OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1873. DER UNTERRICHT IN DER GESCHICHTE. ( Theilbericht der Gruppe XXVI.) BERICHT VON DR. EMANUEL HANNAK, Privatdocent an der Univerfität in Wien und Director des Landes- Profèminars in Wiener Neufladt. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1873. . VORWORT. Nach dem Programm der officiellen Berichterstattung über die Wiener Weltausftellung 1873 foll der officielle Bericht noch ,, während der Feier des internationalen Feftes abgefafst und aufgelegt werden". Diefe Beftimmung zu erfüllen, übergibt die gefertigte Redaction des officiellen Berichtes in der vorliegenden Form die einzelnen Sectionsberichte der Oeffentlichkeit und glaubt damit den Befuchern der Weltausstellung das Studium derfelben wefentlich zu erleichtern. Nur eine Bemerkung fei an diefer Stelle geftattet. Der vorliegende, wie jeder andere während der Weltausftellungs- Feier publicirte Bericht wird einen Theil des officiellen Berichtes bilden, welcher nach dem Schluffe der Weltausftellung als ein Ganzes erfcheinen und die wiffenfchaftlichen Refultate der Ausstellung für die Dauer erhalten foll. Diefs mag dem Lefer die ftiliftifche Form, in welcher bereits die Vergangenheit der Ausftellung angenommen ift, erklären. PROFESSOR DR. CARL TH. RICHTER, Chefredacteur des officiellen Berichtes. DER UNTERRICHT IN DER GESCHICHTE. ( Theilbericht der Gruppe XXVI.) Bericht von DR. EMANUEL HANNAK, Privatdocent an der Universität in Wien und Director des Landes- Profeminars in Wiener- Neustadt. Die Art und Weife, wie eine Weltausftellung überhaupt zu Stande kommt, und namentlich die kurze Frift, welche zwifchen der Verkündigung und der Eröffnung der gegenwärtigen Ausftellung lag, brachte es mit fich, dafs hauptfächlich in der reichhaltigen XXVI. Gruppe das Meifte dem Zufall überlaffen wurde und defshalb der Beobachter felten einen richtigen Eindruck von dem Stande des Unterrichtes in jedem der ausftellenden Staaten erhielt. Noch viel fchwieriger ift es, den Stand des Unterrichtes in einer beftimmten Disciplin nach den in der Ausftellung vorhanden gewefenen Materialien zu beurtheilen. Mancherlei fchwer zu bewältigende Hinderniffe ftellten fich dem Berichterstatter entgegen. Defshalb ift es wohl gerechtfertigt die wichtigften derfelben hervorzuheben, um eine gerechte Würdigung des Berichtes zu ermöglichen. Das bedeutendfte Hindernifs liegt in der Ungleichmäfsigkeit in der Ausstellung der Unterrichtsmittel der einzelnen Staaten. Vom Orient abgefehen, hatten fich viele Staaten, wie z. B. England und Rufsland( mit Ausfchlufs von Finnland) in diefer Gruppe faft gar nicht betheiligt. Andere, wie die Schweiz und Portugal haben blofs das Volksfchul- Wefen berücksichtigt, die Niederlande gaben uns eine treffliche Ueberficht der Organifation ihrer Volks- und Mittelfchulen, aber einen blofs kärglichen Einblick in ihre Unterrichtsmittel. Wenn auf der einen Seite der Mangel, fo bot auf der anderen Seite die Ueberfülle grofse Schwierigkeiten der Berichterstattung. Diefs gilt namentlich von dem deutfchen Unterrichtswefen, wo Regierungen, Verleger, Dilettanten, Buch-, Kunft- und felbft Spielwaaren Händler wetteiferten, um ein würdiges Bild von dem hochftehenden Unterrichts- und Bildungswefen ihres Vaterlandes zu entwerfen. Auch in Oefterreich und Frankreich erfchwerte die grofse Maffe des aufgefpeicherten Materiales das Amt eines Berichterstatters. I 2 Dr. Emanuel Hannak. Wohl hat auch Amerika eine Fülle von Lehrmitteln ausgeftellt, aber der praktiſche Geift der amerikanifchen Buchhändler erleichterte, wie auch bei Frankreich, die Ueberficht und Beurtheilung derfelben. Lagen die bisher angeführten Schwierigkeiten in der Art der Ausftellung der Unterrichtsmittel im Allgemeinen, fo häuften fich diefelben insbefondere für den Berichterstatter über den Gefchichtsunterricht. Es waren, abgefehen von den Gefetzen, hauptfächlich Bücher, Karten und Bilderwerke, die derfelbe einzufehen hatte. Wer nur flüchtig die Menge der ausgeftellten Bücher betrachtet hat, wird leicht ermeffen, welche Mühe es koftete, diefelben durchzufehen. Wenn auf dem Aeufseren derfelben, wie diefs in Amerika, Frankreich, den Niederlanden, Würtemberg und anderen Staaten der Fall war, der Titel erfichtlich gemacht wird, fo ift die Arbeit wefentlich erleichtert, dagegen ift diefelbe ermüdend und höchft unfruchtbar, wenn der Berichterftatter Hunderte von Büchern auffchlagen mufs, ehe er auf eines trifft, das in fein Fach einfchlägt. Dies gilt zum Theil von Deutſchland, von Ungarn und von Belgien, bei welch' letzterem überdiefs die Schwierigkeit dazukam, dafs die Bücher in abgefchloffenen Käften über einander aufgefpeichert lagen. Ein gründlicher Specialkatalog hätte in diefer Beziehung Abhilfe fchaffen können. Leider war ein folcher für Lehrbücher und Lehrmittel mit Ausfchlufs von Oefterreich, Sachfen und Ungarn von keinem anderen Staate herausgegeben worden. Nur die Buchhändler haben von einem der Berichterftattung ferne liegenden Standpunkte Kataloge ihrer Verlagswerke beigegeben und hiedurch in etwas die Arbeit des Berichterstatters erleichtert. Die bisher angeführten Schwierigkeiten follen es erklären, warum der vorliegende Bericht weder in allen Punkten gleichmäfsig, noch auch erfchöpfend ift. Es erübrigt noch, über die Anlage des Berichtes einige Bemerkungen hinzuzufügen. Unmöglich kann es Aufgabe des Berichterstatters fein, eine Ueberficht über den Gefchichtsunterricht der einzelnen Staaten im grofsen Ganzen zu geben. Als Weltausftellungs- Bericht hat er lediglich das, was wirklich zur Ausftellung gelangte, zu berücksichtigen. Da die vorhandenen Objecte vielfach nur verftändlich werden durch einen Einblick in die Organiſation der Schulen, fo wird gelegentlich auf diefelben eingegangen werden müffen. Die wichtigſte Aufgabe des Berichtes foll es fein, durch Anführung der fremden Unterrichtsmittel und Unterrichtsmethoden in der Gefchichte die Vergleichung derfelben mit den einheimifchen zu ermöglichen und fo die Hebung diefes Unterrichtszweiges, Verbefferungen in Gang und Methode des Gefchichtsunterrichtes und der hiebei in Anwendung gebrachten Hilfsmittel anzubahnen. Von diefen Punkten ausgehend wird der Bericht da kurz und fummarifch fein können, wo die auswärtigen Verhältniffe wenig von den einheimifchen abweichen. Es wird z. B. Deutfchland, fo weit es den übrigen Staaten vorangeht, doch nicht in dem feiner Bedeutung entſprechenden Umfange behandelt zu werden brauchen, weil einerfeits der Gefchichtsunterricht in den deutfch- öfterreichifchen Ländern, die doch der Bericht hauptfächlich im Auge zu behalten hatte, nach dem in Deutſchland organifirt ift und weil anderfeits die in Deutſchland erfchienenen Lehrbücher und Lehrmittel auch bei uns benützt werden. Ausführlicher wird er fich da geftalten, wo der Unterricht in diefem Zweige auf eine, von der unfrigen wefentlich verfchiedenen Weife ertheilt wird, wie z. B. in Frankreich und Amerika, oder wo die Reichlichkeit des vorhandenen Materials uns einen tieferen Einblick in Verhältniffe geftattet, die bisher dem gröfsern Theile der für den Gefchichtsunterricht Intereffirten unbekannt waren. Bezüglich der Gliederung fei bemerkt, dafs die Staaten fich alphabetifch folgen und dafs innerhalb der einzelnen Staaten zuerft die unteren, Elementaroder Volksfchulen und mit diefen im Zufammenhange die Anftalten zur Heran Der Unterricht in der Gefchichte. 3 bildung der für fie beſtimmten Lehrer, dann die Mittelfchulen( Gymnafien, Lyceen, Realfchulen und dergl.) behandelt werden. Amerika( Vereinigte Staaten). In dem Lande politifcher und kirchlicher Freiheit, wo fchon im XVII. Jahrhundert allen chriftlichen Confeffionen gleiche Berechtigung zugeftanden wurde, ( zuerft 1632 durch Lord Baltimore in der katholifchen Colonie Maryland) hat der Gefchichtsunterricht einen günftigeren Boden als in irgend einem anderen Staate, wo Rückfichten auf die herrfchende Religion und die regierenden Häupter denfelben vielfach in Feffeln fchlagen. Es ift hauptfächlich die Volkserziehung, auf die feit Waſhington grofses Gewicht gelegt, deren Pflege fchon der Jugend in den erften Schulclaffen zur heiligften Pflicht gemacht wird. Darum verdient vor Allem der Gefchichtsunterricht in den Common Schools unfere vollfte Beachtung.* In diefen wird, wie die in dem amerikanifchen Schulhaufe ausgeftellten Lehrbücher bekunden, die Gefchichte zumeift im Anfchlufs an das Lefebuch ( Reader) gelehrt. Das vierte Lefebuch( fourth Reader von Wilsor) enthält nur Skizzen aus der biblifchen Gefchichte( Sketches from facred Hiftory) als Vorbereitung für den eigentlichen hiftorifchen Unterricht. Im fünften Lehrbuche( fifth Reader) wird hauptfächlich die alte Gefchichte und ihre Cultur betont. Der fechfte Abfchnitt von Wilfons Lefebuch enthält z. B. Abhandlungen über griechifche und römifche Architektur und ein befonderes Lefeftück über athenifche Baukunft. Im eilften Abſchnitte find in Profa und in Verfen Epifoden aus der griechifchen und römifchen Gefchichte und Cultur aufgenommen, Auch ein Stück aus Ariftophanes hat dafelbft Platz. Diefes Hervorkehren der griechifchen und römifchen Gefchichte fchon auf der unterften Stufe des Unterrichtes zeugt von dem richtigen pädagogifchen Tacte der Amerikaner. Für die Verfaffer unferer Lefebücher für Volksfchulen liegt darin ein bedeutungsvoller Wink. Gewöhnlich pflegen fie, einem beliebten Schlagworte der gegenwärtigen Pädagogik und den deutfchen Vorbildern folgend, in jedem Lefebuche alle Zeitalter in einzelnen Lefeftücken zu behandeln und erzeugen hiedurch ein Chaos von Anfchauungen in dem jugendlichen Geifte, indem derfelbe antike, mittelalterliche und moderne Begriffe und Zuftände bunt untereinander mengt und bei dem Mangel der Vorftellung einer Entwicklung in der Zeit auch identificirt. Der praktifche Amerikaner huldigt, wie wir fehen, dem für uns nicht genug zu beherzigenden Grundfatze, non multa sed multum". Wie in dem fünften Lefebuch das Alterthum, fo tritt in dem fechften( Sixth Reader), das für die erweiterte( advanced) Volksfchule beftimmt( und von G. S. Hillard verfafst) ift, die Neuzeit in den Vordergrund. Das Lefebuch ift nach Stilgattungen geordnet und es find nicht fo fehr Gefchichtserzählungen, als vielmehr Abhandlungen einzelner hervorragender Perfönlichkeiten und Charaktere, die wir dafelbft antreffen. Der Tod und Charakter des Lord Chatam, der Charakter Waſhingtons, eine Parallele zwifchen Canning und Brougham, eine Darftellung von John Hampdon's Wirkfamkeit und dergleichen haben dafelbft ihren Platz. Die Aufnahme * Ich kann nicht umhin, als bedeutungsvolles Symptom für die Wichtigkeit, die man der Volkserziehung beilegt, die Worte anzuführen, mit welchen M. Willfon( ein fruchtbarer Jugendfchriftfteller) fein Lehrbuch der amerikanifchen Gefchichte für die Primärfchulen fchliefst: As another article in our creed, we fhould ever regard it as one of our higheft duties to cheriſh and promote the interefts of Education- efpecially connected with our Common Schools, knowing that they are" The peoples Colleges" and that fo long, as they can be rendered effectual ,, nurſeries of Learning and of Virtue" the will be better guardians of our Liberty than fleets and ſtanding armies. I* 4 Dr. Emanuel Hannak. von dergleichen Abhandlungen möchte ich von pädagogifchem Standpunkte nicht befürworten; aber es ſpricht fich darin der auf das Praktiſche gerichtete Sinn der Amerikaner aus. Weil jeder einzelne berufen und verpflichtet ift, im öffentli chen Leben durch Wort und That zu wirken, fo werden ihm fchon in früher Jugend hauptfächlich folche Staatsmänner vor Augen geführt, die nicht fo fehr auf blutigen Schlachtfeldern, als vielmehr im Parlamente, überall aber im Dienfte des Volkswohles, ihre Lorbeeren errangen. Auch wir follten bei der wachfenden Bedeutung des öffentlichen Lebens diefer Richtung in der Volksbildung Rechnung tragen, wiewohl es fchwer hielte, aus der einheimifchen Gefchichte derartige Charaktere hervorzufinden. Auch liegt für uns ein bedeutfamer Wink in dem Umftande, dafs das Mittelalter in den Lefebüchern der Volksfchule gar nicht berücksichtigt erfcheint. In diefem Punkte weichen die Amerikaner wefentlich von den Deutfchen ab. Allerdings mufs zugeftanden werden, dafs für die deutfche Gefchichte gerade diefer Zeitabfchnitt von hervorragender Bedeutung ift; aber bei dem Umftande, als mittelalterliche Zuftände fo vielfach verwickelt und von den unferigen fo grundverfchieden find, drängt fich uns unwillkürlich die Frage auf, ob nicht durch gröfsere Befchränkung in diefer Periode und durch kluge Erweiterung des aus der alten und neuen Gefchichte entlehnten Stoffes unferer Jugend mehr gedient wäre. Auf derfelben Stufe wie die Common Schools ftehen in den Städten die Primary Schools, für diefe find fchon beftimmte Lehrbücher in der Gefchichte vorhanden, und zwar nicht etwa gedrängte Compendien, wie man fie in Oefterreich feit Einführung des Gefchichtsunterrichtes zu fchreiben anfängt, fondern ausführlichere Erzählungen, die, durch Bilder und Karten erläutert, die Jugend nicht blofs belehren, fondern auch unterhalten. In der Regel behandeln fie blofs die griechifche, römifche, englifche Gefchichte: und die Gefchichte der vereinigten Staaten, fo z. B. Goodrich pictorial hiftory of Greece, of Rome, of England of the United States, oder Bonner's A Childs history of Greece 2 Bände, of Rome 2 Bände, of England 2 Bände, of the United States 3 Bände. Häufig find Fragen jedem Abſchnitte beigegeben wie z. B. in Harper's( des Verlegers) ancient history for the ufe of fchools by J. Abbott und deffen Engliſh Hiftory oder bei dem fchon erwähnten Büchlein Willson's Primary American hiftory for Primary Schools New- York 1871. Doch auch ein Lehrbuch der allgemeinen Gefchichte findet fich für diefe Stufe vor. Es ift dies Peter Parley's Univerfal Hiftory, New- York 1872. In derfelben ift eine befondere Methode bemerkbar. Die Bafis des Gefchichtsunterrichtes bildet, die Geographie. Zuerft wird z. B. die phyfifche und politifche Geographie Afiens vollſtändig abgehandelt, an die fich dann die Gefchichte der Culturftaaten diefes Welttheiles anfchliesst, welche mit der biblifchen Gefchichte ihren Anfang nimmt. Es ift dies eine Verquickung der Geographie und Gefchichte, wie fie vielleicht die öfterreichifche Regierung in dem Statut für Realschulen vom 13. Auguft 1851 beabsichtigte und Warhanek( Zdobinský) und Schmued in den von ihnen verfafsten Lehrbüchern zum Theile durchführten. Als unzweckmäfsig und pädagogifch falfch wurde diefe Methode aber bald aufgegeben. Ob Markhams hiftory of France auch für die erfte Stufe des Gefchichtsunterrichtes beftimmt ift, ift aus derfelben deutlich nicht erfichtlich. Jedenfalls ift fie in den öffentlichen Schulen nicht in Gebrauch. Wahrfcheinlich wird fie in Privatfchulen, die auf das Franzöfifche viel Gewicht legen, benützt. Hier findet fie defshalb Erwähnung, weil fie nach franzöfifchem Gefchmacke hinter jedes Capitel ein Gespräch( eine Causerie) über dasfelbe einfügt. Die Common Schools und Primary Schools entfprechen etwa unferen Volksund Bürgerfchulen. Die Lehrer für diefelben müffen offenbar mit der allgemeinen Gefchichte vertraut fein. Zwar findet fich in einem Wegweifer für Lehrer( The teachers Inftitute by Will. B. Fowle, New- York 1873) keine befondere Anweifung Der Unterricht in der Gefchichte. für den Gefchichtsunterricht, aber ein Werk, das eine Sammlung von Fragen bildet, die ein Candidat des Lehramtes zu beantworten hat. The elementary and complete Examiner or Candidates Affiftant by Ifaac Stone( New- York 1873) enthält im neunten Abfchnitte Fragen aus der allgemeinen Gefchichte, und zwar find diefelben nach Willard's Univerfal Hiftory zufammengeftellt, fo dafs diefe und die mit ihr auf gleicher Stufe ftehenden Werke die Quellen fein dürften, aus welchen die Lehramts- Candidaten ihr Wiffen zu fchöpfen haben. Als folche ift zunächst zu nennen Willards United States Hiftory, fowie die Univerfal hiftory mit Bildern, Karten und Fragen ausgeftattet. In derfelben Sammlung erfcheint neben Berard's hiftory of England, Ricord's hiftory of Rome und Alison's hiftory of Europe, auch Hanna's Bible hiftory und Marfh's Ecclesiaftical Hiftory, fo dass wir voraussetzen dürfen, dass die Lehramts- Candidaten der Bibel und Kirchengeschichte besondere Aufmerksamkeit zuwenden müffen. Unferen Mittelfchulen entſprechen die Grammar Schools und die Colleges, auch High Schools. Die Pläne der Schulen von New- York und Baltimore zeigen uns, wie der Gefchichtsunterricht auf die einzelnen Jahrgänge vertheilt wird. In der achtjährigen Grammar School wird erft in der vierten Claffe der Gefchichtsunterricht begonnen. In dem Normal College for Female in NewYork, das fechs Jahrgänge umfafst, wird Gefchichte nur in den erften drei Jahrgängen gelehrt. In dem Plan des männlichen College of the City of New- York, das zehn Claffen in fünf Stufen aufweift, erfcheint die Gefchichte nur auf der zweiten und dritten Stufe. In der erften Stufe( Introductory department) wird keine Gefchichte gelehrt und in den zwei oberften Stufen( Junior Class und Senior Class) treten an die Stelle der Gefchichte Orationes. Auf die zwei mittleren Stufen wird die Gefchichte derart vertheilt, dafs auf der zweiten Stufe( Freſhman Class) im erften Term drei Stunden alte Gefchichte, im zweiten Term in eben fo viel Stunden Mittelalter, auf der dritten Stufe( Sophomore Class) im erften und zweiten Term mit je zwei Stunden Gefchichte der Neuzeit gelehrt wird. Als Lehrmittel in der Gefchichte werden für die unteren Stufen der Grammar Schools diefelben Lefebücher benützt, die bei der oberen Stufe der Primary School erwähnt wurden. In den höheren Claffen der Grammar Schools und Colleges wird befonders häufig das Werk Outlines of Hiftory by M. Wilfon( Ivifon Blakem and Taylor) New- York 1872 gebraucht, was eben darum unfere Aufmerkfamkeit in hohem Grade in Anspruch nimmt. Die Anlage desfelben ift wefentlich von der unferer Lehrbücher verfchieden. In den beiden erften Abfchnitten wird ausfchliefslich politifche Gefchichte behandelt. Gelegentlich, namentlich in der alten Gefchichte werden Quellen angeführt. Karten und Zeichnungen find in den Text aufgenommen. Befonders betont erfcheint die alte, dann die englifche und amerikaniſche Gefchichte, während Deutfchland fehr ftiefmütterlich bedacht ift. Der dritte Theil des Werkes führt den Titel ,, Outlines of the philofophy of hiftory" und enthält vorherrfchend Culturgefchichte, fo z B. Civilifation der Egypter, Affyrier, Babylonier, Griechen und dergl. Auffallend und zugleich bezeichnend für die freifinnige Denkungsweife der Amerikaner ift der Eingang in diefe Philo fophie der Gefchichte. Sie fcheuen fich nicht, an die Stelle der Bibel, die bei uns noch in den meiſten Lehrbüchern den Eingang in die Gefchichte bildet, die Refultate der neuen Forfchung auf dem Gebiete der praehiftorifchen Zeit zu fetzen und eröffnen die Culturgefchichte mit einer Schilderung der„ Antediluvian World". Referent ift nicht in der Lage, die Trennung der Culturgefchichte von der politifchen Gefchichte zu befürworten, da beide nur in ihrer Wechfelwirkung verftändlich erfcheinen, aber dafs die Gefchichte nicht mit der Mythe eines einzelnen, uns fremdartigen Volkes, fondern mit den durch mühfame Forfchung gewonnenen unwiderleglichen Refultaten der Naturwiffenfchaft über Entwicklung der Erde und ihrer Bewohner zu beginnen habe, mufs jeder Unbefangene als richtig anerkennen. Eine Beftätigung hiefür liefert die Thatfache, dafs ein deutfcher 6 99 Dr. Emanuel Hannak. Hiftoriker( Kolb in feiner Culturgefchichte) derfelben Anfchauung huldigt. Was diefer für weitere Kreife verfuchte, follte nach dem Vorbilde der Amerikaner auch für die Kreife der Schule, natürlich mit weifer Befchränkung in Anwendung kommen. Ferner verdient auch eine befondere Art von Lehrbehelfen unfere Aufmerkfamkeit. Es find diefs die Handbücher, die unter dem gemeinſamen Titel The Students Series" by Harper& Brothers in New- York erfchienen. Schon die Bezeichnung The Students Gibbon, The Students Hume, Hallams middle Ages by Dr. Smith, Hiftory of Perfic Wars nach Grote und dergl. belehren uns über die Anlage derfelben. Sie find Bearbeitungen anerkannt vorzüglicher Gefchichtswerke und der Bearbeiter Dr. Smith ift felbft ein genauer Kenner der alten, fpeciell orientalifchen Gefchichte, wie diefs aus feiner Ancient hiftory of the Eaft, in welcher die neueſten Forfchungen auf dem Gebiete der Keilfchrift verwerthet erfcheinen, erfichtlich ift. Dergleichen Handbücher laffen fich mit den Charakterbildern aus der Gefchrichte, wie folche Dr. Pütz, Schöppner und Andere edirten und in denen auch einzelne Epifoden aus den bedeutendften deutfchen Hiftorikern entlehnt oder doch nach ihnen bearbeitet find, vergleichen. Aber fie haben vor diefen den Vorzug einer einheitlichen und continuirlichen Darftellung. Gewifs wäre es ein glücklicher Verfuch, nach dem Vorbilde der Amerikaner für den Handgebrauch der Schüler oberer Claffen höherer Lehranstalten eine kurze Bearbeitung von Rawlinfons five geat Monarchies, von G. Curtius griechifcher, Theod. Mommfens römifcher Gefchichte, Giefebrechts Mittelalter, Raumers Hohenftaufen, Rankes Reformationszeit und dergl. zu liefern. Selbft bei minderbegabten Schülern, denen die Originalwerke zu fchwer und zu umfangreich find, könnte durch folche Bearbeitungen das Verftändnifs der Gefchichte erleichtert, das tiefere Eindringen in diefelbe gefördert werden. Neben den Lehr- und Handbüchern der Gefchichte zogen keinerlei andere bemerkenswerthe Hilfsmittel für den Unterricht in diefer Disciplin unfere Aufmerkfamkeit an fich. Selbft hiftorifche Kartenwerke waren nicht vertreten. Ihr Mangel ift dadurch gerechtfertigt, dafs in die Lehrbücher Karten, Pläne und andere Illuftrationen aufgenommen find und fomit ein befonderer Atlas überflüffig erfcheint. Das Vorwort zu den Elements of Hiftory by Worceſter Bofton 1872 gibt aber noch eine weitere Erklärung zu diefem Mangel. Der Verfaffer erzählt darin, dafs er zu den früheren Auflagen feiner Gefchichte einen Atlas herausgab, dafs er diefs aber wegen der grofsen Koften, die es verurfachte, in der neueften unterliefs. Im Allgemeinen läfst fich nicht läugnen, dafs der Gefchichtsunterricht in den amerikanifchen Schulen, was Stoff fowohl als Methode anbelangt, nach englifchem Mufter gelehrt wird. Doch zeigt die Aufnahme der Gefchichte unter die Lehrgegenstände der erften Stufe in den Common und Primary Schools, fo wie das geringe Betonen der Bibel und Kirchengefchichte in den Volksfchulen und Lehrer- Bildungsanftalten die felbftſtändige Entwicklung diefes Unterrichtszweiges auf dem Boden eines freien Staates. Auch darin ift der freiere und darum höhere Standpunkt der amerikanifchen Schulmänner erkennbar, dafs in den Gelehrtenfchulen nicht einfeitig wie in England blofs alte, englifche, refp. amerikanifche Gefchichte, fondern Univerfal- Gefchichte betrieben und gelehrt wird. Nähern fich in diefem Punkte die Amerikaner den Deutfchen, fo ift in dem Hervorheben franzöfifcher Gefchichte* fo wie in der Anlage ihrer Lehrbücher der Gefchichte, der Einflufs des franzöfifchen Unterrichtswefens unverkennbar. Belgien. Der Gefchichtsunterricht diefes Landes ift nach franzöfifchem Mufter eingerichtet. Es iſt vorzugsweife vaterländifche Gefchichte, auf die in den * Abgefehen von der für die untere Bildungsftufe berechneten und fchon erwähnten Markhams hiftory of France ift auch in der Sammlung The Students Series, eine hiftory of France, nirgends aber eine Gefchichte Deutfchlands. Der Unterricht in der Gefchichte. 7 Schulen aller Werth gelegt wird. So werden in der Volksfchule( inftruction primaire) und den mit diefer zufammenhängenden Fortbildungsfchulen ( écoles d'adultes) der Jugend die Elemente der Gefchichte an der vaterländifchen Gefchichte beigebracht, und wir erblicken an den petit cours d'hiftoire nationale à l'ufage des écoles primaires par Dr. J. Dumont, Mons 1872( 2. Auflage) einen für diefe Stufe berechneten Leitfaden. Auch in den drei Jahrgängen der Lehrer- Bildungsanftalt( StaatsNormalfchule) wird die Gefchichte des Mittelalters und der Neuzeit nur im Anfchluffe an belgifche Gefchichte gelehrt, und neben der nationalen Gefchichte nur der Gefchichte des Alterthums im I. Jahrgange ein Platz eingeräumt. In dem Cours d'hiftoire de Belgique à l'ufage des elèves inftituteurs primaires par L. Ganonceaux, Bruxelles 1872, war ein für diefe Zwecke gefchriebenes Werk ausgeftellt. Welch' untergeordnete Stellung aber der Gefchichtsunterricht in diefen Schulen einnimmt, ift aus dem Umftande erfichtlich, dafs demfelben in jedem Jahrgange nur eine Stunde zugewiefen wird. An der Mifsachtung diefer Disciplin ift jener romanifche Einflufs erkennbar, der, jederzeit ein Feind objectiver Gefchichtsdarftellung, diefen Unterrichtszweig nur ungern unter den Gegenständen der Schule namentlich der Volksfchule duldet. Auch an den Mittelfchulen( Enfeignement moyen) ift der Gefchichte keineswegs ein Spielraum eingeräumt, der ihrer Bedeutung entſpricht. An den niederen Mittelfchulen( écoles moyennes), die etwa unferen Bürgerfchulen entſprechen, hat die Geographie und Gefchichte in drei Jahrgängen nur zwei, höchftens drei wöchentliche Stunden zugetheilt, in welchen die Gefchichte der hervorragendften Weltereigniffe, angeknüpft an biographifche Bilder und die Gefchichte Belgiens gelehrt wird. Erft an den Athenäen erlangt die allgemeine Gefchichte eine ihr entfprechende Stellung unter den Disciplinen diefer Anftalten. Hervorzuheben ift aber, dafs in der humaniftifchen Section Section( entfprechend unferen Gymnafien) derfelben die Gefchichte, die man doch mit allem Grunde als ein humaniftifches Fach bezeichnet, nur auf einer, dagegen in der profeffionellen Abtheilung( entfprechend unferen Realfchulen) auf zwei Stufen gelehrt wird. Es ift nämlich für die humaniftifche Section im III. Jahrgange( Quatrième), mit dem der Gefchichtsunterricht beginnt, in drei wöchentlichen Stunden für Geographie und Gefchichte, eine überfichtliche Gefchichte des Orients, eine ausführliche Griechenlands und Roms bis zur Zerftörung Karthagos, im IV. Jahrgange( Troifième) in nur zwei wöchentlichen Stunden der Schlufs der römifchen Gefchichte und die Gefchichte des Mittelalters bis zu den Kreuzzügen; im V. Jahrgange( Poefie) der Schlufs des Mittelalters und die ganze Gefchichte der Neuzeit bei zwei wöchentlichen Stunden vorgefchrieben, während in dem VI. Jahrgange( Rhetorique) nur Gefchichte Belgiens gelehrt wird. Dagegen wird in der profeffionellen Section fchon im I. Jahrgange ( Cinquième) der Gefchichtsunterricht begonnen, und zwar in zwei wöchentlichen Stunden die gefammte alte Gefchichte; im II. Jahrgange( Quatrième) in eben fo viel Zeit das ganze Mittelalter und die gefammte Neuzeit abgethan. Für den III. und IV. Jahrgang( Troifième et Deuxième) ift eine zufammenhängende Darftellung der allgemeinen Gefchichte von den älteften Zeiten bis auf die Gegenwart in drei wöchentlichen Stunden vorgefchrieben. Den Schlufs bildet wieder belgifche Gefchichte mit zwei Stunden im fünften Jahrgange( Première). Zugleich foll in den letzten zwei Jahrgängen diefer Section, Gefchichte des Handels und der Induftrie gelehrt werden. Dafs bei der geringen Zeit, die dem Gefchichtsunterrichte eingeräumt erfcheint, und bei der Fülle des Stoffes unmöglich etwas Erfpriefsliches geleiftet werden kann, wird jeder mit der Sache genauer Vertraute einfehen. Bezüglich der Lehrbücher ift nichts befonders Bemerkenswerthes zu verzeichnen. Sie gleichen den in Frankreich benützten in Methode und Inhalt. 2 8 Dr. Emanuel Hannak. Ein Cours élémentaire d'Hiftoire univerfelle par J. Möller, Bruxelles und Paris 1871, fcheint befonders häufig gebraucht, da er fchon eine dritte Auflage erlebte. Eine Hiftoire du Commerce et de l'Induftrie de la Belgique von Barlet, Mecheln 1870, kennzeichnet die Art und Weife, wie diefe Seite menfchlicher Culturgefchichte als befonderer Gegenftand in der realiftifchen Section der Athenäen betrieben wird und erinnert unwillkürlich an die Bedeutung, die einft auf dem Gebiete des Handels die Vereinigten Niederlande hatten und die noch gegenwärtig Belgiens Induftrie befitzt. Unter anderweitigen Hilfsmitteln für den Gefchichtsunterricht find in erfter Linie hiftorifche Karten hervorzuheben, von denen der Atlas zur belgifchen Gefchichte von Ch. Vercomer, Volksfchul- Infpector zu Brüffel. vorlag. Ueberdiefs gehören hieher Handbücher, welche der Jugend die Vertiefung in diefen Gegenftand ermöglichen. Unter folchen fiel fchon durch die äufsere Ausftattung die Hiftoire de Belgique von Theodor Jufte auf, die populär gehalten fich grofser Verbreitung zu erfreuen fcheint, indem fchon die vierte Auflage vorliegt. Es macht fich nämlich die Vorliebe, mit der die vaterländifche Gefchichte in den Schulen betrieben wird, auch in den wiffenfchaftlichen Arbeiten geltend. Der Verfaffer der erwähnten Gefchichte Belgiens, Theodor Jufte, ift aufserdem durch feine„ Hiftoire des Etats Genereaus de Pays- Bas", Bruxelles 1864, durch„ Le foulevement de la Hollande en 1813" Bruxelles 1870, durch ,, La revolution Belge de 1830" Bruxelles 1872 und durch„, Guillaume le Taciturne" Bruxelles 1873 vertreten. Auch der germanifche Theil der belgifchen Bevölkerung pflegt befonders die einheimifche Gefchichte wie die„ Gefchiedenis von Hertog van den Erften van Braband en zije Tijdvak von Karel Stallart" Brüffel 1861 bekundet. In diefer Richtung ift auch die königliche Akademie der Wiffenfchaften, fpeciell die Commiffion für Gefchichte durch ihre Publicationen thätig, unter denen die„ Table chronologique des Chartes et diplômes imprimés confervent l'hiftoire de la Belgique par Alph. Wanters" Bruxelles 1871, befonders rühmend hervorzuheben ift. Wenn die zuletzt genannten Werke eigentlich nicht in den Gefchichtsunterricht als folchem gehören und zumeift von nicht unbedeutendem wiffenfchaftlichen Werthe find, fo kennzeichnen fie doch die Richtung, in welcher das Gefchichtsftudium fich vorherrfchend bewegt. Wie fehr die Pflege der vaterländifchen Gefchichte in Belgien vorwiegt, belehren uns, um noch Entfernteres herbeizuziehen, auch die hiftorifchen Gemälde belgifcher Künftler. Wenn de Vriendt Jacobine von Baiern und Philipp den Guten, Wauters Maria von Burgand, de Biefve die Gräfin Egmont, Soubre den Blutrath Albas, D. Kayfer und van Brée Carl V. und dergl. in ihren Gemälden behandeln, fo beweifen fie hiedurch dasfelbe, was die belgifchen Gelehrten durch Behandlung einzelner Momente einheimifcher Gefchichte beweifen. Zum Schluffe fei noch zweier Werke gedacht, die als Hilfsmittel zur Belebung des Gefchichtsunterrichtes nicht ohne Erfolg benützt werden könnten. Es find diefs bildliche Darftellungen, und zwar ,, Choix de vafes peints de Mufée d'antiquitées de Leide par Roulez" Gent 1854, und insbefondere das bei Ch. Claeffen in Lüttich erfchienene Album Archeologique deffine par Camille Renard, das auf 85 Blättern das Alterthum und auf je 75 Blättern das Mittelalter und die moderne Zeit behandelt. Es ift wohl dies Album vorherrfchend für künftlerifche Zwecke edirt, aber es kann nicht blofs in Kunftfchulen, fondern auch in den Mittelfchulen mit Nutzen zur Erläuterung der Cultur der verfchiedenen Völker und Länder benützt werden. Deutſchland. Es ift fchwer, auch nur annähernd ein erfchöpfendes Gefammtbild von dem Stande des Gefchichtsunterrichtes und der bei diefem Der Unterricht in der Gefchichte. 9 angewandten Lehrbehelfe der verfchiedenen zum deutfchen Reiche gehörigen Länder zu liefern, zumal aufser Sachfen kein anderer deutfcher Staat einen detaillirten Katalog der ausgeftellten Gegenftände beigegeben hat. Doch wird die Schwierigkeit theilweife dadurch gemindert, dafs die deutfch- öfterreichifche Lehrerwelt, für die doch zunächft der Bericht berechnet ift, mit dem Unterrichtswefen diefes Reiches gerade am vertrauteften ift, indem Lehrmethoden, Lehrmittel und Lehrbehelfe in den deutfchen Ländern Oefterreichs entweder Deutfchland unmittelbar entlehnt oder doch den deutfchen nachgebildet find. aus " Volksfchule. der Zuerft( im Jahre 1835) hat Sachfen, diefem folgend haben aber auch die übrigen Staaten die Gefchichte" unter die Gegenftände der Volksfchule aufgenommen. Der Standpunkt, welcher bei der Aufnahme diefer Disciplin mafsgebend war, war jedoch urfprünglich ein fehr engherziger. Die Gefchichte follte im Anfchluffe an die Bibel gelehrt und auf die fpecielle Gefchichte des Heimatslandes befchränkt werden. Es follte demnach diefer Zweig des Unterrichtes lediglich kirchlichen und den mit diefen zufammenhängenden dynaftifchen Zwecken dienen. Die Die freiheitliche Bewegung der Jahre 1848 und 1849, welche das Streben hatte, die confeffionelle Schule zu befeitigen und zur Staatsanftalt umzugeftalten( VI. Art. der Grundrechte des deutfchen Volkes §. 23) verfchaffte der Gefchichte keine würdigere Stellung; denn bald trat die Reaction ein, die in richtiger Erkenntnifs der Bedeutfamkeit diefes Unterrichtszweiges ihn zu ihren Zwecken auszubeuten wufste. Vor Allem kennzeichnend für die in ganz Deutfchland herrfchende Strömung find die berüchtigten preufsifchen Regulative vom Jahre 1854, welche den Lehrer in der Volksfchule beauftragen, die Kinder einzuführen in die Kenntnifs der Gefchichte preufsifchen Herrfcher und des preufsifchen Volkes, wie der göttlichen Liebe, die fich in derfelben offenbart". Befonderen Stunden wurde diefer Unterrichtszweig zugewiefen, vaterländifche Gedenktage namhaft gemacht, in denen hauptfächlich die Erinnerung an wichtige Momente aus der Landes-, aber auch der evangelifchen Kirchengefchichte gepflegt werden follte, und patriotifche Lieder zur Erwärmung des jugendlichen Herzens, für Kirche und König anempfohlen. Die preufsifchen Regulative fanden in den übrigen deutfchen, namentlich den proteftantifchen Ländern bereitwillige Nachahmung. Die Gefchichte gelangte auf diefe Weife allerdings in eine ihr würdige Stellung unter den Disciplinen der Volksfchule; aber fie follte nur befchränkten Zwecken der herrfchenden Kirche und der herrfchenden Dynaftien dienen. Indeffen überfchritt fie bald diefe enggezogene Grenze. Es war unmöglich, preufsifche, würtembergifche, fächfifche etc. Gefchichte zu lehren, ohne auf die Gefchichte des Gefammtvaterlandes einzugehen, die Jugend für einen Particularherrfcher zu begeiſtern, ohne der Heldenthaten des ganzen grofsen deutfchen Volkes zu gedenken. Darum hatte die Aufnahme der Landesgefchichte in die deutfche Volksfchule nur für kurze Zeit dem Localpatriotismus und dem Abfolutismus in Kirche und Staat Früchte getragen Bald machte fich der mächtige Einflufs diefer Disciplin in anderen, den früheren geradezu entgegengefetzten Richtungen geltend. Die Gefchichte des engbegrenzten kleinen Vaterlandes und Volksftammes weckte die Liebe zu dem grofsen dentfchen Vaterlande, zu dem ganzen deutfchen Volke. Der durch die Gefchichte erzogene Volksgeift begann die Feffeln zu fühlen, welche die Kirche ihm angelegt hatte. Das Streben nach nationaler Einheit einer-, nach Emancipation der Kirche anderfeits, das waren die nicht gewünſchten und nicht erwarteten Refultate von der durch die Reaction in ihrer Weife begünftigten Pflege des Gefchichtsunterrichtes in der Volksfchule. Wenn die letzte Parifer Weltausftellung fchon ein bedeutendes Stadium des Weges zur nationalen Einheit von 10 Dr. Emanuel Hannak. und kirchlichen Freiheit als bereits zurückgelegt verzeichnen konnte, fo kann die Wiener Weltausftellung fchon nahezu die Vollendung desfelben begrüfsen. Und gerade in dem Gefchichtsunterrichte machen fich die genannten Factoren in eminenter Weife geltend. Es genügte nicht mehr die Gefchichte eines befonderen Staates, einiger Momente aus dem Leben feiner Particularherrfcher, aus den kirchlichen Bewegungen des Volkes den höher geftiegenen Bedürfniffen der Schule. Von der durch kirchliche und dynaftifche Rückfichten eingeengten Landesgefchichte fchritt man zur objectiven Gefchichte des ganzen deutfchen Volkes und des ganzen Menfchengefchlechtes vor. Man behielt nicht blofs eine beſtimmte Kirche oder eine beſtimmte Dynaftie im Auge. Die ganze Menfchheit in ihrer allmäligen Entwicklung kennen zu lernen, das wurde das Ziel des Gefchichtsunterrichtes; die objective Wahrheit zur Darftellung zu bringen, das Beftreben feiner Lehrer. Zuerft war es Baden, das die Volksfchule in den Jahren 1862 bis 1864 vom kirchlichen Einfluss emancipirte, ihm folgte Würtemberg im Jahre 1865, Baiern 1869, zuletzt kam Preufsen 1872 und Sachfen 1873. In den neuen Schulordnungen aller diefer Länder erfcheint die Gefchichte ohne Befchränkung auf das Vaterland als Gegenftand der Volksfchulen. Dafs die deutfche, und in Unterordnung unter diefer die Landesgefchichte hauptfächlich betont wird, ift felbftverſtändlich. So ift, um einzelne Beiſpiele anzuführen, in Baiern für die zweite Claffe der Volksfchule( Erlafs vom 21. September 1869) vorgefchrieben: Erzählungen über die älteften Bewohner Baierns, von der Verbreitung des Chriftenthums, von dem fegensreichen Wirken baierifcher Regenten, namentlich der Wittelsbacher; für die dritte Claffe Gefchichte, mit befonderer Rückficht auf die Vaterlands- und deutfche Gefchichte. Einzelne Kaifer und einzelne Epochen find ausführlicher zu behandeln. Und in Preufsen hat das liberale Minifterium Falk mit Erlafs vom 15. October 1872 für Volksfchulen Lebensbilder aus allen Zeiten der Gefchichte des deutfchen Vaterlandes mit Berücksichtigung der culturhiftorifchen Momente, für die Bürgerſchulen, die den gehobenen Volksfchulen entſprechen, Biographien aus der Gefchichte aller Zeiten verordnet. In den unteren Claffen wird die Gefchichte meift nur im Anfchluffe an die deutfchen Lefebücher gelehrt, in den oberen Claffen find häufig auch befondere Leitfäden üblich. Früher pflegte man fich mit armfeligen Skizzen, mit Zahlen und Namensverzeichniffen zu begnügen. Noch heutzutage hat diefe Methode, von den Leitfäden für die Landesgefchichte abgefehen, ihre Vertreter in Dielitz's, Grundrifs der Weltgefchichte" Berlin, R. Laffer, oder in dem ,, Wiederholungsbuch für den geographifch- gefchichtlichen naturkundlichen und deutfchen Unterricht in Volksund Bürgerfchulen von Schumacher, Wrede und Anderen", Berlin, Oehnigke, 1872, wo auf 42 Seiten die ganze Weltgefchichte abgethan ift; oder in dem Werkchen„ Die nothwendigften gefchichtlichen Zahlen, bearbeitet von einem Lehrerkreife in Dresden." Dresden, C. C. Meinhold& Söhne und Andere. Kein Zweifel, dafs Namen und Zahlen das Gerippe der Weltgefchichte bilden, und darum dem Kinde wohl eingeprägt werden müffen. Aber auf der unterften Stufe verlangt der kindliche Geift faftigere Koft. Darum trat das Beftreben zu Tage, der Jugend den gefchichtlichen Stoff in einer anmuthigen Form zu bieten. Mit Vorliebe gruppirte man die wichtigften Begebenheiten um eine Perfönlichkeit, mit der man die Jugend durch eine ausführliche Schilderung vertraut macht. Es entstand die biographifche Methode, die noch immer mit Vorliebe auf der unterften Stufe des Gefchichtsunterrichtes feftgehalten wird. Werke, die in diefer Form abgefafst erfcheinen, find z. B. S piefs' fächfifche Gefchichte, Dresden 1867, in Sachfen verwendet, die Biographien deutfcher Kaifer von Carl dem Grofsen an von G. Waitz, in Würtemberg im Gebrauch. Doch laffen fich für jede Gefchichtsepoche nicht immer Perfönlichkeiten finden, und es wäre gefehlt, wollte man Der Unterricht in der Gefchichte. 11 folche Epochen ganz hinweglaffen. Auch ift die phyfifche und geiftige Cultur eines Volkes ein wichtiger Factor feiner Gefchichte, und doch läfst fich diefe nicht an einzelne Perfönlichkeiten anfchliefsen. Es trat defshalb das Bedürfnifs ein, die rein biographifche Form aufzugeben und den Biographien auch Schilderungen einzelner Perioden und Bilder aus der Cultur einzelner Völker einzufügen. Auf diefe Weife entstanden„ Gefchichtsbilder", an denen die deutfchen Lefebücher befonders reich find. Solcher Art ift auch das bei Nikolai in Berlin erfchienene Elementarbuch der Weltgefchichte von Gohr und die in Würtemberg benützte deutfche Nationalbibliothek mit volksthümlichen Bildern und Erzählungen und andere Werke, die zumeift über die Grenze der Volksfchule hinausreichen. Bei dem Umftande, dafs in der Volksfchule die Kinder oft nicht bis zur höchften Claffe auffteigen, fondern fchon vor Eintritt in diefelbe nach Erreichung des vorgefchriebenen Alters ausfcheiden, ift ein fyftematifcher Unterricht in chronologifcher Aufeinanderfolge unmöglich. Es ftellte fich daher die Nothwendigkeit heraus, Bilder aus allen Gefchichtsperioden in jeder Claffe zur Behandlung zu bringen. So entstanden Gefchichtsbilder, die fich in concentrifchen Kreifen erweitern. Neben den Lefebüchern, die häufig in diefer Art die gefchichtlichen Abfchnitte behandeln, ift unter Anderem auch die Weltgefchichte von Spiefs und Berlet 3 Bände, Hildburghaufen 1869, in drei fich erweiternden Kreifen abgefafst. Hat man fchon in der Anlage der gefchichtlichen Lefeftücke, Lehrbücher und Leitfäden für Gefchichte dem kindlichen Geifte Rechnung getragen, fo fucht man demfelben überdiefs durch alle Mittel den Unterricht in diefer Disciplin nicht Das Kind weilt mit feiner blofs geniefsbar, fondern auch angenehm zu machen. regen Phantafie gerne in dem Reiche der Dichtung. Es fagen ihm daher zunächſt die Dichtungen aus der Kindheit der Völker die Sagen und Mythen zu. In richtiger Erkenntnifs diefer Eigenthümlichkeit des kindlichen Geiftes hat man in den Lefebüchern fowohl, als auch in felbftftändigen Handbüchlein der Jugend den Genufs der Mythen- und Sagenwelt des claffifchen, fowie auch des germanifchen Alterthums erfchloffen. Die verfchiedenen Bearbeitungen der Sagen der Griechen und Römer( Schwab, Grimm u. A.) und der in den Dichtungen des Mittelalters behandelten Sagenkreife( Ofterwald, Richter) zeigen von dem herrfchenden Zuge unferer Zeit. Durch die Lectüre von dergleichen ihm zufagenden Stoffen wird das Kind für den eigentlichen gefchichtlichen Unterricht vorbereitet und erwirbt fich überdiefs eine Fülle von Kenntniffen, die es dann bei dem tieferen Eindringen in die literarifchen Erzeugniffe feines und anderer Völker verwerthet und ohne die es diefelben nicht geniefsen kann. Wirken dergleichen Dichtungen auf die innerliche Anfchauung des Kindes, fo bemüht man fich auch auf die äufserliche Anfchauung unterftützend einzuwirken. Als Mittel hiezu dienen zunächft Karten. So wichtig diefer Lehrbehelf ift, fo wenig wird er noch in den Kreifen der Volksfchule angewendet. Aufser Karten zur Erläuterung der biblifchen und hie und da( z. B. Sachfen, Tutzfchmann's Atlas zur Gefchichte Sachfens, Leipzig Gebhard, Preufsens hiftorifche Karten von Fix) der Landesgefchichte, ift felten ein hiftorifcher Wandoder Handatlas für die allgemeine oder deutfche Gefchichte in Volksfchulen im Gebrauch. Neben den Karten unterſtützen auch Tabellen die Anfchauung. Schon oben wurde eines derartigen Werkes gedacht. Zeittafeln finden fich in gröfserer Zahl, namentlich für Landesgefchichte und haben neben einer ausführlicheren Gefchichtserzählung ihre volle Berechtigung. - Vor Allem aber dienen Abbildungen dazu, das Verſtändnis der Gefchichte durch Anfchauung zu fördern und das Gedächtnifs zu unterſtützen. Zwar ist in diefer Richtung fchon Mancherlei gefchehen; fo z. B. erblickten wir in Sachfen ein Tableau der deutfchen Könige bis auf Kaifer Wilhelm; 200 Bildniffe und Lebensabriffe berühmter deutfcher Männer; die deutfche Gefchichte und 12 Dr. Emanuel Hannak. Bilder mit Text, von Dr. Bülau( fortgefetzt von Dr. Brandes und Flathe). Dresden 1862. Gräfse, Sachfens Fürften in Bildern. Dresden 1855. Aber noch immer haben die bildlichen Darftellungen aus der allgemeinen Gefchichte nicht jene Berücksichtigung gefunden, die fie verdienen. So allgemein man Bilder zur Veranfchaulichung der biblifchen Gefchichte antrifft, fo felten erblickt man folche aus der Profangefchichte. Lehrer Bildungsanftalten. Der Gefchichtsunterricht in denjenigen Anftalten, welche zum Lehrerberufe vorbereiten, Profeminaren, Präparandien und Seminaren, hält mit dem in der Volksfchule gleichen Schritt. Auch hier hat urfprünglich die Rückficht auf Kirche und Dynaftie vorgewaltet. Die preufsifche Regulative vom Jahre 1854 bemerkt fogar:" Sorgfältige Beobachtungen haben ergeben, dafs Unterricht in der allgemeinen Weltgefchichte nicht mit dem erwarteten Erfolge in den Seminaren betrieben werden kann, vielmehr Unklarheit und Verbildung erzeugt, dafs über ihm Wichtigeres verfäumt wird. Dagegen mufs es als eine wichtige Aufgabe der Schullehrer angefehen werden, bei dem heranwachfenden Gefchlechte und in ihrer Umgebung Kenntnifs der vaterländifchen Erinnerungen, Einrichtungen und Perfonen aus der Vergangenheit und Gegenwart und damit Achtung und Liebe zur Herrfcher Familie vermitteln zu helfen." Darum fchreibt diefes Gefetz zunächſt die deutfche Gefchichte mit vorzugsweifer Berücksichtigung der preufsifchen, refpective Provinzialgefchichte vor. Die unentbehrlichften Mittheilungen aus der allgemeinen Gefchichte find theils an die Bibel anzufchliefsen, theils nur gelegentlich einzufügen. Diefe Befchränkung auf die vaterländifche Gefchichte war lange Zeit in Deutfchland vorherrfchend und in Baiern hält felbft das neue Volksfchulgefetz vom 29. September 1866 an derfelben feft, indem es in allen drei Jahrcurfen nur baierifche Gefchichte in innigfter Verbindung mit deutſcher Gefchichte vorfchreibt. Dagegen hat Sachfen fchon im Jahre 1859( Verordnung vom 15. Juni) neben der fächfifchen und deutfchen Gefchichte, das damit zufammenhän gende Wichtigfte aus der jedesmaligen Zeitgefchichte und ein kleines, aber frifches, farbenreiches Bild von der älteren und älteften Zeit zur Aufnahme in den Gefchichtsunterricht für nöthig erachtet. Die neue Gefetzgebung von Würtemberg( 25. Mai 1865) und Baden( 7. April 1868) betont wohl die deutfche und fpeciell die vaterländifche Gefchichte, legt aber auf die allgemeine, und insbefondere die Gefchichte der Griechen und Römer grofses Gewicht. Endlich hat auch Preufs e n mit Gefetz vom 15. October 1872 feinen früheren Standpunkt verlaffen und den 3 Jahren des Seminares allgemeine Gefchichte, u. z. der 3. Claffe alte, der 2. mittelalterliche, der 1. neuere, der 2. und I. Claffe mit Hervorhebung der deutfchen, der 1. mit befonderer Berücksichtigung von brandenburgifch- preufsifchen Gefchichte als Lehrpenfum vorgezeichnet. Unter den Lehrbüchern weift fchon die erwähnte Regulative auf Dittmar's deutfche Gefchichte hin. Neben diefer waren desfelben Verfaffers Leitfaden der Weltgefchichte, Webers Lehrbuch der Weltgefchichte, und Pütz' Lehrbuch der Geographie und Gefchichte von Würtemberg; Sattler's Grundrifs der deutfchen Gefchichte und Leitfaden der bairifchen Gefchichte von Baiern; Stacke's Erzählungen aus der alten Welt, Welter's Weltgefchichte, Schmidt's Handbuch der Gefchichte, Pierffon's preufsifche Gefchichte, Dr. David Müller's alte und deutfche Gefchichte, die Lehrbücher von Kolfufs, Förfter und Pütz von der preufsifchen Unterrichtsverwaltung unter den Lehrmitteln der Seminarien ausgeftellt. Neben den Lehrbüchern ftehen auch Zeittafeln und Karten im Gebrauche, die theils fchon bei den Volksfchulen erwähnt wurden, theils bei den Lehrbehelfen der Mittelfchulen Platz finden werden. Der Unterricht in der Gefchichte. 13 Mittelfchulen. In den Mittelfchulen,( den Realfchulen, Realgymnafien, Progymnafien, Gymnafien, Lyceen) ift die allgemeine Gefchichte mit befonderer Hervor hebung der deutfchen und der fpeciellen Landesgefchichte feit jeher unter die Disciplinen aufgenommen. Dem Gefchichtsunterrichte geht der Unterricht in der Geographie voraus, wefshalb erfterer nicht mit der unterften Claffe, fondern erft im 2. oder 3. Jahrgange beginnt. Gewöhnlich erfcheinen beide Gegenftände mit einander verbunden, jedoch in der Weife, dafs in den Gymnafien auf die Gefchichte, in den Realfchulen auf die Geographie befonderer Werth gelegt wird. Die Stundenzahl, die diefen Gegenftänden zugewiefen ift, fchwankt zwifchen 4 und 3 Stunden. Selten meift nur an Realfchulen, werden beide Gegenftände getrennt behandelt; für diefen Fall entfallen auf jeden zwei Stunden. Der fyftematifche Unterricht in der Gefchichte wird meift auf zwei Stufen ertheilt. Die erfte Stufe bringt die hauptfächlichften Begebenheiten der Weltgefchichte in chronologifcher Aufeinanderfolge mit Einprägung der wichtigften Jahreszahlen zur Kenntnifs der Schüler und betont befonders in der alten Gefchichte das ethnographifche Moment, befchränkt fich aber im Mittelalter und der Neuzeit meift auf deutfche Gefchichte mit Berücksichtigung der fpeciellen Landesgefchichte. Die zweite Stufe behandelt die allgemeine Gefchichte pragmatifch. Mit dieſem höheren Standpunkte, von dem die Gefchichte auf diefer Stufe zu lehren ift, ift es nicht leicht vereinbar, blofs die Gefchichte eines einzelnen Volkes oder Landes im Auge zu behalten. Darum wird von der fpeciellen Landesgefchichte abgefehen und Univerfalgefchichte getrieben. Auf beiden Stufen wird die Cultur der Völker, namentlich die der Griechen, Römer und Deutfchen, gebührend berücksichtigt. Als Einleitung in die Gefchichte dient in den erften Claffen der Unterricht in der biblifchen Gefchichte; auch werden in demfelben entweder im Anfchluffe an die Geographie oder an das deutfche Lefebuch die Mythen und Sagen der Griechen, Römer und Deutfchen und Gefchichtsbilder aus der vaterländifchen Gefchichte mit befonderer Betonung des biographifchen Momentes behandelt. Rechnet man diefe Vorftufe in den Gefchichtsunterricht ein, fo ergibt fich eine Gliederung in drei Gefchichtscurfe: den biographifchen, ethnographifchen und pragmatifchen oder univerfellen. Auf allen drei Stufen wird neben der deutfchen auf griechifche und römifche Gefchichte befonders Gewicht gelegt. Namentlich ift diefs in den Gymnafien der Fall, wo die alte Gefchichte einmal in Quarta, dann zwei Jahre in Secunda ausführlich gelehrt und am Schluffe der Prima nochmals mit Benützung der inzwifchen erweiterten Kenntnifs der Quellen wiederholt wird. Ueber die Erfolge des Gefchichtsunterrichtes liegen blofs aus Baierns Lateinfchulen und Gymnafien detaillirte Berichte vor. Aus den forg fältigen Daten der Unterrichtsftatiftik diefes Staates ift erfichtlich, dafs in den ifclirten Lateinfchulen. die Durchfchnittsnorm( bei 10 Abftufungen 1, 13, 128, 2, 413, 22, 3, 31, 32, 4) im Jahre 1870/71 2:03, in den humaniftifchen Gymnafien 192, alfo eine fehr günftige war. Zahlreich find die in Deutfchland beim Unterricht verwendeten Lehrbehelfe. Was zunächft die Lehrbücher anbelangt, fo find fchon viele bei Befprechung der Lehrerbildungs- Anftalten erwähnt worden. Im Allgemeinen find in katholifchen Schulen andere im Gebrauche, als an proteftantifchen. Zu den an katholifchen Schulen üblichen gehören die Lehrbücher von Pütz, Tücking, Beitelrock, Welter und anderen. An den proteftantifchen ftehen Beck, Dielitz, Dittmar, Duller, Herbft, Eckertz, Lange, Kohlrauch, Pfalz, Knochenhauer, Dietfch, Wolf und andere im Gebrauch. Ausserdem gibt es befondere Lehrbücher für die Landesgefchichte, z. B. Bader, Böttiger, Heinrich in Baiern, Pierfs on und Hahn in Preufsen, Spiefs in Sachfen. Einzelne der genannten find in zweierlei Ausgaben, von denen eine für 14 Dr. Emanuel Hannak. Gymnafien, die andere für Realfchulen beftimmt ift, bearbeitet. Die für Gymnafien beftimmten legen befonderes Gewicht auf die Gefchichte und Cultur der Griechen und Römer und enthalten zumeift Angaben über Quellen und Hilfsfchriften, namentlich in der griechifchen, römifchen und deutfchen Gefchichte. Die meiſten Lehrbücher gliedern fich in die oben gekennzeichneten zwei Stufen in ein Lehrbuch für Unter- und eines für Oberclaffen. Neben den Lehrbüchern dienen als wichtiges Förderungsmittel hifto rifche Karten. Es ift kein Zweifel, dafs Deutfchland in Hinficht auf diefes Hilfsmittel allen anderen Staaten voranfteht. Hauptfächlich gilt diefs von den Wandkarten. H. Kiepert's hiftorifche Wandkarten der alten Welt, Paläftinas und der umliegenden Länder, Alt- Griechenlands, Alt- Italiens, der Umgebung Roms und des römifchen Reiches, gehören zu den beften Erzeugniffen diefer Art und vervollkommnen fich in jeder neuen Auflage, deren bei einzelnen fchon die dritte nothwendig wurde. Ein anderes Werk diefer Art ift der in Wolfenbüttel erfchienene Schul- Wandatlas zur alten Gefchichte von L. Holle, der Paläftina, Griechenland, Italien und Gallien umfafst. An Schönheit und Genauigkeit der Ausführung fteht er hinter dem erftgenannten Werke zurück, hat aber den Vorzug, dafs er von jedem Lande nicht blofs eine Karte, die für alle Epochen beſtimmt ift, fondern mehrere, den verfchiedenen Epochen angepasste, zur Darstellung bringt. Ein drittes Werk, das die von den früher angeführten Werken gelaffenen Lücken theilweife ergänzt, find die von Reinhard bei C. Hoffmann in Stuttgart herausgegebenen Kartenwerke. Neben der Wandkarte Galliens zur Zeit des Julius Cäfar find eine Karte von Athen und von Roma vetus erfchienen, deren Bedürfniss fowohl beim Gefchichtsunterrichte, namentlich aber bei dem Lefen der alten Claffiker fchon lange fühlbar war. Aufserdem producirte Deutſchland mehrere hiftorifche Karten von Paläftina, z. B. die unter Leitung von E. Schäfer und W. Issleib in Gera und die von Dr. K. F. Schneider in Leipzig, von Hergt in Weimar erfchienene und andere dergl. Einzig in feiner Art ift der hiftoriſch geographifche Wandatlas von K. Spruner und Bretfchneider, der in zehn Karten Europa in den hauptfächlichften Epochen des Mittelalters und der Neuzeit darftellt. Durch Originalität und zierliche Ausführung zeichnet fich die hiftorifche Karte Europa's, Weftafiens und Nordafrika's von Dr. C. Spruner aus, in welcher die hiftorifch denkwürdigen Orte aus dem Alterthum mit rother, aus dem Mittelalter mit grüner und aus der Neuzeit mit fchwarzer Farbe ver zeichnet erfcheinen. Diefe Karte kann im Nothfalle die Kiepert'fchen und Spruner- Bretfchneider'fchen Wandkarten erfetzen und als Erläuterung der alten, mittleren und neuen Gefchichte dienen; hauptfächlich eignet fie fich aber für den Privatgebrauch und bei Repetitionen Auch für die Erläuterung der Landesgefchichte werden hie und da Wandkarten benützt, zu denen die hiftorifche Karte Preufsens von Fix zu rechnen ift. Zahlreicher find noch die hiftorifchen Hand- und Schulatlanten. In erster Linie ftehen die Werke von H. Kiepert: Atlas antiquus in zwölf Karten( auch in niederländifcher, ruffifcher, italienifcher, franzöfifcher und englifcher Ausgabe). Hiftorifch- geographifcher Atlas der alten Weltgefchichte( fchon in fiebzehnter Auflage) und neuer Atlas von Hellas und der hellenifchen Colonien; von Dr. C. Spruner und Menke der Atlas antiquus in gröfserer und kleinerer Ausgabe, und der Bibelatlas von Dr. C. Spruner; Hiftoriſchgeographifcher Handatlas zur Erläuterung des Mittelalters und der Neuzeit, und deffelben Verfaffers hiftorifch- geographifcher Schulatlas, fowie der Atlas von Athen von E. Curtius. Aufserdem find die hiftorifch- geographifchen Schulatlanten für allgemeine Gefchichte von Voigt, Pütz, Rhode, König, Völter( nach Angabe von Dittmar), für preufsifche Gefchichte von Leeder, für fächfifche von Tutzfchmann, felbft für öfterreichifche Gefchichte von Dr. C. Spruner und für biblifche Gefchichte von Weiland( mit Erklärungen von Dr. Ackermann), Producte des Fleifses deutfcher Gelehrten. Sie geben Zeugnifs Der Unterricht in der Gefchichte. 15 davon, wie viel Gewicht darauf gelegt wird, den Gefchichtsunterricht der Jugend zu erleichtern und hiedurch angenehmer und nutzbringender zu geftalten. Wenn durch Kartenwerke der Raum, auf dem die Gefchichte der Culturvölker fich entwickelte, dem jugendlichen Geifte vor Augen geführt wird, fo fand man auch ein Hilfsmittel, um die Zeit, in der die Begebenheiten auf einander folgen, mit Hilfe der Anfchauung lebendiger dem Gedächtniffe einzuprägen. Es find dies die Zeittafeln oder Gefchichtstabellen, die namentlich bei den, in den Unterrichtsgefetzen ftark betonten Repetitionen mit grofsem Erfolge benützt werden. Solche find für allgemeine Gefchichte von Bräutigam, Cauer, Hirfch, Peter, Schäfer, Schmidt und anderen auch für fpecielle Landesgefchichte, wie z. B. von Schäfer für fächfifche Gefchichte in Gebrauch. Namentlich müffen Dr. C. Peters Gefchichtstabellen zur griechifchen und römifchen Gefchichte hervorgehoben werden, weil fie durch genaue Angabe der Quellen und häufige Citate aus denfelben auch in einer anderen bald zu berührenden Richtung den Gefchichtsunterricht fördern. Hier mögen auch zwei zur Ausftellung gelangte Objecte Erwähnung finden, deren Werth namentlich für eine Schule ein problematifcher genannt werden darf. Es ift diefs zunächft der mit grofser Mühe ausgeführte synchroniftifche Atlas von C. Mertens, Lübeck 1870, der auf 48 Tafeln mit Beihilfe von Farben eine Ueberficht der Weltgefchichte zu geben beftimmt ift. Wie wenig er diefe Aufgabe erfüllen kann, konnte jeder Befchauer aus der ausgeftellten Ueberfichtskarte ermeffen, in deren Chaos fich zurechtzufinden fchon ziemliche Kenntnifs der Gefchichte vorausfetzt. Ferner ift in der fächfischen Abtheilung ein Calendarium perpetuum mobile von Keffelmayer ausgeftellt, das denjenigen, die fich befonders mit Chronologie befafsen, manchen Dienft thun kann, aber in der Schule wenig brauchbar fein dürfte. - Ein Noch viel nachdrücklicher als Karten- und Zeittafeln bringen wirkliche Antiquitäten oder Nachbildungen und Abbildungen derfelben, fowie Bilder hiftorifch berühmter Bauten und Oertlichkeiten oder auch denkwürdiger Begebenheiten die Cultur der Völker und ihre Gefchichte zur Anfchauung der Jugend und fördern deren Verſtändnifs. Von wirklichen oder nachgebildeten Antiquitäten abgefehen, deren Befprechung nicht in diefe Zeilen gehört, ift als das ausführlichfte Lehrmittel diefer Art, das fich über alle Zeiträume erftreckt, L. Weifers Bilderatlas zur Weltgefchichte hervorzuheben, deffen erfter Band in zwei Theilen mit befonderer Rückficht auf griechifch- römifche Alterthümer die alte Gefchichte und deffen zweiter Band die Gefchichte des Mittelalters und der Neuzeit durch Abbildungen erläutert. anderes Bilderwerk, das in Befchränkung auf die bildenden Künfte abgefafst erfcheint, ift der Atlas von Lübke und Kugler. Lediglich auf die Gefchichte und Cultur der Griechen und Römer beziehen fich Reinhard's Album des claffifchen Alterthums( Stuttgart), Ed. von der Launitz' Wandtafeln zur Veranfchaulichung antiken Lebens und antiker Kunft( Kaffel) und Dr. Overbeck's Atlas der griechifchen Kunftmythologie.-Neue und treffliche photographifche Aufnahmen wichtiger Oertlichkeiten Griechenlands bietet das Album claffifcher Landfchaften und Denkmäler Griechenlands von Paul de Granges, Verlag von Qua as in Berlin.- Die herrfchende Pietät gegen jenen Monarchen, der Deutfchland zur Einheit führte, findet ihren Ausdruck in Still fried's Alterthümern und Kunftdenkmälern des Haufes Hohenzollern, Verlag von Ernft und Korn in Berlin, die zur Belebung des Unterrichtes in preufsifcher Gefchichte und zur Erweckung der Liebe gegen das Herrfcherhaus fich eignen. - Neben den angeführten, fyftematifch angelegten Sammlungen von Abbildungen find auch illuftrirte Handbücher, die der Jugend zur Privatlectüre dienen, geeignet, durch Anfchauung den hiftorifchen Unterricht zu fördern. Es würde zu weit führen, wollte man auch nur annähernd die Fülle 16 Dr. Emanuel Hannak. diefer Literatur kennzeichnen. Es foll genügen, als Beiſpiele einige der bedeutfamften Handbücher diefer Art namhaft zu machen. Zu diefen gehören für die reifere Jugend der Oberclaffen: Guhl und Koner: Das Leben der Griechen und Römer, und Overbeck's Pompeji mit mehr wiffenfchaftlichem Charakter und die populärer gehaltenen Werke derSpamer'fchen Jugendbibliothek, z. B. Opp e l's ,, Land der Pyramiden", Wägner's„ Hellas und Rom", Göll's, illuftrirte Mythologie und gelehrtes Alterthum", Otto's" Pantheon", Bilder aus der Gefchichte Friedrich Wilhelm I. und Friedrich II., O. Höcker's ,, Vaterländifches Ehrenbuch und das grofse Jahr 1870 auf 1871 u. A. Um einzelne Seiten der Cultur der Völker recht lebendig der Jugend zu vergegenwärtigen, hat man es verfucht, Modelle der von ihnen erzeugten Bauten oder Geräthfchaften zu entwerfen. Wenn in einem anderen Staate die Pfahlbauten der Urbewohner nachgebildet erfcheinen, fo hatte Deutſchland befonders das Kriegswefen der Griechen und Römer durch ausgeftellte Modelle illuftrirt. Ein grofses Kriegsfchiff( Pentere), mehrere fchwere Gefchütze, ein Skorpion, zwei Katapulten und eine Ballifte, fowie zwei Pilen ftanden in zierlicher Nachbildung vor uns und zeugten von der Gründlichkeit, mit welcher Dr. Körbly die zerftreu ten Ueberlieferungen des Alterthums über diefen Zweig der Cultur zu verwerthen wufste. Auch die römifchen Soldaten, die Du Bois in Hannover in Zinn nachgebildet ausftellte, find weniger Spielzeug als befonders Hilfsmittel zum Verſtändnifs des römifchen Kriegswefens.- Aehnliches gilt von den Helden und Götterfiguren aus dem trojanifchen Kriege, die eine Spielwaaren- Handlung aus Sonneberg( Meiningen) zur Ausftellung brachte. - Soll aber der Gefchichtsunterricht auf der oberften Stufe der Mittelfchule das Intereffe der fchon gereiften Jugend in höherem Grade feffeln, fo mufs diefe zur Selbftthätigkeit nicht blofs durch Reproduction des Percipirten, fondern durch felbftftändige Production angeregt werden. Darum hat fchon wiederholt, und am lauteften Dr. C. Peter in feinem weit verbreiteten Buche über Gefchichtsunterricht an Gymnafien an diefen Anftalten Lectüre der Quellen gefordert. Das Ideal, das Peter anftrebt, ift wohl nirgends auch nur annähernd erreicht worden. Man konnte die allgemeine Gefchichte aller Zeiträume nicht quellenmäfsig behandeln. Dazu fehlte es in Gymnafien an Zeit und auch an den nöthigen Sprachkenntniffen. Aber bei dem Umftande, dafs das Gymnafium das hauptfächlichfte Gewicht auf das Griechifche und Lateinifche legt, lag es nahe, die in diefen Sprachen gewonnenen Kenntniffe auch in der Gefchichte derartig zu verwerthen, dafs die wichtigften Quellenwerke der griechifchen und römifchen Gefchichte gelefen werden. Durch die Lectüre und Kenntnifs der Quellen wird die Gefchichte des claffifchen Alterthums um fo fefter der Jugend eingeprägt und fie in den Stand gefetzt, die erften Schritte in felbftftändiger Forfchung zu machen. Als Anleitung zu diefer Thätigkeit find den meiften Lehrbüchern für Gefchichte des Alterthums die Quellen entweder vor jedem gröfseren Abſchnitte im Allgemeinen oder bei jeder überlieferten Thatfache im Befonderen angeführt. In erfter Art ift z. B. das Lehrbuch für Oberclaffen von Dr. D. Müller, in letzterer das von Dietfch abgefafst. Auch wurden fchon oben Peter's Gefchichtstabellen zur griechifchen und römifchen Gefchichte als geeignetes Mittel namhaft gemacht, um die Gefchichte des claffifchen Alterthums quellenmässig zu lehren. Ueberdiefs find befondere chronologifch angeordnete Sammlungen der Gefchichtsquellen der Griechen und Römer angelegt worden. Von den älteren abgefehen ift aus der neueften Zeit das hiftorifche Quellenbuch zur alten Gefchichte" von Herbft, Baumeifter und Weidner namhaft zu machen. " Die neuefte Zeit hat neben der griechifchen und römifchen auch die deutfche Gefchichte zu Ehren gebracht. Das in den Freiheitskriegen erwachte Nationalbewufstfein konnte die folgende Reaction nicht unterdrücken. Unter dem äufseren Drucke erhob es fich nur noch mit um fo gröfserer Kraft. Die durch den Freiheitsminifter Stein angeregte Sammlung deutfcher Gefchichts Der Unterricht in der Gefchichte. 17 usum quellen ,,, Monumenta Germaniae", diente dazu, diefes Bewufstfein unter den Gebildeten zu nähren. Mit Vorliebe warfen fich diefe Kreife auf die deutfche Gefchichte und Literatur. Das Mittelalter, die Blüthezeit des deutfchen Reiches und Volkes, wurde nach allen Richtungen durchforfcht, die Quellen hiezu forgfältig gefammelt. Pertz, Böhmer, Jaffé, Potthart edirten das kritifch gefichtete Quellenmateriale. Sollte die Jugend nicht auch Kunde erhalten von den Gefchichtsquellen ihrer eigenen Nation? Es war und ift nur ein billige Forderung, dafs auch die deutfche Gefchichte quellenmäfsig behandelt werde. Es erfchienen defshalb die Scriptores rerum germanicarum in scholarum von Pertz in lateinifchen und die Gefchichtsfchreiber der deutfchen Vorzeit von Grimm, Pertz und Lachmann in deutfcher Bearbeitung. Auch verfafste Afsmann in Braunfchweig ein Handbuch der allgemeinen Gefchichte, in welcher die deutfche Gefchichte befonders ausführlich mit Hinweis auf die Quellen abgefafst ift. Ob aber an den deutfchen Gymnafien wirklich die vorhandenen Hilfsmittel zur quellenmäfsigen Behandlung der vaterländifchen Gefchichte benützt werden, und welcher Erfolg auf diefe Weife erzielt wird, ift eine Frage, deren Beantwortung aus den zur Ausftellung gelangten Berichten nicht erfichtlich ift. Doch dürfte die Behauptung nicht irrig fein, dafs es in Prima, für welche das Mittelalter und die Neuzeit und überdiefs eine Repetition des Alterthums mit Herbeiziehung der Quellen vorgefchrieben find, an Zeit mangeln dürfte, auch die Quellen des Mittelalters gebührend zu würdigen. Frankreich. Frankreich hatte feine Lehrmittel in folcher Weife angeordnet, dafs man mit Leichtigkeit einen Ueberblick über diefelben gewinnen konnte. So grofs aber die Zahl der ausgeftellten Lehrmittel war, fo wenig erfährt man über deren Benützung und die mit ihnen erzielten Erfolge. Was den Unterricht in der Gefchichte anbelangt, fo wird diefer in Frankreich höchft einfeitig betrieben. Man fcheute fich nicht die, Thatfache zu Gunsten Frankreichs zu fälfchen und erzeugte dadurch jene Selbftüberhebung der Franzofen, von der fie felbft durch die letzten fchweren Schläge nur zum kleinften Theil geheilt fcheinen. Doch bricht fich fchon, wie wir aus einzelnen Verordnungen der letzten Jahre erfehen, die beffere Einficht Bahn. In den öffentlichen Primärfchulen( Enfeignement primaire public) war in der Kaiferzeit kein gefchichtlicher Unterricht vorgefchrieben, es war nur geftattet, wo örtliche Verhältniffe es erlaubten, die Elemente franzöfifcher Gefchichte zu lehren. Doch die letzten Ereigniffe riefen einen vollftändigen Umfchwung hervor. Ein Circular aus dem Jahre 1872 von Gerard, das den Lehrern der Volksfchulen die Matiêres d'Enfeignement auseinanderfetzt, fordert nicht blofs eine der erften Bildungsftufe angemeffene Behandlung der franzöfifchen Gefchichte, fondern fchiefst weit über das Ziel hinaus, indem es dem Lehrer zur Pflicht macht, der Jugend die Urfachen der Begebenheiten entdecken und ihre Folgen ausfindig machen und würdigen zu lehren( le maître s'efforcera d'en faire découvrir les caufes aux eleves, il leur en fera egalement rechercher et apprécier les confequences). Die Jugend foll das mündlich Mitgetheilte fchriftlich wiedergeben und der Lehrer foll auf der Tafel die Karten Frankreichs in den wichtigften Epochen der franzöfifchen Gefchichte zeichnen, eine Forderung, die gewifs nicht leicht zu erfüllen ift. Wir erblickten mehrere Lehrbücher für franzöfifche Gefchichte in den Volksschulen, fo G. Ducoudray premières leçons d'hiftoire de France", M. A. Mazin hiftoire de France abregée" in neuer Auflage von Condorcet und„ Petite hiftoire de France" par M. H. Pigeonneau, die fpeciell für die Volksfchulen der Stadt Paris bearbeitet wurde. Dafs die biographifche Methode fchon in 2 - 18 Dr. Emanuel Hannak. Frankreich Eingang fand, zeigt die„ Hiftoire de Français par la biographie" von J. A. Fleury. Auch ein hiftorifcher Atlas zur Gefchichte Frankreichs ift zu erwähnen Er ift in mehrere Hefte( zu 30 Centimes) abgetheilt, jedes Heft enthält vier Karten mit fortlaufendem Texte, in den Abbildungen von Antiquitäten aus der Periode, welcher die Karte angehört, aufgenommen find. Ueberdiefs ift reines Papier beigegeben, auf dem das Kind die Mittheilungen des Lehrers notiren kann. Es ift gewifs ein trefflicher Gedanke, den Combarieu bei der Herausgabe diefes Atlas hatte, der bei richtigem Gebrauch viel Nutzen bringen kann. Nicht ohne Intereffe war die Sammlung von Prämienbüchern, welche die Stadt Paris( la Ville) ausgeftellt hatte. Sie beziehen fich lediglich auf fran zöfifche Gefchichte, fo Barante, hiftoire de Jeanne Arc", Barreau ,, hiftoire de la Revolution françaife", Bonnechofe" Lazare Hoche". Befonders hervorzuheben ist die„, Hiftoire de S. Louis" par Joinville ins moderne Franzöfifch übertragen von M. Nat. de Wailly, weil dadurch ein Verfuch gemacht ift, auch die Quellen der Gefchichte der Jugend zu erfchliefsen. In den nicht öffentlichen Volksfchulen, dem Enfeignement primaire libre wird neben franzöfifcher auch allgemeine Gefchichte getrieben, doch befchränkt fich diefelbe nur auf die alte Gefchichte, befonders die der Griechen und Römer. Es ift diefs erfichtlich aus den Büchern, die ausgeftellt wurden. Solche find ,, Petite hiftoire ancienne du jeune age" par J. L. C. Renaudin und desfelben Verfaffers ,, Petite hiftoire Romaine"; ferner die ,, hiftoire Grecque" und die ,, hiftoire Romaine" par M. A. Riquier und die Mythologie" par A. Riquier et Abbé Courbes, die nicht blofs die griechifche und römifche, fondern auch die egyptifche und indifche Götterlehre behandelt. Die angeführten Lehrbücher find mit hiftorifchen Karten, Plänen und kleinen Bildern ausgeftattet; dem Texte find Fragen eingefügt.. " " In den Schullehrer- Seminarien( écoles normales) wurde in der reactionären Kaiferzeit die Gefchichte aus begreiflichen Gründen wenig betont. Sie erſchien in der 3. Claffe und da nur mit einer(!) Stunde bedacht. Die oben erwähnten Forderungen, welche die jetzige republikanifche Regierung an die Lehrer ftellt, zeigen, dafs man diefer Disciplin eine würdige Stellung angewiefen hat. Zwar wird die franzöfifche Gefchichte befonders berücksichtigt, wie die ausgeftellten Bücher Les Grandes Epoques de la France" par Hubault et Marguerin, die ,, Recits de l'hiftoire de France" par C. Heffe und die ,, Hiftoire de France chronologique et methodique" bekundeten. Das zuerft angeführte enthält gelegentlich Citate der Hilfsfchriften, die beiden letzteren entſprechen unferen Gefchichtstabellen. Doch wird neben der franzöfifchen hauptfächlich alte Gefchichte gelehrt, wie es aus dem„, Cours d'hiftoire et de Geographie" par Ed. Anfart et A. Rendu erhellt, deffen I. Theil die alte, der II. Theil die franzöfifche Gefchichte umfafst. Dasfelbe beftätigt das„ Manuel des Aspirants et Afpirants aux Brevets de Capacité de l'Inftruction primaire" par Lefranc & Gallais, ein, wie die II. Auflage beweift, fehr benütztes Handbuch zur Vorbereitung für die Lehramtsprüfung. In Fragen und Antworten ift der ganze gefchichtliche Stoff, der fich auch über die alte Gefchichte erftreckt, auf 106 Seiten abgethan. Sowohl Methode als auch Inhalt find nicht geeignet, uns einen hohen Begriff von der Wichtigkeit, die man dem Gefchichtsunterricht an LehrerbildungsAnftalten beilegt, zu verfchaffen. An den Mittelfchulen( Enfeignement fecondaire) ift der Ge fchichtsunterricht je nach der Richtung derfelben verfchieden. Weniger Gewicht wird auf denfelben gelegt in dem Enfeignement fecondaire profeffionell( unferen Realfchulen entsprechend). Dafelbft wird im Vorbereitungsjahre Gefchichte Frankreichs in wöchentlich einer Stunde gelehrt. Natürlich kann diefs nur oberflächlich mit Befchränkung auf einfache Erzählungen hervorragender Thatfachen und und bedeutfamer Perfönlichkeiten Der Unterricht in der Gefchichte. 99 - 19 gefchehen. Die„ Simples Recits d'hiftoire de France" par Ducondray et Feillet können uns über die Art und Weife der Behandlung Auffchlufs geben. Im I. Jahrgange foll in wöchentlich zwei Stunden alte, befonders griechifche, römifche und mittelalterliche Gefchichte betrieben werden, ein Lehrftoff, der unmöglich in diefer kurzen Zeit bewältigt werden kann. In Emil Kleine's Recits d'hiftoire ancienne, Grecque, Romaine et de moyen age" erblicken wir ein Lehrbuch für diefe Claffe.- Für den II., III. und IV. Jahrgang ift Gefchichte Frankreichs, für den letzten auch Gefchichte der Erfindungen vorgefchrieben. Kleine's zweiter Band und Simonet's, hiftoire de France" etc. werden hiebei als Leitfaden verwendet. Beide Werke reichen blofs bis 1789, woraus wir fchliefsen dürfen, dafs man überhaupt nicht weiter zu kommen vermochte, hauptfächlich wohl darum, weil das Lehrziel des I. Jahres zu weit gefteckt ift. Ein eigenes Werk über die Gefchichte der Erfindungen lag nicht vor.- Dafs neben den Büchern auch Karten beim Unterrichte benützt werden, beweift die Beigabe folcher in Kleine's Lehrbuch. Bei dem claffifchen Secundärunterricht an den Lyceen wurde dem Gefchichtsunterricht eine wichtigere Stellung eingeräumt. Er ift in den vier oberen Claffen( Divifion fuperieure) mit je zwei Stunden bedacht und wird in zwei Abtheilungen ertheilt.- Die erfte Stufe umfafst die drei erften Jahrgänge ( Divifion élémentaire, die 9., 8. und 7. Claffe) und befchränkt fich auf ein fache Erzählungen aus der heiligen Gefchichte( in 9. und 8.) und auf die Gefchichte Frankreichs( in 7.). Mit der 6. Claffe( Sixième) beginnt der fyftematifche Gefchichtsunterricht und zwar ift für diefelbe Gefchichte des Orients, für die 5. Claffe Gefchichte des alten Griechenland, für die 4. römifche Gefchichte, für die 3. Ge fchichte Frankreichs und des Mittelalters vom V. bis XIV. Jahrhundert, für die 2. Gefchichte Frankreichs, des Mittelalters und der Neuzeit vom XIV. bis XVII. Jahrhunderte für die 1. Claffe( Rhetorique) moderne Gefchichte und Gefchichte Frankreichs vom XVII. Jahrhunderte bis 1815 vorgefchrieben. Ueberdiefs wird in der Philofophie( der deutfchen Oberprima) Gefchichte der Neuzeit von 1789 bis zur Gegenwart gelehrt, im auffallenden und kennzeichnenden Gegenfatz gegen Deutſchland, wo in der Oberprima befonders auf Wiederholung der alten Gefchichte und Herbeiziehung der Quellen Werth gelegt wird. Charakteriftifch ift auch der Umftand, dafs nur die franzöfifche Gefchichte den Vorzug befitzt, auf zwei Stufen gelehrt zu werden und dafs überhaupt der Gefchichtsunterricht im Mittelalter und der Neuzeit auf franzöfifche Gefchichte befchränkt ift und fich nicht zu einer univerfellen pragmatifchen Gefchichte erhebt. Fügen wir noch hinzu, dafs in den meiften Lehrbüchern Alles gethan ift, um der Nationaleitelkeit zu fchmeicheln, fo erklärt fich aus diefem Umftande fchon der enge Horizont, den felbft gebildetere Franzofen in der Gefchichtskenntnifs haben. Dafs aber in Folge der letzten Kataftrophe die beffere Einficht platzgreift, beweift ein Circular der Regierung vom 27. September 1872, das bei Gelegenheit des Studienplanes für die Lyceen fich über den Gefchichtsunterricht folgendermafsen äufsert:„ Le profeffeur doit avoir pour but de faire aimer fon pays; mais il ne faut pas arriver à ce but en falfifiant les faits. Outre que le premier devoir de l'hiftorien eft d'être vrai, les défillufions viendraient trop vite et ferait trop funeftes. Toutefcience donne, outre fon enfeignement fpecial, un enfeignement géneral, l'hiftoire furtout. Elle doit donner le goût de l'exactitude et de la véracité. Quand on dit dans un cours public, qu'il n'y a pas en de vaincus à Waterloo, on fattire des applaudiffements; mais il vaut mieux dire, que la France a été vaincus à Waterloo et en chercher caufe. Si même nous avons mérité d'être vaincue il faut l'avouer. La fcience est autre chofe, que la poefie, l'hiftoire est tout autre chofe qu'un roman; le patriotisme eft un fentiment ferieux et facré, qui ne doit pas être fuscité et entretenu par le menfonge. Les profeffeurs 2* 20 Dr. Emanuel Hannak. d'hiftoire font au fond des profeffeurs de morale et de philofophie". Ob in Folge der richtigen Erkenntnifs der regierenden Kreiſe ſchon ein Fortfchritt in der angegebenen Richtung eingetreten ift, erfcheint uns mehr als zweifelhaft, weil die Allen längft gewohnten Wege nicht fo leicht und nicht fo bald und am allerwenigften von Allen verlaffen werden. " - " Zahlreich find die Lehrbücher, die für diefen Lehrgang der Gefchichte gefchrieben wurden. Für die heilige Gefchichte lag auf Drioux ,, hiftoire sainte" und hiftoire de l'églife". Duruy, hiftoire fainte", Guadet" hiftoire fainte chronologique"; für die Gefchichte des Orients: Emil Kleine„ hiftoire de l'Orient", Drioux, hiftoire de l'Orient" und desfelben Verfaffers ,, Precis de l'hiftoire ancienne", Victor Duruy" Abrégé d'hiftoire ancienne", Guillemin ,, hiftoire ancienne de l'Orient", Ed. Anfart et J. Rendu, hiftoire de l'Orient" und A. Dauban hiftoire de l'Orient", unter welchen namentlich Guillemin und Kleine die neueften Forfchungen auf dem Gebiete der egyptifchen und mefopotamifchen Gefchichte verwerthen, Duruy befonders die jüdifche Gefchichte betont; für griechifche Gefchichte Anfart et Rendu hiftoire Grecque"; Duban, Drioux, hiftoire de la Grece", Duruy ,, hiftoire Grecque"; E. Kleine„ hiftoire ancienne de la Grece"; für römifche Gefchichte Ed. Anfart& A. Rendu, Dauban, Drioux( ,, hiftoire Romaine" und" Precis de l'hiftoire Romaine") und Duruy,- für franzöfifche Gefchichte im Mittelalter Anfart und Rendu, Chevallier, Dauban, Drioux, Duruy,- für franzöfifche Gefchichte in der Neuzeit( 1453 bis 1815) Anfart& Rendu, Briffaud, Dauban, Drioux, Duruy,- für neuefte Zeit hiftoire contemporaine"( 1759 bis zur Gegenwart) Briffand& Marechal. In einigen der angeführten Lehrbücher wie z. B. Dauban, Drioux find Quellen und Hilfsfchriften angeführt, einzelnen wie Duruy find Abbildungen, den meiften aber hiftorifche Karten beigegeben. Die Cultur findet im Allgemeinen die gebührende Berücksichtigung, namentlich gilt diefs von der franzöfifchen Literatur. - Neben den Karten, die den Lehrbüchern angefügt erfcheinen, find auch hiftorifch geographifche Atlanten als Hilfsmittel beim Gefchichtsunterrichte in Gebrauch. Für allgemeine und franzöfifche Gefchichte find die Atlanten von Levaffeur Levaffeur& Perigot, von & Perigot, von Cortembert, von Drioux & Lacroix, und H. Chevalier bemerkenswerth. Ein befonderer Atlas der Gefchichte des XVII. und XVIII. Jahrhunderts von Guftav Hubault ift beftimmt, die Kriege der Republik und des Kaiferthums zu erläutern. Auch für die Kirchengefchichte exiftirt ein nach deutfchem Mufter gearbeiteter„ Atlas geographique pour l'hiftoire de l'églife catholique de Rohrbacher par Dufour." Im Allgemeinen reichen die Kartenwerke der Franzofen trotz mancher fchönen Leiftung( namentlich gilt diefs von Cortembert und Dufour's Atlas) keineswegs an die beften deutfchen an. Schul- Wandkarten fcheinen bei der Gefchichte weniggebraucht zu werden. Wenigftens war aufser einer Wandkarte Paläftinas von Michelot keine andere gefchichtliche Wandkarte zu entdecken. Gering mag auch der Gebrauch von Zeittafeln und Gefchichtstabellen fein, die als Hilfsmittel zum befferen Einprägen der chronologifchen Daten fich befonders eignen. Doch fehlen fie nicht vollſtändig. Eine, Chronologie universelle von Ch. Dreyfs behandelt befonders ausführlich das Alterthum und die Neuzeit, für allgemeine Gefchichte find Zeittafeln von Royé ausgeftellt. Hierher gehört auch das Werk von Clouet, Simples réponses aux queftions officielles d'hiftoire et de geographie" denen fich Notes mnemoniques anfchiefsen. Umfo zahlreicher find die Dictionnaire d'hiftoire et de Geographie, eine Literatur, die in Deutfchland keinerlei Pflege findet, hier aber befonders florirt, weil man mit Beihilfe eines Dictionaire d'hiftorie ohne grofse Mühe als in diefer Disciplin wohl unterrichtet erfcheinen kann. Es fei nur der Dictionnaires von M. N. Bouillet, dem ein Atlas angefügt ift, von Gregoire, das auch die Mythologie betont, von Dezobry und Bachelet, das auch die Antiquitäten, die Der Unterricht in der Gefchichte. 21 Kunft und Literatur, Politik und Philofophie in feinen Bereich zieht, und von Privat Defchantel et Focillon gedacht. Auf Lectüre der Quellen fcheint kein befonderes Gewicht gelegt zu werden. Selten erfcheinen die Quellen in einem Lehrbuche angeführt. Es iſt gewifs nicht Zufall, dafs diefs in Emile Belots hiftorie des Chevaliers Romains der Fall ift, denn gerade die römifche Gefchichte erfreut fich in Frankreich befonderer Berücksichtigung. Schon im Lehrplane ift diefs erfichtlich, denn während die alte Gefchichte des Orientes und Griechenlands( in der fechften und fünften Claffe) nur täglich mit fünfzehn Minuten bedacht erfcheint, find der römifchen Gefchichte( in der vierten Claffe) wöchentlich zwei Stunden zugewiefen. Und wir brauchten blofs die franzöfifche Gallerie in der Kunfthalle durchzufchreiten, um zu derfelben Ueberzeugung zu gelangen. Unter den nicht zu zahlreichen hiftorifchen Bildern fielen jedem Beobachter Géromes Gladiatoren oder Ullmann's Sulla und Marius auf. Die Erklärung für diefe Vorliebe der Franzofen zur römifchen Gefchichte ift unfchwer zu finden. Sie datirt aus der Zeit Ludwigs XIV., in der man die römifche Gefchichte und Literatur der Kaiferzeit mit Eifer pflegte, weil in Frankreich analoge Verhältniffe beftanden. Montesquieu's Werke wiefen wieder auf die römifche Gefchichte hin und die republikanifchen Beftrebungen am Ende des vorigen Jahrhundertes fanden in der Gefchichte der römifchen Republik Nahrung, bis das Empire wieder Cäfar und die Kaiferzeit zu Ehren brachte. Zum Schluffe fei eines Hilfsbuches noch gedacht. In Raffy's lectures d'Hiftorie erblicken wir eine fyftematifche Sammlung von gefchichtlichen Lefeftücken über orientalifche, griechifche, römifche und franzöfifche Gefchichte, die theils Quellenwerken theils den beften franzöfifchen Hiftorikern entlehnt find. Es bietet diefes Werk Aehnliches, was Pütz's Charakteriſtiken aus der Weltgefchichte oder Schöppner's Gefchichtsbilder. Italien. Nur mit grofser Mühe war es möglich aus den maffenhaft aufgehäuften Büchern, Schriften, Bilderwerken und Zeichnungen das für den vorliegenden Zweck Geeignete hervorzufuchen, zumal fich weder eine Perfon, noch ein Katalog als Führer in der ungeordneten Fülle des Gebotenen vorfand. Doch im Allgemeinen war erfichtlich, dafs fich die erlangte Einheit der Apenninen- Halbinsel in dem Gefchichtsunterrichte ihrer Schulen abfpiegelt. Vorrherrfchend wird italienifche Gefchichte, zu welcher auch die alte römifche Gefchichte gezählt wird, gelehrt. In den Volksfchulen wird ausfchliefslich vaterländifche Gefchichte getrieben, zu welcher die biblifche Gefchichte die Vorftufe bildet. Neben einer Piccola ftoria d'Italia, die in kurzer Ueberficht zufammenhängend die Gefchichte erzählt, ift auch die biographifche Methode vertreten. So enthält das für die Alumnen der fcuole elementari e fuperiori da Paolo di Paoli„ Il fanciuletto" beftimmte biographifche Erzählungen aus der römifchen und italifchen Gefchichte, die von Cec. Macchi edirten„ Racconti ftorici del medio Evo" Biographien hervorragender Perfönlichkeiten. Ebenfo die ,, Cento biografie di fanciulli illustri Italiani con brevi cenni sulla storia d'Italia" von 1000 bis 1867 p. Chr. von G. M. Bourelly, welchem Werkchen auch Abbildungen beigegeben find. Doch ift neben Italiens Gefchichte die des königlichen Haufes nicht vergeffen. Ein für die dritte und vierte Elementarclaffe beftimmtes Lefebuch enthält kurze Biographien der bedeutendften Regenten aus dem favoifchen Königshaufe ,, Storia della reale Cafa di Savoia" von Profeffor T. Gallo. Wir dürften nicht irren, wenn wir annehmen, dafs diefes Lehrbuch hauptfächlich in der Provinz Sardinien im Gebrauche ift. Auch ein Hilfsmittel fei erwähnt, das zunächft für Volksfchulen beftimmt ift, um durch Anfchauung das Erlernen der einheimifchen Gefchichte zu unter 22 Dr. Emanuel Hannak. ftützen. Es führt den Titel„ L'Italia illustrata ossia spiegazione della nuova carta storiografica del Regno ad uso delle scuole populari, von Mongi. Wie in der Volksfchule, fo wird auch an den Lehrer- Bildungsanft alten vorherrfchend italifche Gefchichte betrieben. Die Werke, die als für die Scuole normali e magistrali beftimmt bezeichnet erfcheinen, behandeln nur vaterländifche Gefchichte. Es find das Vago Giuſeppe Storia d'Italia in 3 Theilen und Montefridini Storia d'Italia del medio evo e moderna. Auch in den Mittelfchulen, fowohl Gymnafien als Realfchulen, wird grofses Gewicht auf die einheimifche Gefchichte gelegt. Neben dem fchon erwähnten Lehrbuche von Vago fteht eine„ Storia d'Italia ad uso delle scuole claffiche tecniche e magistrale per Seb. Turbiglio, in 2 Theilen in Gebrauch. Doch wird daneben auch die römifche Gefchichte befonders betont. In dem Lehrplan eines neapolitanifchen Gymnafiums erfcheint in der erften Claffe italifche Gefchichte ( von Vago), in der zweiten Claffe Lang's Storia Romana, in der dritten und vierten Claffe keine Gefchichte, in der fünften Claffe wieder Lang's Storia Romana und Lang's Storia del medio evo vorgefchrieben. Ob die angeführten Werke Ueberfetzungen aus dem deutfchen find, war aus dem Titel nicht zu erfehen. Bezeichnend ift es jedenfalls, dafs neben diefer Storia del medio evo in der allgemeinen Gefchichte nur eine Ueberfetzung des bei uns gangbaren Lehrbuches von Dr. W. Pütz ausgeftellt war. Es ift daraus erfichtlich, dafs deutfcher Einflufs namentlich in Folge der durch Oefterreich eingeführten deutfchen Organiſation der lombardo- venetifchen Schulen fich noch jetzt in Italien bemerkbar macht. An Hilfsmitteln zum Gefchichtsunterrichte war die Ausftellung Italiens arm. Wir könnten hieher allenfalls die Monumenti della Sicilia" von Cavallari und„ Gli Scavi di Pompei" von G. Fiorelli rechnen, wenn fie als Prachtwerke nicht einen weit über den Gefichtskreis der Mittelfchule reichenden Werth hätten. Doch aus dem Umftande, dafs H. Kiepert fich veranlafst fah, eine italienifche Aus gabe des Atlas antiquus zu veranſtalten, dürfen wir fchliefsen, dafs auch in hiftorifchen Kartenwerken die italifchen Schulen Deutſchlands muftergiltige Producte verwerthen. Niederlande. Ueber Gefchichtsunterricht in den Elementar- und Mittelfchulen ( letztere entſprechen unferen Bürger- und Realfchulen) diefes Landes find wir durch den, im Auftrage des Minifters des Innern ausgearbeiteten Bericht genauer informirt, dagegen fehlt es an einer ähnlichen Schrift über die Gymnafien, refp. die gelehrten Schulen. Einiges hierüber läfst fich aus den von dem Buchhändler J. B. Wolters ausgeftellten Büchern erfehen. In den Elementarfchulen find feit 1858 die Anfangsgründe der Gefchichte" vorgefchrieben; doch hebt der Bericht hervor, dafs der Unterricht in diefer Disciplin noch immer daran leidet, dafs die Lehrer zumeift in diefem Gegenftande nicht hinlänglich vorgebildet find und darum nicht die Gabe befitzen, das der Jugend Angemeffene auszuwählen und es in der ihr entsprechenden Form zu bieten. Dafs indefs die Methode fich fchon gebeffert hat, die Gefchichte in Verbindung mit Geographie mit Nutzen gelernt wird, dürfen wir mit Beſtimmtheit annehmen. Von Büchern, die für die Volksfchulen beftimmt find, begegneten wir in der genannten Buchhandlung Nuiver en Reinders, Nieuwe geschiedenis 2. Auflage und Nuiver en Reinders Vaderlandfche geschiedenis 2. Auflage; woraus fchon erfichtlich ift, dafs in der unterften Stufe hauptfächlich auf die Gefchichte der Neuzeit und auf vaterländifche Gefchichte Werth gelegt wird. Die Methode ift vcrherrfchend biographifch. Ebenfo in Lennep's Gefchiedenis des Vaderlands, Leyden 1865, die überdiefs mit Bildern verziert ift. In den Anftalten zur Heranbildung der Volks- Schullehrer, die im Jahre 1860 neu organifirt wurden, namentlich in den vom Staate gegründeten Der Unterricht in der Gefchichte. 23 Schullehrer- Seminarien( zu Herzogenbufch, Gröningen, Harlem), und den mit Staatsfubfidien bedachten Schullehrerinen- Seminarien( Arnheim, Rotterdam, Amfterdam, Maftricht) mufs in der Gefchichte Unterricht ertheilt werden, da die Volksfchulen von den Lehrern und den Lehrerinen Kenntnifs der Gefchichte fordern. In welcher Weife diefer Unterricht ertheilt wird und welche Lehrbücher üblich find, ift aus den gebotenen Daten nicht erfichtlich. Der„ mittlere Unterricht" umfafst in den Niederlanden verfchiedene Schulen. Neben unferen Bürgerfchulen( Handwerker- Schulen) und Realfchulen ( höhere Bürgerfchulen) werden auch Fachschulen( polytechnifche, Landbau-, Handels- und dergl. Schulen) dahin gerechnet. Die Gefchichte wird nur in den eigentlichen Mittel-( Handwerker und höheren Bürgerfchulen), nicht aber in den Fachſchulen gelehrt. Und zwar erftreckt fich diefer Unterricht in den niederen Bürgerfchulen auf eine Ueberficht über die niederländifche Gefchichte und Kenntnifs einiger Hauptbegebenheiten der allgemeinen Gefchichte, in den höheren Bürgerfchulen aber, wo ihm in jeder der drei( bis fünf) Claffen 3 Stunden zugewiefen erfcheinen, auf die allgemeine mit befonderer Betonung der neuen Gefchichte. Es wird nämlich einige Kenntnifs der alten Gefchichte und des Mittelalters und eine umfaffendere der neuen Gefchichte verlangt. Ueberdiefs haben, der Charakter der Hauptabfchnitte und das Eigenthümliche des Zuftandes der verfchiedenen Völker in jeder Periode in den Vordergrund zu treten". Unter den Unterrichtsmitteln werden hiftorifche Wand- und Handkarten erwähnt, von denen leider keine in der Ausftellung fichtbar waren. Auch kein befonderes Lehrbuch für diefe Unterrichtsftufe war ausgeftellt, es fei denn, dafs eines der vielen Werke von Dr. A. Wijnne diefem Zwecke diene. Der Gefchichtsunterricht an Gymnafien wird allem Anfcheine nach auf zwei Stufen und mit befonderer Berücksichtigung der vaterländifchen Gefchichte ertheilt. Es ift diefs aus den Lehrbüchern des Gymnafialrectors von. Gröningen, Dr. J. A. Wijnne, erfichtlich. Für die Unterftufe dient die„ Overzigt der algemeene Gefchiedenis", 7. Auflage, und die„ Beknopte Gefchiedenis van het Vaderland". Beide find kurz gefafste Lehrbücher nach Art des kleinen Leitfadens von Dr. W. Pütz. Für die Oberftufe fchrieb Dr. A. Wijnne: Algemeene Gefchiedenis in drei Theilen und eine Gefchiedenis van het Vaterland. Es tritt in der Anlage diefer gröfseren Lehrbücher kein beachtenswerthes Moment zu Tage. Der Verfaffer citirt weder Quellen noch Hilfsfchriften und befchränkt fich mit Uebergehung der Cultur meift auf die Politik, fo dafs fein Werk hinter den befferen deutfchen Lehrbüchern für die höheren Claffen der Mittelfchulen zurückſteht und nur den fchlechteren, etwa dem gröfseren Welter, coordinirt werden kann. Von anderweitigen Hilfsmitteln für den gefchichtlichen Unterricht erwähnen wir zunäch ft den Schoolatlas van Nederland von R. R. Rijkens, der zur Erläuterung niederländifcher Gefchichte mit Nutzen zu brauchen ift. Als Handbücher, die als Privatlectüre von der Jugend zur Förderung bei dem Studium der Gefchichte benützt werden können, find hervorzuheben: Mr. A. W. Engelen Algemeene Gefchiedenis der wereld, 4 diele, und hiezu von demfelben Verfaffer Zeittafeln, Tijdr. tafelen der algemeenen Gefchiedenis; Dr. van den Es: Grieckfche antiquieteiten und Dr. J. G. Schlimmer: Romeinfche antiquieteiten; populäre Darftellungen der griechifchen und römifchen Alterthümer ohne Quellenangaben zur Orientirung in der Cultur der claffifchen Völker bei der Gefchichte und Philofophie. Befonders heimelte uns aber die Ueberfetzung eines Buches an, das bei uns weite Verbreitung erlangt hat. Es ift diefs H. W. Stoll Grieckfche en Romeinfche Godsdienftleer en mythologie. Zum Schluffe möge eines Prachtwerkes gedacht werden, das in mancher Beziehung ein Hilfsmittel für den Gefchichtsunterricht abgeben kann. Es ift diefs eine Sammlung von Stahlftichen nach Gemälden bedeutender Meifter, betitelt: Nederlands Gefchiedenis en Volksleven, herausgegeben von der Maatſchappnis arti et amicitiae te Amfterdam. 24 Dr Emanuel Hannak. Oefterreichiſch- ungarifche Monarchie. Oefterreich. Der Gefchichtsunterricht nahm in Oefterreich fchon durch die Verfassungs änderung im Jahre 1861, namentlich aber durch die im Gefolge der December verfaffung vom Jahre 1867 erfchienene neue Volksfchul- Gefetzgebung vom 14. Mai 1869 einen gewaltigen Auffchwung. Vorher war er von den Volks- und Bürgerfchulen und den Lehrerbildungsanftalten faft ganz ausgefchloffen, und an den Mittelfchulen, wo er aufgenommen war, wurde er ungern gelitten oder dazu beftimmt, den Zwecken der Reaction zu dienen. Seitdem aber nach dem Sturze Hohenwart's das conftitutionelle Leben fich feftigte und die Schule von dem Einfluffe der Kirche emancipirt wurde, gewann der Gefchichtsunterricht eine erhöhte Bedeutung und zeigte fich auf diefem Gebiete ein erfreulicher Fortfchritt. Ehe zur Befprechung der Methode und Hilfsmittel für diefen Zweig des Unterrichtes gefchritten wird, möge noch der Ungleichmäfsigkeit der Schulverhälniffe in dem vielfprachigen Oefterreich gedacht werden, in welchem fich aber trotz allem Ungleichartigen etwas Gemeinfames, nämlich der prädominirende Einflufs des deutfchen Bildungswefens nachweifen läfst. Volks- und Bürgerfchulen. Durch die neuen Volksfchulgefetze ift in den Volks- und Bürgerfchulen die Gefchichte im Allgemeinen, aber insbefondere die des Vaterlandes in den Lehrplan aufgenommen, ja für die Bürgerschulen wurde mit Erlafs vom 20.Auguft 1870 ein fyftematifcher Lehrgang fvorgefchrieben. In dem 1. Jahre find die wichtigften Culturerfcheinungen des Alterthums, in dem 2. Gefchiche des Mittelalters mit befonderer Berücksichtigung der vaterländifchen Gefchichte und im 3. Gefchichte der Neuzeit befonders der öfterreichifch- ungarifchen Monarchie zu behandeln. Die Art und Weife der Behandlung ift aber eine verfchiedene. Zum Theile wird kein befonderes Lehrbuch für diefen Gegenftand gebraucht und das Wiffenswürdigfte aus der Gefchichte im Anfchluffe an die Lefebücher gelehrt. Es mufs conftatirt werden, dafs nicht blofs die in der letzten Zeit erfchienenen Lehrbücher von Mair, Niedergefäfs, Binftorfer, Deinhardt und Jeffen, Jacobi und Mehl die Hiftorie reichlich bedachten, fondern dafs auch der k. k. Schulbücherverlag in feinen Lehrbüchern dem neuen Bedürfniffe Rechnung trug und namentlich in das 4. Lehrbuch in Gefchichtsbildern eine faft vollſtändige Gefchichte Oefterreichs aufnahm. Doch find in der letzten Zeit auch befondere Lehrbücher der allge meinen und öfterreichifchen Gefchichte entftanden. Solcher Art find der Leitfaden zur Gefchichte der Culturvölker des Alterthums von J. Ziegl Wien 1868, desfelben Verfaffers Leitfaden zur Gefchichte der älteften Völker Europas Wien 1869 und Leitfaden für öfterreichifche Gefchichte Wien 1870; dann der Leitfaden bei dem erften Unterrichte in der Weltgefchichte von Dr. E. Netoliczka, Wien 1872 und desfelben Verfaffers Gefchichte der öfterreichiſch- ungarifchen Monarchie in 2. Auflage, Wien 1873,- Grundrifs der Weltgefchichte von K. Schubert 2. Auflage, Wien 1871,- Biographifche Bilder aus der Weltgefchichte von M. Stein, Wien 1873, Gefchichte Oefterreich- Ungarns von C. Markus und das( wie Schubert) zunächft für Bürgerfchulen berechnete Werk von W. Ernft, Lehrbuch der Weltgefchichte von dem bisher der 1. Band, der das Alterthum umfafst, erfchienen ift. Neben den genannten öfterreichifchen Werken ſtehen auch die für Mittelfchulen. beſtimmten Lehrbücher von Gindely und Hannak, fowie Deutfchland erfchienene Leitfäden zum Beiſpiel Welter, Spiefs& Berlet namentlich an Bürgerfchulen in Gebrauch. in - Der Unterricht in der Gefchichte. 25 In den nicht deutfchen Ländern fcheint die Gefchichte an der Volksund Bürgerfchule fich noch wenig eingebürgert zu haben. Wenigften find weder im Polnifchen, noch Ruthenifchen, weder im Rumänifchen noch im Slovenifchen Lehrbücher für diefen Zweig des Unterrichtes erfchienen. Nur in den italienifchen und in den čechifchen Volks- und Bürgerfchulen erfcheinen felbftftändige Lehrbücher für Gefchichte. Im Italienifchen ift nur die vom Schulbücher Verlage veranstaltete Ueberfetzung Welters, Compendio della ftoria univerfale, als Lehrbuch hervorzuheben, dagegen haben die Čechen fchon früher daran gedacht, ihre Jugend mit der Nationalgefchichte vertraut zu machen und erfreuen fich ihre Werke, wie die vielen Auflagen bezeichnen, weiter Verbreitung, find auch wahrfcheinlich ein gutes Mittel zur nationalen Agitation. Derartige Werke find von P. P. Neumann,„ Gedrängte Gefchichte für die Jugend und für Erzieher" fchon in 9. Auflage. 1872; Poklop J. V.,„ Gefchichte für die čechoflavifche Jugend", dritte Auflage; Nikolau,„ Böhmifche Gefchichte in Bildern", 1873, zweite Auflage illuftrirt; Hornof ,,, Gedrängte Gefchichte Böhmens für die Schuljugend", vierte Auflage und Kučera F. J. ,,, Gedrängte Geographie und Gefchichte Mährens". Es ift, wie an den Titeln erfichtlich, nicht fo fehr allgemeine oder öfterreichifche, als vielmehr böhmifche Gefchichte, welche man in der Volksfchule berücksichtigt. " Neben den Lehrbüchern werden auch anderweitige Hilfsmittel benützt. Von folchen find an deutfchen Schulen die Tabellen zum Unterrichte in der Weltgefchichte von J. K. Markus und desfelben Verfaffers Gefchichtsnotizen für öfterreichifche Volksfchulen" im Gebrauch. Erftere find chronologifche Wandtafeln, letztere ein nach Art der Gefchichtstabellen abgefafstes Compendium der öfterreichifchen, mit theilweifer Berücksichtigung der allgemeinen Gefchichte. Hiftorifche Atlanten werden im Allgemeinen noch wenig gebraucht und wenn diefs der Fall ift, fo werden die in Deutſchland erfchienenen Schul- und Wandkartenwerke benützt. Auch Bild werke find mit Erfolg zur Belebung und Förderung des Unterrichtes in der Gefchichte in Anwendung. Viele der Lefebücher und Lehrbücher enthalten Abbildungen hiftorifcher Perfönlichkeiten, charakteriftifche Bauten, Geräthfchaften u. dergl. der Culturvölker. Auch ein felbftftändiges Werk ift hervorzuheben, das in diefer Richtung den Volks- und Bürgerfchulen von dem Minifterium ( mit Erlafs vom 3. Mai 1870) empfohlen wurde. Es find diefs die in der Anftalt von A. Hartinger unter Leitung des Hofrathes M. A. Becker durch tüchtige Künftler ausgeführten Bilder aus der Gefchichte, die fich dazu eignen, die Schulwände zu zieren und zugleich den Schülern gewiffe hiftorifche Begebenheiten und Perfönlichkeiten frifch im Gedächtniffe zu erhalten. Lehrer- Bildungsanftalten. Dafs diefe in der Reactionsperiode ebenfo wenig Antheil am Gefchichtsunterrichte hatten als die Volksfchulen, wurde fchon früher hervorgehoben. Erft durch das Gefetz vom 14. Mai 1869 ift unter die Disciplinen der Lehrer- und Lehrerinen- Bildungsanftalten die Gefchichte und vaterländifche Verfaffungslehre aufgenommen, und zwar( nach Minifterialverordnung vom 19. Juli 1870, Zahl 7033) für die erfte Claffe Gefchichte von Oefterreich mit Rückficht auf die gleichzeitigen welthiftorifchen Ereigniffe; für die zweite Claffe Allgemeine Gefchichte von der älteften Zeit bis auf das XVI. Jahrhundert; für die dritte Claffe allgemeine Gefchichte vom XVI. Jahrhundert bis auf die Gegenwart und für die vierte Claffe überfichtliche Kenntnis der Verfaffung und der Staatseinrichtungen der öfterreichifch- ungarifchen Monarchie, Wiederholung des ganzen Unterrichtsftoffes und Methodik. Bisher find noch keine befonderen Lehrbücher der Gefchichte für diefe Anftalten in Oefterreich gefchrieben und ftehen meift die für die Mittelfchulen approbirten im Gebrauch. Auch die übrigen Hilfsmittel beim gefchichtlichen Unterrichte find diefelben wie an Bürger- oder an Mittelfchulen. 26 Dr. Emanuel Hannak. Mittelfchulen. Gymnafien. Der Gefchichtsunterricht an diefen Anftalten war bisher mancherlei Wandlungen unterworfen, nicht fo fehr in der Art der Behandlung, als vielmehr in feinen Beziehungen zur Geographie. Urfprünglich wurde die Geographie der Gefchichte untergeordnet; aber fchon im Jahre 1857 machte fich eine realiftifche Strömung geltend, welche gegen die Beeinträchtigung der Geographie durch die Gefchichte und für die Emancipation der Geographie eintrat. Im Jahre 1870 fand diefe Strömung in der zur Revifion des Organifationsentwurfes zufammenberufenen Enquête Ausdruck, indem diefe befchlofs, den Unterricht in der Gefchichte bis zur Gegenwart fortzuführen und der Geographie einen befonderen Lehrplan zuzuweifen. Mit Berücksichtigung diefer Befchlüffe erliefs das Minifterium am 12. Auguft 1871, Z. 8568, eine Verordnung, durch die der Gefchichtsunterricht definitiv geregelt wurde. Nach derfelben ift im UnterGymnafien der 2. Claffe in 2 Stunden die Gefchichte des Alterthums, der 3. Claffe in 1 Stunde eine Ueberficht des Mittelalters und in dem 1. Semefter der 4. Claffe in wöchentlich 4 Stunden eine Ueberficht der Gefchichte der Neuzeit mit befonderer Rückficht auf öfterreichifche Gefchichte vorgefchrieben. Im 2. Semeſter wird keine Gefchichte gelehrt. Im Ober- Gymnafium ift in der 5. Claffe ( 4 Stunden wöchentlich) die Gefchichte des Alterthums bis auf Auguftus, in der 6. Claffe( 3 Stunden wöchentlich), die Zeit von Auguftus bis zum Schluffe des Mittelalters, in der 7. Claffe( 3 Stunden wöchentlich) die Neuzeit und im 1. Semefter der 8. Claffe die Gefchichte der öfterreichiſch- ungarifchen Monarchie durchzunehmen, während das zweite Semefter diefer Claffe keinen Gefchichtsunterricht hat. Gegenüber dem früheren Lehrplan find die Befchränkungen des Mittelalters im Unter- Gymnafien auf eine Stunde, des für das Gymnafium fo wichtigen Alterthums auf eine Claffe, und die Aufnahme der ganzen öfterreichiſchen Geſchichte in ein Halbjahr, Mafsregeln, deren Durchführbarkeit erft die Praxis darthun mufs. Bezüglich der Lehrbücher hielt fich Oefterreich zunächft an Deutfchland. Die Werke von Pütz und Welter waren durch lange Zeit die in den deutfchen Schulen zunächft verwendeten. Erft in den Jahren 1865( Minifterialerlafs vom 18. Auguft) und 1866( Minifterialerlafs vom 5. Juli) wurde ein in Oefterreich erfchienenes Lehrbuch der Gefchichte, das von Dr. Anton Gindely, approbirt. Es ift in zwei Stufen( für Unter- und Obergymnafien) abgetheilt und unterfcheidet fich von den in Deutfchland erfchienenen Lehrbüchern, an die es in feiner ganzen Anlage erinnert, durch eine gröfsere Berücksichtigung Oefterreichs und durch das Hinzufügen von Abbildungen, welche die Religion, die bildenden Künfte, die Kleidung, das Kriegswefen und dergl. der wichtigften Culturvölker zu erläutern beftimmt find. Aufser diefem Lehrbuche für allgemeine Gefchichte ift nur noch ein derartiges Werk in deutfcher Sprache erfchienen. Es ift das von Dr. E. Hannak gearbeitete, das in 3 Bänden, Alterthum, Mittelalter und Neuzeit mit Rückficht auf den Lehrplan von 1871 behandelt und zunächft für den Gebrauch des Untergymnafiums und der Unterrealfchule berechnet ift. Hannak betont die Cultur im Mittelalter und Neuzeit ftärker, als diefs Gindely thut, hat wie diefer Abbil dungen, nicht aber am Schluffe des Buches, fondern in den Text aufgenommen, befchränkt fich aber in denfelben faft ausfchliefslich auf die Werke der Baukunft. Die zwei erften Bände erhielten die behördliche Genehmigung, Alterthum, ( 3. October 1870, Zahl 9836), Mittelalter( 30. September 1872, Zahl 11.523); der dritte harrt ihr entgegen. Auch für öfterreichifche Gefchichte find nur zwei Lehrbücher in deutfcher Sprache behördlich approbirt. Es ift diefs die öfterreichische Gefchichte von Neuhaufer( zunächft für Realfchulen mit Erlafs vom 19. September 1865, Zahl 9788) approbirt, in neuer Auflage von G. Herr herausgegeben, und die öfterreichifche Vaterlands- Kunde von Dr. E. Hannak, die in ihrem erften Theile auch öfterreichifche Gefchichte bis zum Jahre 1526 behandelt. Der Unterricht in der Gefchichte. 27 Um fo reicher ift in Oefterreich die čechifche Literatur an Lehrbüchern für den Gefchichtsunterricht. Schon im Jahre 1851 erfchien eine öfterreichifche Gefchichte von W. W. Tomek, die von Dr. Kraus ins Deutfche überfetzt wurde, und auch die behördliche Approbation erhielt. Der Schulbücherverlag veran lafste dann die Abfaffung einer Gefchichte fürs Obergymnafium durch Lanyi Carl, die bis zum Mittelalter gedieh. Aufserdem fchrieb Ninger Carl eine allgemeine Gefchichte für Untergymnafien, die in der 2. Auflage erfcheint, und Johann Le pař eine folche für Obergymnafien. Auch erfcheint eine čechifche Ueberfetzung von Dr. Gindely's Lehrbuch für Untergymnafien. Die übrigen flavifchen Stämme können mit der czechifchen Production hiftorifcher Lehrbücher nicht concurriren. Die Polen können nur Ueberfetzungen deutfcher Werke( W. Pütz, überfetzt von Jerzykowski, Niedzielski, Golembowski und Tatomir, Welter von Sawczynski, Hannak's Vaterlandskunde von Sternal) und ein einziges Lehrbuch der polnifchen Gefchichte von Schmidt aufweifen; die Ruthenen befitzen gleichfalls eine Ueberfetzung von W. Pütz, bearbeitet von Ilnicki und aufser diefer, was befonders betont werden mufs, ,, Erzählungen über Rufsland und die Rufsinen"( Wisty pro zemlu rusku i Ruffiniw) als Hilfsbuch zur Landesgefchichte. Nur die Slovenen ftreben den Czechen nach. Sie befitzen eine allgemeine Gefchichte von Vertovec und Verne, die an der Lehrer- Bildungsanftalt in Görz gebraucht wird, und eine Weltgefchichte für die unteren Claffen der Mittelfchulen von Jesenko. Ueberdiefs eine populäre Gefchichte des flovenifchen Volkes von Terdina. An den italienifchen Mittelfchulen wurde anfangs nach Ueberfetzung franzöfifcher Werke, namentlich der Gefchichte von Lamé Fleury, die Gefchichte gelehrt; aber bald machte fich deutfcher Einflufs geltend. Gegenwärtig find die Ueberfetzungen von Welter, die verfchiedenen Bearbeitungen von W. Pütz( durch Maffei, Mafchka, Pullich) faft allgemein in Gebrauch. Als Hilfsbücher werden von Italienern felbftftändig verfafste Werke, wie T. d'Angeli's alte und Univerfalgefchichte, Schiaparelli's orientalifche und griechifche Gefchichte, Bertolini's römifche Gefchichte benützt. - Realfchule. Bis zum Jahre 1869 war der Gefchichtsunterricht in den Realfchulen fehr vernachläfsigt. Für die Unterrealfchule war gar kein Gefchichtsunterricht vorgefchrieben, fondern es follten gelegentlich nur Erzählungen biographifchen Inhaltes in den geographifchen Unterricht verwoben werden. An der Oberrealfchule wurde in der 1.( 4) Claffe Alterthum bis 800 p. Chr., in der 2.( 5. Claffe) Mittelalter und Neuzeit bis 1815, in der 3.( 6. Claffe) öfterreichifche Gefchichte gelehrt. Selbft als die Realfchul Ordnung im Jahre 1867 revidirt wurde( 1867 31. Auguft), blieb der Stoff ungeändert, wiewohl in der Vertheilung der Stunden eine Verbefferung Platz griff. Erft das Jahr 1869 brachte diefen Unterrichtszweig auch in der Realfchule zu Ehren. Nach den verfchiedenen Landesgefetzen von den Jahren 1869 und 1870 find für Gefchichte in der Unterrealfchule je 2, in der Oberrealfchule je 3 Stunden beftimmt, und zwar für die 2. Claffe Alterthum, für die 3. Claffe Mittelalter, für die 4. Claffe Neuzeit, Mittelalter und Neuzeit mit Hervorhebung der öfterreichifchen Gefchichte; für die 5. Claffe pragmatifche Gefchichte des Alterthums, für die 6. Claffe Gefchichte des Mittelalters und der Neuzeit bis zum XVII. Jahrhundert; für die 7. Claffe ausführliche Behandlung des XVIII. und XIX. Jahrhunderts und Verfaffungslehre. Von Lehrbüchern werden zumeift die an den Gymnafien üblichen gebraucht. Doch find noch fpeciell für Realfchulen approbirt: L Schmued's Leitfaden zum gefchichtlichen Unterricht an den Unterrealfchulen( 1. Band Minifterialerlafs vom 30. Jänner 1864, 2. Band Minifterialerlafs vom II. Auguft 1868) und Dr. A. Gindely's Lehrbuch der Gefchichte für Realfchulen( 1. Band Minifterialerlafs vom 12. October 1859 und 2. Band Minifterialerlafs vom 17. Juli 1860). 30 Dr. Emanuel Hannak. Für die erfte Stufe dienen die Lehrbücher ungarifcher Gefchichte von Finkei, Horwáth, Környai, Ladányi, Száfs u. A., doch zeigt Ladányi's Weltgefchichte für Untergymnafien und Füfsy's Ueberfetzung der Welter'fchen Weltgefchichte, dafs nicht überall auf der Unterftufe nur ungarifche Gefchichte gelehrt wird, fondern der frühere Brauch noch hie und da herrfchend ift. Da in Obergymnafien in gleicher Weife, wie in den Lyceen allgemeine Gefchichte gelehrt wird, fo läfst fich aus den blofsen Titeln der Werke nicht erfehen, welche Lehrbücher für diefe oder für jene Stufe beftimmt find. J. Hunfalvy, Ladányi, Somofi, Vincze haben jeder in drei Theilen allgemeine Gefchichte des Alterthums, Mittelalters und der Neuzeit herausgegeben, überdiefs ift das in Oefterreich weit verbreitete Lehrbuch der Geographie und Gefchichte von W. Pütz ins Ungarifche überfetzt und mehrere Verfaffer, wie Szilagyi und Kifs haben das Alterthum, andere wie Ribáry das Alterthum und Mittelalter behandelt und werden wahrfcheinlich das noch Fehlende ergänzen. Von Werken, die ihrer ganzen Anlage nach nur für Lyceen beftimmt fein können, find nur Ribary's pragmatifche Gefchichte Ungarns für höhere Claffen der Mittelfchulen und Szabo's Rom und die Gefchichte des römifchen Reiches( in zwei Theilen) anzuführen. Im Allgemeinen ift aus den citirten Werken erfichtlich, dafs die Ertheilung des Gefchichtsunterrichts auf zwei Stufen, wie fie vor dem Jahre 1867 üblich war, fich noch erhalten hat, dafs trotz der reichen Pro duction an Lehrbüchern diefe noch nicht der neuen Ordnung accommodirt wurden. Neben den eigentlichen Lehrbüchern glauben wir in Horfetzky's weltgefchichtlichem periodifchen Leitfaden(!) und in Vamofsy's allgemeinem gefchichtlichen, periodifchen Leitfaden(!) eine Art Zeittafeln, fomit ein Hilfsmit tel für den gefchichtlichen Unterricht zu erkennen, fowie Nemeth's gefchichtliches Tafchen- Wörterbuch, ein gewifs nach franzöfifchem Mufter gearbeitetes Auskunftsmittel für folche, die keine Gefchichte kennen und doch fich mit deren Kenntnifs brüften wollen, ift. Von anderweitigen Lehrbehelfen zur Gefchichte lag nicht viel vor. Unter den Jugendfchriften können einzelne zur Belebung des hiftorifchen Studiums dienen, wie die mit Bildern ausgeftattete Gefchichte der Griechen von Bedö oder die Ueberfetzung von Grimm's Märchen aus der griechifchen und römifchen Vorzeit. Unter den Kartenwerken, welche fehr forgfältig angeführt erfcheinen, fuchen wir vergeblich nach hiftorifchen Karten. Wenn folche überhaupt verwendet werden, fo find es aller Wahrfcheinlichkeit nach die in Deutſchland und Deutfch- Oefterreich üblichen. - Portugal. Diefes Land hat an dem Modelle eines Schulhaufes uns ein Bild feines VolksSchulwefens zu entwerfen verfucht. Die Gefchichte hat in der portugiefifchen Volksfchule keinen Platz gefunden. Selbft in den Lefebüchern fuchen wir ver geblich nach hiftorifchen Erzählnngen. Mit Vorliebe werden nur die Endeckungsreifen der Portugiefen behandelt, was wir freilich diefem Volke zu Gute halten müffen, da ja diefe Periode die Glanzperiode feiner Vergangenheit ift. Ueberdiefs erblickten wir ein mnemotechnifches Hilfsmittel zur Erlernung der Gefchichte, das uns die Ueberzeugung verfchaffte, dafs der Gefchichtsunterricht in Portugal noch auf keine, auch nur annähernd feiner Bedeutung entsprechende Stellung Anfpruch erheben darf. Es ift die Methodo Zaba para o eftudo da Historia Univerfal com mappe chronologico 1872. Der Verfaffer theilt feine Tabellen in Quadrate ein, deren jedes ein Jahr bedeutet. In diefe Quadrate werden fymbolifche Figuren hineingemalt, deren Bedeutung das Kind fich zuerst einprägen mufs, um überhaupt fich auf der Tabelle zu orientiren. Dergleichen Tabellen find für uns nichts Neues. Ein Pole Stanislaus Zaranski verfafste eine ähnliche finnbildlich chronologische und geographische Geschichts Der Unterricht in der Gefchichte. 31 karte, die fogar auch mit Erlafs vom 24. Februar 1866, Zahl 1377, behördlich zur Anfchaffung empfohlen wurde. Indefs helfen folche Krücken bei dem Geschichtsunterrichte nicht nur nicht, fondern würdigen denfelben zur Tändelei herab. Wir werden nicht irren, wenn wir annehmen, dafs die Methode„ Zaba" nicht in öffentlichen Schulen, sondern blofs in privater Lehranftalt, die fich über das Niveau der Volksfchule erheben, in Gebrauch fei. Ob fie auch in den unteren Stufen, der Volksfchulen angewendet wird, wagen wir zu bezweifeln. Beftimmtes hierüber, fo wie überhaupt über den Gefchichtsunterricht an LehrerBildungsanftalten und an den Mittelschulen läfst fich wegen Mangel jedes Ausstellungs- Objectes nicht conftatiren. Rufsland. Dafs diefer Staat fich überhaupt bei der XXVI. Gruppe nur in geringem Mafse betheiligte, darf uns nicht wundern. Seine Volksfchulen nehmen gewiſs keine hervorragende Stellung ein und für feine Gymnafien und Realgymnafien ift wohl ein treffliches Statut vom 19. November 1864 gegeben, aber die Wirklichkeit reicht nicht im Entfernteften an das dafelbft Geforderte heran. Von Gefchichte in der Volksfchule kann demnach nicht die Rede fein; wohl aber hat diefer Gegenftand in der Mittelfchule einen nicht unbedeutenden Raum zugewiefen. An Gymnafien und Realgymnafien beginnt der Unterricht in demfelben in der 3. Claffe mit zwei Lectionen( à 12 Stunde) und wird in allen folgenden Claffen( 4. bis 7. Claffe) in je drei Lectionen ertheilt. Es ift alfo diefem Gegenftande im Ganzen mehr Zeit als in Deutſchland oder bei uns zugewendet. Im Uebrigen erhielten wir über Lehrmittel, Methode und Erfolg des Geschichts- Unterrichtes in Rufsland keinerlei Auskunft in der Ausftellung; es fei denn, dafs der mythologische Atlas von Iwinski Laurentius darauf hindeuten follte, dafs der Unterricht in der Geschichte durch Anfchauung von Abbildungen unterſtützt wird. Nur eine Anftalt zur Bildung von Lehrern und Lehrerinen in dem lange unter germanifchen Einfluffe ftehenden Finnland ftellte Lehrbücher aus. Es ift diefs das Seminar in Jyväskylä. Unter den Lehrbüchern ift eine Suomen Hiftorien, aus der wir erfehen, dafs diefes Land feinen Zufammenhang mit Schweden fefthält; ferner eine Wanhan ajan hiftoria alkawile von O. Wallin, eine alte Gefchichte, die mit den Chineſen, Indern, Affyriern, Medern beginnt, die Juden ausführlich behandelt und über Aegypten, Perfien zu den Griechen und Römern gelangt und mit Cæfar fchliefst, endlich eine Keski ajan hiftoria alkawille von O. Wallin eine mittelalterliche Gefchichte, die mit den Germanen anhebt und bei der Entdeckung Amerikas fchliefst. In Anlage und Stoff erinnert diefes Werkchen an die kurzgefafsten Lehrbücher der deutfchen Mittelfchulen, etwa den kleinen Leitfaden von Dr. W. Pütz. Schweden. Mit Behagen verweilen wir in dem Schulhaufe der Schweden. Es heimelt uns dafeblft Alles an; denn das Unterrichtswefen diefes Bruderftammes ift in vielen Beziehungen dem Deutfchen nachgebildet, auch in Bezug auf den Gefchichtsunterricht. Schon in der Volksfchule beginnt der Gefchichtsunterricht zunächſt in der vaterländifchen, aber auch in der allgemeinen Gefchichte. Von 712.520 Kindern die im Jahre 1871 die Volksfchule befuchten, genoffen 215.841 Kinder( alfo 33 Percent) den Unterricht in Gefchichte und Geographie. Es find vorherrfchend Gefchichtsbilder, die auf der erften Stufe des Unterrichtes in der Gefchichte verwendet werden. Dergleichen find z. B. Starbaeck Berättelfer( Erzählungen) ur svenska Hiftorien& Sandberg Taflor 32 Dr. Emanuel Hannak. ( Bilder) och( u) berättelfer ur Sveriges hiftoria für fchwedifche GefchichteErfteres behandelt entſprechend dem jugendlichen Geifte die Sagen befonders ausführlich, lezteres enthält Abbildungen. Für allgemeine Gefchichte find Kaftmann Bilder ur allmänna hiftorien in ähnlicher Weife abgefafst, doch ift auch eine zufammenhängende Gefchichtserzählung in der Volksfchule nicht ganz ausgefchloffen. Unter den in der Volksfchule im Gebrauch ſtehenden Lehrbüchern erblicken wir auch C. F. Odhner's Lärobock i svenska hiftorien, das auf 69 Seiten in gedrängter Ueberficht die fkandinavifche Gefchichte behandelt und Wannerftröms Lärobock i allmänna hiftorien, das zunächft für die unteren Claffen der Mittelfchule( Elementar Lörowerk) beftimmt, auf 122 Seiten einen Ueberblick der allgemeinen Gefchichte gibt. Von Hilfsmitteln für den gefchichtlichen Unterricht find zunächſt Karten zu erwähnen, vor Allem der„ Atlas till Sveriges hiftoria of C. F. Wiberg och T. v. Menzer" der neben kartographifchen Darftellungen, wie fie fich aus den Werken des Pytheas, Eratofthenes, Jornandes und anderer alten Geographen ergeben, Skandinavien nach der Ynglingafagen, die Feldzüge Guftav Adolfs, Bernhards von Weimar, Wrangel's, Baner's und dergl. zur Anfchauung bringt. - Auch Abbildungen find zur Belebung des gefchichtlichen Unterrichtes in Verwendung; ganz allgemein fchmücken Sveriges regenter( Schwedens Regenten) die Schulzimmer, fie dienen auch dazu, der Jugend die vaterländifche Gefchichte durch häufige Anfchauung der wichtigften Perfönlichkeiten beffer einzuprägen. Aus der Wichtigkeit, welche dem Gefchichtsunterrichte in den Volksfchulen zuerkannt wird, läfst fich fchliefsen, dafs diefem Unterrichtszweige auch in den Seminarien zur Bildung der Lehrer und Lehrerinen für Volksfchulen die gerechte Berücksichtigung zu Theil wird. Es erfcheint factifch unter den Unterrichtsgegenständen diefer Anftalten die Gefchichte ohne jede Befchränkung, fo dafs wir mit Recht annehmen können, dafs nicht blofs vaterländifche, fondern auch allgemeine Gefchichte in denfelben betrieben wird. Ueber Lehrmittel und Lehrbücher wird nichts Befonderes angegeben, wefshalb diefe wahrfcheinlich mit denen der Mittelfchulen gleichartig find. Mittelfchulen. In den Elementarlärowerken( die unferen Gymnafien und Realfchulen entſprechen) wird die Gefchichte in Verbindung mit Geographie in allen 9 Jahrgängen refp. 7 Claffen, gelehrt. Es unterfcheiden fich aber die Elementarfchulen mit humanistifcher von denen mit realer Richtung. In erfterer ift die Gefchichte und Geographie an den vier unteren Claffen mit je 4 an den drei oberen mit je 3 Stunden bedacht, während in letzteren an allen 7 Claffen je 4 Stunden diefem Gegenftande zugewiefen erfcheinen. Es wird diefer Unterricht ähnlich wie in Oefterreich in zwei Stufen ertheilt und neben der allgemeinen auch befonders fchwedifche Gefchichte betrieben. Für allgemeine Gefchichte find nebft dem fchon bei den Volksfchulen erwähnten Werken von Wennerftröm die Lehrbücher von Melander, Lärabok i gamla Tidens hiftoria( Alte Gefchichte) und Lärabok i nyare Tidens hiftoria( Neuzeit), Pallin Lärabok i medeltidens hiftoria( Mittelalter) und Vulliet Allmänna hiftoria ausgeftellt. Sie erinnern an die deutfchen Lehrbücher diefer Art auch dadurch, dafs im Alterthume jedem Volke in den fpäteren Zeitperioden jedem Zeitraume ein geographifcher Ueberblick der in Betracht kommenden Länder vorausgefchickt wird. Bemerkenswerther find die Lehrbücher für fchwedifche Gefchichte: F. Odhner fchrieb ein Lärobok i swenska hiftorien for laegre Elementar Lärowerk, ein folches auch for högre Elementar Lärowerk, dagegen fcheint Alander's vollſtändiger Lehrcurs der fchwediſchen Gefchichte für beide Stufen beſtimmt zu fein, indem ein Theil durch kleineren Druck ausgefchieden und für die Oberftufe vorbehalten ift. Letzteres Lehrbuch ift auch defshalb hervorzuheben, weil zur Belebung der gefchichtlichen Erzählung Gefänge aus der Edda eingeftreut erfcheinen. Der Unterricht in der Gefchichte. 33 Die Hilfsbücher und Hilfsmittel zum gefchichtlichen Unterrichte beweifen, dafs deutfcher Einfluss auf fchwedifches Unterrichtswefen nicht ohne. Wirkung war. Die Kartenwerke find diefelben wie in Deutfchland. Wir erblicken dafelbft Kiepert's Atlas antiquus, Menke orbis terrarum antiquus und den hiftorifch geographifchen Schulatlas von Dr. Spruner und der in Schweden erfchienene Atlas öfver Allmänna hiftoria von C. F. Wiberg und Th. von Mentzer ift nach Spruner, Wedell, Kiepert, Menke und Voigt, alfo nach den beften deutfchen Werken diefer Art gearbeitet. Dagegen ift fpecififch fchwediſch der fchon erwähnte Atlas till Sveriges hiftoria of C. F. Wiberg und Th. v. Mentzer. Wie in Deutfchland, fo wird auch in Schweden grofses Gewicht auf die griechifche und römifche Gefchichte gelegt. Es beweift diefs das ausdrücklich für Elementar- läroverkens beftimmte Lehrbuch der römifchen Antiquitäten, Romerfka antiquiteterna von C. Thumfon, neben welchem das auch in Deutſchland bekannte Werk von Boje fen, die mit Abbildungen ausgeftattete Mythologie von Brodén als Hilfsbücher hervorzuheben find. Ein hiftorifches Lefebuch, in biographifcher Form, das fich zunächft auf die griechifche und römifche Gefchichte bezieht, ift, wie ausdrücklich angeführt wird, dem deutfchen von Stacke nachgebildet. Auch die in Deutfchland verbreiteten Gefchichtsbilder von Grube treffen wir in fchwediſcher Ueberfetzung an. Für fchwedifche Gefchichte ift ein treffliches Hilfsbuch mit genauen Quellenangaben von Fryxell Berättelfer ur Swenfka hiftorien ausgeftellt. Von demfelben. Verfaffer in Verbindung mit Starbäck ift auch ein ausführliches Handbuch der allgemeinen Gefchichte edirt, das, um Bekanntes zu nennen, etwa der Beckerfchen Weltgefchichte zu vergleichen ift und gewifs in den meiften Bibliotheken der Elementar- Lärowerke einen Platz findet. Neben der fchwediſchen, griechifchen und römifchen Gefchichte wird auf die biblifche und kirchliche Gefchichte Werth gelegt. Es ift diefs aus Norlins Kriftra Kyrkans Hiftoria und aus J. Aug. Beek Bibel Handbok erfichtlich. Das letztere Werk behandelt mit hiftorifcher Objectivität den Urfprung und Inhalt der einzelnen Bücher und deren Verfaffer und ein befonderer Atlas zur Bibelkunde von Wadner, gibt nicht blofs Karten, fondern auch Abbildungen jüdiſcher Antiquitäten. Von anderweitigen Abbildungen, die als Hilfsmittel für den gefchichtlichen Unterricht dienen können, find neben den fchon angeführten fchwedifchen Regenten die ,, Gallerie des Savants et des Artiftes celebres en Suède publié par Sandberg" und ein älteres Werk Svecia antiqua et hodierna mit Abbildungen von Regenten, Münzen, Häufern und Landfchaften namhaft zu machen. Auch einzelne, durch Klemmings Antiquariat ausgeftellte Werke gehören hieher, fo W. G. Anckarsvärd Sveriges märkwärdigafte ruiner; R. Dybeck Malärens öar( für die praehiftorifche Zeit) und M. N. Mandelgren Monuments fcandinaves du moyen age. Spanien. In dem Gefchichtsunterrichte diefes Landes herrfcht der in der vaterländifchen Gefchichte bedeutend vor. Schon auf der erften Stufe des Unterrichtes wird fpanifche Gefchichte gelehrt. Mehrere Lehrbücher lagen vor, unter denen wir wieder gewiffe Abftufungen wahrnehmen können. Das elementarfte ift die Nueva hiftoria de España para los niños por D. L. Garcia Sanz. Dem Anfange jeder Epoche werden Verfe vorausgefchickt, denen fich Fragen und Antworten anfchliefsen. Es ift demnach hauptfächlich auf mechanifches Einlernen abgefehen. Einen wiffenfchaftlicheren Charakter haben die Hiftoria de España para niños von D. P. Izquerdo y Ceacero und das Compendio de Hiftoria de España por D. Miguel Arago, fo 3 34 Dr. Emanuel Hannak. dafs fich annehmen läfst, dafs namentlich das zuletzt genannte Werkchen für die erweiterte Volks- oder Bürgerfchule beftimmt ift. Was von den Volksfchulen gefagt wurde, gilt auch von den Lehrerbildungs- Anstalten. Auch in der Scuola Normal- Centrale wird nur fpanifche und neben diefer noch Kirchengefchichte getrieben. Es tritt hierin jener engherzige Standpunkt zu Tage, der lange Zeit auch bei uns herrfchend war. Ein Werk ift hervorzuheben, das eine Anleitung zur Ertheilung des Unterrichtes in der vaterländifchen Gefchichte enthält: La Educacion de las niños por la hiftoria de Españoles illuftres von Da. Luciana Cafilda Monreal. Es bezieht fich auf den Unterricht der weiblichen Kinder und empfiehlt die biographifche Methode. Ueberdiefs ift ein Hilfsbuch zu erwähnen: Hiftoria de España por D. J. Cortada, fortgefetzt von Borao in drei Bänden, das zum Nachlefen für diefe Kreife berechnet zu fein fcheint. Bilder, die demfelben beigegeben find, follen die Anfchauung fördern. Für den Secundärunterricht ift wohl allgemeine, aber mit befonderer Berücksichtigung der fpanifchen Gefchichte vorgefchrieben. Es fand fich unter den zahlreichen Lehrbüchern, die zur Ausftellung gelangt find, nur ein Lehrbuch für allgemeine Gefchichte vor, nämlich Compendio de Hiftoria univerfal y particular de España von D. Juan Cortada. Das Compendium führt die Gefchichte mit hauptfächlicher Betonung Spaniens bis auf das Jahr 1815. Da es nur in geringem Mafse die Cultur der Völker betont und wenig übersichtlich abgefafst ift, fo kann es nur den mittelmäfsigften Anforderungen genügen. Wiewohl fchon in der allgemeinen Gefchichte die ſpaniſche befonders hervortritt, fo wird doch noch fpeciell fpanifche Gefchichte in den Mittelfchulen betrieben. Wir erblicken für diefe Stufe ein Compendio de Hiftoria de España von Alf. Moreno y Espinofa und welcher Werth gerade auf diefen Theil des Gefchichtsunterrichtes gelegt wird, ift daraus erfichtlich, dafs ein befonderes Hilfsbuch für diefen Zweck zur Ausftellung gelangte. Die„ Ejercicios metodicos para facilitar el eftudio de la hiftoria de España por D. Pedro Cabello y Madurga" geben eine gute Ueberficht der gefchichtlichen Begebenheiten mit deutlicher Hervorhebung des Bedeutfamen und eignen fich nach Art unferer Zeittafeln zur Unterftützung des Gefchichtsunterrichtes in den Mittelfchulen. Von anderen Hilfsmitteln war nicht viel fichtbar. Der Umftand, dafs eine hiftorifche Karte Spaniens im XIV. Jahrhundert Mapa de España en el figlo XIV. erft im Entwurfe ausgeftellt war, führt uns zu der Vermuthung, dafs bisher hiftorifche Karten wenig in Gebrauch waren und dafs erft jetzt das Bedürfnifs nach Ausfüllung diefer Lücke fich geltend macht. Auch das Mufeo arqueologico de Madrid, von deffen reichen Sammlungen die ausgeftellten Objecte Zeugnifs geben, wäre berufen, durch Abbildungen von Antiquitäten und deren Verbreitung den Gefchichtsunterricht an Mittelfchulen zu unterſtützen. Schweiz. Die Schweiz brachte hauptfächlich die Lehrmittel der Volksfchulen( der Gemeinde- oder Primärfchulen) zur Ausftellung. Die Mittelfchulen( Secundär- und Cantonfchulen) find nur gelegentlich vertreten, dafür lagen zahlreiche Verzeich niffe der Lehrkräfte und Lehrmittel folcher Schulen vor, die aber mehr vom ftatiftifchen Standpunkte abgefafst erfchienen, zur Beurtheilung der Methode und der Lehrmittel in der Gefchichte wenig Erhebliches bieten. Im Allgemeinen kann als feftftehend angenommen werden, dafs, wie überhaupt, fo auch in der Gefchichte je nach der Nationalität der Unterricht in verfchiedener Weife ertheilt wird. Die deutfchen Cantone ſchliefsen fich an deutfche, die franzöfifchen und italienifchen an franzöfifche Mufter. Der Unterricht in der Gefchichte. 35 In der Primärfchule, die fich zuweilen bis auf das 16. Lebensjahr erftreckt, wurde fchon früher als in Deutfchland( feit 1831) vaterländifche Gefchichte unter die Unterrichtsgegenstände aufgenommen. Und zwar beginnt der Unterricht. meift mit Biographien hervorragender Perfönlichkeiten der Schweizer Gefchichte, um dann zur zufammenhängenden Gefchichte der Schweiz überzugehen. Von Lehrbüchern, die in diefes Gebiet gehören, liegen vor: G. Geilfus vaterländifche Sage und Gefchichte mit Abbildungen, welches Werk fich als Handbuch eignet, und der Auszug aus diefem Werke, der als Schulbuch benützt wird; ferner der Abrifs der Schweizer Gefchichte für Primärfchulen von Alexander Daguet, die Schweizer Gefchichte für Schulen von Vögelin und Anderen. Als geeigneter Atlas für Gefchichte und Geographie der Schweiz ift der hiftorifch- geographifche Atlas von Vögelin und Anderen in Zürich( Schulthefs 1870) hervorzuheben, der 15 Blätter mit an der Seite fortlaufendem Texte und zahlreichen Abbildungen enthält. Neben der allgemeinen Gefchichte der Schweiz wird auch gelegentlich die Gefchichte eines einzelnen Cantons gelehrt, wie diefs an der Hiftoire du Canton de Vaud von Descomb az erfichtlich ift. An den Secundär- oder Bezirksfchulen und an den Cantonfchulen fowie an den Lehrer- Bildungsanftalten ift in erfter Linie auch fchweizerifche, dann aber auch allgemeine Gefchichte unter die Unterrichtsgegenftände aufgenommen, wobei hervorzuheben ift, dafs auch in der allgemeinen Gefchichte der zufammenhängenden Gefchichtserzählung deren Behandlung in biographifcher Form vorangeht. Unter den Lehrbüchern für die Gefchichte der Schweiz find namhaft zu machen: Grundrifs der Schweizer Gefchichte für mittlere und höhere Lehranftalten von Strickler in zwei Bänden; Schweizer Gefchichte für Mittelfchulen von A. Daguet, von H. Zfchokke, Lamé Fleury und Anderen. Für allgemeine Gefchichte auf der Unterftufe waren zu bemerken das kleine Lehrbuch der Weltgefchichte in vorzugsweife biographifcher Form von P. Dietfchi"; der Cours Elémentaire d'hiftoire générale von J. Duperrex"; der„ Abrégé d'hiftoire générale à l'enfeignement fecondaire von Magnenat" und der„ Efsai d'une hiftoire univerfelle par S. Blanc. Die Lehrbücher für Oberclaffen gelangten nicht zur Ausftellung, defshalb war von Lehrbüchern der Gefchichte für diefe Stufe nur die ,, Hiftoire Grecque et Romaine par Vuiillet" bemerkbar. " Von anderweitigen Lehrmitteln für den Gefchichtsunterricht find die chronologifche Ueberficht der Schweizer Gefchichte für höhere Bildungsanftalten von Zellweger, zur befferen Einprägung der chronologifchen Aufeinanderfolge der Begebenheiten und für Repetitionen befonders geeignet, und der politifch- hiftorifch- geologifche Atlas der Schweiz von Gerfter und Weber, der nach franzöfifchem Mufter gearbeitet ift, hervorzuheben. Ueberdiefs erfahren wir aus den ftatiftifchen Verzeichniffen der Secundär- und Cantonsfchulen, dafs viele derfelben Abbildungen, Modelle und Sammlungen von Antiquitäten befitzen. So find z. B. unter den Lehrmitteln der Cantonfchule in Zürich Launitz'ens Wandtafeln, ein Modell des Athenetempels(?) auf Aegina, der Rheinbrücke und Andere, im Thurgau Gemmenabgüfse( 103), römifche Münzen und Schwefelpaften von Münzen( 55); in Bern und Luzern Münzen, Medaillen und Antiquitäten angeführt. Im Allgemeinen überwiegt die Pflege der Schweizer Gefchichte auf allen Stufen und in allen Richtungen des Unterrichtes. Und wie fich diefs in den Lehrmitteln ausfpricht, fo ift diefs auch an der Ausftellung der Schweizer Kunstwerke erfichtlich, wo die Porträts hervorragender Schweizer, wie die Haller's, Hallwyl's, Bubenberg's und andere hiftorifche Gemälde mit Motiven aus der Landesgefchichte, wie Weckeffers Segnung von Alois Reding durch feinen Vater und dergl. vorwiegen.