OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3. DER SCHREIBUNTERRICHT. ( Theilbericht der Gruppe XXVI.) BERICHT von J, HÜPSCHER, Lehrer an der Handels- und nautifchen Schule zu Trieft. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF UND STAATSDRUCKEREI. 1873. VORWORT. Nach dem Programm der officiellen Berichterstattung über die Wiener Weltausftellung 1873 foll der officielle Bericht noch ,, während der Feier des internationalen Feftes abgefafst und aufgelegt werden". Diefe Beftimmung zu erfüllen, übergibt die gefertigte Redaction des officiellen Berichtes in der vorliegenden Form die einzelnen Sectionsberichte der Oeffentlichkeit und glaubt damit den Befuchern der Weltausftellung das Studium derfelben wefentlich zu erleichtern. Nur eine Bemerkung fei an diefer Stelle geftattet. Der vorliegende, wie jeder andere während der Weltausftellungs- Feier publicirte Bericht wird einen Theil des officiellen Berichtes bilden, welcher nach dem Schluffe der Weltausftellung als ein Ganzes erfcheinen und die wiffenfchaftlichen Refultate der Ausstellung für die Dauer erhalten foll. Diefs mag dem Lefer die ftiliftifche Form, in welcher bereits die Vergangenheit der Ausftellung angenommen ift, erklären. PROFESSOR DR. CARL TH. RICHTER, Chefredacteur des officiellen Berichtes. DER SCHREIBUNTERRICHT. ( Theilbericht der Gruppe XXVI.) Bericht von J. HÜPSCHER, Lehrer an der Handels- und nautifchen Schule in Trieft. Ein erfchöpfenderBericht über den Gefammtumfang des Schreibunterrichtes, wie er in der Gruppe XXVI von den verfchiedenen Culturvölkern diefs- und jenfeits der Atlantis, als Wahrzeichen des Bildungsgrades und Werthmeffer eines mehr oder minder potencirten Grades anzuftrebender Volkserziehung und formaler Jugendbildung, zur Weltausftellung eingefandt wurde, ift in mehrfachen Beziehungen ein fchwieriges und verwickeltes Stück Arbeit. Wären die von der Erfahrung und Wiffenfchaft gleich gebilligten Grundfätze eines Schreibunterrichts- Verfahrens genau feftgeftellt, böte die Beurtheilung der aufgewiefenen Leiftungen ebenfo wenig Schwierigkeiten, als die Vergleichung und Beurtheilung mathematiſcher Rechenexempel. Aber gerade in unferem Zweige, der im Grunde ebenfo präcis und fchmucklos wie die Elemente der Mathematik, nur Werthzeichen von Lauten und Klängen als Componenten von Wort und Sprache darftellen follte, hat mit den Jahren eine Licenz eingegriffen, die wahrhaft beklagenswerth ift, und die ein Endurtheil über eine gute oder verwerfliche Schrift und Schreibmethode oft recht fchwierig macht. Sehen wir aber von Vorurtheilen und eingebürgerten Angewöhnungen ab, fo werden wir dennoch bald fefte Anhaltspunkte finden, die uns auch hier geftatten, leicht zu erkennen, welcher von den eingefchlagenen Wegen der einzig richtige fei und am leichteften und ſchnellften zum Ziele führen mufs. Wir Alle wiffen, dafs die Schrift nur den Einen Zweck hat, um gelefen zu werden, ferner, dafs alle Kalligraphie nur dazu dient, den Lefeftoff gefällig zu geftalten. Wir werden alfo berechtigt fein, jenen Schreibmethoden den Vorzug zu geben, die bei fteter Fefthaltung der einheitlichen Urform der Lautzeichen beftrebt ift, die Handfchriften deutlich, geordnet, fchmucklos,( nach Längen und Diftanzen) und flieffend zu geftalten und zu lehren. Jene Schriftarten aber, die durch bizarre Formen die Einheitlichkeit der Lautwerthe verwirren, die leichte Lesbarkeit ftören, die, von Verzierungen und Schnörkeln überladen, weniger auf gefchmackvolles Arrangement eines Schriftftückes als auf unmotivirte Schreib- Zeichenkünftelei achten, werden wir auch nicht in die erfte Reihe zu fetzen uns verpflichtet halten. Die geringften kalligraphifchen Schwierigkeiten bietet die deutfche Currentfchrift; die allerfchwierigfte aber und einen äfthetiſchen Gefchmack documentirende ift die auf der Elypfe beruhende, einfache Lateinfchrift. 2 J. Hüpfcher. Sogenannte Zierfchriften bringt der letzte Lithographen- Lehrling mit grofser Fertigkeit zu Stande; aber nur der gebildetfte Gefchmack eines Meifters fchreibt und fticht eine tadellofe Lateinfchrift. Sämmtliche fogenannte National- Handfchriften haben denfelben Werth wie etwa National- Münzen, Gewichte, Mafse und Coftüme; fie kommen meift theuerer zu ftehen als die allgemeine Tracht. Sprache und Kunft find und müffen mannigfaltig fein, da der Menschengeift in feinen unendlichen Geftaltungen fich in denfelben offenbart; aber die conventionellen Zeichen zur Lautfixirung, die reiner Mechanismus find, könnten wahrhaftig ebenfo einfach, einheitlich und wahr fein wie die Photographie. Schreiben ift ein Handwerk, und kann und foll wie jede andere mechanifche Fertigkeit fauber und gefällig ausgeführt werden; aber von der echten Kunft des Zeichnens ift die Kalligraphie eben fo weit entfernt wie die Photographie und andere Reproductionsarten. Nichts wäre daher gebotener, fowohl im Intereffe der Jugendbildung als der allgemeinen Lehreinheit, als in einem Generalcongreffe die Schriftzeichen ein für allemal zu fixiren, und nur nach diefem Normal- Schreibalphabete in fämmtlichen Lehranstalten zu unterrichten. Nur fo könnte dem Unfug der ungezügelten Buchftabenkünftelei kräftig gefteuert und eine gediegene, praktifche, allgemein leicht leferliche Schreibfchrift erzielt werden. Wir haben beiſpielsweife, von den Unterarten abgefehen, eine deutfche, englifche, nordamerikaniſche, ſpaniſche und franzöfifche Lateinfchrift. Welch' verwirrender, nutzlofer Luxus! Dann kommt die deutfche Current-, die griechifche und ruffifche Schrift da gehört ja ein Viertel Lebenszeit dazu, um nur allein die europäifchen Schriftarten geläufig lefen zu lernen. - Bevor wir auf die eigentlichen Schreibmethoden und deren Refultate, die Schülerfchriften eingehen, müffen wir von den Inftrumenten, Objecten und Behelfen fprechen, welche die moderne Induftrie der fchreibenden Welt darbietet. Denn die Auswahl der Mittel und Werkzeuge find beim Schreiben ebenfo entfcheidend wie bei jeder anderen mechanifchen Fertigkeit auch. Und gerade beim Unterrichte ift die Anleitung zu einer richtigen Abfchätzung und Auswahl der Werkzeuge von unbeftreitbar geiftiger und formaler Bildung. Schliefslich wollen wir dabei der mehr oder minder gelungenen Verfuche gedenken, die von mafsgebender Seite gemacht wurden, um das ganze heutige Schreibverfahren zu vereinfachen, oder radical auf phoneto- ftenographifchem Wege zu reformiren, beziehungsweife umzugeftalten. Subfellien. Die humanitäre Richtung, welche fich durch unfer gefammtes modernes Unterrichtswefen hindurchzieht, offenbart fich auch in den vielfachen Veränderungen und Verbefferungen bei Anfertigung von Schulbänken, Schreibpulten etc. Mit den Rückenlehnen haben die Schulbänke- Fabrikanten jedenfalls mehr dem Bedürfniffe entfprochen, als mit den Pulten oder Schreibplatten, die beinahe durchwegs zu fchräge gebaut find. Durch die lang andauernde fchräge Haltung der Hand, befonders beim Schnellfchreiben müffen die Finger durch den erfchwerten Blutzudrang nothwendiger Weife bald ermatten und fich überanſtrengen, was bei einem planen oder nur wenig geneigten Pulte nicht der Fall ift. Die Erleichterung, welche hiedurch dem Auge gewährt wird, ift aber nur eine problematifche, und jedenfalls keine entfcheidende, da dem Uebelftande von„, näher" und ,, ferner" auf fo kurze Diftanzen, als die Schreibzeilen find, durch das mässige und rhythmifche Vorneigen des freifitzenden Oberkörpers leicht abgeholfen werden kann. Das Kerzengrad- und Nagelfeftfitzen beim Schreiben ift überhaupt nicht natürlich, fehr ermüdend für das Rückgrat und verleitet den Schreiber, bewufst 99 Der Schreibunterricht. 3 oder unbewufst, fich mit der Bruft an die Subfellie anzulegen; ein Vorgang, der feiner gefundheitswidrigen Folgen halber nie geduldet werden follte. Kurzfichtigen ift beim Schreiben ein zweckmäfsiges Augenglas zu empfehlen; denn durch das Zunaherücken des Gefichtes an das Schreibobject wird das fpecielle Uebel nur noch gefördert. Für die Hand felber ift es entfchieden vortheilhafter, das Schreibobject fo weit als thunlich niedrig geftellt zu bekommen. Der Referent durfte fich von der Befprechung diefes wichtigen Schulgeräthes um fo weniger dispenfiren, als es hauptfächlich als Schreib- und Zeichenunterlage zu dienen beftimmt ift, und für die Hygiene des zarteren Alters von folgenfchwerer Wichtigkeit ift. Stahl- Schreibfedern. Diefes moderne Schreibinftrument hat heutigen Tages die Kielfeder beinahe gänzlich verdrängt. Das englifche, deutfche, zum Theil belgifche, amerikaniſche und allen voran unfer einheimifches Fabricat, hat eine folche Vollkommenheit erreicht, ift fo bequem, dauerhaft, elaftifch und gefchickt, dafs es in verhälnifsmäfsig kurzer Zeit alle Vorurtheile überwand, und fiegreich bis in die letzte Dorffchule eingezogen ift. Die Befürchtungen, als erzeugte die Stahlfeder eine fchwere Hand, haben fich durchaus nicht beftätigt; aber viel Zeit und Arbeit ift dem Lehrer durch die Einführung der Stahl- Schreibfedern erfpart worden; Zeit, die er bei den heutigen Anforderungen des Unterrichtes kaum entbehren follte. Der Koftenpunkt wird fo ziemlich der gleiche geblieben fein; denn die gröfsere Billigkeit der Gansfeder wird durch die gröfsere Dauerhaftigkeit der Stahlfeder ausgeglichen. Die fchlechtefte, wenigft elaftifche Stahlfeder ift, wie billig fie auch zu haben ift, die theuerfte Schreibfeder. Papier. Hand in Hand mit der Vervollkommnung der Stahl- Schreibfeder ging die Verbefferung des Papieres. Die Mafchinenpapiere find im Ganzen genommen viel weniger rauh als die alten Handfabricate. Zu glattes Schreibpapier eignet fich für Kinder freilich wenig, aber durchaus hindernd und fchädlich für die Nerven der fchreibenden Fingerfpitzen ift das rauhe fliefspapierartige Fabricat, welches feiner gröfseren Wohlfeilheit wegen gerade in fehr vielen Schulen zur Anwendung kommt. Der Profit, welchen diefes unzweckmässige Fabricat abwirft, kommt nur in fehr geringem Mafse dem Käufer zu gut. Leider werden die Schreibpapiere trotz der Maffenerzeugung und der vielfachen Surrogate für die Hadernfubftanz, bei dem ungeheuern Bedarf diefes Artikels und der grofsen Papierverfchwendung, welche unfere Art zu fchreiben erheifcht, von Jahr zu Jahr theurer im Preife. Da der Confum der Druckereien fich kaum verringern wird, ift nur noch von einer vereinfachten und bedeutend kürzeren Schreib- und Druckmethode ein Heil zu erwarten. Schiefertafeln. Unbedingt verwerflich, weil für die zarte Kinderhand höchft fchädlich, find die rauhen Schiefertafeln, welcher Form und Art fie immer fein mögen. Ihre Schädlichkeit wird nur von den harten und dünnen Stiften übertroffen, welche als actives Schreibmittel zu diefem fchlechten Objecte gebraucht werden. Es ift eine wahre Pein zuzufehen, wie fo ein armes Kind fich maltraitirt, und welche abfcheuliche Fingerhaltung es beim Kritzeln mit folchem und auf folchem Materiale fich anzueignen gezwungen wird und da die erften Angewohnheiten nicht fo leicht zu befeitigen find-- oft für fein ganzes Leben beibehält. Auch in diefem Artikel hatte der Erfindungsgeift der neueren Induftrie erfreuliche Fortfchritte auf unferer Weltausftellung aufgewiefen. Schreibgriffel. Diefe in Schulen, befonders in den unteren Claffen, fo häufig benützten Schreibinftrumente müffen, wenn fie nicht verderblich auf die erfte Angewöhnung einer hübfchen und zweckmässigen Federhaltung, und nachtheilig auf die fchreibende Hand felbft einwirken follen, paftös, leicht abfärbend und nie zu hart fein. Zu wünfchen wäre auch, dafs diefe Schreibftifte in dickere Hülfen eingelaffen würden, theils aus Sparfamkeitsrückfichten, theils um die Fingerfpitzen nicht ftumpf und müde zu machen. I* 4 J. Hüpfcher. Schreib- Federnhalter. Die moderne Induſtrie hat die mannigfaltigften Stoffe zu diefem nothwendigen Schreibbehelfe verwendet, hauptfächlich Holz, Bein, Metall und Kautfchuk. Ebenfo erfinderifch war fie in Hinficht der Form. Nach unferem Dafürhalten, das fich auf eine langjährige Praxis, fowie eine richtige Hygiene bafirt, find Metallgriffe die unzweckmäfsigften, Holz oder Cork die geeignetften Materialien zu Federgriffen oder Haltern. Was die Form betrifft, fo find die voluminöfen Federhalter jedenfalls den dünneren, felbft für kleine Kinder, bei Weitem vorzuziehen. Schreibtinte. Bei dem faft allgemeinen Gebrauche der Stahl- Schreibfeder hat die Tinte eine noch gröfsere Wichtigkeit erlangt, als es früher in der Periode der Gänfekiele der Fall war. Die Tinte hat fehr oft die hervorragendfte Schuld, wenn es mit einer Feder nicht vorwärts gehen will. Die Farbe der Tinte thut wenig oder nichts zu ihrer befferen oder fchlechteren Qualification, und bleibt Gefchmackfache. Aber ihre chemifche Zubereitung und Confervirung in einem fehr flüffigen Zuftande, in einem nicht ftark poröfen Gefäfse ift das Entfcheidende. Rothe Tinte follte Schulkindern nie zum Schreiben geftattet werden. Jede Tinte, die in einem zugedeckten Glasgefäfse gut flüffig bleibt und fehr wenig ,, Satz" bildet, ift gut. Hingegen ift vor folchen fchleimigen Tinten zu warnen, die nur fchwer in continuirlich kleinen Quantitäten von der Feder abfliefsen, oder auch dünnflüffigen Tinten, die durch ihre grofse Neigung zum Gerinnen immerwährende Veranlaffung zum Putzen der Feder geben, und die felbft ftundenlang nach ihrer Eintrocknung fich noch leicht verwifchen laffen. Selten wird mit einem Artikel fo viel Mifsbrauch im Handel getrieben, wie gerade mit diefem. Freilich wollen viele nur fehr billige Tinte haben. Gute Waare aber verdient gut gezahlt zu werden. Kreide. Da diefes Schreibmaterial in erfter Linie nicht eigentlich für Schüler, fondern für den Lehrer mafsgebend ift, fo fei hier kurz erwähnt, dafs nur gut gefchlemmtes Material ohne die fatalen Sandkörner, welche die Hand eines Kalligraphen zur Verzweiflung bringen und alle Wandtafeln in der kürzeften Zeit unbrauchbar machen, zu empfehlen ift. In manchen Städten ift es geradezu eine Unmöglichkeit, fich eine reine Schreibkreide zu verfchaffen. An Anpreifungen und Ausflüchten laffen es die Herren Verkäufer freilich niemals fehlen. Alfo gut gefchlemmte Kreide ohne obligaten Sandinhalt! Da die Kinder oft aus ziemlicher Ferne von der Schultafel zu copiren haben, fo ift es, durchaus nicht gleichgiltig, in welchem Farbenzuftande diefe fich befindet, oder ob die Kreide fchön weifs und weithin fichtbar abfärbt oder nicht. Betreffs der einzelnen hierauf bezüglichen Gegenftände verweifen wir auf den Bericht Gruppe XI, Seite 3, von J. Nagel. Unfer Bericht verfolgt andere Ziele. So weit es aber nöthig, kehren wir im Folgenden darauf zurück. Der Schreibunterricht. Amerika. Subfellien. Die hohe Stufe, auf welche fich das Schulwefen im Allgemeinen in Nordamerika in fo unglaublich kurzer Zeit emporfchwang, geht naturnothwendig mit den humanitären Beftrebungen für die Schule felbft in fehr erfreulicher Weife Hand in Hand. Freilich läfst fich nicht gerade Alles, was die philantropifche Fürforge zum Wohle der Schuljugend erfonnen, abfolut gut heifsen, theils weil fie zu einfeitig, theils zu kühn und über das praktiſche n Z, n. e e Co r, D- er Ee h- g en n d u n, en 1- it n. Lit ir r S es it PA e d it er n d f e. t r S t e Der Schreibunterricht. 5 Bedürfnifs hinausgehend fich manifeftirt. In beiden Fällen jedoch läfst fich ihr ein rührender Zug und ein Ringen nach dem Beften nicht abfprechen. Mögen die Nordamerikaner noch fo gute kaufmännifche Rechner fein, für Schule und Erziehung leiften fie, gleichviel aus welchen Urmotiven, wahrhaft Herzerfreuendes. Beweis deffen das amerikaniſche Schulhaus. Ich hoffe, die geehrten Lefer werden es mir verzeihen, dafs ich dafs ich von meinem Gegenftande abzukommen fcheine; ich glaube nicht, dafs diefes der Fall fein wird, und doch, wie wird das Gemüth und die Seele eines alten Schulmannes erregt, wenn er diefe durchaus comfortable Einrichtung, mit vielen der unferigen, befonders in Kleinftädten und auf dem Lande vergleicht! Trotz des unbeftreitbaren Anlaufs zum Beffern, welches unfer gefammtes Schulwefen unter einer erleuchteten Regierung in den letzten Jahren genommen, wie viel bleibt uns noch zu thun und zu fchaffen übrig, bevor wir, Regierung und Volk, dahin gelangt fein werden, und zwar nicht blofs in Oefterreich allein, fondern in Europa überhaupt, das vorgefchrittene Deutfchland nicht ausgenommen, unferen gröfsten Stolz in unfere Schulen zu fetzen, und wären die Motive unferer diefsbezüglichen Anftrengungen anfangs auch keine rein ethifchen, fondern einfache, wohlberechnende kaufmännifche Speculation. Wir opfern ohne Bedenken, blofs dem natürlichen Impulfe unferer felbftlofen elterlichen Liebe folgend und freudig Hunderte von Gulden, wenn eines unferer theueren Kinder erkrankt, aber mit der Schule knaufern wir noch immer entfetzlich, und doch find es nicht wenige der Kinderkrankheiten und oft weit über die Kinderjahre hinausgreifend, die fich die Kleinen eben in den überfüllten und zu wenig beachteten Schulen holen. Würden wir nur den vierten Theil von dem für Schule und Erziehung opfern, was wir jährlich für durchaus leicht entbehrliche Bedürfniffe ausgeben, wahrlich wir könnten Paläfte unferen Kindern bauen, und die bewährteften Lehrkräfte nicht nur angemeffen, fondern glänzend honoriren. Wer dabei am meiften gewänne? Der Staat als Ganzes und wir felber, jeder Einzelne. Die Schreibtheken haben durchwegs gutes halbglattes Papier und find theils mit Vorfchriften und Lineatur verfehen, theils nicht. Eine gewiffe Sorgfalt für die Bedürfniffe des Schreibers ift überall wahrzunehmen. Der Gebrauch der Goldfeder fcheint nach den Refultaten, wie fie fich in den maffenhaft exponirten Schriftproben der Schüler und Schülerinen der nordamerikaniſchen Schulen manifeftirt, ziemlich verbreitet zu fein, da die Goldfedern ziemlich hartfpitzig und lange nicht fo elaftifch find, wie z. B. die englifchen Stahlfedern, oder gar das Wiener Fabricat von Carl Kuhn. C. Southerland aus Baltimore brachte fehr nette linirte Schülerhefte mit Vorfchriften unter dem Titel: Patent Copy Buk. Die Methode ift die des National- Syftems. Das Papier ift weifs, halbglatt und die Schriftmufter tadellos ausgeführt. Schiefertafeln waren in mehreren Gattungen gut vertreten. J. L. Rafs aus Bofton ftellte eine Collection verfchieden linirter SchulSchiefertafeln mit auf den hölzernen polirten Einfaffungsrahmen angebrachten unverlöfchlichen Vorfchriften, Zahlen und verfchiedenen Zeichnungen als verkäuflich aus. 24 Stück zu 14 fl. öfterreichifcher Währung. Der Gedanke ift neu und praktiſch, fowohl für das lernende als fpielende Kind. Das Material ift fehr gut präparirt. F. Soehner aus Hamilton( Ohio) ftellte gute Schiefertafeln mit einem finnreich ausgedachten Patentlineal aus. Diefes beſteht in einer Vorrichtung, die es ermöglicht, viele theils einfache, theils doppelte Linien auf einmal über die Tafel zu ziehen, und da die Zeilenfurcher, die in convex nach aufsen gebogenen Drähten beftehen, feft find, fo geben fie Zeilen von ftets gleichen Diſtanzen. Die Schreibfedern betreffend, haben die Vereinigten Staaten nur ihre Gold- Schreibfedern- Erzeugniffe zur Weltausftellung gebracht und zwar waren meh 6 J. Hüpfcher. rere der hervorragendften Firmen in diefem glänzenden Artikel der modernen Induftrie vorzüglich vertreten. Wie bekannt, ift bei der Gold- Schreibfeder nicht das Gold felbft, fondern die diamantharte in Gold eingelaffene Spitze aus einer Compofition von Iridium und Rodium, die diefem Schreibinftrumente feinen Werth gibt. Bei richtiger Behandlung bleibt die Federfpitze auch nach jahrelangem Gebrauche unverfehrt und gewährt dem Schreiber den Vortheil einer fich ftets gleich bleibenden Schreibfeder. Für Schulkinder ift des Inftrument bei uns wenigftens zu koftfpielig und gar nicht im Gebrauche. Die Federhalter find natürlich auch meiftens Edelmetall, aber die Griffe nach unferem Dafürhalten zu dünn. Schulbänke, ein- und mehrfitzige, hat Nordamerika in reicher Auswahl nach den modernften Conftructionen ausgeftellt und hat fich in diefem Zweige der Schulhygiene fehr erfinderifch erwiefen. Zu einer Maffenanfchaffung dürften auch diefe zum Theil fehr zweckmäfsigen und eleganten Schulgeräthe zu hoch im Preife ftehen. Von den Exponenten nennen wir vor Allen: W. H. Sopers, Baltimore, im Jahre 1869 patentirte, von Charles Stevens ausgeftellte Subfellien mit 2 Sitzen, mit umlegbarem Sitzbrett und aufzuhebendem Pulte, das eine geräumige Caffette bedeckt. Das Dintenfafs mit verfchiebbarem Deckel ift in der Mitte der Bank angebracht. Eine gediegene und dauerhafte Arbeit, zum Theil Eifenconftruction. Ebendafelbft einfitzige Subfellien mit abgefonderten fitzgerechten monopoden Bänkchen. F. W. Nichols, Bofton, ftellte Mufter- Schulbänke für Kleinkinder- Schulen aus mit Sitzen zum Einfchlagen und fixer Platte. Ruffels Schulbänke mit charniermäfsig beweglicher Platte ſcheinen uns für Schulen zu gefährlich, da bei einer Unvorfichtigkeit die fchwere Platte leicht zu Verletzungen gerade desjenigen Körpertheiles der Kinder führen kann, den fie in der Schule am meiften benöthigen, nämlich des Kopfes. G. W. Schattluck, Bofton, Mufter Schulbänke, ausgezeichnet durch gute Conftruction, bequeme Sitze und Lehnen; die Schreibplatten find etwas zu fchräg. W. A. Slaymacker, Bofton, ftellte einfitzige Mufter- Schulbänke von grofser Gediegenheit, ja gewiffermafsen eleganter und doch dauerhafter Conftruction aus Die Sitze zum Einfchlagen find bewegbar. Der Preis mufs verhältnifsmäfsig aber hoch fein. A. H. Andrews& Comp., Chicago, zweifitzige Mufter- Schulbänke mit Einfchlagfitzen und je einem in der Mitte angebrachten Tintenfaffe. Zum Schlufse fei noch hinfichtlich der nordamerikanifchen Subfellien- Expofition bemerkt, dafs die Erfinder und Conftructeure wohl dem Principe der fchiefen Schreibfläche huldigen, jedoch nicht in extremer Weife; die Neigung ift eine fehr fanfte, manchmal kaum bemerkbare. Als Schreibunterrichts- Methode macht fich beinahe ausfchliefslich die fogenannte„ Amerikanifche" geltend. Bei einfachen hübfchen Ovalformen wird befonders auf Schreibflüchtigkeit Rückficht genommen; daher das Vorherrfchen des feinen Striches und nur feltene Anwendung ftärkerer Schattirungen. Die Hauptrepräfentanten diefes Syftems find die Methoden von Payfan, Dunton und Scribners, Herausgeber Shanttluck und das Electric Syftem of penmanship von Tompfon& Bowler bei Wilfen& Hinkle, Cincinnati. Die deutfche Currentfchrift erfreut fich nur einer fehr mittelmässigen Cultivirung. Muftergiltig in der Form der Schriftzeichen und pädagogifcher fortfchrei tender Entwicklung des Stoffes, ift das National- Schreibfyftem von Tompfon und Bowler, Cincinnati. In acht Heften wird die Latein- oder Nationalfchrift behandelt, und zwar in Doppelexemplaren für Knaben oder Mädchen. Das neunte Heft enthält fehr gefchmackvoll ausgeführte Vorfchriften für Kunftfchreiber. Sämmtliche Vorlagen find praktiſch und edel zugleich. Die Schul- Schreibmethode ftützt fich auf den feinen Haarftrich und nur in den ovalen Buchftahen wird etwas mehr Druck angewendet. Der Schreibunterricht. 7 Die verbreitetfte Schreibmethode in Nordamerika ift die ebenfalls fehr gute Mufterfchrift von Payfan, Dunton und Scribners. Die Unterrichtsweife ift diefelbe, wie die vorhergehende, aber nicht fo ganz correct in den Formen wie diefe. Scribners hatte eine grofse Sammlung von Mufter- Schreibheften für die Schule und den Privatunterricht ausgeftellt. Ebenfo ganz nette Schriftproben von Schülern. Wie bei allen Kalligraphien machen fich auch in der amerikanifchen Nationalfchrift Formabweichungen bemerkbar; doch find diefelben wenigftens nicht verkünftelt und immer leicht zu lefen. Die Methode im Ganzen ift zu empfehlen. Eine Methode für den Unterricht in der deutfchen Currentfchrift hat Hermann Reffet aus New- York bei Steiger's deutfcher Schulbücherfammlung aus-, geftellt. Doch fcheint uns die etwas veraltete Façon der meiften Buchftaben und der wenig entwickelte Gang der Methode gerade nicht darnach angethan, den im Verhältnifs zur Nationalfchrift fehr zurückſtehenden deutfchen Current viel auf die Beine zu helfen. Schülerfchriften. Neben fehr hübfchen Schülerfchriften, welche die verfchiedenen Staaten Nordamerikas zur Weltausftellung brachten, machten fich auch fehr unentwickelte und unbeholfene Handfchriften bemerkbar, was nach unferen Schulbegriffen z. B. von Schülern der vierten Claffe kaum begreiflich ift. Schade, dafs nicht neben dem Alter des Zöglings und der Claffe auch noch die Zeitdauer feines Schulbefuches angegeben war, da in Amerika die Wahl der Claffe zum Theil von den Schülern abzuhängen fcheint. Sehr hübfche und geläufige Schülerfchriften exponirten die Volksfchulen von New- York, Cincinnati, minder gute Cleveland( Ohio), befonders die deutfchen Schriftproben waren fehr mittelmäfsig; ebenfo Dayton( Ohio). Befferes leifteten New- Orleans, Baltimore, Bofton, Chicago, Toledo( Ohio) und Andere. Nicht unerwähnt können wir laffen, dafs auf der Rückfeite jedes einzelnen Schriftprobeblattes der Name des betreffenden Lehrers verzeichnet ift. Phonographie. A. E. Burnett aus Cincinnati ftellte einige Wandtafeln mit einer fürs Englifche berechneten phonetifchen Schrift aus, für welches Syftem wir uns aus mehrfachen Gründen nicht erwärmen konnten; denn abgefehen von der unzweckmäfsigen und fchwierigen Schreibung es ift eine complicirte Silbenfchrift mit fehr fubtilen Superpunctationen, hat eine phonetifche Schrift nur dann Werth, wenn fie allgemeine Anwendung finden kann. Dafs für die verzwickte englifche Ortographie eine vernünftige Phonographie fehr zu wünſchen iſt, übrigens mehr wie bei jeder anderen Sprache einleuchtend und begreiflich. ift In Amerika fowohl wie in England hat die Phonographie trotz ihrer offenbaren Mängel dennoch einen bedeutenden Anhang gefunden und es bestehen ganze Vereine und, wie natürlich, periodifche Zeitfchriften für die Verbreitung diefer modernen Schriftgattung. Doch können wir einer Schrift, die nicht alle Bedürfniffe und Defiderien der fchreibenden Welt( nicht eines Volkes allein) berücksichtigt und ausführt, keine Zukunft von Belang prognofticiren; denn fo lange ein Syftem Lücken aufweift, ftellen fich neue Syfteme mit neuen Mängeln ein. In der That beftehen in England und Amerika mehrere folche Schreibfyfteme neben einander und machen fich das Feld ftreitig. England. Methode. Das glückliche Albion! Ohne fein geringftes Hinzuthun kam es, wie das fo den Auserwählten Fortunas zu widerfahren pftegt, in den Ruf - bei vielen Kalligraphen nämlich einer eigenen Nationalfchrift. Umfonft frägt man nach den Motiven, warum die gute lateinifche Curfivfchrift in fo vielen Vorlageheften undBlättern ,, englifche Schrift",„, écriture anglaife" ,,, fcritture inglefe" etc. - 8 J. Hüpfcher. heifst Da es fich doch höchftens um kleine, durchaus unwefentliche Abweichungen in der äufseren Form handelt. Glücklicher Weife ift es nur ein Titel und die Briten fchreiben lateinifch. Die neuere englifche Schreibmethode jedoch, die von keinem Kalligraphen behandelt wird, verdient aber hier einer Erwähnung, trotzdem England in diefer Branche nicht an der Weltausftellung betheiligt war. Diefe Methode verfchmäht nämlich alle die fchwierigen Oval- und Halboval- Striche und geftaltet die gefammte Lateinfchrift fpitzig oder doch eckig. Diefe Methode zu fchreiben ift wenig äfthetifch; dafür aber praktifch und macht wenig Kopfzerbrechens: fie ift eben englifch. Beinahe allgemein wurde diefe eckige Lateinfchrift in England dadurch, dafs fie die jetzt regierende Königin Victoria zuerft adaptirte. In der äufseren Form haben alle diefe Handfchriften eine ungemeine Aehnlichkeit mit einander. Theils aus Bequemlichkeit, theils als Modefache hat fich diefe Schriftfpecies auch auf dem Continente viele Anhänger( befonders Damen) verfchafft und nur die wirklichen Schriftenkünftler fcheinen nichts davon zu wiffen, da noch kein Continental- Kalligraph fie fchönfchreiblich behandelte und in fein Syftem aufnahm. Subfellien. England betheiligte fich an der Wiener Weltausstellung mit drei Syftemen von Schulbänken. Die Firma Callaghan W. London, exponirte ein Syftem von Schulbänken nach Angabe des Augenarztes Herrn Dr. Liebreich. Der Herr Doctor hat in feinem Eifer pro domo ganz aufser Acht gelaffen, dafs zum Schreiben aufser dem controlirenden Auge auch die arbeitende Hand gehört, und liefs eine fo enorm fchiefftehende Schreibplatte auf den fonft recht forgfältig und zweckmäfsig conftruirten Schulbänken anbringen, dafs die Hand überaus angeftrengt und auf die Dauer ganz arbeitsunfähig werden müfste. Hingegen traf er es defto beffer, mit dem nach oben umlegbaren Vordertheile der Schreibplatte zum fchiefftehenden Lefepulte. Die Rückenlehne ift ein fchmaler Concavleiften, in der Gegend des freien Rückgrats horizontal angebracht, und foll zugleich als Stützund Ausruhobject für die unbefchäftigten Arme dienen. Der Schämel ift fchräg. Die Schreibplatte trägt links einen Leiften für ein etwaiges Buch, aus dem copirt wird. Hammer George M., London, exponirte zweifitzige Schulbänke von einfacher Conftruction für die Volksfchule und eine andere Gattung mit vorwärts nach oben überfchlagbarem Lefepulte, convexer Rückenlehne und einer auf der Platte angebrachten Federnfurche. Als Schreibobject find beide Syfteme zu fchräge gebaut. Hawes, C. E., Norvich, zeigte fehr zweckmäfsig gebaute Schulbänke mit nach unten zur Hälfte umlegbarer Schreibplatte. Die Rückenlehne ift ein wenig fchräg nach rückwärts gebogen, und von nicht übertriebener Schiefe das Pult. Stahl- Schreibfedern. Die Stahl- Schreibfedern- Fabrication war durch drei der renommirteften englifchen Firmen ausgezeichnet vertreten. Jofef Gilloff, G. Brandauer und D. Leonhard überboten einander an Reichhaltigkeit und gefchmackvollem Arrangement ihrer zum grofsen Theil vorzüglichen Producte. Als neue Specialitäten erwähnen wir Brandauer's doppelund mehrfpitzige Stahlfedern für Zierfchriften. Brandauer und Leonhard exponirten noch ein reiches Affortiment von manchen fehr zweckmäfsigen Federhaltern. Maurice de Leon& Comp. ftellte feine Federnhalter mit Tinten- Refervoir aus. Diefes Fabricat hat den Vorzug vor denen älterer Conftruction, dafs es auf einen leichten Federdruck fich mit Tinte vollfaugt, die es fodann nach und nach in die Concavität der Schreibfeder abfliefsen läfst, während die erften Tintenfafshalter erft eingefüllt werden mufsten. Trotzdem fchein uns diefs bequeme Schreibwerkzeug zu hoch im Preife. Britifch- Indien. Wahrlich wir müffen uns oft und öfter an unfere ftrenge Referentenpflicht erinnern, um nicht im Uebermafse unferes freudigen Erftaunens und pietätvollen Verfinkens in die Urgefchichte der Menfchenkultur, Der Schreibunterricht. 9 anftatt eines trocken objectiven Berichtes eine reflectirend lyrifche Poefie niederzufchreiben. Man müfste ein Herz von Stahl, jeder edleren Regung unfähig, im Bufen tragen, könnte man ungerührt die Schriften und anderen Unterrichtsgegenstände betrachten, welche uns Indien herüberfandte und die einen Glanzpunkt der gefammten Weltausftellung von 1873 bilden. - Von dem einfachen, dreifüfsigen Tintenzeuge, des einerfeits appretirten und zufammengerollten Schreibleinwand Stückes und der Schreibfeder aus fpanifchem Rohr, bis zu jenen complicirten Buchftaben- Geftaltungen, in welchen die Gefänge und Schriften der Indier und nicht minder die Urtypen unferes fogenannten arabifchen Zahlenfyftemes und der Ziffernformen welche Eindrücke, welche Fluth von Gedanken müffen fie und noch dazu in der Atmoſphäre einer Weltausftellung von dem Umfange und der Bedeutung der unferen, anregen und heraufbefchwören. - Herrn Dr. Leitner und den intelligenten Corporationen und Schulvorftänden von Britifch- Indien aber fagen wir unferen aufrichtigften Dank für die lebhafte Betheiligung an unferer Weltausftellung in dem gerade hier culturell fo ehrwürdigen und wichtigen, als intereffanten Zweige des Unterrichtswefens. Streifen von Palmenpapier, wie wir fie hier vor uns fahen, mögen auch der Stoff gewefen fein, auf welchem die heute fo berühmte, als für uns wichtige uralte Literatur Hindoftans gefchrieben wurde, in einem Alphabete freilich, von welchém, wie bei den meiften todten Sprachen, viele Buchftaben als phonetifch ungelöfte Fragezeichen vor unferem Auge ftehen. Mit eben folchen überkalkten Schreibbretern, wie fie die Schulen Hindoftans ausftellten, mögen auch vor Jahrtaufenden die Kinder Zoroafter's ihre erften Schreib- und Rechenverfuche gemacht haben, und diefelben kalligraphifchen Spielereien und Randverzierungen, wie wir fie hier vor uns fahen, haben ficher fchon vor undenklicher Zeit den naiven Kindern des Lichts Freude und Erheiterung verfchafft. Die Methode des Schreibunterrichtes ift, wie auch in neuerer Zeit bei uns, eine analytifch fortfchreitende, und weift fowohl in den verfchiedenen Formen der einheimifch indifchen Schriftarten, als wie in den arabifchen ganz gute Reſultate auf. Auch die lateinifche Schrift hat unter den eingebornen Schülern, die aus dem Englifchen oder ins Englifche überfetzen, manch' brave Vertreter, und beweifen, dafs fie fich auch der Stahl- Schreibfeder zu bedienen gelernt haben. Die europäiſche Politik mag den Kindern des Oftens manche Unbill nicht erfpart haben, aber die europäiſche Cultur ift human und zahlt mit Wucherzinfen den Enkeln zurück, was deren Urahnen für die geiftige Entwicklung der Menschheit geleiftet haben. Schriftproben von Schülern fandten das Localcomité von Bengalen, das Localcomité von Madras, das Unterrichtsdepartement von Bombay, das Localcomité ebendafelbft, M. Kampfon, Director des öffentlichen Unterrichtes in den nördlichen Provinzen, der Rajah Jye Kifhen Dofs( Kalligraphien), der Director des Regierungscollegiums zu Agra, das Local comité von Punjab, die Regierung von Audh, das Unterrichtsdepartement der Centralprovinzen, das Localcomité von Myfore, das Local comité von Berar und das Localcomité von Hyderabad. Aus Madras fandte Abdus Sarnat gefchmackvoll ausgeführte perfifche Kalligraphien und B. R. Tagure aus Bengalen eine intereffante Zufammenftellung aller in Indien gebräuchlichen Alphabete. In der reichhaltigen und lehrreichen Expofition des verdienftvollen Herrn Dr. Leitner fanden wir auch viele Schriftproben aus den Schulen Indiens und dem Cap der guten Hoffnung. So hat uns England reich entfchädigt für die Lücke, die es in der Ausftellung des eigenen Schulwefens auf der Wiener Weltausftellung gelaffen hat. 10 J. Hüpfcher. Portugal. Wie fich die moderne Idee von der hochwichtigen Bedeutung der Volksfchule bei Regierungen und Völkern fiegreich Bahn bricht, davon gab das portugiefifche Schulhaus einen fprechenden Beweis. Noch gegen Ende des vorigen Jahrhunderts konnten kaum zehn Percent der Bevölkerung lefen und der gefammte Unterricht lag ausfchliefslich in den Händen des Clerus. Steht Portugal auch heute noch nicht auf der hohen Stufe der Volkserziehung, wie etwa die Schweiz, Deutfchland u. f. w., fo zeigt es doch Ernft und Eifer, das Mögliche zu thun oder wenigftens anzubahnen. Schreibmethoden ftellten aus: J. Wager- Ruffel, Collecçao de pantas Calligraphicos, methodo rapido d'aprender a escrever femmeftre. Methodifch geordnet ift diefes Syftem nach unferen Begriffen durchaus nicht; die Schrift ift gut und zeigt von grofser Formgewandtheit und bei einfacher Behandlung von gutem Gefchmack. Schriftproben nach diefem Syftem fanden fich in zu geringer Zahl vor, um ein endgiltiges Urtheil über deren Werth feftzuftellen. Godinho aus St. Sebaftian brachte Vorlagen und Schriftproben von Schülern. Leider konnten wir diefe Objecte nicht näher durchfehen, da der Schlüffel zur Cafette, in welchem fie eingefchloffen waren, fich niemals vorfand. Schriftproben, zum Theil recht fliefsend und ausdrucksvoll gefchrieben, fanden wir aus der Real cafa pia in Liffabon, Afilo de Pedro V. dafelbft, Communalfchule dafelbft, National- Lyceum in Braga u. m. A. Schreib- Schiefertafel von hübfch glatter Oberfläche in Holzrahmen hat Francisco Lopes dos Santos Manilho, Volongo, ausgeftellt. Die KorkFedernhalter mit Holzkapfel find empfehlenswerth. Schreibpapiere, zum Theil von fehr guter Qualität brachte Conto Joaquim de Sa. Feira, Dias Manuel J. Goes, Falcad L., F. Penella, G.& H. Fradeffo, Liffabon, Villa Nova Vicomte de la Rainha, Liffabon. Subfellien mit abgefonderten, feften Stühlen, Schublade, Federnfurche, verfchiebbarem Verfchluffe des Tintenzeuges und einer Spalte zum Hineinftellen der Schiefertafel mit wenig geneigter Schreibfläche fanden fich im Schulhaufe. Spanien. Gewiffe Wörter und Redensarten werden fo ftereotyp, dafs ernſter Wille und Vorurtheilslofigkeit des Geiftes dazu gehört, fie in ihrer abgeftandenen Schalheit zu entlarven, gerade fo, wie Menfchen, die fich eines unverdienten fchlechten oder auch guten Rufes erfreuen, bis ein unwiderleglicher Beweis das gerade Gegentheil documentirt. So ift bei uns das Wort ſpaniſch rein zur Schablone für Unverſtändliches und Unverftandenes geworden. Der Weltausstellung in Wien blieb es vorbehalten, das Unhaltbare unferer fchiefen Anfichten über diefes Wunderland zu corrigiren, und was den Hunderten von Reife befchreibungen nicht gelang, das hat das grofse Wunderwerk im Prater fchlagend bewiefen. Spanien, einer der intereffanteften und wenigft gekannten Culturherde Europas, hat uns im wahren Sinne überrafcht durch die Grofsartigkeit, den Gefchmack, die Reichhaltigkeit und die treffliche Dispofition feiner Ausftellung. So mancher, der mit einem gewiffen Nafenrümpfen diefe Räume betrat, ift vollauf befriedigt und reich belehrt von dannen gegangen und Vieles ift ihm eher„ fpanifch., vorgekommen, als Spanien felbft. Freilich branden die Wogen am heftigften da, wo ihnen die ftarrften Hinderniffe entgegenragen; doch über den endlichen Sieg im Kampfe zwifchen Geift und Form kann heute nicht mehr geftritten werden. Der Schreibunterricht. 11 Leider ift es uns nicht gegönnt, uns über das ausgedehnte Culturfeld, welches diefes Land vor unferen Augen entrollt, weit zu verbreiten, und wir müffen in den befcheidenen Kreis unferer abgegrenzten Pflicht zurückkehren. Spanien hat feine eigene Schreibmethode und hat fie ganz gut zur Anficht gebracht. Wir find mit den fpanifchen Schriftformen aber nicht einverftanden, weil fie durch die abweichende Bildung der lateinifchen Grundformen nicht die Lefe- Einheit befördern, fondern fo wie die Franzofen mit ihrer Ronde bedeutend ftören, ein Vergehen, das aller Nationalhochmuth nicht ausgleichen kann; aber Methode, Entwicklung, Anordnung und Gefchmack trotz der bizzaren Formen ihrer fogenannten efcritura iluftrada mufs den fpanifchen Schreiblehrern durchaus vindicirt werden. Die mönchifchen Verkrüppelungen der lateinifchen Druckfchrift haben auch die Spanier fchon längft aufgegeben und bedienen fich feit lange keiner„ Fracturfchrift" mehr, diefe Formenthorheiten uns Deutfchen überlaffend, die wir uns noch, weifs Gott was, darauf einbilden. Die folgenden Herren Schreiblehrer betheiligten fich an der Weltausftellung theils mit ihren Vorfchriften allein, theils mit in den Schulheften entwickelten Schreibmethoden: Die Patres der öffentlichen Unterrichtsanftalten in Yecta; diefe Herren verquicken Schreiben und Zeichnen auf eine rügenswerthe Weife. S. de Vicente y Odone, Profeffor und Director der Schreibakademie(?!) in Madrid. Herr Odone ift löblich bemüht, die lateinifche Curfivfchrift einzuführen, und feinen Landsleuten mundgerecht zu machen, Reforma de Letras und Mercantilfchrift benannt. Joaquim Aleixandre, Director einer Privat- Lehranftalt in Madrid. Xifra N. Gerona mit einer mittelmässigen Methode der neugriechifchen Schrift. D. P. Solís aus Valencia. Julian Viñas und Juan Gangoiti aus Madrid. Pablo Uruñuela in Madrid, eine der beften Methoden und correcteften Schriftformen. Francisco Ruiz Morota, fehr gute Methode, fchöne Schrift. Antonio Caftilla in Madrid, Methode und Schrift gleich brav. Francisco Paula Gonzales aus Valencia, Mufteranordnungen für Schriftftücke, ein Unterrichtszweig, der nicht genug zu empfehlen ift, da oftmals die beften Schüler in Verlegenheit gerathen, wenn fie einen einfachen Brief zu fchreiben haben oder ein Conto auffetzen follen. Schreibpapiere von ausgefprochen guter Qualität und verhältnifsmäfsig billigem Preife ftellte Spanien in der füdlichen Quergalerie in ziemlich reicher Auswahl aus. Trotzdem fanden wir die meiften Schreibtheken aus inferiorem Fabricate gefertigt, was bei dem Gebrauche der fpanifchen Schriftformen freilich wenig verfchlägt, da fie nur mit ftumpffpitzigen Federn gefchrieben werden können. Für die gewöhnliche lateinifche Curfivfchrift werden indeffen durchwegs beffere Papierforten verwendet. Subfellien fanden fich nur in Abbildung von Manuel da Sureda; fie boten nichts Bemerkenswerthes und glichen in der Hauptfache den portugiefifchen. Mit hoher Befriedigung und dem Wunfche, es möge fich die lateinifche Curfivfchrift bald allenthalben Bahn brechen, verliefsen wir die lehrreichen Räume des fpanifchen Pavillons. Schweden und Norwegen. Gefegnet fei das Volk, welches feine höchfte Miffion begreift, und nicht nur begreift, fondern fich löblichft bemüht, dem Begriffe die That, foweit feine Kräfte reichen, friſch und freudig folgen zu laffen. Und welch' höhere Miffion. könnte ein denkendes Volk haben, als diejenige für die ftetig fortfchreitende geiftige Entwicklung feiner felbft und feiner Kinder zu forgen? Darin liegt die Kraft, der Wohlftand der künftigen Gefchlechter, darin im wahren Sinne des Wortes die hohe Idee der Unfterblichkeit des Geiftes. Denn nicht durch die natürliche Abftammung fühlen fich die künftigen Gefchlechter mit den dahingegangenen verbunden, fondern durch den Geift und deffen hohes Wollen und edles 12 J. Hüpfcher. Streben. Ein Juftus v. Liebig hat zum wahren Wohlftande unferes Gefchlechtes mehr beigetragen, als fämmtliche Eroberer und Ausbeuter Indiens. Ein würdiger Zweig des edlen germanifchen Stammes diefes Schweden! Der Gefammteindruck, den fein zur Ausftellung gebrachtes, vollkommen eingerichtetes Schulhaus auf uns machte, ift ein feelifcher, erhebender; denn hier wirkten Geift und Herz zufammen und fchufen eine volle Harmonie. Haben wir über viele Ausftellungsobjecte aus dem Gebiete des Schreibunterrichtes gerade aus der fchwediſchen Abtheilung nichts zu berichten; fo erkennt man doch die gute Lehrmethode an den Schülerfchriften und den fchriftlichen Arbeiten derfelben. Vorzüglich nach jeder Richtung hin find aber die Subfellien und Schulbänke, die, was Zweckmäfsigkeit, Solidität und Schönheit in Anordnung, Conftruction und Ausführung angeht, unübertroffen da ftehen; da ift nichts überfehen und nichts zu viel; und fchwerlich könnte man fich etwas Praktiſcheres an Schulbänken vorftellen. Stahlfedern Halter aus Kork, leicht, mit voluminöfem Griff und eingelaffener Metallkapfel zum Fefthalten der Stahlfeder, find nicht genug allen Jenen zu empfehlen, welche viel zu fchreiben und empfindliche Nerven haben. Leider ift das Fabricat für Schüler zu theuer, auch leichter zerbrechlich wie die HolzFedernhalter. Schreibtinte von guter Qualität ftellte Gullberg Th. aus Göteborg aus; ferner Lundgren P. W aus Stockholm. Papier war meift als Holzpapier- Maffe ausgeftellt; doch auch gewöhnliches Schreibpapier von guter Qualität, fo von Lee James aus Göteborg, von der Fabriks- Actiengeſellſchaft Rofendahl u. f. w. Frankreich. Soweit wir die Gefchichte der Menfchheit, des mühfeligen Vorwärtsfchreitens in der Cultur, ihres ruhelofen Ringens nach dem Befferen, ihrer Thorheiten und Verirrungen, und vor Allem ihrer unzähligen Kriege durchblättern; feit Marathon und Salamis hat kein Völkerkrieg fo allgemein menfchliche, fo edle und veredelnde Früchte getragen, als der letzte grofse Krieg und Sieg Deutfchlands gegen Frankreich. Nicht nur dem Sieger fielen diesmal die Früchte feiner Grofsthaten anheim, nein, die ganze Menfchheit und allen voran der Befiegte felber, mag er aus momentanem Groll es auch nicht anerkennen wollen, der Befiegte felber hat mehr, weit mehr gewonnen als verloren. Die Thatfachen find es, die dafür zeugen. Wenn fchon anno 1866 die öffentliche Meinung dem befferen Schulmeifter die Lorbern zufchrieb, die Preufsen über die heldenmüthige öfter reichifche Armee davontrug, um wie viel intenfiver mufste fich nach den unerhörten Grofsthaten von 1870 und 1871 diefe ganz berechtigte Anficht in allen Schichten der durch die heutigen Commnnicationsmittel eng verbundenen Völker des gefammten Erdballs einniften, und welch' unberechenbare Folgen für die Gefammtcultur, wenn diefe Meinung in nacheifernde That umgefetzt wird. Ein guter Anfang hierzu ift bereits gemacht; bis zu den entfernteften Antipoden macht fich das Bedürfnifs nach Schule, und zwar gute, unbeeinflufste Schule, geltend. Dafs auch der grofse Befiegte von 1870 diefe Anficht zu der feinigen macht, beweifen die fchönen und erfreulichen Anftrengungen, die er, trotz aller äufseren und inneren Hinderniffe macht, um fein im Argen liegendes Volksfchul- Wefen zu verbeffern und zu heben. * Nach Angabe des Seminardirectors F. Sandberg in Stockholm. Von den kleineren Bänken kommt das Stück auf 8, und von den gröfseren auf 11 fl. öfterreichifcher Währung zu ſtehen. Aus Norwegen lagen manche gute Schülerfchriften aus verfchiedenen Volksfchulen vor. Der Schreibunterricht. 13 Der Schreibunterricht, als integrirender Theil des gefammten formellen Schulunterrichtes, hatte fich in Frankreich in früheren Zeiten keiner befonderen Beachtung zu erfreuen, dafs es aber auf diefem wichtigen Segmente der Jugenderziehúng in neuefter Zeit auch vorwärts geht, bewiefen die vielen ausgeftellten Schreibmethoden und Schriftproben von Schülern der Volks- und Mittelfchulen. Mafficault Th. aus Paris ftellte feine verbefferte SchreibunterrichtsMethode aus. Das ganze Syftem ift pädagogifch fortfchreitend angeordnet, fafslich und frei von Ueberladungen. Die Schriftformen find hübfch und practifch, ja zum Theile von edler Einfachheit. Die Schreibmethode verdient Anerkennung von Seite der franzöfifchen Schulbehörden. Colombel, Paris. Progreffiver Schreibunterricht, eine gut geordnete Lehrmethode. Die Lateinfchrift ift nichts Befonderes, hingegen die Ronde fehr hübfch ausgeführt. L. Deupes, Paris, hat eine Schreibmethode eingefandt, die von der Univerfité de France approbirt, in zwölf zum Theile vorpunktirten Schriftformen, als Anleitung zum Schul- und Selbftunterrichte dienen. Die Methode ift eine gut geordnete, die Schriftformen find einfach und hübfch. Flament, Donai, Vorlagen für eine auf die ,, Ronde" bafirte franzöfifche National- Handfchrift. Herr Flament hat auch Schriftproben feiner Schüler ausgeftellt, die fich ganz gut anfchauten. Die einfache curfive Lateinfchrift ift ihm weniger gut gelungen, befonders haben die Grofsbuchftaben nicht die gediegendften Formen. Léon François exponirte ein Handbuch der Kalligraphie mit hübfchen. flüffigen und leichten Formen. Taiclet M. J., Rémirmont, brachte Vorlagen und eine vom öffentlichen Diftricts- Schulvorftande genehmigte Lehrmethode, mit hübfcher Schrift und guter Anordnung für den Unterricht. Gedalge, Paris, brachte Vorlagen und Schreihhefte mit theils vorgezeichnetem Unterdruck, theils mit leeren Linien zur freien Nachahmung. Die Kleinfchrift ift gut ausgeführt, ebenfo das grofse Latein; hingegen find die Formen der Grofsbuchftaben mangelhaft. Victorin zeigte eine practifche Schreibmethode, doch mit etwas veralteten Schriftformen von zweifelhafter Schönheit. Diefe Schreibmethode vertheilt fich auf eine Serie von Schülerheften. E. M. C., eine Schreibmethode, um den Schreibunterricht zu vereinfachen, mit zum Theil vorpunktirten Buchftaben. Die Schrift ift gut, die Ausführung recht gefchickt. Touffaint E., Schulinfpector, fandte eine Sammlung von Schüler fchriften aus dem Arrondiffement Peronne; Gédalgo( junior), Schulvorlagen in Schülerheften, die in den Volksfchulen von Paris angewendet werden. Gute Methode, hübfche Formen. Boscary, eine einfache fchulgerechte Schreibmethode für die italienifch fprechenden Provinzen Frankreichs. Die Schülerhefte mit Vorlagen, welche Godchaux herausgab, haben acht Blätter gutes Schreibpapier nebft Einſchlagsdecke und werden zum Preife von fechs Centimes verkauft. Die chriftlichen Schulbrüder und die ,, Schweftern der Vorfehung" brachten Schülerfchriften, von denen fich befonders die kalligraphifchen Mädchenarbeiten vortheilhaft präfentirten durch hübfche Züge und gefchmackvollen Anordnung des Ganzen, zum Theil mit hübfchen Randverzierungen. Eine neue Methode, Taubftummme und Hörende zugleich fchreiben und lefen zu lehren, ift eine intereffante Erfindung von Herrn Emil Groffelin in Paris und heifst phonomimifche Unterrichtsmethode, bafirt fich auf mimifche Zeichen, die auf ein kurzes ftenographifches Syftem übertragen und aus diefem erft in die gewöhnliche Schreibfchrift umgefetzt werden. Nach den Zeugniffen von Schulvorftänden foll diefe Methode fich fehr practifch erweifen, und fei hiermit allen Lehrern von Taubftummen zur Prüfung empfohlen. Der Erfinder 1 14 J. Hüpfcher. ift Secretär einer humanitären Gefellfchaft für den Unterricht von Taubftummen. zu gleicher Zeit mit gefunden Schülern. Schülerfchriften aus Volks- und Mittelfchulen hatte Frankreich reichlich ausgeftellt. Die meiſten waren von fehr gefälliger Form und zum grofsen Theile recht fliefsend und sans gène gefchrieben. Sie zeugen nicht nur von Fleifs und Ausdauer der Schreiber, fondern von dem Ernft und der guten Methode der Lehrer. Befonders hervorzuheben find: Die Stadt Paris: Kalligraphien und fchriftliche Schularbeiten, Lyons, Rouen, Caen, Douai, Mirecourt, Dijon, Foix, Lifieux, Poitiers, Arpajon, Gannat, Verfailles, St. Arnould, Touloufe, Tours und Anderem. Hervorzuheben find noch die hübfche Lineatur, das gute Papier, die Billigkeit des Schreibmateriales und die praktifche und fchöne Anordnung der Titelblätter. Schreib- Schiefertafeln von fehr guter Qualität und praktifcher Herrichtung für Schulen nebft leicht zeichnenden Schreibgriffeln exponirten die Herren Indre, Deupés, Ardoife, Suzanne, theils linirt und mit aufgedruckten Vorlagen, theils einfache und unlinirte. Schreib- Stahlfedern hatte Frankreich beinahe gar keine ausgeftellt. Wir fagen faft gar keine, denn die unzureichenden zwei oder drei Fabricate find kaum der Mühe des Erwähnens werth. Subfellien. Bapteroffes F., Paris, ftellte einige fehr einfach conftruirte Schulbänke aus, welche die Concurrenz mit denen anderer Culturftaaten nicht aushalten. Die Schreibpapiere ftanden weit zurück vor anderen Papiergattungen, die zu Induftrien und Cigarretten verwendet werden. Tinte konnten wir keine prüfen, da fie in verfchloffenen Gefäfsen aufbewahrt ftand. Hingegen waren die Schreibkreide- Würfel von fehr guter Qualität. Stenographie war vertreten durch Montet, der einen gedrängten Curs de Stenographie brachte und Grünebaum's ftenographifche, nach Gabelsberger's Syftem bearbeitete Tafeln, die indefs nicht durchaus abgerundet und egal fich darftellt. Schweiz. Die hohe Stufe, welche diefes glückliche Staatswefen in der allgemeinen Cultur einnimmt, zeichnet es ganz befonders noch in feinen öffentlichen Schuleinrichtungen, feiner durchgreifenden Organiſation der allgemeinen Volkserziehung, vor vielen anderen weit gröfseren und von der Natur unendlich reicher gefegneten Staaten, höchft rühmlich aus. Was uns Portugals Schulhaus als hoffnungsvolle Anfänge auf dem Gebiete des Schulwefens darbietet, das zeigt uns das fchweizerifche Chalet in kräftigfter Blüthe, heranreifender oder vollendeter Frucht. Dem Schreibunterrichte wurde die Ausftellungs- Commiffion ebenfo gerecht, wie allen anderen Unterrichtszweigen in dem weiten Gebiete der Volksbildung und Erziehung. Die Erziehungsdirection des Cantons Bafelland exponirte M. J. Hübfcher's Vorlagenhefte unter dem Titel: ,, Praktiſcher Lehrgang zu einem erfolgreichen Schreibunterrichte". Diefe Methode ift wohl nicht neu, aber immerhin praktiſch und pädagogifch fortfchreitend. Die deutfche Currentfchrift ift wunderhübfch, einfach und gefchmackvoll. Die Lateinfchrift hingegen überfteigt das Durchfchnittsmafs nur fehr wenig. Die lithographifche Ausführung ift meifterhaft, J. Steidinger's Rondevorlagen find fehr empfehlenswerth, in der Formgebung perfect. Die Erziehungsdirection des Cantons Bern ftellte Wandtafeln mit einfachen deutfchen Currentfchrift- Formen für Volksfchulen aus. Die Schriftenvorlagen find gediegen und von praktiſch gefälliger Anordnung. Der Schreibunterricht. 15 Die Erziehungsdirection des Cantons Freiburg ftellte Vorlagecartons auf fteife Deckel gefpannt aus, in der Art wie Zeichenvorlagen an Schulen gehalten werden; die Idee, befonders da der Unterrichtsftoff gradatim geordnet, und auf die einzelnen numerirten Cartons vertheilt ift, verdient Nachahmung. Schrift und Methode find auch entsprechend. Die Erziehungsdirection des Cantons Genf brachte Anifenfel's Exemples d'écriture von nicht unbedeutendem Werthe, da die Methode fortfchreitend durchgeführt und die modernen Buchftabenformen wenig zu wünſchen übrig laffen. Die Erziehungsdirection des Cantons Neuenburg exponirte Vorlagen in franzöfifcher National- Rondefchrift, fowie Lateinvorfchriften, beide gefchmackvoll und pädagogifch gut zufammengeftellt. Die Erziehungsdirection des Cantons Thurgau, deutfche Vorlageblätter für Volksfchulen von Ulrich Schoop in St. Gallen. Nach der Anficht des Herausgebers genetifch" geordnet. Die beigegebenen Ziffermufter find recht dilettantifch in der Form. Auch die Capitalund Rondefchriften find nicht fehr meiſterhaft ausgefallen. Eine Zufammenftellung gebräuchlicher kaufmännifcher Abbreviaturen ift anerkennenswerth. Die Erziehungsdirection des Cantons Zürich, Schreibhefte und Schreibvorlagen, beide gleich gut, nach Corodi's bewährtem Unterrichtsfyftem. Laufanne exponirte Guignard's methodifch gut geordnete und praktiſch gefchmackvoll ausgeführte Lateinvorfchriften. Andere Lateinvorfchriften von Bertholet verdienen ihrer Einfachheit und gediegenen Ausführung wegen alle Anerkennung. Schulbänke nach Dr. J. Frey's Angabe exponirte Zürich in zwei Exemplaren mit abgefonderten und verbundenen Rückenlehnen zum Höher- und Niederfchrauben, Vorleiften zur Aufbewahrung der Schiefertafeln und fehr fchräger Schreibplatte. Italien. Mit klarer Einficht begriff das kaum freiaufathmende Italien die Nothwendigkeit einer befferen Volkserziehung und mit Energie fing es an, die geiftige Lethargie von dem im Knechtfinn und pfäffifcher Verkommenheit verfunkener Nachkommen der Medicäer zu verfcheuchen und mit allen ihm zu Gebóte ftehenden Mitteln neues geiftiges Blut in die entnervten Volksadern zu leiten. - Ein höchft erfreuliches Zeugnifs der glücklichen Cur gab dem Genius Italiens die Wiener Weltausftellung. Die grofsen Völker- Wallfahrten zu den Kunftwerken und Geiftesfchätzen in den Praterauen, wo Italien wahrlich nicht den letzten Rang behauptete nun fie find unftreitig auch lehrreich und auferbaulich, und wer echt frommen Gemüthes diefe Stätten betreten, wird fie gewifs nicht weniger fromm verlaffen haben. Vor welcher culturlichen Riefenaufgabe die giovine Italia ftand, ift leicht begreiflich, wenn man bedenkt, dafs in den mittelitalienifchen Provinzen kaum 8 Percent der männlichen und in den füdlichen kaum 5 Percent lefen und fchreiben konnte. Freilich nimmt die Romantik des Meuchelmordes von Jahr zu Jahr ab, feitdem die Menfchen neben dem Gebete auch lefen und fchreiben lernen und arbeiten und fleifsig Steuern zahlen. Nicht weniger als durch feinen Himmel und andere hübfchen Dinge ift. Italien von jeher durch feine Kakographie bekannt. Wenn die Franzofen die Sprache dahin definirten, fie fei ein Mittel, das zu fagen, was man nicht denkt, fo glaubte jeder Italiener, die Schrift fei darum erfunden, damit fie Niemand lefen könne. Und wie fich fchon zuweilen zur Bornirtheit eine eingebildete Supriorität zu gefellen pflegt, fo waren die Italiener alten Stiles auf ihre Hühnerfüfse noch ftolz. Als draftifches Beifpiel möge dienen, dafs vor etwa zwanzig Jahren ein reicher Wiener Kaufmann einen Advocaten in Mailand befchäftigte, aber trotz der 16 J. Hüpfcher. erdenklichften Entzifferungskünfte keinen Brief feines Anwaltes lefen konnte. In feiner Guthmüthigkeit fchrieb er dem Doctor, er möge auf feine( des Kaufmanns) Rechnung fchönfchreiben lernen; denn er könne unmöglich deffen jetzige Handfchrift lefen. Entrüftet fchrieb ihm der Advocat zurück: Mein Herr! ich kann fchon fchreiben; wenn Sie aber überflüffiges Geld haben, fo lernen Sie felber lefen. Das ift mit der neuen Area auch beffer geworden; in den Schulen Italiens lernen die Kinder heute weniger Latein und beten; dafür aber lefen und hübfch und leferlich fchreiben. In Italien find die Schreiblehrer ebenfo wie anderswo beftrebt, die alten Formen abzufchaffen und der modernen einfachen und. fchnelleren Handfchrift überall zum Durchbruche zu verhelfen. Zur Ausftellung kamen Muftervorfchriften von G. Carlin aus Turin, deren Grofsbuchstaben- und Ziffernform viel zu wünſchen übrig laffen, aber fonft methodifch gut zu verwenden find. Sehr lobenswerthe Vorlagen hatte P. Bruno aus Florenz gebracht. Mehr gekünftelte und weniger einfach gute Schreibvorlagen brachte Grimaldi; etwas beffere Formen von Curfivfchriften exponirte Modaferri aus Reggio, fehr gut lithographirt bei Bühring in Meffina. Profeffor Marco Vegezzi aus Bergamo brachte ein eigenes ftenographifches Syftem, das zwar nicht fo hübfch wie das Gabelsbergerifche fich ausnimmt, dafür aber ungemein kurz ift. Diefes Syftem hat in Oberitalien fich vielfachen Anhang erworben. Von Subfellien fanden wir eine für Volksfchulen zweckmäfsig und einfach conftruirte Schulbank von Profeffor G. Dujardin aus Pavia. Ebenfo fanden wir gute Papierforten und Schiefertafeln, fo wie eine reichhaltige Ausftellung von fehr guten und billigen Tinten. Belgien. Wie nicht anders zu erwarten war, hat fich das induftriös und culturlich hochentwickelte und ftrebfame Belgien auch in der XXVI. Gruppe hervorragend an der Wiener Weltausftellung betheiligt. Es ift höchft erfreulich, dafs die kleinen Staaten in unferem Jahrhunderte zu der Einficht gelangt find, dafs nicht politifche Nothwendigkeit, welche die Diplomatie fo gern im Munde führt, ihren Beftand neben den Staatenkoloffen garantirt, fondern die Intenfität ihres geiftigen und induftriellen Schaffens, ihr humanitäres und freifinniges Wirken ihnen die Sympatien der grofsen Nachbarvölker entgegentragen. Freiheit, Arbeit, Recht und Gefetz haben in unferem Jahrhunderte eine Macht erlangt, von welcher in früheren Zeitläuften nur die beften Geifter träumten. Schreibmethoden hat Belgien mehrere recht gefchickte ausgeftellt; fo: Gellewaert P. ein vollſtändiges methodifch nur etwas zu breit gehaltenes Syftem einer geläufigen kaufmännifchen Handfchrift. Die fehr hübfchen Schriftformen find wohl geeignet, eine gediegene und geläufige Schrift zu erzielen, find aber hier und da durch unnütze Zuthaten und Züge den Principien der Einfachheit untreu. Die deutfche Currentfchrift und die Capitalfchriften entbehren meift der vollendeten Form. Die Ausftattung aber ift alles Lobes werth. Lory- de Lact P. in Brüffel exponirte eine praktiſche Anweifung zur Erlernung einer gediegenen Gefchäftsfchrift. Die Methode ift praktiſch gehalten, die Schriftformen von gediegener Einfachheit und Formfchönheit. Beaujot H. Ch. in Lüttich exponirte eine Schreibmethode von pädagogifch nicht unanfechtbarem Werthe. Hierzu einen ausführlichen Commentar, die Theorie feiner vermeintlich neuen Erfindung behandelnd. Schreibtheken von verfchiedener Form und Lineatur, theils mit, theils ohne Vorfchriften und Vorpunktirungen ftellten aus Gebrüder Gellewaert; Robyns F. A. aus Gelinden in der Provinz Limburg; Braun Th. in Nivelles, Provinz Brabant, fehr fchönes Papier und praktiſch gebunden u. A. Der Schreibunterricht. 17 Dänemark. Wüfsten wir nicht, dafs das Schulwefen in Dänemark, fehr gut beftellt und im Ganzen auf deutfchem Fufse eingerichtet, die erfreulichften Blüthen treibt, aus feiner Unterrichtsabtheilung hätten wir's kaum erfahren. Schreibvorlagen fanden wir von C. Magnus, gediegene einfache Schriften, deutſch und latein. Der Schreibapparat oder vielmehr zufammenfetzbare Wandtafel mit auf Querftreifen überfchriebenen Buchftaben- Muftern, die fich zu Wörtern und Sätzen zufammenftellen laffen, daher den Kalligraphen befonders in Dorffchulen, fo wie Schönfchreib- Vorlagen entbehrlich machen, war fehr intereffant. Malling- Hausens Schreibmafchine gehört nicht hieher und kommen wir später darauf zu fprechen. Die wenigen ausgeftellten Schülerfchriften, obzwar recht lobenswerthe Refultate einer Volksfchule, laffen auf das Ganze keinen allgemeinen Schlufs ziehen. Billige und fehr gute Tinte, fowie ein vorzügliches chemifches, im Waffer augenblicklich fich auflöfendes und prächtige violette Tinte gebendes Tintenpapier exponirte P. Rönning aus Kopenhagen. Niederlande. Der europäiſche Schreibunterricht war nur in wenig Objecten vertreten; hingegen lagen in der niederländifchen Abtheilung für die Colonien fehr beachtenswerthe Vorfchriften und kalligraphifche Methoden für die Völker in den niederländifch- afiatifchen Befitzungen auf, aus denen wir leicht erkennen konnten, dafs die niederländifche Regierung ihre Colonialbevölkerung mit guten Schulen und gutem Unterrichte ausrüftet. Deutfches Reich. So oft wir vor dem mit Gruppe XXVI bezeichneten Holzgehäufe, den fich der deutfche Schulmeifter zwifchen dem Induftrie palafte und Mafchinenhalle aufzimmerte, vorübergekommen, erinnerten wir uns des alten Orakelfpruches, der den Athenern den ftrategifchen Rath ertheilte, fich hinter hölzerne Mauern zu verfchanzen, allwo fie fiegesgewifs den übermüthig heranrückenden Feind erwarten follten. Nun das neue deutfche Reich befitzt ganz refpectable Kriegsfchiffe, deren eines allein hingereicht haben würde, die gefammten Flotten der Athener und Perfer in den Grund zu bohren, und Krupp's und Dreyse's Fabricate haben fich bei mancher Gelegenheit auch nicht fchlecht bewährt; aber trotz alledem hat das Orakel auch heute recht; denn fo lange die Deutfchen ihre Stärke hinter folchen hölzernen Mauern fuchen, wie die mit Gruppe XXVI überfchriebenen, find und bleiben fie unüberwindlich, felbft wenn hundert Xerxeffe über zukünftige Revanche brüteten. Wenn wir fo das deutfche Schul- und Erziehungswefen betrachten, wie es hier zur theilweifen und überwältigenden Anfchauung gebracht wurde, konnte jeder Schulmeifter eine Anwandlung von Stolz bekommen, denn fo reich war Deutfchland nirgends vertreten, wie in feiner Schule. Schreibmethoden. Wie in allen Fächern des Volkfchul- Unterrichtes war das deutfche Reich auch mit vielfachen Methoden für den Schreibunterricht auf unferer Weltausftellung vertreten. An die Spitze fämmtlicher Ausfteller diefes Unterrichtszweiges ftellen wir unbedingt die Schreibvorlagen von Louis Müller aus Frankfurt am Main, deffen vortreffliche Methode nur von der aufserordentlich fchönen Formgebung der Schrift felber übertroffen wird. Die Refultate feiner Methode, die in den Schülerarbeiten und Kalligraphien feiner Zöglinge vielfach 2 18 J. Hüpfcher. zum Ausdruck gelangten, find die möglich glänzendften. Die äufsere Anordnung der Schriften von mufterhaftem Gefchmack, die Ausführung untadelhaft. C. Adler aus Hamburg, progreffive Schönfchreib Hefte mit Vorlagen in 12 Sprachen.(!) Das Papier ift gut, die progreffive Methode ift ziemlich gut eingehalten, die Lateinfchrift von anerkennenswerther Einfachheit und Form, die deutfche Schrift hingegen blieb, was Ausführung und Form betrifft, im Hintertreffen. L. J. Hartmann aus Stuttgart brachte ftufenmäfsig geordnete Vorlagen für die deutfche und lateinifche Schrift unter dem Titel: Methodifche Anleitung zum Schönfchreiben. Das Werkchen ift fehr empfehlenswerth, da die Methode und die Schrift felber gleich trefflich find; nur einige Grofsbuchftaben Formen der Lateinfchrift hätten glücklicher gewählt werden können. Schriftproben nach Bäumel'fchem Ductus brachte das Dresdener FreimaurerInftitut für Töchter und Lehrerinen. Nach den hübfchen Refultaten zu fchliefsen, die fehr befriedigend find, mufs diefe Methode fehr gut fein. Von anderen exponirten Schreibfyftemen und Vorfchriften könnten wir mehr oder minder nur dasfelbe fagen. Schülerfchriften lagen maffenhaft vor und zeugten von der Fürforge, die auch dem Schreibunterrichte an den Volks- und Mittelfchulen Deutfchlands zugewendet wird. Befonders hervorzuheben ift der fortgefetzte Schreibunterricht in den unzähligen Fortbildungs- Schulen. Die betreffenden Schriftproben beweifen, wie nothwendig und wohlthätig die Wirkfamkeit diefer Einrichtungen find, und wie fehr fie allenthalben zu empfehlen find. Ergreifend ift der Anblick der von den Zöglingen des Dresdener BlindenInftitutes ausgeftellten Schriftproben, die fich befonders in Briefen einftiger Zöglinge an den Director rührend ausfprechen. Nicht zu überfehen find die hübfchen und zum Theil fehr geläufigen Schriften der Elevinen der vielen Frauenerwerbs- Vereine. Die Schulhefte haben durchaus paffendes, halbglattes und weifses Schreibpapier. In Lineatur und Vorfchriften weichen fie je nach den verfchiedenen Unterrichtsmethoden von einander ab. Geeignete Schreib- Schiefertafeln ftellten aus Hauf A. aus Holzmaden bei Kirchheim; die weltberühmte Firma A. W. Faber aus Stein bei Nürnberg. Auf merkfamkeit verdient die patentirte deutfche Schreibtafel von Wagner aus Kopitz ( Wagner& Stiezel, Dresden), die in Schulen fowie im Haufe zum Schreiben mit Feder und Tinte dient. Sobald das Gefchriebene nicht mehr gebraucht wird, löfcht man es mit einem feuchten Tuche weg, und die Schreibtafel dient vom Neuen zum Schreiben. Eine folche Tafel foll mehrere Jahre ausdauern. Schulbänke waren in mehreren Modellen vertreten. Die J. Kaifer'fche Schulbank ift recht praktifch conftruirt, doch fanden wir die Schreibplatte zu fchief gebaut. Verbefferte Kunze'fche Schulbänke brachten Bahfe& Haendel aus Chemnitz. Sehr brauchbare, gut und dauerhaft conftruirte Subfellien für Knaben und Mädchen von 6 bis 15 Jahren, und je nach Material und Anftrich zu verfchiedenen Preifen. Eine verftellbare Subfellie fürs Haus dient für gröfsere und kleinere Kinder zugleich. Diefelbe Firma brachte noch die Vieweger'fche Schulbank, die ebenfo finnreich als praktiſch entworfen und ausgeführt ift. Noch erwähnen wir die drehbare Schul- Schiefertafel derfelben Firma. Ferner brachten Mufterfchulbänke B. Schlefinger aus Breslau, Spatz aus Efslingen und Otto Ruppert aus Chemnitz. Stenographie. Die Gabelsberger'fche ebenfo wie die Stolze'fche Stenographie fanden fich reichlich vertreten durch Vereine, Lehrbücher, Schülerfchriften und Zeitfchriften. Ganz zwecklos fanden wir die Auflegung eines Vifitenbuchs vor dem Kaften, der Stolze's Heiligthümer einfchlofs; über den Inhalt, den fich die beiden Syfteme an den Kopf warfen, ift der befte Bericht Schweigen. - Pafigraphie. Eine ideographifche, auf einer Combination von unteren arabifchen Ziffern beruhende Internationalfchrift von Anton Bachmayer aus Der Schreibunterricht. 19 München fcheint durchaus nicht ohne Berechtigung in die Zukunft zu fehen. Die Erlernung ift kaum fo fchwer wie irgend eine beliebige Sprache, und gewährt den Vortheil fich ideographifch mit Jedermann, der diefe Kunft fich angeeignet hat, verftändigen zu können. Der Verein für diefe Schrift hat bereits Wörterbücher in mehreren europäifchen Sprachen herausgegeben. Oefterreich. So Es war für den Vaterlandsfreund ein erhebendes Gefühl, die Räume der 26. Gruppe zu durchwandern. Corporationen und Vereine und Einzelne haben mit der Regierung gewetteifert, das eigentliche Werk der Weltausftellung mit Vielem vom Guten und Beften zu fchmücken, was der Zug der neuen Aera in den Geiftern Es fei ferne von gereift oder doch zu vielverfprechender Blüthe gebracht hat. uns, über das Geleiftete das noch zu Ueberwindende aufser Acht zu laffen. gerechtfertigt unfer Drängen nach kräftiger Initiative von Seiten der Regierung auf dem Gebiete der Volksfchul- Verbefferung ift, das Befte müffen wir Lehrer ftets von uns felbft, von unferer eigenen Veredlung und Vervollkommnung erwarten. Was von der einen und der anderen Seite im abgelaufenen Decennium Gutes gefchah, ift alles Lobes werth und fei uns ein Sporn unermüdet weiter zu fchaffen. Die Collectivausftellung des öfterreichifchen Unterrichtsminifteriums zeugt von dem edelften Streben diefer hohen Behörde, der Nationalerziehung nach Von fämmtlichen Provinzen Weftöfterreichs Möglichkeit gerecht zu werden. find zu diefem Zwecke auch die fchriftlichen Arbeiten einzelner Volksfchulen fowie Schönfchriften im engern Sinne reichlich eingelaufen, die im Grofsen und Ganzen hinter den beften Schulfchriften anderer Staaten nicht zurückſtehen; ja einzelne ein- und zweiclaffige Volksfchulen leifteten geradezu überraschend gute Refultate. Befremden mufste es, dafs im Gegenfatze zu den Provinzftädten und dem flachen Lande, gerade Wien und die gröfseren Provinz- Hauptftädte in diefem ganz und gar nicht fo unwichtigen Zweige der formalen Jugendbildung beinahe gar nicht, oder nur fehr unzureichend vertreten waren. Umfomehr musste diefe Lücke in der Collectivausftellung auffallen, als gerade die Centren beinahe das ganze Contingent von Vorfchriften und Schreibmethoden ftellten. Wenn wir über die Schülerfchriften uns im Ganzen lobend geäufsert, fo können wir dasfelbe leider von der Anordnung der Schriftftücke nur in fehr eingefchränktem Mafse thun. Und doch ift die äufsere Form ein bedeutendes. pädagogifches Mittel, um Ordnungsfinn, Verftand und guten Gefchmack der Volksfchüler zu entwickeln. Die zierliche Buchftabenform geht meift in fpäteren Jahren verloren und weicht einer praktifcher ausgebildeten oder auch fchweren und unbeholfenen Hand; der geweckte Sinn für gefchmackvolles und paffendes Arrangement von Schriftftücken hingegen bleibt unverkümmert felbft dem mit fchriftlichen Arbeiten felten befchäftigten Handwerker. Selbft auf die Gefahr hin eines kleinen Papierverluftes empfiehlt fich die Beobachtung des hübfchen und verftändigen äufserlichen Arrangements. - Vertreten waren Böhmen durch Kuttenberg, Kolin, Böhmifch- Trübau, Kaile, Nachod, Trautenau, Kralupech, Warnsdorf, Polna, Budyň, Würbenthal, Graber bei Leitmeritz, Chatěružka bei Prag, Opočno, Beraun, Jičin, Schlan, Soběslau; Mähren durch Olmütz; Schlefien durch Troppau und Tetfchen; Bukowina durch Cernowitz und Maienfeld;- Niederöfterreich durch Wels; Salzburg, durch Stadt Salzburg, St. Johann, St. Andre und Aigen; Steiermark, durch Graz, Leibnitz, Marburg, Trifail, Doll, Pragwald, Wildon, Tüffer, Deutſchlandsberg, St. Leonhard, Steinbrück, St. Margarethen, Tfchadram, Hraftnig, St. Gertrud, St. Jofef, Gonobitz; Krain, durch Laak, Kaftua, Dolina, Merkaufch; das Küftenland durch Trieft, Görz, Kormons, Ronchi, Rovigno, Parenzo, Capodiftria, Pirano, Monfalcone, und St. Andrea; Dalmazien durch Zara. 20 J. Hüpfcher. Schönfchreib Methoden und Vorfchriften. M. Greiner's Vorlagen wurden von der Jury prämiirt. Seine Schönfchreibhefte erfreuen fich nur getheilten Beifalls. Die Rofenfeld' fchen Vorlagen leiden an kalligraphifchen Unrichtigkeiten und Härten; deffen Lateinfchrift ift nichts weniger als meifterhaft. Die C. Muck'fche Methode ift im Ganzen pädagogifch richtig, die Schriftformen gröfstentheils gediegen, zeigen nur hier und da Härten, die leicht vermieden werden könnten. Sehr empfehlenswerth find die Schreibvorlagen für die Hand der Schüler an den Volksfchulen des Schulbezirkes Tetfchen. Gute Methode und gediegene Schriftform kennzeichnet fie. Antonio Mazzorana aus Trieft bot feine kalligraphifchen Vorfchriften, die nichts weniger als fchöne Formen find, in einem Chaos von„ Zügen" eingehüllt; das Ganze ift veraltet und wenig empfehlenswerth. Levz von Trieft brachte Schreibvorlagen von ziemlich hübfchen Formen und angehender Methode. Die Pokorny'fchen Schreibvorlagen empfehlen fich befonders als deutſche Currentfchrift; die Lateinfchrift ift bei Weitem nicht tadellos. Bunzel aus Prag ftellte neben recht fchön gefchriebenen kalligraphifchen Arbeiten eine Schreibmethode von zweifelhaft pädagogifchem und durchaus nicht unanfechtbar äfthetiſchem Werthe aus. Den beigegebenen Schriftproben von deffen Privatfchülern legen wir kein Gewicht bei. Johann Marek aus Eger exponirte fehr hübfche deutfche Vorfchriften; die Lateinfchrift hingegen liefs viel zu wünſchen übrig, befonders die Form der Grofsbuchftaben. Franz Folker, Befitzer einer kaiferlichen Auszeichnung, ftellte auch eine nichts weniger als ausgezeichnete Schönfchreib- Methode aus. Eine manierirte, von der fo fehr wünfchenswerthen Schreibeinheit abweichende, mit vielen unnützen Strichen und Zügen verzierte SchönfchreibMethode exponirte Hölder. Aus Windifch- Gratz lagen Schriftproben von Schülern der vierclaffigen Volksfchule vor. Die Fortfchritte in der Schrift find fichtbar, wenn auch nicht glänzend; die Methode befchränkt fich auf das Einfache, Nothwendige. Schade, dafs fämmtliche exponirte Probefchriften in Doppelzeilen gehalten find, die der individuellen Entwicklung der Hand, befonders in einer vorgefchritteneren Claffe, mehr hinderlich als nützlich find. Aus Roveredo fanden wir gefchmackvoll ausgeführte kalligraphifche Arbeiten der Schülerinen der englifchen Fräulein zum„ Heiligen Kreuz". Wir freuten uns doppelt über diefe Arbeiten, weil wir die Buchftaben Malerei für eine echte Frauenarbeit anfehen, fo wie das Sticken, Schlingen und andere zierliche Dinge, die den feinfühlenden Damenfingern ihre Entftehung verdanken, ohne für Zeitverfchwendung gehalten zu werden. Die Kalligraphie im weiteren Sinne ift eine echte Frauen- und Klofterbefchäftigung, ein unfchädlicher Zeitvertreib. Gute, markige Schriftzüge, ohne Verrenkungen und Verzierungen, das find einzig und allein die Attribute, welche der kräftigen Männerhand zuftehen; alles Zierliche, Manierliche, Ueberflüffige möge die Domäne fchöner Hände bleiben. Sobald aber diefe in das praktifche, bis vor Kurzem nur Männern zugängliche Gefchäftsfach übergreifen, wird auch hier das Nothwendige über das blofs Gefällige und Spielende den Sieg davon tragen. Beweis deffen die fchriftlichen Arbeiten der Elevinen der beiden Frauenvereine von Wien und Prag. Hier findet man nur felten den eigenthümlichen Frauenhand- Charakter vertreten, die meiſten Schriften find einfach, kräftig und zeugen von dem Ernfte der Schülerinen und der Lehrer, nur das Praktifche und Nothwendige zu verfolgen. Die Handfchriften der Elevinen des Prager Frauen- Erwerbvereines tragen das Gepräge der ausgezeichneten Fifchel'fchen Schreibmethode an der Stirne. Lobend zu erwähnen ift bei beiden die gute und gefchmackvolle Anordnung der Schriftftücke. Der Schreibunterricht. 21 Dafelbft fanden wir ,, Fink's Schreibfchule" aus den dreifsiger Jahren Wiens. Wir wollen auch hier von den Zierfchriften abfehen, die fich denn mehr oder weniger überall gleich bleiben und nur erwähnen, dafs fowohl die deutfche als lateinifche Schrift methodifch vorfchreitend, vielleicht allzu minutiös bei der Zergliederung der Buchftabenformen einen ausgezeichneten Schreiber und trefflichen Lehrer documentiren. Von Uebertreibungen ift Fink's Methode frei. Die Lateinfchrift befonders ift kräftig und edel. Ein anderes kalligraphifches Klofterproduct bot die„ Additionelle Abthei lung" in den fpärlichen fchriftlichen Arbeiten der Urfulinerinen aus Kuttenberg in Böhmen. Die Methode ift manierirt und eine Unzahl von langen fpiefsähnlichen und ganz überflüffigen„ Zügen" bedecken die fonft nicht ungefälligen Schriftformen. Schriftmufter für Techniker jeder Art nebft wundervollen kalligraphifchen Arbeiten exponirte J. Schrotter, zum Theile in der Abtheilung für graphifche Kunft. J. Winkler in Wien wurde durch eine Schülerin- Schrift repräfentirt; wenn man aus den Refultaten auf die Motoren zu fchliefsen berechtigt ift, fo ift diefer Schreibmeifter aller Anerkennung werth, fowohl was die Formgebung, als die gefchmackvolle Dispofition betrifft, W. Albel's Vorfchriften documentiren einen tüchtigen Fachmann und guten Deutfchfchreiber; deffen Lateinfchrift fteht nicht auf der Höhe der Kunftfchriften. Friedrich Sandtner's Vorlagen boten nichts Bemerkenswerthes. Muck's Schreibhefte zeichnen fich durch gutes Papier und hübfches Format aus. Die Schreibhefte mit Vorlagen von J. Fuchs find billig, doch von fehr mittelmäfsigem Papier. Die Schreibhefte von Muffil empfehlen fich durch gar nichts. An Schulbänken fanden wir mehrere Mufter. Die preiswürdigfte ift unftreitig die von Ernft Gatter aus Simmering bei Wien, deffen Schulbank, was Zweckmäfsigkeit und vielfeitige Brauchbarkeit betrifft, ein wahres en tout cas" ift. Das Staats- Gymnafium in der Rofsau exponirte eine treffliche Schulbank für erwachfene Schüler; nur fcheint uns die Schreibplatte für die Hand etwas zu hoch zu ftehen. Eine fehr empfehlenswerthe Arbeit ift die Volksfchul- Bank aus Theesdorf in Oberösterreich. Dasfelbe gilt von der Mufter- Schulbank J. Grüllmeyer's aus Wien. Eine Schulbank mit trefflicher Vorrichtung zum Höher- und Tieferfchrauben der Schreibplatte von den Gebrüdern Ofterfetzer in Wien ausgeftellt, wurde die Ehre zu Theil, vom Unterrichtsminifterium angekauft zu werden. Von Schreibtafeln für Schulkinder find befonders hervorzuheben die Sparhefte von J. Fuchs und P. A. Krufs in Wien. Ferner die elaftifchen Schiefertafeln von L. Hardtmuth& Comp. in Wien, ebenfo die eigens von diefen drei Ausftellern hergerichteten Sparftifte, die weich und weifs angehen. Stahl Schreibfedern. In der XI. Gruppe fanden wir als einzigen Aus fteller von fabriksmäfsig felbfterzeugten Stahl- Schreibfedern und Federnhalter die gefchmackvoll arrangirte Expofition von Carl Kuhn& Comp. in Wien. Wir ftellen die Fabricate des Herrn Kuhn unbedenklich nicht nur neben, fondern zum Theil über die englifchen Stahlfedern. Die Aluminiumfedern, die Federn Greiner, Klaps, Dörfler, die Correfpondenzfedern fuchen ihresgleichen, und die enorme Auswahl an Gattungen bietet jeder Hand und gewohnten Haltung, jedem Temperament fo gediegene, elaftifche und dauerhafte Schreibfedern, dafs einmal verfucht, fich kaum Jemand entfchliefsen wird, es mit anderen Federn zu verfuchen. Aufser der Iridium- Goldfeder kennen wir kein Fabricat, das fich mit dem Kuhn'fchen an Dauerhaftigkeit meffen könnte, da bei einer etwas vorfichtigen Behandlung( und vorfichtig müffen ja auch die fogenannten Goldfedern behandelt werden) eine einzige Feder durch 8 bis 10 Tage dienen kann, während die gewöhnlichen Dutzendfabricate kaum für einen, höchftens zwei Tage ausreichen. Leider findet man von diefem trefflichen Fabricate eine Unzahl von Imitationen oder gefälschten Nachahmungen, die meift etwas billiger als das 22 J. Hüpfcher. Original zu ftehen kommen, aber durchſchnittlich nicht werth find, gekauft zu werden, da fie keine einzige der oben erwähnten Tugenden des Originales haben. Ebenfo reich und meift zweckmäfsig ift die Auswahl an Federhaltern. Intereffant für Viele dürfte das zur Anfchauung ausgeftellte Verfahren der Stahlfeder- Fabrication gewefen fein. Schultinten von guter Qualität und verhältnifsmäfsig billigen Preifen fanden wir ausgeftellt von Giraldi Giorgio aus Trieft und Rödel Heinrich aus Prag. Eines oder zwei andere Fabricate konnten wir nicht erproben, da fie in Glaskäften eingefchloffen waren. Stenographie. Unfere Gabelsbergerianer nahmen an der Weltausstellung rühmlichen Antheil. Vor allen ift Faulmann C. aus Wien zu nennen, ob feiner fchönen Stenogramme fo wie der von ihm ausgeftellten Schülerfchriften. Der ftenographifche Polyglott von den Schülern des Wiener Therefianums ift ein müssiges und verfehltes Blendwerk. An Schreiber's ftenographirter Iliade bewunderten wir die Geduld desfelben. Solche Arbeiten find in der That eine Nufsfchale werth. Nicht zu überfehen find Faulmann's exponirte Stenographietypen und Conn's Stenogramme. Ungarn. Die Lehrmittel- Ausstellung der öftlichen Hälfte des öfterreichifchen Kaiferthums beweift das ernfte und unausgefetzte Beftreben, fowohl der Regierung, fo wie der Gemeinden und vieler Vereine die Volkserziehung mit den Anforderungen der Neuzeit in möglichen Einklang zu bringen. Die Aufgabe, welche da noch zu löfen bleibt, ift trotz der von Jahr zu Jahr zunehmenden Volksfchulen eine riefengrofse, und bedarf der aufopferndften Anftrengungen und der höchften Energie der mafsgebenden Kreife und der intelligenten Bevölkerung; denn noch im Jahre 1872 befuchten von 2,206.187 fchulpflichtigen Kindern nur 1,233.500 die öffentlichen Schulen, die in 14.550 Schulen von 19.297 Lehrern unterrichtet wurden. Die Schreiblehr- Methode findet auch in Ungarn vielen Anklang und manche Verbefferung. Von Schreibmethoden heben wir hervor vor allen die modernen Schreibvorlagen von Jofef Lowenyi aus Peft, die fich in Ungarn einer nicht unverdienten grofsen Verbreitung erfreuen und gute Refultate in den Schülerfchriften vieler Volks- und Mittelfchulen aufgewiefen haben. Die Netz- Schreibmethode von Dr. J. Zoch aus Nagy- Röcze ift wohl nicht neu, aber in einem gewiffen Sinne und in Dorffchulen von ausgefprochener Verwendbarkeit. Das Netz befteht nämlich aus der Lineatur, die von fchrägen Paralleldiftanzen durchfchnitten werden, ein Verfahren, das zur erften Einübung einer geordneten Handfchrift gute Dienfte leiftet. Th. Fiedler aus Klaufenburg brachte eine neue Schreibmethode, an welcher wir aufser der Verquickung des amerikanifchen Syſtems mit den alten Schriftformen nichts Neues wahrnehmen konnten. Aufser dem angeführten fanden wir noch einige Schreib- Vorlegeblätter, die einzeln zu befprechen wir nicht nothwendig finden. Schülerfchriften waren maffenhaft ausgeftellt, und viele von befonderer Schönheit und Geläufigkeit, fowohl die Arbeiten der öffentlichen, wie der vielen Privat- Lehranstalten.. Charles Louis Posner& Guftav Heckenaft aus Peft ftellten gute Schreibrequifiten, befonders hübfche Schreibhefte aus. Neues. in Peft. Schulbänke nach Schulz'fchem Syftem boten nichts bemerkenswerthes Gute Schultinten fanden wir ausgeftellt von der Firma Gebrüder Müller Der Schreibunterricht. 23 . Russland. Von den grofsen focialen Reformen, die der edle und humane Fürft, welcher die Schickfale Rufslands in feinen Händen trägt, fo durchgreifend inaugurirte, hätte keine andere als eben die XXVI. Gruppe fchlagendere Beweife liefern können, wenn die mafsgebenden Factoren des Czarenreiches es nicht vorgezogen hätten, gerade die Gruppe für Erziehung und Unterricht fo fpärlich auf unferer Weltausftellung figuriren zu laffen. Freilich würde Derjenige fich fehr täufchen, der von den dürftigen Objecten, die er in diefer Gruppe fand, auf das Culturleben inRufsland zurückfchliefsen wollte, denn unftreitig gehen die Wogen der Volksbildung feit der grofsen Bauernemancipation höher und tiefer als jemals früher. Immerhin bleibt es bedauerlich, dafs diefe Gruppe nicht reicher bedacht wurde. Was fpeciell vom formalen Schreibunterrichte da war, befchränkte fich auf fchriftliche Arbeiten von Militärinftituten und einer Methode zum Schön- und Schnellfchreiben. von Moriz Barenzevitfch aus Moskau, einem mit Gefchmack und Sachkenntnifs der modernen Schnellfchrift zweckmäfsig geordneten Behelfe zum Schreibunterrichte. ausgeftellt. An Schulbänken fand fich ein recht gediegenes Modell, aber nur en miniatur Vortreffliche Tinten exponirten Lankowsky& Licop aus Mittau in Kurland, ferner F. Keltfchesky aus Moskau und A. Efersky aus Odeffa. Die Papierfabrication wies recht gute Fabricate, aus allerhand Rohftoffen gefertigt, auf. Rumänien. Die Ausbeute, welche die Unterrichtsgruppe diefes jungen Staates dem Referenten ergibt, fteht in keinem Verhältniffe zur Einwohnerzahl, noch zu der natürlichen Ergiebigkeit und Flächenausdehnung des Landes. Berücksichtigt man aber die Jahrhunderte lange politifche Verkommenheit und die gegenwärtige unruhige Gährung in dem halbcivilifirten Lande, fo werden uns die guten Anfänge genügen, die um fo mehr eine gedeihliche geiftige Entwicklung verfprechen, als die meiſten Wohlhabenden ihre Söhne ins Ausland ftudiren fchicken oder von Privatlehrern unterrichten laffen. Dafs die regierende Hohenzollern'fche Familie ihren Traditionen auch in Rumänien nicht untreu wird, beweifen die Unterrichtsund Erziehungsanftalten, die fich des befonderen Schutzes ihrer Hoheiten erfreuen. Der Schreibunterricht wird nach irgend einer alten Methode oder vielmehr Nichtmethode ertheilt und ift fehr einfeitig in feinen Refultaten. Sowohl Knaben als Mädchen in dem Afyl Elena, fowie im Panteleimon zeigen durch alle Claffen denfelben fteifen, unbeholfenen Strich, der zwar deutliche und leferliche, aber auch ftarre und langfam fchwerfällige Schriften gibt. Dasfelbe gilt von den fchriftlichen Arbeiten der Handelsfchüler, foweit fie die Kalligraphie betreffen. Es fcheint übrigens viel Zeit und Mühe auf Capital- und Ornamentalfchriften verwendet zu werden, die den Unkundigen zwar blenden, aber den rationellen Pädagogen ganz kalt laffen, indem ihr Werth in gar keinem Verhältniffe fteht zum Zeitaufwand und der gedankenlofen Mache und Mühe. Die deutfchen Schriftproben haben etwas mehr Schwung und Geläufigkeit. Auch eine National- Stenographie lag zur Befichtigung auf, über deren Werth wir uns nicht ausfprechen, die aber ihre Aufgabe der Redefixirung eben fo gut entfprechen mag wie alle anderen mehr oder weniger bequemen Syfteme diefer Kunft auch. Schön ift ihre äufsere Form keinesfalls, aber darauf kommt's bei der Stenographie auch gar nicht an. 2 24 J. Hüpfcher. China. Das himmlifche Reich der Mitte trat in der XXVI. Gruppe mit einer grof. sen Befcheidenheit, ja Verfchämtheit auf, die bei einer geeigneten Gelegenheit fich gewifs viel intereffanter ausgenommen hätte. In der Gruppe XI fanden wir nämlich einige nicht unrühmliche Keime zu einer künftigen Gruppe XXVI. Wir überlaffen unferen geehrten Collegen, über den Inhalt der chinefifchen Literaturwerke zu berichten, mit welchen die Söhne Con- fu- tse's die Weltausftellung beglückten, und wollen nur kurz berichten, wie der Sohn des Himmels fchreibt. Aber eigentlich fchreibt der Chineſe gar nicht, ebenfo wenig als er Buchftaben hat. Der Chinefe malt. Die Schriftfiguren oder Configurationen bilden bekanntlich ganze Wörter, und werden mit einem in Tufch getauchten Pinfel auf nur je einer Seite des Doppelblattes aufgetragen. Die beiden Innenfeiten bleiben frei; in gleicher Weife werden die Bücher gedruckt. Je mehr folcher ideographifcher Symbole ein Chineſe feinem Gedächtniffe eingeprägt hat, defto gröfser wird der Werth feines Wiffens gefchätzt, und mancher chinefifche Gelehrte kann das Buch eines anderen chinefifchen Gelehrten gar nicht lefen, da er zufällig die darin vorkommenden Wortfymbole nicht kennt. Aufser des Schreibpinfels bedient fich der Chinefe auch der Bleiftifte; denn für Tinte ift fein Schreibpapier nicht fabricirt, es fliefst. Die Zeilen laufen vom Himmel zur Erde, das heifst von Oben nach Unten und beginnen von rechts nach links. Die Unterrichtsmethode im Schreiben, die zugleich fo viel wie Lefen bedeutet, bafirt fich auf die Paufirung; der junge Chinefe bekommt keine Vor-, fondern Schreibunterlagen. Die Macht der Gewohnheit und die Vorzüglichkeit des einheimifchen Bambusrohres erleichtern dem Lehrer den Unterricht in bedeutendem Grade. Schriftreformen. Das grofse und unabweisliche Culturbedürfnifs unferer Tage, die Reform unferes in keiner Weife zureichenden und unpraktifchen Schreibverfahrens, gelangte in zwei unfcheinbaren Werkchen in die glanzerfüllten Räume des mächtigen Weltausftellungs- Palaftes. J. Kaifer, Lehrer in Baiern, ein intelligenter, praktiſcher und unternehmender Kopf, präfentirte in einer lithographirten Brochure feine Moderne deutfche Currentfchrift". Die Gefichtspunkte, welche Herrn Kaifer beftimmten und leiteten, traten aus einem eng umgrenzten nationalen und fchreiblich hiftorifchen Horizonte nicht heraus. Nur einzig und allein die Vereinfachung der gegenwärtigen Schriftformen, war das Ziel feines ſchreibreformatorifchen Unternehmens. Indem Herr Kaifer mit der allgemeinen deutfchen Lehrerzeitung" über den Zopf unferer Transfcription mit Recht klagt, fchlägt er dem deutfchen Volke feinen eigenen modernen Zopf als Radicalmittel zur Herbeiführung einer neuen Schreib- Aera vor. Denn abgefehen von der gänzlichen Aufserachtlaffung der fo dringend nothwendigen logifchen Schreibung wäre der ganze Gewinn, den uns das Kaifer'fche Syftem brächte, allerhöchftens die Gewinnung der Hälfte der Zeit, die wir für unfer gegenwärtiges Schreibverfahren brauchen. Von einer Möglichkeit, das Kaifer'fche Syftem zur prompten und unfehlbaren Transfcription fremder Sprachen zu verwenden, ift ebenfo wenig eine Spur vorhanden, als bei unferer deutfchen Schrift. Die Buchftaben- Formen find nicht ohne Gefchick aus den beftehenden Schriften entlehnt und zeigen fich zur Verbindung untereinander brauchbar. Für eine fo grofsartige Umwälzung wie die Einführung einer neuen Schrift bietet alfo diefes Project nur ein fehr dürftiges Aequivalent. Das zweite Werkchen, welches fich mit der Reform der hiftorifchen Schrift befafst, ift unter dem Titel„ Neudeutfche Curfivfchrift" von J. Hüpfcher, Der Schreibunterricht. 25 Leipzig, Ed. Peter's Verlag, als fpäter Gaft zur Auftellung gelangt und geht fowohl in den Schriftzeichen wie in der Transfcription mit dem entfchiedenften Radicalismus vor. Um den geehrten Lefern nicht parteiifch zu erfcheinen, da der Autor diefes Werkchens der Verfaffer diefer Zeilen felber ift, fo wollen wir uns auf eine möglichft kurze Auseinanderfetzung diefes neuen Schreibverfahrens befchränken. Alfo die neudeutfche Curfivfchrift ift eine vollkommen phonetifche Schrift, die fchreibt, was das Ohr und wie es hört, oder der Geift zu hören fich vorftellt. Da es ein Ding der Unmöglichkeit ift, wenn auch als Deutfcher nur in deutfcher Sprache fchreibend, allen Fremdwörtern mit ihren von unferer Zunge abweichenden Lauten, aus dem Wege zu gehen, fo ift es natürlich und von der zwingendften Pflicht geboten auf diefe letztere ebenfo Rückficht zu nehmen wie auf die nur deutfchen Laute. Das Syftem eignet fich alfo ebenfo gut, jede andere Sprache lautgetreu zu phonographiren, wie die deutfche felber. Bei fo bewandten Verhältniffen wird es leicht begreiflich, dafs von Orthographie nur in einem fehr befchränkten Sinne die Rede fein kann; denn alle die graphifchen Behelfe oder beffer gefagt, Unbeholfenheiten, zu welchen unfere Schreibung zu greifen gezwungen ift, wie Grofsbuchftaben, Dehnbuchftaben, Schärfungsbuchftaben, Vocalablautungen, zwei-, drei- bis fechsfache Möglichkeit, ein und dasfelbe Wort mit immer gleicher Lautung zu fchreiben oder umgekehrt einen Buchftaben für die verfchiedenften Laute zu verwenden u. f. w. fallen in dem neuen Syfteme weg und nur dasjenige wird gefchrieben, einfach, unveränderlich, und mit ftets gleichen Lautwerthzeichen, was unfere Sprechorgane, und höchftens bezeichnet, wie diefelben die Worte hervorbringen. An Schnelligkeit übertrifft die neudeutfche oder richtiger, die Univerfalfchrift unfere jetzige Schreibmethode um das Dreifache und gewährt mehr als die halbe Raumerfparnifs gegen die deutfche, lateinifche, griechifche, arabifche oder was immer für eine der hiftorifchen Schreibfchriften. An Verbindungsfähigkeit, äufserlicher Darftellung und Lefeficherheit fteht fie kaum einer anderen der gebräuchlichen Schreibfchriften nach. Diefes Schreibfyftem kann ohne grofse Anftrengung in einem einzigen Monate erlernt und praktifch verwendet werden. Hoffentlich wird in nicht allzu ferner Zukunft die Erkenntnifs fich Bahn brechen, dafs im Schreibwefen, das gerade der überbürdeten Schuljugend und dem intelligenteften Theile der Menfchheit fo viel koftbare Zeit raubt, und fo viel überflüffige Arbeit verurfacht, eine Aenderung refpective Verbefferung eine unabweislich gebieterifche Pflicht und ein nicht mehr von der Hand zu weifendes Bedürfnifs ift. Ebenfo wird man einfehen lernen, dafs nur eine auf den Principien der Phyfiologie beruhende Phonographie es ermöglichen kann, mit einem einzigen Alphabet alle Sprachen zu fchreiben und zu drucken. - Es ift ein bedeutender R. Malling Hanfen's Schreibmafchine. Charakterzug unferer vielgeftaltenden Zeitepoche, dafs der Geift unaufhörlich beftrebt ift und es in allen Zweigen der menfchlichen Thätigkeit, zum Theil anbahnend, zum Theil aber mit entfchiedenem Glücke praktiſch verfucht und durchfetzt, fich von allem rein mechanifchen Wirken zu emancipiren, und Zeit und Mufse für edlere Thätigkeiten zu gewinnen. Dafs trotz diefer Emancipation, Arbeit und Induftrie, Handel und Verkehr nicht gelitten, fondern einen Auffchwung genommen haben, den die vergangenen Jahrhunderte kaum ahnten, fteht Jedermann leuchtend vor Augen, der diefe- nicht abfichtlich fchliefsen will. Ein läftiger und unverlässlicher Mechanismus z. B. ift das Rechnen, fowie es aufhört, die combinirenden Functionen des Geiftes zu befchäftigen; man erfand eine Rechnenmafchine, die, was Addiren, Multipliciren, Potenciren, Dividiren etc. betrifft, mit grofser Leichtigkeit und Unfehlbarkeit operirt. Unfere 3 26 J. Hüpfcher. taglöhnernde Schreibearbeit, diefer gedankenlofe, zeitfreffende Mechanismus, widerfteht mit der zäheften Gewalt einer zur Natur gewordenen eifernen. Angewohnheit der zeitgemäfsen Reform; doch fiehe da! keinen Augenblick hat der füfse alte Schlendrian mehr Ruhe, von allen Seiten wird ihm zugefetzt, und von links und rechts brechen die Geifteswellen der Neuzeit in die erftarrten Domänen des Althergebrachten hinein. Die Malling Hanfen'fche Schreibmafchine ift eine geiftige Eroberung auf dem Gebiete des Schreibwefens und ein gewaltiger Nagel zum Sarge der gedankenlofen Buchftaben- Künftelei; ihre Zukunft ift ebenfo gefichert, als das letzte Stündlein alles Kalligraphen- Unwefens nahe ift. Die Mafchine ift eigentlich mehr eine Druck- als Schreibmafchine; aber wer wird nicht lieber, fobald er es im Stande ift, feine Briefe und fonftigen SchriftWer wird ftücke fauber gedruckt, als fchlecht oder felbft gut gefchrieben fehen? fich ferner noch eines Copiften oder Schönfchreibers bedienen wollen, fobald er mit der Mafchine zu jeder Zeit fechs bis zehn Mal fo viel ausrichtet, als ihm der gewandtefte Schreiber zu leiften vermag? Auf eine ausführliche Befchreibung des höchft finnreich conftruirten Apparates können wir uns bei dem befchränkten Raume, der unferem Berichte geftattet ift, nicht einlaffen; wir verweifen dagegen Alle, die fich für die neue Erfindung intereffiren, auf die Firma A. v. Szábel, Wien, Johannesgaffe 19, der diefe Schreib- Druckmafchinen in verfchiedenen Gröfsen und zu verfchiedenen Preifen fabricirt und gewifs Jedermann Tarife, Befchreibung und Anweifung gratis zukommen laffen wird. Dafs der Apparat noch etwas complicirt und mancher Vereinfachung refpective Verbefferung bedürftig ift, wollen wir fchliesslich ebenfo wenig leugnen, als dafs der Koftenpreis ein verhältnifsmäfsig hoher genannt werden mufs. * Wir würden fie Schreib- Druckmafchine benennen.