OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 187 3. HOLZBEARBEITUNGSMASCHINEN. ( Gruppe XIII, Section 2.) BERICHT VON DR. W. F. EXNER, k. k Regierungsrath, o. ö. Profeffor an der k. k. Forftakademie Mariabrunn und Honorardocent an der Handelshochschule in Wien. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1874. HOLZBEARBEITUNGS- MASCHINEN. ( Gruppe XIII, Section 2.) Bericht von PROFESSOR DR. W. F. EXNER, k. k. Regierungsrath. Vorbemerkung. Hippolyte Fontaine fagt in feinem foeben erfchienenen Berichte ,, Defcription des machines à l'expofition de Vienne 1873" bei Gelegenheit einer höchft mangelhaften Befprechung der Holzbearbeitungsmaschinen: ,, Les Américains vifent à la fpécialiſation et à l'originalité, les Anglais à la concentration de plufieurs outils fur un bâti unique, les Français à l'ingéniofité et la fimplicité des mouvements; quant aux Allemands, ils ne cherchent abfolument qu'à copier les conftructeurs étrangers, fans la moindre pudeur et la moindre honnêteté commerciale!" Wie getrübten Auges der franzöfifche Fachmann im Jahre 1873 fieht, beweift deffen eigene Aeufserung über die 1867er Parifer Ausstellung, in welcher, wie er zugibt, Deutſchland in Bezug auf Holzbearbeitungsmaschinen ſehr gut vertreten war. - Schon die Leichtfertigkeit, mit welcher fremde, namentlich franzöfifche Berichterftattungen zu Werke gehen das obige Citat mag in diefer Hinficht genügen gebietet uns Oefterreichern im Vereine mit den Deutfchen, für unfere Leiftungen einzutreten, um durch Gründlichkeit und Objectivität unferes Urtheils zugleich unfere Stellung unter den productiven Völkern zu behaupten. Abgefehen von diefem Momente, welches für eine eingehende Behandlung aller Gruppen plaidirt, fpricht für eine befonders umftändliche Berichterstattung über die Holzbearbeitungsmafchinen die enorme Wichtigkeit der Holzinduftrie für Oefterreich und die im Allgemeinen felbft bei denjenigen, welche Werkzeugsmafchinen für die Holzumformung befitzen und verwenden, herrfchende Unkenntnifs diefer Branche des Mafchinenwefens. Wir hätten gewünſcht, die Holzbearbeitungsmafchinen, die ohnehin bisher in der Literatur fo fehr vernachläffigt waren, welche aber in der öfterreichifchen Literatur bisher faft gänzlich unberücksichtigt geblieben find, von mehreren Fachmännern und nach verfchiedenen Gefichtspunkten befprochen zu fehen. In letzterer Beziehung ist allerdings unfer Wunfch in Erfüllung gegangen; in erfterer fcheint er ohne Ausficht auf Realifirung zu fein. Unfer Bericht über Holzbearbeitungsmafchinen im zweiten Bande( Forftwefen) des vom k. k. Ackerbau- Minifterium herausgegebenen Werkes„ Die BodenI* 2 Dr. Exner. cultur auf der Weltausftellung"( Faefy& Frick) ift felbftverſtändlich mit Rücksicht auf die Bedürfniffe der Forstwirthschaft verfafst. Sägemaſchinen, Hobel- und Fraismafchinen find dort ausführlich abgehandelt und namentlich reich illuftrirt. An diefer Stelle geben wir einen Auszug des Wefentlichen ohne fpeciellen Hinblick auf die Forftleute. Die übrigen Gruppen von Holzbearbeitungsmafchinen, welche in jenem Werke fehr fummarifch abgethan werden, da fie über den Rahmen der Forftinduftrie hinausfallen, find wieder hier ausführlicher in Wort und Bild erläutert. Die beiden Abhandlungen ergänzen fich und wie wir hier auf jene hinweifen, haben wir dort fchon die nun vorliegende angekündigt. - Allerdings wäre, wir müffen es nochmals hervorheben, eine Bearbeitung der Materie von zwei oder mehreren Autoren wünfchenswerther gewefen; nachdem fich diefelben aber nicht fanden, fo glaubten wir unferer Pflicht felbft unter fchweren Opfern gerecht werden zu müffen. W. F. Exner. Einleitung. Die Ausbildung der Holzbearbeitungsmafchine ift bis jetzt noch nicht zu einem völlig befriedigenden Refultate gelangt, über Conftructionsfragen von einfchneidender Wichtigkeit herrfchen noch heute einander diametral gegenüberftehende Anfichten und wir find weit davon entfernt, für die Holzbear beitungsmaschine und ihre wichtigften Beftandtheile jene allgemein angenommenen Formverhältniffe und Bauregeln zu befitzen, wie fie für die Mehrzahl der Metallbearbeitungsmafchinen gelten. Die aufserordentliche Mannigfaltigkeit der Eigenfchaften des Rohftoffes, die Bedeutung der Structur des Holzes für die Gewinnung neuer Formen, endlich die durch die Weichheit des Rohftoffes ermöglichte immenfe Vielartigkeit des eigentlichen Arbeitsproceffes bilden die Schwierigkeiten, unum ftöfsliche Regeln für die Conftruction der vielen typifchen Grundformen zu finden. Eine Hauptfchwierigkeit aber, die der vollkommenen Löfung der Frage hinderlich ift, beſteht in der Forderung grofser Schnelligkeit bei den rotirenden Wellen. Gefchwindigkeiten, die bei anderen Maſchinen nur ausnahmsweife vorkommen, bilden bei den Holzbearbeitungsmaschinen die Regel. Ein weiteres Hindernifs für die Entwicklung der Holzbearbeitungsmafchinen befteht darin, dafs fie„ keinen hohen Preis" vertragen; erftens ift der Werth der zu erzeugenden Producte auch heute noch, trotz der gefteigerten Holzpreife, ein folcher, dafs die Werkstätte keine hohen Anlagecapitalien verträgt, und zweitens will man für eine Mafchine von kurzer Lebensdauer oder doch von einer Befchaffenheit, bei der man eine baldige Verbefferung in Betracht ziehen mufs, nicht viel Geld ausgeben. Der Bau der Werkzeugsmaschinen für die Holzbearbeitung wurde urfprünglich von denjenigen Gewerbsleuten betrieben, welche diefer Mafchinen zu ihrem Gefchäfte felbft bedurften. Sie kannten wohl fehr genau den Zweck der Einrichtungen, die fie fchaffen wollten, waren aber dafür weder mit den Erfahrungen, noch mit den Gefetzen des Mafchinenbaues genügend vertraut. Wendeten fie fich an Mafchinenbauer von Profeffion um Hilfe, fo entbehrten diefe wiederum der genauen Vertrautheit mit dem zu verarbeitenden Stoffe, der genauen Kenntnifs der anzuftrebenden Formgebung. Holzbearbeitungsmafchinen. 3 Es entstand dadurch eine Art Dilettantismus, deffen Spuren auch noch in den Formen mancher modernen Hoizbearbeitungsmafchinen zu finden find. Der Bau der Holzbearbeitungsmafchinen wurde defshalb auch lange Zeit hindurch nicht als ein vollberechtigter Zweig des Ingenieurwefens betrachtet. Die gefammte technifche Literatur diefes Faches verfügt bis auf den heutigen Tag kaum über ein Dutzend beachtenswerther Erfcheinungen. Ein Hauptübelftand für die Entwicklung diefer Branche aber beſteht darin, dafs die Holzinduftrie häufig nicht in den Centren technifcher Leiftungsfähigkeit, das ift in den grofsen Städten, concentrirt erfcheint, fondern über den ganzen Flächenraum des Landes verbreitet ift. Die hier flüchtig angedeuteten Verhältniffe haben zur Folge, dafs der Gegenftand unferer Berichterstattung befonders fchwierig zu behandeln ift. Ein Urtheil über Einrichtungen zu fällen, die fich noch im Zuftande fortwährender Entwicklung befinden, ift fehr mifslich. Dafür war aber das von der Ausftellung gebotene Materiale ein fehr reichhaltiges, bemerkenswerthes. Eine Anordnung des Stoffes nach Ländern und Firmen fcheint uns nicht zweckmäfsig; wir werden daher die einzelnen Hauptgattungen der Mafchinen der Reihe nach behandeln und an die Befprechung der exponirten Gegenftände Bemerkungen über technifche Fragen und den gegenwärtigen Zuftand ihrer Löfung knüpfen. I. Sägemafchinen. Die an eigenartig geftalteten Individualitäten überreiche Familie der Sägemafchinen läfst fich überfichtlich gliedern, wenn man die Bewegungsweife, Befeftigungsart und Form des Werkzeuges zum Eintheilungsgrunde wählt. Es ergeben fich da vor Allem zwei grofse Gruppen: I. Sägen mit hin und hergehender oder reciproker Bewegung und gung. 2. Sägen mit continuirlicher oder fortlaufender BeweDie erftere Gruppe zerfällt wieder in Gatter fägen und Sägen ohne Spannrahmen. Die Gatter fägen können aufrechte und liegende fein. Zu den Sägen ohne Gatter gehören die Muley- Säge und die Decoupir oder Schweiffäge. Zu den Sägemaschinen mit continuirlicher Bewegung, alfo mit einer in demfelben Sinne fortdauernden Bewegung, zählen: die Bandfäge ohne Ende, die Kreis oder Circularfäge und die Cylinderfäge. I. Gatterfägen. Unter den Sägen mit hin- und hergehender Bewegung ift die Gatterfäge nicht nur die ältefte, fondern auch weitaus die wichtigfte; fie ſpielt unter den Mafchinen, welche zur erften Formgebung des Holzes dienen, unbedingt die Hauptrolle. Für Länder, in denen der Waldboden ein hohes Percent der productiven Fläche bildet, namentlich aber dann, wenn ein grofser Reich 4 Dr. Exner. thum au haubaren Holz überfchüffen vorhanden ift, hat der Zuftand des Gatter fägebetriebes grofse Tragweite. Wenn man erwägt, welchen Einflufs es hat, ob in einem folchen Lande die Mehrzahl der Säge Anlagen verfchwenderifch oder fparfam arbeitet: verfchwenderifch mit dem Rohstoffe durch grofse Maffe von Abfällen, verfchwenderifch mit der Arbeitskraft, verfchwenderifch endlich mit den Koften für Betriebsperfonale oder aber fparfam, rationell in allen diefen Richtungen: fo wird man es gerechtfertigt finden, wenn wir die eingehend fte Beachtung diefer Angelegenheit als wünfchenswerfth erachten. - Viele öfterreichifche Grofs- Grundbefitzer haben inmitten ihrer Forfte an guten Verkehrslinien oder beim Auslaufe der Thaleinfchnitte in die Ebene oder an der Grenze des Waldgebietes Sägen mit ftändigem Betriebe errichtet; auch in Städten, namentlich dann, wenn fie an fchiffbaren Gewäffern liegen, find von Holzhändlern, Zimmerleuten, Bautifchlern Sägewerke in grofser Anzahl errichtet worden. Wir fehen in den öfterreichifchen Sägemühlen zwei Extreme vertreten: entweder ganz aus Eifen hergeftellte Gatterfägen mit koloffalen gufseifernen Ständern, welche frei im Sägehaufe aufgeftellt werden, an und für fich theuer find und durch Transport und Montirung das Anlagecapital noch beträchtlich fteigern- oder wir fehen die alten Wald- Sägemühlen, bei denen, mit Ausnahme des Sägeblattes, Alles von Holz ift, mit dem fchwerfälligen Wagen, dem klappernden Sperrrade und dem defecten Waffermotor. Das Bild einer amerikanifchen Säge mit dem ingeniös conftruirten Holzgerüfte und dem technifch vollendeten Bundgatterrahmen aus Stahl mit Röhren- Querfchnittform, wodurch der höchfte Grad von Leichtigkeit bei vollkommener Feftigkeit erzielt wird, der rapiden Gefchwindigkeit der Sägen und den fonftigen mafchinellen Einrichtungen gröfster Vollkommenheit;- diefes amerikanifche Vorbild hat in Oefter reich noch wenigen Erbauern von Sägen vorgefchwebt. Die Weltausftellung zeigte indeffen die Beftrebungen zweier Firmen, welche einigermafsen im Sinne unferes Ideales thätig find. Es find dies Peter Steffens in Goldenkron bei Budweis und die Prager Mafchinenbau- Actiengefellfchaft. Steffens hat fich um die Aufarbeitung der Holzvorräthe im füdlichen Böhmen Verdienfte erworben; namentlich hat er zur Rettung der durch Windbrüche auf Schwarzenberg'fchem Gebiete zu Boden geworfenen Holzmaffen wefentlich beigetragen. Unter einem offenen Schoppen in der Nähe des Coburg'fchen Forftpavillons waren mehrere Gatterfägen von Steffens aufgeftellt, die auch ab und zu in Betrieb gefetzt wurden; ein Bund gatter mit eifernem Geftelle und Walzenvorfchub nach englifchem Vorbilde, fchiefftehender Calla' fcher Prefsft ange zur Verhinderung der Oscillation des Sägeblockes; dann eine fogenannte Univerfalfäge zum Fournier- oder Bretterfchneiden; Eifengeftelle, Schlittenvorfchub; endlich ein Bundgatter zum Aufftellen an Orten, Grundwaffers wegen eine Verfenkung der Mafchinen in den Boden unthunlich ift. wo des Die fogenannte Univerfalfäge ift jedenfalls die intereffantefte; fie fchneidet Fourniere bis zu den fchwächften Dimenfionen, aber auch Bretter aus Stämmen bis zu 36 Zoll Durchmeffer, in welch' letzterem Falle 3 bis 6 Sägeblätter eingefpannt werden können. Diefe Mafchine kann für fpecielle Fälle mit fehr kleinem Betriebe gute Dienfte leiften. Holzbearbeitungsmaschinen. 5 Die Prager Mafchinenbau- Actiengefellfchaft hatte ebenfalls eine Gatterfäge ausgeftellt, und zwar ausgerüftet mit dem Nattland'fchen Wechfelrahmen. Die eifernen Hohlgufsftänder find auf einer Fundamentplatte verfchraubt, in welche die Lager für die Angriffswelle eingebaut find. Die zweitheilige Rahmenführung ift an den Trämen der Decke befeftigt; Antrieb mittelft zweier Pleuelftangen von unten. Der intermittirende Vorfchub wird durch die doppelte Keil- Frictionsfchaltung, welche zum Vor und Rückwärtsfteuern eingerichtet ift, bewerkstelligt. Der Nattland'fche Patent- Wechfelrahmen hat den Zweck, die durch Auswechslung der ftumpf gewordenen Sägeblätter mit den frifch gefchärften in einem und demfelben Gatter für die Arbeit verloren gehende Zeit zu gewinnen. Diefe Auswechslung mufs, um vorzügliches. Schnittmateriale zu liefern, beiläufig alle fechs Stunden vorgenommen werden und nimmt bei einem Bundgatter von etwa zwanzig Blättern circa eine Stunde in Anfpruch. Durch das Nattland'fche Patent ift es ermöglicht, während der Function des einen Gatters ein anderes mit gefchärften Blättern vollftändig zu adjuftiren, das erftere mittelft Flafchenzugs aus dem Gattergeftelle herauszunehmen und das letztere an deffen Stelle zu verfenken, was insgefammt nur eine Viertelftunde in Anspruch nimmt. Die Mafchinen der beiden abgehandelten Etabliffements erinnern an das amerikaniſche Princip völlig ftabiler, in die Werkstätten eingebauter Sägegatter. Ein anderes Princip liegt den eigentlich marktfähigen Gatterfägen. zu Grunde; fie beftehen aus einem mit dem Gattergebäude nicht organifch zufammenhängenden Ganzen, das an jedem beliebigen Orte montirt und nach dem Gebrauch mit allen feinen Beftandtheilen übertragen werden kann. Diefe Sägemaschinen werden in ihrer Gänze von den Maschinenfabriken geliefert und auch von diefen die Aufftellung beforgt, während die Amerikaner nur den Rahmen und allenfalls einzelne Beftandtheile der Schaltung und Transmiffion aus der mechanifchen Werkftätte beziehen. Die europäiſchen Gatterfägen find alfo mehr oder weniger transportable Mafchinen; die Fähigkeit, den Standort zu wechfeln, kann durch die Conftruction fo gefteigert werden, dafs man die Sägemaschinen dann als locomobil bezeichnen kann. Abgefehen von diefer Eignung zur Ortsveränderung und von verfchiedenen conftructiven Details, liegt den Sägegattern eine zweifache Auffaffung zu Grunde. Die Einen bauen fchwere Gatterrahmen, in Folge deffen kolof fale Ständer und arbeiten mit relativ geringer Geschwindigkeit und kleinem Vorfchube. Die Anderen ftreben die möglichfte Leichtigkeit des Gatterrahmens an, laffen dasfelbe fehr fchnell laufen und können dabei die ganze Anlage minder maffiv herftellen. In Amerika und Frankreich ift das Princip leichter Gatter völlig zum Durchbruche gekommen. In England fteht man heute fo ziemlich in der Mitte zwifchen der extremen Durchführung der beiden einander entgegenftehenden Principien. Viele deutfche und öfterreichische Fabrikanten find noch in der bereits aufgegebenen Vorftellung befangen und bauen nach altem englifchen Vorbilde, möglich ft maffig und fchwer. G. Topham in Wien hatte ein grofses Sägegatter ausgeftellt. 6 Dr. Exner. Seit einer Reihe von Jahren wirkt Topham äufserft verdienftlich für das Sägemühlwefen in Oefterreich; er befafst fich, abgefehen vom Baue der Dampfmaschinen, ausfchliefslich mit der Conftruction von Holzbearbeitungsmafchinen. Die grofse Mehrzahl der in Oefterreich im Betriebe ftehenden Sägemafchinen rührt von Topham her. Die auf englifcher Grundlage erbaute Form ift alfo in gewiffem Sinne für die inländifchen Sägen typifch geworden. Ein folcher Erfolg ift nur bei Gefchäftstüchtigkeit nach jeder Richtung hin möglich. Die Topham'fchen Sägen arbeiten mit continuirlichem Walzenvorfchube; dabei erhält nicht nur die untere Walze eine rotirende Bewegung, fondern auch die obere Riffelwalze, welche fonft häufig blos als Druckwalze dient, wird durch conifche Zahnräder in Rotation verfetzt. Diefs ift bei grofsen Blöcken, wo viele Sägeblätter agiren, fehr werth voll. Das Auswechfeln der Sägeblätter ift durch Bügel von genau gleicher Stärke, in welche das Sägeblatt nur eingehängt zu werden braucht, fehr erleichtert. Carl Pfaff in Ottakring baut ähnliche Gatter von vorzüglicher Befchaffenheit. In der deutfchen Abtheilung der Mafchinenhalle waren im Ganzen nur zwei Gatterfägen und diefe von der renommirten Mafchinenfabrik der Gebrüder Schmaltz in Offenbach am Rhein ausgeftellt. Diefes Etabliffement verwendet mit beftem Erfolge eine Sorte fehr zähen, nicht härtbaren Gufsftahles zu feinen Gatterrahmen. Der Vorfchub gefchieht während des Schnittes, alfo beim Niedergange der Säge. Wird das Holz während des Schnittes, alfo während des Niedergan ges vorgefchoben, fo kommt jeder Zahn zur Action, die Sägen brauchen nur ganz wenig oben vorzuhängen und der Vorfchub läfst fich während des Schneidens innerhalb gewiffer Grenzen vergröfsern oder verkleinern, ohne dafs dadurch eine Gefährdung der Blätter oder ein todter Gang entſteht. Der continuirliche Vorfchub dagegen hat feine volle Berechtigung überhaupt nur bei continuirlichem Schnitte, nicht aber bei intermittirendem. Das eine Schmaltz'fche Walzengatter mit freiftehenden gufseifernen Stän dern war auf abgehobeltem Fundamentrahmen montirt; die Frictionsfchaltung für intermittirenden Vorfchub bewegt zwei Paare cannelirter Walzen, von denen die oberen, als Druckwalzen dienend, mit den unteren durch conifche Räder verbunden find; zwei auf Schienen laufende Karren tragen die Enden des zu fchneidenden Stammes. Der Antrieb findet von unten ftatt, was, wenn überhaupt die Fundamentverhältniffe es erlauben, wohl immer dem Antriebe von oben vorzuziehen ift. Die zweite exponirte Mafchine war eine doppelte Bretter- und Schwartenfäge, freiftehend, für mindeſtens auf einer Seite befäumte Hölzer. Auf einer abgehobelten Fundamentplatte mit zwei Lagern und Schwungradwelle fteht ein einziger kräftiger Hohlftänder mit Doppelgatter aus Schmiedeeifen, das auf jeder Seite bis acht Sägeblätter aufnehmen kann. Auch hier ift für intermittirenden Vorfchub durch Frictionsfchaltwerk und verticale cannelirte Walzen geforgt. Diefe Sägen können auf das Befte zur Verwerthung von ftarken Schwarten, zum Verfchneiden von ftarken Bohlen zu dünnen Brettern und zu ähnlichen Zwecken empfohlen werden. Holzbearbeitungsmafchinen. 7 Die englifche Section der Mafchinenhalle bot viel des Intereffanten und Lehrreichen, was jedoch die Sägegatter anbelangt, war keineswegs ein reiches Material vorhanden. Vor Allem müffen wir bedauern, dafs eine der verdienteften Firmen, nämlich John Mc. Dowall& Sons in Glasgow, gänzlich fehlte. Bekanntlich war es diefe Firma, welche die directe Verbindung des Gatterrahmens mit dem Kolben des Cylinders einer Dampfmafchine zuerft vorfchlug. Diefe Einrichtung, welche wegen der grofsen Kolbengefchwindigkeit und der rafchen Abnützung vielfach angezweifelt wurde, hat für forftliche Zwecke eine eminente Wichtigkeit. Mit einem einzigen Bundgatter am Fällungsorte der Stämme oder in Windbruch- Flächen könnte man oft durch den erleichterten Transport einer rafch gewonnenen Halbwaare Erftaunliches leiften. Hat man dann Sägegatterund Dampfmafchine gleichfam in einem Stücke, fo erleichtert diefs wefentlich die Montirung, man erfpart die Aufftellung der Dampfmafchine und hat nur für den Keffel Sorge zu tragen. Trotz der geltend gemachten Bedenken taucht diefe Idee, mit Rück ficht auf die Vortheile für das Forftwefen, immer und immer wieder in neuen Verkörperungen auf und wurde auch auf die Anwendung bei Muley-, Band- und Circularfägen ausgedehnt. Jedenfalls erfcheint es oft praktifcher, die Mafchine zu den Holzvorräthen, als das Holz zur Mafchine zu transportiren. Allen Ranfome& Comp., London, ein verhältnifsmäfsig junges Etabliffement, präfentirte fich fo grofsartig auf der Wiener Weltausstellung, dafs ein gewiffer Grad von Unbefangenheit dazu gehörte, demfelben nicht fofort den erften Rang einzuräumen. Ranfome hat unter Anderem ein fogenanntes transportables BlockSägegatter ausgeftellt, das wegen Einfachheit und bequemer Unterkunft Beachtung verdient. Transportabel ift diefe Mafchine allerdings nicht im en gften Sinne des Wortes, wie jene, fchon feit einiger Zeit in Handel gefetzten Sägegatter auf Rollwagen, welche in ganz vorzüglicher Befchaffenheit z. B. Thomas Robinfon& Sons aus Rochdale und S. Worffam in London liefern, indeffen ift die Transportabilität infofern hergestellt, als das Gatter leicht abgebrochen und fchnell wieder aufgeftellt werden kann. Es fordert nur eine unbedeutende Fundamenttiefe und eignet fich daher vorzüglich zur Aufftellung in der Nähe von Gewäffern. Der Gatterrahmen ift aus Schmiedeeifen, die Sägblöcke ruhen auf hölzernen Eifenbahnkarren, welche feitliche Bewegungen, wie fie bei krummen Bäumen vorkommen, zulaffen. Der intermittirende Vorfchub gefchieht durch die, jetzt allgemein in England angewandte,„ geräufchlofe" Schaltvorrichtung( filent feed motion) und kann nach Belieben innerhalb Grenzen von I bis 3 Fufs per Minute regulirt werden. der Bei zehn eingefpannten Sägeblättern im Gatter kann man in je einer Stunde fünf 20 Fufs lange Stämme weichen Holzes fchneiden. Ranfome baut auch combinirte Stamm- und Brett fäge- Gatter, welche für folche Werke mit kleinem Betriebe, die nur ein Gatter aufftellen können, entfchiedenen Vortheil darbieten. Was den Abfatz von Sägegattern nach dem Continente und den Einflufs auf den deutfchen und öfterreichifchen Mafchin- Sägebau betrifft, nimmt unbedingt Samuel Worffam& Co., London, eine der hervor ragendften Stellungen unter den Mafchinenfabrikanten der Welt ein. 8 Dr. Exner. Worffam baut locomobile Gatter für Rund- und Kantholz; der Rahmen ift theils aus Stahl, theils aus Eifen; Antrieb von unten durch Pleuelftangen, die das Gatter beim oberen Riegel anfaffen; Walzen- und Wagenzuführung. Fig. 1 und 2. Fig. 1. S.WORSSAM& Co.OAKLEY.WORKS.CHELSEA LONDON Aufser diefer ohne Wagen exponirt gewefenen Mafchine conftruirt Worffam Doppel Bundgatter Doppelbrett- Sägegatter und gekuppelte HARE Fig. 2. S.WORSSAM& CO OAKLEY WORKS CHELSEA LONDON HARE Holzbearbeitungsmafchinen. 9 Bretter- Bundgatter, bei welchen an einer gekröpften Welle zwei Pleuelftangen fo eingehängt find, dafs die erfte ein Gatter niederzieht, während die zweite ein anderes in die Höhe treibt, wodurch eine fehr gute A equilibrirung erreicht wird. Ueber die einft von Worffam gebauten Gatterfägen, bei denen die Ausgleichung des Gattergewichtes durch Luftcompreffion in einem Cylinder vorgenommen wird, für welche fo viel Reclame gemacht wurde, ift es ganz ftille geworden. Was die Preife der englifchen Mafchinen überhaupt anbelangt, fo find fie um ein Drittel höher, als die amerikanifchen von gleicher Leiftungsfähigkeit; die deutfchen, welche fich an das englifche Mufter anlehnen, befinden fich in dem gleichen Falle. Ganz ihren eigenen Weg gingen einige franzöfifche Conftructeure. Der einflussreichfte unter ihnen ift Arbey, der bedeutendfte Fabrikant von Holzbearbeitungsmafchinen in Paris. Die Arbey' fchen Mafchinen verhalten fich zu den Worffam' fchen etwa folgendermafsen: Bei jenen Leichtigkeit, Lebhaftigkeit, glänzende Ideen und Zierlichkeit, bei diefen fchwere, Vertrauen einflöfsende Maffen, ruhige, ernfte Entwicklung der Formen, Stärke und Dauerhaftigkeit. Eine Bund gatterfäge befand fich unter den Arbey'fchen Objecten; fie ift fehr ftabil auf einem Rahmen aus ftarken Balken montirt; diefer Rahmen wird ohne Weiteres auf den horizontal abgeglichenen Boden gelegt; das Gatter kann auf diefe Weife ohne grofse Vorbereitungen fehr leicht im Forfte felbft inftallirt werden. Die Säge ermöglicht, fowohl Blöcke, als auch roh vierkantig befchlagene Balken zu verfchneiden und durch eine eigene Vorrichtung aufserdem die Umwandlung der fchon im Rohen bearbeiteten Hölzer in dünne Bretter. Der Gatterrahmen ift, fowie alle übrigen beweglichen Beftandtheile der Mafchine überaus leicht conftruirt und dabei von den vortheilhafteften Querfchnitten, wie T Eifen, gerippten Trägereifen I und Röhrenprofilen Anwendung gemacht. Die Pleuelftangen find aus Holz angefertigt, für den zierlichen Gatterrahmen hinreichend ftark uud dabei ebenfalls fehr leicht. Die Zuführung gefchieht mittelft Karren, welche durch eine Gelenkkette ohne Ende in Bewegung gefetzt werden.* Arbey perhorrescirt den Vorfchub mittelft horizontaler Riffelwalzen, indem er diefe nur für regelmäfsig runde, exact befäumte oder forgfältig befchlagene Hölzer als zuläffig erklärt. Richtig ift, dafs die Riffelwalzen in jedem Falle ftarke Preffun. gen ausüben müffen, und dafs die Sägeblätter bei windfchiefen, widerfonnigen und überhaupt fehr unregelmäfsig geformten Hölzern unter dem Einfluffe der geriffelten Cylinder mitunter ftark gezerrt werden. Es fcheint indeffen, als ob eine Combination von den in neuerer Zeit durch englifche Conftructeure eingeführten Vorfchubrollen von ellipfoidalem Längsfchnitte mit der wenig koftfpieligen Kette ohne Ende grofse Vortheile gewähren würde. Die Arbey'fchen Gatterrahmen geftatten nicht, dafs die Sägeblätter fehr ftark gefpannt werden und zwingen den Arbeiter zu gröfserer Aufmerkfamkeit, während die übermäfsige Stärke mancher englifcher * Auch Charles Powis verwendet zum Vorfchube eine Kette. 10 Dr. Exner. und deutfcher Gatterrahmen ihn zu exceffiver Spannung der Sägen verleiten. Der Zufuhrwagen kann die Einrichtung haben, dafs auf dem vierrädrigen Karren ein zweiter, ebenfalls vierrädriger Wagen ruht, welcher unmittelbar mittelft zweier Prefsfchrauben den Block einklemmt. Diefer zweite, obere Wagen läuft auf einem gegen die Vorfchubrichtung fenkrecht liegenden Geleife und geftattet dem Ende des Blockes eine horizontale feitliche Bewegung. Da diefes Arrangement auf beiden Zufuhrskarren befteht, fo können auch bogenförmige Stämme parallel zu ihrer Achfe, oder gerade Stämme bogenförmig gefchnitten werden.( Diefes, namentlich für Schiffbauhölzer höchft wichtige Problem ift allerdings früher fchon vielfach gelöft worden.) Zu den Gatter fägen gehören auch jene Sägemafchinen, bei welchen das Sägeblatt nach Art der Spannfäge des Schreiners, alfo wie bei der Oerterfäge, eingehängt ift. Das Sägeblatt bildet dann eine Längsfeite des Rahmen- Rechteckes, liegt alfo nach Aufsen hin, während zur Verfteifung diefes Rahmens, beiläufig in der Mitte, eine Stange, bei den Handfägen Steg genannt, durchläuft. Diefe Sägemafchinen, welche zunächft zum Verfchneiden dünnerer Holzfortimente, alfo vorwiegend für die Fabrication von Fournieren verwendet werden, kann man wohl mit den Namen„ Halbgatterfägen" oder " Seitengatter" bezeichnen. Halbgatterfägen laufen entweder fenkrecht, reciprok, oder fie haben eine geradlinige oder bogenförmige hin- und herlaufende Bewegung in horizontaler Ebene. Im letzteren Falle, welcher durch die vortreffliche erfte Einrichtung von Cochot eine grofse Verbreitung erlangt hat, heifsen fie wohl auch fchlechtweg Horizontalfägen und dienen faft ausfchliefslich zur Fourniererzeugung. Dabei kann entweder das Arbeitsftück in horizontaler oder verticaler Ebene mittelft Walzen oder Schlitten oder mittelft Beider gleichzeitig vorgefchoben werden. In Oefterreich ftehen folche Sägen vielfach mit beftem Erfolge in Verwendung und auch die öfterreichifchen Mafchinenbauer befaffen fich mit der Herftellung derfelben. Die Weltausftellung bot in diefem Artikel nichts Neues; es fcheint, als ob man den durch eine lange Reihe von Jahren fich hinziehenden Verbefferungsprocefs bei der Halbgatterfäge als abgefchloffen betrach ten könne. Wenn das Sägeblatt in feinen Dimenfionen bis auf circa 120 Millimeter Länge, I Millimeter Breite und 1/3 Millimeter Dicke herabfinkt, wo dann der Steg im Halbgatter überflüffig und der Betrieb der Mafchine häufig durch Menfchenkraft bewerkstelligt wird, fo hat man es mit der kleinften Erfcheinung in der Reihe der Gatterfäge, mit der Laubfägemafchine zu thun. Weder die ausgeftellten Exemplare diefer Säge, noch fonftige Quellen geftatten die Annahme, dafs diefes mechanifche Hilfsmittel eine fortfchreitende Vervollkommnung oder Bedeutung zeige. Nach diefer Skizze der ausgeftellten Gatterfägen gehen wir über auf Holzbearbeitungsmaschinen. 11 2. Die Sägen mit reciproker Bewegung ohne Gatter. Eine Mafchine diefer Gattung ift die Muley- Säge. Bei derfelben werden die Sägeblätter nicht in einen Gatterrahmen gefpannt, fondern fie fpannen fich während der Action, das ift, während des Zuges von unten durch den Widerftand des Holzes gegen das Zerfchneiden von felbft. - Beim Aufgange hat das Sägeblatt nichts zu leiften, als fich felbft in feiner Geftalt zu erhalten, wozu es auch die nöthige Steifigkeit befitzt, und wobei es durch eine Führung unterftützt wird. Die Ausftellung hat keine diefer höchft beachtenswerthen Sägemaschinen gebracht, wohl aber folche mit einem einzigen, ebenfalls nicht im Rahmen befindlichen Sägeblatte. Diefe gewöhnlich in kleinen Dimenfionen auftretenden Mafchinen werden zum Ausfchneiden von durchbrochener Arbeit, Ornamentik in Zierbrettern für die Holzarchitektur, für MarqueterieArbeiten u. dgl. verwendet. Sie tritt unter den verfchiedenartigften Bezeichnungen im Handel auf: Decoupirfäge, Schweiffäge, Jig saw, Scroll saw; und ebenfo mannigfaltig wie ihr Name ift auch ihre Conftruction. Die vielen Verfuche, die Mafchine zu verbeffern mit gleichzeitigem ewigen Wechfeln ihrer Form, mag als ein Zeichen der fteten Unzufriedenheit mit den Leiftungen diefer Mafchine angefehen werden. Trotz Einführung in den fabriksmäfsigen Betrieb ift fchliesslich die Decoupirfäge immer wieder zu den kleinen Werkstätten zurückgekehrt, wo fie durch Fufs- oder Handbetrieb ihre Arbeit leiftet. Die populärfte Form ift jene, bei welcher das Blatt oben mittelft einer Schnur an den beiden Enden einer horizontal liegendenFeder aufgehängtift; unten hängt das Sägeblatt mittelft eines Führungsftückes an einer Kurbel. Diefe Form hat auch Arbey adoptirt und in einem Exemplare zur Ausftellung gebracht. Dadurch, dafs die Bogenfeder von einer vertical verftellbaren Stange getragen wird, kann man Blätter von verfchiedener Länge anwenden. Der Arbeitstifch kann mittelft Bogenführung unter einem beliebigen Winkel geneigt werden; man kann daher das Holzftück mit verfchieden fchrägem Schnitte bearbeiten. gebaut. Die Theile mit hin- und hergehender Bewegung find äufserft leicht Die Kurbel wird durch Fufstritt bewegt. Aufser der Spannung mittelft bogenförmiger Feder wurden auch Spiral- oder Kautfchuk federn, dann ein armige Federn aus Stahl und Holz gebraucht. Federn aus Efchenholz haben namentlich in Amerika Anwendung gefunden, wo man auch verfucht hat, während der Arbeit nicht das Holz, fondern das Sägeblatt zu drehen. Worffam conftruirte folche Schweiffägen von zwei verfchiedenen Gröfsen für Motorenbetrieb mit Federfpannung und gufseifernem Ständer, adjuftirbarem Tifche und einer Vorrichtung zum Fefthalten des Holzes. Jene Decoupirfägen, bei welchen das Sägeblatt oben und unten mit einer über Rollen laufenden Schnur zufammenhängt, fo dafs das Ganze ein mässig gefpanntes Band ohne Ende darftellt, eine Anordnung, die in Chemnitz und bei 12 Dr. Exner. Powis in London gepflegt wurde, findet immer und immer wieder Freunde. Kürzlich erbaute eine folche billige Decoupirfäge für Fufsbetrieb der ver. dienftvolle Werkzeugfabrikant J. B. Weifs' Sohn in Wien. Eine Decoupirfäge mit völlig freiftehendem Blatt, das von unten aus gehoben und herabgezogen wird, der nöthigen Steifigkeit wegen ziemlich dick gemacht werden mufs und das nach dem Belieben des Arbeiters verfchieden gewendet werden kann, wurde von Chemnitz aus( Zimmermann) in den Handel gebracht. Weder diefe, noch die früher erwähnte Weifs'fche Säge war ausgeftellt. Unferes Erachtens follten die Entwürfe für durchbrochene Arbeit bei Zierbrettern u. dgl. fo gezeichnet werden, dafs die aushängbare Schweiffäge, deren Arbeit ftets umftändlich und unvollkommen ift, gänzlich überflüffig wird und man fich in den Baufabriken auf die Anwendung von Bandfägen und Fraismafchinen befchränken könnte. 3. Bandfägen. . Uebergehend zu den Sägemaschinen mit einer in de miel en Sinne andauernden Bewegung mufs die Bandfäge, abgefehen von einigen unüberfteiglich fcheinenden technifchen Schwierigkeiten, nicht nur als die befte Säge ihrer Gattung, fondern als die vollkommenfte Sägemafchine überhaupt angefehen werden, und es ift zweifellos, dafs fie einer grofsartigen Verwendung entgegengeht. Trotz den jeder Neuerung entgegenwirkenden Vorurtheilen, trotzdem, dafs die Bandfäge einen gefchickten und gewiffen haften Arbeiter nicht entbehren kann, hat fie nicht nur die Decoupirfäge, welche fie um das Drei- bis Vierfache an Leiftungsfähigkeit übertrifft, faft allenthalben verdrängt, ja fie hat auch der Kreisfäge eine empfindliche Concurrenz bereitet und nimmt fogar dem Saum- und Mittelgatter von Tag zu Tag mehr Arbeiten ab. Es gibt heute wenige Etabliffements, in denen die Bandfäge fehlt. Sie hat folgende Vorzüge: ein dünnes, in verfchiedenem Gradefpannbares Blatt, eine geradlinige Bewegung des arbeitenden Theiles bei ausfchliefslich rotirenden Mechanismen; eine faft nnbegrenzte Gefchwindigkeit, welche felbft jene der Circularfäge überfteigt, eine einfache Conftruction der Mafchine, rafche Abfuhr der Sägefpähne und endlich die Möglichkeit, dem zu fchneidenden Körper je de Form in der Ebene und im Raume geben zu können. Die mechanifchen Schwierigkeiten, welche als Schattenfeite der Mafchine zu betrachten find, dürfen defshalb nicht unterfchätzt werden. Die Biegung und das darauffolgende Gerad richten des Blattes, welche Vorgänge fich unaufhörlich abwechfelnd wiederholen, machen das Blatt fpröde, indem fie demfelben eine kryftallinifche Structur verleihen. Eine weitere Schwierigkeit befteht darin, dafs das Blatt fich bedeutend erhitzt, während der Arbeit länger wird, nicht gut geölt werden kann und noch weniger eine ftricte Führung geftattet. Die Löthung der Bandfägeblätter bietet heute keine befonderen Umftände mehr dar. Gufseiferne, hohle Ständer entfprechen am beften dem geforderten hohen Grade von Widerftandsfähigkeit und Stabilität. Dagegen find die Anfichten über fchwächere oder ftärkere Spannung noch verfchieden; eine weitere Meinungsverfchiedenheit befteht darin, dafs man die bei Erwärmung des Sägeblattes, alfo Holzbearbeitungsmaschinen. 13 während der Arbeit, nöthige Nachfpannung entweder dem Arbeiter überläfst, wie diefs franzöfifche Conftructeure thun, oder dafs man nach englifchem Beiſpiele diefe Ausgleichung durch Federn oder Balancirgewichte bewerkstelligt. Eine noch gröfsere Mannigfaltigkeit befteht in den Anordnungen der Führung des Sägeblattes, welche zweifacher Art fein kann, je nachdem die Sägeblattrollen einen aufgeftülpten Rand haben, an den fich die Rückfeite des Bandes anlehnt, oder diefen Stulp entbehren und dann auf andere Weife für die Führung des Blattes am Rücken Vorforge getroffen werden mufs. Geringe Schwierigkeit bietet die Führung des Blattes an den beiden breiten Seitenflächen zur Verhinderung des feitlichen Abweichens von dem fenkrecht geradlinigen Laufe des Blattes. Es gibt hiefür mehrere, vollkommen entſprechende Einrichtungen. Diefe Mannigfaltigkeit wird noch vermehrt durch die verfchiedenen Einrichtungen zur Neigung des Arbeitstifches oder der Verftellung der oberen Sägeblattrolle, was Beides einen fchiefen Schnitt bezweckt. An der Wiener Weltausftellung hat fich Perin aus Paris in grofsartiger Weife betheiligt. Was allein an der glänzenden Expofition zu bedauern war, iſt, dafs die Sägen von Perin nicht in Bewegung gefetzt wurden; fie ftanden in dem füdlichen Seitenfchiffe der Mafchinenhalle und haben nicht je ne Propaganda für die weitere Verbreitung der Bandfäge gemacht, welche im Intereffe der öfterreichifchen Induftrie zu wünfchen gewefen wäre. Wir müffen ausdrücklich hervorheben, dafs Perin nicht nur die Bandfäge mit Leitung des Arbeitsftückes durch die Hand des Arbeiters, fondern auch Block- und Brettfägen exponirt hat, welche fo Vollkommenes leiften, dafs fie einem Bundgatter von 5 bis 6 Blättern gleichgeftellt werden können. Die technifche Ausführung der Perin'fchen Sägen fteht unerreicht da. Aber auch Arbey hat in diefer Branche hübfche Ausftellungsobjecte gebracht, und zwar eine Bandfäge für Mafchinenbetrieb( Fig. 3) und wei kleine Bandfägen, die eine mit Hand-, die andere mit Fufsbetrieb: Hilfsmittel für kunft gewerbliche Werkstätten. Die Nachfpannung ift dem Arbeiter überlaffen und wird mittelft einer Schraube, durch Erhöhung der Lager der oberen Zahnblattrolle, bewerkstelligt. Perin und Arbey verzichten auf die Spannung des Sägeblattes durch Federn oder Gewichte, denn fie rechnen mit aufmerkfamen und geübten Arbeitern. Ein Reifsen des Sägeblattes ift hier nicht wahrfcheinlich, da der Arbeiter nach dem Gebrauche die Spannung der Säge nachläfst, um die nach der Arbeit durch Erkalten erfolgende Zufammenziehung zu ermöglichen. Zur Verhinderung des feitlichen Abweichens der Blätter von der Verticalen find an den Trägern der oberen Sägefcheiben hölzerne Gabeln befeftigt. Die Tendenz des Sägeblattes, in Folge des Vordrängens des Holzes, nach hinten auszuweichen, wird dadurch genügend bekämpft, dafs die Sägefcheiben dort einen aufgeftülpten Rand befitzen, wo fie den Rücken des Sägeblattes tragen, wodurch fie fich von einer gewöhnlichen Riemenfcheibe unterfcheiden. Von den englifchen Firmen haben unter Anderen Powis, James Weftern& Comp., London, Bandfägen exponirt. 14 L PARIS BOURDELIN Fig. 3. EBELLOCHE Holzbearbeitungsmafchinen. 15 Zur Federfpannung iſt eine Art Waggonfeder benützt, welche entweder im Mittelpunkte oder an den beiden Enden fix unterſtützt wird. Bei einer diefer Bandfägen ift aufser der Verftellbarkeit des Tifches die Säge felbft fo eingerichtet, dafs das Lager der oberen Sägblattfcheibe in einer gekrümmten Couliffe verfchoben werden kann, deren Form einem Kreisbogen, befchrieben vom unteren Sägerollen- Mittelpunkte aus, entſpricht. Diefelbe Firma fabricirt auch Bandfägen mit Handbetrieb mit der Eigenthümlichkeit, dafs das Sägeband nicht über zwei, fondern über drei Rollen läuft, von denen die zwei kleineren von gleichem Durchmeffer je über und unter dem Arbeitstifche ftehen, die dritte, bedeutend gröfsere, feitwärts liegt. Derartige dreirollige Bandfägen waren auch von Heckner in Braunfchweig ausgeftellt, deffen raftlofes Streben, dem Kleingewerbe allerlei billige Formen von Sägen zu liefern, volle Anerkennung und Ermunterung verdient. Unter den Ranfome'fchen Bandfägen mit Federfpannung Fig. 4 erfchien eine neue Modification, welche darin befteht, dafs eine felbftthätige Bewegung des Tifches in vier verfchiedenen Gefchwindigkeiten ermöglicht ift, welche durch eine bogenförmige Scala controlirt werden kann. Worffam baut feine Bandfägen mit Balancirgewicht. Robinfon excellirt in der Erbauung grofser Block- und BretterBandfägen mit Spannung durch Gewicht und felbftthätigem Zuführungsmechanismus. Baxter D. Whitney, Winchendon, Maffachufets, producirte in der amerikanifchen Abtheilung eine Bandfäge mit Federfpannung und höchft intereffanter Sägeführung durch zwei Holzklötzchen, die unter einander einen Winkel bilden, der durch das Sägeblatt halbirt wird. Die Klötzchen find durchbohrt und werden mit Mafchinenöl gefpeift, das Oel fickert mittelft eines Tuchlappens auf das am Rücken des Sägeblattes anliegende, rotirende Führungswälzchen und auf jenes felbft. Eine weitere Eigenthümlichkeit der Whitney'fchen Bandfäge, die übrigens auch eine intereffante Vorrichtung zum Adjuftiren der oberen Sägeblattrolle befitzt, beſteht darin, dafs die Speichen der Sägerolle nicht in der Ebene des Umfanges liegen, fondern einer krummen, hohlen Rotationsfläche angehören, deren Achfe mit der Welle der Sägeblattrolle zufammenfällt. Die Stellung der Speichen erinnert an die eine Kegelfläche bildende Lage der Radfpeichen bei unferen Fuhrwerken.* Preis der Mafchine 400 Dollars. Nebft Whitney haben auch Robinfon& Son und Richards, London & Kelley aus Philadelphia Bandfägen exponirt, wo die Führung des Sägeblattrückens durch rotirende Stahlwalzen, und zwar entweder an der Mantelfläche der letzteren oder an der ebenen Stirnfläche bewerkstelligt wird. Von den deutfchen Mafchinenfabrikanten waren nur noch zwei Firmen aufser Heckner, den wir weiter oben erwähnten, Ausfteller von Bandfägen. Schmaltz conftruirt Bandfägen, bei welchen die Rollen mit Kautfchukoder Lederbandagen verfehen find, durch Anwendung von Kautfchukpuffern elaftifch aufgehängt. Dem Uebelftande, dafs die Säge dadurch leidet, wenn nur die Triebrolle gebremst wird, fucht Schmaltz dadurch zu begegnen, dafs er eine beide Rollen gleichzeitig erfaffende Doppelbremfe anwendet. * Die erfte conftructive Darftellung der Whitney'fchen Bandfäge ift im ,, Engeneering" erfchienen, leider ift fie in Wort und Bild höchft undeutlich. 2 16 EX 48 00 Dr. Exner. Fig. 4. RANSOME SCHELSEA CONDOR HARE Die Chemnitzer Werkzeug- Mafchinenfabrik hatte ebenfalls eine Bandfäge mit elaftifcher Spannung durch zwei fchraubenförmige Federn, Kautfchukbandagen auf den Scheiben und ftarkem Hohlgufsftänder exponirt. In Oefterreich hat der Bau von Bandfägen bis jetzt keine grofsen Dimenfionen angenommen, obwohl die Anwendung derfelben eine fehr allgemeine geworden ift. Entweder begnügt man fich mit einer dilettantenmäfsigen Herftellung in der nächften Werkstätte oder man bezieht die Mafchine vom Auslande. Die zweite Gattung von Sägen mit continuirlicher Bewegung bilden die 4. Kreis- oder Circularfägen. So lange man die Circularfägen blos zum Befäumen von Brettern, zum Quer- und Längsfchneiden nur mäfsig grofser Holzfortimente, mit einem Worte, als Hilfsmafchine im Auge hat, kann man diefe einfache Mafchine als vollkommen ausgebildet und kaum einer weiteren Verbefferung fähig anfehen. Holzbearbeitungsmaschinen. 17 Sie wird auch allenthalben gebaut und entspricht meiſtens den an fie geftellten Forderungen; die fchwache Seite bilden gewöhnlich nur die Zapfenlager. Die Fabrik landwirthfchaftlicher Mafchinen von Hofherr in Wien hat zwei Gröfsen von Circularfägen ausgeftellt; gufseiferne Tifche mit gehobelter Platte; verftellbare Parallelführung des Arbeitsftückes n ach dem Principe des Parallellineales. Wir können wohl die übrigen Circularfägen von gewöhnlicher Einrichtung übergehen und werden blos einige intereffantere Objecte erwähnen. Die Arbey'fche Circularfäge mit Fufsbetrieb hat einen neigbaren Tifch. Fig. 5. LAMBERTI SC. Fig. 5. ARMENGAUD. AIE Eine zweite von Arbey ausgeftellte Kreisfäge hat eine verftellbare Sägeblattachfe, fo dafs das Blatt mehr oder minder über die 2* 18 Dr. Exner. Tifchfläche vorragen und daher fowohl zu geradem Schnitte, als zum Nuten-, Federn und Zapfenfchneiden verwendet werden kann. Diefe Mafchine ift für Handbetrieb eingerichtet. Der billige Preis und die gute forgfältige Ausführung laffen die Arbey'fchen Maſchinen als fehr empfehlenswerthe Unterſtützung des gewerbsmäfsigen Betriebes erfcheinen. Nebft Arbey find noch Gérard und Perin im Baue von Circularfägen renommirt. Keine einzige franzöfifche Firma pflegt jedoch die von Boileau angegebene Combination von zwei in einer Ebene über einanderrotirenden Kreisfägen zum Schneiden grofser Blöcke, eine Idee, welche in den mittleren und weftlichen Staaten Nordamerikas eine fabelhaft ausgedehnte Anwendung erfahren hat. Leider war keine diefer berühmt gewordenen Einrichtungen, um welche fich auch engliſche Firmen verdient gemacht haben, aus geftellt. Gröfsere Kreisfägen mit felbftthätigem Vorfchube zum Verfchneiden von Stämmen hatten Schmaltz und Ranfome ausgeftellt. Wir erwähnen zum Schluffe nur noch einer Specialität, der fogenannten Radius- Circularfäge. Die Achfe des Sägeblattes ift an dem Ende eines Hebels, der um einen beftimmten Punkt drehbar ift, eingebettet. Diefe Radius- Circularfägen find zunächft zum Querfchneiden von Stämmen, Balken und Pfoften beftimmt und werden entweder durch den Arbeiter oder felbftthätig von der Mafchine gegen das Holzftück geführt. Bei einer diefer Robinfon' fchen Mafchinen kann das Sägeblatt an jedem beliebigen Punkte des Bogens feftgeftellt und dann wie eine gewöhnliche Circularfäge auch zum Längsfchneiden benützt werden. Bei einer anderen Form diefer Mafchinen find an den beiden Enden eines fchwingenden Hebels die Achfen von Kreisfäge- Blättern, gewöhnlich einem kleineren und einem gröfseren, eingelagert. Je nach der Stellung des Hebels gelangt das gröfsere oder kleinere Sägeblatt über den Tifch und zur Action; dabei kann die Zahnform des einen auf Querfchnitt, die andere auf Längs fchnitt des Holzes eingerichtet fein. Die Robinfon'fchen Circularfägen verfammelten ftets einen Kreis von Fachmännern und ftaunenden Laien um fich, fobald fie auf der Ausstellung in Function gefetzt wurden. Was die Combinirung von Sägemaſchinen untereinander anbelangt, fo find bisher blos folgende Vorfchläge zur praktifchen Anwendung gelangt. Bandfägen mit Decoupirfägen( Heckner und Powis), Bandfägen mit Kreisfägen, Kreisfägen mit Decoupirfägen und endlich Kreisfägen untereinander. Von allen diefen Verbindungen mehrerer Sägen untereinander haben blos die combinirten Kreisfägen fich völlig bewährt und eine dauernde Zukunft. Zwei parallele Kreisfägen laffen fich namentlich häufig im induftriellen Betriebe mit Erfolg verwenden.( Carl Pfaff, Ottakring; Zimmermann, Chemnitz.) Eine aufserordentlich zweckmäfsige Combination von Zirkelfägen finden wir in vielen Etabliffements zur Herftellung der Zapfen verwendet. Wir können fie unbedingt empfehlen und geben ihr vor der Zapfenfraismafchine den Vorzug Arbey hat eine ausgezeichnete Mafchine jener Art exponirt.( Fig. 6.) Ueber die jüngfte Gattung der Sägen mit fortlaufender Bewegung, die fogenannten Cylinderfägen, deren breites Sägeblatt zu einem hohlen Cylinder zufammengebogen und an den beiden Enden verlöthet ift, wird bemerkt, dafs diefelbe in Verbindung mit Circularfägen, Nuthmaſchinen u. f. w. bei der von Whitney exponirten Fafs- und Kübelmafchine, auf die wir fpäter zurückkommen werden, in ihrer heutigen Vollendung veranschaulicht war. C. LAPLATE. Fig. 6. F. ARBEY Ingenieur. PARIS J. Fouche Holzbearbeitungsmaschinen. 19 II. Hobel- und Fraismafchinen. 1. Hobelmaschinen mit geradlinig- reciproker Bewegung. Wie alle anderen Mafchinen fo waren auch die erften Hobelmafchinen nichts weiter als Copien der Handarbeit. Wie der mit der Hand geführte Hobel bei dem nach einer geraden Linie erfolgenden Hingang einen Spahn wegnimmt, und dann ohne zu arbeiten zurückgeführt wird, fo beftand urfprünglich die Hobelmafchine aus einem Hobel mit Alternativbewegung der im Hinwege arbeitete und im Rückwege leerging. Diefe Art von Hobelmechanismus ift bei der Buchen- und Fichtenfpahnerzeugung und bei einigen älteren Jaloufiebrettchen- und Schindelhobelmafchinen noch Heute in Verwendung. Eine Modification befteht darin, dafs ftatt des Hobels, das Holz die Alternativbewegung vollbringt, während der Hobel feftfteht. In neuefter Zeit hat man auf diefes Syftem von Hobelmaschinen mit reciproker Bewegung zurückgegriffen, bei der Erzeugung von gehobelten Fournieren. Zimmermann hat in der Wiener Weltausftellung feine bekannte Fournier Hobelmafchine exponirt. Sie ist eine gefchickte Nachahmung der Mafchine von Bernier& Arbey( Dingler's polytechnifches Journal, Band 192, Seite 22), welche die Einführung der gehobelten Fourniere fo fehr begünftigt hat. Die höchfte, uns bekannt gewordene, Leiftung in der Fournierfchneiderei mit Sägema fchinen, war in der Wiener Weltausftellung durch ein Hamburger Haus( G. C. Bartels& Söhne) repräfentirt. Es waren nämlich mit der Säge gefchnittene Fourniere von folcher Feinheit exponirt, dafs z. B. aus einem 20 Millimeter dicken Mahagonibrett 25 Fourniere gefchnitten erſchienen. Und doch ift felbft ein folch exorbitantes Refultat durch die Fournierhobelmafchine noch zu überbieten, da man aus einer Dicke von 20 Millimeter bis 100 Fournierblätter hobeln kann, wobei felbftverftändlich kein Abfall in Spähnen vorkommt. Das Hobeln der Fourniere aus gedämpftem Holz ift noch relativ jung aber bei den ftetig fteigenden Preifen edler Hölzer von grofser Wichtigkeit. Für Oefterreich mit feinen, noch immer beachtenswerthen Vorräthen an werthvollen Fournierhölzern( Nufs, Efche, Ahorn) ift die Angelegenheit von Bedeutung, wir bemerken alfo nochmals ausdrücklich, dafs die exact aus geführte Zimmermann'fche Mafchine ökonomifch und technifch vorzüglich arbeitet. 10 bis 15 Blätter von 1'50 bis 3 Meter Breite werden in einer Minute hergestellt. Die Mafchine ift nichts weiter als ein durch eine Zahnftange getriebener Doppeleifen- Schlichthobel, welcher eben fo breit, als das Holz ift. Die Mefferklinge fteht nicht fenkrecht, fondern geneigt zur Bewegungsrichtung, fo wie bei den gewöhnlichen Handfalzhobeln. Die Hauptfchwierigkeit befteht in dem accuraten Schliff der langen Hobeleifenklinge und find hiezu gewandte Arbeiter unerlässlich. Der Kraftbedarf beträgt 3 bis 4 Pferde. 2. Parallel- Hobelmaschinen. Die Parallel- Hobelmafchinen find trotz der mannigfaltigen Verbefferungen, die fie feit ihrer Erfindung erfahren haben, verhältnifsmäfsig wenig in Anwendung. Trotz der eigentlich ungünftigen Angriffsweife auf die Holzfafer haben diefe Transverfal Hobelmafchinen doch zum Abrichten der Parqueten Blindböden, zum Abgleichen verfchieden dicker 20 Dr. Exner. Pfoften und als Schropp Hobelmafchine eine vortreffliche Verwendbarkeit; ja fogar zu Schlicht- Hobelmafchinen haben fie unter gewiffen Bedingungen vorzügliche Eignung. In der Werkzeug- Fabrik von J. B. Weifs& Sohn in Wien find ParallelHobelmafchinen mit horizontal liegender Welle, und einer kleinen, äufserft fchnell rotirenden Mefferfcheibe aus Bronzegufs im Betriebe, welche zum Abhobeln der Seitenflächen der Handhobel- Kaften mit dem beften Erfolge dienen. Worffam hat eine fogenannte Surfacingmachine conftruirt und auch ausgeftellt, welche man füglich auch eine Parallel- Hobelmafchine nennen könnte, obwohl der Hobel feftſteht und das Werkftück, das Parquet, auf einer Scheibe befeftigt, um eine horizontale Achfe rotirt. Die Action des Werkzeuges ift hier identifch mit jener bei der Weifs'fchen und jeder anderen Parallel- Hobelmafchine. In Fig. 7 und 8 find zwei Aufriffe der Worffam'fchen ParquetenHobelmafchine gegeben, die ohne jede weitere Erläuterung für den Fachmann verſtändlich find. H Fig. 7. idioze S.WORSSAM& C° ENGINEERS CHELSEA LONDON. Im Allgemeinen fteht die Rotationsachfe bei Parallel- Hobelmafchinen vertical und die wenigen ausgeftellten Mafchinen diefer Art hatten durchgehends verticale Achfen, alfo horizontal liegende Scheiben oder Arme, an denen die Hobel befeftigt waren. Schmaltz ftellte eine combinirte Tifch- Hobelmafchine aus, bei welcher nebft der verticalen Scheibenwelle zum Abfchroppen der oberen Fläche noch ein horizontaler und zwei verticale Walzenhobel angebracht waren. Diefe Mafchine eignet fich, um Balken, Pfoften, Treppentritte, Staffelhölzer u. f. w. fertig Holzbearbeitungsmafchinen. 21 zu hobeln bis zu Dimenfionen von 8 Meter Länge, o 75 Meter Breite und o 4 Meter Dicke. Die Tifchbewegung mittelft Zahnftangen- Betriebes kann während des Ganges der Mafchine umgefteuert werden. Gewicht 2600 Kilogramm, Preis 2300 Reichsthaler. Eine ähnliche Mafchine war von Powis, James, Weſtern& Comp. ausgeftellt. Auch bei ihr wurde die obere Fläche mittelft einer um eine verticale Achfe rotirenden Scheibe, welche die Hobel trägt, abgeglichen und gerichtet, während an beiden Seiten Fraisköpfe, etwa zum Nuthen und Federn der fchmalen Flächen wirkfam fein können. Die Fabrik baut zwei Gröfsen diefer Maſchinen, bei welchen Holz von 6 oder 12 Zoll Breite, 4 oder 9 Fufs Länge gehobelt werden kann. Man erfieht daraus, dafs diefe, vornehmlich auf Parqueten berechnete Mafchine für uns nicht brauchbar ift, da unfere Parqueten mindeſtens 18 Zoll im Gevierte haben. Die erforderliche Betriebskraft beträgt ein bis zwei Pferdekräfte und die Tourenzahl der Vorgelegewelle ift 800. Fig. 8. PATENT www HARE Eine andere Maſchine diefer Art befand fich in der franzöfifchen Abtheilung bei Perin; fie zeichnete fich durch eine überaus fchwere, gegoffene Mefferfcheibe aus, welche durch ihre Maffe wie ein Schwungrad zu wirken beftimmt fchien. Sie war für Hölzer von 4 Meter Länge, 06 Meter Breite und 0'2 Meter Dicke berechnet und koftete 6000 Francs. Alle diefe Mafchinen mit felbftthätigem Vorfchube haben eine Tifchplatte, welche entweder wie ein Wagen auf Rädern läuft oder in irgend einer anderen Weife hin- und zurückbewegt werden kann. 22 Dr. Exner. Englifche Ingenieure nennen diefe Hobelmaschinen Transverfalma fchinen oder auch Wagen Hobelmafchinen( carriage planing- machine), welch' letztere Bezeichnung fie felbftverſtändlich auch für die TangentialHobelmafchine gebrauchen, wenn diefelbe mit Wagenvorfchub verfehen ift. Sie haben dafür einen guten Grund; denn wenn auch die Wirkungsweife des Werkzeuges völlig verfchieden ift, je nachdem ein fchmaler Hobel auf einer Scheibe befeftigt in einer Ebene rotirt, oder aber wenn eine lange HobeleifenSchneide eine Cylinderoberfläche befchreibt, fo ift der Total effect der Arbeit eigentlich mehr von der Zuführungsart abhängig. Wird das Holz auf eine Tifchfläche feftgefpannt, fo erhält es oben fowohl auf der Transverfal- als auf der Tangential Hobelmafchine eine zur Tifchebene parallele Oberfläche; man benützt defshalb die Hobelmafchinen mit Wagenvorfchub, will fagen Tifchauflagerung, vornämlich dazu, um Holzftücke auf gewiffe geradlinige exacte Dimenfionen zu bringen. Jene Hobelmafchinen aber, welche der fchon beftehenden Form eines Arbeitsftückes folgend, ob diefe nun windfchief verdreht fei oder nicht, überall einen folchen Spahn wegnehmen, dafs die obere Fläche des Holzes mit der unteren parallel wird, wie diefs wohl bei Walzenvorfchub möglich ift- folche Hobelmaschinen nennen die Engländer Parallel Hobelmafchinen. Man fieht demnach, dafs die englifehe Terminologie den Ausdruck Parallel- Hobelmafchine ganz anders gebraucht, als wir diefs thun. Wir beziehen das Wort parallel auf den Umftand, dafs die Rotationsebene des Werkzeuges parallel zur Hauptlage des Holzes ift, z. B. bei liegenden Parqueten; die Engländer dagegen beziehen das Wort parallel auf das Verhältnifs der Oberflächen des Holzes nach der Bearbeitung.* Um auch der englifchen Auffaffung, ohne dafs wir die daraus folgende Eintheilung der Hobelmaschinen acceptiren, Rechnung zu tragen, bemerken wir, dafs alle bis jetzt abgehandelten Mafchinen Abricht oder Abgleichmafchinen waren. 3. Tangential- Hobelmaschinen. Die Claffe der Tangential Hobelmafchinen mit Wagenvorfchub oder einer ähnlich wirkenden Zufchiebungsvorrichtung und die Tangential- Hobelmafchinen mit Vorfchub zwifchen Riffelwalzen waren in der Weltausftellung überaus zahlreich vertreten. In diefe an Mitgliedern überreiche Familie von Maſchinen gehören auch die Spund- und Nuth- und die Zapfenfrais- Mafchinen. Von allen exponirten Tangential Hobelmafchinen zogen die Aufmerkfamkeit der Fachmänner wohl am meiften die bis dahin wenig bekannten fchwedifchen Hobelmafchinen von Wilhelm Gibfon& Söhne in Gothenburg auf fich. Sie hatten mehrere Eigenthümlichkeiten und namentlich die wieder aufgenommenen feftftehenden Schneidzeuge, die wie Putzhobel wirken, intereffir* Wohl bei keiner anderen Mafchine ift die Benennung der verfchiedenen Varietäten fo verworren wie bei der Hobelmafchine. Theoretisch genommen gehören die TangentialhobelMafchinen zu den Fraismafchinen; zu den Hobelmaschinen hingegen nur jene mechanifchen Vorrichtungen, wo ein Hobeleifen in einer Ebene eine reciproke oder rotirende Bewegung vollbringt. Diefe Auffaffung wird fich in der Verkehrsfprache ebenfowenig mehr einbürgern laffen, wie die Bezeichnungen: Quer- und Längs- Hobelmafchine, Scheiben- und Walzen- Hobelmafchine u. f. w. Ein Abkommen unter den Fabrikanten und den Vertretern der Technologie an den Lehranstalten wäre das einzige Mittel hierin Ordnung zu machen, doch zweifeln wir an dem Zuftandekommen einer folchen Convention. Holzbearbeitungsmaschinen. 23 ten allgemein. Es ift nicht zu läugnen, dafs die Maschinen complicirt find und ein etwas fremdartiges, abfonderliches Ausfehen haben; die wirklich vortreffliche Arbeit aber und hauptfächlich der grofse Erfolg der fchwedifchen Holzexpor teure mit gehobelten Holzfortimenten rechtfertigten das ihnen zugewandte allgemeine Intereffe. Gibfon hatte vier Hobelmafchinen ausgeftellt, deren ausführliche Befchreibung fich in der Eingangs erwähnten Berichterstattung( ,, Die Bodencultur auf der Wiener Weltausftellung", II. Band) vorfindet, welche wir noch überdiefs durch exacte Zeichnungen unterftützt haben. Der Bau diefer Maſchinen, welcher auch die internationale Jury zur Verleihung der Fortfchritts medaille bewog. entſpricht nicht nur den als richtig erkannten Principien, z. B. der Feftlegung der Schneidkopfwellen, fondern ftellt fogar einen ziemlich hohen Grad von Vollkommenheit dar. Wir möchten noch ausdrücklich hervorheben, dafs jeder ausgeübte Druck, fowohl der Walzen als der Führungsfedern, regulirt und auf ein Minimum gebracht werden kann, wefshalb auch der Kraftverluft durch Reibung bei diefen Mafchinen ein fehr mäfsiger ift. Endlich find der continuirliche Betrieb und die Erfparnifs an Arbeitern hervorzuheben. Das Etabliffement von Gibfon ift mit einer Spinnerei vereinigt und benützt im Ganzen 310 Pferdekräfte und 600 Arbeiter, fcheint alfo einen Umfang zu befitzen, welcher die gleichmäfsige Herftellung von Werkzeugsmafchinen gewährleiftet. Eine andere Hobelmafchine von eigenthümlicher Bauart war von der Firma Ganz& Comp. in Ofen ausgeftellt, welche zur fabriksmässigen Erzeugung der fogenannten franzöfifchen Fries- oder amerikanifchen Parquetboden beftimmt ift. Bei den noch immer grofsen Vorräthen an Rothbuchenholz, für welche von den Forftverwaltungen ftets eine lohnende Verwerthung gefucht wird, verdient die Mafchine fchon ihrer fpeciellen Beftimmung wegen unfere Aufmerksamkeit. Diefe Hobelmafchine hat bei einer faft immer gleichbleibenden Breite und Länge des Holzftückes die obere Fläche glatt zu hobeln und die beiden Seitenflächen zu nuthen. Neu an der Mafchine ift die Anwendung der endlofen Gliederkette mit kleinen Stahlfpitzen an der oberen Fläche zum Anheften des Holzes behufs Vorfchubes.** Diefe Anordnung hat zur Folge, dafs das Holz während deffen Bearbeitung keinerlei Veränderung in der Lage der Fafern zu erleiden hat. Ferner ift es neu, dafs die obere Fläche des Friefes erft dann gehobelt wird, nachdem die bereits früher erzeugten Nuthen durch eine Geradführung erfafst worden find. Der Conftructeur diefer Mafchine thut fich befonders viel auf die Vermeidung des Walzenvorfchubes zu gute und meint, durch die von ihm erfundene Art der Führung das nachherige Schwinden der Friefe mehr zu vermeiden. Er meint ferner, dafs bei den bis jetzt conftruirten Parquet- Hobelmafchinen das Holz während der Bearbeitung faft immer in feiner natürlichen Spannung alterirt und nach der Bearbeitung die ursprüngliche Form wieder anftreben werde; fo würde ein convex gekrümmtes Brettchen durch den Walzenvorfchub in eine ebene Form geprefst oder gerade gebogen, in diefem Zuftande gehobelt, und wenn es die Mafchine verlaffen hat, kehre dann das Holzftück in feine frühere, gekrümmte Form zurück. Es ist nun ganz richtig, dafs die Ganz'fche Mafchine vermeidet, der Form des Holzes Gewalt anzuthun; andererfeits aber ift das Werfen der Friefe nach der Bearbeitung doch nicht völlig vermieden, da im Falle von Veränderun gen des Feuchtigkeitszuftandes, bei dem Umftande, dafs durch das Hobeln ver* Auch bei einer äufserft fauber gearbeiteten Sims- und Bretterhobelmafchine der fächfifchen Mafchinenfabrik in Chemnitz war ein fixes Doppelfchlichthobeleifen zum Abputzen der unteren Fläche von harten oder halbharten Pfoften angebracht. ** Hobelmafchinen mit Kettenvorfchub hat, zur Umgehung des Woodworth'fchen Patentes, James Farrar fchon vor 20 Jahren conftruirt. 24 Dr. Exner. fchiedene Faferfchichten blofsgelegt worden find, auch eine verfchieden ſtarke Ausdehnung oder Zufammenziehung an einzelnen Stellen der Oberfläche herbeigeführt werden dürfte. Indeffen ift diefe letztere Wirkung gewifs weniger draftifch und müffen wir die der Ganz'fchen Hobelmafchine zu Grunde liegende Idee immerhin als eine bemerkenswerthe Neuerung bezeichnen. Da bei diefer Hobelmafchine die Nuthen felbft zur Führung verwendet werden, fo ift es einleuchtend, dafs die obere Fläche, welche während der Dauer diefer Führung hergeftellt wird, mit den Nuthen felbft vollkommen parallel fein mufs. Der aus den Friefen gebildete Boden macht ein Nachhobeln mit der Hand in der Nähe der Fugen vollkommen überflüffig, denn er wird ganz eben ausfallen. Wir glauben nun, wenn wir noch die ordentliche Ausführung der Mafchine anerkannt, die Vorzüge derfelben genügend charakterifirt zu haben. Diefelbe Firma hat noch eine andere Hobelmaschine ausgeftellt, welche dazu dient, verfchieden dicke Holzftücke dadurch abzugleichen, dafs fie auf einem kreisförmigen, ebenen Tifche, welcher um feine Achfe rotirt, einem tangential wirkenden Schneidkopfe fucceffive unterworfen werden. Wir können auf die Befchreibung diefer Mafchine verzichten, da fie im „ Engeneering" vom 19. October 1873 umftändlich gefchildert und durch deutliche Zeichnungen erläutert worden ift. Damit hätten wir die auffallendften Novitäten in Bezug auf Hobelmafchinen abfolvirt, werden aber doch noch die wichtigeren übrigen Ausftellungsobjecte diefer Kategorie anführen. Unter allen Holzbearbeitungsmaschinen ift wohl die Arbey' fche Mafchine mit Meffern von der Form einer Schraubenfläche eine der genialften und vollkommenften. Sie wurde häufig befchrieben und ift jedem Fachmanne bekannt. Auch in der öfterreichifchen Literatur ift fie fchon behandelt worden und wir verweifen auf die fchematifche Darftellung, welche wir in dem öfterreichiſchen Berichte über die Parifer Ausftellung 1867, II. Band, Seite 224 u. ff. gefunden. Die Arbey' fche Hobelmafchine hat fich zwar fchon hie und da in Oefterreich Eingang verfchafft, doch ift fie noch lange nicht fo viel verwendet, als fie verdient, es zu fein. Wir möchten alfo noch einmal darauf hinweifen, dafs durch die fchraubenförmigen Meffer nach dem Syfteme Maréchal& Godeau das ftofsweife Angreifen des Holzes, welches bei geradlinigen Schneiden ftattfindet, gänzlich vermieden wird, dafs ferner bei der Arbey' fchen Hobelmafchine, wo jederzeit ein Punkt der Schneidklinge auf der Oberfläche des Holzes fich befindet, fchon mit 2000 Touren, alfo bei verhältnifsmäfsig geringer Gefchwindigkeit, eine vollkommene Arbeit erzielt wird, wobei viel weniger Lärm entſteht und die Abnützung von Zapfen und Lagern langfamer vor fich geht. Der in Rede ftehende Schneidkopf fchlichtet fo exact, dafs die an der fchwedifchen Hobelmafchine und bei manchen deutfchen Mafchinen diefer Art angewendeten feftftehenden Hobeleifen überflüffig gemacht werden. Sollen diefe feftftehenden Schlicht- Hobeleifen nicht Holzfpähne einreifsen machen, fo mufs die Gefchwindigkeit des Holzvorfchubes eine beträchtliche fein; fie mag fich auf 20 Meter per Minute belaufen. Bei der Arbey' fchen Mafchine genügt dagegen eine Vorfchubsgefchwindigkeit von 4 bis 6 Meter. Da das Schleifen der Hobeleifen durch die Mafchine felbft vollzogen wird, fo geht bei der Arbey' fchen Hobelmafchine viel weniger Zeit durch das Auswechfeln der Hobeleifen verloren. Die Meffer greifen das Holz immer unter dem für die Hobelarbeit günftigen Winkel an. Man kann defshalb ebenfo gut längs, als quer der Fafer hobeln, auch ift das Abhobeln von zufammengefügten Rahmen nicht ausgefchloffen. Ohne dafs der Arbeitswiderftand wefentlich vermehrt wird, ift eine Breite der Arbeitsfläche bis über/ Meter hinaus zuläffig. Die Hobelfpähne werden Holzbearbeitungsmafchinen. 25 feitwärts ausgeworfen, was für die Mafchine und den Arbeiter convenabler iſt, als wenn fie, wie bei der gewöhnlichen Tangential- Hobelmafchine, fenkrecht auf die Achfe des Schneidkopfes von der Holzfläche abfliegen. In neuefter Zeit hat man ftatt der früher angewendeten Meffer von 10 bis 15 Millimeter Dicke nur mehr Meffer von I bis 2 Millimeter Dicke in Anwendung gebracht, welche, ursprünglich eben ausgefchmiedet, erft bei ihrer Befeftigung auf dem Schneidkopfe in die Schraubenflächen- Form überführt werden. Das Schleifen der Meffer durch die Mafchine felbft macht uns in diefer wichtigen Angelegenheit von dem Arbeiter unabhängig. Ranfome hat eine Suite von nicht weniger als fünf Hobelmafchinen zur Ausftellung gebracht, welche das fachmännifche Publicum fehr befriedigten. Eine grofse Tangential- Hobelmafchine mit Zuführungstifch verdient, dafs über fie einige Daten angeführt werden. Der Schneidkopf ift aus Schmiedeifen angefertigt, während die Achfe aus weichkernigem Gufsftahle in langen Lagern aus Kanonenmetall ruht. Der Tifch wird nicht mittelft Zahnftangen- Uebertragung, fondern durch ein eigenes Patent- Zufuhrwerk in Motion gefetzt, wobei der Vorfchub jederzeit von 10 bis 30 Fufs per Minute regulirt werden kann. Der Rücklauf erfolgt mit 40 Fufs Gefchwindigkeit. Nebft diefer, zunächft zum Hobeln von Brettern und Blindholz beftimmten grofsen Carriage- Planing- Machine hat Ranfome eine kleinere Brett- und SimsHobelmafchine in zwei Exemplaren von verfchiedener Gröfse exponirt. Der Bau diefer Mafchinen ift ein überaus vollkommener, die Zufuhrmotion wird mittelft Walzen bewerkstelligt und kann innerhalb der Grenzen von 10 bis 30 Fufs variirt werden. Der Apparat zum Befchweren der Zufuhrwalzen ift einfach. Bei diefen Mafchinen kann das Holz gleichzeitig auf allen vier Seiten bearbeitet werden, wozu vier Schneidköpfe vorhanden find. Das, was bei der früher befprochenen Ranfome'fchen Mafchine über den Schneidkopf gefagt wurde, gilt auch hier. Die Zugänglichkeit der einzelnen Schneidköpfe ermöglicht auch das Umftellen der Eifen ohne grofsen Zeitverluft. Der untere Schneidkopf ift im Gegenfatze zu anderen derartigen Mafchinen am Ende des gufseifernen Hauptgeftelles angebracht. Eine fehr compendiöfe Mafchine desfelben Conftructeurs, zum Hobeln und Glätten fehr dünner Hölzer beftimmt, welche Füllungshobelmafchine genannt wurde, hobelt die durch glatte Walzen zugeführten Brettchen auf den beiden breiten Flächen. Zuführungsapparat, Druckapparat und Schneidkopf wirken fo präcife, dafs man die Brettchen bis auf 18 Zoll Dicke hobeln kann, ohne fie zu zerbrechen. Bei einer diefer Hobelmaschinen hat Ranfome feinen pneumatifchen Spahnabführer angebracht, welcher durch die vortreffliche Arbeit in der Ausftellung gewifs manchen neuen Freund gewann. Worffam hat ebenfalls eine ganz ausgezeichnet arrangirte TangentialHobelmafchine mit langem Tifche und felbftthätigem Vorfchube ausgeftellt. Sehr wichtig find die Beftrebungen diefer Firma, direct der Parquetenfabrication dienende Hobelmaschinen zu liefern. Die Verdienfte Worffam's in diefer Richtung find allerdings fehr bekannt, doch halten wir es für unfere Pflicht, von feinen Parqueten- Abvier- und Beft ofs mafchinen, von feinen Parqueten Hobelmafchinen, die wir fchon weiter oben erwähnt haben, endlich von feinen Parqueten- Nuth- und Federmafchinen, die mit Recht eine grofse Verbreitung gewonnen haben, nochmals zu fprechen. Die Letzteren greifen wir als Beiſpiel heraus, geben in Fig. 9 und 10 Seitenanficht und Grundrifs, erinnern an das Lob, welches diefe Maſchinen in 26 Dr. Exner. Fig 9. 星期 PATENT S WORSSAM& CO OAKLEY WORKS CHELSEA LONDON Fig. 10. HARE der technifchen Literatur, jüngst erft wieder im„ Engeneering" gefunden haben und bemerken über diefelben noch Folgendes: An der Mafchine find gleichzeitig zwei Arbeiter thätig; fie dient zum Federn oder Nuthen, je nachdem die entſprechend geformten Meffer an Holzbearbeitungsmaschinen. 27 dem Schneidkopfe befeftigt werden; endlich kann die Mafchine auch zum Kantenbeftoffen der fertig zufammengeleimten Parqueten benutzt werden. Die Führung ift eine fichere, die Nuth wird genau gerade. Bei gefchickter Behandlung leiftet die Mafchine Erftaunliches. Von den zwei hervorragendften deutfchen Ausftellern, Zimmermann und Schmaltz, haben fich beide mit Tangential- Hobelmafchinen an der Wiener Weltausftellung betheiligt. Schmaltz hat eine Hobelmafchine mit Walzenvorfchub, einem Tifch und drei Mefferköpfen, dann eine gröfsere und eine kleinere Hobelmafchine mit Walzenvorfchub ohne Tifch zur Bearbeitung des Holzes auf allen vier Seiten und endlich eine kleine Walzen- Hobelmafchine mit einem Mefferkopfe aufgeftellt. Die Abfichten, welche die Firma Schmaltz bei dem Baue der Hobelmafchinen für Holz verfolgt und die aus denfelben entſpringenden guten Eigenfchaften ihrer Hobelmafchinen laffen fich mit wenigen Worten charakterifiren. Die Riemenfcheiben find mit Lederbandagen verfehen, die Mefferwellen gut gelagert und forgfältig centrirt, die Anordnung der ganzen Mafchine ift fo getroffen, dafs alle Beftandtheile leicht zugänglich und die Ab- und Einftellvorrichtungen, fowie das Verftellen der Mefferwellen von dem Standplatze des Arbeiters aus leicht zu dirigiren find. Die Druckvorrichtungen befinden fich möglichft nahe bei den Mefferwellen. Das hauptfächlichfte Verdienft der genannten Firma ift jedoch die Einführung des automatifchen Schleifapparates für Hobelmeffer, von deffen vortrefflicher Wirkfamkeit wir uns nicht nur in der Ausftellung, fondern fchon früher in mehreren Werkstätten überzeugt haben. In der Reparatur- und Montirwerkftätte der Elifabeth Weftbahn in Wien ift eine folche Mafchine in der zufriedenftellendften Weife feit Jahren verwendet. Die Chemnitzer Werkzeug- Mafchinenfabrik, vormals Zimmermann, war eine der erften in Deutfchland, welche fich mit dem Baue von Hobelmafchinen erfolgreich befafst hat. Eine grofse Zahl von Etabliffements hat Walzen Hobelmafchinen mit Wagen oder Riffelwalzen Vorfchub von Zimmermann bezogen und allgemein ift man mit den Leiftungen der Firma zufrieden. Die in Wien ausgeftellt gewefene Sims- und Brett Hobelmafchine zeigte, dafs das Etabliffement ftets Fortfchritte macht. Das Geftell wird neuefter Zeit in Hohlgufs ausgeführt und ift fehr ftabil. Der Antrieb der Mafchine ift durch ifolirte Stellung des Vorgeleges von ihr feparirt worden, was den Gang der Arbeit ruhiger geftaltet. Eine weitere Vervollkommnung ift durch die der Fabrik patentirten Doppelmeffer erreicht worden. Von den vielen anderen Hobel- und Fraismafchinen, welche in Wien zur Ausftellung gebracht worden find, zeichneten fich noch jene von Powis und Robinfon aus. Die Hobelmafchinen von Whitney, welche zu den kühnften und eigenthümlichften amerikanifchen Mafchinen gehören, find fchon durch die Parifer Ausftellung dem fachlichen Publicum bekannt geworden.( Officieller Ausftellungsbericht, II. B., S. 246.) Es wird übrigens für weitere Kreife nicht überflüffig fein, zu bemerken, dafs die Whitney' fche Schlicht- Hobelmafchine blos den Zweck hat, eine bereits gegebene Oberfläche zu glätten, ohne dabei die Hauptform des Holzftückes irgendwie zu verändern. Sie befchränkt fich darauf, von dem Holzftücke eine dünne Schicht abzuziehen, und folgt dabei der durch eine frühere Bearbeitung hergeftellten Oberfläche. Auch hat Whitney eine eigenthümliche, gute Hobeleifen- Schleifmafchine exponirt. Die vortrefflichen Mafchinen von C. B. Rogers& Comp. in Norwich, Connecticut, welche fich befonders durch die Anordnung der Mefferwellen od 28 Dr. Exner. und Zuführungswalzen auszeichnen, waren auch auf der Wiener Ausftellung vertreten, ohne feitens des Publicums jene Beachtung zu finden, die fie verdienen. Näheres über diefelben findet man in dem Parifer Ausftellungsberichte von Scharff und in dem Werke von Richards. Die Weltausftellung enthielt auch mehrfache Mahnungen an den Benützer von Holzbearbeitungs Mafchinen, fich mit guten Schleifvorrichtungen für Hobeleifen Meffer zu verfehen. In diefen für Fachmänner beftimmten Ausführungen ift es wohl überflüffig, die eminente Wichtigkeit eines accuraten Schliffes der Hobeleifen zu betonen; der Zuftand eines ganzen Etabliffements kann ja nach der Befchaffenheit des Schleiffteines beurtheilt werden. Mehrere Mafchinenfabrikanten, unter ihnen befonders Ranfome, Worffam, Schmaltz und Arbey, haben auf die Verbefferung von Schleifapparaten für gerade und Sims Hobeleifen ihr Augenmerk gerichtet. Ranfome's Schleifapparat für gerade Hobeleifen befteht aus einem ftarken Troge von Gufseifen mit Spindel- Zapfenlager, Triebrolle und Klammerplatten zum Halten des Steines; er nimmt einen Stein bis 5 Fufs Durchmeffer und 12 Zoll Breite auf. Eine gufseiferne Platte, mit Segmenten von ,, Water- of- Ayr"- Steinen verfehen, ift gewöhnlich an einem Ende der Steinfpindel feftgemacht und dreht fich in einem für fich befonderen, an der Seite befeftigten Troge. Die Tröge find mit adjuftirbaren Führungen und Schiebern, welche die Hobeleifen in dem gewünſchten Winkel gegen die Oberfläche der Steine halten, verfehen, und der ,, Water- of- Ayr"- Stein wirkt wie ein rotirender Wetzftein, indem die Schneiden ihn vollkommen fcharf gefchliffen verlaffen. Der mit der Mafchine gewöhnlich gefandte und in dem Preife inbegriffene Schleifftein mifst 4 Fufs im Durchmeffer und 8 Zoll Dicke. Der Apparat wird auch etwas kleiner gemacht, fo dafs er fich zum Schleifen von gewöhnlichen Tifchler- Werkzeugen eignet; er gleicht dem obigen und hat einen Stein bis 3 Fufs 6 Zoll im Durchmeffer. Ausserdem hat Ranfome auch einen Sims Eifenfchleifer exponirt, durch deffen Anwendung die Arbeit des Weichmachens und Härtens, welche beim Schärfen mittelft Feile nöthig wird, vermieden werden kann. Die Mafchine befteht aus einer Spindel, welche mit fieben kleinen Schleiffteinen verfchiedener Dicke, die fich in einem Troge drehen, verfehen ift. Die Schleiffteine find fo geftaltet, dafs fie auf die Krümmungen und Aushöhlungen der Sims- Hobeleifen verfchiedener Form paffen, und jeder der Steine wird durch einen darüber befindlichen Wafferhahn aus Kanonenmetall mit Waffer verfehen. Die Wafferhähne ftehen mit einer Cifterne von Gufseifen in directer Verbindung. Aehnliche Schleifapparate für gerade und Kehleifen waren auch von Worffam ausgeftellt und find in der Praxis längst bekannt. Da wir die weiter oben erwähnte, ebenfalls exponirt gewefene Schmaltz'fche Hobeleifen Schleifmafchine auf das Lebhaftefte empfehlen können, fo geben wir hier noch eine etwas umftändlichere Befchreibung Das Schleifen und Schärfen der Hobelmeffer gefchieht häufig auf einem rotirenden, gewöhnlichen Schleiffteine, erfordert aber grofse Uebung und Aufmerkfamkeit. Um dies zu erleichtern, bringt man am Geftelle einen langen Querfupport an, auf welchen das Hoheleifen gefpannt und durch feitliche hin- und hergehende Bewegung der Wirkung des Schleiffteines ausgefetzt wird. Es ist aber hiebei erforderlich, dafs der Stein immer eine gerade Oberfläche hat und genau rund läuft, was bei Utenfilien, worauf jeder fein Handwerkszeug fchleift, nicht lange der Fall bleiben kann. Holzbearbeitungsmafchinen. Diefe Umftände veranlafsten Schmaltz, 29 zum Schleifen von geraden, langen Hobelmeffern eine befondere Mafchine zu conftruiren. Das Schleifmittel bei diefer Mafchine ift Schmirgel und Oel auf einer horizontal rotirenden Metallfcheibe von entsprechendem Durchmeffer. Diefe Scheibe, aus einer Mifchung von Blei, Antimon und Zinn beftehend,* ift genau abgedreht und das Schleifen gefchieht durchaus felbftthätig, fo dafs der Arbeiter nur das Hobelmeffer einzufpannen und die Mafchine in Bewegung zu fetzen hat. Die Scheibe foll 120 bis 140 Umdrehungen per Minute machen und imprägnirt fich in kurzer Zeit fo mit Schmirgel, dafs ein wenig Oel genügt, ein ftumpfes Meffer wieder zu fchärfen. Handelt es fich darum, tiefe Scharten auszufchleifen, fo ftreut man von Zeit zu Zeit während der Operation etwas Mittelkorn- Schmirgel auf die Scheibe, nachdem man vorher einen kleinen Strahl Oel darauf gegeben hat. Durch die Bewegung des Meffers vertheilt fich der Schmirgel fofort gleichmässig über die ganze Oberfläche; felbft ziemlich grober Schmirgel verurfacht keinen Schaden. Nach längerem Gebrauche bildet fich eine kleifterartige Krufte, die man mit einer Ziehklinge abfchabt, bevor frifches Oel und Schmirgel zugege ben wird. Die Scheibe ift faft keiner Abnützung unterworfen, wenigftens wurde bei der erften Mafchine diefer Art aus dem Jahre 1865 bis heute ein Abdrehen der Oberfläche nicht nothwendig. Die früher beliebten Doppel- Schleiffteine nach Muir& Comp. in Manchefter haben zwar hinfichtlich des gegenfeitigen Rundhaltens fich bewährt, allein durch das Aufeinanderfchleifen beider Steine entstand eine glatte, faft polirte Oberfläche, welche den Stahl nicht mehr gut angriff. Nichtsdeftoweniger bietet diefe Conftruction für Tifchlerwerkftätten manchen Vortheil, wenn man die Steine fich leicht berühren läfst. Der erfte Stein kann alsdann für fchmale Stemmeifen, Meifsel u. f. w. benützt werden; hiedurch wird der zweite Stein, der eine feitliche hin- und hergehende Bewegung hat, gefchont, bleibt länger rund und kann für nicht zu breite Hobeleifen mit Vortheil benützt werden. In neuefter Zeit hat man die Schmirgel- Sägefchärf- Mafchine nachgeahmt und eine Schleiffcheibe auf die Drehbank Spindel gefetzt, um damit Kehleifen und dergleichen zu fchärfen. In der Wiener Weltausftellung war ein an der ganzen Mantelfläche mit Schmirgel überzogener Cylinder exponirt, welcher, mit eiferner Achfe verfehen, in Rotation gebracht, als Schleifapparat zu dienen beftimmt war. 4. Fraismafchinen. Die Verwendung der Fraismafchinen ift binnen verhältnifsmäfsig kurzer Zeit eine grofsartige geworden Eigentliche Fraisköpfe, wie fie für die Metallbearbeitung erfunden wurden find dabei wohl allerdings felten im Gebrauche, vielmehr find es Schneidköpfe, mit denen die profilirten Klingen auf irgend eine Art verbunden werden, die das Werkzeug der Fraismafchinen bilden. Um eine Unterfcheidung zwifchen Frais- und Tangential- Hobelmaschinen zu machen, eine Unterfcheidung, welche bei der Holzbearbeitung in Beziehung auf Anordnung und Wirkungsweife des Werkzeuges nicht aufgeftellt werden kann, nennen wir Fraismafchinen diejenigen Mafchinen, bei welchen die am Holz hervorgebrachte Oberfläche keine geradlinigen Erzeugenden hat, das heifst, bei welchen die Zufchiebung des Holzes keine geradlinige, alfo eine von der geradlinigen oder regelmäfsig kreisrunden Bewegung des Werkstückes bei den Hebelmaschinen abweichende ift. * Manche Fabrikanten verwenden hiezu nur Blei. 1% 30 Dr. Exner. Am häufigften im Gebrauch und auf der Ansftellung zahlreich vertreten find die kleinen Fraismafchinen, bei denen der Fraiskopfüber die horizontale Tifchfläche hervorragt. Die zu bearbeitenden Holzftücke, wie Rahmen, Tifchplatten und andere Möbelbeftandtheile, werden mit freier Hand zugefchoben und fo mit Kehlungen und anderen Kegelformen verfehen. Es wird alfo kein automatifcher Vorfchub angebracht. Fig. 11 ift die Abbildung einer folchen Fraismafchine, die felbſtverſtändlich für alle Arten Gefimfe, wie zum Nuten und Federn von krummen und gefchweiften Seitenflächen dienen kann. Die Mafchine hat einen gufseifernen Tifch und Niederhaltung( liegt in der Abbildung am Boden), koftet 1000 Francs und wird in diefer Anordnung von F. Arbey gebaut. Sie iſt aus dem Faubourg St. Antoine hervorgegangen und hat eine grofse Verbreitung in den Ateliers gefunden. Eine zufriedenftellende Leiftung, welche nur wenige Nacharbeit erfordert, kann man bei diefer Mafchine nur gewärtigen, wenn die Gefchwindigkeit des Fraiskopfes eine fehr bedeutende ift. 4000 Touren find bei dem geringen Halbmeffer des von der Fraisklinge befchriebenen Kreifes durchaus nichts Exorbitantes. Der eben erwähnten fehr ähnliche Fraismafchinen mit einer verticalen Fraiswelle oder auch mit zwei folchen bauen die meiſten englifchen und deutfchen Mafchinenfabriken. So z. B. liefert S. Worffam in London nahezu um den gleichen Preis, wie Arbey, Fraismafchinen diefer Art. Das beiläufige Gewicht einer einfpindeligen Mafchine beträgt 16 Centner. Die Tourenzahl der Vorgelagewelle ift 800( 12 Zoll Durchmeffer der Riemfcheibe), Arbeitsverbrauch: ein Pferd. Die Einführung diefer Mafchinen in die öfterreichifche Möbelinduftrie ift fehr dringend zu wünfchen. Diefs wird wohl dadurch begünftigt, dafs fich auch öfterreichifche Firmen mit dem Baue folcher Mafchinen befaffen.( Top ham z. B. hat eine zweifpindelige Fraismafchine exponirt.) Schmaltz in Offenbach a. M. hat nicht weniger als vier Formen in feinem Preis- Courant und davon drei zur Ausftellung gebracht. Die kleinfte derfelben, welche nur 100 Thaler koftet, hat einen verftellbaren, abnehmbaren Tifch, fchmale Auflage für doppelt gekrümmte Hölzer, das Vorgelage am Geftell angebracht und befitzt eine ausgezeichnete auf ausrückbaren Frictions kegeln beruhende Vorrichtung zum Wechfeln der Rotationsrichtung.( Gewicht 200 Kilogramm.) Die Fabrication von Fensterrahmen, von Mafswerk in denfelben, von allerlei Bautifchlerarbeiten wird durch diefe Mafchine nicht wenig gefördert, wefshalb wir fie nochmals dringend empfehlen. Es ift zu bemerken, dafs ein wefentliches Kriterium der Güte und Dauerhaftigkeit der Mafchinen das Material und die Conftruction der Fraisspindel und der fie haltenden Lager bilden, wefshalb auf diefen Umftand beim Ankauf befondere Aufmerkfamkeit gerichtet werden mufs. - Ein anderes Syftem von Fraismafchinen ſtellt das von Ranfome exponirte Mufter dar. Thomas Robinfon& Son's in Rochdale bei Manchefter führten fchon vor einiger Zeit Fraismafchinen mit vertical ftehender Spindel ein, bei welchen jedoch die Spindel nicht in Lagern des Geftelltifches liegt, fondern oberhalb des Tifches in durch einen Support getragene Lager eingebettet ift. Diefe Fraisfpindel kann in Folge deffen gefenkt und gehoben, nach links und rechts verftellt werden, und wenn man wollte, könnte noch überdiefs der Trager des Supportes wie ein Krahn drehbar eingerichtet werden. Diefe Modification, die Fraiswelle von unterhalb des Tifches nach oben zu verlegen und noch dazu ihr eine gewiffe Mobilität zu verleihen, ermöglicht ARBEY A PARIS L.GUIGUET Fig. 11. 9 RARE Holzbearbeitungsmaschinen. 31 eben, Holzplatten von oben zu bearbeiten und nicht blos am Rande zu formen Man fenkt die Fraiswelle defshalb heifst die Mafchine auch ,, Senkmafchine" und läfst fie im Holze beliebige profilirte Rinnen eingraben. Jedes Ornament kann durch die Doppelbewegung der rotirenden Fraife oder durch die einfache Bewegung der Fraife, der ein Vorfchub des Holzes zu Hilfe kommt, verfolgt werden. Die Fraismafchine wird dadurch zu einer Art Relief- und Sculpturmafchine und die Mannigfaltigkeit ihrer Verwendung wächft ins Unendliche. Die Mafchine von Ranfome gibt nun eine noch höhere Potenzirung der Befähigung der Mafchine. Ranfome hat nämlich den von Robinson erfolgreich propagirten Mechanismus und eine Fraismafchine mit ftabiler Tifchwelle combinirt. In den Fig. 12 und 13 ift die fogenannte„ verbefferte Univerfal Simshobel, Frais und Senkmafchine" Ranfome's in zwei Aufriffen dargestellt Fig. 12. A RANSOME& CH Fig. 13. Der überhängende Arm, welcher die obere Fraiswelle trägt, kann leicht abgenommen werden, wenn man mit der unteren Fraife allein arbeiten will. Das Gewicht der Mafchine ift 1100 Kilo, das Krafterfordernifs ein Pferd; der Durchmeffer der Rollen an der Triebwelle ift 6 Zoll grofs und diefe macht 1000 Touren in der Minute. Preis fammt allem Zubehör 160 Pfund Sterling. Die Mafchine fand in Wien neuerlich viel Anklang, verdient gewifs alle Beachtung und trotz des etwas hohen Preifes auch bald die Einführung in unferen heimifchen Werkstätten. Eine wirklich hochgetriebene Potenzirung der Maſchinenarbeit wurde durch die Verquickung des Copirprincipes mit der Fraifearbeit erreicht. Wenn man eine Fraismafchine fo einrichtet, dafs die Fraife nach Mafsgabe der Form eines eifernen Modelles feinen Standort fortwährend ändert, während ihr immer neue Stellen an dem Werkftücke dargeboten werden, fo mufs eine völlige Congruenz von Modell und Holzarbeit erzielt werden. Man kann aber 3 32 Dr. Exner. auch die Fraife an ihrem Standorte fix einbetten und dagegen das Werkstück, nach der Form eines Modells, das fich ftets dreht und dabei an einen„ Führer", recte„ Fühler" anlehnt, fich der Fraife mehr oder weniger nähern oder entfernen laffen. Diefs find die Grundideen für die zwei Hauptarten von copirenden Fraismafchinen. Das erfte Princip ift auf das Engfte mit der ,, Copir- Drehbank" verwandt( Blanchard's Erfindung, fiehe Kohn's Ausftellungsbericht 1862). Mit der Einführung des Copirens jeder beliebigen regellofen Form, wodurch die mafchinelle Erzeugung von Schuhleiften, Stuhlbeinen, Gewehrfchäften, Radfpeichen, Axt- und Hammerftielen etc. realifirt wurde, ift fcheinbar das eigentliche Gebiet der Mafchinenarbeit verlaffen, die Natur der Mafchinen, welche nur eine geradlinige, kreisförmige Bewegung zuzulaffen fcheint, verläugnet. Diefs wäre indeffen ein Trugfchlufs. Sobald es fich um die taufendfältige Wiederholung von Arbeiten handelt, welche auf Herſtellung einer unregelmäfsi gen Form hinauslaufen, ift die Mafchine in ihrer ureigenften Domäne, und die Handarbeit hat kein Recht, fich über einen Eingriff in ihr Gebiet zu beklagen. Nur dort, wo die Hand individuell fchafft, wo fie eine beftimmte Idee zum Ausdruck bringt, zur Erreichung eines gewiffen Zweckes, fei es, um dem Schönheitsfinne zu dienen, nur dort ift die Mafchine ausgefchloffen, aber auch für immer ausgefchloffen. Die Weltausftellung hat an C opir- Fraismafchinen nicht eine Neuigkeit zu Tage gefördert, wohl aber zwei bekannte, vielfach mit dem beften Erfolge arbeitende Mafchinen wieder zur Anficht gebracht. Da man in Oefterreich die in die Praxis des Fabrikswefens eingeführten Copir- Fraismafchinen an den Fingern von ein Paar Händen herzählen kann, die Einführung diefer Mafchinen aber auch aufserhalb der Werkstätten für das Kriegsmaterial wünfchenswerth ift, fo wollen wir uns mit den exponirten Mafchinen etwas befaffen. Der Vorwurf, dafs wir Bekanntes mittheilen, ift nicht fo bedenklich, wie jener, dafs wir etwas Wichtiges, wenig Bekanntes nur oberflächlich berührt hätten. Fr. Arbey hat eine in Fig. 14 abgebildete, überaus vollkommene Mafchine zum Fraifen von Radfpeichen, Gewehr- und Piftolenfchäften, Schuhleiften etc. ( Fig. 15 bis 19) nach gegebenem Modell exponirt, welche vier Stücke gleichzeitig arbeitet. Derfelbe Fabrikant baut eine folche Mafchine, welche nur zwei Stücke gleichzeitig fraift; erftere koftet 3500, letztere 2200 Francs. Die Conftruction ift aus der Figur erfichtlich. Die mit der Bandfäge und Hacke im Rohen ausgeformten Holzftücke wer den auf der Mafchine fo vollftändig ausgearbeitet, dafs jede weitere Nacharbeit ausgenommen das Abreiben der fertigen Stücke mit Glaspapier, überflüffig wird. Die Mafchine producirt in je 10 bis 15 Minuten vier Exemplare, alfo in einem Arbeitstage beiläufig 200 Stücke. Ein befonderer Vorzug der Arbey'fchen Mafchine vor ähnlichen Conftructionen deutfcher und englifcher Fabrikanten befteht darin, dafs die Rotation der eingefpannten Holzftücke durch ein Getriebe konifcher Zahnräder in einer Art eingeleitet ift, welche eine fehr exacte, mit der Drehung des gufseifernen Modells minutiös genau übereinftimmende Transmiffion liefert. Wenn die Räder durch den Gebrauch etwas ausgelaufen find, fo kann man diefelben nachftellen und fo das„ Spielen" vermeiden. Bei den von Zimmermann und Robinfon gebauten Mafchinen derfelben Gattung ift die Uebertragung der Drehbewegung des Modells auf die Arbeitsftücke durch gerade Stirnräder eingeleitet, fo dafs fich die Fehler multipliciren und eine minder präcife Form refultirt. A. Ranfome hat feine vortreffliche Copir- Fraismafchine, bei welcher die Fraifen in einer fenkrechten Couliffe fich heben und fenken, nicht nach Wien gefandt. F.BOURDELIN FARBEY PARIS Fig.14. CBELLOCHE.. Fig. 15. Fig. 16. Holzbearbeitungsmaschinen. Fig. 17. E. B Fig. 19. Fig. 18. Die andere Gattung von Copir- Fraismafchinen, bei denen, wie weiter oben bemerkt wurde, die Fraife feftliegt und das Werkftück nach Mafsgabe eines metallenen Modells hin und herbewegt wird, war in der Ausstellung nur durch ein von Ch. Powis in London exponirtes Exemplar vertreten. Von den Fraismafchinen, welche eine ganz fpecififche Einrichtung für beftimmte Zwecke haben, wären noch hervorzuheben die Zapfen- Fraismafchinen und die Zinken Fraismafchinen. Wenn an dem Ende eines Holzftückes mehr als ein Zapfen, alfo ein Doppelzapfen oder gar mehrere Zapfen herzuftellen find, wie bei den Eckverbindungen der Leimzwingen oder Leimknechte, befonders aber dann, wenn 3* 33 34 Dr. Exner. Zapfen mit verfchiedenen Schultern herzuftellen find, fo läfst fich diefs mit Combinationen von Circularfägen nicht mehr erreichen; die Fraismafchinen dagegen erfüllen diefe Aufgabe in vollkommener Weife. In der Ausstellung waren viele Mafchinen zu fehen, welche die Zapfen mittelft Fraifen ausarbeiten. Namentlich bei combinirten Mafchinen trat diefer Mechanismus häufig auf, doch auch mehrere blos zum Zapfenfraifen eingerichtete Mafchinen waren vorhanden. Eine vorzügliche Mafchine diefer Art ift die von Allen Ranfome gebaute in den Fig. 20 und 21 in zwei Aufriffen dargestellte. Fig. 20. Holz bis zu 6 Zoll Dicke und 18 Zoll Breite wird durch diefe Mafchine bei einem einzigen Durchgange durch die Mafchine mit einem oder mehreren Zapfen ausgeftattet. Die Frais- Kopfwellen find aus weichkernigem Gufsftahl hergeftellt und laufen mit grofser Gefchwindigkeit in felbftfchmierenden Lagern. Die horizontalen Wellen können gehoben und gefenkt und von einander mehr oder weniger entfernt gehalten werden, fowie der horizontal rotirende Fraiskopf an der fenkrecht ftehenden Welle ausgewechfelt werden kann, um dem verfchiedenartigften Bedarfe zu genügen. Der Tifch ift fehr ftark conftruirt und läuft mit dem von ihm getragenen Holz mittelft abgedrehter exacter Laufrollen auf planirten Führungen. Die Befeftigungen des Holzes find ficher und doch leicht lösbar. Das Gewicht der Mafchine beträgt 1200 Kilo, fie erfordert zwei Pferde und koftet loco Chelſea 100 Pfund Sterling. Aehnliche Mafchinen bauen Worffam; Richards, London und Kelley; John Mc. Dowall& Sons; Robinfon& Son; Arbey u. f. w. Bei der eben befchriebenen Mafchine von Ranfome liegen die obere und untere Fraife auf horizontalen Wellen; diefe Wellen find demnach parallel zur Holzfafer und die Mefferfchneide befchreibt eine Cylinderfläche, die von der Ebene der Fafern tangirt wird Die Wirkung der Schneide ift alfo ähnlich wie die bei der Tangential- Hobelmafchine, nur mit dem Unterfchiede, dafs bei letzterer die Achfe des Rotationscylinders in der Regel fenkrecht zur Fafer, bei erfterer parallel zu derfelben liegt. Um die Arbeit des Schneidens zu begünftigen, ftellt man die Klinge fchief zur Achfe, damit die Schneide der Fafer unter einem mäfsigen Holzbearbeitungsmafchinen. 35 fpitzen Winkel begegnet.* Arbey bringt dabei feine fchraubenflächigen Meffer, von deffen Hobelmafchine her vortheilhaft bekannt, an, und hier ift ihre Wirkfamkeit ganz befonders gut. Die helicoidalen Schneidmeffer an Fraifewellen für Zapfenmafchinen halten wir für einen wichtigen technifchen Fortfchritt. Die Zapfen erhalten eine fehr vollkommene glatte Oberfläche und können beliebig breit und lang fein, ohne dafs diefs die geringfte Schwierigkeit macht. Fig. 21. A RANSOME& CL CHELSEA, SW Wird nur ein Zapfen erzeugt, fo kann man die linke und rechte Seiten fläche des Zapfens auf diefe eben angedeutete, der Tangential- Hobelmaschine ähnliche Art erzeugen. Hat man aber zwei oder mehrere Zapfen herzuftellen, fo mufs man Fraifen anwenden, deren Achfen fenkrecht zur Fafer ftehen. Die Schneide der Fraife arbeitet dann wie bei der in unferen Abbildungen 20 und 21 angedeuteten mittleren Fraife auf lothrechter Welle über Hirn; die einzelnen Spähne werden von der Länge der Fafer quer abgefchnitten. Bei Zapfenfrais- und Nuthmafchinen, wo man eben zwei oder mehrere Zapfen regelmäfsig herzuftellen hat, wie bei Holzbearbeitungs Maſchinen für den Eifenbahn- Waggonbau, bei Werkzeug- Fabriken und dergleichen Anftalten, zieht man es häufig vor, alle Fraifen an eine Achfe zu legen und in der zuletzt angedeuteten Weife über Hirn wirken zu laffen. Allerdings ift der Kraftverbrauch bei der Bearbeitung über Hirn ein höherer, aber die Adjuftirung auf einer Welle ift eine einfachere. Man trifft dabei auch die Anordnung fo, dafs das Holz feft liegt und die Fraifewelle an der Hirnfläche, in diefelbe mittelft der Fraifen eingreifend, vorbeiwandert. Die Fabriken von Arbey, Ranfome, Robinfon und Mc. Dowall, ganz befonders aber amerikanifche Etabliffements haben diefe Mafchine fehr ausgebildet; bei der Werkzeug- Fabrication hat fie Weifs in Wien mit beftem Erfolge angewendet. Die Herftellung von Nuthen und Zapfen wird auch mittelft fchiefftehender Circularfägen erzielt, fo zwar, dafs durch die Säge nach Mafsgabe ihres Schiefftellung verfchieden breite Nuthen oder Zapfenzwifchenräume durch Verwandlung der betreffenden Holztheile in Spähne erzeugt werden. Es ift diefs eine fehr viel Kraft abforbirende Procedur und daher nur in einem fpäter zu erwähnenden Falle zuläffig. * Diefe fchiefe Stellung der Mefferfchneiden zur Holzfafer hat Topham bei kleinen Hobelmafchinen angewandt. 36 Dr. Exner. Ringförmige Fraisköpfe, wo die Fraismefferfchneiden im inneren Umfange des Ringes liegen, dienen zum Abfraifen runder Zapfen, für Stuhlfüffe, Radfpeichen und dergl. Ch. Powis hat eine diefem Zweeke dienende Mafchine exponirt. Die Gebrüder Thonet haben eine verwandte, von ihnen felbft conftruirte Mafchine in ihren weltberühmten Fabriken feit Jahren in Verwendung. Die fchon von Paris her feit 1867 bekannte Zinken- Fraismafchine von Zimmermann in Chemnitz hätte nicht verfehlt, neue Freunde zu gewinnen, wäre fie in der Ausstellung in Thätigkeit verfetzt worden. Aber auch im Zustande der Ruhe konnte manche Verbefferung an ihr wahrgenommen werden. III. Bohrmaschinen. Wegen der grofsen Verwandtfchaft der Arbeit der Bohrmaſchine mit jener der Fraismafchine mag jene nun hier angereiht werden. Die Bohrmafchine dient bekanntlich zur Herftellung von kreisrunden und oblongen Löchern, und wird im letzteren Falle Langlochbohr- oder Schlitzmafchine genannt. Wird der Bohrer nicht blos rotirend in das Loch verfenkt, fondern auch noch überdiefs lateral bewegt, fo entſteht eine Oeffnung im Holze, die zwei parallele geradlinige Seitenwände und halbkreisförmige Endabgrenzungen hat. Diefe dienen häufig auch als Zapfenlöcher bei Holzverbindungen. Die Bohrmafchinen haben mit Rückficht auf die Form des Werkzeuges und Bewegungsart eine überaus mannigfaltige Einrichtung erhalten. Schon die dem Bohrer zu verleihende rotirende Bewegung kann eine umftellbare( Hin- und Rücklauf), oder eine conftante, oder endlich eine während der Rotation zu variirende fein.* Was aber die Bewegung des Bohrers fenkrecht zur Holzoberfläche, das heifst, in das Werkstück fich verfenkend anbelangt und zweitens was die Bewegung des Bohrers bei der Langloch- Bohrmaſchine, fenkrecht auf die Achfe des Bohrers, betrifft, fo können diefe Bewegungen fowohl durch die Hand des Arbeiters mittelft eines Hebels oder durch die Mafchine felbft und fie können entweder mit dem Bohrer oder mit dem Holze bewerkstelligt werden. Aus diefer Expofition dürfte die Verfchiedenartigkeit der Bohrmaſchinen fchon erhellen. Bei der Einfachheit der Bohrmaſchinen und den geringen Schwierigkeiten, die fie zu überwinden haben, da die Action durch eine Drehbewegung hergeſtellt wird und die Zufchiebung nach jeder Richtung eine mäfsig fchnelle ift, hat die Bohrmaſchine verhältnifsmäfsig geringes Intereffe für den Conftructeur. Sie iſt vollkommen entwickelt. Wenn die Ausftellung in diefer Richtung einen Werth haben konnte, fo beftand er nur darin, dafs man neuerdings beftätigt fand, was man ohnehin wufste, nämlich 1. dafs die Längsbewegung im Sinne der Fafer am beften durch Verfchiebung des Holzes hervorgebracht wird, wobei die Handarbeit ausreicht, wenn kleinere Holzftücke zu bewegen find; * In der Parquettenfabrik von Gebrüder Bauer in Breslau arbeitet eine RundlochBohrmafchine, bei welcher der Bohrer durch eine an feiner Achfe fteckende Scheibe mit glatter Mantelfläche von einer zu derfelben fenkrecht liegenden Scheibe mittelft Friction getrieben wird. Findet die Transmiffion näher am Umfange der letzteren Scheibe ftatt, fo rotirt der Bohrer rafcher, eine Anordnung, die fich fehr empfiehlt, da der Bohrer, je tiefer er ins Holz eindringt, alfo fich die mit ihm feft verbundene Scheibe fenkt und näher zur Peripherie der treibenden Scheibe rückt, fich auch fchneller bewegt, was gerade dann fehr zweckmäffig ift. Diefe empfehlenswerthe Anordnung war an keiner der exponirten Bohrmaschinen zu fehen. Es ift überhaupt zu bedauern, dafs die Werkstätte von Hoffmann aus Breslau, aus der wenn wir nicht irren diefe Mafchine ftammt, fich an der Ausftellung nicht betheiligt hat. - Holzbearbeitungsmaschinen. 37 2. dafs die Verfenkung des Werkzeuges ins Holz durch Bewegung des Werkzeuges ftattzufinden hat und am beften durch die Hand des Arbeiters erzielt werden mag; 3 dafs man, trotz der vielfältigen Verfuche, den Bohrer felbft umzugeftalten und zu verbeffern, doch bis heute dem feit mehr als einem Vierteljahrhundert in Gebrauch ftehenden flachgedrehten Spiralbohrer treu geblieben ift. Die Ausftellung enthielt eine ziemlich grofse Anzahl von verticalen und bei combinirten Maſchinen auch von horizontalen Bohrwerken; leider fehlten Röhrenbohrmaschinen, deren Amerika fo intereffante in Verwendung hat. Die meiften der exponirten Bohrmaſchinen waren mit anderen Maſchinen combinirt; eine beliebte Verquickung ift die mit der Stemmmafchine, weil viele diefer letzteren in dem Holzftück ein Loch vorgebohrt haben müffen, um die Arbeit beginnen zu können. Eine Bohrmaſchine des Amerikaners B. D. Whitney fiel auf. Sie hat zwei horizontale Bohrfpindeln, deren gegenfeitige Entfernung verändert werden kann. IV. Drehbänke. Die Drehbank ift dem ihr zu Grunde liegenden Principe nach eine uralte Mafchine. Sie iſt auch die einzige Holzbearbeitungsmafchine, welche von den in der mafchinellen Technik fo weit zurückgebliebenen Orientalen zur Ausftellung gebracht wurde. Der Palaft des Vicekönigs von Egypten war durch ein eigenthümliches Gitterwerk vor den Fenftern ausgeftattet. Diefe Vorbaue find aus taufenden von einzelnen auf der Drehbank angefertigten Stückchen( Kugeln, Scheiben und Wälzchen) zufammengefetzt. Diefe in vielen Fällen reizend componirten Gitterkörbe waren nun theils echt egyptifch, theils nach den Angaben des Architekten Schmoranz in der Bautifchlerei der allgemeinen öfterreichifchen Baugefellfchaft ( jetzt Baumaterialien- Gefellfchaft) imitirt angefertigt. In einer der ebenerdigen Aufsenlocalitäten( Verkaufsläden) war überdiefs ein Drechsler poftirt und damit befchäftigt vor den Augen des Publicums gedrechfelte Gegenftände aus Holz, unter Anderem folche zierliche Gitter anzufertigen. Man kann alfo füglich fagen, dafs Egypten feine Drechslerei auf der Ausftellung repräfentirte. In einer anderen Art brachte Indien die Drechslerei der Eingebornen zur Anfchauung einerfeits durch exponirte Arbeiten, andererfeits durch Zeichnungen von eingebornen Gewerbetreibenden in ihrer Berufsthätigkeit dargeftellt( Skizzen von J. L. Kipling of the Sir Jamfet Jee Jejeehoy School of art and induftry. Bombay). im Aus diefen letzteren Zeichnungen, verfchiedene Handwerksverfahren vorführend, und aus der Boutique im Palafte des Khedive geht hervor, dafs ganzen Orient nur eine Manier des Drehens üblich ift. Der Arbeiter fitzt auf der Erde und bringt das auf fehr primitiven Decken ruhende Arbeitsftück mit einem Fufse in Rotation, während der andere unterſtützt und fefthält und die Hände das Abdreheifen führen. Welcher koloffale Contraft diefes höchft unvollkommenen Verfahrens mit Baxter D. Whitney's Patent Gauge Lathe, einer Schlichtdrehbank, bei welcher nach dem rohen felbftthätigen Zufchroppen, die Mafchine ebenfalls felbftthätig verfchieden profilirte Schlichtmeffer in verticalem Rahmen herabfenkt und in Action verfetzt.* * Die Whitney fche Drehbank für Geländerftäbe, Möbeltheile u. dgl. ift fchon 1867 ausgeftellt und im officiellen öfterreichifchen Bericht befprochen und gut illuftrirt worden.( IV. 257, 2. Band.) Auch Tresca befchreibt fie in feinem Berichte( Rapports du Jury International, 9. Band) und macht dabei die Bemerkung, dafs die Schwierigkeit des Schleifens der profilirten Schlichtmeffer der Verbreitung diefer Mafchine entgegenftünde. Diefe Einwendung dürfte jedoch bei der für Maffenproductionen beſtimmten Mafchine nicht völlig berechtigt fein. 38 Dr. Exner. Zwifchen diefen beiden Extremen liegen eine Unzahl von Abftufungen. Für den Handwerksbetrieb liefern die gewöhnlichen Holzdrehbänke unfere Werkzeug- Fabrikanten; in ausreichender Weife war Oefterreich in diefer Hinficht durch mehrere Firmen vertreten. Die höchft ungefchickte Combination einer Drehbank mit einer Laubfägemafchine, wie fie von der Firma Franz Werthei m, noch dazu in einer diefer verdienftvollen Firma wenig Ehre machenden Ausführung, exponirt wurde, wird hoffentlich keine allzu grofse Verbreitung finden Von bis heute weniger bekannten Neuigkeiten müfste erwähnt werden: eine Drehbank von Fr. Guillet in Auxerre( Frankreich), bei welcher der auf dem Reitel liegende oder in den Support eingefpannte Drehftahl durch einen Fraiskopf erfetzt wird. Die fich begegnenden Rotationen von Werkstück und Werkzeug wirken nicht wenig geräuſch- und effectvoll. Für fpecielle Zwecke, wie bei der Guillet'fchen Mafchine, die auf Radnaben eingerichtet war, ift diefe Anordnung ficher zweckdienlich und nachahmungswürdig; doch erfordern jedenfalls die verfchiedenen Holzgattungen und Formen eine Reihe von Erfahrungen über Schliffart und Drehgefchwindigkeiten, damit die Mafchine zufriedenftellend arbeitet. Combe& Comp. in Belfaft zeigte in der Ausftellung eine Drechfel- und Riffelmafchine zur Herftellung von Streckwerks Oberwalzen. Der Werkzeugfabrikant J. B. Weifs& Sohn in Wien hat eine Reihe zum Theile neuer Drehwerkzeuge vorgeführt, die zum Abdrehen verjüngt zulaufender Regenfchirmftöcke, gewundener Säulen und Schrauben mit allerlei Schraubengangsprofilen dienen. Es ift fchade, dafs die Firma Thonet noch nie ihre einfach gebauten, vortrefflichèn Mafchinendrehbänke für Möbelbeftandtheile exponirt hat. Diefe Schablonen- Drehbänke, die felbft Fachmännern wenig bekannt find, würden nicht verfehlen, Auffehen zu erregen. Im Allgemeinen kann man die Drehbänke, fowie die Bohrmafchinen als bis an die äufserfte Grenze ihrer Entwicklungsfähigkeit gebracht auffaffen, und die Ausftellung felbft gab uns defshalb nichts frappirend Neues und deutete auch kein ungelöftes Problem an. V. Stemm- und Spaltmafchinen. Die Stemmmafchine ift eine Nachahmung der Handarbeit des Stemmens. Trotz der Mängel, welche den Stemmmafchinen im Allgemeinen anhaften und nicht zu befeitigen find, wie die rafche reciproke Bewegung des Werkzeuges, haben fich diefe Mafchinen nicht nur in der Praxis erhalten und die ftets energifcher auftretende Concurrenz durch die Frais- und Bohrmaſchinen bisher ausgehalten, fondern es treten fortwährend neue Conftructionen auf, welche die Lebensfähigkeit der Holzstemmmafchinen erhöhen. - Als eine Art Stemmmafchine mag wohl auch die Gehrungs- Schneidemafchine von Shute aufgefafst werden, welche in der Wiener Weltausftellung in drei Exemplaren vorhanden war. A. Ranfome, S. Worffam und die Chemnitzer Werkzeug. Mafchinenfabrik hatten je ein Exemplar diefes einfachen aber fehr zweckmäfsigen Mechanismus exponirt. Wir wollen hoffen, dafs diefer Umftand auf die, noch immer geringe, Einbürgerung des Mafchinchens fördernd einwirken werde. Die Mafchine tritt in zwei Formen auf. Die Leifte, Latte oder der Rahmentheil, welcher unter einem Winkel von 45 Grad gegen die Faferrichtung befchnitten werden foll, wird entweder horizontal zugefchoben und dann fteht die Führung des Meffers, welches durch den Handhebel vorgedrückt wird, unter 45 Grad zum Holzbearbeitungsmafchinen. 39 Horizont geneigt( Fig. 22, Ranfome und Zimmermann), oder die Zufchiebung des Holzes erfolgt unter einem halben rechten Winkel zur Horizontalebene und dann lauft das Meffer in verticalen Couliffen( Worffam). Fig 22. SHUTE'S PATENT. Die erftere Anordnung ift für die Einführung des mitunter fehr langen Holzftückes günftiger, die letztere geftattet dem Arbeiter, einen ausgiebigeren Druck mit der Hand auszuüben. Es fcheint, als wollte fich die erftere Dispofition mehr bewähren und einleben. Die Mafchine ift billig( 40 bis 75 fl.) und wirkt vortrefflich bei Leiften bis 71 Zoll Breite und 4 Zoll Stärke. Die doppelt geneigte Lage der Schneidkante fichert eine reine glatte Schnittfläche, ohne zu fplittern und macht eine Nachhilfe, wie beim Sägenfchnitt durch Hobeln, überflüffig. Der Hauptvortheil ift aber die überaus exacte Herftellung des Winkels. Durch die Shute'fche Mafchine dürften die übrigen GehrungsSchneidemafchinen, wie z. B. die Robinfo n'fche, dauernd aufser Curs gefetzt fein. Die eigentlichen Stemmmafchinen bilden wohl den Inhalt eines der fchwierigften Capitel' der Holzbearbeitung. Die Forderung grofser Schnelligkeit des reciprok bewegten Werkzeuges, der grofse Unterfchied im Kraftaufwand beim Auf- und Niedergang, der intime Zufammenhang zwifchen Zufchiebung und Werkzeug- Bewegung, die Nothwendigkeit, das Werkzeug zu wenden am Ende des Zapfenloches, das es ausarbeitet, bilden eine Complication von Forderungen, wie fie bei keiner anderen Holzbearbeitungsmafchine wieder vorkommt. Dazu erfcheint als erfte Bedingung: grofse Einfachheit der Mafchine, damit fie bei den rafch fich folgenden Stöfsen weniger leide. Die europäiſchen Conftructeure haben fich längere Zeit vergeblich abgemüht, eine völlig zweckentfprechende Conftruction zu finden und haben defshalb die Stemmmafchinen halb aufgegeben und entweder durch Langloch- Bohrmaschinen erfetzt oder das Stemmen der Handarbeit überlaffen. Die Amerikaner jedoch haben, die theoretifchen Bedenken nicht kennend, und gewohnt durch abenteuerlich kühn fcheinende Arrangements den Schwierigkeiten zu begegnen, immer und immer wieder die Verbefferung der Stemmmafchinen aufgenommen. Nach einer verläfslichen Angabe follen in Amerika in den letzten 15 Jahren von drei Maſchinenfabriken allein über 2500 Stemmmafchinen verkauft worden fein. Man unterfcheidet mehrere principiell von einander verfchiedene Syfteme von Stemmmafchinen, um welche fich unter anderen die Firmen Lane& Bodley in Cincinnati; Richards London& Kelley in Philadelphia verdient gemacht haben. Die letztere Firma vertritt feit den letzten Sechsziger Jahren die jüngste Species der Stemmmaſchinen, die wir hier kurz charakterifiren wollen. Ein überaus rafch reciprok auf und abwärts gehendes Stemmeifen ( 600 Touren in der Minute, Gefchwindigkeit gegen drei Meter) in fixer Führung, angetrieben durch Kurbelfcheibe und Pleuelftange könnte nur auf eine beftimmte Tiefe ins Holz eindringen, alfo nur Zapfenlöcher von einer gegebenen Tiefe erzeugen, wenn nicht der Tifch, welcher das Holz trägt, vertical verftellbar wäre. 40 Dr. Exner. Es fetzt diefe Mafchine weniger fchwere Holzftücke voraus, ift alfo mehr für Tifchlerarbeiten eingerichtet. Die Verfchiebung des Holzes wird mit der Hand bewerkstelligt. Die Einfachheit der Werkzeugführung geftattet auf die Dauer die fchnelle Bewegung. Der Tifch ift ziemlich fchwer gebaut, fo dafs feine träge Maffe den Stofs auffängt und diefer auf den Fufs nicht reagirt, durch welchen der Tifch mittelft Trethebel gehoben und gefenkt wird. Von allen Stemmmaſchinen hat diefe leichte einfache Vorrichtung die meifte Ausficht auf individuelle Dauer und Dauer der ganzen Gattung. Diefes Princip von Stemmmafchinen erhielt einen wefentlichen und charakteriftifchen Vorzug durch die Beifügung eines ingeniös erdachten Mechanismus zum Umwenden des Meifsels( reverfing device). Ein amerikanifcher Ingenieur, Smith in Lowell, liefs fich 1854 diefen Apparat patentiren, im Jahre 1870 wurde er zum erften Male befchrieben( Journal of the Franklin Inftitute) und 1873 erfchien er auf der Weltausftellung an einer von Allen Ranfome, einem Richards'fchen Originale, nachgebauten Stemmmaſchine. Diefelbe ift in den Fig. 23 und 24 dargestellt. Leider ftehen uns keine deutlicheren Abbildungen zur Verfügung und der Lefer wird die Erklärung aufmerkfam verfolgen müffen. Fig. 23. Fig. 24 A.RANSOME& C CHELSEA LONDON. HARE An der Triebwelle( Fig. 23), neben der dritten Riemfcheibe von links, ift eine Schnurfcheibe befeftigt, in deren Nuth eine Schnur liegt, welche fenkrecht aufwärts zu einer zweiten Scheibe und von diefer zu einer dritten horizontal liegenden, Holzbearbeitungsmafchinen. 41 mit dem Stemmeifenträger auf Drehung durch Feder und Nuth verbundenen Scheibe läuft und von diefer wieder zur erften Schnurfcheibe auf der Antriebswelle mittelft entſprechender Uebertragung zurückkehrt. Die Schnur ohne Ende fucht alfo von der Triebwelle aus die rotirende Bewegung auf jene zuletzt genannte Scheibe zu übertragen, welche mit der Stemmeifenftange in Verbindung ift.( Diefe Scheibe ift auch in der Mitte der Figur 24 ganz oben zu fehen.) Der Schaft, mit welchem das Stemmeifen verbunden, fich auf und ab bewegt, ift wie erwähnt, durch Feder und Nuth mit der oberen Scheibe vereinigt und follte fich defshalb in drehender Bewegung befinden. Nun ift aber diefe Scheibe felbft durch einen fich an einen Arm der Scheibe anlehnenden Riegel an jeder Drehung gehindert, die Schnur gleitet daher fortwährend über Scheibe 2 und 3, ohne fie mitzunehmen, hat aber ununterbrochen die Tendenz, es zu thun. Der erwähnte Riegel ift mittelft einer fchraubenlinigen Feder in feiner Pofition erhalten. In der Figur 24 bemerkt man rechts von der Stemmeifenfpindel eine dünne Stange, welche unten einen rechtwinkelig gebogenen Handgriff trägt; auch fieht man die Büchfe, in welche die die Stange faffende Feder eingelegt ift. Zieht man den Handgriff und mit ihm die Stange abwärts, wobei die Feder zufammengedrückt wird, fo verlässt der Riegel oben das Schnurfcheibchen, diefes beginnt zu rotiren und wird mit der Stemmeifenfpindel fo lange rotiren, bis der Riegel wieder angelegt ift. Läfst man die Handhabe einfach los, fo fchnellt fie fofort zurück und erreicht die Scheibe, um fie an einer zweiten Speiche, welche die geradlinige Fortfetzung der erfteren bildet, feftzuhalten. Auf diefe Art macht die Scheibe nur eine 180gradige Drehung, das heifst, das Stemmeifen eine Wendung. Aus den Figuren 23 und 24 geht ferner hervor, dafs der rechts unten in Figur 23 fichtbare Fufstritt mittelft einer Gelenkſtange und einer Schraubenfpindel, die in der Mitte ein Handrad trägt, den Tifch höher ftellen und dem auf- und abgehenden Stemmeifen entgegenführen kann, erfterer abwärts gedrückt wird. wenn Ift der Fufstritt am Boden angelangt, feine jetzt rechts oben frei liegende abgerundete Endkante auf den Fufsboden gedrückt, fo kann man noch immer die Lage des Tifches und mit ihr jene des Arbeitsftückes verändern, indem man mittelft des Handrades die Schraubenftange dreht. Diefe hat oben ein rechtes, unten ein linkes Gewinde, welche durch die entſprechenden Muttern laufen, diefe alfo entweder nähert oder entfernt, das heifst, den Tifch gegen das Fufstrittgelenk rückt oder ihn höher ftellt. In der Figur 24 ift das Stemmeifen von der Seite fichtbar, und man bemerkt wohl den Widerhaken, welcher dazu dient, um die Spähne herauszuwerfen Die Stemmmafchine ift mit einer Bohrmafchine bei dem in der Ausstellung exponirten Exemplar vereinigt gewefen, was aber nicht etwa zu bedeuten hat, dafs auch bei diefer Stemmmafchine zuerft ein rundes Loch vorgebohrt werden mufs. Diefs ift im Gegentheile gerade bei der Richards'fchen Anordnung nicht der Fall. Ranfome hat es eben beliebt, die Stemmmafchine in einem mit einer Bohrmaſchine combinirten Exemplare vorzuführen, der Grund davon folgt unten. Der Ausftellungskatalog von Ranfome enthält über die Mafchine folgende Angaben, die wir hier wiedergeben: " Diefe Mafchine kann mit vollem Rechte als die befte zum Stemmen von Zapfenlöchern für den Gebrauch von Tifchlern empfohlen werden: fie macht im weichen Holz drei vollkommene Zapfenlöcher in einer Minute, ohne Bohrung, und da der Meifsel die Späne herauszieht, fofort, nachdem fie gemacht find, ift man nicht genöthigt, den Kern auszutreiben, nachdem das Zapfenloch gebildet ift. Die Mafchine verarbeitet Holz bis zu II Zoll tief, und der Schlag des Meifsels ift 4½ Zoll Der Hauptftänder ift ein hohles Gufsftück, und die Kurbel, welche die Meifselfpindel treibt und welche nahe an der Fundamentplatte angebracht ift, 42 Dr. Exner. wird mit einer Gefchwindigkeit von 600 Umdrehungen per Minute getrieben, ohne die Mafchine zu erfchüttern. Der Tifch, auf welchen das Holz gelegt wird, wird durch einen Fufshebel gehoben, fo dafs der Meifsel allmälig in das Holz eindringt und fich mit jedem Schlage tiefer und tiefer in das Holz hineinarbeitet, bis die gewünſchte Tiefe erreicht ift. In Folge diefer Arbeitsweife wird die grofse Erfchütterung vermieden, welche ftets ftattfindet, wenn der Meifsel mit einem Schlage zur vollen Länge eindringt. Der Meifsel wird fofort umgekehrt durch eine einfache und fehr wirkfame felbftthätige Motion, welche durch eine Federfperre regulirt wird, deren Handhabe an dem für den Arbeiter bequemften Platze angebracht ift. Die in der Abbildung gezeigte Bohrfpindel wird nur gebraucht, wenn die Mafchine zum Stofsen von Zapfenlöchern in hartem Holz gebraucht wird, oder wenn fie mit einem Meifsel breiter als 3/4 Zoll in weichem Holze arbeitet. Wenn daher die Mafchine nur für Tifchlerarbeit in weichem Holze im Gebrauche iſt, ift die Bohrvorrichtung nicht nöthig." Nöthige Kraft Gewicht im Durchfchnitt Durchmeffer der Gefchwindigkeit Rollen an der Triebwelle der Triebwelle Preis Ungefähr 750 Kilo Ungefähr 12 Zoll I Pferdekraft 600 Revolutionen per Minute 80 Pfd. Sterl. IO Shill. Ohne Bohrmaſchine, Preis 68 Pfund Sterling. Wir haben diefe Mafchine defshalb fo ausführlich behandelt, weil fie am Continent noch fehr wenig bekannt, den öfterreichifchen Boden aber zum erften Male betreten hat und zu den auffallendften Novitäten in unferer Gruppe zählte. Alles Uebrige in diefes Capitel gehörige wird rafch abgethan fein können. A. Ranfome hat auch eine Handftemmmafchine exponirt. Unfere Anficht über Holzbearbeitungs- Mafchinen für Handbetrieb ift bereits wiederholt ausgefprochen worden. Sie gilt für die Stemmmafchine in erhöhtem Maſse. Wir erwähnen die Ranfome'fche, weil fie trotz aller Bedenken gegen die Handbetriebs- Mafchine immerhin unter gewiffen Verhältniffen nützlich fein kann. Sie leiftet fo viel wie fechs Arbeiter. Holz bis 11 Zoll Breite und 6 Zoll Dicke kann durch fie bearbeitet werden. Der Tifch ift verftellbar ebenfo wie bei der früher befchriebenen mit Schraube und Handrad. Der Preis ift 25 Pfund Sterling, alles Uebrige geht aus der Fig. 25 hervor. Nebft Ranfome befchäftigt fich auch Worffam viel mit Stemmmafchiner und weift deffen illuftrirter Katalog eine merkwürdige Uebereinstimmung im Texte zu den gründlich verfchieden conftruirten Stemmmafchinen mit jenem in Ranfome's Preislifte auf. Ausgeftellt hat Worifam keine feiner Mafchinen diefer Art. Auf die Stemmmafchinen von Charles Powis; Robinfon; Powis, James und Rodgers& Comp. etc. kommen wir noch bei den combinirten Mafchinen zurück. Spaltmafchinen für Brennholz- Verkleinerungsanftalten und Haushaltungen, fowie für Holzfchleifereien zum Spalten der Klötzchen waren leider in Holzbearbeitungsmafchinen. 43 der Ausftellung nicht zu fehen, ein Umftand, den wir befonders mit Rückficht auf die Bedürfniffe der öfterreichiſchen Induftrie lebhaft bedauern. Fig. 25. AHANSOMO CHELSEA VI. Combinirte Mafchinen. Um an Raum in den Werkstätten für Holzbearbeitung zu gewinnen, um auf einem und demfelben Geftelle mehrere Mafchinen zu vereinigen, alfo an Eifengufs zu sparen, um eine möglichft niedrige Summe für die Möglichkeit mittelft Mafchine zu bohren oder zu fraifen oder zu ftemmen, aufzuwenden, um endlich an einem Werkftück aufeinanderfolgende Proceduren vornehmen zu können, ohne diefes von einer Mafchine zur andern bewegen zu müffen; aus diefen und vielen ähnlichen Gründen combinirt man häufig mehrere HolzbearbeitungsMafchinen zu einer und hat damit manche recht fchätzenswerthe, nützliche Einrichtung gewonnen. Jeder Ingenieur, welcher mit der Branche der Holzbearbeitung näher vertraut ift, wird folche Combinationen erfinden können und die Zahl der diefsbezüglichen Vorfchläge und der wirklich in die Praxis eingeführten combinir. ten Mafchinen ift eine fehr grofse. Auch die Wiener Weltausftellung war überreich an zum Theile zweckmäfsigen, zum Theile nur aus der Neuerungsfucht entfpringenden und minder zweckdienlich combinirten Mafchinen. Um eine Ueberficht auch über diefe Leiftungen der jüngften Zeit zu gewinnen, theilen wir die combinirten Mafchinen ein in folche, welche keinem beftimmten, fpeciellen Zwecke dienen und in folche, bei welchen diefs der Fall ift, und fcheiden überdiefs völlig aus, die nicht zu einem Ganzen, alfo nicht auf einem Geftelle aufgebauten Mafchinen zu befonderen Zwecken, und widmen den Mafchinengruppen ein eigenes, das letzte Capitel diefer Abhandlung. 44 Dr. Exner. 1. Combinirte Mafchinen ohne fpeciellen Zweck. Bei den Sägen, alfo bei eventuellen Vereinigungen der verfchiedenen Arten von Sägen ift nur die Combinirung der Band mit der Decoupirfäge halbwegs berechtigt. Eine folche Combination war von Heckner in Braunfchweig exponirt. Befonders erwärmen konnten wir uns jedoch für diefe Mafchine nicht, fie ftand der von Powis, Weſtern exponirten nach. Ein fruchtbareres Feld für Combinationen bieten fchon die Frais und Hobelmafchinen. Die Doppel- Fraismafchinen haben einen ziemlich bedeutenden Markt gewonnen. Eine ganze Gattung von Stemmmafchinen kann ohne Vereinigung mit Bohrmaschinen nicht gedacht werden. Die Stemm- und Bohrmafchine. von Ch. Powis, jene von Robinfon& Sohn und die von Powis, James, Weſtern& Comp. exponirte Handstemm- und Bohrmaschine find Beifpiele für diefe Gattung von Mafchinen, welche indeffen durch die wirkfame Raufome- Richards'fche, wie oben erwähnt, übertroffen werden. Eine fehr glückliche Conftruction ftellt die Ranfom e'fche Hobel-, Frais-, Kant, Stemm- und Bohrmaſchine dar. Diefe kleine Mafchine, welche nur 250 Kilo wiegt, 12 Pferdekraft confumirt und bei 5 Zoll zuläffiger Holzbreite zum Hobeln 42 Pfund Sterling koftet, ift überaus zweckmäfsig und einfach. An einer Welle fitzt ein Schneidkopf, der abwechfelnd zum Hobeln, Fraifen und Abkanten dienen kann, während an derfelben Welle ein Horizontalbohrer fitzt, der gleichzeitig arbeitet, wenn es gewünſcht werden follte. Für Tifchlerwerkstätten ift diefe in den Fig. 26 und 27 abgebildete Mafchine immerhin zu empfehlen, obwohl es nicht zu billigen ift, dafs die Fraife genau mit derfelben Tourenzahl arbeitet wie der Hobel. RANSOMENG Fig. 26. CHELSEASW Fig. 27. MARE Auf die Combinationen von zwei Mafchinen, den Amben, folgen die Ternen, Combinationen zu Dreien, und fo weiter. Enthält eine folche combinirte Mafchine Vorrichtungen für alle wichtigeren Holzbearbeitungs- Methoden, alfo Circularfäge, Hobel- und Fraisköpfe, eine Drehfpindel, Bohrer etc., fo nennt man diefe Mafchine ,, Univerfal Tifchler"," General- Joiner". Ueber diefe Mafchinen ift zu fagen, dafs fie die an der Spitze des Capitels angeführten Vortheile combinirter Mafchinen in umfo erhöhterem Mafsftabe bieten, je mehr Mafchinen fie in fich vereinigen. Raumerfparnifs, Anfchaffungskoften Ermäfsigung, Verminderung des Transportes der Ar Holzbearbeitungsmafchinen. 45 beitsftücke von einer Mafchine zur andern etc. etc. Dagegen ift die Leiftungsfähigkeit eines ,, Univerfal- Tifchlers" im Vergleiche mit einer Suite felbftftändiger Mafchinen von gleicher Beftimmung wie die Beftandtheile der combinirten eine ungleich geringere. Ein ,, General Joiner" ift immer nur ein Surrogat. Die einzelnen Theile eines ,, Univerfal Tifchlers" können nie fämmtlich gleichzeitig arbeiten, und wenn nur einige Theile befchäftigt find, fo behindern fich die Arbeiten häufig gegenfeitig. Arbeitet aber nur ein Theil, oder find felbft zwei Werkzeuge in Function, fo lauft doch die eine oder andere Welle unnütz. Wird auf dem„ Univerfal- Tifchler" regelmässig nur ein Beftandtheil in Function erhalten, während man doch mehrere Mafchinen befchäftigen könnte, fo ftellt der ,, Univerfal- Tifchler" eine unökonomifche Anordnung dar. Fafst man das Gefagte zufammen, fo geht daraus hervor, dafs der ,, Univerfal- Tifchler" unter gewiffen Verhältniffen, aber auch nur unter gewiffen Verhältniffen Vortheile gewährt, z. B. in grofsen Städten, bei hoher Miethe und einem vorhandenen Motor, oder als Aushilfsmafchine in einer Werkstätte, wo nebftbei allerlei Holzarbeiten, einmal diefe, einmal jene vorkommen, ohne dafs alle diefe Arbeiten continuirlich gemacht werden müffen, und fo weiter. " 9 Abgefehen von diefer generellen Beurtheilung des General Joiner" ift er felbft fehr mannigfaltig in feiner Anordnung und daher fehr verfchieden in feinem Werth. Je mehr er fich von feiner Bedeutung als billige, compendiöfe Aushilfsmafchine entfernt, defto minder empfehlenswerth wird er. Jede Werkzeug- Mafchinenfabrik baut einen„ General Joiner" und die Wiener Weltausftellung enthielt nicht weniger als fechs folche Mafchinen( Worffam, Raufome, Robinfon, Ch. Powis, Powis Weſtern& Comp. und Schmaltz). Die Mafchine von Worffam fchien uns einer folchen Beachtung werth, dafs wir eine Specialaufnahme von derfelben machten, und diefe auf Tafel I und 2 im Auf- und Grundrifs wiedergeben. Diefe Mafchine bekundet zugleich einen Fortfchritt in der Anlage des von der genannten Firma früher gebauten ,, General Joiner", fo dafs ein näheres Eingehen willkommen fein dürfte. Die ,, Patent- Univerfal- Tifchlerbank" ift geeignet, die meiften in der Tifchlerwerkstätte vorkommenden Handarbeiten auf mechanifchem Wege zu vollführen, man kann auf ihr längs- und querfchneiden, plan- und kehlhobeln, spunden, nuthen und federn, abvieren, ftemmen, Rund- und Langlöcher bohren, Zapfen formen etc. Mehrere der Arbeiten können ftets gleichzeitig vorgenommen werden und überdiefs ift der Uebergang von einer derfelben zur anderen fehr erleichtert. Die Mafchine wird von einem Arbeiter bedient, wenn nur eine Procedur vorgenommen wird, fonft verwendet der Arbeiter einen oder mehrere Gehilfen. Die Einrichtung wird durch folgende Befchreibung hinreichend klar werden Die fämmtlichen Vorrichtungen find auf einem gufseifernen durch Rippenprofile fehr verftärkten und mässig fchweren Tifch A montirt.( Das Gewicht der ganzen Mafchine beträgt 35 Centner.) Eine Hauptwelle a trägt den Schneidkopf b, auf welchen augenblicklich Kehlhobeleifen c aufgefchraubt find, der aber ebenfo gut geradfchneidige Planhobeleifen, oder Nuth-, Zapfen- oder endlich beliebige Fraifemeffer tragen kann. Das Holz wird unter dem Schneidkopfe auf einem Zuführungstifch d zugefchoben, mittelft der Riffelwalze vor und den Backen g ( Grundrifs) nach der Bearbeitung niedergehalten. Die Riffelwalzenwelle h wird durch einen Hebel i mit dem Laufgewichte k nach abwärts geprefst. Eine geneigte Platte, welche fich mit einer Seitenkante auf die Oberfläche des Holzes legt, und in diefer Pofition durch einen anderen Druckhebel' k' erhalten wird, ftreift die Späne von der Oberfläche des Holzes weg, bevor dasfelbe unter den Schneidkopf gelangt. Die Hobel- und Kehlvorrichtung läfst Dimenfionen bis 240 Millimeter Breite und 80 Millimeter Dicke des zu bearbeitenden Holzes zu. 46 Dr. Exner. Die Gefchwindigkeit der Zuführung, welche von der Mafchine felbftthätig beforgt wird, kann mit Rückficht auf die Befchaffenheit des Holzes verfchieden grofs gewählt werden, doch ift das Maximum derfelben 8 Meter per Minute. - An derfelben Hauptwelle a fitzt der Bohrer 7. Auf einem Tifch, der durch die Hand des Arbeiters die nöthige Bewegung erhält( mittelft des Hebels m und der Kurbeln an der Führungs- Schraubenfpindel o, Länge und Tiefe des Bohrloches), liegt das zu bohrende Holz, das auf der Tifchplatte durch eine Klemmfchraube feftgehalten wird. Dabei ift der Tifch mit Hemmungen verfehen, um eine beftimmte Länge und Tiefe der Löcher zu erhalten. Zum Höher und Tieferftellen des ganzen Tifches fammt longitudinaler und transverfaler Motionsvorrichtung dient das Schrauben- Handrad q. Weniger deutlich find die Figuren in Beziehung auf den dritten Haupttheil, der zum Zapfenfchneiden mittelft vier Circularfägeblättern S1, S2, S3 und S4, adjuftirt ift, von denen die zwei erfteren vertical an der Hauptwelle a aufgefteckt find, während die letzteren zwei horizontal liegend durch zwei feparate aufrecht ftehende Spindeln getrieben werden. Um an Raum zu gewinnen, ift das mit Zapfen zu verfehende Holz in verticaler Stellung an eine ebenfolche Führungswand befeftigt. Diefe ganze Führungsplatte kann entweder gegen die Mitte der Mafchine zu geneigt oder völlig weggenommen, die Sägeblätter aber können durch Fraisköpfe erfetzt werden. Selbſtverſtändlich ift eine Verftellung der verticalen Cirkelfägen in Beziehung auf ihre gegenfeitige Entfernung( um die Zapfen dicker zu machen), und eine Hebung oder Senkung der wagrechten Kreisfägen( um die Zapfen kürzer oder länger herzuftellen) ermöglicht. Zum Fefthalten des Holzes beziehungsweife zur Verftellung der aufrechten Tifchplatte und zum Neigen derfelben dienen die Schrauben t, t₁, to, tg und t4, die Kegelräder u, u₁, die Führung v und die Handhaben x, x1. Die Deutlichkeit der Darstellung wird noch gewinnen, wenn der Lefer einen Blick auf Fig. 28 wirft, welche ich dem Preiskataloge Worffam's entnommen habe. Sie ftellt den General- Joiner von der Seite aus dar, wo er den Zapfenfchneid- Apparat trägt. Fig. 28. Die bekannte Thatfache, dafs eine Circularfäge, wenn fie geneigt fteht, in eine ihr dargebotene Holzfläche eine Nuth fraift, konnte beim Worffam'fchen General Joiner vor den Augen des Publicums hundert Male in der Ausftellung Holzbearbeitungsmafchinen. 47 demonftrirt werden, da dem Univerfaltifchler eine finnreiche, einfache Vorrichtung beigegeben ift, durch welche man ein Kreisfägeblatt mehr oder weniger fchiefgeftellt einfpannen und daher mehr oder weniger breite( 3 bis 33 Millimeter) Nuthen fraifen kann.( Drunken faw apparatus.) Der foeben befchriebene Worffam'fche Univerfaltifchler koftet fammt diverfem Zubehör an Werkzeugen circa 2100 fl. Die Vorgelegwelle macht 600 Touren, die Treibrollen ineffen 320 Millimeter, erforderliche Betriebskraft 6 Pferde. Das in Wien exponirte Exemplar war ausgezeichnet gearbeitet und functionirte fehr zufriedenftellend; es wurde auch an einen Wiener Tifchlermeifter verkauft. Uebrigens fahen wir diefe Mafchine fchon im Sommer des Jahres 1872 in Verviers in den Werkstätten der Herren Houget& Teston arbeiten. Um einen Vergleich zu ermöglichen, bringen wir noch A. Ranfome's Univerfaltifchler in den Abbildungen, Fig. 29 und 30. Die Firma hat ihn unter dem Namen ,, Patentirter Complet- Tifchler" in den Handel gebracht, und gibt felbft aus Anlafs der Wiener Weltausftellung folgende Befchreibung: ,, Diefe Mafchine ift entworfen worden, um den Einwendungen, welche mit mehr oder weniger Grund gegen die als„ General-" oder", Univerfal- Tifchler" bekannten Mafchinen erhoben werden, entgegenzutreten. Sie verrichtet alle die folgenden Operationen auf eine durchaus befriedigende Weife und wird fo garantirt. Sägen.-Sie treibt Sägen bis zu 24 Zoll Durchmeffer und fägt Holz bis zu 8 Zoll Dicke. Querfchneiden.- Sie fchneidet Holz der Quere, nach irgend einer Länge bis zu 4 Zoll dick. - Hobeln. Sie hobelt, fpundet, federt, fchwartet ab, fügt und verftäbt in einer Operation Bretter bis zu 9 Zoll breit. Simshobeln.-Sie hobelt einfache oder doppelte Simfe irgend einer Form, auf allen vier Seiten, bis zu 9 Zoll breit. Rundbogenfriefen. Sie fchneidet Rundbogenfriefe irgend einer Form bis zu 3 Zoll breit. Ausnuthen. Sie fpundet Nuthen 1 Zoll bis zu 1½ Zoll breit. Zapfenfchneiden.- Sie ſchneidet einfache oder doppelte Zapfen in einer Operation. Stemmen. Sie ftemmt Zapfenlöcher von 1 Zoll bis 1½ Zoll breit, irgend einer Länge, in irgend einer Holzart. - Bohren. Sie bohrt Löcher von 1 Zoll bis 2 Zoll im Durchmeffer. Die Sägefpindel ift unabhängig von jenen der Hobel- und Simshobeleifen; die Operationen des Sägens und Hobelns oder Simshobelns können daher gleichzeitig oder allein, wie in zwei verfchiedenen Maſchinen, verrichtet werden. Der Sägetifch fteigt und fällt zum Ausnuthen, Ausfalzen u. f. w., und ift mit einem verbefferten Führungswinkel verfehen, welcher zu irgend einem Winkel gefetzt werden kann und an Scharnieren hängt, fo dafs er hinabgefchlagen werden kann am Ende des Tifches, im Falle die Säge zum Querfchneiden benutzt werden foll. Der Hobel- und Simshobel- Apparat ift permanent und ift daher ftets zum Gebrauch fertig. Die Spindeln des obern und unteren Schneidkopfs ruhen auf Lagern und auf beiden Seiten, wodurch Erfchütterungen vermieden werden und mit der Maſchine fehr reine Arbeit gethan werden kann. Das zu hobelnde oder zu fimshobelnde Holz wird durch ein Paar fich drehende Speifewalzen vorwärts gebracht, welche beide getrieben werden, wodurch eine fehr vermehrte Triebkraft erzeugt wird Die Zuführgefchwindigkeit kann nach der Holzart regulirt werden. Zapfen werden durch Eifen gefchnitten, welche fie viel genauer abfchlichten, als wenn fie gefägt werden. Doppelte Zapfen werden gefchnitten, in einer Operation, durch Mefferköpfe, welche an einer der aufrechten Schneidfpindeln. befeftigt find, wie es in der Abbildung gezeigt wird. Zapfen können mit Schultern 4 48 Dr. Exner. Fig. 29. ungleicher Länge geformt werden, indem man einfach die Stellung eines der Zapfenmeffer- Köpfe an der Spindel verändert. Sämmtliche Schneidfpindeln find von beftem weichkernigen Gufsftahl und die Lager find fo conftruirt, dafs fie grofse Gefchwindigkeiten aushalten. Sie find alle felbftfchmierend und vergeuden kein Oel." Gewicht. Nöthige Dampfkraft im Durchfchnitt. Durchmeffer der Rollen der Sägefpindel. Durchmeffer der Rollen der Trieb. fpindel für das Hobeln. Gefchwindigkeit der Sägefpindel. Gefchwindigkeit der Triebfpindel für das Hobeln. Preis 1540 Kilo. 4 Pferdek. 8 Zoll. 8 Zoll. 1500 Rev. 1500 Rev. 215 Pf. St. 15 Schill. Die beiden Beiſpiele charakterifiren denn zur Genüge die englifchen Conftructionen des General Joiner. Mit Ausnahme der englifchen war nur noch ein einziges, und zwar ein deutfches Exemplar in der Ausftellung. Die Schmaltz'fche Univerfaltifchler Bank zeichnet fich vor Allem durch ihre Billigkeit aus; allerdings kann fie auch kaum mit den englifchen Mafchinen diefer Art verglichen werden. Sie enthält auf einem hölzernen, vierbeinigen Tifch: eine Kreisfäge mit vertical verftellbarem Blatt bis o 6 Meter Durchmeffer, Univerfalführungen zum Längs-, Quer- und Schrägfchneiden, Nuthen- und Zapfenfchneiden; einen vor der Spindel befindlichen Querfupport mit Vorrichtung zum Bohren, Langlochbohren und Fraifen; Hobelvorrichtung mit felbftthätigem Walzenvorfchub für kleine Carniesleiften; am Geftell befindliche Vorgelege für zwei Gefchwindigkeiten. Sammt Zubehör und Werkzeugen, 800 Kilogramm Gewicht( halb fo fchwer wie die englifchen), Preis 650 Thaler. Bei der relativen Nützlichkeit und dem relativen Werthe der Mafchine glauben wir, dafs auch die Schmaltz'fche Mafchinencombination eine gewiffe Berechtigung und Empfehlungswürdigkeit hat. Holzbearbeitungsmafchinen. Fig. 30. FATENTEES.. HARE 49 2. Combinirte Maſchinen für fpecielle Zwecke. Unter den in der Ausftellung vorhandenen combinirten Mafchinen, welche beftimmten Branchen der Holzinduftrie zu dienen berufen find, waren allerdings viele gute Bekannte, welche fich entweder von früheren Ausstellungen her in die Werkstätten Bahn gebrochen hatten oder aber aus den Ateliers ihrer Conftructeure ihren Weg direct zu vielfeitiger Anwendung fanden. So fahen wir wieder die vortreffliche Zinken- Schneidmafchine nach dem Patente Armstrong Davenport, welche der Hauptfache nach aus zwei fchiefftehenden Circularfäge- Blättern mit zum Theile umgeftülptem Rande befteht, und von Robinfon& Son in Rochdale und von Hartmann in Chemnitz fo vollendet gebaut wird. Erftere Firma hat fie zur Ausftellung gebracht. Die Mafchine ift nicht nur durch die technifche Literatur, fondern auch durch ihre ziemlich häufige Anwendung in der Praxis( auch im k. k. Arfenal in Wien ift feit einer Reihe von Jahren diefe Mafchine in Function) bekannt geworden. Ein deutfcher Ausfteller Ad. Moritz in Schwerin, hatte an einen Pfeiler der M afchinenhalle angelehnt, ziemlich verfteckt, ein Mafchinchen zum Spalten des fpanifchen Rohres für Rohrflecht- und Korbwaaren Fabriken exponirt, welches fich nicht wefentlich von den bereits in allen gröfseren Etabliffements eingeführten Maſchinen unterfchied. In dem durch die Stuhlfitz- Flechterei in der Nähe der Koritzfchan'er Thonet'fchen Fabrik entstandenen Etabliffement von Johann Platzer, wohl einem der gröfsten feiner Art in Oefterreich, find folche Mafchinen feit Jahren in Thätigkeit. Aufser diefen bekannten Specialmafchinen waren jedoch auch einige vollkommen neue exponirt. Sie waren vielleicht, die eine oder andere, fchon in einer Zeitungsnotiz erwähnt worden, aber man hatte zum erften Male Gelegenheit, fie zu fehen oder gar bei der Arbeit zu beobachten. Eine Bohr- und Stemmmafchine zur Herftellung von Radnaben von Rodgers& Comp. in Norwich ift geeignet, die in Amerika fo hochentwickelte Fabrication von Wagenrädern in der praktifcheften Weife zu unterftützen. Eine ziemlich complicirte Frais- und Bohrmafchine zur Herftellung der durch Fig. 31 in Anficht und Profil naturgrofs verfinnlichten Eckverbin dung von zwei aufeinander fenkrecht ftehenden Brettern bei Kiften, Tifchund Schrank- Schubladen und Fächern aller Art von Knapp in Northampton, Maffachuſetts, zog mit Recht die allgemeine Aufmerkfamkeit auf fich. Die Eckverbände find überaus dicht und nett, fo dafs fie fich für die feinfte Möbel4* 50 Fig. 31. Dr. Exner. arbeit eben fo gut eignen, wie für Kiften. Die ruffifche Regierung foll mit Kiften diefer Art Proben vornehmen, ob fich diefelben zum Verfandt von Schiefspulver eignen. Wenn man nun gar das amerikanifche Nufsholz und Whitewood zu einem folchen Eckverband verwendet, fo erhält man überdiefs eine fehr hübfche Ornamentation der Aufsen feite der Kifte. Auch eignen fich gewifs nicht alle Holzarten fo gut wie die genannten zur Bearbeitung durch diefe Mafchine. Das eine Brett wird durch eine Fraife, das andere gleichzeitig an der zugehörigen Stelle durch einen Bohrer und durch drei zufammen einen Halbkreis ausftechende Stemmeifen formirt. Die Knapp'fche ,, AmeDove- tailing- machine", welche fchon auf der Induftrie- Ausftellung 1871 in Cincinnati den erften Preis gewann, koftet 450 Dollars loco New- York und arbeitet fo rafch wie 10 Männer, welche einen gewöhnlichen Zinkenverband herftellen wollen.* rican - die Einem foeben erfchienenen, fehr gediegenen Berichte des Profeffors Meidinger( Bad.Gewerbezeitung 1874, Nr. 5 und 6) über Bürften waaren entnehmen wir, dafs ein gewiffer Herr Brender in Todtnau eine Bürften Bohrmafchine exponirt hat, die einzige vorhandene- von der Jury beifällig aufgenommen worden ift. Wir müffen geftehen, dafs fie uns entgangen ift. Dagegen haben wir wohl die Bürfteneinzieh- Mafchine von Woodbury bewundert. Bei diefer Mafchine wurden von Mafchinen fehr exact vorgebohrte Bürftenhölzer verwendet, welche man aus Amerika mitgebracht hatte. Ebenfo wie hier unfere Wifsbegierde unbefriedigt blieb, war es bei jener Schuhmafchine in der amerikanifchen Abtheilung der Fall, welche aus einem fpiralförmig zufammengerollten Band aus Ahornholz, das auf einer feiner fchmalen Seitenflächen zugefchürft war, fich die einzelnen Schuhftifte( von deutfcher Form) heraus- und fofort in die Schuhfohle hineinfchlug. Auch bei diefer Mafchine, fo fehenswerth fie war, hätte uns mehr jene zu ftudiren gelüftet, deren Product wir hier als Hilfsmaterial vorfanden, ohne ihre Wirkungsweife näher zu kennen. Wir haben hier ein paar Beiſpiele von Specialmafchinen erwähnt, deren Abwefenheit uns auffiel. Es wäre uns indeffen ein Leichtes, eine lange Lifte von neuen, bereits ziemlich renommirten Mafchinen anzuführen, welche wir in der Ausstellung vergebens fuchten. Es fcheint faft, als würden fich folche zu fpeciellen Zwecken beftimmte und in einer verhältnifsmäfsig kleinen Zahl von Etabliffements verwendbare Mafchinen vor der Oeffentlichkeit fcheu zurückziehen und lieber verborgen, in ihrem engen Wirkungskreife, fortwirken. * Eine Skizze von diefer Mafchine findet fich in dem Werke: Description des machines par Hippolyte Fontaine, Paris 1874. Holzbearbeitungsmafchinen. 51 VII. Mafchinengruppen für beftimmte Zwecke. Die meifte Anziehungskraft üben auf das Publicum der Ausstellungen jene Suiten von Werkzeugsmafchinen, welche Gegenftände, die nach der allgemeinen Anficht der Handarbeit vorbehalten find, vom Rohen bis zur vollftändigen Vollendung vor den Augen der Befucher herftellen Eine auf mechanifchen Proceduren bafirende Fabrication wird eben einer Serie von Mafchinen bedürfen, welche eine nach der anderen das in feiner Ausfertigung fortfchreitende Werkstück übernehmen, bearbeiten und weitergeben. Ift das Etabliffement dazu beftimmt, ein gewiffes, wenig Abwechslung zulaffendes Product zu liefern, fo wird man die Mafchine in Hinblick auf die Eigenart des Erzeugniffes organifiren, und fo bilden fich eben mehr oder weniger originelle und fcharffinnig angeordnete„ Mafchinengruppen für fpecielle Zwecke". Die Holzbearbeitung bot dem Mafchinenconftructeur eine grofse Zahl von Problemen dar, welche früher oder fpäter durch Mafchinengruppen von der Handarbeit emancipirt wurden. Die Erzeugung von Zündhölzchen, Schuhftiften, Chairnägeln, Schuhleiften, Stühlen, Brennholz, Fenfterrouleaux und Jaloufien etc. ift nach und nach dem mechanifchen Fabriksbetriebe überantwortet worden. Zwei Probleme haben indeffen bis in die neuefte Zeit dem mechanifchen Genie getrotzt. Es find diefs die Verdrängung der Handarbeit in der Korkpfropfen- Darftellung und in der Böttcherei. Die Wiener Weltausstellung hat zwei hochwichtige Beiträge zur Löfung der beiden Aufgaben geliefert. Die Kork- Schneidemafchinen von E. Boëthius und die Kübelmafchinen von Baxter D. Whitney bildeten vielbefprochene und bewunderte Hauptftücke der Wiener internationalen Expofition. Wenn man die Patentliften durchblättert, oder die technifche Journalliteratur verfolgt, fo wird man fehr häufig Vorfchlägen begegnen, welche auf die endgiltig zu acceptirende Korkpfropfen- Mafchine abzielen. In den letzten 10 Jahren erfcheinen in dem englifchen Patentregifter allein 26 Erfinder von Propfenfchneidemaſchinen. Die Urfache diefes häufigen Auftretens von Verfuchen ift einerfeits der hohe Preis der Handarbeit, der fich immer einftellt, wenn grofse Uebung und genaue Vertrautheit mit dem Materiale unerlässliche Bedingungen find, andrerfeits aber, dafs die Aufgabe unendlich fchwierig zu bewältigen war. Die nachgewiefene grofse Gefundheitsfchädlichkeit der Pfropfenmanufactur für den Arbeiter und die geringe Zahl gefchickter Korkfchneider machen aber einen vollgiltigen Erfatz der Hand durch die Mafchine dringend wünfchenswerth. Es iſt unentfchieden, ob die auf dem Princip der„ Rohr." oder„ Tubus-" meffer beruhenden, oder die ein Circularmeffer in Bewegung fetzenden, oder endlich jene Mafchinen die beften find, welche mit ebenen, geraden( dem Handwerkzeug völlig gleichenden) Meffern functioniren. Die Hauptmafchine von E. Boëthius in Stockholm fcheint nach dem, was wir in der Ausftellung, wo fie in Thätigkeit gefetzt war, beobachten konnten, ein überaus gelungener Verfuch zu fein, die mit einem ebenen geraden Meffer armirte Hand erfolgreich nachzuahmen. Das Schneiden der Korke wird mit den Mafchinen von Boëthius in vier Operationen bewerkstelligt. Bekanntlich wird der Kork vor der Bearbeitung genäfst. Wenn er im Innern genügend wafferhältig aber die Oberfläche fchon etwas abgetrocknet ift, fo wird er von einer Mafchine quer zu feiner Längsfafer in beliebig breite Streifen gefchnitten. Diefe Breite gibt die Länge der anzufertigenden Pfropfen, welche fich ihrerfeits wieder nach der Dicke richtet, die der Kork erhalten foll. Der nächfte Mechanismus, den der Kork paffirt, dient dazu, die 52 Dr. Exner. Streifen zu egalifiren, das heifst, ihnen überall die richtige gleichmässige Dicke zu geben. Die beiden Mafchinen liefern Materiale für fünf RundfchneideMafchinen. Die dritte Mafchine fchneidet den Streifen in parallelopipe difche Stücke, bei denen jetzt ihre Länge der Dicke des Streifens entfpricht. Diefe Parallelopipede zeigen nun fchon die Dimenfionen des werdenden Pfropfens. Bei allen den drei erwähnten Mafchinen find Circularmeffer in Verwendung, welche während der Action durch Schleifapparate fcharf erhalten werden; auch find diefe fämmtlichen Mafchinen felbft thätig eingerichtet. Diefe drei Mafchinen arbeiten nach der Verficherung des Vertreters der Firma, eines intelligenten Ingenieurs( L. A. Groth), zwei bis vier Wochen, bis die Meffer herausgenommen und von der Hand regelrecht nachgefchliffen werden müffen. Die vierte Mafchine ift die Hauptmafchine; fie ift auch am complicirteften und erfordert die umfichtigfte Leiftung Die Rundfchneide Mafchine befteht dem Wefen nach aus einem ebenen, geraden Meffer, das nach jedem Schnitte mittelft rotirender Scheiben gefchärft wird und aus einem Paar von Drehfpindeln, welche den Kork in der Regel im Mittelpunkte der breiten quadratifchen Stirnflächen erfaffen, ihn aber auch nach der Willkür des Leiters der Mafchine aufserhalb diefes Mittelpunktes erfaffen können. Durch eine geeignete Vorrichtung können die Korke auch in elliptifcher Form durch das Meffer herausgefchält werden, wenn es die Befchaffenheit des Rohftückes erfordert. Da die Mafchine die Handarbeit copirt, müffen nur die fehlerhaften Stellen nachgearbeitet werden, während bei der„ Rohrmafchine" die ganzen Korke nachzuputzen find. Herr L. A. Groth ftellt uns folgende Mittheilung zur Dispofition, die intereffant genug ift, um hier reproducirt zu werden. ,, In der Fabrik, welche der„ Korkfabrik- Actiengefellfchaft in Stockholm" gehört, werden jetzt auf fünf Rundfchneide- Mafchinen mit dazu gehörenden Theilungs-, Schälungs-, und Zerftückungsmaschinen 1600 Ballen Kork im Jahre zu ungefähr 20 Millionen Pfropfen verarbeitet. Mitdem Betrieb genannter Maſchinen find zehn Frauen und Kinder befchäftigt. Zum Schneiden des Abfalls werden fünfzehn Perfonen angewendet. Schliefslich werden dreizehn Perfonen mit dem Sortiren befchäftigt, wobei die allergröfste Genauigkeit beobachtet werden mufs; aber diefe Anzahl könnte reducirt werden, nachdem Herr Boëthius einen Apparat erfunden, der den Kork der Gröfse nach fortirt, wonach nur ein Sortiren nach der Qualität erübrigt. Das ganze Perfonal in diefer Fabrik, an den Mafchinen u. f. w. mit eingerechnet, macht eine Anzahl von 45 Perfonen aus, welche Anzahl beibehalten werden wird, obgleich die Fabrication um 50 Percent erhöht werden foll. Diefes Perfonal entſpricht alfo einer Anzahl von 150 Perfonen in einer Handfchneide- Fabrik." " 9 Die Vortheile des von Herrn Boëthius erfundenen Mafchinenfyftems find in Folgendem zufammenzufaffen: 1. Eine Herabfetzung der Verfertigungskoften des Fabricats wird gewonnen, welches den bisher gewöhnlichen Gewinn von diefer Induftrie in bedeutendem Grade erhöht. 2. Der Anwendbarkeit des Syftems für alle Arten von Rindenforten zufolge kann dasfelbe in Fabriken in grofser Scala angewendet und der Rohftoff direct vom Ausfchiffungsorte verfchrieben werden, wodurch ein nicht unbedeutender Gewinn entsteht. Die Arbeitskoften werden in höchft bedeutendem Mafse herabgefetzt und der Preis im Verhältniffe zur Qualität ebenfalls. 3. Die Güte der Waare fichern dem Fabricat einen vollſtändigen Verkauf. Befonders mag hier erwähnt werden, dafs fich diefe Mafchinen für Wein- und Porter Korke eignen. * Nach obiger Quelle fchneidet das Meffer etwa 15.000 bis 50.000 Korke, ehe es herausgenommen und durch die Hand gefchliffen werden mufs. Holzbearbeitungsmaschinen. 53 4. Das Korkfchneiden verfchwindet aus der Kategorie der fchädlichen Gewerbe, fo dafs diefe Arbeit für die Gefundheit nicht fchädlicher wird, als die meiften anderen Fabriksarbeiten. 5. Der Fabrikant kann fein Gefchäft ungeftört betreiben, ohne, wie bei der Handarbeit, von den Launen oder der mehr oder weniger grofsen Ordnungsliebe feiner Arbeiter abhängig zu fein." Die Kübelmaschinen von B. D. Whitney, welche wie die Korkmafchinen von Befuchern immer förmlich belagert waren, find fchon in der tech nifchen Literatur mehrfach erwähnt worden. Am ausführlichften befpricht fie der ,, Engineering", Deutfche Ausgabe I. Band, 4, doch ift auch diefe Mittheilung eine fehr oberflächliche. Da die Mafchinen Whitney's eine eingehende techniſche Darftellung verdienen, fo haben wir für diefelben eine befondere Publication vorbereitet, indem wir die Mafchinen genau aufgenommen und alle technifchen Daten erhoben haben. Eine folche Behandlung würde indeffen weit über den Rahmen des vorliegenden Berichtes hinausgreifen, und wir befchränken uns daher, nebft dem Hinweife auf die in Ausficht ftehende Bearbeitung und mit dem Bemerken, dafs wir, fo wie für alle abgehandelten Gegenftände, auch für die Kübelmaschine Jedermann zu näheren Auskünften zur Verfügung stehen, auf folgende kurze Mittheilung. Die Dauben für die Kübel werden durch eine Cylinderfäge aus dem Rohen gefchnitten; fie find daher fowohl auf der convexen als auf der concaven Seite nach einer genau cylindrifchen Fläche abgerundet. Die Herftellung einer folchen Cylinderfäge ift nicht fehr einfach, denn fie beſteht aus einem Stahlring, welcher mit einem Eifenblech- Cylinder zufammengefchweifst und dann präcife abgedreht werden mufs. Die Dauben haben convergirende Seitenflächen, von denen die eine eine Feder, die andere eine Nuth angefraift erhält. Die Dauben find alfo untereinander verfpundet. Ueberdiefs enthält der Set von Mafchinen- Fraifen für die Abrundung der Dauben an ihren Enden, für Herftellung des Bodens und zur Einfügung des felben Vorrichtungen zum Abputzen mit Glaspapier, zum Aufziehen der Reifen etc. Das Product ift ein überraschend fchönes, beftechendes, obwohl dasfelbe per Stück nur auf 30 Kreuzer zu ftehen kommt, wovon 10 Kreuzer auf das Holz, 10 Kreuzer auf die Reifen und 10 Kreuzer auf die Herftellung entfallen. Die ganze Mafchinengruppe, mit der man täglich 1000 Kübel zu erzeugen im Stande ift, koftet nur 1200 Dollars. Exner. Holzbearbeitungs- Maschinen. n Originalzeichnung m q P S. WORSSAM& Co PATENT GENERAL JOINER. - - X d Aufrifs. k a a A Su S S₁ 3 X 1 Taf. I. K. k Hof- u. Staatsdruckerei. Exner. Holzbearbeitungs- Maschinen. S. WORSSAM& Co PATENT- GENERAL- JOINER. Grundrifs, Originalzeichnung m P 9 6 k h A a a a U Ալ S, S Taf. II. K. k. Hof- u. Staatsdruckerei.