OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 187 3. DIE SPINNEREIMASCHINEN ( Gruppe XIII, Section 2, a) Bericht von JOHANN ZEMAN, Docent am deutfchen Polytechnicum in Prag UND DIE NÄHMASCHINEN, STRICK UND STICKMASCHINEN ( Gruppe XIII, Section 2, b) Bericht von CARL KOHN, Civilingenieur in Wien. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1873. VORWORT. Nach dem Programm der officiellen Berichterstattung über die Wiener Weltausstellung 1873 foll der officielle Bericht noch ,, während der Feier des internationalen Feftes abgefafst und aufgelegt werden". Diefe Beftimmung zu erfüllen, übergibt die gefertigte Redaction des officiellen Berichtes in der vorliegenden Form die einzelnen Sectionsberichte der Oeffentlichkeit und glaubt damit den Befuchern der Weltausftellung das Studium derfelben wefentlich zu erleichtern. Nur eine Bemerkung fei an diefer Stelle geftattet. Der vorliegende, wie jeder andere während der Weltausftellungs- Feier publicirte Bericht wird einen Theil des officiellen Berichtes bilden, welcher nach dem Schluffe der Weltausftellung als ein Ganzes erfcheinen und die wiffenfchaftlichen Refultate der Ausstellung für die Dauer erhalten foll. Diefs mag dem Lefer die ftiliftifche Form, in welcher bereits die Vergangenheit der Ausftellung angenommen ift, erklären. PROFESSOR DR. CARL TH. RICHTER, Chefredacteur des officiellen Berichtes. DIE SPINNEREIMASCHINEN. ( Gruppe XIII, Section 2, a.) Bericht von JOHANN ZEMAN, Docent am deutfchen Polytechnicum in Prag. I. Baumwoll- Spinnereimaſchinen. Nachdem die Mafchinen für Verarbeitung der Baumwolle durch bekannte Umftände in den fechziger Jahren einen ziemlich hohen Grad von Vollkommenheit und Leiftungsfähigkeit bereits erlangt haben, fo laffen fich heute wefentliche Erfindungen und Verbefferungen kaum mehr erwarten. In der Mafchinenhalle fand fich denn auch nur ein Ausfteller mit einem Sortiment von Baumwoll- Spinnereimafchinen für mittlere und für feine Garnnummern, welche fich aber in jeder Richtung, fowohl durch forgfältige und gefällige Ausführung im Allgemeinen, als auch verfchiedene Verbefferungen in Details, endlich durch beachtenswerthe, eine nachhaltige Wirkung verfprechende Neuerungen auszeichneten und der ausftellenden Firma neuerdings Ehre machten. Aufser diefen waren nur zwei zum Entkörnen der Baumwolle beftimmte Mafchinen ausgeftellt, welche zunächft erledigt werden follen. In der landwirthschaftlichen Mafchinenhalle von Nordamerika ftand die Needle Cotton Gin von H. V. Scattergood, welche, wie diefs die Bezeichnung ausdrücken foll, ftatt der Sägeblätter runde, mit Nadeln befetzte Scheiben befitzt, fonft aber wie die bekannte Sägen- Egrenirmafchine eingerichtet ift.- Höheres Intereffe nimmt die von der Firma Platt Brothers& Comp. in Oldham( England), welche fonft nur Wollmafchinen exponirt hat, zur Ausstellung gebrachte verbefferte Maccarthy- Egrenirmafchine in Anfpruch. Diefelbe dient vorzüglich für amerikaniſche( Upland-) Baumwolle, welche wollige, mit kurzen Fäferchen bedeckte Samenkörner befitzt. Diefe Körner laffen fich auf gewöhnlichen Maccarthy- Gins fchwierig entfernen, daher diefes Mafchinenfyftem bisher, trotz feiner fonftigen Vorzüge, in Amerika wenig in Anwendung gekommen ift. Dem Uebelftande zu begegnen, ift nun mit dem fchwingenden Meffer ein Samenabftreif- Mechanismus in Verbindung gebracht worden; ein mit dem Meffer I 2 Johann Zeman. auf- und niedergehender Rechen, welcher jedesmal durch die Zähne eines feſten Roftes durchftreicht, wodurch die abgezogenen Samenkörner zurückgehalten und zu Boden befördert werden. Im Vergleiche mit früheren Mafchinen desfelben Principes hat die Platt'fche Egrenirmafchine noch weitere Vortheile. Sie iſt zweifeitig angeordnet, daher die rafch bewegten Theile gleichförmig ausbalancirt find. Statt wie früher das unbewegliche Meffer mittelft Federn gegen die Lederwalze anzudrücken, ift diefes Meffer jetzt ganz feft und die Lederwalze mittelft Hebelgewichten angedrückt, wobei die Baumwolle ebenfo ficher erfafst, die Abnützung der Walze jedoch gleichförmiger auf die ganze Länge derfelben vertheilt wird.- Nach diefer Abfchweifung kommen wir zu den eingangs erwähnten, von J. J. Rieter& Comp. in Winterthur( Schweiz) ausgeftellten Baumwoll- Spinnereimaſchinen. Beginnen wir mit den Vorbereitungsmafchinen, fo hat der Opener mit verticaler conifcher Schlagtrommel( Crighton's Syftem) ein verbeffertes Zuführrohr erhalten. Um Verftopfungen bei unachtfamer Bedienung zu vermeiden, ift der Zuführtrichter zur Hälfte mit doppelter Wand verfehen, fo dafs durch den hie durch entſtehenden Spalt ftets Luft zutritt, wodurch das Niederfallen der zwifchen Trommel und Roft befindlichen Baumwolle, was die ganze Manipulation der Mafchine ftören könnte, verhindert wird. Bei dem Taylor- Lang'fchen Opener mit horizontalem Zackentambour und continuirlicher Zu- und Abführung find die übereinander liegenden Speifecylinder, welche die Samenkörner zerquetfchen und die Schalenfplitter in die Fafern eindrücken, durch eine grobe Stachelwalze mit muldenförmiger Schiene darüber erfetzt worden, wobei die Baumwolle dennoch fo feftgehalten wird, dafs die Trommel nie gröfsere Flocken auf einmal herausreifst. Die Schlagmafchine ift mit einem verbefferten Lord'fchen Speiferegulator ausgeftattet. Da bei der bekannten ursprünglichen Einrichtung die Röllchen zwifchen den keilförmigen Belaftungsftäben der Zuführhebel in kurzer Zeit einfeitig ausgenützt werden, fo fteckt hier jeder Gewichtftab zwifchen zwei Röllchen ftatt zwifchen je einem wie früher. Um den hiezu erforderlichen Raum zu gewinnen, find je zwei Zuführhebel am hinteren Ende durch einen Doppelring verbunden und mit einem gemeinfchaftlichen Gewichtftab belaftet. Zur Erzielung einer leichteren Beweglichkeit der Zuführhebel umfaffen diefelben ihre Drehachfe nur zur Hälfte, fo dafs die Achfe nach unten frei ift. Diefs erleichtert einerfeits das Auseinandernehmen und Zufammenftellen des Apparates aufserordentlich; anderfeits kann die Drehachfe von unten geputzt und geölt werden. Durch eine halbe Drehung der Achfe mittelft eines Schlüffels am vierkantigen Ende wird die geölte Fläche der Achfe gegen die Lagerflächen der Zuführhebel gewendet. Bei den Karden finden fich unterhalb des Tambours die bekannten Putzwalzen; diefe und der Untertheil der Trommel find durch einen Roft aus verfchieden weit gelochtem Zinkblech umfchloffen. Die Zapfen der Arbeiter und Wender laufen in einer Scheibenbüchfe, deren Scheibe den Zwifchenraum zwifchen Walze und Geftelle ausfüllt, wodurch aufser dem Wickeln der Baumwolle zugleich auch die Befchmutzung derfelben mit Oel verhütet wird. Die felbftthätigen Deckel- Putzapparate an der Feinkarde weifen eine Verbefferung in der Bewegung der Deckel nach, um die möglichft kurze Zeit beim Putzen gelüftet zu bleiben und dergeftalt ein Anfammeln von Baumwollfafern an der Stelle des gehobenen Deckels hintanzuhalten. Zu diefem Zwecke ift die Leitcurve im Excenterrad möglichft günftig gewählt; ferner erhält diefs Rad während des Hebens und Putzens des Deckels durch ein zum Eingriff kommendes grofseres Getriebe eine rafchere Drehung. Vor dem Schleifen der Kardenwalzen oder der Deckel ift es von Vortheil, ein Ausputzen derfelben in einem verfchloffenen Walzen- Bürftapparat vor Die Spinnereimafchinen. 3 zunehmen, aus welchem der Staub und der Flug durch einen Ventilator in den Staub canal abgeführt wird. Es ift diefe Operation keine neue; aber wie oft noch wird in Krempelfälen gerade in diefer Beziehung gegen alle Gefetze der Reinlichkeit gefündigt und ohne Rückficht auf die Gefundheit der dabei befchäftigten Arbeiter vorgegangen. Will man fchon keine eigene Ausputzmafchine aufftellen, fo werde die Schleifmafchine felbft mit einem Gehäufe umfchloffen, welches den im Beginne des Schleifens aufwirbelnden Staub unmittelbar ins Freie abführt.- , Gute, fcharfe Kratzenbefchläge und genau runde Walzen, das find die Grundbedingungen einer guten Arbeit auf den Krempeln" für Baumwoll- wie für Schafwoll- Spinnerei. Wir befprechen daher hier fchon die von Cöleftin Martin in Verviers eine Specialität für Wollbearbeitungs- Mafchinen ausgeftellte neue Mafchine mit zwei Schmirgelfcheiben( Dronsfield's Patent), welche ein Spitzfchleifen der Befchläge ermöglichen. " Die an beiden Enden einer horizontalen Achfe aufgefteckten, alfo in verticalen Ebenen fich drehenden Schmirgelfcheiben erhalten nicht blofs eine rotirende Bewegung, fondern gleichzeitig eine Hin- und Herbewegung in der Längenrichtung der zu fchleifenden Walze. Beide Bewegungen gehen von einer Nuthwelle aus: die rotirende durch Schraubengetriebe, und die hin- und hergehende Bewegung, in Folge Eingriff einer auf diefer Welle gleitenden Schraube ohne Ende, in eine im Schleifgehäufe eingelegte Zahnftange. Diefes Gehäufe bildet die Führung für den Support, in welchem die Schmirgelfcheiben mit ihren Getrieben gelagert find. Damit die Enden der Walzen gut gefchliffen werden, darf die Umkehr nicht zu fchnell erfolgen. Daher ift die Zahnftange nicht feft, fondern innerhalb gewiffer Grenzen verfchiebbar eingelaffen. Kommt die Schleiffcheibe an das Ende des Weges und wird dadurch die Riemenumftellung, hiemit auch die entgegengeſetzte Drehung der Nuthwelle und der Getriebe für die Schmirgelfcheiben bewerkstelligt, fo mufs die Zahnftange vorerft, bei dem ununterbrochenen Eingriff der Schnecke, in die entgegengefetzte Stellung rücken. In der Zwifchenzeit fteht der Support mit den umgekehrt rotirenden Schleiffcheiben feft, tritt aber nach beendeter Verfchiebung der Zahnftange feine Rückbewegung an. Es zeigt diefe Conftruction eine wefentliche Vereinfachung im Bewegungsmechanismus diefer Schleifmafchine, wie fie zuerst auf der Londoner Specialausftellung im Jahre 1871 bekannt wurde. Auf die übrigen zur Wollbranche gehörigen Mafchinen von C. Martin kommen wir an geeigneter Stelle mit der ihnen gebührenden Ausführlichkeit zurück. Hier mufs auch noch die Platt'fche Schleifmafchine mit Schmirgelwalze Erwähnung finden, da diefelbe wegen der verbefferten Stellung der zu fchleifenden Walze auch für Baumwoll- Spinner intereffant ift. Die beiden Stelllager laffen fich nur gemeinfchaftlich, ftets parallel zur Achfe der Schleifwalze verftellen durch Drehung einer Querwelle, welche durch Kegelrädchen und Schraubenfpindeln mit den Stelllagern in Verbindung gebracht ift.- Wir fetzen nach diefer Unterbrechung mit den Rieter'fchen Spinnereimafchinen fort. Die ausgeftellte Doublirmafchine, welche 24 Bänder der Grobkarde zu einem Wickel für die Feinkrempel vereinigt, ift dadurch erwähnenswerth, dafs diefelbe fammt Kannen nicht mehr Platz wie eine Karde beansprucht, daher ohne Weiteres in eine Krempelreihe eingeftellt werden kann, was in Hinficht auf den fonft läftigen Transport der Kannen gewiffe Vortheile bieten kann. Die Streckmafchinen waren mit fechs Reihen cannellirter Cylinder verfehen, um den Verzug zwifchen den einzelnen Walzenpaaren zu ermäfsigen, hierdurch aber eine gröfsere Gleichförmigkeit im Band und gröfsere Schonung der Fafern zu erzielen. Bei kleinerem Verzug ift auch die Belaftung geringer, was der Dauerhaftigkeit der Maſchinen zu Statten kommt. Abftellung bei Bandbrüchen am Ein- und Auslauf. Belaftung der Druckcylinder, ftatt durch direct angehängte I* 4 Johann Zeman. Gewichte oder durch Hebelgewichte, mittelft Ketten, Rollen und Gewichthebel zur Erleichterung der Aushängung der Preffionsgewichte. Die fchon von Paris 1867 her bekannte Lagerung der Flyerfpindeln bei Vorfpinnmafchinen und die Lagerung des unteren Conus des Differentialmechanismus hat fich feither fehr gut bewährt. Drähte, welche zwifchen den zwei Fadenreihen vor den vorderften Streckcylindern ausgefpannt wurden, vermindern das Zufammenlaufen eines geriffenen Bändchens mit einem guten Faden und erhöhen dadurch nicht unbedeutend die Production der Flyer. Etwas eingehender mufs von den Verbefferungen und Neuerungen am Selfactor gefprochen werden. Beide ausgeftellte Selfactors waren mit Parr Curtis- Steuerung eingerichtet. Der Selfactor für mittlere Nummern weicht von bekannten Conftructionen zumeift dadurch ab, dafs der Abwindemechanismus fich im Wagen befindet. Bei jedem Wagenfpiel müffen bekanntermafsen die mit hoher Gefchwindigkeit fich drehenden Spindeln behufs Abfchlagens der Fäden zum Stillftand gebracht und in entgegengefetzter Richtung gedreht werden. Bisher gefchah dies durch Verfchiebung des Treibriemens auf eine zweite Scheibe, welche mit dem Abfchlagconus gekuppelt, durch geeignete Räderüberfetzung die Hauptwelle und den ganzen anfchliefsenden Bewegungsmechanismus für die Spindeln in rückläufige Drehung verfetzte. Durch Verlegung des Abwindemechanismus in den Wagen entfällt die Nothwendigkeit, bei jedem Wagenfpiel die Hauptwelle und alle Rollen, über welche die Twiftfchnur läuft, in der Bewegung aufzuhalten und umzukehren, was eine nicht unbedeutende Erfparnifs an Kraft, Abnutzung und Zeit vorftellt. Die Ausführung näher betreffend, fo trägt die frei auf der Spindel- Trommelwelle im Wagen laufende Seilrolle auf der einen Seite eine excentrifche Nabe, auf welche ein doppeltes Stirnrad aufgefchoben ift, deffen Zähne in zwei entfprechende, innen verzahnte Räder eingreifen. Das eine derfelben ift feft auf der Welle, das andere lofe und mit einem Ring verfehen, auf welchen ein feft auf der Welle aufgeftecktes Frictionsrad A aufgefchoben werden kann. Auf der anderen Seite ift die Seilrolle conifch ausgedreht, entſprechend einem anderen Frictionsrade B, welches wie A mit Feder und Nuth auf der Welle fitzt und vom Drehungszähler die Umftellung empfängt. Beim Ausfahren des Wagens ift das Frictionsrad A eingerückt, daher die Seilrolle die Bewegung der Twiftfchnur direct auf die Spindel- Trommelwelle übergibt. Hat letztere die erforderliche Zahl von Umdrehungen vollendet, fo rückt der im Wagen von der Trommelwelle angetriebene Drehungszähler das Frictionsrad A aus, B dagegen ein; es erfolgt nun die Bewegungsübertragung von der lofen Seilrolle vermittelft der Differentialräder auf das Frictionsrad B, beziehentlich die Trommelwelle, langfam im rückgängigen Sinne. Aus diefer Dispofition ergeben fich verfchiedene Vortheile: 1. Schonung des Riemens, welcher fich fonft beim unausgefetzten Hin- und Herfchieben von der Triebfcheibe auf die Abfchlagfcheibe und umgekehrt rafcher abnützt. 2. Die lofe Riemenfcheibe läuft nun nicht mehr auf der Hauptwelle, fondern auf einer Verlängerung des vorderen Lagers mit eigener Schmiervorrichtung. 3. Die Hauptwelle erhält bedeutend vergröfserte Lagerflächen, daher geringere Abnützung. 4. Verminderung der Erfchütterungen im Wagen. Derfelbe wird nun ohne Sperrhaken in feiner äufserften Stellung gehalten, lediglich durch den Zug der ftets nach derfelben Richtung bewegten Twiftfchnur. 5. Da der Drehungszähler für den Twift im Garn von der Spindel- Trommelwelle aus bewegt wird, fo erhalten die Fäden zuverläffiger die berechneten Drehungen; ein Gleiten der Twiftfchnur bleibt ohne Einfluss. Die Spinnereimafchinen. 5 Neben diefer belangreichen Neuerung können folgende Modificationen kurz angeführt werden. Von den beiden Einzugsfchnecken wirkt die eine auf den Wagen, die andere auf die Auszugswelle, daher von beiden Enden derfelben der Wagen, nicht mehr von der Mitte allein, eingezogen wird. Die mechanifche Verkürzung der Abwindekette bringt am Ende des Wagenauszuges den Aufwindedraht in die unmittelbare Nähe der Spindelfpitzen; es folgt derfelbe beim Abfchlagen fofort dem frei werdenden Faden, fo dafs die Schleifenbildung gehindert ift. Die Leitfchiene von etwa einem Viertel der gewöhnlichen Länge ift nicht feft am Boden, fondern im Wagen- Mittelftück beweglich eingefetzt. Bei der Ausfahrt rückt die Leitfchiene durch Zahnftangen- Getriebe in die äufserfte Stellung; bei der Einfahrt, wenn der Schlepphebel des Winders fich auf die Coppingplate auf. legt, geht diefelbe wieder zurück, um fucceffive alle Punkte ihrer Bahn unter den Winder- Schlepphebel zu bringen und die Aufwindebewegung in bekannter Weife hervorzurufen. Man ftrebt mit diefer, im Princip fchon früher verfuchten Anordnung, die Leitfchiene von den Erfchütterungen des Fufsbodens unabhängig zu machen und ein befferes Zufammenarbeiten des Aufwindemechanismus zu erzielen; unferer Anficht nach aber auf Koften der bequemen Zugänglichkeit der Leitfchiene in jedem Punkte des Wageneinzuges, wenn etwaige Aufwindefehler zu rectificiren find. Die beiden Spindellager find ftatt in Holzleiften in Winkeleifen eingefchraubt, was gröfsere Feftigkeit, ferner Sicherheit gegen Werfen und Leichtigkeit im Austaufchen der Spindeln gewährt. Bei dem zweiten Selfactor für feine Garnnummern mit gewöhnlicher Abfchlagbewegung find einige fpeciell für feines Spinnen nützliche Verbefferungen erwähnenswerth. Wenn die Fäden zwischen den Cylindern nach vollendeter Lieferung ftets an derfelben Stelle feftgehalten werden, fo entſteht fehr leicht ein fpitziges Garn. Dem ift dadurch vorgebeugt, dafs die Cylinder beim Nachftrecken und Nachdrehen zwar fortwährend, aber fehr langfam fich drehen. Dadurch ift zugleich für das Spinnen von Kette eine eigene Wagenrücklauf- Bewegung überflüffig gemacht. Aus gleichem Grunde und um die Lieferung des Selfactor zu erhöhen, bewegen fich die Cylinder auch beim Einfahren des Wagens, was übrigens als„ Nachlieferung" bereits bei vielen Selfactors eingeführt ift. Der Selfactor fpinnt mit zwei Gefchwindigkeiten, langfam beim Ausfahren und rafch beim Nachdrehen. Zur Vereinfachung der Riemenanordnung ift der Mechanismus für die doppelte Gefchwindigkeit im Wagen angebracht. Beim Nachdraht ift die Seilrolle durch einen Frictionsmuff direct mit der Trommelwelle verbunden und überträgt unverändert die Gefchwindigkeit der Twiftfchnur auf die Spindeln. Während der Ausfahrt jedoch wird die Seilgefchwindigkeit, durch eine Differentialrad- Ueberfetzung geeignet reducirt, auf die Trommelwelle übermittelt. Es fallen bei diefer Anordnung die gewöhnlich complicirten Riemenanordnungen der Vorgelegewelle hinweg und kann ein folcher Selfactor direct von der Haupttransmiffion betrieben werden. Unferes Wiffens hat fchon vor vielen Jahren Rich. Hartmann in Chemnitz zur leichteren Beweglichkeit des Gegenwinders deffen Auflagerung auf zwei kleinen Frictionsrollen verfucht; diefer Gedanke ift nun bei Rieter mit günftigerem Erfolg zur Ausführung gekommen, wo der Gegenwinder auf einer grofsen AntiFrictionsrolle läuft, daher leicht beweglich ift und die Fadenfpannung, ob in aufoder abfteigender Bewegung begriffen, ftets gleichförmig erhält. - Nachdem wir hiermit unfere Betrachtungen über die ausgeftellten Spinnereimafchinen für Baumwolle beendet haben, fo gelangen wir, da für Abfallſpinnerei 6 Johann Zeman. nichts Erwähnenswerthes zur Ausftellung gekommen ift, fofort zu den noch hier zu befprechenden Hafpeln und Zwirnmafchinen. Der mechanifche Garnhafpel und der Doublirhafpel von Wegemann& Comp. in Baden( Schweiz) find mit mechanifchen oder elektrifchen Abftellvorrichtungen für den Fall eines Fadenbruches verfehen. Reifst bei der Doublirmafchine ein Faden, fo bewerkstelligt der elektrifche Selbftabfteller unter Einem auch das Abfchneiden der andern Fäden des betroffenen Fadentheiles, um nur gleiche Länge auf dem Hafpel zu erzielen.- C. Martin in Verviers( Belgien) hat die Snoek'fche Abftellvorrichtung am mechanifchen Garnhafpel zur Anfchauung gebracht. Recht zweckmäfsige Zwirnmafchinen haben Gebrüder Franke in Chemnitz( Deutſchland) ausgeftellt. Uns fiel bei denfelben der einfache Rädertrieb für die Spindeln auf, welcher durch einen Hebel, beziehungsweife durch Auseinanderrückung zweier Frictionsfcheibchen für jede Spindel gefondert, leicht eingeftellt werden kann.- Die Verbefferung bei Platt'fchen Zwirnmafchinen erwähnen wir bei den Woll- Spinnmafchinen. Die Firmen Clark& Comp., fowie Kerr, Price& Comp., beide im Befitze ausgedehnter Baumwollzwirn- Spinnereien in Paisley bei Glasgow, hatten jede eine Weil d'fche Spulmafchine ausgeftellt, bei welcher bekanntlich alle Bewegungen felbft thätig verrichtet werden, um Zwirn auf kleinen Holzfpulchen regelmäfsig aufzuwinden, den Faden abzufchneiden und das Ende desfelben in einen Schnitt des Spulenrandes einzulegen, endlich die fertige Spule abzuwerfen und eine frifche Spule zur Bewickelung herzunehmen. Die Arbeiterin hat nur für das Wegnehmen der bewickelten und für das Auflegen der frischen Spulen zu forgen. - Die kleine, hübfche Kötzertüten- Mafchine von Efcher, Wyss& Comp. in Leesdorf( Oefterreich) Filiale der Fabrik in Zürich ift fchon zu verbreitet und bekannt, um hier eine nähere Erklärung zu bedürfen.- - II. Mafchinen zur Bearbeitung von Flachs, Hanf und Jute. Flachs- und Jutefpinnerei-Mafchinen waren nur von zwei bekannten englifchen Firmen zur Ausftellung gefendet worden, und da an deren Conftruction wefentliche Aenderungen nicht eingetreten find, fo verweifen wir fofort auf die betreffenden, nach Erledigung der Zubereitungsmaschinen folgenden Notizen., Zur Verarbeitung von Hanf zu Seilgarn dagegen ift ein neues Syftem von Streckmaschinen nach des Amerikaners Good Patent aufgekommen, welches feiner Einfachheit wegen befondere Beachtung verdient. Die Schraubenführung für die Hechelftäbe ift durch eine gelungene Kettenführung erfetzt, welche einen gröfseren Abftand der Streckwalzen zuläfst, daher das Schneiden des Hanfes vor dem Verfpinnen überflüffig macht. Bevor wir auf die Spinnereimafchinen näher eingehen können, müffen die zur erften Zubereitung von Flachs, Hanf und Jute dienlichen Brech- und Schwingmafchinen erledigt werden. Dr. Collyer hatte in der amerikanifchen Abtheilung der Mafchinenhalle eine Handbrech- Mafchine für Flachs ausgeftellt, mit einer langfam rotirenden Brechwalze und zwei auf der oberen Seite derfelben vorwärts- und zurückfchwingenden, etwa halb fo grofsen eifernen Riffelcylindern. Der Antrieb geht von der Hauptwelle durch ein Räderpaar auf die grofse Brechwalze, welche die kleinen Riffelcylinder mitnimmt. Dabei erhalten letztere aufserdem mit ihrem Lagerftück eine um die Achfe der grofsen Walze fchwingende Bewegung, welche von Die Spinnereimafchinen. 7 einer vor der Hauptwelle gelegenen Hilfswelle mit Kurbel und Lenkftange hervorgerufen wird.*) An der von demfelben Ausfteller aufgeftellten Schwingmafchine bemerkten wir, dafs die Schwingmeffer nicht feft an den Armfternen, fondern mit Zwifchenftücken von federnden Stahlblättern feftgefchraubt find. - Die von S. Lawson and Sons in Leeds( England) zum Erweichen und Zertheilen von Jute gebaute Brechmafchine( softing machine) hat 6 Paar in einem grofsen Viertelkreife vertheilte Riffelwalzen mit Pilgerfchritt- Bewegung. Die unteren Riffelwalzen ftehen mittelft kleiner Getriebe im Eingriff mit einem innen verzahnten grofsen Treibrad, welches im tiefften Punkte durch ein Rädchen von der Hauptwelle aus die Vorwärtsdrehung empfängt. Diefes Rädchen ift nun in einer um die Treibrad- Achfe pendelnden Schwinge gelagert, ruft daher in Folge deffen eine abgefetzt vor- und rückdrehende Bewegung des Treibrades, beziehungsweife der Riffelwalzen hervor. - Die von Gebrüder Mure in Turin( Italien) ausgeftellte Brechmafchine befand fich in der weftlichen Agriculturhalle. Bei diefer Mafchine find vier Brechwalzen in gleichen Abftänden in einem grofsen Rade eingelegt, welches durch eine Riemenfcheibe direct in Umdrehung gefetzt wird und hiebei die Brechwalzen der Reihe nach über concentrifch mit dem Rade angeordnete, cannelirte Platten führt. Die Brechplatten, über welche der zu bearbeitende Flachs etc. gelegt wird, dehnen fich ungefähr auf 1/6 des Radumfanges aus; fie find, um die Wirkung zu mildern, rechts und links auf Stahlfedern und ſpannbaren Riemen gebettet. Andere Brechmaſchinen ftanden in der öftlichen landwirthfchaftlichen Mafchinenhalle. Zunächft fahen wir an der von F. W. Warneck in Oels( Preufsisch- Schlefien) ausgeftellten 6reihigen Walzen- Brechmafchine ftatt Zahnradbewegung Kurbelbetrieb. Die Kurbeln an der einen Seite jeder der unteren Riffelwalzen erhalten gemeinfchaftlich durch ein Excenter an der unterhalb der Walzen gelagerten Hauptwelle und durch einen dreieckförmigen Verbindungsrahmen ihre drehende Bewegung. Eine zweite Handmafchine desfelben Ausftellers war mit PilgerfchrittBewegung ausgeftattet. Diefelbe hat zwei Paar in gröfserem Abftand gelagerte Brechwalzen, welche durch ein Stirnräderpaar( ein Zahnrad an der unteren Einzugswalze und ein Zahnrad an der oberen Abzugswalze) gekuppelt find und von der Schwungradwelle durch Keilräder eine abgefetzt hin- und herdrehende Bewegung erhalten. Das Treibrad auf der Hauptwelle befteht aus zwei Sectoren von verfchiedener Länge. Das kürzere Stück greift in das Keilrad an der Achfe der unteren Einzugswalze und ertheilt diefem eine gewiffe Rückdrehung, welche zu Folge der Stirnrad- Kuppelung auch von dem anderen Walzenpaare mitgemacht wird. Kommt hierauf der längere Sector an der Hauptwelle mit dem Keilrad an der oberen Achfe der den Flachs abgebenden Brechwalzen zum Eingriff, fo findet die umgekehrte gröfsere Drehung der beiden Brechwalzen- Paare ftatt u. f. w., welches Spiel fich bei continuirlicher Drehung des Schwungrades ununterbrochen wiederholt. - Wohl die einfachfte und zweckmäfsigfte ift die Kafelovsky'fche Brechmafchine, welche W. Hallerberg in Oberlübbe bei Minden ausgeftellt hatte. Hier erfolgt bekanntlich das Brechen des Flach fes mittelft rafch auf- und niederfteigender ſtumpfer Meffer, welche abwechfelnd in die Zwifchenräume einer fich drehenden Meffertrommel eingefchoben werden. Ein Paar cannelirter Cylinder führen den Flachs der Meffertrommel zu. Der Betrieb geht direct von der Hauptwelle mittelft kurzer Kurbeln auf den Mefferkaften, welcher durch je eine Stange *) Eine gleiche Brechmafchine war in der belgifchen Abtheilung von P. Laga e- Crombet aus Kortryk ausgeftellt, aber nach der Erklärung des Herrn Dr. Collyer von diefem herrührend. 8 Johann Zeman. an beiden Enden zwifchen der Trommelwelle und einer am Geftelle angebrachten Rolle Führung erhält; ferner durch ein Räderpaar auf die Meffertrommel und von deren Achfe durch ein Laternengetriebe auf die Einziehwalzen. Bei der Kafelovsky'fchen Schwingmafchine desfelben Ausftellers find wie bekannt die Schlagmeffer auf dem Umfange eines Rades vertheilt und der Schwingftock federnd vor der Schwingtrommel angeordnet. Nach jedem Schlag mit den Meffern wird der Flachs noch durch vorftehende Metallfinger durchgeftrichen.- Die von Leopold Böhm in Leopoldfchlag bei Freiftadt( Oberösterreich) ausgeftellte Mafchine war eine vierreihige Walzenbreche gewöhnlicher Conftruction. Eigenthümlich find die Brechwalzen der von C. Luft exponirten Mafchine; es find diefs Mefferwalzen aus radialen, durch Bundringe zufammengehaltenen Linealen( Pini's Patent), durch deren Zwifchenräume die Schäbe leicht abfällt. Im Uebrigen befteht die Mafchine aus fünf Paaren, in einem Viertelkreis vertheilter Mefferwalzen, welche paarweife zufammengreifen und durch Zahnrad und Getriebe an den unteren Walzen vorwärts gedreht werden. Die oberen Mefferwalzen find wie bei Collyer in einem fchwingenden Lagerrahmen eingelegt, welcher auf kreisförmigen Führungen des Geftelles gleitet und feine oscillatorifche Bewegung durch zwei auf der Hauptwelle angebrachte Stufenräder erhält. Je nach der Ausführung der Mefferwalzen dient die Mafchine zum Brechen von Hanf oder von Flachs. Endlich ift noch die von F. Wagner in Effegg( Slavonien) ausgeftellte Brechmafchine mit neun Cylinderpaaren zu erwähnen, welche im Principe mit der Lawson'fchen Softingmafchine übereinftimmt. Der Betrieb ift hier ftatt horizontal nach aufwärts entwickelt, daher die Wagner'fche Mafchine- Patent Narbutheinen geringeren Raum einnimmt. Ausserdem erhalten die Brechwalzen ihre Drehung nicht durch ein innen, fondern durch ein aufsen verzahntes Treibrad. Nach Erledigung der Zubereitungsmaschinen gelangen wir nun zur Befprechung der für Flachs, Jute und Hanf dienlichen Spinnereimafchinen. Für Flachs hatte die Firma Combe& Barbour( vormals J. Combe& Comp.) in Belfaft einen fchönen Satz ihrer bekannten Mafchinen ausgeftellt. Darunter ift vor Allem auf die Verbefferung bei der Hechelmafchine aufmerkfam zu machen. Bekanntlich ift das Auf- und Zufchrauben der Flachskluppen eine fehr ermüdende Arbeit, welche erfahrungsgemäfs nach mehrftündiger Anftrengung von den Jungen nicht mehr fo rafch und fo ficher wie anfangs ausgeführt wird, was dann ein Ausreifsen guter Fafern und eine Verminderung der Leiftungsfähigkeit der Hechelmafchine zur Folge hat. Aus diefen Gründen wurde ein höchft einfacher, finnreicher mechanifcher Einfpanner( Barbour's Patent) eingeführt. Ein vertical gelagerter Schraubenfchlüffel zum Drehen der Mutter an der einen Kluppenhälfte erhält durch Kegelrädchen, je nach Stellung einer Zahnkuppelung, eine Drehung nach rechts oder nach links zum Anziehen oder Lüften der Kluppenfchraube. Diefe Kuppelung fteht mittelft eines Steuerhebels und Zugftangen mit Fufstritten in Verbindung. Das untere Ende des Steuerhebels ift mit zwei fchiefen Anfchlagflächen verfehen und zwifchen beiden, zur Aufnahme des Endes eines Belaftungshebels, ausgerundet. In der Mittellage des Steuerhebels und der Kuppelung fteht der Apparat ftill. Durch Treten eines Fufstrittes wird der Steuerhebel nach der einen Seite gerückt, die Kuppelung gefchloffen und der Einfpannfchlüffel gedreht. Hiebei legt fich in Folge der Schiefftellung des Steuerhebels das Ende des Gewichthebels gegen die eine fchiefe Anfchlagfläche des Steuerhebels und hält die Kuppelung mit einer beftimmten Kraft gefchloffen. Es wird nun die Kluppenhälfte mit der Schraubenmutter, welche mittelft eines eingedrehten Halfes gegen Herabfallen gefichert ift, auf den Einfpannapparat gelegt und die Flachsrifte mit dem oberen Kluppentheil, an welchem die Schraube fteckt, bedeckt und beim richtigen Die Spinnereimafchinen. 9 Drehen der Mutter eingefchloffen. Ift das Zuziehen der Kluppenmutter foweit vorgefchritten, dafs hier der Widerftand gröfser ift, als der Gröfse und Stellung des Belaftungsgewichtes unten am Steuerhebel entſpricht, fo öffnet fich die Kuppelung und drückt den Steuerhebel mit dem Gewichthebel in die Mittelftellung zurück. Das feftere oder lofere Einfpannen des Flachfes hängt alfo unter übrigens gleichen Umftänden nur von der Gröfse des Gewichtes ab, welches einer Umlegung des Steuerhebels entgegenwirkt. An jener Seite der Hechelmafchine, wo der Flachs auf der einen Hälfte gehechelt ankommt und verkehrt in eine andere Kluppe eingefpannt wird, hat der befchriebene Apparat eine Anordnung, um das Umfpannen auf einmal zu bewerkstelligen. Die beiden Kluppen, die zugekommene und die frifche, liegen hinter einander auf dem Tifche. Während die alte Kluppe fich öffnet und die noch auszuhechelnde Hälfte der Flachsrifte freiläfst, wird die frifche Kluppe mit dem fchon gekämmten Flachstheil gefchloffen. Die ganze Manipulation ift höchft einfach und rafch, ohne irgend eine Anftrengung auszuführen. Eine andere Verbefferung der Combe'fchen Hechelmafchine beſteht in der Einrichtung, dafs die Kluppen mit Flachs durch eine zweite Schieberftange auf der Kluppenbahn über die letzten Felder hinweggefchoben werden können, wenn eine beftimmte Gattung weniger gehechelt werden, refpective nicht durch die letzten feinen Hechelfelder durchgehen foll. Zu der Auflegemafchine, dem Durchzug und der Vorfpinnmafchine ift eine gemeinfchaftliche Bemerkung über die Lagerung der Führungsfchrauben für die Hechelftäbe zu machen. Um die Lager der oberen Führungsfchrauben gegen den beim Durchgang der Flachsbänder nach rückwärts ausgeübten Druck zu fchützen, ftemmen fich die Enden diefer Schrauben gegen Stahlplättchen, welche feft am Geftelle befeftigt find. Die expanfible Seilfcheibe aus zwei in einander greifenden Kegelgerippen, welche bei Combe'fchen Vorfpinnmafchinen den fonft gebräuchliche:. Riemenkegel erfetzt, hat ftatt gerader radialer, gekrümmte Rippen erhalten, wodurch beim Zufammengehen der beiden Kegelgerippe jedes Schneiden des Lederfeiles verhütet wird. Nebenbei müffen wir auch die für Flachsfpinner unentbehrliche Riffelbank und Walzen- Drehbank erwähnen.*) Die Riffelbank hat einen Einftellapparat für das Meffer bekommen, um die zu riffelnde Walze auf genaue Stärke, d. h. den Walzendurchmeffer in ein genaues Verhältnifs zur Zahl der Riffelungen zu bringen. Ift die Walze vollendet, fo bleibt der Schlitten auf dem äufserften Punkt feines Hubes ftehen und macht hiedurch den Arbeiter auf die ftattzuhabende Auswechfelung der Walze aufmerkfam. Aufserdem werden durch diefe Selbftabftellung die rein ausgefchnittenen Riffeln nicht wieder durch einen zweiten Angriff des Meffers verdorben. Bei der Walzen- Drehbank fiel die bequeme und fichere Einfpannvorrichtung für die Walzen auf. Die Spindel ift mit einem Schraubengewinde verfehen, längs welchem in zwei Nuthen zwei Mitnehmer vermittelft einer Mutter vor- oder zurückgefchoben werden können. Diefe Mitnehmer werden in die Walze eingedrückt, welche durch den Reitftock centrirt ift, und übertragen die Drehung der Spindel. Es entfällt durch diefe Anordnung die Nothwendigkeit des jedesmaligen Auffchraubens eines Mitnehmers und die hiedurch entſtehenden Spuren auf der Walze. - Die Firma S. Lawson and Sons in Leeds brachte einen Satz JuteSpinnereimafchinen und Mafchinen zum Verfpinnen von Hanf zu groben Garnen für Seilfabrication. *) Die Spulmafchine für Schützenkötzer gehört als Vormafchine zur Weberei. 10 Johann Zeman. Die Softing- Mafchine, auf welcher die eingefprengten Jutebüfchel behufs Erleichterung des Krempelproceffes erweicht und in dünnere Faferftränge zertheilt werden, ift fchon oben bei den Brechmafchinen berührt worden und unterfcheidet fich wefentlich von den fonft üblichen zwanzig- und mehrreihigen Walzenquetfchen. Bei den Durchzügen, ebenfo bei den Vorfpinnmafchinen fitzen die Kegelrädchen für die oberen Führungsfchrauben der Hechelftäbe nicht mehr unmittelbar auf der Einzugswelle, fondern auf kurzen, aufgekeilten Büchfen, mit welchen die Getriebe nur durch dünne Eifenftifte verbunden find. Sowie durch irgend einen Zufall die Hechelftäbe eines Kopfes geklemmt und der Gefahr des Brechens ausgefetzt werden, brechen eher, als irgend fonft ein Mafchinentheil, die Stifte der betreffenden zwei Kegelrädchen; die Maſchine aber läuft unbehindert, diefen Streckkopf ausgenommen, weiter, bis man die erforderliche Zeit zur vollen Inftandfetzung findet. Die Spindel- und Spulenbank bei Vorfpinnmafchinen find vollkommen verdeckt, um den Staub möglichft von den ölgefchmierten Lagern abzuhalten. Die Flyerfpindeln laufen in langen Lagerbüchfen oder find am oberen Ende in charnierartig, nach innen aufklappenden Lagerfchienen geführt. Vor kurzer Zeit erft hat die Firma S. Lawson and Sons mit der Anfertigung neuer Spinnereimafchinen für Hanf und für Seilgarn begonnen und fchon haben fich die hervorragendften englifchen Seilereien mit diefen Maſchinen ausgerüftet. Bei den Streckmafchinen diefes Syſtems finden fich je zwei aufeinanderfolgende Felder von Hechelftäben, von welchen das zweite Feld mit bedeutend gröfserer Gefchwindigkeit fich vorwärts bewegt und dabei das von den erften Hecheln zugebrachte Band auskämmt, verzieht und zu den Abzugswalzen weiterführt. Die erfte Mafchine diefes Syftems ift eine Band- und Anlegemafchine, auf welcher der vorbereitete Hanf in einzelnen Riften aufgegeben und in ein endlofes Band umgewandelt wird. Mehrere diefer Bänder gehen fodann zur zweiten, ähnlich gebauten Mafchine, der Strecke, und zum Schlufs auf die Spinnmafchine, wo das Streckband nochmals verzogen, gedreht und aufgewunden wird. Auch bei der Spinnmafchine ift die Kettenführung für die Hechelftäbe angebracht und dadurch ein erheblich gröfserer Abftand der Streckwalzen erreicht, daher der Hanf bei diefem Syftem vor dem Verfpinnen nicht gefchnitten werden mufs. Der Spindelbetrieb erfolgt durch Riemchen mit 1200 Umdrehungen per Minute. Die Spindeln find in zwei Spindelbänken eingelagert. Was die Ausführung der Ketten zur Führung der Hechelftäbe betrifft, fo haben die einzelnen Glieder abwechfelnd grofse und enge Augen angegoffen erhalten, welche, übereinandergefchoben, den Zug von einem Glied unmittelbar zum anderen und nicht wie fonft durch die Verbindungsbolzen, als welche die Hechelftäbe dienten, fortpflanzen. Die nun lofe in den engeren Augen der Kettenglieder fteckenden Hechelftäbe find dadurch vollkommen frei und vor jedem ungleichen Zuge gefichert. Damit die Hechelnadeln fenkrecht in das Band ein- und austreten, fo find an beiden Enden der Hechelftäbe, aufsen neben den Führungsketten, kleine Arme aufgefteckt, welche mittelft Bolzen längs entſprechend gekrümmter Führungen am Ein- und Ablauf der Ketten hingleiten. Die fenkrechte Stellung der Nadeln in der oberen Bahn wird analog durch gerade horizontale Führungsfchinen erzielt.- Die von Th. Barraclough in Manchefter ausgeführte Ronald'fche Seilfpinn Mafchine ift in ihrer bekannten einfachen Conftruction unverändert geblieben.- Die im vorigen Abfchnitt erwähnten Gebrüder Franke in Chemnitz bauen auch Zwirnmafchinen für Leinengarn. Die Spinnereimafchinen. 11 Zum Schlufs verdient noch die von der Sächfifchen Mafchinenfabrik( vormals Rich. Hartmann) in Chemnitz ausgeftellte Garn- Trockenmafchine nähere Erwähnung, indem in derfelben Garn in Strähnen in rationeller Weife rafch und in einem verhältnifsmäfsig kleinen Raum getrocknet werden kann. Bis auf das Auflegen der mit Strähnen verfehenen Stäbe und Abnehmen derfelben beim Ausgang der Mafchinen, find alle Arbeiten felbftthätig. Die Stäbe mit den Garnfträhnen werden in einem gefchloffenen Kaften mittelft zweier endlofen Ketten eingebracht, in auf- und abfteigenden Zickzackgängen durchgeführt und am anderen Ende der Mafchine wieder abgenommen. Die Trocknung erfolgt hierbei durch erwärmte Luft, welche längs Heizröhren am Boden des Kaftens hinftreicht und mittelft Windflügel zwifchen die einzelnen langfam auf und abfteigenden Reihen der Garnfträhne, entgegengefetzt ihrer Bewegungsrichtung, getrieben und endlich mit Feuchtigkeit beladen durch eine Abzugsöffnung entfernt wird. Damit das Waffer auf dem unteren Strähntheil fich nicht zufammenziehe, und um eine gleichmässige Durchtrocknung der einzelnen Strähne zu erleichtern, findet regelmäfsig ein Verhängen des Garnes um einen Theil des Strähnumfanges ftatt. III. Schafwoll- Spinnereimafchinen. a) Mafchinen für Streichwolle. Wie auf der letzten internationalen Ausftellung in Paris, fo fanden fich auch in Wien für diefe Spinnereibranche die meiſten Ausfteller und die gröfste Zahl von Mafchinen. Diefsmal aber lernten wir weittragende Neuerungen kennen, welche zum Theil fchon durch die Praxis approbirt, zum Theil noch ganz neu, aber ficherlich einen bedeutenden Einfluss auf die Streichgarn- Spinnerei auszuüben berufen find. Zu den erften Vorbereitungsmaschinen brachte uns die Wiener Weltausftellung nicht viel, aber manches Intereffante. Reichlicher dagegen waren Krempelfortimente und Streichgarn- Spinnmafchinen beider Syfteme( Selfactor und Watermafchinen), letztere mit originellen Verbefferungen, vertreten. Bei dem Wolf zur Auflockerung der Wolle erfchien die aus der Baumwoll- Spinnerei entnommene Klariermulden- Zuführung in Anwendung gebracht. Die Klettenwölfe, zum Reinigen und Auslefen von Kletten, Stroh und compacteren Schmutztheilen aus der Wolle, zeigten im Allgemeinen eine gröfsere Kammtrommel und ftärkere, zweckmäfsiger conftruirte Kämme. Die Krempeln betreffend, fo waren an denfelben, abgefehen von der Vorfpinnkrempel, weniger Aenderungen zu bemerken; wir weifen nebenbei darauf hin, dafs englifche und belgifche Conftructeure bei der Reifskrempel die Klettenwalze nicht direct mit dem Tambour arbeiten laffen, wie diefs bei den Kratzen der deutfchen und öfterreichifchen Ausfteller der Fall ift. Die felbftthätigen Speife apparate für Wölfe und Reifskrempeln haben eine weitere Ausbildung erfahren; für letztere ift fogar ein ziemlich gelungener Selbftwäge- und Auflegeapparat zu Stande gekommen. Es foll mit diefem Selbftfpeifer auf eine möglichft gleichförmige Arbeit der Karde hingewirkt werden. Möglichfte Gleichförmigkeit und Feinheit im Vorgefpinnft zu erzielen, ift auch der Zweck des Martin'fchen Fadenapparates, welcher durch die in London im Jahre 1871 abgehaltene Specialausftellung ungemein rafch bekannt und verbreitet wurde. Wie im Jahre 1867 die Horsfall'fchen Schleifrollen für Krempeln Auffehen erregten, fo hat in London 1871 und jetzt die feit London wefentlich im LA 12 Johann Zeman. Bewegungsmechanismus vereinfachte Dronsfield'fche Schleiffcheibe für Kratzwalzen die Aufmerkfamkeit der Spinner auf fich gezogen. So zeigt fich immer ernfter das Beftreben, die regelmäfsigfte Arbeit der Krempeln zu fichern und gewifs mit vollftem Recht, da grofse Ungleichheiten des Vorgefpinnftes beim Spinnen fchwierig, wenn überhaupt noch befeitigt werden können. Wohl läfst fich auf Mulemaſchinen eine gewiffe Ausgleichung der Dichtigkeitsfehler im Vorgarn erreichen; fchlimm dagegen ſtand es bisher mit den Erfolgen auf feftftehenden Spinnmaſchinen. Trotz der anerkennenswerthen Bemühungen von Vimont und Sykes konnten fich die bekannten Streichgarn- Watermafchinen keine allgemeinere Anwendung verfchaffen; denn die Heftigkeit der Erfchütterung der Fäden durch den Vibrationsapparat im Streckwerke befchränkt zu fehr den Vorzug und felbft die angeftrebte Ausgleichung des Vorgefpinnftes durch die abwechfelnde Moderation des Röhrchendrahtes bleibt unvollkommen. Mit Freude ift daher das neue Streckwerk für Streichgarn zu begrüfsen, welche der erfindungsreiche Conftructeur C. Martin nach Vollendung feines Vorfpinnapparates ausgearbeitet hat und welches die Ausgleichung der bei den Krempeln unvermeidlichen Dichtigkeitsfehler im Vorgefpinnft durch eigene, für jeden Faden unabhängig wirkende und mit der gröfsten Schonung für die lockeren Wollbändchen einfetzende Regulatoren in überraschender Weife erreicht. Bemerkenswerth und vielverfprechend ift auch das von Amerika uns zugekommene Avery'fche Streckwerk für Streichgarn- Watermafchinen, weniger durch den Einzugsapparat, welcher die Lieferungsweife einer Mule nachahmen foll, als durch eine ganz vortreffliche Anordnung der Röhrchen( tubes) und der vorderen Streckcylinder. Vergleicht man die ausgeftellten Selfactors unter einander, fo findet man, dafs bei diefen die von einem deutfchen Conftructeur zuerft ausgeführte, beffere Vertheilung der Spindeldrehungen beim Ausfahren und Nachdrehen allgemeine Nachahmung gefunden hat. Richard Hartmann in Chemnitz trat bekanntlich anfangs der fechziger Jahre mit dem Syftem der dreifachen Spindelgefchwindigkeit für StreichgarnSelfactors auf, um langfam anfpinnen, bei ftatthabender Wagenftreckung etwas rafcher weiterfpinnen, endlich in der Periode des Nachdrehens mit der gröfsten Spindelgefchwindigkeit den Twift in die Fäden legen zu können. Hiemit war allerdings eine complicirtere Bauart des Headftock verknüpft und aus diefem, wohl auch aus anderen Gründen wurde diefes Syftem anfangs vielfach bekämpft. - Nach allmäligen Verbefferungen ift der Hartmann'fche Selfactor wefentlich vereinfacht, überfichtlich und leicht zugänglich geworden; die deutſchen Mafchinenbauer haben nach Ablauf des Patentes das Syſtem der drei Spindelgefchwindigkeiten, wenn auch mit abweichenden Dispofitionen, acceptirt und felbft jenfeits des Canales verfchlofs man den Vortheilen der befferen Gefchwindigkeitsvertheilung nicht länger die Augen und führte, unter Beibehaltung der zwei Twiftfcheiben für einfache und doppelte Gefchwindigkeit, eine dritte fchwache Spindeldrehung nach rafchem Anfpinnen ein, durch eine mehr oder weniger lösbare Frictionsverbindung der Seilrolle auf der Spindel- Trommelwelle im Wagenmittelftück. Zum Zwirnen hat fich die Ringfpindel, ebenfo wie bei den feftftehenden Spinnmafchinen, bisher noch am zweckmäfsigften bewährt. Statt mit Wechfelrädern die Spindelgefchwindigkeit zu ändern, hat man die alten mehrfpurigen Seilrollen verbeffert als Stufenconuffe für Riemenbetrieb wieder eingeführt. Mit der allgemeineren Einführung felbftthätiger Spinnmafchinen in der Wollenbranche kommt auch der mechanifche Hafpel ftärker in Anwendung, Die Spinnereimafchinen. 13 wobei jedoch die Conftructeure über die befte Selbftabftellung bei Fadenbruch noch nicht einig geworden zu fein fcheinen. Mit patriotifcher Befriedigung erwähnen wir hier, dafs endlich auch in Oefterreich der Selfactorbau mit gefchickten Händen in Angriff genommen wurde. Wohl konnte die betreffende Maſchinenfabrik mit einem neuen Syfteme auf der Wiener Weltausftellung nicht erfcheinen; aber der Conftructeur bewies durch die zweckmäfsige Wahl feiner Vorbilder und durch eigenartige Vereinfachungen im Mechanismus, dafs er mit Verſtändniss an die fchwierige Unternehmung gefchritten, dem einheimifchen Spinner, neben den englifchen und deutfchen altrenommirten Selfactor- Werkstätten, eine gute Mulemafchine zu bieten. An Schwierigkeiten, den Selfactorbau in Oefterreich dauernd einzubürgern, wird es nicht fehlen; aber wir hoffen, dafs es auch der feften Ausdauer und des lohnenden Erfolges für diefe Bemühungen nicht ermangeln werde. Bei der zahlreichen Befchickung, mehr noch bei der hohen Entwicklung, welche die öfterreichiſche Streichgarn- Induftrie im Vereine mit der Tuchmanufactur erreicht hat, glaubt Referent- felbft auf die Gefahr hin, weitfchweifig zu erfcheinen die zur Bearbeitung der Streichwolle ausgeftellten Mafchinen mit aller Ausführlichkeit befprechen zu müffen. Es empfiehlt fich hiebei wegen des bequemeren Studiums jeder Eigenthümlichkeit, alle Mafchinen eines Ausftellers im Zufammenhange zu befprechen. Die Petrie'fche Wollwafch- Mafchine und Trockenmafchine, welche von J. und W. Mc. Naught in Rochdale( England) ausgeftellt wurden, haben verfchiedene zweckmäfsige Verbefferungen aufzuweifen. Die Rührgabeln der Wafchmafchine find ausbalancirt und mit einem bequem ftellbaren Antrieb für die oscillatorifche Bewegung verfehen. Die Abzugsvorrichtung für die gewafchene Wolle befteht aus einem geneigt liegenden Tifch, auf welchem die Wolle durch die letzte doppelte Aushebegabel aufgelegt und mittelft eines Rechens fortgefchoben wird. Diefer Rechen erhält feine Bewegung durch Kurbel und Hebedaumen in der Art, dafs derfelbe nur beim Vorfchub mit der Wolle felbft in Berührung tritt, dann fenkrecht auffteigt, um den Rückweg zurückzulegen, und endlich unten wieder in die neu aufgelegte Wolle einfällt. Damit die im Abzug begriffene Wolle während des Rückganges des Rechens von dem fchrägen Abführtifch nicht zurückrutfcht, fteigen aus dem Boden desfelben Zinken auf, welche jedoch, vor Beginn eines jeden Vorfchubes des Abzugrechens, rafch wieder herabfinken. Stehen mehrere einfache Mafchinen unter einander in Verbindung und rückt die Wolle fucceffive aus dem einen Wafchtrog in den nächften zum weiteren Auswafchen, fo kann die Wafchflüffigkeit aus einem Baffin in die vorhergehende, mit noch nicht fo rein gewafchener Wolle gefüllte Abtheilung durch einen Dampfftrahl- Apparat( Steam Jet Transmittor) befördert werden. Die obere Quetfchwalze beim Abzug wird mittelft Stirnrad und Zahnkuppelung angetrieben; letztere öffnet fich im Falle des Vorlaufes der Druckwalze und verhütet dadurch einen etwaigen Bruch im Rad oder eine Befchädigung der Wolle. Bei der Trockenmafchine zum Trocknen der Wolle mit erwärmter Luft find die Windflügel im Innern des Kaftens angebracht und erfolgt die Luftzuführung durch je eine Oeffnung an beiden Seitenwänden um die Flügelachfe herum, ferner durch Löcher, welche in den drei Lagerfüfsen jeder Flügelwelle angebracht find, im Ganzen alfo, da die Mafchine aus zwei völlig gefchiedenen fymmetrifchen Hälften befteht, durch 10 Luftöffnungen. Die Dampfrohre zur Erwärmung der vorbeiftreichenden Luft liegen nahe unter den Drahtnetzen, auf welchen die Wolle ausgebreitet wird. - Zum Entwäffern der gewafchenen oder gefärbten Wolle dienen auch Centrifugal- Trockenmaſchinen, welche in grofser Zahl von Appretur- Mafchinenfabriken zur Ausftellung gekommen find. - 14 Johann Zeman. Zu den eigentlichen Woll- Spinnmafchinen übergehend, beginnen wir mit der Expofition von Platt Brothers& Comp. in Oldham( England).*) Das ausgeftellt gewefene Sortiment Karden dient fpeciell zur Erzeugung eines fehr wolligen, filzfähigen Garnes, aus welchem Grunde zwifchen der zweiten und dritten Krempel eine Kreuzung der Faferlage durch Anwendung des Ferrabe e'fchen Vliefsapparates ftattfindet. Sämmtliche Karden find mit zwei Einzugs- und einen Putzcylinder, ferner mit Vorreifswalze verfehen, welche jedoch nicht direct, fondern vermittelft einer Uebertrag oder Wenderwalze die Wolle an den Tambour übergibt. Der Abzug der Grobkarde findet feitlich ftatt; es erhält das abgelöfte Wollvliefs durch einen rotirenden Trichter eine Verdichtung und kommt nach zweimaligem rechtwinkeligen Wechfel des Laufes um Leitrollen zu einem Wickelapparat, an Stelle der Pelztrommel vor der Mafchine ftehend, um auf eine drei Zoll breite Spule feft aufgewunden zu werden. Die Einrichtung des PatentwickelApparates ift von dem Canalfyftem bei Baumwoll- Kratzmafchinen bekannt; auch hier findet die Umftellung des Spulgeftelles nach Aufwicklung einer beftimmten Länge, ebenfo das Abreifsen des auf die frifche Spule fich fortwickelnden Bandes felbftthätig ftatt. Die zweite Krempel hat einen Auffteckrahmen für 64 Wickel, von welchen die Bänder durch eine Bandleitung knapp vor den Einzugscylinder hindurchgehen. Damit der Tambour fich nicht muldenförmig ausarbeite- was bei der urfprünglichen Reichenberger Anordnung diefer Art der Fall war erhielt die Bandleitung eine kleine Querbewegung. - Der Abzug des Vliefses erfolgt mit Hilfe eines verbefferten Ferrabeefchen Apparates. Das Abzuglattentuch, welches zum Wagen führt, beſteht nicht mehr aus einem, fondern aus zwei endlofen Theilen, welche in einem knieförmigen Rahmen über Rollen laufen. Zu diefem Zwecke find zwei Antriebsketten für das auffteigende und dann für das abwärts führende Lattentuch getrennt in Anwendung gebracht, auch die Spiralfeder zur Spannung des früheren Lattentuches als überflüffig befeitigt. Die hin- und wiederkehrende Wagenbewegung findet hier nicht mehr mittelft eines endlofen Lederriemens, fondern durch ein Mangelgetriebe ftatt. Eine nach dem Principe des Mangelrades conftruirte Zahnftange- ,, Mangelftange" ift fo eingerichtet, dafs durch Verftellung der Wendeftücke an beiden Enden derfelben der Ausfchlag des Wagens, fomit die Breite des entſtehenden Vliefses abgeändert werden kann. Die Mangelftange liegt äquilibrirt in parallel gefchlitzten Stelleifen und verfchiebt fich fehr leicht beim Wechfel des Eingriffes des Getriebes nach aufwärts oder abwärts. Der Wagen läuft mittelft Laufrollen auf Schienen und wird hiebei durch Zahnftangengetriebe auf beiden Seiten ftets parallel geführt. Die Fortrückung des Vliefstuches gefchieht von der unteren LattentuchWalze aus, nahe dem Peigneur, ftatt mittelft Riemenkegel durch Stellkurbel und Sperrrad- Mechanismus. Was endlich die Vorfpinnkrempel anlangt, welcher zwei Wickel der Mittelkarde vorgelegt werden können, fo ift diefelbe mit dem von Cöleftin Martin in Verviers erfundenen Fadenapparat verfehen. Um nämlich möglichft gleichförmige und feinere Vorfpinnfäden zu erzielen, wird das Vliefs von der voll befchlagenen Kammwalze durch einen Hacker ungetheilt abgenommen und darauf in einem zwifchen dem Peigneur und den Würgelwerken eingefchalteten Riemchen- Theilapparat in einzelne Bänder getrennt. * Von Weften nach Often durch die Mafchinenhalle fchreitend, wäre die amerikanifche Spinnmafchine von J. Avery zunächft zu behandeln. Wir knüpfen aber deren Befprechung an die Martin'fche Spinnmafchine( S. 20) an. Die Spinnereimafchinen. 15 Diefer Apparat befteht aus zwei Syftemen abwechfelnd neben einander laufender, fchmaler, endlofer Riemen, welche in entſprechenden Rinnen zweier übereinander gelagerter Führungswalzen eingelegt find. Dort, wo das Wollvliefs zwifchen diefe zwei fich berührenden Walzen eintritt, liegen die Riemchen in ihren Führungsrinnen eingefenkt, fo dafs die einziehenden Walzen eine glatte Oberfläche darbieten und das Vliefs ficher erfaffen. Nach' dem aber das Wollvliefs zwifchen die beiden Walzen eingetreten ift, trennen fich die beiden Riemenfyfteme, indem die Riemchen der unteren Walze nach aufwärts und die Riemchen der oberen Walze nach abwärts geführt werden und dadurch das eingezogene Vliefs in eben fo viele Bändchen theilen, als Riemen vorhanden find. Die erzielten Wollbändchen werden durch ihre Riemen bis zu den Würgelapparaten gebracht, von denen für jedes Riemenfyftem einer vorhanden ift, da verdichtet und alsdann zu je zwei Spulen zur Aufwicklung geführt. Da die Riemchen mit gleicher Gefchwindigkeit fich fortbewegen wie das eintretende Wollvliefs, fo findet die Theilung desfelben ohne Anftrengung und ohne Verfchiebung der einzelnen Wollhaare, ferner wegen der durchaus gleichen Breite aller Riemen und wegen der Führung derfelben in fcharf eingefchnittenen und genau paffenden Nuthen der das Vliefs einziehenden Führungswalzen mit der gröfsten Gleichförmigkeit ftatt. Nachdem überdies jeder Riemen das erzeugte Wollbändchen bis zum Würgelapparat trägt und vor allen nachtheiligen Verzügen bewahrt, fo kann man unter fonft gleichen Umftänden durch geeignete Wahl der Riemchenbreite eine gröfsere Zahl feinerer Vorfpinnfäden von der Krempel abziehen, wie diefs bei allen anderen Theilapparaten noch nicht erreicht wurde. Die Platt'fche Schleifmafchine für Kardenwalzen zeigt die im vorigen Abfchnitt fchon erwähnte Verbefferung, dafs die beiden Stelllager für die zu fchleifende Walze nur gemeinfchaftlich und ftets parallel zur Schleifwalze bewegt werden können. Befchäftigen wir uns näher mit den Verbefferungen am Platt'fchen Streichgarn- Selfactor, fo ift erinnerlich, dafs bei deffen früherer Anordnung nur zwei verfchiedene Gefchwindigkeiten für die Spindeldrehungen und diefs noch unter der Befchränkung gegeben werden konnten, dafs die zweite gröfsere, die fogenannte doppelte Gefchwindigkeit erft nach ftattgehabter halber Drehung der Steuerwelle am Schlufs der Wagenausfahrt zum Nachdrehen einfetzte, indem die Riemenumftellung vollkommen von der Steuerwelle abhängig gemacht war. Auch jetzt hat Platt nur einen Riemen für die beiden Triebfcheiben, welche in Verbindung mit einem kleinen, beziehungsweife mit einem grofsen Twiftwirtel ftehen; doch kann der Eintritt der doppelten Spindelgefchwindigkeit in jedem Punkt der Ausfahrt vom Wagen aus gefteuert werden. Um nun auch noch eine kleinere als die einfache Spindelgefchwindigkeit im Beginne der erften Periode unter Aufrechthaltung des einfachen, Platt eigenthümlichen Antriebes zu ermöglichen, ift die Seilrolle auf der Spindel- Trommelwelle nicht feft, fondern mit einem Frictionsrad in Verbindung gebracht, durch deffen theilweife oder gänzliche Ausrückung die Spindeldrehungen verlangfamt oder vollkommen eingeftellt werden. Hiezu dient ein Hebel am Frictionsrad, welcher durch eine Ausrückfchiene am Verbindungsftück des grofsen und kleinen Headftock bei Wagenausfahrt ausgelegt wird. Es findet hiernach beim Beginne der erften Periode( Lieferung und Wagenausfahrt) ein rafches Anfpinnen des Vorgarnes ftatt, worauf die Spindeln für einen Theil des Wagenweges ganz ftehen bleiben oder fehr langfam fich drehen, der aufgegebene Twift aber fich gleichförmig vertheilt mit demfelben Erfolg, als ob das Anfpinnen bis zum Eintritt der unveränderten Gefchwindigkeit des kleinen Twiftwirtels mit einer gleichmässigen, aber geringeren erften Gefchwindigkeit gefchehen wäre. Beim Doppelfpinnen, wenn das gedrehte Vorgefpinnft rafch aufgedreht und dann erft mit entgegengefetztem Twift gefponnen werden muss, kann man mit der doppelten Gefchwindigkeit beginnen, hierauf die einfache und nachher wieder die doppelte Gefchwindigkeit einfetzen. 16 Johann Zeman. Die jetzige Quadrantenfchraube hat eine gegen oben abnehmende Ganghöhe; die Quadrantenregulirung wird in Folge deffen wieder einfach durch eine endlofe Schnur erzielt, welche eine lofe Rolle mit Sperrrad im Wagen umfchlingt und immer dann an der Wageneinzugs- Bewegung theilnimmt, wenn vom Gegenwinder aus durch Einfallen einer Klinke ins Sperrrad die Scheibe verhindert wird, fich frei zu drehen. In dem Mafse, als der Kötzeranfatz gröfser wird, erhebt fich die Laufmutter wegen der abnehmenden Gewindhöhe der Quadrantenfchraube immer weniger, ohne Anwendung eines eigenen Regulirungsmechanismus, wie das z. B. bei dem Buckley'fchen Quadrantenregulator der Fall ift. Um die Kötzerfpitzen in jedem Stadium der Aufwicklung feft zu winden, ift der Aufhängepunkt der Quadrantenkette nicht feft an der Laufmutter, fondern mittelft eines Sperrrades befeftigt, durch deffen Drehung eine Verkürzung der Quadrantenkette erreicht wird mit derfelben Wirkung, wie mit dem bekannten am Quadrantenarm rechtwinkelig abftehenden Correctionhebel. Das Sperrrad läfst fich jederzeit mit einem Griff leichter manipuliren, wie der in den Schlitz des Correctionshebels verftellbare Bolzen, welcher gegen Ende der Wageneinfahrt die Kette noch ein wenig von der Quadranten- Kettentrommel abzieht. Die Steuerwelle, welche fchon vor der letzten Parifer Weltausftellung als Zweitempo- Welle( arbre à deux temps; two motion shaft) ähnlich wie bei dem bekannten Parr- Curtis Selfactor eingerichtet wurde, erhält, unabhängig von der Hauptwelle, ihre Bewegung durch eine eigene Riemenfcheibe auf einer parallel, hinter derfelben gelagerten Hilfswelle, von welcher auch noch die Drehung der Einzugswelle durch Kegelräder und die Bewegung des auf der Hauptwelle fitzenden Abfchlagrades durch ein Stirnrad abgeleitet wird. Stellt fich dem ausfahrenden Wagen ein Hindernifs entgegen, fo kann der Riemen von feiner Scheibe abrutfchen und der Wagen bleibt ftehen. Im gewünſchten Falle kann jedoch die Hauptwelle und die Hilfswelle direct durch zwei Räder verbunden werden, wobei das Rad auf der Hilfswelle an der Stelle der Riemenfcheibe aufgekeilt wird. Seit mehreren Jahren ift der Platt'fche Selfactor mit einer Ausrückftange ausgerüftet, welche parallel unter der Gegenwinderwelle angeordnet ift und geftattet, die Mafchine von irgend einem Punkte des Wagens bei deffen Einfahren durch Verfchieben diefer Ausrückftange zum Stillftand zu bringen. Der Wagen vollendet hiebei die Einfahrt, auch die Steuerwelle macht noch ihre halbe Umdrehung und bereitet Alles für den neuen Auszug vor; aber der Riemen wird durch den mit der Ausrückftange verbundenen Mechanismus gehindert, auf die Triebfcheibe zu rücken. Diefe Verbefferung ift rafch von allen andern Conftructeuren nachgeahmt worden. Der grofse und kleine Headstock ruhen jeder für fich auf Unterlagsplatten, welche durch zwei breite Traverfen zu einem feften Bodenrahmen verbunden find. Die Traverfen dienen zugleich als Wagenfchienen. Was endlich den Auffteckrahmen des Selfactor anlangt, fo ift derfelbe fowohl zur Aufnahme von Vorgefpinnftfpulen als auch, für den Fall des Doppelfpinnens, zum Aufftecken von Vorgefpinnftkötzer eingerichtet. Bei der Woll doublir- und Zwirnmafchine ift zunächft bei der Ringfpindel der Läufer nicht einfach, nur auf der oberen Kante der Ringbank laufend, fondern langgeftreckt, doppelt oben und unten die Ringkante umfaffend. Statt Wechfelräder zur Veränderung der Spindelgefchwindigkeit find Stufenconuffe mit neun Abftufungen für Riemenbetrieb angewendet. Die Mafchine ift doppelfeitig und jede Seite für fich unabhängig von der anderen in Gang zu fetzen. Die Ringbank- Bewegung ift fo eingerichtet, dafs ein Unterwinden der Fäden ftattfinden kann, um ähnlich wie beim Selfactor ohne grofsen Zeitverluft nach dem Abnehmen der fertigen Kötzer die frifche Aufwindung beginnen zu können. - Der nächſte Ausfteller für Wollspinnerei- Mafchinen war die belgiſche Firma Bède& Comp.( Société Houget& Teston) in Verviers. Ihre Mafchinen waren mit Ausnahme des Selfactor und der Sykes'fchen Spinnmafchine nicht zum Betriebe ausgerüftet. Die Spinnereimafchinen. 17 Der bekannte Houget'fche Klettenwolf erhielt einen felbftthätigen Speifeapparat( Patent Deru), welcher die Wolle auflockert und zum Entkletten zweckmäfsig einführt. Der Apparat befteht im Wefentlichen aus einem mit langen Stiften befchlagenen Tambour, über welchem etwas vorhängend ein dreiflügeliger, ebenfalls mit ftarken Stiften befetzter Schläger fich rafch umdreht. Die aufgegebene Wolle fällt auf den Stiftentambour, vor welchem ein verticales Lattentuch den Abfchlufs des Aufgebekaftens bildet, und geht mit demfelben nach unten herum mit, um alsdann von dem entgegengefetzt vorlaufenden Flügel nach und nach abgenommen und auf das Speifetuch der Klettenmafchine abgeworfen zu werden. Den Flügel umgibt auf nahezu ein Drittel des Umfanges ein Roft, durch welchen eine Abfonderung von Staub und lofen Schmutztheilchen aus der aufgelockerten Wolle ftattfindet. Im Uebrigen hat die Kammtrommel einen gröfseren Durchmeffer und ftärkere Kämme und ift auch der Raum zur Aufnahme der abgefchlagenen Kletten etc. geräumiger gehalten. Das Sortiment Karden beftand aus einer Grobkratze mit Avanttrain und modificirtem Bolette'fchen Zuführapparat, ferner aus einer Vorfpinnkarde mit fchottifchem Auflegeapparat. Der angeführte Zuführapparat für die Grobkarde beſteht aus einem fchräg anfteigenden und dann horizontal weiterlaufenden, endlofen Lattentuch, über welches am Uebergangspunkte ein zweiarmiger, mit groben Spitzen befetzter Schläger in der Richtung der Lattentuch- Bewegung fich umdreht und die zugeführte Wolle flockenweife zu den Einzugwalzen befördert. Durch eine entgegengefetzt laufende glatte Walze, zwifchen dem Flügel und den Speifewalzen, wird die Regelmäfsigkeit der Auflage in der Weife erzielt, dafs die zu viel mitgeriffene Wolle vom Flügel wieder zur Aufgebeftelle zurückgetragen wird. Soll die Auflage von Hand in gewöhnlicher Weife beforgt werden, fo wird die fchräg liegende Hälfte des Lattentuches in die Horizontale gehoben und der Flügel parallel zum Lattentuch feftgeftellt. Der Avanttrain befteht aus zwei Speifecylindern und einer Klettenwalze mit Abfchläger, von welcher die Wolle durch eine kleine Uebertragwalze und ein tief herabgeftelltes Arbeiter- und Wenderpaar an den kleinen Tambour übergeht. Der kleine Tambour arbeitet aufserdem mit zwei, alfo im Ganzen mit drei Paar Arbeiter und Wender. Die Wolle gelangt durch eine Uebertragwalze vom kleinen zum grofsen Tambour, über welchem fechs Arbeiter- und Wenderwalzen vertheilt find. Der Abzug des abgelöften Wollvliefses findet feitlich ohne Einfchaltung eines Drehtrichters ftatt und wird das Band in einander berührenden Zickzackgängen rechtwinkelig quer über das Speifetuch der Feinkarde durch den bekannten fchottifchen Bandapparat vorgelegt. Ein in Naturgröfse ausgeführtes Modell ftellte einen modificirten Martinfchen Apparat zur Theilung des Wollvliefses dar, welcher etwaigen Befürchtungen über Dauerhaftigkeit und Inftandhaltung der gleichmäfsigen Spannung der Lederriemchen mittelft Erfetzung derfelben durch dünne Stahlbänder abhelfen foll. Der Bède'fche Vorfpinnapparat befteht aus zwei Syftemen feftliegender Stahlftreifen gleicher Breite, welche abwechfelnd nicht zwifchen zwei eingedrehten Eifenwalzen, fondern gleich zwifchen zwei vertical gefpannten, in drehender Bewegung befindlichen Würgeltüchern- von den Spinnern auch Lederhofen genannt vertheilt find. Nachdem nun das eine Syftem der Stahlbänder von unten nach aufwärts um das obere Würgelleder gefpannt ift, fo erfafst diefes bei feiner Bewegung nur die von diefen Stahlbändern zurückgehaltenen Streifen des ungetheilt eintretenden Wollvliefses, während die anderen Stahlbänder, welche fymmetriſch aber von oben nach abwärts um das untere Frottirleder gelegt find, diefer die übrigbleibenden Wollftreifen zur Fortbewegung referviren. 2 5% 18 Johann Zeman. Es findet zweifelsohne bei der Bewegung des Apparates durch die Würgeltücher und die unbeweglichen Stahlbänder eine Theilung des eingeführten Vliefses in fo viel Streifen, als Stahlbänder vorhanden find, ftatt. Ob aber diefe Theilung trotz der Glätte der Stahlbänder, auf welchen die Wollbändchen weitergefchoben werden müffen, mit der erforderlichen Gleichmässigkeit vor fich geht, diefs entgiltig zu entfcheiden, ift wohl noch nicht möglich, umfomehr als die Ausfteller unterliefsen, den Apparat in Betrieb zu fetzen. Bei dem Bède'fchen Selfactor erfolgt wie bei Platt der Antrieb der Steuerwelle, Einzugswelle und Abfchlagmechanismus unabhängig von der Hauptwelle und der Spindeldrehung; im Gegenfatz zum Platt'fchen Selfactor aber durch eine Riemenfcheibe auf der Einzugswelle und von diefer aus ftatt durch Räder mittelft eines endlofen Seiles, welches von der Einzugswelle zur Parr- Curtis- Steuerwelle, von hier zur Vorgelegewelle für das Abfchlagrad und endlich zurück zur Einzugswelle läuft. Die Spindeldrehungen gehen wie bei dem vorhin abgehandelten Platt'fchen Selfactor vor fich. Um den Verzug der Streckfäden in einer Vimont- Sykes'fchen Spinnmafchine zu unterſtützen, ift der vordere, rafch umlaufende Schläger durch einen langfam fich drehenden, zweiarmigen und mit Kratzleder befetzten Flügel erfetzt worden! Der Antrieb der Streckwalzen und der Röhrchen erfolgt zweckmäfsig von der Hauptwelle mittelft eines rafch regulirbaren Frictionsvorgeleges; daher Gefchwindigkeitsänderungen je nach Qualität der zur Spinnmafchine kommenden Wolle ausgeführt werden können. - Wenden wir uns nun zu den von Cöleftin Martin in Verviers( Belgien) zur Wiener Weltausftellung gebrachten und in Gang gefetzten Maſchinen zur Verarbeitung von Wolle. Vorerft wäre da der Reifswolf für Abgänge( Shoddywolf) zu erwähnen, bei welchem die untere Zuführwalze durch eine fefte Mulde erfetzt ift und ftatt des oberen, geriffelten Cylinders eine mit Kautfchuk überzogene Walze eingelegt werden kann. Der Klettenwolf wies in der Conftruction der Kammtrommel eine Die einzelnen Zähne der Kämme find fehr wichtige Verbefferung nach. durch eingefräfte, etwa 11 Millimeter tiefe und breite Rinnen von ein12 ander getrennt und fteht jedem Zahn eine Rinne des vorhergehenden Kammes gegenüber. Die der Kammtrommel zugebrachte Wolle hat Platz und Gelegenheit in die Rinnen zwifchen den Kammzähnen fich einzulegen und dadurch jeder Befchädigung durch die Schläger zu entgehen, während Kletten und dergleichen über der Oberfläche des Kammtambours liegen bleiben und durch die Schläger abgeftreift werden. Auch der felbftthätige Schmelzwolf, mit welchem Martin fchon im Jahre 1862 in London zuerft aufgetreten ift, zeigte eine neuere Vervollkommnung dahin, dafs die Einfprengflüffigkeit nicht mehr vorher gemifcht und vorbereitet in den Behälter auf der Mafchine gebracht werden mufs. Oel und Waffer werden gefondert aufgegeben und durch die Abftreifbürfte mit dem Einfprengen der Wolle zugleich gemifcht. Zu diefem Behufe find an Stelle des einen Troges zwei getrennte, halb fo grofse Behälter für Oel und Waffer vorhanden, welche unabhängig von einander eine Drehung erhalten und beliebige Mengen abfliefsen laffen. Das ausfliefsende Waffer und Oel gelangt über zwei über einander liegende und die ganze Breite der Mafchine einnehmende Vertheilungsrinnen in gleichförmig vertheilten Tropfen auf jene Abflufsplatte, von welcher durch die fchnell rotirende Bürftenwalze die Vermifchung der Flüffigkeit bei deren Ausbreitung über die zukommende Wolle bewerkstelligt wird. Die Spinnereimafchinen. 19 Durch Aenderung zweier Wechfelrädchen in dem Rädertrieb für die beiden Tröge wird fowohl das Mifchungsverhältnifs, fowie der Zuflufs der Einfprengflüffigkeit nach Bedürfnifs regulirt. Sämmtliche Theile der Mafchine find leicht zugänglich, was behufs forgfältiger Reinigung derfelben nach jeder Partie Wolle von Belang ift. Zur Bearbeitung feiner und mittlerer Wollen war ein Sortiment von drei Karden aufgeftellt. Die Reifskrempel zeigt den bekannten und viel verbreiteten Bolette'fchen Speifeapparat, von welchem die Wolle durch ein Vorreifswerk aus zwei Klettenwalzen an den Tambour zwar nicht direct, fondern durch eine Wenderwalze abgegeben wird. Statt der Pelztrommel ift ein endlofes Pelztuch vorhanden. Auch die Mittelkarde wickelt das Wollvliefs auf ein„ doppeltes" Pelztuch von 14 Meter Länge auf. Die Pelztücher erhalten jetzt ihre Spannung ftatt mittelft einer ftellbaren Führungswalze durch eine freie Gewichtswalze, ferner eine Gradführung über die Walzen im Geftelle durch eingenähte Querftäbe, welche knapp zwifchen die Geftellwände paffen. Auf der Feinkarde werden durch den Martin'fchen Vorfpinnapparat 120 gute Fäden bei 15 Meter Befchlagbreite abgegeben. Wir haben uns fchon oben ausführlich über diefen Apparat ausgelaffen, deffen Vorzüge wohl nicht fchlagender ausgedrückt werden können, als durch den Hinweis auf deffen ungemein rafche Verbreitung feit der Londoner Specialausftellung im Jahre 1871, wo der Vliefs- Theilapparat zum erften Male vor die Oeffentlichkeit getreten ift. Ein anderer Satz von zwei Krempeln für Kunft wolle und Wollabgänge war durch den fchottifchen Bandlege- Apparat in Verbindung gefetzt. Einfach und zweckmäfsig ift hiebei die Anordnung des Balancegewichtes der auf- und niederfteigenden Bandführung, welche das Kardenband in den Wagen des Legeapparates abgibt. Im Uebrigen können die Eigenthümlichkeiten der Martin'fchen Krempeln, insbefondere die Anwendung fehr fchwacher Wenderwalzen als bekannt vorausgefetzt werden. Das gröfste Intereffe unter den Mafchinen diefes und fämmtlicher anderen Ausfteller diefer Branche beansprucht unftreitig die Streichgarn- Watermafchine mit Martin's neuem Streckwerk. Die Hauptfchwierigkelt beim continuirlichen Spinnen liegt in den Unregelmässigkeiten des von den Krempeln kommenden Vorgefpinnftes, welche bisher nur auf Mulemaſchinen bis zu einem gewiffen Grade ausgeglichen werden konnten. Durch die Mifserfolge der Streckwerke bei den Spinnmaschinen von Vimont und Sykes belehrt, erkannte Martin als erfte Nothwendigkeit eines guten Streichgarn- Streckwerks die getrennte Behandlung jedes einzelnen Fadens, um durch ftärkere Verftreckung der dichteren Fadenftücke eine Ausgleichung in der ganzen Länge des Garnes thunlichft zu erreichen. War diefe Regulirung des Verzuges, das ift Egalifirung der einzelnen Fäden in einer praktiſch brauchbaren Mafchine, ohne Rückficht auf die Zahl der Spindeln durchführbar, fo unterlag es keinem Zweifel, dafs bei der vorausgegangenen Vervollkommnung der Vorfpinnkrempeln ein fchönes und gleichförmiges Streichgarn auch auf feftftehenden Spinnmafchinen gefponnen werden könnte. Einmal auf dem richtigen Wege und ermuthigt durch den aufserordentlichen Erfolg feines Vorfpinnapparates, brachte Martin auch einen originellen Verzugsregulator im Streckwerk für jeden einzelnen Faden zu Stande; eine Erfindung, welche als weittragend begrüfst und behandelt werden mufs. Es ift vorweg ausdrücklich zu bemerken, dafs diefer Vorzugsregulator nicht etwa die normal zwifchen den Streckcylindern herrfchende Streckung je nach der Dicke des eintretenden Vorgefpinnftes wechfelt, fondern der Regulator forgt nur für eine fchwächere Drehung dickerer Fadentheile; diefe können aber im Zuftand 2* L 20 Johann Zeman. des lockeren Zufammenhanges der Wollhaare reichlicher verzogen werden als die dünneren Stellen, welche fofort einen ftärkeren Twift erhalten. Das geftellte Ziel hat Martin auf folgende Weife erreicht: Die Drehung der einzelnen Fäden in einem Streckwerk mit fehr weit geftellten Cylindern erfolgt vorübergehend durch die bekannten Röhrchen( tubes). Nun verliert ein Faden durch Drehung um fo mehr an Länge, je dicker derfelbe bei gleichbleibender Drehung ift. Diefe Eigenfchaft wird dazu benützt, den Regulator in Thätigkeit zu fetzen. Der Regulator zur richtigen Vertheilung des Röhrchendrahtes und, in weiterer Folge hievon, des Verzuges befteht aus einem nächft dem Röhrchen angebrachten Fühlhebel und einer unmittelbar dahinter angeordneten feften Bremsfchiene, über welch' letztere der Faden in einem geringen Abftand zu dem Röhrchen herabftreicht. Jeder Faden liegt über einem eigenen Fühlhebel, welcher im normalen Stande den von dem Röhrchen ausgehenden Draht nicht alterirt. Kommt aber eine dichtere Fadenftelle durch die Einziehwalzen und wird in Folge der fofort ftattfindenden Drehung und Verkürzung des Fadens der Fühlhebel niedergedrückt, fo findet diefer nun auf der Bremsfchiene auflaufende Faden fo viel Reibung, dafs der Röhrchendraht entſprechend fchwächer nach dem dickeren Fadentheil fortgepflanzt wird. Der fchon gegebene Twift verläuft rafch nach dem ftets frifch zukommenden Vorgefpinnft, wefshalb der Verzug der dichteren Stelle ohne Anftrengung erfolgt und beim Eintritt der normalen Fadenfpannung der Fühlhebel in die vorige Pofition fofort zurückkehrt, worauf wieder der Röhrchendraht ungefchwächt bis zu den Einziehwalzen verlaufen kann. Solange alfo egales Vorgefpinnft der beftimmten Nummer einläuft, fteht der Fühlhebel ganz ruhig und ftreicht der Faden in einem kleinen Abftand über die Bremsfchiene hin. Sowie aber ftärkere Fadenftücke durch die Einziehwalzen eintreten, beginnt der Regulator feine Thätigkeit und ganz deutlich lässt es fich an der Mafchine verfolgen, wie dichtere Fadentheile nahezu offen, d. h. mit ganz fchwachem Drahte verfehen, gegen den Fühlhebel herabftreichen und langfam, ohne irgend gewaltthätige Schläge oder Erfchütterungen zu erleiden, fich ausziehen. Die vorderen Streckwalzen geben daher ununterbrochen einen gleichmässig ftarken Faden ab, welcher nun in bekannter Weife durch eine Ringfpindel den bleibenden Twift empfängt und aufgewunden wird. Von den drei ausgeftellten und fämmtlich in Gang gefetzten Martin'fchen Spinnmafchinen diente die eine für feine Wollen, die zweite für lange und ordinäre, fogenannte Donskoywolle, und endlich die dritte für reine Kunftwolle. Zum Weifen des gefponnenen Garnes empfiehlt Martin den von ihm ausgeftellten mechanifchen Haspel mit der von A. Snoek in Ensival bei Verviers patentirten Selbftabftellung bei Fadenbruch. Anfchliefsend an die eben befprochene Watermafchine gehen wir näher auf die von dem Amerikaner John Avery ausgeftellte continuirliche Spinnmafchine für Streichgarn ein, bei welcher ebenfalls das Streckwerk unfere Aufmerkſamkeit feffelt. Wie bei Vimont, Sykes und Martin hat auch hier der Faden im Streckwerk eine beträchtliche Länge, um dadurch fchon ähnlich wie bei der Mule- eine Ausgleichung der Ungleichheiten im Vorgefpinnft zu befördern. Auch das Röhrchen zur falfchen Drahtgebung während des Verzuges fehlt nicht, ift aber, was gerade diefer Spinnmafchine ihren befonderen Werth verleiht, ebenfo wie die Auflagerung der Oberwalzen des vorderen Streckcylinder- Paares ganz neuartig und in einer für die Bedienung der Mafchine äufserft vortheilhaften Weife ausgeführt. Eine wefentliche Abweichung von allem Bekannten zeigt aber der Einzug des Vorgefpinnftes. Derfelbe findet nicht durch Walzen ununterbrochen ftatt, Die Spinnereimafchinen. 21 fondern, um den Vorgang bei der Mule nachzuahmen, abgefetzt in längeren Fadenftücken auf einmal, welche gegen die vorderen Streckwalzen langfam vorwärtsfchreiten und durch die gröfsere Gefchwindigkeit derfelben entfprechend verzogen werden. Indem die Drehung und Verziehung intermittirend auf längere Fadenftücke vertheilt wird, bietet fich die Möglichkeit, das unegale Vorgefpinnft wie bei der Mulemafchine auszugleichen. Da aber die vorderen Streckwalzen in feften Lagern fich umdrehen, fo mufs nothwendigerweife der Einzugsapparat bei feiner abgefetzten Drehung eine fortfchreitende Bewegung des gelieferten Fadenftückes gegen die vorderen Streckcylinder geftatten, zugleich auch ermöglichen, das ins Streckwerk übergebene Fadenftück bis zu deffen beendetem Verzuge von dem nachkommenden Fadentheil getrennt zu halten. Der Einzugsapparat befteht desshalb aus einem über die Mafchine fich erftreckenden Haspel von etwa 20 Centimeter Durchmeffer, deffen 5 Arme durch glatte Drähte verbunden find. Ueber dem Einzugshaspel hängt drehbar in einem Schwinglager ein vierarmiger Flügel, deffen Arme am Ende ausgerundet find und nach einander zur Auflage auf die Einzugsdrähte gelangen, wenn der Hafpel fich in Drehung fetzt. Beide Theile bilden dergeftalt einen beweglichen Zangenapparat zur Lieferung des Vorgefpinnftes, welches hinten zwifchen einem der Einzugsdrähte und dem aufliegenden Flügelarm eingeklemmt und dadurch von der Spule abgefchloffen ift, nach vorn dagegen durch das Röhrchen nach den Streckwalzen läuft. Das zwifchen je zwei Einzugsdrähten und den aufliegenden Flügelarmen eingefchloffene Fadenftück bildet die jedesmalige Lieferung für einen Auszug. Verfolgen wir von diefer Stellung des Zangenapparates aus den weiteren Verlauf der Sache. Dreht fich der Einzugsapparat gegen die vorderen Streckwalzen, fo öffnet fich die vorderfte Zange, d. h der vierarmige Flügel hebt und dreht fich, fo dafs nur der hintere Arm auf dem Einzugsdraht ruhen bleibt. Die Röhrchendrehungen und der Verzug äufsern fich fofort auf das frifch dargebotene Fadenftück, ohne über die hintere Zange weiterlaufen zu können. Der Einzugshaspel macht nach jeder neuen Lieferung einen kurzen Stillftand, wobei das dargebotene Vorgarn am ftärksten verzogen wird. Bei Wiederaufnahme der Drehung rückt auch die am hinteren Ende des Streckfadens gefchloffene Zange langfam vorwärts. Erreicht nun endlich diefe Zange die äufserfte Stellung gegen die Abzugswalzen, fo ift inzwifchen vom Spulenwickel eine frifche Lieferung abgezogen und das Fadenftück zwifchen der vorderen und der nun hinten neu einfetzenden Zange eingelegt worden, worauf die Zange vorn fich öffnet und die hintere Zange vollends fich fchliefst und in ähnlicher Weife wie früher das Spiel ftattfindet. So fchön und ingeniös auch der Grundgedanke des Avery' fchen Einzugsapparates zu nennen ift, fo kann unferer Ueberzeugung nach die factifche Ausführung wenig Anklang finden, indem das Vorgarn in nicht hinlänglich fchonender Weife ergriffen und weiter geliefert wird. Unbeftritten bleiben dagegen dem Röhrchen und der Auflagerung der Druckwalzen ihre grofsen Vorzüge, auf welche wir daher noch mit einiger Ausführlichkeit eintreten müffen. vorn Das Röhrchen ift fehr weit und erhält feine Drehung durch zwei unterhalb demfelben im Cylinderbaum eingelagerten Frictionsrollen. An dem Röhrchen ift an dem verengten Auslauf ein am Ende öfenförmig gebogener Draht angebracht, welchen der austretende Faden umfchlingt, um unmittelbar zwifchen die Streckwalzen eingeleitet zu werden. Das Röhrchen ift aber aufserdem mit einem fchrägen Schlitz verfehen, durch welchen der Faden ohne Hilfe eines Hakens und ohne befondere Uebung leicht ins Röhrchen eingelegt werden kann. Findet daher hinter dem Röhrchen ein Fadenbruch ftatt, fo knüpft man ohne Weiteres den Faden von der Spindel an das Fadenende im Streckwerk, hebt. 22 Johann Zeman. hierauf das Röhrchen, um den Faden einzulegen und vorn um den Führungsdraht zu fchlingen. Legt man alsdann das Röhrchen nieder, fo rückt der Faden in Folge der eigenthümlichen Auflagerung der Druckwalze von felbft zwifchen die Streckcylinder, ohne die Druckwalze aufheben zu müffen. Das Spinnen und Aufwinden des von den Streckcylindern ablaufenden Fadens erfolgt mittelft Ringfpindel. Der öfenförmige Läufer, welchen gewöhnlich der Faden auf dem Ring herumnimmt, ift durch ein in der Mitte fchwach ausgebogenes Drahtftäbchen( Patent Potter) erfetzt, welches mit feinen geraden Enden in einer kreisförmigen Nuth der Ringbank herumläuft. Der Faden geht, bevor er zur Spindel kommt, um diefes Stäbchen herum. Wir gelangen nun zu den Ausftellern des deutfchen Reiches. - Von den fehr fchön ausgeführten Mafchinen, welche die Firma Oscar Schimmel& Comp. in Chemnitz ausgeftellt hatte, nennen wir zunächft den Reifswolf für mittlere Wollen, wegen feiner Klariermulden- Zuführung. Der untere Speifecylinder ift analog wie bei der Lor d'fchen BaumwollSchlagmafchine durch eine Klariermulde aus 40 Hebeln erfetzt, welche durch Gewichte gegen die obere Zuführwalze angedrückt werden und in Folge deffen die Wolle felbft bei unegaler Auflage ficherer halten und dem Stiftentambour zum Oeffnen darbieten, wie diefs mit gewöhnlichen Zuführcylindern der Fall ift. Der Trommelbefchlag geht von der Mitte in fchrägen Linien nach rechts und links aufwärts, wefshalb die Wolle beffer nach beiden Seiten getrieben wird; ein Vortheil, da die Auflage faft immer in der Mitte etwas zu dick aufgelegt ift. Die Krempeln( darunter auch eine für Baumwoll- Abfall) zeichneten fich Die Scheibenbüchfen, durch zweckmäfsige Lagerung der Kratzwalzen aus. welche Schimmel zuerft aufbrachte, verhüten das Wickeln der Wolle um die Walzenachfen. Bei der Vorkrempel arbeitet die Klettenwalze direct mit dem Tambour. Behufs regelmässigen Aufreifsens des Pelzes auf der Mittelkarde ift an die Pelztrommel ein felbftthätiger Aufreifs- Mechanismus angebracht, welchen man durch Umfchlagen eines kleinen Hebels in Thätigkeit fetzt. Gefchieht diefs, fo klappen zwei auf der Trommel drehbar befeftigte Brettchen, welche mit Stiften befetzt find, auf und reifsen bei ihrem Auseinandergehen den Pelz regelmäfsiger, wie diefs mit Hand gefchehen kann, aus einander. Das Würgelzeug der Vorfpinnkrempel befteht aus drei mit Leder überzogenen Nitfchelwalzen. Für ftarke Leiften-, Teppich- und Deckengarne aus langen Wollen oder deren Mifchungen hatte die Firma O. Schimmel& Comp. eine bereits mit Erfolg in die Praxis eingeführte Spinnkrempel ausgeftellt, auf welcher das Feinkardiren und Fertigfpinnen zur Vereinfachung des Spinnproceffes zugleich ſtattfindet. Es treten nämlich die 12 oder 14 erzeugten Fäden aus dem Würgelapparat unmittelbar zu den Flügelfpindeln, welche horizontal in einem paffenden Antriebsgeftell gelagert find.- Der Mafchinenbau- Verein, vormals C. F. Schellenberg in Chemnitz, brachte einen Satz feiner gangbarften Krempeln und einen Streichgarn- Selfactor zur Ausftellung. Diefer Selfacttor fpinnt nun auch mit drei Gefchwindigkeiten. Die Auszugsfchnecke und die Einzugsfchnecke für den Wagen find mit doppelter Spur verfehen, um zwei dünnere Schnüre ftatt eines dicken, aber weniger dauerhaften Seiles zur Anwendung zu bringen. Der Wagen- Rücklauf beim Nachzwirnen wird durch einen fehr einfachen, hübfchen Mechanismus ausgeführt. Da die Frictionskuppelung der Einzugswelle wegen der Gefammtanordnung im Headftock einen zu kleinen Durchmeffer erhielt, fo wurde diefe Kuppelung durch Keilmitnehmer verfichert, welche einen Moment vor der Einrückung des Frictionsmuffes, ebenfo kurz vor Ausrückung desfelben hervor- oder zurücktreten. Die Spinnereimaſchinen. 23 Dadurch wird das Einzugs- Kegelrad ficher mitgedreht, während die Frictionskuppelung mehr zur fanften Umfetzung der Bewegungen dient. Im Vorbeigehen weifen wir kurz auf den von E. Gefsner in Aue( Sachfen) exponirten Speife apparat für Vigogne- Krempeln etc. Der Boden und die vordere Wand des Aufgebekaftens werden durch zwei endlofe Lattentücher, erfteres horizontal, letzeres vertical und etwas abftehend, gebildet. Vor dem verticalen Lattentuch fteht noch ein fchmalftäbiges Gitter, durch deffen Spalten fägeartig ausgefchnittene Scheiben eingreifen und bei der Drehung Partien von Wolle erfaffen und durch die Roftfpalten durchziehen, worauf ein rafcher rotirender Lederflügel die zugebrachte Wolle auf das Speifetuch gegen die Einziehwalzen der Grobkrempel abftreift. Als hervorragendfte deutfche Werkstätte für Spinnereimaſchinen bewährte fich auch auf der Wiener Weltausftellung die Sächfifche Mafchinenfabrik ( vormals Rich. Hartmann) in Chemnitz, welche aufser einem Satz Krempeln auch noch ihren Selfactor mit dreifacher Spindelgefchwindigkeit in verbefferter Anordnung exponirt hat. Die Reifskrempel arbeitet mit dem Vorreifsapparat direct an den Tambour. Die Ablieferung erfolgt mittelft feitlichen Abzugs zu dem an der Mittelkrempel angebrachten, von der Sächfifchen Mafchinenfabrik feit 1862 acceptirten Apperly'fchen Diagonal- Legeapparat. Befonders bemerkenswerth ift King's Patent- Selbftauflege- Apparat, welcher jeder Reifskrempel vorgeftellt werden kann. Die in einem eifernen Kaften mit Lattentuch- Boden aufgegebene Wolle wird durch eine Stiftentrommel, Abfchläger und vierarmigem Flügel aufgelockert nach der vor dem Kaften aufgehängten Wage abgegeben. Ift das beliebig einzuftellende Auflegegewicht der Wolle erreicht, fo finkt die gefüllte Wagfchale ein wenig und löft die Bewegung des Zuführmechanismus bis auf Weiteres auf. Ift endlich das Speifetuch der Karde um die beftimmte Länge vorgerückt, fo kippt die Wagfchale um und entleert den Inthalt auf das Speifetuch. Bei dem darauf folgenden Rückgang der Wage wird auch die Bewegung der Zuführtrommel etc. wieder eingeleitet. Damit nun die von der Wage abgegebene Wolle gleichförmig auf dem Lattentuch ausgebreitet werde, wirkt auf die Wolle ein zackenförmig ausgefchnittener Drehflügel im Vereine mit einem über das Lattentuch fich erftreckenden fchwingenden Abftreifer. Es fcheint mit diefem aus England eingeführten Apparate, das Problem felbftthätig aufzulegen, glücklich gelöft, wefshalb wir den mechanifchen Aufleger der befonderen Aufmerkfamkeit und Prüfung der Spinner empfehlen. Die Mittelkrempel ift, wie fchon erwähnt wurde, mit Apperly's DiagonalLegetifch verfehen. Das Vliefs wird auf einer Pelztrommel aufgewickelt. Die Vorfpinnkrempel ift mit gewöhnlichem Einhacker- Fadenapparat verfehen, da das ausgeftellte Sortiment eben nur zur Verarbeitung mittlerer Wollen beftimmt war.( Für feinere Gefpinnfte wird der Martin'fche Riemchen- Theilapparat geliefert.) Die Eckbändchen werden aus der Kammwalze durch befondere fchmale Hacker, welche unterhalb des grofsen Hackers angeordnet find, ausgekämmt, um, ohne im Würgelwerk verdichtet zu werden, zu Boden zu fallen.. Bemerkenswerth an der ausgeftellten Vorfpinnkrempel war noch die conftructiv durchgeführte Excenterbewegung für das Würgelwerk. Der Selfactor der in Befprechung ftehenden Firma repräfentirt das von Hartmann zuerft, etwa vor zehn Jahren, eingeführte Syftem der dreifachen Spindelgefchwindigkeit für Mulemaſchinen. Nach unausgefetzten Bemühungen erhielt der urfprünglich etwas complicirte Triebftock eine einfache, überfichtliche und leicht zugängliche Conftruction. Es wurde der Spindelwagen vollkommen entlaftet und die Verftellung der drei 24 Johann Zeman. Riemen auf den Riemenfcheiben für die drei verfchiedenen Gefchwindigkeiten nur von dem am Headſtock angebrachten Drehungszähler abhängig gemacht. Die Gefchwindigkeiten der Spindeln find in Folge deffen fowohl unter fich als auch von jenen des Wagens vollſtändig unabhängig und laffen fich in jeder erforderlichen Weife vertheilen: die 1. oder 1. und 2. Gefchwindigkeit zum Vorfpinnen; die 1., 2. und 3. Gefchwindigkeit zum Feinfpinnen; die I. und 3. Gefchwindigkeit zum Zwirnen; endlich die 3., 2. und 3. Gefchwindigkeit zum Doppelfpinnen( surfiler). Der Antrieb des Quadranten ift durch eine befondere Verbindung mit dem Wagenauszugs Mechanismus verfichert worden. Die Steuerwelle ift nach ParrCurtis, jedoch mit ftellbaren Excentern, um bei allfälligen Abnützungen derfelben bequem nachhelfen zu können. 99 Bemerkenswerth ift der Moderateur", eine einfache Vorrichtung, um das Einfetzen der Frictionsfcheiben zum Abfchlagen der Fäden nicht allzurafch eintreten zu laffen und dadurch bei der vorhergehenden grofsen Spindelgefchwindigkeit, im entgegengefetzten Sinne, fchädliche Stöfse herbeizuführen. Auf der verticalen Spindel, welche die Hauptwelle mit der Einzugswelle verbindet, fitzt eine Schraube ohne Ende, in deren Gänge ein Winkelhebel im Momente der Umfteuerung am Ende der Nachdrahtsperiode einfällt und dadurch das fofortige Schliefsen der Abfchlagskuppelung aufhält. Ift aber der ModerateurWinkelhebel an das Ende der Schraube angekommen, fo hört der Widerftand gegen die Einrückung der genannten Frictionskuppelung auf und die Spindeln werden erft jetzt entgegengefetzt gedreht. Je nachdem der Moderateurhebel mehr oder weniger Schraubengänge zu durchlaufen hat, je tiefer oder höher alfo die Moderateurfchraube geftellt ist, tritt der Zeitpunkt des Abfchlagens der Fäden, das ift die Retourdrehung der Spindeln fpäter oder früher ein. Ueberhaupt find die Mechanismen für Abfchlagbremfe, Wageneinzug und Wagenrücklauf recht conftructiv ausgeführt. Um ein feftes Aufwinden beim Spinnen von Schufs- oder Kunft- Wollgarn ohne fchwere Kettenbelaftung des Gegenwinders zu erzielen, ift derfelbe- nach Köechlinin kurzen, an der Aufwinderftange angelenkten Schwingen gelagert, wodurch feine Empfindlichkeit gegen Differenzen in der Fadenfpannung fehr gefteigert wird. Die längs des Wagens laufende Ausrückftange, fowie die folide Unterlage für den grofsen und kleinen Headftock und für das Verbindungs- Mittelftück ift ähnlich wie beim Platt'fchen Selfactor angeordnet. - Wir haben hier noch auf zwei deutfche Ausfteller hinzuweifen. L. Ph. Hemmer in Aachen hatte eine intereffant conftruirte Garn- Hafpelmafchine ausgeftellt, bei welcher das Unterbinden oder Fitzen der Gebinde felbftthätig bewerkstelligt wurde. Ift auch diefe Aufgabe ziemlich einfach gelöft, fo meinen wir doch, dafs diefe Mafchine eine allgemeinere Anwendung kaum finden wird, da eben das Bedürfnifs nach foweit getriebener Selbftthätigkeit der Weifen noch nicht vorhanden ift. Der Zwirnmafchinen von Gebrüder Franke in Chemnitz wurde fchon in den anderen Abfchnitten gedacht; die ausgeftellte Mafchine für Strumpfgarn war im Allgemeinen nach englifchem Syftem gebaut, aber mit zweifpurigen Spindelwirteln, um welche die Spindelfchnur zweimal umläuft, verfehen, um das Schlaffwerden der Schnüre hintanzuhalten.Und fo gelangen wir zum Schlufs zu den öfterreichifchen Ausftellern diefer Branche, welche zwar durch befcheidene, nichts defto weniger aber anerkennenswerthe Leiftungen der ausländifchen Concurrenz fich zur Seite ftellten. Diefer Umftand allein fchon fordert alle öfterreichifchen Spinner zur eingehendften Beachtung der ausgeftellten Mafchinen und, wenn diefe ihre Anfprüche nur einigermassen befriedigen, zur wirkfamen Unterſtützung diefes fich entfaltenden Zweiges der vaterländifchen Mafchineninduftrie durch Wort und That auf. Die Spinnereimafchinen. 25 Die Erfte Brünner Mafchinenfabriks- Gefellfchaft brachte einen Satz Krempeln und eine Mule- Jenny in fauberer Ausführung zur Ausstellung. Der Vorreifser ift unmittelbar mit dem Tambour in Berührung. Die Mittelkarde ift mit Martin's Pelztuch, jedoch noch ohne Führungsftäbe ausgerüftet. Der Würgelapparat bei der Vorfpinnkrempel befteht aus zwei oberen und drei unteren Lederwalzen, welche zwei Syfteme von Walzen- Frotteurs bilden, zwifchen denen ein kleiner Verzug ftattfindet. Der Antrieb des Kardentambours erfolgt ftatt direct mit einem Riemen durch ein Rädervorgelege. Von der Zwifchenwelle erhalten unabhängig von einander die Wenderwalzen und der Volant durch gefonderte Riemen ihre Drehung.Von der Mafchinenfabrik derk. k. priv. Baumwoll- Spinnfabrik in Tannwald( Böhmen) fanden wir eine Vorfpinnkrempel für Wolle und für Barchentgarn, mit 6 Paar Arbeiter und Wender. Die Abnahme vom Tambour erfolgt durch zwei Kammwalzen, jede davon mit zwei Hackern und zwei Würgelapparaten im Ganzen für 80 Fäden. Wenn wir diefer Mafchine hier gedenken, fo gefchieht es nicht, weil wir diefe Conftruction etwa empfehlenswerth halten die Ausführung war eine fehr fleissige-fondern um darauf hinzuweifen, wie noch manche Spinner an veralteten, überholten Dispofitionen zähe fefthalten und eine Werkstätte, gegen ihre beffere Ueberzeugung nöthigen zu conftruiren und zu bauen. - Last but not least fei die Firma G. Jofephy's Erben in Bielitz( Oefterreichifch- Schlefien) erwähnt, welche fich als erfte Selfactor bauende Mafchinenwerkstätte in Oefterreich fehr günftig eingeführt hatte. Der Selfactor ift mit Parr- Curtis- Steuerwelle und Schlumberger's Quadrantenbewegung ausgeftattet. Der Betrieb erfolgt mit zwei gefonderten Riemen; der eine für drei verfchiedene Spindelgefchwindigkeiten und der andere für Cylinder- und Wagenbewegung. Der Riemen für Drehung der Spindeln liegt abwechſelnd auf den zwei Scheiben, welche mit dem kleinen, refpective dem grofsen Twiftwirtel in Verbindung ftehen. Doch wird die kleinfte Spindelgefchwindigkeit nicht durch eine Frictionskuppelung der Seilrolle im Wagen, fondern in der Weife erzielt, dafs der Treibriemen beim Anfpinnen nur zum Theile auf der erften Riemenfcheibe aufliegt, daher den kleinen Twiftwirtel nicht mit der vollen Gefchwindigkeit mitnimmt. Erft wenn der Wagen beim Ausfahren gegen einen Anfchlag trifft, rückt der Riemen vollends auf feine Scheibe. Der Wagen- Rücklauf und verfchiedene andere Mechanismen waren felbftftändig conftruirt und die Ausführung des Selfactors im Ganzen fo gelungen, dafs wir der ausftellenden Firma allen Erfolg in der fchwierigen Unternehmung wünfchen können, den Selfactorbau in Oefterreich dauernd einzubürgern. Nach den exponirten Photographien liefern Jofephy's Erben alle Vorbereitungsmaschinen für Schafwolle, insbefondere auch Vorfpinnkrempeln mit Martin's Fadenapparat. b) Mafchinen für Kammwolle. Die grofsen Umwälzungen auf dem Gebiete der Kammgarn- Spinnerei durch gründliche Verbefferungen der Karden, Kämmmafchinen und Strecken, fowie durch allgemeinere Anwendung der Frottoirs als Vorfpinnmafchinen u. a. m. waren bereits vor der letzten internationalen Parifer Ausftellung eingetreten und find in der Zwifchenzeit nur weiter ausgebildet worden, fo dafs es uns nicht Wunder nehmen darf, auf der Wiener Weltausftellung nur einem Ausfteller, nämlich Platt Brothers& Comp. in Oldham begegnet zu fein, welcher eine neue Kämmmafchine nach Little und Eastwood's Patent vorführte. 26 Johann Zeman. Diefe Mafchine dient fpeciell zum Kämmen kürzerer und klettenreicher Wollen, wie z. B. der Buenos- Ayres- und Montevideo- Wollen und zeichnet fich gegenüber der Noble'fchen Kämmmafchine durch gröfsere Schonung des Nadelringes, durch höhere Productionsfähigkeit und noch durch den Vortheil aus, dafs auf derfelben kürzere Wollen gekämmt werden können. In der Wirkungsweife ftimmt die zu befprechende Kämmmafchine mit der Lifter'fchen principiell überein; doch ift der Raumbedarf ein wefentlich geringerer, ohne durch die gedrängte Aufftellung die Zugänglichkeit der Mafchine aufzugeben. Die Platt'fche Kämmmafchine ift doppelfeitig angeordnet, d. h. mit dem Nadelring arbeiten unabhängig von einander zwei Einfchlags- und Abzugsapparate. Statt dafs nun, wie bei Lifter, die beiden Speifeköpfe und die Spulenrahmen rechts und links neben dem Kammring aufgeftellt find, liegen hier die beiden Gillbox in der Mitte über dem Kammring, nach beiden Seiten hin unter einem Winkel von 60 Grad geneigt, um die jetzt horizontal angeordneten Spulenrahmen in bequem zugänglicher Höhe zu erhalten. Die hin und herfchwingenden Zangen und Uebertragkämme find hier durch je eine abgefetzt fich drehende, mit 6 Zangen verfehene Walze zwifchen Speifekopf und Nadelring erfetzt, welche das Erfaffen und Ausziehen des vom Gillbox dargebotenen Wollbartes, fowie deffen Uebertragung in den Kammring zu beforgen hat. Entfprechend der Krümmung diefes Ringes ift die Contour der Zangenwalze eine kreisförmige; ebenfo find die Kammftäbe im Speifekopf kreisförmig gebogen. Da der Zangenapparat nur um eine fefte Achfe drehbar ift, alfo keine hinund hergehende Bewegung verrichten kann, fo mufs ftatt desfelben der Speifekopf, unbekümmert der beizubehaltenden Fortrückung der Kammftäbe, vorwärtsund zurückgleiten, um einmal nach dem Herabfallen des vorderften Kammftabes, den frei vorſtehenden Wollbart der gerade ankommenden Zange zu übergeben, dann aber, nach Schliefsen der Zangenbacken, den Auszug des Wollbartes aus den Kammftäben zu bewirken. Nach/ Umdrehung kommt die Zangenwalze mit diefem vorher ausgezogenen Wollbart zum Nadelring und läfst, beim Oeffnen und späteren Weiterfchreiten die ausgekämmten Wollhaare nach aufsen hin durch die Einfchlagbürfte in den dreireihigen Kammring einlegen. Nun wiederholt fich mit jeder Sechftelumdrehung der Zangenwalze der gleiche Vorgang, fo dafs der Nadelring einen ununterbrochenen Kammzug den Abzugswalzen darbietet, welche vor der äufserften Nadelreihe vertical aufgeftellt find. Das Ausftofsen des Kämmlings gefchieht in bekannter Art durch in die Nadelreihen eingefchobene, fchiefe Platten. Der Speifekopf bewegt fich alfo aus oben bemerkten Gründen auf feiner fchrägen Führungsbahn bei jeder Sechstelumdrehung der Zangenwalze einmal herab und hinauf. Beim Aufgang des Speifekopfes ftehen die Kammftäbe ftill; allein beim Niedergang müffen diefelben um die Einzugslänge des Wollbandes vorwärts gedreht und dem entſprechend auch die hinter den Kammftäben gelagerten Einzugscylinder bewegt werden. Zu diefem Behufe fitzt an der oberen Einzugswalze ein Getriebe, welches in eine der oberen Führungsfchrauben für die Kammftäbe eingreift. Drehen fich alfo beim Herabgleiten des Gillbox diefe Führungsfchrauben, fo bewegen fich auch die Einzugscylinder; beim Hinaufgleiten aber erhalten Kammftäbe und Einzugscylinder keine Bewegung. Aus diefem Grunde fitzt auf der Welle, welche durch Kegelrädchen mit den beiden oberen Führungsfchrauben verbunden ift, ein lofes Zahnrad, welches auf einer am Geftelle befeftigten Zahnftange bei der alternirenden Bewegung des Speifekopfes fich abwälzt. Durch einen Sperrrad- Mechanismus ift die Einrichtung nun fo getroffen, dafs die Abwälzung des bemerkten lofen Zahnrades nur beim Die Spinnereimafchinen. 27 Herabgang des Gillbox auf die Welle und weiterhin auf Kammftäbe und Einzugscylinder übertragen wird. Bei bedeutenderen Aenderungen im Stapel der Wolle müffen, behufs gröfserer oder geringerer Verrückung der Kammftäbe, Führungsfchrauben mit ftärkerer oder fchwächerer Ganghöhe im Speifekopf eingefetzt werden. Die ausgeftellte Mafchine, mit einem Nadelring von 5 englifchen Fufs Durchmeffer, diente zum Kämmen von I bis 6 Zoll langen Wollen; für 6- bis 12zöllige Stapellänge wird eine andere Mafchine geliefert. Die Vorbereitung der zur Kämmmafchine kommenden Wolle gefchah auf einer Schraubengill- Strecke mit Wickelapparat. IV. Mafchinen für Seidenfpinnerei. Einige Apparate zum Abhafpeln von Cocons und zum Zwirnen von Saide waren von Italien, Frankreich und der Schweiz zur Wiener Weltausstellung eingefendet; darunter kaum etwas Neues, das Meifte aber in mangelhafter Ausführung. Eine rühmliche Ausnahme davon machten die fchönen Seidenhafpel, welche Jouffray Cadet fils aus Vienne( Departement Isère, Frankreich) ausgeftellt hatten. Grofses Auffehen erregte die von Caspar Honegger in Rüti bei Zürich, einer insbefondere für Seidenftoff- Webmaſchinen auf dem ganzen Continente rühmlichft bekannten Firma, ausgeftellte Seiden- Titrirmafchine, welche zu dem Schönften in der Mafchinenhalle gerechnet werden konnte. Zweck diefer Wägemaſchine ift die Titrirung der Seide ohne Hilfe vieler Perfonen und Wagen rafch und verlässlich zu ermöglichen, wie diefs in grofsen Waarenhäufern, Spinnereien, Zwirnereien und Webereien bei Uebernahme ganzer Sendungen oft gewünſcht wird. - Die Nummerbeftimmung der Seide erfolgt bekanntermafsen durch Abwägung eines Gebindes von 400 Stab Länge nach Gran. Die fich ergebende Zahl gibt ohne Weiteres auch das Gewicht des Strähns- 9600 Stab in Denier ausgedrückt, alfo den Titer der unterfuchten Probe. Auf diefer Grundlage beruht die Einrichtung der vorliegenden Mafchine. Die Titrirmafchine beſteht aus einer Anzahl von Winkelhebeln, welche in einem cylindrifchen Lagergehäufe radial aufgehängt find und die Stelle von Wagebalken vertreten. Der äufsere, durch eine Oeffnung im Gehäufe hervorragende, nahezu horizontale Arm des Wagebalkens dient zur Aufnahme der zu wiegenden Probegebinde, welche bei der Drehung des Lagergehäufes von dem Zuführapparat hinter einander aufgelegt werden. Der innere, nach abwärts gebogene Arm des Wagebalkens trägt ein fixes Gewicht, welches unter dem Einflufs der aufgelegten Probe gehoben wird. Der vordere, mit der Probe belaftete Arm gleitet dabei mittelft eines Stiftes auf der fucceffive abfallenden Oberkante eines feftftehenden Cylinders und verläfst diefelbe bei der continuirlichen Rotation des Lagergehäufes erft dann, wenn der Wagebalken fo weit ausgefchlagen hat, dafs Gewicht und Belaftung im Gleichgewicht ftehen, während die Führungskante weiter herabfinkt. Im felben Moment aber, wo der Gleitftift die Führungsbahn verläfst, alfo der Gleichgewichtszuftand für den Wagebalken eingetreten ift, kommt eine Abftofsvorrichtung zur Wirkung, welche die Probe auf einen der Auffangftäbe abfchnellt, die um das Lagergehäufe herum, jedem Abftofser gegenüber, angeordnet find. Indem diefe Stäbe nach den fucceffiven Höhen der Führungsbahn bezeichnet find, fo ift an dem betreffenden Stab, auf welchem das Probegebinde abgeworfen wurde, fofort auch der Titer diefer Seidenprobe abzulefen. Der entlaftete Winkelhebel kehrt fogleich aufwärts in die urfprüngliche Lage zurück und ift auf's Neue 28 Johann Zeman. zur Aufnahme einer frifchen Probe bereit, fobald er durch Drehen des Lagergehäuſes wieder vor die Zuführftelle gebracht wird. Es wird aus dem Gefagten fchon klar hervorgehen, dafs es nur von der Curve der Führungsbahn, von dem Abftand der Abftofser und von dem feften Gewicht am Wagebalken abhängt, welche Titer auf einer Mafchine und in welchen Intervallen die Nummern der Seidenproben angegeben werden. Die Ausftellungsmafchine hatte 10 Wagebalken, 22 Abftofsplatten im Führungscylinder und rings herum gegenüber jedem Abftofser einen Auffangftab. Der erfte Stab erhielt alle Proben entſprechend 18 Deniers, der zweite Stab Proben von 18 bis 20, der dritte Stab von 20 bis 22 und fo fort bis 64 Deniers. Es wurden alfo die Titer der Seidenproben nur in geraden Ziffern angegeben und alle Zwifchennummern fielen ftets dem nächftfolgenden geraden Titer zu. Ein dreiundzwanzigfter Stab erhielt zuletzt alle über 64 Gran wiegenden Gebinde, welche entweder auf eine andere ftärkere Mafchine gelangen müffen oder, wenn man fie mit nur halber Probelänge von 200 Stab auflegte, auch auf derfelben Mafchine mit Sprüngen von 4 zu 4 Nummern abgewogen werden konnten. Im normalen Zuftand wird die Titrirmafchine mittelft eines Riemens von einer Transmiffionswelle aus in Gang gefetzt und das Lagergehäufe der Wagebalken fünf Mal pro Minute umgedreht, was in der Minute 50 Abwägungen ergeben würde. Der Arbeiter hat nur für eine regelmässige Verforgung des Zuführapparates mit abgehafpelten Probegebinden zu forgen, da das Abfchieben und Auflegen der einzelnen Proben auf die vorbeigehenden Wagebalken vollkommen felbftthätig bewerkstelligt wird. Behufs Auflegung von frifchen Probegebinden in den Zuführapparat mufs die Mafchine von Zeit zu Zeit abgeftellt werden, wefshalb die angegebene Leiftung etwas herabzumindern ift. Nach beendeter Abwägung nimmt man die Proben von den einzelnen Stäben ab, bezeichnet fie mit den entſprechenden Nummern und rechnet aus dem Durchfchnitt aller, den Titer der in Unterfuchung ftehenden Partie Seide.- Eine Seidenzwirn- Mafchine hatte A. Frey in Küttigen bei Aarau ( Schweiz) allerdings in wenig empfehlenswerther Ausführung ausgeftellt Die Mafchine ift doppelfeitig und nimmt, in Folge der Vertheilung der Spindeln in drei Etagen, fehr wenig Platz ein. Die Spindelcónftruction ift fehr primitiv: auf feften fenkrechten Spindeln laufen mittelft Riementrieb eiferne Spulenröhrchen, an deren oberem Ende der Drahtflügel lofe aufgefetzt ift. Das Abtreibzeug für die Spulen der doublirten Seidenfäden liegt oberhalb jeder Spindelreihe. Um den Antrieb der Spindelfpulen jeder Etage durch einen endlofen Riemen zu ermöglichen, find die Spindeln nicht in einer geraden Linie angeordnet, fondern in einer Kreislinie aufgeftellt, deren convexe Seite gegen den Riemen zugekekrt ift. Die Spulen haben dort, wo der Riemen anliegt, einen etwas gröfseren Durchmeffer.- Der eigenthümlichen felbftthätigen Abftellvorrichtung wegen erwähnen wir hier die Doublirmafchine von Jofef Rohner in Wien; endlich noch wegen der fauberen und zweckmässigen Ausführung die Goldfpinn- Mafchine von G. Hutter in Wien, eine Mafchine, um Seidenfäden mit feinem Gold- oder auch Silberdraht zu überfpinnen. So gelangen wir endlich zur Befprechung der letzten Gruppe hierher gehöriger Ausftellungsmafchinen, nämlich folcher zur Zubereitung von Seidenabfällen für die Florettfpinnerei. Hiefür werden zweierlei Arten von Abfällen verwendet: I. Strufi und 2. durchbiffene, befchädigte und Doppel- Cocons. Mit Strufi bezeichnet man die beim Sammeln und Abhafpeln der Cocons fich ergebenden Abgänge von wirren Fäden und die nach dem Abfpinnen der Cocons zurückbleibenden inneren Häutchen derfelben. Die Spinnereimafchinen. 29 Die Zubereitungsmaschinen für Seidenabfälle wurden bisher nur aus England bezogen; defshalb hat fich die Schweizer Firma Theod. und Fried. Bell in Kriens bei Luzern unferes Wiffens als die erfte auf dem Continent für diefe Branche fpeciell eingerichtet und mit einigen diefer Mafchinen auf der Wiener Weltausftellung erfolgreich eingeführt. Diefe Mafchinen, welche zur unmittelbaren Vorbereitung der Seidenabgänge für die Florettfpinnerei dienen, waren nach englifchen Muſtern fehr fauber und folid mit kleinen, geringfügigen Abänderungen conftruirt. Es mag nicht unintereffant erfcheinen, zugleich mit der Befprechung der ausgeftellten Mafchinen eine kurze Ueberficht über die ganze VorbereitungsOperationen der Seidenabfälle zu geben, um fo mehr, als hierüber noch wenig gefchrieben worden ift. Die im Handel vorkommende rohe Strufi mufs zunächft einem Gährungsprocefs, dem Maceriren, unterzogen werden, um durch eine Zerftörung der Leimfubftanz den Zufammenhang der einzelnen Fäden unter einander zu zerstören. Diefen Procefs nimmt man in Bottichen oder gemauerten Behältern vor, welche mit dem Florettmaterial und heifsem Waffer angefüllt und bei ziemlich gleich bleibender Temperatur mehrere Tage lang ftehen gelaffen werden. Ift die Degummirung, welche, beiläufig bemerkt, ftellenweife auch nur durch Kochen mit Seifenwaffer durchgeführt wird, hinlänglich vorgefchritten, fo nimmt man die Abfälle aus den Behältern heraus, um diefelben gehörig auszuwafchen und nachher zu trocknen. Die Cocons dagegen werden nur an einzelnen Orten etwas angefäult, häufiger aber direct durch einen mehrftündigen Stampf- oder Quetfchproceſs präparirt Die hiezu dienliche ausgeftellte Stampfmafchine befteht im Wefen aus einem langfam rotirenden Keffel und vier darin auf- und abbewegten Stampfen. Vor Ingangfetzung der Mafchine werden die Cocons mit warmem Waffer begoffen. Der unter dem falfchen Boden im Keffel fich anfammelnde Schlamm wird als Düngmittel verwerthet. Zur Erneuerung der Flüffigkeit, insbefondere behufs Auswafchens der Cocons gegen Ende diefer Behandlung ift nahe des Bodens des Stampfkeffels eine leicht verfchliefsbare Oeffnung angebracht. Das eigentliche Auswafchen der geftampften Cocons und der gefäulten Strufi erfolgt unter reichlichem Zuflufs von kaltem Waffer auf eigenen combinirten Stampf- und Wafchmaschinen. Bevor man jedoch die aus den Gährbottichen ausgezogene Strufimaffe hier behandelt, empfiehlt es fich, diefe in der oben befchriebenen Stampfmaschine mit lauem Waffer auszufpülen. Die wegen Mangels an Raum nicht exponirte Wafchmafchine beſteht der Hauptfache nach aus einer um eine verticale Achfe langfam rotirenden, kreisförmigen Rinne, in welcher das Material aufgelegt und unter zwei diametral gegen über ftehenden Sätzen von Stampfen vorbeigeführt wird, unter reichlichem Zulauf von Waffer, welches mit den Schmutztheilchen durch Löcher in der Rinne feinen. Abflufs findet. Nach dem Wafchen und hierauf ftattfindenden Ausfchleudern auf Centrifugen erfolgt das Trocknen des Seidenmateriales auf Lattenwerk im Freien oder in luftigen Räumen; zuweilen auch unter vorfichtiger Anwendung von künftlicher Wärme in Trockenkammern oder auf eigenen Trockenmafchinen. Hierauf kommt die Strufi zur weiteren Verarbeitung zur Fillingmafchine; die Cocons aber werden zunächft durch Klopfen auf Tifchen mit dünnen Holzftäbchen oder auf einer Klopfmafchine aufgelockert, dann auf dem fogenannten Cocon- Opener geöffnet und entwirrt und diefe Arbeit fchliefslich ebenfalls. auf einer Fillingmafchine weiter ausgeführt. Um aber die Behandlung auf diefen Mafchinen zu erleichtern, pflegt man die Florettmaffen-ähnlich wie diess bei der Wolle der Fall ift mit Waffer, Seifenwaffer, Glycerin oder irgend einem Gemenge davon einzufprengen. 30 Johann Zeman. Der Cocon- Opener, welchen wir in dem ausgeftellten Mafchinenfatz fanden, erinnert in der Hauptfache an die Nappeufe der Kammgarn- Spinnerei. Es werden auch hier die einzelnen Seidenfäden durch eine mit groben Befchlag garnirte Trommel von der Zuführwalze abgenommen, wodurch fich nach und nach der ganze Tambourbefchlag mit auf einander fich legenden dünnen Seidenvliefsen überzieht, deren Fafern dabei durch eine Kratz- und Bürftenwalze glattgeftrichen werden. Ift die vorgewogene Auflage auf dem Tambour vollkommen aufgezogen, fo reifst die Arbeiterin nach Abftellung der Mafchine und nach geringer Verfchiebung der Trommel von der Zuführwalze das Vliefs quer auf und zieht es beim Rückdrehen der Trommel direct oder mit Hilfe eines Abzugtuches ab. - - Auf der Fillingmafchine wird die Seidenwatte vom Opener oder die vorgewogene Strufi letztere zur erften Bearbeitung vorgelegt, um auf diefer Mafchine durch fortgefetztes Auskratzen und Ausziehen die Knoten und Büfchelchen vollends aufzulöfen und die Fäden noch mehr zu entwirren und auch parallel zu legen und dadurch das Material auf das Befte für das unmittelbar darauf folgende Kämmen zuzurichten. Den Haupttheil der ebenfalls ausgeftellt gewefenen Filling mafchine bildet ein Tambour mit regelmässigen, parallel zur Achfe liegenden, fperrradähnlichen Abftufungen am Umfang. Die nahezu radialen Stufenflächen find mit normal zu denfelben aufftehenden, einreihigen Kammftäben befetzt, deren Nadeln das durch zwei übereinanderliegende, endlofe Kratzbänder zugeführte Florettmaterial fucceffive ausziehen und den Tambour gleichförmig mit Seidenfäden überziehen. Die Seidenfäden werden durch eine oberhalb der Trommel gelegene Kratzwalze und Bürfte gehörig ausgeftrichen. Ift das vorgelegte Material aufgearbeitet, fo werden nach ftattgehabter Einstellung der Maſchine und geringer Verfchiebung des Tambours von der Zuführftelle die Fäden von Kamm zu Kamm durchgefchnitten und durch eigenthümliche Holzklappen, allgemein unter der Bezeichnung Bücher gebraucht, als fogenannte Seidenbärte abgenommen. Wie es bei der gefchilderten Behandlung des Florettmateriales nicht anders zu erwarten ift, enthalten die von der Fillingmafchine abgezogenen Bärte Seidenfäden von ganz verfchiedener Länge; angefangen von den langen, geraden Fäden, welche von einem Kamm zum andern auf der Fillingtrommel fich erftreckt haben, bis herab zu den kürzeften, beim Stampfen und Wafchen, fowie durch Kratzen entstandenen Fäferchen. Um aber beim Verfpinnen möglichft egales und fchönes Seidengarn zu erzielen, ift es vor Allem erforderlich, die Seidenfäden der Fillingbärte zu fortiren und nach gleichen Längen zufammenzubringen, hiebei alle Fäden, insbefondere die doppelt gelegten oder zufammengefalteten gerade zu ftrecken und parallel zu legen und endlich allzu kurze Fafern, nicht minder alle Unreinlichkeiten und Knötchen gänzlich abzufondern. Diefe Aufgabe erfüllt nun die auch auf der Ausftellung befindlich gewefene Kämmmafchine oder Dreffingmafchine, welche zuletzt bis 6 u. m. Sorten von Kammzug zur Weiterverfpinnung zu Florettfeide abgibt, während die abfallende kurzfaferige, unreine Putzmaffe zur Verwerthung in der Seidenwergfpinnerei gelangt. Die Kämmmafchine befteht in der Hauptfache aus einer auf einem Wagen ruhenden geraden und horizontalen Preffe, in welcher die Bücher mit den zur Hälfte vorftehenden Fillingbärten eingefpannt werden, und aus einem über der Preffe angebrachten endlofen Tuch, welches in paffenden Abftänden mit Kratzleiften. befetzt ift und langfam über alle nach einer Seite hingelegten Bärte hinftreicht. Die einzelnen Bücher mit den Seidenbärten find nicht unmittelbar neben einander, fondern unter Zuhilfenahme von Zwifchenleiften correspondirend mit der Länge des vorftehenden Bartes, in der Preffe oder wie man fie auch nennt- im Wagen eingefpannt, damit die Fäden zweier benachbarten Bärte nicht über einander liegen können. - Die Spinnereimafchinen. 31 Das endlofe Kammtuch dringt nur allmälig tiefer in die Fillingbärte ein, um die Kratzen von vornhinein nicht allzu fcharf einwirken und viele Fäden zerreifsen zu laffen. Zu diefem Behufe wird die Preffe mit den Büchern durch Hebedaumen von der Mafchine langfam gehoben, bis endlich in der gewünſchten Stellung derfelben die Bewegung des Kratztuches und der Hebedaumen felbftthätig eingeftellt wird. Ift diess gefchehen, fo läfst man die Preffe wieder herab und führt den Wagen vollkommen heraus, dreht die Preffe um eine im Wagenunterfatz befeftigte Achfe um 180 Grad herum und führt endlich den Wagen wieder unter das endlofe Kammtuch zurück, nachdem man vorher noch die Bärte nach der anderen Seite hin umgelegt hat, um das vollkommene Auskämmen diefer Barthälften durch neues Ingangfetzen der Mafchine zu erzielen. Ganz derfelbe Vorgang wird behufs des Auskämmens der in den Büchern eingefchloffenen Hälfte der Seidenbärte beobachtet, zu welchem Zwecke der Wagen wieder herausgezogen, die Bärte umgefpannt und die Manipulation wie vorher wiederholt wird. Ehe jedoch diefes Umfpannen vor fich geht, fchaltet man zwifchen den Kratzleiften des endlofen Bandes zwei feiner befchlagene und tiefer eingreifende. Putzleiften ein, um mit Hilfe derfelben aus den ausgekratzten Bärten auch die kürzeften Fafern und allfällige Schmutztheilchen auszukämmen. Indeffen haben fich in den Kratzleiften des endlofen Tuches alle kürzeren und zufammengefalteten, in den Büchern nicht eingeklemmten Seidenfäden angefammelt, welche von Zeit zu Zeit mittelft frifcher Klappbrettchen erfafst und als zweite Seidenbärte einer anderen Kämmmafchine zur ähnlichen Behandlung übergeben werden. So erhält man endlich von der erften Dreffingmafchine den längften, fchönften und werthvollften Zug Nr. 1. Durch fortgefetztes Kämmen der angefammelten Kämmlinge auf einer zweiten, dritten etc. Dreffingmafchine ganz in der vorgefchriebenen, allmälig fortfchreitenden Weife wird der Seidenzug Nr. 2, Nr. 3 u. f. w. gewonnen. Gewöhnlich bilden drei Kämmmafchinen mit fucceffive feinerem Befchlag der Kratzdeckel, fowie fchmäleren Zwifchenleiften für die in der Preffe aufzunehmenden Bücher mit den fpäteren, immer kürzeren Bärten ein Sortiment, von welchem jede Mafchine jedoch einmal oder zweimal, je nach dem Material und der Zahl der daraus erzielbaren Kammzüge, paffirt wird. Ueberblickt man den ganzen Procefs, fo leuchtet ein, dafs derfelbe durch die öfter nothwendigen Wiederholungen grofse Mühe und Sorgfalt, fowie bedeutenden Zeitaufwand erfordert, was aber dem hohen Werthe des Florett- Spinnmaterials vollkommen entſpricht. Die weitere Verarbeitung der Kammzüge erfolgt in den Florettfpinnereien auf Anlege- und Bandmafchinen, Strecken und Spindelbänken mit Kammftäben und endlich auf Watermafchinen; es bietet indeffen keine Ausstellungsmafchine zur Befprechung diefes übrigens mit der Flachsfpinnerei vielfach übereinftimmenden Spinnproceffes einen Anlafs. Nachdem wir uns aber fchon fo weit in die Sache eingelaffen haben, weil diefe Branche unferes Wiffens zum erftenmale auf einer Weltausftellung vertreten war, fo fei hier noch bemerkt, dafs man zur Zeiterfparnifs die befprochenen geraden Kämmmafchinen ſpeciell für die letzten Züge, auch zum continuirlichen Betriebe eingerichtet hat, durch Anwendung kürzerer, auf Schienen zu- und ablaufender Wagenpreffen, welche auf Zwifchenftationen im Vorrath vorbereitet, nämlich umgelegt und umgefpannt und nach Erfordernifs der nächften Kämmmaſchine zugefchoben werden. Noch weiter in Zeit- und Raumerfparnifs, fowie in Hinficht auf gröfsere Leiftungsfähigkeit geht die ziemlich neue, noch wenig bekannte CircularDreffingmafchine ebenfalls für kürzere Züge, bei welcher die zur Aufnahme der gefüllten Bücher dienliche Preffe kreisförmig und um eine horizontale Achfe drehbar angeordnet ift, und die eingeſpannten Seidenbärte bei langfamer 32 Johann Zeman. Die Spinnereimafchinen. Bewegung der Preffe( etwa drei Umdrehungen per Stunde) nach und nach an drei continuirlich bewegten, an die Cylinderpreffe fich anfchmiegenden Kratztüchern ohne Ende vorbeigeführt werden. Nach vollendeter Kämmung werden die Bücher mit den zur Hälfte ausgekämmten Seidenbärten felbftthätig ausgefpannt und an deren Stelle von einer Arbeiterin frifche Bücher eingelegt, welche gleichfalls ohne deren weiteres Zuthun von der Mafchine feftgeklemmt werden. Das erfte endlofe Band mit Kratzdeckeln liegt oberhalb der Circularpreffe und kämmt die zugeführten Seidenbärte entgegengefetzt der Bewegungsrichtung der letzteren. Am Ende des erften Kratzbandes legt eine Bürftenwalze die vorftehenden Seidenbärte nach der anderen Seite um, welche alsdann von dem zweiten, entgegengefetzt fich bewegenden Kratztuche ausgekämmt wird. Zuletzt kommen die neuerdings umgelegten Seidenbärte an das dritte, unterhalb der Rundpreffe ausgebreitete und derfelben am nächften geftellte Kammtuch, welches die kürzeften Fafern auszieht. Diefe Seidenfafern werden durch eine Bürftwalze von den Kratzleiften abgenommen und der Wergfpinnerei zugeführt. Die Seidenkämmlinge des zweiten Kratztuches dagegen werden durch eine Bürftwalze an das erfte Kratzband übertragen, hier zeitweilig von den Kammleiften mittelft Klappbrettchen entnommen und, fofern die Qualität es noch geftattet, auf einer anderen CircularKämmmafchine nochmals behandelt. Im Allgemeinen ift es bei der Geheimthuerei der Befitzer von Florettfpinnereien fchwierig über die Manipulation des Kämmens fich eingehend zu belehren; daher mag manche Abweichung des oben fkizzirten Vorganges der Zubereitung von Florettmaterial vorkommen. Es lag aber auch nicht in unferer Abficht, hier eine erfchöpfende Abhandlung über die Seidenkämmerei zu bieten, bemerken daher zum Schluffe ebenfalls nur flüchtig, dafs in Feinfpinnereien auch Heilmann'fche Kämmmafchinen verwendet werden, um eine Abfonderung der kurzen Fafern von den fchönften, langen Seidenfäden zu bewerkstelligen. Anhang. Was die Garnituren und kleineren Beftandtheile für Spinnereimafchinen aller Branchen betrifft, fo war kaum etwas Neues zu bemerken und könnten wir daher hier nur verfchiedene, zum Theile wohlbekannte Firmen, darunter auch manchen fehr angefehenen Namen aus Oefterreich, mit den verfchiedenen Ausftellungs- Objecten einfach anführen, was wir aber, als aufser dem Rahmen unferes Berichtes gelegen, unterlaffen müffen. Nur darauf foll hingedeutet werden, dafs bei Kardenbefchlägen ftatt Runddraht die Anwendung von Flachdraht eine immer gröfsere Bedeutung erlangt. Diefe Befchläge befitzen folgende Vortheile: Beffere Schärfen der Drahtfpitzen; längere Erhaltung der Schärfe; geringere Inanfpruchnahme und gröfsere Feftigkeit der Befchläge wegen der hochkantigen Stellung der Drähte gegen die Angriffsrichtung; unter fonft gleichen Verhältniffen breitere Zwifchenräume für Ablagerung der aus der Baumwolle fich abfcheidenden Unreinlichkeiten etc. Der flache oder dreikantige Draht für die Befchläge wird entweder direct durch Ziehen oder neuerdings auch durch Plätten von rundem Stahldraht ( Ashworth's Patent) erzeugt. Kratzbefchläge aus gezogenem Flachdraht( Dreikant- Draht) hatte die engliſche Firma D. Bateman and Sons zu Bradford exponirt; darunter auch Mufter von verzinnten Garnituren für Schafwoll- Krempeln. Deutfcherfeits war die mechanifche Kratzenfabrik, vormals. A. C. Lossius Nachfolger in Mittweida( Sachfen) mit Flachdraht- Kratzen aus geplättetem Runddraht zur Wiener Weltausftellung gekommen. DIE NÄHMASCHINEN, STRICK- UND STICKMASCHINEN. ( Gruppe XIII, Section 2, b.) Bericht von CARL KOHN, Civilingenieur in Wien. Die Nähmafchinen- Induftrie war auf der Wiener Weltausftellung in folgender Weife vertreten: Nordamerika zählte 7, Frankreich 5, Italien I, Schweden I, Dänemark 5, England 4, Belgien I Ausfteller, dagegen war Deutſchland durch 47 Nähmafchinen Fabrikanten und 3 Beftandtheil- Fabriken, Oefterreich durch II Ausfteller repräfentirt. - Diefe 82 Ausfteller hatten grofse Collectionen von allen Gattungen Nähmaſchinen zur Anficht gebracht, und zwar von den kleinften Handmaſchinen bis zu den fchwerften Lederfohlen- Mafchinen. Und wenn man die grofse Zahl der Maſchinen fah, welche die Ausfteller zur Anficht gebracht haben, konnte man faft zweifeln, ein fo reiches Gebiet im Studium zu bewältigen. Und doch! Sämmtliche Kategorien der Nähmaschinen laffen fich auf zwei Syfteme zurückführen, nämlich auf das Schiffchenfyftem und auf das Syftem der Greifer.*) Erfteres hat Elias Howe erfunden, letzteres Wheeler & Wilfon in New- York, beide heute Namen von einem feltenen Weltruf. Es dürfte kaum jemals ein Gegenftand kurz nach feiner Erfindung eine fo rafche Verbreitung gefunden haben als die Nähmafchine. Weder die Dampfmafchinen, noch die unentbehrlichen Tafchenuhren haben zwölf Jahre nach ihrer Erfindung eine fo allgemeine Anerkennung und rafche Benützung erfahren. Die Urfache diefer auffallenden Erfcheinung liegt einzig und allein darin, dafs man von allem Anfang daran dachte, die fehr complicirten Mechanismen der erften erfundenen Nähmafchinen von Madersperger in Oefterreich, von Thimonnier in Frankreich, von Howe und Wheeler& Wilfon in Amerika zu vereinfachen. Diefe vier erften Exemplare konnte man in der additionellen Ausftellung der Gefchichte der Erfindungen, wo Oefterreich nicht nur feine erfte, fondern überhaupt die erfte Nähmafchine ausgeftellt hatte, und in der Maſchinenhalle, wo das franzöfifche Exemplar ftand, im Pavillon der Vereinigten Staaten, wo die erften amerikanifchen Mafchinen zur Anfchauung gebracht wurden, fehen. *) Rotirende Haken. 34 Carl Kohn. Die erwähnte Vereinfachung der Mafchine ging dahin, dafs fie erftens für jedwedes Individuum handfam gemacht wurde, zweitens, dafs die arbeitenden Beftandtheile unverändert blieben und drittens, dafs die Preife derart geftellt wurden, dafs die Mafchinen auch dem Minderbemittelten zugänglich gemacht wurden. Das erreicht, war die Bafis der rafchen Nutzverwerthung der Nähmafchinen im Haufe und im Gewerbe. Die gröfste Nähmafchinen- Fabrik der Welt ift jene von Wheeler& Wilfon in New- York, welche allein fchon über 900.000 Nähmafchinen in den Handel gebracht hat. Die Maffenfabrication in getheilter Arbeit mittelft Maſchinen ift derart eingerichtet, dafs jede einzelne im Handel vorkommende Nähmaschine als Ausftellungsobject benützt werden könnte. Die genannte Firma erzeugt heute fchon 600 adjuftirte Nähmafchinen per Tag, hat die Errichtung einer eigenen Näh- Garnfpinnerei für den Verbrauch ihrer Mafchinen ins Leben gerufen und über 100 Nähfchulen errichtet, wo das Mafchinnähen unentgeltlich gelehrt wurde, nur um die Mafchinnäherei in allen Kreifen der Bevölkerung und in allen Ländern rafch zu verbreiten. Auch hat diefe Firma die Knopfloch- Nähapparate erfunden, die heute allgemeine Verwendung finden. Die neuefte Erfindung diefer Firma, welche die Wiener Weltausstellung bewundern konnte, befteht in der Nähmafchine Nr. 6, an welcher fchon feit fechs Jahren mit einem experimentellen Aufwand von 200.000 Dollars gearbeitet wurde. Diefe Univerfalmafchine näht nämlich die ftärksten Leder- Pferdegefchirre und die feinften Vapeurs mit einem kaum bemerkbaren Perlftich. Wheeler& Wilfon wurde bei allen Weltausftellungen mit den höchften Preifen betheilt und, wurde auch in Wien ausgezeichnet. Generalagentien befinden fich in allen Hauptftädten Europas, ebenfo wie in allen Staaten von Amerika. Die amerikanifchen Firmen Howe, Singer, Secor und mehrere Andere liefern heute Maſchinen nach den beiden oben angeführten Syſtemen, Mafchinenfabriken deutfche ebenfo wie heute englifche, franzöfifche und Nähmafchinen erzeugen. Die von der Firma Henrikfen in Kopenhagen exponirten Handfchuh- Nähmafchinen, ebenfo die Mafchinen von Nörholm, Bergmann und Hüttenmeier zeichnen fich durch befonders fleifsige Arbeit aus. Deutfchland, Frankreich und England haben ihre hervorragenden Leiftungen in dem Fach der Nähmafchinen- Induftrie exponirt, ohne jedoch, alle Schönheit und Tüchtigkeit der Leiftung wohl gewürdigt, etwas Neues gefchaffen zu haben. Deutſchland imponirte in Wien zumeift durch feine Maffenfabrication. In Oefterreich wurde die erfte Fabrik für Nähmafchinen nach Grover & Baker( Kettenftich- Mafchine) in den fünfziger Jahren von Louis Bollmann errichtet. Später gründete er eine neue Fabrik für Greifermaſchinen, nach Wheeler& Wilfon eingerichtet, die eine Leiftungsfähigkeit von 60.000 Mafchinen per Jahr hat. Die Firma Anger in Hernals bei Wien producirt ausfchliefslich Schiffchenmafchinen für fchwere Arbeiten, für Schuhwaaren und Kleider. Nachdem heute bereits alle Vorurtheile gegen die Nähmafchinen gefchwunden und diefe fchon fich allerorts eingebürgert haben, ift es nicht fchwer, die Fortfchritte in den einzelnen Kreifen der Textilinduftrie zu erkennen, die Sicherheit des Erwerbes für Frauen und Mädchen, die Befferung der Gefundheitsverhältniffe ganzer Arbeitskreife, die nicht mehr gezwungen find, für die Naht eines Hemdes ihre Gefundheit hinzugeben. Ein weiterer Verfuch, der gemacht wurde, den Frauen und Mädchen auch die Stricknadel aus den Händen zu nehmen und ihre Strickarbeiten ebenfalls mittelft Strickmafchinen verrichten zu laffen, hat namentlich in Amerika zu einigen Die Nähmafchinen, Strick- und Stickmafchinen. 35 günftigen Refultaten geführt, obgleich der Erfindungsgeift in diefer Richtung noch nicht das Befte gefchaffen hat. Aufser unferem alten Strumpfwirker- Stuhl, erfunden von William Lee 1589 in England, hat zuerft Dalton in New- York im Jahre 1862 eine compendiöfe Strickmafchine conftruirt: ein Rundftuhl für verfchiedene Strickftoffe. Dann hat Lamb in New- York eine vollſtändige Strickmafchine, die mit 120 Nadeln Strümpfe jeder Dimenfion erzeugt, und zwar mit Auf- und Abnehmen der Mafchen, was bei Rundftühlen nicht ftattfinden kann, erfunden. Auf der Ausftellung kamen zumeift aus Deutſchland allein 22 Strickftühle als Rundftühle zur Anficht, die eine bedeutende Leiftungsfähigkeit zeigten. Bemerkenswerth find namentlich jene von Hilfcher in Chemnitz, Terrot in Stuttgart, Fourquet& Franz in Rottenburg bei Stuttgart und Ferdinand Groeber. Alle diefe Rundftühle erzeugen Strickftoffe glatt und deffinirt nach Bedarf, aus welchem Stoff die Gegenftände, welche verlangt werden, zufammengenäht oder geftrickt werden. Neues war jedoch weder bei den Flachftühlen, noch bei den ausgeftellten Rundftühlen zu finden, denn alle diefe Arten von Strickmafchinen wurden fchon in den früheren Weltaus ftellungen vorgeführt. Eine von Carbonier exponirte verbefferte Flachftuhl- Strickmafchine, nach dem Syftem Lamb, dürfte als eine der beften Familien- Strickmaschinen angefehen werden, indem ohne Schwierigkeit Alles darauf erzeugt werden kann, ohne mit dem Nadelfyftem in Collifion zu gerathen. Es ift zu bedauern, dafs auf der Wiener Weltausftellung die FamilienStrickmafchine von Hinkley nicht ausgeftellt war. Diefe ftrickt mit einer einzigen Nadel 4-5000 Mafchen per Minute, ift zum Auf- und Abnehmen des Stoffes eingerichtet, zeichnet fich durch fehr leichte Handhabung aus und hat einen Preis von 25 Dollars, während alle anderen Sorten das Drei- bis Vierfache koften. Die Leiftungsfähigkeit der oben angeführten Linear- Strickmafchine von Lamb und von Carbonier ift derart entwickelt, dafs fie durchfchnittlich 20 Paar Frauenftrümpfe per Tag, jedoch nur von Baumwoll- Strickwolle Nr. 16, 18 bis 20 liefern. Am ficherften und fchnellften arbeiten diefe Mafchinen mit Schafwoll- Garn. Wenn nun auch keine wefentlichen Neuerungen bei den Rundftühlen fich gezeigt haben, fo ift es nicht zu leugnen, dafs diefe Mafchinen doch vereinfacht. und in eine bequemere Handhabung gebracht wurden, auch in der Durchführung gegenüber den früheren derartigen Maſchinen ganz bedeutende Verbefferungen eingeführt worden find. Eine wefentlich wahrnehmbare Verbefferung oder eine Neuerung im Principe haben wir nicht gefunden. Die endlich in diefe Gruppe noch gehörigen und zur Ausstellung gebrachten Stickmafchinen gehörten der Chemnitzer Stickmaſchinen- Fabrik und den St. Georger Mafchinen- Werkstätten bei St. Gallen in der Schweiz an. Aus diefem Kreife hatten fich fechs Ausfteller betheiligt: Die Mafchinenfabrik St. Georgen, Gebrüder Renninger in Niederuzwyl( St. Gallen), C. Burkhard( St. Gallen), Grüninger& Ebneter( St. Gallen), Saurer F.& Söhne in Arbon bei St. Gallen. Die von diefen Firmen collectiv exponirte Mafchine zeichnet fich befonders dadurch aus, dafs fie eine fehr vereinfachte Conftruction hat, die Nadelhalter unfehlbar functioniren, der Fadenabfchneider vollkommen arbeitet und die ganze Mafchine derart conftruirt ift, dafs keine Fundirung nöthig wird. Auch arbeitet fie doppelt. Die Mafchine hat 208 Nadeln, die in ihrer präcifen Thätigkeit in einer Breite von drei Metern arbeiten. Diefe Mafchinen aus den bezeichneten Fabriken finden in England bedeutenden Abfatz. Die Preife find fehr billig geftellt. Eine complete Mafchine fammt Feftonnier- und Bohrapparat kommt auf 1280 Gulden zu ftehen. ப 36 Carl Kohn. Die Nähmaschinen, Strick- und Stickmaschinen. Derartige Stickmaschinen, dem Hauptprincip nach aber fehr complicirter Natur, beftanden fchon im Jahre 1839 in Lettowitz nächft Brünn, in der Damböck'fchen Tull- Anglaisfabrik. Ausfchliefslich werden heute diefe Maſchinen in der Schweiz fabricirt, wozu die Sticknadeln aus Aachen bezogen werden. Auch Chemnitz und Sachfen machte Anftrengungen, derlei Mafchinen zu fertigen, die fich aber noch keinen fo grofsen Ruf erworben haben, dafs fie in einen grofsen Handel eintreten könnten.