Is te 1. ur er To OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1873 UNTER REDACTION VON DR, CARL TH. RICHTER, K. K. o. ö. PROFESSOR IN PRAG. MILITÄR- KARTOGRAPHIE. ( Gruppe XIV, Section 6 und Gruppe XVII, Section 4.) BERICHT VON JOSEF ZAFFAUK, k. k. Hauptmann, Profeffor der Terrainlehre und Terraindarstellung an der technischen Militärakademie in Wien. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1873. 元 MILITÄR- KARTOGRAPHIE. ( Gruppe XIV, Section 6 und Gruppe XVII, Section 4.) Bericht von JOSEF ZAFFAUK, k.k. Hauptmann, Profeffor der Terrainlehre und Terraindarftellung an der technifchen Militärakademie in Wien. In allen Zweigen menfchlicher Thätigkeit ift die Gegenwart oft nur die Erbin grofser und wichtiger Gedanken unferer Vorfahren, welche verbeffert und erweitert, den Verhältniffen entſprechend ins Leben gerufen wurden, oft aber auch die Schöpferin neuer Ideen, die unfere Nachkommen bereichern und fie zur Vervollkommnung anfpornen. Aus logifch entwickelten, gefchichtlichen Abhandlungen und Darſtellungen entnehmen wir den Standpunkt, den ein oder der andere Erwerbs- oder Kunftzweig zu einer gewiffen Zeitperiode einnahm; wir lernen die damaligen Verhältniffe, Anfchauungen und Bedürfniffe kennen, entdecken die Lücken, die wir auszufüllen hätten, und oft erft durch den nahe gelegten Vergleich werden wir in die Lage verfetzt, dem Fortfchritte neue Bahnen zu eröffnen. liche Diefe Schlufsfolgerungen mögen die Veranlaffung zu den additionellen, gefchichtlichen Ausstellungen zu Paris und Wien gewefen fein und die gefchicht,, Kartographie", die wir in dem Pavillon, Gefchichte der Gewerbe und Erfindungen" erblickten, zwingt uns daher auch jeweilig die Leiftungen der Vergangenheit in unfere Betrachtung aufzunehmen. Wir ftellen dabei Oefterreich an die Spitze und laffen die anderen Staaten je nach Wichtigkeit der Ausftellung folgen. Oefterreich. Wie wir aus der Gefchichte der Kartographie vom Jahre 1750 bis 1867 entnehmen, wurden in Oefterreich fchon zur Regierungszeit der grofsen Kaiferin Maria Therefia und Oefterreichs erleuchtetem Herrfcher Kaifer Jofef II. zufammenhängende Aufnahmen durchgeführt. Im Jahre 1787 waren bereits alle Provinzen des Staates nach einem gleichen Mafsftabe verzeichnet und wenngleich diefe erfte Aufnahme vermöge des kurzen Zeitraumes( 1764 bis 1787) vielleicht noch nicht den immer mehr gefteigerten Anforderungen, die an richtige geodätifche Vermeffungen geftellt wurden, entfprach, fo war das erzielte, topographifch dargeftellte Gefammtbild der Monarchie um fo fchätzenswerther, als zu jener Zeit noch kein Staat eine folch' umfangreiche und für die damaligen Verhältniffe vollftändige Aufnahme aufzuweifen hatte. 1* is 2 Jofef Zaffauk. Von diefem Zeitpunkte angefangen wurde raftlos an der Vervollſtändigung und Verbefferung des topographifchen Materials gearbeitet; es folgte die zweite und nach den napoleonifchen Kriegen die dritte Aufnahme der öfterreichifchen Provinzen. Durch die Adoption der Lehmann'fchen Schraffenfcala war der Schlüffel für die Darftellung der Unebenheiten unferer Erdoberfläche und durch die faft gleichzeitige Erfindung der Lithographie durch Sennefelder der Fortfchritt für die Vervielfältigung kartographifcher Erzeugniffe in allen Staaten und die Verbreitung topographifcher und geographifcher Kenntniffe gefichert. Um die Berichterstattung durch Wiederholungen nicht übermäfsig auszudehnen, verweife ich auf die von Oberftlieutenant J. Rośkiewicz für die Abthei lung„ Beiträge zur Gefchichte der Gewerbe und Erfindungen verfafste:„ Gefchichte der Kartographie in Oefterreich", die in allen Zweigen die verlässlichften und erfchöpfendften Daten liefert und uns die mannigfachen Anftrengungen vor das Auge führt, die gemacht werden mussten, um zu dem gegenwärtigen, hochentwickelten und richtigen Standpunkte zu gelangen. Ebenfo lehrreich als der eben erwähnte gefchichtliche Abrifs der uns hier das erfte Mal im Zufammenhange geliefert wurde, bleibt auch die durch Karten, Tableaux und plaftifche Gegenftände veranstaltete expofitionelle Ent wicklung diefes Zweiges, da wir hier auf felten anzutreffende Blätter von gefchichtlichem Werthe ftofsen. Der zu erzielenden Ueberfichtlichkeit wegen waren die Karten nach dem Zwecke, dem fie dienen, in 24 Unterabtheilungen gefchieden, welchen fich fodann Wir finden vier Stück Perfpectiv die plaftifchen Gegenftände anfchloffen. karten, welche die erfte Reihe einnehmen, weil vor dem Jahre 1750 auch die Landkarten in der Vogelperfpective dargestellt wurden. Die Originalaufnahmen, Special- und Generalkarten umfaffen 84 Blätter, enthalten chronologifch geordnet die erften Aufnahmen der öfterreichiſchen Provinzen, und zeigen die Art der wechſelnden Terraindarftel lungsmethoden, die erft adoptirten Zeichenfchlüffel, nach welchen die folgenden Aufnahmen durchgeführt wurden, die Art der Anwendung der Schichtenlinien in der letzten Zeitperiode, jeweilig aber auch die verfchiedenen Kartenartikel, welche den Originalarbeiten ihr Entftehen verdankten. Wir erblicken in diefer Reihe die erften Gradkarten, die vom Freiherrn v. Liechtenſtern fchon im Jahre 1810 angewendet wurden; die Originalaufnahmen von Männern, wie: Hauslab, Fligely, Kuhn, die gegenwärtig hohe Stellungen einnehmen, und den erften Verfuch des Linien- Farbendrucks 1843 durch Oberft Scheda, den derfelbe bei Veröffentlichung feiner Generalkarte von Europa in Anwendung brachte. Unter den Umgebungskarten find hervorzuheben: der erfte Farbendruck von Maurer 1783( topographifche Karte der Stadt Wien), der erfte lithographifch erzeugte Schichtenplan 1820( Umgebung von Peft), welcher nach den Anweifungen Sennefelder's vervielfältigt wurde; ein Verfuch des Oberlieutenants Baron v. Welden, Terrainbilder in der Aquatintamanier durch Aetzung auf Kupferplatten hervorzubringen, ferner eine Federzeichnung mit chemifcher Tufche auf Stein von Oberlieutenant Kuhn; Kreide- Lithographien aus neuerer Zeit, die den Fortfchritt auf die Gegenwart markiren. Unter den Eifenbahn-, Telegraphen- und Adminiftrativkarten, den Marfch, Poft-, und Strafsenkarten ebenfo wie unter den geolo gifchen, ethnographifchen, Forft-, See- und Himmelskarten finden wir jeweilig die in den verfchiedenen Zeitperioden zuerft in Gebrauch gekommenen Karten und die Uebergänge auf die gegenwärtige Zeitperiode, Die geologifchen, ethnographifchen und Forftkarten haben mit Rückficht auf den kurzen Beftand eine rafche Vervollſtändigung erfahren. Doch, während den ng te en ar nd er en ffe U- eim" en lie en, zu ns ch it. htem nn V- lie m- Ter el. en in el, eialtig ks te en10en er rch mit ien 0- en ch He. auf en Militär- Kartographie. 3 Himmels- und Seekarten am Schluffe des vorigen Jahrhundertes, weniger Sorgfalt zugewendet war, fehen wir fchon im Beginn diefes Jahrhundertes, fozufagen mit der Gründung unferer Marine, die vorzüglichften Seekarten des adriatifchen Meeres entſtehen, die nur von den neueften Aufnahmen und Unterfuchungen ( unter Leitung des Linienfchiffs- Capitains O eft erreicher) übertroffen werden, und die, in gerechter Würdigung der mühevollen Arbeit, mit dem Ehrendiplome ausgezeichnet wurden. Aufser den Linien gleicher Tiefe enthalten fie noch alle dem Seemann nöthigen Navigationsdaten. Fregatten capitain Littrow und Generalmajor Stelzig haben im Jahre 1858 den erften Verfuch gemacht, die gleichen Meerestiefen auf Seekarten in Farben darzuftellen. Bei der Fülle des Materials mangelt uns der Raum, alle hervorragenden Punkte der eben erwähnten Karten zu berühren; die Unterfchiede in der Vervoll-. kommnung der Fachkarten treten in jedem Blatte hervor. Eine fehr mannigfache Anwendung finden die Forftkarten, die zu Ende des XVII. Jahrhundertes in landfchaftlicher Darftellung, oft mit doppelter Orientirung nach den beiden Thalfeiten angefertigt wurden, nunmehr fich nicht nur in Wirthschafts-, Hauungs- oder Beftandes-, Ueberfichts-, und Beftockungskarten fcheiden, fondern der Wichtigkeit des Holzmaterials wegen fozufagen in General- und Specialkarten übertragen werden. Unter den Katafterkarten finden wir die erfte von Nagel ausgeführte Kataftralaufnahme von Wien aus dem Jahre 1780, nach welcher jene vom Jahre 1819 angefertigt wurde, die dritte aus dem Jahre 1846 und die vierte vom Jahre 1858, welch' letztere auch die Abgrenzungslinien für die Neubauten unferer Refidenz enthält. Erft 36 Jahre nach der erften Geometralvermeffung der Stadt Wien' und zwar 1817 wurden die Kataftralaufnahmen der Provinzen und des Flachlandes in Angriff genommen. Nur das Ende des vorigen Jahrhundertes und die neuefte Zeit war durch Schulkarten vertreten, da in der Zwifchenperiode die Special- und Generalkarten der Provinzen diefe Stelle einnahmen und erft die technifchen Hilfsmittel der neuen Zeit, die Lithographie und der Farbendruck, die billige Erzeugung der Karten für den Anfangsunterricht ermöglichten. Eine fehr intereffante Serie von Karten bildeten die Schichtenkarten, die mit den durch das k. k. Genie corps im Jahre 1803 zuerft gelieferten Karten des Etfchthales begannen. Profeffor Winkler v. Brückenbrand lieferte mit den Zöglingen der Mariabrunner Forftakademie 1822 einen Schichtenplan vom Thiergarten im Wiener Walde. In weiterer Folge fanden wir fchön und correct durchgeführte Schichtenpläne, die vom Genie corps( fchon 1834) und vom Generalft ab entworfen wurden; fo die Umgebungen von Meran und Přzemyfl, die vorzügliche Stromkarte der Donau bei Wien vom Oberingenieur Kazda( 1848 bis 1850), ferner das Syftem Hausla b's der Farbenfchichtenzonen nach fteigendem Farbenton je höher defto dunkler" und dann das entgegengefetzte„ je tiefer defto dunkler" von Sonklar angewendet, endlich Karten von Steinhaufer, Streffleur und Kořift ka, auf denen die Linien gleicher Höhe( auf den Generalkarten der Provinzen) zum Ausdrucke gelangten. Zu den Umgebungen des Semmerings in meifterhafter Durchführung des Terraindetails wurden Ifohypfen in Farben in einem fpeciellen Blatte hinzugefügt, wobei die Schichtenlinien je nach ihrer Farbe einen verfchiedenen Werth repräfentiren. Eine Reihe von Karten, die theils einem fpeciellen Zwecke dienen, theils vermöge des Materials oder der technifchen Erzeugung bemerkenswerth erfcheinen, wurden in der gefchichtlichen Expofition unter dem Titel„ Diverfe Kartenartikel" zufammen gefafst. Wir finden darunter Sanitäts-, Bisthums-, Flufskarten; Karten mit erläuterndem Text, mit Abbildungen von Regenten und Münzen; eine Grenzkarte Tirols gegen Baiern aus dem XVII. Jahrhundert in Oel gemalt, folche auf Seide, Leinwand, Hanfpapier, in Typen gedruckt, endlich Tapetenkarten u. m. a. is 4 Jofef Zaffauk. Der Verein für Landeskunde war durch eine fchön ausgeführte Karte der Umgebung von Wien, das ganze Culturdetail( ohne Terrain) enthaltend, im Mafse I: 28.000, vertreten. Im Glaskaften fanden wir nebft den verfchiedenften in Oefterreich erfchienenen Atlanten, wie jenen von Reilly( 1791) Schrämbl( 1805), den Induftrieatlas von Doležal( 1865), den hiftorifchen Atlas von Desjardins ( 1838), eine fehr correct gezeichnete Sternkarte von Major Hartlieb( 1871), den erften von Sennefelder vollführten Ueberdruck aus dem Jahre 1820, Karten auf Schieferpapier etc. Der befchränkte Raum für den Bericht und das bedeutende Material, das uns vorliegt, geftatten es nicht, weiter ins Detail zu gehen, und wir müffen uns bezüglich diefer logifch, nach General-, Special- und Fachkarten gegliederten, gefchichtlichen Entwicklung unferer Kartographie von 1750 bis 1870, die in allen Theilen uns immer den Urfprung und den gegenwärtigen Standpunkt diefes Zweiges unferer Thätigkeit darlegt, auf die vom Oberftlieutenant Rośkiewicz gelieferte„ Gefchichte" und den in den„ Mittheilungen der k. k. geogra phifchen Gefellfchaft zu Wien" veröffentlichten Katalog verweifen, und können nur volle Befriedigung finden, dafs diefe fo gediegene, reichhaltiges und belehrendes Material enthaltende Arbeit und die zweckentfprechende Zufammenftellung gewürdigt und mit der höchften Auszeichnung, dem Ehrendiplome, bedacht wurde. Manch' verfchollener Name kam wieder zu Ehren, die Thätigkeit unferer Vorfahren und auch jene der Gegenwart wurde in würdiger Weife zur Anfchauung gebracht. Indem in anderen Referaten der exponirten plaftifchen Gegenftände* Erwähnung gefchieht, fei bemerkt, dafs auch die Reproductionsmethoden der neueren Zeit, fo die Photographie, ferner die im militär- geogra phifchen Inftitute zur vollendeten Form gebrachte Anaftatik, die Photolithographie und Heliogravure zur Anficht gebracht wurden. Mit gerechtem Stolze können wir auf die Leiftungen des genannten Inftitutes und auf die zur hohen Entwicklung gebrachten Reproductionsmethoden weifen, die beſtimmt zu fein fcheinen, einen völligen Umfchwung in der Kartenerzeugung herbeizuführen, und dasjenige in Wochen zu erzielen, wozu einft Jahre erford erlich waren. Früher wurde für Zwecke der Vervielfältigung von den vollſtändig ausge zeichneten Blättern eines Kartenwerkes vorerft eine Geripp- Paufe auf Kupfer oder Stein übertragen und hierauf die Gravirung der Zeichnung vorgenommen, welche Jahre in Anfpruch nahm. Gegenwärtig können die fchwarz und fcharf auf weifsem Papier gezeichneten Kartenblätter mittelft der Photolithographie in einigen Tagen auf Stein übertragen und durch den Druck vervielfältigt werden. Ebenfo erfetzt uns die Heliogravure den Stich auf Kupfer und liefert uns die Druckplatte in wenigen Wochen, von welcher fodann der Druck entweder directe oder durch Umdruck von dem Steine bewirkt wird. Beide Reproductions- Methoden bafiren auf der photographifchen Aufnahme der Originalzeichnung, welche rafch und genau in jedem beliebigen Mafse hergeftellt werden kann. Da nach dem Vorhergefagten auch die Heliogravure die Vervielfältigung vom Steine geftattet, fo können durch beide Methoden mit Hilfe der in neuerer Zeit im Inftitute eingeführten lithographifchen Schnellpreffen, welche das 25fache der Handpreffen leiften, in kürzefter Zeit grofse Kartenauflagen erzielt werden. Die auf heliographifchem Wege erzeugten Kupferplatten können ebenfo wie die geftochenen durch die Galvanoplaftik vervielfältigt werden. Die in Folge der auf der Erdoberfläche fich ergebenden Veränderungen, zeitweife erforderlichen Correcturen und Nachtragungen werden in diefen Platten * Anton Steinhaufer: Geographifche Bildungs- und Unterrichtsmittel. er se e- n S n if as S S 0, es Z a. d es Le 1- 1, er n 3- en n re S er e m en zt ch e r. er به من де O Militär- Kartographie. 5 mit Hilfe der Galvanoplaſtik auf eine höchft einfache und praktiſche Weife, welche fchon feit dem Jahre 1854 im Inftitute gebräuchlich ift und fich von dem neuerer Zeit in Frankreich üblichen Verfahren vortheilhaft unterfcheidet, ausgeführt. Sowohl die Photographie wie die Heliogravure, obwohl fchon feit mehreren Jahren bekannt, find erft im militär- geographifchen Inftitute zur gegenwärtigen volkommenen Brauchbarkeit gelangt. In Belgien fteht die Photo- Lithographie, in Baiern nur der Glasdruck( Albertotypie) und in neuefter Zeit in Rufsland auch die Heliogravure nach dem Syfteme des militär- geographifchen Inftitutes, in Deutſchland und Frankreich nach jenen Avets für Kartenwerke in Ausübung. Die Vergleiche, welche wir jetzt zu machen in der Lage find, zeigen die Vor- und Nachtheile der verfchiedenen Verfahren. Während der Glasdruck nur eine nur eine mäfsige Anzahl Abdrücke geftattet, die Photographie in Belgien noch einiger Vervollkommnung bedarf, tritt fie in Oefterreich vollkommen leiftungsfähig auf und wird in ihrer Art nur noch von der Heliogravure übertroffen. Welch immenfen Nutzen werden die nächften Jahre aus der Erfindung der Heliogravure ziehen! Wie viele landfchaftliche und gefchichtliche Darstellungen ( Kupfer- und Stahlftiche) bedeutender Künftler werden uns, wie wir aus exponirten Beifpielen des militär- geographifchen Inftitutes fehen können, zugänglich gemacht werden! Der Kupferftecher, welcher früher fich erft in den Geift des Meifters finden mufste, kann nunmehr entbehrlich werden, fobald der Künftler feine Ideen fcharf und rein in fchwarzer Tufche zu Papier bringt. Wenden wir uns nun den Karten der Neuzeit zu, vor Allem den kartographifchen Leiftungen des k. k. militär- geographifchen Inftitutes in Wien, die unftreitig als wahre Kunftwerke gelten können. Diefes Inftitut trat mit feinem ietzigen Namen" chon im Jahre 1839 durch Vereinigung des„ Depofito dellaguerra" mit der ,, topographifch- lithographifchen Anftalt" des General- Quartiermeifter- Stabes ins Leben. Nach den gegenwärtigen Organiſationsftatuten ift dasfelbe unter einem Director als Leiter, dem Generalftabe untergeordnet. Zur Beforgung der vielfältigen Gefchäfte beſteht: Das Triangulirungs- und Calculbureau zur aftronomiſchgeodätifchen Vermeffung des Landes und theilweife der angrenzenden Provinzen. Diefem Bureau fteht ein Obfervatorium im Inftitutsgebäude zur Verfügung. Die Mappirungs- Direction, welcher eine Schule zur Heranbildung tüchtiger Mappeure und eine Pantographen- Abtheilung zugewiefen ift. Unter Leitung diefer Direction werden die Aufnahmen der Monarchie im Maafsftabe 1: 25.000 durch eine jeweilig feftgeftellte Anzahl von MappirungsAbtheilungen( gegenwärtig 16) bewirkt. Gruppe I. Diefer unterfteht die topographifche Abtheilung, in welcher die Generalkarte Europas, ferner die Specialkarte der Monarchie fowie andere Kartenwerke entworfen und für die Vervielfältigung zum Theil durch Lithographie, zum Theil durch Heliogravure vorbereitet werden, ferner die lithographifche Abtheilung und jene der Kupferftecher. Gruppe II. Diefer fällt die Vervielfältigung der Karten durch die Photographie, Photolithographie und durch die Heliogravure zu. Hieher gehört auch die Preffenabtheilung und die Abtheilung für die Galvanoplaftik. Aufserdem verfügt das Inftitut noch über eine Karten- Evidenz Abtheilung, ein Kartenarchiv, einen Kartenverfchleifs, eine topographifche Schule( die zur I. Gruppe gehört), eine Rechnungskanzlei, und über eine Buchbinderei, Tifchlerei, Steinfchleiferei etc. Was nun die Landesaufnahme( Mappirung) felbft betrifft, fo wird fie wie fchon erwähnt, durch eigene Mappirungs- Abtheilungen ausgeführt. Diefe beftehen aus acht bis neun Mappeurs, unter dem Befehle eines Stabsofficiers oder Jofef Zaffauk. Hauptmannes als Unterdirector. Die Aufnahmen werden meift mit Benützung der Kataftermappen im Mafsftabe 1: 25.000, das ift 1 Centimeter= 250 Meter, auf einzelnen Blättern durchgeführt, von welchen vier zufammengeftellt eine Mappi rungs- oder Aufnahms- Section bilden, und den vierten Theil eines Gradkarten- Blattes vorftellen. Darin ift Alles, was einen Einfluss auf die Stellung, Bewegung und das Gefecht der Truppe hat, klar und deutlich, je nach der Wichtig. keit mehr oder weniger vortretend, gezeichnet. Die Gewäffer erfcheinen mit dem Uferdetail und fämmtlichen über und durch diefelben führenden Communicationen. Bedeutungslofe Bäche werden durch einfache, folche aber, die ein nicht leicht zu überwältigendes Hindernifs bieten, mit doppelten Linien gezeichnet; Eifenbahnen treten in den bekannten, durch Tufche ftellenweife unterbrochenen Doppellinien auf; die fonftigen Landcommunicationen find je nach ihrer Wichtig. keit durch Doppellinien( von gleicher und ungleicher Stärke), durch einfache, ftrichpunktirte, geftrichelte oder punktirte Linien dargeftellt. Ortſchaften erfchei nen nach ihrem Umfange mit Gaffen, Plätzen, Gärteneintheilung. Ebenfo find die verfchiedenen Bodenbedeckungen durch gewiffe, leicht verftändliche Bezeichnun gen erfichtlich gemacht. Was die Unebenheiten des Bodens( Terrain) anbelangt, fo find diefe durch die feit dem Jahre 1869 eingeführte, fogenannte„ combinirte Manier" zum Ausdrucke gebracht. Selbe erftrebt durch ihre, nach dem Wafferabfluffe gerich teten Schraffen fowohl den Böfchungsgrad der verfchiedenen geneigten Flächen anzuzeigen, als auch diefe felbft möglichft plaftifch hervortreten zu laffen, gleichzeitig aber auch durch æquidiftante Schichtenlinien, die auf Grund zahlreich gemeffener Höhenpunkte( per Quadratmeile 400) conftruirt find, die Auffaffung des Terrains wefentlich zu erleichtern. Die durch die Schraffen hervorgebrachte Tonirung beruht bei Annahme vertical auffallender Beleuchtung auf dem Grundfatze, die fanften Böfchungen heller, die fteilen dunkler erfcheinen zu laffen. Die Breite der Schraffen und ihre anliegenden Zwifchenräume ftehen für jede Gradation in einem beftimmten Verhältniffe zu einander, welches man allgemein, wenn der Neigungswinkel der Erdböfchung, S die Schraffen- und Z die Zwifchenraum- Breite bezeichnet, durch die Formel ausdrücken kann: S: Z( p+ 3)( 80-( p+ 3)) Böfchungen unter fünf Grad Neigung erfcheinen in geftrichelten Schraffen. Die Aequidiftanzen find in Abftänden von 10, 20 und 100 Meter angebracht und erfcheinen, je nachdem fie als Haupt-, Zwifchen- oder Hilfs- Schichtenlinien auftreten, als breitere oder feinere Linien oder als fein geftrichelte Curven. Ausserdem find den wichtigeren Punkten, wie auf Kuppen, in Sätteln, Thälern etc. die entsprechenden Höhenkoten beigegeben. Obwohl diefe Methode ftellenweife eine Ueberladung befürchten liefse, ift fie dennoch als entfchiedener Fortfchritt zu bezeichnen. Die Befchreibung der Sectionen erfolgt mit gewöhnlicher Planfchrift. Der leichteren Ueberficht wegen erfcheinen fie colorirt, indem dabei im Allgemeinen Gärten, Wiefen und Hutweiden grün, Waldungen blafs fchwarz Weinfelder gelbroth, Wohngebäude roth, Wirthfchaftsgebäude fchwarz, fonftige Objecte von Stein roth, von Holz fchwarz, Gewäffer lichtblau dargestellt werden; Felfen erfcheinen rothbraun, Gletfcher licht fchwarzblau lavirt, die Ifohypfen braunroth( Drachenblut) oder orangegelb( Mennig), Strafsen roth( Carmin), Fufsfteige, Saumwege chromgelb oder fchwarz ausgezogen. Ausserdem find die Mappirungs- Sectionen mit der Sections- und Colonnennummer, mit einem Längen- Mafsftabe, einer Anlagenfkala, einer Defignation ftatiftifcher Daten, fowie mit dem Namen des Mappirungs- Unterdirectors und jenem des betreffenden Mappeurs verfehen. Er f m 1. t וב e h n 1 S r t Militär- Kartographie. 7 Mit Hilfe der Aufnahmsfectionen werden durch die Verjüngung derfelben auf das Mafs 1: 60.000 die Specialkarten gezeichnet, fodann hiernach die Kupferplatten, jedoch im Maſsſtabe 1: 75.000 heliographifch erzeugt. Das Waffernetz erfcheint hier noch vollſtändig mit all' feinen zugehörigen Uebergängen und Furten angegeben, die Flofs- und Schiffbarkeit, fowie fteile oder verfumpfte Ufer, befonders aber die Communicationen find fcharf und deutlich hervorgehoben, die Ortſchaften erfcheinen noch mit ihren Hauptgaffen, ihren Einund Ausgängen, die Waldungen mit ihren Durchhauen und Waldblöfsen. Weingärten und gröfsere Wiefencomplexe find klar zur Anfchauung gebracht. Die einzeln ftehenden Mühlen, Wirths- und Jägerhäufer, Schlöffer, Kirchen, Capellen find ebenfo wie die zur Orientirung dienenden Gegenftände durch gewiffe conventionelle Zeichen erfichtlich gemacht. Die Bodenunebenheiten werden in ihren Hauptformen dargeftellt, mit hundertmetrigen Schichtenlinien und überdiefs an den wichtigften Punkten mit Höhenkoten verfehen. Die Befchreibung erfolgt analog wie bei den Mappirungsfectionen. Bei der Specialkarte wurde für die Gradeintheilung die von Bonné verbefferte Flam fte e d'fche Projectionsmethode angewendet. Bei den neu anzufertigenden Karten ift jedoch das Syftem der Gradkarten eingeführt, wobei die Kartenränder mit den Parallel- und Meridiankreifen übereinftimmend conftruirt werden, fo dafs ein Blatt in Form eines fymmetrifchen Trapezes erfcheint. Die Höhe eines folchen Gradkarten- Blattes beträgt 14 Grad geographifcher Breite und die Länge 2 Grad geographifcher Länge. Bei den Generalkarten endlich nimmt des aufserordentlich verjüngten Mafsftabes wegen, die conventionelle Bezeichnung einen anderen Charakter an; kleine Waldungen, ferner Weingärten, Sümpfe, Teiche etc., Bäche von geringer Ausdehnung werden hier nicht mehr dargestellt. Die fchiffbaren Flüffe und Canäle find doppelt, die übrigen Wafferläufe einfach ausgezogen. Brücken, Induftrieetabliffements, einzelne Gebäude, grofse Culturcomplexe find, fowie das Eifenbahn- und Strafsennetz, mit Schärfe gegeben. Das Terrain erfcheint noch mehr vereinfacht als in der Specialkarte, ohne Schichtenlinien, doch immer mit beigefetzten Höhenkoten. Diefe Karten bieten fchätzbares Material in Fülle. Bisher erfchienen Pläne und Karten in den Verjüngungen 1: 14.400, 1: 28.800, 1: 57.600, 1: 144.000, 1: 288.000 etc. Seit der Einführung des Metermafses( 1869) find für topographifche Karten jedoch folgende Verjüngungen officiell beftimmt, als: 1: 12.500 oder 1 Centimeter gleich 125 Meter der Natur als Doppelmafs; 1: 25.000 oder 1 Centimeter gleich 250 Meter der Natur für die Mappirungsfectionen; 1: 75.000 oder I Centimeter gleich 750 Meter der Natur für die Specialkarte; 1: 300.000 oder 1 Centimeter gleich 3000 Meter der Natur für die Generalkarte. Das k. k. militär- geographifche Inftitut exponirte Pläne, Special- und Generalkarten alten und neuen Mafsftabes im anaftatifchen Druck, ferner Kupferftiche, Lithographien, Photographien, Photolithographien, Chromo- Photolithographien, Kohlenphotographien und Heliogravuren. Die einzelnen Mufter beftanden in Folgendem: Die Specialkarte von Böhmen, Dalmatien, dem nord- und füdweftlichen Ungarn( 1: 144.000), die Karte von Centraleuropa nach Scheda( 1: 300.000). Die vorerwähnten Blätter find Kupferftiche und zeichnen fich durch eine leicht fafsliche, charakteriftifche Darftellung des Terrains( das Terrain ift durch Schraffen mit beigefetzten Höhenkoten gegeben) ebenfo durch ihren netten und reinen Stich aus. Nebft diefen waren der hydrographifche Atlas des adriatifchen Meeres( 1: 174.960), die Generalkarte der Walachei( 1: 288.000), die Specialkarte der Lombardie und Venetiens, von Parma und Modena( 1: 86.400) nebft anderen Specialkarten zu erfehen. Jofef Zaffauk. Von Lithographien waren exponirt die Generalkarte vom füdweſt. lichen Deutfchland, von Galizien, Siebenbürgen( 1: 288.000), von Bosnien ( 1: 400.000), ein Theil der Specialkarte von Mittelitalien( 1: 86.400), aus den Karten der Umgebung von Wien die Semmeringbahn( 1: 43.200), dann die Umgebungen mehrerer Landes- Hauptftädte( 1: 14.400, 1: 28.800), der Hafen von Buccari und Porto Ré( 1: 11.520) in Farbendruck. Der letzterwähnte Farbendruck zeigt eine meifterhafte Behandlung im Farbentone und einen äufserft präcifen Druck, da die vielfältigen Culturen nirgends übergreifen. In wahrhaft überrafchender Weife aber treten die mannigfachen zur Anwendung gelangten Reproductionsmethoden hervor, von welchen befonders die Methode der Heliogravure und der Photolithographie fowohl für die Reproduction der Karten als für jene von Bildern( nach Handzeichnungen und Stichen) bereits eine weittragende Anwendung finden und welchen auch bei ftetigem Fortfchritte ein nie geahnter Auffchwung in der Zukunft blüht. Von den heliographifch erzeugten Karten lagen vor: Ein Tableau von Centraleuropa( 1: 300.000), zwei neue Specialkarten- Blätter von Tirol ( 1: 75.000) und das Specialkarten- Blatt ,, Bormio", vergröfsert auf das Mafs 1: 52.000, ferner Schraffenfcalen, jede nach einem anderen Syfteme; an Bildern und Land fchaften:„ Die Poefie" von Kaulbach, geftochen von Jacobi( vergrössert); „ die Sage" von demfelben; Louis XVIII. im Krönungs ornate" von Gerard, geftochen von Attafard; der Klofterbrand" von Leffing, geftochen von Abbema;" eine Landfchaft von Cappelen, radirt von Abbema, ebenfo eine von Lindlar; ferner der Chriftus kopf" von Guido Reni, geftochen von Gottfchik. Die letzteren find fämmtlich nach den Origi nalen der Albertina ausgeführt und waren die beigegebenen Kupferplatten nach einer authentifchen Mittheilung, in der Zeit von zwei bis drei Wochen hergeftellt worden. Die Photolithographie war durch zwei vergröfserte SpecialkartenBlätter von Tirol( Meran und Glurns) und durch ein topographifches Kartenblatt von Schweden( Stockholm), eine ,, Waldlandfchaft" von Leffing, einen ,, männlichen Kopf" und" Louis XVI." von Simon vertreten. Auch die Photolithographie zeigte fich uns hier in einer Vollendung, die kaum einer Steigerung mehr fähig wäre. Sowohl den heliographifchen wie den photographifchen Reproductionen waren Kupferplatten, zum Theile auch Steine zum Vergleiche beigegeben. Die Kohlenphotographie, eine für die Maffenerzeugung von Karten nicht in Anwendung ftehende Methode, war durch die Bilder ,, Daphne und Chloe"," Auguft den Starken, König von Polen" und einer„ Landfchaft" von Claudius Lotharing vertreten. An Photographien in Druckerfchwärze erfchienen recht nett ausgeführte Copien nach gefchabten Bildern der Albertina:„ Das Bild„ le mauves fujet et fa famille" und" les enfants furpris par un garde". Die Blätter 35 und 36 der Specialkarte von Mittelitalien waren mit befonderer Reinheit auf a naftatifchem Wege erzeugt. Diefe Methode ermöglicht von vorhandenen Abdrücken, durch entſprechende Behandlung, Umdrücke auf Stein herzuftellen, welche durch den Druck wieder weiter vervielfältigt werden können. Eine Anzahl Blätter der neuen Küftenkarte des adriatifchen Meeres, welche für die k. k. Kriegsmarine im Inftitute geftochen wurde, eine Militär- Mappirungsfection von Siebenbürgen( 1: 28.800) und diefelbe, reducirt * Im k. k. militär- geographifchen Inftitute gefchah die erfte Anwendung der Photographie im Jahre 1853, und zwar Anfangs blofs zur Erzeugung von getonten Silbercopien auf Papier; feit dem Jahre 1861 jedoch wurden auch Vervielfältungen durch den Schwarzdruck vom Steine( Photolithographie) und feit dem Jahre 1871 folche von Kupfer in vertiefter Manier ( Heliogravure) vorgenommen. n n k n e e d i h t Militär- Kartographie. 9 auf die Hälfte im Farbendruck, ebenfo eine von Wiener- Neuftadt( 1: 25.000), repräfentiren nebft den früher erwähnten Karten das Genre des Kupferftiches und Farbendruckes. Das mititär- geographifche Inftitut erhielt für kartographifche Arbeiten und Reproductionsmethoden in Gruppe XII und XVI das Ehrendiplom. Von der königlich ungarifchen Staatsdruckerei waren fchätzenswerthe kartographifche Arbeiten, von L. W. Seidl& Sohn, Pläne und Karten verfchiedener wiffenfchaftlicher Werke, von Artaria, die Karte von Europa von Scheda, Umgebungspläne von Wien, die hypfometriſche Karte der norifchen Alpen nach Hauslab etc. zur Expofition gebracht. " Unter den Privatarbeiten erregte der Vorfchlag des Oberftlieutenants J. Rośkiewics, die Terrain darftellung mit Rückficht auf zu erzielende Einheitskarten" zu modificiren, einiges Intereffe. Die Gleichheit, die wir in allen Staaten bezüglich des Mafses, Gewichtes, des Geldwerthes etc. anftreben, wird hier auf das Kartenmaterial als eines wichtigen Verftändigungsmittels der gebildeten Claffe ausgedehnt. Im verfloffenen Jahrhundert hatten fich unfere Vorfahren abgemüht, Zeichen für die Darftellung der Unebenheiten zu erfinden. Erft durch die Annahme der Lehmann'fchen Schraffenfcala wurden Pläne und Karten nach einem vernünftigen Syfteme angefertigt. Cavalier- Vogelperfpective etc., Seitenbeleuchtung u. f. w. verfchwanden, geometrifche und phyfikalifche Grundfätze wurden allein mafsgebend. Immerhin aber leidet die Kartographie an dem Fehler des vielartigften Ausdruckes, ebenfo wie die Vervielfältigungsmethoden der neuen Zeit nicht gehörig ausgenützt werden. Nicht nur die Kartenblätter eines und desfelben Staates, auch jene eines und desfelben Autors, find von einander im Tone, in der Stärke der angewendeten Schraffen, in der Form derfelben etc. verfchieden, und doch follten Karten, wie der Autor richtig bemerkt, als allgemeines Verftändigungsmittel über das Ausfehen und über die Befchaffenheit der Erdoberfläche derart angeordnet fein, dafs fie gleich den Lettern eines Buches, von allen gleich gut verftanden und gelefen werden können. So fchwer eine Einigung zu erzielen fein wird, fo bleibt der Vorfchlag von einiger Bedeutung. Das Meter- als allgemein adoptirtes Längenmafs wird zur Grundlage angenommen. Auf diefes und auf die wahren Werthe der Natur werden nun die Schraffen als conventionelle Zeichen für die Darftellung der Unebenheiten nach dem Metermafs begrenzt, fo dafs eine Schraffe für 5 Grad Neigung 2, höchftens 3 Meter Werth auf dem Plane( 1: 25.000) einnehmen foll. Das Neunfache diefes Werthes, fomit 18 oder 27 Meter, wurde für die allemal gleichbleibende Entfernung und die Zunahme der Strichdimenfionen um je 2 oder 3 Meter für die Darftellung der um je 5 Grade zunehmenden Steigungsflächen vorgefchlagen, wodurch bei 45 Graden das Verhältnifs des Striches zum Zwifchenraume wie 18:18 oder höchftens 27:27 Meter Werth entſteht. Diefes Dimenfionsverhältnifs geftattet, wie uns die Figur 9 der Brochure zeigt, die directe dreifache Verkleinerung der Originalaufnahme( 1: 25.000) vermittelft der Photolithographie oder der Heliogravure zur Specialkarte( 1: 75.000), wobei die ganze Reduction erfpart, dabei auch alle die Fehler vermieden find, die durch die Reduction felbft hervorgerufen werden, da eben durch die Reduction in den Formen- und Böfchungsverhältniffen Aenderungen und Auslaffungen Platz greifen, fomit das natürliche Bild fehlerhaft, und oft verunftaltet wird. Zudem geftattet der gröfsere, fich gleichbleibende Zwifchenraum eine leichtere Reproduction durch die Photographie und Heliogravure und gibt reinere Abdrücke. Die Geld- und Zeiterfparnifs wäre nach diefer Methode eine ganz bedeutende; die Karten felbft wären gleichartig und wahre verkleinerte Naturbilder der Originalaufnahmen. 10 Jofef Zaffauk. Der Zeichenfchlüffel für das Gerippe wäre nach dem erwähnten Vorfchlage einer kleinen Modification, und zwar einer derartigen zu unterziehen, dafs alle Linien in der Originalaufnahme fo kräftig gehalten werden, um in dreifacher Verjüngung noch deutlich wieder erkennbar zu fein. Ebenfo follen die Niveau curven auf einem Separatblatte mit Tufche gezeichnet, in gleichem Mafse verkleinert und durch Ueberdruck in Farbe auf der Karte kenntlich gemacht werden. Durch die Begrenzung der Schraffenwerthe wäre man daher im Stande, den Karten gleichen Mafsftabes in allen Theilen der Erde einen gleichen Ausdruck zu verleihen. Als Einheitskarte proponirt der Autor vorläufig Generalkarten im Mafsftabe 1: 250.000 der Natur mit den Schraffen von 20: 180 Meter bei 5 Grad, und 180: 180 Meter bei 45 Grad Böfchung in allen Staaten zu adoptiren und diefe durch Ueberdruck mit Schichtenlinien von 200 Meter Werth zu verfehen. Striche. Roskiewicz's Vorfchlag umfafst daher: Die Annahme einer Schraffenfcala mit gleichbleibender Entfernung der Feftftellung des Werthes einer Schraffe, bafirt auf den Mafsftab des Planes und auf das der Natur entſprechende Verhältnifs, um das Mittel zu erhalten, gleichen Ausdruck zu erzielen. Directe Verkleinerung der Mappirungsfectionen und Umgeftaltung der felben zu Karten durch die Heliogravure oder Photolithographie, um Zeit und Geld zu erfparen, dabei wahre Naturbilder zu erreichen. Annahme der Niveaucurven auf allen Karten und Anwendung derfelben durch Umdruck, endlich Adoption eines graphifchen Höhenmeffers, um den Mappeur zu befähigen, ohne Calcul die Schichten an Ort und Stelle legen zu können. Wir hielten die hier dargelegten Ideen, die von der internationalen Jury mit der Verdienftmedaille ausgezeichnet wurden, nicht nur bezüglich der Werthbegrenzung der Schraffen und der Schraffenfcala für neu, fondern auch in manch' anderen Vorfchlägen für wichtig genug um fie eingehender zu befprechen und obgleich eine Einigung immer fchwer zu erzielen ift, fo wäre diefs allenfalls ein Zukunftsprogramm, welches wir früher oder fpäter zu erfüllen oder zu löfen haben werden. In Belgien werden bereits die Originalaufnahmen durch directe photolithographifche Reduction zur Herſtellung der Karten benützt, doch ift die Verkleinerung unbedeutend, wodurch die Blätter nicht immer rein und fchön erfcheinen. In Baiern wird in neuefter Zeit nach den in der Expofition erfichtlichen Proben gleichfalls die Originalaufnahme auf den Gerippblättern des Katafters( 1: 5000) vorgenommen, fodann eine zweifache Reduction und die Vervielfältigung der Karte durch Glasdruck bewerkstelligt. Wenn auch diefe Methode als Fortfchritt begrüfst werden kann, mufs der Mafsftab der Originalaufnahme als viel zu grofs bezeichnet werden, weil die Schraffen auf beinahe fünf Millimeter breite Entfernungen von einander zu liegen kommen, und der Mappeur im Felde alle Ueberficht verliert, das heifst fich keine Terrainpartie zum überfichtlichen Bilde auf dem in der Hand habenden Blatte formen kann. Bevor wir zu den anderen topographifchen Werken übergehen, wollen wir noch der vom k. k. Finanzminifterium ausgeftellten Kataftral operate Erwähnung thun, indem felbe vielfeitig auf das Erfolgreichfte benützt werden, und namentlich für die Militärkartographie ein überaus fchätzbares Material bieten, da, wie bereits erwähnt, die Militärmappirungen, wie in den meiſten anderen Staaten, auf Grund der Kataftralaufnahmen ausgeführt werden. Obwohl fchon in der zweiten Hälfte des XVIII. Jahrhundertes Vermeffungen einzelner Theile der Monarchie ftattfanden, datirt doch der Beginn einer auf wiffenfchaftlicher Bafis beruhenden Landesvermeffung erft vom Jahre 1817. Militär- Kartographie. 11 Diefelbe nahm in Niederöfterreich ihren Anfang und endete im Jahre 1862 mit der Aufnahme Tirols. Aufserdem wurden in Ungarn bis zum Jahre 1867 noch weitere 2111'3 Quadratmeilen vermeffen. Diefe Detailaufnahmen in den Mafsftäben 1: 2880 und 1: 1440 erftreckten fich auf jedes noch fo kleine individuelle Befitzthum, und wurden in der Regel auf 500 Quadratzoll grofsen Aufnahmsblättern durchgeführt. Aus der reichhaltigen Collection vorzüglicher Operate, mit denen wir den Steuerkatafter vertreten fanden, feien folgende befonders hervorgehoben: Die Ueberfichtskarte des, der Katafteraufnahme von Niederöfterreich zu Grunde gelegten, trigonometrifchen Netzes, mit Bezeichnung der Ausführungsperioden und der von Abbé Jofef Liesganig im Jahre 1762 gemeffenen Bafis; die Karte der Höhenpunkte in Niederöfterreich; ferner: Culturen- Ueberfichtskarten verfchiedener Länder in den Mafsftäben( 1: 115.000, 1: 144.000 und 1: 205.704); Culturkarten der Umgebungen von Wien und Prag( 1: 36.000); Städtepläne( 1: 2880, 1: 1440); den ftatiftifchen Atlas der im Reichsrathe vertretenen Länder; Originalmappen von Gemeinden verfchiedener Kronländer und endlich drei Original- Aufnahmsblätter des Communalbezirkes von Wien aus der Periode 1858 bis 1862. Befonders die letzt erwähnten find es, die nicht nur durch ihren grofsen Mafsftab( 1: 720) fondern hauptfächlich durch die originelle Methode der Aufnahme felbft befonders merkwürdig find. Um nämlich die Unveränderlichkeit der Maafse in der Detailaufnahme gegen hygrofkopifche Einflüffe zu fchützen und fo für immer zu erhalten, wurde das Papier für bleibend auf 295 Spiegeltafeln von 1 Zoll Dicke aufgefpannt, welche ftatt dem gewöhnlichen Mefstifchbrete zur Anwendung kamen. Mittelft Theodoliten und Nivellirinftrumenten wurden mehr als 10.000 Höhenpunkte innerhalb der ehemaligen Linienwälle beftimmt. Diefe Blätter zeichnen fich durch ihre aufserordentliche Schärfe und Genauigkeit aus, fo dafs fie beim Wiener StadtBauamte als Grundlage bei Prüfung der eingereichten Baupläne benützt werden. Die Aufnahme wurde unter der Leitung des verftorbenen General- Kriegscommiffärs Valentin Ritter v. Streffleur und des gegenwärtigen Vorftandes der MilitärBildungsanftalten, Generalmajor Eduard Ritter Pechmann v. Maffen bewirkt. Bei diefer Gelegenheit müffen wir auch bemerken, aus den vom ungarifchen Katafter exponirten Plänen erfehen zu haben, dafs derfelbe Alles aufbietet, um dem cisleithanifchen gleich zu kommen, Auch wollen wir hier noch eines Planes der Stadtaufnahme von Graz" erwähnen. Derfelbe ift von Profeffor Waftler in den Jahren 1869 bis 1871 im Mafse 1: 2880 aufgenommen und das Terrain durch ein-, zwei und viermetrige Niveau curven zur Anfchauung gebracht. Diefer Plan, fowie die aus vier Blättern beftehende, auf das Mafs 1: 1440 reducirte Copie, in der das Terrain durch zehnmetrige Niveau curven zum Ausdrucke gelangt, waren in der Gruppe XVIII exponirt. Baiern. Als einer der erften, hervorragendften Streiter auf dem internationalen Turniere der Weltausftellung, tritt uns, was kartographifche Arbeiten anbelangt, das fchon im Jahre 1801 gegründete topographifche Bureau des baierifchen Generalftabes" entgegen. Die Beftimmung des topographifchen Bureaus ift, für zweckentfprechende Karten zu forgen, zu welchem Zwecke dasfelbe in die mathematiſche und ftatiftifche, in die Aufnahms- und Zeichnungs-. in die Kupferftich- und in die ReproductionsSection gegliedert ift. In der Expofition war es vor Allem das aus fieben Blättern zufammengefetzte grofse Wandtableau, das unfere Aufmerksamkeit feffelte. Die Blätter wur 12 Jofef Zaffauk. den aus dem jetzt neu bearbeiteten topographifchen Atlas von Baiern( 1: 50-000) herausgenommen und zeigen uns eine Terrain partie aus dem baierifchen Walde und dem oberen Donauthale." Das Blatt„ Nürnberg" des oberwähnten Atlaffes erfcheint uns überdiefs noch in verfchieden erzeugten Exemplaren als: Original Kupferdruck, Albertotypie( Hauptmann E. Albert, Leiter des photographifchen Ateliers des topographifchen Bureaus ift der Bruder des Erfinders diefer Methode) Ueberdruck einer Albertotypie, Abdruck einer galvanifchen und einer verftahlten Platte und als abgezogenes Negativ. Diefe fchönen Karten, deren Ausführung nebenbei bemerkt, fcharf, nett und vorzüglich ift, bieten namentlich dem Militär alles Nothwendige und Zweckentfprechende; fie enthalten das Terrain in Lehmann'fchen Schraffen, vielfach erläutert durch beigefetzte Höhenkoten, das Gerippe ift nach einem leicht fafslichen Zeichenfchlüffel durchgeführt. Als Mufter einer äufserft gut gelungenen Chromolithographie traten uns die Blätter I und IV der hypfometrifchen Karte von Baiern ( 1: 250.000) vors Auge, die, in fchwarze 50metrige Schichtenlinien gelegt, bis zur Höhe von 700 Meter die Schichtengürtel von 100 Meter und über erwähnte Höhe hinaus die Schichtengürtel von 200 Meter verfchiedenfärbig( weifs, blafsroth, blafsgelb, lichtbraun, lichtgrün, lichtlila, lichtrothbraun und lichtgelb) erfcheinen läfst. Die Karte bringt überdiefs die gefammte Hydrographie, die Topographie und die Communicationen in fchwarzer Farbe zur Anfchauung. Von früheren Originalaufnahmen fanden wir eine vom Jahre 1863/64 " Ries"; photographifche Copien der Originalaufnahmen„ Kreut und Valepp" aus dem Jahre 1862/63, fowie eine Originalaufnahme ,, Sonntagshorn" vom Jahre 1819, in welch' letztere erft im Jahre 1863 die Höhencoten nach-, refpective eingetragen wurden. Von den Aufnahmen der Gegenwart lag das Steuerblatt" Lauterbach" fowohl im Mafsftabe 1: 5000 fammt eingezeichnetem Terrain, als auch im reducirten Verhältniffe 1: 25.000 auf; ferner die Section Freifing" reproducirt von 1: 5000 in 1: 25.000 mit der Terrainaufnahme und Zeichnung nach Lehmann'fchen Grundfätzen und in braunrothen 1ometrigen Schichten, nach der Reform und Anleitung des Hauptmann Ludwig Dürr, Sectionschef des topographifchen Bureaus. Einen wie grofsen und entfchiedenen Fortfchritt die baierifche Kartographie in den letzten Decennien namentlich durch oberwähnte Reform erfahren hat, kann aus nachfolgender gefchichtlicher Skizze erfehen werden. Die topographifchen Aufnahmen in Baiern nahmen ihren Anfang noch im vorigen Jahrhundert und zwar in den Jahren 1786 bis 1789, jedoch in verhältnifsmäfsig geringer Ausdehnung. Mafsftab derfelben war 1: 28.000. Im Jahre 1801 hat die erfte Triangulirung mit der Bafismeffung München- Aufkirchen begonnen und mit derfelben griff auch die topographifche Aufnahme wieder ein, fo dafs nach wenig Jahren( 1812) zwei Blätter des topographifchen Atlaffes von Bayern im Mafsftabe 1: 50.000, München und Wolfratshaufen, erfcheinen konnten, während in den nächftfolgenden acht Jahren, inclufive 1820 fchon weitere 23 folche Atlasblätter erfchienen find, deren je eines, auch gegenwärtig noch, der Natur nach 40.000 Meter Länge und 25.000 Meter Höhe ein nehmen. In neuefter Zeit jedoch werden diefelben gröfstentheils in Halbblättern geftochen. Eine wiffenfchaftlich begründete Terrainaufnahme nach dem Lehmann'fchen Syftem findet fich in den bis dahin erfchienenen Atlasblättern und auch in den nächften folgenden Jahren bis gegen Ende der zwanziger Jahre noch nicht vertreten; die topographifchen Aufnahmen aber haben fchon feit dem Jahre 1818, namentlich bald darauf im baierifchen Hochgebirge, das Lehmann'fche Syftem, theilweife fehr entwickelt, zur Anwendung gebracht. Vorher wurden Erhebungen von 5 Militär- Kartographie. 13 geringer Neigung mit einfachen Strichen in beliebiger Stärke und in beiläufiger Richtung der Projectionslinie des Neigungswinkels diefer fchiefen Fläche, dagegen ftark geneigte Flächen mit gekreuzten Strichen, häufig auch gefchwungen und fchattirt, dargestellt, ohne fich an die Mannigfaltigkeit der Terrainformen gebunden zu fehen. Vom Jahre 1816 an, wurde der Aufnahmsmafsftab 1: 28.000 nur mehr zur Ergänzung bereits gewonnener Blätter angewendet und kam nunmehr jener von I: 25.000 allein zur Geltung( 1826). Wo jedoch inzwifchen das Material der Kataftermeffung fchon publicirt war, wurde lediglich das Terrain aufgenommen, wozu erftes zur Grundlage gedient hat, welches fodann mit dem Terrain, wie die beiden anderen Aufnahmen von 1: 28.000 und 25.000, in Original- Atlasblätter ( 1: 50.000) als Vorlage für den Kupferftich umgezeichnet wurden. In dem Zeitraume von 1816 bis 1825 waren demnach dreierlei Mafsftäbe bei den topographifchen Aufnahmen in Gebrauch; für topographifche Vermeffungen 1: 28.000 und 25.000, dagegen kamen zur blofsen Terrainaufnahme zumeift die Katafterblätter in Verwendung. Später in den vierziger Jahren wurden letztere, welche fich nunmehr faft über das ganze Königreich erftreckten, vor der Terrainaufnahme in 1: 25.000 reducirt und 16 folche Blätter in ein Pofitions- refpective Aufnahmsblatt vereinigt, deffen Detailpaufen fodann als Grundlage zur Terrainaufnahme gedient haben. In den Jahren 1855 und 1856 wurde wieder zu den Kataftralblättern gegriffen, von 1857 an zur früheren Einrichtung der vorherigen Reduction zurückgegangen, was bis in das Jahr 1866 andauerte. Vom Jahre 1851 dadirt der Beginn einer zweitmaligen topographifchen Neubearbeitung eines grofsen Theiles des diefsrheinifchen Baiern und zwar aller jener Atlasblätter mit nicht mehr zeitgemäfser Terrain darftellung, dagegen fchliefst die erftmalige topographifche Aufnahme des Landes mit dem Jahre 1853, und bildeten die beiden Atlasblätter Permafens und Lichtenfels( 1867) den Schlufs der erfchienenen Kupferftiche hievon. Von der zweiten Bearbeitung find bis jetzt im Ganzen zehn Atlasblätter erfchienen. In die fcheinbar ruhende Periode von 1860 bis 1870 fällt der Stich der , Karte von Südweft- Deutfchland" im Mafsftabe 1: 250.000 in 25 Blättern, welcher die beiden Karten im gleichen Mafsftabe:„ Ortskarte und Terrainkarte von Baiern diefsfeits des Rheins" in je 15 Blättern vorausgingen, wovon letztere als Grundlage zur Erweiterung und wefentlichen Vervollkomm nung der Karte von Südweft- Deutfchland gedient hat. Bis zum Jahre 1868 wurde das Terrain lediglich nach Lehmann'fchem Syfteme aufgenommen und gezeichnet. Des Hochgebirges wegen wurden als Maximum der Darftellung, abweichend von Lehmann, 60 Grade fchon bei der Einführung diefes Syſtems angenommen. Von da an beginnt in Baiern die Terrainaufnahme nach Höhenftufen von 25 Fufs Höhe u. z.mit Zwifchenftufen von 1834 Fufs, 12 Fufs, 6% Fufs und 3% Fufs oder 3/4 1/2 1/4 1/ der Höhenftufen, " " wobei jegliche Anwendung von Böfchungsftrichen zur Darstellung und genaueren Präcifirung einzelner Terrainformen etc. ausgefchloffen blieb, während noch wie vor die Pofitionskarte, das ift die Originalaufnahme in der Reinzeichnung nach Lehmann'fchem Syftem mit Böfchungsftrichen ohne Ifohypfen gezeichnet wurde. Hierauf folgte endlich die Reform der darftellenden Topographie von Hauptmann L. Dürr, Sectionschef im baierifchen topographifchen Bureau, welche 1870 ihren Anfang nahm, indem Terrainaufnahmen in Katafterblättern( 1: 5000) mit dem darunter liegenden Detail in den Mafsftab 1: 25.000 als Original- Reinzeichnung nach deffen Aufnahmen und Anordnung photographifch reducirt wurden. 14 Jofef Zaffauk. Die weitere Entwicklung diefer Reform und die verfchiedenen Beweggründe hiezu legt der Autor derfelben in einer gedrängten Schrift wie folgt dar: Die Reform der darftellenden Topographie vereinigt mit der Darftellung des Terrains nach Lehmann'fchem Syftem jene durch Höhenftufen- Linien oder kurzweg Ifohypfen, und dürfte durch Anwendung diefer zwei Darftellungsmethoden allen den Anfprüchen genügen, welche die Gegenwart an die darftellende Topographie ftellt, namentlich wenn noch in Betracht gezogen wird, dafs eine bedeutende erleichterte und fchnellere Herftellung topographifcher Karten anzuftreben war. - Die Kriege 1866 und 1870 und 1871 hatten nämlich zur Folge, dafs dem baierifchen topographifchen Bureau nicht mehr wie früher( in der 50jährigen Friedensperiode bis 1866) eine erhebliche Anzahl von commandirten Officieren der Linie in faft ununterbrochener 6- bis 12jähriger Verwendung- in welch' langer Zeit fo manche Kraft in der darftellenden Topographie bis zur künftlerifchen Vollendung fich zu entwickeln vermochte zu Gebote ftand; in neuerer Zeit wurde die Zahl der commandirten Officiere vermindert und haben diefelben nach verhältnifsmäfsig kurzer Zeit wieder zur Truppe zurückzukehren, bilden aber allein das Perfonal der Aufnahme und bis 1873 auch das für die Terrainzeichnung, während in den Kriegsjahren 1866, 1870 und 1871 die ganze Mafchine ſtille ftand und nur der Stich und Druck fortgefetzt werden konnten, aufserdem, nach den Kriegen ein faft ausfchliefslich neues, das heifst noch nicht erfahrenes Perfonal an die Stelle des vor dem Kriege gefchulten trat. - Da aber topographifche Zeichnungen, welche bleibenden Werth haben follen, erfahrungsmäfsig eine mehrjährige Vorbereitung und fleifsige Uebung namentlich in dem zur Darstellung gewählten Mafsftabe 1: 25.000 erfordern, fo mufsten Mittel aufgefucht werden, die es unter den gegebenen Verhältniffen ermöglichen, mit wenig geübten und nicht fchon erprobten Kräften nicht nur hinter den früheren Leiftungen nicht zurückzubleiben, fondern auch in der Topo graphie der Alles verbeffernden Zeit fich anzufchliefsen. Die gröfstmögliche Naturwahrheit in den Aufnahmen und allgemein leicht fafsliche, klare Darftellung mufste angeftrebt und fo die letztere vor der ihr drohenden Verflachung durch ausfchliefsliche Ifohypfen, HöhenftufenLinien etc., bewahrt werden. " Um aber die Refultate diefer in Ausficht genommenen Verbefferungen praktisch verwerthen zu können, follte die alsbaldige Ausgabe der neueften Aufnahmen durch directe" Reproduction mit Hilfe der Photographie des Lichtdruckes etc. erfolgen; denn die beften und richtigften Aufnahmen verlieren allzufehr von ihrem urfprünglichen Werth, harren fie lange Jahre der Veröffentlichung.( Bisher erfchienen die Atlasblätter nach 7 bis 18 Jahren, von der vollendeten Aufnahme an gerechnet). Das Steuerkatafter Material" der allgemeinen Landesvermeffung im Mafsftabe 1: 5000, das früher in den 25.000 theiligen reducirt werden musste, wird feit dem Jahre 1867 in feinem urfprünglichen Mafsftabe zur Terrainaufnahme verwendet. In feiner Reichhaltigkeit des Details ermöglicht dasfelbe eine der Natur ähnliche, vollkommen getreue Terrain darftellung in weit höherem Grade als die frühere, dürftige und zugleich zeitraubende Reproduction auf 1: 25.000. Die Terrainaufnahme" wird bewerkstelligt, indem alle noch darftellbaren Unebenheiten( über 60 Meter Ausdehnung) forgfältigft ermittelt, und wo es die Deutlichkeit erfordert, mit dem Lehmann'fchen Böfchungsftrich naturgetreu croquirt und fo alle Erhebungen von 1/2 bis 60 Klafter Anfteigung mit wohlgepfleg tem Formenfinn auf dem Steuerblatt wiedergegeben werden. In diefe Terrain darftellung werden dann auf Grund zahlreicher, gröfstentheils auf vorausgegangene " * Das einzelne Steuerblatt hat 2334 88 Meter Seitenlänge und befteht das ausgeftellte Blatt Freifing, als erftes Product der Reform, wie jedes andere baierifche Original- Aufnahmsblatt aus 16 folchen Steuerblättern. eg. ar: ng er 10de ne n- em en ren ch' -ri. rer en per ng, lle ch eren ng rn, en ur 00 ht er enen uf es en nt11. im te, me er de 0. en Hie 0- g- n ne Ite att Militär- Kartographie. 15 Nivellements bafirter und präcifer Winkelmeffungen und Beftimmungen von Niveaudifferenzen die Ifohypfen von 10 zu 10 Meter, und wo es die Mannigfaltigkeit der Formen und wechfelvolle Profile, fowie fanftes Wellenland etc. bedingen, auch in Zwifchenftufen von einzelnen Metern je nach Bedürfnifs der Klarheit an Ort und Stelle eingetragen. Der in der Natur ficher gewonnene Bergftrich, welcher die Form und den Böfchungswechfel anfchaulicher gibt, als jede andere Darftellung, fowie die ebenfo erhaltenen Niveaucurven, dienen fich gegenfeitig als Correctiv zur endgiltigen Feftftellung aller Unebenheiten nach ihrer Form wie nach ihrer hypfometrifchen Bedeutung und erhält das fo gewonnene Product durch Vereinigung diefer zwei beften, richtig angewendeten Methoden den Charakter einer künftlerifchen Lei ftung auf ftreng mathematifcher Bafis. Um aber auch fanfte Erhebungen, Plateaux etc. und wenig geneigte Flächen von bis 2 Klafter, welche bei gröfserer Ausdehnung oftmals mit einer nicht zu verachtenden Summe von Niveau- Unterfchieden ihre Darftellung verlangen, noch deutlich erkennen zu laffen, werden die entsprechenden Böfchungsftriche mit noch wahrnehmbarer Abftufung unterbrochen ausgeführt und hiedurch diefe Terrainformen noch darftellbar gemacht, während bis jetzt die zarteften Kartenftiche mit dem ftetigen Böfchungsftriche niemals ein fchwächeres Verhältnifs von Schwarz zu Weifs wie 2:58 1:29, was 2 Klaftern entspricht, zu Stande brachten; in vielen Karten endet fogar die Darftellung fanfter Böfchungen fchon bei 1:19= 3 Klaftern, ein unumftöfslicher Beweis, dafs alle Anfteigungen unter 3 bis herab zu 2 Klafter mit ftetigen Bergftrichen ſtets übermäfsig ftark oder aus diefem Grunde gar nicht gegeben, fohin ganz unrichtige Terrainbilder zum Ausdruck gebracht worden find. Werden aber dergleichen Unebenheiten diefes erwähnten Uebelftandes wegen nicht ausgedrückt, refpective eben gelaffen, fo wird ein entgegengefetzter, aber noch gröfserer Fehler begangen. Die fertige Terrainaufnahme, von gefchickten und erprobten Topographen nach der Natur" forgfältig revidirt, wird nun auf ein für die photographifche Reduction auf 1: 25.000 beftimmtes, zu diefem Zwecke in blauer Farbe trocken gedrucktes Steuerblatt- Duplicat, in welchem alle von einem topographifchen Atlas noch zu gebenden Details charakteriftifch in Tufch oder auch in fchwarzer Tinte bereits nachgezeichnet wurden, mit den auf dem Terrain gewonnenen Ifohypfen übertragen, um dann photographifch reducirt in gröfster Schärfe zu erfcheinen. Der Blaudruck in matter Farbe hat lediglich den Inhalt des betreffenden Steuerblattes zum Zwecke der Nachzeichnung des Details erkennen zu laffen, der dann in der Photographie, nachdem er feinen Zweck erfüllt ausbleibt; während der Trockendruck jedes Blatt genau in feiner Originalgröfse beläfst, dagegen jedes feucht gedruckte( quadratifche) Steuerblatt nach dem Drucke 2 bis 7 Millimeter von der Seitenlänge verliert und fohin mindeftens zum Rechteck, wenn nicht gar zum Trapez annähernd deformirt wird. Die Detailzeichnung felbft anlangend, mufs erwähnt werden, dafs das Erfte und Wichtigfte einer Karte, die Schrift, ftets frei auf das leere Papier, nie aber auf irgend welche Zeichnung zu ftehen kommt; ebenfo darf diefelbe auch die Terrainzeichnung nicht beeinträchtigen, wefshalb der Platz für jedes einzelne Wort mit Sorgfalt auszuwählen ift. In ähnlicher Weife wird bei den Ortfchaften durch klare Ausfcheidung de. Wohn- und der Neben- oder Oekonomiegebäude dem rafchen Ueberblick Rechnung getragen dadurch, dafs die Wohngebäude ausgefüllt, die Nebengebäude dagegen nur in ihren Umriffen, ihrem untergeordneten Zwecke entſprechend, dargeftellt und von jeglicher Terrainzeichnung freigehalten werden; wodurch den Wohnorten und deren nächfte Umgebung die nöthige Ueberficht, Klarheit und Deutlichkeit verliehen wird. 2 16 Jofef Zaffauk. Die Terrainzeichnung auf ein fo vorbereitetes Steuerblatt gefchieht, wie fchon erwähnt, nach dem Lehmann'fchen Syftem, in dem die Stärke des Böfchungsftriches ftets den entſprechenden Neigungswinkel auch wirklich auszudrücken hat und auf Grund der gemeffenen Höhen- und Zwifchenftufen mit der in diefem Mafsftab( 1 5000) möglichen, mefs- und controlirbaren Genauigkeit unter Anwendung gewöhnlicher Schreib-( Stahl-) Federn, welche auch ausfchliefslich bei der Detailzeichnung dienen. Wenn nun die eine Section oder das fogenannte Pofitionsblatt bildenden 16 Steuerblätter auf diefe Weife vollendet find, fo können diefelben zufammengeftellt, photographifch reducirt und in Licht- oder Glasdruck, Heliographie etc. auf Papier bleibend vervielfältigt und dadurch allgemein nutzbar gemacht werden. Dasfelbe Verfahren ermöglicht ebenfo die directe Herſtellung des topographifchen Atlaffes in 1: 50.000 nur mit dem Unterfchiede, dafs die auf dem Terrain gewonnenen Aufnahmen dann nicht mehr in 1: 5000, fondern in I: 10.000 gezeichnet würden, um fodann durch 5malige Verkleinerung auf den Atlas- Mafsftab 1: 50.000 gebracht und durch die Heliographie in Kupfer vervielfältigt zu werden. Die Vortheile, die durch diefe Reform hervortreten, find folgende: Die unmittelbare Vervielfältigung und Veröffentlichung der neueften Aufnahmen und zwar in verfchiedenen Mafsftäben, insbefondere in dem von I: 25.000 ift ermöglicht. Durch die Nachzeichnung des Details und Darftellung des Terrains im grofsen Steuerblatt- Mafsftabe 1: 5000 erhält das in den 25.00 otheiligen Mafsftab reducirte Bild eine auf anderem Wege unerreichbare Schärfe. Nochmals in das für den Atlas beftimmte Mafsverhältnifs von 1: 50.000 photographifch reducirt, gibt eine folche Aufnahmsfection dem Kupferftecher das richtigfte und ficherfte Bild, welches er getreu im Stich zu reproduciren hat( infolange der Stich beibehalten bleibt). Dem Lefer der Karte wird durch das Eintragen der Ifohypfen und vielen Coten( das Steuerblatt erhält durchſchnittlich 10 bis 12 oder der Quadrat- Kilometer 2 Höhencoten) das Mittel geboten. neben der plaftifchen Geftaltung des Terrains auch das gegenfeitige Höhenverhältnifs rafch zu würdigen und fich anftatt der bisherigen Schätzung fichere Kenntnifs und Gewifsheit zu verfchaffen, indem der wiffenfchaftliche Werth einer folchen Karte wefentlich erhöht ift. Erfordert das jetzige Verfahren weniger Zeit und minder forgfältige Auswahl geeigneter Kräfte, weniger Anftrengung und keinen weiteren Apparat als Bleiftift und Schreib-( Stahl-) Feder. Die bisherigen Zeichnungen in 1: 25.000 wurden mit feinen Fifchotter- Haarpinfeln gefertigt, deren vollendete Führung oft jahrelange Uebung erforderte. Dem topographifchen Bureau des königlich baierifchen Generalftabes wurde für die Leiftungen im Kupferftiche und Benützung der Katafterpläne in Verbindung mit photographifcher Reproduction zu topographifchen Zwecken die Fortfchrittsmedaille zuerkannt. Belgien. Belgien ebenfo die Niederlande befafsen fchon anfangs des vorigen Jahrhunderts gute Kartenwerke. Hervorzuheben find von älteren Kartenwerken die von Nik. Visfcher, Friedrich de Witt, Peter Schenk, Jaillot, Conveno, Mortier, Ottens und die 1748 durch die Homann'fchen Erben nach Maier's Zeichnungen geftochenen. Nebft Meier's Zeichnungen waren auch die von de l'Isle rühmenswerth. Zu den effect- und gefchmackvollften, hiebei billigen Karten, welche in der Ausstellung zu erfehen waren, können wir ohne Zweifel jene zählen, welche das Militär- Kartographie. 17 Dépôt de la guerre" fowohl in eleganten Mappen als auch in Glasrahmen an der Wand hängend exponirt hatte. Die Landesaufnahme( Mappirung) ftellt die Originalkarte im Mafsftabe 1: 20.000 her. Durch Anwendung der Photographie, Lithographie, Photolithographie, Photozinkographie und des Farbendruck es werden die Karten in den Verjüngungsverhältniffen 1: 10.000, I: 20.000 1: 40.000 und in jüngfter Zeit 1: 160.000 verfertigt. Das Terrain ift in allen Karten mittelft horizontalen aequidiftanten Curven ausgedrückt. Für colorirte Karten in 1: 10.000 ift die Schichtenhöhe am linken Maasufer ein Meter und am rechten fünf Meter. In der Karte 1: 160.000 ift die Schichtenhöhe 20 und in der Karte 1: 40.000 ift felbe fünf Meter. Höhencoten find durch ftehende arabifche Ziffern zum Ausdrucke gebracht. Das Gerippe ift gut und deutlich markirt, die Schrift leicht leferlich, jedoch erfcheint diefe gegenüber den in Oefterreich vorgefchriebenen Dimenfionen der verfchiedenen Schriftgattungen etwas mager. Die ausgeftellten Blätter waren theils fchwarz, theils in Farben ausgedrückt. Im Mafse 1: 10.000 waren ausgeftellt die Zinkographien„ Namur" und ,, Dinant"( fchwarz), in welchen die aequidiftante Schichtenhöhe einen Meter beträgt und jede fünfte Curve ftärker gehalten ift. Das Blatt„ Dinant" war in demfelben Mafsftabe auch als Farbendruck ausgeftellt. Im Mafse 1: 20.000 waren photozinkographifche Reproductionen der Blätter Namur und Dinant fchwarz, aufser diefen beiden noch jene von Sand, Wavre, Tervueren und der Umgebung des Schlachtfeldes von Waterloo in Farbendruck exponirt. Die einmeterigen Schichtenlinien find entweder alle fchwarz und gleich breit oder jede fünfte breiter dargestellt, oder aber jede fünfte ift fchwarz und die anderen Zwifchen- Schichtenlinien mit Biftre gegeben. Die parallel zum Seitenrande der Karten ftehenden Höhencoten erfcheinen theils roth, theils fchwarz. Die Gewäffer find gegen die Mitte zu blau lavirt, die Eifenbahnen fchwarz, die Kunftftrafsen und Wohngebäude roth, die minder guten Communicationen fchwarz, Hutweiden, Wiefen und Gärten grün, Waldungen durch dunkelgrün geflammte Striche in dichterer und fchütterer Aneinanderreihung gegeben. Durch letztere Bezeichnung verliert jedoch die Ueberfichtlichkeit des Wegnetzes, insbefondere aber der Zufammenhang der Ifohypfen, wefshalb es für das praktiſche Bedürfnifs angezeigter fein dürfte, wenn die Waldungen in blaffer Tonirung ebenfo gleichmäfsig wie Wiefen und Hutweiden gezeichnet würden. Die Karten im Mafsftabe 1: 10.000 und 1: 20.000, welche im Wege der Photozinkographie fchwarz gedruckt erfcheinen, find treue Reproductionen der Detailaufnahme. Officiere und Unterofficiere erhalten derlei Blätter um den kaum nennenswerthen Preis von fünfzehn Centimes verkauft. Dafs diefe Karten, fowie jene, welche durch die Photolithographie reproducirt find, nicht mit gravirten Karten verglichen werden können, ift einleuchtend. Die dritte Serie bilden die durch Gravur in Stein ausgeftellten Karten im Mafse 1: 40.000. Das ganze Werk diefer Kartenferie wird nach feiner Vollendung aus 72 Blättern von 50 Centimeter Höhe und 80 Centimeter Breite beſtehen. In diefen Karten ift die aequidiftante Schichtenhöhe mit fünf Meter angenommen, die Ifohypfen find alle in gleicher Stärke fchwarz ausgeführt und das Terrain überdiefs reichlich mit Höhencoten bezeichnet. Da in diefen Karten die Ifohypfen alle von gleicher Stärke und fo wie das Gerippe fchwarz ausgeführt find, fo ift man wohl im Stande, fich ein Relief oder beliebig viele Profilsconftructionen zu entwerfen und der Terrainzeichnung an und für fich ift daher entfprochen, allein der Zufammenhang des Terrains, die Formation desfelben, find ftellenweife nicht immer gut lesbar und überfichtlich genug, weil die Blätter manchmal mit Culturdetail überfüllt find, wie dies aus dem Blatt 20( Roulers) und 2* 18 Jofef Zaffauk. 21( Thielt) zu erfehen ift, welcher Umftand am deutlichften dafür spricht, dafs es eine irrige Auffaffung wäre, für die Terraindarftellung unter allen Ver hältniffen nur Schichtenlinien allein in Anwendung bringen zu wollen. Gefchieht diefs aber doch, dann follten diefelben, der Ueberficht wegen, mindeſtens in hervortretender Farbe etwa braunroth gegeben und wenigftens die hunderttheiligen Höhenwerthe, wie fie in den chromolithographifch erzeugten Karten zu finden find, durch eine kräftigere Curve markirt werden; da das Auge diefes Anhaltspunktes bedarf und die fchnellere Orientirung diefes Hilfsmittel fordert. Was endlich die letzte Serie diefer Karten betrifft, fo find diefelben Chromolithographien. Durch den deutfch- franzöfifchen Krieg hat fich abermals herausgeftellt, wie nothwendig es ift, Officiere und Unterofficiere mit leicht verftändlichen und handfamen Karten zu verfehen. Das„ Depôt de la guerre" lieferte nun eine folche Karte in vier Blättern, von denen das erfte Blatt exponirt war. Das Gerippe ift mit Ausnahme des Wegnetzes und der Ortfchaften fchwarz, die Niveau- Curven( 20 Meter hoch) mit Biftre( rufsbraun) eingetragen, jede fünfte ( alfo 100 Meter hohe) Schichte ftärker gehalten und aufser den vielen angegebenen Höhencoten find überdiefs die Theilungsbecken licht nufsbraun, die dominirenden Punkte, Rücken, Kuppen, kurz jene Theile, die gute Defenfivftellungen bieten, blafsroth angelegt. Das Gouvernement hat angeordnet, dafs ein Exemplar von diefer Karte jedem Officier und intelligenten Unterofficier verabfolgt werde. Um endlich den Vorgang beim Farbendruck von Karten anzuzeigen, und um eine Idee von der Vollkommenheit zu geben, welche man mit der Photolithographie erreichte, war vom Depôt de la guerre eine Mappe ausgeftellt. Sie enthielt: Ein Specimen, vorſtellend die Stadt Namur und ihre Umgebungen mit getrenntem Druck in verfchiedenen Farben. Zum Drucke waren fieben Steine erforderlich. Ein zweites Specimen, eine Photozinkographie im Mafse 1: 20.000 und 1: 10.000. Ueberfchauen wir nun nochmals die erzeugten Karten, fo gelangen wir zu dem Refultate, dafs, obgleich keine der verfchiedenen Reproductions- Methoden, welche bei Erzeugung der Karten in Anwendung kommen, neu ift, fich doch immerhin ein Fortfchritt in der Ausführung, eine gewiffe Vervollkommnung in der Technik conftatiren läfst, und dafs daher fämmtliche Karten des Depôt de la guerre fowohl in Bezug auf die techniſche Ausführung, wie nicht minder auf das praktiſche Bedürfnifs als befonders fchätzenswerthe Leiftungen auf dem Gebiete der Kartographie bezeichnet werden können. Dem königlich belgifchen Kriegsdepôt wurde von der internationalen Jury wegen der Leiftungen in der Kartographie, der Benützung der Photographie und des Buntdruckes die Fortfchritts medaille zuerkannt. Dänemark. Bei den Karten des königlich fchwedifchen Ober- Baumeifters Andreas Buraeus de Boo, ftofsen wir auf das erfte kartographifche Werk der jütifchen Halbinfel, die eigentlich nur für Schweden beftimmt, faft alle nordifchen Staaten enthielt und als Grundlage vieler fpäteren Kartenwerke diente. Nach vielfach erfahrenen Verbefferungen fahen fich de Boo's Karten doch bald verdrängt, durch die Karten Dänemarks von Mercator und Blaemo, fowie durch jene der dänifchen Infeln, welche de Witt, Dankret und Homann geliefert hatten. Doch in beiden hatten fich noch immer alte Krebsfchäden aus früheren Karten eingefchlichen und Pontoppidan ift das Verdienft zuzufchrei ben, fie in feinem dänifchen Atlas( 1765) gröfstentheils entfernt zu haben. Diefem T t n e 1 n Militär- Kartographie. 19 um Dänemarks Kartographie hohverdienten Manne verdankt man auch mehrere befondere Karten einzelner Provinzen. In fpäteren Jahren hat die königliche Gefellfchaft der Wif fenfchaften begonnen, von den vollkommenen Karten Dänemarks einzelne Theile in Kupfer ftechen zu laffen, von denen das Amt Kopenhagen auf einem und ein Theil Seeland auf zwei Blättern als die fchönften Exemplare genannt werden müffen. Verlaffen wir jetzt die getreue Klio, die uns diefe Daten an die Hand gab, und wenden wir uns der dänifchen Ausftellung felbft zu. Der officielle Generalkatalog erfpart uns ein langwieriges Suchen, indem er uns in der XII. Gruppe Dänemarks unter der Nummer 256 anzeigt, wohin wir uns zu wenden haben. Das erfte, was wir dafelbft erblicken, ift eine Mappe mit gut gelungenen Photographien und Photolithographien von colorirten Mefsfectionen ( Mappirungsfectionen) im Mafsftabe 1: 20.000, die im Jahre 1869, 1870 und 1871 vom dänifchen Generalftabe angefertigt wurden. Im Mafsftabe 1: 40.000, der nach officiellen Angaben für Pläne der Umgebungen von Städten angewendet werden foll, treffen wir die vom Generalftabe ausgearbeitete und ausgegebene Karte von Jütland. Mit überaus feinem Stich geben fie das Terrain in zehnfüfsigen, äquidiftanten Niveau curven; felbft der Meeresgrund an den Küften erfcheint uns durch vier Horizontal curven markirt, die einen äquidiftanten Abftand von fechs Fufs bezeichnen. Ueber die Tiefe von 24 dänifche Fufse hinaus ift die Meerestiefe durch arabifche Ziffern in Klafterfonden gegeben. Diefe Karte erfcheint in einzelnen in Kupfer geftochenen Blättern, die je einen Flächenraum von fünf Quadratmeilen repräfentiren und eine Breite von 15 d. c.', eine Höhe von 12 d. c.', haben. Sie find insgefammt mit minutiöfer Genauigkeit durchgeführt und dem Umftande mag es wohl zuzufchreiben fein, dafs die im Ganzen mufterhaft durchgeführten Blätter, an einigen Stellen durch grofse Anhäufung von Schichtenlinien, Cultur und Schrift, überladen erfcheinen. Diefer Uebelftand tritt jedoch noch mehr hervor in der vom Generalftabe im Mafs 1: 80.000 ausgegebenen Karte Dänemarks( Generalftabens topografiske Kort over Danmark). Diefe, in der modificirten Flamfteed'fchen Projection erfchienenen Atlasblätter find eine pantographifche Reduction forgfältiger Detailaufnahmen im Mafsftabe 1: 20.000, die auf Bafis einer fehr genauen Triangulirung und reducirter Kataftermappen( 1: 4000) bewerkstelligt wurde. Auf eine Quadratmeile entfielen etwas über oder unter Hundert durch trigonometrifches Nivellement gemeffene Höhenpunkte, welche die Grundlage für die Einzeichnung des Terrains in zehnfüfsigen, äquidiftanten Niveau curven bildeten. War diefe geringe Schichtenhöhe bei den im Mafsftabe 1: 20.000 angefertigten Karten gerade im richtigen Verhältniffe gehalten, fo müffen wir fie in der vierfachen Verkleinerung jedoch, als all' zu gering anfehen; obwohl die Feinheit in der Ausführung eine aufserordentliche ift, würde eine gröfsere Schichtenhöhe doch wefentlich zur leichteren Lesbarkeit der Karten beitragen. Die mehrerwähnten Niveaucurven erfcheinen in den Karten als feine fchwarze Linien, die Gewäffer blau, die Strafsen durch doppelte braun angelegte Linien, Eifenbahnen werden durch eine kräftige Linie mit einer parallelen feinen zu beiden Seiten, fonftige Wege und Fufsfteige durch einfache, geftrichelte Linien gegeben. Durch leicht verftändliche conventionelle Bezeichnungen find Laubund Tannenwälder, Geftrüppe, Sümpfe, Wiefen, Haiden, Lehmboden etc. erfichtlich gemacht. Der Meeresgrund erfcheint ebenfalls in vier fechsfüfsigen Fadenlinien, jedoch über diefe Tiefe hinaus nur mehr mit angegebenen Sonden in Klaftern. Auch ift auf Alterthums-Denkmäler befondere Rückficht genommen und diefe, fowie die einzelnen Kirchspiel- Grenzen auf den Blättern erfichtlich gemacht. Von den Original- Kupferplatten werden galvanoplaftifche Copien angefertigt und können die Karten mit und ohne Abbildung des Bodenreliefs 20 Jofef Zaffauk. ausgegeben werden. Diefe feit dem Jahre 1845 begonnene Karte ift gegenwärtig noch nicht vollendet und es erfcheinen die einzelnen Kartenblätter in zwölf Decimalzoll hohen und fünfzehn Decimalzoll breiten Blättern, die demnach jedes einen Flächenraum von zwanzig Quadratmeilen repräfentiren. Im Mafsftabe 1: 160.000 war die Generalkarte von Seeland. Moen, Laaland und Falfter( 1869) in drei Exemplaren, fämmtliche in Form von Wandkarten ausgeftellt. Die erfte gibt das Terrain in fchwarzen dreifsigfüfsigen Niveau curven, bei der zweiten ift jede dritte durch eine rothe Farbe hervorgehoben, und die dritte endlich läfst die einzelnen Schichtenmäntel von 90 zu 90 Fufs durch Anlegen derfelben mit immer dunkler werdenden Tönen erkennen, fo dafs die Erhebungen von o bis 90 Fufs weifs bleiben und von da bis 450 Fufs in gelber, brauner und rothbrauner Farbe erfichtlich gemacht find. Auch diefe Karte ift mit gröfster Sorgfalt durchgeführt. Dem Generalftabe Dänemarks war für die Leiftungen auf dem Gebiete der Kartographie von der internationalen Jury die Fortfchritts medaille zuerkannt worden. In der dänifchen Abtheilung waren auch gelungene photolithographifche Karten- Reproductionen vom königlich dänifchen Hofphotographen Budtz Mül ler& Comp., fowie des Landesinfpectors Schow präcis und fchön ausgeführte geodätifche und geognoftifche Karten ausgeftellt. England war leider nur durch( John Bartolomew) Schulkarten vertreten. Was die englifchen Befitzungen anbelangt, fanden wir folgende durch Kartenwerke vertreten: Neu- Seeland durch eine Karte der Colonie von Neu- Seeland im Mafsftabe von 1: 760.320, die vom öffentlichen Baudepartement ausgegeben, mit anderen meift geologifchen Karten ausgeftellt wurde. Sie ift in Farben mit lavirtem Terrain ausgeführt und zeichnet fich durch befondere Nettigkeit aus. Nebft mehreren von Dr. Lauder Lindfay ausgeftellten Plänen vom Jahre 1861 bis 1862 fanden wir noch eine von Julius Haaft ausgeführte Recog noscirungskarte der Provinz Canterbury im Mafsftabe 1: 253.440 ( 4 englifche Meilen= 1 englifcher Zoll), die, bei angenommener fchiefer Beleuch tung, das Terrain durch Lavirung plaftifch dargestellt. In Britifch- Indien fanden wir einen, im Auftrage der englifchen Regierung im Jahre 1873 angefertigten lithographifchen Farbendruck aus Madras, darftellend die Berge von Nilgherry mit fchraffirtem Terrain, ferner einen Schichtenplan der Umgebung des Cholavaram See und mehrere andere in Schraffen ausgeführte Skizzen. Dr. Leiter hatte ebenfalls Karten von Oberindien exponirt. Auch fanden wir das Cap der guten Hoffnung vertreten durch Seekarten, Pläne von Gold- und Diamantenfeldern und der Capftadt etc., fämmliche von Herrn Julius Mofenthal ausgeftellt. Frankreich. Auf dem Gebiete der Kartographie erfcheint uns Frankreich als eines der frühentwickeltften Länder Europas. Hier können wir an der Hand der Gefchichte bis in die Mitte des XVII Jahrhundertes zurückfchreiten und ſchon werden uns Kartenwerke vors Auge treten, die uns für jene Zeitepoche wahr haft in Erftaunen fetzen können. Waren auch die Karten von Wilhelm Poftellus, Andreas Thevet, Peter Plantius, Johann Jolivet und die noch älteren von Jollain und Taffin nur die Producte einer Wiffenfchaft, Le h e ft r e e 1. Ce le e ch J. 0 n k e d S S er n - 11 e Militär- Kartographie. 21 die damals noch in den Kinderfchuhen ftak, fo treffen wir bei ihren Nach folgern wie Saufon und Anderen fchon auf einen merklichen Fortfchritt. Aber erft nach der Errichtung der königlichen Akademie der Wiffenfchaften und nachdem die beiden Mathematiker Caffini und de la Hire die Mittagslinie von Paris durch ganz Frankreich beftimmt hatten, erreichten die franzöfifchen Karten einen höheren Grad der Vollkommenheit und wiffenfchaftlichen Werthes. Unter diefen ift die im Jahre 1703 herausgegebene Karte erwähnenswerth, da fie überdiefs auch bereits die Eintheilung des Königreiches in die Gouvernements généraux enthält. " Der fpäteren Kartenwerke wie Rizzi Zannonis Atlas hiftorique de la France" in 50 Blättern, und Bourguignon d'Anville's Karten von Frankreich, welche man in des Abt's de Longuerue„ Description hiftorique et géografique de la France ancienne et modérne" findet, fei weiter keine Erwähnung gemacht. Im Jahr 1750 trat Julien mit einem von C affini de Thury gezeichneten Atlas Frankreichs in 28 Blättern auf, der als das befte Kartenwerk damaliger Zeit angefehen werden kann. Die im Jahre 1774 beim Kupferftecher Bourgon in Paris erfchienene Carte itineraire de la France war fehr erwünſcht, da felbe die Eintheilung in Gouvernements militaires und Provinzen darftellte. Alle genannten Karten übertraf jedoch die fogenannte Carte topographique de la France, beſtehend aus 175 Blättern, welche unter der Direction von Caffini de Thury, Camus und Montigny 1756 angefangen wurden, und von welcher 1775 fchon 104 Blätter im Verlage Julien's fertig waren. Der Uebelftand bei diefer Karte beſteht darin, dafs fie der Gouvernementsund Provinzialeintheilung entbehrt. Und fo wie ein befferes Werk dem anderen folgte, fo hatte auch diefes bald eine Nachfolge gefunden in der 1833 auf Befehl des Gouvernement au dépôt général erfchienenen: Nouvelle carte de France. Sie wurde im Mafsftabe 1: 80.000 angefertigt und ift gegenwärtig noch nicht vollendet. Sie wird durch Correction der älteren Blätter fortwährend ergänzt. Die einzelnen Blätter find das Product der Reduction der Originalaufnahmen des Generalftabes, welche je nach der Benützung der Katafterkarten in Mafsftäben von 1: 20.000 und 1: 40.000 erfolgen, und die Terrainconfiguration durch Conftruction äquidiftanter Niveaucurven und reichhaltiger Höhenmeffungen beftimmen. In den in Kupfer geftochenen, publicirten Blättern treten an die Stelle der Niveau curven Bergfchraffen ( hachures) nach dem etwas modificirten Lehmann'fchen Syfteme. Das topographifche Detail ift mit gröfster Schärfe und Klarheit wiedergegeben. Diefe Karte wird durch Ueberdruck auf Stein zur Herftellung von Departementskarten benützt. Im Jahre 1852 wurde vom Generalftabe eine neue Karte im Mafsftabe 1: 320.000 herausgegeben. Diefelbe ift eine einfache Verkleinerung der vorerwähnten topographifchen Karte. Sie bietet für geographifche und ftrategiſche Intereffen genügendes Detail, für fpecielleren Bedarf wird aber ein grofser Reichthum an Zeichen und Namen der Wohnplätze vermifst. Für die nun in rafcher Folge erfchienenen Kartenwerke wurden als officielle Verjüngungsverhältniffe feftgefetzt: 1: 2000, 1: 2500, 1: 5000 für Befeftigungsanlagen und Specialpläne kleiner Oertlichkeiten, 1: 10.000 für Pläne von Städten nebft Umgebung, 1: 20.000 für die Originalaufnahme des Landes, für Pläne des Uebungsterrains, I: 40.000 für Originalaufnahmen, und zwar für Pläne von Schlachtfeldern, Stadtumgebungen, 1: 80.000 und 1: 320.000 für die officiellen Landkarten. Nach diefer kurzen Abfchweifung wollen wir uns den vom Dépôt de la guerre ausgeftellten Karten felbft zuwenden. Das erfte Blatt, betitelt ,, Environs de Rouen" zeigte uns eine auf heliographifchem Wege erzeugte und auf Stein übertragene 22 Jofef Zaffauk. Vergröfserung im Mafsftabe 1: 50.000, der im Mafsftabe 1: 80.000 erzeugten Karte von Frankreich. Die gelungene Vergröfserung läfst auf den befonders feinen Stich des Originales fchliefsen, da hiedurch feinem artiftifchen Werthe kein Abbruch gethan wird. Diefes Blatt empfiehlt fich durch feine gute Lesbarkeit und die rafche, hiebei billige Methode feiner Erzeugung. Unter Nro. 2 war uns das eben fo lehrreiche als praktiſche Verfahren vors Auge geführt, welches im Dépôt de la guerre zur Correction und Ver vollständigung der Kupferplatten gebräuchlich ift. Als Beifpiel wurde der alte im Mafse 1: 20.000 angefertigte Plan der Stadt Lille auserfehen und auf ihm die Umänderung der alten Befeftigungswerke in ihre jetzige Form und Ausdehnung vorgenommen. Das erfte Kupfer zeigt uns den alten Zuftand des Planes; das zweite zeigt das Auslöfchen derjenigen Theile, welche zur Herftellung des neuen Stiches nöthig waren; im dritten Kupfer fieht man das auf elektrochemi fchem Wege niedergefchlagene Metall in den früher erzeugten Vertiefungen und im vierten Kupfer endlich ift das Metall gefchabt und planirt und die Details der neuen Befeftigungswerke mit dem Grabftichel bereits geftochen. Diefes von George erfundene Verfahren können wir nur als ein fehr gelungenes bezeichnen. Das dritte exponirte Blatt ftellte den Abdruck eines in der Ausfüh rung befindlichen Gebirgsblattes der Karte von Frankreich dar. Man beabfichtigte hiedurch die verfchiedenen Theile der Arbeit hervorzuheben, näm lich den durch Aetzung erzeugten Entwurf und den mit der kalten Nadel beendigten Stich. Auffallend war uns die in diefem Blatte mangelhafte, mitunter naturwidrige Darftellung der Bodenunebenheiten. In einer Glasrahme unter Nro. 4 fanden wir das vorzügliche Specimen von Chromolithographie, darftellend die Umgegend von Cherchell in Algerien. Die Methode beſteht in der Anwendung einer unveränderlichen Anzahl von fünf Steinen, womit man nicht nur die Planimetrie( Gerippe), Terrainzeichnung und Schrift wiedergeben kann, fondern auch alle jene Tonirungen. welche man in geologifchen, topographifchen und anderen handfchriftlichen Karten benutzt. Schwarz verwendet man für die Verbindungswege und Schrift, Blau für die Gewäffer, Roth für Baulichkeiten und Biftre( Rufsbraun) für die Ifohypfen. Durch den fünften hinzutretenden Stein für Gelb ift es dann möglich, alle möglichen Tinten hervorzurufen, indem man die einfachen Farben, blau, gelb und roth ver bindet und ihnen in gewiffen Fällen ein wenig Schwarz oder Biftre zufetzt. Das ausgeftellte Specimen wies acht verfchiedene Farben( Tinten) auf, nämlich vier einfache: fchwarz, roth, blau, biftre; vier zufammengefetzte: hellgrün, dunkelgrün, fienna und violet. Diefe Methode ift erft unlängft vom Kriegsdepot adaptirt. Unter Nro. 5 wurde uns ein neues Vervielfältigungsverfahren vors Auge geführt, welches auf die Gebirgsblätter der Karte von Frankreich 1: 80.000 angewendet erfcheint und nach authentifchen Mittheilungen in Folgendem besteht: Durch das gewöhnliche Verfahren wird ein Ueberdruck der geftochenen Kupferplatte auf einen Stein gemacht. Mit Hilfe diefes Ueberdruckes macht man zwei Wiederdrücke( faux décalques) auf zwei andere Steine. Der Graveur übergeht hierauf auf einem diefer beiden letzteren Steine die Wege, die Schrift und die Gebäude, d. h. alle Zeichen, die im definitiven Abdruck fchwarz erfcheinen müffen; auf dem zweiten diefer Steine übergeht er nur die Gewäffer, für welche die blaue Farbe vorbehalten ift. Alles was nicht fchwarz oder blau erfcheinen mufs, wird auf diefen beiden Steinen ausgelöfcht. Der Ueberdruck wird darauf mit Biftre aufgetragen und ergibt einen Abzug, auf dem alle Details der Zeich nung, Geripp und Terrain in diefer Farbe erfcheinen. Der Abzug wird dann auf den zweiten mit Schwarz aufgetragenen Stein gebracht und erhält alle Wege, Gebäude und Schriften; fchliefslich kommt er auf den dritten mit Blau aufgetra genen Stein und die Operation ift beendigt. 1 e Militär- Kartographie. 23 Wurde das Anpaffen des Abzuges auf den Steinen genügend forgfältig aus. geführt, fo decken die ſchwarzen und blauen Linien und Zeichen genau diejenigen, welche beim erften Abzug in Biftre gedruckt wurden, und das Terrain allein zeigt diefe Färbung. Sticht man auf einem vierten Steine die 20metrigen Schichtenlinien, fo erzielt man durch einen combinirten Druck diefes mit Steinen für Schwarz und Blau, die zur vorhergehenden Operation dienten, einen ftatigraphifchen Druck derfelben Karte. Neben den erften geftellt, erlaubt diefer Abdruck die beiden zur Darftellung des Terrains angewandten Verfahren zu vergleichen und die Vor- und Nachtheile beider Syfteme zu erkennen. Durch die unter 4 und 5 erwähnten Methoden wurden endlich die unter 6 exponirten Blätter erzeugt. Der erfte Druck ift der eines Blattes der Karte von Algerien( Médéah) im Mafse 1: 80.000( Terrain in Schichten). Die zwei anderen Blätter, Modane und Bardonne che, die zufammen die Karte des grofsen Tunnels vom Mont Cenis darftellen, wurden nach der eben unter 5 erwähnten Methode abgedruckt. Durch Abtonung der Farben konnte man es dahin bringen, die Waldungen dunkelgrün( eine Mifchung von Blau und Biftre) anzulegen, ohne die Anzahl der Steine, die aus drei: fchwarz, blau und biftre befteht, zu vermehren. Als letztes Blatt fahen wir eine reichlich cotirte Nivellirungskarte von Frankreich 1: 80.000 in 100metrige Schichten gelegt. Zur leichteren Ueberficht ift hiebei jede vierte Schichtenlinie ftärker ausgezogen. Es ift diefs eine Wandkarte, welche die Reliefbildung Frankreichs recht gut veranfchaulicht. Die Zeichnung wurde auf photolithographifchem Wege in zwei Farben, blau und fchwarz, auf Stein übertragen. Die ganze Karte, aus 6 Blättern beftehend, ift um den geringen Preis von 3 Francs zu beziehen. Die Ausfteller wurden von der internationalen Jury mit dem Ehrendiplome ausgezeichnet: Niederlande. Haben wir fchon bei allen bisher erwähnten Ländern einen erfreulichen und entfchiedenen Fortgang conftatiren müffen, fo ift diefs bei den exponirten niederländifchen Kartenwerken des topographifchen Bureaus noch mehr unfere Pflicht. Hier treffen wir auf wahrhaft vorzügliche Leiftungen, was befonders von den durch Farbendruck erzeugten Blättern gilt. Als Verjüngungsverhält niffe, die für officielle Karten angewendet werden, fanden wir hier folgende Mafse: 1: 25.000 für die feit 1834 begonnenen Originalaufnahmen. 1: 50.000 für die topographifche Karte des Landes, fowie 1: 200.000 für den topographifchen Atlas der Niederlande. Was die im Mafsftabe 1: 25.000 angefertigten Kartenwerke betrifft, fo waren fie auf der Ausstellung durch zwei Blätter vertreten, von denen das eine " Balaclava" als Photolithographie, das zweite die topographifche Karte von S. Gravenhage en Omftrecken" als Chromolithographie auftrat. In beiden Blättern erfcheint das Terrain in Schraffen nach dem Wafferlaufe. Das letztere Blatt von drei Steinen nach der Procedur ,, Eck ft ein" erzeugt und mit typo- autographifcher Befchreibung verfehen. In der Verjüngung 1: 50.000 finden wir die unter 2 erwähnte" Topograph. en militar. Kaart van het Koningrijk der Nederlanden", die, aus 62 Blättern beftehend, fchon im Jahre 1864 vollendet war und feit jener Zeit fortwährend ergänzt und berichtigt wird. Diefe Karten geben wohl das möglichft vollständige Bild, das topographifche Karten überhaupt bieten können. Sie enthalten fämmtliche Ortſchaften, die Städte en detail, die Culturen, alle Communicationen, Meerestiefen etc.; das 24 Jofef Zaffauk. Terrain ift leicht fchraffirt, entbehrt jedoch beigefetzter Höhencoten. Durch ihre fchöne Ausführung, noch mehr aber durch ihre Genauigkeit erfetzen diefe Blätter alle älteren Karten des Landes, wie jene von Krayenhof, Defterbeck u. v. A. Eine Reduction diefer topographifchen Karten ift der topographifche Atlas der Niederlande. Mafsftab 1: 200.000. - Von den ausgeftellten Karten fanden wir ferner im Mafsftabe 1: 100.000 die topographifchen Karten der Refidenzfchaften Samarang und Pocalongan auf Java und jene von Cheribon. In diefen auf chromolithographifchem Wege erzeugten Blättern ift das Terrain durch blaue Curven und durch feine braune Schraffen gegeben, wobei man das Gefetz, dafs die Schichtenlinien ( Horizontalen) von den Schraffen fenkrecht getroffen werden müffen, wenig zu beachten fchien. Die Gewäffer erfchienen blau, das Meer von der Küfte an in zehn verfchiedenen Tönen diefer Farbe abgeftuft; gröfsere Strafsen roth, gewöhnliche Communicationen fchwarz. Auch waren die einzelnen, durch rothe Linien fcharf begrenzten Culturparzellen in verfchiedenen Farben unter einander erficht. lich gemacht, fo dafs z. B. Kaffeeanlagen braun, Zuckerplantagen roth, Waldun gen grau erfchienen. Auch hier trafen wir auf einen reinen präcifen Farbendruck. Das Verfahren hiebei war noch durch drei exponirte Steine und eine beigefügte Erläuterung verftändlich gemacht. Letzterer entnahmen wir ungefähr Folgendes: Diefe von E. H. Eckstein, dem technifchen Vorfteher des topographi fchen Bureaus in Anwendung gebrachte Aetzmethode bezweckt den gleichzeitigen Druck verfchiedener Farbennuancen von flachen Tinten auf mechanifchem Wege zu erzielen, anftatt dasfelbe, wie bisher, durch die zeitraubende Arbeit vorzunehmen, wo man diefe Tinten durch Striche, Punkte oder vermittelft des Kornes lithographifcher Kreide darzuftellen fich bemühte. Die fo erhaltenen Tinten zeichnen fich hauptfächlich durch Gleichmässigkeit, Feinheit, Frifche und Kraft aus, und geftatten die ausgedehntefte Abftufung der Nuancen. Alle Farben und Tinten, welche zu kartographifchen Arbeiten bedingt werden, können von drei, in ihren verfchiedenen Nuancen bearbeiteten Steinen für die blaue, rothe und gelbe Farbe zufammengeftellt werden. Als Probe hiefür liegt die im Mafse 1: 100.000(?) angefertigte Karte eines Theiles der Schweiz( Blatt Interlacken) auf. Diefe ebenfalls mit typo- autographifcher Schrift verfehene Chromolitho graphie enthält die Gewäffer blau, die Communicationen weifs, die Schichtenlinien fchwarz und die einzelnen Schichtengürtel von der Ticfe gegen die Höhe zu in immer heller werdenden braunen und braunblauen Tönen, was dem Ganzen einen reliefartigen Eindruck verleiht. Dasfelbe Blatt erfcheint auch noch im Mafsftabe 1: 75.000(?) bei fchräge angenommener Beleuchtung mit Aequidiftanzen in Licht und Schatten. Die Schichtengürtel gehen ebenfalls gegen die Höhe zu in einen lichteren Ton über. Diefe Methode Eckstein's konnte bis jetzt nur für das topogra phifche Bureau nützlich gemacht werden, obwohl fie fich auch auf Kunftproducte anwenden liefse. Ihre grofsen Vortheile beftehen im Wefentlichen in folgenden Punkten: In der fchnellen und mechanifchen Conftruction der Tinten durch Aetzung; in der Erlangung aller Farben, Linien und Details in gröfster Klarheit und Schärfe von nur drei Steinen, was eine aufserordentliche Erfparnifs an Zeit und Steinen nach fich zieht und den Druck felbft wefentlich vereinfacht und endlich in dem gleichzeitigen Drucken von fehr hellen und dunklen Tönen der felben Farbe, was vorzüglich die Klarheit der hellen Farben befördert. Die hiebei angewendete typo- autographifche Befchreibung wurde zuerft unter der Leitung des General Befier angewendet und erfpart den koftbaren Stich der Schriften, indem fie zugleich mit der fchwarzen Gerippezeichnung gedruckt werden. Als Beiſpiel hiefür die Karte von Haag, welche von drei Farbenfteinen und von einem für fchwarze Schrift und Zeichnung angefertigten Stein abgedruckt ift. re er 0 Militär- Kartographie. 25 Dem topographifchen Inftitut der niederländifchen Regierung zu Haag wurde von der internationalen Jury für die Ausbildung des Eckstein'fchen Aetzverfahrens und deffen Benützung für die Darftellung von Karten die Fortfchritts medaille zuerkannt. 1. h n u n - n . e e S n d d Preussen. In der Nähe der Expofition des königlichen baierifchen topographifchen Bureaus des Generalftabes fanden wir von Carl Flemming aus Glogau in Schlefien ausgeftellt: Blätter der Karte von Tyrol( 1: 200.000) von Hartwig und Handtke; die Karte der europäifchen Türkei( 1: 600.000) von Handtke, ferner als Wandtableau die topographifche Specialkarte von Centraleuropa ( 1: 200.000) von G. D. Reymann. Diefes verdienftvolle Kartenwerk ift im Anfange unferes Jahrhundertes ( 1806) durch den königlich preufsifchen Hauptmann und Plankammer- Inspector G. D. Reymann ins Leben gerufen worden. Nach feinem Tode übernahm der königlich preufsifche Oberftlieutenant und Director des trigonometrifchen Bureaus C. W. Oesfeld die weitere Bearbeitung und feit deffen Ableben ift die Karte in den Befitz der Verlags- Buchhandlung C. Flemming in Glogau übergegangen, und wird unter Leitung des Geographen Handtke fortgefetzt. Auch wir fchliefsen uns dem Urtheile von Sydow an, dafs diefe Karte, obwohl nicht in allen Theilen gleichmäfsig auf die neueften Quellen bafirt und in technifcher Ausführung ungleichmäfsig behandelt, für den Marfch, zum Dislociren, zum Manöveriren und zum Verfolg der Kriegsgefchichte brauchbar ift, überdiefs für andere ſpecielle Zwecke viel werthvolles topographifches Detail enthält. Das Gerippe ift leicht verftändlich, das Terrain fchraffirt mit Höhencoten in Parifer Fufs verfehen, die Schrift gut lesbar. Von der internationalen Jury wurde für die Fortführung und Verbefferung der Reymann'fchen Karte von Centraleuropa Herrn Carl Flemming die Fortfchritts- Medaille, Herrn Handtke für kartographifche Arbeiten die Verdienftmedaille zuerkannt. 1 1 Rufsland. Eine umftändliche Schilderung der alten ruffifchen Karten findet man im fechften Bande des Staatsrathes Müller's Gefchichte des ruffifchen Reiches. Im Jahre 1865 erfchien die damals epochemachende Karte des Amfterdamifchen Bürgermeifters Nicolaus Witfens des„ ,, Norder." und ,, Oftertheils" von Afien und Europa, die später als Bafis zu anderen Kartenwerken benützt wurde, von denen fich die des Eberhard Ysbrand Ides eines ungewöhnlichen Rufes erfreuten. Beffer als vorerwähnten Karten waren die von Ph. Johann von Strahlenberg 1731, die den nördlichen und öftlichen Theil von Europa und Afien darftellten. Der ruffifche Staatsrath Johann Kirillow fammelte die auf Befehl Peter I. von den Feldmeffern an den Senat abgefandten Karten und lieferte 1724 bis 1734 einen Atlas vom ruffifchen Reiche, beftehend aus 14 Blättern und einer Generalkarte. 1739 gab Joh. Mat. Hafe feine tabulam imperii Ruffici et Tartariae univerfal auf Koften der Homann'fchen Erben heraus. Diefes Werk wurde von der St. Petersburger Akademie der Wiffenfchaften verbeffert und auf Grund desfelben 19 Specialkarten von dem ruffifchen Reiche herausgegeben. 1745 erfchien diefes Kartenwerk, das von anderen Staaten als eine Mufterarbeit hochgefchätzt war. Alle Karten von Rufsland, welche nach 1745 in den auswärtigen Ländern herausgegeben wurden, gründen fich auf diefes, fpäter von Georg Gmelin verbefferte Kartenwerk. 26 Jofef Zaffauk. In den erften Regierungsjahren der Kaiferin Katharina II. hat die St. Petersburger Akademie der Wiffenfchaften, die von J. F. Schmidt gezeich neten Karten der einzelnen Gegenden des Reiches in Kupfer ftechen laffen. 1777 erfchien eine neue ruffifche Karte von Trueskott gezeichnet welche nicht nur die Gouvernements- Eintheilung und Staatsgrenzen, fondern auch die zwifchen der nordöftlichen Gegend von Afien und Amerika neu entdeckten Infeln enthielt. Auch ſpäter war im Gebiete der Kartographie viel geleiftet worden, und bald nach den napoleonifchen Kriegen wurden Kartenwerke in Angriff genommen, deren Ausführung den damaligen Zeitverhältniffen nach rühmenswerth waren. Bevor wir zu den exponirten ruffifchen Kartenwerken übergehen, fei der für topographifche Arbeiten üblichen officiellen Verjüngungsverhältniffe Erwähnung gethan. Es finden folgende Verjüngungen Anwendung: 1: 2100 für Pläne zu Befeftigungsanlagen, I: 4200 für Pläne von Lager- und Uebungsplätzen, 1: 1680 und 1: 8400 für Städtepläne, 1; 16.800 und 21.000 für die auf trigonometriſche Netzlegung bafirte Originalaufnahme und für Städtepläne, 1: 42.000 für kriegstopographifche und inftrumentale, fowie halbinftru mentale Aufnahmen, 1: 84.000 für halbinftrumentale Aufnahmen, I: 210.000 und 1: 420.000 für Aufnahmen nach dem Augenmafse und Recognoscirungen, 1: 126.000 für topographifche Karten. Von den exponirten Kartenwerken Rufslands nahmen die vom: Dépôt des topographifchen Corps den erften Platz ein. Befonders hervorzuheben ift die topographifche Karte des europäifchen Rufslands im Mafsftabe 1: 126.000. Von diefem im Jahre 1820 begonnenen, bei 500 Blätter grofsen Werke lagen einzelne ausgeftellt in Glaskäften, während 6 zufammengeftellt als Wandkarte ausgeftellt waren. Sie bilden die directen in Kupfer gefto chenen Reductionen der officiellen Aufnahmen und enthalten das Terrain in Schraffen nach Lehmann'fchem Syfteme, erläutert durch zahlreich beigefetzte Höhencoten. Letzteres ift jedoch nur bei den neueren und neueften Blättern der Fall, da in Rufsland erft im Jahre 1854 mit der Höhenmeffung verfchiedener Punkte begonnen wurde. Diefe Karten weifen auch unbeftritten das fchnellfte Fortfchreiten aller bis jetzt erfchienenen Generalftabs- Karten auf, indem im Anfange der fechziger Jahre jährlich 60 bis 70 Blätter erfchienen. Von ihnen liegen auch noch fehr intereffante Copien bei, die mit der Schnellpreffe auf Hanfpapier durch den anaftatifchen Druck erzeugt, fich dennoch durch grofse Reinheit auszeichnen. Auf der vorliegenden, wie auf den meiften ruffifchen Karten, ift die geographifche Länge nach dem Meridian des Obfervatoriums Pulkowo beziffert; dasfelbe hat eine Länge= 27° 59' 30 65" öftlich von Paris, alfo in runder Summe 28 Grad öftlich von Paris oder 48 Grad öftlich von Ferro. Die Befchreibung diefer fowie überhaupt aller ruffifchen Karten ift in cillirifchen Buchftaben bewirkt. Die Specialkarte des europäifchen Rufslands im Maßse 1: 420.000, ein Werk, das aus 145 Blättern befteht, war in drei Exemplaren vertreten. Das erfte Exemplar, ein von Oberft Strelbitzky gelieferter Kupfer druck, gibt das Terrain in braunen Schraffen, die Schrift und das Gerippe fchwarz. Diefes fonft fo vorzügliche Werk leidet an theilweifer durch die Befchreibung verurfachten Ueberladung. Die zweite Auflage diefes Werkes zeigte uns dasfelbe als einen ebenfo gefchmackvollen als fcharf ausgeprägten Farbendruck. Das dritte Exemplar erfchien als gut gelungener Ueberdruck auf Stein, der, was reine Ausführung anbelangt, wohl nichts zu wünſchen übrig läfst. Das Nächfte, was nach diefen grofsen kartographifchen Werken unfere Aufmerkfamkeit erregte, waren gut gelungene und nett ausgeführte chromolitho die ch 77 cht en lt. en Iswir he Es te u. d St en er llt in te er er te e ch r , 0 n Militär- Kartographie. 27 graphifche Pläne von St. Petersburg, Tzarfkoe Selo, Pawlofk und Oranienbaum, fowie die im Mafsftabe 1: 840.000 ausgeführte, chromolithographifche Karte des Kaukafus, die in fechs Blättern vertreten, das Terrain ebenfo wie die meiften anderen in braunen Schraffen hervorhebt. Wie weit Rufsland in der Kartographie vorgefchritten ift, zeigten feine Heliogravuren, die nach dem Syfteme Mariotte erzeugt wurden, ferner feine photographifchen Reductionen. Von erfteren fanden wir im Mafsftabe 1: 100.000 und 1: 126.000 ausgeführte Reductionen der Original Aufnahmsfectionen von Befsarabien. Ferner die im Mafsftabe 1: 42.000 in drei Farben angefertigte Reduction der Aufnahmsfectionen von Finnland, welche letztere das Terrain in braunen Schichtenlinien, die Gewäffer blau geben, fo wie jene von Kokan. Von photographifchen Reductionen ift der im Mafsftabe 1: 25.200 im Jahre 1872 angefertigte und durch Handarbeit colorirte Plan von Tafchkend der ebenfalls colorirte Plan von Khiwa und jener von Samarkand aus dem Jahre 1871 und fchliefslich das Gebiet von Kuldfcha zu erwähnen. Letztere enthält das Terrain lavirt und ohne Coten. Von fonftigen ausgeftellten Karten find befonders erwähnenswerth die Karte von Turkoftan( 1872) Krasnowo dfk und jene des Amu- darja ( Oxus) Flufsbettes, fowie nicht minder die im Jahre 1873 angefertigte Karte eines Theiles des transcafpifchen Gebietes. Eine Karte von Centralafien im Mafsftabe 1: 420.000 war ebenfalls ausgeftellt. Aufser den bis jetzt erwähnten topographifchen Karten fanden wir noch das finnländifche geodätifche Centralbureau zu Helfingfors durch eine Generalkarte von Finnland vertreten. Wir müffen es als ein befonderes Verdienft betrachten, dafs Rufsland, obgleich durch kriegerifche Unternehmungen hiezu gezwungen, durch Aufnahme unerforfchter Gegenden in Klein und Centralafien in geographifcher Beziehung uns die Kenntnifs neuer Gebiete erfchliefst und die Kartographie diefer Art durch werthvolle Publication bereichert. Die vorzüglichen Arbeiten des photographifchen Depôts wurden durch das Ehrendiplom, die topographifche Abtheilung des Generalftabes in Tiflis für die technifche Ausführung der Karten vom Kaukafus durch die Verdienft- Medaille, die des Generalftabes in Tafchkend für die Leiftungen der Kartographie Centralafiens durch das Anerkennungsdiplom ausgezeichnet und der Werth derfelben in jeder Richtung hiedurch anerkannt. Schweden. Diefes Reich erfchien früher theils auf den allgemeinen geographifchen Karten der nordifchen Reiche, theils auf befonderen Blättern dargestellt, unter welch' letzteren die Karte von Andreas Buräus den Grund der neueren bildet, welche de Witt, Homann, Seutter und Boudet geliefert haben. Mehrere Specialkarten von fchwedifchen Landfchaften hat Homann aus dem Blaeui'fchen Atlas entnommen. Auf Staatskoften waren bereits im Anfange desXVII. Jahrhundertes von der fogenannten Landmefferei geographifche und geometrifche( ökonomifche) Pläne veröffentlicht, doch wurden erftere damals durch eigenthümliche Verhältniffe derart vernachläffigt, dafs feit dem Jahre 1789 keine geographifche Karte in die Oeffentlichkeit kam, bis Baron Hermelin mit geringer Staatsfubvention und mit Aufopferung feines bedeutenden Vermögens theils felbft, theils durch eine von ihm gebildete Gefellfchaft über fämmtliche Läne in Schweden und Finnland in Kupfer geftochene Karten anfertigen liefs. Diefe Karten fammt Druckplatten brachte der Staat käuflich an fich, errichtete zur Fortfetzung der Arbeiten 1805 ein Feld vermeffungs Corps, das feit 1831 unter dem Namen topographifche Corps einen Theil des Generalftabes bildet und mit der Anfertigung vollständiger und richtiger Karten betraut ift. 28 Jofef Zaffauk. Bei den Karten ift die konifche Projectionsmethode angewandt. Der Kegelmantel, durch deffen Ausbreitung man die Kartenfläche erhält, fchneidet die fphäroidifche Erdkugel längs zweier Parallelen 56° 57' 31'5" und 64° 22' 59'5". Der gröfste Projectionsfehler beträgt 0.0021 und ergibt fich bei den angenom menen Grenzlatitüden im Norden und Süden- 65° 50' 20'4" und 55° 21' 19'4"- fowie auch bei dem Breitengrade, der gleich ift, mit der halben Anzahl Grade des Kegelwinkels= 60° 44' 29'6". Als Hauptmeridian ift der fünfte Grad angenommen worden, welcher weftlich vom Stockholmer Obfervatorium dahinzieht. Eine vom topographifchen Corps und der Akademie der Wiffenfchaften zu Stockholm mit Präcifion ausgeführte Triangulirung im füdlichen und mittleren Schweden, deren Stützpunkte die Obfervatorien in Stockholm und Lund find. liefert für die Kartenwerke eine Anzahl Punkte 1., 2. und 3. Ordnung. Das nördliche Schweden war bis dato arm an Ortsbeftimmungen, doch werden bereits jetzt von der Seekarten- Behörde und dem topographifchen Corps Winkelmeffungen in einem Triangelnetze bewirkt, das in der Nähe von Hapa randa von dem Netze der ruffifch- fkandinavifchen Gradmeffung ausgeht und der weftlichen Küfte des bottnifchen Meerbufens folgt. Die Lage des Netzes ift durch Azimuthbeftimmungen fixirt. Von den Grundlinien( Bafis) find drei auf dem Eife, überdiefs noch fünf andere vermeffen worden, die der Genauigkeit Rechnung tragen. Von diefen fünf ift die erfte im Jahre 1840 vom topographifchen Corps mit einem Apparat Beffel's, drei im Jahre 1863 von der Akademie der Wiffenfchaften für die europäiſche Gradmeffung mit einem etwas veränderten Apparate von Struve und eine 1870 vom topographifchen Corps mit dem zuletzt erwähnten Apparate gemeffen worden, wobei die Polhöhe mehrerer Triangelpunkte ebenfalls ermit telt wurde. Höhenmeffungen waren zur Genüge bewirkt und beziehen fich auf den mittleren Wafferftand im Kattegat und der Oftfee, der in einem Zeitraume von 50 Jahren durch tägliche Obfervationen bei Leuchtthürmen mit Genauigkeit ermittelt worden war. Bei den fchwedifchen Karten finden folgende officielle Verjüngungsver hältniffe Anwendung: Für Pofitions- und ſpecielle Karten einzelner Gegenden: 1: 10.000, I: 20.000, für Conceptkarten( Mappirungs- Sectionen) 1: 50.000; für die Specialkarten 1: 100.000%; für die Provinzkarten I: 200.000; für die Generalkarten I: 1,000.000. Die Landesaufnahme für militärifche Zwecke wird durch fogenannte Recognoscirungs- Abtheilungen, jede aus 10 bis 12 Officieren, unter Direction eines Topographen- Officiers, auf Grund reducirter ökonomifcher( Kataftral-) Karten in dem Mafsftabe 1: 50.000 ausgeführt. Zu diefem Zwecke ift jeder Recognoscent mit den nöthigen Mefsinftrumenten und fonftigen Mefs- und Zeichenrequifiten verfehen. Urfprünglich gefchah die Aufnahme in dem Mafse 1: 100.000. Das ganze Küftenland und ein grofser Theil des mittleren Schwedens( ein Gebiet von beinahe 3000 Quadratmeilen) find in diefem Mafsftabe mappirt. Vom Jahre 1844 wird jedoch die Mappirung, wie früher erwähnt, im Mafse 1: 50.000 bewerkstelligt, da man zur Ueberzeugung gelangte, dafs ein Land mit fo aufserordentlich zerftückelten Terrainformen, wie Schweden, unmöglich durch die Verjüngung 1: 100.000 genau und vollständig darzuftellen wäre. Die Unebenheiten des Terrains mit all' feinen Bedeckungen und militärisch wichtigen Objecten werden nach einem beftehenden officiellen Zeichenfchlüffel genau eingezeichnet, Böfchungswinkel gemeffen, Höhenpunkte ermittelt und letztere mit Berücksichtigung der bereits bekannten, abfoluten Höhen berechnet. Im Durchfchnitte entfallen auf eine Quadratmeile 20 Höhenpunkte. er Let m- P le ad t. en en d. ch DS a. er nf en at ie ve te it. on it r- 0₁ te es in it m. ze e d a en ch el e 1. Militär- Kartographie. 29 Die Terrainunebenheiten find durch Horizontalfchraffen( Curven von ungleicher Breite und Entfernung) oder durch Falllinien( Schraffen nach dem Wafferlaufe) zum Ausdrucke gebracht; erftere werden bei nacktem Felsboden, letztere bei Erdböfchungen angewendet. Die Angabe der Böfchungsverhältniffe richtet fich fowohl in Fels-, als in Culturboden- Partien nach der vorgefchriebenen Schattirungsfcala( Tonfcala). Die Bezeichnung der Land communicationen, Gewäffer, der localen Verhältniffe, kurz des Gerippes, ift ähnlich jener unferer Karten und Pläne. Waldungen find, wie in den meiften Staaten, wenn fie aus Laubholz beftehen, durch kleine Kreife, wenn es Nadelholz wäre, durch Sternchen angezeigt Der Waldrand wird nicht näher bezeichnet, erfcheint aber defsungeachtet markirt. Die Gröfse, Gattung und Lage der Schrift ift verfchieden und richtet fich nach der Wichtigkeit der Gegenftände. Gleichzeitig mit der Aufnahme werden topographifche, ftatiſtiſche und militärifche Befchreibungen verfafst. In der Weltausftellung waren photographifche Copien zweier Conceptblätter zu fehen. Jedes Conceptblatt ift 20 fchwedifche Zoll lang und 15 Zoll hoch und aus 25 im Felde benutzten Mefstifch- Blättern zufammengefetzt, welche letztere 4 Zoll lang und 3 Zoll breit find. Mit Hilfe der Conceptblätter werden die Specialkarten- Blätter angefertigt, indem man die Conceptblätter mit dem Pantographen in das SpecialKartenmafs reducirt, vollkommen ausarbeitet und in Kupfer ftechen läfst.* Die Specialkarten- Blätter find vom Hauptmeridian an gegen Often und Weften mit römifchen Ziffern und vom Perpendikel diefes Meridians bei 72 Grad gegen Süden mit arabifchen Ziffern numerirt, aufserdem die öftlich liegenden mit O( Oefter), die weftlich liegenden mit V( Vefter) bezeichnet. Jedes Blatt enthält als Auffchrift den Namen einer im Blatte erfichtlichen Stadt oder eines wichtigen Punktes. Aufserhalb der Kartenränder find die Benennungen der Nachbarländer angebracht. Jedes Blatt ift 2 fchwediſche Fufs lang und 12 Fufs breit. Der Kartenrand( Gradnetz) enthält eine Eintheilung von 10 zu 10 Minuten. Vierzehn gravirte Blätter der Specialkarte, die erft nach der Weltausftellung zu Paris erfchienen find, waren ausgeftellt. In diefen, in der That vortrefflichen Karten, erfcheinen mit Ausnahme der gröfseren, blau gezeichneten Gewäffer, das Terrain und Gerippe fo wie in den Conceptblättern, jedoch durchgehends fchwarz dargeftellt; überdiefs find die gemeffenen Meerestiefen durch liegende, arabifche Ziffern bezeichnet. Die punktirten Linien im Meere zeigen Tiefen von 10 und 20 fchwedifchen Fufs an; die Ziffern zwifchen den punktirten Linien die Tiefen in Fufs, die Ziffern aufserhalb der punktirten Linien die Tiefe in Faden an. Die deutlich zu unterfcheidende Signatur, eine markirte Bezeichnung der wichtigeren Communicationen und fonftiger Gegenftände, von den minder wichtigen, eine plaftifche mit künftlerifcher Auffaffung und vielem Detail gegebene Darftellung der Bodenunebenheiten dürften auch einem Laien beim Lefen diefer den militärifchen Anforderungen entſprechenden und ſchön ausgeführten Karten in keine Verlegenheit bringen. Von diefer Karte find bereits 26 Blätter in Kupfer geftochen. Künftig dürfte aber, anftatt des ebenfo zeitraubenden, als auch koftfpieligen Stiches der Karten in Kupfer, das topographifche Corps feine Karten im Wege der heliographifchen Procedur nach Mariott erzeugen. Von dem feit dem Jahre 1832 begonnenen Kartenwerke im Mafsftabe 1: 200.000, welches einzelne Läne darftellt, erfcheinen auf Befehl des Königs feit dem Jahre 1872 keine Blätter mehr. Zehn Läne find auf 15 Blättern erfchienen; * In Schweden erfchien das erfte Kupferftich- Werk( ein Wappenbuch) bereits 1650. Derzeit fand der Kupferftich beinahe ausfchliefslich für kartographifche Arbeiten Anwendung. 30 Jofef Zaffauk. es find fehr nette Kupferftiche und bieten ein reichhaltiges Materiale für den Topographen. Die Generalkarte 1: 100.000 ift feit dem Jahre 1851 in Ausarbeitung. Sie wird in drei Blättern erfcheinen. Ein Blatt( Kupferftich) ift bereits der Oeffent lichkeit übergeben und war in der Weltausftellung zu fehen. Das Blatt, den füdlichen Theil Schwedens vorftellend, bietet vom Terrain und Gerippe Alles, was man von einer Karte in diefem Mafsftabe beanfpruchen darf, beurkundet eine zweckmäfsige Anordnung in der Anfertigung und richtige Wahl desjenigen, was in der Karte noch aufzunehmen und was wegzulaffen war. Diefe Karte gehört zu den fchönften topographifchen Arbeiten. Der Kartenrand hat eine Eintheilung von Grad zu Grad. Das topographifche Corps arbeitet überdiefs für militärifche Zwecke Kartenwerke in gröfseren Mafsftäben aus. Derlei Pläne werden aber geheim gehalten. Die Seevermeffung und deren Zufammenhang mit der Küftenauf nahme fowie die Vervielfältigung und die Veröffentlichung der darauf bezüglichen Kartenwerke beforgt die königliche Seekarten- Behörde, welche dem Chef des Departements der Seevertheidigung untergeordnet ift. Die Seevermeffungs- Karten über die Küften, Skären und Landfeen werden im Mafsftabe 1: 20.000, ausnahms weife I: 10.000 entworfen. Zum Beften der allgemeinen Schifffahrt werden Pafskarten in Mafs ftäben zwifchen 1: 300.000 und 1: 550.000, Küftenkarten von 1: 200.000 bis 1: 250.000 und Specialkarten von 1: 50.000 bis 1: 100.000 angefertigt. Die exponirten geologifchen Karten über das öftliche Dalsland und einen Theil Weftgothlands, der Umgebung des Mälar- Sees, dann die Ackermann'fchen Niveau- und Nivellirungskarten und hydrographi fchen Karten, ferner die Dislocationskarte von Grill( 1848), find meift auf Bafis topographifcher Kartenwerke entworfen und nett ausgeführt. Im Lande wird auch von Einzelnen eine recht bedeutende, lobenswerthe kartographifche Thätigkeit entwickelt, fo von Major A. Hahr, Lieutenant Ment zer, Ahrmann, Frefe, Stjernftrom, Weftrell, Albin und Nordbeck, Peterfon etc. die fich auch theilweife an der Expofition betheiligten. Schliefslich fei bemerkt, dafs nach Befchlufs des Königs und des Reichs rathes noch im Laufe diefes Jahres das Topographencorps aufgelöft und dem Generalftabe, der einer Reorganifirung entgegenfieht, die weitere Kartenerzeugung zugewiefen wird. Dem königlich topographifchen Corps, fowie dem königlichen SeekartenComptoir in Stockholm wurde in gerechter Würdigung der kartographifchen Arbeiten von der internationalen Jury die Fortfchrittsmedaille zuerkannt. Schweiz. Ueber die älteren Karten fehlen fichere Nachrichten. Johann Jacob Scheuchzer, Doctor der Arzneiwiffenfchaft und Profeffor der Mathematik in Zürich hat auf Grundlage einiger Unterfuchungen und Arbeiten eine grofse Karte von 4 Blättern verfertigt und 1712 in Kupfer ftechen laffen. Peter Scheuk, Jaillot, Convens und Mortier haben diefe fchätzbare Karte nachgeftochen. Profeffor Tobias Mayer hat eine ziemlich gute Karte der Schweiz entworfen, die von den Homann'fchen Erben als Kupferftich 1751 veröffentlicht wurde. Von anderen verdienftvollen Kartenwerken feien jene von Philipp Buache, Emanuel Haller und Leonhard Ziegler erwähnt. - die aus Vom eidgenöffifchen Stabsbureau in Bern waren nebft zwei Handzeichnungen Terrain ftudien von Bètemps und Stryinsky 25 Blättern beſtehende topographifche Karte der Schweiz, im Mafsftabe 1: 100.000, vermeffen und herausgegeben unter Aufficht des Generals Dufour ( 1842 bis 1864), ausgeftellt. In letzterer Karte ift das Terrain mit Zugrunde en no Die ntd. as me as zu ng enP en es en S fs. 00 gt. nd lie ift he تھے نہ ہے S em ng n. en t. bb in te k₁ n. ie On el ei De I e. Militär- Kartographie. 31 legung der fchiefen Beleuchtung fchwarz fchraffirt, Gletfcher find durch Elemente von Horizontallinien, Felfen durch fenkrecht gekreuzte Striche dargestellt. Durch die Anwendung der fchrägen Beleuchtung wird allerdings ein hübfches Reliefbild hervorgebracht und mehr Effect erzielt, als diefs bei der fenkrechten Beleuchtung ftattfinden kann, allein fie hindert die geometriſch richtige Darftellung und geftattet keine Beurtheilung der Höhen- und Böfchungsverhältniffe. Der durch die Schraffentonirung beabfichtigte Vortheil, den Böfchungsgrad anzuzeigen, geht verloren, indem die Tonirung mehr dem Schatteneffecte als dem Böfchungsausdrucke dienen mufs. Diefe Manier kann bei einem Gebirgsterrain, das naheliegende, grofse relative Höhenunterfchiede und ftark markirte Formen enthält, Effect machen, doch bei der Darftellung des flachen Terrains ift diefe nicht anwendbar, denn ihr einziger Vorzug, das Bodenrelief effectvoll hervortreten zu laffen, kommt dabei nicht zur Geltung. Die ausgeftellte Generalkarte der Schweiz im Mafse I: 250.000, beftehend aus 4 Blättern, ift eine Reducttion vorerwähnter Karte, und auch in derfelben Manier ausgeführt. Von dem feit dem Jahre 1869 in Angriff genommenen topographifchen Atlas der Schweiz im Mafsftabe der Originalaufnahmen, das ift 1: 50.000 für das Hochgebirge und 1: 25.000 für die Ebene und den Jura, waren 36 Blätter in einer Mappe aufgelegt. Die einzelnen Blätter find o 35 Meter lang, o'24 Meter breit; der Kartenrand der einzelnen Blätter im Mafse 1: 50.000 ift von 30 zu 30 Secunden, im Mafse 1: 25,000 von 10 zu 10 Secunden eingetheilt, überdiefs enthalten die Blätter auch eine Eintheilung nach rechtwinkeligen Coordinaten, die fich auf den Meridian und Perpendikel des Obfervatoriums von Bern beziehen. Die Kartenfläche ift im Quadrate von 6 Centimeter getheilt, entſprechend einer Länge von 1500 Meter in gröfserem und 3000 Meter in kleinerem Mafsftabe. Die Lage der Netzpunkte der geographifchen Längen- und Breitengrade ift nach der modificirten Flammfteed'fchen Methode berechnet. Die Gerippezeichnung ift mit Ausnahme der blau dargestellten Gewäffer fchwarz ausgeführt. Das Terrain ift in der Regel durch braune Curven dargestellt. Es finden jedoch einige Ausnahmen ftatt, und zwar werden die kleinen Böfchungen und Einfchnitte, die Erdriffe und Schlipfe, das heifst Formen, welche die Aequidiftanz nicht durch Curven auszudrücken erlauben, durch braune Schraffen bezeichnet. Der von Erde und Vegetation entblöfste Felsboden wird durch fchwarze Horizontalcurven dargestellt, infoferne es der Böfchungsgrad noch geftattet, während die Felsmaffen und Felswände, die wegen ihrer Steilheit die Zeichnung der Curven in der gewählten Aequidiftanz nicht zulässig machen durch fchwarze Schraffen ausgedrückt werden. Gletfcherpartien gelangen durch blaue Curven zum Ausdrucke. In der Regel ift jede zehnte Curve punktirt und an paffender Stelle mit ihrer Höhenzahl in brauner Farbe bezeichnet. Punktirte Curven werden überdiefs noch angewendet, um den Anfang und das Ende von Böfchungen zu markiren, ferner als Zwifchencurven, um kleinere Terrainbewegungen zum Ausdrucke zu bringen. Die fchwarzen Höhenzahlen beziehen fich auf Punkte, bei welchen fie ftehen; fie geben in Metern die abfolute Höhe. Die Schichtenhöhe beträgt 30 Meter für den Mafsftab 1: 50.000 und 10 Meter für den Mafsftab 1: 25.000 und nur in einzelnen Ausnahmsfällen find 8 bis 4 Meter gewählt worden. Die Schrift wechfelt in Gröfse und Gattung, ftehend oder liegend, nach der Wichtigkeit der Gegenstände. Für den Stich der Blätter im Mafse 1: 25.000 wurden Kupferplatten gewählt, weil fie die mit der Zeit nothwendigen Aenderungen und Nachträge leichter geftatten. Die Blätter im Hochgebirge 1: 50.00, wo weniger Veränderungen vorkommen, werden auf Stein gravirt. 3 32 Jofef Zaffauk. Unbeftritten nehmen die Blätter diefes Atlaffes, was Lesbarkeit und Deutlichkeit anbelangt, unter allen exponirten Schichtenkarten den erften Platz ein. Das eidgenöffifche Stabsbureau wurde von der internationalen Jury für die Leiftungen auf dem Gebiete der Kartographie mit dem Ehrendiplome ausgezeichnet. Von den Privaten haben achtungswerthe Leiftungen auf dem Gebiete der Kartographie vorgeführt die Firma Wurfter, Randegger& Comp. aus Winterthur und die geographifche Anftalt Mühlhaupt& Sohn in Bern. Die von der erfteren Firma ausgeftellten Pläne und Karten zerfallen in vier Hauptgruppen: in Kataftralpläne, topographifche Karten, geologifche Karten, und Schulkarten. Von den vielen topographifchen Karten, welche diefe Firma exponirt hatte, ift befonders zu bemerken die Karte des Cantons Glarus ( 1: 50.000), ausgeführt auf Grundlage der eidgenöffifchen Vermeffungen mit befonderer Bearbeitung des Terrains in brauner Schraffirung in Verbindung mit Ifo. hypfen und unter gleichzeitiger Berücksichtigung der geologifchen Verhältniffe. Sehr hübfch ift ausgeführt: die Ueberfichtskarte des Glenner Sammel gebietes( 1: 50.000), auf welcher das Terrain in 30metrigen Ifohypfen nebſt brauner Lavirung zum Ausdrucke gelangt. Zu erwähnen bleiben noch die von der Firma exponirten netten Vorlagen zum Studium der Terrainlehre und Terrain darftellung. Die geographifche Anftalt von Mühlhaupt& Sohn hatte unter anderen recht hübfchen Karten insbefondere eine Karte der Schweiz von Leuzinger ausgeftellt, auf der das Terrain unter Anwendung der fchiefen Beleuchtung durch fohypfen und Schraffen darge ftellt ift. Spanien. Die befte der Karten diefes Landes, welche vor dem Anfange des XVII. Jahrhundertes herausgekommen waren, ift jene, welche Gerard nach den Anmerkungen des Profeffors Andreas d'Allmada gezeichnet hatte. Später wurde diefe Karte verbeffert von Sanfon d'Abbeville, David Funk, Nikolaus Fifcher und Franz de Witt. Wilhelm de l'Ifle bildete die von Rodrigo Mendez de Silva verfertigte Karte nach und liefs fie durch Matthäus Seutter ftechen. Die Homann'fchen Erben gaben ebenfalls ziemlich gute Karten von Spanien und Portugal heraus. J. L. Kollius Karten von Spanien bilden einen eigenen Atlas. Bourgignon d'Anville hat fein Théâtre de la guerre d'Efpagne nach den Arbeiten des Abtes Vayrac Etat préfent de l'Efpagne" verfertigt. Alle diefe Karten bedurften jedoch eingehender Verbefferungen. Gute Arbeiten erſchienen von dem Jefuiten Franciscus Ant. Caffaus, ferner die Mapa del reynando de Sevilla, welche der Ingenieur Franz Llobet unter Aufficht des Markgrafen von Pozoblanco gezeichnet hat. Aparici und Graf von Darnius verfertigten von der Provinz Cataluna brauchbare Karten, welche dann durch Markus Lomelin 1826 nachgeftochen wurden. Verläfsliche kartographifche Arbeiten erfchienen über die verfchiedenen Bisthümer, wie z. B. von Zaragoza, Cordova, Cartagena etc., welche 1761 in Kupfer geftochen wurden. Thomas Lopez gab 1760 von den einzelnen Landfchaften Spaniens Specialkarten heraus, von denen befonders nennenswerth erfcheinen die Mappa de las carreras de poftas von 1760, die Karte der Umgebung von Madrid, die Königreiche Cordova, Jaen, Valencia, Granada, Aragon, Eftremadura etc. zu je einem bis fünf Blätter. Ferner hatte derfelbe auch 1770 eine Mappa general de Efpaña( 1: 400.000) auf einem Blatte geftochen herausgegeben, welche die damalige neuefte Ländereintheilung enthielt. Die Lopez'fchen Karten waren weder alle von gleicher Güte noch insgefammt verlässlich, doch für die Anforderungen jener Zeit von it. n. ür me er us n. in n, a 0. 1. ſt n n h S 1 r 1 a t Militär- Kartographie. 33 nicht geringem Werthe. Als Reifekarten gab Lopez den Atlas geographico del regno de Efpaña e Islas adjacentes in kleinem Tafchenformat zu Paris heraus. Während die Kriege zu Anfange des XIX. Jahrhunderts die Entfaltung einheimifcher kartographifcher Thätigkeit zurückhielten, forderten fie das Ausland mehrfach zu modernifirten Reproductionen der alten Lopez'fchen Karten auf, die hie und da ergänzt und durch den Krieg felbft bereichert wurden. Seit dem Jahre 1848 ift das Kartenwerk des Franz Coello ,, Atlas de Efpaña y fus Pofefiones de ultramar"( 1: 200.000) in Angriff genommen, jedoch nicht vollendet worden. Die Karten find eine zehnfache Reduction der Specialaufnahme. Die technifche Ausführung in Kupferftich ift infofern nicht gleichmässig, als die älteren Blätter an Schärfe und Deutlichkeit den neueren um Vieles nachftehen. Das Terrain gelangt durch horizontale Schraffen zum Ausdrucke. Als officielle Verjüngungsverhältniffe find beftimmt: 1: 500 für Städtepläne, 1: 2000 für Detailpläne, 1: 20.000 für die Specialaufnahme, 1: 200.000 und 1: 500.000 für Karten. Unter den exponirten fpanifchen Kartenwerken fei der militärifchen Strafsenkarte( Chomolithographie) Erwähnung gethan, die vom Depofito della guerra veröffentlicht wurde. Im Maafsftabe 1: 500,000 angefertigt, bietet fie alles ihrem Zwecke Entfprechende. Sie enthält kein Terrain, gibt die Städte und Dörfer einfach in conventionellen Bezeichnungen, läfst die Flüfse blau, die Strafsen und Wege roth hervortreten und weift uns das gefammte Eifenbahn- Netz fchön und überfichtlich ausgeführt auf. Nicht fo fehr können wir Jofé Fores Karte von Spanien und Portugal loben, was die Terraindarftellung anbelangt, da diefe unfchön, raupenartig erfcheint. Schliefslich fei noch eine fehr fchöne und äufserft gelungene Handzeichnung erwähnt, die uns unter dem Titel„ Plano general de la ria de Bilbao y de los ferro carriles mineros en fus immediaciones" in der Marine- Ausftellung auffiel. Diefer im Mafsftabe 1: 20.000 in Farben aus geführte Plan, läfst, was die Plaftik des durch die Lavirung gegebenen Terrains anbelangt, wenig oder gar nichts zu wünſchen über. Dem Depofito della guerra war von der internationalen Jury für die militärifche Kartographie und andere militärifche Leiftungen die Fortfchritts- Medaille zuerkannt. Türkei. Dem fühlbaren Mangel fyftematifcher und zufammenhängender Landesaufnahmen der Türkei mag es wohl einzig und allein zuzufchreiben fein, dafs bisher alle Kartenwerke über den Südoften Europa's den Anforderungen der Neuzeit nicht mehr genügen konnten. Nur theilweife fcheint diefem Uebelftande durch einzelne Karten, die uns auf dem Rundgange durch die Ausftellungsräume der verfchiedenen Länder ins Auge fielen, abgeholfen zu fein, obgleich auch bei diefen nicht jener Mafsftab angelegt werden kann, den wir für Karten mit geodätifcher Grundlage anzunehmen gewohnt find. Unter ihnen wäre befonders zu erwähnen: Handtke's Specialkarte der europäifchen Türkei in 18 Blättern( 1: 600.000), die jedoch noch nicht vollendet ift; die Karte der europäifchen Türkei von Scheda in 13 Blättern im Farbendruck; ferner die von den Originalaufnahmen öfterreichifcher Officiere im Jahre 1856 und 1857 reducirte Karte der Walachei, welche 1865 in fechs Blättern im Mafsftabe 1: 288.000 erfchien; die Generalkarte von Bosnien, 1: 400.000 in vier Blättern von Hauptmann J. Rośkiewicz, vom Jahre 1865, welche für die Neuzeichnungen diefer Provinz zumeift die Grundlage abgab. In der türkifchen Abtheilung trafen wir auch zwei neue Kartenwerke, jedoch nur Handarbeiten, wovon die eine die volkswirth fchaftlichen Verhältniffe des ottomanifchen Reiches, die andere als General3* 34 Jofef Zaffauk. karte die europäifche Türkei zur Anfchauung bringt. Beide wurden auf Anregung und unter Leitung des Herrn Ritter v. Schwegel, auf Koften des Baron Hirfch v. Gereuth von dem k. k. öfterreichifchen Hauptmann J. Stuchlik und Oberlieutenant P. Moretti in der kurzen Zeit von fünf Monaten entworfen und gezeichnet. Sie find in Farben mit braun gefchummertem Terrain ausgeführt. Namentlich ift es die Culturkarte, die auf Grundlage mehrerer ebenfalls ausgeftellten türkifchen Karten, den Plänen der Eifenbahn- Ingenieure, den beftehenden geographifchen Werken und Reifebefchreibungen über die Türkei etc. im Mafsftabe 1: 1,000.000 zufammengeftellt wurde, und die einzelnen Culturgattungen, wie Oliven, Zitronenhaine, Maulbeer-, Rofen-, Baumwoll- Pflanzungen etc. durch conventionelle Farben erfichtlich und ihrem befcheidenen Namen„ Skizze, fowohl was manuelle Ausführung, als auch den Totaleindruck der Karte anbelangt, Ehre macht. Dasfelbe gilt auch von dem Entwurfe einer Generalkarte der Türkei im Mafsftabe 1: 400.000 mit ihrer Nebenkarte Klein- Afien und die syrifche Küfte( 1: 2,956.000), die hauptfächlich auf Grundlage der Generalkarte der Türkei von Scheda und Kiepert für die Weltausftellung, insbefondere aber für den Zweck ausgeführt wurde, um die neuen türkifchen Eifenbahnen und das neu gewonnene geographifche Material überfichtlich darzuftellen. Die Nomenclatur in den beiden erwähnten Karten ift in lateinifchen und türkifchen Schriftzeichen abgefafst. Amerika. Hier war es zuerft die geographifche Gefellfchaft zu New- York, die auf einem wahrhaft ftiefmütterlich ausgeftatteten Platze uns ihre Kartenwerke aufwies. Es waren meift Seekarten in verfchiedenen Mafsftäben( 1: 80.000, 1: 40.000, 1: 20.000 etc.) und felbft was äufsere Form anbelangt, in den ver fchiedenften Dimenfionen, indem einige davon eine Länge von mehreren Fufs befitzen. Sie find fämmtlich hübfche Kupferdrucke und entſprechen allen Anforde rungen, die man an Seekarten ftellen kann. In ihnen find die verfchiedenen Meerestiefen durch punktirte Flächen angezeigt, nach dem Grundfatze, dafs fie hiebei dunkler werden, je mehr fie fich der Meeres- Oberfläche nähern. Das Terrain ift in der Schraffenmanier dargestellt. Aufserdem fahen wir auch zwei Chromolithographien, von denen die eine eine Militärkarte der Vereinigten Staaten, im Mafsftabe 1: 5,000.000 mit braun gefchummertem Terrain( vom Jahre 1870), die zweite eine Territorialkarte der Vereinigten Staaten( 1871) vorftellt. In einer vierfachen Reduction einer Originalaufnahme von San Francisco fammt Umgebung( 1: 40.000, ein Kupferftich) ift das Terrain durch 120metrige Schichtenlinien dargestellt. Unferne davon hing die 40 Fufs lange und 10 Fufs breite Wandkarte der nördlichen Pacificbahn in Minnefota 1: 253.440( Handzeichnung), die vom Oberingenieur W. Milnor Roberts entworfen wurde und deren graphifche Ausführung als dem Zwecke entſprechend betrachtet werden kann. In der amerikanifchen Ausftellung fanden wir ferner eine topographifche Originalkarte von Paraguay, die in den Jahren 1846 bis 1858 nach 316 neuen geographifchen Längen- und Breitenbeftimmungen angefertigt wurde. Doch enthält fie das Terrain nur in bandartigen braunen Streifen, von denen die dunklen gröfsere, die lichten kleinere Bodenunebenheiten verfinnlichen. Sie ift in Farben ausgeführt und trotz ihres grofsen Mafsftabes gibt fie die Ortfchaften nur durch conventionelle Zeichen. Wollen wir noch der übrigen Karten Erwähnung thun, fo müffen wir einen photolithographifchen Plan von Philadelphia und zwei Mappen mit militäri fchen Operationskarten von Louis Ritz( Cincinnati) erwähnen. Letztere enthalten das Terrain theils in Schichten, theils in Schraffen, theils gefchummert. Das Gerippe erfcheint leferlich. J es k en -t. en I en ре де P ch 1 er де n. n K, e , כ fs n e n 0 e er m e e 6 h n n h n 1 S Militär- Kartographie. 35 Als Schichtenplan fanden wir auch noch das Blatt Pennfylvania vom Jahre 1871. Alabama und Brafilien waren nur durch geographifche Karten vertreten. Egypten. Von den hier ausgeftellt gewefenen Karten wollen wir zwei erwähnen. Die erfte davon ftellt eine Weltkarte des Telegraphen- und EifenbahnWefens vor, wobei Egypten, als Centrum des Ganzen angenommen, befonders hervortritt. Sie wurde nach authentifchen Quellen im Jahre 1871 im technifchen Bureau der General- Telegraphendirection zu Berlin entworfen. Die zweite, geographifche und geologifche Studien von Egypten und Paläftina", von Figary Bey gezeichnet, enthält das Terrain bereits in Schraffen, bietet jedoch mehr geologifches Intereffe durch die auf jedem Blatte angebrachten Durchfchnitte des Bodens. China. Japan. In China und Japan bemerkte man nur äufserft primitive Arbeiten, namentlich was die von der chinefifchen See- Zollbehörde ausgeftellten Pläne und Karten betrifft. Gegen diefelben ftachen die von der japanefifchen Ausstellung gebrachten zwei Karten( eine Seekarte und eine aus zwei Blättern beftehende Generalkarte von Japan) vortheilhaft hervor. Wenn wir nun am Schluffe unferes Berichtes einen flüchtigen Blick auf den Entwicklungsgang der Kartographie in allen Staaten werfen, fo gelangen wir zur Ueberzeugung, dafs gerade in der allerjüngften Periode die gewaltigften Fortfchritte in der Topographie, fpeciell in der Genauigkeit der geodätifchen Vorarbeiten, in der vervollkommneten Art der Darstellung der Unebenheiten unferer Erd- Oberfläche, endlich aber in den Vervielfältigungsmethoden zu verzeichnen find. Im verfloffenen Jahrhundert forfchte man noch nach der Methode und nach Zeichen, um die Terrainformen zum lesbaren Ausdrucke bringen zu können; im Beginne diefes Jahrhunderts einigte man fich für die Annahme der Lehmann'fchen Schraffenfcala, und um die gleiche Zeit gab uns Sennefelder das Mittel an die ' Hand, Karten leicht und fchnell zu erzeugen und zu vervielfältigen. Dennoch verfuchte man erft im zweiten Decennium diefes Jahrhunderts, Terrainkarten mit Hilfe der Lithographie herzuftellen. In technifcher Beziehung waren die Fortfchritte namhaft und reichhaltig zu nennen. Der Umdruck, die Kreidelithographie, der Farbendruck in einer gröfseren Vollendung, die Anaftatik traten in rafcher Folge zu Tage. Der Kupferftich, der zwar bis in die jüngfte Zeit für die Kartographie feine alte Bedeutung erhalten hatte, erhielt durch Anwendung der Galvanoplaftik nach dem Jahre 1840 einen nennenswerthen Auffchwung, und das Erzeugnifs des Kupferftechers- durch die Möglichkeit der galvanoplaftifchen Vervielfältigung feiner Arbeit eine faft nicht zu verlöfchende Dauer. - Kaum hatte die Photographie praktiſche Refultate aufzuweifen, fo wurde fie kartographifchen Zwecken dienftbar gemacht und nun erblicken wir fie in Verbindung mit der Lithographie und Galvanoplaftik als die Urheberin neuer Vervielfältigungsmethoden, die des geringeren Koftenpunktes und des kaum nennenswerthen Zeiterforderniffes wegen mit der Zeit den Kupferftich und die Lithographie in vielen Fällen entbehrlich machen dürften. Urfprünglich nur für Zwecke der Kartographie benützt, wird die Photolithographie und Heliogravure hoffentlich auch bald eine ausgiebigere Anwendung für Vervielfältigung landfchaft 36 Jofef Zaffauk. Militär- Kartographie. licher und hiftorifcher Darftellungen finden, zu welcher Annahme uns die höchft gelungenen Expofitionstableaux des militär- geographifchen Inftitutes berechtigen, gleichzeitig aber auch mit einigem Stolze erfüllen können. Wenn wir nun auch eingeftehen müffen, dafs in allen Staaten der technifchen Vollendung und Durchführung der Karten jeden Genres, ebenfo der rafchen und billigen Erzeugung alle Sorgfalt zugewendet wurde und in diefer Beziehung wenig zu wünſchen übrig bleibt, fo hat die Kartographie immerhin noch die Aufgabe zu löfen, unter Fefthaltung der geometriſchen Abmeffungen ein einheitlicheres Syftem in die Charakterifirung der Karten zu bringen, da, wie wir gefehen haben, noch immer die verfchiedenften Methoden in der Darftellung der Unebenheiten vorherrfchen, und Schraffen, Schichtenlinien und diefe in combinirter Form vielfach wechfeln. Hoffen wir, dafs die nächfte in Europa ftatthabende Expofition auch in folcher Beziehung Fortfchritte aufzuweifen in der Lage fein wird.