OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG UNTER 1 8 7 3 REDACTION VON DR. CARL TH. RICHTER, K. K. O. Ö. PROFESSOR IN PRAG. DIE TELEGRAPHEN- APPARATE. ( Gruppe XIV, Section 2.) BERICHT VON DR. LEANDER DITSCHEINER, a. ö. Profeffor an der k. k. technifchen Hochschule in Wien. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1874. DIE TELEGRAPHEN- APPARATE. ( Gruppe XIV, Section 2.) Bericht von DR. LEANDER DITSCHEINER, o. ö. Profeffor an der k. k. technifchen Hochfchule in Wien. In Bezug auf die auf der Wiener Weltausftellung exponirten Telegraphenapparate, fo wie überhaupt im Telegraphenwefen gebräuchlichen Vorrichtungen läfst fich wohl die Anficht ausfprechen, dafs auf keiner der vorhergehenden grofsen Ausstellungen, nicht nur was die Anzahl der Ausfteller, fondern auch was die Vollftändigkeit und Neuheit der hiehergehörigen Einrichtungen betrifft, eine folche Fülle des Materiales geboten wurde, wie diefs im Jahre 1873 der Fall war. Nicht nur haben die gröfsten und bedeutendften Firmen in diefer Branche ihr Beftes in vorzüglicher Weife repräfentirt, fondern es haben auch die meiften der Regierungen, in deren Ländern das Telegraphenwefen wegen des bedeutenden Verkehrs einen verhältnifsmässig bedeutenden Auffchwung genommen hat, und in welchen damit in Verbindung eine Reihe von Verfuchen über Neueinführung verbefferter Apparate ftattgefunden hat, die von ihnen verwendeten Einrichtungen und deren hiftorifche Entwicklung in hervorragender Weife dem Befucher vor Augen geführt. Durch die von der kaiferlich deutfchen Telegraphenverwaltung auf der Wiener Weltausftellung veranstaltete Darftellung der Telegraphenapparate und der Conftruction der Telegraphenleitung in ihrer hiftorifchen Entwicklung im Gebiete der ehemaligen norddeutfchen Telegraphenverwaltung, in Baiern, Württemberg, Baden und Elfafs- Lothringen und in der Zufammenftellung der zur Zeit in dem genannten Gebiete im Gebrauche befindlichen technifchen Einrichtungen der Telegraphie, fowie in der zugehörigen Statiftik, hat fich die genannte Verwal tung ein grofses Verdienft erworben und Jedem, der fich für Entwicklung und Ausbildung des Telegraphen intereffirt, ein Material geboten, welches in folcher Vollständigkeit kaum irgendwo getroffen werden konnte, vielleicht auch niemals mehr getroffen werden kann. Eine Reihe von Telegraphenapparaten, wahre Schätze für Jeden, welcher die zu Beginn der Ausbildung des Telegraphenwefens zuerft ausgeführten Vorrichtungen kennen lernen wollte, konnte nur durch die Liberalität vieler wiffenfchaftlicher Inftitute, in deren Befitz fich diefelben befanden, oder durch die Güte der Nachkommen ihrer Entdecker, welche fie als Familienfchätze aufbewahren, zur Ausftellung gelangen. So finden wir den elektrochemifchen Telegraphenapparat von Samuel Thomas Sömmering als den erften in Deutſchland zur Ausführung gebrachten. In einer am 8. Juli 1809 von Sömmering ins Tagebuch gefchriebenen Notiz findet fich die erfte Nachricht über feine Entdeckung, welche, in einem Apparate praktiſch ausgeführt, fchon am 22. Juli probirt 2 Dr. Leander Ditfcheiner. werden konnte, fo dafs nach ausgedehnteren Verfuchen Sömmering fchon am 29. Auguft 1809 in der akademifchen Sitzung damit experimentiren und einen, aber erft 1811 veröffentlichten, Vortrag halten konnte. Der Apparat beruht bekanntlich auf der durch den elektrifchen Strom hervorgerufenen Zerfetzung des Waffers. Von der einen zur anderen Station find 35 Drähte gelegt, welche auf der abgebenden Station an Metallftäbchen gelöthet, an der aufnehmenden Station aber mit ihren vergoldeten Enden in eine mit angefäuertem Waffer gefüllte Wanne reichen. Jeder diefer Drähte entſpricht einem beftimmten Buchftaben oder einer Ziffer, welche bei feinen Enden verzeichnet ift. Bringt man nun die Poldrähte einer Volta- Batterie mit je einem Metallftäbchen in Berührung, fo fchliefst fich der Strom durch das angefäuerte Waffer der anderen Station und wird fich an den entfprechenden vergoldeten Enden an einem Wafferftoff, am anderen Sauerftoff entwickeln und fo der mit der Abnahme der Depefche Beauftragte fogleich erkennen, welche Buchftaben telegraphirt wurden, deren Folge fo beftimmt wurde, dafs jener Buchftabe, an deffen entſprechendem Drahtende fich Wafferftoff entwickelt, dem anderen vorausgeht. Bei diefem Apparate befindet fich auch bereits die Idee des Weckers verwirklicht. Ueber zwei der Goldfpitzen befand fich nämlich ein leicht beweglicher Hebel, an deffen einem Hebelarme fich eine löffelartige, nach unten gerichtete Höhlung fo befand, dafs fich die durch den Strom entwickelten Gafe in ihr fammelten und in Folge ihres Aufdruckes den Hebel hoben. Dadurch wurde ein am anderen abwärts gehenden Hebelarme befindliches Bleikügelchen zam Rollen gebracht und fiel diefes in einen Trichter und durch denfelben auf das Sperrwerk eines Glockenuhrwerkes, welches, dadurch ausgelöft, das gewünſchte Signal gab. Von dem einen weiteren Fortfchritt der Telegraphie bildenden Apparate des ruffifchen Staatsrathes Baron Pawel Lawowitfch Schilling von Canftadt( 1832) war nur eine Zeichnung ausgeftellt. Es war diefs der erfte Nadeltelegraph, mit welchem durch entgegengefetzt gerichtete Ströme nach rechts und links erfolgende Abweichungen der angewandten einzigen Multiplicatornadel, die verfchiedenen Buchftaben und Zeichen zufammengefetzt wurden. An einer am Aufhängedrahte angebrachten Papierfcheibe, die im Ruheftande der Nadel die fchmale Seite, bei verfchieden gerichteten Strömen aber die verfchieden gefärbten Vorder und Hinterfläche dem Beobachter zukehrte, konnte leicht und fchnell die Stellung der Nadel erkannt werden, die durch eine eigenthümliche Vorrichtung, die von einem an unteren verlängerten Ende des Aufhängedrahtes befeftig ten in Quecksilber beweglichen Ruderchen gebildet wurde, in ihrer Lage fchnell zur Ruhe gebracht wurde. An diefen Apparat fchliefst fich jener von Gauss und Weber im Jahre 1832 zu Göttingen conftruirte an, welcher die dortige Sternwarte, das phyfikalifche Cabinet und das magnetiſche Obfervatorium durch eine telegra phifche Leitung verband. Gauss und Weber wandten grofse Multiplicatoren an, deren einer auf der Sternwarte befindlich gewefene auf der Ausftellung war. Der 25pfündige, faft vier Fufs lange Magnetftab, war in einem Multiplicator von 270 Windungen von 2700 Fufs Länge. Mittelft eines Fernrohres und eines an dem Aufhängedrahte des Magnetes befindlichen Spiegels konnte nach der bekannten Methode der Spiegelablefung die Rechts- oder Linksdrehung des Magnetes erkannt werden. Zur Erzeugung des Stromes wendeten fie einen Magneto Inductor an, beftehend aus zwei oder drei grofsen parallel und vertical geftellten Magneten, über welche eine Spule mit Drahtwindungen, welche mit dem Multiplicator in Verbindung ftanden, von der Mitte aus gegen das eine Ende hin gefchoben werden konnte. Bei jedem Auf heben und wieder Niederlaffen der Spule wurden entgegengefetzte inducirte Ströme in den Drahtwindungen erzeugt, welche der Nadel im Sinne des erften Stromes, in Folge des rafch folgenden entgegengefetzten Stromes aber nur kleine, im Fernrohre aber deutlich fichtbare Ablenkungen ertheilen, wobei der Vortheil eintritt, dafs die Nadel nur kleine Zuckungen macht, in kurzer Zeit aber wieder ftille fteht. Mittelft eines Commutators konnte diefen Strömen die entgegengefetzte Richtung gegeben werden. Bei dem nach dem Principe von Gauss und Weber, fpäter Telegraphen- Apparate. ( 1837) von Steinheil in München conftruirten, ebenfalls ausgeftellten, Originalappa. rate befinden fich in einer Multiplicatorrolle zwei leicht drehbare Magnete neben einander, die ftets parallel zu einander durch den Strom geftellt werden würden. An den der Mitte zugekehrten, alfo ungleichnamigen Enden derfelben befindet fich je ein Arm fammt Gefäfs, welche beide mit abfärbendem fchwarzen Pigment gefüllt find und mit einer capillaren Spitze enden, an der fich ftets ein Tröpfchen fchwarzer Flüffigkeit befindet. Geht nun ein elektriſcher Strom, bei Steinheil durch einen Clarke'fchen Inductor erhalten, durch die Windungen, fo werden beide Magnete im gleichen Sinne abgelenkt; die eine capillare Spitze geht aus den Drahtwindungen heraus, die zweite aber, welche auf der entgegengefetzten Seite der Drahtwindungen austreten würde, ift durch einen Zahn gehindert, diefer Bewegung zu folgen. Geht der Strom in der entgegengefetzten Richtung, fo dreht fich der eben feftgehaltene Magnet mit feiner capillaren Spitze nach vorne, während nun der andere durch einen ähnlichen Zahn feftgehalten wird. Man erfieht, dafs dadurch bei verfchieden gerichteten Strömen immer nur ein Magnet mit feiner capillaren Spitze fich dreht und diefe letztere vortreten läfst. Die beiden capillaren Spitzen find nebeneinander und machen bei ihrem Vortreten an einem vorbeigezogenen Papierftreifen fchwarze Punkte in zwei parallelen Reihen. Nach der Art und Weife, wie diefe Punkte in beiden Reihen vertheilt find und fich folgen, erkennt man die verfchiedenen Buchftaben und Zeichen. Bei den ausgeftellten Apparaten waren an den Armen( Fortfätzen) der Magnete auch Metallkugeln, welche gegen Metallglocken mit verfchiedener Stimmung fchlugen, fo dafs man auch nach dem Gehöre die Depefche abnehmen oder den Beginn einer folchen erkennen konnte. An diefe gleichfam älteften Telegraphenapparate fchliefst fich eine Reihe neuerer, mehr oder weniger vollkommenerer und im Gebrauche gekommener Apparate an. So der von Leonhard in Berlin 1845 conftruirte Zeigertelegraph, der Siemens'fche Zeiger-, zugleich Typendruck- Telegraph( 1846), der Kramer'fche Zeigerapparat 1849, der elektromagnetifche Nadeltelegraph von Siemens( 1849), der Morfe'fche Relieffchreiber von Siemens, einer der erften in Deutfchland nach Morfe's Entdeckung conftruirten Apparate, der Siemens'fche Handfchriftlocher ( 1853), ein Original- Farbfchreiber von John in Prag( 1854). ein Morfe- Apparat zur Uebertragung in Ruheftrom- Leitungen nach Frifchen( 1856), das Apparatfyftem für fubmarine, für das rothe Meer( 1857) von Siemens conftruirte Leitungen; ferner der Morfe Farbfchreiber von Siemens, erfter Conftruction( 1862), und jener von Lewert in Berlin( 1865), der Relieffchreiber von Lewert( 1865) mit abfchraubbarer Federtrommel, der automatiſche Morfe- Schriftapparat mit Typen und galvanifchen Wechfelftrömen von Siemens( 1865), Lewert's Farbfchreiber mit Selbftauslöfung( 1868) und Siemens' polarifirter Schnellfchreiber mit Farbfchrift und regulirbarer Laufgefchwindigkeit( 1868). Ebenfo fanden wir eine Reihe von Relais, das ältefte 1849 conftruirt, das polarifirte Relais zum Doppelftiftapparat ohne Magnet( 1850) und jenes mit Magnet( 1852), das Dofenrelais von Siemens( 1851), die polarifirten Relais von Siemens für Inductionsftröme( 1854). das eine mit zwei Stahlmagneten, einem Elektromagnete und fchwingendem Kern( ohne Anker), das andere mit zwei geraden Elektromagneten und Stahlanker, das Relais mit fchwingenden Magneten und doppelten Umwindungen zum Gegenfprechen von Frifchen und Siemens ( 1854), das polarifirte Relais mit hufeifenförmigen Elektromagneten und Stahlankern von Siemens( 1855), das Relais mit liegenden Elektromagneten von Nottebohm,( bis 1857 gebräuchlich), das Relais von Borggreve( 1857), das Relais mit doppelten Umwindungen zum Gegenfprechen von Borggreve( 1862) und endlich das polarifirte Relais von Siemens( 1869) mit zwei Hufeifen- Elektromagneten, zwei Stahlmagneten und zwei Ankern zur Uebertragung auf Linien mit Wechfelftrom, für die indo- europäifche Linie conftruirt. Wir finden ferner die verfchiedenen Formen des Tafters, der Stromwender und Umfchalter, der Blitzableiter und Galvanofkope, wie fie theilweise auch heute 4 Dr. Leander Ditfcheiner. noch im Gebrauche find; das Modell der erften Guttaperchapreffe zur Anfertigung ifolirter Leitungen mit Guttaperchahülle ohne Naht, mit welcher alle in grofser Zahl erbauten unterirdifchen Leitungen in Deutfchland und Rufsland( 1847 bis 1851) und jetzt noch alle fubmarinen Leitungen angefertigt werden und den doppelten Inductionsftrom- Erzeuger von Siemens( 1855), mit welchem durch wenige Elemente Inductionsftröme( zweiter Ordnung) erzeugt werden können, die mittelft Commutoren gleichgerichtet zur Erzeugung von Morfefchrift auf langen Linien dienen können. Von den jetzt gebräuchlichen Apparaten und deren Einfchaltung findet fich die Schaltung einer Leitung mit Arbeitsftrom für zwei End- und eine Uebertragungsftation ohne Relais und ohne Localbatterie und die Schaltung einer Leitung mit Ruheftrom ebenfalls für zwei End- und eine Uebertragungsftation, wobei die Morfe- Schreibapparate direct in die Leitung gefchaltet und die Uebertragung nach dem Arrangement von Maron eingerichtet ift. Ferner ift eine Schaltung mit Hughes- Apparaten für zwei End- und eine Uebertragungsftation ausgeftellt; die Uebertragung findet theils mittelft Hughes- Apparates mit Benützung des automatifchen Stromwenders von Jaite, theils mittelft zweier polarifirter Relais unter Benützung von Zweigftrömen nach den Angaben von Maron ftatt, und endlich findet man die Ausrüftung einer Leitung mit dem automatifchen Schnellfchreiber von Siemens, beftehend aus dem Taftenfchriftlocher, Geber und Empfänger. Ferner hat die deutfche Regierung die Apparate und Geräthe für Leitungsreviforen zufammengeftellt. Diefelben beftehen aus Etui und Werkzeug zur Unterfuchung unterirdifcher Leitungen, einem älteren und einem neueren Unterfuchungsgalvanometer, erfteres auf Stativ, letzteres mittelft Baumfchraube zu befeftigen, einem Differentialgalvanometer mit Baumfchraube, einem Tafchengalvanometer und aus allerlei Geräthe zu Leitungsrevifionen. Im Garten felbft waren die Leitungsvorrichtungen ausgeftellt. Die königlich baierifche Telegraphenverwaltung exponirte ebenfalls eine Reihe von Apparaten und Conftructionstheilen zur Veranfchaulichung der hiftorifchen Entwicklung des baierifchen Telegraphenwefens. Darunter befand fich der Stöhrer'fche Doppelftift- Schreibapparat mit Relais und Taftatur ältefter Conftruction( 1849), ein folcher Doppelftift- Apparat und verfchiedene Morfe Reliefund Farbfchreiber aus der Werkstätte der baierifchen Telegraphenverwaltung und der Rotationszeiger- Apparat von Stöhrer( Siehe Kuhn ,,, Angewandte Elektricitätslehre Seite 875), der jedoch 1856 auf fämmtlichen baierifchen Linien befeitigt und durch magnetoelektrifche Zeigerapparate von Siemens und Halske erfetzt wurde, von welchen heute noch 371 in Betrieb find. Wir finden ferner auf diefer baierifchen Ausstellung eine Reihe von Leitungsconftructionen und Blitzableitern. Eine der hervorragendften Stellungen im Gebiete der Telegraphenausftellung nimmt die bekannte Firma: Telegraphen- Bauanftalt von Siemens und Halske in Berlin, Markgrafenftrafse 94, ein. Inhaber diefer 1847 gegründeten Firma find die Herren Dr. Werner Siemens in Berlin, Dr. William Siemens und Carl Siemens in London. Die verfchiedenen gewerblichen Anlagen diefer Firma find die Telegraphen- Bauanftalt in Berlin von Siemens und Halske, die Specialfabrik für Alkohol- Mefsapparate von Siemens& Comp. in Charlottenburg, gemeinfchaftlich mit Louis Siemens dortfelbft, die Telegraphenanftalt in Sct. Petersburg mit Porcellanfabrik in Gorodok, die Telegraphenfabrik mit Guttapercha- KabelFabrik von Siemens Brothers in London und Woolwich( ausgeftellt in der englifchen Abtheilung), endlich das Gefchäft von Gebrüder Siemens in Tiflis mit Kupferbergwerk und Hüttenwerk in Kedabeg und Petroleumquellen urd Deftillation in Zarskoi- Kalodzie im Kaukafus. Das Berliner Gefchäft arbeitet mit circa drei Vierteln für den deutfchen Markt und mit je einem Achtel für den anderen europäiſchen und den überfeeifchen Markt. In Berlin und Charlottenburg werden circa 50 Perfonen Directions und Auffichtsperfonal, 610 Arbeiter über 16 Jahre, Telegraphen- Apparate. 20 5 fowie 35 Lehrlinge unter 16 Jahre alt und 17 Arbeiterinen als Drahtfpinnerinen befchäftigt. Zwei Dampfmaschinen von zufammen 60 Pferdekraft find als Betriebsmafchinen verwendet. Auf der letzten Parifer Ausftellung 1867, fowie auf der Wiener Weltausftellung war das Gefchäft wegen der Thätigkeit des Herrn Dr. Werner Siemens als Juror hors concours; bei allen früheren Ausstellungen erhielt es jedoch die erfte( Ehren) Medaille. Siemens& Halske ftellten in der deutfchen Abtheilung faft alle im Telegraphenwefen verwendeten Conftruction en aus, fo zwar dafs das Verzeichnifs der Ausftellungsgegenstände 145 Nummern umfafst, auf welche wir theilweife im Folgenden noch zurückkommen müffen. Ebenfo reich und vollſtändig war die Ausstellung von Siemens Brothers in London. In der franzöfifchen Abtheilung fanden wir eine hervorragende und intereffante Ausstellung des Minifteriums des Innern( Adminiftration des lignes télégraphiques, Paris, Rue de grenelle, Saint Germain, 103), welche faft alle neueren Conftructionen franzöfifcher Telegraphenapparate enthält, fo die Typendruck- Telegraphen von Dujardin und d'Arlin court, Morfe- Apparate nach dem Syfteme Ailhaud, den Meyer'fchen Apparat zur gleichzeitigen mehrfachen Depefchenvermittlung auf einer und derfelben Linie, die autographifchen Apparate von d'Arlincourt und Meyer, die Relais nach den Syftemen von Boivin, Froment und d'Arlincourt; ferner Bouffolen, Widerftandsmeffer, Blitzableiter u. f. w. Frankreich ift ferner auch durch eine Reihe anderer Firmen gut vertreten und wir nennen hier nur L. Bréguet, L. Defchiens, Deg offes& Cie., Digney frère& Cie., P. Dumoulin- Froment, Guyot d'Arlincourt, E. Hardy, B. Meyer, Poftel& Cie.( Maifon Vinay), fämmtlich in Paris, und Andere. Das öfterreichifche k. k. Handelsminifterium ftellte die auf feinen Linien im Gebrauche befindlichen Apparate und Vorrichtungen zufammen und exponirte fie im Pavillon des Welthandels. Wir finden dort das Modell des neuen Telegraphenamts- Gebäudes in Wien, Tragfäulen und Vorrichtungen zum Spannen der Drahtleitungen, Unterfuchungsapparate, complete Feldtelegraphen, Reliefund Farbfchreiber, Morfe ohne und mit Translationsvorrichtungen, FarbfchriftApparate für Arbeits- und Ruheftrom, Doppelftift- Apparate mit Translationsvorrichtung, Hughes- Apparate mit der Teufelhart'fchen Brofchüre: ,, Fingerfatz beim Hughes", Relais der gewöhnlichen Conftruction und mit Gewitterfchutz- Vorrichtung für Arbeits- und Ruheftrom, einfache Tafter, Wechfeltafter und DoppelfchlufsTafter, Blitzplatten mit eifernen Lamellen, Blitzfchutz- Vorrichtungen mit Saugfpitzen, ferner den Illimitapparat von Alois Bauer. Ausserdem finden wir in der öfterreichifchen Abtheilung noch ziemlich vollſtändige und reiche Expofitionen, hauptfächlich allerdings nur jener im grofsen Betriebe befindlichen Morfeund Nebenapparate, fowie der Eifenbahn- Signalvorrichtungen, wie jene von H. Keitel, B. Egger, C. A. Mayrhofer, der allgemeinen Telegraphen- Baugefellſchaft( ehemals J. Leopolder) und andere. Auch die anderen Länder, zunächft die Schweiz, vornämlich vertreten durch M. Hipp in Neuenburg, und Italien, ferner Ungarn, Rufsland, Dänemark und Belgien haben ihr Contingent für das Telegraphenwefen geliefert, ja felbft das ferne Japan lieferte einen nach Siemens& Halske conftruirten Zeigertelegraphen mit der Signatur: Patent 1870, Télégraphe aimant de d'Hiro fe à Vedo, mit japanefifchen Schriftzeichen auf der Buchftabenfcheibe. Von den zur Erzeugung des elektrifchen Stromes verwendeten Elementen finden wir das Braunftein Element von Le clanché, welches feit ungefähr 6 Jahren auf mehreren franzöfifchen und belgifchen Eiſenbahnen im Gebrauche ift, ausgeftellt von E. Barbier in Paris, 9 rue de Laval; ferner die bekannten Meidingerfchen und Ballonelemente, ausgeftellt von Meyer& Wolf in Wien, fowie von Gebrüder Naglo in Berlin. Karl Sartori in Wien ftellte feine Kohlenzink- Elemente aus. In Bezug auf die Form find die ausgeftellten Elemente verfchieden, fo 6 Dr. Leander Ditfcheiner. dafs die einen die Form der bekannten Smee'fchen Elemente haben, indem zwifchen zwei verticalen Kohlenplatten eine amalgamirte Zinkplatte fich befindet, welche in mit verdünnter Schwefelfäure gefüllte parallelopipe difche Glasgefäfse tauchen, während die anderen cylindrifche Gefäfse befitzen, in denen je eine kreisförmige Zink- und Kohlenfcheibe horizontal übereinander liegen. Die Poldrähte, welche die Platten tragen, gehen durch einen Pfropf des Halfes hindurch und find, foweit fie durch die Flüffigkeit gehen, mit einer fchlechtleitenden Subftanz überzogen. Das Chlorfilber- Element von Dr. Pinkus in Königsberg enthält in dem unteren Theile eines Reagensgläschens ein fingerhutartiges Gefäfs von etwa I Quadrat zoll Oberfläche, an welchem ein ifolirter Leitungsdraht angebracht ift. Das Gläschen enthält ferner ein nahezu ebenfo grofses Stück amalgamirtes Zink von beliebiger Form, an das ebenfalls ein ifolirter Kupferdraht angelöthet ift. Beide Drähte gehen durch einen das Glas verfchliefsenden Kork. Zum Gebrauche wird das Silbergefäfs mit Chlorfilber gefüllt und verdünnte Schwefelfäure oder Kochfalzlöfung darauf gegoffen. Mehrere folche Gefäfse auf einem paffenden Holzgeftelle liefern eine ziemlich kräftige, leicht transportable und compendiöfe Batterie. Nach der Königsberger Zeitung vom 2. März 1873( fiehe Pogg. Ann. 149, 430) wurden auf der Königsberger Telegraphenftation der königlichen Oftbahn Verfuche von vielverfprechendem Erfolge mit diefer Batterie ausgeführt. Zwanzig folcher I Zoll im Durchmeffer und 2½ Zoll in der Höhe faffenden Elemente gaben bei der einfacher. Schliefsung einen Strom fo kräftig, dafs die Galvanometernadel 75 Ausfchlag zeigte, während unter gleichen Umftänden 40 Meidinger- Elemente eine Ablenkung von nur 49° hervorbrachten.. Man telegraphirte mit diefen 20 Elementen von Königsberg mit gröfster Leichtigkeit direct bis Berlin, und es genügten 10 Ele. mente zur Verftändigung nach Berlin, 4 folche zur Verftändigung bis Bromberg. Es wurde damit der Beweis geliefert, dafs 6, refpective 12 Elemente im Ganzen genügen, um die Widerftände von etwa 60 Meilen Telegraphenleitung bis Bromberg und 134 Meilen bis Berlin( inclufive Galvanometer- Relaiswiderstände u. f. w.) zu befiegen. 0 Chromelemente in der bekannten Form lieferte unter Anderen Chutaux & Cie. in Paris, 147 rue du faubourg Poiffonière, und in etwas neuerer Form Voifin& Dronier in Paris, 41 rue de Saint Fargeau, als Piles dites à cloches. Bei diefen letzteren wird nicht, wie gewöhnlich bei Aufs ergebrauchfetzung des Elementes die Zinkplatte mittelft eines Stäbchens aus der Flüffigkeit gezogen, fondern diefelbe bleibt in der Flüffigkeit, es wird aber über diefelbe ein gut anfchliefsender Cylindermantel von Gummi oder Hartkautfchuk von aufsen gefchoben, der gleichfam als Scheidewand zwifchen die Kohlen und Zinkplatten tritt. Guérot in Paris, rue Daguerre 71, ftellte das Element Delaurier aus, welches ebenfalls aus Zink und Kohle befteht. Erfteres befindet fich in Waffer, letztere aber in einem poröfen Thoncylinder, in welchen fie von einer Mifchung von feftem doppeltchromfaueren Kali, fchwefelfauerem Natron und Eifenvitriol umgeben ift. Durch den poröfen Thoncylinder tritt das Waffer zu diefer Mifchung und gibt ihr die nöthige Feuchtigkeit. Von fogenannten Polarifationselementen finden wir die Batterie fecondaire von Gafton Planté in Paris, 56 rue de Tournelles, befchrieben in Du Moncel. ,, Appl. de l'électricité", T. V.; von Thermo- Elementen die bekannten Marcus'fchen und die neuerer Zeit von Waltenhofen befchriebenen Noël'fchen Elemente( Pogg Ann. 143, 113 und 144, 617). Endlich wäre noch die von Dr. Carl Frommhold in Peft ausgeftellte Batterie zu erwähnen, bei welcher die conftanten Elemente durch eine einfache Vorrichtung fo verbunden find, dafs es leicht möglich ift, fämmtliche Elemente hintereinander, alfo nach Intenfität, oder nebeneinander, nach Quantität zu reihen. In Betreff der eigentlichen Leitung finden wir eine Expofition von Tragfäulen mit Ifolatoren für Luftleitungen, ifolirende Porcellan- und Steinguthütchen Telegraphen- Apparate. 7 als Träger von Drahtleitungen, dann auch runde und viereckige Thonzellen für galvanifche Elemente bei der Actiengefellfchaft für den Telegraphenbedarf, vormals H. Schomburg in Berlin; ferner eine Reihe von Porcellan- und Steingut- Ifolatoren in den verfchiedenften Formen von Billault- Billaudot& Cie. in Paris. 24 rue de la Sorbonne, fowie von Ad. Hafche& Lepin Lehalleur, Paris; rue Paradis Poiffonnière 24, und Eifenbeftandtheile für Telegraphenleitungen von J. B. F. Vauzelle in Paris, rue Saint. Maur Popincourt 152. Leitungsdrähte mit Seide und Wolle umfponnen, letztere auch in Wachs eingelaffen, für Elektromagnetumwindungen, Zimmerleitungen. Rheoftaten etc. lieferte J. Vogel in Berlin und Legay in Paris, 42 rue Laugier, welch Letzterer auch noch Kabel mit Bleiüberzug und Kabel zu militärifchen Zwecken mit einer Feftigkeit von 140 Kilo gegen das Zerreifsen bei einem Gewichte von 25 Kilogramm für je I Kilometer Länge ausftellte. Die bekannte Firma Felten& Guillaume in Köln am Rhein exponirte 10 Stück fchöne unterirdifche und fubmarine Kabel in verfchiedenen Durchmeffern. Siemens Brothers in London brachten Mufter des Platino- Brazileira Cable, Military Cable, des Mediterranean, des Brazil und des Black- Sea Cable, ferner des Hongkong- Shanghai- Poffie da- Cable und des Strait of Kertfch. Eine prachtvolle Ausftellung von Kabelmuftern und ifolirten Leitungsdrähten lieferten Hooper's Telegraph Works, 31 Lombard Street, London. Wir finden darunter die im Jahre 1863 und 1868 im perfifchen Golf gelegten 525 Meilen( englifch) langen Kabels, das 1865 verfertigte River croffing Cable von 45 Meilen, das Ceylon Cable von 1866 von 35 Meilen Länge, das England und Dänemark verbindende Kabel 1868, 365 Meilen lang, die Kabel von Möen nach Bornholm im baltifchen Meere, 82 Meilen, von Schottland nach Norwegen, 247 Meilen, von Schweden nach Rufsland, 103 Meilen( fämmtlich 1868 gelegt), das Kabel von Hongkong nach Shanghai und von dort nach Japan und in die Poffieda Bai in der Länge von 2300 Meilen 1870 verfertigt und endlich das 5000 englifche Meilen lange 1872 verfertigte Kabel der Great Weftern Telegraph Company. Eine Reihe von Unterfee- und Torpedo- Kabeln und Drähte für Luftleitungen exponirte die India Rupper Guttapercha and Telegraph Works Company in Silvertown, Effex, England. Von der Telegraph Conftruction and Maintenance Company, London, finden wir eine fchöne Ausftellung von etwa 82 Kabelmuftern, in ihren Querfchnitten und äufseren Formen der Landftücke und der Tieffeeftücke, welche von Freiherrn von Erlanger in Paris ausgeftellt und nach der Ausftellung dem in Wien gegründeten Athenäum überlaffen wurden. Die zum Meffen der Stromftärke verwendeten Multiplicatorgalvanometer, fowohl horizontale als auch verticale, fanden fich felbftverständlich in grofser Zahl, und faft jede Telegraphenfabrik und Bau- Anftalt lieferte diefelben in den bekannten Formen. Das für Ingenieure der indifchen Linie beſtimmte Reife galvanofkop von Siemens und Halske ift mit einer zweckmäfsigen Arretur verfehen, welche zugleich ein leichtes und bequemes Herausnehmen der Nadel geftattet. Die Nadelachfe ift nämlich in die beiden Wangen a und b eines kleinen Rahmens eingelagert, und zwar in a in einem ovalen Loche, in 6 in einem länglichen, von der Seite herein fchief nach unten gehenden Schlitze; die Achfe legt fich mit ihrer oberen Seite an die unten abgerundeten Enden eines zweiten, im Gehäufe feftliegenden Rahmens an, fo lange eine an dem die beiden Wangen a und b verbindenden Querftücke des erften Rahmens befeftigte, mit ihren Enden fich gegen den zweiten Rahmen ftützende Feder f fich felbft überlaffen wird. Dabei ift dann die Nadel arretirt. Schraubt man dagegen den erften Rahmen mit feinem Querftücke gegen den zweiten herab, fo fenkt fich fogleich die Nadel, während fich die Feder durchbiegt und ftärker fpannt. In diefer Lage läfst fich die Nadel leicht aus ihren Lagern heben. Das Tafchengalvanofkop derfelben Firma ift in einem dofenförmigen Gehäufe 8 Dr. Leander Ditfcheiner. fo angebracht, dafs es bequem in die Tafche gefteckt werden kann; feine Achfe ift in vier Steinen gelagert.( Dr. E. Zetzfche, kurze Mittheilungen über die in Wien 1873 von Siemens& Halske in Berlin ausgeftellten neuen Telegraphenapparate. Zeitfchrift für Mathematik und Phyfik.) Aufserdem brachten Siemens& Halske das Haarnadel- Galvanofkop zum Anzeigen fehr kurzer Ströme und ein ControlGalvanofkop und Einfchaltevorrichtung für Leitungs- Controlftationen. Von genauen Mefsinftrumenten, wie Sinus- und Tangentenbouffolen. finden wir bei Siemens& Halske in Berlin, fowie bei Siemens Brothers in London die bekannte Sinus- und Tangentenbouffole, ferner eine Sinusbouffole, zugleich als Differentialgalvanometer verwendbar, und eine Tangentenbouffole, beide nach der Siemens'fchen Conftruction. Sinus- und Tangentenbouffolen lieferten auch Digney frères et Cie. und die Adminiftration des Lignes télégraphiques; Letztere eine Tangentenbouffole nach der Modification von Lagarde. Hierher gehört auch das a periodifche Spiegelgalvanometer von Siemens& Halske in Berlin. Der Vortheil diefes Inftrumentes liegt in der Aperiodicität der Bewegung des Magnetes, das heifst der Eigenfchaft, dafs, wenn ein Strom die Rollen des Galvanometers durchfliefst und der Magnet dadurch abgelenkt wird, derfelbe keine Schwingungen um feine neue Gleichgewichtslage ausführt, fondern fofort in derfelben ftehen bleibt. Diefe Eigenfchaft ermöglicht ein rafches und ficheres Arbeiten und aufserdem werden die Störungen, durch Erfchütterungen des Haufes hervorgerufen, durch die Dämpfung möglichft abgefchwächt. Wenn auch die völlige Aperiodicität der Bewegung nicht bei allen Exemplaren diefes Galvanometers erreicht ift, fo wird doch wenigftens die Bewegung des Magnetes foweit gedämpft, dafs auch bei grofsen Ablenkungen der Magnet nach höchftens zwei bis drei Schwingungen zur Ruhe kommt. Im Uebrigen ist das Inftrument fo fein gebaut, dafs es auch ohne Anwendung eines Richtmagneten, und ohne eine fehr delicate Behandlung zu erfordern, eine hohe Empfindlichkeit befitzt, nämlich einen Ausfchlag von 80 Scalentheilen für den Strom von einem Daniell'fchen Elemente in einem Drahte von 1,000.000 Siemens- Einheiten Widerftand bei 2 Meter Entfernung der Scala vom Spiegel gibt, wenn jede der beiden Rollen einen Draht von circa 1700 Siemens- Einheiten Widerftand in circa 16.000 Windungen trägt. Diefer Magnet kann feiner Form wegen Glockenmagnet genannt werden. Diefelbe ift jene eines Hufeifenmagnetes, in welchen jedoch die beiden gradlinigen Enden wie zu einem Hohlcylinder gehörig gebogen find. Auch hier find Nord- und Südpol an den freien Enden um den Durchmeffer des Cylinders entfernt. Der Magnet ift fo aufgehängt, dafs die Achfe des Cylinders vertical ift; Nord- und Südpol liegen und bewegen fich in einer horizontalen Ebene. Das Galvanometer kann zu genauer Meffung von fchwachen, fowie bei zweckmäfsiger Schaltung von beliebig ftarken Strömen benützt werden. Durch Anbringung eines Richtmagnetes kann die Empfindlichkeit beliebig gefteigert werden. Die Aperiodicität des Magnetes wird erzielt durch Anbringung einer ftark dämpfenden, den Magnet möglichft nahe umgebenden Kupferkugel und durch die eigenthümliche Form des Magnetes. Diefer hat nämlich die Form eines Fingerhutes, welcher auf zwei Seiten der Länge nach abgefchnitten ift. Derfelbe fchwingt mit wenig Spielraum in einem entſprechenden cylindrifchen Hohlraum der Kupferkugel. Durch diefe Conftruction wird einerfeits erzielt, dafs der Magnetismus eine bedeutende Intenſität erhält und dennoch das Träg heitsmoment des Magnetes ein geringes bleibt; andererfeits erhält man auf diefe Weife ein möglichft genaues Anfchliefsen des ganzen Magnetes an die dämpfende Kupfermaffe, und zwar gleichmässig in jeder beliebigen Stellung des Magnetes. Wenn die Kupfermaffe völlig homogen und gut leitend ift, fo wird bei diefer Conftruction die Bewegung des Magnetes vollkommen aperiodifch. Das Galvanometer felbft befteht im Wefentlichen aus einem meffingenen. Dreifuss mit drei Stellfchrauben, aus einer Kupferkugel mit cylindrifchem Hoh! Telegraphen- Apparate. 6 raum, in welchem der Magnetfpielt, einem Rollenpaare, einem Spiegelgehäuſe mit aufgefetztem Glasrohre und dem fchon oben erwähnten Glockenmagnete mit Spiegel und Coconfaden. Die Kupferkugel ift auf eine verticale meffingene Achfe geſetzt, welche fich frei in einer in der Mitte des Dreifusses angebrachten Oeffnung bewegen kann; diefe Achfe trägt einen ringförmigen Anfatz, welcher über einen auf den Dreifuss aufgefetzten, mit einem Stiel verfehenen Ring übergreift. Jener Anfatz und mit ihm die Kupferkugel kann feftgeftellt werden durch eine Klemme, welche an dem Stiele des Ringes angebracht ift. Wenn durch das Anfchrauben diefer Klemme die Kupferkugel feft mit dem Ringe verbunden ift, fo kann noch eine feine Bewegung desfelben ausgeführt werden vermittelft zweier an dem Stiele des Ringes angebrachter Schrauben mit durchlochten Köpfen, welche gegen einen feft im Dreifufs fitzenden Anfatz drücken. Die beiden Rollen werden je nach Bedürfnifs mit dünnem oder dickem Kupferdraht unifilar oder bifilar umwickelt, jede trägt die den Drahtenden entſprechende Anzahl von Klemmen, fo dafs die einzelnen Drähte hintereinander, gegeneinander oder parallel gefchaltet werden können. Sie find auf der einen Seite kugelförmig ausgehöhlt und werden mittelft ftarker randrirter Schrauben an der Kupferkugel befeftigt. Auf der Kupferkugel ift ein meffingener Ring aufgefetzt, welcher mit einer Vertiefung, in welcher das Spiegelgehäufe fitzt, verfehen und mittelft dreier Schrauben feftgehalten wird. Durch Löfung diefer Schrauben läfst fich das Spiegelgehäufe drehen. Diefes letztere trägt ferner ein Glasrohr, welches oben mit einem meffingenen Hute verfehen ift, welcher Hut in der Mitte eine Oeffnung befitzt, durch welche der Faden eingeführt wird Mittelft eines am Hute befeftigten drehbaren Stiftes mit randrirtem Kopf kann der Faden aufgewickelt werden. Seitlich find in den Hut drei randrirte Schrauben eingeführt, welche im Innern eine Meffingbüchfe fefthalten, welche eine Oeffnung für den Faden befitzt und zur Führung desfelben dient. Durch Benützung diefer feitlichen Schrauben wird der Aufhängepunkt des Fadens genau vertical über die Mitte des cylindrifchen Hohlraumes in der Kugel geftellt. Das Stativ des Fernrohrs befteht aus einem ftarken hölzernen Dreifuss mit Tifch. Auf diefen letzteren ift ein meffingener Dreifuss auf drei Meffingplatten aufgefetzt, der nach unten vermittelft einer durch den hölzernen Tifch gehenden Spiralfeder aufgedrückt wird. Das Fernrohr ift auf ein meffingenes Geftell aufgefetzt, das einen Träger zum Einfchieben der Scala befitzt und deffen Achfe fich frei im Centrum des Dreifufses bewegt. Diefe Achfe kann feftgeftellt werden durch eine Klemme mit randrirter Schraube, welche an dem Meffingdreifufse fitzt. Das Galvanometer wird auf eine fefte Unterlage fo geftellt, dafs der Spiegel in gleiche Höhe mit dem Fernrohre kommt. Die Unterlage befteht am beften aus einem Steine, der in die Mauer eingefügt oder einem Brete, das an einem Balken des Gebäudes angefchraubt ift. Das Fernrohr mit Stativ kann beliebig im Zimmer aufgeftellt werden, jedoch mufs die Scala gut beleuchtet fein. Je gröfser die Entfernung der Scala vom Spiegel ift, defto bedeutender wird die Verfchiebung der Theilftriche bei einer Drehung des Spiegels im Fernrohre. Die Scala wird fo in den Träger des Fernrohres eingefchoben, dafs ihre Mitte unter diejenige des Fernrohr- Objectives zu liegen kommt. Die Rollen des Galvanometers werden ungefähr fo geftellt, dafs ihre Achfen von Weft nach Oft gehen, die Ebenen der Windungen alfo ungefähr parallel der Meridianebene liegen. Der Magnet wird zum freien Schwingen gebracht durch Benutzung der drei Stellfchrauben am Fufse des Galvanometers, und man erkennt diefe freie Bewegung des Magnetes durch die Regelmässigkeit feiner Bewegungen bei Ablenkung durch Eifenftücke oder Magnete. Sodann wird entweder der Spiegel fenkrecht auf die Fernrohr- Achfe oder umgekehrt, was meiftens auch leichter ift, das Fernrohr fenkrecht auf den Spiegel geftellt. Im letzteren Falle ftellt man fich einige Schritte vom Spiegel auf und fucht den Punkt, von welchem aus man im Spiegel das Bild feines eigenen Auges fieht. Das Fernrohr wird dann etwas über diefen Punkt geftellt. Hängt aber der Spiegel fo, dafs man im Zimmer das Fernrohr überhaupt nicht fenkrecht dazu aufftellen 10 Dr. Leander Ditfcheiner. kann, oder dafs diefe Stelle fchlecht beleuchtet ift, fo mufs der Spiegel fo über den Magnet gedreht werden, dafs die auf demfelben fenkrechte Linie das Zimmer in einer Richtung durchfchneidet, in welcher Fernrohr und Scala zweckmäfsig aufgeftellt werden können Fällt die auf dem Spiegel fenkrechte Linie etwas über oder unter die Fernrohrachfe, fo mufs der Spiegel durch Benützung des oberhalb desfelben angebrachten Schräubchens fo lange geneigt werden, bis das Bild der Scala im Fernrohre erfcheint; auch kann zu demfelben Zwecke das Fernrohr durch die drei meffingenen Stellfchrauben etwas verftellt werden. Das Spiegelgehäufe wird ftets fo gedreht, dafs das Planglas parallel zum Spiegel fteht. Ferner fucht man das Fernrohr fo zu ftellen, dafs bei unabgelenkter Nadel in demfelben die Mitte der Scala gefehen wird. Um dem Spiegel ein geringes Drehungsmoment zu geben, ift feine Faffung aus Aluminium verfertigt. Endlich müffen noch die Rollen genau in die Meridianebene gebracht werden. Diefs gefchieht dadurch, dafs man durch die Rollen einen ftarken Strom fchickt, der jedoch noch einen ablesbaren Ausfchlag gibt, dann den Strom in der entgegengefetzten Richtung durch die Rollen fliefsen läfst. Die Rollen werden nun fo lange gedreht, bis diefe beiden Ausfchläge vollkommen gleich find. Werden bei der Aufftellung und dem Gebrauche des Galvanometers alle diefe Vorfchläge eingehalten und ift die Scala vom Spiegel nicht weniger als zwei Meter entfernt, fo find die Ausfchläge den Strömen genau proportional. Die von Siemens& Halske ausgeftellte aperiodifche Bouffole hat eine ähnliche Einrichtung, nur ftatt der Kupferkugel einen Kupfercylinder. Ein Spiegelgalvanometer in fchöner Ausführung war auch von M. T. Edelmann in München und ein folches namentlich für objective Darftellung von Profeffor V. v. Lang in Wien ausgeftellt. Vorrichtungen zum Einfchalten von Widerftänden von bekannter Gröfse finden wir auch hier wieder bei Siemens& Halske in Berlin und Siemens Brothers in London, und zwar die Siemens'fche Einheit in Neufilberdraht ausgeführt und Widerftandsfcalen von o'I bis in fumma von 100, oder 5000 oder auch 10.000 S. E. in der bekannten Form.( S. Schellen, Telegraph, 5. Auflage, pag. 136.) Aehnliche Vorrichtungen finden wir auch in der Expofition der franzöfifchen Adminiftration der Telegraphen. Hierher gehört auch das von Dr. WernerSiemens angegebene und von Siemens& Halske in Berlin und Siemens Brothers in London ausgeftellte Univerfalgalvanometer. Diefes Inftrument( S. Schellen, pag. 197) macht es möglich, die Meffung von Stromftärken, des Widerftandes von Drähten und der elektromotorifchen Kraft der Batterien an einem und demfelben Apparate auszuführen. Der Apparat enthält ein Galvanometer, einen Tafter, die nöthigen Vergleichungswiderftände, fo dafs nichts nöthig ift, als die Batterie und die unbekannten Widerftände in der vorgefchriebenen Weife mit den Klemmen des Apparates in Verbindung zu fetzen. Der Univeríal- Widerftandskaften von Dr. Werner Siemens bietet ähnliche Vortheile, aber mit mehr Vollständigkeit und Genauigkeit. Mit diefem Inftrumente können nämlich die Widerftände von Drähten, die elektromotorifchen Kräfte und die Widerftände von Batterien gemeffen werden, die letzteren nach einer neuen von Dr. W. Siemens angegebenen Methode. Es bietet zwar nicht wie das Univerfalgalvanometer den Vortheil dar, dafs zugleich ein Galvanometer damit in Verbindung fteht, aber dafür den anderen, dafs jeder der feit Jahren gebräuchlichen Widerftandskaften von Siemens& Halske fogleich durch Anfetzen eines neuen Theiles in einen Univerfal Widerftandskaften verwandelt werden kann. Das Inftrument befteht aus einem vollständigen Widerftandskaften A von I bis 5000 S. E. und aus drei beigefügten Theilen B, C, D, welche ebenfalls Rollen von beftimmten Widerständen enthalten und mit Klemmen für die verfchiedenen Meffungen verfehen find. Alle Widerstandsrollen find wie in jedem anderen Siemens- Halske'fchen Widerftandkaften aus doppelt mit Seide überfponnenem Neufilberdraht von verfchiedener Stärke gefertigt und bei 20 Grad Celfius juftirt mit der Genauigkeit von 2 pro mille, was ungefähr der Telegraphen- Apparate. 11 Veränderung des Widerftandes bei I Grad Temperaturänderung entſpricht. Die Rollen können aus- und eingefchaltet werden durch Stöpfel, welche in die ausgefchliffenen Hohlkehlen der Meffingftücke paffen, an denen die Enden der Drähte liegen; beim Gebrauche der Widerftandskaften, namentlich bei kleineren Widerftänden find diefe Stöpfel ftets fo feft als möglich mit Drehung einzuftecken. Zum Meffen von Bruchtheilen einer Einheit find zwei forgfältig gezogene Platin drähte ausgefpannt, auf welche ein mit einer vergoldeten Kante und einer Bleiplatte verfehener Läufer von Meffing aufgefetzt werden kann; wenn der Stöpfel am Anfange der Platindrähte gelöft wird, fo kann der Strom den einen Platindraht, dann den Läufer und den anderen Platindraht durchlaufen. Ungefähr 250 Millimeter diefes Doppeldrahtes haben I S. E. Widerftand Der Widerftand des Platindrahtes mufs jedoch bei jedem einzelnen Inftrumente beftimmt und diefe Beftimmung von Zeit zu Zeit wiederholt werden, weil die Spannung des Drahtes variirt. o 2 Millimeter bis o 3 Millimeter entſprechen daher 0.001 S. E Der Läufer braucht nicht genau fenkrecht zu den beiden Drähten aufgefetzt zu werden. Das Mittel aus den Ablefungen auf beiden Seiten ift genau die wahre Ablefung. Die Ablefung am Läufer gefchieht an der ebenen Seite, da die Kante abgerundet ift und daher der Ort, wo der Contact ftattfindet, nicht von oben gefehen werden kann. Es mufs auch der Fehler, der auf diefe Art bei der Ablefung begangen wird, ein- für allemal beftimmt werden. Diefs gefchieht am einfachften dadurch, dafs man bei irgend einer Meffung den Läufer genau einftellt, dann denfelben herausnimmt und umkehrt und diefelbe Einftellung abermals ausführt. Die halbe Differenz der beiden Ablefungen ift der gefuchte, bei jeder weiteren Ablefung zu berücksichtigende Fehler. Jedem folchen Apparate ift ein Schema beigegeben, in welchem die Stromläufe und die Formeln für die verfchiedenen Meffungen gegeben find. Die Methode der Meffung der Batteriewiderftände beruht auf der Eigenfchaft des Fig. 1, Tafel I dargestellten Stromfchemas, dafs, wenn die Widerstände in den Zweigen I und 2 gleich find, der Strom in 2 gleich ftark bleibt, wenn man den Zweig 4 in die Stellung a oder in jene 6 bringt. Die Richtigkeit diefes Satzes ergibt fich auf folgende Art: Bezeichnen wir nämlich mit S₁, S., S, und S, die Stromftärken in den Zweigen 1, 2, 3 und 4, ferner mit G und die Leitungswiderftände des Galvanometers und der Batterie, mit A, B, C und D jene der Leiter 1, 3, 4 und 2 ohne Galvanometer und Batterie, fo ift nach den Kirchhoff'fchen Formeln für den Punkt M S₁= S₂+ St für den Stromkreis mit den Zweigen 2 und 4 ift C. S ( DG) S 0 und für den Stromkreis mit den Zweigen I, 4 und 3 ift S₁( A+ r)+ C. SB. S - E unter E die elektromotorifche Kraft verftanden, oder da S S₁( A+ B+ r)+ C. S₁= E. I) 2) _ S₁ ift 3) Aus diefen drei Gleichungen I, 2 und 3 folgt nun unmittelbar S'₂= EC ( A+ B+ r)( C+ D+ G)+ C.( D+ G). 2 Um die Gleichung für die Stromftärke S, im Zweige 2 zu finden, wenn zu fetzen flatt der Zweig 4 in die Lage MN' kommt, fo haben wir nur Ar+ B, Ar und ftatt G+ D ,. G+ D+ B, wodurch erhalten wird EC S₂ A+ r)( C+ G+ D+ B)+ C( G+ B+ D) 12 S₂ _ Dr Leander Ditfcheiner. Setzt man nun in beiden Gleichungen Ar= G+ B= M, fo wird EC ( MB)( CM)+ MC woraus folgt und S. S₁₁= S₁₂. CE M( BCM)+ C( B+ M), Nachdem die Verbindungen angebracht find, drückt man einen am Inftrumente, ähnlich wie beim Univerfalgalvanometer angebrachten Tafter%, fo zeigt das Galvanometer einen Ausfchlag; drückt man nun einen zweiten Tafter( ohne den erften loszulaffen), fo wird der Ausfchlag fich verändern. Man hat nun die Widerftände in A und D fo lange zu variiren, bis der zweite Ausfchlag gleich dem erften wird, die Nadel des Galvanometers alfo keine Bewegung beim Niederdrücken des Tafters. z macht. Ein Niederdrücken des erften Tafters fchickt den Strom überhaupt in die Verzweigung, er geht alfo von A aus in die Zweige C und D und nach Wiedervereinigung über B nach A zurück. Durch darauffolgendes Drücken des Tafters z aber wird eine folche neue Verbindung hergestellt, dafs der Strom von A ausgeht, fich einerfeits nach B, andererfeits nach G+ D verzweigt und dann wieder an der Vereinigungsftelle von b und B gegen A austritt. In dem Zweige I ift fodann der Widerftand A+ r, in jenem 2, DG, in jenem 3, B und in jenem 4, C; da aber der Widerftand in I gleich fein mufs dem Widerftande in 2, fo ift A+ r= D+ G, fomit r= D+ G- A. Der Widerftand des Galvanometers mufs bekannt fein, jener D und A wird am Inftrumente abgelefen, nachdem durch Drücken von keine Stromänderung im Galvanometerdrahte ftattfindet. Die Meffung von Drahtwiderftänden findet unter Verwendung des Widerftandskaftens als Wheatftone'fche Brücke, jene von elektromotorifchen Kräften nach der Methode von Poggendorff ftatt.( Autographirte Befchreibung von Dr. W. Siemens.) z Die Meffungen werden am genaueften, wenn G und D folche Werthe haben, dafs A klein wird. In den Zweigen B und C müffen ftets Widerftände eingefchaltet werden; im Allgemeinen folche, deren Gröfse ungefähr denjenigen in den übrigen Zweigen entſpricht. Die in B und C eingefchalteten Widerstände haben nur Einfluss auf die Genauigkeit der Meffung, nicht aber ift ihre Gröfse zur Beftimmung von nothwendig, da ihr Werth in der obigen Formel für fehlt. Die Methode ift felbftverſtändlich auf alle Leiter anwendbar, welche Sitze elektromotorifcher Kräfte find, fo namentlich Inductionsmafchinen und Thermofäulen. Von Taftern finden wir die gewöhnlichen Morfe- Tafter, felbftverständlich in grofser Zahl bei allen gröfseren Telegraphen fabriken Frankreichs, Deutſchlands, Oefterreichs, bei dem Gewerbeinftitute in Liffabon etc. L. Bréguet in Paris ftellte einen Inductionstafter aus, wobei einfach durch Abrifs eines Ankers von feinem Magnete oder bei deffen Anlegen Inductionsftröme, welche in die Linie gefandt werden, entſtehen. Die Enden eines hufeifenförmigen, kräftigen Magnetes find zu diefem Ende mit Drahtfpulen umgeben, welche mit der Leitung einerfeits, mit der Erde andererfeits in Verbindung ftehen. Der Anker legt fich an beide Enden wie gewöhnlich an, ift jedoch das eine Ende eines Hebels, deffen anderes Ende den Drücker enthält. Drückt man nun auf diefen, fo wird der Anker losgeriffen, der Magnetismus im Magnete tritt kräftiger auf und erzeugt einen kurz andauernden Strom, der auf der fernen Station den Anker eines polarifirten Relais oder eines polarifirten Morfe Apparates nach einer Seite bewegt. Hört man zu drücken auf, fo legt unter Mitwirkung einer Feder der Anker fich wieder an den Magnet, fchwächt deffen Magnetismus und erzeugt einen entgegengefetzt gerichteten Strom, der den Anker des Relais oder Morfe- Apparates in feine erfte Lage zurückführt. Ebenfo finden wir bei Siemens Brothers in London und Siemens& Halske in Berlin den Magnet Inductionsfchlüffel von Siemens( S. Schellen 446). Telegraphen- Apparate. 13 Der Wechfelftrom- Tafter mit Entladungscontact für die indo- europäiſche Linie( S. Schellen 551) ift von Siemens Brothers in London und der SubmarineSchlüffel( S. Schellen 550) von Siemens& Halske in Berlin ausgeftellt. Diefe Letzteren brachten auch einen fogenannten lautlofen Tafter, bei welchem die beiden Contacte für den Tafterhebel in fich nur wenig durchbiegenden Contactfedern liegen. Der Hub des Tafterhebels ift fehr klein und in Folge deffen ift das Auffchlagen des Hebels dem Ohre kaum vernehmbar. Damit der Telegraphirende den Hub, fomit auch die Schrift nicht verändern kann, find unter den beiden Contactfedern kleine Schrauben befeftigt, auf die fich die Contactfedern endlich bei ihrer stärksten Durchbiegung auflegen. Das von Siemens& Halske ausgeftellte Submarinerelais für Wechfelftröme befitzt entweder einen kräftigen Elektromagnet, welcher durch einen ftarken Localftrom erzeugt wird, oder einen durch ein Syftem permanenter Magnete kräftig influenzirten Magnet. Der Nordpol diefes aufrecht ftehenden Magnetes ragt durch ein in dem entſprechend verlängerten Südpole befindliches Loch, deffen Weite etwas gröfser ift als die Dicke des Nordpoles, hindurch und in dem Zwifchenraume zwifchen den beiden Polen fchwebt eine kleine, am Ende von drei länge. ren Meffingdrähten a, b, und b, aufgehängte Spule, in welche der Linienftrom durch die beiden Drähte b, und b, ein- und austritt, und welche dann je nach der Richtung des Linienftromes in dem magnetifchen Felde zwifchen jenen beiden Magnetpolen fich hebt oder fenkt, dabei aber den durch den mittleren Draht a zugeführten Localftrom in der einen oder anderen Richtung durch einen polarifirten Schreibapparat fendet. An der Spule ift nämlich ein Aluminiumbügel befeftigt, in welchen ein oben in einer Spitze, unten in einer ebenen Fläche endender Contactftift befeftigt ist, welchem oben ein Contact mit ebener Fläche, unten ein Contact mit Spitze gegenüberfteht. Die Bewegung der Spule mit ihrem Bügel läfst fich aufserdem auch unmittelbar durch eine Lupe beobachten, deren Vifur auf den Contact am Bügel eingeftellt ift. Diefes Relais zeichnet fich durch feine grofse Empfindlichkeit aus, welche es der Leichtigkeit des als Relaishebel dienenden Theiles und dem Umftande verdankt, dafs fich der Elektro- oder permanente Magnetismus jenes aufrechtftehenden Magnetes beliebig verftärken läfst( Zetzfche a. a. O.). Das ebenfalls nach den Angaben von v. Hefner- Alteneck von Siemens und Halske ausgeführte fogenannte Abkürzungsrelais hat die Aufgabe zu löfen, eine Erhöhung der Sprechgefchwindigkeit durch Kabel zu erzielen. Die Spulen des Elektromagnetes M diefes Relais bieten dem Strome einen fehr grofsen Widerſtand ( 1780 S. E.) und find einerfeits mit der Achfe des Tafters, andererfeits mit der Erde leitend verbunden. Von zwei Batterien ift der Kupferpol der einen B₁ mit dem Arbeitscontacte, der Zinkpol der anderen B, mit dem Ruhecontacte des Tafters verbunden, während die beiden anderen Pole zur Erde abgeleitet find. Demnach durchläuft der Strom von B, in der Ruhelage des Tafters die Spulen des Relais, zieht deffen Anker A an und legt den Ankerhebel auf die untere, ebenfalls mit der Erde verbundene Stellfchraube S; da nun an den Ankerhebel zugleich auch das Kabel geführt ift, fo kann jetzt ein aus dem Kabel kommender Strom über die Contactfchraube S, zur Erde gelangen. Beim Niederdrücken des Tafters kommt derfelbe erft zum Schweben; dabei wird B, unterbrochen, der Anker A fällt durch die Wirkung einer Spannfeder ab und der Ankerhebel legt fich an die obere mit der Tafterachfe verbundene Stellfchraube S₁; legt fich dann endlich der Tafterhebel auf den Arbeitscontact auf, fo wird die Batterie B₁ gefchloffen, der Strom verzweigt fich aber von der Tafterachfe aus und geht der eine Zweig durch die Contactfchraube S, und den Ankerhebel in das Kabel, der andere aber durch die Spulen von M. Diefer letztere Zweigftrom von B₁ durchläuft aber die Drahtwindungen der Spule in anderer Richtung, als vorher der Strom von B. Die magnetifche Polarität wird alfo in den Elektromagnetkernen( durch Null hindurch) umgekehrt, und es verfliefst daher eine gewiffe Zeit, bevor der Anker angezogen wird und der Ankerhebel fich wieder an die Schraube S₁ anlegt, dabei aber, felbft 14 Dr. Leander Ditfcheiner. wenn der Tafterhebel noch auf dem Arbeitscontacte liegt, den Strom von B₁ unterbricht und das Kabel entladend mit der Erde in Verbindung fetzt.( Zetzſche a. a. O.) In der Ausftellung der Adminiftration der franzöfifchen Telegraphen finden fich die Relais nach den Conftructionen von Boivin, Froment und d'Arlincourt, und ift namentlich diefes letztere durch feine fchon bewährte praktiſche Verwendbarkeit intereffant. Bei den bis jetzt faft allgemein angewendeten Relais bewegt fich ein Anker aus weichem Eifen oder magnetifirtem Stahl unter dem Einfluffe eines Elektromagnetes hin und her. Diefe Apparate haben nun bedeutende und bekannte Uebelſtände. Es behalten nämlich die Eifenkerne des Elektromagnetes eine gewiffe Menge Magnetismus, wenn der fie umkreifende Strom unterbrochen wird, wodurch die Entmagneti firung nicht augenblicklich erfolgt und dadurch die Translation verzögert wird. Dazu kommt, dafs die geringfte Aenderung der Stromftärke eine neuerliche Correction des Apparates nothwendig macht, da der remanente Magnetismus in den weichen Eifenkernen offenbar in demfelben Sinne variirt, als die Intenfität und die Dauer des Linienftromes. Die unvermeidlichen und bei langen Linien kräftigen Rückftröme bilden ebenfalls eine Urfache der Verzögerung für die in die Linie eingefchalteten Relais, und wenn es nicht gelingt, fie zu unterdrücken, fo kommen die Relais in unregelmässige Bewegung, welche nur zu oft die Translation unmöglich macht. Aber das Relais ift ein Apparat, deffen fich die Telegraphie nicht entfchlagen kann, und es ift ficherlich fehr vortheilhaft, einen Apparat zu haben, der unabhängig ift von dem Rückftrome und dem Einfluffe momentaner Schwankungen im remanenten Magnetismus der Eifenkerne. D'Arlincourt fcheint diefes Problem gelöftzu haben, indem er die magnetifche Wirkung der Drahtfpulen benützt, um den Anker anzuziehen, und indem er die bei den gewöhnlichen Relais in Anwendung gebrachte entgegenwirkende Federkraft erfetzt durch den remanenten Magnetismus, welcher den Anker in feine frühere Lage zurückführt. Es fei E CD, Fig. 2, Tafel I, ein Elektromagnet mit weichen Eifenkernen. In dem Momente, wo der Strom die Drahtwindungen durchfliefst, wird das weiche Eifen magnetifch, in A bildet fich ein Südpol und in B ein Nordpol. Die Maxima der Wirkung der beiden magnetifchen Pole findet fich nun nahe den freien Enden der beiden Arme des Hufeifens; der Magnetismus bleibt auch im gleichen Sinne, nimmt aber ab, wenn man von den freien Enden gegen die Biegung, das ift, gegen die neutrale Linie des magnetifchen Eifens, geht. In der Nähe diefer neutralen Stelle E ift der Magnetismus der Eifenkerne nur fehr gering. Jede der Spulen C, D des Elektromagnetes repräfentirt für fich einen Magnet; für die Spule Cift der Nordpol oben, der Südpol unten, und umgekehrt für die Spule D, wie die Zeichnung angibt. Hinter den Drahtfpulen, ganz nahe von E, zwifchen zwei Wangen der weichen Eifenkerne, befindet fich das Südende eines magnetiſchen Ankers P, welcher um fein anderes Ende drehbar ift. Die beiden Schräubchen V und V begrenzen die Bewegung diefes Ankers. Wenn nun der Strom gefchloffen ift, fo befindet fich der Südpol unter dem Einfluffe von zwei Paaren von Kräften. Die Ausbauchung oder Wange des Armes B wirkt als Nordpol und zieht den Anker an, während jene von A als ein Südpol abftofsend auf P wirkt. Die Gefammtwirkung diefes erften Kräftepaares fucht fomit dem Anker eine Bewegung gegen die Schraube V zu ertheilen. Da aber dort in der Nähe der neutralen Stelle überhaupt der Magnetismus der Eifenkerne gering ift, fo wird auch das Beftreben des Ankers, fich gegen die Schraube V zu lehnen, nur gering fein. In Folge der magnetifchen Wirkung der Spulen felbft aber wird P gegen die Schraube V gezogen, indem der obere Theil der Spule C als ein Nordpol den Südpol von P anzieht, der obere Theil der Spule D aber als ein Südpol abftöfst. Die gemeinfchaftliche Wirkung diefer beiden Kräftepaare treibt auch, da erfichtlich die Wirkung der vom Strome durchfloffenen Spulen auf den Anker gröfser ift, als die Wirkung des Magnetismus an den der neutralen Stelle naheliegenden Telegraphen- Apparate. 15 Stellen der Eifenkerne, den Anker gegen V, an welche Schraube er auch fo lange angelehnt bleibt, als der Strom gefchloffen ift. In dem Augenblicke aber, wo der Strom unterbrochen wird, hört die Wirkung der Spulen auf. Nicht fo ift es aber mit den weichen Eifenkernen, welche in demfelben Sinne in Folge des remanenten Magnetismus magnetifch bleiben, in welchen auch noch diefer Magnetismus verftärkt wird durch den bei der Unterbrechung des Linienftromes auftretenden inducirten Strom. Durch ihren remanenten Magnetismus wirken die Eifenkerne nun auf den Südpol von P; da nun der Anker fich nur unter dem Einfluffe der Eifenkerne befindet, fo kann er auch deren Bewegungsantrieb folgen, fo dafs der Anker von der Schraube V gegen jene geftofsen wird, an welche letztere er auch fo lange gelehnt bleibt, bis ein neuer Strom die Windungen der Drahtfpulen durchfliefst. Jede Schliefsung des Stromes führt alfo den Anker gegen V, jede Oeffnung gegen V'. Kehrt man die Richtung des Stromes um, fo gefchieht gerade das Gegentheil. Jede Oeffnung führt dann gegen V, jede Schliefsung gegen V Man fieht, dafs bei dem Relais von d'Arlincourt der bleibende remanente Magnetismus keine ftörende Urfache wie bei den gewöhnlichen Relais bildet, fondern. im Gegentheile nutzbar gemacht ift, die richtigen Hin- und Herbewegungen des Ankers zu unterſtützen. Das Relais von d'Arlincourt arbeitet auch mit grofser Schnelligkeit, da es bei ihm der bei anderen Relais die Bewegung verzögernde remanente Magnetismus ift, welcher die Anker zurückführt, und da diefe Wirkung durch einen und denfelben Strom erreicht wird, fo bedarf es weder eines Gegenftromes, noch einer ſpannenden Feder, um den Anker in die richtige Pofition zu bringen. Es ift diefes Relais auch fehr empfindlich und bedarf es an demfelben nicht der fo unangenehmen Correctionen, wie fie namentlich an den polarifirten Relais vorgenommen werden müffen; denn einerfeits beftimmt die Richtung des Linienftromes immer und nothwendigerweife die Lage des Ankers, und andererfeits ift die Bewegung unabhängig von der Intenfität des Stromes. Aber das Relais von d'Arlincourt befitzt noch eine für die Telegraphie fehr wichtige Eigenfchaft. Durch eine einfache ein- für allemal ausgeführte Correction gelingt es, den Rückftrom felbft der längften Luftleitungen und der unterfeeifchen Leitungen unfchädlich zu machen. So lange nämlich die Spitzen der Schrauben V und V fymmetriſch gegen die Wangen an den Armen der weichen Eifenkerne geftellt find, führt bei der Stromfchliefsung und Wiederöffnung der Anker die oben angegebenen Bewegungen gegen die Schrauben V und V aus. Eine Schliefsung und Oeffnung des Stromes bringt alfo immer eine Hin- und Herbewegung des Ankers hervor. Es gelingt aber leicht, die Spitzen der Schrauben Vund V durch Anziehen oder Nachlaffen derfelben fo zu ftellen, dafs der Anker bei einer Stromfchliefsung vollkommen unbeweglich ift und nur bei der Oeffnung des Stromes einen vollständigen Hin- und Hergang ausführt. In der That verfchiebt man die Spitze( der Anker ift durch die Wirkung des remanenten Magnetismus bleibend gegen V gedrückt) derart, dafs der Anker die Mitte des Zwifchenraumes zwifchen den beiden Wangen paffirt und überfchreitet. Der Pol S des Ankers ift ein Südpol, und zwar ftark magnetifch; er ift der Wange von A, welche ebenfalls, aber nur fchwach füdmagnetiſch ift, genähert und follte von ihr abgeftofsen werden. Aber durch Influenz des ftark magnetifchen Südpoles des Ankers auf das fchwach magnetifche Eifen wird der Magnetismus in diefem letzteren nicht nur gefchwächt, fondern fogar umgekehrt, und erlangt eine Polarität, wie fie ein ganz unmagnetifches Stück Eifen bekommen würde. Dadurch wird nun der Anker gegen die Spitze V gezogen, da die ihn davon abziehende Wirkung des Magnetismus in B, wegen der gröfseren Entfernung des Ankers von der Wange, faft ganz verfchwunden ift. Von diefem Momente lehnt fich der Anker ftets an V, fo lange kein Strom die Windungen des Elektromagnetes durchfliefst. Denken wir uns nun einen Strom, in paffender Richtung durch die Windungen gefchickt, fo fucht im Momente der Schliefsung die Wirkung der Spulen den Anker gegen V zu drücken, welche er ohnehin fchon berührt, und es tritt in diefem Falle keine Bewegung des Ankers 2 16 Dr. Leander Ditfcheiner. ein. Im Momente der Oeffnung aber ift der Magnetismus des Armes A noch in feiner vollen Kraft, ja felbft noch verftärkt durch die Wirkung des bei der Oeffnung auftretenden inducirten Stromes und die entſprechende Wange ift kräftig magnetifch genug, um den Anker abzuftofsen, welcher fich fodann gegen bewegt. In diefer Lage ift aber der Anker foweit von der Wange in B, dafs deren Magnetismus nicht auf ihn einen merklichen Einfluss nehmen kann, fo dafs der Anker lediglich durch die Abftofsung von A an Vanliegt. Aber während der Anker diefe Bewegung ausführt, finkt der remanente Magnetismus des weichen Eifens rafch und beträchtlich, fo dafs fich die Abftofsung von A nach dem oben Befprochenen in eine Anziehung verwandelt und fomit der Anker gegen V zurückgeführt wird. Diefe Hin- und Herbewegung des Ankers, welche fich rafch folgen, vergleicht d'Arlincourt mit der Bewegung, welche bei der Benützung einer Peitfche gemacht wird und nennt diefes Relais auch Relais à coup de fouet, während das früher befchriebene mit einem hin- und hergehenden Anker bei Oeffnung und Schliefsung einfach Relais fans Réglage oder kurz Translationsrelais genannt werden kann. Was die weitere Einrichtung des Relais betrifft, fo erfieht man diefelbe aus den Fig. 2, 3 und 4, Tafel I. KKift eine Kupferplatte, auf welcher die freien Enden der weichen Eifenkerne, fowie der Träger des Ankers befeftigt find. V und V find die fchon oben erwähnten, die Bewegung des Ankers P zwifchen den Wangen von E begrenzenden Schräubchen; die Wangen und der Anker find zwifchen die hufeifenförmige Biegung E der weichen Eifenkerne und die Spulen geftellt. In Fig. 3 ift der Anker Peine magnetifche Stahl- Lamelle, welche fich um die durch die in den Schrauben I und liegende Axe drehen kann, welche Schrauben felbft durch einen Träger L von Kupfer getragen werden. In Fig. 4 ift der Anker von weichem Eifen und dreht fich ebenfalls um eine durch die Schrauben Jund/ gebildete Axe. Diefe Schrauben find aber befeftigt an dem Südpole eines fixen Hufeifenmagnetes A B, welcher auch von der Kupferplatte K getragen wird. Durch die Einwirkung diefes Magnetes auf den Anker wird diefer felbft magnetifch und es bildet fich an den freien Enden P desfelben ein hinreichend kräftiger Südpol. Diefe Anordnung ift der früheren vorzuziehen, indem der magnetiſche Stahlanker in einiger Zeit vollständig oder wenigftens gröfstentheils feinen Magnetismus verliert, während der durch den angenäherten Magnet magnetifirte Anker feinen Magnetismus lange und conftant behält. Die Fig 5, Tafel I, ftellt ein vollständiges Relais dar, wie es z. B. zur Translation fchon länger zwifchen Marfeille und London in Paris und zwifchen Wien und Paris in Bregenz functionirt. AA ift als Translationsrelais fo regulirt, dafs der Anker L desfelben eine halbe Ofcillation bei der Schliefsung, die andere halbe Ofcillation jedoch bei der Oeffnung des Stromes ausführt. B B ift das Relais à coup de fouet zur Entladung der Linie; es ift wie, fchon oben bemerkt, in der Weife regulirt, dafs der Anker R unbeweglich bleibt bei der Schliefsung des Stromkreifes, jedoch eine volle Ofcillation bei der Oeffnung desfelben ausführt. Diefe beiden Anker Lund R liegen über den ungleichnamigen Polen eines kräftigen Magnetes K, fo dafs ihre freien Enden ebenfalls ungleichnamig magnetiſch find. Im Zuftande der Ruhe, wenn alfo kein Strom durch die Linie geht, hält der remanente Magnetismus der weichen Eifenkerne den Anker L gegen die Schraube Tund den Anker R gegen die Schraube O, letzteren durch den Einfluss feines eigenen Magnetismus, auf die eine Wange des Elektromagnetes. Die Leitung von London ift an den fixen Magnet K angefchloffen und fteht fie in Verbindung mit den Ankern L und R und den Schrauben, gegen welche diefe fich ftützen. M ift ein Sprechapparat, deffen Spulendraht mit der Schraube V des Relais AA und mit dem pofitiven Pol einer Batterie P in Verbindung fteht, welche Batterie dazu dient, einen Strom auf der Linie nach London zu fchicken. Im Ruhezuftande, wenn kein Strom durch die Linie geht, ift fein Anker NV durch die Spiralfeder U gegen die ifolirte Schraube Y gedrückt; diefer Anker fteht in Verbindung mit dem Drahte Telegraphen- Apparate. 17 der Spulen des Relais à coup de fouet BB. Endlich fteht eine Localbatterie p mit ihrem pofitiven Pol in Verbindung mit der Spitze X. Unter dem Einfluffe diefer Batterie wird das Relais à coup de fouet in Bewegung gefetzt. Auf der felben Station( Paris) ift ein dem vorhergenannten ganz ähnlicher Apparat aufgeftellt, beftehend aus dem Translationsrelais A1 A1, demRelais à coup de fouet B1 B1 und einem Sprechapparat M1. Der von Marfeille kommende Draht ift am fixen Magnet K1 befeftigt, der auch hier für beide Relais gemeinfchaftlich ift. Eine Batterie Pi deren pofitiver Pol mit dem Drahte der Spule von M1 in Verbindung fteht, liefert einen Strom in die Linie nach Marfeille. Die Localbatterie p1 fetzt auch das Relais à coup de fouet B1 B1 in Thätigkeit. In beiden Syftemen des Relais find die gleichwirkenden Theile mit gleichen Buchstaben in dem einen ohne, in dem andern mit einem oben angehängten Strichzeichen. Die leitende Verbindung diefer Relais unter einander ift folgende: Ein Draht F verbindet die Schraube 7 des Relais AA des erften Syftems bleibend mit dem über die Spulen des Translationsrelais A1 A1 des weiten Syftems gehenden Drahte, während ein Draht F1 die Schraube 7" des Relais A1 A1 mit dem Umwindungsdrahte der Spulen von AA leitend verbindet. Kommt nun ein Strom etwa von Marſeille, fo tritt er in Paris bei dem Magnete K1 ein, geht durch den Anker Z1 in die Schraube T1, durchfliefst den Draht des Translationsrelais A A, nachdem er durch F1 gefloffen ift, und kommt von AA in die Erde. Unter der Einwirkung diefes Stromes verläfst der Anker L die Schraube T und legt sich an jene V an und fchliefst damit den Stromkreis der Batterie P. Diefer Strom geht dann durch V, den Anker Z und den Magnet K in der Richtung nach London und gibt dort das Signal; aber der Strom der Batterie P durchfliefst dabei nothwendigerweife den Sprechapparat M, der Anker desfelben wird angezogen während deffen anderes Ende die Spitze Y verläfst und fich an die Spitze X legt, wodurch fich der Stromkreis der Localbatterie> fchliefst, welcher Strom durch die Spulen B B des Relais à coup de fouet geht. Unter dem Einfluffe diefes Stromfchluffes bewegt fich aber der Anker R diefes Relais nicht; diefer lehnt fich im Gegentheile nur noch fefter an die Schraube O, gegen welche er ohnehin fchon gedrückt war. In dem Momente, wo der Strom in Marfeille unterbrochen wird, geht der Anker Lauch zurück zur Schraube Tund unterbricht den Strom der Batterie P. Ebenfo zieht die Spiralfeder U den Anker N des Sprechapparates M gegen die Spitze Y und unterbricht den Localbatterie- Strom; dadurch aber wird der Anker R rafch eine Bewegung gegen die Schraube S ausführen, und entladet fo die Linie nach London, indem fie den von diefer Linie kommenden Rückftrom in die Erde leitet. Die Schraube S fteht nämlich in fefter Verbindung mit der Erde und verhindert fo den Rückftrom, durch Küber E nach F, in die Spulen von A1 A1 des Translationsrelais zu kommen und dort Störungen hervorzurufen. Darauf kehrt der Anker R fogleich wieder zur Schraube O zurück. Hierauf ift in der Station Paris wieder Alles bereit, ein neues Signal von Marfeille nach London zu übertragen. Wenn die Uebertragung in entgegengefetzter Richtung, das ist von London nach Marfeille ftattfinden foll, fo ift das Spiel der Apparate dasfelbe, nur find es jene des zweiten Syftems, welche in Bewegung kommen. Die SprechApparate haben hauptfächlich die Aufgabe, durch den Lärm, welchen fie machen den richtigen Gang der Relais anzuzeigen, deren Bewegungen zu klein find, um durch das Anfchlagen ihrer Anker gehört werden zu können. Es gibt diefs ein gutes Mittel der Controle, welches man nicht leicht weglaffen kann. Sie dienen auch dazu den Strom der Localbatterie zu fchliefsen, welcher durch die Relais à coup de fouet die Entladung der Linien einleitet. Diefe letzteren Relais hätten übrigens leicht durch die Ströme der Batterie P und P¹ in Thätigkeit gefetzt werden können, aber es hat fich gezeigt, dafs es vortheihafter ift die Localbatterie beizubehalten, da eine genügend rafche und kräftige Bewegung des Ankers der Entladungrelais BB und B1B1 nur durch genügend kräftige diefe Relais durch. fliefsende Ströme herbeigeführt wird. Die Linienftröme der Batterie P und P' haben 2* 18 Dr. Leander Ditfcheiner. fich dazu als zu fchwach erwiefen und bei ihrer alleinigen Anwendung blieb die Entladung unvollſtändig, fo dafs ein grofser Theil des Rückftromes durch A¹ A', refpective AA, hindurchging. Namentlich, wenn man trockenes Wetter und eine gute Ifolirung vorausfetzt, leiftet die Linie einen grofsen Widerftand. Die Linienftröme find in Folge deffen in Paris ziemlich fchwach, die Ladung der Linie erreicht aber in diefem Falle ihr Maximum. Wenn nun die Entladungsrelais nur durch den Linienftrom durchfloffen find, fo wird gerade dann die Bewegung ihrer Anker am fchwächften, wenn die Rückftröme am kräftigften find, wo fie alfo mit aller Sorgfalt verhütet werden follen. Mit der Localbatterie erhält man aber im Gegentheil einen Strom von conftanter Stärke und die Bewegung der Anker findet in allen Fällen mit derfelben Genauigkeit, Stärke und Schnelligkeit ftatt. Damit der Telegraphenbeamte leicht und praktifch die Regulirung der Relais mit der Hand ausführen könne, z. B. in den Relais AA, Fig. 5, und nicht erft die Anker mit den Schrauben Vund T verftellen und fie fo dem einen oder dem anderen Arme des Elektromagnetes nähern mufs, fo begrenzt man ein für allemal die Bewegung des Ankers zwifchen den beiden Schrauben und es ift begreiflich, dafs diefe Bewegung in fo enge Grenzen als nur immer möglich eingefchloffen fein mufs, und dann macht man die Wirkung des einen oder anderen Armes auf den Anker gröfser oder kleiner, indem man eine grofse eiferne Schraube mehr oder weniger tief in den einen Arm des Elektromagnetes eindringen läfst. Diefe Schraube ift auf der linken Seite des Relais AA mit ihrem Schraubenkopfe dargeftellt. Der Beamte hat dann nur diefen Schraubenkopf paffend zu drehen, um den richtigen Gang des Relais herbeizuführen. Ebenfo regulirt man das Relais A¹A¹. Um den richtigen Gang des Ankers R des Relais BB herzuftellen, braucht man nur mit dem Finger den Anker N des Sprechapparates fo hin- und herzubewegen, dafs die Localbatterie abwechselnd gefchloffen und geöffnet wird und der Strom durch die Spulen von BB fliefst oder nicht. Man dreht mit der anderen Hand die Schraube, welche man links von BB bemerkt, fo dafs der Anker R die gewöhnlichen Hin und Herbewegungen macht wie beim Relais AA; dann hat man nur noch paffend an derfelben Schraube zu drehen, damit R nur eine Hinund Herbewegung beim Oeffnen des Stromes ausführt. Selbſtverſtändlich regulirt man B1B1 ebenfo. Diefes Relaisfyftem hat die Schwierigkeiten der Uebertragung auf mehreren Kabeln des Canals und der Nordfee überwunden, und führt feit mehr als einem Jahre mit grofser Regelmäfsigkeit den directen Dienft zwifchen Marfeille und London. Von Seite Oefterreichs ift ein folches Relais in Bregenz feit einigen Monaten, zur Uebertragung von Wien nach Paris, in Thätigkeit und entfpricht auch auf diefer Linie vollkommen. Eine Reihe von Commutatoren und Umfchaltern finden fich felbftverſtändlich ihrer grofsen Wichtigkeit wegen für den Linienwechfel; fie find aber zumeift älterer Conftruction( Stöpfelumfchalter). Die von Siemens und Halske ausgeftellten Kurbelum fchalter zeigen eine neue Einrichtung zur gröfseren Sicherftellung eines guten Contactes. Die Kurbel ift nämlich mittelft eines Schlitzes auf die Kurbelachfe aufgefteckt, fodafs fie fich gegen diefe ein ziemliches Stück verfchieben kann; in den leeren Raum des Schlitzes ift aber eine Spiralfeder eingelegt, welche fich mit dem einen Ende gegen die Achfe, mit dem anderen gegen die innere Wand des Schlitzes anlegt und fomit die Kurbel mit dem entgegengefetzten Ende des Schlitzes feft an die Achfe zieht. Wenn fich nun die Kurbel an den feftliegenden, zum Theile auch federnden Contacten hinbewegt, fo wird durch deren Druck gegen die Kurbel die Spiralfeder zufammen. gedrückt, die Kurbel gibt nach und wird endlich in ihrer richtigen Stellung feftgehalten. Während der ganzen Bewegung aber erhält die Feder einen ficheren Contact zwifchen der Kurbel und ihrer Achfe. Aufser Siemens und Halske nennen wir hier noch die Handels- und Induftriegefellfchaft in Liffabon, welche mehrere Commutatoren, unter anderen jenen des Benoides ausftellte, Ch. Devos bei Brüffel u. f. w. Telegraphen- Apparate. 19 Auch die Blitzableiter waren in ihren verfchiedenen, zum Theile fchon wohlbekannten Formen in grofser Zahl von den Telegraphenapparate erzeugenden Fabriken exponirt. So fanden wir die Spitzen- Blitzableiter, wie fie für mehrere Linien bei den öfterreichifchen Telegraphen Anwendung finden, bei der Ausftellung des öfterreichifchen Handelsminifteriums im Pavillon des Welthandels, bei C. A. Mayrhofer in Wien, Wilhelm Weimer in Peft u. f. f. Ferner lieferten fogenannte Blitzplatten die allgemeine Telegraphenbau Anft alt in Wien, H. Keitel in Wien und endlich in verfchiedenen Formen und Gröfsen Siemens& Halske. Diefe exponirten auch einen combinirten Blitzableiter mit felbft thätiger Ausfchaltung, welcher namentlich in Rufsland vielfach in Anwendung ift. In einem Glas- Schutzkaften find die beiden in eine Station einmündenden Telegraphendrähte an zwei Schienen L, und L, geführt, zwifchen welchen fich die Erdfchiene E befindet. Aus jeder Schiene treten Spitzen bis nahe an die daneben liegende Schiene hervor. An den Schienen L, und L, find je eine Feder F, und F angebracht, welche jede durch einen an einer Säules befeftigten und über eine kleine Rolle gehenden dünnen Draht d gehoben erhalten werden. Der nach L₁ kommende Linienftrom geht daher über F₁, d₁ und S₁ durch den Telegraphenapparat nach S, do, F₂ und L. Schmilzt dagegen ein Blitz den Draht d₁ oder da ab, fo fällt die Feder F₁ oder F, auf einen Ambofs a, oder a herab, und da a₁ mit L2, a mit L₁ in directer Verbindung ftehen, fo fchaltet der Blitzableiter den Apparat beim Abfchmelzen eines Drahtes felbftthätig aus. In der Ausftellung der franzöfifchen Adminiftration der Telegraphen fanden wir, ebenfo bei Digney frères& Comp., die auf den franzöfifchen Linien in Anwendung befindlichen Blitzableiter. Diefe letztere Firma ftellte auch eine neue Form von Blitzableitern aus. In einem cylindrifchen, oben durch einen ifolirenden Pfropf gefchloffenen Glasgefäfse befindet fich reiner Alkohol. Der Liniendraht, der den Strom und die in Folge des Blitzfchlages eingetretene Elektricitätsbewegung zur Station führt, geht durch den Pfropf in das Gefäfs mit Alkohol, ift in demfelben U- förmig umgebogen, tritt an einer anderen Stelle des Pfropfes heraus und geht weiter zu den Apparaten. Man hat alfo nichts als eine U- förmige Biegung des Liniendrahtes in Alkohol getaucht. Selbftverftändlich ift es nicht der Liniendraht felbft, der in Alkohol getaucht ift, fondern ein anderer U- förmiger Draht, der aufserhalb des Pfropfes Klemmfchrauben, in welche der ankommende und abgehende Liniendraht geklemmt werden, befitzt. Ein dritter Draht, der durch eine Klemmfchraube mit der Erde in leitender Verbindung ift, geht ebenfalls durch den Propf in den Alkohol und ift feine am freien Ende gelegene Spitze dem U- förmigen Liniendrahte genügend genähert. Des fchlechten Leitungsvermögens des Alkohols wegen geht der Linienftrom nicht aus dem Liniendrahte in die Spitze des Erdleitungsdrahtes, fondern ungeftört weiter. Ein Blitzfchlag aber entladet fich im Alkohol, indem diefer durchfchlagen wird, und geht durch den Spitzendraht in die Erdleitung. ohne den Apparaten einen Schaden zugefügt zu haben. Der grofsen Verbreitung und der ausgedehnten Verwendung wegen fand man felbftverſtändlich unter allen Telegraphenfyftemen das Morfe'fche in feinen verfchiedenen Formen und Nebenapparaten am zahlreichften in der Ausstellung vertreten. Grofse und productive Fabriken befchäftigen fich faft allein mit der Erzeugung der Morfe'fchen Apparate in jenen Formen, die in der Praxis am häufigften angewendet und gefucht werden. So finden wir eine in Stücken zahlreiche Ausftellung bei dem Mechaniker der öfterreichifchen Staatstelegraphen Heinrich Keitel in Wien, VIII., Halbgaffe Nr 26, welche namentlich alle bei diefen Staatstelegraphen in Anwendung gebrachten Vorrichtungen enthält, wie einen Morfe Relieffchreiber für den Arbeitsftrom, einen folchen für den Ruheftrom, einen polarifirten Farbfchreiber u. f. w. Aehnliche Ausftellungen fanden wir in der öfterreichifchen Abtheilung von B. Egger in Wien, C. A. Mayrhofer in Wien, und der allgemeinen Telegraphenbau Anft alt in Wien. 20 Dr. Leander Ditfcheiner. - In der deutfchen Abtheilung fanden wir Morfe Apparate in gröfserer Zahl bei der internationalen Telegraphenbau Anftalt in Berlin, und zwar Morfe Farbfchreiber in gewöhnlicher Einrichtung und folche für Ruheund Arbeitsftrom mit der Wiehl'fchen Modification des Schreibhebels; ferner von Wiefenthal& Comp. in Aachen, namentlich aber wieder bei Siemens& Halske in Berlin. Wir fanden dort einen kleinen und einen grofsen fogenannten Kaften- Morfe, letzteren mit Doppelmagnet, einen gufseifernen Relieffchreiber und einen Submarinefchreiber. Ferner fanden wir unter den Namen Normalfarb- Schreiber und Normalrelief- Schreiberjene Formen der Morfe Schreiber, wie fie jetzt von der deutfchen Reichsverwaltung angenommen find. Bei der grofsen Verbreitung, welche diefe MorfeApparate finden, find die einzelnen Theile fabriksmäfsig hergeftellt und ift die Handarbeit fo viel als möglich vermieden. In einem Glaskaften fanden wir auch eine vollſtändige Zufammenftellung diefer einzelnen Theile. Das Schreibrädchen des Farbfchreibers wird, wie auch früher, durch das Triebrad umgedreht, aber es ift das Univerfalgelenk vermieden. Die Papierrolle liegt unter dem Apparate in einem Kaften, bei welcher Anordnung die Papierführung einfacher ift. Die Elektromagnetkerne laffen fich durch eine Schraube auf- und abbewegen, fo dafs ihre Stellung gegen den Anker nach der gröfseren oder geringeren Stromftärke regulirt werden kann. Die Stiftfchreiber haben die Papierrolle immer oben, und zwar entweder eine einfache Rolle, wie gewöhnlich, oder eine mit ihrem Fufse in eine Führung am Apparatkaften einfchiebbare doppelte Papierrolle, welche eine fchnellere und leichtere Einführung eines neuen Papierftreifens geftattet, wenn jener der erften Rolle zu Ende geht. Die beiden Rollen fitzen dann am oberen Ende des aufrechtſtehenden Trägers. Der obere Theil des Trägers aber ift felbft um eine verticale Achfe drehbar, fchnappt jedoch in den beiden richtigen Stellungen der erften und zweiten Rolle durch fein Gewicht ein. In den Zwifchenftellungen bleibt er aber nicht ftehen. Beide Normalfchreiber find mit einem fich felbft regulirenden Windflügel ausgerüftet. Morfe- Apparate fanden fich namentlich auch bei Siemens Brothers in London, und zwar in einer gröfseren Zahl von verfchiedenen Einrichtungen; bei Digney, frères& Comp. ein Farbfchreiber nach Digney, bei L. Deschiens in Paris ein Morfe Apparat nach dem Syftem Rault& Chaffan, bei M. Hipp in Neuenburg( auch folche ohne Relais und Localbatterien nach Hipp's Angaben), bei E. H. Holft in Kopenhagen, und, zwar ein Stiftfchreiber mit feitlichem Arm, ähnlich wie bei der Siemens'fchen Conftruction, bei Dr. C. Frommhold, Auguft Weyrich und Wilhelm Weimer, fämmtlich in Peft; bei De Vos Charles, SaintJoffe ten- Noode bei Brüffel, bei der Ausftellung des Handels- und Gewerbeinftitutes in Liffabon, bei Voronzoff- Velianikoff in Warfchau und vielen Anderen. In Bezug auf die completen Morfe- Telegrapheneinrichtungen, welche übrigens bei vielen Firmen zumeift lediglich als eine bequeme Zuſammenftellung der hiehergehörigen Apparate aufzufaffen ift, fpielt auch wieder die Firma Siemens& Halske in Berlin die erfte Rolle. Wir fanden dort einen completen Kriegstelegraphen fammt allem Zugehör in leicht transportabler Verpackung. Zahlreicher aber waren die Eifenbahn- Morfe- Einrichtungen exponirt. Bei den Morte'fchen Eifenbahnftations- Telegraphen find die zu einer Station gehörigen Apparate( Farb oder Stiftfchreiber, Relais, Tafter, Galvanofkop, Blitzableiter) auf einem gemeinfchaftlichen Grundbrete feftgefchraubt, welches in eine Vertiefung des Apparattifches eingeſetzt wird. Dabei find behufs einer fchnelleren und einfacheren Auswechslung eines folchen Apparatfatzes die Leitungsdrähte nicht unmittelbar nach Klemmfchrauben an den einzelnen Apparaten geführt, fondern mit fcheidenförmigen, in jener Vertiefung des Tifches befindlichen Ständern verbunden, auf welche fich beim Einfetzen des Grundbretes in die Vertiefung die fogenannten Frifchen'fchen Federfchlufs- Klemmen auflegen Telegraphen Apparate. 21 und die nöthigen Apparatverbindungen herftellen. So lange dagegen das Grundbret aus der Vertiefung ausgehoben ift, ftellt eine aufserdem noch vorhandene Federfchlufs- Klemme die kurze Verbindung zwifchen der in die Station einmün denden Luft- und Erdleitung her. Beim Wiedereinfetzen des Grundbretes wird diefe kurze Verbindung felbftthätig wieder gelöft. Unter der Tifchplatte find die nöthigen Batterien aufgeftellt. Der Wärterftations- Apparatfatz befteht aus Farbfchreiber, Tafter, Galvanofkop und Umfchalter, welche in einem verfchliefsbaren Käftchen fich befinden. Der Elektromagnet des zunächft für den Ruheftrom beftimmten Farbfchreibers hat zwei aufrechtftehende Schenkel, deren Kerne feitwärts zu einander zugekehrten Schuhen verlängert find. Der Anker aber ift durch eine Schraube unterhalb des Ankerhebels feftgemacht und liegt auch noch unterhalb der Schuhe. Der Ruheftrom zieht alfo den Anker an die Schuhe empor, während letzterer beim Aufhören diefes Stromes abwärts fällt und das Schreibrädchen gegen den Papierftreifen drückt. Wird der Anker nicht auf der Unterfeite, fondern auf der oberen Seite des Ankerhebels und oberhalb der Schuhe feftgefchraubt, fo kann der Farbfchreiber fofort mit Arbeitsftrom arbeiten. Die für vorübergehenden Dienft beftimmten Eifenbahn- Wärterbuden Telegraphen find erft feit etwa einem Jahre entftanden und auf meh reren Eifenbahnen bereits eingeführt. Der eiferne Anker der horizontalen Elektromagnete ift bei diefen Telegraphen in ähnlicher Weife wie zuerft bei dem Siemens'fchen Zeigerapparate mit Selbftunterbrechung und später auch bei dem Siemens'fchen Dofenrelais zwifchen die Elektromagnetpole gelegt. Ein feitwärts vom Anker auslaufender Arm trägt das Schreibrädchen oder Farbfcheibchen und an eine Rückverlängerung diefes Armes heftet fich die Abreifsfeder an. Der ganze Apparatfatz ift in einen hölzernen Kaften eingefchloffen, welcher fich ganz auseinanderfchlagen und deffen Thüre fich um eine horizontale Achfe um 90° umklappen läfst und dann als Schreibpult dienen kann. Die untere Thür hälfte ift doppelt und es bleibt der innere Theil ftehen, während fich der äussere umklappt. Beim Schliefsen des Kaftens legt fich eine Metallfchiene an der Thür an zwei Federfchlufs- Klemmen an und fchaltet den Apparat unter Herſtellung eines kurzen Schluffes der Linie aus. Beim Oeffnen der Thür wird diefer kurze Schlufs befeitigt und der Apparat zugleich eingefchaltet. Der erfte der ausgeftellten Apparate fchreibt mit einem trockenen Scheibchen aus Stiftblau, welches fich bei jeder Unterbrechung des Ruheftromes durch fein Gewicht und die Wirkung der Abreifsfeder auf den Papierftreifen auflegt, von diefem aber in Folge der Ankeranziehung wieder abgehoben wird, fobald der Strom wieder gefchloffen wird. Das Farbrädchen wird durch ein Gewicht, welches ein Räderwerk treibt, in beftändiger Umdrehung erhalten. Der Farbfchreiber eines zweiten Apparates befitzt ein Schreibrädchen, das in ein Gefäfs mit flüffiger Farbe taucht und von unten nach oben gegen den Streifen bewegt wird. Der Farbfchreiber eines dritten mit einem Werke ausgerüfteten Apparates fchreibt ebenfalls mit flüffiger Farbe und ift mit Selbftauslöfung verfehen. Die Apparate fchalten fich aber bei diefem Telegraphen beim Oeffnen und Schliefsen des Kaftens nicht felbftthätig ein, vielmehr mufs die Einfchaltung mit der Hand durch einen Schieber bewerkstelligt werden; allein fo lange der Schieber fo fteht, dafs der Farbfchreiber eingefchaltet ift, kann der Kaften nicht gefchloffen werden. Von den transportablen Telegraphen enthält der kleinere, auf der indifchen Linie verwendete einen transportablen Farbfchreiber, deffen Schreibrädchen in ein Farbegefäfs eintaucht und eine an den Telegraphenfäulen zu befeftigende Einfchaltevorrichtung, mittelft deren der Apparat in eine Glockenleitung eingefchaltet werden kann. Diefer Farbfchreiber befitzt aber kein Laufwerk, vielmehr wird bei ihm der Streifen mit der Hand bewegt. Bei einem ande ren. in Rufsland gebräuchlichen Telegraphen- Apparatfatze ift der transportable Farbfchreiber nebft Tafter und Galvanofkop in einem Kaften eingefchloffen und 22 Dr. Leander Ditfcheiner. der Papierftreifen wird durch eine Schneide am Ankerhebel gegen das von einer Farbwalze mit Farbe gefpeifte Farbfcheibchen bewegt. Der dritte Apparatfatz, ebenfalls mit Einfchaltevorrichtung, hat einen Farbfchreiber für flüffige Farbe, aber das Farbegefäfs desfelben wird während des Transportes vom Apparate getrennt und, durch eine Lederklappe gefchloffen, am Kaften befeftigt. An diefe Eifenbahn- Telegraphen fchliefsen fich die Siemens- Halske'fchen automatifchen Feuermelder, welche in neuerer Zeit eine etwas vortheilhaftere Form erhalten haben. Am Boden des Schränkchens, in welchem diefer automatiſche Feuermelder eingefchloffen ift, befinden fich zwei metallene Schneiden, auf welche fich das Gewicht, wenn es ganz abläuft, auffetzt und fo die Linie kurz fchliefst, um eine etwaige Unterbrechung der Linie durch das Schrifträdchen unmöglich zu machen. Der Farbfchreiber für die Spritzen- Wach- und Centralftationen hat eine ähnliche Form wie bei dem Wärterftations- Apparatfatze für Eifenbahnen und ift mit einer eigenthümlichen Weckerausfchaltung mittelft eines Fufstrittes ftatt durch Stöpfelung verfehen. Aufser dem Farbfchreiber und Wecker gehören zur Ausrüftung der Stationen noch Tafter, Bouffole und Umfchalter. ( Zetzfche a. a. O.) Schliefslich erwähnen wir noch den Siemens- Halske'fchen Uebungstelegraphen ohne Batterie, welcher fchliefslich nichts Anderes als ein Tafter ift, deffen zweites Ende mit einer Spitze verfehen ift, wie der Hebel eines Schreibapparates, welche Spitze ihre Marken in einen auf einfache Weife vorbeigezoge nen Papierftreifen macht. Die Zeigertelegraphen find auf der Ausftellung verhältnifsmäfsig wenig vertreten gewefen, da fie ja auch in der Anwendung gegen das Morfe- Syftem zurückftehen. Auch hier finden wir zunächft den magneto- elektrifchen Zeigertelegraphen von Siemens, ausgeftellt von der Berliner Firma Siemens& Halske und von Siemens Brothers in London und in ganz ähnlicher Form von Nikolai Brunner in Warfchau. Dafs ein folcher Apparat in der japanefifchen Abtheilung mit japanefifchen Schriftzeichen exponirt war, ift fchon oben bemerkt worden. Von dem Siemens'fchen Zeigertelegraphen ift nicht nur die ältere, aus dem Jahre 1857 ftammende Form in pultförmigem Kaften, fondern auch eine neue, fehr handliche Form ausgeftellt. Bei letzterer dreht fich der Zeiger über einem kleineren Zifferblatte, das in das gröfsere, über welchem die Kurbel des Inductors läuft, eingefetzt ift. Dem einen diefer neueren Zeigertelegraphen ift ein Wecker, welcher auf Wechfelftröme anfpricht und ein Zwifchenwecker für ein an einer Stelle zwifchen zwei Stationen zu gebendes Signal beigegeben, welcher nur auf gleichgerichtete Ströme anfpricht, welche man dadurch erhält, dafs man die zwifchen diefen liegenden entgegengefetzten Inductionsftröme nicht in die Leitung eintreten läfst. Der andere Apparat ift transportabel und für Kriegszwecke verwendbar, daher in feldmäfsiger Verpackung. Bei einem kleinen Magnetzeiger mit blos einem Zifferblatte und um dasfelbe herumftehenden Taften endlich ift der Inductor entweder für Hand- oder Fufsbetrieb eingerichtet; jede nieder gedrückte Tafte wird durch eine an ihr angebrachte Schulter unter Mitwirkung einer Scheibe, auf welche eine Feder wirkt, fo lange niedergedrückt erhalten, bis eine andere Tafte niedergedrückt wird; endlich wird auch bei diefem Apparate die den Eintritt der Inductionsftröme in die Leitung vermittelnde( mit einer Abreifsfeder verfehene) Contactfeder. von einem auf derfelben Achfe mit ihr fteckenden Arme, in Folge der zwifchen beiden durch Federkraft erzeugten Reibung, gegen den Arbeitscontact gedrückt, während der Arm felbft durch ein eigenthümliches Gefperre mit einem von der Inductorachfe aus umgedrehten Rade verbunden ift, in deffen Stifte fich ein( auf einem an jenem Arme angebrachten Winkelhebel fitzender) um eine Achfe etwas drehbarer Kegel einlegt, bis der andere Arm des Winkelhebels an den Schaft der niedergedrückten Tafte ftöfst und dadurch der Kegel ausgehoben und nun durch eine auf feinen Rücken( ähnlich wie die Feder eines Einfchlagmeffers) wirkende Feder in eine Lage gebracht wird, in welcher Telegraphen- Apparate. 23 er die Stifte des Rades frei an fich vorüber läfst.( Zetzfche a. a. O.). Ferner fanden wir den Wheatftone'fchen Zeigertelegraphen ausgeftellt von Naglo in Berlin, den Zeigertelegraphen der franzöfifchen Telegraphenverwaltung von L. Bréguet in Paris, fowie jenen von M. Hipp in Neuenburg. Von Typendruck- Telegraphen finden wir zunächft den bereits in der Praxis wegen feiner ausgezeichneten Verwendbarkeit und Schnelligkeit des Arbeitens eingebürgerten Hughes- Apparat in feiner fchon vielfach befchriebenen Form( S. Schellen,„ DerTelegraph", V. Auflage, pag. 568; Dub,„ Anwendung des Elektromagnetismus" II. Auflage, pag. 534; Sack,„ Der Druck- Apparat Hughes in feiner gegenwärtigen Geftalt"). Ausgeftellt wurde er von Siemens& Halske in Berlin, Siemens' Brothers in London, P. Dumoulin Froment, L. Deschiens und Digney frères& Comp., fämmtlich in Paris, C. A. Mayrhofer und H. Keitel. Bei dem Apparate der Letzteren ift als Conftructeur Herr Schäffler, der techniſche Leiter der Keitel'fchen Fabrik, angegeben. Von anderen Typendruck- Telegraphen fand fich der TypendruckTelegraph mit Echappement von Dr. Dujardin in der Ausftellung der Adminiftration des lignes télégraphiques à Paris.( S. Du Moncel: Expofé dés applications de l'electricité, tome V, pag. 385.) In eben diefer Ausstellung fand d'Arlincourt, welcher fich auch der Typendruck- Telegraph von Apparat auf einer ähnlichen Wirkung eines Elektromagnetes auf zwei Anker beruht, wie fie oben fchon im Relais von d'Arlincourt befchrieben ift. Es find bei demfelben bei einem und demfelben Elektromagnete zwei Anker angebracht, der eine an der fogenannten Bodenplatte, das ift der halbkreisförmigen Biegung des Elektromagnetes, ebenfo wie beim Relais von d'Arlincourt, der andere zwifchen den freien Enden des Hufeifens, ähnlich bei Siemens polarifirten Relais. Der eine unter der Einwirkung des remanenten Magnetismus an den freien Enden der Elektromagnetarme wird nach der Oeffnung des Stromes in derjenigen Stellung bleiben, welche ihm der Strom felbft gegeben hat, während der zweite, an der Bodenplatte befindliche Anker durch den Strom oder, beffer gefagt, durch die Wirkung der vom Strome durchfloffenen Spulen gerade fo wie beim Relais bei der Schliefsung des Stromes nach einer, bei der Oeffnung diefes Stromes aber durch den remanenten Magnetismus nach der entgegengefetzten Seite gezogen wird. Daraus folgt, dafs bei rafch aufeinander folgenden, abwechfelnd pofitiven und negativen Strömen, die beiden Anker übereinftimmende und fymmetrifche Lagen annehmen werden; aber bei der Oeffnung eines beliebigen diefer Ströme nimmt der Anker an der Bodenplatte eine unfymmetrifche Stellung in Bezug auf den zweiten zwifchen den freien Enden des Elektromagnetes an, und diefe Stellung dient dazu, eine Localbatterie zu fchliefsen, deren Strom einen fpeciell zum Drucken der Typen beftimmten Elektromagnet durchfliefst. Was den Apparat felbft anbelangt, fo befteht derfelbe aus einem Recepteur( beftimmt zur Aufnahme) und aus einem Manipulateur( beftimmt zur Abgabe der Depefche). Der erfte ift ein gewöhnlicher Recepteur mit einem Typenrade, deffen Gang wie in allen Apparaten durch den Anker zwifchen den freien Enden der Elektromagnete hervorgerufen wird. Der Druck der Typen gefchieht durch einen Elektromagnet, der durch den Localftrom in Thätigkeit gefetzt wird, fobald diefer durch den Anker der Bodenplatte gefchloffen wird. Der Manipulateur wird gebildet: 1. aus einem Räderwerke mit fortwährend gleichmäfsiger Bewegung, welches zu dem Recepteur ohne Unterbrechung in rafcher Folge abwechfelnd pofitive und negative Ströme fchickt; 2. aus einem Taftenfyfteme, deffen jede Tafte einem eigenen Buchftaben oder Zeichen entspricht. Die Taften, welche mit dem Finger gedrückt werden, halten einen am Commutator befeftigten und mit ihm rotirenden Stift an. Mittelft diefes Stiftes wird der Strom jedesmal unterbrochen, wenn eine Tafte niedergedrückt wird. Ift die Bewegung des Commutators und des Typenrades vollkommer gleichmäfsig, fo befindet fich bei dem Anhalten des Commutators die entsprechende Type vor dem Tampon. In derfelben Zeit unterbricht aber der angehaltene Stift 24 Dr. Leander Ditfcheiner. des Commutators am Manipulateur den Strom, in Folge deffen der Anker an der Bodenplatte gegenüber jenem der freien Enden die unfymmetriſche Stellung ein nimmt, und fomit die Localbatterie fchliefst. Sodann wird der den Druck der Typen ausführende Elektromagnet in Thätigkeit gefetzt, und das Tampon druckt die Type( Schriftliche Mittheilung des Herrn L. d'Arlincourt). Hieher kann auch der weiter unten befchriebene Siemens'fche TypenSchnelldrucker, fowie Bauer und Krebs' Börfentelegraph gerechnet werden. Bei dem Börfentelegraphen mit Selbft controle von Alois Bauer und Ferdinand Krebs in Wien, foll die Aufgabe gelöft werden, die jeweiligen Coursfchwankungen auf der Börfe in Form von Depefchen von einem beftimmten Punkte ( gebende oder Controlftation) nach beliebig vielen Punkten( Empfangſtation) gleichzeitig und gleichlautend zu geben, ohne dafs eine befondere Beauffichtigung oder Bedienung des Apparates der Empfangftation nothwendig wäre, der Befitzer eines folchen Apparates aber mit voller Sicherheit rechnen kann, dafs die mit Typenfchrift erfcheinenden Depefchen richtig find. Es können dabei viele Apparate in einem einzigen Schliefsungskreife eingefchaltet werden; die gebende oder Controlftation überzeugt fich nach jeder Umdrehung des Typenrades, ob auch alle Stationen diefelbe Typenftellung einnehmen, ob fie alle in Uebereinstimmung untereinander und mit ihr find, und während diefer Zeit die gleichen Typen erhalten haben; endlich kann die gebende Station jenen Apparat, welcher mit den anderen nicht übereinftimmt, fei es auf was immer für einer Station mit ihnen in Uebereinstimmung zu bringen, ohne die richtigen Apparate in eine falfche Stellung zu bringen. Es bedarf die Empfangftation keines Uhrwerkes und keiner Localbatterie.( Schriftliche Mittheilung des Herrn Telegraphenbeamten Alois Bauer.) " ን W. Gurlt in Berlin ftellte den Jaite'fchen Apparat Fernfchreiber aus, deffen ausführliche Befchreibung in den ,, Annalen der Telegraphie" herausgegeben und redigirt von Dr. P. W. Brix, Heft 1, 1872, pag. 13, fowie auch in J. Dub, Anwendungen des Elektromagnetismus" II. Auflage 1873, pag. 595, zu finden ift. Die Einrichtung des ganzen Apparates, namentlich des Uhrwerkes und der Auslöfevorrichtung der Anker ift derjenigen des Hughes- Apparates fehr ähnlich, und ift derfelbe ein Doppelapparat bei welchem aber nicht Typen auf den Papier ftreifen gedruckt, fondern durch zwei nebeneinander ftehende Stempel in der Längenrichtung der Papierftreifen Löcher in zwei parallelen Reihen eingefchlagen werden. Durch zwei auf der Abgabeftation befindliche Tafter kann man nämlich entgegengesetzte Ströme in die Linie fchicken, welche durch Elektromagnete auf zwei verfchiedene Anker wirken, fo zwar, dafs der eine Strom den einen, der andere Strom den anderen Anker löft. Durch das Löfen je eines Ankers wird eine Verkuppelung der Achfe, welche den Stempel durch das Papier zu drücken hat, mit einer Achfe des Uhrwerkes vermittelt, jedoch fo, dafs die den Stempel niederdrückende Achfe nur eine Umdrehung macht, und der Anker wieder auf den Elektromagnet gedrückt wird, um eine neue Löfung durch einen Strom zu erwarten. Es kann immer nur ein Tafter. fomit auch immer nur ein Stempel niedergedrückt werden; nie können beide zugleich gedrückt werden, da die Anker felbft nur durch entgegengefetzt gerichtete Ströme gelöft werden. Die am Papierftreifen entſtehende Schrift, ift alfo eine der Steinheil'fchen ähnliche, durch Löcher in einem Streifen fichtbar gemachte. Der Apparat felbft arbeitet fehr rafch und aller Wahrfcheinlichkeit nach correct, und namentlich ift eine fehr einfache Einrichtung getroffen, fowohl zur Uebertragung mit dem Jaite'fchen automatifchen Umfchalter( S. J. Dub a. a. O. pag. 558), welcher ebenfalls von Gurlt ausgeftellt. auch beim Hughes- Apparate Anwendung findet, als auch zur einfachen Schaltung für die automatifche Beförderung der Depefchen. Es iſt auch mit diefem Apparate möglich, gleichzeitig von einer und derfelben Depefche mehrere Abdrücke zu nehmen, da man ftatt eines Papierftreifens mehrere folche übereinander gelegte gleichzeitig durchlochen laffen kann, da die Kraft des Apparates dazu vollkommen Telegraphen- Apparate. 25 hinreichend ift. Ein befonderer Vortheil liegt darin, dafs die Apparate nicht fynchron laufen müffen, und dafs es genügt, wenn jeder derfelben einen gleichmäfsigen Gang hat, was felbft nur wieder nothwendig ift, um die zu einem Buchftaben gehörigen Löcher in folcher Entfernung zu haben, dafs nicht eines oder das andere dem vorhergehenden oder folgenden Buchftaben zugerechnet werden kann. Bei den auf der Ausftellung befindlichen Apparaten ift gegen die in Brix'" Annalen" befchriebene Einrichtung infofern eine kleine Aenderung gefchehen, als die die Uebertragung beforgenden mit der Achfe, welche die Stempel niederdrückt fich bewegenden, rotirenden Uebertragungsfedern, welche bei einer unmittelbaren Correfpondenz abgenommen werden, einfacher und von vorne auf diefe Achfe gefchoben werden können. Ferner ift durch einen einfachen Drücker dem Uebelftande abzuhelfen, dafs die fich bewegenden Stempel in dem Papierftreifen ftecken bleiben, wenn der Streifen fich nicht bewegt. Es gefchieht diefs leicht, und wenn es eintritt, fo braucht der Manipulirende nur zu drücken, um den Stempel aus dem von ihm erzeugten Loche in die normale Stellung zu bringen. Der Apparat ift, wenn auf den erften Anblick auch als ziemlich complicirt erfcheinend, doch einfacher als jener von Hughes, wahrscheinlich auch weniger leicht einer Störung unterworfen und foll nach Jaite eine Leiftungsfähigkeit befitzen, welche jener des Hughes vollkommen gleich fteht. Die autographifchen oder Copirtelegraphen waren vertreten durch den fchon länger bekannten Hipp'fchen Copirtelegraphen, ausgeftellt von M. Hipp in Neuenburg in der Schweiz( Dingler,„ Polytechnifches Journal", 1851, 122, 44), ferner durch den ebenfalls bekannten Lenoir'fchen Apparat, welcher von E. Prudhomme& Viguier ausgeführt, in der Ausftellung der franzöfifchen Adminiftration der Telegraphen zu finden war, und welcher bereits im öfterreichifchen Ausftellungsberichte für die Parifer Ausstellung vom Jahre 1867 von H. Militzer im I. Bande, V. Verkehrsmittel, S 229, befchrieben wurde. Wir finden ferner in der Ausftellung der franzöfifchen Telegraphenadminiftration zwei autographifche Telegraphen, den einen von L. Guyot d'Arlincourt, welcher ein chemifcher Copirtelegraph ift, den anderen von Bernard Meyer, Telegraphenbureau- Chef in Paris, bei welchen der Druck der Depefche mit Farbe auf einen Papierftreifen beforgt wird. Die Herftellung eines autographifchen Telegraphenapparates ift eine fchwierige und bedingt durch die Löfung zweier anderer, ganz verfchiedener Probleme. Das erfte befteht in dem vollkommenen Ifochronismus beider Apparate; das zweite in der Möglichkeit, auf fehr grofse Diftanzen rafch auf einander eine Reihe elektriſcher Ströme fchicken zu können. D'Arlincourt hat fich fpeciell mit der Löfung diefer beiden Probleme befchäftigt und er ftellt den Ifochronismus beider Apparate durch eine im Folgenden zu befchreibende Einrichtung her, während die fchnelle Uebertragung durch fein auf ein neues Princip gegründetes Relais ermöglicht wird. Diefes Relais bildet hier einen ganz vom eigentlichen Apparate unabhängigen Beftandtheil. Der Synchronismus ift auch hier nothwendig, weil zwei Cylinder, einer am Orte der Abgabe, der andere am Orte der Aufnahme, vollkommen gleichmäfsig rotiren müffen. Man bedient fich auch hier zweier Papierblätter, das eine mit Metallüberzug( Zinnfolie), das andere zur Aufnahme chemifch präparirt, fo dafs der durch dasfelbe gehende elektriſche Strom an den betreffenden Stellen eine dunkle Färbung hervorruft. Diefe zwei Blätter find über die Cylinder fo gefpannt, dafs zwei gleiche Punkte ihrer Oberfläche zur felben Zeit unter fixen Stiften fich befinden, welche fich nur parallel zur Achfe an einer Mikrometerfchraube bewegen können. Diefe Schraube dient dazu, den Stift gleichmässig vorwärts zu fchieben und ihn die ganze Höhe des Cylinders entlang zu führen, fo dafs er nach einer Spirallinie die ganze Oberfläche des Papiers durchläuft. Trifft der Stift am Abgabe- Orte einen durch die Tinte ifolirten Punkt der Zinnfolie, fo wird durch den Stift am Aufgabe- Orte an entsprechender Stelle der Strom durch 26 Dr. Leander Ditfcheiner. das präparirte Papier geleitet und dort ein dunkler Punkt erzeugt, welche dunklen Punkte die Schriftzüge der Depefche zufammenfetzen. Um dem Apparate einen gleichmässigen Gang zu geben, wendet d'Arlincourt als Regulator des Räderwerkes eine Stimmgabel an, und ift diefe Stimmgabel fo verwendet, dafs deren circuläre Schwingungen anftatt wie bisher deren transverfal geradlinige Bewegungen der Zinkenenden nutzbar gemacht find. Man ift im Stande, mit diefen circularfchwingenden Stimmgabeln eine grofse Regelmäfsigkeit und einen vollkommen fynchronen Gang der beiden Apparate herzuftellen, wenn man öfter den Gang der einen Stimmgabel nach jenem der anderen regulirt, fo dafs fie beide gleiche Schwingungszahl haben, was übrigens eine grofse Sorgfalt erfordert. D'Arlincourt hat diefs dadurch vermieden, dafs er es ermöglichte, dafs bei jeder Umdrehung einer der Apparate fich felbft durch einen Strom regulirt, welchen der andere Apparat nach jeder Umdrehung ihm zufchickt. Um diefes zu erreichen, wird der eine Apparat mechanifch feftgehalten, und fetzt derfelbe feine Rotation erft dann wieder fort, wenn ein Strom vom anderen kommend diefes ermöglicht, und zwar ift es der Abgabe- Apparat( Transmetteur), welcher angehalten wird, während der Aufnahme- Apparat( Recepteur) während der ganzen Zeit des Telegraphirens fich bewegt. D'Arlincourt benützt die Batterie des Recepteurs, welche zur Aufnahme der Depefche nicht verwendet wird, um nach Vollendung je einer Tour des Recepteurs durch einen kurzen Strom den Transmetteur wieder in Bewegung zu fetzen. Die Verwendung diefer Batterie, um den Gang der Apparate nach einander zu regeln, ift das Wichtigfte bei diefem Syfteme. Diefe Combination hat den Vortheil, dem abgebenden Beamten dadurch, dafs er den Gang feines Apparates beobachtet, erkennen zu laffen, dafs der aufnehmende Beamte die Depefche empfängt, indem fein Apparat unmittelbar ruhen wird, fobald der andere mit ihm nicht in Verbindung fteht. Es folgt daraus, dafs man vom Recepteur aus die Correfpondenz fogleich unterbrechen kann; denn der Beamté am Recepteur, der entweder gar nicht oder nur fchlecht die Depefche bekommt, braucht nur feinen eigenen Apparat vor dem Moment anzuhalten, wo diefer den Strom zur weiteren Thätigkeit des Transmetteurs abfchicken follte. Es bleibt dadurch der Transmetteur mechanifch feftgehalten und ift der Beamte an demfelben benachrichtigt, dafs fein Correfpondent nicht aufnimmt. Aus der Länge der Zeit, während welcher der Transmetteur angehalten wird, läfst fich auch beurtheilen, ob derfelbe zu fchnell geht, und wird fpäter die Art und Weife angegeben werden, die Gefchwindigkeit jedes Apparates zu reguliren. Wir wenden uns zunächst zu jenem Mittel, durch welches der angehaltene Transmetteur feinen Gang wieder aufnimmt. Dazu werden zwei Räderwerke verwendet, von welchen jedes für fich functioniren kann und doch in einem gegebe nen Augenblicke auf eine fehr fichere Weife durch eine gemeinfchaftliche Achfe a ( Fig. 6, 7 und 8, Taf. II) mit einander verbunden werden können. Eines diefer Räderwerke, edcafl, dient nur zur Erhaltung des Ifochronismus und fteht mit der oben erwähnten circularfchwingenden Stimmgabel in Verbindung. Das andere Räder werk, jihga, befitzt an einer feiner Achfen g den Cylinder 7, auf welchem fich entweder die Zinnfolie oder das chemifch präparirte Papier befindet, während an einer anderen Achfe g' die Mikrometerfchraube fich befindet, welche die Spitze über die Oberfläche des Cylinders führt. Wenn diefe beiden Räderwerke nicht mit einander verbunden find, fo kann man das Räderwerk jihga fefthalten, ohne das Räderwerk für den Synchronismus zu ftören. Es gelingt diefs durch die gemeinfame Achfe a, welche in Fig. 9 mit ihren Details dargestellt ist. Es ift diefe Achfe einer der wichtigften Theile des Apparates und wird felbft von zwei Theilen gebildet. I. Der Theil a A a' bildet eine Achfe, an deren einem Ende das Getriebe A, welches in das Räderwerk ghij eingreift, während am anderen Ende in a' das Stück DR fich befindet. 2. Das Stück b B B' wird gebildet aus dem in das Räderwerk cde eingreifende Getriebe B und dem Rade B'. Das Getriebe B und das Rad B' find auf einen Hohlcylinder 6 befeftigt, welcher frei über der Achfe a fich Telegraphen- Apparate. 27 bewegt. Diefe beiden Theile der Achfe können verbunden werden durch das: Sperrrad B' und die Feder R. Die Zähne des Rades B' find fo gemacht, dafs, wenn man durch die Stützleifte D die Achfe a A a' anhält, die Zähne des Rades B frei unter der Feder R vorbeigehen, fo dafs alfo auch der Theil bB B', der zum Räderwerke cde gehört, fortfährt zu rotiren. Wenn man die Leifte D und in Folge deffen auch die zum Räderwerke ghij gehörige Achfe a A a' freiläfst, fo wird die durch diefes Räderwerk bewegte Feder R, welche in das Getriebe A des Armes a A a' eingreift, in eine der Zahnlücken des Rades B' geftofsen, welche fomit augenblicklich die Schnelligkeit diefes Rades annimmt. Man erfieht daraus, dafs auch die Federn der Trommeln e und j fo eingelegt fein müffen, dafs fie beide Theile der Achfe a in demfelben Sinne bewegen. Auf diefe Weife kann man das Räderwerk des autographirenden Theiles des Apparates anhalten, ohne gleichzeitig dasfelbe mit dem Räderwerke des Regulators zu thun. Wir gehen nun daran, auseinanderzufetzen, wie der Apparat fich anhält und dann wieder weiter geht. Die Fig. 10 zeigt das Rad B' und den Arm DR von der Seite. EE ift ein Hebel, deffen Arm F mechaniſch und von felbft den Zapfen D der Stützleifte Da fefthält, wenn der Apparat als Transmetteur gebraucht wird. Am Recepteur ift diefes Stück EE gehoben erhalten in der Lage EE", damit es den Apparat nicht fefthält. Der Hebel EE legt fich mit dem Ende E' auf das Ende Hdes Ankers G des Elektromagnetes M fo, dafs, wenn der Transmetteur durch den Zapfen D angehalten ift und der Recepteur in einem beftimmten Momente einen Strom in den Elektromagnet M des Transmetteurs fchickt und der Anker fich bewegt, das Ende Hdas Ende des Hebels EE hebt und fomit den Zapfen D des Stückes Da auslöst, welcher durch den Hebelarm F feftgehalten wurde. Das Stück D a freigeworden, dreht fich mit feiner Achfe, das Räderwerk bleibt in Bewegung, bis es eine Tour gemacht hat und am Repère, das ift beim Anfange der Depefche, wieder angekommen ift. Diefes Mittel benützt d'Arlin court, um beide Apparate immer gleichmässig laufen zu laffen. 22 Das Wie vorhin bemerkt wurde, unterfcheidet fich der Transmetteur von dem Recepteur dadurch, dafs erfterer feftgehalten wird, während der letztere fort in Bewegung ift, und dafs in Folge deffen der Transmetteur etwas fchneller geht als der Recepteur. Da aber ein und derfelbe Apparat bald als Transmetteur, bald als Recepteur gebraucht werden mufs, fo mufs es ein Mittel geben, die Rollen beider Apparate zu vertaufchen. Diefs wird möglich durch den Hebel opqr, welcher um die Achfe o beweglich ift( Fig. 6, 7 und 11). Die beiden Enden der Achfe o ragen aus dem Gehäufe des Apparates vorn und hinten heraus. Vorne ift der Griff q, welchen der Beamte rechts oder links bewegt, um den Apparat in einen Transmetteur oder in einen Recepteur zu verwandeln. Diefer Hebel leiftet drei wichtige Functionen. I. Das Stück op( Fig. 6, 7, 8 und 12) macht eines der Kegelräder mn eingreifen in das Getriebe/ der Zinke der Stimmgabel K. Auf diefe Art gleiten die beiden Kegelräder zufammen über eine Walze, welche auf gewöhnliche Weife durch einen Vierkant auf der Achfe f befeftigt ift. Rad m befitzt mehr Zähne als das Rad n, fo dafs, wenn m in das Getriebe von/ eingreift, der Apparat langfamer geht und diefer als Recepteur wirkt. Wenn aber im Gegentheilen eingreift, fo geht der Apparat fchneller und wirkt als Transmetteur. Der Hebelarm op befitzt nämlich an feinem Ende eine doppelte fchiefe Ebene xy( Fig. 12). Wenn p fich hebt, fo wirkt die fchiefe Ebene y, macht das Rad n frei und dagegen das Rad m eingreifen; wenn aber gefenkt wird, fo wird m freigemacht, während nun n eingreift. In Vift eine kleine Rolle, welche mit der Feder z an das Syftem der Räder mn befeftigt ift und fich mit ihm verfchiebt. Diefe Rolle gleitet bald auf der einen Seite, bald auf der anderen Seite der Walze und hält das Syftem der Räder mn in der letzten Pofition, welche ihm das Stückp gibt. 2. Der Hebel r s, am anderen Ende der Achfe o befeftigt, tritt aus dem Gehäufe bei r und ift beftimmt, das Stückt zu heben, welches ein Theil des Hebels EE' ift( Fig. 10). Diefes Stückt hält den Hebelarm EE in der Lage EE", wenn der Apparat als Recepteur gebraucht wird. Wird der Apparat als TransC 28 Dr. Leander Ditfcheiner. metteur gebraucht, fo nimmt rs die Lage rs' ein, verläfst t und EE" kehrt in die Lage EE zurück, um jene Functionen zu vollführen, welche wir fchon kennen gelernt haben. 3. Diefer Hebel rs ift gleichzeitig, indem er von rs nach rs' gebracht werden kann, ein Commutator, um den Stromlauf richtig zu geftalten. Der Strom, welcher bei jeder Umdrehung den Transmetteur freimacht, wirkt nur während eines fehr kleinen Bruchtheiles einer Cylinderumdrehung und nur wenn ein beftimmter Punkt des Umfanges bei einer beftimmten Marke ankommt. Diefer Strom, welcher den Magnet M durchfliefst, nimmt einen anderen Weg, als jener die Translation vollführende, zu den Cylindern gelangende, und im Folgenden foll diefe Verfchiedenheit auseinandergefetzt werden. Der Stromwechfel wird von der Walze 3( Fig. 13 und 14, Taf. III), welche auf der Achfe g des Cylinders auffitzt, eingeleitet. Diefe Walze befitzt einen Zahn I und eine Auskerbung e. Wenn nun bei jeder Umdrehung des Cylinders das Ende 2 des an dem Umfange der Walze anliegenden Hebels 2 LL1 an den Zahn 7. kommt, fo nimmt er die Lage 2 LL2( Fig, 14), und wenn der Hebel in die Auskerbung fällt, fo nimmt er die Lage 2 LL( Fig. 13) an. Diefe beiden Grenzlagen dienen dazu, mittelft des elektriſchen Stromes den gleichmäfsigen Gang der Apparate einzuleiten. Wenn das Ende 2 des Hebels den übrigen Theil der Walze beftreicht, fo hat der Hebel die Lage 2 LL1 und der Strom nimmt feinen Lauf zu den Cylindern. In der durch die Fig. 13 dargeftellten Stellung des Transmetteurs ift diefer Commutatorhebel, an welchen der Liniendraht fich in Lanfchliefst, in die Vertiefung e gefallen und fein Ende Z³ berührt das unterfte ifolirte Plättchen 6 der Säule 586, welches mit dem Elektromagnete in leitender Verbindung fteht. Der Strom geht dann unmittelbar in den Elektromagnet M. Wenden wir uns zu Fig. 14, welche den Recepteur darftellt, und unterfuchen wir, wie diefer den Strom fchickt, welcher den Elektromagnet M in Thätigkeit fetzt, um den Transmetteur in Bewegung zu fetzen. Der Zapfen/ ( Fig. 14) hebt den Hebel 2 LL1 in die Lage 2 LL2, die Linie L communicirt durch den Hebel LL2 mit Plättchen 5 der Säule 5 8 6, welche mit dem Batteriedrahte durch die Klemmfchraube C in Verbindung fteht. In diefem Momente geht der Strom vom Kupferpole der Batterie durch das Plättchen 5 und den Hebel L² L in die Linie und fetzt den Elektromagnet M des Transmetteurs am anderen Ende der Linie in Thätigkeit. Sehen wir nun, wie die Stromleitung zu den Cylindern ftattfindet. Beide Cylinder ftehen mit der Erde in leitender Verbindung. Auf dem Cylinder des Transmetteurs ift die Zinnfolie, auf jenem des Recepteurs das zur Aufnahme der Depefche beftimmte chemifch präparirte Papier; die beiden Stifte ftehen mit der Linie, die Spitze des Transmetteurs aufserdem noch mit der Batterie in Verbindung. Wenn nun der Stift über die Zinnfolie gleitet, fo geht der Strom direct zur Erde und es fliefst kein folcher durch die Linie zur Spitze des Recep teurs. Ift hingegen die Spitze auf einer mit Tinte befchriebenen Stelle, fo geht der Strom in die Linie, über die Spitze des Recepteurs durch das chemifch präparirte Papier und markirt eine der Dicke des Tintenftriches entſprechende dunkle Linie. Kommt aber der Stifte abermals auf die freie Zinnfolie, fo entſteht kein Strom mehr in der Linie, was aber wieder gefchieht, fobald die Spitze neuerdings auf Tinte kommt, wodurch auch abermals am Papiere des Recepteurs eine dunkle Stelle entſteht. Auf diefe Art entwickelt fich auf der zweiten Station ein dem auf der erften Station gezeichneten ähnliches Bild der Depefche; dazu ift es nothwendig, dafs der Transmetteur gleichzeitig mit der Linie und der Batterie in Verbindung fteht, und wird diefe Verbindung durch den Commutator rs ermöglicht. Das Ende diefes Commutators bildet eine vom Hebel rs ifolirte Gabel mit drei Zähnen, welch letztere mit einander in leitender Verbindung ftehen und auf drei von einander ifolirten Contactftellen( Plättchen) einer grofsen Säule K K gleiten. Das am meiften rechts gelegene Plättchen C fteht mit dem Kupferpol der Batterie, das zweite S mit dem Stifte in Verbindung, das dritte L in der Mitte der Säule correfpondirt mit dem kleinen Plättchen 8 der kleinen Säule 586. Wie wir gefehen haben, fo fteht der Hebel 2 LL1, der in die Linie eingefchaltet ift, mit Telegraphen- Apparate. 29 dem Plättchen 8 in leitender Verbindung; folglich ſteht auch während diefer ganzen Zeit das mittlere Plättchen der grofsen Säule mit der Linie in Verbindung. Die drei Zähne der Gabelf vereinigen nun diefe drei Communicationen und ftellen die elektrifche Verbindung her, wenn der Apparat Transmetteur ift. Die Fig. 13 zeigt die Lage des Hebels rs, wenn der Apparat als Transmetteur gebraucht wird. Der Hebel wird in diefe Lage mit Hilfe des Griffes oq gebracht, von dem fchon oben gefprochen wurde. Wird der Apparat als Recepteur gebraucht( Fig. 14), fo wird der Hebelarm rs gegen links durch den Griff og gebracht. Wir haben gefehen, dafs in diefem Falle die elektrifchen Verbindungen fehr einfach find, weil es genügt, die Spitze des Recepteurs mit der Linie verbunden zu haben, was dadurch möglich ift, dafs die grofse Mittelplatte L mit dem Stifte leitend verbunden ift. Es ift diefs in der That genügend für kurze Linien, aber bei langen ift der Strom nicht mehr kräftig genug, um dunkel gefärbte Spuren auf dem Papiere zu erzeugen. Man ift in einem folchen Falle gezwungen, ein Relais einzufchalten, welches aus einer Localbatterie dem Stifte einen genügend kräftigen Strom zufchicken kann. Das Hinzufügen diefes Relais macht jene Verbindungen nothwendig, welche man in Fig. 14 auf der Säule K K fieht. Der Linienftrom, welcher früher direct zum Stifte gegangen ift, geht nun zum Relais und diefes fchickt zum Stifte den Strom einer Localbatterie. Die Gabel f verbindet mit ihren beiden äufseren Zähnen das mittlere Plättchen, fomit die Linie mit dem Plättchen R, welches den Strom zum Relais führt. Der Localbatterieftrom wird durch eine zweite Gabel f' zum Stifte geführt. Ihr am meiften rechts gelegener Zahn berührt leitend das Plättchen S' und kann dadurch einen Strom nach dem Stifte liefern. Der mittlere Zahn erhält durch das Plättchen B den Strom der Localbatterie, während fein am meiften links liegender Zahn, der auf dem Plättchen A ruht, fpäter zu befprechende Functionen aufführt. Alle diefe neuen Verbindungen bei der Umwandlung eines Transmetteurs in einen Recepteur mit Relais vollführt der Hebel og mit Hilfe jenes rs, und es ift diefs die dritte Aufgabe, welche der Hebel oq zu löfen hat, und welche wir oben fchon andeuteten. Die Aufgabe, welche hier das Relais zu löfen hat, ift viel fchwieriger, als diefs der Fall ist bei der gewöhnlichen Uebertragung, indem fich bei dem telegraphifchen Autographiren die Ströme unter Umständen rafcher unterbrechen und neu entſtehen, fomit auch das Relais rafcher arbeiten mufs, was d'Arlincourt zur Anwendung feines oben befchriebenen Relais führte. Aber man hat noch mit einer anderen Schwierigkeit zu kämpfen. Die Ladung einer langen Linie macht, dafs der Strom faft continuirlich ift und oft unvollkommene Unterbrechungen der Linien entſtehen, namentlich bei rafch aufeinanderfolgenden Unterbrechungen mit Wiederfchliefsungen und Schwächungen des Stromes, wodurch unter Anwendung eines gewöhnlichen Relais der Localftrom andauert und auch dann Zerfetzungen am Papier hervorbringt, wenn diefe nicht ftattfinden follen. Diefs vermeidet d'Arlincourt auf folgende Art: An dem Ende der Eifenkerne des Elektromagnetes bringt d'Arlincourt kleine Drahtfpulen B an ( Fig.15 und 16), Tafel III durch welche er einen Theil des Localbatterieftromes leitet, welcher bei jeder durch den Linienftrom hervorgebrachten Bewegung des Ankers P das Papier am Recepteur zerfetzt. Diefer Batterieftrom geht durch die Drahtwindungen in B in entgegengefetzter Richtung als der Linienftrom und fucht daher den Anker P von der Schraube V zu entfernen. Durch Einfchaltung eines Widerftandes Wgelingt es nun, diefen Localftrom etwas fchwächer als den Linienftrom zu machen, fo dafs trotz des Localftromes der Linienftrom überwiegt und der Anker gegen die Schraube V drückt. Aber fobald der Linienftrom, anftatt vollſtändig zu unterbrechen, fich abfchwächt in Folge der Linienladung, wird die Localbatterie überwiegen und den Anker von V losreifsen, wodurch der die Zerfetzung des Papiers auszuführende Theil des Localftromes gleichzeitig mit jenem durch die Spulen BB gehenden vollkommen unterbrochen wird. Auf diefe Art gelingt es, deutliche Schrift mit dicken und dünnen Strichen zu erhalten. In Fig.14 30 Dr. Leander Ditfcheiner. ift es nun der linke Zahn der Gabel f', welcher die Theilung des Localftromes ermöglicht. Wir haben gefehen, dafs die beiden rechten Zähne der Gabel f' das Plättchen B mit dem Plättchen S' und dem Stifte in Verbindung bringen. Zur felben Zeit leitet aber der linke Zahn durch das Plättchen A durch den Widerftand W zu der Spule B, und von diefer in die Erde, indem er durch TR und das Ende 2 des Commutators 2 LL2 geht Das Ende 2 ift ifolirt von LL2; andererfeits ift aber der Zahn ifolirt von der Walze 3, fo dafs die Communication nur hergestellt ist, fo lange 2 auf der Walze 3 gleitet, das ift alfo, während der Cylinder fich dreht. Während der Correction ift diefe Verbindung aufgehoben. Es ift diefs nothwendig, um zu vermeiden, dafs eine etwaige fchlechte Lage des Relaisankers während der Correction einen Theil der Batterie unthätig macht. Der Localbatterie- Strom wird dann in die Spulen abgeleitet und diejenige Wirkung hervorbringen, welche oben auseinandergefezt wurde. In dem Momente, wo die Apparate beim Repere angekommen find und während der Zeit der Correction ift der Stift durch einen Guttaperchaftreifen 7,( Fig. 13 und 14), welcher parallel zur Achfe des Cylinders gelegt ift, von dem Cylinder ifolirt, welcher Streifen nicht allein die Verbindung der Spitze mit der Erde aufhebt, fondern auch dazu dient, die Papiere auf dem Cylinder feftzuhalten. Ift die Diftanz nicht grofs, oder handelt es fich nur darum, die Apparate zu prüfen, ohne fich des Relais zu bedienen, fo braucht man nur die Communication des Relais mit dem Apparate zu unterbrechen und direct mittelft eines Drahtes die Klemme LR( Fig. 14) mit der Klemmfchraube B zu verbinden Die anderen Verbindungen bleiben, ausgenommen die Klemmfchraube A, welche überhaupt keine Communication befitzt. Die Fig. 13 und 14 find lediglich fchematiſche Figuren, in welchen die Säulen KK und K' K', ftatt in verticaler, in horizontaler Lage gezeichnet find, wie diefs richtig in Fig. 11 der Fall ift. Ferner find die Plättchen A und B in Fig. 13 und 14 anders geordnet als in Fig. 4, damit der Stromlauf leichter überfehen werden kann. Der Beamte beginnt damit, den Apparat in Bewegung zu fetzen. Er öffnet den Riegel 12, Fig. 6, fchiebt den Griff von rechts nach links und macht dadurch den Apparat zum Recepteur; er verfchliefst wieder den Riegel 12 und verfichert fich, dafs der Hebel 9, 10 den Daumen II nicht anhält. Der Apparat fetzt fich dann in Bewegung, und wenn die Stimmgabel richtig geregelt ift, macht er dreifsig Umdrehungen in der Minute. Geht er zu fchnell oder zu langfam, fo wird das Laufgewicht P der Stimmgabel tiefer oder höher geftellt. Man mufs auch den gleichen Gang beider Zinken der Gabel herftellen, was leicht durch ein Heben und Senken des Laufgewichtes P' an der freien Zinke gefchieht. Ift auf diefe Weife der Apparat als Recepteur regulirt, fo hält der Beamte feinen Cylinder am Repere durch den Hebel 9, 10 feft, öffnet den Riegel 12, um den Apparat vollſtändig anzuhalten. Er verfchiebt fodann den Griff q von links nach rechts, um den Apparat als Transmetteur zu gebrauchen, fchliefst wieder den Riegel 12 und verfichert fich noch, dafs der Griff 9, 10 den Daumen 11 nicht mehr anhält. Der Cylinder bleibt am Repere, weil der Transmetteur nur durch einen Strom vom Recepteur in Bewegung gefetzt wird. Der Beamte überzeugt fich auch ferner, dafs der Hebel GH des Elektromagnetes M, Fig. 10 und 11, und das Stück EE', welches diefen Transmetteur fefthält, gut geftellt find, was unter folgenden Bedingungen ftatt findet. Der Daumen D des Stückes DR greift fo wenig als möglich in den Daumen F des Stückes EE ein, gerade nur foviel, dafs der Daumen F jenen D ficher hält. Man drückt dann mit einem Finger der Hand, gleichfam die Wirkung des elektrifchen Stromes nachahmend, auf das Ende G des Hebels GH, und macht diefes jedoch fo wenig als möglich beweglich durch eine Schraube 14, Fig. 11, welche man leicht anzieht, um die Bewegung des Ankers zu begrenzen. Es mufs aber auch der Daumen D unter dem Daumen F, bei dem durch H gehobenen Stücke EE leicht vorbeigehen, und man mufs ficher fein, dafs fich diefe beiden Daumen nicht berühren im Momente, wo der Transmetteur feine Bewegung Telegraphen- Apparate. 31 beginnt. Man kann diefe Regulirung ganz ficher ausführen durch den Knopf 15, Fig. 11, welchen man andrückt oder nachläfst, um das Ende H des Hebels GH zu heben oder zu fenken. Man ftellt ferner den Commutator fo, dafs der Wecker in die Leitung eingefchaltet ift und nur, wenn der Apparat arbeitet, fteht der Commutator mit diefer in Verbindung. Hat man nun eine Depefche zu übermitteln, fo befeftigt man paffend auf den Transmetteurcylinder die auf die Zinnfolie gefchriebene Depefche und fetzt den Cylinder felbft in gehöriger Weife in den Apparat. Man drückt fodann den Stift auf den Cylinder, nachdem man ihn auf der Mikrometerfchraube an den Rand des Cylinders gebracht hat. Man bringt den Cylinder an den Repere, unterfucht ob der Griff an der für den Transmetteur paffenden Stellung ift und gibt dem Beamten an der anderen Station das Signal, welcher mit dem Wecker antwortet. Man fetzt fodann den Commutator vom Wecker auf den Apparat und wartet die Zeit ab, während welcher nun der andere Beamte fein chemifch präparirtes Papier auf den Cylinder des Recepteurs befeftigt, feinen Stift ebenfalls an den Anfang des Cylinders bringt und fich ebenfalls überzeugt, ob der Griff die Stellung für den Recepteur richtig einnimmt. Er verftellt ebenfo feinen Commutator vom Wecker auf den Apparat, fetzt diefen in Bewegung, deffen erfter Strom nun auch den Transmetteur in Bewegung fetzt. Für den Mechaniker, welcher den Apparat herftellt, ift das Wichtigste, dafs die Zinke, welche in derRinne W Fig. 6, 7 und 8 ruht, genau in derfelben Linie fich befindet als die Achfe Z. Für eine vollſtändig richtige Transmiffion mufs diefs mit aller Genauigkeit eingehalten werden. Um fich von der Richtigkeit diefer Sache zu überzeugen, hebt man die Rinne, die nur mit einem Stifte an der Achfe/ fitzt, heraus. Ift dann die Spitze der Zinke genau gegenüber der Achfe 7, fo ift die Stimmgabel richtig centrirt. Oben an den Träger der Gabel find Schrauben zur Centrirung diefer Gabel. Auch mufs diefe Rinne einen horizontalen Kreis befchreiben, während der Apparat im Gange ift, was daran zu erkennen ift, dafs kein Lärm dabei entſteht. Der Copirtelegraph von B. Meyer functionirte in der Ausftellung felbft und find zahlreiche Depefchen dort auf- und abgegeben worden, fo dafs es möglich war, fich von der bemerkenswerthenThätigkeit desfelben unmittelbar zu überzeugen. Bei diefem Apparate bewegen fich ebenfalls zwei Cylinder an den verfchiedenen ( Abgabe- und Aufnahme-) Stationen fynchroniſch mit Hilfe eines durch ein Pendel regulirten Uhrwerkes. Auf der einen vollkommen glatten Walze der Abgabeftation wird die mit Tinte auf Zinnfolie gefchriebene Depefche aufgewickelt. Statt des gewöhnlich, wie auch beim Cafelli'fchen, Lenoir'fchen und d'Arlincourt'fchen Apparat verwendeten, die ganze Oberfläche in Form einer Kreislinie beftreichenden Stiftes ift es hier ein Rädchen, welches ähnlich wie diefer Stift über die ganze Oberfläche geführt wird. Das Rädchen ift an feinem Umfange fcharfkantig, jedoch nicht fchneidend und metallifch, und fteht diefer gut leitende Umfang mit der Linienleitung zur Aufnahmeftation in Verbindung. Das Rädchen wird ferner fchwach gegen die Oberfläche des Cylinders, auf welchen die Originaldepefche gelegt ift, gedrückt, fo zwar, dafs der Strom fo oft gefchloffen ift, als das Rädchen eine freie Stelle, fo oft aber geöffnet ift, als es eine mit Tinte überftrichene Stelle der Depefche berührt. Das Rädchen felbft dreht fich, fobald fich der Cylinder dreht, und berührt die Oberfläche gerade, fo wie der Stift, nur in einem Punkte. Der fynchronifch fich drehende Cylinder auf der Aufnahmeftation ift aber nicht vollkommen glatt, fondern es ift auf denfelben in Form einer, einen Schraubengang hohen, Schraubenlinie eine erhabene Schneide oder Klinge gewunden. Die fchraubenlinienförmige Klinge fteht einerfeits mit einer Farbwalze in Verbindung, fo zwar, dafs beim jedesmaligen Umdrehen der Walze nach und nach die ganze Klinge mit frifcher Farbe verfehen wird, ähnlich wie das Rädchen bei einem Morfe- Farbfchreiber. Auf der anderen Seite diefer Farbwalze, dem rotirenden Cylinder gegenüber, befindet fich ein Rahmen, auf welchem in Form eines Streifens jenes weifse Papier an dem Cylinder vorbeigezogen wird, auf welchem fich die 3 32 Dr. Leander Ditfcheiner. Depefche abdrucken foll. So lange ein Strom die Linie durchfliefst, ift der Rahmen fammt Papier gegen den Cylinder oder, beffer gefagt, gegen die fchraubenförmige mit Farbe verfehene Klinge des Cylinders gedrückt. Da nun die Längenrichtung des Papierftreifens fenkrecht zur Achfe des rotirenden Cylinders geftellt ift, fo wird die rotirende Klinge, fo lange fie mit dem Papiere in Berührung fteht, eine parallel zur Achfe des Cylinders, alfo fenkrecht zur Längenrichtung des Papierftreifens liegende dunkle Linie auf dem Papierftreifen erzeugen. So oft aber der Strom unterbrochen ift, wird der Rahmen mit Hilfe eines Elektromagnetes von der Schneide fo weit entfernt, dafs diefe nicht mehr in unmittelbarer Berührung mit dem Papiere ift, und fo eine weifse Unterbrechung des dunklen Streifens entfteht. Während einer vollen Umdrehung wird auch der Papierftreifen um ein kleines Stück, entſprechend der Höhe eines Schraubenganges der das Rädchen an der Abgabeftation bewegenden Mikrometerfchraube, verfchoben, fo dafs, wie das Rädchen einen Schraubengang durchlaufen hat, auch die Klinge den Druck an dem einen Rande des Papierftreifens wieder beginnt und fomit eine neue, zur früheren parallele Linie auf dem Papierftreifen zu ziehen vermag. Während alfo hier die Originaldepefche auf einer Walze aufgewickelt ift, wird ihre Copie auf einen ebenen Papierftreifen abgedrückt, und fo zwar, dafs die metallifchen Stellen der erfteren auf letzterem dunkel erfcheinen. Hat man alfo die Depefche mit fchwarzer Tinte auf zinnweifse Folie gefchrieben, fo ift die Copie in weifsen Linien auf dunklem Grunde gegeben. Auch find jene Punkte, welche in der aufgewickelten Originaldepefche auf einer Kreislinie liegen, in der Copie in einer geraden Linie fenkrecht zur Längenrichtung des Papierftreifens, fowie alle Punkte, welche in der Originaldepefche auf einer zur Cylinderachfe parallelen Linie liegen, auf der Copie in einer geraden Linie, welche parallel ift zur Längenrichtung des Streifens. Die Einrichtung der Druckfchraube diefes Apparates hat Meyer auch benützt zum Wiedergeben der gewöhnlichen Morfe- Zeichen, und ift diefelbe auch bei dem weiter unten zu befchreibenden Meyer'fchen Apparate zur mehrfachen Depefchenvermittlung auf einer Linie, welcher in der Ausstellung unmittelbar neben dem eben befchriebenen Apparate zu finden war, in Anwendung gebracht worden. Während bei den bis jetzt zur automatifchen Telegraphie gebräuchlichen Apparatfyftemen die felbftftändige Abgabe der Depefchen durch den Sendapparat mit Hilfe von in langen Schienen fteckenden Typen, wie bei Siemens- Halske'sma gneto- elektrifchem Typen- Schnellfchreiber und bei deren TypenSchnellfchreiber für Batterieftrom, oder von gelochten Papierftreifen, wie bei Siemens' Hand- und Taften- Schriftlocher gefchieht, welche in gröfseren Partien auf befonderen Apparaten gefetzt oder gelocht werden, find durch den nach den Angaben von v. Hefner- Alteneck von Siemens& Halske ausgeführten DofenSchnellfchrift Geber für Morfefchrift die beiden Functionen des Vorbereitens und des automatiſchen Abtelegraphirens der Schriftzeichen in einem compendiöfen Apparate vereinigt und erfolgen in demfelben, wenn auch von einander unabhängig, der Zeit nach nur wenig getrennt. Der Dofenfchrift- Geber wird direct in den Stromkreis der Linie eingefchaltet und erfolgt die Abgabe einer Depefche in letztere durch Drücken von Taften, deren für jedes in der Telegraphie vorkommende Zeichen( Buchftabe, Zahl oder Interpunction) je eine vorhanden und dem entſprechend bezeichnet ift. Die mittlere Schnelligkeit mit der die einzelnen Zeichen aufeinander folgen und folglich auf der Taftatur gegriffen werden müffen, ift von der Gefchwindigkeit, auf welche der ohne Zuſammenhang mit der Taftatur arbeitende gebende Mechanismus eingeftellt ift, nur infofern abhängig, als fie diefe nicht überfchreiten darf. Die Verfchiedenheit der Länge der einzelnen Schriftzeichen im Morfe- Alphabet bleibt beim Greifen der Taften unberück fichtigt, wie auch der vorfchriftsmäfsige Zwifchenraum zwifchen zwei Zeichen ftets von felbft erfcheint, gleichviel, ob der Telegraphift zwifchen dem Greifen einzelner Taften längere oder kürzere Zeit verftreichen läfst. Längere zwifchen Telegraphen- Apparate. 33 den einzelnen Worten einzufchiebende Zwifchenräume werden durch Drücken einer befonderen fogenannten Blanc- Tafte gegeben. Die Taftatur ift, damit fie einen möglichft kleinen Raum einnimmt, in fieben treppenartig übereinander liegenden Reihen zu je fieben Taften angeordnet, und find die Buchftaben auf den Taften fo vertheilt, dafs bei einer vollkommen ungezwungenen Lage der Hände auf der Taftatur diejenigen Buchftaben, welche am häufigften vorkommen, am bequemften gegriffen werden können. Der ganze Apparat bedeckt eine Grundfläche von 21 x 33 Centimeter, wovon circa 20 X 20 Centimeter auf die Taftatur kommen, bei einer Höhe von ungefähr 29 Centimeter ohne Lefepult. Der Dofen- Schriftgeber kann eingerichtet werden für die Exmiffion von gleichgerichteten Strömen oder für Wechfelftröme mit oder ohne Erdentladung, je nach der Befchaffenheit der Leitung, in welcher er arbeiten foll. Im erfteren Falle kann der empfangende Apparat ein gut arbeitender Farbfchreiber fein und braucht darum der Dofen- Schnellfchrift- Geber, falls eine bisher mit Morfe- Tafter eingerichtete Linie damit verfehen werden foll, nur an Stelle des Tafters in den Stromlauf eingefchaltet zu werden. Die Leiftungsfähigkeit des Apparates ift begrenzt durch die Schnelligkeit, mit welcher der ihn bedienende Telegraphift die Buchftaben einzeln auf der Taftatur zu greifen im Stande ift, vorausgefetzt, dafs die Befchaffenheit der Leitung keine tiefer liegende Grenze zieht. Ein geübter Telegraphift wird leicht 5 Taften in der Secunde einzeln greifen können; eine entsprechende Einstellung des gebenden Mechanismus vorausgefetzt, find diefs 300 Zeichen ( Wort- Zwifchenräume find als einzelne Zeichen eingerechnet) in der Minute. Nimmt man an, dafs zur Erledigung einer Depefche thatfächlich( hin und her) durchschnittlich 200 volle Buchftaben erforderlich find( 33 Worte), fo ergibt diefs eine Leiftung von 90 Depefchen in der Stunde, alfo ungefähr das Doppelte der thatfächlichen( nicht Maximalleiftung) des Hughes- Apparates. Der Dofen- Schnellfchrift- Geber bietet fonach die Vortheile der automatifchen Telegraphie( erhöhte Schnelligkeit mit Ausfchlufs fchlechter Handfchrift), ohne im Vergleiche mit dem einfachen Morfe- Tafter, an deffen Stelle er jederzeit treten kann, dem Telegraphendienfte befondere Umftändlichkeiten hinzuzufügen. Fig. 17 und 18, Tafel IV, geben eine fchematiſche Darftellung des Mechanismus bei Hinweglaffung aller unwefentlichen Theile. Der Hauptbeftandtheil des Apparates ift eine um ihre Mitte drehbar gelagerte kreisrunde Dofe D, deren cylindrifcher Umfang mit dicht nebeneinander liégenden, parallel zur Achfe laufenden Stiften s s befetzt ift, und welche unter dem Einfluffe der Taften fich in ihrer Längsrichtung mit einiger Reibung etwas verfchieben laffen. Diefe Stifte, in beftimmten Gruppirungen verfchoben, bilden die Typen zur automatifchen Abgabe der Schriftzeichen und zwar repräfentiren drei dicht nebeneinander liegende verfchobene Stifte einen Strich, ein verfchobener Stift zwifchen zwei unverfchobenen einen Punkt, ein oder mehrere aufeinander folgende unverfchoDurch den Druck bene Stifte einen kleineren oder gröfseren Zwifchenraum. einer Tafte werden einzelne Stifte, in Gruppirung und Anzahl dem Zeichen der gedrückten Tafte entſprechend, verfchoben, und dann die Dofe unter dem für die nöthige Zeitdauer freiwerdenden Einfluffe einer Uhrfeder oder eines fallenden Gewichtes Pum foviel weiter gedreht, als der Länge des gedrückten Zeichens und dem zugehörigen Zwifchenraume entspricht, und gleichzeitig frifche unverfchobene Stifte unmittelbar vor die von dem Tafter aus regierten, die Verfchiebung bewerkstelligenden Theile( Stöfser) nn gebracht. Die mechanifche Verbindung der letzteren mit dem Tafter ift im Principe die nämliche, wie fie in dem fogenannten Taftenfchriftlocher von Dr. Werner Siemens zuerft angewendet ift. Jede der Taften T( in Fig. 18 ift deren nur eine gezeichnet) fteht mit einem vertical ftehenden Blechftreifen S derart in Verbindung, dafs beim Drücken der Tafte letzterer mit einer verticalen Kante voran etwas vorgefchoben wird. Von diefen Blechen Sfind alfo ebenfo viele vorhanden, als Taften; fie ftehen dicht aneinander und treffen bei ihrem Vorgehen mit ihrer Vorderkante gegen die Kanten einer Anzahl anderer Bleche Q, Q, wlche quer horizontal, dicht vor 3 * 34 Dr. Leander Ditfcheiner. den erften weglaufen. Jedes diefer Bleche fteht durch einen ebenfalls aus Blech gefertigten doppelarmigen Hebel H( in Fig. 18 ift der Deutlichkeit wegen ebenfalls nur einer gezeichnet) mit je einem der 19 Stöfser n derart in mechanifchem Zufammenhange, dafs bei der Bewegung desfelben der dem betreffenden Stöfser gerade gegenüberliegende Stift s aus feiner normalen Lage verfchoben wird. Um nun die zur Darstellung eines Zeichens nöthige Gruppirung beim Verfchieben der Stifte durch einen Tafterdruck zu erzielen, find die erfterwähnten unmittelbar mit den Taften in Verbindung ftehenden Bleche S an ihrer Vorderkante derart ausgefeilt, dafs jedes derfelben beim Drucke der betreffenden Tafte immer nur diejenigen horizontal liegenden Bleche Q trifft, deren gleichzeitig erfolgende feitliche Bewegung die dem Zeichen der gedrückten Tafte entſprechende Verfchiebung der Stifte der Dofe zur Folge hat. Die unmittelbar darauf eintretende fprungweife Drehung der Dofe wird durch ein fallendes Gewicht P( oder eine Uhrfeder) und eine einfache Zahnradüberfetzung M N hervorgerufen und in der Weife ausgelöft, dafs ein kleiner Sperrkegel a, welcher in der Ruhe die Dofe an einem an ihr befeftigten Zahnkranze c c mit fchrägen Zähnen fefthält, durch Anlaufen des vorderften der durch den Taftendruck verfchobenen Stifte an einer an den Sperrkegel a angefeilten fchrägen Fläche F aus den Zähnen des Zahnkranzes cc gehoben und die Dofe dadurch frei gemacht wird. Diefe fchräge Fläche Fift breiter, als die innerhalb eines Zeichens vorkommenden Zwifchenräume, welche bekanntlich fich als nicht verfchobene Stifte darftellen. Der Sperrkegel kann alfo unter der Einwirkung einer kleinen Feder r, die ihn wieder gegen den Zahnkranz zu drücken fucht, nicht früher wieder einfallen, bis das ganze Zeichen das heifst, fämmtliche verfchobene Stifte der fchrägen Fläche unter F durchpaffirt find, und zwar in Folge einer weiteren Verbreitung der letzteren fammt dem vorgefchriebenen Zwifchenraume. Es ift Vorforge getroffen, dafs die bei gedrückt bleibender Tafte in die Stiftenreihe zwifchen vorgefchobene und unvorgefchobene Stifte hineinragenden Stöfser n die Drehung der Dofe nicht hindern, indem diefelben etwas beweglich gemacht und an ihrem vorderen Ende fo geführt find, dafs fie fchräg feitlich etwas ausweichen können. Beim Drucke der Blanc- Tafte, welche keinen Stift verfchieben darf, wird die entfprechende Drehung der Dofe in anderer Weife durch directe mechanifche Einwirkung der Tafte hervorgebracht. Der gebende Mechanismus bewirkt unter Einfluss der verfchobenen Stifte die oscillirende Bewegung eines kleinen Contacthebels C, welcher in feiner einfachften Form mit zwei Contacten dem gewöhnlichen Morfe- Tafter entſpricht, in der Weife, dafs durch ihn die Bedeutung der verfchobenen Stifte in die Linie abtelegraphirt wird. Zu dem Ende rotirt an der Vorderfläche der Dofe concentrifch mit diefer ein Zeiger i mit nachgebig gemachter fchräg abgeftumpfter Spitze welcher die vorgefchobenen Stifte an ihrer nach innen liegenden Rundung überftreicht, und deren dadurch hervorgerufene oscillirende Bewegung fich durch einen kleinen, feft am Zeiger gelagerten Winkelhebel o, welcher durch einen eingefraiften Schlitz auf einen in einer concentrifchen Bohrung der Zeigerachfe liegenden und über den Zapfen der letzteren vorfehenden Stift hin- und herfchiebend wirkt. Gegen die Kappe diefes Stiftes liegt, durch eine kleine Feder angedrückt, der eine Arm des erwähnten Contacthebels C, welcher dadurch in der Weife in Function tritt, dafs er für jeden einzelnen vorgefchobenen Stift, den die Zeigerfpitze überftreicht, einen kurzen Strom( Punkt), für drei hintereinander liegende vorgefchobene Stifte einen längeren Strom( Strich) in die Leitung abgibt. Dazu ift aber erforderlich, dafs der Zeiger i die Stiftenreihe, welche fich bekanntlich felbft unter dem Einfluffe der Taften in fprungweifer Bewegung befindet, mit relativ gleichmäfsiger Gefchwindigkeit überftreiche. Es ift diefs dadurch erreicht, dafs fich die Dofe felbft fammt dem an ihr befindlichen Treibrade Mlofe um die im Geftelle gelagerte Achfe m m des Zeigers dreht, wogegen aufser dem Zeiger an diefer Achfe m feftfitzen: ein innerhalb gelegenes Zahnrad K, welches durch weitere, in den Seiten Telegraphen- Apparate. 35 wänden der Dofe gelagerte Zahnräder und Getriebe mit einem ebenfalls feft an der Dofe gelagerten Windfange W in Eingriff fteht, weiter das eine Ende einer genügend gefpannten Feder F, deren anderes Ende am Geftelle befeftigt ist. In der Ruhe hält diefe Feder den Zeiger gegen einen Anfchlag A feft, welcher dicht hinter der Stelle liegt, wo die Verfchiebung der Stifte unter Einwirkung der Taften ſtattfindet. Die fprungweife Drehung der Dofe bringt den Zeiger von diefem Anfchlage weg und zieht dabei die Feder F auf; die entgegenwirkende Kraft der letzteren kann nur relativ langfam und gleichmäfsig auftreten, da fie, indem fie den Zeiger gegen den Anfchlag zurückdreht, den Windfang Win der Dofe in rafche Rotation um feine Achfe verfetzen mufs. Der Zeiger macht alfo die fprungweife Drehung der Dofe mit, unbefchadet feiner relativ zur Stiftenreihe gleichmäfsigen Rückwärtsbewegung, welche durch die Feder F hervorgerufen und durch den übrigens verftellbar gemachten, in der Dofe befindlichen Windfang W in ihrer Gefchwindigkeit regulirt wird. Je nachdem der Telegraphift rafcher oder langfamer die Zeichen an den Taften greift, wird die fprungweife Vorwärtsbewegung oder die relativ zur Dofe gleichmäfsige Rückwärtsbewegung des Zeigers überwiegen, der Zeiger wird fich in Summe feinem Anfchlage nähern oder fich von diefem entfernen, oder, was dasfelbe heifst, der zwifchen Zeigerfpitze und Anfchlag liegende Vorrath typifch vorbereiteter Schriftzeichen wird fich vermindern oder vergröfsern. Die thatfächliche Bewegung des Zeigers kann etwas weniger als eine volle Umdrehung betragen, und ift eine einfache Einrichtung getroffen, dafs eine Glocke ertönt, wenn der Telegraphift nahe daran ift, den erlaubten Vorfprung zwifchen dem Setzen und der automatifch erfolgenden Abtelegraphirung der Zeichen zu überfchreiten. Die von der Zeigerfpitze überftrichenen vorgefchobenen Stifte werden unmittelbar vor der Stelle, wo die Verfchiebung ftattfindet, wieder in ihre normale Lage zurückgebracht, und zwar durch eine dafelbft angebrachte fchräge Fläche R, gegen welche fie bei der Drehung der Dofe ftreifen. Der Siemens'fche Schnelldrucker ift ein Typendruck- Telegraph, welcher das auf einer Claviatur abgefpielte und dadurch auf einer Dofe mittelft links und rechts aus derfelben hervorgeftofsener Stifte vorbereitete Telegramm automatifch abtelegraphirt. Das Einftellen des Typenrades wird durch pofitive und negative Ströme von gleicher Länge bewirkt, von denen die einen durch die rechts aus der Dofe vorftehenden, die anderen durch die links vorftehenden in die Leitung gefandt werden. Dabei ift aber ein doppeltes Echappement an dem Typenrade angebracht, und zwar dreht das durch die Ströme der einen Richtung bewegte Echappement das Typenrad fprungweife um je vier Buchftaben auf einmal fort; das durch die entgegengefetzt gerichteten Ströme bewegte Echappement läfst es dagegen nur Schritte von je einem Buchftaben machen. Da nun die Ziffern und fonftigen Zeichen gar nicht mit in die Claviatur und auf das Typenrad aufgenommen find, fondern durch Buchftaben ausgedrückt werden follen, welche in ein im Voraus beſtimmtes Zeichen eingefchloffen werden, ift es möglich geworden, das Typenrad durch höchftens acht Ströme auf jedes Schriftzeichen einzuftellen. Dabei mufste aber das 27. Feld des Typenrades leer bleiben, weil in der gewählten Weife 27 Schritte auf acht Ströme nicht gemacht werden können, fondern erft durch neun( fechs Schritte zu je vier, und drei Schritte zu je einem Buchftaben). Es bleiben demnach 31 Felder des Typenrades zum Geben von 29 Buchftaben und Zeichen verfügbar, weil das 30. Feld für das Einfchlufszeichen der Ziffern und das 31. Feld für den durch die Blanc- Tafte zu telegraphirenden Zwifchenraum aufgefpart werden mufs. Dadurch, dafs das Typenrad nach jedem Abdrucke auf den Ausgangs- oder Nullpunkt zurückgeführt wird, ift zugleich verhütet, dafs durch Einfchleichen eines falfchen Zeichens die noch nachfolgenden ebenfalls falfch gemacht werden. Die Leiftungsfähigkeit diefes Schnelldruckers ift eine bedeutende, weil bei zweckmäfsiger Vertheilung der Punktgruppen 36 Dr. Lende Ditfchei ner. unter die Buchftaben im Durchfchnitte zur Einftellung des Typenrades nur drei bis vier kurze Stöfse erforderlich find und das Drucken, fowie die Zurückführung des Typenrades auf den Nullpunkt faft augenblicklich erfolgt.( Zetzfche a. a. O.) Der Siemen s'fche Ketten- Schnellfchriftgeber enthält anftatt der Dofe eine Gliederkette ohne Ende mit 180 Gliedern von 2.5 Millimeter Länge und in jedem derfelben einen Metallftift, welcher fich feiner Länge nach in dem Gliede mit einiger Reibung nach links oder rechts verfchieben läfst, weil der Ketten- Schriftgeber zur Erzeugung von Punkten in zwei Reihen, wie beim erften Steinheil'fchen Apparate, beftimmt ift. Die Verfchiebung der Stifte wird übrigens beim Niederdrücken der Taften in ganz ähnlicher Weife durch eine Art von Scheeren bewirkt und find natürlich zwei Contacthebel vorhanden, von denen der eine durch die rechts vorftehenden Stifte pofitive, der andere durch die links vorftehenden Stifte negative Ströme in die Leitung fendet. Diefe Ströme von verfchiedener Richtung fchreiben in einem polarifirten Doppelfchreiber die Zeichen des Steinheil'fchen Alphabetes. Die Vorbereitung der abzutelegraphirenden Schriftzeichen erfolgt an einer Stelle, wo die Kette über ein Rad läuft, das Abtelegraphiren an einer andern Stelle, wo die Kette über ein zweites mit einem Windflügel verbundenes Rad geführt ift; gleich hinter diefer Stelle werden die abtelegraphirten Stifte durch zwei an den beiden Seiten der Kette anftreifende Rollen wieder in ihre Ruhelage gebracht. Diefer Kettenfchriftgeber wird weder durch ein Gewicht, noch durch eine Feder getrieben, fondern es wird beim Niederdrücken einer Tafte gleich der erforderliche Anftofs zur Bewegung übertragen.( Zetzſche a. a. O.) Apparate zur automatifchen Verfendung von Depefchen finden wir ferner in der italienifchen Ausftellung, von Ludwig G hifi in Mailand, der eine Typenmafchine für Morfe- Schrift ausgeftellt, welche im Principe der Einrichtung wohl mit dem Siemens'fchen Typen- Schnellfchreiber übereinftimmt; ferner von Lacco Gaspori in Alleffandria einen dem Siemens'fchen Verfendungsapparat mit gelochten Papierftreifen ähnlichen Apparat. Wir finden auf der Ausftellung auch zwei neue Apparate, den einen von Herrn Bernard Meyer, Telegraphen- Bureauchef in Paris, in der Ausftellung der franzöfifchen Adminiftration des Telegraphen, den andern von Herrn Alois Bauer, k. k. öfterreichifchem Telegraphenbeamten, in der Ausftellung des öfterreichifchen Handelsminifteriums im Pavillon des Welthandels, welche beide den Zweck haben, eine beffere Ausnützung der einzelnen Telegraphenlinien dadurch herbeizuführen, dafs es mit ihnen möglich wird auf einem und demfelben Leitungsdrahte die von verfchiedenen Apparaten ausgefchickten Ströme abwechfelnd in rafcher Folge den entfernten aufnehmenden Apparaten getrennt zuzuführen, fo zwar, dafs, während an einer oder mehreren Abgabeftationen die Abfendung eines Stromes vorbereitet und diefer noch nicht wirklich abgegeben wird, die Leitung von einem Strome einer andern Abgabeftation durchfloffen wird. Dadurch wird es möglich, die Paufen, welche in einer Leitung mit nur einer Abgabe- und einer Aufnahmeftation wegen der verhältnifsmäfsig langen Vorbereitung zur Stromfendung eintreten und in welchen kein Strom die Linien durchfliefst, beffer zu verwenden und erfichtlich eine rafchere Abgabe mehrerer Depefchen zu erlangen. Das Syftem des Meyer'fchen Apparates zur gleichzeitigen mehrfachen Depefchenvermittlung auf einer und derfelben Leitung gründet fich auf die Zeit- und Arbeitsvertheilung und hat den Zweck, alle jene Ströme, welche in einer gegebenen Zeit eine Telegraphenleitung nach einander durchlaufen kann, getrennt und unabhängig von einander zu verfchiedenen Correfpondenzen zu benützen. Auf diefe Weife können mehrere Beamte, von denen ein jeder 20 bis 30 Depefchen in einer Stunde befördern kann, zufammen auf einem und demfelben Drahte ebenfoviele Depefchen und ebenfo leicht abtelegraphiren, als fie diefs mit dem gegenwärtigen Morfe- Apparatfyfteme auf befonderen, getrennten Linien zu leiften im Stande find, und zwar kann jeder Manipulant nach Mafsgabe des Dienftesbedürf Telegraphen- Apparate. 37 niffes entweder Depefchen geben oder folche von der Gegenftation abnehmen; defsgleichen kann er das Abtelegraphiren der Depefchen mit feinem Vis- à- vis behufs allfällig fogleich vorzunehmender Correcturen jederzeit unterbrechen, ohne dafs hiedurch die übrigen gleichzeitig mitcorrefpondirenden Manipulanten in ihrer Arbeit geftört werden, fo zwar, dafs von einer Station auf einer Leitung das geleiftet werden kann, was bis jetzt mit vier Morfe Apparaten auf vier Leitungen geleiftet wird. Durch die Benützung diefes Apparates kann daher die Anzahl der Telegraphenleitungen ohne eine Aenderung in dem bei den Morfe- Apparaten gebräuchlichen Manipulationsdienfte vorzunehmen, mit den vorhandenen Leitungen die Arbeitsleiftung auf das Vierfache erhöht, oder an Strecken, wo eine fchon hinreichende Zahl von Leitungen vorhanden ift, folche vermindert werden, wenn eine Steigerung der telegraphifchen Correfpondenz nicht in Ausficht fteht. Indem aber der Leitungsdraht derjenige Theil der Telegraphenanlage ift, deffen Erhaltung im betriebsfähigen Zuftande die meiſten Schwierigkeiten bietet und viele Koften verurfacht, und, wie es die Erfahrung lehrt, an jenen Strecken, wo mehrere Leitungsdrähte an einer und derfelben Stütze angebracht find, auch die meiften Betriebsftörungen vorkommen, die Schwierigkeit der Erhaltung der Leitung mit ihrer Zahl wächft: fo ift ein Apparatfyftem, welches erlaubt, bei gleicher Arbeitsleiftung die Zahl der Leitungsdrähte zu vermindern oder einer Vermehrung derfelben für längere Zeit vorzubeugen, in Rückficht auf den Betriebsdienft Die Anzahl der möglichen Ströme, ein wichtiger und bedeutender Fortfchritt. welche in einem Schliefsungskreife gegeben werden können( Stromemiffionen). fteht in natürlichem directen Verhältnifse mit demWiderftande der Leitungskette. Je mehr deutlich getrennte Stromemiffionen in einer folchen Kette hervorgebracht werden können, um defto mehr kann diefer zur mehrfachen gleichzeitigen Correfpondenz benützt werden. Es ift erwiefen, dafs 50 bis 100 Stromemiffionen in einer Secunde im einer Leitung zur Markirung telegraphifcher Zeichen nutzbar gemacht werden können. Durch die fowohl mit autographifchen als auch mit elektromagnetiſchen Telegraphenapparaten zu verfchiedenen Zwecken ausgeführten Verfuche wurde fogar dargethan, dafs man deutliche Schriftzeichen mit elektrifchen Strömen erhielt, welche 1500 Secunde Zeit zu ihrer Hervorbringung erforderten, fo zwar, dafs in einem elektrifchen Schliefsungskreife ein conftanter Strom ungefähr 250mal in der Secunde unterbrochen oder mit Arbeitsftrom gefchloffen werden kann und immer noch eine deutliche Markirung der Zeichen durch denfelben erhalten wird. Mittelft eines gewöhnlichen Morfe- Tafters konnten bekanntlich fünf und auch mehr Stromemiffionen per Secunde in die Leitung gefchickt werden, fo zwar, dafs, wenn die Emiffion nur mit der kleinften Zahl 5 ftattfindet, eine einfache Depefche von 20 Worten nebft dienftlichen Zufätzen in 2 Minuten abgegeben und fonach in einer Stunde in einer Leitung 24 folcher Depefchen befördert werden können. Man erfieht daraus, dafs, felbft wenn eine doppelte als die angenommene Zahl der Emiffionen bei gröfserer Uebung der Beamten möglich ift, doch die Leitung lange nicht fo ausgenützt wird, als diefs möglich erfcheint. Wenn durch ein Arrangement an einer Gruppe von Morfe- Apparaten die Möglichkeit geboten wird, fämmtliche Ströme, welche thatfächlich in einer Secunde in eine Leitung gebracht werden können, für die Zwecke der telegraphifchen Correfpondenz in ihrer Gefammtheit nutzbar zu machen, fo wird es durch die Ausbeutung des Reftes nach Abfchlag der erforderlichen fünf Stromemiffionen per Secunde möglich, mehrere Apparate an einer und derfelben Leitung zur gleichzeitigen Correfpondenz zu verwenden. Wäre z. B. n die Zahl der Stromemiffionen, welche in einer Secunde in einer Leitung hervorgebracht werden können, bei welcher Anzahl auf der fernen Station noch deutliche Morfe- Zeichen erfcheinen, fo ftellt in Rückficht darauf, dafs nur fünf folcher Emiffionen per Secunde nöthig find um eine Depefche in 22 Minuten oder 24 Depefchen in einer Stunde abzugeben, n/ die Anzahl der Apparate vor, welche gleichzeitig an einer und derfelben Leitung zur Correfpondenz verwendet werden könnten. Wäre n nur gleich 38 Dr. Leander Ditfcheiner. - 20, erfichtlich eine höchft tiefgegriffene Annahme, fo würde n/ 5= 4, es könnten alfo vier Apparate gleichzeitig functioniren. Es ift erfichtlieh, dafs diefe Zahl der Apparate leicht erhöht werden kann, da die Annahmen, welche ihrer Berechnung zu Grunde gelegen, nicht fehr günftig gewählt wurden, fo zwar, dafs es in der Praxis vielleicht möglich ift, diefe Anzahl auf das Doppelte zu bringen, da immer noch 40 Stromemiffionen in der Secunde leicht in die Leitung gefchickt werden können, ohne dafs die Apparate eine zu grofse Rotationsgefchwindigkeit bekommen müfsten. Bei dem auf der Ausftellung gewefenen Meyer'fchen Apparate waren auf einer und derfelben Tifchplatte vier Tafter a, a', a" und a" und ebenfoviele Schreibapparate r, r', r" und"" Fig. 19, Taf. V. Die Functionen des Farbrädchens bei den Farbfchreibern oder der Spitze bei den Relieffchreibern verfieht, ebenfo wie beimMeyer'fchen Copirtelegraphen, eine langgedrehte fcharfe Kante h, Fig. 20, Taf.V, welche in Form einer Schraubenlinie um einen fich drehenden Metallcylinder A gelegt ift. Hier, wo vier Apparate zur gleichzeitigen Correfpondenz aufgeftellt find, nimmt diefe Schraubenlinie nur einen Viertelkreis des ganzen Umfanges ein, fo zwar, dafs die ganze Länge des Cylinders nur ein Viertel der Höhe des ganzen Schraubenganges beträgt, während fich bekanntlich beim Meyer'fchen autographifchen Copirtelegraphen die Schraubenlinie um den ganzen Cylinder herumlegt, deffen Länge alfo gleich der ganzen Höhe des Schraubenganges ift. Wären fechs, acht im Allgemeinen n Apparate zur gleichzeitigen Correfpondenz aufgeftellt, fo würde auf den entſprechenden Schreibapparaten die Länge der Cylinder als 1, 1/8, 1/ n der Höhe des Schraubenganges der um fie als Schraubenlinie gelegten fcharfen Schneide anzufehen fein. Ueber diefen Cylindern bewegen fich die fogenannten Farbwalzen, welche die fcharfe Kante der Schraubenlinie ebenfo wie die Ränder der Farbrädchen beim Morfe- Farbfchreiber ftets mit der nöthigen Farbe verfehen. Ein einfaches Uhrwerk, durch ein Gewicht bewegt und durch ein Centrifugalpendel regulirt, dient als Motor für alle Schreibapparate, welche mittelft zweier Achfen G G' und E E' mit dem Uhrwerke in Verbindung ftehen. Die eine diefer Achfen fetzt die Druckwalzen( das heifst die Cylinder mit den Schraubenfchneiden) in Bewegung, während die andere die Bewegung des Papierftreifens verfieht. Diefe Papierftreifen felbft haben eine Breite, welche fo grofs ift, als die Länge der über ihnen befindlichen Schraubenfchneide und Druckwalze. Die Tafter find claviaturförmig und ftehen einerfeits mit der Batterie, andererfeits mit dem Stromvertheiler Kin Verbindung. Zum Betriebe der vier Apparate ift nur eine Batterie nöthig. Der Stromvertheiler K Fig. 21, Taf. V, bildet einen befonderen und ganz eigenthümlichen Hauptbeftandtheil des Apparates. Derfelbe vertheilt zwifchen den vier Schreibapparaten die nach und nach auf einander folgenden Stromemiffionen, welche in die Leitung gelangen. Er beſteht aus einer fixen und ifolirten Scheibe, auf deren Umkreife fenkrecht auf die Scheibenfläche 48 getrennte Metallftäbe angebracht find. Es kommen daher auf einen Quadranten 12 diefer Stäbe, welche mit je einem Tafter, wie folgt, in Verbindung ftehen. Von diefen Stäben find nämlich 8 Stück zu zweien gruppirt, folglich vier Gruppen zu zwei in jedem Quadranten. Von den übrig bleibenden vier befindet fich je einer zwifchen je zweien diefer Gruppen. Fig. 22, Taf. V. Es wechfeln alfo einzelne mit Gruppen von je zwei Stäben regelmäfsig in einem Quadranten des Stromvertheilers ab. Die acht je zwei und zwei gruppirten Stäbe find ein jeder mittelft eines ifolirten Drahtes, welche in ein Bündel geformt find, mit den acht claviaturförmigen Taften des entfprechenden Tafters verbunden. Die vorerwähnten vier dazwifchen liegenden einzelnen Stäbe v, v', v","" find mit der Erdleitung in permanenter Verbindung. Da die acht Taften der Claviatur je eines Tafters mit den acht Stäben je eines relativen Quadranten des Stromvertheilers in Verbindung ftehen, fo wird die Leitung von je einem Tafter nur für die Dauer einer Viertelumdrehung in Anspruch genom men. Diefes Syftem hat fomit nichts gemein mit dem fogenannten fimultanen Gegenfprechen. Der Tafter ift ähnlich wie die Claviatur eines Fortepianos conftruirt und befteht aus vier unteren weifsen und aus vier oberen fchwarzen Taften, -- Telegraphen- Apparate. 39 Die unter fich combinirten welche die Verbindung der Batterie mit dem Stromvertheiler vermitteln. Auf dem ganzen Umkreife des Stromvertheilers befinden fich 16 Doppelftäbe angebracht. Ein Stab von diefen Doppelftäben gibt daher nur einen halb fo langen Contact. als beide Stäbe zufammen. Nun ift der erfte Stab eines Doppelftabes mit je einer oberen fchwarzen Tafte, beide Stäbe aber zufammen mit einer unteren weifsen Tafte in Verbindung. Fig. 22, Taf. V. Durch das Niederdrücken einer unteren weifsen Tafte wird daher ein längerer Contact zwifchen der Batterie und der Linie hervorgebracht und folgerichtig auf den Papierftreifen des correfpondirenden Apparates ein längeres Zeichen, nämlich ein Strich erzeugt. Durch das Niederdrücken einer oberen fchwarzen Tafte wird nur ein kurzer Contact hergeftellt, der fich am Papierftreifen als ein Punkt darftellt. Punkte und Striche bilden das Alphabet ähnlich jenem, wie folches für die Um daher einen Buchstaben zu gewöhnlichen Morfe- Telegraphen üblich ift. bilden, wird gleichzeitig auf ebenfoviele Taften der Claviatur gedrückt, als der Buchftabe Zeichen enthält. Selbſtverſtändlich mufs bei der Wahl der Taften, auf welche gleichzeitig gedrückt wird, auf die Gruppirung der Zeichen, nämlich auf die Erzeugung von Punkten und Strichen in ihrer Reihenfolge Rückficht genommen werden. So zum Beiſpiel wird ein S durch das gleichzeitige Niederdrücken von drei nebeneinanderftehenden oberen( fchwarzen) Taften(...), ein ch durch das gleichzeitige Niederdrücken von vier unteren( weiſsen) Taften (--), ein b durch das gleichzeitige Niederdrücken der erften unteren ( weifsen) und der darauffolgenden oberen( fchwarzen) drei Taften(...) gebildet. Der betreffende Buchftabe wird, wie hieraus hervorgeht, mittelft eines einmaligen Niederdrückens mehrerer entsprechender Taften auch gleichzeitig und vollſtändig auf dem Papierftreifen erzeugt. Da die Buchftaben auf dem entſprechenden Papierftreifen beider in Correfpondenz ftehenden Stationen erfcheinen, fo kann der abtelegraphirende Beamte fofort beobachten, ob der Buchftabe auch richtig erzeugt wird. An der Achfe GG1, welche die Druckwalzen der Schrifterzeuger in Bewegung fetzen, ift eine Vorrichtung angebracht, beftehend aus einem dünnen Metallftabe, welcher auf ein neben den Taften befindliches Holzftückchen nach Mafsgabe der Bewegung des Stromvertheilers anfchlägt und dadurch anzeigt, dafs der Contactftift am Stromvertheiler den zu dem betreffenden Apparate gehörigen Quadranten paffirt hat, daher ein neuer Buchftabe von dem Telegraphiften auf dem Tafter zu greifen ift. Diefe Vorrichtung kann auch als ein Tactirftab für das Niederdrücken der Taften der Claviatur behufs der Buchftabenerzeugung betrachtet werden und hat den fehr wefentlichen Nutzen, dafs jeder der an diefen Apparaten Manipulirende mit einer durch den Tactirftab vorgefchriebenen Gefchwindigkeit die einzelnen Buchftaben erzeugen, daher mit einer gegebenen Schnelligkeit in der Abgabe der Depefchen verfahren mufs. Wie fchon erwähnt, befindet fich auf jeder Meffingwalze der vier Schreibapparate je eine erhabene Klinge( Kante) in Form einer langgedehnten Spiral- oder Schraubenlinie, welche in diefer Form einen Viertelkreis des Durchfchnittes je einer Walzenoberfläche einnimmt. Diefe Walzen bewegen fich mit dem Contactftifte des Stromvertheilers in gleichem Sinne und mit gleicher Gefchwindigkeit, fo zwar, dafs, während der Contactftift den betreffenden Quadranten des Stromvertheilers paffirt, die fchraubenförmige Klinge, auch Drucklinie genannt, fich gegenüber dem Papierftreifen gleichmäfsig bewegt. Unterhalb diefer Walze mit der Drucklinie wird der Papierftreifen ftetig über einen Rahmen fortgefchoben, welcher Rahmen in Folge der Anziehung oder Abftofsung eines Elektromagnetes durch einen Stahlmagnet auf die Schneide des erhabenen fchraubenartigen Anfatzes( Klinge) angedrückt und wieder entfernt Bleibt diefer Rahmen während wird, wodurch die Buchftaben gebildet werden. einer Viertelumdrehung der Walze gegen die Schneide( Klinge) gedrückt, fo macht diefe offenbar eine volle, die ganze Breite des Papiers einnehmende, zur Walzenachfe parallele blaue Linie. 40 Dr. Leander Ditfcheiner. Wird aber diefer Rahmen während einer Viertelumdrehung mehrmals durch die Wirkung des Stromes an die Drucklinie gelegt, fo werden mehrere der Länge diefer Anlegung entfprechende von einander getrennte Punkte oder Linien, in einer zur Längenrichtung des Streifens fenkrechten Linie gebildet. Alle Zeichen, welche einem einzigen Buchftaben angehören, liegen alfo in einer Linie, fenkrecht zur Längenrichtung des Papierftreifens; die den verfchiedenen Buchftaben entſprechenden Zeichen find in parallelen folchen Linien am Papierftreifen. Während des Functionirens diefes Apparates geht der von dem Vertheiler ausgehende Strom auf jeder Station durch ein Relais, in welchem eine Localbatterie derart eingefchaltet ift, dafs der elektrifche Strom fortwährend durch die Drahtwindungen der Elektromagnete, welche fich an den Schreibapparaten befinden, fliefst und in ihnen den Magnetismus fo hervorruft, dafs fie von den Polen vorhandener permanenter Magnete abgeftofsen werden. Geht nun durch das Relais ein Strom und unterbricht, indem fich dasfelbe unter feiner Einwirkung bewegt, den Local- Batterieftrom, fo verfchwindet der Magnetismus in den weichen Eifenkernen der Elektromagnete und diefe werden von den Stahlmagneten angezogen, durch welche Bewegung der Rahmen fammt dem Papierftreifen gehoben und gegen die Drucklinie gedrückt wird. In diefer Weife werden die Papierftreifen bei fämmtlichen Apparaten gleichzeitig gehoben und gefenkt; weil aber nur dann ein Zeichen auf dem Papierftreifen erzeugt werden kann, wenn die Drucklinie dem Papierftreifen gegenüber fich befindet, fo kann ein Buchftabe auf dem Papierftreifen nur dann erfcheinen, wenn der Stromvertheiler und die Drucklinie an den correfpondirenden Apparaten die richtige gegenfeitige Lage haben. Die gleichzeitige mehrfache Correfpondenz erfordert in beiden zur Vermittlung derfelben in einer und derfelben Linie eingefchalteten Apparaten eine gleich fchnelle Bewegung. Zu diefem Zwecke ift an den die Apparate bewegenden Uhrwerken ein Pendel R angebracht, welches die Regulirung des Ganges derfelben beforgt. Diefe Regulirung wäre ungenügend, obwohl die Abweichung von einer Umdrehung des Pendels kaum 0.001 Secunde beträgt. Es wird daher ein Correctionsfyftem in Anwendung gebracht, welches die kleinen Abweichungen der Pendel unter fich ausgleicht, und welches darin befteht, dafs durch die Einwirkung eines elektriſchen Stromes, welcher von dem Stromvertheiler des einen Stationsapparates ausgeht, die Kugel des Pendels an dem anderen Stationsapparate entweder gehoben oder gefenkt wird, wodurch das Pendel felbft in feiner Bewegung befchleunigt oder verzögert wird. Das Centrifugalpendel der einen Station bewegt fich ohne eine befondere Vorrichtung frei; mit jeder Umdrehung des Stromvertheilers wird ein elektriſcher Strom in die Linie abgefendet, welcher beftimmt ift, die Bewegung des Pendels am anderen Apparate immer fynchroniſch mit dem Pendel der den Correctionsftrom abfendenden Station zu erhalten. An dem mittelft des Correctionsftromes zu regulirenden Pendel ift das Gewicht ( Kugel) in einer befonderen Weife angebracht, und zwar fo, dafs fich diefe Kugel an dem Stabe des Pendels leicht hinauf und herab bewegen läfst. Zu diefem Zwecke hängt die Kugel an zwei Spiralfedern, welchen eine beftimmte Elafticität eigen ift. Hierdurch wird die verticale Bewegung der Kugel leicht möglich gemacht. Ober der Kugel diefes Pendels befindet fich in horizontaler Lage ein Arm in Form eines Wagehebels, an deffen einem Arme die erwähnten zwei Spiralfedern, welche auch mit der Kugel in Verbindung ftehen, angebracht find. An dem andern Theile des Hebelarmes ift ein Faden befeftigt, deffen anderes Ende um einen unter dem Hebel horizontal angebrachten runden Metallftab gewickelt ift; diefer Stab wird durch die Einwirkung einer elektrifchen Kraft an dem einen Ende horizontal nach rechts und links und durch Ausübung einer mechanifchen Kraft um eine Längenachfe gedreht. Es ift nun einzufehen, dafs, wenn diefer runde Stab fich um feine Längenachfe dreht, der darauf gewickelte und mit feinem anderen Ende an den horizontal liegenden wagförmigen Hebelarm befeftigte Faden länger oder kürzer wird, und dafs dadurch auch der andere Hebelarm und mit diefem die Telegraphen- Apparate. 41 Durch daran an den Spiralfedern hängende Kugel gehoben oder gefenkt wird. diefe Hebungen oder Senkungen wird die Gefchwindigkeit der Pendelbewegung und durch diefe wieder die Bewegung in den Laufwerken des betreffenden Apparates modificirt. Wie fchon bemerkt, geht der Correctionsftrom von jener Station aus, in welcher das Centrifugalpendel fich frei und ohne befondere Vorrichtung bewegt; diefer Strom hat ausfchliefslich den Zweck, den befchriebenen horizontalen Metallftab des Regulators der Gegenftation, welcher an einem Ende mit einem Anker verfehen ift, durch Anziehen mittelft eines Elektromagnetes in der horizontalen Ebene zu bewegen. In einiger Entfernung von dem Anker ift auf den Metallftab eine kreisförmige Scheibe aus Kupfer feft aufgefetzt, welche dazu dient, durch Impulfe von zwei Correctionsflügeln, die fich auf gegeneinander bewegenden zwei Rädern aufgefetzt befinden, den Metallftab um feine Achfe zu drehen, beziehungsweife den auf diefen Stab gewickelten Faden, welcher mit dem Wagehebel in Verbindung fteht, nach Mafsgabe der Drehung nach links oder rechts zu verlängern oder zu verkürzen. Durch diefe Verlängerung oder Ver kürzung des Fadens entſteht, wie vorerwähnt, die Hebung und Senkung des Pendels an dem zu corrigirenden Apparate. Wenn die Apparate einen fynchronen Gang haben, fo wird die kupferne Scheibe von den Correctionsflügeln fowohl oben als unten gleichmässig erfafst und daher der Metallftab nicht gedreht. Wenn aber der zu corrigirende Apparat fich langfamer oder gefchwinder bewegt, als jener in der Gegenftation, fo wird der eine oder der andere der Correctionsflügel die kupferne Scheibe ein wenig mehr oder weniger erfaffen, und durch den dadurch entſtehenden ungleichförmigen Druck der Correctionsflügel die Scheibe und mit diefer den Stab nach rechts oder links drehen, die Pendelkugel heben oder fenken und dadurch den Gang der Apparate fynchron erhalten. Nach dem eben Bemerkten ift es klar, dafs mit diefem Apparate eine weit gröfsere Ausnützung der Linien möglich ift. Eine und diefelbe Linie, welche mit der bisherigen Morfe- Einrichtung von einem Manipulanten benützt werden kann, ift nun in derfelben Zeit zum mindeften von deren vier zu benützen. Die lange Paufe, welche dem Greifen und vollständigen Niederdrücken der Taften gewidmet ift und welche jedem Telegraphiften gegönnt fein mufs, da er in diefer Paufe feine Depefche lefen und fich, wenn auch rafch, überlegen mufs, wie er die Taften zur Abgabe des betreffenden Buchftaben ergreifen muſs, wird von dreien feiner Collegen benützt, von denen jedem felbft wieder eine genügende Zeit zu ähnlichen Vorbereitungen gegeben ift. Drei Viertheile der Umdrehung find diefen Vorbereitungen gewidmet, das vierte Viertel aber erft wird zur Abgabe, und zwar eines ganzen Buchstaben benützt. Bemerkt mufs hier nur werden, dafs für jeden Buchftaben die Zeit einer ganzen Umdrehung verwendet werden mufs, alfo Buchftaben mit einfachen MorfeZeichen, wie c(.), i(..), a(—),(—) u. f. w. zum Abtelegraphiren ebenfo lange Zeit in Anspruch nehmen, wie folche mit complicirteren Zeichen, -), 9(---) u. f. w. Auch erfcheinen die einzelnen Buchftaben, da fie ihre Zeichen in neben einander gelagerten parallelen Linien haben, räumlich auf leicht erkennbare Weife getrennt. Durch die vier in den einzelnen Quadraten des Stromvertheilers einzeln vorkommenden, mit der Erde in leitender Verbindung ftehenden Metallftäbe wird erfichtlich nach jedem Zeichen eine Entladung der Linie eingeleitet.( Siehe Journal télégraphique publié par le bureau international à Berne, tome II, pag. 225[ Nr. 15].) z. B. y(- alfo Der zweite hieher gehörige, von Alois Bauer conftruirte Illimit- Telegraph hat ebenfalls zum Zwecke, die gegenwärtige Leiftungsfähigkeit einer Linie um das Vier- bis Achtfache zu erhöhen, ohne die bisherige Manipulation des Morfeund Hughes- Syftemes durchgreifend zu verändern, und wird diefer Zweck ebenfalls durch das gleichzeitige Arbeiten auf mehreren Aufgabe- und Empfangsftationen erreicht. Der Apparat felbft befteht aus einem Hauptapparate und aus dazu gehörigen Nebenapparaten. Der Hauptapparat, Manipulateur, genannt, führt alle jene Bedingungen herbei, welche eine höhere Ausnützung der Leitung möglich 42 Dr. Leander Ditfcheiner. machen, ohne Unterfchied der angewendeten Nebenapparate. Diefe können entweder gewöhnliche Morfe- oder Morfe- Druckapparate nach dem Syfteme Bauer, ferner gewöhnliche Hughes Apparate oder Typen- Druckapparate nach dem Syſteme Bauer fein. Die Morfe- Druckapparate und die Typen- Druckapparate, beide nach dem Syfteme Bauer, haben eine dem Manipulateur angepafstere Einrichtung als die gewöhnlichen Morfe- und Hughes Apparate. Bei dem Manipulateur wird durch ein Uhrwerk ein Arm( a Fig. 23), Tafel V, in rotirende Bewegung verfetzt, der in einer beftimmten Zeit eine gewiffe Anzahl Contacte berührt, die in einem Kreife aufgeftellt find. Oder es werden durch dasfelbe Uhrwerk fünf Arme a₁, aq, az, aч, as, die feft mit einander verbunden find, bewegt, Fig. 24, Tafel V, welche in derfelben Zeit nur Contacte, dafür aber jeden fünfmal berühren. Denkt man fich die im Kreife aufgeftellten Contacte der Reihe nach mit den verfchiedenen Theilftationen, beftehend aus den einzelnen Aufgabeftationen und dazu gehörigen Aufnahmeftationen, verbunden und die rotirende Achfe in leitender Verbindung mit der gemeinfchaftlichen Leitung, fo wird bei der Rotation der Achfe durch die Berührung eines Armes mit einem Contacte jedesmal ein Linienftrom aus der Contactftelle in die Leitung gefchickt werden können, wenn auf der der Contactftelle entfprechenden Theilftation die leitende Verbindung zwifchen Batterie und Contactftelle hergeftellt wurde. X 5 Die Zeit der Berührung der vier bis acht Contactftücke der vier bis acht Theilftationen mit einem rotirenden Arme bildet die Zeiteinheit, welche abhängig ift von der Rotationsgefchwindigkeit der Arme und von der Länge der Contactftücke. Die auf der zweiten Station B von der Abgabeftation in A anlangenden momentanen Ströme müffen über die dort rotirenden Arme die Contactftücke des zur felben Theilftation gehörigen Abgabe- Apparates treffen, fo dafs die beiden Manipulateurs in A und B fynchrone Bewegungen machen müffen. Die in den Contactftücken von Baufgenommenen und von A kommenden Ströme werden von diefen Contactftücken zu dem Zeichengeber von B geführt und vollführen dort den Druck eines entſprechenden Zeichens. Um den fynchronen Gang möglich zu machen, find auch hier durch Pendel zu regulirende Uhrwerke vorhanden, und um einen möglichft vollſtändigen Synchronismus herzuftellen, haben die Manipulateure einen„, Selbftregulator", welcher die geringften Differenzen in der Bewegung ausgleicht und fo die Apparate der Hand des Manipulirenden ganz entzieht. Zum Selbftregulator gehört ein Zahnrad, welches fich an der rotirenden Achfe befindet und das nach jeder Fünftel- oder Zehntelumdrehung der Achfe durch einen eingreifenden Daumen richtig geftellt wird, ferner ein eigener Motor, der bei feiner Bewegung durch Verfchieben einer Pendelkugel das Pendel verkürzt oder verlängert, je nachdem der Apparat zurückbleibt oder vorgeht. Der Strom zu diefem Motor wird durch die Verfchiebung des Zahnrades geliefert, wenn felbes beim ungleichen Gange der Apparate durch den eingreifenden Daumen vor- oder zurückgefchoben wird. Nach jedem Linienftrome wird die Leitung durch den Manipulateur wieder entladen. Beim fogenannten independenten Morfe- Syfteme fungiren als Nebenapparate ein Arbeitstafter, ein Tafterrelais, ein polar firtes Relais und ein Schreibapparat für je eine Theilftation. Bei diefem Syfteme, wo kürzere oder längere Zeichen ( Punkte und Striche) durch das Relais erzeugt werden follen, werden für jedes telegraphifche Zeichen zwei Linienftröme gegeben. Die Zeichen werden in erfter Linie vom Telegraphenbeamten mit dem Arbeitstafter gegeben( gruppirt), für jedes Tafterrelais zweimal, zu Anfang und zu Ende, im Locale kurz gefchloffen und auf diefe Weife jene Bedingungen herbeigeführt, bei welchen der Manipulateur einen Linienftrom für diefe Theilftation erzeugen kann. Der erfte Linienftrom beginnt das Zeichen auf der nächften Station, der zweite beendet dasfelbe. Nach erzeugtem Linienftrome wird das Tafterrelais durch den Manipulateur wieder in feine Ruhelage gebracht, fomit die Bedingung zur Erzeugung eines Linienftromes aufgehoben und die Leitung entladen. Die Linienftröme können entweder auf der Telegraphen- Apparate. 43 gebenden oder empfangenden Station gewechfelt werden, alfo mit wechfelnden oder gleichgerichteten Strömen gearbeitet werden. Bei Anwendung diefes Syftemes ift die Translation fehr leicht auszuführen, da die Manipulateure der Translationsftation nicht fynchron zu fein brauchen und nur die Schreibapparate die Einrichtung der Arbeitstafter zu bekommen haben. Ferner kann die Translationsftation mit beiden Endftationen der Partialkette in Correfpondenz treten, trotzdem gleichzeitig die beiden Endftationen im directen Verkehre ftehen. Die Schreibapparate find Morfe- Relief- oder Farbfchreiber. Die Leiftungsfähigkeit diefes Syftemes hängt von der Fertigkeit des Manipulirenden ab und können bei vierbis achtfacher Ausnutzung 80 bis 160 Depefchen per Stunde angenommen werden. Beim dependenten Morfe- Syfteme( Morfe- Druckapparat Bauer) können ebenfalls vier bis acht Manipulanten gleichzeitig arbeiten. Als Nebenapparate fungiren als Zeichengeber eine Claviatur von 7 Taften mit dem Grundzeichen'—'—' 0 ( o entspricht der Blanc- Tafte), und als Zeichen empfänger ein polarifirtes Relais und ein Typenrad mit obigen Grundzeichen. Diefe Morfe- Zeichen werden mittelft des Typenrades, das durch den Manipulateur fynchron bewegt wird, auf den Papierftreifen abgedruckt und können fodann abgelefen werden. Bei diefem Syſteme ift für jedes Zeichen nur ein Strom nothwendig, da die Länge und Kürze durch die Grundzeichen des Typenrades felbft gegeben werden. Ein eigenes Lernen des Spieles ift nicht nothwendig, da jede Tafte einzeln oder alle einen Buchstaben bildenden zufammen niedergedrückt werden können; ebenfowenig braucht ein gewiffer Tact eingehalten zu werden. Sämmtliche Buchftaben, mit Ausnahme von h, v und j, fowie der Zahlen o bis 9 können mit einer Umdrehung des Typenrades gegeben werden, fo dafs das Telegraphiren äufserft rafch vor fich geht. Da das Typenrad bei einer vierfachen Ausnützung zwei Umdrehungen in der Secunde macht, fo können auf jedem Apparate zwei Buchstaben per Secunde gedruckt werden. Nimmt man eine Depefche mit 20 Worten, das Wort im Durchschnitte zu fieben Buchftaben an, fo ergibt diefs 140 Buchftaben, alfo 57 Secunden. Im Mittel kann man alfo eine Depefche per Minute geben, was für einen Apparat 60, für vier Apparate 240 Depefchen per Stunde gibt. Beim independenten Druckfyfteme ( freies Hughes- Spiel) können zwei Manipulanten mittelft des Hughes Apparates unabhängig auf einer Linie arbeiten. Die Leiftungsfähigkeit ift durch die HughesApparate beftimmt. Beim dependenten Druckfyfteme( Typen- Druckapparat Bauer) können vier Manipulanten gleichzeitig auf einer Linie arbeiten und mittelft einer Claviatur für jeden Buchftaben einen Strom geben, wobei fie beliebig viele Buchftaben, wie fie in unmittelbarer Reihe aufeinanderfolgen, auf einmal greifen und geben können. Die mittelft der Claviatur gegebenen Buchftaben werden durch Typenräder auf den Papierftreifen abgedruckt. Die Empfangsapparate mit den Typenrädern haben kein fynchrones Uhrwerk, fondern werden durch den Manipulateur fynchron bewegt. Die Leiftungsfähigkeit beträgt bei diefem Syfteme bei vierfacher Ausnützung der Leitung ebenfalls 240 Stück Depefchen per Stunde, wobei jedoch die Depefchen fchon vollſtändig in Lettern gedruckt werden und nicht erft niedergefchrieben werden müffen.* Die grofse Verbreitung, welche die elektriſchen Einrichtungen für die Herftellung einer Verftändigung von verfchiedenen Räumlichkeiten aus gefunden haben, in Hotels, Fabriken u. f. w. fowohl wie in den einfachften Wohnungen, * Die angeführten Notizen über den Bauer'fchen Illimit- Telegraphen verdanke ich der Freundlichkeit des Herrn Bauer felbft. Sie find fo niedergefchrieben worden, wie fie mir gegeben wurden, da der auf der Ausftellung felbft befindliche Apparat noch nicht vollständig fertig war, alfo auch nicht in Thätigkeit gefetzt werden konnte, wodurch felbftverſtändlich ein Studium feiner Theile und ihres Zufammenwirkens nicht möglich war. Ausserdem ift es begreiflich, dafs Herr A. Bauer vor der gänzlichen Vollendung feines Apparates eine detaillirte Befchreibung nicht wünſcht, da fonft vielleicht die Patentirung in einigen Ländern erfchwert würde. Wenn auch der Apparat dem Anfehen nach complicirter erfcheint als der Meyer'fche, fo wäre es doch möglich, dafs er diefem Apparate in der Wirkung gleichgeftellt werden könnte. Die Jury ertheilte Herrn Bauer die Fortfchrittsmedaillc, Herrn Meyer aber das Ehrendiplom. 44 Dr. Leander Ditfcheiner. laffen es begreiflich erfcheinen, dafs die fogenannten Signalwerke für den häuslichen Gebrauch in ziemlich bedeutender Zahl vertreten waren. Von Oefterreichern nennen wir Sigfried Markus, C. A. Mayrhofer und F. Charterouffe in Wien, ferner von Ausländern Boulay& Comp. und E. Prudhomme& Vignier in Paris, Charles Devos in Saint- Joffe- ten- Noode bei Brüffel, Alexis Wery in Lüttich, Eduard Oliva in Udine, J. St. Batocchi in Verona, das Gewerbe Inftitut zu Liffabon u. m. A. Von akuftifchen Telegraphen für ähnliche Zwecke wären zu nennen: A. J. Gerard in Lüttich und Kuntze in der norwegifchen Ausstellung. Ein grofse Reihe von Eifenbahn- Telegraphenapparaten, wie Zug- Signal- und Zug- Controlapparate, Eifenbahn- Signalapparate und ihr EifenbahnBlockfignal- Syftem haben Siemens& Halske in Berlin und Siemens Brothers in London ausgeftellt. Der Zug Signal apparat wird zur Benützung durch die Fahrenden im Innern der Eifenbahn- Waggons angebracht. Eine ftraffe Leine läuft an der Innenfeite der Decke jedes Waggons zwifchen zwei Leiften hin, welche jedoch mit Papier überklebt find. An einer Stelle in der Mitte jedes Coupés fehlen die Leiften, fo dafs man die Leine von der Seite her erfaffen kann. Gefchieht diefs und erfolgt dann ein kräftiger Ruck an der Leine, fo wird an beiden Enden des Waggons zugleich nicht nur je ein in horizontaler Lage arretirter Flügel mechanifch ausgelöft und in aufrechte Stellung gebracht, fondern auch ein Ruheftrom unterbrochen und dadurch ein elektriſcher Wecker, mit Selbftunterbrechung eingefchaltet; der Ruheftrom geht durch die Windungen des Wecker- Elektromagnetes und dann nach einer Stellfchraube, an welche fich der Anker in feiner Ruhelage anlegt, fo dafs bei der Unterbrechung diefes Stromes der abfallende Anker einen anderen Schlufs der Batterie herftellt, in welchen der Anker felbft mit eingefchaltet ift.( Zetzfche a. a. O.) Der Zug Controlapparat foll die Fahr- und Aufenthaltszeit der Eifenbahnzüge regiftriren. Zu diefem Zwecke ift ein fchwerer Körper beweglich aufgehängt, fo dafs er durch die Erfchütterungen während des Fahrens in Erzitterung verfetzt wird. Diefe theilt fich mechaniſch einem Stift- Schreibhebel mit, welcher durch diefelbe Zeichen in einen Papierftreifen eindrückt. Diefer Papierftreifen wird aber, bevor er durch eine richtiggehende Uhr an der Schreibfpitze vorübergeführt wird, erft mit einer Reihe von Führungslöchern verfehen und dann auf dem zugehörigen Papierftreifen- Numerirungsapparate mit den Stunden- und Minutenzahlen bedruckt. Die gröfsere Druckfcheibe diefes Apparates ift am Umfange, aufser mit den Stiften, welche in die Führungslöcher eingreifen, noch mit den Minutentypen 10, 20,.. 50 befetzt. An der Stelle, wo 60 ftehen würde, befindet fich ein Ausfchnitt für eine kleine Scheibe, welche auf ihrem Umfange die Stundentypen I, II, III... XII zeigt. Die kleinere Scheibe dreht fich bei jeder Umdrehung der gröfseren genau um ein Zwölftel und bietet dann der Streifen ftets die betreffenden Stundenziffern an der Stelle dar, wo an der gröfseren Scheibe 60 ftehen würde.( Zetzſche a. a. O.). Die Wecker mit Selbftunterbrechung für Batterieftrom, mit oder ohne Selbftausfchaltung, werden entweder auf einer Stütze befeftigt oder auf den Tifch geftellt; zum Theil find fie in einem Mahagoni- Theilkaften eingefchloffen, welcher fich ganz auseinander nehmen läfst. Die Holzfockel der Kaften diefer Wecker find fo gearbeitet und die Apparattheile darauf fo angeordnet, dafs ein Trocknen und Schwinden des Holzes auf die Stellung des Ankers und deffen Spiel keinen Einflufs nimmt. Es find nämlich die Schenkel des Elektromagnetes an dem oberen Querftücke eines auf dem Sockel feftgefchraubten gufseifernen Rahmens mittelft zweier Schrauben befeftigt. Der vor den Polen des Elektromagnetes hängende plattenförmige Anker fchwingt um zwei im oberen Ende der feitlichen Ständer des Rahmens liegende Schraubenfpitzen. Die Abreifs Telegraphen- Apparate. 45 feder des Ankers aber ift an einem Meffingbügel angeheftet, welcher durch ein Loch in der Ankerplatte felbft und in dem Querftücke des gufseifernen Rahmens hindurchreicht und mittelft einer Schraube in dem letzteren verftellt und befeftigt werden kann. Zum Zwecke der Selbftausfchaltung ift an der Ankerplatte eine Feder angebracht, welche bei ruhendem Anker an einer Stellfchraube S₁ anliegt und durch diefe durchgebogen wird; wird dagegen der Anker angezogen, fo verlässt die Feder die Schraube S₁, richtet fich dabei gerade und legt fich fchliefslich an eine zweite Stellfchraube S, an; im erfteren Falle geht der Strom vom Anker nach S, und durch die Elektromagnetwindungen nach S, im zweiten vom Anker gleich nach S.( Zetzfche a. a. O.) Die Wecker für Inductionsftröme werden mittelft Magnetinductoren betrieben. Bei ihnen ift der eine Pol des Elektromagnetes fchuhartig verlängert und inducirt den( polarifirten) Anker, deffen um zwei Schraubenfpitzen fich drehender Hauptkörper den Elektromagnetkernen parallel liegt, während von ihm ein Fortfatz zwifchen die freien Enden der Kerne hineinragt und von ihnen hin- und hergeworfen wird, wobei der mit feinem Stiele ebenfalls am Hauptkörper fitzende Hammer abwechſelnd an zwei Glocken fchlägt. Diefe Wecker laffen fich hängend, ftehend oder feitlich an einer Wand befeftigen. ( Zetzfche a. a. O.) Die Neben einer eifernen Läutebude mit einer Glocke und Signalfcheibe und einer anderen mit zwei Glocken, mit Wechſelftrom. Auslöfung und mit der älteren von Frifchen vorgefchlagenen Hilfsfignal- Einrichtung ftanden zwei neuere Läutefäulen, deren Anordnung von v. Hefner- Alteneck angegeben wurde. Bei den einfacheren Läutewerken ift dem Anker des Elektromagnetes, an deffen Verlängerung die Nafe fitzt, woran der Auslöfehebel des Läutewerkes hängt, noch eine Remanenzfeder beigegeben, auf welcher der das Werk wieder einrückende Hebel aufliegt, um den Anker, falls derfelbe durch den remanenten Magnetismus der Elektromagnetkerne zurückgehalten würde, von den Kernen loszureifsen, damit er den Auslöfehebel ficher fängt. Die neueren Läutefäulen find mit dem Einrad- Läutewerke ausgerüftet, welches blos ein Rad und das treibende Gewicht, fonft aber kein Räderwerk enthält. Das ganze Werk ift von einem cylindrifchen Blechmantel eingefchloffen, welcher fich behufs einer Revifion des Werkes an drei Führungsrippen bequem herabziehen läfst. Glocke hängt oberhalb eines an den cylinderifchen fich anfchliefsenden kegelförmigen Mantels, welcher mit zwei Erkern verfehen ift, aus deren einem der Hammer hervortritt, um die Glocke zu treffen. Auf diefe Weife ift der ganz unter Dach befindliche Hammer gegen das Einfrieren gefichert. Der Hammer wird von Vorfprüngen an dem Rade in ähnlicher Weife wie der Wecker an SchwarzwälderUhren hin und hergeworfen. Die Auslöfung des Werkes erfolgt erft durch eine gröfsere Reihe( 21) aufeinanderfolgender Ströme von wechfelnder Richtung, wodurch ein zufälliges Auslöfen des Werkes, z. B. durch Gewitter, nahezu unmöglich wird. Das treibende Gewicht finkt im Innern der Säule herab, die Säule felbft aber fetzt als ein Rohr von ungefähr derfelben Länge, wie die Säule, in die Erde fort; diefes Erdrohr vergröfsert die Fallhöhe des Gewichtes und bildet zugleich das Fundament. Die eine der ausgeftellten Säulen mit Wechfelftrom- Auslöfung enthält aufser einem Blitzableiter noch eine neue Hilfsfignal- Einrichtung. Auf die Achfe des Einrad- Läute werkes find nämlich acht Schliefsungsräder aufgefteckt, welche an ihrem Umfange mit verfchieden geftellten, dem zu gebenden Hilfsfignale entsprechenden Vorfprüngen und Einfchnitten verfehen find. Der in der Leitung vorhandene galvanifche Ruheftrom ift gefchloffen, fo lange der längere Arm eines Winkelhebels in einem der Einfchnitte liegt, weil dann der den Contact machende kürzere Arm auf feinem Ambofse aufliegt, von dem er aber abgehoben wird, fobald der längere Arm auf einen Vorfprung aufläuft. Für gewöhnlich ruht der längere Arm auf einer Stelle der Achfe neben den Schliefsungsrädern und hält dabei den Stromkreis gefchloffen. Mit den zu gebenden acht Hilfsfignalen 46 Dr. Leander Ditfcheiner. find acht Schlüffel bezeichnet, die fich nur dadurch von einander unterfcheiden, dafs ihre Bärte in verfchiedenen Abftänden vom Ende des Schaftes fitzen. Wird ein Schlüffel gerade fo weit in das Schlüffelloch gefteckt, dafs er in diefem herumgedreht werden kann, fo wirkt der Schaft auf einen Seitenarm des Winkelhebels und dreht diefen gerade fo weit um eine horizontale Achfe, dafs fein längerer Arm auf das zu diefem Schlüffel gehörige Schliefsungsrad zu liegen kommt, während beim Umdrehen des Schlüffels der Bart auf einen Riegel wirkt und durch diefen das Triebwerk ausrückt, fo dafs nun das Hilfsfignal von diefer Säule aus in die Leitung gegeben und von Morfe- Apparaten auf den Stationen niedergefchrieben werden kann und fo lange fortgegeben wird, bis der Schlüffel wieder umgedreht und herausgezogen wird. Die Hilfsfignale werden auf derfelben Leitung gegeben, welche auch zum Läuten benützt wird; damit diefes gefchehen kann, wird der Ruheftrom beim Umdrehen des Inductors durch diefen felbftthätig ausgefchaltet.( Zetzfche a. a. O.) Bei den Magnetinductoren für Läute werke liegt die Inductionsrolle( der bekannte Cylinderinductor) zwifchen den Schenkeln von vier, fechs, zwölf oder achtzehn Hufeifenmagneten und fendet bei ihrer Umdrehung entweder Wechſelftröme oder bei Unterdrückung der Ströme von einer Richtung gleichgerichtete Ströme in eine bis vier Leitungen, und zwar durch Vermittlung von einer bis vier Drucktaften, welche zur Sicherung einer guten Körperverbindung infofern eine neue Einrichtung zeigen, als die fehr mäfsigen, mit je einer Leitung verbundenen Taftenkörper fich an den Umfang eines ftärkeren ifolirten Cylinders anlegen und im Ruhezuftande zugleich durch Federwirkung an je einen, leitend mit je einem Apparate in Verbindung ftehenden, fchwächeren Metallcylinder oder eine Schiene herangezogen werden, wogegen fie beim Niederdrücken fich am Umfange des ifolirten Cylinders fortwälzen und endlich mit ihrem hinteren Theile an einen ihnen allen gemeinfchaftlichen fchwächeren Metall cylinder anlegen, welchem ein von dem Inductor kommender Draht beim Drehen des Inductors die Ströme zuführt und von welchem fie jetzt durch den Taftenkörper in die Leitung eintreten, während fie auf der anderen Seite des Inductors durch einen Draht in die Erde gelangen.( S. Zetzſche a. a. O.) Die zu Anfang December 1870 in Berlin behufs einer Berathung über die Einführung von Blockfignalen tagende Conferenz von Eifenbahntechnikern ftellte gewiffe Normen für die Einführung diefer Signale auf. Zugleich tauchten manche begründete Vorwürfe gegen die von Siemens& Halske in einem im October desfelben Jahres erlaffenen Circulare befchriebenen und im Verfammlungslocale der Conferenz aufgeftellten Blockapparate auf. In Folge deffen liefsen Siemens & Halske den vorgefchlagenen optifch elektrifchen felbftthätigen Blockapparat fallen und entwarfen auf Anregung des Oberinfpectors Pörfch in Dresden Einrichtungen, welche dem Blockwärter das Geben elektrifcher Signale erft ermöglichen, wenn derfelbe vorher das betreffende optifche Signal gegeben hat. Dabei wurde zugleich der elektrifche Block- Signalapparat in einer jenen Einwürfen und den aufgeftellten Normen Rechnung tragenden Weife umgeftaltet. Von diefen Umänderungen machten Siemens& Halske in einem Circulare vom 1. März 1871 Mittheilung. Seitdem vervollkommneten fie ihre Blockfignale noch nach zwei Richtungen; I. brachten fie die Semaphoren- Windungen anftatt in elektrifche( mit Contacten erzielte) in mechanifche Abhängigkeit von der Stellung des Tableau im Blockapparat, fo dafs der Blockwärter mit dem Deblockiren der hinter ihm gelegenen Strecke fich fein eben gegebenes optifches Haltfignal abfolut feftftellt; 2. ferner ermöglichen fie auf derfelben Leitung, welche fchon für die Blockfignale benützt wird, ein Vorwärtswecken, das heifst eine Anmeldung des kommenden Zuges, auf der in der Richtung des Zuges nächftfolgenden Station durch Klingelfignale, welche mit gleichgerichteten Inductionsftrömen gegeben werden und die Blockfignale ganz unverändert und unberührt laffen, da für diefe Wechfelftröme benützt werden. Von den in Wien ausgeftellten, eine zufammenhängende Telegraphen- Apparate. 47 Linie bildenden fünf Block- Signalapparaten für eine zweigeleifige Bahn find die beiden äufserften als Bahnhofs- Apparate anzufehen. Die übrigen find mit( imitirten) Semaphoren verfehen und mit Semaphoren- Arretirung ausgerüftet; der mittelfte gilt als Zwifchenftation, die beiden anderen als Bahnhofs- Deckungsapparate. In der inneren Einrichtung ftimmen die fünf Apparate, deren jeder in einen eifernen Schutzkaften eingefchloffen ift, überein, nur dafs bei den Bahnhofs Apparaten die durch die Semaphoren bedingten Einrichtungen fehlen. Jeder Kaften enthält zwei Apparatfätze, den einen für die nach der einen Richtung( auf dem einen Geleife), den andern für die nach der andern Richtung( auf dem zweiten Geleife) verkehrenden Züge. Die elektrifchen Ströme für die Blockfignale werden von jeder Blockftation nach der in Bezug auf die Zugrichtung vorhergehenden oder rückwärts gelegenen Nachbarftation gefendet. In Folge deffen wird das elektrifche Haltfignal, welches eine mit Halt" befchriebene rothe Scheibe vor einem Fenfter des Kaftens fichtbar werden läfst, auf jeder Blockftation durch die Wechfelftröme erzeugt, welche nach der vorhergehenden Station gefendet werden, um dafelbft das dort noch ftehende Haltfignal zu befeitigen, das heifst, anftatt der rothen Scheibe eine weifse, mit„ Frei" befchriebene erfcheinen zu laffen; defshalb müffen in jedem Elektromagnete zwei verfchiedene Wege für diefe beiden durch ihn gehenden Ströme vorhanden fein, was leicht dadurch zu erreichen ift, dafs entweder der eine Schenkel des Elektromagnetes in den einen, der andere in den anderen Stromweg eingefchaltet ift, oder dafs man jeden Schenkel mit einer doppelten Umwicklung verfieht, von denen die eine dem einen, die andere dem anderen Stromwege angehört. Die rothe und weifse Scheibe bilden das obere und untere Feld eines um eine horizontale Achfe drehbaren Sectors, welcher fich durch fein eigenes Gewicht von oben nach unten, durch ein unter gewiffen Umständen auf denfelben fich auffetzendes Uebergewicht( oder in den neueren Apparaten durch ein das Uebergewicht erfetzendes Käftchen mit einer Feder) von unten nach oben zu drehen ftrebt, diefs aber nur kann, wenn der als Echappement für den Sector dienende polarifirte Anker des Elektromagnetes durch eine längere Reihe von Wechfelftrömen hin- und herbewegt wird, wobei er zugleich einen Klöppel abwechfelnd an zwei Glocken anfchlagen läfst. Dadurch ift zugleich, ähnlich wie oben bei den Läutefäulen, das unbeabfichtigte Umftellen der Blockfignale, z. B. bei Gewittern, nahezu unmöglich gemacht. Die Kurbel des Inductors fteht etwa in der Mitte der einen Kaftenwand( fiehe Dub, Anwendungen des Elektromagnetismus. Die Kurbeln der beiden Semaphorenwinden, II. Auflage, pag. 681) heraus. mittelft deren die beiden Semaphoren- Flügel, deren jeder zu je einer Zugrichtung gehört, dem Haltfignale entſprechend in die horizontale Lage, oder dem Freifignale entſprechend, fchräg nach oben geneigt eingeftellt werden, ftehen zu beiden Seiten aus den unteren Theilen des Kaftens vor. Auf jede Windenachfe ift eine Scheibe aufgefteckt, welche an der, bei gegebenem Haltfignale, nach oben gekehrten Stelle mit einem Ausfchnitte verfehen ift. Soll ein elektrifcher Strom zum Deblockiren der vorhergehenden Station gegeben werden, fo mufs durch einen Knopf auf der Oberfeite des Kaftens eine Stange niedergedrückt werden, um im Innern des Kaftens einen Contacthebel umzulegen, welcher bisher die in der der Zugrichtung entgegengefetzten Richtung von der Blockftation auslaufende Leitung durch den nach derfelben Seite hin gelegenen Elektromagnet hindurch mit der Erde verband, jetzt aber diefelbe Leitung durch den nach der Zugrichtung hin gelegenen Elektromagnet und den Inductor hindurch mit der Erde verbinden foll, damit auf der eigenen Station das elektrifche Haltfignal, auf der vorhergehenden Station das Freifignal entſteht. Nun legt fich aber der Contacthebel auf eine zweite Stange, welche mit ihrem unteren Ende auf einen, durch eine kräftige Feder nach oben gedrückten Sperrkegel wirkt; diefer Sperrkegel aber ftemmt fich gegen die auf der Windenachfe fitzende Scheibe und kann nur dann dem durch den Knopf auf den Contacthebel ausgeübten Drucke nachgeben, wenn 4 48 Dr. Leander Ditfcheiner. der Ausfchnitt der Scheibe nach oben liegt, das heifst, wenn das optifch- mechanifche Haltfignal( der Semaphoren- Flügel) gezogen ift. Somit kann jede Blockftation, wenn fie einen Zug an fich vorüberfahren läfst, die vorhergehende nicht eher deblockiren, bis fie fich felbft blockirt hat. Wird aber der in der Zugrichtung gelegene Knopf niedergedrückt, fo legt fich ein, lofe an feiner Stange fitzendes und bisher auf einem Stifte der Stange ruhendes Uebergewicht auf einen Stift an einem Fortfatze des in feiner unteren Lage befindlichen Sectors, und letzterer geht beim Umdrehen des Inductors fchrittweife in die Höhe; es erfcheint alfo auch das optifch- elektriſche Haltfignal. Dabei fchnappt zugleich bei Beginn der Stromfendung durch Federwirkung ein Hebel fperrend über einen Schalter an der unteren Stange ein und hält durch diefe Stange auch den Sperrkegel in der Windenfcheibe feft, fo dafs der Blockwärter das Semaphoren- Haltfignal jetzt nicht wieder abftellen kann. Jener Sperrkegel ging ferner an der halbausgefchnittenen Achfe des Sectors vorüber und wird dann feinerfeits bei der weiteren Drehung deffelben von der Achfe hinter derfelben feftgehalten; der Contacthebel dagegen wird beim Loslaffen des Knopfes, nach Vollendung des elektrifchen Haltfignales, von einer kräftigen Feder an den erften Contact zurückgeführt, und nimmt dabei die obere Stange und durch diefe auch das Uebergewicht wieder mit in die Höhe. وو Ift endlich der Zug auf der nächften Station angelangt, fo gehen die von diefer Station gefendeten Deblockirungsftröme( wie fchon erwähnt, auf einem anderen Wege, als die Blockirungsftröme) durch den Elektromagnet des noch auf Halt" ftehenden Sectors, laffen das Echappement ſpielen, und der Sector geht, da das Uebergewicht nicht mehr auf ihm laftet, durch fein eigenes Gewicht hinunter. In Folge deffen zieht eine Feder den Sperrhebel, an der dazu jetzt wieder in die richtige Stellung gelangten halb ausgefchnittenen Achfe vorbei, in die Ruhelage zurück; die untere Stange kann daher in die Höhe gehen, die kräftige Feder am Sperrkegel hebt diefen aus der Scheibe aus und der Blockwärter kann jetzt auch feinen Semaphoren Flügel mittelft der Windung in die fchräge Freiftellung drehen. Aufser der auf der Inductor- Achfe auffchleifenden und die Wechfelftröme aufnehmenden Feder fchleift auf diefer Achfe, und zwar an einer Stelle, wo die halbe Achfe aus einem ifolirenden Materiale hergeftellt ift, noch eine zweite Feder auf, mittelft deren alfo nur gleichgerichtete Ströme, entweder pofitive oder negative, von dem Inductor entfendet werden können. Diefs gefchieht, fobald der eine oder der andere Leitungszweig an der Stelle, wo er in die Blockftation eintritt, durch Niederdrücken des einen( und zwar des nach ihm hin gelegenen) von zwei Knöpfen von dem nach dem Contacthebel führenden Drahte gelöft und dafür unmittelbar mit dem einen der nach jener zweiten Schleiffeder laufenden Drähte verbunden wird. Diefe gleichgerichteten Ströme laffen dann auf der vorwärts liegenden Station nur einen Wecker ertönen und melden fo in diefer Station im Voraus einen nach ihr von der telegraphirenden Station abgehenden Zug an, worin eben das Vorwärtswecken befteht. Selbſtverſtändlich dürfen auf einer und derfelben zwifchen zwei Blockftationen enthaltenen Leitungsftrecke nicht gleichzeitig in beiden Richtungen Ströme gefendet werden. Etwas anders geftaltet fich das Telegraphiren zwifchen dem Bahnhofsapparate und dem zugehörigen Bahnhof- Deckungs apparate. Zwifchen diefen beiden Apparaten iſt eine doppelte Leitung gefpannt. Die beiden Signale in der Ausfahrtsrichtung find für gewöhnlich weifs, die beiden in der Einfahrtsrichtung roth, der Bahnhof alfo für einfahrende Züge gefperrt, damit er zum Rangiren der Züge u. f. w. zur freien Verfügung fteht. Beim Ausfahren drückt der Bahnhof- Infpector nach dem Vorläuten auf der zweiten Leitung den in der Ausfahrtsrichtung gelegenen Knopf, und dreht den jetzt mit der erften Leitung verbundenen Inductor; dadurch wird fein Ausfahrtsfignal roth, der Zug fährt bis zum Deckungsapparate, hier zieht der Wärter das Semaphorenfignal, drückt den in der Fahrtrichtung gelegenen Knopf und dreht den auf die zweite Leitung eingefchalteten Inductor; dadurch wird Telegraphen- Apparate. 49 fein Signal roth, fein Flügel feftgeftellt und das Signal im Bahnhof- Apparate wieder weifs. Beim Einfahren findet der Zug im Bahnhof- Deckungs- und im BahnhofsApparate die Signale roth und bei erfterem den Flügel auf ,, Halt" eingeftellt; der Deckungs- Signalwächter mufs daher, bevor er dem Zuge das Einfahren in den Bahnhof geftatten kann, einen zur zweiten Leitung gehörigen Knopf drücken, den Inductor drehen und fo beim Bahnhof- Infpector läuten. Will der Infpector den Zug in den Bahnhof einfahren laffen, fo drückt er den in der Zugrichtung gelegenen Knopf und dreht den jetzt mit der zweiten Leitung verbundenen Inductor; dadurch werden die beiden rothen Signale in weifse umgewandelt und der Flügel der Deckungsftation wird beweglich, der Deckungsfignalwärter gibt das Flügelfignal ,, Frei", der Zug fährt ein. Darauf ftellt diefer Wärter den Flügel wieder auf ., Halt", drückt feinen in der Einfahrtsrichtung gelegenen Knopf und dreht den Inductor; dadurch wird durch die jetzt in die erfte Leitung gefendeten Ströme auf der vorhergehenden Blockftation das rothe Signal wieder weifs, und das Bahnhof- Signal dagegen wieder roth gemacht, woraus der Infpector zugleich erfieht, Um auch ein dafs der Flügel des Deckungsfignals wieder auf ,, Halt" feftfteht. Ueberholen des einen Zuges durch einen zweiten in einer Blockftation nicht auszufchliefsen, ift an dem Signalkaften für jede Richtung eine verfchloffene Klappe vorhanden, mittelft deren der Blockftation.( Bahnhof-) Vorftand die elektriſchen Signale mechanifch umwandeln kann. Ift z. B. der erfte Zug in der Station eingetroffen, fo blockirt fich diefelbe und deblockirt die vorhergehende; der erfte Zug bleibt in der Station liegen, der zweite fährt ein; der Vorftand verwandelt fein ,, Halt" in ,, Frei", läfst den zweiten Zug fahren, blockirt fich wieder und deblockirt die vorhergehende Station. Hat der zweite Zug die nächfte Station erreicht, fo deblockirt diefe diejenige, in welcher der erfte Zug noch hält, diefes„ Frei". Signal verwandelt der Vorftand wieder in ,, Halt" und läfst den erften Zug ábfahren.( Zetzſche a a. O.) Mittelft des vollſtändigen Weichen- Centralapparates mit WeichenBlockapparat, mit Block- Signalapparaten mit imitirten Semaphoren, endlich mit Weichenriegeln und mit Weichenhebeln ausgerüftet( Syftem Frifchen), werden in verwandter Weife wie bei den einfachen Block- Signalapparaten, durch einander ergänzende elektrifche und mechanifche Wirkungen und Sperrungen von einer Centralftelle aus, die verfchiedenen Semaphoren und elektrifchen Signale und die Weichen eines Bahnhofes eingeftellt und in ihrer Stellung feftgemacht; es ift zugleich aber auch dafür geforgt, dafs nach Einstellung eines Signales oder einer Weiche keine anderen Signale und Weichen geftellt werden können, welche den fchon geftellten widerfprechen und dadurch Anlafs zu einem Unfalle geben könnten. Mit der Verwicklung und Verallgemeinerung der Aufgabe wird natürlich auch der Apparat, durch welchen fie gelöft werden foll, umfänglicher und verwickelter, und obgleich der Grundgedanke und der zu feiner Durchführung benützte Mechanismus eine Anwendung für alle möglichen, irgendwo wirklich vorkommenden Fälle und Anforderungen des Betriebes geftattet, fo mufs doch jeder Apparat, dem befonderen Falle, für welchen er beſtimmt ift, angepasst werden und den vorhandenen Bedürfnissen entſprechend eingerichtet fein. Der ziemlich grofse ausgeftellte Apparat foll folgenden Bedingungen genügen: 1. Stehen die aufserhalb des Bahnhofes gelegenen( Einfahrts-) Signale auf ,, Halt", dann follen die im Innern des Bahnhofes liegenden Signale dem Bahnhofs- Vorftande zur freien Verfügung ftehen( z. B. zum Rangiren der Züge), jedoch foll dabei ebenfalls ein Zufammenftofs zweier Züge und dgl. unmöglich gemacht fein; 2. bevor ein äufseres Signal auf ,, Frei" geftellt werden kann, müffen vorher alle den einfahrenden Zug möglicherweife gefährdenden Signale und Weichen im Bahnhofe nicht nur richtig eingeftellt, fondern auch in ihrer richtigen Stellung feftgehalten werden, während alle anderen Weichen und Signale dem Vorftande zur freien Verfügung bleiben; 3. nach Einziehung des äufseren„ Frei"- Signales und der Feftftellung desfelben auf ,, Halt", kann die Löfung der innerhalb 50 Dr. Leander Ditfcheiner. des Bahnhofes gelegenen Signale und Weichen von der Centralftelle jederzeit erfolgen. Die äufseren Signale find dabei als gewöhnliche Block- Signalapparate mit Semaphoren- Arretirung vorausgefetzt; die inneren können vom Centralapparate aus unmittelbar gezogen werden. Die Weichen bedingen eine mechanifche Verbindung mit einem neben dem Weichenhebel aufgeftellten elektrifchen Signalkäftchen einerfeits für elektrifche Löfung des Haltfignals, andererfeits behufs der mechanifchen Löfung desfelben vom Centralapparate die Verbindung mit einer einfachen Kettentrommel.( Zetzfche a. a. O.) Der ausgeftellte elektrifche Weichenblock Apparat mit( in der Blockleitung zum Einfahrtsfignale liegenden) Unterbrechungscontacten findet bei mehreren hintereinander liegenden, aber zufammengehörigen Weichen ( einer Weichenftrafse) Verwendung. Denn von den Weichen einer folchen Weichenftrafse bedarf nicht jede, fondern nur die letzte eines die Einfahrt geftattenden elektrifchen Signalkäftchens, wie es bei dem Weichen- Centralapparat erwähnt wurde; die anderen Weichen dagegen werden mit Unterbrechungscontacten in der Weife verfehen, dafs nur bei richtiger Stellung und Feftftellung der fämmtlichen Weichen eine ununterbrochene Leitung vom Centralapparate nach der Einfahrtsweiche hergeftellt ift, und alfo auch nur in diefem Falle das elektrifche Signal von diefer Weiche nach dem Centralapparate gegeben werden kann. ( Zetzfche a. a. O.) Der ausgeftellte vollständige Bahnhofs- Deckungsapparat, beftehend aus einem Block- Signalapparate mit Wechfelarretirung der Semaphorenwinden und einem Block- Signalapparate mit Arretirungsfchieber als BahnhofsApparat( Syftem Frifchen), ift für den Fall berechnet, dafs zwei Geleife I und II in ein drittes III fich verzweigen. Der Arretirungsfchieber geftattet dabei bei der erften Stellung nur die Ertheilung des Einfahrtsfignales an einen aus dem Geleife I kommenden Zug, bei feiner zweiten Stellung nur an einen aus dem Geleife II kommenden Zug; der Schieber wird zugleich in beiden Fällen nach Abfendung des Signales feftgehalten, bis der Zug auf dem Geleife III in den Bahnhof gelangt ift. Durch die Wechfelarretirung der Semaphorenwinden aber wird es dem Weichen- und Signalwärter zugleich unmöglich gemacht, dafs er den zweiten Flügel zum Signal ,, Frei" ftellt, fo lange der erfte noch auf„ Frei" fteht, und umgekehrt. Diefe Arretirung wird einfach durch einen Stift vollzogen, welcher durch eine Schraube beim Drehen der Kurbel der einen Semaphorenwinde bewegt wird und fich in Folge deffen fperrend in die andere Kurbel einlegt.( Zetzfche a. a. O.) Aufser diefen von Siemens& Halske, und zum Theile auch von Siemens Brothers in London ausgeftellten Eifenbahn- Telegraphenapparaten fanden fich ähnliche Apparate auch von den anderen Firmen ausgeftellt; fo z. B. SignalLäute- Apparate für Wächterbuden von Gebrüder Naglo in Berlin, von Wiefenthal& Comp. in Aachen, von der internationalen TelegraphenbauAnft alt in Berlin, von H. Keitel in Wien, von der Telegraphenbau- Anftalt von B. Egger in Wien, von der allgemeinen Telegraphenbau Gefellfchaft in Wien und vielen Anderen. Sowohl bei den von B. Egger, als auch jenen von der allgemeinen Telegraphenbau- Gefellſchaft ausgeftellten Läute werken, ift ein Controlapparat angebracht, der die Anzahl der Glockenfchläge durch ebenfo viele in einen Papierftreifen gefchlagene Löcher erfichtlich macht. Bei dem Eggerfchen Apparate ift an der Achfe, an welcher auch der Hebelarm zum Anziehen des mit dem Glockenhammer in Verbindung ftehenden Drahtes angebracht ift, ein Hebelarm befeftigt, der, mit der Achfe fich hin- und herbewegend, auch eine Stange hinund herbewegt, an welcher fich eine excentrifch herzförmige Scheibe befindet, welche beim Hingehen einen Stempel in das Papier drückt, fich dabei umkehrt, um fo frei wieder zurückzukommen, ohne neuerdings den Stempel zu drücken. Wie alfo ein Glockenfchlag ftattfindet, wird auch ein Loch in den Streifen gemacht, und fo controlirt, ob das Signal überhaupt und auch richtig gegeben wurde. Eine ähnliche Einrichtung hat das Leopolder'fche Syftem der allgemeinen Telegraphenbau - Telegraphen- Apparate. 51 Gefellfchaft. Durch die Achfe, welche den Glockendraht bewegt, wird auch durch eine Kurbel eine Horizontalftange hin- und herbewegt, die jedoch fchief ab gebogen ift, fo dafs fie durch ihre Unterlage beim Hingehen in Folge der abwärts gehenden fchiefen Ebene gleichzeitig gehoben wird. Dadurch wird ein Hammer, der früher mit der Feder gegen einen Zapfen diefer Stange gedrückt wird, frei, und diefer fchlägt durch die Wirkung der kräftigen elaftifchen Feder gegen einen Stempel, der wieder in das Papier eingefchlagen wird und dort ein Loch macht. Beim Zurückgehen der Stange fenkt fie fich wieder und wird durch eine einfache Vorrichtung auch der Hammer wieder zurückgebracht und gegen den Zapfen feftgedrückt. Wir fanden ferner bei L. Bréguet in Paris den Eifenbahnzug- Sicherungsapparat von Regnault, Director der Bahn von Saint- Germain( S. Dub, Anwendungen des Elektromagnetismus. II. Auflage 661), und in der italienifchen Abtheilung die Apparate der lombardifch- venetianifchen und der centralitalienifchen Eifenbahn Gefellſchaft. Die Gebrüder Digney& Comp. in Paris haben eine elektrifche Dampfpfeife ausgeftellt, durch welche automatifch durch Schliefsen eines Stromes an beftimmten Stellen der Bahnlinie das Ventil der Pfeife geöffnet wird und diefe tönt. An eben denfelben Stellen befindet fich zwifchen den Schienen ein etwa 20 Centimeter breiter und ebenfo hoher, leitend mit der Erde in Verbindung ftehender, in der Längenrichtung gegen die Mitte anfteigender Meffingkörper. An der Locomotive befindet fich unten ein Metallbefen, der eben diefen Metallkörper ftreift, fobald die Locomotive über ihn hinweg geht; dadurch wird ein Strom gefchloffen, der den Anker eines Elektromagnetes bewegt, durch welche Bewegung das Ventil der Pfeife geöffnet wird. Von elektrifchen Uhren fanden wir auf der Ausftellung jene der bekann ten Firma M. Hipp in Neuenburg in der Schweiz, und zwar zwei kleinere und einen grofsen elektromagnetifchen Regulator mit Queckfilbercompenfation, ferner jene von Antoine Jofeph Gérard in Lüttich, Dumoulin- Froment, L. Defchiens und E. Barbier in Paris und endlich eine aftronomiſche Uhr mit gleichfchwingendem Pendel von Wilhelm Bröcking in Hamburg. Bei diefer letzteren ift die Regulirung von Jones in Anwendung gebracht. P Fig. 25, Tafel VI. ift das Pendel einer aftronomifchen Pendeluhr mit Gewichtsbewegung, die als regulirende oder Normaluhr dient, Q und Q find die Gefäfspaare des Krille'fchen Unterbrechers. Diefe Gefäfse find mit Queckfilber gefüllt, das durch die capillaren Oeffnungen jedes einzelnen in Form eines kleinen, halbrunden Tröpfchens vortreten würde, ohne auszufliefsen. Sind aber die Gefäfse eines Paares nahe aneinander, fo fliefsen ihre beiden Tröpfchen zufammen und bilden einen kurzen feinen Quecksilberfaden. Die Hackenachfe des Echappements trägt den leichten Doppelarm a, der an feinen Enden je ein Glimmerplättchen g und g' trägt, die bei der Oscillation des Pendels die bezeichneten Queckfilberfäden durchfchneiden und die QuecksilberHier ftehen die maffen zweier zufammengehöriger Gefäfse ifolirend trennt. Gefäfse nebeneinander und die Glimmerplättchen fenkrecht zur Papierfläche, in der Ausführung ftehen die Gefäfse hintereinander und liegen die Glimmerplättchen in der Oscillationsebene. BB' ift eine Batterie, in deren Mitte eine Erdleitung ift. Die Poldrähte führen, wie die Zeichnung ergibt, zu den Queckfilbergefäfsen, und von diefen gehen fich vereinigende Drähte zu einem Galvanometer, das mit Hilfe eines Meffingftöpfels aus- und eingefchaltet werden kann von dort führt die Leitung KK zur entfernten Uhr, nachdem der Strom durch ein ähnlich wie G eingerichtetes Galvanometer G' gegangen ift. P ift das Pendel einer Feder- oder Gewichtsuhr, an welcher ftatt der Linfe eine Rolle S mit vielfach diefelben umkreifenden mit Seide umfponnenen Kupferdraht. Das Pendel felbft ift an zwei von einander ifolirten Federn aufgehängt und fteht eine diefer Federn s' mit dem Galvanometer und mit dem Anfange des Leitungsdrahtes der Spule S in Verbindung, während das andere Ende des Spulendrahtes mit der Feder s und 52 Dr. Leander Ditfcheiner. durch diefe mit der Erde oder mit einer anderen Uhr in Verbindung ift. Zu beiden Seiten der Rolle S find in dem Uhrkaften die beiden permanenten Magnetftäbe M und M' fo angebracht, dafs fie bei den Hin- und Herfchwingungen derfelben ungehindert in diefe eintreten können. Die beiden Magnete kehren fich die gleichnamigen Pole zu und befinden fich in einer folchen Entfernung von einander, dafs auf der Höhe der Schwingung eines Pendels der eintretende Magnet bis in die Mitte der Rolle ragt und der andere dann eben im Begriffe ift, auszutreten. Oscillirt das Pendel P der Normaluhr nach links wie in der Zeichnung, fo geht ein pofitiver Strom von B nach Q' nach GKK G's' durch die Rolle S nach s und von dort weiter, oder in die Erde und durch diefe über E zurück, nach B'. Geht aber das Pendel nach rechts, fo geht der negative Strom von B nach Q, G, K, K, s', S, s, E, E nach B. Denkt man fich nun die Pendel Pund P' von rechts aus zu gleicher Zeit losgelaffen und hat dabei das Pendel P' die Neigung, vorzueilen, fo kommt P etwas früher auf der Höhe an und die Dauer des elektrifchen Stromes in der Rolle S wird fich nicht in zwei gleiche Hälften, ( auf den Moment, wo P gerade auf der Höhe feiner Schwingung ankommt, bezogen) vertheilen, wie es gefchehen müfste bei vollkommen gleicher Schwingung der beiden Pendel, fondern es wird die gröfsere Hälfte der Stromdauer in die Periode des Rückganges fallen. Da nun eine von einem elektrifchen Strome durchfloffene Rolle als ein Magnet betrachtet werden kann und der Magnet M' fo gekehrt ift, dafs er die Rolle anzieht, wenn ein Strom in ihr im erwähnten Sinne circulirt, fo ift feine Anziehung auf die Rolle während des Aufganges nach links von gerin gerer Dauer, als während des folgenden Niederganges. Die Wirkung des Magnetes ift alfo eine die Bewegung des Pendels verzögernde. Gelangt das Pendel darauf zurückfchwingend über feinen tiefften Punkt auf die Höhe nach rechts, fo tritt wieder eine kurze Zeit vor Erreichung des höchften Punktes ein negativer Strom in die Rolle, der wieder wegen Voreilens von P feiner Dauer nach zur gröfseren Hälfte auf den Rückgang fich vertheilt, wefshalb jetzt der Magnet M verzögernd wirkt, da er der Rolle denfelben Pol zukehrt wie M, und fie felbft ihm wegen erfolgten Stromwechfels nun auch auf diefer Seite einen anziehenden Pol entgegenführt. Der austretende Magnet kommt bei diefem Polwechfel in der Rolle auch dem anderen Magnet zu Hilfe. Hat die Uhr P anderenfalls die Neigung, zurückzubleiben, fo treten die Ströme, welche die Normaluhr ausfendet, in der Rolle S der gröfseren Dauer nach beim Auffteigen des Pendels auf und befchleunigen fo die Bewegung desfelben. In beiden Fällen tritt bei jedem Pendelfchlage eine regulirende Thätigkeit ein, welche die Differenz der Gleichfchwingung um eine äufserft kleine Gröfse geringer macht und diefe Differenz endlich nach mehreren Schwingungen gänzlich aufhebt. Dann treten die Ströme in die Rolle und verfchwinden aus ihr in gleichen Momenten vor der Erreichung des höchften Punktes und die Magnete befchleunigen foviel, als fie verzögern, fo dafs ihre Gefammtwirkung gleich Null ift. Sie beginnen aber fofort wieder ihre regulirende Thätigkeit, fobald in Folge von Temperatur- und fonftigen Einflüffen fich eine Differenz einzuftellen beginnt. Die Uhr mit dem Pendel P' foll eine gute Uhr fein, das heifst, fie foll felbftftändig einen fo guten Gang haben, dafs im Laufe von circa einer Stunde fich nur Differenzen von Bruchtheilen einer Secunde zeigen würden. Da nun die regulirende Wirkung der elektrifchen und magnetifchen Kräfte grofs genug ift, folche, wenn fie entstanden, auszugleichen, fo folgt, dafs eine zeitweilige Unterbrechung der Regulirungsvorrichtungen von geringer Dauer von keinem Belang fein kann. Es iſt fomit die Nothwendigkeit, Unterbrechungen wegen Reinigung der Contacte vorzunehmen, möglich. Die Herftellung des vorhin befchriebenenen Regulirungsfyftemes geftattet noch eine beträchtliche Vereinfachung, da es nicht nothwendig ift, jede Secunde einen Regulirungsftrom von der Normaluhr auszufenden; es genügt, wenn diefs jede zweite Secunde gefchieht, und die Ströme können dann immer gleichgerichtet fein. Damit fällt eine Batterie und eine Unterbrechungsvorrichtung weg. Bei der in Hamburg projectirten Anlage Telegraphen- Apparate. 53 ift die Normaluhr auf der Sternwarte und die zu regulirende Uhr an dem Börfengebäude. Es ift dabei eine Controle eingerichtet, fo dafs man fowohl auf der Sternwarte leicht erkennen kann, ob die Börfe- Uhr richtig geht, und umgekehrt an der Börfe erkennen kann, dafs die dort befindliche Uhr in Uebereinftimmung mit der Uhr der Sternwarte fich befindet. Anhang. Siemens& Halke's elektriſche Lampen. Bei der felbft regulirenden elektrifchen Lampe, für gleichgerichtete und für Wechfelftröme verwendbar, nach v. Hefner Alteneck, gefchieht die Regulirung der Länge des elektriſchen Lichtbogens in der Weife, dafs die Kohlenfpitzen bald unter dem Einfluffe des Uebergewichtes des einen oberen Kohlenhalters einander genähert, bald durch die Thätigkeit eines kleinen elektromagnetifchen Motors, welcher durch den lichterzeugenden elektrifchen Strom betrieben wird, wieder von einander entfernt werden. Diefer Motor( Fig.26 Tafel IV) befteht aus einem vom elektrifchen Strome umfloffenen Hufeifen- Magnet E mit einem vorliegenden Anker A, welchen eine Spiralfeder F mit regulirbarer Spannung von den Polen des Elektromagnetes abzuziehen und gegen einen RuheAnfchlag zu legen fucht. Mit dem Anzuge des Ankers durch den Elektromagnet ift für die Dauer desfelben die Schliefsung eines Contactes c( Fig. 26 Tafel IV.) verbunden, welcher dem elektrifchen Strome einen kürzeren Weg, an den Elektromagnet- Umwindungen vorbei, geftattet. Mit dem in Folge deffen eintretenden Abfall des Ankers wird der Contact c wieder geöffnet, der Anker wieder angezogen u. f w. Sobald alfo der elektriſche Strom, refpective der durch ihn im Elektromagnete hervorgerufene Magnetismus in Folge genügender Näherung der Kohlenfpitzen kräftig genug geworden ist, um die Spannung der Spiralfeder zu überwinden, fo wird der Anker in oscillirende Bewegung verfetzt, welche fo lange anhält bis die Stromftärke wieder unter diefe Grenze gefunken ift. Diefe hin und hergehenden Bewegungen macht ein kleiner Sperrkegel s mit, welcher dabei fucceffive in einer Richtung drehend auf ein Sperrrad U mit feinen fchräge ſtehenden Zähnen einwirkt und fo, durch mit dem Sperrrade in Eingriff ftehende Zahnräder und Zahnftangen, die beiden Kohlenhalter dem Uebergewichte des einen derfelben entgegenwirkend langfam von einander entfernt. In Folge der. damit im Zufammenhange ftehenden Vermehrung des Widerftandes des elektrifchen Lichtbogens und der Schwächung des elektrifchen Stromes hören die oscillirenden Bewegungen des Ankers und Sperrkegels bald wieder auf und der Anker bleibt an feinem Ruhe- Anfchlage d liegen. In diefer Stellung wird der Sperrkegel durch einen am Geftelle der Lampe befeftigten Stift n, an dem er mit feiner fchrägen Fläche anläuft, gänzlich aus den Zähnen des Sperrrades U geho. ben, das Uebergewicht des oberen Kohlenhalters kommt wieder zur Geltung und nähert, indem es gleichzeitig das Sperrrad rückwärts dreht, die Kohlenfpitzen einander wieder, bis in Folge der damit verbundenen Kräftigung des elektrifchen Stromes die oscillirenden Bewegungen des Ankers und Sperrkegels wieder beginnen. Die Schnelligkeit mit der fich die Kohlenfpitzen nähern, wird durch einen Windfang W verlangfamt, refpective regulirt, und damit der Elektromagnet nicht auf diefen im entgegengefetzten Sinne zu drehen braucht, ift deffen Triebrad R lofe auf die Achfe des Sperrrades aufgefetzt und durch eine kleine Sperrklinke t nur für die Drehung in dem einen Sinne, wie fie durch das Uebergewicht hervorgebracht wird, an das Sperrrad gekuppelt. Bei normalen Arbeiten der Lampe find die alternirenden Bewegungen der Kohlenfpitzen an diefen felbft kaum wahr nehmbar; erlifcht jedoch der Lichtbogen durch eine äufsere Veranlaffung, fo laufen die Kohlenfpitzen fofort zufammen und werden nach eingetretener Berührung durch die Thätigkeit des elektrifchen Motors wieder getrennt, wobei fich - - 54 Dr. Leander Ditfcheiner. der Lichtbogen von Neuem entzündet und in der ursprünglichen durch die Spannkraft der Abreifsfeder beftimmten Länge wieder herftellt. Bei Anwendung fogenannter Wechfelftröme, wie fie unter Umftänden von dynamo- elektrifchen Maſchinen hervorgebracht werden, arbeitet die Lampe und fpeciell der elektromagnetiſche Motor in gleicher Weife, nur mit dem Unterfchiede, dafs die Oscillationen des Ankers fchon an und für fich in Folge des fteten Wechfels der Pole im Elektromagnete, alfo auch ohne Beihilfe des Ausfchlufs contactes c. auftreten würden. Nur mufs, wenn der elektrifche Lichtbogen feine Lage im Raume längere Zeit beibehalten foll, das Verhältnifs der Gefchwindigkeiten, mit welchem fich die beiden Kohlenfpitzen bewegen, geändert werden, da bekanntlich bei gleichgerichteten Strömen die eine mit dem pofitiven Pole verbundene Kohle ungefähr doppelt fo rafch abläuft wie die andere, was bei Anwendung von Wechfelftrömen nicht der Fall ift. Dem entſprechend ift eine Einrichtung getroffen, dafs durch Drehen eines nach aufsen liegenden Kopfes die beiden an den Kohlenhältern befeftigten Zahnftangen zum Eingriffe in einen und denfelben Trieb oder in zwei verfchiedene auf gleicher Achfe fitzende Triebe, deren Durchmeffer fich verhalten wie 1: 2, gebracht werden können. Diefe Lampe zeichnet fich, abgefehen von ihrer doppelten Anwendbarkeit, vor anderen hinfichtlich ihrer Leiftungen vergleichbaren Syftemen durch grofse Einfachheit und Ueberfichtlichkeit der Conftruction verbunden mit hoher Präcifion der Regulirung aus. Die letztere ift vornehmlich dadurch begründet, dafs nicht zwei Ruhelagen des Ankers, die eine in angezogener, die andere in abgefallener Stellung, und dem entſprechend mehr oder weniger verfchiedene Stromftärken, refpective Bogenlängen, auftreten können, vielmehr die Stromftärke oder Bogenlänge beſtimmt ift durch das eine Moment des Anzuges des Ankers, welchem der Wiederabfall ftets unmittelbar felbftthätig folgt. Es ift keine Feder vorhanden, welche während der Thätigkeit. der Lampe von Zeit zu Zeit aufgezogen werden müfste, der dafür neu eingeführte Contact braucht nicht gereinigt zu werden, da an ihm nur fchwache Funken auftreten. Die Lampe ift von gefälliger äufserer Form und fo gebaut, dafs die Löfung von nur zwei Schrauben genügt um alle Hauptbeftandtheile mit der Hand herausnehmen zu können.( Autographirte Mittheilung von Herrn Siemens& Halske.) Eine andere felbft regulirende elektrifche Lampe für Wechfelftröme ift für Ströme von fortwährend wechfelnder Richtung beftimmt, wie die. felbe von fpeciell für die Erzeugung von elektriſchem Licht conftruirten magnetoelektrifchen Mafchinen hervorgebracht und wegen der damit verbundenen günftigeren Verbrennung der Kohlenfpitzen mit Vortheil in Anwendung gebracht werden. Diefelbe regulirt die Länge des elektrifchen Lichtbogens mit ungemeiner Schärfe und zeichnet fich aufserdem durch grofse Einfachheit des ihr zu Grunde liegenden Principes, welches ohne Anwendung eines Räderwerkes ausgeführt ift, aus. Sämmtliche zum Anftecken des elektrifchen Lichtbogens und zur Regulirung der Länge desfelben nöthigen Bewegungen werden durch zwei polarifirte Elektromagnete hervorgebracht, wie diefelben im Siemens- Halske'fchen Inductionsrelais und verfchiedenen anderen Apparaten vielfach in Anwendung gebracht find. Zwifchen den einander zugekehrten Polen N, Sund N', S'( Fig. 27 Tafel IV) eines jeden diefer Elektromagnete kann fich eine durch einen dahinter liegenden ftarken Stahlmagnet( M und M) dauernd polarifirte Stahl- oder Eifenzunge Z und Z' hin- und herbewegen foweit diefs zwei Anfchläge a, b und a', b' geftatten. In Folge des durch die Einwirkung der Wechfelftröme fortwährend in den Elektromagneten auftretenden Polwechfels und der damit verbundenen verfchiedenfeitigen Anziehung der Zungen würden diefe dauernd in oscillirende Bewegung verfetzt werden, wenn fie nicht aufserdem durch eine. regulirbare Feder f, f nach dem einen ihrer Anfchläge a, b' gezogen würden. Dadurch wird erreicht, dafs die Stärke der die Umwindungen der beiden Elektromagnete Telegraphen- Apparate. 55 durchfliefsenden Ströme je nach den den Federn gegebenen Spannungen eine beftimmte Stärke erreicht haben mufs, um trotz des einfeitigen Zuges der Federn die Magnetzungen hin- und herwerfen zu können. Beide Zungen tragen an ihren verlängerten Enden Sperrklinken, welche mit ihren Enden einander zugekehrt find und mit ihren Spitzen in ein Rad R mit feinen rechteckigen Zähnen eingreifen, derart, dafs bei Bewegung der Zungen und der damit verbundenen ftofsenden Bewegung der Sperrklinken das Rad gedreht wird und zwar in verfchiedenem Sinne, je nachdem die eine oder die andere der beiden Zungen arbeitet. Damit die ruhende Klinke das Rad nicht an der durch die andere hervorgerufene Drehung hindere, wird jede Sperrklinke durch Anlaufen eines Stiftes n n' an einer fchiefen Fläche aus den Zähnen des Rades gehoben, fobald fich die Zungen dem Ruhe- Anfchlage a oder b' nähert. Die nach oben verlängerte Achfe A des Rades trägt ein Rechts- und Linksgewinde, an welchen fich die beiden Kohlenhalter, einander entgegengefetzt, höher oder tiefer fchrauben, fich alfo entweder von einander entfernen oder einander nähern, je nachdem das Rad im einen oder im anderen Sinne gedreht wird. Die Umwindungen desjenigen der beiden Elektromagnete NS, welcher durch feinen Polwechfel in befchriebener Weife das Entfernen der Kohlenfpitzen bewirkt, beftehen aus wenigen Lagen eines dicken Drahtes und liegen in dem nämlichen Strome wie der Lichtbogen. Die Umwindungen des anderen Elektromagnetes N' S', welcher das Nähern der Kohlenfpitzen zu beforgen hat, find durch fehr viele Lagen eines dünnen Drahtes gebildet und fo gefchaltet, dafs fie einen Nebenfchlufs des Lichtbogens. darftellen von fehr viel gröfserem Widerftande als diefer. Je nachdem nun bei der Thätigkeit der Lampe die Länge des Lichtbogens und damit deffen Leitungswiderftand zunimmt oder abnimmt, wird der Strom durch die Windungen des im directen Stromkreise liegenden Elektromagnetes fchwächer oder ftärker, während der Strom in den Umwindungen des andern, im Nebenfchluffe liegenden Elektromagnetes, nach dem Gefetze der Zweigftröme, fich im umgekehrten Sinne ändert, alfo mit der Vergröfserung des Lichtbogens zunimmt. Demnach wird der eine oder der andere Elektromagnet kräftiger arbeiten und das Rad wird fich vorwiegend im einen oder anderen Sinne drehen, und zwar jedesmal in dem Sinne, welcher die eingetretene Aenderung in der Entfernung der Kohlenfpitzen wieder corrigirt. Erlifcht das Licht durch eine äufsere Veranlassung, fo hat nur der die Spitze annähernde Elektromagnet Strom und zwar einen fehr kräftigen. Derfelbe hört auf, fobald in Folge feiner Thätigkeit die Kohlenfpitzen fich wieder berühren, wogegen im gleichen Momente der Strom intenfiv in dem die Spitzen entfernenden Elektromagnete auftritt, welcher dann das Wiederanftecken des Lichtbogens und deffen Zurückbringung auf die urfprüngliche Länge beforgt.( Antographifche Mittheilung der Herren Siemens und Halske.) Die erfte der befchriebenen Lampen wurde täglich in der Maſchinenhalle für die Herftellung des elektrifchen Lichtes mittelft einer nach dem Syfteme von v. Hefner Alteneck, von Siemens& Halske ausgeführten, zur Erzeugung ftarker gleichgerichteter Ströme zu benutzenden dynamo- elektrifchen Mafchine verwendet. Diefen neuen Inductor kann man fich aus dem bekannteren Gramme'fchen, ebenfalls in der Mafchinenhalle ausgeftellt von Hippolyte Fontaine in Paris,( siehe Comptes rendus. 7. Juli 1871. Carls Repertorium VII. Bd. pag. 381.) enftanden denken, wenn man bei letzteren den ringförmigen Anker in der Richtung feiner Drehachfe flächenartig fich erweitern läfst und dann die Umwindungen des Kernes nicht mehr in die innere Oeffnung des Ringes hinein und durch denfelben hindurchführt, vielmehr die Oeffnung felbft mit der Maffe des Ankers ausfüllt, den ringförmigen Anker alfo durch einen maffiven Cylinder erfetzt und die Windungen nun über diefen Cylinder hinweggehen läfst. Dabei mufs man den erregenden Elektromagnet ebenfalls in der Achfenrichtung erweitern und ihn zugleich verdoppeln. Auf diefe Weife ift der an fich unwirkfame innere Theil der Drahtwindungen in Wegfall gebracht und dadurch das Ganze wefentlich verkleinert 56 Dr. Leander Ditfcheiner. Telegraphen- Apparate. worden; man kann dabei ferner zugleich auch den Anker und die ihn umgebenden Windungen auf befondere Achfen ftecken, indem man die maffive Ankerachfe durch die hohle Achfe der Windungen hindurchfteckt. Der letztere Vorzug der neuen Mafchine vor der Gramme'fchen fällt befonders bei gröfseren Maſchinen fehr ins Gewicht, weil man bei diefen die für ihren Betrieb erforderliche bedeutende mechanifche Leiftung wefentlich vermindert, wenn man die zu bewegende Maffe dadurch, dafs man den Anker felbft ftillftehen läfst und nur die Windungen allein um ihn herumgehen läfst, auf die denkbar kleinfte Gröfse herabdrückt. Demnach find über den maffiven cylindrifchen Kern oder Anker des v. Hefner- Alteneck'fchen Inductors eine Anzahl von Syftemen von Drahtwindungen und zwar der Länge nach( in Meridionalebenen, nicht in Ebenen, welche auf der Achfe fenkrecht ftehen) gewickelt, in ähnlicher Weife wie bei dem Siemens'fchen Cylinder- Inductor mit I- förmigem Kerne; dabei ift aber jedes Syftem mit den beiden benachbarten Syftemen leitend verbunden, und bilden die Windungsebenen je zweier benachbarter Syfteme einen kleinen Winkel mit einander, fo dafs die Windungen den ganzen kreisförmigen Cylinder umfchliefsen und diefe ganze Umhüllung aus einem in fich gefchloffenen Leiter befteht. Von den Grenzftellen zwifchen jedem Paar der Windungsfyfteme laufen Kupferftreifen aus und find auf der cylindrifchen Achfe des Ankers als Meridiane angeordnet; auf den Kupferftreifen aber fchleifen zwei fich diametral gegenüberftehende Contacte P₁ und P, welche beftändig mit einigen der Syfteme in Berührung ftehen. Der Anker mit feinen Windungen liegt innerhalb eines plattenförmigen Doppelmagnetes, deffen Pole mit hohlcylindrifchen Flächen dem Anker und feinen Windungen ebenfalls in einem( aber etwa unter 90 Grad gegen den Durchmeffer der Contacte verftellten) Durchmeffer gegenüberftehen. Diefer Doppelmagnet wird übrigens nicht durch einen feine Windungen durchfliefsenden Batterieftrom magnetifch erregt, fondern durch den von ihm felbft, vermöge feines remanenten Magnetismus, urfprünglich inducirten Stromes. Wird nun der Anker fammt feiner Drahthülle oder auch nur die letztere allein um die gemeinfchaftliche Achfe gedreht, fo fucht nach den Gefetzen der Induction der äufsere Elektromagnet in der Drahtumhüllung zwei entgegengefetzte Ströme zu induciren, die fich immer an den Stellen begegnen, an welchen( eben aus diefem Grunde) die beiden Contacte P, und P angebracht wurden. Werden alfo an diefen Stellen die Drahtwindungen durch die Kupferftreifen und die Contacte P₁ und P, an eine die beiden Contacte mit einander verbindende Leitung gelegt, fo wird diefe Leitung aus einem aus der Vereinigung der fich bei P₁ und P₂ begegnenden Ströme entſtehenden continuirlichen Strome durchlaufen, deffen Richtung mit der Umdrehungsrichtung der Drahthülle wechfelt, wenn die Polarität des erregenden Magnetes die nämliche bleibt.( Zetzſche a. a. O.) N' Fig. 1. B 3 $ 3 A 84 E 11/ 1/ 1/ $ 1 V Fig. 2. E V' PO E M Fig. 3. I C n D D J N a C D Sz L S n N K A B T A Linie K nach London A M B B S R 0 U amm N マロロ Y X Fig. 5. F |||||| Z F G P Taf. I. Fig. 4. I A B V' S N 0 E D J K V' T A A' M' Linie K' nach P' Marseille N' U B' B' ロ X' Y' Erde Z e P 0' R' Fig.6. Fig. 8. Taf. II. P P q K D 12 O O LR O B K S 9 9 Z 10 P g W 10 d C L TR O M AD KID M B 07 d a C e Z J Fig.1. G T Ꮓ J DE Fig.9. B' B a b R M Fig.10 " E G E H D B a f R Fig.12. K ☐ P D b m n Z P 0 K endrapas S T 14 15 D M M R M Я 10 Fig. 15. B B C TR B Fig.16 Localbatterie B Stift B Fig. 13. T Fig.14. Linie P Wider W stand Erde Erde ( A)( T) ( L) TR T K KABSRL SGK TR B M Stift Ter L 3 O L ( 7) LR ( B) ( L) W KARSAL SCK K' O TR T M Stift 1 5 Z Erde Z Erde Taf. II. Fig. 17. AAAF D i W M K A 000000000000000000 www T a C R Fig. 26. P W R ww S O d f A Π จาก T D Taf.W Fig.18. C C K M 1 1 T N T 手 Fig.27. n. ab A rg a R A W n S S or n a s b Q a H N S N S E f f' Z Z' Jox M M' H t P P H K H 7" Fig.19. T G' E' x" u n 111 Fig. 21. H" p" e n u" " 7TH p' E Fig.22. V" K' t' g K f T 0 0' ' n' u' G P R Taf.V. I K P G E' TU .P Fig.20. Q 7" T Fig. 24. Fig. 23. a 4 as A4 3 3 az 1 a 1 a B M 2 E M. SS, G₁ ( 066) S Fig. 25. K Leitung K Q. a G a Q Taf. VI. 11-11P₁ P M B, B Erde E