OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3 UNTER REDACTION VON DR. CARL TH. RICHTER, K. K. O. Ö. PROFESSOR IN PRAG. MUSIKALISCHE INSTRUMENTE. ( Gruppe XV.) BERICHT VON EDUARD SCHELLE. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1873. MUSIKALISCHE INSTRUMENTE. ( Gruppe XV.) Bericht von EDUARD SCHELLE. Die Weltausftellung, in welcher fich vom ternen Often bis zum entfernten Weften die Nationen zufammengefunden haben mit all' ihren Werken der Cultur, entrollt auf dem fcheinbar fo befcheidenen Gebiete der mufikalifchen Tonwerkzeuge das erfreuliche Bild eines erfolgreichen Strebens und Schaffens und wir können es ohne Uebertreibung fagen, eines nicht zu verkennenden bedeutenden Fortfchrittes feit dem Parifer derartigen Unternehmen im Jahre 1867. Manches Neue tritt uns in den verfchiedenen Erfcheinungen entgegen; Manches wiederum, das wir vor einiger Zeit noch in feiner Enwicklung fanden, fehen wir jetzt in einer entfprechenden Vollendung vor uns; mit einem Wort, im Ganzen und Grofsen bezeugen die Leiftungen, welche diefe Ausftellung vorführt, den überaus fruchtbaren Einflufs derartiger Unternehmungen auf den induftriellen Betrieb auch in diefer Sphäre geiftiger Productivität. Das Zufammenftrömen der Männer des Faches, der Wiffenfchaft und Kunft aus allen Ländern der Welt, der dadurch bewirkte Austaufch und Umfatz an Erfahrungen und Ideen erzeugen einen Auffchwung der Technik, der nicht allein der gewerblichen Thätigkeit, fondern auch der Wiffenfchaft zu gute kommt. Denn in dem weiten Reiche der Kunft dürfte es fchwerlich ein Gebiet geben, wo die Praxis fo Hand in Hand mit der Wiffenfchaft geht, wie in der Fabrication mufikalifcher Inftrumente. Lehrt uns doch die Gefchichte derfelben, wie fo häufig Entdeckungen, gewonnen auf dem Wege der Erfahrung oder gar des Inftinctes, fich zu bedeutenden Reſultaten der Wiffenfchaft entfalten, und wie anderfeits wiederum die Theorien der letzteren fich in den Erfolgen der Praxis bewähren. Leider aber hatte man bei der Aufftellung der in die Gruppe XV fallenden Gegenftände einen höchft unpraktiſchen Plan befolgt. Anftatt diefelben nach ihrer Rangordnung in einer felbftftändigen Halle in überfichtlicher Weife unterzubringen, wie es z. B. bei den Mafchinen der Fall war, hat man fie durch alle Räume des Induftriepalaftes nach den Ländern, denen fie angehören, zerftreut, ohne felbft Rückficht zu nehmen, ob auch der Charakter der Localität für den Zweck fich eigne. Durch diefe Einrichtung aber wurde der Vergleich, das zuverläffigfte Mittel für eine gerechte Beurtheilung, unendlich erfchwert, und zwar um fo mehr, als häufig längere Diftanzen zwifchen den einander entfprechenden Objecten zu durchmeffen waren und man auf dem Wege mitunter I* 2 Eduard Schelle. ein wahres Sturzbad von Klängen verfchiedenfter Art auszuhalten gezwungen war Wir haben jedoch das Ohr nicht fo in unferer Macht wie das Auge und der Eindruck einer Klangwirkung wird durch andere Klangeffecte unmerklich, ja nur zu leicht bis zu dem Grade verwifcht, dafs die Erinnerung keinen ficheren Mafsftab mehr darbietet. Ferner beruht der Werth eines mufikalifchen Inftrumentes in erfter und letzter Inftanz nur auf dem Ton, und diefer bedarf wieder einer akuftifch gebauten Räumlichkeit, um fich gehörig zur Geltung zu bringen. Da für folche keine Sorge getragen war und in der That bei dem adoptirten Plane auch keine getragen werden konnte, fo lief das Urtheil nicht felten Gefahr, in Täufchungen zu verfallen und gegen die Gerechtigkeit zu verftofsen. Befonders drückend war diefer Uebelftand bei den Saiteninftrumenten, Pianos, Geigen u. f. w., deren Stärke bekanntlich nicht in einer weit dringenden Schallkraft liegt. Möchten nur die hier gemachten Erfahrungen bewirken, dafs man bei künftigen Expofitionen diefem wichtigen Zweige der Kunft und Induſtrie eine ähnliche Aufmerkfamkeit erweift, wie man fie anderen Objecten, beiſpielsweife den Gegenftänden der bildenden Künfte, zuzuwenden für Pflicht hält. Die Mufikinftrumente kommen auf Ausstellungen nach zweierlei Seiten hin in Betracht. Einerfeits find fie die künftlerifchen Mittel und daher nach dem Grade ihrer Verwendbarkeit im Dienfte der Kunft abzufchätzen, anderfeits haben fie aber auch als Objecte eines induftriellen Betriebes Bedeutung, und verlangen als folche einen eigenen Werthmeffer. In diefer Eigenfchaft umfafst ihre Familie auch jene Ton- Werkzeuge, welche keinem künftlerifchen Zwecke dienen, fondern, fei es als freie, für fich beftehende Klangwerke, fei es als technifche Kunftstücke und mufikalifche Spielwaaren, um diefen Ausdruck zu gebrauchen, eine Rubrik aufserhalb der Grenzen der Kunft bilden und fomit gewiffermafsen das Proletariat unter den Tonmitteln vertreten. Aber auf dem neutralen Boden einer Induftrie- Ausftellung geniefsen diefe Proletarier die vollkommenfte Gleichberechtigung mit den edelſten Organen der Kunft; fie dürfen dasfelbe Intereffe, diefelbe Gewiffenhaftigkeit in ihrer Beurtheilung beanfpruchen, wie die Letzteren. Die einzige Bevorzugung, auf welche die Kunft zu dringen befugt ift, befchränkt fich nur darauf, dafs bei der Claffification der verfchiedenen Gruppen die herkömmliche. Rangordnung aufs ftrengfte eingehalten wird. Nach derfelben ftehen zu Oberft diejenigen Inftrumente, auf welchen der Ton vermittelft Taften erzeugt wird. Sie verdienen diefen Vorrang, weil fie an Ausdruckmitteln am vielfeitigften ausgeftattet find; mit ihnen hat alfo der Bericht feinen Anfang zu nehmen. TASTEN INSTRUMENTE. Orgeln. Im Vordergrunde diefer Gruppe fteht die Orgel als die Königin des Tonreiches. Der Titel gebührt ihr nicht nur wegen ihrer gewaltigen, erhabenen Klangwirkung, fondern weil fie allein unter allen Inftrumenten in ihrem Schoofse fämmtliche Töne einfchliefst, die in der Mufik zur Anwendung gebracht werden; fie umfafst nämlich nicht weniger als einen Tonumfang von 8 Octaven, deren Grundtöne von dem grofsen Contra C mit 16.5 Schwingungen in der Secunde und 32 Fufs Tonmafs bis zum fünfgeftrichenen C mit 4228 Schwingungen in der Secunde hinauffteigen. Natürlich liegt diefer Tonumfang nur in den verfchiedenen Stimmungen, welche das Werk enthält, wird aber nicht durch eigene Taften ausgedrückt, denn das Clavier oder Manual reicht nicht über 4 oder höchftens 41 Octaven hinaus, das Pedal umfafst deren nur 21. Aber auch fchon kraft ihres Stammbaumes darf die Orgel den Thron in dem Reiche der mufikalifchen Inftrumente beanfpruchen, denn ihre Anfänge reichen in die graue Vorzeit hinein und verknüpften fich fogar mit der Mythologie; wir erkennen fie nämlich in der alten Panflöte, Mufikalifche Inftrumente. 3 welche aus 7 bis 10 mit Wachs verbundenen, aus Schilfrohr gefchnittenen Pfeifen von verfchiedener Länge beftand. Einen weiteren Fortfchritt bezeichnet die Sackpfeife, bei der bereits die mit Tonlöchern verfehenen Pfeifen durch einen angebrachten Windfchlauch geblafen wurden. Denken wir uns eine Anzahl folcher Pfeifen ftatt eines Schlauches oder Sackes auf einen Windkaften geftellt, in welchen man, anfänglich wenigftens, durch ein Rohr die Luft hineinblies und zugleich mittelft beweglicher Schieber die Pfeifen nach Belieben auch einzeln zur Anfprache bringen konnte, fo hätten wir damit ein entſprechendes Bild unferes Inftrumentes auf feiner erften Entwicklungsftufe. Ein fernerer und zwar fehr bedeutender Fortfchritt, welcher einen längeren Bildungsprocefs vorausfetzt, war die Erfindung einer Einrichtung, durch welche die Luft durch den Druck des Waffers den Pfeifen zugeführt wurde. Der Kirchenvater Tertullian fchreibt diefelbe ohne ftichhaltigen Grund dem Archimedes zu. Eine folche hydraulifche Orgel baute oder verbefferte fchon etwa 180 Jahre vor Chriftus Ktefibius. Diefe Inftrumente zeichneten fich keineswegs durch eine imponirende Gröfse aus, wie man nach einer Schilderung des genannten Kirchenvaters fchliefsen kann, fie waren vielmehr klein und tragbar und wegen ihres Klanges bei den Römern fehr beliebt, vermochten indefs die ältere Windorgel nicht zu verdrängen. Zu folchen gehörten jene beiden Orgeln, welche fich nach dem Briefe, des Hieronymus an den Dardanus im Tempel zu Jerufalem befanden. Die kleinere unter ihnen, Mafchrokita mit 7 Pfeifen, wurde vom Spieler mit dem Munde durch einen Schlauch oder ein Rohr angeblafen, während er felbft auf einer vorn angebrachten Taftatur fpielte. Ein ähnliches Beiſpiel von Spielart bot der Zithertifch des Bäckermeifters Böhm in der Ausftellung, nur dafs hier die Pfeifen durch Zungen erfefzt find. Die gröfsere Orgel Magrapha oder Ugafh foll dagegen 2 Blafebälge und 15 Pfeifen gehabt haben. Ihre höhere künftlerifche Ausbildung hat die Orgel erft in dem Schoofse der chriftlichen Kirche erhalten; fie ift hier allmälig zu dem Inftrumente herangewachfen, welches heutigen Tages den Hauptfchmuck unferer Kirchen bildet und mehr als jedes andere Ton- Werkzeug mit unferem religiöfen Empfindungswefen verbunden ift. Die Einführung derfelben in die Kirchen des Abendlandes wird nach einer fehr unverbürgten Nachricht des Platina dem Papfte Vitalian in der zweiten Hälfte des VII. Jahrhundertes zugefchrieben. Als Pipin den römifchen Ritus in Frankreich einführte, erhielt er von dem byzantinifchen Kaifer Kopronimos in Konftantinopel zur Unterftützung des Gefanges eine grofse Orgel mit bleiernen Pfeifen zum Gefchenk, welche er in der Kirche zu Compiègne aufftellen liefs. Nach dem Mufter derfelben liefs Carl der Grofse 812 eine Orgel in dem Dom zu Aachen bauen, die erfte in Deutfchland, wie es heifst, welche ohne Beihilfe des Waffers, wie bisher, nur mittelft Blasbälge allein gefpielt werden konnte. Seit der zweiten Hälfte des IX. Jahrhunderts war die Kunft, Orgeln zu bauen, in Deutfchland fo verbreitet, dafs Papft Johann VIII. den Bifchof von Freifing anging, nach Rom einen Orgelbauer zu fchicken. Von hier aus verbreitete fie fich dann durch Italien und nach Frankreich hin. Im X. Jahrhundert hatte die Orgel, namentlich in England, bereits bemerkenswerthe Fortfchritte gethan. Denn nach der Erzählung des Benedictiners Wolftan befand fich 951 in Wincheſter eine Orgel, welche nicht weniger als 400 Pfeifen, für die damalige Zeit eine beträchtliche Anzahl, befafs; freilich war das Werk noch fehr primitiver Art, denn nicht weniger als 26 Bälge gehörten dazu, die Pfeifen ertönen zu laffen und diefe 26 Bälge verlangten 70 rüftige Männer, um in Bewegung gefetzt zu werden. Die Kunft, das Pfeifenwerk in Regifter zu fcheiden, war noch nicht erfun den. Die Orgel hatte zehn Taften und auf jede Tafte kamen vierzig Pfeifen, die fämmtlich beim Niederdruck ertönten. Zwei Organiften theilten fich in diefe zehn Taften und ein jeder von ihnen regierte fein, eigenes Alphabet." Die Claviatur umfafste auf den Orgeln II bis 13 Taften in diatonifcher Folge ohne Halbtöne, felbft das b und ift noch nicht unterfchieden; ein kunftvolleres Syftem der 4 Eduard Schelle. Mechanik beginnt erft im Anfang des XIV. Jahrhundertes. Die Claviatur beginnt von nun an allmälig die chromatifchen Zwifchentöne aufzunehmen; die Pfeifenzahl vergröfsert fich. Aber wie dürftig nehmen fich die gröfsten und berühmteften. Werke diefer Art gegen unfere heutigen Orgeln felbft vom kleinften Kaliber aus. Nehmen wir z. B. die grofse Orgel, welche Nicolaus Faber 1361 für die Domkirche zu Halberstadt baute und Prätorius in feinem Syntagma Musicum( 1619) gefchildert hat. Und doch weift diefs Werk einen bedeutenden Fortfchritt auf; es findet fich hier fchon eine Scheidung der Pfeifen im Profpect, des fogenannten Präftants oder Principals von dem Nachfatz oder Nafat, dem hinteren Pfeifenwerk, das aus Octaven und Quinten zufammengefetzt war, fo dafs der Präftant ohne den Nachfatz zu verwenden war. Das gefammte Pfeifenwerk wurde mit drei Clavieren in der Weife regiert, fo dafs das erfte und oberfte Manual, genannt der Discant, das volle Werk umfafste, das zweite nur für den Präftant diente, das dritte und unterfte das Pedal vertrat und mit der linken Hand zum zweiten Clavier gefpielt wurde. Die beiden oberen Claviere umfafsten eine chromatifche Scala von HC- ga, das untere von HC- c. Aber wie unbeholfen geftaltete fich die Conftruction. Eine jede Tafte war drei Zoll breit und ftand einen halben Zoll von der nächften ab. An ein Spielen mit den Fingern war nicht zu denken, weil die Taften einen fehr fchweren Gang hatten; die Manipulation mit denfelben verlangte vielmehr die ganze Fauft. Daher der lange gebräuchliche Ausdruck: Orgelfchlagen. 20 Blafebälge, getreten von 10 Männern, verforgten die Pfeifen mit dem nöthigen Wind. Den Klang fchildert Praetorius in feinem Syntagma Musicum( II. 99) als ein ,, tiffes, grobes braufen vnd grewliches grümmeln; auch wegen vielheit der Mixturpfeifen einen' vberaus ftarken fchall vnd laut, vnd gewaltiges gefchrey.. Das Werk hatte übrigens im Jahre 1489 eine durchgreifende Reparatur erfahren, bei welcher Gelegenheit auch das Pedal hinzugefügt wurde. Das letztere war mit Stricken an die Pfeifenventile befeftigt und es hatte nur einen Umfang von acht Tönen, nämlich von HC- h, und diente zur Verftärkung des erften Claviers, das heifst des Hauptmanuals. Die Erfindung des Pedals wird gewöhnlich einem Mufiker in Venedig, Bernhard der Deutfche genannt( 1470), zugefchrieben, allein es ift früheren Urfprungs und findet fich fchon an der grofsen Orgel in der Kirche St. Sebald zu Nürnberg, gebaut von Heinrich Drasdorf, vor. Ein weiterer Schritt von der Sonderung des Präftanten und Hinterfatzes war die Scheidung des Hinterfatzes felbft durch Springladen, vermittelft deren nun auch die Stimmen gefondert zur Anfprache zu bringen waren. Die den Claves der Taftatur entſprechenden Pfeifenreihen erhielten ihre Ventile, die fich beim Ziehen der Regifter mittelft Stecher öffneten und beim Abziehen durch Federdruck zurückfprangen, wovon der Name Springladen herrührt. Nach Prätorius war die Springlade fchon etwa 200 Jahre vor ihm, in gebrauch geweft", ihre Erfindung mufs demnach in den Anfang des XV. Jahrhundertes fallen, und vom Beginn des XVII. Jahrhundertes an kam dann die Schleiflade in Anwendung und hat fich in der Praxis bis auf den heutigen Tag erhalten. 66 Der ehrwürdige Prätorius würde nun allerdings ftaunen, wenn er plötzlich die von der Ausstellung vorgeführten Orgeln mit ihren modernen Collectivzügen, mit mannigfaltigen Klangfarben hören könnte, welche fämmtlich jenes dreiclavierige Ungeheuer an Kraft und Glanz des Tones fchlagen würden, obwohl keines von ihnen mehr als zwei Claviere bietet, keines durch die Gröfse der Structur imponirt Es ift feit der erften Hälfte des XVII. Jahrhundertes, ja feit den Zeiten des Altmeifters der Orgel, des unfterblichen Sebaftian Bach, ein grofser Fortfchritt gefchehen, ja ein Fortfchritt, der fogar jetzt den Charakter der Orgel zu gefährden droht. Denn die fo beliebten Echowerke, das in Mode ftehende Crescendo und Decrescendo, welches mittelft eines Schwellers hervorgebracht wird, widerftreben eigentlich der Natur diefes Inftrumentes, welches weder für den Ausdruck leidenfchaftlicher Gefühle, noch fentimaler Stimmungen berechnet ift. Mufikalifche Inftrumente. 5 Die Orgel war in neun Exemplaren auf unferer Ausftellung vertreten; fünf davon gehörten dem deutfchen Reiche an. Sie vertraten die Namen Walker in Ludwigsburg, die Gebrüder Walter in Guhrau, Steinmeyer in Oettingen und Weigele in Stuttgart. Oefterreich repräfentirten Heffe in Wien, Rieger in Jägerndorf und Mayer in Feldkirch. Ungarn endlich hatte ein Pofitiv geftellt, angefertigt von Ferdinand Peppert aus Steinamanger. Unter den angeführten Namen glänzte die Firma Walker als Stern erfter Gröfse hervor, aus deren Atelier die Riefenorgel im Münfter von Ulm und die grofsartige Concertorgel in der Mufikhalle zu Bofton ftammen. Wenn wir diefen Bericht gerade mit den Orgeln Walker's beginnen, fo hat es feinen Grund darin, dafs der Name Walker unter den hier verfammelt gewefenen Vertretern des Orgelbaues voranglänzt und, was noch mehr bedeutet, mit dem Fortfchritt verknüpft ift. Der Gründer diefer Firma, E. F. Walker, hat eine neue Bahn diefer Kunft gebrochen, indem er zuerft von den feit dem Anfang des XVII. Jahrhundertes allgemein gebräuchlichen Schleifladen abfah, und das Motiv der älteren Springladen wieder aufnahm, aber dasfelbe ganz felbftftändig zu einem ganz neuen Syftem ausarbeitete, welches mit dem älteren nur in dem Punkte zufammentrifft, dafs jede Pfeife für fich ein Ventil hat. Die Firma E. F. Walker& Comp. ift 1820 in Ludwigsburg( Württemberg) von Eberhard Friedrich Walker( geboren 1794 zu Cannftadt in Württemberg) gegründet worden. Sein Vater hatte dafelbft den Ruf eines berühmten Orgelbauers; bei ihm lernte der Sohn diefe Kunft. Die Folgen der Kriege im Anfange unferes Jahrhundertes lafteten fchwer auf allen Verhältniffen. Nur felten wurden neue Kirchen gebaut, noch feltener an ihre Ausftattung durch neue Orgelwerke gedacht, fo dafs man dem jungen Mann abrieth, fich diefer Kunft zu widmen. Um den allfeitigen Wünſchen einigermassen zu entſprechen, erlernte er neben dem Orgelbau noch bei einem Jugendfreunde die Lack- und Firnifsfabrication, kehrte jedoch fchon 1817 bei Beftellung einer neuen Orgel zu feinem Lieblingsfache zurück, dem er fich nunmehr ausfchliefslich widmete. Bei Gelegenheit diefes Neubaues entdeckte der junge Künftler verfchiedene Verbefferungen, die zwar vom Vater gutgeheifsen wurden, doch der grofsen Koften wegen vielfach nicht zur Ausführung kommen durften. Unter folch' befchränkenden Umftänden wurde der Wunfch nach dem Betriebe des Gefchäftes auf eigene Hand in ihm rege, wozu ihm fein Vater treulich verhalf, indem er ihm ein kleines Werk mit zehn Regiftern, das im Jahre 1820 neu beftellt war, zur Ausführung überliefs, und fo überfiedelte er noch in demfelben Jahre nach Ludwigsburg, wo er fein Gefchäft mit den befcheidenften Mitteln anfing. Im Jahre 1824 übernahm er den Neubau einer Orgel für die Garnifonskirche zu Stuttgart, den ihm der urfprünglich damit betraute Vater überlaffen hatte. Durch die meiſterhafte Herſtellung diefes 20 Regifter umfaffenden Werkes erwarb er fich namentlich in Stuttgart ein ganz befonderes Vertrauen. Im Jahre 1826 betheiligte er fich bei der ausgefchriebenen Concurrenz für den Bau der grofsen Paulsorgel in Frankfurt am Main. Unter etlichen 30 eingefandten Dispofitionen zeichnete fich die feinige durch ihre Grofsartigkeit und Zweckmässig keit aus und in Folge deffen erhielt er nach langen Verhandlungen den Auftrag, die Ausführung des Werkes zu übernehmen. Diefes aus 74 klingenden Stimmen beftehende Werk vollendete er im Jahre 1833 zur vollften Zufriedenheit. Im Jahre 1836 wurde er nach St. Petersburg berufen wegen des Baues einer grofsen, aus 65 klingenden Stimmen beftehenden Orgel und einige Jahre später, während der Aufftellung jenes Werkes, kam ihm der Auftrag zu, eine ähnliche Orgel für die Olaikirche in Reval herzuftellen. In dem feuchten nordifchen Klima und unter dem rafchen Wechfel der Temperatur machten fich die Mängel der Schleifladen ganz befonders bemerkbar, fo dafs er mit erneutem Eifer fein fchon früher entworfenes Project für ein neues Nach vielen überwundenen folideres Windladen- Syftem zu realifiren fuchte. 6 Eduard Schelle. Schwierigkeiten gelang es ihm auch, eine feinen damaligen Wünfchen entfprechende Conftruction herzustellen, und fchon im Jahre 1842 verfandte er zugleich mit dem grofsen Revaler Werke eine kleine Orgel von zwölf Regiftern für eine Landgemeinde in Efthland, bei welcher er zum erften Male die von ihm erfundenen fogenannten Kegelladen in Anwendung brachte. Der Beweis für die Zweckmäfsigkeit diefer Conftruction war damit geliefert, und nun konnte fich fein Syftem auch im engeren Vaterlande Eingang und Vertrauen verfchaffen, nachdem fein Project jahrelang von den inländifchen Behörden verworfen war. Vom Jahre 1842 an erweiterte fich das von ihm begonnene Gefchäft immer mehr und, um dasfelbe in noch ausgedehnterer Weife betreiben zu können, betheiligte er in diefem Jahre feinen langjährigen treuen Mitarbeiter, fpäter zu Anfang der fünfziger Jahre feine beiden älteften, unter feiner Leitung für den Orgelbau ausgebildeten Söhne am Gefchäft, und von diefer Zeit an führt die Firma den Namen E. F. Walker& Comp. Nach dem erft vor Jahresfrift erfolgten Ableben des Vaters und Chefs der Firma trat ein dritter Sohn als Theilhaber ins Gefchäft ein, in welchem auch zwei jüngere ebenfalls im Orgelbau ausgebildete Brüder thätig find. Unter diefer Firma erweiterte fich vom Jahre 1842 ab das Gefchäft in grofsartigen Dimenfionen, und ihr gehören die bedeutendften Werke an, wie die aus 100 klingenden Stimmen beftehende Orgel im Münfter zu Ulm 1856 und die grofse aus 86 klingenden Stimmen beftehende Concertorgel in der Mufikhalle zu Bofton( Amerika) 1863. Die vom Chef E. F. Walker erfundenen Kegelladen wurden durch die Firma immer mehr vervollkommnet, find auch feither bei allen Werken ausfchliefs. lich und ftets mit dem beften Erfolg angewendet worden. Aufserdem fallen der Firma ganz wefentliche Verbefferungen zu, fowohl Regierwerk und Gebläfe als zum Zweck einer reineren und harmonifcheren Intonation bei Conftruction der mannigfaltigften Arten von Orgelpfeifen und find vor ihr in den Orgelbau eingeführt worden. Wir erwähnen unter Anderem nur die Conftruction eines Crescendo und Decrescendotrittes für grofse Werke, mittelft welcher der Ton vom leifeften Hauch bis zur vollften Stärke des ganzen Werkes fich fteigern und umgekehrt fich abfchwächen läfst und dergl. mehr. Genaue, auf vielfeitige Erfahrungen gegründete Kenntniffe in der Orgelbau- Kunft, verbunden mit praktifchen und theoretifchen Kenntniffen in den hier einfchlagenden Wiffenfchaften, wie der Mufik, haben den Repräfentanten der Firma befähigt, allen Anforderungen der Neuzeit entgegenzukommen. Das grofsartige, über 300 Fufs lange und fünf Stock hohe Etabliffement, dem es an Räumlichkeiten zur Aufftellung felbft der gröfsten Werke nicht fehlt, fchliefst aufser den durch Dampfkraft in Bewegung gefetzten Maſchinen eine genügende Anzahl von Arbeitern, wie Schreiner, Schloffer, Mechaniker, Zinnarbeiter, Bildhauer, Orgelbau- Gehilfen etc. in fich, fo dafs, was bei einem folchen Gefchäfte von gröfstem Werthe ift, alle Arbeiten und einzelnen Details unter der fpeciellen Leitung der Meifter felbft ausgeführt werden können. Heutigen Tages geniefst die Firma einen Weltruf im wahrften Sinne des Wortes, fie ift überhäuft mit Auszeichnungen aller Art und arbeitet nicht nur für alle Länder Europas, fondern auch für Amerika, Indien und Auftralien. Die in der Ausftellung befindliche Orgel ift das 292. Werk, welches aus ihrem Atelier hervorgegangen. In Arbeit find gegenwärtig 10 Werke von je 45, 33, 30, 30, 24, 18, 18, 16, 12, 6 Stimmen für Frankfurt am Main( 2), für St. Petersburg, Münfter und Crefeld, Bornheim, Hamburg, Schaid, Bruchköbel und Borodino( Süd- Rufsland). Die in Rede ftehende Orgel enthält 15 klingende Stimmen mit 891 Pfeifen, welche auf 2 Manuale und 1 Pedal wie folgt vertheilt find: I. Manual: 1. Principal 8', 2. Bourdon 8', 3. Viola di Gamba 8', 4. Trompete 8', 5. Flöte 4', 6. Octave 4', 7. Mixtur 22' 4fach; II. Manual: 8. Gemshorn 8', 9. Salicional 8', Mufikalifche Inftrumente. 7 10. Flöte 8', II. Fugara 4', 12. Oboë 8'. Pedal: 13. Subbafs 16', 14. Violonbafs 16', 15. Violoncello 8'. Aufserdem befitzt das Werk folgende Regifter: 1. Koppelung II. Manual zum I. Manual, 2. Koppelung I. Manual zum Pedal, 3. Tutti, 4. Forte, 5. Piano, 6. Schwelltritt für Crescendo und Decrescendo des ganzen Werkes. Die Manuale umfaffen 56 Töne( Taften) von C bis und das Pedal 30 Töne von C bis f. Sämmtliche Stimmen der beiden Manuale find in einem mit Balancien verfehenen Schwellkaften eingefchloffen, welch' erftere mittelft jenes Schwelltrittes nach Belieben vom Organiften während des Spieles geöffnet oder gefchloffen werden können. Auf diefe Weife kann ein Crescendo oder Decrescendo von fchönfter Wirkung hervorgebracht werden. Die Koppelungen fowohl als die Collectivpedale können vom Organiften während des Spieles an- oder abgeftofsen werden. Das Inftrument bezeichnet fich vermöge feiner Dispofition und der verfchiedenen Koppelungen und Collectivzüge insbefondere als Concertinftrument, ift aber auch hinfichtlich feiner Kraft und Tonfülle für jede nicht zu grofse Kirche ganz paffend. Die einzelnen Stimmen haben ihren eigenthümlichen von jeder andern ftreng fich unterfcheidenden Charakter. Namentlich verdienen unter ihnen eine befondere Beachtung: Principal 8' mit feinem kräftigen, edlen, füllenden, glanzvollen und runden Grundton, ebenfo Octav 4'; Bourdon 8' mit feinem vollen, dunklen Ton; Viola di Gamba 8', welche mit einem fchön geftrichenen Geigenton eine ungemein präcife Anfprache verbindet; Trompete 8', deren Ton durchgreifend ift und einen trompetenartigen Charakter entfaltet, foweit ein folcher auf der Orgel nur erzielt werden kann; Flöte 4', mit weichem, rundem Flötenton, Mixtur 22 4fach mit ihrer kräftigen, hellen und dabei nicht fchreienden Füllftimme; Gemshorn 8' mit feinem fchönen, reinen, hornähnlichen Ton; Salicional 8', deffen Intonation überaus weich ift und zugleich den Charakter eines leicht geftrichenen Tones entfaltet, im Weiteren fich durch ungemeine Präcifion empfiehlt. Ausserdem heben wir noch als fehr angenehm anfprechende Regifter hervor: Fugara, Oboë, Subbafs, Violonbafs, Violoncello. Die Windladen des Werkes find nach dem von den Erbauern erfundenen ,, Kegelladen Syftem ohne Federdruck" conftruirt und eignen fich hinfichtlich ihrer ungewöhnlichen Solidität für jedes Klima. Neben ihrer gröfseren Widerftandskraft gegen Temperatureinflüffe haben diefe Windladen aber noch weitere nicht zu unterfchätzende Vorzüge. So läfst fich z. B. mittelft diefer Kegelladen ohne Federdruck eine überaus reine, gleichmäfsige und gefunde Intonation jeder einzelnen Pfeife erzielen. Während nämlich beim alten Schleifladen- Syftem, das feiner Einfachheit wegen allerdings heute noch das im Allgemeinen bevorzugte ift, fämmtliche auf einer Windlade ftehenden gleichnamigen Pfeifen verfchiedener Stimmen ihren Wind aus einem gemeinfchaftlichen Ventil erhalten, befitzt beim KegelladenSyftem jede Pfeife ihr eigenes Ventil, das durch feine im richtigen Verhältniffe zur Menfur der betreffenden Pfeife gebrachte Gröfse diefer vom Hauptcanal aus genau foviel Wind zuführt, als diefelbe zum Zwecke einer reinen und gleichmäfsigen Intonation unbedingt nöthig hat, gleichviel ob nur ein oder alle Regifter Beim Schleifladen- Syftem auf der gemeinfchaftlichen Windlade gezogen find. dagegen erhalten, wenn alle auf einer Windlade ftehenden Regifter gezogen find und beim Niederdruck der Tafte das Ventil fich öffnet, fämmtliche gleichnamigen Töne auf diefer Windlade ihren Wind durch das gemeinfchaftliche Ventil, und zwar werden die dem Ventil zunächft ftehenden Pfeifen durch eine gröfsere Quantität von Wind bevorzugt als die weiter entfernten. Mögen nun auch diefe Stimmen bei einer und derfelben Windftärke in Beziehung auf Toncharakter, Anſprache und Kraft nichts zu wünfchen übrig laffen, fo liegt es doch am Tag, dafs die durch das Syftem bewirkte Veränderung des Windes nach Qualität wie Quantität eine nachtheilige Wirkung auf die Kraft des Tones, wie auf die Reinheit der Stimmung ausüben, mithin der Totaleffect darunter leiden mufs. Einen weiteren Vortheil bietet das Walker'fche Kegelladen- Syftem, dafs die zum Schluffe der Ventile nöthigen Federn hier ganz wegfallen und fomit ein Erlahmen oder Brechen der 8 Eduard Schelle. felben unmöglich ift. Das Ventil nämlich hat eine runde, conifche Form und mufs in Folge deffen beim Loslaffen der correfpondirenden Tafte durch feine eigene Schwere wieder in feine frühere Lage zurückfallen, mufs ferner durch feine Form und durch den vom Windcanal aus auf denfelben ausgeübten Winddruck einen vollkommen hermetifchen Verfchlufs des ebenfalls runden Ventilloches bewirken; auch die Temperatur geht ihres Einfluffes verluftig, denn ob fich in Folge von Hitze oder Kälte das Ventil fowohl als das Ventilloch dehnt oder zufammenzieht, alfo gröfser oder kleiner wird, fo mufs die conifche Form des Ventils ftets einen hermetifchen Verfchlufs von felbft herbeiführen. Anders verhält es fich bei den Schleifladen, wo ein Erlahmen der Ventilfedern leicht möglich, der fchädliche Einflufs der Temperatur aber unvermeidlich ift, weil die Trockenheit fowohl als die Feuchtigkeit auf die Schleifen und deren Functionen fehr nachtheilig wirken. Um jedoch aus diefem Kegelladen- Syftem alle die angedeuteten Vortheile ziehen zu können, bedarf es einer durchwegs correcten Conftruction wie der gröfsten Sorgfalt und Genauigkeit in der Ausführung. Das mit den Windladen eng verbundene Regierwerk zeichnet fich bei aller Einfachheit durch eine äufserft präcife Wirkung aus und ift dabei fehr leicht zu behandeln, hängt aber auch wieder mit dem Windladen- Syftem zufammen, denn es wäre nicht wohl möglich, bei einer Orgel von 30 bis 40 Regiftern und 3 Manualen mit Scheifladen ohne Anwendung der ziemlich koftfpieligen Pneumamafchine die Spielart und das Tractament des Regierwerkes nebft Koppelungen und Collectivpedalen fo leicht, angenehm und präcis herzuftellen, als diefs beim Kegelladen- Syftem möglich ift, wo Werke bis zu 40 Regiſtern und mit 3 Manualen felbft verkoppelt ohne Pneumatik fo leicht zu fpielen find wie kleine Werke mit 6 bis 8 Regiftern. Bei derartigen Orgeln beruht die Conftruction des Regierwerkes hauptfächlich auf der richtigen Anwendung des Gefetzes vom Hebel und der Schwere. Auch das Gebläfe empfiehlt fich durch feine leichte Handhabung, feinen äufserft egalen, kräftigen und in genügender Weife vorhandenen Wind und feine grofse Solidität. Nicht nur ift das fogenannte Piftongebläfe dem älteren Faltengebläfe in Bezug auf gröfsere Billigkeit, fondern auch hinfichtlich gröfserer Solidität und Lieferung eines befferen, egaleren Windes vorzuziehen und hat überdiefs noch vor dem ganz ähnlichen und auf demfelben Grundfatze beruhenden Kaftengebläfe die leichtere Handhabung voraus. Das Gehäufe im Rundbogen- Stil in amerikaniſchem Mifchholz ausgeführt, in der Fronte mit filbernen Blindpfeifen decorirt, bietet einen fchönen Anblick dar und eignet fich fowohl für Kirche als Concertfaal. Preis: 3600 Thaler. Die Jury hat mit Fug und Recht der Firma E. F. Walker& Comp. die höchfte Auszeichnung, das Ehrendiplom, zuerkannt. Eine kleine Orgel desfelben Meifters mit elegantem, dunklem Gehäufe ift gefchaffen, um in dem Salon der vornehmen Welt zu paradiren und wird mit ihrem zierlichen Aeufsern nicht verfehlen, das decorative Bild eines folchen vortheilhaft zu heben. Das kleine liebenswürdige Werk enthält fünf Stimmen von reizender Klangwirkung und zwar das I. Manual: Bourdon 8', Salicional 8', Physharmonika 8'; das 2. Manual: Flöte 4' und das Pedal: Baffon 16', 2 Koppelungen vom I. zum 2. Manual und vom Pedal zum 1. Manual und 1 Crescendo; über dem Pedal find zwei Tritte angebracht, falls man das Inftrument nur als Harmonium benützen will. Preis 1200 Thaler. Unter den in der Rotunde zur Prüfung ausgeftellt gewefenen Orgeln fiel befonders eine ins Auge, welche fich durch den architektonifchen Charakter ihres äufserlichen Bildes von den fie umgebenden Gegenftänden fcharf abzeichnete. Das Werk hebt fich auf einem hölzernen Unterbau kühn in die Höhe. Aus der im gothifchen Stil gehaltenen, nach dem Plane des Ober- Baurathes Schmidt ausgeführten Profpectwand drängen fich oben zwei mit Pfeifen befetzte und mit Kreuzesblumen gefchmückte Thürmchen hervor, welche ein Spitzdach mit mehreren Pfeifenfeldern einrahmen. Der Spieltifch, zu dem man wegen des erwähnten Unterbaues mittelft einer kleinen Treppe hinauffteigen mufs, ift wie bei allen auf Mufikalifche Inftrumente. 9 der Ausftellung vorkommenden Orgeln abgelöft, fo dafs der Spieler fein Geficht dem Publicum zuwendet. Von den neun Feldern des Profpectes fprechen nur die Pfeifen des mittleren an, die übrigen find blind und haben nur decorativen Zweck. Diefe Orgel ift aus der Werkftätte des Herren Steinmeyer& Comp. in Oettingen( Baiern) hervorgegangen und für die Kirche in der Brigittenau( Wien) erbaut worden. Das Werk enthält 1150 anfprechende Pfeifen und 21 klingende Stimmen, welche auf zwei Manuale und ein Pedal in folgender Weife vertheilt find: Zum Hauptmanual gehören: 1. Principal 8', 2. Gamba 8', 3. Gedeckt 8', 4. Trompete 8', 5. Bourdon 16', 6. Traversflöte 4', 7. Octav 4', 8. Octav 2', 9. Mixtur 2% 4fach; zum 2. Manual, 10. Geigenprincipal 8', II. Dolce 8', 12. Aeoline 8', 13. Tibia 8', 14. Fugara 4', 15. Clarinette 8', 16. Flautina 2'; zum Pedal: 17. Subbafs 16', 18. Violon 16', 19. Pofaune 16', 20. Octavbafs 8', 21. Violoncello 8'. Das Werk befitzt ferner eine Manual- und eine Pedalkoppel, drei Collectivtritte, vermittelft welcher der Spieler plötzliche Veränderungen in Der der Tonmifchung hervorbringen kann, ohne einen Regifterzug zu berühren. Mechanismus der zwei Manuale ift eine fogenannte Winkelmechanik, ohne jede Holzwellatur und ganz aus Meffing, dauerhaft und folid. Der Gang ift geräufchlos, die Raumerforderniffe gering und das Reguliren fehr leicht. Der Pedalmechanismus ift mit verbeffertem Wellbret und ebenfalls Meffing- Winkelrichter verfehen. Die Regiftratur( Mechanismus für die Regifterzüge im Spieltifch) ift auf eine ganz neue, felbfterfundene Art hergeftellt. Die Züge laffen fich mit Leichtigkeit anziehen, ftehen, am Ruhepunkte angekommen, feft und fallen durch den leifeften Druck von felbft wieder zurück. Auszufetzen ift blofs, dafs der Spieltifch etwas höher fein follte; hieran ift aber nicht der Erbauer Schuld, diefes hängt vielmehr von der Zeichnung des Architekten ab und wird beim Aufftellen in der Kirche geändert werden; überhaupt hatte der Erbauer diefes Werkes in Beziehung auf die Localität, wie es fo häufig bei Beftellungen von Orgeln für Kirchen der Fall ift, manche Schwierigkeiten zu befiegen. Den 21 klingenden Regiftern war der Raum ſehr fparfam zugemeffen; es war fowohl nach Höhe, Tiefe und Breite eine fefte Grenze gefteckt, die der Meifter um keinen Zoll überfchreiten durfte. Unter fo hemmenden Umständen hat dennoch Steinmeyer ein Inftrument geliefert, das den Anfprüchen an eine gute Orgel vollkommen entſpricht. Die innere Anlage der Windladen, des Regierwerkes, des Gebläfes, fowie die Aufftellung des gefammten Pfeifenwerkes ift auf das Sorgfältigfte und Ueberfichtlichfte geordnet und fo geftaltet, dafs der Zugang zu allen Theilen bequem ift und man die ganze Orgel mit Leichtigkeit nachftimmen kann. Die Windladen find nämlich fo eingetheilt, dafs das Hauptwerk zur rechten, das zweite Manual oder Oberwerk zur linken Seite liegen, alfo beide nebeneinander geftellt find. Nur durch diefe einfache Mechanik, welche viel Raum erfpart, war es möglich, dafs das Gebläfe im Gehäuſe Platz fand. Das Gebläfe, welches in mehreren ein- und auswärtsgehenden Falten gleichförmig aufgeht, ift vorzüglich und erhält den Wind durch drei Schöpfer oder Pumpen, welche vermittelft einer Kurbel und Schwungrades leicht in Bewegung gefetzt werden können, und felbft eine fchwache Perfon vermag beim Spielen des vollen Werkes ohne Anftrengung mehr als hinreichend Wind zu liefern. Auch in Betreff der Stimmung und der Intonation, fowohl bei den Einzelftimmen als in deren Gefammtwirkung, ftellt diefe Orgel dem Erbauer ein ehrenvolles Zeugnifs aus. Das volle Werk entfaltet Kraft und Klang und den einzelnen Regiftern find fchöne Klangfarben eigen; namentlich aber den drei Zungenwerken, Trompete 8', Clarinette 8' und Pofaune 16'. Die Zungenwerke find übrigens nicht aus anderen Gefchäften bezogen worden, wie es viele Orgelbauer zu thun pflegen, fondern wie die fämmtlichen Beftandtheile des Werkes in der Fabrik des Meifters felbft erzeugt, welche fchon feit mehreren Jahren fich nicht allein auf den Orgelbau befchränkt, fondern auch mit Herftellung von Harmoniums befafst. Steinmeyer ift bekanntlich aus der Schule Walker's, fein Name hat einen guten Klang unter den Orgelbauern unferer Zeit, 10 Eduard Schelle. und dafs ein guter Klang gute Früchte trägt, beweift der grofse Betrieb diefer Fabrik; fie hat feit den etlichen zwanzig Jahren ihres Beftehens nicht weniger als 115 ganz neue 1-, 2- und 3- Manual- Orgelwerke fowohl für das In- wie für das Ausland geliefert. Dem Werke Steinmeyer's fteht ihrem Werthe nach zunächft die Orgel der Gebrüder Mayer aus Feldkirch, welche in der öfterreichifchen Abtheilung aufgeftellt war. Dort zeichnete fie fich an der Hinterwand des Raumes mit hübfchen Formen, fchlank emporfteigenden Spitzen ihres im gothifchen Stile gehaltenen Profpectes, mit ihren fünf Feldern von blinden Pfeifen anmuthig ab. Ihre ganze Erfcheinung machte einen günftigen Eindruck, ebenfo die innere Einrichtung. Die Beftandtheile derfelben find überaus fein und fauber gearbeitet. Das Innere gewährt in feiner überfichtlichen Anordnung ein fehr freundliches Bild; dabei ift Alles praktiſch angelegt und folid angefertigt. Dem leichten, eleganten Aeufseren entfprechen an Toncharakter und Farbe die 16 klingenden Stimmen, welche das Werk mit feinen 945 anfprechenden Pfeifen aufweift. Die Dispofition geftaltet fich für 2 Manuale und 1 Pedal in folgender Weife: Das Hauptmanual umfafst 1. Principal 8', 2. Gamba 8', 3. Dolce 8', 4. Gedeckt 8', 5. Octave 4', 6. Dolceflöte 4', 7. Octave 2', 8. Mixtur 22' vierfach; das zweite Manual: 9. Clarinette 8', 10. Principalflöte 8', II. Salicional 8',' 12. Traversflöte 4', 13. Fugara 4'; das Pedal: 14. Violon 16', 15. Subbafs 16', 16. Octavbafs 8'. Dazu kommen noch 3 im Clavierkaften angebrachte Koppelzüge, von denen 2 die einzelnen Manuale mit dem Pedal, der 3. die beiden Manuale unter fich verbinden und 4 Collectivzüge: Piano, dann Pianoforte, Forte und Fortiffimo. Unter den Regiftern heben fich befonders die Gamba und die drei Flötenzüge durch einen reizenden Klang hervor. In der Mechanik, einer Rahmenmechanik, ift der Erbauer von der herkömmlichen Praxis darin abgewichen, dafs er ftatt der gewöhnlichen Wellaturrahmen eine Conftruction nach feiner Idee entworfen hat. Es find nämlich zwei Rahmen übereinander gelegt, in welchen fich die Wellen bewegen, die letzten find fehr kurz und können fich defshalb nicht ziehen. Sämmtliche zum Regierwerk gehörende Winkel find von Holz, ausgefüttert und jeder einzelne in eine Kapfel aufgefchraubt. Trotz feines zierlichen leichten Baues zeigt das Inftrument bei vollem Werk, dafs es mit einer gefunden Länge verfehen ift und es an Klangwirkung mit manchem, fcheinbar robufteren Concurrenten wohl aufnehmen kann; ein gutes Zeugnifs für die Intonation. Auch an der Spielweife dürfte felbft der heiklichfte Orgelvirtuofe nichts auszusetzen finden. Zu rügen wäre an dem Werke nur, dafs bei der Vereinigung der Holz- und Rohrftimmen die letzten etwas nachfchlagen. Der Mangel an gehöriger Deckung diefer Stimmen ift jedoch nicht fehr erheblich, denn der Nachfchlag fällt zu wenig ins Gehör, um den günftigen Effect wefentlich zu beeinträchtigen. Dem dürfte übrigens durch einen Refervebalg leicht abzuhelfen fein. Der Preis der Orgel ift 5300 fl. öfterreichifcher Währung. Wenn wir uns früher zu Gunften des Fortfchrittes mit den Kegelladen ausfprachen, dafs nämlich die nach diefem Syftem gut conftruirten Orgeln fich gegenüber den anderen ausgeftellten Werken durch Fülle und Kraft des Tones auszeichnen, fo müffen wir unferen Ausfpruch dahin ergänzen, dafs diefes Verdienft nicht einzig und allein den Kegelladen zufällt, fondern auch und zwar vornehmlich dem Charakter der Intonation der Pfeifen. Wir haben hier ein Beiſpiel an der in der Rotunde befindlichen Orgel von Rieger& Sohn aus Jägerndorf in Oefterreichiſch- Schlefien, welche eben das Kegelladen- Syftem vertritt und fogar eine Verbefferung desfelben aufweift. Die Kegelladen find nämlich fo geftaltet, dafs man fie in allen Theilen zerlegen kann und jedes einzelne Kegelventil fich mit Leichtigkeit herausnehmen läfst, ohne das Pfeifenwerk abräumen zu müffen. Aber trotzdem, dafs der innere Bau als folcher ganz correct ift, läfst der Toncharakter Manches zu wünfchen übrig. Hervorheben müffen wir, dafs diefes Werk mehr als ein anderes auf eine nachfichtige Beurtheilung Muſikaliſche Inftrumente. 11 Anfpruch machen darf, denn es hatte einen fehr ungünftigen Standplatz und zur Zeit der grofsen Regengüffe im Mai und Juni manches Sturzbad erhalten, wovon zum Theil wenigftens der gerügte Uebelftand herrühren mochte. Das braune Gehäufe des kleinen nur 5'4 Meter hohen Werkes ift im Renaiffanceftil gehalten und macht einen zwar einfachen, aber gefälligen Effect. Die Orgel enthält folgende 12 klingende Regifter, nämlich: 1. Principal 8', 2. Gamba 8', 3. Salicional 8', 4. Gedeckt 8', 5. Flöte 8', 6. Bourdon 16', 7. Rohrflöte 4', 8. Octav 8', 9. Octav 2', 10. Mixtur 22'; fürs Pedal: II. Subbafs 16', 12. Octavbafs 8'. Ausserdem befitzt es zwei Koppeln für das Pedal nebft Collectivzug. Die Mechanik befteht in der fogenannten Leiftenmechanik, d. h. die Ventile werden durch Leiften gehoben. Die Windladen haben die erforderliche Gröfse, dafs die Pfeifen gut anfprechen können. Das Gebläfe befteht aus zwei Refervirbalken. Vermittelft einer Pumpe wird der Wind in das untere Magazin gefchafft. Der zweite Balg hat den Zweck, dafs er ftärkeren Wind für das Pedal liefert. Das Pfeifenwerk ift im Ganzen gut und folid conftruirt. Die Stimmen zeichnen fich nicht fämmtlich durch befondere Tonfchönheit aus. So ift z. B. die Mixtur im Grundton zu fchwach, die Gamba wiederum könnt einen edleren Klang entfalten. Der Spieltifch ift gefchmackvoll eingerichtet, die Spielart eine leichte und bequeme, die Regifter laffen fich leicht ziehen und abftofsen. Im Weitern macht fich diefe Orgel durch eine eigenthümliche Geftaltung des Pedals auffällig. Dasfelbe bildet eine kleine Curve, indem die Claves zu beiden Seiten fanft auffteigen und mithin da etwas höher liegen als in der Mitte. Ob diefe Einrichtung von befonderem praktifchen Werth fei, wollen wir dahin geftellt fein laffen; auf das Verdienft einer neuen Erfindung wird fie wohl keinen Anfpruch erheben. Die Orgel koftet 4500 fl. öfterreichischer Währung. Einen eigenen Weg gegenüber den bisher angeführten Orgeln haben die Gebrüder Walter von Guhrau in Schlefien eingefchlagen; in dem von ihnen geftellten Werke ift das Schleifladen- Syftem für die beiden Manuale, für das Pedal dagegen das Springladen- Syftem in Anwendung gebracht, das heifst, die Kegel find durch Ventile erfetzt, die mit einer Feder verfehen find. So hätten alfo die Erbauer zu dem alten, den Schleifladen vorangehenden Syftem in diefem Punkt zurückgelangt. Die Windladen find gut conftruirt, das Pfeifenwerk gut gemacht, mit Ausnahme der Zungenregifter, die fich wenig empfehlen, denn fie find ſtatt ausfchlagend einfchlagend. Diefe Orgel, welche zunächft der Walker'fchen ftand, macht äufserlich mit ihrem reichverzierten Profpectus im gothifchen Stil einen gefälligen Eindruck, indem fich das Oberwerk mit feinen in fünf Felder getheilten Pfeifen wie ein eleganter Auffatz über dem etwas engeren Unterwerk ausbreitet. Sie umfafst 1053 Pfeifen und ift folgendermafsen disponirt: An Stimmen zählt das erfte Manual: 1. Principal 8', 2. Bourdon 16', 3. Hochflöte 8', 4. Gamba 8', 5. Octav 4', 6. Rohrflöte 4', 7. Mixtur, 8. Trompete 8'; zweites Manual: 9. Portunalflöte 8', 10. Salicett 8', II. Flauto 8', 12. Geigenprincipal 8', 13. Geigenprincipal 4'; das Pedal: 14. Pofaune 16', 15. Principalbafs 16', 16. Subbafs 16', 17. Octavbafs 8', 18. Flautobafs 8'. Die nöthigen Koppeln für Manual und Pedal laffen fich felbftverftändlich nicht vermiffen. An Kraft gebricht es dem Werke nun wohl nicht, aber die einzelnen Stimmen entwickeln nur zum Theil eine mehr oder minder reizende Klangfarbe und die Spielweife ift hart und unbequem. Der Preis der Orgel beträgt 2300 Thaler. Das Schleifladen- Syftem war vertreten in der Ausftellung durch die Orgel von Heffe in Wien, welche neben dem Werk Rieger's in der Rotunde fich vorgefunden. Es ift bereits die hundertfte, aber aufrichtig geftanden, nicht die befte, die Heffe bis jetzt geliefert. Sie hat 32 Regifter und 5 Combinationspedale, 2 Manualclaviere mit einem Tonumfange von 54 Tönen von C bis c, und eine Pedalclaviatur mit dem Tonumfange von 25 Tönen von C bis; im Hauptwerk I. Principal 8', ganz Zinn; 2. Bourdon 16', theils Holz, theils Zinn; 3. Hohlflöte 8'. theils Holz, theils Zinn; 4. Salicional 8', theils Holz, theils Zinn; 5. Octav, 4'; 12 Eduard Schelle. 6. Flauto 4; 7. Flauto 22'; 8. Terzflöte 3'; 9. Superoctav 2'; 10. Quinta 1%'; II. Octavin I'; 12. Quinta piccolo 2/3'; 13. Trompete, fämmtlich ganz Zinn; im Oberwerk: I. Principal 8', theils Holz, theils Zinn; 2. Octav 4', ganz Zinn; 3. Flauto 1', Bafs, ganz Zinn; 4. Flauto 8', Discant, ganz Zinn; 5. Undamavis 8', Discant; 6. Viola 8', ganz Zinn; 7. Fugura 4', ganz Zinn; 8. Flauto 4', ganz Zinn 9. Octav 2', ganz Zinn; 10. Fagott 8'; im Pedal: 1. Violinbafs 16', offen; 2. Subbafs 16'; 3. Pofaune 16'; 4. Principalbafs 8'; 5. Cello 8'; 6. Octav 4'; Ueberzüge, Nebenzüge: 1. Manualkoppel; 2. Tremulant- Oberwerk; 3. Sperrventil Oberwerk; Combinationspedale: 1. Forte für das Haupt- Oberwerk; 2. PianoOberwerk; 3. Pianiffimo- Hauptwerk; 4. Decrescendo- Oberwerk; 5. SperrventilHauptwerk. Das Werk enthält 1294 Pfeifen, wovon 702 auf das Hauptwerk, 442 auf das Oberwerk und 150 auf das Pedal entfallen; 1048 find von englifchem Zinn, und 246 von reinftem Fichtenholz; dann 3 Manual- und 2 Pedal- Windladen aus Eichenholz( Schleifenladen). Die Mechanik befteht gröfstentheils aus Eifen und Meffing, mitunter Holz. Die Combinationspedale find fämmtlich von Eifen und find von derartiger Conftruction, dafs mit einem Tritt das gröfste Forte des Werkes hervorgebracht wird; bei kleineren Werken hat der Erbauer diefe Einrichtung fchon mehrere Male in Anwendung gebracht. Das Wind- Sperrventil befindet fich im Canal und hat den Zweck, dafs mit Leichtigkeit das Oberwerk oder das Hauptwerk durch einen Tritt verftummen kann. Das Gebläfe befteht aus einem Magazin und zwei Schöpfbälgen. Das Trittwerk ift eigenthümlich conftruirt. Von den Schöpfbälgen geht ein kleiner Canal fammt Ventil in das Magazinsgebläfe. Sobald z. B. ein Schöpfbalg getreten wird, deckt fich das in dem Canal befindliche Ventil zu und bleibt der Wind in dem Magazinsgebläfe, von wo er dann in den Hauptcanal geleitet wird. Die Windladen find zwar fehr gut gebaut, aber für die Gröfse des Werkes weder der Windkaften noch die Lade hoch genug, um die Pfeifen mit Wind gehörig zu fpeifen. In Folge deffen kann das Gebläfe, welches am Ende ohnehin zu klein ift, nicht den nöthigen Wind den Canälen geben. Daher der Mangel an Kraft, welche diefe Orgel trotz ihrer vielen Stimmen offenbart. Auch an der Intonation der Pfeifen läfst fich Manches ausfetzen. Namentlich fprechen die Zungenregifter zu langfam an. Ferner fehlt dem Werke eine kräftige Mixtur oder vielmehr ift diefe in vier Regifter getheilt, nämlich Superoctav 2', Quinta 1', Octavin 1', Quinta piccola 2/3' und hat dadurch ihren eigenthümlichen Charakter verloren; denn der Effect der Mixtur beruht darauf, dafs die mitklingenden Töne nur als Obertöne und nicht als Haupttöne auftreten. Auch eine Pedalkoppel läfst fich vermiffen, überhaupt ift das Pedal viel zu fchwach. Im Ganzen und Grofsen gehen dem Toncharakter zwei wefentliche Eigenfchaften ab, nämlich Kraft und Glanz. Auch das Aeufsere des Werkes könnte gefälliger fein. Uebrigens hat fich die Firma feit einer Reihe von Jahren bei uns durch manche treffliche Leiftung rühmlichft bewährt und fich auch in weiteren Kreifen ein wohl berechtigtes Anfehen erworben. Die bisher erwähnten Orgeln weifen allerdings zum Theil manche werthvolle Verbefferung des Mechanismus und manche anderweitige recht ſchätzenswerthe Neuerung auf, keine darunter jedoch geftaltet fich zu einer Erfindung von folcher Tragweite, dafs fie als bahnbrechend und ausfchlaggebend für ein neues Syftem im Orgelbau zu bezeichnen wäre. Nichtsdeftoweniger dürfte die Wiener Weltausstellung, wie auf manchen anderen Gebieten, fo auch auf diefem einen gewichtigen hiftorifchen Markſtein bilden, und die elektrifche Orgel, welche uns Herr Weigle in Stuttgart im Induſtriepalaft vorführte, fcheint in der That geeignet, diefe Vermuthung wahr zu machen. Wir haben in ihr ein Werk vor uns, das feiner äufseren Form, wie feinem Klangwefen nach, fich von den anderen Orgeln nicht unterfcheidet, wohl aber ein ganz neues, bisher unbenütztes Mittel zur Erzeugung des Tones in Anwendung bringt, und damit freilich einen entfchiedenen Bruch mit dem herrfchenden Syftem einleitet. Mufikalifche Inftrumente. 13 Zunächft dürfte fchon der Name des Erbauers genügen, jeden Verdacht einer Charlatanerie fernzuhalten. Das Orgelatelier von Weigle& Söhne in Stuttgart geniefst einen fehr guten Ruf, der fich nicht nur auf Württemberg befchränkt, fondern bis auf Amerika hinausdehnt. Weigle felbft ift aus der Schule Walker's hervorgegangen und gehört zu den glücklichften Vertretern des Kegelladen- Syftems. Bereits als Gehilfe jenes berühmten Meifters hatte er fich bei der Aufftellung der grofsen Orgel desfelben in der Stiftskirche in Stuttgart fo trefflich bewährt, dafs ihm die Stadtgemeinde als befondere Auszeichnung das Ehrenbürgerrecht verlieh. Seine Orgeln empfehlen fich namentlich durch eine fchöne Intonation. Die Idee, die Kräfte der Elektricität und des Magnetismus für den Bau eines fo complicirten Inftrumentes, wie es die Orgel ift, zu verwenden, hat in unferem Telegraphen- Zeitalter nichts Befremdliches und ift auch nicht erft fozufagen heute aufgetaucht. Schon vor etwa zehn bis fünfzehn Jahren hatten Telegraphenmechaniker auf die grofsen Vortheile aufmerkfam gemacht, welche dem Orgelbau erwachfen würden, wenn man, ftatt der befonders bei grofsen Werken äufserft verwickelten, fchwergehenden und durch Temperaturwechfel fo fehr beeinflufsten Holzmechanik ein anderes Syftem mittelft Hinzuziehens des Elektromagnetismus einführen könnte. Es wurden in der That einzelne Verfuche im Kleinen gemacht, die fich zum Theil zu koftfpielig erwiefen, und zum Theil kein zuverläffiges Refultat ergaben, wefshalb man davon abftand. Allein der Gedanke war doch zu verführerifch, als dafs man ihn hätte gänzlich aufgeben mögen. Man nahm ihn von Neuem, und zwar anfangs in England und Frankreich, dann fpäter in Deutſchland wieder auf, und fchritt nun zu Experimenten in gröfserem Mafsftabe, an denen fich auch Walker in Ludwigsburg betheiligte. Die Frucht davon war der elektromagnetifch pneumatifche Hebel, der in Frankreich erfunden, und hier bei kleineren Werken eingeführt wurde, während in Deutfchland die angeftellten Verfuche wieder aufgegeben wurden, weil fie fchon in Betracht des Koftenpunktes keinen lohnenden Erfolg in Ausficht ftellten. Jene elektro- magnetifch- pneumatifchen Hebel beftehen in einem kleinen Blafebalg, dem fogenannten Frofchmaul, mit zwei kleinen Ventilen, welche durch einen Elektromagnet geöffnet und gefchloffen werden können, fonft aber gerade wie die pneumatifchen Hebel angebracht find. Mittelft derfelben konnten nun zwar die Orgelwerke mit Hilfe der Elektricität gefpielt werden; eine Vervollkommnung des Inftrumentes hatte man dadurch nicht gewonnen, wohl aber eine Vertheuerung desfelben. - Die Idee lag nun einmal in der Luft der Zeit, der Unternehmungsgeift liefs fich nicht durch diefe winzigen Erfolge abfpeifen, fondern fühlte fich vielmehr zu neuen Experimenten angeftachelt. So ging man im Jahre 1869 an das Werk, jene berückende Idee zu verwirklichen, und war es diefsmsl G. Ch. Weigle in Stuttgart, welcher fich diefer fchwierigen und wenig Dank verheifsenden Arbeit unterzog. Diefem endlich gelang es nach drei Jahren fchweren Mühens, im Februar des Jahres 1872 ein elektro- magnetifches Orgelwerk mit 10 klingenden Stimmen ohne pneumatifche Hebel herzuftellen.„ Die fragliche Erfindung kann nicht verfehlen, auf dem Gebiete des Orgelbaues und in Folge davon felbft des Orgelfpieles höchft bedeutende Fortfchritte herbeizuführen, wenn den Erfindern, welche Inftrumente der verfchiedenften Gröfse bis herab zu den kleinften Salonorgeln von eleganter Möbelform in folcher vervollkommneter Weife zu verfertigen bereit find, von Seite der Behörden und Privaten die gehörige Würdigung ihrer verdienftvollen Leiftungen entgegengebracht wird", fo lautet das Urtheil, welches Sachverständige über das Werk fällten. Die Erbauer fanden fich nun ermuthigt, die anerkannte Bedeutung ihrer Erfindung durch eine gröfsere Orgel zu bewähren, welche fie für die Wiener Weltausftellung beftimmten. In Folge grofser Schwierigkeiten, welche zu befiegen waren, verzögerte fich leider die Vollendung des Werkes bis zum Juli; als es hier endlich aufgeftellt war, hatte die Jury längst ihre Arbeiten vollendet. 14 Eduard Schelle. Wie fchon gefagt, bietet diefe Orgel ihrer äufseren Erfcheinung nach nichts Auffälliges noch Ungewöhnliches. Es ift ein kleines, fchmuckes Werk, welches mit feinen in fünf Felder getheilten, glänzenden Profpectpfeifen, mit feinen einfachen, aber gefchmackvollen Verzierungen hell und freundlich aus einer engen Nifche in der Abtheilung für die Münchener kirchliche Kunft hervorfchaute. Allein öffnet man die Thüren des Spielkaftens, fo erblickt man mit Erftaunen ftatt der üblichen Abstracten von Holz, welche von der Claviatur nach dem Wellenbrete, dem Windkaften und den Cancellenventilen hinlaufen, um diefe beim Niederdrucke der Taften zu öffnen, eine Unmaffe von grünen Drähten, welche fich wirr durcheinander zu winden fcheinen. Noch einen überrafchenderen Blick gewährt das Innere. Hier ift alles Holzwerk verfchwunden, ftatt desfelben zeigen fich grofse, in Partien getheilte Maffen von folchen Drähten, bei denen ein ungeübtes Auge auf den erften Blick kaum eine planmäfsige Anordnung zu entdecken vermag. Jene Drähte find Leiter, welche von der Claviatur und dem Pedale im Spielkaften unter die Windladen führen und fich von hier aus in die einzelnen Regiſterzüge verzweigen. Die Ventile werden durch einen kleinen Elektromagnet geöffnet, welcher durch die Schliefsung der galvanifchen Batterie beim Niederdruck der Taften in Thätigkeit gefetzt wird. Die Batterie befindet fich hinter den Bälgen und befitzt eine Itenfität von zwei Elementen mit zufammen 15 Quadratmeter Zink- Oberfläche. Die Windladen find weder Kegel- noch Schleifladen, fondern ganz neu erfunden, ohne Regifterventile oder Schleifen, da die Regifterzüge mittelft Leitungen und Contacte hergestellt find; ebenfo beftehen die Koppelungen aus Stromleitungen und Contacten. Die Orgel enthält 17 Stimmen von vorzüglicher Klangfarbe, welche in folgender Weife disponirt find: Zu dem erften wie zweiten Manual gehören 1. Principal 8' englifches Zinn, Profpect, 2. Bourdon 16', 3. Viola di Gamba 8' englifches Zinn, 4. Gedeckt 8' Holz mit doppelten Labien, 5. Dulciana 8' Probzinn( 4 Theile Zinn, I Theil Blei), 6. Flöte 8' Holz mit doppelten Labien, 7. Sali cional 8' Probzinn, 8. Clarinette 8', 9. Octav 4' Probzinn, 10. Traversflöte 4' von hartem Holz gedreht, II. Dolce 4' Probzinn, 12. Octav 2' Probzinn, 13. Mixtur 22 Probzinn; zum Pedal gehören: 14. Subbafs 16', 15. Violinbafs 16', 16. Octavbafs 8', 17. Violoncello 8' englifches Zinn; dazu kommen noch eine Manual koppelung, dann zwei Pedalkoppelungen und ein Tritt für Crescendo und Decrescendo. Schon die Vertheilung der Manualregifter in diefer Dispofition dürfte genügen, um erkennen zu laffen, dafs in diefem Werke ein ganz neues Syſtem ins Leben getreten ift. Wir finden nämlich die Züge nicht wie fonft nach den Claviaturen gefondert; die letzteren find vielmehr fo innig vermittelt, nicht zu fagen, zufammengefchoben, dafs keine Trennung zwifchen ihnen obwaltet und der Spieler nach Belieben das Oberwerk als Hauptmanual und fo umgekehrt verwenden kann. Auch ihrer äufseren Einrichtung nach entfalten die Regiſter ein anderes Bild als auf den gewöhnlichen Orgeln der Fall ift; fie treten nämlich hervor, als wären fie gezogen, während fie doch gefchloffen find. Will man das Werk zum Sprechen bringen, fo ftöfst man die Züge entweder hinein oder zieht fie weiter hinaus; im erften Falle gehören fie dem oberen, im zweiten Falle dem unteren Claviere, fo dafs jedes Regifter für beide Manuale verwendbar ift. Der Vortheil, welchen diefe Dispofition mit fich bringt, fpringt zu klar in die Augen, als dafs man ihn befonders zu betonen hätte. Es wird dadurch nicht nur eine unendlich mannigfaltige Fülle von Combinationen und Mifchungen der verfchiedenen Klangfarben ermöglicht, fondern auch die feinfte Vermittlung in denfelben in die Hand gegeben, wie fie auf keiner der herkömmlichen Orgeln zu erzielen. ift. Aber unter allen den vielen Vorzügen, deren fich die neue Erfindung rühmen darf, ftellen wir die wunderbar fchnelle und dabei überaus leichte Anfprache de Stimmen obenan. Man kann fowohl auf den Manualen und auf dem Pedale alle möglichen Figuren im rafcheften Tempo ausführen und flets werden die Töne Mufikalifche Inftrumente. 15 fich klar und deutlich vernehmbar machen, wie auf dem Clavier. Dazu ift endlich die Mechanik, fo complicirt fie auch auf den erften Blick erfcheinen mag, im Grunde doch einfach, und was ihren Werth insbefondere erhöht, gegen die Einflüffe der Temperatur gewiffermafsen gefeit, indem die Leitung folchen keineswegs unterliegt. Wir haben alfo alle Urfache, der Kunft zu diefer neuen Errungenfchaft nur Glück zu wünſchen. Freilich hat jede Medaille auch ihre Kehrfeite. Auch diefe Erfindung ist keineswegs fo fix und fertig, fo ausgeglichen mit den beſtehenden Verhältniffen, dafs fie bereits einen gebahnten, ebenen Weg vor fich hätte. Einen Hemmfchuh für fie wird zunächft die Preisfrage bilden; denn die Herrichtung einer folchen Orgel überfteigt um Vieles die Koften, welche ein Werk von ähnlicher Gröfse nach dem alten Syftem verurfacht. Indeffen ift diefer Uebelftand nicht fo grofs und gewichtig, dafs er für die Zukunft einen Stein des Anftofses abgeben könnte; er haftet vornehmlich an der Batterie, welche in ihrer gegenwärtigen Befchaffenheit allerdings fehr hoch zu ftehen kommt. Es werden indefs ficherlich mit der Zeit Mittel gefunden werden, diefe Batterie zu vereinfachen, und die Erfinder felbft haben, wie wir gehört, bereits ein folches in Ausficht, wodurch der Koftenbetrag um die Hälfte gemindert wird. Ein gewiffes klapperndes Geräufch, welches beim Spielen häufig aus dem Innern des Gehäufes an das Ohr dringt, können wir nicht der Mechanik als eine befondere Unvollkommenheit zur Laft legen, da dasfelbe wohl leicht zu befeitigen fein wird. Im Uebrigen empfiehlt fich diefe Orgel durch einen fchönen, edlen Ton, wie durch eine entsprechende Klangkraft, fie ift mit einem Wort ein Werk, das faft in gleichem Mafse das Intereffe des Künftlers wie des Phyfikers zu feffeln vermag. Harmoniums. - In der Welt der mufikalifchen Inftrumente legt der menfchliche Erfindungsgeift ein abfonderliches Beftreben dar, die verfchiedenen Gattungen durch Erzeugung von Abarten zu vermitteln. Bis in unfer Jahrhundert hinein thronte die Orgel in der Familie der Tafteninftrumente in unnahbarer Majeftät und nahm hier eine ifolirte Stellung ein. Da führte der Wunſch, auch diefes erhabene Ton- Werkzeug dem Salon dienftbar zu machen, zur Erfindung der Physharmonika und zur weiteren Vervollkommnung derfelben als Orgue expreffive, oder Harmonium, unter welchem Namen wir fie gegenwärtig kennen. Die durch Vibration einer ftählernen Zunge erzeugten Töne der befonders unter dem Volke fehr beliebten Maultrommel auch Judenharfe und Brummeifen geheifsen follen einen Rentamtmann zu Königshofen an der Saale in Baiern, Efchenbach, auf die Idee gebracht haben, diefes Tonmittel durch ein eigen conftruirtes Inftrument für künftlerifche Verwendung brauchbar zu machen. Die Idee mag nun in der That jenem Rentamtmann zugefprochen werden; die Ehre jedoch, diefe verwirklicht zu haben, dürfte weniger dem Inftrumentenmacher Schlimbach oder nach Anderen Voit in Schweinfurt, fondern dem Wiener Anton Häckel gebühren. In der additionellen Ausftellung befand fich von Letzterem eine Physharmonika, welche die Jahreszahl 1822 trägt, alfo in die Zeit fällt, in welcher die Erfindung diefes Inftrumentes bei uns wenigftens ins Leben trat. Denn auch die Amerikaner machen Anfpruch auf die Ehre, Orgeln, in denen die Töne durch Zungen hervorgebracht werden, zuerft erzeugt zu haben. Als Erfinder derfelben wird Aaron Merril Peafeley genannt; bereits im Jahre 1818 erhielt er als Auszeichnung von der Regierung der Vereinigten Staaten ein befonderes Patent. Immerhin ift aber die Physharmonika die eigentliche Stammmutter der brillanten klangreichen Harmoniums, welche die öfterreichifche und deutfche Abtheilung zierten und zu diefem keinen geringeren Gegenfatz bildeten, wie ein Hammercymbal von Chriftofali aus dem vorigen Jahrhundert zu einem modernen Flügel mit englifcher Mechanik und kreuzfaitigem Bezug. 2 16 Eduard Schelle. Klein, dürftig, für den künftlerifchen Gebrauch noch ungeeignet, macht diefe Physharmonika eher den Eindruck eines Spielwerkes als eines Inftrumentes, das eine künftlerifche Miffion beanfpruchen darf, und man kann fich nicht genug wundern, in wie verhältnifsmäfsig kurzer Zeit eben diefes Spielwerk zu feiner jetzigen Bedeutung herangewachſen ift, und dafs es nicht nur im Salon und Concertfaal fich den Zutritt erobert hat, fondern es wagt, mit der Orgel auf deren eigenftem Felde, in der Kirche, zu rivalifiren. Freilich hat fich die muſikaliſche Kunft, wenigftens in Deutſchland, lange gefträubt, die Physharmonika, mochte fich diefe auch mit dem fchön klingenden griechifchen Namen Aeoline oder Aeolodion brüften, in den Familienkreis ihrer legitimen Inftrumente aufzunehmen und noch heutigen Tags weift fie derfelben trotz der Vervollkommnung als Harmonium eine mehr oder weniger untergeordnete Stellung an. In Wahrheit befchränkt fich die Bedeutung diefes Inftrumentes für die Kunft hauptfächlich auf den Umftand, dafs es ein Surrogat für die Orgel, denn mehr als ein folches war es anfangs nicht, und da läfst es gerade das vermiffen, worauf vor Allem der Werth eines muſikaliſchen Inftrumentes beruht; es geht ihm nämlich der individuelle Charakter ab. Seine intime Verwandtfchaft mit der Orgel kann das Harmonium dadurch erweifen, dafs der Ton wie dort durch die Strömung des Windes mittelft zweier Bälge erzeugt wird, welche der Spieler mit den Füfsen regiert. Allein während die Orgel als unmittelbare Factoren des Tones fich der Pfeifen bedient, mufs das Harmonium ftatt folcher ftählerne Zungen verwenden, wodurch der Klangcharakter eine bedeutende Modification erhält und trotz aller Manigfaltigkeit der einzelnen Farben an einer gewiffen Monotonie leidet. Mit dem Piano fteht eben wieder dasfelbe Inftrument in einer gewiffen verwandtfchaftlichen Beziehung, indem es demfelben den Hammermechanismus entlehnt. Diefer, eine fogenannte Percuffion, eine Erfindung von L. P. A. Martin in Frankreich, befteht in einer Anzahl von Hämmern, welche in Zungenrahmen unter den Zungen des Flötenregifters, mithin vorne unter der Taftatur angebracht find und beim Niederdruck der Taften an die Zungen fchlagen. Dadurch wurde nicht nur eine beffere Anfprache des Tones gewonnen, fondern man kann auch, mit Hilfe diefer Percuffion im Pianiffimo bei gefchickter Hemmung des Windftromes Klänge erzielen, welche eine annähernde Aehnlichkeit mit dem Pizzicato auf der Geige haben. Bei aller feiner Vervollkommnung ift mithin das Harmonium immer nur ein Zwittergefchöpf, weder Orgel noch Piano. Trotz feines zweideutigen Charakters entfaltet aber diefes Zwittergefchöpf Reize, die ihm auch in Deutſchland, wo es lange Zeit keinen feften Boden finden konnte, eine weit gröfsere Theilnahme zuwenden, als es früher der Fall war; es darf fich in feiner jetzigen Vervollkommnung fogar eines Vorzuges vor der Orgel rühmen, indem es fich dem feelifchen Ausdrucke willig herleiht; von der anderen Seite ift es dem Piano durch feinen fortklingenden und fchwellenden Ton überlegen, der es für die Führung einer Melodie ungleich beffer als jenes eignet. Man hat defshalb fchon mehrmals unternommen, wie Verhaffelt in Brüffel, Gilbert in Bofton, beide Inftrumente im Baue zu vereinen, und einen ähnlichen Verfuch wies auch die Ausftellung in dem Panfymphonion von Lechleitner aus Innsbruck auf, das freilich noch weiter geht und eine Combination von Zungen und Pfeifen zur Schau trägt. Mag man nun über das Harmonium denken, wie man will, die Kunftpraxis wird es in feinem gegenwärtigen Zuftande nicht zurückweifen können, indem es fich als Begleitungsinftrument für den Gefang und insbefondere den Chor vortrefflich eignet und anderfeits ein gewiffes Genre an fich herangebildet hat. Kein mufikalifches Inftrument ift übrigens fo reichlich mit Namen gefegnet, wie das in Rede ftehende. In Deutſchland hatte fich endlich unter den vielen griechifchen Benennungen der Ausdruck Physharmonika Bahn gebrochen. In Frankreich erhielt es durch die Firma Alexandre in Paris, die es hier popularifirte, die Namen: Orgue d'expreffion, Panorgue, Harmonium d'expreffion, in England wird es bald Mufikalifche Inftrumente. 17 Seraphine, bald Aeolophon und Aeolomufikon genannt. Unter allen diefen Benennungen hat gegenwärtig der Name Harmonium das Bürgerrecht gewonnen, und an ihn knüpft das letzte Stadium der Bildung, welche das Inftrument in feiner kurzen Gefchichte erreicht hat. Seine rafche Beförderung zu diefem Stadium verdankte in Wien das Harmonium zunächft Deutfchmann, dann aber ganz insbefondere dem in diefem Jahre leider durch den Tod der Kunft zu früh entriffenen Titz. Der Erfte hatte die Erfindung Häckel's übernommen und diefelbe durch eine Einrichtung bereichert und vervollkommnet, mittelft welcher eine Beständigkeit in der Windrichtung und zugleich die Möglichkeit, die letztere durch zwei Druckbälge nach Belieben zu lenken, erzielt wurde. In Paris erwarb fich Martin mit der bereits erwähnten Percuffion, welche die Firma Alexandre weidlich auszunützen verftand, und neben. ihm Debain ein grofses Verdienft um diefes Inftrument. Mit ganz befonderer Vorliebe cultiviren es gegenwärtig die Amerikaner. Sie haben ein ganz neues Syftem eingeführt, indem fie ftatt der Stofsbälge, die bei uns üblich find, Saugbälge anwenden. Die Windftrömung erhält in Folge deffen die entgegengeſetzte Richtung, welche natürlich auf den Ton zurückwirkt und diefem eine mildere Klangfarbe verleiht. Den erften fabriksmäfsigen Betrieb des Harmoniums im grofsen Mafsftabe rief in Deutfchland die Firma J. und P. Schiedmayer in Stuttgart ins Leben und hat für die Verbefferung und Verbreitung des Inftrumentes ungemein Erfpriefsliches geleiftet. In der That waren die Harmoniums am zahlreichften in der öfterreichifchen und deutfchen Abtheilung vertreten, und dürfte man aus der Anzahl der Firmen auf den Betrieb in den Ländern, denen fie angehören, fchliefsen, fo würden Oefterreich und Deutfchland die erfte Stelle einnehmen. So führte die öfterreichifche Abtheilung drei Firmen vor, nämlich Titz, Deutfchmann, Klein, unter denen auf Titz allein 9, auf die beiden andern 2 Inftrumente kamen. Aus dem deutfchen Reiche und zwar aus Stuttgart haben die Ausftellung befchickt: J. und P. Schiedmayer mit 6 Inftrumenten, Rietheimer mit 4, dann Ph. J. Frayfer& Comp. mit 3, Trefz& Feuchtl mit I, E. Kraus mit 2, J. G. Gfchwind mit 2. Zu diefen gefellt fich noch die Firma G. F. Steinmeyer& Comp. aus Oettingen in Baiern, welche 2 Harmoniums brachte. Deutfchland lieferte alfo im Ganzen 7 Ausfteller mit 20 Harmoniums. Aus Frankreich hatte fich nur Alexandremit 6 eingefunden. Sehr bedauerlich ift es, dafs der geniale Debain, wie es fcheint, verhindert war, ans von feinen von feinen neueften Leiftungen eine Probe vorzuführen. In der italienifchen Abtheilung haben nur die Gebrüder Vittino aus Centallo( Cuxeo) 1, Mola Giuſeppe aus Turin 3 derartige Werke geftellt. Die 3 Harmoniums, als deren Ausfteller Dr. Tubi Graziano im Kataloge figurirt, konnten wir nicht entdecken. Aus Schweden hat fich A. G. Wilgren in Stockholm mit einem kleinen Harmonium eingefunden. Ueberdiefs traf man auch noch im fchwedifchen Schulhaufe auf ein Harmonium, von gleichen Dimenfionen. In der amerikanifchen Abtheilung repräfentirten fich die weltberühmte Firma Mafon& Hamlin mit 8 und Eft ey& Comp. aus Bratleboro( Vermont), mit ebenfoviel Harmoniums. Doch nicht allein an Quantität der Production ragen Oefterreich und Deutfchland gegenüber den angeführten ausftellenden Staaten auf diefem Gebiete hervor, fondern ihre Inftrumente dürfen auch im Grofsen und Ganzen, was Klangwefen und Mechanik anbelangt, die höchfte Anerkennung beanfpruchen. Als wahre Mufterleiftungen empfehlen fich zunächft in der öfterreichifchen Abtheilung unter den Harmoniums von Titz zwei Werke, deren eines nicht weniger als 7 volle Spiele mit einer einzigen Taftatur von 5 Octaven aufweift. Die Percuffion ift nicht ifolirt, fondern, wie es die Regel mit fich bringt, mit der Flöte verbunden. ein grofses Unter den 27 Regiftern befinden fich auf zweien Prolongements, zur Linken, und ein kleines, das letztere in 4 Züge, 2 zur Rechten und 2 getheilt. Diefes Prolongement ift eine Erfindung, die man Titz verdankt. Der Vortheil der Prolongements befteht darin, dafs der Ton forthallt, was namentlich 2* 18 Eduard Schelle. die Ausführung orgelpunktartiger Sätze aufs Möglichfte erleichtert. Das zweite Inftrument enthält 5 Spiele mit 2 Manualen, deren jedes feinen eigenen Toncharakter hat, und 17 Regifter. Beide Werke zeichnen fich durch foliden Bau, durch eine leichte, angenehme Spielweife, durch überaus präcife Anfprache der Zungen auch beim leifeften Wind und durch charakteriftifche Intonation der verfchiedenen Stimmen aus. Aufserdem lieferte die Firma noch I Harmonium mit 5 Octaven, von 6 Spielen, 23 Regiſtern mit einem kleinen Prolongement. Als Regifter von vorzüglicher Klangfchönheit find zu nennen: Clarinette, Flöte, Oboë; ferner I Harmonium mit 2 Octaven, 4% Spielen und 17 Regiftern, ein anderes mit 5 Octaven, 3 Spielen und 13 Regiftern. Alle die genannten Inftrumente find mit Percuffionsmechanik verfehen. An kleineren Werken diefer Art fanden fich noch vor I Harmonium mit 5 Octaven, 5 Regiftern und 1 Spiel, ein anderes mit 42 Octaven, I Regifter und I Spiel, dann I mit 5% Octaven, I Spiel und I Regifter. Der Preis der Inftrumente fteigt nach dem Unfange derfelben von 90 fl. bis 800 fl. öfterreichifcher Währung. Als befondere Vorzüge der Inftrumente aus diefer Fabrik find noch zu bezeichnen der ausgiebige Ton, welcher auch bei der gröfsten Windkraft feftſteht und gegenüber dem näfelnden Charakter anderer Inftrumente diefer Art eine ungemeine Klangfülle entfaltet, ferner die präcife, unhörbare Function der Mechanik, fo dafs kein Stofsen, kein Klopfen fich bemerklich macht. Das Gebläfe ift vorzüglich eingerichtet, die Bälge haben einen feften und doch leichten Gang, ebenfo die Regifter. Zu den Einführungen, durch welche fich Titz befonders um das Inftrument verdient gemacht hat, gehört auch der Plenotritt für fämmtliche Spiele, vermittelft deffen der Grandjeuzug entfällt und das Spiel nicht unterbrochen zu werden braucht; auch gebührt Titz die Priorität, den 32- Fufston im Harmonium verwendet zu haben. Aus den vorgeführten. Leiftungen läfst fich erwarten, dafs die Firma den guten Klang ihres Namens auch nach dem Ableben des Meifters bewahren und noch fteigern wird. Das bereits erwähnte, von Klein ausgeftellte Harmonium ift mit einem Schreibtisch verbunden und empfiehlt fich durch ein elegantes Aeufsere. Das Trittwerk ift fo befchaffen, dafs es mit leichter Mühe zurückgefchoben werden kann. Das Werk felbft enthält 2 Spiele, 8 Regifter mit 5 Octaven. Das Harmonium von Deutfchmann entzieht fich aller Beurtheilung, weil es durchaus unzugänglich gewefen ift. - Im deutfchen Reiche führt die fchon gedachte Firma J. und P. Schiedmayer in Stuttgart den Reigen an. Die Herren Julius und Paul Schied mayer ( Firma J.& P. Schiedmayer) find Söhne des Johann Lorenz Schiedmayer, aus Erlangen gebürtig, deffen Vater, Johann David Schiedmayer, kurfürftlicher Hof- Inftrumentenmacher dafelbft war und fpäter nach Nürnberg überfie delte und dort bis zu feinem Tode, 1806, fein Gefchäft mit gutem Erfolg betries. Johann Lorenz Schiedmayer etablirte fich im Jahre 1809 in Stuttgart, wo er als Gründer des Pianoforte- Baues profperirte und alsbald, durch feine allgemein anerkannten Beftrebungen dem Fortfchritte huldigend, feinen Namen in der Aufsenwelt bekannt machte. Er ftarb im Jahre 1860, indem er fein Gefchäft, mit den beften Mitteln und gutem Renommé ausgeftattet, feinen beiden älteften Söhnen Adolf und Hermann hinterliefs, welches unter der Firma Schiedmayer& Söhne fortbetrieben wird. Seine beiden jüngeren Söhne dagegen etablirten unter der Firma J.& P. Schiedmayer, im Jahre 1853 in Stuttgart eine Harmoniumfabrik, nachdem fie vorher diefen Zweig in den erften Werkstätten von Paris und London praktiſch, gründlich ftudirt hatten. Da diefe Induftrie vorzugsweife in Paris heimifch war und von da beziehungsweife den grofsen Weltmarkt beherrfchte, fo nahmen fie urfprünglich das von Debain und Alexandre verfolgte Syftem an, welches damals für das vollkommenfte galt. Die Vorliebe für das in Deutſchland bis dahin noch wenig anerkannte Harmonium, deffen Popularifirung ihnen zuzufchreiben ift, ihre raftlofe Thätigkeit, ihr Streben nach Vervollkommnung diefes gewiffermafsen als Stellvertreter der Orgel geltenden Inftrumentes erwarben der Mufikalifche Inftrumente. 19 genannten Firma alsbald ein Renommé, das in den ihr auf nachftehend benannten Welt- und Localausftellungen zugedachten Auszeichnungen den öffentlichen Ausdruck fand. Das feither in Paris gefertigte Harmonium, dem eine gewiffe Vervollkommnung nicht abzufprechen ift, litt an dem fühlbaren Mangel, dafs es jenes eigenthümlichen Charakters entbehrte, durch welchen das Inftrument der Orgel näher kommen, ja derfelben zur Seite ftehen follte, während es im Gegentheil durch fein füfsliches Wefen oft läftig und gar unerträglich wurde. Man hatte ferner bis in die jüngfte Zeit häufig zur Verftärkung des Discants das Mitklingen der höheren Octave, bei der Orgel Copula genannt, angeftrebt, ohne der Sache viel näher gekommen zu fein, denn der Umfang des zu 5 Octaven berechneten Inftrumentes reducirte fich dadurch auf 4 Octaven und fomit wurde der Effect in mufikalifcher Beziehung beeinträchtigt. Nach längerem Streben und vielfeitig angeftellten Verfuchen ift es den Herren J.& P. Schiedmayer durch glückliche Experimente gelungen, dem Harmonium einen weichen und doch kräftig klingenden Ton zu verleihen, der, ohne fcharf oder fpitz zu fein, den angebrachten Regiftern( Flöte, Clarinette, Oboë, Clairon etc.) vollkommen entſprach. Für die Verbefferung wurde ihnen im Jahre 1858 ein Erfindungspatent auf zehn Jahre ertheilt, und zwar auf die eigenthümliche Conftruction von Zungenwerkzeugen in Gufsrahmen für ganze Octaven und ebenfo auf die veränderte Conftruction des Stimmftockes, die Erweiterung der Cancellen( Schallbecher genannt) und auf eine indirecte Zuführung der aus den Windbehältern zuftrömenden Luft. Die Erzeugung des Tones wurde in Folge diefes Verfahrens eine bei Weitem günftigere, ganz befonders aber erhielt der Ton durch die Herftellung der aus Gufsmeffing gefertigten und ganze Octaven umfaffenden Zungenwerke vermehrte Kraft und Fülle und gröfsere Feftigkeit. Dem Verfertiger ift es dadurch an die Hand gegeben, den Ton durch geringes oder ftärkeres Abdämpfen oder durch Einbiegen der Zungen vollſtändig und dem erftrebten Charakter entſprechend auszubilden. Nachdem diefes für die Verbreitung des Harmoniums fo wichtige Refultat erzielt war, follte einem weiteren Mangel gefteuert werden, der fich fehr fühlbar machte. Der Bafs nämlich überbot den Discant, wodurch der zu erzielende Effect, ein deutlicheres Hervortreten der Melodie, häufig verloren ging, felbft wenn die Discantpartie mittelft der in derfelben Tonlage fich befindenden Regifter verſtärkt wurde. Auf Veranlaffung und Vermittlung des Herrn William Dawes( Civilingenieur) in Leeds( England) wurde eine eigens conftruirte Mechanik zur Anwendung gebracht, welche nach manchen mühevollen und öfters vergeblichen Verfuchen fchliefslich zu dem Ziele führte, den vorerwähnten Uebelftand gänzlich zu befeitigen. Diefe Aufgabe hat darin ihre Löfung gefunden, dafs man dem Harmonium ein weiteres Regifter von 5 Octaven( Melodie genannt) beifügt, welches in einer dem 8' Ton entſprechenden Zungenreihe beſteht und in der Weife wirkfam wird, dafs im Discant je der oberfte und im Bafs je der tieffte Ton zur Anfprache kommt, während alle übrigen Zungen diefes Regifters ganz aufser Thätigkeit bleiben. Mit Beiziehung nun eines oder mehrerer anderer Regifter erhält je der obere und der untere Ton doppelte Kraft und wird dadurch das Hervortreten der Melodie und deren Deutlichkeit im Discant wie die Beftimmtheit des Grundtons im Bafs aufs Vollständigfte erreicht. Durch das in der Harmoniumfabrication erzielte Refultat ermuthigt, haben die Herren J.& P. Schiedmayer, auf ihre vielfeitigen bei dem Bau der Inftrumente gewonnenen Erfahrungen geftützt, im Jahre 1860 auch die Anfertigung von Pianos und Flügeln eingeleitet. Als Specialität in diefer Branche ift die Einführung der nach amerikanifchem Syftem kreuzfaitig gebauten Flügel und Pianinos mit überliegenden Bafsfaiten, Compreffion etc. in Deutfchland vorzugsweife zu erwähnen. Die Pianinos mit maffivem eifernen Gufsftück und zufammenhängender Rückwand und Vorderplatte bieten einen überaus fchönen, in den einzelnen Tonlagen gleichmäfsigen Ton von grofser Gefangsfähigkeit. 20 Eduard Schelle. Der Drang nach Fortfchritt, gewiffenhafte Fabrication durch ausgedehnte Benutzung der zur Zeit zu Gebote ftehenden Hilfsmafchinen mit Dampfeinrichtung fetzte die genannte Firma alsbald in den Stand, auch auf diefem Felde das Vorzüglichfte zu leiften und ihre Erzeugniffe auf den letzten Weltausftellungen, 1867 in Paris, 1873 in Wien mit grofsem Erfolge zur Schau zu bringen. Auf der in München im Jahre 1854 ftattgehabten, vereinigten deutfchen Ausstellung wurde ihr die höchfte Auszeichnung zu Theil; die Ausftellungen in Paris 1855 und in Württemberg 1856 und 1857 führten ihr ebenfalls Ehrenpreife zu. In Anbetracht der ihr zuerkannten Verdienfte wurde der Senior Herr Julius Schiedmayer zum Preisrichter für die Weltausftellung 1862 in London ernannt, in welch' gleicher Eigenfchaft er auch 1864 in Stettin functionirte. ausGegenwärtig befchäftigt die Fabrik J.& P. Schiedmayer bei gedehntem Betriebe mit Dampfeinrichtung 200 Arbeiter im Haufe und etwa 60 aufserhalb. Letztere haben einen grofsen Theil der Kaftenarbeit zu liefern, während man im Haufe die Kräfte zur Anfertigung der feinen Mechanik und der inneren Einrichtung verwendet. Der jährliche Umfatz des Gefchäftes beläuft fich nach der neueften Erweiterung der Fabrik auf etwa 700 Clavierinftrumente und 800 Harmoniums der verfchiedenften Gattungen im Betrage von 400.000 Gulden. Die Herren J.& P. Schiedmayer haben demnach die gröfste derartige Fabrik in Süd- Deutfchland und find auf dem beften Wege, durch Qualität und Quantität der gelieferten Inftrumente mafsgebend zu erfcheinen; ihre Erzeugniffe find nicht nur in Deutſchland, fondern auch in Amerika, England und Italien gefucht und gefchätzt. Das Lob, welches wir den Inftrumenten Titz's fpendeten, ift auch auf die Harmoniums Schiedmayer's anzuwenden. Sie empfehlen fich fämmtlich durch fchöne Klangfarben und durch eine treffliche Anfprache des Tones. Befonders hervorzuheben ift ein Harmonium mit 5 Octaven, 6% Spielen, Percuffionsmechanik, 2 Knieregiftern, 2 Manualen und 21 Regiftern, unter ihnen Baryton 32', Mufette 16', Hautbois 8', Clarinette 16', Flûte 8', Bourdon 16', Clairon 4', Baffon 8' von befonders fchöner Klangwirkung. Die Percuffion ift hier von der Flöte ifolirt und läfst fich ganz felbftftändig und eigenthümlich ausbeuten. Das Flötenregifter entfaltet einen ungemein fchönen Klang. Als befonders wirkfame Stimmen find anzuführen: Clarinette, Bourdon, Baryton mit 32- Fufstönen und Harpe- Eolienene 2- Fufstöne. Der Preis beträgt 1500 fl öfterreichifcher Währung. Eine befondere Beachtung verdient ferner noch ein Harmonium mit 5 Octaven, 134 Spielen, 9 Regiftern, nämlich: Tremblant 8', Cremona 8', Melodie Cremona, Flûte 8', Expreffion, Coranglais 8', Forte, Pedalbafs 16', Sourdine I', 2 Knieregiftern. Die Züge Melodie Cremona und Cremona bezeichnen eine Einrichtung, die Schiedmayer zuerft ins Leben gerufen hat und durch welche das Harmonium eine Vervollkommnung erfahren hat. Die Cremona nämlich hatte den Zweck, alle Töne eines Accordes zu verdoppeln; wird das erftere Regifter gezogen, fo fperrt es die Töne im Accorde bis auf den oberften ab und läfst nur deffen Octave mitklingen. Als ein collaterales Regifter ift ein Pedalbafs angebracht, welcher den Bafston durch die tiefere Octave verdoppelt. Es liegt auf der Hand, dafs der Spieler vermittelft diefes Mechanismus manche Nuancen von überrafchender Wirkung in feiner Gewalt hat. Ferner waren noch ausgeftellt ein Harmonium mit 5 Octaven, I Manual, 5% Spielen, Percuffionsmechanik, 20 Regiſtern, 2 Knieregiftern. Die Preife gehen von 75 fl. aufwärts bis 800 fl.; dann ein Piano concertina mit 44 Octaven, 1/2 Spielen, 4 Regiftern und eine Harmonina mit 3 Octaven, 112 Spielen, 5 Regiftern. Die letzteren beiden Inftrumente find eigentlich mehr muſikaliſche Spiel- Werkzeuge und beanSpruchen wohl als folche keinen eigentlichen künftlerifchen Werth, haben aber einen fehr hübfchen Ton. Unter den übrigen Ausftellern von Harmoniums in der deutfchen Abtheilung fanden wir die Firmen: Trayfer& Comp. in Stuttgart mit 3 Harmoniums: 1. Harmonium mit 5 Octaven, 2 Manualen, 7% Spielen mit Percuffion, 23 Regiftern und 2 Knieregiftern. Der Baryton bei Schiedmayer Mufikalifche Inftrumente. 21 ift hier durch ein Saxophon erfetzt. Einzelne Stimmen find von grofser Schönheit. Manche dagegen fchattiren fich von einander im Toncharakter zu wenig ab; Grand jeu ift nicht genug ausgiebig. Preis 1000 Thaler. 2. Harmonium mit 4 Spielen und 4 klingenden Regiftern ohne Percuffion. Preis 465 fl. 3. Harmonium mit 52 Spielen, 2 Manualen und Percuffion. Preis 565 fl. Ferner Kraufs in Stuttgart mit 2 Harmoniums: 1. Harmonium mit 5 Octaven, 2 Manualen, 5 Spielen, 19 Regiftern, 2 Knieregiftern und Emphone ftatt Muffete; der Ton fpricht gut an, ift aber nicht weich genug, fonft fehr correct gearbeitet; der Kaften reich ausgeftattet nach amerikanifcher Form. 4. Harmonium mit 5 Octaven, 2 Manualen, 412 Spielen, 12 Regiſtern, 2 Knieregiftern. Die Percuffion bei einem aufrecht ftehenden Spiele( Principal) angebracht nach Pianinoart, durch eine Glasfcheibe fichtbar, eine neue, aber zwecklofe Einrichtung; folide Arbeit, Kaften in Pianoform. Preis 270 Thaler. Dann Trefz& Feuchtl in Stuttgart mit einem Harmonium, 5octavig, 4 Spiele, 14 Regifter, 2 Knieregifter; fchöner Ton mit leichter Anfprache; einfache Ausftattung. Preis 120 Thaler. J. Gfchwind in Stuttgart mit 2 Harmoniums: 1. Harmonium mit 5 Octaven, 2. Manualen, 5% Spielen mit Percuffion, 20 Regiftern, 2 Knieregiftern; Ton nicht entsprechend, Percuffion desgleichen, reich verzierter Kaften. Preis 460 Thaler, 2. Harmonium mit 5 Octaven, 4% Spielen, 17 Regiftern, 2 Knieregiftern mit Percuffion, Ton nicht gut, fehr ftarkes Geräufch der Blafebälge; Kaften in Pianinoform. Preis 300 Thaler; im Weiteren: I. Steinmayer& Comp. zu Oettingen in Baiern mit 2 Harmoniums: 1. Harmonium mit 5 Octaven, 3 Spielen, 10 Regiftern; Ton und Anfprache fehr gut. Ausftattung gewöhnlich. Preis 190 Thaler. 2. Harmonium mit 5 Octaven, I Spiel, 3 Regiftern; nicht befonders gut, einfach ausgeftattet. Preis 90 Thaler und Rietheimer in Stuttgart mit 3 Harmoniums: 3 Harmoniums: 1. Harmonium mit 5 Octaven, 2 Manualen, 5 Spielen, mangelhafter Percuffion, 21 Regiftern, I Knieregifter; die Ausftattung ift mäfsig. Preis 280 Thaler. 2. Harmonium mit 5 Octaven, 34 Spielen, 14 Regiftern, fchwere und geräuschvolle Spielart und einfache Ausftattung. Preis 120 Thaler. Sämmtliche von Rietheimer ausgeftellte Harmoniums find fehr oberflächlich gearbeitet und gerade das Harmonium verlangt eine fehr forgfältige Arbeit. In der franzöfifchen Abtheilung hat fich nur die Firma Alexandre père et fils in Paris mit Ausftellungsobjecten vorgefunden. Diefelbe exponirte 9 Harmoniums und zwar I. Harmonium mit 4 Octaven, ohne Regifter; 2. Harmonium portatif, 4 Octaven, ohne Regifter; 3. Harmonium, 1½ Spiele, 7 Regifter, 5 Octaven; 4. Harmonium mit 3 Spielen, 9 Regiftern, 5 Octaven mit Trittbälgen; 5. Harmonium mit Orgelauffatz, 41, Spielen, 15 Regiftern; 6. Harmonium, 5 Octaven, 5 Spiele, 18 Regifter mit Trittbälgen; 7. Harmonium, 5 Octaven, 5 Spiele, 17 Regifter; 8. Harmonium, 5 Octaven, 52 Spiele, 18 Regifter; 9. Harmonium, 5 Octaven, 6 Spiele, 17 Regifter und Prolongement. Die genannten Harmoniums weifen mit Ausnahme eines einzigen nichts Neues auf. Bei diefem find ftatt der Schöpfbälge ganz gewöhnliche Bälge genommen und in ähnlicher Weife verwendet wie bei den Zugharmoniken. Diefe Bälge werden nicht mittelft Tritte wie gewöhnlich regiert, fondern mittelft zweier aus dem Kaften hervorfpringenden Laden, welche man von Aufsen hineinftöfst. Der Refervebalg im Windkaften nimmt eine ganz andere Lage als gewöhnlich ein, wodurch der Kaften nach unten hin eine kleine Verengerung erfahren und damit eine elegantere Form gewonnen hat. Durch diefe Einrichtung läfst fich eine bedeutende Kraft des Tones erzielen. Die Arbeit an dem Werke ift überaus forgfältig und fauber. Im Ganzen und Grofsen erheben fich die Harmoniums Alexandre's nicht über das Niveau einer anftändigen Mittelmässigkeit. In der italienifchen Abtheilung lieferten Giuſeppe Mola in Turin 1. ein Harmonium mit 6½ Spielen, Expreffion, aber ohne Percuffion und einem kleinen Pedal. Der Ton ähnelt dem Ton der franzöfifchen Harmoniums, ift jedoch nicht fo 22 Eduard Schelle. fein wie diefer, das Flötenregifter namentlich nicht gehörig ausgeglichen; 2. ein Harmonium mit 1 Manual, 3 Knieregiftern, Percuffion, 5 Spielen; 3. eine fogenannte Harmonie- Flûte, ein Spiel mit voix celefte, Tremolo, jeu doux; die Gebrüder Vittino aus Centallo Cuneo I Harmonium mit 1 Manual, 4 Spielen; Percuffion und grand jeu fehlen. Die Stimmen haben wenig Variationen, die Spielweife ift nicht übel. Zu den vorzüglichften und preiswürdigften Inftrumenten gehören die Harmoniums, welche die Firma Mafon& Hamlin in der amerikaniſchen Abtheilung ausftellte. Die Inftrumente zeigen in Folge der Anwendung von Saugbälgen ftatt Stofsbälgen einen anderen Charakter, als die europäiſchen. Als eine fernere Eigenthümlichkeit ift zu bemerken, dafs jede Zunge in eine befondere Zelle verfetzt ift. Vermittelft einer angebrachten Feder öffnet fich die Zelle beim Niederdruck der Tafte und fchliefst fich wieder beim Zurückfpringen der Tafte. Durch die Einrichtung diefer„ centralen Druckklappen" ift eine fo fchnelle Anfprache des Inftrumentes bewirkt, welche der des Claviers gleich kommt. Die Zungen felbft find fein und zweckmäfsig geformt und mit grofser Sorgfalt ausgearbeitet. Durch diefes Arrangement der Zungen in Zellen wird jener orgelartige Ton erzielt, welcher die amerikanifchen Harmoniums fo eigenthümlich gegenüber den europäiſchen unterfcheidet. Um eine möglichft grofse Kraft im Ton zu erzeugen, ift für eine entsprechende Erweiterung des Refonanzkaftens geforgt; die Erfindung eines folchen Refonanzkaftens gehört der Firma an und ift derfelben patentirt worden. Zu den mannigfaltigen Vorzügen, welche diefe Inftrumente auszeichnen, gehört auch eine Vorrichtung beim Crescendozug, der AutomaticSweller, mittelft welchem der Druck mit den Füfsen nicht fo bemerkbar ift, wie bei dem bei uns gebräuchlichen Expreffionszug. Die Firma hat im Ganzen 9 Inftrumente ausgeftellt: 1. ein Harmonium mit 2 Manualen, gelben blinden Profpectpfeifen, 4 Spielen und 9 Zügen. Die Dispofition geftaltet fich folgendermassen: 1. Bourdon, 2. Diapafon- Bafs, 3. Diapafon- Trebble, 4. Hautbois, 5. Vox humana, 6. Principal- Bafs, 7. Principal- Trebble( Discant), 8. Coupler, 9. Automatic- Swell. Die hier vorkommende vox humana ift nur als eine Verbindungsftimme zu beach ten. Das Gehäufe ift gefchmackvoll verziert, von brauner Farbe und macht einen wohlgefälligen Eindruck; 2. Harmonium mit 2 Manualen, 6 Spielen, ebenfalls mit blinden Profpectpfeifen von gelber Farbe, auiserdem auch mit einem vollſtändigen Pedal. Das Inftrument enthält 12 Züge: Bourdon- Bafs und Bourdon- Trebble, Diapafon- Bafs, Diapafon- Trebble, Principal- Bafs, Principal- Trebble, Oboë- Bafs und Oboë- Trebble und Violoncell und Bourdon für Pedal, aufserdem eine Manualund eine Pedalkoppel. Alle Manualftimmen find, wie aus der Dispofition hervorgeht, getheilt. Der Schwellerzug kann für jede Stimme ausfchliesslich gebraucht werden. Die Wirkung der Stimmen ift ganz vorzüglich und die Dispofition geftattet Mifchungen von wunderbarer Schönheit. Der Toncharakter erinnert ganz insbefonders an die Orgel. 3. Harmonium mit I Manual und 7 klingenden Spielen. Diefes Inftrument ift nach Debain und Alexandre conftruirt und mit Stofsbälgen verfehen. Die Firma hat damit beweifen wollen, dafs fie auch mit dem europäiſchen Syftem vertraut ift. Es enthält Zügen: Grand jeu, Expreffion, 2 Züge Percuffion, Flûte und Coranglais, Bourdon und Clarinette, Clairon und Piccolo, Baffon und Oboë, Harpecoliene und Mufette, einen Baryton; die voix celefte bildet keine Schwebung zur Flöte, wie es fonft zu fein pflegt, fondern bildet eine felbftftändige Stimme, die vox america dagegen gibt eine Schwebung zum Baryton. 4. Harmonium mit I Manual und 2% Spielen. Die Zufammenftellung der Stimmen ift überaus fchön und ermöglicht eine grofse Mannigfaltigkeit an Tonmifchungen. Die übrigen Inftrumente, darunter I Harmonium mit 2 Manualen und 4 Spielen, reihen fich den obigen würdig an. Sie fuchen fämmtlich an Ausdrucksfähigkeit ihres gleichen und feffeln durch einen fympathifchen Ton. Der Preis diefer Harmoniums ift gegenüber dem Werthe derfelben fehr mäfsig zu nennen, denn er überfteigt nicht die Summe von 1800 fl. und geht herab bis zu 250 fl. an Mufikalifche Inftrumente. 23 Die Firma Eftey hat 8 Harmoniums ausgeftellt, darunter I mit 2 Manualen, Pedal und 4 Spielen und 2 Koppeln. Die Stimmen haben meiſt einen hohlen, leeren Klang, einzelne wie Dulceana delicante und voce jubilante weifen nicht den geringften Unterfchied in der Klangfarbe auf; die Claves des Pedals machen bei der Benützung ein ftörendes Geräufch. Zu den befferen Inftrumenten gehört I Harmonium mit neun gelben Pfeifen, I Manual und 3% Spielen. Es läfst fich an den Inftrumenten im Ganzen nicht viel Gutes hervorheben, auch müfste die Arbeit viel fauberer und gediegener fein; fie reichen, mit Nachficht beurtheilt, höchftens an das Niveau eines anftändigen Mittelgutes heran. Claviere. In der zahlreichen Familie der muſikaliſchen Inftrumente ragt heutigen Tages unftreitig das Clavier am bedeutungsvollften hervor. Das Piano, um den modernen Namen zu gebrauchen, hat fich allmälig zu dem allgewaltigen Beherrscher unferes Mufiklebens erhoben. Es äufsert feine Macht im vornehmen Salon, im Boudoir, wie in der befcheidenen bürgerlichen Wohnung, hat den Dilettantismus und damit die Empfänglichkeit für mufikalifche Eindrücke in alle Claffen der menfchlichen Gefellſchaft getragen und übt in Folge deffen einen Einfluss auf das Empfindungswefen unferer Zeit aus, in welchem der Culturhiftoriker einen willkommenen Schlüffel zu mancher befremdlichen Erfcheinung des letzteren finden. dürfte. Es liefs fich alfo vorausfetzen, dafs das Clavier das gröfste Contigent zu der Armee der für die Ausstellung beftimmten mufikalifchen Inftrumente ftellen würde. Und fo verhält es fich in der That. Die öfterreichifche Abtheilung allein zählte nicht weniger als 48 Firmen mit 56 Flügeln, 28 Stutzflügeln und 12 Pianinos, im Ganzen 96 Stück; die deutfche Abtheilung dagegen 66 Firmen mit 35 Flügeln, 2 Tafelpianos und 91 Pianinos. Gegen Oefterreich und Deutſchland traten nun freilich die anderen Länder unverhältnifsmäfsig zurück. Schätzen wir die Betheiligung derfelben nach der Summe der eingefendeten Inftrumente ab, fo kommt zunächft Frankreich mit 33, dann England mit 12 Stück, Rufsland und Italien waren. mit 10, die Schweiz mit 8 Clavieren vertreten. Die fchwedifche Abtheilung führte uns deren 6 vor, ebenfoviel die fpanifche. Amerika und Dänemark ftanden numerifch gleich, auf jedes Land kamen 5, auf Belgien dagegen 3 Pianos. Ungarn hat ebenfalls 3, Holland dagegen nur I Stück und zwar I Pianino geliefert. Den 224 ClavierInftrumenten der deutfchen und öfterreichifchen Abtheilung vermochten die angeführten Länder nur 97 Stück entgegenzuftellen, ein Mifsverhältnifs, das felbft locale Umftände nicht genügend erklären. Ueberdiefs weift die Lifte der ausländifchen Firmen manche bedauerliche Lücke unter den Ausftellern auf; fo thut es z. B. dem Ruhme Amerikas auf diefem Gebiete grofsen Abbruch, dafs die weltberühmten Fabriken Steinway und Chikering fich vermiffen liefsen. Die englifche Abtheilung hat ebenfalls durch die Abwefenheit Broadwood's und Collard's eine bedeutende Einbufse an Glanz erlitten, und auch die deutfche, fonft fo reichlich und gut befchickte Ausftellung würde eine willkommene Ergänzung erhalten haben, wenn hier wenigftens die Firma Bechftein in Berlin der Firma Blüthner zur Seite geftanden wäre. Befondere Verhältniffe mögen wohl die genannten Firmen veranlasst haben, gerade die grofsartigfte aller bisherigen Ausftellungen zu umgehen; jedenfalls können wir im Intereffe der Kunft diefe Vernachläffigung nur bedauern. Es war ein überaus glücklicher Gedanke, die öfterreichifche Abtheilung mit jenem hiftorifchen Anhange zu verfehen, welche fich im Pavillon für ,, Gefchichte der Gewerbe und Erfindungen" darftellte. Das mittlere Zimmer entfaltete in einer reichen Sammlung verfchiedenartiger älterer Inftrumente ein anfchauliches und feffelndes Bild von der Entwicklung des Inftrumentenbaues in Oefterreich feit etwa 130 Jahren. Namentlich waren es die hier vorhandenen Claviere, welche in erfter Linie das Intereffe auf fich lenkten. Ja, wir nehmen keinen Anftand, auf fie den eigentlichen Werth des Pavillons zu übertragen wegen des Gegenfatzes, in 24 Eduard Schelle. welchem fie zu den modernen Pianos in der öfterreichifchen Abtheilung ftehen; denn das Clavier war bereits im vorigen Jahrhunderte der eigentliche Träger des Mufiklebens, wie es derfelbe heutigen Tages ift, und an feiner Conftruction, überhaupt an feinem ganzen Wefen verfinnlicht fich am getreueften der Charakter der herrfchenden Gefchmacks- und Stilrichtung. Man war umfomehr berechtigt zu diefem Unternehmen, als nach Bach und Händel Oefterreich in der mufikalifchen Kunft das Banner geführt und feinen Namen mit denen der gröfsten Tonheroen verwebt hat. Unter diefen Clavieren befanden fich überdiefs einige Exemplare, welche für uns die Bedeutung koftbarer Reliquien haben. So begegnete uns ein kleines, tragbares Spinett, erbaut von Johann Andreas Stein in Augsburg 1762, deffen fich Mozart laut Angabe auf feinen Reifen bedient hat; auch ein Clavier in Flügelformat, und zwar mit Hammermechanik und Stiefeldämpfung macht Anspruch auf die Ehre, einft im Befitze des hochberühmten Meifters gewefen zu fein. Ferner trafen wir ein kleines Tafelclavier mit Hammermechanik und Dämpfung aus dem Jahre 1790 an, welches uns als das einftige Eigenthum Haydn's bezeichnet wird. In ähnlicher Weife fahen wir einen Flügel von Erard mit dem Namen Beethoven's, einen anderen von Gräf mit dem Schubert's in Verbindung gefetzt. Unmerklich haben wir an diefen wenigen Inftrumenten die wefentlichften Phafen des Clavierbaues bis zur modernen Zeit hin durchlaufen. Jenes Spinett Mozart's, zu dem fich noch ein anderes, herrührend von Johann Schanz, gegenwärtig Johannes Brahms zugehörig, gefellt, weifen auf den primitiven Standpunkt des Inftrumentes hin. Der Ton wird hier noch mittelft Meffingplättchen oder auch Federkiel- Stückchen erzeugt, welche auf dem Clavis befeftigt find, und durch Oeffnung im Refonanzboden beim Niederdruck der Tafte an die Saite fchlagen. Und wahrlich, der dünne, zirpende Klang jenes gedachten Inftrumentes von Schanz bildet zum Klang des angeblich aus dem Befitze Beethoven's ftammenden Flügels von Erard keinen gröfseren Abftand, als das Tonvermögen eben diefes Erard zu der Klangkraft eines Ehrbar mit gewölbtem Refonanzboden. Ja auch die Mutter unferes heutigen Pianos entdeckten wir hier in einem alten Hackebret, welches fich in demfelben Zimmer zeigte; denn aus diefem merkwürdigen Inftrumente ift nicht nur das. Clavichord, fondern auch die Hammermechanik hervorgegangen, durch welche fich das Clavier bis zu feiner jetzigen Vollkommenheit emporgebildet hat. Ein Mufiker aus Eisleben, Pantaleon Hebenftreit, hatte nämlich fchon in früher Jugend eine fo grofse Vorliebe für jenes, noch heutigen Tages bei den Zigeunern unter dem Namen Cymbal vorkommende Inftrument, dafs er es fich zur Aufgabe machte, demfelben eine für den künftlerifchen Gebrauch verwendbare Einrichtung zu geben. Sein Ziel fuchte er dadurch zu erreichen, dafs er den Kaften um das Vierfache vergröfserte und auf beiden Seiten Refonanzböden anbrachte, von denen der eine mit Draht- und der andere mit Darmfaiten bezogen. war, fo dafs jetzt dem Spieler alle Dur- und Moll- Tonarten zur Verfügung ftanden. Hebenftreit machte mit feinem Inftrumente um fo mehr Auffehen, als er felbft eine fehr grofse Fertigkeit auf demfelben fich angeeignet hatte. Ein gewiffer Schröter, ebenfalls ein Mufiker, hatte Gelegenheit, den Virtuofen öfter zu hören. Ihn fascinirte vornehmlich die Wahrnehmung, dafs der Spieler vermittelft der mit der Hand geführten Klöppel die Klangkraft der Saiten nach den verfchiedenen Graden ihrer Stärke leicht zu entfalten vermochte, was auf dem damaligen Claviere nicht zu erzielen war. Es trieb ihn nun zu dem Verfuche, diefe Ausdrucksfähigkeit auch dem letzteren zuzuwenden und in der That brachte er endlich das Modell für einen Mechanismus zu Stande. in welchem fich das Syftem der heutigen Hammermechanik deutlich zu erkennen gibt. Man hat diefe Erfindung lange dem Florentiner Chriftofali zugefchrieben; Dr. Oskar Paul hat indefs in feiner vortrefflichen Gefchichte des Clavierbaues documentarifch nachgewiefen, dafs diefe Ehre unferem Deutſchen Schröter gebühre. Jedenfalls fteht es feft, dafs das Modell des letzteren in Deutfchland bald Anerkennung fand, und die eigentliche Bafis für die Entwicklung des Pianobaues bildet. Mufikalifche Inftrumente. 25 Nun einmal die Hammermechanik entdeckt war, arbeitete man eifrig an der Vervollkommnung diefer werthvollen Errungenfchaft. Verbefferungen und Neuerungen folgten rafch auf einander. In diefer Hinficht erwarben fich der Orgelbauer Gottfried Silbermann und befonders Johann Andreas Stein und deffen Schwiegerfohn Andreas Streicher, der Freund Schiller's grofse Verdienfte. Der Erfte hatte fich die Erfindung Schröter's angeeignet und wufste fie gehörig zu verwerthen. Bach rühmte an feinen Inftrumenten den fchönen Klang, fand aber, dafs die Spielart zu fchwer, die höhere Tonlage zu fchwach fei. Diefem Uebelftande half indefs Silbermann in der Folge ab. Seine Inftrumente hatten namentlich in Paris einen grofsen Ruf und galten für die beften, welche die franzöfifche Hauptftadt befitze. Nach England kam die Hammermechanik durch den Schweizer Burkhard Tfchudi, welcher in London eine Fabrik errichtete. Er vermachte diefelbe feinem Schwiegerfohne John Broadwood, deffen Name noch heutigen Tages die gröfste Firma in England trägt. Ein Arbeiter diefer Fabrik, wiederum ein Deutfcher, Namens Becker, übertrug diefe Mechanik auf die damals in England gebräuchlichen Harpfichords oder Clavichords, die Stofszungen waren bereits durch die Fabrik Longmann& Brodefip, der vom Hammer getrennte Dämpfer von einem Irländer erfunden. Aus diefen Anfängen hat fich allmälig jenes Syftem entwickelt, welches heutigen Tages der Name englifche Mechanik bezeichnet, während der bereits erwähnte Johann Andreas Stein der eigentliche Vater der deutſchen Mechanik ift. Diefe unterfcheidet fich von jener, dafs bei ihr der Hammer auf dem Taftenhebel felbft fich befindet, während die englifche Mechanik durch die Befeftigung der Hämmer an einer befonderen Leifte die Trennung derfelben von der Tafte erzielt. Ferner dafs bei der erften am hinteren Ende des Hammerftils ein Schnabel fich vorfindet, der beim Niederdruck der Taften gegen den Auslöfer ein knieartig ausgefchnittenes, federndes Hölzchen ftöfst und dadurch den Hammer in die Höhe fchnellt, bei der zweiten dagegen der Hammer durch eine am Ende des Taftenhebels angebrachte Stofszunge, die zugleich Auslöfer ift, in die Höhe gehoben wird. Diefe Auslöfung, vermittelft welcher die Stofszunge aus der Hammermafchine herausgefchoben wird, fo dafs der gehobene Hammer nach Berührung der Saite unbehindert von ihr wieder in feine urfprüngliche Lage zurückfallen kann, ift ebenfalls eine englifche Erfindung. Eine wefentliche Verbefferung erfuhr die englifche Mechanik durch die aus der berühmten Fabrik Erard's in Paris hervorgegangene fogenannte Repetitionsmechanik( double echâppement), eine Einrichtung nämlich, welche den Vortheil gewährt, dafs der Hammer nach Anfchlag und Auslöfung nicht in feine urfprüngliche Ruhelage zurückkehrt, fondern vermöge feiner Stellung beim zarteften Fingerdrucke an die Saite zurückfchlägt. Wie vorherrfchend das Erard'fche Syftem in feinen vielfältigen Abarten und Umgeftaltungen noch gegenwärtig ift, läfst fchon ein flüchtiger Ueberblick über die in der Ausftellung vorhandenen Inftrumente erkennen. Wir müffen es bei diefen oberflächlichen Angaben bewenden laffen, die nur zur Würdigung der auf diefem Gebiete gebotenen Leiftungen der Ausftellung dienen follen. Die Gefchichte des Pianobaues enthüllt überdiefs einen unendlichen, man könnte fagen, faft verwir-, renden Reichthum an Combinationen und Experimenten der verfchiedenften Art, und alle diefe Verfuche fehen wir einem einzigen Ziele zuftreben, den Ton des Piano möglichft grofs und fangfähig zu machen, mit einem Worte, das Klangwefen des Inftrumentes über die ihm fcheinbar gefteckten Grenzen hinauszudrängen. Ganz im Geifte diefer Richtung hatte Streicher 1823 das Syftem Panteleon Hebenftreit's wieder aufgenommen und eine Mechanik mit Hammerfchlag von Oben conftruirt, auf deren Verbefferung der geniale Pianoforte- Fabrikant Henri Pape in Paris vielen Fleifs verwandte; Röder in Berlin und Wornum in London haben ſpäterhin dasfelbe Princip vertreten, ohne ihm eine gröfsere Verbreitung verfchaffen zu können. Mit viel glücklicherem Erfolge find nach diefer Seite hin 26 Eduard Schelle. die Amerikaner und in erfter Linie die Fabrik Steinway& Sons in New- York vor. gegangen. Durch eine kühne, maffenhafte, aber fein berechnete Verwendung des Gufseifens, ja ganzer aus einem Stücke gegoffener Eifenrahmen in der Conftruction und durch einen fächerartigen Bezug, in dem die dicken, gefponnenen Bafsfaiten von einem höheren Steg aus kreuzweife über den anderen ausgefpannt find, haben fie eine Klangfülle des Pianoforte erzeugt, von der man früher keine Ahnung hatte. Nun ift freilich weder die Idee der eifernen Verfpreizung des Kaftens noch des kreuzfaitigen Bezuges neu. Mit der erfteren wurden fchon im Anfange diefes Jahrhundertes Verfuche gemacht und der zweite war fchon bei den alten Clavichords in Praxis und in neuerer Zeit ift Pape wieder auf denfelben, aber ohne fonderlichen Erfolg, zurückgekommen. Aber in den technifchen Künften liegt der Accent nicht auf der Priorität der Erfindung, fondern auf der erften praktifchen Verwerthung derfelben und der Name Steinway wird ftets mit dem Syfteme der Eifenconftruction und des kreuzfaitigen Bezuges im Pianobau für alle Zeiten verknüpft bleiben; die Inftrumente Steinway's bezeichnen den Culminationspunkt des jetzigen Pianobaues und man follte glauben, dafs über fie hinaus ein Fortfchritt nicht mehr möglich, dafs der menfchliche Erfindungsgeift auf diefem Gebiete an die Grenze feines Schaffens gelangt fei; fiehe, da beweift uns plötzlich die Weltausstellung das Gegentheil durch die Vorführung einer neuen Erfindung, welche eine Ergänzung des amerikaniſchen Syftems anftrebt In der ungarifchen Abtheilung fand fich nämlich ein Refonanzboden vor, der von der üblichen Form gänzlich abweicht. Er ift von dem rühmlichft bekannten Pianobauer Beregfzafzy in Peft angefertigt und paradirte fchon auf der Ausftellung 1871 in London. Das Neue an ihm befteht darin, dafs er keine Platte bildet, fondern eine Wölbung nach Art des Violin- oder Cellobodens hat, auf deren Höhenlinie der Steg fich entlang zieht. Einen Boden von derfelben Conftruction hat Herr Beregfzafzy in dem von ihm ausgeftellten Concertflügel angebracht. Eine Verwerthung diefer Erfindung von anderer Seite her führte die öfterreichifche Abtheilung in zwei Concertflügeln von fehr fchöner Arbeit aus der Fabrik Ehrbar's in Wien vor. Herr Beregfzafzy hat aufserdem noch einen Flügel mit gewöhnlichem Refonanzboden und Ehrbar fogar deren zwei ausgeftellt, fo dafs zu einem Vergleich nach Qualität des Tones Gelegenheit geboten war. Zu Gunften diefes Experimentes fprechen zunächft die Erforfchungen der Akuftik, welche darthun, dafs auf guten italienifchen Geigen oder Cellis fehr regelmässige Saitenfchwingungen fich erzeugen laffen. Sollte nicht alfo eine analoge Erfcheinung durch einen ähnlich geformten Refonanzboden im Clavierkaften, bei einem correcten Hammerfchlag zu ermöglichen fein? Ausserdem ift noch zu beachten, dafs ein nach richtiger Berechnung gewölbter Refonanzboden eine gröfsere Widerftandsfähigkeit gegen den fchweren Druck der Saiten und eine gröfsere Elafticität vor einer gewöhnlichen Refonanzplatte voraus hat. So wäre durch diefe Neuerung nicht nur eine gröfsere Dauerhaftigkeit für das Piano erzielt worden, fondern für den Ton auch ein Gewinn an Qualität für die Zeit des Gebrauches wie bei der Geige in Ausficht zu ftellen. Eine genauere Prüfung der mit diefer Neuerung verfehenen Inftrumente des Herrn Bereg fzafzy fowohl wie des Herrn Ehrbar hat erwiefen, dafs der Refonanzboden mächtig anfprach, der Ton fich befonders durch Volumen und Klangfülle auszeichnete, aber an Wohllaut gegen den Ton der Inftrumente mit flacher Refonanz aus den Fabriken der beiden Meifter zurückftand. Demnach hätten wir es wohl vor der Hand noch mit einem Problem zu thun, aber mit einem Problem von grofser Tragweite, das einft dem Pianobau eine neue Bahn eröffnen dürfte und zu einer höheren Theilnahme berechtigt ift. Nun hat aber jüngft ein Clavierfabrikant in Prefsburg, Herr Carl Schmidt, in der Ausftellungszeitung der„ Neuen freien Preffe" vom 17. Auguft 1873 das Verdienft diefer Erfindung für feine Firma in Anspruch genommen und erklärt, dafs fchon fein Vater vor 1829 durch fechs volle Jahre Pianos mit folchem Refonanzboden verfertigt habe. Im Weiteren aber bekennt Herr Schmidt Mufikalifche Inftrumente. 27 felbft, dafs er die Anwendung der gewölbten Refonanzböden habe fallen laffen, ,, weil das Refultat der Arbeit nicht entfprach und der Bafs etwas fteif klang". Die Erklärung muthet in der That fehr befremdlich an; es will fich doch fchlecht reimen, wenn Jemand und noch dazu ein Fachmann eine Erfindung beansprucht und zugleich diefe Erfindung als unpraktifch, mithin als werthlos erklärt. Nicht auf die Wölbung des Refonanzbodens als folche kommt es hier an denn die Idee ift bekanntlich nicht neu-fondern auf das Syftem, nach welchem diefe geformt ift. Weder dem Flügel des Herrn Bereg fzafzy und noch weniger den beiden des Herrn Ehrbar läfst fich der Vorwurf machen, dafs die Bäffe fteif find und wir können fomit der Jury nur beipflichten, dafs fie Beregfzafzy das Ehrendiplom verlieh. - Uebrigens ftand Herr Bereg fzafzy in der Ausstellung nicht allein. Der bekannte Inftrumentenmacher Herr Stary in Wien hat den Geigenboden, und zwar mit den F- Löchern, bei einem Stutzflügel zum Modell genommen. Derfelbe ift allerdings mit einem durchlaufenden, flachen Refonanzboden verfehen, über deffen rechte Hälfte aber ein Violinboden nach links fich hinzieht. Der Ton indefs ift nicht derart, dafs er diefe Erfindung empfehlen könnte; am dürftigften erklingt er namentlich in der Mittellage. Viel trägt wohl dazu bei, dafs die F- Löcher die Fafern des Holzes, die fogenannten Jahre, durchſchneiden und fomit die Schwingungsverhältniffe beeinträchtigen. Der Erbauer gefteht uns übrigens felbft, dafs fein Werk noch nicht vollkommen fertig fei. Halten wir alfo mit unferem Urtheile vorfichtig zurück, bis es vollendet fein wird. Noch eine andere Erfindung fordert die gröfste Aufmerkſamkeit des Fachmannes fowohl wie des kunftfinnigen Laien, des Virtuofen und des gebildeten Dilettanten dadurch heraus, dafs fie nicht nur einen Fortfchritt in der Mechanik des Piano zeigt, fondern insbefondere für die Kunft des Clavierfpiels und für die Compofition von Pianomufik epochemachend zu werden verfpricht; es ift darunter das„ Kunftpedalwerk" des Herrn Eduard Zachariä in Stuttgart, welches in Verbindung mit einem der herrlichen Flügel von J. P. Schiedmayer, fowie mit einem Pianino aus derfelben berühmten Fabrik in Stuttgart und einem folchen von Hermann Wagner ebenfalls in Stuttgart, die hiefige Ausftellung vorführte. Das Kunftpedal des Herrn Zachariä fördert ein ganz anderes Princip in der Dämpfung, als das bisher befolgte, zu Tage. Dasfelbe zeigt nur vier eigenthümlich gebildete Tritte, in deren Regierung fich die beiden Füfse des Spielers nach Bedürfnifs theilen und entwickelt eine viel gröfsere Beweglichkeit als das frühere, höchft primitive Pedal mit feiner fteifen, unbehilflichen Maffe von Dämpfern, wo bei rafch aufeinander folgenden Pedalbewegungen die Töne nur zu oft chaotifch in einander fliefsen oder zerpflückt werden und die Harmonie Schaden leidet. Bei Herrn Zachariä find aber die vier Pedale in einer fo finnreichen Weife benützt, dafs hiedurch eine wirklich ftaunenswerthe Freiheit für die Bewegung der in ftreng fyftematiſcher Anordnung gruppirten Dämpfer entſteht. Die Bewegung ift eine mehrfache, ftufenartige, aufwärts und abwärts, und die Pedale können entweder einzeln oder in den mannigfaltigften Copulationen und Combinationen von den beiden Fufsfpitzen, welche in einem höchft zweckmäfsig geformten, zur Regulirung dienenden Trittbret( Führungsrahmen) ftehen, fo bequem und leicht regiert werden, dafs hier ohne befondere Schwierigkeit das freiefte Spiel der verfchiedenften Dämpfergruppen zur Geltung kommt, wodurch gröfsere oder kleinere Tonfelder nach Belieben geöffnet oder gefchloffen find. Dabei ift den Eigenthümlichkeiten des Claviers vollſtändig Rechnung getragen und Alles dem Wefen der Claviermufik angepasst; es fchmiegt fich der Empfindung des Spielers, jeglicher Intention desfelben an und bahnt ihm fozuíagen den Weg zur„ orcheftralen Herrfchaft" über das Piano. Jede Note gelangt zur Geltung. Von ganz ausnehmender Bedeutung iſt die höhere Entwicklung der Akustik des Inftrumentes, die glückliche Verwerthung der fogenannten„ Obertöne". Die in letzter Zeit( auf Grund der von Profeffor Helmholz veröffentlichten Studien) vielfach befprochene Theorie von den Theil 28 Eduard Schelle. fchwingungen der Saiten wird hier in einer für das Clavierfpiel unendlich werthvollen Weife zur lebendigen Praxis erhoben. Die längeren Saiten des Claviers find den kürzeren unterthänig und müffen dazu beitragen, die letzteren in ihrem Klange zu unterſtützen. Das phyſikaliſche Gefetz, dafs die kürzere Saite die längere zu ihrem Dienfte zwingt, ift durch das Kunftpedal verwerthet. Ein Staccato hingeworfener, in an der Stelle feines Entſtehens durch den Dämpfer wieder erftickter Accord klingt gleichzeitig durch diefe indirecte Pedalwirkung angenehm fort. Klangfärbungen der mannigfaltigften Art werden dadurch erzielt. Das Kunftpedal ift leicht zu behandeln und jeder tüchtige Clavierfpieler kann das KunftpedalSpiel fchnell und correct aus den Andeutungen und Anleitungen erlernen, welche Herr Zachariä in feiner Brochure„ Die Kunftpedal- Schule" gibt. Herr Zachariä hat nämlich als Lehrer des Kunftpedal- Spieles Stellung in Stuttgart genommen und aufser feinen Schulwerken einen bedeutenden Theil der alten und neuen Literatur für den Zweck des Studiums ausgearbeitet, das heifst mit der Pedalifation verfehen und hat bei der Firma J.& P. Schiedmayer das bereitwilligfte Entgegenkommen gefunden, für die Ausarbeitung der KunftpedalMechanismen( für Flügel das„ grofse", für Piano das fogenannte„ kleine" Werk) Sorge zu treffen und diefelben den Fabrikanten, die fich an dem Fortfchritt betheiligen wollen, zukommen zu laffen. Diefs dürfte umfo thunlicher fein, als die finnreiche Conftruction des Kunftpedal- Werkes, deffen äufsere Form trotz des complicirten inneren Mechanismus eine einfache ift, fich der üblichen Bauart der Pianos und Pianinos leicht anbequemt. Das Kunftpedal- Werk trägt zur Erhöhung des Klangeffectes der Clavierinftrumente bei, ftellt dem Virtuofen und Componiften eine weniger begrenzte Wirkfamkeit in Ausficht und liefert ein neues Element für den Unterricht. Wenn wir unfere Aufmerkſamkeit auf diefe Erfindungen als die ernften Anftrebungen von Bedeutung für die Kunft des Pianobaues lenken, fo fehen wir uns genöthigt, einen Schritt über den Rayon der Ausftellung hinaus zu machen. Denn, um das Bild des Fortfchrittes, welches die Ausftellung vor den Augen der Welt entfaltet und ihr in erfter Linie ein hohes und allgemeines Intereffe zuwendet, möglichft noch zu vervollſtändigen, müffen wir zwei in Wien befindliche Inftrumente in den Ausftellungsbereich ziehen, welche gerade in Beziehung auf den Fortfchritt die höchfte Beachtung verlangen. Wir machen daher von der uns gegebenen Erlaubnifs Gebrauch, derartige Leiftungen in unferen Bericht aufzunehmen, wenn fie fich auch nicht in dem Induſtriepalafte repräfentirten, vorausgefetzt, dafs fie die fortfchrittliche Bewegung unferer Stadt auf dem Terrain des Clavierbaues nach der Parifer Ausftellung 1867 vertreten. Das eine der beiden Inftrumente gehört einer der hervorragendften Wiener Firmen an, nämlich Böfendorfer es war urfprünglich für die Ausftellung beftimmt, konnte aber nicht rechtzeitig genug befchafft werden das andere ftammt aus der berühmten Fabrik Steinway in New- York, welche auf der Bahn des Fortfchrittes im Pianobau ftets voran zu treffen ift und leider verhindert wurde, an der internationalen Concurrenz fich zu betheiligen. - Das Letztere, ein grofsartiger Flügel, welcher fich in einem Privathaufe befindet, liefert einen glänzenden Beweis, welche koftbare Refultate ermöglicht werden, wenn die Praxis mit der Wiffenfchaft Hand in Hand geht. Wir finden hier die Mafsverhältniffe der Saiten mit fo feiner Berechnung gewahrt, dafs die Theile derfelben zwifchen dem Stimmftock- Steg und den Wirbeln in dem Discant faft bis gegen die Mittellage heran deutlich und klar in einer höheren Octave anfprechen, welche in den tieferen Ton der Saiten gewiffermafsen hineinfchlüpft und ihn füllt. Der Flügel wäre alfo zum Theile mit einer doppelten Scala begabt; die Wirkung derfelben äufsert fich darin, dafs der Ton in der Höhe felbft bei dem härteften Anfchlage ftets rund bleibt und nichts von jener metallifchen Schärfe verräth, mit welcher wir ihn fo häufig bei fonft guten Inftrumenten in Folge der Einwirkung des vielen Eifens in der Höhe verfetzt finden. Ueberhaupt zeichnet. Mufikalifche Inftrumente. 29 fich der Klang des Inftrumentes durch eine wahrhaft bezaubernde Schönheit aus; er ift fo unendlich füfs und edel, entwickelt auf der andern Seite eine fo grofse Fülle an Kraft, dafs der angebliche Ausfpruch über die Steinway- Flügel:„ Sie find gleich grofs im Donnerfturm des Gewitters, wie im füfsen Flöten der Nachtigall in einer Frühlingsnacht!" hier den Nagel auf den Kopf trifft. Wir haben in der That das Ideal des Pianotones nie fo verwirklicht gefunden, wie bei diefem Flügel und bedauern es höchlichft, dafs wir ihn in der Ausftellung vermifsten. Auch Böfendorfer liefert uns in feinem vorhin gedachten Inftrumente einen abermaligen Beweis, dafs er fich lebhaft an den Fortfchrittsideen unferer Zeit betheiligt. Er hat einen Concertflügel gefchaffen, der es wahrlich verdient hätte, ebenfalls auf der Ausftellung ftatt im Concertfaale Parade zu machen. Schon dem äufserlichen Bilde nach weicht das Inftrument von der herkömmlichen Conftruction ab. An dem Theile des Kaftens nämlich, welcher den Refonanzboden umfchliefst, find die Seitenwände weggenommen, fo dafs der letztere frei daliegt. Die Idee ift zwar nicht neu und in manchen Verfuchen fchon aufgetaucht, kommt aber hier in fehr guter Verwerthung zur Geltung. Der Refonanzboden ift nämlich nach dem Syftem Steinway's in emen gegoffenen, eifernen Rahmen eingefügt und fomit von dem Kaften ganz ifolirt. Das Innere bildet alfo ein felbftftändiges, von dem Corpus abgelöftes Ganzes für fich, mit einem Wort, das Clavier felbft ift dadurch unabhängig gemacht von dem Tifchierwerk des Gehäuſes. Wir hörten den Flügel zum erften Male im Böfendorfer Salon bei Gelegenheit der mufikalifchen Soirée, welche zur Vorführung der Streichinftrumente des Fürften Stourdza veranſtaltet war. Der Ton hat ein bedeutendes Volumen, fpringt aber, befreit von den Schranken der Seitenwände, leicht und hell heraus, ift ausgiebig und weittragend. Zugleich verräth er eine bedeutende Modulationsfähigkeit, nimmt jedoch bei ftarkem Anfchlage, befonders in der Mittellage, eine etwas zu decidirte, metallifche Färbung an; beachten wir aber, dafs wir einen erften Verfuch vor uns haben und dafs bei einem folchen ftets einzelne Unvollkommenheiten unvermeidlich find. Das Refultat diefer Unternehmung geftaltet fich im Ganzen und Grofsen aber fo günftig, dafs man Herrn Böfendorfer noch beffere Erfolge für die Zukunft in Ausficht ftellen darf. Der Flügel zeichnet fich endlich durch eine überaus leichte und gleichmässige Spielart aus. Die Clavierfabrik Böfendorfer wurde mit ganz geringen Mitteln im Jahre 1828 gegründet, heute nimmt fie unbeftritten die erfte Stellung unter den Clavierfabriken Oefterreichs ein. Der erfte Schritt zur Berühmtheit diefer Fabrik war durch ein Experiment des damals concertirenden Lifzt herbeigeführt. Lifzt concertirte in Wien in unzähligen Productionen und jedesmal wurden die Pianos der damaligen berühmten Firmen zertrümmert aus dem Concertfaale getragen. Aergerlich über die geringe Widerftandsfähigkeit der Wiener Claviere gab Lifzt dem Anfinnen eines feiner Freunde nach und liefs einen Böfendorfer- Flügel in den Concertfaal bringen. Das Concert war zu Ende und der neue Böfendorfer- Flügel unverfehrt. Diefer Fall machte derartiges Auffehen, dafs der Ruf der jungen Firma Böfendorfer im Concertfaal gemacht war. Die Wiener Ausftellungen vom Jahre 1838 und 1845 verfchafften der Firma Gelegenheit, ihre Fabricate zu zeigen. Obwohl die Firma die eigentliche Vertreterin der Wiener Conftruction war und ift, fo wurden doch immmer alle möglichen fremden Conftructionen verfucht und auch gemacht, Combinationen angeftrebt und ausgeführt und die Fabrication erfuhr eine fortwährende Erweiterung. Im Jahre 1859 ftarb der Gründer Ignaz Böfendorfer, welcher die Fabrik bereits auf gleiche Höhe mit der circa 120 Jahre alten Firma Streicher gebracht hatte. Der Sohn und Nachfolger desfelben, Ludwig Böfendorfer, der jetzige Leiter der Fabrik, hob den Betrieb der Fabrik immer mehr, fo dafs fie allen bisherigen Verhältniffen vorausgeeilt ift. Die Fabrik erzeugt nun Flügel von allen Conftructionen und Syftemen( englifch, amerikanifch, Wiener etc.) und bringt täglich 2 Stück in Verkehr und befchäftigt 100 Arbeiter im Haufe und faft ebenfo viele aufser dem Haufe, da die Beftandtheile in Wien von 30 Eduard Schelle. Die eigenen Gewerbsleuten, welche felbftftändig arbeiten, verfertigt werden. Firma hat die Weltausftellungen von 1862 in London, 1867 in Paris, 1873 in Wien befchickt. Der Concertfaal wird von der Firma Böfendorfer derartig beherrscht, dafs auf 100 Concerte ficher 95 Böfendorfer- Flügel kommen und der Name Böfendorfer ift mit der Concertgefchichte Oefterreichs, fpeciell Wiens, untrennbar verbunden. Lifzt, Rubinftein, Bülow etc. fpielen mit Vorliebe Flügel von Böfendorfer. Abgefehen von der immer fortfchreitenden, natürlichen Entwicklung der Claviere kommen einige Erzeugniffe der Böfendorfer'fchen Fabrik als befondere Neuerungen in Betracht und zwar der fogenannte Patentflügel, eine glückliche Combination der Wiener und englifchen Conftructionen, erfunden von Ludwig Böfendorfer und auf deffen Namen privilegirt und zum erften Male im Jahre 1862 in der Londoner Weltausftellung vorgeführt; ferner eine ganz neue Conftruction, um das Inftrument vollständig von der Kaftentifchlerei unabhängig zu machen; Flügel ohne den bisher gewöhnlichen Holzkaften, wie fchon oben gedacht wurde, dann eine Bodenconftruction ebenfalls ganz neuer Art, bei welcher die Saiten, anftatt auf den Boden zu drücken, den Boden an fich ziehen, daher das nachtheilige Senken des Refonanzbodens gänzlich vermieden fein dürfte. Die letzten Conftructionen, welche bisher noch nicht der Oeffentlichkeit übergeben find, dürften für die Entwicklung des Pianobaues wohl fehr förderlich werden, indem bei ihnen die erften Bedingungen eines guten Clavieres: Ton und Dauerhaftigkeit, befonders berücksichtigt find. Die Ausftellung hat Böfendorfer mit 6 vortrefflichen Flügeln befchickt. Unter ihnen traten befonders zwei mit kreuzfaitigem Bezug und englifcher Mechanik durch einen ausgiebigen und dabei edlen Ton hervor. Ferner verdient noch ein Stutzflügel die ehrenvollfte Anerkennung wegen feines klaren, frifchen Tones; er gehörte zu dem Beften, was die Ausftellung an Flügeln mit deutfcher Mechanik bot. Dann ein Concertflügel, welcher in der Rotunde am Eingange in den öftlichen Transept ftand, feffelte die Aufmerksamkeit fchon durch feine brillante Ausftattung mit reicher Vergoldung. Er ift mit den Namen der Heroen des Clavierfpiels und der Clavierliteratur geziert. Der Preisbewerbung hat Böfendorfer entfagt, weil er zur Zeit, als die Jury ihre Thätigkeit begann, noch mit Ehrbar affociirt war und Letzterer das Amt eines Experten verfah. Der Inftrumente Ehrbar's haben wir fchon bei Gelegenheit der Erfindung Beregfzafzy's vorläufig gedacht. Es ſpricht für einen rührigen Eifer fowie die Intelligenz des genannten Meifters, dafs er fich diefer Erfindung angenommen und fie für den Anfang auf das Beftmöglichfte verwerthet hat. Seine Inftrumente mit dem Refonanzboden Beregfzafzy's überragen an Kraft und Tonfülle entfchieden den Flügel Beregfzafzy's. Auch die übrigen fünf Inftrumente, unter denen fich zwei Pianinos vorfinden, nahmen fowohl nach Klangwefen wie Spielart eine ehrenvolle Stellung in der öfterreichifchen Abtheilung ein. Sämmtliche Flügel Ehrbar's vertreten die englifche Mechanik. Zu den erften Geftirnen des Wiener Clavierbaues gehört bekanntlich noch heutigen Tages die Firma Streicher. Streicher hat im Ganzen fünf Flügel ausgeftellt. Ein an der Südfeite der Rotunde ausgeftellter und für die Frau Erzherzogin Gifela angefertigter Flügel kennzeichnet feine fürftliche Beftimmung durch fein elegantes, gefchmackvolles und mit dem Namen der Frau Erzherzogin verfehenes Aeufsere. Derfelbe ift kreuzfaitig, der Kaften aus Paliffanderholz, ausgeführt nach einer Zeichnung des Architekten Valentin Teirich und gefchmückt mit Bildhauerarbeit von Schönthaler. In der öfterreichifchen Abtheilung fanden fich ferner von Streicher ein grofser kreuzfaitiger Concertflügel in Paliffanderholz, mit englifcher Mechanik, dann ein Paliffanderflügel, kreuzfaitig, welcher etwas Neues bietet, indem eine Vermittlung der englifchen mit der deutfchen Mechanik angeftrebt ift. Die Letztere hat nämlich einen elaftifchen Hammerftuhl mit beweglichen Fängen erhalten. Die Auslöfung findet vermittelft der Stofszungen unter der Hammernufs ftatt und zwar ohne Repetition. Diefe Einrichtung hat nur den Mufikalifche Inftrumente. 31 Reiz der Neuheit für fich, bietet aber im Weiteren keinen befonderen praktifchen Vortheil, weder in Betreff der Spielart, noch hinfichtlich des Tones; fowohl nach Seite der erfteren wie des letzteren ift jener Flügel mit der englifchen Mechanik diefem unendlich überlegen. Ausserdem find dann noch zu erwähnen: Zwei Flügel mit Wiener Mechanik und in der additionellen Ausftellung ein 52 jähriger Flügel, verfertigt von Nanette Streicher, der Gattin des Gründers der Firma, einer ausgezeichneten Pianiftin, die fich auf den Pianobau verftand. Diefe von der Fabrik Streicher vorgeführten Inftrumente charakterifiren fich im Allgemeinen weniger durch einen fehr grofsen, als einen edlen, gefangvollen und fein ausgeglichenen Ton und eine folide Bauart. Es ift erfreulich, aus diefen Leiftungen ein ficheres Zeugnifs zu entnehmen, dafs auch der gegenwärtige Befitzer der Fabrik, Herr Emil Streicher, von dem ernften Streben befeelt ift, den fo bedeutenden Ruf diefer alten Firma unverfehrt aufrecht zu erhalten und womöglich noch zu erhöhen. Neben diefen angeführten Firmen nimmt auch Schweighofer& Söhne eine hervorragende Stellung ein. Der Grofsvater der jetzigen Chefs der Firma gründete fchon bei Beginn des laufenden Jahrhundertes ein Claviergefchäft; nach deffen Ableben heiratete die Witwe desfelben den damaligen Leiter des Gefchäftes, Herrn Promberger, welcher das Gefchäft auf feinen Namen weiterführte. 1832 etablirte fich der Vater der gegenwärtigen Befitzer unter der Firma J. M. Schweighofer. Nach dem 1852 erfolgten Tode ihres Vaters leiteten die jetzigen Eigen thümer das Gefchäft für ihre Mutter, welche bis 1867 Befitzerin desfelben war; erft in diefem Jahre ging es vollſtändig in die Hände der damaligen Leiter über. Obwohl der Vater derfelben bei feiner Etablirung mit den drückendften Verhält niffen zu kämpfen hatte, fo gelang es ihm doch, das Gefchäft immer mehr in den Vordergrund zu bringen. Im Jahre 1845 erhielt er bei der Ausftellung in Wien die goldene Medaille; von diefer Zeit datirt fich der ftetige Auffchwung des Gefchäftes. Im Jahre 1854 erhielt die Firma bei der deutfchen Induftrie- Ausftellung die erfte Preismedaille, in der Parifer Ausftellung 1867, die erfte Weltausftellung, welche die Firma befchickte, die filberne Medaille und im Jahre 1868 den Hoftitel. Die Fabrik hat feit 1832 über 4600 Claviere erzeugt und befchäftigt gegenwärtig 60 Arbeiter in und aufser dem Haufe. Die Fabricate von Schweighofer& Söhne erfreuen fich nicht nur eines immer mehr fteigenden Abfatzes im Inlande, fondern auch eines zahlreichen Exportes nach Italien, in den Orient und nach Rufsland, und entſprechen allen Anforderungen, welche die Neuzeit an Claviere ftellt, denn die Fabrik liefert nicht nur Claviere mit der Wiener Mechanik, fondern auch Inftrumente, ganz in Eifen gebaut mit Stofszungen- Mechanik, mit Repetitionsmechanik, Pianinos, Stutzflügel mit doppeltem Oberftege( kürzefte Gattung). Streicher und Schweighofer find die einzigen Firmen in der öfterreichifchen Abtheilung, welche mit dem Ehrendiplome bedacht wurden. Wir fan den aus der Schweighofer'fchen Fabrik 6 Inftrumente vor, und zwar zwei Concertflügel mit eifernem Stimmftock, Metallplatte, fechs Eifenfpreizen. fieben Octaven, kreuzfaitig, Agraffen, Klangftab, Mechanik nach Eck aus Köln, mit ununterbrochener Auslöfung, durch Anbringung einer Feder, welche die Schwere des Hammergliedes regulirt und das überflüffige Gewicht entfernt, bedeutend verbeffert. Eck hat bei diefer Mechanik vorne an den Taften unter dem Elfenbein ein fchweres Bleigewicht angefchraubt, wodurch die Tafte, wenn der Hammerkopf mit ihr nicht verbunden war, nach vorne den Fall hatte; dadurch gerieth diefelbe beim Spielen in eine langfamere, zitternde( unruhige) Bewegung und konnte nicht fo fchnell in ihren Ruhepunkt gelangen, dafs beim fchnell wiederholten Anfchlage nicht eine für den Virtuofen hinderliche Störung im Tone einträte. Nicht etwa, dafs der Ton bei der fchnellen Bewegung ausblieb, diefs ift bei dem Syftem des double echappement unmöglich, fondern die Tafte ging zu langfam in ihren Ruhepunkt zurück und der Hammerkopf konnte daher nur die halbe Steigung und auch diefe nicht vollſtändig machen, wodurch die Anfchläge immer bedeutend 3 32 Eduard Schelle. fchwächer im Tone waren als der Anfchlag bei ganzer Steigung. Nun wurde das Bleigewicht unter( dem Beine) der Tafte, refpective Halbton der Tafte entfernt. und dafür aber beim Hammerkopf eine oben bereits erwähnte Regulirungsfeder angebracht, durch welches Verfahren fich der Vortheil ergab, dafs jedes Glied der Mechanik einzeln und unabhängig von dem anderen fällt, dafs ferner die Mechanik eine fehr leichte und präcife Spielart gewährt, die fich fchnell wiederholenden Anfchläge der Hammerköpfe immer gleich ftark find, da die Tafte mit dem Kopf eben fo fchnell in ihren Ruhepunkt zurückfällt, als es nur gedacht werden kann.- Die Dämpfung liegt unter den Saiten, die Mutationen find von Eifen mit Stellfchrauben. Diefe, fowie alle anderen Claviere, haben den Refonanzboden nach neuefter Conftruction, nach der Steglinie zufammengefügt, mit ftrahlenförmiger Berippung. Der Kaften befteht aus Paliffander und ift mit Bildhauer- Arbeit verziert. Die genannten Flügel haben den Preis von 12- bis 1400 fl. Das dritte Ausftellungsclavier ift ein Stutzflügel kleinfter Gattung, nur I Meter 40 Centimeter lang, in diefer Conftruction von der Firma allein auf der Ausftellung vertreten und diefes neuefte Modell dürfte berufen fein, dem Pianino eine gefährliche Con currenz zu bereiten. Dasfelbe ift kreuzfaitig und derart conftruirt, dafs der Bodenfteg auf den Bafs- Stahlfaiten ruht und mit diefen bei den etwas breiten Zwifchenräumen feft verbunden ift. Dort wo die Chöre und Stiften der Stahlfaiten zu liegen kommen, ift der Steg foviel durchbrochen, dafs man die Saiten leicht aus- und einfchränken kann, und laufen diefelben durch den Steg zur Anhangplatte. Am äufserften Ende im Bafs ift ein circa 9 Zoll langer Brückenfteg angebracht, um die Menfur der gefponnenen Saiten möglichft lang zu erhalten, ohne den Steg zu nahe an das Ende des Refonanzbodens zu rücken. Die Stahlfaiten find am Brückenfteg in der Menfur etwas gekürzt und dort angebracht, wo der Brückenfteg mit dem Refonanzboden feft geleimt ift, fo dafs damit eine directe Verbindung mit Saite und Boden ftattfindet, wie es die fchwächeren Saiten abfolut verlangen, während die dicken Bafsfaiten auf der freiftehenden Brücke eine diefer Refonanz günftige Stellung haben. Die Uebergangstöne find in Folge davon tadellos geworden gegenüber manchen anderen, derartigen Fabricaten, bei denen zwar der Brückenfteg verwendet ift, aber die Stahlfaiten einer directen Verbindung mit dem Boden entbehren. Die Mechanik bei diefem Stutzflügel ift Hornung und Ifermann entnommen, allein durch eine Regulirungsfeder verbeffert worden. Das Aeufsere ift von amerikaniſchem Nufsmafer. Nr. 4 ift ein kreuzfaitiger Stutzflügel von etwas gröfserer Länge als der obige, mit Wiener Mechanik und Kaften von ſpaniſchem Mafer( Nufs), Nr. 5 ein geradfaitiger Plattenflügel, Wiener Mechanik und Kaften von Paliffanderholz. Das erfte koftet 630 fl., das letztere 580 fl. Das Pianino endlich ift kreuzfaitig, hat vier Spreizen, zwei Metallplatten, Klangftäbe, Mechanik nach neuefter Art mit ununterbrochener Auslöfung nach Steinway- Schwander. Der Corpus, aus NufsbaumHolz gefertigt, empfiehlt fich durch eine fchöne Ausftattung. Das Inftrument koftet 650 fl. Im Weiteren lenkten die Aufmerkfamkeit zwei Inftrumente, ein Concertflügel und ein Stutzflügel von den Hof- Pianofabrikanten Jofef Promberger& Söhne auf fich. Die Firma wurde um das Jahr 1809 gegründet und ift fomit wohl nächft der Streicher' fchen die ältefte Pianofabrik in Wien. Das anfänglich befcheidene Gefchäft wuchs durch raftlofen Eifer und Betrieb dermafsen, dafs fchon nach zwölf Jahren ihr Gründer fich in Stand gefetzt fühlte, fein eigenes Haus und Fabriksräumlichkeiten zu bauen. Nachdem er diefen materiellen Erfolg erreicht hatte, ging er an die Realifirung lang gehegter, künftlerifcher Ideen und wurde jedenfalls für Oefterreich- Schöpfer des Pianino, das bei feinem Erfcheinen von mehreren Künftlern und Kunftfreunden Sirenion genannt wurde und erhielt von der Regierung im Jahre 1823 ein neunjähriges Privilegium. Das„ Sirenion" hatte fchon damals ganz die Geftalt des heutigen Pianinos; es mafs nicht volle vier Wiener Fufs in der Höhe, war durchgehends nur zweichörig, aber in feiner Betaftung Mufikalifche Inftrumente. 33 von folchem Kaliber, dafs die Saiten gefpannten Federn beinahe gleich kamen. Dennoch war der Ton gefangvoll und ftark; eine Erfcheinung, die fich nur durch den glücklich conftruirten, freifchwebenden Boden erklären läfst. Die fchwache Seite diefes Pianos war die Mechanik; fie war zu einfach conftruirt und genügte defshalb nicht allen künftlerifchen Anforderungen. Deffen ungeachtet bewährte fich im Ganzen und Grofsen das Sirenion und wurde auch in Concerten in Wien, Leipzig und anderen Städten vom Sohne des Erfinders unter Beifall producirt. Seit 1834, dem Todesjahre des Gründers, ift das Gefchäft in den Händen von deffen Sohne Jofef Promberger, und wird gegenwärtig mit Gefchick und Erfolg betrieben. Die neue Firma betheiligte fich an der Parifer Ausstellung mit Auszeichnung und erhielt vor zwei Jahren das Decret als Hof- Pianofabrik. In mercantilifcher Beziehung ift der Export gröfser als der Umfatz in loco. Von den in der Ausftellung vorgeführten Inftrumenten der Firma Promberger muthete befonders der Concertflügel durch feinen weichen, angenehmen Ton an, auch die Spielart und die Solidität der Bauart ift fowohl an diefem, wie auch an dem Stutzflügel rühmenswerth. In den drei Flügeln, mit welchen die Fabrik Schneider vertreten war, kennzeichnet fich ebenfalls eine höchft verdienftliche Arbeit, insbefondere ift ein grofser Flügel hinfichtlich der Repetition vortrefflich gelungen. Der Ton ift fchön und namentlich in der Bafslage ungemein kräftig. Die Bauart bei diefem, wie bei den beiden übrigen Inftrumenten durchaus folid. Alle drei Flügel haben einen geradfaitigen Bezug und einer befonders zeichnet fich durch einen klaren, warmen Ton aus; man erkennt in ihm den echten Wiener Klangcharakter wieder. Der Wunfch, etwas Neues für die Wiener Weltausftellung zu fchaffen, hat freilich auch manche Excentricität zu Tage gefördert. So fiel ein Flügel aus der Fabrik Stary durch feine feltfame Form auf, indem die Hohlwand ftatt an der rechten Seite wie gewöhnlich, an der linken angebracht war. Wenn der Erbauer die Abficht hatte, an diefem Inftrumente ein Bild aus der verkehrten Welt zu geben, fo ift es ihm vortrefflich gelungen! Es ift ein ganz artiges, techniſches Kunftftückchen, das aber der Sache felbft gar keinen Dienft erweift, zumal der Ton nicht der angenehmfte ift. Weit beffer hat fich diefe Firma an jenem Stutzflügel mit dem Violin- Refonanzboden bewährt, deffen fchon gedacht wurde. Darin liegt wenigftens ein Experiment, welches Intereffe erregt und es ift nur zu bedauern, dafs der Flügel nach Ausfage des Erbauers nicht zu feiner Vollendung gediehen ift, um ein endgiltiges Urtheil darüber abgeben zu können. Uebrigens find beide Inftrumente gut gebaut. Auch ein Stutzflügel, welcher an Kleinheit feines Gleichen fuchen durfte, machte fich unter den ausgeftellten Pianos bemerkbar. Er ift kreuzfaitig und hat für die Oberfaiten ftatt eines Steges einen Druckftab, der mit dem erften Steg verbunden ift. Die Fabrik Zinke& Wintersberger in Wien hat das Verdienft, diefen Duodezflügel angefertigt zu haben, der trotz feiner winzigen Geftalt genug Lärm machen kann; nur die Bäffe find fchwach und entſprechen in diefer Beziehung feiner Gröfse. Diefelbe Fabrik hat aufserdem zwei Pianinos und zwei Flügel geliefert, unter diefen letzteren einen mit doppeltem Refonanzboden. Eine ähn liche Einrichtung hat Seifert aus Böhmifch- Leipa an feinem Stutzflügel angebracht, ohne damit ein günftiges Refultat zu erzielen, denn der Ton ift dumpf. Der untere Boden ift mit offenen Rofetten verfehen, um die Luft herauszulaffen. Weit heller ift der Ton eines Flügels von Placidus Schlachter in Wien, unter deffen Refonanzboden ein zweiter, kleinerer bis zur Hälfte der Länge nach fortläuft und durch zwei Sättel mit dem grofsen verbunden ift. An die angeführten Firmen reiht fich zunächft Johann Heitzmann in Wien. Er gehört unftreitig zu den ftrebfameren Vertretern des Clavierbaues in Wien. Aus feiner Fabrik fanden fich vor: 1. Concertflügel, überfaitig. Der Abdämpfung läfst fich nachrühmen, dafs fie gut und fcharf ift, der Ton aber könnte mehr Seele entfalten. Das Pult ift mit Beethoven's Portrait gefchmückt; 2. Cabinetsflügel, 3* 34 Eduard Schelle. kreuzfaitig, Mechanik nach Erard, Abdämpfung aber von unten; 3. Stutzflügel, geradfaitig, Wiener Mechanik. Nr. 2 ift jedenfalls das befte unter diefen Inftrumenten fowohl an Spielart wie an Klang, der Ton hat Nachhaltigkeit und Gefang, der Refonanzboden ſpricht leicht an; 4. ein hohes Pianino, überfaitig. Wir zählen nun die weniger bemerkenswerther Ausfteller auf. Wopaterni Jofef( Wien): Zwei grofse überfaitige Flügel mit Wiener Mechanik; der Ton im Ganzen weich und nicht fchlecht ausgeglichen. Czapka C. Z.( Wien): Zwei grofse Flügel, geradfaitig, Wiener Mechanik, Ton egal, aber nicht grofs; gute Bauart. Blümel Franz( Wien): Zwei Flügel, geradfaitig, Wiener Mechanik, gut im Ton. Einer diefer Flügel ift mit der Transpofitionsmechanik verfehen, die fich aber nicht als praktiſch erweift. Simon Julius( Wien): Grofser Flügel, geradfaitig, mit Wiener Mechanik, gute Spielart, der Ton hat Glanz und fpringt gut heraus. Betfy Emmerich( Wien): Grofser Flügel, geradfaitig, Wiener Mechanik, mit Verbefferung. Die Tangenten der Dämpfung find kürzer als gewöhnlich und fehr leicht gearbeitet. Die Abdämpfung fehr gut. Die Verbefferung der Mechanik liegt in der Auslöfung. Schreiber A.( Wien): Zwei Flügel, geradfaitig, Ton klar, ausgiebig, gut ausgeglichen, Refonanz fpricht leicht an, Arbeit gut. Dörr Wilhelm( Wien): 1. Grofser Flügel, geradfaitig mit Wiener Mechanik. 2. Stutzflügel, geradfaitig mit Wiener Mechanik. Ton klar aber fcharf, Mechanik leicht für den Triller. Nemetfchke Jofef( Wien): 1. Grofser Flügel, geradfaitig mit Wiener Mechanik. 2. Stutzflügel, überfaitig, Wiener Mechanik, gut im weiteren Sinne des Wortes. Der Ton hat zwar keinen entfchiedenen Charakter, aber die Arbeit ift folid. Kutfchera Carl( Wien): 1. GrofserFlügel mit fehr elegantem und gefchmackvollem Aeufsern, geradfaitig, Spielart gut. Repetition leidlich. Wiener Mechanik, Ton ausgiebig aber im Ganzen wenig Gefang. 2. Stutzflügel, geradfaitig mit Wiener Mechanik, leichter Spielart, im Gange beffer als der andere. Toberer Wilhelm( Wien): Ein Stutzflügel, geradfaitig, Wiener Mechanik. Im Ganzen ein lobenswerthes Werk. Kern Alois( Wien): 1. Flügel, geradfaitig mit Wiener Mechanik. 2. Stutzflügel, geradfaitig mit Wiener Mechanik, Ton fehr ausgiebig, der Discant könnte mehr herauskommen. Repetiton etwas fchwer, beffer die Spielart. Roth Leopold( Wien): Stutzflügel, überfaitig mit Wiener Mechanik, guter Ton, folide Arbeit. Grund Jofef( Wien): 1. Stutzflügel, kreuzfaitig, englifche Mechanik. 2. Grofser Flügel, überfaitig, Wiener Mechanik, guter Ton, gute Arbeit. Schnabel Eduard( Wien): Flügel, geradfaitig, Wiener Mechanik, Ton und Arbeit gut. Wolf Philipp( Wien): Cabinetsflügel, geradfaitig, Wiener Mechanik. Spielart und Repetition gut. Das Inftrument hat Gefang und ift nach Verhältnifs feiner Gröfse ausgiebig im Ton. Marfchall Alois( Wien): 1. Grofser Flügel, überfaitig mit Wiener Mechanik. 2. Hohes Pianino, geradfaitig mit englifcher Mechanik. Der Flügel empfiehlt fich durch einen befonders guten Ton, beffer als die Pianinos. Der Arbeit fehlt die Genauigkeit. Stahl Franz( Wien): Grofser Flügel mit Wiener Mechanik, ungleich im Ton, die Arbeit läfst an Genauigkeit viel zu wünſchen übrig. Girikowsky A.( Wien): Geradfaitiger Stutzflügel mit Wiener Mechanik. Das Inftrument empfiehlt fich weder durch Ton noch Arbeit. Chytracek J.( Wien): Geradfaitiger Stutzflügel mit Wiener Mechanik, der Ton ift dünn und klein, die Arbeit nicht die befte. Mufikalifche Inftrumente. 35 Weffeli M.( Wien): 1. Grofser geradfaitiger Flügel mit Wiener Mechanik. 2. Ueberfaitiger Stutzflügel, ebenfalls mit Wiener Mechanik; der Ton des erften Inftrumentes ift fcharf und nichts weniger als fympathifch, Arbeit an beiden mangelhaft. Illich Alois( Währing bei Wien): 1. Grofser überfaitiger Flügel mit Wiener Mechanik. 2. Geradfaitiger Stutzflügel mit Wiener Mechanik. Die Arbeit an beiden mangelhaft, der Ton des erften wie des zweiten dünn und ohne Charakter. Feigel Ludwig( Wien): Geradfaitiger Flügel mit Wiener Mechanik. Der Ton dürftig, die Arbeit fchlecht. Das Befte an ihm find die Virtuofenportraits. Sparich Moriz( Wien): Ein hohes Pianino, geradfaitig mit englifcher Mechanik; fehr gelungen, gediegen gearbeitet, Hinterdämpfung, die Spielart ift leicht, dämpft gut ab. Der Ton ift etwas dünn und erinnert an franzöfifche Flügel. Die Bäffe find fehr klar. Das Inftrument ift 4 Fufs 6 Zoll hoch. Pokorny Anton( Wien): 1. Grofser geradfaitiger Flügel mit Wiener Mechanik, zeichnet fich durch gute Spielart aus Der Ton ift fchön und erinnert an Böfendorfer's Inftrumente, aber zu fchwach für Concerte. 2. Stutzflügel mit Wiener Mechanik, hart und ungleich im Ton; die Arbeit ift mangelhaft. Swoboda Leopold( Wien): Grofser Flügel, geradfaitig mit Wiener Mechanik. Die Spielart ift gut und erleichtert namentlich den Triller. Der Ton ift klar und frifch, wenn auch klein. Berger Jofef( Wien): Ueberfaitiger Stutzflügel mit Wiener Mechanik. Ton ift ausgiebig aber nicht edel. Die Arbeit nachläffig. Das Pult ift mit Portraits von Bach, Mozart und Beethoven verziert, mit demfelben find zugleich die Leuchter verbunden. Hofbauer Anton& Söhne( Wien): Stutzflügel, geradfaitig. Mechanik, mit dünnem, fchreiendem Ton; die Arbeit ift mittelmäfsig. Wiener Fritz Jofef& Sohn( Wien): Grofser, überfaitiger Flügel mit Wiener Mechanik, ungleich im Ton und von mittelmässiger Arbeit. Chalupny Franz( Wien): Stutzflügel, geradfaitig mit Wiener Mechanik, dünn im Ton, die Arbeit leidlich. Hölzel Lambert( Wien): Geradfaitiger Flügel mit Wiener Mechanik. Der Ton ift dünn und die Arbeit mittelmäfsig. Smitka Franz( Wien): Stutzflügel, geradfaitig mit Wiener Mechanik. Der Ton klein und ungleich, die Arbeit mittelmäfsig. Windhofer Rudolph( Wien): Stutzflügel mit Wiener Mechanik. Der Ton ift dünn, dabei fchreiend, die Arbeit nachläffig. Mayer Wilhelm( Wien): 1. Grofser geradfaitiger Flügel mit Wiener Mechanik. 2. Stutzflügel mit Wiener Mechanik. Der Ton ift dünn und nicht ausgeglichen, die Arbeit mittelmäfsig. Hödl Franz( Wien): Flügel, geradfeitig, Wiener Mechanik. Die genannten Firmen bezeichnen zwar keineswegs den Höhepunkt des Wiener Clavierbaues, fie haben aber nichts deftoweniger ein Verdienft. Sie forgen nämlich für das Bedürfnifs jener Claffen, welche für ihre Kunftliebhaberei keine übermäfsige Summe aufwenden können; man mufs den Firmen nachrühmen, dafs der Werth ihrer Inftrumente in den meiften Fällen weit fchwerer wiegt, als derén Preife, die im Grofsen und Ganzen nach den jetzigen Verhältniffen fehr mässig find und von 380 fl. bis 600 fl. öfterreichifcher Währung aufwärts fteigen. Aufser den Wiener Pianoforte- Fabrikanten haben fich an der Ausftellung noch betheiligt, aus Böhmen Lehmann& Comp. in Auffig an der Elbe, A. Prokfch, beide nur durch Pianinos vertreten, dann Kalles aus Leitomifchl und Sedlaczek in Prag. Der Letztere hat einen Flügel mit einer Einrichtung zum Transponiren geftellt. An die Claviere reiht auch das Panfymphonion von Robert Lechleitner aus Innsbruck, feiner äufseren Geftalt nach am natürlichften an, obwohl es 36 Eduard Schelle die Grenzen des Pianinos durchbricht und dasfelbe mit der Orgel und dem Harmonium verbindet. Es handelt fich mithin um eine Combination der Saiten mit Pfeifen und Zungen. Die Idee ift zwar nicht neu; ähnliche Verbindungen iſt das Piano fchon mehrmals eingegangen, und zwar nie zum Frommen der Kunft, jedoch ift wenigftens der Gedanke glücklich durchgeführt, was dem Erbauer um fo mehr zur Ehre gereicht, als er auf dem Gebiete des Inftrumentenbaues nur ein Dilettant ift. Der Flügel repräfentirt die Wiener Mechanik und bietet als folcher eben nichts Hervorragendes. Dagegen find Harmonium und Pfeifen von fchöner Wirkung. Das erftere beſteht aus 2 Spreizungen und umfafst 5 Octaven, das letztere ift aus 37 Orgelpfeifen zufammengefetzt, und umfchreibt 3 Octaven von Fan nach der Höhe zu. Die Conftruction ift derart, dafs man fowohl das Clavier als auch jeden der beiden anderen Factoren völlig ifoliren, mithin den Flügel in ein Harmonium u. f. w. leicht umwandeln, auf der anderen Seite wiederum deren wechfelfeitige Verbindung nach Belieben erzielen kann. Für derlei Manipulationen finden fich verfchiedene Züge vor. Das Werk zählt im Ganzen 12 Regifter, vermittelft welcher fich mannigfaltige Farbenmifchungen im Tonwefen ermöglichen laffen. Weit höher als diefe Combination ift ein vom Erbauer erfonnenes Mittel, das Stimmen der Pfeifen zu erleichtern, anzufchlagen, weil es auch bei der Orgel feine Anwendung finden dürfte. Es befteht in einem Blättchen aus dem Metall der Pfeifen, welches am Ausfchnitt derart angebracht ift, dafs es fich über die Kernfpalte fchieben läfst und man in Folge deffen diefelbe ohne Mühe nach Belieben vereinigen, den Ton alfo mit leichter Mühe um ein Komma umftimmen kann. Das Werk ift überhaupt trefflich und fauber gearbeitet. Der Mechanismus ift, fo complicirt er auf den erften Blick auch fcheint, im Grunde einfach und die Errichtung des Ganzen fehr freundlich. Die deutfche Abtheilung zählt nicht weniger als 67 Firmen, als deren Spitzen J.& P. Schiedmayer in Stuttgart, Julius Blüthner in Leipzig, Richard Lipp in Stuttgart und J. S. Duyfen in Berlin nach dem Werthe der ausgeftellten Inftrumente zu bezeichnen find. Zunächft fällt fchon die erfte durch die Auffchrift„ Hors de concours" in die Augen. Schied mayer bekleidete nämlich das Amt eines Jurors und konnte fich aus diefem Grunde an der Preisbewerbung nicht betheiligen. Seine Fabrik, deren bereits bei Gelegenheit der Harmoniums gedacht wurde, hat einen Concert- und einen Salonflügel, beide mit kreuzfaitigem Bezug, Repetitionsmechanik und maffiven, gufseifernen Rahmen geliefert, beide höchft preiswürdige Inftrumente von folider Bauart und fchönem Klangcharakter. Befonders fympathifch muthet der Salonflügel in kleinem Format mit feinem weichen, fein egalifirten, gefangvollen Ton und feiner überaus angenehmen Spielart an. Aufserdem feffelt er das Intereffe noch in anderer Beziehung; an ihm ftellt fich nämlich die neue, bereits erwähnte Erfindung, das fogenannte Kunftpedal des Herrn Zachariä in Stuttgart vor, welches der Erfinder mit diefem Inftrument in Verbindung gefetzt hat. Die beiden Flügel koften, der erfte, der Concertflügel im mittelgrofsen Format gehalten und 714 Octaven umfaffend, 1750 fl., der kleinere 1200 fl. Im Weiteren hat Schiedmayer noch ausgeftellt ein Pianino, dreichörig, mit halboblique laufenden Saiten und überliegenden Bafsfaiten, maffiver Vorderplatte zu 900 fl.; ein Pianino, dreichörig mit halboblique laufenden Saiten und überliegenden Bafsfaiten, mit maffivem eifernen Gufsftock und zufammenhängender Rückenwand zu 900 fl.; ein Pianino, dreichörig mit fenkrecht laufenden Saiten, eifernem Gufsftock und zufammenhängen dem Rücken, Vorderplatte mit Compreffion, zu 1000 fl. öfterreichifcher Währung. Auch diefe Inftrumente gereichen der Firma fowohl nach Bauart, wie nach Ton zur grofsen Ehre. Wenn Herr Schiedmayer aus angeführten Gründen vom Wettkampf um den Preis abftehen mufste, fo hat ihn dafür Herr Blüthner, ebenfalls eine im deutfchen Reiche oben anftehende Firma, muthig und fiegesbewufst angenommen. Mufikalifche Inftrumente. 37 Blüthner ift Inhaber der gröfsten Clavierfabrik, welche gegenwärtig in Deutfchland befteht, er nimmt hier nach diefer Seite hin diefelbe Stellung ein, wie Steinway in Amerika. Die Firma wurde im Jahre 1853 gegründet; ihre Fabriksgebäude umfaffen jetzt eine Fläche von 40.000 Quadratfufs( der Ankauf des angrenzenden Grundftückes von derfelben Ausdehnung ift ebenfalls in Ausficht genommen) und bilden eine Zierde der Weftvorftadt in Leipzig. Das Arbeiterperfonale befteht aus 420 Köpfen und findet fich in 80 Arbeitsfälen vertheilt; 3 Magazine find für die Aufbewahrung und Vorbereitung des Materiales beftimmt. Hölzer find ftets für 10.000 Inftrumente vorräthig und die Holz- Wärmeräume haben hinlänglich Platz für das Material zu 800 Inftrumente, deffen gleichzeitige Austrocknung in befter Weife bewirkt werden kann, da in diefen Räumen fich eine Wärmefteigerung bis zu 50 Grad erzielen läfst; 4 grofse Säle dienen zur Aufbewahrung der im Bau begriffenen, und 5 kleinere Säle zur Aufftellung der fertigen Inftrumente; auch ein prächtiger Concertfaal reiht fich an diefe Räumlichkeiten. In der Fabrication herrfcht das Princip der Arbeitstheilung, für jedes kleine Theilchen des Pianofortes find befondere Arbeiter beftellt, welche nur immer diefen einen Theil anfertigen und dadurch natürlicherweife in Folge fortgefetzter Uebung die gröfste Gefchicklichkeit erlangen; für jede Arbeitsabtheilung iſt ein eigener Werkführer aufgeftellt, die wieder von einem praktiſch gebildeten Infpector überwacht werden, wodurch eine fortlaufende Controle der Arbeiter erzielt wird. Die Säle reihen fich fo aneinander, dafs beim Transportiren der Inftrumente zur weiteren Vollendung nicht der geringfte Zeitverluft entſteht. Drei Fahrftühle, die durch Dampf in Bewegung gefetzt werden, vermitteln den Transport zwifchen den verfchiedenen Etagen. In den Parterreräumlichkeiten befindet fich die Tifchlerei zur Anfertigung der Käften( Corpora) und im Souterrain der Gebäulichkeit die Schlofferei, zwei Schmiede- Werkstätten mit 58 Arbeitern und II Dampfmafchinen. Die Fabrik liefert monatlich circa 80 Flügel und 50 Pianinos, welche in Deutſchland, im übrigen Europa und Amerika ihren Hauptumfatz finden. Aber Blüthner wirkt nicht nur praktiſch in feinem Fache, fondern auch theoretifch. Das von ihm und Dr. Gretfchel verfafste und in Weimar bei Voigt erfchienene Lehrbuch des Clavierbaues ift für Claviermachergehilfen und angehende Pianofabrikanten von unbedingt grofsem Vortheil, da es überhaupt das einzige Werk ift, welches nach den grofsen Fortfchritten der letzten Jahre im Clavierbau über denfelben in deutfcher Sprache erfchienen ift. Aus Blüthner's Fabrik trafen wir in der Ausftellung zwei Concert- und einen Salonflügel an; unter den beiden erften einen mit Erard'fcher Mechanik, die beiden anderen mit Blüthner'fcher Mechanik. In neuefter Zeit ift Blüthner mit einer Mechanik aufgetreten, welche die höchfte Beachtung verdient. Diefelbe erreicht in allen Anfprüchen, welche der Pianift an eine gute Mechanik ftellt, diejenige Erard's, von deren Grundfyftem fie ihrem Wefen nach, wie alle neueren Mechaniken, ihren Ausgangspunkt genommen hat. Durch zwei Schrauben wird eine Brücke auf den Claves feftgehalten, an deren Ende fich ein drehbarer Stöfser befindet; daran ift ein horizontaler Arm, welcher durch eine zarte Feder vom Clavis weggedrückt wird. Der Stöfser fitzt unter einer gepolfterten Nafe des Abftractes, in deffen unterem Ende ein Metallftift angebracht ift, welcher in einem Schnabelleder ſpielt, während das obere Ende in einer Gabel ausläuft, in welcher fich eine durch die Hammernufs gehende Achfe befindet. Zwei Knöpfchen begrenzen die Bewegung des Stöfsers. Eine rechtwinklig gebogene Drahtfeder, welche theils in der Brücke, theils im Abſtract befeftigt ift, hält letzteren oben, wenn der Clavis vorne niedergedrückt bleibt, und auch der Stöfser ausgelöfcht worden ift, und ermöglicht auf diefe Art in der einfachften und vorzüglichften Weife die Repetition. Das Syftem auf den zwei Federn gibt dem ganzen Mechanismus einen bedeutenden Grad von Elafticität und geftattet die feinften Nuancirungen des Anfchlags. Die Mechanik wurde bereits im Jahre 1856 patentirt. In Folge einiger angebrachten Veränderungen, 38 - Eduard Schelle. namentlich durch das Verftellen der Drehpunkte ift fie aber jetzt zu ihrer äufserften Vollendung gelangt und hat auf der Wiener Weltausftellung fich mit Recht den erften Platz unter den beften Mechanikfyftemen erobert. Die drei vorgeführten Inftrumente gehören überhaupt zu den vollendetften, was uns das deutſche Reich, ja die Ausstellung auf diefem Terrain vorführte und bewährt den Ruhm der Firma aufs befte. Wenn bei den Schiedmayer'fchen Pianos ein anmuthiges, weiches Klangwefen in den Vordergrund tritt, fo zeichnet fich hier, namentlich bei den grofsen Flügeln, der Ton durch Gröfse, Breite und insbefondere durch eine ungemeine Schattirungsfähigkeit aus; er ift dazu edel, gefangvoll und jeder Modulation fähig. Auf Grund fo glänzender Eigenfchaften, zu denen noch die leichte und bequeme Spielart zu rechnen ift, hat die Jury Herrn Blüthner mit dem Ehrendiplom bedacht. Derfelben Ehre ift noch eine andere Firma, welche mit der berühmten. Stuttgarter Firma J.& P. Schiedmayer zwar den gleichen Namen führt, aber einen auffallenden Gegenfatz zu diefer bildet,„ Schiedmayer& Söhne" in Stuttgart, theilhaftig geworden, hauptfächlich wohl nur wegen ihres langen Beftehens das Etabliffement datirt fchon feit dem Jahre 1809- und ihrer induftriellen Bedeutung. Denn die ausgeftellten Inftrumente, beftehend in einem Concertflügel in Paliffanderholz, überfaitig zu 600 Thaler; ein Salonflügel, überfaitig, zu 400 Thaler; ein Pianino, kleines Format in amerikaniſchem Nufsbaum- Maferholz, kreuzfaitig, zu 300 Thaler, heben fich wohl durch eine folide Bauart, aber keineswegs durch eine befondere Schönheit des Tones hervor. Jedenfalls find ihnen an Werth die Inftrumente von Lipp in Stuttgart und Duyfen in Berlin überlegen. Lipp hat einen Concertflügel in Paliffander, überfaitig, zu 1000 Thaler, einen Salonflügel in Paliffander und ein Pianino gefendet. Beiden Flügeln ift ein voller und namentlich durch Gröfse wirkender Ton eigen, dem freilich auch eine gewiffe Schärfe nicht abzufprechen ift. An der Mechanik des Salonflügels läfst fich Manches ausfetzen, wie die Spielart beweift. Ganz vorzüglich dagegen ift das Pianino, das fich den beften Inftrumenten diefer Gattung anreihen darf. Ungleich vollendeter ift dagegen der von Duy fen ausgeftellte Concertflügel in Paliffander, mit kreuzfaitigem Bezug und Mechanik nach Erard. An Gröfse mag der Ton gegen den der Inftrumente Lipp's zurücktreten, aber er ift in allen Lagen fein ausgeglichen, ungemein fchattirungsfähig und entfaltet einen edlen Charakter. Die Spielart ift leicht und präcis und die Conftruction gediegen. Ich nehme keinen Anftand, diefe Flügel den Inftrumenten Blüthner's gleichzuftellen. Der Preis beträgt 900 Thaler. Zu den bekannten Firmen in Deutfchland gehört auch Rudolf Adolf Ibach's Sohn. Die Firma vertrat fich durch einen grofsen Concertflügel in Paliffanderholz mit englifcher Mechanik und überfaitigem Bezug, zum Preife von 800 Thaler und zwei Pianinos. Das erfte, in hohem Format gehalten, mit kreuzfaitigem Bezug hat einen aus Ebenholz gefertigten, mit Schnitzwerk verfehenen Kaften und feffelt mehr durch ein elegantes Aeufsere, als durch feinen harten, unbiegfamen Ton. Das zweite Pianino in kleinem Format mit geradfaitigem Bezug hat in diefer Beziehung den Vorrang vor jenem, fein Ton ift frei und modulationsfähig und von angenehmer Klangfarbe. Der Ton des Concertflügels dagegen könnte mehr Klangfülle und weniger Schärfe haben. Die Arbeit an fämmtlichen Inftrumenten ift in Anbelang der Solidität und der Genauigkeit des höchften Lobes würdig. Die Firma befteht fchon feit dem Jahre 1792 und trug früher den Namen Adolf Ibach's Sohn. Der gegenwärtige Inhaber der Fabrik ift noch ein junger, ftrebfamer Mann und wird nicht ermangeln, die hier auf der Ausftellung gewonnenen Erfahrungen zu Gunften feiner künftigen Leiftungen auszubeuten. Weniger glücklich dagegen ift die namensverwandte, von demfelben Jahre her datirende Firma Guftav Adolf I bach in Barmen mit ihren Ausftellungs objecten gewefen. Diefelben beftanden in einem Concertflügel mit überfaitigem Bezug von Paliffander und einem ebenfalls überfaitigen Pianino im hohen Format aus dem Mufikalifche Inftrumente. 39 felben Material. Beide Inftrumente ragen nicht über das Niveau anftändiger Mittelmäfsigkeit hervor. Der Preis des Flügels beträgt 800 Thaler, der des Pianino 500 Thaler. Im Weiteren boten uns treffliche Leiftungen die Firma Keim& Günther zu Kirchheim( Württemberg) in einem Salonflügel aus Paliffander mit überfaitigem Bezug und englifcher Mechanik, einen Stutzflügel von derfelben Conftruction und aus demfelben Materiale und einem überfaitigen Pianino, ebenfalls aus Paliffander. An den Inftrumenten ift ein zwar kleiner, aber fchöner und namentlich in allen Lagen gut ausgeglichener Ton und eine äufserft folide Arbeit zu loben. Leider ftellen die Flügel dem Stimmer eine fehr fchwere, ja eine kaum zu löfende Aufgabe, weil die Schränkung zu fteil gerathen ift. Die Preife find gegenüber den Vorzügen der Inftrumente äufserft mäfsig zu nennen Der erfte Flügel koftet 500 Thaler, der zweite 400 Thaler, das Pianino endlich 300 Thaler. Einen Fortfchritt hat auch Gebauher aus Königsberg mit einer neuen Stimmvorrichtung an einem feiner Concertflügel zum Wenigften angeftrebt. Die Saiten nämlich find nicht um die Wirbel gefchlungen, fondern mit einer Schlinge an einen Haken eingehängt, deffen Eifenfortfatz mit einer Schraube in den aus einem fchweren, eifernen Steg beftehenden Stimmftock eingefetzt ift. Der Mechanismus bewirkt, dafs eine grofse Umdrehung des Schlüffels nur ein fehr feines Anziehen der Saiten zur Folge hat. Der Stimmfchlüffel ift gerade fo geformt, wie bei einer Pendeluhr. Das Stimmen des Inftrumentes wird allerdings durch diefe Einrichtung erleichtert, ob fie indefs die Haltbarkeit der Stimmung befördert, ift eine andere Frage, jedenfalls aber ift das Aufziehen der Saiten unendlich erfchwert. Aufser jenem mit engliſcher Mechanik und Eifenrahmen verfehenen grofsen Flügel hat Gebauher einen geradfaitigen Salonflügel mit Eifenrahmen, geradfaitig und ein Pianino von hohem Format gebracht. Alle Inftrumente haben einen Corpus aus Paliffander. An der Solidität des Baues läfst fich nichts ausfetzen, Alles dagegen an dem Ton, der trocken und fteif ift. Das Pianino zeichnet fich durch feine ganz befonders fchlechte Spielart aus, die Mechanik ift gänzlich mifslungen. Der erfte Flügel koftet 1000 Thaler, der zweite 400 Thaler. Das Pianino 320 Thaler. Die unverhältnifsmäfsige Werthverfchiedenheit zwifchen den beiden Flügeln verdanken fie einzig und allein jener- wie zu befürchten fteht fehr unpraktifchen Neuerung in der Stimmvorrichtung. - Einen feltfamen Eindruck machte ein grofser überfaitiger Flügel, den die Firma Gerhard Adam, Wefel( Rheinprovinz) geftellt hat. Die Mechanik verräth nämlich bei genauerem Einblick Eigenthümlichkeiten, die man leicht als Symptome eines canonifchen Alters auslegen könnte. Der ungleiche, fpitzige Ton, wie die mangelhafte Spielart gereichen dem Inftrumente ebenfalls nicht zur Empfehlung. Etwas beffer ift es mit den beiden Pianinos beftellt, denen man einen leidlichen. Ton gerade nicht abfprechen kann, jedenfalls find aber ihre Eigenfchaften nicht fo hervorragend, dafs fie den Flügel entfchuldigen könnten. Der Flügel koftet 600 Thaler, das überfaitige Pianino 300 Thaler, das fchrägfaitige 280 Thaler. Auch die Ausftellungsobjecte von E. Rofenkranz, beftehend in einem Flügel aus Paliffander, überfaitig, 720 Thaler, ein Pianino, kleines Format, geradfaitig, der Kaften gefchmackvoll mit Perlmutter ausgelegt, 1200 Thaler, entſprechen, weder nach Ton noch nach der Arbeit dem Ruf, den die Firma lange Jahre hindurch fich zu erhalten wufste. Aehnlich verhält es fich mit J. B. Klems in Düffeldorf, von dem uns zwei überfaitige Concertflügel mit Erard'ſcher Mechanik und ein kreuzfaitiges Pianino im hohen Format vorgeführt find. Auch diefer Firma geht ein grofser, wohlverdienter Ruf in der mufikalifchen Welt voran, namentlich hatte Franz Schumann eine Vorliebe für die Inftrumente aus diefer Fabrik. Bei den beiden Flügeln ift die Abdämpfung nichts weniger als tadellos und der Anfchlag hart; unter den Claves fehlen etwa fünf Tuchdichten, um den gehörigen Druck zu erzeugen. Ausgezeichnet an den Inftrumenten ift die Tifchlerarbeit. Den günftigften Eindruck 40 Eduard Schelle. machte noch das Pianino. Die beiden Flügel koften, der eine mit dem Corpus aus Nufsbaumholz, 2500 Thaler, der andere aus Paliffander, 1200 Thaler, das Pianino, ebenfalls aus Paliffander, 400 Thaler. Von einem regen, auf Verbefferungen ausgehenden, aber erfolglofen Streben hat Eduard Weftermayer aus Berlin in feinem Concertflügel aus Paliffander mit kreuzfaitigem Bezug und einer eigenen, von ihm erfundenen Mechanik dargelegt, welche fich jedoch nur als eine und zwar keineswegs glückliche Abart der englifchen Mechanik kennzeichnet. Diefelbe erweift fich in dem von ihm ausgeftellten Modell als durchaus unpraktifch; eine unglückliche Idee ift die Verbindung des Pianozuges mit der Tafte, fo dafs die letztere gehoben wird, wenn man den Zug herabdrückt. Der Erbauer hat fich gehütet, diefe Verbefferung bei feinem ausgeftellten Flügel zu verwenden, die Spielart, welche dadurch erzeugt würde, müfste haarfträubend fein. Einen Hauptmangel an der Mechanik bildet der Umftand, dafs fich diefelbe in Folge ihrer zu grofsen Frictionsfläche leicht abnützen dürfte. Auch an der Mechanik des ausgeftellten Flügels läfst fich Manches ausfetzen. So verräth das Pochen, welches beim Anfchlag vernehmbar wird, einen wefentlichen Mangel in der Conftruction. Der Ton ift dünn und ungleich. Aufser diefem Flügel hat Weftermayer noch ein geradfaitiges Pianino in hohem Format ausgeftellt. Das Letzte koftet 900 Thaler, der Flügel 800 Thaler. Treffliche Inftrumente fanden wir ferner bei H. Ehret in München, nämlich einen Flügel von Paliffander mit überfaitigem Bezug und gewöhnlicher Stofszungen- Mechanik, Preis 600 Thaler, ganz nach Art des Flügels von Schiedmayer gearbeitet; ferner bei Guftav Hagfpiel in Dresden. Diefer hat ausgeftellt einen Stutzflügel von Nufsbaum- Holz mit kreuzfaitigem Bezug, Repetitionsmechanik nach Erard, und Unterdämpfung. Die Spielart ift leicht, der Ton gefangvoll, Preis 360 Thaler. Nun jedoch der Gründer diefer Firma, der Vater des jetzigen Befitzers, im vergangenen Jahre geftorben iſt, ſcheint diefelbe, wenigftens nach den ausgeftellten Exemplaren zu fchliefsen, im Begriff, den Krebsgang anzutreten. Die beiden Flügel zeichnen fich durch einen ungewöhnlich grofsen Umfang aus, das hintere Ende erreicht faft die Breite der Front, allein der Ton fteht leider in einem auffallenden Mifsverhältnifs zum Format; er ift klein, dünn, unklar und verräth einen eifenmässigen Charakter. Dann bei E. Kaps in Dresden: ein Salonflügel aus fchwarzem Holz mit überfaitigem Bezug, Repetitionsmechanik nach Herz und Unterdämpfung. Der Ton ift voll, aber ziemlich fcharf und nicht gehörig ausgeglichen, und von leichter Anfprache, die Spielart fehr leicht und die Abdämpfung gut. Willmann in Ferner haben ausgeftellt: Weftermann& Comp. Berlin: 1. Concertflügel von Paliffander mit geradfaitigem Bezug, einfacher englifcher Mechanik; der Ton ift etwas dünn, die Spielart gut. Preis 700 Thaler. 2. Pianino im hohen Format von Paliffander mit fchrägfaitigem Bezug zu 600 Thaler. 3. Pianino im kleinen Format, geradfaitig, 400 Thaler. Hähnel& Sohn aus Naumburg an der Saale: Concertflügel, überfaitig, aus Paliffander, 550 Thaler. Hölling& Spangenberg in Zeitz: 1. Concertflügel aus Paliffander, von fymmetrifcher Form mit kreuzfaitigem Bezug, englifcher Mechanik, ohne Repetition, 900 Thaler. Der Kaften ift mit den Portraits des ruffifchen und deutfchen Kaifers geziert und ruht auf drei, riefig plumpen Elephantenfüfsen. 2. Boudoirflügel aus Paliffander, ebenfalls mit kreuzfaitigem Bezug und Stofszungen- Mechanik, ohne Repetition, 450 Thaler. 3. Concertpianino von Paliffander, im hohen Format, 500 Thaler. Die angeführten Inftrumente haben einen leidlichen aber charakterlofen Ton. Mit Flügeln haben fich noch ferner befafst: Guftav Selinke aus Liegnitz. I. Boudoirflügel aus amerikanifchem Nufsbaumflader- Holz mit kreuzfaitigem Bezug, Wiener Mechanik. 2. Pianino, zeichnete Mufikalifche Inftrumente. 41 fich durch eine treffliche Tapezierarbeit an der Rückwand aus; das Einzige, was an den Leiftungen der Firma hervorzuheben ift. Seiler aus Liegnitz: I. Salonflügel von Paliffander mit geradfaitigem Bezug und Wiener Mechanik, von folidem Bau. Der Ton könnte beffer ausgeglichen fein, 500 Thaler. 2. Pianino im kleinen Format, von Paliffander mit geradfaitigem Bezug, 200 Thaler. Bei Seiler ftofsen wir zum zweiten Mal auf die Wiener Mechanik im deutfchen Reich. Die Arbeit an diefen Inftrumenten ift überaus dürftig. W. Hartmann in Berlin: I. Concertflügel, von Paliffander, mit überfaitigem Bezug, 500 Thaler. 2. Pianino im hohen Format, von Paliffander, mit überfaitigem Bezug. 3. Pianino, mittelhoch von Nussbaum, fchrägfaitig, 300 Thaler. Heinrich Knaufs& Sohn, Coblenz: I. Grofser Concertflügel, aus fchwarzem Holz mit geradfaitigem Bezug, Preis 600 bis 500 Thaler. 2. Boudoirflügel von Paliffander mit geradfaitigem Bezug, Preis 400 bis 350 Thaler. 3. Pianino von Paliffander, mittelhoch, geradfaitig, 350 bis 300 Thaler. Fr. Doerner in Stuttgart: I. Flügel aus Paliffander mit kreuzfaitigem Bezug, die Mechanik ift die gewöhnliche Stofszungen- Mechanik mit einer kleinen Nachhilfe für die Auslöfung, Preis 960 Thaler; 2. Pianino von Paliffander im hohen Format mit überfaitigem Bezug, 320 Thaler; 3. Pianino von Paliffander, mittelhoch, überfaitig, 285 Thaler. In der öfterreichifchen Abtheilung war uns eine gewiffe Armuth an Pianinos aufgefallen. Hier im deutfchen Reich entfaltete an folchen fich ein fo grofser Reichthum, dafs man daraus auf eine ungemeine Verbreitung diefes Inftrumentes im Auslande fchliefsen darf. Die Räumlichkeitsverhältniffe der meiften bürgerlichen Wohnungen machen diefe allerdings begreiflich. Das Pianino verlangt weniger Platz als der Flügel und auf diefem Umftande beruht fein eigentlicher Werth. In künftlerifcher Beziehung hat das Pianino nur als Surrogat des Flügels. eine Geltung und ein Surrogat wird es ftets bleiben, trotz aller Beftrebungen, fein Klangvermögen bis zur Höhe feines Vorbildes zu fteigern. Dadurch, dafs es fich den Forderungen jeder Räumlichkeit leicht anbequemt, hat es das Tafelpiano bis zu dem Grade verdrängt, dafs die deutfche Abtheilung von diefem nicht mehr als zwei Exemplare, das eine aus der Fabrik Schönleber, Keppler& Comp. in Stuttgart, das andere von Heinrich Hägele in Aalen in Württemberg aufwiefs. Unter den Fabrikanten, die fich vorwiegend auf das Pianino als ihre Specialität befchränken, fteht Georg Schwechten im Vordergrund. Die Firma datirt von 1854. Schwechten befitzt eine der gröfsten Fabriken in Berlin, befchäftigt in derfelben ein Perfonal von 130, aufserhalb 20 Arbeiter und liefert nur Pianinos. Die Firma war durch zwei Pianinos vertreten, das eine von Nufsbaumholz, das zweite von fchwarzem Holz, beide im hohen Format mit überfaitigem Bezug und Eifenconftruction. Sie zeichnen fich durch einen ſchönen, vollen, fein ausgeglichenen Ton aus und find äufserft folid gebaut; der Preis für jedes Inftrument 500 Thaler. Gute Werke haben im Weiteren geftellt E. I. Steingröber in Bayreuth 1. Pianino aus Paliffander im hohen Format, mit kreuzfaitigem Bezug zu 350 Thaler; 2. Pianino von derfelben Conftruction aus Nufsbaumholz zu 320 Thaler; 3. Pianino in Paliffander in Eifenrahmen, kleines Format mit geradfaitigem Bezug, zu 260 Thaler. Sämmtliche angeführte Inftrumente verdienen wegen ihres fchönen, vollen und durchwegs egalen Tones die ehrenvollfte Anerkennung. Carl Hardt in Stuttgart: 1. Pianino von fchwarzem Holz, mittelhoch, kreuzfaitig, Preis 630 Thaler; 2. Pianino im kleinen Format von Nufsbaum, ebenfalls kreuzfaitig, Preis 450 Thaler. An beiden Inftrumenten ift der volle, gut ausgeglichene Ton wie eine leichte, präcife Spielart zu loben. H. Franke in Leipzig: Zwei Pianinos im kleinen Format mit geradfaitigem Bezug, das eine aus fchwarzem Holz zu 550 Thaler, das zweite aus Nufsbaum zu 42 Eduard Schelle. 600 Thaler. Der Ton ift lieblich und egalifirt, die Spielart gut; die Arbeit zeichnet fich durch eine überaus grofse Genauigkeit aus. J. Feurich in Leipzig: 1. Pianino im kleinen Format mit geradfaitigem Bezug, Preis 360 Thaler; 2. Pianino von Paliffander, im kleinen Format, geradfaitig. Beide Inftrumente find folid gebaut und haben einen Ton von reizender Klangfarbe. H. Hägele, Aalen: Zwei Pianinos im hohen Format, das eine fchrägfaitig zum Preife von 230 Thaler, das andere kreuzfaitig, Preis 320 Thaler. Beiden ift derfelbe Toncharakter eigen, das letzte entfaltet etwas mehr Klangfülle als das erfte. Ferner: Pianino in Tafelform mit Eifenrahmen; der Ton ift rund, voll und von fchöner Klangfarbe. Der Kaften ift aus Paliffander gemacht. Preis 250 Thaler. W. Goebel, Stuttgart: Pianino von Paliffander im kleinen Format, kreuzfaitig, in Eifenrahmen, Preis 300 Thaler. E. F. Grufs, Frankfurt an der Oder: Pianino im hohen Format, geradfaitig, der Kaften von Eichenholz antique gefchnitzt. Preis 450 Thaler. Freudenthal, Hamburg: Pianino aus Paliffander, hohes Format, Preis 300 Thaler. Freudenthal gehört zu den fortfchrittsbefliefsenen Inftrumentenbauern. In dem von ihm vorgeführten Pianino hat er fich ein eigenes Problem geftellt; er hat nämlich zu feinen Refonanzböden fchlechtes Mahagoniholz, fogenanntes Zuckerkiftenholz verwendet, um zu beweifen, dafs man auch ohne gutes Refonanzholz ein gutes Inftrument mit fchönem Ton herftellen könnte. Leider ift fein Bemühen durch keinen guten Erfolg gekrönt worden, der Ton ift matt und dumpf. Das Inftrument weift überdiefs noch andere Neuerungen auf. So find die Wirbel mit Meffing ausgelegt, die Dämpfung hat einzelne Veränderungen erfahren, die indefs keinen Vortheil bieten. Die Hammerköpfe fallen durch ihre ganz ungewöhnliche Gröfse auf; fie haben nach Leipziger Mafs 3½ Zoll und nach Wienermafs 3 Zoll Länge. Immerhin aber verdient das Streben des Erbauers grofse Anerkennung, indem die Arbeit im Grofsen und Ganzen achtungswerth ift. H. Wagner, Stuttgart: Ein Pianino, mittelhoch, fchwarzes Holz, kreuzfaitig mit Zacharia's Kunftpedal, fchöner, voller Ton; ein Pianino, kreuzfaitig, 500 Thaler. J. Deefe, St. Johann: Zwei Pianinos aus Paliffander, das eine im hohen Format und kreuzfaitig zu 280 Thaler, das zweite im kleinen Format, geradfaitig zu 230 Thaler. Aufserdem einen Pianinoraft von neuer Conftruction, nämlich mit in Holzfpreizen eingelegten Eifenfchienen. Diefer Raft dürfte wenig Nachahmer finden, weil er unpraktiſch ift und die Sache nur vertheuert. Ein gewöhnlicher Eifenraft thut diefelben Dienfte und kommt billiger zu ftehen. Schönleber, Keppler& Comp., Stuttgart: I. Pianino von Paliffander, im kleinen Format, geradfaitig, Preis 360 Thaler bis 286 Thaler oder 500 Gulden; 2. Pianino in Tafelform von Paliffander, mit Eifenrahmen, Preis 260 Thaler bis 240 Thaler oder 420 Gulden. Chr. Oehler, Stuttgart: Drei Pianinos, eines im hohen Format, von fchwar zem Holz, mit geradfaitigem Bezug, Preis 300 Thaler; das zweite von Paliffander mittelhoch, kreuzfaitig, Preis derfelbe; das dritte ebenfalls von Paliffander, mittelhoch, geradfaitig, Preis 250 Thaler, etwas zu fchneidig im Ton. A. F. Neumayer in Berlin: Zwei Pianinos aus Paliffander, das eine im hohen Format und mit kreuzfaitigem Bezug, Preis 500 Thaler, das zweite im kleinen Format und geradfaitig zu 300 Thaler. Beide Inftrumente bieten nach Ton wie Spielart höchft beachtenswerthe Leiftungen. Th. Mann, Bielefeld: Drei Pianinos, zwei im mittleren, das dritte im kleinen Format, fämmtlich von Nussbaum, das erfte, kreuzfaitige koftet 325 Thaler, das zweite, geradfaitige 275 Thaler, das dritte, fchrägfaitige 225 Thaler. Die genannten Inftrumente zeichnen fich durch einen vollen, modulationsfähigen Ton aus. Muſikaliſche Inftrumente. 43 Anftändiges Mittelgut brachten: Carl Otto, Berlin: Ein Pianino im kleinen Format, geradfaitig mit Eifenrahmen zu 280 Thaler. Gebrüder Hattenroth, Johannisberg am Rhein Pianino aus Nussbaumholz, fchrägfaitig zu 340 Thaler. Gebrüder Schaubruck, Mainz: Zwei Pianinos, beide aus Paliffander, mittelhoch, geradfaitig, das eine zu 700 Gulden, das zweite zu 600 Gulden. G. E. Kanhäufer, Stuttgart: Pianino von fchwarzem Holz, mittelhoch, geradfaitig, Eifenrahmen, zu 300 Gulden. L. W. Müller, Hamburg: Pianino aus Paliffander, mittelhoch, fchrägfaitig, zu 360 Thaler. Der Ton ift etwas dünn und trocken. Schmidt& Suppe, Zeitz: Pianino im hohen Format, überfaitig, mit Metall- Stimmftock und Eifenfpreizen zu 375 Thaler; Pianino von Paliffander im kleinen Format, geradfaitig zu 250 Thaler, ein zweites im mittelhohen Format von derfelben Conftruction zu 325 Thaler. Das Aeufsere des Inftrumentes, namentlich die Confoln des kleineren beweifen, dafs wir gewöhnliche Fabriksarbeit vor uns haben. G. Fortner, München: Pianino von fchwarzem Holz, fchrägfaitig, kleines Format, Preis 500 Thaler. Das Inftrument fteht unter der Parifer Stimmung, obwohl diefe für die Ausftellung geboten war. B. Schleip& Uerlein: Drei Pianino von Paliffander, das eine im hohen Format mit kreuzfaitigem Bezug zu 500 Thaler, das zweite mittelhoch und geradfeitig zu 325 Thaler, das dritte klein und geradfaitig zu 260 Thaler. W. Förfter, Leipzig: Zwei Pianinos aus Paliffander, das eine im hohen Format und kreuzfaitig zu 280 Thaler, das zweite mittelhoch und geradfaitig, 180 Thaler. R. Aunge, Osnabrück: Pianino von Eichenholz, im kleinen Format antique, fchrägfaitig, zu 300 Thaler. Gebrüder Saffe, Hoym: Ein Pianino mit eifernem Stimmftock und Eifenfpreizen, geradfaitig, 350 Thaler. F. Seifarth, Mannheim: Ein Pianino, hohe Form, fchwarzes Holz, überfaitig 350 Thaler. Spangenberg, Berlin: Ein Pianino, hohe Form, kreuzfaitig Wilke, Stettin: Ein Pianino, Paliffander, kleines Format, geradfaitig zu 300 Thaler; könnte kräftiger und klarer im Tone fein, der Ton ift hölzern. Th. Gerhardt, Berlin: Pianino aus Nufsbaum, fehr hohes Format, geradfaitiger Bezug zu 300 Thaler; Pianino von Paliffander, kleines Format, geradfaitig, zu 200 Thaler. Ketnath& Söhne, Weiden in Baiern: Ein Pianino, hohes Format, geradfaitig, zu 200 Thaler. Gebauer jun., Alsfeld: Ein Pianino, hohes Format, kreuzfaitig, zu 300 Thaler. Pirifti& Stibingen, Freiburg: Pianino, kleines Format kreuzfaitig, 300 Thaler. A. Nagel, Heilbronn: Pianino, kleines Format in Mahagony, geradfaitig, 220 Thaler. Kaeferle& Söhne, Ludwigsburg: Pianino, hohes Format, kreuzfaitig von Paliffander zu 290 Thaler. R. Ruppach, Hamburg: Ein Pianino, kleines Format, fchrägfaitig in fchwarzem Holz, zu 450 Gulden. I. Rofener, Berlin: Ein Pianino, hohes Format, von Paliffander, kreuzfaitig, zu 400 Thaler. W. Notni, Sagan, Schlefien: Ein Pianino, kleines Format, von Paliffander, geradfaitig mit Metall- Stimmftock, zu 500 Thaler. Herzke, Berlin: Ein Pianino, hohes Format, Paliffander, 100 Thaler. 44 Eduard Schelle. Compagnie Concordia: Drei Pianinos à 675 und 275 Thaler, und 210 Thaler von verfchiedener Gröfse und Bezug. Wenden wir fchliefslich auf das Gefammtbild der Leiftungen Oefterreichs und des deutfchen Reiches in diefem Kunft- und Induftriezweig unfern Blick, fo ftellt fich allerdings heraus, dafs in quantitativer Beziehung Oefterreich verhältnifsmäfsig dem deutfchen Reich die Wage hält, das letztere aber in Anfehung des Betriebes dem erften überlegen ift. So befitzen wir keine einzige Fabrik, welche mit J.& P. Schiedmayer in Stuttgart, dem Hauptrepräfentanten des Südens, und mit Julius Blüthner in Leipzig, dem Repräfentanten des Nordens von Deutſchland, einen Vergleich aushalten kann; mit einem Wort, in der Clavierfabrication hat uns das deutfche Reich entfchieden überholt. Man mufs zwar anerkennen, dafs unfere vier erften Firmen und aufserdem noch einige wenige Fabrikanten den Vergleich mit dem Ausland nicht zu fcheuen haben, dafs ferner, wie bereits angeführt worden, das Mittelgut im Verhältniffe zu den Preifen das Möglichtte bietet, aber verhehlen läfst es fich nicht, dafs mit Ausnahme jener vier Firmen und einzelner Fabriken die übrigen Inftrumente im Grofsen und Ganzen einen fchablonenhaften Charakter offenbaren. Im feltfamen Contrafte dazu macht fich wiederum ein Trieb nach Neuerungen geltend und verräth fich in berechnungslofem Experimentiren, wie mit doppelten Refonanzböden, feltfamer Verkehrung der äufseren und dergl. mehr. Solche Experimente haben aber nur dann Werth, wenn die Unternehmer mit hinreichenden Mitteln ausgerüftet find, fie nur als Verfuche zu behandeln, und fie nicht als bereits gewonnene Errungenfchaften der Oeffentlichkeit vorführen. Während in der deutfchen Abtheilung die englifche Mechanik mit dem kreuzfaitigen Bezug und die Vorliebe für die breite Kaftenform beim Flügel, weil dadurch eine gröfsere Refonanzfläche gewonnen und das Volumen des Tones bedeutend gefteigert wird, ausfchliefslich vorherrscht( die Wiener Mechanik fanden wir nur in zwei Exemplaren vertreten), fo behauptet die letztere in der öfterreichifchen Abtheilung mit Ausnahme von Inftrumenten der Firmen Böfendorfer, Ehrbar, Streicher und Anderer noch immer vorwiegend ihren Platz. Nun hat freilich diefe Mechanik ihre grofsen Verdienfte, fie gereicht ihrem Erfinder zu hoher Ehre und pafste vollkommen zu dem Stile der Mufik, als fie ins Leben trat, allein heutigen Tages, wo das Piano zum Träger orcheftraler Effecte erhoben ift, ftellen fich ganz andere Anforderungen an Gröfse und Ausgiebigkeit des Tones ein und eben durch das Gefühl diefes neuen Bedürfniffes find jene angeführten Neuerungen hervorgerufen worden. Die Bevorzugung der englifchen Mechanik wird eben durch die Steigerung des Klangvermögens, durch die Nothwendigkeit einer grofsen Modulationsfähigkeit des Tones gerechtfertigt. Der Grund des ftatarifchen Beharrens auf dem alten Syftem liegt nun in Oefterreich, wie bereits erwähnt, zum Theile in den Preisverhältniffen; allein die Erfahrung lehrt, dafs diefe Hemmungen mit einer gröfseren Steigerung des Betriebes allmälig von felbft fchwinden. Ein neuer Auffchwung diefes Induſtriezweiges ift nur auf dem Wege einer grofsartigen Entwicklung der Productionskraft zu ermöglichen. Wir bedürfen Fabriken im gröfseren Mafsftabe, welche über alle nöthigen Mittel gebieten und die gröfstmöglichfte Theilung der Arbeit durchführen. Unter den obwaltenden Verhältniffen ift Oefterreich durchaus unver mögend, auf diefem Gebiete mit dem deutfchen Reich eine Concurrenz einzugehen. Eine Abhilfe des Uebels ift nur einzig und allein durch die Affociation bedeutender Firmen zu erzielen. Ein derartiges Unternehmen war bereits im Gange, fcheiterte aber in Folge eingetretener Umftände. Wir befitzen Firmen, welche diefer Aufgabe wohl gewachſen wären. Wir nennen nur Namen wie Böfendorfer und Schweighofer, welche den Fortfchritt fo rühmlich vertreten. Mögen diefelben die in der Ausstellung gemachten Erfahrungen nicht gleichgiltig zur Seite laffen. Mit vereinten Kräften und Mitteln dürfte es ihnen und anderen hervorragenden Fabrikanten gelingen, diefem wichtigen Induſtriezweig neues und frifches Leben einzuflöfsen. Mufikalifche Inftrumente. 45 Im deutfchen Reich concentrirt fich der Pianobau faft nur in den drei Städten Berlin, Leipzig und Stuttgart. Dresden und München befitzen zwar auch bekannte Firmen, doch find diefe nur vereinzelt dort zu finden. Ganz verfchieden find die drei erftgenannten Städte untereinander wieder in ihrer Fabrication. In Berlin exiftiren weit über 100 Pianofabriken, Berlin ift der Zahl nach unbedingt der Hauptpunkt, aber nur 5 Firmen bauen Flügel und unter diefen 5 Firmen ftehen nur Bechftein und Duyfen obenan. Die übrigen Fabrikanten bauen nur Pianinos, welche fich aber keines befonderen Rufes erfreuen. Nur die Fabricate Schwechten's und Biefe's gelten als höchft vorzüglich und zwar mit Recht; die anderen Firmen liefern zwar billige, aber keineswegs empfehlenswerthe Waare. Stuttgart zählt über 20 Firmen, welche Flügel, Pianinos und Tafelpianos bauen. Die amerikaniſchen Inftrumente dienen hier als Mufter, ohne Unterfchied und ohne die geringfte Veränderung, daher die zwar grofse, aber nichtsweniger als fympathifche Klangfarbe der Stuttgarter Fabricate. Der Export nach Amerika ift, wie fchon erwähnt wurde, ein bedeutender. Die Inftrumente gehen nach Amerika meiftens mit roher Aufsenfeite, ohne dafs fie lackirt oder polirt find.. Auch Süd- Deutfchland bezog noch vor Kurzem feinen Bedarf an Flügeln, Pianinos und Harmoniums faft ausfchliefslich von Stuttgarter Firmen, unter denen die Firma J.& P. Schiedmayer den erften Platz einnimmt. Da aber die Stuttgarter Inftrumente in Betreff der Dauerhaftigkeit und der Mechanik nicht immer den gemachten Auforderungen entſprechen, fo find fie in letzterer Zeit weniger beliebt und man bezieht auch in Süd- Deutfchland jetzt die wenn auch theuereren, aber befferen Inftrumente von Leipziger Fabriken. Leipzig hat zwar der Zahl nach nicht fo viele Gefchäfte als Stuttgart, aber die Qualität der verfendeten Pianos und Pianinos ift eine vorzüglichere. Selbft die kleineren Fabriken Leipzig's mit 6 bis 8 Arbeitern haben das Verdienft, nur annehmbare Waare auf den Markt zu bringen und dadurch ift es erklärlich, dafs jetzt Leipzig die beliebtefte und gefuchtefte Firma ift, welche man in einem Inftrumente fehen will. Leipzig producirt die meiften Flügel, von denen nur eine geringe Anzahl überfeeifch verfendet wird, da man dort von Deutfchland aus nur billige Waare verlangt. Leipzig gilt jetzt als der Hauptplatz des deutfchen Clavierbaues und Befitzer der beften und gröfsten der dortigen Pianofabriken ift Julius Blüthner, der renommirtefte Vertreter der Clavierinduftrie im nördlichen Deutſchland. Auch die Arbeiterverhältniffe geftalten fich in Leipzig beffer als in Stuttgart und Berlin. Der ordentliche Arbeiter wird, da in einer Handelsftadt wie Leipzig Jeder arbeitet und es nicht fo viele Müffiggänger gibt als in den Refidenzen Stuttgart und Berlin, in jedem Kreife gefchätzt und geachtet und fein Verdienft ift trotz des billigen Lebensunterhaltes der befte Deutſchlands im Clavierbaufache. Es find fomit alle Bedingungen vorhanden, dafs fich der Clavierbau in Deutfchland nicht nur auf feiner jetzigen Höhe erhalten, fondern noch immer vollkommener geftalten wird. In der franzöfifchen Abtheilung traten uns die drei erften Firmen von Paris Erard, Herz und Pleyel, jede mit einer entſprechenden Anzahl von Inftrumenten entgegen. Stolz und im Bewufstfein ihrer grofsen Verdienfte haben fie fich an der Preisbewerbung nicht betheiligen mögen. Das läfst fich übrigens bei P.& Et. Erard vollkommen begreifen. Diefe Firma, entſtanden im Jahre 1780, ift fo lange ein fchimmerndes Vorbild gewefen und prangt noch jetzt im vollen Glanze ihres Weltruhms, dafs ein neues Ehrenzeichen ihr Anfehen nicht mehr erhöhen kann. Die Firma hat fich überdiefs, unbekümmert um den Flügelfchlag der Zeit, behaglich auf ihren reichlichen Lorbeeren zur Ruhe gefetzt. Begründet fich doch auf ihr der grofsartige Auffchwung, den das Clavier durch die Ausbildung feiner Mechanik in unferen Tagen gewonnen hat. Sie fteht übrigens in Betreff der Leiftungen fowohl wie des Betriebes gegenwärtig noch auf derfelben Höhe wie vor Jahrzehnten. In ihrer Fabrik find angeblich 1000 Arbeiter befchäftigt und 46 Eduard Schelle. werden, ebenfalls laut Angabe, jährlich circa 1400 Inftrumente erzeugt, werden ferner fämmtliche Beftandtheile mit Zuhilfenahme von Dampfmafchinen angefertigt. Ausgeftellt waren 3 geradfaitige Flügel, I geradfaitiger Flügel im Commiffionshaus, 2 Pianinos, fchrägfaitig. Etwas Neues läfst fich über diefe Inftrumente nicht fagen, fie verrathen genau diefelben Eigenfchaften, die man fchon vor mehr als dreifsig Jahren an ihnen bewunderte, fie find mit einem Worte im höchften Mafse preiswürdig, aber einen Fortfchritt bezeichnen fie nicht, ihre Eigenthümlichkeiten verlangen ein fehr leichtes, flüffiges Spiel und verlieren bei einer mehr oder weniger gewaltfamen Behandlung des Tones ihren Reiz. Die ausgeftellten Pianinos haben eine elegante, gefchmackvolle Ausstattung. Möchten nur die gegenwärtigen Leiter der Fabrik zur Erkenntnifs gelangen, dafs ein einfeitiges Beharren auf längft gemachten Errungenfchaften ftets der Vorbote eines bevorſtehenden Verfalles zu fein pflegt. Wir würden es fehr bedauern, wenn ein folches Gefchick dereinft über die verehrungswürdige Firma hereinbrechen follte. Einen confervativen Sinn verräth auch die Firma Herz, doch mit weniger Berechtigung. I geradfaitiger Flügel, I Stutzflügel, I hohes halbfchrägfaitiges und I kleines geradfaitiges Pianino bildeten die Ausstellungsobjecte diefer Firma. Elegant und kalt fcheint in Betreff des Tones die Lofung diefer Fabrik zu fein. Die glänzende, aber im Grunde harte Klangfarbe ihrer Inftrumente pafst vortrefflich zu einer gewiffen Stilrichtung, welche früher ftark in Mode war, aber jetzt verfchollen ift, und über diefen Standpunkt hat fich Herz nie hinausgewagt und fo konnten feine in der Ausftellung befindlichen Inftrumente kein weiteres Intereffe erregen, als dafs man höchftens ihre Familienähnlichkeit im Ton bewundert.. Anders verhält es fich mit der Firma Pleyel Wolf& Comp., Paris. Diefelbe befteht feit dem Jahre 1807, befchäftigt angeblich 700 Arbeiter und foll 2800 bis 3000 Inftrumente jährlich erzeugen. Die Firma hatte ausgeftellt: 2 kreuzfaitige Flügel, I kreuzfaitigen Stutzflügel, 2 mittlere Pianinos halbfchrägfaitig, 2 kleine geradfaitige. Diefe Inftrumente bezeugen ein ehrenvolles und erfolgreiches Streben; diefelben find nach Ton und Spielart vortrefflich. Die Firma hat die Vorzüge eines kreuzfaitigen Bezuges nach dem amerikanifchen Syftem erkannt und zum Vortheil ihrer Pianos auszubeuten gewufst. Zu den hervorragenden Firmen Frankreichs zählt auch Kriegelftein. Aus feiner Fabrik fanden fich vor: I grofser Flügel mit kreuzfaitigem Bezug und I fchrägfaitiges Pianino. Beide Inftrumente find tadellos in Betreff ihrer Conftruction, der Flügel jedoch ift fpröd und ungleich im Ton; das Pianino darf nach der Seite feines Klangcharakters wie feiner Spielart die vollfte Anerkennung beanfpruchen. Als Ausfteller nennen wir noch: Pianino. Philippi frères in Paris mit I geradfaitigen Flügel und I fchrägfaitigen Baruth in Paris mit I geradfaitigen Flügel und 1 fchrägfaitigen Pianino; Nicolas Erard mit I mittelhohen Pianino, halbfchrägfaitig und I hohen Pianino, ebenfalls halbfchrägfaitig. Thibonville- Lamy in Paris mit I kreuzfaitigen Pianino zur Demonftration des Pianifta. Amedée Thibout& Comp. in Paris mit 4 Pianinos und zwar I kleines, geradfaitiges einfaches, I kleines, geradfaitiges mit Eifenplatte, I mittelhohes, halbfchrägfaitiges mit Eifenplatte, I mittelhohes, fchrägfaitiges mit Eifenplatte. Feaké& fils ainé in Paris mit 2 halbfchrägfaitigen, mittelhohen Pianinos mit zerlegbarem Kaften. Martin in Touloufe mit I mittelhohen, halbfchrägfaitigen Pianino und I hohen, halbfchrägfaitigen. Keine diefer Leiftungen der genannten Firmen bot Anlafs zu einer eingehenderen Beurtheilung. Mufikalifche Inftrumente. 47 An Frankreich reihte fich England, wenn man die Anzahl der Inftrumente zum Mafsftabe nimmt, in Betreff der Firmen jedoch war die englifche Pianofabri cation ungemein dürftig vertreten. Nur zwei Firmen, Kirkmann und Henry A. Irori& Comp. in London haben es unternommen, für den Ruf ihres Landes in die Schranken zu treten. Kirkmann hat im Ganzen 9 Inftrumente geftellt, nämlich I grofsen Flügel, 2 Salonflügel, 1 Stutzflügel, fämmtlich geradfaitig, der letztere mit eifernen Rahmen; I Pianino oblique, 4 Pianinos vertical. Den Flügeln ift ein gefangvoller, gut egalifirter, wenn auch nicht fehr ausgiebiger Ton eigen. Den heutigen Anforderungen an Ton und Spielart entfpricht am meiften der Stutzflügel, an dem nur die Dämpfung etwas präcifer fein könnte. Auch die Pianinos find im Ganzen und Grofsen recht verdienftvolle Fabricate. Die Fabrik Ivory hat drei Pianinos gebracht, unter ihnen eines mit Stickereien. Die Letzteren bilden das einzige Werthvolle an diefen vorgeführten Werken. Rufsland hat dagegen eine weit regere Theilnahme an der Wiener Weltausftellung bewiefen. Die erften Firmen aus Petersburg, Moskau, Warfchau und Odeffa begegneten uns in der ruffifchen Abtheilung. Der Vorrang gebührt der Firma C. M. Schröder in Petersburg, welche einen vorzüglichen Flügel mit kreuzfaitigem Bezug und englifcher Mechanik geliefert hat. Die Firma wurde von Johann Friedrich Schröder, Vater des jetzigen Befitzers im Jahre 1818 gegründet. Derfelbe baute zuerft nur tafelförmige Pianos, fpäter auch Flügel und erhielt auf der Petersburger Induftrie- Ausftellung 1839 die filberne Medaille. Der jetzige Chef und Inhaber des Gefchäftes erlernte den Pianobau bei feinem Vater und arbeitete fpäter bei den Herren Pape& Henri Herz in Paris und bei Bond& Erard in London. Nach dem Tode feines Vaters übernahm C. M. Schröder 1852 die Leitung der Fabrik und fuchte allmälig die erworbenen Erfahrungen bei feinen Pianos zu verwenden. Mit der Petersburger Induftrie- Ausstellung 1861 nahm das Gefchäft einen grofsartigen Auffchwung. Die Schröder'fche Pianofabrik liefert nach Angabe jährlich gegen 350 Inftrumente, meift Flügel, auch Pianinos und befchäftigt gegenwärtig im Haufe 118 und aufserhalb desfelben 43, im Ganzen circa 160 Arbeiter, denen in letzter Zeit durch Einführung verfchiedener Handmafchinen befondere Erleichterungen zu Theil geworden find. Der in der Ausftellung gezeigte Flügel ift von fehr folider Bauart und zeichnet fich durch einen frifchen, ungemein kräftigen, modulationsfähigen und namentlich fehr warmen Ton aus. Die Spielart ift angenehm und das Aeufsere fehr gefchmackvoll. Leider kann man ein gleiches Lob nicht den zwei hier ausgeftellt gewefenen geradfaitigen Flügeln der noch vor nicht langen Jahren fo hochangefehenen Firma J. Becker fpenden. Der Ton beider Flügel ift dumpf und ungleich, wenig modulationsfähig. Die Idee, die Saiten unter den Stimmftock gehen zu laffen, wie es bei dem einen Flügel der Fall ift, ift weder neu, noch verleiht fie dem Inftrument einen befonderen Werth. Der Befchaffenheit diefer Ausftellungsobjecte nach zu urtheilen, dürfte die Fabrik unter der Leitung ihres gegenwärtigen Befitzers im Rückgang begriffen fein. Ein treffliches Inftrument hatte die Firma Kral& Sailer in Warfchau eingefendet, nämlich einen überfaitigen Concertflügel mit Repetitionsmechanik. Der Ton ift grofs, dabei edel und klar, die Spielart ift zwar etwas fchwer, aber nicht gerade unbequem, die Arbeit gediegen. Aus Warfchau find noch die Firmen Andreas Hofer und Malecki zu nennen. Die erfte lieferte einen grofsen überfaitigen Flügel mit Stofszungen- Mechanik und einen Stutzflügel mit kreuzfaitigem Bezug. An dem Ton des erften läfst fich ein Mangel an Nobleffe ausfetzen, der des zweiten entwickelt einen etwas fchneidigen Charakter, der fich bei dem Gebrauche des Pedals mildert. Beiden ift übrigens eine leichte und präcife Spielart eigen. 4 48 Eduard Schelle. Malecki lenkte die Aufmerksamkeit durch eine Vorrichtung auf fich. mit der er den von ihm ausgeftellten, geradfaitigen Concertflügel ausgestattet hat, eine Neuerung, welche zum Theil das Ziel des gewölbten Refonanzbodens von Beregfzafzy anftrebt. Ein Motiv zur Wölbung des Bodens war, die Widerftandskraft desfelben gegen den Druck des Saitenbezuges zu fteigern. Zu demfelben Refultat fuchte Malecki auf einem andern Wege zu gelangen, indem er vermittelft einer am Refonanzboden angebrachten Agraffe dem einen Chor der Saite einen höheren Anhängepunkt auf der Platte als dem danebenliegenden gibt. Der Druck, den die niederen Saiten auf die Refonanz ausüben, wird mithin durch die Zugkraft der höheren paralyfirt und fo eine Entlaftung des Bodens erzeugt. Leider wird aber durch diefe Entlaftung ein fchwacher Ton erzielt, wie es fich an dem Inftrumente zeigte, weil dadurch die Schwingungsverhältniffe des Bodens beeinträchtigt werden; der Ton hat in der That trotz der fauberen, fleifsigen und foliden Conftruction nichts gewonnen, er ift vielmehr hart und von äufserft geringer Modulationsfähigkeit. Sturzwaage aus Moskau hatte einen Concertflügel mit kreuzfaitigem Syftem und Stofszungen- Mechanik geftellt. Der Ton könnte etwas beffer ausgeglichen, die Spielart leichter fein. Im Ganzen ift das Inftrument leidlich. Schliefslich ift noch Carl Haas aus Odeffa anzuführen, von dem zwei geradfaitige Flügel mit dünnem, fchreiendem Ton vorhanden waren. Mit einer Neuerung hatte fich auch die Firma Florence in Brüffel, die einzige, welche Belgien auf der Ausftellung im Clavierbau repräfentirte, eingefunden. Diefelbe ftellt fich an einem Pianino von kleinem Format, in zwei gebogenen Refonanzböden ftatt des gewöhnlichen flachen dar, deren concave Flächen an ihren Enden zufammenlaufen und eine Höhlung von I bis 1 Zoll am Querdurchmeffer bilden. Auf den Ton hat diefe Neuerung keinen günftigen Einflufs gehabt, denn diefer ift trocken und fchlecht. Das einzige Gelungene an dem Inftrument befteht in einer guten Abdämpfung. Trotz des kleinen Formates. hat der Erbauer die Rückwand des Pianinos mit nicht weniger als neun Spreizen aus Eichenholz verfehen. Aus derfelben Fabrik fanden fich noch ein Pianino und ein Concertflügel( Copie nach Erard), beide dürftig im Tone, vor. Die Preife der Fabrik fteigen für Flügel von 1800 bis 3000 Francs, für Pianinos von 1200 bis 2000 Francs. Aus Holland trafen wir nur eine Firma, nämlich B. Koch& Comp. in Amher, mit einem Pianino von höchft mittelmäfsigem und ungleichem Tone. ( Preis 600 fl.) Aus der Schweiz hatten die Ausftellung befchickt die bekannte Firma Hüni& Hubert in Zürich mit einem grofsen, geradfaitigen Flügel( Copie nach Erard), der Ton ift etwas kurz, im Discant namentlich fehr dünn; ferner mit zwei Pianinos, das erfte halboblique mit eifernem Raft- und Stimmftock, das zweite oblique; beide, wie der Flügel, folid gebaut aber ebenfalls wenig ausgiebig im Ton. Die Firma hat früher fchon beffere Inftrumente geliefert. Sprecher& Butte( Zürich) mit einem überfaitigen Stutzflügel mit eifernen Rahmen, von guter Arbeit; der Ton ift klar, gut egalifirt und entwickelt eine edle Klangfarbe. Ein ähnliches Lob gebührt auch dem Pianino mit fchrägfaitigem Bezug. Das Aeufsere ift fehr elegant. Die Firma nimmt jetzt in der Schweiz die hervorragendfte Stellung ein. J. Troft( Zürich) mit einem geradfeitigen Pianino von folider Arbeit; die Front des Kaftens ift mit einem Landfchaftsbilde gefchmückt, der Ton jedoch mittelmässig. Heinrich Efcher( Zürich) mit einem Pianino mit überfaitigem Bezug, und zwei geradfaitigen Pianinos; keines diefer drei Inftrumente erhebt fich über das Niveau der Mittelmäfsigkeit. Mufikalifche Inftrumente. 49 Sehr rühmlich hat fich dagegen Schweden, Norwegen und Dänemark bewährt. Hier verbindet fich ein energifches Streben, die in Amerika gemachten Fortfchritte praktiſch zu verwerthen, mit feinem Sinn und Gefchmack. Diefs gilt in erfter Inftanz von den Inftrumenten der Firma J. G. Malsmzö in Gothenburg. Diefelbe brachte einen überfaitigen Concertflügel mit Mechanik nach Herz und Oberdämpfung. Den Ton charakterifirt vornehmlich eine fehr feine Klangfarbe, namentlich im Discant, er wirkt mehr durch Gefang als Wucht und Kraft. Die Spielart ift ausgezeichnet; ferner einen Stutzflügel mit Stofszungen- Mechanik, endlich ein Piano in Tafelformat, überfaitig und mit Oberdämpfung. Diefes Tafelpiano gehört zu den fchönften Exemplaren, die wir in diefer Gattung kennen gelernt haben. Feinheit des Toncharakters, der Spielart wie der Arbeit am Bau treten an diefen beiden Inftrumenten, wie an dem Flügel als befonders eigenthümlicher Zug hervor. Alle drei Inftrumente find Copien nach Steinway. Preis per Stück 1200 Gulden. C. H. Billberg( Gothenburg) lieferte einen überfaitigen Concertflügel mit Repetitionsmechanik. Die Spielart ift etwas zähe, der Ton hell und fchön, allein im Discant etwas zu fchwach gegenüber dem Bafs; dann ein Pianino, fchrägfeitig mit Oberdämpfung, hell und gleichmäfsig im Ton und einer im Ganzen guten Spielart. In beiden Inftrumenten kennzeichnet fich eine gediegene Leiftung. Gebrüder Hals( Chriftiania) ein geradfaitiges Pianino von guter Arbeit, aber klein im Ton. Aus Dänemark erfchienen folgende Firmen: Hornung& Möller ( Kopenhagen), mit einem überfaitigen Concertflügel mit kurzem Capotafto, eifernem Stimmftock und Agraffen; der Ton ift von einer anfprechenden Klangfarbe, nur etwas dünn in der Mittellage. Preis 1000 Gulden. Ein Pianino, fchrägfaitig, 4 Fufs 4 Zoll hoch, fchwach, aber gut ausgeglichener Ton und gute Spielart. Carl Görgenfen( Kopenhagen) zwei fchrägfaitige Pianinos von guter Bauart und leidlich im Ton. J. H. Ehlert( Kopenhagen) ein fchrägfaitiges Pianino mit einer Einrichtung zum Transponiren. Der Ton ift mittelmässig. In der ungarifchen Abtheilung ift bereits der Flügel des Herrn Beregfzafzy gedacht worden, es wäre noch die Fabrik Strobel aus Peft zu erwähnen, deren beide Flügel von mittlerer Gröfse mit kreuzfaitigem Bezug und durchlaufendem Klangftock und Streicher'fcher Stofszungen- Mechanik in Betreff des Tones fehr fchätzbare Erzeugniffe find. In Italien und Spanien hat der Pianobau bisher zu wenig günftigen Boden gehabt, als dafs man auf ganz aufserordentliche Leiftungen gefafst fein könnte. In der Abtheilung des erften Landes bildete die einzige hervorragende Erfcheinung der Ruffe Sierers in Neapel, auch als Schriftfteller in feinem Fache bekannt. Er hatte einen grofsen, geradfaitigen Flügel und einen überfaitigen Salonflügel, beide mit englifcher Mechanik und ein Pianino( halboblique) gebracht. Der erfte enthält eine Verbefferung der Mechanik durch eine Feder unter der Schulter zu Gunften der Repetition. Der Ton ift hell und klar, die Spielart vorzüglich. An dem zweiten findet fich eine neue Zufammenfetzung der Mechanik vor. Die Eifenplatte ift zufammengefchraubt und mit einem Klangftock verfehen. Die Spielart ift ungemein leicht, der Ton aber nicht fo edel wie beim erften. An dem Pianino ift ebenfalls die leichte Spielart zu loben. Der Pianozug ift mit Tuchleiften verfehen. Das Inftrument hat Hinterdämpfung, der Ton ift hell und frei. Aus derfelben Stadt hatte noch die Firma Giovanni de Meglio& figli ausgeftellt einen grofsen überfaitigen Flügel mit breiter Kaftenform; die Breite ift nach der Bafsfeite hinaus erweitert, der Ton ift voll, aber nicht edel, die Spielart im Ganzen leicht; ein Pianino mit Vorderdämpfung, leichter Spielart, aber fehr dünn im Ton. 4* 50 Eduard Schelle. Von Giuſeppe Mola in Turin fand fich ein kreuzfaitiges Pianino im hohen Format vor, von fehr dürftiger Arbeit und höchft mittelmässigem Ton. Aus derfelben Stadt hatte auch G. Aymonia ein geradfaitiges Pianino ausgeftellt, das felbft den befcheidenften Anfprüchen kaum genügen dürfte. Ein geradfaitiges Pianino, welches Rudolf Grimme in Mailand geliefert, ift ebenfalls nicht derart, dafs es der italienifchen Pianofabrication eine höhere Achtung verfchaffen könnte. Die Arbeit ift dürftig, dem Tone fehlt Glanz und Charakter, die Spielart ift überaus zähe. In der fpanifchen Abtheilung feffelte in erfter Linie das Intereffe die Firma Bernareggi& Comp. in Barcelona, mit einem grofsen, überfaitigen Flügel, einem geradfaitigen Salonflügel und einem fchrägfaitigen Pianino. Bernareggi hatte 1862 in London und in Paris 1867 mit Glück ausgeftellt. Seine hier vorgeführten Inftrumente verrathen, dafs der Erbauer mit den neueften Fortfchritten vertraut ift. Der Ton des überfaitigen Flügels namentlich ift grofs und voll, die Spielart präcis. Beide vertreten die englifche Mechanik. Aus Barcelona hatte ferner J. Jorba zwei Pianinomechaniken nach dem neueften Syftem, die eine mit Ober- die andere mit Unterdämpfung geftellt. Beide Mechaniken find gediegen und fauber ausgeführt. Von geringerer Bedeutung waren die Firmen Miguel Soler in Saragoffa, mit einem geradfaitigen Pianino von guter Arbeit, aber klein und etwas dünn im Ton; Soler in Valladolid, mit einem Pianino, halboblique, überaus klein und unegal im Ton; Louis Caraye in Sevilla, mit einem geradfaitigen Pianino im hohen Format, von leidlichem Ton und guter Arbeit. Kein Land hatte fo grofse Erwartungen erregt, wie Amerika, wo bekanntlich der Pianobau in feiner höchften Vollendung blüht, und kein Land hatte denfelben fo wenig entſprochen wie diefes. Die amerikaniſche Abtheilung führte nur zwei, und zwar bisher bei uns ganz unbekannte Firmen vor, nämlich George Steck& Comp. in New- York und Heinzen, Rofen& Comp. in Louisville. Von der erften waren ausgeftellt ein Concertflügel und ein Tafelpiano, ein Pianino und ein tafelförmiges Inftrument. Ein grofser, ftarker und auch bis zu einem gewiffen Grade fchattirungsfähiger Ton läfst fich den beiden Flügeln nicht abfprechen, aber derfelbe hat einen ftark metallifchen Beiklang und entfaltet nichts weniger als einen edlen Charakter. Den Vorzug verdient jedenfalls das Tafelpiano wegen des weit beffer ausgeglichenen Tones. Auch die Spielart beider Inftrumente läfst Manches zu wünfchen übrig. Das Pianino ift for conftruirt, dafs der Refonanzboden an eine eiferne Platte angefchraubt ift und diefe das ganze innere Werk des Inftrumentes trägt und diefes alfo dadurch von dem äufseren Kaften ifolirt ift. Bei näherer Prüfung finden wir, dafs diefe Neuerung nichts ift, als die Variation einer Verbefferung, welche bereits Steinway & Söhne in New- York 1866 an ihren Pianinos angebracht haben. Als fchätzenswerthe Eigenfchaften des Inftrumentes find ein gefangvoller Ton und eine leichte Spielart zu bezeichnen. Am beften repräfentirte fich indefs die Firma durch das tafelförmige, mit einfacher englifcher Stofszungen- Mechanik verfehene Tafelpiano, welches an Toncharakter den anderen Inftrumenten weit überlegen ift. Obwohl diefe Ausstellungsobjecte ganz achtbare Leiftungen bekunden, fo genügen fie doch nicht den Anfprüchen, die wir an amerikaniſche Fabricate auf diefem Gebiete zu ftellen gewohnt find. Endlich empfahlen fich auch die Inftrumente keineswegs durch eine faubere und forgfältige Arbeit, um nach diefer Seite hin mit dem Anfehen eines muftergiltigen Charakters auftreten zu können. Die zweite Firma Heinzen, Rofen& Comp. in Louisville hat fich nur auf ein einziges grofses Tafelpiano von guter Arbeit und ziemlich gutem Ton befchränkt. Es geftaltete fich alfo die Vertretung der Clavierfabrication von Seite der verfchiedenen an der Wiener Weltausftellung 1873 fich betheiligenden Länder folgendermassen. Ausgeftellt hatten: Mufikalifche Inftrumente. Oefterreich Flügel 86 Pianinos 13 Ungarn 3 Deutfches Reich 35 92 Frankreich I I 23 England Rufsland Belgien. 4 ΙΟ I 238 Holland Schweiz Schweden Dänemark. Italien Spanien Amerika I 23142 2 164 Tafelpianos 51 I 2172384 I I 2 164 5 Der ftatiftifche Vergleich mit den beiden letzten Weltausftellungen lieferte folgendes Refultat: Die Londoner brachte 1862 Flügel.. 67 Pianinos. I50 Tafelpianos. 12 76 Die Parifer 1867 Flügel. Pianinos.. 152 Tafelpianos. IO Es geht aus diefem hervor, dafs Flügel und Pianino in die Bedürfniffe unferer Zeit weit mehr als damals einfchlagen, das Tafelpiano dagegen allmälig gänzlich verfchwinden dürfte. Streichinftrumente. Unter den im Orchefter verwendeten Inftrumenten nimmt das Streichquartett den Vorrang ein. Es ift noch heutigen Tags der vornehmfte Träger des orcheftralen Effectes, namentlich in den Satzformen der claffifchen Mufik, trotzdem dafs fich heute die Blasinftrumente im Vergleich mit der Zeit vor Beethoven unverhältnifsmäfsig in den Vordergrund gedrängt haben. In dem Streichquartette wiederum dominirt die Geige und das Cello; ebenfo fpielen fie beide im Concertfaale eine hervorragende Rolle und bieten noch heutigen Tags der Wiffenfchaft ein intereffantes Problem, denn es ift diefer noch nicht gelungen, eine erfchöpfende Theorie der Schwingungsverhältniffe der Saiten beim Spielen aufzuftellen. Die Geige mit ihrer Familie darf fich ferner eines alten Gefchlechtes rühmen, das fich bis in unfere Zeit in Form und Wefen vornehm intact erhalten hat, während Piano, Orgel und die meiften übrigen Inftrumente grofse Wandlungen durchmachen mufsten. Ob man nun freilich zu ihren Ahnen jene alten, mandolinartigen, mit einem Bogen geftrichenen Ton- Werkzeuge zählen darf, welche die orientalifchen Abtheilungen uns in mannigfacher Geftalt vorführen, oder ob die Fidel Volker's im Nibelungenlied, die Vidula Ottfried's in deffen Evangelien Harmonie, das Robec des Mittelalters wirkliche Familienähnlichkeit mit ihr aufweifen, laffen wir dahingeftellt; im XIV. Jahrhunderte wenigftens finden fich Spuren von ihrer Exiftenz in einer Form vor, welche die Grundzüge der heutigen fchon deutlich verräth. So befand fich in einer Nifche des gothifchen Portals der Capelle St. Julien des Ménétriers in Paris eine Statue, darftellend einen Mann fpielend auf einer Violine, welche an Geftalt und Gröfse den jetzigen fehr nahe kommt, fogar F- förmige Schall- Löcher hat. Im Anfang des XVI. Jahrhundertes finden wir endlich diefes Inftrument der Form und dem Charakter nach auf feiner letzten Entwicklungsftufe, welche es feitdem nie überfchritten hat. Wir finden diefe Thatfache in der öfterreichifchen Abtheilung an zwei derartigen alten Inftrumenten beftätigt, welche Herr Schmidt unter feinen eigenen 52 Eduard Schelle. Fabricaten dort ausgeftellt hat. Das eine derfelben, eine Geige, ftammt von Gaspard Duiffopruggar, richtig Tieffenbrucker aus Bologna in Italien her und wurde fpeciell 1519 für König Franz I. von Frankreich angefertigt. Die Geige findet fich jetzt im Befitz des Herrn Niederheitmann in Aachen. Im Untergrund fchimmert noch die franzöfifche Krone, auf jeder Seite von einem F eingerahmt, goldig hervor. Der Ton ift weich und edel. Somit wäre alfo nicht Feftatori il vecchio, ein Geigenmacher in Mailand und Zeitgenoffe des Gasparo di Salo in Brescia, der nach der gewöhnlichen Annahme die Viola verkleinert und daraus die Violine gefchaffen haben foll, der eigentliche Begründer des claffifchen Geigenbaues in Italien, fondern ein Deutfcher; denn der Name Tieffenbrucker weift offenbar auf deutfche Urfprünge zurück. Der genannte Tieffenbrucker foll der Lehrer von Gasparo di Salo gewefen fein, deffen Thätigkeit jedoch erft 1560 beginnt.* Von dem Letzteren rührt das zweite Inftrument her, eine Bratfche, angeblich 1520 erbaut, welche Jahreszahl freilich mit jenen hiftorifchen Daten im Widerfpruch fteht; follte aber diefe Viola in der That von dem letztgenannten Meifter herftammen, fo dürfte fie in eine fpätere Zeit fallen. Ein Schüler des Salo war der berühmte Amati in Cremona, mit diefem beginnt die glänzende Periode der Cremonefer Schule. Uebrigens macht fich in der Structur der Bratfche des Salo eine auffallende Aehnlichkeit mit jener der Violine des Tieffenbrucker bemerkbar, die fo weit geht, dafs die erftere wie die letztere ftatt der Schnecke am Hals mit einem gefchnitzten Portrait verfehen ift. Die Form hat noch etwas Unbeholfenes, gewiffermafsen Unfreies. Die Bratfche zeichnet fich durch einen fehr grofsen Körper bei einem unverhältnifsmäfsig kleinen Hals aus, entwickelt übrigens einen ftarken, gleichmässigen Ton. Sie befand fich früher im Befitze des Herzogs von Modena und ift jetzt Eigenthum des Majorauditors Dr. Franz Ritter von Gentilly. Für die Gefchichte des Geigenbaues haben die genannten Inftrumente einen unfchätzbaren Werth. Wir find defshalb den Befitzern zum gröfsten Danke verpflichtet, dafs fie ihre Reliquien bei Gelegenheit der Wiener Weltausftellung der Oeffentlichkeit nicht vorenthalten haben, umfomehr, da fich die hiftorifche Ausftellung nicht auf diefe zwei Inftrumente allein befchränkt, indem auch der Wiener Geigenbauer Bittner mit feltener Liebenswürdigkeit feine koftbare Sammlung von alten italienifchen Geigen, wie: Originalviolinen von Maggini, Carlo Bergonza, Amati, Quadanini, Andreas Guarneri, Antonio Stradivari, St. Serafino, zwei Violen von Maggini und Petrus Guarneri, ferner drei Prachtexemplare von Violoncellen des Petrus Guarneri, Andreas Guarneri, Antonio Geromino Amatt vorführten, ferner auch die ungarifche Abtheilung eine Anzahl Cremonefer Geigen von Amati, Giovanni und Giuſeppe Guarnerio, Stradivari, alfo aus der Blüthezeit diefer berühmten Schule, ausgeftellt von Liechtenſtein in Peft und Anderen, dann eine Violine von Stainer bringt und fomit, vorausgefetzt dafs die letzteren Inftrumente fämmtlich echt find, durch jene beiden Exemplare das gefchichtliche Bild des italienifchen Geigenbaues vervollſtändigt ift. Die Namen Stradivari und Guarneri bezeichnen die Glanzperiode des italienifchen Geigenbaues. Die von diefen Meiftern erzeugten Violinen find bis jetzt unerreichte Mufterinftrumente in Betreff der Klangfchönheit, fie verkörpern. diefelbe in der feinen Plaftik der Form, die ihnen, namentlich aber den Stradivaris eigen ift. In der Gefellfchaft der berühmten italienifchen Meifter that fich auch ein Deutfcher, und zwar ein Tiroler aus Abfam, nicht weit von Innsbruck, Jacob Stainer, hervor. Er hatte fich in der Schule Amati's gebildet und feine Inftrumente verrathen den Einflufs derfelben deutlich in der eigenthümlich hohen Wölbung, die bei ihnen über das von Amati gefteckte Mafs hinausgeht. Sie haben in Folge deffen einen weichen, flötenartigen Ton, der fich jedoch für die Bedürfniffe des Concert* Die Violine und ihre Meifter von J. Wafielewfki, Leipzig 1869. S. 7. Mufikalifche Inftrumente. 53 faales nicht wohl eignet. Stainer ift der eigentliche Begründer einer ſpecififch deutfchen Geigenbau- Schule. Seine Violinen galten lange als Vorbilder bei den deutfchen Geigenmachern, bis man in neuerer Zeit wiederum zu den italienifchen Meiftern zurückgekehrt ift. In Wien waren es namentlich Eifenhofer, Stadelmann und Stofs, welche diefe Reaction hervorriefen. So geftaltet fich alfo der Fortfchritt auf diefem Gebiete, der feit jener grofsen Periode gemacht ift, eigentlich zu einem Rückfchritt; der Hauptwerth der Arbeiten unferer heutigen Meifter beruht ja im Wefentlichen darin, dafs diefelben möglichft treue Copien jener alten italienifchen Originale liefern. Man hat nun auch hier einen neuen Weg anbahnen wollen, hat an der Violine, und vielleicht mehr als an einem anderen Inftrument experimentirt, um ein neues Syftem für die Conftruction aufzufinden und zu begründen. So glaubte der berühmte Akuftiker Savart in Paris dem Geheimnifs auf die Spur zu kommen, indem er der Geige eine viereckige Form gab und ftatt der gewölbten Refonanzböden geradflächige verwendete und die F- Löcher durch gerade Schlitzen erfetzte. Savart hielt zwar diefes Inftrument für den Ausdruck fanfter Gefühle ganz befonders geeignet, aber in Wahrheit hatte es gar keinen Ton und zu einem gleichen Refultate haben bisher alle derartigen Verfuche geführt. Der Toncharakter der Geige ift mit deren hiftorifchen Form fo innig verwachfen, dafs eine Veränderung an der letzteren eine Alteration der erfteren bewirkt. Die Ausftellung felbft lieferte uns einen fehr intereffanten Beweis dafür in einem nach dem netien Syfteme des Fürften Gregor Stourdza von dem Wiener Geigenmacher Zach gebauten Streichquartette, das wir bei einer mufikalifchen Production hören konnten. Nach der Mittheilung im Programm beabfichtigte der Fürft, mittelft feines erfundenen Syftems nicht nur eine Steigerung der quantitativen Fülle und Tonkraft gegenüber den Inftrumenten, fondern auch eine Klangfarbe zu erzielen, welche fich dem Timbre der menfchlichen Singftimme möglichft charakteriftifch nähert. Durch eine Vergröfserung des beftehenden Formats wäre der Grundcharakter der Inftrumente geopfert worden. Der Erfinder nahm daher feine Zuflucht zu der elliptifchen Form, als der günftigften für die Klangreflexionen und geftaltete die beiden Ausbauchungen der Geige in zwei in der Richtung der Queraxe zufammenftofsende Ellipfen um. Unglücklicherweife aber verhinderten die Forderungen der Appli catur, hier die Gefetze der Symmetrie gehörig einzuhalten. Die eine Ellipfe mufste eine Verfchiebung nach links hin erfahren, fo erhielten die Inftrumente jene barocke Geftalt, die unwillkürlich das Bild eines kropfartigen Auswuchfes wachruft. Sie find in der That die drolligften Mifsgeburten, welche die Familie der Ton- Werkzeuge bis jetzt in die Welt gefetzt hat. Diefer Umftand der Dinge liefse fich aber immerhin ertragen, wenn er durch eine Steigerung der Klangfchönheit aufgewogen wäre, allein die Erfindung kommt eigentlich nur der Bratfche etwas zu Gute. Mag auch der Ton der Geige etwas an Breite und Intenſivität gewonnen haben, fchöner ift er wahrlich nicht geworden; er erlitt vielmehr durch eine dunklere, bratfchenartige Färbung eine beträchtliche Einbufse an feinem normalen Charakter. Bei ihrem Zufammenfpiel im Quartett erzeugen diefe Inftrumente eine Monotonie in der Klangwirkung, welche auf die Dauer geradezu unerträglich wird; mit einem Wort, durch diefe Erfindung find wir wohl um ein Experiment, aber nicht um ein Refultat reicher geworden. Die Erfahrung lehrt, dafs gut conftruirte Geigen mit den Jahren an Klangfchönheit gewinnen, namentlich wenn fie ftets von gefchickten Virtuofen geſpielt werden. Wir können uns leider durch das Medium ihres jetzigen Tones nur eine fehr unfichere Vorftellung machen, wie die hier ausgeftellt gewefenen alten Cremonefer Geigen geklungen haben, als fie frifch aus der Werkstätte hervorgingen. Es liegt nun die Frage auf der Hand, ob es nicht möglich wäre, durch einen künftlichen Procefs dem Einfluffe des Alters zuvorzukommen und eine Geige ohne gewaltfamen Eingriff in der herkömmlichen Form von vornherein mit allen den 54 Eduard Schelle. vorzüglichen Eigenfchaften auszurüften, welche bis jetzt nur die Frucht der Zeit und des Gebrauches find. Auch nach diefer Richtung hin find verfchiedene Verfuche gemacht worden. So kam Vouilleaume in Brüffel auf die Idee, durch chemifche Präparate das Holz dem der alten Geigen ähnlich zu machen. Die aus diefem Materiale angefertigten Inftrumente zeichneten fich durch einen herrlichen, echt italienifchen Ton aus. Leider waren diefe Vorzüge von kurzer Dauer; die Geigen bewährten fich nicht und verloren in Folge deffen ihren Werth. Einen ähnlichen Verfuch dürften wir auch in dem Inftrumente entdecken, welches Herr Georg Gemünder aus New- York in der amerikanifchen Abtheilung unter dem prunkenden Titel„ Kaifervioline" ausgeftellt hat. Dagegen würde freilich der Erbauer proteftiren, denn er erklärt felbft in der kleinen Schrift, dafs er mit Hilfe dreier Wiffenfchaften, der Mathematik, Akuftik und Kenntnifs in der Auswahl des Holzes das Syftem der italienifchen Schule nicht nur erfafst, fondern in demfelben auch Fehler entdeckt habe.„ Ich habe ausgefunden, dafs die alten Meifter in ihrer mathematifchen Eintheilung und in der verfchiedenen Dicke der Ausarbeitung der Deckel und der Böden nicht zur Vollkommenheit gelangt find, fondern Fehler begangen haben. Diefe Fehler habe ich bei Anfertigung meiner Violinen zu vermeiden gefucht und glaube, diefe meine Aufgabe gelöft zu haben." So äufsert er fich felbft und erzählt uns auch im Weiteren, dafs er Violinen in Nachahmung der alten Vorbilder verfertigt habe, welche grofse Künftler, Kenner und Autoritäten erften Ranges von Europa und Amerika für echte, alte, italienifche Geigen anerkannt hätten, nicht ihres Tones wegen, fondern auch in der ganzen äufseren Erfcheinung. Das klingt nun allerdings fehr erbaulich; es hat aber viele berühmte Geigenbauer gegeben, welche mit denfelben Wiffenfchaften und den gleichen Talenten ausgerüftet waren und dennoch das Ziel trotz aller angeftrengten Bemühungen nicht erreichten. Wir hegen, offen geftanden, ungeachtet jener Ver ficherungen den Argwohn, dafs Herr Gemünder dennoch zu einer chemifchen Behandlung des Holzes feine Zuflucht genommen hat. Die in Rede ftehende Geige, eine getreue Copie nach Giuſeppe Guarneri, ift in der That fehr fchön dem Aeufsern nach und von ganz vorzüglichem Ton. Allein um den exorbitanten, echt amerikanifchen Preis von 10.000 Dollars, das ift gegen 20.000 Gulden, zu entfchuldigen, müfsten ihre Vorzüge erft die Zeitprobe beftehen. Ein echter Guarneri koftet kaum den fünften Theil diefer Summe; wer einen folchen befitzt, weifs, was er für die Zukunft hat, bei der Geige des Herrn Gemünder mufs es aber erft die Zukunft lehren. Die Geigenfabrication war auf der Ausftellung am reichlichften in der öfterreichifchen, deutfchen und italienifchen Abtheilung vertreten, wenn wir die Anzahl der Firmen zum Mafsftab nehmen. Unter ihnen ftehen felbftverftändlich Lemböck und Bittner, fchon wegen der vielen Verdienfte, die fie fich um den Geigenbau erworben haben, voran. Lemböck Gabriel, deffen Etabliffement feit 1840 befteht, hatte eine Anzahl Geigen, Copien nach A. Stradivari, Giuf. Guarneri, Maggini, Bergonza, per Stück 100 bis 150 fl. öfterreichiſcher Währung, ferner Violen und Celli, die letzteren per Stück 200 fl. öfterreichifcher Währung, ebenfalls Copien nach den genannten Meiftern ausgeftellt. Die Violinen Lemböck's haben einen vollen, aber zum Theil etwas harten Ton. Am meiften ſpricht die Copie nach Maggini an, die einen weicheren und anmuthigeren Klang als die anderen entfaltet. Befonders gelungen ift dem Meifter eine Viola, deren Ton dem Charakter der alten italienifchen Mufter nahekommt. Die beiden Celli zeichnen fich mehr durch Stärke als durch Nobleffe des Tones aus. Die fämmtlichen Inftrumente find fchon wegen ihrer guten, foliden Bauart durchaus preiswürdig. Eben fo rühmlich wie Lemböck bewährte fich auch Bittner David in feinen vorgeführten Inftrumenten. Diefelben beftehen in 4 Violinen, per Stück 100 fl., 2 Violen per Stück 80 fl., 6 Violoncellos per Stück 140 fl. und einer Viola d'amore zu 60 fl. öfterreichifcher Währung. Mufikalifche Inftrumente. 55 Bittner ift bekanntlich ein fehr feiner Kenner des alten italienifchen Stils und der Conftruction der Geigen, wie fchon feine bereits erwähnte ausgeftellte hiftorifche Sammlung darthut. Seine Inftrumente laffen an Solidität der Bauart nichts zu wünfchen übrig und feine Violinen heben fich durch einen zwar weichen, aber etwas kleinen und mitunter geprefsten Ton hervor; die Celli könnten etwas freier anfprechen. Dagegen zeichnen fich feine Violen durch eine edle und anmuthige Klangfarbe aus; die Viola d'amore hat einen fchönen, fanften Ton. Die Viola d'amore unterfcheidet fich im Bau wefentlich von der Violine; während ihre Oberdecke gewölbt ift, ift die Unterdecke flach, die Zargeneinbiegungen bilden zwei regelmäfsige Halbkreife und verlaufen nicht ausgefchweift und fo fpitzig wie bei der Violine. Die Löcher haben die Geftalt von denen, wie man fie bei den alten Contrabäffen, der Gamba und dem Baryton findet; der Wirbelkaften, welcher bei der Violine in einen zierlichen Schneckenkopf verlauft, endet hier mit einem oft recht künftleriſch gefchnitzten Amorkopf; der Saitenhalter ift fo gefchnitten, dafs die tieferen Saiten eine längere Spannung haben. Viele älteren Violen d'amore haben zwifchen dem Griffbrete und dem Stege ein zierlich ausgelegtes Schallloch. Sie ift mit fieben Darmfaiten und fieben Metallfaiten bezogen. Die fieben erfteren, wovon die drei tiefften mit Silberdraht überfponnen find, werden wie bei der Violine über den Steg und das Griffbret aufgezogen, die anderen fieben Metallfaiten find unter dem Saitenhalter an Stiften befeftigt und laufen von hier aus durch den Steg, welcher zu diefem Zwecke mit kleinen Löchern verfehen ift, unter dem Griffbret bis zu ihren Wirbeln. Die drei tiefften Metallfaiten find ebenfalls mit feinem Drahte überfponnen. Durch den Nachklang der Metallfaiten ift ihr Ton ein fehr fympathifcher. Matheffon fagt in feinem Werke Orcheftre I. Theil, S. 282:„ Die verliebte Viola d'amore führt den Namen mit der That, und will viel Languiffantes und Tendres ausdrücken. Ihr Klang ift argantin oder filbern, dabei überaus angenehm und lieblich." Sie pafst befonders für den gebundenen Stil, für träumerifche Melodien, für den Ausdruck des Entzückens und religiöfer Empfindung; fie eignet fich für den Vortrag in einfachen und in Doppeltönen, für Accorde von 3, 4 oder mehreren Tönen. Ein befonderer Reiz liegt in dem Arpeggio. Das fo lange verfchollen gewefene Inftrument, deffen Verfall Hektor Berlioz und andere Mufik- Schriftfteller lebhaft bedauerten, hat erft Meyerbeer für eine Romanze in den„ Hugenotten" wieder zu Ehren gebracht und deffen häufigere Anwendung im Orchefter wäre um fo wünſchenswerther, als es fich für gewiffe Stimmungsbilder nach dem oben Gefagten vortrefflich eignen würde. Wien befitzt an Herrn Kràl einen bedeutenden Virtuofen auf der Viola d'amore, welcher auch eine Schule für diefes Inftrument gefchrieben hat, um dasfelbe den Violinfpielern zugänglich zu machen. " Eine wahre Meifterleiftung bot uns Zach Thomas in Wien mit einer Geige nach Giuſeppe Guarneri, welche dem Aeufseren nach aus der Fabrik des berühmten Meifters herrühren könnte, fo täufchend ift an ihr auch in Stil und Farbe das Gepräge des Alters ausgedrückt, und ebenfo entspricht fie in Anbelang ihres gefangvollen, warmen Tones dem Originale, dem fie nachgebildet ift. Den wunderfchönen, altitalienifchen Klang verdankt fie zum grofsen Theil dem Materiale, einem fehr alten Holz, aus dem fie der Meifter gefertigt hat, und damit auch ihren dauernden Werth. Diefe Geige kann fich in der That mit Stolz neben der Amerikanerin zeigen, obwohl fie nicht wie diefe 10.000 Dollars, fondern nur ganz befcheiden 300 fl. öfterreichifcher Währung als Preis beansprucht. Aufser diefer Violine hatte Zach noch ausgeftellt: Eine Violine, neu formirt nach A. Stradivari, eine Violine, copirt nach A. Stradivari, eine Violine, amatifirt nach eben demfelben, dann eine Violine nach Jofef Guarneri und eine nach Kasper Duiffopruggar, ferner ein Violoncello nach A. Stradivari. Unter diefen genannten Inftrumenten hebt fich das Cello durch feinen Ton hervor, in welchem der echte Cello charakter fich abfpiegelt. Noch ift das von diefer Firma vorgeführte Quartett Stourdza zu erwähnen, deffen bereits oben gedacht wurde. 56 Eduard Schelle. An die Genannten reiht fich Carl Franz Schmidt in Wien mit zwölf Violinen an. Diefe find fämmtlich Copien nach Stradivari, Giuſeppe und Andrea Guarneri, P. Maggini, J. B. Rugerius und eine Prunkvioline mit reich verzierten Zargen und Boden. Sie find alle recht achtbare Leiftungen und haben einen kräftigen, guten Ton. Befonders aber lenkten die Erfindungen Schmidt's, welche in das Bereich der Lehr- Hilfsmittel fallen und fich ebenfalls hier ausgeftellt vorfanden, die Aufmerkfamkeit auf fich. Zunächft kommt da in Betracht ein Handleiter für fämmtliche Streichinftrumente aus Holz, nach der Form der regelrechten Inftrumentenhaltung gebildet, mit vier Federn am Inftrumente zu befeftigen. Diefem zur Seite fteht ein Handleiter für fämmtliche Bögen aus Holz, bei dem Frofch des Bogens zu befeftigen; derfelbe hat Vertiefungen für die regelrechte Fingerlage, aufserdem ift noch ein Bogenbafs aus Holz zu erwähnen, der an der Decke befeftigt wird, damit der Strich des Bogens auf den Saiten ein regelrechter fein mufs. Sämmtliche Erfindungen haben den Zweck, den Lehrer zu unterſtützen, dem Anfänger die richtige Armhaltung, eine gelenkige Bogenführung und correcten Bogenftrich anzugewöhnen; fie dürften von nicht unbedeutendem praktifchen Werthe fein und verdienen jedenfalls eine eingehende Beachtung der Fachmänner. Ein fehr gutes Quartett, Imitation nach Stradivari, im Preis zu 500 fl. öfterreichifcher Währung wies auch die Firma Ignaz Johann Bucher in Wien auf. Die Firma wurde von dem Vater des jetzigen Chefs derfelben, von Johann Bucher, 1816 gegründet. Der Letztere hatte von 1809 bis 1816 bei der damals fehr renommirten Firma Georg Stauffer in Wien gewirkt und viel zu dem guten Rufe beigetragen, deffen fich die Inftrumente Stauffer's erfreuten. Ferner führte Lütz & Comp. in Wien Streichinftrumente aller Art vor, die fich durch einen klangvollen, ftarken Ton empfehlen. Unter den Geigen befand fich eine zu dem Preife von 2 fl. 40 kr. öfterreichifcher Währung. In fchroffem Gegenfatze zur exorbitant theueren Gemünder- Geige liefern die Gebrüder Placht in Wien die billigften Violinen. Ein Dutzend derfelben fammt Bogen koftet 16 fl. öfterreichischer Währung. Diefe Geige eignet fich für den Anfänger und für das Chor von Landkirchen, wie auch zur Tanzmufik recht gut; fie wird in Graslitz in Böhmen( einzelne Theile freilich etwas primitiv) verfertigt; denn die Gebrüder Placht zählen nicht zu den Fabrikanten von Streichinftrumenten, fondern find nur Inhaber einer Mufikinftrumenten- Handlung. Unter den ausgeftellt gewefenen Objecten diefer Firma fanden fich auch eine Viola d'amore und eine Tenorgeige; die letztere hat einen etwas gröfseren Corpus als die Viola, mit hohen Zargen und vertritt bei jenen Orcheſtern, wo es an einem Cello mangelt, deffen Stelle. Aus den Provinzen haben fich folgende Ausfteller eingefunden: Stecher Jofef in Salzburg mit einer Geige von fchönem Modell, fehr gelungener Ausführung und warmem altitalienifchen Klang; Gfchwendtner Jofef in Innsbruck mit 2 Geigen zu 500 Gulden und 300 Gulden und einer alten Stainer als Reparatur; Diener Jofef aus Graslitz in Böhmen mit 3 Geigen, unter ihnen eine mit dunklem, faft fchwarzem Lack von weichem, aber keineswegs durch befondere Schönheit fich hervorhebenden Ton. Laut Angabe foll diefe Geige eine echt italienifche, und von einem Italiener, Namens Guanefa angefertigt fein; Volkmann Jofef aus Schönbach in Böhmen mit 6 Geigen, 2 Violen, I Cello und 1 Geigenkaften. Als ein Curiofum ift anzuführen eine Geige von Dr. Schaczik. Die Ecken des Corpus find befonders ftark ausgefchweift, fo dafs der untere Theil des Inftrumentes eine gröfsere Breite als gewöhnlich hat; defsgleichen auch die Zargen. Die FLöcher find klein zu nennen im Vergleich mit den Cremonefer Geigen. Der Saitenhalter ift ftufenförmig zugefchnitten, fo dafs die ftärkfte Saite zugleich die längfte ift. Die Einrichtung hat den Zweck, den Corpus nach hinten zu Gunften des Tones fo frei wie möglich zu geftalten. Leider ift die Qualität des Letzteren nicht derart, dafs fich die neue Entdeckung bewährte, der Ton hat vielmehr einen zwitterhaften, nichts weniger als feffelnden Charakter. Endlich wären noch zur Mufikalifche Inftrumente. 57 Vervollſtändigung zwei Geigen zu erwähnen, angefertigt 1870 von einem Grafen Leopold Martini in Galliano. Beide zeichnen fich in der That durch eine fchlechte Bauart und nicht minder fchlechten Ton aus. In der ungarifchen Abtheilung ragten auf dem Gebiete der Streichinftrumente Wenzel Schunda und S. Nemeffanyes in Peft hervor. Schunda hat ein Streichquartett gebracht, das fich durch feine gediegene Qualität um fo mehr empfliehlt, als der Preis verhältnifsmäfsig fehr billig ift, nämlich nur 150 Gulden öfterreichifcher Währung beträgt; Nemeffany es zwei Violinen von fchöner Factur und edlem Ton. In der deutfchen Abtheilung war es hauptfächlich die Firma Grimm in Berlin, welche zunächft durch ihren langbewährten Ruf die Aufmerkfamkeit feffelte. Grimm hat ausgeftellt: 1. Ein Quartett, zu 1000 Thaler. 2. Einen Doppelkaften mit zwei Violinen zu 400 Thaler. Die Geigen find von fchöner Form und gutem Holz; unter den Inftrumenten ift befonders die Viola als ganz vorzüglich hervor zuheben. Eine andere Berliner Firma, H. Knopf, brachte eine Violine zu 80 Thaler, Imitation, der Ton ift ftark und fchön. Eine ganz befondere Beachtung hat Herr Schünemann aus Hamburg zu beanfpruchen, zumal er durch die Schuld feines Vertreters von der Jury ganz zur Seite gelaffen wurde. Derfelbe hat 3 Geigen und 1 Cello geliefert. Unter den erften machte fich die kleinfte Geige bemerkbar, die fich auf der Ausftellung befand. Die gröfste Länge des Inftrumentes beträgt nicht mehr als 20 Centimeter, die gröfste Breite nur 6 Centimeter und 7 Millimeter und dabei ift es durchaus correct und regelrecht gebaut. Einen künftlerifchen Werth hat es freilich nicht, aber es ftellt der Gefchicklichkeit des Meifters ein Ehrenzeugnifs aus. Die zwei Geigen, eine nach Giuſeppe Guarneri, die andere wie das Cello nach Stradivari, find von ganz vorzüglicher Arbeit; in Betreff der Kraft und Helligkeit des Tones hebt fich die nach Giuſeppe Guarneri gearbeitete Violine befonders hervor. Diefe Inftrumente gehören entfchieden zu dem Beften, was die Ausftellung auf diefem Gebiete aufzuweifen hatte. Die grofsen Vorzüge diefer Geigen find theils auf Rechnung der Gefchicklichkeit des Erbauers zu fetzen, theils auf die Vortrefflichkeit des Materials. Das letztere befteht in einem Holz, welches bereits ein Säculum überdauert hat, und damit ift auch die Garantie gegeben, dafs diefe Inftrumente bei guter Behand lung mit der Zeit nur an Werth gewinnen werden. Die Violinen ftehen, die eine, die nach Guarneri im Preife zu 300 Gulden, die andere, die nach Stradivari, im Preife zu 200 Gulden, das Cello nach Stradivari zu 300 Gulden. Hervorragendes leiftete auch F. A. Pfabs, ebenfalls aus Hamburg, mit der von ihm ausgeftellten Violine; man könnte fie nach ihrem hellen und zugleich weichen Ton eine fogenannte Meiftergeige heifsen. Zwei ganz vortreffliche Violinen, die eine Imitation nach Nikol. Amati, die andere nach Giuſeppe Guarneri, hat Anton Haff aus Augsburg in Baiern geliefert; jede derfelben, einfchliefslich des Kaftens koftet 80 Gulden. Aus Regensburg fendeten Schulze& Kerchfteiner ein Quartett zu 400 Thaler, ferner vier Violinen und zwar die erfte eine Copie nach Jofef Guarneri 100 Thaler, die zweite eine Copie nach Peregrino Zanetto mit fchön eingelegter Arbeit zu 100 Thaler, die dritte eine Copie nach Maggini zu 100 Thaler, die vierte eine Copie nach Stradivari zu 100 Thaler. Die genannten Inftrumente find von guter Factur und zeichnen fich durch einen warmen, echt italienifchen Ton aus. Auch Mittelwalde, jenes kleine Gebirgsftädtchen in Baiern, hart an der Tiroler Grenze, welches durch feine Geigenfabrication gewiffermafsen einen hiftorifchen Ruf erhalten, fand fich in der deutfchen Abtheilung reichlich vertreten. Die Kunft des Geigenbaues wurde dorthin fchon im XVII. Jahrhundert durch einen Schüler Stainer's, nämlich Egydius Klotz und deffen Sohn Matthäus überführt und bildet noch heute eine Erwerbsquelle der Bewohner. Die Fabrication gefchieht nach dem Princip der Arbeitstheilung; jeder Arbeiter hat immer einen 58 Eduard Sehelle. " beftimmten Beftandtheil anzufertigen und befchränkt fich immer nur auf diefen Theil, die Zufammenfetzung, Lackirung und Montirung beforgen ebenfalls wieder andere, ftets befonders nur dazu berufene Arbeiter. Diefe verfchiedenen Beftandtheile, fowie auch die ganzen Inftrumente werden von den fogenannten„, Verlegern" übernommen und bilden für diefe einen fehr einträglichen Handelsartikel. Zu diefen ,, Verlegern" gehört das Haus Neuner& Hornfteiner. Von demfelben war ausgeftellt ein Contrabafs zu 70 Gulden, Cello zu 50 Gulden, Viola zu 8 Gulden, 7 Geigen von verfchiedener Gröfse herab bis 1/2 Format zu Preifen von 3 Gulden bis 6% Gulden. Ferner haben aus Mittelwalde die Ausftellung noch befchickt: Johann Reiter mit einem Streichquintett, beftehend in 1 Cello, 3 Violinen, 1 Viola, zufammen zu 500 Thaler. I. A. Baaders& Comp. mit einem Quartett, beftehend in 1 Violoncello zu 70 Gulden, I Viola zu 36 Gulden, 2 Violinen jede zu 25 Gulden. Sämmtliche vorgeführten Inftrumente tragen das Gepräge der fabriksmäfsigen Erzeugung an fich, fie halten fich auf dem Niveau anftändiger Mittelmäfsigkeit, find aber recht brauchbar, Holz und Manufactur recht lobenswerth. Eine ähnliche Rolle wie Mittelwalde fpielt auch Mark Neukirchen in Sachfen, indem diefer Ort in der Erzeugung von Mufikinftrumenten aller Gattungen, nicht nur von Streichinftrumenten allein, grofse Fruchtbarkeit darlegt. In Markt- Neukirchen ift die Firma Heberlein Heinrich Theodor jun., welche dem Rufe nach der Firma Grimm in Berlin zunächft fteht, etablirt. Diefelbe fendete zur Wiener Weltausftellung fieben Violinen, und zwar eine fogenannte ruffifche zu 15 Thaler, eine nach Nikol. Amati zu 20 Thaler, zwei nach Giuſeppe Guarneri zu 25 Thaler und zu 30 Thaler, eine nach Antonio Stradivari zu 70 Thaler, eine Violine nach Paolo Maggini, alt imitirt, zu 40 Thaler. In Anbetracht der Preife bilden fämmtliche Inftrumente höchft verdienftliche Leiftungen. Aus demfelben Ort haben ferner ausgeftellt: Moriz Gläfel: Ein Streichquartett, nämlich ein Cello, und zwei Violinen, Copien nach A. Stradivari. Hervorzuheben find das Cello und die Viola als befonders gelungene Inftrumente, der Ton der Viola namentlich ift rund und voll und kennzeichnet in feinem Klangwefen den echten Bratfchencharakter. Das Cello macht den Eindruck, als fei es fchon längere Zeit gefpielt. Für fämmtliche Inftrumente find elegante Etuis aus Paliffander vorhanden; Preis 250 Thaler; einzeln koften ein Violoncello 75 Thaler, Viola 40 Thaler, zwei Violinen im Doppelkaften 100 Thaler. Michael Schuft er jun.: Ein Streichquartett, nämlich Cello zu 30 Thaler, Viola zu 222 Thaler, zwei Violinen, jede zu 20 Thaler. Die Firma erzeugt in der Regel nur Geigen von 12 bis 21 Thaler, das Cello könnte beffer gefirnifst fein; dann eine Collection von Violinen verfchiedener Factur; endlich. Victor Em. Wettengel: Drei Violinen zu 25, 20 und 15 Thaler. Im Weiteren brachten: M. Amberger in München verfchiedene, fehr brauchbare Streichinftrumente von fehr guter Factur und zu billigen Preifen; Ranftler in München, für das Orchefter recht brauchbar, von gutem Holz, gutem Lack und leidlich im Ton. Der Preis per Stück 90 Gulden; ferner J. Rofer: Zwei Violinen in Cremonefer Manier, beide, obwohl gewöhnlich im Ton, recht annehmbare Inftrumente, fie fallen wie die Fabricate der beiden vorherangeführten Firmen in die Kategorie eines anftändigen Mittelgut. zu Noch find aus München zu nennen: X. Thunhart: Ein Cello 80 Thaler, der Werth des Inftrumentes fteht unter dem Preife; C. Padewet: Violinen von unglücklicher Imitation nach Guarneri; J. Haslwandter: Violinen, Mittelgut. Unter den Ausftellern von Streichinftrumenten fanden fich noch C. Rautmann in Braunfchweig mit einem Quartett, nämlich Cello, Viola, zwei Violinen von guter Factur und anfprechend im Ton. Preis 308 Thaler; G. Hoehne in Weimar: Ein Quartett, Cello, Copie nach Giuſeppe Guarneri, zwei Mufikalifbhe Inftrumente. 59 Violinen, eine nach Maggini, die andere nach Gafpardo di Salo, Preis des Quartettes 400 Thaler, zwei Violinen à 80 Thaler, Cello 160 Thaler, Viola 80 Thaler, eine Violine nach Giuſeppe Guarneri; Ferdinand Diehl in Darmftadt mit einem Contrabafs zu 300 Gulden, Cello zu 200 Gulden, Viola 100 Gulden, zwei Violinen zu 100 Gulden. Unter den Inftrumenten ift namentlich das Cello von fchöner Klangfarbe; die Viola könnte einen weniger verfchleierten Ton haben, wird jedoch im Quartett guten Effect machen. Die Violinen find fchneidig im Ton. J. J. Held aus Beuel( Rheinprovinz) zwei Violinen mit Doppelkaften und Bogen zu 75 Thaler, der Ton der Geigen ift zwar etwas fcharf, aber gut egalifirt. Die Firma L. Kriener aus Stuttgart brachte drei Violinen zu 88 Thaler, mit Bogen und Käften, aufserdem zwei Violinen mit Stahlfaiten, fogenannte Stahl geigen. Das Inftrument gehört in das Bereich der Zither, und zwar der Streichzither und bildet ein Seitenftück zu diefer. Die Streichzither, die auch in der öfterreichifchen Abtheilung unter den Firmen Lux, Kindel und Kircher fich vorfand, hat einen platten Corpus von herzförmiger Geftalt mit zwei Schalllöchern und ein gewölbtes Griffbret mit kleinen Bünden nach dem Syftem der gewöhnlichen Zither, über diefe Bünde laufen drei und vier kleine Stahlfaiten. Am Rücken befinden fich drei kleine Pflöcke, damit beim Spielen der Corpus nicht den Tifch berührt. Die Stahlgeige wird wie eine Violine behandelt, hat aber vier Stahlfaiten, welche, wie bei diefer, über einen Steg laufen und in der Violaftimmung ftehen. Sie ähnelt in Form der fogenannten, jetzt aufser Gebrauch gekommenen Philomela, von der einige Exemplare in der additionellen Ausftellung fich befanden. Bei der Letzteren weichen die Schalllöcher in der Form von denen der Geige vielfach ab, bei der Stahlgeige find fie den F- Löchern der Viola d'amore ähnlich. Zu diefer Claffe von Inftrumenten gehört auch das Streichmelodion, von dem fich Exemplare bei Heidegger in Paffau und M. Amberger in München ausgeftellt fanden. Es hat einen der Geige gleichen Corpus und ift auch mit gewöhnlichen F.Löchern verfehen, dagegen hat das Griffbret Bünde wie die Streichzither. Am oberen Ende des Corpus, das heifst am Anfange des Halfes, ift eine Kerbe von Eifen angebracht, welche in ein an irgend eine Platte angefchraubtes Eifen eingefchoben wird, fo dafs beim Spielen der ganze Corpus frei in der Luft fchwebt. Wie bei der Streichzither finden fich auch hier die Bafsfaiten auf der rechten Seite und nicht auf der linken, wie bei der Geige, daher der Stimmftock eine andere Stellung erhalten hat. Die Saiten des Melodions haben die gewöhnliche Violaftimmung. Der Ton desfelben ift, wenn die Saiten gut geftrichen werden, ätherifch und lieblich und macht befonders einen reizenden Effect, wenn das Inftrument von einer Zither und einer Guitarre begleitet wird. Die Firma Georg Heidegger in Paffau hat aufser dem bereits erwähnten Streichmelodion auch fehr brauchbare Violinen zu billigen Preifen ausgeftellt. Die Firma, obwohl fchon länger bekannt, hat befonders feit 1870 eine grofse Thätigkeit und tüchtiges Streben entfaltet und erfreut fich eines ftets fich fteigernden Umfatzes ihrer Fabricate, fo dafs fie jetzt anftatt 5 Arbeiter, wie im Jahre 1870 bei ihrem Beginne, 36 Arbeiter befchäftigt. Ein dem Streichmelodion ähnliches Inftrument ift die fogenannte Stahlviola, welche H. Wach ausgeftellt hatte. Der Corpus derfelben gleicht dem des Streichmelodions. Am Rücken des Vordertheiles feines Corpus hat das Inftrument zwei kleinere Pflöcke und einen gröfseren am äufserften Ende des Halfes, fo dafs es, zum Behuf des Spielens auf den Tifch geftellt, eine fchräge Stellung erhält. Ein Vorbild der Stahlviola lieferte ebenfalls die additionelle Ausstellung, nur dafs diefes Inftrument oben in den Wirbeln in einen metallenen Schallbecher ausläuft, und zwei ähnliche Schallbecher ftatt der gewöhnlichen F- Löcher in dem Refonanzboden in den Zargen des Buges angebracht find. Die franzöfifche Abtheilung enthielt nur zwei Firmen, Sylveftre in Lyon und Thibouville- Lamy in Paris; allein beide haben einen weitgehenden 60 Eduard Schelle. Ruf, den fie auch in der Wiener Ausstellung glänzend bewährten. Namentlich find die Cellos, die Bratfchen und insbefondere die drei Geigen, welche H. C. Sylveftre ausgeftellt, wahre Mufterinftrumente, fowohl nach Ton als nach Factur. Auch die Violinen von Thibouville find höchft preiswürdig zu nennen. Nicole Vouilleaume in der belgifchen Abtheilung gehört ebenfalls zu den tonangebenden Firmen auf diefem Gebiete. Von ihm waren zwei Streichquartette von trefflicher Mache ausgeftellt. Der Ton des Cello hat zwar etwas Herbes, der Klang der Geigen dagegen ift warm und von echt altitalienifchem Klang. Ein reichliches Contingent an Ausftellern lieferte zwar auch die italienifche Abtheilung, allein die Leiftungen derfelben dienten nur dazu, den tiefen Verfall Italiens in diefem einft von ihm in bis jetzt unerreichter Höhe entwickelten Kunftund Induftriezweig ans Licht zu ftellen. Nur eine unter den vielen Firmen, nämlich Enrico Ceruti aus Cremona, der Stadt der Amati, Guarneri, Stradivari u. f. w. kann für ihre vorgeführten Violinen eine gewiffe Anerkennung beanfpruchen; diefelben reihen fich doch halbwegs nach Factur, Bauart und nach Ton, der wohl ziemlich derb ift, noch an das Beffere an, was gerade in diefem Zweige der Kunftinduftrie von den oben gedachten Ländern geliefert ift. Den höchft betrübenden Rückgang, der im Geigenbau aus den hier vorhandenen Streichinftrumenten hervortritt, kann eine neue Erfindung von Antonio Aloyfio in Venedig, nämlich das Metallichord, um fo weniger ausgleichen, als diefes neue Inftrument in keiner Beziehung nur einigermafsen künftlerifchen Werth beanfpruchen darf. Das Metallichord bildet einigermafsen ein Pendant zur vorhin erwähnten Stahlgeige, indem es einen Bezug von Stahlfaiten befitzt, unterfcheidet fich aber in der Form wefentlich von diefer, wie überhaupt von der Violine. Der Corpus hat am vorderen und hinteren Theil eine Verfchallung; die vordere ift etwas niederer als die andere. Statt der F- Löcher befindet fich an der rechten Zarge ein rundes Schallloch. Die vier Stahlfaiten laufen über zwei Stege. Diefelben ruhen mit einem Fufs auf einem dritten, unter der tiefften Saite auf dem Refonanzboden entlang ziehenden niedrigen Bafsfteg. Unter dem Griffbret befindet fich ein zweites, ebenfalls mit vier Stahlfaiten und einem zum Behufe der Stimmung beweglichen Steg und Wirbeln; diefe vier Saiten werden nicht geftrichen, fondern haben den Zweck, mitzuklingen, und follen die Wirkung der oberen verftärken. Der Stimmftock befindet fich in der Mitte des Inftrumentes und nicht wie bei Geigen nach der linken Seite zu. Die beiden tieferen Saiten find befponnen und die Stimmung ift die der Bratfche. Das Inftrument leidet von vornherein an dem Hauptfehler einer durchaus uncorrecten Menfur, die Factur ift ziemlich roh, der Ton hart und fchneidig. Unter den in der italienifchen Abtheilung vorhandenen neuen Streichinftrumenten ift auch noch eine kleine Geige mit einem mandolinförmigen Corpus und drei in Quinten geftimmten Saiten. Statt der F- Löcher finden fich zwei rhomboidenförmige Einfchnitte mit einem Loch in der Mitte des Holzes, das von ihnen umrahmt ift. Der Klang des Inftrumentes ift nicht übel und hat eine Aehnlichkeit mit dem Quintaton der Orgel. Nächft Ceruti und Aloyfio wären noch hervorzuheben: Marconi Antonio in Conegliano, Trevifo, mit zwei Contrabäffen von fchönem, markigem Ton, und Fiorini Raphaele in Bologna, unter deffen Inftrumenten fich eine Violine durch einen weichen und angenehmen Ton hervor thut. Doch dürfte fie fchon oft gefpielt fein und verräth auch im Weiteren manche Symtome eines höheren Alters; eine andere, welche entfchieden das Gepräge der Neuheit hat, ift als ein durchaus mifslungenes Inftrument zu bezeichnen; ein Cello desfelben Ausftellers erhebt fich ebenfalls nicht über eine dürftige Mittelmäfsigkeit. Zur Vervollſtändigung führen wir noch die weiteren Firmen an, nämlich: Gioffredo Benedetto in Turin: Violinen, eine Viola und ein Violoncell; Melegari fratelli Enrico e Pietro in Turin: Violinen, eine Viola, Violoncell; Guadagnini Antonio in Turin: zwei Violinen nach A. Stradivari, jede zu 150 Lire, eine. Viola nach A. Stradivari zu 200 Lire; Orzero Tommafo in Alufikalifche Inftrumente. 61 Turin eine Violine; Praga Eugenio in Genua: Violine, Viola, Violoncell; Ravenna Cav. Gio. Battifta in Ganua: Violine; Soccol Pius in Genua: Violine, Viola, Violoncello; Antoniziati Cajetan in Mailand: Violinen nach Amati und Guarneri; Cattignoli Jofef in Mailand: Violine mit Bogen; Manzoni Lorenz in Mailand: Violine mit Bogen; Degani Eugen in Montagnana( Padua); Cardi Ludwig in Verona: Violinen, Viola, Violoncell; Luppi Johann in Mantua: Violine, angeblich von Guarneri, reftaurirt von Thomas Balestrieri aus Cremona in Mantua; Sgarbi Jofef in Finale( Modena): Contrabafs, Violoncell, Viola und Violinen; Leper Dominik in Rom: grofse Violine; Trojani Franz in Rom: eine Violine zu 200 Lire; Petroni Anton in Rom: Violine von Ebenholz; Filippi comm. Philipp: Violoncell, Viola, Violinen. Blasinftrumente. Holz Blasinftrumente. Zu den fchwierigften und zugleich undankbarften Ton- Werkzeugen gehören die Blasinftrumente. Obgleich fie an Klangfülle, an Farbenreichthum ihres Ton wefens die Streich- und Tafteninftrumente bei Weitem übertreffen, fo find fie doch an Ausdrucksfähigkeit unendlich befchränkter und bieten dem ausübenden Künftler in Folge ihres Organismus weit gröfsere Schwierigkeiten. Sie haben überdiefs das Schickfal, dafs fie mit der Entwicklung der Mufik nicht in gleichem Schritt bleiben, fich mit einem Wort nicht nach einem beftimmten Syftem vervollkommnen konnten. Diefs rührt zum Theil von der Stellung her, die fie im Orchefter einnahmen, fo lange diefes feine ganze Schwerkraft vorwiegend auf das Streichquartett legte. Die Componiften benützten fie damals hauptfächlich zu harmonifchen Füllungen, in befonderen Fällen auch zu gewiffen charakteriftifchen Effecten und vermieden nach Kräften, ihnen etwas zuzumuthen, was ihr Leiftungsvermögen hätte auf eine bedenkliche Probe ftellen können. Es ift bekannt, welche Klippen Mozart zu umgehen hatte, als er feinen berühmten Pofaunenfatz für den fteinernen Gaft im„ Don Juan" fchrieb, und noch heutigen Tags bildet die ebenfalls berühmte Hornfanfare im Scherzo der„ Eroica" eine Aufgabe, welche unfere Horniften trotz ihrer Gefchicklichkeit und der vervollkommneten Inftrumente nicht im Stande find, mit Sicherheit zu löfen. Im Ganzen und Grofsen kann man fagen, dafs die Intentionen der grofsen, fchaffenden Künftler an diefer Gattung von Ton- Werkzeugen von jeher den gröfsten Widerftand gefunden haben, und zwar aus dem Grunde, weil diefelben den Bedürfniffen der fortfchreitenden Kunft ftets nach zeitweiligem Vermögen angepasst wurden. Die Hinderniffe, welche der Vervollkommnung der Blasinftrumente fo lange fich in den Weg gelegt haben, entſpringen nun fchon aus deren Materiale wie Form. Es ift doch jedenfalls weit fchwerer, eine Röhre von Holz oder von Metall dem mufikalifchen Ausdrucke völlig dienftbar zu machen, als ein Streich- oder Tafteninftrument. Eine Röhre von einer beftimmten Länge gibt beim Anblafen nur eine geringe Anzahl von Tönen, eine Erweiterung der Scala ift nur zu ermöglichen, wenn die Röhre durch Bohrung von Löchern getheilt wird. Ferner bedingt die künftlerifche Manipulation mit einem Rohrinftrumente gewiffe künftliche Vorrichtungen, wie Klappen und Ventile an demfelben, ohne welche man den Ton nicht gehörig beherrfchen könnte. So ift nun auf dem Wege fucceffiver Zufätze und zweckmäfsiger Erweiterungen jener complicirte Mechanismus herangewachſen, welcher einen vollen und geübten Künftler fordert und zugleich diefe Gattung von Inftrumenten vor dem Dilettantismus fchützt; in der That haben nur fehr wenig Arten derfelben aufser den Kreifen der Künftler einige Verbreitung gefunden. Die Blasinftrumente zerfallen nach ihrem Material in zwei Hauptclaffen, die einander mit einem felbftftändigen Charakter gegenüberftehen, nämlich die 62 Eduard Schelle. Holz- und Blech- Blasinftrumente. Unter den erfteren lenkt die Flöte ein allgemeines Intereffe auf fich, als das Inftrument des„ füfsen, irdifchen Verlangens", wie es Schelling in feiner Aeſthetik der Tonkunft bezeichnet, und in der That war fie ja, namentlich in unferer Wertherperiode, das mufikalifche Symbol der modernen Sentimentalität. Ueberdiefs hat die Flöte auch ein glänzender, hiftorifcher Nimbus gefchmückt, denn ihre Anfänge follen parallel mit der Orgel und fich an die Pansflöte knüpfen, ja noch mehr, fie follen fogar bis in den Olymp der unfterblichen Götter hineinreichen; denn, wie uns die Mythe fagt, hat Pallas Athene die Flöte erfunden. Die Göttin warf fie aber fort und verfluchte den, der fie aufheben würde, weil fie in der Quelle des Ida fah, wie beim Spielen des Inftrumentes ihre Backen auf Koften der Schönheit fich aufbliefen. Das Flötenfpiel mufste alfo damals grofse Anftrengungen verurfachen, denn es ift bekannt, dafs auch Alcibiades eine Antipathie gegen das Inftrument hatte, weil das Flötenfpiel das Geficht fo verunftaltet. So ift unfere moderne Flöte das unfchuldige Opfer der Phantafie geworden. Denn aus diefen Andeutungen, wie aus anderen Nachrichten geht hervor, dafs die fogenannte Flöte der Alten durch ein keffelartiges Mundftück angeblafen wurde und alfo mit dem Inftrumente, welches wir jetzt unter diefem Namen kennen, gar keine Aehnlichkeit haben konnte. In Wahrheit abėr ift wohl die Flöte aus der Schwegel, der Schweizer oder Querpfeife entstanden und wahrfcheinlich eine deutfche Erfindung und bei den Franzofen, wo fie fchon frühzeitig Eingang fand, zum Unterfchiede von der auch in Deutfchland bis in die Mitte des XV. Jahrhundertes in Gebrauch ſtehenden Schnabelflöte, flûte Allemande und in England German flûte genannt. An Alter ift ihr die aus der Schalmei hervorgegangene Oboë überlegen. Schon in den beiden erften Jahrzehnten des vorigen Jahrhundertes fehen wir die Technik an diefem Inftrumente bedeutend entwickelt, wie aus den Concerten Haendl's auf der Oboë hervorgeht. Ihr fcharfer, dabei keufcher und heller Ton hatte fie fchon frühzeitig fehr beliebt gemacht; fo äufsert Matthefon( Orchefter I. 268),„ fie käme nach der flûte Allemande der Menfchenftimme wohl am näheften, wenn fie manierlich und nach der Singart tractirt werde, wozu ein grofser Habitus und fonderlich die gantze Wiffenfchaft der Singekunft gehöret. Werden aber die Hautbois nicht auf das Allerdelicatefte angeblafen( es fei denn im Felde oder inter pocula, wo mans eben fo genau nicht nimmt), fo will ich lieber eine gute Maultrummel oder ein Kammftückchen davor hören und glaube, es werden ihrer mehr alfo verwehnet feyn". Und fo verhält es fich noch und die Oboë verlangt fowie das Fagot einen feinen, gewiegten Künftler, wenn fie ihre Reize entfalten foll, und zwifchen den Lippen eines nicht hinreichend gebildeten Spielers erklingt fie leicht bis zum Unleidlichen fcharf und rauh. Auch die Clarinette, das jüngfte unter diefen Inftrumenten, erfunden gegen Ende des XVII. Jahrhundertes von dem Nürnberger Flötenmacher Denner, dürfte als eine Variation der alten Schalmei aufzufaffen fein, obwohl fie fich durch eine weitere Bohrung und einen runden, üppigeren Ton von der Oboë, welch' letztere mittelft eines doppelten Rohrblattes, der fogenannten Röhre, intonirt wird, während das Mundftück der Clarinette nur ein, aber viel breiteres Blättchen enthält, unterfcheidet. Der Familie der letzteren gehört das Fagot an, eines der älteften unferer jetzt gebräuchlichen Orchefterinftrumente; es iſt aus dem Bombard, dem gewöhnlichen Bafspommer, welcher durch eine Röhre in Form eines S intonirt wurde, entftanden. Auch bei diefen genannten Blasinftrumenten treten jene Unvollkommenheiten des Mechanismus, auf welche bereits hingewiefen wurde, jetzt noch ftark zu Tage, wenngleich die gröfsten Uebelftände befeitigt find. Die Hauptfchwierigkeit für den Spieler befteht darin, dafs er den Ton zum Anfchlag nicht vorfindet, fondern ihn fich gewiffermafsen künftlich fchaffen mufs. So ftehen manche Töne von Natur zu tief und müffen durch ftärkeres Anblafen ins richtige Verhältnifs gebracht werden, bei anderen findet das Gegentheil ftatt. Der Geigenfpieler befindet fich freilich in einer ähnlichen Lage, auch er mufs den Ton bilden; bei Mufikalifche Inftrumente. 63 ihm jedoch handelt es fich nur, die richtigen Theile der Saite zu erfaffen, und jedenfalls ift da die Procedur ficherer, als bei einer Flöte, Clarinette oder Oboë, wo der Künftler in Betreff der Qualität und der Reinheit des Tones im Grunde nur auf fein Gehör, nicht zu fagen auf feinen Inftinct angewiefen ift. Einen Beweis dafür liefert, dafs durchfchnittlich in den Orcheſtern gute Bläfer weit feltener find, als gute Geiger. So hat es beiſpielsweife auf der Flöte feine Schwierigkeit, eine durchgängige Reinheit und Gleichheit des Tones zu erzielen. Das Inftrument hat nämlich nur fieben offene Tonlöcher und durch diefe foll eine Scala von zwölf Tönen hervorgebracht werden. Um die fehlenden Töne zu erzeugen, muss man fich aufserordentlicher Hilfsmittel, nämlich der Klappen bedienen. Die alte D- Flöte hatte nur eine Klappe für Dis, heutzutage ift die Anzahl diefer Klappen bis auf fünfzehn geftiegen. Den felbft bei allen Verbefferungen ftets vielen Unvollkommenheiten, an welchen das Inftrument bisher gelitten, ift nun durch den finnreichen Mechanismus eines eigenthümlichen Klappenfyftemes abgeholfen, welches der Hofmuficus Böhm in München erfunden hat. Zunächft erhielt jeder Ton der Scala fein eigenes Tonloch, und zwar an der Stelle, die ihm nach den akuftifchen Principien zukommt. Die Ton- oder Grifflöcher felbft find fo grofs wie möglich gebohrt und werden durch Klappen gefchloffen, welche rechtwinkelig an langen, parallel mit der Achfe der Flöte laufenden, metallenen Stielen befeftigt find. In Folge diefer Einrichtung wurde alfo zunächft die Trennung der Klappen von den fie in Bewegung fetzenden Hebeln bewirkt. Diefe Klappen beftehen zum Theil aus offenen Ringklappen, die durch den Finger gefchloffen werden, zum Theil aus gedeckten Klappen. Der Vortheil diefer Einrichtung befteht darin, dafs, wenn durch den Fingerdruck die Ringklappen gefchloffen werden, auch die dem Tone entſprechenden Tonlöcher durch die gedeckten Klappen fich fchliefsen und mithin ein Finger die Arbeit von zwei oder drei Fingern verrichtet. Das Rohr hat die cylindrifche, der Kopf die nöthige conifche Form.* Das Syftem Böhm ift übrigens auch bei Clarinetten mit gutem Erfolge in Anwendung gebracht worden. Die Clarinette hatte anfangs nur 7 Tonlöcher und 1 A- und 1 B- Klappe, gegenwärtig befitzt das Inftrument 8 Tonlöcher und 14 Klappen, welche in neuefter Zeit bis auf 17 vermehrt find, fo dafs gegenwärtig die Clarinette 19 Klappen befitzt. Der eigentliche Begründer der modernen Clarinette wäre demnach Ivan Müller, der zuerft 13 Klappen herftellte. Die Hauptfchwierigkeit bei diefem Inftrumente befteht in der Bildung der Töne, weil der Spieler genöthigt ist, die Finger von einer Klappe zur anderen hinübergleiten zu laffen. Diefem Mangel hat erft die Mechanik Böhm's abgeholfen. In Frankreich hat das Syftem Böhm längft Eingang gefunden und es wäre zu wünſchen, dafs die nach diefem Syftem conftruirten Flöten und Clarinetten bei unferen Oicheftern in Gebrauch kämen, namentlich hätten unfere Confervatorien die Pflicht, zu forgen, dafs folche Inftrumente endlich einmal in Praxis gebracht würden; mag auch der Toncharakter, namentlich bei der Flöte, an Weichheit etwas verlieren, fo kann diefer geringe Nachtheil gegenüber dem grofsen Vortheil nicht in Betracht kommen, welchen diefes Syftem fowohl in Betreff der Anfprache und Reinheit des Tones, fowie in Betreff der gröfseren Wirkungsfähigkeit des Inftrumentes bietet. Es liegt nun einmal in der Natur der Dinge, dafs ein jeder Fortfchritt mit gewiffen Opfern erkauft wird. Machen wir doch diefelbe Erfahrung auf dem Gebiete des Pianos mit der Wiener und der englifchen Mechanik und auf dem Terrain der Blech- Blasinftrumente mit dem alten Natur- und dem modernen Ventilhorn. Die Ausftellung hat uns indefs, und zwar insbefondere in der öfterreichifchen Abtheilung, einen Beweis gegeben, dafs die Flöte auf dem Wege des alten Syſtems manche Vervollkommnung erfahren hat. In diefer Richtung haben fich namentlich * Ausführlich und fachgemäfs ift das Böhm'fche Syftem behandelt von Dr. K. Schafhäutel, in dem Berichte über die deutfche Induftrie- Ausftellung in München 1854. 5 64 Eduard Schelle. die Firmen Ziegler und Stecher in Wien ungemeine Verdienfte erworben und zwar nicht nur um die Flöte, fondern um die Holz- Blasinftrumente überhaupt. Die erftere Firma, nämlich Johann Ziegler, befteht bereits feit dem Jahre 1820 und geniefst gegenwärtig einen bedeutenden Ruf auf diefem Gebiete. Aus ihrer Fabrik fanden wir 10 Flöten mit B- Fufs und 14 Klappen, II Clarinetten, 1 Oboe und 4 Piccolos vor, fämmtliche Inftrumente von vorzüglicher Qualität bis auf die Oboë, welche einen harten und trockenen Ton hat. Stecher Carl hat geliefert im Ganzen 4 Clarinetten, 3 Fagots und I Piccolo. Hervorzuheben ift eine Clarinette mit einer Verbefferung der Klappen, wodurch es möglich ift, ganz bequem von H auf Cis, Dis, Gis u. f. w. bindend und ohne alle Schwierigkeit zu spielen, ferner ein Fagot, aus Ahorn angefertigt, von weicher, warmer Klangfarbe, guter Bauart und durch die vortheilhafte Anbringung der Klappen dem Bläfer eine grofse Bequemlichkeit beim Spielen bietend, dann ein Fagot von Paliffanderholz von fehr guter Stimmung, fchönen, runden Bafs- und Mitteltönen und leichter Anfprache bis zum hohen D. Ausserdem noch ein Tritonikon und ein fogenanntes Clairiophon, eine Bafsclarinette von Blech. An diefe beiden Firmen reiht fich zunächft die Firma Friedrich Koch in Wien, welche durch eine Clarinette, Oboë und eine Flöte vertreten war. Die erfte zeichnet fich durch eine Verbefferung der H- und Cis- Klappen aus. Neu ift ferner an dem Inftrumente, dafs das Mundftück durch Schrauben befeftigt war. Der Ton ift in allen Lagen gut ausgeglichen und dasfelbe kann man der Oboë ebenfalls nachrühmen. Die Firma Jofef W. Lausmann in Linz fehen wir an dem Beftreben betheiligt, diefe Inftrumente zu verbeffern. So fanden wir unter ihren Ausftellungsobjecten eine Oboë, bereichert um eine Klappe zu einer bequemeren Grifflage. Die Mechanik ift fehr gut, der Ton jedoch nur in der tiefen Lage fchön, in den höheren dagegen fpröde und hart. Ferner ift noch hervorzuheben eine Altclarinette in F, im Umfange von vier Octaven und fchöner, dabei praktiſcher Conftruction; das Inftrument hat in der Tiefe und der Mittellage einen fehr weichen Klang, in der Höhe dagegen ift er fcharf. Im Ganzen jedoch mufs man zugeftehen, das fowohl Altclarinette wie Altflöte keine erfpriefsliche Erweiterung der Familie abgeben. Dann ift noch zu erwähnen eine Clarinette wegen ihres vollen, grofsen Tones. Die Firma Wenzel Bradka hatte zwei Fagots, Contrafagots nebft Flöte und Piccolo ausgeftellt. Unter den Fagots befindet fich eines aus Ebenholz mit zwei Flügeln in der Parifer und Wiener Stimmung. Der Nutzen diefer doppelten Stimmung fpringt nicht in die Augen. Dem Inftrumente ift nur die Bedeutung eines Experimentes beizumeffen. Der Ton ift zwar grofs, aber hart. Ferner lenkt eine Clarinette in B die Aufmerkſamkeit auf fich, weil hier das gewöhnliche Syftem mit dem Bermann's verbunden ift. Der Ton ift leidlich und verräth in Aufserdem ift diefe feinem Klangwefen eine zu enge Bohrung des Rohres. Clarinette mit einem Mundftücke von Kryftall verfehen. Ueber den praktiſchen Nutzen derartiger Mundftücke aus einem anderen Stoffe als Metall, gehen die Anfichten der Fachmänner auseinander. Die Wahl diefer Stoffe rührt von dem Beftreben her, die Einflüffe der Temperatur zu paralyfiren, man hat fogar zum Marmor gegriffen, aber ohne einen glücklichen Erfolg zu erzielen. Gut gearbeitet ift auch eine Bafsclarinette von Neufilber und Meffing. Flöte und Piccolo wollen nicht viel bedeuten. Als weitere Ausfteller bezeichnen wir noch die Firma Gebrüder Placht in Wien, welche jedoch keine Stellung unter den producirenden Firmen einnimmt, fondern nur eine Niederlage von Mufikinftrumenten verfchiedener Art befitzt, wie fchon im Berichte über die Streichinftrumente erwähnt wurde. In der ungarifchen Abtheilung fand fich die Firma Wenzel Schunda mit einer Flöte und einer Oboë vor; die erfte mit einer neuen Vorrichtung an Mufikalifche Inftrumente. 65 dem Mundftücke, um demfelben zum Behufe der Stimmung eine fefte Stellung zu geben. Die Inftrumente find gut gearbeitet und in vieler Beziehung preiswürdig. In der deutfchen Abtheilung nennen wir zunächft die Firma Michael Schufter in Mark- Neukirchen( Sachfen). Diefelbe brachte zwei Flöten, vier Clarinetten in Es, B, A, C; die C- Clarinette hat einen guten Ton, die in B einen etwas fchwachen und verfchleierten; am meiften befriedigt die Clarinette in A; ihr Ton hat den echten Klang charakter der Clarinette. Die Flöten haben einen fchwachen, aber nicht unangenehmen Ton; ganz annehmbare Inftrumente. Ferner ftellte die Firma noch Piccolos und Flageolets. Sämmtliche Inftrumente find fehr billig im Preife, von 19 bis 24 Thaler. Die Firma Georg Berthold zu Speyer in Baiern befchickte die Ausftellung mit vier Clarinetten, drei Clarinetten in B und darunter eine von Elfenbein mit Glas- Mundftück zu 80 Thaler, eine andere in hoher Stimmung von fchwarzem Holz mit Glas- Mundftück zu 40 Thaler; ferner eine Clarinette in Es von fchwarzem Holz zu 32 Thaler; ferner mit zwei Oboën in Parifer Stimmung, die eine von Rofen-, die andere von fchwarzem Holz, beide zu 40 Thaler; unter den Oboën ift die letztere vorzuziehen; fie ift aufserordentlich fchön und ftark im Ton und gehört zu den beften Inftrumenten diefer Art auf der Ausftellung; dann mit zwei C- Flöten, die eine mit Elfenbein- Kopf in hoher, die zweite in Parifer Stimmung; die erfte koftet 32, die andere 30 Thaler; endlich mit einer Bafsclarinette in B und hoher Stimmung, fie hat zwar einen fchönen, aber nicht gehörig ausgeglichenen Ton, hat eine Fagotform, Schallbecher und Mundftück treffen oben zufammen. Das Syftem Böhm vertritt aufs Rühmlichfte die Firma Th. M. Mollenhauer& Söhne in einer Altflöte von Neufilber und einer gewöhnlichen C- Flöte, beide in hoher Stimmung. Im Weiteren führte die Firma noch vor eine C- Flöte, ebenfalls in hoher Stimmung, aber nach alter Conftruction; eine Clarinette nach eigenem Syftem, welches aber eine Variation des Syftems Böhm zu fein fcheint, eine Bafsclarinette in hoher Stimmung; dann eine Oboë von Buchsbaum von etwas gewöhnlichem Ton. Ferner find noch zu erwähnen H. J. Kerner in Berlin: Zwei Flöten in C- und H- Fufs; eine andere nach dem Syftem Böhm zu 95 Thaler; eine Oboë in Buchsbaum- Holz und ein Piccolo in D; endlich eine Clarinette in B. Unter den Flöten ift die nach dem Syftem Böhm gebaute die gelungenfte, das befte der Inftrumente das Piccolo. Heinrich Berthold in Stuttgart: Zwei Clarinetten von Grenadillholz und mit 16 Klappen, die eine in B, die andere in Es; die erfte zu 30 Thaler, die zweite zu 35 Thaler und eine C- Fufs- Flöte, ebenfalls aus Grenadillholz zu 35 Thaler. Die beiden Clarinetten haben einen fehr anfprechenden Ton, der der Flöte dagegen ift etwas fchwach, aber fonft von anmuthiger Klangfarbe. W. Hefs in München: Eine Clarinette in B nach Syftem Bermann, fehr gewöhnlich und fchwach im Ton. Heinrich Stofs in Offenbach( Heffen): Mehrere Clarinetten und Flöten, unter den letzteren eine nach dem Syftem Böhm conftruirt, eine Oboë, diefer fehlt leider das, was den Werth der Oboë ausmacht, nämlich der eigenthümliche Charakter im Ton; endlich A. A. Euler in Frankfurt am Main: Eine Flöte, eine Clarinette, ein Piccol; im Ganzen leidliche Inftrumente, das Piccolo befonders rein in der Stimmung und von gutem Ton. In der franzöfifchen Abtheilung begegneten wir den drei Hauptfirmen von Frankreich in der Fabrication von Mufikinftrumenten, nämlich Goumas& Comp., Thibouville- Lamy und Gautreau aîné, als Namen von bewährtem Ruf, auch als Ausfteller von Holz- Blasinftrumenten. Bei Goumas& Comp. feffelte die Aufmerkfamkeit durch feine Geftalt ein Quartett von fogenannten Saxophons. Sie zeigen eine ähnliche Form, mit Ausnahme des Soprans, wie die nach neuer Art conftruirten Bafs clarinetten. Bei dem Sopran verengt fich die gerade Röhre nach 5* 66 Eduard Schelle. obenhin und geht in das Mundftück hinein, während bei der Clarinette der Schnabel in die Birne, das fogenannte Umfatzftück eingefchoben wird. Bei Alt und Tenor fpringt der Hals mit dem Schnabel rechtwinklig in der Biegung hervor, beim Bafs ift der Hals abermals heruntergebogen und befchreibt eine gröfsere Windung. Bei den drei letzten Inftrumenten nimmt der Schallbecher die Richtung nach obenhin, an demfelben befinden fich zwei Klappen. Diefe Inftrumente find aus verfilbertem Kupfer geformt. Ihr Ton ift von etwas bleicher Farbe, ausgiebig und warm; er hat Vieles von dem Charakter eines auf einem Saiteninftrumente geftrichenen Tones, und defshalb würde die Einführung eines folchen Quartettes in unfere Harmoniemufik von grofsem Nutzen fein und hier das Streichquartett aufs Wirkfamfte erfetzen. Diefe Saxophons ftehen: Sopran und Tenor in B, Alt und Bafs in Es. Für den Concertgebrauch ift das Altfaxophon das geeignetfte. Die Inftrumente find leicht und die Spielart macht keine Schwierigkeit. Der Preis der Inftrumente ift in Rückficht auf das koftbare Material mäfsig zu nennen. Die Saxophons werden nur aus Metall gefertigt, aber fie gehören nach dem Charakter des Tones wie der Mechanik zu den Holz- Blasinftrumenten. Sax inParis hat diefe Inftrumente erfunden, aber fpielbar find fie erft durch Goumas geworden. Meyerbeer hat bekanntlich Saxophons im„ Nordftern ,, und der " Afrikanerin" einzuführen getrachtet. Aufserdem hat Goumas noch fehr fchöne Clarinetten, Alt- und Bafsclarinetten geftellt. Die Bafs clarinetten dürften vielleicht in Betreff des Tones nicht fo leicht ihres Gleichen finden. Zwei Fagots, ein englifches Horn und zwei Oboën bewähren nach Bauart wie Ton den wohlbekannten Ruf der Fabrik aufs Rühmlichfte, defsgleichen auch die Clarinetten. Befonders zeichnet fich unter ihnen eine Clarinette in A, nach Syftem Böhm mit Klappen für Es und B aus. Der Ton ift in allen Regiſtern gleich, und hat etwas flötenartiges und bewahrt dennoch den Charakter der Clarinette. Von vorzüglicher Klangwirkung find endlich auch die Flöten und Piccolos; auch hier waltet, wie überhaupt in Frankreich, das Syftem Böhm vor, doch befindet fich unter den Flöten eine nach altem Syftem conftruirte. In Betreff der Bauart läfst die Letztere nichts zu wünſchen übrig. Es bot fich hier Gelegenheit zu einem Vergleich diefer beiden Syfteme, und zwar mit einer Metall- und Holzflöte nach Böhm. Den Letzteren mufste man fchon den Vorzug geben wegen des in allen Lagen wunderbar ausgeglichenen und dabei kräftigen Tones, in welcher Beziehung ihnen die Flöten des alten Syftems und felbft die beften entfchieden nachftehen. Die Fabrik Goumas befchäftigt nicht weniger als 150 Arbeiter und verwendet zur Bohrung der Löcher Dampfkraft. Die bereits genannten FirmenThibouville- Lamy und Gautreau aîné legen ihren Schwerpunkt nicht auf Holz-, fondern auf Blech- Blasinftrumente. Die in die erfte Claffe fallenden Inftrumente, wie Clarinetten gehören in die Rubrik des Mittelgut, dagegen hat Thibouville Saxophons von verfilbertem, Gautreau defsgleichen von reinem Kupfer ausgeftellt, die recht preiswürdig find. Unter den Objecten der letzteren Firma befindet fich auch eine für uns wenigftens neue Familie von Inftrumenten, die allerdings aus Metall angefertigt, aber wie die Saxophons aus der Clarinette, aus dem Fagot und zum Theil aus der Oboë hervorgegangen find. Diefe Inftrumente paradirten fchon unter dem Namen Sarrufophons auf der Parifer Ausftellung 1867. Der Erfinder des Inftrumentes ift Gautreau aîné, aber die Idee und Veranlaffung gab ihm der Militär- Kapellmeifter Sarrus, nach deffen Namen die Inftrumente getauft wurden. Sie waren beftimmt, die in der franzöfifchen Militärmufik ausgefchloffenen Oboën und Fagots zu erfetzen. Die ganze Familie geht in auffteigender Linie vom fogenannten Sopranino in Es bis zum Contrabafs in B. Das Sopranino, wie der Sopran in B, gleichen in der Geftalt ganz einer Oboë von Metall; vom Alt an ift die Röhre in paralleler Richtung gebogen und der Hals fpringt mit dem Mundftück heraus, wie beim Fagot, das Mundftück befteht wie beim Fagot oder der Oboë in einem Doppel Mufikalifche Inftrumente. 67 blatt. Die Spielweife der Inftrumente gleicht der der Clarinette; der Ton läfst eben in feinem Charakter die Abftammung der Inftrumente von der Oboë und dem Fagot nicht. verkennen. Für unfere Harmoniemufik dürften diefe Inftrumente keine Verwendung finden, weil das Regifter, welches fie vertreten, beffer befetzt ift. In der italienifchen Abtheilung haben wir die Firma Brizzi& Nicolai in Florenz zu nennen, welche mit einer Metall- und zwei gewöhnlichen Flöten nach dem Syftem Briccioli auftritt, ferner die Firmen Aleffandro Ghirlando in Verona mit einer Oboë nach dem Syftem Ghirlando, dann Pelitti Antonio in Mailand mit drei Holz- und fechs Blechclarinetten von anfprechendem Ton und zwei Piccolos, endlich Gaëtano Sp and a von Bologna mit einem Metallfagot von neuer Form. Es ift kleiner und bequemer zu handhaben und zeichnet fich durch einen guten Ton aus. In der fpanifchen Abtheilung hatte Antonio Romero in Madrid Inftrumente nach feinem eigenen Syftem ausgeftellt. Antonio Romero, Profeffor am Confervatorium zu Madrid, war fchon 1867 in der Parifer Weltausftellung aufgetreten. Er verfolgte dasfelbe Ziel wie der Franzofe Albert, nämlich durch die Verbefferung der B- Clarinette die in A und C überflüffig zu machen. Seine hier vorgeführten Inftrumente bezeichnen einen bedeutenden Fortfchritt, aber beweifen, dafs uns die beiden letzteren Clarinetten noch immer fo nothwendig find wie früher. Blech Blasinftrumente. Die Blech- Blasinftrumente leiden fchon wegen des fpröderen Materials, aus dem fie geformt find, an noch gröfserer Unvollkommenheit, als die Holz- Blasinftrumente. Sie find lange Zeit die Achillesferfe der Orchefter gewefen. Durch ihr fchwerfälliges, ungefügiges Wefen waren dem Componiften fozufagen die Hände gebunden; er fah fich mitunter zu den gewaltfamften Combinationen genöthigt, um feine Intentionen zu einem entſprechenden Ausdruck zu bringen. So mufste der Abt Vogler in einer Symphonie zu zwei Hörnern von verfchiedener Stimmung, nämlich in Fund G, feine Zuflucht nehmen, um einen abfteigenden Scalengang vom Horn in Tönen von gleicher Farbe angeben zu laffen. Während alfo bei den Holz- Blasinftrumenten bald durch Bohrung von Tonlöchern eine regelmäfsige Abftufung der Töne erzeugt wurde, fah fich der Bläfer bei den mit einem Keffel- Mundstück verfehenen Blech- Blasinftrumenten lange Zeit auf feine Lippen allein angewiefen, durch deren Schwingungen die Luftfäule in dem Rohre zum Vibriren gebracht wurde, und dennoch vermochte er, fo lange demfelben die Seitenlöcher fehlten, nur eine mangelhafte Scala zu erzielen. Die Töne der Scala entſtehen nämlich hier durch Theilung der Luftfäule in ihre Aliquottheile; ihre Erzeugung durch den Procefs des Blafens allein, ohne Beihilfe künftlicher Mittel, kann fich mithin nur auf ein gewiffes Mafs befchränken. So fprechen bei den Inftrumenten diefer Gattung im Naturzuftande, das heifst mit intacten Röhren, zunächft am leichteften die harmonifchen Obertöne an; eine diatonifche Scala läfst fich erft von der dritten Octave des Grundtones an ermöglichen. Soll nun diefe Scala in die Tiefe ausgedehnt werden und die chromatifchen Töne zur Verwendung kommen, fo bietet fich dem Bläfer kein anderes und nur ein fehr dürftiges Mittel in dem Stopfen des Schallbechers mittelft der einen Hand dar. Nur ein Inftrument in der Familie, nämlich die Pofaune, ift nach diefer Seite hin bevorzugt, indem hier durch den verfchiebbaren Zug, nämlich eine zu einem Doppelfchenkel gebogene Röhre, in welche die beiden Schenkel der Hauptröhre hineinlaufen, die letztere nach Belieben verlängert und verkürzt werden kann. Bei den Trompeten freilich wufste man zu Bach's Zeiten diefem Uebel durch eine gröfsere Länge und Enge des Rohres bis auf einen gewiffen Grad abzuhelfen und eine leichtere Anfprache in der höheren Lage, dem fogenannten Clarino, zu 68 Eduard Schelle. bewirken; denn was jener Meifter dem Inftrumente zugemuthet hat, vermag heute kein Trompeter zu übernehmen, aber auf der anderen Seite kann das Inftrument in diefer Form den Bedürfniffen des Orchefters nicht mehr entſprechen. Das Horn alfo und die Trompete forderten fchon frühzeitig, als die renitenteften unter den Blechinftrumenten, den Scharffinn zur Verbefferung ihres Mechanismus heraus. Ein grofser Fortfchritt war fchon die Erfindung der fogenannten Inventionshörner, welche Hampel in Dresden, in der Mitte des vorigen Jahrhundertes zu verdanken ift. Die Conftruction war derart, dafs man jetzt ein einziges Horn für alle Tonarten brauchen konnte, indem man nämlich Krummbogen von verfchiedener Länge, je nachdem der Grundton der Tonarten fie erfor derte, in die Röhre einfchieben und diefe fomit nach Belieben umftimmen konnte; allein die Hauptfache blieb doch immer, die vollſtändige chromatifche Scala auf dem Inftrumente, ohne Beihilfe des Stopfens zu ermöglichen. Mit der Trompete hatte diefs fchon im Jahre 1802 Weidinger durch ein Klappenfyftem erzielt, allein der Ton erlitt dadurch eine zu grofse Einbufse an Charakter und Klang, als dafs man aus diefer Erfindung für den Orcheftereffect einen weittragenden Nutzen ziehen konnte. Die Klappentrompete war im Grunde nur als Solound Concertinftrument zu verwenden, und den Bedürfniffen der nur auf Harmoniemufik angewiefenen Militärcapellen gefchah dadurch keine durchgreifende Abhilfe. Da trat 1815 Stölzel aus Plefs in Oberfchlefien mit feinem Mafchinenfyftem hervor und damit beginnt eine neue Aera für den Bau der Blech- Blasinftrumente. - Die Mafchinen nämlich beftanden in zwei kleinen Röhren, welche, oben gefchloffen, an zwei Punkten ihrer Höhe, aber quer durchbohrt, in den beiden Enden des angefügten Bogens mittelft einer Feder fich auf- und abfchieben liefsen. Sie hiefsen Wechfel, in Deutfchland wurden fie Mafchinen, in Frankreich Piftons genannt. Diefe Erfindung nahm der Metall- Blasinftrumentenmacher Adolf Sax in Paris auf, erfetzte aber beide Röhren durch eine einzige, gröfsere Schubröhre, welche nach ihrer Form Cylinder hiefs. Uebrigens hat es mit der Erfindung des Herrn Adolf Sax feine eigene Bewandtnifs. So fchreibt der königlich preufsifche General- Mufikdirector, Herr W. Wieprecht, vom 4. April 1867 an den MufikInftrumentenmacher V. F. Červený in Königgrätz:" Im Jahre 1844 fo ich mich erinnere trat Herr Adolf Sax mit feinen fogenannten Saxhörnern in Paris als Erfinder derfelben, an welchen er fich meiner Pumpventile unverändert bedient hat, auf. Was aufser diefen als Erfindung der Saxhörner conftatirt werden kann, das wird wohl jeder Fachmann einfehen; felbft die aufrecht ftehende Form feiner Saxhörner war nicht neu, indem fchon 1835 meine Bafstuba in diefer Form exiftirte und auch in Oefterreich die Bombardone und noch viel früher in Paris die Ophikleiden diefe aufrechte Form führten." Die angeführten Pumpventile find nichts Anderes als die Saxventile, und die Ehre der Erfindung hätte daher nach diefem Schreiben nicht Sax, fondern Wieprecht zu beanfpruchen. Aber auch mit den fpäteren Erfindungen des Herrn Sax, welche auf der Parifer Weltausftellung 1867 fchwer in die Wagfchale zu Gunften desfelben fielen, verhält es fich fehr bedenklich. So z. B. die Blechinftrumente mit fechs erhöhten Piftons," piftons ascendents", welche das Rohr verkürzen und fomit die Note um einen halben Ton erhöhen, ftatt' ihn, wie bei unferen Mafchinen, zu vertiefen. Diefelbe Anzahl von Ventilen hat bereits Wieprecht 1835 bei feiner Tuba angewendet; die erhöhenden Piftons ftammen aus Rufsland her, und wurden als unpraktiſch zur Seite gelegt. Ebenfo verhält es fich mit dem drehbaren Schallbecher, welcher bereits 1849 in Oefterreich bei einem Altinftrument, Cornotragone, in Anwendung gebracht wurde. Ebenfo wenig hat die Anwendung von Klappen und Piftons das Anrecht auf das Verdienft einer Neuerung, da fie bereits fchon früher in Baiern in Gebrauch * Denkfchrift über öfterreichische und franzöfifche Metallinftrumente von V. F. Červený, Königgrätz 1868. Selbftverlag. Mufikalifche Inftrumente. 69 waren, aber hier bald als werthlos befunden wurden. Ueberhaupt zielen alle die fogenannten Neuerungen des Herrn Sax darauf hin, die Natur der Blechinftrumente zu entftellen und bezeichnen mithin eher einen Abweg, keineswegs aber einen eigentlichen Fortfchritt. Das Syftem, einen Cylinder mit zwei gekrümmten Oeffnungen zu durchbrechen, mit welchem Sax aufgetreten war, wurde in Wien und Böhmen bei einem Hahn angewandt, fo entftand die deutfche Cylinder- auch Radelmafchine genannt, weil der Hahn eine radartige Form hat. Der urfprüngliche Erfinder diefer Vorrichtung foll der Profeffor Keil am Prager Confervatorium gewefen fein, welcher aber nur die Cylinder, nicht aber die Klappen dazu machte. In Wien hat der bereits verftorbene Blasinftrumenten Fabrikant Felix Riedel diefe Idee praktifch durchgeführt. Eine durchgreifende Verbefferung erhielt die Wiener Cylindermafchine 1861 von einem Manne, der zu dem grofsen Auffchwung, den die Blechinftrumenten- Fabrication in Oefterreich genommen, viel beigewirkt hat, nämlich V. F. Červený, Metall- Mufikinftrumenten- Fabrikanten zu Königgrätz in Böhmen. Während nach der herkömmlichen Weife das Ventil mit feinem Conus nach aufwärts gekehrt war, durch Abfchleifung fich fenkte und das Inftrument wegen fchlechter Luftfchliefsung bald unbrauchbar machte, fo gab ihm Červený eine umgekehrte Stellung. In Folge deffen fenkt fich das Ventil durch die eigene Schwere in die engere Thür des Cylinders, fchleift fich dafelbft immer luftdicht ein, fo dafs das Inftrument ftets hermetifch bleibt und die leichte Anfprache des Tones fichert. Ueberdiefs wurde die Bewegung des Ventils leichter, weil die Triebkraft am unteren Ende angebracht war. Endlich auch für die Dauerhaftigkeit diefer Mechanik hat Červený durch eine erft in jüngfter Zeit erfonnene Vorrichtung Sorge getroffen. In neuefter Zeit ift er noch weiter vorgefchritten, und hat durch eine Veränderung der Mafchinerie den Mechanismus zu einer höheren Vollkommenheit geführt. Indem er nämlich dem Cylinder eine wagrechte Stellung gab und zu einer Walze geftaltete, förderte er die Beweglichkeit desfelben und zugleich erhielt der Trieb einen fefteren Halt. In der That zeichnen fich die mit der Walzenmafchine verfehenen Inftrumente durch eine überaus leichte und fichere Repetition des Tones aus. Die genannte Mafchinerie ift fomit eine ganz neue Erfindung auf diefem Gebiete und wurde zum erften Mal auf der Wiener Weltausftellung vorgeführt. Uebrigens haben fich auch Uhlmann und Stowaffer, BlasinftrumentenFabrikanten in Wien, um die Verbefferung der Cylindermafchine verdient gemacht. Die Ausftellung brachte uns im Weiteren noch eine neue Verbefferung der Cylindermafchine von dem Inftrumentenmacher Wilhelm Riedel von Graslitz in Böhmen. Diefe Cylindermafchine, Intonationsfchlüffel genannt, ift anwendbar an alle MetallBlasinftrumente. Ihre Dauerhaftigkeit, angeblich auf 20 Jahre garantirbar, beruht auf den Wechslerftiften. Diefelben find von harter Bronce; der untere hat eine conifche Aushöhlung und bewegt fich im Centrum auf einer harten pakfongenen Stellfchraube, die in dem unteren Deckel der Büchfe eingefchraubt ift. Daher drückt der Wechsler nicht mit dem vollen Gewichte feiner ganzen unteren Façade auf den unteren Theil der Büchfe, fondern es bleibt zwifchen beiden Façaden ein leerer Raum. Der obere Stift des Wechslers, ebenfalls conifch, bewegt fich in einer Hülfe von harter Bronce, die etwas conifch in die Hülfe des oberen Cylinderdeckels eingefchoben ift. Ift diefe Hülfe abgenützt, fo wird fie herausgehoben, unten etwas abgedreht oder abgefeilt und der conifche Wechslerftift fteht wieder fo feft wie früher. Der Wechsler wird in Folge der ausgelaufenen Wechſelftifte nie träge zur Arbeit, fondern bleibt im Centrum erhalten; der Schraubendeckel ift zum Abfchrauben und die pakfongene Stellfchraube kann nach Belieben bewegt werden, ohne dafs der Schraubendeckel abgefchraubt zu werden braucht. Die Korksbehälter find im Druckwerke an den Federhäufern angebracht; den Haltepunkt bildet ein cylindrifcher Durchzugsftift welcher durch die Ständer geht und 70 Eduard Schelle. dem ganzen Druckwerke mehr Feftigkeit verleiht. Das Zugftangel, am vorderen Ende doppelt ftark und von harter Bronce, bewegt fich in zwei conifchen Stahlfpitzen, welche im Flügel ftabil eingefchraubt find und nach Bedarf mehr oder weniger angezogen werden können. Das Zugftangel bildet auch am vorderen Ende einen zweiten Haltepunkt. Damit während des Spielens ein etwaiges Verlorengehen von einem Theil des Korkholzes keine Störung verurfacht, läfst der Haltepunkt des Zugftangels den Wechsler nicht aus feinem Kreife. Auch die Tonwechfel- Mafchine, welche Červený bereits in früheren Jahren erfunden, ift eine Confequenz des Cylinderfyftems; man kann vermittelft ihrer durch einen auf dem Cylinder befindlichen Drehbahn- Zeiger einen Uebergang von einer Tonart zur anderen leicht erzielen, fo dafs dadurch alle unbequemen Auffatzbögen entbehrlich geworden find. Die Mafchine hat aber nicht allgemeine Zuftimmung, namentlich der Bläfer gefunden. Ueberhaupt legen fämmtliche in der Wiener Weltausftellung von Červený vorgeführten Inftrumente ein glänzendes Zeugnifs ab von dem raftlofen Streben desfelben, das gewählte Gebiet fowohl durch Erfindung neuer, als Vervollkommnung älterer Inftrumente möglichft zu erweitern und zu vervollſtändigen. Jm Jahre 1842 hat fich Cervený in Königgrätz etablirt und fchon zwei Jahre fpäter trat er mit einem Inftrumente auf, das allerdings nur ein Seitenftück fein will, aber feiner Form nach auf den Charakter eines ganz neuen Inftrumentes Anfpruch machen darf. Indem er die Erfahrung gemacht hatte, dafs die üblichen Waldhörner in runder Form für Platzmufiken im Tone fchwach und für die Cavallerie höchft unbequem find, verfiel er auf eine ganz neue Conftruction. Das Rohr ift langgewunden wie das Bombardon und das Schallftück nach aufwärts gebaut, wird jedoch mit dem Horn- Mundftück geblafen. Der Ton ift ftark und ficher in allen Lagen und entspricht vollkommen dem Ton eines Waldhornes. Im nächſten Jahre wies er abermals ein neues, und zwar ein Riefeninftrument auf, nämlich den Contrabafs, welches er auf Anregung des Kapellmeifters Altfcher erfunden hatte, und bald eine grofse Nachahmung fand, trotzdem es der Erfinder zunächft nicht zur befonderen Geltung bringen konnte. Es erfchien anfangs in Form des Bombardons oder der Tuba in Contra- Fund C. Wenige Jahre darauf brachte er das Phonikon, ein Solo- Baritoninftrument für gefchloffene Räume. Das Phonikon ift eigentlich eine Art Euphonion, nur dafs der Schalltrichter in Form einer länglich gedrückten Kugel gebaut ift, und gegen die Mündung hin fich verengt. Der Ton ift weich, dabei voll, angenehm und läfst fich leicht mit Streichinftrumenten verbinden. Der Erfolg des Cornons, das feiner Form wegen in den Orcheſtern manchen Anftand fand, veranlafste Červený an eine Verbefferung der Waldhörner mit Beibehaltung der hiftorifchen Form zu gehen. Er erweiterte nämlich die Röhre und erzielte dadurch einen volleren, ausgiebigeren Ton, ohne dafs der eigenthümliche Charakter desfelben dadurch verluftig gegangen wäre. Sein Unternehmen gründete fich auf die Erfahrung, die man einerfeits bei der Einführung der Cylindermafchine, anderfeits auf dem Buglehorn gemacht hatte, die Erfahrung nämlich, dafs ein weit gebautes Metallinftrument den Grundton klar angibt, was bei den bisher gebräuchlichen eng gebauten Inftrumenten nicht zu erlangen war. Diefer Erkenntnifs im Allgemeinen verdanken überhaupt die mächtigen Bafsinftrumente, wie etwa das Paroxitonon u. f. w., die aus der Fabrik Červený's hervorgegangen find, ihren Urfprung. So erhielten das Euphonion und das Bombardon auf dem Wege diefes Princips durch eine bedeutende Erweiterung der Röhre, wie eine veränderte Richtung des Schallftückes, eine gröfsere Vervollkommnung. Das aus Blech geformte Contrafagot, das fogenannte Tritonicon, verdankt Červený eine bequemere Handhabung und leichtere Spielart, indem er die übermäfsig lange Röhre bedeutend verkürzte und fpäter die urfprüngliche Tonart D in Es verwandelte. Er ergänzte ferner das Inftrument durch das riefige Subcontrafagot. Das Inftrument hat eine Röhre von nur 34 Fufs Länge und 14 Klappen, es gibt fogar das 34füfsige B der grofsen Pedaloctave an. Diefes Inftrument fällt in das Mufikalifche Inftrumente. 71 Jahr 1867. Aus diefer Zeit ftammen auch die Verbefferungen der Armeepofaunen für Alt, Tenor und Contrabafs her, bei welchen Červený zugleich einer bequemen und leichten Handhabung Rechnung trug. Seine Pofaunen fprechen in der tiefften, wie in den hohen Tonlagen mit gleicher Kraft und Schärfe an. Im Weiteren berühren wir noch die Erfindung des fchönen Obligat- Althorns und die vielen Verdienfte, welche fich der Meifter um die Trompeten, Cornets, Turner- und Signalhörner erworben. Zu der Ausstellung brachte er noch als neue Originalfchöpfung fein Primhorn. Červený nennt es fcherzhaft„ Gigfer- Befeitungshorn", weil es um eine Octave höher fteht, als das K- Horn und mithin die hohen, nicht leicht anſprechenden Töne fich in der Mittellage befinden, fomit die Herztöne des Inftrumentes bilden, und als folche leicht wiederzugeben find. Červený erreichte diefs, indem er die Röhre weiter als gewöhnlich bohrte und die Form des Inftrumentes verkleinerte. Allein diefes Horn ift von dem Uebelftande begleitet, dafs deffen Umfang nach der Tiefe hin nicht gehörig ausreicht und am allerwenigften für Militärmufik bequem fein dürfte. Sämmtliche von Červený ausgeftellte Inftrumente zeichnen fich durch einen feinen und ebenfo foliden Bau aus. Auf die Prämiirung mufste der Ausfteller als Mitglied der Jury Verzicht leiften. Ueberhaupt war die öfterreichische Abtheilung, zu der auch Červený zählt, im Ganzen fehr reichlich und gut befchickt worden. Unter den Wiener Firmen fteht im Vordergrund Ignaz Stowaffer. Diefe Fabrik wurde im Jahre 1838 gegründet und hat fich während ihres langen Beftehens die Förderung diefes Induſtriezweiges fehr angelegen fein laffen und namentlich für die Verbefferung der Cylindermafchine Bedeutendes geleiftet. Unter ihren vielen und verfchiedenen Inftrumenten zeichneten fich befonders zwei Flügelhörner in B und C, ein Cornet in B, zwei Trompeten in B und F, endlich ein Horn in F durch einen vorzüglich fchönen Ton aus. Auch eine Tenortrompete in B, zwei Bombardons in Fund B, der Pofaunen nicht zu gedenken, vertraten den Ruf der Fabrik in würdiger Weife. Die Inftrumente find theils aus Meffing, theils aus Alpacca. Als das Neuefte find anzuführen die Jericho- Pofaunen, welche einen überaus ftarken Ton befitzen, namentlich die in B, leider aber für den Bläfer unbequem find. Nächft Stowaffer ift die Firma Fuchs Daniel in Wien zu erwähnen. Von ihr fanden fich vor: Zwei Piftons, eine Trompete in G oder F, eine Trompete Baffo in C oder B, zwei Solo- Flügelhörner, eines von Alpacca, ein Solo- Euphonion, ein Waldhorn in Coder F, Tenortrompone in B, Bafstrompone in B, Bombardon in F, Helikon in F, Helikon in B, Signalhorn, Traverfon. Das Traverfon, eine neue Verbefferung der Pofaune, ift leichter zu tragen als die gewöhnliche Pofaune und fo gebaut, dafs fie mehr auf dem Körper liegt und die linke Hand nicht befchwert. Der Schallbecher kann nach Belieben abgenommen werden. Der Ton ift voll und rein. Die Inftrumente ftehen in der Naturftimmung B und F. Das Rohr läuft in einer Windung über das Mundftück in den Schallbecher, der alfo nach der entgegengefetzten Seite hin, nach vorn gerichtet ift und hat einen durchaus regelmässigen conifchen Verlauf in der Menfur. Diefe Traverfons find aufserordentlich handlich und dürften bald grofse Verbreitung finden, da namentlich der Preis fehr billig ift, von 58 bis 75 fl.; auch die übrigen Inftrumente find billig, 7 bis 175 fl. Die Firma Leopold Uhlmann in Wien befchickte die Ausstellung mit einem Cornet in B, zwei Trompeten in F, zwei Waldhörnern in F, zwei Pofaunen in B, zwei Bafspofaunen in F, einem Flügelhorn in C, einer Trompete in B, einem Althorn in Es, zwei Tenorhörnern in B. Diefe letzteren fünf Inftrumente find mit einer Hand zu halten und zu fpielen; ferner mit einem Bafs- Flügelhorn oder Tenorhorn in C, einem Euphonion in C, einem in B und C, einem Bombardon in C, einem Helikon in B. Die Fabrik wurde im Jahre 1800 vom Vater des jetzigen Chefs gegründet und befchäftigte fich nur mit Anfertigung von Holz- Blasinstrumenten. Erft feit 1830, bereits unter dem jetzigen Befitzer, wurde die Fabrication auch auf MetallBlasinftrumente ausgedehnt und hat fich das Gefchäft jetzt zum gröfsten derartigen 72 Eduard Schelle. Etabliffement in Wien emporgearbeitet und liefert feine Fabricate nach Italien, Rufsland, Deutfchland, England, Spanien und Amerika. Insbefondere hat fich der jetzige Chef mit Verbefferungen der Cylindermafchine befafst und die chromatifchen Metall- Blasinftrumente bedeutend vervollkommnet. Er verlieh denfelben durch die richtige Anwendung der Feder und Verbindung der Drücker die gröfste Geläufigkeit. Die Uhlmann'fchen Blasinftrumente wurden fowohl in den Orcheftern der Wiener Hoftheater, wie anderer Bühnen eingeführt. Uhlmann erfetzte auch die Klappen der im Jahre 1835 aus Paris nach Wien gebrachten Ophikleiden durch die Wiener Mafchinen mit dem beften Erfolge; daraus entftanden dann die Euphonions und Bombardons, welche jetzt noch im Gebrauche find. An der Parifer Ausftellung betheiligte fich diefe Firma nicht, aber die Mufikkapelle des öfterreichifchen Infanterieregimentes Herzog von Württemberg, welche dort unter der Leitung ihres damaligen Kapellmeifters Zimmermann bei dem mufikalifchen Wettkampfe den erften Preis gewonnen, bediente fich Uhlmann'fcher Inftrumente. Diefe zeichnen fich befonders dadurch aus, dafs fie ftets den ihnen zukommenden Toncharakter in aller Reinheit befitzen. Die in der Wiener Weltausftellung vorgeführten Inftrumente entſprechen denfelben fowohl nach Bauart, wie nach Ton. Noch nennen wir die beiden Niederlagen für Mufikinftrumente Gebrüder Placht und Lutz& Comp. in Wien. Bei der Letzteren war eine ganz preiswürdige Trompete mit Wiener Mechanik, aber fchlechtem Mundstück. Im Ganzen halten fich die Blechinftrumente beider Firmen auf dem Niveau eines anftändigen Mittelgutes. Ausgeftellt hatte ferner die Firma Lausmann in Linz treffliche Metall- Blasinftrumente verfchiedener Gattungen, namentlich eine brillante Trompete in Fund ein Bombardon in Es von prächtigem, markvollem Ton; ferner Jofef Farsky aus Pardubitz in Böhmen, mit mehreren anderen Blechinftrumenten ein Cornon, nach dem Syftem Červený gearbeitet, das aber correcter fein könnte. Jedenfalls beffer gelungen ift ein Horn in F, ebenfalls eine Imitation nach Červený. Bemerkenswerth waren die Sendungen aus Graslitz in Böhmen. Graslitz ift ein kleines Gebirgsftädtchen an der böhmifch- fächfifchen Grenze, deffen Einwohner, wie die Mittelwalde's in Baiern und Mark- Neukirchen's in Sachfen, gröfstentheils die Fabrication von Mufikinftrumenten betreiben. Graslitz befchäftigt fich vorwiegend mit der Anfertigung von Metall- Blasinftrumenten und war auf der Wiener Weltausftellung durch die beiden Firmen: Wenzel Stowaffer Söhne und Bohland& Fuchs( die letztere Fabrik arbeitet mit Dampfmafchinen) und die nicht zu überfehende Collectivausftellung, an welcher fich eilf Firmen betheiligten, vertreten, darunter der bereits erwähnte Wilhelm Riedl, Anton Lausmann, Stowaffer Söhne, Adolf Lehrer, Friedrich Bräutigam, Wenzl Rofsmeisl, Albert Fuchs, Rödig Franz Wenzel, Köhler Wenzel, Hainsmann Jofef, Winkelhöfer Jofef. Diefe Collectivausftellung enthielt manche recht preiswürdige Fabricate. In der ungarifchen Abtheilung trafen wir bei den Firmen Schunda aus Peft und Johann Stowaffer aus Ofen recht anerkennenswerthe Metall- Blasinftrumente. Beim Erften war eine Trompone in F mit fehr ausgeglichenem Ton; weniger wollte ein Helikon in B zufagen. Die Einrichtung an dem Inftrumente ift nicht gut, die tiefere Lage fpricht fchwer und unklar an. Deutfchland führte uns ein anfehnliches Contingent an Blechinftrumenten vor. Michael Schufter aus Mark- Neukirchen in Sachfen brachte unter Anderem ein Horn in B, das fich durch einen Ton von echtem Horncharakter auszeichnet. Die Conftruction ift einfach. Die Mafchine hat das Eigenthümliche, dafs die Feder offen liegt. Ferner verdient eine befondere Beachtung ein fchönes B- Cornet von Neufilber mit Ventilklappen, bei denen die Spannfedern frei liegen. Die Conftruction ift fchön und correct, der Ton angenehm, die Stimmung fehr rein. Auch fand fich ein Cornet à piftons von franzöfifcher Conftruction, bei welchem die Piftons hineingedrückt find; noch empfahl fich durch guten, fonoren Klang ein Mufikalifche Inftrumente. 73 Helikon. Die Anzahl der ausgeftellt gewefenen Cornets ift vier. Ausserdem liefsen auch Jagd-, Poft-, Signalhörner, Trompeten fich nicht vermiffen. Diefe Inftrumente find im Verhältniffe zu deren Werth billig zu nennen. E. Lorenz in Braunfchweig hatte unter feinen Inftrumenten zwei Cornets. Das eine mit Cylin dern in B; das andere in Es mit Perinoventilen von fehr fchönem Klang. Auch ein Euphonion mit 4 Perinoventilen ift dem Tone nach fehr empfehlenswerth. Ganz vorzüglich ift eine Trompete in B, deren Klang den echten Trompetenklang entfaltet. E. A. Schmid in Köln hatte unter anderen Inftrumenten eine Trompete mit 4 Cylindern und ein Euphonion von Neufilber, Tenorhorn, Althorn, Pofaunen, die letzteren von Goldmeffing mit Neufilber garnirt, eine Echomafchine und Stellfcheibe für A und B zu 65 Thaler ausgeftellt. Die Echomafchine befteht in einer Röhre, welche nach einer doppelten Biegung fich conifch zu einem Schallbecher erweitert und von da fich allmälig wieder verengt, fo dafs gewiffermafsen zwei Schallbecher fich decken. Die Röhre wird in das Inftrument eingefteckt und erfüllt den Zweck der Sourdine, das heifst jener kleinen Schallbecher, welche in den Schalltrichter des Inftrumentes eingefchoben werden. Sie hat den Vorzug vor diefen, dafs der Ton beim Anblafen in der Stimmung bleibt, während er bei den letzteren um einen halben Ton finkt. Die Klangwirkung ift freilich nicht die günftigfte, der Ton ift gekniffen und ähnelt dem einer Kindertrompete. Das von F. Hirfchberg in Breslau neu conftruirte Bc- Clairon iſt eine intereffante Erfindung. Da das Inftrument aus zwei Schallröhren von verfchiedener Menfur und Conftruction befteht, zu denen die Luft durch ein Ventil nach Belieben zugelaffen und abgefperrt werden kann, fo ift die Möglichkeit gegeben, auf ihm zweierlei Töne hervorzubringen, die ihrer Klangfarbe nach bald dem Flügelhorn, bald dem Pifton gleichen, das heifst mit anderen Worten, das Inftrument gibt bei Anwendung der gröfseren Schallröhre einen kräftigen und vollen, bei Gebrauch der kleineren Schallröhre einen mehr dünnen und lieblichen Ton. Dasfelbe fteht hoch C, doch läfst fich mittelft eines Bogens auch die B- Stimmung herftellen. Auch ift dasfelbe fo eingerichtet, dafs fich die kleinere Röhre abfchrauben läfst, in welchem Falle es als gewöhnliches Flügelhorn brauchbar ift. Aus dem Ton ergibt fich, dafs das Inftrument weder für den Concert faal, noch für das Orcheſter einen bedeutenden Werth enthält. Ein herrliches Waldhorn von echtem Hornklang in F fand fich unter den Inftrumenten, die J. Glafs in Berlin ftellte. Auch eine Trompete in G entfaltet jenen fchmetternden und dabei klangvollen Ton, der diefem Inftrumente zukommt, nur ift das Mundftück fchlecht. Das Waldhorn koftet 60 Thaler, die Trompete 50 Thaler. Auch ein gutes Cornet in B ift noch zu erwähnen. Als etwas Neues unter feinen Inftrumenten ftellte Ludwig Bertram in Rendsburg ein Flügelhorn aus in B mit 4 Ventilen, aus einer Mifchung von Meffing, Tombak, Neufilber und Kupfer geformt; ferner ein Signalhorn von denfelben Beftandtheilen, obendrein noch mit einem filbernen Reichsadler verfehen. An Ton haben die Inftrumente durch diefes Präparat nicht gewonnen, aber an Gewicht. Ferner eine Trompete, ebenfalls aus verfchiedenen Metallen zufammengefetzt und mit Echobogen verfehen. Auch diefe kann nur den Werth einer Curiofität haben. Sehr gut dagegen ift ein Helikon in Es, trotzdem dafs hier ein gewöhnliches, kein chemifch präparirtes Metall verwendet ift. Auch unter den Inftrumenten von Stowaffer in Wien in der öfterreichifchen Abtheilung fanden fich einzelne aus einem Materiale vor, welches aus verfchiedenen Metallen zufammengefetzt ift. In der franzöfifchen Abtheilung find die bereits mehrmals erwähnten berühmten Firmen Thibouville Lamy und Gautreau aîné zu nennen. Beide liefern zwar alle Arten von Blasinftrumenten, aber ihre eigentliche induſtrielle Bedeutung beruht vornehmlich auf der Fabrication von Metall- Blasinftrumenten. Das Haus Gautreau befteht feit dem Jahre 1827 und befchäftigt in feinen grofsen 74 Eduard Schelle. Werkstätten zu Paris, zu Château- Thierry( Aisne) und zu Mericourt( Vogefen) mehr als 700 Arbeiter. Die ausgeftellt gewefenen, in das Bereich des Bleches fallenden Inftrumente find gut gearbeitet und zeichnen fich durch einen fchönen Ton aus; von vorzüglicher Schönheit ift der Ton einer Bafspofaune in B. Auch die Leiftungen von Thibouville- Lamy auf diefem Gebiete find im Ganzen und Grofsen anerkennungswerth. An einzelnen Inftrumenten indefs, fo an der Pofaune in C, wäre nur der Mangel an einem beftimmten Charakter des Tones auszufetzen, welcher eine Mifchung von Trompeten- und Hornton bildet. Die italienifche Abtheilung ift mit den Blech- Blasinftrumenten beffer beftellt, als mit den Ton- Werkzeugen anderer Art. Giuſeppe Pelitti in Mailand hat im Ganzen Preiswürdiges geliefert, unter Anderem eine Ordonnanztrompete in D, auf der man die ganze Scala fpielen kann, eine Erfindung, die für das Militär von grofsem Werthe ift. Diefe Erweiterung des Inftrumentes wird durch eine Klappe erzielt. Ausgezeichnete Inftrumente führte auch die Firma Antonio Santucci aus Verona vor. Unter ihnen ift befonders hervorzuheben ein Bombardon in F, in Form eines Helikon, wegen des kräftigen und dabei runden Tones; auch eine Pofaune in B ift wegen ihres glanzvollen Klang charakters anzuführen. Weniger gelungen waren ein F- Horn und ein Bariton. Recht empfehlenswerthes Mittelgut brachte Antonio Palmieri aus Forli. Von Gaëtano Spada in Bologna fanden wir aufser jenem fchon erwähnten Metallfagot von neuer Conftruction ein Flügelhorn in Es mit Quermechanismus, genannt Genis. Dagegen will eine doppelte Trompete von Mafuffi gar nichts befagen. Zu den neueften Erfindungen, welche die Ausstellung vorführte, gehört das Bimbonitono des Profeffors Giachino Bimbani aus Florenz. Es bildet eine Trompone, welche durch einen Mechanismus Trompete, Clarinette und das Fagot vereinigt. Es hat einen Umfang von vier Octaven, vom Contra- F. Das Inftrument leiht fich in Folge des Mechanismus, mit Leichtigkeit allen Figuren her, Triller in Dur und Moll find bequem ausführbar. Der Ton ift ftark, weich und fanft, für Cantilenen geeignet; er entbehrt aber jeglichen beftimmten Charakters. Das Inftrument kann nur als Curiofität gelten und Aufmerkſamkeit beanfpruchen, aber für die Kunft ift es kein Gewinn. Die von Fedorow aus Moskau eingefendeten Inftrumente, ein Saxophon ohne Mundftück und eine Trompete, überfchreiten nicht das Mafs des Gewöhnlichen. Endlich fahen wir noch Rumänien auf diefem Gebiete vertreten in, der Firma W. Staffek in Bukareft, welche Blech- Blasinftrumente aller Gattungen brachte, darunter ein Flügelhorn in C, von fchöner äufserlicher Arbeit und anftändig in Ton und zwei Tenor- Euphonions in C und B, zwei gute, aber leider mit fchlechten Mundftücken verfehene Inftrumente. Im Ganzen und Grofsen find die Leiftungen diefer Firma recht anftändig. Hiermit wäre das Bild erfchöpft, welches die Weltausftellung auf dem Gebiete der eigentlichen Kunftinftrumente entrollt hat. Wenn wir auf dem Terrain des Clavierbaues die unangenehme Erfahrung machten, dafs uns das deutſche Reich in diefem Zweige der Induftrie überholt hat, find wir demfelben in der Fabrication der Streichinftrumente überlegen und ftehen ihm in den Blas- Inftrumenten zum mindeften ebenbürtig, gegenüber. Ein Beleg dafür ift, dafs einzelne öfterreichifche Fabrikanten, z. B. Cervený, einen bedeutenden Gefchäftsverkehr mit dem Auslande haben. So haben nur Oefterreich, Frankreich, und wenn fich das Inftrument des Herrn Gemünder in New- York für die Dauer bewähren follte, Amerika Muftergeigen geliefert. Ueberhaupt haben fich, im Durchfchnitt genommen, die öfterreichifchen Streichinftrumente an Qualität des Tones den von Deutfchland geftellten, dem einzigen Lande, das mit Oefterreich numerifch in Concurrenz trat, als überlegen erwiefen. In Betreff der Blasinftrumente reichen fich Oefterreich- Ungarn, Deutfchland und Frankreich die Hand, und bezüglich der BlechBlasinftrumente darf fich ihnen auch Italien anreihen. Auf dem Gebiete der Holz Mufikalifche Inftrumente. 75 Blasinftrumente machen wir eine ähnliche Entdeckung, wie bei den Clavieren. Hier fehen wir das Tafelpiano durch das Pianino verdrängt und im Abfterben; dort vermiffen wir, wo fich doch alle Gattungen reichlich zufammengefunden haben, das einft fo beliebte Baffethorn gänzlich; nur antiquarifch exiftirte es in einzelnen Exemplaren auf der additionellen Ausftellung- ein Beweis, dafs es gegenwärtig in der Praxis durch die Vervollkommnung der Clarinette feinen Boden verloren hat. Es käme nun endlich zur Frage, ob im Ganzen und Grofsen ein Fortfchritt, wie ihn uns die Ausftellung auf dem Terrain der Tafteninftrumente, nämlich im Vorherrfchen des Kegelladen- Syftems bei den Orgeln, im Ueberwiegen der Eifenconftruction in der englifchen Mechanik, in dem kreuzfaitigen Bezug bei den Pianos vorführt, auch in der Welt der Blasinftrumente fich bemerklich macht. In der That fehlt es nicht an neuen Erfindungen, die darauf ausgehen, theils gewiffe aus der Natur der Inftrumente fich herleitende Uebelftände zu befeitigen, theils die Leiftungsfähigkeit derfelben zu erweitern und die Technik auf ihnen zu erleichtern und vielfeitig zu geftalten. Des Beiſpiels halber erinnern wir nur unter Anderem an das fchöne Fagot Stecher's in der öfterreichifchen, und an die Oboë und Flöte mit der neuen Erfindung am Mundftück bei Schunda in der ungarifchen Abtheilung. Andere Inftrumente haben eine handlichere Form gewonnen, noch andere ftreben eine Erweiterung ihrer primitiven Natur an; fo weift endlich auch die Mafchinerie der Blechinftrumente manche zweckentfprechende Verbefferung zu Gunften der Spielart derfelben auf. Allein alle die etwaigen auf diefem Wege gemachten Errungenfchaften zerfallen nur in Einzelheiten, ein entfchiedener Fortfchritt documentirt fich für uns nur bei den Holz- Blasinftrumenten, und zwar in dem Umftande, dafs wir im deutfchen Reiche das Syftem Böhm reichlicher vertreten fanden, als es zu erwarten ftand, und alfo uns der Hoffnung hingeben können, dasfelbe auch in unferen Orcheſtern allmälig Fufs faffen zu fehen. Es foll damit nicht verkannt werden, dafs jene vielen Neu erungen ein ernftes, auf einer rationellen Bafis vorgehendes Streben bekunden, aber an manchen Erfcheinungen offenbart fich ein bedenklicher Zug, die Scheidelinie zwifchen den Gattungen der Inftrumente zu verwifchen und den Naturen derfelben Gewalt anzuthun. So, fehen wir in der Einführung des Altregifters in die Familie der Flöten und Clarinetten keinen Gewinn für die Kunft, und zwar um fo weniger, als namentlich die Altflöte keineswegs durch befondere Schönheit des Tones fich empfiehlt. Eben fo wenig ift die Verwendung des Metalles für die Holzinftrumente ftatt des von der Natur gebotenen Materiales nicht räthlich. Was der Ton an Stärke dadurch gewinnt, büfst er an Wohllaut und Anmuth ein. Und hat man etwa die Harmoniemufik im Auge, fo kann fich die Stärke des Tones nur fehr dürftig zur Geltung bringen auf Koften der Reinheit derfelben, weil der Spieler fich felbft nicht hört, eine nothwendige Bedingung für den Vortrag auf Blasinftrumenten. Ueberdiefs dürfte der Tag nicht mehr ferne fein, wo Fagot, Oboë, Clarinette, felbft im Kleide von Metall, bei der jetzigen Vervollkommnung der Blechinftrumente, ihre Rolle ausgefpielt haben werden. Allein diefe Vervollkommnung hat freilich auch ihre Kehrfeite. Der Hang, die Natur des Inftrumentes zu Gunften eines weiteren Tonumfanges, mit einer grösseren Klangkraft zu verbinden, tritt auf dem Gebiete der Metall- Blasinftrumente ganz befonders ftark hervor. Die Ausftellung, die doch fo Vorzügliches, Gediegenes, ja Vorgefchrittenes in diefem Zweige zu Tage förderte, hat uns den Beweis gegeben, dafs die Achillesferfe bei diefer Claffe von Inftrumenten die Stimmung fei, indem diefelbe bezüglich der Reinheit nichts weniger als allzu oft den berechtigten Anforderungen entſpricht. Man hat wohl zu beachten, dafs die ganze Familie der Metall- Blasinftrumente in drei, nach dem Toncharakter gefonderte Claffen fich fcheidet. Diefelben kennzeichnen fich in dem fcharfen Pofaunen-, dem weichen Flügelhorn- und dem vermittelnden Hornregifter. Der Fabrikant wird fich daher ungleich mehr Verdienfte um die Kunft erwerben, wenn er für die Wahrung des individuellen Charakters jener Claffen bei feinen Inftrumenten Sorge trägt und den 76 Eduard Schelle. Werth feiner Leiftungen auf die möglichfte Reinheit der Stimmung und des Toncharakters legt, als wenn er in fruchtlofen Künfteleien fich verfucht. Nur dann, wenn die Fabrication auf den Grundlagen diefes Principes fufst, wird fich der grofse Auffchwung der Blech- Blasinftrumente, von dem uns die Ausftellung ein fo erfreuliches Bild entrollte, einen wahren und erfpriefslichen Fortfchritt gebären. Befaitete Schlaginftrumente. In diefer Familie fteht oben an die Harfe, denn fie bildet den Uebergang von den eigentlichen Kunftinftrumenten. zu denen, welche ohne eine künftlerifche Bestimmung nur zur Unterhaltung dienen. Die Gefchichte der Harfe reicht bis ins graue Alterthum zurück. Bekanntlich befafsen fchon die alten Aegypter harfenartige Inftrumente von fchöner Form, auch das biblifche Kinor dürfte in diefe Gattung eingereiht werden können, wenngleich es nur dem blofsen Saitenfpiel diente. In der äusseren Form hat fich das Grundprincip bis auf den heutigen Tag erhalten, denn auch der mode.nen Harfe liegt die urfprüngliche Dreieckform zu Grunde, nur mit dem Unterfchiede, dafs bei den alten Inftrumenten zwei Schenkel der Corpus bildete, der dritte Schenkel aber durch die längfte Saite gegeben wurde, fo wenigftens läfst fich das Ausfehen der alten Harfen nach den vorhandenen Ueberlieferungen vermuthen. Der Corpus der heutigen Harfe befteht aus vier Haupttheilen dem Fufs, dem Refonanzkaften, dem Hals und dem Vorderholz. Der Refonanzkörper, d. i. der dem Spieler zugekehrte Theil, meift in Form einer halbrunden Schale, deren Platte vom Fufse fich nach dem Halfe hin verjüngt, enthält der Länge nach eine Art Steg als Saitenhalter. Der Hals ift es vornehmlich, welcher durch feine graziöfe, an den Hals des Schwanes erinnernde Biegung dem Inftrumente diefe elegante und anmuthige Form verleiht. Unter den drei bekannten Arten, nämlich der einfachen Harfe, der chromatifchen und der enharmonifchen Pedalharfe, erweift fich die letztere als die brauchbarfte für die heutigen künftlerifchen Aufgaben. Die erfte, die gewöhnliche Harfe, hatte urfprünglich einen Tonumfang vom grofsen C bis zum dreigeftrichenen F in der diatonifchen Stufenfolge. Sollte alfo ein Halbton gegriffen werden, fo mufste dies durch einen Fingerdruck an der betreffenden Saite erzeugt werden. Um die Manipulation zu erleichtern, hat im XVII. Jahrhundert ein Tiroler Meifter kleine, drehbare Scheiben mit Häkchen am Halfe angebracht, wodurch die Verkürzung der Saiten erleichtert wurde. Eine weitere bedeutende Vervollkommnung erfuhr das Inftrument durch einen deutſchen Künftler, Hochbrucker bei Donauwörth, im Jahre 1720. Derfelbe erfand einen Pedalmechanismus, vermittelft deffen die chromatifche Erhöhung durch die Füfse bewerkstelligt wurde. Diefer Mechanismus beftand aus fieben Pedalen, welche nicht nur niedergedrückt, fondern auch in der Lage eingehängt werden konnten. Ein bedeutender Fortfchritt war die Erfindung eines Deutfchen, Becker in London, der durch eine Vorrichtung die Erzeugung von Vierteltönen ermög lichte. So entstand alfo die enharmonifche Harfe, welche durch die Hand Erard's 1820 ihre bis jetzt höchfte Vollendung erhielt. Erard erweiterte die Pedalrückung um das Doppelte, fo dafs jeder der fieben Pedale nicht nur um eine, fondern um zwei Stufen niedergedrückt werden kann. Die Erard'fche' Harfe fteht in C- b und hat einen Umfang von mehr als sechs Octaven. Mufikalifche Inftrumente. 77 Wenn Anfangs die Harfe vorwiegend nur zur Begleitung des Gefanges diente, hat fie fich heute fchon zum Orchefterinftrumente erhoben. Sie wird hier nicht nur zu Solofätzen, fondern hauptfächlich zum Ausfüllen der Harmonie verwendet. Trotzdem befchränkt fich heute die Fabrication von Harfen nur auf das Haus Erard, welches fie eigentlich auch nur par l'honneur de sa maison, weniger aus materiellem Intereffe betreibt. In der That gehörten die beiden einzigen Harfen auf der Ausftellung diefer Firma an, während diefelbe 1867 auf der Parifer Expofition gar nur durch eine vertreten war, ein Beweis, dafs diefes Inftrument an Verbreitung aufserordentlich verloren hat. Das Piano hat auch an ihm feine Allmacht ausgeübt und dasfelbe aus dem häuslichen Kreife vertrieben. Die beiden ausgeftellten Harfen Erard's waren fowohl der äufseren Form, wie dem Tone nach wahre Prachtinftrumente. Ein Seitenftück zur Harfe bildet die Aeolsharfe, wo der Wind das Amt des Virtuofen verrichtet. Die öfterreichifche Abtbeilung wies zwei Exemplare davon auf, welche Lehmann& Comp. in Auffig und Neumann in Prag geliefert hatten. Mit der Harfe hat, wenn auch nicht in der Conftruction, dem Klange und der Beftimmung nach, die Guitarre eine gewiffe Verwandtfchaft; wie jene, dient fie zunächft zur Begleitung des Gefanges. Die Guitarre ftammt aus dem Orient und wurde durch die Araber nach Europa gebracht. Sie hatte urfprünglich einen birnförmig gewölbten Körper, wie ihn noch jetzt die von den afiatifchen Völkern ausgeftellten Inftrumente diefer Gattung aufweifen; diefe primitive Form hat eine Seitenart, die Mandoline, beibehalten, die Guitarre dagegen einen flachen Deckel und einen flachen Refonanzboden angenommen, doch traf man fie auch auf der Ausftellung mit einem kürbisartigen Schallkörper als fogenannte Mandolinen- Guitarre an. In Europa hat fie fich ihren Boden hart erkämpfen müffen; Prätorius befchreibt fie noch unter dem Namen Quinterna als ein Inftrument, deffen fich nur die„ Ciarlatani" bedienten, um Vilanellen und närrifche„ Lumpenlieder" zu fingen. Für ihre geringe Verbreitung im XVIII. Jahrhundert fpricht der Umftand, dafs, als die Herzogin von Sachfen- Weimar 1788 eine Guitarre aus Italien nach Weimar brachte, diefelbe faft als ein neuerfundenes Inftrument angeftaunt wurde; im XIX. Jahrhundert fafste fie aber feften Fufs und kam in die Mode als ein getreuer Dolmetfcher füfser Liebesempfindungen. In neuerer Zeit hat fie wieder in Folge der in weiteren Kreifen um fich greifenden muſikaliſchen Bildung an Beliebtheit viel Einbufse erlitten. Die moderne Guitarre hat einen Bezug von fechs Saiten. Um das dürftige Inftrument für den Concertgebrauch nur einigermafsen zu qualificiren und den Umfang desfelben zu erweitern, wird häufig der Bezug durch einige tiefere Saiten, die fogenannten Contrabafs Saiten, zur Begleitung vermehrt, welche auf einem Seitenhalfe zu liegen kommen, und zwar ftanden Guitarren diefer Conftruction in der öfterreichifchen und deutfchen Abtheilung gegen die gewöhnlichen an Anzahl nicht zurück, die übrigens im Ganzen und Grofsen nur mäfsig zu nennen war. In Oefterreich brachten Guitarren: Wendelin Lux in Wien, Johann Bucher, Lutz& Comp. und Gebrüder Placht ebenfalls in Wien. Die Inftrumente der beiden erften Firmen zeichnen fich namentlich durch fchönen, vollen Ton aus. In der deutfchen Abtheilung war diefes Inftrument reichlicher vertreten als in der öfterreichifchen. Hier waren zu nennen die Firma G. Heidegger in Naffau mit drei Contrabafs- Guitarren; ferner Lorenz Kriener in Stuttgart, Michael Schufter in Mark- Neukirchen( Sachfen), M. Amberger in München; der Letztere brachte unter Anderem auch eine Guitarre mit doppeltem Boden; dann Victor Em. Wettengel in Mark- Neukirchen. Die Inftrumente 78 Eduard Schelle. diefer Firmen zeichnen fich theilweife durch eine fehr fchöne Ausstattung und guten Ton aus. Eine fchöne Guitarre fand fich ferner in der italienifchen Abtheilung bei Trojani Francesco in Rom vor und aus Spanien, der zweiten Heimat diefes Inftruments, lieferte Antonio Lopez Almagro deren vier von verfchiedener Gröfse und möglichft fchlechter Bauart. Die Mandoline, das Gefchwifterkind der Guitarre, cultiviren im deutfchen Reich befonders die fchon genannten Firmen Heidegger, Wettengel und Amberger. Nach dem Bilde zu fchliefsen, welches die öfterreichifche und deutfche Abtheilung darboten, dürfte die Guitarre keinen fchlimmeren Feind haben als die Cither, denn in der Maffe diefer Inftrumente, die uns überall entgegentrat, ftand fie fehr vereinzelt da. In Süd- Deutfchland wenigftens fcheint ihr die Cither das Terrain genommen zu haben; in Nord- Deutfchland freilich befitzt fie gegenwärtig noch wenig Popularität. Doch könnte fich diefs leicht in der Folge anders geftalten, denn bereits fehen wir die Cither aus den füddeutfchen Gebirgsländern, über den Ocean in den äufserften Weften gedrunge wie uns die amerikaniſche Abtheilung lehrte. Uebrigens eignet fich auch dies Inftrument ganz befonders für das ftille häusliche Leben auf dem Lande oder in den Gebirgen. An ihm haftet eine gewiffe Romantik. Die eigentliche Heimat der Cither oder, wie der richtigere Ausdruck lautet, der Schlagcither ift die liederreiche Steiermark und das füdliche Baiern; hier mufs man fie hören inmitten der Gebirge, in der Waldfchenke, um ihren eigenthümlichen Reiz kennen zu lernen. Ihr zarter, füfser Ton hat etwas von dem Klange der neapolitanifchen Mandoline, mit welcher fie einen fehr verwandten Zug hat. Wie diefe Mandoline nicht mit den Fingern, fondern mittelft einer Zunge aus Schildpatt, der Patacca, gefpielt wird, bedient man fich auch bei der Cither einer Art von Plectrum, nämlich eines, mit einem Häkchen verfehenen Ringes, welcher um den Daumen liegt; mit diefem werden die vier melodieführenden Saiten angefchlagen, die anderen mit den Fingern gegriffen. Im Aeufsern jedoch hat die Cither nichts gemein mit der neapolitanifchen Mandoline. Ihr Corpus befteht in einem flachen Boden mit einer Refonanzdecke, deffen Grundform fich auf ein rechtwinkliges Dreieck zurückführen läfst; der äufseren Erfcheinung nach gleicht er einem länglichen Viereck, deffen rechte Seite einen Bogen befchreibt; in der Mitte des Refonanzbodens befindet fich das Schallloch. Längs der Refonanzdecke läuft an der linken Seite das mit Metallbändern verfehene Griffbret; über dasfelbe ziehen vier zur Führung der Melodie in a, a, d, g geftimmte Saiten, die jetzt gewöhnlich durch die Zuthat des c auf fünf vermehrt find. Diefe Anzahl ift jedoch nach dem neueften Syftem um eine vermehrt und der Umfang bis auf fechs ausgedehnt worden, welcher ftatt des à verdoppelt ift. Die Saiten liegen fo, dafs dem Spieler die höheren zugewandt find. Man findet diefes Syftem in der Ausftellung bei Kriner in Stuttgart vertreten. Aufser diefen Melodiefaiten umfafst gegenwärtig der gefammte Bezug 26 bis 31 Saiten. Unter den Ausftellern in der öfterreichifchen Abtheilung fteht voran Anton Kiendl in Wien. Von ihm fanden fich nicht weniger als 13 Cithern mit Mechanik, fämmtlich wahre Prachtinftrumente, unter ihnen 2 Elegiecithern von überaus reizvollem Klange, die eine ganz von Ebenholz, eingefafst von weifsem und gelbem Metall und aus Ebenholz gefchnitztem Kopfe, die Mechanikplatte ift vergoldet, ebenfo die Stimmftiften, die Schallöffnung von Ebenholz gefchnitzt. Der Preis derfelben beträgt fammt Etui mit Einrichtung 180 fl. öfterreichifcher Währung. Die Elegiecither unterfcheidet fich in Form und Gröfse von der gewöhnlichen und hat einen feelenvolleren, man könnte fagen, mufikalifch vertiefteren Klang. Die Firma Kiend1 befteht feit 1843 und liefert jährlich im Durch Mufikalifche Inftrumente. 79 fchnitte 700 Stück Cithern fammt Etuis und diveriem Zugehör und 100.000 Stück Saiten. Seit der Gründung wurden mehr als 15.000 Cithern und weit über eine Million Zitherfaiten erzeugt. Der Abfatz erftreckt fich von Wien auf alle Welttheile. Mehr oder weniger preiswürdige Inftrumente diefer Art liefern ferner Gebr. Kirchner, Bucher Ignaz, Lux Wendelin, Lutz& Comp. Gebr. Placht, fämmtlich in Wien; ferner Weigel Franz in Salzburg, Volkmann Jofef, Schönbach in Böhmen, Gfchwendter Jofef in Innsbruck. Der In der deutfchen Abtheilung war in erfter Linie die Firma Heidegger in Paffau mit 8 Zithern und einem Refonanztifch für diefes Inftrument, einer neuen Erfindung, hervorzuheben. Diefer Refonanztifch unterfcheidet fich zunächft von den übrigen, dafs er drei Böden, ftatt zwei, hat. Ferner find in einer auf dem Tifche angebrachten Vertiefung 24 Saiten in derfelben Weife aufgezogen, wie auf der Zither felbft, nur mit dem Unterfchiede, dafs fie in einer Hohlkehle liegen und ftets vor dem Spielen chromatifch geftimmt werden müffen. Der dritte Boden durchläuft den Raum nicht, wie die beiden anderen, fondern ift fo gefchnitten, dafs nach hinten eine Oeffnung in Form eines Dreieckes bleibt. Der auf diefem Interfatz befindliche Bezug hat den Zweck, durch das Mitklingen der Saiten die Schallkraft des Inftrumentes zu verftärken. Der Unterfatz mufs an Höhe der Zither gleich fein und darf die Gröfse nur um ein Weniges überfteigen. Der Erfinder nennt ihn Aliquodium und hat ihn nach den neueften Entdeckungen des Profeffors der Akustik A. Schmid in England angefertigt. Das Aliquodium hat fich bei den angeftellten Verfuchen als praktiſch erwiefen. Die Zithern entwickelten, auf ihn gefetzt, beim Spielen eine weit gröfsere Tonfülle als fonft, ohne an Klangfchönheit einzubüfsen. Unter den von Heidegger ausgeftellten Zithern zeichneten fich zwei durch eine prachtvolle Perlmutter- Einlage aus, der Preis einer jeden im Prachtetui war 300 fl., gewöhnliche Zithern koften 60 bis 40 fl. obenerwähnte Kriner in Stuttgart brachte unter feinen Zithern mehrere brillant ausgeftattete Exemplare, unter ihnen fiel befonders eine, genannt die deutfche Kaiferzither, durch koftbare Perlmutter- Einlage, feine Graveur- und Schnitzarbeit auf. Boden und Deckel find gewölbt, wodurch der Ton an Fülle gewinnt. Das Inftrument koftet 250 fl. Der deutfchen Kaifer Zither ftand eine Kaiferin Elifabeth- Zither, ebenfalls mit eleganter Ausftattung, zur Seite. Der Preis betrug 200 fl. Aufserdem hatte die Firma noch eine bedeutende Anzahl derartiger Inftrumente, unter ihnen auch zwei baierifche Oberländer Zithern, ausgeftellt. Der Preis der einfachen Zithern ftieg von 30 fl. bis 45 fl. Der von Kriner verfuchten neuen Stimmung mit fechs Saiten haben wir bereits gedacht. An Tonfchönheit jedoch kamen die Inftrumente diefer Firma denen Heidegger's nicht völlig gleich. Die Zither liefs fich ferner nicht vermiffen bei Haff in Augsburg, Neuner& Hornfteiner in Mitterwalde, Michael Schufter, Moritz Gläfel und Victor Emanuel Wettengel in Mark- Neukirchen, J. A. Baader& Comp. in Mittenwalde, G. H. Jochem in Worms. In München erfreut fich die Zither eines ganz aufserordentlichen Cultus, wie die Collectivausftellung bewies. Hier fanden wir die Firma G. Tiefenbrunner mit 13 Exemplaren vertreten; Thunhart X. brachte deren 2, unter ihnen I mit verkürzter Menfur und 30 Saiten; diefelbe empfiehlt fich durch einen vollen und dabei fchönen Ton. Im Weiteren find aus München anzuführen: A. Rieger, J. Haslwandter und Max Amberger. Bei dem Letzteren fanden fich 2 Concertzithern in eigener Form und Menfur vor. Für den Concertgebrauch würden wir aber die Zither am wenigften empfehlen. Ein feltfames Inftrument diefer Art fand fich in der ruffifchen Abtheilung von Arhufen in Petersburg ausgeftellt. Dasfelbe ift nach der Idee des Lapoukhine in Kiew angefertigt. Auf einem in einen Metallring gefpannten Trommelfell ift ein Holzfteg mit eingelegtem Elfenbein angebracht, über welchen 18 Metallund 6 Darmfaiten laufen. Das Trommelfell vertritt den Refonanzboden, unter demfelben befinden fich mehrere Metallftäbe, welche den Dienft mitklingender Saiten verfehen follen. Das Inftrument war als Metallzither bezeichnet. Ueber 6 80 Eduard Schelle. Ton und Spielart läfst fich nichts Näheres fagen, da es nicht gehört werden konnte. Wie fchon angedeutet, hat die deutfche Zither auch in Amerika Fufs gefafst. In der That trafen wir in der amerikaniſchen Abtheilung drei Zithern an, ausge ftellt von Franz Schwarzer in Waſhington und zwar Zithern, die dem Verfertiger wie der Stadt wahrlich keine Unehre machen. In die Claffe der befaiteten Schlaginftrumente gehört auch das Cymbal, jenes Inftrument, aus welchem das moderne Hammerclavier hervorgegangen ift, Die Ausftellung führte nur ein einziges Exemplar vor und zwar in der ungarifchen Abtheilung. Die Firma Schunda aus Peft hatte es dafelbft ausgeftellt. Das Inftrument zeichnet fich durch einen ftarken, fchönen Ton aus und entſpricht allen Anforderungen, die man an ein Cymbal ftellen kann. Kruftifche Inftrumente. Unter den Schlag- und Larminftrumenten ftehen die Keffelpauken obenan, weil fie Töne von beftimmter Höhe und Tiefe haben und nicht blofs dynamiſch In neuerer Zeit find als Schall-, fondern mufikalifch als Ton- Werkzeuge wirken. die Pauken ungemein vervollkommnet durch Vorrichtungen, durch die fie fich In der öfterreichifchen leicht und ohne Mühe in jede Tonart umftimmen laffen. Abtheilung fand fich nur eine einzige Keffelpauke für ein kleines Orcheſter vor in der Ausstellung der Firma Hutter& Schranz in Wien, Trommellieferanten der k. k. öfterreichifchen Armee; der Ton ift hell und von fchönem Charakter. Ein Paar Pauken mit mechanifcher Umftellung von ganz vorzüglicher Qualität hatte C. Hoffmann( Max Hoffmann- Linke) in Leipzig geliefert. Das Die Mafchinerie ift Geftell ift fo eingerichtet, dafs die Pauke ganz frei fteht. fo vervollkommnet und zugleich fo handlich, dafs fich auf dem Inftrumente jeder Der Ton ift prachtvoll. Tonwechfel auf das Leichtefte bewerkstelligen läfst. Die Klöpfel find mit Pianoforte- Filz bekleidet. Ausserdem wies noch die italienifche Abtheilung ein Paar Pauken auf, die Pelitti in Mailand vorführte. Die Mechanik ift die Frankfurter mit einer Verbefferung. Der Ton ift gut, aber fchwach. Sehr Weit zahlreicher war die Trommel auf der Ausftellung vertreten. fchöne Inftrumente diefer Gattung fanden fich unter den Ausftellungsobjecten Czerveny's in Königgrätz ausgeftellt. Namentlich zeichnete fich eine grofse Die Klöpfel find Trommel durch eine wahrhaft machtvolle Klangwirkung aus. mit Kautfchuk befetzt. Auch haben ferner in der öfterreichifchen Abtheilung recht preiswürdige Trommeln von verfchiedener Gröfse und Charakter, zum Thei! auch Tamburins, ausgeftellt: die genannte Firma Hutter& Schranz, ferner Ignaz Stowaffer, Daniel Fuchs, beide in Wien, und Rohland& Fuchs in Graslitz. In der ungarifchen Abtheilung brachte die Firma Kollerich in Peft zwei Trommeln zur Ausftellung; eine von grofsem Kaliber und eine Militärtrommel; die letztere ift von weittragender Schallkraft, der Klang der erfteren dumpf und hart. In der deutfchen Abtheilung hatte Ludwig Bertram in Rendsburg verfucht, die fchon bei manchen feiner Blech- Blasinftrumente von ihm verwendete Mifchung von Kupfer, Neufilber und Meffing auch für den Rand der Trommel zu benützen. Diefe Mifchung hat fich an einer hohen Wirbeltrommel nicht befonders bewährt, Eine flache denn trotz der guten Arbeit ift der Ton dumpf. Preis 70 Thaler. Der Rand ift Militärtrommel zeichnete fich durch eine gute Klangwirkung aus. Preis 12 Thaler. Diefe flache Form von Holz und mit Kupferblech befchlagen. Preis 12 Thaler. ift weit handlicher für den Militärgebrauch als die gewöhnliche, für das Orchefter jedoch wäre immer die letztere wegen des Klangcharakters vorzuziehen. Trom Mufikalifche Inftrumente. 81 meln, Tambourins von verfchiedenem Werthe fanden fich im Weiteren bei Moriz Seiferth und Adolf Seiferth, E. Leberecht Fifcher und Michael Schufter, alle vier in Mark- Neukirchen vor. Namentlich waren bei dem Letzteren die Trommeln vom kleinen Kaliber recht empfehlenswerth. Auch drei Banzow's, eine Art kleiner Handpauke, und das fogenannte hölzerne Gelächter, Claquebois, das heifst, die am Ende der zwanziger Jahre von Gufikow erfundene Holz- und Strohharmonika, Strohfidel genannt, zeigten fich unter den Ausftellungsobjecten des Victor Emanuel Wettengel in Mark- Neukirchen. Aus Italien wäre Pelitti in Mailand zu nennen mit zwei kleinen und zwei grofsen Trommeln; unter den letzteren eine von befonders gutem Klang. Bei den kleinen Trommeln ift der Schall etwas zu kurz und nicht weittragend genug. Dagegen wollen die Trommeln mit Metallring, welche die Firma Charles Atkins in London in der englifchen Abtheilung ausgeftellt hatte, wenig befagen. Der Ton ift fchnarrend und kurz. Die Erfahrung hat gezeigt, dafs die Benützung des Metalls allein auf dem Rand der Trommel nie die günftigfte Wirkung auf den Ton hervorbringt. Von wunderbarer Klangfchönheit war eine grofse Trommel, welche fich in der chinefifchen Abtheilung vorfand. Sie ähnelt der Form nach einer Tonne und ift bemalt. Das Fell ift aus der Haut eines wilden Schweines hergestellt. An Allen Bemerkenswerth waren aufser diefer noch drei kleinere Trommeln. machte fich etwas Eigenthümliches in der Klangwirkung und zwar zu Gunften derfelben geltend. Eine Art Trommel führte uns auch die japaniſche Abtheilung vor, bei der das Fell aus Efelshaut bereitet ift. Die Form ift gefchmackvoll und der Klang anfprechend. In Perfien endlich vertrat diefe Gattung von Schlaginftrumenten nur ein Tambourin mit Ring. Die unzertrennlichen Begleiter der grofsen Trommel find die türkifchen Becken, Piatti, Cinelli genannt. Sie bilden tellerförmige Flächen mit einer Vertiefung in der Mitte, find aus verdichtetem Glockenmetall geformt und dienen dazu, durch ihren fcharfen, fchrillen Klang die rhythmifchen Schläge der grofsen Trommel zu verftärken. Das Monopol diefer Inftrumente in Betreff der Qualität befitzen noch heutigen Tags die Türkei und China und forgfam hüten die chinefifchen und türkifchen Fabrikanten noch immer das Geheimnifs der Herſtellung diefer Inftrumente. In der That waren die in der türkifchen Abtheilung vorgeführten Cinelli an raufchendem, weithin tönendem Klang allen übrigen in der Ausftellung überlegen. Nächft diefen türkifchen Becken trafen wir die beften Inftrumente die. fer Art bei Červený und Daniel Fuchs in der öfterreichifchen und bei Michael Schuft er in der deutfchen Abtheilung. Červený und Daniel Fuchs brachten auch fehr preiswürdige Triangel. Sehr preiswürdig waren dann die in der italienifchen Abtheilung ausgeftellten Cinelli von Pelitti in Mailand. Mit den Becken hat auch das chinefifche Tam Tam dem Stoffe nach eine Verwandtfchaft, obwohl es dem Klang nach ungleich edler und mächtiger ift. Spontini hat diefes Inftrument durch feine" Veftalin" in die Oper, Cherubini durch fein Requiem in die kirchliche Mufik eingeführt. Das Tam- Tam ift ebenfalls eine Specialität, in welcher die Chinefen unerreicht daftehen. So waren auch die beiden Inftrumente in der chinefifchen Abtheilung weitaus die beften in der Ausftellung. Nächft ihnen find nur noch zwei TamTam hervorzuheben, das eine aus der Fabrik Červený's und das andere von Uhlmann Leopold in der öfterreichifchen Abtheilung; der Klang des Uhlmann'fchen Tam Tam könnte jedoch etwas weniger Schärfe befitzen. Zu diefer Gattung von Inftrumenten gehören auch die fogenannten, in der Militärmufik gebräuchlichen Glockenfpiele in Lyraform. Diefelben beftehen in einer Reihe von Metallplättchen, welche die chromatifche Scala an6* 82 Eduard Schelle. ben. Die Hauptbedingung ift, dafs die Scala vollkommen correct ift und die Platten beim Anfchlagen gut vibriren, ohne ein Echo zu geben. Eine vorzügliche Lyra, correct in jeder Beziehung, hatte Červený geliefert. Auch Sto waffer Ignaz in der öfterreichifchen Abtheilung hatte ein folches Inftrument gebracht, welches allen Anforderungen entſpricht. Auch Uhlmann Leopold in Wien, Rohland& Fuchs in Graslitz und Daniel Fuchs in Wien ftellten. recht anftändige Lyrafpiele aus, das des Letzteren hat eine vorzügliche Vibration, aber keineswegs eine ganz correcte Scala. Noch find zu nennen im deutfchen Reich Bertram Ludwig in Rendsburg und Pelitti in Italien, welche ebenfalls Glockenfpiele ausftellten. Aufser feiner Lyra hatte Uhlmann Leopold auch ein chromatifches Stahl- Glockenfpiel mit Claviatur ausgeftellt. An demfelben ift eine Dämpfung angebracht, durch welche das Nachhallen der Platten verhindert wird. Das Inftrument ift in Folge diefer Einrichtung fehr verwendbar in Opernorcheftern und übertrifft an Wohlklang die meiften Inftrumente diefer Art. An die letztgenannten Inftrumente reihen fich in natürlicher Weife die Glocken, bei welchen ebenfalls der Ton durch einen Schlag vermittelft eines Klöppels oder eines anderen Werkzeuges hervorgerufen wird. Die Glocken beginnen bereits im VI. Jahrhundert ihre Rolle in der Kirche zu fpielen. Das Material, das fogenannte Glockengut, aus dem fie gegoffen werden, beſteht aus einer Mifchung von Kupfer und Zinn. Eine Hauptfache bei der Bildung der Glocken ift, bei dem erften Gufse die Tonhöhe richtig zu treffen, weil fpätere Aenderungen die Klangfchönheit fehr beeinträchtigen. Die Tonhöhe hängt von der Weite des Schlagrings, der mufikalifche Ton aufserdem noch von der Dicke und Schwere der Glocke ab. Der Klangcharakter wird zugleich durch die Haube bedingt, welche in den harmonifchen Obertönen mitklingt und fomit mehr oder weniger Einfluss auf den Grundton hat. Die Glocken waren auf der Ausftellung in allen Kalibern ungemein zahlreich vertreten. Ein Geläute von harmoniſch im Dreiklang zufammengeftimmten Glocken mit Montirung zum Läuten bot die Firma Samaffa Albert in Laibach. Die Firma befteht feit dem Jahre 1767 und entfaltet von Jahr zu Jahr einen immer fchwunghafteren Betrieb; fie befitzt eine Dampfmafchine von 8 Pferde kraft und befchäftigt 40 Arbeiter. Ein fchönes, ebenfalls im Dreiklang zufammenftimmendes Geläute bildeten ferner 7 Metallglocken, welche die k. k. Hof- Glocken- und Metallgiefserei Hiltzer Ignaz& Sohn in Wiener- Neuftadt, Niederöfterreich, ausgeftellt hatte. Die gröfste der Glocken von 115, die kleinfte von 1½ Centner.; dazu kom12 men noch zwei Uhrglocken von 30 und 10 Centner. Die Glocken find für die Votivkirche in Wien beftimmt. Carl Schwab in Biala hatte drei Glocken ausgeftellt, welche im D- Dreiklang geftimmt waren. Die gröfsere hat ein Gewicht von 400, die mittlere von 300 und die kleinfte von 200 Centner. Der Ton ift fchön und weittragend. Auch aus Görz waren vier Glocken von hübfchem, gefchmackvollem Aeufseren aus der Fabrik Broili& Goli eingelaufen, fie find zwar nicht in reinem Accord geftimmt, aber ihr Geläute machte eine fehr harmonifche Wirkung. Im deutfchen Reiche feffelten das Intereffe auf diefem Gebiete die Leiftungen von dem Glockengiefser Gouffel François in Metz. Gouffel hatte vier Glocken nebft Glockenftuhl von verfchiedener Gröfse eingefendet, die an Klangfchönheit den beften Producten diefer Art auf der Ausstellung mindeftens gleichkamen und obwohl nicht in einem reinen Accord geftimmt, doch ein unendlich harmonifches Geläute bildeten. Der Preis ift im Verhältnifs zum Werthe billig zu nennen. Er beträgt 2467 Thaler. Die Firma ift übrigens fehr alt und reicht bis ins XVI. Jahrhundert hinein, und befchäftigte vor dem franzöfifchen Kriege 1870: 28 Arbeiter, welche Anzahl nach dem Kriege auf 12 Arbeiter und 1 Werkführer gefunken ift; die vorzügliche Qualität ihrer Erzeug Mufikalifche Inftrumente. 83 niffe, von der die Ausftellung einen Beweis lieferte, fo wie der Ruhm der Firma laffen hoffen und wünſchen, dafs das Gefchäft zu feiner früheren Ausdehnung fich wieder auffchwingen wird. Eine fchöne Glocke hat ferner Hadank& Sohn in Hoyerswerda in Schlefien gebracht. Diefelbe machte fchon durch ihr gefchmackvolles Aeuſsere einen angenehmen Eindruck, der Helm ift fchön geformt und mit Silber plattirt. Der Klang ift hell und von grofser Refonanz. Ein fchönes Geläute von vier Glocken nebft Glockenftuhl boten ferner F. W. Rinker in Hof- Sinn bei Herborn, Heffen- Naffau, im Gewichte von 3547 Zollpfund, von 1740% und 1007% und 42845 Zollpfund im Gefammtpreife zu 375 Thaler. L. Hermann in Memmingen in Baiern, ebenfalls vier Glocken, diefelben find im C- dur Accord geftimmt. Statt des gewöhnlichen Glockengufs bedient man fich heutigen Tags häufig des Gufsftahls. Beiſpiele lieferten auf der Ausstellung Adolf Kraemer, Eifenhütte zu Quint bei Trier mit zwei und der Bochumerverein für Bergbau und Stahlgufs- Fabrication in Weftphalen mit einer Glocken; der Klang beider Glocken ift voll und fchön, die Bochumer namentlich entfaltet eine wahrhaft mächtige Wirkung. Nur hat fich leider bis jetzt der Gufsftahl nach diefer Seite hin nicht befonders dauerhaft erwiefen; es läfst fich daher für die Folge: eine Abfchwächung der Schallkraft befürchten. Die Bochumer Glocke wiegt 60 Centner. Aus Hochofen Gufseifen mit Beffemer- Gufsftahl fand fich auch in der ungarifchen Abtheilung eine Glocke von Reficza( im Banat) vor; fie ftimmt genau im Parifer Kammerton( a). Ungarn hat überhaupt in Bezug auf Glocken manches Treffliche geliefert. Wir nennen nur Andrafchovsky Ephraim in Klaufenburg, ferner die gleichnamige Firma in Kronftadt; jede von ihnen hatte eine Glocke fammt Montirung von recht leidlicher Qualität gebracht; ferner wären in diefer Abtheilung anzuführen Pozdech Jofef in Peft und Seltenhofer Friedrich in Oedenburg. Vortreffliche Glocken, acht an Zahl, hatte ferner die Firma Blews William& Sons in Birmingham in der engliſchen Abtheilung ausgeftellt. In der italienifchen Abtheilung machte fich hefonders die Firma Luigi Cavadini& Figlio in Verona mit fünf grofsen und vier kleinen harmonifch geftimmten Glocken bemerklich. Diefelben werden durch eine Taftatur von Holz regiert; aufser der genannten Firma ftellten Colbachini Damiano und Söhne zwei kleine Glocken, die eine in viereckiger Form, die kleinfte in a geftimmt, von feiner Arbeit, aber fchlechtem Gufs; ferner Matteini Don Mariano in Rimini vier Glocken mit fchöner durchbrochener Arbeit, aber von dürftigem Ton. Eine Glocke ganz eigenthümlicher Form trafen wir in der japanifchen Abtheilung an. Diefelbe verengt fich nach unten hin und hat keinen Klöppel. Sie wird zum Tönen gebracht, indem man einen kleinen Holzbalken auf einen erhabenen Punkt der Aufsenfeite fchleudert. Der Ton ift weithallend und von mächtiger Wirkung; er hat etwas von dem Charakter des Tam- Tam an fich. Diefe Glocke reihte fich dem Beften an, was die Ausftellung in Inftrumenten diefer Art bot. Endlich hatte auch Holland einen Beitrag mit mehreren Glocken von anftändigem Fabricate geliefert. Anomale Inftrumente. Unter diefem Namen begreifen wir Inftrumente, welche keiner der bisher angeführten Gattungen zugehören, fondern ganz ifolirt daftehen. Die Ausstellung führte deren zwei vor, nämlich das Piano Quatuor von Baudet in der franzöfi 84 Eduard Schelle. fchen, das Melo- Piano von Caldera& Broffi in Turin in der Nähe der italienifchen Abtheilung. Auf den erften Blick könnte es fcheinen, als ob beide Inftrumente eine Erweiterung der Pianofamilie bildeten, weil das Piano ihre Grundbeftandtheile ausmacht, allein aus ihren Wirkungen ergibt fich, dafs fie, anftatt die Natur des Piano zu ergänzen, diefelbe alteriren, da fie mit einem Worte etwas anftreben, was gegen den Charakter des Piano läuft. So ift das Piano Quatuor ein Inftrument, welches in Form eines Pianinos die Effecte des Streichquartettes hervorzubringen die Aufgabe hat. Es hat ferner die Beftimmung, alle Nuancirungen der Streichinftrumente, wie das Anfchwellen und Abnehmen, das Ausftechen und Verbinden der Töne nicht nur treu wiederzugeben, fondern auch Gefangseffecte zu erzielen. Es will mit einem Worte ein Streichorfter im Kleinen darftellen, ein entſprechendes Surrogat für ein folches fein. Der Mechanismus, man mufs es geftehen, ift höchft finnreich. Die Conftruction des Inftrumentes gleicht äufserlich der eines Pianinos. Der Bezug ift jedoch nicht dreichörig wie bei diefem, fondern für jeden Ton eine einzige Stahlfaite angebracht; diefelbe mufs aber, um die erforderliche Tonfülle zu erzeugen, dreimal fo ftark fein wie eine Clavierfaite. Diefelbe läuft zunächft über einen gewöhnlichen Steg, wird dann durch eine Schraube auf einen niedrigeren Steg gedrückt, welcher in Folge des Druckes auf den Refonanzboden diefelbe Wirkung ausübt, wie der Steg bei einer Violine. Es wird dadurch bei jeder Schwingung eine Vibration erzeugt, welche die Tonftärke bedeutend vermehrt. Die Schwingungen felbft werden durch ein an der Saite angebrachtes Büfchel von Pflanzenfafern( imitirtes Rofshaar,„ Tampico" genannt) fortgepflanzt. An einem mit der Tafte in Verbindung ftehenden Keil findet fich ein gebogenes Stück Fifchbein von beliebiger Stärke. Durch den Druck, der vom Spieler auf die Tafte ausgeübt wird, prefst das Fifchbein jedes Büfchel gegen einen aus hohlem Eifen angefertigten, mit Papierbekleidung überzogenen und Colophonium beftrichenen, wagrecht liegenden Cylinder. Derfelbe wird durch ein Pedalfyftem nach einer der Saite entgegengefetzten Richtung zu in Rotation verfetzt. Diefer Cylinder hat die Function des Violinbogens zu verfehen. Die fo entſtehende Friction des Cylinders mit dem Büfchel theilt fich durch das Letztere der Saite mit. In dem Mafse, als die Friction durch den ftärkeren Taftendruck gefteigert wird, gewinnt der Ton an Kraft und Fülle. Die Stärke des Tones kann übrigens auch durch ein fchnelleres Treten des Pedales vermehrt werden, weil dadurch der Cylinder fich ebenfalls fchneller bewegt. Auf diefe Weife wird ein Ton erzeugt, der dem Charakter der Streichinftrumente fehr nahe kommt. Auf der jenen erwähnten Keil tragenden Seite befindet fich noch eine Spiralfeder, welche den Zweck hat, dem Fifchbein die zum Drucke gegen den Cylinder benöthigte Kraft zu verleihen. Mit der Tafte fteht die Leifte durch eine Stellfchraube in Verbindung, die Letztere dient dazu, die Bewegung des Fifchbeins gegen den Cylinder zu regeln und dasfelbe dem Büfchel fo nahe wie möglich zu bringen. Der Gang der Tafte wird durch einen befonderen Knopf geregelt. Die Tafte felbft ift ganz die des Pianos. Ein derartiges Inftrument brachte übrigens Baudet bereits unter dem Namen Piano- Violon in der Parifer Weltausftellung 1867 und mag jetzt hier nur einige wefentliche Verbefferungen erhalten haben. Die Idee ift übrigens nicht neu, fie liegt vielmehr fchon den im XVII. Jahrhundert beliebten GeigenClaviercymbalen zu Grunde. Sehr gut, faft bis zur Täufchung nachgeahmt find die tieferen Streichinftrumente, wie Bratfche, Violoncell, weniger glücklich ift der Ton der Geigen getroffen, doch find von dem Erbauer einige Verbefferungen in Ausficht geftellt, welche das Inftrument nach diefer Seite hin vervollſtändigen. Das Streichquartett wird das Piano- Quatuor nie erfetzen können, denn deffen Reiz beruht in erfter Linie auf dem Zufammenwirken von vier Individualitäten; allein immer ift es für den Privatgebrauch eine intereffante Errungen Mufikalifche Inftrumente. 85 fchaft und ein werthvolles Surrogat für die Mufikliebhaber. welche ihrer Verhältniffe wegen Quartettvorträge entbehren müffen. Ein folches Inftrument ift bereits aus der Ausftellung in Wien eingerückt und befindet fich im Clavierfalon von Bernherd Kohn. Ein Piano Quatuor mit Geigen, Clavier- und Cymbal conftruction fand fich auch von Barutto in Lyon vor. Mit dem angeführten Melo- Piano von Caldera& Broffi in Turin hat es infofern eine ähnliche Bewandtnifs wie mit dem Piano- Quatuor, als auch dort und zwar in einem noch höheren Grade als hier das Piano die Bafis des Mechanismus bildet. Derfelbe greift nicht gewaltfam wie jenes in das Conftructionsfyftem des Piano ein, er beſteht nur in einer Vorrichtung, welche an dem Clavier angebracht wird, zu dem Zwecke, die Natur desfelben zu erweitern; allein diefe Erweiterung gefchieht auf Koften der Eigenart des Inftrumentes, das Clavier als Melo- Piano fucht fich des Gefanges zu bemächtigen, wie fich das Piano- Quatuor des Streichorchefters bemächtigt hat. Der Mechanismus ift folgender. An einem runden Meffingftabe find kleine Blechhämmerchen mittels feiner Uhrfedern befeftigt, welche, wenn der Stab in Vibration gefetzt ift, in fchnellfter Bewegung beim Niederdruck der Taften auf die Saiten fchlagen und ein dauerndes Tönen derfelben erzeugen. Jener Meffingftab wird durch ein auf dem Boden des Inftrumentes angefetztes Triebwerk nach dem Willen des Spielers vermittelft eines Pedaltrittes in ftärkere und geringere Bewegung gebracht, wodurch man zugleich ein merkliches Crescendo und Decrescendo erzeugen kann. Das complicirte Triebwerk wirkt nach Aufziehen einer Feder ungefähr eine Viertelftunde lang. Das Triebwerk wird endlich durch ein Knieregifter beliebig in den Gang und aufser Gang gebracht. Es können vermittelft diefer Vorrichtung Accorde wie Einzeltöne in fanfter Schwebung ausgehalten werden. Der Effect hat etwas von dem des Tremolo beim Gefang. Ein Vorzug diefer übrigens achtungswerthen Erfindung befteht darin, dafs man mit diefer Vorrichtung auch das Piano als gewöhnliches Piano benützen kann; als Melo- Piano wird das Clavier feinem eigenen Charakter entfremdet und geftaltet fich zu einem anomalen Inftrumente. Wahrhaft künftlerifche Elemente trägt diefe Erfindung durchaus nicht in fich. Muſikaliſche Spielwerke. Wir wählen diefen Namen für die grofse Gruppe jener Inftrumente, welche ern von aller künftlerifchen Miffion nur als Erzeugniffe des in dem Menfchen allmächtig waltenden Spieltriebes anzufehen find. Sie haben im Weiteren noch die Beftimmung, dem Bedürfniffe nach mufikalifcher Unterhaltung in jenen Kreifen Genüge zu thun, in denen die nöthige Vorbildung für den höheren Kunftgenufs fehlt. Vom Standpunkte der Kunft können folche Inftrumente nicht in Betracht kommen, fie haben nur eine induftrielle Bedeutung als ein ergiebiger Handelsartikel. Obenan in diefer Gruppe ftehen wegen ihrer befonders künftlichen Con ftruction die automatifchen und mechanifchen Spielwerke, das heifst folche, bei denen die Thätigkeit des Spielers durch den Mechanismus eines Uhrwerkes erfetzt, oder, wie bei den letzteren auf eine rein mechanifche Manipulation, wie das Drehen einer Kurbel, befchränkt ift. Zu den Erfteren gehören die Orcheftrions, fo genannt, weil fie eine Nachahmung des Orchefters bilden. Die Ausftellung führte deren nicht weniger als fünf vor, ein Beweis, wie fehr diefe Inftrumente an Beliebtheit gewonnen haben. Das Befte in diefem Zweige hatte unftreitig J. H. Heller in Bern geliefert. Von ihm waren zwei Orcheftrions ausgeftellt, bei denen an Wohlklang und Charakteriftik der verfchiedenen Inftrumente Alles erreicht ift, was nur auf folchem Wege zu erreichen ift. Das eine, das gröfsere von beiden enthält 40 Regifter und 633 Stimmen mit 12 Walzen; das zweite 9 Regifter und gegen 400 Stimmen; das 86 Eduard Schelle. Abfpielen einer Walze währt beim erften neun, beim zweiten fieben Minuten. Das gröfsere hat vor dem kleineren den Vorzug, dafs die Stimmen feiner und harmonifcher ausgeglichen find; es koftet 25.000 Gulden, das zweite 8000 Gulden. In der öfterreichifchen Abtheilung begegnete uns zunächft J. Deutfchmann in Wien, deffen Name auch in der Gefchichte des Harmoniums eine Rolle fpielt, mit einem Orcheftrion, das 24 Mann erfetzt. Es enthält 2 Flaute Traverspfeifen, 17 Naturflöten, I Piccolo, 24 Trompeten, 12 Pofaunen, 36 Violonbafs- Pfeifen, dann I kleine und I grofse Trommel, die letztere mit 4 Becken, I Triangel und 1 Glocke. Das Werk wird von 4 Gehwerken, welche durch Gewichte getrieben werden, in Bewegung gefetzt. Diefe Gehwerke haben nur die Beftimmung, die vier Blasbälge zu treiben, indem jede Inftrumentengattung ihren eigenen Blasbalg haben mufs. Ferner find 2 Laufwerke angebracht, von denen das eine blofs die Walze treibt, das andere die grofse Trommel nebft Becken regiert. Diefes Orcheftrion ift fo eingerichtet, dafs man die verfchiedenen Schlagwerke abfperren kann und fomit die einzelnen Inftrumente nach Belieben auslaffen oder mitfpielen laffen kann. Der Preis beträgt 10.000 fl. öfterreichischer Währung. Aufser Deutfchmann hatte in der öfterreichifchen Abtheilung auch J. Janifch in Wien ein Orcheftrion ausgeftellt; dasfelbe ift aus Holzpfeifen und Trommeln etc. zufammengefetzt und ift von anfprechender, milder Klangwirkung. In der deutfchen Abtheilung ift noch ein Orcheftrion von Mamert Hock in Saarlouis( Rheinprovinz) anzuführen mit 6 Walzen, welche je ein Stück ſpielen. Walze Nr. 6 fpielt acht verfchiedene Stücke. Preis 1200 Thaler. Zu folchen felbftfpielenden Inftrumenten gehört auch das elektrifche Clavier, welches fich unter den Ausstellungsobjecten des genannten Heller in Bern befunden hat. Ausserdem hatte Heller ganz vorzügliche Spielwerke im engeren Sinne, wie Spieldofen, fingende Vögel und fingende Stühle etc. geliefert. Neben ihm nennen wir noch die Firmen Karrer& Comp. und Karrer S., beide in Teufenthal im Aargau, dann Mermod Gebrüder, Canton Waadt( Schweiz). Unter den mechanifchen Inftrumenten nimmt jetzt auch das Clavier einen Platz ein oder es ift zu einem folchen degradirt. Namentlich zeigt Italien dafür eine grofse Vorliebe, man fand wenigftens in der italienifchen Abtheilung das vermittelft einer Kurbel zu fpielende Clavier fehr reichlich vertreten. Zu derfelben Gattung gehört auch das Pianifta bei Thibonville- Lamy in der franzöfifchen Abtheilung. Der Mechanismus befindet fich in einem Kaften, der mit einem Pianino in Verbindung fteht. Aus diefem Kaften ragen Claves hervor, welche die Finger des Pianiften vertreten und genau auf die Taften des Pianinos paffen. Der ganze Mechanismus fufst auf dem pneumatifchen Syftem. Beim Drehen der Kurbel werden die Claves durch Blasbälge gehoben. Das Spiel felbft wird geregelt durch ein Carton mit Ausfchnitten, Noten darftellend, welches beim Drehen der Kurbel durch eine Rolle von Kautfchuk in Bewegung gefetzt wird und darunter fortläuft. Der Mechanismus ift höchft finnreich, aber complicirt. Man kann fich nicht genug wundern über den Aufwand von Mühe, Geift und Scharffinn, der fchliefslich keinen anderen Zweck hat, als eine Spielerei zu erzeugen. Zu den mechanifchen Inftrumenten find auch zu rechnen Drehorgeln, Melodions u. f. w. Recht preiswürdige Werke hatten in der öfterreichifchen Abtheilung geliefert: Schidlo Carl, Klein Johann, Beide in Wien, Riemer Bernhard in Kratzau( Böhmen), Salomon Adolf und Wilhelm, Reichenberg ( Böhmen). Das Inftrument des Letzteren ift in vieler Hinficht fehr bemerkenswerth. Es führt den vornehmen Titel: Salonorgel. Es hat 2 Walzen und ſpielt 16 Salonftücke, woher wahrfcheinlich der Name Salonorgel; ferner eine Claviatur, mittelft der man beliebig 4 Stimmen( Regifter) fpielen kann; für die Claviatur find folgende Regifter vorhanden: Bordun 8', Quintatöne 4', Flöte 2' Quint 12'; für die Walze Piccolo, Glocken, Tremulant. Einige Regiſter find auch felbft Mufikalifche Inftrumente. 87 verfchiebbar. Das Werk hat circa 300 klingende Pfeifen. Das Aeufsere diefer Salonorgel, die nach Singapore in Oftindien verkauft wurde, ift gefchmackvoll. In der deutfchen Abtheilung fanden fich treffliche Melodeons bei R. Dix in Gera vor. Damit wäre das Vorzüglichfte erfchöpft, was die Ausftellung in diefem Genre bot.- - In die Kategorie der mufikalifchen Spielwerke wir nehmen diefes Wort in feinem urfprünglichen Sinne, gehören auch das neuerfundene Inftrument, genannt Pianon, von Carl Kuhn in Wien und der Cither- Concerttifch von Franz Böhm in Griebach. Das erftere ift nur eine Abart des Harmoniums, aber keine glückliche. Es hat die Form eines kleinen Tifches mit einer Claviatur. Diefelbe hängt mit einem im Tifche befindlichen Blasbalge zufammen; beim Druck der Finger auf die Taften fenkt fie fich, durch welche Procedur der Ton erzeugt wird. Sie verfieht auf diefe Weife diefelbe Function wie das Trittwerk am Harmonium. Das Inftrument ift im Ganzen und Grofsen nur eine Curiofität. An dasfelbe reiht fich auch das Schreibtifch- Harmonium, eine neue Erfindung von Johann Klein in Wien. Der Charakter der Arbeit thut dar, dafs der Schreibtisch die Hauptfache, das Harmonium mit feinen fünf Octaven nur Zugabe ift. Wir haben es auch hier mit einem Curiofum zu thun. Was den Cither- Concerttifch anbetrifft, fo hat er feinen Namen von drei Cithern, die fich auf ihm befinden. Ausserdem enthält er noch eine Taftatur, Stahl- und Metallglocken und eine kleine Trommel. Die Taftatur beherrscht ein Werk von 25 Flöten, welche der Spieler vermittelft des Anblafens durch einen Schlauch zum Ertönen bringt. Es können mithin alfo an diefem Tifche zwei Perfonen Cither fchlagen und obendrein ein Dritter auf der Claviatur eine getragene Melodie fpielen und, um den Effect glänzend zu fteigern, zugleich Glocken und Trommel erklingen laffen. Maffenhaft ift in der öfterreichifchen Abtheilung die Gattung der Accordeons, Mundharmoniken und derartiger Inftrumente vertreten. Die Erfteren gehören zur Gattung der Physharmonika, nur dafs hier der Balg, ein Laternenbalg mit vielen Falten, die fich parallel bewegen, nicht mit den Füfsen, fondern mit den Händen gezogen werden, woher der Name Zugharmonika. In erfter Linie find hier die Firmen Johann Klein in Wien, M. Bauer in Wien zu nennen. Bei dem letzteren dürften befonders eine Zukunft die neuerfundenen Melophons haben, welche nach dem Clavierfyftem eingerichtet find und 5 bis 6 Octaven umfaffen. Der Preis bei Klein ift 2- bis 500 fl. per Stück. Ein grofses Accordeon mit 4 Octaven hatte W. Schramm in Wien ausgeftellt. Im Weiteren führen wir noch an die Firmen Anton Grötz in Wien, A. Vogler, Carl Kuhn ebenfalls in Wien. Von noch gröfserer Varietät find die verfchiedenen Mundharmoniken. So hatte die Firma Franz Mayer in Wien 130 Stück ausgeftellt, die fich in nicht weniger als 120 Gattungen theilen. Unter ihren Ausftellungs- Objecten befand fich ein Stück mit fchwebender oder doppelter Stimmung und zwei Regiftern für Forte und Piano, welches als die neuefte Erfindung bezeichnet wird. Die Firma producirt jährlich 900.000 bis 1,000.000 Stücke; man kann fich darnach eine Vorftellung von dem ungemeinen Abfatz diefer Inftrumente bilden. Die Preife find durchfchnittlich fehr billig. Zur Seite jener Firma fteht Wilhelm Thie in Wien mit Mundharmonika von verfchiedener Art, im Preife von 36 kr. bis 42 fl. öfterreichifcher Währung per Dutzend. Die Firma befchäftigt 120 bis 130 Perfonen theils im Haufe, theils aufser dem Haufe, arbeitet mit einer Dampfmafchine von 8 Pferdekraft und erzeugt jährlich 1 Million Stücke. Auch diefe Firma weift eine neue Erfindung auf, nämlich die Eifenverfpreizung der Doppel- Mundharmonikas, welche fehr vortheilhaft if, da durch die angebrachten Klammern die Platten dichter an das Holz geprefst werden, als bei der alten Methode mit den Nägeln. Der Handel mit diefem Gegenftand hat in der That die grofsartigften Dimenfionen angenommen. So 7 88 Eduard Schelle. befchäftigt die Fabrik Ernft Leiterdt in Brunndöbra( Sachfen) 200 Arbeiter und erzeugt jährlich mehr als 5 Millionen Mundharmoniken. Diefe Waare wird von Deutfchland wie Oefterreich hauptfächlich nach Amerika exportirt. Gute Waaren haben auch die Firmen Leopold Pippich, Georg Bruchbauer in Wien, Johann Langhammer& Söhne, Soukup und Fuchs in Graslitz( Böhmen) aufzuweifen. In der deutfchen Abtheilung lieferten gute Accordeons Gebrüder Bufe in Gera von I bis 15 Regifter und zum Theile mit Glocken, dann Pietfchmann& Söhne in Berlin. Auch Mundharmoniken fehlen in der deutfchen Abtheilung nicht. Schliefslich ift noch eines fchönen Exemplares von Dudelfack zu gedenken, welches in der ungarifchen Abtheilung Jautz J. F. in Neufatz ausgeftellt hatte. Beftandtheile muſikaliſcher Inftrumente. Für Claviere ift die Ausftelluug aufserordentlich zahlreich befchickt worden. In der öfterreichifchen Abtheilung geftaltete fich das Verzeichnifs der Ausfteller folgendermafsen: Claviaturen brachten Kafparek Jofef, Schmidtmaier Jofef, Sandtner Jofeph, Zähnle Leonhard; Schilder: Kleyhonz Robert; Mechanik: Schmidt Johann; Dämpfungen: Kühnel Jofef, Kopatfchek Alois; Kapfeln und Bänder: Röfsner Jacob, Mafchl Johann; Stiften und Stimmnägel: Noftwitz Carl, Riechers Herrmann; Saiten: Dietz Adolf, Moritz Franz, Martin Miler's Sohn; Notenpulte: Radl Jacob; Clavierfüfse: Preis Norbert; Clavierleime: Kunath Carl; Halbtöne und Fourniere: Senger Jofef; Leder, Filze, Stimmwerkzeuge: Kohn Albert; Eifenplatten und Schlofferarbeit: Korzalka Franz; Hammerköpfe befilzte: Gaifer Emil, fämmtlich in Wien. In der deutfchen Abtheilung hat eine Mechanik von gediegener Arbeit C. Coltermann in Hannover ausgeftellt; ferner ift aufser ihm noch Otto Lexow mit einer Mechanik zu vermerken. Aufserdem brachten Claviaturen: F. J. Wörnle in Hamburg; Saiten: Moriz Pohlmann in Hamburg, Filz: Carl Pranke jun., Neuftadt an der Orla, Sachfen- Weimar, Friedrich Baumbach; Leder, befonders fchöne Qualität: Schlefinger& Bummer, Gera, diefe Firma fteht überhaupt hoch im Anfehen, dann Gebrüder W.& Ed. Eifenberg. In der ungarifchen Abtheilung hatten Baumann Johann& Szlezák M. in Prefsburg eine Clavier- Transponir- Mechanik ausgeftellt. In der franzöfifchen Abtheilung fallen zunächft die beiden berühmten Firmen Schwander& Herrburger und Rohden in Paris ins Auge. Bekanntlich beziehen die meiften Clavierbauer die Mechaniken und Claviaturen fertig. Vor dem franzöfifchen Kriege befafsen diefe beiden Firmen das Monopol für derartige Lieferungen; nach dem Kriege ift Ihfermann in Hamburg an ihre Stelle getreten, der leider nicht ausgeftellt hatte. Von Schwander waren drei fchöne Pianinomechaniken und aufserdem noch Modelle zu Pianino- und Flügelmechaniken vorhanden; von Rohden ebenfalls eine Pianinomechanik nebft verfchiedenen Meffingbeftandtheilen. Diefe angeführten Objecte find wahre Mufterleiftungen diefer Art. Mechaniken zu Pianinos und Flügeln brachte auch Ch. Gerling& fils in Paris, Claviaturen Ch. Monti in Paris. Beinwaare lieferten E. Müller in Paris, Grandon, Alexandri& Couilleaux in Paris, dann Filze E. Billion und St. Denis, Fortie& Comp., fämmtlich in Paris. 7 Den beften Filz hat England durch die Firma Whitehead L. R. Gebrüder in London in der englifchen Abtheilung geliefert; er übertrifft an Qualität bei Mufikalifche Inftrumente, 89 Weitem den amerikaniſchen Filz, den die Firma Alfred Dolge in New- York in der amerikanifchen Abtheilung vorführte. In Italien wäre nur Carl Perotti in Turin mit Mechaniken zu nennen. Für Streichinftrumente. In der öfterreichifchen Abtheilung ftand mit Saiten, Bögen und anderen Beftandtheilen auch in diefem Zweige David Bittner in Wien oben an. Sehr Bemerkenswerthes namentlich hatte C. F. Schmidt in diefem Genre ausgeftellt. Sein neuer Handleiter wurde bereits erwähnt. Von fehr praktifchem Werthe find mehrere von ihm ausgeftellte Conftructionen des neuen, fogenannten Schmidt'fchen Wirbels( Schraube). Ihre wefentlichften Vortheile beftehen darin, dafs ein felbftftändiges Zurückgehen des Wirbels unmöglich, und eine reine Stimmung leicht zu erzielen ift, befonders durch die Conftruction mit der Mikrometer- Bewegung; ferner ein Verlängerungszapfen für das Violoncell aus Metall zum Behufe der höheren und niederen Haltung des Inftrumentes; er ift an jedem Inftrumente leicht anzubringen. Zu bemerken ift noch eine Vereinfachung des Spohr'fchen Geigenhalters, für jede Geige leicht anwendbar. Schliefslich find noch hervorzuheben Etuis mit einem neuen Verfchlufsmittel, wodurch den Inftrumenten mehr Sicherheit geboten wird, als es bei dem jetzt noch üblichen Schnappenflügel der Fall ift. Saiten von verfchiedener Art fanden fich bei Lutz in Wien und Gilardi Heinrich in Zara vor. Sehr brauchbare Darmfaiten für Streichinftrumente hat auch Tóth Sandor in Szegedin in der ungarifchen Abtheilung ausgeftellt. In der deutfchen Abtheilung lieferte Beftandtheile aller Art für Violine und Cello und zwar von fehr guter Qualität, Theodor Heberlein in Mark- Neukirchen( Sachfen). Unter Anderem fiel ein Violinbogen nach Gouilleaume von echtem Silber auf, dann Michael Schufter in Mark- Neukirchen, Darmfaiten, H. Knopf in Berlin brachte eine Collection von trefflichen Bögen für Violine und Cello. In der franzöfifchen Abtheilung brachten Violinfaiten Louvet und Thibonville Lamy in Paris. Die preiswürdigften Violinfaiten ftellten Righetti Luigi in Trevifo und Perotti Carlo in der italienifchen Abtheilung aus. Aufser diefen Beiden brachten noch Saiten Venturini Carlo, Turin, Bella Nicola, Verona, Bedini Giuſeppe, in Vicenza, Municipio in Sora, Ruffini Andrea in Neapel. Für Blasinftrumente. In der öfterreichifchen Abtheilung verdienten vor Allen eine rühmliche Erwähnung Carl Mayer wegen der von ihm ausgeftellten Röhren und Blätter für das Fagott. Diefelben find fehr fein gearbeitet und gewähren dem Fagottiften ein leichtes, ficheres Spiel. Blätter für Fagott, Oboë und Clarinette, ebenfalls von guter Qualität hatte Sobeck in Luditz in Böhmen ausgeftellt. Den Rohftoff, das dazu nöthige Rohr bezieht derfelbe aus dem füdlichen Frankreich. In Anfehung der Blechinftrumente hatte die Collectivausftellung der MufikInftrumentenmacher in Graslitz in Böhmen mit einer Sammlung von Mundftücken, Cylindermafchinen u. f. w. und anderen Beftandtheilen die Ausftellung befchickt, die gröfstentheils ihrem Zwecke entſprechen. Auch Baumgartl Wenzel in Wien hat in diefem Genre Vorzügliches geleiftet. In der deutfchen Abtheilung führen wir nur die Firma Michael Schufter in Mark- Neukirchen in Sachfen an. 7* 90 Eduard Schelle. Mufikalifche Inftrumente. Gut gefertigte Clarinettenblätter und Klappenbelederungen kamen bei Wenzel Schunda in Peft in der ungarifchen Abtheilung vor. Akuftifche und techniſche Inftrumente. In diefe Rubrik gehören zunächft 8 Stimmgabeln in der ruffifchen Abtheilung von A. Ifraileff zu Roftow im Gouvernement Jaroflaw. Diefelben geben. die Töne der chromatifchen Scala an. Alle Nuancen der Schwingungen find markirt. Sie find correct und richtig conftruirt. Sie feffeln umfomehr das Intereffe, weil der Erfinder kein eigentlicher Fachmann, fondern ein Geiftlicher ift. Ferner ift in der ungarifchen Abtheilung ein Monochord zu erwähnen, auf welcher die natürliche, aus der natürlichen Zahlenreihe entwickelte, diatonifche und chromatifche Tonleiter verzeichnet ift, nebft einer Tafel. Der Ausfteller diefes Gegenftandes ift Dr. Zoh Ivan Braniflaw, ordentlich öffentlicher Profeffor am Obergymnafium und Lehrerfeminar Nagy- Röcze, Gomörer Comitat. Schliefslich bleibt noch in der deutfchen Abtheilung eine fehr intereffante Erfindung hervorzuheben, welche allgemeine Verwunderung erregte, nämlich ein elektro- chemifcher Noten- Schreibapparat, ausgeftellt von dem Telegraphiften Fehr in Stuttgart. Die Einrichtung ift nur eine Anwendung des telegraphifchen Syftems auf die Notenfchrift. Wenn der Apparat in Thätigkeit tritt, fo zeigt fich das auf dem Piano Gefpielte auf einem von einer Walze ablaufenden und durch den Mechanismus felbft mit Notenlinien verfehenen Papierftreifen in Strichen, bei denen deren Länge oder Kürze den zeitlichen Werth der Noten andeuten; die Ganz- und Halbtöne unterfcheiden fich durch Farben; die erften treten in Blau, die zweiten in Roth hervor, die Paufen werden durch gröfsere und kleinere Zwifchenräume verfinnlicht. Der Apparat ift fehr geiftreich erfunden, aber ein wahrhaft fchöpferifcher Künftler bedarf folcher Hilfsmittel nicht. Das Bild der hier gefchilderten Inftrumentengruppe konnte fich im Induftriepalafte in feiner vollen charakteriftifchen Individualität entfalten, indem es fich einerfeits von einem in der additionellen Ausftellung gegebenen hiftorifchen Hintergrunde abhob, anderfeits durch den Gegenfatz der mufikalifchen Ausftellungen der afiatifchen Völker in ein eigenthümliches Licht geftellt wurde. In den Inftrumenten derfelben verkörpert fich ein Thonwefen, das an längft verklungene Zeiten erinnert und mit dem unfere Empfindungsweife in keiner Berührung fteht. Den mufikalifchen Apparat bilden hier im Ganzen und Grofsen befaitete Tonwerkzeuge mit langen Hälfen und kürbisförmigen Schallkörpern, dann Schlag- und Lärminftrumente ohne ein vermittelndes Element von entsprechenden Blasinftrumenten; die letzteren ftehen ganz ifolirt da, fie fehlten gänzlich in dem ausgeftellten Modelle eines japanifchen Orchefters, das nur aus Schlaginftrumenten befteht.. Eine Ausnahme bildete wenigftens zum Theil die indifche Abtheilung, welche mit Blasinftrumente von verfchiedener Form und Gattung, aber noch geringer Entwicklung befetzt war. Hier trafen wir auch ein intereffantes altes Ton- Werkzeug an in einem fchönen Exemplare der Vina, das heifst der indifchen Lyra, welche das Urbild aller lautenartigen Inftrumente fein dürfte. Diefelbe befteht aus einem. cylinderförmigen Rohre, unter dem zwei kürbisförmige Schallkörper angebracht find, der eine unter dem Griffbret nahe an den Wirbeln, der andere in der Nähe des Saitenhalters. Das Griffbret enthält 19 bewegliche Stege von Wachs, über welche 4 Saiten laufen. Leider war es uns nicht vergönnt, diefes wie die übrigen afiatifchen Inftrumente, fowohl einzeln wie in ihrem Zufammenwirken zu hören; es ift mithin unmöglich, fich eine klare Vorftellung von der Tonwelt zu machen, die in ihnen fchlummert. S. 3, Z. I v. u. ftatt : S. 6, Z. 27 v. o.: fowohl am ERRATA. S. 10, Z. 23 v. u. ftatt Länge: Lunge S. 17, Z. 4 v. u. ftatt auf zweien auch zwei S. 21, Z. 7 v. o. ftatt Muffete: Mufette S. 27, Z. 28 v. o.:,,Das Kunftpedalwerk" zu verftehen Zu lefen: S. 29, Z. 3 v. o. Ausfpruch Roffini's über.... S. 34, Z. 5 v. o. ftatt bemerkenswerther: bemerkenswerthe S. 37, Z. 5 v. u. ftatt ausgelöfcht: ausgelöft S.40 Z. 5 v. o. hat einen Beweis.... S. 43, Z. 27 v. o. ftatt R. Aunge: A. Runge 44, Z. 20 v. o. in der äufseren Geftalt S. S. 49, Z. 4 v. o. ftatt J. G. Malsmzö: J. G. Malsmjö S. 49, Z. 15 v. u. ftatt Sierers: Sievers S. 51, Z. 11 v. u. ftatt Robec: Rebec S. 52, Z. 6 v. o. ftatt Feftatori: Teftatori S. 59, Z. 10 v. o. ftatt Kriener: Kriner S. 60, Z. 13 v. u.: nach der Orgel. Das Inftrument ift erfunden von Giuſeppe Cattignoli in Mailand; es führt den Namen. Il Cieco S. 67, Z. 11 v. o. ftatt Spanda: Spada S. 71, Z. 9 v. o. ftatt K- Horn: F- Horn S. 85, Z. 5 v. o. ftatt Barutto: Baruth S. 90, Z. 19 v. u. ftatt Thonwefen: Tonwefen 90 Eduard Schelle. Mufikalifche Inftrumente. Gut gefertigte Clarinettenblätter und Klappenbelederungen kamen bei Wenzel Schunda in Peft in der ungarifchen Abtheilung vor. Akuftifche und techniſche Inftrumente. In diefe Rubrik gehören zunächft 8 Stimmgabeln in der ruffifchen Abthei lung von A. Ifraileff zu Roftow im Gouvernement Jaroflaw. Diefelben geben die Töne der chromatifchen Scala an. Alle Nuancen der Schwingungen find markirt. Sie find correct und richtig conftruirt. Sie feffeln umfomehr das Intereffe, weil der Erfinder kein eigentlicher Fachmann, fondern ein Geiftlicher ift. Ferner ift in der ungarifchen Abtheilung ein Monochord zu erwähnen, auf welcher die natürliche, aus der natürlichen Zahlenreihe entwickelte, diatonifche und chromatifche Tonleiter verzeichnet ift, nebft einer Tafel. Der Ausfteller diefes Gegenftandes ift Dr. Zoh Ivan Braniflaw, ordentlich öffentlicher Profeffor am Obergymnafium und Lehrerfeminar Nagy- Röcze, Gomörer Comitat. Schliefslich bleibt noch in den Montfal A 1 1 זי matic Lipinuungswene in keiner Berührung iteht. Den muſikaliſchen Apparat bilden hier im Ganzen und Grofsen befaitete Tonwerkzeuge mit langen Hälfen und kürbisförmigen Schallkörpern, dann Schlag- und Lärminftrumente ohne ein vermittelndes Element von entsprechenden Blasinftrumenten; die letzteren ftehen ganz ifolirt da, fie fehlten gänzlich in dem ausgeftellten Modelle eines japanifchen Orchefters, das nur aus Schlaginftrumenten befteht. Eine Ausnahme bildete wenigftens zum Theil die indifche Abtheilung, welche mit Blasinftrumente von verfchiedener Form und Gattung, aber noch geringer Entwicklung befetzt war. Hier trafen wir auch ein intereffantes altes Ton- Werkzeug an in einem fchönen Exemplare der Vina, das heifst der indifchen Lyra, welche das Urbild aller lautenartigen Inftrumente fein dürfte. Diefelbe befteht aus einem. cylinderförmigen Rohre, unter dem zwei kürbisförmige Schallkörper angebracht find, der eine unter dem Griffbret nahe an den Wirbeln, der andere in der Nähe des Saitenhalters. Das Griffbret enthält 19 bewegliche Stege von Wachs, über welche 4 Saiten laufen. Leider war es uns nicht vergönnt, diefes wie die übrigen afiatifchen Inftrumente, fowohl einzeln wie in ihrem Zufammenwirken zu hören; es ift mithin unmöglich, fich eine klare Vorftellung von der Tonwelt zu machen, die in ihnen fchlummert.