OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3. GEOGRAPHISCHE BILDUNGS- UND UNTERRICHTSMITTEL. ( Gruppe XXVI, Section 6: Bildungsmittel im weitesten Sinne, a.) BERICHT VON ANTON STEINHAUSER, kaiferlicher Rath in Wien. WIEN DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREL. 1874. GEOGRAPHISCHE BILDUNGS- UND UNTERRICHTSMITTEL. ( Gruppe XXVI, Section 6: Bildungsmittel im weitesten Sinne, a.) Bericht von ANTON STEINHAUSER, kaiferlicher Rath in Wien. Die geographifchen Unterrichtsmittel der Gruppe XXVI gliedern fich in jene für die Volksfchulen, für die Mittelfchulen, für die Fachſchulen, technifchen Hochfchulen, Univerfitäten und in jene zur Fortbildung Erwachſener. Infofern unter die Fachfchulen alle Ackerbau-, Forft-, Handels-, Bergbau-, Militär- etc. Schulen gezählt werden können und auch die Fortbildung Erwachfener alle Richtungen des geographifchen Unterrichtes in fich begreift, würden die gefammten in der Weltausftellung vorkommenden kartographifchen Darftellungen hier einbezogen werden müffen; da jedoch viele derfelben auch anderen Gruppen gemeinfchaftlich find und dort ihre Befprechung finden werden, fo fcheint es angezeigt, eine Ausfcheidung vorzunehmen und folgende Kategorien anderen Referaten zu überlaffen: Topographifche Karten( einfchliefslich die Heliogravuren), Anleitungen zur topographifchen Zeichnung, Schichtenkarten und Reliefs in grofsen Mafsftäben. die fich den topographifchen Karten anfchliefsen, Seekarten und Reliefs vom Meeresgrunde und von Häfen und Küften, geologifche Karten, montaniftifche Karten, Culturkarten, Forftkarten, Communicationskarten( Eifenbahnen, Strafsen, Canäle). I. Geographifche Lehrmittel für Volks- und Bürgerſchulen. Der Begriff Volksfchule umfafst Land- und Stadtfchulen, in weiterer Ausdehnung auch die von den unteren Abtheilungen der Mittelfchulen( Gymnafien, Realfchulen) wenig unterfchiedenen Bürgerfchulen. Daher find die Lehrmittel zum Theile gemeinfchaftlich. Die Aufgabe der Volksfchulen ift jedenfalls der Elementarunterricht in der Erdbefchreibung. Diefer Elementarunterricht wird aus anerkannter Erfahrung am erfpriefslichften nach der fynthetifchen Methode ertheilt, die von der Heimat ausgeht und mit dem Weltall fchliefst. Entwicklung der geographifchen Grundbegriffe, Verftändnifs des verjüngten Mafsftabes, Kartenlefen und eine topifche Ueberficht des Erdganzen machen den Inhalt des Elementar 2 Anton Steinhaufer. unterrichtes aus und erfordern die einfachften, leicht verftändlichen Lehrmittel. Es ift leicht erklärbar, warum man einer vollſtändigen kartographifchen Durchführung vom Schulzimmer- Plane bis zur Heimatkarte, die ohne Mitwirkung zeichnungskundiger Lehrer kaum denkbar ift, in der Weltausftellung nur in einzelnen Beiſpielen begegnet ift, und warum erft mit der Heimatkarte eine ftärkere Betheiligung eintrat, namentlich wenn man den Begriff Heimat nicht auf den Ort befchränkt, fondern auf das Land ausdehnt. Von der Lehrer- Bildungsanftalt in Botzen in Tirol lag ein Cyklus von II Blättern in Folio vor( Schulzimmer, Schulhaus, Gaffe, Stadtplan, Umgebung. Bezirk, Heimatkarte, ohne und mit Terrain) und vom Oberlehrer Haala in Znaim( in Manufcript, Text und Karten in Quart) ein ähnlicher Cyklus, der fich bis zu einer mageren Ueberficht der Erdtheile erweiterte. Da in dem Kreife der Verjüngungen des Mafsftabs der Stadtplan eine Rolle spielt, fo mag im Vorübergehen erwähnt werden, dafs fich eine ziemliche Anzahl von Stadtplänen in der Ausftellung befand, oft wohl zur Illuftration anderer Zwecke bearbeitet. Man fand Pläne von Wien( 1: 1440, nebft älteren Schichtenreliefs der inneren Stadt und von ganz Wien), von Trieft( 1: 1440), von Lemberg und Prag( 1: 2880), alle vom öfterreichifchen Katafter, von Graz( von Profeffor Waftler), von Peft und Ofen( vom Katafter und von Sandor), von Berlin( von Liebenov und von Sineck), von Paris( mehrere, in 1: 5000, in I: 10.000 und kleinere), von Paris( geprefst, bei Belin), von den vorzüglichften Städten Englands und Schottlands( in den 200 Samples von J. Bartholomew in Edinburgh), von Conftantinopel, Madrid, Barcelona( in Schichten mit den Grundriffen der öffentlichen Gebäude), Salamanca, Liffabon( 1: 10.000 von Folque) und der Tajomündung, von Chiwa, Samarkand, Tafchkent, Alexandria, Philadelphia und anderen Städten. Heimatkarten im engeren Sinne waren in der Ausftellung nicht zahlreich, grofsentheils als Wandkarten in Handzeichnung. In diefem Genre war Böhmen am beften vertreten durch die Bezirkskarten von Neupaka( vom Lehrer Mafek, auf Art des Tapetendruckes), Turnau, Landskron, Trautenau, Náchod und andere. In Schweden dienen die im grofsen Mafsftabe ausgeführten Kirchspiels- Karten, in Nordamerika die Countykarten als Heimatkarten. Letztere find meift in Kupfer geftochen und zuweilen in ganze Atlanten vereinigt, z. B. Atlas of Maryland( 1873), Rhode Island. Ohio( 1872), felten vereinzelt, z. B. Atlas of Columbus and Franklin, County, Ohio( 1872). Hiezu könnte man auch die Vogteikarten des Hamburger Gebietes( Eppenberg, Langenhorn 1873) rechnen, die im Mafse in 1: 4000 der Natur ausgeführt find. Die Claffe der Heimatkarten im weiteren Sinne, faft ohne Ausnahme aus mehrblätterigen Wandkarten beftehend, erfchien fehr umfaffend, jedoch fehr ungleich vertheilt, weil mehrere Staaten( z. B. Grofsbritannien, die Südftaaten. Europas) fich in geringem Grade betheiligt haben. Die Ausftellung des öfterreichifchen Unterrichtsminifteriums bot eine Anzahl von Wandkarten der meiften Kronländer, I. von Niederöfterreich, von Oberösterreich und Salzburg, von Steiermark, Kärnten, Böhmen, Mähren und Schlefien, fämmtlich von Kozenn( Wien bei Hölzl) in verfchiedenen Mafsftäben( 1: 148.000 bis 1: 200.000)( jene von Niederöfterreich auch geologifch colorirt) und in verfchiedenen Manieren ausgeführt, mit Schraffen und Schummerung, nach fchräger Beleuchtung etc.; 2. von Niederöfterreich nach Angabe des k. k. Rathes A. Steinhaufer( in vier Blatt in 1: 200.000) auf Grundlage der 6 Blätter der Wandkarte von Oefterreich desfelben Autors vom Vereine für Landeskunde herausgegeben und den Volksfchulen des Landes gewidmet; 3. von Steiermark von Dr. Zwiedinek- Südenhorft ( mit ziemlich ausdrucklofem Terrain). Diefen würde fich eine Wandkarte von Tirol und Vorarlberg von Kaler( in 1: 200.000, bei Wagner in Innsbruck) anreihen, die aber nicht angemeldet wurde; 4. von Böhmen, Mähren und Schlefien von Profeffor Erben( mittelft der Buchdrucker- Preffe erzeugt, verlegt bei Geographifche Bildungs- und Unterrichtsmittel. 3 Janski in Tabor, in czechifcher Sprache); 5. von Mähren( Handzeichnung vom Lehrkörper der ftädtifchen Bürgerfchule in Olmütz); 6. von Görz und Gradiska von Friedr. Vodopivec. Die transleithanifche Reichshälfte hat fich mit Wandkarten von Ungarn und feinen Nebenländern durch die geographifche Anftalt in Gotha( J. Perthes) verforgt, durch das Zufammenwirken des Kartographen H. Berghaus und Profeffor Gönczy. Auch die Wandkarte von Siebenbürgen von Obert verdankt der geographifchen Anftalt in Gotha ihr Zuftandekommen. In der Ausftellung des deutfchen Reiches fand man eine Wandkarte der thüringifchen Lande von Graef( 9 Blätter, Weimar, geographifches Inftitut), Wandkarten von Württemberg( von Winkelmann), von Sachfen; in der Ausftellung der Schweiz glänzten die trefflichen Wandkarten der Cantone Zürich( von J. M. Ziegler in 1: 50.000), Waadt( von Cornuz& Weber), Genf, Appenzell, Aargau( von Michaelis& Leuzinger), Karten, die den topographifchen Karten fich ftark annähern; im fchwedifchen Schulhaufe hingen Laen- und Provinzkarten von Schweden und Norwegen; in der amerikanifchen Ausftellung Wandkarten der einzelnen Staaten( Louifiana, Alabama, Miffiffippi, vorwiegend politifche Karten mit grell colorirten Graffchaften). Departementskarten von Frankreich( als Wandkarten) lagen nicht vor und von Graffchaftkarten Englands nur die Wandkarte von Lancaſter, herausgegeben von John Bartholomew in Edinburgh. Die übrigen Graffchaftkarten befanden fich in dem Bande der 200 Stichproben desfelben Verlegers. Die nächfte Suite der Wandkarten für die Schulen bilden die der Staaten, an die fich jene der Erdtheile anfchliefsen. In diefen beiden Abtheilungen ftiefsen wir auf mehrfache Arten der Bearbeitung, auf rein phyfifche, auf rein politifche, auf gemifchte( die gewöhnlichfte Art), auf halbftumme und ganzftumme Wandkarten, und unter diefen wieder auf Karten mit dunklem Grunde, die alle je nach der angewendeten Methode ihre Verwendung finden. Wandkarten der öfterreichifch- ungarifchen Monarchie haben geliefert: Artaria in Wien( eine von Schulz in fechs Blättern, vorwiegend politifche Ueberfichtkarte, und eine von R. v. Scheda, vorläufig ohne Terrain, in vier Blättern, I: 1,000.000 der Natur) für höhere Bedürfniffe berechnet; Hölzl in Wien( eine von Kozenn in vier Blättern, politifche Ueberfichtkarte mit deutſcher, magyarifcher und flavifcher Befchreibung); Fuchs( Prag und Wien) eine ftumme Wandkarte auf glanzlofem fchwarzen Schieferpapier mit roth gedruckten Umriffen, offenbar mit der Abficht, des Zeichnens unkundigen Lehrern bei Anwendung der conftructiven Methode eine brauchbare Beihilfe zu gewähren. Der Lehrer Ed. Kratky in Tabor hat gleichfalls eine ftumme Wandkarte der Monarchie eingefendet, mit lichten Umriffen auf ftark glänzende fchwarze Wachsleinwand gedruckt. Eine vorzügliche Arbeit ift Dolezal's phyfifche Wandkarte der öfterreichifch- ungarifchen Monarchie, die 1872 in neun Blättern bei Perthes in Gotha erfchien. Die ausgezeichnet fchöne Gebirgszeichnung wird durch Farbentöne unterftützt, welche Hauptftufen der Erhebung bezeichnen. Die von Kellner& Comp. in Weimar gelieferte Wandkarte( Photo- Lithographie nach einem Relief) ift auf den allgemeinen plaftifchen Eindruck berechnet, ohne mit dem neuen Zeichen für die Unebenheiten wefentlich mehr zu erreichen, als die bisher übliche Darftellungsweife gewährt. Das deutfche Reich war, wie leicht vorauszufehen, im Gebiete der Schul- Wandkarten reichlich vertreten. Die Karte von Petermann( Gotha, geographifches Inftitut) ift für die natürliche Landesbefchaffenheit, die Karte von Kiepert( neun Blätter, Berlin bei D. Reimer) für die politifche Configuration eine ausgezeichnete Leiftung. An fie fchliefsen fich die Wandkarte von Ohmann ( von der königlich preuſsifchen Unterrichtsverwaltung ausgeftellt), von Weiland und Graef( Weimar, geographifches Inftitut), von Winkelmann( Weichardt in Stuttgart), von Moehl in Kaffel( mit einer Terrainzeichnung, die weniger die 4 Anton Steinhaufer. Erhebungen charakteriftifch auffafst und mehr durch outrirte Schatten bei fchiefer Beleuchtung auf plaftifchen Eindruck berechnet ift), von Kellner& Comp. in Weimar( Photo- Lithographic nach einem Relief), endlich die von Fuchs( Wien und Prag) herausgegebene Karte auf ſchwarzem Schiefergrunde, der Pendant zu der früher erwähnten Monarchiekarte. Schauenburg's ftumme Wandkarte von Deutfchland, früher auf glanzlofem, fchwarzem Grunde mit blauen Flufsumriffen gedruckt, nun in neuer Ausgabe auf glänzender Wachsleinwand, hat den Vortheil der Dauerhaftigkeit mit Verluft der übrigen erkauft. Die Schweizer Schulen find verforgt durch die bei Wurfter, Randegger & Comp. beftens ausgeführte Wandkarte von J. M. Ziegler, in acht Blättern im Mafse von I 250.000 der Natur, der eine kleinere in I: 700.000 und eine Handkarte in 1: 1,200.000 zur Seite ftehen, nicht minder durch die Wandkarte von Keller, ferner durch eine von der Meifterhand Leuzinger's gezeichnete Gebirgskarte ohne Schrift. Die Commiffion des öffentlichen Unterrichtes von Belgien hat eine orohydro- mineralographifche Karte diefes Staates ausgeftellt, und unter den 200Proben von Landkarten- Stichen von Bartholomew in Edinburgh fand man rein politifche Wandkarten von England( 15 Blätter und 3 Supplementblätter) und Schottland( 12 Blätter) mit fkizzirtem Terrain, beide zu reichhaltig für den Ele mentar- Schulunterricht. Von den übrigen Staaten von Europa erfchienen Frankreich, Italien, Portugal und Schweden durch Schul- Wandkarten vertreten; Frankreich durch die Wandkarte von Lannée; Italien durch die Carta murale des Profeffors Mangé ( Neapel 1871), und die im geographifchen Inftitut zu Weimar von H. Berghaus und dem Profeffor Schiaparelli bearbeitete Wandkarte in acht Blättern. Die übrigen Wandkarten von Italien von Crivelli, Vallardi, Cerri( Verlag von Artaria in Wien) nähern fich mehr den topographifchen Karten. Portugal durch 2 ganz gleiche Wandkarten des Königreiches von Bettincourt( bei l'Allement frères) mit und ohne Schrift, und Schweden, aufser den( in 1: 500.000 entworfenen) Provinzkarten ( Mettersta& Södra- Sverige) durch eine gröfsere Zahl von Wandkarten der fkandinavifchen Halbinfel in verfchiedener Ausführung; als ftumme Karte mit Angabe der Culturgebiete, als halbhiftorifche mit Andeutung aller früher befeffenen Länder, als Gebirgskarte( mit 5 Tönen für die Erhebungsfchichten), eine ausgezeichnete Arbeit des Lieutenants Mentzer; als einfache politifche Ueberfichts karte und als ftumme Karte, auf welche mit den Namen der Flüffe, Berge, Orte bedruckte Klötzchen von den Schülern aufgefteckt werden. Die Schulen der nordamerikanifchen Freiftaaten erfreuen fich zweier, in kleinerem und gröfserem Mafsftabe ausgeführter, mit Farbentönen( grün und orange), für Tief- und Hochland verfehener ftummer Wandkarten der Union von Profeffor Guyot, dem fie auch eine Wandkarte der britifchen Infeln verdanken, die wie der ganze Cyclus der Guyot'fchen Wandkarten den gleichen Typus trägt. Unter der grofsen Zahl der Erdtheil- und der Erdkarten machten fich fünf Suiten von Wandkarten befonders geltend; die ältefte rührt von E. v. Sydow her, deffen epochemachende, dem geographifchen Unterrichte eine neue Richtung gebende, in mehrere Sprachen Europas( ruffifch, fchwedifch etc.) übertragene Wandkarten immer muftergiltige Arbeiten bleiben werden, und denen die Verlagshandlung( J. Perthes in Gotha), um fie den gefteigerten Anforderungen der Neuzeit in Beziehung auf hypfometriſche Bereicherung durch Hinzufügung einiger Farbennuancen einen erhöhten Werth zu verleihen ftrebt. Sie berücksichtigen mit Vorzug die natürliche Geftaltung der Erdräume und der Verfuch, nebenher auf gleicher Grundlage einen Atlas politifcher Erdtheil- Karten herzuftellen, ift nach dem Erfcheinen der Karten von Nord- und Südamerika abgebrochen worden. Die zweite Folge bildete die eben im Erfcheinen begriffene Reihe von phy fifchen Karten der Erdtheile von H. Kiepert( bei D. Reimer in Berlin; ausgegeben find: Planigloben, Europa, Afien). Sie find auf Veranlaffung der ftädtifchen Schul Geographifche Bildungs- und Unterrichtsmittel. 5 deputation in Berlin in Angriff genommen worden, haben mit Ausnahme der Hochgebirge keine Terrainzeichnung, aber Gradationen für Stufenland und Hochland ( das Tiefland ift weifs geblieben). Die dritte Sammlung von Wandkarten bildeten die von der Firma Holle in Braunfchweig gelieferten( 18 Karten), die fich auch auf öfterreichifche Kronländer ausdehnen und jener gemifchten Gattung angehören, die weder das phyfifche noch das politifche Bild vorzugsweife begünftigt und dem billigen Preife ihre grössere Verbreitung verdankt. Die vierte Suite von Erdtheil- Karten war von den nach Reliefs photolithographifch erzeugten Wandkarten von Kellner& Comp. in Berlin eingenommen, an die fich Photographien nach Reliefs anfchloffen, wie fie Bauernkeller in Paris( Gruppe XIV der franzöfifchen Expofition) und mit Bezug auf Richtigkeit noch beffer Raatz in Berlin herftellen. Der fünfte Cyclus von Schul- Wandkarten der Erdtheile( in Allem 17 Karten) war jener von Profeffor Guyot in New- York( bei Scribner& Comp.), der für Amerika das ift, was v. Sydow für Deutſchland war( leider entzieht ihn feine jetzige Stellung feiner hochfchätzbaren Thätigkeit für die Schule). Auf allen diefen ftummen Wandkarten, die mit den v. Sydow'fchen gemeinfame Vorzüge haben, ift Tiefland und Hochland durch grünen und braunen Ton unterfchieden, auf den ErdtheilKarten wie auf den Planigloben und der Mercatorprojection der Erde. Die disponiblen Räume auf den Planigloben find ähnlich wie bei Sydow zur Darstellung der Nord- und Südpol- Hälfte, der Land- und Waffer- Halbkugel der Erde benützt. An die Karten von Guyot fchloffen fich Cornell's Outlinemaps, die kein Terrain zeigen, nach Staatengruppen colorirt find und auf denen Städte und Flüffe mit Ziffern bezeichnet erfcheinen. Carton. Die grofsen Wandkarten wiederholten fich in kleinerem Formate auf fteifem Guyot's Karten ftehen die 12 Wandkarten von Appleton& Comp. in New- York zur Seite. Aufser diefen zufammenhängenden Suiten begegnete man in der Ausftellung gewöhnlich nur einzelnen Karten von Europa und dem Gemeinplatze der Planigloben. Unter diefe gehören die in mehrere Landesfprachen überfetzte Wandkarte von Europa von Kozenn( Wien bei Hölzl), desfelben Planigloben mit einer Sternkarte der nördlichen Himmels- Halbkugel; die Wandkarten der öftlichen und weftlichen Halbkugel von Keller( Schweizer Schulhaus), die Wandkarten von Europa, Afien( Kiepert) und die Planigloben des Weimarer geographifchen Inftitutes; die ftummen Wandkarten von Europa auf fchwarzem Grunde von Schauen burg und die ähnliche( im Mafse von 1: 4,300.000 bearbeitete), von Europa von Levasseur in Paris auf fchwarzem, glanzlofem Grunde mit weifsen Umriffen, und weifs fchraffirtem Meere, die Wandkarten von C. Adler in Hamburg und andere. Die Wandkarte von Europa des Etabliffements de Carlsburg ( Brüffel) zeigt vier( ziemlich roh gezogene) colorirte Höhenfchichten, eine Höhenleiter, Zeichen für Naturproducte und politifche Nebenkarten. Bevor die Bemerkungen über die Wandkarten gefchloffen werden, fcheint es angezeigt, auch der Schul- Wandkarten vom heiligen Lande zu gedenken, an welchen fich Kozenn( bei Hölzl in Wien, in deutfcher und flavifcher Sprache), Hergt( geographifches Inftitut in Weimar, Farbendruck mit Profilen), Völter und Winkelmann( C. Weychardt in Stuttgart), Kiepert( D. Reimer in Berlin, auf höhere Claffen berechnet) und Kellner& Comp. in Weimar betheiligt haben. Von Ifsleib& Rietfchel in Gera erfchien eine Wandkarte der Länder der heiligen Schrift, auch Kellner& Comp. haben eine Wandkarte zur biblifchen Erdkunde ausgeftellt. Auch im fchwedifchen Schulhaufe hing eine Karte von Paläftina, mit mehreren hiftorifchen Nebenkärtchen und mit Illuftrationen ausgeftattet. Den Wandkarten zur Seite ftehen die Karten für die Schüler, zum Ganzen vereinigt als Schulatlanten. Das Mafs des durch beide vermittelten 6 Anton Steinhaufer. topifchen Unterrichtes in der Volksfchule erfordert eine befchränkte Anzahl einfacher, nicht überladener, aber correcter Karten. Gewöhnlich bilden die Planigloben, die der Erdtheile, die Karten der wichtigften Staaten und Karten des Vaterlandes den Inhalt, und es wurden häufig aus umfangreichen Atlanten durch Ausfcheidung der elementaren Karten eigene Atlanten für die Volksfchule zufammengefetzt. Die Zahl der in der Ausftellung vorhandenen Schulatlanten war zu grofs, um jeden derfelben eingehend würdigen zu können, auch waren mehrere derfelben mittelgrofs in der Zahl der Karten, dafs eine Trennung für Volks- und Mittelfchulen nicht thunlich war. Namentlich galt diefs bei jenen kleinen Special. atlanten, die nur der Kenntnifs des Vaterlandes gewidmet find. Oefterreich erfchien in diefer Beziehung noch nicht reichlich vertreten. Unter den kleinen Atlanten feiner Ausftellung war der mit einigen Blättern Text von Profeffor Simony begleitete Atlas von 7 Blättern( Wien bei Gerold) der ältefte ( 1854). Um 12 Jahre jünger ift der in Gerold's Verlag übergegangene Atlas vom Herrn Director Stein in Prag, der 9 auf beiden Seiten bedruckte Doppelkarten ( Europa-, Monarchie-, Kronländerkarten) enthält, in zweierlei Ausgaben, weifs auf fchwarzem Grunde und fchwarz auf weifsem Grunde, begleitet von einem Hefte gleichartiger Netzkarten. Aus dem Atlas von Kozenn( Wien bei Hölzl 1861) hat der Verleger Separathefte von 6, 12 und 18 Blättern zufammengeftellt und in den Landes- Unterrichtsfprachen( čechifch, flovenifch, kroatifch, magyarifch etc.) befchrieben herausgegeben. Ebenfo hat Artaria in Wien aus dem Atlas von A. Steinhaufer( 1865 bis 1869), deffen erfte zwei Hefte dem Elementarunterrichte und der Vaterlandskunde gewidmet find, eine Auswahl von 6 Karten( Erklärung der Kartenzeichen, Erdanfichten, Europa und Mitteleuropa in Doppelkarten, phyfifch und politifch) als Volksfchul- Atlas( 1872) erfcheinen laffen. Ein Bogen Text erklärt die auf den Karten vorkommenden Abbreviaturen. Ein anderes Heft mit 12 Blättern wurde auf Veranlaffung des Profeffors Grün für die unterfte Claffe des akademifchen Gymnafiums in Wien herausgegeben. Im k. k. Schulbücher- Verlage wurden Planigloben und Karten von Europa und der öfterreichifch- ungarifchen Monarchie durch Befchreibung in den verfchiedenen Reichsfprachen zum Gebrauche beim Elementarunterricht eingerichtet. Aus dem Atlas von Profeffor Vogel( Wien und Prag bei Fuchs; 35 von eben fo viel alternirenden ftummen Karten begleitete Blätter) wird eine Anzahl von Karten in der Volksfchule gut verwendbar fich erproben. Für die Befriedigung der Bedürfniffe öfterreichischer Volksfchulen hat auch Perthes in Gotha durch ein Heft von 15 Karten( zufammengefetzt aus Karten des Stieler'fchen und v. Sydow'fchen Atlas) beigetragen, und Amther& Ifsleib in Gera durch einen auf der Buchdrucker- Preffe erzeugten billigen, aber im Einzelnen mifslungenen Atlas der öfterreichifchen Kronländer( 12 Blätter 1871). Das deutfche Reich behauptet in allen Richtungen der SchulKartographie eine bedeutende Rolle. Die geographifchen Anftalten in Gotha ( Perthes), Weimar( Arnd), Berlin( Reimer), Hildburghaufen und andere leiften feit geraumer Zeit Vieles und Ausgezeichnetes im Grofsen und Kleinen. Daneben gehen neuere Unternehmungen, und fo ift für die Bedürfniffe der Schulen aller Art fo vorgeforgt, wie kaum in einem anderen Staate. " Ifsleib& Rietfchel's Volksatlas in 24 Karten gehört unter die Erzeugniffe, die durch Wohlfeilheit auf dem Markte einen Platz behaupten; er ift als Atlas populaire" den franzöfifchen Schulen zugänglich gemacht, durch Vermehrung auf 44 Karten auch auf den erweiterten Unterricht berechnet. Analog in der Ausführung erfchien in demfelben Verlage ein Bibelatlas in 8 Blättern. Gleichmäfsig durch niedrigen Preis( 10 Silbergrofchen) ausgezeichnet, aber auch durch Eleganz der äufseren Erfcheinung, durch gleiche Rückficht auf Oekonomie wie auf Dauer, und durch Güte des Inhaltes ragt der bei D. Reimer in Berlin( 1872) erfchienene, auf Veranlaffung der Berliner ftädtiſchen Schuldeputation von Kiepert bearbeitete Atlas von 22 Karten( auf 10 Blättern) hervor; vermuthlich angeregt durch das Beiſpiel, das Hachette in Paris mit dem kleinen Elementar Geographifche Bildungs- und Unterrichtsmittel. 7 atlas von Cortembert ein Jahr zuvor gegeben. Diefem kleinften Atlas fteht ein etwas gröfserer in Foliokarten, auch von Kiepert's Hand herrührend( bei D. Reimer) würdig zur Seite. B. F. Voigt's hiftorifch- geographifcher Atlas( 16 Karten bei Nicolai in Berlin), und der wohlbekannte nette Schulatlas von Adami( bei D. Reimer in Berlin) ftehen dem Standpunkte des Elementarunterrichtes nahe. Andere Atlanten deutſcher Erzeugung, fowie auch die ihnen zur Seite gehenden Geripp-, hydround orographifchen Netz- und anderen Karten, werden bei den Mittelfchulen die rechte Stelle finden, wohin fie theils durch die Zahl der Karten, theils durch die Art der Bearbeitung und Verwendung mehr gravitiren. In der Ausftellung der Schul- Lehrmittel der Schweiz kam der auf die Schulen diefes Landes fpeciell angepafste Atlas von Wettftein vor( 12 Blätter, Zürich 1872), der fich durch Billigkeit( I Franc) und vorzügliche Ausführung( durch die Anftalt Wurfter, Randegger& Comp. in Winterthur) auszeichnet und nebft den gewöhnlichen Elementarkarten zur Erklärung der Mafsftab- Verjüngung eine Reihe von kleinen Kärtchen( Schulort, Gemeinde etc.), eine hübfche Doppelkarte der Schweiz, und zur Erläuterung der Bergzeichnung auf hypfometriſcher Grundlage zwei Darftellungen aus dem Hochgebirge( St. Gotthard, Monte Rofa) enthält. ein Beweis, dafs die Erziehungsdirection des Cantons Zürich es angemeffen fand, das Verftändnifs der Schichtenkarten fchon im Elementarunterrichte zu begründen. Im fchwedifchen Schulhaufe traf man den Atlas für Schule und Heimat von Magnus Roth( analog dem Volksatlas von Ifsleib& Rietfchel in Gera), einen Atlas der fchwedifchen Laene von Lieutenant Mentzer, und gleichfalls von diefer thätigen und gefchickten Hand einen Skolatlas von 24 Karten mit 2 bis 3 Höhenftufen, in verfchiedenen Schraffirungsgradationen deutlich ausgedrückt, abermals ein Verfuch, die Erhebung des Bodens im Grofsen fchon dem Anfänger anfchaulich zu machen. Frankreich bot in diefem Zweige der Schul- Kartographie auf der Weltausftellung ein reiches Contingent. Namentlich ragte Ch. Hachette in Paris durch Zahl und Güte feiner geographifchen und anderen Verlagsartikel hervor. Von diefer Firma lagen vor: Cortembert's kleiner Elementaratlas 12 Karten ( klein Quart, für 50 centimes ohne Text) in Auflagen mit und ohne Text. Defsgleichen ein Atlas de France in 12 Karten, eine Karte von Frankreich( Quart fur métal) mit den Grenzen und Departements- Hauptorten( Fabrik Lorne et le Plazenet) und eine zweite ftumme, analog auf fchwarzem Grunde ausgeführte, zu geographifchen Uebungen beftimmt. Nicht minder ift Delalaine zu nennen, von dem der Atlas von H. Chevalier in 32 Karten, und der für Collegien und Penfionate beftimmte Elementaratlas von Lebrun& Belle vorlagen. Aufser diefen erfchienen Schulkarten von Hermet( Paris), ein kleiner Elementaratlas und ein mit ftummen Karten in Verbindung ftehender Atlas de géographie contemporaine von Lannée( Paris), ein Schulatlas von Paris( bei Bazin in Paris), ein Elementaratlas von Bénard( 26 Karten) und ein auf 38 Blätter reducirter Atlas von Drioux& Leroy( bei Belin in Paris), die fchon in der Mitte zwifchen Volksfchule und Mittelfchule ftehen. Viele diefer Atlanten enthalten auch einige Karten zur alten Gefchichte. Belgien war durch den Schulatlas von Callewaert frères( Brüffel) vertreten, der fchon die 14. Ausgabe erlebt hat und durch Geographie- Uebungen nach der Methode des Bruders Alexis von M. Gochet; die Niederlande durch einen Schulatlas von Brugsma, von 14 Karten( jene von den Colonien eingefchloffen, Groningen bei Wolters), durch Rijkens Schulatlas der Niederlande in 14 Karten ( klein Folio, darunter I agronomifche und 3 Colonialkarten); Italien durch den Atlante fifico politico, nach Handzeichnungen von E. Bergamo( Scalzotto in Mailand) und den Atlante univerfale ftatiftico- pittoresco von Civelli( Mailand 1871, mit Karten in Folio, die an die des Stieler'fchen Atlaffes erinnerten, vis- à- vis mit einem Textblatt mit Xylographicn). 8 Anton Steinhaufer. Die Ausftellung Britanniens ift fehr mager befchickt worden, aufser einigen, zufammen vielleicht einen Atlas bildenden Schulkarten, die unter den von John Bartolomew in Edinburg ausgeftellten Stichproben vorkommen ( worunter auch kleine Städtepläne, Flufsmündungen etc.) mit vorherrfchend politifcher Ausarbeitung, einem Elementaratlas von 8 Karten in hindoftanifcher Sprache, und dem aus 40 Karten( darunter 5 für die Geographie des Alterthums beftimmte) beftehenden comprehenfiv Schoolatlas von Will Hughes( bei Philips and Son in London) war kein derartiges Hilfsmittel vorhanden, obwohl die engliſchen Schulen, auch die der Colonien( z. B. Canada) reichlich mit Wand- und Handkarten verfehen find. Im nordamerikanifchen Schulhaufe fand man SundaySchoolmaps, die Länder der heiligen Schrift umfaffend, Atlanten von Caltwell& Gould, von Mitchell u. A. und gröfsere von Johnfon, die später zu erwähnen Gelegenheit fein wird. Die Zahl der eigentlichen Schulatlanten für die untere Stufe war im Kreife des britifchen Reiches und auch der nordamerikaniſchen Freiftaaten durch jene Textbücher befchränkt, denen Karten und Illuftrationen im Holzfchnitt, oft in nicht unerheblicher Zahl, eingedruckt find. Solche Textbücher beſtehen, auch für den vorgefchrittenen Schüler in mehrere Abtheilungen zerfallend, in den eigentlichen Partien für die Volksfchule in Fragen und Antworten abgefafst. So z. B. Mitchell's Atlas, Warren's elementar- phyfikalifche Geographie, in Guyot's Common Schoolgeographie( Scribner in New- York), in Wilfon's Schulatlas( Hinkte& Comp. in Cincinnati), in Montheith's Manuel of geographie ( Barres& Comp. in New- York 1872). Da die Texte dem Referate für geographifche Lehrbücher zugetheilt find, fo ift ein weiteres Eingehen nicht angezeigt( z. B. auf Stöfsner's Geographie, 3 Abtheilungen, Annaberg 1871), nur fo viel möge geftattet fein zu erwähnen, dafs alle Texte der anglicanifchen Lehrbücher diefer Art mit dem Weltall anfangen, fonach die fynthetiſche Methode in keinem nur entfernt vertreten ift. Einige enthalten auch am Schluffe eine kurze Anleitung zum Kartenzeichnen, mitunter mit Anwendung geometrifcher Conftructionen, und Montheith's Handbuch fogar graphifche Hilfsbilder zur vermeintlich befferen Memorirung der Geftalten der Continente und Länder, ähnlich wie vor Jahren in Wien Conte Paulovich welche veröffentlichte. Sò z. B. gleicht Afrika bei Montheith einem feitwärts fchauenden Adler, bei Paulovich einem Pferdekopf; Südamerika bei Montheith einem Hundskopf, bei Paulovich einem Schinken! Eine Nachahmung von Mitchell's Atlas ift der bei Hachette in Paris 1872 erfchienene Globe illuftré, deffen Text 16 Karten und zahlreiche Holzfchnitte zieren. Eine vor Decennien in Stuttgart verfuchte Nachahınung mit Text von Profeffor Reufchle ift nicht mehr erneuert worden. Dagegen hat der bei Brockhaus in Leipzig verlegte illuftrirte Atlas von Loeder und Schade( 22 Karten in Folio, auf denen Hoch- und Tiefland durch verfchiedenes Colorit unterfchieden find, von fchön geftochenen Illuftrationen rings umgeben) eine zweite Auflage erlebt; der Text iſt nicht für die Volksfchule angelegt, doch die gelungenen Bilder dem Anfchauungsunterrichte fehr förderlich. Es war eben Gelegenheit geboten, der Anleitungen zum Kartenzeichnen zu erwähnen, einer Uebung, deren grofser Erfolg im haftenden Memoriren der gezeichneten Umriffe und Raumverhältniffe befteht, wenn nicht noch andere Vortheile durch die Wahl und Tendenz der Aufgaben hinzukommen. Die Erftlingsverfuche zum Nachahmen der Contouren, fei die Tafelzeichnung des Lehrers das Vorbild( bei der conftructiven Methode) oder ein paffendes Original mit Anhaltspunkten zum Ausfüllen, fallen der Volksfchule anheim, und dienen zu diefem Behufe unvollständige Abdrücke der Karten zur Ergänzung des Fehlenden, oder Netze( quadrirte oder Gradnetze). Bei Karten, die mittelft Zufammendruck mehrerer Farbenplatten entſtehen, ift die Herftellung feparater Karten, die nur das Flufsnetz, oder nur die Grenzen, die Bergzeichnung allein, oder das vollſtändige Gerippe( fogenannte Repetitionskarten) mit Orten, Wegen etc. enthalten, leicht zu bewerkstelligen. Separate Atlanten diefer Gattung beftehen in grofser Zahl, Geographifche Bildungs- und Unterrichtsmittel. 9 worunter in Oefterreich Hölzl in Wien aus dem Atlas von Kozenn eine Suite rein orographifcher Karten, Artaria aus dem Atlas von A. Steinhaufer Suiten von Gerippkarten, orographifchen und vollſtändigen ftummen Karten lieferten. Vom Dr. A. Tille in Wittingau lag im Manufcript eine Anleitung zum Kartenzeichnen vor, die von den einfachften bis zu den complicirten geometrifchen Figuren fortfchreitet und namentlich das Kronland Böhmen durch alle Phafen der Zeichnung confequent durchführt. In Gotha gab das geographifche Inftitut aus dem Sydow'fchen Atlas eine Zahl von Separatatlanten heraus; A. Reimer in Berlin Klöden's Repetitionskarten. Hieher gehören die bei den Wandkarten erwähnten Erzeugniffe deutfchen und franzöfifchen( Lanné's, Suzonne's ftumme Karten auf Schiefergrund) Urfprungs, welche Gelegenheit zum Einzeichnen bieten, endlich die auf weifsem Schiefergrunde( fogenanntem Oekonomiepapier) gedruckten Kartenfkizzen Schönninger's in Wien, welche die oftmalige Anwendung von Kreide, Bleiftift und Pinfel ebenfo gut vertragen, wie die auf fchwarzem Schiefergrunde. Reine Netzkarten, die fchon mehr Uebung im Augenmafse vorausfetzen und daher in der Mittelfchule angemeffene Verwendung finden, werden bei diefen an die Reihe kommen. Bevor der Abfchnitt über Schülerkarten und Atlanten gewöhnlichen Inhaltes gefchloffen wird, fcheint es angezeigt, einer nicht unwichtigen Lücke zu gedenken, die bei der Mehrzahl von Atlanten bemerkbar war, und doch nicht fchwer auszu füllen wäre. Die Erklärung der geographifchen Terminologie, fonach auch der Kartenzeichen, welche die verfchiedenen Objecte andeuten, läfst fich vom Lehrer durch paffende Beifpiele aus den Karten felbft entwickeln, der Schüler aber wird dennoch im Vortheile fein, wenn er nebftbei im Schulatlas ein Blättchen findet, das, ähnlich den Reliefs zur Erklärung der Bergzeichnung und der Schichten eingerichtet, durch Verbindung von Terminus und Bild feine Vorftellung unterftützt. So hat der ausgezeichnete Praktiker v. Sydow feinem Schulatlas erläuternde Zeichnungen und feinem methodifchen Handatlas ein Blatt kartographifche Elemente" vorangefchickt; Kozenn hat diefes Beiſpiel in feinem Schulatlas( Wien bei Hölzl) nachgeahmt, und auch im Atlas von A. Steinhaufer findet man ein inftructives Vorblatt zur Erklärung von Gegenftänden der LandkartenZeichnung, zugleich einen Mafsftab, mittelft deffen jeder Schüler ohne befondere Schwierigkeit im Stande ift, das Verhältnifs einer vorgelegten gewöhnlichen Landkarte zur natürlichen Gröfse zu beftimmen. " Nun gelangen wir zu anderen Gattungen von Karten, theils Flachkarten ( aber in einzelnen Theilen, z. B. in der Darftellung der Unebenheiten, in wefentlich verfchiedener Ausführung) theils erhabenen( plaftifchen) Karten. Je nach der Stufe der Ausbildung werden einzelne Blätter ganzer Suiten fchon in der Volksfchule, die übrigen in den Mittelfchulen in Verwendung kommen können, fei es im erften Falle zur Begründung richtiger Vorftellungen, oder blofs als charakteriftifche Bilder zu Gunften des Anfchauungsunterrichtes. Eine Scheidung vieler der im Folgenden angeführten Karten in jene Partien, die in der Volksfchule Nutzen fchaffen können, von jenen, die beffer einer fpäteren Periode vorbehalten bleiben, würde entweder zu zahlreichen Wiederholungen nöthigen, oder zur Ignorirung beim Elementarunterrichte führen. Es mag defshalb entfchuldigt werden, wenn bei diefen Partien etwas über die Volksfchule hinausgegriffen und bei den Mittelfchulen nur nachgeholt wird, was entfchieden und ausfchliefslich in ihren Bereich fällt. Derfelbe Fall wird fchliefslich bei den inftructiven Wandbildern( von Landfchaften, Monumenten etc.) eintreten, deren theilweifes Vorzeigen in der Volksfchule nur nützlich fich erproben kann, während die volle Suite in der Oberfchule zu wirken hat. Der Unterfchied liegt nur darin, dafs in der Volksfchule zur Erweckung einer allgemeinen Vorftellung ein fpecielles Beiſpiel genügen wird, während es fich beim höheren Unterrichte nicht um den vorläufigen Begriff von der Sache, fondern um die Objecte felbft in ihrer Mannig faltigkeit handelt. 10 Anton Steinhaufer. Eine befondere Claffe der Schulkarten ift erft feit einem Decennium zahlreich geworden, nämlich die Schichtenkarten, auf welchen die Gebirge durch eine Anzahl von Horizontalen( Ifohypfen, das ift Linien gleicher Höhe oder Niveau curven) ausgedrückt find, die beftimmte Höhenftufen bezeichnen, die bei kleinen Mafsftäben ungleich find, gegen die Höhe wachfen und mitunter ein paar Taufend Fufs betragen. Weil fie für fich allein kein plaftifch wirkendes Bild gewähren, hat man Farbenfcalen erfonnen, die in fteigenden und fallenden Tönen einer Farbe oder verfchiedener Farben das gleich Hohe auf einer folchen Karte klar erkennen laffen. Einige charakteriftifche Hauptfchichten haben bei den Erdtheil- Karten bereits Anwendung gefunden. Man hat die Ifohypfen nun auch bei den topographifchen Karten eingeführt, doch fallen diefe nicht in den Rahmen der Schule. Klebt man die ausgefchnittenen Schichten aufeinander, fo erhält man ein Schichtenrelief. Die Erkenntnifs der Nützlichkeit der Schichtenkarten hat das k. k. öfterreichifche Unterrichtsminifterium bewogen, durch den+ Sectionschef Valentin Ritter v. Streffleur unter Mitwirkung des k. k. Rathes A. Steinhaufer 15 Schichtenkarten der öfterreichiſch- ungarifchen Kronländer anfertigen zu laffen, zu deren Ausführung im Farbendruck Profeffor Simony eine Scala entwarf. Sie bilden einen Atlas in der Ausftellung des k. k. Schulbücher- Verlages, und aus ihnen hat Herr Oberlieutenant Köchert das Schichtenrelief der Gefammtmonarchie zufammengefetzt. Aufser diefen Piecen fand man in der Ausftellung eine Schichtenkarte vom Lande ob der Enns( 1: 800.000) von Kozenn( Wien, bei Hölzl); vier Schichten- Wandkarten der Planigloben von Europa und Mitteleuropa, von O. Delitfch( Leipzig, bei Hinrichs, fchon einer älteren Periode angehörig), eine noch unvollendete hypfometriſche Karte von Baiern( 2 Bl. von 7), anderer in befonderen Zufammenftellungen vorkommenden Schichtenkarten deutfcher Production nicht zu gedenken, dann eine neuefte hydro- orographifche ftumme Wandkarte von Frankreich( aus den Nivillements des Dep. de la Guerre abgeleitet) mit Schichten von 100 zu 100 Meter im Mafse von 1: 800.000 der Natur. An Relief Schichtenkarten enthielt die Ausftellung der königlichungarifchen Staatsdruckerei Darftellungen( von Tóth) der Tatra in mehrfachen Varianten, Reliefkarten von Ungarn, von den Südoft- Karpathen, von Mitteleuropa. In der additionellen Ausstellung waren ebenfalls einige kleinere Arbeiten Streffleur's ( Böhmen, Mähren und Schlefien in kleinem Mafsftabe, der Canal la Manche, Corfu) zu fehen, ein Schichtenrelief der Umgebung von Wien( 1: 28.800, auf Grundlage der Section Wien der Adminiftrativkarte) und mehrere andere topographifche Schichtenreliefs in mitunter fehr grofsen Mafsftäben, welche für die Schulen kaum eine locale Beziehung nehmen, und daher anderen Referenten vorbehalten bleiben müffen. Dasfelbe gilt von anderen Ausftellungsobjecten, z. B. von den fehr inftructiven topographifchen Schichtenreliefs des Oberften Bardin( Paris, bei Ch. Delagrave). Die Schichtenreliefs bilden den Uebergang zu den reinen plaftifchen Karten, von denen drei Arten wohl zu unterfcheiden find. 1. Terminologifche Reliefs, das ift folche zur Erklärung der verfchiedenen Formen der Bodenerhebung und ihrer Zufammenfetzung zu charakte riftifchen Ganzen. Unter die erftgenannten gehören, um mit den wenigft vollkommenen anzufangen, ein Relief vom städtifchen Lehrer Braut in Wien( ohne erklärende Nebenkarte), ein gröfseres und kleines Modell des Bruder Alexis ( bei Gochet in Brüffel 1871), das topographifche Relief von Ch. Muret( Paris, bei Ch. Delagrave) mit erläuternder Flachkarte; dasfelbe unter der Direction Levaf feur's zur Etude de topographie erweiterte Modell mit einem in Schichten gelegten menfchlichen Antlitz. Selbſtverſtändlich drängen diefe die Bergformen, die übliche; in Schraffen ausgeführte Bergzeichnung und die Entstehung der Niveau curven bezweckenden plaftifchen Modelle auf kleinftem Raum zufammen, was in der Natur weit Geographifche Bildungs- und Unterrichtsmittel. 11 auseinanderliegt. Um diefer unnatürlichen Combination auszuweichen, erübrigt nur die Theilung der Objecte. Diefen Verfuch bringen die vom k. k. öfterreichifchen Schulbücher- Verlage ausgeftellten kleinen Reliefs vor Augen, die das k. k. Unterrichtsminifterium durch den Official des militär geographifchen Inftitutes Pauliny anfertigen liefs. Sie find aus den Aufnahmsmappen auf 1: 72.000 der Natur reducirt, von Beikarten gleicher Gröfse( in Schraffen und mit Schichtenlinien) begleitet, und ftellen ein Stück der Alpen( Ortlerumgebung) mit Gletfchern, den Haupttheil der Tatra, das Riefengebirge( Kuppenform) und ein Stück Karft( Adelsberg- Zirknitz), nun vergriffen, vor*. 2. Plaftifche Karten in grofsen Mafsftäben. Obwohl fehr geeignet für die Schule zur Veranfchaulichung von Naturformen, namentlich wenn keine Ueberhöhung ftattgefunden hat, werden fie aus mehrfachen Gründen( Koftfpieligkeit, Umfang, Gebrechlichkeit etc.) nur felten in Schulen Eingang finden. Doch könnte in grofsen Städten durch die Gründung eines geographifchen Mufeums den Schülern aller Anftalten Gelegenheit gegeben werden, an folchen, dem Naturbilde getreu fich annähernden Illuftrationen richtige Vorftellungen fich zu bilden, und in diefer Beziehung werden fich auch folche Schauftücke, wie fie die Weltausftellung in ziemlicher Anzahl bot, nützlich erproben. Darunter gehören: Paris und Umgebung von Bauernkeller, die Frucht eines zwölfjährigen Fleifses; Jerufalem in 1: 500 von Stephan Illès; Conftantinopel und der Bosporus in 1: 2500 vom Ingenieur Seefelder( nach Moltke's Aufnahme modellirt von C. Straub); Keil's Alpenrelief vom Glockner bis zum Untersberg in 1: 48.000( additionelle Ausftellung); Keil's Schneeberg in 1: 43.200( eben dort, auch mit geologifchem Colorit); das Riefengebirge vom Förfter Niederhofer trefflich in Holz gefchnitzt( Agriculturhalle), die Tatra in Metallgufs( Ausftellung der königlich- ungarifchen Staatsdruckerei); Beck's Relief des Aletfch- Gletfchers und des St. Gotthard( 1: 50.000 der Natur, in der Ausftellung der Schweiz), Dickert's Modell des Vefuv's( ältere Arbeit), Belin's Relief des Montblanc( Paris, bei Delagrave?), Winkler's Reliefs aus den baierifchen Alpen ( Tegernfee etc. auch geologifch bearbeitet), und noch mehrere Andere, deren Tendenz der Schule zu ferne liegt. 3. Plaftifche Karten kleineren und kleinften Mafses. In der Weltausftellung ftiefs man auf mehrere mehr und weniger gelungene Verfuche, die Unigebung der Heimat mittelft der Geoplaftik zum deutlichen Verftändnifs zu bringen; fo haben Profeffor N. Nawratil die Umgebung von Olmütz, Profeffor Hickmann die Umgebungen von Prag und Reichenberg, plaftifch ausgeführt und der Preffe zugänglich gemacht. Bei plaftifchen Karten kleinen Maſses, wie es jene ganzer Länder auf einem Blatte find, ift in den meiften Fällen einer bedeutenden Ueberhöhung nicht auszuweichen. Diefe Ueberhöhung und der durch den kleinen Mafsftab verurfachte Verluft an Detail machen aus dem Naturbilde ein ideales, dem der Schein bleibt, wefshalb Anfänger Gefahr laufen, in dem plaftifchen Bilde mehr zu fehen, als ein conventionelles greifbares Zeichen, das nicht viel mehr zu fagen weifs, als das conventionelle Zeichen der Flachkarten und jedenfalls weniger, als das abftracte Bild der Schichtenreliefs. Trotz diefer Anftände finden die plaftifchen Landkarten Anwerth, und waren daher in der Weltausftellung zahlreich repräfentirt. Am günftigften fallen die Karten der Schweiz aus, weil das Land klein ift und die Maffen und Höhen grofs find. Bürgi's Karte der Schweiz( etwas gröfser und beffer ausgeführt als Beck's Schul- Reliefkarte) ift eine der wenigen nicht überhöhten. Eine fleifsige Arbeit trat uns in Wilhelm Mehnert's Reliefkarte der Schweiz entgegen, nicht minder in der Reliefkarte der fächfifchen Schweiz desfelben Autors. In grösserer * Schon früher hat das Minifterium dem Official Pauliny eine Anzahl Copien feines Reliefs des Salzkammer- Gutes abgenommen und an die Lehranstalten vertheilt. Leider erlaubte der Koftenpunkt nicht die Ausführung in doppelt fo grofsem Masse. 12 Anton Steinhaufer. Anzahl erfchienen die fabriksmäfsigen Erzeugniffe von Schotte in Berlin ( Oefterreich- Ungarn, Deutſchland, Europa etc.), welche aber die faft ein halbes Jahrhundert älteren Arbeiten von Bauernkeller und die früheren Arbeiten von Ravenftein und Anderen nicht überflügeln. Sowie die Bergzeichnung auf Flachkarten ihre Stufen hat von der richtigen allgemeinen Charakteriſtik bis zum bedeutungslofen rohen Zeichen, fo zeigen auch die Reliefs, ob ein tüchtiger Geograph oder oder ein reiner Techniker ihnen die Geftalt gab. Aufser den durch die Preffe erzeugten Reliefkarten( Ungarn, Mitteleuropa, füdöftliche Karpathen, Gegend von Rom von Tóth; Böhmen von Hickmann, mit der Grenze abgefchloffen)' fand man noch in der Ausftellung des k. k. Unterrichtsminifteriums eine Reliefkarte des Kriegsfchauplatzes in Mexico, in der englifchen Expofition eine grofse Reliefkarte von Oftindien, in der egyptifchen eine folche von Egypten und Nubien( dürftig befchrieben) und im Kataloge der italienifchen Ausstellung eine Reliefkarte von Italien von Profeffor E. Tironi. In Frankreich enthielt die Gruppe XXVI in verfchiedenen Gröfsen plaftifche, zweckmässig nach Hauptfchichten colorirte Karten von Frankreich von Caroline Kleinhans( ohne Grenzen, ohne Flufsnamen, aber mit den bedeutendften Orten), nicht minder von derfelben Künftlerin Reliefkarten von eilf Departements ( l'Aisne, Cote d'Or, Vosges, Orne, Haute Saone, Gironde, Haute Garonne, Ain, Alps Franc., Isère, Savoye) alle mit dunkleren Gebirgsregionen auf dem gelblichten Grunde der tieferen Landfchaften. Eine fleifsige Arbeit des öfterreichifchen Hauptmannes Menzinger, ein Relief von Europa mit zwanzigfacher Ueberhöhung für Militärfchulen beftimmt, mag hier vorübergehend Erwähnung finden. In der Ausstellung des deutfchen Reiches machte fich auch ein Relief( Adler in Hamburg) der Erde und des Meeres in Mercatorprojection auffällig bemerkbar, bei dem natürlicher Weife der vielfach outrirte Höhen- Mafsftab mit dem bis zur Unendlichkeit wachfenden Mafsftabe der Projection nicht gleichen Schritt halten kann. Mögen die Reliefkarten kleinen Maſses ihre Mängel haben, fo bleiben fie doch mit Hinzufügung anderer Zeichen( Fäden oder Drähte für Strafsen, Stecknadel- Köpfe verfchiedener Gröfse für Orte, vertiefte Rinnchen für Flüffe, erhabene Punkte für Grenzen etc.) fehr brauchbare Hilfsmittel für Blinde, und auch in diefer Claffe von Karten fand man Beiſpiele: in der öfterreichifchen Ausftellung ( Karten, adjuftirt vom Lehrer Glötzl des Wiener Blindeninftitutes), in der Ausftellung des deutfchen Reiches( Reliefkarte von Thüringen von C. Oehlwein, plaftifcher Plan von Hamburg vom Lehrer Panz und von Hannover vom Tifchler Hartmann), und in der englifchen Ausftellung( Physical map of England von Brion und Sohn, 1872 mit erhabenen Grenzen und Gebirgen). Mit der Ueberficht des Erdganzen fchliefst bei einem wohlvertheilten Unterricht der Elementarcurs der Erdbefchreibung. Zu diefer Ueberficht dient weitaus beffer als alle Surrogate( Planigloben z. B.), der Globus, aber ein magerer, ohne den Ballaft von topographifchem und phyfikalifchem Detail, was erft viel fpäter verwerthet werden kann, und ohne jenen Ueberflufs von Montirung, der nur zur Löfung mathematifcher Aufgaben nöthig ift. Die in der Weltausftellung vorhandenen Globen aller Gröfsen( fie erreichten von 4 bis 30 Zoll Durchmeffer) war die Mehrzahl nach reichlicher ausgeftattet, als für Anfänger abfolut erfor derlich ift; man glaubt genug gethan zu haben, wenn man den Durchmeffer verkleinert und dadurch auch den Inhalt befchränkt. Am nächften kommt dem früher aufgeftellten Ideale ein kleiner Globus mit indifcher Schrift, für die Schulen in Bengalen beftimmt( ausgeftellt, wie ein Zettelchen befagt, wegen Wohlfeilheit!). Ihm ähnlich zeigte fich ein Globus aus einer Cocusnufs, und ein anderer auf einem Meffinggeftelle mit fchief geftellter Achfe. In der Ausftellung Frankreichs erfchienen Globen von Perifot, von Levaffeur( eine Gattung von mäfsiger Gröfse, mager befchrieben und mit vorzugsweifer Berücksichtigung des Hoch- und Tieflandes durch einige Farbentöne, die andere Gattung gröfser mit reichem Detail, Geographifche Bildungs- und Unterrichtsmittel. 13 beide bei Delagrave), von Profeffor Bonnefont( bei Ch. Rochette in zwei Gröfsen nach Angabe des Titels für Elementarfchulen beftimmt. Im italienifchen Kataloge find Globen von Paravia in Turin angeführt. In der Ausftellung von Nordamerika( zum Theile auch im nordamerikanifchen Schulhaufe) fand man Globen von Schedler( bei Steiger in New York) von 4, 9, 12 und 20 Zoll in einer Schulausgabe und mit reicherem Inhalt, namentlich in Bezug auf Communicationen zur See, und Erd- und Himmelsgloben von Joslin, die fich von allen anderen dadurch unterfcheiden, dafs die Figur 8, die entſteht, wenn man die Sonnenorte des wahren Mittags im Meridian mit einer Linie verbindet, nebft Angabe der jeweiligen Sonnenhöhe darauf angebracht ift. Im fchwedifchen Schulhaufe ftand ein Erdglobus( mit Angabe der Meeresftrömungen) und ein Himmelsglobus, deffen Figuren durch lichtblaue Färbung von dem dunkelblauen Grunde fich abhoben. Die Ausftellung des deutfchen Reiches war fehr reichlich mit Globen ausgeftattet von allen Gröfsen, in verfchiedener Montirung. Ohne Schrift find nur die Reliefgloben von Adami( bei Reimer in Berlin, zwei Ausgaben, die beften diefer Art). Die anderen von Adami zeichnen fich durch befondere Nettigkeit der Ausführung im Farbendrucke aus, eine Eigenfchaft, die man auch an den Globen aus dem Atelier von Schotte in Berlin ( das auch Reliefgloben erzeugt) beobachten konnte. Auch das geographifche Inftitut in Weimar liefert lobenswerthe Erd- und Himmelsgloben in verfchie.. denen Gröfsen Auch von C. Adler in Hamburg werden Globen( für Lehrer) verfertigt. In Oefterreich- Ungarn befchäftigen fich nur Fr. Schönninger in Wien und Felkel in Prag mit Globenfabrication in mehreren Gröfsen; die des letzteren werden auch in anderen Sprachen geliefert und waren( in magyarifcher Sprache) in der ungarifchen Expofition zu finden, Schönninger's Globen( von 6, 9 und 12 Zoll) in der Ausftellung des k. k. öfterreichifchen Unterrichtsminifteriums. Ein achtzehnzölliger Reliefglobus von der Hand Schönninger's ift nicht vollendet worden; deffen Magnetglobus, Mondglobus und andere Globen ( z. B. die von grofsem Durchmeffer) und jener von Hugel etc. werden später zur Befprechung gelangen. Der Himmelsglobus ift für die Volksfchule ein entbehrlicher Apparat, umfomehr, als er durch Flach- Sternkarten mit beweglichem Horizont leicht erfetzt werden kann. Er wird daher später zur Erwähnung gelangen. Hier mufs noch der Inductionsgloben gedacht werden, nämlich jener Kugeln mit fchwarzem Schiefergrund und Meridian, die beftimmt find, An fängern die Entstehung des Gradnetzes der Erdkugel zu veranfchaulichen. Sie werden in den meiften Anftalten erzeugt, die fich mit der Fabrication von Globen befaffen, und es mag hiebei noch erwähnt werden, dafs Schönninger der Erfte war, der die früher üblichen zerbrechlichen Gypskörper durch folides Materiale erfetzte, fo dafs die Kugeln felbft beim Falle aus der Höhe unbefchädiget bleiben. Nach dem Ueberblick der Erde folgt als Schlufs des Volksfchul- Unterrichtes die Kenntnifsnahme von der Entftehung von Tag und Nacht, der Jahreszeiten und Mondesviertel, mit anderen Worten von der fcheinbaren Bewegung der Sonne, des Mondes und der Sterne und der wirklichen Bewegung der Erde. Dazu dienen beffer als alle Zeichnungen die Ringkugeln und die Tellurolunarien. Die Ringkugel( Armillarfphäre) der alten Zeit war mehr Planetarium, fowie es noch mehrere der ausgeftellt gewefenen Apparate find, und ift in diefer Geftalt für die Volksfchule nicht anwendbar; wohl aber leiftet die zur hohlen. Himmelsfphäre degradirte Ringkugel( mit dem verftellbaren Horizont um die in der Mitte befindliche Erde) die beften Dienfte, um Anfängern zuerft die fcheinbare Bewegung des Sternenhimmels und der Sonne zu zeigen, dann die naturgemässe, wirkliche Bewegung mit ihren Folgen zu erklären. In der Weltausftellung figurirten nur wenige Ringkugeln. Eine fehr fchön gearbeitete von 30 Zoll Durchmeffer, von D. Reimer in Berlin ausgeftellt, ift eigentlich ein von einer Ringkugel umfchloffenes Tellurolunarium, und wird 14 Anton Steinhaufer. durch eine mechanifche Vorrichtung in Bewegung gefetzt. Der celeftial Indicator von H. Bryant bei Hartford( Vereinigte Staaten von Nordamerika) ift von geringer Gröfse( circa 12 Zoll), zugleich Planetarium( bis zum Mars). Die innere Fläche des Thierkreis- Ringes nimmt ein Streifen einer Sternkarte ein, aufsen ift die Gebrauchsanweifung angebracht. Profeffor Culik in Brünn hat zwei Ringkugeln eingefendet, von zierlicher Arbeit mit einem breiten Zodiacus von Meffingblech, in dem die Himmelszeichen durchgefchlagen find. Bei einem Apparate ift die Erde mit einem Horizonte verfehen, bei dem anderen befteht der Horizont allein. Von Schönninger in Wien waren mehrere Ringkugeln ausgeftellt, 22 bis 24 Zoll im Durchmeffer, die fich weniger durch die Eleganz der äufseren Erfcheinung empfahlen, als durch die einfache Einrichtung. Alle haben Kreife aus ftarkem Eifendraht, verfchieden bemalt, um fie aus der Ferne noch gut unterfcheiden zu können; fie haben die Ekliptiklinie, aber keinen Streifen des Thierkreifes, der viel verdecken würde, die Erde mit dem beweglichen Horizont und ein Sonnenfcheibchen zum Aufftecken und Verfchieben auf der Ekliptik. Die gröfseren Apparate find noch mit einem feinen Drahtnetz überzogen, das aus Allignements zufammengefetzt ift, wodurch die Sterne erfter bis dritter Gröfse verbunden find. Selbftverständlich ift die complicirtere Einrichtung nicht für die Volksfchule beftimmt, noch weniger, wenn fie, in dritter Compofition bei abermal vergröfsertem Durchmeffer, bis zum durchfichtigen Himmelsglobus( Sterne bis inclufive fünften Grades) und zum Uranoplanetarium gefteigert wird. Ein reines Planetarium von Schotte in Berlin mit auf Radien aufgeftellten Planeten ift folchen Apparaten franzöfifchen Urfprunges fehr ähnlich, gewährt wie faft alle Planetarien nur eine höchft dürftige Vorftellung von dem Zuftande unferes Sonnenfyftems, und theilweife fogar eine ganz falfche, indem die grofse Menge der kleinen Planeten zwifchen Mars und Jupiter, die beffer ganz wegbleiben, durch ein doldenartiges Conglomerat von einem halben Dutzend Kügelchen verfinnlicht wird. Der Katalog der italienifchen Regierung zählte Sfere aftronomiche und Planetarien von Paravia(+) in Turin auf, eine Machina aftronomica von Profeffor Chiofin Brescia, die wegen vergeblicher Nachforschung( wie manches Andere) nicht einbezogen werden konnten. Das Planetarium von J. H. Milberg in Hamburg theilt das gleiche Schickfal. Um die Bewegung der Erde um die Sonne, den Parallelismus der Erdachfe und die dadurch bedingten Jahreszeiten und Tageslängen zu erklären ift das Tellurium, um die Mondesphafen und die Finfterniffe zu erklären das Lunarium conftruirt worden. Es liegt ein Vortheil in der Einrichtung, wenn die zur Mondbewegung gehörigen Theile anftandslos entfernt und wieder hinzugefügt werden können, damit die Auffaffung ungeftört bleibt, und die zweite Erklärung folgen kann, wenn die erfte wohl verftanden wurde. Gewöhnlich find beide Apparate vereinigt, und in den meiften Fällen dient ein durch eine Kurbel bewegtes Räderwerk zum Umtrieb des Armes, deffen Ende die Erde trägt. Man fand in der Ausftellung einfache Tellurolunarien von Schönainger in Wien, durch Schnüre ohne Ende bewegt, viele andere mit meffingenem Triebwerke, wie fie Felkel in Prag, Schotte in Berlin, das geographifche Inftitutin Weimar, und andere Anftalten verfertigen laffen. Aufserdem kamen vor: Tellurien vom Pfarrer C. Heinrich in Sauggart bei Riedlingen( mit Text) und von C. Adler in Hamburg. Selbftverftändlich können alle diefe Conftructionen nur eine fehr oberflächliche Vorftellung von der Sache geben, die( namentlich was die Bewegung des Mondes betrifft) fpäter vielfach berichtigt werden mufs. Meiftens wird auf das natürliche Verhältnifs zu wenig Rückficht genommen. Wenn auch eine vielmalige Vergröfserung der Körper, in noch viel höherem Grade der Entfernung des Mondes von der Erde als unausweichliches Uebel geduldet werden mufs, fo darf doch diefe Uebertreibung nicht fo weit gehen, dafs der Mond, wie es bei einem von Schotte ausgeftellten Tellurolunarium der Fall ift, bei feinem Umlaufe der Sonne bedeutend näher kommt als der Erde. Geographifche Bildungs- und Unterrichtsmittel. 15 Alle übrigen Hilfsmittel für die mathematifche( aftronomifche), für die phyfikalifche Geographie etc. werden bei der Mittelfchule in Betracht kommen; für die Volksfchule, bei der der Anfchauungsunterricht eine grofse Rolle fpielt, mufs noch der Illuftrationen gedacht werden, der Wandbilder, von denen wir in der Ausftellung nur wenigen Repräfentanten begegneten. Zwar fehlte es nicht an ganz zweckmäfsig arrangirten Sammlungen beinahe für jeden Zweig der Erdkunde, wie es z.B. das Bilderwerk zum Brockhaus'fchen Converfations lexikon ift, auch nicht an Stereofkopen, aus denen man eine Rundreife über die halbe Erde zufammenftellen könnte, allein Wandbilder, landfchaftliche, monu mentale, ethnographifche etc., von denen die Schulen Gebrauch machen können, find im Ganzen noch ein frommer Wunfch, und die Ueberzeugung von ihrer nütz lichen Verwendung beim Unterrichte das Auge lieft aus ihnen viel mehr ab, als Befchreibungen zu geben vermögen kann vielleicht einmal zu einem inter nationalen Unternehmen führen, wie deren fchon mehrere anderer Art durch das Zufammenwirken der Staatsregierungen zu Stande gekommen find. Die Bilder bleiben für alle Schulen gleich, nur die Unterfchrift wechfelt nach der Landesfprache. Alle Anläufe von Privaten zu diefem Ziele find theils im Keime fchon erftickt, theils viel zu dürftig angelegt worden und des Koftenpunktes wegen und ob der in Folge davon geringen Theilnahme Stückwerk geblieben. - - In der Weltausftellung hingen aufser Profeffor Simony's fchon bekanntem Wandbilde der Gletfcherphänomene, ein Theil des von ihm mit bekannter Naturtreue aufgenommenen Saarftein- Panoramas und die von ihm herrührenden fechs Alpenbilder, die von der geographifchen Anftalt in Gotha publicirt wurden, und die nur einen kleinen Theil der Arbeiten diefes Vertreters der wiffenfchaftlichen Landfchafts- Zeichnung in Oefterreich bilden; einige vom Taborer Gymnafium ausgeftellte Wandbilder( Samum, Nordlicht, Pompeji etc.), eine Anzahl von Beftandbildern egyptifcher Denkmäler( Originalzeichnungen von Profeffor Langlin Wien, in Farbendruck von E. Hölzl's Anftalt), ein Panorama vom Stuhleck( Steiermark) gezeichnet von Jäger, gemalt von Schmölzer. Ungern vermifste man Profeffor Unger's(+) ideale Landfchaften der geologifchen Perioden, die freilich fchon einer älteren Periode angehören, und an die man durch Profeffor Erxleben's Handzeichnungen( Geognoftifche Partie der öfterreichifchen UnterrichtsminifterialAusftellung) lebhaft erinnert wird. Die Photographie hat reichliches Materiale für die geographifche Kenntnifs vieler Länder geliefert, welche Stoff zu ebenfo vielen Wandbildern geben würden. Die vielen Aufnahmen indifcher Monumentalbauten und Gegenden aus allen Erdtheilen bilden ganze Sammlungen und namentlich bieten die der nordamerikanifchen Freiftaaten eine grofse Fundgrube für die Kenntnifs des Felfengebirges, der Sierra Nevada und überhaupt des inneren weftlichen Theiles der Union. Es ift glücklicher Weife dortlands( ohne den Koftenpunkt zu fcheuen) der Gedanke beftens ausgeführt worden, mit der geologifchen Aufnahme unter der Auff.cht des Profeffors Hayden eine photographifche Aufnahme aller intereffanten, pittoresquen und lehrreichen Naturgebilde, vom Hemiorama der Höhen bis zum erratifchen Block herab, zu verbinden. Wie viel grofsartige Bilder hat nur allein das Jofemitethal und die Geyferregion geliefert! Auch die Ethnographie fand Ausbeute in der Weltausftellung durch die vielen Coſtumefiguren, die in der türkifchen, chinefifchen, fchwediſch- norwegifchen Ausstellung, im Pavillon Sidoroff und anderwärts zu finden waren. In Beziehung auf geographifche Naturgefchichte boten Hunderte von ausgeftopften Thieren Belehrung für Liebhaber der Zoologie, und viele exotifche Pflanzen erregten das Verlangen nach reichlicherer Schau. Kann man fich jetzt noch keine Schule denken, felbft eine reichlich dotirte, wo nicht blofs, wie es jetzt der Fall ist, ein paar Wände mit naturgefchichtlichen Wandtafeln, fondern auch einige Cabinette mit geographifchen Wandbildern behangen find, fo liegt doch der Gedanke nahe, dafs die grofsen Städte, denen die Mittel dazu zu Gebote ftehen, für alle Schulen ihres Weichbildes ein gemein 16 Anton Steinhaufer. fchaftliches geographifches Mufeum errichten, das nicht blofs den Schülern aller Anftalten, fondern auch den blofsen Dilettanten der Wiffenfchaft, felbft dem Fachgelehrten, reichlichften Stoff zur Belehrung bieten könnte. Ein folches Mufeum ift nicht als eine fchöne Phantafie zu betrachten, deren Verwirklichung aufser dem Bereiche des menfchlichen Wollens liegt, es kann jede Stunde gegründet werden, fobald das Verftändnifs der Nützlichkeit und Zweckmäfsigkeit eines folchen Unternehmens in die leitenden Körperfchaften gedrungen ift, und zum Willen fich die Thatkraft findet. II. Geographifche Lehrmittel für die Mittelfchulen. In den Mittelfchulen wiederholt und erweitert fich der geographifche Unterricht, in Folge davon wachfen auch die Unterrichtsmittel an Qualität und Quantität. Wenn in der Volksfchule aufser der Heimatkarte ein halbes Dutzend Wandkarten und ein Schulatlas von doppelt fo viel Blättern ausreichte, plaftifche Karten nur zur Erklärung der Bergzeichnung und als Mufter in Anwendung kamen, der Globus nur als Ueberficht der Land- und Waffermaffen u. f. w., fo treten nun Wand- und Schulkarten in gröfserer Zahl und mit reicherem Detail auf, Schichtenkarten und plaftifche Karten als hypfometrifches Materiale, der Globus zur Löfung mathematifcher Aufgaben. Viele der bei der Volksfchule erwähnten kartographifchen Unterrichtsmittel find auch in den unteren Claffen dei Mittelfchulen noch zu brauchen; um zu viele Wiederholungen zu vermeiden, werden nur jene, in der Weltausftellung befindlich gewefenen Hilfsmittel vorzugsweife erwähnt werden, welche durch Umfang und Inhalt entfchieden für die Mittelfchulen fich eignen. Im Bereiche der reicher ausgeftatteten Hand- und Wandkarten( kleineren und gröfseren Umfanges) fand man in der Ausftellung des öfterreichifchen Unterrichtsminifteriums drei Karten öfterreichifcher Kronländer( Böhmen 2 Blätter, Mähren, Oefterreich mit Salzburg 2 Blätter), redigirt von A. Steinhaufer( Wien bei Artaria 1870-1872), mit Nebenkarten( Umgebung von Prag und Brünn) im Mafse von 1: 432.000 der Natur und die Karte von Europa von Oberft Ritter v. Scheda( Neue Ausgabe. Wien bei Artaria, 25 Blätter, im Mafse 1: 2,000.000 der Natur), die, in Farbendruck ausgeführt, fich zu einer detaillirten orohydrographi fchen Karte umgeftalten läfst. Die Ausftellung des deutfchen Reiches zierten: H. Kiepert's Wandkarten von Europa( 9 Blätter, Berlin bei D. Reimer 1873 in I: 3,000.000), von Rufsland( 6 Blätter 2. Auflage 1873) und von der europäiſchen Türkei( 4 Blätter, 2. Ausgabe 1872).* Eine zweite Wandkarte der Türkei in 18 Blättern von Handtke( Glogau bei Flemming) lag ebenfalls auf. Ungern vermifste man die fleifsig bearbeitete Wandkarte des deutfchen Reiches von Ravenftein( Hildburghaufen, bibliographifches Inftitut), die auch Weftöfterreich umfafst. Zu den Wandkarten kann man auch jene vortrefflichen Karten rechnen, die fich aus Blättern des Stieler'fchen Atlanten zufammenfetzen laffen, als: die Karte von Spanien von C. Vogel( 4 Blätter), die Karte der Vereinigten Staaten von Nordamerika von A. Petermann( 6 Blätter), die von H. Berghaus überarbeitete Mayer'fche Karte der Alpen( 8 Blätter). Ebenfo jene aus 8 Blättern beftehende Karte von Auftralien von A. Petermann aus den geographifchen Mittheilungen. Zur Claffe der Wandkarten gehört auch die noch unübertroffene Chart of the World von H. Berghaus( 8 Blätter Gotha bei J. Perthes), die fchon in 6. Ausgabe *) Mit Zugrundelegung diefer Karte und mit Benützung der Aufnahmen von Preffel und anderer Materialien ift die grofse Generalkarte der Türkei im Mafse von 1: 400.000 der Natur hervorgegangen, die unter der Leitung des Generalconfuls R. v. Schwegel auf Koften des Baron Hirfch von Gereuth von Hauptmann Stuchlik und Oberlieutenant Moretti gezeichnet wurde. Die Namen der Länder, Meere und andere Hauptnamen find von Ali Efendi in türkischer Schönfchrift neben beigefetzt Geographifche Bildungs- und Unterrichtsmittel. - 17 erfchienen, fich bei allen feefahrenden Nationen eingebürgert hat. Der englifche Text ift für den Schulgebrauch kein wefentliches Hindernifs, dagegen der phyfikalifche Inhalt der Karte( Polareis, Meeresftrömungen, Vegetation etc.) ein ficherer Gewinn. Auch die Mercatorprojection kann nicht beirren, da die Oberfchüler die richtigen Vorftellungen vom Verhältnifs der Erdräume fchon mitbringen und es nur der Volksfchule obliegt, der Ueberficht der Continente und Oceane keine Mercatorprojection zu Grunde zu legen. In der Ausftellung Italiens begegnete man einer Wandkarte von Europa von F. Arrigoni in 28 Blättern( bei Crivelli in Mailand); in der ruffifchen einer Wandkarte von Turkeftan( 1872 Tafchkent), einer zweiten von Centralafien, einer dritten von den Kaukafusländeru; in der britiſchen ( Colonial) Ausftellung einer Wandkarte von Afrika und in dem von John Bartholomew( Edinburgh) ausgeftellten Bande von 200 Stichproben Wandkarten von England und Schottland in 18 und 12 Blättern; in der franzöfifchen einer Wandkarte von Tunis( 2 Blätter 1857 Paris) von Oberft Blondel; in der nordamerikanifchen der geologifchen Erdkarte von Marcou( 8 Blätter, 2. Auflage, Winterthur bei Wurfter); den Wandkarten der Vereinsftaaten von Colton( New- York 1872) und von Drummond( 1871 general- land- office); in der füdamerikaniſchen einer Wandkarte von Paraguay vom GenieoberftWiesner( Handzeichnung in 1: 355.000), die erfte auf trigonometriſchen Meffungen beruhende Karte diefes Staates, und einer Karte von Venezuela nach Codazzi mit 28 Porträts, Bolivar's an der Spitze; in der japanefifchen zwei riefigen Wandkarten von Japan( Nipon), einer Küftenkarte und einer vollſtändigen Karte mit Angabe der Leuchtfeuer; beide verkehrt orientirt und vielleicht angewiefen, in der Schule Japans die Stelle unferer Vaterlands- Karten einzunehmen. Es ift auch zu beachten, dafs aus umfaffenderen Kartenwerken, z. B. aus der( nicht ausgeftellten) Karte von Centraleuropa von Oberft R. von Scheda, oder aus der Karte Deutfchlands von Reymann( Glogau bei Flemming) Wandkarten kleinerer Länder und Staaten zufammengefetzt werden können. Auch grofse topographifche Karten können nach Umftänden in den Mittelfchulen Anwendung finden, z. B. die meifterhaft geftochene Karte der Schweiz von Dufour ( 25 Blätter in 1: 100.000 der Natur, eidgenöffifches Bureau). Eine zweite Claffe der Wandkarten bilden jene zur mathematifchen und phyfikalifchen Geographie. Diefes Feld ift noch fehr dürftig angebaut. Aufser der Wandkarte von Wetzel( Berlin bei D. Reimer) und ihrem Nachfolger von Jaufs( Wien bei Hölzl), welche die zerftreut vorkommenden Zeichnungen in Werken der mathematiſch- aftronomifchen Geographie( Planetenlauf, Gefchwindigkeiten, Gröfsen, Mondlauf etc.) zu einem Wandtableau vereinigen, bot die Ausftellung getrennte Wandtafeln desfelben Inhaltes im fchwedifchen Schulhaufe und die in den gröfseren Atlanten enthaltenen Eingangsblätter. Phyfikalifche Wand karten im engeren Sinne, wie es die Blätter des berühmten Atlas von Heinrich Berghaus find, erfchienen in der Ausftellung weder einzeln noch in Suiten, wenn man nicht die eben zuvor erwähnten Karten von Marcou und Berghaus' Weltkarte einzwängen will.* In diefer Beziehung fteht der wiffenfchaftlichen Speculation ein grofser Wirkungskreis offen, der hoffentlich nicht leer bleiben wird, da fich das Bedürfnifs fchon intenfiv in mafsgebenden Kreifen kund gibt. Im weiteren Sinne würden Profeffor Simony's Arbeiten über die Seen des Salzkammergutes und Anderer hier erwähnt werden müffen, wenn es nicht angemeffen erfchiene, folche fpecielle Unterfuchungen und Zeichnungen der Univerſität vorzubehalten. Eine dritte Claffe von Wandkarten machen die hiftorifchen aus, unter welchen die das Alterthum umfaffenden die Mehrzahl ausmachen. Hier waren Deutfch* Einige phyfikalifche Wandkarten( Handzeichnungen von Lehramts- Candidaten in Sobieslau), die in der Vorausftellung des öfterreichifchen Unterrichtsminifteriums vorlagen, waren nur vergröfserte Nachbildungen von Berghaus'fchen Karten 2* 18 Anton Steinhaufer. land in vorzüglichem Grade vertreten und H. Kiepert, der gelehrtefte Kartograph nach C. Ritter's Ausfpruch, nahezu und mit Recht Alleinherrfcher. Von feiner Hand rühren die bei D. Reimer in Berlin erfchienenen Wandkarten der alten Welt, von Altitalien, Altgriechenland und vom römifchen Reiche her, defsgleichen die analogen( früher bearbeiteten) Wandkarten gleichen Umfanges, die das geographifche Inftitut in Weimar verlegt, und zu denen noch eine Umgebungskarte des alten Rom in 4 Blättern hinzukam. Im zweiten Range erfchienen 13 Blätter eines Wandatlas für alte Gefchichte aus dem fruchtbaren Atelier von Holle in Braunfchweig. Die Wandkarte des Impero romano von de Colle(?) und eine von Altgriechenland von Guyot( New- York) machen den Reft der Wandkarten für das claffifche Alterthum aus. Jene von Paläftina find fchon unter den Hilfsmitteln für die Volksfchule erwähnt worden; für die Mittelfchulen würde darunter nur Kiepert's Wandkarte( 8 Blätter, Berlin bei D. Reimer) höheren Anforderungen genügen( für das Palästina der Neuzeit die im geographifchen Inftitute in Gotha erfchienene Karte von van der Velde). Zur Gefchichte des Mittelalters und der Neuzeit leiften die 10 Wandkarten von Europa( Gotha, bei J. Perthes) erfpriefsliche Dienfte. Unter die hiftorifchen Wandkarten kann man auch die photographifchen Reproductionen von Originalen von Karten und Plänen aus früheren Jahrhunderten zählen, wovon die Ausftellung zwei intereffante Piecen enthielt, nämlich ein Facfimile der Weltkarte von Fra Mauro vom Jahre 1459( in der Rotunde), und ein anderes von einem Plane von Paris vom Jahre 1540. Für die Schule find es vorübergehende Schauftücke, für das eingehendere Studium der hiftorifchen Geographie höchft fchätzbare Quellenwerke. Nun kommen die Schulkarten und Schulatlanten höherer Ordnung an die Reihe ohne Rückficht, ob einzelne Theile derfelben fchon in der Volksfchule Anwendung finden. Unter den von Oefterreich- Ungarn auf der Weltausftellung vorgekommenen drei, von Kozenn( Wien, bei Hölzl, begonnen 1861), A. Steinhaufer( Wien, bei Artaria& Comp., begonnen 1865, 5 Hefte und 1 Supplement) und von Profeffor C. Vogel( Wien, bei J. Fuchs, 35 Karten) hält fich der erftere mehr an das Vorbild des Stieler'fchen Atlas, letzterer nähert fich in der Anlage und in der Ausführung im Farbendrucke mehr dem Sydow'fchen und ift von einem Texte begleitet, der die in den erften Heften gebrauchten Abbreviaturen erklärt und die Rolle eines topifchen Leitfadens mit den fortfchreitenden Karten der für Mittelfchulen beftimmten Hefte III bis V zunehmend aufgibt. Das IV. Heft. enthält 6 Karten von Mitteleuropa( hydrographifche, orographifche Schichtenkarte, Bevölkerungsdichte, Eifenbahnen-, Staatenkarte). Den Staatenkarten laufen Schichtenkarten zur Seite mit den Ifohypfen für 500, 1000, 2000, 4000, 8000, 12.000 Fufs. Sowohl aus dem Atlas von Kozenn wie aus dem von Steinhaufer find eine Anzahl orographifcher und ftummer Karten hergeftellt worden. Vogel's Atlas ift von gleich vielen ftummen Karten begleitet, die offenbar zu Repetitionskarten beftimmt find, und muthmafslich einem Umdruck vor der Schrift ihre Entftehung verdanken. Ein vierter noch nicht vollendeter Atlas von Scheda- Steinhaufer ( Wien, bei Artaria feit 1870, von dem 17 fertige Blatter vorliegen), es fehlt noch die Schweiz und die Karten der öfterreichifchen Kronländer), ift für höhere Claffen beſtimmt als Erfatz für den veralteten Fried'fchen Atlas und mit vielem Aufwand in Kupfer geftochen. In der Ausstellung des deutfchen Reiches wurde. uns viel des Guten geboten. Aufser dem rühmlich bekannten Stieler'fchen Schulatlas, deffen neue von H. Berghaus reducirte Blätter dem Sprichworte entſprechen für die Schule ift nur das Befte genug", der in verfchiedenen Kartencombinationen ausgegeben wurde, dem auf der Buchdrucker- Preffe hergeftellten, durch den Druck mit verfchiedenen Platten in feparate( oro-, hydro-, topifche) Atlanten zerfallenden Sydow'fchen Atlas, ( 42Karten), der, mit feltener Confequenz nach erprobten Principien durchgeführt, eine heilfame Reform im methodifchen Unterricht bewirkte, und den für höhere Claffen Geographifche Bildungs- und Unterrichtsmittel. 19 berechneten gleich werthvollen methodifchen Handatlas desfelben Meifters der Schul- Kartographie, hat das geographifche Inftitut in Gotha( Juftus Perthes) ebenfo wie durch den grofsen Stiele r'fchen Atlas( 90 Blätter, eben in jüngfter Erneuerung begriffen) fich ein nie verfchwindendes Verdienft um die Wiffenfchaft und den Unterricht erworben. Der weltbekannte Stieler'fche Atlas, von dem aufser dem Titel kein Blatt mehr an den urfprünglichen Gründer erinnert, ift dem Zufammenwirken von drei ausgezeichneten Kartographen zu verdanken, Aug. Petermann, Herm. Berghaus und Carl Vogel, und zeichnet fich die Redaction desfelben durch die fchnellfte Affimilirung aller neuen Entdeckungen und fonftigen Veränderungen befonders aus. Einen nicht minder guten Ruf hat fich H. Kiepert's Handatlas( Berlin, bei D. Reimer, 2. Ausgabe, grofs Folio, 45 Blätter, 1871) erworben, als eine Kartenfammlung, deren äufsere Ausftattung elegant, deren harmonifche Durchführung die leitende eine Hand verräth, und deren innere Güte durch den Namen des Autors verbürgt ift. Aus dem grofsen Atlas ift eine Auswahl von 21 Blättern zufammengeftellt worden. Das geographifche Inftitut in Weimar( Dr. Arnd) debutirt mit einem Atlas von 67 Karten in grofs Folio, an denen in früherer Zeit H. Kiepert, in fpäterer Graefe Antheil hatten. Er war einer der erften in Deutfchland, erlebte nun die 44. Erneuerung und erlangte beim jüngften geographifchen Congreffe die Medaille. Die fünf Karten der weftlichen öfterreichifchen Kronländer, zu welchen Graefe eine hübfche Terrainzeichnung geliefert hat, wurden durch Hinzufügung des hydrographifchen Netzes und eines Textblattes zu gut verwendbaren orohydrographifchen Karten diefer Länder. Ein zweiter Atlas von Graefe in kleinerem Formate ift im gleichen Verlage erfchienen und eine nette und correcte Arbeit.- Unter den übrigen Atlanten fand man den geographifchen Schulatlas von Lange( Leipzig, bei Brockhaus, 2. Auflage 30 Blätter, darunter eine Schichtenkarte von Mitteleuropa in 4 Blättern); den hydroorographifchen Atlas aus Karten, nach Gypsmodellen photolithographifch hergestellt, beftehend, von Kellner& Comp. in Weimar, die mit den analogen Wandkarten derfelben Erzeugungsquelle in nächfter Verwandtfchaft ftehen; den fchon älteren, durch äufsere Eleganz und gefchmackvolle Farben beftechenden Atlas von Ewald( 80 Blätter mit einer Suite phyfikalifcher Karten); den Atlas von Sorr, Glogau bei Flemming; der Mayr'fche Atlas( bibliographifches Inftitut in Hildburghaufen), wie der vorige eine Kartenfammlung mit Blättern von verfchiedenem Werthe ohne harmonifchen Zufammenhang( darunter Ravenftein's hypfometriſche Schichtenkarte von Deutſchland in vier Blättern), fcheint zu fehlen. Ein phyfifch- ftatiftifcher Atlas von Sachfen von E. Rommel( Leipzig 1873 bei Fleifcher) bietet in 17 Karten ein Bild des Vaterlandes in allen Beziehungen, von der allgemeinen Lage, der geometrifchen Form, dem hydro- und orographifchen Verhältniffe etc. bis zur Ueberficht der ftatiftifchen Daten, ohne das letztere Gebiet zu erfchöpfen. Frankreichs Expofition zeichnete fich durch eine grofse Menge vielblätteriger Atlanten aus, theils auf die ganze Erde ausgedehnt, theils auf das Vaterland allein befchränkt und häufig auch auf das gefchichtliche Gebiet hinüberftreifend. Aus dem Verlage von Hachette in Paris lagen drei Atlanten auf; ein noch im Werden begriffener von Vivien de St. Martin, der auf 100 Blätter angelegt ift, und eine der vorzüglichften Leiftungen zu werden verfpricht, wenn alle Karten jenen fertigen der Schweiz ebenbürtig werden, bei der fich die Kunft des Grabftichels mit verſtändiger Reduction vereinigt. Ein Cahier mit Probeabdrücken läfst das Befte hoffen. Der zweite Atlas ift von Cortembert bearbeitet, umfafst 80 Karten und ift auch in Reductionen auf 66 und 22 Karten ausgegeben; der dritte von Adolf Joanne enthält in 95 Blättern Karten aller Departements. L. Vat's Atlas nouvelle claffique, phyfique, politique, hiftorique, commercial( bei Jeune in Paris) ift in drei Partien getheilt und von ftummen Karten begleitet, ebenfo der Atlas von Frankreich( phyfifch und politifch) und Levaffeur& Perigot, der ausdrücklich für Grammatikal- und Humanitätsclaffen beftimmt ift. Belin in Paris verlegt den Atlas von Drioux& Leroy von 76 Karten( 3 Abtheilungen von 30, 20 Anton Steinhaufer.. 30 und 16 Karten, deffen erftes Blatt einer Erklärung der Kartenzeichen und Projectionen gewidmet ift. Der Atlas univerfel von Groffelin- Demarché( bei Bertaux in Paris) hat 100 Karten, darunter 24 hiftorifche; der Atlas von Dufour für alte und neue Geographie( bei Chevalier in Paris), geftochen von Dyonnat, umfafst 40 Karten, eine Einleitung, eine Anzahl Nebenkärtchen, Höhentableaux und 9 hiftorifche Karten; der Atlas du Cosmos, bearbeitet von Vuillemin, geftochen von Jacobs unter der Direction von Barral( bei L. Guerin 1867) mit 26 Karten, abwechfelnd mit Text, fcheint dem deutfchen Atlas von Bromme zum Kosmos nachgebildet zu fein. Italien wies nur den Atlas von Vallardi( corografico, iconografico, ftorico e geologico, dem Könige gewidmet) auf, der im Jahre 1871 eine Prämie erhielt, 15 Blätter in grofs Folio enthält, darunter im Anhange 9 Profile. In der Ausftellung des britifchen Reiches lag kein Atlas höheren Ranges mit Karten politifchen Inhaltes vor, wenn nicht die in den 200 Stichproben von John Bartholomew in Edinburgh vorkommenden 48 Karten in Folio einen folchen bilden. Die Urfache diefer und anderer Lücken darf nicht in der Nichtexiftenz folcher kartographifcher Erzeugniffe gefucht werden, die bei einer feefahrenden Nation, deren Flotten die Meere beherrfchen, undenkbar ift; da jedoch weder Marine noch Landesvermeffung mit ihren reichen Schätzen fich bei der Weltausftellung betheiligt haben, fo fällt es weniger auf, wenn die Privatinduftrie in diefem Fache fern geblieben ift. Rufsland war durch einen grofsen Atlas von Glykow vertreten, in welchem ftatiftifche Karten( ethnographifche, Cultur-, Induftriekarten) und Karten aller Gouvernements vorkommen. Die Befchreibung in ruffifcher Sprache macht diefe werthvollen Arbeiten einem grofsen Theile der civilifirten Welt fchwer zugänglich. Nordamerika, d. i. die Freiftaaten, ftellte den neuen topographifchen Atlas von Pennſylvanien von Profeffor Welling und Ingenieur O. W. Gray aus, der zu Philadelphia im Jahre 1872 erfchien und mit Text verfehen ift. Er enthält 6 Generalkarten der Vereinigten Staaten( botanifche, klimatifche, geologiſche, Bergwerks-, Eifenbahn- und Staatenkarten), 66 Countykarten und 12 Städtepläne. Im nordamerikanifchen Schulhaufe lag John fons Atlas( New- York 1873) auf, der in Paris mit einer Medaille bedacht wurde und 62 Karten in Folio fafst. Er ift mit einem Text und einer phyfikalifchen Geographie von Guyot verfehen, und nebft den phyſikaliſchen, politifchen und hiftorifchen Karten mit Blättern ausgeftattet, auf welchen Uhren- Diagramme, Berghöhen, Flaggen und dergleichen Objecte zur Anfchauung gebracht werden. Südamerika war durch einen( officiöfen) Atlas von Brafilien betheiligt, der aus einer ftatiftifchen Generalkarte( mit einem Plane von Rio- Janeiro) und den Karten der einzelnen Provinzen befteht, die mit Nebenkärtchen ausgeftattet find. Eine Karte des füdlichen Brafiliens mit Uruguay und Paraguay hat wahrfcheinlich als Kriegskarte gedient. Schliefslich mag noch eine photographifche Copie einer echt chinefifchen Karte der Provinz Kiang erwähnt werden und als kaum übertreffbares Mufter technifcher Ausführung die Karten der niederländifchen Refidenzfchaften auf Java( Samarang, Pekalongan, Soerakarta etc.), die in die Cultur diefer tropifchen Landftriche die befte Einficht gewähren. Solche Karten haben zwar keine Berechtigung, als Schul- Unterrichtsmittel zu gelten, aber dennoch enthalten fie Stoff zur Belehrung, rückfichtlich zur Wahrnehmung der Landesbefchaffenheit tropifcher Gegenden, fo gut wie landfchaftliche Bilder, und in diefer Beziehung find fie als vorübergehende Schauftücke kein todter Schatz für eine höhere Claffe, insbefondere, wenn der Lehrer es verfteht, in feinen Begleitworten die Augen der Schüler auf jene Objecte zu fixiren, die ihrer Auffaffungsfähigkeit zugänglich find, und ihnen das Verftändnifs des Culturbildes ermöglichen. Nachdem alle Wandkarten, die gröfseren Atlanten mit vorwiegend politifchen Karten und einzelne Karten gleicher Art die Reihe paffirt haben, erübrigt Geographifche Bildungs- und Unterrichtsmittel. 21 die Erwähnung der Atlanten, Karten und anderer Lehrmittel mit fpecieller Tendenz für die verfchiedenen Zweige der Geographie. Mögen jene für die mathematifche Geographie den Anfang machen. In der Ausftellung des öfterreichifchen Unterrichtsminifteriums lag ein Folioheft mit 15 fehr nett gezeichneten aftronomifchen Tafeln auf( nebft einem handfchriftlichen Text 1871), die das Verhältnifs der Planeten zur Sonne, der Erde zu Sonne und Mond zur Anfchauung bringen. Der Autor, Herr Schufter, penfionirter Bezirkshauptmann von Neutitfchein, hat bei der Zeichnung der Himmelskörper auf das richtige Gröfsenverhältnifs befondere Rückficht genommen. Eine Sonnenbahn- Karte" betitelte Vorrichtung mit beweglicher Ekliptikzone von Dr. Schloffer dient dazu, durch Stellung der letzteren nach der auf den Säulen, die den Himmel einfchliefsen, angebrachten Sonnenhöhe die Tageslänge für jeden Ort der Erde zu finden. Die Löfung derfelben Aufgabe bewirkt der von Director Hugel in zweierlei Ausgaben ausgeftellte Apparat, dem er den Namen„ Sonnenkreuz" gegeben hat, für jeden Ort und jeden Tag mit grofser Präcifion. Director Hugel hat auch einen Globus exponirt, blofs das Gradnetz und die Ekliptik enthaltend, um die Vorrückung des Frühlings und Herbftpunktes, mit anderen Worten die Präceffion der Nachtgleichen damit anfchaulich zu machen. Eine Weltuhr", deren Mitte eine drehbare Zeichnung der nördlichen Halbkugel einnimmt, rührt von dem Oberlehrer Schellenberger her; ein beweglicher Zeiger, der in jede Meridianlage gebracht werden kann, vermittelt das Ablefen und Beftimmen der Zeitunterfchiede. " Diefe Weltuhr gibt Veranlaffung, eines Objectes der portugiefifchen Ausftellung zu gedenken, das ein Zwitter zwifchen Uhr und Mercatormappe ift, fo dafs es zweifelhaft ift, welche von beiden die Hauptfache ift. Die Mercatorprojection der Erde ift um einen Cylinder gewickelt, der am oberen Rande einen Ring trägt, der zugleich als Zifferblatt einer Uhr dient, deren Stunden Saturnus, dem die Säule als Poftament dient, mit einem Griffel zeigt. Die Erdkarte unterfcheidet fich dadurch von anderen, dafs in disponiblen leeren Räumen( z. B. in den Oceanen) kurze Schilderungen der naheliegenden Länder angebracht find, wie man fie auf den Weltkarten des Mittelalters findet. Als Ausfteller diefer Univerfaluhr ift Pereire Veriffimo Alves genannt. Diefe Darftellung der Erde als Cylinder verdient öftere Anwendung, fie erklärt das Wefen der Projection der wachfenden Breiten auf anfchauliche Art und gibt die Erde als ein gefchloffenes Ganzes. In der Gruppe XXVI des deutfchen Reiches hat Schotte( Berlin) hemifphärifche Sonnenuhren und der Mathematicus C. Keffelmeyer aus Dresden ein calendarium perpetuum mobile ausgeftellt. An Sternkarten mit beweglichem Horizont, mittelft deffen, man den Stand des fichtbaren Firmamentes für jede Minute, die Zeit des Auf- und Unterganges der Geftirne etc. finden kann, bot Paris eine ziemlich reiche Auswahl; es waren welche da von Profeffor Beaumarché, von Bertaux( mit Allignements), von Chatelain( bei Lannée), von Vinot. Eine kleinere, den nördlichen Himmel umfaffende, mit etwas abweichender Einrichtung ift vom Director Hugel in Wien veröffentlicht. Mondkarten waren mit Ausnahme der längft überflügelten von Reichardt[ Wien]( in der additionellen Ausftellung) nicht vorhanden, wohl aber Photographien von Neyt zu Gand( Belgien), wie fie mit einem Fernrohr von 9 Zoll Oeffnung erhalten wurden. So gut fie, aller Schwierigkeiten ungeachtet, gerathen find, bieten fie im Grunde doch weniger als jede aus der Beer- Mädlerfchen Mondkarte gut reducirte Copie von gleicher Gröfse. Erd- und Himmelsgloben find theilweife fchon bei den Lehrmitteln für die Volksfchule zur Sprache gekommen; bei den Mittelfchulen kommen fie in voller Montirung zu betrachten, weil fie nur fo zur Löfung aller Aufgaben der mathematifchen Geographie geeignet find. Die Adjuftirung der Globen ift in der 22 Anton Steinhaufer. Regel ziemlich gleich; Horizont, Meridian, mitunter ein aparter Höhenkreis, Stundenuhr bilden die gewöhnliche Zugehör, gleichviel ob die montirten Globen 6 Zoll oder 30 Zoll Durchmeffer haben, alles Uebrige wechfelt zwifchen dem einfachen Geftelle von Holz und dem eleganteften von Bronce. Alle früher genannten Firmen betheiligen fich an der Erzeugung von Globen bis 12, bis 13 Zoll, einige mit gröfseren, darunter Schotte und Reimer in Berlin mit folchen von 30 Zoll Durchmeffer. Die Streifen der von Reimer gelieferten find von H. Kiepert gezeichnet. Für die Mittelfchulen kann der Detailinhalt ein reicherer fein, wie er gewöhnlich auch ift, und die phyfikalifchen Daten( z. B. Meeresftrömungen, Erhebungsfchichten in Farben etc.) find da ganz an ihrem Platze. Die Berliner Fabrication zeichnet fich durch auffällige Eleganz aus und Adami's Globen( Reimer) fcheinen durch ihren ausdrucksvollen Farbendruck zuerft überall Nacheiferung erweckt zu haben. Grofse Globen find für Schulen ein entbehrlicher Luxusgegenftand und fchon der Koften wegen auf einen kleinen Verbreitungskreis befchränkt. Noch mehr gilt diefs von den Himmelsgloben, die durch eine planifphäre Sternkarte erfetzbar find, und vor diefer nur das voraus haben, dafs fie für jede Breite ohne weiters brauchbar find, während bei der flachen Sternkarte der ausgefchnittene Horizont nur für eine beſtimmte Breite pafst, und für jede andere modificirt werden mufs. Director Hugel( Wien) hat Erdgloben in zwei Ausgaben, einer billigeren ( für Schulen mit Blechhorizont) und einer eleganteren, ausgeftellt, welche letztere eine von der gewönlichen Montirung bedeutend abweichende Form zeigt. Die Unterfchiede von der üblichen Montirung beftehen 1. in dem Wegfall des Horizontes um die Mitte der Kugel und feine Verfetzung ins Fufsgeftell, wodurch die Kugel fich frei darftellt. Ein mitrotirender Zeiger am Horizont und ein Stift auf einem vertical ftehenden Arme( Sonnenftrahl) vermitteln die Löfung aller Aufgaben; 2. in der Anbringung eines Dämmerkreifes in gehöriger Entfernung; 3. in der Vereinfachung der Stundenuhr durch Uebertragung auf den Globus felbft und Anbringung von Transverfalen, um noch fünf Minuten ablefen zu können. Von Globen anderen Inhaltes waren in der öfterreichifchen Unterrichtsausftellung vorhanden: Mondgloben( 9 Zoll) nach Riedl v. Leuenftern's Zeichnung von Schönninger in Wien verfertigt( eine ältere Arbeit), und magnetifche Globen von demfelben, auf denen Declination und Inclination durch verfchiedenfarbige Linien, die Intenſität durch fteigende Farbentöne dargestellt ift. Percy( New- York) hat von feinen magnetifchen Globen kein Exemplar eingefendet. Diefe Art von Globen gehört jedoch mehr in das Gebiet der phyfikalifchen als mathematifchen Geographie und mag den Uebergang zu den Lehrmitteln diefes Zweiges der Erdkunde vermitteln. An Lehrmitteln für die phyfi kalifche Geographie zeigte fich in der Weltausstellung, wenn man die Schichtenkarten und Reliefs als Studien für die verticale Bodenerhebung nicht dazurechnet, kein grofser Ueberflufs. Es darf aber nicht überfehen werden, dafs viele, mitunter ganz vortreffliche einzelne phyſikaliſche Karten( z. B. die zwei Erdkarten in Mercatorprojection von Hermann Berg. haus im Stiele r'fchen Atlas) integrirende Theile von Atlanten find. Von dem claffifchen grofsen phyfikalifchen Atlas von Heinrich Berghaus( Gotha bei Perthes) hat die Verlagshandlung einen kleineren in Quart für Schulen reduciren laffen, der auch den vollſtändigen Schulatlanten von Stieler beigebunden wird. Was Heinrich Berghaus für Deutfchland war, ift in Fufsftapfen diefes Veterans geographifcher Wiffenfchaft Johnfton für England geworden. Der werthvolle phyfikalifche Atlas von Keith Johnfton mit Text enthält wohlarrangirte Schichtenkarten für die Maffen von 250, 500, 2000 und 5000 Fufs Erhebung, zwei Regenkarten, eine Karte für Flufsfyfteme etc. Man begegnete diefem fchönen Atlas um fo lieber, je fpärlicher die britifche Kartographie auf der Weltausstellung vertreten war. In den fchon öfter erwähnten 200 Samples of engraving von J. Bartholomew in Edinburgh findet man eine mit Nebenkärtchen ( Ifothermen etc.) verfehene halbphyfikalifche Erdkarte in Herfchel's Projection. Geographifche Bildungs- und Unterrichtsmittel. 23 In der öfterreichifchen Abtheilung hat Artaria in Wien vier phyfikalifche Karten in Farbendruck ausgeftellt, die von A. Steinhaufer zufammengeftellt, die Wärmeverbreitung( nach Dove), die Oceanographie, den Magnetismus, die geologifchen Verhältniffe( 8 Formationsglieder) der Erde zu illuftriren beftimmt find. Zwei fpätere Karten( Tellurifche Karte und Atmoſphäre) follen den Cyclus vorläufig abfchliefsen.- Profeffor Simony's klimatologifche Tableaux zeichnen fich durch Klarheit und Genauigkeit aus.-Ein nachahmungswerthes Mufter für klimatifche Darstellungen ift Profeffor Woldřich's klimatographifches Modell, das Klima von Wien darftellend. Es beſteht aus einer die numerifchen Daten bewahrenden Lade, auf der zehn Doppelreihen verticaler Drähte ftehen, an denen in entſprechender Höhe Kügelchen angebracht find( je nach Bedarf mit Streifen verbunden), welche die Temperatur, den Luftdruck, den Dunftdruck, die Feuchtigkeit, die Menge der Niederfchläge, der Tage mit Regen, Schnee, Nebel und Gewitter, die Angaben über Bewölkung, Windrichtung und Stärke verfinnlichen. Die vordere Reihe jedes Paares der Drähte zeigt die Monatmittel, die zweite Reihe die Mittel für die vier Jahreszeiten und im Mittelpunkte das Jahresmittel. Le Chevalier's( in Paris) Planifphére agricole et climatologique und des Ingenieurs E. Diamilla- Müller magnetifche Karte von Italien fchliefsen fich ebenfalls den phyfikalifchen Karten an, nicht minder die Wheatermaps( Witterungskarten) der nordamerikanifchen Freiftaaten, die den Stand der Witterung in der Union in Karten für jeden Tag zeigen. Sie liegen vom Jänner 1873 vor. Die Wiener Central- meteorologifche Anftalt würde im Stande gewefen fein, ein würdiges Seitenftück zu diefen Publicationen auszuftellen. Von jenen phyfikalifchen Karten und Illuftrationen zur phyſikaliſchen Geographie, die in Texten fo zu fagen die Nebenfache bilden( z. B. in Guyot's phyfikalifcher Geographie), ift fchon bei den Lehrmitteln für die Volksfchule die Rede gewefen; eben dafelbft ift auch ein grofser Theil der in der Ausstellung vorhandenen Schichten- und Reliefkarten gewürdigt worden; nahe alle derfelben nehmen auf die Mittelfchule einen noch intenfiveren Einflufs, infofern von den dortorts angeführten Suiten( z. B. von den Schichtenkarten der öfterreichiſchungarifchen Kronländer) die Mittelfchule in ganzer Ausdehnung Gebrauch machen kann, während die Volksfchule fich mit ein paar Blättern( Vaterland, Staat) begnügen wird. Aus Urfache des ungleichen Bedürfniffes erfcheint in den Heften I, II des Schulatlas von A. Steinhaufer, die für die Volksfchule beſtimmt find, nur eine Schichtenkarte( Monarchiekarte). während alle anderen in die für die Mittelfchulen berechneten Hefte verwiefen wurden. In den meiften Atlanten haben fich Schichtenkarten von Mitteleuropa oder Deutfchland( feltener von Europa) eingebürgert, z. B. in dem Stieler'fchen eine von H. Berghaus, in dem Mayer'fchen( Hildburghaufen) zwei( Deutfchland in vier Blättern und Europa) von Ravenftein, im Weimarer Atlas des geographifchen Inftitutes in Weimar und vielen anderen. Man fand aber in der Weltausftellung noch manche einzelne Schichtenkarte, die für jede Mittelfchule, an der man Geographie mit Erfolg betreiben will, Anwendung finden kann, z. B. die Ueberfichtskarte der dänifchen Infeln( ohne Fünen) vom dänifchen Generalftabe mit Schichten von 90 Fufs Diftanz, die franzöfifche Nivellementskarte von Frankreich( 1: 800.000) mit Niveau curven von 100 zu 100 Meter. Dagegen vermifst man fehr ungerne mehrere Publicationen von Bedeutung z. B. Kořift ka's hypfometrifche Karte von Böhmen( mit Textbegleitung), von der ein Blatt ausgegeben, ein zweites vorbereitet ift, eine Arbeit, die zu den ausge. zeichnetften diefer Art gehört. Ein Abdruck mit den Schichten( à 25 Meter) allein, unterſtützt durch Kreidefchummerung und Farbentöne, gewährt einen plaftifchen Eindruck von fo bewältigender Art, dafs er geeignet fcheint. jeden Gegner diefer Darftellungsweife zum Befferen zu bekehren. Nicht minder fehlte Kořiftka's Schichtenkarte von Mähren, Gobanz' Schichtenkarte von Steiermark, die in R. v. Hausla b's Farbenfcale ausgeführte Karte der 24 Anton Steinhaufer. norifchen Alpen( Artaria in Wien). Es ift bedauerlich, dafs von den hypfometrifchen Arbeiten des Feldzeugmeifters Ritter v. Hauslab, die in der Londoner kartographifchen Ausstellung fich befanden, die Weltausftellung nichts aufzuweifen hatte. Gerade in einer öfterreichifchen Ausftellung follten Arbeiten eines Mannes nicht fehlen, deffen Name immer genannt werden mufs, wenn von Geographie in Oefterreich die Rede ift, und insbefondere, wenn es fich um Schichtenaufnahme und Schichtenkarten handelt, die Hauslab fchon im Jahre 1820 als Profeffor an der Ingenieurakademie vortrug und feither mit Wort und That kräftigft unterſtützte. Von den Reliefkarten, die fchon in dem Abfchnitte für Volksfchulen vorkamen, gilt dasfelbe, was im Obigen von den Schichtenkarten gefagt wurde. Während einzelne für die Volksfchule Charakterbilder find, erhalten fie für die Mittelfchule eine individuelle Wichtigkeit. Als Anhang zu den orographifchen Schichten- und Reliefkarten können Profile betrachtet werden, die häufig auf den Karten felbft angebracht zu werden pflegen. Sie können auch unabhängig davon gedacht werden, auch in einer plaftifchen Geftalt, oder in Verbindung mit den Karten felbft. Die Weltausftellung bot in jeder Richtung Beiſpiele davon. Von Lehramts- Candidaten in Leitmeritz erfchienen in der Ausftellung des k. k. öfterreichifchen Unterrichtsminifteriums Profile in Carton gefchnitten, die zwar als folche ziemlich primitive Arbeiten find, aber die Idee verfolgen, auf folche Weife erzeugte Profile( z. B. von den Alpen oder anderen Hochgebirgen) couliffenartig hintereinander aufzuftellen, wie das bei einem geologifchen Relief der Umgebung des St. Gotthardpaffes( Schweizer Ausftellung) in ausgiebigfter Weife ins Werk gefetzt wurde. Schade, dafs die k. k. geographifche Gefellſchaft in Wien die ihr vom Finanzminifterium zum Gefchenk gemachte Karte von Tirol( in 1: 144.000 vom k. k. Katafter gezeichnet, und mit circa 12.000 Höhencoten verfehen) nicht zur Anficht gebracht hat. Eine eben fo grofse Nebenkarte enthält auf Grundlage des transparent durchfcheinenden Flufsnetzes Profile des Landes( von Weft nach Oft) von Meile zu Meile.* Zum Studium der Gefchichte bedürfen die Schüler der Mittelfchulen eigener dazu geeigneter Karten, insbefondere zur Gefchichte der alten Zeit. In diefem kartographifchen Genre zeigt fich Deutſchland beffer verforgt als irgend ein anderer europäiſcher Staat. Der grofse hiftorifche Atlas von Spruner, nun durch Menke in neuer Ausgabe bearbeitet( Gotha bei J. Perthes), ift wohl kein Werk für den Gebrauch von Schülern und in der Schule, aber ein wünfchenswerthes Inventarftück jeder Bibliothek einer Mittelfchule, während Schüler mit den daraus( in Quart) gemachten Auszügen( auch für Oefterreichs Gefchichte hat das geographifche Inftitut zu Gotha einen hiftorifchen Schulatlas geliefert) fich zu behelfen angewiefen find. H. Kiepert's Verdienfte um die Illuftrationen zur Gefchichte des claffifchen Alterthums find bereits bei den Wandkarten erwähnt worden, fie kommen auch den Schülern im Kleinen zu Gute durch deffen Schulatlanten der alten Welt( bei Reimer in Berlin etc.). Eine weiter gehende Arbeit ift Kiepert's Atlas von Hellas( 15 Blätter, grofs Folio, Berlin bei Nicolai), auch ein kaum entbehrliches Werk für die Schulbibliotheken, deren Schätze dem Lehrer wie dem Schüler nützen follen, befonders den Erfteren, wenn fie fich genöthigt fehen, Karten zu ihren Vorträgen durch eigene Thätigkeit zu fchaffen, namentlich wenn verworrene Partien der Gefchichte ( z. B. die Völkerwanderung) eine Illuftration erfordern. Manzer, Director der Bürgerfchule zu Tetfchen in Böhmen, hatte gerade in diefer Richtung eine recht gelungene Karte der Völkerwanderung ausgeftellt. Aufser obigen Kartenwerken traf man in der Weltausftellung einen Atlas zur Gefchichte der fächfifchen Lande von Tutfchmann( 22 Karten, Grimma bei * Karten mit Höhencoten find ein unentbehrliches hypfometrifches Materiale für jeden Kartographen. In der Ausftellung Oefterreichs( Gruppe XII) fand man vom Katafter cotirte Höhen- Ueberfichtskarten von Niederösterreich( 9 Blätter), von Salzburg( 1 Blatt), Kärnten( 1 Blatt) theilweife mit graphifchen Höhenleitern. Geographifche Bildungs- und Unterrichtsmittel. 25 Gebhard 1852), einen Atlas zur fchwedifchen Gefchichte in 19 Blättern vom Profeffor der Gefchichte Wiberg und Lieutenant Mentzer, einen Atlas zur belgifchen Gefchichte von Ch. Vercomer, Volksfchul- Infpector zu Brüffel, und einen Atlas von Dufour zur Gefchichte der katholifchen Kirche von Rohrbacher( bei Gaumes frères& Duprey in Paris 1870), einen grofsen Wandplan des alten Rom ( Ausftellung des königlich preufsifchen Unterrichtsminifteriums). Die Gefchichte einer Hauptftadt fpiegelt fich in Plänen aus verfchiedenen Perioden, wozu fich in der franzöfifchen Expofition ein Beispiel in den Plänen von Paris vom Jahre 1380, 1515 und 1609 fand. Zur fpeciellften Landesgefchichte gehört die Karte der fchottifchen Clans vom Jahre 1587 bis 1594 von Johnfon und Oberft Robertfon. Mit der Gefchichte fteht die Ethnographie in enger Beziehung; felbftverſtändlich ift fie in polyglotten Staaten von Wichtigkeit, daher in öfterreichifchen Schulen die vielfach ausgebeutete ethnographifche Karte des Kaiferftaates von Czörnig( 4 Blätter oder die Reduction in 1 Blatt) kein überflüffiges Lehrmittel. Nicht minder wichtig find für Realfchulen Karten, welche die Verbreitung der Induftrie und des Handels darftellen. Auch zu diefer Abart der Kartographie bot die Ausftellung, theils in Handzeichnung, theils veröffentlicht, fchätzbare Beiträge. Gröfsere Atlanten zur gefammten Handelsgeographie( wie jener von Klun& Lange) fand man zwar nicht, dagegen folche von einzelnen Ländern. Im Pavillon des Welthandels lag in Manufcript neueften Datums ein Induftrieatlas von Böhmen auf vom Profeffor der Staatswiffenfchaften in Prag Carl Th. Richter, der mit einer Strafseneifenbahn- und Telegraphenkarte beginnt, der eine Kohlenund Forftkarte folgt, worauf Karten der fünf Handelskammer- Bezirke die reiche und mannigfaltige Induftrie diefes Kronlandes vor Augen bringen und zuletzt Böhmens Antheil am Welthandel illuftrirt wird. Die Induftriezonen unterfcheiden fich durch verfchiedenes Colorit, bei den Erzeugungsorten ift auf Signalifirung der Quantität Rückficht genommen. Diefes Product emfigen Fleifses unterfcheidet fich von der älteren Arbeit Hickmann's durch den Wegfall einiger nebenfächlicher Karten und durch die Vereinigung der Induftrie, während Hickmann den Induſtriegruppen eigene Karten widmete. Mousnitzky hat für Rufsland eine Suite von Induftriekarten geliefert, für Mineralien, brennbare Stoffe, Webeinduftrie, Kautfchukerzeugung, Eifen- und Steinarbeiten, durch zweckmäfsige Anwendung von Farbe und Zeichen klar und überfichtlich; aufserdem rührt von ihm die Wandkarte her über die Induftrie von Moskau und Umgebung( 9 Gruppen in Farben und Quantitätszeichen). Aufser diefen Karten fand man noch eine über die Wollinduftrie, eine andere über die Lederinduftrie, eine dritte( in der ungarifchen Agriculturhalle) über die Flachsinduftrie Rufslands. Ein Induftrieatlas der Schweiz( 8 Blätter bei Wurfter, Randegger& Comp. in Winterthur) wurde von Dr. H. Wartmann für die additionelle Ausstellung bearbeitet. Die Ausftellung der Vereinigten Staaten von Nordamerika enthielt einen Atlas der Bergwerke( zum III. Bande der Schriften des Ingenieurdepartements gehörig), darunter eine Karte, aus der man erfah, welche Gegenden der Staaten geometrifch aufgenommen, welche blofs erforfcht, und welche noch zu erforfchen find; damit fteht eine Terrainkarte der weftlichen Länder in Verbindung und eine geologifche Karte mit Niveau curven. Eine riefige( in Tapetendruck) Karte der deutfchen Rübenzucker- Induftrie wollen wir als für die Schule unpraktifch übergehen, und mit der Münzkarte von Auguft Eggers( im Pavillon des Welthandels) fchliefsen, auf der die Verbreitungsbezirke der vorzüglichften Handelsmünzen( Gold und Silber, Dollars, Pfund Sterling, Thaler, Gulden, Francs, Mark) angegeben find. Mit dem Handel und der Induftrie ift die Communication durch Canäle, Eifenbahnen, Strafsen, Telegraphen innig verknüpft. So wichtig eine angemeffene Kenntnifs derfelben für Schüler ift, fo müffen fie fich in der Regel mit dem begnügen, was ihnen jeweilig ihre à jour gehaltenen Schul- und Handkarten bieten. Eine fortlaufende Kenntnifsnahme würde eine jährliche Erneuerung aller bezüglichen 26 Anton Steinhaufer. Publicationen bedingen. Da diefe Art Karten ohne diefs einem befonderen Referate zugetheilt find, fo werden fie gleich jenen im gleichen Falle befindlichen hier übergangen. Dasfelbe fcheint auch für jene Publicationen und kartographifchen Arbeiten der ftrenge officiöfen Statiſtik angezeigt, wenn fie auch, wie es bei Oefterreich mit den drei Karten über den Schulbefuch, vom Hoffecretär A. Schimmer, mit der mufterhaften Einfchulungskarte von( Nord-) Steiermark, mit den allgemeinen und fpeciellen Karten der Schulbezirke Böhmens vom Schulinfpector Pátek(+) unter Anderem der Fall ift, der Zufall in die Claffe XXVI verfetzt hatte. Nur möge geftattet fein, eine in die Statiſtik einfchlagende Karte von Südnorwegen( in der fchwedifchen Expofition) zu nennen, der vom Gewöhnlichen abweichenden ( wenn gleich nicht mehr neuen) Darftellungsweife halber, da die abfolute Bevölkerung durch Proportionalkreife, die überdiefs durch fteigende Farbentöne ausgezeichnet erfcheinen, erfichtlich gemacht ift. Schliesslich erübrigt noch, auch bei den Mittelfchulen der Hilfsmittel zum Zeichnen von Landkarten zu erwähnen, da in Gymnafien und Realfchulen das Kartenzeichnen höher getrieben wird, als die Verhältniffe der Volksfchule es ermöglichen. Nach der in diefer durch Ergänzen unvollständiger Abdrücke mit den fehlenden Elementen, durch Einzeichnen in Netze mit Anhaltspunkten zur Controle, erlangten Uebung wird es möglich, den Schülern reine Gradnetze ( ohne irgend eine unterſtützende Krücke) in die Hand zu geben. Solcher Netze gibt es viele, in Atlanten und vereinzelt. In der Ausftellung fand man Netzatlanten v. Sydow( bei Perthes, Gotha) mit einer Anleitung zum Kartenzeichnen, von O. Delitfch( bei Hinrichs in Leipzig) weifs auf fchwarzem Grunde, von A. Steinhaufer( Artaria in Wien). Der letzgenannte Atlas unterfcheidet fich von den übrigen durch Beigabe von Schlüffeln zur Zeichnung der Netze, namentlich der Mercatorprojection, durch Netze in der( Polar-, Aequatorial- und Horizontal-) Projection von Mollweide( Babinet) und durch Netze in Mercatorprojection für das adriatifche Meer, das mittelländifche Meer und die Oceane. Bei Scribner in NewYork find Guyot's Map- drawing- carts verlegt. Der Culminationspunkt des Kartenzeichnens wird fchliefslich darin zu fuchen fein, dafs die Schüler auch die Netze felbft conftruiren. Es gibt Karten, welche keinen Schulzweck verfolgen, z. B. die topogra phifchen, deren Verftändnifs aber dem gereifteren Schüler fehr nützlich werden kann und deren einmalige Vorzeigung und Erklärung zur Auffaffung ihrer Zeichenfprache genügen wird. Die Blätter einer grofsen topographifchen Karte find als eben fo viele Heimatkarten anzufehen und den Schülern eben defshalb leichter begreiflich. Selbft Umgebungs- und Touriftenkarten erfüllen diefen Zweck, wenn fie entſprechend gezeichnet find. Die Weltausftellung bot im Schweizer Haufe am Schulatlas von Wettstein ein Beiſpiel der Einführung von Muſtern ſpeciell topo graphifcher Karten in die unteren Schulen, Kartenftücken, die von den Excurfionskarten des Schweizer Alpenclubs wenig verfchieden find. Freilich verlieren die Atlanten durch folche Einfchübe ihren allgemeinen Typus und werden zu fpecififchen Lehrmitteln für beſtimmte Landes- und Stadtfchulen. Die öfterreichifche Weltausftellung bot in der Gruppe XXVI ein Paar Karten, die als Interpreten topographifcher Zeichnung gleich gut wie topographifche Sectionen verwendet werden können, es find: Scheda's Umgebung Wiens( im Mafse von 1: 72.000 der Natur) und Mafchek's Karte der öfterreichifchen Alpen( beide im Verlage von Artaria in Wien); unter den Erzeugniffen des deutfchen Reiches kann man Vogel's meiſterhafte Karte des Thüringer Waldes nennen und mehrere andere. Der Gebrauch folcher oder anderer topographifcher Kartenblätter wird bei den Studirenden auf Excurfionen in den Ferien und auf kleineren Ausflügen das volle Verftändnifs aller conventionellen Zeichen am fchnellften herbeiführen. Was die Illuftrationen der geographifchen Vorträge durch Wandbilder aller Art anbelangt, fo ift fchon gelegenheitlich bei den Lehrmitteln für die Volksfchule ausgefprochen worden, dafs der Unterfchied bei der Verwendung in den Geographifche Bildungs- und Unterrichtsmittel. 27 Mittelfchulen nicht in die Qualität, fondern in die Quantität zu legen ift, und es fcheint diefsfalls eine Wiederholung der bei der Volksfchule genannten Ausftellungsobjecte unnöthig. Durch die Verbindung der Taufende von Photographien( auf Glas), die Landfchaften, Städte, Gebäude, Volkstrachten etc. vorftellen, mit einem optifchen Apparate, der die Bilder vergröfsert auf einer Wand oder auf einem Vorhange projicirt, läfst fich die( freilich vorübergehende) Erzeugung einer höchft zahlreichen Menge von Wandbildern denken, die, geographifch geordnet, eine Rundreife über die ganze Erde zufammenfetzen würden. III. und IV. Lehrmittel für höhere Lehranstalten, Fachſchulen und zur Fortbildung Erwachſener. Die Geographie wird an den Univerfitäten( lange nicht an allen!) aus einem Lehrgegenftande zur Wiffenfchaft; fie umfafst das Detailftudium ebenfo gut als die Ueberficht aller kosmifchen Erfcheinungen, an denen unfere Erde Antheil hat. Sie fchreitet vor mit den Entdeckungen, die der menfchliche Geift auf allen Gebieten der mit ihr im Contact ftehenden Disciplinen im Laufe der Zeit macht, mit den Forfchungen und Entdeckungen wiffenfchaftlicher Reifender in allen Zonen unferes Erdballs. Diefes grofse Gebiet kann nicht allfeits bewältigt werden, daher die gewöhnliche Theilung, infoferne Aftronomie, Geologie, Meteorologie, Statiftik etc. fich abfondern und ihre Fortbildung durch befondere Anſtalten und Profeffuren beforgt wird. Zu den vorzüglichften Hilfsmitteln für diefes höhere Stadium gehören die Zeitfchriften der gelehrten Gefellſchaften( Akademien), der Vereine zur Förderung der Erdkunde( geographifche Gefellſchaften von London, Paris, Petersburg, Berlin, Wien, Rom etc. etc.) und andere Anftalten, worunter A. Petermann's Mittheilungen einen der erften Plätze einnehmen. Die diefer und anderen homogenen Zeitfchriften beigegebenen Karten find eine unentbehrliche Quelle für den Kartographen vom Fach und für die fortfchreitende Erweiterung unferer Kenntniffe von der Erde. Namentlich ift es die phyfikalifche Geographie, welche auf der Univerſität gepflegt wird, zu deren Vorträgen häufig die Illuftrationen fehlen, da, wie fchon erwähnt wurde, eine Suite phyfikalifch- geographifcher Wandkarten mangelt und weil für den Fall, als der Profeffor fich die anfchaulichen Behelfe zu feinen Vorlefungen felbft fchaffen wollte, es fogar an tauglichen ftummen Gerippen von Wandkarten der Erde fehlt, die man zur Einzeichnung anftandslos verwenden könnte. Was die Unterſtützung des Detailftudiums durch kartographifche und tableauartige Darftellungen anbelangt, ift der Profeffor gröfstentheils auf fich angewiefen und durch folche Nöthigung verdankt die Ausftellung des öfterreichifchen Unterrichtsminifteriums der Thätigkeit des Profeffors Simony eine Suite von Schichtenkarten der Seen des Salzkammergutes, die auf zahlreichen Tiefenmeffungen beruhen, mit Profilen und Temperaturangaben, ferner ein Tableau der Temperatur von Wien, eine Ueberficht der Amplituden der Temperaturen. Eine Anzahl gewählter charakteriftifcher, einzelner und panoramatifcher Anfichten aus den Alpen bekunden, dafs fich in Simony der gewiffenhafte Naturforfcher mit dem treu wiedergebenden Künftler vereinigt hat. Von diefen Zeichnungen, die zum Theile durch Radirung auf Kupfer der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht wurden, kann insbefondere der Geologe und Topograph Nutzen ziehen, da der durch die Formation den Felfen aufgeprägte Typus getreu copirt erfcheint. Fafst man die mit der Geographie in innigfter Verbindung ftehenden Zweige der Wiffenfchaften ins Auge, fo würden fehr viele, befonderen Referaten zugefallene Karten( geologifche, topographifche, marine und andere) hier Erwähnung finden müffen. Aufser diefen erübrigten in der Ausftellung wenige, die in diefen Bereich fallen; darunter gehören: der Atlas vom Aetna von Sartorius( eine topographifche und geologifche Aufnahme diefes Vulcans), Curti's Atlas vom alten Athen( Gotha bei Perthes). 28 Anton Steinhaufer. An den technifchen Hochfchulen werden in der Regel nur fpecielle, praktiſche Zweige der Erdkunde gepflegt, Geometrie und Vermeffungskunft, Geologie, Phyfik, Handelsgeographie, Induftrieftatiftik und fo fort, und dasfelbe Verhältnifs wiederholt fich bei den Fachfchulen( Ackerbau- Schulen, WeinbauSchulen, Forftfchulen, Handelsakademien, Gewerbefchulen, Bergbau- Schulen aller Art, Kriegsfchulen, Militärakademien, Marineakademien, nautifche Schulen etc.); die zahlreichen kartographifchen Arbeiten, die für diefe Zweige in der Ausftellung faft aller Länder in der Weltausftellung vorkamen, fallen entweder nicht in die Gruppe XXVI, fondern in andere, die eigenen Referaten zugewiefen find, oder, wenn fie, wie z. B. die Arbeiten der öfterreichiſch- geologifchen Reichsanftalt zu Folge der Unterordnung derfelben unter das k. k. Minifterium des Unterrichtes in der Gruppe XXVI aufgeftellt erfchienen, gehören fie doch der Gleichartigkeit wegen zur Befprechung in jene Gruppen, denen fie bei anderen Staaten zugewiefen wurden. Demnach bleiben hier alle ftreng topographifchen Karten und die ihnen gleichkommenden Reliefs, Seekarten und Küftenreliefs, geologifche, montaniftifche Culturund Forftkarten, alle ftatiftifchen Karten, die fich auf Ackerbau, Viehzucht, Handel und Communicationen beziehen, ausgefchloffen. Ihre Anführung und Würdigung am gehörigen Orte wird den Beweis liefern, wie viele ausgezeichnete und mufterhafte Arbeiten die Weltausftellung zierten, und dafs namentlich Oefterreich- Ungarn hinter ähnlichen Erzeugniffen der übrigen Staaten nicht zurückſteht. Die Mittel zur Fortbildung Erwachfener im Fache der Geographie richten fich nach dem erlangten Grade der Vorbildung und nach der Richtung, in der die Geographie zu dem gewählten Berufe fteht; geht die Vorbildung über die erften Rudimente nicht hinaus, fo gelten die für Bürger- und Mittelfchulen brauchbaren geographifchen Lehrmittel auch für die fucceffive Nachholung und Weiterbildung, gefchehe fie durch Autodidaktik oder mit Unterſtützung von Privatunterricht. Hat die Fortbildung eine beftimmte Tendenz, fo werden aus der Zahl der aufgezählten mannigfaltigen Lehrmittel jene zu wählen fein, die diefe Tendenz begünftigen. In jedem Falle bieten die in den Abfchnitten für Volks- und Mittelfchulen aufgezählten Lehrmittel jenen Individuen Stoff genug zur Fortbildung, welche, von der Fortfetzung der Studien abgehalten, durch Privatfleifs nachträglich geographifche Kenntniffe fich aneignen wollen. Ueberblick. Eine Ueberficht des feit einem Decennium im Fache der Kartographie, Geoplaftik, graphifchen Statiſtik etc. in Beziehung auf den Unterricht Geleifteten verfchafft die erfreuliche Ueberzeugung, dafs im Allgemeinen ein Fortfchritt zu verzeichnen ift, wenn er auch in den verfchiedenen Staaten, die die Weltausftellung befchickt haben, nicht gleichen Schritt eingehalten hat. Diefer Fortfchritt äufsert fich in zweierlei Richtungen: 1. in dem inneren Gehalte; 2. in der technifchen Ausführung. In Bezug auf den inneren Gehalt hat die weit gröfsere Rückficht, die nun auf die verticale Gliederung genommen wird, einen gewaltigen Umfchwung in der gefammten Kartographie hervorgebracht und die Schichtenkarten mehren fich in und aufser den Atlanten, und man gewahrt mehrere Verfuche, fie auch in die Schulatlanten zu verpflanzen. Mit den hypfometriſchen Karten ift auch die Geoplaſtik mehr in Anwendung gekommen, und hat eine Vollendung erreicht ( man fehe die Küftenreliefs vom Lieutenant Hopfgartner, Lieutenant Lehnert und Hauptmann v. Wutzelburg; das Schichtenrelief der Hausruckbahn von Loefslund Anderen), die kaum übertroffen werden kann,* Ein anderer Fortfchritt ift in der wachfenden Beachtung der Heimatkunde zu bemerken, was mit * Schade, dafs der Geoplaftiker Keil, im Dienfte der Wiffenfchaft verunglückt, nun der Subfiftenzmittel entblöfst, eine Exiftenz zwifchen Leben und Sterben friftet. Was für werthvolle Leiftungen von feiner Hand würde die Weltausftellung aufzuweifen haben! Geographifche Bildungs- und Unterrichtsmittel. 29 einer Ausbreitung der fynthetiſchen Methode gleichbedeutend ift. In Oefterreich insbefondere machen fich die Erfolge der verbefferten Lehrerbildungs- Anstalten bemerkbar, und die Geographie, noch vor nicht gar langer Zeit in der Volksfchule ein unbekannter Gegenftand, hat fchon in mancher Dorffchule Wurzel gefafst, in der nun Globen, Tellurien und Karten zu finden find, wo früher nur eine abgenützte Rechentafel ftand. Die Fortfchritte der Technik( obenan Photo- Lithographie und Heliographie) kommen, vorläufig die erftere, auch der Schule zu Gute, denn die wohlfeilere Erzeugung macht billige Preife möglich, und diefe vergröfsern den Abfatz oder, mit anderen Worten, verallgemeinern die Verbreitung. Selbftverftändlich ftehen die kartographifchen und anderen geographifchen Lehrmittel der Schulen in gewiffer Beziehung unter dem Einfluffe der Organiſation des Lehrfyftems. Je freier und felbftftändiger ein Lehrgegenftand fich entwickeln kann, defto zahlreicher und mannigfaltiger werden auch die ihm zuftändigen Lehrmittel fich geftalten. Wird die Geographie in den Mittelfchulen, wo fie, beinahe in allen Staaten, mit der Gefchichte nach dem alten Vorurtheile der Zufammengehörigkeit, wie die fiamefifchen Zwillinge verwachfen ift, diefer für den einen oder den anderen Gegenftand unheilvollen Verquickung mit der Zeit entledigt, und von einem Profeffor ohne Unterbrechung durch alle Jahrgänge gelehrt werden, fo werden fich die wohlthätigen Folgen in der Einheit des Unterrichtes, der Methode, der Lehrmittel äufsern, und würde die angedeutete heilfame Amputation bald zu erwarten fein, fo würden in dem folgenden Decennium wahrfcheinlich noch grössere Fortfchritte in der Schul- Kartographie und den übrigen Lehr mitteln( Globen, Tellurien etc.) verzeichnet werden können.