OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3 UNTER REDACTION VON DR. CARL TH. RICHTER, K. K. 0. Ö. PROFESSOR IN PRAG. STRASSEN- FUHRWERKE UND ANDERE TRANSPORTMITTEL. ( Gruppe XIII, Section 5.) BERICHT VON M. B. RIDELI, Ingenieur in Wien. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1874. STRASSEN- FUHRWERKE UND ANDERE TRANSPORTMITTEL. ( Gruppe XIII, Section 5.) Bericht von M. B. RIDELI, Ingenieur in Wien. Um einen nützlichen Vergleich zwifchen den zahlreichen in Wien während des Jahres 1873 zur Ausftellung gelangten Arten jener Fuhrwerke, welche mit Ausfchlufs von Spurbahnen die Locomotion von Perfonen und Gütern vermitteln, ziehen zu können, fei es geftattet, vorerft einige Worte über deren muthmafslichen Urfprung, fowie deren fucceffive Entwicklung vorauszufchicken. Die fubtile, von der gegenwärtigen Generation mit fo viel Leidenfchaft verfolgte Controverfe, ob nach dem gewaltthätigen Abfchluffe der Tertiärformation der präfumtive Simiadenfpröfsling, erfchaffen" worden fei, oder aber fich entwickelt" habe, ift in Bezug auf die Beurtheilung des durch diefes Ereignifs auf die zeitgenöffifchen Raubthiere möglicherweife ausgeübten Einfluffes mit entfcheidenden für eine diefer Thefen fprechenden Argumenten nicht bereichert worden. Vollkommen unbewehrt, dürfte vielmehr der neue Ankömmling in beiden diefen ftrittigen Fällen von den Diluvialcarnivoren als ein höchft willkommenes Jagdobject aufgefafst und behandelt worden fein. Diefe anfänglich fo mifslichen Verhältniffe, verbunden mit der Unbill der nach einer foeben überftandenen beifpiellofen Kataftrophe häufiger als jetzt entfeffelten Elemente zwangen den hilflofen Bimanus fehr frühzeitig und ohne Zweifel fchon während der Höhlenzeit, fich auf jenes Feld der Erfindungen zu begeben, welches zu verlaffen ihm feitdem nicht mehr befchieden war. Die gefährliche Zudringlichkeit des Höhlenbären namentlich, deffen wiederholte Befuche möglicherweife unferes Urahnen, fowie feiner ganzen Species Dafein mit imminenter Vertilgung bedrohten, mag vielleicht zum Behufe der Heranwälzung eines mächtigen den Zugang zur Troglodytenhöhle erfchwerenden Hindernifses, die unauffchiebbare Erfindung der wichtigſten und ſpeciell im Wagenbau unentbehrlichen einfachen Mafchine, des Hebels, erzwungen haben. Aber nicht nur gegen die feindfeligen Natureinflüffe vielmehr, als bei unverändert gebliebener Menge der begehrten Objecte und bei Vermehrung von Seinesgleichen, die Concupifcenz der letzteren ftetig zunahm, mufste fich beim I 2 M. B. Rideli. Urmenfchen die Nothwendigkeit zur Erfindung fowohl von Vertheidigungs- als Angriffsmitteln, refpective Werkzeugen, unaufhörlich geltend machen. Eine Zwangslage, deren Befchaffenheit uns ebenfalls ganz unbekannt geblieben ift, wobei jedoch höchft wahrfcheinlich viel Gut und Leben auf dem Spiele ftand, wird auch wieder Veranlaffung gegeben haben, die Welle, etwa in Form eines Baumftammes gleichzeitig mit dem Hebel in Anwendung zu bringen und fich diefer Werkzeuge bei Bewältigung grofser, der directen Muskelkraft der einzelnen Individuen fpottender Laften zu bedienen. Die muthmafsliche Dauer der Ausübung diefer nach ihrer Erfindung gewohnheitsmäfsig angeeigneten Fertigkeiten kann gar nicht combinirt werden, es läfst fich jedoch annehmen, dafs diefelbe ein Ende erreichte, fobald ein zum Kampf ums Dafein befonders geeignetes Mitglied irgend eines halbwilden Stammes auf den glücklichen Gedanken kam, zur Verminderung des Reibungswiderftandes dem als Welle benützten Baumftamme blofs an deffen beiden Enden den urfprünglichen Durchmeffer zu belaffen, den dazwifchen liegenden Baumkörper jedoch in feiner Dicke durch Abfchälung mittelft der mittlerweile auch fchon erfundenen Stein- Werkzeuge herabzumindern. In diefer Weife ungefähr läfst fich vermuthen, wie jene wichtige Vorrichtung, die man gegenwärtig ein„ Räderpaar" nennt, das Licht der Welt erblickte und es beftand diefes Räderpaar demnach höchft wahrscheinlich aus zwei an den Achfenenden feftfitzenden Scheibenrädern. Unter den damaligen Umftänden repräfentirte diefe Vorrichtung in Bezug auf Krafterfparnifs einen fehr bedeutenden Fortfchritt und jener halbwilde Stamm, bei welchem diefe Erfindung vor fich ging, konnte nicht ermangeln, ein namhaftes Uebergewicht über jene Gemeinfchaften zu erlangen, welche diefelbe entbehrten, obgleich die Handhabung diefer verbefferten Mafchine noch viel zu wünfchen übrig liefs. Sobald jedoch im weiteren Verlaufe der Urzeit Jemand auftrat, der die Achfe des erfundenen Räderpaares in Lager zu zwängen verftand und darauf ein Balkengeftelle errichtete, fo ward hiemit eine der für die gefaminte Menfchheit wichtigften Mafchinen, der Wagen, erfunden und der unvergängliche Ruhm des feiner Zeit vorange eilten Erfinders für alle Zeiten begründet. Da jedoch diefe in der Culturgefchichte der Menfchheit fo denkwürdige Begebenheit in jene Epoche der Urzeit fällt, wo kaum die Rudimente der damals noch zu conftruirenden Sprache, vielweniger irgend welche Mittel zur Conftatirung der Identität des Erfinders vorhanden waren, fo wird das Andenken desfelben in ein ewiges Dunkel gehüllt bleiben müffen. Als die herangewachfenen Völker nach Verlauf von Jahrtaufenden zu Sprache und Schrift gelangten, konnten fie fich des erften aus ihren Reihen etwa hervorgegangenen Wagenbauers nicht mehr erinnern, da fie jedoch jener Zeit, wo noch keine Wagen rollten, verhältnifsmäfsig näher ftanden und die dadurch erlangten Vortheile beffer wie die über diefen Punkt blafirte Gegenwart würdigen konnten, fo fchrieben fie in Ermanglung pofitiver Anhaltspunkte und in dankbarer Erinnerung an die hieraus gefloffenen günftigen Veränderungen, die Erfindung der Wagen ihren Nationalgöttern zu; fo konnte namentlich bei den Griechen der allererfte für den Helios fabricirte Sonnenwagen nur von Vulcan gebaut worden fein, während der Minerva frenatrix die fpecielle Fürforge und der Schutz des Wagenbaues von den Römern anvertraut worden ift. Die oben erwähnte Annahme, dafs die erften Wagen auf den Achfen feftgekeilte Scheibenräder hatten, ift aber keine ganz willkürliche, denn diefe von unendlich entlegener prähiftorifcher Zeit herrührenden Wagen findet man bei Beginn der jeweiligen gefchichtlichen Epoche bei allen hiftorifchen Völkern des Alterthums als Laftwagen in ganz allgemeiner Anwendung und da diefelben nicht nur in China feit Jahrtaufenden gebräuchlich waren, fondern auch von den fpanifchen Conquistadores in der neuen Welt angetroffen worden find, fo mufs derer Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. 3 Erfindung in die entlegenfte Urzeit hinaufreichen und vielleicht nicht viel jünger als die Erfindung des Feuerzündens, unter allen Umftänden aber der Erfindung der Speichenräder vorausgegangen fein. Die Pfahlbauten- Funde haben durch Conftatirung des Ackerbaues bei den paläolitifchen Pfahlbauern damit auch die gleichzeitige Exiftenz des prähiftorifchen Fuhrwerkes nachgewiefen. Dafs die bisherigen Funde keine Fragmente von unzweifelhaften Wagenbeftandtheilen zu Tage gefördert haben, kann nicht dem abfoluten Abgange diefer Objecte überhaupt zugefchrieben werden, da die Pfahlbauten doch nur während einer verhältnifsmäfsig fehr kurzen Jahreszeit ihrem präfumtiven Zwecke entſprechen und in diefem Falle höchftens als Sommerfrifchen benützt werden konnten, während die eigentlichen Wirthschaftsgebäude mit den Ackergeräthen und Fuhrwerks- Utenfilien am Ufer ftunden. Ueberdiefs fetzte der Bau der uns bekannt gewordenen Pfahlbauten an und für fich die Anwendung irgend eines wenn auch noch fo primitiven Fuhrwerkes voraus; diefes durfte namentlich nicht fehlen bei der den Pfahlbauten fo eigenthümlichen Dammanfchüttung im tiefen Waffer und mag auch das Geheimnifs diefes wichtigen Zweiges der Bautechnik von diefer fo entlegenen Urzeit herab durch eine wohlwollende mündliche Ueberlieferung bis auf die recenten Trieftiner Hafenbauten, wenn auch da mit weniger Erfolg verpflanzt worden fein. Die erften beglaubigten hiftorifchen Documente über Wagen verdanken wir dem chamitifchen Menfchenftamme in Egypten, wo der Phra- on Khoufou ( Cheops) beim Bau feiner Pyramide 4230 bis 4200 Jahre vor unferer Zeitrechnung die Scheibenräder- Fuhrwerke, fowie bei feinen zahlreichen gegen die Mentus auf der finaitifchen Halbinfel unternommenen Feldzügen auch bereits die mit Speichenrädern verfehenen, durchwegs aus Metall conftruirten Streitwagen zur Anwendung brachte, wie diefs auf den bei Oudy- Maghera in Porphyrfelfen gehauenen und gegenwärtig noch wohl erhaltenen bildlichen Darftellungen erfichtlich fein foll. Eine aufserordentlich wichtige Rolle ift dem Wagen in feiner Eigenfchaft als Kriegsmafchine bei den Indogermanen zugefallen und Niemand geringerer als Homer führt denfelben bei Belagerung von Ilium 1200 vor Chr. in die Gefchichte der verfchiedenen Völker diefes Stammes ein. Die einzelnen, den hervorragendften Führern gehörigen, durchgehends aus Bronce und Eifen** hergeftellten und mit Speichenrädern verfehenen griechifchen und trojanifchen Streitwagen( die überwiegende, Mehrzahl davon war Diphros, nämlich mit zwei ausgemittelten Plätzen und zwar für den Streiter ὁπλίτης" und den danebenftehenden Fuhrmann παραβάτης") fowie das Material und die Verzierungen aller Wagenbeftandtheile werden in dem unfterblichen Epos mit grofser Gewiffenhaftigkeit der Nachwelt überliefert. * Sollte die von Friedrich v. Hellwald in deffen neuefter Publication ,, Der vorgefchichtliche Menfch", Band I, Seite 229 und Band II, Seite 322 gebrachte Abbildung und Erläuterung nach dem Dafürhalten diefes ausgezeichneten Forfchers wirklich ein in den Pfahlbauten am Lago maggiore bei Mercurago gefundenes Wagen rad darftellen, fo wäre damit die Kenntnifs des Wagenbaues fowie der Gebrauch der Fuhrwerke bei den fubalpinen Pfahlbauern unwiderlegbar documentirt. Da bei diefem aus Birkenholz conftruirten Wagenrad bereits der Anfatz zu einer Radnabe fowie zwei primitive Radfpeichen deutlich zum Vorfchein kommen follen, fo müfste in Folge diefes höchft intereffanten Fundes überdiefs angenommen werden, dafs der mühfame Uebergang von Scheiben- zu Speichenrädern fchon während der Pfahlbauten- Zeit begonnen habe. ** Das aus den Erzen fo fchwer zu gewinnende Eifen kommt verhältnifsmäfsig fehr frühzeitig bei den verfchiedenen Völkern zur Verwendung, wefswegen von competenten Forfchern die in unglaublichen Quantitäten während der Urzeit auf der Planetenoberfläche angefammelten Meteor- Eifenftücke als das allgemein benützte Eifenmagazin der Vorzeit angenommen werden. Diefs ift um fo wahrfcheinlicher, als ja vor nicht gar langer Zeit ein grofser Theil der Einwohner des Arvaer Comitates in Oberungarn den Eifenbedarf für Hufeifen, Radreifen u. f. w. mehrere Jahre hindurch einem ftattlichen bei Arva gefallenen Meteor- Eifenblocke zu entnehmen pflegte. 4 M. B. Rideli. Troja felbft fiel bekanntlich als Opfer einer nach des ränkevollen Odyffeus hinterliftigen Plänen auf Rädern conftruirten Kriegsmafchine und als nach entfchiedenem Kampfe die Sieger wegen den erbeuteten Princeffinen und Streitwagen aneinander geriethen, da mufsten namentlich die letzteren zur Verhütung grofsen Unheils durch Agamemnon auf eine gerechte Weife unter die königlichen Bundesgenoffen vertheilt werden. Diefer Theil der Beute wurde dann bekanntlich in den diverfen Refidenzen in langen Reihen der Befichtigung von Einheimifchen und Fremden zugänglich gemacht, wie diefs auch noch gegenwärtig bei den eroberten Feldftücken der allgemeine Brauch ift, da der in beiden Fällen mit diefen Kampf- Werkzeugen erzielte Kriegserfolg hier wie dort als identifch angenommen werden kann. Die bei weitem reichlichfte Information über antike Fuhrwerke fliefst der Gegenwart von den Römern zu und erftreckt fich diefelbe nicht nur auf die eigentlich römifchen oder italifchen als vielmehr auch auf jene Wagen, welche bei den mit den Welteroberern in Contact gekommenen Völkern im Gebrauch gewefen find. Es zeigt fich aber daraus, dafs alle Laft- und landwirthschaftlichen Fuhrwerke der fämmtlichen Italiker, Griechen und Kelten mit auf der Achfe feftgekeilten Scheibenrädern verfehen und unter der allgemeinen Benennung " plauftrum" bekannt waren. Nach und nach ift das Scheibenrad( tympanum) vom Speichenrad( rota) auch bei den Laft- Fuhrwerken verdrängt worden und find die alten wegen ihrem unausftehlichen Knarren von den römifchen Dichtern befonders perhorrefcirten ftridentia plauftra" nur noch bei den Nachkommen der Keltiberen in Portugal und auf der Infel Sicilien im Gebrauche. " Nachfolgende Fig. 1 ftellt eine Tympanumachfe fammt den dazu gehörigen Geftellbalken dar, wie folche auf einem gallorömifchen, einem WagenbeftandtheilFabrikanten von deffen trauernder Witwe in Evreux gefetzten Grabftein gefunden worden ift und deren Conftruction fich in Portugal und Sicilien beinahe unverändert bis zum heutigen Tag erhalten hat. Fig. 1. Die Erfindung des Speichenrades, refpective die Verbefferung des Schei benrades wird dem erften Erbauer des Pfluges Triptolemus zugefchrieben und war der Gebrauch desfelben anfänglich nur auf Kriegs, Staats- und Luxuswagen befchränkt, die je nach ihrer Conftruction oder Beftimmung auf das Genauefte durch eigene Benennungen unterfchieden wurden. So verftand man unter Currus nur den im Circus oder bei Triumphzügen gebrauchten, zum Einfteigen von rückwärts eingerichteten antiken Kriegswagen, unter Carpentum den Staats- Galawagen der höchften Würdenträger, deffen Benützung nur ausnahmsweife mittelft Senatus Confult auch anderen Perfonen wie z. B. der Meffalina und Agrippina zuerkannt werden konnte, unter der von den Galliern adoptirten Carucca( fpäter hievon derivirt Carozza, Caroffe, Carriage) die fonft von Vornehmen oder Vermöglichen benützte Equipage und eine unzäh lige Menge anderer Fuhrwerke, deren genaue Abbildungen oder Befchreibungen fich bis auf unfere Zeiten erhalten haben. Die Ausplünderung der ganzen bekannten Welt durch die Römer ermöglichte namentlich bei Wagen und Befpannung die Entwicklung einer derart verfchwenderifchen Pracht, dafs der Gedanke, derfelben in Bezug auf Vollendung Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. 5 der Formen oder Bequemlichkeit und Reichthum der Ausftattung je nachkommen zu können, vollkommen ausgefchloffen werden mufs. Während einestheils fichergeftellt ift, dafs die dem indogermanifchen Stamme angehörigen Griechen, Italiker und Kelten beim Ueberfchreiten des Hellefponts noch im Befitze von Tympanwagen waren und erft in ihren neuen Wohnfitzen die Speichenräder kennen lernten, reſpective felbft erfanden, fo berechtigt uns die auffallende Uebereinstimmung der den Germanen und Slaven als den jüngsten Gliedern desfelben Stammes eigenthümlichen Fuhrwerke fowie deren erhalten gebliebenen Befchreibungen zu der weiteren Annahme, dafs diefe zwei Völker bei dem fucceffiven Verlaffen ihrer früheren gemeinfchaftlichen afiatifchen Heimath bereits Speichenräder- Wagen hatten und im Befitz derfelben ftehend die Pontosflüffe hinaufzogen. Die bei den flavifchen Scythen fo ausgebildete Wagenbau- Kunft fowie die mit Hilfe der uneinnehmbaren fcythifchen Wagenburgen den perfifchen Weltbeherrschern beigebrachten fchweren Niederlagen( 500 vor Chr.) find ebenfo bekannt, als die den Cimbern und Teutonen fo verhängnifsvollen und mit deren Vernichtung fowie mit der Wegnahme ihrer Wagenburgen endigenden Doppelfchlachten von Aquæ Sextiæ und Vercellae ( 109 vor Chr.). In dem vom römifchen Feldherrn C. Marius über diefen Sieg erftatteten Berichte finden fich in der That bei der Aufzählung der erbeuteten Wagen zum gröfsten Theile nur folche, die bei den Römern nur mit Speichenrädern verfehen zu fein pflegten und wobei Currus, Rheda, Carpentum,( die letzteren wahrfcheinlich dem überwundenen Teutoboch und deffen Unterfeldherrn gehörig) mit der gröfsten Anzahl unter den Beuteftücken figurirten, während die Plauftra fehr fchwach vertreten waren und höchft wahrfcheinlich auf dem damals fchon ziemlich cultivirten Requifitionswege von den umliegenden gallifchen Völkerfchaften in den proviforifchen Befitz der Teutonen gelangt fein mochten. Die Völker des femitifchen Stammes haben als fpecififche Nomaden mit allfälliger Ausnahme der Phöniker keine befondere Veranlaffung bei Erfinduug und Ausbildung des Wagenbaues wahrnehmen können und diefs umfoweniger, als ihnen das„ Schiff der Wüfte" ohnehin die beften Dienfte leiftete, es finden fich auch weder in ihrer Mythologie noch Gefchichte derlei Erfindungsanfprüche erhoben oder auch nur angedeutet. Den Schriftgelehrten wird namentlich nicht unbekannt fein, dafs in der vorfalomonifchen Zeit das auserwählte Volk den Bedarf an Wagen in Egypten deckte und bei einer fpeciellen Gelegenheit auf einmal nicht weniger als 600 Wagen von dort importirte und das Stück mit 700 Silberlingen per comptant bezahlte. König Salomo felbft fah fich fpäter, ungefähr 1000 Jahre vor Chr., bei Gelegenheit des Tempelbaues gezwungen, die für die Tempel- Feuerwehr beftimmte Lieferung von zehn Wagengeftellen zum Tragen der zehn ehernen Wafferk effel dem phönikifchen Wagenbauer Hiram Abif in Tyrus zu übertragen( Buch I der Könige, 7. Capitel), da in der königlichen Refidenz Niemand die Lieferungsbedingniffe für die aus„ lauterem Erz" beizuftellenden Naben, Speichen, Felgen und Achfen einzuhalten im Stande war. Die bei den femitifchen Völkern damals fo auffallend zu Tage getretene Vernachläffigung des Wagenbaues konnte in der Gegenwart gewifs auf keine erfreulichere Weife als durch die bereitwilligfte Uebernahme der Verwaltungsforgen bei einem grofsen Theile der grofsen modernen Transportanftalten, wobei namentlich in Oefterreich mitunter eine wahrhaft antike Selbſtverleugnung entwickelt wird, gutgemacht werden. Neben der Conftruction des Wagens fpielt die zur Fortbewegung diefer höchft complicirten Mafchine angewendete Locomotionskraft eine fehr wichtige Rolle. In diefer Beziehung unterliegt es keinem Zweifel, dafs analog den während der Urzeit beim Fortwälzen der Laften angewendeten Hebebäumen auch die 6 M. B. Rideli. Vorwärtsbewegung der erften prähiftorifchen Wagen durch Anfchieben von rückwärts ftattfinden mufste, wobei der Herr der Schöpfung in Perfon oder durch feine Familienangehörigen die lebendige Kraft während einer ftattlichen Reihe von Jahrtaufenden beizuftellen bemüffigt war. Die„ Langwied" dürfte demnach bei einem vierrädrigen Wagen ein viel höheres Alter haben als die,, Deichfelft ange". Diefe Sachlage mufste auf die Länge fehr drückend und befchwerlich geworden fein, wie diefs aus dem grofsen in Griechenland entstandenen Jubel hervorgeht, als es Prometheus gelang, die erften Pferde vor den Wagen zu fpannen. Durch Zuführung diefes ebenfo ftarken als fleifsigen und an Nützlichkeit: nur dem fpäter gebändigten Rinde nachftehenden Mitarbeiters hat diefer im Alterthum fo hoch gefeierte Heroe unferen viel geplagten Urahnen nicht viel weniger Erleichterung verfchafft als durch feine, allerdings bei weitem wichtigere Erfindung des Feuerzündens. Prometheus fcheint anfänglich blofs zwei Roffe vorgefpannt zu haben, denn es entſtand ein weiterer Jubel, als Erichtonius bei den Panathäneifchen. Spielen zuerft mit einer Quadriga erfchien und den Preis gewann. Primus Erichthonius currus et quatuor aufus Jungere equos rapidisque rotis infiftere victor. ( Virg. III Georg.) Die darüber entstandene Freude war fo allgemein, dafs Erichthonius, wahrfcheinlich in Ermanglung einer einträglichen vacanten Sinecure bei einer Transportgefellſchaft, mit der damals üblichen höchften Auszeichnung", deren. Vorrath gegenwärtig leider fchon erfchöpft ift, beehrt und unter die Sterne verfetzt wurde, wo er als ,, Auriga" ohne Zweifel noch manche Conceffionsdauer überleben dürfte. Die beliebtefte, von den Vornehmen des Alterthums bei ihren fo vielfältigen Wagen benützte Befpannung war unftreitig die Quadriga; nur bei weiten Reifen wurde fie in Folge eines tief eingewurzelten Aberglaubens beinahe nie angewendet, indem es da nicht rathfam erfchien, durch ein allzulange andauerndes. Nebeneinanderfpannen von vier Pferden das Aufpicium jugi zu provociren. Diefes Aufpicium war aber von der allerbedenklichften Vorbedeutung und trat fofort ein, wenn die Quadriga gleichzeitig miftete. Es wurde daher bei längeren Reifen die gallifche Befpannungsart, nämlich. je zwei Pferde voreinander zur Anwendung gebracht. Das Zweigefpann( Biga) war, wie diefs auch heutzutage der Fall it, am häufigften gebraucht, minder häufig war das Dreigefpann( Triga, woraus die ruffifche Trojka) wobei dem mittleren im Joche ziehenden Pferde die Leitung zufiel, zum Unterfchied von dem keilförmigen aus der Tartarei ftammenden Dreigefpann, welches gegenwärtig in Wien bei den Omnibus- und Tramway Fuhrwerken zur Ueberwindung der Betriebsfchwierigkeiten bei gröfseren Steigungen oder bei Befahrung der Praterfümpfe ganz allgemein in Aufnahme zu kommen fcheint. Das Zehngefpann, Decemjuga, wurde zuerft von Kaifer Nero während der olympifchen Spiele beim Wagenrennen gebraucht. Der Kaifer wurde zwar gleich am Anfang des Rennens aus dem Wagen gefchleudert, nichts destoweniger aber mit dem erften Preife bedacht.** * Aeschylos läfst ihn in der Trilogie ,, die Prometheide" ausrufen:„ Ich der erfte habe ,, die gebifstragenden Roffe an den Wagen gefpannt". Πρῶτος ὑφ᾽ ἅρματ' ἤγαγον ψιληνίους " IRROUS ** ,, Eburneis quadrigis quotidie in abaco lufit.- Aurigavit quoque plurifariam. Olym ,, piis vero etiam decemjugem. Sed excuffus curru ac rurfus repofitus, cum perdurare non poffet, ,, deftitit aute decurfum, nec eo fecius coronatus eft". Suetonius. Liber VI, C. I. 24. Die Pferde wurden im Alterthum allgemein ins Joch gefpannt; bei der Quadriga war diefs namentlich bei den zwei inneren Deichfelpferden der Fall, während die äufseren zwei Pferde fiei an Strängen zogen und defswegen equi funales hiefsen. Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. 7 Der berühmtefte monumentale Wagen des Alterthums war unftreitig der Leichenwagen Alexander des Grofsen, deffen Conftruction zwei volle Jahre in Anfpruch nahm. Diefer königliche mit orientalifch- griechifcher Pracht ausgeftattete Leichenwagen wurde an vier Deichfelftangen von nicht weniger als 64 hochgewachfenen in vier Reihen im Joch gefpannten Maulthieren unter glänzender Begleitung im Jahre 321 vor Chr. von Babylon nach Alexandrien in Egypten geführt und die Ueberrefte des grofsen Eroberers in der letzteren von ihm gegründeten Stadt in einem eigens zu diefem Zwecke erbauten Tempel beigefetzt. Zur Befpannung des Wagens wurden nach Emancipation des Menfchen vom Wagenfchieben, von Alters her die verfchiedenartigften Zugthiere verwendet, von denen traditionsmäffig bei öffentlichen Feften und Spielen die unterfchiedlichen Fuhrwerke gezogen wurden und wobei neben dem ehrwürdigen Gaul und dem Maulthier, der Wolf, Bock, Ochfe, Büffel und mehrere Andere nicht fehlen durften. die Nach der Unterjochung der Welt durch die Römer wurden, um fouveräne plebs ftets bei guter Laune zu erhalten, von den jeweiligen Machthabern nach und nach Bären, Tiger, Löwen, Elephanten u. f. w. bei den Triumphund anderen feftlichen Umzügen als Gefpann vorgeführt. Der jugendliche Kaifer Heliogabal hat fpäter in der Abficht, den überfättigten Römern ,, Etwas noch nicht Dagewefenes" zu produciren, fogar das von ihm neuerfundene„ Pampillum", gezogen von einem Viergefpann junger Mädchen bei den Baalsfeften zur Verwendung gebracht und fich nicht entblödet, durch Prägung von darauf Bezug habenden Münzen und Medaillen die tugendhaften Lebensanfchauungen einer fpäten Nachwelt auf das Empfindlichfte zu kränken. In der Auffindung von ganz neuen Zugkräften hat jedoch erft die neuere Zeit das bei Weitem Unglaublichfte geleiftet. Als nämlich im vorigen Jahrhunderte bei einem europäiſchen Infulaner die beforgnifserregenden Symptome einer mehr oder weniger angeborenen Gemüthsdispofition in einem ftarren Hinblicken auf einen fiedenden Theekeffel Ausdruck fanden, wurde durch eine wohlthätige Erregung der lebhaften Phantafie des Patienten nicht nur deffen theilweife Heilung bewirkt, fondern auch das vollkommen unerwartete und höchft merkwürdige Naturgefetz entdeckt, wonach die Veränderung des Aggregatzuftandes des Waffers unter gewiffen Umftänden als bewegende Kraft verwendet und bei Fortfchaffung von Laften und Fuhrwerken anftatt der Büffel und Ochfen ausgenüzt werden könnte.* Die mit vollem Rechte ganz allgemein angenommenen Vorausfetzungen, dafs das auf der ganzen Erdoberfläche in unerfchöpflichen Maffen frei vorkommende, daher ungemein billige Subftrat diefer neuen Zugkraft, namentlich bei forgfältiger Aufserachtlaffung des fogenannten Wafferreinigungs- Apparates von Mr. Bérenger, eine ftetige Herabminderung der von den Spurbahnen abgeforderten Fahrpreife nach fich ziehen würde, find leider nicht in Erfüllung gegangen. Diefs zeigen nur zu deutlich die gegenwärtig in den fo unleidigen Tarifangelegenheiten permanent auf der Tagesordnung ftehenden Enqueten, Commiffionen und Petitionen, wobei noch immer fraglich ift adhuc sub judice lis est ob die ungerechtfertigte Ueberhandnahme diefes troftlofen Zuftandes von der Koft-- * Das wirklich Unerwartete diefer Erfindung wird nur durch die Perplexität des durch die plötzlich eingetretenen berühmten Bologneter Profeffors überboten, als diefer heftigen Zuckungen eines vollkommen verblichenen Batrachiers in Entfetzen verfiel, jedoch nach ruhigerer Erwägung und nach zweifellofer Conftat rung der bei diefem Vorfall wirkenden Naturgefetze der Urheber des gegenwärtig beide Hemisphären verbindenden Telegraphen geworden ift. Durch die Ausnützung diefer neuentdeckten Naturkräfte find feitdem in beiden Fällen die erfpriefslichften Refultate errungen worden, die nur durch den höchft unmässigen auch bei den unpaffendften Gelegenheiten wiederkehrenden Gebrauch von ſtereotypen auf um fo diefen Fortfchritt Bezug habenden Redewendungen beeinträchtigt erfcheinen, was bedauerlicher ift, als diefe monotonen rhetorifchen Behelfe zumeift von Perfonen und Corporationen herrühren, die in gar keinen irgendwie wahrnehmbaren Zufammenhang mit diefen Neuerungen gebracht werden können. 8 M. B. Rideli. fpieligkeit des Locomotions- oder aber des Verwaltungsmechanismus verfchuldet worden ift. Es ift begreiflich, dafs der Erfinder der neuen Zugkraft den Ehrgeiz befafs, für diefelbe auch einen ganz neuen originellen Bewegungsmechanismus zu conftruiren und es wurden zu diefem Zwecke in der That beim Beginne der Locomotionsexperimente anfänglich zwei Adhäfionskrallen beliebt welche durch den regulirten Dampfdruck alternirend vorgezogen und zurückgelegt, die dem thierifchen Laufe nachgeahmte Vorwärtsbewegung bei den zuerft in England conftruirten Locomotionsmafchinen vermitteln follten. Die Refultate haben bekanntlich den gehegten Erwartungen auch nicht entfprochen und man war gezwungen, zum ehrwürdigen alten Wagenrad, welches vor unzähligen Jahrtaufenden von prähiftorifchen und höchft wahrfcheinlich der Antropophagie noch eifrig huldigenden Wilden* erfunden und vervollkommnet worden war, reumüthig zurückzukehren. Die prähiftorifchen Erfinder waren übrigens auf die Vorzüglichkeit und relative Unentbehrlichkeit ihres rotirenden Werkzeuges nicht wenig ftolz und das von den modernen Eifenbahn- Auguren bewerkstelligte Abcopiren des auf antiken hetrurifchen Vafen als Attribut des Speichenrad- Erfinders Triptolemus vorkommenden geflügelten Rades fowie die gleichzeitige Adoption desfelben zum Symbole der Sicherheit und Schnelligkeit der Eifenbahn- Locomotion kann nur als ein unverantwortliches Plagiat bezeichnet werden. Diefes Vorgehen ift um fo bedauerlicher, als bekanntlich die Wahl diefes Emblems in Bezug auf deffen obenerwähnten conventionellen Sinn überdiefs bei mehreren Eifenbahnen mindeſtens als ziemlich unpaffend angefehen werden kann. Die allgemeinen Verdienfte des prähiftorifchen, ganz unbekannt gebliehenen Raderfinders können aber nicht beffer als durch Conftatirung der Thatfache gewürdigt werden, dafs, während z. B. nach Eliminirung der Dampfkraft alle damit zufammenhängenden Induftrien ihre leidliche Exiftenz auch ohne diefelbe weiter friften könnten, das momentane Verfchwinden des Rades hingegen den augenblicklichen Stillftand einer unendlich grofsen Anzahl von Induftrien inclufive der Landwirthfchaft zur unmittelbaren Folge haben müfste. Der Ausfpruch eines mit Recht gefeierten englifchen Forfchers, dafs es in der hiftorifchen Epoche wenig Fortfchritt gegeben habe, derfelbe aber in vorgefchichtlicher Zeit unendlich grofs gewefen fein müffe", hat nirgends mehr als beim Wagenbaue feine volle Richtigkeit und es mufs die von unferen Urahnen entwickelte Rührigkeit um fo höher angefchlagen werden, als neben den vielen ebenfo unentbehrlichen als höchft originellen Erfindungen auch die Sprache felbft fammt allen darauf bafirten Inftitutionen gefchaffen werden mufste. Nur diefer raftlofen Thätigkeit ift es zu verdanken, dafs die Gegenwart den früher in allem Ernfte geführten„ Kampf ums Dafein" mit akademifcher Gelaffenheit heutzutage als ftrittigés Theorem behandeln und fich des unter viel Müh' und Drangfal erfundenen Wagens beim Befitze der nöthigen Mittel, mit Ruhe erfreuen kann. Den folgenden Generationen fiel die verhältnifsmäfsig leichtere Aufgabe zu, diefe Erfindungen, worunter fich die fämmtlichen einfachen Elemente jeder + * Die neueften Forfchungen unferes berühmten vaterländifchen Ethnologen Friedrich Müller, fowie jene von Ernft Häckel, W. Bagehot und Anderen haben dargethan, dafs die fogenannten Menfchenfreffer nur mit dem gröfsten Widerftreben und nur aus dem Grunde ihren Nächften verzehren, weil fie der Meinung find, dafs nicht nur das Fleifch und die Knochen des Verfpeiften, fondern auch deffen hervorragende Eigenfchaften als: Tapferkeit, Schönheit, Muth, Erfindungsgabe.u. f. w. nach eventuell ftattgefundener Verdauung denfelben zugute kommen würden. Ohne irgendwie das mitunter fehr unerquickliche Verhältnifs zwifchen den zeitgenöffifchen Patentinhabern und Patentausübern berühren zu wollen, ift es dennoch fehr erfreulich, dafs aus Anlafs der Weltausftellung ein Patentcongrefs fich angelegen fein liefs, die verfchiedenen divergirenden Verhältnifse cer Patentintereffenten nach Thunlichkeit zu regeln, wodurch vielleicht für alle künftigen Zeiten jede Anlehnung an prähiftorifche Ufancen vermieden werden könnte, an welchem günftigen Refultate übrigens die Erwägung der vollkommenen Nutzlofigkeit diefer barbarifchen Uebungen den meiften Antheil haben dürfte. Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. 9 noch fo complicirten Mafchine befanden, zu fichten, ein genau fpecificirtes Inventar davon anzulegen, die Richtigkeit in Anwendung der unabänderlichen Naturgefetze mittelft a+ b nachzuweifen und die hieraus abgeleiteten mehr oder weniger klar gefafsten Lehrfätze in ebenfo voluminöfen als unverhältnifsmäfsig theueren Lehrbüchern über„ Mechanik und Maſchinenbau" zu compiliren. Am Schluffe diefer Einleitung dürfte es vielleicht erlaubt fein zu bemerken, dafs nach dem Dafürhalten der Linguiften die fprachlichen Bezeichnungen für die diverfen Wagenbeftandtheile bei allen, den europäiſchen Continent und deffen Infeln bewohnenden indogermanifchen Völkern eine überraschende Verwandtfchaft aufzuweifen haben. Diefe auffallende Aehnlichkeit wird auf den gemeinfchaftlichen Urfprung aller europäiſchen Sprachen aus dem Sanskrit zurückgeführt und findet felbftverſtändlich auf die innerhalb der compacten Maffen der indogermanifchen Ureinwohner fporadifch eingefprengten und davon auch fonft fpecififch verfchiedenen Turanier. und Semiten keine Anwendung. So wird beifpielsweife der Wagen im Sanskrit mit Ratha, der Fuhrmann mit Rutumanna und die im Wagen fahrenden mit Rhetica bezeichnet; die Gallier nannten aber das bei denfelben gebräuchlichfte Fuhrwerk Rheda, während bei den Römern rota ein Speichenrad bedeutet und alle romanifchen Völker fich ähnlicher Bezeichnungen für dasfelbe bedienen. Defsgleichen foll Ess im Sanskrit die Benennung für eine Achfe fein, die keltifchen Britannen bezeichneten aber mit Efs einen gewöhnlichen Wagen, mit Effeda einen Streitwagen; die Benennungen axis, axle, axe, effieu, affe, fowie bei den Slaven ofs( Achfe) und das derivirte wofs( Wagen) dürften einer und derfelben Quelle entftammen und vielleicht auch mit dem Namen der zu den Achfen fo häufig verwendeten Efche, engliſch afh, fraxinus, fraffino, flavifch jafion in irgend einer Beziehung ftehen. Noch prägnanter ift die Uebereinftimmung des fanfkritifchen Jugon mit Joch, joug, yoke, Cuyóv, jugum, il giogo, el Yugo, jarzmo, Igo, woraus dann Duga, die Benennung für den Bogen des Mittelpferdes bei der ruffifchen Trojka. Der Wagen verdankt feine Benennung wahrfcheinlich einem feiner conftitutiven Beftandtheile, der Waage, welche an der Deichfelftange wagrecht zum Anbringen der Zugkräfte befeftigt wird. Das Derivat ,, Waggon" ift bekanntlich von allen eifenbahnfahrenden Nationen beider Hemiſphären feit längerer Zeit ohne Schwierigkeit adoptirt worden. Der Fuhrwerke im Allgemeinen gab es mit Einſchluſs der landwirthschaftlichen, Kriegs-, Feuerwehr- und Rüft- Fuhrwerke, die auf den Strafsenbetrieb angewiefen find, auf der Wiener Ausftellung einige Taufend, davon follen jedoch im Folgenden blos jene Vehikel befprochen werden, die in der Anzahl von ungefähr 300 Stück zur Ausftellung gelangt find und als Laft- und Luxus- Fuhrwerke charakterifirt erfcheinen. Vorerft fei der vom ftändifchen Grazer Joanneum im Pavillon des erwähnt, welcher Amateurs ausgeftellt gewefene prähiftorifche Wagen nach feinem Fundorte und feiner wahrfcheinlichen Beftimmung ,, Stretweger Opferwagen" geheifsen, ein werthvolles Unicum bildet und in Fig. 2 abgebildet ift. Unter allen bis jetzt bekannt gewordenen prähiftorifchen Fuhrwerken ift diefs unftreitig das ältefte fowie auch das befterhaltene Wagen exemplar, ftammend aus jener grauen Vorzeit, wo die Steiermark, namentlich die Gegend um Judenburg noch von Kelten bewohnt war und deffen Alter nach vielen Jahrtaufenden zu bemeffen fein wird. Der in der Mitte angebrachte Ständer, fowie 12 Figuren, welche, zum Theile mit einem männlich- kriegerifchen Schmucke angethan, den oberen Theil des durchgehends bronzenen, von edlem Rofte( Aerugo nobilis oder Patina) überwucherten Fuhrwerkes zierten, find in der Zeichnung als für den vorliegenden Fall minder wefentlich, weggelaffen. Die zwei Haupttragbalken eines jeden vierrädrigen Wagens 10 M. B. Rideli. Fig. 2. Prähiftorifcher Bronzewagen. nämlich die Achfen, fowie die zwei Längenbalken beftanden aus gewalztem Bronzeblech, während die mit conifchen fowohl als jene mit flachen Köpfen verfehenen und zur Befeftigung an eine Unterlage erforderlichen Bronzenägel wegen der aufserordentlich genauen Uebereinftimmung in ihren Dimenfionen offenbar Mafchinennägel gewefen fein müffen. Der Wagen hatte vier auf den ausgefchmiedeten Achfenftummeln rotirende Speichenräder aus Bronzegufs; aus Allem diefem ift aber erfichtlich, dafs die Anwendung von metallifchen Poutrellen und von metallifchen Rädern beim Wagenbaue fchon in der graueften Vorzeit bekannt war und dafs anderfeits zwifchen den damaligen Vorbildern der heutigen Engländer, nämlich den metallkundigen Etruskern und den auf einer verhältnifsmäfsig fehr tiefen Culturftufe ftehenden fteierifchen Kelten in der Bronzezeit ein recht lebhafter Austaufch von bronzenen Räderpaaren, gewalzten Bronzeblechen und Maſchinennägeln aus Erz gegen keltifche Bärendecken, Flachs u. f. w. ftattgefunden haben müffe. Diefer Stretweger Wagen erlaubt aber den weiteren wichtigen Schlufs, dafs die anderen gleichzeitig gebrauchten Fuhrwerke ebenfalls einen hohen Grad von Vollkommenheit bereits erreicht haben mufsten, dafs fomit für den Anfang der Benützung des Wagens überhaupt, refpective für die Erfindung diefer Vorrichtung auf einen Zeitpunkt der Vergangenheit zurückgegriffen werden müffe, der viele Combinationen über den muthmafslichen Gang der Entwicklung des Menfchengefchlechtes zu erfchüttern im Stande wäre. Einen directen Gegenfatz zu diefem bronzenen Wagen bildete der im Szeklerhaufe zur Ausftellung gelangte, in einem grofsen Theile Siebenbürgens allgemein in Verwendung ftehende Szeklerwagen, deffen Beftandtheile bis auf den eifernen Reibnagel und einige wenige eiferne Klammern durchwegs aus Holz ausgeführt waren und deffen Abbildung in Fig. 3 folgt. Der Durchmeffer der vorderen Räder betrug o 800 Meter, jener der rückwärtigen Räder 0.900 Meter bei einem Radftande von 1500 Meter und einer Spurweite der rückwärtigen Räder von 1150 Meter. Die Achfen diefes Wagens ebenfo wie die Radfelgen, die Wage und die Drittel waren aus Rothbuchen, während die Radnaben und die Speichen aus Eichenholz beftanden. Die vorderen Leixen ftanden fenkrecht auf dem Wendfcheit, die hinteren fenkrecht auf der rückwärtigen Achsfchale und gaben im Zufammenhange mit den übrigen Dimenfionen der Vermuthung Raum, dafs aus diefem Wagen fich nach und nach der nationale ungarifche ,, Sandlaufer" entwickelt haben müffe. Zwifchen den Leixen ftand der Kaften aus Fichtenholz und war darüber eine Rohrdecke angebracht. Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. 11 Der Szeklerwagen. Fig. 3. Die gegenwärtig in Chiwa und Turkeftan gebräuchlichen Wagen find mit dem vorliegenden Szekler- Wagen beinahe identifch; bei der Belagerung von Wien im Jahre 1683 war diefe Art von Packwagen bei der türkifch- ungarifchen Belagerungs- Armee vorherrfchend, wie die aus jener Zeit ftammenden in der hiftorifchen Ausftellung der Stadt Wien befindlich gewefenen Abbildungen gezeigt haben. Diefer Ahnherr des„ Sandlaufers" fcheint alfo der Provenienz nach turanifchen Urfprunges zu fein, und dürfte bereits bei den Siegeszügen des Attila zum Transporte von Rüftgegenständen, Proviant, Beuteftücken u. f. w. Verwendung gefunden haben. 12 M. B. Rideli. Später erfcheint diefes Fuhrwerk noch einmal als unvermeidlicher Begleiter der erobernden Ungarn bei deren verheerenden Kriegszügen zwifchen Leitha und Rhein, gleichwie auch in Ober- Italien, bis durch den von Kaifer Otto I. am 10. Auguft 955 im Lechfelde herbeigeführten Zwifchenfall diefer handliche Wagen für eine Reihe von Jahrhunderten der friedlichen Benützung zurückgegeben werden konnte. Gegenwärtig wird derfelbe von den Szeklern in Siebenbürgen bei der Landwirthfchaft fowohl als auch beim Transporte von Gütern, namentlich aber bei der Verführung vom Borszeker Sauerbrunnen mitunter auf fehr bedeutende Entfernungen in Verwendung gehalten.. Die erften vierrädrigen Wagen haben wahrfcheinlich jene primitive Form befeffen, zu welcher gegenwärtig die vierrädrigen Eifenbahn- Waggons endlich zurückgeführt worden find, fie entbehrten nämlich einer Vorrichtung zum Umwenden des Wagens, wie diefs ja auch beim Stretweger Bronzewagen der Fall ift. Diefe Vorrichtung ift gegenwärtig bei allen Wagen in der Hauptfache vollkommen übereinftimmend. Gleichwie bei fämmtlichen anderen Fuhrwerken bildet auch beim vorliegenden Szekler- Wagen der durch die Mitte des Wendfcheites, der Achsfchale und des Achsftockes, fowie durch das vordere Ende der beide Achfen verbindenden Langwied gefteckte Reibnagel das Pivot bei der Umdrehung des Vordergeftelles, wobei die Reibflächen zwifchen Wendfcheit und Achsfchale zu liegen kommen, und das mit dem oberen Wagentheil feft verbundene Wendfcheit unbeweglich bleibt. Die am Befeftigungspunkte der Wage gabelförmig von der Deichfelftange abzweigenden, zwifchen Achfe und Achsfchale eingekeilten und damit feft verbundenen zwei Stangenarme find an ihren Enden durch ein bogenförmiges Holzftück, das ,, Reibfcheit", zufammengehalten, welches bei einer durch die feitliche Bewegung der Deichfelftange bewirkten Umdrehung des Vordergeftelles unter der Langwied gleitet, und wegen der dabei ftattfindenden rafchen Abnützung an der Reibfläche gewöhnlich mit Blech befchlagen ift. Diefes bei fämmtlichen in Wien zur Ausftellung gelangten Fracht- und Laftwagen angewendete Untergeftelle hat feit feiner uns durch die egyptifchen Denkmäler bekannt gewordene Einrichtung, fomit innerhalb der letzten 6000 Jahre in Wefenheit gar keine Veränderung erlitten, und mufs diefe Behauptung auch in Bezug auf das letzte zwifchen der Parifer und Wiener Weltausstellung begriffene Luftrum aufrecht erhalten werden. Das Untergeftelle jener Fuhrwerke, welche ausfchliefslich auf die Locomotion von Perfonen beftimmt, entweder durch Auspolfterung und Decorirung der im Inneren des Wagens ausgemittelten Sitzplätze oder durch luxuriöfe Ausftattung der äufseren Wagenbeftandtheile von allen anderen Vehikeln unterfchieden und als Luxuswagen bezeichnet werden, war bei den Alten von dem foeben befprochenen Untergeftelle nicht verfchieden. Diejenigen Theile des Wagens jedoch, welche zu diefem Zwecke dem Untergeftelle aufgefetzt, und in der antiken Wagenbau- Kunft mit dem fo prägnanten Ausdrucke ,, Hypertheria" bezeichnet wurden, bildeten durch ihre zweckmäfsige Gliederung und durch ihren fymmetrifchen Zufammenhang mit dem Untergeftelle jenes harmonifche Ganze, welches, da eine Renaiffance der Wagenbau- Kunft noch immer ausftändig ift, leider der Mehrzahl der modernen Luxuswagen, bei denen die monftröfe, häufig bis zu einem Drittel der Kaftenhöhe unterachfig geftellte Tragfeffel- Form definitiv adoptirt worden ift, vollkommen abzugehen fcheint. Die meiſten Veränderungen haben beim Vordergeftelle ftattgefunden, indem fowohl das mit dem Obergeftelle, refpective mit dem Kutfchbock feft verbundene Wendfcheit, als auch die Achsfchale in ,, Sproffenftänder" umgewandelt wurden, welche je einen„ Felgenkranz" tragen, und innerhalb derfelben die Drehung des Vordergeftelles um den mittlerweile zu einer„ Spindel" avancirten Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. 13 Reibnagel infoweit möglich machen, als diefs die Stellung der Langwied geftattet. Aufser diefer, den Wegfall des Reibfcheites" unter Einem in fich fchliefsenden Veränderung ift aber das Untergeftelle der meiften modernen Luxuswagen auch noch durch Einfchaltung eines ganz neuen, die gröfste Mannigfaltigkeit im Bau des Obergeftelles mit fich führenden Elementes, nämlich der Wagenfeder gründlich modificirt worden. Es mufs aber fogleich erinnert werden, dafs die meiften durch das Hinzutreten von neuen Elementen im Bau von Luxuswagen hervorgerufenen Fortfchrittebereits im Laufe des vorigen und in der erften Hälfte des gegenwärtigen Jahrhundertes zu Tage getreten find, und nur ein verhältnifsmäfsig fehr geringer beinahe vollkommen verfchwindender aliquoter Theil davon der feit der letzten Parifer Weltausftellung verfloffenen Zeit gutgefchrieben werden könne. Es wird fonach die uns obliegende Aufgabe nicht fowohl darin beftehen. müffen, die abfolut conftatirten, feit den letzten fünf Jahren vor fich gegangenen Fortfchritte im Bau von Strafsen Fuhrwerken zum alleinigen Gegenftande diefer Zeilen zu machen, da in diefem Falle fchon einige Worte die Materie erfchöpfen würden, als vielmehr neben der Befchreibung der wirklich zur Ausstellung gelangten diverfen Fahrzeuge auch wo möglich eine objective Beurtheilung derfelben fowie die Art und Weife ihrer Entwicklung zu liefern. Denn allerdings fcheinen z. B. auf den erften Blick zwifchen dem eingangs befprochenen Szeklerwagen und einem„ huitrefforts" von Mrs. Binder frères in Paris alle Vergleichungselemente vollſtändig abzugehen, bei näherer Betrachtung der fucceffive zur Auswechslung oder zur Einfchaltung gelangenden Aequivalente ift jedoch der ftetige Uebergang fehr wohl bemerkbar, wenn hiebei fchliefslich auch keine gröfsere Aehnlichkeit herausgefunden werden follte, als ungefähr zwifchen einem Trilobiten aus dem böhmifchen Silur und einem„ modernen" Hummer aus der Adria. Japan. Aus Japan gelangten zwei kleine Rollwagen zur Ausftellung, deren fämmtliche Beftandtheile, inclufive Achfen und Federn, von einem der drei in Kioto bereits etablirten japanifchen Equipagenfabrikanten erzeugt worden find. Der aus Fichtenholz( Hinoki) beftehende Kaften des einen diefer zweirädrigen Wägelchens hatte einen fchwarzen Anftrich, deffen forgfältige Lackirung die charakteriftifchen fehr fchwach profilirten goldenen Verzierungen hervortreten liefs; die Räder hatten I Meter im Durchmeffer und waren wie überhaupt das ganze Untergeftell fchwarz lackirt, roth befchnitten; der gepolsterte Sitz war mit fchwarzem Sammt und fchwerer fchwarzer Seide ausgefchlagen. Das Verdeck diefes Wagens beftand aus einem wafferdichten, fchwarzen Seidenftoff, gefüttert mit weifser Seide. Bei den Rädern waren die Naben aus Ruftenholz( ulmus campestris), die Radfelgen, die Speichen und die Deichfelftange aus Efchenholz; fowohl Achfen als Feder- Hängtafchen waren aus Schmiedeeifen, die elliptifchen Druckfedern aus Cementftahl. Der andere japanifche Rollwagen hatte eine ganz analoge Conftruction, unterfchied fich jedoch von dem vorſtehenden durch feine innere Ausftattung. Das Untergeftell war braun lackirt, der Sitz mit buntem Seidenbrokat ausgefchlagen, die Wagenkiffen mit blauem Goldbrokat überzogen. Aufser diefen zwei Rollwagen find im Pavillon des kleinen Kindes noch zwei Kinderwagen, und zwar Tricycles aus Japan zur Ausftellung gelangt. Die Japanefen find bekanntlich gegenwärtig in einem fehr merkwürdigen Uebergangsftadium begriffen, indem diefelben der feit Jahrtaufenden gepflogenen Nachahmung des übrigens fehr erfindungsreichen, originellen Chinefen überdrüffig geworden, nunmehr mit einer oft krankhaften Ueberftürzung daran gehen, die Europäer in Allem und Jedem zum nachahmungswürdigen Mufter zu nehmen. 14 M. B. Rideli. Diefe Neigung äufsert fich auch beim Gebrauche der Luxuswagen, in Folge deffen die früher nach chinefifcher Sitte allgemein üblich gewefenen Sänften, wovon einige Modelle auch zur Ausftellung gelangten, nach und nach in der letzteren Zeit bei Seite gefchoben worden find, um den europäifchen Equipagen Platz zu machen. Die Japaner haben jedoch nicht die geringfte Abficht, diefe Objecte von Europa in ihr Land zu importiren; es find im Gegentheil viele Anzeichen vorhanden, dafs fie in den errichteten Wagenbau- Anftalten nicht nur ihren eigenen Bedarf an Wagen zu decken wünſchen, als vielmehr die Engländer und Holländer nachahmend, durch Export derfelben erkleckliche Summen ins Verdienen zu bringen hoffen. Die in der Japanefifchen Abtheilung zur Ausstellung gekommenen Eifenerze und die daraus gewonnenen Hüttenproducte geftatten die Annahme, dafs die zur Wagenfabrication nothwendigen Eifen- und Stahl- Beftandtheile im Ueberfluffe und aufserdem von einer fehr guten Qualität im Lande felbft vorhanden find. Die reichhaltige japaniſche Holzausftellung hat aufser den bei der Con ftruction der Wagencarcaffe verwenbaren, in den gröfsten Quantitäten vorkom. menden gemeinen Holzgattungen auch die vortrefflichften Werkhölzer vorgeführt, worunter beiſpielsweife Taxus cuspidata ein lebhaft fleifchrothes, Liviftona chinensis ein ausgezeichnet getigertes, Dyftilium racemosum ein dunkel violettes, ungemein dichtes Material liefern, wodurch fowohl das Mahagony- als das Nufsholz bei der Verkleidung des Wagenkaftens mit viel Vortheil erfetzt werden kann. Da überdiefs der feiner Zeit nach Europa aus China introducirte feinfte Kutfchenlack", fowie auch vieux lacq" gegenwärtig in Japan noch immer viel beffer als in Europa nachgeahmt wird und in diefem Fabrikationszweige felbft Nobles& Hoare in England den Japanefen nachftehen, auch die zur inneren Ausftattung mitunter verwendeten fchweren Seidenftoffe nicht nothwendigerweife aus Lyon bezogen werden müffen und fchliefslich für die in Europa gegenwärtig übliche Zeichnung des Kaftenprofils am Ende die japanefifchen Künftler recht gut auch ohne fremde Beihilfe aufkommen dürften, fo kann der japanefifchen Wagenfabrication ein ganz günftiges Horofkop für die Zukunft geftellt werden. Durch diefe und ähnliche andere Umftände wird aber auch erklärlich, warum von gewiffer Seite feit einiger Zeit der aufserordentlichen Gelehrigkeit der Japanefen nur mit getheilten Freudegefühlen Erwähnung gefchieht und die früher fonft allgemein üblich gewefenen Ausbrüche der höchften Bewunderung nur in Begleitung einer dämpfenden Sourdine zum Ausdrucke gelangen können. China. Die Ausftellung von China war in Anbetracht der Wichtigkeit diefes mächtigften afatifchen Reiches, welches um 150 Millionen Einwohner mehr zählt, als alle europäiſchen Staaten zufammengenommen, diefen Verhältniffen nicht im Entfernteften adäquat und auch nur von dritten Perfonen, unter Ausfchlufs von wirklichen Chinefen, befchickt. Nachftehend folgt in Fig. 4 der in einem Theile diefes ebenfo grofsen als ehrwürdigen Reiches der Mitte gebräuchliche Schubkarren, wovon zwei ziemlich gleiche Exemplare zur Ausftellung gelangten. Das o 900 Meter im Durchmeffer haltende Schubkarrenrad war nach obenzu durch einen aus horizontalen Stäben gebildeten Korb gefchützt, der ftark genug fchien, um darüber etwa in Säcken verpackte Transportobjecte ausbreiten zu können. Dem Korbe und gleichzeitig der Radachfe, diente die zur weiteren Aufnahme der Laft taugliche Plattform zur Stütze, deren Handhaben bei einer Länge von 2 Meter, am äufserften Ende 1 Meter von einander abftanden und durch diefes bedeutende Ecartement dem Arbeiter das. Erhalten der Laft im Gleichgewichte wefentlich erleichterten. Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. 15 Fig. 4. Chinefifcher Schubkarren. Korb und Plattiorm waren aus Buchenholz, die 0100 Meter hohen und 30 Millimeter dicken Radfelgen aus Pappelholz, die 18 Radfpeichen von 25 Millimeter Dicke aus Efchen. An den Tragarmen waren Stützen zum Ausruhen und dazwifchen ein kleiner korbähnlicher Behälter für die von den Coolies nicht leicht zu vermiffenden kleineren Werkzeuge angebracht. Die hölzerne Achfe fteckte in Lagern, die an den zwei Hauptarmen befeftigt waren. Da bei diefer Conftruction des Schiebkarrens die Laft ganz vom Rade getragen wird, fo handelt es fich bei Feftftellung des auf horizontaler Bahn durch ein Individuum geleifteten Nutzeffectes blos um die Ueberwindung der Reibung, und wenn deren Coëfficient unter Berücksichtigung des bedeutenden Raddurchmeffers mit 30 der Laft angenommen wird, fo ftellt fich für MGK bei der Annahme von M50 und K= 130, der Werth von G50.30 oder 1500 Kilogramm. Ganz anders ftellt fich diefer Nutzeffect bei einer Steigung von 1/10, wo derfelbe auf 484 Kilogramm herabfinkt. Selbſtverſtändlich mufs eine gute harte Bahn, wie fie übrigens auf den vortrefflich erhaltenen chinefifchen Strafsen allgemein zu finden, vorausgefetzt und eine eiferne Achfe ftatt der holzernen angenommen werden. Der Gebrauch diefes Schiebkarrens dürfte fich auf den Transport von voluminöfen Gegenftänden, wie folche etwa von Landleuten zu Markte gebracht werden, befchränken und für die Erd- und Schotterverführungen weniger geeignet fein. Die vor ungefähr 200 Jahren in Frankreich zuerft von Pascal angegebene Form des einarmigen Hebels, welche feitdem als unfer gewöhnlicher Schiebkarren ganz allgemein zur Verwendung gekommen ift, unterfcheidet fich fomit ganz wefentlich von dem chinefifchen, da bei dem europäifchen Schiebkarren die Laft 2 16 M. B. Rideli. zwifchen dem Unterftützungspunkte des Rades und dem Angriffpunkte der Kraft zu liegen kommt und die Arbeitskraft neben der Ueberwindung der Reibung auch zur Hebung der Laft herangezogen werden mufs. Ein Vergleich diefes chinefifchen mit einem in der öfterreichifchen Abtheilung von Jacobfon aus Makow in Galizien ausgeftellten gewöhnlichen Schiebkarren, deffen Rad o 400 Meter im Durchmeffer, die totale Länge 1600 Meter, die Entfernung des Kaftenmittelpunktes von der Achfenmitte o 600 Meter betrug, hat bei der Annahme von 1/20 der Laft als Reibungs- Coëfficienten für die horizontale Bahn bei fonft gleichen Verhältniffen einen Nutzeffect von 123 Kilogramm und für 1/10 Steigung einen folchen von 107 Kilogramm ergeben. Es verhält fich daher die Leiftung diefer beiden Schiebkarren auf horizontaler Bahn wie 123: 1500 oder 1: 12 und bei 1/10 Steigung wie 107: 484 oder 1: 45; in jedem Falle refultirt aber daraus die einigermafsen fchmerzvolle Wahrnehmung, dafs die galizifchen Schiebkarren- Erzeuger beim letzten Völkerturnier von den chinefifchen Fabrikanten um mehrere Nafenlängen total aus dem Felde gefchlagen worden find und nur den Troft übrig haben, nach drei Jahren hoffentlich in Philadelphia diefe Scharte wieder auswetzen zu können.* Türkei. Die Türkei befchickte die Wiener Weltausftellung mit einem Fuhrwerke, welches, am äufserften Ende der öftlichen Hauptgallerie aufgeftellt, durch die Conftruction fowohl als durch die lebhaften Farben der äufseren Ausftattung einen grofsen Erfolg bei den Befuchern davontrug. Beim Untergeftelle diefes Wagens mafsen die Vorderräder 110 Meter im Durchmeffer, die rückwärtigen Räder 130 Meter bei einem Radftande von 2 Meter, der Kaften in der totalen Länge von 3:20 Meter, vorne und rückwärts offen, erhob fich über den Boden um 120 Meter auf einer Achsfchale von 0.570 Meter Höhe; das Untergeftell hatte einen hochrothen Anftrich, der Kaften fowohl als die Achsfchalen waren grün, mit vergoldeten Zierathen reichlich gefchmückt und das Ganze mit einem purpurrothen mit goldenen Franfen verfehenen Verdecke überhängt. Das Einſteigen fand an der offenen rückwärtigen Stirnfeite wegen der bedeutenden Höhe mittelft einer reichverzierten Leiter von 1500 Meter Länge ftatt, welche beim Gebrauche in zwei an der Achsfchale angebrachte Haken eingehängt wurde. Die reichverzierte Deichfelftange hatte keine Stangenarme, als deren Aequivalent fteckte jedoch ein o 600 Meter breites, als Kutfcherfitz verwendbares Deichfelbret zwifchen dem eichenen Achsftocke und der Achsfchale, welche Bestandtheile fämmtlich durch den entfprechend langen Reibnagel zufammengehalten wurden. Diefer Wagen wird von den Türken Araba oder Eküfs Arabaffe genannt und befonders in Kleinafien noch immer als Promenadevehikel für die Haremzöglinge verwendet. Diefem Zwecke entſprechend. ift auch die innere mit Polftern und Teppichen reichlich verfehene Ausftattung eingerichtet. Die Annehmlichkeiten des Fahrens erfcheinen nur infoferne bei der Araba beeinträchtigt, als diefes Fuhrwerk der Wagenfedern vollkommen entbehrt. Die Araba war für ein Büffelgefpann berechnet und bildeten auch die zwei mit Spiegeln verzierten und meifterhaft gearbeiteten Büffeljoche fammt dem dazugehörigen buntfärbigen Fliegenwedel während der ganzen Dauer der Weltausftellung den Gegenftand einer ungetheilten Bewunderung. * Die Schubkarren waren den Alten vollkommen unbekannt. Es erhellt diefs auch bei Suetonius, Lib. VI ,, de Caefaribus", wo bei Erwähnung der vom Imperator Nero begonnenen Durchftechung des Ifthmus vor Korinth folgende Stelle vorkommt: ,, Ifthmum perfodere agreffus, primus raftello humum effodit et corbulæ congeftam humeris extulit." Die auf den Bau der Pyramiden Bezug habenden Darftellungen zeigen nur zweirädrige Karren und Tragkörbe. Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. 17 Die Befchreibung jenes Wagens, deffen fich der altersfchwache König Priamos und deffen Prinzeffinen während der langwierigen Belagerung von Ilium bei ihren Ausflügen oder beim Revuepaffiren der trojanifchen Truppen bedienten, und welcher von Homer fo häufig unter der Benennung Apene erwähnt wird, pafst ziemlich vollständig auf die in Wien ausgeftellt gewefene Araba. Diefe Befchreibung konnte fich allerdings auf den zu diefem Fuhrwerke gehörigen und mitausgeftellten 2 Meter langen, 20 Millimeter dicken Spiefs, welcher gegenwärtig in Kleinafien zum Behufe der Aufmunterung des Büffelgefpannes in Verwendung fteht, noch nicht erftrecken, indem zu jener Zeit die Alten das Ochfen- und Büffelgefpann ihrer Fuhrwerke durch das Gebell von fpeciell zu diefem Zwecke dreffirten Haushunden zum eifrigen Vorwärtsfchreiten anzutreiben pflegten. Namentlich waren es Mopse und Bulldoggen, welchen auf antiken Münzen und Sculpturen diefe Rolle zugedacht erfcheint, und wobei die Vermuthung berechtigt ift, dafs vielleicht der heutige Stallpintfcher( Canis Gryphus) das letzte, diefem einft fo allgemeinen Gebrauche zu Grunde liegende Ueberlebfel fein könnte. Die ausgeftellte Araba wurde in Conftantinopel von den Zöglingen der dortigen türkifchen Gewerbefchule mit viel Sorgfalt ausgeführt und ift diefelbe von einem englifchen Muſeum käuflich erworben worden. Es fteht daher zu erwarten, dafs diefelbe eheftens in irgend einer modificirten Geftalt vervielfältigt werden dürfte, nachdem bereits ein Beftandtheil derfelben, nämlich die zum Hinauffteigen der Damen beftimmte Leiter vorläufig bei mehreren in Wien ausgeftellt gewefenen englifchen Luxus- Fuhrwerken, wenn auch nicht in der hier vorgelegenen zierlichen Form, in Verwendung genommen worden ift. Rufsland. Ein aufmerkfamer Zeitgenoffe der Wiener Weltausftellung der, vom fernen Often aus feine Wanderungen beginnend, zur fucceffiven Bereicherung feiner Kenntniffe nach entgegengefetzter Richtung feine weiteren Schritte, gelenkt hatte, mufste in Bezug auf die Fabrication von Strafsen- Fuhrwerken, da Japan, China und die Türkei fowie auch Perfien nur verhältnifsmäfsig fehr fpärlich vertreten waren, zuerft in der Mafchinenhalle auf Rufsland als jenes Reich ftofsen, wo diefer Fabricationszweig nicht nur fehr ausgebildet, fondern auch, um eine von der Tagesliteratur allgemein adoptirte, leider durch zu häufigen Gebrauch beinahe fchon ganz unwirkfam gewordene Phrafe zu gebrauchen, ganz auf der Höhe der Zeit" ftehend erfcheint. Die Parifer Ausftellung 1867 wurde von Rufsland mit acht Fuhrwerken, wovon fieben Wagen und ein Schlitten, befchickt, während in Wien 17 Luxuswagen und vier Schlitten von Rufsland zur Ausftellung gebracht worden find. Es wurde fchon oben bei Befprechung des Szeklerwagens, als Repräfentanten der in Centralafien noch gegenwärtig üblichen turanifchen Fuhrwerke, erwähnt, dafs die conftitutiven Beftandtheile der gegenwärtig auf beiden Hemi fphären in Gebrauch ftehenden Strafsenfuhrwerke bis auf ein einziges Element fich bereits bei diefem Wagen nachweifen laffen, und dafs diefes eine Element von der elaftifchen Wagenfeder gebildet wird. Diefem Elemente kommt aber in der That eine fo wichtige Rolle zu, dafs es faft unmöglich erfcheint, die fucceffive Entwicklung desfelben zum Behufe der Beurtheilung des gegenwärtigen Standes des Wagenbaues mit Stillfchweigen zu übergehen. Wenn die elaftifche Wagenfeder als eine Vorrichtung aufgefafst wird, welche den Zweck hat, die bei der Vorwärtsbewegung eines Fuhrwerkes auf die Räder und mittelbar auf die Wagenachfe wirkenden Stöfse entweder ganz aufzuheben oder nur bedeutend vermindert zum Wagenkaften und deffen Inhalt gelangen zu laffen, fo mufs nach vielen fruchtlofen Verfuchen zur Habhaftwerdung von Gegengründen angenommen werden, dafs diefe Wirkung der elaftifchen Wagenfeder den Alten vollkommen unbekannt geblieben ift. 2* 18 M. B. Rideli. Eine derartige Wirkfamkeit ift nämlich nur dann möglich, wenn die Wagenfeder aufserhalb des Wagenkaftens, und zwar zwifchen denfelben und die Achfe eingefchaltet gedacht wird; diefe Lage kommt aber dem höhnifchen„ plumis penfilibus vehi" von Juvenal, oder den„ ofcilla mollia", wovon fehr häufig bei den Römern Erwähnung gefchieht, gar nicht zu, und kann nur auf die verfchiedenen Kiffen, Teppiche u. f. w., welche innerhalb des Wagenkaftens mittelft Riemen, Schnüren aufgehängt wurden und den beabfichtigten Zweck der Verminderung des Stofses, wenn auch in einer minder vollkommenen Weife, erreichten, Bezug haben. Die Hypertheria oder das gefammte Obergeftelle inclufive des Wagenkaftens waren aber unmittelbar auf den Achfen befeftigt, fowie auch der Vorderwagen mittelft des Reibfcheites und nicht im Scheibengeftelle oder Felgenkranze umgedreht werden konnte. Diefs fchliefst jedoch nicht aus, dafs die Alten in Bezug auf die raffinirteften Bequemlichkeitseinrichtungen bei ihren Wagen eine ebenfo grofse Sorgfalt verwendeten, als auf die äufsere Pracht derfelben; fo wurden beifpielsweife nach Ermordung des Kaifers Commodus von deffen Nachiolger Pertinax eine Unzahl Hofwagen verkauft, die fchon ihrer Benennung nach: Carucca dormitoria, Carucca lusoria, Schlafcaroffe, Spielcaroffe u. f. w. eine ebenfo forgfältige als bequeme innere Einrichtung verrathen, wobei auch ein Wagen mit einer Vorrichtung zum Abmeffen des zurückgelegten Weges mit unter den Hammer kam und für diefen von den koftbarften Edelſteinen und Metallen ftrotzenden Wagenpark ein aufserordentlich hoher Kauffchilling realifirt werden konnte. Es liegt die Vermuthung nahe, dafs ein Theil der fo häufig noch vorkommenden antiken Metallfeder- Spiralen als Möbelfedern verwendet wurde, namentlich könnte diefs bei den von Georg Rath aus Peft in der ungarifchen Abtheilung ausgeftellt gewefenen fehr gut erhaltenen cylindrifchen Federfpiralen von circa o 200 Meter Höhe und 80 Millimeter Durchmeffer im Lichten bei 2 Millimetern Fleifchdicke, beiderfeits mit Spiralkappen gefchloffen, der Fall gewefen fein, wovon auch im k. k. Antiken- Cabinet ähnliche Exemplare vorkommen, in welcher Form diefer antike Reffort à boudin bei der inneren Wagengarnirung der Alten eine fehr wichtige Rolle gefpielt haben dürfte. Mit dem Verfalle des römifchen Reiches verfiel auch die Kunft und die Pracht der fchönen antiken Wagen, fie verfchwanden und wurden durch einfachere Fuhrwerke erfetzt. In den erften chriftlichen Jahrhunderten war die Form der neu eingeführten Fuhrwerke noch unbeftimmt, obgleich genug vortreffliche Urbilder zur Nachahmung von den Römern übrig geblieben waren. Aber die Form der Wagen jener erften Chriften durfte nichts Aehnliches mit denen des Heidenthums an sich tragen, die früher meiftens den Götzen und ihren Dienften, fowie den Prieſtern gewidmet waren, daher trugen die erften felbftftändigen Bauwerke, fowie alle da maligen Kunftverfuche der beginnenden chriftlichen Epoche den fchweren Stempel der Gefchmacklofigkeit. Während des Mittelalters erhielt fich in den ehemals den Römern unterworfenen Ländern von den früher in Gebrauch geftandenen Fuhrwerken blos die vierrädrige gallifche Rheda, die übrigens mit der heutigen ruffifchen Kibitka grofse Aehnlichkeit hat, und der zweirädrige gallifche Kar( davon der jetzige Char, Chariot), welchen die Franken fpäter durchgehends mit Speichenrädern verfehen hatten, der aber fonft und auch in Bezug auf die in langen Reihen einzelweiſe vorgefpannten Zugthiere genau fo ausfieht, wie er vor beinahe 2000 Jahren von Julius Caefar gefchildert wird. Nachdem ein Theil der reifenden Menfchheit die längfte Zeit hierauf im Bauernwagen rechtfchaffen gefchüttelt worden war, während nur die Bevorzugten fich in Sänften tragen liefsen, kam man auf den Einfall, diefe zwei Locomotionsarten zu vereinigen und von der Wagenleiter blos die zwei unteren Schrotbäume auf den Untergeftellen zu belaffen, dazwifchen aber eine mehr oder weniger reich verzierte Sänfte in zwei breiten Riemen, welche nach Bedürfnifs mitfammt der Sänfte Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. 19 mittelft zweier über den Achfen placirter Riemen- Winden höher oder tiefer gefpannt werden konnten, einzuhängen, die Sänfte aber überdiefs, um das feitliche Umkippen zu verhindern, an die zwei Schrotleitern in der Mitte anzufchnallen. Die fo entstandene Chaife war bekanntlich während der lezten zwei Jahrhunderte ganz allgemein gebräuchlich. In den k. k. Hofwagen- Remifen befindet fich eine grofse Anzahl von in Riemen hängenden, fehr gut confervirten Hof- und Staatswagen diefer Art, aus jener Periode ftammend, in Aufbewahrung. Auch der berühmte, für Kaifer Carl VI. gebaute und im Jahre 1867 als Krönungswagen benützte Rubens- Wagen hat gar keine Federn, es hängt vielmehr der mit den bekannten unvergleichlichen Gemälden decorirte Kaften in mehreren breiten mit purpurrothem Sammt überzogenen Riemen, wenn auch für diefen fpeciellen Fall die fonft üblich gewefene Einrichtung der Riemenwinden bei diefen ebenfo kunftvoll als reich verzierten Prachtwagen entsprechend modificirt erfcheint. Einen fehr lehrreichen Beitrag zur Gefchichte der Wagen- Baukunft hat während der Wiener Weltausftellung die kaiferlich deutfche Reichspoft geboten, von welcher neben vielen anderen inftructiven Sammlungen auch eine Collection von 28 ausgezeichnet modellirten, in den verfchiedenften Zeitepochen in Gebrauch geftandenen Poftwagen ausgeftellt war. Darunter befand fich auch das Modell eines im XVIII. Jahrhunderte gebrauchten königlich preufsifchen Poftwagens, welcher als Uebergangsglied zwifchen der Riemen- und Federeinhängung angenommen werden kann und welcher in Fig. 5 dargeftellt erfcheint. Fig. 5. www www. Königl. preufsifcher Poftwagen.( XVIII. Jahrhundert.) Wie aus Fig. 5 deutlich erfichtlich, wurde die Schrotleiter diefes gedeckten, mit einem gewöhnlichen Untergeftelle verbundenen Wagenkaftens mittelft Ketten an aufrechtftehende über der Achfe angebrachte Holzpfoften eingehängt. Obgleich nun diefe Einhängungsart in Bezug auf Elafticität Manches zu wünfchen übrig liefs, hat diefelbe im Wagenbaue dennoch einige wichtige Veränderungen zur Folge gehabt. Der Schloffermeifter Mr. Dlême in Paris verfertigte nämlich ftatt der hölzernen Ständer 4 aus mehreren elaftifchen Stahlblättern beftehende Packete, welche je in die Form eines aufrechtftehenden S gebracht, mit dem unteren Theile paarweife an jede Achfe gefchmiedet wurden, während im oberen ausgebogenen Theile der Packete die mit dem Wagenkaften feftverbundenen Riemen die Einhängung 20 M. B. Rideli. erhielten. Der Wagenkaften felbft bekam eine ovale Form und die ehemaligen Schrotleitern fammt der Langwied wurden, um das Durchlaufen der Vorderräder beim Umwenden zu ermöglichen, beim Felgenkranz- Vordergeftelle fchwanenhalsartig ausgebogen, und das ganze Fuhrwerk„ Berline" genannt, wahrfcheinlich um den Ursprung diefer ftattgefundenen Neuerung für die nachfolgenden Zeiten ficherzuftellen. Erft feit diefer Zeit ift durch die Einführung der elaftifchen Stahl- Wagenfedern die Riemen- und Kettenaufhängung ganz aus der Mode gekommen, fowie der Kunftausdruck, Riemenwinden" im Wagenbaue felbft obfolet geworden. Die Herrfchaft der S- förmigen Wagenfedern dauerte nur kurze Zeit und wurden diefelben bald von den Parifer Wagenbauern, nachdem die Refforts à la Polignac fich hierauf nur eines kurzen Interregnums erfreuen konnten, durch die C- förmige oder fogenannte Schneckenfeder( Reffort à limaçon) definitiv erfetzt, welche Federgattung während eines Zeitraumes von über 100 Jahren beim Wagenbaue ausfchliefslich in Verwendung ftand. Der günftige Umftand, dafs der Equipagefeder- Fabrikant J. Mokhoff aus Moskau die Wiener Weltausftellung mit einer Suite von allen gegenwärtig gebräuchlichen Wagenfedern unter Beigabe eines Feder- Dynamometers befchickte, macht es möglich, den von Mokho ff anfchaulich gemachten, in Rufsland feit einiger Zeit mit viel Erfolg cultivirten Fabricationszweig mit der fucceffiven Entwicklung der Wagenfeder zu verbinden. Unter den von J. Mokhoff ausgeftellten, fehr gut gearbeiteten GufsftahlWagenfedern befanden fich auch die oben erwähnten C- Federn, wovon nachftehende Fig. 6 eine derlei lofe und Fig 7 eine Schneckenfeder mit der gegenwärtig gebräuchlichften Riemenbefeftigung mittelft Wellbaum, Zackenblatt und Windenkloben darftellt. Der Bedarf beinahe fämmtlicher in Europa während des vorigen Jahrhundertes gebrauchten Hof- und Staats- Caroffen wurde von den Parifer Wagenbauern gedeckt und davon ein namhafter Theil von dem Hofe von England fammt der Nobility und Gentry confumirt. Seitdem haben fich die Verhältniffe namentlich in Folge der fucceffiven in Frankreich ftattgefundenen Umwälzungen bedeutend geändert und find bereits in der erften Hälfte diefes Säculums die englifchen Wagenbauer definitiv in den Vordergrund getreten. Neben dem mit C- Federn und Langbäumen verfehenen Luxuswagen kamen bei den englifchen Wagenfabrikanten ebenfo mannigfaltige als originelle Wagenformen zur Ausführung. 99 Beim zweirädrigen, in England feit jeher der allgemeinften Beliebtheit fich erfreuenden Karren fing man bald an, den Kaften auf zwei elliptifche Federn von bedeutender Sprengweite und Pfeilhöhe aufzufetzen, wodurch anfänglich jeder Stofs, dem Sprunge der Heufchrecken nicht unähnlich, den Kaften fammt dem höchft refpectablen outfide Paffenger" bemerkbar in die Höhe fchnellte und diefer Federform ziemlich rafch zu der allgemein gewordenen Benennung ,, grashoppers" verhalf. Die Wagenbau- Anftalten in Limmeriek und Southampton, die leider in Wien gar nicht vertreten waren, die jedoch bekannterweife feit jeher die billigften, wenn auch von den Franzofen als„ en pacotille" verfchrieenen Luxuswagen in grofsen Maffen für den Export fabriciren, waren die erften, welche die Verwendung der„ grashoppers" auch bei vierrädrigen Wagen verfuchten und dadurch vor ungefähr 40 Jahren eine grofse Veränderung im Wagenbau her vorbrachten. Fig. 6. 21 Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. Fig. 7. Diefe feitdem modificirte Wagenfeder erfreut fich gegenwärtig der in Fig. 8 erfichtlichen elliptifchen Form und haben diefe ,, Refforts à pincettes" im Baue der Luxuswagen ohne Zweifel eine ähnliche Umwälzung verurfacht wie feiner Zeit die Schraube im Schiffbau. - si licet parva componere magnis Fig. 8. Wenn nämlich der bei Anwendung der Schneckenfedern früher ganz lofe hängende Wagenkaften mittelft des Wagenhalfes( col de voiture, in Wien, die Butte" genannt) mit dem Kutfchbocke in eine fefte Verbindung gebracht ward, fo entfiel bei der Anwendung diefer Art Federn nicht nur der bei den Schneckenfedern unentbehrliche Langbaum und fämmtliches Häng- und Riemenzeug, fondern es wurde damit auch die Möglichkeit geboten, die Dimenfionen des Wagens nach allen Richtungen beliebig zu verändern, ohne der Feftigkeit des Fuhrwerkes irgendwie Eintrag zu thun. Ueberdiefs gewann fozufagen die Manövrirfähigkeit des Wagens aufserordentlich, da bei Wegfall des Langbaumes und durch die entſprechende Wölbung des Wagenhalfes die Vorderräder fammt Achfe und den darauf ruhenden Druckfedern um die Wagenfpindel innerhalb 360 Grad frei pivotiren und neben diefen unverkennbaren Vortheilen auch in Folge Wegfalles koftfpieliger Beftandtheile die ganze Erzeugung der Wagen feitdem mit weniger Unkoften verbunden werden konnte. Die Mokhoff'fche Wagenfedern- Ausstellung enthält aufserdem die in Fig. 9 und 10 dargestellte Modification des Reffort à pincettes, wonach ein Theil der Federblätter in zwei innenliegende Charniere zufammengefasst und das zu rafche Sichfetzen" der Feder verhindert werden foll, wobei allerdings die 22 M. B. Rideli. Fig. 9. Fig. 10. OD Frage offen bleibt, ob die Mehrkoften für je zwei von Herrn Mokhoff hinzugefügten Charniere die relativ längere Dauer einer folchen Feder aufzuwiegen im Stande find. Während beim Vordergeftelle beinahe fämmtlicher in der Wiener Ausftellung befindlicher Luxuswagen die in Fig. 8 dargestellte Feder in Verwendung ift und darauf das Gewicht des Kutfchbockes ruht, hängt im Arrièretrain vieler Wagen der Kaften mittelft ftarker fchmiedeiferner mit dem eifernen Kaftenrahmen feftverbundenen Hängtafchen auf Federn von der Form Fig. 9, in welchem Falle jedoch noch eine dritte Feder, die fogenannte Balancier- oder Rollfeder, parallel zur Achfe mittelft zwei Charnieren mit diefen zwei rückwärtigen Federn und mit dem Kaftenrahmen durch eine Hängtafche in Verbindung fteht. Diefe Art Wagenfeder wird gegenwärtig in Oefterreich vorzugsweife angewendet und ift in Wien unter dem ziemlich myfteriöfen Localausdrucke" Telegraphfeder" bekannt. Bei der Telegraphfeder, Fig. 9, ift übrigens ein Mokhoff'fches Nothcharnier angebracht, welches bei den in Oefterreich gebrauchten Federn diefer Gattung noch keinen Eingang gefunden hat. Um Wiederholungen vorzubeugen, fchien diefe Digreffion über die fucceffive Entwicklung der gegenwärtig im Gebrauche ftehenden Wagenfedern, deren Blätteranzahl, Blattftärke, Pfeilhöhe, Länge und Breite, fowie auch die Stahlqualität vom Gewicht und den Dimenfionen des Wagenkaftens abhängt, bei Befprechung der Mokhoff'fchen Federausftellung von einiger Erfpriefslichkeit zu fein und folgt nun in Fig. 11 ein von Nicolaus Arbatfky aus Moskau aus. geftellter und in Rufsland fehr beliebter Drofchkywagen für eine Perfon, daher auch„ Egoift" genannt. Der mit blauem Tuche ausgefchlagene Kaften- Sitzplatz diefes kleinen Wagens war vorne o 500 Meter breit bei einer Tiéfe von ebenfalls o 500 Meter, während die rückwärtige Breite des Sitzes nur 0 320 Meter betrug. Die vorderen Räder hatten 0.700 Meter, die rückwärtigen o'900 Meter im Durchmeffer, mit Felgen und Speichen aus Efchenholz, bei einer Spurweite Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. 23 Fig. 11. Drofchke von Nicolaus Arbatsky in Moskau. der rückwärtigen Räder von beinahe I Meter. Der mit einem fchwarzen Anftriche verfehene Kaften war gut lackirt, wobei unter Einem bemerkt wird, dafs in Rufsland der feine Kutfchenlack ebenfo wie in Oefterreich meift aus England importirt zu werden pflegt. Die Kothflügel hatten die enorme Breite von o 320, die Zugvorrichtung war ebenfo gut für Einfpänner wie zur Trojka geeignet, und für letzteren Fall eine Vorrichtung unmittelbar an der vorderen Achfe angebracht. Da diefer Wagen ausnahmsweife in Schneckenfedern hing, fo hatte er eine runde fchmiedeeiferne Langwied aufzuweifen, die fich von der Mitte aus gegen beide Achfen gabelt und mit je einem Gabelarm mit den Federn zufammenhängt, wovon die rückwärtigen unmittelbar auf der Achfe, die vorderen Federn aber auf dem oberen Felgenkranze aufgefetzt find und beim Umwenden das Durchlaufen der Vorderräder unter dem Kutfchbocke nicht geftatten. Aufser diefem Egoiftwagen, im Preife von 500 Silberrubel, ftellte die Arbatfky'fche Wagenfabrik, welche eine der älteften in Rufsland ift und jährlich gegen 250 Wagen erzeugt, noch einen fehr forgfältig gearbeiteten Luxusfchlitten aus. Der in fein politirtem Nufsholze ausgeführte Kaften diefes Schlittens hatte eine Länge von 140 Meter, rückwärtige Breite o 700 Meter, vordere Breite 0.570 Meter, blaue Tuchgarnitur und darüber eine in Winterszeit fehr begehrungswürdige, glänzendfchwarze mit braunem Plüfch gefütterte Bärendecke. Der aufserordentlich fchmale Kutfcherftand diefes mit fchmiedeeifernen 20 Millimeter ftarken Kuffen verfehenen Schlittens befand fich vorne an den breiten Kothflügeln, allwo zur gröfseren Bequemlichkeit des Rofselenkers an der rechten Seite ein Steigbügel herunterhing. Der Preis diefes Schlittens war mit 550 Silberrubel angefetzt. Aehnlich wie Arbatfky, hat Leonidas Korfch aus Sct. Petersburg die Ausftellung mit einem zweiten Schlitten und einem zweifitzigen offenen Drofchky, deffen brauner Kaften inwendig mit lichtbraunem Chagrinleder garnirt war, befchickt, wobei jedoch ftatt Schneckenfedern die gewöhnlichen elliptifchen Druckfedern ohne Langbaum zur Anwendung gekommen find. Auch Bafil Pirogoff aus Moskau, fowie Peter Jackowleff aus Sct. Petersburg haben Drofchky zur Ausftellung gefendet; der letztere Fabrikant hat aufserdem aus feiner bereits 1790 gegründeten Wagenfabrik einen lichtbraunen Char à banc mit braunem Chagrinleder ausgefchlagen, mit Druckfedern verfehen, 24 M. B. Rideli. zum Preife von 700 Rubeln, fowie einen blauen, mit blauem Tuche ausgefchlagenen Phaeton, deffen blaues Untergeftelle roth befchnitten und wofür ein Preis von 700 Rubel ausgefetzt war. Befonderen Anwerth fand das ausgezeichnete Fabricat von Brüder Markoff aus Moskau, beftehend aus einer grünen Victoria, mit grünem, lichtgrün befchnittenen Untergeftelle, grüner Maroquingarnitur und einem Rückfitz verfehen, durchgehends mit Druckfedern, zum Preife von 900 Rubeln; ferner ein blauer Clarence, ausgeftellt vom Wagenfabrikanten H. Schwartz in Sct. Petersburg. Das blaze Untergeftelle des letzteren Wagens war gelb befchnitten und das Innere mit blauem Atlas ausgelegt. Die Seitenfenfter, fowie die runden, vorderen Wagenfenfter waren mit Mécanique verfehen. Preis 1000 Rubel. In der Ausftellung des Sct. Petersburger Wagenfabrikanten C. Nellis war namentlich ein grüner Herrenphaeton bemerkbar, der die feit einiger Zeit in Aufnahme gekommene Verdopplung der Anzahl der Wagenfedern zur Anfchauung brachte. Auf die gewöhnlichen Druckfedern werden in diefem Falle auch noch Schneckenfedern aufgefetzt, wobei der wieder auftauchende Langbaum bedeutenden Krümmungen unterworfen werden mut. ,, um einestheils die Gefammtlänge des Wagens nicht übermäfsig zu fteigern und auch die Manövrirfähigkeit des Vordergeftelles nicht zu alteriren. Bei dem letzteren find dann die Schneckenfedern mit dem oberen Felgenkranz und dem Kutfchbocke in fefter Verbindung, während die Druckfedern wie früher unmittelbar auf der Achfe fitzen. Diefe ,, Voitures à huit refforts" bilden gegenwärtig das non plus ultra in der Wagenfabrication, und es gibt namentlich in Paris Wagenbau- Anftalten, die fich ausfchliesslich mit deren Erzeugung befaffen. Die darin befindlichen Infaffen find allerdings gegen die Unbilden des Schüttelns und des Stoffens viel mehr gefichert, als in einem blos mit vier Federn verfehenen Wagen, müffen fich jedoch die beinahe doppelt fo hohen Anfchaffungskoften auch gefallen laffen. Aus Warfchau find von drei Wagenfabrikanten fechs Wagen zur Ausftellung gelangt, darunter von J. Rentel ein elegantes braunes Coupé, Untergeftell lichtbraun, fchwarz befchnitten, mit röthlichbraunem Atlas garnirt, und ein blauer Herrenphaeton mit blauem Chagrinleder ausgelegt. Aufserdem ftellte derfelbe Fabrikant vier gufseiferne Radnaben eigener Conftruction aus, die bei den in feiner Anftalt fabricirten Rädern zur Verwendung kommen. Aus der Wagenfabrik von W. Romanowski kam ein blaues, mit blauem Atlas garnirtes Coupé zum Preife von 900 Rubel, fowie eine grüne, mit grünem Chagrin ausgelegte Victoria zur Ausftellung. Erwähnenswerth find ferner in der ruffifchen Ausftellung fehr gut ausgeführte, von Leonhard Loofchen, Techniker für Wagenbau in Sct. Petersburg, herrührende Zeichnungen von vier Luxuswagen und zwar von einem Coupé und einer Victoria mit je vier Federn, fowie von einer Kalefche und einem Galawagen à huit refforts. Eine mit dem Wagenbau innig verbundene Ausftellung wurde von Nicolaus Lopatine in Sct. Petersburg ins Werk gefetzt, beftehend aus Kumeten, Pferdegefchirren, Zäumen und der Duga für das Mittelpferd im ruffifchen Dreigefpann, wobei die ruffifchen Juchtenriemen mit vergoldeten und filberplattirten Verzierungen reich und gefchmackvoll ausgeftattet waren. Aufserdem find in der Abtheilung für ruffifche Landwirthfchaft Wagenbeftandtheile aus Eichenholz als: Speichen, Felgen, fowie eine Nabe von 0.200 Meter Durchmeffer für eine ruffifche " Telega" zur Ausftellung gelangt. In der Samojedenhütte waren die zur Locomotion der Samojeden* dienlichen Rennthier- Schlitten durch zwei Exemplare vertreten, beide mit Schlitten* Samo- jed bedeutet in der ruffifchen Sprache fo viel als ,, Selbft effer" und werden damit anthropophagifche Gelüfte diefer Völkerfchaften wohl mit Unrecht in Verbindung gebracht. Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. 25 kuffen aus Fichtenholz, mit Sproffen aus demfelben Materiale, worauf eine Breterlage zur Aufnahme der famojedifchen Paffagiere fich befand; an den vorderen nach aufwärts gebogenen Kuffenenden befand fich beiderfeits eine aus Wallrofshaut- Strängen beftehende Zugvorrichtung, woran zwei Rennthiere gefpannt zu werden pflegen. Schliefslich mufs bemerkt werden, dafs der gröfste Rad- Durchmeffer aller auf der Wiener Ausftel'ung befindlichen Strafsenfuhrwerke bei einem ruffifchen Fahrzeug beobachtet worden ift, nämlich bei der im ruffifchen Hofeinbau aufgeftellten Lafette, deren Rad- Durchmeffer 3 200 Meter, die Breite des eifernen Radreifes aber 0.260 Meter und deffen Stärke 20 Millimeter betragen hatte. Das Strafsenfuhrwerk mit dem längften Geftelle ift jedoch von Deutfchland eingelangt und zwar von der deutfchen Gefellſchaft zur Rettung Schiffbrüchiger in Bremen, das Wagengeftelle für das ausgeftellte und nach dem Peack'fchen Syfteme conftruirte Rettungsboot hatte nämlich eine Länge von über 6 Meter. Im Vergleiche mit den gewaltigen Strafsenfuhrwerken des Alterthumes können allerdings diefe Dimenfionen nicht befonders imponiren, fo liefs z. B. der Triumvir M. Antonius nach den Plänen des M. Vitruvius einen Aries fubrotatus" bauen, deffen Länge nicht weniger als 80 Fufs betrug, und welcher der Armee überall nachgeführt werden musste, wo in die Mauern einer widerfpenftigen Commune mit Gewalt ein Eingang erzwungen werden follte. Rumänien. Aus Rumänien wurde die Ausstellung von der Hof- Wagen fabrik des F. Jean in Bukareft mit zwei Fuhrwerken befchickt. Eines diefer Fuhrwerke ftellte einen mit Rohrgeflecht gedeckten Jagdwagen dar, deffen Kaften rückwärts auf zwei Druckfedern ruhte, das Vordergeftell der Federn entbehrte und deffen Inneres mit einer grofsen Quantität fegeltuchener Jagdtafchen diverfer Capacität austapezirt war. Diefer Wagen wurde von deffen Erbauer als ausfchliefslich zur Trappenjagd geeignet bezeichnet, nöthigenfalls könnte er jedoch ohne Anftand auch zu irgend einem anderen beliebigen Zwecke in Verwendung genommen werden. Das andere Fuhrwerk diefes Fabrikanten beftand aus einem Schlitten mit fchmiedeeifernen Kuffen, die auf vergoldeten eifernen Sproffen einen blauen fein lackirten Kaften trugen; das blaue Geftelle war gold und roth befchnitten, das Innere mit ausgefucht fchönen Wolfspelzen ausgelegt, wodurch dem Ganzen ein ganz gutes Ausfehen verfchafft worden ift. Ungarn und deffen Partes adnexae. Aus Ungarn ift bekanntlich im Jahre 1867 gar kein Luxuswagen zur Ausftellung nach Paris gefendet worden, bei der Wiener Ausstellung find dagegen die Länder der Stefanskrone durch 17 Luxuswagen und ein Vélocipède vertreten gewefen. Unter den Ausftellern wären folgende Wagenfabrikanten hervorzuheben: Pálfy Sándor aus Oedenburg mit drei Equipagen, worunter eine Victoria mit buntem Kaften, rothem Untergeftelle mit weifsen Streifen, taubengrauer Atlasgarnitur auf gewöhnlichen Druckfedern im Preife von 860 fl. öfterreichifcher Währung. Chriften Ferencz aus Raab mit einem ganz artigen Phaeton, deffen Kaften mit rohgefirnifstem Nufsholz ausgelegt, das Untergeftell aus gefirnifstem Efchenholz, die fämmtlichen Eifentheile blank polirt und das Innere mit einer blauen Seidengarnitur ausgeftattet war. Pantz Alois aus Raab ftellte einen Phaeton aus, welcher durch die Verfchiedenheit der dabei verwendeten und fehr gut bearbeiteten Holzgattungen bemerkbar wurde, der Kaften aus gefirnifsten Efchen, Kothflügel aus Nufsholz, Radbeftandtheile aus Efchenholz, die fämmtlichen Eifentheile fchwarz lackirt, das Kafteninnere mit hellbraunem Tuche ausgefchlagen. 26 M. B. Rideli. Porft Franz aus Buda Peft ftellte zwei Wagen aus, die ein gutes Ausfehen hatten, darunter war eine Calefche mit blauem Kaften, gelb befchnitten und mit gelbem Untergeftelle, blau befchnitten und mit blauer Atlasgarnitur. Das andere Fuhrwerk war ein Parkwagen ohne Bock zum Selbftkutfchiren, rückwärts mit einem Bedientenfitz. Der forgfältig gearbeitete Kaftenrahmen war aus gefirnifstem Efchenholz mit Sproffen aus Nufsholz, Kothflügel und Radbeftandtheile aus gefirnifsten Efchen, Eifentheile braun lackirt, die Sitze mit havannabraunem Chagrinleder garnirt. Die bedeutendfte ungarifche Luxuswagen- Ausftellung kam aus Peft von den königlich ungarifchen Hof- Wagenfabrikanten Brüder Kölber, deren Fabrik feit dem Jahre 1775 befteht und jährlich gegen 350 Wagen, theilweife auch für den Export erzeugt. Unter den zur Ausftellung gelangten fechs Wagen war vorerst ein zweifitziger blauer Landau mit blauem Untergeftelle auf Druckfedern, mit blauem Atlas garnirt, im Preife von 1400 fl. Die zur Conftruction diefes Wagens angefertigte Zeichnung in Naturgröfse wurde von Kölber junior ausgeftellt. In der Kölber'fchen Ausftellung waren durch ihre forgfältige Ausführung befonders bemerkenswerth zwei ungarifche„ Sandlaufer". Das ganze Geftelle inclufive Kothflügel beftand bei beiden Fuhrwerken aus gefirnifstem Efchenholz, das Korbgeflecht lichtbraun gehalten, Eifen- Beftandtheile fchwarz lackirt; das Innere des Kaftens hatte eine graue Ripsgarnitur. Einer von diefen beiden Sandlaufern hing auf fchwarz lackirten Druckfedern, während der andere gar keine Federn hatte und dadurch auch die Preisdifferenz erklärlich wurde, da der erftere 400 fl., der zweite aber blofs 280 fl koftete. Eine Garnitur in Schweinsleder ftatt in Rips wurde eventuell um 60 fl. per Wagen mehr berechnet. Die Partes adnexae befchickten die Ausstellung aus Kolozsvár durch die dortigen Wagenfabrikanten Porm und Klimefch mit einer blauen Victoria auf Druckfedern, blauem Untergeftelle und weifser Seidengarnitur. Aus Fiume kam vom Wagenfabrikanten Giuſeppe Schnor eine Kalefche mit grünem Kaften, grünem Untergeftelle, mit Gold befchnitten und mit grauer Atlasgarnitur. Wie bei allen erwähnten Luxuswagen war diefer Wagen im Vordergeftelle auf Druckfedern gehängt, rückwärts waren jedoch zwei Schneckenfedern angebracht, die einestheils mit einer zur Achfe parallel gelegten Rollfeder, anderentheils ftatt durch Riemen mittelft fchmiedeeiferner Hängtafchen mit dem Kaftenrahmen befeftigt waren, wodurch ein Wagen mit Schneckenfedern ohne Langbaum zur Ausführung kam. In der ungarifchen landwirthschaftlichen Abtheilung ftellte Kefzey Michael aus Cfoór vier gut gearbeitete Räder für Frachtwagen aus, wobei die Speichen und der aus einem Stücke beftehende Felgenkreis aus Efchen, die Nabe aus Ulmenholz. Die landwirthfchaftliche Anftalt in Debreczin ftellte eine grofse Anzahl in Efchenholz ausgeführter Wagenbeftandtheile und ein completes Rad ohne Eifenbefchläge aus. In der Abtheilung für Forftwefen der ungarifchen Länder war auch eine ziemlich grofse Anzahl von Radbeftandtheilen, fertigen Rädern, Schlitten, Schiebkarren, Modellen von den landesüblichen Ochfenwagen fammt den zugehörigen in Efchen- und Buchenholz gefchnitzten Jochen ausgeftellt. Die croatifchen Staatsforfte ftellten aus: fertige Wagenachfen und Achsftöcke aus Eichenholz, Schlittenkuffen und Deichfelftangen aus Birkenholz. Ein in der ungarifchen landwirthschaftlichen Abtheilung von Ferdinand Bokor aus Grofs Zinkendorf ausgeftellter Wirthschaftswagen mit ganz fchmiedeeifernem Vordergeftelle, eifernen Radnaben, eifernen Stangenarmen und fonft in Efchenholz ausgeführt, verdient wegen feiner Feftigkeit, feinem verhältnifsmäfsig Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. 27 fehr geringen Gewicht und feinem billigen Preife von 150 fl. befonders hervorgehoben zu werden. Schliefslich mufs bemerkt werden, dafs unter fämmtlichen ungarifchen Luxuswagen kein einziger, Huit refforts" der Beobachtung unterzogen werden konnte. Aufser dem bereits früher erwähnten Szeklerwagen hat an fonftigen Strafsenvehikeln Seibert Antal in Verfetz ein Vélocipèdetricycle ausgeftellt, deffen Geftelle fowie die drei Räder gelb angeftrichen und roth befchnitten waren. Das vordere leitende Triebrad von I Meter Durchmeffer hatte auf feiner Achfe die gewöhnlichen unter einem Winkel von 180 Grad geftellten Kurbeln aufgefteckt, die rückwärtige mit zwei Rädern von I Meter Durchmeffer verfehene Kurbelachfe trug aufserdem in Lagern einen gepolfterten Sitz, von wo aus mittelft zwei Handhaben diefe Achfe in Bewegung gefetzt und die Triebkraft des Vorreiters unterſtützt werden konnte. Der Radftand diefes Tricycles betrug 1350 Meter, überdiefs war noch für eine dritte Perfon ein Rückfitz angebracht und das Ganze mittelft fchmiedeeiferner Bogen feft verbunden. Cisleithanien. Die Parifer Ausftellung 1867 wurde von Cisleithanien nur mit zwei Luxuswagen befchickt, wobei aufserdem in Folge eines unaufgeklärt gebliebenen Verhängniffes zu einem diefer Wagen die Räder fehlten, um fo gröfser ift jetzt die Genugthuung, mit welcher auf die hervorragende Betheili gung der öfterreichiſchen, namentlich der Wiener Wagenfabrikanten geblickt werden kann, welche mit der namhaften Anzahl von 118 Wagen zum friedlichen Wettftreit im Prater eingetreten find, um mit Lorbeern gefchmückt als Sieger heimzukehren. Unter den 118 von Cisleithanien ausgeftellten Fuhrwerken befanden fich 5 Schlitten, 2 Omnibus, 2 Frachtwagen, 2 Vélocipèdes, I Photographenwagen, 8 k. k. Poftwagen, 2 k. k. Telegraphenwagen, 94 Luxuswagen der verfchiedenften Conftructionen und überdiefs laft but not leaft" zwei Vehikel, an welchen nach Angabe der Herren Patentinhaber eine radicale Transformirung unferes ganzen bisherigen Strafsen- Locomotionsfyftems zur Anfchauung gebracht werden follte. Unter den Wiener Wagenbauern haben die folgenden Fabrikanten bemerkenswerthe Ausstellungsobjecte geliefert: Emanuel Henke einen Clarence mit blauem, gelb befchnittenen Kaften und blauer Atlasgarnitur; im Vordergeftelle waren elliptifche Druckfedern, im Hintergeftelle, die in Wien fo allgemein verbreiteten, bereits früher befprochenen Telegraphfedern angebracht. Der Preis diefes Clarence wurde mit 1600 fl. angegeben. Ferdinand Schmidt( vormals Brandmeyer) ftellte zwei Equipagen aus, darunter ein Coupé, deffen blau lackirter Kaften mit Silber befchnitten und mit blauem Atlas und Perlmutterknöpfen garnirt war; die Einhängung fand genau in denfelben Federn ftatt wie beim vorerft erwähnten Henke'fchen Wagen, und um Wiederholungen vorzubeugen, werden diefe bei einem jeden Wagen vorausgefetzt, wo nicht ſpeciell eine abweichende Einhängung hervorgehoben werden follte. Preis 1600 fl. Der andere Schmidt'fche Wagen war ein brauner Phaeton mit Gold befchnitten und brauner Chagringarnitur. Der Stutzenbock zum Abnehmen beim Selbftkutfchiren. Preis 1200 fl. Alle Beftandtheile diefer Wagen namentlich die Lederarbeiten, waren mit grofser Sorgfalt ausgeführt. Anton Niclas ftellte aufser einem braunem Coupé auch einen mit blauem Chagrin garnirten, blau lackirten und lichtblau befchnittenen Phaeton mit feftem Bock aus; J. Hübfchmann aber ein dunkelblaues, mit blauem Tuche ausgefchlagenes Coupé. In der Ausftellung von G. Gerhardt& Sohn wurde befonders bemerkt ein brauner Clarence, goldbefchnitten mit brauner Seide ausgefchlagen, in jener 28 M. B. Rideli. hingegen von C. Schweikert ein lichtbrauner Phaeton mit taubengrauer Chagringarnitur. Der Wagenfabrikant Anton Prohaska ftellte vier Wagen aus, darunter ein Coupé im Rohbau mit Eichenrahmen, Nufsholz- Täfelung, Radfelgen und Radfpeichen aus Efchenholz, Radnaben aus Ruftenholz, alle Eifentheile blank polirt, daneben einen Rococcophaeton mit grünem Kaften, goldbefchnittenen, grünem Untergeftelle, das Wageninnere mit grüner Seide garnirt, der rückwärtige Bedientenfitz mit grünem Tuche ausgelegt. W. Schwanzar& Sohn ftellte aufser einem blauen Rococcophaeton und einem blauen Coupé auch einen für Baron Riefenfels ausgeführten Rennfchlitten aus, deffen Geftelle und der aufwärts gehende Theil der Kuffen aus Hirfchgeweihen, die angeblich alle vom Abwurf eines einzigen Hirfchen herrühren, conftruirt worden ift. Von den gegenwärtig immer mehr und mehr unter der Benennung ,, huit refforts in Aufnahme kommenden Wagen hat der Fabrikant Friedrich Flach ein Exemplar ausgeftellt, nämlich ein mit grünem Atlas ausgefchlagenes, grünlackirtes Coupé, deffen Kaften in vier Schneckenfedern hing, welche hinwieder auf vier elliptifchen Druckfedern ruhten und wobei felbftverftändlich die zwei Wagenachfen mit einem fchmiedeeifernen Langbaum verbunden waren. Anton Sturma aus Hernals ftellte einen kleinen, fehr zierlich gebauten Draglandau für vier Perfonen aus mit blaulackirtem, goldbefchnittenen Kaften und blauer Chagringarnitur; defsgleichen Anton Ott aus Neulerchenfeld zwei kleine Kutfchirphaetons, deren Kaften auf je vier refsorts à pincettes aufgefetzt waren und ein ganz gutes Ausfehen hatten. Die Wagenfabrikanten Anton Weifer& Sohn ftellten 4Wagen aus, darunter einen Phaeton, deffen grünlackirter und mit lichtgrauer Seide ausgelegter Kaften eine ganz eigenthümliche mittelft vom Fabrikanten patentirter neuer Federconftruction bewirkte Aufhängung aufzuweifen hatte und wovon in Fig. 12 eine approximative Darftellung folgt. I Fig. 12. Phaeton von Weifer& Sohn in Wien. Wie aus vorftehender Fig. 12 erfichtlich, entſteht die von Weifer& Sohn bei diefem Phaeton angewendete Feder durch die mittelft eines Charniers bewirkte Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. 29 Verbindung einer Schneckenfeder zu 4 Blatt von je 4 Millimeter Dicke mit einer dreiblättrigen Druckfeder. Im Hintergeftelle fitzt diefe combinirte Wagenfeder unmittelbar auf der Achfe, während diefelbe im Vordergeftelle auf dem oberen Felgenkranze ruht und die fefte Verbindung mit dem Kutfchbocke vermittelt. Der vom Arrière- Train gabelförmig auslaufende, beide Achfen verbindende fchmiedeeiferne Langbaum ift im Vordergeftelle entſprechend ausgebogen, um beim Umwenden das Durchlaufen der Vorderräder zu geftatten. Bei einem Radftand von 2: 140 Metern betrug der Durchmeffer der vorderen Räder o 900 Meter, jener der rückwärtigen Räder I 120 Meter. Durch die von Weifer& Sohn an den Federn angebrachten Modificationen follen dem Infaffen des Wagens die mit 8 Wagenfedern verbundenen Bequemlichkeiten zu Theil werden, ohne dafs die Auslagen eine bedeutende Steigerung erfahren. Auíser obigem Phaeton ftellten diefe Fabrikanten 2 Coupés und einen blauen mit blauem Atlas ausgelegten, mit patentirter Fenfterconftruction verfehenen Landau aus, bei welchen Fuhrwerken fowohl die Wahl des Materiales und der Kaftenprofile, als auch die tadellofe Ausführung alles Lob verdient. Der Wagenfabrikant J. Trivelli ftellte 3 Wagen aus, wovon ein Coupé im Rohbau mit Nufsholz- Täfelung, Efchenrahmen und Efchenvordergeftelle mit Eifenbefchlag. Gottfried Ziegler& Sohn ftellten 6 Wagen aus, deren Ausführung nichts zu wünſchen übrig liess, darunter waren zwei ,, huit refforts", und zwar ein fuperbes fchwarz lakirtes Coupé auf einem fchwarzen, gelb befchnittenen Untergeftelle, inwendig eine fchwarze Seidengarnitur mit fchwarzgelben Quaften und Galonen, Der zweite achtfedrige Wagen war eine braune Victoria, weifs befchnitten mit lichtgrauer Atlasgarnitur. Aufserdem war aus diefer Fabrik ein blaues Cabriolet mit Langbaum wegen der Art der Aufhängung bemerkbar, indem deffen Kaften beiderfeits auf 4 im Carré geftellten Federn fafs, welche hinwiederum auf elliptifche Druckfedern aufgeſetzt waren. Alois Deifel ftellte 3 Wagen aus, darunter ein Coupé im Rohbau von guter Ausführung. Die Wagenfabrik von Sebaftian Armbrufter ftellte 5 Fuhrwerke aus, worunter fich auch ein Schlitten befunden hat, der für fich ein kleines Meifterftück darftellte; der Kaftenrahmen hievon war aus Nufsholz, die innerhalb diefes Rahmens befindlichen Felder mit blauem Sammt überfpannt. Auf den Kuffen aus Efchenholz mit Eifenfchienen waren fchmiedeeiferne goldbronzirte Stützen angebracht, die aufser dem Kaften auch noch einen Rückfitz für den Kutfcher trugen. Der vordere breite Kothflügel beftand aus Lackleder in einem Eifenrahmen aufgefpannt. Das Innere des Schlittenkaftens war mit blauem Maroquin austapezirt und über das Ganze eine prachtvolle, mit Agraffen verfehene Eisbär- Decke ausgebreitet. Neben dem Schlitten bemerkenswerth war in der Armbrufter'fchen Ausftellung noch ein blauer Phaeton auf 8 Federn, fowie ein blaues Coupé auf II Federn, wovon 6 im Vordergeftelle, und zwar zu unterft zwei elliptifche Druckfedern, worüber 4 Tragfedern im Carré, ganz ähnlich wie beim Ziegler'fchen Cabriolet; das Hintergeftelle hatte zu unterft ebenfalls zwei Refforts à pincettes. Diefen zwei Federn war auf Sproffen eine einzelne lange Tragfeder aufgefetzt, welche ihrerfeits nicht mittelft Hängtafchen, fondern mittelft weiterer zwei Federn an dem rückwärtigen Kaftenrahmen befeftigt war und eine ganz neue Aufhängungsart dargeboten hat, welche in der Ausftellung nur von dem Parifer Wagenfabrikanten Million Guiet& Comp. bei einem Phaeton in einer ganz identifchen Weife angewendet worden ift, daher es auch fchwierig fein dürfte, die Prioritätsfrage in diefer Beziehung richtig zu beantworten. Von Franz Bohrn kamen 2 Wagen, worunter fich ein durch die mannigfal tigfte Farbenvereinigung bemerkbarer Phaeton befand. Der Kaften war nämlich lichtgrün, mit breiten goldenen und fchmäleren fchwarzen Streifen, das Untergeftelle 30 M. B. Rideli. roth, gold und fchwarz, während der Kutfchbock und die Kothflügel ein goldbronzirtes Befchläge aufzuweifen hatten, diefe Mannigfaltigkeit konnte durch eine rothe Sammtgarnitur nur weiter erhöht werden. Aus der Wagenfabrik von Jofef Rohrbacher kamen zur Ausftellung 3 Luxuswagen und 1 Omnibus. Diefes letztere, nach Marienbad beftimmte Fuhrwerk hatte einen dunkelgrün lackirten Kaften, deffen Interieur, für acht Perfonen beftimmt, mit rothem Plüfch tapezirt war. Die Breite war die gröfste zuläffige von 190 Meter, der Kaften zum Behufe gröfserer Bequemlichkeit beim Einſteigen tief gelegt, wefswegen die rückwärtige Achfe um o 225 Meter ausgekröpft war. Der Plafond und die Seitenwände hatten eine Mahagonytäfelung. Mittelft eines telegraphifchen Apparates, deffen mit einer Glocke in Verbindung ftehende Batterie unter dem Kutfchbocke fich befand, können fowohl die Paffagiere als der aufsenftehende Conducteur mit dem Kutfcher communiciren, welche Einrichtung um fo wünſchenswerther bei den Wiener Omnibuffen wäre, als bekanntlich die mit defecten oder gar keinen Schnüren verfehenen Glockenzüge in der Regel den Dienft verfagen und das Wiener Omnibuspublikum in den meiften Fällen auf eine unerquickliche und zumeift erfolglofe Geberdenfprache mit Kutfcher oder Conducteur angewiefen ift. Aufser den 8 inneren Plätzen hatte diefer Omnibuswagen, deffen Totalgewicht 20 Centner betrug, noch vier Aufsenplätze am Wagendache. Sowohl die Wahl der Materialien als die Ausführung der fämmtlichen Beftandtheile diefes Wagens mufs als eine ganz gelungene bezeichnet werden. Aufser diefem Omnibus wurden von diefer Fabrik drei forgfältig gearbeitete Landau ausgeftellt, einer hievon, blau lackirt und mit blauem Atlas tapezirt, war in 8 Federn gehängt, während die zwei anderen Landau die in Wien allgemein üblichen fogenannten Telegraphfedern hatten. Unter den vom k. k. Hof Wagenfabrikanten Carl Marius zur Ausstellung gekommenen 10 Luxuswagen, welche den Glanzpunkt der öfterreichifchen Wagen abtheilung bildeten, befanden fich zwei mit je 8 Federn verfehene Hof- Galawagen, welche in Bezug auf ihre bedeutenden Dimenfionen als auch wegen der künftlerifchen Zuſammenſtellung der Decorationselemente die allgemeinfte Anerkennung gefunden haben. Der untere Theil des ovalen, fchwarzlackirten Kaftens eines diefer HofGalawagen war beiderfeits mit eifernen, vergoldeten Hängtafchen umfpannt, welche in vier vergoldete Adlerköpfe ausgehend, den vier überreich decorirten Schneckenfedern als Aufhängpunkte dienten. Das mit fchwerer weisser Seide ausgefchlagene Coupé hatte beiderfeits fechs Spiegelfcheiben in fchwarzgoldenen Rahmen; an den mit dem kaiferlichen Wappen gefchmückten Portièren ftellten die Thürklinken kaiferliche Adler vor, während an den vier Ecken des mit einer vergoldeten Gallerie umgebenen Wagendaches ebenfoviel prachtvolle Laternen in kunftvoll getriebener, vergoldeter Einfaffung befeftigt waren. Die fämmtlichen Beftandtheile des Untergeftelles waren ebenfalls reich vergoldet und fchwarz befchnitten, der hohe Kutfchbock aber von einer reich verzierten mit goldenen Franfen verfehenen Houffe überdeckt. Ein zwifchen den rückwärtigen Schneckenfedern für den Hof- Lakaienftand ausgemittelter Auffatz, die decorirten Druckfedern und Wagentritte würden die Befchreibung der einzelnen, mit vollendeter Kunft. fertigkeit ausgeführten Beftandtheile diefes impofanten Hof- Galawagens noch immer nicht erfchöpfen, wefswegen fchliefslich nur bemerkt werden mufs, dafs ein gewaltiger Langbaum von der Mitte der rückwärtigen Achfe ausgehend zum Vordergeftelle, refpective zur Wagenfpindel geführt war und dem Wagen einen hohen Grad von Feftigkeit verlieh. Der mit nicht geringerer Pracht ausgeftattete zweite Hof- Galawagen war mit gleicher Kunftfertigkeit ausgeführt und verdienen aufserdem bei der Marius'fchen Ausftellung noch eine Victoria, fchwarz lackirt, gelb befchnitten, mit fchwarzem Atlas austapezirt, eine gelbe Kalefche, fchwarz befchnitten mit blauer Seide garnirt, fowie ein für Seine Majeftät den König von Hannover gebautes fchwarzblaues Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. 31 Huit- refforts- Coupé roth befchnitten, mit blauem Atlas garnirt, hervorgehoben zu werden. Die lange Reihe der Wiener Wagenfabrikanten findet einen würdigen Abfchlufs in der ebenfo reichhaltigen als vortrefflich durchgeführten Ausftellung des Herrn Jacob Lohner, von deffen Wagenfabrik nicht weniger als 12 Equipagen zur Ausftellung gelangten; darunter eine Huit- reffort- Kalefche mit grün lackirtem Kaften und Untergeftelle und mit perlgrauer Seide ausgefchlagen, ein blauer Landau mit patentirter ebenfo einfacher als finnreicher Mechanik zum Niederlaffen und Wiederaufrichten des Vorderdaches; ein Huit- refforts- Coupé mit fchwarz lackirtem Kaften und Untergeftelle, das letztere gelb befchnitten, die innere fchwarze Seidengarnitur mit fchwarzgelben Gallonen verfehen. Von den ausgeftellten höchft eleganten 3 Victorias hatte jene mit dem blau lackirten Kaften die Aufhängung in 8 Federn, wovon die unteren elliptifche Druckfedern, die oberen aber Schneckenfedern waren. Die zwei anderen Victorias hatten jedoch eine von den anderen Wagen ganz verfchiedeue Federeinhängung, wie diefs aus beifolgender Fig. 13 erfichtlich ift. Fig. 13. Victoria von Jacob Lohner in Wien. die Diefs war eine kleine Victoria deren rückwärtige Räder I Meter, vorderen hingegen blos o 70 Meter im Durchmeffer hatten, der braun lackirte Kaften mit lackledernen Kothflügeln war mit brauner Seide austapezirt, das braune Untergeftelle goldbefchnitten. Der Wagen ohne Bock zum Selbftkutfchiren. Zu unterft waren auf beiden Achfen die gewöhnlichen elliptifchen Druckfedern aufgefetzt. Im Arrièretrain fafsen unmittelbar auf den Druckfedern die Schneckenfedern, welche nach oben zu an Riemen in den fchmiedeeifernen mit den Kaftenrahmen verbundenen Hängtafchen hingen, der untere Theil der rückwärtigen Schneckenfedern ftand zu beiden Seiten mit je einem fchmalen fchmiedeeifernen Langbaum in Verbindung, der fich unter dem Wagenkaften fortfetzend mit den correfpondirenden Schneckenfedern des Vordergeftelles vereinigte und einen mit zwei Langbäumen verfehenen Wagen darftellte, der ein ganz gefälliges Aeufsere aufzuweifen hatte. Daneben ftand eine ähnliche kleine, blaue Victoria mit perlgrauer Seide ausgelegt. 3 32 M. B. Rideli. - Diefe zwei höchft eleganten kleinen Victorias waren in Bezug auf die Conftruction und Federeinhängung als eine gelungene haute nouveauté aufzufaffen und haben als folche viel Anwerth gefunden, es kann jedoch nicht geleugnet werden, dafs in den k. k. Wagen remifen drei ältere Wagen fich vorfinden, welche eine identifche Conftruction in Bezug auf zwei fchmale Langbäume und Schneckenfeder Einhängung aufweifen, darunter der fehr gut confervirte Parkwagen für ein Bockgefpann aus den Kinderjahren Kaifer Jofef II. und der italienifche Krönungswagen von Napoleon I. Ungleich den anderen Ländern, wo zumeift nur von den refpectiven Hauptftädten die Wiener Ausftellung mit Luxuswagen befchickt worden ist, haben die Wagenfabrikanten der öfterreichifchen Kronländer einen erheblichen Antheil diefem Zweige der öfterreichifchen Induftrie während der Expofition aufzuweifen gehabt. an J. Berger& Sohn aus Neutitfchein haben zwei Phaetons und einen Landau ausgeftellt, welche zwar keine Befonderheiten in der Conftruction zeigten, jedoch gut ausgeführt waren. Die Wagenfabrik von Rudolf Fuchs aus Biala, welche auch in Brünn eine Filiale befitzt, ftellte ebenfalls 3 fehr gut gebaute Wagen aus, und zwar einen dunkelgrünen Clarence, einen dunkelblauen Phaeton und einen Kutfchirphaeton mit Korbgeflecht, der fich gut präfentirte. Der Wagenfabrikant Johann Puftówka in Tefchen ftellte einen Wagen aus, der auf dreifache Weife benützt werden konnte, und zwar als offener Herrenphaeton, Kutfchirphaeton und als halbgedeckte Calefche. Der Kaften war rothbraun, fämmtliche Eifentheile fchwarz lackirt, wobei die Radfelgen aus Einem Stücke, das efchene Untergeftelle roh gefirnifst. Diefer Wagen war aber aufserdem durch eine ganz neuartige Verbindung des Vordergeftelles mit dem Hintergeftelle bemerkbar, wobei die Stangenarme, der Achsftock, Wendefchämel und der Reibnagel in Wegfall kamen und in Folge deffen nicht nur das Gewicht des Wagens erheblich vermindert, fondern auch die in der Bodenfchwelle des Kutfchbockes angebrachte kleine Drehfcheibe vor Koth gefchützt und deren Einölen von Innen aus ermöglicht werden konnte. Es wurde wohl eine graphifche Wiedergabe diefer neuen und zweckdienlichen Conftruction hier beabfichtigt, konnte jedoch nicht durchgeführt werden, da diefer Wagen vor Schlufs der Ausftellung aus der öfterreichifchen Wagenabtheilung entfernt worden ift. Eine fehr reichhaltige Wagenausftellung, beſtehend aus 13 Luxuswagen, kam aus der Hof- Wagenfabrik von Schuftala& Comp. in Neffeldorf in Mähren, welche nebft Filialen vielleicht die gröfste Anzahl Wagen nämlich 800 Stück per Jahr fabricirt. Unter den Wagen diefer Fabrik waren befonders hervorzuheben: ein Huitrefforts- Phaeton( angekauft vom Grafen von Flandern) mit braunem Kaften und brauner Maroquingarnitur, ferner eine blaue, höchft elegante Huit- refforts- Victoria mit gelbem Untergeftelle, blau befchnitten und mit lichtblauer Seide ausgefchlagen. Ein Pürfchwagen mit Langbaum, Geftelle und Kothflügel aus gefirnifstem Efchenholze, Eifentheile fchwarz lackirt, mit grauer Wollftoff- Garnitur. Aufser mehreren Phaetons, Coupés, Landaus befand fich noch eine blaue Victoria mit verftellbarem Bock auf Stützen, zum Fahren à la Daumont. Neben diefen in jeder Beziehung ausgezeichneten Wagen waren in der Schuftala'fchen Ausstellung diverfe felbftfabricirte Wagenbeftandtheile, eine Achfe mit completem Vordergeftelle, zwei fertige Räder, wobei die Naben aus Akazienholz, die Speichen aus Hickory Nufsholz( Carya alba), welches aus Nordcarolina feit einiger Zeit in fehr grofsen Quantitäten zum Wagenbaue nach Europa importirt wird. Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. 33 Die Wagenfabrik von Johann Weigl in Profsnitz, ftellte 2 fehr gut ausgeführte Wagen aus; einer hievon war ein befonders gelungener KutfchirPhaeton mit Kaften aus Palifanderholz( Jacaranda brasilienfis), Untergeftelle fammt Rädern aus gefirnifstem Efchenholze, Eifentheile fchwarz lackirt mit einer chamoisfärbigen Chagringarnitur. Der Durchmeffer der hinteren Räder betrug I'120 Meter, der vorderen 0.920 Meter, der Radftand 1350 Meter und war der Kaften im vorderen und rückwärtigen Geftelle von elliptifchen Druckfedern getragen. Der von demfelben Fabrikanten ausgeftellte braune Phaeton war ein Huit- Refforts mit der Modification jedoch, dafs der Wagenkaften an den vorderen Schneckenfedern nicht mittelft fchmiedeeifernen Hängtafchen, fondern mittelft zwei weiteren Flachfedern hing und dadurch diefer Wagen eigentlich zehn Federn aufzuweifen hatte. Der Wagenfabrikant Johann Lickendorff in Lemberg ftellte einen Schlitten aus, bei deffen Conftruction eine, wenn auch nicht ganz wefentliche Neuerung ftattfand. Da nämlich während der Winterszeit in Galizien der Schlitten in Bezug auf Locomotion von Perfonen und Gütern eine hervorr gende Rolle spielt, die Schlittenbahn aber ftellenweife Unvollkommenheiten oder auch Lücken aufzuweifen hat, fo wird die von dem gewöhnlichen Schlittenvehikel bei dem gröfseren oder geringeren Schneeftande zu löfende Aufgabe häufig derart complicirt, dafs Herr Lickendorff fich bemüffigt fah, wie aus Fig. 14 erfichtlich, neben den mit dem Geftelle feft verbundenen fchmalen fchmiedeeifernen Schlittenkuffen auch noch breitere, mittelft der am Kutfchbocke befeftigten Kurbel verfchiebbare Kuffen anzubringen und durch deren Auf- und Niederlaffen bei diverfem Schneeftande den Reibungswiderftand nach Bedarf zu reguliren. Fig. 14. Schlitten von J. Lickendorfi in Lemberg. Der Kaftenrahmen diefes Schlittens war aus gebogenem Efchenholze, die Zwifchenfelder mit amerikaniſchem Nufsholze ausgetäfelt. Das Innere war mit ponceaurothem Tuche austapezirt, wobei die kirfchrothen Quaften und Gallonen nicht befonders paffend waren. An diefe Luxuswagen fchlofs fich in der öfterreichifchen Abtheilung die Ausftellung eines Omnibuswagens an, welcher für die neue Wiener Omnibusgefellſchaft von der Hernalfer Waggonfabriks Actiengefellfchaft conftruirt worden ift. 3* 34 M. B. Rideli. Bei der Conftruction diefer Omnibuswagen hat man die bisher in Wien übliche Form mit dem abgefonderten Kutfchbocke und den mehrfachen Eingängen verlaffen und aus Rückfichten der Oekonomie, fowie der Sicherheit des Betriebes die in Paris und London bewährte Form adoptirt. Bei diefem nach allen vier Seiten gefchloffenen Omnibus befindet fich an der vorderen Stirnfeite der Kutfchbock, an der rückwärtigen die einzige Eingangsthüre. Eine leichte, aus Eifen conftruirte Stiege führt zur Gallerie, die für 10 Sitzplätze berechnet ift. Der innere Raum bildet ein Coupé mit zwei gegenüberliegenden gepolfterten Sitzbänken mit zufammen zwölf Plätzen. Die Wandflächen ober den Sitzplätzen, fowie der Plafond haben eine Täfelung aus Mahagonyholz( Swietenia Mahagoni). Das Kaftengerippe ift aus Rothbuchenholz und der gefammte Wagenkaften mit Eifenblech von 1 Millimeter Dicke bekleidet, gelb lackirt, fchwarz befchnitten. Die Federn, in welchen der Wagenkaften hängt, find von den bisher befchriebenen verfchieden, im Vordergeftelle hängt nämlich diefer Omnibuswagen in zwei Tragfedern aus Stahl von 1070 Meter Länge und 65 Millimeter Breite à 7 Blatt von 8 Millimeter Dicke, diefe zwei Tragfedern ftehen mit einer dritten zur Achfe parallelen, fogenannten Balancierfeder von 1020 Meter Länge, 65 Millimeter Breite à 8 Blatt von 8 Millimeter Stärke in Verbindung Im Arrièretrain hängt der Omnibus in zwei Tragfedern von 1'200 Meter Länge, 65 Millimeter Breite à 9 Blatt von 8 Millimeter Stärke und in der damit zufammenhängenden Balancierfeder von 1220 Meter Länge, 65 Millimeter Breite zu II Blatt von 8 Millimeter Dicke. Die übrigen Dimenfionen find: Aeufsere Kaftenlänge Innere " 9 Aeufsere Kaftenbreite Innere 99 Lichte Höhe in der Mitte Radftand. Durchmeffer der vorderen Räder وو " hinteren Spurweite der vorderen Räder 99 " Radfturz " 29 " " hinteren vorderen hinteren Stärke der vorderen Achsftummel وو • 2.800 Meter 2.660 1.610 27 " 99 I 470 46 , 1.765 I- 705" 0.900 99 1325 1380 " 27 1.610 " 35 Millimeter 46 50 " 55 275 300 ##* 2 99 " 99 " 29 hinteren Länge vorderen " " hinteren das Eigengewicht 30 Zollcentner. " Die Achfen find aus beftem Schmiedeeifen, die rückwärtigen ftark ausge kröpft, die Achsbüchfen aus Gufseifen mit Schmiermuttern verfehen, und befteht deren Verfchlufs aus je 2 Verfchlufsringen, einem Gegenringe und einem Stücke Verfchlufsbüchfe, fämmtlich aus Metall. Die Felgen der Räder aus Rothbuchenholz, Speichen aus Efchenholz, Naben aus Ruftenholz. Der Preis eines derartigen Omnibus mit Mahagonytäfelung und Tuchtapezirung beträgt 1500 fl., mit Lederleinwand und Tapeten 1400 fl. öfterr. Währung, und find davon bereits 125 Stück an die Neue Wiener Omnibusgefellſchaft von der Hernalfer Waggonfabrik geliefert worden, welche neben der Fabrication von Eifenbahn-, Tramway- und Omnibuswagen auch zur Erzeugung von allen Arten Luxusfuhrwerken wohl eingerichtet ift. Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. 35 Schwere Frachtwagen waren in der öfterreichifchen Wagenabtheilung verhältnifsmässig fchwach und nur durch 2 Exemplare vertreten. Hievon wurde ein Transportwagen, deffen Tragfähigkeit 145 Zollcentner betrug, von dem Hernalfer Wagenfabrikanten Auguft Opawfky ausgeftellt. Bei einem Radftande von 2 700 Meter hatten die vorderen Räder einen Durchmeffer von I Meter, die hinteren Räder 1 200 Meter; Radfpeichen und Radfelgen, fowie das ganze Geftelle waren aus gefirnifstem, wohl ausgefuchtem Efchenholze, alle Eifenbeftandtheile fchwarz lackirt, die Radreifen hatten eine Stärke von 23 Millimeter bei einer Breite von 0 160 Meter und wurde deren Aufzug mittelft einer vom Fabrikanten eigens hiezu conftruirten Mafchine bewerkstelligt. Zwifchen dem efchenen, mit fteierifchen Eifenachfen montirten Achsftocke und der Achsfchale war mittelft ftarken Spangen und Eifenklammern ein 0 140 Meter mächtiger Langbaum in der Länge von 3.90 Meter fammt Zwiefeln eingezwängt und derfelbe im Vordergeftelle aufserdem mittelft eines entſprechend ftarken Reibnagels mit dem Wendfcheit in Verbindung gebracht. Von den drei Wagenträgern war der letzte am Ende des Langbaumes angebrachte mit der Bremsfpindel montirt, mittelft welcher zwei Efchenholz- Bremsklötze an die rückwärtigen Räder geprefst werden konnten. Die mit der gröfsten Sorgfalt gearbeiteten Wagenbeftandtheile boten in ihrer zweckmässigen Zufammenfetzung ein fehr ftattliches Bild dar, und es konnte diefes Ausftellungsobject der öfterreichifchen Wagenfabrication nur zur weiteren Zierde gereichen. Die allgemeine öfterreichifche Transportgefellfchaft ftellte einen Frachtwagen von analogen Dimenfionen aus, deffen Holzbeftandtheile grün, die Eifentheile fchwarz angeftrichen waren. Diefer in den Werkftätten obiger Gefellſchaft gebaute Wagen ftand mit dem ,, Patent Wiefenburg" in Verbindung. Diefes Patent bezweckt die Verminderung der Betriebsfchwierigkeiten bei Befahrung von bedeutenden Steigungen. Zu diefem Behufe werden beliebig conftruirte Frachtwagen in der Mitte ihres Langbaumes mit einem aus ftarken Balken gezimmerten Unterfatze in Verbindung gebracht, welcher zu unterft eine 45 Millimeter ftarke Eifenachfe mit darauf gefetzten 2 kleinen Schalengufs- Rädern von circa o 300 Meter Durchmeffer trägt, die fich bei einem Radftande von o'315 Meter unter normalen Verhältniffen um o 260 Meter über das Strafsenniveau erheben. Wenn daher bei Ueberfchreitung von fteilen Bergrücken im Strafsenkörper ein entsprechend hoher, an den Kanten mit Flachfchienen verfehener Holzbalken in der erforderlichen Länge eingelaffen worden ift, der zur Spurweite des kleinen Räderpaares pafst, fo kann der fchwer beladene Frachtwagen auf dem um circa o 260 Meter über dem Strafsenniveau vorfpringenden Balken mit Leichtigkeit hinaufgeführt werden, ohne einer Vorfpann benöthigen zu müffen. Dabei fchweben die vorderen Räder um circa o 160 Meter über dem Boden, während 1/10 der Gefammtlaft des Wagens auf die hinteren Räder und% 10 auf das kleine Schalengufs Räderpaar vertheilt find. Derartige Uebergangsbalken find bereits an mehreren Strafsen, fo namentlich am Karft in der kroatifchen Militärgrenze, eingelegt und kann jeder gröfsere Frachtwagen mit dem entſprechenden Mittelgeftelle ohne Schwierigkeit verfehen werden. Der k. k. Hoflieferant A. Moll, ftellte einen kleinen, für grössere Excurfionen geeigneten, vollſtändig eingerichteten, zweirädrigen Photographenwagen aus. Der grüne Kaften fafs in 2 auf der Achfe befeftigten Druckfedern; Raddurchmeffer 1080 Meter. Vorne am Wagen befand fich zum Ausbreiten der Utenfilien eine Plattform, der eine verftellbare Stütze beigegeben war. Da bekanntlich die Photographiebefliffenen mit grofser, oft unüberlegter Vorliebe pittoreske, mitunter höchft gefährlich fituirte Ruhepunkte aufzufuchen . 36 M. B. Rideli. pflegen, fo ift diefer Wagen überdiefs rückwärts mit zwei Gabeln gegen etwaiges Hinabrollen montirt, um für den Fall des Verunglückens des aufopferungsfähigen Künftlers wenigftens die effectuirten Aufnahmen für eine etwaige Vervielfältigung retten zu können. Der nach Bedarf leicht zu demontirende und mit einer Bremfe verfehene Wagen koftete ohne Utenfilien und Apparate 130 fl. Vom Ingenieur Lenz waren zwei Vélocipèdes von der gebräuchlichften Form ausgeftellt, deren Triebräder o 90 Meter im Durchmeffer hatten und mit alternirend auf der Nabe fitzenden hölzernen Speichen verfehen waren. Einigermafsen bemerkenswerth bei diefen zwei Vélocipèdes war deren Bremsvorrichtung, da hiebei zum erften Male eine Verwendung von Guitarrefaiten ftattgefunden hat, welche, in gewiffen Zwifchenräumen Schwingungsknoten bildend, vom erfindungsreichen Ausfteller offenbar auch zur Erzielung irgend einer phonetifchen Wirkung auserkoren worden find und dem hiezu competenten Berichterftatter der Gruppe XV ohne Zweifel reichlichen Stoff zu einer ehrenvollen Erwähnung liefern dürften. Die bei den k. k. Poftanftalten gegenwärtig am häufigften gebrauchten Fuhrwerke wurden vom k. k. Handelsminifterium im Pavillon für den Welthandel feparat ausgeftellt. Unter den ausgeftellten 8 Poftführwerken hatte fich ein für Separatfahrten befonders geeigneter Poftlandau, der auf den Poftftrafsen des Salzkammergutes in mehreren neuen Exemplaren in Verwendung fteht, einer ebenfo grofsen als wohlverdienten Anerkennung zu erfreuen. Der auf 4 Perfonen berechnete, mit dem bekannten hellglänzenden chromgelben Anftriche verfehene und fein lackirte Kaften diefes Landaus, war an den Portièren mit dem k. Wappen und dem Pofthorne gefchmückt, hing vorne auf zwei elliptifchen Druckfedern, rückwärts in drei ftarken Tragfedern, und hatte inwendig eine drapfarbene Tuchgarnitur. Aufser diefem Landau war noch ein Doppelcoupé, drei Poftmaille wagen, ein Poftpackwagen mit Cabriolet und zwei Poftcariolwagen ausgeftellt. Von den letzteren hatte der kleinere Cariolwagen einen Radftand von 1 Meter und war mit einem Langbaume verfehen, da der Kaften auf beiden Achfen nur in je Einer parallel über der Achfe befeftigten Feder hing. Der in neuefter Zeit eingeführte Poftcariolwagen für den Briefeinfammlun gs- Dienft hatte eine Kaftenlänge von 180 Meter, wobei der chromgelbe Kaften mittelft Wagenhalfes mit dem abgefonderten, fchwarzlackirten Kutfchbocke zufammenhing. Der für das Placiren von 18 Briefbeuteln eingerichtete Kaften hatte einen verfchliefsbaren, fchwarzlackirten Blechdeckel. Bei einem Radftande von 180 Meter fafs der Kutfchbock in zwei auf der vorderen Achfe befeftigten elliptifchen Druckfedern, während das Gewicht des Kaftens auf der rückwärtigen Achfe in zwei Trag- und einer Balancierfeder ruhte und trotz der beträchtlichen totalen Wagenlänge die Anwendung eines Langbaumes entbehrlich machte. Die fämmtlichen Wagenbeftandtheile und Ausstattungsgegenstände diefer k. k. Poftwagen find inländifcher Provenienz; die nach den Zeichnungen und Bedingniffen des k. k. Handelsminifteriums auszuführenden Arbeiten werden an die diverfen Fabrikanten vergeben und dann gewöhnlich in der Lohner'fchen Wagenfabrik montirt, wo auch der Anftrich, fowie die Lackirung, Tapezierung u. f. w. beforgt zu werden pflegt. Bei der Vorzüglichkeit der Ausführung diefer k. k. Poftwagen könnte allenfalls nur die Wahl der zum Anftriche des Untergeftelles verwendeten Farben, nämlich röthlich- orangegelb mit fchwarzen Streifen als mit dem lichten Chromgelb des Kaftens gar nicht harmonirend bezeichnet werden. Die k. preufsifche Poft benützt, wie aus den ausgeftellten 28 Modellen von Poftwagen erfichtlich war, dasfelbe Chromgelb zum Anftriche des Kaftens fowohl, als des Untergeftelles, während eine vom Turiner Wagenbauer Locati ausgeftellte Mail- Coach mit chrom Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. 37 gelbem Kaften und zinnoberrothem Untergeftelle einen ganz effectvollen Anblick darzubieten geeignet war. Die auf den Dienft der k. k. Poftwagen Bezug habende Ausftellung des k. k. Handelsminifteriums war auch in hiftorifcher Beziehung von grofsem Intereffe. Es mag hier geftattet fein zu erwähnen, dafs die gefchichtlich verzeichnete Verbindung von verfchiedenen, relativ fehr entlegenen Punkten eines ftaatlichen Territoriums mittelft permanent auf denfelben poftirten Wagen und Relais auf den Perferkönig Cyrus( 550 Jahre vor Chriftus) zurückreicht, und im Alterthume auch ftets unter dem perfifchen Namen„ Angara" bekannt war, bis unter den römifchen Imperatoren von der Bezeichnung der Zwifchenftationen mit dem Namen„ posta" die gegenwärtige Benennung nach zahlreichen, wechfelvollen Zwifchenfällen im internationalen Verkehr die Oberhand gewann. Die Briefpoft ift ebenfalls perfifchen Ursprunges, und wurde in diefem ehemals vom Indus bis zum mittelländifchen Meere fich ausbreitenden Weltreiche neben unzähligen anderen Methoden zur Beförderung von fchriftlichen Mittheilungen in fpeciellen Fällen auch jene in Anwendung gebracht, dafs dem zum Paffiren von unwirthlichen Gegenden beftimmten Poftboten nach Abrafirung des Haupthaares die Depefche auf die Kopfhaut tätowirt und der betreffende Poftbeamte erft nach Wiedererlangung eines reichlichen Kopffchmuckes dem Adreffaten zur Entzifferung der Depefche zugefchickt worden ift.* Wenn nun einestheils diefe Depefchen- Beförderungsweife, abgefehen von anderen Gründen, heutzutage auch in Folge der wirklich troftlofen HaarwuchsVerhältniffe der Gegenwart die frühere praktiſche Bedeutung nicht mehr erlangen dürfte, fo mufste anderfeits die bei Poftverfpätungen im Alterthume möglicherweife geltend gemachte Ausrede wegen verzögerten Haarwuchfes des Poftboten" mit der fortfchreitenden Entwicklung des Poftwefens ihre Berechtigung nach und nach verlieren und anderen, geeigneter erfcheinenden Vorwänden Platz machen, wie diefs ja dem correfpondirenden Publicum in vieler Herren Länder ohnehin fattfam bekannt ift. Der Bergbau- Beamte Johann N. Jandl aus Graz hat ein gut ausgeführtes Kohlenwagen Modell ausgeftellt. Dasfelbe war vierrädrig und hatte an beiden Wagenenden je einen geräumigen Kaften für Kohlen, während dazwifchen in der Mitte des Wagens für den eventuellen Detailverkauf eine Brückenwage auf zwei Eifenfchienen angebracht war, um unmittelbar unter den Augen des Käufers die erftandenen Kohlenquantitäten abwägen zu können. Genau nach diefem ausgeftellten Modelle fteht eine gröfsere Anzahl Kohlenwagen in Graz bereits feit zwei Jahren mit dem beften Erfolge in Verwendung, und könnte dadurch vielleicht auch in Wien den leider an der Tagesordnung ftehenden Uebervortheilungen des Publicums durch die Kohlenhändler Einhalt gethan werden. Vom Mechaniker Jofeph Matfcheg in Wien wurde das für alle Arten von Locomotion bei Schiffen, Drahtfeil- Bahnen, Aufzügen, Heb- und Dampfmafchinen u. f. w. tauglich fein follende ,, Rotationsfyftem Matfcheg" an einem vierrädrigen Fuhrwerke zur Anfchauung gebracht. Dasfelbe beftand in feiner Wefenheit aus einer Abart von zwei mit einander gekuppelten Vélocipèdes, deren fämmtliche vier Räder den gleichen Durchmeffer von I Meter hatten und mit einem Blechkaften umgeben waren, innerhalb deffen drei Perfonen Platz nehmen und durch eine allerdings fehr anftrengende Entwicklung der Muskelkraft der Unterfchenkel den Wagen zum Fortrollen auf einer ebenen Bahn veranlaffen konnten. * Diefe antike Nachricht ift gefchöpft aus dem foeben in Paris von Arthur Freiherrn von Rothfchild publicirten Werke ,, Hiftoire de la pofte aux lettres"( Librairie nouvelle 1873) Chap. I. S. 20, und es ift nur zu bedauern, dafs, während die meiſten anderen Mittheilungen diefer Arbeit mit den gewiffenhafteften Quellenangaben verfehen find, der Urfprung gerade diefer fo werthvollen Notiz dem wifs begierigen Lefer hartnäckig vorenthalten worden ift; wefswegen wir diefsfalls mit der alleinigen Autorität des Herrn Verfaffers vorlieb nehmen müffen. 38 M. B. Rideli. Da aber für die oberen Extremitäten der Paffagiere diefes Fuhrwerkes gar keine Stützpunkte innerhalb des Wagenkaftens ausgemittelt worden waren, fo müfsten während der Locomotion die durch die Fufsbewegungen unvermeidlich gewordenen energifchen Schwankungen des Oberkörpers auf die Gefammtentwicklung der lebendigen Kraft fehr ftörend wirken, ja es könnte bei diefem Vehikel fogar hin und wieder der Fall eintreten, dafs in Folge der gegenfeitigen erheblichen Befchädigungen der Reifetheilnehmer auf die Anwendung diefes Rotationsfyftemes momentan verzichtet werden müfste. Diefe und mehrere andere diefem Syfteme anhaften den Unzukömmlichkeiten werden vielleicht deffen Einführung noch einige Zeit verzögern, umfomehr als dasfelbe ein zu weites Gebiet zu umfaffen fich vorgenommen hatte. Im Gegenfatze dazu ift mit der Ausftellung des vom k. k. Staatsanwalte in Brünn Theodor Tomafchek conftruirten" Pendelwagens" lediglich eine Anregung zur Umgeftaltung des gegenwärtig üblichen Baues von Fracht- und Luxuswagen beabfichtigt worden. Das grün angeftrichene, einer Achfe vollkommen entbehrende Wagengeftelle ruht hiebei fammt der aufzunehmenden Laft zwifchen zwei Rädern von 2 Meter Durchmeffer auf den Achsftummeln wie ein Pendel, mufs kraft der eigenen Schwere die perpendiculäre Lage allezeit fefthalten und, aus ihr geftört, felbe wieder zu gewinnen fuchen. Nach weiterer Angabe des Herrn Ausftellers kann diefes Pendelfahrzeug nie umftürzen, bietet Vortheile beim Aufladen fchwerer, nicht voluminöfer Laften* und kann auch vierrädrig conftruirt werden. Einen integrirenden Beftandtheil diefer Ausftellung bildeten tadellos ausgeführte, mit erläutern dem Texte verfehene graphifche Darstellungen einiger Gravitationsgefetze, welche, die weiteren Vortheile diefes Fuhrwerkes entwickelnd, den Beweis liefern follten, dafs durch die in bedeutender Höhe über der Achfe angebrachten Angriffspunkte der Zugkraft eine namhafte Erfparnifs der letzteren bewirkt werden müfste, eine Eigenfchaft, die übrigens mehr oder weniger die fämmtlichen im Prater zur Ausftellung gelangten Strafsen- und Eifenbahn- Fuhrwerke mit dem„ Pendelwagen" gemeinſam hatten. Eine fchwache Seite diefes Fuhrwerkes wird jedoch ftets der Abgang einer Achfe bilden, welchem Wagenbeftandtheile bekanntlich nicht nur die Vermittlung der Vorwärtsbewegung zukommt, dadurch vielmehr, abgefehen von der Tragfähig. keit, auch die Feftigkeit eines jeden Fahrzeuges bedingt wird, der vorliegende Pendelwagen hingegen wegen Mangels einer entſprechend ftarken Achfe im Strafsenverkehre fchon in Folge unbedeutender Seitenftöfse in Trümmer gelegt werden könnte. Der Tomafchek'fche Pendelwagen hatte die weitere Eigenthümlichkeit, dafs durch Vermittlung einer Querftange, welche mit den zwei in bedeutender Höhe über den Achsftummeln am oberen Theile des Geftelles angebrachten Zugftangen in fester Verbindung ftand, in normaler Lage die zwei PendelwagenRäder vollständig gebremft werden mufsten und der Wagen nur dann von der Stelle zu bringen war, wenn die zwei Brancards bis zu einer erftaunlichen Höhe gelüftet worden waren. Unter diefen Umftänden müfste aber die mit der Einführung des Pendelwagens beabsichtigte Wagenbau- Umwälzung unbedingt auch auf das gegenwärtig übliche Befpannungsfyftem ausgedehnt und abnorm hochgewachſene mit entfprechend conformirten Schulterblättern verfehene Zugthiere zur Domefticirung herangezogen werden, von denen derartige Pendelwagen unter Entwicklung der * Diefem fpeciellen Zwecke entgegen war in Folge eines Mifsverftändniffes der hutfchenartige Behälter diefes Pendelwagens während der Ausftellung nicht mit derlei fchweren Gegenftänden beladen, feine Belaftung beftand vielmehr neben einigen Gypsfiguren und Gypsornamenten zeitweilig noch aus einem voluminöfen Album, enthaltend die bekannten ,, Accidents de chaffe" von unferem launigen vaterländifchen Künftler Tony Strafsgfchwandtner. Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. 39 fpecificirten Vortheile in Betrieb gefetzt werden könnten, in welchem Falle jedoch der Gebrauch diefes Fuhrwerkes allerdings nur auf das innerhalb der Wendekreife gelegene geographifche Verbreitungsgebiet diefer neuen Zugthiere befchränkt bleiben müfste. Die blos in kurzen eifernen Zapfen laufenden, unter der Bezeichnung ,, roues à vouffoir" bekannten Räder wurden übrigens bereits im Jahre 1825 wegen der denfelben damals fchon zugemutheten Eigenfchaft, fortan jedes Umwerfen unmöglich zu machen, von dem Parifer Wagenfabrikanten Mr. Leim gruber zur Conftruirung von ganz neuartigen Kutfchen, den fogenannten ,, Inversables", benützt, deren Gebrauch jedoch in Folge von mehrfach vorgekommenen Unglücksfällen behördlich unterfagt werden mufste. Bei diefem Leimgruber'fchen Wagenfyfteme wurde aber geltend gemacht, dafs bereits im Jahre 1763 von einem ficheren Mr. Fagott ein Patent dafür erwirkt worden war, und da dasfelbe Project, wenn auch in modificirter Form, in gewiffen Zwifchenräumen ftets wieder aufzutauchen pflegt, fo wird vielleicht die Erwähnung am Platze fein, dafs ein Pendelwagen bereits im Jahre 500 vor Chr. beim Bau des weltberühmten Tempels der Diana zu Ephefus in Verwendung kam. Da diefes für einen fpeciellen Fall vom Tempel- Baumeifter Metagenes conftruirte Fuhrwerk nicht nur feinen damaligen Zweck vollſtändig erfüllte, fondern auch gegenwärtig von unferen modernen Baumaterial- Gefellſchaften bei der mit Vortheil demnächftigen Wiederaufnahme der Bau- Arbeiten vielleicht angewendet werden könnte, fo erlaubt man fich dasfelbe in Fig. 15, wenn auch in ganz primitiven Umriffen, anfchaulich zu machen. Fig. 15 b Pendelwagen des Metagenes. Der berühmte römifche Kriegs Baumeifter M. Vitruvius Pollio berichtet nämlich in feiner für den Triumvir Octavius Caesar( nachmaligen Kaifer Auguftus) verfafsten Abhandlung ,, de Architectura" über diefes Fuhrwerk, dafs, nachdem alle 128 Säulen des Diana- Tempels aufgeftellt worden waren, und nunmehr zum Herbeifchaffen und Auffetzen des Architravs gefchritten werden musste, der ephefifche Baumeifter Metagenes genöthigt war, für den Transport der koloffalen Architravtheile eine ähnliche Vorrichtung herzuftellen, wie deffen Vorgänger Cherfiphron für das Ueberführen der 60 Fufs hohen Säulenfchäfte. Metagenes conftruirte fonach zu diefem Zwecke Räder von 12 Fufs Durchmeffer, und nachdem er in die Stirnfeiten der Architravtheile eiferne Zapfen eingelaffen und die letzteren in den Radnaben eingefchloffen hatte, fo mufsten die Zapfen der als Achsftöcke fungirenden Architrave beim Anziehen des Ochfengefpanns die continuirliche Umdrehung der Räder bewirken, auf welche Weife der Archi 40° M. B. Rideli. trav in der kürzeften Frift, ebenfo wie früher die Säulenfchäfte, von den Marmorbrüchen auf den Bauplatz in Ephefus gefchafft werden konnte.* Schliefslich kann aus diefem Anlaffe die Bemerkung nicht unterdrückt. werden, dafs in den erhalten gebliebenen Fragmenten des M. Vitruvius noch heutigen Tages eine unerfchöpfliche Fundgrube von neuen, oder für neu gehaltenen Projecten zu fuchen fei, und dafs bei einer halbwegs richtigen Interpretirung diefes Schriftftellers die vaterländifchen Privilegiumsarchive von ausdauernden Patentliebhabern noch vor Beginn der nächften Weltausstellung auf das reichhaltigfte vermehrt werden könnten. Aufser den Fracht- und Luxuswagen waren in der öfterreichifchen Abtheilung viele theils ganz fertige Wagenbeftandtheile, theils die dazu gehörigen Halbfabricate ausgeftellt. Von den Eifen und Hüttenwerken des Grafen Alexander Branicki in Sucha( Galizien) waren diverfe Achfen ausgeftellt, wovon die ftärkfte im Gewichte von 1'13 Centner à 12 fl. 75 kr. oder per Stück 14 fl. 40 kr. öfterr. Währung, die fchwächfte im Gewichte von 21 Pfund zu 2 fl. 68 kr. per Stück. Von der Eifen- und Stahlgewerkfchaft Eibiswald waren aufser fertigen Equipagefedern und Omnibus- Tragfedern aus Gufsftahl auch Flachfedergufsftahl, gerippter Cementfederftahl, fowie Eifenachfen in fehr vielen Dimenfionen ausgeftellt, welche den früheren Ruf diefes Etabliffements vollkommen rechtfertigten. Ferdinand Hüffel in Hainfeld( Niederöfterreich) fowie G. Gaismayer& Schürhagel in Scheibbs waren je durch eine reichhaltige Ausftellung von geraden und gekröpften Achfen mit und ohne Büchfen, die letzteren Fabrikanten auch durch eine Ausftellnng von Rädern mit fchmiedeeifernen Naben vertreten. Paul Abl& Comp. in Scheibbs ftellten einen Satz fchwerer FrachtwagenRäder auf Achfen mit Büchfen und Muttern, lofe Räder ohne Reifen und complete Bremsvorrichtungen aus, wobei eine fehr forgfältige Bearbeitung beobachtet werden konnte. Die Prager Eifeninduftrie- Gefellfchaft ftellte Eifenachfen roh und abgedreht aus, während die Ternitzer Walzwerke Frachtwagen- Achfen und Hufeifen aus Beffemerftahl verführten. Von der Erzherzog Albrecht'fchen Kameraldirection in Tefchen waren Wagenachfen aus Frifcheifen mit und ohne Büchfen und Muttern zur Ausftellung gelangt. Michael Finft erle in Wien ftellte 8 Räder aus, deren Ausführung eine ganz vorzügliche genannt werden mufs, dabei waren Speichen und Felgen aus Efchen, die Naben hingegen aus Ruftenholz. Vom Schloffermeifter Jofef Hornig in Wien waren die von demfelben für die Wagenbauer fabricirten Eifenbeftandtheile als: Wagentritte, Hängtafchen, Klammern, Rahmen für den Kutfchbock u. f. w. ausgeftellt, deren Ausführung nichts zu wünſchen übrig liefs, während M. Ed. Schmiedt in Wien nebft Wagenachfen auch feine patentirte eiferne Radnabe zur Ausftellung brachte, Die k. k. Hof- Eifenwaarenfabrik von Jofef Heifer in Gaming ſtellte zahlreiche Mufter von allen in Oefterreich gebräuchlichen und nach ihrer Länge als deutfche, böhmifche und ungarifche unterfchiedenen Frachtwagenachfen mit Gufsbüchfen und gefchmiedeten Stöfseln aus, ferner eine grofse Auswahl von den jetzt fehr bevorzugten ,, Coling's Patent- Oel- Achfen" inclusive Büchfen, Muttern, * ,, Fecit enim( Metagenes) rotas circiter pedum duodenum, et epistyliorum capita in medias rotas inclusit; eadem ratione cum cnodaces et armillas in capitibus inclusit. Ita cum trientes a bubus ducerentur, in armillis inclusi cnodaces versabant rotas: epistylia vero inclusa uti axes in rotis eadem ratione qua scapi sine mora ad opus pervenerunt." M. Vitruvius ,, de Architectura" Liber X, Cap. II, 12. Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. 41 Lederfütterung und mit aus dem Achskörper gefchmiedeten Lappen zur Aufnahme der Feder verfehen. Fracht- und Luxuswagen- Achfen fammt Zugehör bilden den hauptfächlichften Fabricationszweig diefes Eifenwerkes, und werden dort fertige Achfen im Gewichte von über 25.000 Zentner jährlich erzeugt, von deren Qualität namentlich die öfterreichifchen Wagenbauer nur Vortheilhaftes zu erzählen wiffen. Die Innerberger Actiengefellfchaft ftellte 3 von der Reichenauer Gewerkschaft beigeftellte Frachtwagen- Achfen aus, die Eifenhütte Krieglach 26 Stück Equipagen- und Frachtwagen Achfen, Jofef Pefendorfer's Erben in Rottenmann 30 diverfe Achfen mit Büchfen, darunter Flügelachfen und PflugradAchfen aus Beffemerftahl; von der erften Brünner Mafchinenfabriks- Gefellfchaft find einige Omnibusfedern, von den Graf Henck e l'fchen Werken in Wolfsberg die rühmlichft bekannten Equipagefedern in gröfserer Auswahl zur Ausftellung gelangt. In der ausgezeichnet arrangirten Prinz Coburg'fchen Collectiv- Ausftellung wurden Radfpeichen aus Akazie, Felgen aus Ailanthus und Naben aus Ruften, fowie aus derartigen Radbeftandtheilen zufammengefetzte fertige Räder, daneben auch Kothflügel und zierlich gefchnitzte Ochfenjoche aus Ailanthus bemerkt, welche von einer vortrefflichen Verwerthung diefer Holzgattungen Zeugnifs geben. * Die nicht minder forgfältig zufammengeftellte fürftlich Schwarzenberg'fche Gefammt- Expofition hatte aufzuweifen: Radfelgen aus Rothbuchenholz für leichte Wagen per 1 Schock 6 fl., defsgleichen für fchwere Wagen 9 fl. ab Krumau, Radfpeichen aus Rothbuchenholz, Deichfelftangen aus Birkenholz, ein Handfchlitten- Modell aus dem Böhmerwalde, ferner Schubkarren aus Buchenholz, befchlagen, I Stück zu 5 fl., aufserdem befchlagene Steinkarren per I Stück zu 6 fl., unbefchlagen I fl. 70 kr. Die Collectiv Ausftellung der Staatsbahn hatte ebenfalls eine grofse Anzahl von bearbeiteten Wagenhölzern, überdiefs auch fertige Wagenräder mit Felgen aus Buchen, Speichen aus Eichen und Naben aus Ruften aufzuweifen. Die ländliche Induſtrie aus Galizien war durch einige aus der Gegend von Jaworow ftammende Wagenbeftandtheile vertreten, darunter 4 kleine Räder, deren Felgen aus je einem mittelft Handarbeit gebogenen Aftftücke von Corylus avellana beftanden; aufserdem wurde die Ausftellung vom gräflich St. Genois'fchen Waldamte in Makow mit einem unbefchlagenen Land- Schubkarren und vom Grafen W. Dziedus zycki in Pieniaki bei Brody mit Radfelgen aus je einem Stück, fowie mit Achsfchalen befchickt. In der Kautfchukwaaren- Ausftellung von J. M. Reithoffer befand fich ein Rad, auf deffen eifernen Radreif ein 30 Millimeter ftarker Kautfchukring gespannt war. Diefe Art Räder finden jedoch bei den öfterreichiſchen Wagenbauern wenig Anklang, da der beabfichtigte Zweck ebenfo gut und mit weniger Auslagen durch Kautfchuk- oder Lederunterlagen, welche auf den zur Aufnahme der Druckfedern beftimmten Achslappen angebacht zu werden pflegen, erreicht werden kann. Eine der inftructivften Collectiv- Expofitionen wurde vom k. k. AckerbauMinifterium veranlafst; innerhalb des Pavillons waren zahlreiche Modelle derauf den verfchiedenen noch nicht veräusserten Staatsdomänen im Gebrauche ftehenden Fuhrwerke ausgeftellt, darunter Modelle von Ochfenwagen fammt * Das mit der Deichfelftange eines dem Zeus zu Gordium geweihten Wagens verbundene Jochpaar gab bekanntlich die Veranlaffung zu jener Legende, vermöge welcher verfchiedenen Perfönlichkeiten bei mehr oder minder paffender Gelegenheit die gewaltfame Löfung von verwickelten Aufgaben empfohlen wird. Nun fteht aber nach fehr glaubwürdigen Zeugniffen ziemlich feft, dafs Alexander der Grofse diefen das Jochpaar mit der Deichfel verbindenden Baftknoten gar nicht zerhieb, vielmehr den hölzernen Vorftecknagel mit der flachen Klinge, feines Schwertes von unten herausfchlug, wodurch die verwickelten Mafchen, der Stütze beraubt, von felbft zufammenfielen und auf diefe Weife die wirkliche Löfung des für ganz Phrygien damals verhängnifsvollen Knotens zur Folge hatten. 42 M. B. Rideli. Joch ohne jedes Stück Eifen, ein Wagenmodell mit Patent Wiefenburg, 10 Schlittenmodelle, 5 Handfchlitten, ein Radbock Modell u. f. w. Bei Weitem intereffanter war jedoch der im Freien ausfchliefslich aus Wagenbeftandtheilen impofant zufammengeftellte kegelförmige Aufbau, in deffen Mitte ein completer, fehr feft gebauter Arbeitswagen und ein Ziehfchlitten ftanden. In den auf die Gegenwart gekommenen Schriften des Philofophen Plato ift über den Wagen und deffen Beftandtheile folgender bemerkenswerthe Ausfpruch enthalten: ,, Hefiod fagt, dafs ein Wagen aus hunderterlei verfchiedenen Hölzern zufammengefügt ift. Aber wenn man uns fragte, aus was ein Wagen beftehe, fo würden wir glauben, fchon viel gefagt zu haben, zu antworten aus den Rädern der Achfe, dem Kaften und der Deichfel." Es ift unzweifelhaft, dafs diefe klagende Betrachtung den competenten Organen des k. k. Ackerbau- Minifteriums eine willkommene Veranlaffung geboten. habe, um bei Gelegenheit der Weltausftellung die Kenntniffe des wifs begierigen Publicums über die populärfte Mafchine des Univerfums und deren Theile nach Thunlichkeit zu erweitern. Es waren fonach in der oberwähnten kegelförmigen Ausstellung im rohen fowohl, als im bearbeiteten Zuftande aneinander gereiht: Radhaufen aus Ruften- und Eichenholz Radfpeichen aus Efchen und Eichenholz Radfelgen " 11 Deichfelftangen aus Birkenholz " Leixen 99 27 Achsftock Eichenholz " 9 Achsfchale 29 99 Stangenarme 99 Kippftöcke " 9 21 Langwied 99 " Wagenheber " " Wagenleitern 77 " 9 Wagenträger י " Tragbaum 95 99 Schwebftangen " " Wage Buchenholz 99 Drittel 99 " Schleifenprügel " 29 Schlittenkuffen 39 99 Schlittenfchläppen„ Schiebkarrenbaum Birkenholz Eichenholz Geigl Efchenholz 19 Schwingen " Hebebaum Eichenholz " Schrotleiter Beifser 99 99 Diefs gibt im Ganzen 27 Wagenbeftandtheile und würden fomit nach Hefiod und Plato zur Ergänzung und Vervollſtändigung diefer Ausftellung noch weitere 73 Beftandtheile nöthig fein, welche durch Hinzurechnung der fehlenden, fowie der als rechts- und linksfeitig zu repetirenden und durch Hinzufügung der höchft mannigfaltigen fecundären Bindeglieder und Befeftigungsmittel ohne Schwierigkeit gefunden werden können. Der kegelförmige Wagenkiosk hat auf die zahlreichen, die Ausstellung befuchenden wackeren öfterreichifchen Ackerbauer, namentlich auf jene der weftlichen Theile von Cisleithanien eine grofse Anziehungskraft ausgeübt, es Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. 43 wurden jedoch von Seite diefer competenten Preisrichter bei Gelegenheit einer diefsfalls ftattgefundenen Confultirung einige Bedenken laut, welche möglicherweife daraus floffen, dafs in Folge einer Verwechslung hin und wieder die Identität des ausgeftellten Wagenbeftandtheiles von der darauf angebrachten Auffchrift nicht hinlänglich gedeckt erfchien. In Folge diefes Umftandes konnte eine merkliche Sinnesänderung über Wagenbeftandtheile und deren Benennungen bei diefem Theile der Sachverständigen nicht beobachtet und mufste vielmehr conftatirt werden, dafs der gröfste Theil hievon, jeder Ueberredung abhold, allzumal im Zuftande einer beklagenswerthen Unbufsfertigkeit diefen lehrreichen kegelförmigen Wagenaufbau verliefs. Die in der öfterreichifchen Wagenabtheilung zur Ausstellung gelangten Fuhrwerke haben zwar fowohl in Bezug auf ihre grofse Anzahl als ihre äufsere Erfcheinung einen fehr günftigen, mitunter fogar einen imponirenden Eindruck gemacht. Die öfterreichifchen Wagenfabrikanten, namentlich die Wiener find aber zu einfichtsvoll, um fich übertriebenen Illufionen über den wahren Stand diefes Fabricationszweiges hinzugeben. Obgleich in dem von Oefterreich früher ausfchliefslich beherrschten Abfatzgebiete für Luxuswagen, nämlich in Rufsland fammt Polen, den Donaufürftenthümern, der Türkei und Perfien feit einer Reihe von Jahren der Confum für diefe Objecte fich aufserordentlich gehoben hat und gegenwärtig das Fünf- bis Sechsfache der früher confumirten Menge beträgt, ift der Export von Oefterreich nach diefen Ländern beinahe ftationär geblieben, wie aus folgender, die Zeit zwifchen den letzten zwei Ausftellungen begreifenden Tabelle erfichtlich ift. Ausfuhr Einfuhr 1867 1872 1867 1872 Laftwagen und Laftfchlitten Stück Perfonenwagen ohne Leder- und Polfter173 377 150 467 • arbeit Perfonenwagen und Schlitten mit Lederund Polfterarbeit 1438 1668 43 80 1013 1201 8 49 Diefes Zurückbleiben im Exporte der öfterreichifch- ungarifchen Wagenfabricate ift wohl theilweife auf den mittlerweile in einem Theile des früheren Abfatzgebietes, namentlich in Russland ftattgefundenen Auffchwung im Wagenbaue zurückzuführen; es kann jedoch nicht geleugnet werden, dafs anderfeits die Ueberlegenheit der mit uns concurrirenden ausländifchen Wagenbauer einen Beitrag zu diefem für uns negativen Refultate geliefert hat. Die nach und nach zu Tage tretende Inferiorität in der Exportfähigkeit diefes Induftriezweiges hat aber mehrere Urfachen. Als die hauptfächlichfte davon mufs die relativ bedeutende Preisdifferenz bei Anfchaffung der Rohmaterialien und Halbfabricate, wobei die ausländifchen Wagenbau- Concurrenten in Vortheil kommen, bezeichnet werden. Unter den vom Auslande bezogenen, durch Zoll- und Transportfpefen, fowie durch die Valutaverhältniffe den öfterreichifchen Wagenfabrikanten ungünftig beeinfluffenden Objecten befinden fich die fchweren Seidenftoffe, die feinen Pofamenterien, die zur Einrichtung und Ausfchmückung der Wagenkaften als Specialität in Paris und auch anderwärts cultivirten, aus Silber, Elfenbein, Büffelund Nashorn u. f. w. beftehenden Decorationsobjecte, ferner die aufsereuropäiſchen Werkhölzer und der feine Kutfchenlack, vor Allem aber das fämmliche beim Wagenbau verwendete Verdeck- und Lackleder. Der Import des letzteren Artikels ift bei dem hohen Eingangszolle von 13 fl. Silber per Zollcentner für die öfterreichiſch- ungarifchen Wagenfabrikanten befonders drückend und ftellt überdiefs bei dem Umftande, als der gröfste Theil 44 M. B. Rideli. des nach Oefterreich importirten genarbten, gefchmierten und lackirten Wagenverdeck- Leders aus öfterreichiſch- ungarifchen Rindshäuten mit öfterreichifchen Gerbeftoffen im Auslande fabricirt zu werden pflegt, eine gewifs beifpiellofe Anomalie dar. In den letzteren Jahren haben zwar einige öfterreichifche Lederfabrikanten der vaterländifchen Lederinduftrie im Allgemeinen mit Hilfe des Affociationswefens einen ungeahnten Auffchwung geben wollen und auch das grofse Publicum als Theilnehmer an derlei Unternehmungen zu mitunter hohen Emiffions curfen der Antheilfcheine herangezogen, während die früheren Lederfabriks eigenthümer fich mit Vorliebe den legislatorifchen Arbeiten und auch der diplomatifchen Laufbahn zu widmen begannen. Diefe Veränderungen haben aber bis jetzt gar keinen irgendwie fichtbaren günftigen Einfluss auf die Fortfchritte der öfterreichifchen Lederinduftrie ausgeübt, es fteht vielmehr zu befürchten, dafs nach wie vor keine einzige„ Vache à capote" im Inlande fertig gebracht wird und in Folge deffen die öfterreichifchen Wagenfabrikanten exportunfähig werden bleiben müffen. Noch trauriger geftaltet fich die Situation der öfterreichifchen Wagenbauer im Vergleiche zu ihren ausländifchen Concurrenten mit Bezug auf die Eifen- und Stahlbeftandtheile, welche ungefähr 50 Percent des Eigengewichtes eines jeden Wagens ausmachen und nothwendigerweife einen grofsen Einfluss auf den Preis, fomit auf die Concurrenzfähigkeit der in Oefterreich fabricirten Fuhrwerke ausüben müffen. Da unter Vorausfetzung einer vollkommen gleichen Qualität die vom Auslande bezogenen Achfen, Wagenfedern u. f. w., trotz des Eingangszolles, der Transportkoften und des Agio, in Wien noch immer billiger als die correfpondirenden inländifchen Fabricate zu ftehen kommen, fo repräfentirt die beim Ankaufe der Eifen und Stahlbeftandtheile refultirende Preisdifferenz zu Gunften des ausländifchen Wagen- und Mafchinenbauers einen derartigen Vortheil, dafs dadurch allein die öfterreichifchen Wagenfabricate in ihrer Concurrenzfähigkeit beeinträchtigt werden müffen. Der von den öfterreichifchen Eifenwerken bei diefem und in jedem ähnlichen Falle ohne Unterlafs geltend gemachte Einwand, dafs die weit beffere Qualität ihrer Producte diefe Preisdifferenz aufzuwiegen geeignet fei, kann nicht immer ernft genommen werden, da ja dié deutfchen und englifchen Eifenwerke je nach Wunſch und Bedarf ein gleich gutes Rohmaterial zur Verfügung haben, aber durch eine beffere Behandlung beim Raffiniren die Qualität desfelben mindeſtens auf gleicher Stufe, den Preis jedoch bedeutend niedriger halten können. Ueberdiefs erhellt aus officiellen ftatiftifchen Daten, dafs in Folge Unzulänglichkeit der einheimifchen Hochofenunternehmungen beiſpielsweife die nach Oefterreich- Ungarn im Jahre 1867 ftattgefundene Roheifeneinfuhr im Gewichte von 294.635 Zollcentnern fich bereits im Jahre 1872 auf 4.381.570 Zollcentner erhöht hatte, ohne dafs durch die angeblich geringere Qualität, mithin gröfsere Billigkeit ein entſprechender Nachlafs im Preife der daraus fabricirten Producte eingetreten wäre, die öfterreichifchen Confumenten vielmehr mit einem nicht unbedeutenden Preisauffchlage bedacht worden find. Gegenwärtig ift es unzweifelhaft, dafs die öfterreichifch- ungarifche EifenInduſtrie, namentlich der auf Actien gegründete überwiegende Theil derfelben durch die andauernde Finanz- und Handelskrifis ungewöhnlich hart betroffen wird. Es ift jedoch auch ganz allgemein bekannt, dafs, da derartige Actiengefellfchaften trotz der letztverfloffenen, für die Eifeninduftrie fo aufserordentlich günftigen Gefchäftsjahre, deren Wiederkehr leider zur Unmöglichkeit gehört, ihr nominell unverhältnifsmäfsig hohes Anlage capital bis jetzt in den meiſten Fällen nur durch Angriff der Refervebeſtände, nachträgliche Einzahlungen oder gar durch Emiffion neuer Schuldtitel zu verzinfen im Stande waren, die Annahme der Möglichkeit ihrer zukünftigen Profperität aus guten Gründen beftritten werden mufs. Strafsenfuhrwerke und andere Transportinittel. - 45 Um aber wenigftens annähernd die in wohlgefetzten Programmen und fogenannten fachmännifchen Gutachten den bedauernswerthenActionären in Ausficht geftellten Intereffen von den nominell engagirten Capitalien hereinzubringen, werden die ausnehmend hohen Preife der öfterreichiſch ungarifchen Eifen- und Stahlproducte auch in Hinkunft aufrecht erhalten werden müffen und können daher die davon abhängigen fehr zahlreichen Induftriezweige, fomit auch die Wagenfabrikanten auf eine Herabminderung der Erzeugungskoften, refpective auf die daraus refultirende Concurrenzfähigkeit mit dem Auslande keinesfalls rechnen. Das gegenwärtig an der Tagesordnung ftehende, ganz anormale, weil nothgedrungene Ausgebot der Eifen- und Stahlproducte zu Spottpreifen bildet einen beforgnifserregenden Vorläufer von möglicherweife bevorstehenden Kataftrophen und ift mit ein Refultat von früheren Unterlaffungsfünden, fowie einer ungenügenden Berücksichtigung der allgemeinen Verhältniffe, durch deren vorhergegangene Nichtbeachtung die Haupt confumenten eben auch lahm gelegt worden find und nun auch zu den allerbilligften Preifen gar keine Käufer gefunden werden können. Nun wäre es aber vielleicht an der Zeit, genau abzuwägen, ob der innerhalb der Grenzen der Möglichkeit allenfalls gelegene Auffchwung der in Folge des troftlofen Zuftandes der öfterreichifchen Eifeninduftrie darniederliegenden, von der letzteren abhängigen Fabricationszweige dem öfterreichifch- ungarifchen Gemeinwefen gröfsere Vortheile bieten würde, als die ftets mit den gröfsten Opfern verbundene, fo häufig wiederkehrende Unterftützung einer Induftrie, woran die offenbaren Merkmale eines unheilbaren, überdiefs felbftverfchuldeten Siechthums mit jedem Tage deutlicher hervortreten? Es kann in der That nicht geleugnet werden, dafs die während der Herrfchaft der gegenwärtigen Schutzzölle verfloffene Zeit von der ausländifchen Eifeninduftrie viel erfolgreicher als von unferer einheimifchen ausgenützt worden ift, und dafs diefe Superiorität ebenfo die Qualität als auch die aufserordentlich maffenhafte, weit über den Bedarf des eigenen Landes reichende exportfähige Production in fich begreift. Nachdem alfo unter Vorausfetzungen die nicht in Erfüllung gingen, eine lange Zeit nutzlos verftrichen ift, fo wäre es vielleicht angezeigt, durch Aufhebung der Schutzölle auf Stahl und Eifen eine Menge von profperitätsfähigen öfterreichifchen Induftriezweigen von diefen drückenden Feffeln, fowie dafs grofse Publicum von der bis nun vollkommen zwecklos entrichteten Prämienzahlung zu befreien, ohne dadurch die in bewährten Händen einiger früheren Befitzer gegenwärtig noch verbleibenden Eifenwerke, welche auf gefunder Bafis gegründet find und rationell geleitet werden, irgendwie zu fchädigen. Diefe Erleichterung, verbunden mit den feit langer Zeit beim Eifenbahn Transporte fehnlichft erwarteten Tarifermäfsigungen, würde unzweifelhaft einer grofsen Anzahl von früher in Oefterreich florirenden Induftriezweigen ein frifches Leben verleihen und die Steuerkraft des Landes nicht unerheblich ftärken. Deutfches Reich. Die Parifer Weltausftellung wurde im Jahre 1867 von den norddeutfchen Bundesftaaten mit 4 Luxuswägen, und zwar aus Berlin befchickt, während Süd- Deufchland in diefem Induftriezweige gar nicht vertreten war. Die Wiener Weltausftellung hatte hingegen 40 Luxuswagen, I Schlitten und 28 Modelle von diverfen Poftwagen, deren fich die deutfche Reichspoft gegenwärtig bedient, oder die früher im Gebrauche ftanden, aufzuweifen. Die bemerkenswerthen Luxusfuhrwerke waren von folgenden Wagenfabrikanten ausgeftellt: Louis Widerkehr in Colmar( Elfafs- Lothringen) ftellte zwei vorzüglich ausgeführte Wagen aus; der eine davon war ein zweifitziges, fchwarz lackirtes und gelb befchnittenes Coupé mit Refforts à pincettes, inwendig mit fchwerer, fchwarzer Seide und gelben Knöpfen ausgefchlagen, der zweite Wagen war ein braunlackirter, weifs befchnittener, mit lichtem drap 46 M. B. Rideli. farbenen Tuche ausgefchlagener Kutfchirphaeton für fechs Perfonen, deffen Ausführung, fowie die des vorhergehenden Wagens eine fehr elegante genannt zu werden verdiente. Diefe beiden Ausftellungsobjecte wurden vom Fürften R. Metternich angekauft. J. Erich Bufsmann inOsnabrück( Hannover) ftellte einen lichtbraunen, gelb befchnittenen Char- à- banc mit gekröpfter Hinterachfe und inwendiger lichtbrauner Seidengarnitur aus. Heinrich Jacobi in Linden vor Hannover hatte ein blaues, mit blauem Atlas garnirtes Coupé mit einem Radftande von 2 Meter ausgeftellt, gewöhnliche Druckfedern. Aus der feit fehr langer Zeit fchon beftehenden Wagenfabrik von J.H. Schombardt in Kaffel kam ein fehr feiner Kutfchirphaeton, grün lackirt, gelb befchnitten, mit einem Radftande von r40 Meter, Durchmeffer der Vorderräder 120 Meter, der Hinterräder 130 Meter, beiderfeits mit Refforts à pincettes. Preis 450 Thaler. Die Wagenfabrikanten F. Sachs& Sohn in Hamburg fchickten zur Ausftellung 3 Equipagen, worunter ein Landau auf 8 Federn mit Mechanik zum Umlegen des Vorderdaches vom Kutfchbocke aus. Untergeftelle fchwarz, weifs befchnitten; havannabraune Seidengarnitur, auswendig Silberbefchläge. Von der Wagenbau Anftalt S. E. Pengel in Hamburg kam eine fehr diftinguirte Huit- refforts- Victoria mit einem feften Bocke auf Stützen zur Ausftellung. Diefelbe war fchwarz lackirt, goldbefchnitten und mit blauem Atlas ausgefchlagen. Der Wagenfabrikant W. Focke in Altona( Schleswig Holftein) befchickte die Ausstellung mit 3 Equipagen, worunter ein Landau, deffen Kaften mit Palifanderholz getäfelt war, die Eiſentheile blank polirt, havannabrauhe Seidengarnitur und das Verdeck mit Mechanik verfehen. Aufserdem war von demfelben Fabrikanten ein grüner Clarence und ein Kutfchirphaeton mit Kaften aus Palifanderholz auf Druckfedern ausgeftellt. Aus Duisburg kam vom Wagenfabrikanten W. Schürmann ein lichtbrauner Clarence, goldbefchnitten, mit taubengrauer Seide gefüttert zur Ausftellung, deffen Räder mit einem 20 Millimeter dicken Kautfchukreifen verfehen waren. Der Wagenfabrikant Ferdinand Munck in Stuttgart ftellte einen dunkelgrünen Damenphaeton und überdiefs einen Huit- refforts- Wagen, nämlich einen blauen mit blauer Seide ausgefchlagenen, fehr gut ausgeführten Landau aus. Adolf Zaifer aus Urach in Württemberg ftellte aufser einem gutgebauten, auf Druckfedern ruhenden, mit grünem Tuche ausgefchlagenen, grünen Rococophaeton auch noch zwei Wagen- Carcaffen zu einem Coupé und zu einem Clarence aus. Aus Baiern betheiligten fich vier Wagenbauer mit 6 Fuhrwerken an der Wiener Ausftellung, und zwar der Wagenfabrikant M. Lutz in Kiffingen mit einem gut gebauten, braunen, goldbefchnittenen Landau, mit licht havannabrauner Seide ausgefchlagen. Vom Wagenfabrikanten Georg Meitinger in München, welcher gleichzeitig Gründer und Herausgeber der„ Illuftrirten allgemeinen Wagenbau- Zeitung" und des ,, Journals für Wagenbauer" ift, kamen neben gebogenen Radfelgen aus Efchenholz( Preis der Garnitur zu vier Rädern 7 Thaler), auch mehrere Wagenkaften in Rohbau von einer vorzüglichen Ausführung zur Ausftellung. Nach den tabellarifch fpecificirten Preifen wurde ein Coupékaften, mit 80 Millimeter Rundung vorne, mit 112 Thalern berechnet. Derfelbe Wagen in Rohbau fertig, mit fämmtlichem Schmiedebefchlag, im Gewichte von 9 Centnern, ftellt fich auf 300 Thaler, fertig garnirt und lackirt auf 570 Thaler. Der k. Hoffattler und Wagenfabrikant J. M. Mayer in München ftellte eine impofante Calefche auf 8 Federn, mit einem rückwärts angebrachten Bedientenfitze aus. Der Kaften war lichtblau lackirt, goldbefchnitten und hatte inwendig eine lichtbraune Seidengarnitur, aufserdem war an den Portièren ein fchön ausgeführtes baierifches Königswappen angebracht. Strafsenfuhrwerke und andere Transport mittel. 47 Diefe Calefche hatte keinen Kutfchbock, und war zum Fahren à la Daumont eingerichtet. Vom Wagenfabrikanten Benedict Flamm in Kempten kam ein Schlitten zur Ausstellung, deffen mit rothem Plüfch ausgefchlagener Kaften blau lackirt und goldbefchniften war. Der vordere breite Kothflügel fowie die eifernen Schlittenkuffen hatten einen rothen Anftrich, gold und fchwarz befchnitten. Die kunftvoll ausgeführten, den Kaften mit den Kuffen verbindenden Stützen waren aus bronzirtem Eifen, während der rückwärts angebrachte, fehr hohe Kutfcherfitz mit einem Wolfspelz- Spritzleder verfehen war. A. Feldtau aus Freiburg( Schlefien) ftellte einen braunen, fowie einen Korbgeflecht- Phaeton aus, beide mit Refforts à pincettes, aufserdem einen mit blauer Seide ausgefchlagenen, blaulackirten Clarence. Von den fämmtlichen Berliner Wagenbauern gelangten 6 Stück Luxuswagen zur Ausftellung. Es befand fich darunter vom Hofwagen- Fabrikanten C. Siewert ein fehr elegantes Huit- Refforts- Coupé fchwarz lackirt, roth befchnitten, inwendig eine fchwarze Seidengarnitur mit rothen Knöpfen und Gallonen; die Radreife waren mit 20 Millimeter ftarken Kautfchukringen verfehen. G. Stolle in Berlin war durch ein fchwarzes, gelb befchnittenes, mit grüner Seide gefüttertes, auf gewöhnlichen Druckfedern ruhendes Coupé vertreten, wobei die Radreifen ebenfalls mit Kautfchukringen montirt waren. Der Hoflieferaut E. Kühlftein in Berlin brachte ein Huit- Refforts. Coupé, deffen mit gelbem Atlas ausgefchlagener Kaften fchwarz lackirt war, während das Untergeftelle eine gelbe Farbe mit fchwarzem Befchnitt aufzuweifen hatte. Die Berliner Actiengeſellſchaft für Wagenbau( vormals Jofef Neufs) brachte zwei Wagen zur Ausftellung, worunter ein blaues Coupé auf Druckfedern, mit blauer Sammtgarnitur und Kautfchukringen an den Radreifen, aufserdem eine Calefche mit blauem Kaften und lichtgrauer Seidengarnitur. Der Kaften diefer Calefche war in gewöhnliche Druckfedern gehängt, es folgte jedoch noch ein weiterer Aufputz von darüber angebrachten Schneckenfedern, um eine Aehnlichkeit mit den modern gewordenen, Huit- Refforts hervorzubringen. Selbſtverſtändlich ift bei einer derart maskirten Aufhängung ein Langbaum gar nicht nothwendig und wird nur das Eigengewicht des Wagens fowie der Preis desfelben durch Anbringung von diefen unwirkfamen Schneckenfedern unnützer Weife vermehrt. E. Lipowfky fowie Fifcher& Comp. in Heidelberg haben fehr zweckmässig conftruirte Trag- und Rollfeffel zur Ausftellung gebracht. Aus dem Königreiche Sachfen kamen zwar keine fertigen Luxus- Fuhrwerke zur Ausftellung, dafür wurde diefelbe vom Hof- Schmiedmeifter H. Hildebrandt in Dresden mit einem von diefem Fabrikanten patentirten Wagenrade, deffen Speichen und Felgen aus gefirnifsten Efchen beftanden, die Nabe hingegen aus Schmiedeeifen ausgeführt war, befchickt. Da in Bezug auf die Conftruction von ſchmiedeeifernen Naben für Strafsen- Fuhrwerke diefes mit grofser Präcifion und Eleganz ausgeführte Wagenrad ohne Zweifel der Löfung diefer Aufgabe am beften entſprach, fo erlaubt man fich dasfelbe in Fig. 16 zur Anfchauung zu bringen. Zum Schmieren der Achsfchenkel mufs das Rad von denfelben losgezogen werden. Zu diefem Zwecke wird zunächft die äufsere fein polirte Meffingkapfel, welche mit rechtsgängigem Gewinde verfehen auf die Nabe aufgefchraubt ift, losgenommen. Ilierauf wird der in der Achfe feftfitzende Vorftecker entfernt und darauf die zwei mit entgegengefetzt laufenden Gewinden verfehenen MeffingAchsmuttern abgefchraubt. Durch Abziehen des Rades löft fich der nur aufgefchobene letzte Ring von felbft los und man hat nur die in der Meffingbüchfe eingedrehte Oelkammer mit Oel zu füllen und fämmtliche Beftandtheile in gehöriger Ordnung wieder zu befeftigen. 4 48 Fig. 16. 雞 M. B. Rideli. Es laufen bereits viele mit derlei Rädern verfehene Fuhrwerke und haben fich diefelben namentlich bei den Hofequipagen Sr. Majeftät des gegenwärtig regierenden Königs von Sachfen ausgezeichnet gut bewährt. Die vom deutfchen Reiche, namentlich von Preufsen ausgeftellten fehr zahlreichen Kriegs- und landwirthschaftlichen Fahrzeuge haben eine aufserordentliche Feftigkeit und Zweckmäfsigkeit in der Conftruction der einzelnen Wagen. Beftandtheile, namentlich der Räder und Achfen zur Anfchauung gebracht. Die einfchlägigen Berichte dürften ohne Zweifel den verfchiedenen dabei zu Tage getretenen Vorzügen die entfprechende Würdigung angedeihen laffen, und es kann hier ausnahmsweife nur eines Ackerwagens gedacht werden, welcher von der Fabrik des Herrn H. F. Eckert in Berlin in der landwirthschaftlichen Abtheilung figurirte. Diefer Ackerwagen war mit der eigenthümlichen eifernen getheilten Eckert's Patent Radnabe verfehen, die jedes Bockloswerden der Speichen unmöglich macht und denfel ben an der Peripherie der Nabe, ihrer gewöhnlichen Bruchftelle, eine weit Wagenrad mit fchmiedeeiferner gröfsere Stärke geftattet als die hölNabe von H. Hildebrandt in Dresden. zernen Naben. Diefe Radnabe befteht aus 2 Theilen. Dem eigentlichen Nabenkörper ift eine mit prismatifchen Vertiefungen verfehene Scheibe angegoffen, in welche bei der Zufammenftellung des Rades die Speichen eingelegt werden. Auf diefe wird eine lofe ringförmige Scheibe mit gleichen Vertiefungen mittelft kräftiger Schraubenbolzen fo feft gefchraubt, dafs die Speichen unbeweglich feftbleiben. Trocknet das Holz etwas nach, fo dürfen nur die Schrauben angezogen werden. Die Felgen find mit den Radreifen fowohl, als auch untereinander mittelft Schrauben verbunden. Tritt der Fall ein, dafs an einem folchen Rade eine Speiche oder Felge fchadhaft wird, fo erfolgt das Einfetzen neuer Theile auf folgende Weife: Zunächft werden die Schrauben der Nabe gelöft und die lofe Scheibe abgenommen, dadurch find die Speichen freigelegt, und es kann das fchadhafte Stück herausgenommen werden; alsdann löft man die beiden Schrauben der zugehörigen Felge und kann fo auch diefe auswechfeln. Die Vortheile der mit diefer neuen Nabe verfehenen Räder find mannig faltig das Rad läfst fich nämlich vorerft fehr genau und mit grofser Leichtigkeit zufammenftellen, die Speichen haben ferner da, wo überhaupt ein Brechen derfelben einzutreten pflegt, nämlich an der Peripherie der Nabe, die gröfstmögliche Stärke, daher grofse Widerftandsfähigkeit. Ausserdem kann der Erfatz der Speichen und Felgen ohne Abnahme des Reifes erfolgen, und die Speichen können niemals bocklos( klapperig) werden. Die Zweckmässigkeit diefer Radnabe wird durch die feitdem erfolgte Fabrication von über 1000 damit verfehenen Fuhrwerken am beften nachgewiefen. Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. 49 In Bezug auf die diverfen, beim Wagenbaue verwendeten fertigen oder halbfertigen Beftandtheile war die Ausstellung des deutfchen Reiches ebenfalls eine fehr reichhaltige; insbefondere könnten hervorgehoben werden: Dick& Kirfchten in Offenbach am Main, deren Fabrik von Achfen, Federn, Rädern, Befchlägen und Hölzern für den Wagenbau eine bemerkenswerthe Räderpyramide in der Mafchinenhalle aufgerichtet hatte, brachten aufserdem eine grofse Quantität der gangbarften Gufsftahl- Federn, fowie Achfen, Vordergeftelle aus Holz mit Eifen befchlagen, Schraubenfchlüffel, Thürfchlöffer, Speichen, Naben, Büchfen u. f. w. zur Ausftellung, deren Ausführung ebenfo vorzüglich als der Preis ein billiger genannt werden muss. Gebrüder Heim aus Offenbach ftellten eine gröfsere Anzahl Achfen, Achsbüchfen und Schlüffel aus. Gebrüder Gouvy in Homburg( Lothringen) betheiligten fich mit einer fehr reichhaltigen Ausstellung von fertigen Equipage- und Omnibusfedern, fowie fertigen Federcharnieren. Asbeck, Ofthaus, Eicken& Comp. in Hagen( Weftphalen) ftellten aufser Federftahl auch eine grofse Anzahl von mannigfaltigen Wagenfedern aus, ebenfo wie diefs bei den Hagener Gufsftahl Werken der Fall war. Wilhelm Holoch in Stuttgart ftellte eine complete Sammlung der im Wagenbaue gebrauchten Werkzeuge aus, welche fehr viel Anwerth gefunden haben. Schweiz. Aus der Schweiz kamen zur Wiener Ausftellung I Parkwagen, I Vélocipède und 3 Kinderwagen, während die letzte Parifer Ausftellung gar keine Vehikel aus diefem Lande aufzuweifen hatte. Der Wagenfabrikant Joh. Urfer aus Jnterlaken fandte einen fehr fchönen, ganz aus Stahl und Eifen beftehenden Pony- Parkwagen, der auf Druckfedern hing, deffen Räder dünne Stahlfpeichen und Stahlfelgen hatten und mit einem Kautfchuk ringe verfehen waren. Preis 500 fl. Silber. Das ebenfalls aus Stahl beftehende Vélocipède wurde von der ,, Fabrique de Vélòcipèdes à Wohlen de Albin Wiellisbach" zur Ausstellung gebracht und hatte auf beiden Rädern ziemlich ftarke Kautfchukringe. Die drei niedlich ausgeführten und in Druckfedern hängenden Kinderwagen ftammten aus der Fabrik von N. Corrodi in Zürich. Italien. Aus Italien kam im Jahre 1867 kein einziger Luxuswagen nach Paris, die Wiener Ausftellung hatte deren 16 Stück aufzuweifen. Es ftellten bemerkenswerthere Objecte aus: Angelo Bardelli, fabricatore di caffe di carozze in Mailand, zwei fehr gut in Rohbau ausgeführte Obergeſtelle und Kaften fammt Verdeckgeftelle von einem Brougham und einem Landau. Marco Fiorini in Bologna aufser zwei leichtgebauten zweirädrigen, in gefirnifstem Efchenholze ausgeführten Gigs auch noch einen grünen Clarence auf Druckfedern mit grüner Seide ausgefchlagen. Vincenzo Celfa in Turin einen Dos- à- dos- Kutfchirphaeton auf Refforts à pincettes, fowie eine blaue Victoria, ausgefchlagen mit lichtgrauer Seide. Die Wagenausftellung des Turiner Fabrikanten Aleffandro Locati nahm nicht nur den erften Rang unter den italienifchen Ausftellern ein, die ausgeftellten Objecte konnten fich vielmehr in Bezug auf Material und Ausführung mit den beften gleichartigen Producten der übrigen Ausfteller meffen. Locati ftellte 3 Wagen aus, und zwar ein Caretello( offener Phaëton), rückwärts auf 3 Federn, vorne auf einer einzigen Druckfeder eingehängt, blau lackirt, roth befchnitten, mit blauem Chagrin garnirt, Preis 1000 Francs; einen englifchen Drag für 15 Perfonen mit chromgelbem Kaften und rothem Untergeftelle, Preis 6000 Francs; einen remarquablen Galawagen in Form eines Landau auf 4* 50 M. B. Rideli. 8 Federn, wovon die C- Federn 8 Blätter, die Druckfedern 6 Blätter hatten. Der Kaften war grün, das Untergeftelle fchwarz mit Grün und Gold bordirt und befchnitten, das Innere mit fchwerer weifser Seide ausgefchlagen. Der hohe Kutfcherfitz war mit einer goldbetrefsten Houffe überdeckt und die mit Spiegelfcheiben verfehenen Portièren mit dem fchön ausgeführten öfterreichifchen Wappen gefchmückt. Preis 20.000 Francs.nimba il Fratelli Pieresca zu Trevifo ftellten ein blaues zweifitziges Coupé aus, welches mit einer zweckmäfsigen Mechanik zum Oeffnen von Fenstern und Thüren vom Kutfchbocke aus oder vom Wageninfaffen, fowie mit automatifchen Wagentritten verfehen war und dem Ausftellungspublicum unter der Benennung ,, Egoift- Brougham" präfentirt wurde. sdn Die alte renommirte Mailänder Wagenfabrik von Cefare Sala ftellte zwei vortrefflich ausgeführte Wagen aus, der eine hievon war ein vierrädriger Miethcab mit blauem Kaften, rothem Geftelle, fchwarz befchnitten; der Paffagierfitz mit blauem Chagrin ausgefchlagen, die Innenwände und Plafond mit MahagonyTäfelung, Kutfcherfitz rückwärts; der zweite Sala'fche Wagen war ein Huits refortsLandau, grün lackirt, goldbefchnitten, grüne Atlasgarnitur, rückwärts Bedientenfitz, eingerichtet zum Fahren vom Bocke oder à la Daumont. Der Wagenfabrikant Clemente Calzolare aus Mantua fchickte ein Rad ein, welches mit einer neuartigen gufseifernen Nabe verfehen war. Der gegenwärtige Stand der italienifchen Wagenfabrication verbunden mit den Transportverhältniffen und anderen Umständen laffen die Befürchtung zu, daſs die mageren, noch übrig gebliebenen Ueberrefte unferer ehemaligen orientalifchen Kundfchaften den unternehmenden und fehr viel Gefchick entwickelnden italienifchen Caroffiers zufallen werden. ad astrays Dänemark. Die dänifchen Wagenbauer haben fich mit 3 Equipagen und 1 Vélocipède an der Wiener Weltausstellung betheiligt.onio F. C. Schulz aus Kopenhagen ftellte einen eleganten Phaeton aus, deffen Kaften grün lackirt, weifs befchnitten und mit grüner Seide ausgefchlagen war; der Bock war zum Abnehmen, um aus dem Phaeton fahren zu können. Der Wagenfabrikant Wilhelm Hanfen aus Kopenhagen befchickte die Ausftellung mit zwei Wagen, darunter war ein gut gebautes Coupé mit blauem Kaften, gelb befchnitten, mit Seidengarnitur. Das zweite Hanfen'fche Ausstellungsobject war ein gedeckter Char- à- banc mit braunem Kaften, roth befchnitten, das Innere mit lichtdrapp farbenem Tuche ausgefchlagen. Diefer Char- à- banc war durch zahlreiche mit graphifchen Demonftrationen in Verbindung ftehende Placate der befonderen Aufmerkſamkeit des Ausftellungspublicums empfohlen. In Folge einer finnreichen Erfindung des Herrn Hanfen war nämlich das Verdeck diefes Wagens derart eingerichtet, dafs beim Zufammenlegen desfelben nach den Längenfeiten in einem jeden aufserhalb des Wagens befindlichen Beobachter die täufchende Vorftellung erregt werden mufste, als ob die in der Locomotion begriffenen Paffagiere nicht in einem Char- à- banc, fondern in einem Landau fäffen. Diefe mittelft der Hanfen'fchen Mechanik jeden Augenblick ausführbare Transformirung des Wagenäufseren kann felbftverftändlich auf die etwaige Vermehrung der Bequemlichkeit der Wageninfaffen nicht den geringften Einfluss äufsern und mag die mit Erfolg gekrönte Geltendmachung diefer Erfindung den weiteren Beweis liefern, wie wenig wefentliche Fortfchritte in der Wagenbaukunft während der zuletzt verfloffenen Zeit gemacht worden find. Das vom Fabrikanten A. Johanfen aus Kopenhagen ausgeftellte Vélocipède war ein Tricycle mit braunem Anftriche, grün befchnitten. Das Triebrad hatte I Meter, die Laufräder o 90 Meter im Durchmeffer, Radftand 12 Meter, der Preis war mit 112 fl. notirt. Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. 51 Schweden und Norwegen. Die norwegifche Wagenfabrik von Sörenfen& Klöv ft ad in Chriftiania fandte zur Wiener Ausftellung zwei zweirädrige Cariolen. Diefs waren kleine, fehr elegant ausgeführte Gigs für je eine Perfon zum Selbftkutfchiren geeignet, rückwärts mit einem Bedientenfitze verfehen. Die eine von diefen Cariolen hatte einen dunkelgrün lackirten, goldbefchnittenen Kaften, der auf der fchmiedeeifernen Achfe in zwei Druckfedern hing, und inwendig mit weifser Seide ausgefchlagen war. Die zweite Cariole war von der erfteren nicht wefentlich verfchieden. Ein nicht wenig intereffantes Ausftellungsobject bildete in der fchwedifchen Abtheilung die getreu nachgebildete Lappländergruppe, wobei der in Lappland während der Winterszeit beinahe ausfchliefslich zur Locomotion verwendete lap pländifche Einbaumfchlitten in natura vorgeführt wurde. Derfelbe beftand aus einem theilweife ausgehöhlten Fichtenftamme von ungefähr 0.500 Meter Durchmeffer. Myviais able Bei der Aushöhlung des Stammes wurde an dem dickeren Ende desfelben eine ziemlich ftarke Scheibe unter Beibehaltung des urfprünglichen Durchmeffers als Rücklehne ausgemittelt, während das fchmälere Ende eine nach aufwärts fchnabelförmig auslaufende Biegung erhielt. Sed Die totale Schlittenlänge betrug 1680 Meter, wovon ungefähr Schnabelende an gedeckt und mit einem Wolfspelz überzogen war. agher vom Der Hohlraum war fchwach ausgefüttert und mit Rennthierleder überzogen; der reifende Lappe fitzt darin frei mit dem Oberkörper an die mit Leder überzogene Rücklehne geftützt, während deffen Füfse in der fchnabelförmigen gedeckten Verlängerung gut verwahrt find. In dem äusseren flachen Boden des Einbäumlers war zur Verminderung des Reibungswiderftandes beim Fortgleiten über die Schneeflächen in deffen Mitte der ganzen Länge nach eine o 150 Meter breite und um 40 Millimeter vorfpringende Schiene aus Birkenholz fchwalbenfchwanzförmig eingekeilt, während die aus einem einzigen Strange beftehende und am Schnabelende befeftigte Zugvorrichtung unter dem Bauche des Rennthieres bis zu der am Lederkummet befindlichen Befeftigungsbadi lom ftelle reichte. Die unteren Seitentheile des Schlittens waren überdiefs mit birkenen, mittelft Eifenklammern an den Rumpf befeftigten Pfoften verftärkt. Vor einer unabfehbaren Reihe von Jahrhunderten leiftete höchft wahrfcheinlich ein genau auf diefe Art gezimmerter Schlitten in Frankreich und in Mitteleuropa die Dienfte der in diefen Ländern gegenwärtig üblichen StrafsenFuhrwerke und verfchwand erft, als deffen Erfinder, die autochtonen lappländifchen Aborigines Mitteleuropas von neuen Ankömmlingen gegen den fkandinavifchen hohen Norden abgedrängt worden find. lofant on Fa Neben diefem Schlitten und dem darin lehnenden Lappländer kam aber noch ein anderes, nicht minder bemerkenswerthes Locomotionsmittel aus Lappland zur Ausftellung, nämlich ein Paar der dort allgemein gehräuchlichen Schneefchuhe. diorus Diefelben waren aus Lärchenholz, hatten die beträchtliche Länge von 2.500 Meter und gegen die Mitte zu eine Breite von O 100 Meter; die Dicke derfelben betrug an den beiderfeits zugefpitzten Enden blofs 10 Millimeter, nahm aber gegen die Mitte zu, bis diefelbe an der Fufs Befeftigungsftelle die Dicke von 50 Millimeter erreichte und dort die Anbringung eines Schlitzes zur Aufnahme und Befeftigung des Schuhriemens möglich machte. Der vordere aufwärts gebogene Schuhfchnabel fteht gewöhnlich 0 160 Meter vom Boden ab, während die rückwärtige Hälfte beinahe flach aufliegt. Aufser diefen Schneefchuhen war der zur Ausstellung gelangte Lappländer auch noch mit dem bei diefer Locomotionsart unentbehrlichen Birkenstocke von 2:30 Meter Länge und 40 Millimeter Dicke verfehen. 52 M. B. Rideli. Portugal. Ein Vélocipède und acht Stück Wagenachfen ganz neuer Conftruction waren die aus Portugal eingelangten, auf den Wagenbau Bezug habenden Ausftellungsobjecte. Das von Dom Alves Pena Joao Antonio in Liffabon ausgeftellte Vélocipède war ein Bicycle ganz gewöhnlicher Conftruction, unterfchied fich jedoch von den hier gebräuchlichen infoferne, als auf den Achfenkurbeln des Triebrades ein Paar fehr elegant ausgeführte gold- und filbergeftickte Pantoffeln befeftigt waren. Von Dom Luiz Ferreira de Soufa Cruz, Eigenthümer der Eifengiefserei do Ouro in Porto, find die foeben erwähnten acht Wagenachfen zur Ausftellung gefendet worden. Es waren diefs ftark ausgekröpfte, fchwere FrachtwagenAchfen aus Schmiedeeifen mit den zugehörigen Büchfen und Muttern, wobei jedoch jede Achfe vier Achsfchenkel aufzuweifen hatte. In einem vom Ausfteller eigens zu diefem Zwecke verfafsten ausführlichen Expofé wurde nämlich der grofsen Verlegenheit gedacht, in welche ein Fuhrwerk durch einen Achsfchenkel- Bruch gerathen kann, wenn kein entſprechender Referve- Beftandtheil bei der Hand ift. Um den daraus refultirenden fchweren Unzukömmlichkeiten möglichft abzuhelfen, läfst Dom Louiz Ferreira in feiner Fabrik den Achskörper feparat von den zugehörigen Achsftummeln erzeugen. Bei einem ausgekröpften Achsftocke wird nun in dem nach abwärts umgebogenen Achfentheil eine mit einem Gewinde verfehene Bohrung angebracht und darin zwei in einander gefchraubte identifche Achfenftummeln eingezogen, wovon der eine innerhalb der Radnabe fo lange in der Activität verbleibt, bis durch deffen Hinfälligkeit oder in Folge eines eventuellen Schenkelbruches dem in Referve hingeftellten Achsftummel eine reelle Wirkfamkeit zugewiefen werden kann. Der Erfinder gibt in feinem Mémoire felbft zu, dafs die fehr hohen Anfchaffungskoften von derlei mit vier Achsftummeln verfehenen Achfen der allgemeinen Verwendung derfelben hinderlich fein würden( ein Paar folcher Achfen mit acht zugehörigen Stummeln koftet 320 Francs), wobei auch namentlich zu beachten fein würde, dafs die Achsftummeln mit grofser Vorliebe an ihrer Bafis zu brechen pflegen, in welch' fpeciellem Falle allerdings fowohl der active als der Referveftummel ihre Wirkfamkeit gleichzeitig verfagen müfsten. Frankreich. In Bezug auf Strafsen- Fuhrwerke hat fich blofs Paris an der Wiener Ausstellung betheiligt; es ftellten nämli h fünf Parifer Wagenfabrikanten je vier Luxuswagen aus, während noch ein Parifer Caroffier mit einem Luxuswagen und ein Parifer Mechaniker mit zwei höchft intereffanten Dampfvélocipèden vertreten war, fo dafs die Wiener Ausftellung im Ganzen 23 Parifer Strafsen- Fuhrwerke aufzuweifen hatte. Zur Parifer Ausstellung 1867 find allerdings die franzöfifchen Wagenbauer mit der ftattlichen Anzahl von 80 Luxuswagen zum Wettkampfe angetreten und bildeten die Hälfte der damals ausgeftellt gewefenen Strafsenvehikel. Der Wagenfabrikant Mr. C. Poitraffon ftellte ein zweifitziges Coupé aus, deffen Kaften dunkelgrün, das Untergeftelle grün, roth befchnitten war und deffen inwendige Garnitur aus fchwarzer Seide mit rothen Knöpfen beftand und überdiefs einen verfteilbaren kleinen Toilettetifch in fich begriff, Preis 4000 Francs; ferner einen gelben Landau- Clarence, mit fchwarzem Untergeftelle, gelb befchnitten und blauer Chagringarnitur; der daneben ausgeftellte Kutfchirphaëton( Phaëton fans capote) hatte einen fchwarzen Kaften, ein rothes Untergeftelle fchwarz befchnitten mit lichtgrauem Tuche ausgelegt, Preis 2500 Francs; zuletzt einen grünen VictoriaMylord mit grüner Chagringarnitur zum Preife von 3000 Francs. Diefe fämmtlichen Wagen von C. Poitraffon hatten je vier Refforts à pincettes und beftanden alle Radbeftandtheile aus amerikaniſchem Akazienholze. Aus der Wagenfabrik von Mrs. Million, Guiet& Comp kamen: Ein Omnibus de famille mit blauem, roth befchnittenem Kaften, Untergeftelle roth, blau befchnitten, blaue Chagringarnitur. Diefer kleine fehr feft und in aus Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. 53 gezeichneten Proportionen gebaute Omnibus hatte inwendig 6 Plätze, auf der Impèriale 4 Plätze und neben dem Kutfcherfitz noch einen weiteren Sitzplatz. Der Vordertheil des Wagens, refpective der Kutfchbock, fafs auf zwei Refforts à pincettes, der Kaften war hingegen auf der rückwärtigen ftark gekröpften Achfe auf zwei quer über der Achfe angebrachten Tragfedern eingehängt, welche mit einer dritten parallel zur Achfe geftellten Balancirfeder in Verbindung ftanden. Diefe Verbindung wird gegenwärtig von den meiften Parifer Wagenbauern nicht mittelft Federcharnieren, fondern mittelft ftarken Riemenringen bewerkstelligt, durch deren Elafticität fowohl die verticale als horizontale Componente der auf die Achfe wirkenden Stöfse viel wirkfamer abgefchwächt wird; der Preis diefes Omnibus de famille wurde mit 5000 Francs notirt. Der von derfelben Fabrik ausgeftellte Herrenphaëton( Mylord) war durchgehends braun gehalten mit rothen Streifen eingefafst und mit braunem Chagrinleder ausgefchlagen. Die Aufhängung diefes Wagens fand mittelft eilf Federn, und zwar genau in derfelben Weife ftatt, wie diefs durch den Wiener Wagenfabrikanten S. Armbruft er bei einem bereits früher befchriebenen Coupé durchgeführt worden ist, mit dem Unterfchiede jedoch, dafs beim Parifer Wagenbauer einige Charniere durch Riemenringe erfetzt erfcheinen. Mrs. Million, Guiet& Comp. ftellten aufserdem ein ausnehmend elegantes Coupé à huits refforts( Coupé d'Orfay) aus, welches fchwarz lackirt, gelb befchnitten und. mit braunem Atlas ausgefchlagen war und um den Preis von 6000 Francs von einer Wiener Theaterprinceffin erftanden worden ift; das vierte Ausftellungsobject diefer Firma beftand aus einem grünen Landau à huits refforts zum Preife von 7000 Francs. Die Räder der fämmtlichen von diefen Fabrikanten ausgeftellten Fuhrwerke hatten Radreifen aus Gufsftahl und waren deren Speichen Felgen und Naben aus amerikanifchem, von Hondouras importirtem Akazienholze erzeugt; ein grofser Theil der ausgezeichneten Fabricate diefer renommirten Firma wird nach den fpanifchen Colonien und nach Südamerika exportirt. Den Glanzpunkt der franzöfifchen Wagenabtheilung bildete unftreitig die aus vier Equipagen beftehende Ausftellung der Parifer Wagenbauer Mrs. Binder frères, deren Fabricate die folgenden waren: Eine Caléche à huits refforts mit braunem Kaften, lichtbraun befchnitten, braune Seidengarnitur, Langbaum aus Schmiedeeifen. Ein Galawagen( Coupé à houffe) à huits refforts, fchwarz lackirter Kaften, gelbes Untergeftelle fchwarz befchnitten. Auf den Portièren war das öfterreichische Reichswappen angebracht, während die Thürklinken das öfterreichische Erzherzogwappen darftellten, das Innere des Coupés war mit fchwarzer Seide und gelben Knöpfen austapezirt. Zwifchen den Schneckenfedern befand fich der Stand für die Dienerfchaft, die Houffe war aus fchwarzem Sammt mit feidenen, gelben Franfen und trug beiderfeits das kaiferlich öfterreichifche Wappen aus vergoldetem Kupfer. Preis 8000 Francs. Eine Victoria à huits refforts, grün lackirt fchwarz befchnitten, grüne Chagringarnitur, rückwärts ein Bedientenfitz. Bock auf Stutzen. Preis 5200 Francs. Ein englifcher Drag( Mail- Coach) für 18 Perfonen berechnet. Der Kaften war grün, das Untergeftelle roth lackirt, grüne Chagringarnitur. Vorne zwei refforts à pincettes, rückwärts zwei ftarke Tragfedern in einer Balancirfeder mittelft Riemenringen eingehängt. Diefer Drag war mit einem Langbaum verfehen und hatte ausnahmsweife auch eine complete Bremsvorrichtung, welches bei keinem Parifer Wagen, nicht einmal bei einem Parifer Omnibus der Fall ift, da die dortigen Pferdelenker mit der Handhabung diefer ebenfo gelehrigen als geduldigen Zugthiere viel beffer als anderswo vertraut find. Aus der Parifer Wagenfabrik von Mr. Defouche Touchard kamen drei Landau und ein Mylord, fämmtlich auf je vier Refforts à pincettes.. Unter diefen vier Wagen befand fich ein fehr eleganter grüner Landau mit rothem Untergeftelle und grüner Chagrinleder- Garnitur mit verftellbaren Sitzen, indem 54 M. B. Rideli. mittelft einer einfachen Mechanik die Sitzplätze nach Bedarf höher oder niederer geftellt werden konnten. Der Parifer Caroffier Mr. L. G. Mühlbacher ftellte eine Calèche à huits refforts aus, welche grün lackirt, gelb befchnitten und mit grüner Chagringarnitur verfehen war. Aufserdem ftellte derfelbe Fabrikant noch drei Wagen mit refforts à princettes aus, nämlich ein blaues Coupé, einen blauen Mylord und einen dunkelbraunen Duc zum Selbftkutfchiren ohne Bock mit rückwärts angebrachtem Bedientenfitze. Aus der berühmten Parifer Wagenfabrik von Mr. G. Ehrler kam zwar nur ein einziger Wagen zur Ausftellung, die Befchaffenheit desfelben war jedoch geeignet, manche fehr zahlreiche Wagenexpofitionen vollkommen in Schatten zu ftellen. Der betreffende Wagen ftellte eine fehr ftattliche Calèche à huits refforts dar mit grünlackirtem Kaften, grünem Untergeftelle, lichtgrün befchnitten, mit lichtgrüner Atlasgarnitur, ohne Bock zum Fahren à la Daumont eingerichtet und mit rückwärts angebrachtem Bedientenfitze verfehen. Der bekannte Parifer Ingénieur- Mécanicien Mr. L. G. Perreaux hat fich an der Wiener Ausftellung mit zwei Dampfvélocipèden betheiligt, die in viel facher Beziehung eine grofse Aufmerkfamkeit erregt haben. And Es waren diefs ein Tricycle und ein Bicycle. Beim Bicycle hatte das vordere Leitrad o 800 Meter im Durchmeffer, das Triebrad war rückwärts geftellt und mafs o 680 Meter im Durchmeffer, der Radftand betrug o 830 Meter. Beide Räder waren durch ein, ftarkes fchmiedeeifernes Rahmengeftelle verbunden, welches fowohl dem Vélocipèdiften als dem Bewegungsmechanismus inclufive des Dampfgenerators zur Stütze diente. Der cylindrifche o 180 Meter lange und mit einem Blechmantel umgebene Dampfgenerator fafste 11 Liter Waffer. Derfelbe wurde aus einem fünf Liter haltenden Refervoir gefpeift, diefe Waffermenge konnte jedoch durch weitere, in einem feparaten Refervoir durch Dampfcondenfirung eventuell zu gewinnende drei Liter vermehrt werden. Der Kolbendurchmeffer betrug 25 Millimeter bei einem Kolbenhube von 80 Millimeter; die in einem centrifch geftellten Metallcylinder gleitende Kolbenftange war im Mittelpunkte der im Rahmengeftelle auf Metalllagern fteckenden Kurbelachfe befeftigt. An den Enden diefer Kurbelachfe befanden fich zwei Schwungräder aus Gufseifen und zwifchen den letzteren zu beiden Seiten des Angriffspunktes der Kolbenftange zwei weitere, kleine Räder, an deren Peripherien je eine mit einem Kautfchuküberzuge verfehenen Transmiffionskette zu dem correfpondirenden, auf der gemeinfchaftlichen Achfe des grofsen Vélocipèd- Triebrades aufgefetzten Räderpaare von Durchmeffer führte. 0-300 Meter Das von Mr. Perreaux zur Locomotion diefes Bicycle verwendete Brennmaterial befteht aus Benzin oder Weingeift und hat der Ausfteller ein fpeciell für diefen Zweck conftruirtes, fehr finnreich angelegtes Aeolipile in Anwendung gebracht, bei deffen Functionirung fchon innerhalb 10 bis 12 Minuten eine Dampffpannung von 3 bis 4 Atmoſphären erreicht werden kann. Bei dem oben erwähnten Wafferquantum ift ein erwachfener Mann von mittlerer Taille im Stande, auf diefem Vélocipèd Bicycle mit Leichtigkeit 25 bis 30 Kilometer während einer Stunde auf einer guten Fahrftrafse zurückzulegen. während die Koften für das entfprechende Brennmaterial fich nicht höher als 20 Kreuzer öfterr. Währung per Stunde belaufen follen. Der Dampfgenerator des Tricycle fafst fieben Liter Waffer und wird aus einem Refervoir gefpeift, welches ebenfalls einen Faffungsraum von fieben Liter enthält. Das Tricycle war für die Verbrennung von Holz oder Steinkohlen eingerichtet, der Kolbendurchmeffer betrug 30 Millimeter, der Kolbenhub 80 Millimeter, die Fahrgefchwindigkeit 12 bis 14 Kilometer in einer Stunde. Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. 55 Mr. Perreaux glaubt hoffen zu können, dafs dieies mit einem fehr bequemen Lehnfitze verfehene und ungemein leicht zu dirigirende Tricycle unter die vielgeplagten franzöfifchen Land- Briefträger( facteurs ruraux) in der hiefür benöthigten Anzahl von 30.000 Stück demnächst zur Vertheilung kommen dürfte. Mit Bezug auf das beim Wagenbau zur Verwendung kommende Material könnten folgende franzöfifche Ausfteller erwähnt worden: Die Compagnie anonyme des Aciéries et forges de Firminy ftellte eine reichhaltige Sammlung der gebräuchlichften in diefem fehr gut geleiteten Etabliffement erzeugten Kutfchenfedern, Radreifen, Werkzeugen u. f. w aus. Von Mr. A. Jubert frères in Charleville( Ardennes) kamen verfchiedenartige bei der Carrofferie zur Verwendung kommende Eifenbeftandtheile zur Ausstellung. Mr. G. Anthoni, Ingenieur- Mécaninien in Levallois bei Paris, betheiligte fich mit einer ebenfo reichhaltigen als mufterhaften Zufammenftellung von Achfen mit Büchfen und Muttern, Wagenfedern der verfchiedenften Conftructionsarten, befchlagenen Vordergeftellen, Laternen, gebogenen Hölzern und fertigen Rädern; alles von einer fehr guten Ausführung und verhältnifsmäfsig billigen Preifen. Von Mrs. Boyriven frères in Paris und Lyon kam eine grofse Auswahl von ausfchliefslich von den Wagenbauern verwendeten Seidenftoffen, Paffementerien, Gallonen, Etuis, Spiegeln u. f. w. Eine aufserordentlich gelungene Ausftellung warjene von Mr. Ledoux, Plaqueur in Paris, enthaltend fämmtliche zur Einrichtung und Decorirung der Wagen dienlichen Beftandtheile, wobei eine Anzahl von 427 verfchiedenen Objecten zum Vorfchein kam, als: Klinken, Griffe, Knöpfe, Schrauben, Charniere, Sprachrohre, Afchenbecher, Signalpfeifen, Wappen, Monogramme u. f. w. Alle Gegenftände waren mit befonderer Präcifion und Eleganz in allen möglichen Stoffen, als Gold, Silber, Elfenbein, Alpacca, Büffel- und Nashorn, Schildkröte u. f. w. ausgeführt und die hiefür erhaltene Medaille für guten Gefchmack" ganz gerechtfertigt. 29 Mr. H. Cauvin in Paris ftellte gefpaltene Rindshäute( Vaches à capote pour Carrofferie) aus, die bei vorzüglicher Bearbeitung einen fehr billigen Preis hatten. Die franzöfifchen Wagenfabricate zeichnen fich vornehmlich durch ihre aufserordentlich grofse Feftigkeit, ihr verhältnifsmäfsig geringes Eigengewicht fowie durch eine harmonifche Eleganz fowohl in der Conftruction als in der Zufammenftellung der einzelnen Beftandtheile aus und find in Folge diefer Eigenfchaften in allen Welttheilen ein fehr gefuchter und gefchätzter Handelsartikel. Beinahe alle in Wien ausgeftellt gewefenen franzöfifchen Wagen haben trotz ihrer hohen Preife nicht nur willige Abnehmer gefunden fondern auch nicht unbedeutende Nachbeftellungen im Gefolge gehabt, obgleich nicht zu verhehlen fein wird, dafs durch diefen Umftand der öfterreichifche Exportmarkt in diefem Artikel in Folge der Weltausftellung eine Schmälerung erlitten haben dürfte, welches übrigens auch bei einigen anderen Induftriezweigen der Fall fein foll. Bis zum Abfchluffe des in letzterer Zeit zwifchen Frankreich und England errichteten und gegenwärtig noch in Kraft beftehenden Handelsvertrages war die franzöfifche Zoll- Gefetzgebung bezüglich der Einfuhr von Luxuswagen im Hinblicke auf die gefürchtete englifche Concurrenz fehr ftreng. Namentlich bezüglich Englands galt das unerbittlichfte Prohibitivfyftem und es durfte kein einziger neuer in England gebauter Wagen nach Frankreich importirt werden. Die in Frankreich aus irgend einem Grunde refidirenden Engländer durften nur bereits mehr oder weniger gebrauchte englifche Wagen nach Frankreich bringen, mufsten jedoch bei der franzöfifchen Einbruchsftation den vollen Werth des Wagens als Eingangszoll erlegen, wovon allerdings drei Viertel in dem Falle zurückerstattet werden follten, wenn derfelbe Wagen innerhalb der nächften drei Jahre von Frankreich nach England wieder zurückging. 56 M. B. Rideli. Es läfst fich leicht begreifen, dafs die franzöfifchen Wagenbauer in den verfchiedenen vor Abfchlufs des Handelstractates ftattgefundenen Enquêten die heftigfte Oppofition gegen die freie Zulaffung der englifchen Wagnereiproducte ins Werk fetzten, umfomehr als die meiſten franzöfifchen Carroffiers entweder in Paris felbft oder in den mit Paris demnächft zu vereinigenden Vororten ihren Sitz hatten, wo fowohl die Rohftoffe als die Brennmaterialien einer empfindlichen Octroifteuer unterworfen waren und dadurch die Erzeugungskoften der Wagen um einen nicht unbedeutenden Percentfatz erhöht werden mussten. Nichtsdeftoweniger nahmen fie mit dem noch gegenwärtig aufrechtftehenden, fehr niederen Zolltarife vorlieb und fahen in Folge des freihändlerifchen Handelsvertrages ihre Induſtrie nicht nur nicht erfchüttert, diefelbe vielmehr fo gekräftigt aus dem Kampfe hervorgehen, dafs den englifchen Wagenbauern ein nicht unbedeutender Theil des früheren Abfatzgebietes entzogen werden konnte und gegenwärtig drei Viertel der fehr namhaften franzöfifchen Wagenproduction zu hohen Preifen im Auslande placirt werden. Die Herbeiführung einer fo günftigen Situation ift nur auf diefe Weife ermöglicht worden, dafs durch den gleichzeitig freigegebenen Import von Eifenund Stahlerzeugniffen, fowie von anderen beim Wagenbau verwendeten Materialien die Erzeugungskoften der Wagen felbft viel niedriger und die franzöfifchen Wagenbauer mit den Engländern concurrenzfähig geworden waren. Selbstverständlich find die gefund fundirten, wohlgeleiteten, daher leiftungsfähigen franzöfifchen Eifen- und Stahlwerke durch den Handelsvertrag auch nicht zu Schaden gekommen, da die veränderten Verhältniffe denfelben einen fehr nützlichen Wetteifer zum rationellen Betriebe, refpective zur billigeren Erzeugung ihrer Producte aufdrängen mufsten, wodurch nur alle Theile gewinnen konnten. Die öfterreichifche Wagen- und Maſchinenbau- Induftrie möge fich aber daran ein Beiſpiel nehmen und die Aufhebung der drückenden Feffeln, worin fie von der fo auffallend ftark zurückgebliebenen öfterreichifchen Eifeninduftrie auf eine unwürdige Weife gehalten wird, mit Energie anftreben. England. Das grofsbritannifche Königreich war in Paris 1867 durch 41 Luxuswagen vertreten, während die Wiener Ausftellung nur 19 deratige Fuhrwerke aus England zeitweilig zu beherbergen in die Lage kam. Die unter dem Namen ,, West of England Carriage Works" bekannte Wagenbau- Firma von John Roberts& Sons in Bridgewater war durch ein zweiräderiges kleines Vehikel, für Einfpänner eingerichtet, vertreten, welches in der Umgebung des Fabricationsortes als ,, Univerfal Whitechapel Dog Cart" fehr ftark in Verwendung ftehen foll. Auf der fchmiedeeifernen Achfe diefes zweirädrigen Fuhrwerkes waren zwei lange, vierblättrige Tragfedern befeftigt, in denen ein grünlackirter mit Sproffen verfehener Kaften hing, in welchem mehrere Perfonen dos- à- dos Platz nehmen konnten. Der Wagenfabrikant H. Mulliner in Leamington Spa ftellte drei ausgezeichnet ausgeführte Wagen aus, darunter befand fich eine grüne Victoria ( Parc- Phaëton) ohne Bock zum Selbftkutfchiren auf vier Refforts à pincettes mit grünem Chagrinleder ausgefchlagen, ferner aufser einem leichten Dog Cart noch ein Landau auf vier Refforts à pincettes, deffen Kaften blau lackirt, das Untergeftelle grünlich weifs, blau befchnitten und das Kafteninnere mit blauem Chagrinleder austapezirt war. Die Wagenfabrik von James Evans in Liverpool ftellte einen ,, Improved Hanfom Cab" aus, auf deffen gekröpfter Achfe der braunlackirte Kaften auf zwei langen Tragfedern hing und überdiefs den Kutfcher- Rückfitz zu tragen hatte; der Kaften war mit lichtblauer Seide ausgefchlagen und hatte ſtatt dem vorderen Spritzleder einen wafferdicht fchliefsenden mit Glanzleder über Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. 57 zogenen Deckel, welcher mittelft einer Feder auf- und zugemacht werden konnte. Der Cab war für einen Einfpänner eingerichtet, und musste das betreffende Zugthier während des Fahrens auch zum Tragen eines Gewichtsantheiles des Wagenkaftens herangezogen werden. Die von dem Londoner Wagenbauer und englifchen Hoflieferanten Thomas Peters& Sons ausgeftellten fünf Luxuswagen gehören unbedingt zu den gediegenften Fuhrwerken diefer Gattung, welche überhaupt während der Wiener Ausftellung zu fehen waren. Aufser einem zweifitzigen Brougham auf vier Refforts à pincettes war von diefen Fabrikanten ein höchft elegantes Coupé d'Orfay à huits refforts ausgeftellt mit grün lackirtem, goldbefchnittenem Kaften, grüner Atlasgarnitur. Auf den Portièren war das kaiferlich öfterreichifche Wappen angebracht, die Thürklinken ftellten vergoldete öfterreichifche Doppeladler dar. Als pièce de réfiftance der englifchen Wagenausftellung fungirte die ebenfalls von T. Peters& Sons ausgeftellte für„ four in hands" eingerichtete, mit allem bei den Wettrennen erforderlichen Comfort ausgeftattete Mail- Coach, mit blau lackirtem Kaften, lichtrothem Geftelle und blauer Chagrin Garnitur. Der Kaften fafs auf beiden Achfen, auf je 4 im Quarré geftellten fehr ftarken Tragfedern, wobei die zwei Achfen durch einen Langbaum von bedeutenden Dimenfionen verbunden waren. Die Vorderräder konnten wegen der Stellung des Langbaumes um die Wagenfpindel nicht durchlaufend pivotiren, wie denn auch bei diefem Wagen das Umwenden nicht im Scheibengeftelle, fondern mittelft des wohlbewährten alten und zu diefem fpeciellen Zwecke neuerfundenen Reibfcheites vor fich ging. Diefe Mail- Coach war aufser einer kräftigen Bremsvorrichtung auch mit einer, luncheon box" fowie mit ,, wine cifterns" überdiefs zum Behufe der Befteigung der höher gelegenen Wagenabtheilungen mit einer zerlegbaren Leiter verfehen, welche Vorrichtung übrigens auch bei den türkifchen Haremswagen vorkommt und von dort entlehnt zu fein fcheint. Nicht minder comfortabel und elegant waren die von denfelben Fabrikanten noch ausgeftellten weiteren zwei Wagen, nämlich eine Park Barouche à huit refforts und ein Mail- Char à banc ausgeführt. Unter den vom Wagenfabrikanten C. T horn in Norwich ausgeftellten zwei Wagen war der zweirädrige ,, Lorne Car" infoferne bemerkenswerth, als er eine patentirte Vorrichtung zur beliebigen, der Länge des Pferdes angepassten Verkürzung oder Verlängerung der Brancards zur Anfchauung brachte und aufserdem ftatt einer Stange eine dreiblättrige Zugfeder in Verwendung hatte. Der zweite von C. Thorn ausgeftellte und vom Grafen Adlerberg angekaufte Wagen war ein zweirädriger Norfolk fhooting Cart" mit dos- à- dos Sitz. Der Kaften aus Korbgeflecht mit blaulackirtem Rahmen fafs auf zwei 1500 Meter langen Tragfedern, die auf der Achfe befeftigt waren. Die Wagenfabrik von F.& R. Shanks in London ftellte drei vortrefflich ausgeführte Equipagen aus. Die eine hievon beftand aus einem ,, Four horfe Drag" mit einer Einrichtung, um das Viergefpann dichter neben einander zu halten. Der Kaften war blau, das Untergeftelle roth, inwendig blaue Chagringarnitur, fonft analog eingerichtet, wie die vorher erwähnte Mail- Coach. Aufser diefem Wagen ,, Driving ftellte diefer Fabrikant noch einen ,, Small Sociable Landau" und einen Phaëton with patent head" aus, welche Fuhrwerke mit der gröfsten Sorgfalt fabricirt worden waren. Der Londoner Wagenfabrikant C. S. Windover ftellte zwei Wagen aus, darunter eine Victoria zum Selbftkutfchiren, mit grünem Sproffenkaften, grüner Chagringarnitur und rückwärts angebrachtem Bedientenfitze. Ueber den fämmtlichen Sitzplätzen diefer Victoria war ein mit grünen Franfen verfehener Baldachin ausgebreitet, der einen einzigen im Kaftenrahmen angebrachten Stützpunkt hatte und mittelft eines Schnürchens in eine beliebige Lage gebracht werden konnte. 58 M. B. Rideli. Der Baldachin konnte auch durch einen Handgriff mit fammt der Stütze entfernt und in ein Parapluifutteral gefteckt oder auch fogleich als Regenfchirm verwendet werden. Das während der ganzen Dauer der Ausftellung der jedesmaligen ,, performance" diefes practical joke" feitens der mitunter aus hohen Würdenträgern beftehenden grofsbritannifchen Befucher dargebrachte Intereffe mufs als ein ganz aufserordentliches bezeichnet werden. Vom Fabrikanten und Hoflieferanten John Ward in London find ebenfo zahlreiche als vortrefflich ausgeführte Tragfeffel, Kinderwagen, Rollwagen für Kranke und Invaliden ausgeftellt worden. In Bezug auf die Ausstellung von Rädern, Achfen, Federn und anderen Wagen- Beftandtheilen haben fich diefsmal die grofsen englifchen Fabrikanten beinahe gar nicht betheiligt; blofs die ,, Kirkstall Forge Company" bei Leeds hat fieben Paar Wagenachfen fammt Büchfen und Muttern, fowie einige Befchläge für Vorder- Trains zur Ausftellung gefchickt. Von der Firma Homes& Hickton in Halefowen bei Birmingham war eine Sammlung von Hufeifen- Nägeln angelangt.com Der Londoner Fabrikant H. Hopton& Son betheiligte fich mit einer reichhaltigen Ausftellung von Radfpeichen, Naben, Felgen, Kothflügeln, Deichfeln Stangenarmen u. f. w. in den verfchiedenften Holzarten. Die Situation der englifchen Wagenfabrication ift bekanntlich die allergünftigfte in ganz Europa. Die Anfchaffungskoften der Rohmaterialien find die denkbar niedrigften, fo kommt einem englifchen Wagenbauer die für einen kleinen Wagen benöthigte Stahlquantität auf höchftens 16 Francs zu ftehen, während für einen Wagen mit doppelter Federeinhängung kaum 50 Francs für Federftahl ausgegeben werden. Die ausländifchen Werkhölzer, worunter aufser Mahagony, Hickorynufs, amerikanifcher Akazie gegenwärtig auch ziemlich viel Teakholz( Tectona grandis), Ebenholz( Diospyros Melanoxylon), Paliffanderholz( Jacaranda brasiliensis) u. f. w. in Verwendung kommt, finden fich alle entweder in Oftindien oder auf den engli fchen Colonien und kommt der Ankaufspreis davon den englifchen Wagenbauern noch immer um circa 30 Percent billiger als den franzöfifchen Wagenfabrikanten zu ftehen. In Bezug auf den feinften Kutfchenlack find die fämmtlichen europäiſchen Wagenbauer auf die englifchen Fabrikanten angewiefen, ebenfo wie hinfichtlich der Farben, wovon fogar die Franzofen gegenwärtig noch immer die, Vermillons" und die Verts" aus England zu beziehen gezwungen find. " Trotzdem find theils in Folge der höheren Arbeitslöhne, theils in Folge des Umftandes, dafs beinahe jeder vermögliche Engländer eine eigene Wagenfpecialität für fich beanfprucht, alle complicirter conftruirten englifchen Wagen, namentlich die unzähligen„ Voitures de fantaifie" viel theuerer als felbft in Frankreich, während jene grofsen englifchen Wagenbau- Anftalten, welche in ihrem Outillage allein über 300.000 Francs zu inveftiren pflegen, fehr grofse Mengen von Wagen nach einem einzigen Modelle fabriciren, daher auch ungemein billige Preife machen können. Solche billige Wagen find unter der Benennung ,, Articles de Southampton" meift für den überfeeifchen Transport beftimmt und follen in letzterer Zeit von Entdeckungsreifenden im Innern von Afrika und auch auf den Südfee- Infeln mitunter nicht unbeträchtliche Quantitäten von diefen englifchen Artikeln bereits vorgefunden worden fein, wo diefe Objecte wahrfcheinlich im Wege des Taufchhandels gegen die dortigen Landesproducte in die Hände der bedauernswerthen Eingeborenen gelangt fein mögen. Nordamerika. Die Wagenfabrikanten der Vereinigten Staaten von Nordamerika betheiligten fich an der Wiener Weltausftellung mit zwei Fuhrwerken, während diefelben in Paris 1867 mit drei Stück figurirten. Strafsenfuhrwerke und andere Transportmittel. 59 Die Kimball Manufacturing Comp. in San Francisco ftellte einen einfpännigen Wagen aus, welcher in Californien unter dem Namen ,, Buggy" bekannt ift und deffen Abbildung unter Fig. 17 folgt. Fig 17. Californifcher Buggy. Die vorderen Räder diefes Buggy haben 1 140 Meter, die hinteren 1'260 Meter im Durchmeffer bei einem Radftande von 1'450 Meter. Sämmtliche RadBeftandtheile waren aus Hickorynufs( Carya alba). Die aus Efchenholz beftehenden Achsftöcke hatten zwifchen den Radnaben gemeffen eine Länge von I140 Meter und waren mittelft mehrerer Klammern mit den fchmiedeeifernen Achfen feft verbunden. Ueber den Achsftöcken waren zwei aus gefirnifsten Efchen beftehende, 35 Millimeter dicke Langbäume, die je mit einem 15 Millimeter ftarken Federriemen in Verbindung ftanden, angebracht und in diefe Riemen der Kaften eingehängt. Der zierlich conftruirte, für einen Sitzplatz berechnete Kaften, war aus Ahorn, feine Länge betrug 120 Meter, die Breite o 570 Meter. Trotz aller Leichtigkeit zeigte diefer Buggy eine grofse Feftigkeit in allen Beftandtheilen. Die Tubular Barrow and Truck Manufacturing Company" in New- York ftellte einen zur Erdbewegung geeigneten, ganz aus Hohleifen conftruirten Schubkarren von 75 Pfund Eigengewicht und 3 Kubikfufs Faffungsraum aus. Wagen- Beftandtheile ftellten aus: Charles Weeks& Comp. in New- York 12 fertige, jedoch unbefchlagene Räder, die verfchiedene Durchmeffer hatten, und deren Felgen, Speichen und Naben, theils aus Eichen, theils aus Hickorynufs beftanden. John Radin aus Lyon( Maffachuſetts) ftellte Wagenräder mit alternirend auf den Nabenenden fitzenden fchmiedeeifernen Speichen aus. Die ,, Mowry Axle and Machine Company" in Genefee( New- York) ftellte eine Vorrichtung zum Aufziehen von Radreifen aus, welche während der Ausftellung die nach diefer Richtung fchadhaft gewordenen Räder der innerhalb der Eceinte circulirenden Fuhrwerke aufs Schnellfte reparirte. 60 M. B. Rideli. Die„ Union Spoke Works" in Philadelphia ftellten Naben, Speichen aus Hickorynufs, fowie eine gröfsere Quantität Felgen, wovon jede einen Halbkreis bildete, aus. Die bei Weitem bedeutendfte Ausftellung von Wagen- Beftandtheilen aus Nordamerika war jene von der„ Royer Wheel Company" aus Cincinnati ( Ohio), deren Specialität in der ausgedehnteften Fabrication von Rädern und Rad- Beftandtheilen befteht. Eine Gattung Räder, genannt ,, Sarven Patent Wheel", fcheint gegenwärtig die Oberhand zu haben, da hievon in den letzten fünf Jahren 32.000 Satz von obiger Fabrik allein verkauft worden find. Die von der Royer Wheel- Company ausgeftellt gewefenen 20 Stück Sarven Patent- Räder hatten einen Durchmeffer von 1260, Bohrung der Nabe 25 Milli meter, Durchmeffer der Nabe 70 Millimeter, Speichendicke 20 Millimeter, Dicke der Felgen 25 Millimeter, Felgenbreite 20 Millimeter, jedes Rad hat 14 Speichen, welche an der Nabe durch zwei Flanfchen aus hämmerbarem Gufseifen zufammengehalten wurden. Die Naben der Sarvenräder beftanden aus Ruftenholz, Speichen und Felgen aus Hickorynufs und war auch der oben befprochene Buggy mit derlei Rädern verfehen. Das Arrangement für die Aufftellung der bei der Wiener Expofition figurirenden Luxus und anderen Fuhrwerke liefs kein einheitliches Princip wahrnehmen, da weder nach den Ländern, nochnach den verfchiedenen Kategorien der Vehikel eine Ueberficht geboten war. Die Zerftreuung der fonft zufammengehörigen Objecte innerhalb des fehr ausgedehnten Ausftellungsraumes machte in Ermanglung eines Generalkataloges förmliche Entdeckungsreifen, die viel Zeit und Mühe in Anfpruch nahmen, unbedingt nothwendig; ein Wagen wurde unter chemifchen Producten aufgeftellt gefunden, während ein gewiffer Theil von kleinen Fuhrwerken der Einwirkung der Elemente unter freiem Himmel überliefert war, wefswegen für etwaige Lücken Nachficht erbeten werden mufs. Es war urfprünglich beftimmt, innerhalb des vorliegenden Rahmens auch einer Locomotionsart zu gedenken, deren fpecieller Apparat von zahlreichen Koryphäen mit minutiöfer Sorgfalt in Thätigkeit gefetzt werden follte. Nachdem jedoch der fogenannte„ Ballon captif" in Folge eines heftigeren, oftwärts gerichteten Windſtofses fich durch rafche Flucht einer jeden Beurtheilung entzogen hatte und das die unwandelbaren Principien feiner Wirkfamkeit enthaltende Expofé in den betreffenden Ausftellungsräumen nicht aufgefunden werden konnte, fo mufs auf diefe Mittheilung verzichtet werden. Diefer Verzicht kann umfo leichteren Herzens erfolgen, als man fich ohne hin durch Darlegung diefer Principien vielleicht einer Verbreitung falfcher Nachrichten fchuldig gemacht und später etwa auftretende aëronautifche Dilettanten auf Irrwege geleitet haben würde.