OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3. DAS HEERWESEN AUF DER WELTAUSSTELLUNG 1873 IN SEINEN BEZIEHUNGEN ZU GEWERBE UND INDUSTRIE. ( Gruppe I bis XXVI.) BERICHT VON RUDOLF BARON POTIER DES ECHELLES, Hauptmann im 72. Infanterie- Regiment, commandirt beim Generalstabe. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1874. DAS HEERWESEN AUF DER WELTAUSSTELLUNG 1873 IN SEINEN BEZIEHUNGEN ZU GEWERBE UND INDUSTRIE. ( Gruppe I bis XXVI.) Bericht von RUDOLF BARON POTIER DES ECHELLES, Hauptmann im 72. Infanterie- Regiment, commandirt beim Generalftabe. Eingang. Auf dem weiten, von Gewerbe und Induftrie beherrschten Gebiete gibt es faft keinen Zweig, welcher nicht in irgend einer Weife, fei es direct oder indirect, an der Erzeugung und Herſtellung der Bedürfniffe des Heerwefens betheiligt wäre. Es war fo, als der Krieg noch als Handwerk galt; es ift und wird in erhöhtem Mafse der Fall fein, feit die Vertheidigung des Vaterlandes eine Ehrenpflicht aller Bürger, der Krieg felbft eine Kunft, deffen Führung eine Wiffenfchaft geworden ift. Die allgemeinen Fortfchritte auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens, der Technik und Induftrie, die Maffenhaftigkeit der aufgebotenen, fchon im Frieden für den Krieg auszubildenden Streitkräfte, haben die Bedürfniffe des modernen Heerwefens in hohem Grade gefteigert und vervielfältigt. Wo früher einzelne Gewerke arbeiteten, find jetzt Fabriken faft ausfchliefslich für das Heer in Anfpruch genommen, fteht die Entwicklung und Vervollkommnung, ja felbft der Impuls des Werdens vieler Gewerbszweige im allerinnigften Zufammenhange mit den Forderungen moderner Kriegstechnik, und kamen diefe fehr reellen Beziehungen auf der Weltausftellung, welche in ihrer Wefenheit einen grofsen culturhiftorifchen Wettkampf der Völker in eminent friedlichem Sinne markirte, zur vollen Geltung. Es war fomit ein fehr glücklicher Gedanke, die Ausftellung militärifcher Objecte der betheiligten Privatinduftrie zu überlaffen. Es wurde dadurch nicht allein das Hervortreten des kriegerifchen Elementes vermieden, fondern die innige Wechselwirkung illuftrirt, welche das moderne Syſtem ſtehender Heere auf Gewerbe und Induftrie ausübt, und bewiefen, dafs das leider noch immer land. läufige Schlagwort von der abfoluten Unproductivität der Ausgaben für das Heer eben eine leere Phrafe ift. I* 2 Rudolf Baron Potier des Echelles. Diefe Ueberzeugung würde noch entfchiedener zum Durchbruche gelangt fein, wenn die verfchiedenen, militärifchen Zwecken dienenden Objecte in einer Gruppe vereint aufgetreten wären. Der Umftand jedoch, dafs fie in verfchiedenen Induftriegruppen eingetheilt waren, liefs zwar ihre Reichhaltigkeit erkennen. erfchwerte aber die Ueberficht und Vergleichung in hohem Grade. Es foll nun der Verfuch gewagt werden, die Beziehungen des Heerwefens zu Gewerbe und Induftrie, wie fie auf der Weltausftel. lung zum Ausdrucke gelangten, überfichtlich darzuftellen. Selbſt. verständlich kann es fich dabei nicht um wiffenfchaftliche Erörterungen und kritifche Vergleichungen handeln. Nicht das Wie, fondern nur das Was foll berührt werden. -- Einem Wandelbilde gleich foll die Weltausstellung an dem geiftigen Auge vorüberziehen; doch diefsmal in ernften Tableaux die Werkzeuge und Hilfsmittel des Krieges entrollen, welche in ihrer Gröfse und Mannigfaltigkeit ein beredtes, glänzendes Zeugnifs geben von der erhabenen Schöpfungskraft des menfchlichen Geiftes und zugleich einen Fortfchritt im humanitären Sinne markiren, indem die Errungenfchaften der Kriegstechnik auch dem friedlichen Schaffen zugute kommen, und mit der erreichten Vollkommenheit der Kriegsinftrumente auch deren Verwendung immer feltener werden, und einft fo mögen wir wenigftens hoffen ganz aufhören wird. - Und wie der Decorationsmaler nur in fcharf markirten Zügen das Bild fixirt, alle Details bei Seite laffend, fo kann fchon mit Rückficht auf den zu Gebote ftehenden Raum und die übergrofse, ja faft erdrückende Reichhaltigkeit des Materiales nur das Intereffantefte und Wichtigfte, nach Gruppen und Ländern geordnet, hervorgehoben werden. In der Gruppe I: Berg- und Hüttenwefen, ift es vorzüglich die Sprengtechnik, welche fchon in den älteften Zeiten als Hilfsmittel für Kriegszwecke Verwendung fand und einen eigenen Zweig der Kriegsorganifation bildete. Und dafs es in der Gegenwart nicht anders geworden ift, beweifen nicht nur die Erfahrungen der letzten Kriege. Ja, in allen Haushaltungen Wiens empfindet man freilich etwas ftark indirect den Werth militärifcher Hilfeleiftung bei Gefteinsfprengungen, indem ohne diefelbe die Refidenz das erquickende Nafs der Alpen noch lange entbehren müfste. -- - Was nun die Vertretung der Sprengtechnik auf der Weltausftellung betrifft, fo konnten nach der Natur der Sache nur die Werkzeuge und Hilfs mittel, fowie die Refultate der Anwendung der letztern zur Ausftellung gelangen. Erftere fallen vorwiegend in Gruppe III und XIII, während die Objecte felbft in Gruppe IX rangirt waren. Es dürfte aber die Ueberficht erleichtern, wenn Urfache und Wirkung zufammengeftellt erfcheint, foweit diefs nämlich Bohrmaschinen, Gefteinsproben und Rettungsapparate für MinenArbeiter betrifft, welch letztere in Deutfchland und O efterreich exponirt waren. Von erfteren haben faft alle Staaten mehrere und verfchiedene Exemplare ausgeftellt, und feffelte namentlich die im Pavillon von Mahler und Efchenbacher exponirte reichhaltige Sammlung der beften und neueften Bohrmaschinen das Intereffe fowohl des Laien als des Fachmannes. Nebst den einfachen Minenbohrern, welche der leichten Transportfähigkeit und des handfamen Gebrauches wegen hauptfächlich im Felde Verwen dung finden, dann den in Bergwerken gebräuchlichen Bohrmaschinen, war auch jenes complicirte, einen hohen Triumph menfchlicher Erfindungsgabe bildende Bohrwerk ausgeftellt, welches, die Gnomen der Unterwelt bezwingend, dem t er n 1, d el S, به te ch S P Id te it ch ls er en S th ie ng 50in ng te n, ch n. rt re er as rt n- ch le m Das Heerwefen. - 3 Wahrzeichen des Zeitgeiftes- der Locomotive den Weg durch die Bergesriefen des Mont- Cenis gebahnt hat, und eben fich anfchickt, den gewaltigen - den St. Gotthard zu durchbrechen. Gebirgsftock Mitteleuropas Würden nicht jene imponirenden Wunderwerke die Vollkommenheit der Sprengtechnik markiren, fo konnte man, allerdings im Kleinen, an den exponirten Gefteinsproben höchft intereffante Studien machen, und waren es vorzugsweife Deutfchland und Oefterreich, welche durch die Reichhaltigkeit und Gediegenheit der Leiftungen imponirten, während die meiſten übrigen Staaten darauf verzichteten, Steinmaffen zu transportiren. Die Proben aber, die man in O efterreich zu fehen Gelegenheit hatte, unter andern eine gewaltige dünne, in zwei Theile gefprengte Granitplatte, erwarben der Kunft der Gefteinsfprengung mit Recht die allgemeine Aufmerksamkeit. Eine neue Art, das Geftein zu behandeln, welche in der amerikanifchen Abtheilung ausgeftellt war, nämlich das Schneiden von tiefen Rinnen in grofse Felswände mittelft Quarzfand Gebläfen und dann zu erfolgender Abftemmung, fand ebenfo viele Anhänger als Gegner. Ohne die Vorzüge und Nachtheile des fich auf Glas allerdings recht nett producirenden Verfahrens hier unterfuchen zu wollen, kann mit einiger Beftimmtheit behauptet werden, dafs die militärifche Sprengtechnik diefe neue Erfindung wohl nicht acceptiren wird. Bei Gruppe II: Landwirthschaft und Ackerbau, drängt fich wohl die Frage auf, in welchen Relationen diefe fo ausfchliefslich dem Frieden gewidmete Gruppe zum Heerwefen ftehen mag. Ein Blick in das rege Leben eines Bivouacs gibt aber fofort die Aufklärung. Dort die langen Reihen von Pferden, die mit duftendem, in geprefstem Zuftande mitgetragenem Heu fich für kommende Strapazen ftärken; da die Durftigen, um North'fche Brunnen fich drängend, die ihnen trotz Sterilität des Bodens das in gewiffen Fällen unfchätzbare Waffer geben.- Hier endlich ein Krieger, der in füfser Ruhe bei einem gemüthlichen Pfeifchen Tabak die Mühen des Marfches vergifst, der Lieben in der fernen Heimat gedenkt, und dabei fich die fchönften Luftfchlöffer von Ruhm und Heldenthaten, oder auch vom Urlaub baut. Ja! Futtergetreide, geprefstes Heu, Tabak und Schlagbrunnen find nicht zu unterfchätzende Factoren im vielfältig gegliederten Mechanismus des Heerwefens. Was nun das erfte betrifft, fo waren Sorten desfelben, nämlich Hafer und Gerfte, von allen Staaten ausgeftellt, und zwar theilweife in Garben, meift in Aehren und Körnern. Die fchönften Proben in fchwerem Hafer fchickten Eng. land, Belgien, das Deutfche Reich und Rufsland. In unferem Vaterlande, welches eine hervorragende Stelle unter den Gerfteproducenten einnimmt, waren es wieder die Hanna- Gerfte und der böhmifche Hafer, namentlich aus dem Duxer Bezirke, welche die Aufmerkfamkeit der Landwirthe und wohl auch der Militärintendanz erregten. Befonders bewundernswerth waren Proben von fogenanntem norwegifchen Hafer, welcher in Amerika acclimatifirt, aus den Gebieten der Pacificbahn in rohrftarken, 5 bis 6 Fufs hohen Halmen ausgeftellt war. Auch die Mährifch- Neuftädter Zuckerfabrik ftellte Verfuchsproben diefer Hafergattung aus, betreffs welcher die Meinungen aber fo getheilt find, dafs erft eingehende Verfuche deffen abfolute Brauchbarkeit als Futtergetreide beweifen müffen. Das Heu, als zweiter Futterftoff, war nur fpärlich vertreten, bleibt es fich ja doch unter allen Himmelsftrichen fo ziemlich gleich, und nur die Maschinen zum Preffen des Heues, von welchen blos zwei aufgeftellt waren, fanden zwar theoretifche Anerkennung, konnten aber an Ort und Stelle nicht erprobt werden. Obwohl das Heu auf Märfchen ftets in gefponnenem Zuftande mitgeführt wird, Rudolf Baron Potier des Echelles. und das Spinnen die Soldaten felbft beforgen, fo wurde doch auch in neuefter Zeit Heu geliefert, welches durch Mafchinen auf den 14. bis 16. Theil des urfprünglichen Volumens geprefst ift, und fich befonders für Maffentransporte und Depôts eignet, fomit im Kriegsfalle eine den Conferven ähnliche Verwendung finden wird. Der Tabak! Wer kennt nicht diefen Sorgenbrecher und Grillenfcheucher?! Wer hätte nicht von Blücher's Pfeifenftummel oder von Schlick's Cigarre gehört, die beide auf die Stimmung der Truppen keinen kleinen Einfluss übten. Der Tabak ift fo recht ein Bedürfnifs des Kriegers aller Grade; und leichter läfst fich die Nahrung, ja felbft der gewiffe ,, Schluck" entbehren, als die geliebte Pfeife oder Zigarre. Dafs der Tabak felbft dort ein moralifches Hilfsmittel ift, wo fonft gewöhnlich alle Spannkraft des Willens und des Geiftes nachläfst, auf Verbandplätzen und im Spitale, ift wohl Manchem aus eigener Erfahrung bekannt. Mit Recht wird daher feitens der Heeresleitungen auf die Requifition von Tabak derfelbe Werth gelegt, wie auf jene von Lebensmitteln, und finden im Kriege felbft fonft verachtete Sorten noch immer Abnehmer, die eben aus der Noth eine Tugend machen. Tabak war nun auf der Weltausftellung überreich, aus allen Ländern, fogar von China, Japan und den oftindifchen Infeln fowohl in Blättern als in Rauchtabak und Cigarren vertreten. Dabei mag bemerkt werden, dafs nur jene Staaten, welche entweder Tabak als Haupt- Exportartikel produciren oder die Tabakfabrication als Monopol betreiben, wirklich rauchbare Cigarrenforten liefern, während die Tabakfreiheit oft Cigarren fabricirt, die von Tabak nichts als das fchlechte Deckblatt haben. An der Spitze der Tabaktabrikation fteht die Havanna; doch dürften deren Erzeugniffe wohl nur in Hauptquartieren fich des verdienten Anwerthes erfreuen, während fonft die einheimifchen und die Pfälzer Producte die meiſte Verbreitung nach unten" finden werden.- Die Cigaretten Rufslands, der Türkei, Syriens und Algiers, die gelben, eigenthümlich aromatifchen Tabakforten des himmlifchen Reiches der Mitte werden wohl nur felten am Lagerfeuer duften; defto gröfseren Anwerth aber hatte ftets und wird wohl zu allen Zeiten finden: eine wohlgeftopfte Pfeife echt ungarifchen Lettingers, an dem die tapfern Schwefterföhne Pannoniens und Auftrias nie Mangel leiden mögen, wie denn die öfterreichiſche Armee auch die einzige der Welt ift, welche fich fchon im Frieden eines billigen Limito- Rauchtabaks erfreut, der auch aufserhalb der Reihen der Armee recht anhängliche Verehrer findet. Und nun endlich die transportablen Röhrenbrunnen, welche in den Wüften Abeffyniens, in zahllofen Bivouacs und bei Manövern, ja auch theilwelfe im letzten Kriege fich glänzend bewährt, für die Operationen einer Armee in fandig. thonigen, auf der Oberfläche wafferarmen Gegenden infofern von ausfchlag. gebendem Einfluffe fein können, als die marfchirenden Truppen vor dem furchtbarften, dem Waffermangel, gefchützt, fomit operationsfähig erhalten bleiben. Diefe Brunnen haben fich rafch Bahn gebrochen, und waren im Prater faft die einzigen fo zu fagen ausfchliefslich privilegirten Wafferfpender, welche fomit wohl allgemein bekannt fein werden, und übrigens in der ganzen Welt auch fo ziemlich gleich bleiben. - Die Gruppe III: Chemikalifche Induftrie, bietet in den Zündftoffen verfchiedenfter Art auch für den Militär genügende Anregung. Da ift vor allem die altehrwürdige Erfindung des Franziscaners Berthold Schwarz, welche, nachdem fie Jahrhunderte lang, in Geftalt und Form unverändert, ihre zerftörende Kraft bewährt hat, nun auch dem Zeitgeifte Conceffionen machen mufste. Dem guten, alten Kornpulver ift nur mehr die Muskete t e S 1 Das Heerwefen. 5 treu geblieben, die gewaltigen Contrabäffe im Concert des Krieges, die Krupp's und Armſtrong's aber müffen prismatifches Pulver haben, d. h. gewöhnliches Kornpulver, welches mittelft eines eigenen Verfahrens in fechskantige durchlöcherte Stäbe geprefst ift, und dann in Leinenpatronen verwahrt und eingeführt wird. Auch cylindrifches Pulver, welches genau nach dem Kaliber der Gefchütze und Gewehre geprefst, oder fogar auf dem Gefchoffe comprimirt und diefem angepafst ift, kam nur in Amerika und England vor, und hat fich noch nicht allgemeine Bahn brechen können. Wie am Theater die Decorationen die Natur erfetzen müffen, fo ftanden neben den echten Projectilen falfche, hölzerne Patronen, welche wenigftens die Form des prismatifchen Pulvers zeigten. Schwarz pulver war auf der Ausftellung überhaupt nur in Imitationen vorhanden, und hatten nebft den Pulverfabriken Deutfchlands, welche eine gröfstentheils im Inlande verwendete Gefammtproduction von jährlichen 60.000 Zollcentnern im Werthe von 1 Million 400.000 Gulden repräfentiren, und 3000 Arbeiter nebft Mafchinen von 1500 Pferdekraft befchäftigen, noch Belgien und Italien Imitationen und Rohmaterial ausgeftellt, während Griechenland blos Modelle für Pulverfabrication brachte. Oefterreich aber, deffen PulverExport im Jahre 1872 2500 Centner betrug, und welches in der SchwarzpulverFabri cation qualitativ Vorzügliches leiftet( die Exportziffern fprechen dafür), war in diefer Branche ganz unvertreten. Auch von den verfchiedenen, in neuerer Zeit als Sprengmittel benützten Pulverfurrogaten waren, trotzdem Oefterrecih auch hierin Rühmenswerthes leiftete, nur Producte einer Genfer Firma ausgeftellt. Die Schiefs wolle, einft das enfant gâté, dann, namentlich nach der Explofion des Schiefswolle- Hauptdepôts auf der Simmeringer Heide im Jahre 1862, gänzlich vernachläffigt, ift nach neueren Verfuchen, der Selbftzerfetzung der Schiefswolle vorzubeugen, wieder zu Ehren gelangt, und hat die englifche Regierung diefes Präparat vorzüglich als Sprengmittel bei techniſchen Truppen wieder eingeführt, auch die Errichtung mehrer Fabriken patronifirt, von welchen einige Producte( nebft jenen der öfterreichifchen Firma Mahler und Efchenbacher die einzigen) ausgeftellt waren. Das neuefte Sprengmittel, welches das Schwarzpulver faft gänzlich verdrängen wird, und bis jetzt beinahe alle Präparate befiegt hat, das Dynamit nämlich, hat auch für die militärifche Technik Bedeutung gewonnen, und bereits bei grofsartigen Arbeiten ficherwirkende Verwendung gefunden. Die Eigenfchaft, auch im Waffer und naffen Bohrlöchern ficher und mit ungeminderter Kraft zu explodiren, macht das Dynamit befonders für Torpédos und zur Zerstörung von Brücken geeignet. Die Patente des Erfinders Alfred Nobel in Stockholm fichern diefem die ausfchliefsliche Fabrication des Dynamits, und war diefes epochemachende Sprengmittel, von welchem im Jahre 1872 bereits 60.000 Centner im Werthe von 4,800.000 fl. producirt wurden, nur von diefer Firma und in dem mehrgenannten Pavillon für Sprengtechnik( von Mahler und Efchenbacher) ausgeftellt. Aufser Dynamit war auch noch in Italien die Imitation eines anderen, neu erfundenen Sprengpräparates, ,, Fulminatina" genannt, dann in Deutfchland Proben der Sprengwirkung des in der Belagerung von Paris zur Verwendung gelangten Lithofracteurs vorhanden. Zum Schluffe diefes Capitels fei noch conftatirt, dafs Oefterreich der erfte Staat in Mittel Europa war, welcher die Fabrication und den Transport des Dynamits geftattete, und feine Liberalität auch in diefem Falle nicht zu bereuen hat. - Von den Zündmitteln gehören die diverfen Zündvorrichtungen an den Gefchützeprojectilen nach ihrer Conftruction in die Gruppe XIV, während die Compofition des„ Zündfatzes", mit welchem die Zünder felbft, dann die Kapfeln" und Hinterlade- Patronen gefüllt werden, keine wefentliche Ver 6 Rudolf Baron Potier des Echelles. änderung erfahren hat, und nur bezüglich der Vertheilung des Explofivftoffes, in Patronen mit Rand und folchen mit Centralzündung gefchieden wird. In dem ausgedehnten Induftriezweige der Zündhütchen und Patronenfabri cation glänzten die Ausftellungen Frankreichs, Belgiens und Oefter reichs, deffen Export an Zündhütchen nach Deckung des Patronenbedarfes für die Armee feit dem Jahre 1867-1872 von 509 auf 1684 Centner, im Werthe von mehr als 160.000 fl. geftiegen ift, wobei die Fabrication eines Nebenproductes in Geftalt von mehr als 200 Millionen Metallöfen nicht berücksichtigt erfcheint. - Noch bleiben die Zündfchnüre zu erwähnen, welche im Feftungskriege, überhaupt bei allen Sprengungen mannigfache Verwendung finden. Die alten, lange Zeit üblichen Entzündungen von Minen find in neuerer Zeit durch Verwendung von Elektricität und, wo diefe wegen mangelnder Vorrichtung nicht angewendet werden kann, durch Trawniczek's rafchbrennende Zünder und Trauzel'fche Schnüre*) mit Momentzünder fehr erfolgreich erfetzt worden. Diefe Schnüre, aus mit Dynamit gefüllten Papier- oder Kautfchukröhrchen beftehend, find fehr fchmiegfam, wafferdicht, leicht transportabel, werden mittelft Sprengkapfeln zur Exploſion gebracht, und eignen fich defshalb ganz befonders für militärifche Zwecke, was jedoch deren praktifche Verwendung in Bergwerken und Steinbrüchen keineswegs ausfchliefst. Nebft diefen Zündfchnüren waren auch folche ausgeftellt, welche, in Bleiröhren verwahrt, ihres Gewichtes und hohen Preifes wegen aber allmälig den vorhin genannten Zündmitteln weichen müffen; ferner die Producte der bekannten Innsbrucker Firma Heigel, welche allein jährlich mehr als 2½ Millionen Meter Zündfchnüre fabricirt, die nicht nur in Oefterreich, fondern auch in Deutfchland, Italien und der Schweiz bereitwillige Abnehmer finden; dann die Sicherheits- und Guttapercha- Zünder der englifchen Firma Bickfort, welche felbft in einer Tiefe von 15' unter Waffer fortbrennen, endlich die Producte zweier fchwedifcher Firmen, und, in einem eigenen Pavillon( von Mahler und Efchenbacher) die verfchiedenften Mufter von Zündfchnüren, Sicherheitszündern, Sprengmitteln und elektriſchen Zündapparaten. In die Gruppe III gehören fchliefslich die alten, theilweife noch gebräuch lichen Leuchtkugeln und Signalraketen, welch erftere dem elektrifchen Lichte unterlagen, während letztere noch immer- namentlich zur See- befchränkte Anwendung finden. Die Befprechung diefer Feuerwerkskörper mufs aber unter bleiben, weil diefelben auf der Weltausftellung gar nicht vorhanden waren. In der Gruppe IV: Nahrungsmittel, ift es die gegenwärtig fo hochbedeutende und immer zunehmende Induſtrie der Confervenfabrication, welche ihr Entftehen zum gröfsten Theile dem Bedürfniffe dankt, die auf verhältnifsmäfsig kleinen Räumen, mit rafch auf einanderfolgenden Actionen operirenden gewaltigen Armeen der Neuzeit ausreichend zu verproviantiren. Zwar machte es der Dienft zur See ſchon lange nothwendig, gewiffe Nahrungsmittel, namentlich Fleifch, zu conferviren, dafs fie auch nach längererer Aufbewahrung geniefsbar bleiben. Allein die Dimenfionen diefer Aufgabe waren gegen jene der Verpflegung einer Armee von einer Million Menfchen, die täglich effen müffen, fo unbedeutend, dafs die Erzeugung von Conferven fich meift auf das traditionelle Pökelfleisch, die gefalzenen Fifche namentlich den Häring- von Luxusgemüfe und Delicateffen befchränkte, Ja! welch letztere für eine Armee das find, was dem Blinden die Farben. nicht nur der Krieg felbft, fondern fogar die Folgen eines folchen, gaben den *) Beide Erfindungen von öfterreichifchen Genie- Offfcieren. - Das Heerwefen 7 e 1 e 1 Impuls zur Erfindung von Conferven; fo z. B. war die Verminderung des Viehftandes während des amerikanischen Krieges und der dadurch bedingte Mangel an Milch die erfte Veranlaffung zur Erfindung der condenfirten Milch, welche jetzt auf allen Schiffen im Gebrauche ift, in allen Continenten verbreitet wird, und fich immer mehr in den Haushaltungen einbürgert. - Die grofsen Truppenmaffen der modernen Kriege finden in den occupirten Ortfchaften felten die nothwendigen Nahrungsmittel, und felbft im günftigften Falle ift es nicht immer möglich, die in den Gehöften etwa vorhandenen Lebens. mittel zu fammeln. Die ſchnelle Bewegung der Armee hält nicht gleichen Schritt mit dem langfamen Gange der Transportmittel des Nachfchubes; das Schlachtvieh wird durch lange Märfche zum Skelet und liefert ftatt Fleiſch nur Muskeln; - das Schlachten der Thiere, das Kochen des oft noch zuckenden Fleifches hat eine unendliche Reihe von Schwierigkeiten zur Folge, welche durch den etwaigen Ausbruch einer Viehfeuche noch den letzten Anftofs zu ernften, mög. licherweife die Erfoge des Feldzuges in Frage ftellenden Calamitäten erhalten. Diefe bitteren Erfahrungen führten zu oft wiederholten Verfuchen, Conferven zu erzeugen, welche bei kleinem Volumen und geringem Gewichte dem Soldaten in Zeiten der Noth eine fchmackhafte, Fleifch und Gemüſebeftandtheile enthal tende Nahrung bieten Diese Frage wird feit mehr als 15 Jahren in Oefterreich ftudirt, und kam Büchfenfleifch fchon feit diefer Zeit in den Forts Dalmatiens und der venetianifchen Küfte zur Verwendung, begegnete aber immer einem unbefiegbar fcheinenden Widerwillen des Soldaten, woran wohl das mangelhafte Fabricat die meifte Schuld tragen mag, da gerade die in neuerer Zeit in Cafernen, auf Märfchen und bei Manövern, ja fogar auf der Weltausftellung felbft angeftellten Koftproben und Verfuche ein durchaus günftiges Refultat ergeben haben, und die Soldaten mit der pikanten Conferve, namentlich deren fchneller Zubereitung, ganz einverftanden waren, und nur etwas mehr Wein" dazu verlangten. Welche Rolle die Erbswurft und das Gullyafch im letzten Kriege fpielten, wird wohl noch in ziemlich lebhafter Erinnerung fein. Dafs namentlich erftere fich nur bedingten Beifalls erfreute, liegt wohl zum meiften in der haftigen, überftürzten Maffenzubereitung, wobei die bei Fabrication von Conferven abfolut nothwendige rigorofefte Reinlichkeit und Sorgfamkeit leicht hie und da verfäumt fein mochte. Um diefe haftige Production und deren Nachtheile zu vermeiden, empfiehlt es fich, fchon im Frieden den Bedarf an Fleifchconferven zu erzeugen und zu deponiren, wobei die jährlichen Ueberfchüffe bei den grofsen Waffenübungen verzehrt, zugleich eine Controle der Güte des Materiales und eine Erfparnifs bilden. Was nun die Conferven für militärifche Zwecke betrifft, fo waren auf der Weltausftellung vorhanden: In der belgifchen Abtheilung Liebig's Fleiſchextract, welcher im deutfch- franzöfifchen Kriege, namentlich in Spitälern, eine bedeutende Verwendung gefunden hatte; von Uruguay Fleifchextract in Blechdofen; von Nordamerika Fleifchextracte, und Proben jener grofsartigen Schweinefchlacht- und Pökelungsanftalt in Cincinnati, welche den Vorgang bei der Verwandlung von lebendigen Grunzthieren in faftige Schinken in grofsen, fehr anregenden und wohl allgemein bekannten Tableaux zur Anfchauung gebracht hat; von England gemifchte Fleiſch- und Gemüfe conferven für die königliche Marine; von der Schweiz condenfirte Milch; von Holland gemifchte Conferven für den Seedienft; von Dänemark Selchfleifch in Blafen; von Deutfchland Fleifch- und Gemüfeconferven, Suppenmehl; von Ungarn Speck und Salami, und von O efterreich eine Innsbrucker Firma mit condenfirter Milch( für Spitäler), dann Wagner& Comp., und Breden& Kurth, von denen die erftere hauptfächlich Gemüfe- und Fleifchconferven, die andere Bohnen und Erbswürfte( beide Producte für den Armeebedarf berechnet) erzeugt, und hat die erftere während des deutfch- franzöfifchen Krieges grofse Lieferungen an die deutfche Armee übernommen und zufriedenftellend durch 8 Rudolf Baron Potier des Echelles. geführt. Eine neue, von Graf Boos Waldeck in Wien erfundene Methode, Fleiſch fo zu conferviren, dafs es dem natürlichen Zuftande faft gänzlich gleich bleibt, womit die höchfte Vollkommenheit in der Confervirung des Fleifches erreicht wäre, war wohl ausgeftellt, aber nicht verfucht. Zu den Conferven gehört in gewiffem Sinne auch der Armee Zwieback, welcher im Kriege das frifche Brot erfetzt und ein höchft wichtiger Factor im Proviantwefen ift. Von demfelben, welcher in Form und Zufammenfetzung nur geringe Variationen zuläfst, waren von den meiften Ländern Proben ausgeftellt, doch fanden jene der Firma Koffančich in Trieft den meiften Beifall. Die Gruppe V: Textile Induftrie, ift nebft der Metallinduftrie diejenige, welche an der Erzeugung der Heeresbedürfniffe am stärksten betheiligt ift; liefert fie doch die ganze Bekleidung, die Ausrüftung von Menfch und Pferd, und Sachen jeder Art. Am beften wird diefs Verhältnifs durch Ziffern illuftrirt, und ift es für die heimifche Induftrie gewifs von Bedeutung, wenn diefelbe blos für die Armee( Landwehr und Honvéds nicht mitgerechnet) jährlich an 7,223.000 Ellen der verfchiedenften Woll und Flachserzeugniffe im Gefammtwerthe von 8 bis 82 Millionen Gulden zu liefern und zu ver arbeiten berufen ift. Die Betheiligung der Textil- Induſtrie bei Herſtellung der Heeresausrüftung war von allen Seiten eine ziemlich rege. So verführerifch es nun auch wäre, in dem reichen und intereffanten, ja, in gewiffer Beziehung fogar cultur- hiftorifche Bedeutung befitzenden Capitel über Uniformirung und Ausrüftung der verfchiede. nen Völker länger zu verweilen, fo mufs doch, getreu dem Programm, fich auf Markirung der Haupteffecte befchränkt werden. Und da ift vor Allem zu bemerken, dafs in den Grundfarben und Stoffen im Allgemeinen wenig Differenzen beftehen, foweit nämlich die zahlreich ausgeftellten adjuftirten Puppen einen Vergleich erlaubten. Die dunkle Farbe, namentlich blau, ift überwiegend; grüne Stoffe find bei den Ruffen, rothe bei den Engländern, braune bei den Honvéds vorherrschend. Die meiſten Verfchiedenheiten kommen in Form der Kopfbedeckungen vor, und hat z. B. eine Mailänder Firma allein an 22 Sorten von Czako's, Käppi's und Hüten exponirt. In Amerika waren nebft Zwilch, Segeltuch und wafferdichten Zeltftoffen auch Tuchforten exponirt, die fich ziemlich fein und dauerhaft präfentirten, obgleich gerade Amerika die Heimat des Shoddy ift einer Tuchimitation aus Wollabfällen, die auch in Oefterreich bekannt ift und draftifch genug, Erdäpfeloder Mondfcheintuch" genannt wird; ferner zeigten zwei Puppen, ein Schütze und ein Matrofe, dafs die Uniform und Ausrüftung der Yankees einfach, praktiſch und dauerhaft ift. Die Mehrzahl der Staaten begnügte fich, aus Staats- und Privatfabriken Militärtuche, Zwilch- und Leinenftoffe auszuftellen, welche faft alle ziemlich fein und feft erfcheinen. Die orientalifchen Staaten, wie: die Türkei, Egypten und Tunis, brachten fertige, im„ Inlande" erzeugte Militäruniformen, welche fich namentlich durch reiche und fchöne Goldftickereien auszeichneten, während die Sommeruniformen der egyptifchen Truppen - aus weifser Leinwand - an Einfachheit und Zweckmäfsigkeit nichts zu wünſchen laffen. Ueberhaupt macht fich faft überall das Streben nach gröfstmöglicher Einfachheit bemerkbar, und wirkte eine belgifche und italienifche Expofition von reich geftickten und prächtig ausgefchmückten Equipirungsgegen ftänden mehr erheiternd als blendend. An adjuftirten Puppen, an welchen man Uniformirung und Ausrüftung plaftifch ftudiren konnte, war kein Mangel und brillirten vornehmlich Schweden, Rufsland, Rumänien, Ungarn und Das Heerwefen. 9 Deutfchland in diefem Genre, welches übrigens für Popularifirung fein Gutes haben mag. Die fchwedifche Uniform ift einfach und gefchmackvoll, das Tuch derb, kräftig wie die ganze Nation; Rufsland hatte die Courtoifie, die Uniformen jener Regimenter auszuftellen, deren Chefs Glieder unferes Kaiferhaufes find, und hat fich die Uniform des ruffifchen Militärs bedeutend zum Vortheile verändert. Sie iſt fehr praktifch und einfach, nur fcheint der braune Halinamantel etwas zu fchwer. In Rumänien intereffirte die nationale Armirung des Grenzcorps, welche in der gewöhnlichen Bauerntracht befteht, die nur durch die Cocarde und die gleichmässige Bewaffnung und Ausrüftung einen militärifchen Anftrich erhält. In Deutfchland waren Militärftoffe fehr zahlreich vertreten, doch mufste man diefelben bei den Privatfirmen fuchen, wie denn überhaupt, ganz entgegengesetzt zu den meiſten Staaten, die deutfche Kriegsverwaltung nur die Einlieferung von Küraffen, Kochgefchirren und Tuchmaterialien übernimmt, die Befchaffung aller übrigen Gegenstände aber gegen ein fixes Pauſchale den Regimentern, refpective der Privatinduftrie überläfst. - So waren denn auch die fünfzehn lebensgrofsen Puppen, welche ein getreues Bild der deutfchen Armee gaben, fowie die andern Uniformirungsgegenftände von Privatfirmen ausgeftellt. Ungarn brillirte mit der von der öfter reichifchen allgemeinen Bank ausgeftellten Honvédgruppe, welche, recht nett und wirkungsvoll arrangirt, wohl die Exiftenz einer Honvédarmee den Fremden vor Augen führte, nicht aber über Güte der Stoffe und des Materials Auskunft gab, da die Proben davon unnahbar hoch placirt waren. In Oefterreich war nebft der impofanten Expofition des Confortiums für Heeresausrüftung, welche eben Alles enthielt, was die Armee braucht, auch die Betheiligung von Privatfirmen eine fehr rege. In erfter Linie die Brünner, Reichenberger und Klagenfurter Tuchinduftrie, welch erftere beiden in vielfärbigen Egalifirungs- und Uniformtüchern, letztere auch in Tuch zum weifsen Rocke, deffen Scheiden noch vielfeitig bedauert wird, Vorzügliches leiftete. Für die Landwehr forgt ausnahmslos die concurrenzfähige Kleininduftrie und fteht, wie die Expofition zeigte, die fchlefifche Tuchinduftrie, befonders das Troppauer Etabliffement von Jakob Quittner& Söhne an der Spitze derfelben, fowie in Zwilchen, Zelten, Segeltüchern, Patronenfäcken für die gefammte Artillerie, Futterftoffen etc. etc. die Brünner Fabrik das Terrain beherrscht Noch wäre die Wiener Induftrie in Uniform und Goldforten zu erwähnen, welche, als Specialität auch im Auslande fehr gefchätzt, auf der Ausstellung ihres Rufes würdig vertreten war. - Es wäre diefs Capitel nicht vollſtändig, wenn die in der chine fifchen Abtheilung ausgeftellt gewefenen Ausrüftungsproben für Mann und Pferd ver geffen würden, die wegen ihrer Sonderbarkeit und netten Ausführung befondere Erwähnung verdienen. Abgefehen von der eifernen Gefichtsmaske mit gewaltigem weifsen Stachelfchnauzbart, welche dem Träger Schutz gewähren, und wohl auch Courage, dem Gegner aber Schrecken einflöfsen foll, beftand die gefammte Rüftung nebft dem breitkrämpigen Hute aus einer grofsen Menge von feinen, aber ftarken Fifchbein- Stäben, welche mit Seidenfträngen fehr kunftvoll und feft verbunden find, vor Stich und Hieb gut fchützen, mit ihren wegftehenden Flügeldächern aber Mann und Pferd ein fehr komifches, unbeholfenes Ausfehen geben. Uebrigens ift diefs die" alte" Ausrüftung! Auch die Söhne des himmlifchen Reiches haben angefangen fich die Teufelskünfte der Barbaren des Weftens anzueignen, und damit bei dem begonnen, was fie an fich felbft zu erproben Gelegenheit hatten, mit Snyderbüchfen, Revolvern, Kanonen und andern mehr nützlichen als angenehmen Dingen. Ja, auch die Exercirkunft foll von den Gefilden der Tempelhofer„ Flegelwiefe" an die Geftade des Yant- fe- kiang verpflanzt worden fein, und dort fruchtbaren Boden gefunden haben, wenigftens 10 Rudolf Baron Potier des Echelles. laffen Gefandtfchaftsberichte und die Hofchroniken- Schreiber des Sohnes der Sonne vermuthen, dafs auch in China ein Heer nach europäiſchem Mufter zu bilden verfucht wird, wie überhaupt( nur nebenbei bemerkt) die Betheiligung China's an der Weltausftellung die betreff diefes Landes gehegten Meinungen gründlich berichtigt hat. Auch die Gruppe VI: Leder- und Kautfchukinduftrie, ift für die Erzeugung und Lieferung der Heeresbedürfniffe in hohem Grade in Anfpruch genommen und verbraucht z. B. Oefterreich allein jährlich 11.980 Centner Leder und 24.500 Stück Felle der verfchiedenften Gattungen ausfchliefslich für Armeezwecke, und wären in diefe Gruppe alle aus Leder erzeugten Ausrüftungsgegenstände für Mann und Pferd, für die zahlreichen Trains und Anftalten u. f. w. zu rangiren. - Auf der Ausftellung waren die Lederproducte meift im unverarbeiteten Zuftande vertreten, und mufsten militärifche Fufsbekleidungen und fonftiges Riemenwerk, Sättel und Pferdgefchirre in verfchiedenen Gruppen aufgefucht werden. Die Fufsbekleidungen betreffend, bricht fich faft in allen Armeen der Halbftiefel Bahn, welcher, aus Rindsleder gefertigt, nur in der Art der Erzeugung differirt. Die Schnürfchuhe, eine Reminiscenz an die ehedem üblichen Sandalen, dürften, gleich dem leichten franzöfifchen Schuh bald auf den Ausfterbe- Etat gefetzt fein. Rufsland darf fich den Luxus der Juchtenftiefel, Schweden jenen grofser Pappenheimer geftatten, und die Truppen des Oftens tragen die lederne Fufsbekleidung nur zur grofsen Parade und in Städten, find alfo von der vitalen Frage der beften Armee Fufsbekleidung am wenigften alterir. Das übrige Riemenwerk ift fo ziemlich überall gleich. Die öfterreichifche und deutfche Armee brauchen zu ihrem weifsen Riemenzeug viel Sämifchleder, während in den anderen Staaten gröfstentheils fchwarzes, geglänztes Riemen werk verwendet wird. Zu Torniftern werden mit Vorliebe Kalbfelle genommen, und trotz vielfältiger Verfuche, diefes fo nothwendige Requifit aus Wachstuch. wafferdichter Segelleinwand und anderen Stoffen zu erzeugen, ift man immer wieder zum alten Material zurückgekehrt. Die Sättel und Pferdegefchirre find, fo weit fie die Lederinduftrie betreffen, fo ziemlich in allen Ländern gleich. Eine Ausnahme machen die oft prachtvoll ausgefchmückten Sättel des Orientes mit ihren hohen Rückenlehnen, und die ungemein fchweren, mit Metallverzierung überladenen bra filianifchen Sättel, an welchen der lederne Laffo befeftigt ift, der auch in den Kämpfen des letzten paraguaytifchen Krieges eine ziemlich bedeutende Rolle gefpielt hat. Im Allgemeinen dominirt das fchwarze Blankleder für Gefchirre, das gebeizte Rohleder für Sättel. Letzteres ift im deutfchen Reich auch für die Befchirrung eingeführt, während die öfterreichifche Armee und Landwehr dasfelbe für die Patrontafchen und das Riemzeug der Rüftung verwenden. In die Geheimniffe der Conftruction der verfchiedenen Gefchirre und Kummete kann natürlich nicht eingegangen werden, genug dafs Leder dabei die Hauptrolle spielt, und fo der Contact der Lederinduftrie mit dem Heerwefen auch hier nachgewiefen ift. Der Kautfchuk, feit langem fchon in Spitälern vielfach benützt, kam in gröfseren Quantitäten erft mit Einführung der Kautfchukkapuzen in directe Ver wendung bei der Truppe. Sonft bildet derfelbe ein eminentes techniſches Hilfs mittel, welches in den mannigfachften Formen überall mit gröfstem Vortheil, namentlich aber zu Kabel und Ifolatoren benützt wird. Die Schweden verwenden Kautfchuk bei ihrer Feldartillerie, indem die auf den Achfen der Lafetten angebrachten Sitze auf Puffern ruhen, welche aus drei Kautfchukfcheiben und dazwifchenliegenden Eifenplatten beftehen. Die Gruppe VII: Das Heerwefen. 11 Metallinduftrie ift diejenige, welche für das Heerwefen am ftärksten in Anspruch genommen ift, denn fie liefert nicht nur alle Metallbeftandtheile überhaupt, fondern faft ausfchliefslich die ganze Bewaffnung. Es bietet fich hier eine faft erdrückende Ueberfülle des Intereffanten und Wichtigen, und würde deffen auch nur oberflächliche Würdigung den eng gefpannten Rahmen weit überfchreiten. Angefichts diefer wahrhaften , embarras de richesses" mufs fich auf eine allgemeine Rundfchau befchränkt werden, welche zunächft den Handwaffen gewidmet fei. Diefes Genre war in allen Ländern reich vertreten. Hier als Trophäe zur Ausfchmückung dort als Meifterwerke der Waffentechnik! Von der mit zierlichem Baftgeflecht künftlich an dem Stiel aus Eifenholz befeftigten fteinernen Streitaxt des Cannibalenhäuptlings bis zum Ehrendamascener; vom Kris des Malayen, dem Yatagan des Orientalen bis zur weltberühmten Toledoklinge waren alle Gattungen Handwaffen vertreten, und boten fie in ihrer Mehrzahl hochintereffante Objecte zu cultur- hiftorifchen Studien. Was ift gegen die niederfchmetternde Wirkung der heutigen Waffen die ausgeftellte Schutzwehr der Indier, Perfer und anderer Völker!? Reminiscenzen an vergangene für fie wohl fchönere Zeiten; Spielerei zur heiteren Zier geworden! Neben der als Schild verwendeten Schale der Riefen- Schildkröte fah man kunftvoll cifelirte Metallfchilde und Bruftharnifche ( bei Ifidor Braun's Söhne zu Schöndorf in Oberösterreich) mit den Mahlen der beftandenen Kugelproben, Helme mit Nackenfchutz aus Panzerringen, äusserft kunftvolle Panzerhemden, Bogen, Pfeile und die mannigfachften Gattungen von Lanzen, an denen namentlich der Orient reich war. - Heute gilt es weniger Schutz zu bieten als vielmehr Trutz, und ging die Vervollkommnung der Hand- mit jener der Feuerwaffen in ziemlich gleichem Tempo. Vor Allem waren die Ausstellungen der Innerberger Gewerke und der öfterreichifchen Waffenfabriks Gefellfchaft hervorragend, welche eine äufserft reiche Collection der in der Armee üblichen Säbel, Bajonette, Fafchinmeffer u. f. w. boten, und durch die Vorzüglichkeit der Fabricate allgemeine Anerkennung fanden, welche auch der Wiener Firma Thill's Neffe" für die in kaltem Zuftande gefchnittenen Säbelkörbe zu Theil wurde. In Deutfchland brillirte neben anderen gröfseren Firmen das weltberühmte Solingen mit Klingen aller Art, unter welchen fich namentlich die mattgebeizten bemerkbar machten. Rufsland zeigte vorzügliche Armeewaffen, darunter als befonderes Kunftwerk eine Stahlklinge mit eingelegter Perleninfchrift. Schweden hatte Klingen aus Uchatiusftahl mit doppeltem Hohlfchliff und Rinnen längs des Rückens, dann ein Dolchbajonett und ein auf einer Spirale auffitzendes Schulbajonett zum Fechtunterrichte ausgeftellt, während fich Belgien und Italien durch fehr fchöne Stahlklingen in vorzüglicher Montirung auszeichneten; namentlich letzteres brachte eine durchbrochen gearbeitete Säbelklinge, welche wohl nur als Probe für die Güte des Stahles dienen follte.- Amerika, auch in der Waffentechnik auf der Höhe der Zeit ftehend, brachte mehrere vorzügliche Klingen, darunter folche, die, am Rücken fägenartig gezähnt, einft in der öfterreichifchen Armee eingeführt waren, nun aber längst aufser Gebrauch gefetzt find, dann eine Specialität in Geftalt eines Spatenbajonetts, deffen Stahlfcheide eventuell als Schaft für einen am unteren Ende anzufchraubenden ftählernen Schaufeltheil verwendet werden kann. Spanien hatte nebft Armeefäbel feine famofen Toledoklingen fowohl vollendet, als auch in den verfchiedenen Stadien ihrer Erzeugung exponirt. Dann war die Rüftung Don Juan d'Auftria's, des berühmten Seehelden von Lepanto, und der Helm Boadbil's, des letzten Königs von Granada ausgeftellt, der nebft den Reften der einft fo mächtigen Mauren im felben Jahre vernichtet wurde, in welchem Chriftoph Columbus eine neue Welt entdeckte. 12 Rudolf Baron Potier des Echelles. Und im Schatze des Sultans, da prangte unter andern kunftvollen und prächtigen Waffen, neben den Schwertern des ftarken Bajazet und des welter obernden Timurs, der Säbel Sultan Soliman's, der vor 344 Jahren in der Hand des mächtigſten Chalifen vor den Mauern Wiens vergeblich die Janitfcharen zum Siege anfeuerte, und geftern ein Schauftück in demfelben Wien geworden war, deffen heldenmüthiger, aufopfernder und pflichttreuer Bürger muth die Stadt und mit ihr ganz Europa vor den Greueln der Türkenherrfchaft bewahrte, und in welcher fich vor wenig Monden Orient und Abendland, Kreuz und Halbmond, Chrift und Moslim friedlich im edlen Wettftreit geiftiger Ueberlegenheit und Bildung begegneten. Und wie der Orient eine reiche Fundgrube zur Gefchichte des Waffenwefens in Bezug auf Handwaffen bildet, fo fehen wir die Völker des Morgenfterns mit Zähigkeit den altererbten Fernwaffen treu bleiben. Der„ fchwarze Blitz" hat den flinken Pfeil und Bogen noch nicht ganz verdrängen können, obwohl Piftolen und Flinten mit ungeheuer langen Läufen, reich und kunftvoll cifelirten Schäften und Kolben ein grofses Terrain gewonnen haben, und fchon, wie eine von Egypten ausgeftellte Collection von Wallbüchfen zeigt, im fechzehnten Jahrhundert die Waffenfchmiede Cairo's befchäftigte. Allein mit dem feit dem Krimkriege begonnenen und nun immer fteigenden Auffchwunge in der Gewehrtechnik haben die Hinterlader faft ausfchliefslich die Herrfchaft errungen, und find es die Snyder's Peabody's und Remington's, welche nebft der Türkei und Perfien auch China, Japan, Siam, ja fogar die Afchanti's und andere intereffante Gruppen unferer Antipoden beglückt haben. Die Vorderladergewehre find faft ganz verfchwunden, und werden nebft den Piftolen nur zum Scheibenfchiefsen, für befondere Jagdzwecke, als Luxus- oder Raritätenftücke und zum Duell gebraucht. Der Revolver aber beherrschte in den Expofitionen aller Staaten ein grofses Terrain, und waren prachtvolle Exemplare vorhanden, unter welchen fich die in Oefterreich ausgeftellten allen andern Fabricaten ebenbürtig zeigten. Zur Gefchichte der Gewehre brachten Spanien und Schweden intereffante Beiträge, indem erfteres ein dem Lefaucheux- Syftem ähnliches Hinterladergewehr ausftellte, welches ein Madrider Büchfenmacher im Jahre 1739 fabricirte, letzteres aber in zwei vor dem fchwedifchen Kriegszelt aufgeftellten Decorationsgruppen die Entwicklung der Gewehre von 1692-1864 vorführt. welche zeigt, dafs erft von 1762 an die Befeftigung des Laufes ftatt mit Nieten mit Ringen üblich wurde, dafs die flache Bajonnetklinge erft 1747 der dreikantigen wich, dafs der Sperrring am Bajonnete in Schweden feit 1811 eingeführt ift, dafs die Schweden fchon 1815 die Kapfelzündung hatten, während diefelbe in Oefterreich fich erft 1856 Bahn brechen konnte, und dafs fie 1864 das Hinterladergewehr angenommen hatten, um nun definitiv das Syftem Remington zu adoptiren. von welchem Exemplare, fowie der Procefs des Werdens in verfchiedenen Stadien ausgeftellt waren, und von deffen Schwierigkeit man einen Begriff bekommt, wenn man erwägt, dafs ein formlofer Gufsftahlblock dreifsigmal Feuer und Hand paffiren mufs, um endlich als Verfchlufsftück Verwendung zu finden. In allen Staaten waren Hinterladergewehre theils officiell, theils von der Privatinduftrie, fowohl für den Armeegebrauch wie auch als Luxus- und Jagdgewehr, einfach und mit höchft kunftvoller Ausftattung exponirt. - Faft fämmtliche bekannten Syfteme 60 an der Zahl- konnte man in der Rotunde, in der Collectiv- Ausftellung der Lütticher Gewehrfabrikanten bewundern, während England die in feiner Armee und bei den FreiwilligenCorps eingeführten Syfteme Snyder und Henri Martin, Rufsland die officiellen Krnka- und Berdán- Gewehre, Spanien verbefferte Remingtons ausgeftellt hatte. Italien brachte Ordonnanzgewehre mitVetterli- Verfchlufs, mehrere Modelle und endlich eine gezogene Hinterlade- S pingarde, welche um einen Zapfen drehbar, zur Vertheidigung der Bergfchlöffer beftimmt fein foll. Frankreichs 1 t t 5 S ו - Das Heerwefen. 13 Ausstellung war in Folge der eigenthümlichen militärifch- politifchen Verhältniffe des Landes nur unbedeutend befchickt. Defto reichhaltiger aber jene Deutfchlands, in welcher das verbefferte Zündnadel- und das Werder- Gewehr den erften Rang behauptete In der Ausftellung des deutfchen Reiches war auch die Granatbüchfe ausgeftellt, welche bei 1800 Schritt Trefffähigkeit Projectile fchiefst, die im Leibe des unglücklich Getroffenen in 6-8 Stücke zerfpringen, welch entfetzliche unnütze Graufamkeit das menfchliche Gefühl fo fehr empörte, dafs der Gebrauch diefer furchtbaren Erfindung durch die Convention von Petersburg im Jahre 1869 einftimmig abgelehnt und verboten wurde. - Oefterreichs Waffenfabriks Gefellfchaft ftellte Infanteriegewehre nach den Syftemen Wänzl, Werndl und Fruhwirth aus, welch' letzteres zu den Repetirgewehren gehört, uud bei der Gensdarmerie im Gebrauche ift. Dem letztgenannten Syfteme gehört die Zukunft, und ift dasfelbe nach Vetterli, mit dem man fechzehn Schufs in einer Minute geben kann, fchon feit 1869 in der Schweiz officiell eingeführt, wo auch Mufter davon ausgeftellt waren. Nächft Belgien hatte Amerika fehr reich exponirt, und waren alle bekannten Syfteme, befonders aber die amerikaniſchen in brillanter Ausstattung, fowohl in den ein zelnen Formen der Fabrication als auch vollendet vorhanden. Und dafs trotz der verheerenden Wirkungen der modernen Waffen das letzte Wort noch nicht gefprochen ift, dafs vielmehr noch grössere, blutigere Opfer bevorſtehen, liefs eine Erfindung des amerikaniſchen Capitain Meigs ahnen, mit deffen Gewehr felbft ein ungeübter Schütze in einer Minute 32 gezielte, ja fogar 50 ungezielte Schüffe abgeben kann. - Mag eine folche Conftruction auch den Techniker und Taktiker hoch befriedigen, welch' letzterer in der möglichften Vollkommenheit der Waffen das Mittel fieht, die relativ rafchefte Entfcheidung herbeizuführen, dem Menfchen aber könnte fie ein gewiffes Grauen vor feinem eigenen Geifte einflöfsen, der fchon im Mittelalter die Höllenmafchinen oder Orgelgefchütze erfann, welche jetzt als Mitrailleufen verjüngt wieder auferftehen und den Uebergang vom Gewehre zum Gefchütze bilden. Diefelben kamen bekanntlich unter dem populären Namen„ Kugelfpritzen" im letzten Kriege zur Anwendung, erzielten aber nicht jene Effecte, welche man erwartet hatte. Trotzdem ward allgemein erkannt, dafs die Mitrailleufe, namentlich auf kurze Diftanzen und in der Defenfive, eine furchtbare Waffe werden kann, und nach vielfältigen Verbefferungen wurden vorwiegend die Syfteme Montigny und Gattling adoptirt. Erftere, welche 37 Gewehrläufe aus Gufsftahl hat, mit Streuvorrichtung verfehen ift, fehr rafch und ficher functionirt und auf hölzerner Lafette ruht, wurde auch von Oefterreich- Ungarn angenommen, und war von der Firma Paget, in der Honvédgruppe und endlich in der belgifchen Abtheilung ausgeftellt. Die Gattling- Kanone mit 10 oder 24 Läufen, welche in den meiften Staaten eingeführt ift, war in England im Pavillon Armſtrong zu fehen, während in Amerika eine Colt'fche Mitrailleufe die Aufmerkfamkeit erregte. Eine ganz eigene Art Mitrailleufe hatte Schweden exponirt, und fand diefelbe den allgemeinen Beifall der Leute vom Fache, welche in diefer Waffe nach einigen Verbefferungen das Ideal einer Mitrailleufe gefunden haben dürften, Diefelbe ift aufserordentlich leicht, beweglich, hat zehn horizontal neben einander liegende Läufe, Streuvorrichtung und birgt in einem aufrechtftehenden Magazine 250 Patronen, von welchen fich nach jedem Schuffe je zehn durch felbftthätigen Mechanismus in die auf gleichem Wege entleerten Laderäume fenken, fo dafs in einer Minute von einem Gefchütze 500 Projectile in die anftürmenden Maffen gefchleudert werden können. Der Apparat arbeitet fehr präcis, und auch dann, wenn in einen oder mehreren Magazinen Störungen eingetreten fein follten. Ueberhaupt bot die fchwedifche Kriegsausftellung ein vorzügliches Enfemble, und erwarben fich unter anderem auch die Gefchütze allgemeine Würdigung. 14 Rudolf Baron Potier des Echelles. - Hinterlader und gezogene Kanonen waren zwar im Mittelalter fchon bekannt, allein dasfelbe konnte für fie keine Verwendung finden, mang elte ihm ja der Schlüffel zu den gröfsten Schöpfungen: die Wiffenfchaft. Diefe erft. und die fortfchreitende Technik gaben den Impuls zur fteigenden Vervollkomm nung in Behandlung und Verwerthung der Metalle, und indem das Kriegswefen für die Bewaffnung grofse Forderungen ftellte, und diefe auch erfüllt fah, kamen die gewonnenen Erfahrungen auch der Induftrie zugute. Diefs zeigte der Pavillon Fins pong( Schweden), in welchem neben Mafchinenbeftandtheilen verfchiedene Gattungen von Gefchoffen, dann drei in Schweden eingeführte Vorderladergefchütze aus Gufseifen, ferner eine 14 cm. Hinterlade kanone aus gleichem Materiale für Cafemattfchiffe und Küftenforts exponirt waren. Die Ausftellung diefes Etabliffements ift defshalb wichtig, weil die Hoffnung, aus dem weit billigeren Gufseifen brauchbare Gefchützrohre zu erzeugen, durch die Vorzüglichkeit der ausgeftellten Proben neu belebt wird. So war unter anderm ein zerfägtes Gufseifenrohr vorhanden, aus welchem 1300 Schufs mit verftärkter Ladung gegeben wurden, ohne dafs das Rohr wefentliche Verände rungen gezeigt hätte. Die Feldgefchütze Schwedens, denen fich jene Dänemarks und Hollands anfchmiegen, find durchaus Vorderlader aus Gufseifen, und haben hölzerne Lafetten mit dauernd befeftigtem Richtbaum, welcher beim Transporte mittelft einer Charniere umgelegt wird. Das Schwefterland Schwedens, Norwegen, hatte drei matt angelaufene Gufsftahlrohre und ein completes Gebirgsgefchütz mit eiferner Wandlafette. dann verfchiedene Gattungen Projectile und Zünder, ferner Stücke einer abfichtlich zerfprengten Kanone, und endlich ein Rohr ausgeftellt, welches nach 1261 Schufs die progreffiv bis zu 2½ Pfund Ladung und 117 Pfund Gefchofsgewicht verftärkt wurden, parallel der Längsachfe zerfprungen war, während die Verſtärkungsringe intact geblieben waren. Nächft dem Gufseifen findet Bronce vorzügliche Verwendung für den Gufs der Kanonenrohre. Doch ift diefes Metall zum gröfsten Theile fchon durch den Gufsftahl verdrängt, und auch an jene Staaten, in welchen noch Bronze zum Feldartillerie- Materiale verwendet wird, tritt die Frage der Umwandlung derfelben in Stahlrohre- die bei fämmtlichen Feftungs-, Belagerungs- und Schiffsgefchützen fchon lange ausfchliefslich verwendet wurden Ernfte heran. - mit mahnendem Bronzegefchütze befitzen nur noch O efterreich, Italien, die Schweiz und Frankreich, und zwar vorwiegend aus- fo zu fagen patriotifchen Gründen weil diefe Rohre im Inlande erzeugt werden können, während in den genannten Ländern, bis jetzt wenigftens, kein Etabliffement befteht, welches für die Maffenproduction von Gufsftahl eingerichtet wäre, und man vom Auslande in diefer wichtigen Frage der Landesvertheidigung unab hängig fein und bleiben will. Oefterreich war aus, principiellen Gründen im Artilleriewefen ganz unvertreten, nur eine von dem Simmeringer Eifenwerke ausgeftellte eiferne Cafemattlafette wurde mit der Fortfchrittsmedaille ausgezeichnet, und fanden auch die Projectile der Innerberger Werke viel Beifall. Die Schweiz und Italien hatten bronzene Hinterlade- Feld- und Gebirgsgefchütze mit eifernen Lafetten und Rädern exponirt, die fich, namentlich jene des letzteren Staates, durch grofse Leichtigkeit, fowie durch Anwendung der Balkenbremfe( italienifche Kanone) auszeichneten. In Italien waren ferner zwei Armftronglafetten für Cafemattfchiffe ausgeftellt, bei welchen der Pfortenwechfel mittelft zweier feft. liegenden Zahnkränze, in welche correfpondirende Blockräder eingreifen, einfacher und fchneller erfolgt, als diefs mit den bisher üblichen Drehfcheiben der Fall ift. Aus Frankreich hatte die Firma Laveiffiere in der Rotunde eine kupferne Feftung erbaut, und mitten unter den dem friedlichen Schaffen gewid meten Erzeugniffen der Induſtrie ein vollständiges Feldgefchütz mit eiferner Lafette ausgeftellt, und verdient diefs induftrielle Etabliffement infofern Beach t t a S e 1 1. n h n T 0, t H 2 h d 5, e er 1. 1. Das Heerwefen. 15 tung, als dasfelbe während der viermonatlichen Belagerung von Paris mehr als hundert Gefchütze der Armee geliefert hatte, und das Material zu den Rohren dem in den Staatsgiefsereien erzeugten an Güte in keiner Weife nachftand. Belgien hatte ein Kanonenrohr und mehrere Garnituren von Phosphorbronze ausgeftellt, welches Material trotz feiner vielen Vorzüge, zu denen namentlich die grofse abfolute Feftigkeit( 2384 gegen 1616 per QuadratCentimeter der gewöhnlichen Bronze) gehört, gegen den Gufsftahl das Feld nicht wird behaupten können, Spanien und Griechenland hatten fehr fchöne Modelle ihrer Feldund Gebirgsartillerie gefendet, während Amerika das Modell eines jener Monftregefchütze ausgeftellt hatte, mit welchen das Küftenfort Foot in Maryland feit 1870 armirt ift, deffen Rohr 40.500 Wiener Pfund wiegt, und mit 81 Pfund Pulver ein Gefchofs von 365 Wiener Pfund auf 5000 Schritt Diftanz fchiefst. Intereffant bei diefem Modell war die niederdrückende Lafette", welche trotz der riefigen Dimenfionen nur 8 Mann zur Bedienung erfordert. In England hatte Armſtrong fehr reich ausgeftellt, und waren fowohl Vorder- als Hinterlader, Feld- und fchweres Gefchütz vertreten, und zwar unter letzteren ein der öfterreichifchen Regierung gehöriger 9zölliger 300- Pfünder in Feftungslafette. Intereffant, und für das an Colonien fo reich gefegnete Albion fehr zweckmäfsig, waren die Boot- und Landungsgefchütze, welche fich an der Goldküfte trefflich bewährt haben. Von Vavaffeur war ein koloffales Vorderladerohr mit eigenthümlich conftruirter Schiffslafette ausgeftellt; von Firth& Sons Rohre aus Tiegelgufsftahl, welche, aus fchwediſchem Eifen erzeugt, nach vollendeter Bohrung nochmals geglüht, und in Oel gehärtet werden. Rufslands Pavillon erfreute fich der allgemeinften Aufmerkfamkeit. Er bot nächft Krupp die reichfte Auswahl, und war befonders durch den Umftand hoch intereffant, dafs die dort ausgeftellt gewefenen Objecte durchweg Producte Rufslands waren, welches fich und feine Eifeninduftrie feit Einrichtung des Petersburger Arfenales und der Staatswerke von Perm und Oboukoff vom Auslande vollſtändig emancipirt hat. Die gewaltigen Hinterladekanonen, von denen das zwölfzöllige Rohr mit Recht allfeitiges Staunen erregte, ohne Lafetten aufgeftellt, waren im Allgemeinen den in Krupp's Pavillon placirt gewefenen ähnlich. Aufserdem fand befonderes Intereffe ein bronzenes Feldgefchütz auf eiferner Lafette und hölzernen Rädern, eine auf vier Pferden verpackte Gebirgskanone, die Modelle von Rohrfchnitten mit deutlicher Markirung der Metalllagerung, dann eine monftröfe Transportirprotze und endlich ein taufend Centner wiegender Ambos zum Dampfhammer. Aus Deutfchland hatte die Danziger Actiengeſellſchaft zwei Schiffslafetten, die Augsburger Kanonengiefserei Bronzerohre; jene von CarlsruheGufsftahlrohre, endlich Berger& Comp. a. d. Ruhr mehrere Gufsftahlgefchütze älterer und neuerer Conftruction ausgeftellt. Die Bochumer Werke imponirten neben einer riefigen Schiffsfchraube, Mafchinwellen, Schienen und diverfen Projectilen mit vier Schiffs- und Feldgefchützen aus Gufsftahl. - Am Grofsartigften aber eine wahre Krone- Krupp. Die in feinem Pavillon exponirten Mafchinentheile, Schienen, Träger, glänzte das Etabliffement Walzen und andern Proben höchft entwickelter Technik und Induftrie beweifen die Berechtigung diefes Etabliffements als führendes der ganzen Welt In der That liefert Krupp nach allen Welttheilen nicht allein Werkzeuge des Friedens, fondern find es vorwiegend Krupp'fche Hinterladekanonen, welche in China und Japan, in Brafilien und Chili, in Spanien und der Türkei, mit einem Worte überall die entfcheidende Inftanz bilden.- Krupp gebührt das Verdienft, die Eifentechnik, namentlich die Behandlung des Gufsftahles, auf eine der Vollkommenheit nahe Stufe gebracht und der Induſtrie wie der Waffentechnik einen nie geahnten Auffchwung gegeben zu haben. Neben Mafchintheilen aller Art war eine Collection der verfchiedenften Gefchütze als ein fyftematifch geordnetes 2 16 Rudolf Baron Potier des Echelles. Ganze wie nirgend anders- aufgeftellt, und markirte diefelbe den binnen fünf Jahren vollzogenen Umfchwung des Gefchützwefens vom Individuum zum Syftem. Die einzelnen Objecte waren vollſtändig mit Lafette, Ladung und Projectil aufgeftellt und mit erläuternden Zufätzen verfehen. In eine nähere Erörte rung kann natürlich nicht eingegangen werden, und fei fonach nur erwähnt, dafs das gröfste, 30 centimetrige Rohr in Küftenlafette 36.600 Kilogramm wiegt, eine Stahlgranate von 297 Kilogramm mit 60 Kilogramm Pulver auf 6000 Schritt mit einer Anfangsgefchwindigkeit von 465 Metern per Secunde fchiefst, und der exponirte 1005 Centner fchwere Block aus Tiegelgufsftahl ein viel bewundertes Siegesftück der Technik für das Seelenrohr einer 14½zölligen Kanone beftimmt ift. - - Die Metallinduftrie wird ferner, wegen fteigenden Mangels an Trockenholz, auch für die Erzeugung von Lafetten und Rädern, dann zu Brückenpontons in Anspruch genommen Erftere wurden bei den betreffenden Gefchützen erwähnt; letztere waren in Schweden in natürlicher Gröfse, dann in Rufsland in Modell exponirt, und find im Wefentlichen den in Oefter reich eingeführten Birago'fchen Pontons ähnlich. Metallpatronen, welche fowohl wegen der grofsen Billigkeit, der Sicherheit des Verfchluffes, als der möglichen mehrmaligen Benützung der Hülfen und des immer verwendbar bleibenden Metalles wegen faft in allen Staaten eingeführt find, waren in reichfter Auswahl aller bekannten Syfteme fowohl mit Pulver- als Dynamit- Imitationsfüllung in Frankreich ausgeftellt, während drei öfterreichifche Firmen mit mehr als 50 Gattungen erfchienen waren. Doch nicht allein zur Erzeugung von Wehr und Waffen ift die MetallInduftrie berufen. Sie fchafft nicht nur Werkzeuge der Vernichtung; fie ift durch Anfertigung der Orden und Ehrenzeichen auch bei der öffentlichen Anerkennung treuer Dienfte, bei Belohnung des Verdienftes und der Tapferkeit mittelbar betheiligt. Die erften Firmen in diefem Genre waren auf der Weltausftellung nicht vertreten; und aufser einer ftattlichen Collection in O efterreich waren nur in Deutfchland, Holland und Portugal eigentliche OrdensDecorationen und Medaillen ausgeftellt. Die gewaltigen Kämpfe der Neuzeit aber, an denen nun das ganze Volk Antheil nimmt, haben den uralten Brauch, hervorragende Verdienfte um das Gemeinwohl auch von Seiten der Mitbürger anzuerkennen, wieder aufleben laffen, und fah man in der Weltausftellung eine Serie von künftleriſch gedachten und ausgeführten Ehrengaben. Die in der deutfchen Abtheilung dem König Albert von Sachfen gewidmete Victoria, der Schild und Helm Werder's, ferner der bei Klinkofch( O efterreich) ausgeftellt gewefene Schild zur Erinnerung an den Feldzug in Schleswig- Holftein, der prachtvolle, von der Stadt Trieft dem Sieger von Liffa gewidmete Tafelauffatz, dann die Ehrengaben an Engerth, Gabrielli, Wertheim und andere find beredte Zeichen edlen Gemeinfinnes, der, Bürger und Soldat ingleich warmem Patriotismus umfaffend, für des Vaterlandes Gröfse und Gedeihen freudig Opfer bringt, und dankbar die Heldenthat des Geiftes wie des Schwertes ehrt. Die in Gruppe VIII vertretene Holzinduftrie findet im Heerwefen die denkbar reichfte Verwendung; doch tritt fie nicht als Ganzes auf, fondern macht fich mehr als Hilfsmittel in allen Formen unentbehrlich, und find es vorzüglich die Fuhrwerke, welche die Holzinduftrie in Anspruch nehmen. Auf der Ausstellung waren von Armee- Fuhrwerken nur Lafetten und Lazarethwagen vorhanden. Erftere werden, wie bereits erwähnt, allmälig 5 S 1 d Das Heerwefen. 17 ] 1 durch das Eifen verdrängt und felbft die Räder wurden fchon vielfach aus demfelben Metalle conftruirt; doch kehrte man immer wieder zu den Holzrädern zurück, und fuchte diefelben durch eiferne oder bronzene Achsbüchfen, dann durch Verfpannung der Felgen fefter und elaftifcher zu machen. Lazarethwagen waren faft von allen Nationen ausgeftellt und kamen die verfchiedenften Syfteme und Ideen zur Geltung, die aber alle in dem einen edlen Streben ihren Brennpunkt fanden, den Unglücklichen, die fie benützen müffen, die Leiden und Schmerzen auf das möglich geringfte Mafs zu reduciren. Nächft den Fuhrwerken ift die Holzinduftrie noch bei Erzeugung des Brückenmateriales thätig, und waren Proben desfelben nur in Schweden, Rufsland und Spanien, bei erfterem im Originale, bei letzteren in Modellen ausgeftellt, und fchliefst fich dasfelbe dem öfterreichifchen verbefferten Birago'fchen Syfteme an, welches mit geringen Variationen faft in der ganzen Welt eingeführt ift. In Schweden war noch ein Brückenwagen für Infanterie- Pionniere ausgeftellt, auf deffen Protze das kurze Vorderftück eines auf dem Wagen- Hintertheile ruhenden eifernen Pontonftückes befeftigt ift, in welchem zugleich die Schanzzeug- Requifiten für 20 Mann, eine complete Schiffsausrüftung, fowie ein in zwei Theile umlegbarer vier Klafter langer Steg für zwei Mannsbreiten transportirt wird. Noch fei die Erzeugung von hölzernen Feldflafchen erwähnt, welch letztere einft fehr verbreitet waren, nun aber den gläfernen weichen mufsten. Doch fucht die Induftrie des erfteren Artikels das Feld wacker zu behaupten; und namentlich Ungarn lieferte in feinen Csutora's wahre Meifterwerke an Gröfse, Güte und Ausftattung, während in Italien federleichte hölzerne Feldflafchen ausgeftellt waren, die luftdicht verfchliefsbar, das Getränke frifch erhalten, und bei eigenthümlicher Imprägnirung des Holzes deffen Faulwerden, fowie die Mittheilung des widerlichen Holzgefchmackes an das Getränke verhindern follen. Aus der Gruppe IX: Thon-, Glas- und Steinwaaren, liefert zunächft die öfterreichifche Glasinduftrie für die eigene Armee jährlich an 80.000 Stück Feldflafchen in Gefammtwerthe von mehr als 6.000 fl.; dann finden Cement und Béton bei fortificatorifchen Bauten häufige Anwendung, und waren beide künftlichen Gefteinsproducte zahlreich in allen Ländern, befonders glänzend in Deutfchland und Oefterreich ausgeftellt; doch mufs deren fpecififch militärifche Würdigung dem allgemeinen Intereffe weichen, und fei fomit nur die Fühlung des Heerwefens auch mit der Induftrie der Erzeugung künftlicher Gefteine conftatirt. Die Gruppe X: Kurzwaaren, umtafst ein aufserordentlich weites Gebiet. Sie liefert jene zahllofen Kleinigkeiten, die zum Ganzen unumgänglich nothwendig find, dasfelbe überhaupt erft brauchbar machen. Es wäre vergebliche Mühe, ein auch nur annäherndes Bild der fehr innigen Beziehungen zwifchen Heerwefen und Kurzwaareninduftrie geben zu wollen; darum feien nur jene Zweige hervorgehoben, welche für die Gefundheit und den Comfort im Lager forgen, nämlich Zelte und compendiöfe Feldrequifiten liefern. Auch hierin ward Vieles und Vorzügliches geboten. Namentlich die praktiſchen Engländer, durch ihre Kreuz- und Querzüge in allen Ländern der Welt an Feld und Lager gewöhnt, haben wahre Meisterwerke in foliden, eleganten und dabei wirklich praktiſchen Feldrequifiten gefchaffen. Es gab da Zelte, transportable Betten, Speife, Spiel-, Wafch- und Verband2* 18 Rudolf Baron Potier des Echelles. Neceffaires aller denkbaren Gröfsen und Formen; und in Frankreich war ein Zelt und darin ein completes Bett mit Matratze, Tifch, Seffel, Stellage, Laterne, Schreib-, Efs- und Wafchzeug aufgeftellt, welches Alles zusammen in einer ver hältnifsmäfsig kleinen Kifte binnen wenigen Minuten verwahrt und wieder auf. geftellt werden konnte. Auch die anderen Staaten, namentlich jene mit überfeeifchen Colonien, dann Deutfchland und Oefterreich betheiligten fich fehr lebhaft in Cultivirung diefes Genres, bei welchen oft die abfonderlichften Ideen zur Geltung kamen. Eine Specialität hatten Remek hászy, Korretz und Reuter ausgeftellt, welche fehr praktiſch wäre, wenn nicht der hohe Preis deren fonft wünschenswerthe Verbreitung hindern würde. In einem mässig grofsen, ledernen hutfchachtelförmigen Etui ift ein Service für vier Perfonen mit Vorräthen an Fleiſch, Fleifchextract, Kaffee, Zucker, Thee, Milch und Spiritus verpackt, und kann der ganze aus 74 Stück beftehende Apparat binnen wenigen Minuten dienftbar gemacht oder verwahrt werden. Auch die Völker des Oftens liefern zu diefer Gattung Kurzwaaren induftrie ihren Beitrag, und kann die ausgeftellt gewefene Kirgifen- Kibitka als Neceffaire par excellence gelten; fchützt fie doch eine oft zahlreiche Familie nebft deren Hausthieren vor allen Unbilden der Sonne und der Schneeftürme, und kann, binnen einer halben Stunde fammt dem ganzen Inhalte auf Kameele verpackt, den Marfch in die Wüfte antreten, um dann, in der Oafe angekommen, dem Nomaden ein trautes, in feiner Weife auch füfses Heim zu bieten. Die Gruppe XI: Papierinduftrie, findet für ſpecififch kriegerifche Zwecke nur infoferne befchränkte Anwendung, als es fich um die Erzeugung von Patronenhülfen aus Papier handelt, welche für Gewehre noch in Frankreich und Deutfchland eingeführt find, während fonft alle andern Staaten Metallpatronen angenommen haben. Für Jagd. und Scheibengewehre kommen die Pappendeckel- Patronen mit Einfatz und Boden von Metall häufig in Benützung, und waren in Frankreich, Eng. land und O efterreich fehr intereffante Collectionen davon ausgeftellt.- Für Kriegswaffen aber werden Metallpatronen nicht nur den errungenen Platz behaupten, fondern auch die in Frankreich und Deutſchland angeftellten Ver fuche fprechen dafür die Papierinduftrie in diefem Zweige gänzlich aus dem Felde fchlagen, und ihr die allerdings bedeutende, aber allgemeine Sorge für Deckung des Bedarfes in Kanzleien und Schulen etc. überlaffen. Wenn aber die Induftrie ein Gebiet verliert, erobert fie fich fofort wieder ein neues Feld ausgebreiteter Thätigkeit; fo fand namentlich künftliches Pergamentpapier als Verwahrungsmittel für Militär- Fleifchconferven dann zu Eisbeuteln, und in Form von blutftillender Charpie aus Papierfäge- Spänen, in Spitälern und Ambulancen eine fehr erfolgreiche Verwendung, und hatten die von Albert Ekfte in in Wien ausgeftellten Proben allfeitigfte Anerkennung geerntet. - In der Gruppe XII: - Graphifche Künfte, ift die Kartographie von allgemeinem und militärifchem Intereffe. Sie lehrt das Kind fchon die Heimat, den Kaufmann die Welt, den Oekonomen fein Befitzthum kennen, fie bietet dem Ingenieur die Bafis zu den kühnften Entwürfen und liefert dem Feldherrn wie dem Patrouilleführer ein getreues Bild des Terrains, auf dem fich fowohl die grofsen als die kleinen Operationen bewegen, und welchefollen fie die Bürgfchaft des Erfolges in fich tragen- immer dem Boden angepafst fein müffen. Die Kartographie erhebt uns gleichfam in die Lüfte, und enthüllt mit einem Male all die vielen, oft Ausfchlag gebenden Formen Das Heerwefen. 19 und Eigenthümlichkeiten des Terrains, welches der Soldat foll feine Thätig. keit fruchtbringend fein- ebenfo genau kennen und verftehen muſs, wie der Gewerbsmann die Werkſtatt, die Werkzeuge, das Material feines Metiers kennt und zu benützen weifs, mag er daheim oder in der Fremde den Pflichten feines Berufes gerecht werden. Die Kartographie dankt ihre Entſtehung und Ausbildung in erfter Linie dem Bedürfniffe des Staatsmannes und des Feldherrn, den Umfang des eigenen, wie fremder Länder kennen zu lernen. Und faft in allen Ländern der Welt waren, und find es heute noch militärifche Kräfte, welche die Aufnahme und Darftellung des Terrains beforgen, und der Privatinduftrie zu den fpeciellen Kartenwerken erft die Quellen liefern, welche fie ohne Unterſtützung und Mitwirkung des Staates nimmer erwerben könnte. In den älteften Zeiten mufsten noch plumpe Thonbildungen oder Hieroglyphen( von welchen im fpanifchen Pavillon aztekifche, in Italien egyptifche Originalmanufcripte ausgeftellt waren) dem Streben genügen, die Allmuter Erde wenigftens im eigenen Gefichtskreife bildlich darzuftellen. Erft mit den Fortfchritten der Mathematik und Aftronomie gewann die Kartographie präcifere Formen, und die Egypter und Römer waren fchon fo weit vorgefchritten, dafs fie die geometriſche Vermeffung einzelner Länderftre cken vornahmen, deren Refultate dann auf Metallplatten gravirt wurden. Die Erfindung des Compafs und der Buchdruckerkunft, die Feftſtellung des Kopernikanifchen Syſtems inaugurirten einen gewaltigen Fortfchritt der Kartenkunde. Wie es aber trotzdem damit ausfah, zeigte die in der Rotunde ausgeftellt gewefene photograpifche Copie einer um 1469 aus freier Hand gezeichnete Weltkarte; oder eine von Diego Ribero im Jahre 1529 entworfene fogenannte Compafskarte der neuen Welt, auf welcher z. B. die gewaltige Kette der Kordilleren gleich neben der Mündung des Amazonenftromes eingezeichnet erfcheint. Die Lücke von 1529 bis 1670 war auf der Weltausftellung unausgefüllt, und wurde der Faden erft im Pavillon der Erfindungen mit dem genannten Jahre wieder angeknüpft, aus welchem Perfpectivkarten exponirt waren, die dem Verſtändniffe auf Koften des richtigen Verhältniffes, fo gut es gehen wollte, gerecht zu werden verfuchten, und welche, allerdings wefentlich verbeffert und meift nur für locale Zwecke benützt, bis heute fich erhalten haben. Das Bedürfnifs, die Karten ganzer Länder zu befitzen, führte zu den Aufnahmsplänen; und war Oefterreich der erfte Staat, welcher fchon 1784 eine in der kurzen Zeit von 14 Jahren vollſtändig nach gleichem Mafsftabe gezeichnete Aufnahmskarte der Gefammtmonarchie befafs, welche Leiftung für die damaligen Verhältniffe als eine befonders hervorragende bezeichnet werden mufs. - Die Darftellung der Unebenheiten des Terrains bot bis auf die neuefte Zeit die gröfsten, noch nicht befiegten Schwierigkeiten, und konnte man auf der Weltausftellung die verfchiedenen Arten vertreten fehen. Brafilien und Nordamerika brachten nebft vorzüglichen See- und Küftenkarten auch Generalkarten, auf welchen die Gebirge wie eine Reihe Maulwurfshügel erfchienen, während das Syftem Lehmann( fenkrechte Beleuchtung, wechſelnde Stärke und Dichte der Striche) befonders für General- und Specialkarten in der ganzen Welt Anwendung findet, felbft Japan und China nicht ausgenommen, welche Cultur- und Generalkarten( von englifchen Ingenieurs entworfen, aber mit einheimifchen Lettern und Zeichen befchrieben) ausgeftellt hatten. Die nothwendig und nach Erfindung der Lithographie möglich gewordene maffenhafte Vervielfältigung von Karten, ferner der Wunſch, für Schulen und Comptoirs recht billige und fcharf ausgeprägte Karten zu liefern, führte dahin, die Gebirge braun gefchummert darzuftellen, welche Manier nach Erfindung des Farbendruck es noch an Verbreitung gewann. 20 Rudolf Baron Potier des Echelles. In neuerer Zeit ift der Verfuch, durch fchiefe Beleuchtung die Erhebung des Bodens reliefartig darzuftellen, vorzüglich gelungen, und lieferte namentlich die Schweiz- nebft anderen wahre Meisterwerke diefes Genres. Doch fo vorzüglich diefes Syftem für Darſtellung der allgemeinen Formen ift, fo genügt es doch nicht, um die Höhen auszudrücken. Um diefs zu erreichen, legte man die Erdoberfläche in Horizontalfchichten mit gleichen Abständen und waren Karten diefer Gattung zahlreich namentlich in Oefterreich, der Schweiz und Frankreich ausgeftellt. - Dafs die Photographie nicht ohne Einwirkung auf die Entwicklung des Kartenwefens bleiben werde, war vorauszufehen; und in der That ift es gelungen, photographifche Copien von Karten und Zeichnungen auf Stein, Kupfer, Zink oder Glas zu übertragen, und galvanoplaftifch zu erzeugen, deren Abdrücke in Reinheit dem Stiche gleichkommen, und durch welches Verfahren auch die Karten viel rafcher und billiger producirt und vervielfältigt werden können. Diefe neuefte Errungenfchaft wird bereits in allen Staaten im weiteften Mafse verwendet; ganz befondere Verdienfte hat fich aber das k. k. militärifch- geographifche Inftitut erworben, deffen Kartenwerke jeder Art und Gattung fchon längft einen Weltruf geniessen, und auf der Ausstellung wieder mit dem höchften Preife gekrönt wurden. Auch in den andern Staaten ift die Anfertigung von topographifchen Karten dem Generalftabe übertragen; und hatten Holland, Belgien, Dänemark und Schweden befonders intereffante Proben verfchiedener Vermeffungsund Erzeugungsarten gefendet, während von Amerika noch eine Militär- Dislocationskarte, von Paraguay eine fehr primitiv gehaltene Generalkarte,- von Spanien unter anderem eine vorzügliche Marfch- und Dislocationskarte, dann Reliefs der Schlacht von Baylen und der Belagerung von Saragoffa,- und von Italien eine fchöne Reliefkarte des Golfes von Spezzia, fowie mehrere geologifche Karten ausgeftellt waren. Rufslands Kartenwerke, in allen Genres reich vertreten und vorzüglich ausgeführt, fanden in jeder Beziehung die wohlverdiente Würdigung, und erweckten namentlich die graphifchen Darftellungen der bisher ganz unbekannt gewefenen Gebiete Central- Afiens ganz befonderes Intereffe. England hatte nur einige Schul- und Seekarten der Colonien gefendet. Um fo reicher war dafür Frankreich vertreten, und bot deffen Expofition aufserordentlich viel Anregung und Belehrung.- Neben der grofsen in Oel gemalten Wandkarte, welche die ganze Küfte Frankreichs beleuchtet, die Städte durch Metallknöpfe, die Eifenbahnen durch weifse Linien markirt zeigt, feffelten die grofse geologiſche Karte, die Pläne der Darftellung des Verfahrens bei Erzeugung von Ueberdruck, Kupferftich und Rectificirung alter Kupferplatten, fowie die fehr gelungenen Unterrichtsreliefs verfchiedenfter Gattung und Gröfsen die allgemeine Aufmerkfamkeit. Deutfchland war mit einer geradezu geiftblendenden Collection von geographifchen Hilfsmitteln aller Art vertreten, und find es befonders die SchulWand- und Reliefkarten, welche faft in allen Welttheilen Verbreitung gefunden haben. Als fehr intereffant mag eine Reliefkarte der ganzen Welt( in Mercators Projection) Erwähnung finden, welche die Erhebungen vom Meeresgrunde und dem Feftlande in fehr charakteriftifcher Weife darftellte. Die Kartographieausftellung O efterreichs war, abgefehen von dem hier ,, hors concours" ftehenden Leiftungen des militärifch geographifchen Inftitutes fowohl in Reliefs als Karten eine muftergiltige im beften Sinne, und bewies auch in diefem Fache den günftigften Erfolg der angebahnten Emancipation vomAuslande. Von Reliefs wären zu erwähnen: die von Hauptmann Fifcher gearbeitete Darſtellung der Belagerung von Paris im Jahre 1870 bis 1871 mit Angabe aller Stellungen und Arbeiten von beiden Seiten; dann eine grofse, von Hauptmann Das Heerwefen. 21 Menzinger ausgeführte, auf den neueften und genaueften Meffungen bafirte Reliefkarte von Europa, welche, durch Photographie vervielfältigt, allen Schulen zugänglich gemacht werden foll; ferner das mit Schichten aus Kartenpapier angefertigte, auf ifopedifchen Aufnahmen bafirte Relief der Salzkammergut- Bahn, und endlich mehrere ältere, ausgezeichnete Schul- und Studienreliefs. Auch Ungarn hatte fehr hübfche Schul- und Wandkarten, dann fehr gediegen ausgeführte Studienreliefs des Tatragebirges, ein Tiefenbild des Mittelmeeres und der Adria und einen ganz netten Reliefplan von Fiume ausgeftellt. Die allgemeine Kenntnifs der europäifchen Türkei und Kleinafiens wurde durch den Mangel einer einheitlichen, im grofsen Mafsftabe ausgeführte Generalkarte bisher wefentlich erfchwert. Dem wurde durch eine grofse, binnen 5 Monaten von zwei öfterreichifchen Officieren( Hauptmann Stuchlik und Oberlieutenant Moretti) gezeichnete, mit lateinifchen und türkifchen Lettern. befchriebene Karte abgeholfen, welche zur Vervielfältigung beftimmt ift und die türkifche Expofition gewiffermafsen eröffnete. In derfelben hatte. vom erften Tage an das Relief des Bosporus zahlreiche Bewunderer gefunden. Und wer Reifen im Geifte liebte, konnte ohne viele Müh ohne und Koften auch Jerufalem und den Suez Canal fehen. Er brauchte nur wenige Schritte weiter das Relief aufzufuchen, in welchem mit feltener Naturtreue auch kleine Details der heiligen Stadt" wiedergegeben waren, oder in der egyptifchen Abtheilung vor dem grofsen Reliefplane ftehen zu bleiben, welcher dem Befchauer das Land der Pharaonen zeigte, das, mächtig emporftrebend, der Culturträger des Weftens nach dem Orient geworden ift, und dem Welten verbindenden Canal bald die Eifenbahn zugefellen wird, welche Minieh und die Ruinen von Memphis und Philae paffirend, eine directe Communication des Sudan mit dem Mittelmeere herftellen wird. In faufendem Fluge überholt die Locomotive die langen Reihen der unter ihrer Laft mühfam fchreitenden Kameele, und führt die Frachten von zwanzig Karavanen in eben fo viel Stunden an das Meer, als das Schiff der Wüfte Wochen braucht. Vierzig Jahrhunderte fehen erftaunt die Werke ihrer Epigonen, welche, Zeit und Raum kürzend, die gröfsten Hinderniffe überwältigt haben, deren Bauten trotz ihrer Kleinheit doch ungleich gröfsere Bedeutung haben, als die Tempel und Pyramiden der Pharaos, die, dem Andenken der Todten geweiht, in Wahrheit einft auch das moralifche Sterben Egyptens markirten, welches Land aber heute, Dank dem Alles belebenden Einfluffe moderner Cultur, eine neue, Jugendkraft athmende Zeit inaugurirt. Die Gruppe XIII: das Maſchinenwefen, ift, wie auf allen Gebieten thätigen Schaffens, auch für die Erzeugung der Bedürfniffe des Heeres in weitefter, ja faft unbegrenzter Ausdehnung in Anspruch genommen. Es gibt nichts, wo nicht die Mafchinen in irgend einer Weife mitarbeiten würden, und zahllos find die Hilfsmafchinen, welche ganz ausfchliefslich für militärifche Zwecke erfunden und in Betrieb gefetzt wurden. Nicht nur das Arfenal oder die Laboratorien oder Giefsereien jede Regimentswerkstätte benützt die Mafchine. -- In der Mafchinen-- diefer Ehrenhalle geiftiger Schöpfungkraft und menfchlichen Könnens wären die exponirten Mafchinen Gemeingut aller Stände. und blieben die, fpecififch- militärifchen Hilfsarbeiten gewidmeten Maſchinen mit Ausnahme einer in Schweden ausgeftellt gewefenen Patronenerzeugungs- und Füllmafchine unvertreten. Zu bemerken wären Strai senlocomotive, welche im deutfch- franzöfifchen Kriege zur Transportirung des Belagerungsmateriales vielfache und relativ erfolgreiche Verwendung fanden, in England, Belgien und Rufs 22 Rudolf Baron Potier des Echelles. land exponirt waren, und bei einer, auf dem fehr ungünftigen Grunde vom Weft portale bis zum Nufsdorfer Sporn und zurück vorgenommenen Probe, die theilweife ftarke Steigungen bietende Strecke fammt der Laft von 160, refpective 320 Wiener Centner binnen drei Stunden zurücklegten. Locomobile, meift in der Landwirthschaft verwendet, und namentlich zahlreich und in verfchiedenen Varianten in England, Frankreich, Deutfchland, Oefterreich und Rufsland ausgeftellt, werden im Belage rungspark und in ambulanten Laboratorien als Motore vielfach mit fehr günftigem Erfolge gebraucht. Mafchinen zur Maffenerzeugung fertigen Schuhwerkes waren in Amerika, Frankreich, Deutfchland und Oefterreich; die fo wichtigen transportablen Feldfchmieden in Amerika, Schweden und Rufsland ausgeftellt, und fanden ganz befonders die im Pavillon von Mahler und Efchenbacher in Thätigkeit befindlichen Schaller'fchen Cylinder Feldfchmieden, welche, in einer kleinen Cafette verpackt, auf dem leichteften. Fuhrwerk mitgeführt, binnen wenig Minuten an jedem beliebigen Orte etablirt werden können, und in der ganzen öfterreichifchen Armee eingeführt find, umfomehr allgemeine verdiente Anerkennung, als fie einem auch in der Landwirthfchaft langgefühlten Bedürfniffe abgeholfen haben. Im englifchen Arbeiterhaufe erregte eine leicht transportable Küche, in Amerika eine Mafchine zum Maffenzufchneiden der Kleiderftoffe ( 1500 Stück Anzüge per Tag) die Aufmerkſamkeit; während Nähmaschinen für ſpecififch- militärifche Zwecke nur in ihrem Stammlande und in Deutfchland exponirt waren, obgleich auch in O efterreich Militär- Ausrüftungsgegenftände und Patronenfäcke längft mit eigens conftruirten Mafchinen genäht werden. - Die amerikaniſche Mafchine näht die ftärksten Tuch- und Lederforten, und wird hierin noch von einer, durch die Leipziger Firma C. Hoffmann exponirt gewefene Mafchine erreicht, welche nicht nur( die einzige auf der Weltausftellung) Czakos und Helme in der Rundung, fondern auch Patrontafchen, Tornifter, Feldflafchen- Hülfen, dann Zugftränge von achtfachem ſtarken Leder mit fpielender Leichtigkeit näht, und für die militärifche Confection nicht minder von Bedeutung ift, wie das von der Bremer Nähmaschinenfabrik ausgeftellte Exemplar, welches bei den Knopflöchern auch den Schlufs anfetzt und damit viel Zeit, Mühe und- Lohn erfpart. Gruppe XIV: Wiffenfchaftliche Inftrumente, liefert die Induftrie vorwiegend und im ausgedehnten Mafse für technifche und Bildungsanftalten, befonders aber zahlreiche Apparate für die Mappirung, für die Artillerie und endlich für die fo wichtige Feldtelegraphie.- Aus dem reichen Schatze der für fpecififch- militärifche Zwecke conftruirten Apparate feien hier nur jene markirt, welche auf der Weltausftellung vertreten waren. In Deutfchland war ein elektrifcher Apparat zum Meffen der Anfangsgefchwindigkeit der Gefchoffe im Rohre, dann eine reiche Auswahl von Kanonenvifiren, geodätifchen, Nivellir- und anderen Hilfsinftrumenten ausgeftellt. Die Schweiz war mit den weitberühmten Reifszeugen und Aufnahms inftrumenten, Italien mit einem Apparat zur Erprobung der Widerstandsfähig. keit der Metalle, Rufsland mit dem Modelle eines completen Feldlaboratoriums und Oefterreich in rühmlichfter Weife mit geodätifchen und Nivellirinftrumenten aller Gattungen erfchienen, unter denen ein Höhenmeffer ältefter Art neben drei Collegen neuefter Conftruction draftifch genug den gewaltigen Fortfchritt auch in diefem Genre markirte. Die Feldtelegraphie war nur von Oefterreich complet und würdig befchickt, welches je einen Apparat- und Materialwagen für Feldtelegraphie aus. Das Heerwefen. 23 geftellt hatte, in welch letzterem unter anderem 90 Stangen mit Kautfchuk Ifolatoren, 50 Mauereifen, 2 Drahttrommeln mit Kupfer, eine mit Kautfchuk- Kabel, dann Morfé- und Hughes- Apparate u. f. w. verwahrt find, und fich, wie überhaupt der öfterreichiſche Feldtelegraph, durch befonders leichte Bewegung, Etablirung und Sicherheit der Function auszeichnet. Dann hatte noch Schweden einen etwas veralteten Telegraphenwagen mit vier Trommeln glatten und drei Trommeln überfponnenen Drahtes von circa drei Meilen Leitungslänge, und einen auf jeden beliebigen Tifch zu etablirenden Morfé- Apparat, dann einige optifche Signale exponirt, während Rufsland Apparate und Wagen für Feldtelegraphen blos im Modelle gezeigt hatte. Die Schweiz brachte optifche Telegraphen, jedoch nur auf kurze Diftanzen, daher diefelben trotz der Angabe, für Kriegszwecke nur bedingten Werth haben. Italien hatte in einem Atlas die Zeichnungen feines Feldtelegraphen- Syftems gefendet, und in Deutfchland waren Pläne und Befchreibung zur Errichtung einer Feldtelegraphen- Escadron, dann eine elektriſche Telegraphenleitung längs eines in Bewegung befindlichen Eifenbahnzuges, endlich mehrere Proben von unterfeeifchen Kabeln exponirt, welch' letztere auch in England und Frankreich, dort neben einem zufammenlegbaren, von einer Perfon transportablen Hughe'fchen Apparat in Form eines kleinen Schreibepultes ausgeftellt waren. - Noch wären die Beleuchtungsapparate zu erwähnen, welche im Kriege eine fo bedeutende Rolle zu spielen berufen find. Die alten, aus Mörfern geworfenen Leuchtkugeln haben dem elektrifchen Lichte weichen müffen, und waren mehrere fahrbare Apparate zur Erzeugung desfelben aus Deutfchland, Frankreich, England und Oefterreich ausgeftellt, von deren aufserordentlicher Wirkung man fich allabendlich, namentlich aber am Abend des grofsen Volksfeftes überzeugen konnte, an welchem das elektrifche Licht, die Schatten der Nacht befiegend, die fegenfpendende Auftria und die Kaiferkrone auf der Höhe des Induftriepalaftes mit glänzendem Lichte über flutete, dafs fie hinausftrahlte in weite Ferne ein dem Befchauer unvergefsliches Bild! In welchen Beziehungen die in Gruppe XV: Muſikaliſche Inftrumente, vertretene Iuduftrie zum Heerwefen fteht, braucht wohl keines befonderen Beweifes. In der That gab das Bedürfnifs der Militär- Mufikbanden nach klangvollen, Töne beherrfchenden und doch handfamen Inftrumenten den Impuls zur Erfindung von vielen, fpeciell für Militärmufik beftimmten Inftrumenten; und fei es mit Befriedigung conftatirt, dafs es die öfterreichifchen Inftrumentenfabrikanten find, welche fich auf diefem Gebiete einen weit über Europa hinaus anerkannten Ehrenplatz errungen haben, und denfelben auch jetzt noch behaupten, wenngleich die feit fechs Jahren durchgeführte Auflöfung von 115 Mufikbanden und Reducirung der beftehenden auf 46 Mann die Inftrumenten- Fabrication auf das allerempfindlichfte gefchädigt, ja vielleicht- tödtlich getroffen hat. An der Ausftellung von Militär- Mufikinftrumenten betheiligte fich Frankreich nur durch zwei übrigens berühmte Firmen, von denen die eine allein 700 Arbeiter befchäftigt;- Italien war reich und würdig vertreten, und erregte unter anderem eine Ordonnanztrompete Auffehen, auf welcher man die ganze Scala fpielen konnte. Rufsland, Rumänien und Ungarn hatten Blasinftrumente, die Türkei die dort eigenthümlich fchrille Flöte und kleine Pauken aus Thon gefendet. Sehr reich und würdig war Deutfchland erfchienen, und fand eine Echomafchine, dann ein Clairon mit zwei Schallröhren, endlich neue Metall 24 Rudolf Baron Potier des Echelles. Compofitionen für Blechinftrumente, fowie die Mafchinpauken von C. Hofmann in Leipzig allgemeine Beachtung. Die Palme diefer Abtheilung gebührt aber Oefterreich, welches trotz bedeutender Concurrenz jetzt noch einen ziemlich ſtarken Export in Blasinftrumenten befitzt. Sowohl die berühmten böhmifchen Fabrikanten( Cervený, Sto. waffer), als jene nicht minder gefeierten von Wien( Ullman, Ziegler) leifteten in der That ganz Vorzügliches und beftanden, an Ehren reich" im grofsen Wettkampf aller Völker. Nächft den Blasinftrumenten waren die Stahl- Lyra's, Tamtams und Klangt eller vertreten, von denen erftere in Oefterreich, letztere, und zwar in vorzüglicher Güte, in China und der Türkei ausgeftellt waren. Trommeln, fowohl für Truppen als Mufikbanden, waren in Ungarn, Dänemark, Italien, Deutfchland und Oefterreich( letztere von vorzüglicher Güte), dann in befonders fchöner Klangfülle in China und Japan zu fehen. Englands ganze Betheiligung an Militär- Mufikinftrumenten beftand in einer Metalltrommel mit nur einem Schlagboden aus Metall, an deffen innerer Fläche die Befaitung auf hölzener Verftäbung befeftigt ift. Diefe Trommel wird mit einer einzigen Schraube geftimmt, mit Kautfchuk gepolsterten Schlägeln gerührt" und hat viel Anklang gefunden. In der Gruppe XVI: Heerwefen, waren auf der Weltausftellung zunächft alle jene Objectte eingetheilt, welche vorwiegend beftimmt find, die Exiftenz des Soldaten behaglicher zu ftellen, die Schmerzen und Folgen des Krieges zu heilen oder doch zu lindern. Das Sanitätswefen hat feit den letzten mörderifchen Kriegen nicht nur in militärifcher und humanitärer Beziehung eine ganze eminente Bedeutung gewonnen, fondern gab auch einer ganz neuen, ausgedehnten Induftrie den Impuls. Diefelbe befchäftigt zahlreiche Fabriken und Etabliffements, und waren deren manigfache bewundernswerthe Producte mit geringen Ausnahmen von allen Staaten gefammelt im Sanitätspavillon ausgeftellt. Mit tiefem Dankgefühl werden alle jene diefe fo hoch intereffante Expofition verlaffen haben, welche je felbft die Schrecken des Schlachtfeldes, der Verbandplätze und Spitäler kennen gelernt haben, welche theure Angehörige denfelben ausgefetzt wufsten, welche endlich angefichts der furchtbaren Vernichtungs- Werkzeuge nur mit Bangen kommenden Kriegen entgegenfehen. Die edlen Beftrebungen der Nächftenliebe, die fich gerade in den letzten Kriegen fo unendlich wirkfam erwiefen haben, fanden durch Induſtrie und Gewerbe kräftigfte Unterſtützung. Mit Eifer haben letztere die neu geftellte Aufgabe zu löfen gefucht, und bewiefen diefs mehr als 30 Tragbahren und Sänften der verfchiedenften Gattungen und Syfteme, welche namentlich Oefterreich und Deutfchland gefendet hatten. Entfprechend den Bodenverhältniffen hatte die Schweiz eine leicht transportable Gebirgsbahre ausgeftellt, welche den Kranken trotz der Unebenheit des Bodens ftets horizontal hält. Alle diefe Bahren verfolgten trotz der Verfchiedenheit ihrer Conftruction doch nur den einen Zweck, den Verwundeten fo leicht, fo bequem, und vor allem fo fchonend als möglich vom Schlachtfelde zum Verbandplatze zu fchaffen. Die chirurgifchen Beftecke, die Operationstifche und Apparate, die künftlichen Glieder, Gypsverbände und all die zahllofen anderen Hilfsmittel und Spital seinrichtungen, dann Lazarethund Operationszelte, vorwiegend von Oefterreich, Deutfchland, der Schweiz, England, Frankreich, Amerika und Rufsland( von letzteren beiden im Modell) ausgeftellt, find wahre Meifterwerke, deren weitere Das Heerwefen. 25 detaillirte Würdigung aber, wie fo vieles Andere, leider aufserhalb des gezogenen Rahmens fällt. Den Transport der Verwundeten vom Verbandplatze zur Ambulanz zu erleichtern, war die Aufgabe der Wagenbaukunft und hatte diefelbe zahlreiche Syfteme von Apotheker- und Lazarethwagen aus allen Ländern, fogar aus Spanien ausgeftellt, unter welchen fich namentlich die Wagen Oefterreichs, Rufslands, Italiens, dann jene des Wiener patriotifchen Damenvereines und des deutfchen Ritterordens durch Leichtigkeit und praktiſche Einrichtung befonders auszeichneten. Vielleicht ift es nicht ohne allgemeines Intereffe, die Wirkfamkeit des eben genannten Ordens zu markiren. Derfelbe ftellt dem Staate vierzig vollkommen ausgerüftete, mit dem ärztlichen Perfonale verfehene Sanitäts colonnen à fechs vierfpännige Wagen unentgeltlich zur Dispofition, übernimmt die Verpflegung fämmtlicher Bemannung und Befpannung, und zahlt aufserdem noch eine Entfchädigung für Abnützung der Montur und Rüftung. Aus Ordensmitteln werden nach und nach fämmtliche Truppenfpitäler mit chirurgifchen Handbeftecken, dann alle Cafernen der Monarchie mit Rettungskaften und Räderbahren verfehen, und übernimmt der Orden die einheitliche Leitung des Hilfswefens im Kriege. Der grofse Uebelftand, erft nach dem Einrücken in die Station kochen oder backen zu können, hat die Induftrie zur Erbauung von fahr baren, während des Transportes arbeitenden Feldküchen und Feldbacköfen veranlafst, und waren fehr praktiſche Gattungen diefer Fuhrwerke aus Deutfchland, O efterreich und Italien, fowohl im Originale als im Modelle ausgeftellt. Ein höchft wichtiger Zweig der Sanitätspflege ift ferner der Transport mittelft Bahn, und ift es diefem im Jahre 1859 in Oefterreich zuerft eingeführten Zerftreuungsfyftem allein zu danken, dafs die letzten Maffenkriege keine Epidemien im Gefolge hatten. Und wer jemals die unfägliche Pein erleiden musste, fchwer verwundet auf dem harten, mit wenig Stroh bedeckten Boden eines fchlecht fchliefsbaren, nothdürftig gereinigten Laftwaggons, nicht viel beffer wie ein Frachtftück transportirt zu werden, der wird dankbar die ungeheuren Fortfchritte der Induftrie zu würdigen wiffen, welche jene praktifchen, mit Recht fo viel bewunderten Eifenbahn- Lazarethzüge und Waggons erfonnen und ausgeführt hat, die von Frankreich, Deutfchland und Amerika( im letzteren blos im Modell) exponirt waren. Was aber im Sanitätspavillon befonders wohlthuend berührte, war die erhebende Thatfache, dafs alle in demfelben ausgeftellten, rein humanitären Zwecken gewidmeten Objecte der Privat- Initiative zu danken find, dafs die werkthätige Privathilfe eingetreten ift, um die Schrecken des Krieges zu mildern. Alle Daheimgebliebenen, das ganze Volk, gedenkt ja der Söhne und Brüder draufsen, die ihr Beftes, ihr Leben einfetzen zum Schutze der Heimat, welche wieder opferfreudig Hilfe bringt. Nicht nur Männer widmen Zeit, Kraft und Mittel dem Gelingen edler humanitärer Beftrebungen: auch die Frauen, nicht fcheuend die Mühen und Schrecken der Spitäler, nehmen werkthätigen Antheil an der Pflege der Verwundeten, und mit zarter Sorge, wie nur Frauen es vermögen, erhellen fie den Jammer der Krankenftube durch die beglückende Theilnahme wahrer Nächftenliebe. Der Pavillon Krupp war ein Ruhmestempel des menfchlichen Geiftes; im Sanitätspavillon aber bot das menfchliche Herz feine koftbaren Schätze, feierte der Genius der Menfchenliebe die fchönften, erhebendften Triumphe!! 26 Gruppe XVII: Rudolf Baron Potier des Echelles. Das Marineweſen, hat feit allgemeiner Einführung der modernen, gewaltigen Hinterlader- Kanonen eine vollständige Umwandlung erfahren, und mit Annahme der Schiffspanzerung den Beweis geliefert, dafs die Technik, wenn fie Trutz bietet, auch zugleich für Schutz zu forgen weifs, und in Löfung diefer Aufgabe von der Induftrie fehr wirkfam unterſtützt wird, welche in der Befchaffung der Marinebedürfniffe aller Art vielfache Anregung und Befchäftigung findet, wie diefs deutlich die Ausftellung der k. k. See behörde, dann jene des öfterreichifchen Lloyd und der Donau- Dampffchifffahrts Gefellfchaft bewiefen. Im grofsen Ganzen liefert die Induftrie für die Kriegs- Marine fo ziemlich diefelben Segel, Takelwerk und andere Schiffs- Ausrüftungsgegenstände, wie für die Handelsmarine, nur dafs die Dimenfionen gröfser uud ftärker gehalten find. Doch ift die Eifen- Induftrie vorwiegend für die Kriegsmarine in Anfpruch genommen, und übernimmt fie nicht nur den Bau des Schiffskörpers, fondern fie liefert auch die gewaltigen Panzerplatten, zu deren Erzeugung wieder eingehende Studien, Verfuche und Einrichtungen nothwendig waren, deren Erfahrungen und Leiftungen auch die Induftrie bereichern, fomit der Allgemeinheit pofitiven Nutzen brachten. Nächft den Panzerplatten find noch Torpedo's, diefe unheimlichen, fürchterlichen Seeminen zu erwähnen, welche, natürlich ungefüllt, blos in Oefterreich und England unter der harmlofen Geftalt ,, mechanifcher Apparate" in verfchiedenen Syftemen und Formen zu fehen waren. Man fah es diefen grofsen„ Metallbirnen" gar nicht an, dafs die Explosion einer derfelben im Stande fei, die ängftlichfte Vorficht, den kühnften Heldenmuth und die aufopferndfte Tapferkeit zu paralyfiren, dafs fie ein ftolzes Kriegsfchiff mit viel hundert Menfchen an Bord mit einem Hauch in die Tiefen des Meeres zu fenken vermag. Panzerplatten fowohl in rund- als plattgewalzter Form waren blos in England und Schweden ausgeftellt. Erſteres zeigte im Pavillon Armſtrong zwei 21 und 16 Centimeter ftarke, mit eingefchnittenen Stückpforten verfehene Segmente für Thurmfchiffe und Proben von deren Widerftandsfähigkeit gegen Stahlfpitz- Gefchoffe; letzteres hatte eine elfcentimetrige Panzerplatte exponirt, welche in der Mitte von Stahlfpitz Projectilen durchgefchlagen erfchien wie Kartenpapier, während die linke untere Ecke gar weggefchoffen war. Die Lagerung des Panzers, fowie die Conftruction der Panzerfchiffe und Monitors wurde an zahlreichen Modellen gezeigt, welche in Rufsland, Oefterreich, Frankreich und Italien ausgeftellt waren und allgemeines Intereffe erregten. Den gewaltigen Unterfchied zwifchen„ Einft und Jetzt" zeigten die in der italienifchen Abtheilung ausgeftellt gewefenen Modelle einer alten Segelfregatte mit Auxiliar- Mafchine und des neuen Panzerfchiffes" Roma". Schutz und Trutz halten fich in der Kriegsmarine nunmehr fo ziemlich die Waage, indem die Gefchoffe nur dann wirkfam find, wenn fie in geradem Schuffe auf den Panzer treffen, was nur höchft felten der Fall ift. Der Kampf zur See wird daher künftig weniger von der Kraft als dem Geifte entfchieden werden. Und weffen diefer, gleichviel ob auf Holz oder Eifenfchiffen, fähig ist, das lehrt die That Farragut's, die heldenmüthige Epiſode des hölzernen Linienfchiffes„ Kaifer", welches in der Schlacht bei Liffa die Angriffe von vier Panzerfchiffen abfchlug, vor Allem aber diefe Schlacht felbft, die, würdig an die glänzendften See- Siege fich anreihend, Oefterreichs Marine den ehrenvollften Ruhm für alle Zeiten fichert. Die Gruppe XVIII: Das Heerwefen. 27. Civil- Ingenieurwefen, bietet, wie fchon der Titel fagt, nur wenig Relationen der Induftrie zum Heerwefen. Einzig die ausgeftellt gewefenen transportablen Eifenbahnen, deren Erzeugung und Verwendung können den Induſtriellen wie den Militär intereffiren. Es waren davon nur Modelle vorhanden, und zwar in Frankreich jenes einer fchmalfpurigen Bahn nach dem Syfteme Corbin, welche bereits vielfach auf gröfseren Bauplätzen, Häfen, in Forften und Bergwerken zur Verwendung kommt und fich überall vorzüglich bewährt hat. Sie befteht aus zwei, mit Eifen befchlagenen und mit Querriegel verbundenen Längsbalken von weichem Holze. Die dadurch entſtehenden, von zwei Mann leicht tragbaren Leitern" werden an einander gefügt, an den Enden mit eifernen Schuhen verbunden und kann die Meile einer folchen Bahn, welche auch Steigungen bis 12 Percent ziemlich leicht überwindet, binnen wenig Stunden etablirt oder abgebrochen und transportirt werden. Der Betrieb gefchieht meift mit Pferden und rechnet man 200 Centner Laft auf jedes Thier. In Oefterreich war das Modell der„ Glorine" exponirt, eine höchft wichtige Erfindung des Nordbahnbeamten Herrn Poppovic. Sie iſt ein fehr finnreich und einfach conftruirtes, transportables Geleisfyftem, welches fich in jede Räumlichkeit gleichfam elaftifch einfügen läfst, in 24 Stunden an jedem beliebigen Punkte einer Bahnlinie etablirt werden kann, und mittelft welcher es möglich ift, binnen 24 Stunden 72 Züge oder 72.000 Mann nach allen Richtungen zu expediren. Durch Anwendung der Glorine ift die Concentrirung der Truppen an die gröfseren Bahnhöfe nicht mehr gebunden, fondern es fteht nun dem Feld herrn frei, die Concentrirung an dem, den Kriegszwecken günftigften Punkte anzuordnen, die Glorine anlegen zu laffen und die Expedition der Züge fofort einzuleiten. Die Glorine beſteht im Wefentlichften aus einem feitwärts der Hauptbahn angebrachten, mit derfelben nach zwei Richtungen verbundenen Geleiskreife von 400 Klaftern Durchmeffer, welcher in zwei Sturzgeleife endigt und an 6 auch transportablen Rampen die gleichzeitige Einparkirung von 6 Zügen ermöglicht, deren Expedition den internen und äufsern Verkehr ganz ungeftört läfst. Die Gruppen XIX bis XXIV: Der nationalen Hausinduftrie, der Wohnung, der kirchlichen Kunſt und der Kunftgefchichte gewidmet, find ohne jede directe Beziehung zum Heerwefen, deren weitere Berührung fällt daher aufserhalb des Programmes. In welchen Beziehungen fteht denn nun aber die Gruppe XXV, was hat wohl die mit dem Heerwefen zu thun? Bildende Kunft Wohl mehr, als es für den erften Moment den Anfchein hat. Die grofsen welthiftorifchen Umwälzungen find ftets das Refultat gewaltiger Kämpfe, in welchen alle geiftigen, moralifchen und phyfifchen Kräfte der menfchlichen Natur in höchfter Potenz zur Entfaltung gelangen, und zu Thaten entflammen, welche nach Jahrtaufenden bewundert, ebenfo fehr zu gleichem Heldenmuthe begeistern. 28 Rudolf Baron Potier des Echelles. Die bildende Kunft, indem fie die That felbft unmittelbar vor Augen führt, wirkt ungleich mächtiger als des Sängers Lied oder des Hiftorikers Griffel! Sie erfetzt die formenwechſelnde Tradition; und von den Perfern an, deren Siege heute noch die Felfendenkmale von Perfepolis verkünden, bis auf die neuefte Zeit, ift es die bildende Kunft, welche, gleichviel ob in Marmor oder Erz, durch Pinfel oder Griffel kommenden Gefchlechtern die grofsen ruhmesvollen Thaten eines ganzen Volkes wie der Einzelnen erzählt, fie der fernften Nachwelt erhält und überliefert zu immerwährender Ehr' und Beiſpiel. - Wirkt fo die bildende Kunft in hohem Grade veredelnd und begeiſternd, fo erhält fie wieder ihre fchönften und beften Motive aus der zum höchften Effect gefteigerten Entwicklung menfchlicher Tugenden und Leidenfchaften, die nur dort durchbrechen können, wo eben oft um Höheres als das blofse Leben, um die Ehre und das Glück des Vaterlandes geftritten wird. Und nicht nur der Sieg, auch das ehrenvoll erlittene Unglück findet gerade durch die bildende Kunft oft Troft, Hoffnung und Muth zu neuer Thätigkeit! Sie ehrt die kriegerifchen Tugenden; und gewifs war jenes Bild in der franzöfifchen Abtheilung von mächtigem Eindrucke, welches die„ grofse Armee" auf den Schneefeldern Rufslands und einen Krieger von den Pyramiden zeigt, der, fymboliſch von den Genien der Pflicht und des Muthes verklärt, trotz fchweren, blutenden Wunden, doch noch in opferwilliger Hingebung feine verzagenden Kameraden ermuthigt. Nicht minder erhebend ift die Verewigung des denkwürdigen Momentes, in welchem Don Juan d'Auftria bei Lepanto das türkifche Admiralfchiff entert, und damit den Sieg entfcheidet, welcher den Türken 200 Galeeren und 30.000 Mann koftete und deren dominirende Seemacht für alle Zeiten brach; oder endlich jene Attaque der öfterreichifchen Küraffiere in der Schlacht von Würzburg, in welchem Gemälde das ,, Moriamur pro rege noftro" charakteriftifchen Ausdruck fand. Tiefe Bewegung mochte auch jenes mit der finnvollen Unterfchrift, in fanguinem martyris faemen vitae" gezeichnete, und für die Kirche von Clermont beftimmte Glasgemälde her. vorgerufen haben, welches den„ Küraffier von Reichshofen" darftellt, der, mit der Todeswunde im Herzen hinfinkend, noch die Fahne hoch hält. In Italien fand ein äufserft ftimmungsvoll gedachter und ausgeführter Bajonettangriff der Berfaglieri, vor allem aber die grofse Statue der„ Gefchichte" viel Beifall; während die grofsen Modelle des Genfer Nationaldenkmales und des jenigen, mit welchem die Schweiz das Andenken der„ Spartaner" von St. Jakob ehrt, das allgemeine Intereffe feffelten. In Rufsland war es befonders das Treffen von Karftula" in Finnland 1809 deffen Darftellung neben einigen anderen Schlachtenbildern, wegen der fehr gefchickt wiedergegebenen eigenthümlichen Gegend und Nebenumftände befondere Beachtung fanden. Die belgifche Kunft verewigte die Harangue des Bürgermeifters von Antwerpen, der die Bürger zur wackeren Vertheidigung der Stadt auffordert, dann den Rückzug der Vogefen- Armee 1871 in die Schweiz, und eine Epiſode von Sedan. - - Am reichften waren Bilder vom Kriege in Deutfchland ausgeftellt, und bildeten wie natürlich die letzten Riefenkämpfe den Vorwurf zu den gelungenften Gemälden. Ernfte Kämpfe, das Marfch- und Lagerleben, treue Kameradfchaft, hingebende Liebe und Anhänglichkeit zu bewährten Führern, mit einem Worte alle Kriegertugenden fanden ihre bleibende Würdigung durch die Kunft, welche auch der aufopfernden Menfchenliebe in den, Weinbergen bei Wörth" und , barmherzige Schweftern auf dem Schlachtfelde" ein ehrendes Denkmal widmete. In das Gebiet des Genrebildes gehört zwar die Darftellung des„ Eintreffens der Siegesnachricht von Sedan in einer Stadt", doch, indem fie die Theilnahme des Volkes an den Gefchicken der Armee illuftrirt, verdient fie gewifs ebenfo Beachtung, als die ,, preufsifchen Werber" den ungeheueren Unterfchied zwifchen geworbenem und dem aus der allgemeinen Wehrpflicht gebildeten Volksheer markiren. Das Heerwefen. 29 Oefterreich hatte nur einen geringen Theil feiner überreichen Kunft. fchätze zur Weltausftellung gefendet, und fand ,, Herzog Leopold des Glorreichen Heimkehr vom Kreuzzuge", die grofse" Türkenfchlacht von Wien 1683", dann die Darftellung der Schlachten von Kollin, Würzburg und Neerwinden allgemeinfte Würdigung. Die grofsen Schlachtbilder, welche die Ruhmeshalle des Arſenales fchmücken und auf der Weltausftellung in Skizzen zu den Gemälden der Schlachten von Hochkirch, Caldiero, Piacenza und Afpern vorhanden waren, fowie die Darftellungen der Attaque von„ Trani- Uhlanen", der„ Erftürmung des Belvederes"( beide Epifoden aus der Schlacht von Cuftozza), dann des Reiter. gefechtes von Langenbruck; vor Allem aber jene des See- Sieges bei Liffa, zeigten aller Welt den Ruhm ererbter, allzeit erprobter öfterreichiſcher Tapferkeit, welche im Vereine mit opferwilliger, unerfchütterlicher Treue und Hingebung fo oft zu antiker Heldenkühnheit fich emporfchwang. Die Ruhmeshalle im Arfenale, die Monumente in der Refidenz, in den grofsen Städten des Reiches und an der Heerftrafse, verkünden die Thaten des ruhmgekrönten Feldherrn wie des Fuhrwefen- Soldaten, und ehren das Andenken jener, die für das Vaterland auf dem Felde der Ehre geblieben find. Die Denkmäler auf den fchneeigen Höhen der Alpen, in den fandigen Niederungen der Flüffe, an den fonnenumgoldeten, palmengefchmückten Küften des Mittelmeeres, wie am fernen, wogenumbrauften Strande des Kattegat und der Nordfee, werden unferen fpäteften Enkeln erzählen, dafs Oefterreichs Söhne, überall und immer, ehrenvoll, tapfer und treu ihre Pflicht erfüllten. Monumente und Gemälde, als directe Schöpfungen der bildenden Kunft, find von mächtiger allgemeiner Wirkung auf den Geift einer ganzen Nation, während jene in zahlreichen Exemplaren verbreiteten graphifchen Darft ellungen einzelner Epifoden( doch auch Töchter der Kunft), Wort und Schrift ergänzend, unmittelbar auf Aug und Sinn, daher auch auf Verftand und Gemüth wirkend, auf den Geift und die Stimmung des Volkes wie des Heeres einen höchft bedeutenden Einfluss ausüben, deffen Stärke mit der allgemeinen Bildung im Verhältniffe fteht. Welche Fortfchritte die letztere feit Kurzem gemacht hat, wie gerade fie fo recht berufen ift, unbedingte Pflichttreue und Vaterlandsliebe zum unbeftrittenen Gemeingute Aller zu machen, und die Confequenzen der allgemeinen Wehrpflicht im beften Sinne zu entwickeln, zeigte auf der Weltausftellung die Gruppe XXVI: Erziehungs- und Unterrichtswefen. Der Grundfatz:" Wiffen ift Macht!" hat fich bereits überall Geltung erworben, und darf es gewifs ein erfreulicher Fortfchritt genannt werden, dafs fämmtliche Länder bemüht waren, diefe Macht fo reich und fo gediegen als möglich der Welt zu zeigen. Wenn auf früheren Weltausftellungen die materielle Stärke forgfältig zur Schau geftellt, und mit einem gewiffen Selbftgefühl gezeigt wurde: das können wir", fo hat die Wiener Weltausftellung den Wettkampf der geiftigen Kraft in die Schranken gerufen, und auch die Devife:„ das wiffen wir" zu Ehren gebracht. Wer die Unterrichts- Ausftellungen Frankreichs, Deutfchlands und O efterreichs eingehender betrachtet und verglichen hat, wird namentlich viel Anregung und Belehrung gewonnen haben. So intereffant und verlockend es auch wäre, bei den erwähnten LehrmittelAusftellungen zu verweilen, fo ift es doch die Volksfchule, welche als Bafis der allgemeinen Bildung in erfter Linie die Aufmerkfamkeit in Anspruch nimmt. Die Schweiz hatte Producte der Volksfchule, Portugal, Amerika, Schweden und Oefterreich dagegen vollständig eingerichtete Mufter- Schulhäufer der Befichtigung und der Beurtheilung geöffnet. Das portugie fifche 30 Rudolf Baron Potier des Echelles. Schulhaus liefs im Allgemeinen kalt; es machte den Eindruck des Zufammengetragenen, des Erkünftelten, und ſtatiſtiſche Daten über den Percentfatz der des Lefens und Schreibens Kundigen beſtätigen diefe Meinung. Uebrigens ift vielleicht das ausgeftellt gewefene Schulhaus das Samenkorn, aus dem auch einft in Portugal die fegenfpendende Geiftesfaat zu reicher Frucht gedeiht, in welchem Sinne dann das befcheidene Schulhaus immerhin providentiellen Werth befafs. Amerika trat entfchieden auf! Hier war bereits Vorhandenes, Ausgebil detes. Das klare Bewufstfein des Wollens, der praktiſche Sinn, die Jugend fchon für den Ernft und die Härten des Lebens vorzubereiten und zu ftählen; die Ausprägung eines ftark ausgeprägten Selbftgefühles und Nationalftolzes, als Refultat lebhaft empfundener Vaterlandsliebe, trat in fcharfen Zügen kräftig zu Tage und auch die innere Einrichtung entſprach den„ künftigen Bürgern der Vereinigten Staaten". Das fchwedifche Schulhaus konnte in allen Einzelnheiten als das Ideal einer Volksfchule gelten, obgleich Manches zu viel erſchien. Auf die Entwicklung eines fehr regen Patriotismus legt die fchwedifche Volksfchule entfchieden hohen Werth, und indem das Kind die Heimat und deren Gefchichte kennen lernt, lernt es auch fie lieben, und nur der mag fich einen„ Weltbürger" nennen, der erft ein treuer Bürger feines Vaterlandes ift. Das öfterreichifche Schulhaus hat, weil es eben wahr und wirklich iſt, weil es in Praxis fein kann, was es fein will, vom Augenblicke feiner Eröffnung an entfchiedenften Beifall und Zuftimmung gefunden, die fich am klarften durch den Umftand manifeftirte, dafs aus vielen Kronländern, ja felbft aus Sachfen und Franken Pläne und Entwürfe verlangt und meift zur Ausführung acceptirt wurden. Doch wurde vielfach die Frage aufgeworfen: ob es wohl möglich fein werde, diefer Volksfchule überall in Oefterreich Geltung zu verfchaffen. In einem Lande, welches, wie Oefterreich, binnen wenig Wochen aus Privatmitteln 275.000 fl. zu rein wiffenfchaftlichen Zwecken gab( Polar- Expedition), in welchem von anonymen Perfonen binnen 10 Tagen 25.000 fl. zur Erbauung diefer Schule einliefen, deffen Wohlthätigkeitsfinn in allen Landen bekannt ift: darf diefe Frage entfchieden bejaht werden, darf die Schule das Befte erwarten. Und diefe wieder, in ihren Folgen das ficherfte Capital bildend, welches wir unferen Erben hinterlaffen können, lohnt mit reichften Zinfen; denn nur die Schule ift es, von welcher die vollkommene Regeneration ausgehen kann, nur die Schule vermag ein von hingebendfter Liebe zu Kaifer und Reich durchdrungenes Volk heranzubilden. Die Sinnfprüche, welche im öfterreichifchen Schulhaufe die Halle, das Zimmer, den Turnfaal fchmücken, fie prägen dem Kinde fchon die Liebe zum Vaterlande ein, deffen Vertheidigung die heiligfte Pflicht des Mannes ift, und deren ganze Bedeutung dem Soldaten um fo klarer und bewusster fein wird, je ftärker fchon in der Schule die Tugenden des Gehorfams und der Pflichttreue entwickelt wurden. Der Krieg von heute ift im vollften Sinne des Wortes ein Krieg des Volkes gegen fremdes Volk. Was aber folgt daraus? Die in Bewegung gefetzten Maffen bleiben eben Maffen, ein Spiel der Zufälle, wenn fie nicht durch einen aufopfernden Geift verbunden, wirklich fähig find, den Krieg zu führen. Die tofenden Wogen erregter Maffen zerftieben in Atome an dem Felfen eines durch ernften Willen der Aufopferung für das Vaterland geeigneten und begeiſterten Volkes. Nicht um die Maffe der zu Gebote ftehenden Streitkräfte handelt es fich nicht um den Körper, fondern um den Geift, der ihn befeelt, ihn zur That erft fähig macht. Die Schule für das ganze Volk, für alle Stände, fomit auch für das Heer von entfcheidendftem Einfluffe, gibt dem Ganzen die Weihe des Geiftes. Sie ist das Fundament eines jeden geordneten Staatswefens; in ihr liegt für alle Zukunft die Bürgfchaft eines mächtigen, reichen und vor Allem eines glück lichen Oefterreichs. -