befeftigt ift, die auch den Kurbelzapfen trägt. Die Dampfvertheilung erfolgt durch einen Schieber, welcher von einer kleinen Kurbel am anderen Ende der Welle feine Bewegung erhält. Der Pumpen cylinder liegt unten und die Ventile find metallene Sitzventile, fo angeordnet, dafs Nachfehen und Ausnehmen fehr leicht ift. Bemerkenswerth ift aufser der wirklich compendiöfen Anordnung noch der Umftand, dafs die beiden Cylinder fammt dem kräftigen Bettftück, welches die gefammten Drucke aufzunehmen hat, aus einem Guffe find, fo dafs das Ausbohren der Cylinder auf einmal gefchieht und diefelben mathematifch- in einer Achfe find. Diefe wichtige Conftruction haben wir nirgends mehr gefunden, und müffen wir die Verwunderung ausfprechen, dafs man die vortheilhafte Neuerung fonft nicht angewendet hat. Bei den einfachwirkenden, den Donkey- Pumpen, haben die Conftructeure den Dampfkolben und den Plungerkolben, welcher die Kolbenftange bildet, aus einem Stück Bronze hergeftellt. Bei den doppeltwirkenden Pumpen haben fie die Kolbenftange aus Stahl gefertigt. Unter den Pumpen bekannter Conftruction befanden fich die von der Firma Hermann Lachapelle in Paris ausgeftellten Mafchinen für Wafferverforgungen, welche mit dem Ehrendiplom ausgezeichnet wurden. Die Anord Spritzen und Pumpen. 29 nung der Pumpe mit Plungerkolben war derart, dafs die Schwungradwelle eines ftehenden Locomobils durch ein Zahnräderpaar die Kurbelwelle der Pumpen in Bewegung fetzt. Auf diefer Welle find zwei Kurbeln aufgefteckt, welche zwei einfachwirkende Pumpen zu beiden Seiten eines Ständers betreiben. Die Locomobile diefer Firma dürften längft fehr vortheilhaft bekannt fein, die Zufammenftellung mit einer folchen Pumpe hingegen weniger. Die beiden Stirnräder, Eifen in Holz arbeitend, find vielleicht das einzige Detail, welches zu Betriebsftörungen Anlafs geben könnte, denn die Zähne nützen fich ungünftig ab, und die Bewegung erfolgt dann mehr oder weniger ruckweife. Die Pumpencylinder find, wie erwähnt, fymetriſch rechts und links an einem hohlen gufseifernen Ständer befeftigt, deffen innerer Raum zugleich als Windkeffel dient und die Kurbeln der beiden Pumpen ftehen unter einem rechten Winkel. An der hinteren Seite find die Ventilgehäufe angebracht und der Ständer ift feparat an der gufseifernen Grundplatte befeftigt. Die geradlinige Bewegung wird durch die grofsen Stopfbüchfen, in welche der Mönchskolben geführt ift, genügend genau hergeftellt, und die Triebftange ift im Grunde des Mönchskolbens befeftigt. Um einen vollkommen gleichmässigen Wafferftrom zu erhalten, ift hinter dem Ständer ein Refervoir angebracht. Die Kolben, fowie die Stopfbüchfen find aus Bronze; die Fläche, auf welcher die Abnützung ftattfindet, auffallend klein, und laffen fich die Pumpen leicht controliren. Im Allgemeinen kann man von diefer Conftruction nur Rühmliches fagen. Namentlich find die Locomobilen für den Betrieb diefer Pumpen vor. züglich conftruirt, was übrigens in einem anderen Berichte befprochen werden wird. Die Ventile find Sitzventile und find leicht zugänglich; die Gehäufe find durch horizontale Deckel verfchloffen, nach deren Wegnahme man das Ventil unterfuchen und abnehmen kann Die Lager der beiden Wellen find mit Bronzefchalen verfehen und direct an den Ständer angegoffen. Die Bewegung wird von dem Locomobile aus verlangfamt, da die Kolbenpumpen keinen fehr rafchen Gang vertragen. Die bei der Ausftellung thätig gewefene Pumpe hatte, obgleich diefelbe nicht fo lange Zeit lief, fchon jene ruckweife Bewegung, welche die Exiftenz der Zähne fo fehr gefährdet. Die Schuld daran trägt der Umftand, dafs das gröfsere Rad, das getriebene, Holzzähne hatte, diefe alfo gegen die Richtung der Holzfafer beanfprucht wurden. In Folge deffen verfchleifsen die Zähne leich ter, und wenn nicht mehr ihre regelrechte Form vorhanden ift, fo geht die Deftruction rafch vorwärts. Die California- Pumpe wurde von mehreren Ausftellern gebracht. Wilhelm Knauft in Wien hatte diefelben für Handbetrieb ausgeftellt. Die Pointe der Conftruction befteht darin, dafs ein Stück Leder zwifchen die Flanfchen des Ventilkaftens eingefpannt wird und aus demfelben Stück die Klappen fo gebildet find, dafs Klappen und Dichtungsring aus einem Stück beftehen; hiedurch wird natürlich ein ficheres Arbeiten erzielt. Das eine Lederftück liegt alfo zwifchen dem Deckel des Ventilkaftens und einem Zwifchenftücke, das zweite Leder ift zwifchen diefem und dem Cylinderftücke eingefpannt; Saug- und Druckventile liegen über dem Cylinder. Die letzteren find horizontal angeordnet, die erfteren find geneigt. Was den Antrieb der Pumpen anbelangt, fo hatte Knauft eine eigenthümliche Vorrichtung angewendet, mit einer ofcillirenden Achfe, in welche fäbelförmig gebogene Stücke eingreifen, an denen die Kolbenstangen befeftigt find. Die Vorrichtung ift nicht mehr neu, hat aber den Nachtheil, dafs die bewegten Theile fehr unzugänglich find. Die Pumpe für Handbetrieb wird an einen ftarken, feft eingerammten Block gefchraubt und die Röhren gehen dann nach unten und durch den Block zum Ausguffe. Die Bewegung erfolgte durch einen horizontalen Doppelhebel, deffen Drehzapfen in dem unteren Pumpenkörper gelagert war. 30 Peter Zwiauer. Alexander Schmidt in Zürich, der einzige Ausfteller von Pumpen aus der Schweiz, hat folche in Verbindung mit feinen rühmlichft bekannten Waffermotoren ausgeftellt, welche ebenfo wie diefe den Ruf diefes Conftructeurs beftätigen. Die Pumpen können durch den Waffermotor, als auch durch Riemenantrieb in Bewegung gefetzt werden. Sie unterfcheidet fich in Nichts von dem Waffermotor und kann ebenfo gut als folcher oder als Pumpe dienen. Der Cylinder derfelben ift. ofcillirend, und zwar um das Mittel des Hubes, in der Achfe. Die Zapfen rechts und links werden durch zwei Hebel, und nicht durch fefte Lager niedergehalten, Der Cylinder ofcillirt und bewegt fich dabei mit feinem unteren Gefichte, welches den Schieber bildet, auf einer Fläche, in der die Ein- und Ausftrömungscanäle ausgefpart find. Die Fläche ift ein Stück Cylinder, deffen Achfe das Ofcillationsmittel ift. Sie ftellt gleichfam den Schieber dar, während der fich darauf bewegende Cylinder den Schieberfpiegel bildet. Man kann alfo die Wirkung leicht einfehen. Durch ein an der Seite des Bettes anzufchraubendes Rohr kann die Pumpe faugen, durch den an dem hinteren Ende des Bettes ausmündenden Canal tritt das Druckwaffer aus. Die Kolbenstange treibt die gekröpfte Welle, welche zwei kleine, aber fchwere Schwungräder trägt. Eines derfelben dient bei der Pumpe zugleich als Riemenfcheibe. Die Fixirung des Cylindermittels gefchieht durch zwei Hebel, welche an den Lagern befeftigt find, die Zapfen des Cylinders umfaffen und hinter dem Cylinder durch ein Querftück verbunden find. Diefes wird von einer Schraube niedergehalten, aber durch zwifchengelegte Kautfchukfcheiben ist der Druck elaftifcher gemacht. Die Arbeit an diefen Pumpen ift fehr fchön und exact und ift Alles fehr feft conftruirt. Der Kolben der Pumpe hat keine Dichtung, fondern er ift ziemlich breit und in den Cylinder eingefchliffen. Eine folche Pumpe, in Verbindung mit dem Waffermotor als Kraftmafchine, war täglich mehrere Stunden in Thätigkeit. Eine ganz eigenthümliche Pumpe war in der amerikanifchen Abtheilung aufgeftellt, die Submerged Pump, eine Verarbeitung einer ältern Idee, welche, um das Steigrohr zu fparen, die Kolbenstange hohl conftruirt und als folches Spritzen und Pumpen. 31 benützt. Die Pumpe wird vorzugsweife als nicht faugende conftruirt und verfenkt man fie dann ganz unter das Wafferniveau. Die Anordnung derfelben ift fehr einfach. Im Brunnenfchachte wird ein feftes Gerüft eingebaut, an das der Cylinder vertical angefchraubt wird. Das Steigrohr als Kolbenftange geht über den Schacht hinaus und wird oben durch einen zweiarmigen Hebel in hin- und hergehende Bewegung verfetzt. Hiedurch wird das Waffer gehoben und fliefst an dem offenen umgebogenen Ende der Kolbenstange aus. Das Bodenventil in der Pumpe ift Saugventil und ein zweites im Kolben Druckventil. Es ift dem Berichterftatter unbekannt, dafs die Pumpe auch für Kraftbetrieb. eingerichtet wäre, doch als Handpumpe mag fie in Fällen, wo man fich auf eine primitive Förderung befchränkt, ganz angezeigt fein. Um das Roften der unter Waffer befindlichen Theile zu verhindern, find diefelben galvanifirt, was namentlich für Seewaffer fehr angezeigt erfcheint, da die Pumpen auch als Schiffsleck- Pumpen Verwendung finden. Die Pumpen find auch als doppeltwirkende conftruirt und haben zwei Saugventile, während das Druckventil im hohlen Kolben liegt. Die beiden Saugventile liegen unten am Pumpencylinder, eines im Mittel des Deckels, das andere in einem Canal, welcher zum oberen Ende des Cylinders führt. Die Pumpe wird, wie erwähnt, meiftens als nichtfaugend benützt und dann unter die Wafferoberfläche verfenkt; wenn fie faugen foll, fo wird der untere Deckel zu einem Rohranfatze zufammengezogen und an demfelben das Saugrohr befeftigt. Eine andere Erfcheinung auf dem amerikanifchen Gebiete waren die Mintzer Pumpen, welche fehr originell conftruirt und namentlich für unreine, dicke Flüffigkeiten beftimmt find. Es beftehen diefe Pumpen aus einem halben, innen ganz glatten Cylinder, in welchem fich um die Cylinderachfe zwei diametral gegenüberftehende Flügel, deren mittlere Lage die horizontale ift, bewegen laffen. Von der Achfe vertical geht eine Scheidewand nach abwärts, welche feft ift und die beiden Räume in zwei Hälften theilt. Die Bewegung der Flügel ift eine Ofcillation um einen Winkel von etwa 90 Grad. Die Achfe fetzt fich aufser dem cylindrifchen Gehäufe fort und trägt einen Hebel, mittelft deffen man diefelbe und alfo auch die an ihr befeftigten Flügel bewegen kann. Die Flügel fchliefsen möglichft genau den cylindrif chen Raum ab und die Kautfchukklappen, welche beide nach oben zu öffnen find, bilden zugleich die Dichtung gegen die Cylinderwand. Unten am Cylinder ift ein Saugrohr, deffen Mündung in den Cylinder getheilt ift und durch zwei Saugklappen verfchloffen wird; über der Achfe ift das Abflufsrohr. Selbftverftändlich kann bei einer fo einfachen Anordnung von einer grofsen Saugoder Druckhöhe nicht die Rede fein, weil zwifchen den Flügeln( welche gleichfam den Kolben vorftellen follen) und dem Cylinder nur Kautfchukdichtung ift, alfo unter den Flügeln kein beträchtliches Vacuum entſtehen kann. Die Wirkungsweife dürfte nun einleuchtend fein; wenn der Hebel von rechts nach links bewegt wird, fo wird der linke Flügel die obere Klappe offen haben und das Waffer wird durch diefelbe paffiren. Der rechte Flügel hat die Klappe gefchloffen und erzeugt Luftverdünnung hinter fich. Dadurch faugt er aus dem Saugrohr Waffer nach, während das über dem Flügel befindliche in dem Abflufsrohre ausläuft. Die bei der Ausftellung aufgeftellten Pumpen hatten fehr geringe Saug und gar keine Druckhöhe; diefelben arbeiteten fehr gut; wie die Leiftung der Mafchine bei gröfseren Höhen fein mag, bleibt zu unterfuchen. Da, wie erwähnt, die beiden Flügel keine eigentliche Dichtung gegen die Cylinderwand haben, fondern nur die Kautfchukftreifen an diefelbe möglichft genau paffen, fo ift felbft. verftändlich, dafs dabei immer Verlufte vorhanden find. Eine grofse Berechtigung haben die Pumpen für unreine Flüffigkeit, da eine Befchädigung und Undichtwerden des Kolbens oder der Ventile eben nicht vorkommen kann. Diefelben follen von der amerikanifchen Marine angenommen fein. 3 32 Peter Zwiauer. Aufser den auf der Ausftellung befindlichen ganzen Pumpen und Feuerfpritzen waren noch befondere Details ausgeftellt, welche ich der Vollständigkeit halber erwähnen mufs. Ich beginne mit dem Pifton Génefte à contraction von John Dewrance& Comp. in London. Es ift diefs ein Kolben für einfach wirkende Pumpen, der nur beim Aufgange wirkt, im Niedergange aber das Waffer durchläfst. Dewrance ging dabei von dem Principe aus. das Waffer nicht nur durch das Innere des Kolbens durchzulaffen, fondern auch am Umfange desfelben der Flüffigkeit freien Durchgang zu geftatten. Zu diefem Behufe ift die Dichtungsfläche nicht als ein Ganzes, fondern aus drei oder mehr Segmenten, welche zwifchen fich freien Raum laffen, hergeftellt, deren Anzahl fich nach der Gröfse des Kolbens richtet. Diefe Segmente haben an verticalen, radial liegenden Rippen Zapfen, um welche fich diefelben drehen können, und alle find in einem Ring, gelagert. Die Kolbenftange ift fehr dünn und am Kolben durch eine Mutter befeftigt. Ueber den Segmenten liegt ein Lederring, welcher nicht nur diefelben, fondern auch die Zwifchenräume bedeckt und zugleich die Dichtung gegen die Cylinderwand bildet. Die Wirkung diefes Apparates ift nun klar. Der Kolben finkt durch fein eigenes Gewicht nieder. Dabei hebt fich die Lederplatte von den Segmenten ab und diefe haben Raum, fich um ihre Achfe zu drehen und fächerartig aneinander zu legen. Sie bilden dann einen fchwachen Trichter nach oben. Dann ift der ganze Umfang dem Durchgange des Waffers frei. Aufserdem kann dasfelbe noch durch die in den Segmenten befindlichen Oeffnungen treten. Hat der Kolben feinen Weg zurückgelegt, fo fallen die Segmente durch ihr eigenes Gewicht, fowie durch die darüber laftende Wafferfäule wieder in ihre urfprüngliche Lage zurück, wo die oberen Flächen eine Ebene bilden, auf welche fich der ftark armirte Lederring legt und fo den Abfchlufs bewirkt. Im Aufgehen des Kolbens wird dann unten gesaugt und oben gedrückt. Die Kolbenstange ift nur auf Zug beansprucht, defshalb fehr dünn und kann, wie der Conftructeur angiebt, durch ein Seil oder eine Kette erfetzt werden. Durch feine eigenthümliche Conftruction empfiehlt fich diefer Kolben vor Allem für fandiges Waffer, welches eine metallifche Liderung bald zerftören würde. Die Segmente find für gröfsere Kolbendurchmeffer als 150 Millimeter aus Gufseifen; nur der Ring, in welchem fie gelagert find, ift aus Bronze hergeftellt. Die eigentliche Klappe ift aus Leder oder Kautfchuk und durch einen Ring an dem Kolbenkörper befeftigt. Ein zweites fehr intereffantes Detail find die von Civilingenieur Alexander Friedmann ausgeftellten Ventile, welche anfänglich für Schiffsleck- Pumpen verwendet waren, nun aber allgemeinere Anwendung finden dürften. Diefelben find, wie aus der beiftehenden Figur erfichtlich ift, im Wefentlichen aus zwei übereinander liegenden conifchen Sitzventilen combinirt, und zwar fo, dafs das untere Ventil feine Führung im Ventil befitzt, das obere in einem Angufs am Deckel des Gehäufes hat. Beide Ventile können fich felbftftändig heben, meiftens aber werden fie in gleichem Abftand von einander aufgehen. Schliefst fich das untere Ventil, fo ift die zwifchen beiden befindliche Luft ein elaftifches Mittel, welches das harte Zufchlagen des oberen verhindert. Die Ventile gewähren den Vortheil, dafs man fie für jede Flüffigkeit benützen kann, denn Unreinigkeiten werden wahrfcheinlich nicht zu gleicher Zeit auf beiden Ventilfitzen aufliegen, fo dafs das eine oder das andere ziemlich ficher fchliefst. Friedmann hatte in feiner Fabrik eine mit folchen Ventilen verfehene Pumpe aufgeftellt, welche allen Anforderungen entſprach und aufserordentlich ruhig ging. Selbft die Probe, die Pumpe anftatt in Waffer in Luft laufen zu laffen, um zu fehen, ob Ventile und Kolben auch luftdicht gingen, gab fehr befriedigende Refultate, und es wäre zu wünſchen, dafs diefe Ventilconftruction allgemeineren Eingang finden würde. adioDiefs wären die wichtigften Erfcheinungen auf dem Gebiete ftabiler Pum pen. Es erübrigt nur noch, die Dampf- Feuerfpritzen als Kolbenpumpen einer R Spritzen und Pumpen, 33 Q V N B M A Betrachtung zu unterziehen. Nächft Merryweather& Sons, deren Dampffeuerfpritzen- Syftem wir fchon betrachtet haben, waren Feuerfpritzen von Shand Mafon& Co. in London ausgeftellt. Abweichend von den Spritzen von Merryweather, haben diefe ihre Pumpen theils horizontal, theils vertical, immer mit rotirender Bewegung eingerichtet, von dem Standpunkte ausgehend, dafs gerade bei kleinen, fchnell laufenden, unter hohem Druck arbeitenden Pumpen eine Hubbegrenzung durch den Kurbelmechanismus nothwendig fei. Um nun aber doch an Raum zu fparen, wenden Shand Mafon& Comp. folgende Conftruction an. Der Dampfkolben hat zwei Kolbenftangen, deren Verbindungsebene durch die Achfe geht und circa unter 45 Grad geneigt ift. Die beiden Kolbenstangen greifen direct an den hohlen Plungerkolben an, welcher in einem Gelenk im Grunde der Höhlung die Triebftange aufnimmt. Dadurch wird bei gröfserer Länge der Triebftange doch an Platz gefpart und nicht viel mehr gebraucht als bei dem anderen Syfteme. Die Achfe mit dem Schwungrade liegt alfo zwifchen den beiden Cylindern und ift für jeden Dampfcylinder gekröpft. Die Steuerung gefchieht durch Excenter oder kleine Kurbeln, und es liegen die Schieberkaften den Cylindern zur Seite oder über denfelben blod Shand Mafon& Co. bauen drei verfchiedene Syfteme von Pumpen, eincylindrige verticale, zweicylindrige horizontale und dreicylindrige verticale ( Equilibriummafchine). Es lag die Idee fehr nahe, eine Pumpe mit drei Cylindern zu conftruiren, da hiedurch die Bewegung fehr gleichmäfsig wird, erftens das Schwungrad erfpart ift und zweitens ein conftanter Wafferftrahl erzielt wird. Die 3* ப 34 Peter Zwiauer eincylindrige und die dreicylindrige Spritze deren Maſchinen vertical angeordnet find, haben diefelben hinten am Keffel angefchraubt. Hiedurch wurde es noth wendig, die Feuerung zur Seite zwifchen die Räder zu verlegen. Die ganze hintere Seite, welche fonft geftattete, auch während der Fahrt zu feuern, wird nun von den Cylindern, von den Windkeffeln etc. eingenommen. Vor dem Dampfkeffel find Sitze für die Bedienungsmannfchaft und der Schlauchkaften etc. Der Keffel fteht vor der Hinterachfe und die ganze Mafchine wird von kräftigen Rahmen mit U förmigem Querfchnitt getragen, die auf ftarken Blattfedern ruhen. Die Räder haben je nach der Befchaffenheit des Bodens, auf welchem die Dampffpritze fahren foll, entweder breite gufseiferne Kränze und fchmiedeiferne Arme oder find aus Holz, mit aufgezogenen fchmiedeifernen Laufkränzen. Der Keffel, welchen Shand Mafon& Co. anwenden, ift ein eigenthümlicher, mit einer Anzahl geneigter Röhren verfehener ftehender Keffel, welcher von diefer Firma zu allen möglichen Zwecken benützt wird. Derfelbe hat die Hauptfeuerungsthüre zwifchen den Rädern bei den ein- und dreicylindrigen; nur für die Benützung während der Fahrt ift noch hinten eine kleine Thüre angebracht, durch welche von dem Fufsbret aus gefchürt werden kann. Der Kohlenbehälter ift gerade unter dem Vordergeftelle des Wagens angebracht. Bei den horizontalen. zweicylindrigen Mafchinen liegt die Mafchine zwifchen den Rahmen, vor dem Keffel. Die Hinterwand derfelben ift frei und die Feuerung wird von dem Fufs bret auf welchem noch der Kohlenkaften angebracht ift, beforgt. Der Abdampf wird von den Dampfcylindern in den Schornftein geleitet, um den Zug durch den Keffel zu erhöhen. Um auch bei der ein cylindrigen Feuerfpritze das Schwungrad, welches gewifs ein ftörendes Moment bei der Bedienung wäre, zu eliminiren, wenden die Conftructeure einen zweiten Cylinder an, der in eigenthümlicher Weife den todten Punkt in der Kurbelbewegung aufhebt. Es ift nämlich in der Achfe des Schieberkaftens gegen vorne ein kleiner Cylinder angefchraubt, in dem ein auf der Schieberftange befeftigter Dampfkolben fich bewegt. Die Bewegung des Hauptfchiebers gefchieht hier nicht durch ein Excenter, fondern durch eine kleine Kurbel, und die Bewegung wird durch einen kleinen Kurbelrahmen auf die Stange übertragen. An dem Schieberrahmen des Hauptfchiebers ift ein Anfchlag angebracht, welcher auf einen kleineren Schieber wirkt und diefen ruckweife bewegt. Diefer Schieber läuft auf einer Fläche fenkrecht zur Fläche des Hauptfchiebers. Die Kurbel des Hauptfchiebers ift unter einem Winkel von etwas mehr als 100 Grad gegen die Hauptkurbel geftellt, und die Wirkung des ganzen Syftemes ift alfo die, dafs der Hilfskolben beinahe in der Mitte feines Hubes ift, wenn der Mafchinenkolben an feinem todten Punkte fteht. Geht der Mafchinenkolben gegen die Mitte feines Hubes, fo fteht der Hilfskolben und alfo der Hauptfchieber am Ende feines Weges. Er hat auf einem Stücke Weges den Hilfsfchieber mitgenommen und die Dampfvertheilung für den Hilfskolben eingeleitet. Die Anwendung eines Schwungrades ift alfo überflüffig, denn die Mafchine hat keinen eigentlichen todten Punkt. Im Wefentlichen aber ift die ganze Conftruction nur eine etwas vereinfacht: Form einer zweicylindrigen gekuppelten Maſchine mit ungleichen Cylindern. Die Ausftrömung des kleinen Kolbens mündet in die Ausftrömung unter dem Hauptfchieber und ift durch einen im Gufs gefparten Canal hergeftellt. Die Einftrömungen gehen zur einen Seite durch den Schieberkaften- Deckel, zur anderen Seite durch ein Kupferrohr. Beide Maſchinen, die Hauptmafchine, fowic die Hilfsmafchine haben Kurbelrahmen, deren Fortfetzung bei der Hauptkurbel die Kolbenstange des Pumpen cylinders bildet. Der Hilfsfchieber wird von dem Hauptfchieber- Rahmen nur immer ein kurzes Stück des Weges mitgenommen, die Canäle find ziemlich klein, alfo auch die Schieberbewegung unbedeutend. Bei der eincylindrigen Mafchine, welche Spritzen und Pumpen. 35 auf der Ausstellung war, ftand die Mafchine vertical und ftatt der kleinen vorer. wähnten Kurbel war ein kleines Excenter angebracht, welches fowohl die Steuerung des Hauptfchiebers als auch die Hilfswirkung auf die Welle zu beforgen hatte. Bei den Mafchinen mit zwei und drei Hauptcylindern fällt felbftverſtändlich diefe Einrichtung weg, denn diefelben haben keinen todten Punkt mehr. Solche eincylindrige Mafchinen find im Befitze der Städte Wien und Peft, und follen fehr zufriedenftellende Refultate geben. Die fämmtlichen Pumpen von Shand find mit Speifepumpen fowohl als Injectoren verfehen, welches von grofser Vorficht zeigt. Diefe Beftandtheile, fowie fämmtliche Keffelarmaturen find von Kanonenmetall, und die Ein- und Ausftrömmungsrohre find Kupfer, beide für die grofsen Cylinder gemeinfchaftlich. Die Mafchinen können 30 bis 200 Touren machen. Ziehen wir aus den Betrachtungen über diefe Pumpen einen Schlufs, fo müffen wir uns geftehen, dafs durch die Kurbeln, Excenter mit ihren Lagern und Büchfen ein gewifs nicht unbeträchtlicher Theil der aufgewendeten Dampfarbeit durch Reibungswiderstände verloren geht. Jedenfalls aber haben diefe den Vortheil, dafs man eine genaue Hubbegrenzung hat und, falls etwas an der Mafchine in Unordnung fein follte, auch durch Drehung der Achfe von Hand die Pumpen leicht in Gang bringen kan was bei den direct wirkenden Pumpen faft unmöglich ift. Ift bei den Spritzen ohne rotirende Bewegung etwas feft geworden, fo ift es fchwer, dem Uebel ohne Dampf abzuhelfen, und dann gehört grofse Vorficht dazu. Doch dürfte bei ordentlicher Wartung diefer Unfall nicht oft vorkommen. Vergleichen wir nun die beiden Syfteme gegeneinander, fo finden wir, dafs jedes derfelben feine Vorzüge hat, welche eben nach Umftänden höher oder geringer anzufchlagen find. Je nachdem man alfo gröfsere Sicherheit gegen das Feftfetzen der einzelnen Theile und durch genaue Hubbegrenzung und geringere fchädliche Räume geringeren Dampf, refpective Kohlenverbrauch ver langt, fich dagegen das Unangenehme, was die gröfsere Complicirtheit diefer Pumpen mit fich bringt, gefallen laffen will, fo verdient die Spritze von Shand Mafon& Co. den Vorzug; will man Einfachheit im Mechanismus, wie diefe bei den Spritzen von Merryweather geboten wird und durch fleifsiges Nachfehen der Kolben ein Feftfetzen derfelben vermeiden, dagegen einen etwas gröfseren Dampfverbrauch( derfelbe ift nur nach Percenten zu meffen), fo wähle man das Syftem von Merryweather& Sons. Noch einer Dampf- Feuerfpritze haben wir zu gedenken, welche im deutfchen Annex ftand, und von Lange& Gehrckens in Ottenfen ausgeftellt war Es ift diefs eine dreicylindrige horizontale Spritze mit rotirender Bewegung. Die Schwierigkeit, die Schwungradachfe in die Mitte zwifchen Dampf- und Waffercylinder zu legen, ift durch Anwendung von Kurbelrahmen behoben. Die Anordnung der übrigen Theile ift fehr ähnlich der Spritze von Shand Mafon& Comp. Die Belaftung durch den Keffel fällt direct auf die hintere Achfe. Feuerthüre und Kohlenbehälter find felbftverſtändlich hinten angebracht, um von dem Fufsbret aus die Feuerung zu beforgen. Diefs find die ausgeftellten Syfteme von Dampffpritzen mit Kolbenpumpen. Wir werden fpäter noch einer Dampffpritze begegnen, welche nach ganz anderen neuen Principien conftruirt ift, und fchliefsen hiemit den Theil über Kolbenpumpen ab. Die fchon bei der Cameron'fchen Pumpe erwähnte Firma Whitley Partner hatte ein fehr intereffantes Pumpendetail ausgeftellt, die Field'fchen Lippenventile. Diefelben beftehen aus zwei runden Kautfchuktrichtern, welche aus ziemlich ftarken Platten gefchnitten werden und an dem inneren Umfang durch uförmige Ringe umfasst werden. Die Kautfchukklappen haben ftets die Neigung, ihre conifche Form einzunehmen. Daran find fie dadurch verhindert, dafs man beide gleich ப 36 Peter Zwiauer. grofse Trichter durch eine centrale Schraube gegeneinander drückt. Die Form wird dadurch verändert, und an dem äufsern Rand, an welchem fich die beiden Ringe berühren, ift ein gewiffer Druck vorhanden. Damit man die Trichter nicht zu ftark aneinander fpannen kann, find die beiden uförmigen Ringe durch 6 bis 12 Rippen mit einander verbunden, fo dafs die beiden Trichter einander nicht bis über ein gewiffes Mafs genähert werden können. Um das Aufftecken der ftarken Kautfchuktrichter zu ermöglichen, ift der uförmige Ring aus zwei Theilen, welche durch den Druck oder Zug der Centralfchraube genügend ftark aneinander geprefst werden. Die Wirkungsweife ift leicht einzufehen. Das Druckwaffer kommt in den inneren Ring. Ift die Spannung gröfser als der Druck der Ventilklappen gegeneinander, fo werden die Trichter aufgebogen und das Waffer hat eine Ringfläche zum Durchftrömen. Das Schliefsen der Ventile gefchieht, fobald der Wafferdruck nachläfst. Das dann eintretende Vacuum ift bei dem äufseren Drucke nun noch geeignet, die beiden Lippen noch fefter auf einander zu preffen. Die dem Durchgange des Waffers geöffnete Ringfläche ift, wenn die Trichter nicht zu fchwach find, ziemlich klein. Diefem Uebelftande kann man durch Anwendung mehrerer folcher Lippenventile, welche einfach über einander aufgeftellt und alle durch eine Zug- oder Druckfchraube aneinander geprefst werden, abhelfen. Diefe Anordnung bedingt ziemlich grofse Ventilgehäufe, aber das läfst fich bei diefer Conftruction nicht umgehen. b to aldatu Es ergibt fich auch noch der Uebelftand, dafs diefe uförmigen Stücke, in denen die Kautfchuktrichter eingeklemmt find, auf die Wand des Ventilgehäufes abgedichtet werden müffen, welche auch den Saugraum vom Druckraum trennen. Diefe Dichtung wird durch Bleiringe hervorgebracht, aber eben weil fie im Innern des Gehäufes, ift fie fchwer zugänglich und kann nur nach Wegnahme der Ventile erneuert werden. Sind mehrere Lippenventile übereinander angeordnet, fo mufs zwifchen je zwei auch wieder eine folche Packung eingelegt werden, die Uebelftände find alsdann noch vergröfsert. Allerdings hat die Conftruction dafür den Vortheil, dafs man fie für unreines Waffer anwenden kann, denn ein Sandkorn wird nur von den elaftifchen Platten zufammengedrückt, welche aber trotzdem dichten Schlufs erzielen. Die Anbringung diefer Ventile an einer Pumpe hat keine weiteren Schwierigkeiten. Am beften auf der einen Seite des Pumpencylinders die Saugventile, auf der anderen die Druckventile, welche ganz gleich conftruirt find. Nur find die Sitze derfelben verfchieden angeordnet. Wie erwähnt, werden hiedurch die Ventilgehäufe bedeutend grofs. Um die Ventile demontiren zu können, mufs der entfprechende Deckel des Gehäufes abgenommen, die Druck- oder Zugfchraube gelüftet werden, alsdann kann man die armirten Scheiben herausnehmen. sdio Die nächfte Kategorie von Pumpen, auf welche wir unfer Augenmerk richten wollen, eine alte Conftruction, welche fchon in den älteften Werken über mafchinelle Einrichtungen fich findet, find die Kettenpumpen. Die Kettenpumpe beſteht im Allgemeinen aus einer endlofen Kette, welche in gewiffen Abftänden kleine Teller oder Scheibchen an den Gliedern befeftigt hat, deren Ebenen fenkrecht auf der Längenachfe der Kette ftehen. Der eine Theil der Kette geht durch ein cylindrifches Rohr, in deffen lichten Querfchnitt die Scheibchen( Teller) möglichft genau paffen. Am oberen Ende diefes Rohres ift eine Spritzen und Pumpen. 37 Ausgufsöffnung angebracht, aus welcher die gehobene Flüffigkeit abftrömt. Die Bewegung des in dem Rohre befindlichen Theiles der Kette ift felbftverständlich die auffteigende. Um die Kette zu bewegen, ift diefelbe oben über ein Ketten. rad gefchlagen, welches genau der Form der Kettenglieder und Teller ent fprechende Vertiefungen an feinem Umfange hat. Wird diefes Rad in drehende Bewegung verfetzt( durch eine Handkurbel), fo folgt die Kette diefer Bewegung und geht durch das Rohr aufwärts, auf der andern Seite abwärts. In dem Brunnen, oder überhaupt in dem auszufchöpfenden Raume faffen die Scheibchen( Teller) Flüffigkeit in das Rohr,( welches in die Flüffigkeit taucht) und bilden alsdann kleine Kolben, welche aber, da keine befondern Dichtungen vorhanden find, keinen genauen Abfchlufs mit der Cylinderwand hervorbringen. Bis die Teller an das obere Ende des Rohres gelangen, ift felbftverständlich nur wenig Flüffigkeit gefolgt, doch wird das Zurückbleibende von den nachfolgenden Scheibchen aufgenommen. Dafs der Wirkungsgrad einer folchen Pumpe nicht fehr grofs ift, liegt auf der Hand, doch haben fie ihre Berechtigung zum Schöpfen von fehr unreinen, confiftenten Flüffigkeiten( Jauche, dickflüffige Maifche etc.), weil kein Theil an der einfachen Mafchine vorhanden ift, der fich verftopfen könnte oder durch Verunreinigung leiden würde. Für diefe Zwecke ift es fchwer, gute Pumpen zu bauen, und find alsdann höchftens Schieberpumpen noch anwendbar. Jeden. falls find die Kettenpumpen nur dort zu empfehlen, wo man nicht fehr hohe Anfprüche an die Kraftverwerthung macht. Ausgeftellt war diefe Pumpe oder eigentlich nur das Gehäufe mit dem Kettenrade von der amerikanifchen Firma W. B. Douglas durch John G. Rollins& Comp. in London, aufserdem von J. Warner& Sons in London. Bemerkenswerthes ift an beiden Conftruc tionen nichts. Die nun zu befprechenden Pumpen find die rotirenden. Es waren diefe von allen Ländern in grofsen Mengen ausgeftellt, erhoben fich aber nur felten über das Niveau des Bekannten. Obgleich erwiefen ift, dafs die Centrifugalpumpen faft immer einen geringeren Nutzeffect haben als Kolbenpumpen und nament lich durch die grofse Umfangsgefchwindigkeit fehr oft Anlass zu Mifslichkeiten durch die Zapfen geben, dafs ferner auch fehr ftarke Vibrationen entſtehen, fo wird doch diefe Pumpe mehr angewendet als fonft irgend eine, weil fie einige aufserordentliche Vortheile bietet im geringen Anspruch an Raum und in der grofsen Ausdehnbarkeit der Leiftung durch Vergröfserung der Umfangsgefchwindigkeit. Die Nachtheile können unter Umständen verfchwindend fein gegen die Vortheile, wenn man bedenkt, wie grofs Unterfchied an Raum und an Kapital bei einer Centrifugal- und einer Kolbenpumpe für gleiche Leiftungen ift. Es ift alfo erklärlich, dafs diefe Pumpen in grofser Anzahl ausgeftellt waren. Was die Con ftruction anbelangt, fo war faft durchgängig das bekannte Syftem vertreten, von Rädern mit gekrümmten Schaufeln und gekrümmten Seitenwänden, wobei die Einftrömung im Innern des Rades gefchah, während die Ausftrömung tangential auslief. Was die Schaufelform anlangt, fo dürfte wohl kaum noch fo arg gefündigt worden fein, als mit den Schaufelcurven. Man konnte die allerverfchiedenften Conftructionen fehen. Eine ganz eigenthümliche Conftruction hatten die von der Firma Nagel und Kaemp in Hamburg ausgeftellten Centrifugalpumpen mit äufserem Leitfchaufelapparat und radialem Austritte, eine mit verticaler, eine mit horizontaler Achfe. Die Anwendung des Leitfchaufelapparates bei Centrifugalpumpen bezweckt den Austrittsquerfchnitt je nach der Förderhöhe gröfser oder kleiner machen zu können. Nähere Auskünfte konnten und wollten die Herren Nagel& Kaemp über ihre Conftructionen nicht geben, weil fie für ihre Originalität fürchteten. Es war daher'dem Berichterstatter unmöglich, genaueren Einblick in die Conftruction zu 38 Peter Zwiauer. gewinnen. Intereffant bei diefen Conftructionen war der Mangel eines Bodenventils. Diefes ift durch eigenthümliche, von derfelben Firma erzeugte Ejectionsapparate erfetzt. Sobald die Pumpe in Gang gefetzt werden foll, wird der Ejector dazu benützt, das Saugrohr mit Waffer zu füllen, worauf die Pumpe anlaufen kann. Die Conftruction diefer Ejectionsapparate foll indefs in einem späteren Abſchnitte foweit beleuchtet werden, als es das geheimnifsvolle Dunkel, welches über den Producten diefer Firma liegt, geftattet. Eine andere, gleichfalls neue Conftruction bietet die Helicalpumpe, Patent Boulton& Imray, von Brotherhood& Hardingham, derfelben Firma, welche mit ihrer Paragon dreicylindrigen Dampfmafchine gerechtes Auffehen hervorrief. Diefe Pumpe war auch in Verbindung mit einer folchen Dampfmafchine in Thätigkeit und arbeitete bei geringer Tourenzahl fehr ruhig. Die Pumpe befteht aus einem Rade an deffen äufserem Umfange acht genau radial geftellte, gegen die Achfe etwas verdrehte Schaufeln angegoffen. Das Gehäufe um das Rad ift fo befchaffen, dafs der Canal in der doppelten Breite der Schaufeln fich von einem Punkte des Umfanges in einer Schraubenlinie um den ganzen Umfang herum zieht. Am Eingange liegt die freie Hälfte des Ca nales ganz unten an den Schaufeln, am Austritte ganz oben. Der Canal befchreibt alfo eine richtige Schraubenlinie. Er ift, fobald er fich dem Rade nähert, aus dem cylindrifchen Querfchnitt gegen den rechteckigen zugeführt und beim Austritte wieder in den cylindrifchen. Die Zapfen laufen in zwei Stopfbüchfen, und die Riemenfcheibe zum Antrieb fitzt freitragend. In Verbindung mit der dreicylindrigen Mafchine war die Aufftellung horizontal; unten das Pumpengehäufe, über welchem die Mafchine fituirt war, fo dafs die Kurbelwelle direct an die Achfe des Pumpenrades angriff. Die Pumpe ohne Mafchine ftand vertical, das heifst, die Achfe horizontal. Das Gehäufe beftand aus zwei Theilen und war aufserdem noch mit einem Deckel verfehen. Der untere Theil dient nur dazu, die Pumpe an ein Fundament zu befeftigen. Der gröfste Vortheil diefer Pumpe ift der, dafs, wie durch Verfuche bewiefen wurde, für die gleiche Leiftung die Umfangsgefchwindigkeit halb fo grofs ift, als die einer gewöhnlichen Centrifugalpumpe. In der englifchen Abtheilung der Mafchinenhalle war ferner von John& Henry Gwynne in London eine ganze Reihe von Centrifugalpumpen in den verfchiedenften Aufftellungen zu den verfchiedenften Zwecken ausgeftellt. Neben den gewöhnlichen Centrifugalpumpen für Riementrieb waren Schwingpumpen mit Dampfantrieb, welche bald. direct auf die Achfe eines Laufräderpaares gefetzt, bald auf einem Geftell, welches auf den Achfen der zwei Laufräder ruht, befeftigt waren. Auf ein gemeinfchaftliches, gufseifernes, hohles Bett war fowohl das Pumpengehäufe gefchraubt, als auch der Dampfcylinder einer kleinen Dampfmafchine. Die Achfe des Flügelrades war zugleich Kurbelwelle, und mufs alfo die Mafchine fehr bedeutende Gefchwindigkeiten annehmen. Die Achfe war gekröpft und an einer Seite war das Pumpenrad, an der andern Seite eine Riemenfcheibe, welche zugleich als Schwungrad dient, angebracht, um die Pumpe bei ausgehängter Triebftange auch durch Riemen in Bewegung fetzen zu können. Die Steuerung der Dampfmafchine war durch einen Mufchelfchieber bewirkt Die Mafchine war complet und die Triebftange war am Kreuzkopfe gegabelt. Diefer war in einer einfachen Schlittenführung und durch übergelegte Lineale am Abheben gehindert. Die Regulirung der Dampfzuleitung war durch einen von Hand zu bewegenden Schieber, wahrfcheinlich Gitterfchieber bewirkt; das Spritzen und Pumpen. 39 Pumpengehäufe ift durch eine zur Achfe fenkrechten Ebene getheilt, wodurch auch die Flanfchen des Ein- und Ausftröm- Rohrftutzens getheilt wurden. Ueber die Conftruction der Pumpen ift weiters nichts Befonderes zu fagen. Die ganze Mafchine fah äufserft kräftig aus, es war augenfcheinlich vermieden an den ein zelnen Theilen viele Linien zu haben, und das Bett glich einem maffiven Blocke. Um die lebendige Kraft, welche bei den vorkommenden Gefchwindigkeiten jedenfalls grofs wird, auf ein Minimum zu reduciren, waren alle bewegten Theile, als Trieb- und Kolbenftangen, Wellen etc., Wellen etc., von Stahl. Die hauptfächlichfte Verwendung finden diefe Pumpen bei OberflächenCondenſatoren aller Art, wo es gilt, grofse Waffermengen auf geringe Höhen zu fchaffen, was übrigens eine charakteriftifche Eigenfchaft der fämmtlichen Centrifugalpumpen ift. Die vorerwähnten Schwingpumpen, welche auf einem zweirädrigen Geftelle angebracht find, haben den Zweck, durch Pferde leicht transportirt zu werden, und wenn dann die Röhren angefchraubt find, in jeder beliebigen Lage und Neigung fofort arbeiten zu können. Der Antrieb erfolgt von einem Locomobil durch Riemen. Diefe Conftruction hat einen grofsen Werth für landwirth fchaftliche Anlagen, wo es fich um rafche Befchaffung gröfserer Waffermengen handelt, für Brückenbauten und zum Trockenlegen naffer Grundftücke etc. Diefelbe Firma baut auch fahrbare Dampf- Centrifugalpumpen auf eifernen Wagen mit Keffel etc. Leider war eine folche Mafchine bei der Ausftellung nicht vorhanden. Die Centrifugalpumpen mit Frictionsantrieb, welche von der Chemnitzer Mafchinen Baugefellfchaft, vormals A. Münnich, ausgeftellt wurden, verdienten Beachtung, infoferne diefelben fehr gut gearbeitet waren. Der Zweck der Pumpen ift, Bier oder Maifchen in einem Sudwerke zu heben, und es war eine Pumpe auch in Verbindung mit einem folchen ausgeftellt. Der Antrieb gefchah durch conifche Frictionsräder. Dadurch ift der Gang derfelben aufserordentlich ruhig. Die beiden Frictionsrollen find von Gufseifen, mit Lederfcheiben bezogen, welche gegen einander gedrückt werden. Die Pumpe ift auf einem gufseifernen Bett befeftigt, welches die Lage für die Achfen der Frictionsrollen bildet. Die Flügel haben die gewöhnliche Spiralenform, und muss nur bemerkt werden, dafs die Wafferzuführung nur auf einer Seite des Rades gefchieht, wodurch der Deckel, welcher in der Mitte vertieft ift, genau kreisrund ift, ohne an den Flanfchen der Rohre zu participiren. Dadurch ift die Demontirung fehr erleichtert; man braucht an den Rohren, um nachzufehen, nichts wegzunehmen. Ein fehr intereffantes Detail der Centrifugalpumpen, welches zu befprechen nothwendig erfcheint, find die Zapfen der Pumpe von J. Bernay, ausgeftellt an einer Pumpe von Owens and Comp. Der leitende Gedanke dabei ift folgender: Die Einftrömung in das Rad ift fymetriſch, der Saugraum liegt alfo zu beiden Seiten desfelben. Die Achfe ift dreimal gelagert. Auf einer Seite aufserhalb ift die Riemenfcheibe aufgekeilt, durch welche das Rad in Drehung verfetzt wird, während das andere Zapfenende in einem Lager läuft. Von dem Druckraume des Rades führt nun ein eingegoffener Canal in die Lagerbüchfe und von diefer eine kleine Nuth wieder in den Saugraum. Durch die Bewegung des Rades felbft wird wegen der Druckdifferenz von Saug- und Druckraum Waffer durch die Lagerbüchfe hindurchgetrieben. Es ift ein continuirlicher kleiner Wafferftrom, fo dafs ein Feftfetzen der Zapfen unmöglich ift. Früher waren anftatt der eingegoffenen Canäle Röhrchen angebracht, welche den Wafferzuflufs zu dem Achslager bewirkten, doch zeigte fich fchon damals der Vortheil diefer Conftruction. Die ganze Einrichtung ift doppelt vorhanden, für die beiden Lagerbüchfen in dem Gehäufe. Die dritte ift an einem feparaten Arme angebracht, alfo vollſtändig aufser dem Waffer. Das Gehäufe der Pumpe ift durch die Mitte getheilt, Saug- und Druckrohr- Flanfche ift zweitheilig. 40 120TH 248 -105320 650435 Peter Zwiauer. Spritzen und Pumpen. 41 Das Flügelrad ift auf beiden Seiten durch dünne Wände gefchloffen, zu deren Verftärkung innen am Umfange der Saugöffnung und aufsen am Umfange der Drucköffnung Ringe angegoffen find, welche die Wände des Druck- und Saugraumes nahezu berühren. Die Drucköffnung( das Abflufsrohr) kann, da das Waffer in einem cylindrifchen Ringe gefammelt ift, an irgend einer beliebigen Stelle des Umfanges angebracht werden. Einer Pumpe mufs hier erwähnt werden, welche von L. Moreau, Brüffel, ausgeftellt war. Die Bezeichnung derfelben war Pompes brevetées Syſtem Greindl. Der Antrieb erfolgte durch Riemen und fafs die getriebene Scheibe auf der Welle des gröfseren Rades. Auf der anderen Seite des Pumpengehäuſes befand fich ein Zahnräderpaar, von ungleichen Diametern, fo dafs eine Welle, fenkrecht über der Hauptwelle liegend, eine gröfsere Tourenzahl erhielt. Auskunft konnte der Berichterftatter über diefe Pumpe nicht erlangen. Dem Gehäufe nach fcheint es eine Combination von zwei Centrifugalpumpen zu fein, und würde dann den Uebergang zu einer ganz neuen Art zu den nach Root's Blowern conftruirten Pumpen bilden. Diefen begegneten wir allerdings nur in der amerikaniſchen Abtheilung; dort aber in ziemlich grofsen Mengen. Das leitende Princip bei der Conftruction diefer Pumpen beftand darin, durch zwei fchnell rotirende Räder, welche mit Unebenheiten auf ihrem Umfange ineinanderpaffen, einen luftverdünnten Raum zu erzeugen, welchem die Flüffigkeit folgt. Um eine gröfsere Saug- und Druckhöhe zu erreichen, müffen die Kolben, welche durch aufsenliegende Zahnräder mit einander ver: bunden find und im entgegengefetzten Sinne rotiren, fehr dicht gegen einander und gegen die Cylinderwand fchliefsen, was jedenfalls Schwierigkeiten bietet. Am Intereffanteften war die Dampf- Feuerfpritze Mockba von Charles Holly, durch Charles Churchill& Comp. in London ausgeftellt. Die Aufftellung der einzelnen Theile war der Aufftellung der Spritzen von Merryweather fehr ähnlich. Die Hauptlaft des Keffels ruhte auf der Hinterachfe, während ein kräftiger Rahmen von U förmigem Querfchnitte die ganze Mafchine trug. Die Räder waren nach dem Suspenfionsprincip conftruirt und hatten fehr fchwache Arme aus Rundeifen, die in den maffiven Kranz und in die Nabe eingegoffen waren. Vor dem Dampfkeffel befanden fich die beiden Dampfcylinder, ein Gehäufe bildend, welches dem eines Root'fchen Blowers fehr ähnlich war. In diefem Gehäuſe bewegten fich die beiden Kolben, wie in der beiftehenden Skizze angedeutet ift. Die Kolben find Räder mit je zwei gröfseren Erhöhungen und Vertiefungen am Umfange, von denen die erfteren durch eingelegte Stücke gedichtet werden. Zwifchen den Erhöhungen und Vertiefungen find Zähne angegoffen, um die Rotation der beiden Kolben zu erleichtern. Vor dem Dampfcylinder befand fich ein ähnliches Schutzgehäufe über einem Paar Stirnräder, mittelft deffen die rotirende Bewegung beider Kolben ausgeglichen, und die gefammte Kraft auf eine Achfe übertragen wird. In der Fortfetzung der kraftübertragenden Achfe folgten zwei Paare von Pumpencylindern, je mit einem Paar von aufsen liegenden gleich grofsen Stirnrädern zur Herftellung der entgegengefetzten drehenden Bewegung beider Kolben und zur Kraftübertragung. Die Pumpenkolben find ähnlich oder gleich conftruirt wie die Dampfkolben, nur find ihre Durchmeffer bedeutend kleiner. An der Keffelverkleidung ift aufser einem Robinfon'fchen Injector noch eine Speifepumpe angebracht, welche aber als Kolbenpumpe mit geradliniger Bewegung conftruirt ift, gleichfam, als ob der Conftructeur felbft der ganzen rotirenden Mafchine mit diefer Speifepumpe ein Mifstrauensvotum ausftellen wollte. Es ift diefs allerdings, ziemlich merkwürdig, warum gerade diefe Speifepumpe eine Ausnahme von den rotirenden Kolben machen mufste, und es fcheint, dafs das Vertrauen auf die Conftruction der Pumpe nicht gar fo grofs wäre. 42 Peter Zwiauer. Es wäre diefs allerdings das Ideal einer Mafchine, wenn man fich des rotirenden Syftemes überall bedienen könnte, da man alle Zapfen, Stangen, Geradführungen erfparen könnte und die bewegten Maffen, welche fo häufig Störungen veranlaffen, befeitigt wären; aber es fcheint, wie gefagt, diefes Ideal noch nicht erreicht zu fein. Der Berichterftatter vermuthet, dafs die Mafchine während der Ausftellung nie in Gang gefetzt wurde. Es wäre allerdings fehr intereffant gewefen, zu erfahren, wie grofs die Saughöhe ist, bis zu welcher die Mafchine arbeiten kann, fowie Tourenzahl etc. Es wäre wünfchenswerth gewefen, diefe Verfuche anzuftellen. Durch die rotirende Pumpe würde man den Windkeffel erfparen und die Wafferlieferung würde von felbft fehr gleichmäfsig. Die Spritze war fehr fchön gearbeitet und namentlich grofse Sorgfalt auf die blanke meffingene Keffelverfchalung gerichtet. Der Abdampf der Maſchine ging durch das Blasrohr in den Schornftein. Dafs diefe Pumpen mit zwei rotirenden Kolben auch bei geringer Tourenzahl Waffer lieferten, konnte man an den Handpumpen derfelben Firma fehen, welche im amerikanifchen Annexe des Induftriepalaftes aufgeftellt waren. Die Zahnräder zur Uebertragung der Bewegung auf den zweiten Kolben lagen in demfelben Gehäufe und müffen jedenfalls genau an die Wand des Gehäuſes anfchliefsen, denn fonft wäre ein grofser schädlicher Raum vorhanden gewefen. Die Dichtung war fehr gut, denn die Pumpen förderten nach wenigen Umdrehungen Waffer. Die Pumpen waren in mehreren verfchiedenen Gröfsen aufgeftellt, fämmtlich mit Handkurbeln zu bewegen. Die nächste Kategorie, welche zur Befprechung kommen foll, find die Dampfftrahlpumpen oder Injectoren. In der Menge, in welcher diefelben bei der Ausftellung vorhanden waren, zeigte fich die Wichtigkeit, welche diefe Mafchine heute hat. Es ift die einfachfte Art der Dampfpumpe und hat keine beweglichen Theile, welche Reibungsverlufte verurfachen könnten. Schon auf der Parifer Ausftellung 1867 war der Injector Giffard's bekannt geworden und ift derfelbe auch heute noch fehr im Gebrauche. In der Ausftellung war er von Sharp Sewart& Comp. in Mancheſter, von Schäffer& Budenberg in Buckau bei Magdeburg hauptfächlich vertreten. Die Geftalt desfelben ift heute noch unverändert, und obgleich manche Veränderungen vorgenommen wurden, fo blieb der Injector mit feinen Vortheilen und Nachtheilen derfelbe. Es ift bekannt, dafs Giffard die Düfe beweglich gemacht und ebenfo den Ueberfprung( overflow oder trop plein Raum) zum Verftellen eingerichtet hat. Später änderte er die Conftruction feines Injectors, obgleich derfelbe in feiner Wefenheit unverändert blieb. Aufser diefer Conftruction waren eine grofse Anzahl von fehr ähnlichen Conftructionen ausgeftellt, aber auch viele, welche bedeutend von demfelben abweichen. B Spritzen und Pumpen. 43 Am häufigften wurde der Friedmann'fche Injector namentlich an Locomotiven gefunden. Man fand ihn an franzöfifchen, an belgifchen, an ruffifchen, deutfchen und öfterreichifchen Locomotiven, weil er fich durch Einfachheit und. Leiftungsfähigkeit vortheilhaft auszeichnet. Der Unterfchied zwifchen dem Giffard'fchen und dem Friedmann'fchen Injector wird klar, wenn man bedenkt, dafs Friedmann, von dem Gedanken einer befferen Condenfation des Dampfftrahles und einer mehr fucceffiven Befchleunigung des Wafferftrahles ausgehend, zwifchen Dampfdüfe und Condenfationskamin eine Anzahl von Zwifchenröhren anbringt. Hiedurch wird der Zweck, den Friedmann im Auge hatte, vollſtändig erreicht. Es wird nämlich nach dem Zwifchenrohre( wenn, wie bei LocomobilB D A + ₹ 44 W Peter Zwiauer. F S D k K A A C Injectoren, nur ein folches angebracht ift) der aus der Dampfdüfe kommende, alfo vor dem Zwifchenrohre fchon theilweife condenfirte Dampfftrahl unter erneuerter Wafferaufnahme und Gefchwindigkeitsabgabe vollſtändig condenfiren. Die Aufnahme von Waffer gefchieht vor und nach dem Zwifchenrohre. Dadurch wird das Waffer nicht plötzlich mitgeriffen, fondern in conifchen, trichterförmigen Schichten ihm die Gefchwindigkeit des Dampfftrahles übertragen. Gleichzeitig wird dadurch auch die Condenfation vollſtändiger. Auferdem gebraucht Friedmann für gewiffe Fälle, um die Berührungsflächen von Dampf und Waffer zu vergröfsern, ovale ftatt runde Querfchnitte. Die langfame, fucceffive Gefchwindigkeitsänderung des Wafferftrahles gewährt den Vor theil, dafs wenige oder gar keine Verlufte durch Stofs oder Wirbelbildung eintreten, was bei den übrigen Injectoren nicht fo vollſtändig erreicht wird. Ein anderer, ziemlich häufig vorkommender Injector ift der Schau'fche, gleichfalls mit feftftehenden Düfen. Die Eigenthümlichkeit des Schau'fchen Injectors befteht in einer Communication zwifchen dem Ueberfprungraum mit dem Saugraum. Es foll dort eine zweite Wafferaufnahme ftattfinden. In den wefentlichen Theilen ift er folgendermassen eingerichtet. In die Achfe des Injectors mündet das Dampfrohr, welches fich in eine kurze Düfe verläuft. Seitlich mündet das Wafferrohr. In dem Rohr, in welches jetzt das Gemifch Spritzen und Pumpen, 45 NUUUUL von Dampf und Waffer eintritt, dem Condenfationskamin, erfolgt die Mittheilung der Gefchwindigkeit an den Wafferftrahl. Das Condenfationskamin ift mit der Fangdüfe aus einem Stücke; der Ueberfprungraum, durch den das überfprühende Waffer austreten foll, ift durch vier längliche Ausfchnitte gebildet. Das Kamin und die Düfe find in einem gufseifernen Gehäufe eingefchloffen, welches mit dem Raum vor dem Kamin in 46 Peter Zwiauer. freier Verbindung fteht. Es fcheint also die Abficht des Conftructeurs gewefen zu fein, in dem Ueberfprungraume noch eine zweite Wafferaufnahme zu veranlaffen. Diese Vorausfetzung wird aber nicht eintreten; denn ist im Ueberfprungraume eine gröfsere Spannung als im Saugraume, was in der Regel der Fall fein wird, fo kann kein Waffer mehr aufgenommen werden. Im entgegengefetzten Falle würde fchon vor dem Condenfationskamine foviel Waffer aufgenommen werden, dafs der Ueberfprungsraum eine gröfsere als die Saugfpannung zeigt. Hingegen hat die Conftruction den Nachtheil, dafs das Vacuum im Saugraume das Waffer im Ueberfprungraume abzieht, weil die Spannung im Ueberfprungraume gröfser ift, als die im Saugraume, fo dafs der Strahl Waffer verliert, anftatt nachzufaugen. Die Anwendung diefes Injectors ift gleichwohl nicht gering, namentlich wird er in Deutfchland mit Vorliebe angewendet. Die Form, in welcher er gegenwärtig ausgeführt wird, weicht nicht infoferne von der eben befprochenen urfprünglichen ab, als der Ueberfprungraum vom Saugraume getrennt ift, und auf die zweite Wafferaufnahme verzichtet wird. Die Regulirung des Ganges erfolgt durch das Wafferventil. Der Friedmann'fche Injector für Refervoirbedienung ift ganz dem für Keffelfpeifung analog conftruirt. Bei gröfseren Injectoren ift das Zwifchenrohr C B C L Spritzen und Pumpen. 47 wiederholt. Es wird dann das zweite Zwischenrohr zum selben Zwecke benützt, gegenüber dem erften, wie diefes gegenüber der Dampfdüfe. Schliefslich ist noch das Condenfationskamin, welcher dann die Propulfion des Strahles vollzieht. Friedmann verfieht das erfte Zwifchenrohr bei grofsen Injectoren mit fchraubenförmigen Zügen, durch welche er eine genaue centrale Richtung des Strahles erlangen will. In bisher unbekannten Dimenfionen führt Friedmann den Injector als Schiffsleckpumpe aus, mit vielen( bis 7) Zwifchenröhren. Die Wirkungsweife ift diefelbe, wie bei der Keffelfpeife und Refervoirinjectoren; nur leuchtet hier die Nothwendigkeit der Zwifchenröhren mehr ein. Die Apparate find bis zu 10.000 Cubik. fufs Leiftung per Stunde und per Atmoſphäre Dampfdruck conftruirt. In dem Wafferabflufsrohr ift bei folchen Apparaten in der Regel ein Ventil oder eine Klappe eingefchaltet, welches man leicht von Hand fchliefsen kann, um den Dampf zurückzufchlagen, fo dafs er durch das Saugfieb austreten mufs und diefes gründlich vor dem Verftopfen bewahrt, welches der gefährlichfte Umftand bei Schiffsleckpumpen ift. Häufige Anwendung findet der Friedmann'fche Injector zum Ausfchöpfen von Brunnen, Baugruben etc., nur mufs er dann ftets unter das Wafferniveau gelegt werden. Er ift dann ebenfalls mit einem Saugfieb und mit der erwähnten Vorrichtung zum Reinigen desfelben verfehen. Der Haswell'fche Injector ift eine etwas veränderte Art des Sellers'fchen. Die Dampfnadel ift beweglich und öffnet die Düfe mehr oder weniger weit. Ein Zwifchenrohr ift nicht vorhanden und bemerkenswerth mögen nur die in das Condenfationskamin gehauenen Nuthen fein, welche fowohl als Ringe, als auch der Länge nach bis ungefähr in die Hälfte des Kamins reichen. Durch die Nuthen beabfichtigt der Conftructeur eine vollständigere Mifchung von Dampf und Waffer zu erlangen; jedenfalls aber wird die Anordnung nicht unbedeutende Verlufte durch Reibungswiderstände verurfachen. Das Condenfationskamin ift auch hier aus einem Stücke mit der Fangdüfe, und der Ueberfprungraum fteht mit dem Saugraume in keiner Verbindung. Der Injector faugt auch und kann auf der Plattform der Locomotiven angebracht werden. Blancke's Injectoren find gleich den Haswell'fchen Variationen über den Seller'fchen. Auch fie haben eine Dampfnadel, welche den Dampfftrahl als Ring formt, um dadurch eine beffere Vereinigung mit dem Waffer zu erzielen. Der Blancke'fche faugende Injector unterfcheidet fich von dem vorher befprochenen dadurch, dafs eine zweite Wafferaufnahme vom Ueberfprungraume beabfichtigt, wefshalb in dem Schlabberrohr noch ein Saugventil angebracht ift; der nicht faugende Injector ift dem Schau'fchen nachgebildet. Doch haben auch fie, wie die faugenden eine zweite, ja fogar eine dritte Wafferaufnahme. Die zweite findet nicht im Ueberfprungraume ftatt, fondern es ift das Condenfationskamin von zwei Reihen kleiner Löcher durchbrochen, noch bevor der Saugraum abgefchloffen ist; die Conftruction läuft im Wefentlichen auf das Friedmann'fche Zwifchenrohr hinaus. Im Schlabberrohrftutzen ift ein Saugventil angebracht, durch welches die dritte Wafferaufnahme ftattfinden foll. Das Rohr von dem Stutzen foll in einem Wafferbehälter münden und Waffer bis zu 60 Grad Cels. aufnehmen können. 4 48 Peter Zwiauer. Paul Suckow in Breslau ftellte Originalconftructionen von Injectoren aus, welche in gar nichts Anderem beftanden als in Seller's Injector, nur mit dem Unterfchiede, dafs Condenſationskamin, Fangdüfe und die Dampfnadel fix und die Dampfdüfe einmal durch Zahnftange und Segment, ein zweites Mal durch heine Schraube auf der feften Spindel adder Nadel bewegt wird. Die Stellung der Düfe beſtimmt der Conftructeur je nach der Dampffpannung und giebt diefs am Segment zu erkennen. Einmal gefchieht der Dampfeintritt durch das obere Ende der Düfe, das zweite Mal durch eine Anzahl von kleinen Löchern in der cylindrifchen Wand der Düfe. Die erftere Conftruction heifst Paul Suckow, die letztere R. Mayer. Schäffer und Budenberg in Buckau ( Magdeburg) ftellten Injectoren von Schäffer'fcher Conftruction aus, bei welchen anftatt der Spindel des Sellerfchen Injectors die Düfe durch einen Handgriff an der freien Stelle des Düfenrohres bewegt wird. Offenbar das Original der Suckow'fchen Conftruction. Ferner ftellte diefelbe Firma, verticale Injectoren, Conftruction Delpêche, aus, an dem Alles Giffard war, mit Ausnahme der verticalen Stellung des Injectors. Der Schau'fche Injector von derfelben Firma zeigte uns keine wefentlichen Veränderungen. Er hat immer Condenfationskamin und Fangdüfe aus einem Stücke, und diefes fteckt in einem Gehäufe, an dem der Wafferhahn angegoffen ist. Nach den Angaben der Conftructeure foll auch der Dampfverbrauch geringer fein, als bei den übrigen Conftructionen. Raven& Zabel in Quedlinburg ftellten Injectoren aus, welche wieder genau die Eigenfchaften der Blancke'fchen faugenden Injectoren hatten. Von den englifchen Firmen fahen wir faft durchgängig nur Giffard'fche Injectoren, welche aber ohne Ausnahme irgend eine Verbefferung haben follen. Es ift nun noch der Borfig'fche Injector, welcher an der Eilzugsmafchine , Bismarck" angebracht war, zu erwähnen. Es iſt ein Seller'fcher Injector, mit beweglicher Düfennadel, aber feftftehendem Condenfationskamine und Fangdüfe. Der Injector ift nicht faugend, und es ift an ihm bemerkenswerth, dafs er nicht, wie die meiften Injectoren, fonft gleich hinter der Fangdüfe ein Ventil hat, fondern überhaupt nur das Speifeventil direct vor dem Keffel. Das Material, aus dem das Gehäufe gebildet, war Gufseifen, die Düfen aus Bronze. Es mag hier der Ort fein, um die Ejectoren zu befprechen, das find nämlich die Apparate, um durch die lebendige Kraft des ausftrömenden Waffers oder Dampfes Waffer zu heben. Ueber die Ejectoren, welche Nagel und Kämp zum Füllen ihrer Centrifugalpumpen anwenden, kann der Berichterstatter nichts fagen, da die genannten Herren keinerlei genaue Auskunft geben wollten. Der Wafferejector befteht im Wefentlichen aus einem langen conifchen Rohr, in welchem fich eine gewiffe Gefchwindigkeit des durchftrömenden Waffers e ntwickeln mufs. Führt man den Strom in der gleichen Richtung fort, fo wird er, plötzlich in einen weiteren Querfchnitt übergeführt, nicht anders können, als Spritzen und Pumpen 49 11 nach einer ftarken Contraction ein Vacuum zu erzeugen. Steht nun der Raum, in dem das Waffer ein Vacuum erzeugt hat, mit dem Saugwaffer in Communication, fo wird dasfelbe angefaugt, durch die lebendige Kraft des fliefsenden Waffers mit fortgeriffen, und weggeführt; fo tritt eben diefelbe Wirkung ein, die beim Dampf durch fein Gefchwindigkeitsmoment entſteht. Dem Dampf- Ejectionsapparat liegt diefelbe Idee zu Grunde, nur dafs noch die Condenfationswirkung hinzu kommt, welche die Saugwirkung nur vermehren kann. Aehnlich mag der leitende Gedanke bei der Conftruction der Jet- Condenfors ( Strahlcondenſatoren) fein, welche uns in zwei Geftalten begegneten. Gebrüder Decker haben für unterirdifche Wafferhaltungsmafchinen Strahlcondenfatoren ausgeführt, von denen aber dem Berichterstatter nur bekannt ift, dafs diefelben aus einem Syfteme fefter Düfen beftehen und ungefähr den verkehrten Weg des Injectors verfolgen. Das Waffer, welches man aus dem Druckrohre in Menge entnehmen kann, wird in den Raum des Dampfes eingeführt und die Pumpe ift fich felbft Luftpumpe, denn das gebrauchte warme Waffer wird in das Saugrohr geleitet, um von dort wieder den Weg durch die Pumpe zu nehmen. Einen auf demfelben Principe beruhenden Strahlcondenfator haben Gebrüder Körting in Hannover ausgeftellt. Es ift diefs auch gleichfam ein verkehrter Injector, und er befteht aus einer conifch fich verengenden Düfe, durch welche das Waffer einftrömt. Ein Zwifchenrohr und eine in der erften Düfe fixirte Nadel haben den Zweck, dem Waffer die genaue centrale Richtung zu geben und den Wefferzuflufs ringförmig zu geftalten, während von der Seite das Dampfrohr mündet. Der Dampf mufs die Wafferdüfe umgeben und tritt dann mit dem rafch ftлömenden Waffer zufammen. Das Gemifch kommt nun in eine Art von Condenfationskamin, in welchem fich aber eine bedeutende bauchige Erweiterung befindet. Hier fcheint die eigentliche Condenfation vor fich zu gehen. Von hier verengt fich das Rohr wieder und kommt fchliefslich auf den urfprünglichen Durchmeffer zurück. Die Condenſation ift fehr vollständig und die Volumsvermehrung durch den condenfirten Dampf beträgt ungefähr zwei Percent. Das mit dem Condenſator 4* 50 Peter Zwiauer. erreichbare Vacuum kommt bis auf 740 Millimeter Quecksilberfäule, doch mufs alsdann fehr reichlich kaltes Waffer auch mit etwas Gefälle dem Apparate zulaufen.( Ungefähr 12 Liter per Secunde und Pferdekraft.) Diefe Condenfatoren werden auch je nach ihren Gröfsen mit verfchiedenen Curven an den Düfen und am Condenfationskamine und mit verfchiedener Anzahl Düfen hergestellt. Es hat fich überhaupt bei den Verfuchen herausgeftellt, dafs der Gebrauch eines Strahlcondenfators die Luftpumpe vollſtändig erfetzen kann, wenn kaltes Waffer in gröfserer Menge zufliefst. Die ausgezeichnete Fähigkeit, ein bedeutendes Vacuum zu erzeugen, fichert dem Apparate feine Anwendung zu Vacuumpfannen in den verfchiedenen Branchen der chemifchen Induſtrie. Es ift auch klar, dafs fich dadurch dann Kohlenerfparnifs ergibt, wenn man gegen den Strahl condenfator eine gewöhnliche Luftpumpe nimmt. Es liegt auch die Möglichkeit eines vollkommeneren Vacuums vor, wenn alle Flanfchen und Packungen dicht hielten. Es zeigt fich aus verfchiedenen Atteften, dafs die Luftleere 24 Zoll, 632 bis 740 Millimeter betragen kann, welches jedenfalls eine fehr gute Leiftung zu nennen ift. Ausserdem gewährt die Anwendung des Strahlcondenfators den Vortheil, dafs man gar keine von den complicirten Apparaten, als Kaltwaffer- und Luftpumpen, benöthigt. Die Aufftellung der Con denfations Mafchinen wird eine wefentlich leichtere, weil der Condenſator jetzt faft gar keinen Platz beansprucht und überall hingeftellt werden kann; er verlangt gar keine Bedienung mehr, wenn der Wafferzuflufs einmal geregelt ift. Die Gehäufe der Condenſatoren find von Gufseifen, die inneren Theile, Düfen etc. von Kanonenmetall, und ohne jede innere Packung. Die Luftpumpen, welche nothwendig hier angereiht werden müffen, dürften wahrfcheinlicherweife ihre eingehendere Befprechung bei den meift hüttenmännifchen Fächern finden, für deren Zwecke fie dienen. Es waren ihrer auch nur wenige bei der Ausftellung zu finden. Vor Allem ragte im buchstäblihen Sinne des Wortes die grofs Gebläfemafchine hervor, welche die Werke Sir John Cockerill's in Seraing, Belgien, ausftellten. Es Spritzen und Pumpen. 51 war eine grofse Gebläfemafchine zur Bedienung eines Hochofens und von der Fabrik fchon in der enormen Zahl von 103 Exemplaren ausgeführt. Es iſt eine Kolbenpumpe, und foll vor Allem die Aufftellungsweife derfelben hier Beachtung finden. Man hat nämlich den Dampfcylinder unten hingeftellt und den Gebläfe cylinder auf einem Gerüfte von vier gufseifernen runden Säulen hoch angebracht. Die Dampfmafchine ift zweicylindrig nach Woolf'fchem Syfteme conftruirt. Von dem Querhaupte, welches die beiden Kolbenstangen und die Stange des Gebläfekolbens aufnimmt, gehen die Triebftangen aus und zu den koloffalen Schwungrädern hinab, in deren Naben die Kurbelzapfen eingefetzt find. Die beiden Kolbenstangen find fo an das Querhaupt befeftigt, dafs die Kolbenftange des Gebläfekolbens gerade in der Refultirenden der Kräfte angreift. Zwifchen den Zapfen der Triebftangen und den Kolbenstangen find die Führungsbacken angebracht, welche auf den Führungen, die an die Säulen angefchraubt find, gleiten. Für die Luftpumpen des Condenfators find zwei Balanciers wirkfam, die durch kurze Lenkftangen am Querhaupte befeftigt find. Die Lager für die gemeinfame Balancierachfe find in zwei Confolen gebohrt, welche an die Säulen angegoffen find. Man wird fich aus diefen wenigen Angaben ein Bild der Aufftellung machen können. Die beiden Dampfcylinder haben jeder für die beiden Cylinderfeiten getrennte Steuerungen, weil fonft die Dampfwege zu lang würden. Die Bewegung der Schieber erfolgte durch eine Welle, auf welcher mehrere unrunde Scheiben( Kämme) fafsen, fo dafs jeder Schieber fchneller aufgezogen wird, als durch Excenter, deren Anwendung nicht erlaubt war, weil die Schwungradwelle unter den beiden Cylindern in einem gufseifernen Kaften lag, auf welchem die Dampfcylinder ftanden. Auf der Schwungradwelle fafs ein Zahnrad, in welches mehrere gleich grofse Räder eingriffen, bis endlich die Welle des vierten Rades als Steuerwelle benutzt wurde. Der Gebläfecylinder war mit Lederklappen verfehen, welche in zwei Ringen oben und unten angeordnet waren. Die Druckventile waren von cylindrifchen Gehäufen umfchloffen, die mit einander durch ein Rohr verrbunden waren. Die Pumpe arbeitete ziemlich oft und ihr Gang ift bei den gerir.gen Gefchwindigkeiten aufserordentlich ruhig. Der Condenfator an der Mafchine lag unter den Cylindern und bildete einen Theil des vorerwähnten Kaftens, in dem auch die Lager der Schwungradwelle aufgeftellt waren. Eine Säule, wie fie zu der Mafchine verwendet wurde, war als rohes, ungeputztes Gufsftück ausgeftellt, und konnte man die aufserordentliche Reinheit des etwas phosphorhaltigen Guffes bewundern. Die zahlreichen Cannelirungen, die an den Capitälern und an den Ringen angebracht waren, die feinften Hohlkehlen und Platten waren ganz rein, obgleich man fie nach der Montirung in diefer Höhe nicht gut fehen wird. Der Berichterstatter befchränkt fich auf diefs Wenige, da die Mafchine von anderer Seite Beurtheilung erfahren wird. Eine liegende Gebläfemafchine für den Beffemerproceſs war von der Simmeringer Mafchinen- und Waggonfabriks- Gefellfchaft, vormals H. D. Schmid in Simmering, ausgeftellt und hatte die vom Civilingenieur Leyfer erfundenen und patentirten Ventilklappen. Diefelben waren conftruirt, um den grofsen Windverluften mit der gewöhnlichen Klappenanordnung abzuhelfen. Wie aus der nebenftehenden Zeichnung erfichtlich ift, haben die Klappen eine folche Anordnung, dafs fie fehr leicht zugänglich find und das Auswechfeln derfelben ohne irgend eine Demontirung des Deckels oder Cylinders gefchehen kann. Die Saugklappen haben eine gewiffe Neigung, fo dafs deren felbftthätiges Oeffnen und Schliefsen ohne Zuhilfenahme von Federn, Gegengewichten oder ähnlichen Armaturftücken erfolgt, Um die Durchgangsöffnungen zu vergrössern oder refpective die Anzahl der Klappen zu vermehren, find ftets mehrere in einem Gehäufe angeordnet, welches an die Cylinderdeckel befeftigt ift. ப 52 Peter Zwiau er. LK ODD 0000 0000 0 Spritzen und Pumpen. 53 Die Klappen beftehen aus Kautfchuk oder Filzfcheiben, welche mit Leder armirt find und auf dem Gitter der Unterlage auffitzen; fie find durch mehrere Schrauben an ihren Sitzen befeftigt. Die Vortheile diefer Klappenanordnung beftehen hauptfächlich in der leichten Zugänglichkeit der Ventile und im felbftthätigen Schliefsen derfelben. Mehrere Werke, bei deren Gebläfemaſchinen diefe Ventilanordnung angebracht wurde, atteftiren die gute Wirkfamkeit derfelben namentlich bei erhöhter Kolbengefchwindigkeit. Diefe Conftruction ift hauptfächlich für liegende Gebläfemafchinen, welche den Beffemerprocefs mit Wind zu verforgen haben, gedacht, doch kann fie auch für andere induftrielle Zwecke und auch für verticale Gebläfe ihre vortheilhafte Anwendung finden. Für den erftgenannten Zweck, bei welchem Windpreffungen von 25 und mehr Pfund per Quadratzoll vorkommen, ift die auftretende Winderhitzung durch die Compreffion fo bedeutend, dafs ein mit der Anwendung diefer Klappenanordnung verbundenes Verfahren zur Wafferkühlung des Cylinders ausgeführt wurde, da fonft durch die erhitzte Luft die Ventile und ihre Armaturen zu fehr leiden und zu fchnell ausgewechfelt werden müfsten. 54 L Peter Zwiauer. Z. B. war bei dem Beffemerwerke der k. k. Staatseifenbahn- Gefellſchaft in Refchitza die Lufttemperatur im Gebläfehaufe Temperatur des Kühlwaffers.. Zeitdauer der Charge in Minuten Maximal- Windpreffung in Wiener Pfund per I Quadratzoll. Temperatur des gekühlten Windes 26 Grad Celfius 4 27 32.5 26 85 Grad Celfius. Man fieht, dafs die Temperaturen fehr hoch fteigen können, wodurch die Ventile bedeutend leiden. Die Aufftellung war gekuppelt. Es waren zwei complete Dampfmaschinen, die durch eine Welle miteinander gekuppelt waren, nur dafs vorne in der Verlängerung der Kolbenstange noch der Gebläfecylinder angebracht war. Zwifchen den beiden Mafchinen war ein Schwungrad, um die Gleichförmigkeit der Bewegung zu erhöhen. Die Mafchinen hatten die früher von derfelben Firma üblich gewefenen Aufftellungen, auf einem Bette, welches aus zwei hohlen, unten offenen Balken aus Gufseifen bestand, welche bei den Geradführungen in einen zufammengezogen waren. Zwifchen den beiden Cylindern waren gemeinfchaftliche Geradführungen für die Kolbenftangen angebracht. Sämmtliche Führungen waren durch Schuhe gebildet, die durch zwei übergelegte Lineale vom Abheben gehindert waren. Die Druckleitungen beider Cylinder vereinigten fich unter denfelben in einem Rohre, wobei jedoch in jeder Rohrleitung Abfperrfchieber etc. eingefchaltet waren. Die Steuerung der Mafchine wurde durch zwei Schieber bewerkstelligt, wie man diefe unter der Bezeichnung, Mayer'fche Steuerung" kennt, und wie fie von diefer Fabrik auch fonft ausgeführt wurde. Die Arbeit an der Mafchine war, wie an den fämmtlichen diefer Fabrik, fehr exact und fchön und läfst fich nur das Befte fagen. Es bleibt von den Luftpumpen, welche im Allgemeinen befprochen werden müffen, noch die von Profeffor Daniel Colladon aus der Schweiz ausgeftellte zu befprechen. Der leitende Gedanke diefer Conftruction mag etwa folgender fein: Die bekanntlich eintretende ftarke Erhitzung der Luft durch die Compreffion mufs für einen regelrechten Gang der Mafchine aufgehoben werden, und es gefchieht diefs durch Wafferkühlung. Es kann auf zweierlei Arten erreicht werden: entweder durch Einfpritzung ins Innere des Cylinders, oder durch Kühlung der Wände, der Kolbenftange und des Kolbens in Folge continuirlicher Wafferzuführung. Bei der ausgeftellten Pumpe war das Letztere angewendet, das Erftere mag fchon aufgegeben worden fein. Der Antrieb der Pumpe gefchieht Spritzen und Pumpen. 55 durch Riemenfcheiben oder Zahnräder, von welchen die Bewegung, durch die Kurbel in eine hin- und hergehende verwandelt, auf die Koibenftange übertragen wird. Die durchgehende Kolbenftange ift hohl und trägt einen gleichfalls hohlen Kolben. Die Cylinderwand ift hohl, es circulirt in dem Zwifchenraume zwifchen den beiden Wänden kaltes Waffer. Der Kolben ift conifch gegen das Centrum zu erweitert, und find defshalb die beiden Cylinderdeckel gleichfalls conifch gebildet. In denfelben find die Druck- und Saugventile angebracht, und zwar in eigenen Gehäufen, nach deren Abnahme man die Ventile unterfuchen und etwaige Schäden ausbeffern kann. Die Sitze, fowie die Ventile find aus Bronze, und die erfteren in die Deckel ganz genau eingefchliffen. Die Kolbenftange ift in den Deckeln durch Stopfbüchfen mit Stulpliderungen dicht gehalten. Der Kolben ift aus zwei Theilen gebildet von Gufseifen und zwifchen den beiden ift die doppelte Stulpliderung. Die Kolbentheile find auf die Kolbenstange aufgefchraubt. Im Kolben befinden fich zwei hohle, ringförmige Räume, welche fowohl miteinander, als auch mit dem Innern der hohlen Kolbenftange communiciren und eine ausgebreitete Waffercirculation ermöglichen. Damit frifches Waffer continuirlich in das Innere der Stange komme, ift in diefelbe ein kupfernes Rohr eingeführt, welches fix bleibt, und alfo gegen die Kolbenftange eine relative Bewegung macht. Diefes Rohr ift von einem etwas gröfseren Rohre umgeben, welches gleichfam für das erftere den Cylinder bildet und in der Nähe des Kolbens durch eine Klappe verfchliefsbar ift. Die Verlängerung desfelben hat einen etwas geringeren Durchmeffer und endigt offen am Ende der Kolbenftange. Auf dem letztbefprochenen Rohr ift zwifchen den beiden Löchern im Kolben eine Scheidewand befeftigt. Die Wirkungsweife ift klar: Das fefte Rohr mit feiner relativen Bewegung taucht aufsen in einen Wafferbehälter und treibt bei jedem Doppelhub ein gewiffes Quantum Waffer in die Kolbenftange. Das Waffer tritt durch das fefte Rohr ein, paffirt die Klappe in dem umgebenden Rohre und gelangt fo an das vordere Ende der Kolbenstange, mufs feine Bewegungsrichtung ändern und die Kolbenftange bis zum Kolben kühlen. Nun trifft es auf die fefte Scheidewand, durch welche es gezwungen wird, in den Kolben einzutreten, beide Kolbenflächen zu kühlen, um durch die zweite Oeffnung vor der feften Scheidewand wieder in die Kolbenftange zu gelangen und endlich durch ein Röhrchen abzufliefsen. Die Anordnung ift fehr finnreich, denn die Menge des zugeführten Waffers richtet fich hiebei nach dem Volumen der comprimirten Luft, oder vielmehr nach der Anzahl der Kolbenhübe. Diefe, fowie die Luftpumpe, welche jetzt befchrieben werden foll, find für die Benützung der comprimirten Luft als Kraftträger, und beide find eigentliche Luftcompreffions- Mafchinen. Die Mafchine, welche jetzt behandelt werden foll, war von mehreren Firmen ausgeftellt, und ihre Unterfchiede find unwefentliche Aenderungen. Die Brünner Mafchinenfabriks- Gefellſchaft, vormals Th. Bracegirdle& H. A. Luz in Brünn, hatte eine Luftcompreffions- Mafchine ausgeftellt, welche als Typus gelten kann und defshalb ausführlicher befprochen werden foll. Die Mafchine bafirt auf der Vorausfetzung, dafs die Pumpe nicht in der Luft, fondern unter Waffer arbeiten foll, wodurch die fchädliche Erhitzung beim Comprimiren von felbft vermieden wird. Die Pumpe ift doppeltwirkend und der Cylinder trägt an jedem Ende einen gröfseren Ventilkopf, in welchem fich Waffer befindet. Die Ventile 5 56 Peter Zwiauer. 北 أفــــ beftehen aus Kautfchukringen, welche aber verfchieden geftaltet find. Der Druck. ring ift aus einer Scheibe hergeftellt, welche geringe Höhe hat( 15 bis 20 Millimeter); der Saugring ift aus einem Cylinder gefertigt, deffen Höhe etwa 100 bis 200 Millimeter beträgt und 15 bis 20 Millimeter ftark ift. Der Saugring liegt am äufseren Umfange eines Cylinders, der unten in einen Trichter ausläuft und in einer Spritzen und Pumpen. 57 conifchen Verjüngung endet. Die Ventilfläche ift gitterartig durchbrochen. Ift die Mafchine im Saugen, fo mufs fich diefer hohe Ring ausdehnen, um fich von dem Sitze nach aufsen abheben zu können, wie aus der Zeichnung erfichtlich ift. Der Druckring ift wie die gewöhnlichen Kautfchukventile befchaffen und hat auch die gewöhnlichen Functionen. Der ganze Cylinder und der untere Raum der Ventilköpfe ift mit Waffer gefüllt, fo dafs der Kolben niemals trocken gehen kann. In der Luftleitung mag irgendwo eine Erweiterung angebracht fein, um das mechanifch mitgeriffene Waffer abzufetzen. Diefes wird von der Maſchine durch eine kleine feitwärts angebrachte Pumpe erfetzt. Die Thätigkeit der Mafchine als Luftcompreffor ift jetzt klar. Es erübrigt noch, über die Anordnung der Dampfmafchine dazu etwas zu fagen. Zwifchen den Pumpen und dem Dampfcylinder ift eine Geradführung mit Querhaupt angebracht, an welchem die Triebftangen zum Schwungrad und eingehangen find. Der Dampfcylinder liegt vor der Geradführung, ift mit einem gufseifernen Kolben mit felbftfpannenden Ringen verfehen, fowie der Pumpenkolben. Die Schwungradwelle liegt knapp vor dem Dampfcylinder und die Schwungräder fitzen zu beiden Seiten der Welle. Die Kurbelzapfen find in den Armen eingefetzt. Die Steuerung der Mafchine gefchieht durch zwei Excenter, welche an Hebeln wirken, die ihren feften Drehpunkt im Geftelle haben und an deren Ende eine Zugftange die Schieberftange angreift. Die beiden Schieber find Mayer'fche, und wird aber die Mafchine fonft auch für Volldruck ausgeführt. Weil zu beiden Seiten des Bettes die Schwungräder liegen, fo mufste der Schieberkaften über dem Cylinder angeordnet werden. Die erfte diefer Mafchinen wurde bei dem Baue der Mont- Cenis- Tunnels verwendet und haben. fich diefelben ungemein rafch verbreitet. Auch von der Mafchinenfabrik Humboldt in Kalk bei Deutz war eine Luftcompreffions- Mafchine ausgeftellt, deren Luftcylinder derfelbe war, wie der der Brünner Mafchine, nur mit Plungerkolben verfehen, und alfo auf zwei Cylinder angeordnet. Die Details, fowie Ausftellung etc. waren genau wie bei der erfterwähnten Mafchine, nur follten eben die Kolben mit federnden Ringen vermieden und durch zwei Plungerkolben erfetzt werden. Man hat alsdann um eine Stopfbüchfe mehr dicht zu halten. An beiden Maſchinen ift durch eine kleine Pumpe beftändige Wafferzuführung als Erfatz des mitgeriffenen oder verfprühten Waffers. Die Claffe der nun zu befprechenden Mafchinen ift nothwendig die der Blower. Es find diefs im Allgemeineren Maſchinen mit zwei rotirenden Körpern, welche entgegengefetzten Drehungsfinn haben und mit Erhabenheiten und Ver. tiefungen ineinandergreifen. Bei gröfseren Gefchwindigkeiten entſtehen dadurch luftverdünnte Räume auf einer Seite und Ueberdruck auf der anderen Seite. Diefe Art von Mafchinen war fowohl von Oefterreich als auch von England ausgeftellt. In Oefterreich waren es G. Sigl in Wien und Carl Lenz in Wien, in England Thwaites& Carbutt, die einen Root's Blower mit dazu gehöriger Dampfmafchine ausftellten. Der Root's Blower befteht aus zwei Rädern, deren jedes zwei Flügel hat, die fich gleichfam auf einander abwälzen. Diefe Flügel find, wie der hier beigegebene Querfchnitt zeigt, aus Kreisbogen zufammengefetzt und aus Holz gebildet. Die find mit einer Schmiere bedeckt, welche lange feucht bleiben mufs und dadurch einen dichteren Ab. fchlufs bilden wird. Die damit zu erreichende Wind. preffung beträgt ungefähr I bis 2 Wiener Pfund per Quadratzoll. Dafs dasfelbe Princip auch auf Pumpen für Waffer angewendet werde, ift fchon gefagt. 5* wwwwwwwwww 58 Peter Zwiauer. Spritzen und Pumpen. Die Ventilatoren und Exhauftoren, welche bei der Ausftellung zu fehen waren, boten wenig Neues, und waren es meift Blechconftructionen. Die bekannten Ventilatoren von Schiele, mit faft radial geftellten Blech fchaufeln, waren in gröfserer Anzahl vertreten, desgleichen auch Exhauftoren. Die Exhauftoren find gemeinhin Ventilatoren, welche durch ein Rohr mit dem Raume in Verbindung flehen, aus dem Luft ausgepumpt werden foll. Die Conftruction befteht im Allgemeineren aus einem Flügelrade, welches zu beiden Seiten fenkrecht auf der Achfe durch Blechfcheiben gefchloffen ift. Die Lufteinftrömung gefchieht durch das Centrum, und wird die Luft am äufseren Umfange ausgeworfen. Die Schaufeln find bei Schiele's Exhauftoren gerade etwas aus dem Radius geftellt, nur die Enden radial. In den übrigen Fällen find diefelben etwas gekrümmt, doch nur fehr wenig. Die Flügelräder laufen in Gehäufen von Blech, welche fich auf einer Seite zu dem Abführungsrohr vereinigen. Die Umdrehungsgefchwindigkeiten bei diefen Mafchinen find fehr bedeu tend und betragen oft 1200 Touren. Bei diefen Umftänden erhält man fehr fchwer eine gute Conftruction der Zapfen und ift diefes die Hauptaufgabe des Conftructeurs.