OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3 UNTER REDACTION VON DR. CARL TH. RICHTER, K. K. O. ö. PROFESSOR IN PRAG. ALLGEMEINE BEWAFFNUNG UND ARTILLERIE WESEN. ( Gruppe XVI, Section 2.) BERICHT VON GUSTAV SEMRAD, JOHANN STERBENZ, Hauptmann im Artillerieftabe, zugetheilt dem Oberlieutenant im Artillerieftabe, zugetheilt k. k. Reichs- Kriegsminifterium. dem k. k. technifchen und adminiftrativen Militär- Comité. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1873. ALLGEMEINE BEWAFFNUNG UND ARTILLERIEWESEN. ( Gruppe XVI, Section 2.) GUSTAV SEMRAD, k. k. Hauptmann. Bericht von JOHANN STERBENZ, k. k. Oberlieutenant. Das Waffenwefen zur Zeit der Weltausstellung 1873. - Wir glauben die uns gewordene ehrenvolle Aufgabe- über das Waffenwefen auf der Weltausftellung 1873 zu berichten nicht beffer einleiten zu können, als indem wir, anknüpfend an den Bericht des k. k. öfterreichifchen Centralcomités über die Weltausftellung zu Paris im Jahre 1867, zuvörderft den Standpunkt fkizziren, auf dem fich das Waffenwefen und die Waffentechnik um die Zeit des Beginnes der Ausftellung befand. Es wird fich hiernach nicht nur der Uebergang auf den befchreibenden Theil diefes Berichtes am beften vermitteln, fondern auch ein richtigeres Verſtändnifs mancher vielleicht nothwendig werdenden Berufung erzielen laffen. Die Parifer Weltausftellung fiel fchon in die Zeit jenes gewaltigen Umfchwunges, der vor ungefähr zwanzig Jahren auf dem Gebiete des Waffenwefens begonnen und feither eine Reihe von Epoche machenden Schöpfungen zu Tage gefördert hat. Den Impuls hiezu gaben zumeift die Erfahrungen, welche auf den verfchiedenen Schlachtfeldern der letzten Jahre gefammelt wurden. Es wären aber ficherlich auch jetzt noch keine fonderlichen Fortfchritte zu verzeichnen gewefen, wenn nicht Wiffenfchaft und Technik Hand in Hand jenen Standpunkt erklommen hätten, von dem aus allein fich die kriegstüchtige Realifirung von Ideen beherrfchen läfst. Es ift z. B. bekannt, dafs gezogene Gewehre und Kanonen lange vor ihrer allgemeinen Einführung erzeugt und angewendet wurden, fowie dafs die Hinterladung bei beiden Waffen fchon vor Jahrhunderten verfucht worden ift. Keine diefer Ideen konnte jedoch profperiren, fo lange fie in den Feffeln wiffenfchaftlichen und technifchen Unvermögens lag. Erft als letztere gefprengt waren, und I* 2 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. diefs ift das Verdienft unferer Tage, entwickelte fich das Waffenwefen in nie geahnter Schnelligkeit und zu folcher Vollkommenheit, dafs man den weitgehend ften Forderungen gerecht werden konnte. Man weifs, dafs die meiſten europäifchen Mächte gleich nach dem Debut der gezogenen Feldgefchütze in Italien im Jahre 1859 fich auf das Studium und die Durchbildung des Principes gezogener Kanonenrohre warfen, und ihre Artillerien in aller Eile mit folchen Gefchützen bewaffneten. Während man aber der Gefchützfrage die Aufmerkfamkeit zuwendete, blieb die Hinterladung bei den Hand- Feuerwaffen bis in die letzten Jahre ein noli me tangere, und die Zahl Jener war eine fehr geringe, welche der Einführung von Hinterladgewehren mit Ueberzeugung das Wort redeten, obwohl der fchleswig'fche Feldzug die Vortheile derfelben fehr nahe gelegt hatte. Man blieb blind gegen diefelben und es würde die Ausrüftung der Armeen mit Hinterladgewehren nicht fobald jenen rapiden Verlauf genommen haben, wenn nicht fo gewaltige Ereigniffe, wie die des Jahres 1866 die Augen allerwärts geöffnet und den ohnediefs nur auf Vorurtheilen beruhenden Widerftand gegen die Hinterladung beim kleinen Gewehre gebrochen hätte. Der durch das entftandene Bedürfnifs angeregte und durch die Fortfchritte in der Mafchinentechnik erftarkte Erfindungsgeift, liefs nun in rafcher Folge mehrere, vollkommen lebensfähige Projecte entſtehen, die das preufsifche Hinterladungsgewehr fofort an balliftifchem Effecte, aber noch nicht an Feuerfchnelligkeit, deren Potenzirung ebenfalls gewünſcht wurde, übertrafen. In letzterer Hinficht konnte erft durch die in Amerika erfundene Metallpatrone Durchgreifendes erreicht werden. Diefelbe bewirkt felbft den gasdichten Abfchlufs und geftattet dadurch die Vereinfachung des Verfchlufsmechanismus und fomit ein fchnelleres Laden. Durch die Adoptirung der Metallpatronen wurde aber auch der Verfchlufsmechanismus der directen Einwirkung der Gafe entzogen, was die Anwendung ftärkerer Ladungen ermöglichte, und in weiterer Folge jene angeftrebte Erhöhung der Bahnrafanz herbeiführte, dafs nunmehr auch jene Schützen einer genügenden Trefferzahl verfichert fein können, die eine blofs oberflächliche Schulung und mangelhafte Ausbildung im Diftanzfchätzen genoffen haben. Der deutfch- franzöfifche Krieg 1870 bis 1871 gibt die beften Belege für den Werth grofser Bahnrafanzen. Bekanntermafsen wurde den deutfchen Truppen die flache Bahn des Chaffepot Gewehres bei Bewegungen im freien Felde fchon auf Entfernungen über 1200 Schritt gefährlich. Einen wefentlichen Factor zur Erlangung diefer Bahnrafanz bildete die Einführung eines kleineren, als des früher gebräuchlichen Kalibers, indem bei gegebenem Gewichte des Gefchoffes die Belaftung des Gefchofsquerfchnittes ( das auf die Quadrateinheit: I Quadratmeter, I Quadratcentimeter etc. entfallende Gewicht) vermehrt wurde, woraus eine geringere verzögernde Kraft des Luftwiderftandes und demgemäfs eine gröfsere Tragweite und Bahnrafanz refultirte. In der Entwicklung diefes Principes der zwekmäfsigften Querfchnittsbelaftung ift auch vornehmlich die die gezogenen Waffen charakterifirende, grofse Tragweite begründet. Die Haft, mit welcher jetzt die Einführung der Hinterladungsgewehre allerorts betrieben wurde, liefs die naturgemäfse Ausbildung der Patrone und des Verfchlufsmechanismus nicht in dem. Mafse zu, welches vielleicht im Laufe der Zeit zu einem allgemein als muftergiltig anerkannten Syftem geführt hätte, wie wir diefs z. B. bei den Gefchützen im Rundkeilverfchluffe fehen. An demfelben Grunde liegt es auch, dafs faft ebenfo viele Gewehr- Verfchlufsfyfteme exiftiren, als Staaten, weil überall vor Allem dasjenige verfucht wurde, was eben zur Hand war, und was dann durch ftufenweife Verbefferungen kriegstüchtig gemacht worden ift. Dafs man bei der Wahl des Syſtems meiftens Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 3. auf folche zuerft Bedacht nahm, deren Erfinder Landeskinder waren, kann um fo weniger getadelt werden, als beinahe in allen Ländern und gleichzeitig verfuchswürdige Projecte auftauchten. Die meifte Verbreitung unter allen Syftemen fand jenes von Remington ( Amerika, Schweden, Norwegen, Dänemark, Spanien und Andere) und es würde fich wahrfcheinlich noch weitere Kreife erobert haben, wenn zur Zeit feines Entftehens die Metallpatrone bereits auf der heutigen Stufe der Vollendung geftanden wäre. Hat fich aber einmal ein Staat für ein Syftem entfchieden, fo ift aus finanziellen Gründen und wegen Verluft an Zeit eine Umkehr nicht leicht mehr möglich, eine Thatfache, von der allerdings Rufsland, welches mit feinen Gewehrfyftemen binnen wenigen Jahren mehrmals gewechfelt hat, bis es endlich definitiv bei Berdan blieb, mit feinen exceptionellen Budgetverhältniffen eine Ausnahme bildet. Was nun die exiftirenden Syfteme anbelangt, fo laffen fich diefelben hinfichtlich der im Gebrauche ftehenden Munition in folche mit Papier- und Metallpatronen unterfcheiden; bezüglich des Verfchlufsmechanismus gibt es jedoch drei von einander durchaus verfchiedene Typen und zwar: Kolbenverfchlüffe mit Zündnadel oder mit Zündftift, je nachdem das Gewehr für den Gebrauch von Papier- oder Metallpatronen eingerichtet ift. Zu erfterer Gattung gehören das Chaffe pot und das preufsifche Zündnadelgewehr; zu letzterer das niederländifche Beaumont-, italienifche und fchweizerifche Vetterli, und das ruffifche Gewehr des Syftems Berdan II. Charnierverfchlüffe, bei denen das mit dem Zündftifte verfehene Verfchlufsftück beim Oeffnen entweder vorwärts( belgifches Albini- Brändlin, ruffifches Berdan I. und öfterreichifches Wänzlgewehr), abwärts( englifches Henry- Martini, baierifches Werder und fchweizerifches Peabodygewehr), rückwärts( nordamerikaniſches, fpanifches, fchwedifches und dänifches Remingtongewehr) oder nach feitwärts( Snider, à la tabatière, Krnka) bewegt wird. Wellenverfchlüffe mit einem zur Aufnahme des Zündftiftes eingerichteten und einer Laderinne verfehenen maffiven Verfchlufscylinder, welcher fich um eine im Gehäufe feft gelagerte Achfe dreht( öfterreichifches Wernelgewehr). Verfchlufs- und Schlofsmechanismus find entweder getrennt( das Transformationsfyftem Albini- Brändlin, dann Peabody, Werndl) oder es find die Functionen von Schlofs und Verfchlufs, wie bei den meiften neuen Ordonnanzmodellen in einem Mechanismus vereinigt. Die Feuerfchnelligkeit der eben genannten Syfteme variirt zwifchen 12 und 16 Schufs in der Minute, je nachdem das Spannen des Schloffes feparat gefchehen mufs, oder beim Oeffnen und Schliefsen des Verfchluffes erfolgt. ( Selbftfpanner.) In balliftifcher Beziehung leiften von den verfchiedenen Syftemen jene mit dem Kaliber von 10 5 und 11 Millimeter ein Mehres als die mit II 43 Millimeter, wozu Remington und Henry Martini gehören. Der Unterfchied ift indeffen innerhalb der angeführten Kalibergrenzen kein erheblicher, und hat in der Praxis umfoweniger zu bedeuten, als die Gröfse der beftrichenen Räume felbft auf den entfernteren Diftanzen wenig von jenen differirt, die Gewehre mit II 5 und II Millimeter Kaliber ergaben. Mit der Einführung der unter dem Namen„ Einlader" bekannten Hinterladungsgewehre kann jedoch die Bewaffnungsfrage der Infanterie keineswegs als abgefchloffen betrachtet werden. Ift nämlich auch die Zeit des wehrlofen Zuftandes für den Schützen im Vergleiche zu früher von bedeutend kürzerer Dauer, fo fteht doch im Hinblick auf die unleugbare Wichtigkeit des Schnellfeuers in 4 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. - aufser Zweifel, dafs jenen Hinterden entfcheidenden Gefechtsmomenten ladungsgewehren ein um fo höherer Werth zuerkannt werden mufs, welche die continuirliche Abgabe einer gröfseren Schufszahl geftatten. Diefer Forderung entfprechen die fogenannten Repetir- und Revolvergewehre; erftere in höherem Grade als letztere, welche fich ohne namhafte Gewichtsvermehrung nicht leicht für mehr als fechs Schufs einrichten laffen. Die Repetirgewehre, welchen eine Zukunft prognofticirt werden kann, laffen fich in zwei Hauptclaffen fcheiden: in folche, welche das Patronenmagazin im Kolben haben( Syftem Spencer) und in Repetirer, bei denen das Magazin unter dem Laufe liegt.( Syftem Henry Winchefter, Vetterli, Fruhwirth.) Für den Kriegsgebrauch find dermalen in den europäiſchen Staaten nur das Repetirgewehr von Vetterli( feit 1869 in der Schweiz) und jenes des Wiener Gewehrfabrikanten Fruhwirth( feit 1872 zur Bewaffnung der öfterreichifchen Gendarmerie) adoptirt worden. In allen Staaten führte die Cavallerie bisher nebft der Hiebwaffe, den Säbel, und bei den Uhlanen nebft der Lanze auch noch eine kurze Handfeuerwaffe, den Karabiner oder die Piftole. Die Karabiner mit Vorderladung find bereits durchgehends durch folche mit Rückladung, die Piftolen aber durch Revolver, meiftens Abarten des Lefaucheux'fchen Syftemes, eingerichtet für Metallpatronen mit Centralzündung, verdrängt worden. Während die principiellen Fragen hinfichtlich der Bewaffnung der Infanterie überall mit mehr oder weniger Glück gelöft wurden, gelang es bezüglich der Bewaffnung der Feld artillerie bis heute nicht, eine Einigung der hierüber herrfchenden Anfichten herbeizuführen. Es kann diefs aber nicht Wunder nehmen, da jedes der beiden Principien, die Vorder- und Hinterladung für den Kriegsgebrauch gewiffe fpecififche Vortheile befitzt, die fich bis jetzt bei keinem der beiden vollends vereinigen liefsen. Wenn man die heutige Conftruction der beiden Syfteme betrachtet, fo erhellt, dafs dem Vorderlader ein gröfseres Mafs der Einfachheit, dem Hinterlader eine gröfsere Treffficherheit zukommt. So lange alfo nicht die Conftruction eines Gefchützes gelingt, welches diefe beiden Eigenfchaften in dem erreichbarften Grade vereinigt, was allerdings nicht zu den Unmöglichkeiten gehört, dürfte eine principelle Einheit in der Bewaffnung der Feldartillerie nur dann eintreten, wenn das bedeutende Ueberwiegen der einen oder anderen Bedingung unwiderleglich demonftrirt werden kann.* Dermalen haben von den Feldartillerien der gröfseren europäiſchen Staaten Vorderlader: O efterreich nach dem Bogenzug- Syfteme, England nach dem Syfteme Maxwell( ein modificirtes La Hitte- Syftem) Schweden und Norwegen nach dem Syfteme des Generals Wrede( ebenfalls ein modificirtes La Hitte- Syftem), während Hinterlader in Deutfchland, und zwar theils mit Doppelkeil und Kupferliderung, theils mit Kolbenverfchlufs und Pressfpanböden, dann in Rufsland, Italien, Spanien, in der Schweiz und der Türkei fowie in faft allen aufsereuropäifchen Staaten mit einfachem Keil und Broadwellring eingeführt find. Die öfterreichifchen, franzöfifchen und italienifchen leichten FeldgefchützRohre find ausfchliefslich aus Bronce, die fchwedifchen aus Gufseifen, die englifchen theils aus Schmiedeeifen und Stahl, theils aus Bronce, die deutfchen und norwegifchen aus Gufsftahl erzeugt. Die Rohrgewichte variiren bei den leichten Feldgefchützen zwifchen 260 und 400 Kilogramm, bei den fchweren von 500 bis 700 Kilogramm. * Die neueften Verfuche mit Ringkanonen aus Gufsftahl und mit dem Rundkeil- Ver fchluffe laffen diefes Ziel bereits näher gerückt erfcheinen. Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 5 e 1 1 1 1 , Der zufehends überhand nehmende Mangel an geeigneten und ausgetrockneten Hölzern, fowie erhöhte Anforderungen bezüglich des Widerftandes gegen Percuffionen zwingen zum Uebergange zu Eifenconftructtionen bei Laffeten und Fuhrwerken, und man konnte auf der Wiener Ausftellung diefe Richtung fchon von den meiften Artillerien einfchlagen fehen. Hinsichtlich der Gefchofswirkung bleiben die Vorderlader, insbefondere jene des Syftemes La Hitte, infoferne man fich nicht der Percuffionszünder bedient, hinter den Rückladern, und zwar einerfeits wegen der geringeren Empfindlichkeit der Zünder, anderfeits wegen der gröfseren Rotationsgefchwindigkeit entfchieden zurück. Auf nahen Diftanzen befitzen die Vorderlader, auf gröfseren Entfernungen die Hinterlader die gröfsere Flugbahn- Rafanz, eine Erfcheinung, die in der bedeutenden Anfangsgefchwindigkeit der erfteren Gefchütze und in der günftigeren Form des Gefchoffes und der Belaftung feines Querfchnittes bei letzteren ihren Grund hat.* Die moderne Kriegführung im Felde wurde in neuefter Zeit durch die Verwendung der Mitrailleufe um ein Kampfmittel bereichert, welches zwar Jahrhunderte feinem Wefen nach bekannt war, bis in die jüngfte Vergangenheit jedoch ein mehr als befcheidenes Dafein friftete. Die eklatanten Erfolge des Schnellfeuers, fo wie die verheerende Wirkung eines gut gezielten Maffenfeuers find zunächft als Urfachen anzugeben, welche zur Conftruction von Mitrailleufen geführt haben und deren Einführung rechtfertigen. Wenn fich auch diefe Waffe bei ihrem erften Auftreten nicht gerade befonders hervorgethan hat, fo fteht doch feft, dafs fie in der Defenfive unter bestimmten Verhältniffen eine ganz aufserordentliche Wirkung zu äufsern vermag. Bis zu 15- bis 1600 Schritt wird ihr Feuer immer mörderifcher fein, als das der Shrapnels und der Büchfenkartätfchen der Feldgefchütze. Von den feit der Parifer Ausftellung aufgetauchten Syftemen haben fich die Gattling- Kanone und die Montigny- Mitrailleufe als die brauchbarften erwiefen und wurden auch in Rufsland und England, in der Türkei und Egypten, beziehungsweife in O efterreich- Ungarn bereits eingeführt. Was die Leiftungen diefer beiden Syfteme im Schnellfeuer und deren Trefffähigkeit anbelangt, fo kann nur ein günftiges Urtheil hierüber gefällt werden. Dasfelbe läfst fich wohl auch hinfichtlich der Functionirung des Lade- und Abfeuerungs- Mechanismus, nicht aber bezüglich ihrer Gewichtsverhältnifse fagen, und erfcheint eine Erleichterung derfelben noch fehr wünſchenswerth, wenn man diefe Waffe in jedem Terrain zur Anwendung bringen will. Während die Feldgefchütz- Frage noch nicht überall definitiv gelöft ift, hat fich das Feftungs- und Belagerungsmateriale rafch zu hoher Vollkommenheit entwickelt. Es ift diefs begreiflich, da die an diefe Gefchütze geftellten Bedingungen nicht fo fehr in Widerfpruche ftehen, wie diefs bei den Feldkanonen der Fall ist, von welchen nebft grofsem Effecte auch eine bedeutende Beweglichkeit gefordert wird. Die Belagerungs- und Feftungsgefchütze bedürfen eben nur jenes Grades der Beweglichkeit, der es zuläffig macht, fie durch die Trancheen oder über die Wallrampen in ihre Pofitionen zu fchaffen, und nachdem fie in der Regel hinter Deckungen ftehen, konnten fie leicht alle Einrichtungen erhalten, die eine effectvolle Gefchofswirkung, verbunden mit entsprechender Treffficherheit verbürgen, endlich eine gefahrlofe Bedienung geftatten. Man hat demnach für die Zwecke des Feftungs- und Belagerungskrieges zumeift Hinterlader adoptirt, und zwar fowohl Kanonen, als auch Mörfer, welch' letztere fich befonders wirkfam erweifen. * Diefes Verhältnifs hat fich bei den Hinterladungs- Gefchützen der Ringconftruction zu Gunften derfelben geändert. 6 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Seit die Holzfchiffe der Kriegsflotten faft vollständig durch Fahrzeuge mit dicker Eifenbekleidung verdrängt wurden, fielen die glatten Schiffs- und Küftengefchütze einem Zuftande völliger Ohnmacht anheim. Die Granate, ehedem der gefährlichfte Feind eines Holzfchiffes wurde wirkungslos gegen die undurchdringliche Eifenhaut; die Meeresküften, früher Achtung gebietend armirt, waren nun mehr faft wehrlos gegen den Angriff einer feindlichen Panzerflotte. Erft die grofskalibrigen Kanonen, namentlich aber die gezogenen Mörfer mit ihrer Wurfpräcifion und mit ihrem enormen Falleffect gegen das íchwache Deck der Schiffe gaben der Küftenartillerie das verloren gegangene Uebergewicht zum grofsen Theile wieder zurück. Im Seegefechte jedoch dürfte die Schiffsartillerie ihre frühere Bedeutung nie wieder erlangen, da fie in der Ramme, wie es fcheint, einen mächtigen Concurrenten erhalten hat, und dem Eifenpanzer überhaupt nur normal auf denfelben auftreffende Gefchoffe, die aber im Seekampfe höchft felten anzubringen find, gefährlich werden. So durchgebildet gegenwärtig auch das Waffenwefen ift, lo kleben demfelben noch immer mancherlei Mängel an, und hat es in verfchiedenen Richtungen Lücken aufzuweifen. Die Befeitigung derfelben wird unausgefetzt angeftrebt und wäre es daher erwünſcht, wenn jede halbwegs verfprechende Erfindung erprobt werden könnte. Es ift zwar nicht jeder neue Gedanke lebensfähig, aber Belehrung läfst fich aus allen Experimenten fchöpfen, und Manches, was heute noch als fchwärmerifches Project gelten mag, kann im Laufe der Jahre zur praktifchen Reife gelangen. Ueber alle Zweifel erhaben ift jedoch die Behauptung, dafs durch allgemeine Betheiligung der Induftrie und Technik an der Löfung fo vieler wichtiger Fragen das Waffenwefen in der jüngften Epoche rafcher denn je dem Stadium der Vollendung näher rückte. Nachdem wir nun in kurzem Umriffe den gegenwärtigen Standpunkt des Waffenwefens gekennzeichnet, wird es unfere nächfte Aufgabe fein, die auf der Ausftellung vertreten gewefenen, hervorragenden Objecte diefes Gebietes zu befprechen, wobei wir folgende Gruppirung des Stoffes einhalten werden. Blanke Waffen. Hand- Feuerwaffen. Feld- und Gebirgsartillerie, Feftungs-, Schiffs- und Küfter.gefchütze. Blanke Waffen. Die blanken Waffen, worunter wir die zum Kampfe von Mann gegen Mann, und zwar zum Hieb und Stofs beftimmten, alfo Säbel, Degen, Lanzen, Bajonnete und dergl. verftehen, waren auf der Ausftellung nicht fehr zahlreich vertreten, und fand man folche überhaupt nur im deutfchen Reiche, in O efterreich, Spanien, Rufsland, Italien, Schweden und in der Schweiz. Von Deutfchland ift in diefer Beziehung die Collectivaus ftellung der Stahl- und Eifenwaaren- Fabrikanten in Solingen zu nennen, welche übrigens von der weltbekannten Grofsartigkeit der Solinger Klingenfabrication ein richtiges Bild zu geben nicht vermochte; die Solinger Expofition ragte weder durch die Reichhaltigkeit der ausgeftellten Objecte hervor, noch durch die Zahl der Firmen, die fich an derfelben betheiligt hatten. Es hatten nämlich blofs Johann Friedrich Kremer und F. A. Hermes eine kleine Sammlung verfchiedener damascirter Säbel- und Degenklingen, fowie vollſtändig montirter Hiebwaffen eingefchickt. Darunter befanden fich auch ein Paar matt abgebeizte Säbelfcheiden, welche weniger dem Rofte unterliegen follen als blank polirte. mit n- er g- m n as ne g en 1- en n- en d ot g ls n 1. er m ES Er n 1 1 r 5 Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 7 R. und H. Forfter aus Hagen in Weftphalen hatten gleichfalls fchöne, zumeift gerade und ftark dimenfionirte Schwertklingen ausgeftellt. Gabriel und Schüren aus Eslohe in Weftphalen hatten die Ausftellung mit Mufter von Lanzen befchickt; die zumeift für den überfeeifchen Export arbeitende Firma F. Effer& Haarhaus aus Elberfeld hatte die verfchiedenartigften Hieb- und Stichwaffen ausgeftellt, unter denen Handfchare, Plantagenmeffer und dergl. befonders hervorragten. In Oefterreich hatte die Waffenfabriks- Actien- Gefellfchaft zu Steyer einige Exemplare der in der öfterreichiſchen Armee eingeführten Hieb- und Stichwaffen gebracht, welche die Beurtheilung ihrer anerkannt vorzüglichen Qualität ermöglichten. Befondere Aufmerkfamkeit erregten die Säbel der Wiener Firma Franz Thill's Neffe für Garden und berittene Officiere hinfichtlich ihrer Ausftattung und der auf kaltem Wege kunftvoll gefchnittenen Körbe. Spanien. Von grofsem Werthe für den Fachmann war die Ausftellung der Fabrica de Armas de Toledo, beftehend aus einer reichen Sammlung montirter Säbel und Degen und lediger Klingen. Die Toledaner Klingen, welche fich den altberühmten Ruf bewahrt haben, zeichnen fich hauptfächlich durch ihre bedeutende Elafticität aus, die fich bei entſprechender Steifigkeit auf die ganze Länge der Klinge erftreckt.* Die ausgeftellten Säbel gehörten den verfchiedenen Branchen der fpanifchen Armee an, und hatten jene für die berittenen Soldaten volle Körbe aus Stahlblech, während der Korb des Officiersfäbels aus ornamentirtem Meffing beftand; die Säbel der Hufsarenofficiere befafsen Spangenkörbe. Die Säbelklingen der fchweren Cavallerie find gerade, voll und zweifchneidig; die Säbel der leichten Cavallerie haben gebogene Klingen mit doppeltem Hohlfchliff und daran ftofsender fchmaler Rinne. Es kamen aber auch doppelt hohlgefchliffene Klingen mit zwei zum Rücken parallelen Rinnen vor. In Rufsland hatte das Staatswerk Oboukhoff Klingen und in der ruffifchen Armee eingeführte Hiebwaffen ausgeftellt, welche fich durch ihre Solidität und Montirung fehr vortheilhaft präfentirten; die Gebrüder Schaaf aus St. Petersburg exponirten unter Anderem eine Luxusklinge auf welcher mit Perlen die Infchrift ,, Gott mit uns!" eingelegt war. Italien. Das Kriegsminifterium ftellte vollſtändig montirte Säbelklingen und Bajonnete aus. Die italienifchen Klingen unterfcheiden fich von jenen der übrigen Mächte befonders durch ihre aufsergewöhnliche Länge, dann aber auch dadurch, dafs fie keinen Hohlfchliff befitzen, fondern mit einer dicken Rückenwulft ( Rundftab) verfehen find, durch welche die fchwach dimenfionirte Klinge die nothwendige Steifigkeit erhält. Die Klingen für die italienifche Armee werden theils im Arfenal zu Turin, theils in den Etabliffements zu Brescia angefertigt, und find von fehr guter Qualität. Von den Privaten Italiens hat Jofef Bianco aus Turin Degen und Säbel für Soldaten und Officiere, Militär- und Civilbeamte ausgeftellt, von befonderer Formenfchönheit und vorzüglichem Materiale. Von Belgien wären die Firmen Lambermont und Fonfon aus Brüffel zu nennen, welche Serien von Officiersfäbeln ausgeftellt hatten, mit befonders gefchmackvoller, in vergoldeter Bronce ausgeführter Montirung. * Ueber die Fabricationsweife, welche durch eine Serie von 6 Stücken veranfchaulicht war, gibt Folgendes eine allgemeine Andeutung: Zwei prismatifche Stahlftücke von beftimmter Länge werden etwas über der Mitte zufammengefchweifst, und zwifchen die von einander abftehenden Enden ein Keil aus Schmiedeeifen eingefteckt, aus welchem die Angel gebildet wird. Diefes Stück wird noch zweimal gefchweifst und auf gewiffe Dimenfionen gefchmie det. Nach diefer Procedur wird es in drei Gefenken im Rohen ausgearbeitet und dann den weiteren Transformationen unterworfen. 8 со Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Schweden. Die Klingen der Eskiltuna- Actienge fell fchaft liefsen vorzügliches Material und präcife Arbeit erkennen, und find ungeachtet ihrer ftarken Dimenfionen fehr elaftifch. Die Klingen der Artilleriefäbel haben nebft doppeltem Hohlfchliff noch eine zum Rücken parallel laufende fchmale Rinne* Das fchweizerifche Militärdepartement hatte je einen Säbel der berittenen Mannfchaft, der berittenen Officiere und der Officiere der Fufstruppen, dann Stichbajonnete ausgeftellt. Die eidgenöffifchen Säbelklingen find Solinger Fabricat, und hinfichtlich ihrer Form den öfterreichifchen fehr ähnlich, nur fchwächer in den Dimenfionen und daher merklich leichter; fie haben beiderfeitigen Hohlfchliff und Körbe aus Stahlblech, die bei den Officiersfäbeln nach einer fehr hübfchen Zeichnung durchbrochen find. Das Gefäfs des Infanterie- Officiers- Säbels ift etwas fchwächer als jenes der berittenen Chargen. Die in der Ausftellung gewefenen Bajonnete repräfentirten zumeist die in den verfchiedenen Armeen eingeführten Modelle und waren theils Stich-, zum gröfsten Theile aber Säbelbajonnete. Neue Projecte für Bajonnete hatten eingefendet der fchwediſche Major Wahlfelt und der amerikanifche General Elcho und zwar erfterer ein Dolch b'ajonnet, letzterer ein Säbelbajonnet, deffen Rücken zunächft des Griffes mit einer doppelten Reihe von Sägezähnen verfehen war. Die Klinge des Dolchbajonnetes glich jener des ordonnanzmäfsigen fchwe difchen Bajonnets, war fammt der 4 Centimeter langen Dille blofs 19 Centimeter lang, und an der Dille um die Hälfte fchwächer dimenfionirt. Die Sperrvorrich tung, welche aus einer Schiene beftand, die fich in der gefalzten Hülfennuth auf und abwärts bewegen liefs, und deren Bewegung durch eine Schraube begrenzt wurde, fchien einfach und folid. Zu den bemerkenswertheren Projecten gehörte noch das Spatenbajonnet von J. S. Alexander aus Philadelphia. Dasfelbe bildete ein Schaufelblatt aus Stahl, welches zum Aufftecken auf eine Säbelbajonnet- Scheide eingerichtet war. Das Schaufelblatt war von nicht bedeutender Gröfse, ungefähr 20 Centimeter hoch, und am Rücken 16 Centimeter breit. Dasfelbe mag fich ganz gut zur Ausführung kleinerer Erdarbeiten eignen. Lanzen waren auf der Ausftellung faft gar nicht zu fehen, und es war daher keine Gelegenheit geboten, über die Conftruction der Klingen derfelben, über das Schaftmaterial und die Ausftattung diefer Waffen überhaupt Vergleiche anftellen zu können. - Im Allgemeinen kann man fagen, dafs das an blanken Waffen Vorhandene bezüglich des Materials der Klingen durchgehends gut, zum Theil fogar, wir weifen hier auf Toledo und Solingen hin von erfter Qualität war; ein befonderer Fortfchritt liefs fich aber weder in diefer Beziehung, noch in Hinficht auf Conftruction feit der letzten Parifer Ausftellung conftatiren. Was wir an fertigen Hieb- und Stichwaffen oder an Beftandtheilen auf der gegenwärtigen Ausftellung gefehen haben, war gröfstentheils nach den Modellen der bei den verfchiedenen Armeen gebräuchlichen Waffen ausgeführt. Zu bemerken wäre noch, dafs mehrere Armeen an den geraden Klingen, den fogenannten Pallafchen, einem Ueberkommnifs aus älteren Zeiten, fefthalten, deren mindere Eignung für den fchnellen und ungefchulten Hieb, wie er beim gewöhnlichen Reiter im Chock meiftens geführt wird, doch anerkannt ift. Hand- Feuerwaffen. Auf keinem Gebiete des Waffenwefens hat fich der Erfindungsgeift in den letzten Jahren productiver erwiefen, als auf jenem der Hand- Feuerwaffen. * Die Factorei erzeugt auch Fleuretklingen, Schwerter, Bajonnete und fremdländifche namentlich dänifche Säbel. Das Material, Uchatius- Gufsftahl, wird aus der Wik manshütte in Hedemora bezogen. sen rer bft e*. bel fsich men aus chals die um jor ch fes ve ter chuf nzt rte ia. ine euter var en, che ene vir ein auf gen ang men en, eft. er en che ik. Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 9 In rafcher Folge erlebten wir die wichtigften Neuerungen und gediehen diefelben unter den gefchulten Händen erfahrungsreicher Fachmänner binnen Kurzem zur Reife. Theorie und Praxis gingen dabei Hand in Hand, und kamen fo über manches Hindernifs hinweg, das vor wenig Jahren noch unüberfteigbar fchien. Den Beweis hiefür liefern jene Syfteme, welche in den verfchiedenen Staaten zur Heeresbewaffnung eingeführt worden find. Wenngleich noch nicht alle derfelben ihre Kriegstüchtigkeit auf dem Schlachtfelde bewiefen haben, fo darf man fie dennoch mit Rückficht auf die ftrengen Proben, denen fie unterworfen wurden, durchgehends als feldtauglich anerkennen. Die Technik finnt übrigens ungeachtet fo fchöner Erfolge noch immer auf Verbefferungen oder Neugeftaltungen, ein Zeichen, dafs der Höhenpunkt der Vervollkommnung des Waffenwefens noch keineswegs als erreicht zu bezeichnen ift. Dafs das Streben nach Vervollkommnung der Handfeuerwaffen allfeits ein reges fei, wurde durch die Ausftellung dargethan. Diefelbe war zunächft mit allen, in den grofsen continentalen und überfeeifchen civilifirten Staaten eingeführten, derlei Waffen befchickt, aufserdem aber waren nicht nur mehr oder weniger glück. liche Modificationen diefer Syfteme, fondern in mehreren Ländern auch Verfuche neuer Conftructionen ausgeftellt. Letzteres bezicht fich insbefondere auf Revolver, bei denen in den Details fehr finnreiche und zweckentfprechende Verbefferungen zu fehen waren. Da über das Wefen der Ordonnanzwaffen, fowie über deren balliftifche und fonftige Eigenfchaften bereits eine weiterverbreitete und eingehende Fachliteratur Aufklärung gibt, fo werden wir von denfelben im Einzelnen hier abfehen und uns nur mit den unter den exponirten Militärgewehren befindlichen, weniger bekannten Syftemen und Projecten und mit den wichtigeren Abänderungen an bereits beftehenden Syftemen befchäftigen. Oefterreich war im Fache der Kriegs- Handfeuer- Waffen auf der Ausftellung durch die Waffenfabriks- Actiengefellfchaft in Steyer und durch die Wiener Firma Leopold Gaffer in würdiger Weife vertreten. Die Waffenfabrik hatte öfterreichifche Infanteriegewehre und Karabiner mit Werndl- Verfchlufs, welche bereits die neueften Verbefferungen am Verfchlufsmechanismus, Abzuge, an der Schäftung u. f. w. aufwiefen, wovon wir später die Details mittheilen, ferner Gendarmeriegewehre nach dem Repetirfyfteme Fruhwirth exhibirt. Die aufserdem noch ausgeftellt gewefenen Privatgewehre Werndl'fchen Syftems mit den verfchiedenen Beftimmungen für Jagd, Bewaffnung von Bürgercorps und dergl. mit ihren demzufolge an Kaliber und Schäftung einigermafsen geänderten Einrichtungen übergehen wir als der Tendenz diefes Berichtes ferneliegend. Was nun die früher erwähnten, das Princip des Werndl'fchen Verfchluffes*** berührenden Modificationen, fowie die Aenderungen an der Schäftung etc., anb* Zu den feit der Parifer Ausftellung in den gröfseren Staaten angenommenen Gewehrfyftemen, welche zufolge der über fie beftehenden Literatur dem Fachmanne nicht fremd geblieben fein können, gehören: Werndl( Oefterreich), Henry- Martini( England), Beaumont( Niederlande), Vetterli( Einlader- und Repetirwaffe, Schweiz, modificirt Italien), Berdan( Rufsland), Werder( Baiern). Preufsen hat in letzter Zeit das Syftem Maufer( einen für Metallpatronen eingerichteten, dem Chaffe pot und Beaumont verwandten Selbftfpanner kleinen Kalibers) acceptirt, behandelt jedoch dasfelbe bis jetzt noch mit folcher Zurückhaltung, dafs hierüber verlässliche Publicationen dermalen nicht zur Verfügung stehen. ** Die Waffenfabrik in Steyer befteht feit dem Jahre 1830 und ift feit dem Jahre 1869 im Befitze einer Actiengefellfchaft. Sie gehört zu den gröfsten Etabliffements für Handfeuerwaffen- Fabrication auf dem Continente, und befchäftigt bei vollem Betriebe 3000 Arbeiter. Eine Filiale derfelben mit einer jährlichen Productionsfähigkeit von 60.000 Stück Gewehren befindet fich in Peft. Die Werke in Steyer find im Stande, wöchentlich 5000 Gewehre jeden Syſtems fertig zu ftellen. Der Confum an Material betrug im Jahre 1872: 24.996 Wiener Centner Stahl, 3460 Wiener Centner Eifen, 1143 Wiener Centner Mafchinen- Gufstheile, 1069 Wiener Centner Oel, 14'454 Wiener Centner Mineralkohle und 81.000 Wiener Metzen Holzkohle. *** Modell 1867. 10 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. langt, fo gründen fich diefelben auf Erfahrungen, welche während der mehrjährigen Bewaffnung eines Theiles der öfterreichifchen Armee mit diefem Gewehre gemacht wurden, und haben zum Zweck, die Sicherheit und Rafchheit der Func tionirung des Verfchluffes zu potenziren, die Erzeugung zu erleichtern, dann aber auch das Gewicht der Waffe zu vermindern. Wefentlich beftehen fie in Folgendem: Das an einigen Stellen verftärkte Verfchlufsgehäufe hat einen bedeutend kürzeren, muldenförmig ausgehöhlten Schweif; das fpecielle Achslager des älteren Modelles fammt Schraube und die Kreuzfchraube find nicht vorhanden; dagegen befindet fich an der linken Gehäuſewand eine Schraube, welche das Lager für das halbkugelförmige Ende des Patronenziehers bildet; die plattenförmige Verfchlufs- Achfenfeder und die zu ihrer Befeftigung dienende Schraube fehlen. a c Fig. 1. Das Verfchlufs ftück, von dem die Fig.1 einen fenkrechten Querfchnitt darftellt, ift durch die Ausnehmungen a erleichtert worden, hat eine flacher geformte Mulde zum leichteren Einführen derPatronen und dreht fich nicht mehr mit der Ver fchlufsachfe, fondern um diefelbe. Die Ver fchlufsachfe berhält defshalb ftatt des keil förmigen Kopfes einen fenkrecht abgebogenen Anfatz, welcher in der Stofsplatte liegt, und durch die Stofsplatten- Schraube an den Gehäufeboden rückwärts angefchraubt wird. Die Verfchlufsfeder ift durch eine kurze, ziemlich ftarke, im Verfchlufsftück radial gelagerte Spirale erfetzt, welche in ihrer Lage durch den Boden einer durchlochten Schraube d feft gehalten wird und gegen den Kopf e des in derfelben fteckenden Stiftes drückt welcher bis zur Verfchlufsachfe reicht und fich im geöffneten oder gefchloffenen Zuftand an eine der beiden Keilflächen derfelben anlegt. Wird das Verfchlufsftück gedreht, fo wird der Stift durch den Keil der Verfchlufsachfe fo lange herabgedrückt und die Spirale zufammengeprefst, bis der Keil auf der Kopffläche des Stiftes fenkrecht fteht. Bei einer etwas weiteren Drehung des Verfchlufsftückes fchnellt die Spirale nach innen aus und veranlafst in Folge des excentrifchen Druckes die rafche Vollendung der Drehung. Beim Modell 1873 wird das Zurückgehen des Verfchlufsftückes beim Oeff nen durch einen im Gehäufe befindlichen Schraubenzapfen bewirkt, welcher in die Patronenzieher- Nuth des Verfchlufsftückes eingreift. a Fig. 2. Bei dem Schloffe, wel ches durchFig.2 veranfchaulicht ift, liegt der Hammer a an der inneren Seite der Schlofsplatte und( Mittelfchlofs) ift fo wie die Stangeb auf Zapfen cauf gefteckt, welche mit der Schlofsplatte aus einem Stück gearbeitet find. Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 11 gen acht nc. 20 nen ager Men; das tenube ig.1 urch eine ren Ver er keil enen urch den eder ler feft ickt enen der der rale fche Deff er in dem wel g.2 cht der an Seiofs Mit tfo gel auf che ofs nem itet An der Hammerfcheibe find die beiden Raften eingefchnitten, und das Kettenglied d eingehängt. Diefes Schlofs, welches vermöge feiner günftigen Hebelverhältniffe und der Anwendung einer eigenen Stangenfeder e einen fehr leichten Abzug geftattet, zeichnet fich vor jenem des Modells 1867 durch eine die Erzeugung begünftigende Einfachheit und wegen der breiten Raften durch grofse Dauerhaftigkeit aus. Die Schraube f dient zur Begrenzung der Hammerbewegung, wenn das vom Schaft herabgenommene Schlofs abgefpannt wird. Von der Garnitur hat der Griffbügel eine durchgreifende Aenderung erfahren. Er erhielt nämlich ein vorderes und rückwärtiges Laub und ftatt des feparaten Züngelblattes beim Modell 1867, zwei Backen für die Befeftigung des Züngels, welches feinerfeits wieder ein drehbares Gelenkftück erhielt, das für den Stangenzapfen ausgerundet ift, wodurch die Reibung zwifchen diefem und dem Züngel nahezu aufgehoben, und fomit ein fanfter Abzug ermöglicht wird. Das von dem ehemaligen Wiener Gewehrfabrikanten Fruhwirth conftruirte Repetirgewehr, welches im Jahre 1871 von der öfterreichischen Regierung zur Bewaffnung der Gendarmerie angenommen wurde, gehört in die Claffe der Magazinsgewehre, indem es unter dem Laufe eine zur Aufnahme von Patronen beftimmte Meffingröhre befitzt. Die Verfchlufsvorrichtung ift dem Berdanverfchlufs ähnlich, fie ift nämlich ein Kolbenverfchlufs mit SpiralfederSchlofs. Die beigefügten Abbildungen Fig. 3 und 4 geben die Seitenanficht des geöffneten und des gefchloffenen Verfchluffes, dann des Repetirwerkes bei weggenommenem Schafte.( S. Seite 12.) Der Verfchlufs fammt Repetirwerk beſteht in feinen Haupttheilen aus dem Verfchlufsgehäufe a, dem Verfchlufskolben b, dem Schlagftücke c, dem Patronenzieher d, dem Leitftücke e, dem Zubringer f und dem Magazinsrohre g, wozu noch als weiterer Beftandtheil die Abzugsvorrichtung/ kommt. Das an den Lauf angefchraubte Verfchlufsgehäufe a dient zur Aufnahme und Befeftigung aller übrigen Beftandtheile; an den Schaft wird das Gehäufe und das Züngelblatt mittelft zweier Schrauben befeftigt. Der Verfchlufskolben 6 ift ein hohler Cylinder, der an beiden Enden durch Böden abgegrenzt ift; durch den vorderen Boden paffirt der Zündftift i, durch den rückwärtigen der Schlagftift c, der mit dem Daumenftücke ähnlich wie bei Chaffepot verbunden ift; das Daumenftück hat unten die beiden Rafteinfchnitte, der Schlagftift vorne eine Verſtärkung, hinter welcher die fpiralförmige Schlagfeder gelagert ift. Der Schlag- und Zündftift( c und i) können jedoch behufs Reinigung des Zündftiftes in viel leichterer Weife als beim letztgenannten Gewehre getrennt werden. Der Hebel k ermöglicht, das Schlagftück fammt Verfchlufskolben vor- und rückwärts zu führen und letzteren auch rechts und links zu drehen. Soll das Gewehr ohne Rückficht auf die Repetitionsvorrichtung geladen werden, fo ift blofs nothwendig, den an der rechten Seite des Gewehres liegenden Hebel durch einen Griff und ohne jeden Kraftaufwand nach links zu drehen, und hierauf den Verfchlufskolben fammt Schlagftück zurückzuziehen. Die Führung erhält der Verfchlufskolben bei diefer Bewegung durch eine Nuth, in welche das Ende der grofsen Leitfchraube m entſprechend eingreift; nach dem Einführen der Patrone wird der Verfchlufskolben mit einem Griffe vorgefchoben und rechts gedreht. Da das Schlagftück an feiner unteren Fläche mit Raften verfehen ift, fo wird es durch den Züngelanfatz, welcher in die Raft greift, zurückgehalten und dadurch die Spiralfeder, die im Verfchlufskolben auf den Zündftift aufgefteckt ift, gefpannt; auch kann die Spannung bei gefchloffenem Gewehre durch das einfache Zurückziehen des Daumenftückes bewerkstelligt werden. Das Repetirwerk befteht zuvörderft aus dem Zubringer, welcher ein für die Aufnahme einer Patrone entsprechend geformtes, löffelartiges Stück bildet 12 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. derfelbe ift um feinen rückwärtigen Theil drehbar. An feiner unteren Fläche befindet fich eine ftarke plattenartige Feder n, welche am vorderen Ende o des Zubringers befeftigt ift, mit dem rückwärtigen freien Ende fich aber gegen den Anfatz ftützt und das Beftreben hat, den Zubringer nach aufwärts in einen entfprechenden Ausfchnitt der unteren Gehäufefläche derart zu heben, dafs eine im Zubringer allenfalls gelagerte Patrone vor den Laderaum gebracht wird. Fig. 3. Geöffneter Verfchlufs. C h Fig. 4. Gefchloffener Verfchlufs. h a S m p k k a d 0 g Um den Zubringer in der nach abwärts gedrückten Stellung zu erhalten, greift ein Anfatz q desfelben unter das Leitftück e, welches durch eine an der rückwärtigen Fläche desfelben wirkende Feder ftets nach vorwärts gedrückt wird; foll der Zubringer jedoch nach aufwärts gehen, um eine aus dem Magazinsrohre g durch die in demfelben befindliche Spiralfeder in den Zubringer gefchobene Patrone in das Gehäufe zu bringen, fo wird beim Oeffnen des Verfchluffes das che des den ent e im I ten, der rd: reg ene das Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 13 Leitftück e durch einen verftärkten Zug des Verfchlufskolbens nach rückwärts geführt, hiedurch kann die Nafe q des Zubringers frei in den unteren Ausfchnitt des Leitftückes eintreten, und der Zubringer kann nun durch die Feder m in der früher befagten Weife nach aufwärts gehoben werden; beim Schliefsen des Verfchluffes wird die vor dem Laderaume im Zubringer befindliche Patrone durch den Verfchlufskolben vorgefchoben und durch das vollſtändige Rechtsdrehen des letzteren das Gewehr fchufsbereit hergestellt. Gleichzeitig wird aber durch den Anfatz, an welchem der Hebel befeftigt ift, ein auf einem rechtsfeitigen Anfatz des Zubringers ruhender, die rechte Gehäufewand paffirender Stift s, der über das Gehäufe hinausragt, nach abwärts gedrückt, wodurch auch der Zubringer nach abwärts gedreht und das vorgefchobene Leitftück in der Lage erhalten wird, um erneuert eine Patrone aus dem Magazine aufzunehmen. Nach dem Abfchiefsen wird bei wiederholtem Laden die leere Patrone durch den Extractor aus dem Laderaume gezogen und durch die im Zubringer erliegende Patrone in präcifer Weife ausgeworfen. Soll das Repetirwerk aufser Thätigkeit gefetzt werden, fo ift blofs nothwendig, einen Schuber t, der in dem Hebelanfatze fich befindet, nach vorwärts zu fchieben, um den beim Oeffnen des Verfchluffes herausgehobenen Zubringer beim Schliefsen nicht mehr herabzudrücken. Diefe Function wird bewerkstelligt, indem durch das Vorwärtsfchieben des eben erwähnten Schubers ein Loch u frei wird, in welches der Stift beim Schliefsen eintritt, in Folge deffen nun der Zubringer nicht hinabgedrückt wird. Das Magazinsrohr ift eine Röhre aus Meffing, welche fechs Patronen aufzunehmen vermag. Wie aus dem Vorigen hervorgeht, kann das Gewehr mit acht Patronen fchufsbereit fein, welche in folgender Weife geladen werden: Verfchlufs öffnen, und das Magazinsrohr in bekannter Weife mit fechs Patronen laden, die fiebente bleibt im Zubringer, die achte wird in den Laderaum eingeführt, und fodann der Verfchlufs gefchloffen. Das Laden diefer acht Patronen ift in zwölf Secunden ausführbar, das Verfchiefsen derfelben bei fchnellem Anfchlage in fechzehn Secunden. Das Gewicht des Fruhwirth'fchen Gewehres beträgt nur fechs Pfund; es ift fomit das leichtefte unter den bisherigen Repetirgewehren. Die Firma Leopold Gaffer, von welcher die öfterreichifche Regierung die für die Cavallerie und Artillerie eingeführten Revolver bezieht, befitzt zwei Fabriken eine in Wien, die andere in St. Pölten- mit einer Gefammtproductionsfähigkeit von 100.000 Stück Revolvern und 45.000 Stück Jagd- und Scheibengewehren per Jahr. Die Gaffer'fchen Etabliffements find derart eingerichtet und organifirt, dafs man fich dafelbft fremder Mithilfe vollſtändig zu entfchlagen vermag und jede Waffe von den erften Anfängen an bis zur gänzlichen Vollendung in den eigenen Werkstätten zu erzeugen im Stande ift. Die genannte Firma hat die fabriksmäfsige Erzeugung der Revolver in Oefterreich eingeführt, und diefelbe binnen kurzer Zeit zu einer folchen Höhe gebracht, dafs fie jetzt erfolgreich mit amerikanifchen und englifchen Firmen concurriren kann. Abfehend von den von Gaffer exhibirten Revolvergewehren, Jagdftutzen und Luxusrevolvern gedenken wir hier nur des öfterreichifchen Armeerevolvers, deffen Conftruction von dem verftorbenen Firma- Inhaber herrührt. Diefer Revolver ift nach dem Syftem Lefaucheux für Centralzündung eingerichtet, fechsfchüffig, und befitzt einen fieben Zoll langen gufsftählernen Lauf mit dem Bohrungsdurchmeffer von fünf Linien, welcher mit fechs, I Punkt tiefen Zügen verfehen ift. Die Dralllänge beträgt fechzehn Zoll. Der Schlofsmechanismus ift für doppelte Bewegung, das heifst, er geftattet die Abgabe des Schuffes fowohl mit als ohne vorherige Drehung des Hammers. Der Revolver ift im ungeladenen Zuftande zwei Pfund dreizehn Loth fchwer. Die 14 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. fcharfe Patrone hat eine Meffinghülfe mit der Roth'fchen Centralzündung, eine Pulverladung von 20 Gramm, und das Gefchofs, welches dem beim Infanterie. gewehre in Verwendung kommenden gleich ift. Gaffer hatte auch fogenannte Officiersrevolver ausgeftellt, welche dem Ordonanzrevolver hinfichtlich ihrer Einrichtung und Leiftungsfähigkeit mög. lichft nahe kommen, jedoch geringere Dimenfionen und daher auch ein kleineres Gewicht befitzen. Von den Gewehrpatronen- Fabrikanten in Oefterreich hatten blofs G. Roth aus Wien, das Confortium Zborzil von Simmering bei Wien, dann die Actien gefellfchaft, ehemals Sellier und Bellot, aus Prag ausgeftellt. Das Confortium Zborzil hatte ein kleines Tableau verfchiedener Patronenhülfen aus Kupfer, Tomback und Meffing eingefendet, und zeichnete fich deffen Fabricat durch Reinheit und Genauigkeit der Arbeit vortheilhaft aus. Die Expofition der Prager Actiengefellfchaft, welche vornehmlich Kapfeln, Zündhütchen aller Arten, dann aber auch Kriegs- und Jagdmunition inbegriff, zählte zu den fchönften in diefer Branche, und zeigte jedes einzelne, auch das kleinfte der Taufende von vorhandenen Stücken von der gröfsten Accurateffe bei der Herftellung. Die Fabricate des früheren Haufes Sellier& Bellot geniessen übrigens feit Langem in Oefterreich und auch über deffen Grenzen hinaus einen wohlbegründeten guten Ruf. Die Ausstellung von G. Roth übertraf jedoch alle anderen diefes Faches an Reichhaltigkeit der Kaliber und des verwendeten Materials. Von den Patronenhülfen für einen mehrzölligen Gefchützkaliber angefangen bis zur kleinften Patronenhülfe für Zimmerpiftolen waren hier bei 50 Gattungen exponirt, aufserdem die verfchiedenen Erzeugungsftadien der Hülfen dargestellt, die in der öfterreichifchen Armee eingeführten Gewehrkapfeln, elektriſche Zünder, geprefste Gewehrprojectile u. f. w.* Sämmtliche Erzeugniffe liefsen die möglichfte Sorgfalt bei der Herstellung und die Vortrefflichkeit der angewendeten Mafchinen erkennen. In der öfterrei chifchen Armee, fowie in der öfterreichifchen und ungarifchen Landwehr find für die neuen Gewehre mit 5 Linien Kaliber Patronenhülfen aus Tombackblech( für die Revolver aus Meffingblech) mit dem Roth'fchen Centralzündungs- Syftem eingeführt, wie denn überhaupt Roth's Lieferungen fowohl für das Inland als auch für ausländifche Mächte fich ftets von trefflicher Qualität bewährten. In der ungarifchen Abtheilung hatte die Prefsburger Filiale diefer Firma, welche ausfchliefslich für die ungarifche Regierung arbeitet, Mufter der bei den ungarifchen Landwehrtruppen eingeführten Patronen ausgeftellt, die an Güte des Fabricates den anderen gleichftanden. Deutfches Reich. Die Gewehrfabrik von Dreyfe in Sömmerda hatte mehrere Gewehre fammt zugehöriger Munition ausgeftellt, welche mit Recht die Aufmerkfamkeit der Fachmänner auf fich zogen. Das innerhalb des letzten Decenniums fo berühmt gewordene Dreyfe'fche Zündnadelgewehr hat in jüngster Zeit durch den Sohn des Erfinders F. v. Dreyfe wefentliche Verbefferungen erfahren, und bildete in diefer modificirten Form das bemerkenswerthefte Stück der Dreyfe'fchen Ausftellung. * Zur Anfertigung des Bleidrahtes für Gewehrprojectile wird ein hydraulifcher Appa rat, beftehend aus vierfacher Pumpe, Vertheilungs- Schieberftock und Preffe verwendet; letztere in Verbindung mit dem Bleifchmelz- Apparat, welcher circa 3 Centner Kohle täglich ver braucht, liefert in 10 Arbeitsftunden beiläufig 40 Centner Bleidraht in 110 Pfund fchweren Adern von 5 Linien Durchmeffer, genügend für 150.000 Gefchoffe à 278 Gran. Die Bedienung erfordert 3 Arbeiter. Eine Kugelpreffe liefert in 10 Arbeitsftunden 50.000 glatte Gefchoffe, welchen 2 Mafchinen die Sicken einrollen. Zum Betrieb der ganzen Fabrication ift ein Motor von 10 bis 12 Pferdekräften nöthig. Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 15 e نه me g. es h m- er ch ch n e₁ 1s 1- es 1- n T- ce 1. h n e T 1 1 T Das Schlofs diefes Gewehres ift ein verbefferter, zum Selbftfpannen eingerichteter Zündnadel- Mechanismus, der die Einfachheit und Solidität des letzteren mit einer ebenfo fchnellen als bequemen Handhabung der beften beftehenden Gewehrfyfteme verbinden foll. Zur Charakterifirung der Einfachheit des verbefferten Schloffes, welches gleich gut für die Stift- wie für die Nadelzündung anwendbar ift, genügt es anzuführen, dafs der Mechanismus nur aus fechs Theilen befteht, und dafs alle Functionen des Ladens bis zum Abfeuern mit drei Griffen erledigt werden. Die Mängel, welche dem alten Zündnadel- Gewehre vermöge feiner früheren Entstehung gegenüber den neueren Gewehren in balliftifcher Beziehung eigen waren, find bei dem modificirten Modell durch die Anwendung des Kalibers von II Millimetern und der Metallpatrone mit ftarker Ladung befeitigt worden. Alle diefe Vorzüge zufammengefafst laffen das verbefferte Zündnadel- Gewehr geeignet erfcheinen, unter den jetzigen Hand- Feuerwaffen einen hervorragenden Platz einzunehmen. Von ganz eigenthümlicher Conftruction ift die vor einigen Jahren vielbefprochene Granatbüchfe, deren Verwendung für Kriegszwecke jedoch 1869 durch die Petersburger Convention, welche die Anwendung von Sprenggefchoffen unter 400 Gramm ausfchlofs, unmöglich gemacht wurde. Die Büchfe hat ein Kaliber von 23 Millimeter, und befitzt am rückwärtigen Laufende das mit Schraubengewinden verfehene, um ein Charnier nach rechts feitwärts drehbare Verfchlufsftück, welches den Zündnadel- Mechanismus enthält. Der Kolben ift durch einen gepolsterten eifernen Bügel erfetzt, welcher den Anfchlag des Gewehres ohne Auflage und ohne Beläftigung des Schützen ermöglicht. Am rückwärtigen Ende des mit einer kleinen Sprengladung verfehenen Gefchoffes befindet fich ein kurzes Kupferröhrchen eingefchraubt, welches den Percuffionsapparat enthält; letzterer bewirkt, dafs das Projectil beim Auffchlage durch das Vorfchnellen eines kleinen Schlägers gegen die Zündpille zur Exploſion gelangt und in 6 bis 8 Stücke zerfpringt. Die Trefffähigkeit der Granatbüchfe foll bis auf 1800 Schritt noch befriedigend fein. Aufser den Sprenggefchoffen fchiefst diefes Gewehr auch eiferne Vollkugeln. Die königlich baierifche Gewehrfabrik in Amberg, die fich durch Einführung und Erzeugung der Werdergewehre grofse Verdienfte um die Waffentechnik erworben, hatte von Kriegswaffen ein Gewehr, einen Karabiner und eine Piftole vom Modell 1869* eingefendet, über welche, da deren Conftruction hinlänglich bekannt, nur zu fagen ift, dafs fie, hinfichtlich ihrer Ausführung den beften ähnlichen Fabricaten anderer Länder zur Seite geftellt werden dürften. Für Piftolen eignet fich übrigens unferer Anficht nach der Werderverfchlufs feiner Form wegen weniger; eine derlei Waffe fieht plump und unfchön aus. Den von der Amberger Gewehrfabrik noch exponirten, damafcirten Wallbüchfen- Lauf als einen Beftandtheil einer Kriegswaffe zu erklären, geht wohl nicht an, wobei wir jedoch nicht verfehlen, denfelben als ein recht fchönes Stück Arbeit anzuerkennen. C. V. Heinlein aus Bamberg hatte drei Hinterladungsgewehre eigener Conftruction ausgeftellt, welche zwei verfchiedene Syfteme repräfentirten. Der Mechanismus von zweien derfelben ähnelte den bekannten Kolbenverfchlüffen, doch war das Verfchlusftück, ein vierfeitiges Prisma, nicht mittelft des gewöhnlichen Hebels, fondern durch Abwärtsdrücken des Griffbügels im Verfchlufsgehäufe zurückzuführen, wobei gleichzeitig das Schlöfschen gefpannt wurde; beim Aufwärtsdrücken des Griffbügels wird das Verfchlufsftück wieder vorgeführt und das Gewehrift fchufsbereit. Das zweite Syftem, deffen Verfchluſs mit einer Plombe verfchloffen war, und welches deshalb auch von der Jury nicht unterfucht wurde, glich in der äufseren Anordnung dem Werdergewehre, nur bildete hier das Verfchlufsftück ein Prisma, welches beim Vorwärtsdrücken des um einen Bolzen drehbaren Griffbügels nach abwärts ging und beim Zurückführen des Bügels den Lauf abfchlofs. * Syftem Werder. 2 16 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Wie der Conftructeur angab, hat er den Lauf mit einem neuen Zugfyftem verfehen, durch welches jegliche Verfchleimung der Bohrung verhindert werden foll. Was nun das anbelangt, find wir der Meinung, dafs ein Zugfyftem diefs niemals leiften kann, da die hiezu nöthigen Bedingungen im Schiefspräparate liegen. Schweiz. An Hand Feuerwaffen für Kriegszwecke haben aus der Schweiz das eidgenöffifche Militärdepartement eine inftructive Sammlung der Ordonanzwaffen mit einer Zufammenftellung der zugehörigen Munition und ihrer Anfertigung, die fchweizerifche Induftriegefellfchaft in Neuhaufen bei Schaffhaufen, die Firmen Theophil Klaus aus Genf und Martini Tanner& Comp. aus Frauenfeld, Mufter ihrer Fabricate nach den Syftemen Vetterli und Martini ausgeftellt. Grofse Präcifion in der Erzeugung zeichneten fämmtliche exhibirten Schweizer Waffen aus, wie auch die richtige Erkenntnifs jener Bedingungen, denen eine tüchtige Feldwaffe entfprechen foll. Obzwar das Verfchlufsfyftem Vetterli zu den bekannteren zählt, fo wollen wir doch für diejenigen Lefer, die fich in der Menge von Syftemen nicht augenblicklich zurecht zu finden vermögen, hier eine kurze Charakteriſtik deffelben, und zwar des Repetirgewehres folgen laffen. Das Repetirgewehr Vetterli hat das Patronenmagazin unter dem Laufe und gefchieht die Hantirung des Verfchlufs- und Schlofsmechanismus ähnlich wie die Bewegung des Kammercylinders beim preufsifchen Zündnadel- Gewehr, jedoch vermögen die einzelnen Griffe mehr zu leiften. Durch die Linksdrehung wird die fpiralförmige, am hinteren Ende des Verfchlufskolbens gelagerte Schlagfeder gefpannt und durch das kräftige Zurückfchieben des Verfchlufscylinders das hintere Lauf- Ende geöffnet, die leere Hülfe entfernt und ein Kniehebel zum Emporheben des Zubringers mit der neuen Patrone in Thätigkeit gefetzt. Das Magazinsrohr, welches durch eine rechtsfeitig angebrachte Oeffnung gefüllt werden kann, fafst II Patronen, die beim Gebrauche des Magazins von der Spiralfeder und dem Kolben fucceffive in den Zubringer gedrückt werden, welcher fie vor den Laderaum führt. Das Repetirgewehr kann alfo 13 Patronen faffen, und zwar: II im Magazin, I im Zubringer und 1 im Lauf. Die Feuerfchnelligkeit läfst fich in rafchem Anfchlage bei halbwegs geübten Schützen mit 16 Schufs per Minute annehmen. Die Waffe ift übrigens anftandslos auch als Einlader zu gebrauchen. Der eidgenöffifche Oberftlieutenant Rudolph von Erlach hatte HandFeuerwaffen fchweizerifchen Modells aus Phosphorbronce eingefchickt, die theilweife in der Gewehrfabrik von Wilhelm von Steiger in Thun bearbeitet waren. Die Proben mit denfelben waren durch fchweizerifche Waffentechniker gemeinfchaftlich mit fchweizerifchen Artillerie- Officieren vorgenommen worden, und hatten dargethan, dafs Phosphorbronce richtig gewählter Qualität für Repetirkarabiner, Cadettengewehre und Revolver in der Anwendung, wie fie ausgeftellt war, vollftändig genügende Haltbarkeit und Sicherheit bietet. Mit Ordonnanzmunition wurden aus einem Repetirkarabiner 700 Schüffe, wovon 200 im Schnellfeuer, abgegeben, ohne dafs bei Anwendung eines Stahl- Verfchlufscylinders der Verfchlufs gegenüber einem folchen aus Stahl und Eifen an Dichtigkeit und fortdauernd leichtem Gange zurückgeftanden wäre. Der eidgenöffifche Stabsmajor Rudolph Schmidt aus Bern ftellte ein fchweizerifches Cadettengewehr fammt Zubehör, dann einen Revolver aus, und hatten diefe beiden Objecte den Zweck, zu zeigen, in welcher Weife es dem Einfender gelungen fei, den militärifchen Uebungen der fchweizerifchen Jugend eine der Gegenwart entſprechende, zugleich kriegstüchtige Waffe einfachfter Con ftruction( nach Vetterli- Einlader) zu liefern, und dabei insbefondere die Billigkeit des Productes im Verhältniffe zur Qualität darzuthun. Der Ausfteller liefert Gewehre gleichen Modells und von der nämlichen Qualität in Partien zu 43 bis 45 Francs. m en e- te iz er -er ei p. nd The n- fo cht en, nd lie ch lie er as um as en nd en im em en. d- il. en. inen er, 11on er, ernd ein and inme on eit ert bis Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 17 J, W. von Steiger in Thun lieferte einen Revolver und ein Repetirgewehr. Erftere Waffe präfentirte fich günftig durch verbefferte Griffformen und leichten Anfchlag; der Ausfteller vindicirte ihr ferner gröfsere Percuffionskraft, genaueftes Schiefsen auf gröfsere Diftanzen und rafcheres Laden als bei den bisherigen Syftemen u. f. w., Vorzüge, die fich natürlich auf der Ausftellung nicht erproben liefsen. Im Allgemeinen läfst fich von den fchweizerifchen Hand- Feuerwaffen auf der Wiener Weltausftellung fagen, dafs fie zwar nicht durch ihre Zahl imponirten, indem fich die Ausfteller zumeift auf einzelne Exemplare befchränkten, dafs fie dagegen insgesammt davon Zeugnifs gaben, dafs die Schweiz wie feit Jahren, fo auch heute noch, was Verſtändnifs der Hand- Feuerwaffen und deren exacte Herſtellung betrifft, an der Spitze des Fortfchrittes fteht. Belgien. Die Collectivaus ftellung der Gewehrfabrikanten in Lüttich vereinigte die meiſten der erprobten und in den Dienft eingestellten Kriegs- Handfeuerwaffen mit Hinterladung. Gab diefe Expofition auch keine Vorftellung von der berühmten Lütticher Gewehrinduftrie, fo war diefelbe doch für das Studium der mitunter weniger bekannten Syfteme gut geeignet und wäre ihr nur eine etwas fyftematifchere Gruppirung der verfchiedenen Modelle zu wünſchen gewefen. Im Ganzen waren bei 60 Verfchlufsfyfteme ausgeftellt, welche zum Theile den in den Armeen eingeführten Waffen, zum Theile aber folchen angehörten, die wenigftens ausgedehnten Experimenten unterzogen worden find. Der Lefer findet die bemerkenswertheften derfelben in: Mattenheimer, die Rückladungsgewehre, Darmftadt und Leipzig 1867, dann in Plönnies, neue Hinterladungsgewehre, Leipzig 1867; endlich in Plönnies und Weigand, die Gewehrfrage, Darmſtadt und Leipzig 1872, abgehandelt. Montefiore- Levi und Dr. Künzel aus Brüffel wurden durch die verhältnifsmäfsig grofse abfolute Feftigkeit der Phosphorbronce, welche fchon bei gegoffenen Stücken 30 bis 35 Kilogramm per Quadratmillimeter beträgt, auf die Idee geleitet, Verfchlufs- und Garnitur- Beftandtheile, ja felbft Gewehrläufe aus Phosphorbronce darzuftellen, und hatten derartig modificirte Piper, Comblain, Lefaucheux, Snider, Werndl und Remington- Gewehre exhibirt. Die Erfinder hoben namentlich den geringen Anfchaffungspreis des Metalles hervor. Zu nennen wäre noch die von Fusnot aus Brüffel ausgeftellte fchöne Munitionsfammlung. England. Infoferne man thatfächlich neue, auf weitere Vervollkommnung der Armee- Handfeuerwaffen abzielende Conftructionen fuchte, mufste man in der englifchen Abtheilung diefe Hoffnung aufgeben, dagegen befeftigte fich dafelbft aufs Neue die Ueberzeugung aller Gewehrkundigen von der bisher nur felten erreichten, nirgends jedoch übertroffenen Exactheit der englifchen Gewehrfabricate. Die wenigen englifchen Ausfteller von Kriegsmateriale führten nur bekannte Syfteme vor, zumeift das in der britifchen Armee eingeführte Henry- Martini Gewehr. Ueber diefes nach dreijährigen Verfuchen in England im Jahre 1871 unter 65 concurirrenden Modellen zur Kriegs- Handfeuer- Waffe als vorzüglich geeignet befundene Gewehr gibt zwar auch fchon die Fachliteratur der jüngften Zeit einigen Auffchlufs; zur Orientirung dürfte jedoch an diefer Stelle eine Darlegung des Principes derfelben geftattet fein. Der Verfchlufsblock wird durch eine Drehung des Griffbügels, wobei der gabelförmige obere Arm des letzteren an die hintere Fläche eines Ausfchnittes des erfteren ftöfst, nach abwärts bewegt, und wirkt dann der Block im Herunterfchlagen * Siehe Die technifche Entwicklung der modernen Präcifionswaffen der Infanterie. Von Hermann Weygand, königlich preufsifchem Major und Bezirkscommandeur. Leipzig, 1872. 2% 18 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. auf einen doppelten Extractor( Winkelhebel) zum energifchen Auswerfen der Patronenhülfe. Beim Zurückziehen des Bügels ftemmen fich die erwähnten Arme zum feften Verfchlufs gegen die vordere Fläche des Ausfchnittes im Verfchlufsblocke. Der Block nimmt in feiner Bohrung den Schlagftift mit aufgefchobener Spiralfeder auf; die Bohrung ift hinten durch eine Holzfchraube gefchloffen. In einen Längenfchlitz des Schlagftiftes greift ein auf der Achfe des Bügels zwifchen deffen gabelförmigen Armen befeftigter, einarmiger Hebel, der unten mit der Raft verfehen, als Nufs fungirt. Beim Vorftofsen des Bügels nimmt der Nufshebel bei feiner Rückwärtsbewegung den Schlagftift mit, bis die Stange des Abzuges in feine Raft tritt und die gefpannte Feder zwifchen der Kopfplatte des Schlagftiftes und dem Ende der früher erwähnten Hohlfchraube fixirt. Am Ende der gemeinfchaftlichen Achfe des Bügels und des Nufshebels befindet fich auf der rechten Seite aufserhalb ein Zeiger, deffen Bewegung mit jener des Hebels zufammenfällt, der alfo anzeigt, ob das Schlofs gefpannt ift oder nicht. Auf derfelben Seite ift am Abzugsblech ein Schieber angebracht; der Mechanismus ift feftgeftellt, wenn der Schieber die Verlängerung einer Warze auf diefer Seite des Gehäufes bildet. Der Mechanismus erfordert nur zwei Griffe: I. Vorftofsen des Bügels: Oeffnen, Auswerfen und Spannen. 2. Zurückziehen des Bügels: Schliefsen. Von inftructivem Werthe war die Ausftellung von Läufen für Handwaffen und Gatlingkanonen der Henry Rifled Barrel Comp., deren Etabliffements fich in London befinden. Die befagten Läufe waren in den verfchiedenen Stadien der Fabrication zu fehen, und die ausgefertigten nach Henry- Martini gezogen. Bemerkenswerth wegen feiner vorzüglichen, von der englifchen Regierung adoptirten, in der Fachliteratur bereits mehrfach behandelten Laufconftruction war der von Henry Alexander ausgeftellte Selbftfpanner. Diefes Gewehr hat bei der von der grofsbritannifchen Regierung im Jahre 1871 angeordneten Erprobung verfchiedener Hinterladungseinrichtungen den erften Preis erhalten. G. E. Lewald fandte Snider- Gewehre und für Metallpatronen umgeftaltete Chaffepots nach W. Scott's Patent, Objecte, die wohl durch ihre präcife Herſtellung, nicht aber durch Neuheit oder befondere Wichtigheit in militärifcher Hinficht auffielen. Ein Gleiches gilt von den Murcott'fchen Gewehren und den Adamfchen Revolvern. Eley Brothers's Patronen und Daw's eigenthümliche, aber dem Fachmanne auch nicht mehr fremde Patronenhülfen verdienten ebenfalls aus dem fchon angegebenen Grunde alle Anerkennung. Schliefslich wollen wir noch des von W. Soper ausgeftellten Hinterladungs- Gewehres erwähnen, dem der Erfinder die befondere Feuerfchnelligkeit von 60 Schufs per Minute anrühmt. Die Einrichtung desfelben( der Verfchlufs wird durch eine nach rechts um einen Charnierbolzen drehbare Klappe bewerkstelligt, gegen deren Mitte der Hammerfchlag axial wirkt) ift aus Fachjournalen bekannt. Bezüglich der befagten Schufszahl find wohl einige Zweifel geftattet. Schweden. Obwohl auch Schweden mit Ausnahme des vom Grafen Sparre conftruirten Hinterladungskarabiners, einer Waffe, die zu den Hinterladern mit Blockverfchlufs rangirt( der Verfchlufsblock oder Keil geht beim Spannen des Hammers in Falzen nach abwärts, wobei eine Feder gefpannt wird; der durch die Patronenzieher- Feder bewegte Patronenzieher extrahirt beim Freiwerden die Patrone, und fixirt den Block in feiner unteren Stellung. Beim Einführen der Patrone, wenn durch den Wulft derfelben der Extractor in feine Lage gedrückt wird, fteigt das mit letzterem in Verbindung ftehende Verfchlufsftück in Folge der Wirkung der Feder in die Höhe und bewirkt den rückwärtigen Abfchlufs) hauptfächlich nur Hand- Feuerwaffen des dort eingeführten Remingtonfyftems ausgeftellt hatte, fo bieten doch die Verhältniffe der Waffenfabrication in diefem entfernten Lande manches Wiffenswerthe. er ne S- er In en ft ei ne d t- te er m er er S- en ts en e- n, n n r- ce 1- nt - - n e 1 n n n n e n Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 19 Schweden hat zwei Factoreien, welche fich mit der Anfertigung von Kriegsgewehren befaffen; die eine, Carl Gustavs Stad( Eskiltuna), gehört dem Staate, die zweite, Husquarna, einer Privatgefellfchaft. Von beiden Factoreien fabricirte Gewehre, Karabiner u. f. w. waren ausgeftellt, und zwar die von Carl Guftavs Stad durch das Kriegsminifterium. Ein Remingtongewehr, angefertigt in dem letztgenannten Etabliffement, koftet 35 Francs, und gekauft von Husquarna 48 Francs; ein Karabiner koftet in Carl Guftavs Stad 33 Francs. Das Remingtongewehrfchwedifchen Modells hat einen Kaliber von 12'17 Millimeter und wiegt 4'7 Kilogramm; die Patronen haben Kupferhülfen mit Randzündung; das Projectil wiegt 24, die Ladung 4 25 Gramm. Die Anfangsgefchwindigkeit beträgt beim Gewehr 400, beim Karabiner 340 Meter. Zu den Gewehrläufen wird dermalen ausfchliefslich gewalzter Beffemerftahl von dem Werke Fager ft a verwendet. Husquarna wurde durch Guftav Adolph II. 1624 in der Stadt Jönköping angelegt und benützte man damals die Fälle des Husquarna nur zum Laufhammer. Zu Ende des vorigen Jahrhundertes wurde jedoch die Gewehrfabrik allmälig nach Husquarna verlegt. Bei der Factorei find jetzt 360 Männer und 55 Kinder unter 15 Jahren angeftellt. Die Werkstätten werden mit Wafferkraft betrieben, doch gelangen von den vorhandenen 4000 Pferdekräften nur 200 zur Benützung. Zu den Schäften wird vierjähriges, trockenes Birkenholz aus Småland, Weft und Oftgöthland bezogen. Jährlich werden ungefähr 30.000 Gewehre angefertigt, wobei 187 Arbeitsmafchinen in Thätigkeit find; es ift jedoch zu bemerken, dafs ein Theil diefer Mafchinen auch zur Fabrication von Nähmaschinen herbeigezogen wird. Die Gewehrläufe werden fehr ftrengen Gewaltproben unterworfen, wozu Pafskugeln von 25.50 Gramm Gewicht und 125 Millimeter Durchmeffer genommen werden; die Läufe find hiebei nur vorgebohrt. Zuerft wird ein Schufs mit obengenannter Kugel und 19 12 Gramm Pulver, dann einer mit 38.25 Gramm Pulver und einer Kugel gegeben, wornach die Anzahl der Kugeln mit Beibehaltung derfelben Pulvermenge bis auf neun gefteigert wird. Nun vermag das Pulvergas die Kugeln mitunter nicht mehr aus dem Laufe zu treiben, fondern entſtrömt durch das Zündloch. Solche Läufe werden nach dem Ausfchmelzen der Kugeln neuerdings geladen und weiter befchoffen. Bei einer im Mai 1872 in Carl GuftavsStad vorgenommenen Laufprobe konnte ein Lauf erft dann gefprengt werden, nachdem er eine vierzehnmal gröfsere Pulverladung, als für welche er conftruirt worden, ausgehalten hatte. Gewöhnlich zeigt fich, wenn einmal die Anzahl der Kugeln gefteigert wird, an der Stelle, wo die Kugeln faffen, eine geringe Erweiterung, die aber, da die Läufe noch nicht kalibermäfsig gebohrt find, nichts auf fich hat. Rufsland. Die kaiferliche Gewehrfabrik in Slatouft, die Seftroretzer und die Gewehrfabrik in Tula hatten Gewehre nach dem Transformationsfyfteme Krnka und nach Berdan II ausgeftellt. In allen drei genannten Werken wird die Gewehrerzeugung gegenwärtig in grofsem Umfange betrieben, und haben diefe Etabliffements durch die eingefendeten Proben bewiefen, dafs fie auf der Höhe der Zeit ftehen, und jeder technifchen Anforforderung entſprechen können. Die Conftruction des Krnkagewehres ift wohl als genügend bekannt anzunehmen, dagegen dürfte eine kurze Andeutung bezüglich des Modelles Berdan II am Platze fein. Das Gewehr Berdan II zeigt eine grofse S 1 * Der Stahl für Gewehrläufe hat folgende Beftandtheile: O'25 Percent Kohlenftoff 0.036 O'234 0'022 Silicium " 33 Mangan " Phosphor und Spuren von Schwefel. 20 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Verwandtfchaft mit dem fchon früher befchriebenen Fruhwirth'fchen Gewehre, wenn man fich das Repetirwerk des letzteren hinweg denkt. Die Hauptbestandtheile des Verfchluffes find: das Verfchlufsgehäufe, der Kammercylinder mit Griff und dem Extractor, das Schlag. ftück mit Schlagbolzen fammt Zündftift und ſpiralförmiger Schlagfeder, der Ejector mit der Ejectorfeder, die A bzugvorrichtung. Das Verfchlufsgehäufe ift feiner Form nach ein Cylinder, der rückwärts auf den Lauf aufgefchraubt ift und die Beftimmung hat, die Verfchlufsbeftandtheile aufzunehmen und die Verbindung des Laufes mit dem Schafte zu vermitteln. Der Cylinder hat oben einen Ausfchnitt für die geradlinige Bewegung des Kammercylinders und erweitert fich diefer, an den Lauf anfchliefsend, nach rechts in einer Länge, welche der Länge der Warze des Kammercylinders ent fpricht. Die erwähnte Erweiterung des Längenausfchnittes, wie fie bei den meiften Kolbenverfchlüffen vorkommt, hat die Beftimmung, nach erfolgtem Rechtsdrehen des Kammercylinders die Warze aufzunehmen und hiedurch den Kammercylinder in feiner Lage zu fixiren. Der untere Ausfchnitt des Gehäufe cylinders dient für den Durchgang des Ejectors und die Abzugsvorrichtung. Unten am Gehäufe cylinder find mittelft einer und derfelben Schraube zwei Federn befeftigt, welche nach aufwärts reagiren: die( kürzere) Ejector feder, welche auf den Arm des unten im Gehäufe um eine Achfe drehbar gelagerten Ejectors wirkt, der einen einarmigen Hebel repräfentirt; ferner die ( längere) Abzugsfeder, welche auf den Arm der um die Ejectorachfe drehbaren Nufs wirkt, und ftets ihre Bewegung nach aufwärts anftrebt.( Die hier erwähnte Nufs hat diefelben Functionen, wie die Stange eines Percuffionsfchloffes und die Abzugfeder jene der Stangenfeder.) Um gleich an diefer Stelle den Abzugmechanismus zu ergänzen, fei erwähnt, dafs das Züngel ein um eine Achfe drehbar gelagerter Winkelhebel ift, der mit feinem horizontalen Arme( das Gewehr horizontal gedacht) in den rückwärts an der Nufs angebrachten Ausfchnitt lofe eingreift. In Folge des Drehbeftrebens der Nufs hat auch der horizontale Arm des Züngels das Drehbeftreben nach auf wärts; wird das Züngel am verticalen Arme nach rückwärts gedrückt, fo wird die Nufs nach abwärts gedrückt und die Stangenfeder gefpannt. Der Kammercylinder ift ein hohler Cylinder, der oben mit Warze und darauf befeftigtem Griffe verfehen ift; rückwärts befindet fich ein rechtwinklig gebogener Ausfchnitt für den Eintritt der Warze des den Kammercylinder hülfenartig übergreifenden Schlagftückes. Die Warze ift ihrer Längenrichtung nach ausgehöhlt und nimmt den federnden Extractor( Patronenzieher) auf, der in feiner Lage durch eine von aufsen eingefetzte, in die Höhlung der Warze ein greifende Schraube fixirt ift. Die Höhlung des Kammercylinders befteht aus zwei Theilen; aus einem vorderen, gröfseren Cylinder, in welchem die fpiralförmige Schlagfeder gelagert ift und einem rückwärtigen, kleinen Cylinder für den Durchgang des Schlagbolzens. Die vordere, gröfsere cylindrifche Höhlung ift durch einen, den' vorderen Rand des Kammercylinders übergreifenden Boden( Nadelrohr der Zündnadel- Gewehre) abgefchloffen, der durch einen Querftift fixirt wird. Das Schlagftück ift ein Cylinder mit Boden und daran fchliefsendem Knopf zum Ergreifen. Boden und Knopf find durchhöhlt, um den Schlagbolzen aufzunehmen, der durch eine Schraube mit dem Schlagftücke feft verbunden ift. Der Schlagbolzen befteht aus einem cylindrifchen Körper mit einer vorderen Verftärkung als Boden für die in felben gelagerte fpiralförmige Schlagfeder; an die Verftärkung fchliefst fich vorne der Zündftift an. An der unteren Fläche des Schlagftückes befinden fich zwei Sicherheitsraften. Functionirung. Soll geladen werden, nachdem ein Schufs abgegeben wurde, fo wird der Griff des Kammercylinders ergriffen, derfelbe links gedreht und zurückgezogen; der Extractor extrahirt die Patrone und diefe wird, fobald der Kammercylinder bei der Rückbewegung den Ejector paffirt hat, empor hre, ife, a g. der der ufse zu ung ach entften hen der für wei o r. eladie chfe nier ffes int, mit an ens auf. die and lig ench in invei ge chen, ler em uf er erlie es en ht ld r Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 21 gefchleudert. Nach dem erfolgten Zurückgehen wird die Patrone eingeführt und der Kammercylinder am Griffe vorwärts gedrückt; hiebei legt fich der emporgedrückte Arm( Stangenfchnabel) der Nufs vor den vorderen Rand des Schlagftückes und hält diefes fammt Schlagbolzen feft; beim weiteren Vordrücken des Kammercylinders nähert fich der rückwärtige Boden desfelben der Verftärkung des Bolzens, wodurch die Spiralfeder zufammengeprefst wird. Wird ferner der Kammercylinder nach rechts gedreht, fo ift die Waffe fchufsbereit. Zum Abfeuern wird ein Druck auf das Züngel ausgeübt, hiedurch der Schnabel der Nufs vom vorderen Rande des Schlagftückes weggezogen, wodurch die Spiralfeder ausfpielen kann. Selbſtverſtändlich kann, ohne den Verfchlufs zu öffnen, durch einfaches Zurückziehen des Schlagftückes gefpannt werden. Die kaiferlichen Patronenfabriken in St. Petersburg exhibirten. Metallpatronen und die Firma Bruno Hofmark Inftrumente für Patronenconftruction, welche zwar eine grofse Reichhaltigkeit der für das Verfahren nothwendigen Stücke einer Garnitur erwiefen, dafür aber auch von der Genauigkeit, mit der hiebei vorgegangen wird, zeugte.* Frankreich. Die Ausftellung an Kriegs- Handfeuerwaffen war eine unbedeutende, welcher Umftand wohl zum gröfsten Theile den gegenwärtigen unfertigen militärifchen Verhältniffen diefes Landes zuzufchreiben fein dürfte. Inftructiv war nur die Munitionsfammlung von Gevelot in Paris, welche Durchfchnitte faft aller in den Armeen Europas eingeführten Gewehrpatronen enthielt. Aufserdem wäre nur noch ein von Gaftinne Renete exhibirtes Hinterladungsgewehr- Project zu erwähnen. Diefes Gewehr, deffen technifche Ausfertigung unbedingt eine vorzügliche war, gehört in die Claffe der BlockverfchlufsEinzellader. Durch das Vordrücken des um ein Charnier drehbaren Griffbügels wird der vierkantige Verfchlufsblock mittelft einer Geradführung vertical nach abwärts gezogen, wodurch eine feitliche Oeffnung des Verfchlufsgehäufes frei wird, durch welche eine Patrone eingeführt werden kann. Der Verfchlufsblock wirkt beim Abwärtsgehen auf den, ähnlich wie bei Peabody geftalteten, Extractor( Winkelhebel), welcher die ausgefchoffene Hülfe in den ober dem Block entftandenen leeren Raum fchiebt, von wo fie fodann durch eine Rechtsdrehung des Gewehres bei der eben erwähnten feitlichen Oeffnung ausgeworfen wird. Das Vordrücken des Bügels bewirkt zugleich das Zurücktreten eines in die rückwärtige Fläche des Verfchlufsblockes eingreifenden Sperrftiftes, fowie das Spannen des Hammers eines im Kolbenhalfe befindlichen Mittelfchloffes. Wird der Bügel nach rückwärts gedreht, fo fteigt der Verfchlufsblock in feiner Führung nach aufwärts und fchliefst das hintere Laufende ab. - Italien. Die Ausftellung von Kriegsgewehren war eine ziemlich reichGewehre und haltige. Das Kriegsminifterium exhibirte Ordonnanzwaffen Karabiner mit dem modificirten Vetterliverfchlufs. Die Modification des fchweizerifchen Originales befteht bekanntlich im Wefentlichen darin, dafs das italienifche Gewehr für Centralzündung eingerichtet ift, demnach nur einen einfachen Zündftift befitzt, und die für die Randzündung des fchweizerifchen Gewehres erforderliche Schlaggabel in Wegfall kam. Von mehreren Ausftellern waren neu conftruirte, refpective verbefferte Hinterladungs- Gewehre vorhanden, unter welchen als die intereffanteften die * Die ruffifche Regierung hat die Fabrication der Metallpatronen auf dem grofsartigften Fufse eingerichtet, und wird der ganze Bedarf Rufslands an Kleingewehr- Munition von vier Staatswerken, deren Leitung Generalen und höheren Officieren der Artillerie übertragen ift, gedeckt. Die Leiftungsfähigkeit diefer Anftalten kann bis über eine Million Patronen täglich gebracht werden, wobei nicht zu überfehen ift, dafs auch die Patronenhülfen in eigener Regie erzeugt werden. Das Rohmateriale( Meffingblech) wird von Privatwerken geliefert. 22. Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Gewehre der Gebrüder Merolla aus Neapel und des Capitäns im 49. italienifchen Infanterie- Regimente, Seraphin Frattola, bezeichnet werden dürften. Das eine der Gewehre von Merolla gehörte in die Claffe der Charnierverfchlüffe und ift. infoferne von befonderem Intereffe, als hier beim Spannen des Hammers das Verfchlufsftück geöffnet, während bei den fogenannten Selbftſpannern beim Oeffnen des Verfchluffes die Spannung felbftthätig bewirkt wird. Nach dem Zurückziehen eines mit einem Angriffe verfehenen, axial geftellten, aus der rückwärtigen Wand des Verfchlufsgehäuſes in der Art wie beim Syftem Wänzl hervortretenden Sperrftiftes ſchnellt das Verfchlufsftück in Folge des Druckes einer Feder, die zwifchen den Backen des ober dem hinteren Laufende befeftigten Charniers fich befindet, nach aufwärts. Das Charniergelenk ift unten mit zwei Zähnen verfehen, welche in die gezähnte Stange des Patronenziehers eingreifen, wodurch diefer beim Aufwärtsfchnellen des Verfchlufsftückes vorgefchoben und zur Wirkfamkeit gebracht wird. Um den Verfchlufs öffnen zu können, mufs der Hammer zuerft vollends gefpannt werden. Der Sperrftift verfieht zugleich die Function eines Schlägers, indem der Hammer des im Kolbenhalfe befindlichen Mittelfchloffes auf denfelben fchlägt und diefer fodann den im Verfchlufsftücke fteckenden Zündftift trifft. Bei einem zweiten Projecte von Merolla ift der Kolbenhals, in welchem ein Mittelfchlofs gelagert ift, vorne fenkrecht abgefchnitten, und um eine im Vorderfchaft befindliche Schraubenwelle nach links drehbar. Auf der vorderen Fläche des abgefchnittenen Kolbenhalfes ift eine eiferne Platte mit zwei Spangen befeftigt, welch' letztere den Kolbenhals oben und unten übergreifen. In diefer Platte find zwei Durchbohrungen angebracht, eine in der verticalen Schnittsebene des Gewehres für den Durchgang des Zündftiftes und eine zweite links, nahe am Rande, in welche ein Stift greift, der mit einem, eine Spannweite von der Platte auf der linken Seite des Vorderfchaftes befindlichen federnden Knopfe in Verbindung fteht. Wird diefer Knopf niedergedrückt, fo zieht er den Stift zurück und der Kolben läfst fich nun nach links drehen, wodurch die rückwärtige Lauföffnung frei wird. In letzterer befindet fich ein ringförmiger Extractor, welcher das ganze Wulftlager enthält und fenkrecht zur Verticalebene zwei gefchlitzte Führungsftangen hat, die in beiderfeitigen Oeffnungen des an den Lauf angelötheten Gehäufes in der Richtung der Laufaxe bewegt werden. Gegen die Enden diefer Stangen wirken Spiralfedern. Das vom Capitän Frattola conftruirte Gewehr wurde vom Erfinder als Geheimnifs behandelt, daher wir auf dasfelbe, über welches wir höchftens Vermuthungen aufftellen könnten, nicht weiter eingehen. Tommafo Toni& Figlio aus Rom ftellten ein Gewehrmodell aus; welches eine Modification des Syftemes Vetterli- Einzellader repräfentirte. Das Oeffnen des Verfchluffes erfolgte ftatt durch Rückwärtsbewegen des Verfchlufskolbens durch Aufwärtsdrehen desfelben, wobei durch Auftreffen der Rückenfläche des Kolbens auf die fchiefe Ebene des Extractors der letztere in Thätigkeit kommt. Eine gleiche Modification des Syftemes Chaffepot( älteres Modell) lag ebenfalls vor. Bei beiden diefer Modelle wäre in der mangelhaften Fixirung des Verfchlufsftückes während des Schuffes ein Hauptnachtheil zu fuchen. Spanien. Von den ſpaniſchen Ordonanz- Handfeuerwaffen( Syftem Remington) als bekannt übergehend, erwähnen wir nur ein von der Fabrica de armas de Escalduna ausgeftelltes modificirtes Remington- Gewehr, deffen Abänderung darin beftand, dafs die Verfchlufsklappe beim Spannen des Hammers fich, ohne eines weiteren Griffes zu bedürfen, gleichzeitig umlegte, wobei der Griffbügel fich rückwärts aus einer Feder auslöfte und um ein an feinem vor deren Ende befindliches Charnier nach abwärts gefchnellt wurde. In Folge diefer mit ziemlicher Vehemenz ftattfindenden Bewegung wird auch der Extractor mit C en me ift as im em k- erLer en ei n, nd er er 야망 gt m oren en er me m te erck if er te e- en als erelas fseng- ag ng e- le ar, es bei Dr. Cer nit Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 23 einer gewiffen Schnelligkeit aus feinem Lager gezogen, und damit ein befferes Auswerfen der ausgefchoffenen Patronenhülfe erzielt. Das Zurückdrücken des Griffbügels vermittelte das Schliefsen der Verfchlufsklappe. In der Ausftellung des Mufeo de Artilleria befand fich ferner ein fehr fchön ausgeftattetes Hinterladungs- Gewehr aus dem Jahre 1739, angefertigt von Gabriel Algora, Büchfenmacher in Madrid, von welchem wir, wenngleich es keine kriegsmäfsige Feuerwaffe war, doch aus dem Grunde Notiz nehmen, weil der Erfinder diefes Gewehres fchon die Nothwendigkeit einer gasdichten Patrone erkannt, und eine folche in einer principiell der jetzigen Metallpatrone fehr nahe kommenden Weife zu realifiren verfucht hat. Das Gewehr befitzt ein Feuerftein- Schlofs. Der Lauf läfst fich wie bei den Lefaucheux- und LancaſterJagdgewehren um ein vor dem Griffbügel befindliches Charnier nach abwärts drehen, worauf eine circa fünf Zoll lange eiferne, genau in den Lauf paffende Ladekammer mittelft der an derfelben befindlichen Pfanne herausgenommen wird. Diefe Kammer kann nun entweder mit ledigem Pulver und Blei oder auch mit einer vorbereiteten Papierpatrone geladen werden, worauf fie wieder in den Lauf gefteckt und das Gewehr gefchloffen wird. Amerika. In wahrhaft prachtvoller Auswahl hatte E. Remington Gewehre feines Syftemes, und zwar nach den in Amerika für die Landtruppen und die Marine eingeführten, dann nach dem dänifchen, fchwediſchen, fpanifchen und egyptifchen Modelle ausgeftellt, und damit die weite Verbreitung diefes als Kriegswaffe ausgezeichneten Gewehres dargethan. Aufser den bekannten Syftemen von Peabody, Colt und Berdan fah man in der amerikaniſchen Abtheilung: Springfield- Gewehre für die Transformirung mit einer Art Wänzl- Verfchlufs, alle Stadien der Schäftung und der Erzeugung der einzelnen Gewehrbeftandtheile, verbefferte Sharpe's Gewehre und Karabiner mit Blockverfchlufs, bei welchen die verticale Bewegung des Letzteren durch die Drehung des Griffbügels gefchieht, Ward- Burton'fche Selbftfpanner mit Kolbenverfchlufs, deffen Feftftellung durch eine getheilte Schraube ermöglicht wird, endlich Laidley- Gewehre, welche eine Modification des Remington'fchen Syftemes find und auch fchon auf der letzten Parifer Ausftellung vorhanden waren. Die Metallpatronen der Union cartridge company gaben Zeugnifs von der hohen Stufe der Vollkommenheit, auf welcher fich diefer Fabricationszweig in Amerika befindet. Wenn wir jedoch das Facit auch der amerikanifchen Kriegswaffen- Expofition ziehen, fo lautet dasfelbe wie bei den meiften anderen Staaten nur dahin: Fabrication auf der Höhe der technifchen und militärifchen Anforderungen ftehend, das Vorgeführte aber durchgehends bekannt; auch in Bezug der Repetirwaffen, welche doch in Amerika zur Zeit des Seceffionskrieges ziemlich rafch lebensfähig geworden waren, auf der Ausftellung kein Fortfchritt bemerkbar. Es fcheint uns aber hier die Stelle, eines zur letzterwähnten Waffengattung zählenden Gewehres Erwähnung zu thun, welches zur Zeit der Ausstellung, jedoch nicht als ein für diefelbe beftimmtes Object von dem amerikaniſchen Capitän Meigs nach Wien gebracht und hier mehrfachen Proben unterzogen wurde. Diefes Gewehr gehört in die Claffe jener Repetirwaffen, welche das Magazin im Kolben haben. Letzterer vermag in Folge feiner eigenthümlichen Einrichtung einen mit 50 Patronen gefüllten eifernen Cylinder aufzunehmen, aus welchem die Patronen durch einen einfachen Mechanismus in den Lauf gebracht werden. Nähere Andeutungen über diefen Mechanismus zu geben, geftattet uns die Rückficht auf das geiftige Eigenthum des Capitäns Meigs nicht, doch müffen wir conftatiren, dafs der Erfinder zu wiederholtenmalen in Gegenwart von Commiffionen aus Fachmännern das Verfchiefsen fämmtlicher im Kolben befindlicher Patronen in dem Zeitraume von 22 bis 25 Sekunden ausführte. Das Laden, Abfeuern und 24 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Auswerfen der verfchoffenen Patronenhülfen erfolgt blofs durch das Vor- und Rückwärtsführen des Griffbügels. In balliftifcher Beziehung ift das Meigs'fche Gewehr bis jetzt vo keinem Werthe. 21 Um recht viel Patronen in den Ladecylinder bringen zu können, mufste der Erfinder die Patronen fo klein als möglich machen, demzufolge er ein fehr kleines Blei und die geringe Pulverladung von 3 Grammen anwendet. In Bezug auf Trefffähigkeit entspricht fein Gewehr auch auf den kleineren Diftanzen nu mäfsigen, keineswegs aber jenen hochgefpannten Anforderungen, welche heut Tage an ein Kriegsgewehr geftellt werden. Die Urfache hievon ift vornehmlic in dem Umftande zu fuchen, dafs Capitän Meigs vor Allem dem Verfchlufs- und Repetirmechanismus feine Aufmerkfamkeit zuwandte und diefen auf den höchfte Grad der Vollkommenheit zu bringen trachtete. Es liegt auch dem Repetitionswerk ein gefunder Gedanke zu Grunde, und könnte Meigs, wenn er fich mit einen erfahrenen Waffentechniker verbindet, unzweifelhaft feine bis jetzt noch im erfter Stadium befindliche Erfindung in kurzer Zeit zu einer wirklich brauchbaren, dam aber auch furchtbaren Waffe herausbilden. Feld- und Gebirgsartillerie, Feftungs-, Schiffs- und Küftengefchütze Oefterreich. Das öfterreichifche Reichs- Kriegsminifterium hat fich au principiellen Gründen an der Ausftellung nicht betheiligt. Mit fpecieller Einwilli gung des Minifteriums ift aber dennoch ein Object ausfchliefslich militärifcher Charakters zur Expofition gelangt, das als eminent eigene Schaffung feiner Or gane angefehen werden darf. Es ift diefs die von der Mafchinen- und Waggon fabrik in Simmering exhibirte eiferne Kafemattlaffete. Diefelbe hat mi beigetragen, der genannten Firma die Forfchrittsmedaille zu erwerben, obwoh Entwurf und Detail conftruction vom Oberlieutenant Julius Kotrtfch des tech nifchen und adminiftrativen Militärcomité herrühren. Diefe Laffete hatte fich be ihrer Experimentirung in dem Mafse bewährt, dafs fie im heurigen Sommer den öfterreichifchen Artilleriemateriale einverleibt wurde. Sie beſteht aus zwe Schilden a, Fig. 5, aus Flacheifen gefchweifst, von dreifeitig rahmenartiger Form Fig. 5. welche oben die Schildpfannen und unten Ach lager haben, dann aus einem liegend angeordneter gewalzten I- Träger bals Laffetenkörper. Diefe hat die Richtung eines gewöhnlichen Laffeter fchwanzes, an welchen die beiden Schilde recht und links derart angefchloffen erfcheinen, da die vorderen Dreieckfeiten ihrer Rahmenform ve tical und die diefen gegenüber liegenden Dreied fpitzen an der Längenmitte des Laffetenkörper a ४ שד C C - und t von ufste fehr Bezu n nu eut z mlic - und chfter werke einen erfte dan itze h aus willi fcher er Or go at mi wol tech h be den Zwe Form Ach Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 25 ruhen. Dem hinteren Ende des letzteren ift durch einen unten angefchraubten Holzklotz eine Art Protzftock- Form gegeben. Die Richtmafchine ift auf dem horizontal liegenden Hauptnerv des Trägers 6 aufgefchraubt, und befteht aus einer hohen, fixen, broncenen Mutter und einer darin mittelft Handkreuz bewegbaren Richt- Schraube. Der Hauptträger und ein die Schilde verbindender Querbolzen haben runde Durchläffe von etwa 80 Millimeter Durchmeffer. Diefe werden durch einen Leitbalken c paffirt, der vorne ein Reihloch befitzt und hinten eine Puffervorrichtung fträgt. Die Laffete wird auf einer Bettung gebraucht, welche aus fünf Querrippenhölzern und fechs Pfoften befteht; letztere liegen in der Rücklaufrichtung und werden auf die Querrippen- Hölzer mit langen Holzfchrauben und vorne noch dadurch niedergehalten, dafs ein gufseiferner Reihklotz auf den mittleren Pfoften aufgefetzt und mit zwei ftarken Schraubenbolzen durch den Pfoftenbelag hindurch an das vordere Querrippenholz angezogen ift. Der ftarke Reihnageld vereinigt endlich den erwähnten Leitbalken mit dem Reihklotze e. Beim Schuffe fpielt die Laffete genau längs des Leitbalkens zurück, nachdem fie, wie erwähnt, von diefem an zwei Punkten geführt ift, und gelangt dann an den Puffer; fie trägt zur entſprechenden Anlehnung an letzteren am Durchlaffe des I- Trägers einen paffend geformten Anfchlag. Der Leitbalken ift ein gewöhnliches fchmiedeifernes Wafferleitungsrohr, welches an feinem vorderen Ende ein Reihloch- Stück und hinten die Puffervorrichtung f eingefchraubt enthält; letztere ift jenen Kautfchukpuffern gleich, wie fie im Eifenbahnfache für Zughaken gebräuchlich find. Damit fich die Bettung vorne im Momente der Pufferwirkung nicht hebe, ift fie durch zwei in Canäle der Kafemattmauer eingefchobene Holzftücke niedergeftützt. nete 1 Diefe Heter recht - dal m ve eied rper Das Pufferende des Leitrohres dient endlich auch als Richthebel für Seitenrichtung. Die Laffetenachfe trägt zwei niedere, gufseiferne Rollräder mit Handfpeichen- Löchern am Umfange. Das Gefchütz läfst fich mit Handfpeichen durch zwei Mann leicht zurückführen, und durch drei Mann mittelft directen Angriffes, alfo ohne alle Hilfsmittel in einem Zuge nach vorne fchieben. Die befprochene Laffete gehört für Gefchütze zur Grabenbeftreichung; fie erinnert in ihrer allgemeinen Geftalt wohl an eine franzöfifche Conftruction, ift von diefer jedoch in der Detailanordnung fo differirend, dafs fie als vollſtändig neue Conception angefehen werden mufs. Insbefondere eigenthümlich ift die einfache Anordnung ihres Laffetenblockes, die neue und fehr correcte Anordnung des Leitrohres fammt Puffer, endlich die einfache und gelungene Bettungsconftruction. Der horizontale Drehpunkt des Gefchützes ift in Folge der letzteren der Bruftmauer bis auf 100 Millimeter nahegerückt. Das Rohr reicht weiter als mit feiner halben Länge in die Scharte, und ift der Beftreichungswinkel bei alledem mehr als ausreichend. Der hinterfte Punkt des rückgefpielten Gefchützes fteht nicht ganz drei Meter von der Bruft ab. Die Laffete ift endlich trotz des bedeutenden Gefchützkalibers( 15 Centimeter) fo compendiös, dafs die zur Aufftellung und Bedienung nöthige Räumlichkeit blofs 9 Fufs Breite und bei 3 Fufs rückwärtiger Communication 12 Fufs Tiefe erfordert. Sie ergab beim Verfuche eine Feuerfchnelligkeit von 30 Secunden per Schufs. Die Feuerhöhe der Laffete beträgt 1063 Millimeter. In der öfterreichifchen Abtheilung hatte ferner noch die Waffenfabrik in Steyr ein Exemplar der in der k. k. Armee eingeführten Mitrailleufe und in der ungarischen Abtheilung das königlich ungarifche Landesverthei 26 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. digungs- Minifterium ein Exemplar der für die Honvéds gehörigen, G. Siglin Wien erzeugten Mitrailleufen ausgeftellt. VO Beide Gefchützgattungen gehören dem Syftem Montigny an, und unter fcheiden fich blofs in einigen Nebenfächlichkeiten von einander. Da der Ausftellungsbericht unter Anderem auch dazu dienen foll, in fpäteren Tagen jenes Stadium der Ausbildung der vorzüglichften Waffen feftfteller zu können, wie diefes die Ausftellung gezeigt hat, fo erachten wir für nöthig, das Princip der Montigny- Mitrailleufe überhaupt, und die Einrichtung des bezüglicher öfterreichifchen Gefchützes insbefondere hier in Kürze klar zu legen, zumal das felbe in authentifcher publiciftifcher Form noch nirgends befprochen worden if Die Mitrailleufe Montigny befteht der Wefenheit nach aus einem Bündel parallel und fymmetriſch gelagerter, mit einer kanonenähnlichen Hülfe umge bener Gewehrläufe und aus einem Lade- und Abfeuerungsmechanismus, welcher mit Hilfe einer eigenen Ladeplatte das gleichzeitige Laden aller Läufe und das fucceffive Abfeuern derfelben geftattet. Diefe Waffe hat eine dem Kartätfchfchuffe ähnliche, und da fie laffetirt if auch eine das Infanteriegewehr an Trefffähigkeit überfteigende Feuerwirkung Die öfterreichifche Mitrailleufe befitzt 37 Gufsftahl- Läufe von der näm lichen inneren Einrichtung, wie die Läufe des Werndlgewehres. Die broncent Hülfe befitzt ungefähr in der Mitte eine ringförmige Verſtärkung mit einem vertical nach abwärts reichenden cylindrifchen Zapfen, mittelft deffen das Rohrbündel in der Laffete gehalten wird. Am rückwärtigen Ende der Hülfe ift die Verfchlufsgabel aufgefchraubt; zwifchen den verticalen Wänden derfelben befindet fich der Verfchlufsmechanismus, welcher der Hauptfache nach aus dem Verfchlufscylinder einer Zündstift- und Abzugsplatte, 37 Schlägern und ebenfo viel Zündftiften beſteht. Der Verfchlufscylinder enthält 37 zu feiner Axe parallele cylindrifche Löcher für die Aufnahme der Schläger. Letztere haben eine cylindrifche Geſtalt und nahe der Mitte eine fcheibenförmige Verſtärkung; ihr vorderer Theil if conifch und endet in einen Kopf mit flach gewölbter Stirne. Der rückwärtige, etwas verjüngte Theil fteckt in einer Spiralfeder, welche in gefpanntem Zuftande eine Expanfionskraft von 15 bis 16 Pfund befitzt, mit der auch der Schläger vor wärts gefchleudert wird. Auf dem Verfchlufscylinder ift die Kolbenplatte auf gefchraubt, an welcher der zum Zurück- und Vorführen des Gehäuſes beſtimmte Hebel befeftigt ift. Die Zündftift- Platte dient hauptfächlich als Lager für die Zündftifte und enthält demgemäfs gleichfalls 37 conifche Durchbohrungen. Die Abzugsplatte bildet das Mittelglied zwifchen dem Verfchlufs- und Abfeuerungsmechanismus und fteht mit dem Abzughebel, welcher auf und nieder bewegt wird, in Verbindung. Um das Abfeuern Lauf für Lauf möglich zu machen, ift die obere Kante diefer Platte mit fechs, gegen die vordere Fläche derfelben abgefchrägten Stufen verfehen. Das Laden der Mitrailleufe wird mittelft Ladeplatten bewirkt. Diefelben find aus Stahl erzeugt, mit Schubleiften, einer Handhabe und zur Aufnahme von Patronen mit 37 Durchbohrungen verfehen. Der Abzugsmechanismus ift, wie der Sperrhebel, ein gegliederter Winkelhebel und derart äquilibrirt, dafs er die mit ihm verbundene, im Verfchlufs gehäufe befindliche Abzugplatte ftets oben erhält. Die Wirkungsweife des Abfeuerungsmechanismus wird aus Folgendem klar werden: Wird der Verfchlus vorgedrückt, fo werden die Schläger durch die vorliegende Abzugplatte in ihre Lager zurückgefchoben und die Spiralfedern hiedurch gefpannt. Bewegt man den Abzughebel aus der horizontalen Lage nach aufwärts, fo wird die Abzugplatte nach abwärts gezogen, worauf die gefpannten Schläger einzeln frei werden, die Zündftifte gegen die Patronen fchnellen und diefe entzünden. Es kann fomit mit einem Hebelzug die ganze Ladeplatte mit 37 Patronen - - abgefeuert werden VO nter 1, in ellen das che das n ift inem mge lche 1 das rt ift ung näm cene rtical el in abel der nder Lifte ifche eftalt il if rtige ande Vor auf mmte = und latte sund ung ante tufen lben Von erter lufs des hlufs ihre den latte die mit -den Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 27 Der Streuungsmechanismus, welcher den Zweck hat, dem Rohre bei Abgabe einer Salve eine feitliche Bewegung zu ertheilen, in Folge deren das Ziel der Breite nach beftrichen wird, fteht fowohl mit dem Abzugshebel, als auch mit der Laffete in Verbindung, und ift derart eingerichtet, dafs durch die Drehung einer Schraube das Rohrbündel während des Feuers entweder unverrückt bleibt oder fich um ein gewiffes Mafs um feinen verticalen Zapfen dreht. Die gröfste Streuung beträgt auf 300 Schritt 15 Klafter, kann jedoch mit Hilfe einer an der Streuvorrichtung angebrachten Scala zwifchen Null und der eben angegebenen Grenze beliebig regulirt werden. Die beabfichtigte Streuung während der Abgabe einer Salve wird ftets fo bewirkt, dafs die Axe des Streuungskegels in die Mittelebene der Laffete fällt. Damit die Schläger erft dann zur Thätigkeit gelangen, wenn das Ver fchlufsgehäufe mit der eingefchobenen Ladeplatte an der rückwärtigen Fläche des Laufbündels anliegt, ift der Abzughebel mit einer Sperrvorrichtung in Verbindung gebracht, welche den befagten Zweck präcife erfüllt. Zum Richten dient ein am Rohrkopf- Ringe befeftigtes Vifirkorn und ein Rahmenauffatz, deffen Diftanzfcala bis 1600 Schritt reicht. Ein Deckel mit Kautfchukadjuftirung ift zum Schutze der Mündungen am Rohre angefchnallt. Das Schiefsgeftell der Mitrailleufe bildet eine hölzerne, mit eiferner Achfe und den Rädern des 4- Pfünders verfehene Laffe te mit parallelen Wänden. Das Rohrbündel ruht mit feinem verticalen Zapfen in einem eifernen Lager, deffen Schildzapfen in den Laffetenlagern eingelegt find. Der Deckel des Laffetenkaftens kann als Sitz benützt werden. Die Richtmafchine ift der bei den öfterreichifchen Feldgefchützen eingeführten nachgebildet, mit dem einzigen Unterfchiede, dafs die SchneckenradMutter fammt der Richtfchraube fich in einem eifernen Gehäufe befindet, durch welches überdiefs die Kurbelwelle geht. Auf der Achfe, zwifchen den Rädern und der Laffete befinden fich zwei in je zehn Fächer eingetheilte Käften für je zehn geladene Ladeplatten. Ein unter den Laffetenwänden befeftigtes Netz aus Eifendraht dient zur Aufnahme der abgefeuerten Ladeplatten bei fehr fchnellem Schiefsen. Die Seitenrichtung wird mit einem Richtbaume gegeben. Eine gewöhnliche 4- pfündige Protze, jedoch ohne Reihfchiene, bildet das Vordergeftell. Der Protzkaften, deffen Rückwand zum Oeffnen eingerichtet ift, dient zur Aufnahme von vier Einfatzkäften, deren jeder acht gefüllte Ladeplatten enthält. Es befinden fich demnach beim Gefchütz 20+ 32= 52 geladene Patronenplatten, das ift 1924 Schufs. Der Munitionswagen, ein adaptirter 4- pfündiger, hat auf der rechten Tragwand eine fehr einfach eingerichtete Hülfenausftofs- Vorrichtung, mittelft deren die ausgefchoffenen Patronenhülfen aus den Ladeplatten entfernt werden. Im Kaften werden neun gepackte Gewehrpatronenund ein Requifitenverfchlag untergebracht. Die Wagenprotze ift der Gefchützprotze gleich. Die Munition der Mitrailleufe beſteht in fcharfen und blinden Patronen, welch' beide den beim Werndlgewehre eingeführten gleich find. Zur Bedienung eines Gefchützes find fieben Mann defignirt, von denen vier auf dem Protzkaften und drei auf dem Munitionswagen fortgebracht werden. Sowohl die Mitrailleufe als der Wagen werden mit je vier Pferden befpannt. Die Mitrailleufe der Honvèds unterfcheidet fich von jener der gemeinfamen Armee nur dadurch, dafs die Laufbündel- Hülfe und die Verfchlufsgabel aus Eifen find, dafs fie eine andere Streuvorrichtung befitzt, und gleichwie die belgifche fiebenläufige Mitrailleufe mit einer ftählernen Blende verfehen ift. 28 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Was die balliftifche Leiftungsfähigkeit diefer Gefchütze von Kaliber II Millimeter betrifft, fo wollen wir hier nur erwähnen, dafs zehn bis zwöl Ladeplatten à 37 Schufs, mit 370 bis 444 Schufs per Minute abgegeben werden können. Maximaldiftanz 15- bis 1600 Schritt. Hinfichtlich der Kriegsbrauchbarkeit der Mitrailleufen beziehen wir uns auf das in der Einleitung Gefagte; wir glauben, dafs weder die Manövri fähigkeit der fraglichen Gefchütze bis zu einer gewiffen Grenze, noch deren entfprechende Wirkungsfähigkeit, eine gute Munition, gefchulte Bedienung und richtige Führung natürlich vorausgefetzt, für beſtimmte Fälle der heutigen Krieg führung angezweifelt werden darf. Doch aber dürften fie fich beffer für die Defen five als für die Offenfive eignen, und im Feftungskriege eine hervorragendere Rolle als im Feldkriege fpielen. Deutfches Reich. Friedrich Krupp Gufsftahlfabrik in Effen Krupp hatte aufser Mufter feines Eiſenbahn- und Schiffsmafchinen- Materials eine umfaffende Sammlung von Gefchützen nach Wien gefendet, ein fyftematiſch geord netes Ganzes, wie es von keinem der übrigen Ausfteller in diefer Branche hie vorhanden war.* Dreizehn Gefchütze, vom kleinften bis zum gröfsten der gegenwärtig im Gebrauche befindlichen Kaliber fammt Laffeten, Rahmen und Munition, über fichtlich geordnet, gaben ein Bild von dem grofsartigen Fortfchritte der Neuzeit in der Gefchützerzeugung. wie es inftructiver kaum gedacht werden konnte. Das zu Anfang der fechziger Jahre immer gefteigerter hervortretende Bedürfnifs nach widerftandsfähigen Gefchützen grofsen Kalibers für die Armirung der Kriegsfchiffe und Küftenplätze hatte dem Etabliffement Krupp's einen Induftrie zweig von grofser Bedeutung eröffnet. Bis zu welch' hohem Grade der Vollendung derfelbe gebracht werden könne, hat Krupp bereits auf der Parifer Ausftellung 1867 durch den bekannten 1000- Pfünder dargethan. Seither ift die Fabrik unermüdlich in ihren Beftrebungen gewefen, und hat nicht nur eine immenfe Lieferungsfähigkeit bewiefen, fondern, was Neuconftructionen betrifft, auch a Laffetirungen fehr Werthvolles gefchaffen. Der riefige Auffchwung der Effener Kanonenfabrication wird am befter dadurch illuftrirt, dafs die Krupp'fchen Gefchütze, welche auf der letzten Parifer Ausftellung gewiffermafṣen nur als Individuen erfchienen waren, in Wien fchon ein fertiges Syftem repräfentirten. Nicht minder bedeutend zeigte fich der Fortfchritt im Baue der Laffeten, da die englifchen, ehedem unübertrefflichen Laffeten fowohl in Bezug auf Neuheit der Idee als auch hinfichtlich der Ausführung durch die Krupp'fchen Conftructionen bereits überflügelt worden find. Zum Kanonengufs wird in Effen eine zu diefem Zwecke befonders geeignete Gattung Tiegelgufs- Stahl verwendet. Sobald der Stahl den geforderten heifs * Das Etabliffement, welches im Jahre 1810 durch Friedrich Krupp errichtet wurde bedeckt heute einen Flächenraum von über 400 Hektaren, und befchäftigt über 12.000 eigene Arbeiter und 2000 verfchiedene Bau- Unternehmer; in der Hütten- und Grubenverwaltung ftehen aufserdem noch 5000 Arbeiter in Lohn. Die Zahl der Beamten beträgt 739. Im Jahre 1872 betrug das Quantum des durch Gufs producirten Stahles 135 Milliones Kilogramm. Mit Schlufs des letzten Jahres waren vorhanden: 920 Oefen verfchiedener Conftruction, 275 Coaksöfen, 221 Schmiede- Effen, 307 Dampfkeffe ( mit einer Gefammt- Heizfläche von circa 16.000 Quadratmeter), 71 Dampfhämmer mit 2- bis 1000 Centner Gewicht, 286 Dampfmafchinen von 2 Pferdekräften angefangen bis zu 500 800 und 1000. Der Kohlen- und Coaksverbrauch erreichte die jährliche Quantität von 500, refpec tive 125 Millionen Kilogramm. Die Bergwerks- Verwaltung umfafst 414 Eifenftein- Gruben mit einem Grubenfelde von mehr als 2 Millionen Quadratmeter. Die Hüttenverwaltung umfafst 5 Hütten mit 11 Hochöfen, eine Coakerei mit 140 im Betriebe und 120 Oefen im Bau. Oefen Die Production der Hütten beträgt per Monat nahezu 12 Millionen Kilogramm Roheifen. Vom zwölf erden iehen Svrir Here gund rieg efen ndere ffen = eine eord hier ärtig über euzeit Cende irung ftrie dung llung abrik menfe th an efte arifer n ein chrit wohl h die gnete heifs vurde eigent altung iones keffel 2- bis 1500 efpec felde Defen ram Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewe.en. 29 flüffigen Zuſtand erlangt hat, werden auf Commando des Gufsleiters die Tiegel aus den Schmelzöfen gehoben und in die zu einem gemeinfchaftlichen Refervoir führenden Zuleitungsrinnen entleert, von wo aus das Metall in einem continuirlichen Strome der Form zufliefst. Nach dem Erftarren des Gufsftückes hebt man es mittelft eines Krahnes aus der Grube und bedeckt dasfelbe, falls es nicht gleich unter den Hammer kommt, mit Kohlenftaub, der darauf fortbrennt und mehrere. Wochen hindurch erneuert wird. Bevor man den Ingot der eigentlichen Hammerarbeit unterzieht, mufs er zuerft im Reverberir- Ofen erhitzt werden. Ehedem wurde der Rohrkörper in den geforderten Dimenfionen aus dem maffiven Stahlblock gefchmiedet, ohne eine andere Verftärkung am Rohre zu erhalten. Allein die gefteigerten Anfprüche an die Leiftungsfähigkeit fchwerer Gefchütze, fowie die Unzulänglichkeit felbft der grofsartigften technifchen Hilfsmittel, das Durchhämmern fehr grofser Ingots mit Verlässlichkeit zu bewirken, hat auch bei Stahlrohren zur Verwerthung der Vortheile künftlicher Metallconftructionen geführt. Dermalen beftehen die Krup p'fchen Schiffs- und Küft engefchütze aus einer ft arken Kernröhre, auf welche je nach dem Kaliber eine, zwei bis drei Ringlagen mit Preffion aufgefchoben werden. Das Aufziehen diefer gefchmiedeten Stahlringe, deren Verminderung im inneren Durchmeffer zum äufseren Diameter der zu umfpannenden Rohrtheile fowohl theoretifch, als auch praktiſch fehr genau feftgeftellt wird, gefchieht im warmen Zuftande; die Ausübung der Preffion auf die Kernröhre und der innige Anfchlufs der Ringe untereinander erfolgt bei ihrem Erkalten. Sämmtliche Kanonen find für die Hinterladung nach dem preufsifchen( Preffions-) Syftem eingerichtet, und befitzen den Krupp'fchen Rundkeil- Verfchlufs. Nach diefem Principe erzeugte Rohre hat die Effener Fabrik fchon 1867 in Paris exhibirt, und es wiefen daher die bezüglichen Rohrconftructionen auf der Wiener Ausstellung keine wefentlichen Neuerungen auf. Aus der auf Seite 30 folgenden Tabelle find die ausgeftellt gewefenen Gefchütze und zugleich die wichtigften auf diefelben Bezug nehmenden Daten zu entnehmen. Das für die Küftenvertheidigung beftimmte 3012- Centimeter- Gefchütz ift nach demfelben Principe conftruirt, wie das kürzlich in der deutfchen Küftenartillerie eingeführte 28- Centimeter-( 11- Zöller-) Rohr. Die Bohrungsröhre ift von 3 Ringlagen umgeben, und hat das Rohr links und rechts eine Vifirvorrichtung. Die Zündung erfolgt central durch den Verfchlufskeil, der für diefen Zweck mit einem ftählernen Zündlochftollen mit Kupferfutter verfehen ift. Die Krupp'fchen Schiffs- und Küftenlaffeten find im Allgemeinen aus Schmiedeifen hergeftellt; einzelne Theile, wie Achfen, Wellen, Zapfen, die Cylinder- und Kolbenftangen der hydraulifchen Bremfen und die Rahmenrollen der Küftenlaffeten beftehen dagegen aus Gufsftahl. Gufseifen hat nur bei kleinen Rollrädern Anwendung gefunden. Das 30- Centimeter- Rohr lag in einer Küftenlaffete, wie folche Krupp vom 15 Centimeter- Kaliber aufwärts für feine Rohre erzeugt. Diefelben unterfcheiden fich von den für leichtere Rohre gebräuchlichen Räderlaffeten dadurch, dafs zur Erleichterung der Bedienung die eigentliche Oberlaffete, der Rapert, auf einem auf 4 Rollen drehbaren Rahmen ſteht, deffen Pivot dicht hinter der Bruftwehre fich befindet. Der Pivotbock und die Schwenkfchienen( Unterlage der rückwärtigen Rollen) find auf einer foliden Bettung befeftigt. Die Feuerhöhe der Küftenlaffeten ift fo bemeffen, dafs die Rohre noch mit etwa 6 Grad Depreffion über eine Bruftwehre von 1890 Meter fchiefsen können. 30 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. 1 I I Gefchützgattung I Millimeter Kaliber Meter Kilogramm des Rohres Länge Verfchlufs Gewicht fammt Meter Länge der Bohrung Zahl der Züge Gattung Meter Länge des Dralles Gewicht Gefchützladung bei Gemeffene Centimeter 301/2 Kanone in der KüftenLaffete 305 6.7 36.600 5'77 72 Parallelzüge mit gleichförm. Drall 21.79 257 50 460 296 60 465 5650 15.350 28 Haubitze in der KüftenLaffete 280 3'2 10.000 2'52 72 detto II'2 199 20 9220 Kurze 26 Schiffskanone in der BatterieLaffete 260 5'2 18.000 4'42 64 detto 18.2 159 30 450 184 37'5 45° 8756 24 Lange Kanone in der BatterieLaffete für Kafemattfchiffe 235 4 5'23 15.500 4'51 32 Progreffive Keilzüge 16:48 1185 20 424 135 24 43° 7810 21 in der KüftenLaffete 209 2 4'708 10.000 4'106 30 detto 14 23 79 14 43° 95 17 43° 7200 21 Belagerungs- in der RahmenKanone 209 2 Laffete 34 3.900 2'91 30 detto 12'36 79 6.5 300 . . 922 1728 17 in der OberdeckLaffete Lange Kanone 15 in der SchiffsLaffete 172 6 4 259 149 1 3.85 5.600 3.78 48, Parallelzüge mit gleichförm. Drall II 2 45 IO 465 55 I2 460 3490 4.000 3'43 48 Keilzüge 9'7 28 6.5 465 35 8 460 2440 15 Belagerungs- in der RäderKanone 149.1 Laffete 3.44 3.000 3'04 36 ProgreffivKeilzüge 9'7 28 9 47° . . . 1845 I2 Kanone in der SchiffsLaffete 120'3 2'925 1.400 2.602 18 detto 8.42 15'5 3 450 17'5 3'5 450 895 86 FeldKanone 6 Gebirgs91 5 2'04 78.5 I'935 60 I'250 425 1819 16 295 1728 12 107 1'130 18 detto 4'53 6.9 0.6 322 detto Parallelzüge 3.62 4'3 0'5 357 . . . 546 . 2'10 2'31 O'2 00 460 109 . . Langgranate Kilogramm Anfangsgefchwindigkeit Gewicht der gufseifernen der StahlMeter Kilogramm Gefchützladung bei Gemeffene Anfangsgefchwindigkeit der Laffete granate Meter Kilogramm Gewicht des Rahmens mmt fs ung Allgemeine Bewaff nung und Artilleriewefen. 31 Der Rapert befteht aus den beiden Seitenwänden, der vorderen und hinteren Querwand und dem Bodenblech. Die Seitenwände find nur bei den 15- Centimeter- Laffeten aus einfachen Blechen, bei den gröfseren Kalibern aus doppelten, durch einen ringsum laufenden, fchmiedeifernen Nietkranz verbundenen Blechen hergeftellt. An den Seitenwänden ift die Richtmafchine( Fig. 6) zum Nehmen der Höhenrichtung angebracht. Diefelbe ift Fig. 6. lles ung e keit ung e keit Gewicht zu beiden Seiten des Rohres fymmetrisch angeordnet, und befteht je aus dem gezahnten Richtrade g, welches in den am hinteren Ringe des Rohres mittelft des Richtzapfensi( aus Bronce) befeftigten Zahnbogen h eingreift. Der Richtzahn- Bogen wird durch eine an feiner inneren Seite angebrachte Führungsrolle k im Eingriff mit den Zähnen des Richtrades erhalten. Zur Bewegung des Letzteren und fomit des Rohres dient an der linken Seite die Handfpeichen- Scheibe 7, in deren am äufseren Umfang angebrachten Löcher die Richtfpeichen eingefteckt werden können, an der rechten Seite das Griffrad m, welches bei gröfseren Kalibern nicht direct auf der Achfe des Richtrades fteckt, fondern zur Erleichterung der Bewegung mit derfelben durch ein Zahnradvorgelege verbunden ift. Zum Feftftellen des Rohres nach dem Nehmen der Höhenrichtung dient die Bremsmutter n mit zwei Griffen, durch deren Drehung rechts herum man das Richtrad an der Wand des Raperts feftklemmen kann. Zum Zurückholen und zum Ausrennen des Raperts find vier Rollräder angebracht, von denen die hinteren auf exentrifch gelagerten Achfen ftecken und durch Hebel foweit niedergedrückt werden können, dafs das Bodenblech fich vom Rahmen abhebt und auch die vorderen, auf feft gelagerten Achfen fteckenden Rollen zum Tragen kommen. Bei der 15- Centimeter- Küftenlaffete hat jedes Rollenpaar eine gemeinfame Achfe, die in den Seitenwänden gelagert iſt, und auf welcher die Rollen dicht an der Innenfeite des Bleches der Seitenwand laufen. Die hinteren Rollräder treten durch eine in dem Bodenblech angebrachte Oeffnung auf die Rahmenbalken. Der Hebel der hinteren Laffetenrollen, der am Fig.7. ( P Y 32 Guftav Semrad und Johann Sterbenz linken Kopfende der Achfe aufgefteckt ist, wird in ruhender Stellung durch eine an der Seitenwand angebrachte Klinke feftgehalten. Bei den Laffeten der gröfseren Kaliber, von 17 Centimeter an, befinden fich die Rollräder des Raperts zwifchen den beiden Blechen der Seitenwände aufserhalb des Nietkranzes. Jede Rolle hat ihre eigene, in den beiden Wandblechen gelagerte Achfe. Bei Anordung der hinteren Rollräder ift hier auf die Anbringung der felbftthätigen Ausrennvorrichtung Rückficht genommen, welche bei diefen Laffeten nach jedem Schuffe Rapert und Rohr wieder in die Ladeftellung bringt, ohne wie bei den 15- Centimeter- Laffeten, das Einrücken der hinteren Rollräder durch die Mannfchaften zu erfordern. Einen. Haupttheil derfelben bilden zwei Keilfchienen, welche hinter dem Rapert auf dem Rahmenbalken aufgefchraubt find. Auf diefe laufen beim Schuffe die hinteren Rollräder des Raperts auf und werden dadurch allmählig fo weit gehoben, dafs auch die vorderen Rollräder zum Tragen kommen, und nach beendigtem Rücklauf vermöge der Neigung des Rahmens nach vorn das fofortige Ausrennen bewirken. Zur geraden Führung des Raperts beim Rücklauf find unter dem Bodenblech Führungswinkel angebracht und das allzu hohe Auffpringen oder Bocken des Raperts beim Schufs wird durch die unter die Flanfchen der Rahmenbalken greifenden Bodenklammern verhütet. Zur Begrenzung des Vor- und Rücklaufes dienen vorn und hinten auf dem Bodenblech angebrachte Puffereifen, welche gegen die am Rahmen angebrachten Puffer anrennen. Zum Hemmen des Rücklaufes von Rohr und Rapert dient die hydraulifche Bremfe( Fig. 7). Den Haupttheil derfelben bildet der aus Gufsftahl gefchmiedete, gebohrte und abgedrehte Cylinder a, der hinten durch einen aufgefchraubten, gefchloffenen Bodenflanfch b feft gegen die hintere Querverbindung des Rahmens angefchraubt ift, und vorn durch den Cylinderbügel c an einem Querftege desfelben feftgehalten wird. Das vordere Ende des Cylinders ift ebenfalls mit einem aufgefchraubten oberen Flanfch d verfehen, an welchem der Cylinderdeckel e mit Schrauben befeftigt ift. Am Bodenflanfch befindet fich die Verfchlufsfchraubef, welche das Füllloch fchliefst, am Cylinderdeckel der Ablafs hahng. Im Cylinder bewegt fich mit einigem Spielraum der Kolben h, welcher Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 33 mit vier Löchern durchbohrt ift. Die an demfelben befeftigte Kolbenstange i aus Gufsftahl tritt durch den Cylinderdeckel, in welchen fie durch eine mittelft der mit Gewinden verfehenen broncenen Stopfbüchfe k anziehbaren Hanfpackung verdichtet ift, in den Cylinder, und wird vorne durch zwei Muttern mit dem Kolbenstangen- Lager/ verbunden, welches am vorderen Ende des Bodenbleches des Raperts angefchraubt ift. Die Wirkungsweife der hydraulifchen Bremfe ift folgende: Der Cylinder ift bis auf ein gewiffes, darin verbleibendes Luftquantum mit Glycerin gefüllt, welchem vor Waffer defshalb der Vorzug gegeben wurde, weil es weder dem Gefrieren, noch dem Verdunften ausgefetzt ift. Beim Rücklauf drückt der Rapert mittelft des Kolbenftangen- Lagers und der Kolbenftange den Kolben, welcher vorn dicht hinter dem Cylinderdeckel fteht, tiefer in den Cylinder hinein, fo dafs fich die ausweichende Flüffigkeit mit grofser Gefchwindigkeit durch die Löcher des Kolbens preffen mufs. Hiedurch wird allmälig der Rapert zum Stehen gebracht. Der beim Beginn des Rücklaufes die wirkenden Theile treffende Stofs wird durch die gleichfam als elaftifches Kiffen dienende Luft des Cylinders wefentlich gemildert. Da der Widerftand der Flüffigkeit bei geringer Gefchwindigkeit des Kolbens fehr klein ift, fo fetzt die hydraulifche Bremfe dem langfam erfolgenden Vorlaufen kein Hindernifs entgegen. Der Rahmen befteht im Wefentlichen aus zwei Rahmenbalken, die aus Blech- und Winkeleifen mit vorderer und hinterer Querverbindung hergeſtellt find; er ruht auf zwei Paar gufsftählernen Rollenrädern, deren Achfen in ftarken fchmiedeifernen Lagern befeftigt find. Die Lauffläche der hinteren Rollräder ift mit einer Anzahl radialer Einbohrungen verfehen, in welche Handfpeichen eingefteckt werden können, um die Rollen zu drehen und dadurch Seitenrichtung zu nehmen. Zum Zurückbringen( oder Einholen) des Raperts dient die Tauwinde. Diefelbe befteht aus einer Kneiffcheibe q( Fig. 8), in deren V- förmigem Rande Fig. 8. GO fich das Windetau feftklemmt, und welche durch eine Kurbel mittelft Zahnrad und Getriebe in Umdrehung verfetzt werden kann. Bei fehr fchweren Gefchützen ift zwifchen Kurbel und Kneiffcheibe ein doppeltes Zahnradvorgelege vorhanden. Alle diefe Theile find an einem Lagerarm r angebracht, der unten mit einem Zapfen in das entfprechend geftaltete Loch des am hinteren Ende der Rahmenbalken an jeder Seite befindlichen Windekaftens s eingefteckt werden. kann. Zum Einholen wird an jeder Seite das eine Ende des Windetaues mit einem Haken in das Seitenauge der Raperts eingehängt und das andere um die 3* 34 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Kneiffcheibe gefchlungen und ftraff angezogen, worauf man durch Drehen der Kurbel das Tau und den Rapert in Bewegung fetzt. Der Gefchofskrahn befteht aus einer gebogenen fchmiedeifernen Säule, welche an der rechten Rahmenfeite drehbar gelagert ift. Am Fufsende derfelben ift eine Tauwinde angebracht, deren Trommel durch eine Kurbel mit Zahnrad- Vorgelege bewegt wird, und deren Tau über die Krahnfäule fo geleitet ift, dafs es fich beim Drehen derfelben weder verlängert noch verkürzt, und daher die Bewegung des Krahnes nach keiner Richtung hin erfchwert. Die Gefchoffe werden in fahrbaren Gefchofstragen neben den Krahn gebracht und von demfelben bis zur hinteren Rohrmündung gehoben. Bei den Küftenlaffeten der Rohre von 21 Centimeter Kaliber an ift zum Nehmen der Seitenrichtung die Kettenwinde angebracht. Diefelbe wird mit dem hinteren Ende des Rahmens verbunden durch das demfelben feft angefchraubte Kettenwinden- Geftell, conftruirt aus Blechen und Winkeleifen, in welchem alle beweglichen Theile gelagert find. Der wich tigfte derfelben ift die gezahnte Kettenfcheibet( Fig. 9), in deren Umfang Fig. 9. die an der Bettung mit ihren Enden befeftigte Kette eingelegt und durch eine Anzahl von Zähnen, welche feitlich zwifchen die Glieder greifen, feftgehalten wird. Ein Paar an jeder Seite angebrachter horizontaler und verticaler Führungsrollen w und u² dient dazu, die Kette bei der Bewegung ftets gerade und gleichmässig auf die Kettenfcheibe zu leiten. Wird nun letztere durch Umdrehung der Kurbel welche mit derfelben durch Zahnrad und Getriebe in Verbindung fteht, in Bewe gung gefetzt, fo windet fich die Kettenfcheibe an der feften Kette fort, wodurch dem Rahmen eine genaue, leichte und genügend rafche Seitenrichtung ertheilt wird. Für den Fall eines Kettenbruches dienen Taljen nnd Handfpeichen als Referve. Am vorderen Rahmenende ift mittelft eines horizontalen Bolzens eine Pivotklappe angebracht, welche den Rahmen mit dem in einem gufseifernen Pivot bock fteckenden Pivotbolzen verbindet. Die Fufsplatte des Pivotbockes ift fo nder rnen ende mit eitet und rahn zum das chen wich fang Allgemeine Bewaffnung und Artillerieweien. 35 breit gehalten, dafs die vordere Bogenfchiene noch darauf angebracht ift; die hintere Bogenfchiene wird auf der Bettung befeftigt. Beide Schienen find aus Stahl hergestellt und haben eine abgerundete Lauffläche, über welche die Flanfchen der Rollräder greifen, um den Rückftofs direct auf die Bettung zu übertragen und das Pivot theilweife zu entlaften. Nachdem wir im Vorigen die Einrichtungen der Krupp'fchen Küftenlaffeten befchrieben, haben wir bezüglich jener des 3012- Centimeter- Gefchützes nur noch zu bemerken, dafs fie zum Feuern über Erdbruftwehren von 19 Meter Höhe beſtimmt ift, und eine Lagerhöhe von 2.380 Meter hat. Die Einrichtungen der Laffete fammt Rahmen fichern dem Gefchütze eine im Verhältniffe zu feinem Gewichte fehr leichte und fchnelle Bedienung. An Gefchoffen find für die 301- Centimeter- Kanone Stahl-, Hartgufs- und Langgranaten in Ausficht genommen. Die Gewichtsunterfchiede derfelben find folgende: Stahlgranate Hartgufsgranate Langgranate Kilogramm Gewicht des Kernes . 267.3 278.0 219.2 Bleimantels وو " " der Sprengladung .. 21-7 7 21 7 23 3.3 14.8 " des geladenen Gefchoffes 296 303 257 Die Maximal- Gefchutzladung wurde mit 60 Kilogramm prismatifchen Pulvers von der Dichte 17 bis 176 angenommen. Die Kartufchen find allongirt, und enthält eine 1421 bis 1425 Prismen in 33 Schichten, wovon in 32 Schichten je 44, in einer Schichte 16 bis 17 Prismen gelagert werden. Im Monate Auguft vorigen Jahres wurden auf dem Schiefsplatze der Fabrik mit einem dem ausgeftellten ganz gleichen 30 1/ 2- Centimeter Rohre 25 Schufs zur Ermittlung der anzuwendenden Pulverladung und zur Erprobung der Widerstandsfähigkeit des Rohrmaterials und der Functionirung der Abfchlufsvorrichtung mit den Ladungen von 40, 50, 60 und 65 Kilogramm und 301 Kilogramm fchweren gufseifernen Vollgefchoffen mit dünnen Bleimänteln abgegeben, wobei GefchofsAnfangsgefchwindigkeiten und Gasfpannungen ermittelt wurden; erftere mit dem Le Boulengé- Apparate gemeffen, ergaben bei den obigen Ladungen auf 35 Meter vor der Mündung 353 3, 403'5, 440 5 und 460 7 Meter, während letztere, mit dem Rodman'fchen Apparate gemeffen, im Mittel 1266, 1980, 2120 und 2890 Atmofphären betrugen. Im Februar 1873 fanden in Gegenwart von öfterreichifchen und preufsifchen Artillerie- Officieren ausgedehntere Verfuche ftatt, bei welchen im Ganzen 207 Schufs, und zwar: 5 Schufs mit 20 Kilogramm eine ird. gemacht wurden. nu' auf -bel we urch meilt als eine vot t fo I " 29 40 "" I " " 200 27 5° 60 " " " Am erften und letzten Verfuchstage wurden Anfangsgefchwindigkeiten gemeffen, wobei mit der Ladung von 60 Kilogramm 455.8 Meter, beziehungsweife 4617 Meter erhalten wurden. Die diefen Gefchwindigkeiten entfprechende Kraft liefs die Schlufsfolgerung zu, dafs das 302- CentimeterGefchütz auf einer 14 Zoll dicken Panzerplatte denfelben Effect leiften würde, als das 28- Centimeter- Gefchütz gegen eine 12 zöllige Platte. Was die Gasfpannungen betrifft, fo war an einem Verfuchstage die mittlere Gasfpannung 2355 Atmoſphären; die gröfste beobachtete Spannung etrug 3330 Atmoſphären, was von der dem Krupp'fchen Stahle zukommenden Elafticitätsgrenze von 4000 Atmoſphären noch bedeutend abweicht. 36 Die Unterfuchung des Rohres nach Beendigung des Verfuches ergab mit Ausnahme einiger leichten Ausbrennungen am oberen Theile des Gefchofslagers, die jedoch für die fernere Brauchbarkeit des Rohres von keiner Bedeutung waren, keinerlei Befchädigungen. Für, fämmtliche aus dem Rohreabgegebene Schüffe hat blofs ein Verfchlufsapparat gedient, Guftav Semrad und Johann Sterbenz Fig. 10. welcher ftets in fehr befriedigender Weife functionirt hatte; ebenfo war blofs ein Abfchlufsring benützt worden, der nie verfagte. Auch die Laffe te hatte fich während der ganzen Verfuchsperiode fehr gut bewährt. Der Rücklauf der Laffete auf dem unter 4º geneigten Rahmen beträgt ungefähr 15 Meter bei der Maximalladung von 60 Kilogramm. Der Cylinder der hydraulifchen Bremfe wurde mit 70 Liter Glycerin gefüllt; derfelbe fafst im Maximum 74 Liter. Aus Vorftehendem erhellt, dafs das 302- Centimeter- Gefchütz, foweit die bisherigen Verfuche eine Beurtheilung zulaffen, vollkommen entfprochen hat; die eigentliche Leiftungsfähigkeit und Verwendbarkeit desfelben wird erft nach den in Ausficht genommenen, weiteren Verfuchen zur Erprobung der Tragweite und Schufsrichtigkeit conftatirt werden können. Das der 302- Centimeter- Kanone an Kaliber am nächften kommende Object der Krupp'fchen Expofition war die 28- Centimeter- HinterladungsHaubitze,( Mörfer) das gröfste der bis jetzt exiftirenden Gefchütze diefer Art. Die Figur 10 veranfchaulicht diefe Haubitze in der Aufftellung auf dem Rahmen.* * Durch die Copiatur der betreffenden Zeichnung mittelft Photographie gefchah es, das das auf diefem Wege erhaltene pofitive Bild dem Xylographen ausgefolgt wurde, welcher nu Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 37 Um den Werth folcher Wurfgefchütze zu kennzeichnen, darf nur auf deren ganz aufserordentliche Treffficherheit, die ungeheure Durchfchlagskraft ihrer gewichtigen Projectile, verbunden mit einer höchft ausgiebigen Sprengwirkung, hingewiefen werden. Das durch diefe Gefchütze ermöglichte präcife Verticalfeuer wird denfelben namentlich in Küftenplätzen eine hervorragende Rolle zutheilen, da der Effect eines gut angebrachten Wurfes bei der Schwäche des Schiffsdeckes felbft für das mächtigfte Panzerfahrzeug fehr gefahrbringend werden kann. Oefterreich, Preufsen und Rufsland haben fich bei Annahme der gezogenen Wurfgefchütze für das Hinterladungs- Syftem entfchieden, während die anderen Staaten von der Vorderladung Gebrauch machen. Die Laffete der 28- Centimeter- Hinterladungs- Haubitze gleicht der für Kanonen beftehenden Küftenlaffete, und unterfcheidet fich von diefer hauptfächlich dadurch, dafs die ganze untere Fläche der Rahmenbalken beim Schufs auf der Bettung aufliegt, um den Rückftofs auf eine gröfsere Fläche zu vertheilen Für das Nehmen der Seitenrichtung wird der Rahmen auf Rollen geftellt, zu welchem Zwecke die hinteren Rahmenrollen excentrifch gelagert find. Die Höhenrichtung wird durch eine Zahnbogen- Richtmafchine gegeben, die aber infoferne von der bereits befchriebenen, der gewöhnlichen Laffeten abweicht, als das Rohr nur mit einem in der Verticalebene der Axe desfelben befeftigten Zahnbogen verfehen ift. Zum Laden wird das Rohr auf 4° Senkung geftellt. Wie bei den anderen Küftenlaffeten bilden auch hier Gefchofskrahn, Kettenwinde, hydraulifche Bremfe und felbftthätige Ausrennvorrichtung Beftandtheile der Laffete. Der Drehpunkt des ganzen Syſtems liegt im vorderen Querriegel des Rahmens. Die kurze 26- Centimeter- Kanone, welche für den Gebrauch in Breitfeiten- Batterien von Panzerfchiffen beftimmt ift, lag in einer Schiffs laffete, die fich von den übrigen Krupp'fchen Laffeten durch die Conftruction der hydraulifchen Bremfe unterfcheidet. Krupp wollte nämlich durch diefe Conftruction dem Bedürfniffe entſprechen, die Laffete auf jedem Punkte des Rahmens fefthalten zu können. Die Figur 11 gibt ein Bild diefer Bremfe. Diefelbe beſteht in den Hauptbeftandtheilen aus dem Bremscylinder a, dem Communicationsrohr 6 und der Fig. 11. b daf nu m das Cliché herftellte. Daher erfcheint in obiger Figur der Gefchofskrahn auf der linken, der Bewegungsmechanismus der Richtmaschine aber auf der rechten Seite des Gefchützes, während das Gegentheil richtig ift, ein Mangel, welcher im Uebrigen den Werth der Zeichnung nicht weiter beeinträchtigt. 38 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Auslösvorrichtung des Ventils. Der Bremscylinder und das mit demfelben durch Schrauben feft verbundene Communicationsrohr find gemeinfchaftlich um Bolzen cc drehbar, welche in den zwifchen dem oberen und unteren Stirnbleche des Rahmens befindlichen Winkeleifen lagern. Die den Bremscylinder an beiden Enden durchfetzende, in Stopfbüchfen gehende Kolbenstange d ift mittelft des um einen Bolzen drehbaren Kopfes e mit der Laffete verbunden, und gleichwie der Bremscylinder in der Verticalebene beweglich. Das Ventil ift im Verbindungsftücke des Bremscylinders eingefetzt. Die durch eine Stopfbüchfe f gehende Ventilkörperftange läuft in einen cylindrifchen, mit einer Umfangsnuth verfehenen Kopf g aus; in diefe Nuth greifen die Zapfen h einer auf der Hebelwelle i befeftigten Ausrückgabel ein. Den Abfchlufs des Ventils bewirkt die Hyperbelfeder k, welche gegen den Kopf der Ventilkörperftange drückt, und deren Spannung durch Anziehen der beiden Schraubenmuttern // innerhalb gewiffer Grenzen beliebig regulirt werden kann. Als Füllmittel dient Glycerin und ift damit fowohl der Bremscylinder als auch das Communicationsrohr vollſtändig angefüllt. Die Wirkungsweife diefer Bremfe ift höchft einfach und verlässlich. Läuft nämlich das Gefchütz in Folge des Rückftoffes auf dem Rahmen zurück, fo fchiebt der maffive, nicht durchlochte Kolben das Glycerin vor fich her und prefst es gegen das Ventil. Da nun diefer Druck bedeutend gröfser ift, als jener, welchen die Hyperbelfeder auf das Ventil ausübt, fo mufs letzteres fich öffnen, worauf das Glycerin in das Communicationsrohr eintritt, und rafch dem nach rückwärts gehenden Kolben folgt. Hört der Rücklauf auf und kommt die Hyperbelfeder zur Wirkung, fo fchliefst fich das Ventil und zwingt dadurch, nachdem das Glycerin nirgends auszuweichen im Stande ift, die Laffete zum Stillstande. Drückt man jetzt den Hebel m nach abwärts, fo wird die Ventilkörperftange zurückgezogen, das Ventil geöffnet, und die Verbindung zwifchen dem Bremscylinder und dem Communicationsrohr wieder hergestellt. Sobald diefs gefchehen, fetzt fich die Oberlaffete in die Vorwärtsbewegung, die nur durch den Widerftand gemäfsigt wird, welchen das in das Ventil eintretende Glycerin erfährt. Es wird nun erklärlich, dafs man die Laffete durch das Schliefsen des Ventils augenblicklich, das heifst auf jedem Punkte des Rahmens fixiren oder die Gefchwindigkeit des vorlaufenden Gefchützes nach Belieben durch ein mehr oder weniger ftarkes Niederdrücken des Hebels reguliren kann. Die Vortheile folcher Bremfung finden noch an einer anderen Stelle diefes Berichtes die nöthige Würdigung. Die Seitenrichtung wird durch eine Zahnkranz- Winde gegeben, die mittelft einer Schneckenrad- Ueberfetzung bewegt wird, wodurch eine eigene Bremsvorrichtung zum Fefthalten des Gefchützes in der ertheilten Seitenrichtung überflüffig wird. Zur Ertheilung der Höhenrichtung ift zu beiden Seiten des Rohres je eine Zahnbogen- Richtmafchine angebracht; beide jedoch werden gleichzeitig von der linken Laffetenwand aus durch ein Griffrad bewegt. Zur Entlaftung der Bordwand beim Schufs ift am vorderen Rahmenende eine Klaue für eine Klauenfchiene auf Deck angebracht, und find die Rahmenrollen übergreifend angeordnet. Die lange 24- Centimeter- Kanone lag in einer Batterielaffete, wie folche in den abgeftumpften Ecken der Schiffskafematten placirt werden. Da diefe Gefchütze berufen find, fowohl in der Richtung des Kieles als auch fenkrecht darauf zu feuern, müffen fie einen rafchen Pfortenwechfel zulaffen. Diefer wird nun durch eine in der Ebene des Deckes verfenkte, eiferne Drehfcheibe bewerkstelligt, auf welcher das Gefchütz mit der mittleren Rahmenunterftützung und den hinteren Rahmenrollen fteht. Zur Entlaftung der vorderen auf urch olzen e des chfen emit bene Die chen, -pfen egen ehen ulirt r als lich. ück, und ner, nen, mach per. dem nde. perdem ing, tredas ens rch efes die ene ing sje won de ente, en. nken. eherauf Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen, 39 dem Deck des Schiffes ruhenden Rollen, welche vorgenommen werden mufs, um die Drehfcheibe bewegen zu können, ift zwifchen den Schlittenwänden ein hydraulifches Hebewerk angebracht, mittelft deffen, wie bei einer hydraulifchen Preffe, ein ftarker eiferner Bolzen gegen die Drehfcheibe gedrückt, und in Folge des Widerftandes, den diefe dem abwärtsgehenden Bolzen entgegenfetzt, der Vordertheil des Schlittens fo hoch gehoben wird, bis die vorderen Rollen entlastet find. Diefes Hebewerk wird von der linken Seite des Gefchützes mit Hilfe eines Hebels in Thätigkeit gefetzt, wozu ein Mann genügt. Zum Hemmen des Rücklaufes ift die Laffete mit einer Schleifbremfe von ähnlicher Conftruction, wie fie Armſtrong gebraucht, verfehen, die mehr oder weniger feft angeftellt werden kann. Für das Ein- und Ausrennen find an beiden Seiten des Rahmens Kettenwinden angebracht. Zum Nehmen der Seitenrichtung dient eine Zahnkranz- Winde, die mit denfelben Kurbeln bewegt wird, welche für die Kettenwinden vorhanden find; die Höhenrichtung erfolgt mittelft Zahnbogen- Richtmafchine. Die Küftenlaffete für die lange 21- Centimeter- Kanone war jener für die 302- Centimeter- Kanone ähnlich. Die 21- Centimeter Belagerungskanone lag in einer kurzen Rahmenlaffete, welche in der Conftruction den Küftenlaffeten ähnlich ift. In der Batterie liegt der Rahmen vorn auf dem Pivotbock, hinten auf zwei Laufrollen, die für das Ertheilen der Seitenrichtung mittelft Handfpeichen gedreht werden können. Auf der rechten Seite des Rahmens befindet fich ein leichter Gefchofskrahn mit einer nur aus Kurbel und Seitentrommel beftehenden Winde. Entfprechend feinem Zwecke kann diefes Gefchütz in feiner Laffete für den Transport fahrbar gemacht werden. Die Einrichtung hiezu verdient in Berückfichtigung der hohen Anforderungen, welche eventuell an die Transportabilität und fchnelle Verwendbarkeit der Belagerungs- und Feftungsgefchütze geftellt werden müffen, eine befondere Aufmerkſamkeit und, wenn auch erft als Project vorgeführt, fchon durch die Möglichkeit, ein folch wirkfames und mit grofser Portée ausgeftattetes Gefchütz in den Belagerungspark einftellen zu können, das Studium des Fachmannes. In der Batterie fteht die Laffete auf einem Rahmen, der als Ganzes transportirt werden kann, und aus fächerförmig angeordneten Eichenbalken, die auf Querfchwellen verzapft und verfchraubt find, zufammengefetzt ift. Er trägt vorn den gufseifernen Pivotbock mit einer meffingenen Büchfe, auf welcher die Pivotbüchfe des Rahmens ruht, und hinten eine Schwenkfchiene von dem bei Küftenlaffeten gebräuchlichen Profile. Die Gröfse der möglichen Seitenrichtung beträgt etwas mehr als 16 Grad nach rechts und links. Das in der Ausftellung gewefene Exemplar der 21- Centimeter- Belagerungskanone in feiner Laffete liefs nur eine Elevation von 27 Grad zu, da der Zapfen der Verfchlufsfchraube nicht zwifchen die Wände treten konnte, ein Umftand, der bei fpäteren Conftructionen durch weitere Auseinanderftellung der SchildzapfenScheiben des Rohres befeitigt werden kann. Zur Fahrbarmachung der Laffete wird, nachdem das Rohr in der Oberlaffete auf dem Rahmen zurückgeführt wurde, in die am vorderen Rahmenende vorhandenen Achsträger eine ftarke gufsftählerne Achfe mit grofsen Rädern eingefetzt, dann das vordere Ende des Rahmens mittelft einer dauernd am Rahmen befeftigten Hebevorrichtung( Schraube mit Schneckenrad und Schnecke) gehoben und endlich das hintere Ende des Rahmens aufgeprotzt; der Gefchofskrahn kann umgelegt werden. Die Transporträder haben 2'064 Meter Höhe und 180 Milli meter Felgenbreite; fie beftehen aus der broncenen Nabe, den kaftenförmig gegoffenen broncenen Felgen, in welche die fchmiedeeifernen Speichen mit einer beträchtlichen Anfangsfpannung eingezogen find, und dem warm aufgezogenen, 40 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. fchmiedeeifernen Radreife. Bei der Probelaft von 10.000 Kilogramm zeigt fich keine mefsbare Zufammendrückung der Räder oder Durchbiegung de Achfe. Als Protze dient die gewöhnliche Belagerungsprotze. Der Protzhebel if am hinteren Ende des Rahmens leicht aufzuftecken und zu befeftigen. Bei der ausgeftellten Protze waren eiferne, von einem früheren Verfuche her rührende Räder vorhanden, welche trotz ihrer Leichtigkeit genügten, da fie nu einen kleinen Theil der Laft aufzunehmen haben, denn die Laftvertheilung auf de Hinter- und Vorderachfe verhält fich wie 4: 1. Uebrigens können diefe eifernen Protzenräder jederzeit durch die hölzerne Feld- Laffetenräder erfetzt werden. Zur Erleichterung des Ganzen können auch die Rahmen- Laufrollen ent fernt und getrennt transportirt werden. Bei den innerhalb der Krupp'fchen Fabrik ftattgehabten Verfuchen hat fic die ganze Transporteinrichtung in allen Theilen vollkomme haltbar erwiefen; die Fahrbarkeit foll leicht und die Lenkbarkeit genügend gewefen fein, und zwei ftarke Pferde auf ebenem Terrain das Fahrzeug mit Roh ohne Anftrengung fortbewegt haben. Zur Placirung des Gefchützes in der Batterie werden, fobald dasfelbe auf die Bettung gefahren ift, die Rahmen- Rollräder ein gefetzt, dann wird die Transportachfe foweit heruntergefchraubt, bis die vorder Querverbindung des Rahmens auf dem Pivotbocke aufliegt; hierauf wird abge protzt und das hintere Ende des Rahmens mit einer Winde foweit heruntergelaffen bis die Rahmen- Rollräder auf der Lauffchiene aufftehen, endlich werden die Transporträder und die Transportachfe abgenommen. Das aufgeprotzte Gefchüt mit Protze und Zubehör wiegt 8160 Kilogramm. Die Brauchbarkeit der Laffete wurde durch 26 Schufs mit 5 bis 712 Kilo gramm prismatifchen Pulvers erprobt, aufserdem aus dem Rohre noch 9 Schul mit 6 bis 9 Kilogramm desfelben Pulvers abgegeben. Die Bettung wiegt complet 2080 Kilogramm; Lagerhöhe der Laffete i Batterie 19 Meter. Die lange 17 Centimeter- Kanone lag in einer Oberdecks laffete, die zur Aufftellung im Bug oder Heck der Panzerfchiffe beftimmt und mit einer Vorrichtung verfehen ift, um leicht und fchnell in eine rückwärtige Zuricht ftellung gebracht werden zu können. Zur Hemmung des Rücklaufes dient ein Reibungsbremfe, für das Nehmen der Seitenrichtung wird der für gewöhnlich au den Schienen aufliegende Rahmen auf die Rollen geftellt, zu welchem Zwecke die hinteren Rahmenrollen excentrifch gelagert find. Zum Einholen der Laffete ver wendet man Taljen; das Vorführen wird durch den Gebrauch der rückwär tigen excentrifchen Laffetenrollen befchleunigt. Lagerhöhe der Laffete 1020 Meter. Die lange 15- Centimeter- Kanone war in einer für den Gebrauch au den Breitenfeiten von Corvetten und ähnlichen Kriegsfahrzeugen beftimmter Schiffslaffe te gelagert. Diefe ift eine Rahmenlaffete und hat zum Hemme des Rücklaufes eine Schleifbremfe, der als Referve ein Brohktau zur Seite fteht Das Ausrennen gefchieht für gewöhnlich durch Schieben mit den Händen, da e durch die Neigung des Rahmens nach der Bordfeite zu erleichtert wird; bei com ftanter Neigung des Schiffes nach der entgegengefetzten Seite kann man mit Ta jen einrennen, die einerfeits in die Seitenaugen des Raperts, anderfeits i Ringe an der Bordwand eingefchlagen werden. Die Elevation wird durch ein Zahnbogen- Richtmafchine, die Seitenrichtung durch Taljen genommen, für dere Anbringung am hinteren Rahmenende Seitenaugen vorhanden find. Für gewöhn lich ruht der Rahmen auf der Schwenkfchiene, nur für das Nehmen der Seite richtung wird er auf Rollen geftellt. Lagerhöhe der Laffete: 0.960 Meter. Die 15- Centimeter Belagerungskanone lag in einer eifenblecher nen, hohen Laffete mit hölzernen Thonet'fchen Rädern, deren Durchme zeigte de el if her e nu af de ernet ent Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 41 15 Meter betrug.( Fig. 12). Die Wände find mit Winkeleifen eingefasst und befitzen aufser dem mit Deckel verfehenen Schiefslager auch offene auf den LaffeDie Richtmafchine, beftehend aus tenwänden befeftigte Transportlager a. einer mit Zapfen verfehenen Mutter 6 und zwei ineinander fteckenden Schraubenfpindeln c und d, wovon die erftere mit einem broncenen Richtrade e armirt ift, geftattet 35 Grad Elevation und 5 Grad Depreffion. Die Laffete befitzt für die Richtmafchine zwei Lagerpaare fund g, von denen eines auf den Wänden, das andere zwifchen denfelben angebracht ift, und von welchen letzteres nur beim Transport des Rohres in den Marfchlagern, oder wenn unter Elevation von 30 Grad aufwärts gefeuert werden foll, benützt wird. Fig. 12. t fid mei gen Roh tterie rein rder abge affen chüt Kilo chu te i cks h 772 und richt eine hau e die ever < wär 020 That mter met teht la e CO Tal ts i eine ere طة eiten cher effe Als Eigenthümlichkeit diefer Laffete ift die hydraulii che Bremfe anzufehen, welche in der Abficht angebracht wurde, um den Rücklauf des Gefchützes in ficherer Weife und ohne allzugrofse Inanspruchnahme der Laffete zu vermindern. Sie gleicht im Allgemeinen der bereits befchriebenen, und befteht demnach aus dem Cylinder h und der Kolbenftange i; der erftere ift mit der Laffete, die letztere mit einem aus Holzbalken erzeugten, und in der Bruftwehre vergrabenen Anker j verbunden. Der Bremscylinder liegt mit feinen Zapfen in den am unteren Laffetenrand befeftigten Lagern k und läfst fich in der Verticalebene drehen. Die Kolbenftange ift durch einen Bolzen mit dem in dem Ankerbalken eingefetzten Pivotbolzen/ verbunden, wodurch das Heben der Seitenrichtung ermöglicht und der Laffete beim Zurücklaufen ein Ausweichen geftattet wird, ohne ein Brechen oder Biegen der Kolbenstange befürchten zu müffen. Zwifchen den Wänden ift ein Laffetenkaften m und ein Holzftöckel n angebracht, auf welch' letzterem das Bodenftück des Rohres ruht, wenn diefes im Marfchlager liegt. Im Weiteren befitzt diefe Laffete eine von der Stirne aus durch eine Schraubenfpindel zu regulirende Balkenbremfe mit hölzernen Backen. Die Laffete wurde noch nicht verfucht, da fie von der Werkstätte weg auf die Ausftellung gebracht wurde. Man erwartet jedoch eine Verminderung des Rücklaufes auf etwa 3/4, höchftens I Meter; die Feuerhöhe beträgt 1.835 Meter. Die 12- Centimeter- Kanone lag in einer zur Verwendung in der Batterie oder auf Oberdeck leichter Kriegsfchiffe beftimmten Räderlaffete. Diefelbe hatte 42 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. eine ähnliche hydraulifche Bremfe, wie die 15- Centimeter- Belagerungskanone. Der Bremscylinder hängt vertical und horizontal beweglich am Pivotbolzen, die Kolbenftange ift an der Laffete befeftigt. Als Referve ift neben der Bremfe ein Brohktau vorhanden. Gewöhnlich fteht die Laffete auf vier Rollen; für das Nehmen der Seitenrichtung werden die hinteren, excentrifch gelagerten Rollen ausgerückt und dadurch eine Schwenkrolle zum Tragen gebracht. Die Laffete ift mit einer Zahn bogen- Richtmafchine verfehen. Lagerhöhe der Laffete: 0.9 Meter. Die Laffeten für die 9- Centimeter und 8- Centimeter- Feld- Kanonenrohre haben genietete Wände aus Schmiedeeifen, fonft die bekannte Einrichtung der preufsifchen hölzernen Feldlaffeten; auf der Achfe find rechts und links Sitze für je einen Mann angebracht. Die preufsifche Marine befitzt mobile Strandbatterien mit 9- Centimeter- Rohren jedoch mit hölzernen Laffeten während die 8- Centimeter in der fächfifchen, rumänifchen und fpani fchen Artillerie eingeführt find. Im Feldzuge 1870 und 1871 haben fich diefelben vollkommen bewährt. Die Türkei, China und Japan haben gleichfalls in der neueften Zeit bedeutende Beftellungen an folchen Gefchützen bei Krupp gemacht. Die Laffete der 6- Centimeter- Gebirgskanone hat fchmiede eiferne Wände, eine ftählerne Achfe und hölzerne Räder. Zwei Kegelbremfen, die auf der Achfe der Laffete fitzend gegen die Nabe der Räder wirken, laffen einen beliebigen Grad der Bremfung zu. Die Spindel- Richtmafchine geftattet 21 Grad Erhöhung und 10 Grad Senkung. Diefe Laffete hat eine Lagerhöhe von 66 Centimeter. Gebirgsartillerie nach dem Mufter der eben befprochenen hat Krupp der füdamerikanifchen Republik Chili geliefert. Aufser dem bis jetzt nahmhaft gemachten Artilleriemateriale hat Krupp auch noch eine rechte Laffetenwand für ein leichtes und eine linke Wand für ein fchweres Feldgefchütz ausgeftellt, erftere aus 3 Millimeter, letztere aus 10 Milimeter dickem Stahlbleche. Diefe Laffetenwände unterfcheiden fich von den bisher ufuellen, eifenblechernen Wänden dadurch, dafs ihre Ränder anftatt mit Winkeleifen eingefafst, einfach mittelft einer aus Matrize und Stempel beftehenden Preffe auf das erforderliche Mafs abgebogen wurden, wozu die genau contourirten Wände vorher in rothwarmen Zuftand verfetzt werden mufsten. Die leichte Wand wiegt 35, die fchwere 55 Kilogramm; die Höhe der Rippen beträgt 36 refpective 52 Millimeter. Zu den intereffanteften Objecten diefer Ausftellung gehörte endlich ein achtkantiger 52.500 Kilogramm fchwerer Block aus Tiegel- Gufsftahl, der für das Seelenrohr einer 14- zölligen Kanone beftimmt ift. Das Etabliffement Krupp brachte im Jahre 1851 zu London das erfte Mal einen gröfseren Gufsftahl- Block zur Ausftellung. Obwohl nur 4500 Pfund fchwer, wurde derfelbe mit der einzigen, dem gefammten Departement der Gufsftahl- Con currenz verliehenen council medal gekrönt. Vier Jahre fpäter( 1855), ftellte die Firma in Paris einen Gufsftahl- Block von 10.000 Pfund und im Jahre 1862 zu London einen folchen von 40.000 Pfund aus; die Parifer Ausftellung 1867 befchickte fie bereits mit einem Blocke von 80.000 Pfund. Gufsftahl- und Waffenfabrik zu Witten an der Ruhr, vormals Berger& Comp. Diefes, einen vorzüglichen Gufsftahl produci rende Etabliffement hatte aus dem Gebiete des Gefchützwefens einige Gefchütze, theils Copien beftehender Syfteme, theils Neuconftructionen, ausgeftellt. Es waren vorhanden: Ein 8- Centimeter- und ein 9- Centimeter- Feldgefchütz- Rohr, wie folche die Wittener Fabrik für die türkifche Regierung lieferte, ein laffe tirtes Gebirgsgefchütz für Südamerika, ferner ein 8- Centimeter Feldkanonen- Rohr nach dem Ringfyfteme und ein 9 Centimeter gezogener Mörfer. ne. die ein enand hn 10nte chts Fitzt Cen ni fich chbei deLen, Ten ttet von hat PP nd ere ich tatt enonDie ägt ein das Mal er, ondie zu 67 ar, cize, ren hr. fe. er Cer Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 43 Die drei erfteren Piecen hatten eben nichts Befonderes an fich; die Bohrungen der aus maffiven Gufsftahl- Blöcken gefchmiedeten Rohrkörper befafsen Keilzüge, die Rohre hatten den Broadwell'fchen Verfchlufs und glichen im Uebri gen den nach preufsifchem Syftem conftruirten Gefchützrohren. Die Laffete des Gebirgsgefchützes war nach fchweizerifchem Modell gebaut. Die 8- Centimeter- Ring kanone, deren Conftruction auf den neueften Anfchauungen über Leiftungsfähigkeit und Ausdauer von Feldgefchützen bafirt ist, befteht aus einem gufsftählernen Kernrohre, deffen rückwärtiger, cylindrifcher Theil mit einer im warmen Zuftande aufgezogenen Ringlage verftärkt ift; der gezogene, 1515 Meter lange Theil enthält 18 Keilzüge mit 3.766 Meter Drall länge, welche einem Drallwinkel von 3° 50' entfpricht. Die Gefchofsgefchwindig keit foll an der Mündung 536 Meter betragen. Mit Verfchlufs ift das Rohr 429 Kilogramm fchwer. Die Projectile wiegen 5 Kilogramm und find 21 Kaliber lang. Für die gröfste Gebrauchsladung ift 1 Kilogramm belgifches, grobkörniges Gefchützpulver in Ausficht genommen. Diefes Rohr foll nach der Idee der Conftructeure als Einheitsgefchütz dienen. Zu diefem Zwecke vereinigt es den Kaliber des 4- Pfünders mit der Gefchofswirkung des 6- Pfünders, ohne indeffen leichter als der letztere zu fein. Als Verfchlufs ift der Flachkeil mit dem Broadwellring angewendet; in der Ladeöffnung des Keiles befindet fich eine Ladebüchfe, welche fich vor- und zurück fchieben läfst, und beim Herausziehen des Verfchluſses das Zurückfallen des Ringes verhindert. Neu und eigenthümlich ift die Art der Zündung.( Centralzündung nach Caemmerer& Schmidt.) Der Zündcanal geht nämlich im rechten Winkel durch den Keil, erft axial nach hinten und dann nach oben, und ift in feiner ganzen Länge mit Kupfer ausgefüttert. Oben wird nun eine 10 Millimeterpatrone mit Centralzündung eingefetzt, und durch ein in der Grenzfcheibe angebrachtes Zündnadel- Schlofs abgefeuert. Zum Entfernen der abgefchoffenen Patronenhülfen dient ein Extractor, der jedoch an dem ausgeftellten Exemplare wegen Mangel an Zeit nicht mehr angebracht werden konnte. Der 9 Centimeter- Mörfer, deffen Conftruction ebenfalls von Caemmerer& Schmidt ftammt, ift aus Gufsftahl erzeugt und befteht aus zwei getrennten Theilen, dem Zapfenftücke mit einer wie bei glatten Haubitzen geformten Patronenkammer und dem Fluge. Der obere Theil des Zapfenftückes ift mit flachen, doppelgängigen Muttergewinden, der untere Theil des Fluges mit correfpondirenden Schraubengewinden verfehen; am oberen Ende des Fluges befinden fich zwei Wendegriffe, mittelft deren derfelbe aus dem Kammerftücke herausgefchraubt wird; das obere Ende des Zapfenftückes ift mit einem broncenen Charniere umgeben, um welches der herausgefchraubte Flug beim Laden umge. fchlagen wird. Den gasdichten Abfchlufs bewirken nicht die Schraubengewinde, fondern ein gefetteter Lederring, welcher zwifchen der Endfläche des Seelenrohres und einem entſprechenden Anfatze im Mörfer liegt, und durch die Schraubengewinde feft eingeprefst wird. In Folge deffen ift es aber nicht möglich, das Seelenrohr beim Einfchrauben immer genau in diefelbe Stellung zu bringen, fo dafs die auf der Mündungsfläche eingeritzte Schnittslinie der verticalen Symetrie- Ebene jedesmal in diefelbe fällt. Aus diefem Grunde ift die Anwendung eines feften Kornes unzuläffig, und wird defshalb ein mit einer Libelle verfehenes Balancirkorn benützt. Der Bohrungsdurchmeffer beträgt zwifchen den Feldern 915 Millimeter, die Länge des gezogenen Theiles o 647 Meter; letzterer hat 16 Keilzüge mit 2: 3 Meter Drall, der einem Drallwinkel von 10 10' an der Führungskante entspricht. Das Rohr ift 12312 Kilogramm fchwer. Das 2½ Kaliber lange, ogivale Projectil hat einen halbkugelförmigen Boden, wiegt einfchliesslich 500 Gramm Sprengladung 6 Kilogramm, und ift mit dem preufsifchen Percuffionszünder verfehen. 44 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Die hölzerne Blockfchleife hat eine Lagerhöhe von 210 Millimeter und eine einfache Elevationsfchraube, welche Richtungen von 30 bis 75 Grad zuläfst. Zum Laden des Mörfers, wozu, wie fchon erwähnt, der Flug aus dem Zapfenftück herausgefchraubt und zur Seite gefchlagen wird, dient eine hölzerne Ladebüchfe, welche in die Bohrung des Zapfenftückes eingefetzt und nach dem Einführen der Patrone und des Gefchoffes wieder herausgenommen wird. 1/30 Gefchofsgewicht; Die gröfste Wurfladung beträgt 200 Gramm= die derfelben entsprechende Gefchwindigkeit wird mit circa 200 Meter ange. 1/200 Gefchofsgewicht und foll geben; die kleinfte Ladung ift 50 Gramm= ungefähr 80 Meter Gefchwindigkeit ergeben. Mit der erfteren Ladung und dem Elevationswinkel von 45 Grad gedenkt man 5300, mit der kleinften Ladung und einem Winkel von 75 Grad 400 Schritt zu erreichen. Die Abficht der Conftructeure ging augenfcheinlich dahin, für den Feftungs krieg einen leicht transportablen Mörfer mit einer, den Hinterladungsmörfer zukommenden Schufspräcifion zu fchaffen. Leiftet nun diefer Mörfer das, was ihm zugemuthet wird, fo ftünde auch feiner Verwendung zu gedachtem Zwecke nichts entgegen, und glauben wir, dafs derfelbe fowohl beim Angriffe, als bei der Ver theidigung in vielen Fällen fehr gute Dienfte leiften würde, nachdem das indi recte Feuer immer mehr an Bedeutung gewinnt, und der Mörfer fich vermöge feiner Theilbarkeit überall leicht hinfchaffen läfst. Die Einfallwinkel der Kanonen find zu klein, um alle durch Traverfen und die Bruftwehre gedeckten Räume des Wallganges oder der Trancheen und Angriffsbatterien wirkfam beftreichen zu können; die glatten, leichten Mörfer haben zwar einen gröfseren Sprengeffect aber zu kurze Wurfweiten und zu geringe Präcifion, um fie auch fchon in den erften Perioden der Belagerung, in welchen das indirecte Feuer am häufigften zur Anwendung kommt, benützen zu können, und fchwere Mörfer zum Bekämpfen der Truppen auf den Wallgängen oder in den Trancheen zu verwenden, kann wohl Niemandem beifallen. Die Feuerfchnelligkeit des befprochenen Gefchützes ift allerdings eine geringe und auch die Manipulation eine complicirtere, als bei glatten Mörfern Nachtheile, die aber durch gröfsere Wurfweite und Präcifion aufgewogen werden. Immerhin fcheint die Idee lebensfähig, zumal wenn eine noch einfachere Con ftruction der Verbindung realifirt werden könnte. Bochumer Verein für Bergbau- und Gufsftahl- Fabrication. Der Bochumer Verein* hatte vier Gefchütze ausgeftellt, über welche die auf Seite 45 folgende Tabelle einige Daten enthält. Die beiden Feldgefchütze find von der nämlichen Conftruction, wie jene, welche der Bochumer Verein im Jahre 1871 der ottomanifchen Regierung in gröfserer Anzahl geliefert hat. Das Conftructionsfyftem der Rohre ift das preufsifche; fie haben jedoch den Broadwell'fchen Flachkeil- Verfchlufs. Die beiden fchweren Rohre gehörten der Ringconftruction an; das 21- centimetrige war vollſtändig ausgefertigt und hatte den Krupp'fchen Rundkeil Verfchlufs. Das 15- centimetrige war blofs bis auf den Verfchlufs fertig geftellt. Ein 15- Centimeter- Ringrohr( Küftengefchütz), genau wie das eben erwähnte, wird zur Zeit in Tegel bei Berlin von der königlichen preufsifchen Artillerie- Prüfungscommiffion Schiefsverfuchen unterzogen. Bei ungefähr 600 Schufs zeigte es bisher eine ganz befondere Trefffähigkeit und ein in jeder Bezie hung befriedigendes Verhalten, wie es denn auch von einem fo nahe an die * Die Gufsftahl- Fabrik des Bochumer Vereins befteht feit 30 Jahren. Die Production derfelben belief fich im Jahre 1872 auf 96 Millionen Pfund Gufsftahl im Geldwerthe von 6 Millionen Thaler. Die Fabrik erzeugt Beffemer- und Tiegelftahl. Der Katalog gab, ohne fich jedoch auf officielle Daten zu beziehen, an, dafs überhaupt die erfte Gufsftahl- Kanone aus der Bochumer Gufsftahl- Fabrik im Jahre 1847 hervorgegangen, in der Fabrik von Kamp & Comp. in Witten gebohrt und fertig geftellt und fchliefslich in Bochum Schiefs- und Spreng verfuchen unterzogen worden ift. b a I ind fst. em rne em cht; ge foll em und Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 45 bewährten Krupp'fchen Conftructionen fich anfchliefsenden Gefchütze nicht anders zu erwarten wäre. Das 21- Centimeter- Rohr( Marinegefchütz), welches in Bochum im Rohen gefertigt und in Spandau mit dem Verfchluffe verfehen und gezogen wurde, ift zur Dauerprobe mit 500 Schufs und zur Gewaltprobe mit 50 Schufs, die mit I Kilogramm über Normalladung erfolgten, von der königlich preufsifchen Artillerie- Prüfungscommiffion befchoffen worden. Nach dem Berichte diefer Behörde und wie der Augenfchein lehrte, hat das Gefchütz im Rohrkörper bemerkbare Veränderungen nicht erlitten. Die Trefffähigkeit war ausgezeichnet und hat fich im Laufe des Verfuches nicht im Mindeflen verringert. Die Anfangsgefchwindigkeit betrug bei Normalladung 430 Meter, die Broadwell- Liderung hat 485 Schufs ausgehalten, ohne dafs wegen Undichtfein Erfatz nöthig wurde. Nach Schlufs der Ausftellung war die Fortfetzung diefes Verfuches mit gefteigerten Ladungen und anderen Gefchoffen und Pulverforten beabsichtigt ngs. Tern ihm chts Ver ndiRohrgewicht Kaliber öge in mit ohne gezog. nen des fect den CentiLänge des Boh- ganzen rungs- Rohres theiles in Metern zu Verſchluſs metern in Kilogramm zur 8 Centim. der genau vohl 284 273 1: 512 78.5 Zahl der Züge LaProdungs- jectilGewicht in Kilogramm 12 0.5 4.3 eine Millim. 9 Centim. on. lche wie Millim. ern den. genau Con 915 Milli425 408 1.603 16 0.6 6.9 meter 15 Centim. Verfchl. noch genau 3.000 2.410 0.630 24 149 1 nicht fertig rung 21 das Centim. das keil genau 209.25 Millim. 10.000 3164.75 0.856 30 ellt ben chen 600 ezie die ction VO ohne none Camp eng Die zu den befprochenen Gefchützen gehörigen Laffeten waren in der Mafchinenbau- Anftalt von Grufon in Buckau bei Magdeburg ausgeführt worden. Die Küftenlaffeten( für das 15- Centimeter- und 21- Centimeter- Rohr) beftanden aus dem auf Schwenkfchienen um einen Pivotzapfen drehbaren Rahmen und dem oberen Theile, das ift: der eigentlichen Laffete. Erfterer, welcher eine hydraulifche Bremfe enthält, die den Rücklauf des Obertheiles regulirt, ift fo conftruirt, dafs letzteres nach dem Schuffe wieder felbftthätig in die urfprüngliche Lage zurückfährt. Die obere Laffete ift in ihren Haupttheilen aus Hartgufs gefertigt. Die Zahnbogen- Richtmafchine geftattet eine Depreffion von 5 Grad und die hohe Elevation von 25 Grad. Diefelbe ift in finnreicher Weife mit einem ein 46 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. fachen Schneckenmechanismus combinirt; für gröbere Richtungen tritt nämlich die Zahnbogen- Richtmafchine allein in Action, wenn vorher die endlofe Schraube um ein an der äufseren Laffetenwand befeftigtes Drehſtück gefchwenkt und fo mit dem Schneckenrad aufser Eingriff gebracht wurde; bei feineren Richtungen jedoch geht die Rohrbewegung vom Handrädchen der nunmehr wieder eingerück ten endlofen Schraube aus. Selbſtverſtändlich ist bei diefer Anordnung die Bremsmutter zum Feftftellen der Richtmafchine entbehrlich. Bei den Küftenlaffeten waren die bezüglichen Hartgufs Granaten, gleichfalls Producte Grufon's, und zwar im verfeuerten und unverfeuerten Zuftande ausgeftellt. An den verfeuerten Gefchoffen fah man die aufserordentlich folide Haftung des dünnen Bleimantels. Es haben derartige Hartgufs Granaten, und zwar von 15- Centimeter- Gefchützen bei 8 Kilogramm Pulverladung durch 155 Milli meter und von 21- Centimeter- Gefchützen bei 17 Kilogramm Ladung durch 235 Millimeter ftarke fchmiedeeiferne Panzerplatten glatt durchgefchlagen, ohne die geringfte Veränderung zu erleiden. Die Feldlaffeten befitzen eine grofse Feftigkeit bei geringem Gewichte ( 495 Kilogramm). Die Bremsvorrichtung, mit welcher diefelben verfehen find, befteht aus einem inneren Bremsconus, der an die Radnabe angegoffen ift, und einem äufseren, der durch eine fcheibenförmige Feder, welche durch eine Schraube mit Handrad gefpannt werden kann, gegen den inneren Bremsconus geprefst wird. Je nach der Stellung der Schraube werden die Bremskonufe mehr oder weniger gegeneinander gedrückt und dadurch die hemmende Reibung regulirt. An dem äufseren Konus befindet fich ein Sperrrad, in welches eine Sperr klinke, die mit der Radachfe feft verbunden ift, fo eingreift, dafs beim Rücklauf der Laffete der äufsere Conus das Beftreben hat, den inneren feftzuhalten. wodurch das Rad gebremft wird, während beim Vorlauf fich das Sperrrad mit der Radnabe frei bewegen kann. Beim Transport der Laffeten wird die Sperrklinke ausgerückt, fo dafs fich die Räder frei bewegen können. Die Bremfe ift durch die Scheibenräder vollſtändig abgefchloffen, um das Eindringen von Schmutz zu hindern. Die königliche Gefchützgiefserei in Augsburg hatte eine kurze 12- Centimeter- Broncekanone ausgeftellt. Das Gefchützrohr, gezogener Hinterlader mit Doppelkeil- Verfchlufs und kupfernem Liderungsring, für den Feftungs- und Belagerungsdienft beftimmt, zeichnete fich durch feine fchöne Bronce und reine Ausarbeitung aus. Es hatte 18 Keilzüge mit 7.8 Milli meter vorderer und 3.5 Millimeter hinterer Felderbreite; die Züge hatten vorne 131 Millimeter, rückwärts 17.5 Millimeter Breite; die Länge des gezogenen Bohrungstheiles betrug 158 Meter, die Dralllänge 4.708 Meter, der Drallwinkel 4 Grad 36 Minuten. Ohne Verfchlufs wiegt es 849 Kilogramm; der Verfchlufs hat ein Gewicht von 48 Kilogramm. Mit der Ladung von 105 Kilogramm baierifchen Gefchützpulvers erreicht das 16% Kilogramm fchwere, 3 Kaliber lange, gufseiferne Hohlgefchofs eine Anfangsgefchwindigkeit von 284 Meter. Die Abgangswinkel wurden auf 1000 Meter mit 3 Grad 15 Minuten, auf 2000 Meter mit 8 Grad, die Einfallswinkel auf 1000 Meter mit 4 Grad 7 Minuten, auf 2000 Meter mit 9 Grad 30 Minuten gemeffen. 50 Percent Treffer bedürfen auf 1000 Meter ein horizontales Trefferfeld von 7.5 Meter Länge und o 2 Meter * Befteht feit 1830 und beforgt fowohl die vollständige Herftellung von Broncegefchützen aller Kaliber, als auch die Ausarbeitung von Stahl- und Eifengefchütz- Blöcken, ferner Kleinguis in Eifen, Bronce und Meffing. Im Jahre 1871 wurden 2312 Centner Metall verarbeitet und Kanonen etc. im Werthe von 75.440 Gulden gefertigt. Die Fabrik hat einen Stand von 65 Arbei tern und 2 Dampfmaschinen von 19 Pferdekräften. B R W d C I M R W u m D G e E L H ft ft d ei e D b ft ü Z Se fa d A a F U h P fe d V te W ch be fo en k. s- h de de nd li. ch ne te ht ша nit -d. er Tr en, er ke Hie zu ne hr, ng ne li ne en el 14cht ne auf en, en ter zen ufs und Dei Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 47 Breite, auf 2000 Meter Diftanz von 12 Meter Länge und o 5 Meter Breite. Das Rohr foll 1200 bis 1500 Schüffe aushalten. Als Material für die Patronenfäcke wird Toile amiantine verwendet. Die Laffete für diefes Rohr ift noch in der Conftruction begriffen. Die Mafchinenbau- Actien gefellfchaft in Carlsruhe( Broadwell) hatte in der Maſchinenhalle eine 4- pfündige gufs ftählerne Hinterladungs- Feldkanone in eiferner Laffete und eine 4- pfündige gufsftählerne Gebirgskanone, gleichfalls mit Hinterladung und in eiferner Laffete ausgeftellt. Die Gefchütze waren in allen ihren Theilen Broadwell'fcher Conftruction und Mufter derjenigen, wie fie von dem genannten Etabliffement für die türkifche Regierung geliefert werden. Bezüglich der Conftruction der Feldlaffete verweifen wir auf die Schweiz, welche gleichfalls Laffetirungen aus Carlsruhe bezogen und eine ganz ähnliche Laffete auch ausgeftellt hatte. Von der Danziger Mafchinenbau- Actiengefellfchaft, vormals Steckel& Wagenknecht, waren zwei Brookwell- Laffeten für Oberdeck- Batterien, die eine für 12- Centimeter, die andere für 16- CentimeterGefchütze, eingefendet worden. Diefe Laffeten, deren durchbrochene Wände aus ftarken Eifenblechen erzeugt find, ftehen vorne auf Rollen, rückwärts auf einem Stöckel( Kaften aus Eifenblech). Zum leichteren Vor- und Zurückführen ist in der Längenmitte der Laffete am Protzriegel eine excentrifche Rolle angebracht, die mittelft eines Hebebaumes niedergedrückt werden kann, wobei fich die Laffete auf die Rolle ftellt. Der Rücklauf wird durch ein Tau, deffen Mitte um den in der Bordwand fteckenden Pivotnagel gefchlungen ift, während die Tau- Enden auf den Daumen der Trommel befeftigt find, gemäfsigt und gehemmt. Die Trommel wird durch eine an derfelben befindliche Bandbremfe gebremft, welche Bremfung mittelft eines Hebels an der linken Wand auf ein beftimmtes Mafs gebracht werden kann. Diefelbe läfst fich übrigens durch die an einem Ende des Bremsbandes angebrachte Schraubenmutter auch fchon von Haus aus zu einem gewiffen Grade herftellen. Eine die Laffetenwände durchfetzende Welle, welche mittelft einer Radüberfetzung mit der Trommel in Verbindung fteht, ermöglicht das Vor- und Zurückführen der Laffete mit Handkurbeln. Die kleinere Laffete hatte keine Schleifriegel- Rolle, fondern blofs einen Schuh am Riegel für den Richtbaum. Die Richtmafchine befteht aus einer einfachen Spindel, welche bei der Laffete für das 15- Centimeter- Gefchütz in Mitte des Bodenbleches, bei der 12- centimetrigen zwifchen zwei Bändern fteckt. Die Firma Siemens& Halske aus Berlin hatte einen elektrifchen Apparat zur Ausftellung gebracht, welcher die Beftimmung hat, das Meffen der Gefchofsgefchwindigkeiten im Rohre mit gröfserer Verläfslichkeit zu bewirken, als diefs bisher möglich war. Es ift ein Rotationsapparat, bei welchem der Funken der Reibungselektricität als markirendes Fluidum benützt wird. Im Uebrigen verweifen wir auf die Berichterstattung über Gruppe XIV. Rufsland. An Reichhaltigkeit und Grofsartigkeit der exhibirten Objecte ftand die ruffifche Artillerie Abtheilung blofs jener Krupp's nach; überhaupt zählte diefe Ausstellung zu den wichtigften und intereffanteften des Induſtrie palaftes, zumal fich an ihr erfehen liefs, was die allerdings von der Regierung in fehr ausgiebiger Weife unterſtützte Gefchützftahl- Induftrie diefes Landes binnen der kurzen Frift weniger Jahre bereits zu fchaffen befähigt worden ift. * Diefelbe befafst fich nebft dem Mafchinenbau vorzugsweife mit der Fabrication von Laffeten für Kriegsfchiffe und Küftenforts und namentlich folcher für fchnellen Piortenwechfel, und für Panzerthürme mit Minimalfcharten. Haupt- Abfatzgebiet: Deutfchland. Das Werk befchäftigt 200 Arbeiter, und befitzt drei Dampfmaschinen von 60 Pferdekräften. 4 48 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Die Richtung, welche die ruffifche Artillerie bei ihren Arbeiten einfchlägt, ift aus mehrfachen Gründen beachtenswerth, und das Studium der von ihr ausgeftellten Gefchütze empfiehlt fich daher fowohl vom technifchen als auch vom rein militärifchen Standpunkte zur Beurtheilung eines Haupttheiles der dortigen Wehrkraft. Die ruffifchen Artillerie- Objecte ftammten theils aus dem kaiferlichen Arfenale zu St. Petersburg, theils aus den Stahlwerken zu Perm und Oboukhoff. Erfteres hatte unter Anderem eine broncene 4- pfündige Feldkanone ausgeftellt. Das Rohr derfelben befteht aus dem conifchen Längenfelde, dem cylin drifchen Mittelfelde und aus dem vierkantigen abgerundeten Hinterftücke, in welchem fich der Verfchlufskeil befindet. Die Bohrung enthält 12 Parallelzüge, und ift am rückwärtigen Ende des Laderaumes mit einem ftählernen, hydraulifch eingeprefsten Ringe verfehen. Der nach dem Broadwell'fchen Principe conftruirte Verfchlufskeil ift aus Bronce erzeugt, und hat an der vorderen Fläche eine Stahlplatte, in welche der ftählerne Broadwellring eingefetzt ift. Zum Schutze des rechten, aus dem Hinterftück heraustretenden Keilendes ift an die ebene Seitenfläche des Vierkantes ein Ring aufgefchraubt. Das Gefchützrohr hat blofs ein am vorderen Ende des Längenfeldes eingefchraubtes eifernes Vifirkorn; der aus einer Verlängerungshülfe fammt Stab beftehende Auffatz aus Meffing, deffen verfchiebbares Vifir durch Umklappen eines Blättchens, welches gleich dem Vifir einen winkelförmigen, jedoch mit dem Scheitel nach oben gekehrten Einfchnitt hat, geftattet ein fehr fcharfes Richten. Die eifenblecherne Laffete hat parallele, mit aufgenieteten Winkeleifen verfehene Wände, welche durch zwei Stirn- und drei Mittelbolzen und durch ein unteres Protzftock Blech mit einander verbunden und in der Gegend der Achsund Schildzapfen- Lager durch aufgenietete Bleche verſtärkt find. Die Richtmafchine ift fehr einfach; fie beſteht aus zwei ineinander gehenden Schraubenfpindeln und einer broncenen Mutter, die in einem um Zapfen drehbaren eifernen Gehäufe eingelaffen ift. Die innere Richtfpindel ift mit dem Ende der Richtgabel verbunden, deren Arme auf dem rückwärtigen Stirnbolzen auf gefteckt find; die im Durchmeffer gröfsere Spindel trägt das Handrädchen. Der prismatifche Mittelftock der ftählernen, mit abgebogenen conifchen Achsftängeln verfehenen Achfe ift durch ein gegen die Enden fich verjüngendes Winkeleifen verftärkt, welches durch zwei End- und ein Mittel- Anzugband mit dem Achsftock verbunden ift. Das Protzloch befindet fich in einer auf dem Protzftock- Bleche befeftigten Bronceplatte. Der Richtbaum ift zwifchen den Wänden auf dem letzten Wandbolzen aufgefteckt, und wird zum Gebrauche mittelft eines Bolzens mit einem hornartig gebogenen, an der rechten Laffetenwand befeftigten Eifenftücke ver bunden. Die hölzernen Räder haben buchene, an den Zufammftofsungen mit telft Spangen und Bolzen verbundene Felgen, eichene Speichen und Naben mit broncener Büchfe. Die Protze hat zwei Deichfelarme mit nach öfterrei chifcher Manier dazwi fchen eingelegter Deichfelftange. Rückwärts auf den Armen befindet fich ein höl zernes Querftöckel, in welchem der Protznagel eingefetzt ift. Bei aufgeprotztem Gefchütz ruht der Protzftock nicht unmittelbar auf dem Stöckel, fondern auf einem Kranz aus Stricken, der auf den Protznagel aufgefchoben ift. Die ftählerne Achfe ift mit einem Holzfutter umgeben, welches jedoch nur von den Enden des Achsftockes bis zu den Deichfelarmen reicht, und mit je zwei Anzugbändem mit der Achfe verbunden ift. In der Mitte des Achsftockes ift eine nach abwärts gebogene Schiene befeftigt, an derem Ende fich der Schleppfeil Ring befindet. un ei ft A P tr A di fa b d ei de B fe W ZU R ve Fi B ge m b fe V ne ZU A fp L ve ge ve B be be de de Za ei au fte זי n n 1 h e 1. S es es T- -1. ch S- en h le f. en S3 E es m en d. em er it mit vi 51. em em fe 15ம் LI ch ng Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 49 Ein zweiter Ring, durch welchen das Schleppfeil gezogen wird, ift an einer unterhalb des Stöckels befindlichen und über dasfelbe vorftehenden Schiene eingehängt. Die auf den Deichfelarmen befeftigte Sprengwage ift durch Zugftangen, die aufserhalb des Rades auf den Achsftängeln aufgefchoben find, mit der Achfe verbunden. Statt der Drittel find an der Sprengwage Bolzen wie bei Privat- Fuhrwerken angebracht, und find die Köpfe der äufseren Bolzen zum Auftreten eingerichtet. Ein Exemplar der in Rufsland eingeführten Berggefchütze war auf der Ausftellung in feine einzelnen Theile zerlegt, und auf Pferden aufgepackt. Eine diefer Pferdefiguren trug das Rohr, die zweite die Laffete, eine dritte die Räder fammt der Gabeldeichfel; ein viertes Pferd war mit zwei Munitionsverfchlägen bepackt. Jedes der vier Pferde war mit einem anderen, dem Zwecke entſprechenden Sattel verfehen. Diefelben find fehr einfach, und beftehen aus zwei fchmiedeeifernen Zwiefeln, die durch Holzfchienen mit einander verbunden find. Innerhalb der Zwiefelarme find Darmfaiten befeftigt. Beim Rohrfattel find parallel zu feiner Längenmitte zwei laffetenähnliche Bleche mit Ausfchnitten für die Schildzapfen angebracht. Das Rohr liegt mit feiner Länge in der Richtung des Pferderückens. Die Laffete, welche in ähnlicher Weife, wie das Rohr fortgebracht wird, liegt auf beiden Zwiefeln, deren Arme zu diefem Zwecke mit geraden, laffetenbreiten Spangen verbunden find Beim Räderfattel find an den Zwiefelarmen ftärkere, mit Ausfchnitten für die Nabe verfehene Bretchen befeftigt, und werden die Räder auf eigene Zapfen angefteckt. Statt der gewöhnlichen Pferdedecken werden fechsfach zufammengelegte Filzdecken benützt, und darüber ein fchabrackenartiges Schwarzleder gebreitet. Beim Laffeten- und Rädertragpferd wird der Sattel mittelft eines Schwungriemens gegen das Zurückſchieben gefichert; beim Rädertragpferd ift aufserdem der Sattel mit dem Bruftriemen, den das Pferd zum Ziehen der Laffete hat, verbunden. Zu den vom Petersburger Arfenal exhibirten Objecten gehörte noch ein broncen er 6- zölliger( 15- Centimeter) Hinterladungs- Mörfer. Derfelbe hat 24 breite Züge, ebenfo viel fchmale Felder und einen broncenen Verfchlufskeil von ähnlicher Einrichtung, wie das Feldgefchütz. Die Zündung erfolgt fenkrecht auf die Rohraxe durch das in einen kupfernen Kern gebohrte Zündloch. Am ebenen Bodentheil hat das Rohr zwei Haken zum Einhängen der Ladebüchfe. Der aus Verlängerungshülfe und Stab beftehende Auffatz ift rückwärts in das Rohr eingelaffen. Das Vifir fteckt auf einer Schraubenfpindel, welche in einer gefchlitzten, von der Mitte nach rechts und links in 40 Linien getheilten Röhre eingefetzt ift, und kann mittelft einer kleinen Schraube verfchoben werden. Die Wände der Laffete, welch' letztere auf einem eifernen Rahmen gebraucht wird, find aus dickem Eifenblech und durch vier Bolzen mit einander verbunden. An den unteren Rändern find fie durch aufgenietete Winkeleifen auf die Breite der Rahmenbalken gebracht. Die Schildzapfen- Lager fowie die zur Aufnahme der Transportirachfe beftimmten Lager, welche fich an dem fenkrechten Theile der Laffetenftirne befinden, werden durch aufgenietete Verftärkungsbleche gebildet. Zwifchen den Wänden befinden fich ferner auf einer diefelben durchfetzenden Welle zwei Rollen im Abftande der Rahmenbalken, die nur beim Aufführen der Laffete auf den Rahmen in Wirkfamkeit treten. Die Höhenrichtung wird mit einem auf einer Kurbelwelle aufgefteckten Zahnrade gegeben, welches in den an dem Mörferrohr befeftigten Zahnbogen greift. Der Mörfer war in der Transportadjuftirung ausgeftellt. In derfelben fteht die Laffete auf hohen hölzernen Rädern und ift mittelft einer eifernen Aufprotzgabel mit der Protze verbunden. Die Aufprotzgabel befteht aus zwei Armen, welche auf zwei die Laffetenwände durchfetzenden Bolzen aufgefteckt find. Auf den vorderen Enden der Arme, die durch zwei Bleche, von 4* 50 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. denen das der Laffete näher liegende ein Protzloch befitzt, verbunden find, befindet fich ein Kutfchbock. Die zugehörige Protze beſteht aus einem, aus zwei Theilen verdiebelten Mittelftöckel mit eingefetzter Stangendeichfel und zwei auf den Enden des Achsftockes aufliegenden Tragbäumen. Am Ende des Mittelftöckels ift der Protznagel befeftigt und bildet das Centrum einer bogenförmigen, mit den Tragbaum- Enden verbolzten Reihfchiene. Vorn an den Tragbäumen ift endlich die mit den Achs ftängeln durch Spannfchienen verbundene Sprengwage befeftigt. Die Räder find gleichfalls aus Holz, aber kleiner im Durchmeffer als jene der Laffete. Das Rohr ist aus Die 9 zöllige Hinterladungs- Kanone. Tiegel- Gufsftahl erzeugt und befteht aus einer Kernröhre, deren cylindrifcher, 118 Zoll langer Theil durch 20 Stahlfretten verſtärkt ift. Von diefen umfpannen den äufserften Theil des Bodenftückes 3 Ringe in 3 Lagen, den mittleren Theil 15 Ringe in 2 Lagen und das vordere Ende des cylindrifchen Theiles zwei neben einander aufgezogene Ringe. Der vor den drei Bodenringen befindliche Ring bildet eine Hülfe mit einem der Dicke der unteren Ringe entſprechenden Abfatze, welcher die Kernröhre umfpannt, während der vordere Theil des Ringes mit Der Ver Muttergewinden verfehen und auf den unteren Ring aufgefchraubt ift. fchlufs ift dem franzöfifchen Schraubenverfchlufs in feinen wefentlichen Theilen nachgebildet, und wurde der oberfte Bodenring oberhalb mit 29 Zähnen verfehen, in welche eine am Schraubenhebel befindliche Klinke eingreift, was ein leichteres Lüften der Verfchlufsfchraube ermöglicht. Als Dichtungsmittel wird der Broadwell- Ring verwendet, der auf der vorderen Kolbenfläche angebracht ift. Die keilförmigen Züge beginnen am Uebergange des Laderaumes in die Bohrung. Der gezogene Theil ift 112 Zoll lang; die Zahl der rechtsgängigen Züge ift 32; der Durchmeffer über die Felder beträgt 9 0, jener über die Züge 9 22 Zoll Die Kanten der Züge find nicht radial, fondern tangential an einen Kreis gezogen, der o 526 Zoll Durchmeffer hat. rung. Breite der Züge an der Mündung Felder 97 " 99 " Züge Felder am Laderaum " 9 0.596 Zoll, 0.287" 9 0.733 0.150 Die Axe des Laderaumes ift um o'05 Zoll höher gelegt, als jene der Boh Die Länge des Dralles an den Führungskanten beträgt 540 Zoll, an den Ladekanten 552 31 Zoll. Am äufserften Bodenring ift ein convex gegen die Richtmafchine geftellter maffiver Anfatz angefchraubt, mit welchem das Rohr auf dem Richtfpindel- Kopfe aufruht. Das Gewicht der Kanone fammt Verfchlufs beträgt 1000 Pud, die Hinter wucht bei 12 Pud. Die Länge des mit Gewinden verfehenen Theiles des Verſtärkungsringes und ebenfo die Form der Gewinde können von der Fabrik nach Bedarf geändert werden. Die Laffete und der Rahmen des 9- Zöllers find aus dem Etabliffement von Georg Franz Berda in St. Petersburg hervorgegangen, wofelbft auch die Laffete des früher erwähnten broncenen 6- zölligen Hinterladungs- Mörfers angefertigt worden ift. Die Wände der Laffete des 9- Zöllers find aus einfachen Eifenplatten erzeugt und durch mehrere Bolzen und einen Schleifriegel aus Façoneifen ver bunden; letzterer vermittelt im Vereine mit zwei auf jeder Seite der Laffete auf genieteten Flanfchen die Führung derfelben auf dem Rahmen. Diefer Riegel dient auch als Träger der Richtmafchine, welche aus einer broncenen Schrauben mutter und zwei ineinander gehenden Spindeln befteht. Um jede derfelben für fich drehen zu können, find beide, dann die auf der dünneren Spindel befindliche Mutter mit je zwei Richtarmen verfehen. ind, Iten chsngel den chs ene aus her, nen heil ben Ring atze, mit er ilen hen, eres pad die Züge Zoll gen, Boh den ichtdem nter nges dert Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 51 Die Laffete fteht auf vier Rollen, von denen die rückwärtigen, excentrifchen durch einen Hebel niedergedrückt und zum Tragen gebracht werden können. Zur Begrenzung des Rücklaufes, welche mittelft eines Brohktaues bewirkt wird, ift in jeder Laffetenwand eine meffingene Büchfe eingefetzt. Zur Schwächung des Rücklaufes dient eine Backenbremfe, beftehend aus einem eifernen Bügel, deffen die Rahmenwände umfaffende Arme innen mit hölzernen Backen ausgefüttert find; durch Schraubenfpindeln, welche in die Bügelarme eingeſetzt find, werden diefelben gegen die Rahmenwände geprefst. An jeder diefer Schrauben ift ein kurzer Hebelarm befeftigt, welcher das Anziehen und Lockern der hölzernen Backen geftattet. Die äufseren Schrauben können nach Belieben angezogen, d. h. geftellt werden; bei den inneren Schrauben wird diefs durch die zurückgehende Laffete bewirkt, indem der in einem Einfchnitte der Längenftange befindliche Schraubenhebel fammt den Schraubenbolzen gedreht wird. Die Seitenwände des Rahmens beftehen aus I- Eifen, welche durch zwei Riegel und mehrere Bolzen mit einander in Verbindung gebracht find. Der Rahmen ruht vorne und rückwärts auf grofsen Rollen. Auf den gegen den Pivot gekehrten Zapfen der letzteren find Schneckenräder aufgekeilt, welche durch eine gemeinfchaftliche, mit zwei Schneckenfchrauben Stücken verfehene Kurbelwelle in Drehung verfetzt werden können. Die Oboukhoff'fche Gufsftahl- Fabrik bei St. Petersburg,* welche vornehmlich für die ruffifche Marine arbeitet, hatte fünf Stahlgefchütze verfchiedenen Kalibers eingefendet, über welche die wefentlichften Daten hier angegeben werden: Der 8- zöllige Hinterladungs- Mörfer. Das Rohr ift aus Gufsftahl und hat nur einen Bodenring als Verftärkung, der unmittelbar vor dem Querloche des Krupp'fchen Rundkeiles aufgezogen ift. Der Kaliber der Bohrung beträgt 203 2 Millimeter; die letztere enthält 30 Parallelzüge von gleicher Tiefe. Das Rohr wiegt fammt Verfchlufs 3276 Kilogramm, die Granate 77.8 Kilogramm; die gröfste Ladung beträgt 7.361 Kilogramm. Gufsftählernes Rohr und Die 8- zöllige Hinterladungs- Kanone. wie das frühere mit einem Bodenring aus gefchmiedetem Gufsftahl verfehen. Kaliber: 203 2 Millimeter, Gewicht des Rohres mit Verfchlufs: 8933 Kilogramm. Gröfste Ladung prismatifchen Pulvers: 15.561 Kilogramm. Die Granate wiegt 77.8 Kilogramm. Die Bohrung hat 30 Parallelzüge. Aus diefem Rohre wurden bereits 1243 Schufs, und zwar mit Granaten von obigem Gewichte und mit nachfolgend fpecificirten Ladungen prismatifchen Pulvers gemacht: 16 Schüffe mit 6: 552 bis 10: 237 Kilogramm, 684 " وو 12 898 Kilogramm, 191 " " 13.513 " 9 109 " " " 14'332 15.561 " ment die rfers atten ver auf iegel ben n für liche 243 Die Anfangsgefchwindigkeit betrug bei 15 561 Kilogramm Ladung 440 Meter. * Oboukhoff, wo auch der von der Gufsftahl- Hütte zu Perm erzeugte Stahl verarbeitet wird, befchäftigt gegenwärtig bei 1200 bis 1400 Arbeiter. Das Hauptfabricat find Stahlgefchütze und Stahlgefchoffe, doch werden auch andere Artikel, wie Eifenbahn- Achfen, Tyres, Räder, Lager für Eifenbahn- Brücken und dergl. producirt. Als Rohmateriale wird finnländifches und uralifches Roheifen benützt und koftet dasfelbe 60 bis 65 Kopeken per Pud. beläuft fich gegenwärtig auf circa 140.000 Pud Gufsftahl jährlich, wird aber, wenn Oboukhoff Die Leiftungsfähigkeit einmal ganz ausgebaut fein wird, 400.000 Pud per Jahr betragen. An fchweren Gefchützen vom ε- bis zum 12- Zöller erzeugt die Fabrik jetzt jährlich bei 40 Stück. Oboukhoff geniefst grofse Unterftützung Seitens der ruffifchen Regierung, doch konnte es bei dem erft zehnjährigen Beftande fich noch nicht auf jene Stufe der Productionskraft erheben, um mit dem Auslande erfolgreich concurriren zu können. Das ruffifche Gouvernement bezahlt mithin aus Gründen der Staatsraifon feine Gefchütze an Oboukhoff bei Weitem theuerer, als es fie von Krupp beziehen könnte. So koftet z. B. ein 11- Zöller in Oboukhoff 57.600 Rubel 38.000 Thaler = 92.200 fl.; in Effen aber - 57.000 fl. 52 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Das 6- zöllige Hinterladungs- Kanonenrohr. Rohrmaterie und Conftruction wie bei den bereits genannten Kalibern. Der Krupp'fche Rundkeil- Verfchlufs hat keine Transportirfchraube, dagegen eine Lade- Oeffnung. Zum Schutze des Keil- Endes ift an der ebenen Fläche des Bodenftückes ein meffingener Rahmen aufgefchraubt. Der Kaliber beträgt 152 397 Millimeter, die Bohrung enthält 24 Parallel. züge. Das Rohr sammt Verfchlufs wiegt 4000 Kilogramm, die Granate 36.85 Kilogramm. Aus einem ganz gleichen Rohre wurden mit folgenden Ladungen bereits 684 Schüffe abgegeben, und zwar: 607 Schüffe mit 8:19 Kilogramm 68 " 29 9 9 19 17 6.55 8.19 } prismatifchen Pulvers " 11 97 bis grobkörnigen Pulvers und erhielt man mit der Ladung von 819 Kilogramm 487 Meter Anfangsgefchwin digkeit bei einem Maximal- Gasdrucke von 3000 Atmoſphären. Dasfelbe if Das 12- zöllige Hinterladungs- Kanonenrohr. ebenfalls aus Gufsftahl erzeugt, nach Krupp'fcher Manier mit drei Ringlagen und einem Bodenring aus gefchmiedetem Stahl verſtärkt und mit dem Rundkeil Verfchlufs verfehen. Der Kaliber beträgt 304.79 Millimeter, die Bohrung enthält 36 Parallel züge. Das Rohr wiegt fammt Verfchlufs 40.491 Kilogramm( der 12- Zöller in der Krupp'fchen Ausftellung nur 36.600 Kilogramm bei gröfserer Rohrlänge); das Panzergefchofs ift 294.8 Kilogramm fchwer( das Krupp'fche 296 Kilo gramm), die Ladung-prismatifches Pulver beträgt 516 Kilogramm( beim Krupp'fchen Rohre 60 Kilogramm), welche eine Anfangsgefchwindigkeit von 426 Meter( 460 Meter bei Krupp) gibt. - Das ftählerne 4- pfündige Hinterladungsrohr. In der Con ftruction dem broncenen ähnlich, ift es noch mit einem Schildzapfenring und dem Rundkeil verfehen; der Broadwellring ift im Keil, und zwar in einer abhebbaren Platte eingesetzt. gramm. Kaliber: 186.8 Millimeter; Rohrgewicht einfchliefslich Verfchlufs: 360 Kilo Die Bohrung hat 12 Züge, das Zündloch fteht fenkrecht zur Rohraxe und ift in einen kupfernen Kern gebohrt, neben welchem ein kleiner eiferner Haken rechtwinkelig in das Rohr eingefchraubt ift, der ein ficheres Abfeuern geftattet. Das Rohr wurde fchon mit 1032 Schüffen befchoffen, und zwar wurden abgegeben bei glatter Bohrung: 614.2 Gramm 819-0 3 Schufs mit 3 " " 3 3 27 1023'7 1228.5 99 99 " " und nachdem es gezogen war, 1020 Schufs mit der Ladung von 614.2 Gramm grobkörnigen Pulvers. Das Rohr hat blofs eine feitliche Vifirlinie; das Vifir des Auffatzes wir mittelft eines Mikrometers bewegt. Ein feiner Monftrofität halber intereffantes Object der ruffifchen Artillerie Ausstellung war die Transportir protze für den Localtransport fchwerer Gefchützrohre( Fig. 13). Ohne uns in eine nähere Würdigung der praktifchen Brauchbarkeit diefe riefigen Fuhrwerkes einzulaffen, glauben wir doch eine Befchreibung desfelben bringen zu follen. Die Protze befteht aus dem Vorder- und Hintergeftelle, dere Verbindung durch ein Kugelgelenk a gefchieht. Das Vordergeftelle bilden eine ftählerne Achfe und eine eifer Sprengwage, welche durch zwei Scher- Arme und durch vier Achsmitnehmer, vo welch' letzteren die beiden äufseren von den Achsftängel- Enden ausgehen, mitein erie nd Cum ner Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. Fig. 13. lel mate unvin ift gen zeilllel ge); ilo eim von Con ring iner 712 b g www wwww b C www 53 Kilo und ken et. rden amm wird erie Dort Liefes elben Heren ferne VO tein ander verbunden find. Die maffive, hölzerne Deichfelftange fteckt in einem eifernen Schuh, der wieder mit den Scher- Armen und der Sprengwage in Verbindung fteht. Die in ihrer Längenmitte mit einer Kugel verfehene Achfe hat einen conifchen, beiderfeits gegen die Kugel zunehmenden Stock, fowie conifche Stängel, an denen hölzerne Speichenräder ftecken. Um die fchwere und vorwichtige Deichfel während des Fahrens zu balanciren und während des Haltens zu unterſtützen, find an den Enden der äufseren Achsmitnehmer eiferne Gegengewichte b und an der Sprengwage zwei eiferne Stützen angebracht. Der Durchmeffer des vorderen Rades beträgt 14 Meter, die Vorderräder find Speichenräder mit hölzerner Nabe und broncener Büchfe und geftürzt. Das Hintergeftelle befteht aus zwei mit Winkeleifen eingefafsten Tragwänden aus Eifenblech, welche auf den cylindrifchen Achsftängeln der mit einem durchgehenden Längenfchlitze verfehenen ftählernen Achfe aufgefchoben find. Der Achsftock ift 29 Centimeter breit und 20 25 Centimeter hoch. Zwifchen den vorderen, parallelen Enden der durch eine hinter der Achfe beginnende Abbiegung einander näher gebrachten Tragwände ift mit Bolzen ein verticales, eifernes Stöckel d befeftigt, welches das mittelft eines Charniers zu fchliefsende Kugellager enthält; letzteres umgibt die auf der Achfe des Vordergeftelles aufgefchweifte Kugel nur zum Theile, wodurch das Syftem eine bedeutende Biegfamkeit erhält. Zur Verfteifung und zur theilweifen Entlaftung der Tragwände beim Fahren find die Achsftängel- Enden mit den Zapfen der Charnierwelle des Kugellagers durch je zwei mittelft Querbolzen von einander entfernt 54 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. g₁ gehaltenen Eifenfchienen e verbunden. Die Hebevorrichtung befteht aus der zwifchen den vorderen Wandtheilen in einer Traverfenmutter fteckenden Schraubenfpindel f und aus zwei conformen Schraubenfpindel- Mechanismen welche in den Ecken der rechteckigen, bis nahe an die Räder gehenden Aus nehmung der eifernen Hinterachfe angebracht find. Die vordere Spindel ift unter mit einem Kopfe verfehen, in welchem die Enden einer ftarken Bandkette mit einem lofen Bolzen befeftigt find. Zum Bewegen der Spindel dient ein vierarmiger Hafpel, welcher auf das prismatifche obere Ende derfelben aufgefteckt wird. Die rückwärtigen Spindel mechanismen beftehen im Wefentlichen aus je zwei in der Längenrichtung de Achfe auf ein gewiffes Mafs auseinander geftellten Schraubenfpindeln, die in einem im Schlitze der Achfe angebrachten, mit Muttergewinden verfehenen Stöckel en gefetzt find. Jede diefer beiden verticalen Spindeln ift mit einem Schneckenrade verfehen, welches mittelft einer dazwifchen gelagerten Schneckenfchraube, an deren Enden kleine Spillenrädchen aufgefteckt find, in Drehung verfetzt wird, wobei die beiden Spindeln, deren untere Enden durch eine ftarke Traverfe ver bunden find, gleichmäfsig fteigen oder niedergehen. Starke Bolzen, welche die Spindeltraverfen durchfetzen, dienen als Träger einer eifernen Bandkette, mit welcher das zu transportirende Gefchützrohr unterfangen und geho ben wird. Die nach Thonet'fchem Syftem conftruirten hölzernen Räder haben 3 Meter im Durchmeffer, 20 Speichen und zehn 27 Centimeter breite, 215 Centimeter dicke mit einem gefchloffenen eifernen Radreife umfpannte Felgen, welche an den Zufammenftofsungs- Flächen durch breite Blechklammern und Schraubenbolzen feft verbunden find. Die Naben find aus Bronce gegoffen. Der äufsere Nabendurch meffer beträgt 80 Centimeter. Zum Mäfsigen der Bewegung beim Bergabfahren wie zum Einftellen derfelben dient eine mittelft eines Gelenkhebels zu regulirende Bremfe, deren hölzerne Backen an der, die Lappen der beiden Tragwände durchfetzenden Bremswelle befeftigt find. Der rückwärtige Theil der Tragwände ift bis zur Achfe mit Breten bedeckt. Auf dem vorderen Ende der Wände über dem Kugellager- Stöckel if ein Kutfchbock angebracht. An der Sprengwage können vier Pferde eingefpannt werden, da jeder der vier Achsmitnehmer mit einem eifernen Zugdrittel verfehen Die Geleisweite des Hintergeftelles beträgt 25 Meter, jene des Vorder geftelles dagegen nur 2.1 Meter. ift. Schweden. Kriegsminifterium. Die fchwediſche Artillerie, welche im Jahre 1864 mit gezogenen Vorderladungskanonen ausgerüftet wurde, behiel damals das in den dreifsiger Jahren von dem Artilleriegeneral v. Wrede con ftruirte Fuhrwerks- Syftem bei, welches zu jener Zeit vielleicht zu den beften in Europa zählen mochte, heute aber, wo eine gröfsere Beweglichkeit von der Feld artillerie gefordert wird, nicht mehr entspricht Die Erleichterung des Materials wurde daher, fowie die Erhöhung des balliftifchen Effectes der Rohre zur Noth wendigkeit; die Erkenntnifs deffen gab nun den Impuls zur Conftruction eines neuen Fuhrwerks- Syftems und zur Einführung fchwererer Gefchoffe, und wir fanden in der Ausstellung bereits ein auf Laffetirung, Munitions- und Schmied fuhrwerk fich erftreckendes, in allen Details durchgearbeitetes neues Syftem vor, welches, infoweit es das eigentliche Gefchützrohr und die Laffete betrifft, fchon vollſtändig experimentirt ift und auch eingeführt werden wird Bei demfelben hatte man fich für die Verwendung des Eifens zum Bau der Fuhr werke in dem zuläffig ausgedehnteften Mafse entfchieden. Wir müffen gleich von vorneherein bemerken, dafs die neue Conception den betreffenden Conftructeuren alle Ehre macht, indem fie aufser Zweifel ftellt, dafs letztere den neueften Erfahrungen der Artillerietechnik volle Rechnung trugen. Sie haben, den fpeciellen Verhältniffen ihres Landes fich anfchmiegend t aus nden en g Aus inten e mit f das mdel g de inem einrade an vird ver e die Cette eho Teter icke den feft irch ren ende Finde etem el if annt ehen der Iche hielt conn in " eld rials oth ines den ed ues fete ird uhr tion ellt ung end, Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 55 indem fie Gufseifen als Rohrmaterie wählten, ein Feldgefchütz gefchaffen, welches in Bezug feiner Wirkfamkeit das alte um ein fehr Bedeutendes übertrifft. Der Umftand, dafs wir hier einer ganz neuen Schöpfung gegenüber ftehen, welche für den Fachmann nach vielen Richtungen hin ein fchätzenswerthes Studienobject bildet, erklärt es, dafs wir uns mit derfelben eingehender befaffen. Die Rohre find Vorderlader, aus Gufseifen und mit dem bekannten, vom General Wrede modificirten la Hitte'fchen Zugfyftem verfehen. Für diefelben wurden jetzt Hohlgefchoffe von 1 gröfserem Gewichte angenommen. Diefe unterfcheiden fich von den alten Sprenggranaten durch ihre gröfsere Länge und dadurch, dafs fie zwei Reihen Führungswarzen nebft den nahe am Gefchofsboden eingefetzten meffingenen Centrirungswarzen befitzen. Die frühere Conftruction der Warzen, fowie die Legirung des Materials derfelben wurden beibehalten. Durch die Vermehrung des Gefchofsgewichtes bei ungeändertem Kaliber wurde eine günftigere Belaftung des Querfchnittes erzielt, die Vermehrung der Warzen hatte hingegen eine beffere und ruhigere Führung zur Folge, wodurch der Gefchwindigkeitsverluft reducirt, die Treffwahrfcheinlichkeit aber erheblich erhöht wurde.* Die Ausdauer fowohl, als auch die Unempfindlichkeit der fchwedifchen Rohre ift eine fehr bedeutende. Ein ausgeftelltes, zerfägtes Kanonenrohr von 3:24 Zoll( 9.6 Centimeter) zeigte fich im Patronen- und Gefchofslager wenig, im gezogenen Bohrungstheil unmerklich von den Pulvergafen angegriffen, obwohl aus demfelben 1300 Schüffe abgegeben worden waren. Wir kommen nun zur Laffete.( Fig. 14 und 15.) Die in der Gegend der Achfe parallelen, mit Winkeleifen eingefafsten Wände derfelben convergiren allmälig gegen den fchmalen, mit Eifenblech verkleideten Protzftock, und find an der Stirne, dann hinter der Achfe in der Gegend der Richtmafchine mittelft Blechen verbunden. Unmittelbar hinter dem Protzftock befindet fich ein Protznagel- Steg a mit Haken, welch' letzterer zum Einhängen der Protzkette dient. Die Richtmafchine befteht zunächft aus einem eifernen cylindrifchen Gehäufe b, welches mit Zapfen verfehen ift, die in den Lagern c der Laffetenwände ruhen. In diefem Gehäufe befindet fich eine am unteren Ende mit einem conifchen Rade verfehene Schraubenmutter d, in welcher die mit dem Rohr verbundene Richtfpindel e fteckt. In das Conusrad greift ein anderes f ein, welches auf einer fchräg geftellten, mit einem Handrädchen g armirten Spindel aufgefteckt ift. Diefe Spindel lagert in zwei quer über die Laffetenwände gehenden Schienen h, von denen eine auf den oberen, die andere auf den unteren Winkeleifen aufgenietet ift. Der untere Theil der Spindel ift durch einen ledernen Schlauch gegen Verunreinigung gefchützt. Die Achfe ift aus Stahl erzeugt, hat einen vierkantigen Achsftock und abgebogene conifche Achsftängel. An den Enden des Achsftockes find eiferne Spreizftangen i aufgebracht, welche mit den Laffetenwänden durch einen die* Mit Rückficht auf die Vermehrung des Gefchofsgewichtes glaubte man fich im Intereffe der Rohrausdauer zur Herabfetzung der Ladung von 1'3 auf 11 Kilogramm bemüffigt, wonach auch die Anfangsgefchwindigkeit von 400 auf 340 Meter fank. Nach den Ergebniffen eines kürzlich infcenirten und mit günftigem Refultate zu Ende geführten Verfuches mit 15 Kilogramm Ladung, bei welchem eine Anfangsgefchwindigkeit von über 400 Meter erreicht wurde, ohne dafs fich beim Rohre verderbliche Einflüffe kennbar machten, dürfte jedoch die Ladung von 1'5 Kilogramm als normale eingeführt werden. Die wahrfcheinlichen Fehler beim Schiefsen mit Sprenggranaten in der Entfernung von 2000 Meter ergaben fich: mit 13 Kilogramm Ladung und 5'9 Kilogramm fchwerem Gefchoffe in der Länge 2'3 Meter, 22 دو Breite 1'9 Meter; bei 11 Kilogramm Ladung und 78 Kilogramm fchwerem Gefchoffe in der Länge 116 Meter, " Breite 1'4 Meter. 56 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Fig. 14. felben durchfetzenden Bolzen/ verbunden find, und fo die Laffete und Achfe verfteifen. Auf beiden Seiten der Laffete befindet fich zwifchen diefer und dem Rade ein Achsfitz, welcher auf drei Puffern/ aus Kautfchukfcheiben und dazwifchenliegenden Eifenplatten ruht. Von diefen Puffern ift einer auf der Spreizftange, während die beiden anderen vor der Achfe auf den damit verbundenen Auftrittftegen m befeftigt find. Die gepolfterten Sitze find mit einer mit Schnüren durchflochtenen Lehne verfehen, und auf jedem Schilddeckel ein hölzerner, hornförmiger Griff zum Fefthalten für den fahrenden Mann angebracht. Unter jedem Achsfitze ift ein niederes Fach hergerichtet; in dem rechten werden drei Büchfenkartätfchen und ein Auslader, im linken Requifiten untergebracht. Hinter der Richtmafchine find die Laffetenwände zur Bildung eines Requifitenkaftens verkleidet. Der Richtbaum ift dauernd mit der Laffete verbunden, und läfst fich um das auf dem Protzftocke befindliche Charnier o in der Symmetrie- Ebene der Laffete bewegen. Am eifernen Schuh desfelben befindet fich eine Warze p und eine Klinke q, welche die fefte Lagerung des Richtbaumes in der Feuerftellung geftatten, indem die Warze in das hakenförmige Ende des den Schweif des Protzftockes umfaffenden Hebels greift. Die hölzernen Speichenräder haben eine hölzerne Nabe mit einer broncenen Büchfe, anfchliefsende durch Bolzen und Zapfen verbundene Felgen und einen ungetheilten eifernen Radreif. Die Speichen find ziemlich ftark gekrümmt. Der Laffetenwinkel mifst 28 Grad, die Geleisweite 153 Meter; die Laffete wiegt 460 Kilogramm. Die Protze hat mit der Laffete gleiche Räder; die ftählerne Achfe, O U 00 0 auf welcher die aus Winkeleifen gebildeten Deichfelarmer mittelft Anzug bänden und Schrauben befeftigt find, hat einen vierkantigen prismatifchen, an den Enden etwas ftärkeren Achsftock und abgebogene conifche Achsftängel. Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. Fig. 15. 57 den del ༢༦ ་ o 0 Auf den rückwärtigen zur Symmetrie Ebene parallel laufenden Theilen der Deichfelarme ift eine bogenförmige, nach der Geftalt des Protzftockes gefchweifte Reih fchiene s angebracht, in deren Centrum fich der auf einer eifernen Gabelt befeftigte Protznagel befindet. Diefe Gabel, deren Schenkel mit den Deichfelarmen durch Bolzen verbunden find und auf einer Querfpange u der Reihfchiene aufruhen, läfst fich in der Verticalebene um beiläufig 8 Grad nach aufwärts bewegen, und wird an der Fortfetzung der Drehung durch die Reihfchiene, unter welcher fie liegt, gehindert. Die durch einen Fufs vunterftützte Stangendeichfel ift zwifchen den parallel geftellten Deichfelarmen eingefchoben, und wird mittelft Bändern und durch einen horizontalen Bolzen in ihrer Lage erhalten. Der rückwärts zu öffnende Protzkaften ift aus Holz erzeugt, an den Kanten mit Blech befchlagen, und wird durch einen Deckel gefchloffen, welcher zum Fortbringen von drei Mann mit eifernen Seitenlehnen und einem Rückenriemen verfehen ift. Auf dem Deckel und zwar hinter der Rückenlehne wird die Bagage der drei Mann fortgebracht. Der Kaften ſteht mit feiner Mitte genau über der Achfe und ruht auf hölzernen Stöckeln w und auf den Spreizftangen, welche mittelft Anzugbändern auf der Achfe befeftigt find. In der Protze werden achtzehn Granaten und ebenfoviel Shrapnels fammt den dazu gehörigen Patronen verpackt. Die ausgerüftete Protze wiegt 645 Kilogramm. Die Länge des aufgeprotzten Gefchützes beträgt 7.6 Meter; der Lenkungswinkel 87 Grad. Das Gewicht des completen Gefchützes mit Mannfchaft beträgt 1870 Kilogramm; es entfällt fomit per Pferd eine Zuglaft von 312 Kilogramm. 58 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Der Munitionswagen, gleichfalls Project und beſtimmt, an die Stell des jetzt eingeführten zu treten, befteht aus der Gefchützprotze und aus dem mi zwei Munitionskäften verfehenen Hinterwagen. Das Untergeftell desfelben wird aus 2 ftarken nach Fig. 16 geftaltete Winkeleifen a gebildet, welche mittelft Bändern b und Anzugfchrauben mit de ftählernen Achfe verbunden find. Auf den vorderen Enden der Winkeleifen it eine bogenförmig gefchweifte Schiene c befeftigt, welche fich an die Reihfchien: der Protze anlegt. Der Protznagel- Steg d befindet fich hinter diefer Schiene. Jede der beiden ganz gleichen Käften, welche auf den Winkeleifen aufruhen und a Stöckeln ähnlich wie die Protzkäften ftehen, hat einen Faffungsraum für 4 Gefchoffe. Das Vorrathsrad wird auf einem Träger, beftehend aus dem umlegbare Theil e, der feften Ständergabel f und dem drehbaren Achsftängel g, der vor Fig. 16. g F e d o 3 0 000 0 0 0 d 0 do 7 100 L a a dem erften Kaften auf den Winkeleifen befeftigt ift, in verticaler Stellung getra gen. In Folge diefer Einrichtung mufs, ehe das Rad abgenommen oder auf gefchoben werden kann, abgeprotzt werden., Die Feldfchmiede ift zum Abprotzen eingerichtet und befteht aus einer Protze und aus dem Hinterwagen; fie hat verglichene Räder. Die Protze ift von Holz und dem Vordergeftelle der alten fchwedifchen Packwagen fehr ähnlich. Der Kaften derfelben enthält zwei Fächer, eines für Kohlen, das andere für die Schmiede- Werkzeuge. Am Fufse des Kaftens ift eine Truhe angebracht, in welcher fertige Hufeifen, Hufnägel und dergl. verwahr werden. Auf dem Protzkaften, der mit Lehnen verfehen ift, fitzen der Kutfcher und der Schmied. Zur kriegsmäfsigen Befpannung gehören drei Pferde, die neben einander an Wagendritteln ziehen, und von denen das mittlere in der Gabel deichfel geht. Die aus zwei Bäumen beftehende Deichfel läfst fich umftellen, fo daſs, wenn nur zwei Pferde eingefpannt werden, das fattlige in der Deichfel geht. Das Hintergeftell befteht aus einem Schmiedekaften, der auf dem Achsfutter auffitzt, und aus zwei langen, fchmalen Truhen, welche auf den Trag bäumen des Untergeftelles befeftigt find. Die Tragbäume find vorne durch einen Riegel, hinten durch einen Pfoften verbunden. Eine eiferne, auf dem vorderen Riegel des Untergeftelles befeftigte, gebogene Protzftange dient zur Verbindung des Hinterwagens mit der Protze, welch' letztere am Achsfutter einen Protz haken befitzt. tell E m eter de iene ede at are VO tra auf aus hen für ift hrt and enel en. Her em ag. en en es tz Allgemeine Bewaffnung und Artillerieweien. 59 Der abhebbare Schmiedekaften enthält einen kleinen Ventilator und den Feuerheerd, welcher in die an der Aufsenfeite des Kaftens angebrachten Oefen eingehängt, und durch einen Fufs, der den dritten Stützpunkt des Heerdes bildet, in horizontaler Lage erhalten wird. Ein abnehmbares Kupferrohr dient als Communicationsmittel für den Wind, den der Ventilator in genügender Menge und hinreichender Stärke liefert. Die fchwediſche Feldartillerie hatte ferner ein Gefchirr für das StangenSattelpferd, eines für das Voraus- oder Mittel- Sattelpferd, ein Gefchirr für ein Zugpferd beim Packwagen, dann für ein Zugpferd beim Handwerker- Wagen, endlich einen Sattel mit Zaum und Hilfsgefchirr für Reitpferde ausgeftellt. Diefe Gefchirre zeigten fo viel Abweichendes von den bekannten ähnlichen Einrichtungen, dafs wir ein näheres Eingehen auf diefelben für nöthig erachten. Gefchirr für das Stangen- Sattelpferd. Das Kopfgeftell hat drei Hauptbeftandtheile und zwar das Stangengeftell, das Trenfengeftell und den Stallhalfter- Riemen. Eifteres ift ein über den Pferdekopf von Maulwinkel zu Maulwinkel reichender, das Backen- und Genickftück vereinigender Riemen, an deffen Enden fich Schnallenftücke zum Einfchnallen der Reitftange fammt einfacher flacher Kinnkette befinden, und durch welchen oben ein über das Oberhaupt und die Ganafchen laufender Riemen( ftatt Stirn- und Kehlriemen) durchgezogen ift; an der Stange find die Stangenzügel, ferner ein die Backenftücke rückwärts verbindender und deren Vorgehen hindernder Riemen eingefchnallt. Das Trenfengeftell befteht gleichfalls aus dem fchon genannten langen Riemen, in deffen Schnallenftücken fich eine Trenfe mit Oberbäumen befindet, dann aus einem Stirnriemen und den zwei Trenfenzügeln. Alle diefe Riemen befitzen eine Breite von einem halben Zoll, während der Stallhalfter- Riemen, welcher vom Genick des Pferdes längs den Ganafchen herabfällt, und durch eine Schlaufe am Genick mit dem Trenfen- und breit ift. An lezterem Riemen Stangengeftell verbunden ift, einen Zoll befindet fich unten ein herzförmiger Ring, von dem der Stallhalfter- Strick frei herabhängt. Das hier befchriebene Kopfgeftell ift auch beim Vorauszug und beim Reitpferde in Anwendung. Der Sattel. Als Sattel dient der ungarifche Bock mit eifernen Zwiefeln, hölzernen, ungepolfterten Seitenblättern, ledernem Sitzpoliter, hanfener, weisser Unter- und fchwarzlederner, 2 Zoll breiter Obergurte, an welcher die vorderen Tragriemen( Verlängerung des Widerhaltriemens) rechts und links eingenäht find. Als Unterlage dient eine weifse Kotze. Die Steigbügel halten die Mitte zwifchen deutfcher und ungarifcher Form. Ueber den Sattel wird eine blautuchene, mit gelben Streifen benähte Schabracke gelegt. Gepackt ift diefer Sattel folgendermafsen: Vorn rechts ein kleiner Kochkeffel, links der Säbel, oben durch einen Riemen gehalten und unten in einem ledernen Schuh von 6 Zoll Länge ftehend. Diefer Schuh wird von einem langen, am Sattel heruntergehenden Riemen getragen; ein blauleinener Sack zum Verwahren der Putzrequifiten, dann über beide Seiten gehend der Mantel. Rückwärts hängt der zweitheilige, blautuchene Mantelfack und 2 kleinere Säcke aus blauem Leinenftoff zur Aufnahme von 5 Futterrationen. Diefe Säcke werden durch eine hanfene Gurte, welche am Sattel aufliegt, dann durch einen um die hintere Kappa gehenden Riemen feftgehalten. Zum Gefchirr gehört weiters: Das Kummet, beftehend aus 2 unbefchlagenen Kummethölzern, welche fowohl am Widerrift als auch an der Vorderbruft mit entsprechend ftarken Riemen zufammenzufchnallen find. Diefes Kummet ift daher jedem Pferde bald angepafst und leicht zum Herabnehmen. 60 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Im erften Drittel der Kummethölzer von oben befindet fich zu beiden Seiten ein Ring, wahrfcheinlich zum Einhängen der Zugftrang- Anfätze; von diefem Ringe angefangen find die Kummethölzer bis zur unterften Krümmung und mit Ausnahme der äufseren Theile mit einer mäfsigen Polfterung verfehen, welche am Zugpunkte die Stärke von 2 Zoll erreicht. Am Zugpunkte ift ein Oehr befeftigt, an dem fich ein längliches Kettenglied und in diefem nebft dem Haken zum Einhängen des Zugftranges an einem Riemenftück ein Zugring von 3 Zoll Durchmeffer befindet. In diefen Ring find 2 Schallenftücke eingenäht, und zwar eines für den vorderen Tragriemen und eines für den Widerhaltriemen. Zur Unterlage diefer Vorrichtung und um das Pferd gegen Reibungen und Befchädigungen zu fchützen, ift am Kummetholz beim Zug. punkte ein I Schuh langes und 4 bis 6 Zoll breites Lederftück angenagelt. Der vordere Tragriemen ift ein integrirender Theil der Sattelobergurte und bildet eine Verlängerung der Widerhaltriemen. Die Deichfel wird fonach vom Sattel und nicht vom Kummet aus getragen. Der Widerhaltriemen, welcher in die correfpondirenden Schnallenftücke am Zugringe eingefchnallt ist, wird durch die an dem Deichfeljoche, einer Eigenthümlichkeit der fchwedifchen Gefchirre, befindliche Rolle durchgezogen. Der Sattel ift durch einen Gürtel mit dem Kummet und durch einen anderen mit dem Schweifriemen in Verbindung. Die nicht gefchwärzten Zugftränge laufen vom Zugringe bis zur Bracke dop pelt. und haben an ihrem Ende einen Haken zum Einhängen in das Oehr der Bracke. Der Umlaufriemen befteht aus drei Theilen, und zwar aus den beiden am Zugringe eingenähten und dem um die Oberfchenkel des Pferdes laufenden Theile, welche durch Schnallen verbunden werden. Das Kopfgeftell mit Stangen- und Trenfenzäumung halten wir für den Fahrartilleriften zu complicirt, und erklären uns deffen Einführung nur vom Standpunkte der Einheitlichkeit. Die Einrichtung desfelben ift aber finnreich, nachdem jeder Theil für fich allein ebenfogut wie alle zufammen gebraucht werden können. Der Stallhalfter- Riemen dürfte im Bivouak wohl nicht genügen. Das Kummet entfpricht den Anforderungen, die an ein folches geftellt werden können; es ift hinlänglich ftark, nicht zu fchwer, nicht übermäfsig gepolstert und nach Bedarf zu fchnallen. Der Sattel ift zweckmäfsig, doch würden wir der tuchenen Schabracke ein Sitzleder vorziehen. Das Anbringen von 5 Tafchen am Sattel, von denen 2 das Gepäck des Soldaten, 2 die Fourage und I die Putzrequifiten bergen, fcheint uns ebenfowenig zweckmässig, wie die Ausrüftung des Fahrers mit dem langen Pallafch; dagegen halten wir für fehr praktiſch, dafs die Deichfel vom Sattel aus getragen wird. Das Gefchirr für Mittel- und Vorauspferde hat alle Theile wie das Stangengefchirr mit Ausnahme des Umlaufriemens. Das Gefchirr für Zugpferde bei Packwagen, Feldfchmieden und Handwerkerwagen unterfcheidet fich jedoch von dem früher befchriebenen durch Folgendes: Die Gefchirrhalfter befteht blofs aus den für Trenfengebiffe beftimmten Backenftücken fammt Kehl- und Stirnriemen; das Trenfengebifs hat keinen Oberbaum, wohl aber Knebel, und find in die Augen des Gebiffes die Leitfeile eingefchnallt. Die Leitfeile find beiläufig 3 Linien ftarke Stricke, welche wie die Kreuzzügel angeordnet und mit Schnallenftücken verfehen find. Das Kummet differirt von dem früheren dadurch, dafs die Kummethölzer am Widerrift nicht gegen einander geneigt ftehen, fondern deren oberfte Theile nach aufsen gefchweift find. An diefer Schweifung find an der Aufsenfeite drei Klammern unter einander angebracht, durch welche das Kummet nach Bedarf mittelft eines Riemens gröfser oder kleiner gemacht werden kann. ein lieg Zus bre ang Ba be fpr fel un wi bla de als R di fla ge fe fo in tis ei fc H hi E 199 g fo fo Z u d P ef A g N CZ B 80 g Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 61 Vom Zugpunkt aus, der auch hier durch ein Oehr markirt ift, läuft in einen dreieckigen Ring eingenäht, der Umlaufriemen, weiters in einem darauf liegenden gleichbreiten Riemen und darin eingenähten viereckigen Ring der Zugftrang. Vom Kummet geht der Rückriemen aus, auf welchem ein mit zwei 4 Zoll breiten und 6 Zoll langen Pölftern verfehener Kreuzriemen mit einer Schlaufe angefteckt ift. Diefe Pölfter, refpective der Kreuzriemen werden durch eine Bauchgurte feftgehalten. Im Ganzen ift diefes Gefchirr fehr einfach, leicht und für den bei den benannten Fuhrwerken eingeführten zwei- oder dreifpännigen Zug zweckentfprechend. Das Reitzeug für Unterofficiere hat das nämliche Kopfgeftell, denfelben Sattel und die gleiche Packung wie das Stangengefchirr. Als Hilfs gefchirr ift folgende Einrichtung angebracht: Von dem von der Obergurte des Sattels ausgehenden vorderen Tragriemen und von einem zweiten über die Schulter und den Widerrift gehenden Riemen wird ein Sielen gefchirr getragen. Diefes ift ein über Vorderbruft und Schulterblätter reichendes, 3 Zoll breites Lederftuck, an deffen Ende fich hinter den Vorderfüfsen eine Ledergurte befindet. Auf dem Lederftück ift weiters ein I Zoll breiter, etwas kürzerer Riemen als Verſtärkung aufgenäht, an welchem Doppelringe befeftigt find. In einem diefer Ringe find die Widerhaltriemen, in dem anderen die vorderen Tragriemen, dann die Zugftränge eingehängt. Zugftränge, Widerhalt- und Tragriemen liegen flach auf dem breiten Lederftück auf, und werden durch kleine Riemen feftgehalten. Das Reitzeug ift durch die Anbringung des Hilfsgefchirres in feinem Ausfehen offenbar beeinträchtigt, und dürfte zudem das letztere, wenn es nicht als folches gebraucht wird, fondern einfach aufgefchnallt ift, das Pferd, namentlich in fchärferen Gangarten, ziemlich beläftigen. Die Fälle, wo mań zu einem derartigen Auskunftsmittel, nämlich zum Einfpannen der berittenen Unterofficiere vor ein Gefchütz fchreiten mufs, kommen doch zu felten vor, als dafs es angezeigt fchiene, dieferwegen die Reitpferde aller Unterofficiere einer Batterie mit diefem Hilfsgefchirr zu belaften. In der öfterreichifchen Armee find Verhältniffe, wie die hier gemeinten, auch vorbedacht worden, doch wurden hiefür weitaus einfachere Einrichtungen getroffen. Die Ledertheile der fchwedifchen Gefchirre find durchgehends aus gefchwärztem Blankleder erzeugt, die Gebiffe verzinnt, die Ringe und Schnallen fowie die Kummethölzer fchwarz lackirt. C. Eckmann. Die Finfponger Eifengiefserei, welche fich fchon auf der letzten Parifer Ausftellung durch die Fabrication gufseiferner gezogener Gefchütze grofsen Kalibers rühmlichft hervorgethan hat, ift feit jener Zeit wieder um ein gutes Stück auf der betretenen Bahn vorwärts gefchritten, und leiftet gegenwärtig unftreitig das Befte in diefem Fache. Diefes erfolgreiche Streben verdient alle Beachtung, zumal darin auch das zu würdigende Moment liegt, dafs das im Eifenwefen auf hervorragendem Platze ftehende Schweden die bereits ftark erfchütterte Hoffnung, billige und effektvolle Gefchütze grofsen Kalibers aus Gufseifen herzuftellen, neu gekräftigt hat. Als die Hauptfactoren diefes günftigen Erfolges müffen die forgfältige Auswahl der Erze, der rationelle Schmelzprocefs derfelben und die Gufsmanier genannt werden. - Zur Gewinnung des Gefchütz Gufseifens werden drei Gattungen Erze ( Magnet- Eifenftein Eifenoxyduloxyd Fe O Fez Og) und zwar von Förola, Nortorp und Stenebo im Verhältnifs zu 80, 10 und 10 Percent verwendet, und in Hochöfen mittelft Holzkohlen und bei kaltem Winde langfam niedergefchmolzen.. 62 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Die von folcher Befchickung gewonnenen Floffen werden nach der Befchaffenheit der Bruchfläche einer beim Abftiche mitgegoffenen Probeftange ( 60 Centimeter Länge 2.7 Durchmeffer) forgfältig in Bezug ihres Graphitgehaltes in zehn Claffen eingetheilt. Die 1. Claffe hat einen fchwarzen, ftark graphirten Bruch, während jener der 10. Claffe ganz weifs ift und keine Spur von Graphit zeigt. Zum Gefchützgufs werden im Allgemeinen Floffen der 3., 4. und 5. Claffe, manchmal auch folche der 2. Claffe, nie aber Eifen der 6. oder einer höheren Claffe benützt; ebenfo wenig findet fogenanntes Brucheifen hiefür Anwendung.* Die Dichte des Gefchütz- Gufseifens in den Probeftangen variirt je nach den für den Gefchütz oder Gewehrgufs verwendeten Claffen zwifchen 7.30 und 7.45; die Dichte des Eifens in den Gefchützrohren liegt zwifchen 7.22 und 7.30, während die Dichte des Gufseifens in den durch Schalengufs erzeugten Gefchoffen felbft 7.65 beträgt, Das fchwediſche Gefchütz- Gufseifen zeichnet fich im Weiteren durch grofse abfolute Feftigkeit, Härte, Zähigkeit und Elafticität aus, und befitzt fomit alle jene Eigenfchaften, welche ein gutes Gefchützmaterial haben foll.** Zu Finfpong werden alle Rohre vom 24- Pfünder( 15-3 Centimeter) aufwärts mit nach oben gekehrter Mündung über einen hohlen Kern auf dem Wege des Syphonguffes bei gleichzeitiger Kühlung gegoffen. Die Kühlung wird während des Guffes und bis nach Entfernung der Kernröhre mittelft comprimirter Luft und von da mit Waffer bewirkt. Dadurch, und dafs die Ausftrahlung der Wärme nach Aufsen hin durch eine dicke, die Formen umgebende Sandfchichte*** erheblich verzögert wird, kühlt die Materie von Innen nach Aufsen allmälig ab, und wird in den einzelnen Schichten annähernd jener Spannungszuftand hervorgerufen, den die Theorie anftrebt.+ Rohre kleineren Kalibers werden in der Regel maffiv und auf die gewöhnliche Art von Oben gegoffen. Mit jedem grofsen Rohre wird zugleich ein 4- oder 6- pfündiges Gefchütz gegoffen und nochmals einer Gewalt- Schufsprobe unterzogen, wodurch man über die Güte des Materials weitaus beffere Auffchlüffe erhält, als durch die anderwärts angeftellten Zerreifsproben einzelner aus dem Maffelot oder fonft von irgend wo genommener Eifenftücke. Die fchweren gezogenen Gefchütze von 12'12 Centimeter aufwärts werden mit einer bis zwei Lagen Ringe( Fretten) aus Stahl verfehen, welche den cylin drifchen Theil der gufseifernen Kernröhre mit Preffion umfpannen.++ * Laut Analyfen enthält das in Flammöfen niedergefchmolzene Gufseifen folgende Beftandtheile: Silicium. Ausgefchiedenen Kohlenftoff( Graphite) Chemiſch gebundenen Kohlenftoff Mangan Schwefel . o'48 Percent. 2.05 I'41 23 O'25 " O'13 Phosphor Kupfer. Aluminium Calcium Eifen und Verluft. Spuren nichts 95.68 Percent. 100'00 Percent. ** Als Beweis hiefür hat das Etabliffement eine gufseiferne, der Länge nach durchfchnittene Hülfe von 2 Millimeter Dicke, 71 Centimeter Durchmeffer und 25 Centimeter Breite ausgeftellt, welche fich wie Stahlblech zufammenrollen und aufbiegen liefs. Was den Widerftand des Gufseifens anbelangt, fei erwähnt, dafs eine Gasfpannung von 2700 Atmoſphären noch keine Gefahr für den Beftand der Rohre involvirt. *** Die Dammgrube wird, nachdem die Formen eingefetzt und richtig geftellt find, mit Sand vollständig ausgefüllt. + Diefelbe verlangt bekanntlich, dafs fich alle Schichten, wie fie im Querfchnitte fucceffive auf einander folgen, im gleichen Mafse am Gefammtwiderftande betheiligen follen. †† Diefe Stahlreifen wurden bisher zum gröfsten Theil aus den franzöfifchen Eifenwerken in Rive de Gier und St. Chaumont und zum geringeren Theil aus dem belgifchen Etabliffement Seraing bezogen. In Hinkunft werden fie aber im Lande, und zwar zu Motala erzeugt, wo man fich für diefen Fabricationszweig bereits einrichtet. er ge es en gt. e, en ch d 0, en se le ts es d n 1 e Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 63 Beim Bereifen der Rohre kommt es vor Allem auf die äufserft genaue Meffung der Durchmeffer der Kernröhre und der Ringe an. Ein ganz geringfügiges Mehr oder Weniger des auf theoretifchem oder praktiſchem Wege als geeignet oder nothwendig erkannten Durchmeffermaſses kann das Gelingen eines Rohres felbft bei dem beften Materiale in Frage ftellen. Das Abdrehen der Kernröhre, fowie das Ausdrehen der Ringe mufs demnach auf das Sorgfältigfte bewirkt werden, um annähernd gleiche Spannungsverhältniffe in der ganzen Länge des beringten Theiles zu erhalten. Eine der Hauptbedingungen zum Gelingen diefer Procedur ift die Verläfslichkeit des Inftrumentes, mit welchem das Meffen der Durchmeffer vorgenommen wird. Bei Eckmann bedient man fich zur Ermittlung der letzteren des in der( Fig. 17) veranfchaulichten Inftrumentes. Diefes befteht aus dem gufseifernen, durchbrochenen Bogentheil a, aufserhalb deffen Mitte ein in Nuthen verfchiebbarer Träger 6 aus Stahl eingefetzt ift. Im linken Ende des Bogens befindet fich eine Schraubenfpindel c, an welche je nach der Gröfse des betreffenden Durchmeffers längere oder kürzere Körner d aufgefchraubt werden können. Das rechte Bogenende enthält einen Rollennonius e, mit dem der kürzere Arm des durch eine Feder fftets nach auswärts gedrückten doppelarmigen Hebels g derart in Verbindung fteht, dafs derfelbe beim Herausfchrauben der Flügelmutter gegen den kürzeren, mit einer Gleitrolle verfehenen Arm des horizontalen Hebels drückt; der längere Arm diefes Hebels läuft in eine Spitze aus, welche längs einer Scala i gleitet, und das Mafs, um welches die Flügelfchraube axial bewegt wurde, in, wenn wir nicht irren, achtzigfacher Vergröfserung angibt. Fig. 17. b r n n g t e Fig. 18. b b Der Lichtendurchmeffer der Ringe wird nicht mittelft einer Schublehre. fondern auf geometriſchem Wege, und zwar in folgender Weife ermittelt: Ein Eifenftab, etwas kürzer als der Lichtendurchmeffer des Ringes, wird in denfelben eingeführt und werden die Punkte, wo derfelbe den Umfang des Ringes berührt, bezeichnet. Alsdann wird der Stab in die Lage a b₂ gebracht, und aus dem Umfangswinkel a und der Länge des Stabes der wahre Durchmeffer a b des Ringes errechnet.( Fig. 18.) Ift diefs gefchehen, fo werden die Körner des Zirkels auf diefes Mafs auseinander geftellt, und 5 a b. 64 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. fodann das Rohr auf feinen Durchmeffer unterfucht, oder wenn derfelbe bereits ermittelt wurde, diefer Duchmeffer mit jenem des Ringes verglichen. Da die Nadel des Zirkels jede Differenz in achtzigfacher Vergröfserung zeigt, fo läfst fich bei diefer Methode ein vollkommen genaues Abdrehen des Ringes und des zu beringenden Rohrtheiles erzielen. Die Mehrzahl der in Finfpong erzeugten Hinterlader grofsen Kalibers gehören dem franzöfifchen Syftem mit dem bekannten Schraubenverfchluffe an.* Diefes Syftem, welches fich bei vielfach angeftellten Schiefsproben als vollkommen kriegstauglich erwiefen hat, ift im Verhältniffe zu anderen Conftructionen von Kanonen äufserft billig im Preife, und haben fich der fchwedifche, holländifche und dänifche Staat während mehrerer Jahre hindurch mit gezogenen Gefchützen grofsen Kalibers von Finfpong verfehen. Als Repräfentanten diefes Syftems und der in Finfpong im Weiteren zur Fabrication gelangenden Gefchützfyfteme hat das Etabliffement ausgeftellt: Eine Hinterladungskanone von 8:08 Decimalzoll( 24 Centimeter) in einer Küftenlaffete. Eine Vorderladungskanone von 41 Decimalzoll. Eine Vorderladungskanone von 324 Decimalzoll. Eine Vorderladungskanone von 2:58 Decimal zoll. Die 24- Centimeter- Hinterladungskanonen, welche zur Küftenvertheidigung als Panzergefchütze und für die Beftückung der fchwedifchen Kriegsmarine verwendet werden, und welche das ausgeftellte Rohr repräfentirte, gleichen in allen Theilen wefentlich denen der franzöfifchen Marine. Sie beſtehen aus einer cylindro- conifchen gufseifernen Kernröhre, deren rückwärtiger cylindrifcher Theil mit einer doppelten Lage Stahlfretten umfafst ift. Die Totallänge beträgt 153 58 Decimalzoll; davon entfallen für den Verfchlufs nur 12.60 Zoll. Der Laderaum ift 22.81 Decimalzoll, der gezogene Theil 140 97 Decimalzoll, das ift 17-4 Kaliber lang. Die Bohrung hat fünf muldenförmige, rechtsgängige Progreffivzüge von 185 Decimalzoll Breite und 0 18 Tiefe, welche gegen die Mündung zu allmälig bis zu o 169 abnehmen. Die abgewickelte Dralllinie entspricht einem Parabelbogen vom Parameter 0 01617; der Drallwinkel an der Bohrung beträgt 6 Grad. Das Zündloch fteht fenkrecht zur Seele des Rohres und befindet fich im letzten Fünftel des Laderaumes. Es ift in einen kupfernen Kern gebohrt. Diefe Conftruction geftattet ein rafches und mühelofes Austaufchen des Kernes. Das Rohr wiegt fammt Verfchlufs 14.766 Kilogramm, und koftet nach den zur Zeit der Ausstellung geltenden Preifen 31.000 Francs. Die dazu gehörigen cylindro- ogivalen Panzer- Gefchoffe find maffiv und werden in Coquillen gegoffen; fie find im Ganzen 19.6 Decimalzoll lang, wovon 9:43 Decimalzoll auf den ogivalen Theil kommen. Die Warzen, welche in zwei Reihen angeordnet find, beftehen aus einer Legirung von 240 Theilen Kupfer, 21 Theilen Meffing und 10 Theilen Blei und find von Mitte zu Mitte 6.23 Decimalzoll entfernt. Die Gefchoffe wiegen 339 fchwedifche Pfund= 144 Kilogramm. Die Selbftkoften der Erzeugung belaufen fich auf 100 Francs. Die bei den letzten Verfuchen mit fchwedifchem grobkörnigem Pulver erreichte Anfangsgefchwindigkeit beträgt 415 Meter bei einer Gas fpannung von 2700 Atmoſphären. * Die Verfchlüffe werden in den fchwedifchen Etabliffements Bergfund und Motala angefertigt. ts el er en lieren en er er ng ur 70 ting eren en fst ereil on lig eligt im efe Das Ceit ffiv ng, ner ind bft. ver as ala Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 65 Für die Gefchoffe wird Kanonen- Gufseifen verwendet. Laffete und Rahmen find der Hauptfache nach aus Eifenblech und nur gewiffe Theile aus Gufseifen, Stahl oder Bronce erzeugt.( Fig. 19.) Die Wände der Laffete beſtehen aus 13 Linien dicken, durch Bolzen und Bleche verbundenen Eifenplatten, welche in der Gegend der Schildzapfenlager durch aufgenietete Bleche verſtärkt find. Die Höhenrichtung wird mit einer doppelten Zahnbogen- Richtmafchine gegeben, deren Vorgelege mittelft der durch die Handrädchen e zu bewegenden Schneckenfchrauben zur Thätigkeit gebracht werden. Die Laffete ift vorn und rückwärts mit gufseifernen Rollen verfehen; die letzteren ruhen in excentrifchen Lagern, und ftehen mit einer herzförmigen Scheibe a, in welcher zwei Raften eingefchnitten find, in Verbindung. Durch die Drehung diefer auf der Rollenachfe aufgekeilten Scheiben werden die Rollen niedergedrückt oder aufgezogen, und in der jeweiligen Lage durch die Stellklinke b erhalten, welche mittelft einer Feder gegen die Scheibe drückt. Der Rahmen befteht gleichfalls aus fchmiedeeifernen, 8 Linien dicken Wänden, mit aufgenieteten Winkeleifen, welche die Sohle des Rahmens bilden. Die Wände find 15 Schuh lang und nach vorne um 5 Grad geneigt. Der Rahmen fteht vorn und hinten auf gufseifernen Rollen, von denen die letzteren gröfser im Durchmeffer und an ihrem Umfange mit Löchern zum Einfetzen von Handfpeichen verfehen find. Auf jeder Rahmenwand ift ein fefter( c) und ein verftellbarer( d) Rücklaufftollen mit der Beftimmung angebracht, das Aufftellen der Laffete auf die Rollen, und das Entlaften der letzteren felbftthätig in Folge des Rücklaufes und Vorrollens der Laffete zu bewirken. Es gefchieht diefs auf folgende Art: Nach dem Schuffe fchleift die Laffete, den Rücklaufftollen d, über welchen die Herzfcheibe a vorſteht, paffirend auf dem Bodenblech foweit zurück, bis die Scheibe gegen den feften Stollen c ftöfst, worauf diefelbe gedreht, die Rollen niedergedrückt, und die letzteren in diefer Lage durch die in die zweite Raft einfallende Stellklinke erhalten werden. Nun läuft die Laffete auf den Rollen fo weit vor, bis die Klinke, über den feften Rücklauf- Stollen ftreichend, ausgelöft wird; fobald diefs gefchieht, dreht fich die Scheibe, bis die Klinke in die erfte Raft einfällt, und hebt dadurch die Rollen in die Höhe. Zur Begrenzung des Rücklaufes, fowie des Vorrollens des Gefchützes find rückwärts am Rahmen je zwei Puffer h und i aus Kautfchuckfcheiben und dazwifchen eingelegten eifernen Ringen angebracht. Zur Hemmung und Abfchwächung des Rücklaufes dient eine hydraulifche Bremfe, deren Cylinder/ mittelft der Bänder m m an dem Rahmen befeftigt ift, während die Kolbenftange g mit der Laffete durch den auf dem Stirnbleche derfelben aufgenieteten Träger fin Verbindung fteht. Zum Geben der Seitenrichtung dient ein in der Mitte des Rahmens, und zwar hinter den vorderen Rollen angebrachtes Conusrad o, deffen Zähne in einen auf der Bettung befeftigten Zahnbogen eingreifen. Die Bewegung diefes Zahnrades, auf deffen Achfe rückwärts desfelben ein Schneckenrad p angebracht ift, wird unmittelbar durch eine auf der Achfe des Zahnrades q befindliche Schneckenfchraube und mittelbar durch das Hafpelkreuz und Vorgelege r bewirkt. Die Schneckenfchrauben- Welle durchfetzt beide Rahmenwände, und trägt an ihren Enden Kneiffcheiben s, welche an Zahnrädern q angegoffen find. Zum Zurückführen der Laffete werden Taue benützt, die in den Haken k eingehängt, und über die rückwärts angebrachten Rollen t um die Kneiffcheiben gefchlungen werden. Wie man fieht, hat das Räderwerk einen doppelten Zweck, nämlich das Geben der Seitenrichtung und das Einholen der Laffete. Um diefe beiden Aufgaben erfüllen zu können, ift der Keil, mit welchem das Rad q auf der Welle aufgekeilt ift, fehr leicht in feinem Lager verfchiebbar. Wird derfelbe her5* 66 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Fig. 19. Qu ---- 0--0--0Go D 1000 O O 2 2 00 W d 0 O 0 O LL 0 0 D o of O 0 www о о о 0 000 0 O 00 www 00 CO O O O O 0 0 0 OO O о 8 O Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 67 ausgezogen, fo dreht fich das Zahnrad mit der Kneiffcheibe, ohne dafs die Welle zur Drehung kommt. Will man aber Seitenrichtung geben, fo braucht nur das Zahnrad feftgekeilt zu werden, wornach die Welle und mit ihr die Schraubenfchnecke in Drehung verfetzt werden können. Laffete und Rahmen, welche für eine Panzerkafematte gehören, wo kein fefter Pivot möglich ift, fahen einfach und gefällig aus; diefs gilt namentlich von der Bremsvorrichtung, welche vollkommen felbftthätig ift. Im Allgemeinen ift die Conftruction fehr forgfältig ausgeführt und functioniren alle Theile in befriedigenfter Weife. Die damit abgeführten Schiefsverfuche haben durchgehends gute Refultate ergeben. Die Laffete hat eine Feuerhöhe von 1'64 Meter und wiegt einfchliefsig des Rahmens 17.000 Kilogramm, Laffete und Rahmen koften zufammen 14.000 Francs. Das 4'1 Decimalzoll 12 17 Centimeter Rohr ift ein Vorderlader nach fchwediſchem Modell aus Gufseifen mit Fretten aus Beffemerftahl verftärkt. Derlei Gefchütze wiegen 1870 Kilogramm und koften nur 3100 Francs. Die beiden anderen ausgeftellten Kanonen find Feldgefchütze, ebenfalls nach dem fchwedifchen Ordonnanzmodell aus Gufseifen erzeugt. Die 3.24- zöllige Kanone wiegt 1500 Pfund und koftet 673 Francs. " 2.58 " " 900 " 99 " 9 383 " Das Etabliffement von Carl Eckmann und De Maré in Ankarsrum befafst fich unter Anderem auch mit der Erzeugung von GefchützProjectilen, leiftet auf diefem Gebiete ganz Vorzügliches, und hat fich noch auf jeder Ausftellung rühmlichft hervorgethan. Für die Fabrication von in Coquillen gegoffenen maffiven und hohlen Spitzgeschoffen haben fich Akarsrum und Finfpong vereinigt, und wird in beiden Etabliffements das gleiche vorzügliche Material verwendet, und ein identifches, fehr rationelles Gufsverfahren beobachtet. Unter den ausgeftellten Gefchoffen, von denen je II verfchiedene Gattungen für gezogene und glatte Gefchütze, und zwar in ganzem, dann in a bfichtlich gefprengtem Zuftande zu fehen waren, verdienten drei 8- zöllige Spitzgefchoffe befondere Beachtung; denn, obwohl fie bereits einmal gebraucht waren, und einen Panzer von 12 Zoll Eifendicke durchfchoffen hatten, zeigten fie nicht die geringfte Verletzung, fogar die Spitzen waren intact geblieben, und nur feine Furchen an den ogivalen Theilen liefsen erkennen, dafs fie fchon einmal abgefchoffen worden waren. Was die Legirung und Befeftigung der Warzen betrifft, fo mufs Beides als vorzüglich bezeichnet werden, da die Warzen an den Oberflächen der Gefchoffe glatt abgefcheert waren, und nur eine derfelben beim Durchgange durch den Panzer ausgebrochen wurde. Ueber die Erzeugungsweife diefer Art Projectile ift bekannt, dafs der cylindrifche Führungstheil in Formen von gebranntem Sand, die Spitze aber in Eifencoquillen gegoffen, und, wie bereits erwähnt, als Material- Gefchütz- Gufseifen verwendet wird. Durch diefe Methode erhält die Spitze an ihrer Oberfläche die nöthige Härte, und der cylindrifche Theil, welcher die dem weichen Gufseifen zukommende Eigenfchaft behält, die entsprechende Widerftandsfähigkeit, um Panzerplatten von grofser Stärke zu durchfchlagen, ohne dabei zu zerfchellen oder abzubrechen.* * Im Jahre 1869 wurden zu Fin spong Verfuche mit Hartgufs- Gefchoffen gegen ein gepanzertes Ziel ausgeführt, das aus fechs Platten in einer Gefammtftärke von 10'2 Zoll 30 Centimeter beftand. Dasfelbe wurde von 24- pfündigen, in Schalen gegoffenen Gefchoffen vollſtändig durchbohrt, ohne dafs letztere die geringfte Verletzung erhalten hätten. Sie zerbarften felbft dann nicht, als das Ziel durch eine 4'3 Zoll ftarke, maffive Platte verftärkt wurde, von der fie blofs 68 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Palmcrantz und Winborg'fche Mitrailleufe. In der Abtheilung des fchwedifchen Kriegsminifteriums befand fich auch die von den ebengenannten Erfindern herrührende Kugelfpritze von einer neuen und felbftftändigen Conftruction, die fowohl von der dänifchen Orgelgefchütz- Commiffion als auch von dem fchwediſch- norwegifchen Waffen comité bereits vortheilhaft beurtheilt worden war. Diefe Mitrailleufe befteht aus 10 mit Intervall neben einander in broncenen Platten gelagerten Infanterie- Gewehrläufen. Den Träger der Läufe und des Abfeuerungsmechanismus bildet ein eiferner Rahmen, auf welchem die Bronceplatten aufgefchraubt find. Die Läufe find etwas kürzer, als jene des ordonnanzmäfsigen Remingtongewehres, fonft aber denfelben ganz gleich. Mit dem verdeckten Abfeuerungsmechanismus, welcher mittelft eines horizontalen Hebels in Thätigkeit gefetzt wird, fteht die felbftthätige Streuvorrichtung in Verbindung, die ähnlich der an der öfterreichifchen Mitrailleufe angebrachten ein regulirbares Mafs der feitlichen Bewegung zuläfst. Der Abfeuerungshebel befindet fich an der unteren Fläche des Schlofsgehäuſes. Zur Speifung der Läufe dient ein aus 10 verticalen Blechhülfen beftehendes Magazin, welches im Ganzen 250 Patronen fafst, und fich rafch auffetzen und abnehmen läfst. Die Patronen fallen durch ihr Eigengewicht auf eine der während des Feuerns alternirend nach rechts und links gehenden broncenen Ladeplatten, gelangen von hier vor den Laderaum, und werden dann durch die Schlöfschen, welche jenen der Gatlingkanone ähnlich find, in den Lauf gefchoben und abgefeuert; die leeren Hülfen werden durch Extractoren aus dem Laderaume gezogen, worauf fie durch die in den Ladeplatten eingefchnittenen Oeffnungen nach abwärts fallen. Das Abfeuern der Schüffe kann falvenartig oder einzeln gefchehen. Das Verfchiefsen einer ganzen Magazinsladung läfst fich in 25 Secunden bewirken, fo dafs in einer Minute 500 Schüffe abgegeben werden können. Bei Verfuchen in Dänemark follen mit diefer Mitrailleufe fogar 7 bis 800 Schufs per Minute gemacht worden fein. Die in Schweden ausgeführten officiellen Schiefsverfuche follen ebenfalls fehr befriedigende Refultate fowohl in Bezug der guten Functionirung des Abfeuerungsmechanismus, als auch in balliftifcher Beziehung geliefert haben. Auch auf der Wiener Arfenal- Schiefsftätte wurde mit der Palmcrantz'fchen Mitrailleufe eine kleine Probe vorgenommen, welche die oben angege bene Feuergefchwindigkeit und aufserdem noch conftatirte, dafs felbft, wenn durch eine verfagende und im Laufe zurückbleibende Patrone eine Abnahme der Feuerthätigkeit bezüglich des betroffenen Laufes eintritt, das Gefchütz doch nicht aufser Gefecht gezogen zu werden braucht, fondern der Lade- und Abfeue rungsmechanismus unbeirrt mit den übrigen Läufen fortarbeitet. Die eifenblecherne Laffete, in welcher der verticale Zapfen des Laufträgers fteckt, ift fehr einfach, hat hölzerne Räder, eine Feuerhöhe von 90 Centimeter, und kann leicht durch zwei Mann fortbewegt werden. Zum Fahren auf weite Strecken wird fie auf eine Protze aufgeprozt, und genügen dann zwei Pferde vollkommen, das Gefchütz fammt einer ausreichenden Munitionsmenge fortzufchaffen. Es wäre bezüglich diefer Mitrailleufe, welche übrigens auf alle Fälle einen grofsen Fortfchritt in der Conftruction von Orgelgefchützen beurkundet, nur der eine Umftand zu erwähnen, dafs deren einzelne Theile denn doch etwas gar zu leicht gehalten find, fo dafs das ganze Syftem beim Salvenfeuer dem Rückftofse nicht jenen Widerftand entgegenfetzen kann, der zum richtigen Treffen bei länger dauerndem Schiefsen erforderlich ift. Aus demfelben Grunde ift es auch einigernach dem Auffchlage zurückprallten, während feine Riffe im ogivalen Theile von diefer Gewaltprobe zeugten. In Dänemark wurde ein Panzerziel, beftehend aus 8 Zoll dicken Platten und 18 Zoll Balkenverkleidung, aus einem 11- Zöller befchoffen. Dasfelbe wurde glatt durchfchlagen, ohne dafs die Gefchoffe Schaden nahmen. Ein in Holland befchoffenes Panzerziel, welches 8 Zoll ftarke Platten und 14 Zo! l Teakholzverkleidung hatte, wurde mit 24- CentimeterPanzergefchoffen mit Kraftüberfchufs durchbohrt, ohne dafs diefe eine Verletzung erlitten haben. Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 69 mafsen zweifelhaft, ob das Gefchütz, wie es jetzt befchaffen ift, die Strapatzen eines Feldzuges aushalten dürfte, und wir glauben, dafs die Conftructeure fich wohl oder übel zu einiger Verftärkung desfelben werden entfchliefs en müffen. Norwegen. Von der Feldzeugmeifter- Expedition in Chriftiania wurden zwei 22 zöllige( 6pfündige) Gebirgsgefchütze, davon eines laffetirt, ein 2½ zölliges( 8pfündiges) und ein 3 zölliges( 13pfündiges) Feldgefchütz- Rohr, ferner ein 13pfündiges bis zum Zerfpringen befchoffenes Rohr, welche alle aus den Werkftätten von A all& Sön hervorgegangen find, ausgeftellt. Die Rohrmaterie ift Stahl, und find die Gebirgs- und die 21/ 2zölligen Feldrohre aus einem Blocke mit einer Schildzapfen- Frette hergeftellt, während die 312zölligen Rohre einen cylindro conifchen Kern befitzen, deffen cylindrifcher Theil durch drei aufgezogene Hülfen aus Schmiedeeifen verftärkt ift, deren mittlere die Schildzapfen trägt. Alle Rohre find für Vorderladung mit dem fchwediſchen Zugfyfteme eingerichtet. Zum Richten dienen je zwei meffingene Zollauffätze, von denen der eine in der Verticalebene der Seelenaxe, der zweite rechts feitwärts und parallel zum erfteren in am Bodenftücke aufgefchraubten Hülfen angebracht ift. Der Gebrauchsmethode zweier Auffätze entſprechend, hat jedes Rohr zwei Vifirkorne, eines ober der Mündung, das andere auf der Angufsfcheibe des rechten Schildzapfens. Das Zündloch ift in einen kupfernen Kern gebohrt. Das Bergrohr wiegt 338 Pfund, die leichtere Feldkanone 762, die fchwerere 1211 Pfund. Das eine Gebirgsgefchütz hatte eine eifenblecherne Wandlaffete von der gewöhnlichen Conftruction mit genieteten Wänden; diefelbe hat Achskäften zur Aufnahme von Requifiten; die Richtmafchine befteht aus zwei ineinander gehenden Schrauben. Die Traube des Rohres ift mit der Richtmafchine verbunden. Diefe wenigen Einzelnheiten kennzeichnen das Syftem hinlänglich, welches an und für fich nichts Neues bot. Bemerkenswerth war nur die Bremsvorrichtung, die von der öfterreichifchen infoferne abweicht, als das Hemmfeil, welches bei unferen Gebirgslaffeten um eine Felge gefchlungen wird, bei der norwegifchen Laffete mit einem auf dem Achsftängel aufgefteckten Ringe verbunden wird, was zweifellos einfacher ift. Die ausgeftellten Rohre wurden in Norwegen fo aufsergewöhnlichen Proben unterworfen, dafs wir glauben, geftützt auf authentifche Angaben, von denfelben hier Notiz nehmen zu follen Aus der 212 zölligen Bergkanone wurde zuerft zur Feftftellung der Schufstafeln folgender Verfuch ausgeführt: Pulverladung Gattung des Projectils Granaten von 5.6 Pfund ( 2.8 Kilogramm) Granatkartätfchen von 8 Pfund ( 40 Kilogramm) Büchfenkartätfchen von 6 Pfund ( 3.0 Kilogramm) 15 Pfd. ( 0.75 K.) Io Pfd. ( 0.5 K.) PJd 8.0 o ( 0.4 K.) 0.5 Pfd. 0.25K.) 0.25Pfd. Schufs 5 5 60 |( 0.12 K.) Zahl der Schüffe 130 60 60 250 IO 60 70 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Nach diefem Schiefsen hatte fich weder eine Vergröfserung des Seelendurchmeffers, noch fonft eine Befchädigung des Rohres herausgeftellt. Nunmehr wurde folgende Gewaltprobe vorgenommen: Gefchofse Cylinder mit Warzen von 41/4 Pfund ( 3'6 Kilogramm Sphärifche Kugeln von 3 Pfund I 2 Pulverladung Entfprechendes Gewicht o'8 Pfund ( 0.40 Kilo gramm) 1'3 Pfund ( 0.65 Kilo-( o'90 Kilogramm) gram) 18 Pfund 2.5 Pfund ( 124 Kilogramm) 134 Pfd.( 6 6 Kilogr.) Schufs ΙΟ I I I I 4 1914 " ( 9.6 99 ) IO I I I I 6 " 254( 12.6 " ) IO I I I I 8 3114 ( 15.6 27 ) IO I I I IO 37% ( 18.6 " ) IO I I I I II 40( 200 " ) IO I 12 4314" ( 21.5 " ) IO I IO I 13 " 46( 230 3 29 ) I 14 4914( 24.5 29 27 ) IO IO dann folgte ein Schiefsen nach dem hier angegebenen Programme: Cylinder von 714 Pfund ( 3.6 Kilogramm) mit Warzen ohne Warzen Pulverladung Entfprechendes Gewicht von 212 Pfund Schufs I I 142 Pfund( 72 Kilogramm) I I 2 21 3/4 " ( 10.3 I " I 3 29 ( 14'4 I " I 4 3614 " ( 18.0 " ) I I 5 43122 99 ( 215 " ) I I 6 50/4 " ( 25.3 f ) IO Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 71 Zwifchen je zwei Cylinder wurde eine hölzerne Scheibe von ½ Zoll ( 15.6 Millimeter) Dicke eingefügt. Sieben folcher Cylinder füllten die Seele vollftändig aus. Das Rohr beftand auch diefe Probe. Zu Anfang der Gewaltprobe war es in einer hölzernen Verfuchslaffete eingelegt. Als diefe durch das Schiefsen gebrochen war, legte man das Rohr auf den Boden. Nach beendeter Probe erwies die Vifitirung der Seele eine Vergröfserung des Durchmeffers bis zu o'004 Zoll( o 126 Millimeter); die Erweiterung war weniger beträchtlich in der Kammer und an der Mündung. Mit einem, dem ausgeftellten 2% zölligen Feldkanonen- Rohre gleichen Stücke wurden zuerft zur Beftimmung der Ladung und Portée 1003 Schüffe nach folgendem Tableau abgegeben: Gefchofs Gewöhnliche Granaten 714 Pfund ( 3.61 Kilogramm) Granatkartätfchen 8 Pfund( 3.99 Kilogramm) Büchfenkartätfchen 8 Pfund 551 45 47 60° 60 60 823 2 Pfund ( ro Kilog.) Gewöhnliche Ladung von 1½ Pfund ( 0.75 Kilog.) 14 Pfund ( 0.62 Kilog.) I Pfund ( 0.5 Kilog.) 34 Pfund ( 0.37 Kilog.) 12 Pfund ( 0.25 Kilog.) 14 Pfund ( 0.12 Kilog.) Zahl der Schüffe 60 120 - - - 120 60 Die gewöhnlichen Granaten wurden mit der Normalladung unter Elevationen von 1, 5, 10 und 14 Grad; mit verminderter Ladung unter 10, 15, 20 und 25 Grad, die Granat- und Büchfenkartätfchen unter Elevationen von bis 3½ Grad gefchoffen. Von den Granatkartätfchen explodirten zwei in der Bohrung. 30 Büchfenkartätfchen enthielten 2löthige Schrote aus Zink, die übrigen Schrote aus gefchmiedetem Eifen; letztere verurfachten theilweife kleine Eindrücke in den Zügen bis zu o'01 Zoil. Die Gewaltprobe wurde in folgender Weife ausgeführt: Cylinder aus Gufseifen von 9 bis 6 und 74 Pfund( 4'48 bis 2.99 und 3.61 Kilogramm) mit Warzen ohne Warzen Entfprechendes Gewicht Gewöhnliche Ladung 112 Pfund ( 0.75 Kilog.) I v. 9 Pfd.( 4.48 Kg.) I 9 " 9 " I v. 6 ) 2 Pfd.( 2.99 Kg.) 15 Pfd.( 7.47Kg.) 10 Schufs 6 99 99 ( 21 99 " 9 " I, 9 99 ) " 99 I 9 99 " 4" ) 3" 6 6 99 ( 27 99 ( 1046) 10 ( 13.00 " ን " ) 10 99 77 : 99 I " 9 9 99 " ) 5, 6 " 9 ) ) " 13 ) 33 " ( 16.44 IO " 99 39 27 199 ( 19.43" IO 116 " I 74" ( 3.61 Kg.) I, 7¼ " ) " 5, 74 6,74 99 ( 3.61 Kg.) 4312 99 ( 21.67" ) 10 99 99 " 5014 99 ( 25.28) 10 77 99 72 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. worauf nachftehende Serien folgten: Gufseifen- Cylinder von 714 Pfund( 3.61 Kilog.) Entfprechendes Gewicht 2 99 29 99 " 3 " mit Warzen ohne Warzen I von 714 Pfd.| I von 714 Pfd.| 14½ Pfd.( 7.22 Kg.) I I F 29 16 I Ladung von 2 Pfund ( rooKg.) 212 Pfd. ( 125 Kg.) 3 Pfund ( 1.49 Kg.) Schuf s I I 211/4" 29 99 ( 10.83) ( 14:45") I I I I das Rohr zerfprang 99 99 4 99 99 3614 29 ( 18.06) I I 27 17 29 5" 4312 99 " ( 21.67) I I 99 I 6 " 27 " 7 97 50 27 ( 25 28, ) IO IO Im Ganzen wurden 102 Gewaltfchüffe gemacht. Die Trennung des Rohres fand unmittelbar vor und hinter dem Schildzapfenring quer zur Seelenaxe des Rohres ftatt; das Vorderftück blieb unverfehrt, der rückwärtige Theil zerfprang in drei beinahe gleiche Theile nach der Richtung der tiefen Züge. Das maffive Hinterftück mit der Traube zerbrach in mehrere fegmentäre Stücke. Das ausgeftellte 3½zöllige Feldkanonen- Rohr war folgenden Verfuchen unterworfen worden: Mit glatter Seele: 2 Schüffe mit der Ladung von 33% Pfund( 1.68 Kilogramm) Pulver in feften Patronen( 94.8 Millimeter Durchmeffer) und cylindrifchen Gefchoffen von 26 Pfund( 13 Kilogramm) Gewicht. Mit gezogener Bohrung: 2 Schüffe mit der Ladung von 3 Pfund ( 15 Kilogramm) Pulver in Patronen feftgebeutelt( 94-8 Millimeter Durchmeffer) und cylindrifchen Gefchoffen von 17 Pfund( 8.5 Kilogramm). 2 Schufs mit der Ladung von 234 Pfund( 137 Kilogramm) Pulver in Patronen feftgebeutelt und cylindrifchen Gefchoffen von 17 Pfund. I Schufs mit derfelben Ladung und Gefchoffen von 13 Pfund. 1000 Schufs mit der gewöhnlichen Ladung, davon 960 mit 24 Pfund, ( 112 Kilogramm) das Pulver in gebeutelten allongirten Patronenfäcken( 86.6 Millimeter Durchmeffer) und mit ogivalen Gefchoffen von 13 Pfund( 6.5 Kilogramm) und 40 Schufs mit 212 Pfund( 125 Kilogramm) Pulver in Patronenfäcken ( 94.8 Millimeter Durchmeffer) und mit Büchfenkartätfchen von 12% Pfund( 6.25 Kilogramm). 129 Schufs zur Erprobung des Widerftandes, und zwar: 70 Schufs mit der Ladung von 24 Pfund( 112 Kilogramm) und Projectilen mit fteigendem Gewichte von 26 bis 104 Pfund( 13 bis 52 Kilogramm). 10 Schufs mit derfelben Ladung und Projectilen von 117 Pfund( 585 Kilogramm). 7 Schufs mit der Ladung von 22 Pfund( 125 Kilogramm) und Projectilen mit fteigendem Gewichte von 26 bis 104 Pfund( 13 bis 52 Kilogramm). 10 Schufs mit derfelben Ladung und Projectilen von 117 Pfund( 58.5 Kilogramm). 7 Schufs mit der Ladung von 3 Pfund( 15 Kilogramm) und Projectilen mit fteigendem Gewichte von 26 bis 104 Pfund( 13 bis 52 Kilogramm). 10 Schufs mit derfelben Ladung und Projectilen von 117 Pfund( 585 Kilogramm). 7 Schufs mit der Ladung von 312 Pfund( 175 Kilogramm) und Projectilen mit fteigendem Gewichte von 26 bis 104 Pfund( 13 bis 52 Kilogramm). 1 1 n 5 10 5 n 5 it -5 en Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen... 73 8 Schufs mit derfelben Ladung mit Projectilen von 117 Pfund( 58.5 Kilogramm). Zu diefer Gewaltprobe wurden fefte Patronen( 94.8 Millimeter Durchmeffer) genommen; die Gefchoffe beftanden aus 13pfündigen Cylindern. Nach dem 8. Schufs der letzten Serie fand man einen Sprung in der ftählernen Kernröhre, der fich von dem glatten Theile der Bohrung bis an die Mündung erftreckte. Die nach den normalen Schüffen gemeffenen Bohrungserweiterungen, deren Maximum im vorderen Theil des Gefchofslagers 0126 Millimeter betrug, hatten noch nicht die Grenze der geftatteten Erzeugungstoleranz erreicht. Nach den Gewaltfchüffen betrug die gröfste Erweiterung o'690 Millimeter, und zwar im vorderen Theile der Seele, wo die warzenlofen Cylinder mit ihrer harten Oberfläche die Felder gerieben haben. Längenftreifen und Ausbrennungen traten zum Schluffe deutlich hervor, ohne dafs ihre Tiefe jedoch o 3 Millimeter überschritten hätte; im glatten Theile des Laderaumes wurde keine Veränderung conftatirt. England. Stahlwerke von Th. Firth& Sons, Norfolk Works in Sheffield. In neuerer Zeit hat der Firth ftahl viel von fich reden gemacht. Es ift diefs eine Gattung Tiegelgufs- Stahl, welcher ausfchliefslich aus cementirtem fchwedifchem Eifen dargestellt wird, und feiner vorzüglichen Eigenſchaften wegen fich zur Fabrication von Gefchützrohren ganz befonders eignet.* Englifche Gefchützfabrikanten halten diefen Stahl geradezu für das befte Kanonenmetall. Firth& Sons ezeugen dermalen keine completen Gefchütze, fondern befaffen fich nur mit der Herftellung von dazu gehörigen Stahlblöcken, die fie auf Verlangen einfach ausgefchmiedet oder vollſtändig appretirt liefern. Der Vorgang bei der Ausfertigung der Stahlfeelen ift ungefähr folgender: Die Ingots für alle Kanonen werden mit 13 Gewichtszugabe maffiv in jener Länge gegoffen, welche die Stahlfeele im fertigen Zuftande erhalten foll, worauf fie forgfältig auf den beiläufigen Durchmeffer mit wuchtigen Dampf hämmern ausgefchmiedet werden.** Durch diefen Vorgang beabfichtigt man die vollständigfte Homogenität des Blockes herbeizuführen, welche unbedingt nothwendig ift, wenn das Gefchütz jene Ausdauer und Verlässlichkeit gegen das Zerfpringen bieten foll, die man zu fordern bemüffigt ift. Das Hohlgiefsen und nachmalige Ausfchmieden über einen Dorn gibt erfahrungsgemäfs keine Gewähr für die Homogenität des Stückes, und laffen fich auch metallurgifche Principien gegen diefe Methode ins Treffen führen. Nach dem Schmieden werden die Blöcke auf die entſprechenden Dimenfionen abgedreht, gebohrt und, nachdem die Bohrung mit Zügen verfehen ift, in Oelgehärtet. Durch das letztere Verfahren, wodurch die Bohrung widerftandsfähiger gegen die Einwirkung der Gafe und unempfindlicher gegen die Abnützung durch die Projectile wird, erleidet der Stahl allerdings an Dehnbarkeit eine geringe * Das Etabliffement befitzt in Schweden einen mächtigen, vielleicht den gröfsten Stock von Eifenerzen, die fogenannten Marken Dannemora. Die Giefserei hat 410 CoaksSchmelzöfen für je zwei Tiegel und eine gröfsere Anzahl von Cementöfen, deren jährliche Production fich auf 10.000 bis 12.000 Tonnen Stahl beziffert. ** Das Werk befitzt aufser einer Serie von Dampfhämmern bis zu 12 Tonnen noch zwei doppelwirkende nach dem Syftem von R. Wilfon conftruirte Hämmer von je 25 Tonnen Gewicht, die mächtigften, welche in England exiftiren; fie wurden von J. Nasmyth& Comp. in Manchefter gebaut. Die beiden Hämmer, von denen jeder eine Kolbenfläche von 14'500 Centimeter befitzt, arbeiten mit 3 Meter Hubhöhe und doppeltem Effect, das ift mit mehr als 50 Tonnen, wodurch felbft die fchwerften Stahlblöcke bis auf ihre Seele wirkfam gefchmiedet werden können. 74 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Einbusse, dafür aber wird feine Elafticitätsgrenze mehr als verdoppelt und feine Widerftandsfähigkeit beim Zerreifsen um 40 bis 50 Percent erhöht. In diefer Richtung angeftellte Verfuche haben folgende Refultate ergeben: Ungehärteter in Oel gehärteter Firthftahl für Kanonen Durchfchnittliche Elafticitätsgrenze per Millimeter Quadrat in Kilogramm. Durchschnittliche Bruchbelaftung per Millimeter Quadrat in Kilogramm • Entfprechende Verlängerung in Percent. 20 45-55 13-15 45 70-80 8-10 Diefes Härteverfahren fo grofser Stücke, welches dermalen nur in den Stahlwerken von Firth& Sons und im Woolwicher Arfenal betrieben wird, dürfte in Anbetracht der aufserordentlichen Vortheile, welche es gewährt, fehr bald Nachahmung finden. Bis jetzt liegen allerdings noch zu wenig Verfuchsrefultate über das Dauerverhalten von Gefchützen mit gehärteter Kernröhre aus Firthftahl vor, um ein pofitives Urtheil über diefelben fällen zu können; was aber hierüber bekannt wurde, lautete durchgehends fehr günftig, und es darf demnach das von diefer Firma beobachtete Härteverfahren als ein beachtenswerther Vorgang in der Appretur des Stahles für Feuerwaffen im Allgemeinen, insbefondere aber für Gefchützrohre gröfseren Kalibers angefehen werden. Es ift klar, dafs in Folge der Potenzirung der Feftigkeit und Elafticität des Stahles in dem bezeichneten Mafse die Gefchütze leichter gemacht werden können, als diefs bei allen anderen Metallen zuläffig ift. Diefer Vortheil fällt um fo fchwerer in die Wagfchale, je gröfser der Kaliber ift; denn es wird dadurch nicht allein die Fabrication, fondern auch die Bedienung der Gefchütze erleichtert, was nicht hoch genug anzufchlagen ift. Endlich ift es noch fraglich, ob fich bei der ftetigen Vergröfserung der Kaliber nach der alten Methode verläfsliche Gefchütze erzeugen laffen, wenn einmal der Kaliber von 32 Centimeter überfchritten wird. In jedem Falle werden folche Gefchütze einen enormen Aufwand an Betriebsmitteln fordern, und, wie gefagt, unverhältnifsmässig fchwer ausfallen. Es mufs noch erwähnt werden, dafs der durch den befagten Vorgang erreichte Härtegrad weder dem Nachbohren, noch dem Ziehen der Rohre Schwierigkeiten entgegenfetzt. Firth& Sons ftellten aus: Einen Rohrkern aus homogenem Stahl für ein 11 6 zölliges( 35 Tonnen) Woolwichgefchütz, Rohrfeelen für 27- Centimeter- Marine-, für 40- und 10pfündige Hinterladungsgefchütze, dann für 16- und 9pfündige Vorderladungs- Feldgefchütze, Schmied ftücke verfchiedener Gröfse aus homogenem Stahl für Gefchützringe, ausgefertigte Schildzapfen- und Stirnringe für Feldgefchütze, 9zöllige Stahlgefchoffe, ein fehr fchönes Bruchftück des Kernftückes vom 35Tonnengefchütz, Gewehrläufe u. f. w. Die vorzügliche Güte des Firthftahles hat der Firma bereits einen Weltruf erworben. Schon feit 1860 Lieferant der englifchen Regierung, wurde fie neueftens auch von der türkifchen und italienifchen Regierung, dann von der franzöfifchen Marine und endlich von den beiden englifchen Gefchützfabrikanten Vava ffeur und Sir Armstrong mit Aufträgen betraut. Für die englifche Regierung liefert die Firma, und zwar: dem Arfenale zu Woolwich Stahlblöcke für Feld-, Belagerungs-, Feftungs- und Marinegefchütze, wovon die gröfsten 6200 Kilogramm im gefchmiedeten Zuftande wiegen( Woolwich Infant. 35 Tonnen), der königlichen Waffenfabrik zu Enfield alle Gewehrläufe, welche im Etabliffement der Firma bis auf einen gewiffen Kaliber gebohrt werden. t t S r e 1. 1 ir 1. e- e 5- uf Le g₁ en zu e, ch e, n. Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 75 Zur Bearbeitung der gehärteten Seelen pro ducirt die Firma eine befondere Stahlgattung von ungewöhnlicher Härte, den fogenannten Diamantftahl, der fich vor züglich bewährt. Ordnance Works von J. Vavaffeur& Comp. in London. Obige Firma hat die von dem englifchen Artilleriecapitän Blakely im Jahre 1860 in London gegründete Gefchützfabrik nach des Letzteren Tode an fich gebracht, diefelbe bedeutend erweitert und verfchiedene Verbefferungen in einzelnen Fabricationszweigen eingeführt. Gleich Capitän Blakely ein eifriger Anhänger ftählerner Gefchütze, verwarf Vavaffeur die Anwendung verfchiedener Metalle für den Aufbau von Kanonen rohren und conftruirte ein eigenes, nach ihm benanntes Rohr- und Laf fetenfyftem. Als Material für Fig. 20. feine Kanonen benützt Vavaffeur ausfchliefslich Firth'fchen Stahl, und beftehen alle Kanonen ohne Unterfchied des Kalibers aus der in Oel gehärteten Kernröhre, über welche bei den Feldgefchützen noch eine die Längenmitte derfelben überragende Hülfe aufgefchoben ift; bei den Rohren mittleren Kalibers ift die ganze Kernröhre mit zwei oder drei ungleich langen Hülfen, über welche wieder eine, mitunter auch zwei Ringlagen aufgefchoben find, verfehen; bei den Kanonen gröfsten Kalibers find die beiden vorderen Hülfen. durch Ringe erfetzt und das Bodenftück durch 2 Ringlagen ver ftärkt. Als Repräfentant diefes Gefchützfyftemes kann die von der genannten Firma ausgeftellte laffetirte 7- zöllige Kanone, welche die Fig. 20 veranschaulicht, betrachtet werden. Das Rohr derfelben besteht aus der in Oel gehärteten Kernröhre A( Fig. 21), den fie umgebenden Hülfen B, C, D ( Jaquettes), der Fig. 21. 76 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Bodenfchraube G, den Ringen E und dem Schildzapfen- Ring F. - Die Jaquettes, die Bodenfchraube und alle Ringe, mit Ausnahme des Schildzapfen- Ringes, welcher von Schmiedeifen ift, find aus Gufs ftahl verfertigt. Die Schraube wird aus Blöcken mit ftarker Gewichtszugabe forgfältig ausgefchmiedet und dann appretirt; die äufseren Ringe werden gefchmiedet und in ähnlicher Weife, wie die Radbandagen der Locomotivräder gewalzt, fo dafs die Fafern in der Richtung des Rohrumfanges zu liegen kommen, wodurch die abfolute Feftigkeit des Stahles zur vollen Geltung gebracht wird. Der Bodenring hat zwei Verſtärkungen, in welche die zu dem Elevationsmechanismus gehörigen Bolzen eingefetzt werden; jede diefer Verftärkungen ift mit einem Canale für die Auffatzftange verfehen. Hiedurch wurde die Anbringung eigener Träger für den Richtmechanismus und die dadurch bedingte Schwächung des Ringes vermieden. Das Zündloch ift in einen kupfernen Kern gebohrt und vom Ende der Bohrung um 0'4 der Ladungslänge entfernt. Die Bohrung ift ftatt der üblichen Züge mit drei Rippen verfehen, die 10 Zoll breit und 02 Zoll hoch find; diefen Rippen entſprechend hat das Gefchofs drei, den ganzen cylindrifchen Theil durchziehende Furchen. Der über den Gefchofskern gemeffene Spielraum beträgt 0.08 Zoll, jener in den Gefchofsfurchen 0.05 Zoll. Die Vavaffeur'fche Rahmenlaffete befitzt einen originellen Mechanismus zur Begrenzung und Schwächung des Rücklaufes, fowie zum Vor- und Zurückführen des Gefchützes. Die Fig. 20 zeigt Laffete und Rahmen aus dem Erzeugungsjahr 1868, wie fie fich in der Ausftellung befanden. In der letzten Zeit hat jedoch Vavaffeur den Bremsmechanismus modificirt, und denfelben namentlich für fchwere Kaliber dadurch geeigneter gemacht, dafs er zwei Bremsbänder an der vorderen Trommel anbrachte, wodurch, indem eines von Haus aus auf ein gewiffes Mafs angezogen werden kann, jeder beliebige Grad der Bremfung zu bewirken ift. Wir geben daher in der zur Befchreibung diefer Theile gehörigen Fig. 22 bereits die eben Fig. 22. t angedeuteten Modificationen an, zumal diefelben die jüngfte Phafe diefer Conftruction zur Anfchauung bringen. * Werden von nun an auch aus Gufsftahl erzeugt. Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 77 Laffete und Rahmen beftehen aus eifenblechernen, durch Bolzen und Riegel verbundenen Fachwänden; den vorangedeuteten Brems mechanismus bilden folgende Haupttheile: die zwifchen den Rahmenwänden befindliche, vorn und rückwärts in metallenen Lagern ruhende, ftählerne Schraubenfpindela mit vierfeitigem Querfchnitte und die Schraubenmutter b. Am vorderen Ende der Schraubenfpindel ift eine conifche eiferne Scheibe c befeftigt, welche in die Ausnehmung der auf dem vorderen SchraubenfpindelLager d aufgefchobenen, fchmiedeifernen Hülfe( Bremstrommel) e pafst. Die gegen einander ftehenden Flächen der Scheibe und der Hülfe find mit Zähnen verfehen. Die Bremstrommel ift von zwei metallenen Bremsbändern fund g umgeben, welche mittelft Druckfchrauben mehr oder weniger angezogen werden können. Das Bremsband f hat immer eine conftante Spannung, während jenes g, deffen Schraube mit einem Zeiger fammt Scala in Verbindung fteht, nach Bedarf angezogen und fo der Druck regulirt werden kann. Die gufseiferne Schraubenmutter hat eine Länge von 20 Zoll und befitzt an beiden Enden mit Filz gefütterte Stopfbüchfen, wodurch das Ausfliefsen des Schmieröles verhindert und das felbftthätige Reinigen der Schraube ermöglicht wird. Um das Verbiegen der Spindel beim Schiefsen in Folge allenfalfigen Auffpringens der Laffete zu vermeiden, ift die Mutter mit derfelben nicht verbunden, fondern hat ein Gufsftück h, welches gegen die beiden auf der Mutter befeftigten Rollen i drückt. Wenn nun die Laffete zurückfpielt, reifst fie die Mutter mit fich und fetzt die Spindel in rotirende Bewegung. Durch den Widerftand, den die Spindel der zurückgehenden Mutter entgegenfetzt, wird die erftere zurückgezogen, und es treten die Zähne der beiden Flächen in Eingriff. Indem aber dadurch die Bremstrommel gezwungen wird, an der Rotation der Spindel Theil zu nehmen, kommt die Reibung in der Bandbremfe zur Wirkung, welche dann die Arbeit des Rücklaufes aufnimmt. Es ift einleuchtend, dafs durch das ftärkere Anziehen der BremsbänderSchrauben die Reibung beliebig vermehrt und der Rücklauf befchränkt werden kann. Am rückwärtigen Ende des Rahmens find Puffer angebracht für den Fall eines zufällig ftärkeren Rücklaufes. Soll die Laffete vorwärts bewegt werden, fo ift das Auslöfen der Bandfchrauben nicht nöthig, weil die geringfte Vorwärtsbewegung der Laffete ein Ausrücken der Zähne bewirkt, wodurch die ungehinderte Bewegung der Schraube mit der conifchen Scheibe gefichert ift. Das rückwärtige Spindellager befteht aus einer Mutter k und aus einer hohlen, mit einem Hebel verfehenen Schraubenfpindel Z. Wird letztere um 180 Grad nach links gedreht, fo fchiebt fie die Bremsfchraube, indem fie gegen einen Abfatz derfelben drückt, nach vorwärts, und verhindert auf diefe Weife eine Annäherung der Scheibe und dadurch einen Eingriff der Zähne. Um die freiwillige Vorwärtsbewegung der Laffete längs des Schlittens bei den Schwankungen des Schiffes zu verhindern, ift am hinteren Ende der Bremsfchraube eine regulirbare Bandbremfe m angebracht, welche mittelft einer Handfpeiche fehr leicht zur Wirkung gebracht werden kann. Aus diefer Befchreibung ift zu entnehmen, dafs die Bremfe vollkommen felbftthätig wirkt, und dafs, fobald die Spannung der Bänder der Ladung entſprechend vorgenommen worden ift, diefelbe keiner weiteren Aufmerkfamkeit bedarf, fo lange mit der nämlichen Ladung gefeuert wird. Beim Vorrollen der Laffete löft fich die Bremfe von felbft aus, und kann durch die Drehung eines Hebels gänzlich und dauernd aufser Thätigkeit gefetzt werden, wodurch das Vor- und Zurückführen des Gefchützes während des Exercirens oder zu anderen Zwecken ermöglicht ift. Die Einrichtung zum Vor- und Rückwärtsführen der Laffete befteht aus zwei Stirnrädern n, welche in die ovalen Einfchnitte der an den inneren Längenfeiten des Rahmens befeftigten Winkeleifen eingreifen und zugleich 78 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Verfteifungen des Rahmens bilden. Die Räder n fitzen auf einer die Laffetenwände durchfetzenden Welle auf und haben angegoffene Zahnrad- Kränze o, in welche Triebräder eingreifen, deren gemeinfchaftliche Welle in excentrifchen Lagern eingelegt ift. Letztere Welle q trägt aufserhalb der Laffete die Zahnräder r, in welche Triebräder s eingreifen, die mittelft Kurbeln bewegt werden können. Von den beiden Rollenpaaren, welche die Laffete befitzt und auf welchen fie beim Vorwärtsbewegen ruht, ift das rückwärtige auf einer excentrifchen Welle aufgebracht und mit Hebeln verfehen, die durch Leitftangent mit den auf der excentrifchen Welle u befindlichen Armen beweglich befeftigt find. Wird nun der Hebel gänzlich niedergedrückt, fo ftellt fich die Laffete auf die Rollen, gleichzeitig treten auch die Triebräder p mit den Zahnkränzen o der Stirnräder n in Eingriff, worauf die Laffete mittelft der Kurbeln auf dem Rahmen fehr leicht bewegt werden kann. Beim Aufziehen der rückwärtigen Rollen treten die Triebräder und Zahnkränze wieder aufser Eingriff. Um das Auffpringen der Laffete zu verhindern, find vorne und rückwärts Klemmftücke angebracht, welche ein verticales Spiel erlauben, das hinreicht, die Laffete auf die Rollen zu heben. Der Elevationsapparat befteht aus zwei geraden ftählernen, cylindrifch abgedrehten Zahnftangen, welche in Nuthen bewegliche Kopflager befitzen, in denen die Zapfen des Rohr- Bodenringes gelagert find. Mit den Zahnftangen ftehen durch Handfpeichen drehbare Zahnräder in Eingriff. Durch eine Drehung um 120 Grad der auf den Bolzen der Triebräder aufgefchraubten Bremskurbeln können die Zahnftangen in jeder beliebigen Stellung erhalten werden. Für das Seitswärtsbewegen der Laffete find an den hinteren Rollen Zahnfegmente angebracht, welche in andere, auf einer durchgehenden Welle aufgebrachte, mit Hülfen verfehene Segmente eingreifen. Nachfolgend geben wir die wichtigſten zur Beurtheilung des Syftems nothwendigen Daten: Länge des ganzen Rohres der Seele 3251 Millimeter, 2819 Gröfster Durchmeffer des Hinterftückes 622 Aeufserer Durchmeffer an der Mündung 304 Kaliber Dralllänge " 177.8 " 45 Kaliber, Rohrgewicht Projectilgewicht Normalladung Anfangsgefchwindigkeit Länge der Laffete Breite " Gewicht, " Maximal Elevation. 29 Depreffion Länge des Rahmens Breite " Neigung, Zuläffiger Rücklauf Gewicht des Rahmens Gefammtgewicht des Gefchützes 5100 Kilogramm, 52 IO 430 Meter, I'24 0.91" 99 1116 Kilogramm, 12.5 Grad, 6 " 3.66 Meter, " 0.91 1.5 Grad, 1.60 Meter, 1634 Kilogramm, 7840 " Vavaffeur fchreibt feiner Rohrconftruction mehrere Vortheile gegenüber den anderen Vorderladungs- Syftemen zu, und zwar: Gröfsere Widerftandsfähigkeit der Kernröhre, die nicht durch Züge gefchwächt, fondern durch die Rippen eher verſtärkt ift. n e Er r n nt - 1, el h n en g n n- e- h- Der cht HIP Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 79 Können die aus der Bohrung vorfpringenden Rippen beffer als Züge gereinigt werden,* fo dafs fehr kleine Spielräume zuläffig find. Vollständige Centrirung des Gefchoffes.** Ift die die Rotation bewirkende Reactionskraft des Rohres auf einen grofsen Theil des Gefchoffes vertheilt.*** Macht fich die zerftörende Einwirkung der Pulvergafe weniger fühlbar, weil die denfelben ausgefetzten Theile fehr grofs find.+ Als ein weiterer Vortheil wird auch die geringere Empfindlichkeit der Gefchoffe gegen mechanifche äufsere Einflüffe und confequenter Weife der Umftand hervorgehoben, dafs fich diefelben ohne Emballage transportiren und deponiren laffen; auch follen derlei Gefchoffe billiger im Preife fein. - Mit Vavaffeur'fchen Gefchützen wurde fowohl in England als auch in Frankreich experimentirt, und wollen wir zur Orientirung über den Werth diefes Syſtems hier noch die Folgerungen der franzöfifchen Commiffion anführen, welche im Jahre 1871 an Bord des„ Implacable" Schiefsverfuche zur Erprobung der Laffete und des Rahmens angeftellt hat.„ Laffete und Rahmen" fo lautet das bezügliche Refumé im Auszuge-, haben die Proben entfprechend ausgehalten, es wurden bei keinem Grade der Bremfung und der Reaction ein Hüpfen der Laffete oder auffallende Erfchütterungen des Rahmens wahrgenommen. Die vordere Bremfe ift leicht regulirbar, und find ihre Wirkungen den Angaben des Zeigers ftets proportional; fie begrenzt in ficherer Weife den Rücklauf." ,, Das felbftthätige, durch die Repulfion der Puffer vermittelte Einführen des Gefchützes gefchieht fehr ruhig. Sobald für eine Ladung die Bremfe geftellt ift, functionirt fie mit gleicher Präcifion durch die ganze Dauer des Schiefsens und bedarf keiner weiteren Aufmerkſamkeit, fo dafs allenfallfige Nachläffigkeiten Seitens der Bedienungsmannfchaft nichts zu bedeuten haben. Bei geneigten Bordwänden ift beim Einführen des Gefchützes, um die Bewegung desfelben zu mäfsigen, von der rückwärtigen Bremfe Gebrauch zu machen, deren Handhabung erleichtert werden mufs."++ Die vollkommen felbftthätige Wirkung der vorderen Bremfe und die mög. liche Beherrfchung des Gefchützes beim Vorrollen durch die hintere Bremfe find Factoren, die bei einem Schiffsgefchütze von hoher Bedeutung und unerlässlich find für eine leichte und präcife Bedienung. Ein weiterer, fehr beachtenswerther Umftand ift die grofse Leichtigkeit des ganzen Syftemes. Dasfelbe ift beiſpielsweife um volle 25 Percent geringer von Gewicht als das 7zöllige Woolwichgefchütz, welches gleichfchwere Projectile mit der gleichen Ladung fchiefst. Vavaffeur erzeugt auch Hinterladungs- Gefchütze, und wir halten einige Andeutungen über diefelben, obzwar er kein Exemplar diefer Gattung ausftellte, aus dem Grunde für Fachmänner erwünfcht, weil von ihnen bisher noch wenig in die Oeffentlichkeit gelangt ift. Der Aufbau diefer Rohre ift dem früher befchriebenen gleich. Als Verfchlufsapparat dient der cylindro- prismatifche Keil mit eiferner Stofsplatte und einem cylindrifchen Abfchlufsringe. Die Totallänge eines 15- Centimeter- Hinterladungsrohres mifst 243 Kaliber. Seelenlänge bis zum Keil 21 5 Kaliber; der äufsere Durchmeffer des Rohres beträgt Die in der Gegend des Laderaumes 500 Millimeter, die Metallftärke dafelbft 175 Milli * Während der jüngsten Verfuche in Frankreich mit einer 7zölligen Kanone wurden 50 Schufs anftandslos abgegeben, ohne dafs die Bohrung gereinigt worden wäre. ** Die Führungsflächen der Rippen find nämlich radial angeordnet, wodurch das Gefchofs, vorausgesetzt, dafs deffen Nuthen präcife hergeftellt find( gefchieht auf einer Zugmafchine), vollftändig centrirt wird. Vavaffeur hält demnach drei Rippen für alle Gefchütze von 3 bis 12 Zoll vollkommen ausreichend. *** Auf die ganze Länge des cylindrifchen Gefchofstheiles. Der ganze Theil, welcher zwifchen zwei Rippen fällt, fomit beinahe ein Dritttheil des Gefchofsumfanges. ++ Die dermalige Einrichtung foll fchon ein rafches und verlässliches Bremfen geftatten. 6 80 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. meter, alfo etwas mehr als 1 Kaliber. Die Bohrung ift mit Keilzügen verfehen. Die Gefchoffe erhalten ihre Führung durch Ringe aus Kupferdraht, von welchen der eine beim Beginne des ogivalen Theiles, der zweite etwas vor dem Boden angebracht ift. Auf diefe Führungsmethode, die in neuefter Zeit bei Hinterladern fehr in Aufnahme kommt, befitzt Vavaffeur ein Patent aus dem Jahre 1866. Die 15- Centimeter- Gefchoffe find etwas über, jene gröfserer Gefchütze nahezu 3 Kaliber lang. Sir W. G. Armstrong& Comp. Obgleich die Elswick Werke der Firma W. G. Armstrong& Comp. auf der Wiener Weltausftellung nicht in jenem grofsartigen Mafsftabe exponirten, wie diefs auf der letzten Ausftellung zu Paris der Fall war, fo waren fie doch durch eine ganz ftattliche Reihe von Gefchützen, Torpedos u. f. w. vertreten, welche von der hochbedeutfamen Leiftungsfähigkeit diefer Etabliffements Zeugnifs gaben. In dem Pavillon Armfürs Erfte eine 10 zöllige gezogene Vorderftrong befand fich ladungs- Kanone, wie fie die englifche Regierung bereits in den Dienft eingeftellt hat. Einige Angaben über diefes vor nicht gar langer Zeit adoptirte Gefchütz dürften nicht unwillkommen fein. Das Gewicht des ftählernen, mit fchmiedeeifernen Hülfen verftärkten Rohres beträgt 18 Tonnen, die Ladung 70 Pfund pebble" Pulver, das Gefchofsgewicht 400 Pfund. Laffete und Rahmen waren fo, wie fie bei den englifchen Kafemattfchiffen eingeführt find. Ein Gefchütz diefer Conftruction wurde feinerzeit durch das ,, Comité zur Unterfuchung von Explofiven" zu feinen Experimenten benützt; nachdem es zuerft ein Dauerfchiefsen mit verfchiedenen Gattungen Pulver beftanden, wurden aus demfelben noch die folgenden Verfuchsfchüffe abgegeben: 4 Schufs, Ladung 70 Pfund, Gefchofs 400 Pfund 70 " " " 70 22 29 29 70 450 500" 600 " " 29 70 800 27 21 4 " " " 4 99 99 70 " " 27 70 99 1000 1200 " " Hiernach wurde das Rohr bis auf II Zoll Kaliber ausgebohrt, neu gezogen und fodann eine gleiche Serie von 28 Schüffen abgefeuert, die Pulverladung jedoch bis auf 85 Pfund erhöht. Das ausgeftellte Rohr hatte drei Vifirlinien, eine mittlere und zwei feitliche. Die vorderen Vifirpunkte aller drei Linien befanden fich auf dem SchildzapfenRinge. Was die Laffe te betrifft, fo hat fie eine beiderfeitige Zahnbogen- Richt mafchine, deren Getriebe fich an den Innenfeiten der Laffetenwände befinden. Die Laffete fteht auf vier Rollen, von denen die rückwärtigen excentrifch geftellt find. Am Rahmen find vorne fünf Kautfchukpuffer angebracht. Die Seitenrichtung des Rahmens und das Einholen des Gefchützes können durch ein und dasfelbe rückwärts am Rahmen befindliche Getriebe bewirkt werden. Eine 9 zöllige Hinterladungs- Kanone mit Krupp'fchem Rundkeil- Verfchlufs in fchmiedeiferner Feftungslaffete und Rahmen, Armftrong'fcher Bauart. Diefes Gefchütz ift Eigenthum der öfterreichifchen Regierung, und wurde den Fabrikanten für die Zeit der Ausftellung überlaffen. Es ift bereits mehrfachen Verfuchen auf dem Steinfelde in der Nähe von Wiener Neuft adt unterzogen worden, bei denen es fich jederzeit bewährt hat. Das Gefchütz wurde vor einigen Jahren bei Armſtrong vom öfterreichifchen Kriegsminifterium beftellt, und für deffen Bohrungs- und Verfchlufseinrichtung die Krupp'fche Conftruction zur Bafis genommen. S t En h e. n- t. n. lt es be d. m. ieift ütz um OnAllgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 81 Die Ladung beträgt 43 Pfund prismatifches Pulver; das Gefchofsgewicht 250 Pfund. Bis jetzt wurden aus dem Rohre 112 Schufs abgegeben. Eine 7zöllige Hinterladungs- Kanone mit verbeffertem franzöfifchem Schraubenverfchluffe. Pulverladung 22 Pfund; Gefchofsgewicht 110 Pfund. Das ausgeftellte Rohr felbft war alt, und hat bei diefer Gelegenheit nur zur Vorführung des Verfchluffes gedient; der letztere erfordert jedoch ein näheres Eingehen. Armſtrong hat nämlich den franzöfifchen Schrauben verfchlufs in Abficht auf eine bequemere und ficherere Handhabung desfelben modificirt, und durch den von ihm conftruirten Bewegungsmechanismus den fraglichen Verfchlufs, dem fich Einfachheit und Billigkeit keineswegs abfprechen läfst, namhaft verbeffert. Der Verfchlufs in feiner nunmehrigen Form befteht der Wefenheit nach aus der franzöfifchen Schraube und dem Bewegungsmechanismus. Die Figuren 23, 24, 25 ftellen letzteren bei gefchloffenem Verfchluffe vor; derfelbe wird gebildet aus dem Fig. 23. Fig. 25. К C OC r h 722 Fig. 24. Trägera, der Zahnftange b, der Kurbel cund aus den beiden untereinander und mit der Zahnftange in Eingriff ftehenden Zahnrädern d und e. Der Träger ift aus Bronce erzeugt, und befteht aus einer Platte f mit angegoffenem Vorfprung g, welcher mit zwei muldenförmigen Ausnehmungen für die Verfchlufsfchraube h und für die Ladebüchfe i verfehen ift. Die Platte des Trägers, in welcher die Schraube und die Lade büchfe lofe eingefetzt find, läuft mit ihren Falzen in den Nuthen des ebenen Rohrboden- Theiles( fiehe Figur 23), von denen die untere durch die aufgefchraubte Zahnftange gebildet wird. Der früher erwähnte Trägervorfprung ift unterhalb mit zwei Angüffen k und/ verfehen, auf deren Zapfen die beiden Zahnräder aufgefteckt find. In der Verfchlufsfchrauben- Mulde ftehen zwei vierkantige Bolzenköpfe m m vor, welche in die zur Axe der Verfchlufsfchraube 6* 82 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. parallel laufenden Nuthen der letzteren eingreifen, und zur Führung und Begrenzung derfelben beim Herausziehen der Schraube aus der Bohrung dienen. Die aus Eifenblech erzeugte Ladebüchfe wird durch einen Bolzen am gänzlichen Herausgleiten aus der Bohrung gehindert und durch eine Längenrippe in der Mulde geführt. Die Verfchlufsfchraube ift bis ungefähr zur Hälfte ihrer Längenmitte hohl, für den axial eingefetzten, ftählernen Zündloch- Stollen durchbohrt, und am rückwärtigen Ende mit einer durchbrochenen Scheibe n gefchloffen, welche einerfeits als Träger des rückwärtigen Stollenendes, anderfeits als Lager für die Welle o des Sicherheitsmechanismus dient. An dem rückwärtigen Ende der Verfchlufsfchraube ift eine Hülfe angefchraubt, auf welcher der durch den Ring q feftgehaltene Verfchlufshebel r fitzt. Der Sicherheitsmechanismus, welcher das Zündloch nur bei angezogener Verfchlufsfchraube freigibt, und ein Abfeuern des Gefchützes bei nicht angezogener Schraube unmöglich macht, befteht der Hauptfache nach aus einer Welle, auf welcher fowohl der Zündloch- Verwahrer s, als auch ein Charnier t aufgefchoben ift. Auf der Welle des letzteren fitzt ein die Wandung des hohlen Schraubentheiles radial durchfetzender, und über die Gewinde vorftehender Stift u, welcher, wenn der Verwahrer vom Zündloch feitwärts gedreht wird, aus den Gewinden tritt. Das Oeffnen des Verfchluffes und Fertigmachen zum Laden gefchieht in folgender Weife: Während die linke Hand durch eine Linksdrehung des Verwahrers das Zündloch frei macht, dreht die rechte Hand die Kurbel der Verfchlufsfchraube mit Kraftüberfchufs fo lange nach links, als diefs möglich ift. Bei diefer Drehung beginnt die Lüftung der Schraube, fobald die Nafe v des Hebels gegen den Vorfprung w der Hülfe ftöfst, und es ift die Schraube vollends gelüftet, wenn der Hebel um weitere 60 Grad gedreht wurde. Ift diefs gefchehen, fo wird die Schraube aus der Bohrung fo weit herausgezogen, als es angeht. Wird nun der Hebel des Bewegungsmechanismus nach rechts gedreht, bis er an den Boden des Rohres anftöfst, fo wird der Träger durch das längs der Zahnftange gleitende Rad d fo weit nach links geführt, bis die Ladebüchfe in der Richtung der Bohrung fteht, worauf fie in diefelbe eingefchoben werden kann. Ift geladen, fo wird die Ladebüchfe aus der Bohrung gezogen, der Transportirhebel bis zum Anftofsen nach links geführt, die Verfchlufsfchraube in die Bohrung eingefchoben und der Hebel c nach rechts gedreht, worauf der Zündlochverwahrer das Zündloch freigibt. Das Lüften und Herausziehen der Schraube fowie das Schliefsen des Verfchluffes erfordern je 10 Secunden, und laffen fich diefe Verrichtungen ohne befondere Kraftanftrengung bewirken. Der befchriebene Mechanismus dürfte fich umfo praktiſcher erweifen, je gröfser der Kaliber des Rohres ift. Die Dichtung wird mittelft eines Abfchlufsbodens bewirkt, der aus Pappefcheiben befteht, welche zwifchen zwei Meffingfcheiben um eine diefelbe Beim Schuffe wird der etwas federnde Rand verbindende Hülfe gelagert find. des Abfchlussbodens, deffen vordere Fläche concav geformt ift, gegen die Bohrungswände gedrückt, und auf diefe Weife die Liderung hergeſtellt. Selbftverftändlich kleben diefem Dichtungsmittel alle dem Artilleriften wohlbekannten Nachtheile der Pappe an, und fteht es fomit hinter den viel einfacheren Kupferböden zurück. Eine 58 Centner fchwere, glatte gufseiferne Kanone in eine gezogene nach dem Syftem Pallifer mit dem Kaliber von 6.3 Zoll umgewandelt. Die Seele derfelben beftand aus einem aus fchmiedeifernen * Die Skizzen des modificirten Schraubenverfchluffes wurden nach à la vue Aufnahmen hergestellt, was allenfallfige kleine Unrichtigkeiten erklärt. Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 83 Spiralen hergeftellten Cylinder. Ladung: 8 Pfund R. L. G. Pulver. Gefchofsgewicht 64 Pfund. Die benannte Umgeftaltungsmethode ift hinreichend in Fach. fchriften abgehandelt worden. An leichten Gefchützen hatten Armstrong& Comp. einen gezogenen ftählernen 9pfündigen Vorderlader in hölzerner Laffete, dann einen ftählernen 16- Pfünder in eifenblecherner Laffete exhibirt. Beide Gefchütze gehörten dem in der englifchen Armee eingeführten Syftem Maxwell an. Zur allgemeinen Charakteriſtik des 9- P fünders mögen folgende Angaben dienen: Gewicht des Gefchützes: 937 Pfund Ladung. Gefchofsgewicht 11/4" 9" Die Laffete hat eine eiferne Achfe mit hölzernem Achsfutter, eine Zahnbogen- Richtmafchine, deren Bogen mit der Traube des Rohres in Verbindung fteht, und Thonet'fche Räder. Mit Kettenwerk ift fie reichlich ausgeftattet; nicht nur, dafs ein ziemlich gewichtiger Radfchuh mit der erforderlichen Kette vorhanden ift, find auch an der Achfe, beiderfeits des Rohres, circa 6 Fufs lange Ketten angebracht, die zum Rückwärtseinfpannen dienen. Unter der Achfe hängen zwei grofse Kochgefchirre. Das Gewicht des 16- P fünders beträgt 1353 Pfund; Ladung: 3 Pfund, Gefchofsgewicht: 16 Pfund. Das Rohr hat zwei kurze Vifirlinien. Eine 12 pfündige gezogene Feldkanone mit dem bekannten Armstrong Verfchluffe, in fchmiedeiferner Laffete. Diefes Gefchütz ift eben falls in der englifchen Armee eingeführt und war der Vorgänger des jetzigen Maxwellfyftems. Gewicht des Rohres: 919 Pfund. Ladung: 12 Pfund. Gefchofsgewicht: 12 Pfund. Das Rohr hat eine mittlere kurze und eine rechtsfeitliche kurze Vifirlinie. Die Conftruction der Laffete bot nichts Eigenthümliches; fie hatte eine Zahnbogen- Richtmaſchine, deren Zah nbogen mit dem Rohre durch ein unter dem Bodenftück des letzteren befindlich es Charnier in Verbindung war. Diefen Gefchützen reihte fich noch ein leichtes ft ählernes 6- pfündiges Bootsgefchütz mit Armſtrong- Verfchlufs an. Dasfelbe lag in einem fehr einfachen hölzernen Raperte. Die Richtmafchine beftand aus einem Bogen, der wie beim 12- Pfünder in einem Charnier unter dem Bodenftücke befeftigt, in dem viereckigen Ausfchnitte des Laffeten Mittelriegels beweglich war, und von links durch einen Bolzen feftgeklemmt werden konnte. Der Bogen hatte keine Zähne. Die ausgeftellten Rohre hatten mit Ausnahme des Pallifergefchützes durchgehends gufsftählerne Seelen mit einer darüber aufgezogenen, vom Boden bis in die Mitte des Rohres reichenden, fchmiedeifernen Hülfe. Die Collection Armstrong'fcher Gefchütze wurde endlich durch zwei zehnläufige Gatling- Kanonen, die eine vom Kaliber o 65 Zoll( 15.5 Millimeter), die zweite vom Kaliber 0'45 Zoll( 11 4 Millimeter), beide in fchmiedeifernen, leicht und gefällig conftruirten Laffeten liegend, vervollſtändigt. Das Princip diefer Gefchütze kennt man fchon von der Ausftellung im Jahre 1867 her. An feitherigen Abänderungen, die an denfelben zu fehen waren, wären nur zu nennen die übrigens nicht mehr ganz neue Vorrichtung für das Auffetzen der von dem öfterreichifchen Artilleriehauptmann Trawniczek erfundenen Ladetrommel, welch' letztere die Stelle der urfprünglichen prismatifchen PatronenSpeifebüchfen vertritt, ferner die in Folge der eben erwähnten Einrichtung nothwendig gewordene Anbringung der Vifirpunkte rechts feitwärts, und zwar des vorderen auf einem Anguffe des Rahmens, endlich die Vorrichtung zum leichten Auswechfeln der Schlöfschen. Die Laffeten der Gatling Gefchütze hatten Achskäften zum Unterbringen von je zwei gefüllten Ladetrommeln per Gefchütz. Die artilleriftifche Expofition Armstrongs enthielt fchliefslich noch ein nett gearbeitetes Modell einer Moncrieff'fchen Laffete erfter Conftruction, ver 84 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. fchiedene in der englifchen Armee und Marine eingeführte Zünder für Granaten und Shrapnels, dann Segmentgefchoffe für Feldgefchütze u. f. w., Gegenftände, welche durchwegs Bekanntes repräfentirten. Schweiz. Der Wunfch nach Vervollkommnung der Feldgefchütze, welcher, hervorgerufen durch die Erfahrungen der letzten Kriege faft bei allen Mächten befteht, hat zu den eingehendften Verfuchen geführt, und liefsen die auf der Weltausftellung befindlich gewefenen einfchlägigen Objecte namentlich drei Richtungen erkennen, nach welchen die Löfung diefer Frage bisher in einer das Syftem vollkommen durchdringenden Weife angeftrebt worden ift. Indem wir diefe drei Richtungen andeuten, fprechen wir unfere individuelle Anficht dahin aus, dafs mit den vorgeführten Syftemen noch nicht alle jene Wege gekennzeichnet feien, auf denen fich wirkfamere, den Forderungen des neueren Krieges entſprechendere Feldgefchütze componiren laffen. Auf der Ausftellung hat es fich gezeigt, dafs Italien die Vervollkommnung feines alten, fehr fchwerfälligen Feldartillerie- Materials auf dem Wege möglichfter Erleichterung von Rohr und Laffete zu erlangen fuchte, hiebei wohl eine bedeutende Beweglichkeit und Manövrirfähigkeit erzielte, in demfelben Mafse aber an Gefchofs effect verlor. Die fchweizerifche Artillerie legte hingegen den Hauptaccent auf Trefffähigkeit und Sprengwirkung, wurde dadurch aber naturgemäfs zu fchweren Rohren gedrängt. Die Mitte zwifchen beiden, etwas extremen Richtungen fchlugen die Schweden ein, welche ebenfalls in der Reorganifation ihrer Feldartillerie begriffen find. Die letzteren gingen mit den Gewichtsverhältniffen ihres neu projectirten Materials bis an die für den Feldkrieg zuläffige Grenze, liefsen aber dafür Einiges an balliftifcher Leiftung ihrer Gefchütze nach, fo dafs diefelben wohl als zwifchen der italienifchen und fchweizerifchen Artillerie befindlich, was die vorangedeutenden Factoren betrifft, betrachtet werden dürfen. Welche von den genannten Artillerien den befferen Theil erwählt habe, zu unterfuchen, kann gegenwärtig nicht unfere Aufgabe fein, zumal die Beantwortung einer hierauf abzielenden Frage von Erwägungen abhängt, die uns viel zu weit führen würden. Wir müffen uns daher damit begnügen, die Tendenz zu kennzeichnen, welche bei Schaffung der ausgeftellten Feldgefchütze allem Anfcheine nach vorgewaltet hat. Nach diefer kleinen Abfchweifung kehren wir wieder zur fchweizerifchen Expofition zurück. Das Militärdepartement derfchweizerifchen Eidgenoffenfchaft hatte unter Anderem ein 8- Centimeter- Gefchütz( conftruirt von Oberft Bleuler) mit neuer Laffetirung, den zugehörigen Caiffon, dann eine Sammlung der für 8-, 10- und 12- Centimeter Gefchütze beftimmten Munitionsforten exponirt. * Mit vollem Rechte mufs dem 8- Centimeter-( genau 8.4 Centimeter-) Feldgefchütz( Ordonanz 1871) in Bezug auf feine balliftifche Leiftungsfähigkeit ein hervorragender Platz unter den jetzt beftehenden Syftemen eingeräumt werden. Das exhibirte broncene Rohr von 200 Centimeter Total- und 186 Centimeter Seelenlänge, welches in der Gefchützgiefserei von Emil Rüetfchi in Aarau gegoffen, und bei Gebrüder Sulzer in Winterthur ausgearbeitet wurde, * Das eidgenöffifche Artilleriewefen fteht fowohl in organifatorifcher als technifcher Beziehung feit Jahren auf einer fehr achtungswerthen Stufe. Bei einem Sollftande von 8262 Mann Auszug, 5350 Mann Referve und 4643 Mann Landwehr befafs die fchweizerifche Artillerie Ende 1871: 358 gezogene 84- Centimeter- Hinterladgefchütze aus Bronce, und zwar 252 zu 42 Feldbatterien, 36 Ergänzungsgefchütze, 45 Pofitions- und 25 Schulgefchütze, ferner 20 vierpfündige Vorderlader- Gebirgsgefchütze. An gezogenen Hinterladern von Kaliber 10 Centimeter waren vorhanden: 121 Stück, wovon 78 zu 13 Feldbatterien und 43 Pofitionsgefchütze, endlich 118 Stück 12- Centimeter- Pofitionsgefchütze, zufammen 617 gezo. gene Kanonen. Allgemeine Bewaffnung und Artillerieweien. 85 befitzt den einfachen prismatifchen Keilverfchlufs mit BroadwellMechanismus nebft ftählernem Liderungsringe und wiegt 430 Kilogramm. Die Bohrung ift mit 12 Keilzügen verfehen, deren Drallwinkel an der Führungsfeite 4 Grad 36 Minuten beträgt. Eine Schufsladung von o'84 Kilogramm ertheilt dem 5.6 Kilogramm fchweren Gefchoffe 396 Meter Anfangsgefchwindigkeit. Die fünfzigpercentigen Trefferrechtecke erfordern: auf 500 Meter 02 Meter Seite und 0'2 Meter Höhe. IOOO " 29 2000 0.45 I " 99 " 0.5 99 99 " " 9 77 79 29 13 99 " 9 Die aus den Werkstätten von Johann Jacob Rieter& Comp. in Winterthur hervorgegangene eifenblecherne Laffe te ift der bekannten fchweizerifchen 10- Centimeter Feldlaffete nachgebildet, und wiegt für fich allein ungefähr 450 Kilogramm; das Totalgewicht des Gefchützes, einfchliefsig einer Ausrüftung von 40 Schufs und fünf fahrenden Bedienungskanonieren, beläuft fich auf circa 1700 Kilogramm, welche Laft auf fechs Pferde vertheilt wird. Der Laffetenwinkel beträgt 22 Grad, die Lagerhöhe 1115 Meter. Die Richtmafchine, welche aus einer verticalen Stahlfchraube mit zwei conifchen Rädern befteht, geftattet 19 Grad Elevation und 6 Grad Depreffion. Der Hohlgefchofs- Percuffionszünder zeigte eine originelle Einrichtung der Mundloch- Schraube. Letztere iſt aus Meffing erzeugt und befitzt zwei conifche, ungleich grofse, mit einander communicirende Aushöhlungen, welche ihre kleineren Oeffnungen nach abwärts kehren. Die mit vier federnden Stahlplättchen adjuftirte, im oberen Conus eingeſetzte Zündpille gelangt beim Schuffe vermöge der Trägheit der Materie in die untere gröfserere Aushöhlung, wo fie durch die Plättchen beim Gefchofsauffchlage am ringförmigen Abfatz der beiden Conuffe feftgehalten und von der Spitze des vorgefchnellten Schlägers getroffen wird. Unter der vorgelegenen Munition, deren Herftellung in ganz vorzüglicher Qualität die Firma Sulzer in Winterthur beforgt, waren die neuen Feldfhrapnels beachtenswerth, welche aus einem fchmiedeeifernen, mit dünnem Bleimantel verfehenen cylindrifchen Gefchofs- Führungstheil beftanden, der an der ogivalen Gufseifen- Spitze feftgenietet, im gufseifernen Boden des Projectils aber eingefchraubt war. Dem Principe nach mit diefer Conftruction verwandte Shrapnels find auch in Oefterreich verfucht worden. Die hauptfächlichften Daten der exhibirten Artilleriemunitions- Sorten läfst die auf Seite 86 folgende Tabelle erfehen. Der Caiffon war nach englifchem Syftem conftruirt, hatte ein fchmiedeeifernes Geftell mit aufgefetztem hölzernem Kaften, hölzerne Räder von 144 Meter Durchmeffer, gleich der Laffete und auch die nämliche Aufprotzvorrichtung: Protzring und Protzhaken englifchen Syftems. Die Geleisweite beträgt bei Laffete und Caiffon 1365 Meter. Als Bremsvorrichtung befitzen beide Fuhrwerke den Radfchuh. Der ungepackte Wagen wiegt 925 Kilogramm. auch der vom Bei Befprechung des fchweizerifchen Artillerie- Materiales müffen wir Militär Departement vorgelegten Ordonnanz- Zeichnungen erwähnen, deren genaue und forgfältige Ausführung allgemein anerkannt wurde. Das fchweizerifche Militärdepartement hatte ferner ein completes Artillerie- Stangen- Zuggefchirr und ein Artillerie Reitzeug ausgeftellt. Das Zuggefchirr. Die Gefchirr halfter des Sattelpferdes gleicht in allen Theilen der in der öfterreichifchen Artillerie eingeführten; das Stangengebifs hat gerade Unterbäume. Die Gefchirrhalfter des Handpferdes ift mit dem Trenfengebifs verfehen, und find deffen Augen durch eine 86 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Granater. Gewicht des fertigen Gefchoffes mit Percuffionszünder Auf ein Quadrat- Centimeter Querfchnitt des Gefchoffes kommen an Gefchofsgewicht. Shrapnels. Kaliber 8 IO 12 Centimeter Centimeter Centimeter Gram m 5600 7840 14200 IOO 90 125 Gewicht des fertigen Gefchoffes mit Zeitzünder. 5600 9200 13250 Gewicht der Kugelfüllung. 2750 2700 4250 Anzahl der Füllkugeln von 16 Milimeter Durchmeffer Stück 130 170 270 Gewicht der einzelnen von Bleiantimon 22 - Füllkugel Zink 16 16 16 99 Auf ein Quadrat- Centimeter Querfchnitt des Gefchoffes kommt an Gefchofsgewicht Kartätfchbüchfen. Gewicht des fertigen) Büchfe von Weifsblech IOO 106 117 Gefchoffes 21 Gewicht der Kugelfüllung. Anzahl der Füllkugeln. 5600 Zinkblech 8200 11700 4650 5400 8100 Stück 62 84 126 72 IOO 64 64 Gewicht der einzelnen von Bleiantimon Füllkugel Ladungen. Zink. 99 Schufsladung oder auf 1000 Gramm Gefchofsgewicht Wurfladung 840 1060 1060 150 135 75 280 250 375 mäffig weite Kette verbunden, auf welcher ein Ring läuft, in den der Handzügel eingefchnallt ift. Durch diefe Anordnung wird jedenfalls eine gute Führung des Handpferdes erzielt. Nebft dem Handzügel find auch zwei Trenfenzügel in die Augen des Trenfengebiffes eingefchnallt, die, wenn das Handpferd nicht geritten wird, an dem Sattel befeftigt werden. Unter der Gefchirrhalfter ift die Stallhalfter aufgelegt, welche in ihrer Conftruction ebenfalls der öfterreichifchen gleich ift, nur dafs ihre Riementheile etwas fchmäler gehalten find. Das Gerippe des Schweizer Fahrfattels bilden zwei eiferne Zwiefeln, welche rechts und links durch einen eifernen Steg verbunden find; an den Enden der Zwiefeln ift eine oben verbundene, 24 Centimeter lange Kiffung, ähnlich wie bei dem deutfchen Sattel, angefteckt, und darüber eine, in Form dem deutfchen Sattel nahezu gleiche, unterm Sitz gepolfterte, aus Blankleder erzeugte Sitzdecke Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 87 mit Satteltaschen und einem vorderen und hinteren Sattelkranz gegeben, welch' letzterer durch die rückwärtige Zwiefel gebildet wird. Im Allgemeinen hat diefer Sattel von Aufsen das Anfehen des fogenannten deutfchen Sattels; der Sitz hat eine ſtarke Neigung, in Folge deffen das Kreuz des Pferdes wohl etwas ftark belaftet werden dürfte, und der Reiter den Stuhlfitz annehmen mufs. Das Handpferd ift ebenfalls gefattelt, und werden auf dem Sattel zwei über die ganze Länge und Breite der Packtafchen liegende Packtornifter durch Riemen befeftigt. Das Gefchirr befteht weiters aus dem Kummet, dem Umlaufriemen, den Zugfträngen, den Zugftrang Anfätzen, dem Schweifriemen und vier Tragriemen. Das Kummet ift zum Oeffnen, zum Vergröfsern und Verkleinern eingerichtet und befteht aus zwei Kummethölzern und dem Kummetkiffen. Die Kummethölzer find fchwarz lackirt, zum Theile mit Eifenblech befchlagen, am oberen Ende fcharf abgefchnitten und 6 Centimeter breit, unten abgerundet und am Zugpunkte 8 Centimeter breit. Am oberen Ende find Oefen angebracht, durch welche ein Riemen zur Vereinigung der Kummethölzer durchgezogen wird; weiters befindet fich im oberen Drittel eines jeden Kummetholzes ein Ring, in welchen die Zugftrang- Anfätze eingeknebelt werden; in jenen rechts beim Sattelpferd wird überdiefs der Handriemen eingefchnallt. Etwas unterhalb der Mitte der Kummethölzer befindet fich beiderfeits ein Knebel, auf dem ein Ring angefteckt ift; diefs ift der Zugpunkt, da hier der als Verlängerung des Zugftranges dienende Riemen( von 27 Centimeter Länge und 4 Centimeter Breite, ähnlich dem Laufgürtel beim öfterreichifchen Gefchirr, aber in feinen Dimenfionen ftärker gehalten) eingehängt wird; endlich befinden fich noch an jedem Kummetholz ein Ring zum Tragen des Umlaufriemens und an den unteren Abrundungen je ein Schnallenftück, in welches ein 4 Centimeter breiter Riemen eingefchnallt wird, mittelft deffen das Oeffnen und Schliefsen, Vergröfsern und Verkleinern des Kummets vorgenommen werden kann. An diefem letzteren Riemen ift in feiner Mitte ein Ring eingenäht, der wahrscheinlich zum Aufhängen des Deichfel- Tragftrickes dient. An den Kummethölzern find noch nach abwärts zu am Zugpunkte zwei kleine Pölfter zum Schutze gegen Reibung befeftigt. Mit zwei Riemen auf jeder Seite find die Kummethölzer mit dem Kummetkiffen verbunden. Letzteres, welches 4 bis 6 Centimeter über erftere hinausragt, ift an den Enden und in der Mitte abgeheftet, nur bei 1½ Centimeter dick, fo weit die Kummethölzer reichen, gepolstert und unten offen. Am Widerrift befteht es aber nur aus einem die zwei Pölfter verbindenden doppelten Lederftücke. Das neue fchweizerifche Kummet befitzt den Vortheil, dafs es für jedes Pferd gebraucht und bei grofsköpfigen oder kopffcheuen Pferden ohne Anftrengung und befondere Vorficht aufgelegt und abgenommen werden kann; es ift zudem leicht und da die Polfterung der Kummetkiffen eine geringe, ift auch der Widerftand ein wenig elaftifcher und empfängt es daher die Wirkungen der Anftrengung des Thieres möglichft unmittelbar und vollſtändig; dafs aber die inneren Seitenflächen des Kummetkiffens nicht unter einem fpitzen Winkel zufammengeführt werden, fondern am und um den Widerrift flach aufliegen, mufs trotz der Leichtigkeit des Kummets doch als ein Nachtheil bezeichnet werden, weil Widerriftfchäden dadurch ermöglicht find. Ob die Kummethölzer bezüglich ihrer Feftigkeit den Anforderungen entſprechen, und auf welche Dauer, ift wohl fraglich. Der Umlaufriemen geht um den ganzen Leib des Pferdes und wird vorne durch die an den Kummethölzern angebrachten beiden Ringe, an den Oberfchenkeln durch je zwei Tragriemen, dann durch 44 Centimeter lange und 12 Centimeter breite lederne Tafchen unterhalb des Sattels auf jeder Seite in feiner Lage am Pferde fixirt. 88 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Er ift vorne vier, rückwärts fieben Centimeter breit; an dem Brufttheil ift ein mit zwei Kettengliedern und einem Knebel verfehener halbrunder Ring aufgefteckt; mit dem Knebel wird die an der Deichfel befeftigte Widerhalt kette verbunden. Der Umlaufriemen ermöglicht fonach das Zurückhalten des Fuhrwerkes bei Paraden und beim Bergabfahren, und erfetzt den Bruftriemen, und zum Theil auch den Widerhaltriemen. Die Zugftränge, welche vom Zugpunkte bis zur Bracke eine beiläufige Länge von 210 Centimeter haben, find ungefchwärzte und uneingefafste Stricke, welche längs des Pferdeleibes einfach, im letzten Drittel( an der Bracke) aber doppelt laufen und mit Knebeln verfehen find. In die Augen der Zugftränge werden die Zugftrang- Anfätze und diefe fodann in den oberen Kummetring eingehängt. Das Gefchirr ift aus gefchwärztem Blankleder erzeugt, und steht bezüg lich feiner Einfachheit und Leichtigkeit wohl unübertroffen da. Der um den ganzen Leib des Pferdes reichende Umlaufriemen dürfte aber bei der angezweifelten Feftigkeit des Kummets die Freiheit der Bewegung und Thätigkeit der Gliedmafsen und Lunge, befonders in fchärferen Gangarten, nicht befonders begünftigen. Da die einzelnen Theile des Gefchirres fehr einfach zufammengeftellt find, fo kann bei dem Sturze eines Pferdes dasfelbe fehr leicht abgefchirrt, entfernt und erfetzt oder, wenn ein Sattelpferd fällt, durch Benützung des gefattelten Handpferdes anftandlos weitergefahren werden. Das Reitzeug. Das Kopfgeftelle des Reitpferdes ift eine Stallhalfter mit Stirn und Nafenriemen, in welche unterhalb des Stirnriemens die oben vereinten, nach abwärts getheilten Backenriemen eingefchnallt fich befinden. Im vorderen Backenriemen- Theile ift das Stangen, im rückwärtigen das Trenfengebifs eingefchnallt und mit Stangen- und Trenfenzügeln verfehen. In den unteren Ring der Stallhalfter ift ein in den Sattlerbund geflochtener StallhalfterRiemen eingehängt. Durch diefe Anordnung des Kopfgeftelles wird die Zäumung des Pferdes im Bivouac fehr erleichtert, da zum Abzäumen nur das Ausfchnallen der Backenriemen und zum Aufzäumen blofs deren Einfchnallen und das Einlegen der Kinnkette nöthig ift. Der Sattel befteht aus dem mit gepolfterten Seitenblättern und abgerundeten eifernen Zwiefeln( ohne Kappa) verfehenen ungarifchen Bock, hat als Unterlage eine filzene Schweifsdecke, und ift mit einer grofsen naturledernen Sitzdecke überzogen, welche ähnlich jener des Fahrfattels zugefchnitten ift. Diefer Sattel ift nicht eben fchön zu nennen, da er fchwerfällig ausfieht, wozu die Anbringung von vier Packtafchen nicht wenig beiträgt. Italien. Kriegs- und Marineminifterium. General Cavalli hatte fchon im Jahre 1858 den Vorfchlag gemacht, das fchwerfällige FeldartillerieMaterial, Modell 1844, durch ein leichteres, zeitgemäfseres Syftem zu erfetzen. Die Mahnung diefes ausgezeichneten Militärtechnikers blieb auch nicht ungehört, und es wurden nach dem Friedensfchluffe 1859 zuerft vier glatte acht pfündige Batterien hergeftellt, und im darauffolgenden Jahre der Experimentirung unterzogen. Die Rohre derfelben wurden später in gezogene umgewandelt, deren Trefffähigkeit und Ausdauer aber nicht befriedigte. Man fchritt daher zur Conftruction eines ganz neuen Gefchützes, und führte dasfelbe nach gelungenen Proben Aus financiellen Gründen und als 9- Centimeter- Kanone, Modell 1863, ein. weil die alte Laffetirung noch in gutem Stande war, blieb es damals bei diefer. Das italienifche Artilleriematerial hatte fohin zwar an Schufspräcifion, aber nicht an Beweglichkeit gewonnen; begreiflich, dafs man nach den Erfahrungen von 1866 an die Erleichterung von Laffeten und Fuhrwerken dachte. a e e 1, t n 1. e S n r. S n- - d k. en e- nt, tte iezu cht ht ng ren onben nd fer. cht on Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 89 General Mattei und Oberft Roffi conftruirten nun ein Feldgefchütz von folcher Leichtigkeit, dafs die Piecen der Divifionsbatterien mit je zwei, die der Refervebatterien mit je vier Pferden fortzubringen waren. Der Kaliber war einheitlich( 6.5 Centimeter), das Gefchütz follte jedoch zweierlei Gefchoffe, leichtere und fchwerere, fchiefsen. Die Idee diefer beiden Conftructeure mufste aber nach den erften Verfuchen wieder aufgegeben werden, wie überhaupt das ganze, mit grofsem Aufwande von Scharffinn combinirte, urfprüngliche Syftem Mattei- Roffi ( Vorderladung) jenen Anfchauungen zum Opfer fiel, welche nach den Erfolgen der deutfchen Artillerie in den Jahren 1870 und 1871, in Italien Platz griffen. Man entfchied fich für Hinterlader, und wählte für das leichte Gefchütz den Kaliber von 75 Centimeter und als Material die Bronce, während dem Vernehmen nach nach für die Referveartillerie gufsftählerne 9.7- CentimeterKanonen in Ausficht genommen wurden. Das italienifche Kriegsminifterium hatte ein completes 75 CentimeterGefchütz nach Wien gefendet, deffen Befchreibung nunmehr folgt. Das 75 Centimeter broncene Rohr befteht aus einem conifchen Vorderftücke, einem cylindrifchen Mittelftücke und aus dem einen Vierkant bildenden Hinterftücke, in welch' letzterem das Querloch für den Verfchlufsmechanismus ausgenommen ift. Diefe drei fcharfmarkirten Rohrtheile find durch Hohlkehlen verbunden. Der Durchmeffer des Laderaumes beträgt 7.9 Centimeter, deffen Länge 26 Centimeter, der conifche Anlauf, welcher den gezogenen Theil mit dem Laderaum verbindet, ift 3.0 Centimeter lang; die totale Seelenlänge mifst 159 Centimeter. Die Axen des Laderaumes und der gezogenen Seele fallen nicht überein, fondern differiren um o 7 Centimeter. In Folge diefer Einrichtung wird das Gefchofs fchon von Anbeginn mit feiner Längenaxe in jene der gezogenen Bohrung gebracht. Die letztere enthält zwölf linksgängige Keilzüge von gleicher Tiefe( 1.3 Millimeter). Die Dralllängen der Führungs- und Ladeflächen betragen 3:50 Meter, beziehungsweife 3.643 Meter, und entſpricht den felben ein Drallwinkel von 3 Grad 51 Minuten. Die Schildzapfen, deren Axe jene der Seele fenkrecht durchſchneidet, befitzen einen weitaus gröfseren Durchmeffer als fonft üblich, find jedoch, um das Gewicht des Rohres nicht zu vergröfsern, ausgehöhlt. Das Zündloch ift in einem Kupferftollen gebohrt und fenkrecht zur Rohraxe geftellt. Das Gefchütz hat nur eine Vifirlinie und find Auffatz und Vifirkorn an der linken Seite des Rohres angebracht. Zur Aufnahme des eifernen Vifirkornes befitzt das Rohr am Vorderftück einen cylindrifchen Angufs, deffen verticale Axe 100 Centimeter von der Bodenfläche des Hinterftückes abfteht. An der rückwärtigen Fläche des Rohres ift an der linken Seite eine Hülfe mit einer fünfkantigen Aushöhlung zur Aufnahme des Auffatzes angegoffen. Das Gefchütz hat den Rundkeil- Verfchlufs, welcher jedoch gegen das Krupp'fche Original einige Abweichungen zeigt. So ift der Broadwellring in die Stahlplatte des Verfchlufskeiles eingefetzt und für feine Anlehnung ein Stahlring in die Bohrung eingefügt, ferner zwifchen Stahlplatte und Keil eine zwei Centimeter dicke Kupferfcheibe eingefetzt. Das Gewicht des Rohres beträgt ohne Verfchlufs 271, mit Verfchlufs 302 Kilogramm. Die Laffete hat eifenblecherne Wände mit anfgebogenen Rändern und Thonet'fche Räder; die Schildzapfen und Achslager, fowie die ProtzlochSchiene find aufgenietet. Hinter der Richtmafchine zwifchen den Wänden ift ein hölzernes Stöckel angebracht, in welchem zwei cylindrifche Löcher für je eine Büchfenkartätfche ausgebohrt find. Die Laffete hat weiters eine gewöhnliche Balkenbrem fe mit eifernen Reibfchuhen, welche vom linken Achsfitze aus mittelft eines Hebels und Zahnbogens, wie bei leichten Privat- Fuhrwerken geftellt werden kann. Die Achfe ift aus Stahl und hat einen conifchen, mit einer Rippe verftärkten Achsftock. Die Richtmafchine befteht 90 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. im Wefentlichen aus einer broncenen Mutter mit darin laufender Richt fpindel mit Handrad, und aus zwei durch ein Gelenkftück mit einander ver bundenen, zwifchen den Laffetenwänden um Bolzen beweglichen Gabeln. Auf der oberen ruht das Rohr, während die untere mit der Richtfpindel ver bunden ift. Die Protze, welche eine ftählerne Achfe mit prismatifchem Achsftocke und die nämlichen Räder wie die Laffetè hat, befitzt in ihrer Conftruction das Eigenthümliche, dafs der Protznagel durch zwei parallellaufende eiferne Schienen geht, und einer dreh- und verfchiebbaren Platte als Führung dient, die mittelft eines Bolzens in zwei verfchiedene Stellungen gebracht werden kann, von denen die eine beim Manövriren, die andere beim Fahren auf gebahnten Wegen gegeben wird. Die Manövrirftellung geftattet die volle Deichfelfreiheit und überhaupt die möglichfte Beweglichkeit des Syſtems, während bei der zweiten die fehr vorgewichtige Deichfel æquilibrirt wird. Der Munitionswagen befteht aus der Gefchützprotze und dem Hinterwagen. Das Untergeftell des letzteren bilden zwei Tragwände aus Eifenblech, welche unter dem Kaften parallel laufen, dann gegen den Protzftock zu, welcher jenem der Laffete ganz gleich ift, convergiren. Der Hinterwagen hat blofs einen zum Abheben eingerichteten, nach vorne zu öffnenden Kaften. Die Bremfe des Wagens ift jener der Laffete gleich und von hinten aus dirigirbar; hinter dem Kaften fteckt in fchräger Richtung ein Referverad auf einer eifernen Halbachfe. Die Hohlgefchoffe des 7.5 Centimeter- Gefchützes find von cylindroogivaler Form, und haben am cylindrifchen Theile einen mit vier Wülften verfehenen dünnen Bleimantel; die beiden unterften Nuthen find mit einer Wachstauche ausgefüllt. Behufs gleichmäfsiger und vollständiger Zertheilung durch die Sprengladung hat die Höhlung die Form eines fechsfeitigen Prisma, welches durch vier ringsum laufende Einfchnitte durchfetzt ift. Die Höhlung ift mit Oelfarbe überzogen. Der Zünder ift dem preufsifchen Percuffionszünder conform, nur beftehen deffen Theile, fowie der Vorftecker aus Meffing oder Bronce. Das Shrapnel hat einen cylindrifchen, glatten Hohlraum, dünnere Wände und eine geringere Länge als das Hohlgefchofs. Die Spreng. ladung befindet fich in einer meffingenen, in der Axe des Gefchoffes ein gefetzten Röhre. Die Füllkugeln werden durch einen Kolophoniumausgufs feftgelagert. Der zu diefen Shrapnels gehörige Percuffions- Ringzünder if in der Fig. 26 dargeftellt, und befteht aus dem Zünderkörper a und der mit dem Percuffionsapparate verfehenen Tempirfcheibe b. Fig. 26. d f g b a 6 7 9 11 12 if T- e n ne t, en uf le S, m us ck ch te Cer 0- en er ng na, ng ler ng ere ng. -inufs ift mit Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 91 Der Zünderkörper, aus Bronce oder aus einer Zinnlegirung erzeugt, befitzt im Centrum feiner ebenen Fläche den Percuffionsftift und concentrifch zu demfelben eine halbrunde Rinne, in welcher der in eine Bleiröhre c eingeprefste Satz gelagert ift. Das eine Ende der Satzröhre communicirt mittelft eines Canales mit der Schlagladungs- Kammer d. Am Umfange des cylindrifchen Zünderkörper- Theiles ift die Tempirfcala, deren Nullpunkt mit dem vom Satzring zur Schlagladungs- Kammer führenden Zünd canal übereinfällt, eingravirt. Die den Zünderkörper übergreifende Tempirfcheibe, aus demfelben Materiale wie der Zünderkörper erzeugt, ift axial durchbohrt, befitzt auf der unteren Fläche eine ziemlich tiefe, halbrunde Nuth, und wird in ihrer Lage durch drei Schrauben erhalten, welche fie mit dem im Zünderkörper eingelaffenen, zweitheiligen Ringe verbinden. In der axialen Höhlung der Tempirfcheibe befindet fich ein bleierner Schläger e, welcher durch zwei kleine Anfätze oberhalb des Percuffionsftiftes fchwebend erhalten wird. Zur Entlaftung diefer Anfätze während des Transportes dient der meffingene Sicherheitsdraht f; die fich entwickelnden Gafe können durch die Oeffnung g entweichen. Italien hatte weiters noch ein 6.5- Centimeter- Landungsgefchütz eingefchickt, welches an Bord der Kriegsfchiffe mitgeführt, und den Landungs truppen beigegeben wird, und fowohl in Booten als auch auf dem feften Lande verwendet werden kann. Im letzteren Falle ift es auf eine leichte, mit Menfchen oder mit einem Pferde zu befpannende Protze aufzuprotzen. Das broncene Rohr ift ein Vorderlader, und befteht aus dem conifchen Vorder- und dem cylindrifchen Hinterftücke mit Traube, dann aus einem vor letzterer befindlichen Anguffe, der zur Aufnahme des Stabauffatzes durchlocht ift. Die Bohrung enthält fünf linksgängige Züge nach dem Syfteme MatteiRoffi, welche fich auf ungefähr fünf Centimeter, vom Ende gemeffen, etwas verengen, wodurch die Gefchoffe centrirt werden. Den Schlufs der Bohrung bildet ein parabolifcher Hohlraum, der bei eingeführter Patrone leer bleibt und die Beftimmung hat, den Stofs der Gafe zu mildern, welche, indem fie vermöge ihrer Expanfion in denfelben eindringen, die Bohrung gleichfam ausfegen, wobei auch die Patronenfack- Refte entfernt werden. Die an diefe Conftruction geknüpften Erwartungen follen in vollem Mafse erfüllt werden. Das Rohr wiegt nur 130 Kilogramm, und erreicht das 2.5 Kilogramm fchwere Projectil mit der Maximalladung von 0 4 Kilogramm die namhafte Gefchwindigkeit von 400 Meter. Die für diefes Gefchütz beftimmte Laffe te ift aus Eifenblech conftruirt, und unterfcheidet fich von den gewöhnlichen eifernen Wandlaffeten wefentlich dadurch, dafs die vorderen Theile in der Gegend der Schildzapfen Fachwände bilden, während im Uebrigen die Ränder der Wände umgebogen find. Ein weiteres Unterfcheidungs- Merkmal bildet der Mangel einer Richtmafchine. Als Surrogat für letztere dient ein horizontaler, an der rechten Laffetenfeite unter dem Schildzapfen- Lager befindlicher Hebel, der in eine Mutter endet, in die der zu einer Schraube geformte Deckelbolzen eingreift. Durch Drehung des Hebels kann der rechte Schilddeckel gegen den Schildzapfen geprefst werden. Auch die ftählerne Achfe ift eigenthümlich conftruirt; deren Mittelftück befteht nämlich aus einer von der Mitte gegen die geraden Stängel convergirenden Schiene, die durch eine abwärts reichende und auf fie fenkrecht ftehende Rippe verftärkt wird. Im Wifcherkolben find keine Borften, fondern die Wurzeln einer in den Sümpfen bei Trevifo wachfenden Pflanze eingezogen. Diefe Wifcher follen nicht allein um 75 Percent billiger fein, fondern auch die dreifache Dauerhaftigkeit gegen die Borftenwifcher befitzen. Die Protze hat zwei von einander etwas abftehende, mit ihrer Längenrichtung parallel zur Symmetrie- Ebene geftellte Käften, und ift der Aufprotzhaken 92 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. auf dem prismatifchen Achsftocke befeftigt. Von den beiden Käften wird der eine mit 24 Hohlgefchoffen, der andere mit ebenfo viel Shrapnels bepackt. Die Patrone ift mit dem Gefchoffe verbunden, am freien Ende jedoch mit einem prismatifchen Holzftücke verfehen, damit fie beim Laden nicht in den früher erwähnten parabolifchen Raum eintreten kann. De Conftruction diefes Gefchützes rührt von der Artillerie direction des maritimen Departements her. An Artilleriematerial waren nebft dem eben befprochenen noch zwei Schiffslaffeten für Armſtrong'fche Vorderlader ausgeftellt. Die eine diefer beiden Laffeten zeigte die bekannte Armſtrong'fche Conftruction mit einer ganz unwefentlichen Modification, die zweite, welche für die Verwendung in den abgeftumpften Ecken der Kafematten in Panzerfchiffen con ftruirt ift, verdient jedoch eine nähere Berücksichtigung, nachdem die Einrichtung derfelben für den Pfortenwechfel fehr einfach und finnreich ift. Auf englifchen und öfterreichifchen Schiffen wird diefer Pfortenwechfel bekanntlich mittelft einer in das Deck des Schiffes eingelaffenen Drehfcheibe bewerkstelligt. Diefe Art bietet zwar den Vortheil fehr rafcher Ausführung des Manövers, hat aber den Nachtheil im Gefolge, dafs das Deck durch den Einfchnitt für die Drehfcheibe gefchwächt und die ganze Anlage wefentlich ver theuert wird. Die italienifche Conftruction bafirt auf der Verwendung der Laffeten auf feftem Deck; man bedient fich hier nämlich zweier auf Deck befeftigter Zahnkränze, längs deren fich ein in der Symmetrie- Ebene des Schlittens mit dem Einholmechanismus in Verbindung ftehendes Zahnräderpaar bewegt, wodurch das Gefchütz ohne übermässige Anftrengung aus einer Stellung in die andere gebracht werden kann. Die Details diefer Conftruction mögen aus dem Nachfolgenden ent nommen werden. Der Rapert befteht aus zwei eifernen Kaftenwänden, deren Verbin Vorne und dung durch Querbleche und ein Bodenblech hergeftellt wird. rückwärts geht durch beide Wände je eine Welle, auf welch' jeder ein Rollenpaar auffitzt; die Rollen befinden fich zwifchen den Blechen der zuge hörigen Wände, und ift jener Theil der Welle, auf welchem fie ftecken, excentrisch verftärkt. Auf jeder der Wellen ift ein Charnierftück aufgekeilt und die vorderen und hinteren Charnierftücke durch eine Lenkftange mit einander verbunden; ferner find auf jeder der beiden Rollenwellen zwei Hülfen, und zwar bei der hinteren innerhalb, bei der vorderen aufserhalb der Wände aufgekeilt, in welche die zum Drehen der Welle beftimmten eifernen hohlen Hebebäume gefteckt werden. Es ift die Einrichtung derart getroffen, dafs alle vier Rollen beim Niederdrücken der Hebbäume, was bei der vorderen oder hinteren Welle gefchehen kann, gleichzeitig zum Tragen gebracht werden. Erftere Stellung der Rollen ift für das Vorführen des Gefchützes nach dem Schuffe und für das Zurückführen beim Exerciren,' letztere während des Schuffes erforderlich, damit in Folge des Aufzehrens der Arbeit des Rückftofses durch die gleitende Reibung das lineare Mafs des Rücklaufes verringert werde. Hiezu trägt wohl auch die Neigung der Oberfläche des Schlittens bei, in Folge deren ein Theil der Arbeit zum Heben des ganzen Syftems verwendet wird. Der Hauptzweck diefer Neigung ift jedoch das felbftthätige Einführen des Gefchützes. Die Rollen haben am Umfange eine Rinne, in welche die auf der Oberfläche der Schlittenwände befeftigten Leiften eingreifen. Vorne am Raperte ift in jeder Wand ein ftarker broncener Ring für den Durchgang des Brohktaues angebracht. Beiläufig in einem Drittel der Länge( von vorne gemeffen) geht durch den Rapert die Bremswelle, auf der der Bremshebel und der Regulirhebel der älteren Ericfon'fchen Schienenbremfe fich befinden. ne ne en rales vei on. die on ung hfel eibe des Einver. der Deck des paar lung ent rbinund ein Euge ken, und nder Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 93 Die Richtvorrichtung bildet eine einfache Zahnbogen- Richtmaschine, die aus dem an der linken Seite des Rohres befeftigten Zahnbogen, deffen Krümmungs Mittelpunkt in der Schildzapfen- Axe liegt und aus einem ZahnradVorgelege mit Handrad befteht; die Fixirung der Richtung gefchieht durch eine Bremsmutter. Rückwärts am Raperte ift der Kettenftopper angebracht, der fich in einem Gehäufe bewegt, welches durch einen broncenen Deckel abgefchloffen ift. Der Kettenftopper befteht aus einer prismatifchen ftählernen Platte mit bogenförmiger Durchbrechung, in welcher ein broncenes Lager von der Dicke der Platte eingefetzt ift; diefes hat die Beftimmung, den an dem Excenter der rückwärtigen Welle parallel zu deren Axe befindlichen Zapfen aufzunehmen. Die Function des letzteren befteht in einem Niederdrücken der Kette gegen das Kettenlager des Gehäuſes, wodurch beim Niederdrücken der eifernen Hebebäume die Laffete mit der am Rahmen befindlichen endlofen Kette zurück und vorgeführt werden kann. Die aus I- Eifen gebildeten Seitenwände des Rahmens( Fig. 27) find vorn und rückwärts durch Kaftenriegel und hinter ihrer Längenmitte durch drei Bleche mit einander verbunden. Vorne fteht der Rahmen auf drei Rollen a, deren Ach Fig. 27. 0 O α und ände ohlen eder. m mehen dem huffes ch die trägt n ein Haupt des e auf r den f h 130 ch den el der g k i n d P f fen gegen den Pivotpunkt allignirt find. Zum Entlaften derfelbenbeim Pivotwechfel dienen zwei auf excentrisch verftärkten Zapfen fteckende, rechts und links der Symmetrie ebene zwifchen den Verbindungsblechen gelagerte Rollenpaare b, die mittelft der Hebebäume, welche in die Hülfen des Lenkermechanismus einzufetzen find, zum Tragen gebracht werden können. Zum Geben der Seitenrichtung fowie zum Backfen des Schlittens beim Pfortenwechfel dient eine in der Längenmitte des letzteren gelagerte Welle, welche am Ende mit einem doppelten Conusrade d verfehen ift. Diefe Welle wird durch das Zahnrad e, von der bei f oder mittelft der Handkurbeln g in Bewegung zu fetzenden Einholvorrichtung in Rotation gebracht. Um aber mittelft der Einhol Vorrichtung auch das Backfen des Schlittens zu bewirken, ift auf der Welle fein Auslöfemechanismus, beftehend aus einem einem Zahn 94 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. muff h und verfchiebbaren Conusrad i angebracht, welches durch einen aus der rückwärtigen Riegelwand tretenden kurzen, horizontalen Hebel k fehr leicht ausgelöft oder in Eingriff gebracht werden kann. Auf Deck des Schiffes find zwei von einander abftehende Zahnbogen/ und m befeftigt; der eine diefer Bogen hat feinen Mittelpunkt im vorderen Pivot, der andere in der rückwärtigen Pivotklappe n, welche fo wie jene o um ein Charnier auf- und niederbewegt werden kann. Die Zahnbogen find den Stellungen, welche das Gefchütz beim Längs- oder Querfchiff- Schiefsen einnehmen foll, entſprechend gelagert. Das Conusrad- Paar, welches auf der Schlitten- Mittelwelle aufgefchoben iſt, läfst fich auf derfelben um die ganze Länge eines Conusrades vor- und zurückfchieben. Beides wird mittelft der rückwärtigen Pivotklappe, die mit der Auslöfegabelp in Verbindung fteht, derart bewirkt, dafs beim Aufheben, refpective beim Niederdrücken derfelben die Conusräder vor-, refpective zurückgehen, wodurch ftets das entſprechende Zahnrad mit demjenigen Zahnkranz in Eingriff tritt, deffen Mittelpunkt der zu benützende Pivot bildet. Der Vorgang beim Pfortenwechfel, welcher das Spiel des Mechanismus klar machen wird, ift folgender: Der vordere Pivotbolzen wird bei darauffolgender Entlaftung der vorderen Rollen ausgehoben und die rückwärtige Pivotklappe niedergedrückt und zum Pivotpunkt des Schlittens gemacht, welcher, nachdem hiebei das Conusrad m mit dem Zahnkranz- Bogen in Eingriff tritt, fofort längs desfelben mit der Einholvorrichtung in die neue Schufsrichtung gebracht werden kann. Ift diefs gefchehen, fo wird der Schlitten wieder auf die vorderen Rollen niedergelaffen und das Rapert in die Schufsftellung vorgeführt. Belgien. Montefiore- Levi aus Brüffel, welcher fich feit längerer Zeit mit der Darftellung von Phosphorbronce befchäftigt, hatte die Ausstellung mit einer reichhaltigen Sammlung von bekannten, in den verfchiedenen Staaten eingeführten Hand Feuerwaffen mit mehr oder weniger Beftandtheilen aus Phosphorbronce, fowie mit einem leichten Feldkanonen- Rohr aus demfelben Materiale befchickt. Diefes in der Jüngftzeit vielfach verfuchte und zum Theile bereits in die Waffentechnik eingeführte Material übertrifft die gewöhnliche Bronce allerdings an gröfserer abfoluter Feftigkeit und Härte, befitzt aber doch noch nicht jenen Grad diefer Eigenfchaften, welchen es im Hinblick auf die gefteigerten Anforderungen an die Feuerwaffen gröfserer Kaliber haben follte. Nichtsdeftoweniger verdienen die Bemühungen des Genannten um die Verbefferung der Bronce alle Anerkennung, denn fie haben dargethan, dafs fich diefes für Gefchütze mit fo werthvollen Eigenfchaften ausgeftattete Material in nicht unerheblichem Grade vervollkommnen läfst. Obzwar die in mehreren Staaten abgeführten Verfuche mit Gefchützen aus Phosphorbronce eine baldige umfaffende Verwerthung der letzteren in der Gefchütztechnik noch nicht ficherftellen, fo mufs doch jetzt fchon zugegeben werden, dafs fie fich zu gewiffen Gewehr-, dann zu einzelnen FuhrwerksBeftandtheilen, zur Montirung blanker Waffen und dergl. ganz vorzüglich eignet. Sie dürfte fich auch für kleine Gefchütze, z. B. für Bergkanonen als vollkommen brauchbar erweifen, da fich das erforderliche Reductionsverfahren der beim Niederfchmelzen der Bronce fich bildenden Gafe bei kleinen Quantitäten in fehr befriedigender Weife bewerkstelligen läfst.* * Häufig begegnet man der Annahme, die Phosphorbronce fei eine Legirung gewöhnlicher Bronce mit Phosphor. Diefs ift infoferne falfch, als der Phosphor nicht als Legirungs Beftandtheil, fondern nur zur Reduction der fich beim Niederfchmelzen der Bronce bildenden Oxyde zugefetzt wird. Die Phosphorbronce ift fomit nichts Anderes, als eine mehr oder weniger oxydfreie Legirung von Kupfer und Zinn. Wie bekannt, enthält die gewöhnliche Bronce je nach dem angewendeten Schmelzverfahren eine gröfsere oder geringere Menge von Oxyden, welche namentlich die abfolute Feftigkeit und Widerftandsfähigkeit des Materiales Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 95 Die Phosphorbronce widerfteht auch weitaus beffer der Oxydation, als gewöhnliche Bronce, beffer als das reinfte englifche Kupfer. Ein Verfuch, welcher mit 610 Millimeter ftarken Schiffsbefchlägen aus Phosphorbronce und gleichdimenfionirten Gegenftänden aus reinftem engliſchem Kupfer ausgeführt wurde, die man einer fechsmonatlichen Immerfion in Seewaffer unterwarf, ergab, dafs der Gewichtsverluft durch die oxydirende Einwirkung des Seewaffers für befte engliſche Kupferbleche 3 058 Percent, für Phosphorbronce- Bleche aber nur 1158 Percent betrug. Diefe aufserordentliche Widerftandsfähigkeit der Phosphorbronce gegen oxydirende Einflüffe macht fie namentlich dort zur Benützung geeignet, wo die aus ihr angefertigten Fabricate einer intenfiven Oxydation ausgefetzt find. Diefs, dann die leichte Reinigung der Bronce veranlafsten die Firma zur Anwendung des mehrerwähnten Materiales bei jenen Gewehr- Beftandtheilen, welche der oxydirenden Wirkung des Pulverrückftandes ausgefetzt find, und vermöge ihrer Function nicht aus Stahl hergeſtellt werden müffen. Die Firma Chriftophe und Montigny in Brüffel verfertigt nach ihrem Syfteme Mitrailleufen für jede beliebige Zahl von Läufen; bisher fabricirte fie folche von 37, 31, 19 und 7 Läufen von II bis 38 Millimeter Kaliber. In der Maſchinenhalle waren jedoch nur zwei diefer Gefchütze, das eine mit 19, das andere mit 7 Läufen fammt Laffeten exponirt. Die fiebenläufigen Mitrailleufen, deren es von 25 bis 38 Millimeter Kaliber gibt( das ausgeftellte Gefchütz befafs den erfteren), fchiefsen Spreng- Gefchoffe im Gewichte bis zu 100 Gramm auf die Maximal- Entfernung von 4500 Meter. Trotz ihres bedeutenden Kalibers find diefe Gefchütze nicht um viel fchwerer als jene mit kleinem Kaliber. Die Ausftattung und Einrichtung des Rohrbündels ift bei beiden Gattungen ( nämlich vom grofsen und kleinen Kaliber) gleich, und unterfcheidet fich die belgifche Mitrailleufe von der öfterreichiſchen im Allgemeinen nur durch Folgendes: Bei der belgifchen find die Hülfe und die Gabelwände aus gefchmiedetem Eifen; ftatt des Rahmenauffatzes haben fie einen an der rückwärtigen Fläche des Verfchluffes angebrachten Stangenauffatz; die Ladeplatten find verzinnt, wodurch das Roften derfelben verhindert und die Reinigung erleichtert wird. gegen das Ausbrennen durch die Pulvergafe vermindern. Nachdem es auf rein mechaniſchem Wege ganz unthunlich fcheint, diefe Oxyde vollſtändig aus der Legirung zu entfernen, fo war man gezwungen, zu chemifchen Agentien feine Zuflucht zu nehmen. Dr. Künzl, der Gefellfchafter Montefiore- Levi's, bedient fich nun hiezu des Phosphors. Die folgende Tabelle enthält die Refultate eines Zerreifsverfuches mit Broncebarren von zehn Zoll Länge und einem Quadratzoll Querfchnitt, welche deutlich den Einfluss der Oxyde auf die mechanifchen Eigenfchaften der Bronce erkennen laffen. Abfolute Feftigkeit Elafticitätsgrenze in Kilogrammen per Quadratcentimeter Verlängerung der Barren vor dem Zerreifsen Verringerung der Section der Barren am Zerreissungspunkte in Percenten I. Alte Gefchützbronce 1616 1209 2'0 3'2 II. Diefe gepolt 1755 1244 2.8 3.2 III. Diefe durch Phosphor 2384 1356 6.8 6.7 desoxydirt 7 96 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Die Streuvorrichtung, welche, wie bei der öfterreichifchen Mitrailleufe, durch die Bewegung des Abzugshebels in Thätigkeit gefetzt wird, ift einfach und verläfslich. Die hölzerne Laffete hat parallele Wände, eine eiferne Achfe, Thonet'fche Räder und zwei mit Eifenblech verkleidete Achskäften, deren jeder aber nur acht Fächer für acht geladene Patronenplatten enthält. Die Richtmaschine unterfcheidet fich von der öfterreichifchen durch eine kleine Beigabe, beſtehend aus einer horizontalen Schraubenfpindel mit Handrädchen, womit dem Rohre eine fehr feine Seitenrichtung gegeben werden kann. Die fiebenläufige Mitrailleufe befitzt keine Streuvorrichtung, dafür aber eine die Achskäften und den bedienenden Mann deckende Blende aus fünf Linien dickem Stahlbleche, in welcher fich ein verticaler Schlitz für den Mitrailleufenkopf befindet. Am Protzftock find zwei eiferne Querrippen zur Verhinderung des Rücklaufes befeftigt. Was die technifche Ausfertigung der ausgeftellt gewefenen Gefchütze diefes Syftems betrifft, fo war fie eine vorzügliche zu nennen. Als zur artilleriftifchen Expofition Belgiens gehörend, ift auch der von P. E. le Boulengé ebenfo finnreich wie zweckmäfsig conftruirte, zufolge feiner Einfachheit allgemein verwendbare elektro- balliftifche Apparat zu betrach ten, deffen Anwefenheit auf der Ausstellung wir übrigens hier blofs zu conftatiren haben. Rückfichtlich feiner Einrichtung verweifen wir auf: Defcription et emploi du Chronographe. Le Boulengé, Bruxelles. Frankreich. Die auf dem Gebiete der Metallinduftrie bekannte Firma J. J. Laveiffiere& fils aus Paris, welche im Jahre 1870 während der Belagerung von Paris mehr als 100 Kanonenrohre erzeugte, hatte die Ausstellung nebft vielem Anderen auch mit Objecten diefer Art befchickt, und zwar fandte fie eine vollkommen ausgearbeitete laffetirte Kanone de Sept( Reffyekanone), dann Rohre desfelben Syftems in verfchiedenen Erzeugungsftadien, fowie fehr fchöne Bronceftücke aus verfchiedenen Theilen der Rohre ftammend, zum Zwecke der Beurtheilung der Structur und der abfoluten Feftigkeit, Härte und Zähigkeit des Materials. Die Rohre waren nach dem patentirten Syfteme der Herren Laveiffiere gegoffen, und übertrifft deren Bronce nach einem Berichte der Akademie der Wiffenfchaften LXXVI. Band, Sitzung vom 19. Mai 1873, die in der Gefchützgiefserei zu Bourges dargestellte gewöhnliche, fowie die Phosphorbronce fowohl in Bezug an Feftigkeit, als auch an Härte und Dehnbarkeit. Dafs ein rationelles Schmelz- und Gufsverfahren von wefentlichem Einfluffe auf die Güte der Bronce ift, bedarf wohl keines Beweifes. Die Erfahrung hat gelehrt, dafs die abfolute Feftigkeit, Dehnbarkeit und Härte der Bronce umfo gröfser find, je homogener und oxydfreier die Legruing ift. Wenn es auch bis heute noch nicht gelungen ift, eine durchaus homogene und oxydfreie Legirung in fo grofsen Gufsftücken, wie fie zu Gefchützen benöthigt werden, darzuftellen, fo bezeichnet das Laveiffiere'fche Schmelz- und Gufsverfahren dennoch einen bedeutenden Fortfchritt in der Broncetechnik, und berechtigt zu der Annahme, dafs die nach diefer Manier gegoffenen Rohre weit aus widerftandsfähiger gegen die Einwirkung der Pulvergafe in Bezug auf Ausbrennungen und bleibende Ausdehnungen fein werden, als Rohre von der üblichen Bronce. Die Strömung der Zeit ift zwar der Anwendung von Bronce als Rohrma terie, und nicht unbegründet, entgegen, indeffen dürfte fie dort auch weiterhin im Gebrauche bleiben, wo fie in grofsen Mengen vorhanden ift, die Fabrication von Gefchützftahl aber entweder noch nicht auf der erforderlichen Höhe fteht oder financielle Schwierigkeiten obwalten, und es fich um rafche Befchaffung von ver lässlichen Gefchützen, wenn auch mit geringerer Wirkungsfähigkeit handelt; in folchen Fällen würden gute Stahlgefchütze viel mehr Zeit und bedeutende r 1 e T ן Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 97 Mittel zu ihrer Herftellung bedingen, während gufseiferne Rohre denn doch keine genügende Sicherheit gegen das Zerfpringen bieten. Von diefem Standpunkte aus erfcheint demnach jeder Verfuch, welcher eine Verbefferung der Bronce bezweckt, fehr beachtenswerth. Die Zufammenfetzung der aus 100 Theilen Kupfer und II Theilen Zinn legirten Bronce von Laveiffiere ift nach den von L'hôte bewirkten Analyfen folgende: Cu 89.47 Sn 9.78 Zn 0.66 Pb 0.09 100 Theile e n er 1. et a a- ng te ie m it, -nch om he, rte en mes nd ft. zen and and eitus hen ma im von der Die ausgeftellte Bronce zeigte bei allen Stücken, und es waren deren fowohl vom Bodentheile als auch vom Maffelot vorhanden, an den Bruchflächen ein überraschend homogenes, metallifches Ausfehen mit körniger Oberfläche. Die ftark aufgeworfenen Bruchränder liefsen auf einen gewiffen Grad von Hämmerbarkeit fchliefsen, welcher nur oxydfreien Legirungen eigen ift. An den Bruchftellen waren jene feinen Riffe bemerkbar, welche von grofser Zähigkeit fprechen. Der Homogenität und Reinheit der Laveiffiere'fchen Bronce entfprechend, übertrifft diefelbe auch die Bronce von Bourges und die Phosphorbronce an abfoluter Feftigkeit und Elafticität.* Ueber die Conftruction des Rohres, welches in den Werkstätten der Lyoner Eifenbahn in Bercy bei Paris abgedreht, gebohrt und appretirt wurde, können wir ohne Weiteres hinweggehen, nachdem dasfelbe dem bekannten Reffyegefchütz conform ift. Die Laffete, von Herrn Durenne, Mafchinen- Fabrikanten in Courbevoie( Seine), geliefert und ausgeftellt, ift ganz aus Eifenblech erzeugt; die auf die Angufsweite des Gefchützes auseinander geftellten, mit Winkeleifen eingefafsten Wände laufen bis hinter den Maſchinenriegel parallel und vereinigen fich dann in dem fchmalen Protzftocke, der auf beiden Seitenflächen mit ftarken Blechen belegt ift. Auf der eifernen Achfe find gepolfterte Achskäften mit Rücklehnen zum Sitzen für je einen Mann angebracht; während aber bei den Artillerien, welche diefe Einrichtung bisher adoptirt haben, der Mann von rückwärts auffitzt, und beim Fahren das Geficht gegen den Rohrkopf gewendet hat, fteigt er hier zwifchen Vorder- und Hinterrad auf, und fieht gegen die Protze, eine Einrichtung, gegen die fich Manches einwenden läfst. Die Richtmafchine ift fehr primitiver Art; eine einfache Schraubenfpindel mit Richtkreuz läuft in einer Mutter, welche in einer an die Laffetenwände befeftigten eifernen Traverſe eingelaffen ift. Am Protzftocke befinden fich die gewöhn* Dem oben erwähnten Berichte zufolge ergab fich aus den bei der vergleichsweifen Beurtheilung ermittelten Verfuchsdaten, wenn B die gewöhnliche, P die Phosphorbronce und L jene von Laveiffiere bedeutet, dafs: 1. die Elafticitätsmodule für die drei Broncegattungen B, P und L in dem Verhältniffe von 1'00: 1'09: 1'20 ftehen; 2. die Broncegattungen B und P die gleiche Elafticitätsgrenze befitzen, und dafs die Gattung Z diefen Werth um nahezu ein Viertel übertrifft; 3. die der Elafticitätsgrenze entſprechenden Verlängerungen im Verhältniffe wie 100: 1'04: 0'96 ftehen, fomit einander nahezu gleich find, endlich 4. die Arbeiten, welche verrichtet werden mufsten, um fie an diefe Grenze zu bringen, im Verhaltnifs, wie 1'00: 1'06: 1'19 ftehen. Die Vergleichung der Bruchcoëfficienten, welche wie folgt, waren: B Bruchbelaftung Bruchverlängerung Brucharbeit ver elt: nde P L I'OO I.31 I'57 I'OO 1'29 4.85 I'OO 1'97 7'45 ergibt, dafs um einen Barren L- Bronce zu zerreifsen, 7'5 mal fo viel Arbeit verrichtet werden muſs, als bei der gewöhnlichen Bronce, während die P- Bronce die doppelte Arbeit verlangt. 7* 98 Guſtav Semrad und Johann Sterbenz. lichen Aufprotz- und Richtöfen und Handhaben. Gebremft wird in altherkömmlicher Weife mit dem Radfchuhe. Die Requifiten boten nichts Befonderes. Die Laffete fiel durch ihre aufsergewöhnliche Kürze auf, befafs aber weder leichte, noch gefällige Formen. Spanien. Das fpanifche Kriegsminifterium hatte die Ausftellung im Allgemeinen fehr reichlich befchickt, jedoch nur das feit 1870 eingeführte broncene 8- Centimeter- Feldgefchütz, und einige Zündergattungen in natür licher Gröfs e, alle übrigen artilleriftifchen Objecte aber in Modellen nach Wien gefendet. Da waren zunächft die in der fpanifchen Artillerie gegenwärtig beſtehenden Feldgefchütz Rohre, das ftählerne Krupp'fche und das broncene Modell 1868 fammt den zugehörigen Munitions- und Trainwagen, die Gefchütze befpannt, vorhanden. Weiters das eingeführte Gebirgsgefchütz, auf Tragthieren verladen, und in der Feuerbereitfchaft; eine glatte 28- Centimeter- Küftenkanone und ein gezogener Vorderladungs- Mörfer mit ihren Laffeten und Rahmen, endlich eine leichte und fchwere Transportir- und eine Hebeprotze. Das fpanifche neuere Materiale ift fehr wenig bekannt; diefs veranlafste uns von demfelben mindeftens eine fkizzenhafte Befchreibung zu bringen. Leider konnten wir über mehrere wiffenswerthe Punkte keine authentifchen Auskünfte erhalten. So fühlbar indeffen die dadurch entftandenen Lücken auch find, fo läfst das Nachfolgende immerhin einige Orientirung und Vergleichung conftructiver Verhältniffe zu. Die von der Firma Krupp bezogenen Stahlrohre find dem fächfifchen 8- Centimeter- Gefchütz conform. Das Broncerohr, deffen Hauptdimenfionen in der folgenden Tabelle ( fiehe Seite 99) vergleichsweife mit jenen des Stahlrohres angegeben find, ist mit dem Krupp'fchen Rundkeil( aus Stahl) verfehen, deffen Ladeöffnung mit einem bis zur Hälfte reichenden Broncering gefüttert ift. Die Bohrung fchliefst ein ftählerner, zur Hälfte mit Schraubengewinden verfehener Ring ab, in welchen der Broadwellring eingefetzt wird. Das Zündloch ift in einen vertical zur Rohraxe ftehenden, eingefchraubten Kern gebohrt. Das vordere Vifirkorn ift aus Eifen erzeugt, mit vier neben einander eingefchnittenen Grinfeln verfehen, und in einen, auf dem rechten Schildzapfen befindlichen Angufs eingefetzt; der dreikantige hohe Stangenauffatz ift aus Meffing hergeftellt, und hat das bekannte Mikrometer- Vifir. Beim Schiefsen wird zur Reinigung der Bohrung eine mit einer Fettmifchung gefüllte linfenförmige Kapfel benützt. Die Granaten find mit dem preufsifchen Percuffionszünder verfehen. Die Büchfenkartätfchen haben zinkblecherne Hülfen mit einer Wulft in der Längenmitte und zinkene Böden. Die ausgeftellte Broncekanone, deren Conftruction im Jahre 1868 feftgeftellt wurde, und deren Gufs vom Jahre 1869 datirt, iftbe reits mit 1412 Schüffen befchoffen, von denen 515 zur Probe in der Fabrik abgegeben wurden. Die balliftifche Wirkung foll bisher nicht alterirt wor denfein. In der That zeigte die Bohrung auch nur geringfügige Ausbrennungen, und felbft der Zündloch- Stollen fafs feft ohne Klaffung, obwohl das Zündloch bedeutend erweitert und ausgebrannt war. Nur im Fluge war eine in der Transverfalebene der Bohrung gelegene, wahrfcheinlich von einem explodirten Gefchoffe herrührende Vertiefung einzelner Felder wahrnehmbar. Diefe geringen Zerftörungen des Rohres nach 1412 Schüffen deuten auf ein fehr rationelles Schmelz- und Gufsverfahren hin. Die Laffete des 8- Centimeter- Broncerohres ift aus Holz erzeugt, und befteht aus zwei niederen an Dicke gegen den Protzftock, in den fie ohne Zwifchenriegel übergehen, zunehmenden Wänden; diefelben find blofs mit eifernen Bolzen r 1 e e Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. Tabelle zur Vergleichung der beiden fpanifchen 8 Centimeter- Feldkanonenrohre, Modell 1868. 8- Centimeter- Feldkanone aus Bronce aus Stahl d Ganze Länge des Rohres in Millimetern 1598.500 1, Länge des gezogenen Theiles 99 1118.250 1935 433 1462.037 Laderaumes 29 " " " 214'450 S 214* 466 r Anlaufconus 29 " 52.300 52.300 e Dralllänge Metern 99 st r Zahl der Züge. 3.620 12'000 Tiefe der Züge n 12'000 in Millimetern I 307 I 250 Breite der Züge am Boden 17.530 17.910 it " e it " " " an der Mündung " " " " " an der Mündung, n 13.030 13.990 Felder am Boden 3.000 2.600 7.500 6.530 h Durchmeffer zwifchen den Zügen„ 81078 81078 " " „ Feldern, " 78.463 78.643 - n des Laderaumes " " " 9 82-648 82.48 مت g Entfernung des Zündloches von der Keilfläche t- in Millimetern 46.650 65 386 Länge der Vifirlinie " " 721 000 9 14.622 er Gewicht des Rohres " Kilogrammen 344 000 298.000 27 der Granate - " 4'300 4.300 en ie Büchfenkartätfche " " " " 7 3.340 3.340 " te " Ladung en Anfangsgefchwindigkeit " " Metern " 16 0.500 329.000 nt e, er en nd enen * Konnte nicht in Erfahrung gebracht werden. verbunden und laufen gegen die Stirne convergirend aus; in der Nähe der letzteren find kurze Wandtheile aufgefetzt, welche durch Bolzen mit den eigentlichen 99 100 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Laffetenwänden vereinigt find und die Schildzapfen- Lager enthalten. Die Geftalt der ftählernen Achfe, fowie deren Verbindung mit dem Achsfutter und den Laffetenwänden gleichen der einfchlägigen Conftruction beim öfterreichiſchen Material. Die hölzernen Speichenräder haben den Durchmeffer von 1310 Millimeter, eine broncene Büchfe, Speichen mit gewöhnlicher Stürzung und vollen Radreif. Die Richtmafchine befteht aus einem broncenen, cylindrifchen Gehäufe, in welchem die mit einem Handrädchen aus einem Stücke erzeugte Spindelmutter lofe eingefetzt ift. Die Richtfchraube ift mit einer Längennuth verfehen, in welche eine in dem Gehäufe befindliche Klinke eingreift, die das Drehen der Spindel verhindert. Das obere Ende der Spindel ift in eine Bronceplatte eingelaffen, auf deren kugelförmigem Anguffe das Bodenftück des Rohres ruht. Diefe Richtmafchine geftattet 17 Grad Elevation und 5 Grad Depreffion zu geben. Auf jeder Seite der Laffete befindet fich ein Achskaften, der, auf dem Achsfutter auffitzend, mit Schraubenbolzen und Muttern an aufwärts reichenden Lappen der Achsanzugbänder befeftigt ift. Diefe Käften find bei den Laffeten für Broncegefchütze zum Auffitzen für je einen Mann mit gepolstertem Deckel, Seiten- und Rücklehnen und mit einem Auftritte verfehen und enthalten fechs Gefchoffe, während jene bei Laffeten für Stahlrohre nur vier Gefchoffe aufnehmen, und mit keiner Vorrichtung zum Auffitzen verfehen find. Der Protzftock ift mit einem eifernen Schuh befchlagen, welcher in dem Aufprotzöhr endet. Die Protze hat die Räder der Laffete, eine fchwächer dimenfionirte Achfe als diefe, dagegen ein mit einer Verſtärkung verfehenes Achsfutter, an deffen rückwärtiger Fläche der Protzhaken befeftigt ift. Auf den Enden des Achsfutters ift je ein längerer Tragbaum aufgekämmt, und mit denfelben durch Achsanzugbänder verbunden. Die Deichfelgabel, welche in der oberen Fläche des Achsfutters eingelaffen ift, befteht aus zwei zufammengediebelten Balkenftücken und hat einen Ausfchnitt für das vierkantige prismatifche Ende der Deichfel. Die Sprengwage, welche an den Tragbäumen mittelft Bolzen befeftigt ift, wird durch Spreizſtangen verfteift, und hat keine Drittel, fondern Oefen, in welche die Knebel der Zugftränge eingehängt werden. Von den Spreizftangen gehen etwas hinter dem Felgenkranz zwei vertical angefchweifste Stangen nach abwärts, welche als Träger eines fehr zweckmäfsig conftruirten Auftrittes dienen, der ein vollkommen gefahrlofes Auffitzen auf den Protzkaften während des Fahrens geftattet. Aus Urfache der Verbindung der Laffete mit der Protze mittelft Haken und Aufprotzöfe ift an der Deichfel ein Stützfufs angebracht. Die Geleisweite beträgt 1450 Meter. Der Protzkaften, zum Fortbringen von drei Mann gepolstert und mit Seitenlehnen verfehen, enthält 16 Fächer in zwei Längenreihen für 32 Gefchoffe, dann vier Zinkblech- Einfätze für die Patronen und ein kleines Käftchen für Brandeln. Vor dem Kaften ift ein Fufsbret und rechts und links von der Deichfel kleine Requifitenkäften angebracht, deren Deckel, um Charniere beweglich, gleichfalls als Fufsftützen benützt werden können. Der Batterie- Munitions wagen befteht aus der Laffetenprotze und dem Hinterwagen mit der Laffetenachfe. Das Untergeftell des Wagens wird durch einen ftarken, mit einem Protzring verfehenen Balken und aus zwei Tragbäumen gebildet, welche fammt dem Balken mit dem hölzernen Achsfutter aufgekämmt und mittelft Anzugbänder befeftigt find. Auf Der Wagenkaften, welcher nur etwas breiter als der Protzkaften ift, ruht auf dem Balken und den Tragbäumen, fteht vor der Achfe, und ift zum fitzen für drei Mann mit gepolftertem Deckel und mit Seiten-, aber nicht mit Rück lehnen verfehen. Der Kaften hat 40 Fächer für ebenfoviel Gefchoffe, welche in denfelben auf Luntenkränzen ſtehen. Auf diefen Fächern ftehen weiters höl t 1 1 t Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 101 zerne Kiften( je eine gröfsere rechts, und links für Patronen, eine kleine in der Mitte zwifchen beiden für Requifiten), in welchen wieder Deckelkäften aus Zinkblech mit Facheintheilung( für je eine Patrone) eingefetzt find. Hinter dem Kaften find die Tragbäume mit Bretern belegt, und ift ein Theil diefer Belegung zur Bildung eines Raumes für die Aufbewahrung der Fourage mit Seitenlehnen und darüber gefpannten Riemen verfehen. Am Ende des Protzbalkens ift ein Radträger befeftigt, auf deffen Achsftängel das Vorrathsrad in fchräger Lage aufgefteckt wird. Zu den Batterie- Fuhrwerken gehören noch der Bagagewagen und die Feldfchmiede. Beide Fuhrwerke find mit Protzen verfehen, die fich von jenen der Laffeten nur durch die innere Einrichtung ihrer Käften unterfcheiden. So ift der Kaften der Bagagewagen- Protze, in welchem Munition mitgeführt wird, mit 30 Fächern für ebenfoviel Gefchoffe verfehen, auf welchen drei Einfetzkiften, davon zwei gröfsere und eine kleinere mit Deckelkaften aus Zinkblech für 15, refpective 4 zufammen 34 Patronen ftehen. Der Kaften der Feldfchmiede ift mit Blech ausgekleidet und dient zur Aufbewahrung von Kohlen. Der Feldfchmiede- Hinterwagen befteht aus dem Munitionswagen- Protzbalken, ferner aus zwei durch Querriegel verbundene, auf dem Achsfutter aufgekämmte Tragbäume, auf welche zwei von einander abftehende Käften aufgebracht find. Der vordere Kaften ift ganz aus Eifenblech erzeugt und bildet den Feuerheerd, der rückwärtige Kaften ift aus Holz und mit Eifen ausgekleidet, und dient zur Aufbewahrung der Schmiede- Werkzeuge, des Eifens etc. etc. Auf dem Deckel diefes Kaftens ift eine Wafferkufe aus Eifenblech aufge fchnallt. Zwifchen den beiden Käften ift ein kleiner Ventilator befeftigt, welcher mittelft einer an der linken Seite befindlichen Kurbel und einer einfachen Ueberfetzung leicht bewegt und in rafche Drehung verfetzt werden kann. Der Bagage- Hinterwagen befteht aus einem Kaften, welcher mit feiner Längenmitte auf dem Achsfutter aufruht, und mit demfelben, fowie mit dem Protzbalken durch Bänder und Bolzen verbunden ift. Die Längenbalken der Kaftenwände find durch fechs eiferne Stangen auseinander gehalten. Der untere Theil des Kaftens ift durch Scheidebreter in drei mit abhebbaren Deckeln belegte Längenfächer abgetheilt, welche rückwärts durch eine gemeinfame Thür verfchloffen find. Vorne ift nur das mittlere Fach verfchalt, und find blofs die beiden äufseren Abtheilungen mit Thüren verfehen, welche nach abwärts zu öffnen find. Der Kaften ift mit ftarkem Zwilch eingedeckt, welcher über drei eiferne Reifen gefpannt wird. Die vom pyrotechnifchen Etabliffement in Sevilla ausgeftellten Zünder und Metallpatronen liefsen in jeder Beziehung den Schlufs auf befondere Güte des Fabricates zu. Spanien ftellte auch zwei Modelle von Artillerie- Zuggefchirren aus, und zwar das früher im Gebrauch geftandene und das Neueingeführte. In den Hauptbeftandtheilen unterfcheiden fich diefe beiden Gefchirrgattungen nicht befonders; bei dem älteren Gefchirre find die Kummeteifen an den Kummetleib, der unten offen ift, feftgefchraubt und genietet, ragen über denfelben hinaus und werden dann mit einem Riemen gefchloffen, find alfo wohl nur im Nothfalle zu öffnen. Die Zugftränge find in Leder gefafst, fämmtliche vier Pferde des Zuges mit der Stange gezäumt, und ein viereckiger tuchenér Tornifter auf den Sattel des Handpferdes aufgefchnallt. Das neue Artillerie- Zuggefchirr, welches wie das ältere von braunem Naturleder erzeugt ift, läfst an Eleganz nichts zu wünſchen übrig. Alle vier Pferde des Zuges find gefattelt; das Sattelpferd ift mit der am unteren Ende des Unterbaumes mit einem Stege gefchloffenen Stange gezäumt, während das Handpferd eine ganz eigenthümliche Zäumung befitzt. 102 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. In den Backenftücken der Gefchirrhalfter, welche Blenden hat, ift eine mit einem Charnier auf jeder Seite verfehene eiferne Spange eingefchnallt, die von Maulwinkel zu Maulwinkel reicht, und um das Nafenbein gebogen ift; an der Krümmung ift diefe Eifenfchiene innen gekerbt, und hat an den Enden zwei Ringe; in dem linken ift eine Kette, ähnlich der Kinnkette befeftigt, und läuft diefelbe über die Kinnketten- Grube durch den Ring an der rechten Seite, wo fodann der Handzügel eingefchnallt wird. Bei diefer fonderbaren Zäumung, die einem Kappzaume gleicht, hat der Fahrer das Handpferd zwar vollkommen in feiner Gewalt, doch dürfte durch die angebrachte Kerbung bei rüder Führung der Haarwuchs an diefem Theile des Pferdes nicht eben befördert werden. Das Kummet ift dem öfterreichifchen nahezu gleich und befteht aus dem Kummeteifen und dem Kummetleib. Auf dem Kummet ift ein dreifach zufammengelegtes, auf jeder Seite bis zur Mitte reichendes Lederftück, wahrfcheinlich zum Schutze des Kummets angefchnallt. Zur Sattlung dient die engliſche Pritfche, welche mit einer ledernen, innen mit hanfenem Band gefütterten Gurte und drei Strupfen am Leib des Pferdes feftgehalten wird; das Sattelpferd hat vorne zu beiden Seiten, das Handpferd blofs rechts eine Packtafche. Deutfche Bügel. Beim Vorauspferd kommen noch die Seitenblätter mit den nicht eingefafsten Zugfträngen, der Schweif- und der Tragriemen hinzu. Die Vorauspferde find nicht an der Sprengwage, fondern an den Zugftrang- Anfätzen der Stangenpferde angespannt, ziehen daher direct an der Bracke. Beim Stangenpferd ift nebft den bereits genannten Gefchirrtheilen noch der Umlaufriemen zu bemerken, der um den ganzen Leib des Pferdes geht, und über das Kummet laufend auf jeder Seite durch eine ſtarke Tafche in feiner Lage erhalten wird; er erfetzt, da an demfelben vorne auch der Widerhaltriemen eingefchnallt ift, nebftbei den Bruftriemen; beim Stangenpferd laufen noch zwei Tragriemen auf jeder Seite vom Schweifriemen herab. Zum Tragen der Deichfel dient eine eigene Vorrichtung, welche uns aber nicht empfehlenswerth erfcheint. Vorn und oben an den Satteln beider Stangenpferde find nämlich eiferne, oben offene und mit einem Riemen verfehene Gabeln befeftigt, in welchen die über die Pferde hinausragende Tragftange ruht. Diefe Stange ift an ihren Enden, dann an ihrem unteren Theile befchlagen, und mit Klauen und Riemen zum Fefthalten verfehen; ein Riemen geht von der Stange nach abwärts, welcher dann die Deichfel trägt. Diefe Tragvorrichtung ift fehr complicirt und mufs, im Falle ein oder das andere Pferd ftürzt, von befonderem Nachtheile fein, und das Entfernen des gefallenen Pferdes fehr erfchweren; aufserdem ift fie unfchön und hindert den Fahrer in feinen Verrichtungen. In der fpanifchen Artillerie beſteht fie übrigens feit Langem, und fcheint man gewiffermafsen aus Pietät an ihr feftzuhalten. Schlufswort. Wir waren bemüht, im Vorftehenden das Materiale zufammenzutragen, welches nunmehr die Fachkreife in den Stand fetzen foll, zu beurtheilen, in welchem Grade das Waffenwefen, foweit es auf der Wiener Weltausftellung repräfentirt war, beachtenswerthe Fortfchritte gegen die Ausftellung zu Paris im Jahre 1867 erkennen liefs, oder ob irgend ein Fortfchritt in der einen oder anderen Richtung für die nächfte Zukunft zu erwarten fteht. Es kann nicht innerhalb des Rahmens unferer Aufgabe liegen, eine Kritik über den Werth des Gefehenen zu liefern, da wir in vielen Fällen nur unfere fubjective, möglicherweife auch auf falfchem Wege befindliche Meinung den Lefern 1 T n r n S S n S 1, g ווד er ik b. rn Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 103 aufzutifchen vermöchten; auch könnte man uns dann und nicht mit Unrecht den Vorwurf machen, für die Propagirung etwaiger Lieblingsanfichten das officielle Gewicht des Ausftellungsberichtes benützt zu haben. Obgleich wir, wie jeder Militär, dem das Wohl feines Landes und die Ehre feines Standes am Herzen liegen, unfer eigenes, und zwar ziemlich fcharf umfchriebenes Urtheil über die verfchiedenen Zweige des Waffenwefens, fowie über deffen wahrfcheinliche fernere Ausbildung und Bedeutung uns gebildet haben, fo halten wir uns nach dem Früheren zur Zurückhaltung desfelben umfomehr verpflichtet, da wir doch nicht die genaue und vollſtändige Kenntnifs aller jener Bedingungen befitzen, welche das Durchgreifen der einen oder anderen Idee in den verfchiedenen Heeren beeinflufsten, aus welchem Grunde wir endlich auch das Vorgehen der einzelnen Staaten in richtigem Mafse kaum zu würdigen vermöchten. Diefs hindert aber nicht, dafs wir über jene Objecte, über welche bereits beftimmte und authentifch dargelegte Erfahrungen beftehen, fowie über die Confequenzen, welche aus letzteren insbefondere im Hinblick auf die öfterreichifchen Verhältniffe ganz unzweifelhaft zu ziehen find, jenen Meinungen Ausdruck geben, welche einestheils fchon Eigenthum einer überwiegenden Majorität find, anderntheils aber gewiffermafsen Axiomen gleichen, gegen welche ein Ankämpfen füglich nicht mehr zuläffig ift. Refumiren wir z. B. das im Fache der Hand- Feuerwaffen von der Ausftellung Gebotene, fo ergibt fich aus demfelben der unabweisbare Schlufs, dafs Feuerfchnelligkeit, Tragweite, Schufspräcifion und FlugbahnRafanz der Gewehre noch immer jene Gebiete bezeichnen, auf welchen die Vervollkommnung der bisherigen Waffen angeftrebt wird, und dafs Staaten, welche gegenwärtig an der Neubewaffnung ihrer Heere arbeiten, wie Preufsen und Frankreich, in allen diefen Punkten ein höheres als das bisherige Mafs zu erreichen fuchen. Faft alle auf der Ausftellung gewefenen Projecte von Hinterladungsgewehren zeigten das Bemühen, die Ladegriffe zu vereinfachen, um dadurch den Schützen in den Stand zu fetzen, eine möglichft grofse Zahl an gezielten Schüffen in der kürzeften Zelt abzugeben Ein Beweis, dafs die gegenwärtige Feuergefchwindigkeit den Tactiker noch nicht befriedigt, deren Steigerung dem Techniker jedoch möglich erfcheint. Mit Rückficht darauf läfst fich daher auch fagen, dafs in den nächften Kriegen das Schnellfeuer der Infanterie eine noch bedeutendere Rolle als in den Jahren 1866, 1870 und 1871 fpielen werden. Eine fpätere Folge diefer Bemühungen wird die Verallgemeinung des Repetirgewehres, des Prototypes der denkbar möglichften Feuerfchnelligkeit fein. Hat auch die Ausftellung felbft aufser den fchon bekannten Repetirfyftemen und dem neu hinzugetretenen Fruhwirth'fchen Gewehre in diefer Beziehung einen eklatanten Fortfchritt gerade nicht producirt, fo ift der Grund hievon wohl hauptfächlich in der Kürze der Zeit zu fuchen, die feit dem Inslebentreten der jetzigen Syfteme erft verftrichen, dann aber auch darin, dafs die Frage der Repetirgewehre fich eben überall noch in der Ventilirung befindet. Es hat übrigens fchon das im Laufe des heurigen Sommers bekannt gewordene Gewehr des amerikaniſchen Capitäns Meigs( 50 Schufs in weniger als einer halben Minute) gezeigt, welch' weites, aber erreichbares Ziel der Waffentechnik auf diefem Wege noch gefteckt ift. Man darf alfo ohne Furcht vor einem Dementi Seitens der kommenden Ereigniffe das Repetirgewehr die Waffe der Zukunft nennen. Bis wann ein folches Gemeingut aller Armeen fein wird, läfst fich allerdings nicht fagen; riefige Geldmittel, die nicht überall und jederzeit zur Verfügung stehen, werden dazu erforderlich; für fehr wahrfcheinlich halten es wir aber, dafs eine theilweife Einführung von Repetirgewehren, etwa für befondere Truppenkörper, vielleicht fchon in naher Zeit ftattfinden dürfte, wozu es freilich am beften wäre, nicht erft den ftofsartigen Impuls eines Krieges abzuwarten. 104 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Wir fagten früher, dafs bei den neuen Gewehrmodellen auch auf eine die bisher ufuellen Diſtanzen weit überragende Tragweite, und in Verbindung mit diefem Poftulate auf eine ausgiebigere Präcifion und Flugbahn- Rafanz gefehen werde. Bei der Beleuchtung diefer beiden Punkte brauchen wir nur auf die Lehren der jüngsten Kriegsgefchichte hinzuweifen. Die immenfen Verlufte, welche die Preufsen durch das weittragende Chaffepotgewehr auf Entfernungen erlitten, wo fie von dem in diefer Hinficht fehr untergeordneten Zündnadel- Gewehre noch gar keinen Gebrauch machen konnten, haben conftatirt, dafs ein erfolgreiches Schiefsen mit dem Infanteriegewehre auf weite Diftanzen im Bereiche der Mög. lichkeit liegt; diefe bitteren Erfahrungen haben auch die preufsifche Kriegsverwaltung dazu vermocht, das neue fogenannte Maufer- Syftem in Erkenntnifs des vorausfichtlichen Bedürfniffes für eine folche Tragweite einzurichten, wie fie beim Chaffe potgewehre im Kriege nur ausnahmsweife vorkam. Verbürgten Nachrichten zu Folge foll das neue preuſsifche Gewehr eine Tragweite bis 1600 Meter= 2100 Schritt befitzen. Da nun eine mit fo weit fchiefsenden Gewehren ausgerüftete Infanterie das Feuergefecht bis an die Grenze diefer Diftanz gegen jedes Erfolg verfprechende Ziel unzweifelhaft aufnehmen wird, und man fich dem gegenüber nicht unthätig verhalten kann, fo geht daraus die Nothwendigkeit hervor, die Portée der Gewehre bis zu jener Maximalentfernung zu erweitern, wo die Waffenwirkung wieder gleichgeftellt erfcheint. Wenden wir mit Berücksichtigung der von der Weltausftellung und durch das Vorgehen fremder Mächte gebotenen Lehren den Blick den Bewaffnungsverhältniffen der öfterreichifchen Fufstruppen zu, fo gewinnen wir die tröftliche Wahrnehmung, dafs diefelben in dem Werndlgewehre eine Waffe befitzen, welche mit den Gewehren anderer Syfteme, was kriegmäfsige Einfachheit und Dauerhaftigkeit betrifft, mindeſten auf gleicher Stufe fteht. Wir fehen aber auch, dafs die Heeresleitung die im Laufe diefer Zeit als nöthig erkannten, und ausführbaren Verbefferungen an dem befagten Gewehre ins Werk fetzen läfst. So haben wir in der Expofition der öfterreichifchen Waffenfabriks- Gefellfchaft bereits bedeutend erleichterte und mit werth vollen Ver einfachungen am Verfchlufsmechanismus verfehene Gewehre gefunden; das bisherige fchwere Säbelbajonnet, welches zu vielen Klagen Anlafs gegeben, hat einem leichteren Platz gemacht, und auch auf die Erhöhung der balliftifchen Leiftungsfähigkeit der Waffe hat das techniſche und adminiftrative Militärcomité in fteter Beachtung der bezüglichen Arbeiten des Auslandes fein Augenmerk gerichtet. Durch die Adoptirung einer neuen Patrone. an deren zweckentfprechender Conftruction man unausgefetzt und beharrlich arbeitet, wird das Werndlgewehr auch in Bezug der Tragweite und Flugbahn- Rafanz den beften Modellen der Jetztzeit gleich gebracht werden. Wenn wir in Hinficht auf die Bewaffnung der öfterreichifchen Fufstruppen noch einen Wunſch ausfprechen dürften, fo wäre es der, dafs die erforderlichen Geldmittel in jener kürzeften Zeit befchafft werden möchten, um die Ausrüftung der gefammten Infanterie mit dem neuen Gewehre fobald als nur möglich zuThatfache werden zu laffen, damit die fowohl die ftrategifche als tactifche Verwendung der Truppen ungünftig beeinfluffende Doppelbewaffnung( Werndl und Wänzl) endlich aufhöre, und man nicht das Schaufpiel erlebe, dafs Nachbarftaaten, welche an ihre Neubewaffnung fechs Jahre später als wir fchritten, mit Beihilfe unferer Fabriken früher damit zu Stande kommen, als wir felbft. Der öfterreichiſche Revolver ift vorzüglich zu nennen; in diefer Anficht beftärkte uns auch die Ausftellung, wenngleich diefelbe manche techniſche Ver feinerung, welche dem Gaffer'fchen Revolver abgeht, z. B. in Bezug der Patronenextrahirung aufwies. Die auf eine höhere Stufe mechanifcher Vollkommenheit t g h e 1. - S م g d es er r n en en ng 11ernd n, fe ht er eneit Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 105 gebrachten Revolver fremder Expofiteure liefsen bei einer dem öfterreichifchen gleichen Leiftungsfähigkeit mitunter jene Einfachheit und Solidität der Beftandtheile vermiffen, die mit zu den Hauptbedingungen einer Kriegswaffe gehören. Darf man folchergeftalt über den Standpunkt der Bewaffnung der öfterreichiſchen Infanterie- und Cavallerietruppen infoweit beruhigt fein, als deren achtunggebietende Vollendung eben nur mehr eine Frage der finanziellen Mittel ift, fo kann diefs von der Ausrüftung der Artillerie mit Feld. gefchützen leider nicht gefagt werden. Die Ausftellung hat gezeigt, dafs wir in diefer Beziehung hinter jenen Mächten zurückftehen, welche mit der Neubefchaffung ihres Materiales fpäter begannen, und fomit die jüngften Erfahrungen und Errungenfchaften der Technik verwerthen konnten. Während wir ehemals zu Denjenigen zählten, die auf ihr Gefchützmaterial ftolz fein durften, wäre jetzt eine Apologie der öfterreichischen Feldgefchütze nicht mehr am Platze. Sie gehörten zur Zeit, als die gezogenen Gefchütze ihre Aufnahme in die Armeen fanden, zu den beften ihrer Art, und haben ihre Schuldigkeit in mehreren Feldzügen gethan. Allein die Waffentechnik ift bei dem vor zehn Jahren Gefchaffenen nicht ftehen geblieben; fie hat vielmehr bedeutende Fortfchritte nicht nur in der Darftellung des Rohmaterials, fondern auch in Bezug auf Conftruction der Gefchützrohre und Gefchofserzeugung gemacht, und in den meiften Staaten hat man fich der neueften Schöpfungen derfelben bereits bemächtigt. Hier ift zu bemerken, dafs die vollkommenften Conftructionen, welche in Folge der letzten Erfahrungen im grofsen Kriege* in Preufsen z. B. demnächſt zur Einführung gelangen werden, und gegenwärtig in der Erprobung find, auf der Ausftellung nicht einmal repräfentirt waren. Das Streben nach möglich ft ausdauernden Feldgefchützen mit der thunlichft gröfsten Tragweite, Schufspräcifion, Flugbahn- Rafanz und Gefchofswirkung befteht bei allen Artillerien, und ift dasfelbe bisher mit mehr oder weniger Erfolg gekrönt worden. Um nur ein Beiſpiel diefer Bemühungen anzuführen, welches umfo draftifcher wirkt, als es aus einem Lande geholt wird, welches auf die Bewaffnungsverhältniffe der europäifchen Grofsftaaten nicht jene ftrengen Rückfichten zu nehmen hat, wie z. B. Oefterreich, verweifen wir auf Schweden. Diefes Land, welches fein vor zehn Jahren eingeführtes Gefchützfyftem. aus leicht begreiflichen Gründen nicht aufgeben wollte, fuchte die Portée, Präcifion und Gefchofswirkung feiner Gefchütze durch die zuläffige Vermehrung der Gewichte von Gefchofs und Ladung entſprechend zu erhöhen. Freilich entſpricht diefes fo verbefferte Syftem dennoch nicht den heutigen Anfchauungen über die Leiftungen einer Feldartillerie, allein man hat dort eben getrachtet, den von uns angedeuteten Zweck wenigftens fo weit, als möglich war, zu erreichen. Als Rohrmaterien fahen wir Gufseifen, Bronce und Gufsftahl verwendet, letzteren von fo vorzüglicher Qualität, dafs er in Verbindung mit der Ringconftruction wohl die meiſten Garantien zur Erreichung der obigen Zwecke bietet. Der Umftand, dafs auch noch Broncerohre ausgeftellt waren, veranlafst uns zu einer kurzen Betrachtung über diefelben. Die Bronce befitzt jenen Grad von Zähigkeit, welcher die Gefahr des plötzlichen Zerfpringens eines Kanonenrohres vollſtändig ausfchliefst. Leider kleben derfelben aber anderfeits fo bedeutende Nachtheile an, dafs dieferhalben Rohre aus Bronce den modernen Anforderungen an ein Feldgefchütz niemals entſprechen können. Sie ift nämlich zu wenig elaftifch, und hat eine zu geringe abfolute * Nur aus diefem laffen fich für den Feldkrieg giltige, die Bewaffnungsverhältniffe beeinfluffende Lehren ableiten. 106 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. Feftigkeit, als dafs fie fich für Rohre, welche mit grofsen Ladungen und fchweren Gefchoffen präcife fchiefsen, ein gewiffes Gewicht aber dabei nicht überfchreiten follen, eignen würde. Das Mafs der abfoluten Feftigkeit und Elafticität reicht bei der Bronce nur bis zu einem gewiffen, kaum den bisherigen Anforderungen entſprechenden Grade, und es find daher aus diefem Grunde jene grofsen Ladungen und Gefchofsgewichte, wie fie die heutige Feldartillerie braucht, fowohl für Hinter- als Vorderlader aus Bronce gänzlich unzuläffig. Broncerohre, welche mit grofsen Ladungen und Gefchoffen befchoffen werden, erleiden ferner bleibende Ausdehnungen im Lade- und Gefchofsraume. Beim Hinterlader wird hiedurch die Dichtung des Abfchlufsmittels illuforifch und das Rohr defshalb unbrauchbar, wenngleich es balliftifch noch vollkommen geeignet wäre. Bei Vorderladern hätte diefe bleibende Ausdehnung weniger zu bedeuten, dagegen werden aber die Rohre in ihren Zügen durch die intenfive Stichflamme derart zerstört, dafs fie bald an Präcifion verlieren. Der deutfchfranzöfifche Krieg hat dargethan, dafs langanhaltende Feld. züge noch nicht aufser dem Bereiche der Möglichkeit liegen, und dafs mithin Gefchütze mit fehr grofser Ausdauer für künftige ähnliche Fälle um fo nothwendiger erfcheinen, je fchwieriger eventuell der Erfatz fich geftalten kann. Die Artillerie wird in den kommenden Schlachten auch an und für fich eine gröfsere Thätigkeit als je zu äufsern haben; fie wird den Kampf auf weiteren Entfernungen beginnen und nachdrücklich unterhalten, daher ihr Material vielmehr anftrengen müffen, weil nur fie befähigt ift, in den Fernkampf mit jener Ueberlegenheit einzutreten, welche den darauffolgenden Nahkampf weniger verluftreich macht und wefentlich abzukürzen vermag. Nur eine weit und rafant fchiefsende Artillerie kann der gegenwärtigen Infanterie auf und aufserhalb deren Entwicklungsdiftanz entgegentreten. Die Verfuche, welche an verfchiedenen Orten mit Bronce zu dem Zwecke ausgeführt wurden, um deren abfolute Feftigkeit und Widerftandsfähigkeit gegen die Expanfivkraft der Pulvergafe zu erhöhen, haben nur halbe Erfolge gehabt, und dürften kaum zum erfehnten Ziele führen. Die Bronce läfst fich zwar in kleineren Partien raffiniren, das heifst des oxydiren, nicht aber in jenen Quantitäten, wie fie zum Kanonengufs niedergefchmolzen werden müffen. Sie wird daher, fo lange die jetzigen Anfchauungen über die Leiftungsfähigkeit der Feldartillerie Geltung behalten, und es iſt nicht abzufehen, welche Urfachen eine Reduction diefer Anfprüche herbeiführen könnten,— nur ein Surrogat für den Gufsftahl bilden. - - Dem Gufsftahl ift eine weitaus gröfsere abfolute Feftigkeit. eigen, und widerfteht derfelbe auch viel beffer den Wirkungen der Stichflamme. Die Unverlässlichkeit gegen das Springen, welche maffive Gufsftahl- Rohre in verfchiedenen Beiſpielen gezeigt haben, ift durch die Ringconftruction vollftändig aufgehoben worden und dürften beringte Rohre jene abfolute Sicherheit in diefer Beziehung bieten, wie Rohre aus Bronce. Diefe auf die Stahlrohre übergegangene Eigenfchaft der Broncegefchütze macht die Acquifition der erfteren in Berücksichtigung der anwendbaren grofsen Ladungen und Gefchofsgewichte bei einem die Manövrirfähigkeit der Artillerie nicht überfchreitenden Gewichte der Gefchütze umfo wünſchenswerther, als Broncerohre einer Feldartillerie nimmer die Superiorität über Stahlartillerien erringen werden. Wie kommt es nun, dafs Rufsland und Frankreich, mithin Staaten, denen an dem Befitze einer hervorragenden Feld artillerie ficher gelegen ift, auf der Ausftellung durch je ein broncenes Feldgefchütz vertreten waren? Wir werden verfuchen, diefe Frage zu beantworten, bemerken aber zuvör derft, dafs diefs bezüglich Rufslands eine Sache von befonderer Schwierigkeit ift, 1 r e t r t. e n S r- en ht en it == re 11eit re er fsen d- en, ie ütz ör. ift, Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 107 da die Nachrichten fowohl über die dortigen Einrichtungen, als auch über die Beweggründe zu den verfchiedenen Mafsregeln in Bewaffnungsfragen fich oft in directem Widerfpruche befinden. Sicher ift es, dafs die ruffifche Regierung, welche vordem Stahlgefchütze grofsen und kleinen Kalibers von Deutſchland bezogen hatte, um fich vom Auslande unabhängig zu machen, vor einigen Jahren zwei Stahlwerke gründete, oder auf eigene Rechnung übernahm, und nun diefelben mit Aufbietung grofsartiger Mittel für ihren Bedarf befchäftigt. Sicher ift es weiters, dafs Rufsland mehrere Batterien mit beringten Stahlrohren und eine ganz anfehnliche Zahl ftählerner 4- und 9- Pfünder älteren Modelles befitzt, fowie dafs die Werke zu Perm und Oboukhoff für die Erzeugung beringter Feldrohre nach Gadolin's Theorie eingerichtet find. Während nun von der einen Seite behauptet wird, dafs Rufsland den Stahl als Materie für Feldkanonen- Rohre gänzlich aufgegeben habe und wieder zur Bronce zurückgekehrt fei, wofür der ausgeftellte 4- Pfünder zeuge, glaubt man auf der anderen Seite das Erfcheinen diefes Gefchützes auf der Ausftellung dadurch erklären zu können, dafs die früher genannten Stahlwerke im gegenwärtigen Augenblicke mit Aufträgen auf grofse Rohre für Marine- und Küftenbewaffnung derart überhäuft feien, dafs die Heeresleitung, welche für alle Fälle gerüftet fein will, es vorzieht, die Ergänzung der Feldartillerie einftweilen auf dem fchnelleren Wege der Herftellung von Broncegefchützen in den alten kaiferlichen Gefchützfabriken bewerkstelligen zu laffen. Wir find aufser Stande feftzuftellen, welche diefer beiden einander diametral entgegengefetzten Angaben die richtige fei, und find daher der Anficht, dafs Rufsland dermalen als Beiſpiel eines tonangebenden Staates weder von den Vertheidigern des Stahls noch von jenen der Bronce benützt werden kann, nachdem die näheren Umstände und Motive feines Vorgehens eben nicht zweifellos bekannt find, und es Rufsland wahrfcheinlich nichts daran gelegen war, auf der Welt. ausftellung einen Einblick in die zukünftige Geftaltung feiner Feldartillerie zu ermöglichen. Es fcheint indeffen, als wären die Ruffen mit ihren Broncerohren nicht fo ganz zufrieden, da fie diefelben durch folche aus Phosphorbronce erfetzen wollen, mit welch' letzterer fie zahlreiche Verfuche und, wie verlautet, mit nicht ungünftigen Refultaten abgeführt haben. Bleibt alfo Frankreich. Während des letzten Krieges, der bekanntlich zum Verlufte beinahe der gefammten franzöfifchen Feldartillerie führte, wurde ein broncener Hinterlader von ziemlicher Schwerfälligkeit( Laffete und Rohr wiegen zufammen nahezu 1200 Kilogramm) erzeugt, welcher mit 6 gefchofsfchwerer Ladung bis auf Diftanzen von 6500 Meter mit einer dem alten preufsifchen 6- Pfünder gleichkommenden Genauigkeit fchiefst. Um auch ein leichtes Gefchütz zu haben, conftruirte man hiezu eine 5- Kilogramm- Kanone, die mit/ gefchofsfchwerer Ladung die Präcifion des alten preufsifchen 4- Pfünders befitzt, jedoch beträchtlich gröfsere Diftanzen erreicht. Diefe Gefchütze, welche in Frankreich blofs als artillerie de tranfition gelten, mufste man eben herftellen, um nicht gänzlich unbewaffnet zu fein. Dafs man Bronce nahm, ift erklärlich, nachdem fich kein anderes Material fo gut für eine rafche und mit geringen techniſchen Hilfsmitteln ausführbare Gefchützerzeugung eignet. Aber trotz der Eile, mit welcher an der Renovirung der Artillerie gearbeitet werden musste, wurden Verfuche zur Verbefferung der Bronce angeftellt, und errangen die von Laveiffiere gegoffenen Gefchütze durch die gröfsere abfolute Feftigkeit, Härte und Elafticität ihres Materials den Vorzug vor allen Anderen. Die franzöfifchen Artillerieofficiere rechnen übrigens ungeachtet des verhältnifsmäfsig guten Rohrmaterials bei den zu grofsen Anftrengungen der Rohre auf keine befondere Ausdauer derfelben. Die Einführung von Stahlgefchützen ift daher in Frankreich nur mehr eine Frage der Zeit, und der Entfchlufs hierzu bereits als feftſtehend zu betrachten. Es wird felbftverftändlich einige Zeit vergehen, ehe diefs Thatfache wird, 108 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. weil man bis jetzt weder über das zu adoptirende Syſtem einig ift, noch die Mittel zur fofortigen Befchaffung hat, und zudem das während des Krieges entstandene Material doch möglichft ausnützen möchte. Spanien und Italien hatten exhibirt. ebenfalls ebenfalls broncene Feldgefchütze Nun könnten wir zwar von Spanien fchon aus Urfache feiner geographi fchen Lage ganz abfehen; der Vollständigkeit halber wollen wir jedoch daran erinnern, dafs diefes Land zuerft eine ziemliche Anzahl( circa 250 Stück 8- Centimeter- Rohre) Stahlgefchütze von Krupp bezog, dann aber in Folge der wegen der inneren Wirren knappen Geldmittel genöthigt war, das ftählerne Rohr in Bronce zu copiren, um nur überhaupt hinlänglich Gefchütze zu haben. In neuefter Zeit läfst übrigens Spanien wieder eine refpectable Bergartillerie mit 8- Centimeter- Stahlrohren, welche den vom Major Placencia, Vorftand der Giefserei in Sevilla, fehr praktifch modificirten franzöfifchen Schraubenverfchlufs befitzen, herftellen. Diefer Verſchluſs eignet fich für die fchwachen Ladungen ganz gut und geftattet kürzere Rohre. In Italien foll, wie man vernimmt, die Abficht beftehen, wenigftens die Refervebatterien, das ift jene gröfseren Kalibers mit Rohren aus Gufsftahl auszurüften. Ein zweites Moment der Feldgefchütz- Frage, welches durch die Ausstellung lebhaft illuftrirt wurde, war die Lademethode der Hinterladung. Wir befchränken uns hier auf die Conftatirung jenes Territoriums, auf welchem das genannte Princip bereits zum herrfchenden geworden ift, fowie auf die Hervorhebung des Umftandes, dafs die Hinterladung eigentlich erft in Folge der letzten Kriegserfahrungen in allgemeine Aufnahme kam, weil man fich gegen die Ueberzeugung nicht länger verfchliefsen konnte, dafs bei Vorderladern jene Präcifion wie bei Hinterladern niemals zu erreichen ift, dafs aber bei der jetzigen Kampfweife auf die Schufspräcifion der gröfste Werth gelegt werden müffe, dafs daher in Folge der Wichtigkeit diefer Bedingung die Compli cationen, fchwierigere Confervirung u. f. w. in Kauf zu nehmen feien. Mit Ausnahme von England, wo man allerdings mit dem ArmſtrongVerfchluffe nicht gerade die aufmunterndften Erfahrungen gemacht hatte, von Schweden, welches bis jetzt noch an feinem vor neun Jahren eingeführten, La Hitte- Syftem fefthält, von deffen hochgebildeter Artillerie übrigens zu erwarten fteht, dafs auf fie die Ausftellung und die Forderungen der Zeit nicht ohne Eindruck bleiben werden, mit Ausnahme von Norwegen, deffen Stahlrohre aus naheliegenden Gründen eine den fchwediſchen Gefchützen conforme innere Einrichtung befitzen, endlich mit Ausnahme von Holland haben alle Staaten für die Feldgefchütze die Hinterladung angenommen. Unter den angewendeten Verfchlufsfyftemen find am meiften verbreitet der Krupp'fche Rund- und der Broadwell'fche Flachkeil, beide mit Broadwell'fchem Dichtungsringe. Bezeichnend ift es, dafs auch die Franzofen, welche doch zu allermeift in der Lage waren, jene Gründe zu würdigen, welche gegen die Anwendung der Hinterladung bei Feldgefchützen fprechen könnten, bei ihrem neuen Materiale diefelbe ebenfalls eingeführt haben. Die Mitrailleufen werden in den nächften Kriegen abermals eine Rolle fpielen, ob eine ausfchlagebendere als im Feldzuge 1870/71, wagen wir nicht zu behaupten. Evident ift es, dafs deren Erfolg von dem gröfseren oder geringeren Gefchick bei ihrer Verwendung abhängen wird, was die Vertrautheit der Führer mit diefer Waffe und eine gefchulte Bedienung vorausfetzt. Bisher haben in diefer Richtung, fo viel uns bekannt, nur Rufsland und Frankreich vorgeforgt. Das Beftreben, derartige Gefchütze fo weit zu erleichtern, um fie ohne Befpannung in die vorderfte Feuerlinie bringen zu können, wo fie bei gehöriger Deckung gewifs Ausgiebiges leiften könnten, ift durch das fchwediſche Modell 1 n וב n Le er fs n ie g مه uf uf ge eil ei afs gt li ng. on cen Cen inus in. für tet mit tin der ale olle zu ren rer efer t. hne iger dell Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 109 „ Palmerantz& Winborg" manifeftirt worden. Die Erfinder hatten in richtiger Erkenntnifs der Schwächen diefer Waffen denfelben ein mehr offenfives Element beizubringen verfucht, indem fie ihre Mitrailleufe fo mobil als mög. lich machten, find aber hiebei unferes Erachtens nach zu weit gegangen, indem fie nunmehr mit balliftifchen Mängeln, eine Folge der zu grofsen Gewichtsverminderung des Syftems, zu kämpfen haben. Wir kommen jetzt zu dem Capitel der fchweren Gefchütze. Wie auf keinem anderen Gebiete des Waffenwefens zeigte fich hier der Fortfchritt feit der letzten Parifer Ausftellung; die Technik hat in diefer Richtung wahrhaft Erftaunliches geleiftet, und wir dürfen Angefichts der Schöpfungen, welche Krupp, Rufsland und Schweden vorgeführt haben, ungefcheut ausfprechen, dafs die Erwartungen der Fachmänner weit übertroffen wurden. Diefs betrifft vor Allem die Rohre, deren Material und Conftruction den an Panzergefchütze zu ftellenden Anforderungen an balliftifchem Effecte und Ausdauer entfprachen. Sie fchiefsen bei grofsen Portéen mit befriedigender Präcifion, und entwickeln im Auffchlage jene enorme Wirkung, die zur Erfüllung ihrer Aufgabe nothwendig ift. Vollständig kann diefer Grad an balliftifcher Leiftung indeffen nur den Preffionsgefchützen zuerkannt werden; die englifchen Vorderlader und die nach franzöfifchem Syftem conftruirten fchwediſchen Hinterlader ftehen darin den erftgenannten Gefchützen nach, auf den nahen Diftanzen allerdings nur unmerklich, aber mit Zunahme der Entfernung verlieren fie rafcher an Präcifion und Percuffion. Die Rohre waren durchgehends beringt und bei den deutfchen, ruffifchen und englifchen Gefchützen der innere Rohrkern aus Stahl, bei den fchwedifchen aus Gufseifen hergeſtellt; die deutfchen und ruffifchen Gefchütze hatten keine Hinterwucht, eine das fchnelle Richten wefentlich erleichternde, und doch die Schufsrichtigkeit nicht beeinträchtigende ConftructionsVerbefferung. Die Hinterladungsrohre der Deutfchen und Ruffen waren mit dem Krupp'fchen Rundkeil verfehen, deffen Functionirung und Handhabung nichts zu wünſchen übrig läfst. Der franzöfifche Schraubenverfchlufs, dem wir in drei Modificationen begegneten, bietet zwar den Vortheil kürzerer Rohre und der Verminderung der axialen Anftrengung derfelben, verlangfamt aber die Bedienung des Gefchützes und in Folge deffen die Feuerfchnelligkeit, ein Nachtheil, der fich gerade im entfcheidenden Gefechte bemerkbar machen mufs. Die Armstrong'fche Modification des Schraubenverfchluffes ift unftreitig die befte, und doch erfordert fie noch immer eine längere Zeit zur Schufsbereitfchaft als der Rundkeil. Das am meiften verbreitete Dichtungsmittel war der Broadwellring; nur Schweden und England wenden ihn nicht an. Die englifche Pappedichtung dürfte wohl als die primitivfte und unverlässlichfte zu bezeichnen fein. Laffeten. Das Material derfelben war durchgehends Schmiedeeifen und nur Grufon hatte gufseiferne Laffeten ausgeftellt. Die exhibirten Schiffs- und Küftenlaffeten können allerdings hinfichtlich ihrer Bauart nach bisherigen Begriffen nicht eben einfach genannt werden, wenngleich fie blofs mit jenen Mechanismen ausgeftattet waren, welche die rafche und anftandslofe Bedienung der fchweren Gefchütze ermöglichen. In diefer Beziehung zeichneten fich die Krupp'fchen Fabricate fowohl in Bezug der Solidität der Arbeit als auch der Zweckmäfsigkeit der Bewegungsmechanismen aus. Unter letzteren find alle jene Vorrichtungen zu verftehen, welche zum Geben der Höhen- und Seitenrichtungen, zum Einholen und Vorführen der Gefchütze und endlich zur Schwächung und Begrenzung des Rücklaufes gehören. Zum Geben der Höhenrichtung war faft allgemein die ZahnbogenRichtmafchine angewendet, und wurde als die zweckmäfsigfte derfelben vielfach die an den Grufon'fchen Laffeten angebrachte bezeichnet, welche 110 Guftav Semrad und Johann Sterbenz. nicht nur die rafche Aenderung der Elevation, fondern auch fehr feine Richtungen geftattet und keinen Bremsmechanismus verlangt, welcher das Rohr in feiner Lage zu erhalten hätte. Bei der Richtmafchine der fchwedifchen Küftenlaffete fand auch die Schneckenfchraube Anwendung; diefe erlaubt nun allerdings fehr feine Richtun gen, nicht aber den rafchen Elevationswechfel. Von den Mechanismen zum Geben der Seitenrichtung verdienen namentlich die an den Krupp'fchen fchweren Laffeten angebrachten Kettenwinden Beachtung, da fie bei geringem Kraftaufwande ebenfo rafch als präcife functioniren. Unter den an den leichteren Gefchützen befindlichen derlei .Mechanismen können wieder jene als die geeignetften genannt werden, bei denen die Bewegungsübertragung von der Einholvorrichtung auf jene zur Seitwärtsbewegung durch eine Schneckenfchraube vermittelt wird, weil das Gefchütz ohne Anwendung einer Bremfe oder fonft einer befonderen Manipulation in der vor dem Schuffe innegehabten Stellung verharrt. Die Einrichtungen zum Vorführen und Einholen der Gefchütze waren zumeift auf die Benützung von Tauen und Kneiffcheiben bafirt, womit eine ziemlich rafche und leichte Bewegung zu erzielen ift. Von den mit Einholketten ftatt der Einholtaue verfehenen Laffeten, wie folche gewöhnlich in Schiffskafematten benützt werden, zeichnete fich die italienifche durch eine fehr finnreiche Anordnung des Bewegungsmechanis mus und des Kettenftoppers aus. Dadurch, dafs man den erfteren mit einer Bremſe verfehen hat, läfst fich die Laffete auf jedem Punkte des Schlittens faft momentan fefthalten. Von den beiden zum Pfortenwechfel beftimmten Laffetenfyftemen gebührt dem italienifchen der Vorzug der gröfseren Einfachheit; das bei der bezüglichen Krupp'fchen Laffete angebrachte hydraulifche Hebewerk zum Entlaften der vorderen Schlittenrollen, was vor jedem Pfortenwechfel ftattfinden mufs, complicirt zwar die Laffete, dagegen ermöglicht es ein rafches und leichtes Heben, felbft der fchwerften Gefchütze, durch blofs einen Mann, und ohne dafs viel Raum zur Manipulation in Anfpruch genommen wird, ein Vortheil, welcher jenen Laffeten abgeht, die mittelft Hebbäume entlaftet wer den müffen. Zum Hemmen und zur Begrenzung des Rücklaufes wurde gröfstentheils die hydraulifche Bremfe verwendet, und waren damit fowohl die Krupp'fchen, als auch die neue Armſtrong'fche und die fchwedifche Laffete verfehen. Die von Krupp für Schiffsgefchütze conftruirte hydraulifche Bremfe mit communicirendem Parallelrohr bedeutet einen beachtenswerthen Fortfchritt auf diefem Gebiete, nachdem die einrohrige, alte Bremfe weder eine beliebige Regulirung des Rücklaufes zuläfst, noch das Fefthalten des Gefchützes auf jedem Punkte des Schlittens geftattet. Ausserdem war noch die Ericfon'fche Lamellenbremfe zu fehen. Anwendung von derfelben machten Italien und Krupp, letzterer bei den niederen Schiffslaffeten, bei denen eine hydraulifche Bremfe nicht gut anzubrin gen ift. Die Schraubenbremfe von Vavaffeur haben wir im früheren Abfchnitte eingehend befprochen, und bemerken hier nur noch, dafs fie allen Bedingungen einer Bremfe entſpricht. Die bei der ruffifchen 9zölligen Laffete befindliche Backenbremfe ift veraltet, und dürfte fchwerlich mehr weitere Verbreitung finden. Angefichts fo durchgebildeter und zum gröfsten Theile mit fehr günftigem Erfolge bereits erprobter Laffetenconftructioneu fcheint es faft unmöglich, auf diefem Gebiete noch wefentliche Verbefferungen ausfindig zu machen, und es dürfte jedenfalls zu den fchwierigften Problemen gehören, eine Conftruction zu entwerfen, welche den vorgeführten Syftemen an Einfachheit und Leiftungsfähig. keit den Rang abzulaufen vermöchte. en er ch inen Cen als lei bei tsne or er ben vie die his. nfe tan men das cum den nd Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen. 111 Es ift daher auch heute die Wahl und die Neubefchaffung eines zweckmässigen Artilleriematerials fehr erleichtert, und würde es fich keinesfalls verlohnen, mit grofsem Aufwande an Geld und Zeit und des Refultates ungewifs, mit Neuconftructionen zu experimentiren. Zum Schluffe mögen uns noch einige Worte pro domo geftattet fein. Wenn der vorliegende Bericht nicht all Dasjenige enthält, was vielleicht Mancher in demfelben zu finden vermeint, fo ift die Schuld nicht uns, fondern den Verhältniffen beizumeffen. Die militärifche Berichterftattung hatte mit Schwierigkeiten aller Art zu kämpfen, in erfter Linie mit der mifslichen Inftallation. Der im Berichte des öfterreichifchen Centralcomité über die letzte Parifer Ausftellung enthaltene Wink, dafs die Ausfteller militärifcher Gegenstände Expofés mit Zugrundelegung der wefentlichften Daten, fowie Zeichnungen jener Gegenftände, aus deren äufserem Anblicke die Conftruction nicht entnommen werden kann, vorbereiten mögen, war nur vereinzelt beachtet worden. Viele Objecte befanden fich unter Verfchlufs und die P. T. Herren Ausfteller waren entweder nie zu finden, oder deren Vertreter unzureichend informirt. Und doch liegt der Werth eines Berichtes über Gegenftände der Waffentechnik zumeift in den ziffermäfsigen und verlässlichen Daten, da diefe häufig allein die Bafis zur Beurtheilung bilden. Um aber gerecht zu fein, dürfen wir nicht verfchweigen, dafs viele Ausfteller in der liebenswürdigften Weife und auf das Ausführlichfte unferen Fragen gerecht wurden. Namen hier zu nennen, müffen wir uns wohl verfagen, doch glauben wir auf die Zuftimmung der Redaction rechnen zu dürfen, wenn wir Allen, die uns unfere Aufgabe erleichterten, den herzlichen Dank hiermit ausfprechen. en ird, verdie men, mit auf egu dem hen. den prin eren llen mfe gem auf d es m zu Fähig 8 mol dous rode i 3