OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3 UNTER REDACTION VON DR. CARL TH. RICHTER, K. K. 0. ö. PROFESSOR IN PRAG. OBJECTE DER KUNST UND GEWERBE FRÜHERER ZEITEN. ( EXPOSITION DES AMATEURS.) ( Gruppe XXIV.) Bericht von DR. CARL LIND, Minifterial- Vicefecretär im k. k. Handelsminifterium. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1874. OBJECTE DER KUNST UND GEWERBE FRÜHERER ZEITEN. ( EXPOSITION DES AMATEURS.) ( Gruppe XXIV.) Bericht von DR CARL LIND, Minifterial- Vicefecretär im k. k. Handelsminifterium. Allgemeines. Auf der Pariter Weltausftellung im Jahre 1867 war der erfte grofse Verfuch gemacht worden, der Ausftellung von Producten der Neuzeit eine Ausftellung von kunft- und culturhiftorifchen Denkmalen unter dem Namen hiftoire du travail als organifches Glied einzufügen. Diefer erfte Verfuch war keineswegs mifsglückt, wenn fich auch fo Manches gegen diefes Unternehmen einwenden liefs und das Ganze vor Allem fchon wegen des angenommenen Titels, vielfach auffallende Lücken zeigte und nur im Einzelnen befriedigte. Doch wurden auf diefem Wege viele Gegenftände, fowohl des öffentlichen, wie Privatbefitzes zur allgemeinen Kenntnifs gebracht und Gegenftände, die man früher gar nicht kannte oder höchftens oberflächlich und nur ungenau, da man zu denfelben nur auf vielen Umwegen und erft nach Befeitigung fo mancher Hinderniffe gelangen konnte, Gegenftände von hohem künftlerifchem Werthe und hiftorifcher Bedeutung wurden damit durch die Möglichkeit ihrer Befichtigung, durch ihre wiederholten und vielfeitigen Befprechungen wie auch durch deren bildliche Reproduction Gemeingut. Durch die Vereinigung zahlreicher derartiger Gegenftände, feien es Fundftücke aus der vorgefchichtlichen Vergangenheit oder Denkmale jeglicher Art der claffifchen Zeit, feien es Schätze der mittelalterlichen Kunft und der Renaiffance oder felbft nur Curiosa, die fich im Privatbefitze befinden, durch die Vereinigung diefes maffenhaften Materiales wurde den Forfchern und Männern der Wiffenfchaft eine höchft 190 2 Dr. Carl Lind. belehrende Ueberfchau möglich gemacht; fie erhielten neue Gefichtspunkte für ihre Studien und manche Bereicherung ihres Wiffens datirt von diefer Zeit. Auch das grofse Publicum wurde dadurch veranlafst, diefen Gegenftänden eine gröfsere Aufmerkfamkeit zuzuwenden, die Denkmale der früheren Kunft und des gewerblichen Schaffens mit einander und mit den einfchlägigen Producten der Neuzeit zu vergleichen und gar mancher Schlufs refultirte dabei zu Gunften diefer Ausftellung. Nicht minder wohlthätig wirkte diefe Ausftellung auf die moderne Kunftinduftrie und Kunfttechnik; es wurden bisher unbeachtet gebliebene Formen und Verzierungen vorgewiefen, denen fich unfere Zeit nicht länger verfchliefsen durfte, es wurden Erzeugungsweifen gezeigt, deren Wiedereinführung und Anwendung heute vom wohlthätigften Einfluffe ift. Von diefen gewifs günftigen Ergebniffen der Parifer Ausftellung aufgemuntert und in richtiger Würdigung des Grundfatzes, dafs das durch die Weltausftellung gelieferte culturgefchichtliche Bild unvollkommen wäre, wenn damit nicht eine Ausftellung der Werke der Vergangenheit verbunden würde, befchlofs die Generaldirection mit der Wiener Weltausftellung auch eine archäologische Ausftellung in Verbindung zu bringen, um den Befuchern der Ausftellung Gelegenheit zu geben, fich von dem Fortfchritte der Leiftungen der Gegenwart gegenüber denen der letzten Decennien bis zurück zu den abgelaufenen Jahrtaufenden überzeugen und darüber aus eigener Anfchauung urtheilen zu können. Doch follte die Wiener antiquarifche Ausftellung im Vergleiche mit jener zu Paris einen anderen Charakter dadurch erhalten, dafs in ihr die Sammlungen der Liebhaber, und zwar möglichft in ihrer Gänze zur Anfchauung gebracht werden follten. Damit war diefe Ausstellung gleichfalls fchon durch ihren Namen von dem Vorwurfe unvollftändig und unzufammenhängend zu fein von vorn herein befreit, ohne dafs doch der gute und nützliche Zweck folcher Ausftellungen gefährdet wäre. Wenn man aber Gelegenheit hatte, eine gröfsere Anzahl von Privatfammlungen kennen zu lernen, fo dringt fich unwillkürlich auch der Gedanke noch auf, dafs in diefer antiquarifchen Abtheilung der Wiener Weltausftellung noch ein Vortheil verborgen liegt, der unzweifelhaft feinen wohlthätigen Einflufs bald erkennen laffen wird. Und diefer Vortheil wird die Läuterung des Gefchmackes der Sammler, des Kunftfinnes der Amateurs in Bezug auf den Zweck ihrer Sammlung und auf die Wahl der Gegenstände fein; denn dafs ein folcher Einflufs, wenige Sammlungen vielleicht ausgenommen, nothwendig ift, wird kaum Jemand, der mit den faktiſchen Verhältniffen vertraut ift, leugnen. Schon im Januar 1872 erfchien für die eingangs bezeichnete Abtheilung der Ausstellung das betreffende Specialprogramm und wurde ein gröfseres Comité mit der Durchführung der ganzen Angelegenheit betraut. Allein im März diefes Jahres 1873 löfte fich dasfelbe auf. Die Generaldirection wollte jedoch den Gedanken, diefe Ausftellung durchzuführen, nicht aufgeben. Nachdem von faft allen in- und ausländifchen Landescommiffionen die Einleitungen für diefelbe getroffen waren, nahm die Generaldirection die Fortführung der Angelegenheit zuerft felbft in die Hände, dann beftellte fie hiefür ein Specialcomité. Die weitere Action überliefs fie diefem, den Vertretern der einzelnen Staaten des Auslandes und der verfchiedenen Provinzen des Inlandes. Die leidigen Folgen der Refignation des grofsen Comités aber blieben leider nicht aus. Wenn auch die Generaldirection im Intereffe diefer Ausftellung grofse Rührigkeit entwickelte, fo hatte einerfeits die fehr fpät erfolgte Uebertragung der Functionen an andere Perfonen einen grofsen Zeitverluft zur Folge, anderfeits trat bei den Vertretern der einzelnen Ländern bald eine fehr weit gehende Meinungsdifferenz über die Bedeutung diefer Ausftellung ein, die fich am deutlichften in der höchft ungleichen Anzahl der zur Ausftellung von den ver fchiedenen Staaten gebrachten Gegenftände, und darin zeigte, dafs manche Staaten die Befchickung diefes Theils der Ausftellung ganz aufgaben, oder erft nachträg lich fich zu einer meiftens fchwachen Theilnahme entfchloffen. ir h e t 1 t : Objecte der Kunft und Gewerbe früherer Zeiten. 3 An der Ausstellung, welche fo lange Zeit gefährdet war und endlich, ungeachtet fie gefichert war, mit noch vielen Hinderniffen zu kämpfen hatte, betheiligten fich fchliefslich Oefterreich, Ungarn, Spanien, die Schweiz, Italien, Schweden, Dänemark, Rufsland, Griechenland, die Türkei, Rumänien, Marokko und Perfien. Die ausgeftellten Gegenftände wurden nur von einigen Staaten, als eigentliche archäologifche Expofition, von den übrigen Gegenftänden räumlich getrennt, gruppirt; bei den anderen der genannten Staaten und diefs find gerade jene, die an der Zahl wenig Objecte boten, wurden fie mit den Induſtrie- und Kunfterzeugniffen vermengt aufgeftellt. Die Ungleichheit der Betheiligung motivirt, dafs in diefem Referate nur länderweife vorgegangen wird. Oefterreich. Sowie durch den Rücktritt des bei der Generaldirection früher beftandenen grofsen Comités die Thätigkeit für die Ausftellung von Kunftobjecten und Producten der Gewerbe früherer Zeiten im Allgemeinen erlahmte, ebenfo und noch weit fühlbarer war die üble Nachwirkung für diefe Ausftellung hinfichtlich des cisleithanifchen Oefterreich. Nachdem die mit verfchiedenen Perfonen eingeleiteten Verhandlungen behufs der Uebernahme der Durchführung diefer Ausstellung nicht zum gewünſchten Ziele führten, wurden am 7. April 1873 die Herren Dr. Eduard Freiherr von Sacken, Dr. Carl Lind und A. Ritter v. Camefina mit diefer Aufgabe betraut. Nach kurzer Verhandlung war die Sache geordnet und conftituirte fich das durch Beiziehung des Herrn P. E. O bermayer als Chef des Bureaus verftärkte Comité für Cisleithanien, und zugleich auch als Inftallations comité für die XXIV. Gruppe. War fchon Vieles bisher durch den Zeitverluft verfäumt worden, fo zeigte fich bei Durchficht der Anmeldungen, dafs, wenn nur die angemeldeten Gegenftände eingefendet würden, damit, abgefehen davon, dafs bei nur halbwegs ftrenger Prüfung das Meifte zurückgewiefen werden mufste, eine Ausstellung von nur einiger Bedeutung geradezu unmöglich fein würde. Von vielen Seiten waren ftatt Kunftgegenftänden nur Curiofitäten minderer Bedeutung angemeldet worden. Auch fehlten unter den Anmeldungen die meiſten Namen der vielen, durch ihre Kunftfammlungen ausgezeichneten inländifchen Stifte und Klöfter, deren Schätze, wenn man eben eine mittelalterliche Kunftausftellung machen will, unentbehrlich find; defsgleichen ergab fich nur eine ganz geringe Betheiligung von Seite der verfchiedenen Landesmufeen, und doch erfchienen diefe, bei dem Umftande, als auf eine Theilnahme der kaiferlichen Sammlungen an diefer Ausftellung, wie natürlich, nicht gerechnet werden konnte, und die Zahl der bedeutenden Privatfammlungen fehr klein ift, nicht minder unentbehrlich, um auch von den profanen Kunftgegenständen der Vergangenheit, insbefondere aus der Zeit der Renaiffance eine würdige Ausstellung zufammenzubringen. Auch darf nicht unerwähnt bleiben, dafs das k. k. Mufeum für Kunft und Induftrie in Folge feiner ftatutenmässigen Berechtigung zur felben Zeit einen nicht unbedeutenden Theil von mittelalterlichen Kunftgegenftänden des Privatbefitzes in feinen eigenen Räumen zur Ausstellung brachte. Nun galt es, das Verfäumte nachzuholen, die Lücken der Anmeldungen auszufüllen, und die erlahmte Thätigkeit der Landescommiffionen wieder aufzufrifchen, was nur durch den directen Verkehr mit den Befitzern von Sammlungen und durch eine lebhafte und ausgebreitete Correfpondenz erreicht werden konnte. In dem urfprünglichen Programme mufsten in Berücksichtigung der geänderten Verhältniffe und der zur Durchführung der Angelegenheit disponiblen, fehr befchränkten Zeit einige Aenderungen gemacht werden; auch machte das erft kurz vorher fertig gewordene Ausftellungsgebäude den Entfall von Bildern wünſchenswerth, aus demfelben Grunde empfahl fich der Entfall von Schrift- und Druckdenkmalen jeder Art. 4 Dr. Carl Lind. Diefe Umftände, und überdiefs der ungenügende Raum von zwei, wenn auch grofsen Sälen, geftatteten leider auch nicht, der Aufftellung ein beftimmtes und ausfchliefsliches Princip zu Grunde zu legen. Doch durfte dem von vielen Seiten ausgefprochenen, provinzial- patriotifchen, vielleicht etwas engherzigen Wunfche, die Gegenftände nach Ländern aufzuftellen, als für das Comité vor Allem mafsgebend, weil einem nur äufserlichen Grunde, wegen des dadurch bedungenen Ausfchluffes jedes inneren, wiffenfchaftlichen Zuſammenhanges und der dadurch zu erwartenden aufserordentlichen Schwierigkeiten der Aufftellung, auch nicht völlig entſprochen werden. Das Comité fuchte vorerft, wo möglich gleichartige und gleichzeitige Gegenftände in Gruppen zu ver einigen, und erft in zweiter Linie jenem Wunfche Rechnung zu tragen. Dadurch wurde es möglich, in dem einen Saale in einem Kaften römifche und keltifche Gegenftände, in einem Schreine vornehmlich Gegenftände romanifcher Kunft, in einem anderen folche des gothifchen Stiles, in einem dritten der Renaiffance aufzuftellen, meiftens durch Ausfteller aus Nieder- und Oberösterreich, Salzburg, Kärnten, Krain, Tirol und Steiermark eingefendet, u. f. w., in dem anderen Saale konnte man Gegenstände aus Mähren, Böhmen, Galizien und der Bukowina aufftellen. Gegen Ende April konnte man bereits das Ergebnifs der Bemühungen des Comités überblicken und erkennen, dafs das Zuftandekommen der Ausftellung mittelalterlicher gewerblicher und Kunft- Producte gefichert fei. Freilich wohl fanden nicht nur die Schreiben und mündlichen Erfuchen faft allerorts günftige Aufnahme, fondern es gefellten fich in einigen Ländern diefem Unternehmen Männer zu, durch deren Unterſtützung dasfelbe wefentlich gefördert wurde, fo für Oberösterreich der penfionirte k. k. Rittmeifter Winkler, für die Steiermark Graf Heinrich Attems, insbefondere Dr. Beda Dudik für Mähren und der Secretär des Prager Kunftvereines, Czermak für Böhmen, welche beide letztgenannte Herren diefe Angelegenheit für die benannten Länder faft ausfchliefs. lich durchführten. Die Einfendungen begannen gegen Ende April und fchon am 3. Juni konnte die Ausftellung eröffnet werden, die, wenn auch nicht mehr im Sinne des erften Programmes eine Expofition des amateurs, fo doch eine der intereffanteften Ausftellungen älterer Kunft- und gewerblicher Producte bildete. Leider betheiligten fich an diefer Ausftellung nicht alle Provinzen mit gleich reger Theilnahme. Nur etliche Provincial- Mufeen, wenige Domcapitel, dafür aber zahlreiche Klofter- Schatzkammern und etliche Kunftfreunde haben ihre Koftbarkeiten bereitwillig eingefendet. Es bot fich dadurch eine Gele genheit, die kaum fo bald wieder kommen dürfte, an einem Punkte das vereinigt zu fehen, was fich fonft an den verfchiedenften Orten des Kaiferftaates zerftreut findet und mitunter nicht fehr leicht zugänglich ift. Die Sammlungen des cisleithanifchen Oefterreich waren in zwei getrenn ten Sälen des füdlichen Amateurpavillons aufgeftellt. Bei der Befprechung der Gegenstände wollen wir weder der räumlichen Anordnung noch der Reihenfolge des Kataloges folgen, fondern, um wo möglich dem Entwicklungsgange der Kleinkünfte zu entfprechen, die chronologifche Reihenfolge acceptiren. Denkmale der vorhiftorifchen und claffifchen Zeit. Die vorhiftorifche Zeit repräfentirten mehrere vom Joanneum zu Graz zur Ausstellung gebrachte Gegenftände. Wir fanden darunter einen fehr beachtenswerthen Repräfentanten einer, wenn auch höchft primitiven und erft im Beginne fich befindenden Kunftthätigkeit der Bewohner der Steiermark während der fogenannten Broncezeit; es ift diefs der bei Strettweg nächft Judenburg im Jahre 1851 gefundene Opferwagen, eigentlich das in Bronce ausgeführte circa I Fufs grofse Modell eines mit je einem Hirfchen vorne und rückwärts befpannten n ב es en m5mmth en té ch es f. کہ نہ تھے سب کا r. e n 1- 1, ce 2 es S g اد e n r k i S י t t Objecte der Kunft und Gewerbe früherer Zeiten. 5 vierrädrigen Wagens von zahlreichen Priefter- und Kriegerfigürchen umgeben; je zwei Männer halten jeden der beiden Hirſche bei dem Geweihe, dahinter je zwei Figuren, davon die männliche eine Axt fchwingt, endlich an jeder der vier Ecken der Gruppe je ein Reiter mit fpitzer Kopfbedeckung, Speer und Schild. In der Mitte des Wagens fteht eine in gröfseren Proportionen ausgeführte, nackte weibliche Figur mit einem breiten Gürtel um den Leib, die nach Analogie mit einem in Mecklenburg gefundenen ähnlichen Wagen, auf dem Kopfe ein Gefäfs trug, das wahrscheinlich das Opferwaffer enthielt. Die Figuren, obwohl fchlank, erfcheinen doch in Form und Bildung barbarifch roh. Gleich primitiven Charakter haben die weiteren hieher gehörigen, dem Joanneum entnommenen Objecte, fämmtlich Fundgegenftände aus einem Grabhügel bei Klein- Glein im Saggauthale der Steiermark. Es find durchgehends getriebene Arbeiten, nämlich: zwei aus Bronceblech ausgefchnittene und mit Ornamenten bedeckte Hände mit ausgefpreizten Fingern; fie können nicht Rüftungsstücke gewefen fein, fondern wurden ficherlich als Votivgaben den Verftorbenen ins Grab gelegt, und zur Sühnung für die mit den leiblichen Händen verrichteten ungerechten Thaten, in einer ähnlichen Weife wie die in den germanifchen Gräbern von Oberflacht in Würtemberg gefundenen hölzernen Hände und Füfse, als Zoll beim Eingang ins Todtenreich den Leichen mitgegeben. Ferner find da zwei Schilde aus fehr dünnem Bronceblech, am Rande mit den bei Kelten fo fehr beliebten Klapperblechen befetzt, auf der Oberfläche mit fchreitenden menfchlichen Figürchen, Kreuzen, Rädern und Schwänen bedeckt, alles Symbole der Geftirne und Elementarkräfte, welche als Gottheiten verehrt wurden. Auch diefe kleinen Schilde find nur Ehrengaben für den Verftorbenen, Weihgefchenke, zum Gebrauche für das jenfeitige Leben beftimmt, welchen Sinn die gefammte Aus ftattung der Gräber bei den Heiden überhaupt hatte. Vollendeter, wenigftens in technifcher Beziehung, ift ein nach der Form des Körpers getriebener Panzer, beftehend aus Bruftkürafs und Rückenftück, ein wahres Prachtftück, das einzige diefer Art, welches diefsfeits der Alpen bisher zum Vorfchein kam. Der bei Negau( Steiermark) gefundene, mit Palmetten verzierte Broncehelm zeigt entfchiedene Aehnlichkeit mit etruskifchen Rüftungen. Noch haben wir zu verzeichnen drei Broncefchwerter mit SchilfblattKlingen und kleinem, halbmondförmigem Gr ffe, davon eines ebenfalls in KleinGlein gefunden wurde, ierner, wie der Katalog fagt, das Fragment eines Keffels mit erhabenen Querwulften und einem aus Buckeln und Sonnenrädern in getriebener Arbeit gebildeten herumlaufenden Ornamente. Ob diefe Bezeichnung unantaftbar ift, oder ob nicht diefes Fragment einem breiten Leibgürtel als Rüftungsbeftandtheil angehörte, das zu entfcheiden, mufs gewiegteren Sachverständigen überlaffen werden. Wir fahen dafelbft ferner ein kurzes Schwert, Meffer und Nadel aus Bronce, auch Bruchftücke eines entweder als Halsfchmuck oder als Rafirmeffer zu deutenden Gegenftandes aus faft unlegirtem Kupfer. Sämmtliche Gegenftände wurden einem intact gewefenen Tumulus mit Steinkifte auf dem Plateau nächft Warmbad Villach entnommen; vier dabei befindlich gewefene prachtvolle aus freier Hand gearbeitete Thonurnen enthielten die Brandknochen von zwei Individuen, einem älteren und einem jüngeren, wahrfcheinlich weiblichen.( Dr. Lufchan.) Die römifche Kunft, und zwar ihren Verfall unter der Kaiferzeit repräfentiren nur zwei Stücke, nämlich ein in das I. Jahrhundert gehöriger broncener Kochtopf mit breitem Griff und an der Innenfeite des Bodens mit einer fehr fchön ausgeführten Medufenmaske aus Silber in Relief verziert. Diefe Ausstattung läfst die Vermuthung zu, dafs diefer Topf nicht für den Gebrauch, fondern als Prunkftück oder zum Weihgefchenk beftimmt war. Das zweite Stück ift eine bei Cilli gefundene Bronceftatuette, darftellend eine weibliche Figur auf einer Art Thronftuhl fitzend, mit einer Zackenkrone und den Symbolen der Bodenfruchtbarkeit, vielleicht die Darftellung der von den 6 Dr. Carl Lind. Norikern verehrten Göttin Celeja. Endlich war noch eine hübfche Marmorftatuette - ein fitzendes Kind vorftellend- ausgeftellt, die ebenfalls der Antike angehören dürfte.( Dr. Göfzy). Werke aus dem Früh- Mittelalter. Das ältefte Stück frühmittelalterlicher Kunftwerke, und zwar aus deren Frühzeit, ift jener Kelch, welcher fich in der Abtei Kremsmünfter befindet und durch feine Infchrift:„ Tassilo dux fortis Luitpurg virga regalis" als Widmung des Baiernherzogs Taffilo, welcher das Klofter 777 gegründet hat, bezeichnet wird. Seine humpenähnliche Form ift primitiv und wenig gegliedert, der trichter förmige Fufs und Knauf gehen in einander über und nur die fechs Zoll weite, ftark ausgebauchte, eiformige Cuppa wird durch einen Perlenftab von den unteren Theilen gefondert. Die Höhe des ganzen Kelches beträgt eilf Zoll. Das Material ift Kupfer, welches mit filbernen niellirten und golden verzierten Blättchen befetzt ift. Die Bruftbilder Chrifti, der Evangeliften mit ihren Symbolen und vier männ licher Heiligen in Medaillons auf der Cuppa und dem Fufse angebracht, find intereffante Zeugen der barbarifchen, noch rohen und ftillofen, fränkifchen Kunft. Ob der Kelch, der mit Rückficht des Charakters der Ornamente ein heimifches Werk vermuthen läfst, urfprünglich kirchliche Beftimmung hatte, darüber find die Archäologen verfchiedener Meinung. Referent neigt fich der Anfchauung hin, dafs der Kelch ftets nur profane Beftimmung hatte. Hier fanden fich auch zwei Standleuchter aus Kupfer mit aufgelegten niellirten und vergoldeten Silberplättchen, 15 Zoll hoch. Auf der Oberfläche des dreieckigen, kleeblattförmigen Fufses find als Hauptrelief Thiergeftalten und an den Kanten gleichfam als Widerlager drei vorfpringende Salamander oder Greife angebracht. Freiftehend und aufgelöthet befinden fich ferner noch an den Platt. flächen des Fufsgeftelles drei Thierunholde mit aufgefperrtem Rachen und umgebo genem Halfe. Der Fufs ift cifelirt, polirt und vergoldet; die Geftalten der Thiere find mit kleinen aufgelegten Silberftreifen ornamentirt. Aus dem Fufse baut fich der Ständer auf, der an drei Stellen von Knäufen unterbrochen, und mit Bandftreifen aus aufgelegten und mit Laubornamenten gefchmückten Silberplatten beftehend, umwunden ift. Auf jedem der drei Knäufe find Kreife, worin als Basreliefs Tiger angebracht find. Oben fchliefst der Ständer mit einem flachen Schüffelchen ab. Bei dem Streben der romanifchen Kunft, ihren Erzeugniffen einen tieferen Sinn unterzulegen, dürfte in den an den Leuchtern herumkriechenden Beftien wohl das böfe Element dargestellt fein, welches das darüber befindliche, fiegreiche Licht der chriftlichen Lehre fruchtlos bekämpft. Ob man fo ganz richtig diefen beiden Leuchtern den gleichen Urfprung wie dem Kelche zufchreibt, ift, wenn fie auch im Stifte Kremsmünfter aufbewahrt werden und die Tradition fie dem Baiernherzoge zufchreibt, nicht aufser Zweifel, denn fie zeigen entfchieden einen etwas jüngeren Formenkreis. Auch Gegenftände der Elfenbein- Plaftik aus dem frühen Mittelalter fanden fich in diefer Ausftellung. Es ift eigenthümlich, mit welcher Zähigkeit die Kunft des Elfenbein- Schnittes an den antiken Traditionen fefthielt; durch diefe fortwährenden Reminiscenzen wird die Unterfcheidung zwifchen den fpätrömifchen Diptychen und den Arbeiten bis zum Jahre Taufend fehr fchwierig. In die carolingifche Epoche gehören jene zwei bekannten Elfenbeinhörner, wfelche unter dem Namen der Rolandshörner in archäologifchen Fachſchriften fchon wiederholt befprochen wurden. Derlei hauptfächlich als Jagd- und Kriegshörner dienende Denkmale finden fich aufser diefen nur in wenigen Sammlungen, wie zu Aachen, Upfala, Angers, Jaszbereny im Welfen- Schatze und in der Ambrafer Sammlung zu Wien. An denfelben wurde die durch den Elephantenzahn vorgezeich nete Form beibehalten und ihnen durch meift fehr roh ausgeführte Ornamentftreifen und figürliche Darstellungen eine Verzierung gegeben, die gewöhnlich Anfpie te d 1. al t 1. d 1. S e , S n e 1 1 T 1 Objecte der Kunft und Gewerbe früherer Zeiten. 7 lungen auf die Jagd enthielten. Wo Kaifer Karl IV. diefe Hörner, die wahrscheinlich aufser Europa angefertigt wurden, erworben hat, ift nicht ficher bekannt. Obwohl eine Tradition wiffen will, dafs fie aus dem am Rhein gelegenen Klofter Nonnenwörth ftammen, fo ift doch anzunehmen, dafs er fie auf feiner erften Römerfahrt erwarb. Das gröfsere und reicher verzierte Horn, daran das Mundftück fehlt, ift in vier deffen Körper quer umziehende Streifen abgetheilt, die durch ein Band von fchönen Blattornamenten begrenzt find. Der oberfte und unterfte Streifen enthält Medaillons mit Thierköpfen und Gladiatoren, die beiden mittleren in Galopp dahineilende Viergefpänne, dabei in der dritten Reihe von Hunden ver folgt. Das thierähnliche Ornament bei dem Luftloch des Hornes ift leider verftümmelt. Das zweite Horn ift weit einfacher und in der Hauptfache nur mit Bandverfchlingungen decorirt, die Mitte davon nimmt ein landfchaftliches Reliefbild und eine Jagdfcene ein. Beide Hörner gehören in den Prager Domfchatz. Als einen höchft merkwürdigen Gegenftand müffen wir jenes ElfenbeinSchnitzwerk bezeichnen, das das Stift Heiligenkreuz ausftellte. In einer Umrahmung von Akanthusblättern ift der heilige Gregor dargestellt, er fitzt am Schreibpulte mit dem Griffel in der Hand, die Taube fchwebt, ihn infpirirend, an feinem Ohre. Ueber dem Schreibpulte erhebt fich, von zwei Säulen getragen, ein Baldachin fammt Thürmen und Zinnen und vom Gewölbebogen hängt eine Lichterkrone herab. In der unteren Abtheilung des Schnitzwerkes fieht man drei fchreibende Mönche. Gregor hat als Bekleidung eine lange Tunica, ift bartlos, mit etwas breitem Gefichte und kurzer Geftalt; ebenfo bekleidet find die Mönche, fämmtliche Figuren überhaupt kurz und gedrungen. Vortreffliche Arbeit mit der gröfsten Präcifion bis in das kleinfte Detail ausgeführt! Die ganze Architektur der ober dem Baldachin dargestellten Stadt hat entfchieden fpätrömifchen Charakter und erinnert viel an die frühchriftlichen Darftellungen. Die Meinung über das Alter diefes Schnitzwerkes ift fehr abweichend; während einerfeits von einigen Fachmännern noch das XI. Jahrhundert angenommen wird, fetzen andere dafür das VI. Jahrhundert an, wofür nach der Anficht des Referenten, im Hinblicke auf die Zartheit und weiche Behandlung, die unzweifelhaft von der Antike herübergenommen wurde, die gröfsere Wahrfcheinlichkeit spricht. An diefer Stelle fei auch das in Serpentin gefchnittene, vom Stifte Heiligenkreuz ausgeftellte Relief von 61 Zoll im Durchmeffer und byzantinifchen Urfprungs, erwähnt. Es zeigt das Bruftbild der Mutter Gottes ohne Kind in gerader Anficht, zu beiden Seiten die abbrevirte griechifche Infchrift: mater dei. Der Stein ift gefprungen, zufammengekittet und in einen neuen Holzrahmen gebracht. Das Alter diefes Schnittes läfst fich nicht beftimmen, doch fpricht die Vermuthung für deffen Entftehung zur Zeit des byzantinifchen Reiches. Kunftproducte des romanifchen Stiles. An Kunftwerken diefes Stiles war die öfterreichifche Abtheilung fehr reich. Es waren faft ausnahmslos kirchliche Gegenftände aufgeftellt, für deren Erhaltung wir den Klöftern und Pfarrkirchen einigermafsen zu Danke verpflichtet find. Obwohl die meiſten diefer Gegenstände der wiffenfchaftlichen Welt durch Schrift und Bild, namentlich durch die Mittheilungen der k. k. Centralcommiffion für Kunftdenkmale bekannt geworden find, fo war es doch ein Genufs, die Originale felbft zu fehen. Die Kunft des XI. bis XIII. Jahrhundertes liegt unferen heutigen Anfchauungen fehr ferne und bietet für Viele nur hiftorifches Intereffe; allein es findet fich in ihr der Ausdruck chriftlichen Sinnes, eine folche Fülle echter Poefie und tiefer myftifcher Gedanken, was diefe Kunft eines eingehenden Studiums würdig erfcheinen läfst. 19 8 Dr. Carl Lind. Gegenstände der romanifchen Kunft aus Elfenbein, Bein u. f. w. Die romanifche Kunft verwendete mit Vorliebe zur Ausftellung gewiffer kirchlicher Gegenftände, wie Tragaltäre, Buchdeckeln u. f. w. das Elfenbein, das dann mit Sculpturen geziert wurde. Von folchen Gegenftänden enthielt die Ausftellung Einiges, und zwar fehr werthvolles. Wir nennen zuerft die zu den feltenen kirchlichen Gegenftänden gehörenden beiden vom Stifte Melk zur Ausftellung gebrachten Tragaltäre. Es find diefs kleine Käftchen mit flacher Oberplatte und auf vier Füfsen ruhend. Der innere Raum hatte die Reliquien aufzunehmen, auf der Tifchfläche lag die Hoftie fammt Patena und ftand der Kelch. Das eine diefer beiden Geftatorien gehört noch dem XI. Jahrhundert an, das andere ift etwas jünger. Der in der Mitte der mit reichem Elfenbeinbefatz gefchmückten Deckplatte des älteren Käftchens befindliche Altarftein, ein Serpentin, ift fehr klein und von oblonger viereckiger Form. Ein fchmaler Silberftreifen bildet feine eigentliche Einfaffung. Die weitere Umrahmung befteht aus einem breiten Elfenbeinbande mit kleinen, aber höchft intereffanten Sculpturen, als: nimbirte Engel, eine Scheibe, darin das Lamm Gottes, in einem Kranze die Hand Gottes auf dem Kreuze ruhend, Prophetengeftalten, Evangeliftenfymbole etc. Nach aufsen ift die Deckplatte von einem Silberbande eingefafst, das leider nicht mehr ganz erhalten blieb, was um fo mehr zu bedauern ift, als die Infchrift Auffchlufs gab über die Spenderin diefes Kleinods. Aus dem Infchriftfragment ift zu erfehen, dafs diefes Tragaltärchen ein Gefchenk der Markgräfin Swanhilde, Gemalin Ernft des Tapferen( 1056-1075) aus dem Haufe Babenberg, war, deffen Gunft fich das in der markgräflichen Refidenz Melk errichtete Stift weltlicher Chorherren zu erfreuen hatte. Die Seitenwände des Schreines find ebenfalls mit Elfenbein- Schnitzereien geziert, doch hat bedauerlicher Weife eine Schmalfeite diefen Schmuck bereits verloren. Die Vorftellungen find Mariä Verkündigung, deren Befuch bei Elifabeth, die Geburt Chrifti und deren Verkündigung an die Hirten, die Anbetung durch die drei Könige, die Taufe, der Einzug in Jerufalem und das Abendmahl. Der zweite Schrein hat in der Mitte der Deckplatte einen Porphyrftein eingelaffen, auf deffen bandförmiger, kupfervergoldeter Einfaffung eine Infchrift angebracht ift, die dahin deutet, dafs der Altar eine Reliquie des heiligen Johannes des Täufers enthalten hat. Die Seitenwände find ebenfalls mit Elfenbeinreliefs geziert, doch haben diefelben, wenngleich werthvoll, doch einen minderen Kunftwerth als die des anderen Schreines. Wir fehen Chriftus als Weltrichter, die Verkündigung, die Geburt und die drei Könige, eine aus den Wolken herabreichende Hand mit einem Kranze, Chriftus umgeben von myftifchen Geftalten und endlich eine Wiederholung der erften Vorftellung, die Figuren find derb und hart, doch ift daran keineswegs byzantinifcher Einflufs zu erkennen. Der an älteren Kunftgegenständen nicht reiche Wiener Domfchatz ftellte ein kleines Reliquienkäftchen aus, das noch dem XIII. Jahrhundert angehören mag. Es ift von Holz und mit beinernen Plättchen überzogen. Dasfelbe zeigt auf den Aufsenflächen theils Laubwerk, theils drachenartige, in einander verfchlungene Thiere eingravirt. Die Linien der Gravirung find fchwarz oder roth ausgefüllt. Ein ähnliches und aus derfelben Zeit ftammendes Reliquienkäftchen ftellte das Salzburgifche Stift Sct. Peter aus. Dasfelbe ift an der Aufsenfeite mit zierlich durchbrochenen, fehr feinen Elfenbein- Schnitzwerken bedeckt. Auch das Giebeldach ift mit folchen Elfenbeinplättchen geziert. Durch diefe feinen, äufserft zierlichen Elfenbeinbekleidungen fchimmern überall feine Goldplätt chen durch, welche zwifchen den Wandflächen des Käftchens und den Schnitzereien eingefügt find. Eingehende Beachtung verdienten auch die beiden ausgeftellten Elfen bein- Reliefs. Das eine, dem Stifte Seitenftetten gehörig und dem Ende des XII. Jahrhundertes entſtammende Schnitzwerk( 4% Fufs lang, 4 Fufs breit), ein ffer das Luslen efs ere mt Och mit che Ein ang ten en, de ern nk us enz de at Die rt el in ift en Is en 2 rt e er h e h 3. Objecte der Kunft und Gewerbe früherer Zeiten. 9 zeigt in der Mitte den fitzenden Chriftus, die Füfse auf den in einem Kranze befindlichen Bogen geftützt, in der Linken das Buch, die Rechte wie fegnend ausgeftreckt gegen ein Kirchenmodell, welches eine zur Seite ftehende kleinere Figur in der Hand hält. Ein Heiliger führt diefen Donator vorwärts und nimmt ihn dabei gleichfam in Schutz; an der anderen Seite fteht Petrus mit den fein Monogramm bildenden Schlüffeln und noch zwei Heilige. Die andere Elfenbeintafel zeigt die Darftellung des Todes Mariens. Maria liegt umgeben von fämmtlichen Apofteln auf einem hohen Bette, Petrus fteht am Kopfende desfelben und fchwingt das Rauchfafs. Gegen die Mitte des Bettes zu fteht Chriftus, mit beiden Händen die Seele Mariens in Geftalt eines Wickelkindes emporhaltend. Ueber der ganzen Gruppe fchweben zwei Engel, wovon der eine einen Schleier und der andere gleichfalls eine Kindesgeftalt, ähnlich der früheren, in den Armen hält und wie aus den Händen Chrifti erhalten in den Himmel trägt; die dreizehnte Figur zu Füfsen Mariens könnte, da fie nicht nimbirt ift, möglicherweife jenen Ifraeliten darftellen, von dem die Legende erzählt, dafs er freventlich den Leichnam berührte und die Hände davon nicht mehr wegbrachte. Mit Rückficht auf die kurz gedrungenen Formen der Figuren, auf deren Bekleidung und Gefichtstypus, endlich auf das Fefthalten der Körperbewegungen an gewiffen conventionellen Formen läfst fich annehmen, dafs diefes Schnitzwerk im Beginne des XIII. Jahrhundertes entſtanden ift. - - Als einen fehr hervorragenden Gegenftand müffen wir die reizende Figurengruppe aus Elfenbein bezeichnen, die das Stift Zwettel in Niederöfterreich ausftellte. Die urfprünglich, wenigftens nicht in der gegenwärtigen Anordnung zufammengehörigen Figuren foll Abt Bohuslav( 1248 bis 1258) von feinen Reifen nach Citeaux mitgebracht haben. Sie werden für ein Gefchenk König Ludwig XI., der oft den Generalcapiteln der Ciftercienfer beiwohnte, gehalten Auf einem Poftamente fteht Maria( das Figürchen einen Schuh hoch), auf dem Arme das ganz bekleidete Kind, welches feinen rechten Arm um ihren Hals fchlingt; fie blickt es freundlich an, und zeigt ein Spielzeug, das fie in der rechten Hand hält. Daneben die Verkündigung in drei Zoll hohen Figürchen, Maria, eine feine, liebliche Geftalt, der Engel ohne Flügel, die rechte Hand in eigenthümlicher Haltung gegen Maria ausgeftreckt, ferner ein Mann, vorwärts fchreitend, in der rechten eine Krone ( vielleicht einer der drei Könige), endlich unten vier kleine Halbfiguren von freundlichem Gefichtsausdrucke, Kronen auf den Händen tragend, möglicherweife die quatuor coronati. Diefe Figürchen fcheinen Beftandtheile eines gröfseren Reliquienkäftchens oder eines Schreines gewefen zu fein. Haare und Verzierungen find vergoldet, Augen, Wangen, Lippen, fo wie das Futter der Gewänder find leicht bemalt. Die Köpfe erhalten einen eigenthümlichen Ausdruck durch den lächelnden Mund mit hinaufgezogenen Winkeln und durch die fchmal gefchlitzten Augen. Diefs, fo wie die leicht gefchwungene Haltung, die mageren Hände mit eckiger Bewegung, die etwas verkürzten Figuren, die feinen Falten der Gewandungen bezeichnen die Kunftrichtung der Mitte des XIII. Jahrhundertes, wo bei lebendiger Empfindung und Streben nach Charakteriſtik eine gewiffe gefuchte Zierlichkeit die Stelle der Anmuth vertritt. Von Bifchofsftäben der romanifchen Stilperiode waren zahlreiche und werthvolle Exemplare ausgeftellt. Zwei davon werden wir fpäter gelegentlich der mit Emailfchmuck ausgeftatteten Gegenftände diefer Kunftperiode erwähnen. Fünf haben wir hier zu befprechen, da fie aus Elfenbein angefertigt find. Der Stab, eines der wefentlichen Abzeichen der bifchöflichen und Abtenwürde, foll die Fülle der Macht derfelben, die dem Bifchofe oder Abte anvertraute kirchliche Kraft, deffen geiftliche Gewalt anzeigen. Seit welcher Zeit der Gebrauch des Stabes befteht, läfst fich nicht genau beftimmen, doch ift derfelbe ficherlich über das XI. Jahrhundert hinauszufchieben. Der ältefte der ausgeftellten Stäbe, und zwar von einer nur bis ins XI. Jahrhundert üblichen Form des oberen Abfchluffes, ift der im Benedictiner 10 Dr. Carl Lind. ftifte St. Peter zu Salzburg aufbewahrte. Diefes Paftorale, welches der Tradition nach vom heiligen Rupert herrühren foll, hat im Ganzen eine Höhe von circa vier Schuh; der Schaft ift von Holz, deffen oberes Ende ift mit einem kupfernen, mit Silber überzogenen Reife verziert, darauf cifelirte Arabesken und eine Infchrift. Den Abfchlufs des Stabes bildet eine Krücke von Elfenbein, an beiden Enden eingerollt, wofelbft je ein Thierkopf angebracht ift. Der Krummftab des Stiftes Göttweig ftammt aus dem Ende des XI. Jahrhundertes. Von demfelben ift nur mehr die elfenbeinerne Krümmung vorhanden, der Schaft ift verloren gegangen. Die Krümmung ift faft kreisrund und wird durch einen Schlangenleib gebildet. Obwohl diefes Fragment in künftlerifcher Bezie hung von fehr geringer Bedeutung ift, fo hat es eine um fo gröfsere Wichtigkeit rücksichtlich der daran befindlichen Darftellung inner der Krümmung. Es find diefs zwei Vögel, vielleicht Tauben oder Pfauen, fie ftehen gegen einander gewendet auf dem Schlangenleibe und haben ihre langen Hälfe in einander verfchlungen. Mit ihren Schnäbeln halten fie gemeinfchaftlich den Stiel einer in die Höhe gerich teten, kreuzförmig gebildeten Pflanze, gegen welche der Rachen der Schlange gerichtet ift. Die Auslegung diefer Darftellung iſt eine verfchiedene, je nach der Art der beiden Vögel. Sind es Tauben, fo ift es die Vorftellung des Schutzes des Glaubens durch den heiligen Geift gegen die Macht des Böfen; find es Pfauen, die Symbole der Hoffart, fo ift es die Vorftellung des Anftürmens des Böfen gegen das Chriftenthum, was wahrfcheinlicher ift. Aus demfelben Jahrhunderte ftammt auch der vom Stifte Altenburg aus geftellte Stab, ebenfalls nur mehr aus dem kryftallenen Nodus und der Krümmung beftehend. Auch hier findet fich eine der früheren ähnliche Darftellung innerhalb der Krümmung. Es find zwei Vögel, der untere ein Pfau, der obere eine Taube, fie breitet die Flügel aus und trägt im Schnabel ein Kreuz, gleichfam als wolle fie es in die Höhe tragen und gegen jeden Angriff, insbefondere gegen den der Schlange, die bereits ihren geöffneten Rachen dahin wendet, fchützen. Ein dritter, nahezu gleich alter Stab gehört dem Stifte Ad mont. Die ganze Krümmung und die beiden Noden find von Elfenbein, der mit dem Obertheile nicht gleichzeitige Schaft und das Vermittlungsglied der Noden von Holz. Die Krüm mung bildet einen Schlangenleib, der mit einem abwärts gewendeten Knopfe endigt. Intereffant ift die Gruppe inner der Krümmung: ein geflügeltes, ganz ruhig ftehendes Pferd, deffen Maul ein ornamental gehaltenes Kreuz berührt,- eine fehr feltene Darftellung. Der Krummftab aus dem Nonnenftifte zu Salzburg entftammt der erften Hälfte des XIII. Jahrhundertes, als der Zeit, in welcher die Abtei mit dem Rechte des Stabes ausgezeichnet wurde. Der ganze Stab befteht aus Elfenbein und ift gegenwärtig noch vollſtändig erhalten. Der Schaft ift mit Blattornamenten, die Krümmung mit einer Infchrift in Roth, Schwarz und Gold bemalt. Die Krümmung wird wieder von einem Schlangenleibe gebildet, der mit einem Ungethümkopfe endigt, aus deffen mit ftarken Zähnen bewaffnetem Rachen die Zunge herausgeftreckt ift. Inner der Rundung erblickt man das nimbirte Ofterlamm mit dem Kreuze; der Kopf des Lammes ift gegen das Kreuz zurückgewendet, dahin auch der offene Schlangenrachen gerichtet. Der Aufsenrand der Krümmung iſt mit flachen Blättern ftrahlenförmig befetzt. Die Radialverzierung und die Gruppe find mit goldfarbigen, grün eingefafsten Ornamenten bemalt. Von ganz eigenthümlicher Form in feinem oberen Abfchluffe ift das Paftorale aus dem Stifte Klofterneuburg( Ende des XIII. Jahrhundertes). Dasfelbe ift vollständig erhalten und ganz aus Elfenbein angefertigt. Der runde Schaft befteht aus vierzehn gleich grofsen Theilen, die durch Schrauben und Stifte miteinander verbunden und mit roth- fchwarz- gelben zweigartigen Ornamenten bemalt find. Ebenfo bemalt ift der kugelförmige Knauf, aus dem ein Schlangenkopf fich ent wickelt, dem zunächft nach zwei Seiten gerichtet je eine in einem mufchelförmigen Ornamente fitzende, ungewöhnlich bekleidete Figur mit jüdifchem Typus ange on ier mit ift. en hr. en, ch ie. eit nd let en. chge er Les lie as ng lb in 55 e, ie er ze ht 1. fe nz en te ie fe S h it d ft nt er 1. 1. Objecte der Kunft und Gewerbe früherer Zeiten. 11 bracht ift, deren Kopf nach der in der Krümmung befindlichen Vorftellung gerichtet ift. Das obere Ende des Stabes bildet ftatt einer Krümme einen aufrecht geftellten Ring, der am Aufsenrande mit Blattornament in Strahlenform befetzt ift. Das oberfte Blattornament ift doppelt und findet fich darauf die fitzende Figur Gott Vaters. An den Flachfeiten des Ringes finden fich in Farben ausgeführte Infchriften. Inner des Ringes ift eine ziemlich roh ausgeführte bemalte Gruppe angebracht, den englifchen Grufs vorftellend. Das Faltiftorium aus dem Frauenftifte in Salzburg gehört zu den intereffanteften Ueberreften der romanifchen Kunft. Diefer Faltftuhl, ohne Rück- oder Armlehne, ift aus Holz angefertigt, roth angeftrichen, an den Fufsenden mit Broncebefatz verfehen, vorftellend Löwentatzen, in deren Klauen fich verfchiedene Figuren in Todesqualen winden. Die Obertheile fchliefsen mit prachtvoll ausgeführten, ftilifirten Löwenköpfen aus Elfenbein. Die Flachfeiten find ebenfalls mit kleinen Elfenbein- Reliefs geziert, wahrfcheinlich irgend einer Legende oder Sage entnommen. Die Seitentheile, zwifchen welchen das Sitzleder eingefpannt ift, find am Rande mit zwei fehr fchön ftilifirten Drachen ausgeftattet. Die Zeit der Anfchaffung dürfte mindeſtens mit jener der Verleihung des Rechtes an die Aebtiffin, fich des Stabes und Thronftuhles bedienen zu dürfen, zufammentreffen( das ift 1235). Die Schnitzwerke hingegen erfcheinen älter und mögen dem XI. Jahrhunderte angehören und italienifche Arbeit fein. Die an einigen Stellen der Seitenlehne angebrachten Temperamalereien find bedeutend jünger. Jedenfalls hat diefem Stuhle ein weit älterer zum Vorbilde gedient, dem vielleicht diefe Schnitzwerke entnommen wurden. Die Goldfchmiede- Kunft des romanifchen Stiles. Sie wird repräfentirt vornehmlich durch eine Reihe von Kelchen, mitunter von ungewöhnlicher Gröfse und reicher Verzierung. Der Kelch nimmt in der katholifchen Kirche die wichtigfte Stelle unter den Gefäfsen ein. Die Form desfelben ift in der Wefenheit noch gleich jener der antiken Trinkgefäfse. Der Kelch befteht aus drei Theilen, dem Fufse zum Aufftellen des Gefäfses, dem Stiel fammt Knauf zum Anfaffen und der Cuppa oder Trinkfchale. In den erften chriftlichen Zeiten bediente man fich bei Verrichtung des Mefsopfers hölzerner oder gläferner Kelche, ja auch folcher von Zinn oder Elfenbein, allein fchon im III. Jahrhunderte blieben. die edlen Metalle das ausfchliefsliche Material diefer Gefäfse, welche allmählig durch künftlerifchen Schmuck, namentlich Emails und Niellen, koftbare Steine, Filigranbefatz, noch höheren Werth erhielten. Befonderen Einflufs nahmen in diefer Beziehung die verfchiedenen Stilrichtungen, die übrigens auch auf die Form des Gefäfses und das Verhältnifs der erwähnten drei Hauptbeftandtheile zu einander einige Aenderungen bewirkten. Zu unterfcheiden find die zum gewöhnlichen Gebrauche des Priefters bei der Meffe beftimmten kleineren Kelche, die je nach den feierlichen Anläffen, bei denen fie gebraucht wurden, mehr oder minder reich ausgeftattet waren, und die grofsen Speifekelche, die zur Austheilung des Abendmahles, ehe den Laien die Communion unter beiden Geftalten entzogen war, beftimmt waren; die letzteren mufsten gröfser als die gewöhnlichen Priefterkelche fein, da man in der Regel zu gleicher Zeit einer gröfseren Anzahl Gläubiger das heilige Abendmahl fpendete. Sie find mit Handhaben verfehen, um den Diakonen den Gebrauch diefes Gefäfses zu erleichtern. Die Austheilung des Weines gefchah alsdann mittelft eines kleinen Saugrohres( fistula) aus Gold, Silber, Elfenbein, welches mit einer oder mehreren Handhaben verfehen war. Wir hielten die Vorausfendung diefer kurzen Erklärung für nothwendig, um unferen Lefern, bei denen ein eingehendes archäologifches Wiffen nicht vorausgefetzt werden kann, das Verſtändnis der diefsfälligen Partie unferes Berichtes möglich zu machen. Beiſpiele folcher Gefäfse lieferten der aus dem Prämonftratenferftifte Wilten in Tirol und ein zweiter aus dem St. Peters- Stifte in Salzburg ausgeftellte Communion- Kelch. 12 Dr. Carl Lind. Erfterer ift aus im Feuer vergoldetem Silber angefertigt, und ſtammt aus dem XII. Jahrhunderte. Der grofse, flache Fufs ift kreisrund und hat 6 Zoll 8 Linien im Durchmeffer. Der Schaft ift cylinderförmig mit einem runden Knauf verfehen. Als Trennungsglieder zwifchen Cuppa und dem Knaufe, fowie zwifchen diefem und dem Fufse find Ringe in Form von Eierftäben angebracht. Einen befonderen Werth hat diefer Kelch durch den Reichthum ornamentaler Ausfchmückung, mit der er im wahren Sinne des Wortes fo überfäet ift, dafs nicht der kleinfte unverzierte Fleck übrig bleibt. In ornamentaler Beziehung tritt als Hauptanordnung an dem Kelche die Eintheilung der Flächen des Fufses und der Cuppa in runde, aus verfchlungenen Bandftreifen gebildete Felder hervor, von denen jedoch nur jene des Fufses eine regelmäfsige Kreislinie bilden, während jene der Cuppa etwas verzogen erfcheinen. Sämmtliche Felder find mit Scenen des alten und neuen Teftamentes gefchmückt. Die ornamentale Technik befteht theils in Gravirung und Niellirung vorzüglichfter Art, theils in getriebener und gegoffener Arbeit; letzterer Art find der Knauf mit den beiden Ringen und die Henkel, deren Ornament aus ftilifirtem Laubwerke mit zwei Perlenftreifen an der Randfeite befteht. Der Knauf ift beinahe ringförmig und zeigt in erhabener Arbeit in Medaillons je eine Figur, die aus einem Gefäfse reichlich Waffer ausgiefst( die vier Flüffe des Paradiefes). Die am fenkrechten Rande der Schale angebrachte Infchrift nennt als die Stifter diefes Gefäfses einen Berthold, wahrfcheinlich einen Grafen von Andechs, womit auch eine Kloftertradition übereinstimmt. Die Patena ift auf beiden Seiten mit figuralen Darftellungen gefchmückt; die in der Mitte der Rückfeite find in Relief, die der Vorderfeite in Niello ausgeführt. Die Darftellungen auf der äufseren Randung find auf die Fläche gravirt und nur einzelne Theile davon niellirt oder in Silber belaffen. Wir fehen auf der vertieften unteren Seite die Kreuzigung, am Rande die Synagoge in die Pforten der Vorhölle einziehend, die Befreiung der Voreltern aus derfelben und deren Einführung in den Himmel, dann als Mittelbild der oberen Seite, die Frauen beim heiligen Grabe, Chriftus als Gärtner, auf dem Wege nach Emaus und dort felbft, die Scene mit dem heiligen Thomas und die Himmelfahrt. Die beiden jedoch nicht ausgeftellten Fiftulæ find von Silber, kleine dünne Röhrchen, 7½ Zoll lang, an der einen Seite enger und in der Mitte mit einer kleinen, herzförmigen Handhabe verfehen. Der aus dem XIII. Jahrhunderte ftammende Speifekelch im Schatze des Benedictinerftiftes zu St. Peterin Salzburg ift 9½ Zoll hoch und 8 Zoll breit, aus Silber gegoffen und vergoldet. Die Fläche des kreisrunden und am äufserften Rande mit Steinen gezierten Fufses fchmücken zwölf umgeftürzte Bogenreihen, die gegen den Knauf zu ftrahlenförmig zufammenlaufen, in denen aus einer thurm artigen Architektur en relief die Bruftbilder von zwölf männlichen Geſtalten mit Palmen in den Händen( Märtyrer) fichtbar find. Auf diefem Fufse ruht, und zwar von demfelben nur durch den aus Kryftall geformten, runden Nodus getrennt, die Cuppa, die jedoch, abweichend von der Geftalt der gewöhnlichen romanifchen Kelche, fich der Vafenform nähert und in diefer Beziehung zu den eigenthüm lichften Erfcheinungen unter den liturgifchen Gefäfsen diefer Gattung gehört. Auch die Ausfchmückung der mit zierlichen Henkeln verfehenen Cuppa ift ähn lich jener des Fufses. In den zwölf ovalen Feldern ihrer unteren Hälfte find gleichfalls en relief zwölf männliche als Propheten erkennbare Geftalten angebracht, die theils aufwärts fchauen, theils mit erhobener Hand hinaufweifen. Sämmtliche Bruftbilder find ziemlich roh gearbeitet. Die Fläche des oberen Theiles der Cuppa ift mit einem Infchriftftreifen gefchmückt, unterhalb deffen ein mit Orna menten ausgefülltes Zierband herumläuft, das in feiner Form an flavifche Infchriften erinnert und auch durch lange Zeit dafür gehalten wurde, was aber nicht der Fall ift. Auf der Patene( 10%, Zoll im Durchmeffer) ift in der eine dreizehnblätterige Rofe bildenden Vertiefung Chriftus mit den zwölf Apofteln dargestellt, 5 t Objecte der Kunft und Gewerbe früherer Zeiten. 13 und zwar wurde gerade jener Moment gewählt, wo eilf der Apoftel fragend die Rechte emporheben, während Judas gleichzeitig mit dem Heilande die Hand in die rofenförmige Schüffel taucht; in der Mitte der Patene fehen wir das Lamm Gottes in der üblichen Darftellungsweife. Am äufseren Rande wiederholt fich durch vier Engelsbüften unterbrochen der ornamentale Rand des Kelches mit der vermeintlichen kufifchen Inſchrift. Sämmtliche Darftellungen find in feiner Gravirung ausgeführt. Den gewöhnlichen Meffekelch diefes Stiles repräfentirt ein Kelch aus dem Stifte St. Peter. Er ift aus Silber angefertigt und theilweife vergoldet, hat eine Höhe von 42 Zoll und gehört dem XII. Jahrhunderte an. Der Fufs ift rund und fteigt trichterförmig an, der eigentliche Schaft fehlt und wird durch einen runden, ziemlich breiten Nodus erfetzt, die Trinkfchale ift halbkugelförmig mit etwas ausgebogenem Rande gebildet. Zwifchen Nodus und Schale ift ein kleiner Ring mit Perlenornament eingefetzt. Die Patene, welche urfprünglich nicht zum Kelche gehörte, hat einen Durchmeffer von 5½ Zoll und trägt in der vertieften Mitte innerhalb eines Sechspaffes das Bild des Ofterlammes mit dem Kreuznimbus. Von der Bruft geht ein Blutftrom zur Erde und mit dem Vorderfufse rollt es eine Schriftrolle auf. Ueber dem Lamme fieht man eine fegnende Hand fich herabfenken. Kelch und Patene find mit Infchriften verfehen, die uns belehren, dafs Angehörige des Grafengefchlechtes von Burghaufen, das wiederholt die Schutzvogtei über das St. Peters- Klofter innehatte, diefe Patene fammt einem Kelche dem Stifte im Laufe des XII. Jahrhundertes gefchenkt haben und dafs der jetzige Kelch gegen Ende des XI. oder Anfang des XII. Jahrhundertes von einem gewiffen Gerhochus geopfert wurde. Das Mufter eines Pontificalkelches liefert der vom Stifte Lambach ausgeftellte Kelch. Der Fufs ift modern, die filbervergoldete, halbkugelförmige Cuppa hingegen gehört dem XIII. Jahrhunderte an. Die Aufsenfeite derfelben ift mit in Umriffen gravirten Darftellungen, wie der englifche Grufs, Johannes Evangelift, St. Kilian, die Evangeliftenfymbole und mit ebenfo ausgeführten Infchriften gefchmückt. Eines der feltenften kirchlichen Gefäfse ift die fogenannte Columba, davon zwei Exemplare ausgeftellt waren. Das eine gehört dem Domfchatze zu Salzburg, das andere, bei Weitem minder gut erhaltene, der Benedictinerabtei zu Göttweig. Das erftere Gefäfs hat eine Höhe von 9 Zoll, ift aus Kupfer angefertigt und vergoldet. Es führt feinen Namen von feiner taubenförmigen Geftalt; die ganze Figur ift ftilifirt und wenig zierlich aufgefafst, der Leib und die ftelzenähnlichen Beine, die auf einem flachen Poftamente befeftigt find, werden durch federförmige Eingravirungen charakterifirt. Der Schnabel und der mit einer befon deren Stütze verfehene Schweif find glatt, die Augen aus blauem Glasflufs gebildet. Mit befonderem Schmucke wurden die Flügel ausgeftattet, es ift herrliches blaues, rothes und weifses Email champlevé, das nach der Zeichnung der Flügelfedern entfprechend aufgelegt wurde. Der nur mit Gravuren ausgefchmückte Deckel zum Oeffnen des aus dem Leibe der Taube gebildeten Gefäfses ift am Rücken der Figur angebracht. Am zweiten Gefäfse, das jedoch nur 7 Zoll hoch ift, findet fich die Taubengeftalt mehr entwickelt. Es ift aus Meffing angefertigt, glatt, ohne Emailfchmuck, in neuerer Zeit vergoldet, und dürfte ebenfalls aus dem XII. Jahrhunderte ftammen. Stellt man die Frage, welchen Zweck diefe Gefäfse in der kirchlichen Kunft des Abendlandes hatten, fo mufs man bemerken, dafs fchon im IV. Jahrhunderte Spuren von in den chriftlichen Kirchen im Gebrauche ftehenden goldenen und filbernen Gefäfsen in Taubengeftalt vorkommen; fie wurden peristerium oder columba, auch ciborium benannt, in welchem Falle fie dann zur Aufbewahrung der Hoftie dienten; diefe letztere Beftimmung war auch die am meiften übliche. Der Platz, den die Columba mit der Euchariftie einnahm, war auf dem Altare; meiftens ftand diefelbe in einer von der Decke des Ciboriumaltares herabhängen 14 Dr. Carl Lind. den Schale oder Schüffel, die dann heraufgezogen oder niedergelaffen werden konnte. Oefters hing diefes Gefäfs auch über dem Taufbecken und dürfte diefs mit der Uebung im Zufammenhange geftanden fein, dafs Täuflinge nach dem Taufacte das heilige Abendmahl empfingen. Da aber feit dem fpäteren Mittelalter eine andere Behältnifsform für die Aufbewahrung der Euchariftie gewählt wurde, fo verfchwand die Columba aus dem kirchlichen Gebrauche. Die zweite, aber feltener vorkommende Beftimmung der Columba ift die des Chrismariums, zur Auf bewahrung des Chrifams, eine Beftimmung, welche die beiden in Rede ftehenden Gefäfse mit Rückficht auf ihre ganz kleine, büchfenartige Höhlung gehabt haben dürften. Von eigenthümlicher Form ift das vom Stifte Melk ausgeftellte und aus dem XII. Jahrhunderte ftammende Reliquiar. Es ift aus Kupfer angefertigt und ver goldet, I Fufs hoch, mifst 6 Zoll im Durchmeffer und ftellt in ziemlich plumper Arbeit einen weiblichen, mit einer Krone bedeckten Kopf vor, deffen Haare in zwei nach rückwärts hängenden Zöpfen geflochten find. Den Kronreif zieren eingravirte Ornamente und ein abwechfelnd aus Kleeblättern und vier einfachen Rundblättern gebildeter Diadembefatz. Augen und Mund fcheinen bemalt gewefen zu fein. Am Scheitel des Kopfes ift ein grofser Deckel zum Oeffnen des Gefäfses; derfelbe ift auf der Aufsenfeite mit fchwungvollen, romanifchen Laubornamenten und Thiergeftalten reich gefchmückt. Der ungarifche Archäolog Arnold Ipoly. Stummer, Bifchof von Neufohl, will in diefem Gefäfse das Behältnifs für die aus dem Kopfe beftehende Reliquie des heiligen Koloman erkennen. Grofse Bewunderung fand in archäologifchen Kreifen das bisher unbekannte Reliquienkreuz aus dem Stifte St. Paul, auf deffen Exiſtenz Prälat Sebaftian Brunner zuerft aufmerkfam gemacht hat. Die Kreuze, deren Gebrauch fich in der chriftlichen Kirche fchon bis in die Zeit der diocletianifchen Verfolgung erweifen läfst, wurden in der romanifchen Periode je nach ihrer Beftimmung als Vortrage oder Standkreuz, oder als Bruftkreuz mit grofsem Luxus ausgestattet. Das erwähnte Reliquienkreuz, im Innern aus hartem Holze gebaut, zeigt nach Aufsen auf der Vorderfeite eine aus dünnen Goldplatten gebildete Verkleidung, befetzt mit Edelſteinen und Gemmen, auf der Kehrfeite Metallplatten und darein gravirte Infchriften und Vorftellungen. Das Kreuz ift 83 Centimeter hoch, der Querbalken hat 66 Centimeter und ift an feinen Enden, wie auch das Kopfende, mit je einem Qu drate abgefchloffen, welches um einen Centimeter über das Kreuz herausragt. In der Mitte des Kreuzes wird unter einer Kryftall- Glas fcheibe der eigentliche Kreuzpartikel aufbewahrt. Im Ganzen ift die vordere Kreuzfläche mit 170 Steinen gefchmückt, die den dünnen Goldblechen angefügt find, darunter Saphire und andere werthvolle ungefchliffene Edelſteine, auch finden fich werthvolle Onyxe und Carneole; mitunter wurde auch an Stellen, wo Edelſteine abhanden gekommen, gefchliffenes, färbiges Glas eingefügt. Unter diefen Steinen befinden fich 3 egyptifche Skarabäen, I gefchnittener Amethyft, 2 Carneole, dann 24 verfchiedene alte Gemmen in Carneol, Amethyft, Lapis lazuli, Achat und Onyx gefchnitten. Die Zwifchenräume der gefafsten Steine find mit feinem doppeldrähtigem Filigran decorirt. Die Rückfeite des Kreuzes ift durchwegs mit vergoldetem Silber überzogen. In fünf Oeffnungen, die mit feiner, durchbrochener Arbeit gefchloffen find, waren früher an hundert Heiligen reliquien aufbewahrt. Selbe find nicht mehr darinnen, die Verkleidung ift gegenwärtig zum Theil weggeriffen, die Namen der Heiligen aber befinden fich auf der Metallfläche eingravirt. Um diefe fünf Oeffnungen zeigen fich gravirte Heiligengeftalten. An den vier Enden des Balkens find die Symbole der vier Evangeliften angebracht. Die Gefchichte diefes Kreuzes läfst fich in Folgendem zufammenfaffen: Die Kreuzpartikel wurde vor dem Jahre 1077 durch die Königin Adelheid dem Stifte Sct. Blafien übergeben. Selbe bekam von dem Abte Uto( 1100 bis 1108) eine Faffung von Bronce. Abt Guntherus( 1141 bis 1170) entkleidete fie diefer und 1 S Objecte der Kunft und Gewerbe früherer Zeiten. 15 gab ihr dafür das gegenwärtige, weit koftbarere Gewand von Edelfteinen, Gemmen und Reliquien, das aber durch die Ungunft der Zeiten bedeutende Schäden erlitten hat, in der Hauptfache aber erhalten blieb. Noch vier andere Kreuze find hier zu erwähnen, zwei davon gehören ebenfalls dem Stifte St. Paul; das eine, das erft in neuerer Zeit auf Holz befeftigt wurde, ift höchft einfach und roh, die Figur aus Bronce, mit langem gemusterten Schurze, die Füfse abgeondert genagelt, das Antlitz mit jugendlichem Ausdrucke, das Haupt gekrönt, an der Stelle der Augen Löcher, die ehedem mit Steinen ausgefüllt waren; es dürfte in das XI. Jahrhundert zurückreichen. Beim anderen Crucifix, deffen Figur ganz ähnlich, aber fchwungvoller behandelt ift, und das um ein Jahrhundert jünger fein dürfte, hat fich das Kreuz felbft erhalten. Es befteht aus einer Kupferplatte, die auf der Vorderſeite mit herrlichem Email- champlevé, lineare und Das dritte, ebenfalls aus dem Blumenornamente vorftellend, gefchmückt ift. XII. Jahrhunderte ftammende Crucifix ift auf beiden Seiten mit prachtvollen Emails verziert, wie auch die Chriftusfigur damit ganz überzogen ift. Es gehört dem Das vierte kleinen Kirchlein am Bartholomäiberge in Vorarlberg. Kreuz, dem Domfchatze zu Salzburg entnommen, ftammt aus zwei verfchiedenen Zeiträumen, der Fufs ift ein Werk des XV. Jahrhundertes, während das eigentliche Kreuz ficherlich um drei Jahrhunderte früher entstanden fein mag. Dasfelbe ift aus Holz angefertigt, hat doppelte Querbalken und ift ganz mit Silberplättchen und darauf mit reichem Filigranfchmucke belegt. In einer kreuzförmigen Vertiefung inmitten des durch den unteren Querbalken gebildeten Kreuzes ift die Particula S. crucis eingelegt. Oberhalb befindet fich ein grüner Stein mit der eingefchnittenen Vorftellung des Kampfes des heiligen Georg mit dem Drachen. Als Nodus ift ein Stück gefchliffenen Bergkryftalls verwendet. Mit der Bezeichnung ,, Trinkbecher des heiligen Ulrich", Bifchofs zu Augsburg( 923-973), fand fich ein dem Stiftsfchatze zu Melk entnommenes Gefäfs das aus der gröfseren Hälfte eines ausgehöhlten Kirbiffes befteht, doch ift diefer bereits an vielen Stellen fchadhaft, löcherig, daher in neuerer Zeit etliche Metallfpangen zum Zufammenhalten desfelben angelegt wurden. Innen ift die Schale mit Silberblech bekleidet und am Boden mit einem vergoldeten Medaillon belegt, darinnen auf punzirtem Grunde in Relief die auf einem Faltftuhl fitzende Figur des Bifchofs angebracht ift. An der Aufsenfeite ift der Rand der Schale mit einem dreitheiligen, fchwungvollen Blattornamente verziert. Ueber den ganzen Schalenkörper laufen vom Rande entſpringend zwei fich kreuzende, mit hübfchen Laubornament gefchmückte Spangen und ift jedes der fich dadurch auf der Schale bildenden dreieckigen Felder mit einer Rofette geziert. Der allgemeinen Annahme nach gelangte diefe Schale als ein Gefchenk des Markgrafen Ernft an das Stift, die Faffung gehört mit Rückficht auf das romanifche Laubornament und das fiegelähnliche Medaillon dem XIII. Jahrhunderte an. Wir haben bereits bei einigen Gegenständen, wie bei den Kreuzen von Sct. Paul und Bartholomäiberg der in Emails ausgeführten Verzierungen erwähnt; aufser diefen haben wir noch vieler Gegenftände zu gedenken, die ebenfalls mit Emails reichlich ausgeftattet find. Es dürfte daher gerechtfertigt fein, eher nur mit wenig Worten der Emailirkunft zu erwähnen. Alter und Urfprung des Email find nicht feftgeftellt. Gewifs ift, dafs die Völker des Orientes fchon mit der Behandlung der Glafur und des Glasfluffes vertraut waren, und zu Byzanz, dann in Sicilien, in Deutſchland( den Rheingegenden) und endlich in Frankreich die Emaillirkunft betrieben wurde; befonders in Frank reich zu Limoge blühte diefe Kunft und manches auf uns gekommene Denkmal gibt uns Zeugnifs von der Kunftfertigkeit der damaligen Zeit. Man unterfcheidet dreierlei Emails, den Zellenfchmelz( Email cloifonné) Grubenfchmelz( champlevé) und durchfichtigen Schmelz( Email translucide). Bei erfteren wird die Oberfläche des Metalles, auf der es aufgefchmolzen werden foll, 2 16 Dr. Carl Lind. nach Mafsgabe der Zeichnung in Felder getheilt, welche Untertheilung durch dünne Metallfäden hergeftellt wird. Bei der zweiten Art wurden in der Metallplatte die betreffenden Stellen mittelft des Grabftichels vertieft, dabei die Ränder erhaben belaffen, und diefe Vertiefungen mit Email ausgefüllt. Bei der dritten Art des Emails führte man die Zeichnung auf dem Metall in mehr oder weniger vertieften Linien aus und überzog diefelben mit durchfichtigem Email, eine Kunft, die in Italien aufkam, aber im XIV. und XV. Jahrhunderte in Frankreich und am Rhein ganz befonders blühte. Als hervorragende derartige Werke der Goldfchmiede- Kunft müffen wir nun eine Reihe ganz bedeutender Gegenftände erwähnen. Durch Emailfchmuck zeichnen fich zwei Krumftäbe aus. Der eine gehört der Pfarrkirche zu St. Wolf gang in Oberöfterreich; deffen broncener Obertheil unzweifelhaft eine herrliche Arbeit des XII. Jahrhundertes ift. Die Auffteckhülfe ift gleich dem ganzen Obertheile mit buntfarbigem Email verziert und zeigt etliche theils aufrecht ſtehende, theils vorwärts fchreitende Greife mit erhabenen Flügeln und verfchlungenen Schweifen, die böfen Dämone fymbolifirend, welche als Feinde der Kirche der Hölle entfteigen. Den Nodus, welcher mit einer kleinen Blätterkrone bedeckt iſt, wodurch er das Anfehen eines Granatapfels bekommt, zieren Sterne und Blumen auf blauem Emailgrund, dazwifchen die eingravirten, mit Schmelz ausgelegten Halbfiguren der vier Evangeliften, deren Köpfe aus Meffing gegoffen, vergoldet, reliefartig hervortreten. Der Krone entfteigt ein gekrönter Engel mit entfalteten und nach rückwärts in die Höhe gebogenen, geöffneten Flügeln, in den Händen ein gefchloffenes Buch haltend; Augen, Krone und Gewandfaum find gegen den Hals hin mit Edelſteinen befetzt, die Flügel mit herrlichen Schmelzfarben überzogen, das Uebrige des Engels ift überfilbert. Diefe vor trefflich gearbeitete Figur und insbefondere deren Bekrönung bildet den Vermittler zwifchen dem Nodus und der Curvatura, welche aus zweimal gewundener, fich verjüngender Schnecke des vierfeitigen Krümmungskörpers befteht, der mit farbigen, dreitheiligen Wolken in Schmelzfarben bemalt ift und mit einer zierlichen, aus fünf mandelförmigen Blättern gebildeten Blume endigt. Der mit Elfenbein- Befatz verfehene Schaft ftammt aus dem XVI. Jahrhunderte. Der andere gleich alte Krummftab gehört dem wegen feiner reichen Schatzkammer fchon wiederholt genannten Stifte St. Peter in Salzburg. Er ift vollständig erhalten. Der Obertheil ift aus Bronce, der Schaft aus Holz und mit rother Farbe bemalt, die aber gegenwärtig faft ganz verfchwunden ift. Durchmeffer der Krümmung 3 Zoll 8 Linien. Die mit dem broncenen Obertheile verbundene Hülfe, beftimmt zur Befeftigung am Schafte, ift mit Ornamenten in Email und den eingravirten Halbfiguren zweier Engel auf blauem Grunde geziert. Der kugelige, gegen oben und unten etwas gedrückte Nodus zeigt zwifchen Arabesken in durchbrochenen Rundungen Thiergeftalten mit menfchlichen Köpfen. Oberhalb des Nodus befindet fich eine kleine Krone von fpitzen Blättern gebildet, aus welcher der fehr zarte, faft cylindrifche Krümmungskörper emporfteigt. Die gegen vorwärts gebogene offene Krümmung wird durch einen dünnen, fich allmälig verjüngenden, zweimal gewundenen Schlangenleib gebildet, der an den beiden Aufsenfeiten mit einem zierlichen romanifchen Bandornamente in Email gefchmückt ift. Aufser diefen Emails zeigt die Krümmung nur blankes Bronce. Der Sattel der Windung ift mit kugelartigen Knorren befetzt. In der Krümmung befindet fich ein das Ende der Windung bildender, phantaftifch geformter Schlangenkopf, welcher ein breites, bunt emailirtes Laubornament im Rachen hält. Ein beachtenswerthes Ausftellungsobject, fowohl der Form und Beftimmung nach, wie auch wegen des herrlichen Emailfchmuckes ift das in den Stiftsfchatz von Kremsmünfter gehörige Reliquiar, welches mit Rückficht auf feine Form unter dem Namen Rotula bekannt ift. Diefes liturgifche Schaugeräth ift aus einem mittelft eines Stieles in einen pyramidal geftalteten Fufs eingefügten Scheibe gebildet. Der Fufs von emaillirten Kupfer befteht aus drei Dreieckflächen und ruht auf drei ch 11er rt ert. m ir -k f. e r- e, n er t, d 5- 1, l , n Objecte der Kunft und Gewerbe früherer Zeiten. 17 Drachen, deren Flügel in die angrenzenden Flächen eingravirt und emaillirt find. In jedem der drei Felder ift ein Medaillon angebracht, darin in prachtvollen Emailfarben, das Schreiben des T"," die Erhöhung der ehernen Schlange" und Samfon trägt die Thorflügel von Gaza" dargestellt ift. Die Scheibe hat 28 Centimeter im Durchmeffer, ift von einem breiten Rande umfchloffen und durch gekreuzte Stäbe in vier Felder getheilt, welche in durchbrochener Weife figurale und ornamentale Geftaltungen aus ftarkem, vergoldetem Kupfer getrieben zeigen, als: das Grab Chrifti, die Himmelfahrt, den fymbolifchen Löwen und den zur Sonne auffliegenden Adler. Diefe Darftellungen find mit entsprechenden Beifchriften verfehen. Leider ift die Scheibe nicht mehr vollständig, denn ohne Zweifel dürfte auf dem jetzigen Rand ein Zierrand aufgelegt gewefen fein, der mit Steinen gefchmückt war. Die Beftimmung diefes in das Ende des XII. oder beginnenden XIII. Jahrhundertes gehörigen Geräthes ift nicht mehr klar zu erkennen, doch ift es wahrfcheinlich, dafs fie die Faffung für eine Reliquie des heiligen Kreuzes gebildet haben mag. Vorzügliche Beiſpiele der Emailkunft find auch die fünf Reliquienkäftchen in Formen von Häuschen mit fchiefer Bedachung, die aus Holz angefertigt, mit reich emaillirten Kupferplatten und theilweife in Relief aufgelegten Figürchen oder doch einzelnen Theilen derfelben belegt find. Die Reliefs find aus Meffing angefertigt und vergoldet, die Emails zeigen auf blauem Grunde buntfärbiges Rankenwerk als Belebung der Flächen. Die Darftellungen variiren nur wenig, wir fehen Chriftus als Weltenrichter oder am Kreuze. daneben Maria und Johannes, die vier Evangeliftenfymbole, Engel im Bruftbilde, bisweilen die Perfonificirung des Chriftenthums und des Judenthums, u. f. w. Zwei diefer aus dem XII. oder beginnenden XIII. Jahrhunderte ftammenden Schreinchen find mit durchbrochenem Firftkamme gefchmückt. Drei gehören dem Stifte Klofterneuburg, je eines dem Prager Domfchatze und dem Stifte Kremsmünfter. Das Stift Vorau in Steiermark ftellte auch ein Reliquiengefäfs aus, doch hat dasfelbe nicht mehr die urfprüngliche Form, nur die Metallplatten der Aufsenbekleidung blieben erhalten, die in neuefter Zeit zu einem höchft gefchmacklofen Käftchen, ähnlich einer Rauchtabacks- Dofe zufammengeftellt wurden. Die Platten find von vergoldetem Kupfer, und mit herrlichen Emails champlevés gefchmückt. Eines kleinen Reliquienkäftchens ift hier zu erwähnen, das der reichhaltigen und vieles Intereffante bergenden Sammlung des Carl Ritter v. Pichler in Graz angehört. Es hat ebenfalls die Häuschenform, ift mit Stéinen und emaillirten Halbfiguren, deren Körper mumienartig eingewickelt und am unteren Ende wie abgefchnitten dargestellt find, béfetzt, und mit durchbrochener Gallerie gefchmückt. Die Rückfeite dürfte in neuerer Zeit hinzugefügt worden fein. Beide Reliquiare gehören dem XII. Jahrhunderte an. Das Stift Lambach und Gundacker Graf Wurmbrand ftellten je ein kupfernes emaillirtes Weihrauch- Schiffchen aus, das im XIII. Jahrhundert entftanden fein mag. Die Broncefchüffel aus dem Stifte Tepl, der Tradition nach, in dem Grabe der Hroznata gefunden, ift ganz mit Emails überzogen; die Mitte bildet ein Kreis, darinnen ein dreieckiger Schild mit Lilien, um den Kreis eine breite Bordure mit fechs Bogenfeldern, drinnen je zwei Figuren; die Verzierungen find emaillirt, die Technik und die künftlerifche Ausführung weifen diefe Schüffel als ein Werk der Schule von Limoges in das XIII. oder XIV. Jahrhundert. Wir kommen nun zu dem bedeutendften, zum hervorragendften Gegenftand ganzen Amateursausftellung. Es ift das grofse, weit berühmte Altarwerk aus Klofterneuburg, bekannt unter der Bezeichnung der Verduner Altar". Es befteht aus 51 Tafeln mit fehr intereffanten Darftellungen, ausgeführt auf vergoldetem Kupfer in Email champlevé. Die Darftellungen gruppiren fich in drei Horizontalreihen, von denen die mittleren 17 Bilder von Begebenheiten aus dem Leben Chrifti( sub gratia), die obere die typologifchen Vorbilder derfelben aus dem alten Teftamente vor der Gefetzgebung Mofis( ante legem) und die untere jene nach der " 2* 18 Dr. Carl Lind. Mofes( sub lege) enthält. Es ift fomit ein typologifcher und zwar fehr vollkomme ner Bilderkreis. Die Typologie fucht nämlich durch die Zufammenftellung ähnlicher oder ähnlich gedachter Momente der beiden Teftamente den Beweis einer ununterbrochenen göttlichen Offenbarung zu führen und Begebenheiten des alten Teftamentes als Vorbilder beftimmter Ereigniffedes neuen hinzuftellen. Zwifchen diefen Bilderreihen und den einzelnen Tafeln find in Halbfiguren in der oberen Reihe Engel, in der Mitte Propheten, unten die Tugenden dargeftellt. Jede Darftellung wird durch einen leonifchen Vers erläutert. Endlich ist noch zu erwähnen, dafs das ganze Werk mit kleinen Plättchen eingefafst ift, die mit in verfchiedenfärbigem Email ausgeführten Ornamenten geziert find. Man zählt davon 44 Mufter, davon die meiften fich durch befonderen Gefchmack auszeichnen. Die Farbenftimmung der Bilder und der erwähnten Umrahmung fetzt fich aus Blau, Roth und Gold zufammen, hie und da, befonders in den Heiligenfcheinen findet fich ein mattes Grün, dann auch noch Weifs, Schwarz und ein Gemengfel aus Grau, Weis und Roth, in welchem Tone vor nehmlich die Trennungsfäulchen im Rahmen der einzelnen Bilder ausgeführt find. Zufolge der Infchrift wurde diefes grofsartige Werk, das bedeutendfte Emailwerk des Mittelalters, das man kennt, als Widmung des fechften Probftes Wernher durch Nikolaus von Verdun im Jahre 1181 ausgeführt, und zwar als Verkleidung eines Lefepultes( Ambo), fpäter als Antipendium des Kreuzaltars; erft nach dem Brande des Stiftes wurde es über Wunfch des Probftes Stefan von Sierndorf ( 1322) zu einem Altarauffatz in Form eines Flügelaltars umgeftaltet und durch Einfügung von fechs Bildern, die in Wien angefertigt wurden, vergröfsert. Die conventionelle Richtung des XII. Jahrhundertes bildet an diefen Tafeln die entfchiedene Grundlage ihrer ftiliftifchen Behandlung. Aber fie entwickelt fich, wie Kugler treffend bemerkt, von folcher Grundlage ausgehend, zu einem bewegten Leben, das bei manchem auffälligen Ungefchick, bei manchem fehr Uebertriebenen, die bered'fte dramatifche Ausfprache des Moments zum Ausdruck bringt, fie geftaltet fich bei einzelnen, namentlich weiblichen Geftalten zu den durchgebildeten Grundzügen eines claffifch geläuterten Adels, der mit Empfindung auf die Mufter der Antike zurückgeht und in ftaunenswürdiger Meifterfchaft bereits das vorweg nimmt, was erft in neuer jüngerer Zeit zur umfaffenden Ausbildung gelangte. Mag man auch Camefina's prachtvolle und höchft getreue Publicationen diefes Altarwerkes noch fo gut kennen, mag man das Original in feiner ungünfti gen Aufftellung im ehemaligen Kapellenhaufe des Stiftes, beeinträchtigt durch die ungenügende Beleuchtung, noch fo fleifsig ftudirt haben, erft hier- in Folge der guten Aufftellung und günftigen Beleuchtung konnte man fich diefes Kunftwerkes ordentlich erfreuen. Wir wollen, obwohl mit Rückficht auf die Anfertigungszeit nicht hieher gehörig, erwähnen, dafs die Rückfeite diefes Altars mit vier Temperagemälden auf Holzgrund geziert ift, die Probft Stefan von Sierndorf in der erften Hälfte des XIV. Jahrhundertes bei der eben erwähnten Umgeftaltung zu einem Flügelaltar anfertigen liefs. Jeder Flügel enthält eine Tafel, das doppelt fo breite Mittelftück zwei. Erftere wurden, wie diefs bei Flügelaltären gewöhnlich, während der Faftenzei: gefchloffen, in welchem Falle zwei Hauptmomente der Paffion, die Kreuzigung und die Frauen am Grabe, dabei Chriftus als Gärtner fichtbar wurden. Die Rückfeite enthält Bilder aus der Legende Mariens: ihren Tod und ihre Krönung. Diefe intereffanten Gemälde find die älteften bisher datirten Tafelgemälde Oefterreichs und gehören zu den früheften Producten deutfcher Malerei. Als diefer Stilperiode angehörig haben wir zweier charakteriftifcher Bronce leuchter zu gedenken, die, dem XII. oder beginnenden XIII. Jahrhunderte entftammend, vom kärntnerifchen Landesmufeum ausgeftellt wurden; Profeffor Klein hatte einen einfacheren, romanifchen Leuchter ausgestellt. e- ng en enn- b. en en en en en rs [ s, r d. rk ch es m rf h n It k n 1 1 1 י Objecte der Kunft und Gewerbe früherer Zeiten. 19 Denkmale der Textilkunft des romanifchen Stiles. An Denkmalen diefer Kunft fand fich Bedeutendes und Hervorragendes in den Käften der öfterreichifchen Amateursexpofition. Wir nennen zuerft die drei Prieftergewänder, die das kärntnerifche Stift Sct. Paul ausftellte, die gleich den übrigen Schatzgegenftänden ehemals dem Stifte Sct. Blafien im Schwarzwalde gehörten und, als zu Beginn diefes Jahrhundertes Kaifer Franz den obdachlofen Conventualen aus dem Schwarzwalde eine neue Heimat in Sct. Paul gaftlich eröffnete, dahin mitgebracht wurden. Da ift eine Cafula von altem Schnitte, ohne Ausfchnitt für die Arme, im Halbmeffer I Meter 67 Centimeter weit, die ganze Fläche durch ornamentale Streifen, die vertical und horizontal gezogen find, in quadratifche Felder getheilt und unterhalb mit einer Bordure abgefchloffen. Im Ganzen find 38 Felder gefchaffen, doch bilden davon nur 26 vollkommene Quadrate. Die Nadelmalerei ift in vortrefflicher Seidenftickerei auf ftark gewebtem, ungebleichtem Straminleinen, im Zopf- und Kettenftich ausgeführt. Die Farbenwirkung ift eine fehr einfache. Die zwei Hauptfarben, in denen mit nur vereinzelten Ausnahmen der Grund der figuralifchen Darftellungen ausgefüllt ift, find gelb und blafsroth. Aufser diefen finden wir noch Blau, Grün, Braun, Weifs und eine tiefere Abstufung des Roth. Vom Golde wurde nirgends Gebrauch gemacht. Die Felder find entweder mit figuralen Darftellungen oder mit Thiergeftalten gefchmückt. Alle Verzierungen zeigen entfchieden den Charakter des entwickelten Romanismus, wie er fich vom Beginne des XII. Jahrhundertes bis in die erfte Zeit der Gothik in fteter Fortbildung erhalten hat. Die Darftellungen in den Quadratfeldern beziehen fich auf neuteftamentarifche Begebenheiten, Prophetengeftalten, typologiſche Bilder aus dem alten Bunde, Heiligengeftalten, endlich werden in den 35 Medaillons der Bordure Evangeliften, Apoftel und einzelne hiftorifche Perfonen( Kaifer Otto) vorgeführt. Dr. Heider spricht die Vermuthung aus, dafs diefes im zweiten Viertel des XII. Jahrhundertes entstandene kirchliche Kleid in dem Frauenmünfter der Benedictinerinen zu Zürich angefertigt wurde und entweder für das Stift Sct. Blafien oder für das berühmte Benedictinerklofter Sct. Gallen beſtimmt war. Das zweite liturgifche Gewand ift ein im Beginn des XIII. Jahrhundertes entftandenes Pluviale( cappa pluvialis, casula cuculatta, processoria, Mantel) von der gleichen Form wie die Casel, nur vorne offen und über der Bruft mittelft eines Querftreifens zufammengehalten, rückwärts mit einer kleinen Caputze. Durch einen längs des Rückens herumlaufenden, ornamental verzierten Streifen wird der in feiner Ausbreitung einen Halbkreis bildende Mantel in zwei gleiche Theile gefchieden. Auf jedem derfelben find neunzehn ganze Kreife und fünf theils gröfsere theils kleinere Kreisfegmente als Räume für figuralifche Darftellungen hergeftellt, deren jede durch eine dem Kreisumfange folgende, im leonifchen Versmafse gehaltene Umfchrift erläutert wird. Die Zwifchenräume, welche durch die aneinander gereihten Kreife gebildet werden, enthalten aus Blättern gebildete Ornamente. Die figuralifchen Darftellungen führen auf der einen Hälfte die vollständige Legende des heiligen Vicentius, Schutzpatrones des Stiftes Sct. Blafius vor. Rückfichtlich des Stoffes, der Stickerei und Farben gilt das vom erften Gewande Gefagte, nur erfcheinen hier auch noch Goldfäden verwendet. Das dritte liturgifche Gewand ift eine der früheren gleichgeformte Cafula aus dem beginnenden XIII. Jahrhunderte, die jedoch im XVIII. Jahrhunderte in ibrer Form etwas verftümmelt wurde. Auch fie wird durch einen längs des Rückens herablaufenden Stab in zwei Theile getheilt, deren jeder 18 zum Theile verfchnittene Quadrate als Räume für figurale Darftellungen enthält. Die Abgrenzung diefer Felder bilden Streifen, welche oberhalb jeder Darftellung zur Anbringung der fie charakterifirenden, im leonifchen Versmafse gehaltenen Umfchrift dienen, zur Seite der Darstellungen aber mit verfchiedenen Band- und Laub 20 Dr. Carl Lind. Verzierungen gefchmückt find. Was die Stichweife und den Wechfel der Farben betrifft, fo gleicht diefe Cafula dem eben befprochenen Pluviale fo vollſtändig, dafs kein Zweifel über die gleichzeitige und örtlich zufammenfallende Anfertigung beider zulässig erfcheint. Hinfichtlich des Inhaltes der Darftellungen ift zu bemerken, dafs fie entweder neuteftamentarifche Scenen vorbringen, oder folche aus dem Leben des heiligen Nikolaus, Bifchof von Nicea. In den neun Medaillons : des Stabes fieht man das Lamm Gottes, die Bilder der Evangeliften und die vier grofsen Propheten. Nicht minder werthvoll, wie die kirchlichen Gewänder von St. Paul find jene aus dem aufgehobenen, ehemals in hohen Ehren ftehenden Nonnenftifte Goefs in Steiermark. Diefelben ftammen aus der zweiten Hälfte des XIII. Jahrhundertes und find in ähnlicher Weife, wie die eben genannten, mit Seidenftickerei überzogen. Leider find fie nicht fo gut confervirt wie jene, und wurden die fchadhaften Stellen durch andere Stoffe ergänzt. Der Ornat befteht aus einer Cafula, die nicht zur Ausftellung gelangte, zwei Dalmatiken, einem Pluviale und einem Antipendium. Auf der einen gröfseren Dalmatica ift oben beim Halsausfchnitte am Rück theile in einem Medaillon zum Theile die Darftellung der Verkündigung Mariens mit dem Legendarium des englifchen Grufses fichtbar. Um diefelbe grup pirten fich die Symbole der Evangeliften, wovon noch zwei erhalten find. Den übrigen Raum der Rückfeite nehmen zwölf Darftellungen fymbolifcher Thier geftalten ein. Diefe find auf farbige Flächen geftickt und theilweife von Infchriften umgeben. Die Darftellungen find auf feinem Canevas zuerft in fcharfen Contouren angedeutet, die fodann theils in Ketten- und Sprungftichen, theils in Flecht- und Flammenftichen beftickt wurden. Die Grundfarbe ift roth. Die zweite etwas kleinere Dalmatica ift in Bezug auf Reichthum bildlicher Darftellungen viel einfacher, doch in der Technik gleich. Der Chormantel hingegen ift eines der intereffanteften Gewänder, er ift aus zwei Hälften zufammengefetzt, und in den Stickereien theils ornamental, theils figural gehalten. Als Mittelftück zeigt fich ein grofses Rundmedaillon mit der Vorftellung der Mater Dei, auf einem Faltistorium fitzend. In der buntförmigen Umringung des Medaillons ein leider nicht mehr les bares Legendarium und aufserhalb die Evangeliftenfymbole. Der Mantel ift fehr befchädigt und wurden die Lücken durch nicht paffende Stücke ausgefüllt; darauf finden fich Darftellungen der Apoftel. Auch unter der Madonna kniet als fpäteres, von einer anderen urfprünglichen Stelle entnommenes Flickwerk die Aebtiffin Chunegunde, unter deren Amtsführung diefer prächtige Ornat entstand. Den übrigen Theil des Mantels füllen nur fymboliſche Thiergeftalten in Quadratfeldern aus. Das dazu gehörige Antipendium ift 9 Fufs 5 Zoll breit, 3 Fufs 2 Zoll hoch. Auf diefer palla altaris find in gröfseren, durch kleine Kreife mit einander verbundenen Medaillons dargeftellt: Maria als Himmelskönigin, der englifche Grufs und die Anbetung der drei Könige. Zu beiden Seiten Mariens, aufserhalb des Medaillons knien weibliche Geftalten, wovon die eine die Stifterin( adula fundatrix) der Nonnenabtei mit dem Bildniffe der Kirche und die zweite( Chunegundis abbatissa me fecit) durch die Infchrift die Verfertigerin und Gefchenkgeberin des Antipen diums vorſtellen. Ueber der Darstellung Mariens erblickt man zwei Engel, die in kniender Stellung dem Heilande zugewendet find, zu beiden Seiten der drei Medaillons vielfarbig geftickte Ornamente, welche auf der einen Seite von Quadraturen eingefchloffen und auf der anderen Seite von rhomboidenförmigen Linien umgeben find. Das St. Peters ftift in Salzburg exponirte eine Glockencasula aus einem fehr feften orientalifchen Seidenftoffe von matt grüner Farbe, Als Deffin zeigt der Stoff Kreife, darin geflügelte Löwen und Vogelpaare. Als Verzierung trägt das Kleid nur vorne auf der Nath eine Goldborte und ebenfo um den Hals herum, welche auch ftellenweife mit Perlenreihen und Edelſteinen gefchmückt ift. Diefes Priefterkleid mag noch im XII Jahrhunderte angefertigt worden fein. ben ig, ng zu he ns er nd fte r- enen te, ته k ns P en r On en in te el er en in m S ar if n il น a S T Objecte der Kunft und Gewerbe früherer Zeiten. 21 Wir haben hier auch der vier intereffanten Mitren zu gedenken, die in die Zeit des XII. und XIII. Jahrhundertes fallend, uns die von den Bifchöfen des Abendlandes damals allgemein angenommene Form diefer, einen integrirenden Theil des bifchöflichen Ornats bildenden Kopfbedeckung zeigen. Es iſt diefs eine Kappe, die vorne und rückwärts mit je einem dreieckigen, aufgeftellten, aber fehr niedrigen Schilde verfehen war. Man verwandte für die Aufsenfeiten der Mitra koftbare Stoffe, fügte nicht minder koftbare Bandftreifen in beftimmter Zeich nung darauf und als rückwärtige Anhängfel bei, fpäter kam noch Metall-, Steinund Perlenbefatz hinzu. Die eine, mitra ftellata genannt, weil fie mit einer grofsen Anzahl kleiner Sterne, d'e mit verfchiedenfärbigen Seidenfäden auf den Grundft off geftickt wurden, verziert ift, zeigt an den Schilden im Stoffe eingearbeitete, gröfsere Sterne mit ungleich langen Flammenftrahlen, welche dem Ganzen einen mehr phantaftifchen orientalifchen Charakter verleihen. Die andere, mitra simpliciter aurifrigiata, trägt im Allgemeinen dentelben Kunft charakter wie die vorige; ift aber bedeutend höher, was feinen Grund lediglich darin haben dürfte, dafs am unteren Rande eine aufserordentlich breite Goldborte von normänifch- ficilianifchem Charakter herumläuft. Der Grundftoff ift weifse, deffinirte Seide Befonders auffallend find die an der Infel rückwärts herabhängenden langen Bänder, welche in fehr frifchen Farben ein Gewebe mehr orientalifchen Charakters repräfentiren. Beide Mitren gehören dem St. Peterftifte in Salzburg. Zwei fehr intereffante Mitren befitzt die Domkirche zu Salzburg, davon jedoch nur eine ausgeftellt war. Diefelbe hat eine Breite von 91% Zoll und II Zoll Höhe, ift aus weifsem glattem Seidenftoffe angefertigt. Ein breites Band, von reichem Goldftoff dient als aurifrifia in circuito und in titulo. Das Band ift mit aufgelegten Perlen, theils in Linien theils in abwechfelnden geometrifchen Muftern zufammengeftellt, gefchmückt. Die durch das fenkrechte Band getheilten Schilder find in jedem der beiden Felder mit einem Medaillon geziert, das innerhalb einer Umrahmung aus Goldftoff und Perlenftickerei je ein Evangeliftenfymbol mit entfprechender Umfchrift ebenfalls in farbiger Seide und mit Perlen geftickt enthält. Die breiten Stolæ find von weifsem Seidenftoffe, darauf in Gold geftickt ein romanifches, bandartiges Ornament, und endigen mit reichem Franfenbefatze. Es war noch eine vierte derartige Mitra ausgeftellt, die jedoch nahezu um ein Jahrhundert jünger fein, und in das XIII. Jahrhundert gehören dürfte, was fich befonders durch die darauf angebrachten, den Charakter der Uebergangszeit an fich tragenden Metallornamente rechtfertigt. Sie iſt aus weifser Seide angefertigt und mit einer breiten Goldborte und aufserdem mit fehr zierlichen Filigran Agraffen gefchmückt, davon einige kleeblattförmig, andere ſchnekenförmig, gewunden find. Diefe Mitra gehört ebenfalls dem Petersftifte Kunftproducte des gothifchen Stiles. Die fociale Umgeftaltung, die fich bald allenthalben durch das fich kräf tigende Bürgerthum und Städteleben Bahn brach, begünftigte eine neue zierliche Stilrichtung gegenüber dem in mächtigen Formen auftretenden Romanismus, diefem, man könnte fagen, mit dem befchaulichen Klofterleben entstandenen und nur von geiftigem Gehalt belebten Principe. Natürlich ftand wie bei jeder neuen Kunftrichtung die Architektur an der Spitze; diefer entfprach auch der neue Stil am meiften, von ihr ging der befruchtende Gedanke auf die anderen Künfte und auf das Kunft- Handwerk über. In ihr blieb die leitende Idee, das Princip für die Formvollendung, für äufseren Glanz und für fchwungvolle Ornamentik, doch gingen auch von ihr alle Ausartungen aus, und wurden von ihr in die Sculptur, Malerei und Kleinkunft übetragen, wo fie gehorfam übernommen und getreulich 22 Dr. Carl Lind. nachgeahmt wurden. Die Gothik drang in alle Zweige der Kunft, wobei ihr zu ftatten kam, dafs fie fich in ihrer Anwendung aufserhalb der Architektur jedem beftehenden und noch fo eigenthümlichen Grundgedanken zu accomodiren fuchte. Werke der gothifchen Goldfchmiede- Kunft. Wir wollen unfere Ueberfchau von Kunftgegenständen der gothifchen Epoche mit den Producten der Goldfchmiede- Kunft beginnen. Da ift es wieder die Kirche, die uns für diefe Gruppe die gröfsten Koftbarkeiten liefert. Wir finden Reihen von Kelchen und Monftranzen, die alle mehr oder minder gelungen, diefen Stil repräfentiren. Wir nennen zuerft den Kelch von Admont. Derfelbe vereinigt in fich die Reminiscenzen des romanifchen Stiles und Vieles der Gothik. Auf der Fläche des noch runden Fufses find vier ovale Medaillons mit Darftellungen aus dem Leben Chrifti angebracht, der Knauf ift ebenfalls noch rund, nur oben und unten etwas platt gedrückt und im Halbkreisbogen mit Thier- und Pflanzenbildungen geziert. Die Cuppa hat bereits die der Gothik charakterifirende, nach unten zugefpitzte Form. Ueber die Entftehungszeit( 1350) bringt eine zunächft des Knaufes angebrachte Infchrift Nachricht. Diefer Kelch, eine Ausnahme von der während des gothifchen Stiles allgemein angenommenen Form, liefert den Beweis, dafs felbft zur Zeit der Allmacht des gothifchen Stiles die Formen des früheren Stiles in der Kleinkunft noch nicht ganz vergeffen waren. Die allgemeine Form der Kelche der gothifchen Epoche charakterifirt fich durch den blattförmigen, meiftens fechstheiligen Fufs, durch polygonen Nodus, der in der Spätgothik bisweilen bis zum Capellenbau fich erweitert und durch die nach unten fich verengende Trinkfchale, welch' letztere Eigenfchaft fich in der Spätgothik ebenfalls abfchwächt, indem man zur Tulpenform überging. Die darauf verwendete Verzierung ift theils Email, meiftens durchfchimmerndes, bisweilen Stein- oder Glasbefatz, ferner reiche Filigranirung und Befatz von Relieffiguren, die bisweilen in reicher Anzahl auf der Fufsplatte, namentlich aber am Nodus angebracht find. Als ausgezeichnet durch Emailfchmuck nennen wir jenen Kelch von Sct. Paul( XVI. Jahrhundert). Mit Filigranfchmuck als der hauptfächlichften Ver zierung find ausgeftattet: Die beiden Kelche aus Ebenfurt( XVI. Jahrhundert), Ibbs ( XVI.), Sct. Leonhard( XVI.), von Klofter Strahov und der Goldfchmiede Genoffenfchaft in Prag, endlich nennen wir noch die einfachen Kelche von Judenburg( XVI.), Oberdrnovitz( XV.), Brünn, Sct. Jakobskirche( 1478), Kunewald( XV.), Selowitz( XV. Jahrhundert) und die drei durch ihre gewal tigen Noden, mit figuralem Schmucke eigenthümlichen Kelche des Tarnower Domes. Die Kirche zu Maria Saal hat einen fchön cifelirten Kelch von unge. wöhnlicher Gröfse mit eingravirten figuralifchen Darftellungen am Fufse und an der Cuppa ausgeftellt, der von Jörg Ungnad( 1466) ftammt. Einen eigenthümlichen Kelch müffen wir hier erwähnen, es ift diefs der fogenannte Reifekelch aus Klofterneuburg, der wahrfcheinlich im XV. Jahr hundert entstanden fein mag und die von uns befchriebene Form der gothifchen Kelche hat. Seine Beftimmung als Reifekelch charakterifirt fich dadurch, dafs er in drei Theile zerlegbar ift, die mittelft eines am Fufse befindlichen Zapfens in einander gefchraubt werden können. Die Mefskännchen find fo geformt, dafs fie der Fläche des Fufses aufgelegt werden können, worüber dann die Cuppa geftürzt wird. In die Höhlung des Fufses pafst die Hoftienkapfel und als letzter Abfchlufs dient die Patene. Um die Euchariftie würdig aufzubewahren, bediente man fich fchon in altchriftlicher und romanifcher Zeit gewifser verfchliefsbarer Gefäfse, von denen jedoch keines auf die Ausftellung gebracht wurde, wenn man nicht die fchon erwähnten taubenförmigen Gefäfse als Ciborien annehmen will. In der gothifchen Zeit erhielten die Ciborien eine fchlanke, thurmartige Form und im Aufbau Gliederung und Verzierung nach dem Charakter diefes Stiles. Wir fanden vier derartige Gefäfse; weitere drei Ciborien haben eine Form, die von den conventio es of ihr dem chte. fere Cten für chen ren. die des ben was ert. tzte geend lafs les ich Her ch ik ete asin on erbs e. on 3). aler e- an er n s S e 1 Objecte der Kunft und Gewerbe früherer Zeiten. 23 nellen mehr oder minder abweicht. Wir nennen vor Allem das Ciborium von Klofterneuburg, aus vergoldetem Silber, 1 Schuh 1½ Zoll hoch. Der achttheilige Fufs ift ziemlich reich gehalten und auf der Fläche theils mit Medaillons, darin die Evangeliftenfymbole, theils mit Figuren und Blattornamenten geziert; den Ständer fchmückt ein mit Glaspaften und Email ausgeftatteter Nodus. Die Schale fammt Deckel ift ebenfalls achtfeitig und vollſtändig mit in herrlichem Email auf blauem Grunde ausgeführten Darftellungen bedeckt. Auf dem Deckel finden fich acht Darftellungen, an der Schale ebenfalls acht Felder, doch find fie für je zwei Darftellungen untertheilt und ift jeder Darftellung noch das Bild eines Propheten beigegeben. Der Bildercyklus beginnt mit der Verkündigung Mariens und endigt mit der Kreuzabnahme. Eine weitere Darftellung findet fich in der Cuppa, nämlich die Auferstehung, und in der Höhlung des Fufses die fymbolifche Beziehung auf die Auferstehung, nämlich der feine Jungen anhauchende Löwe. Cuppa und Deckel dürften dem Anfange des XIV. Jahrhundertes angehören, während der Ständer in der erften Hälfte desfelben Jahrhunderts' entftanden und Wiener Arbeit ift. Die Dekanalkirche zu Melnik ftellte eine filberne, theilweife vergoldete Hoftienbüchfe aus. Sie ift kreisrund und hat inclufive der Figuren eine Höhe von 5 Zoll bei einem Durchmeffer von 42 Zoll. Das Gefäfs, das mit Rückficht auf die Ornamentation aus dem ablaufenden XV. oder beginnenden XVI. Jahrhunderte ftammen mag, ruht auf drei Füfsen, deren jeder einen knieenden, muficirenden Engel darftellt. Die Schale ift unten flach und hat fenkrechte Seitenwandung, die nach oben mit einem fortlaufenden gothifchen Lilienornamente abfchliefst. Um die ganze Aufsenfeite der Wandung fchliefst fich ein meifterhaft durchgeführtes Ornament aus rankenden Blumen und Blättern, das, felbftftändig ausgeführt, reliefartig aufliegt. Der abhebbare Deckel ift nach aufsen mit einem Zaune abgefchloffen, was die geflochtene Umzäumung des Oelberges vorftellen foll. Inner desfelben ift die Todesangft Chrifti auf dem Oelberge dargeftellt. Wir fehen Chriftus gegen einen Felfen gewendet knieen, darauf der Kelch fteht, um ihn liegen fchlafend feine Begleiter Petrus. Jacobus und Johannes. Die Figuren find ungenügend, doch die Gruppirung lebhaft. Mit Rückficht auf Zeichnung und Ausführung ift anzunehmen, dafs diefes Werk ein Goldfchmied von Strebfamkeit und künftlerifcher Begabung angefertigt hat, dem manche bedeutende Werke diefes Kunft- Handwerkes aus früheren Zeiten nicht unbekannt geblieben find, wodurch in ihm eine gewiffe und an dem Werke deutlich merkbare Läuterung des Gefchmackes bewirkt wurde. Das Brünner Franzensmuſeum ftellte ein kugelförmiges Ciborium aus Meffing aus, das auf fchlankem Fufse fteht und noch ins XVI. Jahrhundert gehören mag. Auch unter den aus Galizien eingefendeten Gegenftänden fand fich ein Ciborium des nichtunirt- griechifchen Klofters zu Suczawica und noch aus dem XVI. Jahrhundert ftammend; es ift aus vergoldetem Silber angefertigt, ftellenweife mit Emails geziert und ftellt eine Kirche mit drei hintereinander gereihten Kuppelthürmen vor. Wir kommen nun zu den Monftranzen, fie find die jüngften in der Reihe der kirchlichen Gefäfse. Sie entstanden in Folge der Einführung des Frohnleichnamsfeftes, deffen Feier in Deutfchland fich erft feit dem Beginn des XIV. Jahrhundertes allgemein verbreitete. Um das Venerabile bei diefer Gelegenheit dem Volke zeigen und im feierlichen Zuge entſprechend tragen zu können, fchuf die gothifche Kunft aus den zierlichften Formen der Architektur jene prachtvollen Behältniffe oft von koloffalen Verhältniffen, die noch jetzt unfere lebhafte Bewunderung erregen. Der Fufs zum Aufftellen und der Stiel mit Knauf zur Handhabe find den entsprechenden Theilen der Kelche nachgebildet, der obere das Retabulum bildende Theil entwickelt fich in der Regel zu drei zierlich durchbrochenen Spitzen, von denen die mittlere höher emporfteigt, während die feitlichen nach unten confolartig abgefchloffen find. Das Retabulum felbft hat die Geftalt eines viereckigen 24 Dr. Carl Lind. Kaftens, oder einer kürzeren liegenden Hülfe mit Kryftallverfchlufs, oder eines aufrecht ftehenden cylindrifchen Behältniffes von Kryftallglas, darinnen die Hoftie von der halbmondförmigen Lunula umfchloffen fichtbar ift. Die Verehrung der Reliquien brachte es mit fich, dafs die monftranzenförmigen Gefäfse auch für die Aufbewahrung und Schauftellung der Reliquien ver wendet wurden. Unter den ausgeftellten Monftranzen verdienen als hervorragend befonders befprochen zu werden, das prachtvolle Reliquien- Oftenforium des Stiftes Klofterneuburg. Dasfelbe aus vergoldetem Silber, 2 Schuh 4 Zoll hoch, baut fich auf einem achtfeitigen, mit vier vorfpringenden Feldern verfehenen Fufse auf. Der polygone Ständer ift mit einem fechseckigen gothifch ornamentirten Knaufe befetzt. Der zur Aufbewahrung der Reliquie beftimmte, oben und unten mit einem Lilienbande gefchmückte Glascylinder ift zu beiden Seiten mit fich verjüngenden fchlanken Streben umgeben und mit einer kleinen Capelle bekrönt, die mit einer zierlichen Spitze fammt Kreuzblume abfchliefst. Die Fufsfläche zieren acht Vorftellungen in flach getriebener Arbeit auf Silberplatten. Der figurale Schmuck befchränkt fich blofs auf zwei Figuren, die an der Aufsenfeite des Tabernakelbaues angebracht find. Diefes herrliche Product der Goldfchmiede- Kunft dürfte gegen Ende des XIV. Jahrhundertes angefertigt worden fein. Von den aus dem XV. Jahrhunderte ftammenden Oftenforien nennen wir vor Allem die fchöne und grofse Monftranze aus der Sammlung von Koftbarkeiten und Prachtgegenftänden des Freiherrn Anfelm von Rothfchild in Wien, der wir noch wiederholt werden zu gedenken haben. Sie ist aus Silber angefertigt und theilweife vergoldet, hat eine Gefammthöhe von 48 Zoll und charakterifirt fich durch einen äufserft fchlanken Aufbau. Der Fufs zeigt die häufig vorkommende fechsblättrige Rofe. Der Stiel ift fehr dünn und hoch, baut fich fechsfeitig auf und ift mit einem kapellenartigen Nodus befetzt. Der eigentliche Kapellenbau ift ebenfalls fechsfeitig conftruirt, das Hoftienhäuschen ift cylindrifch. Figuraler urfprünglicher Schmuck findet fich an dem Gefäfse nicht, obfchon zahlreiche Nifchen und Confolen an demfelben angebracht find. In das Hoftienhäuschen ift in neuerer Zeit eine, jedoch nicht hineinpaffende zierliche Figur, den heiligen. Petrus vorftellend, eingefetzt worden. Wir erkennen an diefer Monftranze bereits den feit dem Beginne des XV. Jahrhundertes zunehmenden Einfluss des decorativen Elements gegenüber dem zurückgedrängten conftructiven, auf Koften des harmonifchen und ftilgemäfsen Aub'aues. Die Strebepfeiler und Bogen erfcheinen nicht mehr als Träger und Stützen des Gebäudes und find ohne conftructiver Beftimmung nur Spielzeug. Die Monftranze aus der Sct. Leonhardskirche in Tamsweg, im Jahre 1412 aus Silber angefertigt und vergoldet, von 33 Zoll Höhe, ift von der gewöhnlichen Durchführung des gothifchen Aufbaues, wefentlich abweichend con ftruirt, daher man mit Recht annehmen kann, dafs die Zeichnung für diefelbe kein Goldfchmied entwarf, fondern dafs mit Rückficht auf die ftreng architektonische Gliederung und Durchführung der Entwurf aus der Hand eines geübten Architekten hervorging und dafs bei der Ausführung fich der Goldfchmied ängftlich an das ihm gegebene Vorbild gehalten hat. Der fehr flache Fufs bildet eine achtblättrige fehr breite Rofe, die Oberflächen find blank, der Stiel ift acht feitig mit einem kräftigen Nodus in Form einer Kapelle geziert. Auf dem Stiele ruht eine Platte als Trägerin der unteren Kapelle oder beffer gefagt, eines mächtigen Spitzbogens, unter welchem die über 5 Zoll hohe Figur des heiligen Leonhard fteht. Die Figur ift vergoldet, Geficht und Hände find mit Oel farbe bemalt. Eine auf diefen Spitzbogen ruhende. breitere und längere Platte trägt den eigentlichen Bau des Retabulums. Dasfelbe ift viereckig, vorn und rückwärts mit einer Glasplatte verfehen, damit man die darin in einer von Engeln gehaltenen Lunula getragene Hoftie fehen kann. Der darüber fich entwickelnde Abfchlufs zeigt eine dreitheilige durchbrochene Kapelle, daran fich die beiden 1 e r Objecte der Kunft und Gewerbe früherer Zeiten. 25 Aufsentheile mit einer vierfeitigen, mit Knorren und Kreuzblume befetzten Spitze anfchliefsen. Die Mittelkapelle trägt noch einen weiteren auf vier Säulen ruhenden Aufbau, darin der Ecce homo fteht. An der Schmalfeite des Tabernakels erhebt beiderfeitig fich eine offene Kapelle, darinnen je ein Figürchen, darüber fteigt endlich eine weitere viereckige Kapelle empor, deren Fenfter mit Mafswerkblenden auf blauem oder violettem durchfchimmerndem Emailgrunde geziert find. Schliefslich bildet deren Abfchlufs gleich dem Mittelbau ein viereckiger maffiver Spitzhelm. Sodann eine Monftranze des Benedictinerftiftes St. Paul in Kärnten. Diefes fchöne, kirchliche Gefäfs, welches zweifelsohne aus der zweiten Hälfte des XV. Jahrhundertes ftammt, ift aus Silber gearbeitet, vergoldet und 19% Zoll hoch. Der Fufs hat die Form eines achttheiligen, oblongen Sternes, um deffen glatten Rand von einfacher Profilirung fich eine kunftreich durchbrochene Gallerie mit Vierpafsformen und ein zierliches, kettenartiges Band windet. Die Ecken find mit kleinen Widerlagspfeilern ornamentirt. Von jeder Spitze der Bafis läuft je eine eingekerbte und durch aufgefetzte Punkte rauhe Rippe gegen die Mitte der glatten, allmälig anfchwellenden oberen Fufsfläche, wofelbft fie eine mit Glas überdeckte kreisrunde und flachliegende Reliquienkapfel umfchliefsend und freiftehend fich nach aufwärts wendet. Diefe acht Rippen vereinigen fich in einer gemeinfchaftlichen Deckplatte und bauen damit über der Reliquienkapfel eine Art Tempel. Erft über der Deckplatte beginnt der gewundene an und für fich kurze Stiel mit dem runden, oben und unten gedrückten Nodus in der Mitte. Die auf dem Stiel ruhende Platte als der Träger des Tabernakels ift an jeder Seite mit einer Volute confolartig gefchmückt. Der Tabernakel hat die Geftalt einer vierfeitigen Capelle mit der zur Aufnahme der Euchariftie beftimmten Kapfel in der Mitte, die eine runde Form hat, und mit einem breiten mit Edelſteinen und Perlen gezierten Metallreifen eingefafst ift. An den Seiten der Kapfel bauen fich Strebepfeiler auf, die nach oben mit Fialen endigen. Der Tabernakel wird durch einen fechsfeitigen Thurmbau bekrönt, der unten eine mit fpitzbogigen Fenftern gezierte Kapelle bildet. Die Spitze ift an den Kanten mit kleinen Krabben und zu oberft mit Kugel und Kreuz gefchmückt. Ein nicht minder beachtenswerther Gegenftand war das dem Capuzinerklofter in Wien gehörige Reliquiar in Form einer Monftranze. Den flachen, fcheibenförmigen Fufs, der in feinem Aufbau zierlich durchbrochen ift, fchmückt vorne die eingravirte Darftellung des gekreuzigten Erlöfers. Der Nodus bildet ein aufrecht geftelltes Medaillon, das nach der einen Seite das auf Pergament gemalte Bildnifs des heiligen Jacobus und Reliquien, auf der anderen Seite ein vergoldetes Siegel mit der Umfchrift: Sigillum judicum pacis saxoniæ general. zeigt. Das Mittelftück der Monftranze bildet eine in Form eines Vierpaffes componirte, zierlich durchbrochene und aufgeftellte Scheibe mit den vier Evangeliftenfymbolen, in der Mitte eine kleine Kapfel. Zwei Fialen an den Seiten und ein Spitzgiebel in der Mitte, darin auf der Vorderfeite das gemalte Bildnifs des Heilands, auf der Rückfeite im getriebenen Relief das des heiligen Jacobus als Bifchof, fchliefsen den Aufbau ab. Diefes herrliche, mit Steinen reich gefchmückte filberne und vergoldete und in feiner Form höchft originelle Gefäfs ftammt aus dem XV. Jahrhunderte, das Siegel und das getriebene Relief am Giebel dürften mindeſtens um zwei Jahrhunderte, die durchbrochene Scheibe um ein Jahrhundert älter fein. In das XV. Jahrhundert gehören noch die Monftranzen von Tifchnovitz und Rabenftein und das Oftentatorium aus Melk, in das XVI. jene der Stifte Schotten und Raigern, von Matzen, Freiftadl, Kopsčivnice, Drafow, Jamnitz, Borftendorf, aus der Burgcapelle zu Vöttau und die fchöne Monftranze von Hradich. Nebft diefen verdienen noch zwei Monftranzen eine etwas eingehendere Beachtung. Die Monftranze von Prieglitz, laut darauf befindlicher Jahreszahl aus dem Jahre 1515 ftammend, zeigt grell die Verflachung der Gothik in ihrer Anwendung auf die kleine Kunft. An diefer 26 Dr. Carl Lind. haben ich die einzelnen Träger und Stützen des Aufbaues unter Aufgeben der kräftigen Gliederung und ihrer conftructiven Wichtigkeit zu äufserlichen, fpielenden Zierrathen bereits vollends verflüchtigt, und finken zu dünnen Stäben und Fäden herab, die mitunter in allerlei Windungen und Schnörkeln endigend, an den Seiten des Tabernakels angebracht werden und in ganz unnatürlicher Weife einen mächtigen, wenn auch luftigen Aufbau zu ftützen und zu tragen haben. Und doch mufs man zugeben, dafs hier in Form und Zierlichkeit der Ornamente Bedeutendes erreicht wurde, und der von dem Gewöhnlichen und Stilgerechten abweichende Aufbau des ganzen Gefäfses immerhin als fchön entwickelt bezeichnet werden kann. Der Fufs diefes filbernen drei Schuh hohen Gefäfses zeigt die Form einer fechsblättrigen, gegen die beiden Seiten verbreiterten Rofe und ift auf den Flächen durch eingravirte Darftellungen ver ziert. Der den Glascylinder, das Hoftienhäuschen, umfaffende und fich darüber hinausbauende Tabernakel ift fechsfeitig und bildet drei übereinander ftehende Capellen. An der Monftranze zu Seitenftetten zeigt fich, obwohl der thurmartige Aufbau mit der im gothifchen Stile üblichen Conftruction beibehalten ift, bereits der entfchiedene Einfluss der Renaiffance auf die Ornamente, insbefondere an den Einfaffungen der Fenfter, an den Verzierungen des Nodus und der Querunter lage des Tabernakels. Wir kommen nun zur Gruppe der Reliquiare und Kreuze, welch' letztere meiftens auch zur Aufnahme von Reliquien eingerichtet waren. Wir nennen zuerſt das fogenannte Melker Kreuz, enthaltend eine vom Markgrafen Adalbert 1045 dem gleichnamigen Stifte gefchenkte Kreuzpartikel, die von Herzog Rudolf IV. 1363 nebft anderen hinzugefügten Reliquien mit einer koftbaren Faffung verfehen wurde; es war das einer der werthvollften Gegenftände der Ausstellung; ein zwei Fufs hohes Kreuz aus Goldblech mit kleeblattförmigen Enden, an deffen Vorderfeite in getriebener Arbeit der gekreuzigte Heiland, eine magere Geftalt, doch von guter Modellirung, in den Kleeblatt- Enden der Kreuzesarme die vier Evangeliften in der feltfamen Darftellungsweife, dafs die Figuren die Köpfe der fymbolifchen Thiere haben; fie halten Streifen in den Händen, auf denen ihře Namen ftehen. Die Rückfeite ift mit Perlen und ungefchliffenen Edelfteinen gefchmückt, von denen die gröfseren zugleich die Schrauben zum Oeffnen des Kreuzes bil den; einer derfelben zeigt einen wahrfcheinlich antik gefchnittenen Kinderkopf. Der Grund ift mit ganz frei gearbeitetem Laub werk( Weinlaub), mit vielen zarten fchwungvollen Ranken belegt, die inneren Bogen und die Evangeliften find theilweife emaillirt. An jedem Balken- Ende der Rückfeite fieht man in einem Dreiecke oder Dreipaffe drei Kronen in gleicher Arbeit. Das Kreuz fteht auf einem Fuſse, der eine Zugabe des XV. Jahrhundertes ift, aus vergoldetem Silber in Rofenform, der Stiel ift fehr dünn und mit einem eckigen Knaufe verfehen. Aus dem Schatze des felben Stiftes fanden fich noch zwei Kreuze ausgeftellt. Das eine aus dem Ende des XV. Jahrhundertes ftammend, ein höchft zierliches Werk, deffen Kern aus Kryftall, aus verfchlungenem Aftwerk aufgebaut, deffen Ränder mit zarten Blätterranken, die Ausgänge der Arme mit aus Laubwerk hervorragenden Perlen gefchmückt find. Im Durchfchneidungspunkte der Kreuzesfchenkel ift und zwar vorne ein zartes Elfenbein- Relief( die Aufnahme Mariens darftellend), auf der Rückfeite ein Apoftelbild auf Goldgrund angebracht. Das dritte Kreuz, 18 Zoll hoch, ebenfalls dem XV. Jahrhunderte angehörig, war für diefe Ausstellung von erhöhter Bedeutung, da die lilienförmigen Arme aus Bergkryftalı angefertigt und Gegenftände aus diefem Materiale und aus jener Zeit ftammend, nur wenige auf der Ausftellung zu finden waren. Das vom Stifte Strahov ausgeftellte Altarkreuz aus dem Ende des XIV. Jahrhundertes, war in der Gefammt compofition, im Steinbefatze und in der Technik dem fchon befprochenen Melker Prachtkreuze fo ähnlich, dafs es nur als eine Nachbildung des letzteren angefehen werden kann. Ferner ftellte das Domcapitel zu Tarnow ein goldenes Crucifix mit Maria und Johannes Den en, Den nd. her gen Her and ön uh en erDer de ge its an er. re rit 45 V. en ei te on en en en Et, 1 f. n 1. e e S T r Objecte der Kunft und Gewerbe früherer Zeiten. 27 an den Seiten( XVI. Jahrhundert), die Pfarrkirche zu Hradifch ein filbernes Standkreuz aus, das mit einzelnen Theilen in das XVI. Jahrhundert zurückreicht. Das koftbare Kreuz aus dem Stifte Hohenfurt mufs als eines der fchönften Producte der Goldfchmiede- Kunft bezeichnet werden. Diefes koftbare, theils aus vergoldeten Silberplatten, theils aus reinem Golde angefertigte Reliquiar hat die Form eines Patriarchenkreuzes mit zwei queren und lilienförmigen Enden. Einer ununterbrochenen Tradition nach hat diefes Kreuz der im Jahre 1390 zu Hohenfurt beerdigte Zawis v. Rofenberg und Falkenftein der dortigen Kirche gefchenkt. Einer weiteren Nachricht zu Folge hat Heinrich v. Rofenberg diefes Kreuz um das Jahr 1410 umgeftalten und zu einem Vortragekreuz einrichten laffen. Nur der obere, koftbare Theil des nunmehrigen Kreuzes ift urfprünglich und älter als das auf Heinrich v. Rofenberg bezogene Datum, da das einft bei Weitem prächtigere Poftament der Sage nach fchon vor vielen Jahrhunderten auf eine ganz unbekannte Weife verloren gegangen fein foll. Im Jahre 1839 wurde das gegenwärtige Poftament angefertigt. Das Kreuz ift mit doppelt übereinander gefügten Platten belegt, zwifchen denen Kapfeln mit Reliquien eingefchloffen find, dabei ift das ganze Werk reich mit Perlen, Edelfteinen und Emailbildern verziert und an der Vorderseite mit einer bewunderungswürdigen Filigranarabeske überdeckt. Diefe im blühendften romanifchen Stile ausgeführte Arabeske gehört dem XII., höchftens dem Anfange des XIII. Jahrhundertes an und fcheint italienifche Arbeit zu fein; die auf der Rückfeite angebrachten Emails( émmaux cloifonnés), vorftellend Bruftbilder von Heiligen, tragen griechifche Infchriften und find byzantinifchen Urfprunges. Als Reliquiare verzeichnen wir endlich noch zwei dem Stifte Strahov gehörige Tafeln aus vergoldetem Silber getrieben, an den Ecken mit den Symbolen der vier Evangeliften in Relief; das erftere aus dem XIV. Jahrhundert enthält in der Mitte die Krönung Mariens und Darftellungen aus dem Leben Chrifti, oben die Dreifaltigkeit, unten den Tod Mariens auf Pergament gemalt. Die zweite Tafel ift einfacher, mit zwifchen den Feldern durchlaufendem Aft- und Blattwerk geziert, das mit der Punze in ziemlich unbeholfener Weife ausgeführt wurde und circa um ein Jahrhundert jünger ift. Hieher gehört ferner ein Reliquiar aus der Heilthümerfammlung des Capuzinerconventes in Wien in Form einer cylinderförmigen, aufrecht ftehenden Cryftallröhre, die auf vier, den Bärentatzen ähnlichen Füfsen ruht, auf dem Deckel ein eingravirtes Medaillon, die Verkündigung vorftellend( XV. Jahrhundert). Endlich ein Reliquiar in Form einer Tafel, angeblich ein Buchdeckel. Es befteht aus einer Holzplatte, die jedoch nur auf einer Seite reich verziert ift. Die Verzierungen find in vergoldetem Siber ausgeführt und theilweife emaillirt. Die eigentliche Fläche des Rahmens ift in reichlicher Weife mit Ahornlaub- Ornament belegt, in jeder Ecke ift in einem Dreipaffe eine fitzende Figur, wahrscheinlich die Evangeliften, angebracht. Die Mitte der oberen Rahmenfläche ziert ein plaftifches Figürchen, der tronende Welterlöfer, dem eine vierpafsförmige Emailplatte zur Unterlage dient, in dem unteren Rahmen ift ein halbkugelförmiger Rauchtopas eingelaffen. Die beiden Seitentheile fchmückt je ein Figürchen des englifchen Grufses, einem Vierpaffe aufgelegt und aufserdem noch rhombenförmige Emailblättchen mit phantaftifchen Thiergeftalten. Das tiefer gelegene Mittelbild ftellt ein aus Erdgefchofs und Stockwerk gebildetes Gebäude vor. In den drei fpitzbogigen Nifchen, die mit reichen gothifchen Ornamenten geziert find, ftehen in vollrunder Form ausgeführt, drei Figürchen, als: die gekrönte Mutter Gottes mit dem Kindlein im Arme, eine ganz vorzüglich ausgeführte Gruppe, ein Abt und eine Figur ohne Attribute, vielleicht Donator und Künftler. Das obere, etwas niedrige Stockwerk enthält in der gröfseren Mittelnifche Chriftus mit einer Krone auf dem Haupte, fitzend, die Linke auf ein Buch ftützend, die Rechte zum Segen erhoben, daneben und gegen links gewendet die heilige Maria mit gefalteten Händen. 28 Dr. Carl Lind. Ein über der Gruppe fchwebender Engel fetzt Marien die Krone auf; in den beiden erwähnten Figuren und dem gothifchen Charakter diefes Prachtftückes ift anzunehmen, dafs es unter Abt Arnold II.( 1247 bis 1276) entſtanden ift. Ob es eine Reliquientafel urfprünglich war, oder der Reft eines Retabulums ift, if zweifelhaft. Jedenfalls ftammt diefes Relief, gleich der fchon befprochenen Monftranze, dem Kreuze und den Gewändern aus dem aufgehobenen, berühmten Benedictinerklofter St. Blafien im Schwarzwalde, und wird in St. Paul aufbewahrt. Es dürfte auch gerechtfertigt fein, gelegentlich der Reliquiare hier des Tragaltars aus Admont zu gedenken. Derfelbe hat die Form einer viereckigen Platte von 16 Zoll Breite und 1½ Zoll Höhe und 34 Zoll Dicke. Der in der Mitte der Platte befindliche flache Stein, ein Amethyftquarz, ift in einen Holzrahmen gefafst, deffen Vorderfeite mit dünnen und durch Nägel befeftigten Metallplatten von Silber überzogen ift. Diefelben find vergoldet und enthalten in den zwölf vierpafsförmigen Feldern in Niello ausgeführte und gut gezeichnete Darftellungen, theils Apoftelbilder, theils Scenen aus dem Leben Chrifti. An der Querfläche des Tragaltars läuft eine auf die Metallflächen flach und zart getriebene und dann cifelirte Infchrift, die mittheilt, dafs diefes Geräth 1375 von Bifchof Albert von Sternberg geweiht wurde. Die Rückfeite des Tragaltars ift gleichfalls in zwölf Felder getheilt, worin fich zwei Wappen regelmässig wiederholen. Das eine führt im Schilde ein Kreuz und foll jenes des Bisthums von Leitomifchl fein, das zweite führt im Schilde einen Stern und ift das Familienwappen der Sternberge. Ein fehr fchönes Reliquiar aus dem XV. Jahrhunderte, von Silber, ein Medaillon in Form eines Vierpaffes und ehemals der Olmützer Schützenzunft gehörig, wurde von diefer Stadt ausgeftellt. Bei Weitem werthvoller war das filberne theilweife vergoldete Reliquiar in Form einer fiebenblätterigen Rofe, und als Agraffe dienend, aus dem Prager Domfchatze. Die obere Hälfte ift mit reichem Laubornament, edlen Steinen und in der Mitte mit einem Basrelief- Medaillon aus Perlmutter verziert, darauf der Tod Mariens dargestellt ift. Die Rückfeite enthält in der Mitte hinter Kryftallverfchlufs eine Reliquie, um welchen der Künftler fieben blattförmige Medaillons auf blau emaillirter Fläche angebracht hat, vor ftellend Chriftus, die vier Evangeliften, einen Straufs und einen Drachen; Compofition und Ausführung des Schnittes, Faffung und Email laffen vermuthen, dafs diefes fchöne Werk in der zweiten Hälfte des XV. Jahrhundertes entstanden ift. Eigenthümlich ift das vom Stifte Strahov ausgeftellte und ins XV. Jahrhundert gehörige Reliquiar aus vergoldetem Silber. Die Reliquie, ein Rückenwirbel, ruht auf einem gothifchen Unterbaue, und auf ihm fteht ein zierliches Figürchen eines Heiligen; die Reliquie ift fomit nicht in ein Gefäfs verfchlofsen, fondern als Theil des Schauftückes behandelt. Das fogenannte Eligius- Reliquiar, Eigenthum der Prager Gold fchmiede zunft, ftammt aus dem Jahre 1378 und hat die Form einer niedrigen Bifchofsmütze, wie felbe während des zu Ende gehenden XIV. Jahrhundertes noch üblich war. Das Gerippe des Reliquiars ift aus Silbergeftänge conftruirt, die Wände find von Kryftall. Auf einem breiten metallenen Reifen als dem Unterbaue des ganzen Gefäfses ruhend, erheben fich Spangen und Stützen mit zierlichem, gothifchen Ornament, wie an einer Mitra, die beiden Schilder bildend, deffen oberen Rand Blätterknorren und die Spitze Kreuzblumen fchmücken. In diefem durchfichtigen Häuschen erblickt man hinter den hellen Kryftalltafeln einen rothen Seidenftoff, der die Mitra des heiligen Eligius, des Patrons der Goldfchmiede, verhüllt. Aufmerkſame Beachtung verdiente die Reliquientafel aus dem Stifte Břevnov; ehemals ein Buchdeckel, wie diefs die Randinfchrift ausdrücklich noch für das Jahr 1406 angibt, wurde etwa ein halbes Jahrhundert fpäter daraus die heutige Reliquientafel angefertigt. Von der Ausstattung des Buchdeckels dürfte höchftens der Steinbefatz am Rande und einige Stücke der Perlmutter- Schnitzerei, nämlich jene mit den Paffionstcenen und die Wappenemails übrig fein, alles Uebrige gehört der fpäteren Umgeftaltung an; die Tafel ift 1 Fufs II Zoll hoch und 1 Fuls in kes Ob if on ten hrt. des gen der men ten er. en, les nn on ölf rt ite ein mft me, als ша us Filt er or 1- afs A ert ht es eil d. 11 en ch es n d 日 e Objecte der Kunft und Gewerbe früherer Zeiten. 29 2 Zoll breit, mit einem breiten, filbervergoldeten Rahmen eingefafst, darauf der Befatz von ungefchliffenen Steinen und drei Emails mit den Wappen des Stiftes und Böhmens. An den Ecken Medaillons, die in Email translucide die Evangeliftenfymbole zeigen. Das vertiefte Mittelfeld theilt fich der Breite nach in drei fenkrechte Felder, davon die beiden äufseren, je vier, unter fpätgothifchen mit Perlmutter verzierten Baldachinen eingeftellte Perlmutter Reliefs[ die Verkündigung ( Doppelbild), Geburt, drei Könige, Geifelung und Kreuzestod und je einen Evangeliften] enthalten, während der in der Mitte angebrachte Cylinder die Beftimmung hat, einen Arm der heiligen Margaretha aufzunehmen. Eine fchöne fpätgothifche Architektur in Form von weitvorfpringenden Baldachinen dient oben und unten dem Cylinder zur Stütze, der aufserdem in der Mitte durch einen aus Lilienornamenten gebildeten Reifen gehalten wird. Gelegentlich diefes aus einem Buchdeckel gebildeten Reliquiars feien noch einige koftbare Einbände erwähnt, die in die Zeit der Gothik gehören. Das eine ift ein Evangelarium, deffen Buchdeckel auf der vorderen Seite aus vergoldetem Silber mit Email und Steinfchmuck geziert ift; in der Mitte die hochgetriebene Figur des fegnenden Chriftus, von einer emaillirten Mandorla umfchlofsen und auf dem Regenbogen fitzend, im Grunde kräftige Laubranken, in den Ecken die Symbole der vier Evangeliften, fämmtliche Darstellungen, fowie die Umrahmung getriebene Arbeit, auf dem hinteren Deckel befinden fich vier Knöpfe von Berg kryftall, um das liegende Buch bequem auffchlagen zu können, nebft zwei Ringen, um dasfelbe aufzuhängen; endlich find an der unteren Seite beider Deckel Füfschen angebracht, mit deren Hilfe das Buch geftellt werden kann. Der Einband ftammt aus dem XIV. Jahrhundert, das Buch gehört der Stadtgemeinde WienerNeuftadt. Der zweite Einband ift einem Gebetbuche beigegeben, das im Minoriten klofter in Wien aufbewahrt wird. Es werden auf beiden Deckeln mittelft aufgelegter geprefster Streifen von Silber, die nicht vergoldet gewefen zu fein fcheinen, einzelne Felder gebildet, darinnen theils Heilige, theils Ornamente auf Pergament gemalt und eingelegt find, und ehemals durch durchfichtige Hornblätter überdeckt waren. Vier Felder und zwar die beiden oberen und unteren jeder Seite find mit Ornamenten ausgefüllt; im Mittelfelde der Vorderfeite ift das Bildnifs des heiligen Ricolm, auf der Rückfeite des heiligen Oswald angebracht. Neben dem Mittelbilde der Vorderfeite find vier heilige Aebte, auf der Rückfeite unbeftimmte Heilige dargeftellt. Der Rücken des Buches ift mit deffinirtem Goldftoff belegt. Als Verfchlufs des Buches find an dem vorderen Deckel zwei Goldborten befeftigt, deren Vorder theile durch aufgelegte vergoldete Silberfchliefsen geziert find. Es find zwei durch Charniere verbundene viereckige Blättchen mit vertiefter Füllung, an deren einem drei Buchstaben, an dem anderen aber ein kleiner fitzender Löwe angebracht ift. Die Buchftaben der beiden Schliefsen bilden zufammen den Namen Elsbet. Diefer Name im Zufammenhalte damit, dafs diefes Buch dem Minoriten- Convente in Wien gehört, läfst keinen Zweifel zu, dafs als deffen Befitzerin, die Herzogin Elifabeth( Ifabella) von Argonien, Gemalin Friedrichs des Schönen, eine befondere Wohlthäterin und Mitftifterin diefes Klofters, anzufehen ift. Sie ftarb am 12. Juni 1330 und wünſchte letztwillig in der Ordenskirche ihre Ruheftätte zu erhalten. Das Buch felbft, abgefehen vom Einbande, dürfte jedoch bedeutend älter fein. Zwei werthvolle Buchdeckel aus dem XV. Jahrhunderte hatte Freiherr Anfelm von Rothfchild ausgeftellt, fie find aus Silber angefertigt, theilweife vergoldet und mit gothifchen Verzierungen und Heiligenfiguren reich ausgeftattet. Auf der Vorderfeite in der Ecke die Kirchenväter, das urfprüngliche Mittelstück fehlt, und wurde durch eine mit Mafswerk ausgefüllte Scheibe nicht ganz gelungen erfetzt, auf der Rückfeite die Krönung Mariens in vollrunden Figuren und in den Ecken in Medaillons die Kirchenväter. Bei Befprechung der ausgeftellten kirchlichen Gegenftände der Goldchmiede- Kunft haben wir ferner zu erwähnen ein Pacifi cale aus dem Domfchatze on St. Stefan, enthaltend ein von Herzog Rudolf IV. der St. Stefanskirche zu 30 Dr. Carl Lind. Wien verehrte Kreuzpartikel. Die filbervergoldete, fehr zierliche Faffung mit Email und reichem Steinbefatz dürfte in der Zeit Friedrichs IV. angefertigt worden fein. Der fechsblätterige, in die Breite gedrückte Fufs ift mit zwei Wappen, nämlich mit dem in Email ausgeführten deutfchen Doppeladler und dem öfterreichifchen Bindenfchilde gefchmückt. Muftergiltig find die zwei fehr zierlichen fpätgothifchen Mefskännchen von Silber, vergoldet, aus der Sammlung des Baron Rothfchild; ferner find hervor zuheben zwei Rauchfäffer, das eine von Bronce, aus dem XV. Jahrhunderte, dem Stifte St. Florian gehörig, das andere von Silber und Eigenthum des Stiftes Seitenftetten, letzteres repräfentirt eine der fchönften Arbeiten aus der Zeit der Gothik und zwar der erften Hälfte des XV. Jahrhundertes, hat eine Höhe von 1 Fufs 3 Zoll und an der breiteften Stelle einen Durchmeffer von 4 Fufs 8 Zoll. Der Fufstheil hat die bei faft allen gothifchen Gefäfsen ftereotyp gewordene Geftalt einer fechsblätterigen Rofe. In den Zwickeln derfelben ift je ein kleines Blattornament eingefügt. Der Fufs felbft ift in feinem unteren Theile mit einer Gallerie zierlich durchbrochen, unter welcher der einfach profilirte Rand angefetzt ift. Unmittelbar über dem niedrigen Fufse erhebt fich ohne Vermittlung eines Verbindungsgliedes die eigentliche Räucherfchale, in welche das eiferne Becken mit den Kohlen eingefetzt wurde. Die Schale ift gleich dem Fufse fechsfeitig gebildet, und find die fechs Seitenflächen mit einem Schuppenornamente geziert und eben falls durch gerippte Wulfte von einander gefchieden. Den oberen Rand der Schale ziert ein Lilienband, und find an drei Stellen desfelben die Schwingkettchen befeftigt, die fich durch den unteren Theil des Deckels ziehen und in einem fechstheiligen Griffe vereinigen. Ueber diefer Schale baut fich als der reichfte Theil des ganzen Gefäfses der bewegliche Deckel auf, der die Geftalt einer zweiftöckigen fechsfeitigen gothifchen Capelle hat. Die fechs Mittelwände der unteren Abtheilung werden von je einem durchbrochenen viertheiligen Fenfter mit zier lichem Fifchblafen- Mafswerk und von je einem doppelten darüber fich wölbenden und vorfpringenden Spitzbogen, der mit einem leeren Wappenfchilde gefchmückt ift, belebt. Die Ecken bilden ftarke mit je einem Figürchen gezierte Strebe pfeiler. In faft gleicher Durchbildung, nur minder verziert, erhebt fich der zweite verjüngte Abfatz des Deckels, welcher mit einem fechstheiligen niederen und einwärts geftreiften Dachhelm bekrönt und durch eine grofse Kreuzblume abgefchloffen wird. Der 28 Zoll hohe Hausaltar aus dem Schatze des Benedictinerftiftes St. Peter in Salzburg, ein Werk von befonderer Zierlichkeit, wurde im Jahre 1494 vom falzburgifchen Goldarbeiter Berthold angefertigt. Das Ganze ift von Silber theilweife vergoldet, hat eine Höhe von 2 Schuh 21 Zoll und ftellt fich als ein äufserft feines und koftbares Werk in Form eines fpätgothifchen Flügelaltars dar. Der Fufs ift in die Breite gezogen und aus acht Blättern gebildet. Der eigenthümlich geformte Nodus ift auf feiner Vorderfeite mit einem auf blauem Emailgrunde aufgelegten Perlmutter- Schnitzwerk geziert. Das den Altaraufbau und den Stil vermittelnde, fich allmälig verbreitende Mittelglied fchmückt eben falls ein Schnitzwerk aus Perlmutter, die Verkündigung Mariae darftellend. Die inneren Flächen des geöffneten Kaftens find mit feinen Perlmutter- Schnitzereien auf glänzendem Goldgrunde ausgefüllt. Das Motiv der mittleren Haupt fläche ftellt Jefus am Kreuze dar und an den beiden Flügeln find das Gebet Jefu am Oelberge, die Anklage vor Pilatus, die Kreuztragung und die Grablegung abgebildet. Den Altarkaften ſchliefst nach oben und unten ein kräftiges Gefimfe ab, von denen das untere mit der Jahreszahl" 1494", das obere mit einer Infchrift verfehen ift. Ueber dem Altarkaften baut fich dann der im fpätgothifchen Gefchmacke ausgeführte Giebel auf. Die Bafis davon bilden drei Rundmedaillons, zwei kleinere und ein gröfseres, theils aus Perlmutter, theils aus Elfenbein gefchnitten. Darüber fteht unter dem Baldachin der Giebelfpitze ein Figürchen, wahrfcheinlich ein Ecce homo. Die Aufsenfeiten des vierblätterigen i S r t e t 1 1 t не d S S 1 t j Objecte der Kunft und Gewerbe früherer Zeiten. 31 Fufses und die Rückfeiten des Stieles und Altarkaftens find mit äufserft kunftvoll gravierten Darftellungen ausgefüllt, fo dafs am ganzen Gegenftand kein Plätzchen erübrigt, das vom Künftler unbenützt geblieben wäre. Die Gravirungen auf der Rückfeite des Kaftens ftellen das Abendmahl, an den Seiten Paffionsfcenen, am Nodus das Weltgericht dar; auch die Flächen des Fufses find mit fchwung- und ausdrucksvoll ausgeführten Bildern gefchmückt. Einen anderen Hausaltar ftellte die Pfarrkirche Maria Pfarr im falzburgifchen Lungau aus. Er ift aus Silber angefertigt, reich vergoldet und mit fpäter hinzu gefügtem Steinbefatz geziert, in Form eines Triptichons aufgebaut und von 3 Fufs Höhe. Der Tabernakel, das ift das Hauptfeld des geöffneten Schrankes, enthält die Darftellung des Kreuzestodes Chrifti, zur Seite des Kreuzes fieht man Johannes und Maria, ftehende Figuren, am Kreuzesfufse die kniende Magdalena, ober dem Kreuze Sonne und Mond durch Steine( Carneol und Opal) dargestellt. Der Tabernakel wird eingerahmt von kleinen Reliquienbehältern, doch wird diefer Rahmen rechts durch die kniende Figur des Donators in Priefterkleidung unter einem kleinen zierlichen Baldachin unterbrochen. Sämmtliche Figuren des Hauptfeldes find als Hochrelief getrieben in der bekannten Formengebung und vollen deten Technik des XV. Jahrhundertes. Unter den Figuren und beim Kreuze find Gebete oder Stellen der heiligen Schrift enthaltende Infchriften angebracht. Die Innenfeiten der beiden in je zwei Felder horizontal getheilten Flügel, die in gefchweiften Wimbergen mit Kreuz- Blumenbefatz abfchliefsen, enthalten Darftellungen, in gegoffenen Reliefs ausgeführt, fammt erklärenden Infchriften. Wir fehen die Darftellung der Geburt Chrifti und der Reinigung Mariens, ferner den englifchen Grufs und den Tod Mariens( Maria kniet vor dem Bette und Chriftus führt ihre Seele gegen den Himmel.) Die Rückfeite der Flügel zieren Figuren in kräftiger Gravirung, als: oben links die beiden Johannes, darunter zwei nimbirte Bifchöfe, rechts die Heiligen Petrus und Paulus, Barbara und Katharina. Die dem Altärchen untergebaute Mensa hat eine Infchrift, welche den Pfarrer Grillinger als Donator bezeichnet. Auf der Rückfeite des Schrankes hatte der Künftler in finnreicher Laubwerks- Verzierung die Evangeliftenfymbole, das Lamm Gottes und das Schweifstuch eingravirt; in dem Mittelfelde findet fich ebenfalls eine lange Infchrift, welche die in dem Altare hinterlegten Reliquien aufzählt und aufserdem noch die Widmung des Peter Grillinger( 1443) wiederholt. Ueber dem Schranke baut fich ein luftiger Baldachin aus verfchlungenem Aft- und Laubwerk auf, darunter die Figur des Ecce homo. Leider ift diefer Theil des Altärchens fo arg befchädigt, dafs der oberfte Abfchlufs nicht ganz klar ift. Unter den vielen Schätzen und Merkwürdigkeiten des Prager Domes feffelte vorzüglich eine grofse Onyxfchale die Aufmerkfamkeit der Befucher der Weltausftellung, denn einerfeits ift ein ausgehöhlter Onyx von diefer Grösse eine Seltenheit, anderfeits ift die Faffung von grofser Zierlichkeit. Der Fufstheil ift länglich und enthält die Infchrift, die den König Carl von Böhmen als den Spender diefes Gefäfses an den Prager Dom bezeichnet. Aufserdem befinden fich am Fufse vier kleine, emaillirte Wappenfchilder mit Nägeln ziemlich roh aufgeniethet und zwar je zweimal der einköpfige Reichsadler und der böhmifche Löwe. Vier Goldreifen verbinden die innen gerippte Schale mit dem Fufse und mit dem filbervergoldeten Reif, der den Rand der wahrfcheinlich antiken Schale einfafst. Endlich haben wir noch zu gedenken des werthvollen, viertheiligen Altär chens, zum Zufammenlegen eingerichtet, aus dem Salzburger Domfchatze, 32% Zoll hoch und 11 Zoll breit, mit den filbervergoldeten und in Relief ausgeführten Darftellungen aus der Paffionsgefchichte auf blau emaillirtem Hintergrunde. Die Rückfeite diefes dem XV. Jahrhunderte angehörigen Kleinodes zeigt andere der Leidensgefchichte entnommene in durchfchimmernden Emailmalerien ausgeführte Darftellungen der herrlichften Arbeit. Eines der fchönften Producte der Goldfchmiede- Kunft aus der Zeit der Gothik ift ein Abtenftab des St. Peter- Stiftes in Salzburg. Er gibt zugleich ein 3 32 Dr. Carl Lind. lehrreiches Beiſpiel vom Einfluffe des gothifchen Stiles auf die GoldfchmiedeKunft. Diefer in feiner Art prachtvolle und vollſtändig erhaltene Krummftab ift ein Gefchenk des Abtes Rupert V. an die Abtei. Er ift ganz aus Silber verfertigt und hat eine Höhe von 6 Schuh 6 Zoll. Der Schaft ift hohl und befteht aus einer Holzröhre, welche mit Silberblech überzogen ift; er ift durch vergoldete Wulfte, zunächft denen er durch Abfchrauben zerlegt werden kann, in vier Theile getheilt, davon die drei unteren mit Blumen und Verfchlingungen in geftauchter Arbeit verziert find. Um den oberften diefer Theile fchlingt fich ein Spruchband. Befonders zierlich find Nodus und Krümmung, der erftere ift lang geftreckt, nicht fehr hervortretend, hat die Geftalt einer Capelle, und ruht auf einer fechsfeitigen Confole, welche mit kleinen Flächen geziert ift, auf denen ein Ecce homo und fünf Engelgeftalten mit Leidens- Werkzeugen eingravirt find. Der Nodus felbft befteht aus zwei Abtheilungen, doch ift nur der untere Theil entwickelt, während der obere gedrückt und auch minder geziert ift. Im unteren Theile find unter den mit Fialen und pflanzenartigen Verfchlingungen reich verzierten fechs Bögen je ein und zwar vorzüglich gearbeitetes Figürchen angebracht. Die Schnecke ift einmalig gewunden und nach vorwärts gebogen. Diefelbe ift am Aufsenrande mit Knorren befetzt, hat an den beiden Flachfeiten zierliche Filigranarbeiten, die in neuerer Zeit durch Schmuck von Perlen und Edelſteinen bereichert wurden. Inner der gefchloffenen Krümmung befindet fich unter einem gefchweiften Spitzbogen, deffen Kreuzblumen über den Rand der Schnecke hinausftehen, die Figur der heiligen Katharina mit Rad und Schwert auf einer Confole ftehend. Noch find zwei Figuren an diefem mit figuralem und ornamentalem Schmucke reich ausgeftatteten Kunftwerke zu erwähnen. Die eine kniet auf einer über den Nodus hervortretenden Confole und ftellt einen Priefter mit der faltenreichen Flocke angethan, ohne Zweifel den Abt Rupert V., vor, deffen Wappen am Nodus angebracht ift. Die andere fteht auf dem über diefer Figur angebrachten polygonen, flach angefchloffenen Baldachin. Sie iſt nackt, hält mit beiden Händen die Schnecke und ftöfst mit dem linken Fufse gegen die ihr zunächft angebrachte Knorre. Sie fcheint ohne einen weiteren tieferen Sinn blofs zur Unterftützung der Krümmung angebracht zu fein. Der Künftler diefes grofsartig ausgeführten Denkmales dürfte der ,, aurifaber pertoldus" von Salzburg fein, welcher laut der Rechnungen des Abtes Rupert V. im Jahre 1487 mehrere Silberarbeiten für denfelben geliefert hat. Der Obertheil des Pedums aus dem Stifte Raigern ift aus vergoldetem Kupfer, der Schaft aus Meffing angefertigt, letzterer, der den fpätgothifchen Cha rakter an fich trägt, unzweifelhaft ein jüngerer Erfatz für den urfprünglichen, wahrfcheinlich hölzernen Stiel. Der Nodus befteht eigentlich aus drei Theilen, deren oberer und unterer achtfeitig, der dritte Theil klein ringförmig und in einer Art Einkehlung zwifchen den beiden anderen Theilen angebracht ift. Aus dem Nodus entwickelt fich die fchön gebogene Krümmung mit einer Rückbiegung beginnend. Diefelbe ift an ihrem oberen Rande mit dünnen, wellenförmig eingekerbten, eine einfache Schlinge bildenden Krabben befetzt. Auf den, beiden flachen Aufsenfeiten der Krümmung findet fich je eine Infchrift auf dunkelrothem und dunkelblauem Emailgrunde mit gothifchen Minuskeln zwifchen goldenen, niellirten Laubverzierungen. Die Mitte der Krümmung zieren Doppelreliefs aus Elfenbein. Die eine Seite derfelben zeigt die Mutter Gottes mit dem Kinde auf dem Arme, an den Seiten je ein Engel mit einem grünbemalten Stab, die andere Seite den gekreuzigten Erlöfer mit Maria und Johannes. Beide Flachfeiten find mit Steinen befetzt, welcher Befatz eine jüngere Zuthat zu dem aus dem Ende des XIV. Jahrhundertes ftammenden Stabe ift. Von Producten der Goldfchmiede- Kunft profaner Beftimmung aus der Zeit der Gothik fand fich in der öfterreichifchen Abtheilung nur Ein hervorragendes Object, es ift diefs der grofse Pocal aus vergoldetem Silber, der ein Eigenthum der Stadtgemeinde Wiener Neustadt und unter dem Namen Corvinusbecher b er d h , ב m h f 1 Objecte der Kunft und Gewerbe früherer Zeiten. 33 bekannt ift, ein Gefäfs von höchft eleganter Form. Am fechsblätterigen Fufse, am Nodus und am Deckel, der eine Krone bildet, fowie an der Schale, welche zum Theile mit ineinandergreifenden Buckeln befetzt find, findet fich aufgelegtes Blattwerk in fehr gefchmackvoller Weife und in feltener Vollkommenheit. Auf der Spitze des 14 Zoll hohen Deckels ein kniender Mann mit einem Wappenfchildchen. Diefes muftergiltige Meisterwerk der Goldfchmiede- Kunft dürfte im XV. Jahrhundert entftanden und foll ein Gefchenk des ungarifchen Königs Corvinus an diefe Stadt fein. Ungarifche Archaeologen beftreiten jedoch die Richtigkeit der Tradition. Holzfchnitzereien im gothifchen Stile. Ein würdiger Repräfentant der Holzfculptur aus der Zeit der Gothik war der Holzfchrein, den die kleine Gemeinde Möchling in Kärnten zur Ausftellung fendete. Er bildet im Grundrifs ein längliches Viereck und hat die Geftalt einer gothifchen Kirche. Mächtige Strebepfeiler an den Ecken, fchwächere an der Langfeite und der Façade, wie auch am polygonen und abnehmbaren Chorfchluffe halten den Aufbau, der mit einem kammgezierten, hohen Dache abfchliefst. Wie ein zartes Spitzengewebe, auf allen Seiten durchfichtig, in den zierlichften Muftern durchbrochen, erhebt fich der herrliche Bau leicht und luftig bis zu einer Höhe von 7 Schuh 6 Zoll. Die Verzierungen aller Theile mit Krabben, Kreuzblumen, Rofetten, Gefimfen und gallerieähnlichen Bekrönungen mit gröfseren oder kleineren Fialen, durchbrochenen Fenftern u. f. w. find, ohne den Eindruck der Ueberladung hervorzubringen, fo überreich, dafs jede Detailbefchreibung, fo ermüdend fie einerfeits wäre, doch anderfeits unzureichend bliebe. Nur Eines ift zu erwähnen nöthig, nämlich dafs weder ein Mafswerk- Motiv, noch die Zeichnung der einzelnen durchbrochenen Felder des Dachftuhles fich wiederholt. Als den Schöpfer diefes, unzweifelhaft für ein heiliges Grab beftimmten Schreines, diefes Meisterwerkes der Holzfchneide- Kunft, der, wenn auch kein Architekt, fo doch eine mit den Kunftformen der Gothik gründlich vertraute Perfon war, bezeichnet die Tradition einen gegen die Mitte des XV. Jahrhundertes lebenden Benedictiner- Mönch aus Sct. Paul. Diefes Kunftwerk ging nach Schlufs der Ausftellung nicht mehr nach Kärn ten zurück, fondern wurde von Sr. Majeftät für die Ambraferfammlung angekauft. Wir erwähnen hier auch der beiden kleinen Reliquienfchreine aus Holz, die das Stift Klofterneuburg ausftellte, der eine 8 Zoll 2 Linien lang, 5 Zoll 3 Linien tief und 81 Zoll hoch, hat fämmtliche Flächen mit Pergament überzogen, worauf auf Goldgrund theils Scenen aus dem Leben Chrifti, theils Heiligengeftalten, und auf dem Deckel die Symbole der vier Evangeliften gemalt find; der zweite Schrein ift etwas gröfser, und hat an den Seitenflächen in Quadratfeldern gefchnitzte und vergoldete Rofetten, die Kanten des Deckels find mit Krabben befetzt und deffen Flächen mit Ornamenten bemalt. Das erftere fällt ins XIV., das andere Käftchen ins XV. Jahrhundert. Obwohl in das XVI. Jahrhundert gehörig, mufs an diefer Stelle, weil unzweifelhaft noch dem gothifchen Stile angehörig, ein bemaltes, vergoldetes Holz- Schnitzwerk befprochen werden, vorftellend das Pfingftfeft; wir fehen in der Mitte Maria kniend, geftützt auf Johannes, herum die übrigen Apoftel in lebhafter Gruppirung.( Eigenthum des Stiftes Herzogenburg.) Von kleineren Holz- Schnitzwerken nennen wir noch zwei dem Stifte Klofterneuburg gehörige und aus dem XV. Jahrhunderte ftammende Kämme mit gothifchen Verzierungen und altfranzöfifchen Infchriften. Ein intereffantes Stück war der vom Franzensmufeum zu Brünn ausgeftellte Original- Holzftock für Xylographie, der mit einiger Gewifsheit dem Johann von Brünn( 1480) zugefchrieben wird und auf der einen Seite die Meffe des heiligen Gregorius( folio Bild), auf der anderen Seite den Wucher des Judas( kleines Bild) vorftellt. Gothifche Elfenbein- Sculpturen. Von den ausgeftellten Elfenbein- Schnitzwerken diefer Zeit nimmt den erften Rang ein die in ihrer 3* 34 Dr. Carl Lind. Ausführung äufserft edle und anziehende Marienftatuette des Prager Domfchatzes Die Madonna hält in eleganter Bewegung mit beiden Händen das auf dem linken Arme fitzende Kindlein und fcheint mit ihm im Zweigefpräch begriffen zu fein. Diefe wechfelfeitige Beziehung hat der Künftler fehr naiv und in lieblichfter Weife ohne allen Zwang zum Ausdrucke gebracht. Von grofser Schönheit und edler Durchführung ift die wellenförmig herabfliefsende Gewandung, noch frei von künftlichem Faltenwurf. Gleichwie das Piedeſtal mit vergoldeten Rändern, welches als Reliquiar fich unten öffnet und mittelft eines Kryftalles die Befestigung der Reliquie zuläfst, ebenfo find die Krönchen Zugaben des XV. Jahrhundertes. Die Statuette felbft, franzöfifche Arbeit, dürfte in der zweiten Hälfte des XIV. Jahrhundertes entſtanden fein. Im XIV. und XV. Jahrhunderte wurden, befonders in Italien, zahlreiche zweiund dreitheilige Klappaltärchen angefertigt, davon fich in den Alterthumsfammlungen noch immer viele Exemplare erhalten haben; auch auf der Ausstellung fanden fich einige derartige Schnitzereien, wie zwei Diptychen aus dem Stifte Klofterneuburg und eines aus dem Stifte Rain, beide dem XIV. Jahrhunderte angehörig, zwei Triptychen aus derfelben Zeit von den Stiften Sct. Florian und Neuklofter. Das fchöne Diptychon des Dr. Dudik gehört, abgefehen von der jüngeren Faffung, dem XV. Jahrhunderte an. Unter den vom Grafen Jaromir Czernin ausgeftellten Elfenbein- Täfelchen fand fich ebenfalls ein folches kleines Diptychon vor. Das Stift Rain fendete auch eine aus dem XIV. Jahrhunderte ftammende Elfenbein- Faffung eines Handfpiegels, auf der Rückfeite die Erftürmung einer Liebesburg, die in der bekannten Weife aber in reizender Auffaffung dar. geftellt ift. Wir fehen die Vorderfeite eines viereckigen Burgbaues, in der Mitte das mit Seitenbauten gefchützte Thor. Von allen Seiten wird das Bollwerk heftig beftürmt, aber auch nachdrücklich vertheidigt. Die Stürmenden find Ritter, die Vertheidiger Frauen, die Gefchoffe Blumen und Ringe. Die Compofition ift lebendig und malerifch. Merkwürdig war ein mit Elfenbein Platten belegter Sattel aus dem XV. Jahrhunderte, Eigenthum des Grafen Franz Enzenberg in Innsbruck; die Platten find mit eingefchnittenen Infchriften auf Spruchbändern und mit Figuren geziert. Solche Sättel find höchft felten, die Ambrafer Sammlung befitzt einen, das ungarifche Nationalmuſeum zu Peft drei, davon einer in der ungarifchen Abtheilung ausgeftellt war. Von anderen Elfenbein- Arbeiten profaner Natur kamen noch vor zwei der im Mittelalter fo fehr beliebten Schmuckkäftchen, die häufig als Brautgefchenke verwendet wurden und defshalb meift mit Abbildungen von Liebespaaren verziert find. Ein folches kleineres Käftchen ftellte das Stift Vorau, ein anderes gröfseres, fechseckiges das Stift Klofter neuburg aus. Denkmale gothifcher Textilkunft. Die Stickerei des fpäteren Mittelalters wird durch zahlreiche Mefsgewänder vertreten. Wir nennen hievon das grünfammtene Mefskleid aus der ehemaligen Karthaufe in Geirach, das auf feiner Rückfeite mit fehr fchöner Flachftickerei in Kreuzform befetzt ift, dann die Prachtcafula der Abtei Braunau in Böhmen, die auf der Rückfeite mit einem auf Goldfond in farbiger Seide und mit Perlen geftickten Kreuze fammt Figurengruppe an deffen Fufse verziert ift. Aus vielen Kirchen Mährens wurden Mefs kleider ausgeftellt, darunter die Cafula aus der Domkirche zu Brünn und eine aus weifsem, gemustertem Sammt mit aufgelegtem Kreuze und eine ähnliche von grünem Sammt aus der Pfarrkirche zu Nicolsburg befonders bemerkbar erfchienen. Alle diefe Gewänder gehören theils in das XIV. und XV., theils XVI. Jahrhundert und haben natürlicherweife bereits den noch heute üblichen unfchönen Zuſchnitt. Das bedeutendfte Werk der Textilkunft der gothifchen Epoche iſt das Antipendium aus dem Salzburger Dome. Es ift II Fufs 3 Zoll lang, 3 Fufs hoch und gänzlich mit Stickereien überzogen. In zwei nach drei Reihen geordneten Feldern enthält es eben fo viele Darftellungen aus dem Leben des n r t Objecte der Kunft und Gewerbe früherer Zeiten. 35 Heilandes von der Verkündigung bis zur Himmelfahrt. Die Gefäfse fo wie die Kronen der Figuren find aus vergoldetem Silber gearbeit, mit Steinen gefchmückt und enthalten eine Infchrift, welche erzählt, dafs Erzbifchof Friedrich III.( 1315 -1338) diefen fchönen Altarbehang befchaffen liefs. Ein kleines Antipendium mit Flachftickerei aus dem XV. Jahrhunderte ift beachtenswerth durch die darauf angebrachten Wappen der Familie Walfee und Rofenberg( Franz Koch in Wien). Ein Gegenftand grofser Seltenheit ift die an dem fchon befprochenen romanifchen Pedum von Sct. Peter angebrachte und aus dem XIV. Jahrhunderte ftammende, mit Perlen und Silberfäden geftickte Burfa, welche dazu diente, um daran das Sudarium zu befeftigen. Die Mitren des XIV. und XV. Jahrhundertes zeigen in ihrer Form eine bedeutende Gröfsenzunahme gegenüber der älteren, ohne dafs defshalb eine gewiffe Zierlichkeit aufgegeben worden wäre. Wir fanden auf der öfterreichifchen Amateurausftellung zwei Mitren aus diefer Zeit, die eine ift die Prunkmitra, die fich im Stifte Admont befindet und aus dem zu Ende gehenden XV. Jahrhunderte ftammt. Die Schilder find durch breite Borten von fchwarzer Farbe mit Goldftickerei in zwei Felder getheilt, die mit je einem in Stickerei ausgeführten Figürchen gefchmückt find. Der Abfchlufsrand der Schilder ift mit metallenen Krabbenblättern und Perlen, die Spitze mit Agraffen befetzt. Zu den Stolen find ebenfalls koftbare Goldborten verwendet und deren Enden mit vergoldeten Silberplatten befetzt, darauf auf carrirtem Tiefgrunde fchwungvoll gezeichnete Thierbilder eingravirt find. Eine vom Stifte Sct. Peter ausgeftellte Prachtinfel, aus dem Ende des XV. Jahrhundertes ift ganz mit Perlenftickerei überzogen und mit zahlreichen mitunter fehr grofsen Steinen belaftet. Sie zeigt uns fo recht eigentlich, wie man gegen den Ausgang des Mittelalters und noch weiter herein, in die fogenannte Neuzeit die kirchlich- liturgifchen Kunftgegenftände mit fchwerem Metall- und Steinbefatze zu fchmüc ken fuchte als Erfatz der um diefe Zeit fchon fehr verfallenen Kunftftickerei. Wo ehedem die fchönen ftilgerechten Borten und Stickereien angebracht waren, da funkeln nun unverhältnifsmäfsig grofse Steine. Im Ganzen prangen an diefer Infel weit über 500 Steine und viele Hunderte von grofsen und kleinen Perlen. Die Kanten der Schilde find mit zierlichem vergoldetem Silberbefchläge eingefafst und den Abfchlufs der Schilde bildet eine knorrenblättrige Metallfpitze mit blauem Steine befetzt. Ebenfo, wie die Mütze felbft find auch die Bänder reich mit Steinen befetzt. Andere Kunft gegenstände im gothifchen Stile. Als folche haben wir zu verzeichnen: die fehr zierliche Laterne von gothifcher Form mit vielen Thürmchen und ftatt Gläfern mit Hornplatten verfchloffen. Sie befand fich urfprünglich im Sterbezimmer Kaifer Max I.( † 1521) in Wels und gehört jetzt dem Mufeum zu Linz. Ein Mufter der im Mittelalter fo beliebten Kronleuchter, zufammengefetzt aus Geweihen und irgend einer aus Holz gefchnitzten Figur, gibt uns der von dem heutigen Befitzer des Schloffes Velthurns, Ritter von Goldegg ausgeftellte Kronleuchter in Geftalt einer Jungfrau mit dem Wappen der Madruzzi aus Holz gefchnitzt und bemalt, daran zwei Steinbock- Hörner, an denen die Lichterreifen angehängt waren. Der Kopfputz der Figur deutet ebenfalls auf das Madruzzo'fche Wappen. Urfprünglich befand fich diefe Lichterkrone in dem der Familie Madruzzo gehörigen Schloffe Nonsberg. Aus dem Muſeum zu Linz fand fich auf der Ausftellung ein dem XV. Jahrhunderte angehöriges Trinkhorn, wozu ein Auerochshorn benützt wurde, das man in vergoldetes Meffing fafste und mit zwei Füfschen verfah, am oberen Ringe das Hohenloh'fche Wappen zur Erinnerung an den Spender des Gefäfses, Georg I. von Hohenlohe, Bifchofs von Paffau( 1388), der im Schloffe zu Ebelsberg bei Linz refidirte. Ein zweites derartiges, aber bedeutend reicher gefafstes Horn gehört dem Baron Rudolf Mandell in Graz, es ift in vergoldetem Silber gefafst und dürfte um mehr als ein halbes Jahrhundert älter fein. it rn -t. en e d e m n u e r e h 5, r S n 1 Objecte der Kunft und Gewerbe früherer Zeiten. 37 Bedingungen zuerft und in glücklicher Weife vollziehen konnte. Auch emancipirte fich dortfelbft bei der gröfseren Sinnlichkeit des Volkscharakters und bei deffen vorherrfchend malerifcher Richtung zuerft die Plaftik von der Architektur und folgte in ihrer Entwicklung der Malerei. Der Reichthum und die Prunkliebe des Landes gaben talentvollen und grofsen Meiftern Gelegenheit, Werke von hoher Bedeutung und hervorragender Formvollendung in diefem neuen Stile zu fchaffen. Frankreich folgte bald nach, dann erft nahm Deutſchland den von Italien und jenfeits des Rheins kommenden kunftreformatorifchen Impuls auf. Gar manche Künftler hatten in Italien die neuen Formen bewundern gelernt und brachten die Begeisterung dafür ihrer Heimat zurück. Das deutfche Volk kam den von jenfeits der Alpen gebrachten Reformen mit einer gewiffen Empfänglichkeit entgegen und überliefs gerne denfelben alle Kunftgebiete als Bereich ihres erfolgreichen Wirkens. Aus der Frühzeit der italienifchen Renaiffance fahen wir in den beiden fogenannten Reliquienfchreinen, die früher in der Burg jetzt im Dom zu Graz aufgeftellt find, Denkmale von hoher kunfthiftorifcher Bedeutung. Sie find ganz mit Elfenbein belegt und haben an der Vorderfeite je drei in viereckigen, reich eingerahmten Feldern angebrachte Darftellungen allegorifcher Triumphzüge nach der Dichtung" I trionfi" von Petrarca und zwar auf dem einen Schrein den Triumph des Ruhmes der Zeit und der Gottheit, auf dem anderen den der Liebe, der Keufchheit und des Todes. Beim Triumph des Amors fehen wir den Wagen, auf welchem Amor fackelfchwingend fteht, von Göttern, Helden, Dichtern, von Alexander dem Grofsen, von Hercules, Mercur, Mars, Sappho umgeben. Den Triumph der Keufch heit fehen wir durch die jungfräuliche Minerva dargestellt, fie fteht am Triumphwagen und vor ihr kniet Amor gefeffelt, ohne Waffen und ohne Flügel. Die den Wagen begleitenden Frauen haben fich der Flügel und Waffen des Liebesgottes bemächtigt; der Wagen ift mit Einhörnern befpannt. Den Triumph des Todes repräfentirt der Knochenmann, auf einem mit Gerippen und Todtenfchädeln verzierten katafalkartigen Wagen ftehend, den zwei Büffel träg ziehen. Der Weg ift mit Menfchen- und Hundeleichen bedeckt, über die der Wagen dahinfährt. Beim Triumph der Zeit fehen wir einen Greis auf einem von Hirfchen gezogenen Wagen, den die Weifen des Alterthums umgeben. Der Triumph des Ruhmes wird durch die Siegesgöttin dargestellt, deren Wagen mit Elephanten befpannt und von den Helden des Alterthums umgeben ift, wie Hercules, Jofue mit der Sonne, Samfon, Judith etc. Der Triumph des Chriftenthums ift in erhabener Weife durchgeführt. Chriftus thront in einer Wolkenglorie, umgeben von Engeln, den Wagen zieren die Evangeliftenfymbole an den Enden und Engel ziehen ihn. Apoftel fchaaren fich herum und der Täufer Chrifti eröffnet den Zug. Zwifchen den Bildfeldern find Lefenen mit herrlichen, fehr zierlich aufgebauten candelaberartigen Ornamenten angebracht. Jede Schmalfeite der Schreine ift mit einer gleichbehandelten Darftellung gefchmückt, als eine Blume, ein fiebenköpfiger Drache, eine zur Sonne aufblickende Hirfchkuh, dabei auf einem Spruchbande die deutfche Infchrift ,, bider- rakt"( das ift: bieder recht), endlich zwei Adlerflügel mit Krallen, die den Ring der Ewigkeit halten. Sämmtliche Darftellungen find als höchft zierlich gearbeitete, auf Hornplatten aufgelegte Elfenbein- Reliefs ausgeführt; Compofition und Technik meifterhaft. Die Einrahmungen von drei Bildern auf der Vorderseite des einen Schreines find wahrfcheinlich im XVII. Jahrhunderte, und zwar nicht in ganz gelungener Weife erneuert worden. Diefes bedeutend roher ausgeführte Elfenbein Ornament wurde in fchwarzen Kitt eingelaffen, auch die Arbeit nicht mehr forgfältig ausgeführt. Die Bedachung bildet ein Kreisfegment mit oben aufgelegter Platte. Auf dem gebogenen Theile des Daches find theils rothe, theils grüne, theils weifse Schuppen von Elfenbein angebracht, auf der Platte fieht man eine aus Wellenlinien und 38 Dr. Carl Lind. Sonnen combinirte Ornamentirung und in der Mitte ein Wappen mit einem Kreuze belegt und je einen einköpfigen Adler in den vier Feldern. Freiherr von Sacken fagt in feinem Berichte über die öfterreichiſchcisleithanifche Abtheilung im Pavillon des amateurs( Abendpoft der Wiener Zeitung) bezüglich diefer zuverlässlich aus Italien ftammenden Schreine in treffender Weife:„ Der Gedankengang, welchen uns diefe Bilder conform der Dichtung vorführen, ift klar und umfafst den Inhalt des menfchlichen Lebens und Strebens; die Leidenfchaft, deren Zügelung und Läuterung durch die Sittenreinheit, die Macht des Alles gleichmachenden Todes, über den hinaus der Ruhm fortdauert, endlich die Ewigkeit und Vollendung in der Glorie des Heilands; diefer tiefe und fo poetifche Gedanke ift in den Reliefs der Schreine in ergreifender Weife zur Darstellung gebracht, fie muthen den Befchauer wunderfam an durch ihr Gemifch antiken Geiftes und des eigenthümlichen italienifchen Wefens, das in den Werken des fpäteren Mittelalters, befonders in den herrlichen Gufsmedaillen von Pifani und anderen eine fo fchlagende Wirkung ausübt. Das dramatifche Element diefer Zeit erfcheint hier in kräftigen markigen Zügen, die Geftalten find von fefter Gedrungenheit, die Gewänder faltenreich, einzelne Köpf chen von feiner Schönheit, die Behandlung der fehr flachen Reliefs zum Theil mit landfchaftlichen Hintergründen ift eine durchaus malerifche. Manche Details erinnern an Giotto, andere an Maffachio felbft an Mantegna. Die Sujets der Darftellungen fprechen nicht dafür, dafs diefe Schreine für kirchliche Zwecke angefertigt wurden, im Gegentheil dürften fie urfprünglich eine profane Beftimmung, etwa die von Kleidertruhen einer Braut, gehabt haben. Ihre jetzige, mit ihrer Verzierung gar nicht in Einklang ftehende Beftimmung und in Folge deffen ihren gegenwärtigen, höchft unpaffenden und die Kunftwerke felbft arg gefährdenden Aufftellungsplatz haben fie erft in neuerer Zeit erhalten. - Minder werthvolle Schnitzwerke aus Elfenbein find: Ein grofses Crucifix ( XVII. Jahrhundert), Eigenthum der Stadt- Pfarrkirche in Linz; ein zweites aus der Pfarrkirche in Hruska in Mähren ein grofses Relief, vorftellend die Kreuzigung aus dem XVIII. Jahrhunderte und Herrn Reifinger gehörig; ein Horn mit reicher Schnitzarbeit, darunter das Bildnifs Heinrichs von Frankreich nebft der Jahreszahl 1575( Stift Heiligenkreuz); ein hübfcher Meffergriff, gebildet aus drei Amoretten, italienifche Arbeit des XVII. Jahrhundertes( Graf d'Orfay); der Scepter des Königs Auguft II. von Polen und Churfürften von Sachfen, vom Jahre 1697, Eigenthum des Grafen Czernin; eine Statuette, Maria mit dem Kinde und Johannes, italienifche Arbeit des XVII. Jahrhundertes( Dr. Dudik); zwei kleine Reliefs aus dem XVII. Jahrhunderte, die heilige Familie und die unbefleckte Empfängnifs vorftellend, aus der k. k. Fideicommifs- Bibliothek, ferner eines aus dem Stifte Klofterneuburg, vorftellend Chriftus mit den MarterWerkzeugen; ein Medaillon mit einem männlichen Porträt( XVIII. Jahrhundert), Eigenthum des Herrn Reimitzer in Brünn, endlich mehrere Elfenbein- Krüge in vergoldetem Silber gefafst, davon der fchönfte dem Stifte Neuklofter gehört. Perlmutter- Schnitzwerke ftellten nur das Stift Klofterneuburg und Carl v. Pichler in Graz aus; es find fechs Medaillons mit chriftlichen Darftellungen aus dem XVI. Jahrhunderte.. Die Sculptur in Stein repräfentirten zwei lebensgrofse Büften aus rothem Marmor mit eingefetzten Augen, vorftellend Bachus und Ariadne, Werke des XVIII. Jahrhundertes, Eigenthum des Freiherrn v. Rothfchild, und eine CarraraMarmorbüfte der Kaiferin Jofephine, Gemalin Napoleons I., von Chinard, Eigenthum des Grafen Enzenberg in Schwaz. Der Zeit der italienifchen Frührenaiffance gehört die fchöne Marmorbüfte aus Neuklofter, das Porträt eines zarten Mädchens von finnigem Ausdruck, welches fchöne Werk ebenfalls für die k. k. Ambrafer- Sammlung erworben wurde. Werke des Bronceguffes von gröfserer Bedeutung find: Die Porträtbüfte eines italiénifchen Nobile, ein mit höchfter Virtuofität modellirtes, kraftvolles ze 1. er - d - n 1- m t Objecte der Kunft und Gewerbe früherer Zeiten. 39 Kunftwerk von grofsartiger Auffaffung aus dem XVI. Jahrhunderte( Eugen Ritter v. Miller), und die fchöne, von einem tüchtigen Künftler herftammende Büfte Kaifers Carl V., ein Gefchenk diefes Kaifers an die Stadt Brüffel. Leider hat diefes jetzt dem Fürften R. Metternich gehörige Kunftwerk durch irgend einen Brand ftark gelitten; eine grofse Jardiniere in Form eines auf Seepferden ruhenden Schiffes( Freiherr N. v. Rothfchild), zwei Statuetten, ruhender Hercules, die Augen von Silber( Ritter v. Braifach), ein nackter Krieger mit gezücktem Schwerte, deutfche Arbeit des XVI. Jahrhundertes( Joanne um zu Graz). Grofse Koftbarkeiten der Renaiffance brachte die freiherrlich Anfelm Rothfchild'fche Sammlung, die unter den inländifchen Privatfammlungen unftreitig hinfichtlich der Renaiffance- Arbeiten den hervorragendften Platz einnimmt. Wir nennen von den ausgeftellten Gegenständen vor Allem die zwei prächtigen Niellotafeln aus der Gallerie Manfrin ftammend, koftbare Werke von vorzüglicher Zeichnung, im Charakter der Venetianer Malerfchule zu Beginn des XVI. Jahrhundertes. Jede Tafel enthält mehrere, dem Leben Chrifti entnommene Darftellungen, die von einer breiten, mit herrlichem Ornament und eingeftreuten Wappen und Genien gefchmückten Leifte umrahmt werden. Auf der einen fehen wir eben die figurenreiche Darstellung der Hochzeit zu Canae, in der Mitte die Taufe Chrifti, unten die Erweckung des Lazarus; auf der zweiten die Verkündigung, Geburt Chrifti und Anbetung der Könige; die Einrahmungen find im feinften Renaiffanceftile, mit Engelsfigürchen und Wappen ausgeführt. In drei Vitrinen waren prachtvolle Emailarbeiten aus Limoges, Schüffeln, Teller, Taffen, Kannen, Salzfäffer, Leuchter und Tafelauffätze aus diefer Samınlung ausgeftellt, zwar in höchft einfacher Form aus Kupferblech hergestellt, dafür defto koftbarer durch den Emailfchmuck. Ein Theil diefer Gemälde ift grau in grau mit ftellenweifem Fleifchton, der andere in hellen durchfichtigen Farben und Gold nach bekannten Kupferftichen der Renaiffance periode ausgeführt. Wir fanden darunter Koftbarkeiten erften Ranges, entsprechend den Namen der berühmteften Meifter, wie Jean Courtois, François und Leonard Limoufin u. f. w., von denen fie ftammen. Nicht minder vorzüglich waren die vielen aus edlem Metall angefertigten Trink- und Prunkgefäfse diefer Sammlung, zum Theile grofse Pocale und Krüge mit fchönen Reliefs, Wappen und fein modellirten Deckeln ( darunter einer aus dem Regensburger Silberfund), zum Theile Gefäfse in Menfchen- und Thiergeftalten, mitunter fehr bizarrer Form und ohne Rückſicht, ob fie dadurch der Aufgabe des Trinkbechers entſprechen oder nicht. Wir fahen darunter einen Fahnenträger, einen Winzer und eine Winzerin, einen Pilger fammt Weib, einen Jäger, die Schweinsfeder gegen den Eber ftofsend, den Knaben Bachus auf einem mit Perlmutter belegten Faffe reitend; ferner gehört hieher als Capitalgegenftand diefer Sammlung eine Schüffel aus vergoldetem Silber, in deren Innenfeite vier Darftellungen aus dem römifchen Leben angebracht find, in der Mitte der Schüffel fteht ein Statuettchen des Kaifers Auguftus, unzweifelhaft eine Arbeit italienifchen Urfprungs aus dem XVI. Jahrhunderte. Nebft diefen Koftbarkeiten find noch zu erwähnen mehrere Schalen von in vergoldetem Silber gefafsten Amethyft-, Heliotrop- oder Jafpisdrufen. Edlen Stil zeigt das jüngerer Zeit angehörige, aus Kanne und grofser Taffe beftehende Taufzeug der gräflichen Familie Herberft ein; beide Stücke find aus vergoldetem Silber angefertigt und mit Medaillonsrelief und fonftigem fchönen Ornament gefchmückt, fie dürften noch in das XVI. Jahrhundert gehören. Demfelben Ausfteller, Grafen Heinrich Herber ftein, gehört auch die fechseckige, aus Lapis- lazuli- Platten zufammengefetzte Büchfe, deffen Silberfaffung mit fchöner Emailmalerei ausgeftattet ift. Schöne Pocale und Silberkrüge lieferten auch die Sammlungen des Grafen Meran in Graz, das Stift Sct. Florian und die Privaten Kornfeld und Lublin in Brody, Dr. Wladimir Gniewosz in Kutny und Ritter v. Lanna in Prag. Zu erwähnen find auch der prachtvolle Pocal aus Bergkryftall, Eigenthum des Grafen Lanthieri in Wippach und ein folcher aus Rauchtopas, dem Grafen von 40 Dr. Carl Lind. Meran gehörig; erner ein Trinkhorn mit reicher Silberfaffung, Eigenthum der Bergwerks- Direction in Wieliczka. Dem Stifte Herzogenburg gehört der ganz widerfinnig als Reliquiar verwendete fchöne Kryftallpocal fammt Deckel mit feiner überaus zierlichen Faffung aus vergoldetem Silber( XVI. Jahrhundert). Der Rococozeit entftammen die Credenztaffen fammt Kännchen und die Spühltaffen fammt Kanne, die die Stifte Schotten und Neureifch, das Minoritenklofter zu Altbrünn, ferner die Judengemeinde zu Brody ausftellten. Andere kirchliche Gegenftände der Renaiffance und ihrer Stilnachfolger find ein mit gothifchen Reminiscenzen ausgeftattetes Vortragekreuz aus Grofs- Lobming in Steiermark, eine grofse Monftranze in Form eines Hollunderbufches mit Steinbefatz aus dem Stifte Melk und eine zweite in Sonnenform aus dem Prager Domfchatze, ausgezeichnet durch die an derfelben angebrachten Agraffen, die einem Hochzeitskleide eines ungarifchen Magnaten entnommen wurden. Diefelben zeigen kleine Thiergruppen( Strauſse, Elephanten, Hirfche, Hunde etc.) von vor züglichfter Zeichnung mit den herrlichften, durchſchimmernden Emails gefchmückt. Es ift hier die Wirkung des Emails mit jener des getriebenen, gegoffenen und cifelirten Goldes und des Edelſteinbefatzes in eine ganz befonders harmonifche Verbindung gebracht. Aus derfelben Sammlung ift ein mächtiger, aber unfchöner Kelch, wie auch die mit reichem Filigranbefetz gefchmückte Volute eines Krummftabes ausgeftellt. Auch das Stift Kremsmünster brachte einen Renaiffance- Krummftab zur Ausftellung, doch dürfte der Nodus mit Rückficht auf einige gothifche Details theilweife von einem älteren Stabe auf diefen übertragen worden fein. Die im XVII. Jahrhunderte fo häufig vorkommenden Cocusnufs- Becher waren nur durch zwei Exemplare vertreten, davon der eine dem Stifte Altenburg, der andere, fchönere, der Rothfchild'fchen Sammlung angehört. Die Bewunderung der Kunftfreunde erregte mit Recht ein die Anbetung des Chriftkindes durch die drei Könige vorftellendes Relief aus Gold, welches an den meiſten Stellen mit färbigem Email überdeckt ift. Die Arbeit ift bei den kleinen Dimenfionen des Gegenftandes eine wahrhaft Erftaunen erregende und präcife; das Stift Klofterneuburg ift der glückliche Befitzer diefes Kleinods im vollen Sinne des Wortes, das während feiner Ausftellnug die Kaufluft einer Menge von Kunftfreunden vergeblich reizte. Kleine Emailtafeln ftellten Meyer in Brünn und Ritter v. Lanna in Prag aus. Wir wollen hier auch die vielen herrlichen Emailporträts erwähnen, davon einige der Künftlerhand Petito t's entſtammen, die letzteren Eigenthum des Ritter v. Camefina und Ar. Artaria; andere drei gehören dem Carl Grafen Latour in Graz; ferner zwei fehr zierliche medaillonförmige Reliquienkapfeln mit Perl- und Emailbefetz aus dem XV. oder XVI. Jahrhunderte und Eigenthum der Stadt Wiener Neuftadt; das ältere, einem gekrönten Wappen ähnliche Kleinod foll aus Rom ftammen, von wo es zwei aus jener Stadt dahin zur Krönung Friedrich IV. abgeordnete Magiftratsperfonen als päpftliches Gefchenk mit brachten. Von den zahlreichen ausgeftellten Schmuckkäftchen erwähnen wir vor Allem jenes aus der Rothfchild'fchen Sammlung; aus Ebenholz aufgebaut, wurde es an feinen Flächen mit Reliefs und Ornamenten von Silber, auf dem Deckel durch eine liegende Figur gefchmückt, die Wahrheit vorftellend, welche ein Medaillon mit dem Porträt Königs Heinrich IV. von Frankreich und deffen Gemalin Maria von Medici in der Hand hält, vorzügliche franzöfifche Arbeit des XVI. Jahrhundertes. Derfelben Sammlung gehört auch jenes nette Käftchen von vergoldetem Silber, mit kleinen Platten von Lapis- lazuli belegt, an, das im XVII. Jahrhundert entstanden fein mag. Aus dem Prager Domfchatze fahen wir ein ziemlich grofses Schmuckkäftchen von der Kaiferin Eleonore dahin gewidmet, es ift an den Flächen und Enden mit färbigen Emailornamenten im Gefchmacke des Rococo befetzt. der der mit Der affen ter dere mit gin ein. ger die ben or kt. und che mer m zur mils im ch re, SPES ng an en nd m ge in I on S es n n m e r Objecte der Kunft und Gewerbe früherer Zeiten. 41 Carl v. Pichler ftellte ein fehr hübfches Käftchen aus Schildpatt mit Ornamenten aus eingefchlagenen Gold- und Silberftiften; einen in diefer Technik ( pickirt) ausgeführten Deckelpocal, der überdiefs durch eingelegte Perlmutterund Silberplättchen geziert ift, Freiherr v. Rothfchild aus. Indem wir noch der beiden fchönen, fechseckigen Flachuhren und der fchönen, der Stadt Olmütz gehörigen Bronce- Stockuhr, ferner der beiden fehr zierlichen Markenzähler und des Weihbrunnens aus Silber von vorzüglicher deutfcher Arbeit des XVI. Jahrhundertes gedenken, nöthigt uns einerfeits der Raum unferes Berichtes und die übergrofse Zahl von kleinen, dem XVI. bis XVIII. Jahrhundert angehörigen Gegenftänden, als von kleinen Kryftallgefäfsen und Leuchtern, Gegenftänden aus Achat oder Bernftein, von Dofen, Ringen, Uhren, Efsbeftecken, Schmuckgegenftänden u. f. w. abzufehen und zur Befprechung von fünf Goldgefäfsen( Münzbecher) aus dem Schatze des Herzogs Adolph v. Nafsau überzugehen. Es find diefs fünf aus Gold angefertigte Gefäfse in gefchmackvoller Weife mit echten antiken Münzen befetzt. Die zwei grofsen Pocale fammt Deckel auf Ständern enthalten je 139 Goldmünzen aus der Zeit der Kaifer Auguftus bis Commodus; die kleineren zwei Becher mit Deckel mit je 31 und eine Schale fammt Deckel, 41 Münzen, aus der Zeit des Antoninus pius. Fauftina sen. und Marc. Aurel. Jedes diefer Gefäfse ift im Innern des Fufses mit dem in Email ausgeführten Wappen des Churfürften Johann Hugo von Trier, der diefe Gefäfse anfertigen liefs, und überdiefs am Obertheile des Deckels mit emaillirten Bouquets gefchmückt. Die beiden gröfseren, pocalförmigen Gefäfse find am reichften ausgeftattet. Als Trager der Schalen dienen fein geformte Figürchen, die Innenfeite des Deckels fchmücken die in herrlicher Emailmalerei ausgeführten Porträts der Kaifer Leopold I. und Jofef I., umgeben von einem aus Diamanten und Smaragden gebildeten Kranze. Ueber die Entftehung diefer Koftbarkeiten gibt die am Fufse der erwähnten gröfseren Gefäfse angebrachte Infchrift Nachricht. Die dazu verwendeten Münzen wurden nämlich 1691 unweit Perfcheid in Weftphalen gefunden und auf Befehl des obbenannten Churfürften Johann Hugo zum Schmucke diefer Gefäfse verwendet. Zimmeraltäre fanden wir in der öfterreichifchen Amateurausftellung drei; einer, von bedeutender Gröfse, aus Ebenholz mit Silberbefetz und Silberreliefs aus dem XVIII. Jahrhunderte, gehört dem Stifte Lambach; der andere mit einigem Steinbefetz, in der Mitte ein Oelbild von Scozzi, dem Stifte Schotten; der dritte von Ebenholz mit Halbedel- und Lafurfteinen gefchmückt, in der Mitte ein fpäter eingefetztes Ebenbein- Relief, vorftellend Samfon, und aus dem XVII. Jahrhunderte ftammend, gehört der Rothfchild'fchen Sammlung an. Beachtenswerth waren die ausgeftellten Bürgermeifter- und StadtrichterStäbe, davon der der Gemeinde Gurkfeld gehörige ganz aus Silber angefertigt, theilweife vergoldet, die aus Linz und Enns von Holz und nur mit Silber befchlagen find. Wir kommen nun zu den ausgeftellten Holz- Schnitzwerken. Wir führen vor Allem an das nach Dürer's Stich die drei nackten Frauen," vortrefflich ausgeführte Relief, Eigenthum des Stiftes Strahow. Das in Holz gefchnitzte Porträt des Georg Tanftetter mit feinem Sohne aus dem Jahre 1521 zeigt uns diefen am Hofe Kaifers Max I. lebenden Gelehrten en face mit etwas zu breit gehaltenem, vollem Gefichte( Melk). Weiters find zu erwähnen eine fehr hübfche Statuette, vorftellend einen fitzenden Ecce homo, ein Werk des XVII. Jahrhundertes, dem Muſeum zu Linz gehörig, eine kleine Figurengruppe vorftellend Hercules den Antäus erdrückend, aus der Sammlung Rothfchild; ein hoher Becher von geringem Durchmeffer, ganz bedeckt mit feinem figuralifchen Schnitzwerk, aus dem XVI. Jahrhunderte und der Stadt Melnik gehörig; ein dem Regierungsrath Dr. Dudik gehöriges Hausaltärchen mit Bernini'fchen Holzfchnitz- Bildchen, endlich ein Bild, die Opferung im Tempel, dem Muſeum zu Brünn gehörig. 42 Dr. Carl Lind. Uebergehend zu den Werken der Keramik, die im Ganzen hier nur geringe Vertretung fand, führen wir als intereffant jenes kleine Relief aus bemalter Terra cotte an, das Regierungsrath v. Camefina ausftellte. Dasfelbe ift medaillonförmig gehalten und zeigt das Bruftbild Margarethens, der Tochter Kaifers Maximilian I., es ift mit der entsprechenden Umfchrift und der Jahreszahl 1528 verfehen und auch infoferne beachtenswerth, als es Aufklärung gibt über die Bedeutung jener kleinen, köftlichen Holzbüfte, die fich in der Sammlung Roth fchild befindet und unzweifelhaft diefelbe Perfönlichkeit vorftellt. Wir können die fechs Kachel, die Franz Graf Enzenberg in Innsbruck ausftellte, nicht mit Stillfchweigen übergehen. Sie ftammen aus der Hand des berühmten Töpfers Goltius in Beureut( 1608) und zeigen die Darftellungen der fünf Sinne und das fechste ein in Relief ausgeführtes Bouquet. Majolica's ftellte, und zwar eine Suite Teller fammt einer Schüffel, das Stift Neu- Reifch und eine gröfsere Gruppe vorftellend den heiligen Franciscus in der Felfenzelle das Minoritenklofter in Brünn, erftere Collection gelangte als Gefchenk in die Sammlung des Mufeums für Kunft und Induftrie. Alt Sevres porzellan hatte in einer reichhaltigen Collection, ausgezeichnet durch die blaue Farbe und die feinen vergoldeten Reliefsornamente, Freiherr v. Rothfchild, einzelne Stücke auch Dr. Dudick ausgeftellt. Ausserdem fand fich die Wiener und Meifsner Fabrik und auch die ehemalige Fabrik zu Korec in Galizien vertreten. An diefer Stelle fei auch der fchöne opalifirende, gegoffene Glasbecher mit Meergottheiten in Relief erwähnt, der der Sammlung Rothfchild angehört. Von Kunftfchloffer- Arbeiten diefer Abtheilung feien hervorgehoben: Ein mächtiges Vorhängefchlofs mit eingeätzten Ornamenten aus dem XVII. Jahr hunderte( Stadt Wiener- Neuftadt); ein kleines Vorhängefchlofs von unge wöhnlicher Form aus derfelben Zeit( Stift Neuklofter); ein grofses, fchön und kunftreich gearbeitetes Thürfchlofs( Stift Herzogenburg); ein kleineres diefer Art mit durchbrochener Platte( Carl v. Pichler). Herr Blumauer in Vöklabruck hatte eine intereffante, reichhaltige Collection von Schlüffeln mit der römifchen Zeit beginnend und bis ins XVIII. Jahrhundert reichend ausgeftellt. Eine fehr fchön aus Eifen getriebene Tafel mit Heiligenfiguren( XVI. Jahrhundert) ftellte Freiherr v. Rothfchild aus. Von Gegenständen aus Zinn angefertigt nennen wir vor Allem die fechs hohen Krüge der Stadt Steier, aufsen mit dem Stadtwappen, innen mit einem fehr fchönen Medaillon gefchmückt, aus dem XVII. Jahrhunderte und eine Reihe mitunter fehr grofser und fchöngeformter Willkommbecher aus dem XVII. und XVIII. Jahrhunderte, von den beftandenen Innungen der Bäcker, Binder, Nadler u. f. w. herftammend, jetzt Eigenthum der Stadt Olmütz. Graf Meran brachte drei reichverzierte Schüffeln aus diefem Metalle. Wir kommen nun zu den Waffen. Sie find zwar im Ganzen nicht zahlreich, doch fanden fich Vertreter der vielen im XV. bis XVIII. Jahrhunderte gebräuchlichen Waffen und Wehren wie Schwerte, Biedenhänder, Rappiere, Panzerftecher, Hiebmeffer, Degen, Dolche, Hirfchfänger, Lanzen, Partifanen, Hellebarden, Armbrüfte, Rüftungen, Cüraffe, Gewehre und Piftolen und mitunter von grofsem Kunſtwerthe. Wir nennen zuerft die halbe Rüftung fammt Helm und zwei Rundfchilden aus der Sammlung Rothfchild, Gegenftände von hohem Kunſtwerthe, befonders einer der beiden Schilde. Getriebene, italienifche Arbeit von fchwarzer Grundfarbe mit reich in Goldtauffia ausgeführter Verzierung. Laut Infchrift ftammt der werthvollere Schild von dem Mantuaner Georg Ghyfis, 1554. Der zweite Schild ftammt aus dem Jahre 1563 und wurde gleichwie die Rüftung ficherlich nicht vom erf benanntem Meifter angefertigt. Der Ghyfi s'fche Schild zeigt in der Mitte einen prachtvoll gezeichneten, lebhaften Reiterkampf, herum allegorifche Figuren, der andere enthält die Darstellung des Triumphes des Bachus, die Rüftung auf der Bruft Venus und Amor, Trophäen. Einen ähnlichen, ebenfalls fehr koftbaren Rundfchild hatte Graf Daun am Helmkamme fchön gruppirte ringe erra llon ifers 1528 die oth nen mit fers und eine ppe in ums gen ten ick die der nt Ein hr. ge. nd fer ck en hr te S m де 92 I, n 1, n T t Objecte der Kunft und Gewerbe früherer Zeiten. 43 aus feiner Sammlung im Schloffe Vöttau zur Ausftellung gefendet. Von dort her kamen auch zwei andere polirte Rundfchilde mit eingeäzten Ornamenten; ferner ein Panzerhemd, welche Gegenftände dem Helden von Szigeth Niclas Zriny mit ziemlicher Berechtigung zugefchrieben werden. Aus dem Joanneum zu Graz wurde eine ganze Rüftung aus dem XVI. Jahrhunderte mit geäzten Streifen und Rändern ausgeftellt, auf der Bruft ein vor dem Crucifixe knieender Ritter; der Helm ift eigenthümlich durch deffen Stachelvifier. Der Helm des Vertheidigers von Wien aus dem Jahre 1529, des Grafen Niclas Salm, an einigen Stellen mit Silber taufchirt, im Ganzen aber einfach, gehört dem Mufeum zu Brünn. Wir fahen auch zwei grofse Tartfchen aus dem XV. Jahrhundert, auf deren jeder auf weifslichem Grunde der heilige Georg als Drachentödter gemalt ift. Diefe beiden Schilde, von deren Gattung nicht viele Exemplare, mit Ausnahme der Sammlung im Wiener ftädtifchen Waffenmufeum erhalten blieben, gehören der Stadt Enns. Kleinere bemalte Holztartfchen fendeten das Brünner Mufeum und Carl v. Pichler. Von der Zahl der ausgeftellten Schwerter und Säbel heben wir hervor: Das Schwert zu anderthalb Fauft des Hochmeifters des Sct. Georg- Ritterordens in Millftatt aus dem Jahre 1499; Griff- und Parirftange, Scheidebefchläge von Silber, am Knopf ein emaillirtes Wappen( Mufeum zu Klagenfurt); ein Vortragefchwert mit filbernem Griffe und geäzter Klinge, darauf das Wappen des mährifchen Landeshauptmannes Johann v. Rottal( Graf Wrbna); das fogenannte fächfifche Churfchwert yon 1533, ein prachtvolles Stück der Renaiffance, Griff und Scheide von Silber, reich verziert mit den herrlichften Ornamenten in getriebener Arbeit im Stile des H. Aldegrever( Fürft Clary); ein breites Kurzfchwert aus dem XVI. Jahrhunderte mit gravirtem und theilweife vergoldetem Griffe und Scheidebefchläge( Carl v. Rehazek); ferner die an Griff und Scheide mit getriebenen Silberbefchlägen reich verzierten Stadtrichter- und Bürgermeifter- Schwerter aus Wien, Steyer und Enns, und die einfacheren aus Linz, Wels und Olmütz; Richtfchwerte mit ihren abfonderlichen Darftellungen auf der Klinge, der Städte Hradifch, Iglau, Mährifch- Neuftadt und Znaim. Ferner find zu erwähnen: der Prunkdegen Carls v. Zierotin, deffen Griff und Scheidefpitze von Achat mit Rubinen und Perlen befetzt. Er trägt die Jahreszahl 1663 und gehört dem Mufeum zu Brünn; ein fchöner dreifchneidiger Dolch mit fchön gearbeiteter, filberner Scheide, italienifche Arbeit des XVI. Jahrhundertes( A. Widter); ein Hirfchfänger mit Elfenbein- Griff aus dem XVIII. Jahrhunderte( A. Widter). Unter den Feuerwaffen erfchienen beachtenswerth: Eine Radfchlofs Büchfe mit Elfenbein eingelegtem Schaft( Graf Lanthieri), ein grofses Gewehr mit Luntenfchlofs, der Lauf mit erhaben eingelegten Verzierungen in Gold und Silber; ein Granatgewehr von Meffing mit dem Zriny'fchen Wappen; eine Damenflinte aus dem XVII. Jahrhunderte, der Schaft mit Gold, Perlmutter und Elfenbein eingelegt; eine grofse Mufkette, das Rohr mit Gold, der Schaft mit Elfenbein eingelegt( Graf Daun); endlich ift an diefer Stelle ein fehr fchön geätzter Lunten tock zu erwähnen, deffen fich im XVII. Jahrhunderte die Officiere bedienten. ( Carl v. Pichler). Freiherr Anfelm v. Rothfchild ftellte zwei Reiterpiftolen aus, eine mit fein gefchnittenem und mit Elfenbein zart eingelegtem Laufe, die andere mit Elfenbein belegtem Schafte, darauf Plättchen mit Eifenfchnitten und fehr feiner Taufchirarbeit. Armbrüfte waren nur zwei ausgeftellt, die eine mit eingelegtem Elfenbeinornament( Stift Raigern), die andere, am Schafte ganz mit Elfenbein belegt, fammt eiferner Winde, dem Grafen Daun gehörig. Eine gröfsere Sammlung fchöner orientalifcher Waffen ftellte H. Biela-. dinovich aus Dalmatien aus, aufserdem noch einzelne Stücke: ein Befteck in 44 Dr. Carl Lind. Gold montirt, und einen Dolch mit filberner, getriebener Scheide Herr A. Widter das Muſeum zu Brünn ein fchönes türkifches Meffer, und Fürft Camill Rohan einen Dolch und ein Dolchmeffer. Sättel mit reichen Decken haben wir drei zu verzeichnen, den einen mit einer Decke von gelbem, in Silber reich gefticktem Sammt überdeckt, den anderen, dem Niclas Zriny zugefchrieben, deffen Decke von blauem Sammt mit Gold ftickerei( Graf Daun) und der dritte der Gräfin Walewska in Krakau gehörig, mit vollſtändigem Reitzeug und koftbaren Decken verfehen. Zu diefem gehör auch ein geflochtener Schild mit Stein befetzt und ein prachtvoller Bufikan. Wir kommen nun zu den Gegenftänden der textilen Kunft. Wir verzeichnen die prächtigen Maulthierdecken, die eine aus Goldbrocat, die andere aus rothem Seidenftoff, am Rande mit reicher, erhabener Goldftickerei und in der Mitte mit dem grofsen, in bunter Seidenftickerei ausgeführten Wappen des 1717 ausgeftorbenen Fürftenhaufes Eggenberg geziert, in deffen Erbe die gräfliche Familie Herber ftein trat. Diefe Decken, die einer Sammlung von zehn derartigen Stücken ent nommen find und in dem dem Grafen Heinrich Herberftein gehörigen Schloffe Eggenberg nächft Graz aufbewahrt werden, dürften aus Anlafs der zweiten, in Graz gefeierten Vermälung des Kaifers Leopold I. angefertigt worden fein. Gobellins ftellten das Stift Kremsmünfter und Graf Enzenberg aus. Der von erfterem, von bedeutender Gröfse, entftammt dem XVII. Jahrhunderte und ftellt Judiths Abfchied vor, eine lebhafte Gruppe mit fchönem Colorit; die beiden anderen, nach Zeichnungen von van Schoor, ftellen die Perfonification Europas und Amerikas vor und gehören in die gleiche Zeit, wie der erftere. Ein Fragment eines fehr fchönen Gobellins ftellte Frau Hirfch aus, derfelben gehören auch drei geftickte Tapeten mit Vorftellungen der Gefchichte der Europa ( XVIII. Jahrhundert). Einen bedeutenden Theil der Wand bedeckten zwei Stücke eines prachtvollen perfifchen Teppiches( Graf Dürheim); ein durch feine Bordure bemerkenswerther kleiner Teppich gehörte dem Stifte Kremsmünfter. Von kirchlichen Gewändern nennen wir die vielen Cafeln aus den Kirchen zu Zafchau, Bitefch, Wallachifch- Meferitfch, Nikolsburg u. f. w.. mehrere koftbare Kelch- und Taufdecken, wie auch eine Kreuzfahne aus pracht vollem, deffinirtem Goldftoff( H. Weininger), Handfchuhe mit reicher Goldftickerei( Stift St. Florian) und die grofsen unförmlichen Mitren aus dem Prager Domfchatze, aus dem Schatze des Kapuziner- Klofters in Wien und des Stiftes St. Florian. Alte Spitzen( Poins- Guipures) fandten zur Ausftellung die Stifte Heiligen kreuz und Neu- Reifch. Noch erübrigt uns die Befprechung der Gegenftände, welche von den griechifchen Kirchen der Bukowina zur Ausftellung gefendet wurden. Wir heben davon hervor die prachtvollen Decken und Hängeteppiche mit reicher Gold- und Silberftickerei, davon eine vorftellend die Grablegung Chrifti, eine Arbeit aus dem Jahre 1494, die andere den Tod Mariens( 1612), eine dritte aus dem Jahre 1610, mit der Darstellung des Begräbniffes Mariens, dabei wieder der Ifraelit, dem, der Legende nach, bei Berührung des Sarges die Hände an demfelben haften blieben, worauf fie ein Engel abhieb und ihn tödtete. Diefe, in ihrer Art intereffanten Teppiche find Eigenthum der Klöfter Suczawica, Putna und Dragomirna. Die Stickereien find in technifcher Beziehung vorzüglich, die Geftalten hingegen fteif, fogar unheimlich, entſprechend den Traditionen der auf der Bahn der Entwicklung ftehen gebliebenen Kunft der griechifchen Kirche. Nicht minder intereffant waren die beiden Begräbnifsdecken der Stifter des Klofters Suczawica aus demfelben. Sie find rothfammten, mit reichen Silber- und Goldftickereien verziert, welche die lebensgrofsen Figuren der Fürften Irmid und Simon Movilla darftellen. Die Zeichnungen erinnern fehr an die während des Mittelalters im Abendlande gebräuchlichen Grabdenkmale- eine Platte mit der lebensgrofsen Geſtalt des Verftorbenen;- die beiden Fürften find im vollen fürftlichen Schmuck dargestellt ter han mit eren, Hold Orig hört nen hem mit nen ber ent offe , in aus. erte die ion ere. Den ра ke ne 12 zu V.. t- d. m n n n d t e f Objecte der Kunft und Gewerbe früherer Zeiten. 45 und tragen das Modell des Kloftergebäudes ihrer Stiftung auf der Hand. Koftbare und muftergiltige Stickereien fanden fich auch an den von diefen Kirchen ausgeftellten Stolen und Kelchdecken. Von Geräthen der griechifchen Kirche waren noch ausgeftellt eine Ripide, eine Art Schirm in Form eines Vierpaffes zum Vortragen bei Proceffionen( 1479), aus vergoldetem Silber angefertigt, reich durchbrochen mit fchöner Filigranarbeit ausgefüllt; ferner fahen wir drei Kirchenbücher mit werthvollen Einbänden aus vergoldetem Silber mit Darftellungen in flach getriebener Arbeit, fämmtlich aus dem Beginn des XVII. Jahrhundertes. Noch find zu erwähnen zwei aus Holz fein gefchnitzte Vortragekreuze mit doppelten Querbalken aus den Jahren 1560 und 1600. Aehnliche Kreuze ftellten auch aus das Stift Herzogenburg und Wenzel Wolf in Prag. Von Möbeln fand fich in der öfterreichifchen Amateursabtheilung nur ein Stück; es ift der Schreibtisch des ehemaligen öfterreichifchen Staatskanzlers Fürften Metternich, der ehedem Eigenthum des Herzogs von Choifeul war. Er ift aus Nufsbaum- Holz angefertigt, mit vergoldeter Bronce im Gefchmacke des XVIII. Jahrhundertes ausgeftellt und wurde vom Fürften Richard Metternich zur Ausftellung gebracht. Obwohl nicht in den Räumen der öfterreichifchen Amateurs ausgeftellt, müffen wir des prachtvollen Holzplafonds im Gefchmacke des Zopfftiles, autentisch italienifche Arbeit, Erwähnung thun, der die Decke eines Saales des füdlichen Kunftpavillons fchmückte und aus dem Stifte Schlierbach in Oberösterreich ftammt.( Eigenthümer Herr Scharf.) Münzen waren zahlreich und in koftbaren, feltenen Exemplaren ausgeftellt. Wir fahen eine Collection folcher des weftrömifchen Kaiferreiches, Goldmünzen aus der Zeit des Kaifers Octavian Auguftus( 29 vor Chriftus) bis zum Sturze des römifchen Reiches( 475 nach Chriftus), fodann Silbermünzen von Pompejus und Cæfar bis Honorius( 48 vor Chriftus bis 243 nach Chriftus). Sie zeigen den Verfall der Silberwährung unter Caracalla( um 200) durch fchlechte Legirung und die Erneuerung der Feinfilber- Prägung unter Diocletian( um 300), den Schlufs bildete eine Serie von Broncemünzen und Medaillons von verfchiedenen Kaifern aus allen Zeiten des Reiches( Ausfteller Carl Trau in Wien). Ein zweiter Tifch enthielt Gold-, Silber- und Kupfermünzen des oftrömifchen Kaiferreiches von Arcadius bis zum Sturze des byzantinifchen Reiches durch die türkifche Invafion unter Conftantin XIV. ( 395 bis 1453 nach Chriftus), zum Theil in Schüffelform( Theodor Rohde in Wien). Bracteaten( Hohlmünzen) Deutfchlands und der Schweiz mit hölzernen Stämpeln gefchlagen, aus dem XIII. Jahrhunderte( Eduard Forchheimer in Wien). Arabifche Gold-, Silber-, Glas-, Kupfermünzen, zehn Stück des Khalifen Harun al Rafchid( 786 bis 808), zehn Stücke des Eroberers Timur( Tamerlan), geftorben 1405, 130 egyptifch arabifche gegoffene Glasmünzen und Münzgewichte vom Beginne des VIII. bis Ende des XV. Jahrhundertes. Das erfte und ältefte Stück vom Jahre 712. Zwei Reihen arabifcher Bildmünzen des XII. und XIII. Jahrhundertes, zur Zeit der Kreuzzüge an Stelle des Silbergeldes als Nothmünzen gebraucht( Dr. Karabáček in Wien); endlich Münzen und Medaillen vom Ende des XV. Jahrhundertes bis in die neuere Zeit, darunter die fchöne Medaille aus dem Jahre 1521 von der Stadt Nürnberg zu Ehren Carl V. gefchlagen, Doppelthaler des Grafen Franz Ditrichftein, Bifchof von Olmütz( 1598 bis 1616), Thaler des Winterkönigs Friedrich von der Pfalz( 1619 bis 1621). Hermannftädter Thaler von 1605, der überaus feltene Thaler des Herzogs Bernhard von Sachfen- Weimar von 1634, der des kunftfinnigen Erzbifchofes von Salzburg Leonhard Keutfchach von 1504, die Kaifers Max I. vom Jahre 1479 und 1505, und endlich der ältefte Thaler von Sigmund von Tirol um 1484 gefchlagen( Stift Schotten). Eine reiche Münzcollection ftellte das Olmützer Hochftift aus. Das Münzregale der Olmützer Bifchöfe gründet fich auf ein Privilegium Rudolf II. als König von Böhmen, de dato 5. Jänner 1608. Als Prägeort war die bifchöfliche 46 Dr. Carl Lind. Refidenz Kremfier bezeichnet und zugleich war angeordnet, dafs die bifchöflichen Münzen den landesfürftlichen an Schrot und Korn ganz gleich fein follen. Als man in den Jahren 1663 und 1664 die Münze an Privaten verpachtete, die diefes Recht nur zu ihrem Vortheil ausbeuteten, wurde die Münzftätte auf kaiferlichen Befehl gefchloffen. Doch aus der Zeit des Bifchofes Carl von Liechtenſtein( 1664 bis 1695) finden fich wieder Münzen, daher es fcheint, als wäre das Münzrecht neuerlich ertheilt worden. Die fortwährenden Befchwerden über die verfchlechterten Olmützer Scheidemünzen bewogen Kaifer Carl VI., den Olmützer Bifchöfen das Recht auf Prägung von Scheidemünzen ganz zu entziehen( 1726), bis Kaiferin Maria Therefia das Münzrecht im Jahre 1759 ganz einzog. Seither begnügten fich die Olmützer Kirchenfürften mit dem Schlagen von Inthronifationsmedaillen und einer Anzahl von Currentmünzen. Gegenwärtig find 608 Gattungen Olmützer Münzen vorhanden, die fämmtlich in wenigftens einem Exemplar ausgeftellt waren. Die höchft werthvolle Münzfammlung des deutfchen Ritterordens zu Wien war durch gröfsere Suiten vertreten. Mit der Schenkung des Kulmer Landes ( 1226) erhielt der deutfche Ritterorden von Kaifer Friedrich II. das Münzregale Der Orden nahm die Kölner Mark als die in der Handelswelt am meiften accre ditirte zum Mafsftabe feiner Münzberechnung( 1233). Die herben Veriufte im Ordenslande hatten eine bedeutende Münzverfchlechterung zur Folge und brachten es im Verlaufe von 300 Jahren dahin, dafs unter dem letzten Hochmeifter in Preufsen, Albrecht von Brandenburg aus einer feinen Mark Silber bereits 13 Mark Münze erzeugt wurden. Die Haupt- Münzftätte des Ordens war bis 1454 zu Thorn, eine zweite zu Marienburg, jedoch nur auf kurze Zeit, eine dritte zu Danzig, fpäter trat an deren Stelle eine Münzftätte zu Königsberg, Neben dem Orden hatten auch einige Ordensbifchöfe in ihren Territorien( Dorpat, Riga u. f. w.) das Münzregale. Münzen des deutfchen, Ordens find: Denare, die einzige Münzgattung bis 1382; Schillinge im Gebrauche bis 1497; Grofchen feit diefem Jahre im Umlauf und eine fehr gefuchte Münze; Halbthaler nur um 1424 verfuchsweife geprägt und Vierchen( 4 Pfennige) blofs um 1390 geprägt. Die Münzforten waren von Silber, Goldmünzen kennt man nur vom Hochmeifter Heinrich v. Plauen( 1470) und Albrecht von Brandenburg. Nachdem durch Kailer Carl V., Diplom vom 6. December 1526, die Adminiftration des Hochmeifterthums in Preufsen mit dem Deutfchmeifterthum verbunden wurde, überging das Münzregale des Ordens in Preufsen auf die in den Reichs- Fürftenftand erhobenen Meifter in Deutfch- und Wälfchland. Doch machten diefe mit wenigen Ausnahmen von ihrem Münzrechte geringen Gebrauch. Nach der Aufhebung des Ordens in Deutſchland( 1809) hörte die Münzberechtigung von felbft auf. Heutzutage exiftirt der Orden, deffen Gefammtbefitz ein unmittelbares Kronlehen geworden ift, nur in der öfterreichifchen Monarchie. Wir kommen nun zur fphragiftifchen Ausstellung. Sie befchränkte fich blofs auf Stempel und Abgüffe, Originalfiegel fanden fich nicht vor. Die vorhan denen Stempel reichten in wenigen Exemplaren bis ins XIII. Jahrhundert zurück, einige gehören dem XIV., die meiften hingegen dem XV. bis XVIII. Jahrhunderte an. Die Stempel find theils aus Silber angefertigt, theils wurde dazu Bronce ver wendet. Einige Stempel beftehen blofs aus einer mehr oder minder dicken Platte, etliche find auf der Rückfeite mit einem theils feften, theils beweglichen, mitunter verzierten Bügel als Handhabe verfehen. Die jüngeren Stempel find bereits auf eiferne Stöcke gelöthet oder an hölzernen Griffen befeftigt. Wir fanden unter den Städte und Gemeindefiegeln bedeutende Schnitte an jenen von Braunau, Enns, Grein, Wien, Leipnik, Iglau, Hradifch und Znaim; von den kirchlichen Siegeln nennen wir das des Klofters Zeio bei Varaljia( 1291), des Dominikanerklofters in Steyr( 1629), des Klofters Chotifchau( 1674); unter den Siegeln von Innungen, gewerblichen urd fonftigen Corporationen das der Weberinnung zu Timmelkam ( 1625), und der Frohnleichnams- Bruderfchaft in Klagenfurt( 1633); als Familien. chen man echt fehl 95 lich rten das erin fich und tzer ren. ens des male Cre im and ch ber var ine en 72 at, lie eit 24 Die er Her ms en en ns Te en ch k te r- 1 Objecte der Kunft und Gewerbe früherer Zeiten. 47 und Perfonalfiegel find hervorzuheben das des Sibotto von Lonsdorf( 1230), des Hermann von Kranichfeld( 1240), des Sebaftian Oed von Götzendorf( 1587), des Alexander Schwendi( 1625), des Joachin Enzmüller, Grafen von Windhag( 1669). An diefer Siegelausftellung betheiligten fich aufser den betreffenden Gemeinden die Herren von Hartmann- Franzenshuld, v. Weitenhiller, Eduard v. Planck, Jofef Schwertner, die Mufeen zu Linz, Brünn, die Stadt Wien u. f. w. Gleichfam als Anhang wurde der öfterreichifchen Amateurausftellung noch eine Collection koftbarer, alter Gefäfse und Elfenbein- Schnitzereien, Emails- und Lackarbeiten aus China und Japan beigegeben. Ein Theil diefer Gegenstände gehört dem Altgrafen Franz zu Salm- Reifferfcheid. Es find diefs zumeift vorzügliche Gefäfse altchinefifcher Emailcloifonée der verfchiedenen Epochen. Den Grundftock diefer Sammlung bildet die ehemalige Collection Addington, in der nach dem chinefifchen Kriege alle Gegenftände mit befonders feltenem Emailfchmuck, welche von Europäern zuerft nach Europa gebracht wurden, vereinigt waren. Wir heben von diefen Gegenftänden als befonders koftbar hervor: ein Räuchergefäfs, gebildet aus drei mit dem Rücken gegeneinander geftellten Kranichen, eine Vafe in Form einer Melone mit gelbem Grund, ein goldgrundiges Rauchgefäfs mit Email in Edelſtein- Manier eingelegt, von fehr fchwungvoller Form, eine grofse fechseckige Vafe mit weifsen Medaillons, ein Räuchergefäfs mit dem befonders feltenen fchwarzen Emailgrunde, zwei koloffale Blumenvafen mit Emails, ferner die 54 Zoll hohe Satzumavafe, die gröfste in Europa von diefer feltenen Gattung, endlich eine weifse, theilweife vergoldete, altchinefifche Porcellanvafe mit Blumenornamenten. Den anderen Theil derartiger Gegenftände lieferte H. Carl Trau. Wir fahen dafelbft einige bemerkenswerthe, kleine, altchine fifche EmailcloifonéeGegenftände, insbefondere eine Landfchaft mit Rofen und Myrthen. Sehr intereffant war eine aus beiläufig fünfundzwanzig diverfen altchinefifchen Porcellanväschen beftehende Collection, welche Craqueléarten in mannigfaltigen Farben repräfentirte; nicht minder beachtenswerth fchien uns eine namhafte Suite kleiner, altjapanefifcher, zum Theile bemalter Elfenbein- Figürchen, worunter manche von fehr zarter Behandlung und von lieblichem Ausdruck. Endlich fanden fich dafelbft ein Becher aus Rhinoceroshorn( Eigenthum des B. Widter), eine hübfche Auswahl von feinen, altjapanefifchen Goldlack- Gegenständen, werthvolle Gefäfse von Achat, Jade, Amethift u. f. w.; fie vervollſtändigten das Enſemble der Ausftellung, das dem Befchauer einen ziemlichen Einblick in die gefammte ältere und neuere Kunstinduftrie der beiden Länder China und Japan gewährte. Ungarn. Die XXIV Ausftellungsgruppe war in der ungarifchen Abtheilung durch die Menge, wie auch durch den antiquarifchen Werth der ausgeftellten Gegenftände vorzüglich vertreten. Es fand fich eine fo bedeutende Anzahl von Objecten in dem einen, dafür eingeräumten Saale des füdlichen Amateurs pavillons vereinigt und dafelbft in vielerlei Käften und Schränken theils freiftehend, theils an den Wänden untergebracht, dafs dadurch nicht allein die allgemeine Ueberficht etwas erfchwert, fondern fogar auch die Bewegung dem Befchauer beengt, und in Folge deffen das ruhige Befichtigen und Geniefsen der einzelnen Gegenftände einigermafsen befchwerlich wurde. Man kann, ohne gegen die Amateursexpofition der übrigen Staaten ungerecht zu fein, behaupten, dafs diefe Expofition nach jener Cisleithaniens den nächften Rang einnahm, ja felbft fie in manchen Partien übertraf. Die dafelbft vereinigten Gegenstände lieferten in ihrer Gefammtheit ein Bild der künftlerifchen Vergangenheit des Landes, insbefondere des engeren Ungara, und den Beweis, dafs Sammelluft und Verſtändnifs für die antiquarifchen 4 48 Dr. Carl Lind. Denkmale in neuerer Zeit auch jenfeits der Leitha mächtige Wurzeln gefchlagen haben. Wenngleich bei der Ausftellung diefer Gegenftände das Princip der chronologifchen Folge gänzlich unbeachtet geblieben ift, und vor Allem das einer Amateursausftellung der allein leitende Gedanke war, was zur Folge hatte, dafs die verfchiedenen Sammlungen oder doch ihre Repräfentanten ungetrennt auf geftellt wurden, fo mufs man doch zugeftehen, dafs diefe Abtheilung mit befonderer Liebe und Sorgfalt geordnet wurde, und dem unermüdlichen Ordner Dr. Henczelmann, aus deffen Feder auch der das ungarifche Ausstellungsmaterial weitläufig behandelnde Katalog ftammt, die verdiente Anerkennung nicht verfagt werden kann. Was aber die Anordnung der Gegenftände nach den Sammlungen betrifft, fo hat gerade diefe Ausftellung bewiefen, dafs ein folches leitendes Princip nicht anempfohlen werden darf. Wir wollen bei Mufterung diefer Sammlung uns ebenfalls an die chronologifche Folge halten. Sehen wir daher zuerft nach den Gegenftänden der prähiftorifchen Zeit. Wir fanden da unter Anderem ein eigenthümliches Schmuckstück aus der übrigens nur durch wenige Nummern vertretenen Steinzeit, eine foffile Schnecke, aufsen mit kleinen Flufskiefeln befetzt. Ferner ift zu erwähnen die kleine Lehocz ky'fche Sammlung von intereffanten Fundftücken aus dem Beregher Comitate, ent haltend Ahlen, Nadeln, Pfeifenfpitzen etc. aus Obfidian, einem Stein, der am Tokayer Berge gefunden wird. Die Broncezeit ift vor Allem durch die Georg v. Rath'fche Sammlung, und zwar in ausgezeichnetfter Weife vertreten. Nicht leicht dürfte fich eine Privatfammlung finden, die fo viele Denkmale aus diefer von uns durch Taufende von Jahren entfernten Zeit aufzuweifen vermag. Es ift diefs eine Amateurfammlung im vollen Sinne des Wortes. Um den Eindruck diefer eminenten Collection nicht abzufchwächen, wurden die ihr einverleibten antiken, altchriftlichen, bizantinifchen und mittelalterlichen Gegenftände nicht ausgefchieden, fondern vereint im felben Kaften ausgeftellt. Von den mehr als 1000 prähiftorifchen Broncegegenständen, fämmtlich in Ungarn gefunden, nennen wir Bronceklumpen und mehrere unfertige Werk zeuge, ein Zeichen, dafs die Broncegegenftände nicht nur eingeführt wurden, fondern dafs man auch im Lande felbft das Bronce zu erzeugen wufste; ferner 27 Palftabe, 37 Kelte, viele Meifsel, 30 vollkommene Spiralen, deren Zweck die Wiffenfchaft bis heute noch nicht mit Sicherheit feftgeftellt hat; wo man fie in Gräbern um die Hand- oder Fufsknochen gewunden fand, ftellen fie unzweifelhaft Schmuck vor; übrigens befteht die Meinung, dafs fie als eine Art Geld dienten, indem man Stücke abhieb, und den Verkäufern als Bezahlung übergab; ferner 89 Fiebeln der verfchiedenften Formen, mehrere grofse Schwerter, zahlreiche Hacken, Hämmer, Ringe, Nadeln, Sicheln u. f. w. Insbefondere mufs hervor gehoben werden, ein broncener Halsberg, von welcher Art( wahrfcheinlich einem Rüftftücke) man überhaupt nur drei Exemplare kennt, die alle in Ungarn gefunden wurden. Von unbekannter Verwendung find maffive Ringe, welche meiftens fechs ftarke Köpfe an ihrer ganz gefchloffenen Peripherie haben. Etliche Gegenstände aus der Broncezeit hatten auch die Mufeen zu Erlau und Klaufenburg ausgeftellt. An egyptifchen Denkmälern ift Ungarn zwar nicht reich, doch fanden fich darunter einige Gegenftände von ganz exquifiter Natur; es find diefs eine Schüffel und ein Weinkrug, von folcher Vollendung, dafs man fie als einzig in ihrer Art betrachten kann; beide wurden in den zwanziger Jahren in Enyed, Oedenburger Comitat, gefunden, und find jetzt Eigenthum des ungarifchen Nationalmufeums. Der Krug von ziemlich bauchiger Form zeigt auf den Flächen feines Körpers den Aufzug egyptifcher Gottheiten, in eingelegten Gold- und Silberftreifen ausgeführt. Oben und unten Mäander- und Lorbeerblatt- Verzierungen und zunächft des Halfes eine Reihe egyptifcher Symbole. Die mit einem Stiele verfehene Flachschüffel ift ähn lich behandelt, doch minder gut erhalten; als Darftellung des vertieften Mittel gen romer afs Luf onher ial gt en cip 0- en er e₁ 2- 1 m d t. n m 1- d t Objecte der Kunft und Gewerbe früherer Zeiten. 49 feldes fehen wir den Kampf eines Nilpferdes mit einem Krokodil, rings herum Vögel und Laubverzierung. Beide Gegenftände, von denen jedoch der letztere weniger egyptifchen Charakter an fich trägt, werden von Sachverständigen in die Zeit der Ptolemäer gefetzt. Franz v. Pulsky ftellte drei Broncen( zwei Katzen mit eingelegten Augen, und eine fitzende Gottheit), H. v. Mailath einen grofsen Scarabæus aus. Affirifche Denkmäler hatte die ungarifche Abtheilung nicht aufzuweifen. Weit zahlreicher waren die Broncen der claffifchen Zeit. Vornehmlich enthielt die Franz v. Pulsky'fche Sammlung grofse Koftbarkeiten. Von griechifchen Broncen nennen wir die Statuette einer Priefterin und eines Gaucklers, ferner eine Vafe von eleganter Form, die einft von Admiral Grimani aus Griechenland nach Venedig gebracht worden fein foll; einen Lanzenfchwinger, und eine filberne Marsftatuette von höchfter Vollendung, einen laufenden Knaben in malerifcher Bewegung, eine Minerva, einen Apollo, und endlich eine Bachantinbüfte. An einer Dioscuren- Statuette zeigten fich in den Gewandfalten fchwache Spuren von Email. Unter den römifchen Broncen verdienen Erwähnung, die Büfte des Kaifers Lucius Verus, eine Kybeleftatuette aus der beften römifchen Zeit, eine Fortuna und ein Morpheusfigürchen. Aus der Rath'fchen Sammlung eine Pallasftatuette, ein Mercur, ein grofser Broncekrug, deffen Körper von einem Mädchenkopfe gebildet wird, eine Lampe in Form eines zu Pferde fitzenden Imperators, ein kleines Modell eines römifchen Rennwagens, und ein Gefäfs in Form eines Kriegsfchiffes mit Katapulte und beweglichem Anker, ein überaus belehrender und intereffanter Gegenftand. Eine eigenthümlich geformte, ziemlich flach gerundete Vafe mit langem Halfe ftellte Alexander Pofonyi aus. Das Klaufenburger Muſeum brachte zwei Wachstafeln mit römifcher Curfivfchrift aus den Jahren 162 und 164, in welchen verfchiedene Rechtsgefchäfte notirt find; gefunden wurden derlei Tafeln, und zwar in einigen Exemplaren, in den fchon von den Römern betriebenen Gold- Bergwerken Siebenbürgens; ferner ein getriebenes und fchön gearbeitetes, aber leider fehr fchadhaftes Bronceblech mit der Darftellung römifcher Bewaffneter zu Fufs und zu Pferde, gefunden zu Szamos Ujvar. Die Erklärung des Zweckes und der Bedeutung diefes Stückes konnte bisher nicht gelingen, obfchon die Kunde von diefem Fundftücke, das in das II. oder III. Jahrhundert unferer Zeitrechnung gehören dürfte, weit verbreitet ift. Ferner eine gegoffene filberne, zum Theil vergoldete Schale, ringsherum mit Fifchen, Waffervögeln und Fifcherei- Geräthen in Relief gefchmückt, ein Gefäfs, das an Zierlichkeit und Schönheit den Gefäfsen des Hildesheimer- Fundes nicht nachfteht; einige Mithrasreliefs und kleine Bronceftatuetten. Das Pefter Mufeum lieferte von Gegenftänden diefer Epoche nur einige Repräsentanten feiner Sammlung, darunter zwei Seiten einer der römifchen Spätzeit entftammenden, urfprünglich aus drei Bronceplatten gebildeten Pyramide mit getriebenen panteiftifchen Darftellungen. Intereffant find auch die demfelben Muſeum gehörigen Fundgegenftände, darunter einige mit Gold eingelegte filberne Schnallen, die man im Jahre 1864 aus einem Grabe in Altofen ans Tageslicht brachte. Wir nehmen auch hier Anlafs, der von Franz v. Pulsky ausgeftellten prachtvollen, gefchnittenen Steine( Cameen und Intaglios) Erwähnung zu thun. Faft alle Stücke davon find koftbar, einige von hervorragendem Kunſtwerthe; eines oder das andere davon hervorheben, würde fich gegenüber den übrigen nicht rechtfertigen laffen. Auch Herr Alexander Pofonyi ftellte einige werthvolle, gefchnittene Steine aus, defsgleichen fanden fich unter den Ringen des Grafen Emanuel Andráffy mehrere mit beachtenswerthen Intaglios. Wir kommen nun zu den Ausstellungsobjecten, die in der Zeit des Verfalles byzantinifcher Kunft von Kaifer Conftantin an bis gegen das Ende der deutfchen Ottonen entstanden find, oder in den Stürmen der Völkerwanderung ihre Geburt feierten. Es war diefs eine Zeit, in der fich die Kunft an den kümmerlichen Tra4 50 Dr. Carl Lind. ditionen der Antike noch nährte, doch dabei die einzelnen Völker auch eine gewiffe Charakteriſtik mit ihren unter diefem Einfluffe entftandenen Kunftwerken ver banden. Als bedeutendfte Vertreter der byzantinifchen Kunft erfcheinen uns jene fieben vom Pefter Mufeum zur Ausftellung gefandten Rundbogen- Schildchen fammt zwei kleinen Medaillons aus Goldblech, die in den Jahren 1860 und 1861 im Neutraer Comitate beim Pflügen eines Feldes gefunden wurden. Diefelben find mit farbenprächtigem Zellenfchmelz ftellenweife überzogen, und zeigen figurale Darftellungen, darunter fich die Figuren des oftrömifchen Kaifers Conftantin Monomachos und feiner beiden Frauen finden. Die Figuren find ähnlich jenen der Stefanskrone behandelt, und durch Infchriften erklärt. Die Wiffenfchaft bezeichnet diefe Bruchftücke als Beftandtheile jener Krone, die diefer Kaifer zwifchen 1042 und 1050 dem ungarifchen Könige Andreas zum Gefchenke machte. Mit diefen Kronfragmenten wurde auch ein Ring mit der in Zellenfchmelz aus geführten Darftellung eines Gekrönten gefunden. Ferner ein etwa zur Aufbewahrung von Reliquien beftimmtes Goldfchächtelchen, das mit einem Kryftallverfchlufse verfehen ift. Die von uns in dem Früheren gezogenen Zeitgrenze überfchreitend, wollen wir gleich hier eines anderen byzantinifchen Kunftwerkes Erwähnung thun. Es ift diefs jene koftbare Tafel aus dem Graner Domfchatze, die zur Aufbewahrung einer Kreuzpartikel beſtimmt, in der zweiten Hälfte des XII. Jahrhundertes angefertigt worden fein dürfte; die ein wenig tiefer liegende Mittelplatte diefes herrlichen Werkes enthält in einem doppelkreuzför migen Ausfchnitte einen Kreuzesfplitter; der übrige Theil der Goldblech- Tafel ift ftellenweife mit Zellenfchmelz überzogen, und zeigt mehrere Figurengruppen in der der griechifchen Kunft eigenen charakteriftifchen Zeichnung. Am Rahmen windet fich ein getriebenes Bandornament in den abfonderlichften Verfchlingungen, und ftellenweife von filbernen Relieffiguren mit Zellenfchmelz unterbrochen. Auch die Rath'fche Sammlung führte einige kleine Stücke der byzantinifchen Kunft vor, auf denen fich das Kreuzzeichen, ja auch ein conftantinifches Monogramm als Verzierung findet. Aus der Zeit der Völkerwanderung ftammen die unzweifelhaft von den Gothen herrührenden Gegenstände der zu Sct. Andrae, Bakod und Ozora gemachten Funde, davonjedoch nur Etliches ausgeftellt war. Wir fahen darunter Ohrgehänge, Gewand fchliefsen, Ringe, Armbänder, Knöpfe, Ketten, meiftens nur aus dünnen Blättchen beftehend und an antike Mufter erinnernd. Ferner kleine Goldfcheiben mit drei Buckeln in der Mitte, ein Armband mit Drachenköpfen, eine grofse armbruft förmige Fibel, ein Halsband von gewundenem Golddraht, und goldene Ohrgehänge in Form von geftürzten Pyramiden. Manche diefer Gegenftände find mit rothem Glasflufs gefchmückt, der fehr häufig nach Art des byzantinifchen Zellerfchmelzes in Metall gefafst, den Edelſteinbefatz erfetzen foll. Die Zeit des roman ifchen Stiles repräfentirten mehrere bedeutende Gegenftände, als: ein niederer broncener Standleuchter aus dem XIII. Jahrhunderte, defien Fufs aus drei Drachen mit Reitern gebildet, und deffen Schaft mit einer grofsen Kryftallkugel als Nodus geziert ift. Diefer Leuchter mufs zu den fchönften feiner Art gezählt werden, die fich bis auf unfere Tage erhalten haben.( v. Kavàfs). Aufserdem erwähnen wir noch eine aus dem XIII. Jahrhundert ftammende Platte mit vorzüglichem Email champlevé überzogen, wahrfcheinlich ein Fragment eines Reliquienfchreines mit theilweife plaftifchen Figuren, vorftellend den triumphirenden Chriftus auf dem Regenbogen, um ihn herum die Evangeliſtenzeichen, endlich zwei Elfenbein Täfelchen, das eine einen Löwen vorftellend, der einen Efel zerreifst, der Rath'fchen Sammlung angehörig, das andere, vorftellend Daniel in der Löwengrube, etwas jüngeren Alters, aber durch die Auffaffung des Bildes ikonographifch intereffant. Die meiften aus der Zeit der Gothik ftammenden Kunftwerke, welche diefe Ausstellung uns vorwies, haben kirchliche Beftimmung, dahin gehören drei Te er. me ant m d e n t Objecte der Kunft und Gewerbe früherer Zeiten. 51 prachtvolle filberne, vergoldete Mefskelche, der eine mit Email- und Filigranfchmuck, ein zweiter mit reichem Filigranbefetz von feinfter Arbeit, wahrfcheinlich aus dem Beginne des XVI. Jahrhundertes und der dritte, koftbarfte aus der Mitte des XV. Jahrhundertes mit Emails und reichem figuralem Schmucke, an dem zu einer grofsen Kapelle entwickeltem Nodus, ferner zwei Büffelhörner, davon eines befonders grofs, beide als Oelgefäfse verwendet, in vergoldetem Silber auf die zierlichfte Weife gefafst und in den letzten Jahren des XV. Jahrhundertes angefertigt; drei medaillonförmige Reliquienbehälter, das Mittelftück des einen ein Perlmutter- Relief, des anderen eine Kryftallplatte, und des dritten und kleinften die in Gold getriebene und ausgefchnittene Darftellung der Verkündigung auf blauem, durchfchimmerdem Emailgrunde. Zu den zierlichften Gefäfsen gehört ein kleiner Chryfambehälter aus Bergkryftall in Form einer aus zwei Hälften beftehenden facettirten Kugel, getragen von mit Emailtranslucide über zogenen Figürchen, vorftellend den verlornen Sohn. Diefes in Form und Ausftattung ganz reizende Gefäfs, das urfprünglich kaum diefe Beftimmung gehabt haben mochte, mag ein kunftfertiger Goldfchmied zu Anfang des XVI. Jahrhunderts angefertigt haben. Alle diefe Koftbarkeiten gehören dem Schatze der ungarifchen Primatialkirche. Durch Gröfse und Gewicht hervorragend, verdient die hübfch componirte Monftranze der Prefsburger Capitelkirche einige Beachtung, wie auch ein grofses Proceffionskreuz mit in Silber gefafsten kryftallenen Balken. Ausserdem fahen wir noch zwei koftbare Kelche aus dem Prefsburger Dome, und einen des ungarifchen Nationalmufeums, ausgezeichnet durch Email und Filigranfchmuck, ferner ein fchlankes, der Leprofen- Kapelle zu Leutfchau gehöriges, thurmförmiges Ciborium aus dem XV. Jahrhunderte. Der Krumftab aus dem Graner Schatze und die grofse filberne Monftranze von Jahrendorf ftehen bereits an der Grenze der Gothik. Letztere behauptet zwar noch im Aufbaue die Tradition der Gothik, im Ornament hingegen wird diefer Stil faft gänzlich verleugnet. Dasfelbe gilt von einem ausgeftellten, leider nicht mehr vollſtändig erhaltenen Vortragekreuze mit prachtvollen Emailtranslucide- Schmuck, einer ausgezeichneten Arbeit des beginnenden XVI. Jahrhunderts; florentinifchen Urfprunges Hier fei auch auf das fchöne, mit reichem Filigranfchmucke und Steinbefatz ausgeftattete Armband, einen breiten Reif aus Gold hingewiefen, das nun im Befitze des Muſeums zu Peft, in Grofswardein gefunden, der Königin Maria I. als Eigenthum zugefchrieben wird( Anfang des XIV. Jahrhundertes). Kirchliche Eifenarbeiten diefes Stiles repräfentirten ein zwölfarmiger Standleuchter, ferner zwei Armleuchter, die die Beftimmung hatten, zu Seiten des Altars angebracht zu werden, und ein einfacher fchmiedeiferner Lufter, fehr gefchmackvolle Arbeiten des XVI. Jahrhundertes, der Bartfelder Kirche gehörig. Von Holzfchnitzereien, die kirchliche Beftimmung hatten, nennen wir einen theilweife bunt bemalten, theilweife vergoldeten Ofterkerzen- Ständer aus dem XV. Jahrhunderte, eine Holzftatuette des Erzengels Gabriel, eigenthümlicherweife unbeflügelt dargestellt, und den grofsen auf Rädern ftehenden Schrein aus dem XVI. Jahrhunderte, den der Katalog als das Grab des heiligen Benedict bezeichnet. Seine Beftimmung war, entweder die Gebeine oder wenigftens Reliquien diefer Heiligen zu verwahren, oder was im Hinblicke auf die ähnlichen Schreine zu Salzburg und Möchling wahrfcheinlicher ift, in der Ofterzeit als heiliges Grab verwendet zu werden. Die grofsköpfigen Geftalten am Fuſse des Schreines, die übrigens ebenfo wenig künftlerifchen Werth haben, als die Figuren am Aufbaue, und höchft fchlichte Gefellenarbeit find, deuten unzweifelhaft auf deutfchen Urfprung diefes Schreines. Diefer ursprünglich gut componirte Holzbau wurde in neuefter Zeit, wahrfcheinlich zu Ehren der Ausstellung mit freigiebiger Verwendung von Gold und Farben etwas zu durchgreifend reftaurirt, was einigermassen zu bedauern ift( Domkirche zu Gran). Von den aus der Zeit der Gothik ftammenden Elfenbein- Arbeiten nennen wir ein Dyptichon aus dem XIV. Jahrhunderte mit Darftellungen aus dem Leben 52 Dr. Carl Lind. Chrifti, ein Spiegelgehäufe, ähnlich dem aus dem Stifte Rein in Steiermark, mit der Darftellung der Erftürmung einer Liebesburg, eine fehr gelungene Arbeit; das Fragment eines Schmuckäftchens mit Darſtellungen nach einem mittelalterlichen Romane und einen mit prachtvollem Elfenbein- Schnitzwerk befetzten Sattel. Die Seltenheit folcher Sättel haben wir bereits gelegentlich der Befprechung der öfterreichifchen Abtheilung hervorgehoben. Das ungarifche Nationalmufeum, das diefen Sattel ausftellte, befitzt drei folcher, im XV. Jahrhunderte angefertigten Sättel, die jedoch kaum je ihrer Beftimmung gemäfs verwendet wurden. Die ganze Fläche des Sitzes ift mit Figuren und Infchriften bedeckt. Die Darftellungen dürften fich auf damals verbreitete Dichtungen beziehen, daher deren Erklärung heutzutage ganz befonders fchwierig wird. An diefer Stelle ift auch der Ausftellungsgegenstände textiler Kunft zu gedenken, als da find die vielen aus den Sacrifteien von Gran, Neufohl und Bartfeld eingefendeten Mefsgewänder, die zwar bereits alle den noch üblichen. nichts weniger als hübfchen Zufchnitt haben, aber doch in einigen Exemplaren bis ins XV. Jahrhundert zurückreichen. Sie zeichnen fich durch die dazu ver wendeten koftbaren Stoffe, faft ausfchliefslich Goldbrocat oder Sammt mit den herrlichften, eingearbeiteten Deffins und durch die darauf angebrachten Sticke reien aus. Es find diefs entweder breite Mittelftreifen oder auf dem Rücktheil auf. gelegte Kreuze, theils mit Gold- und Silberfäden, theils mit farbiger Seide geftickt und mit Perlen befetzt. Die in Stickerei ausgeführten Darftellungen veranschaulichen meiftens Scenen aus dem Leben Jefu, den Kreuzestod oder Apoftelgeftalten. Von anderen Stickereien verdienen hervorgehoben zu werden: eine mit Gold- und Silberfäden vortrefflich ausgeführte Hochftickerei, die Paffions- Werkzeuge vorftellend, und ein Hochrelief- Diphtychon, vorftellend die Schmerzensantlitze Chrifti und Mariens, endlich ein kleiner fehr fchöner Gobellin mit der Jahreszahl 1580, vorftellend die Magier das Chriftkind anbetend. Auch die zum Graner Domfchatze gehörige Mitra fei hier erwähnt; obwohl ftark erneuert, hat fich an ihr noch die ältere, niedrigere Form erhalten, fie ift ganz mit Perlen beftickt und mit Edelſteinen befetzt, fteht aber auch an Zierlichkeit und Pracht der gleichzeitigen Mitra des St. Peter- Stiftes in Salzburg nach. Den mit dem Eintreten der Renaiffance fich Bahn brechenden gewaltigen Umfchwung der Kunft fehen wir in der ungarifchen Ausftellung durch eine dem früheften Beginn derfelben angehörige, fchön geformte Terracotta- Gruppe aus drei Figuren beftehend( Chriftus und zwei Engel) repräfentirt, welche gegen Eintritt des XV. Jahrhundertes angefertigt wurde und wahrfcheinlich italienifchen Urfprunges ift. Eine andere als Relief behandelte Gruppe aus gebrannter Erde, ebenfalls italienifche Arbeit, ftellt eine Grablegung in ziemlich realiſtiſcher Ausführung dar; beide Gegenftände find Eigenthum des Franz v. Pulfky. Ferner fahen wir ein Stück einer rothmarmornen Platte mit einem Wappen darauf von der Bacs'fer Burg herrührend; einen kleinen Hausaltar, beftehend aus einem Oelgemälde nach Michael Angelo Buonarotti in reicher, gefchmackvoller Umrahmung mit Steinbefatz. Hieher zählt auch ein vortrefflich gearbeiteter Dolch fammt Scheide mit fchwunghaften Laubverzierungen in Gold und Silber( Graf Andraffy), und ein zweiter Dolch( Graf Waldftein), deffen Griff aus Achat, das Querſtück aus Jaspis, endlich ein herrlich in Onyx gefchnittener Medufenkopf auf einer Gewandfchliefse. Beachtenswerth ift der Einband eines im Jahre 1492 gedruckten und dem Grafen H. Keglevich gehörigen Buches, enthaltend Petrarca's Triumphe und Sonetten. Wir finden nämlich auf dem Buchdeckel innerhalb eines reichen, in Elfenbein ausgeführten Renaiffance- Rahmens je eine in Bein gefchnittene Darftel lung, entnommen jenem Cyclus, der auf den prächtigen, im Grazer Dom aufgeftellten Schreinen, ausgeführt ift. Die eine Darftellung zeigt den Triumph der Liebe, die andere den des Todes. Obgleich mit den bezüglichen Bildern diefer Schreine Lit as n де S 11 n g 1 n . Objecte der Kunft und Gewerbe früherer Zeiten. 53 in der Zeichnung gleich, ftehen die Schnitte jenen in der Ausführung doch bedeutend nach. Producte der franzöfifchen Renaiffance find: zwei getriebene und cifelirte Silberfiguren, Braut und Bräutigam( XVI. Jahrhundert) Eigenthum des Franz v. Pulfky, und eine Kryftallcaffette mit vergoldeten, niellirten Silberbändern montirt( Graner Domfchatz). Werke der deutfchen Renaiffance fanden fich in reichlicher Menge, wir nennen davon einen Humpen von vergoldetem Silber mit vielen Darftellungen und Infchriften, ferner einen theilweife vergoldeten Silberbecher, welcher auf feiner Aufsenfläche vortreffliche Gravuren im Geifte Schongauer's und Durer's zeigt und mit der Jahreszahl 1512 verfehen ift.( Nationalmuseum). Aus der barokken Zeit enthielt diefe Ausftellung mehrere Gegenftände; vor Allem feien erwähnt: zwei Broncevafen von bedeutenden Dimenfionen, mit reichen für ihre Zeit charakteriftifchen Reliefs auf ihrer Ausbauchung. Bis vor einigen Jahren ftanden diefelben, nur von wenig Kunftfreunden gekannt, unbeachtet auf der Stiege eines Privathaufes in Wien; ferner Leuchter mit gewundenem Stiel, und fechseckige Teller( Graf Andraffy), vergoldete Silberfchüffeln Schatullen, Kelche, Mefskännchen fammt Taffe, Bifchofsringe, Pectoralkreuze, u. f. w., letztere durch das herrliche Email einer ganz befonderen Beachtung würdig. Schliefslich find noch die in diefe Zeit fallenden Elfenbein- Arbeiten, meiftens die Cylinder für Humpen bildend und reich mit Silber montirt, zu erwähnen, dann ein ungefafstes Schnitzwerk, vorftellend einen Zug von Meeresgöttern, von ganz befonderer Schönheit( Henczelmann). Da Wollten wir all' die Koftbarkeiten anführen, die diefe Abtheilung befonders aus neuerer Zeit enthielt, wir würden kein Ende unferes Berichtes finden. fahen wir ungarifche Nationalkleider und Trachtenftücke verfchiedener in Ungarn lebender Völkerfchaften fammt den dazu gehörigen, mitunter fehr koftbaren Schmuckfachen, wie: Mantelfchliefsen, Kleiderfpangen, Armbändern, Gürteln, Knöpfen, Forgos und Diademen, dann alte Spitzen, Fächer, Dofen, Uhren, Befteck, Wiener, Meifsner und franzöfifches Porcellan, chinefifche und japanefifche Gefäfse mit Emailfchmuck, darunter eine vortreffliche Zellenfchmelz- Schüffel mit Henkeln, an denen Elftern niften, altperfifche Käftchen mit ElfenbeinSchnitzwerk, eine grofse Suite von den verfchiedenft geformten Thonkrügen bis in die prae- hiftorifchen Zeiten zurückreichend und auch die neueſte Zeit berührend. Auch zahlreiche Waffen waren ausgeftellt, theils wurden fie in den verfchiedenften Käften untergebracht, theils an den Wänden und zwar in Gruppen vertheilt. Viele Stücke gehören an und für fich zu Seltenheiten, Vieles wird durch Material und Ausftattung koftbar. Wir fahen türkifche und tfcherkeffifche Säbel, Dolche, Meffer, ungarifche Säbel, darunter einer, der dem Rakoczy zugefchrieben wird, Panzerftecher und fpanifche Degen, Streitkolben, eiferne Fokos, Buzigany, filberne Hellebarden, Gewehre und Piftolen mit Rad- und Steinfchlöffern, einige deren Schäfte mit Elfenbein, Perlmutter, Korallen und gefchnittenem Eiſen herr lich verziert find, einen Revolver- Karabiner zu acht Schüffen aus dem XVII. Jahrhundert, Pferde- Riemzeuge, Sättel, Schabracken, etliche Helme, darunter ein fchön geätzter Burgunder Helm aus dem beginnenden XVI. Jahrhunderte, eine Eifenrüftung und zwei japanifche Kriegsrüftungen. Von miniirten Handfchriften erwähnen wir ein Pfalterium XIII. Jahrhundert, ein Pontificale aus dem XV. Jahrhundert( Primatial Bibliothek), ein Rituale und Antiphonale aus derfelben Zeit, fehr fchön gebunden, dem Prefsburger Capitel gehörig, eine Handfefte der Stadt Wien vom Jahre 1444, zwei Bücher aus der Corvinifchen Bibliothek, Gefchenk des Sultan an Seine Majeftät den Kaifer und des letzteren an das ungarifche Nationalmuſeum, und das Antiphonal von Raab mit dem intereffanten Einbande, der bezüglich des Alters der dazu verwendeten Befchläge von einigen Fachmännnern angezweifelt wird 54 Dr. Carl Lind. endlich ein Officium mit zehn miniirten Pergamentblättern( Grau in Grau mit Gold und Silber), ein befonders fchönes Werk der italienifchen Renaiffance. Für Sphragiftiker und Heraldiker ftellte Ungarn einen kleinen Schatz aus. Da fanden fich Urkunden auf Pergamentblättern mit anhängenden Wachsfiegeln oft von koloffalen Dimenfionen, Typare, mitunter von Silber, auch eines von Stein, auf zwei Seiten gravirt, von König Geifa II.( 1141 bis 1161) herftammend; Bela III. führte das Kreuzwappen ohne Dreiberg und Krone, fein Sohn Andreas II. nahm die acht Balken auf. Zuweilen kommen unter demfelben König auf den Silberbalken einherfchreitende Löwen in unbeftimmter Anzahl vor; nachdem der Löwe das urfprüngliche Wappen des Arpad'fchen Haufes ift, fcheinen die Balken wahrfcheinlich durch Bela III. Gemahlin aus Frankreich gebracht worden zu fein, worauf die Löwen ganz und gar aus dem Wappen und aus den Münzen verfchwan den. Wir fahen ferner Goldbullen Bela IV.( 1235 bis 1270) und Carl IV. des deutfchen Kaifers und Königs von Böhmen aus dem Haufe Luxenburg, ein Silbertipar der philofophifchen Facultät in Wien aus dem XIV. Jahrhundert, ein Statut des Georgs- Ritterordens mit anhängendem intereffantem Siegel von 1436, Wappenbriefe des Königs Sigismund aus den Jahren 1431 und 1437 mit in Farben ausgeführten Wappen für Josza Farkafics und Michael Paroh. Noch erübrigt über die Münz- und Medaillen Sammlungen zu berichten, die theils complet, theils in Hauptrepräfentanten zur Ausftellung gebracht wurden. Da war vor Allem die lehrreiche Sammlung von Denaren und Goldmünzen mit den Arpaden beginnend und bis ins XVI. Jahrhundert reichend. Erft mit Bela III. nimmt das Münzenftempel- Schneiden einen künftlerifchen Charakter an. Diefe Sammlung follte auch eine Ueberficht geben über die Form, den Gehalt und die fonftigen Eigenthümlichkeiten der ungarifchen Münzen während der verfchiedenen Epochen. Beginnend mit Stephan den Heiligen um das Jahr 1000 zeigte fich bereits hundert Jahre fpäter die erfte Wandlung des Münzwefens. Anfänglich lagen die ungarifchen Münzen hinfichtlich ihres Aeufsern im Argen. Goldmünzen erfchienen zuerft mit König Carl Robert( 1308 bis 1342), der die florentinifche Präge zum Mufter nahm, thalerartige Münzen erft mit Mathias Corvinus( 1458 bis 1490), dem berühmten, fchlimmen Zeitgen offen Kaifer Friedrich IV. Diefer Sammlung und fie gewiffermafsen ergänzend fchlofs fich jene des Klaufenburger Muſeums an. Sie enthielt hauptfächlich Münzen nationaler Fürften vom XVI. Jahrhunderte an. Ungarifche Münzen und Medaillen in feltenen Exemplaren und von hohem Werthe, darunter viele Stücke von zehn bis dreifsig Ducaten im Werthe, enthielt die complet ausgeftellt gewefene Collection des Fürften Montenuovo. Es fanden fich darunter grofse Raritäten, ftern- und halbmondförmige Medaillen. Auch die Sammlung von Porträtsmünzen der Gebrüder Egger enthielt manch' Bedeutendes. Obwohl wir im Verlaufe unferes Berichtes fchon fo manche Perlen und Kleinodien diefer Abtheilung erwähnt haben, fo erübrigt doch noch über einen Schatz derfelben, über eine Koftbarkeit erften Ranges zu berichten. Es ift diefs eine ganz befondere Auswahl von Original- Handzeichnungen und Kupferftichen der ehemals fürftlich Efterhazy'fchen Sammlung, nunmehr ungarifchen National gallerie. Unter den erfteren fanden wir die bedeutungsvollen Namen A. Altdorfer, Hans Burkmayr, Albrecht Dürer, Auguft Hirfchvogl, Wohlgemuth, Rembrandt, Rubens, unter den Letzteren Marc Anton, Mantegna, Peregrini de Cefina vertreten. Auch die aus der Franz v. Pulsky' fche Sammlung ausgeftellten vielen Rembrandt's ftanden der eben erwähnten Sammlung nicht nach. Deutſchland. Für die antiquarische Ausftellung Deutfchlands war ebenfalls im füdlichen Pavillon des amateurs ein geräumiger Saal beftimmt worden. Es ist jedoch höchft bedauerlich, dafs man von einer Betheiligung Deutfchlands an diefer Partie der Weltausstellung nur Weniges berichten kann. Der geräumige Saal fah recht nüchtern mit us. hses d: II. en ler en in, anes er tut en15en, en. nit II. -fe lie en ch ch en he Dis es er en ig es nd er nd en fs en 1 t. ' s n ft er ־ Objecte der Kunft und Gewerbe früherer Zeiten. 55 aus. An Stelle der vielen Denkmale der vergangenen Jahrhunderte, die das daran überreiche Deutſchland hätte ausftellen können, machten fich Reproductionen aller Art, darunter die ganz anerkenswerthen Leiftungen des römifch- germanifchen Muſeums zu Mainz, des reichen bairifchen Nationalmufeums zu München, und des Gewerbemufeums zu Nürnberg, wie auch einige antiquarifche Publicationen breit, ohne die zahlreichen Schränke auch nur halbwegs füllen zu können. Doch ift damit Deutfchland kein Vorwurf zu machen, die Verzögerung, welche die Befchlufsfaffungen über die Amateurs Ausftellungen erlitt, entfchuldigt diefs vollkommen. Nur von vereinzelten Orten langten einzelne antiquarifche Gegenftände ein, die jedoch während der Ausftellungsdauer ein fehr kümmerliches Dafein frifteten und nicht einmal gewürdigt wurden, im Kataloge aufgeführt zu werden. Diefe wenigen Objecte waren: Eine circa vierzig Stück umfaffende Collection von mitunter fehr fchönen älteren Gläfern, Elfenbein- und Thonkrügen, Pocalen und Bechern, Toilettegegenständen, Handfpiegeln, Käftchen, Kämmen und Becken, Rofenkränzen fämmtlich aus Silber, meiftens den beiden letzten Jahrhunderten entftammend, und als Eigenthum des Grofsherzogs von Baden bezeichnet; ferner eine kaum fehr alte, ziemlich grofse Statuette fammt Poftament aus Silber, eine Kehlheimerplatte, darauf das fürftlich Fürftenberg'fche Wappen nebft einigen Ornamenten eingeätzt und theilweife bemalt, mit der Jahreszahl 1569, ferner Bruchftücke antiken Glafes, das die römifche Induftrie in fo vorzüglicher Weife erzeugte; ein grofses, mit reichen Schnitzereien, eine Hirfchjagd vorftellend, geziertes Elfenbein- Horn Königs Friedrich Auguft II. von Polen und aus dem Wagnermufeum in Würzburg ein fehr fchöner, grofser Wandteppich, vorftellend Chriftus am Kreuze, umgeben von Maria und Johannes; diefes textile Kunftwerk, ficher für kirchliche Zwecke beftimmt, dürfte in der Zeit des ablaufenden XV. Jahrhundertes angefertigt worden fein. Italien. Diefe Ausstellung, die wie die übrigen noch zu beiprechendeu antiquarifchen Ausftellungen im nördlichen Pavillon des amateurs untergebracht war, ftand nahezu auf dem Standpunkte der deutfchen. In jenem Saale, der mit dem herrlichen, fchon erwähnten Holzplafond gefchmückt war, ausgebreitet, trat uns zuerft vor Augen eine grofse Collection von Stein- Werkzeugen, darunter noch viele unpolirte, davon ein Theil im Vibrajathale gefunden wurde; doch weift diefe Collection faft nur kleine Gegenftände und keine Befondernheiten. Wie es fcheint, treibt Italien in neuerer Zeit das Studium der vorhiftorifchen Alterthümer mit gröfserer Aufmerkſamkeit. Wenn wir noch der in Bronce und Ebenholz ausgeführten Copie des capitolinifchen Thrones, daneben das Modell eines antiken, römifchen Haufes, einer antiken Doppelherme( Bacchus- Ariadne), alter Spitzen und geftickter Bettdecken, ferner eines Marmor- Basreliefs aus dem XV. Jahrhunderte, vorftellend Maria, umgeben von Engeln und Heiligen, zwölf fehr ſchöne Teller mit Limoges- Email, deren Vorftellung meiftens dem alten Teftamente entnommen ift, und endlich einer mit Gold cifelirten Flinte erwähnen, haben wir die Hauptgegenftände diefer Gruppe erfchöpft. Bezüglich des altitalienifchen Kaftens kann uns die Verficherung des Kataloges über deffen Alter im Hinblick auf uns bekannte, in Mailand ausgeführte Compofitionen folcher Käften aus Fragmenten vieler anderer, nichts weniger als überzeugen. Auch wollen wir den fchönen egyptifchen Schmuck nicht ganz mit Stillfchweigen übergehen, obgleich von demfelben nur die Scarabæ en echt, refpective alt find. Rufsland. Die Ausftellungsgegenstände diefes Staates waren in einem kleineren Saale diefes Pavillons vereinigt. Man fah dafelbft eine namhafte Zahl von Gypsabgüffen altehrwürdiger, meift kirchlicher Objecte, darunter auch die beiden 56 Dr. Carl Lind. Thorflügel der Sophienkirche aus Nifchnei- Nowgorod. Diefelben wurden durch Meifter Riquinus auf Befehl des Bifchofs Alexander von Plock gegen die Mitte des XII. Jahrhundertes verfertigt und zeigen in den Darftellungen den Sünden fall und das Erlöfungswerk. Diefer Gipsabgufs ift Eigenthum des germanifchen Muſeums zu Nürnberg. Aber auch in Originalen nahm Rufsland, das, wenngleich wenig, doch Einiges von Bedeutung ausftellte, eine beachtenswerthe Stellung ein. Dem Prachtvollften der Ausftellung mufs die viele Stücke umfaffende Collec tion von Sèvres Porcellan aus der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhundertes angereiht werden, die Prinz Nicolaus Ripnik aus Kiew zur Schau brachte. Aehnlich jener Suite folchen Porcellans des Freiherrn Anfelm v. Rothfchild in der öfterreichifchen Amateursabtheilung zeichnen fich die Stücke diefer Sammlung durch das herrliche Blau, die vorzügliche Malerei und gefchmackvolle Vergoldung aus. Auch hier findet fich ein Elfenbeinhorn, wie wir derartige in der öfterreichifch- ungarifchen und deutfchen Abtheilung kennen gelernt haben. Es führt die Jahreszahl 1695, ift in der üblichen Weife ausgestattet und wird dem Czar Peter dem Grofsen zugefchrieben. Intereffant find die vielen und vielerlei Heiligenfcheine aus Gold und häufig mit Email befetzt, die für Madon nen- und Heiligenbilder der griechifchen Kirche beftimmt, in einigen Exemplaren bis ins XV. Jahrhundert zurückreichen. Manche diefer Nimben find durch ihre Ornamente intereffant. Wenn wir noch einiger Silbergefäfse des XVI. und XVII. Jahrhundertes, einer grofsen altchinefifchen Vafe und eines Gobelins mit Vorftellungen aus der Gefchichte des baierifchen Regentenhaufes erwähnen, haben wir diefe Ausftellung fo ziemlich erfchöpft. Auch alte Bilder mit Namen grofser Meifter, wie Andrea del Sarlo, Rafael u. f. w. hatte Rufsland eingefendet; wir erfreuten uns jedoch nur eines Gemäldes, vorftellend den Stammbaum Jeffe, ein fchönes Bild der niederdeutfchen Schule des beginnenden XVI Jahrhundertes. England, Dänemark, Schweden und Norwegen. Die englifche Amateursabtheilung befchränkte fich auf die Vorweifung einer höchft bedeutenden Collection von Silber-( theilweife vergoldet) und Meffinggegenftänden: Bechern, Krügen, Kannen, Pocalen, Taffen, Leuchtern, Löffeln, Theekeffeln, Spülgefäfsen u. f. w., die aus den Zeiten Carl I. und II. und Georg I. und II. ftammen, aber weder in Form noch Verzierung etwas Hervorragendes bieten. Dänemark begnügte fich, eine Sammlung der wichtigften Typen der Steinzeit, zufammengeftellt aus Fundgegenftänden verfchiedener Länder, auszulegen. Wir fahen grob gehauene Werkzeuge, gefchliffene Axtblätter, halbrunde Meffer oder Sägen, Schaber, Pfeilfpitzen aus Feuerftein, wenige Stücke aus Bein, alle meift von geringen Verhältniffen mit Ausnahme jener, die aus Dänemark felbft ftammen. Sie wurden nebft denen in Dänemark auch noch in Frankreich, Belgien, Holland, Irland, Schottland, auf der Infel Rügen, am Cap der guten Hoffnung, in Indien, in Pennfylvanien, Brafilien, auf den Sandwichsund Freundſchafts- Infeln( auf letzteren auch noch zu Beginne unferes Jahr hundertes im Gebrauche ftehend) gefammelt. Diefe Collection lehrte uns, dafs die in der europäifchen Vorzeit gebräuchlichen Werkzeuge mit jenen, deren Benützung durch die wilden Völker noch unfere Zeit erreicht, in einer gewiffen Uebereinstimmung stehen. Sehr intereffant find die grönländifchen Antiquitäten, deren eine grofse Anzahl in Gräbern und unter den fogenannten Küchenabfällen gefunden wurde. Leider ist die königliche Sammlung in Kopenhagen, die an derlei Funden überreich ift, nicht vertreten gewefen. Wir hätten dadurch Gruppen hochintereffanter Gegenftände kennen gelernt, die theils in den Torfmooren auf Fünen und Seeland ausgehoben( Waffen, Geräthe, Kleider, Gewebe), theils mit Kiökenmoddings ch tte enen n- ng ن مو es e. d er не n Objecte der Kunft und Gewerbe früherer Zeiten. 57 ( Küchen- Abfallreften) vermifcht( hauptfächlich Stein- Werkzeuge) aufgefunden wurden. Die letztgenannten find maffenhafte Anhäufungen von Auftern- und anderen Mufcheln mit Thierknochen( von Hirfchen, Wildfchweinen, Bären, Wölfen, Auerhähnen, Häringen) und eben jenen Fundftücken gemengt, die an den Ufern des Kattegats und der beiden Belte in Millionen Kubikfchuhen gefunden werden und deren Alter man über 10.000 Jahre annimmt. Schweden ftellte unter Anderem ältere Broderien und Gewebe, dann Holzarbeiten älterer Zeiten aus, darunter ein Service aus dem XVI. Jahrhunderte, die Formen der Trinkgefäfse find ähnlich den Kelchen und verziert mit kleinen Beinkügelchen, etliche dem Göteborger Muſeum gehörige filberne Löffel und zwei ziemlich neu fcheinende Trinkhörner mit Silberfaffung. Einer Art Wandteppich mufs auch erwähnt werden, der fich durch die in ganz abfonderlicher Weife ausgeführten Bilder der Paffion beachtenswerth machte. Die Figuren find in höchft primitiver Weife gezeichnet und in Farben ausgeführt, das Coftüm aller Figuren, fei es Chriftus oder die Apoftel, Pilatus oder Kriegsvolk, ift das der fchwedifchen Landbevölkerung. Schweiz. In der archäologifchen Expofition der Schweiz, die einen der geräumigeren Säle faft ganz füllte, wurde mit gutem Erfolge der Verfuch gemacht, eine möglichft umfaffende Ueberficht ihrer älteften Culturperiode und der damit verbundenen gewerblichen Thätigkeit vorzuführen. Es find diefs vor Allem Gegenftände der vorhiftorifchen Zeit, welche auf Schweizer Boden befonders zahlreich gefunden werden, die Denkmale der fogenannten Stein-, Bronce- und Eifenzeit, zu deren eingehenderer Erforschung die Entdeckung der Pfahlbauten in den Schweizer Seen( feit 1853 beginnend) die Hauptveranlaffung gab. Es kam zu diefem Zwecke eine eigene Art Fängerei auf, mit deren Hilfe die neben und zwifchen den ins Waffer getriebenen Piloten auf dem Boden liegenden Gegenftänden in grofser Menge emporgehoben wurden. Wir werden durch diefe Ausftellungsgegenstände bis in die Anfänge der Cultur zurückgeführt, als der Menfch nur aus Steinfplittern und Knochen fich einige Werkzeuge zu fchaffen wufste, um mit deren Hilfe die zur Erhaltung des Lebens, zur Ernährung und Bekleidung allernöthigften Arbeiten vollführen zu können. Dr. Grofs in Neuenftadt ftellte eine reichhaltige Anzahl derartiger Fundobjecte aus der Station Locras aus. Wir fanden darunter zahlreiche Beile, Meifsel und Hämmer aus Diorit, Hornblende, Serpentin und Feuerftein; Meffer, Dolche und Nadeln aus Knochen und Hirfchhorn, Amulette und Schmuckgegenftände aus Bärenzahn, Knochen und Steinfplittern, Thonteller und thönerne Trink gefäfse. Herr Meffikomer in Stregen ftellte Schnüre, Fäden, Gewebe in ver fchiedener Stärke, Franfen, vielartige Geflechte, meiftens aus Baft aus, die in den Pfahlbauten am Pfäffikerfee bei Robenhaufen gehoben wurden. Diefe intereffanten Fundftücke liefern den Beweis, dafs fchon damals die Weberei, wenn auch in ihrer mechanifchen Kindheit ftehend, nicht unbekannt war und bereits zu Beginn der Cultur geübt wurde Die Zeit diefes Culturanfanges, die jedenfalls einen grofsen, mehrere Generationen zählenden Zeitraum umfafste, läfst fich wohl nicht in Ziffern ausdrücken, doch ift es aufser Zweifel, dafs damals nicht nur die Vereinigung in der Familie, fondern auch in einem ftaatlichen, wenn auch fehr primitiven Organismus beftand. Die Zeit einer etwas höheren Entwicklung, etwa 1000 bis 1500 Jahre vor unferer Zeitrechnung, begrenzt fich durch den Gebrauch der Bronce, die zu den früher erwähnten Materialen hinzutritt. Es ist wahrfcheinlich, dafs das Bronce den Völkern des mittleren und nördlichen Europas anfänglich von anderen im Süden wohnhaften Völkern im Handelswege bereits verarbeitet überbracht wurde, bis diefe Völker felbft, und zwar erft bedeutend später, kundig wurden, Bronce 58 Dr. Carl Lind. geräthe zu erzeugen. Broncegegenftände aus Pfahlbauten des Neuenburger, Züricher und Bieler Sees, ferner der Jura Gewäffer- Correction ftellten in zahlreichen und belehrenden Exemplaren Profeffor Defor in Neuenburg, das Mufeum Schwabi Biel und die Stadtbibliothek in Bern aus. Wir fanden darunter plattgedrückte Ringe, die am Arme getragen und, wie fchon bemerkt, für Münzen gehalten wurden. Nadeln mit Oehr und Einfchnitten, welche zum Verfertigen von Kleidern gedient haben mochten, einfache und doppelte Fifchangeln, Pfeile, Sicheln, Meffer, darunter eines mit Hirfchhornheft, Dolche, Grabfticheln, Beile, Hämmer, Lanzenfpitzen, Gürtelbefchläge, Sägen, dünne Klingen, Rafirmeffer, Drahtgewinde, Haarnadeln Ohrgehänge, Schnallen, Arm- und Fingerringe, die erfteren mitunter bedeutend grofs und mit Gravirungen verziert, Pferderüftungs- Beftandtheile, aufserdem Glas und Bernfteinperlen, folche aus Thon, fteinerne Taffen, Trinkgefäfse, Schmelz tiegel, ein Werkzeug aus Hirfchhorn, wahrfcheinlich als Weberfchiffchen verwendet u. f. w. Eine weitere Stufe der Culturentwicklung charakterifirt fich für viele nordund mitteleuropäifche Völker durch Einführung des Eifens im allgemeinen Ge brauche, die Eifenzeit, neben den in den früheren Culturperioden verwendeten Materialien, was etwa um das erfte Jahrhundert unferer Zeitrechnung gefchehen fein mag. Die Vermittlung diefes Materiales dürfte anfänglich durch die Römer beforgt worden fein. Je weiter wir in diefer Periode vorwärts fchreiten, defto mehr nähern fich die Werkzeuge in ihren Formen wie in ihrer Verwendung den unferigen. Eiferne Gegenftände, befonders Waffen, find in reicher Auswahl in der fchon erwähnten Collection des Profeffors Defor, des Muſeums Schwab und der Berner Stadtbibliothek ausgeftellt. Die bedeutenderen und zwar meift Fund gegenstände aus dem Neuenburger See find: Schwerter mit hölzernem Griff fammt Scheide, auf der Klinge einiger fogar ein Fabrikszeichen, Lanzenfpitzen; einige mit Holzreften, Heftnägel, Gürtelringe, Sicheln, Senfen, Fragmente eines Schildes fammt den Nägeln, mit deren Hilfe derfelbe auf die hölzerne Unterlage befeftigt wurde; zahlreiche mitunter zierliche Fibeln, Pferdegefchirre, Aexte, darunter eine von bedeutender Gröfse. Alle diefe Gegenftände wurden, wie erwähnt, in Pfahlbauten vermengt den ins Waffer geworfenen Ueberreften der Nahrung gefunden, was den Beweis liefert, dafs diefe Wohnungen in der Stein- und Broncezeit, wie auch zum Theil noch in der Eifenzeit im Gebrauche waren. Die Art und Weife einer Pfahlbaute verfinnlichte ein von Max Götzinger in Bafel ausgeftelltes Modell und Bild einer Pfahlbau- Anfiedlung, das uns, wenn auch etwas ideal ausgeführt, doch ein werthvolles culturgefchichtliches und ficher belehrendes Bild für jene Zeit liefert. Suchen wir nach einer Veranlaffung für diefe eigenthümlichen über dem Waffer fchwebenden und nur auf Pfahlwerk Anfiedlungen geftützten, die mittelft verfchliefs barer Holzbrücken mit dem Feftlande verbunden waren, fo ift diefelbe unzweifelhaft darin zu fuchen, dafs fich der Menfch dadurch gegen die Angriffe wilder Thiere zu fchützen fuchte. Doch nicht allein Fundftücke aus Pfahlbau- Reften wurden zur Ausftellung gebracht, Dr. Schild wies auch zahlreiche Broncewaffen vor, die an der Stelle einer Landanfiedlung bei Grenchen gefunden wurden. Aus der beiläufig in die Mitte des erften Jahrhundertes und in die nächften darauffolgenden Jahrhunderte fallenden Zeit des burgundifchen und merovingi fchen Reiches brachte das Canton- Muſeum zu Laufanne eine Reihe mitunter befonders intereffanter Gegenftände, wie mannigfaltig geformte Schnallen von damascirtem Eifen oder von Bronce, eine darunter mit verzierter filberner Platte in der Mitte, Agraffen, Halsbänder, Fibeln, Gürtelplatten mit Emailfpuren oder mit filber nen, ja felbft goldenen eingefchlagenen Verzierungen, die meiftens phantaftiſche, geflügelte, fchlangenähnliche Thiere darftellen, ferner Plättchen mit Infchriften oder figuralifchen Darftellungen, wie Daniel in der Löwengrube, endlich Bronce kämme, Beile, Meffer, Schildfragmente. cher und bin ckte den lient nter zen, eln end las elz hen rdGe ten hen ner fto en in nd d. mt ge es ne it 1 n T r J Objecte der Kunft und Gewerbe früherer Zeiten. 59 Diefe Gruppe verlaffend ftehen wir am Beginne des Mittelalters, einer Zeit des allmälig fortfchreitenden aber gewaltigften Umfchwunges der Cultur und ihrer Erfcheinungen im Gebiete der Kunft. Doch gerade diefe Zeit, fei es die des romanifchen Stiles oder die Epoche der Gothik, war in der fchweizerifchen Ausstellung faft gar nicht vertreten, obwohl das Land genug Denkmale der Kleinkunft diefer Stile befitzt. Gegenftände der Spätgothik fanden wir mehrere exponirt, als da waren: Etliche kleine geftickte Teppiche, wahrfcheinlich beftimmt zur Bedeckung der Rücklehnen von Geftühlen und eine Thüre mit Eifenbefchlägen. Schlofsplatte und Schlofs find von prächtiger Arbeit, die Thürbänder in ihren Veräftungen über die ganze Fläche, um die Holzbohlen zufammenzuhalten, von folcher Feinheit und eleganter Zeichnung, wie man fie kaum mehr irgendwo an einem folchen Gegenftand finden dürfte. Weit bedeutender war die Collection von Gegenftänden der Rennaiffance und ihrer nicht ebenbürtigen Nachfolger. Da ift es vor Allem die Ausstellung von 26 in den pikanteften, durch Scherz und Laune motivirten Formen ausgeführten Prunkgefäfsen gewefen, theils Trinkbecher, theils Tafelauffatz- Stücke aus Gold, Silber und Elfenbein, die unfere volle Bewunderung und Aufmerkfamkeit auf fich zog. Die meiſten diefer Trinkgefäfse find im Befitze der Berner Bürgergemeinde oder doch von dortigen Zünften. Die bedeutendften davon fchienen uns ein aufrecht ftehender Löwe mit einem Gerbermeffer, ein auf einem Krebfe rückwärts reitender Affe, ein aufrecht ftehender, vorwärts gehender Affe, ein aufrecht ftehender Bär, ein grofser Greif, ein Pocal in Geftalt eines ftehenden Metzgers mit dem Beile auf der Schulter, ein anderer in der eines Kaufmannes, deffen Rechte auf einen Waarenballen geftützt, ein Becher, darauf ein Schützenzug, ein kleiner Becher in Form einer Narrenkappe, zwei in Form und Verzierung gefchmackvollft ausgeführte Stauffe, das find Gefäffe aus je zwei Pocalen gebildet, davon der eine auf den anderen geftürzt ift. Das Hauptftück diefer Collection war ein Pocal fammt runder Schüffel, ein herrliches Werk in getriebenem, cifelirtem, vergoldetem Silber mit prachtvollen durchfichtigen Emails und mit Darftellungen en relief, in den Medaillons am Rande 23 Wappen; laut der darauf befindlichen Infchrift dürften beide Kunftwerke, fowie der dazu gehörige Bär im Jahre 1583 angefertigt worden fein. Diefer Sammlung faft ebenbürtig fchlofs fich eine Reihe von Glasgemälden ( Eigenthum des Herrn J. Vincent in Conftanz) an. In das XIV. Jahrhundert reichen nur wenige Gemälde zurück; diefelben, in Farbenton und Zeichnung hervorragend, find: Ein heiliger Johannes, ein betender Mönch, das Wappen der Abtei Wettingen; fämmtlich Bilder mit kirchlicher Beftimmung, wie überhaupt fich die Glasmalerei damals nur diefer Aufgabe widmete. Jüngere Bilder find der öfterreichifche Bindenfchild zwifchen Ritter und Edeldame, das Votivbild des Cafpar von Klingenberg und feiner Gattin Elifabeth von 1559 mit Dürer'fchen Reminiscenzen, eines mit dem Jof. Murer'fchen Doppelwappen und der Orpheusgruppe darüber, wie auch das Hans Müller'fche Wappen mit der fchönen Pilafter- Umrahmung. Die Schweiz konnte leicht eine fo fchöne Collection von Glasgemälden zur Ausftellung bringen, denn gerade dort kamen noch gute Glasgemälde zu einer Zeit vor, wo man fich in anderen Gegenden bereits mit den das volle Tageslicht gebenden Vernuftfcheiben begnügte. Eine Ergänzung diefer Collection bildeten die zahlreichen, mitunter ganz vorzüglichen Entwürfe zu Glasmalereien, faft alle aus dem XVI. Jahrhundert ftammend. Hinfichtlich der Textilkunft erwähnen wir eines aus Cafula und zwei Levitenkleidern beftehenden Ornates, deffen immerhin beachtenswerthe, in bunter Farbe und Gold ausgeführte Hochftickereien mit Rückficht auf die Ornamentirung im XVII. Jahrhunderte angefertigt fein mögen. Zum Schluffe wollen wir noch gedenken der durch die hübfchen Reliefs beachtenswerthen und aus Klofter Einsiedeln ftammenden Bronceglocke( 1573), zahlreicher Werke des Buchdruckes in alten, werthvollen Ausgaben, mitunter mit intereffanten Holzíchnitten und fonftigen Illuftrationen ausgeftattet und 60 Dr. Carl Lind. meiftens in Beziehung auf die Druckgefchichte der Schweiz ftehend, zweier mit reichen Schnitzarbeiten verzierten Käften und des reich gefchnitzten, leider graufam reftaurirten, als Herrfchaftsfymbol dienenden Hängeftückes der Familie Steiner( 1620). In Bezug auf Wehren und Waffen hat man fich auf die Ausstellung eines einzigen laffetirten Gefchützes befchränkt; dafür ift dasfelbe um fo intereffanter gewefen, nicht fo fehr der Verzierungen als der Conftruction wegen. Es ift diefs die von der Zeughaus- Verwaltung zu Zürich eingefendete fogenannte Zürichbraut oder Jungfrau, ein Broncegefchütz, Hinterlader mit 18 gewundenen Zügen. Es führt feinen Namen von dem Reliefbilde einer Dame, welches auf dem Kopfftücke angebracht und mit folgenden Verfen begleitet ift:„ Ich bin ein' Jungfrau wohl geftalt, welchen ich küfs', der wird nit alt." Heinrich Füfsle in Zürich hatte 16n das Rohr als Probeftück gegoffen. Perfien. Um mit der Ausftellung in dem Pavillon des Amateurs abfchliefsen zu können, erübrigt nur der antiquarifchen Expofition des Reiches des Königs der Könige noch zu gedenken. Es ift diefs eine Sammlung von chinefifchen Porzellangefäfsen, von perfifchen Teppichen und geftickten Decken, die einem perfifchen Prinzen und Minifter, deffen ungewöhnlich langer Name felbft der geläufigften europäiſchen Zunge kaum ausfprechbar fein dürfte, gehören. Die Porzellans haben keineswegs ein ehrwürdiges Alter und find gerade fo gefchmacklos, wie alles Uebrige diefer Sammlung. Das wenige Gute, das fich darunter fand, wurde mit Kennerauge ausgefucht und einer bedeutenden Wiener Amateurfammlung einverleibt. Spanien. Spaniens antiquarifche Ausftellung war in einem von den übrigen antiquarifchen Ausftellungen weit entfernten, unfcheinbaren Gebäude untergebracht und blieb daher manchem Kunftfreunde unbekannt. Ein ziemlich ausgedehntes, einftöckiges Breterhaus, aufsen einem Ziegelbau ähnlich bemalt, enthielt ebenerdig viele intereffante und werthvolle Producte des Bergbaues und der Landwirthschaft. Die Räumlichkeiten des erften Stockwerkes waren der Ausftellung zahlreicher und vielartiger Gegenftände gewidmet, wie modernen Waffen, militärifchen Ausrüftungsgegenständen, Modellen fortificatorifcher Bauten, Producten des Buch- und Kunsthandels Lehrmitteln und Schülerarbeiten, Mufikinftrumenten, anatomifchen Wachspräparaten, und endlich auch den Denkmalen früherer Zeiten, was alles in fo ziemlich bunter Folge nebeneinander gereiht war. In dem letztgenannten Fache hat Spanien, deffen Betheiligung an der Ausftellung überhaupt im Hinblick auf die gegenwärtigen politifchen Verhältniffe volle Anerkennung verdient, wenn auch nur wenig, fo doch gröfstentheils Gegenftände von höherem kunftgefchichtlichem und wiffenfchaftlichem Werthe eingefendet. Vor Allem lenkten die vollfte Aufmerkfamkeit des Befchauers einigen Stücke auf fich, durch welche die an koftbaren Rüftungen und Waffen reiche Armeria nacional zu Madrid vertreten war. Da fand fich der intereffante arabifche Helm Boabdil's, des letzten Fürften von Granada. Derfelbe repräfentirt eine ganz eigenthümliche und in kaum mehr als diefem Exemplare erhaltene, fehr zierliche Helmform, ift oben ziemlich flach, deckt vorne nur die halbe Stirne( das Geficht bleibt frei) und verlängert fich rückwärts und an den Seiten bis gegen die Achfeln. Am Rande und an der Kopfrundung iſt ein reich ornamentirtes in Goldtaufchirung ausgeführtes Band angebracht. Die Fufsrüftungen Carl V.( 1500 bis 1558) und Philipp II.( 1527 bis 1598) auffallend durch den mächtigen, glockenförmigen Schurz, zeichnen fich durch ihre reiche Verzierung, beſtehend in fchön ornamentirten gold mit ider milie nes ter iefs raut Es cke اماد 1611 en, ge en, nd men egs fer ge tiht es, elt d er en n, k- en ht er - -ב n e e e t Objecte der Kunft und Gewerbe früherer Zeiten. 61 taufchirten Strichen und in einer breiten Bordure des Schofses aus. Die Prunk. rüftung Philipp III.( regierte 1598 bis 1621) gehört hinfichtlich der darauf verwendeten Verzierung theils in getriebener, theils in goldtaufchirter Arbeit zu den intereffanteften Objecten diefer Abtheilung. Sämmtliche Rüftungsbeftandtheile find mit zierlich gemufterten, aneinander gereihten Bändern überzogen, deren Deffins neben fchwungvollen Renaiffancemuftern auch ein dem gothifchen Lilienbande ähnliches Ornament in Relief ausgeführt enthalten. Die vierte Rüftung, beftimmt für das fchwere Geftech, wird dem Don Juan d'Auftria, dem Sohne Carl V. und der fchönen Regensburgerin Barbara Blumbergerin( geboren 1547, geftorben 1577) zugefchrieben. Sämmtliche Theile find mit ftark hervortretenden, vergoldeten Strichen verziert, die Bruft ift mit einem derben Rüfthaken, rechtfeitiger Schwebfcheibe und an der linken Seite mit kleiner, unten abgerundeter, gegitterter Tartfche verfehen. Ausserdem find noch zwei Rüftungen für Kinder ausgeftellt gewefen, beftehend aus blau angelaufenem Harnifch fammt Helm und Armzeug; fämmtliche Stücke haben die gewöhnliche, gegen die Mitte des XVI. Jahrhundertes übliche Form und find mit reicher, vergoldeter Aetzung verziert. Von den übrigen Gegenftänden aus der Armeria nacional feien erwähnt: eine Sturmhaube von der bekannten, in eine Spitze zulaufenden Geftalt ohne Genickſchirm, mit Nafeneifen und geätzter, vergoldeter Verzierung, erbeutet in der Schlacht bei Lepanto und zugefchrieben dem Ali Pafcha, zwei kleine Schilder runder Form, der eine mit mit goldtaufchirter Einfaffung, der andere mit reichem Figurenfchmuck in getriebener Arbeit, wahrfcheinlich italienifches Product, endlich vier theils ins XVIII., theils ins XIX. Jahrhundert gehörige Gewehre, beachtenswerth durch die gefchmackvollen, in Gold ausgeführten Verzierungen am Laufe und Schloffe. Die Rückwand des Cabinetes, in welchem diefe Gegenftände aufgeftellt waren, zierte ein grofser, mit Hochrelief- Stickereien gefchmückter Teppich aus dem Anfange des XVIII. Jahrhunderts. Als Beiſpiel recht hübfcher Holzfchnitzereien find zu erwähnen: ein kleiner tragbarer, der Kathedrale zu Leon gehöriger Predigtftuhl und der Rücktheil eines Chorftuhles, erfterer ohne Schalldeckel hat die acht Felder der Brüftung mit Schnitzereien in Relief gefchmückt, der obere Theil jedes Feldes ift mit gothifchem Mafswerk, der untere mit Blumengewinden und Engelfigürchen im Gefchmacke der Renaiffance ausgefüllt. Aehnliches gilt vom Chorgeftühle, das in der Zeit Ferdinand des Katholifchen entftanden fein dürfte und in feinen Verzierungen gothifche und Renaiffancemotive vereint. Den zweiten bedeutend gröfseren Raum betrat man durch eine Thüre, in welcher eigenthümlicher Weife, wenn auch gut arrangirt, ein Pluviale als Vorhang verwendet wurde. Diefes kirchliche Gewand, aus rothem, gold durchwirktem Stoffe beftehend, insbefondere die breite, koftbare, mit Stickereien auf Goldgrund gefchmückte Borte am Vorderrande des Kleides und der ebenfo behandelte Rückenfchild verdienten einige Beachtung. In der Nähe der Thüre befanden fich noch einige mit Stickereien gezierte Fragmente von Kirchengewändern, fämmtlich der Capelle des Sct. Jacob- Spitales in S. Jago entnommen und aus dem XV Jahrhundert ftammend. In diefem Saale fanden fich zahlreiche Antiquitäten der verfchiedenften Art, wie zwei Truhen mit Holzfchnitzereien, eine mit fpätgothifcher Verzierung, die andere mit folcher im Gefchmacke der Renaiffance, Steinwaffen, altperfifche und peruanifche Vafen, zwei broncene Aftrolabrien, alte fpanifche Landkarten, antike, orientalifche und mexicanifche Gefäfse, Figuren und Reliefs, folche aus der frühromanifchen Zeit und noch ältere aus der Zeit der Völkerwanderung mit unverkennbarem Einfluffe des gothifchen Volkes theils in Originalen, theils in Gypsabgüffen, Publicationen der neueſten Zeit über die Kunftdenkmale Spaniens und deffen Gemäldefammlungen, zahlreiche, mitunter grofsen Meiftern zugefchriebene Gemälde, etliche Tafelmalereien, Münzen etc. Das bedeutendfte Ausstellungsobject diefes Saales war die grofse aus Bronce gegoffene Grabplatte, welche vom archäologifchen Muſeum zu Madrid zur Aus 62 Dr. Carl Lind. ftellung gebracht wurde. Sie bedeckte urfprünglich die Begräbnifsftätte der Familie Caftrourdiales und trägt die Jahreszahl 1411. Die ganze Platte ift mit theils architektonifchen, theils figuralen, in tiefgravirten Umriffen ausgeführten Darftellungen bedeckt. Wir fahen in der Mitte unter einem baldachinartigen Ueberbau, auf gemustertem Hintergrunde eine männliche Figur auf einem Löwen ftehend in langer Kleidung mit fpitzen Schuhen, unbedeckten, gelockten Hauptes, die Hände gefaltet. Die Umrahmung ift mit dem fich oft wiederholenden Wappen und fechs Apoftelfiguren, der Baldachin zuoberft mit der Figur des thronenden Erlöfers und muficirenden Engeln geziert; den äufserften Rand füllt das fchmale Infchriftsband aus. Gleichwie in Deutfchland derlei metallene, erft feit Mitte des XIV. Jahrhundertes in gröfserer Anzahl erfcheinende Grabplatten immer Koftbar keiten, ja Seltenheiten find, dürften derlei Kunftwerke, foweit wir aus den neueſten kunftgefchichtlichen Handbüchern darüber Nachrichten befitzen, auch in Spanien nur felten zu finden fein. Der dritte Raum des erften Stockwerkes enthielt in archäologifcher Bezie hung nur wenig, dafür für den Ethnographen defto mehr, wie Waffen aus Mexico und Peru und einen höchft merkwürdigen Codex der Azteken. Von Antiquitäten find zu erwähnen ein grofser, vergoldeter, etwas nüchterner Holzaltar aus der Spät renaiffance und ein Vortragekreuz aus derfelben Zeit mit unverleugbaren, aus der Gothik herübergenommenen Motiven bezüglich der Form. Zum Schluffe haben wir nun noch eine kleine Umfchau zu halten im Induſtriepalafte, wo zwar keine Amateursausftellungen veranſtaltet waren, aber unter fo vielem Neuen und Herrlichen fich hie und da doch auch eine beachtenswerthe Antiquität fand. Tunis Marocco und Griechenland. In den Abtheilungen der beiden erftgenannten Staaten ftanden unter den Erzeugniffen der neueften Zeit mehrere fehr intereffante, claffifch- antike Sculpturen, insbefondere eine prachtvolle Ceresftatue und die eines Bacchus, dann herrliche, ornamentale Reliefs, Friefe, Grabdenkmale u. f. w., fämmtlich aus weiſsem Marmor, Fragmente aus Mofaik- Fufsböden und einige metallene Schmuckgegenstände, darunter eine hübfche Kette, die defshalb bemerkenswerth erfcheint, weil fie gewifs nicht orientalifchen, fondern europäiſchen und zwar italienifchen Urfprunges und eine Arbeit des frühen Mittelalters ift. Griechenland legte eine grofse Collection von Gypsabgüffen antiker Sculp turen aus, daneben Bruchftücke von folchen Originalen und eine gröfsere Partie farbiger Amphoren. Rumänien. Rumänien, fowie das mit feiner Induftrie- Ausstellung daneben untergebrachte Perfien hatten einige ältere Waffen ausgeftellt, darunter fchöne tfcherkeffifche Helme mit Goldtaufchirung. Erfteres zeigte überdiefs einige ältere kirchliche Gefäfse, darunter ein Ciborium in Form einer dreithürmigen Kirche mit fchönem Zellenfchmelz, mehrere filberne, vergoldete, getriebene Buchdeckel, ähnlich den in der öfterreichischen Abtheilung aus den griechifch- orientalifchen Klöftern der Bukowina ausgeftellten, fein gefchnitzte Holzkreuze mit Metallfaffungen, etliche Ripiden, mehrere für den Gebrauch der morgenländifchen Kirche beſtimmte, gröfsere und kleinere Hängeteppiche mit darauf in Flachftich geftickten Darftel lungen, meiftens die Grablegung Chrifti oder den Tod Mariens vorftellend. Die Anfertigungszeit derartiger Producte mit Rückficht auf Technik und Ornamentik felbft nur annäherungsweife zu beftimmen, hält fehr fchwer, da in der byzantini fchen Kunft eine zähe Stabilität herrfcht, die diefelbe zu einer, man könnte fagen, unveränderlichen, ja verknöcherten macht. Wird diefe ftrenge Richtung einmal e of der mit ten gen wen Ees, Den en ale les ar. en en ie. CO en ät. er e. ல் ம் Cer s- en n, e, r, e₁ ie es де e e Objecte der Kunft und Gewerbe früherer Zeiten. 63 verlaffen und dem Kunftgefchmacke der Neuzeit Conceffionen gemacht, fo hat diefs eine gewiffe Nüchternheit zur Folge, wie diefs die Ausftellung kirchlicher Kunftgegenstände der Neuzeit in der ruffifchen Abtheilung zeigte. Der antiquarifche Hauptgegenstand der romanifchen Abtheilung war der Schatz von Petroffa, der jetzt hier, wie im Jahre 1867 in Paris mit Recht grofses Auffehen erregte. Diefer Schatz wurde im Jahre 1837 von zwei Bauern entdeckt, als fie mit dem Ausheben von Steinen bei dem Berge Iftritza im Bezirke Petroffa befchäftigt waren. Im Jahre 1842 brachte Fürft Ghika diefe koftbaren Reliquien vergangener Zeiten durch Kauf an fich, um fie dem Muſeum in Bukareft zu über. geben. Leider gelang es nicht mehr, fämmtliche Fundftücke dort zu vereinen. Man vermuthet allgemein, dafs der Schatz in feiner Urfprünglichkeit aus 22 Stücken beftand, jetzt befteht er nur aus 12 Objecten. Diefe find: eine äufserft fchlanke Kanne, eine grofse flache, in vier Theile zerbrochene Schüffel mit breitem Bandornament als Randverzierung; ein grofser goldener Becken, in der Mitte mit einer aufrecht fitzenden, weiblichen Figur, welche mit beiden Händen einen eigenthümlich geftalteten Becher hält, die Innenfläche des Beckens ift mit fechzehn ftrahlenförmig gegen den Mittelpunkt gruppirten getriebenen Figuren geziert. In bunter Aufeinanderfolge erblicken wir männliche und weibliche erwachfene Geftalten und ein Kind, die Männer meiftens unbärtig. Die Figuren tragen in den Händen mannigfaltige Attribute, eine Leier, Scepter, Füllhorn, Fakeln, Keulen u. f. w.; der vierte Gegenftand ift eine vieleckige Schale mit zwei Henkeln, die aus auffpringenden Panthern gebildet werden; ferner ein kleineres, zwölffeitiges Trinkgefäfs; ein Trinkgefäfs in Form eines Adlers, drei Gewandtfchliefsen in phantaftifchen Vogelgeftalten, ein grofses ringförmiges Armband mit Buchftaben darauf, ein Drahtring und eine Art Halsberg. Mehrere diefer Stücke find maffiv aus Gold und mit Cifélirungen gefchmückt, während andere mit Kryftall und farbigen Steinen befetzt waren, wovon noch Refte erhalten blieben. Dr. Franz Bock hält diefe in ihrer Mehrzahl von byzantinifchen Künftlern angefertigten Gegenstände für einen Schatz des Gothenkonigs Athanarich, den er anlässlich feiner Flucht vor den Hunen in die Erde verbarg. Athanarich ftarb in Byzanz und mit ihm gerieth der Schatz, wie fein Verfteck in Vergeffenheit bis ein günftiger Zufall ihn wieder ans Tageslicht brachte und der kunfthiftorifchen Forschung als eine grofse Merkwürdigkeit übergab. - Auch fand fich hier eine Reihe von römifchen Glasgefäfsen ausgeftellt, die in Afrika gefunden wurden. Egypten und Türkei. In Egyptens Abtheilung fand fich zwar wenig Altes, doch gehörten die drei Glaslampen, Mofcheen entnommen, und das broncene Aftrolabium zu grofsen antiquaren Koftbarkeiten. Die Türkei, deren Brennpunkt hinfichtlich antiquarifcher Gegenftände die telbstständig aufgeftellte herrliche Sammlung von Waffen, Helmen, Gefäffen u. f. w. aus dem Schatze der Sultane war, brachte in ihrer Abtheilung auch noch etliche Gegenstände, meiftens alte Stickereien, Spitzen, Meffer, Säbel und Gewehre untergeordneten Werthes. Der Kaiferfchatz war im Hofraume des Induftriepalaftes nächft der türkifchen Abtheilung aufgeftellt. Ein auf gemauertem Unterbau freiftehender Kiosk aus Eifen, zu dem zwei breite Steintreppen emporführten, enthielt in feinem kleinen Raume an den vier Wänden und in der Mitte freiftehend je einen Glasfchrank. Drei der Schaukäften enthielten faft ausfchliesslich Waffen und Rüftftücke, der vierte Gefäfse und Raritäten, der Mittelfchrank nebft Porzellangefchirren und Gewehren den viel gerühmten Thron Nadir- Schahs mit feinen wunderbaren Emails translucides und dem koftbaren Steinbefatze, nebft Helm und Panzerhemd 5 64 Dr. Carl Lind. Murad IV. und den reichtaufchirten Armfchienen Tamerlan's. Wir nennen von den Gegenftänden das gerade Schwert Mohamed II., die ftark gekrümmte Damas cenerklinge des vorletzten egyptifchen Mamelukenfultans Eh Ghui und die Klinge Skanderbeg's, jenes Epiroten, von welchem die Ambrafer- Sammlung und das kaiferliche Waffenmufeum ebenfalls Denkmale befitzen. Als eigenthümliche Waffe müffen wir auch feinen Säbel mit der gefpaltenen Spitze bezeichnen. Die Satteldecke und goldenen Steigbügel mit dem Juwelen-, Corallen und Lapislazzali- Befatz Achmed III. erregten durch den Reichthum ihrer Ausstattung allge. meine Bewunderung. Wir verzeichnen noch die ftählerne eiferne Streitkeule mit reicher Goldtaufchirung Selim II., den Säbel Murad III., deffen Scheide mit Rubinen und Diamanten bedeckt, fowie deffen Pfeilköcher aus getriebenem Golde mit Edelgeftein beftreut, den Prachtdolch Suleiman I. Die Kleinodien: Parfum- Ei, Opiumkapfel, Schreibfchatulle und Sackuhr Ibrahims, das albanifche Gewehr mit filbereingelegtem Schaft aus Rofenholz Achmed I., die zwar nicht fchönen Zinngefäfse, aber eigenthümlich durch den Steinbefatz und folche aus Rhinozeroshorn und Porcellan. Ausserdem waren noch viele perfifche Waffen, ein goldbefchlagenes Koran- Pult, aber auch manche Gegenftände ausgeftellt, die offenbar franzöfifchen Urfprunges find. Wir kommen nun zum Schluffe unferes Berichtes. Obwohl wir überzeugt find, dafs fich noch fo Manches in den Ausftellungen von Frankreich, Portugal, Oftindien u. f. w. vereinzelt vorfand, was wir zu befprechen hätten, wollen wir nur noch der Expofition der anthropologiſchen Geſellſchaft in Wien gedenken, welche die durch die ungenügende Ausftellung von Gegenftänden der prähiftorifchen Zeit entstandene Lücke in der öfterreichifchen antiquarifchen Ausftellung beftens deckte. Wir können zwar auf die Ausftellung von Funden menfchlicher Gebeine nicht eingehen, allein das ausgeftellte grofse Lendengehänge, beftehend aus einer verzierten Scheibe mit Plättchen und Ringen aus Bronce, Armknochen mit Bronce verzierungen, Thongefäfs- Fragmente, hauptfächlich in Böhmen gefunden, Pfahlbauten- Funde aus dem Atterfee, verdienten alle Beachtung. Faffen wir noch zum Schluffe die Bedeutung und den Nutzen diefer antiqua rifchen Ausstellung ins Auge, wobei wir nicht vergeffen dürfen, dafs diefelbe für faft jedes Land nur eine fragmentarifche war, fo kommen dabei mehrere Gefichtspunkte in Betracht. Der eine, aber leider nur für Oefterreich und Ungarn allein, und felbft da nur annähernd mafsgebende, ift die damit erzielte Ueberficht des reichen Materiales an Denkmalen der Kleinkunft, Kunftinduftrie und handwerks mäfsiger, wie auch hausgewerblicher Thätigkeit von den älteften Zeiten an bis zur jüngften Vergangenheit, der Andere die Aufforderung und Anregung der Fachgelehrten zum tieferen Eingehen auf den geiftigen Inhalt der alten Kunftproducte, wie auch die Belehrung der Sammler, nicht jeden alten Gegenftand feines Alters und verfallenen Ausfehens wegen der Aufbewahrung würdig zu halten, fondern mit feinem Gefühle unterfcheiden und erkennen lernen, was einer forgfältigen Erhal tung werth ift; endlich foll diefe Expofition auch in praktifcher Beziehung nutz bringend werden und der Kunftinduftrie, wenn auch nicht Vorbilder zur unmittel baren Nachahmung liefern, fo doch zum Studium jener Principien und Eigenthüm lichkeiten anregen, welche die Producte jeder Zeit und jeden Stiles charakte rifirten, zur Erforschung der an denfelben angewendeten Kunftweifen, zu einem Studium, das für die Läuterung des Gefchmackes und für das Aufblühen der Kunft der Gegenwart und Zukunft als deffen Fundament unentbehrlich ift. Mag mancher der Befucher ein oder das andere ausgeftellte Object nur leichthin beurtheilt, ja belächelt und darin nur eine Rarität gefehen haben, fo bilden doch alle Gegenftände zufammen eine wohl gegliederte Reihe von Denkmalen, aus der nicht ein Gegenftand entbehrt werden kann, und an deren Hand gründliche Kunft und culturgefchichtliche Studien gemacht werden können. - Objecte der Kunft und Gewerbe früherer Zeiten. 65 Alles, was geboten wurde, gab Zeugnifs von dem fortwährenden Drange des Menfchen nach dem Schönen und Edlen, und wenn auch Verirrungen nicht abzuleugnen find, fordert doch jedes Stück Achtung vor dem Geifte, der, feiner Individualität und feinem Bildungsgrade entſprechend, nach gefälliger, fchöner Geftaltung und äfthetiſchem Werthe feines Productes ftrébte. Ein Zeitalter fordert das andere und jedes fchöpft aus dem früheren, das ältere reicht dem jüngeren die Fülle der Erfahrungen, der eigenen Errungenfchaften und die Menge des Gewonnenen, aber es überlässt ihm auch feine Mängel und Fehler zur Verbefferung. Eben diefe Abhängigkeit der Gefchlechter und Zeiten foll uns Ehrfurcht vor den entfchwundenen Generationen, aber auch Nachficht mit ihren Leiftungen und Bewunderung ihrer, mitunter in Form und Gebrauch, wenn auch längft veralteten Schöpfungen lehren.