OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3. TRANSPORTMITTEL UND ANDERES BETRIEBSMATERIAL FÜR EISENBAHNEN ( Gruppe XIII, Section 4.) BERICHT VON EMIL TIL P, Majchinen- und Werkstätter- Ober- Infpector der Kaifer Franz Jofefbahn. Mit Zeichnungen und Tabellen. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREL 1873. 70281EFT 2- BEBICHI VORWORT. Nach dem Programm der officiellen Berichterstattung über die Wiener Weltausftellung 1873 foll der officielle Bericht noch ,, während der Feier des internationalen Feftes abgefafst und aufgelegt werden". Diefe Beftimmung zu erfüllen, übergibt die gefertigte Redaction des officiellen Berichtes in der vorliegenden Form die einzelnen Sectionsberichte der Oeffentlichkeit und glaubt damit den Befuchern der Weltausftellung das Studium derfelben wefentlich zu erleichtern. Nur eine Bemerkung fei an diefer Stelle geftattet. Der vorliegende, wie jeder andere während der Weltausftellungs- Feier publicirte Bericht wird einen Theil des officiellen Berichtes bilden, welcher nach dem Schluffe der Weltausftellung als ein Ganzes erfcheinen und die wiffenfchaftlichen Refultate der Ausstellung für die Dauer erhalten foll. Diefs mag dem Lefer die ftiliftifche Form, in welcher bereits die Vergangenheit der Ausftellung angenommen ift, erklären. PROFESSOR DR. CARL TH. RICHTER, Chefredacteur des officiellen Berichtes. ** Тя biod of mob doen isdblow, to TRANSPORTMITTEL UND ANDERES BETRIEBSMATERIAL FÜR EISENBAHNEN. ( Gruppe XIII, Section 4.) Bericht von EMIL TIL P, Mafchinen- und Werkstätten- Ober- Infpector der Kaifer Franz Jofefbahn. Mit Zeichnungen und Tabellen. www EINLEITUNG. Die Anfprüche des Weltverkehrs an die modernen Transportmittel find in vielfeitiger und rafcher Steigerung begriffen. Das Eifenbahn- Wefen, wie es aus feinem Mutterlande Britannien und durch deffen und theilweife durch amerikanifche Ingenieure auf dem Continente eingeführt wurde, konnte den Verhältniffen, hier gewaltiger in Bezug auf techniſche Schwierigkeiten und commercielle Complicationen, fowie auf räumliche Gröfsen, nicht lange genügen, und fo kam es, dafs die Geftaltung der Verkehrsmittel in mannigfacher Art wechfelte und jetzt noch in fteter Umwandlung begriffen ift, während die correfpondirenden Verhältniffe des kleinen Infelreiches mit feinen kurzen und ebenen Verkehrslinien feither nahezu diefelben blieben. In Kurzem laffen fich die Aufgaben der Transportmittel formuliren: Bei den Motoren, in gröfsere Leiftung bei erhöhter Gefchwindigkeit für Eilzüge der Hauptbahnen, Schaffung von Gebirgsmafchinen, von Loco motiven für Secundärbahnen; bei den Wagen, in Erhöhung der Bequemlichkeit und gefundheitlichen Vorkehrungen durch Verpflanzung der Einrichtungen des Salons, Wohn- und Schlafzimmers ins Coupé. Wenn die Erfindung des Locomotivs, als Prototyp alles modernen Transportes, für immer den genialen Köpfen Englands gedankt werden mufs, ift die Fortbildung desfelben und Durchgeiftigung der Conftruction bis in die kleinften Details der Locomotiven und Wagen wohl auch Amerikas, ganz überwiegend und wefentlich aber das Verdienft Deutfchlands, Oefterreichs und Belgiens, während Englands Typen in den übrigen Ländern noch lange und theilweife bis gegenwärtig die gleichen und herrfchenden blieben. Theuere Kohlen, meift von minderer Güte, fchwierige Tracen, ja die Anlage von Schienenwegen in Gebirgen und Alpen erheifchten in erfter Linie andere Motoren, und es war Oefterreich, welches mit und fchon vor dem Semmeringbaue die Initiative zur Conftruction ftärkerer und doch ökonomifcher arbeitender Laftmafchinen ergriff und damit eine ganz neue Richtung anwies. Es find faft 30 Jahre, dafs die erften Sechs- und Achtkuppler überhaupt, und zwar in Wien erbaut wurden. letztere mit verfchiebbarer Hinterachfe. I 2 Emil Tilp. Schon damals war man auf Erreichung gröfster Adhäfion und Heizfläche, vorerft durch grofse und lange Keffel, ausgegangen; die wefentlichere Vergröfserung der directen Heiz- und der Roftfläche ift erft feit einigen Jahren allgemein erkannt und acceptirt worden, wie die Parifer Ausftellung fchon zum Theile, die unferige ganz entfchieden zeigte. Oefterreich hat fomit unftreitig den Impuls gegeben für die Verhältniffe, nach denen die Laft- und noch mehr die Gebirgsmafchinen der Gegenwart gebaut werden. Was insbefondere die letztgenannte Locomotivgattung anbelangt, fo find alle neueren Syfteme aus den Typen der Semmeringlocomotiven gefchöpft und wefentlich Neues ift keineswegs zu Tage getreten. Die vielbefprochenen Syfteme Fairlie und Meyer find nichts Anderes als Wiedergeburten der Semmeringmafchinen, ,, Seraing"( conftruirt von dem Deutfchen Lausmann)* und ,, Neuftadt", entworfen vom Conftructeur Franke; ja es haften namentlich der Type Fairlie heute noch diefelben Mängel an, die ihre Vorgängerin hatte, und die in dem Betriebe der Gebirgsftrecke Poti- Tiflis hervortreten follen. Doch foll den genannten beiden als neu aufgetauchten Syftemen die Anerkennung nicht benommen fein, dafs fie in der Detailanordnung vielfach geiftreich und geradezu genial ausgeführt find und mit Benützung aller neuen Fortfchritte ganz auf der Höhe des entwickelteften Locomotivbaues ftehen. Ferner mufs der Semmeringæra noch zuerkannt werden, dafs auch Fell's Syftem fchon in dem Kraufs'fchen Projecte, die Zahnftangen- Bahnen im Staate New- York und auf dem Rigi, wenn auch in anderer Weife und abweichend in der Zahnkuppelung der Semmeringbahn und endlich in Patenten enthalten waren, welche an Oefterreicher fchon viel früher ertheilt worden find. Ebenfo wenig konnte der englifche Typus der Perfonen- und Eilmafchine für die continentalen Verhältniffe vorhalten, weil letztere nicht kurze, leichte und fchnell fahrende, fondern ftark befetzte und doch mit 30, reſpective 45 Kilometer verkehrende Züge erforderten und von den ungekuppelten, übermässig hohen englifchen Triebrädern daher abgegangen werden musste. In neuefter Zeit verurfachen aber Concurrenz und allgemeines Bedürfnifs nach gröfserer Zeiterfparnifs das Hinausgehen bis 70 und 75 Kilometer per Stunde, alfo die Anwendung gröfserer Räder, natürlicher Weife gekuppelt, und fchwererer Mafchinen. Was die hohen Raddurchmeffer betrifft, fo fcheint die Furcht vor zu grofser Kolbengefchwindigkeit der bei uns gebräuchlichen Räder von 158 bis 174 vielleicht übertrieben; gröfsere Räder bringen die Verlegung der Trieb- oder Kuppelachfe unter oder hinter die Feuerbüchfe und geringere Adhäfion mit fich. Der refultirende und auch erwünſchte gröfsere Radftand ift mifslich für Bahnen mit fcharfen Curven, bedingt alfo die Anwendung von Truckgeftellen oder beweglichen Achfen. An den ausgeftellten Eillocomotiven war diefs Raifonnement durchaus erkennbar. Unftreitig ift es eine fchwierige Aufgabe, eine fchwere Eilmafchine zu entwerfen, die bei enormer Leiftung grofse Beweglichkeit in fcharfen Curven und günftige Radbelaftung vereinigt, und fie wird erft gelöft fein, bis ein vollkommen ruhig und ftetig geführtes bewegliches Geftell vorhanden fein wird. Die üblichen Dreh-, Deichfel- und Pendelgeftelle, feitlich gerade und radial verfchiebbare Achfen, erfüllen keines vollkommen die Bedingung ftetigen Ganges in gerader Bahn und es werden fteife Maſchinen folcher Art nur auf wenigen grofsen Bahnen Deutfchlands, Rufslands, Frankreichs und Ungarns zweckmäfsig fein, daher ein bewegliches Geftell mit einer oder zwei Achfen, welches in jeder Richtung gezogen, nicht aber gefchoben wird, erforderlich ift. Nachdem grofse Leiftung fchwere Mafchinen und in Folge deffen entfprechenden Oberbau bedingt, kann das Bedauern nicht unterdrückt werden, dafs fich die Bahn- und Mafchinen- Baumeifter da nicht entgegenkommen. Für folche fchwere Eilmafchinen, wie fie der moderne Verkehr verlangt, haben die * Die Fairlie- Locomotive", von Alfons Petshold. Berlin, Verlag des ,, Cyclop". S. 19. 23 Transportmittel und anderes Betriebsmaterial für Eifenbahnen. 3 Schienenftränge immer noch nicht die erforderliche Stabilität gegen feitliches Verfchieben und Umwerfen, und auch die neueren Oberbau- Syfteme tragen mit wenigen Ausnahmen, wie man felbft auf der Ausftellung fehen konnte, dem nicht genug Rechnung. Der Mechaniker kann blofs durch gute Gewichtsvertheilung, günftige und tiefe Schwerpunkts- Lage, die durch hohe Räder und grofsen Keffel aber schon befchränkt wird, durch Aufsenlegung der Rahmen, und allenfalls Anwendung des Hall'fchen Syftemes, welches den fchädlichen Hebelarm zwifchen Kolben- und Lagermitte am meiften kürzt, helfen; das Schlingern auf gerader Bahn und Anlegen in Curven kann er nie vermeiden, da die Schienenftränge in keiner Richtungsebene mathematiíche Linien bilden. Mit Hall's Syftem erfchienen ausgeftellt die ungarifchen drei Sechs- und Achtkuppler; Borfig's Mafchine hat die Triebachfe darnach eingerichtet, und Maffei's Laftlocomotiv. Wie prägnant all' diefe angeführten Umftände in den Motoren zu Tage treten, zeigte die Wiener Ausftellung in hervorragender Weife. Gleich inftructiv brachte fie auch eine reiche Fülle folcher Verkehrsmittel für Rangirzwecke auf Stationen und für Secundärbahnen. Diefe letzteren, das fei gleich hier erwähnt, find beftimmt, gleich den Communal- und Feldwegen im Strafsenfyfteme, der Verbindung der Hauptbahnen mit dem localen Verkehre zu dienen. deren befte Anordnung find alle techniſchen Geifter in grofser Erregung begriffen und kaum bis zur Feftftellung der beften Spurweite gelangt. So fahen wir faft ein Dutzend Locomotiven für folche Zwecke ausgeftellt, mit der Spurweite von 670 bis zur normalen. Ueber Es muss die Ausstellung der Locomotiven, welche obigen Ausführungen deutliches Relief verlieh, höchft reichhaltig und vielfeitig genannt werden, fowohl in Bezug auf Zahl der Objecte, als auch auf die durch fie verkörperten Syfteme und Ideen. Hatten die Ausftellung von 1862 den Duplex und die Steyerdorf, von 1867 ein Fell- Locomotiv, fo haben wir unfere Typen Meyer, Belpaire, Stainz und die der Südbahn aus G. Sigl's Fabrik, eine reiche Collection ftarker Eil-, Perfonen- und Laft, dann Gebirgs- und Secundär Bahnlocomotiven entgegenzuftellen. Epoche machende Erfindungen von ungewöhnlicher Tragweite konnten indefs umfoweniger erwartet werden, als anlafsgebende neue Aufgaben feit 1867 nicht geftellt worden waren, und die Fabriken überdiefs mit Schaffung der Objecte für die dem Eifenbahn- Baue fo fruchtbare Aera vollauf zu thun hatten. Wenn Amerika gar nicht, England nur fchwach, Frankreich, Italien und Rufsland etwas beffer ausgeftellt, fo waren Oefterreich, Deutfchland und Belgien geradezu impofant vertreten, und wenn etwas zu vermiffen, fo war es eine der neuen Exprefslocomotiven Englands, z. B. der Great- Northern- Bahn, ein Locomotiv der Rigibahn, Sigl's transportables Locomotiv für Bahnbau und Materialzüge und befonders eine Mafchine für Secundärbahnen mit dem Grund'fchen Apparate zur Begrenzung der Maximalgefchwindigkeit; dagegen entfchädigten uns viele höchft intereffante, namentlich belgifche Neuconftructionen. Mag man auch zweifeln, ob die meiſten derfelben von fruchtbarer Nachbildung gefolgt fein werden, nichts deftoweniger gebührt dem Erfindungs- und Conftructionsgeifte, wenn er derart auftritt, Dank und Ehre für die Anregung neuer Ideen, wie ja auch der feinerzeit belächelte Semmering eine neue Aera von Fruchtbarkeit und hoher Folgen für das gefammte Eifenbahn- Wefen inaugurirte. Das Entwerfen auf dem Papiere iſt ja minder von directem Nutzen im Maſchinen- Bauwefen, als die directe Conftruction wie fo viele grofse Erfindungen zeigen, z. B. der franzöfifche Injector, die Stephenson'fche Expanfionsfteuerung und viele andere, die erft nach der praktifchen Ausführung Rifs und Theorie erhielten. Nicht minder hat die Conftruction der Details in den letzten Jahren Fortfchritte gemacht und war deutlich fichtbar, dafs die Empirie mehr und mehr von 4 Emil Tilp. richtig angewandter Theorie verdrängt wird, ohne den praktifchen Verfuchen grundfätzlich aus dem Wege zu gehen. Indefs ift die damals gefchöpfte Vorausficht, dafs das Material der Dampfkeffel ausfchliefslich Stahl fein werde, nur bedingungsweife eingetroffen, denn alle Länder mit fchlechtem, kalkhältigem Speifewaffer ziehen das Eifenblech noch vor, weil feine gröfsere Dicke und Homogenität der Corroſion mehr Widerftand leiften, weil es nicht fo empfindlich ift gegen rafche Temperaturänderung während der Anarbeitung und des Keffelbetriebes, weil es leichter zu bearbeiten und zu erhalten ift, Vortheile, welche die unwefentliche Gewichtserfparnifs des Stahles reichlich aufwiegen. Schweden führte kalt gebogene Keffelbleche aus Martinftahl vor. Die Verfteifung der Feuerbox- Decken mittelft eiferner Stehfchrauben anftatt der fchweren, mit Keffelftein bald verlegten Deckenbarren ift fchon früher durch Belpaire angewandt, neueftens durch Becker in der Art wefentlich verbeffert worden, dafs die Radien der nach den inneren und auch äufseren Seitenwänden ablaufenden Hohlkehlen möglichft grofs angenommen, wodurch mehrere Reihen Stehfchrauben wegfallen und die Anordnung derSiederohr- Wände erleichtert, das fcharfe Abbiegen in den Kanten vermieden und an abfolutem Gewicht erfpart wird. Haswell conftruirt die Decken der inneren Feuerbüchfen ganz ohne Schrauben und Anker, verfteift fie durch wellenförmige Ein- und Ausbiegungen normal auf die Keffelachfe, wie feine ausgeftellten Locomotiven„ Stainz", , Orient" und Refchitzas ,, Hungaria" zeigten. " Fink's Conftruction ift auch einfach, indem er die Decke nach abwärts wölbt und durch horizontale U- Träger, nach der Keffelachfe laufend, feftigt( ift ausgeführt, aber war nicht ausgeftellt). Die Seiten- Stehbolzen führte man auch hier und da aus Beffemerftahl aus, gab es aber wegen baldigem Angriff der Gewindgänge durch fchlechtes Waffer bald auf, wie überhaupt bemerkbar ift, dafs Beffemer- und felbft Gufsftahl, wahrfcheinlich wegen ungleicher Textur, der Corrofion weniger widerftehen als felbft Eifenblech und- Bolzen minderer Güte. Als Materiale für die Siederohre wird Eifen, bei fchlechtem Waffer Meffing, ftets in gezogenen Röhren, verwendet. Da man mit Recht und Vortheil hohe Dampffpannungen, bis 12 Atmoſphären, acceptïrt, nietet man auch die Quer- und Langwechfel der Keffel doppelt. Es unterliegt keinem Zweifel, dafs man künftig noch höhere Drucke verwenden und mit höherer Expanfion arbeiten wird. Die Fortfchritte der Blechfabrication allenthalben geftatten, die Ringe der Keffelcylinder, wenn nicht immer aus einem, fo doch aus zwei Blechen zu machen, deren Fugen in die Seiten verlegt werden, weil fie am Bauche durch das Beftreben des Dampfes, die vollkommene Kreisform herzuftellen, im Verein mit angreifendem Waffer bald Rinnen von gefährlicher Tiefe bilden. Die Speifung ift faft überall durch zwei ungleich grofse Injectoren angenommen, nur in Frankreich, dem Mutterlande diefer Erfindung, liebt man es, eine Kolbenpumpe, getrieben durch die Achfe und nur einen Injector anzuwenden. Die gröfste Verbreitung haben feit 1867 die Injectoren Friedmann's erlangt, wegen ihrer Einfachheit und ficheren Wirkung innerhalb grofser Grenzen des Druckes und der Temperatur; feither find neue Injectoren aufgetaucht von Fink( am Locomotiv ,, Stainz"), die fehr gelobt werden, und Dixon, ausgeftellt in mehreren Exemplaren und im Modell. Auch Syftem Schau wird hier und da noch verwendet, wie auch der urfprüngliche Giffard in mehreren Geftalten, endlich der von Kraufs, einer der erften Verbefferer Giffard's. Gegen den Keffelftein find in neuefter Zeit wirkfame Mafsregeln erdacht worden. An der Spitze fteht das Verfahren Berenger's, in Oefterreich erfunden und zuerft ausgeführt. Die Ausftellung brachte einen completen Apparat in voller Thätigkeit zur Anficht, deffen rationelle Wirkfamkeit auf der Klärung, Entmifchung und Filtrirung des kalkhältigen Speifewaffers vor deffen Einführung in den Keffel Transportmittel und anderes Betriebsmaterial für Eifenbahnen. 5 beruht. Durch Zufatz von Kalkmilch( Aetzkalk), ohne Zeitverluft für den Niederfchlag, gelingt es, den kohlenfauren Kalk und die Magnefia auszufcheiden. Die Titrirung zur Vermeidung koftfpieliger Verfuche über den Percentfatz des Kalkgehalts ift durch Stingl und Profeffor Bauer in Wien angegeben worden, welcher auch ein Verfahren mittelft kohlenfaurem Natron oder Baryt zur Ausfcheidung des Gypfes angeregt hat.( 1872.) Die Anlagekoften find mäfsig, die Betriebskoften gering mit Bezug auf den Umftand, dafs namentlich alle Flüffe und Brunnen im Gletſchergebiete der grofsen Alpen reichen Kalkgehalt haben und dafs die Zerftörung der kaum 8 bis 10 Jahre dauernden Keffel, die innerhalb Jahresfrift oft 12 bis 15 Centner Keffelftein anfammeln, faft zu einer volkswirthfchaftlichen Calamität geworden ift. Andere Methoden bezwecken die Ableitung und Sammlung des noch lofen Keffelfteins behufs Ausblafen, innerhalb des Keffels, wie z. B. Haswell's Sack an den Locomotiven ,, Stainz“ und„ Orient", der am Ende ein Kolbenventil nebft Hahn trägt, vom Führerftande aus zu dirigiren und während und nach der Fahrt zu öffnen ift. Friedmann's Apparate( ähnlich fo auch Becker's, nicht vorgeführt) beruhen auf der Circulation des Waffers, das den Cylinderkeffel entlang hinab um die Feuerbüchfe ftrömt und dort den erften und meiften Keffelftein abfetzt. Durch eine Scheidewand auf dem Boden und Beginne des Keffels abgeleitet, geht der Zug des Waffers vermittelft zweier Rohre, die den Boden nächft dem Rauchkaften mit den unteren Feuerbox- Räumen verbinden, dahin und in einen in die Rohre eingefchalteten Sack. Zur ökonomifchen Verbrennung find feit jeher verfchiedene Schüttelrofte und Feuerbrücken, meift mit wohl nur eingebildetem Erfolge, in Anwendung. Neuerdings macht man in der Mitte des Roftes eine Oeffnung, die mittelft eines feuerfeften Cylinders überbaut und mit einer Blechkappe überdeckt wird, wie die Mafchine von Wöhlert in Berlin einen folchen Rauchverzehr- Apparat befitzt. Gas und Petroleum als Brennftoff find nicht vorgeführt worden, doch brachte Frankreich die Zeichnung eines mit Gas heizbaren Locomotivs. Durch ein Ventil gelangt das Gas aus dem Tenderrefervoir unter den mit Oeffnungen verfehenen Roft. Der abftrömende Dampf condenfirt in den Wafferkäften. Unter den Funkenfänger- Apparaten ift der öfterreichifche noch immer, in der ihm durch Klein verliehenen Form, der befte für die leichteften Kohlengattungen. Doch tauchen immer noch neue und einfache Vorrichtungen auf, die den Schornftein als Cylinder beibehalten, z. B. jene des Locomotivs Dniepr u. A. Auch Schirme zur Abhaltung des Niederfchlages von Rauch und Dampf werden hie und da angewendet. Das Ueberdachen des Führerftandes, von Amerika ausgegangen, ift wohl fchon allgemein acceptirt. An Sicherheitsventilen find häufig Ramsbottom, Meggenhofen, in Oefterreich noch Klotz beliebt. Als Bremsmittel ift in Frankreich und überall, wo feine Normen, mafsgebend find, der Apparat von Lechatelier in Thätigkeit; hier und da verwendet man ihn in etwas veränderter Form zur Anfeuchtung der Kolben und Schieber bei der Thalfahrt. Die belgifche Gebirgsmafchine hat eine einfache Dampfkolben- Bremfe, die direct auf die Zugftangen der Klötze wirkt, auch fah man vielerlei Spindelbremfen an ausgeftellten Locomotiven, wie auch die Vorrichtung zum Syfteme Heberlein, weniger die Dampfbremfe von Kraus. Die Schlittenbremfe war nicht erfchienen. Schweden brachte das Modell eines Locomotivs mit überhöhten Bahnfchienen, auf deren Unterfläche, vielleicht zu Adhäfions- und zugleich Bremszwecken, Rollen drücken, die mittelft Bremsmechanismus beliebig angeprefst werden können, Italien ein noch phantaftifcheres, mit gänzlicher Abweichung von den üblichen Normen, Rufsland das trefflich ausgeführte Modell eines 6 Emil Tilp completen Locomotiv- Längenfchnittes; aufserdem waren etliche Steuerungsmodelle erfchienen. Unter den Steuerungen hat Belgien das Syftem Heufinger v. Waldegg an fast allen feinen ausgeftellten Locomotiven mit dem Prädicate: Walfchaert angewendet. Ausserdem war die Stephenfon'fche und Allan'fche Couliffe in der Majorität. Sie iſt es auch in der grofsen Praxis. Ein einziges belgifches Locomotiv hat auf Walfchaert noch einen Expanfionsfchieber gepfropft. Die Entlaftung der Schieber erregt immer wieder andere Ideen, obwohl bisher keine die praktiſche Giltigkeit erlangt hat. Die neueren Syfteme beruhen entweder auf Anlaufen eines mit dem Schieber verbundenen Stückes am Deckel des Schieberkaftens, oder in der Zwifchenlage eines federnden Blattes. So haben Afhton u. A. conftruirt; die Ausftellung brachte eine folche Vorrichtung in der englifchen Abtheilung. Die Reverfirung, beim Apparat Lechatelier mittelft Schraube bedungen, gefchieht in neuefter Zeit häufig ebenfo, doch auch mit Hebel zugleich. Sturmhahn, Löfchrohr in Rauch- und Afchenkaften find wohl auf dem Continente fchon allgemein. Die Heizthüren find an vielen der exponirten Locomotiven feitlich verfchiebbar, die Manometer mit transparentem Zifferblatte. Die Anordnung der Hauptrahmen gefchieht durchwegs mittelft zweier verfteifter Bleche. Hall's vortreffliches Syftem wird aufserhalb Oefterreichs wenig angewendet, mehr liebt man es, die Rahmen fchnellfahrender Mafchinen nach aufsen zu legen, die Radkurbeln zur Erzielung fchmächtigerer Lagergehäufe aufsen aufzuftecken. Stellbare Keile werden vielfeitig- trotz problematifchen Nutzens- angewendet, doch macht man das Rad mehr und mehr an die übergreifende Metallflanfche des Futters, ftatt direct ans Lagerhaus anlaufend. " An beweglichen Geftellen und Achfenführungen hatte die Ausftellung wenig Neues gebracht. Intereffant ift die verfchiebbare Vorderachfe des Locomotivs ,, Vulcan", deren Befchreibung an Ort und Stelle folgen wird, und des Locomotivs ,, Nord"; nicht minder die Lagerführung an Haswell's Locomotiven Stainz" und Conforten, wobei die correfpondirenden Lager derfelben Achfe durch Querbleche feft verbunden, in der Mitte zwifchen den Rädern ein gemeinfchaftliches Spiel, alfo eine Art Drehpunkt in fenkrechter Ebene erhielten, fo dafs fich Spiel und Belaftung bei der Fahrt ausgleichen und eine vollkommenere Benützung und Conftantbleiben der Adhäfion bewirken, da nach Anficht des Conftructeurs bei der bisher allgemein üblichen Art jedes Rad bald theils ent-, theils überlaftet wird, während es den Unebenheiten der Bahn folgt. Es ift gewifs, dafs diefs Syftem nicht nur von hohem Werthe in diefer Richtung, fondern mehr noch für den ficheren Gang fchnellfahrender Locomotiven wäre. Das Locomotiv ,, Stainz" hat mit dem beziehungsweife mäfsigen Adhäfionsgewichte von 32'2 Tons die Laft von 400 Tons über die Steigung von 1: 110 bei Nebelwetter ohne Räderfchleifen gezogen. Die horizontale Lage der Cylinder war die überwiegend herrfchende und nur an einigen kleineren Locomotiven verlaffen. Unter den Dampfkolben ift die fchwedifche Form, mit Ringen von weichem, zähem, dichtem Gufseifen die beliebtefte geworden, da fie die Cylinder fchont, und felbft bei langen Thalfahrten ohne Verwendung irgend welcher Spannfedern genügt, unterſtützt durch zweckmäfsige Schmierapparate, namentlich von Kéfsler, Anfchütz, Schauwecker und Gebauer, die fämmtlich auf der Ausftellung vertreten waren. Die doppelte Kolbenführung ift nicht allgemein acceptirt. Als Stopfbüchfen- Packung fungiren meift Compofitionen von Asbeft und Federweifs und anderen felbftfchmierenden Stoffen, auch eine Stopfbüchfe mit Waffer: ichmierung war vorhanden. Die Zeichnung der Köpfe für Treib- und Kuppelftangen war in der Ausftellung mannigfach; obwohl Bügel wenig vorkamen, waren doch viele offene Stangenenden verfchiedener Art angewandt, die das Herabnehmen erleichtern. Transportmittel und anderes Betriebsmaterial für Eifenbahnen. 7 Das Ausgiefsen der Lagerfutter und Schieberfohlen mit Weifsmetall ift viel beliebt. An den Tendern, deren fich Viele noch felbft für grofse Mafchinen in vierrädriger Form bedienen und dadurch eine ftarke Belaftung und den Entgang eines Drittels der bremsbaren Räder herbeiführen, macht man Schwimmer oder Wafferftände, in Deutfchland und bei uns läfst man den Wafferkaften verfchmälert zwifchen die Rahmen herabgehen, und macht hie und da zur Erfparung der Nietung und Eckwinkel rund abgebogene Kanten. Puffer zwifchen Mafchine und Tender werden, wie die Ausftellung zeigte, wenig verwendet, hier und da ftatt der fteifen die Schraubenkuppel. Zur Ausrüftung verwendet man häufig fchon die hydraulifchen Winden. An Schneepflügen brachte die Ausftellung, mit Ausnahme des Modells von einem Schnee- Dampfbagger mit unmöglicher Wirkung, nur bekannte Formen. Ein Dynamometer war von Holzt exponirt, bekannt von 1867 her; der felbe beruht auf dem Spiel einer ftarken, in den Tender- Zughaben und in ein mit der Kuppel verbundenes Hebelwerk mit Ueberfetzung von 1:50 eingefchalteten SpiralDrahtfeder. Ein Zeiger am Ende des einen Hebels bewegt fich demzufolge auf einer kurzen Scala. In Verbindung damit ift ein Uhrwerk, welches den über zwei Walzen gehenden Papierftreif zur graphifchen Regiftrirung des Zeigerfpiels gleichmässig abrollt, während der Stift in breiten, gefchlängelten Linien die Variationen der Zugkraft durch die ungleichen Kolbendrücke, die Aenderung der Laft, durch Neigung und Unebenheiten der Bahn bedingt, zeichnet. Das Papier enthält Längenlinien für die Kraft, Querlinien für die Zeit in gleichen Abftänden. Betrachtet man die Nullkraft- Linie als Achfe eines Coordinatenfyftems, fo ergibt fich die kleinfte Ordinate auf Gefällen, beim Halten des Zuges mit Null. Um auch die Zeit des vollſtändigen Haltens des Zuges zu verzeichnen, ift noch ein Hebelwerk mit dem ausfchlagenden Zeigerarme in Verbindung, getrieben durch Excentrique auf der letzten Tenderachfe. Es kann der Apparat fonach regiſtriren die Zeit der Zugsabfahrt, die Gefchwindigkeit, Leiftung, Ankunft und Aufenthalte; mit Hilfe des letztgenannten Tenderexcentriques( bei Leer- und Rückfahrt gibt es keine Kraftverzeichnung) immer noch die Abfahrt, Ankunft, Aufenthalte jeder Mafchinenbewegung. Fabriks- und Werkstätten- Pläne waren fpärlich vertreten, zahlreicher in Aufriffen und Photographien. Complete Normalien brachten die reich dotirten Pavillons der öfterreichifchen Nord- und Nordweft- Bahn, befonders enthielt letzterer die vollständigfte Bau- und Betriebseinrichtung feiner Bahn. Unter den neu entftandenen Locomotivfabriken ift jene von Floridsdorf trefflich angelegt und aus gerüftet, die älteren und gröfseren bieten wegen ftufenweifen Entstehens nur mehr hiftorifches Intereffe. Die Fabricationsweifen der Locomotiven haben durch die neuen Stahlforten, Beffemer der Gegenwart, Martin vielleicht der Zukunft,( wohl fchon 1867 vorgeführt, doch feither verallgemeinert) und verfchiedene Legirungen bedeutende Fortfchritte erfahren. Das Gufseifen wurde theilweife und mit Hilfe der Haswell'fchen hydraulifchen Schmiedepreffe, das Schmiedeifen durch den Beffemerftahl verdrängt, doch haben die feinften Qualitäten des Gufsftahls vielfach auch letzterem weichen müffen. Unter Anderem wird fich vielleicht die Phosphorbronce Terrain erwerben. Die Adjuftirung ift durch präcifere und vielfeitigere Mafchinenarbeit in den letzten Jahren genauer geworden, wie auch die Intelligenz der Monteure begreiflich im Steigen begriffen ift, trotzdem deren Aufgabe durch Mafchinenhilfe mehr und mehr erleichtert wird. Auch die Verhältniffe im Grofsen, die Formen der Details im Kleinen verriethen, wie namentlich die deutfchen, öfterreichifchen und belgifchen Ausftellungs 8 Emil Tilp. objecte zeigten, eine hohe Stufe des Conftructionswefens, fo dafs gänzlich oder nur in bedeutenden Theilen verfehlte Compofitionen, unconftructive Formen faft ganz fehlten. Namentlich waren die Räder und die kleineren Theile der Mechanismen faft durchwegs von erfreulicher Formenfchönheit und richtigen Conftructionslinien, näherten fich alfo mehr dem Ideale, als bisher erreichbar fchien, fo dafs die Ausstellung hierin gewifs jedem Vorurtheilslofen als höchft inftructiv gelten konnte. Auch an die Perfonenwagen werden fteigende Forderungen in Bezug auf Gefundheit, Bequemlichkeit, ja felbft auf einen gewiffen Luxus geftellt, deren Erfüllung wegen enger gefteckten Grenzen fogar ziemlich fchwierig ift. Während fich der Einfluss der Bahngeleife bei der Conftruction der Motoren nur auf einzelne, wenn auch Hauptverhältniffe erftreckt, ift man bei den Waggons in viel weitgehender Art von ihm abhängig und ift es noch mehr geworden durch die allgemeine Annahme des vierrädrigen und Coupéfyftems für den Perfonentransport. Das Bahngeleife beftimmt die Breite, das Coupéfyftem fixirt die Länge des Kaftens, welcher in kleine Räume von 6 bis 8 Cubikmetern getheilt, äufserft fchwer zu heizen, zu ventiliren und wohnlich einzurichten ift, da es fich nebftdem auch darum handelt, bei dem ohne diefs ungünftig überwiegenden, todten Gewichte möglichft viele Sitzplätze zu erzielen. In Europa hatte man wohl fchon feit Beginn der Eifenbahn- Aera bequem und luxuriös eingerichtete Specialwagen für Perfonen hohen Standes, und in Deutſchland und Oefterreich bot man fchon feit Langem den Reifenden bequemere und elegantere Wagen, als diefs in England und Frankreich der Fall war und theilweife noch ift, doch hat die Pacificbahn mit ihrer 6 bis 7- tägigen Fahrt den Impuls zur Demokratifirung von Einrichtungen gegeben, die den Waggon nach Bedarf zum Salon, Schlaf- und Wohnzimmer umfchufen; wohl erleichterte das amerikaniſche Syftem mit feinen langen und breiten Kaften diefs wefentlich. Wie nun unfere Ausftellung eine Reihe von theilweife mit wahrhaft künft lerifchem Gefchmack ausgeftatteten Special- oder Hof-( Salon-) Wagen vorführte, fo brachte fie auch eine ganze Collection eigens zum Schlafen eingerichteter Wagen und zum erften Male fahen wir Vorrichtungen zum Heizen und Ventiliren in allen bisherigen Methoden complet ausgeftellt- beftimmt für den allgemeinen Verkehr, die Schlafeinrichtungen für die oberften, die Heizung für alle Claffen. Wir finden nebft dem Poftwagen, vierrädrig, und als zwei gekuppelte vierrädrige Wagen mit bequemem Uebergange, conftruirt von Kamper, und eingerichtet in zweckmäfsigfter, bis ins kleinfte Detail durchdachter Weife für den ambulanten Brief-, Gepäcks- und Frachtendienft der Poftanftalt, für Eil- und Perfonenzüge, mit Bureaux, Magazin, mit Meifsner'fcher Heizung, Ventilation, mit Abort, Toilette, kurz als completes ambulantes Poftbureau für Tag- und Nachtdienft; endlich ift die Wiener Ausftellung die erfte, welche in mehrlei Syftemen zeigte, wie der Transport der Verwundeten feit den letzten amerikanifchen und deutfchen Kriegen in rationellfter, der Humanität des modernen Jahrhunderts würdiger Weife Methode und praktiſche Ausführung erhielt. Zwei complete Lazarethtrains find für Techniker und Aerzte gleich inftructiv. Die Einrichtungen zum Schlafen beruhen in den Wagen für den allgemeinen Verkehr durchwegs auf Vorrichtungen, nach welchen die Sitze in mehr oder weniger vollſtändig ausgerüftete und abgefchloffene Lagerftätten oder Betten, deren Befchreibung folgen wird, umgeftaltet werden können. Die Heizung, theilweife mit Ventilationseinrichtung verbunden, war in eilf Syftemen ausgeftellt, und zwar Heizung mit präparirter Kohle, mit Weingeift, mit Wafferdampf aus feparatem Keffel, mit Oefen in und unter dem Wagenkaften, mit Briquettes, in verfenkbaren Oefen zu verbrennen, ferner die bekannte Meifsner'fche Luftheizung( in den ärarifchen Poftwagen im Gebrauche, an Eifenbahn- Wagen in Transportmittel und anderes Betriebsmaterial für Eifenbahnen. 9 Oefterreich fchon 1850 erprobt), dann noch zwei faft congruente Syfteme der directen Erwärmung der Luft, dann mittelft eines Röhrenfyftems und Circulation von erhitztem Waffer und endlich mittelft der Rauchkaften- Gafe aus der Zugsmafchine. Mit praktiſchem Erfolge ausgeführt, mit Ventilation verbunden, neu und zweckmäfsig ift die Luftheizung von Thamm und Rothmüller. Sie erzielt eine conftante innere Temperatur, unabhängig von der äufseren, von+ 10° R.,* und fteten Luftwechfel. Unterhalb des Wagengeftelles ift ein abgefchloffener Raum gebildet, der einen horizontalen, zu den Achfen parallelen Heizapparat in der Mitte trägt, beftehend aus einem mittelft Thüre abgefchloffenen Blechcylinder. Diefer nimmt einen Korb aus Eifenftäben auf, beftimmt für die Füllung mit Coaks. Die Luft tritt zunächft in einen Afchenkaften, angenietet an den unteren Theil des Blechcylinders und von da zum Coaks. Die Eintrittsöffnungen können ganz oder theilweife gefchloffen werden. Die Gafe finden Abzug durch ein Kupferrohr am Boden des Cylinders, das Rohr hat am Ende einen Saugapparat zum Anfachen. Der Blechcylinder ift von einem doppelten Blechmantel concentrifch umgeben, von dem zwei Rohre abzweigen, welche rechts und links an den Böden der Coupés münden und dafelbft die warme Luft abgeben. Neben diefen Ausmündungen befinden fich Oeffnungen im Fufsboden, durch welche die kalte Luft aus dem Wagen zum Apparat ftrömt, von wo fie erwärmt wieder durch jenes Rohr rückkehrt. Die frifche Luft gelangt durch Luftfauger an beiden Seiten des Wagens zu einer Schutzwand, an welcher fie fich erwärmt, und die, unmittelbar oberhalb des Apparats angebracht, die Erhitzung der umgebenden Holztheile verhindern foll. Auf dem Dache find Ventilatoren zur Regulirung der Wärme und Abfuhr der ausgeathmeten Luft angebracht. Die Betriebskoften follen fich einfchliefslich Erhaltung und 10 Percent Amortifation auf 29 Kreuzer per Zugsmeile( bei der öfterreichifchen Nordbahn) ftellen, die Brenndauer einer Füllung( 10 Kilo) ift 12 Stunden, die Auswechslung des ausgebrannten Korbes gegen den gefüllten leicht zu bewerkstelligen. Ift auch diefes Heizungsprincip früher fchon( ich glaube in Amerika) verfucht worden, fo war deffen originelle und durchdachte Ausführung in Wien als neu und von eminent praktiſchem Werthe anzufehen. Die Kienaft'fche, auf gleicher Bafis beruhende Heizungsmethode kann nicht auf gleiche Höhe mit der vorigen geftellt werden. Die Heizung mittelft Niederdruck- Warmwaffer- Circulation von Weibel, Briquet& Comp. in Genf ift ebenfalls neu und vereinigt mit den vorherbefchriebenen den Vortheil der Unabhängigkeit des Wagens im Zuge, welcher der Haag'fchen( Augsburger) Dampfheizung in fo hohem Grade abgeht. Sie befteht aus einem kleinen, am Ende des Wagens unter dem Fufsboden angebrachten Coaks- Füllofen mit Waffermantel und Rauchrohr, fowie einem Rofte auf dem Boden, der wohl mit einem Afchenkaften verfchloffen werden follte. Vom Waffermantel aus zweigen fich Rohre ab, die in horizontalen und verticalen Ausläufern jedes Coupé berühren. Neigung( Fall) gegen den Ofen hat nur das unterfte Rohr unterhalb des Fufsbodens. Der Ofen ift durch einen, aufserhalb der Stirnwand mündenden, mit Thüre verfchliefsbaren Hals leicht zu füllen. Der Bedarf für 24 Stunden foll 20 Kilo Coaks betragen, Fülltrichter und Ofen faffen zufammen 10 5 Kilo. Der Querfchnitt der Rohre, mit Ausnahme der unter den Sitzbänken laufenden viel weiteren Querrohre, ift circa 30 Millimeter. Das heifse Waffer fteigt * Es werde hier bemerkt, dafs man bei aller Beftimmtheit der Forderung der Waggonheizung überhaupt, felbft ärztlicherfeits die Anfprüche noch nicht formulirt hat, indem ein Theil die Wagentemperatur im Innern conftant, der andere aber verlangt, dafs das geheizte Coupé ftets eine Plusdifferenz von 10° R. gegen aufsen habe. Ift eine voll kommene rationelle Heizung an und für fich eine der fchwierigften technifchen Aufgaben, fo wird fie es noch mehr durch die fo grofse Verfchiedenheit der Wünſche. 10 Emil Tilp. naturgemäfs in die fenkrechten Rohrzweige, während das kältere zum Ofen hin gedrückt wird. Um den Druck des Waffers zu reguliren und deffen Erhöhung zu verhüten, mufs der höchfte Circulationspunkt mit der Atmoſphäre in directer Verbindung ftehen. Diefs gefchieht durch ein Expanfionsgefäfs, welches, nach oben geöffnet, die Luftblafen entläfst. Die fpecielle Einrichtung diefes Gefäfses, die Vorrichtungen zur Vermeidung des Ueberfliefsens bei heftigem Anftofse des Wagens, kurz alle Details diefer Heizung find in wahrhaft ingeniöfer Weife durchdacht und conftruirt. Die Proben follen dargethan haben, dafs die Ausftrahlung an der Oberfläche der Rohre hinreicht, das Innere der Coupés bis zu einer conftanten Plusdifferenz gegen aufsen von 15° C. zu erwärmen. Die Regulirung gefchieht mittelft einer ftellbaren Schlüffelklappe im Rauchrohre, die indefs nur von aufsen gehandhabt werden kann. Die Rohre werden nicht mit reinem Waffer, fondern mit einer Mifchung von 40 Percent Glycerin und 60 Percent Waffer gefüllt, welche erft bei-17.5° C. gefriert, aber bei Undichtheiten durch die kleinften Fugen dringt. Die neuefte Methode der Waggonheizung ift die von Pereira- Michaelis, öfterreichiſch- amerikanifchen Urfprungs, inWien dargestellt in Zeichnungen, verfucht auf einer öfterreichifchen Bahn. Sie beruht auf der Benützung der heifsen Gafe im Rauchkaften der Zugsmafchine, welche eine Höhe von 600° R. und mehr erreichen ( beim Verfuche ift das Pyrometer bei 800 ftehen geblieben, indem deffen Ende abfchmolz). Diefelben werden ohne Beeinträchtigung der Dampferzeugung mittelft eines durch die Achfe des Gepäckswagens getriebenen Flügelrades durch continuirliche Rohrleitung bis ans Ende des Zuges getrieben. Für die Zeit des Zugsftillftandes und bei der Thalfahrt kann in das Rohr directer Dampf gelaffen werden. Die Kuppelung der Rohrleitung zwifchen den Wagen gefchieht automatifch durch grofse Puffer, deren die Wagen einen an jeder Stirnfeiten- Mitte tragen; diefe Puffer haben einen hohlen, mit Federn ausgerüfteten, feuerfeften und wafferdichten Stoffcylinder, der fich jeder Bewegung des Wagens und der wechfelnden Pufferhöhe accomodirt, fehr breite Filzflanfchen, die fich dicht aneinanderpreffen. So ift jeder Wagen mit feinem Rohre unterhalb des Traggerippes, mündend in die erwähnten hohlen Puffer, für fich. Das Rohr trägt Luftfänge mit Ventilklappen, die fich nach der Zugsrichtung öffnen, um frifche Luft in den Wagen zu bringen oder leicht abgenommen und ganz gefchloffen werden können. Beim Verfuche beftand nämlich die Leitung aus einem centralen Rohre mit Umhüllung, erſtere für die Gafe, letztere, endend vor beiden Puffern, zur Aufnahme der frifchen, zu erwärmenden Luft, die durch fenkrechte Zweige direct ins Innere ftrömt. Es kann die Wärme aber auch durch Ausftrahlung der Oberfläche der einfachen Rohrleitung benützt werden. In Verbindung hiermit fteht ein Intercommunications- Alarmfignal( handbar aus dem Coupé- Innern und durch den Schaffner) ein im Gepäckswagen befindliches Glockenwerk( dort ift auch die elektriſche Batterie) bewegend. Zur Fortleitung dienen kleine in die Oberfläche der Pufferflanchen eingefchaltete federnde Metallfcheiben, endend in Drähte, deren zweite Verbindung die Zugvorrichtung abgibt. Diefes Syftem, obwohl noch im Stadium des Verfuches, ift jedenfalls beachtenswerth. Die erzielte Differenz der Temperaturen betrug bis 9° R. Die Heizung mittelft Weingeift dürfte ihrer Koftfpieligkeit halber allein wohl fchwerlich allgemein werden. Die übrigen Heizmethoden find theilweife fchon im Jahr 1867 nach ihrer Befchaffenheit vielfeitig gewürdigt und bekannt. Mit Ausnahme eines belgifchen Salonwagens und der für Rufsland beftimmten fechsrädrigen, waren alle Perfonenwagen vierrädrig, doch war in das Coupéfyftem verfchiedentlich Brefche gefchoffen, dasfelbe mit Intercommunications- Gängen und Endtreppen theils verbunden, theils hierdurch verdrängt, auch war ein Wagen mit gedeckter Imperiale oder Stockwerk, für kurze Fahrten, erfchienen. Für Tramways hatten Amerika und Oefterreich ganz zweckmäfsige und ſchöne Mufter Transportmittel und anderes Betriebsmaterial für Eifenbahnen. 11 gebracht, die von Amerika fehr bequem und elegant, mit Endplateaux, Oberlichte, Längsfitzen, jene von Oefterreich mit Innen- und End- Galleriefitzen parallel zu den Achfen, einfach, folid und praktifch. Ein Dienftwagen für Bahninfpicirungen vervollſtändigte die Specialzwecke. Ein italienifches Modell verfinnlichte ein fahrbares Wohnhaus. Der deutfche Lazarethzug war für den Techniker infoferne anregend, als deffen Wagen aus gewöhnlichen Güterwaggons durch Verfchwächung der Tragfedern, einfach hergeftellte Stirnthüren und Uebergänge, fowie gleicherweife durch Umgeftaltung der inneren Einrichtung für Krankenlager, Apotheke, Küche, Manipulationsraum u. f. f. in kurzer Zeit zweck dienlich adaptirt werden können. Die Beleuchtung war durch das Ausbleiben des Silber'fchen Lichts, der neueften Reform, wenig variirend. Mit Gasbeleuchtung war ein fchlefifcher Perfonenwagen( die Refervoire unterhalb des Traggerippes), ferner der Wagen im Mont Cenis- Tunnel eingerichtet, bei welchem der Gepäckswagen die Gaskammer enthält. Mit Ausnahme des fchweizerifchen Salonwagens ift die Beleuchtung wohl durchgehends vom Dache aus zu handhaben und für Oel eingerichtet. Die Wagenfenfter mit federnden Rahmengehäufen haben trotz allgemeiner Anwendung viele Gegner wegen etwas unbequemeren Herablaffens und leichterer Befchädigung. In Folge aller vorbefchriebenen Einrichtungen ift das todte Gewicht begreiflicherweife geftiegen, die Zahl der Sitzplätze vermindert, doch gilt diefs nur für die I. Wagenclaffe, und ift alfo nur bei Eilzügen von Bedeutung, auch die doppelte Federung und Anwendung der Schalldämpfer( Reiffert und Becker) geben zur Gewichtsvermehrung ihren ſtarken Antheil. Bei den Güterwagen ift diefer Factor von ganz wefentlichem Belange, doch ift das Verhältnifs hier wenigftens nicht verfchlechtert worden und überfteigt die Ziffer von 50 Percent der todten zur Traglaft nur wenig, felbft bei den ganz aus Eifen conftruirten Wagen, deren, wie auf der Parifer Ausftellung, Schlefien und Belgien mehrere Exemplare, eiferne Kohlenwagen, exponirt haben. Auch in Paris fchon war das Ueberhandnehmen der Façon- und Winkeleifen in Verdrängung des Holzes befonders an den Traggerippen vorherrschend. Bei den hölzernen Kaften macht man wie immer die Verfchalung doppelt oder einfach, fchräg, wagrecht oder fenkrecht, die Dachbogen von geleimten Lamellen oder T- Eifen, man fetzt den Kaften auf Querfchwellen, die über das Traggerippe vertheilt find( meift in Deutſchland) oder unmittelbar auf das Untergeftelle( Oefterreich). Zur Erzielung einer gewiffen Univerfalität und Ermöglichung des Transportes verfchiedenartiger lebender und todter Güter, fowie auch des Militärs, gibt man den Käften fchliefsbare, vergitterte Fenfter, Thüren an der Stirnfeite, Ringe im Innern und andere kleine Vorrichtungen. An dem Bedürfniffe diefer Vielfeitigkeit fcheiterten auch bisher die Conftructionen der Viehwagen, da der Viehtransport ohnediefs nicht lucrativ ift und noch ungünftiger wird, wenn die Waggons bei der auf dem Continente oft langen Rückfahrt nicht anderweitig beladen werden können. Der Durchgangs- Verkehr erfordert gebieterifch die Einheit aller Wagenbeftandtheile, die regelmäfsiger Abnützung unterliegen, dabei die Lauffähigkeit bedingen, und es ift eine bedeutende volkswirthschaftliche Calamität, alle Induftrieländer des Continents, mit Ausnahme Rufslands, gleich treffend, dafs eine enorme Summe von Tagen, Wochen, ja Monaten verftreicht, während welcher reparaturfähig gewordene Wagen, für welche die Erfatztheile aus der Heimatbahn requirirt werden müffen, unbenützt ftehen. Der deutfche Eifenbahn- Verein ift diefsbezüglich ein Inftitut von allgemeiner und höchft heilfamer Bedeutung, er hat bisher wenigftens einheitliche Puffer- und Zugfyfteme, ferner Normalprofile und Hauptmafse der Transportmittel durchgefetzt. Hoffen wir, dafs fich feine 12 Emil Tilp. Wirkfamkeit zu einer internationalen geftalten und auf Achfen, Räder, Lager und Federn erftrecken werde, deren zahllofe Verfchiedenheiten vor dem Forum technifcher Conftructionsregeln keineswegs ftichhältig gerechtfertigt werden können. Schon ftofsen die wichtigen Fragen auch der Waggonheizung, des Intercommunications- Signales, der continuirlichen Bremfen auf grofse Hinderniffe beim Durchgangs- Verkehr,- die Emancipation von den föderaliftifchen und feparatiftifchen Beftrebungen der einzelnen Anftalten wird und mufs die Zukunft gewifs erreichen. Das vierrädrige Syftem ift nun heute fchon für Laftwagen das herrfchende, und zwar mit fteifen Achfen und genügendem Spiele der Lagergehäufe nach beiden, der Futter nach der auf den Schienenftrang fenkrechten Richtung. Wohl brachte die Ausftellung auch Abweichungen, die aber fchon 1867 da waren, und Specialwagen für grofse Laften, Spiegel u. A. die gleichfalls fchon bekannt find. Das Syftem des Dr. Martin zum leichten Durchfahren der fchärfften Krümmungen, beruhend auf Verdopplung der Räder und Achfen, wovon die vier neuen Räder auf getheilten, nach dem kleinften Curvenradius fchief geftellten Achfen ftecken, und in der Krümmung, die gewöhnlichen Räderpaare in den Geraden auflaufen, behufs weffen die Schienenftränge nicht continuirlich, fondern beim Einlauf und Ausgang der Curven mit verfchiedener Spurweite und Höhe angeordnet find diefs Syftem hat wenigftens auf Hauptbahnen keine Zukunft, denn das leichtere Durchfahren der Krümmung wird paralifirt durch die koftfpielige Verdopplung der Räderpaare und dadurch, dafs die Zugsmafchine in Curven nur mit der halben Adhäfion einfeitig und mit Entgleifungsgefahr arbeitet. - Die Wagenachfen find mehr als früher von Gufs- und Beffemerftahl, mit Beibehaltung der früheren Stärken, die Räder meift ganz aus Schmiedeifen in rationeller Weife, ohne Gufsnaben, häufig mit geraden ungenieteten Speichen, in fchöner Form und bei gröfserer Leichtigkeit mit Vermehrung der Feftigkeit hergeftellt. Eine überaus reiche Collection aus faft allen Hüttenwerken und Fabriken Europas bot die mannigfachften Formen: englifche, mit Gufseifen- Scheiben und Gufsftahl- Tyre, deutfche mit Gufsftahl- Scheiben und Tyre aus einem Stück und angefchraubt; andere mittelft Ambel- Verfahrens erzeugte und mit Blechfcheiben und Holzkeilen( Syftem Heufinger v. Waldegg); doch fehlten die Räder mit Scheiben aus mittelft hydraulifchen Druckes geprefstem Papiere. Solche mit Holzfcheiben brachte der öfterreichiſche Hofwagen der Südbahn. Schalengufs- Räder waren erfchienen aus Oefterreich, Schweden und Amerika. Maffenfabrication findet indefs nur wie bisher in der bekannten Ganz'fchen Fabrik in Ofen ftatt, deren Räder noch immer den Continent beherrfchen. Bergmann in Graz exponirte ein Rad mit in Gufsnaben und SchalengufsReif eingegoffenen fchmiedeifernen Speichen( Ludwig's Patent). Die Tyres find ohne Schweifs, aus Beffemerftahl, faft allgemein gebräuchlich, nachdem der koftbare Gufsftahl durch das Bremfen zu fehr leidet, die Befeftigung verfchieden, doch wenig mehr mit conifchen Durchfchrauben oder Nieten. - An Bremsfyftemen, namentlich continuirlichen oder automatifchen, waren einzelne der fchon von Paris her bekannten, im Allgemeinen aber keine neuen erfchienen; die Klötze werden mehr und mehr von Gufs- oder Schmiedeifen, Stahl oder Stahlgufs anftatt des Holzes gemacht und mit vielem Recht. Der Streit über die doppelt- und einfachfaffenden Schuhe ift noch nicht entfchieden. Die„ runde Bremfe" von Schubersky, zum Anhalten der Eifenbahnzüge in 10 Minuten", verwendet Excenterfcheiben an Stelle der Klötze, welche durch den Druck comprimirter Luft von den Rädern abftehend gehalten werden. Der Gepäckswagen enthält Windkeffel und Hand- Luftpumpe, von wo aus die Schlauchverbindung über den ganzen Zug geht. Ein Lufthahn kann an jedem einzelnen oder im Gepäckswagen geöffnet werden, der Luftdruck vermindert fich, ein Gegengewicht wird wirkfam, die Hebelverbindung, auf deren Welle an jedem Wagen ein Kolben des Luftraumes drückt, läfst die Scheiben an den Rädern durch Transportmittel und anderes Betriebsmaterial für Eifenbahnen. 13 Friction bremfen. Ob die Schlauchkuppelung zwifchen den Wagen, die Differenzen der Pufferhöhe, der Raddurchmeffer trotz des zwifchen den Excentriquesftangen eingefchalteten Kautfchuks die ganze Wirkfamkeit anders geftalten, als an den vorgeführten Modellen, dürfte die Praxis lehren. Andere ausgeftellte Bremsfyfteme dürften nicht ernsthaft zu nehmen fein. Die Handhabung der Bremfen gefchieht vorwiegend vom Dache, weniger von raumverfchwendenden Plateaux aus. Neue Arten von Achfenlagern waren vielfach vorgeführt; doch, nachdem die Einfachheit hier vorwiegend von Wichtigkeit, die Anwendung von Schmierpolftern, Schwimmern und Ventilen fubtile Behandlung vorausfetzen und das Percent der heifslaufenden Wagen nur zu erhöhen geeignet find, kann man keinen Fortfchritt conftatiren, umfomehr, als der wunde Punkt aller Lagergehäufe: der Abfchlufs gegen das Rad zu, noch nicht radical verbeffert ift. Die Verwendung der Mineralöle, überhaupt und noch vor dem Auftauchen in Amerika durch Becker in Oefterreich eingeführt, gewinnt an Boden. Die Starrfchmiere findet noch Anhänger, obwohl fie im Winter die Zugförderung beeinträchtigt, doch ift fie billiger, die Lager find leichter zu beauffichtigen, weniger fubtil zu behandeln und der Verluft nach hinten ift geringer. Für die Compofition der Futter ift das Rothmetall noch vorherrfchend, doch verwendet man hie und da billigere Legirungen, wie z. B. im Nordbahn- Pavillon erfichtlich war. Je nachdem man die Langträger aus U- oder Doppel T- Eifen wählt, find die Mitnehmer an der unteren Flanfche vernietet, oder an der Hochrippe verfchraubt. An Laftwagen werden die Federftützen gerne direct an die Mitnehmer gefchweifst, d. h. mit felben aus einem Stücke erzeugt. Tragfedern von Gufs- und Cementftahl waren zahlreich exponirt. Bekannt find die Draht- Spiralfedern, mit geprefster Wolle von Thomfon und andere ähnliche mit Kautfchuk gefüllt. Eine neue Gattung find die aus gewellten runden, durchlochten Stahlplatten, ähnlich den Manometereinlagen, beftehenden Federn von Egan. Für Puffer- und Zugvorrichtungen find Volutfedern und Kautfchuk vorherrfchend. Neue Syfteme von derlei Vorrichtungen, von Ofimitfch und aus Deutfchland, mit gemeinfchaftlichen Pufferftangen, werden weder die durchgehende Zugvorrichtung, noch die übliche getrennte Federung der Puffer verdrängen. Die Einführung der Schraubenkuppeln, auch für Laftwagen, ift acceptirt. Mit Bezugnahme auf die Preisausfchreibung des Vereines deutfcher EifenbahnVerwaltungen, zur Handhabung des Kuppelns ohne Eintritt zwifchen die Puffer, war in der ruffifchen Abtheilung das Modell einer Vorrichtung, jedoch in primitiver Weife gedacht, ausgeftellt die nächfte Ausftellung wird gewifs die praktiſche Erfüllung diefes Strebens zur Erreichung des humanen Zweckes bethätigen. Zur Verftändigung zwifchen Schaffner und Mafchinenführer ift hie und da die einfache Zugleine in Verwendung, als Intercommunications- Signal hatten Frankreich, Deutſchland( ein elektriſches), Oefterreich( ein mechanifches ohne praktifche Bedeutung) exponirt, abgefehen von dem bei der Heizung mit den RauchkaftenGafen befchriebenen. In neuefter Zeit ift das Lager mit rollender Reibung, urfprünglich eine Idee des unfterblichen Reffel, in etwas veränderter Form wieder aufgetaucht. Die Ausftellung brachte eine Draifine mit folchen Lagern, die fich bei den neuen Verfuchen wohl an Transmiffionen, Schiebebühnen, nicht aber an Eifenbahn- Wagen bewährten, überdiefs eine aufsergewöhnliche Sorgfalt in der Adjuftirung bedingen. Auch hier find die Fabrications- und Conftructionsweifen jene von 1867 geblieben. BETRIEBSMATERIAL. Locomotiven. Die Ausstellung von Locomotiven umfafste deren 47. Hievon hatten Deutſchland 18, Oefterreich 15, Belgien 6, Frankreich 3, England und Rufsland je 2, Italien I gebracht. Die Mafchine im Mont- Cenis- Tunnel ift als deutfches. die 14 Emil Tilp. Laftmafchine für Italien in der belgifchen Abtheilung als Erzeugung Belgiens betrachtet; unter den öfterreichifchen Locomotiven befinden fich die in Ungarn, natürlich überwiegend deutfcher Thätigkeit entfproffenen, inbegriffen. Anderfeits theilt fich die genannte Zahl in 13 Perfonen- und Eil, ferner in 24 Laft, Gebirgs und Rangirmafchinen, endlich in 10 Locomotiven für fecundäre Zwecke. Am Schluffe des Berichtes folgen drei Tabellen mit den Hauptmafsen der intereffanteften Locomotiven. Betreffs der Perfonenlocomotiven hat Belgien an ungewöhnlichen Conftructionen und intereffanten Ideen den Vorrang An der Spitze fteht das Locomotiv der Mafchinenwerkftätte von Carels in Gent, für fchwerbeladene Perfonenzüge, wie es der Conftructeur nennt, obwohl es für folchen Zweck nicht fo hoher Räder bedurft hätte, denn mit einen 38 Tons fchweren Sechskuppler wird ja doch nicht eine Gefchwindigkeit von 40 bis 50 Kilometer beabfichtigt, bei welcher folche Räder noch immer nicht die zuläffige Maximal- Kolbenhubzahl und Leiftung erreicht haben. Die Hauptfache und das Neue im Mechanismus beſteht in der Uebertragung des Kolbenhubs auf das Triebrad mittelft Balancier, der feinen Fixpunkt im Rahmen hat, und wodurch die in Bewegung befindlichen Maffen equilibrirt fein follen. Ob diefs zur Gänze gefchieht, da die Hauptkräfte in fo verfchiedenen und entfernten Ebenen wirken, während diefer Ausgleich beim Duplex von 1862, freilich mittelft vier Cylindern, trefflich erzielt war, dürfte vielleicht angezweifelt werden können, jedoch foll der ruhige Gang der Mafchine fehr dafür gefprochen haben. Die Cylinder, deren Mittel 1100 Meter über den Radcentren liegen, find ganz fymmetriſch und identifch zwifchen den Hinterachfen beiderfeits des Feuerkaftens fituirt. Die dadurch bedingte Anhäufung fo zahlreicher Theile, der Balanciers mit den Hebeln, der Kolbenführungen, Steuerungen und Speifeapparate verurfachen nebft der ungewöhnlich grofsen 2.740 Meter langen Feuerbüchfe eine Ueberlaftung der Hinterachfen, insbefondere der letzten, zugleich Triebachfe, wie fchon deren doppelte Tragfedern beweifen. Durch in Winkelhebeln greifende Balancierftangen zwifchen den unterhalb der Lager fitzenden Tragfedern wird die Laft auf die vier Hinterräder für fich, die Belaftung der Vorderräder unter fich eben fo gleichmässig vertheilt, wie durch ein ähnliches Syftem fenk- und wagrechter Winkelhebel und Gabelftangen, rings um die Mafchine laufend. Obwohl die Vorderachfe um 2.970 Meter hinter der Pufferfläche zurückfteht, ift ihre Belaftung ohne Zweifel viel geringer. Die Steuerung, original Heufinger v. Waldegg,„ verbeffert durch Walfchaert", wie es heifst, gefchieht, indem jede Kolbenftange auf die jenfeitige Schieberftange wirkt. Die Welle liegt oberhalb des Feuerkaftens, die Gegengewichte beiderfeitig, die Expanfion gefchieht durch einen kurzen Hebel vom Balanciercentrum aus, mittelft geeigneter Winkelüberfetzung bis zum Ständer, auf den mittelft Schraube oder Reverfirhebel eingewirkt werden kann. Die Anwendung diefer Steuerungsart, die im Allgemeinen der Stephenfonfchen in Nichts überlegen, aber weniger complicirt ift, als fie ausfieht, begründet fich hier wegen Mangel an Längenraum für Excenterftangen von felbft. Dafs fie in Belgien allgemein angewendet wird, mag in technifchem Patriotismus gelegen fein. Die Feuerbüchfe mit der riefigen Roftfläche, welche letztere faft fo grofs ift als jene der fpäter zu befchreibenden zwölfrädrigen Gebirgs- Doppelmafchine, ift mit flacher Decke und Stehfchrauben nach Belpaire, dem Schöpfer des ganzen befchriebenen Syftems. An den oberen Aufsenkanten trägt fie beiderfeits Auswafchoder Gucklöcher. Der Roft hat enge Spalten und ift hauptfächlich für Kleinkohle beftimmt( wir in Oefterreich pflegen für Kohlengries im Gegentheile weite Spalten zu geben). Trotzdem wäre eine höhere Dampffpannung als neun Atmoſphären entfchieden gerechtfertigt, umfomehr als das Gefammtgewicht des Locomotivs zugleich Adhäfionsgewicht ift; vielleicht ift diefs die Urfache des fehr weiten CylinderDurchmeffers. Die Rahmen liegen aufsen, die Kurbeln find neben den Lagern aufgefteckt. Die Achfenentfernung beider Cylinder ift mit 2'030 Meter noch Transportmittel und anderes Betriebsmaterial für Eifenbahnen. 15 ziemlich grofs. Die Triebräder liegen hinter, die Kuppelräder vor dem Feuerkasten. Die übrigen Vortheile, welche der geiftreiche Erfinder feinem Syfteme vindicirt, als: Entfernung der Bewegungstheile vom Staube der Bahn, Ueberfichtlichkeit für den Führer, Identität der Cylinder, find ganz untergeordneter Natur. Trotzdem( und obwohl diefs Syftem ein geniales Experiment bleiben wird) war diefe Mafchine eine Zierde der Ausstellung und foll nicht abhalten, mit Neuem ftets wieder hervorzutreten. Warum diefs Equilibrirungsfyftem nicht an einer Eilmafchine, wo es doch von höherem Werthe wäre, ftatt an einem Zwitterding zwifchen Laftund Perfonenmafchine verfucht wurde, ift unklar. Die Ausführung des Ganzen entbehrte aber jener Eleganz, die uns an Ausftellungsmaschinen noch immer entgegengetreten ift. Eine andere belgifche Eilmafchine,„ gemifchtes Locomotiv für Eilgefchwindigkeit" benannt nach ihren Erbauern, der anonymen Gefellſchaft von Marcinelle und Couillet, war ein gekuppelter Crampton, die Triebachfe hinter; Kuppel- und Laufachfe vor dem Feuerkaften, Cylinder zwifchen letztgenannten gelegen. Ein fehr grofser Radftand befähigt fie nicht für fcharfe Curven; fie ift auch nicht fehr Stark und foll doch mit 40 Kilometer per Stunde neun Wagen über die Steigung von I: 55 ziehen, und 21 Wagen mit 60 Kilometer über 1: 200. Bemerkenswerth ift ferner die Steuerung, wieder nach„ Walfchaert", jedoch mit zweitem Expanfionsfchieber. Sie iſt in der That complicirt, fo dafs den Bahnen, die bereits über 50 folcher Locomotiven befitzen, zu ihren intelligenten Bedienungsmannſchaften nur zu gratuliren ift. Walfchaert ift durch Guinotte vermehrt. Der untere Schieber dient zur Umfteuerung, hat ftetigen Hub, der obere variirt die Einftrömung durch veränderlichen Hub. Bei der Umfteuerung wird der Expanfionsfchieber nicht alterirt; fein Mechanismus ift nahezu eine diminutive Verdopplung jener des grofsen Schiebers. Die Wellen liegen oberhalb des Feuerkaftens und gehen durch einander, indem jene der Expanfionsfchieber hohl ift. Diefes Syftem gewährt lange Treibftangen und hätte daher eine fehr vortheilhafte Stephenfon'fche Steuerung geboten. Die Tragfedern liegen bei Trieb- und Kuppelachfe unterhalb der Lager und find durch Balanciers verbunden. Die Hinterköpfe der Treib- und Kuppelftangen find nach rückwärts offen. Der Manometer ift ein transparenter, nach Rau. Die Dampffpannung blofs 8 Atmoſphären. Die Speifung gefchieht durch zwei Friedmann'fche Injectors, wie gewöhnlich mit 7 und 9 Millimeter. Der Feuerkaften nach Belpaire. Bei 23.2 Tons Gewicht und 106.680 Total- Heizfläche mufs diefes Locomotiv unter die fchwächeren gerechnet werden und darf man die erwähnte Leiftung billig anftaunen. Der Schwerpunkt der Mafchine liegt 160 vor der Kuppelachfe. Die dritte belgifche Eilmafchine, von Tübize, zeichnete fich nicht durch Befonderheiten, wohl aber durch praktifche, einfache Anordnung und forgfame Adjuftirung aus. Die einfeitige Trägerform der Bläuel- und Kuppelftangen ift kein Fortfchritt und ebenfo unfchön als unconftructiv. Sie hat das Triebrad und Laufrad vor, das Kuppelrad unter der Belpaire'fchen Feuerbüchfe, ift alfo eine jener Conftructionen, die fich auf der Ausftellung mehrfach wiederfand. Die Frames find innen. Die Federn der gekuppelten Räder find mit Balanciers in Winkelhebeln verbunden und unterhalb der Achfen gelagert. Die Steuerung ift natürlich Walfchaert, die Reverfirung kann mittelft Schraube und Hebel gefchehen. Der vierrädrige Tender hat nur einfeitig wirkende Bremsfchuhe, die aber in einfacher Weife kräftig angedrückt werden können, indem die mit Muffen verfehenen Streck ftangen der Klötze an der einen Seite knapp vor dem Hängeifen einen kurzen Hebel tragen; die Spindel wirkt unmittelbar auf den daran befindlichen Zughebel. Das Locomotiv Rittinger aus G. Sigl's Fabrik ift eigentlich als Verfuchsmafchine zu betrachten. Die öfterreichische Südbahn befördert ihre Eilzüge mit 16 Emil Tilp. Locomotiven ähnlichen Baues, wie Rittinger's Nachbar Rafael Donner. Zur Erhöhung der Gefchwindigkeit fand man fich veranlafst, zu grófserem Radftande und höheren Rädern zu greifen. Erfterer bedingt bei der Befchaffenheit der Bahn ein bewegliches Vordergeftell, und man fuchte die Mängel des gewöhnlichen Truckgeftells mit feinem unruhigen Gange in der Geraden dadurch zu paralifiren, dafs man ihm 1320 Meter Radbafis und 950 hohe Räder gab, Beides zu wenig für diefen Zweck. Die neuefte Eilmafchine der Great Northern- Bahn erhielt ein Geftell mit 1980. Meter Bafis. Im Uebrigen dürfte der bedeutende Gefammt- Radftand einen ziemlich ruhigen Gang halbwegs herbeiführen, den die Mafchine auch bei 80 Kilometern bethätigt haben foll. Die Die Rahmen liegen bei den gekuppelten Rädern aufsen, die Kurbeln aufser den Lagern aufgefteckt, Steuerung, mit Stephenfon'fcher Couliffe, aufsen, die Schieberkaften oberhalb der Cylinder, nach rückwärts geneigt, Kolben- und Schieberftangen mit einfacher Führung, die Oelung der Dampfräume gefchieht mittelft Doppelhahn. Die Triebachfe liegt vor, die Kuppelachfe hinter der Feuerbüchfe. Wie man fieht, liegt der ganzen Anordnung die Abficht zu Grunde, eine ftarke, trotz des grofsen Radftandes bewegliche Eilmafchine zu fchaffen. Bauart erinnert an die in kleineren Mafsen in England früher durch Gooch, dann auf den badifchen und württemberg'fchen Staatsbahnen ausgeführten ,, ähnlichen Conftructionsweifen, ohne wefentliche Verbefferung im Ganzen und Grofsen, da das Drehgeftell die alten Mängel hat. Die Anwendung von Hall's Syftem hätte fie compendiöfer geftaltet. An Stärke fteht fie fowohl in der Verbrennungsfähigkeit als Adhäfion hinter dem Rafael Donner zurück, denn die mit der gleichen Ziffer angegebene Adhäfion mufs bei dem Umftande bewundert werden, als fie der Rafael Donner mit der ganzen überhängenden Feuerbüchfe auch nicht höher angibt. Die Leiftung der Mafchine hat bei 30 Kilometer Gefchwindigkeit, auf der Steigung von 1: 130, mit 68 Achfen, 200 Tons betragen, wobei die Expanfion bei 41 Percent des Kolbenlaufs begann, die Verdampfung bei o 5 Kilo Köflacher Braunkohle 175 Kilo Waffer. Die Ausführung ift ganz fo, wie fie von einer der älteften und gröfsten Locomotivfabriken zu erwarten war. Der Rafael Donner aus der Wiener Locomotivfabriks- Actiengeſellſchaft hatte einen älteren Zwillingsbruder im Nordweftbahn- Pavillon, gebaut von G. Sigl. Mit Truckgeftell von kleinen Rädern und kurzer Bafis, vier gekuppelten Rädern, fämmtlich vor dem Feuerkaften, Aufsenframes und Steuerung, die Kurbeln neben den Lagern aufgefteckt, find fie bis auf wenige Einzelheiten identifch. Das fpäter, nach dem älteren Mufter erbaute Locomotiv hat die Becker'fche Feuerbox- Decke, auf welcher Manometer, Einlafsventile für Speifeinjectoren, Sicherheitsventil, Pfeife direct auffitzen, des naffen Dampfes wegen vielleicht nicht ganz anzuempfehlen, obwohl ein Auffatz erfpart ift. Gut ift die Verbindung der Feuerkaften- Seiten mit den Rahmen, die fonft auf der Federung der eingenieteten Zwifchenbleche nach der kurzen Fafer beruht; hier fitzt zwifchen den fchief abgefchnittenen Winkeln ein nach der gröfseren Höhenrichtung federndes Zwifchenblatt oben und unten einfach auf, und bietet weniger Widerſtand. Denkt man fich ftatt des Drehgeftelles ein fteifes Laufrad, fo hat man den meift verbreiteten Typus eines Locomotives, das die vielfeitigfte Verwendung für leichte Laft-, für gemifchte und Perfonenzüge bis 60 Kilometer Gefchwindigkeit, bei grofser Leiftung und der ausgenützteften Adhäfion gewährt, auch in der Einfachheit des Baues nicht übertroffen werden kann. Die Tendermafchine Auftria nach Syftem Engerth, mit vier gekuppelten Rädern vor, fechs kleineren unter und hinter dem Feuerkaften, war die einzige Mafchine mit Kränkachfe und Innencylindern auf der Ausftellung. Diefes Syftem ift übrigens bereits genügend bekannt und entſprechend gefchätzt. Unter den deutfchen Perfonenlocomotiven zeichnete fich durch blendende Eleganz und präcifefte Adjuftirung wie immer die Fabrik Efslingen aus. Sie brachte Transportmittel und anderes Betriebsmaterial für Eifenbahnen. 17 das Locomotiv„ Dniepr". Auch den Verhältniffen entſprechend conftruirt, für welche fie beſtimmt ift, wäre das Verlegen der hohen Räder nach vorne bei fcharfen Krümmungen etwas dem technifchen Gemüthe Unfympathifches, da diefelben trotz der geringeren Umfangsgefchwindigkeit eine bedeutend ftärkere Tendenz zum Auffteigen haben, wegen der gröfseren Sehne. Sie ift von minderer Stärke, der Roft für gute Kohlen berechnet, der Schornftein mit einem einfachen Funkenapparat. Die Steuerung( Allan) liegt innen, die Speifung gefchieht durch zwei Schauinjectors, die Rahmen liegen innerhalb der Räder was die Mafchine wohl leichter, den Gang aber etwas unfteter macht die Federn der gekuppelten Räder unterhalb der Achfen und find mittelft Balanciers verbunden. Die Feuerkaften- Decke ift mittelft Trägern verfteift. Die Laufachfe liegt rückwärts. - - Betreffs der vollendeten Eleganz und Genauigkeit der Detailadjuftirung reihte fich Borfig's 3031fte Mafchine würdig an, obwohl die grofsen Verhältniffe des Keffels und der Räder vielleicht zu den keufchen Mafsen der( unfchön ausgehöhlten) Stangen und Zapfen fich nicht ganz harmonifch ftellen. Die Rahmen aufsen, die Lager der nebft dem fteifen Laufrade vor dem Belpaire'fchen Feuerkaften gelegenen Triebräder nach Hall, der hinter demfelben befindlichen Kuppel achfe mit aufsen aufgefteckten Kurbeln, ift die Bläuelftange innerhalb der Kuppelftange aufgekeilt. Die Federn der gekuppelten Räder find mit Balanciers verbunden. Die Steuerung mit Allan'fcher Couliffe innen, die Reverfirung mittelft Schraube. Eine ähnliche Conftruction war die Eilmafchine„ Bismarck" der Han-" nover'fchen Actiengeſellſchaft, vormals Egeftorff, in glänzender Ausführung, Die Feder der unter aber mit Innenframes. der Feuerbüchfe liegenden Kuppelräder liegt querüber. Die Bruft des Hinterplateaus ift mit kleinen Puffern armirt. Höchft intereffant und durchdacht ift die Mafchine für gemifchte und fchwere Perfonenzüge ,,, Vulcan", der Stettiner Mafchinenbau- Actiengefellſchaft, mit vier gekuppelten Rädern entſprechender Gröfse, die Kuppelachfe unter dem gebrochenen, ftark abfallenden Rofte, vorne eine Laufachfe, mittelft Deichfelgeftell um 50 Millimeter radial verfchiebbar, Innenframes, Aufsenfteuerung( Allan), Schieberkaften geneigt nach hinten, oberhalb der Cylinder. Die unter den Achfen liegenden Federn der gekuppelten Räder haben Balanciers, die Laufachfe trägt eine ftarke Querfeder. Erftgenannte Balanciers find an den Enden behufs Vermeidung von Seitenfpiel geführt. Die Feuerkaften- Decken mit Stehbolzen gefteift, 2 Sicherheitsventile nach Ramsbottom, I anderes nach Meggenhofen an der Domfpitze, 2 Schau'fche Injectoren, Prüsmann'fcher Funkenfänger, die Aufsenverbrämung und alles Metall durch Neufilber erfetzt, das koftfpielig, und vielleicht weil ungewohnt, wenig gefällig. Die bewegliche Vorderachfe( conftruirt von Stambke und Biffell) trägt den fixen Deichfelzapfen in der Höhe und unweit der Triebachfe. Der Hauptrahmen ift vorn ausgefchnitten und trägt blofs die keilförmig zufammenlaufenden Verschiebflächen- Obertheile, die drehbar in Zapfen ftecken. Zur Begrenzung des Spieles find diefe Obertheile nach innen mit einer Art Haken verlängert, ferner tragen die Hauptframes zwei Bolzen, die in Segmentfchlitzen gehen, befeftigt an den Lagern. Die gewaltige Feder ruht mit den Enden mittelft drehbarer Platten auf den Lagerobertheilen, in der Mitte ftemmt fich ihr Bolzen an die ftarke Querverbindung. Der zur Verfchiebung der Achfe nöthige Druck wird auf maximal 1 Ton angegeben. Zur Vergröfserung der Adhäfion ift das Kuppelgehäufe der Plattform nächft dem Hinterrade 25 Centner fchwer gemacht worden. Die gefammte und Detailanordnung diefes Locomotivs ift fo harmoniſch und zweckdienlich, dafs für den ihm zugedachten Zweck kaum eine beffere zu finden fein dürfte. Die bedeutende Leiftung beträgt 140 Tons mit 50 Kilometer Gefchwindigkeit per Stunde auf der Steigung von I: 72, bei Curven von 300 Meter 2 18 Emil Tilp. Das Locomotiv der Mont Cenis- Tunnelbahn, erbaut von Köchlin in Mühlhaufen( Elfafs), ift von den ftärksten Verhältniffen, nach Borfig'fchem Mufter, jedoch mit Innenframen und Aufsenfteuerung. Mit eben folcher Räderanordnung, Innenframes und Innenfteuerung( Allan) war die durch Rufsland ausgeftellte Perfonenmafchine der grofsen ruffifchen Eifenbahn- Gefellfchaft, erzeugt in deren Petersburger Werkstätten. Die Tragfedern des vorderen und mittleren( Trieb-) Räderpaares find mittelft ungleicharmigem Balancier verbunden, fo dafs das gröfsere Gewicht der Laufachfe entfpricht. Auch die Federn der beiden Vorderachfen des fechsrädrigen Tenders haben Balanciers. Kuppelachfe und gemeinfchaftliche Querfeder wie bei der Egeftorff'fchen Mafchine. Am reichhaltigften war die Gattung der Locomotiven für Güterzüge und Stationsdienst normaler Hauptbahnen in der Ausftellung vertreten. Mächtige Giganten für Gebirgsbahnen bis zu Laftmafchinen zweiten Ranges, mit gröfster Leiftungsfähigkeit dürften nicht oft in fo verfchiedener Geftalt bei einander gefehen werden. Den gröfsten Colofs hatte wiederum Belgien gebracht mit feiner zwölfrädrigen„ Type Meyer", den verbefferten Nachfolger des" Avenir". Ueber die Originalität diefes Syftems und deffen Aehnlichkeit mit der Type Fairlie ift bereits gefprochen worden und ift diefes Tenderlocomotiv nur mehr bemerklich durch die geniale Detailconftruction und das Studium, dem diefe forgfältigft unterzogen worden ift. Es besteht aus einem mächtigen Keffel mit 2-896 Meter langer Feuerbüchfe und 5.500 Meter langem Cylinder, ruhend auf drei Punkten zweier beweglichen Drehgeftelle, jedes mit fechs gekuppelten Rädern, deren äufserfte die Triebräder find, zwei Dampfcylindern und äufserer Steuerung nach Walfchaert. Die Wafferkäften liegen zu beiden Seiten des Keffels, unabhängig von den Untergeftellen. Das Vordergeftell trägt einen fphärifchen Drehzapfen, durch deffen Höhlung die gemeinfchaftliche Dampfausftrömung ftattfindet; auf das rückwärtige drückt der Keffel mit zwei feitlichen Zapfen in Schlittenführungen, befeftigt an der Feuerbüchfe. Verbunden find beide Geftelle mittelft der Stradal'schen Kupplung, fo dafs bei jeder Fahrtrichtung immer eines derfelben gezogen wird, welches Kuppelfyftem auch an beiden Zughaken angewendet ift. Die Kuppelftange geht durch einen hohlen Puffer, der den Geftellrahmen gemeinfchaftlich ift. Die Räderanordnung und die der Federn ift fymmetrifch, ebenfo die zu einander ftehenden Cylinder. Die Entfernung der Stützpunkt- Mittel ift o 150 Meter vor und hinter den Mittelachfen. Für die Verfchiebung des Hintergeftells in Curven ift ein begrenztes Längenfpiel in den Gleitfupporten vorhanden. Die Dampfabnahme gefchieht aus einem Dome mittelft zweier Regulatorfchieber, deren jeder für fich oder beide zugleich bewegt werden, fo dafs jeder der Doppelmechanismen nach Belieben getrieben werden kann. Senkrechte Rohre mit Kugelgelenken reichen an die horizontalen Verbindungsrohre je zweier correfpondirender Schieberkaften. Das senkrechte Rohr verfchiebt fich innerhalb eines Gelenkkaftens in fenkrechter Richtung auf dem Stutzen des horizontalen Rohres. Die Verbindung der Ausftrömungsrohre der vier Cylinder gefchieht auch durch Gelenke. Das Locomotiv hat dreierlei Bremfen: erftens die Lechatelier'fche; dann werden die Hinterräder des rückwärtigen Geftells mittelft Schraubenbremfe geftellt, endlich wirkt eine Dampfbremfe auf das Vordergeftell derart, dafs der Kolben eines Cylinders mittelft Querbaum auf die Bremshebel wirkt; das Aus- und Einftrömen des Dampfes in den Cylinder gefchieht durch das nämliche Rohr. Um das Federfpiel beim Bremfen nicht zu beeinträchtigen, find die Hängeifen mit Kautfchuk verfehen. Transportmittel und anderes Betriebsmaterial für Eifenbahnen. 19 Die Feuerkaften- Decke( fammt Roft von Belpaire) fteigt etwas nach vorn aufwärts, der Schüttelroft, im Beginn mit Quer-, zum gröfsten Längentheile mit Langftäben, fällt nach vorn. Die Speifung gefchieht durch zwei der bekannten Friedmann'fchen Injectoren, an den Kohlenkäften angebracht. Das Reverfiren gefchieht mittelft Schraube und Hebel für die verfchiedenen Steuerungen. Die Tragfedern der äufserften vier, refp. acht Räderpaare find durch Balanciers verbunden und liegen alle Federn oberhalb der Lager. Die Rahmen der Geftelle find innerhalb der Räder und in folider Weife verfteift. Die Ausführung war durchwegs mit gröfster Sorgfalt, mit Auswahl der beften in Belgien erreichbaren Materialien bewirkt. Von Gufsftahl find Treib- und Kuppelftangen, Kolbenstangen, Schieber( deren Sohlen mit Zinngufs), Supporte der Drehftützen, Achslager- Schleifbacken und Keile, Tyres, Achfen, die Lagergehäufe von Schmiedeifen, ebenfo die Räder fammt Gegengewichten und aus einem Stücke. Sämmtliches Rothmetall ift neue Montefiore'fche Phosphorbronce. Die ſchwedifchen Kolben mit gufseifernen Ringen. Die in der Tabelle nicht enthaltenen Mafse find: Achfenftand dèr fechs Achfen, von vorne an fortlaufend: 1300 1: 360, 3.400 1360 und 1300 Meter. Total 8.720 Meter. Entfernung der Stützpunkt- Centren 6 420 Meter. Entfernung der Cylindermittel 2020 Meter. Länge der Treibftangen 2.550 Meter, ganze Länge der Mafchine 12.780 Meter, innere Entfernung der Frames I 250 Meter, Höhe der Keffelmitte über den Schienen 2: 280 Meter. Wafferinhalt des Keffels 8.600 Cubikmeter= 5.000 Kilo, Waffergehalt des Tenders 7.450 Kilo, Kohlenraum des Tenders 3.000 Kilo, Zugkraft 9.500. Warum der Erbauer für eine Gebirgsmafchine, die auf geringfte Gefchwindig. keit und gröfste Kraft angewiefen ift, den bedeutenden Raddurchmeffer von 1'220 Meter angenommen hat, ift durch das Beftreben, die Theile möglichft von den Schienen zu entfernen, nicht genügend gerechtfertigt. Ein anderer Vortheil kleinerer Räder( wir geben hier unferen Sechskupplern nur II10 bis 1190 Meter) wäre die kürzere Achfenftellung gewefen. Die Mafchine foll beim Verlaffen der Fabrik eine Steigung von 1: 20 und Curven von 80 Meter anftandslos paffirt haben. Ohne auf die Erörterung einzugehen, ob diefes Syftem wirklich das der Zukunfts- Gebirgsmafchine fein wird, mufs dem Ausfteller für die koftfpielige und mühevolle That, fowie den Conftructeuren für die geiftreiche Conception alle Ehre zuerkannt werden. An diefen Riefen fchloffen fich an Kraft und Gewicht die ausgeftellte Achtkuppler-, und zwar die von G. Sigl erbaute Semmeringmafchine, welche feit Jahren den Betrieb der Laftzüge auf dem Semmering, Brenner und den anderen Gebirgsftrecken der öfterreichifchen Südbahn vermittelt; die von Schneider in Creuzot, die von G. Sigl für die ungarifche Staatsbahn, die von Haswell für die Staats- Eifenbahn- Gefellfchaft in hundert Exemplaren gefertigte Mafchine, Kaifer Franz Jofef", endlich das Locomotiv " Tauern" aus der Chemnitzer Fabrik. Es ift intereffant, die Hauptmafse diefer mächtigen Laftmafchinen an einanderzureihen: Roftfläche Heizfläche Rohre Radftand Gewicht in Tons Semmering Creuzot Haswell 2.16 Q.M. 1.86 1.96 170 Q.M. 205 3.56 M. 51 208 270 99 ንን 3.86 54 180 207 " 3.79 m 44 Sigl( Ungarn) 2.00 180 99 223 3.60" 46 Tauern I- 75 151 99 199 3:58" 42 2* 20 Emil Tilp. Die beften Verhältniffe, befonders der directen Heiz- und der Roft- zur Totalfläche hat entfchieden G. Sigl's Semmeringmafchine, und ihre Leiftung wird auch trotz der kleineren Gefammt- Heizfläche und des um drei Tons geringeren Gewichtes, da fie zudem den kleinften Radftand hat, unübertroffen fein. Nach Angabe der Südbahn werden die Züge auf den Gebirgsftrecken nicht mehr getheilt und befördern diefe Locomotiven bei fehr ökonomifchem Brennftoff- Gebrauche die Laft von 400 Tons mit 15 Kilometer Gefchwindigkeit per Stunde auf Steigungen von 1: 40( Semmering und Brenner), jedoch mit Hilfe von Schiebemaſchinen. Bei allen diefen Locomotiven ift die dritte Achfe die Triebachfe, die Hinterachfe feitlich verfchiebbar. Die Rahmen liegen innen bei denen von Creuzot, Haswell, Chemnitz und der Semmeringmafchine. Aufsenfteuerung haben Creuzot und die Semmeringmafchine, an allen iſt die Stephenfon'fche. Die Speifung gefchieht, wie diefs in Frankreich üblich, an Creuzot's Locomotiv durch einen links angebrachten Injector und eine rechts durch Excenter von der erften Achfe aus getriebene Kolbenpumpe; das letzte Räderpaar ift mittelft Spindelbremfe an den hinteren Seiten bremsbar. Es find vier Probirhähne und zwei Wafferſtände des weiten Keffels wegen vorhanden. Die Kuppelſtangen haben beide, wovon die Hälfte überflüffig, in fenk- und wagrechter Linie drehbare Charniere. Zum Tender führen die bei uns wenig mehr gebräuchlichen Gummifchläuche. Der Raddurchmeffer ift eben auch grofs, die Augen der Schleif bogen der Steuerung trotz langer Excenterftangen unvortheilhaft zufammengerückt. Es ift intereffant, dafs diefe Bauart nach fo vielen Jahren nach dem Lande zurückkehrte und dafelbft zur Anwendung für jene fpeciellen Zwecke gelangte, wo und für welches diefelbe erfunden worden. Die öfterreichifche Semmeringmafchine trägt an den Federn der Hinterachfe einen Querbalancier; die Sandkäften find unter dem Keffel nahe der Rauchkammer zwifchen den Frames angebracht. Die ungarifche von G. Sigl erbaute Mafchine hat für die zwei Mittelachfen gemeinfchaftliche Tragfedern und Balanciers, fo das Haswell'fche Locomotiv und das Chemnitzer für die beiden letzten Achfen. Die Achfen liegen vor den Feuerbüchsen, die dritte ift Triebachfe. Die Ausführung aller diefer Achtkuppler war tadellos; mit einem ganz exquifiten, koftfpieligen, nur für die Ausftellung berechneten und, offen gefagt, überflüffigen Glanze ausgeftattet aber das Locomotiv von Creuzot. Von den fich anfchliefsenden Sechskupplern war Haswell's ,, Stainz" der bemerkenswerthefte, weil er vielfache Abweichungen von der Norm zeigt. Der Keffel ift, entgegen dem Gebrauche, fammt Feuerbüchfe über die Rahmen emporgehoben, an welchen letztere frei aufgehängt ift. Die hohe Schwerpunkts- Lage wird nicht für fchädlich gehalten- bei Laftmafchinen wohl angängig. Diefe Anwendung gefchah aus dem Grunde, um einen mächtigen, breiten, nicht durch die Rahmen begrenzten Roft zu erzielen, da der Radftand gegeben und ein ftarkes Ueberhängen zu vermeiden war. Die Führung der Achslager gefchieht in der am Anfange erwähnten centralen Weife. Die Federn der Vorder- und Mittelräder haben Balanciers. Vier Sandkäften bedecken die Vorder- und letzten Räder. Die Injectoren nach Fink's Syftem find auf der Plattform angebracht. Die Rahmen lieger innerhalb, die Steuerungen aufserhalb der Räder, das Reverfiren gefchieht mittelft Schraube, der innere Feuerkaften hat die Haswell'fche gewellte Decke. Die letzte Achfe, zugleich Triebachfe, liegt unterhalb des fchief abgefchnittenen Afchenkaftens. Die Sechskuppler( mit Tender), von G. Sigl, Maffei, Egeftorff, Cockerill, aus Caffel und aus Petersburg find durchwegs Locomotiven von trefflichen Conftructions- Verhältniffen und fehr guter Ausführung. Die Sigl'fche Mafchine ,, Hall" trägt einen Schmierapparat an den Aufsenrädern, der aus einer mit Unfchlitt gefüllten Zinkblech- Hülfe befteht, die, unter 45° geneigt, an der Hohlkehle des Spurkranzes anfteht und beim Durchlaufen der Curven in trockenem Wetter fich Transportmittel und anderes Betriebsmaterial der Eifenbahnen. 21 abnützt, und zwar foll diefs mit Hülfe und Inhalt gleichmässig der Fall fein; bei naffen Schienen foll keine Abnützung ftattfinden, die Adhäfion foll nicht beeinDas Locomotiv ift trächtiget, das Ablaufen der Tyres merklich verzögert fein. nach den Normen der ungarifchen Regierung, als zweiten Ranges, conftruirt. Maffei's Locomotiv hat innenliegende Allanfteuerung, Prüsmanncamin, Ramsbottom'fche Sicherheitsventile, ift für Heberlein's Bremfe, mittelft StahlgufsBremsklötzen, auf Vor- und Hinterräder wirkend, eingerichtet. Cockerill's italienifches Locomotiv hat Innenframes( gleich dem von Egeftorff), Innenfteuerung, die Speifung gefchieht durch den Friedmann fchen Injector rechts, einen Giffard links. 29 Nicht minder vorzüglich ift Henfchel's Mafchine Heffen" befchaffen. Die hinteren beiden Achfen haben zwei gemeinfchaftliche Tragfedern. Das ruffifche Locomotiv mit Innenrahmen, innerer Steuerung, ift für Heberlein's Bremfe und an den letzten zwei Räderpaaren mittelft Stahl- Gufsklötzen zum Bremfen eingerichtet. Diefe Klötze find mit Querbäumen und Federn zum Der Roft ift zum Entfchlacken mit Schüttelgleichzeitigen Anpreffen verfehen. vorrichtung, der Schornftein mit Prüsmann's Apparat ausgerüftet; die rückwärtigen Tragfedern haben einen Querbalancier, eines der Sicherheitsventile ift nach Meggenhofen. Die Speifung gefchieht durch zwei Friedmann's. Ein fechsrädriger Tender ift beigegeben. Die Mafchine von Claparede aus St. Denis hat Innenframes, Aufsenfteuerung mit unfchöner Schieberführung, in Geftalt eines Klotzes, den Cylindern angegoffen. Andere ungewöhnliche Apparate trifft man noch: die Cylinder und Schieberkäften befitzen mehrere Schmierhähne, jeder Cylinderdeckel hat fein Luftventil, der Schornftein fein Wafferablauf- Rohr, die den Tender ziehende Schraubenkuppel ift in ein bis zu den Keffelträgern vor dem Feuerkaften reichendes Parallelogramm eingefchaltet, die Speifung ift wie beim franzöfifchen Achtkuppler. Die Aufsenverfchalung ift von Meffingblech, die ganze Ausführung und Conftruction keineswegs muſterhaft. Der Sechskuppler aus Neapel, mit vierrädrigem Tender, ftach unvortheilhaft durch nichts weniger als elegante Arbeit ab. Die Conftruction bot keinerlei Befonderheiten, nur umfafst das gabelförmige Ende der Kuppelftange den Bügel der nächften, Schraubenkeil und Backe verfichern die Verbindung. Die in dem für Bahntechniker fehr inftructiven Pavillon der öfterreichifchen Nordbahn ausgeftellte, fechsrädrig gekuppelte Sigl'fche Laftmafchine ( ,, Altvater") ift nach den beften Proportionen gebaut. Aufsenrahmen, Innenfteuerung, eine Tragfeder für jedes Rad, kurz Einfachheit, Solidität, Kraft find in diefem Typus vereinigt. Um die Belaftung nicht übermäfsig zu geftalten, wurde der Keffel aus Beffemerblech erzeugt. Der in den Werkstätten der ungarifchen Regierung durch Zimmermann erbaute Sechskuppler fchliefst fich der Conftruction nach an Nr 1533( Sigl) und Hall. Alle vorgenannten Sechskuppler haben die Achfen zwifchen Feuer- und Rauchkammer, deren mittlere die Triebachfe ift. Sechsrädrig gekuppelte Tenderlocomotiven( normal) waren von Sigl, Wöhlert und Kraufs. Erftere beiden tragen die Wafferkäften feitlich oberhalb, letzteres zwifchen den Rahmen, die nach des Erbauers Patent als Wände mitbenützt werden. Wöhlert's Mafchine hat bei inneren Rahmen innere Steuerung, alle Tragfedern unter den Achfen, die vorderen balancirt; die bremsbare Hinterachfe fteht unter der abfallenden Feuerbüchfe, die nach Belpaire und mit einem cylindrifchen Rauchverzehrer( vorher befchrieben) verfehen ift. Der Keffel ift von Gufsftahl- Blech. Der Kraufs'fche Sechskuppler hat innere Rahmen, Aufsenfteuerung nach Allan, trägerförmige Leit- und Kuppelftangen, die Schieberkaften nach aufsen und rückwärts abfallend. Die beiden rückwärtigen Räderpaare find an den Vorderflächen mit Stahlgufs- Schuhen bremsbar. 22 Emil Tilp. Kraufs gibt deren Leiftung auf 370 Pferdekraft, 3700 Kilometer Zugkraft, gleich 130 Tons auf der Steigung von I: 40 mit 22 Kilometer per Stunde an, wobei 408 Cylinderweite, 632 Hub, 1185 Raddurchmeffer, 10 Atmoſphären Druck, 118 Quadratmeter Heiz-, 1500 Quadratmeter Roftfläche, 38 Tons Adhäfion, Raum für 2 Tons Kohlen, 5000 Liter Speifewaffer. Der Radftand ift 3160.( Alle in diefem Berichte angezogenen Leiftungen berechnen fich exclufive Zugsmaschine und Tender.) Die im Nordbahn Pavillon ausgeftellte Sigl'fche Tendermafchine ,, Michalkowitz" hat drei gekuppelte, vor dem Feuerkaften liegende Achfen, Aufsenframes, die Kurbeln neben den Lagern aufgefteckt, Innenfteuerung( Allan); die beiden Hinterräder- Paare find an den Aufsenfeiten mit Stahlklötzen bremsbar. Die Wafferkäften liegen hoch, noch über den Tragfedern, feitlich des Cylinderkeffels, die Kohlenkäften feitlich des Feuerkaftens. Es ift eine Dampf- und eine Handbremfe vorhanden. Auch bei diefen drei Tenderlocomotiven ift die mittlere die Triebachfe. Zwei fechsräderige Vierkuppler( Tendermafchinen) waren die„ Auftria" ( reconftruirt in den Nordbahn- Werkstätten, ausgeftellt in deren Pavillon) und der , Nord" aus der ehemals Schwarzkopf'fchen Fabrik in Berlin. Erfterer hat vorne eine fteife Laufachfe, vor dem Feuerkaften die Trieb, rückwärts die Kuppelachfe. Als Tragfedern find noch Volutfedern verwendet, die man früher häufig an Laftmafchinen traf. Die Rahmen liegen innen, ebenfo die Steuerung. Der Wafferkaften ift fattelförmig über den Keffelcylinder gelagert und reicht vom Feuerkaften bis zum Dom nächft des Schornfteines. Ein kleines Refervoir liegt noch unterhalb der Führerbrücke. Der Keffel ift nebft der äufseren Feuerkifte aus 9 Millimeter dicken Beffemerblechen, die beiden Feuerkaftendecken find halbkreisförmig gebogen, ohne jede Verankerung und geht die oberfte Stehbolzen- Reihe bis über den Anlauf der Kreisbogen. Beide Triebräder werden an den Innenflächen blofs an der Heizerfeite mit gufseifernen Klötzen gebremft. Die Rofte an allen Nordbahn- Mafchinen find, aus Façoneifen- Stäben ohne Köpfe beftehend, in Rechen gelagert. Das Tenderlocomotiv„ Nord" hat vier Kuppelräder vor, ein Laufrad hinter dem Feuerkaften. Die Mittelachfe ift Triebachfe und bremsbar. Die Wafferkaften liegen zu beiden Seiten des Keffels, Steuerung und Rahmen innen, Sicherheitsventil nach Ramsbottom. Für folche Objecte, deren Wafferbedarf behufs Gewinnung von Adhäfion auf die Mafchine verlegt wird, darf die Dotirung eines Laufrades wohl Verfchwendung genannt werden. Ueberdiefs find die Conftructionsmafse( übergrofse Räder und Cylinder bei kleiner Heizfläche) nicht günftig. Die Laufachfe ift mittelft Rollen feitlich radial verfchiebbar, die Feder liegt quer. Beffer durchdacht war der Vierkuppler, das Tenderlocomotiv von Kraufs in München, welcher Conftructeur fich mit Erfolg auf die Schöpfung von Tenderlocomotiven für normale und Secundärbahnen verlegt. Das Tenderlocomotiv D armftadt" war ähnlich conftruirt. Innenframes. Allan'fche äufsere Steuerung, zwei gekuppelte Achfen, wovon die rückwärtige bremsbare( Triebachfe) unter dem Feuerkaften, Wafferkaften unter dem Keffel zwifchen den Rahmen, Kohlenkaften neben dem Feuerkaften auf dem Plateau, im Ganzen noch um 14 leichter und fchwächer als Kraufs' vorbefchriebenes und faft mehr für Secundärbahnen mit normaler Spur tauglich. Der Ausführung nach reiht diefes Object hinter allen fchon vorgeführten und kann nur mit einigen fpäter befchriebenen fchmalspurigen Locomotiven gleich fparfamer Ausarbeitung verglichen werden! Nachdem die Grenze zwifchen Locomotiven der Haupt- und Secundärbahnen noch unbeftimmt, und die Rangir- und Locomotiven für Kohleninduftrie- und andere normalspurige Bahnen vielleicht einen Uebergang zu bilden berufen Transportmittel und anderes Betriebsmaterial für Eifenbahnen. 23 find, mag man es nicht allzufcharf mit der hier getroffenen Eintheilung nehmen, welche die folgenden Locomotiven für fecundäre Zwecke erbaut denkt, obwohl mehrere der im Vorhergehenden Abgehandelten vielleicht auch hieher paffen würden. Es waren zehn folcher Locomotiven, wovon je zwei aus Oefterreich und England, je eins aus Belgien und Frankreich, vier aus Deutfchland. Ihr Dienftgewicht variirt von 6 bis 20 Tons, die Heizfläche von 8 bis 46 Quadratmeter. Eins war achträdrig, eins fechsrädrig gekuppelt, eins fechsrädrig, wovon vier Kuppelräder, alle anderen vierrädrig gekuppelt. Es find mit Ausnahme des Achtkupplers durchwegs Tendermaſchinen, zwei mit ftehendem Keffel. Sonft beftehen die Hauptverfchiedenheiten in innerer oder äufserer Steuerung, in feitlicher, oberer fattelförmiger, oder unterer innerer Situirung der Wafferkäften. Die Rahmen find sämmtlich innerhalb der Räder, die Cylinder aufsen gelagert. 22 Das ftärkfte hierunter ift der Orient", aus der Fabrik der Staats- EisenbahnGefellſchaft in Wien, fonft ganz nach dem normalen Sechskuppler Stainz conftruirt durch Haswell. Unter ihren vier gekuppelten Achfen ift die letzte um 35 Millimeter feitlich verfchiebbar, die Tragfedern der vorderen zwei, ebenfo wie der rückwärtigen zwei Räderpaare find durch Balanciers, die Letzteren ebenfo querüber verbunden. Achslager- Conftruction und Feuerdecke find nebft dem Keffelftein- Apparat fo wie bei der fchon genannten„ Stainz". Die Steuerung iſt aufsen, Lechatelier's Bremfe ift vorhanden, ein vierrädriger Tender beigegeben. Ob die hohe Keffellage hier abfolut anzuwenden nöthig war, wie es felbft bei dem gröfseren Sechskuppler vielleicht hätte vermieden werden können, mag bezweifelt werden, da die Schwankungen der weit vom Schwerpunkt entfernten Maffen doch zweifelsohne wachfen müffen und ihnen gröfsere Wege geboten find. Da der Radftand, verhältnifsmäfsig betrachtet, gröfser ift als dort, hätte die Roftfläche durch Verlängerung, ohne Nachtheil in der gewünſchten Gröfse, ähnlich wie bei den normalen Achtkupplern gewonnen und der Keffel bedeutend tiefer gelegt werden können. Das Locomotiv„ Hungaria" des Banater Eifenwerks Refchitza, Syftem Haswell, hat bezüglich des Roftes und der Feuerbüchfe die gleiche Anordnung, auch gleiche Achfenlager- Führung; die Wafferkaften find zwifchen, die Steuerung ( Allan) aufserhalb der Rahmen, die Kohlen auf der Heizerfeite. Bei den Stangen ift der runde Querfchnitt vorherrfchend. Das für das Petroszenyer Kohlenwerk erbaute Tenderlocomotiv der Carlsruher Mafchinenfabrik hat gute Verhältniffe. Steuerung aufsen, Cylinder und Schieberkaften horizontal, letzterer nach Aufsen geneigt, die Triebräder beiderfeits bremsbar, die Wafferkäften feitens des Keffelcylinders. Der Feuerkaften hat die alten üblichen Träger und bewegt fich in den Frames mittelft gufseifernen Schlitten mit Metallfutter. Der Keffel ruht auf drei Federn, da jene der Triebachfe querüber liegt. Die Räder find wie bei faft allen diefen kleinen Mafchinen aus Scheiben von Gufseifen mit Stahlreifen. Ein kleines Locomotiv mit ftehendem Keffel, oberhalb der Vorderräder liegenden fchiefen Cylindern, ftammte aus der Mafchinenfabrik der Harzer Werke in Zorge. Das vordere( Kuppel-) Rad ift an der Aufsenfeite bremsbar. Die Steuerung ift höchft einfach, mit einem Excenter; die Umfteuerung gefchieht mittelft befonderer Steuerfchieber. Das Wafferrefervoir fitzt vor dem Keffel zwifchen und auf dem Rahmen, der Kohlenraum ift hinten am Plateau des Führers. Zwei Injectoren„ Schau" liegen an der unteren Pufferwand ebendafelbft. Zur Vergröfserung des Raumes und Erzielung trockenen Dampfes ift über der oberen Bodendecke des Keffels noch ein hohler Ring hergeftellt, welcher durch Oeffnungen in der Oberdecke mit dem Keffel communicirt. Die Stärke wird auf 23 Pferdekräfte, die Zugkraft auf 150 Tons horizontal, 42 Tons auf 1: 100 Steigung angegeben. 1 24 Emil Tilp. Das vierräderige Tenderlocomotiv, Syftem Kraufs, ift von der Parifer Ausstellung her bekannt; ähnlich demfelben warjenes aus Darmstadt, wenn auch minder forgfältig ausgearbeitet, doch mit befferer Anlage, da der Keffel bei Kraus zu hoch liegt. Die von Cockerill exponirte Mafchine für Berg- und Hüttenwerks- Zwecke hatte im Ganzen die Anordnung des befchriebenen Locomotivs von Zorge; die Speifung gefchieht mittelft Injector. Sie wird gleich allen diefen kleinen Motoren in mehreren Modellen verfchiedener Gröfse gebaut. Aus Fives Lille kam ein Sechskuppler von anfprechenden Verhältniffen, deffen Leiftung auf 1:50 mit 45 Tons, horizontal mit 220 Tons bei 20 Kilometer Gefchwindigkeit angegeben wird. Die Mittelräder haben keine Spurkränze. Das Gewicht der zu verwendenden Schienen wird gefordert mit 18, 1634 oder 15% 2 Kilometer, wenn die Schwellen 1000, o 900 oder o 800 entfernt find offenbar ift Stahl gemeint. - Von Henry Hughes in Loughborough war ein vierrädrig gekuppeltes Tenderlocomotiv mit fattelförmigem Wafferkaften hier, ohne Befonderheiten in Conftruction und Arbeit. Das Tenderlocomotiv ,, Victoria" von Fox, Walker& Comp. in Briftol hat vier gekuppelte und zwei Laufräder, letztere und die Triebräder vor, die Kuppelräder hinter dem Feuerkaften. Die Laufachfe, deren Anwendung die Adhäfion kürzt, hat Adam'fche Radial- Achsbüchfen( verfchiebbar). Ein drittes Kuppelrad, feitlich verfchiebbar, wäre zweckdienlicher gewefen. Die Speifung gefchieht durch eine Pumpe und einen Giffard, die Steuerung liegt innen, die Wafferkaften find zu beiden Seiten des Keffels. Die Kuppelräder find bremsbar. Nebftdem ift Lechalier's Apparat vorhanden. Die Köpfe der Leit- und Kuppelftangen decken die Enden der Krummzapfen. Die Ausführung iſt im Ganzen beffer als die Conftruction der Hauptverhältniffe, doch wäre es nicht nöthig gewefen, die Spurkränze dünn abzudrehen. Wenn nach diefen kurzen Ausführungen nochmals mit voller Anerkennung der belgifchen Locomotiv- Fabrication gedacht wird, die in unermüdlicher Thätigkeit unfere Ausftellung durch Objecte hervorragend bereichert hat, deren geiftreiche Entwürfe zeigen, wie diefs kleine Land in der Induſtrie raftlos fortfchreitet, fei es auch geftattet, der einheimifchen Production vorübergehend zu gedenken, welche feit dem erften Beginne der continentalen Eifenbahnen Anftrengungen machte, deren Erfolg fie auf eine gleich hohe Stufe ftellt mit der genannten und mit jener der zahlreichen deutfchen Werkstätten. Aus den Fabriken von G. Sigl( früher W. Günther) find Preislocomotiven des Semmerings hervorgegangen, deren Bauart noch heute als Bafis für Gebirgsmafchinen gilt; das Hall'fche Syftem, das transportable Locomotiv und eine grofse Zahl von praktiſch vielfeitig verwertheten Conftructionen. Die Fabrik der Staats- Eifenbahn- Gefellſchaft hat die erften Sechs- und Achtkuppler, die Syfteme der„ Steyerdorf", des Duplex", der„ Stainz", und eine reichhaltige Collection von Modellen gefchaffen, die feit 30 Jahren bis heute noch als Mufter gelten. Auch die Haswell'fche Schmiedepreffe entſtand hier. So kann behauptet werden, dafs das Urfprungsland des Locomotivbaues von feinen Schülern nicht nur erreicht, fondern auch grofsentheils überflügelt wurde, fo dafs Deutfchland bereits nach anderen Welttheilen, Oefterreich nach dem ganzen Continent exportirt, und letzteres auch ohne Hilfe von Ausfuhrprämien und ohne alle Unterſtützung feitens der verfchiedenen öffentlichen Gewalten, im Befitze vorzüglichen Materials, ganz jene Stufe einnimmt, die es als Locomotiv Producenten erften Ranges qualificirt. Einfachheit und Zweckmäfsigkeit der Conftruction, folide Dimenfionen charakterifiren Oefterreich, während Deutfchland durch brillante Ausführung, gediegene und präcife Arbeit glänzt, wodurch es die mindere Güte der ihm und Belgien zu Gebote ſtehenden Materialien erfetzt. Transportmittel und anderes Betriebsmaterial für Eifenbahnen. 25 Wagen. Die in der Mafchinenhalle, in verfchiedenen Annexen, im Mont Cenis- Tunnel und bis im Sanitätspavillon zerftreute Collection der Perfonen-, Lazareth-, Gepäcks-, Poft, Hilfs- und Laftwagen aller Gattungen umfafste etwa fechzig Objecte und mehre Modelle. Oefterreich und Deutfchland hatten jedes ein Drittel diefer Zahl ausgeftellt, der Reft vertheilte fich in einzelnen Exemplaren auf Frankreich, Belgien, Italien, Rufsland und die Schweiz. Nebftdem hatte Amerika einen neuen Tramwaywagen gebracht. Sehr fchöne Salonwagen für Zwecke des Hofes oder gefchloffener Gefellfchaften waren erfchienen in der öfterreichifchen, deutfchen und belgifchen Abtheilung. Mit gröfstem Aufwande und wahrhaft künftlerifcher Ausstattung iſt der in der Wiener Südbahn- Werkstätte ausgeführte Jagd wagen des Monarchen erbaut. Der Wagen ift vierrädrig, hat englifche Holzfcheiben- Räder, die bei der Südbahn üblichen Lager für Starrfchmiere und einfache Federn. Ein durch zwei Treppen befteigbares grofses Plateau ift durch grofse, herabzulaffende, mit Vorhängen verfehene Spiegelfcheiben eingefafst, Plafond und Rückwand mit Seidentapeten, bemalt mit Objecten der Jagd und kaiferlichen Jagdhütten, ausgeftattet mit Sculpturen, Ornamentik und Malerei, die durchwegs fich auf diefen Sport beziehen. Eine Mittelthüre führt in den Salon mit prachtvoller Decoration und befonders fchönem Plafond. Ein verfenkbarer Ofen wird behufs der Heizung mit Briquettes gefüllt. Den Schlufs bilden Abtheilungen für die Toilette. Arbeit und Ausführung find ebenfo forgfältig als koftfpielig; die einfachen und doch angemeffenen Aufsenfeiten laffen die innere Pracht nicht ahnen. Minder koftbar, aber gleich gediegen ausgearbeitet, ift ein Perfonenwagen I. Claffe mit Schlafcoupé, eigentlich Salonwagen, der Grazer Waggonfabrik vormals Weizer. Der Kaften ruht mittelft zehn Confolen auf Kautfchukfcheiben und ift durch die Reiffert'fchen Schwungarreten gefichert. Er enthält einen Salon mit zwei mechanifchen Schlafftühlen, Toilette und Clofet mit Wafferrefervoir auf dem Dache und mit fchmalen, fich automatifch nach beiden Seiten öffnenden Thüren, ein Coupé erfter Claffe mit fünf und eines mit drei Sitzen, endlich ein Plateau mit Geländer. Die Räume find mittelft Thüren verbunden, nur das Batard- Coupé ift ifolirt; deffen Sitze find in bekannter Weife herauszufchieben, während die Stirnwand umfchlagbare Klappen enthält. Mit den herausgefchobenen Sitzen legt fich auch die Unterhälfte der Rücklehne nach vorwärts. Der Wagen hat die Luftheizung von Thamm und Rothmüller, Luftventilation ift mittelft doppelter Dachverfchalung und Schieber hergeftellt. Wie die Decoration und Ausftattung gefchmack voll, ift die Arbeit folid und elegant. Der Salonwagen der Waggonfabrik Bubna enthält einen über 7 QuadratMeter grofsen Salon an einem, eine kleinere Schlafabtheilung mit zwei Divans am anderen Ende, in der Mitte die Einfteigthüren und einen 895 breiten Gang über die ganze Wagenbreite, von dem eine Thür in den Salon, ein 690 breiter Gang zum Schlafraum führt. Zu beiden Seiten diefes Ganges find Toilette und Clofet. Die Ausftattung diefes Wagens ift einfacher, die Eintheilung zweckmäfsig, die Thamm'fche Heizung vorhanden. Bemerkenswerth war der Perfonenwagen I. Claffe( eigentlich aber Salonwagen) der vereinigten Schweizer Bahnen, von Rathgeber in München. Er vexeinigt das Coupé- mit dem Durchgangfyftem in eigenthümlicher Weife und enthält aufserdem mehrere ungewönliche Anordnungen, ift mit Ausnahme des Fussbodens und Kaftengerippes ganz aus Eifen erzeugt, Eifen fogar die Fenfterrahmen; die zwei Räderpaare mit 4.500 Meter Radftand haben nach der Längenrichtung 012 Spiel, und find durch eine Art Kreuz- und Querverbindung, ausgehend aus der Mitte der 26 Emil Tilp. Feder Hänglafchen, zu einem Geftell verbunden, und zwar in entbehrlicher Weife, umfomehr als fich die Achfen nicht in allen Lagen, beim Ein- und Ausfahren in Curven, richtig einftellen können, und das übliche Spiel bei fteifen Achfen und feftgekuppelten Wagen zur ftetigen Führung ausreicht, und als endlich auch bei der Kaftenlänge von blofs 8.650 Meter ein kleinerer Radftand für fchärfere Curven hätte gewählt werden können. Sobald beide Achfen in der Curve find, werden fie fich wohl allerdings radial ftellen. Man gelangt in den Wagen durch zwei diametral entgegengefetzte Eifentreppen mit halbrundem Abſchnitte und zwei gewöhnliche, die auf die Endplateaux und mittelft 2.075 Meter langer, 700 breiter, fenkrecht zum Plateau ftehender kurzer Seitengallerien ins Innere führen. Den Mittelraum des Kaftens nimmt ein 2'940 Meter langer Saal der ganzen Breite nach ein, aus dem drei Thüren auf die Seitengänge und zur Toilette führen. Aufserdem ift ein Coupé für fechs und eins für drei Sitze vorhanden. Beide wegen der Aufsengänge nur 2'120 Meter lang. Die lichte Kaftenbreite beträgt 2.870 Meter, über die ganze Länge reicht ein Oberbau mit Seitenlicht, 1500 Meter breit. Da der Wagen nur für kurze Touren beftimmt ift, befitzt er keine Schlafeinrichtungen. Von beiden Plateaux führen Charnierbleche zum nächsten Wagen. Ausftattung und Arbeit, namentlich die Holztäfelung exquifit; fchlecht pafst die, noch dazu von Innen aus zu bewerkstelligende Beleuchtung mit Petroleum. Die durch die eifernen ( broncirten) Fenfterrahmen etwas fchweren Fenfter find durch Gegengewichte, die zwifchen den Fensterpfeilern über zweckdienlich grofse Rollen laufen, equilibrirt. Die Kloben der Nothketten find hinter der Bruft durch Stangen und Winkelhebel verbunden und balancirt. Der fechsrädrige Salonwagen der Compagnie belge pour la conftruction de machines et de matériels de chemins de fer zu Brüffel gewährt mit feinem 10 450 Meter langen, 2.500 Meter breiten, 2.600 Meter hohen Kaften eine bequeme Eintheilung, die denn auch gut getroffen fcheint. An jeder Stirnfeite ift ein Raum für Toilette und Clofet, anftofsend einerfeits ein Damen-, anderfeits ein Herrencoupé mit der fpäter zu befchreibenden Nagelmaker'fchen Schlafeinrichtung. Neben dem Damen- Coupé ift der Gang über die ganze Wagenbreite, mit den Einſteigthüren beiderfeits und einfachen Sitzen für die Diener. Den reftlichen Mittelraum nimmt ein grofser Salon mit zwei als Doppelbetten einrichtbaren Schlafdivans, Tifchen und Fauteuils ein. Durch den ganzen Wagen ift der Durchgang mittelft Charnierthüren hergeftellt. Die Heizung gefchieht mittelft acht Weingeift- Lampen, aufsen angebracht; ein Rohr führt unter dem Kaften, welches die Aufsenluft aufnimmt und fie erwärmt durch Oeffnungen in kupfernen Platten nach Innen abgibt. Die Ventilation wird durch Apparate im Dache hergeſtellt, die Beleuchtung gefchieht durch Oel. Die Ausftattung ift gediegen, die Wahl der Stoffe und Deffins im Salon Sache des individuellen Gefchmacks. Das Traggerippe ift von Eifen, die Träger in U- Form. Radftand 6400 Meter die mittlere Achfe feitlich verfchiebbar, die Tragfedern 2000 Meter lang, Gewicht des Wagens 13 Tons. Ein unfcheinbarer Salonwagen aus Neapel hat zwei Achfen, Bremfe, Schalldämpfer. Die Lagergabeln find durch breite Flacheifen verbunden, die zur Führung der Bremsfchuhe dienen. Durch beiderfeitige Einfteigthüren gelangt man in einen gefchloffenen Vorraum mit drei Fenſtern in der Stirnwand, zwei Sitzen und die Mittelthüre, die in den Salon führt. Diefer enthält Sitze an beiden Langfeiten, in der Mitte einen Tifch mit vollſtändigem Service. Von da geht es in den Schlaffalon, deffen Tifch zur Gepäcksaufnahme beftimmt ift. Den engen Reft nimmt Toilette mit Clofet ein, zu denen zwei fchräg zufammenftehende Thüren führen. Nebftdem enthält eine Zwifchenwand einen herausfchiebbaren grofsen Spiegel. Die Ausführung ift die in Italien und Frankreich gewöhnliche, namentlich aufsen nichts weniger als prächtig. Transportmittel und anderes Betriebsmaterial für Eifenbahnen. 27 Schlafwagen, nämlich folche Wagen, deren Sitze fämmtlich in comfortable Betten umftaltbar find, erfchienen in der Wiener Ausftellung zum erftenmale. Der, von der öfterreichifchen Nordbahn in deren Pavillon ausgeftellte, nach Becker's Angabe, von Klett& Comp. in Nürnberg ausgeführte Schlafwagen hält zehn Sitze, umzugeftalten in ebenfoviele Lagerftätten. Derfelbe ift ein 8.900 Meter langer Intercommunications- Wagen mit zwei Achfen. An den Stirnfeiten find gefchloffene Plateaux, beiderfeits durch Stiegen zugänglich. Ein in der Breite knapp bemeffener Gang verbindet fie, und ift nicht genau in der Mitte gelegen. Der Kaften hat gerade Wände und einen Aufbau der ganzen Länge nach, das Innere ift durch eine nahe zur Decke reichende Längen- Scheidewand in zwei Hälften, eine diefer Hälften durch Querwände in drei abgefonderte Cabinen getheilt, die durch verfchliefsbare, in den Gang fich öffnende Thüren zugänglich find, je zwei gegenüberliegende Sitze enthalten, wovon der eine die ganze Breite einnimmt, fo dafs zwei Perfonen und ein Kind Platz finden. Durch Zufammenfchieben und Bedecken mit Matratze ergibt fich ein Bett, ausreichend für eine Perfon und ein Kind. Ein an der einen Querwand jeder Cabine befeftigter Charniertifch( auch als Wafchtifch benützbar), darüber ein Spiegel, eine Lefelampe bilden den übrigen Comfort. Das oberhalb der Sitze auffchlagbare, bei Tage gegen das Dach aufgezogene Hängeblatt dient der zweiten, refp. dritten Perfon. Die zweite, fchmälere Hälfte des Wagens bietet noch vier, je zwei gegenüberftehende, Einzelfitze mit derfelben Betteinrichtung und ift abfperrbar gegen den Gang mittelft Vorhang. Den verfügbaren Reft nehmen Toilette und Clofet ein. Thamm's Heizung completirt die Einrichtung. Die Schlafwagen, wie fie von der Compagnie Internationale des Waggons Lits( Belgien) gebaut und an die Eifenbahnen des Continents verliehen werden, und wie fie die Waggonfabriken in Simmering und Hernals bei Wien auch ausgeftellt hatten, find nach dem Coupéfyftem. In der Mitte jeder Langfeite ift eine Thür, die in einen Mittel- oder Vorraum mit Sitzen für Diener, fowie mit Toilette und Clofet beiderfeits und einen Zwifchenraum führt, durch welchen man in das Endcoupé mit 4 Sitzen gelangt. Aus dem Mittelraum führt eine Thür zu den zwei vierfitzigen, durch Querwand und Thür getrennten übrigen Coupés, fo dafs der Wagen 12 Sitze, eventuell 12 Schlafftellen befitzt. Das nach der Mitte auffteigende Dach hat einen Aufbau der Länge nach. Ein Lufttelegraph vermittelt die Correfpondenz zum Diener. Die Heizung ift nach Thamm und Rothmüller. Die Umftaltung der Sitze gefchieht ähnlich wie beim Nordbahn- Wagen, indem zwei gegenüberliegende Sitze die ebenerdige, ein aufgehängtes, herabzulaffendes, mittelft Leiter zu erfteigendes Bett darüber, die obere Schlafftelle bildet. Zu wünfchen wäre noch etwas mehr Raum für Handgepäck und eine kräftigere Ventilation für die kleinen, in kurzer Zeit überhitzten Schlafräume; das Abhängigkeitsverhältnifs der Schlafenden von einander beim Beginne und Ende der Nacht ift wohl nicht zu befeitigen, ohne die Zahl der Sitzplätte empfindlich zu fchmälern. Das todte Gewicht folcher Wagen ftellt fich mit II 3 Tons gegen 12 Sitze ohne dies höchft ungünftig. Die äufsere Kaftenlänge ift 7.700 Meter, Breite 2.700 Meter, Höhe in der Mitte 2.750 Meter, Lichte eines Coupés 1850 Meter lang, Radftand 4 100 Meter. Obige Gefellſchaft baut diefe Wagen auf ihre Koften, verleiht fie an die Bahnanftalten unentgeltlich und zieht ihre Rente aus dem Plus, welches der Reifende per Bett und Nacht über den an die Bahn zu erftattenden Fahrpreis I. Classe an fie entrichtet, wogegen fie jedem Wagen einen Diener und die nöthige Bettwäsche beigibt, auch die innere Erhaltung des Wagens beftreitet. Bis jetzt follen fünfzehn folcher Wagen im Betriebe fein. Ein ruffifcher fechsrädriger Schlafwagen mit Salon und Coupés, die durch einen Gang der Länge nach gefchieden, auf der breiten Seite je zwei, auf der fchmäleren je einen Sitz gegenüber haben, ift einfacher eingerichtet. Die Schlaf 28 Emil Tilp. ftellen auf der Schmalen Seite entſtehen ähnlich wie bei den vorbefchriebenen, auf der breiten bilden je zwei Nachbarfitze die ebenerdige, ein oberhalb herabzufchlagender Rahmen mit Polfterung die obere Schlafftelle, fo dafs ebenfoviele Schlafftellen entſtehen als Sitze. Die Heizung gefchieht mittelft Oefen, die Circulation durch Oeffnungen der Coupé- Scheidewände. An allen ruffifchen Wagen find Dop pelfenfter vorhanden. Einzelne Coupés und Sitze mit Schlafeinrichtung find fchon 1867 erfchienen, hier in verfchiedenen Formen verbeffert. So auch wieder an den Wagen der öfterreichiſchen Nordbahn. In Halbcoupés fchieben fich die Sitze horizontal vorwärts, in der Gegenwand find durch Einbau ins nächſte Coupé zweiter Claffe gefchloffene Käften gebildet, die fich herauslegen, das Lager vervollſtändigen, Matratze und Decke enthalten. Der Rücklehnen- Untertheil bildet durch Umkehren einen bequemen Kopfpolfter. Die Betten laffen noch je einen Zwifchenraum und haben die volle Länge. Der Wagen im Mont Cenis- Tunnel hatte ein Stirn- Batardcoupé mit drei vorfchiebbaren Sitzen und aus der Stirnwand herausfchlagbaren Schämeln. Oberhalb derfelben ift jedem Sitze eine kleine Toilettevorrichtung gegenüber geftellt. Aufserdem waren faft alle Wagen in der I., theilweife auch in der II. Claffe, zum Herausfchieben der Sitze, in den Halbcoupés mit Schämeln oder Klappen eingerichtet, mit Spiegeln, Armfchleifen ausgerüftet, die Wände entweder getäfelt oder mit Seiden- oder Wollftoffen überzogen, mit Gold- oder koftbaren Holzfimfen geziert, die Sitze meift mit Sammt überzogen, die Böden mit Teppichen belegt, Verbefferungen, mit denen Deutfchland und Oefterreich, abgefehen von der reichlicheren Raumbemeffung für jeden Reifenden, feit Jahren allen anderen Ländern vorangeeilt find. Solche Wagen I. und auch gemifchter Claffen hatten namentlich die Grazer Waggonfabrik, Ringhoffer in Prag, Rathgeber in München, Reiffert in Bockenheim und die fchweizerifche Induftriegefellſchaft in Neuhaufen und Pefter Fabriken ausgeftellt, theilweife mit Abgehen von der ftricten Coupé- Eintheilung und mit 14 bis 18 Sitzen für einen Wagen I., mit 16 bis 25 Sitzen für einen Wagen I. und II. Claffe, meift mit Anwendung des Auflagerns der Käften auf Confolen oder Platten von Kautfchuk. Reiffert und die Breslauer Actiengefellfchaft hatten Wagen mit Reiffert's Syftem der Doppelfedern gebracht; der gemifchte Wagen letzterer Gefellfchaft hat vier Haupt- und acht dreiblättrige Kaften- Tragfedern, die Arrêten beftehen aus Kautfchukcylindern, deren eine Serie an Riemen hängt. Der Commiffionswagen aus der Simmeringer Waggonfabrik, fehr praktifch eingetheilt, nett und gediegen ausgeführt, hat ein 2.600 Meter langes Plateau, einen 3.350 Meter langen Salon mit Divans, ein Entrée, Toilette, Abort und ein kleines Bremsplateau. Die Poftwagen aus gleicher Fabrik find mit dem erforderlichen Raffinement und, entſprechend den Anforderungen aller Zwecke, beftens ausgearbeitet. Die Südbahn- Gefellſchaft( Werkstätte Marburg) brachte einen Intercommu. nications- Wagen dritter Claffe mit Plateau und Treppen an beiden Enden; der Längenraum ift durch Querwände mit Thüren getrennt. Kaftenlänge, Sitzzahl und Gewicht wenig variirend mit gleichen Wagen des Coupéfyftems. Der Etagenwagen mit Bremfe, aus der Hernalfer Fabrik bei Wien, hält. 90 Plätze bei 113/4 Tons Gewicht. Die Federn haben 1345 Meter Länge bei 12 Blät tern, o'080 Meter breit, o'013 Meter dick. Die untere Etage fowie die obere ( gedeckte) find 1920 Meter licht hoch, die Räder haben o 790 Meter Durchmeffer, der Radftand ift 4'000, die äufsere Kaftenlänge 7.000, die gröfste KaftenAufsenbreite unten 2.770, oben 2-560, die lichte Länge der oberen Etage, erfteigbar durch die vier Endtreppen 6.860 Meter. Die lichte Länge eines unteren Coupés ift 1335 Meter. Der Fufsboden der oberen Etage, zugleich Plafond der untern, aus 26 Millimeter dicken Föhrenbretern mit Feder und Nuth, ift kalfatert und mit Kautfchuk belegt. Transportmittel und anderes Betriebsmaterial für Eifenbahnen. 29 Einen Gepäckswagen mit dem für Dampfheizung beftimmten Stabilkeffel., hatte Ringhoffer in Prag ausgeftellt. Die Anordnung ift bekannt. Der franzöfifche Lazarethzug aus der Fabrik in Ivry beftand aus acht Wagen, von denen je einer für den Arzt, einer als Magazin, als Küche, als Ambulance und Speifefaal, dann für Aprovifionirung, der Reft für Krankenbetten dienen. Der Arztwagen ist mit grofsem Luxus ausgeftattet. Nebftdem find einzelne Wagen und Modelle gleichen Zweckes ausgeftellt gewefen. Anfpruchslofer, aber höchft zweckmässig und mit fehr befcheidenen Mitteln aus beſtehenden alten Wagen adaptirt, war der deutfche Lazarethzug. Unter den Güterwagen war für den Viehtransport befonders geforgt. Englifche Modelle brachten vier- und fechsrädrige Wagen mit fehr zweckmäfsiger Eintheilung, verfchiebbaren und drehbaren Wänden und Couliffen, Wafferrefervoirs auf dem Dache, mit Rohrleitung und allen anderen Erforderniffen eines förmlichen Mufterftalles, aus denen wohl nur jene für Luxuspferde zu acceptiren wären, da fich die Wagen eben nur, ihrer durchbrochenen Aufsenwände wegen, ausfchliefslich für den Thiertransport, und da vielleicht nicht im ftrengen Winter, eignen. Der Dorn'fche Hornviehwagen aus der Bubnaer Waggonfabrik war einfacher und nahezu einem gedeckten Laftwagen gleich, nur ift der Fufsboden behufs. Ablauf geneigt, Gitter find eingefchaltet zum Durchlafs der Excremente, die Tröge hängen in Charnieren, vergitterte Fenfter vermitteln Ein- und Austritt der Luft, und ein Hüttchen ift für den Wärter auf dem Dache. Zahlreicher waren die eifernen Kohlenwagen vertreten. Jene des Ateliers Nivelle in Belgien haben gemeinfchaftliche Lang- und Kaftenträger, aus welchem Grunde die Lagergabeln nach Aufsen gebogen find. Derlei Wagen waren aufserdem noch vorhanden von Schmid in Breslau, aus Löwen, mit Holzkaften aus Nürnberg, Warfchau, Teplitz und den hiefigen Nordbahn- Werkstätten, welche letztere die forgfältigfte und reinfte Arbeit in diefem Genre ausgeftellt hatten. Gedeckte Laftwagen waren aus mehreren deutfchen und öfterreichifchen Fabriken, meift gut und fchön adjuftirt, doch ohne befondere Neuerungen, erfchienen. Ein höchft elegant adjuftirter Hilfswagen war mit einem Drehkrahn verfehen. Einen Apparat zum Auffangen entrollter Wagen brachte Semann; er beſteht aus einem tragbaren und fahrbaren Geftelle mit viertelkreisförmigem Ausfchnitte, das fich in eine etwa 14 Meter lange, auf dem Schienenkopfe liegende Zunge verlängert. Beim Zeichen, dafs Wagen entflohen find, hat der Bahnwächter diefs Geftell auf den Schienenftrang zu ftellen, Ausfchnitt und Zunge gegen die kommenden Wagen gerichtet, deren Vorderräder über die Zunge laufen, bis fie den Ausfchnitt berühren und dadurch das Geftell mit fich vorfchieben; das Schleifen der Zunge auf der Schiene und der ftehen bleibenden Räder bewirken das Bremfen. Zum Schluffe ergibt fich aus dem reichen Gefammtbilde der Ausftellung der Eifenbahn- Betriebsmittel, dafs in Bezug auf Motoren epochemachende Neuerungen feit 1867 nicht vorgeführt wurden, dafs die erfchienenen Neuconftructionen trotz ihres vielfeitig Intereffanten wenig Ausficht auf praktiſchen Erfolg bieten, dafs aber trotzdem feit jener kurzen Zeit doch mehrfeitige Fortfchritte im Conftructionswefen Platz griffen, indem die allgemeine Anordnung der Verhältniffe und Mafse rationeller in Bezug auf Spannung, Roft- und Heizfläche, Adhäfion und Achfenvertheilung, ebenfo die Details und die Ausführung ganz insbefondere beffer ftudirt und forgfältiger geworden find, und es gab die Ausftellung ein faft erfchöpfendes Bild des Wefens der modernften Transportmittel, wie fich's nach Mafsgabe der Verkehrsbedürfniffe herausgebildet hat. 30 Emil Tilp Gleich inftructiv war die Expofition der Wagen, namentlich für den Perfonen verkehr, und konnten hier auch der Natur der Sache nach noch weniger radicale Reformen eintreten, fo zeigte fich dennoch der vorgefchrittenfte Stand der WagenBaukunft als Folge der modernen Reifeanfprüche und die Fortbildung der auf der Parifer Ausftellung nur obenhin angedeuteten Richtung. Eine noch eingehendere Behandlung der einzelnen Objecte war fomit einerfeits, wegen ihrer den Fachmännern meift geläufigen Conftruction, nicht abfolut geboten, anderfeits, wegen Mangel detaillirter Angaben feitens vieler Ausfteller, ausgefchloffen, auch räumlich nicht im Sinne des Programms der Berichterftattung gelegen. Eine Beigabe der Zeichnungen hielten wir defshalb nur infoweit nöthig, als fie die intereffanteften und neuen Typen anfchaulicher machen follen. Locomotiven für Perfonen- und Eilzüge. Gattung Fabrik Name und Eroder Nummer zeugungsort Räd. Spurweite Zahl Triebrades Durchmeffer des davon gekupp. Radftand I. 2. 3. zur zur zur 2. 3. 4. Tabelle I. Fläche Total directe Heizder Rohre TotalRoftZahl Weite Länge Millim. Weite Hub Rohre Kolben Keffeldurchmeffer Atm. fpannung DampfGewicht im Dienft I. 2. Achfe 3. 4. Total Anmerkung Achfe Rittinger G.Sigl, Wr. Neuftadt 8 41.900 1.320 1.650 2.400 5.370 Quadratmeter 7'9 99 8 107 7 160 179 50 3'55 411 632 1'26 10 Tons 7 7 12 II 372 Rafael Donner W. L. F. Actiengef., Floridsdorf 8 4 1.580 1.030 1.485 1.660 4.175 8.8 124'2 133'0 170 174 51 430 410 632 1'30 8 6 9 Gleich m. dem I2 12 36 Siglfchen im Nordwb.- Pav. Staats2.002 Auftria eifenbhng., Wien ΙΟ 4 1.580 2.634 2.213 8.324 80 1250 133'0 175 179 52 4'24 412 579 1'30 9 II 13 1.475 66 6 51 Dniepr Kefsler, Efslingen 6 4 1.896 2.016 2.094 4.110 7'9 900 97'9 149 155 53 3'93 396 632 8 I2 12/2 7/2 32 Actiengef. Vulcan Vulcan, Stettin Bismarck Egeftorff, 6 41.530 1.800 2.600 4.400 7'0 890 960 165 188 46 3.79 420 600 1'26 10 III I 6 4 1.829 4.267 79 1071 115'0 186 190 51 3.60 406 659 IO 0 Hannover 10/2 1234 121/ 35% 2 35* * Im leeren Zuftande n Köchlin, Ariofto Mühl6 42.000 4 648 90 94'5 103'5 204 191 50 3'50 406 648 6 haufen 47 Carels, Gent 6 6 1.700 1.800 2.500 4.300 109 99 6 110'5 3'06 226 45 3'51 450 600 130 9 P P . 38 177 Tubize 6 4 1.800 2.050 2.250 4.300 8.8 100'2 109'0 2'26 217 45 3'68 420 600 131 9 I I 13 I2 36 291 Marcinelle, Couillet 6 42.100 2.630 2.300 2.630 2.300 4.930 7'1 99'6 1067 167 223 45 3'31 440 600 1'22 996 106.7 8 112 213 331/4 31 Transportmittel und anderes Betriebsmaterial für Eifenbahnen. 32 Gattung Fabrik Name oder Nummer und Erzeugungsort Spurweite Emil Tilp. Tabelle II. Räder Rad ft and Zahl davon gekupp. Durchmeffer des Triebrades I. 2. 3. zur zur zur 2. 3. 4. Transportmittel und anderes Betriebsmaterial für Eifenbahnen. Tabelle II. Gewicht im Dienft che Rohre Kolben FlaTotal directe Heizder Rohre TotalAtm. ſpannung I. 2. 3. 4. Achfe Total WafferKohlenKaften . Achfe meter Millim. Tons Quadrat1583 G. Sigl, Wr.- Neuftadt 8 8 1.106 1.190 1.190 ( Semmering) 1.180 3.560 10'7 159'0 170 2.16 205 52 4'76 500 610 150 9 122 122 13 13 51 1533 dto. ( Ungarn) 80 8 1.070 1.300 I.150 1.150 3.600 9.8 170'2 180 2.00 223 52 4.66 520 610 146 82 103 113 113 113446 Hall dto. 6 6 1.180 66 087 101 52 369 345 580 . 82 73 73 7/3 • 22 1.730 1.270 3.000 5'1 610 Kaifer Franz Jofef Haswell, Wien 8 Altvater Michalkowitz Heffen Wien Henfchel, Caffel Stainz dto. G. Sigl, Wien 6 6 reconftr. Auftria Nordb., Wien. 6 4 1.264 G. Sigl, 9 80 9 1.186 1.278 1.258 1.258 3.794 98 1706 180 1'96 207 52 5'01 470 632 1'40 9 113 11 II I I 44/3 1.077 1.265 1.582 2.847 7.8 104 2'00 183 52 3'13 395 632 1'34 10 10/ 10/ 112/ s . 96.2 1.205 145 1'92 200 52 4'11 434 632 ΙΟ I2 12 12 . 321/4 36 . . 3.239 9'3 136'0 57 126 107 52 284 395 579 80 . 3.555 6'2 50'4 6 9 1.200 . 3.100 6: 4 84-6 91 150 132 52 3'90 410 632 1'17 10 12 12 I2 2 9 6 9 1.281 1.701 1.360 3.061 132 148 200 45 4'32 445 628 1'39 10 8: 0 124'2 III Nr. 900 Maffei, München 6 0 Wöhlert, r 9 130 160 181 51 4'10 486 660 IO • . 36 123 124 124 37½ 361/2 1.245 . 3.480 7'5 122'5 386 n Berlin 6 9 1.410 1.909 1.857 99 3.766 . 99 Hartmann, Tauern Chemnitz 208 Kraufs, München 6 80 8 1.106 6 1.185 . . 3.582 9'4 141'6 151 175 199 . 211 46 3'25 445 630 130 448 580 • . . . 4° . 9/2 102 101 102 10/2 42 . 3.160 7.8 IIO'2 118 150 169 47 4'00 408 632 IO . • 302 dto. + 58 045 127 44 3'35 290 540 IO . . 24 . 4 970 Locomotiven für Laftzüge und Stationsdienft auf Hauptbahnen. Nord Darmſtadt Schwarzkopf, Berlin M. F. u. E. G., Darmſtadt Evrard, 300 Brüffel 872 1001 230 Cockerill, f. Italien Schneider, Creuzot Petersburg 1524 6 + 4 1.770 +4 1.000 . 2.450 4'5 53'5 3.730 6.5 67 4 74 . 156 51 . 420 559 26 2.000 3'2 33.8 37 0'59 83 50 2'59 300 500 8 9 94 205 3'34 289 50 4'50 440 500 150 9 1.220 8.720 11'0 194 I 125 140 195 56 99 12 16 9 6 1.310 00 9 8 1.200 . 6 1.270 1.900 1.450 4'25 450 650 1'33 . 3.370 8.0 117'0 280 1.86 270 . . 4'90 450 610 9 3.860 10'9 197 1 121 1'64 168 50 4 27 457 609 133 9 427 3-350 841127 . . . . 33 Anmerkung . Tenderlocom. dto. 4c.m. k. 1.500 Tenderlocom. a 1. tons 38 5.000 2. Tenderlocom. 9 35 . . a dto. dto. 181/2 dto. 72 k. k. 7.450 3.000 dto. 34% 2 54 54 leer 9 29 Fabrik und Erzeugungsort Räd. Spurweite Zahl davon gekupp. P Durchmeffer des Triebrades Radftand I. 2. 3. zur zur zur 2. 3. 4. Achfe Eifenwerk Refchitza 948 4 4 711 1.423 • Tabelle Fläche Rohre III. Kolben Quadratmeter Total Millim. Zahl directe Heizder Rohre Total Roft Weite Länge Weite Hub I.423 3'2 17'0 20'2 0'7 54 52 Haswell, 1.000 8 8 720 800 800 800 2.400 6'0 40'0 46'0 1'4 102 52 34 Emil Tilp. Transportmittel und anderes Betriebsmaterial für Eifenbahnen. Locomotiven für Secundärbahnen. Victoria 1947 897 51 265 752 12 | Orient Hungaria Gattung Name od. Nummer nor- 4 4 600 1.570 1.570 mal Wien M. B. G. Zorge am Harz M. B. G., Carlsruhe Kraufs, München M. F. u. E. G., Darmstadt Cockerill 790 4 4 680 1.440 670 4 4 580 1.100 900 4 4 656 1.400 + 4 605 1.400 Fives, Lille 1.000 6 6 800 . . 1.440 . Keffeldurchmeffer Atm. Dampffpan. Gewicht im Dienft I. 2. 3. 4. Achfe Kaften Total WafferKohlenTons Lit. Kilo 19 237 316 790 10 53 5 . II/ 2 900 2'4 350 316 1.120 12 5 5 5 5 20 11'9 0'25 104 51 23'2 0'4 77.42 . 200 250 . 8 413 41/ s 2'3 250 33° 726 10 . • I.IOO 1'3 16'9 182 034 • 1.400 2'1 14'9 17'0 0'3 64 1.400 Fox Walker, Briftol 1.06 6 4 914 3.353 . 8.0 . 3.6 25.8 29'4 063 . . . . . 160 300 12 . 1'8 225 350 604 8 42 42 200 250 250 360 • . o'65 96 2'5 305 457 913 8 . 8 29 co Anmerkung Tender300 locomotiv II 835 Tenderlocom. mit Stehkeffel 275 Tenderlocomotiv 61/3 660 c. m. 0'340 9 dto. dto. 7/2 c. m. 675 dto. mit 0195 Stehkeffel 43 43 42. 14 1.600 300 Tenderlocomotiv qu. dto. 2.000 1.000 Schlafwagen der belgischen Gesellschaft, erbaut in Wien. I a. Tafel I. Wagen für die Schweiz von Rathgeber in München. Schlafwagen der belgischen Gesellschaft, erbaut in Wien I a. Wagen für die Schweiz von Rathgeber in München. HE H Tafel II. II III GOATRICO D+ Tafel III. Luftheizung von Thamm& Rothmüller. A டை Tafel IV. Luftheizung von Thamm& Rothmüller. Wagen mit Warmwasserheizung von Weibl& Briquet. Combinirter Etagenwagen. Fabrik Hernals. r Tafel V. Combinirter Etagenwagen. Fabrik Hernals. Schlafwagen der Nordbahn, mit Luftheizung von Th ann& Rothmüller. 1:20 H Tafel VI. H Austria Staatseisenbahng. Wien. Nro 300 Evrard Brüssel. E.TILP. NEO 51. M.F.& E.G. Darmstadt. Tafel VII. Altvater G. Sigl in Wien N1583. G. Sigl W Neustadt. ( für Ungarn.) N12 M. B. G. Zorge am Harz. E.TILP. Tafel VIII. Rafael Donner W. L. F. Actiengesellschaft. Floridsdorf. Nro 291 Marcinelle Couillet. ம Michalkowitz. G.Sigl. Wien. Tafel IX. Rittinger G. Sigl. Wöhlert Berlin Nro 47 Carels Gent. Tafel X. No 1947 Fives- Lille. N302 Kraus in München. 0-0-0 Stainz Haswell in Wien. A Nro 50 M. F.& E. G. Darmstadt. U D WESEC MG 20 Tafel XI. Dniepr. Kessler in Esslingen No 177 Tubize T Vulcan Actieng.Vulcan Stettin. Tafel XII. Hall G. Sigl. ( Ungarn.) Nr 752 M.B.G. Carlsruhe D Austria reconstr. Nord b. Wien. Hungaria Eisenwerk Reschiza. FFB