OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1873. UNTER REDACTION VON DR. CARL TH. RICHTER, K. K. O. ö. PROFESSOR IN PRAG. GENIE- UND PIONNIERWESEN. ( Gruppe XVI, Section 3.) Bericht von MORIZ BRUNNER, JOHANN LAUER, EMERICH ZINNER. MILITÄR- UNTERRICHTSWESEN. ( Gruppe XVI, Section 5.) Bericht von MORIZ BRUNNER. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1874 GENIE WESEN. ( Gruppe XVI, Section 3.) Bericht von MORIZ BRUNNER, k. k, Hauptmann im Genieftabe. Einleit n g. Das Geniewefen in der allgemeinen Bedeutung umfafst die Verwerthung aller Zweige der Ingenieurwiffenfchaften und Baukunft für den Krieg und für das Bedürfnifs des Heeres im Frieden. Es gliedert fich in folgende Hauptfächer: Communicationsbau, das Kriegs- Brückenwefen, den Feld-, Strafsenund Eifenbahn- Bau, dann Telegraphendienft. Befeftigungskunft( Fortification) und Kriegs- Baukunft, betreffend den Entwurf und die Ausführung der Verfchanzungen im Felde, dann der Feftungen, deren Angriff und Vertheidigung vom technifchen Standpunkte aus. Die bürgerliche Baukunft in ihrer Anwendung für Militärzwecke, nämlich für den Bau von Kafernen, Reitfchulen, Militärfpitäler, Magazine, Kriegshäfen etc. Das Minenwefen, die gefammten Sprengarbeiten zur Demolirung der verfchiedenften Bauten, als: Brücken, Strafsen, Eifenbahnen, Feftungswerke, Häufer, wie es der Kriegszweck erheifcht, dann den unterirdifchen Krieg, alles geftützt auf die genauefte Kenntnifs der Sprengpräparate, der Mittel zu deren Entzündung, deren Kraftäufserung, hiezu gehöriger Maſchinen etc. Die Lager- Einrichtungen, als: Feldhütten, Zelte, Feld- Backöfen, Feldherde, Befchaffung und Filtration des Waffers, Latrinen etc. Zur Ausübung der das Geniewefen umfaffenden Zweige, fowie um den Fortfchritt der Naturwiffenfchaften und der Ingenieurkunft unabläffig zu verfolgen und für die Zwecke des Krieges auf das praktifche Gebiet zu übertragen, ift die Geniewaffe beſtimmt. Sie ift daher nicht nur in Bezug auf den Baudienft eine wiffenfchaftliche, fondern mit Rücksicht auf deren Mitwirkung beim Angriffe und der Vertheidigung von befeftigten Objecten und Führung des Minenkrieges eine ftreitbare Waffe daher deren Individuen Soldaten fein müffen. Die Geniewaffe hat in den verfchiedenen Heeren eine verfchiedene Organifation. Ueberall aber befteht fie aus einer Feldtruppe, welcher die praktiſche Ausführung oder doch die Leitung der technifchen Arbeiten im Kriege zukommt, und aus einer beftimmten Anzahl diefer Truppe entſprungener Officiere, deren Dienft hauptfächlich im Entwurfe und in der Leitung der Feftungs- und Militärbauten im Allgemeinen, fowohl im Frieden als auch im Kriege befteht, und welche für die 1* 2 Moriz Brunner. Geniewefen. Feftungen und die Armee im Felde die Genie- oder Fortificationschefs ( Directoren) liefert. Die Genietruppe, in Preufsen Pionniertruppe, in Rufsland Sapeurtruppe genannt, übernimmt entweder alle die obgenannten Verrichtungen im Felde als: Feld- Befeftigungsbau, Communicationsdienft, Mineur- und Sapeurdienft, Feftungskrieg etc., oder fie gibt einen Theil derfelben, nämlich die Herftellung von Kriegsbrücken, den Pontonierdienft, einer ſpeciellen, mit ihr nicht weiter im Zufammenhange ftehenden Branche ab, wie z. B. in Rufsland und Frankreich an die Pontoniere, in Oefterreich an die Pionniere, welch' letztere aber auch beftimmt find, die Genietruppe in den Feldarbeiten zu unterſtützen. In Oefterreich begreift man unter Pionnierdienft den gefammten Communicationsdienft, den Lager- und Wafferbau. Das fpecielle Officierscorps wird in Rufsland, England und Preufsen Ingenieurcorps oder Ingenieurofficiere; in Frankreich, Italien und Oefterreich Genieftab genannt. Was die in das Gebiet des Geniewefens fallenden Ausftellungsobjecte betrifft, fo war deren Zahl eine äufserft geringe; wir finden die Gruppe Fortifi cation in einzelnen Modellen, das Militär- Bauwefen faft nicht, beffer das Pontonierwefen und hauptfächlich durch Ausstellungen Privater, das Minenwefen und ſpeciell die Sprengtechnik vertreten. Dem entſprechend hat die Berichterstattung auch nur diefe beiden Gebiete, die Sprengtechnik und das Pionnierwefen, befonders zu beachten. SPRENGTECHNIK. Bericht von JOHANN LAUER, k. k. Hauptmann im Genieftabe. Wenn überhaupt das Heereswefen auf der Weltausftellung nicht in jener Weife Vertretung fand, wie diefs fowohl im Intereffe jedes Militärs, als auch in jenem eines fehr grofsen Theiles der Civiltechniker gelegen war, fo gefchah diefs insbefondere beim„ Minenwefen", jenem Theile der Kriegstechnik, welcher den unterirdifchen Kampf, den Minenkrieg, behandelt, und weiters lehrt, Brücken, Tunnels, Häufer etc. mit Sicherheit zu zerstören. Die Verbefferungen im Minenwefen, welche man in der Abficht, beim unterirdifchen Kriege vorkommende Arbeiten und Geräthe zu vervollkommnen, anftrebte, beziehen fich hauptfächlich auf die Erzielung eines rafcheren Vortriebes der Minengänge( Stollen), auf eine ausgiebigere Ventilation und Beleuchtung der Minenanlagen und auf die Herſtellung von Erd- Bohrlöchern, welche, an ihren Enden mit Ladungen verfehen, das zeitraubende Vortreiben von Gängen erfparen follen. Bezüglich der im Kriege durchzuführenden Demolirungen( Sprengungen) mufsten hauptfächlich die Spreng- und Zündmittel verbeffert, refpective durch kräftigere Präparate und verlässlichere Feuerleitungen erfetzt und ergänzt werden. Aber nicht allein das Kriegswefen hat ein Intereffe an der Minirkunft; in neuerer Zeit macht auch die Civiltechnik ausgedehnten Gebrauch von derfelben; was der Kriegsmineur erfindet und vervollkommnet, das bringt auch dem Eifenbahn e 1 g 0, er in fs en en, im en, es er en en en ch mzt in en; hnSprengtechnik. 3 ingenieur, dem Montaniften, dem Steinbrecher und dem Wafferbau- Ingenieur directen Nutzen. Oefterreich hat fich bei der Ausftellung des hier zu befprechenden Faches verhältnifsmäfsig am ftärksten betheiligt. Die eminenten Fortfchritte, welche gerade diefer Staat im Minenwefen in neuefter Zeit aufzuweifen hatte, mufsten natürlich den Wunſch rege machen, diefen Zweig des Kriegswefens auf der Weltausftellung möglichft vollkommen vertreten zu fehen. Oefterreich hätte keine unmittelbare Gegenüberftellung anderer Länder zu fcheuen gebraucht, es wäre wahrfcheinlich auf diefem Gebiete geiftigen und mechanifchen Schaffens fiegreich hervorgegangen und hätte vielfache Anregung zu weiteren Fortfchritten gefunden.* Gewifs wäre es intereffant gewefen, die Ausftellung im Minenwefen als additionelle Ausstellung behandelt, die Fortfchritte in den einzelnen praktiſchen Arbeiten des Kriegsmineurs feit der Errichtung der Mineurcorps in den verfchiedenen Ländern durch Modelle oder Pläne dargeftellt und vor Augen zu fehen, wie beim Schacht- und Stollenbaue auch die Fortfchritte der Civiltechnik Beachtung, fogar Eifenconftructionen theilweife Anwendung fanden. Statiftifche Tafeln über die Leiſtungen der Mineure bei den einzelnen Arbeiten hätten fowohl über die Vortheile einer oder der anderen Arbeitsmethode Auffchlufs gegeben, als auch die Ausbildung des einzelnen Arbeiters zu beurtheilen erlaubt. Die Verbefferungen, welche in der Beleuchtung und Ventilation der Minengänge angeftrebt wurden für den Civiltechniker, für den Bergmann und für den Kriegsmineur von gleicher Wichtigkeit hätten gleichmässig das Intereffe diefer verwandten Berufskreife wachgerufen. -- Die vielen Sprengpräparate und das Zündungswefen, welche in den letzten fünf Jahren nennenswerthe Fortfchritte zu verzeichnen haben, hätten die Bedeutung derfelben in der Sprengtechnik Jedem aufgedrungen. Da aber thatfächlich die Ausstellung aus dem Gebiete des Kriegs- Minenwefens nichts Zufammenhängendes enthielt, fo fei es geftattet, alle einfchlägigen Gegenstände diefes Kriegszweiges, mögen fie in was immer für einer Gruppe exponirt gewefen fein, zu befprechen. In diefer Beziehung voran ftand die Ausftellung der Firma Mahler & Efchenbacher aus Wien, welche in einem Pavillon ,, die moderne Sprengtechnik" zur Anfchauung brachten. Es waren darin nicht nur Artikel obiger Firma, fondern auch Gegenstände der Sprengtechnik verfchiedener Länder ausgeftellt; wegen diefer Allgemeinheit kann diefe Ausftellung fonach auch theilweife als eine additionelle Ausftellung in diefem Fache betrachtet werden. Eine befondere Unterſtützung fand die genannte Firma durch das k. k. technifche und adminiftrative Militär- Comité, welches verfchiedene Apparate, insbefondere Zündmafchinen zur Verfügung ftellte, wodurch erft ein Gefammtbild des Zündungswefens gegeben werden konnte. Der Zweck diefer additionellen Ausftellung war, dem Fachmanne eine übersichtliche Zufammenftellung des gegenwärtigen Standpunktes der Sprengtechnik, welche die Grundlage für eine ökonomische und rafche Gefteinsbewäl tigung im Bahn- und Strafsenbaue, in der Montan- Induftrie und im SteinbruchsBetriebe bildet, zu geben. - Bekanntlich, je kürzer die Zeit, in welcher Bohrlöcher felbft im fefteften Gefteine hergeftellt werden, je richtiger das Sprengmittel für das zu bewältigende Geftein gewählt wurde, und je ficherer und gleichzeitiger das * Aus dem Gebiete des Minenwefens hatten ausgeftellt: Vavafeur J.& Comp., London. Elektrifche Zünder. Königl. italienifches Kriegsminifterium. Graphifcher Nachweis über die durch Dynamit. fprengungen gemachten Erfahrungen. Die ausgeftellten Torpedos werden in der XVII. Gruppe ,, Marinewefen" befprochen. 4 Johann Lauer. Abfchiefsen mehrerer Schüffe erfolgt, defto rafcher und in Folge deffen auch defto ökonomifcher wird die Gefteinsbewältigung. Die Erzeugung der Bohrlöcher, die Ladung derfelben und die Zündung diefer Ladungen ftehen fonach in innigfter Wechfelbeziehung. Diefem entſprechend mufste fich die ,, moderne Sprengtechnik" fachlich gliedern in: Apparate zur Erzeugung der Bohrlöcher. Sprengmittel. Zündmittel und als Ergänzung derfelben Lehrmittelausftellung und Verfuchsdarftellungen. Aufserdem waren noch in diefer Ausftellung ,, Rettungs- Apparate" für Minen aufgenommen, welche man beim Betreten eines mit fchlechter Luft angefüllten Minenganges benützt. Es mufs fonach die ftoffliche Eintheilung der ,, modernen Sprengtechnik" als eine vollkommen entſprechende bezeichnet werden. Apparate zur Erzeugung von Bohrlöchern. Diefe Gruppe gab eine Ueberficht der verfchiedenen Mittel zur Erzeugung von Bohrlöchern, und zwar von den einfachften Werkzeugen für Handarbeit bis zu den beften Bohrmaſchinen der Jetztzeit. Ausgeftellt waren: Holz-, Erd- und Steinbohrer. - & Efchenbacher Von Holzbohrern hatte die Firma Mahler& fteierifche Schnecken- und amerikanifche Holzbohrer ausgeftellt, erftere finden - bei Sprengungen Anwendung bei Bohrungen in der Faferrichtung des Holzes von Piloten und Wurzelftöcken letztere bei Bohrungen in fenkrechter oder fchräger Richtung auf die Holzfafer, wie zum Beiſpiel bei Baumfprengungen etc. Bohrlöcher in Erde werden nahezu ausfchliefslich nur in der Militärzur Aufnahme der verhältnifsmässig Sprengtechnik hergeftellt, und dienen ftarken Ladungen( 50 bis 60 Pfund), der im Minenkriege Anwendung findenden Bohrminen. Die Erzeugung diefer Bohrlöcher gefchieht in Oefterreich mit dem ausgeftellten, vom k. k. Genie- Oberften Ritter v. Tunkler conftruirten ,,, MinenFörderbohrer", einer Bohrmaschine für Handbetrieb, mit welcher vermöge der Conftruction in jeder beliebigen Richtung auf- und abwärts, jedoch nur in ſteinlofem Erdreiche, gebohrt werden kann. - Die Conftruction der Mafchine erlaubt folgende Bewegungen: Wenn die Klinke m eingelegt ift, und die Kurbeln K rechtsgängig( uhrzeigerartig) gedreht werden, bewegt fich die Spindel C fchraubenförmig vorwärts, das heifst, fie erhält - Ift die Klinke frei, fo eine vorfchreitende und drehende Bewegung zugleich. entſteht durch die, mit der vorigen gleichartigen Kurbelbewegung nur eine dre hende Bewegung der Spindel.-Hemmt die Klinke nicht, fo führt man durch die Rechts- und Linksdrehung des Handrades F die Spindel allein geradlinig zurück oder vor. Bei eingelegter Klinke kann dem Handrade nur eine linksgängige Bewegung gegeben werden, welche die gerade Vorbewegung der Spindel zur Folge hat. Wenn man das Handrad mit der Hand fefthält, kann die Spindel bei ausgehobener Klinke durch die Kurbeln vor- oder zurückgedreht werden. Das Bohrzeug für diefen Bohrapparat befteht aus einem Bohrkopfe g mit 8 Zoll langem Vorbohrer, zwei rechtwinkelig angefetzten, fchräg geftellten Meffern rr und einem angefetzten kurzen Theile des Bohrgeftänges. Die Zwifchenftücke des Geftänges, welche einerfeits mit einem durchlochten Zapfen s und anderfeits mit einem Muffet verfehen find, und durch Schraubenbolzen und Flügelmuttern f unter einander verbunden werden, haben 18 Zoll Länge und 6, 9 oder 12 Zoll im Durchmeffer. - Mit einem 12zölligen Minen- Förderbohrer kann in lehmiger Erde ein I Fufs tiefes Bohrloch vertical nach aufwärts oder unter 45 Grad aufwärts in 6- e r n r C. n m er 1- ie ht lt fo -ech ig KSHel inen. g Zen ennd and and ein C К G K Sprengtechnik. K F C K C 5 6 Johann Lauer - horizontal in 912 unter 45 Grad abwärts in II, und vertical abwärts in 12 Minuten hergeſtellt werden. Der Bohrapparat wird bei Bohrungen von der Horizontalen aufwärts von 4, bei allen übrigen Bohrungen von 8 Mann gehandhabt. Der bei nicht fehr tiefen Bohrungen in Erde vortheilhaft verwendbare nur von Einem Manne zu handhabende Bohlke'fche Bohrer wurde in der Ausftel lung für Sprengtechnik vermifst. In Stein werden Bohrlöcher entweder mit Handbohr- Werkzeugen oder mittelft Bohrmaſchinen erzeugt. Von den Werkzeugen zur Handbohrung hat die Firma Mahler& Efchenbacher von Kottfieper in Oberhaufen Schlagbohrer, Stofsbohrer, Fäuftel, Raumkratzer etc. überhaupt alle zur Steingewinnung erforderlichen Werkzeuge in jenen Formen ausgeftellt, wie folche in den Steinbrüchen in Uebung find.- Von gleichen Steinbohrern waren immer zweierlei Gattungen vorhanden, nämlich eine für die Erzeugung von Bohrlöchern, die mit Dynamit, und die zweite für folche, die mit Pulver geladen werden. Erftere haben einen kleineren Durchmeffer als $ th letztere, wefshalb auch die Bohrlöcher für Dynamitfchüffe in kürzerer Zeit hergeftellt werden können, als gleich tiefe Bohrlöcher für Pulverladungen. Bohrmaſchinen waren ausgeftellt: Von Mahler& Efchenbacher, Burleigh's Bohrmaſchine Sprengtechnik. 7 von der Mafchinenbau- Actiengeſellſchaft Humboldt vormals Sievers & Comp. in Kalk bei Deutz am Rhein die Sachs'fche Bohrmaſchine; von Cockerill& Comp. in Seraing in Belgien, die Bohrmaschine von Sommeiller und von Dubois et François. Von diefen vier Bohrmaſchinen werden nur jene von Burleigh und Sachs, weil diefelben beim Ausfprengen der Gräben von Befeftigungen im Felfen vortheilhafte Verwendung finden dürften, kurz befprochen. Die Bohrmafchine von Sommeiller, beim Baue des Mont Cenis- Tunnels ver wendet, und die Mafchine von Dubois und François, für die Bohrarbeiten im St. Gotthard- Tunnel beftimmt; find in der XIII. Gruppe befchrieben. Die Burleigh'fche Bohrmaſchine wurde für die Bohrarbeiten am HoofacTunnel, Maffachuſetts( Nordamerika) entworfen; fie ift nach dem Principe des Dampfhammers gebaut. In die unten auf 3 Zoll Länge ausgehöhlte und gefchlitzte Kolbenftange werden die Bohrer eingeführt und durch Anziehen der Muttern von Schraubenbolzen eingeklemmt. Das Geftelle, auf welchem die Bohrmaſchine ruht, ift für Bohrungen ober Tag ein Dreifuss und hat eine fefte Achfe mit beweglichem Zapfenlager, wodurch die Drehung des Apparates nach jeder Richtung ermöglicht wird. Für Bohrungen in Stollen ift die Mafchine auf einen fogenannten Bohrwagen befestigt. Bei einem Dampfdrucke von 70 Pfund auf den Quadratzoll macht die Mafchine 250 bis 300 Schläge in der Minute und kann die Zahl der Schläge felbft auf 400 gefteigert werden. Die Erfchütterungen des Schlages werden von den zarten Mafchinentheilen ferngehalten, der ganze Stofs lediglich vom Bohrer aufgenommen. Das Verfchieben des Dampfcylinders gefchieht durch Drehen der Spindel mit der Hand. Die innere Einrichtung des Apparates weift einen Mechanismus auf, durch welchen die Kolbenftange beim Aufwärtsgehen um ungefähr 20 Grade ge dreht wird, fonach der Bohrer nach jedem Schlage zu einer neuen Schnittfläche gelangt. Hierdurch erhält man ein vollkommen rundes Bohrloch mit glatten Wänden. Die Bohrer aus Gufsftahl find Kreuzbohrer, deren beide Schneiden nicht fenkrecht, fondern etwas geneigt zu einander flehen. Von Burleigh's Bohrern waren drei Gattungen ausgeftellt, und zwar eine grofse Bohrmaschine für Flufsregulirungen etc. eine mittlere für Steinbrüche und eine kleine für Stollen. Mit der mittleren Bohrmafchine können in Kalkconglomerat 5 Fufs tiefe Bohrlöcher in 14 Minuten mit verfchieden langen Bohrern hergeftellt werden und zwar entfallen für Bohrarbeit 6 Minuten und für das Auswechfeln der Bohrerfätze 8 Minuten. 8 Johann Lauer. Die Sachs'fche Bohrmaſchine ift einfach conftruirt, fie befitzt einen Mechanismus, der fie in dem Mafse vorwärts fchiebt, als fie im Geftein eindringt, indem der Rahmen der Bohrmaſchine aus zwei Rundeifen- Stangen befteht, die von zwei Hülfen umfasst werden, welche einer Traverfe, die mit dem Rohrcylinder aus einem Stücke befteht, angehören. In einer diefer Rundftangen ift ein Gewinde eingearbeitet, auf welchem eine Schraubenmutter, die in eine der Hülfen gefteckt ift, vorfchreitet; gedreht wird die Schaubenmutter von einem Sperrädchen, gleichzeitig erhält der Bohrer eine Drehung von 12 Grad. Für Bohrungen ober Tag ift das Bohrgeftell ein Stativ, welches durch ein angehängtes Gewicht ftabil gemacht wird. In Stollen findet das fogenannte Lafet tengeftell Anwendung. Ein fünf Fufs tiefes Bohrloch kann mit der Sachs'fchen Bohrmaschine bei Anwendung mehrer Bohrer in 20 Minuten gebohrt werden. Sowohl die Burleigh'fchen als auch die Sachs'fchen Bohrmaſchinen benöthigen einen Arbeiter zu ihrer Handhabung und werden bei Bohrungen ober Tag mit Dampf, bei Arbeiten unter Tag jedoch mit comprimirter Luft getrieben. Es find daher für den Bohrmaschinenbetrieb noch ein Dampfkeffel und, wenn unter Tag gearbeitet wird, überdiefs eine Luftcompreffions- Mafchine nebft entfprechenden Luftrefervoirs erforderlich. Eine complete Luftcompreffionsanlage für Bohrmaſchinen- Betrieb nebft Röhren, Schläuchen, Verbindungsftöcken etc. für die Dampf- oder Leitungen für comprimirte Luft war gleichfalls im Pavillon der " modernen Sprengtechnik" zu fehen. Burleigh's Bohrmaſchine hat fich in kurzer Zeit in Oefterreich eingebürgert, während die Mafchine von Sachs mehr in Deutſchland angewendet wird. Bemerkt fei noch, dafs in dem Pavillon der moder nen Sprengtechnik auch die in England für Tiefbohrungen in Anwendung ftehende„ Diamant Bohrmaſchine" auf einer Wandtafel abgebildet war. Ferner zeigten 5 Wand tafeln die meiften der bei artefifchen Bohrungen in An wendung kommenden Werk zeuge. Sprengmittel waren in der zweiten Gruppe in Imitationen ausgeftellt: Schwarzpulver von mehreren Firmen Deutfchlands und Belgiens, dann vom Kriegsminifterium des Königreiches Italien. Sprengmaffe von Ph Maffipp in Genf. t t e ן t, d [ s r- e 1 i. f et 1. ei en in h- ds m g h Sprengtechnik. Schiefsbaumwolle von Prentice in Stowmarket. 9 Dynamit von Nobel& Comp. in Krümmel bei Hamburg und Zámky bei Prag. Nachdem die ,, Schwarzpulver" bereits bei den Exploſionsftoffen( Gruppe III, Section 5) ausführlich erörtert find, und da aus Betrachtungen über die Effecte von langfam( Schwarzpulver) und momentan( Schiefs- Baumwolle und NitroglycerinPulver) wirkenden Sprengpräparaten in verfchiedenen Mitteln und bei verfchiedener Ladungsordnung hervorgeht, dafs im Militär- Sprengwefen die brifant wirkenden Präparate bei den überwiegend meiften Fällen unvergleichlich vortheilhafter find als die Schwarzpulver, fo wird von der Befprechung der letzteren Umgang genommen. Die„ Sprengmaffe" von Maffipp in Genf von lichtbrauner Farbe dürfte aus nitrirter Cellulofe beftehen, foll frei entzündet wie Dynamit völlig unexplofiv fein und im Bergbaue Anwendung finden. Es fcheint, dafs diefes Sprengmitte! nur in einem Theile der Schweiz verwerthet wird. Die Schiefsbaumwolle", von Profeffor Schönbein( 1845) in Bafel entdeckt. ift nicht ein zufälliger Fund, fondern das Ergebnifs einer Unterfuchungsreihe, welche unter der Anleitung einer beftimmten Vorftellung über die Veränderungen angeftellt wurde, die Pflanzenftoffe durch die Einwirkung einer fehr, concentrirten Salpeterfäure erleiden. Kurz nach Schönbein machte Profeffor Böttger in Frankfurt die gleiche Entdeckung, und es boten beide Gelehrten ihre Erfindung dem deutfchen Bunde an, welcher jedoch folche Bedingungen ftellte, dafs zu befürchten war, die neue Entdeckung würde geraume Zeit unbekannt bleiben. Diefs beftätigte fich jedoch nicht, indem Profeffor Ott in Braunfchweig bekannt machte, dafs es ihm gelungen fei, ein Präparat zu gewinnen, das in allen Eigenfchaften mit der von Schönbein befchriebenen Schiefswolle übereinftimme. Die Schwierigkeit der Bereitungsweife wurde unmittelbar darauf und faft gleichzeitig von Hopp in Leipzig und Karmarfch& Heeren in Hannover befeitigt, indem fie zeigten, dafs ein Säuregemifch, beftehend aus der Schwefelfäure und Salpeterfaure des Handels, fich vortrefflich zu dem beabfichtigten Proceffe eigne. Es konnte nur ein geübter Chemiker kleine Quantitäten Schiefsbaumwolle erzeugen, allein von einer fabriksmäfsigen Darftellung derfelben war man noch weit entfernt. Erft dem Mitgliede der vom deutfchen Bunde berufenen Prüfungscommiffion k. k. Artillerie- Hauptmann, nunmehrigen Feldmarfchall- Lieutenant Baron Lenk, gebührt das Verdienft, fo wefentliche Verbefferungen in die Schiefswollerzeugung eingeführt zu haben, dafs die Gefahr, veränderliche Producte zu erhalten, völlig befeitigt erfchien und man hoffen konnte, die Schicfswolle als Munition bei Schiefswaffen zu verwenden. Im Jahre 1852 wurde die Erfindung von Schönbein und Böttger an die k. k. öfterreichiſche Regierung, welcher gleichzeitig die von Lenk gewonnenen Verbefferungen zur freien Verfügung überlaffen wurden, abgetreten. Es wurde zu Hirtenberg ein Militäretabliffement gegründet, in welchem man, mit Geheimhaltung der neuen Verfahrungsart, Schiefswolle im grofsen Mafsftabe erzeugte; hiezu wurde Wolle in Strähnen, die nach der gebräuchlichen Behandlung mit Säuren etc. in entsprechende Formen gebracht wurden, verwendet. Man verfertigte Gefchützpatronen und Sprengpatronen, indem man die Wolle um einen hohlen Conus von Holz wickelte. Für Gewehrpatronen wurde die Wolle durch Weben zu einem hohlen Cylinder geformt. Sehr bald gelangte man zu der Ueberzeugung, dafs fich die Schiefsbaumwolle nicht für Schufswaffen, fondern nur für Sprengladungen eignet. Eine bis jetzt nicht erklärbare Exploſion einer kleinen Schiefswollmenge auf der Simmeringer Haide bei Wien, dann aber die Explofion des grofsen Schiefswollmagazins am Steinfelde nächft Wiener- Neuftadt waren Urfache der Entfernung der Schiefswolle aus der Sprengausrüftung der Genietruppe und der Vernichtung des gröfsten Theiles der noch übrigen Schiefswollvorräthe. 10 Johann Lauer. Im Jahre 1870 wurden vom k. k. technifchen und adminiftrativen Militärcomité kleine Mengen Schiefswolle für Verfuchszwecke comprimirt feither wird jedoch in Oefterreich keine Schiefswolle mehr erzeugt. Gegenwärtig hat die Schiefswolle die gröfste Verwendung in England, wo fie in der Fabrik des Herrn Prentice in Stowmarket nach Abel's Princip her geftellt wird. Der Chemiker Abel des englifchen Kriegsminifteriums war beftrebt, die Eigenfchaften der unter verfchiedenen Bedingungen erzeugten Schiefswolle zu erforfchen. Seiner Anfchauung nach war das Hauptgebrechen der öfterreichifchen Schiefswolle, dafs felbft durch die am weiteften getriebene Reinigung der Wolle nicht alle Unreinigkeiten entfernt werden konnten und die fertige Schiefswolle daher immer noch geeignet war, fich zu verändern und zu zerfetzen. Der Hauptgewinn der Abel'fchen Unterfuchungen war die Befeitigung des erwähnten Uebelftandes. Im Jahre 1865 lehrte Abel eine neue Methode der Schiefswollerzeugung. Die Wolle wird zuerft in einem Holländer gemaifcht und die Maifche in Kuchen geprefst. Diefe Methode wird in Stowmarket von Prentice angewendet. Die Vortheile, welche durch Abel's Procefs im Vergleiche zu dem Lenk'fchen erreicht werden, find fehr hervorragend. Bei der Lenk'fchen Methode wurde eine langfaferige theuere Wolle verwendet, während nach Abel's Methode Wollabfälle genommen werden. Bei dem Abel'fchen Proceffe ift die Fafer auf fo kleine Theile zerfchnitten, dafs das Entfäuern der Wolle leicht ftattfindet und das Zurückbleiben von Unreinigkeiten auf ein Minimum reducirt ift. Die Nitrirung ift eine vollstän digere als bei Lenk und die fertige Schiefswolle felbft in tropifchem Klima ftabiler als die öfterreichifche Schiefswolle. Ferner ift die Erzeugung der comprimirten Schiefswolle ungefährlich, weil während der ganzen Verarbeitung das Material feucht ift. Ein weiterer Vortheil der comprimirten Schiefswolle gegenüber der lofen befteht darin, dafs letztere, um ihre volle Kraft zu äufsern, ftets in einem ftarken Gefäfse eingefchloffen werden mufste; während diefs bei der Abe l'fchen Wolle entbehrlich wird. Es hat nämlich Dr. Brocon in Woolwich durch Verfuche erwiefen, dafs durch ftarke Knallpräparate die comprimirte Schiefswolle auch ohne feften Einfchlufs, ähnlich wie Nitroglycerin oder Dynamit, ihre volle Explcfivkraft entwickelt. - Diefe Anwendung von Nobel's Erfindung ermöglichte erft die ausgedehn tere Verwerthung der englifchen Schiefs wolle. Gegenwärtig werden in England Verfuche gemacht, feuchte Schiefswolle durch Anwendung von trockenen Zündpatronen zur Explofion zu bringen. Man hat nämlich die Erfahrung gemacht, dafs die Schiefswolle im naffen unentzündlichen Zuftande transportirt, im Waffer aufbewahrt, vollkommen unver verändert bleibt, und trotz ihres hohen Waffergehaltes doch die Explofionsfähig. keit und hohe Kraftentwicklung bewahrt. Diefe Eigenfchaften mufsten der Schiefs wolle eine bedeutende Ueberlegenheit über andere Sprengpräparate geben, und fie find es auch, welche in Preufsen zu Verfuchen mit Schiefswolle anregten. Von comprimirter Schiefswolle waren Scheiben von verfchiedener Gröfse, wie felbe nach der Methode des Profeffors Abel in Stowmarket erzeugt werden, von Mahler& Efchenbacher ausgeftellt. Ferner hatte noch Punfhon aus London Schiefswolle in Imitation zur Anfchauung gebracht, wie folche für Gewehrmunition verwendet wird. Punfhon mifcht die Schiefswollmaifche mit Rohrzucker und Kalifalpeter; er vermindert hiedurch die Brifanz der Wolle, kommt alfo letztere dem Schwarzpulver in diefer Beziehung näher, ohne jedoch die üble Eigenfchaft desfelben, nämlich ftarkes Befchmutzen des Gewehrlaufes zu befitzen. Ein geringer Rückftand bleibt allerdings bei Punfhon's Präparat auch zurück. e d Sprengtechnik. 11 Das„ Dynamit", deffen höchft explofiblen Beftandtheil das Nitroglycerin bildet, ift in der Befchaffenheit, wie es anfänglich im Handel vorkam, eine Erfindung des fchwedifchen Ingenieurs Alfred Nobel. Die Darftellung von grofsen Mengen Nitroglycerins, feit dem Jahre 1864 auch unter den Namén Nobel'fches Sprengöl bekannt, gefchieht nach einer vom genannten Ingenieur erfundenen Methode, welche Fabriksgeheimnifs ift. Im Allgemeinen wird das Nitroglycerin aus Glycerin, durch eigenthümliche Behandlung desfelben mit einem Gemifche von Salpeter und Schwefelfäure erhalten. Es ift eine ölige, blafsgelbe Flüffigkeit, welche durch Wafchen mit einer bafifchen Salzlöfung vollſtändig entfäuert werden mufs, um verfendet oder längere Zeit aufbewahrt werden zu können. Vollkommen entfäuertes Nitroglycerin bleibt Jahre hindurch unverändert, und ift bis jetzt, wenigftens beim Nobel'fchen Sprengöl, noch keine Selbftzerfetzung nachgewiefen worden. Die vielen Unglücksfälle, welche das Sprengöl bisher verurfachte, hatten ihren Grund hauptfächlich in dem Ausrinnen des Oeles aus den Verpackungsgefäfsen. Nobel hat daher, um für den Transport die Gefahren des flüffigen Sprengpräparates möglichft zu befeitigen, zuerft verfucht, diefs durch Methylifirung des Nitroglycerins zu erreichen, indem er dasfelbe in einer Mifchung von 15 bis 20 Percent Methylalkohol( Holzgeift) löfte und auf diefe Art das unexplofible Sprengöl erhielt. Bei der Verwendung diefes unexplofiblen Präparates mufste zuerft in einem Gefäfse die entſprechende Menge davon mit dem fechsbis achtfachen Volumen Waffer behandelt werden, wobei fich das reine Nitroglycerin ausfchied, und abgelaffen wurde. Allein die Erfahrung lehrte, dafs felbft diefes Mittel nicht genüge, die Gefährlichkeit des flüffigen Sprengöles vollkommen zu befeitigen. Die Folge davon war die geringe Verwendung des Nitroglycerins in der Sprengtechnik, und dasfelbe hätte wahrfcheinlich keine Zukunft gehabt, wenn Nobel nicht im Jahre 1867 dahin gelangt wäre, durch innige mechanifche Mengung des Nitroglycerins mit Kiefelguhr( aus einer löslichen Kiefelerde beftehende Diatomaceen- Hüllen von capillarer Befchaffenheit) das„ Dynamit" darzuftellen. Es ift eben das Verdienft Nobel's durch Beigabe von Kiefelguhr, welche ein fehr grofses Flüffigkeits- Auffaugungsvermögen befitzt, das Nitroglycerin in eine Form übergeführt zu haben, in der es leicht verarbeitet und verwendet werden kann. Die Beigabe von Kiefelguhr fichert auch bei jeder Verpackungsweife den einzelnen Nitroglycerin- Theilchen eine genügende Verfchiebbarkeit, um felbft fehr heftige mechanifche Erfchütterungen ertragen zu können, ohne zu explodiren, da in diefem Präparate jedes Nitroglycerin- Tröpfchen in einer von den capillaren Kiefelpanzern gebildeten elaftifchen Hülle eingefchloffen erfcheint. Das Hauptverdienft Nobel's beſteht aber in der Erfindung, wonach ungefrorene Ladungen feines Präparates nur durch Anwendung von kleinen Mengen eines ftarken Knallpräparates, wie z. B. des Knallqueckfilbers, mit Sicherheit und Leichtigkeit zur Explofion gebracht werden können; jedoch unter der Vorausfetzung, dafs die das Knallqueckfilber enthaltende Kapfel,„ Nobel's Sprengkapfel", in unmittelbarer Berührung mit dem Dynamit zur Explofion gebracht wird. Ohne diefe Erfindung wäre es eigentlich unmöglich, das Nitroglycerin in der Sprengtechnik anzuwenden, und ohne diefelbe wäre es Dr. Brocon nicht gelungen, die volle Kraftentwicklung der comprimirten Schiefswolle zu erzielen. Die ungeheure Zerftörungskraft, welche das Dynamit befitzt, erregte in Oefterreich umfomehr die Aufmerkfamkeit des beftandenen k. k. Genie- Comités, als bis zu jener Zeit gerade die militärifch wichtigften Objecte der neueren Baukunft, die eifernen Brücken, völlig unverwundbar oder nur fehr fchwer zerftörbar waren, es daher immer mehr wünfchenswerth wurde, ein brifanteres Sprengpräparat als das Schwarzpulver für Sprengungen im Kriege zu erlangen. Reichs Kriegsminifter Feldzeugmeifter Baron Kuhn, die Wichtigkeit und Nothwendigkeit eines kräftigen Präparates für die Ausrüftung der technifchen 12 Johann Lauer. Truppen kennend, liefs durch den damaligen Genie- Oberlieutenant Trauzl die Dynamitfabrication, wie folche in der zu Krümmel bei Hamburg erbauten Fabrik in Anwendung iſt, ſtudiren. Die Verfuche, welche Trauzl's Bericht zufolge mit Dynamit im Jahre 1869 vom öfterreichifchen Genie- Comité vorgenommen wurden, haben die vorzügliche Verwendbarkeit des Dynamites dargethan, und veranlafsten die Annahme des felben für die Militär- Sprengtechnik. Die weiteren in Oefterreich, vom k. k. technifchen und adminiftrativen Militärcomité unter der Leitung des k. k. Genie- Oberften Beck mit Dynamit ausgeführten Verfuche umfaffen im Allgemeinen Holz-, Ziegelmauerwerks-, Ziegelgewölb- Mauerwerks-, Bruchftein- Mauerwerks-, Eifen- und Eisfprengungen. Auch wurden Dynamit- Erdminen in gröfserer Ausdehnung verfucht. Die Refultate aller diefer Verfuche haben in aufserordentlich kurzer Zeit Kenntniffe über die Wirkungen und die Verwendung des Dynamits für Zwecke der Militärtechnik in folcher Menge geliefert, dafs diefes Präparat kaum fobald durch ein anderes verdrängt werden dürfte. Diefe Refultate kommen aber auch den Civil- Sprengtechnikern zu Gute, die fchon aus dem erften Verfuchsrefultate die eminente Wichtigkeit des Dyna mits auch für die Montaninduftrie und den Bahnbau erkannten. Dafs das Dynamit in unglaublich kurzer Zeit in der Civil- Sprengtechnik eine fehr ausgedehnte Anwendung fand, ift einestheils dem k. k. Handelsminifterium zu danken, wel ches über Antrag des k. k. Reichs- Kriegsminifteriums auf Grund der günftigen Refultate jener Verfuche, die die Sicherheit des Dynamits gegen Stofs und Feuer dargethan haben, fowohl die Einfuhr des Dynamits als auch den Transport desfelben auf Eifenbahnen geftattet. Oefterreich ift der erfte Staat, welcher alle kleinlichen Bedenken unbe achtet laffend und nur den grofsen Nutzen diefer Mafsnahme vor Augen habend, den gerechten Wünſchen der Dynamitconfumenten entgegenkam. Die weitere Verbreitung des Dynamits verdankt die Sprengtechnik dem öfterreichifchen Genie- Officier Trauzl durch Veröffentlichung eines Werkes über die Eigenfchaften und Verwendung des Dynamits in der Sprengtechnik, wodurch jedem Ingenieur die Möglichkeit geboten wird, fich eine hinreichende Kenntnifs des Dynamits zu verfchaffen. Um das Bekanntwerden des Dynamits in Oefterreich hat fich auch der energifche Chef der Firma Mahler& Efchenbacher aus Wien, Kaufmann Julius Mahler, Verdienfte erworben. Seinen Bemühungen verdankt die Dynamitfabrik in Zámky bei Prag ihre Entstehung. Noch feien die Fortfchritte erwähnt, welche feit Erfindung des Dynamits in der Erzeugung desfelben zu verzeichnen find. Die Forderungen der Bergtechnik, insbefondere des Kohlenbergbaues, drängten unabweislich zur Erzeugung eines Sprengmittels, welches mit der momentanen Entzündungsfähigkeit des Dynamits eine grofse Nachwirkung vereint. Die Folge davon war, dafs nunmehr nebft dem urfprünglichen Dynamit reines Kiefelguhr- Dynamit- jetzt Dynamit Nr. I, noch die beiden Dynamit forten Nr. II und III erzeugt werden. Auch der Uebelftand des Dynamits, das Hartwerden bei niederer Temperatur(+8 Grad Celfius), in welchem Zuftande es durch die gewöhnliche Kapfel nicht gezündet werden kann, ift durch Anwendung von befonderen Zündpatronen beho ben. Diefe Zündpatrone, von Trauzl erfunden, befteht aus Nitroglycerin, Kalifalpe ter, Harz und eigenthümlich bereitetem Holzftoffe. Trauzl hat auch ſpeciell für militärische Zwecke eine Zündpatrone aus Schiefswolle und Nitroglycerin erzeugt. Die neueſte Verbefferung in der Dynamitfabrication ift die Darftellung von Trauzl's, Cellulofedynamit". Den fortgefetzten Verfuchen Trauzl's ift es nämlich gelungen, ein Nitroglycerin- Pulver zu erzeugen, welches mit allen Vortheilen des Kiefelguhr- Dynamits Sprengtechnik. 13 e e e n er rt 1. m er ch fs er us ik its es, er er mit mit racht 10De für gt. ang Cro mits den Vortheil der Schiefswolle, gegen Einwirkungen des Waffers unempfindlich zu fein und die daraus folgenden Confequenzen vereinigt. Trauzl machte fchon 1870 bei feinen Verfuchen zur Auffindung einer geeigneten Zündpatrone für gefrorenes Dynamit die wichtige Entdeckung, dafs gewiffe organifche Auffaugftoffe die Eigenfchaft befitzen, aufgefaugtes Nitroglycerin in Waffer vollkommen feftzuhalten und trotz hohen Waffergehaltes noch vollkommen explofibel zu bleiben. Die damals verwendeten Auffaugftoffe, nitrirter Holzftoff und Schiefswolle, konnten ihrer Gefährlichkeit wegen nicht für eine Maffenerzeugung dienen. Nach vielen Experimenten fand Trauzl endlich in dem auf eigenthümliche Weife präparirten Holzftoffe einen vollkommen geeigneten Auffaugeftoff, der 70 bis 75 Percent Sprengöl aufnimmt und mit diefem ein Sprengmittel bildet, welches die Eigenfchaft befitzen foll, in Berührung mit Waffer in feinen Mifchungsverhältniffen conftant zu bleiben und nach Auspreffen und Trocknen vollkommen feine frühere Kraft zu erlangen. Bei ftarkem Wafferzufatze, bei dem es die Eigenfchaft der Zündfähigkeit verloren hat und gegen die stärksten mechanifchen Einwirkungen nahezu vollkommen unempfindlich ift, foll es feinen Nitroglycerin- Gehalt fefthalten, und bei Anwendung ftarker Knallfätze oder Zündpatronen ohne Trocknung mit hoher Kraftentwicklung explodiren. Trauzl's Cellulofe dynamit würde alfo mit der Schiefswolle alle Vortheile theilen, welche diefe gegenüber dem Nobel'fchen Dynamit befitzt. Es hätte aber gegenüber der Schiefswolle gleichzeitig jene bedeutenden Vortheile, welche dem Nitroglycerin- Pulver bisher faft überall den Sieg verfchafft haben, und fo die Urfache find, dafs in jüngfter Zeit fogar in England die Schiefswolle Schritt für Schritt an Terrain verliert. Diefes unermüdliche Beftreben, Dynamit in folcher Vollkommenheit darzuftellen, dafs dasfelbe die Concurrenz eines anderen Sprengpräparates nicht zu fürchten hat; die unausgefetzten Verfuche, welche eine richtige gewinnbringende Anwendung des Dynamits bezweckten, erklären die jährlich fich fteigernde Zunahme des Dynamitverbrauches. Die Dynamitfabrik in Zámky bei Prag, von welcher im Pavillon der modernen Sprengtechnik ein fchön gearbeiteter plaftifcher Plan ausgeftellt war, foll im Jahre 1872 circa 6000 Centner und bis Juli 1873 circa 5000 Centner Dynamit erzeugt haben, jedoch genügen diefe Mengen nicht mehr, um den gegenwärtigen Anforderungen der öfterreichifchen Eifenbahnbau Unternehmungen gerecht werden zu können, wefshalb der Bau einer zweiten Dynamitfabrik in Oefterreich, und zwar nächft Prefsburg in kurzer Zeit in Angriff genommen werden foll. Den Dynamitbedarf für Deutfchland liefert die Fabrik zu Krümmel bei Hamburg und war von diefer gleichfalls ein intereffanter Reliefplan, welcher die gefammte Fabriksanlage zur Anfchauung brachte, von Mahler ausgeftellt. Im Jahre 1872 foll diefe Fabrik circa 9400 Centner und bis Juni 1873 circa 8000 Centner Dynamit erzeugt, und einen Theil hievon nach Oefterreich, Italien und der Türkei verfendet haben. Aufser in Oefterreich und Deutſchland beftehen noch Fabriken, welche Nobel'fches Dynamit erzeugen, in Schweden und in Amerika. Die Ausftellung der Erzeugniffe der Dynamitfabrik in Zámky, veranlafst durch Mahler im Pavillon der modernen Sprengtechnik, war eine vollſtändige. Es befanden fich dafelbft alle zur Erzeugung von Dynamit nöthigen Rohmaterialien, als: grüne und rohe Kiefelguhr, wie folche in der Nähe Hamburgs gegraben wird; gebrannte und pulverifirte Kiefelguhr; dann Glycerin, Schwefelund Salpeterfäure. Von letzteren dreien waren folche Mengen in Gläfern vertheilt, wie fie zur Darstellung von einem Pfund Nitroglycerin verwendet werden. Ferner war auch das Verhältnifs jener Mengen von Nitroglycerin und Kiefelguhr, in welchem diefe Materialien zur Bereitung von einem Pfund Dynamit Nr. I erforderlich find, veranfchaulicht. 14 Johann Lauer. Die Dynamitforten Nr. I, Nr. II und Nr. III, dann die Zündpatronen. Mifchung waren in Imitation ausgeftellt. Dynamit Nr. I ift eine lichtorange oder gelbbraune, feinkörnige, plaftifche, fich etwas fett anfühlende Maffe, welche im ftark zufammengeprefsten Zuftande ein fpecififches Gewicht von 16 befitzt. Es enthält 75 Percent Nitroglycerin, welches durch 25 Percent Kiefelguhr abforbirt und hiedurch gegen mechanifche Einflüffe nahezu unempfindlich gemacht worden find. Der Centner diefer Dynamit forte koftet 100 fl. öfterr. Währung. Dynamit Nr. II und III find röthlich braun und beträgt ihr fpecififches Gewicht 13. Dynamit Nr. II hat 50 Percent Nitroglycerin, 10 Percent Kiefelguhr und einen Zufatz von falpetrifirtem Holzmehle, Soda etc. Beim Dynamit Nr. III beträgt der Nitroglycerin- Gehalt nur 30 Percent. Der Zollcentner Dynamit Nr. II koftet 80 fl., jener von Nr. III 62 fl. Die Zündpatrone zur Zündung gefrorenen Dynamits enthält ein Nitroglycerin- Pulver, von röthlichem Anfcheine, welches aus 45 Percent Nitroglycerin, 38 Percent Salpeter, 8 Percent Holzmehl, 4 Percent Harz, 1 Percent Soda und 4 Percent Kiefelguhr befteht. Der Zollcentner diefer Zündmifchung koftet 110 fl. öfterreichiſcher Währung. Bezüglich der Anwendbarkeit diefer Dynamitforten in der Sprengtechnik fei bemerkt, dafs Dynamit Nr. I vorzüglich in der Militär- Sprengtechnik, dann bei Sprengungen unter Waffer und überall dort Anwendung findet, wo die Ladung zur Zerftörung eines Objectes ohne jede Verdämmung angebracht wird. Auch in Schächten und Stollen wird bei Sprengungen in fehr feftem, maffigem Gefteine Dynamit Nr. I angewendet. Dynamit Nr. II und III eignen fich vorzüglich in Steinbrüchen zur Gewin nung von Bruchfteinen und zu allen Sprengungen in Kohlen Bergwerken. Die Wahl einer oder der andern Sorte richtet fich nach dem Härtegrade des Mittels, in welchem gefprengt wird. Im Handel wird Dynamit hauptfächlich in Patronenform umgefetzt. Die Patronen jeder Dynamitforte haben I Zoll oder 7 Zoll Durchmeffer und 4 Zoll oder 2 Zoll Länge. Zur Entzündung diefer beiden Sprengpatronen- Gattungen werden noch fogenannte Auffatzpatronen erzeugt, in welche bei Bohrfchüffen die Sprengkapfel nebft Zündfchnur eingeführt und auf die Sprengladung auf gefetzt wird. Jede Spreng- Patronengattung ift mit einer entſprechenden Anzahl Auffatzpatronen in Packete( zu 5 Zollpfund), diefe wieder in Kiften( 50 Zollpfund) ver packt, welch' letztere mit Plombe und Schutzmarke verfehen find. Die Zündpatronen für gefrorenes Dynamit find nur in kleinen Kiften verpackt. Lediges Dynamit, nur auf befonderes Verlangen beziehbar, wird zu 50 Pfund in Fäffern verpackt, welche gleichfalls Schutzmarke und Plombe erhalten. In dem Pavillon der„ modernen Sprengtechnik" waren die verfchiedenen Spreng- und Zündpatronen des Handels, fowie die erwähnten Verpackungsarten dem Befucher in überfichtlicher Weife vor Augen geführt. Auch waren Wärme apparate, in welchen gefrorenes Dynamit in der Regel vor feiner Verwendung aufgethaut werden foll, ausgeftellt. Dasfelbe war der Fall mit allen zum Erzeugen von Patronen aus ledigem Dynamit erforderlichen Requifiten, wie: hölzerne Lad ftöcke, Holzfchüffeln, hölzerne Löffel und Gummi- Handfchuhe. Von A. Eck ft ein in Wien, waren aus vegetabilifchem Pergamentpapier erzeugte und mit einer wafferdicht fchliefsenden Compofition geleimte Patronenhülfen für Dynamit ausgeftellt. Die Aufmerkfamkeit der Fachmänner erregte insbefondere ein vom öfterreichifchen Genie Hauptmann Hefs zufammengeftellter Apparat. Es besteht nämlich bis jetzt noch kein Apparat, mit welchem die Kraft des Dynamits directe gemeffen werden kann; wefshalb man zur Beurtheilung r I e t t k i n e n де 11 en f. شب به e 2- r en zu en. en en e ng en ad. ier en. er-aft ing Sprengtechnik. 15 diefes und ähnlicher Präparate gezwungen ift, fich mit der Beftimmung des Nitroglycerin- Gehaltes der Nitroglycerin- Pulver zu begnügen. Hefs hat nun einen Apparat zufammengeftellt, welcher geftattet, mit einem Minimum von Aether in kurzer Zeit allen NitroglycerinPulvern den Gehalt an Sprengöl vollständig zu entziehen und durch zwei Wägungen und eine kurze Extractionsoperation den Handelswerth eines, folchen Präparates rafch zu ermitteln. Im Principe mit Payens vielfeitig benütztem Apparate für fortgefetzte Deftillation übereinftimmend, unterfcheidet er fich von diefem durch die Verwendung der ein für allemal zu wägenden Eprouvette f, deren Boden durchlocht ift, und welche die Beftimmung hat, eine Probe des zu prüfenden Präparates aufzunehmen, dann durch die äufsere Kühlung der Extractionsröhre r mit fliefsendem Waffer, das den Zwifchenraum zwifchen diefer und dem Glascylinder m m ausfüllt. Im Uebrigen mag die Einrichtung und der Gebrauch diefes Apparates dem chemifchen Techniker fchon aus der Figur klar werden. Das vom Genie- Hauptmanne Hefs ausge ftellte Reagenspapier hat den Zweck, die Nitroglycerin- Präparate auf etwa in ihnen auftretende nitrofe Zerfetzungsproducte zu prüfen. Die Ausftellung des Nobel'fchen Dynamits im Pavillon der modernen Sprengtechnik in fo vollendeter und überfichtlicher Weife ift begründet durch den hohen Werth, welchen diefes Präparat als erften Repräfentanten der Nitroglycerin Pulver in der Sprengtechnik, und zwar fpeciell in Oefterreich einnimmt. Andere Nitroglycerin- Pulver waren auf der Ausstellung des Jahres 1873 nicht vertreten; allerdings haben ein Theil derfelben, wie das weifse Dynamit der Fabrik zu Sct. Lambrecht in Steiermark, keine bedeutende Verwendung aufzuweifen; immerhin wäre es erwünſcht gewefen, den Lithofracteur von Krebs& Comp. zu Deutz, welcher nächft Dynamit das bekanntefte und in anderen Staaten gebräuchlichfte Nitroglycerin- Pulver ift, vertreten zu fehen. Intereffant wäre auch eine Expofition jener Dynamitforten gewefen, welche während der Vertheidigung von Paris von Champion dortfelbft erzeugt wurden. Champion nahm zur Auffaugung von 55 Percent Nitroglycerin 45 Percent Boghead-( Kohlen-) Afche. Durch Ausftellung der genannten Nitroglycerin- Pulver wäre die Gruppe " Sprengmittel" vollständig gewefen. Zündmittel. Die aufserordentlichen Vortheile, welche bei Spreng. arbeiten durch die gleichzeitige Zündung mehrerer Ladungen erreicht werden, und die endliche Erkenntnifs diefer Vortheile, erklären, dafs in letzterer Zeit vornehmlich das Beftreben obwaltete, Zündmittel zu erhalten, welche die nahezu gleichzeitige oder momentane Zündung vieler Objecte zulaffen. Es waren daher auf der Ausftellung nebft den gewöhnlichen langfambrennenden Zündfchnüren noch die rafchbrennenden Zündfchnüre und die elektrifche Zündung ganz entſprechend vertreten. Von den langfambrennenden Zündfchnüren waren ausgeftellt: Sicherheitszünder von P. Heigl in Innsbruck; von der englifchen Sicherheitszünder2 16 Johann Lauer. Fabriks- Actiengeſellſchaft in Meiffen; von Howke& Martin in Genf; von Bickford- Smith& Comp. in Tückingmill, Cornwall; von Th. Winborg von Lindolen's Compagnie in und von Liljeholmen in Stockholm; Chriftiania. Alle diefe Zündfchnüre haben Pulverfeelen, welche mit Rücksicht auf die Verwendung der Zündfchnüre in trockenen, feuchten oder naffen Mitteln, auf verfchiedene Art umfponnen und weniger oder mehr mit Kalk, Theer etc. gedichtet werden. Nach dem Zwecke, für welchen diefe Zündfchnüre erzeugt find, unterfcheidet man gewöhnliche, Sumpf- und wafferdichte Zündfchnüre. Unter letzteren verfteht man meiftens die mit Guttapercha- Umhüllungen verfehenen Zündfchnüre für Zün dungen unter Waffer, in welchem fie felbft bis auf 15 Fufs Tiefe brennen, während mit den Sumpfzündfchnüren höchftens auf acht Fufs Tiefe unter Waffer gezündet werden kann. Die rafchbrennenden Zündfchnüre, bis jetzt ausfchliefslich in der MilitärSprengtechnik angewendet, ermöglichen die nahezu gleichzeitige Zündung mehrerer Ladungen. In Oefterreich ift die vom beftandenen k. k. Geniecomité dargestellte Bleizündfchnur" in Anwendung. Die Veranlaffung zur Erzeugung diefer Zündfchnur gab die amerikanifche rafchbrennende Zündfchnur„ fafety fufe". Diefelbe enthält ein Zündband, auf welchem eine alkoholifche Mifchung aus gleichen Theilen Bleieifen- Cyanürs und chlorfaurem Kali aufgetragen ift. Der öfterreichifche Geniegeneral Baron Ebner war nun beftrebt mit diefer Zündmifchung Wollfäden zu imprägniren und diefe mit einer entſprechenden Umhüllung zu verfehen. Er projectirte einen Apparat, welcher diefe Wollfäden durch die erwähnte alkoholifche Mifchung zieht und diefelben, nachdem fie mit diefem Satze behaftet find, felbftthätig mit einem Bande umhüllt. Nach vollſtändiger fcharfer Trocknung wird die Schnur nach einem vom öfterreichifchen Genie- Hauptmanne Thill ausgebildeten Verfahren mit dünnem Blei umhüllt, refpective in ein Bleirohr eingezogen und diefes an die Zündfchnur geprefst, wodurch diefelbe vor allen äufseren Einflüffen gefchützt ift. Das grofse Gewicht der Bleiumhüllung und die Sprödigkeit des Bleies bei grofser Kälte veranlafsten den öfterreichen Artillerie- Hauptmann Trawniczek die Bleihülle durch eine Kautfchukhülle zu erfetzen. Für die Imprägnirung der Wollfäden wählte Trawniczek eine Mifchung aus gleichen Theilen Schwefelantimon und chlorfaurem Kali, einen Satz, deffen Beftandtheile überall leicht zu haben find, und der zur völligen Mifchung kaum ein Viertel jener Zeit braucht, wie die aus Bleieifen- Cyanür und chlorfaurem Kali beftehende Satzmifchung. Die Fortpflanzung des Feuers ift eine ungemein rafche, denn 100 Klafter einer der beiden rafchbrennenden Zündfchnüre haben nur drei Secunden Brenndauer. Trotz der vielen Vorzüge diefer Zündfchnüre, entſprechen diefelben bis jetzt noch nicht vollständig den Grundeigenfchaften, welche man an eine tadellofe Zündmethode ftellt, nämlich: fichere und rafche Wirkung felbft aus grösserer Entfernung; Gleichzeitigkeit in der Zündung verbundener Ladungen; fortdauernde Erhaltung der Zündfähigkeit; und leichte Anwendung in jedem Medium. Solchen Anforderungen kann nur die Zündung mittelft Elektricität voll ftändig genügen, und es ift das grofse Verdienft des öfterreichifchen Generals Baron Ebner die Wichtigkeit der elektrifchen Zündung für Kriegszwecke zuerft erkannt und diefe hiefür nutzbar gemacht zu haben. Die Benützung der Principien der Elektricität zum Zünden von Spreng ladungen läfst fich in folgende drei Operationen theilen: a) Erregung der erforder lichen elektriſchen Spannung; b) Herftellung der Strombahn oder Leitung; c) Einfügung der Unterbrechungsftellen an jenen Orten, wo die Zündung erfolgen foll t e d T h t Sprengtechnik. 17 Man unterfcheidet daher bei jeder elektrifchen Zündung: Die Zündmafchine, die metallifche Leitung und den elektriſchen Zünder. Im Pavillon der modernen Sprengtechnik konnte man alle elektriſchen Zündapparate, welche überhaupt auf der Ausftellung vertreten waren, in einer Gruppe vereint fehen. Man fand dort reibungs- elektrifche, magneto- elektriſche, galvanifche, dynamo- elektriſche und elektro- magnetifche Zündapparate. In Oefterreich find reibungs- elektriſche Zündapparate im Gebrauch. Ebner fand durch die Praxis die Anficht beftätigt, dafs das fchwierige Problem der Minenzündung, die gleichzeitige Entzündung vieler Sprengladungen, am leichteften durch Elektricität von hoher Spannung, alfo durch Reibungselektricität gelöft werden könne. Er hat daher anfänglich der Elektrifirmafchine eine für diefen befonderen Zweck geeignete Einrichtung gegeben. R. er ei k on d. us er n. Dis ofe er גן. m. oll on int ng. er in لاد S blows 2* 18 Johann Lauer. b a gehäufe, in welchem Kautfchukcylinder und Der ältefte Ebner'fche Zündapparat ift eine Elektrifirmafchine mit zwei Scheiben s aus Glas von zehn Zoll Durchmeffer und einem Glasconden fator. Die Erregung der Elektricitäten gefchieht durch Reiben der Glasfcheiben mit auf Reibkiffen R aufgetragenem Amalgam.- Die Entladung der Leyd nerflafchef zum Zwecke einer Zündung oder zur Prüfung der Mafchine, wird durch die beig angebrachte Entladevorrichtung bewirkt. Diefer trag. bare Apparat ift für den Gebrauch in Feftungen vollkommen entſprechend. Bei dem E b'n e r'fchen Feld Zündapparate find die beiden Scheiben S aus Hartgummi, haben wie beim Feftungsappa rate zehn Zoll Durchmeffer und wird mit der durch Reiben des Hartgummi mit Amalgam erregten Elektricität ein Condenfator C aus weichem und gefirnifstem Kautfchuk geladen. Die fer Condenfator, ein Hohlcylinder, ift unterhalb des Reibungsapparates angebracht und kann durch den Entlader him geeigneten Momente mit der Leitung in Verbindung gebracht werden. Der Apparat ift wie ein Tornifter tragbar und wird beim Gebrauche auf ein dreifüfsiges Geftell befeftigt. Der letzte von Ebner conftruirte Reibungsapparat ift der elek trifche Cylinder- Zündapparat, bei welchem die Elektricität durch Dehnung eines Kautfchukcylinders a zwifchen zwei Pelz- Reibzeugpaaren b erzeugt und in einen Conden fator q von weichem Kautfchuk angefammelt wird. wird. Das MetallCondenfator angebracht find, trägt die Entladungsvorrichtung und ift luftdicht verfchloffen, fo dafs diefer Apparat von äufseren Einflüffen unabhängiger als die beiden erfteren gemacht ift. t S h 1. ce r e, e- ㄡ ˋ en en en nd S en DachHer mit ein and Die. er, tes Ent nte ing arat und reiconlek bei urch ersa aren denchuk etall trägt Darat Sprengtechnik. 19 Für Bergwerke wird vom Ingenieur Abegg zu Biftritz in Böhmen ein elektrifcher Zündapparat erzeugt, bei, welchem ein Cylinder mit Pelz gerieben wird und der Condenfator aus einem Glasgefäfse befteht.- Am Apparate ift keine Entladungsvorrichtung vorhanden, da fich der Condenfator bei gehöriger Spannung von felbft entladet. Derfelbe ift in einem maffiven Gehäufe luftdicht gefchloffen und entspricht befcheidenen Forderungen vollkommen. Eine zweite Eigenart öfterreichifcher Zündapparate find die magneto- elektrifchen Zündapparate vom Mechaniker S. Markus in Wien. Geniegeneral Baron Ebner hat durch Aenderung der bei den reibungselektrifchen Zündapparaten verwendeten Spaltzünder ihre Empfindlichkeit derart gefteigert, dafs man hoffen konnte, das Problem der gleichzeitigen Zündung auch durch die fchwächeren Spannungsftröme magneto- elektrifcher Mafchinen in genügender Ausdehnung zu löfen. Die Anregung und Unterſtützung des beftandenen k. k. Genie- Comités haben Markus in den Stand gefetzt, magneto- elektriſche Zündapparate mit kurzer Bewegung zu erzeugen. Die Figur ftellt den Apparat vor Augen. Die Pole des hufeifenförmigen Stahlmagnetes M liegen zunächft der oberen Deckplatte. Mit dem Handgriffe H E H KT M kann, indem man ihn nach rechts dreht, der im Apparate liegende Anker in eine neue Stellung gebracht werden. Hiebei wird eine ftarke Feder gefpannt, aber der Zurückgang des Ankers ift durch das Einfallen eines Sperrkegels K verhindert. Läfst man durch Niederdrücken des Kopfes 7 die Sperrvorrichtung aus, fo fchnellt der Anker in feine Ruhelage zurück, und in den ihn umgebenden Drahtgewinden entwickelt fich ein elektriſcher Strom, welcher durch die untere, mit Z bezeichnete Schraubenklemme in den Leiftungskreis eintritt, und durch die obere mit E bezeichnete Schraubenklemme in den Apparat zurückkehrt. - Von diefem Apparate waren drei Gattungen mit verfchiedenen Stärkegraden ausgeftellt. Diefer Apparat befitzt die höchft wünfchenswerthen Eigenfchaften der einfachen Handhabung, der fteten Wirkungsfähigkeit und der Unabhängigkeit von äufseren Einflüffen in hohem Grade. Die Leiftung des Apparates hängt hier insbefondere von der Güte der angewendeten Zünder ab. Nach Verfuchen ift die gröfste Wirkung des Apparates das gleichzeitfge Abfprengen von acht Zündern, welche am Ende einer unter Waffer liegenden Doppelleitung aus Guttapercha- Draht à 800 Klafter Länge eingefchaltet find. Diefer Apparat ift gegenwärtig bei den preufsifchen Pionnieren eingeführt. Markus magneto- elektrifcher Rotationsapparat unterfcheidet fich von dem früher befchriebenen Apparate dadurch, dafs bei ihm eine continuirliche Drehung alfo eine fortwährende Stromerzeugung ftattfindet. Er wird in Fällen, wo man den elektrifchen Strom in rafcher Folge zu verfchiedenen Objecten gelangen laffen will, angewendet. In Deutfchland werden von A. Bornhardt, herzoglichem Hof- Mechaniker in Braunfchweig" Patent- Zünd- Elektrifirmafchinen" erzeugt. Der Reibungsapparat diefer Mafchine beſteht aus einer Hartgummifcheibe F von 26 Centimeter Durchmeffer, welche durch Reibung zwifchen Pelzwerk R elektrifch wird. Die Elektricität wird durch den Saugapparat Jin dem Flafchen- Conden fator H angefammelt. Die Elektrifirmafchine befindet fich in einem luftdicht verfchloffenen Blechkaften, in welchen zum Trockenhalten noch Rollen A mit Waffer, abforbirenden Subftanzen( Kohle) eingelegt find. Diefer Apparat, obgleich fehr kräftig und den Forderungen im Bergbaue vollkommen entsprechend, fteht den Ebner'fchen Apparaten an Wirkung nach. 20 Johann Lauer. R J F F A A √b H б H Die preufsichen Pionniere hatten früher für die Zündung mittelft galvanifcher Elektricität den Zellenapparat in ihrer Ausrüftung. Derfelbe ift eine aus 36 Kupfer- Zink- Elementen beſtehende galvanifche Batterie. In Deutſchland findet der dynamo- elektrifche Zündapparat von den Mechanikern Siemens und Halske in Berlin Anwendung. Diefe benützen zur Entwicklung kräftiger Inductionsftröme die Rotation einer Drahtfpule zwifchen zwei Elektromagneten, die, urfprünglich fchwach ange. regt, durch die mechanifche Arbeit der Spulendrehung bald verftärkt werden, indem der Spulendraht fich in Windungen um deren Armen fortfetzt. Im geeigneten Momente wird die Verbindung der Spule mit den Magneten unterbrochen, und der Inductionsftrom in die Leitung entfendet. Jedoch auch diefer Apparat fteht den Reibungsapparaten nach. Frankreich war nur durch einen und zwar durch Breygúnet's magnetoelektriſchen Zündapparat vertreten. Diefer Apparat beſteht aus einem conftanten Stahlmagnete NO S, auf deffen Ende je eine Drahtfpule E E aufgefchoben ift.- Der Anker A A, welcher gewöhnlich an den Polen aufliegt, wird nach Herausziehen der Sperrvorrichtung X, im Momente der beabfichtigten Zündung, durch einen ftarken Schlag auf den Kopf B des bei a beweglichen Hebels abgeriffen. Durch das Abreifsen des Ankers kommt der Magnetismus der Schenkel zur Geltung, indem er in den Spulen E E einen Strom erzeugt, der dann durch gehörige Schaltung in die Zündleitung, refpective zu den Zündern gelangt. Diefer Apparat im Vereine mit einer Spule Guttaperchadraht auf einem Geftelle befeftigt, kann von einem Manne am Rücken getragen werden.- Der Guttaperchadraht haf zwei Kupferadern deren einen Enden im fteten Contacte mit dem Apparate find, während die beiden anderen Enden nach Auslegen des Drahtes, was ohne Herabnehmen der Spule gefchieht, mit dem Zünder verbunden werden. Diefer Apparat foll gegenwärtig bei den Verfuchen des franzöfifchen Geniecorps angewendet werden. n 1, d nt af er g n el m er te es en e- h er 6 Sprengtechnik. 21 Der Collection elektriſcher Zündapparate waren auch noch jene Apparate beigegeben, welche wie die Luftthermometer und der Funkenmikrometer, zum Prüfen des elektrifchen Funkens auf Wärmemenge dienen. Die ausgeftellten Funkenplatten und Blitztafeln genügen nicht zur Unterfuchung elektrifcher Zündapparate. Der zweite bei der elektrifchen Zündung in Betracht kommende Factor ift die Leitung, welche die vom Zündapparate gelieferte Elektricitätsmenge zu der zu fprengenden Ladung führen, fomit aus einer ftetigen Folge von guten Elektricitätsleitern beftehen muſs. Man unterfcheidet bei einer jeden elektriſchen Leitung die Luft- oder Hinleitung, in welcher die Elektricität vom Apparate bis zu ihrem Wirkungsorte auf wohl ifolirten Metalldrähten angewiefen ift, und die Erd- oder Rückleitung, bei welcher die Elektricität durch den Erdboden oder durch einen fonftigen Leiter zum Apparate rückgeleitet wird. dodom Nachdem mit einem Zündapparate eine um fo gröfsere Zahl vollkommen gleichartig erzeugter elektriſcher Zünder momentan gefprengt werden können, je ifolirter auch die Rückleitung ift, fo wendet man bei wichtigen Sprengungen BREGUET 0 E 0 E A α A B X 22 Johann Lauer. ( Kriegsfprengungen) wo auf einen ficheren Erfolg gerechnet wird, ftets ifolirte Haupt- und Rückleitung an. Zu den Drahtleitungen für elektrifche Zündungen werden gewöhnlich ver. wendet: Meffingdraht, Guttaperchadraht und Drahtkabeln.gaze Der Meffingdraht wird für Hauptleitungen, manchmal auch für Rückleitun gen an Ifolatoren befeftigt, deren Glocken aus Glas, Porcellan oder Kautschuk erzeugt find. Eine Gattung der Ifolatoren von der Form der Nagelbohrer haben Hefte aus Horn mit zwei Einfchnitten zum Einlegen der Drahtleitung und werden in Braunfchweig vom Mechaniker Bornhardt angefertigt. Der Guttaperchadraht enthält gewöhnlich nur einen Kupferdraht, welcher durch Umpreffung von Guttapercha vollständig ifolirt wird. Bei Kabeln wird der Guttaperchadraht durch Hanf und Blech- oder Fifendraht- Umhüllungen befonders widerftandsfähig gemacht. Die Drahtkabel ent halten meiftens mehrere Drahtadern. Der Pavillon der modernen Sprengtechnik enthielt nur die in Oefterreich angewendeten Drahtleitungen. Sonft hatten folgende Firmen in der Gruppe XIV ausgeftellt: Siemens Brothers in London; Hoopers Telegraph Works in London; The India Rubber; Guttapercha et Telegraph Works Company in London; Telegraph Conftruction and Maintenance Company; Bonis C. in Paris; Le gay C. in Paris. Die verfchiedenen Kabelconftructionen find bei der erwähnten Gruppe befprochen. Der dritte wichtige Factor der elektrifchen Zündung ift der Zünder, welcher die Anbringung von Unterbrechungsftellen in der Leitung an jenen Orten geftattet, wo die Zündung der Sprengladung durch Vermittlung eines, von einem kleinen elektrifchen Funken noch mit Sicherheit entflammt werdenden Stoffes erfolgen foll. Mit Ausnahme des Zünders für galvanifche Elektricität, müffen alle elektrifchen Zünder, mag deren Conftruction wie immer befchaffen fein, diefen Forderungen entſprechen. Von den elektrifchen Zündern find Pulver und Dynamitzünder zu unterfcheiden. Genügt bei erfteren fchon der Zünderfatz zum Zünden der Ladung, fo mufs bei letzteren noch eine Nobel'fche Sprengkapfel eingefetzt werden. Zu diefer Gattung können auch die in England angewendeten elektriſchen Zünder für die Entzündung von comprimirter Schiefswolle gerechnet werden. Diefelben enthalten nebft dem Zündfatze noch lofes Knallqueckfilber. An elektrifchen Zündern waren in ihren verfchiedenen Erzeugungsftadien ausgeftellt für Reibungs- Elektricität Pulverzünder nach den Syftemen Ebner und Bornhardt; Dynamitzünder vom Werkführer- Affiftenten Geitner desk. k. tech nifchen und adminiftrativen Militärcomité, dann von den k. k. Hauptleuten J. Schmidt des Genieftabes und Trawniczek des Artillerieftabes. Für elektro- magnetifche Apparate: Pulverzünder von Ebner und die engli fchen Schiefswollzünder von Abel( Director des chemifchen Departements in Woolwich) endlich Zünder nach preufsifchem Syfteme für Zellenapparate. Die Zündmifchung der Zünder für Reibungs- und für galvaniſche Elektrici tät befteht aus gleichen Theilen Schwefelantimon und chlorfaurem Kali. Bei dem Zünder für elektro- magnetifche Zündapparate, welche empfindlicher als erftere fein müffen, ift bei den öfterreichifchen Zündern der erwähnten Zündmifchung noch ein Graphitpulver beigemengt. Bei den englifchen Zündern befteht der Zündfatz aus Phosphorkupfer, chlorfaurem Kali und Schwefelkupfer. * Bei Zündern für galvanifche Elektricität ift ftatt der Unterbrechungsftelle ein feiner Platindraht im Zünder eingefchaltet, welcher, durch den galvanifchen Strom zum Glühen gebracht, die Zündmifchung entzündet. ce Sprengtechnik. 23 n n er h $ e Verfuche, Zünder zu conftruiren, bei welchen ftatt der Beimengung des Graphitpulvers eine Graphitbrücke zwifchen den Elektroden gemacht und diefe mit einer Nadelfpitze geritzt wird, haben fich nicht bewährt. Ebenfo wurde die Erzeugung der Zünderkörper aus Guttapercha, welche eine fehr rafche Fabrication möglich machte, aufgegeben, da die flüchtigen Oele der Guttapercha den Zündfatz verderben. Die Zünderkörper wurden in letzterer Zeit entweder aus einer Harzmifchung geprefst oder, was noch beffer ift, aus einer Maffe, beſtehend aus Schwefel und Glaspulver( oder Cement, Porzellanerde etc.), gegoffen. Die Befchreibung aller der erwähnten Zünder würde zu weit führen, und es genügt, die Befchreibung des von J. Schmidt und Trawniczek für Reibungsapparate conftruirten Dynamitzünders anzugeben, welcher bezüglich Verläfslichkeit und folider Conftruction alle anderen Zünder übertrifft. Das Meffingröhrchen und der Meffingdraht 123 find mit einer feften Maffe ( aus Schwefel und Glaspulver) a umgoffen und hat der Draht bei 2 eine feine Spalte, über welcher unmittelbar das Röhrchen mit einem Zündfatze e verfehen ift. Auf dem Zündfatze fitzt ein Schiefspapierplättchen d, darauf eine mit einem Gramm Knallqueckfilber gefüllte, aufsen mit Schellack beftrichene Kapfel k, welche fchliefslich durch einen Pfropfen aus plaftifcher Maffe gegen das Herausfallen und gegen den Einflufs der Feuchtigkeit gefchützt wird. b m S n 0 f 3. d 1. n i- n i- h Z 1. 3 a Eine befondere Sorgfalt ift bei diefen Zündern auf die Unveränderlichkeit, Feinheit und Gleichheit der Spalte verwendet, denn durch diefe und die niedere Zündungstemperatur des Zündpräparates ift die Empfindlichkeit des Zünders bedingt. Die Unterbrechungsfpalte wird mit einer fehr feinen Scheere erzeugt, und fodann die Gröfse der Spalte mittelft eines aus einer Smee'fchen Batterie, einem kleinen Rumkorff und einer Queckfilberwippe zufammengefetzten Apparates geprüft, bei welchem beim Schliefsen des Stromes ein Funken überfpringt. Werden zur Herftellung der Spalte Scheeren mit genau gleichen Schneiden benützt und wird beim Einfchal ten des Zünders in den Unterfuchungsapparat ftets ein Funken von gleich grofser Schlagweite fichtbar, fo kann man annehmen, dafs die Zünder bezüglich ihrer Widerstände nur wenig differiren, folglich beim Zünden vieler Objecte ein Verfagen einzelner unmöglich wird. Diefem Zünder kommt an Güte der von Geitner conftruirte am nächften, und dürfte derfelbe in der Civil- Sprengtechnik grofse Anwendung finden. Die vielen Syfteme von elektrifchen Zündapparaten nebft den zugehörigen Zündern, welche auf der Ausftellung vertreten waren, fprechen deutlichvon dem Beftreben, der elektrifchenZün dung in derSprengtechnik eine nutzbringende und ausgiebige Verwerthung zu fichern. Wenngleich anfänglich der Werth der elektrifchen Zündung nur vom Kriegsingenieur erkannt wurde, indem er darin das Mittel fand, Minen, feien diefelben in der Erde in einer Befeftigung, im Waffer etc. angelegt, in dem Momente felbft aus grofser Entfernung fpielen zu laffen, in welchem der Feind fich in ihrem vollen Bereiche befindet, fo ift fie nichts deftoweniger auch dem Civilingenieur von Vortheil. Es entfällt durch die Zündung genau im Augenblicke des gegebenen Signales die gewöhnliche Urfache, welche in Steinbrüchen, im Bergbaue und fonftigen Sprengarbeiten die Gefährdung der Arbeiter und nur zu oft den Verluft ihres Lebens veranlafst. Thatfächlich kommen bei Stein- Sprengarbeiten, wo die elektrifche Zündung angewendet wird, bedeutend weniger Unglücksfälle vor als bei Anwendung der gewöhnlichen Sicherheits- Zündfchnur. Durch das gleichzeitige Sprengen mehrer Bohrfchüffe, deren Wirkungsfphären in einander greifen, wird auch eine grössere 3 24 Johann Lauer. Ausbeute erzielt. Zündungen von Ladungen auf mehr als 8 Fufs Tiefe unter Waffer können nur auf elektrifchem Wege ficher und einfach vorgenommen werden. Trotz diefer Erwägungen wird jedoch die Anwendung der elektrifchen Zündung nur langfam Verbreitung finden, weil dem Ingenieur ein Leitfaden zur Benützung diefer Zündmethode bis jetzt nicht zugängig ift. Durch ausgeftellte Zündapparate und Zünder allein wird fich der Laie über die Tragweite diefer Zündungsart und über die Grundfätze, nach welchen fie anzuwenden ift, kein Urtheil bilden können. Noch fei einer befonderen Methode der Zündung Erwähnung gethan, welche mittelft der elektriſch- automatifchen Zünder bewirkt wird. Solcher Zünder fah man im Pavillon der modernen Sprengtechnik zwei Gattungen: einer vom k. k. General Baron Ebner für Seetorpedo, und einen vom k. k. Geniehauptmann Trauzl für Landminen conftruirt. Durch Ebner's Zündvorrichtung wird im Momente, als das Schiff an den verfenkten Torpedo anftofst, der im Torpedo befindliche elektrifche Zünder in die Leitung eingefchaltet, gleichzeitig ein Extraftrom von hoher Spannung gebildet, welcher die Entzündung des Zünders bewirkt. Bei Trauzl's activirțem automatifchem Zünder erfolgt die Zündung auf mechanifchem Wege durch Anftofs oder Tritt, indem die mechanifche Gewalt der letzteren eine Percuffionszündung in Wirkfamkeit bringt. Die Activirung des Zünders gefchieht durch die Einfchaltung desfelben in einen elektriſchen Stromkreis, der aber im Zünder felbft fo lange unterbrochen ift, als nicht ein Stofs oder Druck gegen die Zündvorrichtung ausgeübt wird. Durch den Stromfchlufs wird ein mit der Zündvorrichtung verbundener kleiner Elektromagnet activirt, der Anker desfelben angezogen und dadurch eine Hemmung, welche im unactivirten Zuftande trotz Stofs an dem Zünder die Entzündung hindert, befeitigt, mithin der Zünder in Wirkfamkeit gefetzt. Ift die Leitung in der Zündftation ausgefchaltet, fo kann die Zündvor richtung nicht in Thätigkeit treten. Lehrmittel- Ausftellung und Verfuchsdarftellungen. Diefe Gruppe gab theils durch plaftifche, theils durch bildliche Darftellungen eine fyftematifche Belehrung über das in den erften drei Gruppen zur Darftellung gebrachte Materiale, aufserdem neue literarifche Werke und endlich einige intereffante und praktifch wichtige Beiſpiele, durch welche die Kraft der neueren brifanten Sprengmittel, fpeciell ihres wichtigften Repräfentanten, des Nobel'fchen Dynamits, zur Anfchauung gebracht werden follen. In II Caffetten waren Spreng- und Zündmittel ausgeftellt. Eine Caffette enthielt die im Handel vorkommenden Spreng-, Auffatzund Zündpatronen, dann folche Sprengpatronen, welche für Sprengungen unter Waffer befondere Patronenhülfen erhalten und aufserdem gedichtet werden müffen, endlich die drei Gattungen Nobel'fcher Sprengkapfeln mit 03, 04 und 0.5 Gramm Knallqueckfilber- Füllung. Ueberdiefs war die Verpackungsart diefer Kapfeln zu 50 und 100 Stück in Blechbüchfen veranfchaulicht. In der zweiten Caffette fah man die in Oefterreich gangbaren, langfam brennenden Zündfchnüre, deren Verbindung mit der Sprengkapfel und der Herrichtung zum Zünden. Diefen anfchliefsend war die amerikaniſche und öfterreichische rafch brennende Zündfchnur, letztere in ihrem Erzeugungsftadium und in Verbindung mit der Sprengkapfel. Der dritte Carton enthielt Trawniczek's Zündfchnur in den verfchiedenen Stadien der Erzeugung, dann die in Oefterreich gebräuchlichften Drahtleitungen für elektriſche Zündungen, von welchen jene vom Werkführer Affiftenten Geitner des k. k. technifchen Militärcomités für Zündungen von Bohrladungen Erwähnung verdienen. Es werden für diefen Zweck Doppeldrähte in Holzftäben oder in einem Papierbande ifolirt eingezogen. Sprengtechnik. 25 er n. en ur te Cer -in an, vei en en in ng auf Mer en en rd. her rch die For efe ine tel. ich raft Cen, atzgen den 04 sart fam der und lium enen gen nten gen Holz Die weiteren vier Caffetten enthielten elektrifche Pulver, Dynamitund Schiefswoll- Zünder nach den Syftemen von Ebner, Trawniczek, Schmidt, Geitner, Bornhardt und Abel. In den anderen Caffetten waren die Verbindungen der rafch brennenden Zündfchnüre, der elektriſchen Drahtleitungen, dann der Drahtleitungen mit den verfchiedenen elektrifchen Zündern und endlich letztere mit den Auffatzpatronen für Sprengungen im Trockenen oder unter Waffer von weichem oder gefrorenem Dynamit überfichtlich geordnet ausgeftellt. Die Anordnung der Drahtleitungen für elektriſche Zündungen in Steinbrüchen und Stollen war auf vier Wandtafeln dargestellt. Solche und Photographien über vom k. k. technifchen Militärcomité ausgeführte Holz, Eifen- und Mauerwerks- Sprengungen, dann gefprengte Holzbalken und Eifenplatten zeigten die immenfe Kraft diefes Präparates. In der italienifchen Abtheilung brachte eine Wandtafel die wenigen von italienifchen Militäringenieuren vorgenommenen Dynamitfprengungen zur Kenntnifs. Zur Vervollſtändigung der Lehrmittel- Ausftellung hat Lehmann's und Wentzel's Buchhandlung für Technik und Kunft in Wien die über Bergbau, Hüttenkunde und Salinenbetrieb handelnden neueren Werke ausgeftellt. Bei der grofsen Verbreitung des Dynamits und bei dem Beftreben, der elektrifchen Zündung in der Civil- Sprengtechnik eine Zukunft zu fichern, mufs der gänzliche Mangel an Schriften, welche die Verwendung des Dynamits zu Sprengungen in Steinbrüchen, Stollen, Tunnels, unter Waffer etc. behandeln, dann folcher, welche über das Wefen der elektriſchen Zündung und den Forderungen, die ihre richtige Benützung bedingen, Auffchlufs geben, hervorgehoben werden. Schliefslich fei noch der Rettungsapparate erwähnt, welche im Pavillon der modernen Sprengtechnik in vier Exemplaren vertreten waren, und zwar die beiden öfterreichifchen Apparate von Martony und Ebner, dann der fran zöfifche von Rouquayrol- Denayrouze und der englifche von Laad. Bei erfteren drei Apparaten wird dem in mit fchädlicher Luft gefüllten Stollen etc. befchäftigten Arbeiter frifche Luft aus eifernen Flafchen zugeleitet, wo diefelbe comprimirt ift. Bei dem englifchen Apparate wird die fchlechte Luft beim Athmen durch ein vor dem Munde des Arbeiters in einem kleinen Blech cylinder verwahrtes Kohlenpulver gefaugt und gereinigt, refpective athembar gemacht. Ueberblickt man die im Vorftehenden gefchilderten Errungenfchaften im Gebiete der Sprengtechnik, fo kommt man zu dem erfreulichen Refultate, dafs in den letzten 20 Jahren bedeutende Fortfchritte gemacht wurden und das gröfste Verdienft in der Verbefferung der Spreng- und Zündmittel Oefterreich für fich in Anfpruch nehmen kann. Insbefondere find es die hervorragenden Leiftungen der öfterreichifchen Genie- und Artillerieofficiere, welche eine würdige Vertretung der Sprengtechnik auf der Weltausftellung im Jahre 1873 geftatteten. FORTIFICATION. ( Gruppe XVI, Section 3.) Bericht von MORIZ BRUNNER, k. k. Hauptmann im Genieftabe. Die wenigen dem Gebiete der Fortification angehörigen Ausstellungsobjecte fallen auf Spanien, welches Land durch das Ingenieurcomité die von fpanifchen Genieofficieren in neuerer Zeit herausgegebenen Werke und nach ihren Angaben mit grofsem Koftenaufwande, feltener Schönheit und Genauigkeit 3* 26 Moriz Brunner. Fortification. conftruirten Fortificationsmodelle ausftellte und dadurch einen Fingerzeig gab, in welcher Weife die Fortification auf der Weltausftellung vertreten fein konnte. Die Jury erkannte dafür auf die wohlverdiente Auszeichnung mit der Verdienftmedaille. Wir finden nun an Büchern: Etudios fobre las cafamatas para Artigleria von Oberften D. Emilio Bernaldez. 1862, Noticia fobre la gran defenfa von Oberftlieutenant Profperi, 1744. Derfelbe gibt eine durchaus originelle Fortificationsmethode an, in welcher die Nahvertheidigung( Grabenbeftreichung) auf Traditoren und Reverswirkung bafirt, ferner eine finnreiche Art des Abfchwenkens der flankirenden Gefchütze in einen fichernden Hohlbau nach dem Schuffe und wenn nicht gefeuert werden foll. Memoria fobre el eftado de las Defenfas maritimas( Zeitpunkt: Einführung der gezogenen Gefchütze) von Rafael Cerero. Nuovas Minas de Guerra von Verdu( bekannt). Von Feldmarfchall Don Jofé Herrera Garcia finden wir eine Abhandlung: das Gleichgewicht zwifchen Küftenbefeſtigungen und den gezogenen Gefchützen herzuftellen. Das bekannte Manuel des Ingeneros von Valdés, 1870. Das bedeutendfte Werk, das den an originellen und genialen Ideen reichen Oberften Rodriguez de Quijano y Arroquia zum Verfaffer hat, betitelt fich: La fortification en 1867, und ift verdeutlicht durch zwei fchöne, mit der Verdienftmedaille gekrönte Modelle. Die Front Rodriguez ift poligonal, fchwach nach auswärts gebrochen, der Graben durch einen Koffer mit Hofraum, als deffen Kopf fich ein runder cafematirter Thurm zeigt, flankirt. Der Theil hinter dem Koffer ift als Wallfort conftruirt. Diefes befitzt zwei Stockwerke finnreich conftruirter, fehr weitläufiger Cafematten, von welchen jene, die zur Beftreichung des Vorfeldes eingerichtet find, theils durch volle, theils durch halbe( elevirte) Scharten, in den fchützenden Erdvorlagen eingefchnittene Scharten oder auch durch Panzer für Minimal- Schartenlafetten feuern. Der offene Wall ift für Verfchwindungslafetten conftruirt. In den Poligonwinkeln ftehen Drehgefchütze. Das materielle Mittel der Sturmfreiheit ift eine freiftehende Mauer mit Nifchen. Als Aufsenwerk finden wir ein eigenthümliches Deckwerk für den Koffer. Die Escarpemauer desfelben ift als Hornwerk tracirt, der Wall vom Cordon detachirt. Im Innern des Deckwerkes befinden fich zwei von einander getrennte, cafemattirte und eifengepanzerte, kofferartige, allfeits vertheidigungsfähige Gebäude. Die Langfeiten derfelben ftehen fenkrecht auf den Hauptwall, bezie hungsweife die Schartenmittel und parallel zu der betreffenden Hornwerkflanke. Sie beherrfchen ihren Zwifchenraum, dann den Raum vor dem Kofferthurme, welcher dem Deckwerke als Reduit dient, anderfeits aber das Glacis der Front kräftig und rafant. Ausfalls vorrichtungen fehlen gänzlich. Originell und finnreich würde der Front Rodriguez ein grofser Widerftand eigen fein, doch erregt der Koftenpunkt einige Bedenken. Ein zweites Modell überträgt die Idee Rodriguez auf ein detachirtes Fort, der Profilirung und inneren Einrichtung nach dem Wallfort der Front ähnlich. Von demfelben Verfaffer ift ausgeftellt ein„ Torre de vigilanza", in Afrika ausgeführt. Er zeigt zwei Stockwerke Cafematten, das obere mit Machicoulis und Deckvertheidigung. An Modellen, gleich fchön und nett, finden wir auch die früher erwähnteFront Profperi's, einen Küftenthurm von Herrera, ein fchönes Relief von Zaragoza mit den während der zweiten Belagerung 1809 ausgeführten Belagerungsarbeiten. Schweden zeigt uns einige fortificatorifche Schulmodelle und Schülerarbeiten, die unter Militär- Unterrichtswefen befprochen werden. O efterreich ift vertreten durch Genie- Hauptmann Freiherrn Glanz von Aicha, der feine fleifsige Arbeit: Gefchichtliche Darftellung der Eifenpanzerungen 1873 exponirte und dafür das Anerkennungsdiplom erhielt. ב g n a h S r S n r m r r. n a e er d ch کے تب t, h. ка 20 d nt it r. on en DAS PIONNIER WESEN. ( Gruppe XVI, Section 3.) Bericht von EMERICH ZINNER, Hauptmann im k. k. Pionnier- Regiment, zugetheilt dem k. k. technifchen und adminiftrativen Militär- Comité. Expert der Jury- Gruppe XVI für Pionnierwefen. EINLEITUNG. Bevor wir die ausgeftellten Gegenftände jenes Theiles der Militärtechnik betrachten, welcher hier unter dem befonderen Namen Pionnierwefen zufammengefasst ift, fei es uns geftattet, den Wirkungskreis eines Pionniers erft klar zu ftellen. Wir gehen dabei von dem in der öfterreichifchen Armee dafür beftimmten Wirkungskreife aus, der der weite te und beftimmtefte ift, und wodurch die Pionniertruppe fich von ihrer Schwefter der Geniewaffe- unterfcheidet. Nach der etymologifchen Bedeutung des Wortes Pionnier, das ift Bauer, Arbeiter, könnte das Pionnierwefen eigentlich das ganze Gebiet der Militärtechnik umfaffen. Für den Kriegsdienft ift der Pionnier nach dem allgemeinen Sprachgebrauche ,, Wegbahner". In einigen Armeen gibt es nun gar keine Pionniere, fondern nur Ingenieure, oder Ingenieure und Pontoniere etc. In der öfterreichiſchen Armee umfafst der Pionnierdienft das gefammte Communicationswefen zu Waffer und zu Lande, als: den Bau der Kriegsbrücken aus dem hiezu mitgeführten Geräthe, den Bau von Noth und halbpermanenten Brücken aus dem an Ort und Stelle vorhandenen oder fonft irgendwie befchafften Materiale; die Anlage von Strafsen oder Wegen und kurzen EifenbahnStrecken für die vorübergehende Benützung während der Dauer eines Feldzuges; die Zerstörung von Brücken, Wegen, Strafsen und die Unbrauchbarmachung von Eifenbahnen; die Wiederherftellung fchadhafter oder zerftörter Communicationen jeder Art. Als weitere Obliegenheiten find dem Pionniere noch nach und nach zugewiefen worden: Die Mitwirkung beim Baue paffagerer Verfchanzungen, die Einrichtung von Lagerplätzen, die Ausführung jener einfachen Wafferbauten, welche mit all' den vorcitirten Arbeiten in untrennbarem Zufammenhange ftehen, endlich die Beiftellung eines Theiles der Arbeiter zur Errichtung, Erhaltung und Abtragung elektro- magnetifcher Feldtelegraphen Leitungen. Man erfieht aus der einfachen Aufzählung der Dienfteszweige fchon, dafs der Wirkungskreis des öfterreichifchen Pionniers wahrlich kein engbegrenzter ift, und dafs bei den Schwierigkeiten, die dem Pionnier bei Löfung feiner fo vielfeitigen Aufgaben begegnen können, diefer Dienft Leute erfordert, die ebenfowohl theoretisch als praktiſch tüchtig gebildet fein müffen. I* 2 Emerich Zinner. Die Pionniertruppe unter den oben gegebenen Verhältniffen erfordert, foll fie zu allen Zeiten den an fie geftellten Anforderungen immer gerecht werden, eine Ergänzung an Mannfchaftsmateriale, welches mehr wie jede andere Truppengattung fchon genügende Vorbildung mitbringt oder aber zum mindeften fehr bildungsfähig ift. Diefer Ausfpruch ift umfomehr begründet, weil das heutige öfterreichische Pionnierwefen unter den vielen ihm zugewiefenen Dienftesfächern auch das gefammte Pontonierwefen( den Wafferdienft) in fich fchliefst, das- foll es ftets ficher und gefahrlos für die eigene Truppe felbft gehandhabt werden viele Erfahrungen und Umficht erfordert, und früher faft ausfchliefslich überall oder theilweife auch jetzt noch in manchen Staaten für fich eine eigene Specialwaffe bildet. Nach diefer öfterreichifchen Auffaffung, die fomit der allgemein angenommenen Vorftellung vom Pionnier noch am nächften kommt, haben wir den Umfang des Pionnierwefens abgegrenzt, und wollen demnach hier nur innerhalb diefer Grenzen die auf der Weltausftellung zur Anficht gebrachten techniſch- militärifchen Gegenftände betrachten, während alle übrigen militärtechnifchen Gegenstände in den Bereich des Geniewefens fallen. Nunmehr übergehend auf die Einzelbetrachtungen der ausgeftellten Gegenftände wird noch zur Orientirung vorausgefchickt, dafs diefe nach Fächern und in jener Reihenfolge geordnet vorgeführt werden follen, wie fie oben aufgezählt wurden. Voran wird der wichtigfte Dienfteszweig das Brückenwefen- befprochen werden; diefem folgt dann das Land- Communicationswefen einfchliefsig des Eifenbahn- Wefens, dann das Telegraphenwefen, ferner die Befprechung der Wafferbau- und der Lagerbau- Objecte und fchliefslich unter der Rubrik„ Diverſes" eine Schilderung oder mindeſtens Anführung all' jener Gegenftände, welche zwar nicht in der Gruppe„ Heerwefen" ausgeftellt waren, aber dennoch für unfer Fach vom Intereffe find. Hinzugefügt mufs endlich noch werden, dafs die Gegenstände über die Feldfortification hier darum gar keiner befonderen Würdigung unterzogen werden, weil wir Pionniere, wenn auch zeitweise berufen, felbftſtändig derlei Bauten vornehmen zu müffen, doch wie fchon einmal erwähnt, dazu für gewöhnlich nur Hilfsarbeiter abgeben follen, indem in diefem technifchen Zweige die Hauptverrichtung der Genietruppe zufällt. Wir verweifen darüber auf den Bericht über Geniewefen. Das Brückenwefen. Diefes zerfällt, wie ichon oben auseinander gefetzt wurde, in den Bau von Kriegsbrücken und in jenen von Noth- und halbpermanenten Brücken. Hinfichtlich der beiden letzteren Gattungen Brücken müffen wir gleich voraus fenden, dafs folche auf der Ausftellung nicht vertreten waren. Alle vorhandenen Brücken in Bild und Zeichnung fowohl, als jene in Modellen waren Stein- oder Eifenbrücken oder auch Holzconftructionen fehr ftarker complicirter Art, alfo Brücken mit permanentem Charakter. Für Feld brücken kommen diefelben nicht in Betracht und wir verweifen darüber auf den Bericht Gruppe XVIII, Section 2. In Betreff des für den Militärtechniker viel wichtigeren Kriegsbrücken Wefens mufs vor Allem bedauert werden, dafs nur fehr wenige Staaten an der Ausftellung in diefer Richtung fich betheiligt haben und dafs namentlich Oefter reich felbft- derjenige Staat, welcher die Ausftellung fo grofsartig in Scene zu fetzen wufste, mit feiner anerkannt ausgebildetften Kriegsbrücke, der Birago fchen Originalbrücke, ganz fern blieb. - - Es wäre ficherlich höchft lehrreich gewefen, eine Ueberficht zu gewinnen über die gefammte Ausrüftung für den Pionnierdienft im Felde, als: über Werk t n r h n 1. g 100 er ar ch e erig ür ge au en ch in ehr ldden en der ter zu go. nen erkDas Pionnierwefen. 3 zeuge und ionftige Ausrüftungsgegenftände, über Fuhrwerke, mitgeführte Materialien, insbefondere über die verfchiedenen Brückeneinrichtungen, welche zu den Feldausrüftungen der Armeen gehören. Modelle der verfchiedenen Brückenformen, welche fich aus dem Brückenmateriale bilden und zufammenfetzen laffen, hätten das Material und deffen Verwendung leicht zur Anfchauung gebracht. Namentlich Oefterreich, welches an der genialen Idee Birago's fort fefthält und an deffen Brückenfyftem eigentlich noch nichts Wefentliches geändert hat, hätte in diefem Punkte viel leiften können, indem einzig und allein nur diefes Syftem die mannigfaltigften Zufammenfetzungen und Brückenformen erlaubt, wodurch man kann es dreift behaupten Hinderniffe jedweder Art mit Leichtigkeit bewältigt werden können. Eine Sammlung von Modellen, wenigftens für die wichtigften Fälle diefer Art hätte ficher auch beim Laien allgemeines Auffehen und Arregung hervorgerufen, den Fachmann aber zu lehrreichen Vergleichen herausgefordert, vielleicht auch die Ueberzeugung aufgedrängt, dafs die öfterreichifche Kriegsbrücke unübertrefflich in jeder Hinsicht dafteht, weil fie in allen erdenklichen Lagen hinreichende Bürgfchaft und Sicherheit zur Bewältigung von Hinderniffen bietet freilich nur dann, wenn an der höchft einfachen und originellen Einrichtung, die derfelben ihr geiftvoller Erfinder gegeben hat, möglichst wenig oder eigentlich gar nichts verändert wird. Wir müffen uns erlauben, diefer öfterreichifchen Kriegsbrücke und ihrer Vorzüge hier wenigftens infoweit zu gedenken, als diefs zur Gewinnung einer Bafis für die Vergleiche mit den wirklich ausgeftellt gewefenen Kriegsbrücken dienlich erfcheint. Auch geftattet diefs das Programm der amtlichen Berichterftattung, wonach jeder Detailbericht in feinen kritifchen und gefchichtlichen Betrachtungen die letzte Parifer Weltausstellung zum Ausgangspunkte nehmen foll und dort, wo es der Stand der Wiffenfchaft und der Entwicklung gebieten follte, auch die Lücken in der Ausftellung auszufüllen hat. Freilich ift die Geftattung, bis auf die letzte Parifer Ausftellung zurück zu gehen, für uns ohne Bedeutung, da man wenigftens von Seiten Oefterreichs damals nicht verfucht hatte, über das Pionnierwefen und, mit Ausnahme der Kriegswaffen, über das Militärwefen überhaupt durch einen Bericht eine dauernde Bafis zu fchaffen. Aber auch in anderer Hinficht, und zwar blofs das KriegsbrückenWefen betreffend, halten wir es für angezeigt, fpeciell das öfterreichifche ausführlicher hier zu würdigen. Es leitet uns dabei die gute Abficht, nicht nur Diejenigen zu überzeugen, welche bei der Nachahmung der öfterreichischen Kriegsbrücke allerlei wefentliche Abänderungen vorzunehmen für nothwendig hielten, dafs fie daran nicht wohl gethan; fondern auch Diejenigen zu beruhigen, welche in der neueren Zeit fich berufen glaubten, in militärifchen Fachjournalen, ja felbft in Tagesjournalen ihre Stimmen zu Ungunften der Leiftungsfähigkeit der Birago'fchen Brücke, ja fogar der der öfterreichifchen Pionniere felbft, welche fich nach ihrer Meinung mit diefer veralteten Brücke forglos zufrieden geben erheben zu dürfen. - Viele Staaten Europas haben die Vorzüge, die der Birago'fchen Brücke eigen find, erkannt und haben fie defshalb auch fchon längft eingeführt; gegenwärtig aber befitzen diefe Brücke faft die meiften Staaten, und felbft in aufsereuropäiſchen Ländern hat fie fchon Eingang gefunden. Es ift hier nicht der Ort, fich über den Stand der Brückeneinrichtungen in den verfchiedenen Armeen näher zu verbreiten, doch fo viel mufs hervorgehoben werden, dafs manche Staaten die Brücke annahmen, ganz fo wie fie Birago gefchaffen hat, andere wieder nur mit Modificationen; wieder andere entnahmen nur einzelne Geräthe, wie z. B. die Böcke, oder führten die Birago'fche Brücke, die ihnen vermöge ihrer leichten Bauart zu wenig Garantie zu bieten fchien, neben ihrer eigenthümlichen, fchweren Kriegsbrücke ein. 4 Emerich Zinner. Wie überall bei dem aufftrebenden Zeitgeifte, fo hat fich auch in der Militärtechnik der Wunfch nach Verbefferungen kund gegeben und es blieb dabei felbftverſtändlich auch die Birago'fche Brücke nicht unberührt. Man ging dabei mit dem guten Glauben ans Werk, dafs nichts fo vollſtändig auf der Welt fei, was nicht noch weitere Verbefferungen zuliefse. Doch alle diefe Verfuche haben eigentlich nur einen Fortfchritt, nämlich die Einführung der eifernen Pontone, wobei Oefterreich wieder die Initiative ergriff, gebracht; alle anderen Neuerungen, mit Ausnahme kleiner unwefentlicher Verbefferungen an den Wägen oder den einzelnen Brückengeräthen, haben eher Nach als Vortheile gezeigt. Manche der fremden Staaten, welche die Birago'fche Brücke annahmen und diefe für fich allein oder als leichte Kriegsbrücke neben einem fchon beftehenden fchweren Train einführten, glaubten Veränderungen vornehmen zu follen, oder waren fogar gezwungen, folche vorzunehmen, um den verfchiedenften Abfich ten oder Beftrebungen Rechnung zu tragen. In den meiften Fällen wurde dabei nichts erreicht als Störung der Einheit des Syftems und des Principes der Theilbarkeit des Trains der zwei Hauptvorzüge des Birago'fchen Brückenfyftems fo dafs nicht Verbefferungen, fondern eher Nachtheile hervor gerufen wurden. Die Experimente, die man mit der Birago'fchen Brücke, welche man im Allgemeinen zwar für fehr gut, aber an manchen Orten für eine fchwere Brücke zu leicht, für eine leichte zu fchwer hielt, angeftellt wurden, bezweckten theils Aenderungen in diefem Sinne, theils folche, welche fich auf ein anderes Verhältnifs der zufammenfetzbaren Pontontheile zwifchen Vorder- und Mittelftücken, theils auf die Befchränkuug der Zahl der Böcke, theils auf die Mitführung von Refervemateriale etc. bezogen. Zu erreichen waren diefe angeführten Beftrebungen zu Aenderungen nur durch Vermehrung des Trains, durch eine veränderte Ladungsweife der Wagen und durch Einführung neuer Wagengattungen, wodurch die Einleitungs- und Schlufsarbeiten vor und nach dem Brückenfchlagen nicht nur vermehrt und erfchwert, fondern auch die Theilung des Brückentrains complicirter wurde. Endlich konnten, was die Hauptfache ift, die angeftrebten Aenderungen nur auf Koften der befchränkteren Anwendung des Brückengeräthes felbft vorgenommen werden, indem diefes durch Modificationen und eine andere Eintheilung gewöhnlich nicht mehr alle jene Brücken- und fonftigen Zufammenfetzungs. formen zuliefs wie früher in ihrem Originalzuftande. - Auch Oefterreich das Vaterland der Birago'fchen Brücke machte einmal den Verfuch, eine Aenderung an der Zufammenfetzung der Trains zu machen, indem es aus der Brückeneinheit der alten Brückenequipage, beftehend aus 15 Brückenwagen, welche mit dem Brückengeräthe für eine Brücke von 28 Wiener Klafter* beladen waren, eine folche fchuf, welche aus 21 Brückenwägen für eine Brücke von 42 Klafter beftand. Die vier Wagengattungen wurden beibehalten, an der Packungsweife nur Unwefentliches geändert und eigentlich nur die Balkenwagen um 4, die Bockwagen um 2 vermehrt. Schon nach einigen Jahren, worunter ein Feldzugsjahr fiel, entfchlofs man fich wieder für die alte Einheit die Equipage mit 28 Klafter Brückenlänge und liefs den Feldfchmiede- Wagen auf, fo dafs die Equipage gegenwärtig nur mehr aus 14 Brückenwägen, und zwar aus 8 Balken-, 4 Bock- und 2 Requifitenwagen befteht und fomit nur mehr drei Wagengattungen enthält. - Die Eintheilung und die Verladungsweife des Brückengeräthes ift höchft einfach und fo eingerichtet, dafs auf jeden Balkenwagen gerade das Materiale für ein completes Brückenfeld und auf jeden Bockwagen das Geräthe für zwei * Fremde Mafse wurden, wo es nöthig erfchien, gröfstentheils auf öfterreichische Mafse reducirt, und es find in diefem Berichte überall dort, wo keine Angaben darüber beigefügt find, ftets die öfterreichifchen Mafse zu verftehen. Das Pionnierwefen. 5 Böcke( ftehende Unterlagen) fammt verfchiedenen Fufsgattungen zu liegen kommt, und nach Erfordernifs eine Theilung der Equipage in Halbe und Viertel- und gewiffermafsen auch in Achtel- Equipagen zuläfst, indem man mit dem Geräthe eines Balkenwagens einen Graben von 21 Fufs Breite, felbftverſtändlich aber ohne Zwifchenunterlage überbrücken kann. Das Gewicht der drei Wagengattungen, welche durchgängig mit je vier Pferden befpannt find, variirt zwifchen 30 bis 37% Wiener Centner und ift fomit ein derartiges, dafs es das anftandslofe Fortkommen auf jenen Wegen, welche Brückentrains noch angewiefen werden dürfen, in den bisherigen Feldzügen noch in keiner Weife behindert hat. Aufser den erwähnten 14 vierfpännigen Brückenwagen gehören noch zu einer Equipage, und zwar für die Befpannungsabtheilung ein zweifpänniger Deckelwagen und drei dreifpännige Rüftwagen für die Ausrüftung der Befpannung und die Fortfchaffung der Fourage. Rechnet man zu den genannten Zugbefpannungen noch die normirten drei Zug- Refervepferde und die für die Berittenmachung des Befpannungsofficiers und für die Unterofficiere und den Trompeter beftimmten fechs Reitpferde hinzu, fo beziffert fich der Gefammt- Pferdeftand für eine Brückenequipage nur auf 76 Stück im Totale. Oefterreich hält, fowie auch die meiften Staaten, an einem einheitlichen Brückenfyfteme feft, und hat umfomehr Urfache dazu, weil es fortwährend die urfprüngliche Idee Birago's möglichft unverfälfcht zu erhalten wufste, wodurch es auch allen Anfprüchen immer gerecht werden konnte. Die normale öfterreichifche Kriegsbrücke, welche 934 Fufs Bahnbreite befitzt, erlaubt felbft andauernde Uebergänge von allen Waffengattungen, einfchliefsig der Feldgefchütze und der gewöhnlichen Train- Fuhrwerke, wie diefs durch alle Feldzüge von 1848 herauf zur Genüge erprobt wurde. Aus diefer fogenannten leichten Kriegsbrücke läfst fich nach Bedarf, wie z. B. bei Maffenübergängen, für Benützung von Belagerungsgefchützen und aufsergewöhnlich fchweren Laft- Fuhrwerken, bei der vorzüglichen Einrichtung und Gliederung der Birago'fchen Brücke mit Leichtigkeit eine fchwere, das heifst eine Brücke mit erhöhter Tragfähigkeit erbauen, wenn man die Unterlagen und die Decke verftärkt. Erfteres gefchieht, wenn man ftatt zwei- dreitheilige Pontone oder aber Zwifchenböcke einbaut., letzteres dadurch, dafs man ftatt 5 Balken 7 davon in jedes Spannfeld einlegt. Diefe Einrichtung entfpricht den weitgeftellteften Anforderungen vollkommen und macht die Einführung eines eigenen fchweren Ponton- Trains, der nur den Armeetrofs vermehren und das Fortkommen erfchweren erfchweren würde, vollkommen entbehrlich. Ausserdem geftattet die öfterreichifche Brückeneinrichtung noch folgende Hauptzufammenfetzungen und Formen für befondere Fälle, wie: Brücken mit doppelten und mehrfachen Bahnen; Brücken mit fchmäleren Bahnen als für die oben angegebene Normalbrücke, wodurch es ermöglicht wird, mit dem Geräthe einer Equipage auch viel breitere als 28 Klafter breite Gewäffer zu überbrücken; Stockwerks- Brücken, womit hohe Ufer ohne das zeitraubende Einfchneiden von Rampen leichter überwunden werden können; die Zufammenfetzung von allerlei Gliedern in verfchiedener Gröfse zur Verwendung als fliegende Brücken, Fähren oder zum freien Ueberfchiffen und dergl. andere Zufammenfetzungen und Combinationen mehr. Es grenzt faft an das Wunderbare, wie die doch fo einfach conftruirten Geräthe fo vielfeitige und ftets zweckmäfsige Anwendung finden können. Wer in den Geift der Ideen des genialen Schöpfers vollends eingedrungen und fich mit dem Wefen feiner Brückeneinrichtung hinreichend vertraut gemacht hat, wird fich -wenn er auch noch fo fehr dem Fortfchritte huldigt geftehen müffen, dafs diefe Brücke fo vollkommen in fich felbft ift, dafs eine Verbefferung an dem Syfteme felbft nicht leicht denkbar ift. Es dürfte diefer zwar etwas gewagte Ausfpruch - 6 Emerich Zinner. auch dann noch feine Giltigkeit haben, wenn bei den immenfen Fortfchritten, welche die Eifeninduftrie neuefter Zeit gemacht hat, diefe zu Reformen Veranlaffung bieten würde. Die Eifeninduftrie könnte allerdings zum Baue der Wagen, zur Erzeugung von Brückenträgern ftatt der Balken und auch noch zu anderen Geräthen vielleicht einmal paffende Erfatzconftructionen liefern, fchwerlich aber dazu den Anftofs bieten, jene ganz umzuformen und das in allen feinen Theilen und Wechfelbeziehungen fo finnreich conftruirte Materiale fo umzuändern, dafs die vielen Vortheile verloren gingen, nur aus dem Grunde, um etwas Neues zu fchaffen. Diefe Vortheile find aber fchon fo vielfeitig anerkannt und gefchätzt wor den, dafs fie wohl nimmer aufgegeben werden dürfen und es ficher verzeihlich erfcheinen laffen, dafs wir hier bei Schilderung der ausgeftellten Kriegsbrücken, jene der öfterreichifchen vorangehen liefsen und ihrer mit wohlverdienten Lobfprüchen gedachten. Schweden war auf der Ausftellung, wie durch militärifche Gegenftände. überhaupt, fo auch durch folche über Pionnierwefen unter allen Staaten am reichhaltigften vertreten. Es hat zwei Brückenprojects- Wagen und das Material der Infanterie pionniere ausgeftellt. Schweden befitzt gegenwärtig noch Kriegsbrücken, welche ganz den Birago'fchen nachgebildet find, jedoch per Equipage nur 4 Böcke haben. Die Pontone find theilweife noch aus Holz gebaut, theilweife fchon aus Eifen nachgefchafft. Aufser den 15 Brückenwagen per Equipage, welche mit je 6 Pferden befpannt werden, gehört noch dazu eine Feldfchmiede-, ein Material-, ein Ambu lance- und zwei Packwägen, wozu II Reit- und 115 Zugpferde erforderlich find; die Futterwagen werden dem Bedürfniffe gemäfs angefchafft. Das Material hat unter allen Verhältniffen befriedigt, dagegen mufs aber der Transport wegen der Schwere der Wagen, befonders aber wegen des unbehilflichen Sechsgefpanns als unzweckmäfsig bezeichnet werden. Man war daher in der jüngften Zeit damit befchäftigt, leichtere Wagen mit einer geringeren Belaftung zu conftruiren. Die hiedurch entftandenen zwei Projectswagen find eben die ausgeftellt gewefenen. Wir betrachten fie im Folgenden. Das Project einer Kriegsbrücken- Equipage von dem könig lich fchwedifchen Genie Hauptmann V. Norrman. Der Erfinder verfolgte bei feiner neuen Kriegsbrücken- Equipage den Zweck, den Mängeln, welche feiner Anficht nach den fchwedifchen Kriegsbrücken- Trains fowohl, als jenen anderer Länder und den dazu gehörigen Befpannungen anhaften, möglichft abzu helfen und führt unter diefen nebft anderen minder wichtigeren an: dafs die Wagen mit der dazu gehörigen Laft viel zu fchwer und unbeweglich find; dafs fie von verfchiedener Bauart und ungleicher Stärke find, wodurch der Erfatz erfchwert wird; dafs die Ladungsfyfteme zu verwickelt find; dafs die Verbindung zwifchen dem Vorder- und Hintertheile bei den meiften Wagen fo ungelenk und fteif fei, dafs der Wagen beim Fahren auf unebenem Boden oft nur auf drei Rädern geht, anftatt mit Gefchmeidigkeit den Unebenheiten desfelben zu folgen; dafs die Wagen zu hohe Ladungen und zu fchmale Spurweite haben, was bei einem Kriegs- Fuhrwerk, welches fehr häufig holperige Wege befahren mufs, leicht ein Umkippen des Wagens herbeiführen kann. Die Wagen wären weiter, trotzdem fie die fogenannte ganze Wendung haben, bei ihrer grofsen Länge und der Länge der Befpannung in fcharfen Wen Das Pionnierwefen. 7 n, en er en fs S r- ch n. b. de h- e- en ie chen u. lie er De. en llt g. erche en zuberch Hen auf zeit was ufs, Lung endungen fchwer zu führen, befonders, wenn Hecken, Raine und dergl. den Raum befchränken. Durch die Art, einen Theil der Zugpferde beritten vorzufpannen, wird die Anzahl der Pferde fowohl, als die der Fahrfoldaten unnöthigerweife vergrössert, überdiefs wird hierdurch auch bei den Fahrfoldaten eine gröfsere Gefchicklichkeit bedingt, fowie das Fahren mit undreffirten Pferden, welche im Felde doch fo oft verwendet werden müffen, fehr erfchwert. Dann wird auf die ungleiche Befchirrung für die Befpannungszüge der verfchiedenen Wagengattungen hingewiefen und zur gegenfeitigen Verwechslung ungeeignet, als nachtheilig bezeichnet. Die bei der Equipage befindlichen Böcke können nicht zur Verlängerung der Pontonbrücke verwendet werden, da hiezu die Balken und Pfoften für die Verbindungsbahn- Decken fehlen. Die Erzeugung der Wagen aus Holz wird aus dem Grunde als nicht vortheilhaft bezeichnet, weil fie zu fchwer ausfallen, das Holz leicht fault und in den Fugen undicht wird. In Folge des Schwindens des Holzes werden die Schrauben und Befchläge leicht locker, wodurch diefe Stellen vor Reibung, Roft und Näffe, mithin auch vor dem Anfaulen nicht gefchützt find, und fo den Bruch einzelner Wagen- Conftructionstheile leicht ermöglichen. Schliefslich wird der Mangel an erforderlichen Refervetheilen befonders betont, wodurch nach einer gewiffen Zeit die vollſtändige Ausnützung des Materiales unmöglich wird. Gleich im Vorhinein mufs hier bemerkt werden, dafs wohl einige der von dem Projectanten hervorgehobenen Mängel ihre Berechtigung haben, dafs die meiften von ihnen aber wohl nur auf irrigen Anfchauungen oder darin beruhen, dafs die alte fchwedifche Kriegsbrücke nicht genau der Birago'fchen nachgebildet und mit den im Laufe der Zeiten hinzugekommenen Vervollkommnungen nicht verfehen worden fein mag. Was die im 1., 4., 5. und 6. Abiatz hervorgehobenen Mängel betrifft, fo hat die öfterreichifche Armee, welche ihre Kriegsbrücken- Wagen bei ungefähr gleicher Belaftung nicht mit fechs, fondern nur mit vier Pferden befpannt hat, in den Feldzügen 1848 und 1849, 1859, 1864 und 1866 keinerlei erhebliche, nachtheilige Erfahrungen gemacht, trotzdem dafs die Pionniere nicht felten in die Lage kamen, die unwegfamften Strafsen zu befahren, und andauernde Märfche in den Alpenländern, dann über die Karpathen und die Gebirge Siebenbürgens mit ihren Brückenequipagen machen zu müffen. Nur ausnahmsweife kamen Fälle vor, wo die Anforderungen zu hoch gefpannt wurden, und eine Leiftungsfähigkeit hinfichtlich der Fahrbarkeit verlangt wurde, welche jener mit den Feldgefchützen gleichkam, wo Vorfpannsverftärkungen für kurze Zeit unerlässlich waren. Solche Ausnahmsfälle werden und müffen fich überall und gewifs auch dort fchon ergeben haben, wo man von Haus aus für eine verftärkte Befpannung vorgeforgt hat. Was ferners die Uebelftände hinfichtlich der Befpannung betrifft, io hat die Anficht allerdings etwas für fich, dafs durch die vorgefpannten und gleichzeitig gerittenen Pferde, theilweife an der Zugkraft Verlufte eintreten, dafs dadurch Pferde und Mannfchaft unnöthigerweife vermehrt und die nöthige Einfchulung im Felde häufig vermifst wird. Allein wie wir fpäter fehen werden, hat der Ausfteller und Erfinder diefe Frage dennoch nicht glücklich gelöft. Aufserdem mufs bemerkt werden, dafs es in Oefterreich für alle Trainpferde mit Ausnahme der Artillerie, nur eine einzige Gattung Gefchirre gibt. Die über die ungleiche Bauart und Stärke der Wagen gemachte Bemerkung wäre, den erften Theil betreffend, wohl richtig; was aber die ungleiche Stärke betrifft, fo hat fich bisher noch jede der drei Wagengattungen den Anforderungen gemäfs als gleich entsprechend erwiefen. Uebrigens zeigt, wie später 8 - Emerich Zinner. fich herausftellen wird, das neue Brückenproject allerdings nur zwei Wagengattungen, doch hat ja die Birago'fche Brücke eigentlich auch nur zwei Gattungen die Balken- und Bockwagen-; denn der nur fehr unbedeutend vom Bock wagen abweichend conftruirte Requifitenwagen der Birago'fchen Brücke, welcher die dritte Gattung darftellt, dürfte wohl in dem Norrman'fchen Requifitenwagen gleichfalls einen dritten Repräfentanten haben, ungerechnet der noch vielen anderen Wagen, die zu feiner Projectsequipage gehören, und die unmöglich, fchon mit Rückficht auf ihren Zweck, alle ganz gleich in ihrer Einrichtung fein können. Betreffs der im Punkt 10 erwähnten Mängel mufs den darüber ausgefprochenen Anfichten vollkommen beigepflichtet werden. Die Zeit liegt jedenfalls nicht ferne, wo der Eifeninduftrie, nach ihren gegenwärtigen Fortfchritten zu fchliefsen, auch die zweckentfprechende Conftruction von Laft- Fuhrwerken aus Eifen gelingen wird. Sicher hat es noch nicht an Verfuchen gefehlt; doch ift es fchwierig einen eifernen Wagen zu erzeugen, welcher bei gleichen Anfprüchen und gleicher Dauerhaftigkeit nicht bedeutend fchwerer ausfällt als ein aus Holz erzeugter. Auch dürften die eifernen Wagen darum nicht fo bald allgemeinen Eingang in das Strafsen- Verkehrsleben finden, weil fie viel theuerer zu ftehen kommen und Reparatursbedürfniffe nicht allerorts fo leicht beforgt werden können, wie diefs mit den Wagen aus Holz gefchehen kann. Für Armee- Fuhrwerke, wo die Zweckmäfsigkeit in erfter, die Koftenfrage aber erft in zweiter Linie in Betracht kommt, dürften aus Eifen conftruirte Wagen, namentlich für alle Gattungen Train- Fuhrwerke fich darum befonders empfehlen, weil fie im Frieden leicht Jahre lang ohne Schaden in den Magazinen aufbewahrt werden können, weder durch zu grofse Feuchtigkeit noch zu grofse Trockenheit leiden, fomit jeden Augenblick ohne vorhergehende Reparatur, oder zum mindeften ohne langwierige Unterfuchungen über ihre Brauch barkeit, mit Beruhigung in Verwendung genommen werden können. Ueberdiefs ift die Dauerhaftigkeit der aus Holz erzeugten Fuhrwerke überhaupt von, viel mehr Einflüffen abhängig als jener aus Eifen. Es kann diefs nicht näher ausgeführt werden, doch fei, um nur ein Beiſpiel anzuführen, erwähnt, dafs das k. k. Pionnier- Regiment noch ziemlich viele und ganz vollkommen kriegs. dienfttaugliche Brückenwagen aus den vierziger Jahren, welche alle Feldzüge mitgemacht haben, befitzt, während fchon fo manche Wägen aus dem Erzeugungsjahre 1859 als unbrauchbar ausgemuftert werden mufsten. Die Güte und die Trocken heit das Materiales und die Befchaffenheit und Lage der Magazine find felbftverſtändlich die Hauptfactoren, welche auf diefe Thatfache Einfluss nehmen. Die Idee Norrman's, welche wir in der Ausftellung in der Geftalt eines eifernen Brückenwagens verwirklicht fahen, mufs daher als ein entfchiedener Fortfchritt bezeichnet werden. Vielfeitig die Aufmerkfamkeit erregend, wurde diefem Wagen auch in vorgedeutetem Sinne von Fachleuten und felbft von den Preisrichtern die verdiente Anerkennung gezollt. Diefs gab auch die Veranlaffung, dafs mit diefem Wagen, mit Bewilligung des k. k. Reichs- Kriegsminifteriums und mit Einverständnifs und in Gegenwart des Erfinders in Klofterneuburg eingehendere Fahrverfuche vor einer aus technifchen und Train- Officieren gebildeten Commiffion ausgeführt wurden, worüber später an geeigneterer Stelle noch einmal die Rede fein foll. Im Punkt 3 hebt Norrman als weiteren Mangel älterer Brückenconftructionen hervor, dafs die Ladungsfyfteme zu fehr verwickelt find. Wie fpäter gezeigt werden wird, ift ihm die Löfung diefer Frage bei feinem Projecte nicht gelungen. Der oben erwähnte mifsliche Umftand, dafs die bei den Equipagen befindlichen Böcke nicht zur Verlängerung der Pontonbrücke verwendet werden können, da hiezu die Balken und Pfoften, das heifst das Deckmateriale fehlt, wäre wohl richtig, wenn die Böcke überhaupt nur defswegen in gleicher Zahl mit den Pontonen mitgeführt würden, um die Brücke damit nochmal fo lang zu machen, als es mit den Pontonen en. en ck. er en en ch, ein 0- ht en, en rig mer ch as nd en orter für im en en, im h en ke efs nt, gsit. re نے سے en Das Pionnierwefen. 9 allein gefchehen könnte. Aber diefer Zweck, die Brücke aus den Pontonen einer Equipage mit Zuhilfenahme der Böcke zu verlängern, ift nur ganz untergeordnet. Der Hauptzweck, der durch die Beigabe einer gleichen Anzahl von Pontonen und Böcken nach Birago's Idee erreicht werden foll, ift je nach den Profilverhältniffen des Hinderniffes, entweder die Brücke aus verfchiedenen Unterlagen oder auch nur mit Pontonen oder nur mit Böcken von jener Länge herzuftellen, für welche das Deckmateriale der Equipage berechnet ift. Mehrere Armeen, welche die Birago'fche Brücke annahmen, haben die Zahl der Böcke per Equipage um 1/3 bis 2 verringert; auch die öfterreichifchen Pionniere haben fich oftmals mit dem Gedanken befchäftigt, das Gleiche zu thun, weil die Böcke doch feltener in grofser Zahl zur Verwendung kommen. Die Gründe Für und Wider entfchieden für die Beibehaltung in voller Zahl, und die öfterreichifchen Pionniere thaten gut daran, an dem wohldurchdachten Syfteme Birago's nicht zu rütteln, denn fie kamen feither mehrfältig in die Lage fo z. B. Schreiber diefer Zeilen felbft, der im Jahre 1866 eine reine Bockbrücke über die Elbe während der Schlacht von Königgrätz unterhielt, Ueberbrückungen vornehmen zu müffen, wo nur Böcke eingebaut werden konnten. - Wollte man der Bock- Anzahl entſprechend auch Deckmateriale mitführen, fo könnte diefs nur durch bedeutende Vermehrung des Trains gefchehen. Da man aber höchft felten, ja man kann faft behaupten, beinahe nie ein Flufsprofil vorfinden wird, welches gerade die fämmtlichen fchwimmenden und auch alle ftehenden Unterlagen einzubauen erlaubt, fo würde man in den meiften Fällen das ver mehrte Deckmateriale umfonft mitgefchleppt haben. Birago nahm an, dafs man folches, wenn man eine Brücke um einige Felder zu verlängern gezwungen wäre, viel leichter an Ort und Stelle dazu vorfindet und zurichtet, als ein paffendes Materiale zur immer zeitraubenden Erzeugung von Böcken; zudem erlaubt ja feine Brücke den Bau von Brücken mit fchmäleren Bahnen, wodurch die gewünſchte Verlängerung erzielt wird und alles dazu nothwendige Materiale fowohl für die Decke als die Unterlagen bereits vorhanden ift. Auch ift die Beigabe der vielen Böcke für den eventuellen Gebrauch zu Stockwerks- Brücken ein Erfordernifs. Getroft kann man daher behaupten, dafs die reichliche Dotirung der Birago'fchen Brücke mit Böcken feine guten Gründe hat, die weitaus fchwerer wiegen, als die der Anhänger für Mitnahme von eben foviel Deckmateriale, als Unterlagen zur Equipage gehören. Sicher ift, dafs die Mitnahme eines Zuviel an Böcken viel feltener und viel weniger fchwer in die Wagfchale fallen wird, als jenes Zuviel der Anhänger für die Mitnahme von Referve- Deckmateriale. Mit diefen letzteren Auseinanderfetzungen dürften zum Theil auch die oben ausgefprochenen Beforgniffe entkräftet ſein, dafs bei den jetzigen Brücken fyftemen-die meift dem Birago'fchen nachgeahmt find es an den erfor derlichen Refervetheilen gebricht, wodurch, feiner Meinung nach, nach einer gewiffen Zeit die vollſtändige Ausnützung des Materiales unmöglich wird. - Birago hat auch für diefen Fall vorgedacht. Er hat feiner Equipage zwei Requifiten- und einen Feldfchmiede- Wagen beigegeben, welche die zur Inftandhaltung der Wägen und des gefammten Brückenmateriales erforderlichen Befchlagsmaterialien theils in fertigen, theils im Rohzuftande, nebft einigen kleineren und nicht leicht nachfchaffbaren Geräthen, fowie alle jene Werkzeuge und Requifiten enthalten, wodurch diefer Zweck, zuweilen auch mit Einfchlufs einer Nachfchaffung von Deckmateriale, bisher anftandslos erreicht wurde. Geändert und vervollkommnet wurde diefe Idee im Laufe der Zeiten dahin, dafs die fchwere Feldfchmiede ganz aufgelaffen, und fomit ein Wagen per Equipage erfpart, dafür aber eine Schatullen- Feldfchmiede eingeführt wurde, welche auf einem der Requifitenwagen verpackt wird, und endlich dadurch, dafs per Bataillon eine Zeugsreferve errichtet wurde, welche mit Profeffioniften, fertigen und Rohmaterialien dotirt und ausgerüftet, die erften und nothwendigften Bedürfniffe der Abtheilungen zu befriedigen und auszugleichen in der Lage ift. es er de en ng es en er en en er ке ie in rt en 10 Emerich Zinner. Ueberblicken wir nun, wie Hauptmann Norrman feinen Forderungen gerecht zu werden verfucht. Er bildet feine Brückeneinheit oder Equipage aus 8 Vorder- und 8 MittelPonton Wagen, 2 Bock, 8 Balken- und 2 Requifiten- Wagen; ferner aus 2 Gepäcks und Küchenwagen, I Effecten-, I Pionnier, I Feldhofpitals- Wagen und endlich aus 3 Futter- Wagen, in summa aus 36 Wagen. Zur Fortbringung diefes Trains, bei Annahme von 3 Pferden per Wagen, benöthigt er mit Einfchlufs der Reitund Refervepferde zufammen 126 Pferde. Wir fehen alfo bei einer bedeutenden Wagenvermehrung gegen die alte fchwediſche Brückenequipage eine gleiche Zahl Pferde, alfo nur eine Erfparnifs von Trainfoldaten. Die Zahl der eigentlichen Brücken- Wagen felbft ift von 15 auf 28 geftiegen, die Gattungen derfelben von 3 auf 5, denn einiger Unterfchied mag zwifchen den mit verfchiedenen Namen belegten Wagen in der Packung und Beladung doch vorherrfchen, und ift diefer noch fo gering, fo ift dem im Punkte 3 geftellten Vorhaben nicht nur nicht entsprochen, fondern gerade entgegen gewirkt. Da die Belaftung durchgängig eine geringere werden mufste, fo find auf den erften drei Wagengattungen nur je ein halbes Feld Pfoften und auf den erften zwei Gattungen wieder aufser den Pontonen fonft nichts, als die dazu gehörigen Fahr- und Ankergeräthe, auf den Bock- Wagen dafür aber obenauf je drei Böcke verladen. Es find alfo bei der Equipage 8 zweitheilige Pontone und 6 Böcke vorhanden. Die Balkenwagen hingegen find mit je einem Felde Balken, Land fchwellen, Unterlagsriegeln und verfchiedenen anderen kleineren Geräthfchaften beladen. Man fieht auf den erften Blick, dafs durch diefe Vertheilung des Materiales auf den Wagen, die einfache, einheitliche und überfichtliche Verladungsweife, wie wir fie bei der öfterreichifchen Brücke befitzen, nicht mehr vorhanden ift. Ueberdiefs wurde diefe unvortheilhafte Abweichung von der öfterreichiſchen Ladeweife noch dadurch verftärkt, dafs auf einzelnen Wagen aufser den oben angegebenen Halbfeld- Pfoften und dem Feld- Balken noch ein Refervematerial untergebracht ift. Die Requifitenwagen enthalten die für die Inftandhaltung der Equipage erforderlichen Werkzeuge und Requifiten, nebft Referve- Ankern und Seilen und anderen kleineren Geräthfchaften. Von den übrigen noch beigegebenen Wagen befagt ihr Name auch ihren Zweck. Näheres hierüber gehört wohl nicht hieher, nur Betreff des Pionnier wagens mufs erwähnt werden, dafs derfelbe zur Aufnahme von Schanzzeug, fowie von Materialien zur Errichtung von Nothbrücken beftimmt ift. Aufserdem führt jeder Wagen ohne Unterfchied noch mit fich: Stalleffecten, Tornifter, Futterfäcke, Pferdepflöcke, Fouragirftricke und Waffereimer für feine Befpannung, fowie Schmierbüchfe, Spaten und Axt. Diefe Gegenftände find theils an der Aufsenfeite der Wagen angebracht, theils in Kiften verpackt. Letztere, je zwei per Wagen, aus Eifenblech gefertigt, find auf den ober den Achfen fitzenden Federn verfchiebbar angebracht. Diefe Einrichtung ermöglicht, da alle Vorderund ebenfo wieder alle Hinter- Kiften aller Wagen einander gleich find, ein belie biges Vertaufchen derfelben. Nach diefer Befprechung über die allgemeine Einrichtung und Beladung der Wagen, gehen wir auf die Leiftung mit dem Geräthe über. Nach dem Wiener Mafse berechnet, ift man im Stande, mit dem Materiale der projectirten Equipage eine Brücke, und zwar nur auf Pontonen mit 31 Klafter und bei Verlängerung derfelben durch Böcke, von 41% Klafter Länge und 9 Fufs Breite herzuftellen. Da eine Ausnützung des Materiales in letzterer Hinficht, wie fchon früher nachgewiefen wurde, zu befonderen Ausnahmen gehört, fo ift mithin die Mehr leiftung gegenüber der alten fchwediſchen und unferer Birago'fchen Brücke mit gen tel. cks lich ins, Leit alte nifs gen, den och Jor die drei gen ker find and. ften ales eife. ift. hen ben erial age ilen ren mier wie ten, eine eils je den der elie ung iale fter und iher ehr mit Das Pionnierwefen. 11 nur 3 Klafter Länge anzunehmen. Diefer Gewinn fteht wahrhaftig aufser allem Verhältniffe zu der Vermehrung der Brückenwagen einer Equipage von 14 auf 28. Was das Brückengeräthe felbft betrifft, fo ift diefes mit nur geringen Aenderungen ganz dem Birago'fchen Syfteme nachgebildet und zeigt in den Formen und Ausmafsen nur ganz unbedeutende Abweichungen. Diefe letzteren find der Hauptfache nach folgende: Der Vorderponton wurde mit Schleppriegel verfehen, vorne mehr vorgezogen, in der Wafferlinie fchärfer gemacht, und befitzt, um das Abgleiten des Ankerfeiles möglichft zu verhindern, in der Mitte oben eine kleine Verfenkung. Ausgeftellt war nur ein Ponton- Mittelftück. Es ift an den Ecken abgerundet und hat keine End-, fondern nur fechs Mittelrippen aus 12 Linien ftarkem Winkeleifen, Ixenbleche von gleicher Stärke, dagegen die Boden- und Seitenbleche von 34 Linie Dicke. Der Boden und die Querwände find um 1½ Zoll nach einwärts gebogen. Diefe Geftaltung, fowie die auf dem Boden angebrachten Schleppriegel( Leiften), welche denfelben beim Schleifen auf feichtem Flufsgrunde fchützen follen, verurfachen nur tiefere Tauchung, geringere Tragfähigkeit, und fetzen der Strömung gröfseren Widerftand entgegen. Die Abrundung der Ponton Ecken läfst keine fo ficher paffende Verbindung zu, wie bei unferen Pontonen mit fcharfkantigen Winkeln. Auch den unteren Ponton- Verbindungsgabeln, fowie den oberen Ponton-Verbindungsbolzen läfst fich kein Vortheil zufprechen. Die erfteren find zu fchwer, hängen an zu leichten Kettchen und find fchwer erfetzbar; jedem letzteren dagegen einen Schraubenfchlüffel beizugeben, ift überflüffig. Das Mittelstück wiegt 668 Wiener Pfund. Die Bockfchweller find, um fie kürzer und leichter zu geftalten, an den beiden Kopfenden ftatt mit Verftärkungen und den darin befindlichen Couliffen, mit dort befeftigten, eifernen Hülfen und Bügel, wie Fig. I zeigt, zuni Einfchieben der Füfse verfehen. Die Tragringe wurden befeitigt und durch Eifenbefchläge an den unteren Seiten innerhalb der Hülfen erfetzt. Fig. 1. Die Bockfüfs e, wovon die beiden längften auch als Landfchwellen und die kurzen als Unterlagsriegel verwendet werden kön-nen, haben diefelben Ausmafse wie die Balken. Oben haben fie gleich den Balken auch Kämme, damit fie als kurze Balken gebraucht werden können, unten dagegen Zapfen( Spitzen), die fo eingerichtet find, dafs der oval geformte Bockfchuh beweglich, das heifst nach beiden Seiten des Fufses verfchiebbar ift. Die Hängkette wurde länger und fchwächer gemacht und an einem Ende mit Haken und Ring neuer Conftruction verfehen; das andere Ende der Kette wird unter die Bockfchwelle gezogen und dort durch einen Druck auf das im Ringe befindliche Gelenk der Kette eingefchoben und gefpannt, wodurch diefelbe dafelbft fo ficher feftgehalten wird, dafs ein Abgleiten unmöglich ift. 12 Emerich Zinner. Das Fehlen der Vorköpfe an der Bockfchwelle erfchwert die Handhabung beim Aufftellen des Bockes fehr; auch finden die Pfoftenleger aus gleichem Grunde beim Aufftellen eines Bockes im Waffer zum Halten des Einbaugliedes keinen Platz. Das Herbeitragen der Bockfchwellen, nach des Proponenten Manier auf zwei untergefchobenen Prügeln, ift namentlich über Uferböfchungen hinab faft unmöglich. Unfere Tragringe ermöglichen nicht nur diefen Fall anftandslos, fon dern erlauben uns auch ein zweckentfprechenderes, viel ſchnelleres Einziehen der Hängketten, dann ein viel einfacheres Verftellen der Ketten zum Heben und Senken des Bockes felbft und die Ketten tragen, was endlich die Hauptfache ift, vermöge ihrer Anbringung bei uns ficher beffer, als nach der Projectsmethode. Der Bock, in feiner Gefammtheit betrachtet, fchliefst Zweifel über feine Stabilität nicht aus. Die Füfse, nur 10 bis 18 Grad von der Verticalen abweichend, ftehen zu gerade, der Couliffen- Spielraum ift zu grofs und läfst fich durch die Keile bei der Verfchiedenartigkeit der Schrägen der Couliffe nicht ganz beheben, die Verzwängung ift alfo ungenügend. Das Eintreiben der Füsse mit Schlägeln ift bei ihrer Stärke und bei hartem Boden nicht zuläffig. Diefe find defshalb auch schwer zu handhaben, befonders bei gröfseren Flufstiefen und Flufsgefchwindigkeiten, da nicht nur ihre Stärke, fondern noch mehr der bewegliche, ovale Schuh hindert. wenn er vom Waffer erfafst und gedreht wird, wodurch das Setzen des Fufses fogar unmöglich gemacht werden kann. Die Balken find, wie Fig. 2 zeigt, ftatt wie bisher mit eingefetzten Eichenkämmen, mit eifernen Kämmen verfehen, wodurch diefelben etwas kürzer und Fig. 2. leichter wurden. Die Ruder wur den etwas kürzer gemacht, und am Schafte derfelben an der Befchlags. platte ein Ring angebracht, an welchem ein beweglicher Ruderpflock mit Bolzen und Mutter angemacht ift. Diefe Einrichtung mag fich gut bewähren hindert aber den Gebrauch des Ruders zum Schieben. Die Ganzpfoften wurden, ftatt wie bisher mit 1 Schuh Breite, nur mit 7:29 Decimalzoll Breite und die Halbpfoften mit der halben Breite der Ganzpfoften angefertigt. Die vielen Gründe, die Norrman für die Verfchmälerung der Pfoften angibt, find durchaus nicht ftichhältig; der Raum geftattet es nicht, diefs Punkt für Punkt zu beweifen, doch die eine Thatfache fei wenigftens angeführt, dafs der Herr Projectant in einem Irrthume befangen ift, wenn er glaubt, dafs unfere gröfseren Pfoften unhandfam und defshalb von den Pfoftenlegern nie zwei Stück davon auf einmal übernommen und gelegt werden können. Weil fie diefs können und ftets anftandslos bewirkt haben, kann man alfo mit Beftimmtheit behaupten, dafs wir mit unferen Pfoften, weil fie eben gröfser find, fomit für eine beftimmte Brückenlänge mit viel weniger Stücken( mit 23 gegen 31 bei gleicher Felderlänge) zu hantiren haben, entfchieden im Vortheile find. Diefer Factor fällt aber fchwer in die Wagfchale, denn bekanntlich hängt von den Pfoftenlegern die Zeit des Brückenfchlages zum Theile ab; find alfo diefe wohlgefchult, fo darf vom Einbaue der erften bis zu jenem der letzten Unterlage keine Unterbrechung mehr eintreten, indem die Einbau- Partien felbft bei gleicher Schulung ja niemals auf fich warten laffen dürfen. Noch mufs bemerkt werden, dafs der Projectant fich im Irrthume befindet, und feine Berechnungen auf falfchen Annahmen fufsen, indem die öfterreichifchen Brückenpfoften nicht 14, fondern 1 Zoll Dicke befitzen, mithin mehr Trag. fähigkeit haben als feine Brückenpfoften. Ueber den Werth aller früher angeführten Veränderungen an den Brückengeräthen läfst fich allerdings ohne eine eingehende Erprobung fchwer ein ganz 13 ung hem edes auf faft fonhen und e ift. eine end, eile die bei wer , da ert. fses menund vur am ags. an leranLuch mit nz ften nkt der fere ück nen ten, mte derfält ern , fo terung det, hen rag enanz Das Pionnierwefen. richtiges Urtheil fällen. Von dem Bocke, dem wichtigften Theile der fogenannten Verbefferungen, ift kaum je ein günftiges Refultat zu erwarten. Auch die Befeftigungen der eifernen Couliffenhülfen, dürften bei ftarken und andauernden Brückenbelaftungen, wenn fie noch fo gut gemacht find, nicht hinreichende Sicherheit und Feftigkeit gewähren und keinesfalls das leiften, was die bisherigen Couliffen im Holz geleiftet haben. Es ift kein einziger Fall bekannt, dafs je ein Bockfchwell erkopf der Birago'fchen Brücke in den Couliffen derart gefprungen wäre, dafs hiedurch die Bockfchwelle unbrauchbar geworden wäre, trotzdem dafs die ausgemusterten Kriegs- Brückenböcke gewöhnlich noch fo viele Jahre bei den täglichen Uebungs- Brückenfchlägen fo lange im Gebrauche ftehen, bis fie ganz morfch werden. Die Füfse im gleichen Gevierte mit den Balken zu halten, ift ganz unnütz. Unfere viel fchwächeren Bockfüfse, welche je nach der Höhe des Bockes einfach oder doppelt verwendet werden und im letzteren Falle zufammengenommen noch immer nicht die Stärke eines Balkens erreichen, gewähren, wie felbft in neuefter Zeit angeftellte Feftigkeitsverfuche dargethan haben, unter allen Verhältniffen hinreichende Sicherheit und erfüllen gleichfalls einen doppelten Zweck, nämlich den, dafs fie auch ein vorzügliches Schnürmateriale für die Decke abgeben. Für die wenigen Fälle, wo man zu Ausgleichfeldern oder fonft irgendwie kürzere Balken benöthiget, befitzen wir in den Landfchwellen, den kurzen Riegeln mit feften Kämmen und endlich in den verfchiebbaren eifernen Balkenkämmen Mittel genug, uns zu behelfen. Es wird fomit durch die Füfse von gleichem Gevierte der Balken nur dem Wagen eine unnütze Mehrlaft aufgebürdet. Die Kämme aus Eifenblech der oben erwähnten veränderten Balken find zu fchwach und können bei allenfalls vorkommenden Verzwängungen nicht jene Sicherheit gegen Deformation, und wegen ihrer kleineren Backen gegen das Selbftausfpringen aus der Aufkämmungsfchwelle gewähren, wie die ftarken, gröfseren öfterreichifchen Holzkämme. Ueberdiefs find alle Projectsbalken ungefähr 5 Fufs von beiden Enden mit Rücksicht auf ihre Verladung auf die Wagen mit 2 Zoll tiefen und mit Blech gefütterten Löchern verfehen. Diefs ift entfchieden als ein Uehelftand zu bezeichnen, da hiedurch die Tragfähigkeit der Balken bedenklich herabgefetzt wird. Das Hauptobject des vorliegenden Projectes bildet aber der eiferne Wagen. Nach Angabe beftehen nur Wagen zweierlei Art, nämlich kurze und lange. Die kurzen dienen für die Vorder- und Mittel- Pontonwagen, als Bock, Requifiten-, Küchen. Gepäck-, Pionnier- und Futterwagen, die langen werden als Balkenwagen verwendet. Die beiden Wagengattungen haben indefs gleiche Vorderwagen, Achfen, Federn, Brems- und Anfpannvorrichtungen. Da nur die Langbäume und die dazu gehörigen Fufsbreter ungleich find, fo kann ein Austausch gewiffer Theile des einen Wagens mit jenen des anderen, ebenfo die Verwendung der Wagen zu verfchiedenen Zwecken mit der gröfsten Leichtigkeit vorgenommen werden. Der ausgeftellte Wagen war ein Wagen der kurzen Gattung und als Mittel- Pontonwagen beladen. Aufserdem war nur noch von der Norrman'fchen Brückenequipage und zwar feparat, ein Feld- Balken und ein completer Bock ausgeftellt. Der erwähnte, in Fig. 3 dargestellte Wagen hat, bei einem fehr gefälligen ja man könnte fagen, zierlichen Ausfehen, eine finnreiche, praktiſche und dennoch folide Conftruction. Diefer Wagen hat auch bei den viertägigen Fahrverfuchen in Klofterneuburg, wobei derfelbe mitunter fehr ftrengen Anforderungen und harten Proben unterzogen wurde, hinlängliche Feftigkeit und praktiſche Brauchbarkeit gezeigt, welche guten Eigenfchaften auch bei längerer und viel feitiger Benützung nicht anzuzweifeln find. 14 Emerich Zinner. Fig. 3. Bei einer Geleisweite von 4 Futs 2 Zoll und einer Achfenfpannung( Abftand der beiden Achsmitten) von 5 Fufs 6 Zoll hat der complete Wagen ein Gewicht von 13, mit Beladung von 28 Wiener Zentner. Die Kürze des Wagens und dann der Umftand, dafs der aufgeladene Ponton über die Räder foweit herabreicht, dafs er mit feinen Borden nur 2 Fufs 8 Zoll vom Boden abfteht, fowie die übrigen Dimenfions- Verhältniffe des Eifens, verleihen eben dem Fuhrwerke jenes leichte und gefällige Ausfehen. Dennoch ift der Wagen felbft etwas fchwerer als die bisherigen aus Holz erzeugten Kriegs- Brückenwagen. Schwächer in den einzelnen Conftructionstheilen als der Projectswagen, dürfte aber ein Brückenwagen mit der erwähnten Belaftung nicht gehalten werden, denn bei dem Projectswagen find gerade die der erforderlichen Sicherheit angemeffenen Dimenfions- Verhält niffe mit ebenfo viel Gefchick als Glück ermittelt worden. Die Räder haben zwar bei den fchon erwähnten Verfuchen einige Deformirungen infoferne erlitten, dafs fie in Folge von etwas verbogenen Speichen an einigen Stellen unrund wurden, und dafs die Mittellinie des Radreifes nicht mehr in einer auf die Nabenachfe fenkrechten Ebene( der Radebene) lag, fondern nahezu bis auf 1 Zoll variirte; doch behauptete der Herr Projectant, dafs diefe Deformirungen nicht Folge der ftarken Inanspruchnahme bei den Fahrverfuchen, fondern der erften ungewohnten Erzeugungsweife feien. Speichen und Radreif könnten in ihren Dimenfionen allerdings etwas ftärker gehalten fein. Das Wagengeftelle befteht aus den Langbäumen, deren vorne und hinten niederhängende Winkel den Ponton, den Wagenriegel u. f. w. tragen, dann aus einem grofsen Hinter- und einem kleinen Vorder- Kaften, fammt zwei Fufsbretern. Die Langbäume find aus Spanteifen( Winkeleifen), unter fich mit vier gleichen Eifen verbunden und auf der Aufsenfeite mit einem auf der Oberfeite durch Bandeifen gefchütztem Tannenbrete verftärkt, wodurch der innwendige Raum zur Stütze der Kiften, zur Auflegung der Querunterlagen, der Pfoften und zur Aufftellung des Fufsbretes bei deffen Gebrauch als Kutfchbock freigelaffen wird. Als Kutfchbock dient für gewöhnlich der Ponton felbft, bei leeren Wagen aber das obere Fufsbret, wozu die aus Rundeifen erzeugten Stützenftangen in erfterem 1 t Das Pionnierwefen. 15 Falle in den Hülfen der unteren Pontons- Verbindungsbügel, im anderen Falle aber in den vorderen Oefen der Langbäume eingehakt werden. Nach diefer allgemeinen Befchreibung der Conftructionseinrichtungen des Wagens wenden wir uns zu zwei Vorrichtungen, die diefem Projectswagen ganz befonders eigen, und die, weil fie neu und originell find, unfere ganz befondere Aufmerkfamkeit verdienen. Die erfte, die Wendevorrichtung leiftet mehr als alle jene bei den bisherigen Fuhrwerken, felbft wenn diefe, wie unfere Brückenwägen mit ganzer Wendung eingerichtet find, weil bei dem Projecte kein fixer, fondern ein nach der Längen- Mittellinie des Wagens um 9 Zoll verfchiebbarer Reihnagel angebracht ift. Dadurch können alle Wendungen kürzer und fchneller und ftets fo gemacht werden, dafs die innerhalb der Pontonwände laufenden Räder niemals an diefen zu ftreifen vermögen. Diefe ebenfo finnreiche als zweckmäfsige Erfindung ift unleugbar ein bedeutender Fortfchritt in der Wagenconftructions- Lehre; fie verdient umfomehr Beachtung, weil wir fie nicht nur mit fehr einfachen Mitteln, fondern zuerſt an einem Kriegs- Fuhrwerke, an welches bekanntermafsen ja nur zu oft Forderungen auch hinfichtlich der Wendungen bei fchmalen Strafsen und Paffagen herantreten, welche an fonftige Verkehrs- Fuhrwerke nur höchft felten geftellt werden, zum erften Male in fo gelungener Weife verwirklicht fehen. Diefer Ausfpruch ftützt fich auf die Erprobungen, die vor den Augen einer Commiffion, welcher auch der Berichterftatter angehörte, ftattfanden. Die Einrichtung diefer Wendevorrichtung, welche die Fig. 4 A, B, C und D veranfchaulichen, befteht nicht wie bei den bisherigen Vorrichtungen für ganze Wendungen aus zwei concentrifchen Wendefchienen, welche fich um einen fixen Reihnagel bewegen, fondern aus einer excentrifchen Führung zwifchen Vorder und Hinterwagen, welche durch folgende Conftructionstheile herbeigeführt wird. Wie die obere Anficht Fig. 4 A zeigt, ift auf dem vorderen Verbindungseifen E und F des Vordergeftelles und über der Achfe am Vorderwagen ein aus Eifen gebildeter Rahmen befeftigt, welcher vorne die bewegliche Rolle R, in feiner Mitte den Reihnagel N und dann noch die beiden auf ihm befeftigten Führungszapfen O und P trägt Fig. 4 B zeigt davon den Schnitt durch die Längenmitte; Fig. 4 C die vordere Anficht. Ueber dem Ganzen liegt der aus Winkeleifen und Eifenplatten gebildete Vorderkaften, welcher mit den vorderen Verbindungseifen der Langbäume, fomit auch mit dem Hinterwagen feft verbunden ift. Sein Boden ift von Holz und in feiner Längenmitte ift aus Winkeleifen ein Schlitz für die Aufnahme des Reihnagels ( Verbindungsbolzens) nebft deffen Schraubenmutter gebildet, deffen Mündung von oben durch den Kaften zugänglich und für gewöhnlich durch eine EifenblechKlappe verfchloffen ift. Unter diefem Kaften find zwei Wendefchienen befeftigt, und zwar eine äufsere und eine innere. Fig. 4 D zeigt die Anficht von unten fammt dem Boden des Kaftens mit dem darin befindlichen Schlitze. Die äufsere Schiene gleicht einer, an einem Ende zufammengedrückten Parabel, deren beide Arme in einem Halbkreife nach rückwärts fich vereinen. Die innere Schiene ift doppelt und dient eben dazu, bei den Wendungen die Bewegung des Vorderwagens auch nach rückwärts zu ermöglichen. Durch die Drehung des Vorderwagens aus feiner geraden Normalftellung nämlich, wobei der bewegliche Reihnagel im Schlitze ganz vorne bei f, die beiden Führungszapfen aber zwifchen den beiden inneren Schienen fich befinden, fängt fich die Rolle R je nach der Wendung rechts oder links zu bewegen an und gleitet an dem vorderen parabolifchen Theile der Wendefchiene des Oberwagens felbftverſtändlich nach rechts 2 16 Emerich Zinner. Fig, 4 A.. 9 17" 3" 推 11" 2" ON 18" R 36 1'2" N ก ง R F C F E R Fig. 4 C. oder links und bewirkt fo dadurch, wie wir gleich fehen werden, die excentrifche Führung. Hat nämlich die Drehung ein gewiffes Mafs erreicht, fo kommt der eine Führungszapfen O, z. B. in die Stellung bei k, legt fich dort feft, während nun der Reihnagel N im Schlitze, geführt durch einen maffiven Eifenfchlitten, fich nach rückwärts zu bewegen beginnt. Da nun die weitere Drehung um den Zapfen O bei k ftattfindet, fo mufs der andere Führungszapfen P, welcher gleichzeitig, als der Zapfen O in k ange Dafs die auf diefe langt ift, bei ins freie Innere gelangte, zu wirken aufhören. Weife hervorgerufene excentrifche Führung zwifchen Vorder- und Hinterwagen den Wende- Halbmeffer um das Mafs der Verfchiebung des Reihnagels verkürzen mufs, ift wohl einleuchtend. Die zweite, ebenfalls originelle und finnreiche Einrichtung ift die an dem Vorderwagen Geftelle angebrachte, fogenannte felbftthätige Bremfe. Sie tritt in Thätigkeit durch das Zurückhalten der Pferde, fperrt fomit nicht die Hinter, fondern die Vorderräder an ihrer hinteren Seite durch zwei hölzerne Bremsftöckel: anfonften ift fie ganz aus Eifen conftruirt und befteht zum Theile aus Winkelhebeln, zum Theile aus Zuggeftängen, welche eben die Bewegung von der Sprengwage auf die Bremsftöckel zu übertragen haben. Da eben die Pferde es find, welche die Function des Sperrens hervorrufen müffen, fo hat der Erfinder das Gefpann der Bremfe anpaffen müffen. Diefs war kein glücklicher Fig. 4 B. e r 1 n e T r II Fig. 4 D. 3" 3" 46 Das Pionnierwefen. 23" 6 tigft 17 Gedanke, indem man immer an dem Grundfatze fefthalten mufs, die Zugkraft der Pferde fo viel als nur möglich zu fchonen, um fie vorkommenden Falles, namentlich aber beim Berganfahren vollends auszunützen. Man hat daher darauf zu fehen, dafs fie beim Bergabfahren nicht angeftrengt und um diefen Zweck Z U erreichen, durch die Bremfe kräfunterstützt werden. Diefe mufs daher für fich allein und ftets fo viel wirken, dafs der Wagen niemals in das Rollen komme, die Pferde fomit frei und faft zuglos dahinfchreiten können und hauptfächlich nur zur Lenkung und theilweifen Fortbewegung des Wagens das Ihrige beizutragen haben. Diefer Zweck kann angemeffen und für alle Lagen nur in zweckmäfsiger Weife durch Sperrung der Hinterräder erreicht werden, und zwar durch Bremsbalken oder Bremsftöckel, welche, gleichviel ob fie fich nun an die Vorderoder Hinterfeite diefer Räder anlegen, durch ein Geftänge mit Schraubenfpindeln nach Bedarf fich in der Weife ftellen laffen, dafs letztere je nach der minderen oder ftärkeren Neigung der Strafse auch minder oder mehr angezogen werden. Die allgemeine Einführung diefes Principes bei den Laft- Fuhrwerken aller Art und felbft bei leichten Wagen ſpricht laut genug für diefe Anichauung. I.... F 110 3" III. L LIV Hauptmann Norrman hat übrigens feine, wenn auch nicht ganz richtige Idee doch möglichft einfach und gut durchgeführt. Diefe Sperrvorrichtung mag für leichtes Fuhrwerk in gewiffen Gegenden ganz gut anwendbar und der weiteren Ausbildung würdig fein, ift dagegen für fchweres Fuhrwerk niemals empfehlenswerth. Hauptmann Norrman hat, der Laft feines Wagens entſprechend, ein Drei gefpann gewählt, welches von dem fchon erwähnten Bocke aus geleitet wird. Das mittlere Pferd geht innerhalb einer kurzen Doppeldeichfel( Gabel), welche an der Sprengwage beweglich angebracht ift und nicht weiter als bis etwa vor die Bauchgurte reicht. Dazu hat er auch die Pferdegefchirre eigenartig, vor Allem die Widerhaltriemen fehr kurz einrichten müffen, damit die drei eng nebeneinander gehenden Pferde die beiden Deichfelftangen beim Zurückhalten vorne heben, wodurch fie rückwärts die Sprengwage mit den beiderfeits darauf befeftigten eifernen Winkelhebel nach abwärts drücken und dadurch die von dort ausgehenden Bremfengestänge in Thätigkeit bringen. Die Sprengwage ift durch zwei Arme mit dem vorderen Querſtück verbunden, mittelft Bolzen, welche durch die aufwärts gebogenen Platteifen durchgehen, beweglich. Um die Sprengwage in der horizontalen Lage zu erhalten, befindet fich unter jedem Arme eine dreiblättrige kurze Feder, welche auf der 20 18 Emerich Zinner. unter dem Feder- Ende des Wagens angebrachten Rolle ruht, und bei dem Drucke der Sprengwage nach unten, unter die Rolle gleitend, die Senkung der Wage geftattet. Die Bremsgeflänge beftehen aus Rundeifen- Stäben, welche theils von dem befagten Hebel ausgehend zu den Enden der Radachfen reichen und dort von den Lahnnägeln gehalten werden, theils aus längeren und gegliederten Geftängen, welche zu den Bremsftöckeln hinführen, diefe umfaffen und leiten. Schon bei einem mäfsigen Zurückhalten der Pferde tritt die Bremfe in Wirkfamkeit, und diefe verſtärkt fich immer mehr bis zur vollſtändigen Sperrung der Räder, je mehr das Zurückhalten der Pferde bei Zunahme der Strafsenneigung zur Nothwendigkeit wird. Nun darf diefs aber nur bis zu einem gewiffen Mafse gefchehen, weil fonft gar Stillftand einträte; die Pferde müffen defshalb zum fortwährenden Vorwärtsfchreiten angefpornt werden; dabei ift aber ein geringes Zuviel oft unvermeidlich, und die Bremfe wirkt dann gleich darauf wieder zu wenig oder gar nicht. Die Pferde müffen fomit wieder zurückgeriffen werden, um fie nicht durch den fonft nachrollenden Wagen zu gefährden. Die projectirte Bremfe ift fomit nur für kurze, minder fteile Neigungen gut, im Gegenfalle aber für Laftenfuhrwerke ganz ungenügend, nachdem felbft auf ganz vorzüglichen Fahrbahnen die Pferde nicht ftets im Rückhalte vorfchreiten können, fehr bald erlahmen würden und das Nachrollen des Wagens und fogar ein Niederführen der Befpannung zu befürchten wäre. Die Art und Weife der Einfpannung felbft betrachtend, zeigt fich uns im Vergleiche mit dem neuen Dreigefpann der öfterreichifchen Armee- Fuhrwerke nur ein geringer Vortheil gegen mehrere bedeutende Nachtheile. Der Vortheil befteht darin, dafs eine gute Fahrbahn vorausgefetzt alle drei Pferde gleichmäfsig an der Sprengwage eingefpannt und daher ftets gleiche Zugkraft ausüben können, während bei unferem Dreigefpann nur zwei Pferde normal an einer Deichfel ziehen, das dritte aber, auf der fogenannten Wildbahn gehende Pferd unter einem etwas fchrägen Winkel zieht, indem die vom Wagdrittel zurücklaufende Kette am Hinterwagen befeftigt ift. Das Wildbahn- Pferd verwendet fomit, vermöge des fchiefen Zugwinkels, nicht feine volle Kraft zur Vorwärtsbewegung des Wagens allein, fondern auch zur ftetigen Seitwärtsbewegung, der wieder die beiden Stangenpferde entgegen wirken müffen; mit einem Worte, es geht ein geringer Theil der Zugkraft verloren. Diefem Uebelftande wurde durch eine Befchränkung des Zugwinkels auf ein Minimum, fchon möglichft abgeholfen. Die Nachtheile des Norrman'fchen Dreigefpanns dagegen find viel gröfser als die des unferigen. Alle drei Pferde find nach feinem Projecte, eben mit Rückficht auf feine Sperre, durch kurze Widerhaltriemen fo eng aneinander gekoppelt, entbehren fomit der Bewegungsfreiheit dermafsen, dafs wenn eines der Pferde fällt, es faft unvermeidlich die anderen mitreifst und ebenfalls zum Falle bringt. In engen Hohlwegen, wie fie bei den Fahrverfuchen mehrfältig angetroffen wurden, hatten die drei Pferde, fo eng fie auch aneinder gefpannt find, keinen Platz. Spannt man eines der Seitenpferde vor, was allerdings nach der Einrichtung der Deichfelgabeln und Gefchirre ganz gut angeht, fo können die beiden anderen Pferde in den meiften Fällen doch nicht anftandslos gehen, ohne fich gegenfeitig im Zuge fortwährend zu hindern. Hat nämlich der eingefchnittene Weg oder Hohlweg, was meift der Fall ift, ausgefahrene Geleife und fomit in der Mitte der Fahrbahn eine Erhöhung oder gar einen Kamm, fo kann das Gabelpferd, das vermöge feiner Einfpannung in der Mitte des Fuhrwerkes zu gehen gezwungen ift, fich nicht immer auf dem oft zu fchmalen Kamme erhalten und rutfcht und ftolpert bald in das freie, bald in das andere Geleife, wo das Nebenpferd geht, verliert dadurch nicht nur felbft an Leiftungsfähigkeit, fondern hindert fomit auch das andere Pferd im Zuge. Diefem Uebelftande ift nur abzuhelfen, wenn man aus der Gabel eine einfache Deichfel macht, wozu die Sprengwage und die Deichfel auch eingerichtet ift. Die Sprengwage ift nämlich mit fünf Oefen für die Schwängel, dann mit Oefen und Federn für die Stangenbolzen verfehen. Diefes Umftellen Das Pionnierwefen. 19 der einen Gabelftange nach der Mitte und das Befeitigen der andern ift wohl bald. bewirkt, erfordert aber auch das Aus- und Wiedereinfpannen der Pferde, daher bei mehrfältigen Wiederholungen und ganzen Wagencolonnen nicht wenig Zeit. Alle diefe berührten Uebelftände finden wir bei dem öfterreichifchen Dreigefpann nicht. Alle Pferde haben vermöge ihrer Einfpannsweife ftets volle und von einander unabhängige Freiheit im Gange und Zuge; die beiden Stangenpferde können unter allen Verhältniffen im Geleife fortfchreiten, bei engen Wegen auch dem dritten Pferde leichter Platz machen, und dort, wo diefs nicht möglich ist, kann das Wildbahn- Pferd in manchen Fällen auch auf oder gar über der Böfchung gehen. Nur ausnahmsweife wird daher das Vorfpannen desfelben nöthig werden, was leicht und fchnell bewirkt, auch die einzige Aenderung in der Zugsanfpannung ift. Die Bremsvorrichtung mit der hiemit innig im Zufammenhange ftehenden Deichfel- und Sprengwag- Conftruction, fowie die Befpannung, find nach diefen eingehenden Betrachtungen Alles in Allem genommen trotz mancher Vorzüge für Armee- Fuhrwerke nicht brauchbar. - die fogenannte Noch mufs hier auch die bewegliche Deichfelftange Deichfelfreiheit- erwähnt werden. Diefe kommt nur bei leichten Fuhrwerken mit Vortheil zur Geltung; bei fchweren Laft- Fuhrwerken erfchwert fie den Pferden das Widerhalten des Wagens zu fehr. Um den Norrman'fchen Wagen im Bedarfsfalle zurückfchieben zu können, mufs die Sperre unwirkfam gemacht werden. Diefs gefchieht, indem durch einen einfachen Handgriff zwei auf der Sprengwage bei den Winkelhebeln der Bremfe angebrachte Klappen umgelegt werden, wodurch der Druck auf die Bremfe aufgehoben ift. Schliesslich ift noch bemerkenswerth, dafs die Tragbäume mit den daran befeftigten Kaften auf Druckfedern ruhen, welche fechsblättrig, je 31 Zoll lang und unter den eifernen Achfen mittelft Klammern und Bügeln befeftiget find. Die vordere Seite des oberen Federblattes hat die Form einer Hülfe und ift. um einen Hängebolzen unter dem vorderen Querftücke beweglich; das entgegengefetzte Ende, welches mit einer Verftärkungsplatte verfehen ift, gleitet unter dem hinteren Querftücke. Diefe Wagenfedern haben beim Durchfahren von Gräben und vielfachen Paffirungen von tiefen Schlaglöchern und Steinverrufungen vollkommen entfprochen und unterſtützten die Widerftandsfähigkeit des allerdings nicht fehr fchwer belafteten Projectwagens fehr; fie waren jedoch, fowie die Anbringung der Sperre an den Vorder- ftatt an den Hinterrädern die Urfache, dafs der Wagen trotz feiner tiefen Schwerpunkt- Lage oftmals nicht wenig gefchleudert wurde. Dennoch find die Vortheile, welche die Federn hinfichlich der befferen Anfchmiegfamkeit des Wagens an den Boden gewähren, überwiegend. Ihre Einführung aber, fowie die Einführung der als vorzüglich gefchilderten Wendungsvorrichtung in unfere Kriegsbrücken- Wägen wäre nur denkbar bei geringerer Belaftung der Wägen, alfo durch Wagenvermehrung, fowie durch Aenderungen an dem Materiale und den Verladungsweifen, was aber wieder gleichbedeutend wäre mit dem Aufgeben unferes fo ausgebildeten Brückenfyftemes. Für andere als die Kriegsbrücken- Wägen, namentlich für die gewöhnlichen Armee- Fuhrwerke, mögen die Vortheile, die der Norrman'fche Brückenwagen darbietet, immerhin mit Nutzen verwerthet werden. Es wird diefs hier, obwohl über die Grenzen der Aufgabe liegend, darum befonders betont, weil der Wagen bei den Verfuchen eine überraschend leichte Fahrbarkeit gezeigt hat. Die Commiffion fchrieb diefe folgenden, günftig zufammenwirkenden Factoren zu: den etwas fchwächeren und cylindrifchen Achsftängeln, den etwas grösseren Hinterrädern, den gröfseren Radkranz- Breiten, der kürzeren Wagenspannung( Entfernung der Achfen), der Anbringung der Federn, der tieferen Lage des Schwerpunktes der Ladung, der vollen Deichfel- und der gröfseren Achfenfreiheit( der Verftellung der Achfen gegen einander) befonders - - 20 Emerich Zinner. aber der minderen Belaftung, die. wie fchon früher erwähnt, nur aus einem halben Felde Pfoften und dem Ponton fammt Zugehör und Anker beftand. Die weiteren, unwefentlichen Details der Conftruction und der Einrichtung des kurzen Brückenwagens übergehend, mufs noch die zweite Wagengattung- der Balkenwagen einer kurzen Würdigung unterzogen werden. - Die Abweichungen find folgende: Die längeren Langbäume haben an den Seiten Haken für Haftfeile, aber weder vorne noch hinten hinunterhängende Bügel, ftatt der Fufsbreter find nur kleine Tritte angebracht. Unter dem hinteren Kaften befinden fich weder Ankerketten noch Hemmkette, hingegen find an der vorderen Ecke fowie an den Langbäumen kleine Ketten für die Referveräder angebracht. Auf einem der vorderften Quereifen find Zapfen für die Balken und auf dem vorderen Deckel des Hinterkaftens find Haken für den Spaten und die Axt genietet. Das zweite oben erwähnte Kriegsbrücken- Project ift das des königlichen fchwedifchen Genie Hauptmannes H. Stålhane. Stålhane hat fich hauptfächlich zur Aufgabe geftellt, die Belaftung der Brückenwägen zu verringern, um ftatt des Sechs- ein Vier- Gefpann einzuführen und die Kriegsbrücken- Equipage überhaupt beweglicher zu geftalten; fonft aber weder an den Wägen noch an dem Materiale der bisherigen Ausrüftung nach Birago's Syftem, mit Ausnahme geringer Modificationen, Aenderungen vorgenommen. Selbſtverſtändlich konnte die Aufgabe durch Vermehrung der Wägen gelöft werden. - Verminderung der Laft- nur Hauptmann Stålhane bildet feine Brückenequipage aus 8 Ponton- Pfoftenwägen, 8 Balkenwägen und 4 Bockwägen, fomit aus 20 vierfpännigen Brückenwägen, was im Vergleiche zur alten fchwedifchen und unferer jetzigen Brückenequipage, einer Vermehrung der Wagen um 5, beziehungs weife 6 gleich kömmt. Dazu gehören auch noch 3 zweifpännige Requifitenwägen, worauf Werkzeuge und Vorrathsmaterialien mitgeführt werden, und welche eigentlich auch noch mit eingerechnet werden müffen, da die gleichnamigen Wägen bei den früher erwähnten älteren Kriegsbrücken- Equipagen zu der Wagenzahl gezählt wurden. Die Vermehrung der Brückenwägen beträgt fomit per Equipage 8, beziehungsweife 9 Wager. Aufserdem find für die Befpannungs- Abtheilung einer Equipage noch beft mmt: Ein zweifpänniger Wagen für die Referve Gefchirrtheile und ein zweifpänniger Packwagen, beide von derfelben Conftruction wie die des Requifitenwagens. An Pferden für die Befpannungs- Abtheilung einer Brückenequipage find aufser jenen, welche für die zwanzig vier-, und fünf- zweifpännigen Wagen gehören, noch als Referve- Zugpferde 15 Stück und 4 Reitpferde, und zwar eines für einen Officier, zwei für Unterofficiere und eines für den Trompeter, fomit in Summa 109 Stück bemeffen worden. Die Brückenwagen find alle ganz gleich conftruirt und haben diefelbe Geleisweite von 48 Zoll wie die Requifitenwagen. Das Gefammtgewicht eines beladenen Wagens beträgt 31 Wiener Centner. Ebenfo find die Requifitenwagen unter fich und mit den gewöhn lichen Pack oder Trofswagen der Armee für zwei bis drei Pferde hinfichtlich der Conftruction gleichartig. Sämmtliche Wagen find mit Federn verfehen. Die Beladung fämmtlicher Brückenwagen enthält das Geräthe für eine 31 Wiener Klafter lange Normalbrücke und noch dazu das Refervematerial für eine Brücken- Feldlänge von 20.66 Fufs. 1 I Das Pionnierwefen. 21 Die Art der Verladung des Brückengeräthes auf die Wagen ift fo eingetheilt, dafs fich die Equipage in halbe und auch in viertel Equipagen( divisions) von gleicher Stärke theilen läfst. Ein Ponton- Vorderftück- Pfoftenwagen und ein Ponton- Mittelftück- Balkenwagen enthalten zufammen das Geräthe eines Brückenfeldes. Der Bockwagen ist mit einer Bockfchwelle, zwei acht und zwei dreizehnfchuhigen( gleich 7% 12, beziehungsweife 122/ 12- fchuhigen öfterr.) Fufsen und fünf Landfchwellern, dann mit dem Geräthe einer Widerlage( aus einem Landfchweller mit den dazu gehörigen Haftpflöcken beftehend) und eines halben Brückenfeldes von 10:33 Wiener Fufs ausgerüftet; als Tragbalken für diefes halbe Brücken Feld werden Landfchweller( Halbbalken) und Füfse verwendet. Eine detaillirte Ueberficht über die Beladung diefes, fowie der anderen Brückenwagen würde zu weit führen; es genügt fchon mit den wenigen Andeutungen gezeigt zu haben, dafs die Eintheilung nicht mehr fo einfach und überfichtlich gehalten ift, wie Birago fie fchaffte und wie wir in Oefterreich fie noch befitzen und die das Auf- und Abladen der Wagen in jeder Lage bei uns fo fehr erleichtert. Was nützt z. B. das halbe Deckfeld auf dem Pfoftenwagen? In den meiften Fällen nichts, es wird fomit häufig als todte Laft mitgefchleppt, weil man Halbfelder ja nur ausnahmsweife einbauen wird, dort gewöhnlich, wo man einen Ausgleich beim Brückenfchlufs bewirken mufs, was man aber mit den gewöhnlichen Balken und den verfchiebbaren eifernen Balkenkämmen jetzt viel vortheilhafter und fchneller zu erreichen in der Lage ift. Diefe vier Brücken- Halbfelder der vier Bockwagen erfüllen daher nur den einen Zweck, dafs, wenn man in der glücklichen Lage war, alle Pontone einer Equipage zu verwenden, man die Brücke noch durch die vier Böcke um zwei ganze Felder, wozu man aber ftatt auf zwei auf vier Wagen das Materiale verladen mufs, zu verlängern im Stande ift; vorausgefetzt, dafs die Waffertiefe gerade das Einbauen der Böcke auch erlaubt. An früherer Stelle wurde fchon gezeigt, dafs folche Fälle zu den ganz befonderen Ausnahmen gehören. Die öfterreichifchen Pionniere behelfen fich in folchen Fällen, wo das Material einer Equipage zur Ueberbrückung eines Hinderniffes nicht ausreicht, entweder dadurch, dafs fie Brücken mit verfchmälerten Bahnen bauen, oder aber, dafs fie zum Schlagen einer Normalbrücke die nothwendige Ergänzung aus Nothmateriale oder durch Herbeiziehung einer zweiten Equipage fchaffen. Der Erfinder fcheint den Ausnahmsfall in Permanenz erklärt zu haben, denn er rechnet in die obangeführte Leiftung feiner Brücke zwei Halbfelder für die Normallänge ein und beftimmt nur die zwei anderen Halbfelder als Referve. Schlägt man diefe ab, fo reducirt fich die Normal- Brückenlänge auf 272 Wiener Klafter; fomit auf eine mindere Leiftung als bei unferer Brückenequipage, trotzdem die Projects Brückenequipage um neun Wagen mehr befitzt, als unfere Kriegs Brückenequipage. Auf die Befprechung des Materiales felbft übergehend, ift noch zu erwähnen, dafs die Balken und die Landfchweller mit eifernen Kämmen, ganz nach Art der fchon früher befchriebenen Norrman'fchen verfehen find. Wer von den beiden Herren der Erfinder davon ift, oder ob diefe Kammeinrichtungen vielleicht gar fchon bei der alten fchwedifchen Brücke beftand, weifs Schreiber diefer Zeilen nicht anzugeben. Die Böcke werden nur mit einfachen Füfsen eingebaut, diefe find daher doppelt fo ftark als die öfterreichifchen. Warum man fich des Vortheiles mehrerer als blofs zweier Fufsgattungen begeben hat, warum man ferner eine fo geringe Zahl von Füfsen mitführt, ift nicht recht einzufehen. Wenn auch, wie der Projectant vorfchlägt, zum Schnürren der Brückendecke blofs Halbpfoften verwendet werden, fo wären doch mehr Füfse, insbefondere aber mehrere Gattungen angezeigt, weil man in ausgedehnterer Weife beim Bockfetzen felbft fich helfen kann 22 Emerich Zinner. angeund man auch Füsse für verfchiedene andere Verrichtungen braucht. Viel zeigter dagegen wäre es gewefen, den fechften Balken per Feld entfallen zu laffen, weil fünf fo gut und noch beffer, wie bei der öfterreichifchen Brücke genügen. müffen, da fie bei gleichem Gevierte aber etwas geringerer Spannweite ohnehin gröfsere Tragfähigkeit befitzen. Die Unterlagsriegel, die Landfchwellen und Füfse haben alle mit den Balken gleiches Gevierte. Erftere werden bei der Ausrüftung der Pontone zu fchwimmenden Unterlagen blofs einfach verwendet. Hiemit wären die wefentlichen Abweichungen erfchöpft und es ist nur noch hervorzuheben, dafs die Verladung der Pontone auf die Wagen für gewöhnlich mit nach unten gekehrtem Boden, alfo entgegengefetzt der jetzigen Manier gefchieht und, dafs die Pontone mit Eifenhaken und Bolzen, die auf den Wagen angebracht find, befeftigt werden, wobei Unterlags-( Wagen-) Riegel nur unter dem gefchweiften Theil des Vorderftückes angewendet werden. Wenn für befondere Fälle diefe Art, die Pontone auf die Wagen zu legen, als unzweckmäfsig gehalten wird, fo können fie auch umgekehrt verladen und auf die gewöhnliche Weife an den Unterlagsriegeln feftgemacht werden. Ohne Zweifel ift die letztere Verladungsweife unter allen Umftänden die empfehlenswerthere, denn abgefehen davon, dafs hiedurch auf Märfchen bei unvermeidlichen Niederfchlägen das Innere der Pontone und das dafelbft untergebrachte kleine Geräthe vor Näffe bewahrt wer den kann, wird auch der Pontonboden als der heiklichfte Theil mehr gefchont, da hiedurch keinerlei Reibung ftattfinden kann. Schliefslich ift der Ponton bei folcher Lage auch viel leichter auf- und abzuladen. Ausgeftellt von diefer Equipage war ein Ponton Pfoftenwagen. Der Wagen ift ganz ähnlich den Birago'fchen Brückenwagen, nur etwas maffiver conftruirt. Hölzerne Achsftöcke, worin die eifernen Achfen liegen, befitzt er nicht; diefe letzteren liegen frei und find daher im mittleren Theile ftärker gehalten und zeigen hier einen quadratifchen Querfchnitt von zwei Zoll. Breite. Der Wagen befitzt eine der unferigen ähnlich conftruirte ganze Wendung. Auf dem Vordergeftelle ift eine kleine Requifitenkifte befeftiget. Die Deichfel ift zum Auslegen gerichtet; die fefte Wage mit zwei beweglichen Wagdritteln liegt unter den Deichfelarmen und ift in diefer Lage durch zwei eiferne Stützen, welche gegen die Mitte der Wendevorrichtung reichen, gefichert. Eigenthümlich ift noch, dafs die Deichfel vorne nebft der Bracke zum Vorfpannen der zwei Vorauspferde noch einen auf die Deichfel aufgefetzten Widerhaltprügel befitzt, der um einen Bolzen drehbar ift, zu welchem Zwecke von den Enden des Prügels zwei Arme aus Rundeifen nach vorwärts bei den Bolzen zufammenlaufen, dort fich vereinigen und mit dem entſprechenden Bolzenloche verfehen find; während anderfeits an den Enden des Prügels die zum Feftmachen und Durchziehen der Widerhaltriemen nothwendigen Ringe befeftiget find. Diefe ganze Einrichtung, welche die Schweden auch bei allen anderen Fuhrwerken und Gefchützen, welche nur eine einfache Deichfel für zwei Stangenpferde befitzen, eingeführt haben, dürfte fich zwar nicht unzweckmäfsig erweifen, weil fie die Pferde zwingt, ftets mehr im gleichen Anzuge zu verharren, doch hat diefelbe wieder den Uebelftand, dafs die Pferde in ihrem freien Gange beeinträchtigt werden und das Stürzen des einen Pferdes wahrfcheinlich auch das des anderen zur Folge haben wird. Eine gewöhnliche einfache Sperre mit Bremsftöckeln ift am Hintergeftelle links angebracht, um von dort aus die dazugehörige Spindel mit einem kleinen Rade zu ftellen. Der Wagenhund, eine am Hinterwagen angebrachte Stütze, welche beim bergan Fahren aus feinen Verforgungshaken ausgelegt wird, fo nachfchleift und beim Anhalten des Wagens deffen Rücklauf verhindert, ift aus Eifen erzeugt. 1 e i 0 i h d r e S e n Das Pionnierwefen. 23 Verladen find auf dem Wagen: 22 Ganz und 8 Halbpfoften, I Landfchwelle und nebft diverfen kleineren Geräthen noch obenauf mit dem Boden nach unten gekehrt, ein Ponton- Vorderftück. Letzteres ift ähnlich dem öfterreichischen geformt, nur vorne ift dasfelbe halbrund und wenig fchräge, fo zwar, dais man diefem Ponton wohl eine gröfsere Stabilität in der Brücke zufprechen, von ihm aber nicht auch eine leichte Fahrbarkeit und Lenkbarkeit vorausfetzen darf. Gewäffer mit trägem Laufe mag er wohl gut entſprechen. Auf Weiters find noch an der rechten Wagenfeite drei Ruder, an der linken mehrere Schiffshaken angebracht. Bemerkenswerth dabei ift noch, dafs erftere nicht fehr lang und gefällig geformt und bei der Verftärkung, wo fie in die Rudergabel einzulegen kommen, mit Blech befchlagen find. Die Schwerpunkt- Lage des complet beladenen Wagens liegt ziemlich hoch, dennoch ift bei der grofsen Geleisweite ein Umkippen desfelben nicht leicht zu beforgen. Er trägt gegenüber unferen Brückenwagen das Gepräge der Schwerfälligkeit an fich, obwohl er, wie fchon früher nachgewiefen wurde, leichter ift als diefer. Ein weiteres nicht unintereffantes Object im fchwedifchen Militärpavillon war der Infanterie- Pionnierwagen vom Oberftlieutenant Klingenftierna und Hauptmann V. Norrman. Derfelbe hat einen mehrfachen Zweck zu erfüllen, nämlich einerfeits den, die InfanteriePionniere für die ihnen zufallenden technifchen Arbeiten mit den nöthigen Arbeits- Werkzeugen zu verfehen, andererfeits fie in den Stand zu fetzen, auch kleine, weniger bedeutende Hinderniffe mit den auf diefen Wagen mitgeführten fertigen Material Beftandtheilen augenblicklich überbrücken zu können. Zu diefem Behufe ift jedes Infanterie- Bataillon mit einem, daher das Regiment mit zwei folchen Wagen ausgerüftet. Sie bieten für 300 Arbeiter die verfchiedenften, vornehmlich aber Schanzwerkzeuge und enthalten Brückenftege von 60, beziehungsweife 120 Fufs fchwedifch(= 56.3, beziehungsweife 112 6 Fufs öfterreichifche) Länge für zwei-, beziehungsweife eingliedrige Infanterie. Wegen diefes letzteren Umftandes wurde die Befprechung diefes Aus ftellungsobjectes in diefe Rubrik" Brückenwefen" eingereiht, obwohl es eigent lich ftreng genommen nicht hieher gehört. Die Frage, ob es zweckmäfsig fei für die Infanterie Pionniere einen eigenen Ausrüftungstrain im Felde mitzuführen, dürfte mit Rücksicht auf die Vermehrung des Armeetroffes von der Mehrheit der Stimmen mit„ Nein" beantwortet werden. Zur Erfüllung des erfterwähnten Zweckes ift ein eigener Train gewifs nicht nothwendig, wenn, wie bei unferer Organifation der Armee, die Infanterie Pionniere, dann die Pionnier- und Genietruppe ihre Ausrüftung felbft tragen und letztere beiden überdiefs noch in ihren Requifitenwagen der Werkzeuge allerlei Art in folcher Menge mitführen, dafs fie hiemit noch eine grofse Zahl InfanterieHilfsarbeiter betheilen können. Diefs wird dann um fo weniger nöthig fein, wenn, wie in der öfterreichifchen Armee, eigene Schanzzeug- Colonnen beftehen, da fonft der Train zum Nachtheile der Operationen übermäfsig vergrössert würde. Unter allen Umftänden aber ift es vortheilhaft, wenn die Infanterie Pionniere ihre Ausrüftung felbft tragen, indem fie dadurch in den Stand gefetzt find, bei augenblicklichem Bedarfe gleich eingreifen zu können. Anders geftaltet fich allerdings die Sache, wenn man fie von einer anderen Seite betrachtet. Sind nämlich vermöge eigenthümlicher LandesbodenVerhältniffe, wie wegen zahlreicher kleinerer Gewäffer, Wafferadern und Canälen, die Beigabe von fertigen, leichten Brücken an die Truppen felbft eine unerlässliche Bedingung, um fie an ihrer Manövrirfähigkeit nicht Schaden leiden zu laffen, dann mag immerhin die Mitnahme eines eigenen folchen Ausrüftungstrains, der alfo nebenbei auch einiges an Werkzeugen aufnimmt, gerechtfertiget erfcheinen. 24 Emerich Zinner. Auch Oefterreich hat fchon einmal eine ähnliche Idee mit Nutzen zur Ausführung gebracht, doch wurde fie bald nach ihrem Aufleben in Folge der geän derten Territorialverhältniffe wieder überflüffig. Man gab nämlich den in Oberitalien bei der Armee im Felde ftehenden Batterien eigene fogenannte Batterieftege, eigentlich richtiger gefagt Brücken, bei, womit fie fich felbft bei den häufig vorkommenden Uferwechfeln über Canäle fo gleich zu helfen in der Lage waren. Fig. 5. Diefe Batterieftege beftanden aus zwei gleichen, fertigen Brückentheilen, welche auf einem ftarken, nach italienifcher Art gebauten zweirädrigen Karren fortgebracht und im Bedarfsfalle blofs über das Graben. hindernifs- wenn es nicht breiter als 20 Fufs warhart neben einander gelegt zu werden brauchten. War eine längere, mit Zwifchenunterlagen verfehene Brücke nöthig, fo oblag die Errichtung derfelben, gleichviel ob fie aus Noth oder Kriegs material herzuftellen war, der Pionniertruppe. Von der Mitnahme anderer, leichterer Stege für die Infanterie fah man von jeher aus dem Grunde ab, weil, wenn die Fufstruppen folche kleinere Hinderniffe nicht überfpringen oder durchfurten können, die technifchen Truppen oder die Infanterie- Pionniere felbft in den feltenen Fäl len, wo diefs nothwendig wird, ihnen aus aufgefundenem Materiale leicht und fchnell Nothübergänge herzuftellen im Stande fein werden. Befehen wir uns nun den ausgeftellten Wagen, wovon Fig. 5 eine bildliche Darftellung bringt, näher, fo müffen wir uns von vornherein geftehen, dafs das complete Fuhrwerk bei leichtem, gefälligem Ausfehen fammt und fonders recht finnreich zufammengeftellt ift. Der Wagen ift in Bauart und Dimenfionen den gewöhnlichen fchwedifchen Armeetrofswagen ganz gleich gehalten, nur mit dem Unterfchiede, dafs er wegen der gröfseren Leichtigkeit, mit Ausnahme der Räder, von Eifen ift, und dafs die auf dem Trofswagen befindlichen Leitern und Packkiften hier durch die eifernen Pontontheile erfetzt find. Die Befchaffenheit des Wagens zwang dazu, diefe letzteren getrennt zu bilden und zu verladen. Vorder- und Hintergeftell find nämlich durch eine lange, ftarke, gebogene Eifenftange verbunden, welche in einem Haken des Vordergeftelles blofs eingehakt wird, fo, dafs diefes nach Be en ei e rt ht n. Js gt -e, ке = n, S er. er er ht n, n- älus ell ein 11he ins m- em ch enen ur Her der em ckile ang len tell ge. in ofs BeDas Pionnierwefen. 25 Fig. 6. darf um diefen Punkt mit ganzer Wendung gedreht, oder aber auch abgeprotzt werden kann. Da die Pontontheile faft unmittelbar auf den Wagenfedern aufliegen, fo ftehen diefelben, um bei Wendungen den Durchlauf der Räder zu ermöglichen, 19 Zoll von einander ab. Die Geleisweite beträgt 46% Zoll. Sperre befitzt der Wagen keine. Als Befpannung dient ein Dreigefpann, wovon das mittlere Pferd in einer Gabel geht, alle drei aber von einem Kutfcher gelenkt werden, der im vorderen, kleinen Ponton auf einer Kifte fitzt. Zwei Gabelftangen find in Referve vorhanden und dienen dazu, wenn Vorderund Hinterwagen von einander getrennt werden, am hinteren Theile. des Hinterwagens eingefchoben und eingehakt zu werden, um damit eine Gabel für die Anfpannung zu bilden und fomit mit dem abgetrennten Wagentheile felbftftändig fahren zu können. Von den eifernen Pontontheilen ift der rückwärtige, gröfsere Theil 7%, der vordere, kleine 4 Fufs lang, jeder 334 Fufs breit und 2 Fufs hoch. Sie find oben mit Schraubenbolzen, unten mit Haken verbindbar. Die Borde ftehen auf dem Boden faft, die Querwände ganz vertical; vorne und rückwärts find fie durch fchräge, ebene Flächen, die nur an den Winkelkanten abgerundet find, abgefchloffen. In dem vorderen Pontontheile find zwei, über einander ftehende Kift en eingefetzt, welche mit verfchiedenen kleineren Werkzeugen und Nägeln recht zweckmäfsig bepackt find; in dem rückwärtigen gröfseren Pontontheile find alle gröfseren Werkzeuge, Tauwerk, Gefchirre etc. verforgt. Obenauf liegen, den Ponton voll ftändig eindeckend, fechs fogenannte Leiterpläne( fertige Brückenftegdecken) in zwei Schichten nebft einer Bockfchwelle und zwei dazu gehörigen Spaken( Füfsen). Diefe ganze Packung wird feftgehalten durch Stricke und mittelft eines durch die Löcher der Leiterpläne durchgezogenen und an den Ponton mit einem Vorhängfchloffe befeftigten eifernen Stabes. Je zwei Leiterpläne find, wie die Fig. 6 zeigt, an ihrem Längenzufammenftofs oben mit Federn, unten mit feften Haken und Oefenbefchlägen, welche in einander zu fchieben find, mit einander verbindbar. Jeder Leiterplan hat bei 92% Fufs Länge, 14 Fufs( Wiener) Breite und ift gebildet aus zwei einzölligen Bretterbacken, welche an der' fchmalen Seite 2, an der breiten 5½ Zoll breit find und durch fechs Holzfproffen, dann durch Befchläge und durch drei eiferne Querftangen zufammen gehalten werden. Diefes Leitergerippe ift der Länge nach mit zwei 7 Linien ftarken aufgenagelten Brettern eingedeckt. Die Bockfchwelle, Fig. 7 A, ift aus zwei Stück 9 Fufs 5 Zoll langen, 51 Zoll breiten und 1 Zoll ftarken Brettern gefertigt, die in Folge der fechs Stück Einfatzklötzchen im Lichten 2 Zoll von einander abftehen. Fig. 7 A. Die Bockfüfse, Fig. 7 B, find 6%, Fufs lang, im Querfchnitte 134 Zoll dick und 2 Zoll breit. 26 Emerich Zinner. Fig. 7 B. Sowohl die Schwelle als die Bockfüfse find ohne alles Befchläge. Eine vollständige Aufzählung und Schilderung aller übrigen Materialien und Werkzeuge würde weit über die hier gezogenen Grenzen der Darstellung führen, und es bleibt fomit nur noch anzuführen, dafs der complete Wagen circa 3500 Pfund fchwedifch oder 2650 Pfund Wiener Gewicht haben foll, was bei feinem leichten Ausfehen kaum glaublich erfcheint. Schliefslich dürften noch einige Angaben über die Leiftungsfähigkeit diefer leichten Pionnierbrücke erwünſcht fein, welche aber doch in mehreren Punkten angezweifelt werden müffen, wenn man dabei die Dimenfions verhältniffe der Materialien und Geräthe diefer Brücke genau erwägt. Zur Bedienung der Brücke find per Wagen acht Mann erforderlich. Aus dem Brückengeräthe einer Regimentsausrüftung von zwei Wagen, laffen fich fechs doppelte Brückenpläne à 20 Fufs( fchwedifch), zwei ganze Pontone oder drei Halbpontone( indem die beiden kleinen Vordertheile zu einem verbunden werden) und zwei Böcke, deren Füsse aus den Wagendeichfeln oder eigentlichen Bockbeinen beftehen, bilden. Ein ganzer Ponton foll als Ruderboot 12 Mann tragen. Zwei ganze Pontone mit darauf gelegten Leiterplänen follen eine bequeme Fähre für 25 Mann oder für einen beladenen Trofswagen oder für ein Pferd abgeben. Vier Pontone mit 12 Stück doppelten Leiterplänen ergeben eine 20 Fufs lange und 16 Fufs breite Fährkoppel, auf welcher bequem vier Pferde oder 50 Mann geführt werden können. Mit den Böcken mit aufgelegten Leiterplänen werden Landbrücken her geftellt. Von zwei ganzen Pontonen nebft den dazu gehörigen Leiterplänen, immer zwei neben einander, erhält man eine 60 Fufs lange Brücke, für Paffirung von Fufstruppen zwei Mann hoch; auch foll eine folche Brücke leichte, von der Mannfchaft vorfichtig gezogene Fuhrwerke tragen. Von den drei Halbpontonen, zwei Böcken, nebft den dazu gehörigen Leiter. plänen in einfacher Breite, erhält man eine 120 Fufs lange Brücke für einzeln gehende Paffanten. Als Erfatz oder Ergänzung kann man aus vier Wagendeichfeln mit Querhölzern noch im Nothfalle eine anwendbare Brückenleiter erhalten. Der Wagen mit Ponton und vollem Gepäck kann rückwärts in das Waffer gefchoben werden und fchwimmt, wobei die Bedienung desfelben, acht Mann, bequem darauf Platz findet und die Pferde fchwimmend daneben geführt werden können. Auf folche Weife foll das Ganze unter der Vorausfetzung, dafs das Wetter günftig ift, über einen See gerudert werden können. Rufsland hat durch das Kriegsminifterium, beziehungsweife durch das k. Ingenieur- Arfenal zu Dünaburg zur Ausstellung fehr nett und correct gearbeitete Modelle feiner Kriegsbrücke gebracht. Die einen, beftehend in vier complet beladenen Wagen, waren nach ½, die anderen, eine gefchlagene Kriegsbrücke aus mehreren Feldern darftellend, nach 1/6 der Natur angefertiget. Rufsland hat bekanntlich feiner Zeit die öfterreichifche Kriegsbrücke bei nach dem Syftem Birago- bis in die kleinften Details nachgebildet feiner Armee eingeführt. Seither aber hat es aus unbekannter Urfache manche Aenderungen daran vorgenommen, welche fammt und fonders, vielleicht mit einer einzigen Ausnahme der des Ankers feiner jetzigen Kriegsbrücke nicht zum Vortheile gereichen. - - en ng rca bei eit in ns en, ze em ler me erd ufs der 9990 ermer von nn. ter. eln er 40 ffer nn, Hen tter das rect d in ine der cke bei che ner zum Das Pionnierwefen. 27 So haben fie vor Allem ftatt der kleinen und auf fo zweckmässige Weife theilbaren Brückenequipage, Brückenparks eingeführt, welche fich wohl auch in Halbe- und Viertelparks, aber nicht weiter mehr theilen laffen, und je einen folchen Park, deren fie fechs befitzen, einer Pontonierdivifion überwiefen. Zwei weitere folche Parks werden noch nachgefchafft und jene für den Kaukafus follen mit fchwimmenden Unterlagen aus Kautfchukcylindern verfehen werden. Ein ruffifcher Kriegsbrücken- Park führt das Materiale für eine 100 ruffifche Klafter( Saženj) lange Kriegsbrücke, was genau der Leiftung von vier öfterreichifchen Brückenequipagen oder 28 X 4= 112 Wiener Klafter Brückenlänge gleichkommt. Der Pontonpark befteht aus 52 Brücken- Wagen und 9 anderen Fuhrwerken, wovon die erfteren mit fechs, die anderen mit vier Pferden befpannt find. Vierzig Brückenwagen führen Ponton- Vorder- und nur zwölf führen PontonMittelftücke mit, welche Eintheilung bei Weitem nicht fo viele Combinationen mit dem Brückenmateriale in Bezug auf Herftellung von Brücken und namentlich von Ueberfetzungsgliedern zuläfst, als bei der öfterreichifchen Eintheilung, wo das Verhältnifs diefer Pontontheile wie 8: 6 befteht und daher die Zufammenfetzung von mehrtheiligen Pontonen dem Bedarfe nach beliebig gefchehen kann Weiters führen fechs der Wagen je zwei, zufammen alfo zwölf Böcke mit. Für die normale, alfo zu der am meiften anwendbaren Brücke, ftehen daher 26 fchwimmende und 12 ftehende, zufammen alfo 38 Unterlagen per Park zur Verfügung, wogegen diefer Deckmateriale für 42 Felder, nämlich 210 Balken und 1050 Pfoften mitführt. Zugegeben, dafs diefer Ueberfchufs eine ganz angemeffene, in manchen Fällen auch ganz erwünſchte Referve bildet, fo drängt fich nebenbei doch auch die Frage auf, was dann wenn die Böcke nur zum Theile oder gar nicht eingebaut werden können, oder umgekehrt, wenn zur Bewältigung des Hinderniffes einzig und allein nur Böcke oder wenigftens ein Theil davon eingebaut werden können? In jedem diefer Fälle ftellt fich heraus, dafs das Deckmateriale ganz aufser Verhältnifs zu den Unterlagen und diefe unter fich gleichfalls nicht in einem folchen Verhältniffe ftehen, wodurch in allen Fällen die vollständige Ausnützung des Materiales ermöglicht würde. Diefe geänderten Verhältniffe in der Eintheilung des Materiales, führten zu weiteren Mafsnahmen, die ebenfalls als keine glücklichen bezeichnet werden können; nämlich zu der Vermehrung des Materiales auf den Wagen, fomit auch zu einer anderen Einrichtung der Wagen felbft. Durch den erfteren Umftand kam mehr Deckmateriale auf einem Wagen zu liegen, als zu einem Brückenfelde gehört; dadurch wurde der Wagen nicht nur fchwerer, fondern auch die Beladung und Entladung der Wagen erfchwert, namentlich bei folchen Brückenfchlägen, welche eine vorherige Schlichtung des Materiales auf einem Depôtplatze nicht erlauben, da die Vertheilung des Materiales auf den Wagen keine überfichtliche mehr ift. Die complet beladenen ruffifchen Brückenwagen wiegen 42 Wiener Centner, daher fie ftatt mit vier, mit fechs Pferden befpannt werden müffen. Jene veränderte Verladeweife führte zu einem anderen Uebelftande zur Vermehrung der Wagengattungen, nämlich auf vier. Dafs diefs auf eine überfichtliche und rafche Verladung des Materiales wieder nur hemmend einwirken kann, ift wohl einleuchtend; umfomehr, wenn, wie es hier der Fall ift, z. B. auf den Wagen Nr. 3 alle Ruder, auf den Wagen Nr. 4 wieder alle Rudergabeln nebft allen Geländerftäben verladen find, während bei uns die Ruderrequifiten in allen Pontonen in entsprechender Zahl fo vertheilt und untergebracht find, dafs der Ponton, ins Waffer gefchafft, fogleich benützbar ift. Diefe eigenthümliche Vertheilung der Materialien und Geräthe ift eben mit Urfache, dafs der ruffifche Brückenpark einer weiteren Theilung als der erwähnten, nicht mehr fähig ift. 28 Emerich Zinner. Von dem Wagen Nr. I gehören 30, von jenem Nr. 2, 6, von Nr. 3, 12 und von Nr. 4, 4 Stück zu einem Park. Von jeder diefer vier Gattungen warje ein Stück in Modell ausgeftellt. Die erften drei Gattungen find gleich und der Hauptfache nach von der Bauart der öfterreichifchen Wagen; doch bietet diefe Gleichartigkeit nur fcheinharen Vortheil, indem für jeden Wagen befondere, verfchieden geftaltete Einrichtungsbeftandtheile beftehen, um denfelben zur Aufnahme des KriegsbrückenMateriales geeignet zu machen, fo dafs jeder Wagen doch nur zu der ihm zuge wiefenen Beftimmung verwendet werden kann. Der Wagen Nr. I entspricht unferem Balkenwagen, doch führt er 7 Balken, 2 Schnürbalken, 25 Pfoften und 6 Halbpfoften nebft anderen kleineren Gegen ftänden; jener Nr. 2 unferem Bockwagen, doch führt er keine Landfchwellen, welche nebft Pfoften, Ankern, Seilen und diverfem kleinerem Materiale und allen Rudern auf dem Wagen Nr. 3 verladen find; die Wagen Nr. 4 endlich, welche wie fchon einmal hervorgehoben wurde, alle Rudergabeln enthalten, entſprechen unferen Requifitenwagen. Als gut zu bezeichnen ift die Einrichtung, welche die Verladung der Pontone, gleichviel ob Mittel- oder Vorderftück, auf jeden Wagen ohne Unterfchied erlaubt. Sie find, wie bei uns mit dem Pontonboden nach oben gekehrt, verladen. Unter den Pontonen liegen auf dem Geräthe Anker und Seile bei allen Brückenwägen. Als abweichend von den öfterreichifchen Wagen kommt hervorzuheben: Die gröfsere Spurweite von 60 Zoll ruffifch oder 58 Zoll öfterreichiſch, die gleiche Höhe der Räder, welche alle vier einen Durchmeffer von je 50 Zoll( 47%) haben, wobei die Wagen jedoch die ganze Wendung behalten; eine andere Sperrvorrichtung, ähnlich unferer alten, beftehend aus Radfchuh mit Kette und Eisring. Bemerkenswerth ift noch die veränderte Deichfel und das Reibfcheit, eine Einrichtung, welche auch, wie fchon gefagt, die ganze Wendung erlaubt. Letzteres ift mit der auf der Deichfel befeftigten, unbeweglichen Wage verbunden. Die Wage ift doppelt und derart verlängert, dafs darauf vier Wagdrittel Platz finden. Es gehen alfo hier, wie es fcheint, für gewöhnlich vier Pferde neben einander an der Stange und nur zwei Pferde voraus. Es ift diefs jedenfalls eine Befpannungsweife, die in manchen Lagen wird dahin abgeändert werden müffen, dafs alle Pferde nur paarweife gehen, was aber nur Zeitverlufte verurfacht. Wenden wir uns zu dem zweiten Ausftellungsobjecte, welches eine aus gröfseren Modellgeräthen gefchlagene normale Kriegsbrücke mit drei fchwimmenden Unterlagen, nebft einen befonders aufgeftellten Bocke darftellte. Diefe Brücke weicht nach Zufammenfetzung und Material wenig von der entfprechenden öfterreichifchen Brücke ab. Die Pontone, ebenfalls aus Eifen erzeugt, zeigen gar keine Flofs wändigkeit, das heifst die Seitenborde ftehen zum Pontonboden unter einem rechten Winkel, auch find die Borde etwas niedriger, als die unferer Pontone. Die hiedurch erzielte geringere Schwankung ift dabei jedenfalls auf Koften der Lenkfamkeit erzielt worden. von den öfter Die Pontonverbindungen differiren ebenfalls reichifchen. Bei den oberen haben die Schraubenmuttern Flügel, die unteren beftehen aus ftarken Eifenbändern mit Oefen, deren jeder Pontontheil beider feits an den Bordwänden eines trägt, und aus einer zweizackigen Gabel, welche mittelft eines Kettchens an der Bordwand hängt, und zur Verbindung der Fontone von oben in die Oefen eingefteckt wird. Die Ruder find bedeutend kürzer als unfere, was wohl von den niedrigeren Bordwänden abhängig gemacht wurde. Das Pionnierwefen. 29 pu 11 er n- inen. ge en, en en, Len the en Ter er. rt, en en: the en. rr. ng. ne es tel en rd er es rei te. er fsem e. er er en erhe ne en Von befonderem Intereffe ift der, nach dem Mufter der englifchen Marineanker ganz eigenthümlich conftruirte Anker. Derfelbe befteht aus der Ankerftange und zwei um etwa 30 Grad beiderfeits der letzteren, in einer Ebene drehbaren, folglich gleichzeitig fcharrenden Ankerarmen, mit den beiden an den Ankerftangenkopf befeftigten Stellfcheiben. Diefe Anker follen fich fehr gut bewähren. Da fie überhaupt grofse Vortheile zu bieten fcheinen, wie die beweglichen, fich felbft ftellenden Arme, die der gröfseren Sicherheit des Grabens, die vereinfachte Gebrauchsnahme ohne Vorbereitungen und ebenfo leichte Verpackbarkeit auf den Wagen, fo wird fpäter bei Anführung des Martin'fchen, englifchen Ankers, noch einmal auf diefen Gegenftand zurück gekommen werden. Als weiter abweichend zu bezeichnen ift, dafs bei der ruffifchen Kriegsbrücke nur drei Bockfufs Gattungen, die 8-, 12. und 16fchuhigen, beftehen und diefe nicht doppelt eingebaut werden, fondern fchon doppelt fo ftark als unfere Bockfüfse erzeugt, alfo einfach zur Verwendung kommen, und dafs die 20fchuhigen Füfse ganz aufgelaffen, dagegen durch eigene Schnürrbalken erfetzt find. Letztere haben bei 21 Fufs Länge, im Gevierte 3 Zoll zur Höhe und 24 Zoll( ruffifches Mafs) zur Breite. Weiters führt die ruffifche Kriegsbrücke 3 Fufs 10 Zoll lange aus einzölligem Rund- Stabeifen erzeugte, eigene Geländerftäbe mit, welche mit ihren unteren Enden in paffende Löcher der PontoneinrüftungsSchwellen eingefteckt werden und durch deren, am oberen Ende angebrachte Löcher das Geländerfeil durchgezogen wird. Alle diefe Neuerungen, welche an den ausgeftellten Modellen wahrgenommen wurden, können als keine Verbefferungen bezeichnet werden. Beläfst man die 8-, 12. und 16- fchuhigen Füfse doppelt, wie Birago fie gefchaffen, behält man überhaupt die fehr verwendbaren 20 fchuhigen Füfse bei, fo bleiben felbft beim Einbau aller Böcke noch immer hinreichend Füfse für die Schnürung zur Verfügung, und man hat nicht nöthig, den Train mit eigenen Schnürhölzern unnützer Weife mehr zu belaften. Ebenfo verhält es fich mit den befonderen Geländerftützen, da die Ruder deren Stelle viel beffer verfehen. Schliefslich mufs noch der fchon erwähnten, zu einem Brückenparke gehö rigen neun Beiwagen gedacht werden. Zwei davon, Inftrumentenwagen genannt, haben Werkzeuge und einzelne kleine Beftandtheile für den Bau von Noth- und halbpermanenten Brücken, für die Herftellung und Zerftörung von Bahnen verladen. Von den übrigen Wagen find zwei zum Transporte für Munition und der Caffa beftimmt, einer ift Caffa-, einer Proviant-, einer Lazareth-, einer Sanitätsund einer Apothekerwagen. Spanien. Auch diefer Staat hat längft die Birago'fche Kriegsbrücke, bis in die kleinften Details nachgebildet, bei feiner Armeeausrüftung zur Einführung gebracht. Nachdem aber diefer fahrende Brückentrain den Bewegungen folcher Armeeabtheilungen, welche in fehr unwegfamem, gebirgigem Terrain zu operiren haben, manchmal nur fchwer oder gar nicht folgen kann, fo hat diefer Staat fich genöthigt gefehen, über Vorfchlag des Commandanten des Ingenieurcorps Oberftlieutenant Joaquin Terrer überdiefs noch einen fogenannten Gebirgs- Brückertrain zu fchaffen, welcher auf Maulthieren transportirt wird. Das Materiale desfelben ift, mit Ausnahme kleiner Aenderungen, ganz dem des fahrenden Trains nachgebildet, nur fielen felbftverſtändlich die Pontons weg und find die Ausmafsen durchgehends geringer, ungefähr in etwas mehr als halbem natürlichem Mafse gehalten. Ebenfo felbftverftändlich ift, dafs fich damit nur kleinere, weniger bedeutende Hinderniffe und überhaupt nur folche über* Sorgfaltig angeftellte Verfuche haben gezeigt, dafs die Füfse ftärker als die Bockfchwelle find. Wenn daher die öfterreichifche Bockfchwelle beim ruffifchen Material unverändert beibehalten wurde, fo hat es gar keinen Sinn, die Füfse dadurch ftärker machen zu wollen, dafs man fie aus einem Stücke herftellt. 30 Emerich Zinner. brücken laffen, welche die Anwendung nur ftehender Unterlagen erlauben. Ueberdiefs find bei diefen Stegen auch die Anforderungen bezüglich ihrer Tragfähig. keit, gegenüber den geführten Brücken, auf ein geringeres Mafs herabzufetzen. die Equipage. - Die Einheit eines folchen Gebirgsbrücken- Trains welche auf zwanzig Laftthieren fortgefchafft wird, erlaubt die Herftellung eines Brückenfteges von 27-863 Meter(= 100 Fufs fpanifch= 88 Wiener Fufs). Zum Setzen, beziehungsweife Hinausfchieben der Böcke wird eine eigene BockfetzMafchine mitgetragen. Ohne in eine nähere Erörterung des Materiales und deffen Anwendung einzugehen, wird nur noch bemerkt, dafs die Verpackungsweife auf die Laftthiere eine verfchiedene ift, und dafs nur wenige diefer Zwanzig, ganz gleich ausgerüftet find. An Hauptgeräthen fchaffen fie fort: II Bockfchwellen fammt den dazu gehö rigen Füfsen, 40 Balken, 102 Ganzpfoften etc. Das Perfonale zur Bedienung hiezu theilt fich in zwei Theile: Zur Führung der Saumthiere find 22 Mann und zur Aufficht dazu 2 Unterofficiere beftimmt; zur Bedienung der Brücke felbft find beftimmt: 1 Oberofficier, der zugleich Comman dant des ganzen Convois ift, 1 Cornet, 1 Sergeant, 3 Corporale und 13 Pontoniere. Von diefem fpanifchen Gebirgsbrücken- Train nun hat das fpani fche Kriegsminifterium durch das Ingenieurcorps Modelle in 1 der natürlichen Gröfse zur Ausftellung gebracht, welche hinfichtlich der Ausführung, fowohl was Genauigkeit des Geräthes und der Packfättel, als Sauberkeit anbetrifft, volle Bewunderung verdienen und wofür wir der fpanifchen Kriegsverwaltung umfomehr Dank wiffen, weil fie uns hiedurch mehr als durch die beften Zeichnungen in den Stand fetzte, ihre zweckmäfsigen Einrichtungen ftudiren zu können. Von den vier beladenen Maulthieren trägt eines derfelben zwei Böcke fammt den Fufsen und Beifüfsen, ein anderes 18 Pfoften und 3 Bockfchuhe, ein drittes trägt beiderfeits des Tragfattels je eine Kifte mit Werkzeugen und das vierte endlich ift ausgerüftet mit 12 Schaufeln, 12 Krampen und 6 Haken, welch' letz teres diefe Werkzeuge beiderfeits zu gleichen Theilen auf dem Packfattel in Ringen und Schleifen, fehr zweckmäfsig verforgt, trägt. Die Schaufeln find im Blatte viereckig, fchneidig und etwas rund gebogen; die Krampen find nach Art der italienifchen geformt und beftielt; die Hacken nach Form unferer Waldhacken, nur gröfser. Das letzterwähnte Maulthier mit der Werkzeug- Ausrüftung gehört eigentlich nicht zum Gebirgsbrücken- Train, fondern es foll eines derjenigen Trag. thiere vorftellen, wie folche bei den Schanzzeug- Colonnen ausgerüftet find. Von diefen letzteren Objectsgegenständen wurde nur darum eigene Notiz genommen, weil auch Oefterreich, vermöge feiner geographifchen Länder befchaffenheit, fich in neuerer Zeit beftimmt gefunden hat, feine Pionnierausrüftung für einen Gebirgskrieg zu vervollſtändigen Es ftellt zu diefem Zwecke für eine Feldcompagnie einen Convoi von 38 Tragthieren zufammen, welche jedoch nicht mit Brückenmaterial, fondern nur mit Werkzeugen allerlei Art, in Kiften verpackt, zu den verfchiedenartigften technifchen Verrichtungen, alfo auch zur Herftellung von Nothbrücken, beladen find. Ein Theil diefer Tragthiere dient blofs zur Fortbringung der Etapen, der Mannfchaftstornifter, der Kanzlei, der Referve- Montursgegenstände, der Officiersbagagen und zwei diefer Thiere find blofs für die Referve beftimmt. Deutfchland war nur mit einem einzigen Ausftellungsobjecte durch die Firma Jakob Hilger aus Rheinbrohl in Rheinpreufsen vertreten. Diefer Gegenftand war ein aus verzinktem Eifenblech erzeugter Ponton der preufsifchen Kriegsbrücke. Die Form und feine Zweckmäfsigkeit kommen hier aufser jeden Betracht; es fei nur erwähnt, dafs der neun Zollcentner fchwere Ponton in feinen Hauptabmel fungen 7.50 Meter zur Länge und 150 Meter zur Breite zeigte, dafs die Blechftärke an 2- g re et : g ur n- e. i er S eit ie en mt es te 7 in m rt en, ört g tiz ம் er 18ke he ch ent er nd Hie er es ef Das Pionnierwefen. 31 den Seitenborden 1'25 Millimeter mifst und diefe nach unten zu und über den ganzen Boden hin, bis auf 187 Millimeter zunimmt. Von Holz find nur die Bordreife auf ihrem ganzen Umfange, die zwei Schwingen und aufsen die auf den beiden Seitenwänden angebrachten Schutz- Streifleiften. Die im Innern des Pontons zum Schnüren angebrachten Leiften und Haken find von Eifen. Der nicht zufammenfetzbare, fondern nur aus einem Stücke beftehende Ponton, weil der preufsifchen fchweren Kriegsbrücke angehörig, befitzt eine Tragfähigkeit für 40 Mann und bedarf beim Auf- und Abladen einer Bedienung von 12 Mann. Der Grund, wefshalb dieler Ponton eigentlich zur Ausftellung gebracht wurde, befteht in der Eigenart des Materiales, aus dem er gefertigt ift. Das verzinkte Eifenblech foll nämlich 21/2 mal weniger dehnbar und 4mal fo feft fein als das gewöhnlich gewalzte Eifenblech. Man kann alfo daraus Pontone erzeugen, welche bei bedeutend geringerem Gewichte eine gröfsere Widerftandsfähigkeit und auch eine gröfsere Dauerhaftigkeit befitzen, nachdem der Zinküberzug auf eine Weife hergeftellt ist, welche für lange Zeit ficheren Schutz gegen Abblätterung und Oxydation des Eifens verbürgt. Ueber die Haltbarkeit des verzinkten Eifens nach der patentirten Methode der genannten Firma wurden von Sachverständigen( Profeffor Pettenkofer in München) Unterfuchungen angeftellt, wonach erft in 27 Jahren 1 des Zinküberzuges abgenützt würde, während ein gewöhnlicher Oelfarben- Anftrich fehr oft erneuert werden mufs und doch nie ganz ftellenweifes Oxydiren des Eifenbleches verhütet. Die Preufsen würdigten alle diefe Vortheile bereits auch nach Gebühr, indem fie fchon im letzten deutfch- franzöfifchen Feldzuge einen Theil der Pontone ihrer Kriegsbrücke aus verzinktem Eifenbleche mit fich führten und feither auch in der weiteren Ausrüftung damit fortfuhren, indem fich die Erfahrungen dafür günftig ausfprachen. Genannte Firma hat die Hauptlieferungen dabei beforgen. zu Den öfterreichifchen Pionnieren ift auch diefe, gewifs einen Fortfchritt bezeichnende Verbefferung des Materiales nicht entgangen. Man hat Unter fuchungen mit verzinkten Eifenblechplatten, theils aus inländifchen, theils aus ländifchen Fabricaten angeftellt und liefs fchliefslich auch daraus je einen Ponton zu weiteren Erprobungen anfertigen. Das verzinkte Eifenblech verdient übrigens ob der demfelben vindicirten Vorzüge auch mit Rückficht auf die Bedachungen von Etabliffements etc. alle Beachtung, darum hat auch Herr Hilger diefes Material in den verfchiedenften Geftaltungen und Anwendungen auf der Ausftellung zur Anfchauung gebracht. Er wurde auch für feine Leiftungen prämiirt. Schweiz. Nebft verfchiedenen Kriegswaffen und Ausrüftungsgegenständen hat diefer Staat durch das Militärdepartement der fchweizerifchen Eidgenoffenfchaft in Bern verfchiedene Reglements, Vorfchriften und Ordonnanzzeichnungen zur Ausftellung gebracht, worunter auch das Pontonierreglement für die Genietruppe fich befindet. Aus diefem ift zu entnehmen, dafs die Schweiz an dem urfprünglichen Birago'fchen Brückenfyfteme, welches es auch fchon längft bei feiner Armee eingeführt hatte, bisher noch wenig geändert hat. Aus den Plänen wenigftens ift von den bei uns feither eingeführten Verbefferungen nichts wahrzunehmen, felbft die Pontone find gegenwärtig noch aus Holz mit ihrer urfprünglichen Form beibehalten. Bei den nächften Nachfchaffungen aber follen nur mehr folche aus Eifen und mit verbefferten Formen und Einrichtungen erzeugt werden. 3 an 32 Emerich Zinner. Das Land- Communicationswefen. Ueber Strafsenwefen war, wie in der Natur der Sache begründet, das Wenige, was die Ausstellung geboten hat, mit Ausnahme eines einzigen Gegenftandes, nur in Modellen und Plänen zur Darstellung gebracht worden. Diefe Ausftellungsobjecte gewährten dem technifchen Militär nichts von Belange. Jener Gegenftand aber, über eine muldenartige Vertiefung( zunächft des Separatpavillons des Herrn Fürften Schwarzenberg, von deffen Vertretern ange bracht) ftellte ein wirkliches Strafsen object und zwar einen Fafchinen- Dammbau vor, wie folcher häufig auf den Herrfchaftsterritorien des Fürften mit günftigem Erfolge zur Ausführung gebracht wurde. Das Objectt war für den Militärtechniker, der es ja eben nur mit proviforifchen und nur einfachen Strafsenherftellungen zu thun hat, nicht ohne Intereffe, einer detaillirten Befchreibung aber nicht werth, da wir daran denn doch eigentlich nichts Neues, weder in der Anlage, noch in der Ausführung zu entdecken vermochten. Ganz anders war es mit dem Eifenbahn- Wefen beftellt, an dem fich faft alle Staaten, namentlich jene Mitteleuropas, unter diefen aber wieder vorzüglich Oefterreich am ausgiebigften betheiligt haben. Von den vielen Ausftellern des letztgenannten Staates allein find in hervorragender Weife drei grofse Eifenbahngefellſchaften, die k. k. privilegirte Nordbahn, die k. k. privilegirte Staats Eifenbahn und die k. k. privilegirte NordweftbahnGefellfchaft, durch eigene Ausftellungen in dazu errichteten Separatpavillons nebft Objecten auf freien Plätzen, vertreten gewefen. Wir fanden hier, fowie faft aller Orten in den weiten Räumen des ganzen Ausftellungsplatzes zerftreut, Gegenstände, welche in das Gebiet des Eifenbahnwefens gehörten oder dahin einfchlägig waren, und zwar gröfstentheils in Naturgröfse, einige in Modellen, andere wieder in Bild, Zeichnung und Schrift, in reicher Fülle vorgeführt. Diefe Gegenftände betrafen den Unterbau, den Oberbau, alle darauf einfchlägigen Werkzeuge und Materialien, den Hochbau, das gefammte Betriebsmateriale und endlich alle Gegenftände für den Sicherheits- und Signaldient. Man fah daran manche Verbefferungen, welche wieder Fortfchritte bezeichneten, dafür aber fehr wenig ganz Neues. Da über die Objecte des Strafsen- und Eifenbahn- Wefens ohnehin in der Gruppe XVIII,„ Bau- und Civilingenieur- Wefen", eingehend berichtet werden wird, und es hier überhaupt angemeffen erfcheint, mit Rückficht auf die Wirkfamkeit des technifchen Militärs in diefen Dienfteszweigen, nur jener Gegenftände zu gedenken, welche dem militärifchen Dienfte von Nutzen fein können, oder mindeſtens fein fpecielles Intereffe herausfordern, fo werden wir uns alfo auch nur auf die Würdigung diefer befchränken. Bevor wir jedoch zur Befprechung diefer Objecte übergehen, mufs erwähnt werden, dafs gerade vom Eifenbahn- Oberbau, nämlich von der Legung der Geleife, den Weichen und Weichenftellungen, alfo demjenigen Theile des Eifenbahn- Baues, deffen Herftellung zu einer der wichtigften Verrichtungen auch der Feld- Eifenbahn- Abtheilungen gehört, viel ausgeftellt war und dafs wir daran die verfchiedenartigften Schwellenfyfteme, wie: Steinwürfel, Cement Querfchwellen, eiferne Quer- und eiferne Langfchwellen- Syfteme, fowie gewöhnliche, als auch andere mit verfchiedenen Subftanzen imprä gnirte Holzfchwellen in Anwendung gebracht fahen. Wenn wir daran auch manche lobenswerthe Verbefferung erkennen müffen, fo ift doch hervorzuheben, dafs die fonft fo wünfchenswerthen eifernen Schwellen fyfteme noch wenig Eingang gefunden haben, weil fie erft noch bedeutenderer Entwicklung entgegenfehen. S 1. e es t, er ft ch S es コー e 1. 15 en n. r- in uf ft. te er en m- de er ur fs er ile ch an ht e, räنے کو en, en rer Das Pionnierwefen. 33 Von den Schienen felbft, haben jene mit Vignolprofil und die aus Stahl erzeugten bereits die Oberhand errungen, weil fie mehr Zweckmäfsigkeit, Feftigkeit und Dauerhaftigkeit zeigen, wenn fie auch viel fchwächer im Profil gehalten find als Eifenfchienen. Diefe Gewichtsverminderung ift mit Urfache, dafs die aus Stahl und rationeller erzeugten Schienen jetzt fchon nicht mehr höher zu ftehen kommen als Eifenfchienen. In Betreff der Methoden der Legung der Schienen, fehen wir, dafs dem fchwebenden Stofs jetzt faft allgemein fchon der Vorzug vor dem ruhenden Stofs gegeben wird. Von den Lafchenverbindungen ift bemerkenswerth, dafs man jetzt mit Vortheil unter die Schraubenmuttern kleine Unterlagsplättchen mit einem Einſchnitte zur Anwendung bringt. Durch diefen Einfchnitt ift man im Stande, wenn die Schraubenmutter des Lafchenbolzens feft angezogen ift, das Unterlagsplättchen auf einer Seite etwas aufzubiegen und fo dadurch nicht nur feine Verfchiebung und Lockerung felbft, fondern auch jene des Bolzens mit der Schraube zu verhindern. Von den neuen verbefferten Weichenfyftemen ift der Weiche von dem Oefterreicher Hohenegger mit felbftthätigem Wechfelriegel - einer Verbefferung der englifchen Weiche zu erwähnen, welche vor dem Pavillon der öfterreichifchen Nordweft- Bahn ausgeftellt war Diefe Art Weichen ermöglicht das Paffiren zweier Züge in entgegengefetzter Richtung unmittelbar nach einander, ohne dafs die Stellung der Weiche durch den Pedalhebel vorgenommen wird, indem vermöge der eigenthümlichen Einrichtung des Wechfels der paffirende Zug die Richtigstellung felbft beforgt, im Falle die richtige Stellung zu geben vergeffen oder ungenau gegeben worden wäre. Diefe Weichen gewähren fomit viele Vorzüge in Bezug auf die Sicherheit des Betriebes, haben defshalb rafch Einführung bei allen gröfseren Bahnen gefunden und fich auch bisher fehr gut bewährt. Alle, nicht blofs von den verfchiedenften Bahnverwaltungen, fondern von vielen gröfseren Eifen- und Hüttenwerken ausgeftellten Herzftücke find nur mehr aus Hartgufs und Gufsftahl. Im Krupp'fchen Im Krupp'fchen Pavillon ift fogar ein umwendbares Doppel- Herzftück aus Tiegel Gufsftahl zu fehen gewefen. Als neu zu den gegoffenen Herzftücken gehörig find die logenannten Borde zu bezeichnen, eine Art Zwangfchienen, welche an der inneren Seite der Kreuzung zur Sicherheit gegen Entgleifungen angebracht find. Sie find dort an die Schienen entweder fchon angefchweifst oder angefchraubt und überragen die Köpfe der Schienen in Maximum um ungefähr zwei Zoll. Diefe Borde, wenn auch noch weniger im Gebrauche, haben die Proben bis jetzt gut beftanden. Die erwähnten Unterlagsplättchen, den englifchen Wechfel und die Weichen mit den Bordfchienen hat die öfterrreichifche Nordweft- Bahn allein zur Anfchauung gebracht. Von Oberbau- Werkzeugen haben wir auf der Ausftellung fehr wenig Neues gefehen, obwohl einige der gröfseren Bahnen in ihren Pavillonen vollſtändige Ausrüftungen für Oberbau- Arbeiter, Bahnauffeher und Bahnwächter exponirt haben, welche jedoch im Allgemeinen die alten find; weniger ift vielleicht der ebenfalls im Pavillon der öfterreichifchen Nordweft- Bahn aufgelegte Plättchenfchlüffel bekannt, welcher zum Fefthalten der Lafchen mit den Unterlagsplättchen während des Anfchraubens derfelben dient. Eben diefelbe Bahngefellſchaft hat auch in einem Bureau ihres Pavillons einen Apparat und in Verbindung mit diefem einen Signalſtänder mit Hebelarmen, welcher entfernt, aufser im Freien bei den Schienenfträngen aufgeftellt ist, gebracht, welche Arme vom Bureau aus durch einen elektro- magnetifchen Strom fehr leicht zu ftellen find, indem am Apparate bei gleichzeitiger Drehung an einer Kurbel blofs auf einen Tafter ein Druck zu geben ift. Für die Sicherheit im Signaldienfte ift diefe Einrichtung, genannt Diftanz- Signalgeber( nach 3* 34 Emerich Zinner. Syftem Hohenegger), unfchätzbar und fie hat fich auch defshalb rafch Bahn gebrochen, da fie die gröfseren Bahnen faft alle fchon angenommen haben. Wenden wir uns nun zu jenen zwei Gegenftänden, die, wenn auch nicht in der XVI. Gruppe ausgeftellt, vom militär- technifchen Standpunkte aus eine eingehendere Würdigung verdienen. Beide waren in der Abtheilung Oefterreich exponirt und es ftellte der erfte Gegenftand ein fehr hübfch, im grofsen Mafsftabe angefertigtes Modell eines transportablen Bahnhofes dar, welchen der Erfinder, Lazar Popović, Stationschef der k. k. privilegirten Staatseifenbahn- Gefellfchaft zu Marchegg - Glorine - nennt. Diefe Erfindung, im Jahre 1871 gemacht und veröffentlicht, hat feither in militärifchen als auch anderen Fachblättern, fowie auch in verfchiedenen Tagsblättern meift fehr anerkennende Befprechungen erfahren. Der Gegenftand ift fomit nicht neu, aber doch fo intereffant und nicht fo allgemnin gekannt, als dafs er nicht auch hier noch befonders erwähnt zu werden verdiente. Die Glorine ift eine originelle und einfach conftruirte Geleifecombina tion, mit welcher jedenfalls ein gröfserer Erfolg als mit gewöhnlichen Rangirgeleifen erzielt werden kann. Der Erfinder nennt diefes Geleifefyftem„ ein fich in jede topographifche Räumlichkeit gleichfam elaftifch fchmiegendes Tracenfyftem", welches in einfacher Weife die Aufgabe löft, in kürzester Zeit, fowohl im Frieden als auch im Kriege eine grofse Menge von Truppen aller Waffengattungen und von Kriegsmateriale von jedem nahe der Bahn gelegenen Punkte nach beliebigen Bahnrichtungen befördern zu können, wie diefs bisher nicht möglich war. Ihre eigenartige Einrichtung erlaubt nämlich binnen 24 Stunden 72 Züge( Einwaggonirungs- und Ladezeit per Zug mit zwei Stunden berechnet), wovon immer je fechs auf einmal beladen und fertig geftellt werden, zufammen 72.000 Mann, oder 72 Batterien, oder 72 Escadronen Cavallerie nach einer oder nach verfchiedenen von der Bahn gegebenen Richtungen befördern zu können. Diefe Erfindung, der Idee nach fehr fchön, hat bis jetzt noch keine praktiſche Erprobung gefunden. Da diefelbe noch mancher Verbefferung und Vervollkommnung fähig fein mag, fo kann fie vielleicht eine Zukunft, vielleicht eine belangreiche Zukunft für militärifche Zwecke fowohl, als auch für den Maffenverkehr im Gebiete des gewöhnlichen Verkehrswefens der Bahnen haben. Die Sache ift jedoch nicht fo einfach, als man fie hinftellt, und fo Manche auf den erften Blick glauben mögen. Ein klares Urtheil wird fich erft dann bilden, wenn man das Princip der Glorine- Anlage näher betrachtet, und gegen die Vortheile derfelben auch die bedenklichen Schattenfeiten reiflich abwägt. Der Grundrifs der Glorine, Fig. 8, befteht in einem Kreife oder einer oblongen Figur, gleichfam als Kern des Syftems, welches neben dem laufenden Schienengeleife anzulegen kommt. Diefes Rondeau hat bei dem kleinftmögli chen Halbmeffer von 200' Klafter eine Schienenlänge von 1256 Klafter. Von diefem Rondeau gehen zwei Verbindungsftränge nach der laufenden Bahn zu den Ein- und Auslaufwechfeln, und überdiefs zweigen fich noch zwei Sturz geleife in gleichlaufender Richtung zur Hauptbahn in der Länge von 200 Klafter ab. Die Dimenfionen und Krümmungen der befchriebenen Figur richten fich übrigens nach der jeweiligen Befchaffenheit der Oertlichkeit, wo die Glorine angelegt werden foll; doch kann der in der Figur dargestellte Grundrifs hin fichtlich feiner Gröfse und Ausdehnung als der Minimalgrundrifs und auch als jener angefehen werden, bei dem die oben angeführte Leiftung noch zu erwarten ift. 1 T 200° Sturz- Geleise. ZUG. R= 100001Das Pionnierwefen. Fig. 8. 2ZUGE 35 TRANSPORTABLE- RAMPE für Seitenladungen. D= 400 R= 200° 001R= 100° 200° 1 ZUG. BEWEGLICHE STIRN= RAMPE AUF EISENBAHN= RÄDERN RUHEND. WIEN. n 1 n e t 2 n er zu e d ht en n. he nn nd ch Ler en -lion zu 00 ch ne in als zu 2ZÜGE 1120° FAHRBAHN PEST. Laffen wir nun frühere Berichterstatter weiter fprechen. Nach diefen kann der Ort der Anlage nach Zweck und Abficht entweder nächft eines gröfseren Bahnhofes, eines Stationsplatzes oder auch auf jedem beliebigen Punkte längs der laufenden Verkehrsbahn gewählt werden, woraus man folgert, dafs die Concentrirung von Truppen aller Waffen und des Kriegsmateriales behufs Weiterbeförderung nicht wie bisher, an die gröfseren Bahnhöfe allein mehr gebunden fei, fondern dafs es den Leitern der Truppenbewegungen im Grofsen nun frei ftehe, die Concentrirung nach jedem Bahnpunkte, der hiezu zweckmäfsig dünkt, anzuordnen, dafelbft die Glorine anlegen zu laffen und die Einwaggonirung und Beförderung fofort einzuleiten. Allerdings kann, wenn das Rondeau einmal angelegt, und auf die bereits erwähnte Weife mittelft der Schienenftränge und der eingelegten Bogen mit der laufenden Verkehrsbahn in Verbindung gebracht ift, ein grofsartiger FahrbetriebsPark auf dem ganzen Syfteme der Glorine gefammelt und rangirt werden, fo dafs man die Züge nach erfolgter Einwaggonirung nach jeder Richtung ablaffen kann. Ein weiterer, fehr anerkennenswerther Vorzug ift der, dafs das Syftem der Glorine die Drehfcheiben vollkommen überflüffig macht. Die zeitraubende Umwendung der Mafchine und die Verfchiebung der Wagen entfällt dadurch ganz, indem es nur weniger Minuten bedarf, um in das Rondeau der Glorine einzufahren, den Kreis zu durchlaufen und die auf diefe Weife umgekehrten Mafchinen mit dem ganzen Wagenzug wieder in die laufende Bahn nach links oder rechts einzuführen. Als ein weiterer Vorzug der mobilen Glorine mufs noch bezeichnet werden, dafs diefelbe, nach Angabe des Erfinders mit dem eifernen Oberbau- Syfteme von Köftlin und Battig hergeftellt, eines befonderen Unterbaues und der Bettung entbehren kann, indem diefes Syftem das Legen auf dem gewachſenen ( natürlichen) Boden ermöglicht, und es nur darauf ankommt, zu trachten, dafs die zu einander gehörigen und paffenden Beftandtheile zufammengefügt und befeftiget werden. Man meint, dafs mit einer folchen Garnitur. wenn ſie einer Mannfchaft zugewiefen wird, welche fchon in Friedenszeit in dem Auf- und Abladen, Zufammenfügen und Abreifsen der Garniturtheile gehörig eingeübt wird, die complete Glorine in 24 Stunden herzuftellen und fofort dienftfähig einzurichten wäre. Bei Erwägung aller Vortheile darf man jedoch auf zwei Umstände nicht vergeffen, welche die Anlage von mobilen Glorinen in den meiften Fällen dort, wo man fie wünfcht, unmöglich machen werden. Die geträumten Vortheile find fonach meiftentheils als illuforifche zu bezeichnen. Hat man fich vor Allem eine Vorftellung von der Gröfse des Raumes gemacht, den das ganze Schienennetz einer Glorine einnimmt? Ein Platz von 1120 Klafter Länge und etwas mehr als 400 Klafter Breite, der alfo nahezu eine Fläche von drei öfterreichifchen Jochen einnimmt, der fo geringe Niveau Unterfchiede zeigt, 36 Emerich Zinner. dafs man ihn für vollkommen eben anfehen kann, und deffen Oberfläche aus feftem, gewachienen Boden befteht, fonach keinerlei oder nur weniger Herrichtungen bedarf, ift ficher nicht nur nicht an jedem beliebigen Punkte, fondern nur äufserft felten, nur als eine Ausnahme von gewöhnlichen Bodenverhältniffen vorzufinden. Ob aber da, wo diefs vielleicht der Fall wäre, die Localität gerade mit einem ftrategifch oder taktifch wichtigen Punkte zufammenfällt, wäre zu bezweifeln, ja es liegt in der Natur der Sache, dafs diefes zufällige Zufammentreffen kaum ftattfinden wird. Hat man ferner erwogen, was das heifst, das Oberbau- Materiale von ungefähr 34 öfterreichifchen Meilen( genau 2947 3/4 Klafter) Länge- fo viel beträgt nämlich die Schienenftrang- Ausdehnung der ganzen Glorine auf den Verwendungsplatz zu transportiren? Was gehören zu einer folchen Maffe von Materiale für Transportmittel? Wie viele Hände, diefes fchnellftens auf- und abzuladen? Zudem darf man nicht vergeffen, dafs das eiferne Oberbau- Material nach dem Syftem Köftlin und Battig, welches, wie fchon gefagt, allein nur für die fogleiche Bahnlegung auf gewachfenem Boden anwendbar ift, fchwer vorzufinden fein wird, indem es bisher noch fehr wenig Eingang in die Praxis gefunden hat, und alle jetzt beftehenden Bahnen faft durchgängig andere Oberbau- Syfteme befitzen. Nach diefen Für und Wider über die Glorine tritt an uns nun die Frage heran, was ift zu thun, um aus der an und für fich guten Idee dennoch Nutzen zu fchöpfen? Die Antwort ift fehr einfach. Man verfehe wichtigere Feftungen, grofse Waffenplätze, wichtige ftrategiſche Punkte, fowie gröfsere Eifenbahn- Knoten punkte fchon im Frieden, alfo mit ftabilen Glorinen, falls die dafelbft beſtehenden Eifenbahnen nicht ohnehin genug Rangirgeleife befitzen, welche grofsartige Maffentransporte erlauben; man halte ferner für die Errichtung mobiler Glorinen an geeigneten und eigens hergerichteten Punkten die dazu erforderlichen Materialien ftets, alfo auch fchon in Friedenszeiten, in Bereit fchaft, und ftelle diefe zeitweife den Feldeifenbahn- Abtheilun gen zur Verfügung, damit fie fich mit dem Legen und Abreifsen gehörig vertraut machen können. Selbſtverſtändlich müfste auch jeder folchen Garnitur einer mobilen Glorine eine grofse Zahl von transportablen, im Frieden deponirten Verlade Rampen beigegeben fein, welche das Ein- und Ausparkiren nicht nur an den Längen- fondern auch an den Stirnfeiten der Waggons, wenigftens am Kopfe der Sturzgeleife erlauben, denn fonft wären die Vortheile der gleichzeitigen Maffen. Ein und Auswaggonirung im Bedarfs falle nicht entsprechend auszunützen. Sollte aber ein Transport der Glorine auch in Feindesland für einen befonders günftigen, oben als Ausnahme bezeichneten Fall vortheilhaft erfcheinen dann müsste man natürlich auch hier auf den Transport zufammenfetzbarer Laderampen denken, da diefe nicht fo fchnell an Ort und Stelle erzeugt werden können. Der zweite Ausstellungs- Gegenftand, auf welchen wir noch unfere Aufmerkfamkeit zu lenken haben, ift der Univerfal Egalifator fammt den ftellbaren Abfehfcheiben von M. Pollitzer, gewefenem Ingenieur der k. k. privilegirten Staatseifenbahn- Gefellſchaft. Beide Erfindungen, denn die ftellbaren Abfehfcheiben find auch ohne den Egalifator zu gebrauchen find ganz neu. Deren praktifchen Werth feftzuftellen, mufs fomit erft fpäteren Proben überlaffen werden, doch kann man ihnen jetzt fchon eine günftige Verwerthung durchaus nicht abfprechen. Der Univerfal- Egalifator hat den Zweck, gefunkene Bahngeleife zu heben, die hiedurch gehobenen Schwellen mit dem zunächft liegenden Bettungsmateriale zu unterftopfen, die ftattgehabte Senkung des Geleifes zu meffen und die Spurweite und Lage des Geleites in Bezug der Ueberhöhung zu prüfen. Der Apparat, welcher auf Rädern mit Spurkranzen einen ſtarken Rahmen trägt und ES .ב n er n r ch tz t- an d uf es e- ge zu se n- oft he ng ie it rig tur en usms, -ile -fsmen en er len ere en eur ne ben ung ezu gs und Der und Das Pionnierwefen. 37 ganz aus Eifen conftruirt ift, wird zu diefem Zwecke über die zu hebende Stelle des Geleifes gefchoben, über die Mitte der betreffenden Stofsfchwelle geftellt, und durch Bremfen und Ueberwerfen der Springfedern( Umklappen von Haken, welche die Schienenfüfse von unten faffen), vollkommen arretirt. Sodann wird durch die Drehung zweier an den Enden des Rahmens angebrachter, verticaler Schraubenfpindeln, die durch Holzklötzchen oder dergleichen unterſtützt werden, die Schienen fammt der Stofsfchwelle fo weit als erforderlich und als es die Stellvorrichtungen des Apparates anzeigen, gehoben. Gleichzeitig tritt dann die Stopfzange in Thätigkeit. Diefe wird durch ein Geftelle getragen, das auf vier bremsbaren Rädchen ruhend, auf den Leitfchienen des Rahmens nach der ganzen Längenrichtung der Schwelle beliebig hin und her gefchoben werden kann, und deffen Mitte eine grofse verticale Schraubenmutterhülfe in fich birgt. In diefer Hülfe nun hängt die Stopfftange mit ihrem Schraubenfpindel- Theile und wird in ihr durch ein an ihrem oberen Ende angebrachtes, horizontales Triebrad von einem Arbeiter mit Leichtigkeit langfam oder fchnell hin und her bewegt, wodurch dann eine bald mehr preffende, bald mehr fchlagende Wirkung der Stopfzange fich äufsert, je nachdem es die Befchaffenheit des Bettungs- Materiales verlangt. Die in der Verlängerung der Schrauben- SpindelbefindlicheStopfzange felbft befteht aus einem Doppel- Kniehebel. Drückt die Schrauben- Spindel auf die kürzeren Arme diefer, fo bewirkt fie abwärts gehend ein Zufammendrücken der längeren Arme, an welchen eben die Stofsbacken angebracht find; und bei umgekehrter Drehung des Triebrades und dem Hinaufgehen der Spindel, das Oeffnen der Stopfzange. Wie die Stopfzange in horizontaler Richtung verfchiebbar ift, wurde fchon gezeigt; es erübriget daher nur noch zu zeigen, wie die Verftellung in verticalem Sinne gefchieht. In der Mutterhülfe nämlich ift durch ein Sproffenrad eine innere Mutterhülfe, welche eigentlich die Spindel der Stopfzange in fich trägt, nach auf- und abwärts verfchraubbar und mittelft eines Ringes fixirbar. Da der ganze Apparat auch gleichzeitig als Controleur für den Zuſtand des Geleifes, welches er durchfährt. in Bezug auf Spurweite und Ueberhöhung dient, indem unter dem Apparate in finnreicher Weife eine Vorrichtung angebracht ift, welche alle Erweiterungen und Verengungen, fowie Ueberhöhungen, graphifch auf einem fich aufwickelnden Papierftreifen darftellt, da ferner die Manipulation des Einvifirens durch zwei, beiderfeits an dem Rahmen angebrachte Abfehdiopter mit Scheiben fehr erleichtert wird, fo kann man diefer Erfindung eine günftige Zukunft nicht abfprechen. Zur Handhabung der ganzen Vorrichtung find nur drei Mann erforderlich. Zwei find bei den Schrauben und einer der Vorarbeiter bei der Vifir- Vorrichtung angeftellt. - Es ift felbftverſtändlich, dafs zur Herſtellung der Vifur für das Normal Niveau bereits früher die Aufftellung von zwei anderen verftellvor fich gegangen baren Scheiben die fpäter zur Sprache kommen. fein mufs. - Ift die Hebung des Geleifes auf das erforderliche Mafs vollzogen, fo wird die Unterftopfung nur theilweife bewirkt, und zwar unmittelbar unter dem Schienenauflager, blofs an beiden Enden der Schwelle, worauf fogleich zur Hebung des zweiten Schienenftofses und zuletzt zur Hebung der Mittelfchwellen gefchritten wird. Sodann beginnt erft die Unterftopfung der anderen Stellen des gehobenen Schienenftranges, und zwar derart, dafs der Apparat immer entfprechend über die zu unterftopfende Schwelle geführt wird. Vorerft mufs der durch das Heben der Schienenftränge entſtandene leere Raum von einem Arbeiter mit dem Bettungsmateriale derart hinterfüllt werden, dafs beiderfeits der betreffenden Schwelle, ungefähr in einer Breite von fünf Centimeter, das Bettungsmateriale angefchichtet liegt. Der Apparat beginnt nun feine Thätigkeit, indem er mittelft der Stopfzange entlang der gehobenen Schwelle das Bettungsmaterial unterftopft, wobei der eine Arbeiter die Arbeit am Triebrade, der Vorarbeiter aber gleichzeitig die 38 Emerich Zinner. Leitung, refpective die Verfchiebung des Apparates an der Klemmfchraube und am Sproffenrade beforgt. Während nun die Arbeit in der einen Richtung erfolgt, mufs der für die Zufchlichtung des Bettmateriales beftimmte Arbeiter dort, wo fich nach der Preffung zu wenig Material gezeigt hat, abermals die entſprechende Menge zufchlichten, worauf fodann der Apparat noch eine Rückwärtsbewegung und abermalige Preffung vornimmt. Gewöhnlich, wie die Erfolge bis jetzt dargethan haben, genügen zwei Bewegungen längs der zu unterftopfenden Schwelle, um eine vollkommene und ganz fefte Preffung des Materiales zu erzielen. Noch kommt zu erwähnen, dafs der Apparat ohne Störung des Verkehres feinem Dienfte obliegen kann, indem er von blos zwei gefchickten und mit der Operation vertrauten Arbeitern innerhalb der Zeit von 15 bis 30 Secunden ohne Verletzung ficher aufser dem Bereiche jener Gefahr gebracht, und ebenfo fchnell wieder in das Geleife gebracht und eingeftellt werden kann. Es wird alfo feine eigene Arbeitsleiftung ftets nur kurz unterbrochen. Als Hauptvortheile feines Apparates gibt der Erfinder Erfparnifs an Arbeitskräften und Werkzeugen und in Folge deffen an Koften, ferner Correctheit der geleifteten Arbeit, Unabhängigkeit von ungeübten und oft unverlässlichen Hilfsarbeitern, nebft noch mehreren anderen Vortheilen an. Auch behauptet derfelbe, dafs der Apparat, wie diefs Parallelverfuche dargethan haben follen, hinfichtlich der Schnelligkeit der Arbeitsleiftungen den jetzigen Arbeitsmethoden nicht nachfteht. Jedenfalls müffen erft praktiſche Verfuche über den Werth diefer Erfindung entfcheiden. Den verfchiedenen Bahnverwaltungen dürfte der Univerfal- Egalifator jedenfalls ein willkommenes Ausrüftungsftück zu den Bahnerhaltungs- Werkzeugen etc. mehr fein; ob aber diefer Apparat, wie der Erfinder glaubt, auch in der Militärtechnik eine günftige Rolle zu spielen berufen fein wird, mufs theilweife fchon jetzt bezweifelt werden. Beim Feldeifenbahn- Bau wird nach Koften und grofser Genauigkeit der Bau- Ausführung nicht gefragt, dagegen nur Schnelligkeit und Benütz barkeit überhaupt vor Allem gefordert. Darum müffen auch den Feldeifen bahn- Abtheilungen gegebenen Falles fo viele Arbeiter, theils aus dem Civilftande, theils vom Militär felbft zugewiefen werden, als fie zur fchnellen Löfung ihrer Aufgabe überhaupt nur bedürfen. Man wird in diefem Falle doch zugeben müffen, dafs die neue oder zu berichtigende Niveauherftellung jedenfalls fchneller zu Stande kommen müffe, wenn Partien aus geübten Arbeitern von Strecke zu Strecke vorarbeiten, indem fie vielleicht jede 10. oder 20. gut einnivellirte Stofsfchwelle ordnungsmäfsig legen und unterftopfen, während alle übrigen Partien à 4 Mann per Schwelle, wie bisher, entſprechend in der Zwifchenftrecke vertheilt werden. Auf diefe Weife werden immer ganze Theilftrecken auf einmal fertig, eine Leiftung, welche durch den Univerfal- Egalifator niemals zu erreichen ift. Dennoch aber ift eine paffende und nützliche Verwendung desfelben für den FeldeifenbahnBau nicht ausgefchloffen; man kann denfelben nämlich an Stelle der Vorausarbeiter. Partien fubftituirt denken, wo er gewifs gute Dienfte leiften wird. Ebenfo wäre er zum Legen eines neuen Oberbaues oder zu einer theilweifen Auswechslung des felben gut zu gebrauchen, wenn er zugleich die Rolle eines Transportwagens übernimmt, indem auf den circa 3:50 Meter langen und 0.60 Meter breiten eifernen Rahmen nicht weniger als 48 Stück Schienen und 60 Stück Schwellen Platz finden. Die Aufnahme desfelben in die Ausrüftung der Feldeifenbahn- Abtheilungen ift allerdings nicht empfehlenswerth, weil der ganze Apparat, wenn auch zerlegbar eingerichtet, einerfeits zu complicirt ift, daher eine zu forgfame Verpackung erfor dert und nur mit zeitraubender Arbeit wieder zufammen zu ftellen wäre, ander feits aber auch viel zu fchwer ift, da er 6-8 Zollcentner wiegt. Freilich find wohl, r t T 1 e e n 1. e h S n r Das Pionnierwefen. 39 weil diefer Apparat der erfte feiner Art ift, und wegen der Eile der Erzeugung desfelben, manche Conftructions- Beftandtheile ftärker als nöthig gehalten worden; fomit wäre eine Gewichtsverminderung bei den nächften Neu- Erzeugungen wohl zu erwarten. Das Mitführen diefes Apparates, den man mit Rückficht auf unfere Zwecke eigentlich richtiger mit dem Namen Niveauregulator belegen könnte, ift ja auch gar nicht nöthig, da er fich bald in allen gröfseren Bahnhöfen ohnediefs einbürgern dürfte, daher im Bedarfsfalle wohl auf diefem Wege zu haben fein wird. Nichtsdeftoweniger fei die Aufmerkfamkeit der Militär- Eifenbahn- Abtheilungen fchon jetzt auf diefen Gegenftand gelenkt, um, wenn fich derfelbe in der Praxis bewährt, die Friedenszeit fchon dazu zu benützen, diefen Apparat verftehen und handhaben zu lernen. Die von demfelben Erfinder ausgeftellten ftellbaren Abfehfcheiben bezwecken hauptfächlich eine genaue Meffung der nothwendigen Hebung, beziehungsweife eine Vorausnivellirung des Bahn- Oberbaues und ferner eine Erfparnifs an Arbeitskraft, da die beiden Arbeiter, welche fonft nach den althergebrachten Methoden zum Aufhalten der jetzt gebräuchlichen Vifirkreuze dienten, entbehrlich werden. Diefe ftellbaren Abfehfcheiben find felbftverſtändlich auch ganz unabhängig von dem Univerfal- Egalifator zu gebrauchen. Jede der drei zu einer Garnitur gehörigen ftellbaren Abfehfcheiben ift im Wefentlichen aus folgenden Theilen zufammengefetzt: Aus einer gufseifernen Fufsfcheibe mit drei Dornen zum Eindrücken in den Boden, damit die Scheibe ftehen bleibt, ohne gehalten zu werden. Aus diefem Umftande werden zwei Arbeiter erfpart und die ganze Operation der Nivellirung kann durch ein mit der höchft einfachen Operation vertrautes Individuum ohne viele Mühe allein ausgeführt werden. Hat der Arbeiter zwei Scheiben eingefteckt und richtig eingeftellt, fo fteckt er nun auch die dritte wieder fo wie die erften zwei auf ungefähr 21 Meter oder etwa drei Schienenlängen ein, da die ganze Vifirebene nicht viel mehr als 42 Meter betragen foll, und vifirt fie dann nach den beiden vorigen ein. Diefe Arbeit wird bis zum nächsten Gefällsbruche der Schienenftränge, wo fie natürlich wieder ganz vom Neuen zu beginnen hat, derart fortgefetzt, dafs nur immer die rückwärtige Abfehfcheibe nach und nach vorwärts vorgefteckt wird. Diefer Umftand bedingt natürlich ein beftändiges Hin- und Hergehen des Nivelleurs, da diefer ja nur auf fich allein angewiefen ift, hat aber gegenüber den jetzt üblichen Nivellirmethoden den Vortheil eines fchnelleren, richtigeren Ablefens der Niveau coten, der mehr einheitlicheren, ficheren Handhabung der ganzen Garnitur, fomit, weil eben die ganze Arbeit in einer Hand liegt, der gröfseren Gewähr für richtigere und vielleicht fogar für fchnellere Arbeit. Die drei Abfehfcheiben werden beim Gebrauche mindeftens o 75 Meter von dem einen Schienenftrang aufserhalb mit ihrem Fufsgeftelle in den Boden gedrückt, damit fie eine fichere und ftabile Lage bekommen, um beim Vorüberfahren der Züge nicht zu hindern und keine fchädlichen Erfchütterungen zu erfahren. Sehen wir nun, wie eine jede folche Abfehfcheibe weiters eingerichtet ift, um von diefer entfernten Stellung aus die Meffung der Lage des Schienenftranges vornehmen zu können. Im Mittel der Fufsfcheibe erhebt fich ein im Querfchnitte quadratifch geformter, I Meter langer Stab, welcher um einen horizontalen Zapfen drehbar ift, und zwar mit einem derartigen Spielraume, dafs durch eine Klemmfchraube und mittelft einer diefer entgegenftehenden Feder leicht ein beliebiges Einftellen desfelben in einer zur Drehungsachfe fenkrechten Ebene ermöglicht ift. Längs diefes Stabes ift ein zweiter 150 Meter langer, ebenfo geformter Stab in aufrechter Richtung verfchiebbar, welcher zum Abfehen die am oberen Ende befindliche Scheibe trägt und mit einer Meffinghülfe feft verbunden ift, die auf dem erfteren 40 Emerich Zinner. Stab eben die Verfchiebbarkeit zuläffig macht. Ein dritter, 1'40 Meter langer Stab ift mit dem zweiten, am unteren Ende mittelft einer Charniere befeftigt, genau um 90 Grad umkippbar und mit zwei Lappen verfehen, um eine fichere und nicht fchwankende Führung beim Auf- und Abfchieben auf dem unteren und mit Eintheilungen verfehenen Standftabe zu erzielen und gleichzeitig das Ablefen zu erleichtern. Jener dritte, umkippbare Stab befitzt an feiner unteren Fläche eine eingelaffene Eifenfchiene, welche einerfeits durch den verragenden Theil an das untere Stirnende des oberen verfchiebbaren Stabes fich anlegend, nur eine Umkippung von 90 Grad zuläfst, anderfeits aber die untere Fläche des Stabes felbft, wenn diefe bis auf den Schienenftrang des Bahngeleifes herabgelaffen wird, genauer fixirt und vor Befchädigungen bewahrt. In der Mitte der Abfehfcheibe befindet fich ein Loth, welches zur Beurtheilung der verticalen Stellung über den am oberen verfchiebbaren Stabe angebrachten Meffingftreifen mit Gradeintheilung fpielen kann. Der Gebrauch der ftellbaren Abfehfcheibe, wenn fie in den Boden mit den Dornen feftgeftellt ist, wäre nun folgender: Die zufammengefchobenen und zufammengelegten, mit einem Haken verbundenen drei Stäbe werden nach dem Auge beiläufig in die verticale Stellung gedreht und vorläufig mit der am Fufsgeftelle angebrachten Stellfchraube feftgeftellt, hierauf wird die obere Latte beiläufig foweit als nöthig hinaufgefchoben und mit der Hülfen- Stellfchraube ebenfalls feftgeftellt. Sonach folgt mit Hilfe des Lothes die genaue Einftellung der beiden Stablatten in die Verticale; nach vorheriger Oeffnung eines Hakens aber das Umkippen des dritten Stabes, welcher jetzt mit einer Horizontalen übereinstimmt, und fchliefslich das Herablaffen desfelben bis an den Kopf der Bahnfchiene, worauf man das Ablefen des Mafses, um welches die Lage der Schiene von der Vifirebene abweicht, vornimmt. Der nachfolgende Univerfal Egalifator hebt oder fenkt den fo einnivellirten Schienenftrang und überträgt vermöge feiner eigenen Einrichtung, mit den beiderfeits an ihn befeftigten eigenen Vifirfcheiben das richtige Niveau auch auf den anderen Strang. Wird aber die Nivellirung mit drei ftellbaren Abfehfcheiben ohne Mitwirkung eines Egalifators vorgenommen, fo wird die Uebertragung des Niveaus auf den zweiten Schienenftrang entweder durch die Umkipplatte felbft bewirkt, indem man die Abfehfcheiben nahe genug diefem Strange bringt, oder durch Anwendung von Wafferwagen. Einrichtung und Handhabung der ftellbaren Abfehfcheiben, welche auf dem erften Blick etwas complicirt erfcheinen mögen, find nichts deftoweniger einfach und zweckmäfsig. Diefe Eigenfchaften fowie die compendiöfe Form, dürften fie der Beachtung der Feldeifenbahn- Abtheilungen empfehlen. Telegraphenleitungen. Mit Gegenftänden aus dem Gebiete des Telegraphenwefens, fei es nun, dafs diefe den elektrifchen oder optifchen Telegraphen angehören, war die Weltausftellung von fehr vielen und den angefehenften Firmen des In- und Auslandes fehr reichlich. befchickt worden. Wir verweifen daher auf die Berichterstatter der Gruppe XIV und XVIII( Wiffenfchaftliche, phyfikalifche Inftrumente; Bau- und Civil- Ingeniuerwefen). Wie fchon in der vorausgefchickten Einleitung diefes Berichtes ausdrücklich betont wurde, hat die Pionniertruppe im Felde blofs die Anlage der Feld telegraphen- Leitungen zu beforgen. Dem ift zur weiteren Aufklärung noch beizufügen, dafs alles Uebrige, fo die Aufftellung der Stationen, die Einrichtung derfelben, die Bedienung der Apparate etc. den FeldtelegraphenBeamten felbft zufällt und dafs felbft die Legung und Befeitigung der Leitungen nur nach ihren Angaben und unter ihrer Aufficht von kleinen Pionnier- Detachements den Feldtelegraphen- Abtheilungen-herzuftellen find. - b t e S Le e n n 0- ge le ig ls en as nt, e, er er en as t- us xt, n- m ch fie in, ltdes der nd ich d- ng inengen heDas Pionnierwefen. 41 Theils um Wiederholungen zu vermeiden, theils um blofs den letzt erörterten Gefichtspunkt feftzuhalten, darf fich fonach diefer Bericht nur mit dem ausgeftellten Feldtelegraphen Materiale felbft, und vornehmlich nur mit den Leitungen befaffen, während die übrige Ausftattung fowie die Apparate nur nebenbei berüht werden follen. - Aber gerade von den Leitungen war im Allgemeinen nicht viel und nichts derartiges Neues geboten, welches fpeciell für militär- techniſche Zwecke auszubeuten wäre. Militärifcherfeits und in der Gruppe XVI( Heerwefen) felbft war nur ein einziger Staat und zwar Schweden mit Feldtelegraphen Materiale vertreten, welches erft feit wenigen Jahren, nach den Angaben des Oberftlieutenants Nordlander, definitiv bei der fchwedifchen Armee zur Einführung gebracht worden ift. Das Material und fämmtliches Zugehör für die elektrifchen Feldtelegraphen wird auf zweifpännigen Wägen transportirt, deren Conftruction in der Hauptfache mit den fchwedifchen Trofswägen übereinstimmt. Zu einer Abtheilung gehören zwei Stationswägen, von denen jeder das Materiale für zwei Stationen enthält; dann zwei Stützenwägen mit je 150 Stützen und 20 Verlängerungsftangen; ferner zwei Materialwägen, jeder mit 30.000 Fufs( 28.172 Wiener Fufs) vierfach gedrehtem, galvanifirtem Eiſendraht und 6000 Fufs( 5635 Wiener Fufs) Kabel nebft den nöthigen Ifolatoren und Werkzeugen. Von den Ausrüftungsgegenständen feien noch befonders hervorgehoben die vier Batterien a 10 Elemente, die vier Zeichenapparate nach Morfé, fowie Zelte mit Einrichtung. Die 350 Ifolatoren find alle gleich, klein und aus Guttapercha gefertigt; die complet bepackten Wägen werden für gewöhnlich mit wafferdichten Schutztüchern überdeckt. Zu jeder folchen Feldtelegraphen- Abtheilung gehört noch ein Fourageund ein Pack Wagen, die blofs für die Aufnahme des Proviantes, der Fourage und des Gepäckes beftimmt find. In der Regel wird immer eine ganze Abtheilung zur Inftandfetzung einer Linie verwendet, wobei die Arbeit zur fchnelleren Beendigung von zwei Seiten in Angriff genommen wird. Die Abtheilung kann aber auch in zwei gleiche felbftftändige Theile getheilt werden, von denen jeder feine befondere Linie errichtet. Die Stationen errichtet man gewöhnlich in Zelten. Die Drähte werden, wo es gefchehen kann, direct von den Wägen abgerollt, fonft tragen zwei Mann an Tragriemen die Drahtrollen. Die Stützenlöcher ftellt man mittelft eiferner Brechftangen her. Die Drähte werden direct in den Wägen auf die Rollen eingewunden, entweder mit Hilfe eines Wagenrades, welches durch einen einfachen Mechanismus die Drahtrolle in Bewegung fetzt, oder auch mittelft einer Auswechslungswinde. Wäre die Rolle zu tragen, fo wird der Draht mit einer einfachen Handkurbel- Winde aufgerollt. Zum optifchen Signalifiren wendet man am Tage Flaggen und während der Dunkelheit Laternen an; diefe letzteren können auch als Wagenlaternen benützt werden, find aber mit beweglichen Jaloufien verfehen, um das Licht nur nach Bedarf durchzulaffen. Von diefem in den Hauptumrifien gefchilderten Feldtelegraphen- Materiale und Einrichtungen war ein complet bepackter Materialwagen ausgeftellt, von den Stationswagen aber wieder nur einzelne Gegenftände, to die Schreibapparate und die dazu gehörigen Batterien vorgeführt. Von dem erfteren gibt die umftehende Fig. 9 von links-, rück- und feitwärts befehen, die befte Gefammtanficht und zeigt fo auch am deutlichften jene Einrichtung, welche zum Auf- und Abrollen des Drahtes auf dem Hinterwagen in 42 Emerich Zinner. einfacher und origineller Weife angebracht ift und auf die wir eben befonders aufmerkfam gemacht haben wollen. C Fig. 9. Der Wagen felbft befitzt bei 43 Zoll Geleisweite, die ganze Wendung, keine Sperrvorrichtung und im Allgemeinen ganz die fchon einmal beim Infan terie- Pionnierwagen befchriebenen Conftructionseinrichtungen des Armee- Trofswagens. Abweichend davon ift vermöge feiner Beftimmung Folgendes: Auf dem Vordergeftell für die Befpannung mit zwei Gabeln in Verbindung gebracht, befindet fich ein ziemlich grofser Kaften für diverfe Geräthfchaften und Werkzeuge, welcher auch als Kutfchbock dient; an deffen vorderer Seite und ganz unten an demfelben anfchliefsend ift ein zweiter, viel kleinerer Kaften für die Ausrüftung des Kutfchers, fowie das Fufsbret angebracht. Auf den Federn des Hin terwagens ift ein tafelartiger, 5 Fufs langer und 212 Fufs breiter Rahmen aufgefetzt, welcher beiderfeits die drei unter einander verbundenen, eifernen Stützen mit den Zapfenlagern für die fieben Drahtrollen trägt. Von diefen letzteren, welche je 22 Zoll Länge und mit dem aufgefponnenen Draht circa 10 bis 12 Zoll im Durchmeffer haben, lagern vier davon mit gewöhnlichem Leitungsdraht in einer unteren Schichte, dagegen drei mit Kabeldraht für zu ifolirende Leitungen in einer zweiten oberen Schichte. Diefer letztere, ähnlich dem Hooper'fchen Kabeldraht gebildet, zeigt eine Kautfchukumpreffung und darüber überdiefs noch eine Umhüllung aus einem baumwollenen Filzbande. Nach den fchon Eingangs angegebenen Daten beträgt die Länge der Leitungsdrähte von beiden Materialwägen einer Feldtelegraphen- Abtheilung Alle Rollen find leicht aus ihren im Ganzen 2.83 öfterreichifche Meilen. Achfenlagern aushebbar, wenn man dafelbft einen Vorftecker herausgezogen hat. Das Gewicht des complet beladenen Materialwagens beziffert fich ungefähr auf 2500 Pfund fchwedifch oder 1900 Pfund öfterreichifch. Zum Auf- und Abwickeln des Drahtes mittelft der in ihren Lagern ruhenden Rollen während der Bewegung des Wagens find zwei Vorrichtunger. r i 1 1 Das Pionnierwefen. 43 vorhanden. Die eine befteht darin, dafs man auf die Enden der Achfen, welche hier auf 21 Zoll Länge mit 5 Linien Stärke quadratisch geformt find, eine kleine Kurbelwinde mit Räderwerk auffteckt und mittelft derfelben einfach mit der Hand und nach Bedarf die Rolle in Bewegung fetzt. Eine andere Einrichtung ift ftabil am Hinterwagen links, hinter dem Achsftocke befeftigt. Es liegt ihr die an und für fich gewifs gute Idee zu Grunde, die Bewegung des Wagenrades auf eine der Drahtrollen zu übertragen und dadurch einen befonderen Arbeiter zu erfparen. Zu diefem Behufe ift am Tafelrahmen. eine verticale und nur an ihrem oberen Ende nach auswärts gebogene eiferne Stütze fix angebracht. In diefem gebogenen, gabelförmig gebildeten Theile hängt auf einem Achfenbolzen ein zweiarmiger Hebel. Von diefem, um den Achfenbolzen drehbaren, ungefähr zwei Fufs langen Hebel dient der längere Arm nur als Griff, an dem kürzeren Arme jedoch hängt an einem beweglichen Gliede eben jenes eigenartig geftaltete Bindeglied, welches die Bewegungen des Rades auf die Rolle zu übermitteln hat. - Diefes Bindeglied, 14 Zoll lang, befteht wieder aus zwei fehr ungleich langen Theilen, die mit Ringen in einander hängen; der kurze Theil aus dem Ringe und einer angefchweifsten Hülfe beftehend- gehört blofs zum Aufftecken auf jene Achsenden, die man eben in Bewegung fetzen will; gegen das Ende des langen Theiles dagegen find hart neben einander zwei Kautfchukrollen, je 1½ Zoll breit, die äufsere blofs 31½ Zoll, die innere 6 Zoll im Durchmeffer haltend, aufgefteckt und befeftigt; neben diefer aber ift eine lofe, verfchiebbare Hülfe ange. bracht, auf welcher die gliederartige Verbindung mit dem Eingangs befchriebenen Handhebel hergestellt erfcheint. Nach diefen Auseinanderfetzungen ift es wohl klar, dafs es, wenn die Hülfe des Bindegliedes auf die betreffende Drahtrolle aufgefteckt ift, ftets blofs eines einfachen Druckes auf den Handhebel bedarf, um das Bindeglied ein- oder auszufchalten, das heifst alfo Bewegung hervorzurufen oder einzuftellen, je nachdem die eine oder die andere Kautfchukrolle mit dem Hinterrade in Berührung gefetzt wird oder nicht. Selbſtverſtändlich erfolgt die Bewegung um fo rafcher, wenn die Berührung mit den kleineren Rollenrädchen erfolgt, was durch die entfprechende Handhabung des Hebels erreicht wird. Da die Tragftütze für die ganze Einrichtung, wie fchon einmal erwähnt wurde, hinter dem Achsftocke am Rahmen fix angebracht ift, fo kann die Manipulation des Auf- und Abwickelns des Drahtes auf diese Weife nur bei den rückwärtigen Rollen gefchehen, doch hat diefs nichts auf fich, da die Rollen gegen. feitig in ihren Lagern beliebig und rafch verwechfelt werden können. Ob diefe Auf- und Abwindmethode mit Zuhilfenahme der Radbewegung für alle Fälle, wo man mit den Wägen noch fahren kann, namentlich bei Fahrten über fehr unebenen Boden, fich praktiſch erweifen wird, müfsten wohl erft ausgedehntere Fahrverfuche zeigen. Doch ift auch die Frage nach der Legung oder Errichtung von Leitungen im unwegfamen Terrain nicht unbeachtet geblieben, ja auf eine höchft einfache und praktifche Weife gelöft worden. Zwei Mann nämlich, nach der Richtung der herzuftellenden Linie neben einander gehend, tragen jeder auf der Bruft einen kaum 10 Zoll im Quadrate haltenden Polfter mit ftarkem Leder, Gurtenbefatz und eifernen Befchlägen. Diefer Polfter wird an Gurten über den Schultern hängend getragen und ift um den Leib mit Riemen feft gefchnallt. An den eifernen Befchlägen find Haken angebracht, in welche eiferne Rollenhalter- Stäbe eingelegt werden. Diefe Stäbe erfcheinen an den inneren Enden cylindrifch ausgebohrt und haben die Drahtrollen Achfe aufzunehmen. Die fefte Verbindung der Drathrollen- Achfe mit den Stäben wird durch Klemmfchrauben bewirkt. An den äufseren Enden find die Rollenhalter- Stäbe zum Aufftecken der Windenkurbel quadratifch geformt. Diefe Windenkurbel wird während des Fortfchreitens zum Auf- oder Abwickeln entſprechend durch einen Mann bewegt, 44 Emerich Zinner. während der andere Mann den Draht durch die Hand gleiten läfst, um wenigftens beim Aufwickeln die nöthige Führung zu geben. Es wäre nunmehr auch der noch übrigen exponirten fchwedifchen Telegraphen Materialien in Kürze zu gedenken. Da find vorerft zwei aus vorzüglichem Leder erzeugte und fehr praktisch eingerichtete Tafchen zu nennen. Die eine davon ift wie ein Gurt um die Mitte des Leibes zu tragen und enthält verfchiedene Werkzeuge, wie: eine Handhacke, ein Tafchenmeffer, eine Scheere, eine Feile, mehrere Bohrer und Drahtzangen etc; die andere, viel gröfsere und nach Art der Jagdtafchen erzeugt und zu tragen. enthält zwei Hauptfächer und dient zur Aufnahme der Ifolatoren und fonftigen Gegenftände und Werkzeuge für die Errichtung der Telegraphenleitung. Weiters bemerkt man eine Batterie von zehn Elementen, eingefchloffen in einem Holzkäftchen von 16 Zoll Länge, 7 Zoll Breite und 6 Zoll Höhe, welche nicht nur wegen diefer compendiöfen Form, fondern darum unfer Intereffe in Anfpruch nimmt, weil die Füllmaffe keine flüffige, fondern eine fefte ift und diefe fogenannte trockene Batterie daher für den Feldgebrauch ohne viel Umftände transportabel ift. Diefe in Anwendung gebrachte Batterie ift die bereits im Jahre 1859 von Marié Davy angegebene. Sie iſt im Grunde eine Bunfen'fche Säule, in welcher das mit Schwefelfäure angefäuerte Waffer durch reines Waffer und die Salpeterfäure, durch ein Gemifch von fchwefelfaurem Queckfilber- Oxydul mit Waffer erfetzt ift. Die Action in den einzelnen Elementen befteht wie bei anderen Säulen in der Zerfetzung des Waffers; das Zink oxydirt und der frei gewordene Wafferftoff reducirt das fchwefelfaure Queckfilber; es entſteht fomit fchwefelfaures Zink und metallifches Queckfilber. Die hier in Rede ftehenden Elemente find fo angeordnet, dafs ein hohler Kohlencylinder das poröfe Diaphragma und diefes den Zinkcylinder aufnimmt. Der Zwifchenraum, den die Kohle und das Diaphragma bildet, ift mit einem Teige aus dem genannten Queckfilberfatze und Waffer, jener zwifchen dem Zink und der poröfen Zelle mit Sägemehl ausgefüllt, welches man hinreichend mit reinem Waffer befeuchtet. Eine derart zufammengefetzte Batterie liefert wohl einen fchwachen, aber fehr conftanten Strom, welcher die Telegraphenapparate durch fechs Monate ununterbrochen in regelmäfsigem Gange zu erhalten vermag, wenn man nur das durch Verdunftung verlorene Waffer von Zeit zu Zeit wieder erfetzt. Nach den gegebenen Verficherungen der Vertreter haben fich die nach dem eben erörterten Princip zufammengefetzten Batterien der ſchwediſchen Feldtelegraphen bei allen Verfuchen und bei Leitungen bis zu drei Meilen Länge ftets wirkiam und gut erwiefen. Wafferbau- Objecte. Alle in diefes, nebenbei gefagt, fchwierigfte Gebiet des Technikers ein fchlagenden Gegenftände, feien fie nun in Modellen, Bildern oder Zeichnungen dem Befucher der Ausftellung vor Augen gebracht( und diefs ift in reichhaltigen Mengen und Varietäten gefchehen), waren in anderen Gruppen als der XVI., fo vornehmlich in der Gruppe XVIII( Bau- und Civil- Ingenieur- Wefen) und Gruppe II( Land- und Forstwirthschaft), wie diefs auch wohl in der Natur der Sache begründet ift, eingereiht worden. Ueber die hier ausgeftellten Objecte fei nur fo viel erwähnt, dafs der gröfsere Theil davon permanente, folide, theils felbftftändige Waffer bauten wie: Quai- Anlagen, Hafenbauten, Uferdoffirungen aller Art, Bauten in S n h er n er e- 11 де n fe le a n er r. er en k er nt. ge nd m IT er te as ch d- ts I n en en fo d er 10 er r 街 in Das Pionnierwefen. 45 Verbindung mit Brücken aus Quadern, fonftigem Steinmateriale oder Surrogaten vorſtellen. Ein für den Militärtechniker weit lehrreicheres Materiale aber finden wir in jenen fehr reichlich ausgeftellten Wafferbau- Anlagen, welche mehr halb, permanenten oder gar nur proviforifchen Charakter an fich tragen, bei welchen entweder blofs Holz oder diefes in Verbindung mit Stein als Füllmaffe zur Anwendung kommt. Solche Bauten hat aber eigentlich nur Oefterreich- Ungarn zur Anfchauung gebracht, und zwar in einer erftaunlichen Fülle des Stoffes. Obenan ftehen unftreitig das k. k. Ackerbau- Minifterium und diefem zunächst das königlich ungarifche Finanzminifterium, welche als die oberften Behörden über die Staats- und Domänenforfte uns durch die Forft behörden und Verwaltungen der cis- und transleithanifchen Länder der Monarchie fo reichhaltige und lehrreiche Sammlungen von fo aufserordentlich nett und correct gearbeiteten Modellen vorführen liefsen, dafs man ihnen zu befonderem Danke verpflichtet fein kann. Nicht minder begegneten wir in den verfchiedenen übrigen Forftpavillonen von Grofsgrundbefitzern und Forstinduftrie- Gefellfchaften manchen Modellen diefer Art. Sprechen fchon gegen eine eingehendere Würdigung all' des Gebotenen die einleitenden Worte diefes Berichtsabſchnittes, fo mufs hier umfomehr davon abgefehen werden, weil die Fülle des Stoffes zu grofs ift und im Pionnierwefen überhaupt der Wafferbau nur innerhalb fehr enger Grenzen in Betracht kommen kann. Nichts deftoweniger glaubten wir diefen Gegenftand nicht ganz übergehen zu dürfen und insbefondere auf die Modelle des k. k. Ackerbau- Minifteriums aufmerkfam machen zu follen, indem diefe vielleicht auch nach Schlufs der Weltausftellung dem technifchen Officier zum Studium zugänglich fein Diefe Modelle zeigen uns wohl in ihrer Mehrheit bereits bekannte Formen und Conftructionen, aber auch manche gewifs weniger bekannte einfache werden. Wafferbauten. Da die meiſten der ausgeftellten Modelle, welche ein Wafferbau- Object enthalten, nicht diefes für fich allein darftellen, fondern im Zufammenhange mit feiner natürlichen Umgebung zeigen, ja oft die Situation einer ganzen Gegend plaftifch zum Ausdrucke bringen, alle diefe Ausführungen überdiefs aufserordentlich rein und correct find, fo geftaltet fich die Ausftellung diefer Modelle zu einer der intereffanteften Sammlungen. Wir fanden da unter anderen vornehmlich Wafferriefen, künftliche Canäle, wo die Wände, ja felbft die Sohle ganz mit Holz bekleidet, gefüttert und ausgetäfelt find; Wehren, Rechen, grofse und kleine, einfache und auch fehr complicirte für die Inftandfetzung von Holztriften und Flofswäffern; wir fanden aber auch UferfchutzBauten, Deck- und Streichwerke zum Uferfchutz und zur Corrigirung der Wafferläufe in Menge und auch folche, die gerade ihrer Einfachheit wegen geeignet find, das befondere Intereffe des technifchen Militärs in Anfpruch zu nehmen. Diefe Collection von Modellen lehrt uns ferner, dafs der technifche Officier auch in den forfttechnifchen Lehrbüchern manchem nicht nur in Hinficht des Wafferbaues, fondern auch in Hinficht des Holzbrücken- Baues, des Strafsen- und Waldwegbaues intereffanten Gegenftande zuweilen begegnen werde, der für feine Zwecke ebenfalls in der Ausführung fich fehr empfehlen dürfte; fie gibt uns auch den weiteren Fingerzeig an die Hand, dafs wir aus unferen Gebirgsländern, in denen doch fo viele praktifch bewährte Arbeiten diefer Art ftets ausgeführt und unterhalten werden, als Ergänzungsmannfchaften auch Leute bekommen könnten. 46 Emerich Zinner. welche mit derlei Arbeiten vertraut find, was aber thatfächlich faft nie der Fall ift. Auch bringt diefe Mufterfammlung von Modellen proviforifcher Wafferbauten den technifchen Militär, der wenig in die Gelegenheit kommt, fich in diefem untergeordneten Zweige zu üben, unwillkürlich auf die Idee, dafs es gewifs lohnend wäre, wenn jährlich einzelne Individuen( Officiere und intelligente Unterofficiere, welch' letztere der Zimmermanns- Profeffion kundig find) der techniſchen Truppen folchen Forftverwaltungen auf einige Zeit zugewiefen würden, bei welchen eben mehrere Arbeiten diefer Art im Zuge find, weil, wie hier nochmals wiederholt werden mufs, kein Dienft fchwieriger in feiner Ausführung ift, als jener des Wafferbau- Technikers, da derfelbe die meiſten praktifchen Erfahrungen erfordert. Denn da man es hier mit der Bezähmung oder gar Bekämpfung eines oft fehr tückifchen Elementes zu thun hat, fo müffen die Mittel und auch jene praktifchen Handgriffe und verfchiedenen Verfahrungsweifen forgfältig ftudirt fein, durch welche wirkfame, dauerhafte und nur nützliche Werke gefchaffen werden können. Eine fehlerhafte Bauanordnung kann gerade hier das Gegentheil jener Wirkung hervorbringen, die man eigentlich beabsichtigt. Darum alfo, weil diefer Zweig mehr wie jeder andere wenigftens eines praktifchen Anfchauungs- Unterrichtes bedarf, meint der Verfaffer diefer Zeilen, dafs die fchöne Gelegenheit, welche unfere Länder dazu bieten, auf die fchon angedeutete Weife fruchtbringend ausgenützt werden könnte. Ebenfo follten einzelne Angehörige unferes Standes bei Befuchen unferer Gebirgsländer es nicht leicht verabfäumen, da man ohnediefs meift den Flufsläufen in den herrlichen Thälern folgen mufs, beftehende oder im Bau begriffene Wafferbauten näher zu befehen und fich bei den leitenden Perfönlichkeiten die nöthigen Aufklärungen einzuholen. Lagerbau- Objecte. Sehr ärmlich war es mit dem ganzen hier noch zu erwähnenden Gebiete auf der Ausftellung beftellt. Es mag diefs darin feinen Grund haben, dafs man heut zu Tage den lagernden Truppen nur mehr in den feltenften Fällen Nothunterkünfte fammt den dazu gehörigen Einrichtungen für Wafferverforgung, Koch-, Back, Wafch- und fonftigen Reinlichkeitsanftalten eigens erbaut; da man in cultivirten Ländern überall, wo nur möglich enge Cantonirungen zu beziehen fucht. Gröfsere Lagerbauten dürften in der Zukunft nur mehr in Ruheftellungen, wahrfcheinlich aber nur mehr für Cernirungstruppen vorgenommen werden. Diefs ift die Urfache, warum der früher fo viel gepflegte Lagerdienft in neuerer Zeit fo an Umfang verloren hat. Ausgeftellt war nur ein einziges Feldlager- Zelt in Miniatur, und zwar in der ruffifchen Militärabtheilung, dann wirkliche Zelte und Mufter von Feldlazareth- Baraken im allgemeinen Militär- Sanitätspavillon, welche aber alle vermöge ihrer Einrichtung blofs für Sanitätszwecke beftimmt und in die Section 4( Sanitätswefen) eingetheilt find, daher aufser dem Bereiche diefer Berichterstattung liegen. Auch die anderwärts auf dem Ausftellungsplatze zu verfchiedenen Zwecken aufgeftellten Zelte vermochten uns kein befonderes Intereffe abzugewinnen. Ueber die weiters im Sanitätspavillon in Naturgröfse exponirten ambu anten Back- und Kochanftalten neuefter Conftruction u f. w. berichtet der Berichterstatter der Gruppe XVI, Section 1, und wir erwähnen derfelben hier nur der Vollständigkeit halber und um von Haus aus allenfalls jenen zu bege nen, welche, wenn fie die officielle Eintheilung der einzelnen Gruppen nicht kennen, glauben könnten, dafs diefe Objecte eigentlich hieher zur Befpre chung gehören. t S r n h n er s er er en f te an h h-, ht. en, ift an ar nd 11tsmer Zen tet Den ben reDas Pionnierwefen. 47 Halten wir weiters Umfchau, ob wir in den weiten Ausftellungsräumen, wenn auch in anderen Gruppen, nicht doch noch Ausftellungsgegenständen begegnen, welche vermöge ihrer Zwecke und Einrichtungen auch für Lagerzwecke verwerthet werden könnten oder fonft irgendwie im Lager nützlich erfcheinen, fo finden wir allerdings noch Manches, was auf die wichtigfte Lagereinrichtung die Wafferbefchaffung nämlich- Bezug nimmt. - So waren Pumpwerke verfchiedenfter Art und in einer erftaunlichen Menge vorhanden. Letzteres ift auch der Fall mit den fogenannten Norton'fchen Rohrbrunnen- auch Schlagbrunnen genannt weil fie blofs in Boden gefchlagen zu werden brauchen, um fchon nach kurzer Zeit, etwa nach- oder höchftens mehrftündiger Arbeitszeit brauchbares Waffer zu liefern; welche aber trotz des maffenhaften Ausftellungsmateriales von den verfchiedenften Firmen des In- und Auslandes, durchwegs nichts Neues zeigen. Aus diefem Grunde und weil diefe vortrefflichen Brunnen fchon überall eingebürgert und gekannt find, bedarf es keiner näheren Erörterung derfelben. In der Abtheilung Dänemark hat ein Vertreter der„ Aalborger Compagnie für Bohrung von Brunnen" einen höchft einfachen Brunnenbohrer nebft verfchiedenen Erd- und Gefteinsarten exponirt, welch' letztere er mit dem Bohrerin unglaublich kurzer Zeit durchbrochen haben will, und zwar in der Weife, dafs der Auswurf aus dem Bohrloche nicht in Mehlform oder in kleinzerftückten Theilchen, fondern in gröfseren cylindrifchen Partikeln erfolgt. Wie fich aus diefer Befchaffenheit des Auswurfes fchon von felbft ergibt, befteht der Bohrer aus einem hohlen, ftählernen, cylindrifchen Rohre von dem Durchmeffer des Bohrloches, welches an feinem unteren, dem Angriffsrande, natürlich fehr gut gehärtet und fcharf zugefchliffen ift. Irgend ein Motor foll die ftofsende und zugleich drehende Bewegung hervorrufen, welche fo erftaunliche und rafch zum Ziele führende Effecte hervorbringt. Eingehendere Studien über den Bohrer felbft, fowie über deffen Gebrauch waren nicht möglich, da der Vertreter über diefes mit Patentfchutz verfehenen Brunnenbohr- Syftemes nur fehr rückhaltende Auskünfte ertheilte, den Bohrer felbft aber fehr bald wieder aus der Ausftellung entfernte und dort nur verfchiedene Blöcke von Gefteinsarten, darunter die bekannt härteften, mit ein und mehrzölligen Bohrlöchern beliefs. Unter den durch die Aalborger Compagnie ausgeführten Arbeiten ift eine Bohrung von 2 Zoll Durchmeffer in der unmittelbaren Nähe der Stadt Aalborg bis zu einer Tiefe von 1272 Fufs im Gefchiebe, Thon, Kreide mit Lagern von Feuerftein, Kalkstein. Grünfandftein u. f. w. unternommen und mit Handkraft von fünf Mann innerhalb weniger Monate ausgeführt worden. Auch in Quarz und Granit etc. follen fich diefe Bohrer gut bewährt haben. Der Bohrer, anfänglich in der Gruppe XVI ausgeftellt und von diefer zur Beurtheilung nicht angenommen, wurde dann in die Gruppe I überfetzt und von diefer auch prämiirt. Vielleicht kann diefes Bohrinftrument in manchen Fällen, fo in Standlagern befeftigten Plätzen etc., über bei Befchaffung von Waffer vorkommende Schwierigkeiten hinweghelfen, fowie zur Unterfuchung von Erdfchichten gute Dienfte leiften, zu deren Bewältigung andere Mittel vergebens angewendet worden find. Schliefslich wäre noch eine gröfsere Anzahl von Filtrir- Vorrichtungen zu erwähnen, welche von der deutfchen Firma Bühring aus Hamburg und der englifchen Firma Atkins und Compagnie in London exponirt find und welche letztere verfchiedene Einrichtungen haben, je nachdem fie ftabil oder aber mobil, wie bei den Truppen in Indien, wofür fie hauptfächlich conftruirt wurden, in Anwendung kommen. Von jener der erfteren find die Touriften- oder Militärfilter in Becher formen, von jener der letzteren eben folche, aber in Dofenformen nebft Filter4 48 Emerich Zinner. apparaten auf zweirädrigen Wägen, befonders bemerkenswerth. Diefe Letzterwähnten find es, womit die Armee in Indien ausgerüftet ift; auch von den Handfiltern in Dofenform wurden in neuefter Zeit für die Armee in Afrika 4000 Stück beftellt. Diverſes. Unter diefer Rubrik foll, theils um dem Programm für die officielle Berichterftattung, theils um der Gruppen Untertheilung gerecht zu werden, noch die Befprechung, von jenen Gegenftänden aufgenommen werden, welche, wenn auch nicht in der Gruppe XVI ausgeftellt, dennoch eine Würdigung oder doch wenigftens Erwähnung verdienen, wenn fie vermöge ihrer Conftructionen, ihrer Einrichtungen oder Gebrauchszwecke in irgend einer verwandtfchaftlichen Beziehung zu dem technifchen Militärmateriale ftehen. Konnten diefe Befprechungen nicht direct unter jene über die Fachgegenftände felbft eingereiht werden, fo müffen fie doch hier Ausdruck finden, um die Lücken, welche die Militärexpofitionen felbft aufweifen, einigermafsen wenigftens wieder in anderer Richtung zu decken, und um dem Strebfamen überhaupt nichts entgehen zu laffen, was die raftlos fortfchreitende Technik Gutes oder Nachahmungswürdiges gebracht hat, und was auch der Militär zu beachten hat. Freilich mufs es uns oft allein genügen, auf die anderen Gruppen zu verweifen. In erfter Richtung müffen wir diefs thun für Boote und Schiffe, welche in Gruppe XVII ihre fachgemäfse Behandlung finden. Solchen Schiffen und Booten, welche für unfere Zwecke mit Rückficht auf den Bau von Brücken und zu Ueberfchiffungen vorzügliche Eignung befäfsen, begegneten wir in all' den Separatpavillons und fonftigen Abtheilungen, worin fo reichhaltige Sammlungen von prachtvollen Modellen von den verfchiedenen Kriegs, Handelsmarinen- und den angefehenften SchiffsbauFirmen ausgeftellt waren, auf der Ausftellung nicht. Aehnlich verhielt es fich auch mit den Sammlungen der Staats- und Domänenforfte, fowie mit jenen der verfchiedenen Grofs- Grundbefitzer der Forft- und Montaninduftrie- Gefellfchaften von OefterreichUngarn. Diefe brachten wohl viel des Schönen und Intereffanten an Modellen für die Holzbringung, das heifst für die Abtransportirung des gefällten Holzes vom Abftockungsplatze bis in die Thäler und von dort bis in die fernften Gegenden, fo eine Menge Arten von Holz und Drahtfeil- Riefen, Wafferriefen in Verbindung mit allerlei Länden, Klaufen, Schleufsen, Rechen, Seil und anderen Nothbahnen, Fuhrwerken, Schlitten und dergl. Transportmittel mehr, als endlich auch alle Gattungen von Flöfsen und Schif fen, wie folche nicht nur den verfchiedenen Provinzen, fondern oft gar nur einem Fluffe eigen find, ohne dafs wir an diefen letzteren beiden Gattungen Transportmittel befonders Bemerkenswerthes vorfanden. Darum verweifen wir auf den Bericht über Forstwirthfchaft, wo Holz und Holznutzung ebenfo wie das für den Pionnier wichtige Forftingenieur- Wefen ihre fachgemäfse Behandlung finden. Wir erwähnen hier nur, dafs unter den da zu befprechenden Transportmitteln landesübliche Schiffe und Flöffe vorgeführt werden. die der Pionnier doch oft zu benützen genöthigt fein kann. Neue Formen und Conftructionen fanden wir jedoch ungeachtet der grofsen Mannigfaltigkeit des Materiales nicht. Betrachten wir diefes Materiale in feiner Gefammtheit - denn dasfelbe fo müffen wir uns geftehen, im Detail zu würdigen, dazu fehlt hier der Raum dafs nur weniges davon, fo wie es gegeben ift, Vieles aber nur nach entsprechenden Aenderungen für Uebergangs- Herftellungen verwendbar wäre. Das Wie ist kaum in fchwachen Umriffen anzudeuten, gefchweige denn genauer zu präcifiren, indem man bei Uebergangs- Herftellungen faft immer mit f d r n es 1- 11 f. m -td re zu n. en be en, ennn nit Das Pionnierwefen. 49 einer Menge der verfchiedenften Factoren zu rechnen hat. Den Zweck der Aufgabe hiebei vor Allem im Auge behaltend, mufs man die vorhandenen oder erft zu befchaffenden Mittel mit den Local und fonftigen Verhältniffen in Einklang zu bringen fuchen. Weil diefe aber jeweils anders befchaffen fein werden, wird man fich auch des gebotenen Materiales an Schiffen und Flöffen höchft felten ohne vorherige entfprechende Herrichtung und Umgeftaltung bedienen können. Ueber die Qualitäten der maffenhaft ausgeftellten Holz materialien zu fprechen wäre bei dem Umftande, dafs das Bauholz eines der wichtigften Materialien ift, mit dem es der Pionnier zu thun hat, gewifs lohnend, doch man mufs fich hier wieder damit begnügen, wenigftens auf diefen Gegenftand aufmerkfam gemacht zu haben. Vorläufig aber können wir uns mit dem Gedanken beruhigen, dafs wir auf dem ausgebreiteten hydographifchen Netze unferes Heimatlandes ftets ausreichende und auch gute Mittel zur Herſtellung von Uebergängen vorfinden werden, wenn wir uns die Mühe geben, jenes Netz mit Allem, was drum und dran hängt, eingehender zu ftudiren und fo auch fchon im Vorhinein wiffen, wo wir das Erforderliche zu fuchen haben. Das Studium der Flüffe foll fich niemals auf die charakteriftifchen Eigenfchaften derfelben und auf die technifch- tactifche Würdigung der vorhandenen Uebergangspunkte allein befchränken, fondern auch auf alle jene Mittel erftrecken, welche zur Herftellung von Uebergängen geeignet, auf dem Fluffe felbft und innerhalb feines Gebietes zu allen Zeiten vorgefunden werden dürften. Nur die auf Bafis folcher Grundfätze aufgebauten Flufslexikons bieten Gewähr zu ficherem Calcul. Sie müffen dann aber auch zum Gemeingut aller Derjenigen gemacht werden, welche ihrer bedürfen, und zwar müffen die fchon in den Friedensepochen mit vielem Aufwande von Mühe, Fleifs und Gewiffenhaftigkeit verfafsten Elaborate, auch im Frieden ftudirt werden, denn fie enthalten ja für den Pionnierofficier gewiffermafsen das ABC feines Schaffens und Wirkens bei Bewältigung der Hinderniffe, für die Heeres- Oberleitung aber die Schlüffel zur Eröffnung ihrer Operationsgebiete. Ein befonderes Object, welches geeignet ift, unfere volle Aufmerkfamkeit zu feffeln, ift der von Martin in der englifchen Abtheilung ausgeftellte 100 Centner fchwere Marine- Anker mit beweglichen fich felbft ftellenden Armen. Für die Vorzüglichkeit diefer Ankerconftruction, welche nach wiederholt daran vorgenommenen Verbefferungen und mehrfältigen Patentirungen bis auf den Standpunkt des gegenwärtig vorliegenden Exemplares gebracht wurde, fpricht am lauteften wohl der Umftand, dafs derfelbe in England faft durchgehends und in den Marinen anderer Staaten aber fchon theilweife feine praktiſche Einführung fich erobert hat, und dafs Martin für diefen Anker nicht nur bei früheren Ausftellungen fchon, fondern fo auch bei der jetzigen Weltausftellung dafür prämiirt wurde. Diefes Objectes, das eigentlich in der Gruppe XVII( Marinewefen) ausgeftellt war, gefchieht doch hier Erwähnung, weil fich wohl diefe Ankerconftruction mit Vortheil auf unfere, wenn auch nur 100 bis 150- pfündigen Flufsanker anwenden laffen dürfte. Haben wir auch keinen befonderen Grund, unfere gegenwärtigen, nach Birago's Syftem erzeugten Anker zu verwerfen, da fie fich ftets bewährt haben, fo müffen wir uns doch offen geftehen, dafs ein nach dem Syftem Martin erzeugter Anker, der nach dem Falle auf den Flufsgrund fich felbft ftellen mufs und dabei ftatt mit einen mit zwei Armen fcharrt, doch gewifs eher und ficherer gräbt als die unferigen. Die nebenftehende Fig. 10 A und B veranfchaulicht das Bild des Martin'fchen Marineankers mit den beiläufig gedachten verjüngten Formen, und zwar in der Ruhelage, fowie in der Angriffs- und Gebrauchsftellung. 4 50 Emerich Zinner Fig. 10 A. Fig. 10 B. Schon früher wurde bei der Schilderung des ruffifchen KriegsbrückenAnkers, der ähnlich dem Martin' fchen conftruirt ift, gefagt, dafs die ruffifchen Pontoniere, die ihre Anker fchon hinlänglich erprobt haben, vollkommen damit zufrieden find. Wie viel mehr mag erft ein dem Originale nachgebildeter kleiner Flufsanker entſprechen, wenn derfelbe fowię das Original einen vollen maffiven Kopf. und in Geftalt einer aufgefchobenen Querftange einen Schaft befitzt, während der nachgebildete ruffifche Anker ftatt des Kopfes nur zwei mit der Ankerftange verbundene Stellfcheiben zeigt und des Schaftes gänzlich entbehrt. Die Beweglichkeit der Arme findet hier im vollen Kopfe dadurch feine Begrenzung, dafs hiezu der Kopf auf einer Seite eine entsprechend nifchenartige Vertiefung befitzt. Auch find die Arme nach Entfernung eines Vorfteckbolzens herausnehmbar. Trotz all' diefer erwähnten, und anderen Einrichtungen ift die englifche Conftruction einfacher, weil auch folider in der Ausführung, und diejenige, welcher man den Vorzug vor der ruffifchen einräumen mufs. Auch hinfichtlich der Verpackung auf die Wägen können gegenüber den alten Ankerformen keine nachtheiligen Vorkommniffe obwalten. Noch eines nicht zu unterfchätzenden Vortheiles ift zu gedenken, welchen die nach Syftem Martin conftruirten Anker befitzen. Diefer Vortheil befteht in dem leichteren Heben des Ankers. it 1- h n n n in Das Pionnierwefen. - 51 - Erfahrungsgemäfs kommt es beim Heben von Ankern alter Conftruction welche im feften Grunde fehr gut gegraben haben oder nach längerem Liegen auf dem Grunde etwas verfandet oder verfchlammt worden find nicht felten vor, dafs eine ganz aufserordentliche Kraftanftrengung angewendet werden mufs, und dafs diefe fchwierige Arbeit nicht felten mit einem Bruche des Seiles, ja fogar der Ankerarme felbft endet. Sehen wir, wie bei den Martin'fchen Ankern das Heben vor fich geht. Ift von den Ketten( oder vom Tauwerk) fo viel aufgeholt, dafs die Ankerftange felbft fich zu bewegen und zu erheben anfängt, fo beginnt gleichzeitig, vermöge der Kopfconftruction des Ankers ein Zurückziehen der beiden Ankerpratzen aus ihren Eingrabungs- Lagern. Findet diefs auch nicht ganz bis zu ihrer vollen Blofslegung ftatt, fo wird doch Jedermann zugeben müffen, dafs diefe Lockerung an und für fich und das fchon theilweife Zurückziehen der Arme( aus ihrer gröfseren Tiefe) das fchliefsliche Loslöfen vom Flufsgrunde ungemein erleichtern mufs. Auch noch andere Vortheile werden gegenüber den alten Ankern bei genauen Vergleichsbetrachtungen erkennbar. Ohne fie näher zu berühren, können wir uns beim Schluffe diefer Betrachtungen den Wunſch nicht verfagen, dafs wir es für lohnend hielten, einige Anker diefer Art für die öfterreichifchen Pionniere erzeugen zu laffen, um damit Erprobungen jeder Art und fo vornehmlich auch folche auf unferen reifsenden Gewäffern vornehmen zu können. Wieder andere Objecte, welche unfere volle Aufmerkfamkeit verdienen und zerftreu in den Abtheilungen und Pavillons aller Herren Länder in reichlicher Menge vorhanden find, betreffen die Fabrication von Seilwerk aller Art. Es haben fich in diefer Richtung viele Arfenale, Schiffswerften und die angefehenften Firmen für Seilfabricationen des In- und Auslandes, alle durchgehends in mufterhafter Weife betheiligt. Wir finden Seile und Alles, was zum Seilwerk gehört, von allen nur gebräuchlichen Stärken und Dimenfions- Verhältniffen, aus Draht, Hanf, Flachs u. f. w. nach den verfchiedenften, aber durchgehends bekannten Methoden erzeugt und von den vorzüglichften Qualitäten. Aufser diefem fertigen Seilwerk treffen wir, und zwar vornehmlich in den englifchen und franzöfifchen Colonial ftaaten, in Oft- und Weftindien, Ceylon, in Neu- Seeland, aus afrikaniſchen Befitzungen, verfchiedene neue Pflanzen Faferftoffe im Rohzuftande und in den verfchiedenen Stadien ihrer Zurichtung und Verarbeitung, welche defshalb fehr intereffant find, weil einige von ihnen ein noch weit befferes Materiale zur Seilfabrication liefern follen, als Hanf oder Flachs. Ihre Anwendung zu diefem Zwecke ift neu und über die erften Verfuche kaum hinaus; es kommt alfo erft abzuwarten, ob die Seilinduftrie fich diefes Stoffes in gröfseren Umfange bemächtigen wird. Vorderhand fei auf diefen intereffanten Umftand darum aufmerkfam gemacht, weil es für uns öfterreichifche Pionniere, die wir unferen Bedarf an Seilwerk in eigener Regie erzeugen, wahrhaft nicht gleichgiltig wäre, wenn wir einen noch befferen Stoff als Hanf zur Seilerzeugung fänden, der uns vielleicht grössere Leiftungsfähigkeit, mehr Dauerhaftigkeit und vielleicht auch bei gleichen Dimenfionen mehr Leichtigkeit im Gewichte verfpräche. Wir würden unfere ehrenvolle Aufgabe nur unvollkommen erfüllen, wollten wir nicht noch den Lefer bitten, mit uns die in Hülle und Fülle ausgeftellten Werkzeuge zu betrachten. Auch wir Pionniere benöthigen zur Ausführung unferer fo verfchieden artigen Verrichtungen im Felde die verfchiedenften Werkzeuge. Wir wollen von diefen hier nur kurz diejenigen hervorheben, welche am häufigften Anwendung und hauptfächlich bei den Erd- und Holzarbeiten gebraucht werden; dann allenfalls noch folche, welche fich etwa vorfanden, mit neuen oder verbefferten Formen, die auch für uns mit Nutzen zur Nachahmung dienen könnten. 52 Emerich Zinner. Militärifcherfeits wurden befonders von Rufsland und Schweden die Handwerkzeuge ihrer techniſchen Truppen in recht hübfch zufammengeftellten Sammlungen exponirt. Alle diefe Werkzeuge find aus vorzüglichem Materiale, und wie es für Ausftellungsgegenstände auch nicht anders zu erwarten ftand, auch fehr nett und forgfam gefertigt. Rufsland zeigt unter diverfen Werkzeugen, Krampen( Pickel, Haue) nach italienifcher Art geformt und beftielt und von mehreren Gröfsengattungen, dann auch blofs Spitzhauen, Schaufeln mit langer, gerader Beftielung, von der Form des Linnemann'fchen Spatens, nur gröfser; endlich eine Sammlung von Hacken( Beilen) alle einander fehr ähnlich, von veralteter Form; diefelben find alle mit einem ganz kurzen, gekrümmten Stiele verfehen, der uns für die Handhabung der Hacke recht praktiſch dünkt. Bemerkenswerth ift noch, dafs in Rufsland die Befchaffung der Werkzeuge vom Staate nach einheitlichen Grundfätzen beforgt wird. Die jährliche Erzeugung im Ingenieur Arfenale zu Dünaburg, wo diefer Dienft concentrirt ift, überfteigt weit unfere Verhältniffe, indem wir unfere Bedürfniffe meift durch die Privatinduftrie decken. Das genannte Arfenal, welches zwei Dampfmafchinen von zufammen 36 Pferdekräften und 160 Arbeitern befchäftigt, erzeugt jährlich acht Millionen Werkzeuge und 140 Fuhrwerke. Von den ausgeftellten fchwedifchen Werkzeugen, welche gröfstentheils in den exponirten, fchon früher befprochenen Wagen fehr zweckmäfsig verpackt find, ift weiter nichts zu fagen. Die Privat- Induftrie aller Länder hat uns eine geradezu maffenhafte Anzahl von Arbeits- Werkzeugen vorgeftellt, fo dafs man weit eher durch die grofse Reichhaltigkeit neuer Formen als durch den Abgang an Verbefferungen in Verlegenheit gefetzt wird, eine richtige Auswahl zu treffen. Mit Stolz können wir es fagen, dafs auch in diefem Fache die öfterreichifche Privat- Induftrie einen fehr beachtenswerthen Rang einnimmt. Von den vielen Firmen hat befonders eine, nämlich Vogel& Noot, welche ihre Niederlagen zu Wien und ihre Walz- und Hammerwerke zu Wartberg in Steiermark befitzen, es verftanden, mit ihren Erzeugniffen fich bemerkbar zu machen. Alles, was diefe Firma ausgeftellt hat, zeugt von einer vorzüglichen Güte des Materiales, und einer ebenfo rationellen Verarbeitung desfelben. Von ſpeciellem Intereffe für uns finden wir darunter eine recht hübfche Zufammenftellung der wichtigften Werkzeuge, wie folche für die öfterreichifchen technifchen Truppen vorgefchrieben find, als da find unter Anderen: die Krampen, die neue Einheitsfchaufel mit ihrer neueften Verbefferung, dem verfchiebbaren Stiele; der Linnemann'fche Spaten; die zerlegbare Handfäge nach dem Mufter der Pionniere; Kettenfägen, Bohrer, Zangen etc. etc. und endlich die Patent- Hebelzange. Unter diefem Namen führten uns die Ausfteller ein Werkzeug vor Augen, das bei unferer Pionniertruppe vor wenigen Jahren nach den Angaben des Hauptmanns Wiethe erzeugt, und unter dem Namen„ Zangengeifsfufs" feither bei den Uebungen zum Eifenbahn- Oberbau mit grofsem Vortheile in Verwendung kam. Diefes Werkzeug, welches einerfeits den ehemaligen Hebebaum erfetzt, erfüllt noch den Zweck, die Schienennägel rafch, ficher, geräufchlos und ohne fie zu verletzen, auszuziehen. Für die Vorzüglichkeit diefes Werkzeuges ſpricht der Umftand, dafs jetzt fchon viele Bahnverwaltungen dasfelbe unter ihre InventurAusrüftungen aufgenommen haben. In den Abtheilungen von England und Nordamerika find von den vielen, exponirten Hand- Werkzeugen die Schaufelgattungen diejenigen, auf welche wir die Aufmerkfamkeit gelenkt haben wollen. Es ift doch eigenthümlich, dafs wir nicht nur hier in diefen zwei fo bedeutungsvollen Staaten, welche gerade für die ftetig fortfchreitende Technik immer die tonangebenden waren, und wahrfcheinlich auch bleiben werden, faft ohne Ausnahme, als auch in anderen Staaten, alfo in der Mehrzahl der Staaten, ftets Formen in diefer Werkzeug- Gattung e Das Pionnierwefen. 53 begegnen, welche gleichartig unter fich, aber von den bei uns gebräuchlichen Formen total verfchieden find. Ihr Schaufelblatt ift in feiner Längenrichtung nicht gebogen, alfo gerade, dafür aber in feiner Breitenmitte etwas hohl gebogen, im Ganzen grofs und was befonders bemerkenswerth ift, rechteckig geformt, nur die fcharfen Ecken find etwas gerundet. Der Stiel ift kurz, etwas gebogen und befitzt am oberen Ende entweder eine Krücke oder eine oval ausgefchnittene Handhabe. Es dürfte fich doch der Mühe lohnen, diefes Werkzeug der praktifchen Engländer und Amerikaner behufs Erprobungen auch zur Hand zu nehmen. Wir befchliefsen nun unfere Wanderungen in der Ausftellung in dem Pavillon der königlich ungarifchen Staats- und Domänenforfte, in welchem wir bei früheren Befuchen fchon Manches zur Befprechung werth gefunden haben. Wir ftehen vor zwei Schränken, welche eine anfehnliche Zahl von gebrochenen oder geknickten Holzftäben enthalten. So wenig anmuthend diefe zwei Objecte auch für den erften Augenblick dem Befchauer fich präfentirten, fo erblickt doch der Kenner bald, dafs er es hier mit einem intereffanten Gegenftande zu thun hat. Mit jenen Stäben nämlich, wurden im Auftrage der königlich ungarifchen Regierung vom Profeffor Jenny am Wiener Polytechnicum im Vereine mit dem General Domäneninfpector und gegenwärtigen Ausstellungscommiffär Herrn Weffely Unterfuchungen über die Feftigket der Hölzer aus den Ländern der ungarifchen Krone ausgeführt. Für uns Pionniere ift diefer Gegenftand umfomehr im gegenwärtigen Zeitpunkte vom Intereffe, weil auch wir in diefer Richtung in der jüngftvergangenen Zeit nicht unthätig waren. Für diejenigen alfo, welche fich für diefen gewifs wichtigen Gegenftand intereffiren, führen wir hier an, dafs durch das königlich ungarifche Finanzminifterium über das Ergebnifs jener Unterfuchungen, das erfte Brochurenheft unter dem Titel: Unterfuchungen über die Feftigkeit der Hölzer aus den Ländern der ungarifchen Krone, Buda- Peft 1873, bereits erfchienen ift. Nach diefem erften vorliegenden Hefte, welches die beiden fchon genannten Herrn zu Verfaffern hat, wurden eine gröfsere Anzahl von gleichartigen Stäben, aus Fichten-, Tannen-, Lärchen- und Buchenholze, und zwar aus allen Theilen Ungarns, aus verfchiedenen Bodengattungen erwachfen, und von verfchiedenem Alter, unterfucht. Diefe Verfuche befchränkten fich nur auf die Unterfuchung der Feftigkeit von Stäben allein, und zwar wurde die Zug- und Druckfeftigkeit der felben an der Elafticitäts- fowie an der Bruchgrenze beftimmt. Da hier die Unterfuchung einer grofsen Anzahl von Stäben vorliegt, und in den betreffenden Tabellen alle nöthigen Daten, als: Standort, Bodenart, Alter, Anzahl der Jahresringe u. f. w. erfcheinen, ferner eine weitere Folge folcher Unterfuchungen in Ausficht genommen ift, fo wird fich hiedurch eine neue Bereicherung der bisherigen Verfuche über die Feftigkeit von Hölzern ergeben. Der Forftmann kann hiedurch auf fehr intereffante Schlufsfolgerungen über den Einfluss von Boden, Alter, Dichtigkeit u. f. w. auf die Feftigkeit der Hölzer gelangen. Wünfchenswerth zur weiteren Aufnahme in die Tabellen empfiehlt fich vielleicht auch noch jene von Daten über das Klima, fowie über die Forftcultur felbft. Weniger Werth dürften folche Verfuchsergebniffe für den Bauconftructeur haben. Denn entweder bezieht diefer fein Holz von Holzhändlern, dann find ihm diefe Daten unbekannt, und er wird immer wieder mit Feftigkeits- Coëfficienten zu thun haben, die innerhalb weiter Grenzen fchwanken, da auch die Art 54 Emerich Zinner. Das Pionnierwefen. und die Dauer der Confervirung grofsen Einfluss üben, oder er bezieht das Holz für feine Bauten, Jahr aus Jahr ein, aus beftimmten Gegenden und Forften, oft aus denfelben Standorten. In diefem letzteren Falle wäre es wohl vom Standpunkte der Praxis angezeigt, Verfuche in anderer Weife vorzunehmen. Die Unterfuchung von Stäben nämlich, liefert aus bekannten Gründen immer nur ein ungenaues Refultat; es wären daher grofse Stücke und wenn möglich gleich von den zum Bauzwecke nöthigen Dimenfionen und der erforderlichen Form zu unterfuchen. Da man für Stücke von ftarken Dimenfionen bei Feftftellung der Zug. und Druckfeftigkeit beinahe unüberwindlichen Schwierigkeiten begegnen dürfte, fo würde fich hier, befonders für zum Tragen beftimmte Hölzer, die directe Unterfuchung auf die Biegungsfeftigkeit empfehlen. Solche Verfuche wurden im k. k. technifchen und adminiftrativen Militärcomité durch Pionnierofficiere mit Beftand. theilen der k. k. Kriegsbrücke vorgenommen, da die Hölzer hiefür fo viel als möglich alle aus derfelben Gegend( aus Scharnftein in Oberösterreich), alfo unter gleichen klimatifchen Verhältniffen, gleicher Bodenbefchaffenheit, gleichem Alter genommen wurden. Nachdem die königlich ungarifche Regierung beabfichtigt, die Unterfuchungen über die Feftigkeit der Hölzer aus den Ländern der ungarifchen Krone mit gröfseren Stäben und fchliefslich auch mit ganzen Baumftämmen oder Balken vornehmen zu laffen, fo können wir nur wünſchen, dafs Einiges von den vorgege benen Andeutungen Berücksichtigung fände, denn dann könnten wir den weiteren Veröffentlichungen über diefe Verfuche fchon jetzt mit lebhaftem Intereffe entgegenfehen. MILITÄR UNTERRICHTSWESEN. ( Gruppe XVI, Section 5.) Bericht von MORIZ BRUNNER, k. k. Hauptmann im Genieftabe. Im Gegenfatze zu der Ausftellung von Lehrmitteln und Unterrichtsrefultaten, worin die Culturvölker im beften Sinne des Wortes miteinander wetteiferten, und dadurch dem elementaren Volksunterrichte und der gewerblichen Richtung des Schulwefens den gebührenden, hervorragenden Rang anwiefen, fahen wir das Militär- Unterrichtswefen nahezu gar nicht vertreten. Und wenn es wahr fein foll, dafs die Schlachten der Neuzeit der Schulmeifter gewinne, fo ift es faft uner klärlich, warum Heere, und gerade jene der Militärftaaten, es verfchmähten, fich im friedlichen Wettkampfe in ihren Militär- Schuleinrichtungen auf dem Ausstellungsplatze zu meffen. Zeigt man fich gegenfeitig Gefchütz und Gewehr, Pulver und Kugel, warum fand man es nicht für gut, Methoden, Anftalten und Mittel allgemein und öffentlich zu demonftriren, durch welche jene, die erftere Inftrumente handhaben, fie verwerthen lernen follen, durch welche fich jener geiftig auch ausrüftet, der dereinft berufen fein foll, die Frucht der Intelligenz und des Fleifses des Bürgers, noch mehr deffen Leben zu fchützen, der die heiligften Dinge: Unabhängigkeit. des Staates und Sicherung des redlichen Erwerbes zu vertheidigen hat- in deffen leitenden Händen Menfchenleben zur Waare werden, die je nach geiftiger Begabung und moralifchem individuellem Werthe des Führers verfchleudert oder ökonomifirend erhalten werden können. - In Oefterreich wurde ein grofser Anlauf zu einer MilitärunterrichtsAusftellung genommen die leidige Geldfrage, welche überhaupt verfagte, ein militärifches Enfemble Oefterreichs zu geben, liefs jedoch die lobenswerthe Abficht des öfterreichifchen Kriegsminifteriums nicht zur Ausführung kommen. Die Ausftellung hätte fich fowohl auf Schülerarbeiten der Akademien, bis zur Mannfchaftsfchule herab, auf ftatiftifche Zufammenftellungen, Lehrpläne und Lehrmittel erftrecken und Gelegenheit geben follen zu vergleichen, in welcher Weife die Militär- Bildungsanftalten des Staates und der Armeen in die Concurrenz treten könnten mit jenen anderer Armeen und mit den Civilfchulen. Ein Vergleich in letzterer Richtung wäre gewifs von allgemeinem Intereffe gewefen, in technifchen Fächern- foviel können wir aus Augenfchein und Erfahrung verfichern, wäre der Vergleich nicht zu Ungunften des Militärs ausgefallen. Es ift ferner Schade, dafs es der öfterreichifchen Armee verfagt war, den Beweis fichtbar darzuftellen, dafs fie im gewiffen Sinne Culturzweck fei, indem fie 56 Moriz Brunner. die Völker befonders des öftlichen Theiles Oefterreichs, nebft vielen anderen die geiftigen und moralifchen Kräfte bildenden Dingen, auch lefen und fchreiben lehre. Um in diefer Hinficht, nämlich bezüglich der Leiftungen der Mannfchaftsfchulen als Volksfchulen, nur eine Zahl anzuführen, foll beiſpielsweife erwähnt werden, dafs in den beiden Genieregimentern, die fich übrigens zum weitaus gröfsten Theile aus Weftöfterreich, wo der Elementarunterricht fich einer verhält nifsmässig fürforglicheren Pflege erfreut, recrutiren, bei Beginn des Winterfemefters 1872 die Verhältniffe fo ftanden, dafs vom erften Genieregimente 914 lefen und fchreiben konnten, 800 nicht oder nur nothdürftig. Am Ende des Curfes dagegen waren 1309 gut und fertig unterrichtet, 410 wenigftens nothdürftig. Vom zweiten Regimente konnten 772 lefen und fchreiben, 878 nicht oder nur nothdürftig. Nach dem Curfe dagegen 1179 gut und fertig, 471 nothdürftig. Von diefen erlernten in der Zeit vom 15. November 1872 bis Ende März 1873: 772 lefen und fchreiben derart, dafs fie mit" gut" claffificirt werden konnten: diejenigen, welche zurückblieben, werden es im zweiten oder doch im dritten Präfenzjahre wohl ebenfalls zu diefer Fertigkeit bringen. Könnten folche Zahlen alle Regimenter der k. k. Armee aufweifen, fo würde diefelbe nicht mit Unrecht den Namen einer grofsen Zwangs- Volksfchule erhalten können, in der neben dem elementaren Unterrichte auch fittliches Gefühl, Vaterlandsliebe, Ordnungsfinn, Manneswürde und Reinlichkeit gepflegt werden. Beginnen wir die Rundfchau im Weften, fo erregte erft der fpanifche Pavillon, füdlich des Induftriepalaftes unfere Aufmerkfamkeit, wo wir unter einer Sammlung fortificatorifcher Bücher und Modelle, die jedoch nicht als Lehrmittel in unferem Sinne zu betrachten find, auch mehrere Werke fanden. welche hiezu gerechnet werden können und zwar ein Militär Dictionär, herausgegeben vom Genie Oberften Almiranie im Jahre 1869. Fleifsig gearbeitet und fchön ausgeftattet, verdient dasfelbe alle Anerkennung. Dann fahen wir eine Zeichenfchule, das heifst eine Sammlung von Vorlegblättern, hauptfächlich für das Situationszeichnen und das Zeichnen militärifcher Gegenstände, wovon übrigens die Vorlegblätter für die Darſtellung des Terrains durch Schraffen mehrfach übertroffen werden, und endlich das Manuel des Ingeneros del Ejército ( Genie- Officiere) von Valdés, 1870, eine periodifche Druckfchrift, die Auffätze fortifi catorifchen und bautechnifchen Inhaltes bringt und fich eines guten Rufes erfreut. An Modellen fanden wir nebft fortificatorifchen Darftellungen den Reliefplan von Zaragoza und Umgebung mit den Belagerungsarbeiten des Jahres 1809. welches, wie alle ausgeftellten fpanifchen Modelle, von vollendeter Schönheit war und feltenes Gefchick zu derlei Darftellungen zeigte. Wir führen diefes Modell hier an, obwohl es vielleicht nicht als Lehrmittel die Beftimmung hat, fondern vielmehr zur Verkörperung einer der fchönften und wenig übertroffenen Kriegsthaten der fpanifchen Armee ausgeführt wurde. Der fortificatorifche Unterricht jedoch kann nicht ohne das Studium von wirklich ausgeführten Belagerungen gedacht werden und darum können wir diefes Relief wohl auch als Lehrmittel anführen, zugleich bedauernd, dafs es nicht allgemein üblich ift, dem Studium durch derlei Modelle zu Hilfe zu kommen, dasfelbe lebendig und anziehend zu machen. Ferner fanden wir zahlreiche Modelle von Gefchützen, Kriegs- Fuhrwerken, Ausrüftungen für den Feld- und Gebirgskrieg, der Brückentrains, und zwar durch aus vorzüglich und das Studium wefentlich erleichternd, daher zur Nachahmung fehr empfehlenswerth. Zunächft traf man erft wieder im fchwedifchen Annexe, füdlich des Induftriepalaftes Einfchlägiges, und zwar die einzige Sammlung von Schüler arbeiten. n t S n S r 5. m it r e r h n n 0 t 1 n n S , Militär- Unterrichtswefen. 57 Schweden hat durch fein Volksfchul- Haus einen vortrefflichen Eindruck auf die Befichtiger der Ausftellung hinterlaffen. Und wenn diefes, was Eintheilung des Gebäudes, Schülerarbeiten, Lehrmittel und alle die Hygiene und Disciplin befördernden Einrichtung betrifft, kaum von einem anderen übertroffen wird, und Schweden damit den Beweis liefert, dafs es auf dem Wege friedlicher Arbeit und geiftiger Entwicklung, ohne damit zu prunken, feinen gröfsten Ruhm fucht, fo hinterliefs die Militärausftellung im Befchauer wieder den Eindruck, dafs Schweden, ohne im Geringften den Ehrgeiz in fich zu fühlen in die Reihe der Militärftaaten einzutreten, die Zwecke der Selbftvertheidigung nicht aus dem Auge läfst und in gleichmässiger Entwicklung aller Nothwendigkeiten, die der Begriff " Staat" mit fich bringt, profperirt. Es lagen vor: Ein Heft mit Zeichnungen und Entwürfen der Kriegsfchule zu Kalberg bei Stockholm. Bis nun kamen in diefe Schule Jünglinge mit geringen Vorkenntniffen, vom Jahre 1873 an jedoch nur mehr Jünglinge, die an Civil- Lehranstalten genügend vorbereitet worden find, um das Studenten- Examen machen zu können. Der Aufenthalt in der Kriegsfchule dauert zwei Sommer, einen Herbft- und einen Wintertermin. Im Sommer werden praktifche Uebungen ausgeführt, im Herbfte und Winter befondere theoretifche Studien betrieben. Diefe umfaffen Kriegsgefetze, Exercir und Dienftreglements, Kriegskunft, Handgewehr- Lehre, Artillerie, Befeftigungskunft und Brückenfchlag, Militärftil, Zeichnen von Artillerie-, Befeftigungs- und Brückengegenftänden, Situationszeichnen. Nach Beendigung des Curfes und abgelegtem Officiersexamen ift der Afpirant competent bei irgend einer Waffengattung der Armee zum Officier ( Unterlieutenant) ernannt zu werden. Die vorgelegten Cahiers enthielten an Schülerarbeiten der Kriegsfchule: Situationszeichnungen( à la vue- Aufnahmen), die einen eigenthümlichen zarten Charakter hatten und eine leichte Hand verriethenfchön in der Ausführung, mit originellen conventionellen Bezeichnungen, welche das Planlefen fehr erleichtern; Zeichnungen nach Modellen mit Darftellung der Beleuchtung durch die Schummermethode, ebenfalls fehr gelungen; Zeichnungen aus der darftellenden Geometrie bis inclufive der Perſpective; fortificatorifche Entwürfe, und zwar die Werke gut dem in Schichten dargestellten Terrain angepasst, was in einer folchen Schule Anerkennung verdient, Zeichnungen aus dem FeldBrückenbaue etc. Auch Schülerarbeiten aus der Kriegs- Hochfchule bei Stockholm lagen vor. Die Kriegs- Hochfchule müffen jene Officiere befuchen, welche es zum Lieutenant im Generalftabe, in der Artillerie oder in der Geniewaffe bringen wollen. Der theoretifche Unterricht umfafst in drei Wintercurfen: Mathematik, Mechanik, darftellende Geometrie, Phyfik, Chemie, Artillerie, Befeftigungskunft, Kriegskunft, Kriegsgefchichte, Baukunft, mathematifche Geographie, Topographie und Militärgeographie, franzöfifche Sprache und Zeichnen. Diefe Gegenftände find aber nicht für alle Frequentanten obligatorifch und werden auch nicht von allen im gleichen Umfange gehört, vielmehr ift der Unterricht nach Waffen in drei Linien getheilt. Die ausgeftellten Arbeiten beftanden in Zeichnungen aus der darftellenden Geometrie inclufive des Steinfchnittes und der Perfpective, auch bei den zukünftigen Generalftabs- Officieren in bedeutender Ausdehnung, was für diefelben gewifs von Vortheil, wenn man die darftellende Geometrie( geometrie descriptive) als jenen Gegenftand betrachtet, der vor Allem geeignet ift, die Vorftellungskraft zu wecken und zu bilden. Und diefe bedarf nicht nur der Techniker und plaftifche Künftler, fondern im gleichen Mafse auch der Generalftabs- Officier, der Befchreibungen und Berichte über Gefechtsfelder fammt den auf dem Terrain verwendeten Truppen fofort in fich verkörpern, das Terrain, auf welchem er 58 Moriz Brunner. gerne disponirt, gewiffermatsen als Modell im Kopfe haben mufs. Wenn man dabei nun auch jede, immer und überall fchädliche Oberflächlichkeit vermeidet, ift es noch immer möglich, fich nicht allzutief einzulaffen. Wir vermiffen daher in den vorgelegten Zeichnungen die fchwierigen Auflöſungen, die fich auf das hyperbolifche Paraboloid beziehen und die fonft fehr cultivirt werden, endlich auch die Beleuchtconftructionen. Die fortificatorifchen Zeichnungen beftehen aus Entwürfen aus dem Gebiete der Feldbefeſtigung, weniger der permanenten Fortification, bei welcher die eigenthümlich zarte Darftellungsweife, die fchon früher erwähnt wurde, fich auch hier wieder findet. Die letzteren Zeichnungen laffen klar erfehen, dafs die fchwediſchen GenieOfficiere nicht zu den Schabloniften gehören und dafs fie auf dem neueften Standpunkte der Fortification ftehen. Wir fehen eine beachtenswerthe Leichtigkeit in der Benützung der verfchiedenen Formen, zweckmäfsige Anwendung zahlreicher granatfreier Unterkünfte, Traverfen und Bonnets. Wir begegnen auch den zuerft in Oefterreich( Streffleur's öfterreichiſche militärifche Zeitfchrift, 1865, II. Band) vorgefchlagenen Ruheftellungen für die Gefchütze während einer überlegenen Befchiefsung, dann die ebenfalls öfterreichifchen Pidoll'fchen Munitionsmagazine, die Werke find dem Terrain gut angepasst. Als Beiſpiel aus der Lehre vom Feftungskrieg fanden wir den Entwurf eines idealen Angriffes auf Belfort. Endlich lagen noch Entwürfe für Brückenproviforien und einige wenige Baukunft- Zeichnungen vor. An Lehrmitteln waren vertreten: Modelle vom Artillerie- und PontonnierMateriale, von einzelnen Theilen der Feldbefeftigungen mit Darftellung aller Bekleidungsmethoden, eine Pidoll'fche Batterie( wie folche von den Oefterreichem bei Königgrätz erbeutet wurde), Apparat für den Unterricht im Zielen, Rocognofcirungsinftrumente, Reglements, Lehrbücher für Unterofficiers- Schulen und Fechtrequifiten. In Oefterreich hatte, wie in der Einleitung erwähnt wurde, das ReichsKriegsminifterium fich an der Ausftellung nicht betheiligt. Wir fanden daher den militärifchen Unterricht und die militärifche Fortbildung nur durch Privatausftellungen vertreten. Bei der Ausftellung des k. k. militär- geographifchen Inftitutes fahen wir den rühmlichft bekannten„ Zeichnenfchlüffel" des k. k. Oberften Scheda, aus Vorlegblättern zum Unterrichte beim Situationszeichnen beftehend, in den MilitärBildungsanftalten eingeführt und der feiner Zweckmäfsigkeit und Schönheit wegen allgemein- auch aufserhalb Oefterreich bekannt ift. Wir trafen ferner in demfelben Fache die muftergiltigen Modelle des verewigten k. k. Sectionschefs im Kriegsminifterium Valentin Ritter v. Streffleur und des ebenfalls verftorbenen k. k. Artilleriemajors Cybulz zum Zwecke des Unterrichtes im Bergzeichnen dienend. An Reliefs zu Lehrzwecken lagen vor: das Relief des Manövrirterrains des Brucker Lagers vom k. k. Major Hoppels zum Unterrichte im Felddienft beftimmt, ein Relief von Paris und Umgebung, worin die Belagerungs- und Vertheidigungsarbeiten eingezeichnet find, zum Studium des Cernirungskrieges um Paris, angefertigt vom k. k. Hauptmann Hugo Fifcher v. See. Zur Fortbildung des k. k. Officierscorps in den Kriegswiffenfchaften fanden wir die lange Reihe von( 48) ftattlichen Bänden der Streffleur's öfterreichifchen militärifchen Zeitfchrift, Jahrgänge 1860 bis 1872. Die öfterreichifche militärifche Zeitfchrift wurde gegründet vom Erzherzog Carl 1811, erneuert durch die Initiative Seiner Majeftät des Kaifers Franz Jofef I im Jahre 1860, der die Redaction feinem ehemaligen Lehrer, dem als Militär fchriftsteller, insbefondere aber als Kartograph und Statiſtiker, dann im Fache der Dei es ne as ch ete lie ch ie. d. in er rft d en me, urf ge erler mn 10hthsen elvir or är en les eur Jes or: els ng, um go cen er cog fl ärHer Militär- Unterrichtswefen 59 Terrainlehre allgemein gewürdigten General- Kriegscommiffárs, später Sectionschef Valentin Ritter v. Streffleur ühertrug. Diefes militärifche Fachblatt ift beftimmt, Politik und andere als rein wiffenfchaftliche Tagesfragen gänzlich ausfchliefsend, ein Organ für Kriegsgefchichte* zu fein und die militär- wiffenfchaftliche Fortbildung der Berufsofficiere zu vermitteln. Streffleur hat es verftanden, die Zeitfchrift zum verbreitetften Militärblatte zu machen, fowie es die Unterſtützung des Reichs- Kriegsminifteriums und des geographifchen Inftitutes ermöglichten bei geringerem Preife** der Zeitfchrift eine Reichhaltigkeit und Ausftattung zu geben, die nicht übertroffen wird. Sie wurde auch von der internationalen Jury durch die Verdienftmedaille ausgezeichnet. Das ebenfalls ausgeftellt gewefene Inhaltsverzeichnifs der Jahrgänge 1861 bis 1871 diefer Zeitfchrift zählt nicht weniger als 339 nicht anonyme Mitarbeiter, unter welchen Namen wie Bechtold, Bothmer, Edelsheim- Gyulay, Fligely ,, Gallina, Hauslab, Heller, Hürter- Amman, Janko, Kuhn, Weilen, Mollinari, Möving, Raming, Schönfeld, Streffleur, Tegetthof etc. vertreten find. Officiere aller Staaten, Amerikaner, Franzofen, Engländer, Holländer, Dänen nicht ausgenommen- Preufsen, Baiern und Sachfen in grofser Zahl, betheiligen fich an der Mitarbeit und verleihen der Zeitfchrift ein internationales Gepräge. 99 Brunner, An anderer Stelle fanden wir fchliefslich noch den militärifchen Verlag der Buchhandlung von Seidl& Sohn in Wien, Depot der Bücher für die k. k. Militär- Bildungsanftalten, welcher an Lehrmitteln für diefe Anftalten und zur Fortbildung des Officierscorps unter anderen folgende Werke enthält. Bauer, Eduard, k. k. Oberlieutenant,„ Der techniſche Pionnierdienft." Für Cadeten, Referve- und Landwehr- Officiersafpiranten. Organifche Beftimmungen für das k. und k. Heerwefen. Herausgegeben von Ant. v. Hilleprandt, k. k. Oberftlieutenant und Othmar Jeluffig, k. k. Hauptmann. Moriz, k. k. Hauptmann im Genieftabe,„ Leitfaden zum Unterrichte im Feftungskriege." Als Lehrbehelf zum Unterrichte in den k. k. Militär- Akademien und Cadetenfchulen.- Brunner ,,, Leitfaden zum Unterrichte in der Feldbefeftigung." Zum Gebrauche in den obigen k. k. Bildungsanftalten und zum Selbftftudium für Officiere aller Waffen.- Bylandt- Rheidt, Arthur Graf, k. k. Generalmajor, und Marefch Otto, k. k. Oberlieutenant,„ Wirkung und Gebrauch der k. k. öfterreichifchen Feld- und Gebirgsgefchütze." Cornaro, Ludwig v., Oberft im - - k. k. Generalftabe,„ Strategiſche Betrachtungen über den Krieg im Jahre 1812." - ,, Der praktiſche Dienft im Felde," für die Führer kleinerer Abtheilungen aus. zugsweife bearbeitet nebft einer Anleitung zur Verfaffung von Themas von Sigmund Barrault, k. k. Major. Gatti, Bertram, k. k. Hauptmann.„ Die Tactik der nächften Zukunft." Grundzüge einer Lehre des Krieges, entwickelt aus den Kraftäufserungswerthen der Waffen in ihrer Verbindung und Gegenfeitig. keit. Kuhn, Franz Freiherr v., k. k. Feldmarfchall Lieutenant,„ Der Gebirgskrieg." Mit 21 Karten und Plänen. Kukulj, Peter, k. k. Major im Generalftabe. ,, Beitrag zum praktifchen Studium des Felddienftes." Für das k. k. Heer. 8. Mit 2 Ueberfichtskarten, 21 Plänen und mehreren eingedruckten Figuren. Latterer, Oberftlieutenant," Anleitung zur praktifchen Recognoscirung für den Truppenofficier."-Lauer, Johann, k. k. Hauptmann im Genieftabe, " Spreng und Zündverfuche mit Dynamit und comprimirter SchiefsBaumwolle." - * Die ausgeftellt gewefenen zwölf Jahrgänge enthalten die vollständigen Gefehichten der Feldzüge 1866, 1864, 1859, 1849, 1848, 1809, 1796, 1795, 1794, 1793, 1792, dann in Abyffinien und Marokko den Anfang des Krieges 1870 und 1871. ** Jährlich 100 Druckbogen Grofsoctav mit zahlreichen Karten und Plänen 8 fl. öfterreichifcher Währung.