OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3 UNTER REDACTION VON DR. CARL TH. RICHTER, к. K. o. 0. PROFESSOR IN PRAG. MILITÄR- SANITÄT UND FREIWILLIGE HILFE IM KRIEGE. ( Gruppe XVI, Section 3.) BERICHT VON DR. MOSETIG VON MOORHOF, k. k. Primararzt und Universitätsdocent. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1874. MILITÄR- SANITÄT UND FREIWILLIGE HILFE IM KRIEGE. ( Gruppe XVI, Section 3.) Bericht von DR. MOSETIG VON MOORHOF, k. k. Primararzt und Univerfitätsdocent. Wie der trefflich verfafste Specialkatalog der XVI. Gruppe, Section 3, uns belehrt, hatte die Errichtung des Sanitätspavillons mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen; fie kam aber, wenn zwar verfpätet, dennoch zu Stande, und zwar auf eine Weife, die erfolgreicher wohl nie erhofft werden konnte. Es wäre auch höchft traurig gewefen, wenn nach den blutigen Kriegen der Letztperiode auf der in ihrem Umfange fo grofsartigen Wiener Weltausftellung gerade das wichtige Feld der Militärfanität und der freiwilligen Hilfe im Kriege nur ftiefmütterlich oder gar nicht bedacht worden wäre. Durch die raftlofen Bemühungen der Profefforen Billroth und Mundy und des Dr. Wittelshöfer kam es glücklicherweife zu einem Erfolge, der alle Erwartungen übertraf, und der Sanitätspavillon wurde nicht nur eine der fchönften Abtheilungen in der ganzen Ausftellung, fondern er bildete auch etwas ganz Neues, etwas, was in keiner der früheren Ausftellungen zur Ausführung gekommen war; denn felbft jene letzte Expofition univerfelle von Paris im Jahre 1867 brachte nur meift bekanntes.und altes Materiale der Kriegsminifterien zur Anfchauung und war demnach weder fo originell noch fo inftructiv wie unfere Ausstellung. An der Befchickung des Sanitätspavillons der Wiener Weltausftellung betheiligten fich Baiern, Dänemark, Frankreich, Oefterreich, Preufsen, Schweden, Schweiz, Spanien und Würtemberg; Rufsland ftellte feine Sanitätsobjecte im Induftriepalafte( Pavillon für Kriegsobjecte) auf, weil bei deren Ankunft der Bau des Sanitätspavillons noch nicht fertig war. Auffallend war es, dafs die meiften Objecte von Hilfsvereinen und Privaten gefendet wurden, während die Kriegsminifterien der verfchiedenen Staaten, mit einziger und rühmlicher Ausnahme Rufslands, entweder nur fehr wenig und mangelhaft oder gar nichts gefchickt hatten. Mit Bedauern vermifsten wir England. Die dor tigen Hilfsvereine verfprachen zwar anfänglich ihre Betheiligung, allein die Reali fation einer befonderen Sanitätsausftellung wurde von Seite der Generaldirection fo lange in die Schwebe gehalten, dafs die englifchen Vereine, des Abwartens einer endlichen Entfcheidung müde, die projectirte Befchickung einſtellten. I* 2 Dr. Mofetig von Moorhof. Wir wollen die im Sanitätspavillon ausgeftellten Objecte nicht nach Ländern befprechen, fondern nach einer natürlichen Gruppeneintheilung, nämlich - Dabei fei uns die Erwähnung nach ihren Zwecken und ihrer Verwendung. erlaubt, dafs unter den Vereinen am meiften und am verdienftvollften ausgeftellt haben: Die Société françaife de fecours aux bleffés, der deutfche Ritterorden aus Wien, der Central- Hilfsverein aus Berlin und der baierifche Hilfsverein, und unter den Privatausftellern fich befonders hervorgethan haben die Herren: Plambeck aus Hamburg, Fifcher und Lipowsky aus Heidelberg, Kellner aus Paris und Locati aus Turin. Der fehr zweckmässigen Inhaltseintheilung des Specialkataloges folgend, werden wir die Objecte in folgende Capitel theilen: Tragbahren. Transportwagen für Kranke und Verwundete. Küchenwagen. Magazinswagen( Fourgons). Lazareth Eifenbahnzüge. Tornifter und Feldtafchen für den Verbandplatz. Hofpitalbedarf. Verfchiedenes. Die Gruppe der Bücher, Abbildungen und Photographien können wir in Rückficht auf den kurz bemeffenen Rahmen diefes Berichtes nicht eingehend befprechen. Erwähnt fei noch, dafs in der erften Hälfte October in den Räumen des Sanitätspavillons eine Privatconferenz berühmter und mafsgebender Fachgelehrten ftattfand, welche die Objecte der fünf erften Gruppen praktifch prüfte und auf Grundlage der gemachten Studien gewiffe Normen aufftellte, nach denen in Zukunft die Objecte conftruirt fein follten, um auch wirklich ihrem Zwecke und den Anforderungen der Wiffenfchaft und der Humanität genügend entfprechen zu können. Wir werden am Schluffe jedes der fünf erften Capitel die Befchlüffe der Privatconferenz wörtlich anführen, weil wir ihnen unzweifelhaft die gröfste Bedeutung zufchreiben müffen. Tragbahren. Tragbahren find eigentlich Transportbetten und dienen zur Locomotion Kranker oder Verwundeter in horizontaler Lage, id eft in liegender Stellung. Wohl hat man auch Apparate zum Transporte in fitzender Stellung, doch nennt man diefe je nach Art ihrer Conftruction Tragfeffel, Sänfte oder Cacolet, Tragkörbe etc. Die Tragbahren beftehen im Wefentlichen aus einem viereckigen, der Länge und Breite eines erwachfenen Menfchen entsprechenden Holzrahmen, der die eigentliche Lagerftätte fafst und trägt und andere Vorrichtungen befitzt, welche theils zur Bequemlichkeit desKranken, theils wieder zur Erleichterung des Transportactes felbft dienen. Zu erfteren rechnet man Vorrichtungen, welche dem Kopfe des zu Transportirenden eine erhöhtere Lage zu geben beftimmt find, als Kopfpölfter oder Kopfftützen, welch' letztere nur eine Erhöhung der Lagerstätte felbft darftellen, gewöhnlich in Form einer fchiefen Ebene; zu letzteren find die Handhaben und die Füfse des Rahmens zu zählen. Erftere werden durch eine Verlängerung der Langhölzer gebildet, welche defswegen auch Tragftangen heifsen, zum Unterfchiede der Querhölzer oder Querftangen, welche die zwei kurzen Seiten des Rahmens darftellen. Die Handhaben find entweder feft, wie es in der Regel der Fall ift, ausnahmsweife und zu beftimmten Zwecken können iedoch die Handhaben auch mobil fein, damit man fie beim Miliiärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 3 Nichtgebrauche umklappen oder zurückfchieben könne, wodurch die Länge der Trage wefentlich verringert wird. Ebenfo können die Füfse, vier an Zahl und den Ecken des Rahmens entſprechend, fix oder umklappbar fein. Ich nenne die foeben angeführten Vorrichtungen unentbehrliche oder abfolut nothwendige zum Unterfchiede der fpäter zur Rede kommenden, relativ accefforifchen. Manche der Lefer werden mir vielleicht hierin widerfprechen, im Glauben, dafs die Füfse einer Tragbahre ganz gut entbehrlich feien, ja ihr Mangel fogar zur Vereinfachung des Ganzen beitrage und doch ift es nicht fo, denn drei Umstände verlangen fie auf eine peremptorifche Weife. Man beachte nämlich, dafs die Tragbahre, wenn fie einen am Boden liegenden Verwundeten aufnehmen foll, auf den Boden geftellt werden mufs, und diefer, falls er nafs ift, die Lagerftätte von rückwärts her befeuchtet und befchmutzt; man beachte ferner, dafs das Terrain, auf welchem man operirt, fehr häufig uneben ift und dadurch der flach aufliegenden Bahre keine genügend fefte und fichere Unterlage bieten kann; man bedenke fchliefslich, dafs das Erheben einer Laft um fo fchwieriger wird, je tiefer man fich bücken mufs, um diefelbe zu erfaffen. - Man hat auch vom Kopfpolfter oder den Kopfftützen behauptet, dafs fie ganz gut entbehrlich wären, indem in Friedenszeiten bald ein hiezu geeigneter Gegenftand aufzufinden fei, und im Felde der Tornifter oder der Mantel des Bleffirten als Unterlage für den Kopf verwendet werden könne, als ob diefer die genannten Objecte immer bei fich hätte. Beim Gefechte hat der Soldat Tornifter und überhaupt alle für den Augenblick unnützen und die freie Körperaction behindernden Bürden in den meiften Fällen abgeworfen, längft bevor, gewifs aber wenn er verwundet wurde; der Mantel aber geht im Sommer gleich dem Tornifter verloren und im Winter trägt ihn der Soldat am Leibe und darf diefer im kranken Zuftande feiner ſchützenden und wärmenden Umhüllung unter gar keiner Bedingung beraubt werden. Zu den relativ accefforifchen Beftandtheilen einer Tragbahre rechnet man Fixirgurten zur Befeftigung des Transportirten, Fufslehnen zur Sicherung feiner Lage beim Bergabtragen und die Bedachung der Trage, um den Transportirten vor Witterungsverhältniffen zu fchützen. Der Ausdruck relativ wird verftändlich werden, wenn einmal von der Art der Benützung der Trage die Rede fein wird. Der Rahmen einer Tragbahre ift wohl gewöhnlich aus Holz, denn Eifen hiezu verwenden zu wollen wäre fehr unpraktifch. Sind die Rahmenftangen aus maffivem Eifen, fo erhöhen fie das Gewicht der Bahre auf eine fehr bedenkliche Weife, und die Bedingung: eine beladene Trage folle durch zwei Menfchen ohne Ueberanstrengung getragen werden können, ift dann unmöglich zu erfüllen. Sind aber die Rahmenftangen hohl und hiedurch leicht, dann haben fie fchwerlich die genügende Widerftandsfähigkeit, abgefehen davon, dafs fie bei etwas roher Handhabung fich verbiegen und unbrauchbar werden. Endlich ift der Moment des Roftens nicht zu vergeffen. Die Lagerftätte der Trage wird gewöhnlich durch ein Bahrtuch aus fefter, ungebleichter oder auch wafferdichter Leinwand, oder durch eine dünne Rofshaarmatratze gebildet, je nach der Verwendung, welche die Bahre bekömmt. Da man Tragbahren im Frieden fowohl als im Kriege benützt fo theilt man fie ein, in Stadt und in Feld Tragbahren. An beide Arten ftellt man nun verfchiedene Forderungen, und werden wir defshalb diefe Eintheilung bei der ferneren Befprechung ftrenge einhalten, und beide Gruppen befonders behandeln müffen. Stadt- Tragbahren. In einer Stadt transportirt man vom Domicil in das Spital, oder von einem Spitale in das andere allerlei Kranke: Tobfüchtige und Delirante, Verwundete, Verftümmelte, mit ekelerregenden Ausfchlägen Behaftete und Andere mehr. Die Aufgabe, welche hiebei die Tragbahre zu 4 Dr. Mofetig von Moorhof. erfüllen hat, ift nicht blofs die, die zu Transportirenden üherhaupt bequem aufnehmen zu können, fondern fie mufs auch den Kranken ficher zu befeftigen erlauben und ihn vor Witterungseinflüffen und den Blicken Neugieriger bewahren. Alle diefe Poftulate fallen bei der Feldtrage weg, indem man diefe Bedingungen nicht erfüllen kann, ohne die Trage felduntüchtig zu machen. Sie dienen aber auch nur für Verwundete, die man den Blicken der Umftehenden und Paffanten nicht zu entziehen braucht, denn diefe find wahrlich an Jammerfcenen fchon gewöhnt und gewifs zu allem anderen als zur zwecklofen Neugierde dispo nirt. Man wird nun den Ausdruck relativ, den ich früher für gewiffe accefforifche Beftandtheile einer Trage benützt habe, begreifen. Diefe Beftandtheile find nemlich wohl für Tragen im Allgemeinen accefforifch, ſpeciell für Stadttragen find fie aber abfolut nothwendig, eine conditio sine qua non. Eine Stadttrage wird alfo Fixirgurten und Bedachung haben müffen, auch Fufsbretter, Matratzenlager, ifolirte Kopfpölfter, Decken etc. wird fie haben können, man hantirt ja damit nicht mit Ueberftürzung und Blitzesfchnelle wie im Kriege, fondern mit Mufse und Bedacht, und braucht auch nicht ängftlich das Gewicht der Trage zu bemeffen, denn als Träger nimmt man meiftens ftarke Männer oder benützt vier ftatt zwei Träger, und diefe find auch nicht fo erfchöpft wie die Verwundetenträger vor, während oder nach einer Schlacht. Die Stadttragen haben demnach gemeiniglich auf einen feften und foliden Holzrahmen eine Gurtennetz Unterlage gefpannt und darüber eine paffende Matratze, ferner Kopfpolfter und Decken, Fixirgurten und Fufsbreter, und darüber eine verfchieden geformte Bedachung, und find entweder zum Tragen allein eingerichtet, gewöhnliche Tragbahren oder mit Rädergeftellen verfehene Räder- Tragbahren. Letztere find wohl die praktiſcheften; man fahrt ja damit auf ebenem Boden oder gar auf gepflasterten Strafsen und genügt ein einzelner Mann als bewegende Kraft. Natürlich darf das Rädergeftelle mit der Tragbahre nicht ein Ganzes bilden, fondern beide werden erft bei der Benützung als Fahrobject miteinander verbunden. Stadt Tragbahren find im Sanitätspavillon durch zwei Mufter vertreten gewefen, eines die Stadttrage des Warfchauer Oberpolizei- Minifters und Generalmajors v. Wlafow. Sie ftellt einen ganz abgefchloffenen Holzkaften dar, welcher einer gewöhnlichen Stadtfänfte ähnlich fieht. Die innere Einrichtung geftattet das Sitzen fowohl als das Liegen, das Sitzbret ift nämlich umklappbar. Je nach Verwendung als Sänfte oder Bahre werden die Tragftangen, die aufserhalb des Kaftens durch eiferne Oefen laufen, verfchieden angebracht. Sitzt der Kranke, fo werden die Stangen entsprechend der Querachfe, liegt er, der Längsachfe des Kaftens nach durchgefteckt. Zweckmäfsig dünkt mir die Trage keinesfalls, denn in einem fargähnlichen Behäl ter faft ohne Licht und mit wenig Luft dürfte fich ein Gefunder unbehaglich fühlen. gefchweige denn ein Kranker oder ein Verwundeter, der diefer beiden fo wichtigen Bedingungen für Leben und Gedeihen in grofsem Mafse bedarf. Auch ihrer Form nach würden fie eher Tragkaften als Tragbahre heifsen können. Beffer ift die Stadt- Tragbahre von Lipowfky, welche auch für den Sanitätsdienft auf dem Weltausftellungsplatze Verwendung fand. Ein aus feftem Holze gebauter Rahmen mit Handhaben und Füssen trägt auf einem Gurtengeflechte eine dünne Rofshaar- Matratze mit Kautfchukeinlage und hat Fufsbret, Kopfpolfter und Fixirgurten. Die Bedachung befteht aus einem viereckigen dünnen Eifengeftelle welches in der Mitte gebrochen, und allhier mit Sperrhaken verfehen ift. Oeffnet man letztere, fo kann man die zwei Dach- Geftelltheile ähnlich den Kutfchdächern eines Landauer Wagens nach dem Kopf und Fufsende zu niederklappen, und gewinnt hiedurch die vollfte Zugäng lichkeit zum Innerraum. Ift der Kranke beforgt, fchliefst man die Geftelltheile und bedeckt das Ganze mit einem Ueberzuge aus wafferdichtem Stoffe, in dem noch Militärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 5 feitliche Ausfchnitte angebracht find, damit Luft und Licht in hinreichender Menge eindringen können. In einem der im Sanitätspavillon aufgeftellten Albums von Profeffor Mundy, welches das franzöfifche Sanitätsmateriale des Parifer Hilfsvereines zur Zeit der Belagerung in vorzüglichen photographifchen Abbildungen darftellt, fand ich die Zeichnung einer von Mundy conftruirten, in Paris 1870 und 1871 vielfach verwendeten Stadt- Tragbahre, welche aller Beachtung würdig erfcheint.- Der fefte Rahmen der Bahre mit feften Füssen und Handhaben nimmt eine Lagerftätte auf, welche in drei Theile gebrochen ift, die gegenfeitig mit Charniergelenken articuliren. Der obere oder Kopftheil, gut gepolstert und gleich den übrigen mit Leder überzogen, läfst fich in einem beliebigen Winkel, gleich einem Notenpulte aufftellen und fixiren; er hat die Aufgabe, dem Stamme und dem Kopfe des Bleffirten eine entsprechende, und je nach Bedarf erhöhte Lage zu geben, wodurch die abfolute Nothwendigkeit einer befonderen Kopfftütze entfällt. Die unteren zwei Dritttheile laffen fich gegenftellig wieder in jedem beliebigen Winkel fixiren, und foll das mittlere Dritttheil die Oberfchenkel, das untere die Unterfchenkel aufnehmen. Ein der Länge des Kranken analog ftellbares Fufsbret und Fixirgurten fichern noch vollends die Lage des Kranken. Auf diefer articulirten Trage kann man das Individuum je nach Bedürfnifs in verfchiedenen Lagen transportiren; mit ftark oder fchwach erhöhtem Oberkörper, mit geftreckten, oder halbgebeugten unteren Gliedmafsen. Die Bedachung wird durch ein einfaches, viereckiges Eifengeländer gebildet, welches man im Rahmen einfetzen und wieder abnehmen, und mit einem wafferdichten Stoffe zudecken kann. Die Vorzüge der articulirten Bahre vermag eigentlich nur ein Fachmann in ihrer grofsen Bedeutung zu würdigen. Bedenke man wie häufig in einer Stadt der Transport von Kranken nothwendig wird, die an eingeklemmten Eingeweidebrüchen, an Knochenbrüchen des Schenkelhalfes, des Oberfchenkels, und andere Erkrankungen oder Verletzungen leiden, welche eine Doppelflexion im Hüft- und Kniegelenke fehr wünſchenswerth machen, gar nicht der Verletzungen des Unterleibes oder der Schwangeren zu gedenken, bei denen eine Erfchlaffung der Bauchdecken namentlich während des Transportes erforderlich ift. Und wie dringend nothwendig ift nicht eine Erhöhung des Stammes und des Kopfes, alfo eine halbfitzende Lage bei allen Kranken, die mit Herz- und Lungenkrankheiten, mit Kehlkopf Affectionen, Gehirncongeftionen oder gar Schlagflüffen behaftet find. Unter den Räder Tragbahren für den Stadtgebrauch finden wir ganz zweckmäfsige Modelle in den fogenannten Fahrkörben von Lipowsky und Fifcher in Heidelberg. Sie ftellen eine Matratzen Tragbahre dar, die keine Füfse hat, und auf einem Fahrgeftelle mit zwei feitlichen hohen Rädern abnehmbar ruht. Die Bedachung ähnelt einer Kinderwiege oder Kinderkorbe aus Strohgeflecht mit Halbdach und ohne Boden. Man fetzt fie einfach auf den Bahrenrahmen auf und befeftigt fie alldort, wenn nicht eine Zapfenficherung vorhanden wäre. In einem Modelle ift der Korb vollkommen gefchloffen, fo dafs nur die Halbdach- Oeffnung offen bleibt, im anderen ift auch der Fufstheil offen und kann mit einem Spritzleder bedeckt werden, ein drittes Modell trägt ein Halbdach aus gefirnifster Leinwand. Diefe fahrenden Babren gewähren dem Kranken Licht, Luft und Ausficht, nur müffen fie beim Fahren gegen den Wind und bei ftrenger Kälte rücklings gezogen oder gefchoben werden, fie verbergen ferner den Kranken vorzüglich, da deffen Kopf fo tief im Innern des Halbdaches zu liegen kommt, dafs er im dunklen Raume nur ſchwer gefehen werden kann. Der Magiftrat der Haupt- und Refidenzftadt Wien hat letzter Zeit eine Partie folcher Räderbahren acquirirt, die fich ganz gut bewähren, überhaupt wäre es wohl an der Zeit, dafs die Stadt- und Landgemeinden der verfchiedenen Länder fich auch in der Annahme eines vernünftigen und im Wefentlichen möglichft uniformen Modelles einigen möchten, auf dafs man nicht, felbft 6 Dr. Mofetig von Moorhof. in Mufteranſtalten, immer wieder Ungethümen begegne, weiche jeder Idee eines zweckmässigen Transportmateriales förmlich Hohn fprechen. Weitere Modelle von Stadt- Tragbahren mit Rädergeftellen waren ausgeftellt von Efterlus in Wien, und Fuchs in Biala und Brünn. Feld- Tragbahren. Bei einer Feld- Tragbahre walten andere Poftulate vor. Man erfordert von ihr vorerft die möglichfte Leichtigkeit. Ein Mann ( Sanitätsfoldat), der nebftbei bepackt ift, foll fie leer ohne Anftrengung ftundenlang tragen können, und zwar ganz, das heifst, mit allen ihren Beftandtheilen. Man wird leicht begreifen, mit welcher enormen Auswahl bei ihrer Conftruction vorgegangen werden mufs und wie nothwendig es wird, Alles an ihr, was nicht ftrenge und unabweislich nothwendig ift, zu entfernen, alfo einfacher Rah men aus einer leichten Holzart, keine Matratze, fondern ein einfaches Bahrtuch, keine Fufslehnen, kein Dach, dafür aber eine Kopfftütze und als unentbehrliches Bedürfnifs Füfse werden ihre Beftandtheile bilden. Die Feld- Tragbahre foll aber auch ficher, das heifst, refiftenzfähig fein, fie darf nicht zufammenbrechen bei etwas ftärkerer Belaftung oder roher Bedienung, fie darf fich auch nicht biegen oder krümmen. Die Feld- Tragbahre foll ferner zerlegbar, und auf das möglichft kleinfte Volumen reducirbar fein, damit man fie zu Hunderten auf den erften beften Wagen zum Schlachtfelde hinführen könne, und doch müffen dabei möglichst wenig getrennte Stücke vorkommen, da diefe leicht verloren gehen; das Zufammenftellen foll leicht und fchnell erfol gen können, der Mechanismus überhaupt fo einfach und klar ver ftändlich fein, dafs der erfte befte Soldat, auch wenn er nicht mit viel Mutterwitz gefegnet ift, ihn ohne Anleitung und langes Nachfinnen ausfindig machen könne. Wir find aber mit den Poftulaten noch immer nicht zu Ende. Die FeldTragbahre foll das Umladen des darauf liegenden Verwundeten ohne ftärkere Locomotion desfelben geftatten. Nicht von rohen und ungeübten Wärtershänden foll der im Schmerzensübermafse laut jammernde Verwundete von der Bahre auf das Krankenbett gefchleppt werden, nein, er foll fammt der Bahre auf das Lager gelegt, der Rahmen foll detachirt, und das frei gewordene Bahr tuch gleich einem Durchzuge, fanft unter feinem Körper herausgezogen werden können. Wenn man die enormen Schwierigkeiten, alle diefe verfchiedenen Anforderungen in ein einziges Object vereinigen zu follen, berücksichtigt, fo wird man fich kaum darüber wundern können, dafs trotz der vielen Kriegsepochen der Vergangenheit man erft in neuerer Zeit zweckentfprechende Modelle erfonnen hat, und noch immer unpraktifches und unbrauchbares Zeug neu erfindet. Als letzter Wunfch, den man an eine Feld- Tragbahre ftellt, foll fchliefslich der gelten, fie( wenigftens bei der Armee jedes Landes), uniform gebaut zu haben, damit man doch den wichtigſten Anhaltspunkt finden könne, wie man die Bleffirtenwagen, welche die beladenen Bahren aufzunehmen haben, conftruiren foll. Ich brauche wohl kaum zu erwähnen, wie zweckmäfsig es wäre, wenn überhaupt alle Staaten der Welt nur eine Qualität Feldfanitäts- Materiale hätten. Wie leicht könnte da ein Austausch des Materiales für Verwundete zwifchen den kriegführenden Mächten ftattfinden. Die Feld Tragbahren laffen fich gleich den Stadttragen in zwei Kategorien eintheilen, in einfache und Räderbahren, ferner mufs man aber noch eine andere Eintheilung zulaffen, die für die Verwendbarkeit der Bahren im Kriege mafsgebend ift. Es ift nämlich wohl klar, dafs das Terrain, auf welchem man die Tragbahre benützt, ganz und gar beftimmend auf deren Conftruction fein mufs, und dafs eine Bahre, welche für die Ebene ganz vorzüglich ift, für den Gebirgskrieg fich nicht ebenfo eignen könne. Die Differenzirung der Gebirgs Militärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 7 tragen als eine Specialität der Feld- Tragbahren ift daher geboten und nothwendig. Es waren im Sanitätspavillon die nachfolgenden einfachen Feld- Tragbahren ausgeftellt, welche befprochen zu werden verdienen. Die Feldtrage von Mundy Locati; die Feldtrage von Mundy mit Bambusrohr- Stangen; die verbefferte franzöfifche Tragbahre von Kéllner; die öfterreichifche und die ruffifche Armee- Feldtrage; ferner einige Lipow fk y'fche Modelle. Die Feldtrage Mundy Locati ift aufserordentlich leicht( Gewicht acht Zollpfund); fie hat fefte, runde Tragftangen aus piemontefifchem Efchenholz und als Querftangen zwei Holzböcke, die mit kurzen und feften Füfsen verfehen find. Die Holzböcke entbehren jedes Eifenbeftandtheiles, und haben über den Füfsen je zwei runde Bohrlöcher, durch welche die etwas verjüngten Enden der Tragftangen hindurchgefteckt werden. Das Bahrtuch hat an jeder Längsfeite je eine Oefe, welche durch eine Dupplicatur der Leinwand gebildet wird, und daher eben fo lang als das Bahrtuch felbft ift. Sie dient zur Aufnahme der Tragftangen. An jener Breitfeite, die dem Fufsende entſpricht, trägt das Bahrtuch mit Leder garnirte Löcher, wodurch fie in entſprechende Knopfftifte, welche einer der Holzböcke an feiner Aufsenfeite trägt, befeftigt wird. Die Breitfeite des Kopfendes dagegen, welche einen feft angenähten, keilförmigen Kopfpolfter auffitzen hat, ift gleich den Längsfeiten mit einer Oefe verfehen, mit der Beftimmung, den Holzbock des Kopfendes aufzunehmen. Damit man das Durchftecken leichter bewerkstelligen könne, find die Füfse desfelben infoferne beweglich, als fie entfprechend der Axe des Querftückes geftreckt werden können. Beim Demontiren der beladenen Trage wird zuerft das Bahrtuch vom unteren Holzbock losgeknöpfelt, und letzteres von den Tragftangen weggezogen. Nun zieht man jede Tragftange von unten her aus den Bohrlöchern des oberen Holzbockes und den Oefen des Bahrtuches heraus, ftreckt den einen Fufs des oberen Holzbockes, und hat man ihn aus der oberen Queröfe des Bahrtuches entfernt, fo erübrigt fchliefslich nur noch Letzteres unter dem Körper des Verwundeten hervorzuziehen. In umgekehrter Ordnung erfolgt das Montiren. Behufs des leichteren Tragens in demontirtem Zuftande ftellt man beide Holzböcke und die Tragftangen parallel neben einander, und rollt fie einfach in das Bahrtuch ein. Ein Riemen, eine Traggurte oder ein kleiner Strick verbindet das Ganze, welches gleich einer Fahnenftange auf der Schulter bequem getragen werden kann. Ein grofser Vorzug diefer Trage ift der dafs fie keine Eifenbeftandtheile enthält. Die Eifenbeftandtheile, als: Spangen, Nägel, Stifte etc., vermehren nämlich das abfolute Gewicht, und die eifernen Nägel fchwächen das Holz und vermindern deffen Refiftenzfähigkeit, weil fie durch die nothwendigen Bohrlöcher kleine Continuitätstrennungen im Holze hervorrufen. Die Feldbahre von Mundy mit Bambusrohr- Stangen ift analog der eben befchriebenen gebaut, nur hat fie ftatt den Tragftangen aus piemontefifchem Efchenholze, Bambusrohre von etwa 5 Centimeter Durchmeffer. Diefe Bahre ift daher auch viel leichter im Gewichte und wiegt nur 6 Zollpfund. Sie ift die leichtefte Feld- Tragbahre, die bis jetzt exiftirt. Bambusrohre von der angegebenen Dicke genügen nach den bisherigen Erfahrungen leider nicht, um Menfchen mit 150 bis 160 Pfund Körpergewicht ficher tragen zu können, und wären andere Rohrgattungen von foliderer Natur mit Leichtigkeit und mit relativ geringen Koften zu befchaffen, dann wäre damit allerdings das Ideal einer fehr leichten und feldtüchtigen Feldtrage erreicht. Auftralien hat neuerer Zeit eine Holzgattung in den Handel gebracht, welche Hikoryholz heifst, und welche mit unendlicher Leichtigkeit genügende Dauerhaftigkeit bieten foll. Leider war im Sanitätspavillon kein Tragbahren- Modell von Hikoryholz ausgeftellt und fo bleibt 8 Dr. Mofetig von Moorhof. demnach bis auf Weiteres das Modell Mundy Locati mit piemontefifchem Efchenholz noch immer das Befte. Das Kellner'fche Modell hat eiferne Böcke, wovon das obere H- förmig gebaut ift, das Querftück hat nämlich nebft den Füffen, ihnen diametral wegftehende, faft ebenfolange Zinken. Sie dienen dazu, um das daran befeftigte Bahrtuch zu erhöhen, und dadurch eine Kopfftütze zu bilden, welche den Kopfpolfter erfetzen foll. Diefes Modell nennt fich die modificirte franzöfifche Bahre, weil an der bisherigen franzöfifchen Armee- Tragbahre das Bahrtuch an den Tragstangen angenagelt war. Kellner hat die Oefenvorrichtung angebracht und dadurch das Bahrtuch detachirbar gemacht. Die Tragftangen find nicht wie bei den früher gefchilderten Bahren rund, fondern viereckig, und diefs ift ein entfchiedener Nachtheil, weil das Bahrtuch an den Kanten fich wetzt und leichter defect wird. Die öfterreichifche Armeetrage ähnelt der Kellner'fchen; fie hat auch viereckige Tragftangen, nur find die Böcke aus Holz. Die Trage ift maffiv gebaut und etwas fchwer, hat zu lange und fpitze Füsse und wiegt 20 Wiener Pfund. Bei einem anderen Modelle hat der untere Querbock, ähnlich dem oberen, auch nach oben ragende Zinken, wenngleich von geringerer Höhe. Ein Gurtenftück ist zwifchen beiden quergefpannt und bildet die fo entbehrliche Fufslehne. Als ein fehr zu verwerfendes Princip der öfterreichifchen Armee- Tragbahre mufs hervorgehoben werden, dafs deren Beftandtheile von zwei Mann getragen werden. Treffen nun im gegebenen Momente diefe nicht zufammen, fo wird auch die Zufammenftellung oder das Montiren der Trage ganz unmöglich fein. Getreu dem oben aufgeftellten Principe, dafs jede Feldtrage mit allen ihren Beftandtheilen von nur einem einzigen Manne getragen werden müffe, find wir in die nothwendige Lage verfetzt, alle jene Tragbahren, welche diefem Principe nicht adäquat gebaut find, als nicht zu empfehlende Objecte zu erklären. Lipowfky hatte viele Modelle ausgeftellt. Eine der Feld- Tragbahren wird gebildet aus einem auf Latten befeftigten Leinwand- Sacke, welcher mit Heu oder Stroh gefüllt werden kann, gleich einer Matratze, und zufammengerollt auf der Schulter zu tragen ift. Sie kann, der Füllungsvorrichtung wegen, auch als Feldbett verwendet werden. Eine zweite Bleffirten- Feldtrage hat in der Mitte gebrochene Tragftangen mit Büchsen- und Federfchlufs, eine Einrichtung, welche wohl das Tragen er leichtert. dafür aber bedenkliche Nachtheile hat, infoferne als gerade in der Mitte wo die Belaftung am ftärksten ift, die Schwächung vorkommt. Den gleichen Nachtheil hat die Bahre des k. k. Affiftenzarztes Kohn, welche mit Ausnahme der gänzlich fehlenden Kopfftütze, die gleiche Conftruction hat, und bei der felbft das Bahrtuch gleich den Stangen zweitheilig ift. Auch diefe Bahren find durch zwei Mann getheilt zu tragen. Die übrigen Lipowfky'fchen Bahren ähneln theils dem Locati- Kellner und Mundy'fchen, theils dem öfterreichischen Modelle, nur eines darunter hat eine befondere Kopfflütze. Von den Enden der Zinken des oberen Querbockes gehen nämlich zwei mit Charnieren befeftigte Holzftäbe ab, welche mit ihren freien Enden an die Rahmenbahre fich legen, und fonach ein fchiefes Geftell bilden, das ein eigens mit Oefen anzumachendes Leinwandftück trägt. Die ruffifchen Tragbahren find den franzöfifchen Armeebahren ähnlich conftruirt, nur um viel breiter und länger, auch find die Querböcke aus Holz und die an den Tragftangen angenagelte Leinwand ift mit einem feften und engen Gurtennetz unterfpannt. Die Unterſpannung des Bahrtuches hat den wefentlichen Vortheil, dafs letzteres trotz der Belaftung nicht muldenförmig einfinken kann. Diefer unleug bare Vortheil wird aber reichlich aufgewogen durch den Umftand, dafs diefe Einrichtung das Detachiren des Bahrtuches nicht geftattet. Die amerikanifchen Tragbahren von Smith haben Längsfangen, welche durch Quereifen, die in der Mitte Charniere tragen, verbunden find. Letztere 1 1 r ב S r r 1. t V er 1, 1. e m 1. at d er er ett en er te h- er oft ch ln en er te nd in. ch nd en afs ng. نے من n en, ere Militärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 9 erlauben das Zufammenlegen der Bahre, fo dafs diefelben beim Transporte auf die Hälfte ihres Volumens reducirt werden können. Ein befonderes Kopfgeftelle und vier ftellbare Füfse vervollſtändigen die Trage. Das Gewicht diefes von Lipowfky ausgeftellten Modelles beträgt 28 Pfund. Die amerikanifche Tragbahre von Howard hat hölzerne Querftücke, und vier eiferne, ftellbare Füfse. Das Bahrtuch ift nur an der einen Tragftange feftgenagelt, an der anderen hat es eine Langöfe, durch welche die zweite Tragftange durchgefchoben wird; letztere wird aber mit den Querftücken nicht feft verbunden, fondern wird von ihnen durch zwei offene Gabeln aufgenommen. Von einfachen Gebirgs Tragbahren liegen zwei Modelle vor, eines von Demaurex aus Genf, welches einer Hängematte vergleichbar ift. Ein aus fefter Leinwand gebildetes Bahrtuch hat am oberen Querende eine Oefe, durch welche ein beliebiger Holzftab durchgefteckt werden kann, das untere Ende hingegen verjüngt sich allmälig, und geht fchliefslich in einen breiten Traggurt über. Der Verwundete wird darin wie in einer Hängematte getragen. Das Kopfende trägt ein Träger vermittelft des Querholzes, das untere ein zweiter Träger einfach über die Schulter gelegt. Complicirtheit kann man diefem Tragmittel allerdings nicht vorwerfen, allein wie liegt der Verwundete darin!? Das zweite Modell( etwa 10 der natürlichen Gröfse) ift von Dr. Metcalfe aus Genf angegeben. Es hat zum Zwecke, unbefchadet aller Terrainsverhältniffe, den Verwundeten ftets und immer die horizontale Lage zu fichern. Die Bahre befitzt hiezu einen concentrifchen Doppelrahmen, wovon der äufsere die Tragftangen, der innere das Bahrtuch befitzt. Letzterer hängt am Aufsenrahmen durch eine Achfenvorrichtung zufammen, welche entſprechend dem mittleren Querdurchmeffer läuft, und die der Bahre eine von der Richtung der Tragftangen ganz unabhängige, ftets horizontale Lage fichert. Es ift hiemit das Princip der Spitals- Tragfeffeln mit beweglichen Stangen auf die Tragbahre übertragen. Ich zweifle nicht im geringften, dafs diefe Bahre in Spitälern fehr gute Dienfte zu leiften vermöchte, wenn man Kranke über Stiegen tragen mufs, ob aber die fonft relativ fchwere, grofse und plumpe Trage für den Gebirgskrieg fich eigne, daran mochte ich wohl nicht unbedingt glauben. Im Gebirgskriege, wo man die Verwundeten über fehr fteile und fich krümmende Stege, über fchmale Päffe etc. tragen mufs, können kaum Tragbahren verwendet werden, die lang und fchwer manövrirbar find und von zwei Menfchen getragen werden müffen. Das Ideal hiefür könnte nur etwa eine Trage darftellen, die von einem Menfchen allein, oder von einem Saumthiere getragen werden könnte und nebftbei fehr compendiös wäre, doch ein folches Modell ift bis jetzt noch von Niemanden praktiſch und brauchbar erfonnen worden. Die bisher in Gebirgskriegen gebräuchlichen Transportmittel waren die Cacolets, die, je zwei für ein Saumthier, an jeder Seite des Tragfaumes befeftigt werden; doch find die Cacolets keine Tragbahren, fondern Tragfeffel. Die fonftigen Gebirgs- Tragfeffel aus Eifen, fowie die Hängematten und Dhoolys ( Indien) mit Tragftangen aus fehr dickem Rohre find gleichfalls noch immer höchft dürftige Transportmittel. Eine Räderbahre für den Transport Verwundeter üher fteile Bergpfade mit Bremfe, Schirmdach, Schutzflügeln und Tafchen auf zwei Rädern mit Druckfedern hat Lipo wfky zur Anfchauung gebracht. Es fehlen nur noch die Gabelftangen und Laternen, um mit einem Ponny befpannt ein ganz niedliches Wägelchen abzugeben, für den Gebirgskrieg als ernfte Bahre wird fie aber nie und nimmer zu gebrauchen fein. Roll- oder Räderfeldbahren waren ziemlich zahlreich vertreten. Wohl haben diefe den Vortheil, dafs ein Mann zur Fortbringung des Verwundeten genügt, allein die oft fchwierigen Terrainverhältniffe machen fie oft fehr problematifch, berücksichtigt man ferner ihren höheren Koftenpreis und namentlich 10 Dr. Mofetig von Moorhof. den Umftand, dafs ihr Transport zum Schlachtfelde in gröfserer Anzahl fchwer ift, da fie fich nicht fo compendiös zusammenlegen laffen, wie die einfachen Tragen, fo werden wir berechtigt fein zu behaupten, dafs fie für den Kriegs gebrauch, im Allgemeinen gefprochen, unzuläffig feien. Namentlich gilt diefes für jene Modelle, bei denen die Räder einen inamoviblen Beftandtheil der Trage conftituiren, jene Modelle hingegen, welche gewöhnliche einfache Feld- Tragbahren darftellen, welche blofs im Nothfalle auf ein Rädergeftelle befeftigt werden können, entziehen fich natürlich diefem Vorwurfe, der dafür das Rädergeftelle trifft. Unter allen bis jetzt erfundenen eigentlichen Räderbahren gibt es eine einzige, die compendiös zufammenftellbar ift, und nur durch einen Mann auf das Schlachtfeld getragen und beladen geführt werden kann, es ift die von Mundy 1867 ausgedachte. Lipowfky und Fifcher aus Heidelberg ftellten fie aus. Sie befteht aus einem gefchweiftem, etwas federnden Holzrahmen, welcher dreifach zufammengelegt werden kann. und befitzt keine eigentlichen Federn. Der Rahmen ift mit Segeltuch überfpannt, hat einen kleinen runden Kopfpolfter, eine aufklappbare Fufslehne, einen Quergurt, und zwei kleine feitliche Flügel. Die untere Rahmenfläche trägt entſprechend ihrem Schwerpunkte zwei Räder( Holzfcheiben mit Eifenreifen) und hinter ihnen zwei ftellbare Füfse. Beim Zufammenlegen der Trage wird der Bahrenrahmen dreifach zufammengefchlagen, fo dafs der Kopftheil auf den Mitteltheil, und der Fufstheil über dem Kopftheil zu liegen kommt, die kleinen Seitenflügel kommen nach abwärts, die Räder wer den gegen die Mitte umgeklappt, fo dafs fie horizontal zu ftehen kommen und fchliefslich das Ganze mittelft des Traggurtes fixirt. Auf diefe Weife läfst fich die Bahre gleich einem Tornifter auf dem Rücken tragen. Das Gewicht diefer Trage ift 30 Pfund. Gegen die Anwendbarkeit im Felde fpricht nur der höhere Koftenpreis, und das Moment der Kleinheit der Räder, welche bei weichem und ftark gelockertem Boden denn doch tief einfinken könnten, wodurch begreiflicherweife die Kräfte eines einzigen Führers zur Fortrollung wohl nicht genügen dürften, und mithin der eigentliche Zweck der Räderbahre verloren ginge. Eine ganz unmögliche Rädertrage, die fogar unter dem Namen: ,, Gebirgs wagen" im Kataloge vorkommt hat der öfterreichifche patriotifche Hilfsverein ausgeftellt. Sie läuft auf drei Rädern, hat kurze Federn, ein Kutfchdach, innere Polfterung, Seitenwände, kurz fie fieht einem Kinderwagen gröfserer Dimenfion fehr ähnlich. Noch unmöglicher ift das Modell von Langer ( Wien). bahren: Weiters finden wir in der Lipowfky'fchen Collection folgende RäderEine Räderbahre gleichzeitig Feldbett von Gauvin( Frankreich). Der verftorbene Stabsarzt Gauvin war der erfte der üherhaupt die Idee verwirklichte, die Elafticität der Bahren durch Federkraft zu erhöhen Das von ihm angegebene Modell befteht aus einem mit ftellbaren Füfsen verfehenen viereckigen Holzrahmen, der an der Unterfläche vier kleine Rollen trägt und auf einem zweirädrigen Achfengeftelle ruht. Auf diefen Rahmen wird mittelft vier Schneckenfedern die Tragbahre fuspendirt, die mit Kopfpolfter, Fufs- und Seitenlehnen und einem aus dünnen Eifenftangen und Drillich formirten Schutzdache verfehen ift. Nimmt man diefer Fahrbahre die Räder weg, fo kann fie als Feldbett verwendet werden, ja, fie eignet fich auch zum- Weitertransporte auf der Eifenbahn oder auf Schiffen befonders gut, da fie mittelft der vier kleinen Rollen überall mit Leichtig keit hingefchoben werden kann, und ganz vorzüglich federt. Selbft als Stadt- Trag bahre ift fie gut verwendbar, da fie gedeckt ift. Eine Räderbahre nach Pirogoff( Rufsland) mit zwei fehr hohen Rädern, auf Gurten hängenden Schwebefitzen mit Schirmdach und Kopfkiffen. Zwei Verwundete laffen fich gleichzeitig darauf bequem in eine halbfitzende Stellung lagern und durch einen Mann fortbringen. J 1 e e f e e 1 e k e 1. er T er e. e 2- t. et uf 0 en He Militärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 11 Eine Räderbahre nach Neudörfer( Oefterreich) auf Druckfedern und hohen Rädern, um einen Bleffirten liegend oder zwei fitzend zu transportiren. Alle diefe Modelle eignen fich felbftverſtändlich trotz ihrer fpeciellen Vorzüge zu einer allgemeinen Anwendung im Kriege nicht; fie find eben zu complicirt, zu koftfpielig und zu wenig widerftandsfähig. Unter den Rollbahren angeführt finde ich im Kataloge auch Mühlwenzels Triclinum mobile in feiner Anwendung auf einen Schiebkarren" Der Name deutet fchon an, wie diefes ganz merkwürdige Transportmittel beiläufig ausfehen mag, und da ein gewöhnlicher hölzerner, federnlofer, einrädriger Schiebkarren Jedermann bekannt fein dürfte, fo erübrigt mir nur über das Triclinum mobile einige Worte zu fagen. In der Form dem von Stanieli( Rufsland) angegebenen Modelle ganz analog nachgebaut und auch den gleichen Namen Triclinum mobile führend, beſteht diefe foi difant Tragbahre aus einer vom Kopfe zu den Füfsen allmälig fich verfchmälernden durchlöcherten Eifenblechplatte, welche doppelt gebrochen ift, und deren drei Stücke in einem beliebigen Winkel zu einander geftellt werden können, fo dafs man damit im Stande ift, dem Kranken jede beliebige Lage zu geben: horizontal liegend, halbliegend, halbfitzend und fitzend. An den Verbindungsftellen befitzen die Bahrftücke Charniergelenke und Stifte, welche die Fixation in der eben beliebten Stellung ermöglichen. Auf den Schiebkarren kann die Bahre jedoch nur in der Stellung für einen Halbliegenden mit Beugung im Hüft- und Kniegelenke. mittelft Riemen befeftiget werden, da die beftimmte Länge des Schiebkarrens keine ftärkere Streckung der Bahre zuläfst. Von einer Federung ift natürlich nicht die Spur. Um in meiner Befchreibung vollständig zu fein, mufs ich noch erwähnen, dafs der mittlere Bahrentheil, welcher die Oberfchenkel vom Gefäffe bis zu den Kniebeugen aufnehmen foll, an jener Stelle, die der apertura analis entspricht, ein verfchliefs bares Guckfenfterlein zu gewiffen Zwecken befitzt; freilich wäre es zur vollſtändigen Erreichung des angeftrebten Zweckes noch nothwendig, wenn die Bekleidungsftücke des Bleffirten an der entsprechenden Stelle eine ähnliche Vorrichtung hätten, denn anders ift der Werth jenes Fenfters fchwer begreiflich, wenn man nicht etwa vor dem Aufladen fpecielle Vorkehrungen treffen follte. Wenn ich noch fchliesslich fage, dafs der Fufstheil ein ftellbares, fehr gebrechliches Fufsbret befitzt, fo glaube ich Alles angeführt zu haben, was zum Verftändniffe diefes feltfamen Objectes nothwendig ift. Man erlaffe mir deffen kritifche Beleuchtung, da es ohnediefs feinerzeit auch von officieller Seite ganz und gar verworfen wurde. - Wir gelangen nun zu den Tragbahren mit detachirtem Rädergeftell. Da man jede beliebige einfache Feldtrage auf ein Rädergeftell zu befeftigen vermögen foll und letzteres fonach mit der Tragbahre eigentlich in keinem näheren Connexe fteht, fo werde ich, da von den einfachen Feldtragen fchon die Rede war, blofs der Rädergeftelle zu gedenken haben. Die erften diefsbezüglichen Modelle wurden vom englifchen Sergeanten Shortell und dem Schweizer Ruepp conftruirt. Das Modell von Shortell gleicht dem Hintergeftelle eines Stadtwagens. Es befitzt zwei Pinzettenfedern und darüber eine Vorrichtung, um eine jede einfache Tragbahre aufnehmen und fixiren zu können. Zum Zwecke des leichteren Aufladens ift eines der Räder mittelft einer Klemmfchraube fixirbar. Damit man jede beliebige Handtrage, ob breit oder fchmal, ficher auf das Geftell befeftigen könne, find ferner die Pinzettenfedern auf der Achfe verfchiebbar; eine aufklappbare, lange Gabel vervollftändigt das Fahrgeftelle; letztere ift abfolut nothwendig, um die aufgeladene Trage während des Stehens zu fichern, denn beim Ruepp'fchen Modelle, wo diefe fehlt, ift man gezwungen die Trage fortwährend zu halten, um deren Umkippen nach vorne oder nach rükwärts die Trage wird wie begreiflich in ihrer Mitte am Geftelle befeftigt- zu verhindern. - 12 Dr. Mofetig von Moorhof. Das im Sanitätspavillon ausgeftellte preufsifche Geftell, und jenes von Mühlwenzel find dem Shortell' fchen ähnlich gebaut, nur find die Federn fix und fehlt die Klemmfchraube am Rade. Die Privatconferenz ftellte für einfache Feld- Tragbahren folgende Poftu late feft: a) Im Felde foll nur eine Art Feldtragen zur Verwendung kommen. b) Die Feldtrage mufs leicht( 20 Pfund Maximum) und folid fein, damit fie fuspendirt werden könne; das abnehmbare Bahrtuch foll aus Leinenftoff beſtehen und gehörig grofs fein. c) Die Tragftangen follen aus leichtem und refiftenzfähigem Holze oder Rohre beftehen. d) Die Feldtrage foll Füfse und ein erhöhtes Kopfftück haben; Fufslehnen find nicht nothwendig. Ferner follen bei der Conftruction Eifenbeftandtheile, Bohrlöcher und Nägel möglichft vermieden werden. e) Für die Conftruction einer zweckmäfsigen Gebirgstragbahre wäre von den Hilfsvereinen eine Prämie auszufetzen. Bleffirtenwagen. - denn diefs ift die nicht für alle Fälle Der Zweck eines Bleffirtenwagens ift im Kriege gewöhnlich der, die Ver wundeten vom Hilfsplatze zum Verbandplatze und von diefem weg in die Feldfpitäler zu fchaffen. Diefer letztere Transport gefchieht direct, wenn die Feldfpitäler nicht zu fehr entfernt find, indirect wenn auch Schienenwege oder Waffer ftrafsen zu Gebote ftehen. Länger als 12 Stunden follte ein Bleffirter auf Transportwagen nie gefahren werden aus Gründen, die wohl Jedem einleuchten dürften. Hie und da wird es fich aber ereignen können, dafs die Verbandplätze entweder am nothwendigen Orte nicht aufgeftellt wurden oder diefelben aus was immer für Gründen deplacirt werden mufsten. In folchen Fällen mufs der Bleffirtenwagen die Verwundeten offenbar vom Hilfsplatze oder gar vom Schlachtfelde direct in die Feldfpitäler fchaffen und ift daher die Anficht, dafs die Bleffirtenwagen ad hoc die Verwundeten nur 2000 Schritt weit zu fahren hätten präliminirte Entfernung zwifchen Hilfs- und Verbandplatz richtig. Wie kommen aber, wenn die angedeutete Anficht auch richtig wäre, die Verwundeten vom Verbandplatze zum Feldfpital? Und wie gefchehen die Evacuationen und Transporte der Kranken? Um diefen Transport entsprechend erfüllen zu können iſt nicht jedes roulante Vehikel anwendbar, und der traurige Umftand, dafs bei einer grofsen Verwundetenzahl jedes wie immer befchaffene Fahrzeug zum Transporte benützt wird, um nur rafch das Schlachtfeld räumen zu können, foll ja nicht zur irrigen Anficht führen, behaupten zu wollen: das geeig netfte Materiale zum Transporte Verwundeter feien die landesüblichen Wagen. Einerfeits find letztere nicht fo leicht und fchnell zu befchaffen als man gemeiniglich annimmt, denn die landesüblichen Wagen find theils fchon lang vor der Schlacht von der Armee- Intendanz zu anderen Zwecken requirirt worden oder haben fich mit ihren Befitzern geflüchtet, andererfeits aber läfst die Thatfache, dafs leider viele unter den Bleffirten auf folchen Wagen fchlecht transportirt wurden, nicht die Confequenz zu, dafs alle die gleiche Fatalität treffen müffe. Wahrlich der fchlechte Transport ift mehr als eine Fatalität, er ift oft ein gröfseres Unglück, als die Verwundung felbft. Letztere würde oft unter geeigneten Verhältniffen die Erhaltung des Theiles, oder wenigftens die Erhaltung des Lebens zulaffen, der fchlechte Transport aber vernichtet häufiger als man glauben follte beide und das tödtende Princip nennt fich die Erfchütterung, die qualvolle und graufame Erfchütterung der zerfchoffenen Gliedtheile beim Aufladen, beim Fahren, beim Abladen. Nur der Chirurg kann die Folgen des dadurch erzeugten Shoks, die Gewebsveränderungen, die daraus entſtehen, richtig beurtheilen und fchätzen. on nd tu fie en ler en le, on NO er ld. ld. er nsen. der für gen tin hoc die ille die cualen Jmne men eig. en man vor der lafs den, lich Lick, die der eide und ren, oks, zen. Militärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 13 Befondere, eigens zum Bleflirtentransporte conftruirte Wagen find daher unentbehrlich und nothwendig, denn das Wohl und Wehe der fürs Vaterland gefallenen Helden ift davon grofsentheils abhängig. Diefe Wagen müffen vor Allem leicht und ficher fahrbar fein, und möglichst viel Bleffirte unbefchadet ihrer relativen Bequemlichkeit und den Bedürfniffen des Einzelnen ftrenge Rechnung tragend, aufnehmen können, damit man die Zahl jener, denen die fchwere Wahl erübrigt, entweder am Schlachtfelde zu verbleiben, oder auf landesüblichen Wagen fich torturiren zu laffen möglichft verringere. Der Wagen foll zweifpännig fahren, denn mit einem Drei- oder Viergefpann ift er entfchieden ſchwerer zu lenken, die Pferde find an Schlachttagen fchwer zu befchaffen und ein vierfpänniger Wagen vermehrt auch um ein bedeutendes die Länge der Fahrcolonne. Ein Zweigefpann, wenn es nicht Elite- Pferde find, vermag aber in jedem Terrain, und gute Fahrftrafsen ftehen dem Bleffirtenwagen nicht immer zu Gebote, kaum mehr als 25 Centner anftandslos fortzubringen. Es geht daraus hervor, dafs der Wagen demnach im leeren Zuftande nicht ein gewiffes Gewicht überfteigen darf, und dafs auch die Zahl der bedauernswerthen Fahrgäfte eine beftimmte fein mufs. 13 Centner wäre das annehmbarfte Gewicht für den leeren Wagen, 14 darf er nicht überfteigen; es verblieben nach diefer Annahme II bis 12 Centner für die Ladung, alfo beiläufig 8 bis 10 Mann. Leider mufs darunter auch ein Gefunder gerechnet werden, nämlich der Kutfcher, denn ein reitender Kutfcher ift ganz unzuläffig, er ermüdet rafcher eines der Pferde, und kann auch nicht den Wagen fo gut und ficher lenken als vom Kutfchbocke aus. Von der Lenkung des Wagens hängt aber der gute Transport ab, denn über Steine und Gräben fahren erfchüttert jeden Wagen. Trotz dem im Vergleiche zur Ladung relativ geringen Eigengewichte mufs der Wagen aber auch folid fein, auf dafs er auf fchlechten Fahrwegen nicht zufammenbreche. Die Verwirklichung diefes Poftulates bietet genug techniſche Schwierigkeiten, und diefe mögen wohl der Grund fein, warum man bisher ihnen ftets aus dem Wege ging, und fich auf die einfache Weife half, den Wagen abfolut fchwerer und dafür die Ladung geringer zu machen. Wenn man im Ganzen nur vier Mann fortfchaffen will, dann kann der Wagen allerdings felbft 18 Centner wiegen und dann ift die Kunft ihn fehr refiftenzfähig zu bauen allerdings nicht grofs. Eine weitere Schwierigkeit bieten die Räder. Könnte man fie niedrig machen, dann käme diefs der Sicherheit vor dem Brechen oder Umfallen allerdings zu Gute, allein diefs kann und darf nicht fein, die Räder follen im Gegentheil fo hoch fein, dafs jedes Steckenbleiben des Wagens in ftark durchweichtem, oder aufgeackertem Boden, oder in tiefem Schnee nicht leicht möglich fei; fie follen hoch fein, damit die Unebenheiten des Bodens fich nicht allzu ftark fühlbar machen, und damit die Pferde den Wagen leichter ziehen können. Das Fahrgeleife eines Bleffirtenwagens foll dem jeweilig landesüblichen entfprechen, denn im gegentheiligen Falle würde er den Fahrfpuren ausgefahrener Wege nicht entfprechen können, und diefs mufs forglichft vermieden werden, um die Erschütterung möglichft zu verringern und um die Zugkraft der Befpannung zu fchonen. Wir gelangen nun zu dem wichtigen Punkte der Erfchütterung. Um diefe auf das geeignetfte Mafs zu reduciren, annuliren läfst fie fich leider nicht, wären zwei Erforderniffe beim Wagenbau zu erfüllen. Einerfeits müffen die Achfenfedern vorzüglich fein, und zweitens follte der Verwundete im Wagenkaften felbft fchwebend erhalten werden, denn ein fchwebender Gegenftand wird durch Stöffe nur in Schwingungen verfetzt. Diefer Punkt der fchwebenden Befeftigung des Bleffirten oder beffer gefagt, die Frage der Suspenfion ift fo klar, dafs man meinen follte, Jedermann müfste ihre Wichtigkeit und Richtigkeit einfehen und anerkennen. Und doch ift es nicht fo, und Fachmänner ftreiten fich darüber, trotz Phyfik und Logik, obwohl die Widerfacher die eigene Hand, falls fie verletzt 14 Dr. Mofetig von Moorhof. oder gewebskrank wäre, beim Fahren gewifs nicht auf eine fefte Unterlage legen, fondern diefelbe forgfältig mit der anderen Hand unterſtützt fchwebend erhalten würden und fie auch recht froh find, wenn fie bei Benützung eines federnlofen Bauernwagens fich einen fchwebenden Sitz einrichten können. Da wird nicht viel gefragt, ob der Sitz fchaukelt, man ift glücklich das continuirliche Stofsen nicht erdulden zu müffen, bei der Suspenfionsfrage der Bleffirtenwagen wird aber ein gelehrtes Geficht gemacht und Bedenklichkeiten dagegen zur Geltung gebracht, welche mit den Gefetzen der Phyfik fich ebenfo wenig vertragen, als mit der täglichen Erfahrung und den fchon im letzten Kriege damit gemachten Experimentalftudien. Der Bleffirtenwagen muís leicht lenkbar fein; in jedem Momente kann die Nothwendigkeit vorliegen in fcharfen Bogen wenden zu müffen, wozu der Durchlauf des Vordergeft elles abfolut nothwendig ift. Die Langwiede, der Gegenpart des Durchlaufes, war lange Zeit als nothwendiges Erfordernis angefehen, da man meinte, ein Wagen mit Langwiede fei viel dauerhafter und vertrage das Fahren über Gräben und Hinderniffe viel beffer. Allerdings konnte beim Fahren in Carriere über Stock und Stein, über Gräben und Bäche, der Reibnagel, der Durchlaufsteller defect werden und fodann das Vordergeftelle vom Wagen fich trennen, wer wird aber über derlei Hinderniffe in Galopp oder felbft in Trab fahren? ift nicht die Erfchütterung für die Bleffirten dabei eine enorme? Und wozu follte man auch fo rück fichtslos fahren? Nicht das Fortbringen der Bleffirten um jeden Preis ift die Aufgabe der Feldfanität, wohl aber ift das fchonende Vorgehen mit Verwundeten ihre heiligfte Pflicht. Radfchuh und Bremfe foll einem Bleffirtenwagen nie abgehen. Der Bleffirtenwagen darf auch keine eigenen Lagerftätten befitzen, fondern mufs im Stande fein, jede fchon beladene Tragbahre aufnehmen zu können, damit das fchon bei den Tragbahren aufgeftellte wichtige Princip, das Umladen der Bleffirten zu vermeiden, aufrecht erhalten bleibe; dafs aber hiezu eine Uniformität der Wagen nothwendig fei ift wohl felbftverſtändlich. Der ideale Transport müfste fich meiner Anficht nach fo geſtalten, dafs der Bleffirtenwagen mit den leeren Tragen zum Hilfsplatze fahrt; dort gibt er die leeren Tragen ab und übernimmt dafür die beladenen. Das Gleiche follte auf dem Verbandplatze, an den Eifenbahn- Stationen und felbft in den Feldfpitälern der Fall fein. Auf diefe Weife käme der Bleffirte vom Verband- eventuell vom Hilfsplatze direct in das Feldfpital ohne weitere Locomotionen von dem einmal eingenommenen Lager erdulden zu müffen. Als nothwendige Bedürfniffe eines guten Bleffirtenwagens find ferner noch zu nennen: Eine am Wagendache befeftigte Laterne, die in der Dunkelheit das Terrain vor den Pferden zu beleuchten vermag, und Labemittel für die Bleffirten, als: Trinkwaffer und irgend ein Alcoholicum. Gleich den bedeckten Rollbahren foll auch der Bleffirtenwagen feinen Innwohnern hinreichend Licht und Luft zulaffen und diefelben vor Witterungseinflüffen fchützen. Diefem wichtigen Principe zuliebe find an Stelle des früher üblichen gefchloffenen Wagenkaftens nunmehr offene Lazarethwagen faft allgemein angenommen worden. Dennoch würden fich aber für Winter- Feldzüge gefchloffene Bleffirtenwagen fehr empfehlen. Fefte Dächer mit Vorhängen, die nach Bedarf herabgelaffen oder aufgerollt werden, erfüllen den beabfichtigten Zweck, ein einfaches Plachendach fchützt das Innere des Wagens nicht vor ftrömendem Regen und kann auch der Wind fich leicht darin verfangen, das weiche Plachendach ballonartig ausdehnen, und hiedurch ein Umftürzen des Wagens veranlaffen. Soll das Dach auch eine fefte Gallerie befitzen? Diefe Frage ift neuerer Zeit fo häufig ventilirt worden, dafs es wohl erlaubt fein dürfte, diefem wichtigen Punkte einige Zeilen zu widmen. Die Widerfacher der Gallerie meinen, dafs eine folche ein Ueberladenwer den des Wagens ermögliche, da alles denkbare Gepäck darauf geworfen werde, ja dafs die Leichtverwundeten felbft, in der Angft auf dem Schlachtfelde zu verbleiben, d e n r t n r 1 e r e 7 u S u e n d n h f. ]. d n S r r h er , h t Militärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 15 mit Lebensgefahr die Gallerie erklettern und fich dafelbft lagern. Diefes Ueberladenwerden habe aber den doppelten Nachtheil, dafs die zwei vorgefpannten Pferde die allzufehr vermehrte Laft nicht mehr fortzufchleppen vermögen und dafs anderfeits der oben ftärker chargirte Wagen dem Umfallen leichter unterliege. Was das Hinaufklettern der Bleffirten anbelangt, fo kann diefs allerdings möglich. fein bei niederen Wagen; huldiget man jedoch dem Principe, die Bleffirtenwagen fo zu bauen, dafs möglichst viel Verwundete aufgenommen werden können, dann wird auch der Kaften relativ fo hoch, dafs das Hinaufklettern ohne Stiege zur reinen Unmöglichkeit wird. Wichtig ift aber die Gallerie in der Beziehung, dafs fie zuvörderft die Tragbahren und das kleine Gepäck der Verwundeten, an welchem denfelben fo fehr gelegen ift, weil es ihr ganzes Hab und Gut, kleine Andenken an die Heimat, Correfpondenz etc. beherbergt und die etwa mitgebrachten Waffen aufnehmen kann und auch die Fourage für die Pferde unterzubringen erlaubt. Allerdings foll der Fouragewagen die Ambulanzen begleiten, allein wie oft trennen fie fich von einander, und wie wichtig ift zum rafchen Fortkommen das regelmässige Fouragiren der Pferde. Bevor ich zum fpeciellen Theile übergehe, möchte ich nur über die innere Einrichtung der Bleffirtenwagen im Allgemeinen erwähnen, dafs diefelben zur Aufnahme von Sitzenden und von Liegenden eingerichtet fein follen. Die Sitzenden als Leichtverwundete bezeichnen und fie von der Wohlthat eines guten Transportes ausfchliefsen zu wollen, wäre ganz und gar unrichtig, denn die fitzen können, find oft fchwerer verletzt als jene, welche liegen müffen. Man vergleiche etwa nur eine Schufsfractur einer oberen Extremität, die dem Verwundeten das Sitzen fehr wohl geftattet, mit einem leichten Streiffchuffe oder felbft einer Contufion der Hinterbacken, die das Liegen abfolut erheifcht. Für Sitzende mufs dem Bleffirtenwagen die Form eines Omnibuffes gegeben werden, für Liegende hingegen mufs das Wageninnere leer fein und nur jene Vorrichtungen befitzen, welche die Aufnahme und die Befeftigung der Tragbahren ermöglichen. Aufklappbare Sitze machen beide Verwendungsarten möglich. Eigene Wagen nur für Sitzende find im Felde nicht zuläffig. Sechs Liegende oder acht Sitzende foll das Maximum des Ladungsquotienten für das Wageninnere fein; das Coupé foll aufserdem neben dem Kutfcher noch zwei Sitzende aufnehmen können. Bei Mangel einer Dachgallerie müffen die Waffen und das etwaige Gepäck der Bleffirten unter dem Coupéfitze und den Sitzbänken, eventuell unter den unterften Tragen untergebracht werden, was oft ganz unmöglich und immer nach theilig ift. Wir fanden im Sanitätspavillon, dem Kataloge gewiffenhaft folgend, die nachftehenden Bleffirtenwägen ausgeftellt: Deutfches Heerwefen.( Katalog des deutfchen Reiches, Gruppe XVI, Nr. 19.) Ein Bleffirten- Transportwagen mit Krankentragen für zwei liegende Verwundete. Der Wagen hat einen niederen Kaften, hohe Räder, einen offenen Kutfchbock, kein Coupé, ein feftes Dach ohne Gallerie und feitliche, fowie hinten aufrollbare Vorhänge. Das Wageninnere öffnet fich von rückwärts und ift durch eine Längenftange in zwei feitliche Abtheilungen getrennt, deren jede eine Bahre aufnehmen kann. Das Einfchieben der beladenen Tragen wird mittelft hölzerner Querrollen erleichtert. Der Wafferkaften ift unter dem Kutfchbocke angebracht. Eine Einrichtung für Sitzende ift nicht möglich. Wie follen aber die maroden Soldaten der marfchirenden Truppe nachgeführt werden, oder follen Abfchürfungen der Füfse gleich im Lazarethe zurückgelaffen werden? Wunde Füsse ftehen aber bei der marfchirenden Truppe auf der Tagesordnung und ein Zurücklaffen der betreffenden Mannfchaft würde wohl nach und nach das Contin gent der Combattanten unnöthigerweife fchwächen, umfomehr als derlei Kleinig keiten bei entſprechender Ruhe der Füfse und fehr einfacher Medication in wenigen Tagen heilen. Einrichtung für Sitzende erklären wir für abfolut noth2 16 Dr. Mofetig von Moorhof. wendig, da zwei liegende Marodeure für einen zweifpännigen Wagen ebenfo zu wenig find als zwei liegende Verwundete. Der Kutfchbock ift offen und demnach Kutfcher und die neben ihm fitzenden Kranken oder Verwundeten allen Witterungseinflüffen preisgegeben. BaierifcherLandes- Hilfsverein. Transportwagen für vier Liegende mit Benützung des Modells des k. k. Regimentsarztes Dr. Mühlwenzel Wir begegnen hier erbaut vom Wiener Wagenfabrikanten G. Finfterle. neuerdings den blecheifernen Tricliniis mobilibus von Stanieli Mühlwenzel, die wir glücklicherweife fchon bei den Tragbahren befprochen haben. Die blechernen Geftelle find hier nur mit einer leichten Polfterung und Lederüberzug verfehen, und nehmen fich daher etwas weniger martervoll aus. Der Wagen hat keinen eigentlichen Wagenkaften, fondern ftellt nur eine ebene Platte ohne Seitenwände vor, die auf Rädern ruht, ein halbfeftes Wagendach auf vier Säulen und einen offenen hochgeftellten, und daher für Bleffirte fchwer zu erfteigenden Kutfchbock trägt. Unter der Platte ift ein kleiner Raum vorhanden, der fich gleich einer doppelten Fallthüre aufklappen läfst. Die Innenfläche der Thürflügel ift gepolftert und bildet in aufgeklappter Stellung die Sitze, wogegen der dadurch geöffnete Raum für die Füsse der Sitzenden beftimmt ift, fonft foll er etwas Fourage und Gepäck beherbergen. Bei der Einrichtung für Liegende mufs aber der ebengedachte Raum verfchloffen und das glatte Planum hergeftellt werden. Es hat die Beftimmung, vier Liegende in einer Ebene aufzunehmen, und ift diefs der einzige Vortheil, der durch ihn den Verwundeten erwächft, da fie über fich eine grofse und freie Area behalten. Die vier Blechtragen werden in zwei Reihen je zwei hintereinander durch Stifte und Ledergurten befeftigt. Der Wagen ift etwas länger als die gewöhnlichen. Das eigentliche böfe Princip des Wagens bilden die blechernen Trag. bahren. Diefe find fehr fchwer aufzuladen, da fie keine Handhaben befitzen, kippen auf dem Boden gelagert, wenn nicht ftets gehalten, fammt den Verwundeten um, da die Füfse mangeln, und erheifchen, abgefehen von dem complicirten und leicht roftenden Stiftenapparate, der die eben erwünſchte Form des Triclinium fehr leicht illuforifch, weil nicht herftellbar macht, auch ein fortwährendes Umladen der Bleffirten. Gehen endlich eine oder die andere Blech- Tragbahre verloren, dann ift auch die vollständige Benützung des Wagens bis zur Erfatzmöglich keit geftört. Der Wagen ift nur theilweife für Sitzende oder nur für Liegende einrichtbar. Beiden Anforderungen zugleich vermag er nicht vollſtändig gerecht zu werden, ein Umftand, der auch als Fehler in der Conftruction bezeichnet werden mufs. Praktifch find die kleinen, am Wagenkaften zu befeftigenden zwei Fäffelchen, die zum Mitführen von Labeflüffigkeit dienen. Nr. 21 und 22 ftellten zwei kleine Modelle von Bleffirtenwagen dar, eines von Hirschberg in München, das zweite vom Ritterguts- Befitzer von Hönika aus preufsifch Schlefien. Beide entſprechen den Anforderungen der Neuzeit nicht im Mindeften, denn beide haben eigene Tragbahren. Das Modell von Hönika hat zwei gefchloffene und getrennte Coupés, welche je zwei Bleffirte, im Ganzen alfo vier Mann aufnehmen können. Im hinteren Coupé werden die Bleffirten von rückwärts eingefchoben und liegen demnach in der Wagenaxe, im vorderen Coupé dagegen liegen fie quer zu ihr und das Einladen erfolgt von der Seite. Ein offener Kutfchbock vervollſtändigt den koloffalen Wagen, der einem zehnfitzigen Poftomnibuffe an Gröfse und Höhe wenig nachgeben dürfte. Deffen Gewicht dürfte auch ziemlich beträchtlich fein. Unter Nr. 23 waren vom Wagenfabrikanten Kellner aus Paris zwei Bleffirten- Transportwagen ausgeftellt( Eigenthum des öfterreichifch- deutfchen Ritterordens), und zwar: Transportwagen für 6 liegende und 2 fitzende oder für 8 bis 10 fitzende Kranke oder Verwundete. Transportwagen mit einem Aufzuge. t 1 t i S a t a n é r e ei n r Militärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 17 Beide Wagen find nach Angabe Mundy's für Suspenfion eingerichtet und befitzen demnach keine eigenen Tragbahren. In dem erfteren Wagen kann man 6 Liegende unterbringen, und zwar in drei Reihen, je 2 übereinander fuspendirt. Die Suspension wird mittelft kurzer und fefter Lederriemen vermittelt, welche die 4 Tragftangen je einer Tragbahre aufzunehmen beftimmt find, demnach 24 an Zahl. Je fechs werden in gleichen Diftanzen von zwei feften, umklappbaren Eiſenſtangen getragen, welche in der Vor- und Rückfeite des Wageninneren fenkrecht und genau in der Mitte des Wagenkaftens vom Dache bis zum Boden reichen, die anderen Riemen find an den Aufsenpfeilern der vier Dachſtützen angebracht. Da die Riemen kurz find, wird die aufgehängte Bahre auch ftramm gehalten und find hiedurch alle ausgiebigeren feitlichen Schwankungen und jedes Anftofsen der Bahren an die Seitenwände hintangehalten. Man liegt auf den Bahren ganz vorzüglich, wie ich mich felbft bei öfteren Fahrverfuchen über einen fteilen und holperigen Weg zu überzeugen Gelegenheit fand. Das Coupé des Wagens bildet eine ununterbrochene Fortfetzung des Wagenkaftens. Es enthält einen umklappbaren oder, beffer gefagt, nach vorne zu umlegbaren Sitz für den Kutfcher und zwei Leichtbleffirte. Diefe Einrichtung hat den Vortheil, das Wageninnere von vorne her zugänglich zu machen und das Aufheben der Bahren behufs Suspenfion zu erleichtern. Das Beladen erfolgt auf die Weife, dafs man zuerft die beladenen Bahren von rückwärts auf den Boden des Wagenkaftens hineinhebt und fodann zuerft die oberften zunächft dem Wagendache in die entsprechenden Riemen aufhängt; hierauf kommen die mittleren und zuletzt die unterften. Das Abladen erfolgt natürlich in umgekehrter Ordnung. Zwei kleine Blechkaften mit Glas belegt, rechts und links vom Coupé, enthalten die Labeflüffigkeiten, die durch eine Pipette ausfliefsen. Der Verfchlufs des Wagenkaftens nach rückwärts wird durch einen fchweren Klappdeckel vermittelt, welcher an der Innenfeite die Trittftufen trägt. An jeder Längsfeite find breite und lange Tritte angebracht, welche fowohl das Beladen erleichtern als auch eine Hilfeleiftung während des Fahrens möglich machen; eine dem Wagendache entſprechende Gallerie fammt Decke vervollſtändigen die Einrichtung. Im Innern find noch an jeder Längswand ftellbare Sitze angebracht, welche die Umwandlung des Wagens zu einem Omnibuffe jederzeit geftatten, ja man kann den Wagen auch nach Belieben halb für Liegende und halb für Sitzende einrichten; es liegen dann 3 Verwundete übereinander in der einen Hälfte des Wagens, während 4 in der anderen Hälfte auf der aufgeftellten gepolfterten Sitzbank Platz nehmen können. Diefer Wagen ift wohl etwas fchwer, er wiegt nämlich 17 Centner, dafür befitzt er aber, dank der hohen Hinterräder und der Kürze des Unterbaues, eine ganz vorzügliche Traction. Die Vorderräder find allerdings etwas nieder, allein diefs erleichtert das Ein- und Ausladen und erhöht auch die Sicherheit vor dem Umwerfen. Aber auch diefer Nachtheil läfst fich befeitigen. Herr Kellner hat diefs bewiefen dadurch, dafs er in letzter Zeit im Auftrage des deutfchen Ritterordens einen Wagen baute, der, obgleich die Conftruction faft bis ins kleinfte Detail diefelbe blieb, dennoch nur 13 Centner wiegt. Er erzielte diefe Gewichtsverminderung durch Weglaffen der Gallerie, durch eine entsprechende Schwächung der Holzund Eifenbeftandtheile und fchliefslich durch eine Gewichtsverringerung des hinteren Klappdeckels. Diefer letztgedachte Wagen hat alle Fahrproben fiegreich überftanden und baut jetzt der deutfche Ritterorden 180 Stück davon, die er im Falle eines Krieges der öfterreichifchen Armee als Refervemateriale zur Verfügung ftellen wird. Der zweitgenannte Wagen kann nur 4 Liegende oder 8 Sitzende im Inneren aufnehmen. Er befitzt ein Coupé mit fixem Kutfchfitze und ift im Uebrigen, dem Aeufseren nach, dem gefchilderten gleich gebaut. Nur trägt er eine Erfindung von Kellner, beftehend in einer Aufzugswinde( treuil) nach dem Syfteme der Transmiffion durch Zahnräder. Vier fenkrechte Eifenftangen find entſprechend den 2 18 Dr. Mofetig von Moorhof. Eckpfeilern im Innern des Wagenkaftens angebracht, welche am oberften Ende je ein Zahnrad befitzen. Zwei horizontale Eifenfpeichen greifen mit ihren termi nalen Zahnrädern in die vorhin genannten und werden durch Drehen der erfteren gleichzeitig, wenn auch in anderer Richtung, mitbewegt. Eine Kurbel fetzt die ganze Mafchinerie in Gang. An den horizontalen Dachfpeichen find nun breite Gurten befeftigt, welche je nach den Drehungen der Speichen auf diefen auf- oder abgerollt werden. Eine Sperrfeder endlich, welche in die Kurbelzähne eingreift. geftattet den Mechanismus in jedem Momente zu ftoppen. Denkt man fich nun, dafs die 4 Gurten je 2 Querhölzer tragen, welche der Wagenbreite entſprechend lang find und dafs auf diefe 2 Querhölzer die 2 oberen Tragbahren gelegt werden, fo wird man begreifen, wiefo man im Stande fei, letztere in jede beliebige Höhe hinaufzuwinden und dortfelbft hängend zu fixiren. Von den zwei Traverfen oder Querhölzern ragen weiters 8 kleine Riemen nach abwärts, die an ihrem Ende eiferne Haken tragen; je 4 davon haben die Beftimmung, die 4 Tragftangen einer weiteren Bahre aufzunehmen. Wir können fomit fagen, 2 Tragbahren ruhen auf dem Aufzugsgerüfte der Winde, während die 2 unteren von letzterem mittelft Riemen getragen werden, fonach die Aufzugswinde die Aufgabe hat, 4 Tragbahren fchwebend zu erhalten. Die Entfernung der oberen und unteren Tragbahren von einander ift, weil die Länge der Tragriemen eine gegebene ift, ftets die gleiche und unveränderliche, während die Lage der Gefammtbahren zum Wageninnern beliebig geregelt werden kann. Windet man das Aufzugsgerüfte höher dem Wagendache zu, fo bleibt auf dem Boden noch ein benützbarer Raum übrig. Es iſt nicht zu leugnen, dafs der Vortheil, die beladenen Tragbahren mit fehr geringer Kraftentfaltung denn die fchwächlichfte Perfon kann die Kurbel mit einer Hand in Bewegung fetzen in eine belfebige Höhe bringen und fixiren zu können, fehr beftechend ift. Man erfpart Menfchenhände und Zeit, und falls mit der längeren Benützung bei vollkommener Sicherheit ein Verfagen des Mechanismus fich nicht leicht einftellen würde, wäre allerdings diefe Anwendung der Transmiffion der gröfsten Berücksichtigung werth. Diefsbezügliche praktiſche Erfahrungen ſtehen leider nicht zu Gebote, da die Conftruction diefes Wagens in die Periode nach dem deutfch- franzöfifchen Kriege fällt. Begreiflicherweife läfst fich diefer Wagen nicht zur Hälfte für Liegende und zur Hälfte für Sitzende einrichten, da die Tra verfen diefes hindern; bei der Einrichtung für Sitzende allein wird das Aufzugs gerüft zum Plafond hinaufgekurbelt und die Sitzbänke aufgeftellt. - Praktiſch fcheint in dem erften, dem Mundy- Kellner'fchen Wagen eine Einrichtung, welche das Hineinfchieben der beladenen Tragbahren von rückwärts in das Wageninnere erleichtert. Wenn nämlich die Tragbahre an den Wagen kommt, fo mufs fie nothwendigerweife zuerft mit den Vorderfüfsen auf den Boden des Wagens gelegt und hierauf erft hineingefchoben werden. Das Hineinfchieben der beladenen Bahren wäre nun auf den rauhen Brettern des Wagenbodens nicht fehr leicht ausführbar, denn abgefehen von der Erfchütterung und den Stöfsen, die der Bleffirte hiebei erleidet, würden auch die Füfse der Tragbahren fehr darunter leiden und eventuell auch brechen. Kellner hat defshalb auf dem Boden des Wagens zwei viereckige Blechfchalen angebracht, die zur Aufnahme der Vorderfüfse der Trage beftimmt find. Die Zweizahl der Schalen erklärt fich aus der Zweizahl der Tragbahren, die ftets neben einander hineingefchoben werden. Jede Schale befitzt in der Mitte ihrer unteren Fläche ein kleines Rad, welches feinerfeits wieder in je einer auf dem Boden des Wagens der Länge nach ausgefchnittenen und mit Blech ausgelegten Hohlrinne wie in einem Geleife läuft. Die Tragbahren werden auf diefe Weife leicht, fchnell und gleichmäfsig, ohne Stofs und Erfchütterung nach einander hineingehoben, dann erft vom Boden abgehoben und in die entsprechenden Tragriemen fuspendirt. Bei der Voiture a treuil ift leider diefe Vorrichtung nicht anzubringen, weil bei diefer im Momente des Ladens die Querhölzer auf dem Wagenboden aufliegen und die Tragbahren über diefe hineingehoben werden müffen. t n T t r h S n n n at 1, r d. ts er n 1. t₁ 1. n Militärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 19 Lohner Jacob, Wagenfabrikant in Wien. Transportwagen für Verwundete( 4 liegende und 2 fitzende oder 8 fitzende), dem öfterreichifch deutfchen Ritterorden angehörig, gebaut nach Profeffor Mundy's Angaben. Der erfte Wagen diefer Art wurde von Profeffor Mundy bei der Weltausftellung in Paris 1867 exponirt. Er war von Locati in Turin erbaut und erhielt damals den erften Preis. Soweit der Katalog. - - Zur näheren Erklärung diene, dafs der ursprüngliche Wagen nur 2 Liegende aufnehmen konnte, und später erft für 4 Liegende eingerichtet wurde. Es waren auch im Pavillon beide Modelle ausgeftellt. Der urfprüngliche Wagen hat ein breites Fahrgeleife Artilleriegeleife vollſtändigen Durchlauf mit relativ hohen Rädern, ein feftes Dach ohne Gallerie, ein Coupé und einen breiten Innenraum. An jeder Langwand ift ein fefter, nicht entfernbarer ungepolfteter Sitz angebracht, und zwifchen beiden ein Mittelgang freigelaffen. Der Raum unter den Sitzen ift hohl und dient zur Aufnahme der Waffen und etwaigen Gepäckes. Der Wagen kann nicht Tragbahren jeder Art aufnehmen, fondern hat eigene beſtimmte Tragen: das Mundy'fche Planum inclinatum duplex, welches ich fchon bei den Stadt Tragbahren erwähnt und näher befchrieben habe. Die Tragbahren haben an der Unterfläche der Tragftangen vor den umklappbaren Füffen vier kleine Eifenrollen, welche das Hineinfchieben der Bahre auf den hiezu eigens mit kleinen Eifenfchienchen verfehenen Sitzgeftellen erleichtern. Bei Benützung des Wagens für Sitzende fetzen fich die Bleffirten einfach auf die ganz horizontal geftreckte Bahre. Bei der Anwendung für Liegende kommen diefelben gleichfalls auf die Bahren, denen man dann nur je nach Bedarf eine mehr weniger erhöhte Kopfftellung oder auch die Form der doppelgeneigten Ebene geben kann. Das Coupé hat für drei Perfonen Platz. Der hintere Zugang zum Wagen ift durch einen feften Klappboden abfchliefsbar, eine Vorrichtung, die als fehr zweckmäfsig bezeichnet werden mufs, da das Fahren im Train ein Hineinftofsen der Deichfel des nachfahrenden Wagens beim plötzlichen Anhalten der Colonne möglich macht. Weiters hat der Wagen die bequeme Einrichtung, dafs die Seitenwände des Wagens beweglich find, und nach aufsen und abwärts umgeklappt werden können. Die durch das Abklappen horizontal fich ftellende Seitenwand jeder Seite kommt über den Achfen der Räder zu ftehen, und ftellt hiedurch das befte und bequemfte Trittbrett dar, welches den Verwundeten jede Hilfeleiftung zu bringen geftattet. Freilich hat diefs den Uebelftand, dafs, falls durch Nachläffigkeit während der Fahrt die Seitenwände aufgeklappt blieben, fie beim Anfahren an einen feften Gegenftand befchädigt oder ganz abgeriffen werden könnten, ein Grund, der Profeffor Mundy auch bewogen zu haben fcheint, diefe Einrichtung bei feinen neueften Modellen wegzulaffen, und dafür durch engere und fchmälere feitliche Trittbretter zu erfetzen, welche nicht über das Niveau der Räderachfe hervorragen und daher auch nie abgeriffen werden können. Freilich verwerfen Manche auch diefe fo nothwendigen Vorrichtungen unter dem Vorwande, dafs während des Fahrens Leichtverwundete in ihrer Todesangft fich daran fitzend oder ftehend anklammern, und dabei in Gefahr, befchädigt zu werden, gerathen könnten, abgefehen von der dadurch bedingten abfoluten Vermehrung der Wagenlaft. Diefer Wagen wurde fpäter infoferne modificirt, als er für 4 Liegende eingerichtet wurde. Von der Vor- und Rückwand des Wagendaches, entſprechend der Mitte des Wageninnern gehen vom Dache je eine ftarke Eifenftange nach abwärts bis etwa zur Mitte des Abftandes zwifchen Dach und Boden. Jede Stange theilt fich an ihrem freien Ende in je zwei kleine divergirende Branchen, welche ihrerfeits kurze Lederringe tragen zur Aufnahme der inneren Tragbahren- Stangen Die äufseren Dachpfeiler tragen in entſprechender Höhe die äufferen Lederringe zur adäquaten Befeftigung der äufferen Tragftangen. Bei Verwendung des Wagens für Sitzende kann man die eifernen Tragftangen mittelft Charnierbewegung gegen die Innenwand des Wagendaches umlegen und dafelbft befeftigen. Die Kürze des 20 Dr. Mofetig von Moorhof. Wagens erlaubt nicht, jede Tragbahre in die Riemen zu fuspendiren, fondern auch für die obere Lage find eigene Tragbahren erforderlich. Diefe haben ein eifernes Carreau, hervorziehbare, hackenförmig umgelegte Handhaben und keine Füffe. Ein einfaches Bahrtuch und ein Kopfpolfter bilden das Lager. Beim Aufhängen müffen die Handhaben in der Achfe der Tragftangen hineingefchoben und hierauf erft, wenn verkürzt, fuspendirt werden. Der hakenförmige Endtheil fichert die Trage vor dem Ausrutfchen aus den Riemen. Diefe Wagen zeichnen fich durch eine gefällige und niedliche Form vor allen anderen aus und ftanden bei den Schlachten und Gefechten um Paris 1870 und 1871 25 folche Wagen in fteter Verwendung, wo fie fich auch ganz vorzüglich bewährten Locati Alexander, Wagenfabrikant in Turin, ftellte folgende Bleffirtenwagen aus. Transportwagen für Bleffirte, 4 liegende oder 8 fitzende. Syftem Bertani, 1866 im Kriege verwendet und zwar in Tirol und fpäter 1870 in Frankreich. Der Wagenkaften ziemlich hoch, ohne Gallerie, hat einen Mittelgang und fefte, unten hohle Sitzgeftelle, gleich dem von Mundy- Lohner. Die Tragbahren, gepolstert und mit Matratzenftoff überzogen und mit Kopfpölftern verfehen, find auf einfachen Holzrahmen ausge fpannt, die wohl aufftellbaren Füfse haben keine Tragftangen. fondern befitzen nur Kaftenklinken. Die unteren zwei Bahren laffen fich auf den Sitzbänken rollen und alldort durch an der Rückwand angebrachte Sperrfchuber befeftigen. Die oberen zwei werden auf Geftelle befeftigt, welche durch Eifenftänder in eine entfprechende Höhe gehalten werden. Letztere find nur mit Doppelcharnieren verfehen, welche ohne die horizontale Lage der Geftelle zu ändern, deren Herablaffen zum Niveau der unteren Bahren jedoch aufserhalb des Wagenkaftens geftatten. Es dient diefe feltfame Vorrichtung zum leichteren Aufund Abladen, denn find einmal die zwei unteren Bahren in den Wagen gebracht, fo läfst man die Geftelle herab, ladet die Bahren von aufsen her auf und fchiebt fie nun nach oben und in das Innere des Wagens hinein, allwo fie durch Sperrvorrichtungen gefichert werden. Ganz aufgeklappt kommen die vier Bahren in einem Niveau zu ftehen, zwei im Wagen rechts und links vom Mittelgang, und zwei aufserhalb des Wagens knapp über den Rädern. Bei der Anwendung für Sitzende müffen die oberen Tragbahren abgenommen und die Traggeftelle aus ihrer horizontalen in eine verticale Lage gebracht werden. Der Mittelgang des Wagens ift rückwärts offen, ein Uebelftand, der das beliebige Hineinfteigen von Unberufenen ermöglicht, und auch die Wageninwohner der Gefahr des Hineinftoffens der Deichfel des hinterherfahrenden Wagens ausfetzt. Der Wagen hat ferner kein Coupé, fondern einen ziemlich hohen offenen Kutfchbock, fonft aber ift allen Anforderungen ziemlich Genüge geleiftet. Transportwagen für Bleffirte, 5 liegende oder 13 fitzende, als Probewagen für die k. k. öfterreichifche Regierung 1868 gebaut. Der Verfuch mit dem vorliegenden Wagen, welcher im Auftrage des k. k. öfterreichifchen Kriegsminifteriums von Locati 1869 erbaut wurde, kann als ziemlich mifslungen erachtet werden. Der Wagen ift fehr hoch gebaut und entfprechend fchwer. Das Coupé hat einen feften Sitz, das Innere kann 5 Mundy'fche Bahren mit planum inclinatum duplex aufnehmen, und zwar 2 auf feften Sitzgeftellen, wie im Mundy- Lohner'fchen Modelle, eine auf dem Boden des Mittelganges und zwei in der erften Etage und zwar nicht in fuspendirter, fondern in fixirter Lage, die durch fich kreuzende Eifenftangen vermittelt wird. Eine Gallerie auf dem ohne diefs hohen Wagenkaften erleichtert nur die Möglichkeit des Umwerfens. Transportwagen für Bleffirte, 2 liegende oder 8 fitzende, Syftem Mundy mit articulirten Tragen vom Jahre 1867. Von diefen 1 r 5 t 1 Militärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 21 durch Lohner in Wien gebauten Wagen befitzen der patriotifche Damenverein 16 und der Maltheferorden 15 Stück. Ein ähnliches Modell 1869 durch Locati gebaut. Wir haben fchon oben bei den Mundy- Kellner'fchen Wägen diefer Wagengattungen gedacht, um das Enfemble der Befprechung zu wahren. Transportwagen, neueftes Syftem Mundy, für 6 Liegende oder 6 Sitzende, 1873 erbaut von Locati. Diefer Wagen ähnelt in feiner Conftruction dem Mundy- Kellner'fchen, er ift nur viel leichter gebaut( wiegt 13 Centner). Auch diefer foll jede Tragbahre aufnehmen können, hat aber jene aus piemontefifchem Efchenholz gebauten Tragen, deren wir im Capitel FeldTragbahren ausführliche Erwähnung thaten. Der Unterfchied zwifchen den Locati'fchen und den Kellner'fchen Wagen befteht in folgenden Punkten: Der Locati'fche Wagen hat keine feften Tragftangen aus Eifen, an denen durch kurze Lederriemen die Tragbahren befeftigt werden wie Kellner, fondern je 6 lange Riemen, die mit verfchieden hohen Klängen endigend, fämmtlich vom Wagendache in der Mitte der Vor- und Rückfeite des Wagenkaftens herunterhängen. Die Tragbahren werden fomit ausfchliefslich nur durch Lederriemen getragen, weil diefe aber lang find, fo wird die Suspenfion infoferne unbehaglicher ausfallen, als die Bahren ftärker baumelnd oft an der Seitenwandung und zwar ziemlich unfanft anprallen, wefshalb es nothwendig wird, fie an den Stützpfeilern durch eigene Riemen oder Gurten feftzubinden, was bei der Suspenfion mit kurzen Riemen natürlich nicht erforderlich ift. Die Sitze im Locati'fchen Wagen find nicht an der Innenfeite der Längswände angebracht, fondern ftehen quer und zwar 3, je einer hinter dem anderen. Auf der Vorderwand kehren die 2 Sitzenden den Pferden den Rücken, auf den 2 Hinterbänken dagegen fehen die Sitzenden in der Richtung der Fahrebene. Die Sitze find abnehmbar. Es fehlen die Blechfchalen, die Tragbahren müffen demnach auf dem rauhen Boden, der, um höhere Vorderräder zu gewinnen, von rück- nach vorwärts etwas fteigt, gefchoben werden. Transportwagen für 6 liegende oder 8 fitzende Kranke oder Verwundete mit fpeciellen Tragbahren für den Sanitätsdienft der Wiener Weltausstellung nach Mundy's Angaben, 1873 durch Locati erbaut. Diefer Wagen hat im Ganzen und Grofsen die Einrichtung des vorhin befchriebenen, lange Tragriemen, dafür aber feitliche ftellbare Sitzbänke. Die Tragbahren find ruhebettartig, mit Matratze und RofshaarftoffUeberzug und ftellbarem Kopftheile. Der Wagen wurde für den Sanitätsdienft der Wiener Weltausftellung verwendet und bewährte fich infoferne, als die ftarke Bewegung der fuspendirten Bahren dadurch erträglich gemacht wurde, dafs man diefelben jeweilig an den Dachpfeilern befeftigte. Der ruffifche Bleffirtenwagen, ausgeftellt vom Kriegsminifterium dortfelbft( Specialkatalog Gruppe XIV. Nr. 4) kann 4 Liegende faffen, 2 davon liegen auf dem Boden des Wagens auf Tragbahren, welche an der unteren Fläche der Tragftangen vier Federn, in der Form je einer halben Wagenfeder, mit Rollen an den Enden befitzen; die anderen 2 werden oben fuspendirt mit kurzen Riemen ähnlich jenen im Kellner'fchen Wagen. Ein Klappboden verfchliefst den Wagen, das fefte Dach trägt keine Gallerie. Ein offener Kutfchbock nimmt den Kutfcher und 2 Leichtverwundete auf. Die Conftruction des Wagens ift eine eben fo folide, als die Form eine gefällige, nur ift als ein grofser Fehler der Mangel jeder Einrichtung für Sitzende zu beklagen. Diefer Wagen ift eine Copie des amerikanifchen Wagens von Rucker. Dr. Mayo. Zweirädriger Transportwagen für 2liegende Verwundete. Der mit zwei ungeheuer hohen Rädern verfehene Wagen trägt merkwürdiger Weife zwei Tragbahren unter der Räderaxe mittelft Stricken baumelnd aufgehängt; über der Räderachfe ift ein kleines Schutzdach aus Lein 22 Dr. Mofetig von Moorhof. wand angebracht. Eine Holzwinde ermöglicht das Aufziehen und Niederlaffen der Bahren. Offenbar mufs man beim Aufladen den Wagen über die Bleffirten fchieben, und letztere dann mittelft der Tragbahren aufziehen und festhängen. In Frankreich und Italien find derartige Wagen zum Fortfchleppen von fehr fchwerem Baumateriale in Gebrauch. Da wir hiemit die Reihe jener Bleffirtenwagen abfchliefsen, in denen das Syftem der Suspenfion zur Anwendung kommt, möchte ich zur Klärung meines Standpunktes bemerken, dafs ich jede Suspenfion mit langen Riemen oder Gurten abfolut verwerfe, da durch diefelbe die Erfchütterung des Verwundeten nicht vermieden wird; im Gegentheile wird derfelbe durch das Anprallen an den Seitenwandungen des Wagens heftig erfchüttert; im hohen Grade anerkenne ich dagegen die kurze Suspenfion, welche das Anprallen nicht ermöglicht und die Gewalt der Stöfse bricht, da diefe fich nicht dem Körper des Verwundeten mittheilen, fondern nur die Tragbahre in fanfte Schwingungen verfetzen. Wer nur einmal in feinem Leben über holperige Wege auf einer kurz fuspendirten Trag. bahre gefahren ift, der wird gewifs meine Meinung theilen, und diefem Syfteme die vollfte Gerechtigkeit widerfahren laffen. Dr. Mühlwenzel. Project zur Umgeftaltung eines öfterreichifchen Bleffirtenwagens nach den Principien der einheit lichen Tragbahre für 2 Liegende oder 6 Sitzende. Nicht ift diefs fo zu verftehen, als ob diefe Wagen früher eigene Tragbahren gehabt hätten, nein, fie hatten gar keine Tragbahren, fondern nur zwei Lagerftätten, die durch eine amovible Längswand von einander getrennt waren. Mühlwenzel veränderte nun diefe Lagerftätten derart, dafs auf ihnen 2 reglementäre Tragbahren fixirt Platz finden können. Der Wagen ift fonft fehr nieder, hat keinen Durchlauf, fondern Langwiede, kein feftes Dach, und an der Rückwand ſtatt dem Klappboden einen Sitz ähnlich den Munitionswagen, auf dem einige Leichtbleffirte fitzen können. Dr. Näher in München. Kleines Modell eines Transportwagens für 6 Liegende oder 10 bis 12 Sitzende, oder 4 Schwer und 6 Leichtverwundete oder Fourgon. Man kann wohl daraus entnehmen, dafs es fich um einen fchweren, gefchloffenen Wagen handelt, der zu verfchiedenen Zwecken dienen kann. Suspenfion ift nicht vertreten. Spanien hat einen zweirädrigen Ambulancewagen für 2 Liegende ausgeftellt. Er hat keine Tragbahren, fondern nur zwei getrennte Lagerftätten, und ift durch Vorhänge verfchliefsbar. Feftes Dach ohne Gallerie. Zweirädrige Bleffirtenwagen find allgemein verworfen und mit wenigen Ausnahmen aus dem Militär- Sanitätsmateriale faft fämmtlicher Staaten ausge fchloffen worden. Die zweirädrigen Wagen fchaukeln und erfchüttern zu viel, find unficherer beim Fahren, und wiegen den fcheinbaren Vortheil einfpännig zu fein vollkommen durch die geringe Belaftung, die fie zulaffen, auf. Sie geftatten auch keine fo rafche Locomotion wie die vierrädrigen, da der Kutfcher das Saumthier oder das Pferd am Halfter führen und mitgehen mufs, denn die Leichtigkeit und Behendigkeit des italienifchen Jungen, der mit einer Hinterbacke fchwebend auf einer Gabelſtange feiner Timonella fitzen und im fchnellen Trabe davonfahren kann, wird man wohl kaum einem Fahrfoldaten zumuthen können. Da ferner ein zweirädriger Wagen nothwendiger Weife entſprechend nieder fein mufs, fo kann er demnach für Sitzende nicht eingerichtet werden. Es genügt aber wohl die einfache Berechnung, dafs man mit einem vierrädrigen zweifpännigen Bleffirtenwagen 8 bis 10 Mann fortzubringen vermag, wogegen der Einfpänner nur 2 aufnimmt, um in der richtigen Beurtheilung und Wahl zwifchen beiden nicht fchwankend zu werden. Alle diefe Erfahrungen wurden an den zweirädrigen Bleffirtenwagen von Maffon in Frankreich fattfam beſtätiget. Refumiren wir das bisher Gefagte, fo können wir die im Sanitätspavillon ausgeftellten Wagenmodelle in folgende Kategorien theilen. Militärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 23 S r 1 1 r S 1, 1 e 1- e n, n it d n er gt - n n Gefchloffene Bleffirtenwagen mit eigenen Tragbahren ohne Suspenfion: Hirfchberg, v. Hoenika, Näher. Offene Bleffirtenwagen mit eigenen Tragbahren ohne Suspenfion: Baierifcher Landes- Hilfsverein, Locati, Locati Bertani und ein Wagenfyftem Mundy Locati. Offene Bleffirtenwagen mit Feld- Tragbahren ohne Suspenfion: Deutfches Heerwefen und Mühlwenzel. Offene Bleffirtenwagen mit eigenen Tragbahren zur Hälfte mit und zur Hälfte ohne Suspenfion: Mundy- Lohner. Offene Bleffirtenwagen mit Feld Tragbahren in Suspenfion: Mundy- Locati und Mundy Kellner ferner Mayo. Offene Bleffirtenwagen ohne Tragbahren: der fpanifche Ambulanzwagen. Die Privatconferenz hat für Bleffirtenwagen folgende Bedingungen geftellt: Der Transportwagen foll bei folidem Baue das Gewicht von 14 Centnern in unbeladenem Zuftande nicht überfteigen, und mit Durchlauf des Vorder geftelles verfehen fein. Der Wagen foll ein feftes Dach mit Gallerie befitzen, und fowohl mit Radfchuh als Bremfe verfehen fein, Er mufs fowohl vorne als an den Seiten abgefchloffen werden können, und mit foliden Vorhängen zum Schutze vor Sonnenftrahlen, Regen und Wind verfehen fein. Der innere Raum foll allein nur für die Verwundeten refervirt fein, alfo nur die Feldtragen und die Sitze faffen. Der Wagen foll mindeftens 4, und als Maximum 6 liegende, oder 8, höchftens 10 fitzende Verwundete faffen können, und ift zweifpännig zu fahren. Das Syftem der Suspenfion entſpricht am beften den gegenwärtigen Anforderungen, immerhin werden aber weitere Verfuche nicht ausgefchloffen. Seitlich foll der Wagen zur leichteren Beladung zurückklappbare Trittbreter befitzen, hinten aber durch einen foliden Deckel verfchliefsbar fein, und nebft den Labemitteln die nöthigen Werkzeuge für kleinere Reparaturen mit fich führen. Das Geleife des Wagens foll fich nach dem im Lande üblichen richten. Küchenwagen. Von Küchenwagen hat man erft in der Neuzeit zu sprechen begonnen, und wurden zuerft in Amerika während des letzten Krieges die erften ambulanten Küchen erbaut. Europa fängt nun auch an fie einzuführen, und wenngleich man fie gegenwärtig, wie alle Neuerungen überhaupt, noch mit etwas fcheelen Blicken betrachtet, fo läfst fich doch hoffen, dafs fie fchon in der nächften Zukunft allgemeine Anerkennung finden werden. Schon erbaut man in England ambulante Küchen für Arbeiter in Fabriken und im Felde, die weit weg von ihren Behaufungen thätig find, und denen man für billiges Geld eine gute und kräftige Koft bieten will. Die Arbeitskraft richtet fich ja nach dem Stoffwechfel der Arbeitenden, und diefer nach der Quantität und befonders aber nach der Qualität der Nahrungseinnahme. Nicht für eine kräftige und dem Organismus der Arbeiter entſprechende Koft zu forgen, wäre demnach fchon vom nationalökonomifchen Standpunkte ein Fehler, den die praktifchen Engländer forgfam vermeiden. Die englifche Arbeitercolonie auf dem Weltausftellungsplatze menagirte die ganze Zeit über billig und gut durch einen Küchenwagen, ein Beweis von deren Brauchbarkeit und Güte. Soll denn aber für die erfchöpften Verwundeten minder geforgt werden, oder ift eine Labung derfelben nicht oft nützlicher als ein Verband? Der Zweck der ambulanten Küche iſt, den Hilfs- und Verbandplätzen eine fchon fertige frifche Nahrung 24 Dr. Mofetig von Moorhof. zuzuführen, auf dafs die dortfelbft ankommenden Bleffirten fofort gefpeift werden können. Sie find ja unmittelbar nach der Verletzung, wenn die Waffe nicht gar zu arge Verwüftungen im Körper geftiftet hat, innerlich noch gefund, das Reactions. ftadium noch weit, warum nicht ihren Hunger ftillen und ihre Erfchöpfung mindern umfomehr, als oft ein längerer Transport ihrer harrt? Die Töpfe und die confer virten Nahrungsmittel, die man an die Hilfsplätze fchaffen foll, müffen ja, falls fie überhaupt anlangen, erft ausgepackt, es mufs Feuer gemacht, Waffer geholt und endlich längere Zeit gekocht werden. Und wenn plötzlich der Hilfsplatz amovirt werden mufs, was dann? Der Küchenwagen kann nachfahren, die Töpfe aber fammt dem Inhalte, die bleiben zurück und gehen verloren. Der Küchenwagen kann das Kochgefchäft beginnen während des Hinfahrens zum Hilfsplatze, hat alfo genügende Zeit, um frifches Fleiſch zu kochen, bedarf der bei Weitem weniger zuträglichen Conferven nicht fo exclufiv, und bietet fchon fertige Nahrung, kaum dafs, ja noch ehe der Hilfs- oder Verbandplatz errichtet ift. Selbft wenn wir uns auf den Standpunkt der Bequemlichkeit ftellen, müffen wir den Küchenwagen gewifs den Vorzug einräumen vor den einzelnen Kochtöpfen, denn deren illuforifche Thätigkeit bewiefen ja hinlänglich die letzten Kriege, wo wenigftens wie ich und viele Collegen es erfahren haben, die Verwundeten ausnahmslos, ohne gelabt worden zu fein, nach langer Irrfahrt in die Feldfpitäler einlangten, erfchöpft durch die überftandenen Märfche, erfchöpft durch das frühere Faften, erfchöpft durch die Verwundung; denn man glaube ja nicht, dafs die Truppen, welche ins Feuer geführt werden, früher gegeffen und ausgeruht haben: möge diefs in der Zukunft fo fein, in der Vergangenheit war es gewifs nicht der Fall. Im Angefichte des Feindes, kurz vor dem Kampfe, darf ja kein offenes Feuer angezündet werden, wo foll der Mann denn kochen? Und während des Marfches, wie geht es da zu! Einige Ochfen, wenn gerade vorhanden, werden fchnell gekeult, zerftückelt, das noch zappelnde Fleiſch in die Kochtöpfe geworfen und eine Stunde fpäter foll abgegeffen fein. Sehen wir von der äquivoken Suppe und dem harten Fleifchftücke ab, welches in die hungernden Mägen mit Haft getrieben wird, fo müffen wir fragen, wann ruht denn der Mann aus, wenn er Holz und Waffer bringen und kochen foll? Aber wie oft ftehen keine Rinder heerden in der Nähe, wie oft wird während des Kochens Alarm geblafen, und die brodelnden Keffel müffen unbenützt ausgeleert werden! Es find diefs keine Trug- und Wahngebilde, fondern traurige Wahrheiten, die fich leider oft genug wiederholt haben, und die in früheren Zeiten, wo noch perfönlicher Muth und körperliche Kraft in den Schlachten mehr gegolten haben als heutzutage, vielleicht zu manchem Mifserfolge geführt haben mögen; denn abgemattete, hungernde und durftende Soldaten können unmöglich jenes Actionsvermögen entwickeln, deffen fie unter befferen Verhältniffen im Stande wären. Denke man fich nun grofse Küchenwagen, welche den marfchirenden Truppen nachfolgen und während des Fahrens kochen; da wäre der Mann, trotz plötzlichen Alarmfchlagens, trotz mangelnder Rinderheerde ficher, gute Nahrung zu bekommen, und könnte nebftdem auch in der Raftftunde wirklich raften und ruhen. Freilich erklären jetzt noch oft auch gewiegte Militäriften derlei Küchenwagen als utopifch und unmög lich; fie mögen es beffer verftehen. Vielleicht bringen die Fleifchconferven, die eine grofsartige Verwendung fchon im franzöfifch- deutfchen Kriege auf preufsifcher Seite, namentlich durch die berühmte und berüchtigte Erbswurft gefunden haben, und die in den nächften Kriegen noch gröfsere Dimenfionen zu nehmen verfprechen, wenn man wenigftens an die grofsen Confervefabriken denkt, die Deutſchland in den Rheingegenden zu erbauen Sinnes ift, vielleicht bringen die Conferven eine wohlthätige Aenderung in der bisherigen, gewifs fehr mangelnden wenngleich koftfpieligen Verproviantirung der Truppen. Wir wollen demnach die Frage von den Küchenwagen für Truppen offen laffen, betonen aber nochmals und ganz ausdrücklich deren Nothwendigkeit für Bleffirte. ב r d t r n t 1 n t t S n e 量 P e t 1 וב e S Z t 7 1 t Militärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 25 Ein Küchenwagen ftellt, allgemein gefprochen, einen oder mehrere vollftändig eingerichtete Kochherde dar, die auf einem Wagen ruhen, welcher nebftbei noch für etwas Proviant und Heizmateriale Platz haben mufs. Die Kochtöpfe müffen im Herde entweder nicht fixirt fein oder wenigftens derartige Verfchlufsmittel befitzen, welche das Entweichen des Inhaltes bei der Erfchütterung während des Fahrens verhindern. Der Rauchfang des Feuerraumes foll fo hoch fein, dafs er mit feinem Ende den Kopf des im Wageninneren vor dem Herde ftehenden Koches und demnach das jedenfalls unentbehrliche Wagendach überragt. Der Koch mufs vor oder hinter dem Herde ftehen können, beffer ift es, wenn er die Fahrrichtung, alfo hinter dem Herde fteht, keineswegs darf er aber, gegen falls mehrere Herde angebracht find, zwifchen diefen ſtehen; er würde die Hitze nicht auszuhalten vermögen. Das Schüren des Feuers foll ftets im Bereiche des Kochenden liegen. Die Küchenwagen find nun je nach ihrer Beftimmung verfchieden grofs, und da fie dem entſprechend auch verfchieden fchwer fein müffen, fo erfolgt die Nothwendigkeit, fie auch vierfpännig zu fahren. Kleinere Küchenwagen find jedoch zweifpännig, ja man hat fogar einfpännige. Im Pavillon waren folgende Mufter: Katalog Nr. 30. Adams Stutton Ground Weftmünfter. London. Küche für Arbeiter( The britiſh Workmanns Hôtel). Kleineres Modell. Beide Eigenthum Seiner Excellenz des Generaldirectors der Weltausftellung Freiherrn v. Schwarz- Senborn. Es find diefs eiferne, vierräderige, einfpännig zu fahrende Wagen mit Wagendach, einem mit Abtheilungen verfehenen Kochherde und einem Hinterplatze für den Koch nebft Kohlenbehälter. Nr. 31. Haag, Augsburg. Dampf- Kochwagen, der 200 Liter Waffer in 20 Minuten zum Sieden bringt. Vierräderig und fo grofs und fchwer, dafs vier Pferde kaum hinreichen dürften. Nr. 32, Kayfer& Comp., Berlin. Kleines Modell einer fahrbaren Feldküche, den englifchen ähnlich gebaut, vierräderig und zweifpännig zu fahren. Nr. 33. Kellner, Wagenfabrikant in Paris. Feld- Küchenwagen für Ambulancen und Lazarethe( 1873 neueftes Syftem Mundy). Diefer Wagen ift gänzlich verfchliefsbar. Der Rauchfang ragt aus dem eifernen, mittelft Fallthüren beliebig zu öffnenden Dache, die Seitenwände find mittelft, auf Rollen fpielender Schubthüren ganz abfchliefsbar, die Hinterwand hat zwei eiferne Flügelthüren und ein aufklappbares Fufsbret. Die Vorderwand ift gefchloffen und trägt ein hohes Kutfchbock mit umlegbarem Lederdache, am Fufstritte des Kutfchbockes eine grofse Omnibuslaterne mit Hohlfpiegel, nebft dem alle Beftandtheile eines guten Wagens. Ift vierrädrig und vierfpännig zu fahren. Die innere Einrichtung läfst Nichts zu wünfchen übrig. Der maffive und grofse Herd, worin für 250 bis 300 Kranke oder Bleffirte in 2 bis 3 Stunden gekocht werden kann, liegt der Rückwand zu, während gegen die Vorderwand eine kleine Speife, und vor diefer ein Sitzkaften fteht, in dem die kleineren Kochutenfilien eingefchloffen werden. Der Herd felbft hat mehrere Abtheilungen, welche die Zubereitung verfchiedener Speifen gleichzeitig ermöglichen. Die grofsen Suppenkeffel, fämmtlich hermetifch verfchliefsbar, ftehen feitlich und haben Ausflufsrohre, die mit Hähnen fperrbar find und die aufserhalb der Seitenwand am Hintertheile angebracht find, damit man das Austheilen der Suppe bequemer vornehmen könne. Endlich find noch abnehmbare Bretter vorhanden, welche an den geöffneten Seitenthüren befeftigt werden und dazu dienen, um die zum Austheilen des Fleiſches nöthigen Menage Blechfchalen aufftellen zu können. Der Koch fteht rücklings zur Fahrrichtung in einem bequemen Raume, wird daher vom Rauche nie mleftirt, und ift ftets vor jedem Witterungseinfluffe vollkommen gefchützt. Die Heizung des Feuerraumes gefchieht vom Innenraume. Der Wagen wurde mehrmals erprobt, und in jeder Beziehung vorzüglich befunden. Er ftellt 26 Dr. Mofetig von Moorhof. das Befte vor, was bisher im Küchenwagen- Bau dieser Art geleiſtet worden ift. Nr. 34. Locati, Wagenfabrikant in Turin: Feld- Küchenwagen für Lazarethe und Ambulancen im Kriege( Syftem Mundy). Kocht in 2 bis 3 Stunden für 800 bis 1000 Verwundete, vierrädrig und zweifpännig zu fahren, ift ähnlich dem eben befchriebenen, aber nicht ganz abfperrbar und weniger vollſtändig eingerichtet. Der felbe ift um die Hälfte leichter als der Kellner- Mundy'fche, den wir foeben befchrieben haben. Zweirädrige Feldküche. Einfpännig, Syftem Coutard, verbeffert durch Mundy und Locati. Kocht in 2 bis 3 Stunden für 250 Verwundete, hat zwei grofse Keffel, die von rückwärts geheizt werden. Der Kochende fteht vor dem Herde. Diefer Wagen ift zweirädrig, fehr leicht und durch ein Saumthier ziehbar. Feldküche für Truppen( Syftem Locati). Kocht in vier Stunden für 2500 Mann. Der vierrädrige, äufserft fchwere Wagen befitzt einen langen Wagenkaften mit Dach, in dem ein langer Mittelgang und jederfeits von ihm je fünf, hinter einander ftehende, im Ganzen alfo zehn grofse Keffel, die je einen gemeinfchaftlichen Feuerungsraum haben, der von rückwärts gefpeift wird. Beim Fahren werden die Keffel aus dem Behältniffe, in welchem fie ftecken, empor gehoben und mittelft Haken auf einer ftarken Eifenftange fchwebend aufgehängt, damit der Inhalt nicht allzufehr ausfliefse. Diefer Wagen dürfte fich feiner Schwere und Unbehilflichkeit und des Umftandes wegen, dafs der arme Koch zwifchen zehn grofsen kochenden Keffeln eingefchloffen bleibt, und alldort für die Länge kaum zu verweilen vermöchte, kaum empfehlen. Unter der Rubrik Magazinswagen fand ich unter Nr. 36 im Specialkataloge einen Wafferheizungs- Brot- Backofen von Haag in Augsburg. Da aber meiner Anficht nach, wenn man Brot als Aequivalent für Nahrungsmateriale annimmt, ein Brot- Backofen eher zu den Küchenwagen als zu den Fourgons zu rechnen ift, fo erlaube ich mir denfelben in diefem Capitel aufzunehmen. Der vier räderige Wagen ift monftrös grofs und ganz aus Eifen gebaut. Eine vielfach gewundene Dampfröhren- Leitung heizt die Ofenräume, in denen 48 Brote à vier Pfund in einer Stunde gebacken werden können. Sollte an Brot grofser Mangel herrfchen, oder das aus den Militärbäckereien gefafste Brot fchon fchimmelig und verdorben an feinem Beftimmungsorte angelangt fein, dann könnte diefer Wagenkolofs allerdings einige Dienfte leiften. Ob aber das frifchgebackene Brot in Laiben à vier Pfund, welches diefer Backofen liefern mag, auch für die Mägen der Verwundeten und Kranken zuträglich fei, ift zu bezweifeln. Ift es aber für die marfchirende Truppe beftimmt, dann enthalte ich mich fchon gar jedes Urtheiles, glaube jedoch, dafs an Brot kaum je ein ganz plötzlicher Mangel fich einftellen, und man fonft dafür auf andere Weife forgen können dürfte. Noch einen Küchenwagen muss ich zum Schluffe erwähnen, der in der ungarifchen Abtheilung der Mafchinenhalle weilte, und zwar unter dem Namen: Beweglicher Militär- Kochherd vom Grafen Zichy, Eugen und Lucács Sigmund in Stuhlweifsenburg. Ein leichter, vierrädriger und zweifpannig zu fahrender, ganz offener Wagen, hat hinter dem Kutfchbocke einen länglichen Kaften, in dem zwei ebenfolange, länglich viereckige Kochkeffel angebracht find. Der Feuerherd nimmt die Mitte zwifchen den zwei Keffeln ein, fo dafs letztere nicht vom Bocke aus, fondern nur durch einen Theil der Seitenwand geheizt werden können. Der Koch mufs auf dem Kutfchbocke fitzen und kann während des Fahrens weder das Feuer unterhalten, noch auch das Kochen überwachen. Eine ungemein gefällige Form und grofse Leichtigkeit find unleug bare Vorzüge diefes Wagens, der angeblich für 1000 Kranke berechnet ift. Der Mangel einer Bedachung ift zu betonen, die bei einem Küchenwagen wohl nicht entbehrlich ift. Ob das Beheizen fo grofser Keffel zu Kochzwecken von der et m r. e- ல் ட்= en Militärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 27 Seite her gut möglich fei, das überlaffe ich der Beurtheilung competenter Fach leute. Zum Transporte fchon zubereiteter Nahrung, quasi als réchaud, würde der Wagen wohl dienen können, vielleicht ift er auch nur hiefür berechnet. Die Conferenz erklärte die absolute Nothwendigkeit der Küchenwagen für die Verbandplätze und für das volante Lazareth. Was den Bau anbelangt, fei das von Mundy angegebene und von Kellner erbaute Modell vorderhand als das praktifchefte und allen Anforderungen am beften entſpre chende zu bezeichnen. r. 50 er nd en en je en im Dr. gt, ere en ge ge Der ale zu erach ier gel nd enin der die es, en, der en: nd und cke ffel ein, enund hen ug. Der cht der Magazinswagen. Magazins oder Deckelwagen, auch Fourgon nennt man jene Wagen, welche den Zweck haben, auf Verbandplätzen oder in Feldlazarethen alle jene Utenfilien zu fchaffen, welche zur Aufnahme und erften Pflege der Verwun deten und Kranken nothwendig find, als da find Wäfche- und Bettenrequifiten aller Art, Verbandzeug, chirurgifche Inftrumente, Spitals requifiten, Medicamente und Labemittel. Für Medicamente hat man noch gegenwärtig eigene Wagen, welche ihres Inhaltes wegen auch Feldapotheken oder Medicamentenwagen geheifsen werden. Mit der Vereinfachung der Behandlung von Krankheiten durch Arzneiftoffe werden hoffentlich auch diefe fpeciellen Wagen fammt ihrem zum gröfsten Theile wohl entbehrlichen Inhalte nach und nach verfchwinden. geradefo wie die ellenlangen Recepte der alten Schule heutzutage aus der Praxis faft gänzlich verfchwunden find. Mit dem Fortfchritte der medicinifchen Wiffenfchaften klärt fich allmälig die Kenntnifs und die Behandlung der phyfifchen Erkrankungen, und in ftets weiteren Kreifen verbreitet fich die Ueberzeugung, dafs der Haupthebel jeder internen Behandlung die vernünftige Diätetik fei. Geftalten wir daher die Medicinkarren in Küchenwagen um, dann erft werden wir behaupten können, in jenes Geleife getreten zu fein, welches zum reellen Fortfchritte der Feldfanität führt. Ein Deckelwagen ftellt, wie fchon der Name es bezeichnet, einen gefchloffenen Karren dar, der auf vier Rädern ruht. Innen ift der Wagenkaften leer, er hat keine befonderen Einrichtungen, da er ja Gegenftände aller möglichen Form und Gröfse aufnehmen foll. Wir fanden im Sanitätspavillon folgende Fourgonmodelle vor: Deutfches Heerwefen. Ein neuer Truppen- Medicinwagen mit Ausftattung einfchliesslich der Krankentragen und Bandagentornifter, ein Wagen für Sanitätsdetachements mit Ausstattung exclufive Arzneien, ein Sanitätswagen für Feldlazarethe, ein Batterie- Medicinalkaften neuefter Conftruction. Diefe Wagen enthalten mehr weniger complete Feldapotheken mit Fla fchen, Büchfen und Schachteln, Reibfchalen und Waagen, und allen jenen Apothekerbedürfniffen, die im Felde fo entbehrlich find. Alle find vierrädrig und mit offenem Kutfchbock verfehen. Kellner( Paris). Kleiner und grofser Fourgon( neueftes Syftem Mundy 1873). Es find diefs vollständig gefchloffene Wagenkaften, die fich feitlich durch Schubthüren, rückwärts durch Flügelthüren öffnen laffen. Der vorderfte Abſchnitt des Innenraumes ift wieder durch zwei übereinander gleitende Rollthüren, die fich vom Innenraume aus öffnen, für fich getrennt, und hat die Beftimmung, Efswaaren aufzunehmen, wogegen der gröfsere übrige Theil des Innenraumes für das übrige Materiale beftimmt ift. Die verfchiedenen Objecte werden in geflochtenen Körben, die mit Lederüberzug verfehen find, gepackt in den Fourgon geladen, eine Einrichtung, welche das leichte Auffinden jedes eben gefuchten Gegenſtandes ermög 28 Dr. Mofetig von Moorhof. licht, da jeder Korb an der Aufsenfläche des Deckels eine Infchrift trägt, welche den Inhalt bekundet. Wir fehen Körbe mit den Auffchriften Apotheke, Inftru. mente, Verbandmateriale, Leibwäfche. Bettwäfche, Gyps, dann wieder Fleiſch, Brot, Gemüfe, Mehlwaaren u. f. f. Die geflochtenen Körbe haben den Vortheil der gröfseren Leichtigkeit und Dauerhaftigkeit, fefte Kiften würden beim oftma ligen, oft rüden Auf- und Abladen leicht befchädigt. Wir loben in diefen Fourgons die leichte Zugänglichkeit von drei verfchiedenen Seiten, und glauben diefs als eine ebenfo zweckmäfsige als nothwendige Bedingung eines guten Magazinwagens befonders hervorheben und betonen zu müffen. Locati( Turin). Magazinwagen für das Feld nach Angabe des Profeffor Mundy. Diefer Fourgon ftellt gleichfalls einen gefchloffenen Wagenkaften dar, der von den Seiten und von rückwärts gleich den Kellner'fchen fich öffnen läfst. Statt des offenen Kutfchbockes trägt er quasi als Fortfetzung des Kaftens gleich den Bleffirtenwagen ein Coupé mit Halbdach. Der Wagenkaften ift vollkommen leer, und die Wagenthüren, fowohl die feitlichen als die hinteren haben grofse fenfterartige Ausfchnitte und ſtarke Eifenblech- Fenfter, die je nach Wunſch und Bedarf aufgezogen oder niedergelaffen werden können, ähnlich einem gewöhn. lichen Wagenfenfter. Weiters ift die Einrichtung getroffen, dafs im Nothfalle der leere Fourgon auch zum Verwundetentransporte benützt werden, und vier liegende und auf Bahren gebettete Bleffirte, je zwei übereinander gelagert, faffen könne, Hiezu werden an acht Haken, je zwei an jedem Eckpfeiler, vier federnde, aus Stahlreifen und Lederüberzug gebaute Stangen der Quere nach befeftigt, auf welche die Tragbahren einfach gelegt, in einer höchft einfachen Weife gefichert und demnach federnd getragen werden können. Die grofsen bei diefer Gelegen heit geöffneten Fenfter forgen für genügendes Licht und Luft. Da bei der Benützung als Fourgon die Fenfter forgfältig gefchloffen werden, fo würde, falls der Wagen kaften nicht fehr oft geöffnet wird, keine entsprechende Lufterneuerung ftattfinden können, ein Umftand, der möglicherweife einige der mitgeführten Gegenftände dem Verderbniffe zuführen könnte. Um diefes zu vermeiden, find an den Seiten- Wandungen des Locati'fchen fowie auch des Kellner'fchen Fourgons einige kleine Löcher ausgebohrt, durch welche die Luft hinein- und herausftrömen kann. Mundy's Gedanke, einen Fourgon zugleich zum zweckmässigen Bleffirtentransporte verwendbar machen zu können, ift ein glücklicher, und jedenfalls fehr zu beachten. An Schlachttagen gibt es ja bekanntermafsen immer einen grofsen Mangel an Bleffirtenwagen. Warum foll man da den Fourgon, namentlich wenn er feinen Inhalt fchon dem Verbandplatze oder dem Feldfpitale übergeben hat und geleert ift, nicht zur Aushilfe beim Bleffirtentransporte verwenden; er wird ja wieder Fourgon, fobald er gereinigt und die Gefechtszeit vorüber ift. Spanien. Der fpanifche reglementäre Fourgon für Sanitätsmateriale ift zweirädrig und entspricht dem Ausdrucke Deckelwagen am vollständigften; er beſteht nämlich nur aus einem einfachen Holzkaften, der durch einen oberen Deckel gleich einer Kifte zu- und aufgemacht werden kann. Unter dem Titel Fourgon de vivres hat endlich Rufsland einen Wagen ausgeftellt mit fehr hohen Rädern und einem einfachen Holzkaften, der fich nur rückwärts öffnete. Gefchloffen wird er durch eine Plache, welche über Reife, die fich über den Holzkaften von einer Seitenwand zur anderen fpannen, gezogen wird. Die Conferenz hat für den Magazinwagen die Poftulate aufgeftellt, dafs er: von allen, das heifst von drei Seiten zu öffnen fei der Deichfel und deren Adnexe wegen unzugänglich; - die Vorderwand ift leer ein Gewicht von 20 Centnern habe, vollbepackt das von 40 Zoll' centnern nicht überfchreite. Militärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 29 he نہ نہ ہو ch. eil a. r- fs n- or == ar, St. ch en se nd n. ہے نے de e. us uf ert enng enen de en ns 18enhr en nn at ja ift er zel en er er E en, er: ift 11Lazareth- Eifenbahnwagen. Seit der Zeit, als überhaupt Eifenbahnen beftehen, hat man diefelben zum Transporte Verwundeter und Kranker benützt, denn das Bedürfnifs, die Anhäufung von Verwundeten in der nächften Umgebung der Schlachtfelder forgfam zu vermeiden, war längft bekannt; nur hatte man in früheren Zeiten, wo die Anwendung des Dampfes als Locomotor noch nicht gekannt war, nicht die Möglichkeit, eine Zerftreuung der Verwundeten in gröfserem Maafse zu bewerkstelligen. Heutzutage aber, wo dank der Eifenbahnen der Begriff Entfernung ein ganz anderer geworden, ift die rafche Amovirung der Verwundeten vom Schlachtfelde zur Regel, zur Pflicht, zum hygienifchen Axiom geworden, und zwar umfomehr, als die Verbefferungen der Schufswaffen und die dadurch bedingte Aenderung der Kampfweife und ferner die gröfsere Menge der Kämpfenden überhaupt auch eine relativ und abfolut gröfsere Anzahl von Bleffirten nach einem Schlachttage ergibt, als diefs je früher der Fall gewefen ift. Namentlich der vorrückende Sieger ift es, dem die Sorge um die eigenen Bleffirten und um jene des Gegners zukommt, die ihm in grofser Anzahl in die Hände fallen Die vielen Taufende von Bleffirten dürfen aber nicht zufammengehäuft in der Nähe des Schlachtfeldes verbleiben, denn die Mittel, fie alle zu pflegen, fie alle unterzubringen fehlen, das Aerzte- und Pflegeperfonal, die Nahrung, Unterkunft, Wäfche und die hundert anderen Bedürfniffe können unmöglich in hinreichender Anzahl aufgetrieben werden. Könnte diefs aber auch der Fall fein, fo dürften die Bleffirten doch nicht in der Nähe des Kampfplatzes verbleiben, denn die Anhäufung von vielen Wunden und Erkrankungsfällen erzeugt Epidemien, denen dann nicht nur die Bleffirten, fondern auch deren Umgebung zum Opfer fallen; ferner wird der Ausbruch folcher Epidemien befördert durch die verpeftete Luft der Schlachtfelder felbft, in denen wieder Taufende von Menfchen- und Pferdeleichen oberflächlich verfcharrt verfaulen, denn das Kriegsglück kann fich wenden und der Rücken des früheren Schlachtfeldes zum neuen Kampfplatze werden. Die Evacuation des Schlachtfeldes und der erften Feldlazarethe wird hiedurch zur Hauptpflicht der Feldfanität, und Freund und Feind, Alles, was nicht fterbend oder gerade nicht gut transportabel ift, wird fortgeführt weit vom Schlachfelde in die Heimath oder in die Fremde, wenn befiegt, krank und gefangen. Beide Theile können dadurch nur gewinnen, vorausgefetzt, dafs der Transport auf zweckmäfsige Weife erfolgt und nicht allzu lange dauert. Die Kriegschirurgie auf der einen, und die mehr und mehr fich vervollkommnenden Transportmittel auf der anderen Seite beftreben fich, diefem Poftulate gerecht zu werden und es läfst fich hoffen, dafs die Leiftungen beider, namentlich aber die des Transportsmateriales fchon in den nächften Kriegen Hand in Hand gehen werden in der Löfung der grofsen und wichtigen Frage der Rettung und Erhaltung der fürs Vaterland Gefallenen. Wenn auch der Transport Verwundeter in früheren Zeiten mit Eifenbahnwagen erfolgte, fo gefchah diefs ohne weitere Vorbereitung derfelben und in den Kriegen des Jahres 1859, 1864, 1866 und zum Theil noch 1870 und 1871 wurden die Verwundeten in gewöhnlichen Perfonenwagen oder in leeren Laftwagen transportirt, auf den Sitzen oder auf Stroh gelagert, felten in Betten auf Tragbahren oder Matratzen, die aber auch ohne jede Vorbereitung einfach auf den Boden der Laftwagen hingeftellt wurden. Die während des Krimkrieges von Baudens, Larrey und Pirogoff gemachten Verfuche, Verwundete auf Tragbahren in Eifenbahn- Wagen zweckmäffig unterzubringen, befchränkten fich auf wenige Fälle und fanden keine nennenswerthe Nachahmung. Erft Amerika belehrte uns, dafs man die Wagen zum Transporte der Verwundeten eigens einrichten müffe, um fie hiezu geeignet zu machen. 30 Dr. Mofetig von Moorhof. Wer je Gelegenheit hatte, eine längere Strecke in einem gewöhnlichen Güterwagen zu fahren, der wird zugeben müffen, dafs der Aufenthalt für Verwundete, dortfelbft wenn fie auf dem Boden liegen, durch die fortwährende Erfchüt terung ganz unerträglich ift, und gerade die Schwerverwundeten trifft diefes harte Loos, denn die Leichtverwundeten und die Sitzenkönnenden benützen ja die Perfonenwagen. Nicht als ob ein eigens nur zum Bleffirtentransporte gebautes Materiale, etwa gleich den Bleffirtenwagen oder den Tragbahren gebaut werden müfste, denn welche Eifenbahn- Gefellſchaft oder welcher Staat könnte und möchte die enormen Koften tragen, um ein todtes Capital zu befitzen, welches nicht nur keine Zinfen trägt, fondern welches auch vielleicht, ohne je gedient zu haben, zu Grunde geht. Es mufs beftehendes thätiges Wagenmateriale benützt werden, nur mufs es zum Bleffirtentransporte eigens eingerichtet werden, und von Haus aus fo befchaffen fein, dafs es fich zum Zwecke eigne. Und diefs ift wohl nicht fchwer zu erreichen, denn der Wagenpark jeder Eifenbahn confumirt fich ja fortwährend und mufs durch neues erfetzt werden; beim neuzuerbauenden könnte und müfste aber auf diefe Eventualität Rückficht genommen werden, ohne dafs die Brauchbarkeit für den gewöhnlichen Betrieb darunter leide oder befondere Koften hiefür erwachfen. Es wäre wahrlich an der Zeit, dafs fämmtliche Eifenbahn- Gefellſchaften, wefs Namens und Landes fie auch fein mögen, mit diefem Gedanken fich vertraut machen würden, und bei Zeiten für etwaige Kriegsereigniffe fich vorbereiten möchten, indem bei der jetzigen politifchen Lage der Dinge kein Staat der Welt die Möglichkeit deren Eintreffens weder vorausfehen noch leugnen kann. Wie oben erwähnt, gebührt Amerika das Verdienft, im letzten Kriege zwifchen den Nord- und den Südftaaten 1863 zuerft gezeigt zu haben, dafs und wie man das beſtehende Materiale zu einem zweckentfprechenden Bleffirtentransporte im Grofsen herrichten müffe und zwar durch Dr. Harris in New- York, membre of the sanitary commiffion. Preufsen folgte dem Beiſpiele und der Director der grofsen Eifenbahn- Fabrik in Berlin Herr Unruh begann auf Anregung der Profefforen Es march und Virchow die neuzuerbauenden Wagen IV. Claffe fo einzurichten, dafs fie im Kriege als Hofpitalwagen fungiren könnten und war es auch Virchow, der im deutfch- franzöfifchen Kriege 1870 zuerft mit einem geordneten Hofpitalzuge von Berlin zum Kriegsfchauplatze fuhr, dann erft folgten Baiern, Baden und Württemberg dem fchönen Beiſpiele. In Frankreich hat der um das Militär- Sanitätswefen fo vielverdiente Profeffor Mundy fich der Sache angenommen, und mit Beihilfe des Directors einer grofsen franzöfifchen Eifenbahnwaggon- Fabrik Herrn Carl Bonnefond und des Eifenbahningenieurs Leon das Modell eines Eifenbahn- Materiales geliefert, welches nicht nur allen Anforderungen entſpricht, indem es ebenfo im Frieden zum gewöhnlichen Betriebe als auch im Kriege zum Verwundetentransporte zu dienen vermag, fondern auch das Vollkommenfte und Vorzüglichfte darftellt, was bis nun in diefem Fache geleiftet worden ift. Man wende nicht ein, dafs die eigens hergerichteten Lazarethzüge nicht zum Schlachtfelde fahren könnten, da alle Geleife dahin mit Truppentransports, Proviant-, Munitions- und anderen Zügen verlegt wären und dafs daher die erften beften eben dort befindlichen, eben geleerten und gar nicht ad hoc hergerichteten Wagen, welcher Gattung immer zur Evacuation des Schlachtfeldes verwendet werden müffen, es wäre diefs die gleiche unlogifche und müffige Einwendung, der ich fchon im Capitel über Bleffirtenwagen entgegengetreten bin. Gleich wie auf den landesüblichen Wagen werden in künftigen Zeiten auch noch viele Bleffirte gleich Waarenballen in dumpfigen und fchmutzigen Güterwagen, die vielleicht früher Pferden und Schlachtthieren gedient hatten, auf Stroh gelagert, ohne Ver band, hungernd und durftend, halbgefroren oder bratend, ohne entſprechende Zufuhr von Licht und Luft fortgefchleppt werden; wurden ja von Paris aus bis tiel in den deutfchen Norden zur Winterszeit Verwundete auf offenen Karren gefahren en n. it. te lie e, e, lie ur zu ur fo zu nd auf für en. efs aut en lie ge nd ms rk, tor Her fo es em ten ffor Sen enhes um en un cht rts, ten ten det der auf irte cht Ter nde tief ren Militärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 31 wochenlang ohne Ruh ohne Raft, ohne dafs man ihre Fieberdelirien berückfichtigte oder die zu eng gewordenen Gipsküraffe öffnete. Mit erfrorenen Extremitäten, jauchenden Wunden, pyämifch erkrankt, mit Starrkrampf behaftet kamen die Unglücklichen an, und wurde einer der Fahrgäfte auf dem Wege von feinem jammervollen Dafein erlöft defto beffer hinaus mit der charogne und luftig weiter kutfchirt! - Mögen die Geleife an dem Schlachttage auch verlegt fein, fie werden fich wieder öffnen, die fehr fchwer Verwundeten behält man fo in den nächften Feldlazarethen und von dort können fie ja auch längere Zeit nach der Schlacht abgeholt werden, denn evacuirt wird ja nicht nur in den erften Tagen nach der Schlacht, fondern nach und nach fort und fort. Wir kommen nun zur Frage, wie die Eifenbahn- Wagen im Allgemeinen befchaffen fein follen, um zum Lazarethdienfte verwendet werden zu können. Es wird hiezu als Hauptbedingung erfordert eine freie Communication, damit Aerzte und Wartperfonale von einem Wagen in den anderen fteigen und die ganze Länge der Trains abgehen können, ohne dabei felbft in Lebensgefahr zu gerathen. Eifenbahn- Wagen, die fich nur von der Seite aus befteigen laffen, find defshalb zu Lazarethzügen ganz unbrauchbar, und nur folche find verwendbar, welche an den Kopffeiten zu öffnen find und Plattformen mit breiten und bequemen Treppen befitzen. Die Thüren müffen breit fein, auf dafs man mit den Tragbahren durch könne und follten auch die Geländer und etwaige Dachftützen der Plattform abnehmbar gemacht werden, damit diefe das leichte und bequeme Ein- und Ausladen der Tragen nicht hindern. Preufsen läfst in Hinblick auf diefe Noth wendigkeit alle neugebauten Perfonenwagen IV. Claffe mit Plattformen und Kopfthüren verfehen und wäre es fehr wünfchenswerth, wenn auch die übrigen Staatsoder Privat- Eifenbahn- Gefellſchaften die Wagen III. und IV. Claffe in ähnlicher Form conftruiren liefsen. Auf Perfonenwagen II. und I. Claffe wird bei der Zufammenftellung von Lazarethzügen weniger reflectirt, weil das Ausräumen der Sitze grofse Schwierigkeiten bieten würde, und ja ein Lazarethwagen ganz leer. fein mufs, um Schwerverwundete in liegender Stellung aufnehmen zu können. Sehr brauchbar zum Bleffirtentransporte find Güterwagen und zwar aus mehreren Gründen: Einmal kann man fie in gröfserer Zahl befchaffen, ferner befitzen fie keine eigenen Einrichtungen, die man erft wegräumen müfste und fie haben breite feitliche Thüren, welche zum Ein- und Ausladen der beladenen Bahren viel beffere Verwendung finden als die Kopfthüren. Trotzdem follen letztere fowie die Plattformen nicht mangeln, um die freie Durchgängigk eit des Zuges nicht zu stören. Der einzige Nachtheil der Güterwagen befteht aufser der ungenügenden Ventilation und Beleuchtung in der Qualität der Federn, die gemeiniglich für eine Laft von 200 Centnern berechnet ift. Hat der Wagen nun ftatt 200 nur etwa 25 bis 30 Centner zu tragen, fo ergeben fich die Federn als infufficient und diefs ift wohl der Grund, warum man beim Fahren in einem leeren Güterwagen die Erfchütterung und die Stöfse fo empfindlich fpürt. Der weitere Uebelftand des dröhnenden Geräufches ift dadurch bedingt, dafs der Güterwagen beim Mangel an Fenſtern und fonftigen Ventilationsöffnungen einem Refonanzboden gleicht, der jedes Geräufch vervielfacht. Der Uebelftand der nur für fchwere Belaftung berechneten Federn läfst fich leicht heben, wenn man an Güterwägen das Syftem der regulirbaren Federn anbringt, worunter man folche Federn verfteht, aus denen einzelne Blätter ohne Störung des Gefammtmechanismus herausgenommen und wieder eingepasst werden können, wodurch die Möglichkeit erwächft, die Federung je nach der Belaftung entsprechend zu modificiren. Doch, wenn auch fehr wünfchenswerth, wäre diefe Einrichtung vielleicht weniger nothwendig als die Vorforge für Luftwechfel und Licht. Das bisher geübte Verfahren, bei Benützung von Laftwagen zu Lazarethzwecken in den Wandungen Fenfter einzufchneiden und fie dadurch den Perfonenwagen ähnlich zu geftalten, genügt aber durchaus nicht, denn find die Fenfter beiderfeits offen, fo entſteht ein für 3 32 Dr. Mofetig zon Moorhof. Bleffirte fehr unvortheilhafter Luftzug und werden auch diefe durch die eindrin genden Staub- und Kohlentheile verunreinigt und moleftirt; einfeitiges Oeffnen der Fenfter hat aber, was Kohlenftaub und Zug anbelangt, denfelben Nachtheil, da fich ja Luftzug beim jedesmaligen Oeffnen einer Thür einftellt. Wir müffen demnach logifcher Weife auch die Fenſter der Perfonenwagen für ungenügende Einrichtungen erklären und andere den Zwecken beffer entſpre chende fordern. Auch hierin kann uns Amerika als Lehrerin dienen. In Amerika haben nämlich fämmtliche Perfonenwagen nebft den Fenstern, welche fchon des Lichtes und der Ausficht halber nothwendig find, Dachreiter, mit kleinen von der Seite zu öffnenden Fenfterchen, die ein Zuftrömen der Luft von oben her und ein leichtes Ausftrömen der nächft dem Plafond fich anfammelnden verbrauchten und erwärmten Luftfchichten ermöglichen, wodurch für eine ftete Erneuerung der Luft geforgt wird. Es werden alfo in Amerika die Perfonenwagen nach denfelben phyfikalifchen Gefetzen ventilirt, die überhaupt bei jeder Ventilation ftrenge Berücksichtigung verlangen. Das Eindringen von Kohlenftaub wird durch dichte Gitter oder Jaloufienfenfter, oder dadurch verhindert, dafs man die Luft vor dem Einftrömen durch Waffer ftreichen läfst. Die auch im gewöhnlichen Verkehre fo überaus erwünſchte Ventilation durch Dachreiter oder Laternen follte man bei allen neu zu bauenden Perfonenwagen einführen. Kann aber eine gleiche Vorrichtung auch für Güterwagen empfohlen werden? Diefe Frage ift fchon vielfach discutirt und Vieles pro et contra angeführt worden. Der Vortheil ift felbftverſtändlich, als Nachtheile wären folgende auf zuftellen: Der Dachreiter mit Ventilationsvorrichtung könnte im gewöhnlichen Betriebe nicht nur unnöthig, fondern auch dadurch direct fchädlich werden, dafs möglicherweife die Fenfter nicht gut verfchloffen werden, oder zufälligerweife eine Scheibe brechen könnte, wodurch die Wagenladung bei Regenwetter der Durchnäffung und eventuellen Befchädigung preisgegeben wäre. Dagegen ift ein zuwenden, dafs man in Friedenszeiten die Fenfterchen an der Laterne, da fie ohnedem unnütz find, dauernd verfchliefsen könnte, und die Scheiben durch Gitter derart von aufsen her gefchützt werden könnten, dafs ein Zerbrechen, aufser bei Unglücksfällen, nicht gut möglich wäre. Von innen her könnte man aber wohl im gewöhnlichen Verkehre die ganze Bafis des Dachreiters, die fich gegen das Wageninnere öffnet, durch ein feftes Eifengitter abfperren. Aber auch ohne dem dürfte wohl felten eine Scheibe brechen, denn beim brutalen Hineinwerfen der Colli ift die Richtung ihrer kurzen Flugbahn doch nie gegen das Dach des Wagens gerichtet. Weiters könnte eine jedesmalige Befichtigung des Waggons vor der Benützung das eventuelle Zerbrochenfein einer Scheibe ent decken und leicht Abhilfe fchaffen. Die Finanzbehörde, fagt man weiter, würde gegen die Benützung folcher Wagen Einfprache erheben, in der Beforguifs durch die Fenfterchen der Laterne könnte gefchmuggelt werden. Diefe Beforgnifs ift wohl nicht fehr begründet, denn die Fenfterchen find fehr klein und fchmal und laffen fich nur von innen öffnen, ein gewaltfames Einfchlagen derfelben hindert aber die Gittervorrichtung. Da jedoch die eventuellen Einwendungen der Finanzbehörde jedenfalls angenommen werden müfsten, könnte dem fo abgeholfen werden, dafs man die Güterwagen mit Dachlaternen nur für den Binnenverkehr benützt, wogegen für das Ausland- und nur in diefem Falle hat die Finanzbehörde zu interveniren die gewöhnlichen Güterwagen ohne Ventilationsvorrichtungen in Verwendung kommen. Der Gedanke, die Laternen amovibel zu machen, um diefe nur bei Bedarf auffte llen zu können, fcheitert an den technifchen Schwierigkeiten und dem Koftenpunkte. Es fällt ja gar Niemanden ein, diefe Einrichtung für alle neu zu bauenden Frachtenwagen zu empfehlen, es genügt vollkommen, wenn man nur einen kleinen Bruchtheil des jährlichen Wagencontingentes damit ausrüftet. - n S d n i d де n e ft f. U= fs fe er 1 ch n, h ch as es t er ne nn in ch en h ur en er en e. n en Militärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 33 Refumiren wir das foeben Gefagte, fo wären den Eifenbahn- Gefellfchaften in Berücksichtigung einer möglichen Kriegseventualität folgende Defiderata von Seite der Militär- Sanitätsbehörden zu unterbreiten, welche beim Erbauen des jährlichen Wagen- Ergänzungsmateriales zu berücksichtigen wären: Perfonenwagen III. und IV. Claffe wären mit breiten Kopfthüren und Plattformen Perron zu verfehen. Bei Perfonenwagen III. Claffe follten ferner die Sitze leicht entfernbar fein. - Alle Perfonenwagen ohne Unterfchied der Claffen follten Dachventilation befitzen. - Einige Percent der Güterwagen follten gleichfalls mit Kopfthüren und Plattformen erftere kann man im gewöhnlichen Betriebe ftets verfperrt halten - und nebftbei mit Dachventilation verfehen werden. Wenn ich den zweiten Punkt hier ebenfalls aufnehme, fo reflectire ich weniger auf die Bleffirten, als vielmehr auf die gewöhnlichen Reifenden, welche bei den gewöhnlichen Perfonenwagen durch Zugluft und Kohlenftaub fehr zu leiden haben. Um namentlich in heifser Sommerszeit die unerträgliche Hitze zu mindern, welche vom Wagendache ausftrahlt, welches, von der Sonne befchienen und befonders beim Stehen ftark erhitzt, einem Ofen gleich wirkt, würde es fich fehr empfehlen, das Dach nebftbei doppelt zu machen und dazwifchen einen kleinen Luftraum übrig zu laffen. Bezüglich der inneren Einrichtung möge vor Allem betont werden, dafs die Bleffirten nie auf dem Boden gelagert werden follen, weil dort die Erfchütterung am ftärksten ift. Auch aus Reinlichkeitsrückfichten und des ärztlichen fowie Wärterdienftes wegen empfiehlt es fich den Boden ftets frei zu laffen. Die Bleffirten felbft könner auf den Tragbahren, die fie fchon einnehmen, fuspendirt, oder aber auf eigene Lagerbetten untergebracht werden. Erfteres empfiehlt fich für kurze, Letzteres für tagelange Fahrten. Die Lage auf einer Feldtrage wird nämlich nach längerer Zeit fehr unangenehm, und namentlich durch das muldenförmige Einfinken des Bahrtuches für die Dauer ganz unmöglich. Für kurze Strecken, etwa nur wenige Stunden lange Fahrten, empfiehlt fich das Belaffen des Bleffirten auf der Tragbahre, weil hiebei das Umladen verhindert wird. Bedient man fich der Tragbahren, fo mögen diefe mit kurzen Riemen fuspendirt werden, aus denfelben Gründen, die fchon bei den Bleffirtenwagen zur Sprache gekommen find. Jede Suspension mit langen Riemen oder Stricken ift zu verwerfen. Die in den Harris'fchen Eifenbahn- Wagen zur Suspenfion benützten Kautíchukringe, die anfänglich auch in Preufsen Nachahmung gefunden haben, find nicht zu empfehlen, weil fie fich mit der Zeit dehnen und dadurch die kurze Suspenfion in eine lange umgewandelt, und weil Kautfchuk mit der Zeit fpröde wird und dann bricht. Lederringe find weit vortheilhafter, und will man das Moment der Elafticität des Kautfchuks, nicht miffen, obwohl diefe bei der Suspenfion von geringer Bedeutung ift, fo kann man die Lederriemen an Eiſenringen befeftigen, welche mit Spiralfeder- Vorrichtungen verfehen find, wie fie zuletzt in Preufsen eingeführt wurden. Für längere Fahrten eignen fich beffer eigene Lagerftätten, die nicht fuspendirt, wohl aber mit elaftifcher oder gar federnder Unterlage verfehen fein follen. Lagerftätten mit Matratzen und Decken wären nämlich zur Suspenfion zu fchwer, und ift auch das ftete Schwanken in fuspendirter Lage, fo angenehm es anfänglich ift, am zweiten oder dritten Tage fchon höchft peinlich. In einem Wagen in der Regel zweiachfig-follen nicht mehr als zehn Bleffirte oder Kranke Unterkunft finden, eine Mehrzahl, wenn für längere Dauer der Fahrt, würde trotz Ventilation der Reinheit der Luft Eintrag machen und fchädlich auf die Bleffirten wirken. Die in jedem Lazarethwagen befindlichen Clofets müffen möglichft vom Wageninneren abgefondert fein und fich, obzwar mit Klappen verfehen, frei am Bahnkörper öffnen, um jeden üblen Geruch im Wagen abzuhalten. Nur für 3* 34 Dr. Mofetig von Moorhof. anfteckende Kranke follen eigene, gefchloffene Clofets vorräthig fein, die auf das genauefte gereinigt und desinficirt werden müffen. Ein Lazarethzug mufs nebft den Bleffirtenwagen auch Magazins-, Küchenund einen Arztwagen befitzen. Küchenwagen find unentbehrlich, denn das rationelle Ernähren der Bleffirten auf den Stationen ift ganz und gar unmöglich. Ein Lazarethzug mufs nämlich fobald wie möglich feine Endftation erreichen und doch nicht zu fchnell fahren, denn das allzu rafche Fahren bekommt den Bleffirten nicht gut, weil dabei die Erfchütterung viel gröfser ift; man kann fonach nur dadurch die Fahrzeit verringern, dafs man die Aufenthalte in den ver fchiedenen Stationen theils ganz befeitigt, theils fehr kurz macht. Könnte man jedes Stillftehen des Zuges während der Fahrt vermeiden, fo wäre damit wohl das Ideal eines Bleffirtentransportes auf Eifenbahnen erreicht, denn niemals leidet der Bleffirte fo fehr, als beim Anhalten oder beim Abfahren des Zuges, weil das Anprallen der Stofsballen einen kurzen und brüsken Stofs erzeugt, der den Bleffirten am allerempfindlichften ift. Wohl kann man den Stofs bei recht vorfichtigem Fahren verringern, aber nie ganz befeitigen. Das Kochen im Zuge ift aber auch nothwendig, um die Fahrgäfte regelmässig zu nähren, denn dafs die Diätetik bei Kranken die Hauptpointe, und bei Bleffirten die wefentlichfte Unterſtützung der Behandlung fei, haben wir fchon an einer früheren Stelle erwähnt. Magazinswagen find bei jedem Bleffirtentrain gewöhnlich zwei; einer für Proviant, der andere für die gefammten Lazarethrequifiten im Allgemeinen. Wir fanden im Sanitätspavillon folgende Sanitätszüge: Direction der niederfchlefifch- märkifchen Eifenbahn in Berlin. Zwei kleine Modelle, der natürlichen Gröfse, ftellen uns einen BleffirtenTransportwagen und einen Küchenwagen dar, die aus Perfonenwagen IV. Claffe hergeftellt find, wie fie in Preufsen im Betriebe ftehen. Wie wir fchon früher erwähnten, find fie auf Anregung der Profefforen Esmarch und Virchow erbaut worden, und ftanden im deutfch- franzöfifchen Kriege, fich trefflich bewährend, in Verwendung. Die Wagen IV. Claffe bekanntlich ohne Sitze- find mit breiten Kopfthüren und Plattformen verfehen und haben im Innern vier ifolirt ftehende, Boden und Decke verbindende Holzpfeiler. An diefen und den entfprechenden Stellen der Wagenwandungen find nun Haken angebracht, welche in Friedenszeiten cachirt find, und die mit Hilfe von Kautfchuckringen oder kurzen Lederriemen die Tragbahren in zwei Reihen übereinander aufnehmen. Zwölf Tragbahren können in einen Wagen untergebracht werden, zur Winterszeit jedoch nur zehn, da der mittlere Theil der einen Lateralwand zur Aufftellung eines Ofens verwendet wird. Da die Tragbahren längs der Seitenwand fuspendirt werden, bleibt der mittlere Längsraum zur Paffage frei. Nr. 41. Bonnefond Carl, Director der franzöfifchen Eifenbahn- Gefellfchaft in Paris. Der auf Koften der Societé françaiſe de fecour aux bleffés nach den Angaben des Profeffors Mundy von den Herren Bonneford und Léon erbaute Lazarethzug, befteht aus acht Wagen, die fich eintheilen in: I Waggon für Aerzte, I Magazinswaggon, I Proviantwaggon, I Küchenwagen, 4 Lazarethwagen. Der Wagen für die Aerzte ift ebenfo praktiſch als fchön ausgeftattet. Ein mittlerer fchmaler Gang verbindet die Kopfthüren, und ift durch einen queren in der Mitte des Wagens gekreuzt. Das Querkreuz enthält in der einen Abtheilung einen mittelft Klappen am Bahnkörper fich öffnenden Wafferclofet, as n- as h. on nt in er-n, en m S- an n. zu en er ch 11in n. ffe er W ch er en he en lf ch es er 40 HP1 n- en te et. en en et, Militärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 35 in der anderen einen Ofen und auf dem Dache ein Wafferrefervoir. Die Heizung gefchieht durch Röhrenleitungen, die auf dem Boden angebracht find, und durch den Ofen mit Wafferdampf gefpeift werden. Die Ecken des durch die zwei rechtwinklig fich ſchneidenden Gänge gebildeten Kreuzes nehmen vier ſeparate Cabinen ein, die als Wohnzimmer für das ärztliche Perfonale dienen. In jeder Cabine ift ein Wafchtifch, deffen unterer Theil zugleich als Wäfchkaften benutzbar ift und ihm gegenüber ein bequemes Fauteuil, welches fich auf den Druck einer Feder in zwei Dritttheile feiner Breite umlegen und dadurch in ein bequemes Ruhebett umwandeln läfst, ähnlich den englifchen Kleiderfchrank- Betten; das letzte Dritttheil bleibt Fauteuil und beherbergt an der Rückwand einen leeren Raum, der als Kleiderfchrank dient. Eine feftgemachte Moderateurlampe, ein auf und zuklappbares Schreibtifchchen und eine Uhr mit Baro- und Thermometer vervollſtändigen die ebenfo compendiöfe als zweckentfprechende Einrichtung. Die Wafchbecken der Toilette fowie das Clofet werden durch das Waffer des Refervoirs durch Röhrenleitung gefpeift. Bisher war in der Regel den Aerzten eines Sanitätstrains- gewöhnlich 3-4 an der Zahl- ftets ein gemeinfamer, mit gar keinen Bequemlichkeiten ausgeftatteter Raum, oder ein einfacher Perfonenwagen I. Claffe zugedacht worden. Bedenkt man jedoch, dafs die Aerzte ihrem fehr angeftrengten Dienfte wochenja monatelang obliegen müffen, fo wird man leicht einfehen, wie unbequem für den Einzelnen diefes ftete Beifammenfein in einem engbemeffenen Raume fein mufs. Es iſt unbeftreitbar ein fehr glücklicher Gedanke von Mundy gewefen, in diefer Form das Princip der Trennung der Aerzte durchgeführt zu haben, denn damit ift trotz des Zufammenlebens doch Jedem die Freiheit des eigenen Thuns und Laffens gefichert. Wagen diefer Qualität find auch im gewöhnlichen Betriebe fehr brauchbar, wenn man einmal das Syftem der feparirten Schlafcoupés allgemeiner einführen wird, denn ein befferes und bequemeres Schlafcoupé läfst fich denn wohl kaum erfinnen. Der mittlere und die feitlichen Gänge erhalten ihre Beleuchtung und Ventilation von oben durch einen Dachreiter mit feitlichen Fenftern, die fich nach Belieben öffnen und fperren laffen. Jede Cabine dagegen hat zwei eigene grofse Seitenfenfter. Um Wiederholungen zu vermeiden, fei erwähnt, dafs alle Wagen des franzöfifchen Trains ähnliche Dachreiter befitzen, nur haben der Arzt- und der Küchenwagen nur je eine mittlere Laterne, der Magazins- und Proviantwagen je zwei an den Enden des Wagendachses angebracht, während die Lazarethwagen, denen die meifte Ventilation nothwendig ift, fogar drei Dachreite, einen mittleren, gröfseren und an den Enden je zwei kleinere befitzen. Alle Laternen find entſprechend dem Längsdurchmeffer des Wagendaches angebracht. Aeufsere Gitter- oder Jaloufienvorrichtungen fehlen hingegen complet. Im Magazin- und im Proviantwagen begegnen wir zwei gewöhnlichen Güterwagen. Abfperrbare Behälter für Wäfche, Bettutenfilien, Verband. geräthe, Apotheke, für frifche und confervirte Nahrungsmittel, Getränke etc., weifen jedem Artikel einen beftimmten Raum zu. Der Magazinwagen enthälnebftbei noch eine Schlafftätte für den Contable und einen Ofen fammt Wafferrefervoir. Auch der Küchenwagen, ein gewöhnlicher Güterwagen, ift mufterhaft eingerichtet. Es ift überhaupt gar nicht fo leicht, in einem fo befchränkten Raume alle die vielen Einrichtungen unterzubringen, welche nothwendig find, um für 200 bis 300 Menfchen genügende Nahrungsquanta kochen zu können. Wir finden an der einen Seitenwand einen grofsen eifernen Herd mit 2 Keffeln, von je 75 Litres Inhalt und 2 kleinere Kannen für Medicamentenabkochungen und Kaffee. Um während des Fahrens das Entweichen der Kochflüffigkeiten zu verhindern, werden die Deckel der Keffel mit fie überbrückenden Querftangen aus elaftifchem Holze gefichert. Die übrigen Küchen- Einrichtungsftücke find an den 36 Dr. Mofetig von Moorhof. Wänden auf Hakenftiften, um fie vor dem Umfallen zu wahren, fixirbar. Gegenüber des Herdes find an der anderen Längswand zwei über einander liegende, aufund zuklappende Betten für den Koch und den Küchenjungen und daneben ein Wafchtrog und ein Spülichbaffin, das fich auf den Bahnkörper öffnet. An den vier Waggonecken endlich find grofse Schränke zum Aufbewahren des Efszeuges etc., welche 4 Wafferbehälter über fich tragen, mit einem Gefammtinhalte von 1800 Litres. Gefüllt werden fie vom Dache aus. Auch die Bleffirtenwagen find aus Güterwagen conftruirt und ver mögen 10 Liegende, je 2 über einader, zu faffen. Drei Reihen find an der einen Längswand untergebracht, zwei an der anderen; der dazwifchen frei bleibende mittlere Raum dient zur Unterbringung eines Ofens und eines Clofets. Letzterer befindet fich nicht im Innenraume des Wagens, fondern wird dadurch von ihm getrennt, dafs der Innentheil der doppelten Wandverfchalung nach innen zu fich abhebt und einen kleinen Zellenraum abfchliefst, der durch eine Thüre abfperrbar ift. Jeder Wagen ift nach Belieben für Sitzende oder für Liegende allein, oder für beide Bedürfniffe einrichtbar. Die Sitzbänke bilden Beftandtheile der inneren Wandverfchalung, die fich nach Bedarf auf- und zuklappen laffen. Die Lagerftellen find Bettladen mit Matratzen, die auf feften eifernen Armen ruhen, welche gleichfalls zwifchen der Doppelwand cachirt werden können. Das Auf- und Abheben der Bettladen ift fehr leicht zu bewerkstelligen. Da fämmtliche Lagerftätten fich über dem Boden befinden, bleibt letzterer vollſtändig frei und unterliegt demnach nicht nur die tägliche Reinigung keinen Schwierigkeiten, fondern es ift hiedurch auch dem Principe Rechnung getragen, Verwundete nicht auf dem Boden unterzubringen, weil hier die Erfchütterung zu ftark ift und auch das Pflegen und das Verbinden in tiefgebückter Stellung für den Arzt fehr mühfam, ja für die Dauer ganz unmöglich ift. Wäre jedoch die Noth an Transportmateriale fehr grofs, fo könnte man dadurch, dafs man auch den Boden benützt, den Faffungsquocienten des Wagens auf 15 Mann fteigern. In einem Wagen find auch reglementäre Trag. bahren, auf langen Stricken, 3 über einander, fuspendirt. Es foll diefe Einrichtung, der wir nicht das Wort reden können, wahrfcheinlich nur beweifen, wie man mit einigen Stricken im Nothfalle fich helfen könnte, denn felbft mit diefer Vorrichtung kann man mehr Verwundete unterbringen und fie beffer transportiren, als wenn man fie suum ad inftar auf Stroh lagert. Das Anftofsen der Bahren an den Wänden könnte man ja durch Befeftigen der Bahren an letztere mittelft kleiner Stricke, gleichwie im Locati'fchen Bleffirtenwagen, etwas verringern. Sämmtliche Wagen haben breite Plattformen und abnehmbare Gelän der, eine Einrichtung, die gewifs neu und deren Vortheil ein bedeutender ift; auch ift lobend hervorzuheben, dafs die Dachftützen des Geländers fehlen. Erfolgt nämlich das Beladen der Wagen von der Plattform aus, fo hindert das Geländer diefe Procedur wefentlich. Die Träger find genöthigt, mit grofsem Kraftaufwande die Tragbahren fehr hoch zu erheben und trotz aller Sorgfalt kommt dann die Trage doch aus der horizontalen Lage. Die abnehmbaren Geländer beheben alle diefe Schwierigkeiten und geftatten das Beladen, ohne die Wagen erft auskoppeln zu müffen. Auch die Bremfen, diefer fo wichtige Beftandtheil eines Lazarethwagens, der durch richtige Benützung jeden Anprall beim Anhalten und Abfahren des Zuges vermeiden oder wenigftens wefentlich abfchwächen kann, find neuer Inftruction. Statt der Winde ift das Syftem des Zughebels verwerthet, wodurch die Wirkung der Bremfe faft im Augenblicke gewonnen werden kann. Endlich befitzen fämmtliche Wagen breite Kopfthüren, fo dafs der Durchgang ein vollſtändiger wird. An dem franzöfifchen Train preifen wir nochmals hier am Schluffe die Idee der Ventilation vom Dache aus und begrüfsen fie als wefentlichen Fortfchritt, der wohl beachtet werden möge. Katalog Nr. 41. Königlich baierifcher Generalftab gemein fchaftlich mit dem baierifchen Landes- Hilfsverein. Eifenbahn- Zug n- uf ein er C., es. erLen de rer hm ch Dar für Cen en chDen ich ch rch zulas uer fo ten ag. ng, mit ing enn Hen ke, Einift: en. das aft nmt der gen nes und find het, ann. ein dee der ein Zug Militärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 37 beftehend aus 4 Waggons: 2 Laftwagen und 2 Perfonenwagen III. Claffe. Jene dienen zur Aufnahme des Depots und der Küche, diefe figuriren als Lazareth- und als Proviantwagen. Die Güterwagen unterfcheiden fich von den gewöhnlichen dadurch, dafs fie auf der einen Kopffeite eine Plattform befitzen, wogegen an der anderen nur ein fchmaler auf den Stofsballen zu legender eiferner Tritt angebracht ift; ferner durch Kopfthüren, welche abfolut zu fchmal angelegt find, da man mit gar keiner Tragbahre durch kann; endlich durch Jaloufienfenfter, die an den Seitenthüren jederfeits angebracht find. Die Perfonenwagen haben vor den betriebsmässigen keinen Unterſchied, aufser in der inneren Einrichtung. Auch an diefen find die Kopfthüren viel zu fchmal und diefs hat eine noch grössere Inconvenienz als bei den Güterwagen. In letztere kann man die Bleffirten von der Seite einlagern durch Oeffnen der breiten und grofsen Seitenthüren; bei den Perfonenwagen müfsten aber die Bleffirten, da man mit der Tragbahre nicht durch kann, abfolut auf den Händen hineingetragen werden. Gleichfalls hinderlich find die feften Plattform- Dachftützen und die inamoviblen Geländer. Der Küchenwagen ift fchön ausgeftattet, Alle nur denkbaren Utenfilien, vom Hackbret zum Teller und von der Taffe bis zur Kaffeemafchine find vollſtändig vertreten und zieren, blank gefcheuert, die Wände. Zwei Kochherde, ein gröfserer und ein kleinerer und zwei Tifche mit einer daran feftgefchraubten Kaffeemühle und einer Frucht- Schälmafchine vervollſtändigen den Inhalt. Die Kochtöpfe aber, 3 an Zahl und verfchieden grofs, befitzen merkwürdigerweife gar keine Vorrichtung, um das Entrinnen der Kochflüffigkeit beim Fahren zu verhindern, fondern fchliefsen mit einfachen Deckeln. Zweckmäfsig ift die Anbringung von 2 Kochherden, denn einerfeits dient der kleinere für geringere Bedürfniffe und anderfeits kann man ihn zum Erhitzen des Waffers benützen, damit das Kochen im grofsen Herde fchneller von Statten gehe, was beim wiederholten Abkochen von Wichtigkeit ift. Im Magazinswagen finden wir nebft anderen auch die Dormitorien für Köchinen und Krankenpflegerinen?! Gewöhnlich beftand bisher das Trainperfonale ausfchliefslich nur aus Männern, was wohl begreiflich fein dürfte. Und was find diefe Dormitorien? Abfperrbare Cabinen, in denen nur ein Lehnstuhl fteht, weiter nichts; dafür geleitet aber die Cabine zu einem Clofet. Der Krankenwagen enthält nur fünf Betten, freilich viel zu wenig für die Anforderungen, die man an einen Lazarethtrain ftellt; denn um nur 200 Bleffirte zu transportiren, bedürfte es ja 40 Waggons! Dafür haben es aber die Inwohner fehr bequem. Die Betten haben doppelte Federmatratzen und deren Geftelle ruhen noch feparat auf 4 halben Wagenfedern, wovon das eine Ende auf dem Boden feftgeniethet ift, während das andere fich mittelft Rollen bewegt. Die Federkraft ift eminent, und müffen demnach die Lager vorzüglich fein. Ueber jedes Bett find noch kleine Bretchen feftgenagelt, auf denen der Verwundete feine Habfeligkeiten niederftellen kann. Ein Wafchtifch und ein Ofen find auch vorhanden. Für Bequemlichkeit ift wohl hinlänglich geforgt; es war aber auch wohl nicht fchwer, da nur 5 Bleffirte per Wagen berechnet wurden. Vom praktiſchen Standpunkte betrachtet, ift aber diefs ganz und gar unftatthaft, da im Kriege der Raum nicht verfchwendet, fondern im Gegentheile möglichft gefpart werden mufs. Für Ventilation müffen nur die Fenfter forgen. Katalog Nr. 43. Ludwigshafen Waggonfabrik, Actien gefellfchaft in der baierifchen Pfalz. Lazarethzug beftehend aus 4 Waggons, und zwar: I Lazarethwagen mit 8 Betten. I Waggon für Verwaltungsperfonal und Zugführer. I Waggon für das ärztliche Perfonale. I Waggon für Küche und Vorräthe. Beim Pfälzer Zug, der durch Herrn Director Rudolf Schmidt erbaut wurde, find ausfchliefslich nur Güterwagen verwendet, an welchen Kopfthüren, und in Charnieren bewegliche eiferne Trittbretter angebracht wurden, welche die 38 Dr. Mofetig von Moorhof. Plattformen erfetzen follen. An den Seitenwandungen ausgefchnittene Fenfter follen für Licht und Luft forgen. Die wichtigfte Pointe befteht aber in der Anbringung regulirbarer Federn nach dem Syfteme des Herrn Ober- Mafchinenmeifters Brockmann in Stuttgart. Durch Wegnahme einzelner Blätter laffen fie fich jeder beliebigen Tragfracht accomodiren, wodurch die Güterwagen, was Federung anbelangt, den Perfonenwagen gleich gemacht werden können. Die innere Einrichtung befteht für die Bleffirtenwagen in der Unterbringungsmöglichkeit von 8 liegenden Verwundeten, von denen 4 an Gurten fuspendirt hängen, 4 hingegen auf dem Boden gelagert werden. 4 kleine Hackerlingpölfter für die 4 Füfse jeder Tragbare follen die Erfchütterung und die Gewalt der Stöfse dämpfen!? Als Beheizung dient ein Patent Füllofen nach Profeffor Meidinger. Die Suspenfion der Bahren im Pfälzer Zuge unterfcheidet fich von der gewöhnlichen dadurch, dafs die Traggurten, je 2 für eine Bahre, an den Seitenwandungen befeftigt find und mit einfachem Klange beide Füfse der Tragbahre umfaffen. Die Seitenwandungen befitzen an den Stellen, wo die Tragbahren fich anlegen, kleine Pölfter, beftimmt, die Stöfse der feitlichen Schwankungen zu dämpfen. Es ift diefe Variante jedenfalls der Suspenfion mit langen Gurten, die am Plafond ihre Befeftigung finden, vorzuziehen, da die Schwingungen geringer ausfallen müffen, indem die Bahre fchon durch die Richtung der Traggurten an die Seitenwandungen angeprefst wird; ob fie aber der gewöhnlichen Suspenfion mit kurzen Riemen vorzuziehen fei, diefs möchte ich fehr bezweifeln. Jedenfalls ift die Schmidt'fche Suspenfion für gewöhnliche Güterwagen mehr zu empfehlen, da fie alldort leichter anzubringen ift, indem die zur kurzen Suspenfion nothwendigen Pfoften in keinem Güterwagen vorhanden find. Sehr wünſchenswerth wäre es, wenn künftighin auch die unteren Bahren gleich den oberen fuspendirt würden. da wir uns gegen das Lagern der Bleffirten auf dem Boden des Waggons ganz ent fchieden ausfprechen müffen; ferner wäre es fehr zweckmäfsig, wenn ieder Wagen für zehn Bleffirte eingerichtet würde. Der Küchenwagen befitzt einen Kochherd, deffen Keffel im Innern einige Zoll unter dem freien Rande einen gewölbten metallenen, ringförmigen Vorfprung trägt, welcher gegen das Keffelinnere feine Concavität richtet, abnehm bar ift und das Entweichen der Kochflüffigkeit beim Fahren dadurch verhindert, dafs er jede Flüffigkeitswelle bricht und zurückwirft. Solche Küchenwagen follen jedem Train zwei zu Gebote ftehen, auf dafs man den Zug im Nothfalle theilen und jede Hälfte für fich fort functioniren könne, was namentlich beim Einfammeln der Bleffirten aus verfchiedenen Punkten von Vortheil fein mufs. Der Arztwagen hat zwei Tragbahren auf dem Boden liegen, nebftdem ein kleines unbequemes Sopha und die Apotheke. Plambeck, Hamburg: Ein gewöhnlicher gefchloffener Güterwaggon mit zehn in Federn hängenden, feitlich befeftigten Lagerungsfchweben. Am Güterwagen ift nicht die geringfte Umgeftaltung getroffen, aufser dafs Fenfter eingefchnitten wurden. Er entbehrt alfo des nothwendigen Principes der Durchgän gigkeit, und ift fchon aus diefem Grunde für geordnete Lazarethzüge unbrauchbar. Diefer Wagen hat aber auch nur den Zweck zu zeigen, wie man im Nothfalle, wenn es an Allem gebricht und nur die eben von Waaren geleerten Güterwagen zu Gebote ftehen, vorgehen könne, um die Bleffirten nicht auf den Boden zu lagern. Zehn Bahren werden in zwei Reihen mit langen Stricken am Plafond befeftigt nach demfelben Principe, das Mundy in einem der franzöfifchen Wagen zur Anfchauung brachte. Der Unterfchied befteht nur darin, dafs Mundy jedes Stückende am Plafond für fich auf höchft einfache Weife befeftigt, während Plam beck alle 4 Enden in eine Art Klammer vereiniget, die, einer Beifszange ähnlich, Zarge genannt, ohne weitere Vorkehrungen im Augenblicke an einen der Dachbalken angehängt werden kann. Da hier das Princip der langen Suspenfion ver er er n en g₁₁ ng en en re ng er enre ch zu lie ger an on lls en, enire en. nten ern gen m- ert, afs ren ter em mit ter einänDar. enn zu ern. tigt zur des am ich. chver Militärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 39 treten ift, ergibt fich die Nothwendigkeit, an den Seitenwandungen hufeifenförmige, eiferne Federn anzubringen, welche den Anprallftofs verringern. Die Federung der Zarge befteht darin, dafs knapp unter der Klammer eine Federfpirale angebracht wurde, ähnlich der Vorrichtung in den preufsifchen Lazarethwagen IV. Claffe. Ein Mantelofen mmmt die Mitte der einen Seitenwand ein. In dem füdlichen Transepte der amerikaniſchen Abtheilung im Induftriepalafte ftellte Evans das kleine Modell eines Harris'fchen Lazarethwaggons aus, der fchon in der letzten Parifer Ausstellung zu fehen war. Es iſt einer jener grofsen, vierachfigen Salonwagen, wie fie in Amerika für den gewöhnlichen Perfonenverkehr gebräuchlich find. Die Wagen find ausnehmend lang, haben Kopfthüren und Plattformen und neben den gewöhnlichen feitlichen Wagenfenftern noch eine die ganze Länge des Daches einnehmende Lanterne mit aufklappbaren Seitenfenftern. Für Lazarethzwecke werden fämmtliche Sitze entfernt und dafür zwei Reihen vom Dache bis zum Boden reichender Pfoften angebracht, welche die laterale innere Befeftigung der Tragbahren an Gummiringen beforgen, wogegen die laterale äufsere Befeftigung mit gleichen Ringen an den Seitenwänden erfolgt. Der Mittelgang bleibt frei. Die Tragbahren werden in drei Reihen übereinander fuspendirt, fo dafs ein einzelner Wagen 30 Bleffirte aufnehmen kann. Die Enden des Wagens find theils zu einem kleinen Zimmerchen, theils zu der Ofen- und Clofetanlage benützt. Wir müffen uns vom hygienifchen Standpunkte gegen die fo maffenhafte Anhäufung von Kranken und Bleffirten in einem relativ doch fo befchränkten Raume ausfprechen, und zu Transportzwecken für die Benützung von nur zweiachfigen Wagen mit Kaften geringerer Dimenfion plaidiren. Noch müffen wir zum Schluffe zweier Waggongeftelle gedenken, die von Lipowfky und von Wahl in Stuttgart ausgeftellt wurden. Es find diefs maffive, länglich viereckige Holzgeftelle, welche zwei übereinander hängende Bettladen gut federnd tragen. So vorzüglich auch die Federung fein und fo excellent man auch darauf ruhen möge, fo find fie doch im Felde unpraktifch, denn wie kann man fie im Nothfalle bekommen, wo foll man diefen aufbewahren, um fie bei der Hand zu haben? Nebftdem empfehlen fie fich auch nicht ihrer Koftfpieligkeit wegen, die Eifenbahn- Gefellfchaften hingegen follten folche Geftelle in allen gröfseren Stationen vorräthig haben, um bei etwaigen Eifenbahn- Unglücken rafch zweckmäfsige Lager zum Transporte der verunglückten Paffagiere zur Hand zu haben. Diefe Geftelle können in jeden beliebigen Wagen untergebracht werden. Zu diefer Kategorie von Geftellen wäre auch noch die in einem der franzöfifchen Wagen untergebrachte Tragfchwebe des Grafen Beaufort( supportoir élaftique) zu rechnen. Sie befteht aus zwei viereckigen Holzrahmen, welche mit eifernen Spiralfedern concentrifch mit einander verbunden find. Der äufsere gröfsere Holzrahmen kommt auf dem Boden des Wagens zu liegen, der innere, etwas kleinere nimmt die Tragbahre auf. Diefe Beaufort'fchen Schweben federn ausgezeichnet und fchwingen nach jeder Richtung; auch find fie, weil höchft einfach, leicht zu befchaffen, fehr billig und nehmen, ihrer Kleinheit wegen, auch wenig Platz ein. Zum Schluffe mufs ich noch eine Zeichnung erwähnen, welche ein Project zur Einrichtung von Sanitätszügen für die öfterreichifche Armee darftellte. Die Eifenbahn Directionen in Oefterreich wollten nämlich bis in die jüngfte Zeit nicht zugeben, dafs in den Waggons überhaupt, gleichgiltig, ob Güter- oder Perfonenwagen, Sparren, Haken, Ringe oder dergl. angebracht würden, und daher hat das Kriegsminifterium Tragbahren bauen laffen, welche zu Betten hergerichtet werden können. Sie beftehen aus einem hölzernen Traggeftelle, welches von zwei hohen Querfedern getragen wird und mit ftarkem Segeltuch überfpannt ift. Wegen der Höhe der Federn bleibt nun zwifchen der Bahre und dem Boden des Wagens ein grofser Raum über, der laut Reglement nur im Winter mit Stroh, Seegras, Wald 40 Dr. Mofetig von Moorhof. wolle und dergleichen Zeug ausgefüllt werden foll, um die Verwundeten beffer vor Kälte bewahren zu können, in Sommerszeit dagegen bleibt der Boden unausgefüllt. Sieben derartige Bahren follen nun in einem gewöhnlichen Güterwagen aufgeladen werden, je drei an jeder Kopffeite der Länge nach, der fiebente in der Mitte der Quere nach gelagert. Aus dem neuen bildlich dargestellten Projecte ergibt fich, dafs nebft den fieben Tragbetten auf dem Boden, noch andere Tragbahren an den Seitenwandungen fuspendirt werden follen, und zwar 4 für Güter-, 6 für Perfonenwagen. Wir können mit Bezug auf die Conferenzbefchlüffe diefem Syfteme wohl nicht beipflichten, da hierbei der Durchgängigkeit des Zuges keine Rechnung getragen wird, und auch die einfach auf dem Boden der Wagen hingeftellten Trag. betten durch die Erfchütterung beim Fahren, namentlich zur Sommerszeit, fich verfchieben und theils untereinander und theils an den Wagenwandungen continuirlich an- und abprallen müffen. Hätten aber die Stirnfeiten der Wagen Kopfthüren, fo wäre dann die Einlagerung von fieben Tragbetten unmöglich, da durch die mittleren Bahren die Paffage vollſtändig abgefchloffen bliebe; es könnten dann nur entſprechend der vier Ecken des Laftwagens nur vier Tragbetten eingelagert werden. Die Conferenz nahm in Bezug auf Eifenbahn Lazarethzüge folgende Befchlüffe an: Die Ausrüftung von vollſtändig hergerichteten Sanitätszügen im Frieden ift vom Standpunkte der freiwilligen Hilfe entbehrlich und zu koftfpielig. Die Verfammlung ift der Anficht, dafs es im Intereffe der Humanität dringend wünſchenswerth wäre, die Eifenbahn Directionen zu verhalten, für Eifenbahn- Unfälle eine entsprechende Anzahl von zweckmäfsig conftruirten Transportwagen für Verwundete und Kranke anzufchaffen und zu allen Zeiten im Stande zu erhalten, und dafs die betreffenden Regierungen aller Länder im Wege der Gefetzgebung darauf dringen follten, dafs diefe Mafsregel fo bald als möglich zur Ausführung komme( Antrag von Dr. Becher). Es ift nicht nothwendig, einzelne Specialwagen als Küchen-, Vorrathsund Proviantwagen fchon im Frieden vorräthig zu halten, dafür foll aber deren innere Einrichtung fchon im Frieden hergeftellt und bereit gehalten werden. Arztwagen jedoch-foweit die Eifenbahnen nicht fchon bequeme Schlafwaggons find eigens mit getrennten Cabinen und vollſtändigem Durchgang beſitzen herzurichten und bereit zu halten. Die Lazarethwagen follen folgende Einrichtungen befitzen: - Die Verladung foll von der Stirn- und den Längsfeiten möglich fein, wozu breite Plattformen, breite Thüren und bequeme Treppen nothwendig find. Geländer und etwaige Dachſtützen follen wie bei den franzöfifchen Lazareth wagen abnehmbar gemacht werden; die innere Verbindung der Wagen untereinander foll mit Beihilfe von Thüren von den Stirnfeiten vermittelt werden; die Herftellung einer gleichmässigen Temperatur foll durch doppelte Decken, Fufsböden und Seitenwände, Heiz- und Ventilationsvorrichtungen Dachlaternen wie im franzöfifchen Sanitätszuge- ermöglicht werden. Das Heizen foll eine Temperatur von+ 12 Grad Celfius ermöglichen; die Beleuchtung bei Tage genügt durch die Dachlaternen und bei den gewöhnlichen Wageneinrichtungen durch Thüren und Fenfter. Bei Nacht wird eine künftliche Beleuchtung, welche die Orientirung im Wagen erlaubt, erfordert; die Conferenz ift gegen jede Suspenfion, welche gröfsere Schwankungen erlaubt. Für jeden Verwundeten ift unter Vorausfetzung einer entsprechenden Ventilation ein Luftraum von 4 Cubikmeter erforderlich, auch ift eine Anzahl von mehr als 10 Verwundete für einen Wagen nicht zuläffig; r n Er n l 1. f. h n t Militärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 41 Zum Reinigen des Wagens ift das Freilaffen des Bodens nothwendig. Die Abtritte follen vom Innenraume des Wagens abgefchloffen fein und fich direct auf den Bahnkörper leeren; nur für anfteckende Kranke find eigene gefchloffene Clofets aufzuftellen; Ein Sanitätszug foll endlich aus höchftens 50 Achfen beftehen und den Transport von 200 liegenden Kranken oder Verwundeten geftatten.. Mit Ausnahme der Fahrordnung der Züge ift die Führung und Verwaltung der Sanitätszüge nach den für die Feldlazarethe giltigen Normen zu regeln. Diefe Poftulate erklärt die Conferenz für unabweisbar geboten und mit Bezug auf den Koftenaufwand für zuläffig. Als Nachtrag nahm die Conferenz noch folgende zwei von den Herren Profeffor Esmarch, General v. Baumgarten und Dr. Gori geftellten Anträge an: werden. Es dürfen an Sanitätszügen weder beladene noch leere Waggons angehängt Von Zeit zu Zeit follte man einen vollſtändig mit allen nothwendigen Requifiten und Materiale verfehenen Sanitätszug ausrüften, um einerfeits zur Belehrung und Einübung des Trainperfonales zu dienen, und andererfeits die Nothwendigkeit folcher Einrichtungen zu beweifen und Intereffe für diefelben im Publicum zu erwecken. e n t r n e h S S e 1 1 1 ] Tornifter, Feldtaſchen und Kiften für den Verbandplatz. Von einer Verbandtafche fordert man vor Allem, dafs diefelbe nicht fchwer fei, und eine möglichft einfache Einrichtung habe. Alles Unnöthige foll ftrenge vermieden und das Nothwendige derart untergebracht fein, dafs es leicht zu finden fei und dem Aus und Wiedereinpacken keine Schwierigkeiten biete. Eine Feld- Verbandtafche foll gewöhnlich nur die nothwendigften Verbandgeräthe und Arzeneien enthalten und wird theils von den Feldärzten und theils von der Sanitätsmannfchaft getragen. Die Verbandtafchen für Aerzte müffen fehr klein fein und follen gleich einer Patrontafche getragen werden, denn das Baumeln der Tafche an einem Schulterriemen ift namentlich beim Verbinden in gebückter Stellung fehr hinderlich und entfallen ihr auch dabei leicht Theile ihres Inhaltes. Die Tafchen für die Sanitätsmannfchaft find gröfser und vollſtändiger eingerichtet und werden gleich einem Tornifter auf dem Rücken getragen, daher auch der Name Ver bandtornifter. Unter letzteren fand die in der belgifchen Armee eingeführte Verbandtafche von Hermant die meifte Anerkennung. - Unter dem Namen„ Erfter Verband" waren kleine Pakete 10 Centimeter lang, 7 Centimeter breit und 2 Centimeter dick ausgeftellt, mit einer Umhüllung aus gefirmifstem Seidenpapier, die mit einer fogenannten SicherheitsStecknadel verfchloffen, auf der Vorderfeite die Auffchrift trugen: Erfter Verband, enthält: 1. Dreieckiges Fach. 2. Stückchen englifcher Charpie mit Carbolfalbe( 1:10) beftrichen, nebft 2 Stück Wattecharpie in gefirnifstem Papier eingefchlagen. Der Zweck diefer Päckchen foll fein, jedem Soldaten auf dem Schlachtfelde die Möglichkeit zu bieten, rafch und ohne ärztliche Hilfe abwarten zu müffen, die eigenen Bleffuren oder jene des verwundeten Kameraden auf eine ebenfo leichte als zweckmäfsige Weife verbinden zu können. Es kann diefer Gedanke des Geheimraths Profeffor Esmarch nicht genug gewürdigt und gepriefen werden, wenn man bedenkt, wie fpät nach erlittener Verletzung die ärztliche Hilfe oft kommt und welche fchädliche Folgen das längere Nichtverbundenfein für den Verwundeten haben kann. Welcher Segen dagegen liegt in dem rafchen Abfchluffe der frifchen Wunden auf dem Schlachtfelde? Aeufsere ungünftige Einflüffe 42 Dr. Mofetig von Moorhof. werden dadurch abgehalten und unnöthige Blutverlufte des häufigften vermieden. Das mit Carbolfalbe beftrichene Lintftückchen direct auf die Wunde gelegt, hält Staub und jede andere Unreinlichkeit ab, und was befonders hervorgehoben zu werden verdient, es paralifirt den auf den späteren Wundverlauf fo nachtheiligen Einfluss der fo argen, wenn auch mikrofkopifch kleinen Feinde unferes Organismus, die Urfachen jeder Fäulnifs, Pafteur's Aërobien. Die antifeptifche Carbolfäure verhindert aber auch die chemifche Zerfetzung der fetten Salbe. Wenn die Päckchen noch fo lange vor der Anwendung vorbereitet wurden, wenn der Soldat dasfelbe noch fo lange der Sonnenhitze auszufetzen gezwungen war, die Salbe bleibt ftets brauchbar und gut, fie wird nie ranzig. Alfo auch in diefer Beziehung mufs das Carbolcerat jeder anderen Fettmifchung vorgezogen werden. Die Wattecharpie, welche über das Stückchen Lint gelegt wird, gibt einen kleinen elaftifchen Polfter ab, welcher den Druck des Verbandes auf die Wunde vermöge feiner Elafticität verringert und zur Sicherung des Lintftückchens in feiner Lage beiträgt. Das gefirnifste Seidenpapier der Umhüllung endlich über das Ganze gelegt vervollſtändigt den Luftabſchluſs, während das dreieckige Tuch den Verband fixirt und completirt. Es erfetzt demnach in diefem Falle kravatenförmig zufammengelegt die Rollbinden und ift viel leichter und fchneller anzuwenden als letztere. Allein das dreieckige Tuch kann auch zu anderen Verbänden verwendet werden, wofür die Binden nicht ausreichen, fo beiſpielsweife zur vollſtändigen Einhüllung des Kopfes, des Fufses, der Hand, zur Stütze für den zerfchoffenen Arm, felbft als Knebeltourniquet bei arteriellen Blutungen etc., kurz wir können wohl mit dem alten und erfahrenen Schweizer Chirurgen Major das dreieckige Tuch als Univerfalbandage bezeichnen. Esmarch hat nun fchon im Jahre 1868 ein dreieckiges Tuch aus Baumwoll- Stoff erzeugen laffen, worauf bildlich alle verfchiedenen Applicationsweifen desfelben dargestellt waren, mit dem wohlgemeinten Rathe, es in allen Armeen einzuführen und jeden Soldaten damit auszurüften, der dann fchon im Frieden theils durch Befichtigung der Zeichnungen, und theils durch praktiſche Demonftrationen und Uebungen in die Lage verfetzt werden follte, im Nothfalle felbftftändig einen proviforifchen Verband anlegen zu können. Es ftellte, wie bekannt, diefes Tuch ein gleichfchenkliges Dreieck vor, von 120 Centimeter Bafis und 60 Centimeter Höhe, worauf an vielen prachtvollen Figuren, die ein Gefammtbild mit Hintergrund darftellen, in 34 Nummern alle nur denkbaren Anwendungsweifen des Tuches dargestellt waren. Wer erinnert fich nicht des niedlichen kleinen Büch leins, welches, von Esmarch verfafst, alles Wiffenswerthe über die Anwendung des dreieckigen Tuches darftellte, und ftatt einer Tafel letzteres in natura beigelegt enthielt. Es erlebte ja zwei Auflagen, wurde von Vernueil ins Franzöfifche überfetzt und bahnte fich überall den Weg, wo überhaupt Sinn für VerwundetenF flege herrfcht. Der Einführung diefes Buches in den Armeen ftellten fich jedoch Bedenken entgegen, und die Militärverwaltungen fträubten fich dagegen unter Anderem mit der fonderbaren Behauptung, man dürfe einem Soldaten, der in den Krieg geht, nicht ein folches Bild mitgeben, auf welchem die Schrecken des Schlachtfeldes dargeftellt feien; diefs könne die Leute muthlos machen!! Das eigentliche, jedenfalls plaufiblere Motiv der Ablehnung war jedoch ein anderes: der hohe Koftenpreis. Es war nämlich dazumal nicht möglich, das Tuch allein unter fieben Silbergrofchen zu produciren. Das ganze Packet hätte dem nach per Stück acht Silbergrofchen gekoftet. Diefs war allerdings ein gewichtiger, ein Hauptgrund gegen deffen allgemeine Einführung in den Armeen, und daran fcheiterten auch die Unterhandlungen, welche das ungarische Landesver damaliger theidigungs- Minifterium mit der Schwers'fchen Buchhandlung in Kiel Producent im Jahre 1870 eingeleitet hatte. Diefen beiden Uebelftänden hat nun Esmarch Rechnung getragen, und in letzter Zeit das neue Tuch fabriciren laffen, welches eben im Pavillon zu fehen - 1 1 Militärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 43 war. Diefes ift um etwa zwei Centimeter in beiden Durchmeffern gröfser, denn das frühere, aus billigem, ungebleichten Baumwoll- Stoffe, und wird von dem Fabrikanten Ludwig Guftav Cramer in Düffeldorf um den gewifs billigen Preis von 17 Silbergrofchen das Stück erzeugt und geliefert. Das ganze Verband packet dürfte demnach um den Preis von 2 Silbergrofchen zu haben fein. Die aufgedruckte Zeichnung iſt viel einfacher, fie ftellt nicht mehr als ganzes Bild die Schrecken des Krieges dar, und dürfte Niemanden mehr muthlos machen, als er es etwa von Haus aus fchon ift. An fechs grofsen Figuren, ganz behäbige Männer darftellend, find in 31 Nummern fämmtliche Anlegungsweifen des dreieckigen Tuches zu Verbandzwecken klar und deutlich gezeichnet. Gegenwärtig find fonach alle früher beftandenen Hinderniffe gegen eine allgemeine Einführung des„ erften Verbandes" behoben, und es läfst fich hoffen, dafs nunmehr nicht nur das ungarifche Landesvertheidigungs- Minifterium, fondern auch das öfterreichifche und die Kriegsminifterien der anderen Staaten es in die Armeen einführen werden, umfomehr als in der Privatconferenz, der auch hochgeftellte Militärärzte beiwohnten, die Refolution der Profefforen B. v. Langen beck, Esmarch und Billroth:„ Es ift zu wünfchen, dafs im Kriege jeder Soldat an geeigneter Stelle ein zweckmäfsiges Verbandzeug bei fich trage, mit welchem ihm, im Falle feiner Verwundung, der erfte Verband angelegt werden könne" mit Acclamation angenommen wurde. - Als geeignetfte Unterbringung des Päckchens empfiehlt Esmarch, es in einen Zipfel des Uniformrockes einnähen zu laffen, damit der Soldat nicht etwa in die Verfuchung gerathe, das Tuch als Fufs- oder Putzlappen zu verwenden. Die preufsifche Armee hat die von Oberftabsarzt Dr. Ballhorn modificirten dreieckigen Tücher eingeführt, die aber viel kleiner als die Esmarch'fchen find, und demnach weniger praktiſch fich erweifen dürften. Wohl mag der billi gere Koftenpreis diefe nachtheilige Reducirung der Gröfse hervorgerufen haben, gegenwärtig ist aber diefer etwaige Grund befeitigt, und zweifelsohne wird auch die preufsifche und mit ihr die deutfchen Armeen nunmehr Esmarch's Verbandpackete einführen. Die holländifche Armee hat das neue Tuch bereits in grofsen Quantitäten angekauft, und find die Truppen der Expedition damit verfehen nach Atchin gefegelt. Hoffen wir, dafs alle Armeen, welche zu künftigen Kriegen zu rüften berufen fein werden, diefem Beiſpiele Hollands folgen zum Wohle und zum Heile der Opfer des Krieges. Plambeck ftellte mehrere nach Esmarch'fcher Angabe gefüllte Verbandplatz- Kiften aus, deren mufterhafter Inhalt im Wefentlichen folgender ift: Binden aus Leinwand, Baumwoll- Stoff, Flanell oder Gage von verfchiedener Länge und Breite. Es dürfte nicht unwefentlich fein, zu bemerken, dafs alle zu Verbänden zu benützenden Binden rein und aus einem Stücke beftehend fein müffen. Die Näthe beim Anftückeln drücken den gefafchten Körpertheil und find derlei Binden defshalb zu Lazarethzwecken untauglich; aus demfelben Grunde ift das Einfäumen der Binden zu unterlaffen. Jede Binde möge aufgerollt und mit einer Stecknadel gefichert gepackt werden. Dreieckige Tücher aus neuer oder gebrauchter jedenfalls aber ftarker Leinwand oder Baumwoll- Stoff, deren Seiten 3 bis 4 Fufs lang fein mögen. Compreffen. Viereckige Verbandtücher, welche zur Application von Umfchlägen dienen. Charpie, als gezupfte oder kraufe oder als geordnete. Als ein fehr gutes Erfatzmittel ift die englifche Charpie oder Lint zu bezeichnen, ein einfeitig fehr rauher Baumwoll- Stoff, der in grofsen, zu Päckchen zufammengelegten Stücken im Handel vorkommt. Mit Befriedigung fahen wir, dafs der öfterreichifch deutfche Ritterorden. eine neue Qualität von Charpie ausftellte, die durch Zerzupfen von getheerten 44 Dr. Mofetig von Moorhof. Schiffstauen gewonnen wird, und defshalb auch Theercharpie( étoupe gondrounée) genannt wird. Amerika gebrauchte fie im letzten Kriege, und führte fie unter dem Namen Oakum in die Chirurgie ein. Diefes getheerte Werg wird trocken oder beffer einfach in warmes Waffer getaucht auf die Wunden gelegt. Dank dem Theer enthält es ein desinficirendes Princip, welches die Infectionskeime abhält, ihre fchädlichen Wirkungen zu ent falten, und erfpart man demnach bei ihrer Anwendung jedes andere desinficirende Medicament. Weifs man nun, wie die in Feldlazarethen zur Verwendung kommende Charpie häufig ausfieht, welcher Schmutz, Staub und Unrath darinnen fteckt, weifs man, dafs in Kriegszeiten ein vorangehendes Reinigen der zu benützenden Charpie oft geradezu unmöglich ift, fo dürfte das viel billigere, reinlichere und leichter zu befchaffende Oakum wohl nicht zu verwerfen fein, ja es hat vor der Charpie noch die Vortheile, dafs es die Wundfecrete leichter durchfliefsen läfst, dafs es den Wunden weniger feft anklebt, weil nicht hygrofkopifch, und dafs es viel feltener gewechfelt zu werden braucht, indem es jede Zerfetzung der Wundfecrete abhält. Das Oakum hat endlich einen fehr angenehmen Geruch, reizt die Wundflächen nicht im geringften, ift den Refpirationswegen vermöge des Theergeruches eher zuträglich als nachtheilig, und purificirt, wenn angehäuft, ganz entfchieden die Luft der Krankenfäle. Zu Schnüren, Peitfchenfchmifs ähnlich gedreht, bildet die Theer charpie ein viel befferes Mittel, das Abfliefsen der Wundfecrete aus Hohlgängen zu erleichtern, als die Leinwand oder Charpiewicken, da letztere durch ihr Aufquellen gewöhnlich die Wundfecrete eher zurückhalten, indem fie die Hohlgänge verftopfen. Das Nichtaufquellen der Theercharpie- Schnüre und der Umftand, dafs fie die Zerfetzung der Wundfecrete eher verhindern als befördern, ermög licht es auch, fie in den Hohlgängen lange liegen laffen zu können, wodurch fie im Nothfalle felbft den Mangel an Drainageröhren zu erfetzen vermögen. Durchzüge oder Untertücher( alèze), id est halbe Leintücher oder jedenfalls grofse Tücher, welche den Zweck haben, unter das Becken des Kranken gelegt zu werden, um die Bettlaken vor rafcher Verunreinigung zu fchützen. Luftpolfter aus Kautfchuk- Leinwand zur bequemen Bettung von Kranken, die an Druckbrand leiden. Kopfnetze aus groben Baumwoll- Fäden gehäkelt und einem Zugbande am Rande zum Verbinden von Kopfwunden. Watte und zwar ungeleimte zur Polfterung von Schienen, Bein- und Armladen etc. Wafferdichte Stoffe zu Unterlagen zum Schutze der Bettwäfche und zum Bedecken feuchter Umfchläge, als Wachstuch, Guttapercha- Papier, Kautfchuk leinwand, gefirnifstes Seidenpapier etc. Schwämme von allen Gröfsen, wohl ausgekocht und gereiniget und von guter weicher Qualität, da fie meiftens zu Operationen gebraucht werden. Eisbeutel aus Kautfchuk oder Pergamentpapier. Wunddouchen( Irrigatoren) von Blech mit elaftifchem Schlauch und Zinn oder Beinfpitze. Sie dienen zum Abfpülen der Wunden und haben längt die zu diefem Zwecke früher verwendeten Schwämme und Wundſpritzen ver drängt. Letztere find jedoch nicht zu umgehen, wenn man Flüffigkeiten mit einer gewiffen Kraft in Höhlen oder Canäle des Körpers hineintreiben will. Eiterbecken, nierenförmig und von verfchiedenen Gröfsen aus Meffing, Eifenblech oder Hartkautfchuk. Letztere find vorzuziehen, da fie beim Anlegen am nackten Körper den Bleffirten weniger unangenehm afficiren als das kalte Metall. Badewannen zu conftanten Bädern, continueller Irrigation der oberen oder unteren Extremität. Chloroform-Apparate. Die Esmarch'fchen Modelle, wohl die ein fachften und zweckentfprechendften, beftehen bekanntlich aus einem Eiſendraht De nd Ter es nt. de de ifs Die zu ch en mer ilt. en er uft erzu uf ge nd, 5g. im Her zen en, de nd nd uk. on DO nd gft er ner Sum gen Ite ren inht Militärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 45 Gerüfte in der Form ähnlich einem halben Hunde- Maulkorbe, welches an der con vexen Seite mit einem poröfen Stoffe überzogen ift, auf dem das Chloroform tropfenweife aufgefchüttet wird. Dazu ift noch eine Krückenzange zum Vorziehen der Zunge beigelegt, beides in einem Lederetui untergebracht. Gypskaften von Blech wohl verfchliefsbar und mit gutem frifchgebrannten Gypspulver gefüllt. Beftecke zum Auffchneiden des Gypsverbandes, eine Gypsfcheere und ein Gypsmeffer enthaltend. Ich würde dem Beftecke noch ein Paar krumme Hey'fche Sägen beigeben, da fie, wie ich mich vielfältig überzeugt habe, am beften zu diefem Zwecke dienen. Schienen, Beinladen und Lagerungsapparate verfchiedener Art. Hiezu find auch leere Kiffenfäcke aus feftem Stoffe zu rechnen, die man vor der Anwendung mit Häckerling( klein gehacktes Stroh) oder Sand füllt. Verbandtafchen für Wärter und Gehilfen, eine Scheere, ein Rafirmeffer, eine Kornzange und eine anatomifche Pinzette enthaltend. Etuis mit Heftnadeln und Nähmaterial nebft Stecknadeln. Möchten doch alle Verbandkiften, welche die Privathilfe den Lazarethen beiftellt ähnlich den Esmarch'fchen fein, wie oft bekommt man fie mit unnützem und unbrauchbarem, ja fchädlichem Zeug gefüllt, mit unreiner Charpie, fchmutzigen Verbandftücken, zerriffener Wäfche und anderen zweifelhaften Liebesgaben mehr Hofpitalbedarf. Unter diefem generellen Namen find die verfchiedenften Objecte verftanden von denen theilweife fchon die Rede gewefen ift. Wenn wir wie bisher dem Specialkataloge folgen wollen, können wir fie in folgende Gruppen abtheilen: Baraken und Zelte, Betten und Operationstifche, Verbandmaterial, Chirurgifche Inftrumente, Apparate, und Feldapotheken, künftliche Gliedmafsen und Erfatz von zerftörten Kiefertheilen. Baraken und Zelte. Das Bedürfnifs, Verwundete und Kranke in Zelten und Baraken unterzubringen, ift einerfeit aus der Beobachtung hervorgegangen, dafs die Behandlung derfelben unter dem Einfluffe der freien Luft relativ und abfolut günftigere Heilungsrefultate ergebe, als jene in gefchloffenen Localitäten und ferner aus den Schwierigkeiten, im Kriege gute und geeignete Gebäude in genügender Anzahl aufzutreiben. Von den öffentlichen Localitäten einer Stadt, welche zu Lazarethzwecken Verwendung finden können, und öfters fchon Verwendung fanden, find folgende zu erwähnen: Hofpitäler, wenn vorhanden, eignen fich hiezu natürlich in erster Linie fchon vermöge ihrer fchon beftehenden Einrichtungen ad hoc: der Betten, der Küche, des Wartperfonales, der hygienifchen Verhältniffe überhaupt. Doch felbft die beften Hofpitäler find für eine gröfsere Anhäufung von Bleffirten gefärlich, weil fie durch die frühere conftante Benützung mit fchädlichen Stoffen imprägnirt find, welche fich nur fchwer befeitigen laffen und bald ihren verderblichen Einfluss auf die Verwundeten zu Tage treten laffen( Hofpitalismus). Aus ähnlichen Gründen, denen noch ein gewöhnlich abfoluter Mangel jeglicher hygienifcher Einrichtungen namentlich in Rückficht auf Ventilation und Canalifation fich beigefellt, eignen fich auch nicht Kafernen, Kirchen, Schulen und Fabriksgebäude. Kirchen befitzen dank ihrer hohen Fenfter gar keine Ventilation, haben Sommer und Winter eine ftets gleiche feuchte 46 Dr. Mofetig von Moorhos. und dumpfe, weil ftagnirende Luft, und entbehren aller übrigen, einem Lazarethe unentbehrlichen Bedürfniffe. Beffer fchon eignen fich Vergnügungslocale, Eifenbahn Hallen und andere dergleichen Säle, obwohl auch diefe infoferne zu verwerfen find, als das Princip der Accumulation von Verwundeten in einem und demfelben Raume forgfam zu vermeiden ift. Am geeignetften find wohl Schlöffer und Privathäufer, die aber vermöge des allzugrofsen Zerftreutfeins der Verwundeten die ärztliche Pflege ungemein erfchweren. Wenn man diefe Punkte im Auge behält, wird man in Kriegszeiten die Nothwendigkeit der Zelte und Baraken nicht nur im Allgemeinen, fondern auch fpeciell für Städte und gröfsere Ortſchaften anerkennen müffen. Zelte find im Allgemeinen viel weniger geeignet als Baraken, denn abgefehen davon, dafs fie in der kalten Jahreszeit nicht zu benützen find, befitzen fie noch einige Mängel, welche fie auch zu Sommerszeit unangenehm machen, fie widerftehen nämlich fchwerer dem Regen und dem Winde, und geftatten eine entfchieden ungenügendere Ventilation als gefchloffene Räumlichkeiten, wefshalb auch in jedem Zelte eine gewiffe dumpfe Luft fich jedem aufmerkfamen Beobachter bald bemerkbar machen wird. Den einzigen und unleugbaren Vortheil befitzen Zelte durch den Umftand ihrer Transportabilität und der Möglichkeit fie in kürzester Zeit aufftellen und wieder zufammenpacken zu können. Wir fanden folgende Zeltmodelle vor: Bodwig& Comp. Köln und Mühlhaufen am Rhein transportables Zelt, eingeführt in der königlich- preufsifchen Armee und 1870 gebraucht. Mit doppeltem Dach und doppelten Wänden aus Segeltuch. Leicht auf- und abzurüften und etwa acht Betten Faffungsraum. Couette St. Ouen du Tilleul Eure Frankreich, Lazarethzelt für 14 Kranke Operationszelt und Arzteszelt. Das Gerippe, welches die Zeltleinwand trägt, ift gleich einem Regenfchirme auf- und abklappbar, fehr leicht und doch hinreichend feft. Lifchine à St. Petersbourg Modéle d'une tente d'ambulance avec carcane de fer et toit en lattes pouvant se rouler pour le transport. Hervorzuheben ist bei diefem von den gewöhnlichen Zelten namentlich ob des Daches abweichenden Modelle, dafs das Zelt durch Anftückeln beliebig verlängert werden kann, ein Vortheil der bedeutend fich verringert, wenn man an das Poftulat denkt, dafs die Anhäufung von Bleffirten in einem Raume vermieden werden müffe. Dem reglementären Zelte für 3 Officiere, welches das ruffifche Kriegsminifterium ausftellte und welches den gewöhnlichen Zelten analog conftruirt war, laffen fich auch alle letzteren zukommenden, früher erwähnten Mängel vorwerfen. Wie foll denn auch ein Leinwand- Zelt ventilirt werden, das am Dache keine Vorrichtungen hiezu befitzt und auch kein Fenfter hat. Die Spalten, welche aus dem Zurückſchlagen der Seitenwände refultiren, find hiezu ungenügend und felbft diefe Oeffnungen müffen ja bei ungünftiger Witterung gefchloffen werden. Einen ferneren Uebelftand der Zelte bildet der Boden. Gewöhnlich ift es nur geftampfte Erde, felten Holzbreter, die aber auch nur einfach auf dem Boden liegen und demnach vor Feuchtigkeit nicht zu fchützen vermögen. In jeder Hinsicht zu bevorzugen find Baraken, die je nach ihrer Conftruction eingetheilt werden können in gefchloffene Baraken und in offene Baraken mit ihrer Abart Flugdächer. Die allgemeinere Verwendung von Baraken zu Lazarethzwecken datirt eigentlich feit dem letzten Kriege zwifchen den amerikanifchen Nord- und Südftaaten. Die Sanitary Commiffion" hatte es bald erkannt, dafs die im Beginne des Krieges gepflogene Unterbringung der Bleffirten in ftabilen, grofsen, öffent lichen Gebäuden nicht den Anforderungen entſprach, Verwundete und Kranke unter günftige hygienifche Verhältniffe zu ftellen. Auch die Erfahrungen, welche die berühmte englifche Nonne Mifs Florence Mithingale während des Krimkrieges e n d. en nd er. lie ch on en fie ne b en Dr. chlt, em nd ke ift in. ne bei en ein die niar, en. ine aus bft men fte nd onin tirt üdne ent ke die ges Militärfanität undf reiwillige Hilfe im Kriege 47 gemacht und die fie in einem vielgelefenen Werkchen ,, Notes on hofpitals" der Oeffentlichkeit übergeben hatte, in dem die Grundzüge und Hauptprincipien der Hofpitalhygiene mit feltener Klarheit und Logik und mit einer ftaunenswerthen Sachkenntnifs dargelegt waren, trugen wefentlich dazu bei, die Sanitary Commiffion zu einer Abänderung des bis dort geübten Verfahrens zu beftimmen und die Errichtung eigener Lazarethe, auch Holzbaraken genannt, in Angriff zu nehmen. Was Amerika mit feinen Baraken- Mufter- Hofpitälern für Erfolge erzielte, ift wohl genügend bekannt. In allen fpäteren europäiſchen Kriegen ift diefem Beiſpiele, wenn auch nicht in dem grofsartigen Mafsftabe, gefolgt worden und hat man niemals Gelegenheit gefunden, es bedauern zu müffen. Gefchloffene Baraken, deren man fich insbefondere zu Winterszeit bedient, ftellen länglich viereckige holzerne Häufer dar, welche nebft einem gröfseren Saale einige kleinere Nebenräume beherbergen, für Theeküchen, Clofets und das Wartperfonale. Speifeküchen pflegt man in den einzelnen Baraken nicht unterzubringen, fondern weil man letztere kaum je vereinzelt anlegt, fondern mehrere beifammen gruppirt, fo zieht man es vor, die gemeinfchaftliche Küche, fowie auch die Depôts in eigene Baraken unterzubringen. Die wechſelfeitige Anordnung der einzelnen Baraken variirt je nach dem Terrain, welches fie trägt. Als Poftulat gilt der Grundfatz, die einzelnen Baraken nicht zu nahe aneinander aufzuftellen, damit der Luftwechfel nicht leide, und wieder nicht zu weit voneinander, auf dafs die bequeme Communication und der Lazarethdienft nicht erfchwert werde. Wo möglich, mögen fie mit der Frontfeite dem Süden zugekehrt fein. - Man ftellt die Baraken entweder in Form eines Sternes auf, deffen Centrum die Adminiftrationsgebäude, deffen Strahlen die Lazarethräume bilden ( amerikanifches Pavillonfyftem). So waren das Hammond- General- Hofpital auf Point Look out in Maryland, das Mover General Hofpital bei Philadelphia, das Jefferfon General- Hofpital in Indiana u. A. m. erbaut, oder in Form eines ftaffelförmigen Dreieckes mit offener Bafis, beiſpielsweife des Lincoln GeneralHofpital bei Waſhington oder in Form zweier offener Winkel, die mit ihren Längsfeiten zufammenftofsen, die Tempelhofer Baraken bei Berlin. Varianten diefer Typen find natürlich unzählige möglich. Jede gefchloffene Barake mufs den Hauptanforderungen genügen, trocken und luftig zu fein. Um trocken zu fein, mufs die Barake einen Untergrund befitzen, ja es ift noch viel beffer, wenn diefer etwas höher als der Boden fteht, damit die Luft auch von unten. circuliren und die Feuchtigkeit des Bodens nicht leicht durchzudringen vermöge. Letzterer foll möglichft fandig und ja nicht muldenförmig gehöhlt fein, damit das Regenwaffer darunter nicht ftagniren könne. Der Unterbau der gefchloffenen Baraken wird gemeiniglich auf Ziegelftöckeln geftellt oder ganz untermauert. Offene Sommerbaraken hingegen werden, wenn es damit fehr Eile hat, nicht auf Ziegelunterbau gezimmert, fondern nur auf dem Boden erbaut, den man nur früher durch Steingerölle oder Steinkohlen- Schlacke( Stromayer's Baraken zu Langenfalza 1866) möglichst trocken legt. - Abfolutes Erfordernifs dagegen für jede Barake ift ein Breterboden. Die Ventilation wird ermöglicht vom Dache aus und durch Fenfter. Vom Dache durch Ventilklappen, Dachlaternen und von den Fenstern dadurch, dafs man die oberen Carreau's mit Charnieren verfieht, welche deren fpaltförmiges Oeffnen auch bei Wind und Regenwetter geftatten. Gefchloffene Baraken follen an beiden Längsfeiten Fenſter befitzen, wogegen die Kopffeiten mit Thüren verfehen find. Heizvorrichtungen find für den Winter unentbehrlich. Diefe kurzen aphoriftifchen Bemerkungen haben natürlich nur für Feldlazareth- Baraken Geltung, auf Stadtbaraken hingegen, wie beispielsweife Effe's Baraken in der Charité oder auf das Augufta- Hofpital zu Berlin, haben fie keinen Bezug, da diefe ftabilen Spitälern ähnlich conftruirt zu werden pflegen. Der Faffungsraum einer gefchloffenen Feldbarake variirt natürlich nach deren Gröfse, nie möge man aber zu viele 4 48 Dr. Mofetig von Moorhof. Verwundete in einem Raume unterbringen, um den Hofpitalismus ja nicht auf. kommen zu laffen. Vierundzwanzig Betten dürfte fchon das Maximum fein. Das Modell, welches fub Specialkatalog Nr. 58 a Herr Baumeifter L. Jacobi in Homburg ausgeftellt, dürfte fchon das Erreichbare an Schönheit und Zweckmässigkeit bieten. Diefe gefchloffene Winterbarake, welche nach eigenen Ideen Ihrer k. k. Hoheit der Frau Kronprinzeffin von Deutfchland im Jahre 1870 zu Homburg errichtet wurde, ruht auf Ziegelunterbau und ift mit allen früher angegebenen Poftulaten auf das Vorzüglichfte verfehen. Dennoch fcheint uns die Lage der Fenſter zu tief, weil die Luft gerade über den Köpfen der Kranken auf den in gleicher Höhe ſtehenden Bettgeftellen ausftrömen mufs. Sommerbaraken unterfcheiden fich von den gefchloffenen dadurch, dafs fie eine offene oder halboffene Seitenwand befitzen. Das fefte, gewöhnlich mit Steinpappe überzogene Dach hat Firſtventilation und ruht auf feften Pfeilern. Die eine Seitenwand fehlt, oder ift nur bis zur Hälfte oder zu zwei Dritttheilen der Höhe oben fowohl als unten aus Bretern gezimmert; den mittleren Reft oder die ganze fehlende Wand nehmen die aufrollbaren Leinenplachen auf, wefshalb man fie auch Zeltbaraken nennt. Trotz der halb oder ganz geöffneten einen Seitenwand ift die andere doch ftets mit Fenftern verfehen, welche Licht und Luft auch bei gefchloffener Leinwandplache zulaffen. Die Betten ftehen in den Sommerbaraken gleichwie in den gefchloffenen Winterbaraken in zwei Reihen einander gegenüber. Denkt man fich nun eine Sommerbarake der Länge nach gefpalten und die eine Hälfte für fich aufgeftellt, fo wird man den Begriff eines Flugdaches bekommen. Ein Flugdach fieht demnach einer Wagenfchuppe ähnlich, hat drei gefchloffene, aber mit Thüren und Fenſtern verfehene Wände und ein abfchüffiges Halbdach, die Vorderwand fehlt gänzlich und wird durch die Leinwandplachen erfetzt. Ein Flugdach kann natürlich nur eine Reihe Betten faffen. Das fchönfte und vorzüglichfte an Hofpital- Flugdächern ift während des franzöfi fchen Bürgerkrieges 1871 von Profeffor Mundy im Parke von St. Cloud erbaut worden; ein im Sanitätspavillon der Wiener Weltausftellung aufliegender Altas( Katalog Nr. 115. Ambulance de la grande gerbe. Parc de St. Cloud 1871) gab davon gelungene photographifche Anfichten; ich kenne diefe Mufterbauten auch durch Autopfie. Acht grofse Flugdächer zu je 25 Betten bildeten das eigent liche Lazareth. Viele andere kleinere Baraken und Zelte dienten als Wohnungen und zur Adminiftration. Die Clofets waren nach Moule's Syftem, das heifst mit Erde gefüllt und hatten fich fehr gut bewährt. Die Aufftellung der Baraken war keine typifche, da das Terrain hiezu ungeeignet war, fondern es waren fünf mit der offenen Seite dem Süden zugerichtet, zwei fahen nach Often und eine nach Weften. Ihre Entfernung von einander war 25 bis 30 Meter. Jede Barake, die Form eines länglich- viereckigen Holz- oder Wagenfchuppens darftellend, hatte eine Länge von 40 Meter, eine Breite von 5 Meter. Die Höhe betrug an der offenen Seite 6, an der rückwärtigen Seite, des Abfallens des Daches wegen, 4 Meter. So hohe Flugdächer dürften wohl noch nie erbaut worden fein. Die ungewöhnliche Tiefe entrückte die Bleffirten den Witterungseinflüffen fo vollkommen, dafs ein Breterverfchlufs des oberften Endes der Vorderwand nahe dem Dache ganz unnöthig war. Der Breterboden war 12 Fufs über das Niveau des Bauplatzes erhöht und waren die Dielen der Länge nach gelegt, damit die Erfchütterung beim Gehen fich nicht den Betten mittheile, was ftets der Fall ift, wenn diefe der Quere nach genagelt find. Die Breterwände hatten eine doppelte Verfchalung und waren alle Fugen für fich noch feparat durch hölzerne Leiften verfchloffen, fo dafs weder Luftzug, noch Eindringen des Regens zu befürchten ftand. Ueberdiefs waren noch die Breterwände inwendig mit weifser Oelfarbe und aufsen mit Theer beftrichen, eine Einrichtung, die wohl alle Baraken haben follten, da die rauhen unbedeckten Breter fonft Infectionskeime allzu leicht fixiren, und das Reinigen der Wandungen ungebührlich erfchweren. r t 1 a e 1 1 ב r t ן S Militärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 49 Das Dach hatte Steinpappe- Ueberzug. An der gefchloffenen Hinterwand des Flug daches waren in gleichen Abftänden 5 Fenfter, an den zwei Seitenwänden je I Fenfter untergebracht, alle etwas mehr als 2 Meter über dem Fufsboden. Diefer Punkt kann nicht genug pointirt werden, denn die tägliche Erfahrung zeigt, dafs man in Betreff der Höhe der Fenfter in allen Lazarethen und felbft in den ftabilen Hofpitälern infoferne arg fündigt, als man fie relativ zu der Bettenhöhe viel zu nieder macht, wodurch der Kranke während des Ventilirens dem Luftzuge ausgefetzt bleibt. Diefe Fenfter hatten zwei getrennte, nach unten und oben theilbare Flügel, welche fich um eine mittlere Achfe drehend, das Oeffnen nach innen zu oder nach aufsen hin geftatteten. Die vordere offene Wand der Barake wurde durch 12 Stützpfeiler des Daches in 13 gleiche Felder getheilt, welche durch eben fo viele Segeltuch- Plachen gefchloffen werden konnten. Die Vorhänge waren auf eifernen Stäben couliffenförmig verfchiebbar, und ein Schnurzug ermöglichte deren augenblickliches Oeffnen oder Schliefsen. Weiters waren an der Frontfeite der Barake auf eine Entfernung von 5 Meter 4 Meter hohe mobile Stangen angebracht, auf welche die Plachen bei fchönem Wetter in ftark vorgeneigter Lage befeftigt. wurden, fo dafs dadurch vor jeder Barake und mit ihr zufammenhängend ein breites Zeltdach geformt werden konnte. Die in diefem von Mundy geleiteten Lazarethe erreichten Refultate waren glänzend, und entfprachen vollkommen den dortigen fo vorzüglich gehandhabten hygienifchen Verhältniffen. Im Winter wurden die Flugdächer durch Anbringung einer vorderen, mit Fenſtern verfehenen Breterwand gefchloffen, und bewährten fich auch als Winterbaraken. Seit 1871 ift diefes Flugdach- Lazareth offen im Sommer, gefchloffen im Winter fort und fort im Gebrauch und bildet quafi eine Dependance der Militärhofpitäler von Verfailles und Paris. Es wurde nämlich von der Société françaiſe de fecours aux bleffés nach Beendigung des Krieges mit der Commune dem Kriegsminifterium gefchenkt. Das Modell einer transportablen Barake für 12 Verwundete, 1/20 der natürlichen Gröfse, wurde noch fub Katalog Nr. 58 von Dr. M. W. C. Gori aus Amfterdam ausgeftellt. Betten und Operationstifche. Betten für Feldfpitäler waren in ziemlicher Anzahl im Sanitätspavillon ausgeftellt, einfache und complicirte. Vom Standpunkte des Chirurgen müfste man eigentlich für letztere fchwärmen, da fie einerfeits den Verwundeten gut zu lagern geftatten und andererfeits den Mechanismus der natürlichen Entleerungen und des Verbandwechfels zu erleichtern anftreben; wer aber die fomatifchen Nachwehen grofser Kriege eingehender zu beachten Gelegenheit gefunden und in den nach grofsen Schlachten herrfchenden Verhältniffen genauer fich hineingelebt hat, wird die Erfahrung gemacht haben, dafs alles Complicirte für Feldlaz are the auf das Entfchiedenfte abzulehnen fei. Betten mit mechanifchen Einrichtungen, detachirten Theilen etc., fo wunderbar fie fich auch für die Friedenschirurgie bewähren mögen, find für den Sanitätsdienft im Kriege ganz unmöglich, aus denfelben Gründen, welche im Capitel Tragbahren für letztere Objecte eingewendet worden find. Berücksichtigen wir ferner, dafs derlei complicirte Betten entſprechend theuer find und man fie auch nicht fo leicht zu befchaffen vermag, fo wird man wohl dem Grundfatze huldigen, dafs für Feldlazarethe die einfachften, billigften, am leichteften zu transportirenden und dauerhafteften Lagerftätten auch die allerbeften feien. Es empfehlen fich demzufolge am meiſten eiferne Bettgeftelle, die fich fehr compendiös zufammenpacken laffen und wenig Raum einnehmen, auch aus dem Grunde, weil fie reinlicher zu erhalten find und das Ungeziefer fchwerer auf. kommen laffen, ferner weil das Materiale dem Brechen und Verderben nicht fo leicht ausgefetzt ift als das Holz. Bei Improvifationen wird man jedoch genöthiget fein, zu Requifitionen zu fchreiten und fich jener Betten zu bedienen, die eben in loco landesüblich find. Einfache Holzfchragen mit Breter4* 50 Dr. Mofetig von Moorhof. belag thun fchliefslich auch ihren Dienft und find in kurzer Zeit allüberall befchaffen. zu Steiner in Wien hat Betten ausgeftellt, die fehr zweckmässig fcheinen. Einfache Eifengeftelle mit möglichfter Raumerfparnifs zufammenlegbar und mit einer Unterlage aus ftarkem Drahtnetz, welche den Strohfack überflüffig macht. Ich könnte den Strohfäcken nicht fehr das Wort reden, da das Stroh zur Kriegszeit meiftens doch nicht leicht in fo grofsen Mengen zu befchaffen ift, als dafs ein häufiges Erneuern desfelben möglich wäre. Gefchieht diefs aber nicht, fo wird es zu einem Herde für Infectionskrankheiten. Wir müffen demnach einen zweckmässigen Erfatz des Strohfackes nur mit Freuden begrüfsen und das Steiner'fche Drahtnetz ift ein vorzüglicher Erfatz des Strohfackes. Nicht nur, dafs es elaftifcher ift, es behält Eindrücke nicht und Schwerbleffirte können wochenlang darauf gebettet bleiben, ohne Grund zu haben, über ein fchlechtes Liegen zu klagen, Sehr wünſchenswerth für jedes Lazarethbett find Einrichtungen, um den Obertheil des Körpers erhöhen zu können und Vorrichtungen, um ein felbftftändiges Aufrichten des Bleffirten im Bette zu geftatten, falls deffen obere Extremitäten unverfehrt find. Hölzerne Gerippe, ähnlich den ftellbaren Notenpulten, dienen zum erfteren, eine vom Kopfende über das Bett fich wölbende Eifenfpange, die eine ftarke Schnur mit Querholz trägt, zum letzteren Zwecke. Das Steiner fche Spitalbett für die chirurgifchen Abtheilungen des k. k. allgemeinen Krankenhaufes in Wien, nach Vorfchlag von Profeffor Billroth, befitzt die letztgenannte Vorrichtung. Müller in Brandenburg hatte Betten mit mechanifchem Bettenboden, eine kleine Abart der Steiner'fchen Unterlage, welche mit ihr gleiche Vortheile bietet. Die complicirten Bettmodelle, welche Fifcher, Lipowfky und Zülzer zur Anfchauung brachten, mögen an fich fehr praktiſch fein, nur eignen fie fich nicht zum Feld- Sanitätsdienfte, ebenfowenig als die Spiralfeder- Einfätze, die zu viel federn und leicht brechen. Lipowfky hat ein gegliedertes Lagerbett, zugleich zum Heben des Kranken eingerichtet, für Kriegszwecke viel zu umftändlich und complicirt. Das Heben des Kranken mit Beibehaltung der horizontalen Lage ift aber eine zu wichtige und häufige Nothwendigkeit, auf dafs wir nicht hierüber einige Worte fagen müfsten. Ein fehr einfacher, allüberall in kürzefter Zeit zu befchaffender, billiger und praktiſcher Apparat, der fich zum Feld- Sanitätsdienfte befonders empfiehlt, ift folgender: Eine beliebige Anzahl Gurten, beiderfeits mit Oefen verfehen, werden quer unter den Körper des Kranken vorfichtig gefchoben und parallel zu ein ander in möglichft kurzen Diftanzen geftellt. Zwei Holzftangen werden hierauf durch fämmtliche Oefen gezogen und die Stangen durch eiferne Querftäbe in der entſprechenden Abftanz von einandergehalten. Das Ganze zufammengeftellt ift einer Gurtentrage ohne Füfse ähnlich und geftattet das Abheben des Bleffirten vom Bette mit grofser Leichtigkeit. Menici hatte in der italienifchen Abtheilung des Induftriepalaftes ( Gruppe XIV) unter dem Namen Egroleva eine ähnliche Vorrichtung ausgeftellt, nur mit dem Zufatze eines gekrümmten Eifengeftelles mit Flafchenzug, welcher die belaftete Bahre in die Höhe heben foll; ein Beifatz, der als eine Bereicherung in der Erfindung des Ueberflüffigen gelten kann. Betreffs der Operationstifche in ihrer Verwendung für Lazarethe läfst fich fagen, dafs fie auch nicht zu den unentbehrlichen Artikeln der Feldchirurgie gehören. Befitzt man gerade einen, fo wird man fich deffen freuen können, da er die Operation mit viel mehr Bequemlichkeit auszuführen geftattet als ein gewöhnlicher Tifch, entbehrt man aber eines Operationstifches, was faft zur Regel gehört, fo mag man fich darüber leicht tröften. Die Reuffite einer Operation hängt wohl von der Hand und dem Kopfe des Operateurs und nicht vom Tifche ab und wäre es mit dem Chirurgen wahrlich traurig beftellt, der nicht auf einer improvifirten t Militärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 51 Lagerftätte alle jene blutigen Eingriffe auszuführen vermöchte, welche in das Gebiet der Feldchirurgie gehören. Wir fanden ausgeftellt: Katalog Nr. 60. Deutfches Heerwefen: Operationstifch für's Feld. Katalog Nr. 61. Deutfcher Ritterorden( Oefterreich): Tragbahre zum Operationstifche umzuformen, von Prof. Mundy, Katalog Nr. 67. Windler: Operationstifch. Endlich Pilz, Sct. Petersburg( ruffifche Abtheilung des Induftriepalaftes): Feld- Operationstifch mit Strohmatratze, reglementär für die DivifionsFeldlazarethe. Unter allen diefen Operationstifchen müffen wir jenen vom deutfchen Ritterorden gewifs bevorzugen, indem er nicht nur Operationstifch, fondern auch Tragbahre ift; er hat den Vortheil, zu beiden Zwecken gleich gut dienen zu können, und für Feldfpitäler fowohl, als auch für Krankenhäufer und Kliniken dürfte diefer Vortheil gewifs hoch zu fchätzen fein. Da nämlich das Operationslocale von den Krankenzimmern getrennt und davon mehr weniger weit entfernt fein kann, ergibt fich die Nothwendigkeit, den zu Operirenden dahin zu tragen und wieder in fein Bett zurück zu transportiren. Zu beiden Zwecken ift die Tragbahre nothwendig. Ift diefe aber zugleich Operationstifch, fo fällt dabei das Moment des vielen Ab- und Aufladens total weg. Diefer vom Profeffor Mundy angegebene Tifch ftellt deffen articulirte Tragbahre dar, an der nur einige Veränderungen vorgenommen wurden. Da diefe fchon im Capitel Tragbahren genauer befchrieben und bei den Bleffirtenwagen( Mundy- Locati und Mundy- Lohner) auch wieder erwähnt wurde, mufs ich ob der näheren Befchreibung dahin verweifen. Die zur Verwendung als Operationstifch vorgenommenen Veränderungen beftehen einfach darin, dafs beide äufseren Dritttheile nach abwärts umgeklappt werden können, zu welchem Zwecke der Rahmen durchschnitten und mit Charnieren fowohl als auch mit Sperrhaken montirt worden ift. Der Brancard wird, um die gehörige Höhe zu haben, auf zwei Holzfchragen geftellt und nun ihm jene Form gegeben, die man eben wünſcht, als: ganz horizontal, mit beliebig erhöhter Rumpfftütze, und zwar allein oder zugleich mit doppelt geneigter Ebene für die unteren Extremitäten, endlich als Seffel. Er empfiehlt fich befonders für Amputationen und Refectionen an den Gliedmafsen, an den oberen, feiner relativen Schmalheit wegen die volle Zugänglichkeit von allen Seiten geftattet, an den unteren wegen der Möglichkeit, das untere Dritttheil der Lagerftätte im gegebenen Momente nach abwärts klappen und demnach die Extremitäten frei machen zu können. In feiner Zufammenftellung als Seffel kann er endlich auch zu Operationen am Mittelfleifche beftens verwendet werden. Auch laffen fich die drei Theile der Tragbahre fo compendiös zufammenlegen, ohne dafs die Continuität der einzelnen Theile aufgehoben würde, dafs ad vocem der leichten Transportabilität gewifs nichts Befferes zu verlangen ift. Fufsbäder etc. etc. Verbandmaterial. Von der einfachen Rollbinde bis zur complicirten Schienenvorrichtung war fo ziemlich Alles vertreten, was bis jetzt erfonnen und nachgeahmt worden ift. Wir fanden Holzfchienen der verfchiedenften Varietät und der mannigfachften Form, Blechfchienen, Schienen aus Papier maché, Heifter'fche Beinladen, gepolsterte und nicht gepolsterte Bonnet'fcheDrahthofen und Drahtftiefel, Schwebevorrichtungen, Extenfionsapparate, Wannen für continuirliche Arm- und Der deutfche Ritterorden ftellte auch die Art und Weife dar, wie diefes verfchiedene Lazarethmateriale in den Fourgon gepackt werden folle. Es dienten dazu eine Anzahl grofser geflochtener Körbe von viereckiger Form mit Deckel und Schlofsvorrichtungen, welche mit gefirnifster Leinwand überzogen waren, auf der Aufsenfeite des Deckels und der vorderen und hinteren Seitenwand war in Form einer Auffchrift mit weifser Oelfarbe die Qualität des Korbinhaltes bezeichnet. Wir ftimmen dem Gedanken, Körbe zum Transporte zu verwenden, vollkommen bei, denn fie find leichter zu handhaben als hölzerne Kiften und 52 Dr. Mofetig von Moorhof. brechen nicht fo leicht, felbft bei rüder Behandlung. Die Deck- Leinwand fchien uns nur viel zu fchwach und dem Verderben umfomehr ausgefetzt, als ja im Packwagen die Körbe übereinander zu ftehen kommen und fich demnach gegenfeitig drücken und reiben. Dasfelbe Princip der Körbe fahen wir im ruffifchen Pavillon des Induftriepalaftes. Auch hier war das Feld- Sanitätsmateriale in Körben verpackt, allein diefe waren in dickes Schweinsleder förmlich eingebunden und demnach enorm widerftandsfähig. Die Körbe des deutfchen Ritterordens waren freilich improvifirt worden, zweifelsohne wird man aber die gefirnifste Leinwand auch durch Leder erfetzen und fonach wohl allen Anforderungen gerecht werden. Auch Apparate zum Anlegen von Gypsverbänden und fertige Gyps- und Wafferglas- Verbände waren ausgeftellt. Wefentlich Neues konnten wir nicht entdecken. Mufterhaft fchön waren die Verbände aus der Billroth'fchen Klinik, einige andere Mufter dagegen liefsen wohl fehr viel zu wünſchen übrig. Sehr brauchbar dürfte der Apparat von Wydwodz off aus Sct. Petersburg fein, der zum fchnellen Eingypfen von Rollbinden dient. Er ftellt einen kleinen Rollkaften dar in den Gypspulver gegeben wird und der auf dem Boden eine kleine Spalte befitzt, durch welche die Binde zieht. Zwei von den Kaftenwänden fenkrecht aufftrebende Pfeiler tragen ein abnehmbares breites Rad, welches durch eine Handrolle bewegt, die Binde aufrollt, nachdem fie durch das Gypspulver gezogen und damit imprägnirt worden ift. Zu erwähnen wären endlich die von Bäfchlin in Schaffhaufen producirten und ausgeftellten Lazarethartikel unter dem Titel„ medicinifche Verbandftoffe", als: carbolifirte Darmfaiten( Catgut) nach Liftes' Angabe zur Nath und Gefäfs ligatur, und andere mit Medicamenten( Jod und Eifenchlorid) imprägnirte Ver bandftoffe. Chirurgifche Inftrumente und Apparate, Feldapotheken. In erfter Reihe müffen wir erwähnen Profeffor Billroth's genial erdachte und vollendet fchön ausgeführte Wandtafel mit der Ueberfchrift:„ Zur Gefchichte des Pfeil- und Kugelziehens". Nebft einer bildlichen Illuftration der hiezu dienlichen Inftrum ente von der grauen Vorzeit bis hinauf zum Tribulkon von Percy, brachte die Tafel auch einige, wenn auch barocke, fo doch treffende Ausfprüche alter militärchirurgifcher Schriftfteller über Behandlung der Schufswunden. Einige Exemplare alter Kugelextractoren längft verfchollener Zeiten waren auch in natura beigelegt. Unter den Inftrumenten der Neuzeit zur Auffindung von Bleiprojectilen finden wir ausgeftellt: Die Nelaton' fche Sonde mit Knopf aus ungebranntem Porcellan, welche dadurch zur Erkenntnifs des Projectiles führt, dafs beim Anftreifen an letzteres das Porcellan einen Bleiftrich aufnimmt. Nicht immer jedoch gelingt der Verfuch, namentlich dann nicht, wenn die Cavität viel Flüffigkeit enthält, Blut oder Eiter, welche den Knopf überziehend den Bleiftrich hindert. Für fchwerere Fälle, wo man mit der Nelaton'fchen Sonde nicht auskommt, und man mit der Diagnofe, ob Kugel oder ob Knochen, nicht fertig wird, eignen fich beffer die elektrifchen Sonden. Sie beftehen in zwei kupfernen Leitungsdrähten, welche von einander ifolirt innerhalb eines Stäbchens laufen und abgefchnitten enden. Ihre Verbindung kann erft durch ein Metallftück hergeftellt werden, an welches fich beide Polenden anlegen. Eine kleine elektrifche Batterie und ein Signalapparat( Trouvé) oder eine Magnetnadel vervollſtändigen den Apparat. Führt man das Stäbchen fonden artig bis zum fraglichen Gegenftande in die Wunde ein, fo wird, falls diefer ein Gefchofsftück ift, das Glockenfignal oder die Abweichung der Magnetnadel augen blicklich den Kettenfchlufs angeben, wogegen diefer ausbleibt, wenn Knochenftücke berührt werden. * Bekanntlich hat Nelaton bei Gelegenheit der berühmten Garibaldi'fchen Kugel feine Porcellanfonde erdacht und mit ihr auch wirklich die im Ferfenbein fteckende Kugel nachgewiefen. ien cktig on erem. ich ich nd cht ik, ehr um ar, tzt, de gt, irt en e², 1 ifser en. hte te ezu on usen. ch eihe las ch, er, VO ob en er ng en er n in == ne en. Militärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 53 Endlich ftellte Gueride aus Paris( ift leider im Specialkatalog nicht aufgenommen) einen trois quartähnlichen Apparat aus, deffen Stachel vorne ein abgerundetes Knöpfchen trägt, welches zwei durch rechtwinklig fich treffende Einfchnitte gebildete kreuzförmige etwa zwei Linien tiefe Furchen befitzt, Die Furchenränder find fcharf und ſchneidend zugefchärft. Führt man den armirten Troisquart bis zur Kugel vor, fixirt die Canüle daran, und rotirt dann den feft angedrückten Stachel an das Bleiprojectil, fo werden die fcharfen Ränder der Kreuzfurchen kleine Partikelchen davon wegkratzen und mitnehmen. Entfernt man dann das Inftrument und befichtigt die abgekratzten Stückchen mit der Loupe, fo wird man mit Leichtigkeit die Blei-, eventuell die Knochenpartikelchen zu erkennen in der Lage fein. Da aber die Schufscanäle oft gekrümmte und gewundene Gänge darftellen, in welche der ftarre und gerade Troisquart nicht einzudringen vermöchte, hat Gueride die Canüle fowohl als den Stachel feines Explorativinftrumentes beweglich gemacht; die Canüle beſteht aus einer enggewundenen Metallband- Spirale, der Stachel aus einer enggegliederten Kette ähnlich einer Jeffray'fchen Kettenfäge. Starre und bewegliche Troisquarts fammt Loupe bilden den Inhalt des Gueridefchen Etuis. Zur Extraction von Schufsprojectilen fanden wir die Kugelbohrer von Baudens, Collin, Movy und Anderen, Kugellöffel nach B. v. Langenbeck, Hakenzange nach Tiemann, auch amerikaniſche Kugelzange genannt, und deren fehr praktiſche Modification von Mathieu. Von completen Inftrumentarien waren auch fehr hübfche Exemplare ausgeftellt, fo von Collin, Mathieu, Windler, Geffer, Leiter, Thürriegl ( deutfcher Ritterorden, Inftrumentarium für den Verbandplatz); dann die reglementären Armee- Inftrumentarien von Deutfchland, Rufsland, Oefterreich, Schweden und Spanien. Unter dem Titel:" Apparat, um ohne Blutverluft Operationen an den Gliedmaffen auszuführen", ftellte Profeffor Esmarch( Katalog Nr. 74) eine elaftifche Rollbinde und einen etwa fingerdicken Kautfchukfchlauch aus, zwei Apparate, welche für die Friedens- und Kriegeschirurgie von der grössten Bedeutung find. Seitdem man fie kennt, werden faft fämmtliche Operationen an den Extremitäten auf eine unblutige Weife ausgeführt, und Fingercompreffion fowohl als Tourniquets haben fchon jetzt dem Kautfchukfchlauche das Feld geräumt. Es march's Gedanke war, das Operationsfeld blutleer zu machen, und es auch bis zur Vollendung des Eingriffes blutleer zu erhalten. Die Applicationsweife ift einfach folgende: Die zu operirende Extremität wird von den Fingern oder Zehen an mit elaftifchen Rollbinden feft umfchnürt bis über die Stelle hinauf, wo das Operationsplanum liegt, wodurch fämmtliches Blut aus den Extremitäten förmlich aus- und dem Stamme zugeprefst wird. Hierauf wird knapp über der letzten Bindentour der Kautfchukfchlauch ftramm um die Extremität gewickelt und der Theil derart comprimirt, dafs das arterielle Blut auch nach Abnahme der elaftifchen Rollbinde nicht mehr in die Extremität einzudringen vermag. Durch diefes combinirte Verfahren kann man jede Extremität ganz blutleer machen, und jede Operation mit Mufse, Ruhe und ohne durch Blutungen geftört zu werden, ausführen. Die Entfernung des Kautfchukfchlauches ftellt im Momente die normale Circulation des Theiles wieder her. Bisher gemachte Erfahrungen lehren, dafs man den Kreislauf bis 40 Minuten lang in einem Extremitätstheile aufheben könne, ohne letzterem Schaden zu bringen; auch der Verlauf der Wundheilung erleidet dadurch keine Abänderung. Diefes Esmarch'fche Verfahren, welches wohl nicht in der Idee, wohl aber in der Art und Weife der Ausführung neu ift, kann für alle blutigen Operationen, welche unterhalb des Schulter- und Hüftgelenkes auszuführen find, Anwendung finden; gegenangezeigt ift es nur bei eitrigen oder jauchigen Infiltrationen der Weichtheile, weil man dabei ob des ganz ausgiebigen concentrirten Druckes nebft dem Blute auch die gedachten 54 Dr. Mofetig von Moorhof. Flüffigkeiten in den Kreislauf zurückpreffen könnte. Der Kautfchukfchlauch allein ift aber immer und unter allen Verhältniffen jedem anderen Compreffionsverfahren zum temporären Aufheben der Circulation vorzuziehen, wo man letzteres an einem Extremitätstheile auszuüben hat. Zur Compreffion der arteria fubclavia oder iliaca eignet es fich freilich nicht. Vauzetti Silveftri und Chaffagnac wollen Esmarch die Priorität der gedachten Methode ftreitig machen, auch ift fie in allerneuefter Zeit in London von Cripps in London infofern modificirt worden, als die Rollbinde weg. gelaffen, und nur der Kautfchuckfchlauch zu beiden Zwecken verwendet wird Man umfchnürt mit 5 bis 6 Touren des elaftifchen Schlauches das Glied am peripherften Theile, und rollt dann mit einer eigenen Welle fämmtliche Kautschuktouren, gradatim eine nach der anderen von der Peripherie zum Centrum, bis das Operationsfeld überfchritten ift. Es ift klar, dafs man hiedurch im Stande ift. alles Blut allmälig zurückzudrängen, und die Wirkung der Rollbinde vollkommen zu erfetzen. Ob diefes Verfahren aber einfacher fei als jenes mit der elaftifchen Binde, das müfste man wohl a priori bezweifeln. Handapotheken für den Verbandplatz waren mehrere zur Anfchauung gebracht, namentlich heben wir hervor jene des ruffifchen Kriegsminifteriums als wohl geordnet und gut verpackt in den fchon erwähnten geflochtenen Körben mit Schweinsleder- Ueberzug, und die ungemein niedliche, leicht transportable und zweckmässig eingerichtete Feldapotheke des öfterreichifch- deutfchen Ritterordens. In der Ausftattung ähnelt fie einem kleinen Handkoffer, der auseinander geklappt in zwei Räumen, die wieder durch Deckelverfchlufs zu fichern find, alle jene Medicamente enthält, welche als die nothwendigften für die erfte Linie zu rechnen find. Sämmtliche Gefäfse liegen in eigenen Vertiefungen des Bodens, und deren unverrückbare Lage und der Stoppelverfchlufs wird durch Federdruck vollends gefichert. Das flüffige Eifenchlorid ift durch Leinwandröllchen, die damit gefättigt find, erfetzt, eine Einrichtung, die jeder praktiſche Chirurg gewifs billigen wird. Jedes Leinwand- Stückchen ift in Guttapercha- Papier eingehüllt, und wird bei der Anwendung einfach glatt auf die Wunde gelegt. Bei Blutungen aus Höhlenwunden dagegen wird das Läppchen trichterförmig in die Höhle hineingefchoben und der Innenraum mit Charpie tamponirt. Vielfache Ver luche bewiefen zur Genüge, dafs die Wirkung diefer ftyptifchen Leinwand ganz identifch fei mit jener des flüffigen Eifenchlorides, nur ift die Art und Weife der Anwendung eine viel einfachere, leichtere, und die Finger der Chirurgen fchonendere, als jene mit dem flüffigen Präparate. Ebenfo praktiſch erdacht ift die Einrichtung zur hypodermatifchen Morfiuminjection. Um nämlich die Abfcheidung kryftallinifchen Morfiums aus der Löfung zu verhindern, die doch bekanntermafsen immer eintritt, wenn die Löfung längere Zeit im Gefäfse fteht, ift das Morfiumpulver in der Dofis von je 2 Gran in weithalfige Gläschen I Drachme Inhalt eingefchloffen. Bei der Anwendung füllt der Art das Gläschen voll mit deftillirtem Waffer, und bekommt dadurch eine Löfung von 2 Gran auf 1 Drachme. Das weithalfige Gläschen geftattet ferner das unmittelbare Einführen der Pravaz'fchen Spritze ohne Beihilfe der Stichcanüle, wodurch die Nothwendigkeit, die Löfung erft in ein Schälchen einfchütten zu müffen, bevor und damit man fie in die Spritze einfaugen könne, wegfällt. Die Menge der bereiteten Löfung ift auch fo klein, dafs der Feldarzt kaum je in die Lage kommen dürfte, fie nicht täglich verbrauchen zu müffen, wodurch auch der Vortheil fich ergibt, eines ftets frifch bereiteten Medicamentes fich bedienen zu können. Die oben angedeutete Form der Handapotheke, ähnlich einem Handkoffer, empfiehlt fich vor jener bisher üblichen mit Etagenfächern aus dem Grunde, we der Arzt den Gefammtinhalt der Apotheke leichter überfehen kann, und dadurch auch das Aus- und Einpacken bedeutend erleichtert wird. Das Verdienft der Einrichtung und Conftruction diefer Feldapotheke gebührt dem Director der k. k. Hofapotheke in Wien, Herrn E. Steinebach. ein ren em aca der lon eg. ird. am muk das ift. men chen ung als mit und hen der 5 zu n für ngen urch and ifche apier Bei n die Verganz der onen Ein dung nter fteht. schen Arzt Von lbare h die bevor e der mmen l fich offer, weil durch theke ach Militärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 55 Künftliche Glieder. Erfatz von zerftörten Kiefertheilen. Künftliche Gliedmafsen haben ausgeftellt Collin( Paris), Geffer( Berlin), Leiter( Wien) und Werber( Paris), endlich war auch der öfterreichiſchpatriotifche Hilfsverein mit einigen vom Bandagiften Schlecht conftruirten Gliedmafsen vertreten. Collin und Werber hatten ausnehmend fchöne und ſehr leichte Exemplare aus Holz, Leiter nicht minder zweckmäfsige aus Hartkautfchuk. Ein von Billroth's Meifterhand an beiden Unterfchenkeln amputirter Knabe war im Sanitätspavillon als Diener angeftellt, ging mit künftlichen Kautfchukfüfsen ohne Hilfe eines Stockes fehr behende herum, und bewies hierdurch am beften die Güte der Leiter'fchen Prothefeftücke. Der Erfatz von zerftörten Kiefertheilen mit zähnetragenden Vulcanitpiecen war nur durch Hof- Zahnarzt Dr. Berghammer( Wien), und zwar fo mangelhaft dargestellt, dafs felbft der Specialkatalog davon keine Notiz genommen hat. Viel Schöneres und Befferes in diefem Genre fah man im Induftriepalafte, und zwar in der Gruppe XIV., der Länder Amerika, England, Frankreich, Italien, Spanien und Oefterreich. Dr. Rouffel's neuen Transfufionsapparat zur directen Ueberleitung nicht defibrinirten venöfen Menfchenblutes, habe ich in meinem Berichte über Chirurgifche Inftrumente", Gruppe XIV, Section 4, näher befchrieben. Es erübrigt mir nur nachzutragen, dafs er fich praktifch vollkommen bewährt habe. Varia. Unter diefer Bezeichnung finden wir im Specialkataloge eine Menge verfchiedenartiger Objecte verzeichnet, die wir der Reihe nach anführen, und infoferne fie ein befonderes Intereffe für uns haben, kurz befprechen wollen. Katalog Nr. 118. Dr. Beigel, Wien. Projectile und Projectilftücke aus dem Kriege 1870 und 1871. Die Unterichiede in Form und Gewicht der verfchiedenen, im letzten Kriege angewandten Projectile find fo gering, dafs der Chirurg aus ihrer Betrachtung gar keine Anhaltspunkte gewinnen kann um daraus auch nur einen fernen Schlufs auf die Differenzen in der Art und Weife ihrer Wirkung machen zu können. Am beften beweift diefs Nr. 119. Profeffor Billroth( Wien).„ Beifpiele von Projectilwirkungen des Chaffepot- und Zündnadel- Gewehres auf Knochen. Aus dem Kriege 1870 und 1871. Diefe Knochenpräparate, die jedem pathologiſchen Muſeum zur Zierde gereichen würden, zeugen von keinem wefentlichen Unterfchiede in der Einwirkung der gedachten Projectile. Wie könnte es denn auch anders fein! Trägt man den vielfachen Einflüffen und Zufälligkeiten, welche die Qualität der Verwundung durch das Projectil beftimmen, Rechnung, dann wird man jede gelehrte Differencirung als unnöthige Haarfpalterei erklären müffen. Anders verhielte es fich freilich, wenn von einem Unterfchiede zwifchen Kugel und Spitzgefchofs die Rede wäre, es handelt fich aber nur um ähnliche Projectile. Nr. 120. France. Ministère des traveaux publics hauvetage des naufragés. Flêches porte amarres. Syfteme Delvique. Kleine Pfeilgefchoffe, welche eine lange, aufgewickelte dünne Schnur tragen, und die aus kleinen Mörfern abgefchoffen werden. Erfchallt einmal am Schiffe, wenn es im vollen Laufe die hohe See durcheilt, der fchreckliche Ruf:„ Ein Mann über Bord!" fo wird in der Richtung, wo der Verunglückte ins Waffer fiel, der Pfeil abgefchoffen, welcher die dünne Schnur während des Fluges abwickelt, deren Ende am Bord zurückgehalten wird. Bemächtigt fich der Schwimmende der Schnur, dann ift er auch gerettet, denn an ihr läfst man ein langes Tau in die See herab, welches von der Schnur geführt zum Schwimmenden gelangen mufs. Nr. 121. France. Verfchiedene Platten( als Mufter) zur Bedeckung von Baraken und Hofpitälern. Es find diefs verfchieden grofse regelmässig geformte 56 Dr. Mofetig von Moorhof. plattenähnliche Holzftücke aus Brettern gezimmert und mit Lehm verfchmiert. Sie find infoferne empfehlenswerth, als man mit ihnen leicht und ſchnell jede Barake luft- und wafferdicht verfchallen kann. Nr. 121. a) Heinfen Huch, Braunfchweig. Petroleum- Kochapparate als Erfatz jener durch Spiritus oder Gas zu heizenden. Ob bei längerem Gebrauche der Petroleumgeruch nicht läftig fallen oder gar den Speifen fich mittheilen dürfte, kann nur das Experiment lehren. Nr. 121. b) Baierifcher Landes- Hilfsverein. Bekleidung und Ausrüftung eines freiwilligen Sanitätsmannes an einer Puppe in Lebensgröfse, nach Hirfchberg's Angabe ausgeführt. Sehr zweckmäfsig, praktiſch und compendios. Die übrigen Nummern, Filtrirapparate für Waffer, comprimirte Gemüfe und Conferven, chirurgifche Präparate und Abbildungen, transportable Röhrbrunnen, Wafchmafchinen und ein Univerfal- Möbelfchrank mögen einfach nominell angeführt fein. Mehr oder auch weniger gut und praktiſch, entziehen fie fich dennoch vollftändig einer näheren Befchreibung und namentlich der Aufgabe und dem Zwecke des vorliegenden Berichtes; dagegen wollen wir dem Apparate von Brunetti zur Verbrennung der Todten einige Zeilen widmen, und dabei auch als quasi hiezugehörig, eines Tableaux Erwähnung machen, deffen Titel ift: Nr. 113. Hugedé P L., boulevard bonne nouvelle. Paris. Expofition des deffins d'un fyfteme d'inhumations des morts fur les champs des batailles. Warum Profeffor Brunnetti mit feiner Leichenverbrennungs- Methode der Gruppe XVI fich zugewandt habe, ift mir nicht fehr klar, da ja diefelbe, fo vorzüglich fie auch fein möge, dennoch zu complicirt und zeitraubend ift, um an den vielen Taufenden von Leichen, welche ausnahmslos die Schlachtfelder der Neuzeit bedecken, in Anwendung gebracht zu werden. Anders verhält es fich mit deren Benützung für einzelne Leichen und Aefer in Friedenszeiten. Bekanntlich ift der Gedanke, Leichen zu verbrennen, anftatt fie einfach zu verfcharren und der natürlichen Verwefung zu überlaffen, nicht neu, denn fchon die Völker des Alterthums, Griechen und Römer, verbrannten einzelne ihrer Leichen und confervirten dann pietätvoll deren Afche in koftbaren Vafen und Gefäfsen. Das Mittelalter verbrannte wohl Lebende, aber nicht Todte. woran namentlich religiöfe Bedenken die Schuld trugen. Letztere erhielten fich in der neueren und neueften Zeit, und die Kirche widerfetzte fich hartnäckig jeder Wiederaufnahme diefer heidnifchen Procedur. In der allerjüngften Zeit jedoch nahm man mit der Verbrennung der Leichen wieder Verfuche auf. Bekanntlich hat man fich auf den blutgetränkten Schlachtfeldern von Sedan an Pferdeleichen damit verfucht, und verwandte dazu Petroleum als Brennmaterial, allein der Verfuch mifsglückte; man röftete damit wohl die Aefer, verwandelte fie jedoch nicht förmlich zu Afche. Ebenfo gelang es nicht auf Holzftöfsen diefs zu bewerkstelligen, und die Urfache des Mifslingens lag wohl hauptfächlich darin, dafs man den Verbrennungsact in freier Luft vornahm. Es hat das Verbrennen in freier Luft neben dem gröfseren Verbrauche an Brennmaterial noch den Uebelftand, dafs die Verbrennungsgafe die Umgebung auf grofse Diftanz hin verpeften. Brunnetti hat diefen Uebelftand richtig auf gefafst, und conftruirte einen Apparat, worin die Leichen in gesperrtem Raume verbrannt werden können. Hiedurch wird viel Brennmaterial erfpart, da die Verbrennungsgafe der Leiche, zumeift Leuchtgas, wider als felbftftändiges Brennmaterial dienen. In Brunneti'fchen Apparate wird demnach die Leiche nicht blofs verkohlt, fondern fie brennt vollständig mit Flamme, und wird dadurch Alles zerftört, was organifches Gewebe heifst. Es verbleiben nur die unorganifchen Stoffe in der Form von Afche. Der Apparat befteht aus einer Art gefchloffenen Roftes aus Eifen, welcher von Mauerwerk unterſtützt und getragen wird. Bezüglich des eigentlichen Brennmateriales erklärte Brunnetti, dafs hiezu etwa zwei Francs Holz vollkommen ausreichen. Dafs der Zweck, thierifche Körper vollständig einzuäfchern, durch den ert. de ate he te, us. ch ÖS. md en, art ll. ke tti als on es. Her ForLen eit nd en, en, Cen ren te, ich Her ch ich deein fie zu in, he ng uf me er In fie es me. on n- en en Militärfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 57 benannten Apparat wirklich erreichbar fei, bewiefen die ausgeftellten Afchen häufchen, die Refiduen menfchlicher Leichen. Vom ftreng naturwiffenfchaftlichen Standpunkte aus betrachtet, hat die Leichenverbrennung ungeheuere Vor theile, denn die Faulnifsproductc der Kirchhöfe, welche der Luft und dem Waffer fich mittheilen und die Exiftenz der lebenden Bevölkerung bedrohen, werden dadurch annullirt; man könnte aber die Frage auch vom nationalökonomifchen Standpunkte verwer then. Denken wir uns, die Verbrennung würde in Gafometern vollzogen werden, wo das Brennmaterial ohnediefs zur Kohlendeftillation verzehrt wird, und man würde die aus dem Körper fich entwickelnden Leuchtgafe fammeln, fo würde man diefelben, ohne den geringften Nachtheil gleich dem Leuchtgafe aus Steinkohlen verwenden können, und daraus jedenfalls die Koften des etwaigen Plus an verwendetem Brennmateriale erfetzen. Es würde dann die Verbrennung der Leichen nicht nur nichts koften, fondern diefelbe würde möglicherweife fogar gewinnbringend fein können. Diefs fällige Verfuche mit Thieräfern könnten ja über diefe Frage pofitiven Auffchlufs geben. In Italien, wo Brunnetti lebt, er ift, wie bekannt, Profeffor der pathologifchen Anatomie an der Univerſität zu Padua, widerfetzt fich das Gefetz nicht wie in Oefterreich der Verbrennung von menfchlichen Leichen, und hegt dort Jemand den Wunfch, den eigenen Cadaver verbrannt zu haben, fo wird dem auch willfahrt. Betrachtet man die Frage recht nüchtern und ohne gehaltlofen Sentimen talismus, fo wird man ihre Wichtigkeit nicht zu verkennen vermögen. In hygienifcher Beziehung kann man fie nur befürworten, und in pietätifcher glaube ich wohl auch. Wie poetifch erfcheint es, die Afche eines verftorbenen geliebten Wefens befitzen und an der fie bergenden Urne die fchmerzlich füfsen Erinnerungen an dasfelbe ftets wieder wachrufen zu können. Die Schrecken der Fäulnifs und der Verwefung wären gebannt. Hugedé hat eine Verfcharrungsmethode angegeben, die er auf und in der Umgebung von Schlachtfeldern anzuwenden empfiehlt, damit die fo häufig vorkommenden Nachforfchungen und Wiederausgrabungen erleichtert werden. Bekanntlich haben die Soldaten der franzöfifchen, englifchen und deutfchen Armeen Erkennungszeichen, damit man im Todesfalle die Identität des einzelnen conftatiren und die Verlufte genau regiftriren könne, eine Mafsregel, deren ungeheure Wichtigkeit und Tragweite wohl Jedermann einleuchten dürfte. Die Franzofen und Engländer haben die fogenannten Matricules, die Nummer des Soldaten und eventuell auch den Namen am Rockfutter geftempelt; Deutſchland kleine Blechmarken, worauf die Nummer des einzelnen bezeichnet ift, und die mit einem Bande am Halfe getragen werden, in feine Armeen eingeführt; Oefterreich hat diefsbezüglich noch nichts gethan, und erklärt fich daraus die coloffale Anzahl Vermifster im Kriege 1866. Hugedé macht nun folgenden Vorfchlag: Man fcharre die Leichen in zwei- Reihen einander fupraponirt ein. Etwaige unerkannte Leichen von Soldaten, welche die Matricule verloren haben, lege man zu unterft, und bedecke fie mit einer entsprechend dicken Erdfchichte. Darauf lagere man jene, deren Matricule bekannt ift, alle in der gleichen Richtung parallel neben einander. Die Matriculenummer, auch der Name eventuell, wird nun auf eine kleine Blechmarke aufgetragen und diefe an einem Holzftabe befeftigt, den man dann feitlich vom Geficht der rücklings liegenden Leiche fo legt, dafs das Ende, welches die Marke trägt, 25 bis 30 Centimeter weit vom Kopfe entfernt zu ftehen kommt. Hierauf deckt man die Grube vollends zu, und häuft das Erdreich, der Widererkennung halber, hügelartig darauf. An beiden Enden des Grabhügels pflanzt man nun zwei Stäbe ein, welche wieder eine Blechmarke tragen könnten, die Matriculenummern des Verfcharrten angebend. Handelt es fich um eine Exhumation, fo ift das Verfahren leicht. Man gräbt die Stäbe, welche jeder recognofcirten Leiche beigelegt werden, einfach auf, und fucht die entsprechende Zahl. 58 Dr. Mofetig von Moorhot. Das Aufwühlen des ganzen Grabfchachtes, ein ebenfo fchauerliches als zeitraubendes Verfahren, wird hiedurch erfpart. Man exhumirt die gefuchte Leiche, und läfst den übrigen die Todtenruhe. Die im Sanitätspavillon ausgeftellten Bücher, Abbildungen, Tabel len und Photographien umfafsten fo ziemlich die gefammte neuere Literatur auf dem Gebiete des Militär- Sanitätswefens und kamen aus den Bibliotheken der Profefforen Billroth und Mundy und jener des für die Sanitätsausftellung fo vielverdienten Dr. Wittelshöfer.