OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3. BEITRÄGE ZUR GESCHICHTE DER PREISE. ( Additionelle Ausstellung Nr. 5.) BERICHT VON DR. CARL THEODOR VON INAMA- STERNEGG, k. k. o. ö. Frofeffor der Staatswiffenfchaften an der Univerfität zu Innsbruck. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1873. VORWORT. Nach dem Programm der officiellen Berichterstattung über die Wiener Weltausstellung 1873 foll der officielle Bericht noch ,, während der Feier des internationalen Feftes abgefafst und aufgelegt werden". Diefe Beftimmung zu erfüllen, übergibt die gefertigte Redaction des officiellen Berichtes in der vorliegenden Form die einzelnen Sectionsberichte der Oeffentlichkeit und glaubt damit den Befuchern der Weltausftellung das Studium derfelben wefentlich zu erleichtern. Nur eine Bemerkung fei an diefer Stelle geftattet. Der vorliegende, wie jeder andere während der Weltausftellungs- Feier publicirte Bericht wird einen Theil des officiellen Berichtes bilden, welcher nach dem Schluffe der Weltausftellung als ein Ganzes erscheinen und die wiffenfchaftlichen Refultate der Ausstellung für die Dauer erhalten foll. Diefs mag dem Lefer die ftiliftifche Form, in welcher bereits die Vergangenheit der Ausftellung angenommen ift, erklären. PROFESSOR DR. CARL TH. RICHTER, Chefredacteur des officiellen Berichtes. BEITRÄGE ZUR GESCHICHTE DER PREISE ( Additionelle Ausstellung Nr. 5.) Bericht von DR. CARL THEODOR VON INAMA- STERNEGG, k. k. o. ö. Profeffor der Staatswiffenfchaften an der Univerfität zu Innsbruck. EINLEITUNG. In einem der entlegenften Theile des ganzen Ausftellungsgebietes( Park, Zone IV, 170) hat fich bei der Wiener Weltausftellung ein befcheidener PavillonHolzbau aufgethan, deffen Auffchrift ,, Beiträge zur Darstellung des Welthandels" zwar für jeden einladend und verlockend fein mufste, der von dem Streben nach Erweiterung feiner nationalökonomifchen Erkenntnifs befeelt war, für die Maffe der Ausftellungsbefuchenden aber doch eher abfchreckend zu wirken vermochte. Mufsten fie doch beforgen, hier nur Fragmente, unfertiges, unverarbeitetes, vielleicht fogar noch ungeordnetes Material vorzufinden, während im Uebrigen die Weltausftellung auf allen Gebieten Vollkommenes in der vollkommenften Weife zu bieten mit Erfolg bemüht war, und die Menge, vorab der Ausftellungsbefucher fich fchon längft gewöhnt hat, nur fertigen Refultaten der menfchlichen Geiftesarbeit, vollkommenen und in ihrer praktifchen Anwendbarkeit für die Verbefferung des menfchlichen Dafeins fofort in die Augen fallenden Darftellungen von Ideen Anerkennung und Beifall zu zollen. - Wer nun diefen Ausftellungsraum betrat und zur Ehre der allgemeinen Bildung mufs es gefagt werden, dafs auch diefer Pavillon eines ftets regen Befuches fich erfreute der mochte nicht wenig erftaunt fein, in demfelben einen Saal zu finden, der in der That in nichts einem Ausftellungsfaale, in Allem dagegen dem Arbeitszimmer eines Statiftikers glich. Keinerlei architektonifcher oder decorativer Schmuck war in demfelben zu finden; ein allerdings elegant gearbeiteter Bücherfchrank, Tabellen und graphifche Tafeln an den Wänden waren feine einzige Zierde, aber für den Kenner war fie reich genug, um fich durch diefe Nüchternheit des Arrangements nicht nur nicht abgeftofsen, fondern in hohem Grade angezogen zu fühlen. Lud doch diefer befcheidene Raum entfchieden wie kein anderer zu geiftiger Sammlung, zu ernfter, eindringender Arbeit ein, während die prunkvollen Säle des Induftriepalaftes nur allzu zerftreuend wirkten I 2 Dr. Carl Theodor von Inama- Sternegg. und dilettantifches Befchauen entfchieden mehr als ernftes Studium der Objecte begünftigten. In diefem Saale nun war, freilich nur zu kleinem Theile, verwirklicht, was das urfprüngliche Ausftellungsprogramm mit„ Beiträgen zur Gefchichte der Preife" für die Wiener Weltausftellung hervorrufen und zu ihrer allfeitigen Nutzbarmachung bieten wollte. Ausgehend von dem Gedanken, dafs der Schwerpunkt derfelben in der Betonung des inftructiven Elementes liege, glaubte die kaiferliche Commiffion es nicht unterlaffen zu dürfen, gerade diefes Thema in den Darftellungskreis zu ziehen und rief zu diefem Werke vor Allem die Mitarbeitung der Männer der Wiffenfchaft und ein internationales Zufammenwirken auf. Die an fich trockenen, fcheinhar inhaltsarmen Zahlen, in welchen uns die wirthschaftlichen Güter bei ihrem Erfcheinen im Verkehre entgegentreten, follten in ihrer culturhiftorifchen Bedeutung erfasst werden durch grofse Mengen und entſprechende Gruppirung von Zahlenreihen der Preife wichtiger Verkehrsartikel, der Arbeitslöhne und Brotfrucht- Preife, welche aus den verfchiedenften Ländern für verfchiedene, in ihrem Ausgangspunkte thunlichft weit zurückreichende Zeiträume gewonnen worden, hoffte man nicht nur reiche Mittel für das Verftändniss aller preisbeftimmenden Momente zu gewinnen, fondern der Wiffenfchaft in ihrem noch immer fehr unficheren Suchen nach einem mehr oder minder conftanten Werthmafsftab auf die richtige Fährte verhelfen zu können; nicht nur die jeweilige Kaufkraft des Geldes, auch die fociale Bedeutung des Preifes follte möglichft klargeftellt werden und es knüpfte fich die Veranſtaltung diefer additionellen Ausftellung( in der Reihe derfelben bei der Weltausftellung die Früchte) noch die Erwartung, dafs es möglich fein werde, Formen zu finden, in welchen dasjenige, was Forfcher in Büchern niederlegten, gemeinverftändlich gemacht, dafs dem Volke ein Einblick in ein fcheinbar willkürliches, dennoch aber ftrengen Gefetzen gehorchendes Gebiet der Volkswirthschaft eröffnet werden könne. Und in der That! Werth und Nutzen derpreisgefchichtlichen Forfchung und Darftellung wird von Niemandem verkannt werden, der die Wiffenfchaft nicht blofs als ein doctrinäres Spiel des Geiftes, fich felbft Zweck und Ziel, fondern als die unerlässliche Vorbedingung jeder allgemeinen geiftigen Erhebung anfieht. Für die Wiffenfchaft ift die Preisgefchichte ebenfo unerlässliches Bedürfnifs wie Bedingung ihrer gedeihlichen Weiterentwicklung, denn fie fchafft ihren Lehrfätzen eine fefte Bafis, die ihr bis jetzt nur allzufehr mangelte; für die allgemeine Bildung kann fie eine immer mehr fühlbare Lücke ausfüllen, denn fie befähigt zu einem reifen Verſtändnifs und einer umfichtigen Beurtheilung der ökonomifchen Gegenwart und fchärft den Blick in die nächfte Zukunft, indem fie die Entwicklung der Vergangenheit, die Bedingungen der Gegenwart begreifen lehrt. Und dafs endlich ein Gegenftand von folcher allgemeinen Bedeutung für das Geiftesleben auf einer Weltaus ftellung einen geeigneten Platz finden kann, ift nicht nur im Allgemeinen leicht zu verftehen, fondern wird insbefondere noch dadurch klar, wenn wir berücksichtigen, dafs die Fruchtbarmachung der Preisgefchichte wefentlich abhängt von den Formen, in welchen fie dem Publicum geboten wird, diefe aber in ihren relativen Vorzügen und Nachtheilen gerade bei internationaler Concurrenz am erfolgreichften neben einander geftellt und mit einander verglichen werden können. Bei der Wichtigkeit und zugleich Neuheit des Unternehmens, das trotz der Anerkennung feiner allgemeinen Bedeutung auf der Weltausftellung doch manchen befremdete, ift es wohl geftattet, diefe Gedanken noch etwas weiter zu verfolgen. In erfter Linie ift es jedenfalls die nationalökonomifche Wif fenfchaft, welche nicht blofs den Werth der Preisgefchichte für ihre eigene Entwicklung erkennt, fondern auch die Früchte derfelben zu geniefsen berufen ift. Schon lange ift man fich in der wiffenfchaftlichen Nationalökonomie darüber klar, dafs auf dem Wege deductiver Forfchung zwar die Richtpunkte feftgeftellt werden können, nach welchen hin die Wiffenfchaft fich ihre Wege zu bahnen Beiträge zur Gefchichte der Preife. 3 habe, dafs aber die Auffindung des Zieles felbft und die Feftftellung des hiezu einzufchlagenden ficheren und nächften Weges nur durch Beobachtung der Thatfachen, exactte Forfchung und inductive Methode der wiffenfchaftlichen Operationen möglich fein werde. Zudem hat die Nationalökonomie aus der Natur ihres Gegenftandes eine immer entfchiedenere realiſtiſche Richtung erhalten, welche es nicht mehr zuläfst, dafs aus blofser pfychologifcher Beobachtung des Wirthschaftstriebes eine Lehre von der Gefetzmäfsigkeit im wirthschaftlichen Leben der Menfchen abgeleitet werde, fondern fich von vornherein auf den Boden des realen Lebens ftellt, und die Erkenntnifs des wirthfchaftlichen Verhaltens der Menfchen aus der Beobachtung der objectiv auftretenden Aeufserungen des Wirthfchaftstriebes zu gewinnen fucht. Die Gefchichte und die Statiſtik wurden in hervorragender Weife feit W. Rofcher und A. Quételet als Erkenntnifsquellen der wirthschaftlichen Gefetze herangezogen und ausgebeutet; und wenn fie in ihrer Verbindung als hiftorifche Statiſtik bisher noch wenig verwerthet wurde, fo lag das gewifs nur in der grofsen Schwierigkeit der Befchaffung des nöthigen Materials in hinlänglichem Umfange, um daraus allgemeine Sätze mit der nöthigen Sicherheit abzuleiten. Gerade die Preisgefchichte ift aber vorwiegend ein Product diefer Combination von Gefchichte und Statiftik, und es erklärt fich daraus, dafs kaum für irgend eine Lehre der Nationalökonomie bis jetzt noch fo fehr die exacte Grundlage fehlt, als für die Lehre von den Gefetzen des Preifes. Die Folge davon ift denn auch, dafs diefe Lehre zu der unbeftimmteften und fchwankendften. der Wiffenfchaften zählt und fchon daraus geht die Nothwendigkeit einer energifchen Inangriffnahme der preisgefchichtlichen Forſchung mit nur zu grofser Deutlichkeit hervor. Nichts ift verfehlter; als gerade auf diefem Gebiete die exacte Forfchung und die inductive Methode abfichtlich ausfchiiefsen zu wollen; mit der Ausbildung der gefchichtlichen Nationalökonomie wird das Vorurtheil zerftreut, als wenn die Induction zwar für die Lehren von der Gütererzeugung und Verzehrung Anwendung finden können, während die Lehre von der Gütervertheilung auf die deductive Methode angewiefen fei; die Preisgefchichte insbefondere, vollends in ihrer ausfichtsvollen Zukunft, wie fie durch die additionelle Abtheilung der Weltausftellung eröffnet wurde, belehrt uns über die Unhaltbarkeit. der Anficht, dafs die Lehre vom Güterumlaufe in zwei deutlich fich fcheidende Gruppen zerfalle, von denen die eine der Productions-, die andere der Vertheilungslehre näher ftehe und die demgemäfs zu behandeln feien; die erftere, fich beziehend auf die verfchiedenen Anftalten und Einrichtungen zur Beförderung des Güterumlaufes, müffe von den thatfächlichen Erfcheinungen ausgehen; die andere Gruppe mit den Lehren von den allgemeinen Grundlagen des Taufchwerthes und Preiſes ſtehe im engften Zufammenhange mit der Lehre von der Gütervertheilung, daher hier die Deduction gröfsere Erfolge zu verzeichnen habe."( Mangoldt im Staats- Wörterbuche XI.) Vielmehr mufs auch in unferer Wiffenfchaft als allgemeiner Grundfatz gelten, dafs die Thatfachen- Erforschung immer mehr auf allen Gebieten des wirthfchaftlichen Lebens Aufgabe der Wiffenfchaft fei, dafs die Beweisführung exact, die Methode der wiffenfchaftlichen Arbeit inductiv werden müffe, und dafs die Deduction gleichfam nur die Leuchte fein kann, welche uns die Pfade auffinden hilft, die wir zur Erforfchung bisher unbekannter Gebiete der wirthschaftlichen Erkenntnifs betreten müffen und die Thatfachen erhellt, welche durch hiftorifch- ftatiftifche Forfchung entdeckt worden find. 99 Es ift damit fchon gleichzeitig dargethan, welcher Werth der Preisgefchichte für die allgemeine Bildung zukommt; denn wir müfsten der Nationalökonomie den Vorwurf machen, dafs fie nicht fürs Leben arbeite, wenn wir überfehen wollten, dafs eben für die allgemeine Geiftesentwicklung erarbeitet ift, was eine Wiffenfchaft zunächft für fich felbft, zur Klärung ihrer Ziele und Feftftellung ihrer Lehrfätze fchafft. Es ift die Preisgefchichte aber zum mindeſten ebenfofehr eine Erweiterung und Vertiefung der gefchichtlichen wie der nationalökonomifchen Erkenntnifs. Es erweitert fich das Feld der GefchichtsI* 4 Dr. Carl Theodor von Inama- Sternegg. forfchung, welche in unferen Tagen mit Recht ihr Hauptaugenmerk der Culturgefchichte zuzuwenden beginnt, mit der Preisgefchichte um ein ganz namhaftes Gebiet und mit ihrer Hilfe wird es nicht blofs erft möglich, die ökonomische Entwicklung eines Volkes zu verftehen und zu fchreiben, fondern es ift geradezu die Gefchichte des focialen Lebens, für welche in der Preisgefchichte das werthvollfte Material vorliegt. Es hiefse aber Eulen nach Athen tragen, wollten wir über die allgemein bildende Kraft der Gefchichte nur ein Wort verlieren. Keine Rechts- und Sittengefchichte, keine Gefchichte der Induftrie und der literarifchen Entwicklung gibt uns ein fo ficheres Urtheil über die focialen Zuftände eines Volkes und die Bedingung ihrer fortdauernden Gefundheit an die Hand als die Gefchichte des Arbeitslohnes, der Lebensmittelpreife und des Geldes; denn von nachhaltiger ökonomifcher Kraft und guter Vertheilung der wirthfchaftlichen Güter ift noch bei allen Völkern endgiltig ihr ganzer Culturzuftand, ihre gefellſchaftliche und politifche Thatkraft abhängig gewefen. Nicht die Technik die Oekonomik entfcheidet das Mafs der materiellen Machtmittel eines Volkes, mit denen es fich feinen Vorrang vor anderen erftreiten und behaupten kann. Bei einem Gegenftande von fo hohem Intereffe und fo allgemeiner Bedeutung könnte wohl die Frage als müfsig erfcheinen, mit welchem Rechte die Preisgefchichte zum felbftftändigen Ausftellungsobjecte gemacht und ihr fogar eine eigene additionelle Ausftellung gewidmet wurde? Freilich ift eine Ausftellung nicht der Ort felbftftändiger preisgefchichtlicher Forfchung, fo wenig als der Ort einer mehr als blofs probeweifen technifchen Production; aber nicht blofs wird durch die internationale Concurrenz auf der Weltausftellung das vergleichende Studium der preisgefchichtlichen Refultate und der dabei angewandten Methode wefentlich gefördert, ja es ift in diefem Mafse wohl nirgends fo wie hier möglich; die volle Bedeutung erhält diefe additionelle Ausftellung erft im Lichte der gefchichtlichen Entwicklung des ganzen Ausftellungswefens. Ift es ja doch nicht blofs eine immer grofsartige, ins Unbegrenzte gehende Anhäufung von Maffen technifch vollkommener Producte, was das Wefen der Entwicklung der Ausftellungen ausmacht; der Grundzug, welchem die innere Gefchichte der Weltausftellungen in ihrer ganzen Entwicklung treu bleibt, ift vielmehr die allmälige, Durchbildung ihrer nationalökonomifchen Miffion. Darin liegt der fteigende Werth diefer Ausftellungen, darin ihre wachfende Bedeutung für das Leben der Völker, darin ruht auch die Bürgfchaft für die gedeihliche Weiterentwicklung des Ausftellungswefens. Während die Anfänge des Ausftellungswefens und die grofse Menge nationaler Induftrieausftellungen während der erften Hälfte unferes Jahrhunderts vorwiegend nur den Fortfchritten der induftriellen Technik gewidmet waren, entwickelte fich in den Weltausftellungen ein neuer Grundgedanke, welcher zugleich den fundamentalen Unterfchied nationaler und internationaler Ausstellungen bezeichnet, in der Betonung des Verkehrsmoments. Die nationalen Ausftellungen legen den Ton auf die Vervollkommnung der einheimifchen Induftrie, die internationalen auf die Ausbreitung des Marktes für die heimifche Induftrie. Jene cultiviren alfo mehr das Gewerbe, diefe den Handel. Jene berücksichtigen den einheimifchen, diefe den Weltbedarf; daher auch bei jenen eine oft bedenkliche Tendenz nach gröfster Vielfeitigkeit und Mannigfaltigkeit der einheimifchen Production obwaltet, während den internationalen Ausftellungen der Gedanke einer ins Grofse gehenden Arbeitstheilung der Völker innewohnt. Für den Wettbewerb der Völker im internationalen Verkehre, wie er fich auf den Weltausftellungen entwickelte, ift aber die Frage nach dem Preife der Producte entfcheidend. Die Weltausstellungen find zugleich Weltmärkte und der Geldpreis einer Waare, welcher auf denfelben mit Erfolg begehrt werden kann, ift zugleich der Ausdruck der öffentlichen Meinung über die allgemeine Confumtionsfähigkeit und Würdigkeit eines Gutes, welche hinwiederum fein Abfatzgebiet beftimmt. Im Preife haben wir einen allgemein verftändlichen Zahlenausdruck Beiträge zur Gefchichte der Preife. 5 für das Gemeinbewufstfein des Werthes, wie es erft in Folge internationaler Arbeitstheilung und gleichartiger Culturbedürfniffe des Menfchen, alfo erft bei rege entwickeltem Völkerverkehre fich bildet und zugleich ift in demfelben ein beftimmter Ausdruck für die ökonomifche Kraft eines Landes und eines Erwerbszweiges gelegen, welcher, wenn er concurrenzfähig ift, dem Producenten nicht minder als eine vorzügliche Qualität feiner Producte zur Empfehlung und zum Vorfchub für Erweiterung feines Marktes dient. Darum war es noch ein grofser Fehler und eine Verirrung von dem vorgefteckten Ziele auf der Londoner Ausftellung des Jahres 1851 keine Preisangaben bei den ausgeftellten Producten zu geftatten, während bei den fpäteren Weltausftellungen, befonders auf den beiden Parifer Ausftellungen, auf die Wohlfeilheit einer Production ein befonderes Gewicht gelegt und für alle Gegenftände, deren Vorzüglichkeit befonders darin zu erblicken war, Preisangaben fogar obligatorifch verlangt wurden. Die Frage nach der Wohlfeilheit der einzelnen Productionen der Völker ift aber mit der Vergleichung der Preife ausgeftellter Producte offenbar noch nicht gelöft; es bedarf dazu einer Kenntnifs des ganzen Preisftandes jeder nationalen Production, weil nur dadurch die Intenfität und allgemeine Wirkfamkeit der preisbeftimmenden Factoren eines jeden Productionszweiges bei den einzelnen Völkern erkannt werden kann. Und hier ift der Punkt, auf welchem nicht blofs der Werth einer Preisgefchichte überhaupt, fondern auch die Nothwendigkeit ihres Auftretens bei einer Weltausftellung auf das Schlagendfte vor Augen tritt. Die wirthschaftliche Kraft eines Volkes läfst fich ja nicht in einem beftimmten, künftlich fixirten Momente, fondern nur in ihrem gefchichtlichen Werden begreifen und ihre vorausfichtliche Nachhaltigkeit ift ja wefentlich bedingt durch die organifche Entwicklung, in welcher fie zu ihrer gegenwärtigen Gröfse herangewachſen ift. Und fo hat denn die Weltausftellung in Wien mit Hereinbeziehung der Preisgefchichte in den Kreis der Ausftellungsobjecte jedenfalls einen grofsen Schritt weiter gemacht nach dem Ziele, welches wir als die nationalökonomifche Miffion der Weltausftellungen bezeichnet haben, und die„ Beiträge zur Gefchichte der Preife" reihten fich recht paffend an die additionellen Ausstellungen, Gefchichte der Gewerbe und Erfindungen" und" Darftellung des Welthandels", welche ja auch demfelben Grundgedanken zu dienen beftimmt waren, ein immer tieferes Eindringen in die Bedingungen vollkommenfter techniſcher und ökonomifcher Production zu befördern. Das preisgefchichtliche Quellenmaterial. Nicht nur für alle Zweige der induftriellen Technik und des Handels ift es von gröfster Wichtigkeit, auf das Rohmaterial, mit welchem gearbeitet wird, einzugehen und die Bedingungen kennen zu lernen, unter welchen dasfelbe für die weitere Verarbeitung und Verwerthung herangezogen werden kann; auch die wiffenfchaftliche Production und ganz befonders die Preisgefchichte ift in ihrer Entfaltung abhängig von Mafs und Befchaffenheit der Materiale, welche für ihre weitere Bearbeitung zugänglich und erfchloffen ift. Die Weltausftellungen haben treu ihrer nationalökonomifchen Miffion die Fabrikanten immer mehr daran gewöhnt, die von ihnen verarbeiteten Stoffe in allen Phafen und Stadien vom Rohftoffe zum Halbfabricate und von diefem zum fertigen Induftrie producte, oft fogar mit den Arbeitsmethoden und Verfahrungsweifen zur Anfchauung zu bringen und haben dadurch wefentlich beigetragen, das Verſtändnifs der grofsen Productionsproceffe von der techniſchen wie der ökonomifchen Seite aus, beffer verftehen, vergleichen und verwerthen zu lernen. Und fo ift es denn wohl gerechtfertigt, dafs auch die Beiträge zur Gefchichte der Preife" uns zunächft reiches Material aus den Quellen beibrachten, neben Verfuchen einer halben oder ganz fertigen Verarbeitung desfelben für die 99 6 Dr. Carl Theodor von Inama- Sternegg. Zwecke der Wiffenfchaft und des Lebens; freilich, dafs hier der Rohftoff überwog, läfst fich nicht leugnen, aber diefe Erfcheinung hat ihren natürlichen Erklärungsgrund darin, dafs eben diefe Richtung geiftiger Production erft begonnen wurde und dafs die Arbeiter auf diefem Gebiete Einficht und Gewiffenhaftigkeit genug befafsen, um fich von einer voreiligen Verarbeitung und von dem trügerifchen und täufchenden Vorführen von Scheinrefultaten fern zu halten. Wird ja doch auf dem Gebiete der Statiſtik, welchem fich in weiterem Sinne auch die Preisgefchichte einreiht, ohnehin durch voreilige Schlüffe aus unfertigem Material fo viel gefündigt, dafs wir es nur mit Freuden begrüfsen können, wenn wir hier eine durchgreifende Achtung vor der Wiffenfchaft und vor dem Urtheile der Welt wahrnehmen, welche man weder zu mifsbrauchen, noch zu täufchen verfuchte. Die additionelle Ausftellung der Preisgefchichte gleicht in diefem Punkte den Ausftellungen jener Länder, welche von der Cultur erft entdeckt, auch weniger durch induftrielle. als durch Naturproducte, weniger durch Fabricate, als durch Stoffe fich hervorthaten, ohne dadurch in ihrer Werthfchätzung für die Gefammtbefriedigung menfchlicher Bedürfniffe verkürzt, als werth- oder intereffelos beifeite gefetzt zu werden. Sind nur die Hände rüftig, welche diefen Boden urbar machen, und die Köpfe hell, welche der Production ihre Richtung vorzeichnen follen, verfteht man es nur, die natürlichen Vortheile der Production auszunützen und die Bedingungen lebhafter Beziehungen zu anderen Productionsgebieten herzuftellen, fo mag ein folches Land feiner ökonomifchen Erhebung mit Zuversicht entgegenfehen; und wir haben damit ein Bild der Preisgefchichte, wie fie ift und wie fie fich hoffentlich bald zu einem ebenbürtigen Zweige der grofsen Wiffenfchaft vom Volksleben emporarbeiten wird. Das auf der Ausftellung vorhanden gewefene preisgefchichtliche Material in unverarbeiteter Form gehörte ganz überwiegend den Ländern deutfcher Zunge an, die böhmifchen Elaborate eingerechnet, welche fämmtlich in deutfcher Sprache abgefafst waren. An hervorragender Stelle, wie fie eine folche auch im Pavillon des Welthandels eingenommen haben, mufs hier die wirklich grofsartige Collectivaustellung von Beiträgen zur Gefchichte der Preife, ausgeftellt von der Handels- und Gewerbekammer in Prag, genannt werden, welche in einer grofsen Reihe ftattlicher Bände, in fchön gearbeitetem Glasfchranke aufgeftellt, unfer Intereffe erweckte. Ihr gebührt das Verdienft, die von der kaiferlichen Commiffion gegebene Anregung in ihrer vollen Bedeutung erkannt, mit bewundernswerther Energie und verftändnifsvoller Hingabe ergriffen und verfolgt und mit grofsen Mitteln und Opfern zu fchönfter Verwirklichung gebracht zu haben. Der Secretär diefer Kammer Herr Dr. Edmund Schebek, von welchem auch der Gedanke der Collectivausftellung ausging, hatte zum Zwecke einer möglichft ausgedehnten Betheiligung und eines gleichmässigen Vorgehens bei den Arbeiten im März 1872 ein Programm entworfen, welches das Specialprogramm der kaiferlichen Commiffion ergänzte, an Staats- und Gemeindebehörden, Domänen- und Gutsbefitzer, Induftrielle und Gelehrte, Zeitfchriften und ftatiftifche Bureaux verfendet und durch mehrere folgende Inftructionen vervollftändigt wurde. Mit richtigem Verſtändniffe der Schwierigkeiten, welche noch immer einer wiffenfchaftlichen Ausbildung der Preisgefchichte entgegenftehen, hatte diefes Programm von vornherein das Schwergewicht auf die Auffindung und Sammlung der Daten über die Preife und die zu ihrer Erklärung dienenden Verhältniffe gelegt und in diefer Richtung hat auch die Collectivausftellung ihre gröfsten Erfolge erzielt. Der von Dr. Schebek redigirte Specialkatalog, welcher durch feine umfaffende und forgfame Bearbeitung, feine werthvolle Einleitung und feinen Beilagen, fowie durch feine fchöne Ausftattung an fich fchon ein würdiger Ausftellungsgegenstand war, wies 31 verfchiedene Quellenwerke auf, darunter Beiträge zur Gefchichte der Preife. 7 22 aus Böhmen, 6 aus Mähren, 2 aus Tirol und I aus Steiermark, welche, wenn auch von fehr verfchiedenem Umfange, doch fämmtlich wegen ihres bis jetzt unbekannten Materials und ihrer wechfelfeitigen Ergänzung von Werth und Bedeutung waren; für Böhmen insbefondere bot die Collectivausftellung fchon jetzt eine ziemlich abgefchloffene Reihe von Preisangaben aus mehr als zwei Jahrhunderten, welche die Preisbewegung der wichtigften Confumtionsartikel und der gemeinen Arbeit in erfchöpfender Weife erkennen und verftehen liefs. Die in diefer Collectivausftellung vereinigten Elaborate liefsen fich füglich in zwei grofse Gruppen fcheiden, je nachdem fie fich möglichfte Vielfeitigkeit der Preisangaben oder fpecielles Durchdringen einzelner Partien zur Hauptaufgabe geftellt hatten. In erfter Beziehung waren theils die Preisverhältniffe gefchildert, wie fie fich auf wichtigeren Verkehrsplätzen, befonders in Städten, geftaltet haben, theils war die wirthschaftliche Entwicklung einzelner Domänen oder fonftiger Verwaltungen an der Hand der Preisgefchichte entwickelt, theils war durch Sammlung preisgefchichtlicher Angaben von verfchiedenen Standorten ein Bild des wirthschaftlichen Lebens für ein gröfseres Gebiet( Provinzland) zu entwerfen verfucht worden. In zweiter Beziehung aber fanden fich fehr erfchöpfende Arbeiten über die Preife bei dem Bauwefen, einzelner Handelsartikel und Apothekerwaaren, welche fämmtlich auch einen bedeutfamen culturhiftorifchen Hintergrund hatten. Sicherlich gehören erfchöpfende Preisangaben von frequenten Verkehrsplätzen zu den werthvollften Quellen der Preisgefchichte, weil die Preife diefer Plätze, als Marktpreife, immer einen dominirenden Einfluss auf die Preife der Umgebung ausüben; und, wenn diefer Einflufs grofserer Verkehrscentren auch in früheren Jahrhunderten weniger ftark hervortrat als in der verkehrsmittelreichen Gegenwart, fo mufste doch von jeher bei diefen Marktpreifen die Concurrenz aller preisbeftimmenden Momente entfchieden auf Herbeiführung von Normalpreifen, alfo zur ungetrübten Wirkfamkeit des wirthfchaftlichen Preisgefetzes in ganz anderer Weife beftimmend einwirken als an entlegeneren Plätzen, bei welchen ungleich gröfsere Schwankungen, aber auch ungleich gröfseres Beharren auf an fich ungerechtfertigten Preifen möglich war. Bei den Sammelarbeiten vollends, welche Preife von verfchiedenen Plätzen in chronologifcher Folge an einander reihen, ift eine folche Wirkfamkeit des Preisgefetzes unmittelbar aus den vorgeführten Zahlenreihen gar nicht zu erkennen, fofern wir unfer Augenmerk nur auf einzelne kürzere Perioden werfen, während allerdings in ihren grofsen Zügen auch die grofsen Bewegungstendenzen der Preife deutlich hervortreten. Unter den Bearbeitungen der Preisgefchichte wichtiger Verkehrsplätze ragte nicht blofs durch ihren Umfang und ihre Vollständigkeit, fondern auch durch die beigegebenen wirthschaftsgefchichtlichen Unterfuchungen das Werk des Brauereibefitzers Ferdinand Urban in Prag hervor, welches die Preife von fechzehn der wichtigften Nahrungsmittel, wie fie in Prag von 1655 bis 1872 beftanden, anfänglich in Quartals-, fpäter in Monatsangaben mit Hervorhebung jedes Jahresund Decenniums durchſchnittes vorführte. Das Material zu diefer Arbeit war den Taxvoranfchlägen und Marktprotokollen des königlichen Stadtarchivs in Prag entnommen, und in diefer reichhaltigen Quelle lag zugleich die Stärke und die Schwäche diefer Arbeit. Während nämlich die abgefchloffene Reihe von Preisangaben aller wichtigen Lebensmittel für einen Zeitraum von mehr als zwei Jahrhunderten und von einem wichtigen Verkehrscentrum eine beffere Grundlage für weitere nationalökonomifche Unterfuchungen bot, als die meiften übrigen Elaborate, war doch anderfeits die Verfchiedenheit der Quellen, aus welchen der Verfaffer gefchöpft hatte, nicht geeignet, jene Gleichförmigkeit der Angaben in ihrer gefchichtlichen Folge zu bieten, wie fie die nothwendige Vorausfetzung für eine unmittelbar wiffenfchaftliche Verwerthung der gegebenen Zahlenreihen bildet. 8 Dr. Carl Theodor von Inama- Sternegg. Von 1655 bis 1820 waren die Preisangaben nämlich überwiegend den Taxvoranfchlägen, von 1820 bis 1872 dagegen( wie auch für die kurze Periode von 1770 bis 1784 und theilweife 1795 bis 1799) den Marktpreisprotokollen der Stadt Prag entnommen. Dafs aber die Taxvoranfchläge nicht allen Fluctuationen des Victualienmarktes folgten, läfst fich nicht blofs aus ihrer Natur fchon annehmen, nach welcher fie immer nur höchftens als Näherungspreife angefehen werden können, fondern folgt auch mit Beftimmtheit aus den Angaben, welche Urban felbft über das Verfahren bei Feftftellung diefer Taxen in der Einleitung machte. Die Victualientaxen wurden auf Vorfchlag des Magiftrates im Vereine mit Vertrauensmännern von der Statthalterei ratificirt und publicirt. Die Taxen wurden, wenigftens in der Folge, für ein Quartal feftgefetzt, was jedoch nicht hinderte, dafs, wenn während desfelben bedeutende Variation der Preife erfolgt, fofort Intercalartaxen erlaffen wurden, woraus hervorgeht, dafs eine Differenz der Taxvoranfchläge und der effectiven Marktpreife als etwas Selbſtverſtändliches an genommen wurde. Auch diefe Intercalartaxen find in dem Elaborate aufgenommen und bei Berechnung der Durchfchnittspreife in Betracht gezogen.- Vom Jahre 1800 an erfchienen die Taxvoranfchläge alle Monate in gedruckter Tabellenform. Als eine Probe der Berichte des Magiftrates an die Statthalterei mit Motiven war der ältefte Bericht von 1655 in der Einleitung mitgetheilt, in welchem auch der Schlüffel zur Preisberechnung der verfchiedenen Artikel gegeben ift. Diefer befteht in Verhältnifszahlen, nach welchen die einzelnen Artikel zu einander in Anfatz gebracht wurden, fo dafs, wenn der Preis eines Artikels feftgeftellt war, die Verhältnifszahlen die Preife der mit diefen correfpondirenden Artikel angaben. Auch die Gewinne der Müller und Bäcker waren ähnlich normirt und darnach bei feftgeftelltem Getreidepreife der Preis des Mehles und Brotes berechnet. Es fanden alfo nicht einmal für die einzelnen Victualien felbftftändige Erhebungen der Marktpreife ftatt, fondern im Gegenfatze zum Marktverkehre wurden fefte Verhältniffe den Taxvoranfchlägen zu Grunde gelegt. - - Es erklärt fich daraus wohl zur Genüge, dafs die älteren Preisangaben des Urban'fchen Werkes mit den effectiven Marktpreifen durchaus nicht immer in Uebereinftimmung, dann und wann fogar in grellem Widerfpruche fich befinden, wie denn z. B. der Strich Linfen im September 1742 mit vier Gulden( Intercalartaxe acht Gulden) angefetzt ift, während für den gleichen Monat das Elaborat des böhmifchen Landesausfchuffes Linfen mit dem effectiven Preife von fünfundzwanzig Gulden, 36 Kreuzer notirt, welch' abnorm hoher Preis durch die damalige Belagerung Prags fich erklärt. Wir mufsten auf diefen Umftand befonders aufmerkfam machen, weil die Urban'fchen Daten zu einigen Bearbeitungen der Preisgefchichte( fiehe unten) Anlafs gegeben haben und wohl auch künftig in erfter Linie hiefür herangezogen werden dürften. Der Werth des Urban'fchen Werkes bleibt nichtsdeftoweniger immer ein höchft bedeutender, wenn wir feinem Materiale auch die Eigenfchaft abfprechen mufsten, ſchon ſo, wie es vorlag, reif für die unmittelbare wiffenfchaftliche Verwerthung zu fein. Zudem fanden fich bei Urban in der Einleitung ausführliche Erörterungen über die gebrauchte Mafseinheit mit fehr intereffanten Daten über die Entwicklungsgefchichte der alten böhmifchen Maſse, fowie über die Geldwährung und die Wandlungen der öfterreichifchen Münzfufse. In Bezug auf die böhmifchen Getreidemasse war eine Abhandlung aus den ftädtifchen Marktprotokollen, wie es fcheint, vollständig aufgenommen, worauf wir Sammler von Rechts- und Culturalterthümern aufmerksam machen; die gefchichtliche Entwicklung führt bis auf die Chronik des Kosmas und die Stiftsurkunde des Herzogs Vratiflav( 1125) zurück. Befonders wichtig ift hier die alte Feldvertheilung, um die Flächenmafse beffer anwenden zu können:„ Die Felder follen beetweife getheilt, eines fo lange wie das andere fein, und in einem Beete 7, in dem andern 8 Furchen, alfo in zwei Beiträge zur Gefchichte der Preife. 9 Beeten 15 Furchen gemacht werden." Eine königliche Hube enthielt 12 Schock Beete, eine geiftliche Hube Feldes II Schock, eine Edelmanns- Hube 10 Schock, eine Bauernhube 8 Schock Beete. Doch follte auf jeder Hube gleichviel ausgefäet werden( 64 Strich), was defswegen nothwendig war, weil die Bauernfelder die fchlechteften waren. Später, als man die Ungleichheit und Unordnung hierin einfah, ift man gänzlich davon abgekommen. Eine jede Landhube follte darnach ohne Unterfchied 192 Quadrat- Landfeile enthalten, jedoch auf einer Hube schlechteften Landes 72 Strich, auf befferem 64, auf beftem 60 Strich ausgefäet werden. So viel nun als Probe des ebenfo forgfältig wie verftändig und vielfeitig gearbeiteten Werkes. Die Cultur- und befonders die Wirthfchaftsgefchichte wird aus diefem wie aus vielen anderen der hier ausgeftellten Elaborate reiche Belehrung und Anregung erfahren. Auch von anderen, wenn auch minder bedeutenden ftädtifchen Marktorten waren preisgefchichtliche Elaborate vorgelegen, wie von Mährifch- Neuftadt, Bärn, Kremfier und Olmütz in Mähren, fowie abgeriffene Notizen aus Trient. Befonders hatte der Gemeinderath der Stadt Kremfier vom XVIII. Jahrhundert an faft vollftändige Reihen der Getreidepreife, theils Ankaufs, theils Marktpreife geliefert, welche, wie die vom XVIII. Jahrhundert an, auch ziemlich vollſtändige Preisangaben aus Bärn nur an dem Fehler litten, dafs uns meiftens Durchschnittspreife geboten wurden, ohne dafs erfichtlich gemacht wäre, aus welchem Material und durch welches Verfahren diefelben gewonnen wurden. Die Olmützer Angaben( vom Prof. K. Liftl) aus den Getreidebüchern des Stadtarchivs in Olmütz waren von 1769 an in ununterbrochener Reihenfolge, wenigftens für einige wichtigere Marktartikel, vorgetragen. In ähnlicher Weife hatte die Handels- und Gewerbekammer in Lemberg Marktpreife von Getreide und anderen Lebensbedürfniffen( im Ganzen 17 Artikel), dann des Taglohnes in Lemberg aus den Jahren 1804 bis 1872, der Centralausfchufs der k. k. fteiermärkifchen Landwirthschaftsgefellfchaft in Graz Marktpreife landwirfhfchaftlicher Erzeugniffe zu Graz in grofser Reichhaltigkeit, aber nicht ohne erhebliche Lücken, aus den Jahren 1826 bis 1871 ausgeftellt. Ueberrafchend war es, in einem der werthvollften böhmifchen Elaborate ( des Baron A. v. Steiger) einen umfaffenden Beitrag zur Preisgefchichte von Bern( Schweiz) zu finden, welcher zumeift aus dem Berner Staatsarchive feit dem Beginn des 16. Jahrhunderts bis 1830 genommen und mit einzelnen Angaben aus dem 13. Jahrhundert und aus der neueften Zeit vermehrt war. Der Verfaffer hatte fich der Mühe unterzogen, mit Hilfe des Herrn Armand Streit in Bern, aus den zerftreuten Urkunden diefes Archives möglichft vollſtändige Zahlenreihen zu fammeln, um fie dann mit den Prager Preifen in eine Vergleichung zu ftellen ( fiehe unten). Er hat damit nicht blofs die Reihe preisgefchichtlicher Materialienfammlungen aus gröfserren Marktorten um einen ftattlichen Beitrag vermehrt, fondern auch Refultate zu Tage gefördert, welche felbft den Schweizer Statiſtikern bisher unbekannt gewefen fein dürften. Die Sammlung war durch einige auch dem erwähnten Specialkatalog als Anhang beigegebene Notizen über altes Berner Mafs und Gewicht noch befonders in ihrer Brauchbarkeit erhöht. Als Ergänzungen zu diefen Preisverzeichniffen von namhafteren Marktplätzen konnten noch einzelne preisgefchichtliche Notizen herbeigezogen werden, wie fie fich z. B. in den gleichfalls von Baron Steiger mitgetheilten Rechnungen aus der Prager Domkirche 1600 bis 1625, in den Notizen über Wiener und Prager Victualienpreife( mitgetheilt von F. Plötterle), über Getreide- Marktpreife von Böhmifch- Leipa 1787 bis 1793( Monatspreife, ausgeftellt von der gräflichen Kinsky'fchen Generaldirection in Prag), ferner in Prag), ferner in den Elaboraten des böhmifchen Landesausfchuffes und der Prager Handelskammer finden. Erfterer hat in diefer Richtung unter Anderem Bierpreife in Prag 1570 bis 1615, Victualienpreife dafelbft während der Belagerung 1742, fowie verfchiedene Preistarife und in einer grofsen Sammelarbeit,„ Preisverhältniffe in Böhmen von 1263 bis 1812," 10 Dr. Carl Theodor von Inama- Sternegg. geboten; letztere lieferte unter Anderem werthvolle Beiträge aus den Rechnungen des königlichen Schlofs- Bauamtes in Prag, wozu das Material bereitwilligft durch die k. k. Schlofs- Hauptmannfchaft beigefchafft wurde. Auch die Sammelarbeit des Referenten über Preife in Tirol von 1271 bis 1871 bot vielfach Material für die Gefchichte der Preisbewegung an den beiden Haupt- Marktplätzen Innsbruck und Bozen, wozu unter Anderem Forftmeifter Neeb aus Bozen namhafte Beiträge geliefert hatte. Eine zweite Reihe preisgefchichtlichen Quellenmateriales eröffnete die Prager Collectivausftellung mit den Arbeiten über einzelne Domänen und Gutsverwaltungen. Haben diefe Preife einerfeits nicht jenen felbftftändigen Werth wie Marktpreife, da fie theils nur localer Natur, theils aber von diefen abgeleitet und beeinflufst find, fo geben fie anderfeits doch höchft werthvolle Auffchlüffe über die Culturarten auf den einzelnen Gütern und ihre Wandlungen über den Culturaufwand und ihr Verhältnifs zu demfelben, wie fie auch das allmälige Vordringen des Einfluffes gröfserer Marktorte und die durch vervollkommnete Verkehrsmittel fteigende Taufchwirthschaft folcher Güter, der älteren Befchränkung auf fich felbft gegenüber, zeigen; kurz, wir erhalten durch die zahlreichen und oft grofsartig angelegten und durchgeführten Mittheilungen des preisgefchichtlichen Materiales von( in Summe 45) Herrfchaften, Domänen und anderen gefchloffenen Gütern ein Bild böhmifcher und mährifcher Gutswirthfchaft in ihrer ökonomifchen Entwicklung feit mehr als drei Jahrhunderten, wie ein ähnliches wohl nirgends auch nur mit annähernd folcher Vielfeitigkeit und Vollständigkeit zu finden ift. In Bezug auf allgemein cultur und wirthschaftsgefchichtliches Intereffe ift diefe Partie unftreitig die Perle der ganzen Collectivausftellung gewefen, und die Prager Handelskammer* verdiente fchon hiefür allein den höchften Ehrenpreis, welchen die Ausftellungsjury gewähren konnte, dafs fie die bisher faft vollſtändig verfchloffenen Quellen gutsherrlicher Archive erfchloffen, ihre weitere Ausbeute angeregt und durch das einmal geweckte Intereffe hoffentlich auch die Archive und Regiftraturen vor dem Schickfale einer unverftändigen Vernachläffigung oder gar Vernichtung für alle Zeiten bewahrt hat. Auch hier verdient wieder die Arbeit des Baron Steiger über die Domänen Tloskau und Duppau in Böhmen zuerft genannt zu werden, nicht fo faft wegen ihres Datenreichthums, in welcher Beziehung fie von manchen anderen Elaboraten übertroffen wurde, als vielmehr defshalb, weil fie ein auch für alle übrigen Arbeiten anwendbares Beiſpiel bot, wie volles nationalökonomifches und landwirthfchaftliches Verftändnifs nothwendig ift, um eine richtige Beurtheilung und fichere Schlüffe aus den einfachen Reihen der Preisverzeichniffe zu ermöglichen. Die Einleitung zu diefen Arbeiten war ein Mufter von Sorgfalt und Durchdringung des Stoffes, wie es denn auch nur unter diefen Vorausfetzungen möglich war, dafs der Verfaffer mehrere Verfuche einer weitergehenden Bearbeitung des Quellenmateriales mit Erfolg unternehmen konnte ( fiehe unten). Auch bei Steiger, wie wohl faft bei allen Elaboraten, waren die verzeichneten Preife fehr verfchiedenartig und es handelte fich darum, diefe Verfchiedenheit ftets zum Bewufstfein zu bringen und auf ihre Erklärungsurfachen zurückzuführen. So waren z. B. die Preife aus den Neveklauer Kirchenrechnungen Detail- Verkaufspreife kleiner Quantitäten loco Neveklau; jene aus den Tloskauer Rechnungen waren die Jahresmittel der Verkaufspreife im Grofsen. Ein grofser Theil der feit 1848 eingetretenen Preisfteigerung geht auf Rechnung der befferen Getreidequalität. Der Unterfchied ift in der That fo grofs, dafs, wenn er überfehen würde, grofse Irrthümer daraus hervorgehen konnten.„ In der Periode 1856 bis 1872 betrug die Gewichtszunahme gegenüber der Periode von 1848 bis 1855 * Sie hat fich jedoch als Veranſtalterin der Collectivausftellung fowohl als auch als Ausfteller auf diefem Gebiete aufser Concurs geftellt. Beiträge zur Gefchichte der Preife. 11 bei Weizen 12 Percent, bei Roggen 14 Percent, bei Gerfte II Percent, bei Hafer 4 Percent. Da der mittlere Preis für einen Metzen Weizen in der erften Periode von 1848 bis 1855 mit 4 fl. 15 kr., in der zweiten Periode 1856 bis 1871 mit 5 fl. 29 kr. fich berechnet, fo abforbirt der Gewichtsunterfchied allein fchon um 56 kr und der 75pfündige Weizen wäre nur werth gewefen 4 fl. 73 kr.; aber auch nicht einmal fo viel, da bekanntlich für fehlende höhere Gewichtspfunde der Werth des Getreides weit rafcher abnimmt, als im arithmetifchen Verhältniffe. Ausserdem kommt für diefe Periode das Silberagio zu berücksichtigen, das den Preis in der zweiten Periode nochmals um 7 Percent oder 35 kr. fchmälert, und es iſt daher der Preis von einem Centner Weizen in effectiver Münze feit 25 Jahren in Tloskau faft ftationär geblieben." Baron Steiger hatte weiter diefen feinen Quellenarbeiten auch noch Unterfuchungen über altes böhmifches Mafs und Gewicht, fowie über die alte böhmifche Geldwährung angefügt, die im Schebek'fchen Kataloge aufgenommen find, und von denen die letzteren, den Verfuch einer Ermittlung des reellen Werthes der Geldwährung enthaltend, fpäter im Zufammenhange mit einer allgemeinen Befprechung diefer Frage noch berührt werden müffen. Ein für das Verftändnifs preisgefchichtlicher Angaben fehr wichtiges Moment, die bei Entſtehen eines jeden Preifes concurrirenden Quantitäten, aus welchen die Bedeutung der Rolle fich ermeffen läfst, welche eine Waare in einer beftimmten Periode auf einem beftimmten Platze fpielt, fanden wir auch bei Steiger nicht berücksichtigt. Dagegen hatte die k. k Statthalterei in Böhmen ein Elaborat über ihre Stiftungs- Domänen ausgeftellt, in welchem von der Domäne Ronow eine werthvolle Ueberficht gegeben war, wie viel an den einzelnen verzeichneten Naturproducten nach dreijährigem Durchfchnitte des einftigen Herrfchaftskörpers erzielt, confumirt und exportirt wurde, wobei zugleich auch die Bevölkerungsziffern berücksichtigt waren. Diefs Elaborat enthielt auch fonft werthvolle gefchichtliche Wirthfchaftsnotizen, welche freilich, fo wie fie vorlagen, in ihrer Richtigkeit uncontrolirbar waren. Ebenfo fanden fich wenigftens die Ertragsmengen eingehend dargestellt in dem Anhange zum Elaborat der reichsgräflich Thun zu Hohenftein'fchen Domänen direction in Rothenhaus bei Görkau in Böhmen, welcher aufser guten Rückblicken auf die Entwicklung des Rechnungswefens, auf die Münz-, Mafs- und Gewichtsverhältniffe und Verfuche einer erften oberflächlichen Ausbeute der Preistabellen noch befonders nachwies. Das Körner- und Stroherträgnifs im Flachlande, die Production der Halm- und Körnerfrüchte 1809 bis 1858, den Wiefenertrag und den Ertrag von Schafwolle für diefelben Jahre. Auch in dem Werke der Max Egon Fürft zu Fürftenbergifchen Domänen- Central direction in Prag über die grofse Waldherrfchaft Pürglitz( fie umfafst 6.7 Quadratmeilen), welches zwar nur einen kurzen Zeitraum( nur das 19. Jahrhundert) umfafste, aber fehr ins Detail ging, waren bei den Nachweifungen über Schafwoll- Preife auch die Schurgewichtsverhältniffe nebft den Gefammtmengen der Schafe und der erfchorenen Wolle berücksichtigt, während die durch ihren Datenreichthum wahrhaft überrafchenden Arbeiten der kaiferlichen Güterdirection zu Prag lagen von acht in Ausficht genommenen Domänen erft fünf in Bearbeitung vor, und auch von diefen nur die eigentlichen Preisdaten diefes wie andere wichtige wirthfchaftliche Momente in einem Anhang für jede der behandelten Domänen nachzuliefern verfprachen. - es Die Elaborate diefer Direction diefer Direction über die Domänen Reichftadt, Swolenowes, Bufchtiehrad, Katzow und Brennporitfchen find nun von allen meift fehr ftattlichen Werken über Domänen weitaus die bedeutendften. in Bezug auf Vielfeitigkeit und Reichhaltigkeit der Daten gewefen. Das Inhaltsverzeichnifs über diefelben allein umfafste in dem Schebek'fchen Kataloge 50 Seiten und gewährte an fich fchon ein intereffantes Bild der verfchiedenen Phafen, welche der Wirthfchaftsbetrieb auf diefen Domänen im Laufe der Zeit 12 Dr. Carl Theodor von Inama- Sternegg. durchgemacht hat. Befonders werthvoll waren diefe Arbeiten auch defshalb, weil wir es bei der ungeheuren Fülle und Mannigfaltigkeit der einzelnen Daten immer mit effectiven Preifen zu thun hatten. Zwar boten fie keine ganz gefchloffenen Zahlenreihen all' der Artikel, welche die Operate umfafsten; es würde diefs auch geradezu ins Ungeheuerliche gezogen, und in Bezug auf viele Gegenftände eine entfchieden unnöthige Arbeit gewefen fein; in einzelnen Artikeln, befonders wichtigen Victualien und Gebrauchsgegenständen ift wenigftens von der Mitte des XVIII. Jahrhundertes an eine ziemliche Vollständigkeit geboten worden. Die befte und abgerundetfte Arbeit über Bufchtiehrad hat denn auch Veranlaffung zu weiter vorfchreitenden nationalökonomifchen Unterfuchungen geboten, welche wir an anderer Stelle behandeln( fiehe unten). Die Elaborate, welche aus wohlerhaltenen Regiftraturen gearbeitet wurden und das vorhandene Material bis auf den Grund erfchöpften, enthielten Preife von mindeſtens 2000 Artikeln, im Ganzen aus dem Zeitraum von 1631 bis auf die Gegenwart. Es ift fehr zu wünſchen, dafs der unermüdlich thätige und, wie es fcheint, für folche Arbeiten ganz ausgezeichnet befähigte Referent der kaiferlichen Güterdirection Herrn Alois Poft unermüdlich an der Vervollſtändigung diefes einzig daftehenden Unternehmens fortarbeitet. Hieran reihten fich in Bezug auf Quellenreichthum und forgfältige Ausführung die Arbeiten des Freiherrn v. Weyhe Eimke( im Auftrage der fürftlich Schaumburg- Lippe'fchen Domänenadminiftration in Nachod), das fchon erwähnte Operat über die Domäne Rothenhaus, fowie das Werk der Domänen- CentralDirection des Grafen v. Thun- Hohenftein über das Fideicommifs Tetfchen an der Elbe. Das erfte der genannten Elaborate gehörte, was Vollständigkeit der Daten anbetrifft, jedenfalls zu den vorzüglichften Werken. Vom Jahre 1634 bis 1872 reichend, fehlten, z. B. von Getreide im Ganzen nur 24 Jahre( aus dem XVIII. Jahrhundert), das XVII. und XIX. Jahrhundert war in ununterbrochenen Reihen vertreten. Während im Allgemeinen die Preife nach den Originalnotirungen verzeichnet waren, fanden fich mehrere Tabellen, welche behufs weiterer unmittelbarer Verwerthung( fiehe unten) eine Bearbeitung der Preisliften enthielten. Zwei Tabellen brachten die Preife des Getreides, Heues und der Kartoffeln von 1634 bis 1872 reducirt auf niederöfterreichifche Metzen und Centner in öfterreichifcher Währung; zwei Tabellen enthielten Fleifch, Butter, Wolle nach Centnern und Pfunden in öfterreichifcher Währung von 1634 bis 1870; eine Tabelle Brennholz in Klaftern in öfterreichifcher Währung von 1720 bis 1872; eine Tabelle Wild in öfterreichifcher Währung von 1696 bis 1872; eine weitere Tabelle Fifche nach Pfunden in öfterreichifcher Währung von 1634 bis 1870: eine Tabelle Steinkohlen nach Centnern in öfterreichifcher Währung von 1800 bis 1873; eine Tabelle Bier und Branntwein nach Fafs und Seideln in öfterreichifcher Währung von 1634 bis 1873; eine Tabelle Leinwand nach Schock von 1636 bis 1868; endlich eine Tabelle Taglohn und Mühelohn von 1636 bis 1872. Diefe bildeten die Grundlagen für mehrere graphifche Tableaux. Auch die Arbeiten über die Domäne Rothenhaus( Referent Directionsadjunct Guftav Welz) hatte annähernd vollſtändige Preisreihen von 1690 bis 1872 und waren hier befonders die ausführlichen Mittheilungen über Arbeitslöhne von hohem Intereffe, aus welchen zu entnehmen war, wie fchon im XVII. Jahrhunderte Accordlöhne( einen Strich Korn fchneiden, eine Fuhr Gras mähen und dergl.) neben den Taglöhnen in Uebung waren; freilich alterirt für die älteren Zeiten die häufige Robottarbeit die Klarheit, welche aus folchen Lohnangaben über den Arbeitswerth gehofft werden könnte. Ganz ausgezeichnet aber durch feine Vollständigkeit war das grofsartige Operat über Tetfchen, welches die Herren Centraldirections- Secretär Carl Tfchertner, Mühlenverwalter Kryštufek und Mühlenverwaltungs- Controior Vítěz gearbeitet hatten. Ueber den grofsen Zeitraum von 1570 bis 1870 fich erftreckend, waren mit Ausnahme der Zeiten des dreifsigjährigen Krieges faft Beiträge zur Gefchichte der Preife. 13 ununterbrochene Jahresreihen mit Minimal- und Maximalpreifen in Originalnotirungen geboten und in einem befonderen Anhange die verfchiedenen Währungen, Mafse und Gewichte in Vergleichung geftellt, fowie Mittheilungen gemacht über Entlohnungsverhältniffe, Zölle, Accife, Steuern, Zinfungen und dergl. Auch in Betreff der Mannigfaltigkeit der notirten Artikel wetteiferten diefe drei Operate mit einander, erfchöpften fo ziemlich Alles, was der eigenen Oekonomie der Domänen entftammte und fchloffen fich fomit würdig der umfaffendften Arbeit über die kaiferlichen Domänen an. Weitere gute Arbeiten über Domänen waran geliefert von der k. k. Stiftsdomänen- Adminiftration über die Stiftsdomäne Gradlitz- Kukus, welche ihre Preife ( von 1782 bis 1872) den Hofpital- und Rentrechnungen entnommen hatte; von der fürftlich Colloredo- Mannsfeld'fchen Domäne Opočno( Referent Wilh. Baumann) mit Angaben von 1598 bis 1873 und einem Anhange über Steuern und Giebigkeiten; von dem Fideicommifs- Domänencomplexe Pürglitz( fiehe oben), deren vorzüglichftes Object, die Waldwirthfchaft, hier eine fehr eingehende preisgefchichtliche Behandlung erfuhr; die Anfügung von Preisdaten aus dem Gebiete des Berg- und Hüttenwefens mufste leider unterbleiben, weil die Ueberfchwemmung im Jahre 1872 fämmtliches Material und die bereits fertigen Arbeiten vernichtet hat; ferner von der fürftlich Liechtenſtein' fchen Domäne Landskron mit Landsberg complete Preisreihen von 1780 bis 1872 von den wichtigſten Artikeln der Landund Forftwirthfchaft, Viehzucht und der landwirthfchaftlichen Nebengewerbe*; endlich, einiger unbedeutender Arbeiten nicht zu gedenken, von der mährifchen Domäne Wšetin( Rentmeifter Wilh. Fernand) umfaffende, wenngleich nicht gefchloffene Preisreihen aus den Jahren 1730 bis 1872 mit einzelnen Angaben aus dem XVII. Jahrhundert in ähnlicher Weife, wie bei den meiften diefer Arbeiten über fämmtliche Producte der Domäne fich verbreitend. Faft allen diefen Elaboraten, wie nicht minder den Arbeiten über die mährifchen Städte waren als werthvolle Beigabe zu den Preistabellen einleitende Schilderungen der Wirthfchaftscomplexe nach Lage, Bodenbefchaffenheit, Klima, Culturmethoden vorausgefchickt, denen fich nicht felten ein gefchäftlicher Ueberblick über die Befitzveränderungen und fonftigen denkwürdigen Schickfale anreihte. Hieher gehörig waren auch einige Abtheilungen aus dem Elaborate des böhmifchen Landesausfchuffes, wie die Schilderung der wirthschaftlichen und Preisverhältniffe auf den Herrfchaften Komotau und Pürglitz aus den intereffanten Berichten an den Erzherzog Ferdinand von Tirol aus den Jahren 1561 bis 1572( Innsbrucker Statthalterei- Archiv), und der Preisverhältniffe auf der Herrfchaft Koft- Sobotka von 1632 bis 1762. Unter den Sammelarbeiten, welche fich über ein gröfseres Gebiet erftreckten, deren Preisangaben alfo nicht einem Marktorte oder einem gefchloffenen Wirthschafts complexe angehörten, ragten entfchieden die Operate des böhmifchen Landesausfchuffes hervor, welcher in ausführlicher Weife Material zur Preisgefchichte von ganz Böhmen für den weiten Zeitraum von 1263 bis 1812 brachte und neben mehreren anderen Detailmittheilungen auch die verdienftvolle Arbeit unternommen hatte, die höchften und niederften Preife aus dem königlich Jofephinifchen Landeskatafter vom Jahre 1787 zufammenzustellen. Diefe Sammelarbeit hat als hauptfächliche Quelle das reiche Landesarchiv gehabt, welches über 40.000 Copien aus verfchiedenen fremden Archiven neben feiner eigenen wichtigen Originalienfammlung enthält; aufserdem wurden noch die Manufcripte des böhmifchen Muſeums und die Memorabilienbücher des Prager Stadtarchivs benützt. Als Einleitung zu den Preisverzeichniffen des Jofephinifchen Katafters wurden deffen Grundprincipien entwickelt und die Art und Weife ausgeführt, auf welche die Durchfchnittspreife für denfelben berechnet Die Durchfchnittspreife der nächftgelegenen Wochenmarkts- Plätze wurden. * Von J. Holešovský über die Domäne Žleb und von J. Zemann über Raudnitz. 14 Dr. Carl Theodor von Inama- Sternegg. dienten hiefür als Grundlage und die Obrigkeiten hatten zugleich auf den einzelnen Faffionen felbft die Localpreife von Heu, Grummet, Wein und Holz nach neunjährigem Durchschnitte anzufetzen. Bei Gemeinden, welche eine halbe Meile vom Markte entfernt waren, wurde bei Weizen und Korn 4 Kreuzer, bei Gerfte und Hafer Kreuzer abzufchlagen verftattet, bei gröfseren Entfernungen 11/2 Kreuzer, beziehungsweife I Kreuzer.( Hofdecret vom 12. September 1785.) Diefe als Bafis der Grundfteuer- Bemeffung dienenden Durchfchnittspreife find in der vorliegenden Zufammenftellung von den fämmtlichen im Jofephinifchen Landeskatafter unter felbftftändigen Rubriken eingetragenen Herrfchaften, Gütern, Höfen und Städten im ganzen Lande Böhmen( circa 1400 Wirthfchaftskörper) in der Art nachgewiefen, dafs von den Gutskörpern, welche mehrere Gemeinden umfaffen, der höchfte und der niederfte Preis aller diefer Gemeinden zufammen und bei Gutskörpern, welche nur aus einer Gemeinde beftanden, fowie bei Städten der höchfte und niedrigfte Preis diefer einen Gemeinde und Stadt mit Rückficht auf den obigen durch die grössere oder geringere Entfernung vom nächsten Marktorte bedingten Abfchlag als Kataftralpreis des Jahres 1788 angefetzt worden find. Neben diefen Arbeiten und den culturhiftorifch intereffanten Daten von Max Dormitzer verdienen die kleineren Mittheilungen genannt zu werden, welche der Prager Handelskammer von verfchiedenen Mitarbeitern an der Collectivausftellung gemacht wurden und die fie im Verein mit den eigenen Arbeiten der Kammer gefammelt und ausgeftellt hatte. Sie enthielten unter vielem Anderen zerftreute Notizen über Geldwefen und Münzfufse von 1245 bis 1504, fowie Preisnotizen über Getreide und Löhnungen nebft Nachrichten über Fruchtbarkeit und Geldmenge 1308 bis 1508 aus Joh. Thom. Funk's handfchriftlicher Chronik von Eger( Ausfteller Dr. J. Volkelt), über Arbeitslöhne 1584( Dr. V. Rufs), welche gleichfalls fchon über das Verhältnifs von Zeit- und Stücklohn intereffante Auffchlüffe gaben; über Wein 1715( Dr. E. Schebek), fowie Preife auf dem Dominium Elbogen im Jahre 1623 unter Anfchlufs der Originalquelle( von demfelben), auffallend wegen ihrer exorbitanten Höhe, befonders für Getreide, welch' merkwürdiger Umftand auch zu einem eigenen Excurfe über die Domäne( Schebek'fcher Katalog, Beilage F) Veranlaffung gegeben hat. Das Elaborat des Referenten endlich erftreckt fich über das ganze Gebiet von Deutfchtirol und bietet befonders für die beiden Jahrhunderte der grofsen Preisrevolutionen( XVI. und XIX. Jahrhundert) ziemlich reichhaltige Daten, unter denen die Preife für Getreide, Fleiſch, Wein und die Arbeitslöhne am ausführlichften behandelt find, weil fie ja auch die entfcheidenften Momente für die Beurtheilung der wechſelnden Kaufkraft des Geldes, diefen Angelpunkt aller Preisgefchichte, find. Die ausgeftellten Specialarbeiten zur Gefchichte der Preife gliederten fich hauptfächlich in bau- und handelsgefchichtliche Beiträge. In erfter Richtung hatte befonders der fürftlich Lobkowitz'fche Bibliothekar Max Dvořák mit feiner gedruckten Gefchichte des Raudnitzer Schlofsbaues eine fehr umfaffende und, wie nicht zu leugnen, auch fehr verdienftvolle Arbeit gefchaffen, welche, wenn fie auch gerade an Preisdaten nicht reich ift, fo doch im Allgemeinen wegen des tiefen Einblickes von Werth ift, welchen der Lefer in die ganze Baugefchichte eines grofsartigen Schloffes und in alle dabei geführten Verhandlungen( welche in den Beilagen mitgetheilt find) erhält und überdiefs in einer hiftorifchen Einleitung die Schickfale von Raudnitz und feinen Befitzern mit dem Schlofsgebäude lebensvoll verbindend, in lebhaften und durch die Unmittelbarkeit einnehmenden Zügen uns ein nicht unbedeutendes Stück böhmifcher Gefchichte vorführt. In diefe Partie würde auch die im Kataloge aufgenommene, aber noch nicht vollendete Gefchichte des Prager Dombaues von 1372 bis 1378( Dr. E. Schebek) gehören, wie denn auch die Beiträge der Prager Handelskammer aus den Rechnungen des königlichen Schlofsbau- Amtes in Prag über Bauten am königlichen Schloffe und bei den beiden Damenftiften in Prag hieher zählen. Auch fonft Beiträge zur Gefchichte der Preife. 15 in Beiträgen, befonders von Domänen, Kirchen und Klöftern, fpielte das Bauwefen eine hervorragende Rolle. Zu den Specialarbeiten über Handelsartikel gehören aufser einer Arbeit von K. Halla über Kaufmannswaaren zu Prag 1815 bis 1873( Colonialwaaren, Südfrüchte, Oele, Sämereien und Bergwerksproducte) befonders die hübfche Vergleichung der Preife von circa 2000 Materialwaaren( Droguen und Chemikalien), 1788 und 1873, welche der Verfaffer Dr. R. v. Helly in Prag auch zu einer graphifchen Darftellung benützte und das durch feine Ausdehnung und fleifsige Bearbeitung wahrhaft monftröfe Werk vom Apotheker Ernft Ebenhöch zu Neuhaus in Böhmen, ein Beitrag zur Gefchichte der Preife, der Heilkunde und des Apothekerwefens, wie kaum ein zweiter diefer Art bisher irgendwo geboten fein dürfte. Eine ausführliche Einleitung fchilderte die Perioden der Pharmacie, während die Beiträge zuerft die Apothekerordnung von 1592, dann in tabellarifcher Ueberficht die Arzneitaxen in Böhmen aus den Jahren 1659, 1699, 1737, 1775, 1822, 1836, 1854 bis 1859 und 1869 brachte. Die ältefte Apothekerordnung von 1592 von einem feiner Zeit berühmten Botaniker Adam Zalužansky von Zalužan entworfen( der Verfaffer nennt ihn den Schöpfer eines geregelten Apothekerwefens in Böhmen und bot auch eine Biographie desfelben), war hier zum erften Male ins Deutfche überfetzt; in böhmifcher Sprache ift fie zwar gedruckt, aber in wenig Exemplaren vorhanden, welche wie Cimelien bewahrt werden. Die Apothekertaxen von 1659 bis 1737 find von der medicinifchen Facultät in Prag für Böhmen, die für 1775 von Maria Therefia für alle Kronländer erlaffen worden, fowie alle fpäteren Taxen für den ganzen öfterreichifchen Staat giltig waren. In ihrer Zufammenftellung gaben fie uns nicht blofs ein Bild der Preisbewegung, fondern auch der Wandlungen der Medicin, indem fo manche Artikel der alten Pharmakopöe im Laufe der Zeit weggefallen, andere hinzugekommen, neuerdings aufgenommen und wieder verworfen wurden. Die in den Beilagen gegebenen Apothekerrechnungen( zugleich von culturhiftorifchem Intereffe) find durchgehends an hiftorifch berühmte Perfönlichkeiten ausgeftellt, fo an die Fürftin Polyxena von Lobkowitz, jene heldenmüthige Dame, welche den 1618 aus den Fenstern des Prager Schloffes geftürzten kaiferlichen Räthen Schutz und Aufnahme gewährte. Endlich reihten fich hieran auch die Beiträge der Zinnwerke- Verwaltung zu Graupen in Böhmen, welche Zinnpreife von 1470 bis 1872, der Werksdirection Zeltweg, der fteierifchen Eifeninduftrie- Gefellſchaft, welche Preife von Braunkohlen, Grubenholz, Sprengpulver, Eifen und Rüböl von 1841 bis 1872 brachte und des Herrn Franz Neuper zu Zeyring( Leoben), welche in fünfjährigen Perioden 1820 bis 1872 von Bergbau, Schmelzwerk und Hammer preisgefchichtliche Notizen lieferte. Das Reichhaltigfte in diefer Beziehung waren aber jedenfalls die Rechnungen der Herrfchaften Bufchtiehrad und Nachod mit ihren bis auf die erften Anfänge der Ausbeutung zurückgeführten Steinkohlen- Preife geboten. Zur Ergänzung konnten die Nachrichten herbeigezogen werden, welche die Firma Joh. Dav. Stark über ihre Berg-, Mineralwerke und Fabriken in einer eigenen von A. Prochaska hierüber verfafsten Schrift mitgetheilt hatte, in welcher unter Anderem die Preife von Kohlen und Chemikalien in Vergleichung der Jahre 1831, 1842, 1852, 1862 und 1872 nebft den erzeugten Quantitäten tabellarifch zufammengeftellt waren. Das Elaborat war, obgleich bei der Prager Collectivausftellung angemeldet, doch nicht hier, fondern im eigenen Pavillon diefer Firma ausgeftellt. Ueberblickte man diefes durch die Anregung und unermüdliche Opferwilligkeit der Prager Handelskammer der Vergeffenheit und dem Untergange entriffene, weiterer wiffenfchaftlicher Behandlung erfchloffene Quellenmaterial, fo mufste man füglich erftaunt fein über den Datenreichthum, der hier in verhältnifsmäfsig kurzer Zeit geliefert werden konnte und über das grofse Intereffe, welchem diefe additionelle Ausftellung in gelehrten Kreifen nicht nur, fondern ganz befonders in den Kreifen der Landwirthe und Induftriellen felbft begegnete; und es 16 - Dr. Carl Theodor von on Inama- Sternegg. leuchtet daraus die frohe Hoffnung, dafs diefer erfte flüchtige Schürfverfuch zu einem geregelten Abbau der reichen Lagerftätten Veranlaffung geben und von noch gröfserem Erfolge begleitet fein werde. So war die Prager Collectivausftel lung gleichfam eine Probeausftellung reicher, wiffenfchaftlicher, neu entdeckter Schätze, welche den Befchauern nicht blofs imponirten, fondern vor Allen, auch den Weniggebildeten doch in ihrer Bedeutung wenigftens ahnungsvoll erfafst wurden; und der Saal im Pavillon des Welthandels, welcher diefe Schätze barg, wirkte auf die Befucher wie eine ernfte und erhebende Mahnung, über der erdrückenden Maffe des Schönen und Beftechenden, welches der Induftriepalaft bot, nicht zu vergeffen, dafs die Vertiefung des menfchlichen Wiffens und die ernfte, angeftrengte Geiftesarbeit die Quelle alles Völkerwohlftandes fei. Inhaltlich fehr nahe einer Partie der Prager Collectivausftellung verwandt, wenn auch äufserlich von ihr gefchieden, war ein Elaborat der fürftlich Schwarzenberg' fchen Güterdirection über die Gefchichte der Preife auf der Herrfchaft Wittingau und der Domäne Jinonitz in Böhmen, ausgeftellt im eigenen Pavillon des Fürften Johann Adolf zu Schwarzenberg. Man erfieht aus dem Schebek'fchen Kataloge, dafs eine Betheiligung des Fürften, in deffen zahlreichen und wohlgeordneten Archiven und Regiftraturen eine Fülle urfprünglich in Ausficht ftand und fpäter wenigftens eine eigene Collectivausftellung von preisgefchichtlichem Materiale fich erwarten liefs, an der Collectivausftellung von den Schwarzenberg'fchen Gütern beabfichtigt war, während thatfächlich diefe Partie der Schwarzenbergifchen Ausftellung entfchieden zu den dürftigften des im übrigen fehr reichhaltigen Pavillons gehörte und in keinem Verhältniffe zu dem Reichthum der fürftlichen Archive ftand, von welchem gleichzeitig durch eine eigene Archivausftellung im Schwarzenberg'fchen Palais Zeugnifs gegeben war. In den Beiträgen" von der Herrfchaft Wittingau waren Preife einzelner Artikel als: Getreide, Bier, Fleiſch, Fifche und Holz, fowie Taglöhne von 1450 bis 1872 reducirt auf die beftehenden Mafse, Gewichte und auf öfterreichiſche Währung in fragmentarifcher Weife( die Originalpreife in eigenen Rubriken) mitgetheilt. Das XVI. Jahrhundert war hier in summa mit acht, das XVII. Jahrhundert mit neun, das XVIII Jahrhundert mit fünf Jahren vertreten, vom XIX. Jahrhundert waren II Angaben von zehn zu zehn Jahren mit einzelnen Zwifchenjahren( 1817, 1824, 1872) gegeben. In einem Anhange verbreitete fich die Arbeit über Mafse und Gewichte, Münzfufs, Bankozettel, Einlöfungsfcheine und Wiener- Währung, wozu das Material theils den Archivalien entnommen, theils aus Zedler's Univerfallexikon, Brockhaus' Converfationslexikon, Naučny slovník und den kaiferlichen Patenten zufammengetragen war. Das Patent des Kaifers Franz vom 20. Februar 1811, welches Einlöfungsfcheine einführt und diefe fowie die Bankozettel zu ein Fünftel ihres Werthes als Wiener Währung erklärt, ift in extenso mitgetheilt..Auch fand fich die Scala über den Cours der Bankozettel von 1799 bis 1811( von Monat zu Monat) aufgenommen, nach welcher die Zahlungen in Folge diefes Patentes zu leiften waren, fowie der höchfte und niederfte Stand des Courfes der Wiener Währung( Einlöfungsfcheine) nach Erfcheinen des Finanzpatentes vom 20. Februar 1811 bis September 1819 nach Alois Ditfcheiner. Die Von der Domäne Jinonitz waren Preife einiger Artikel nebft Taglöhnen vom Jahre 1678 bis 1870 nach theils zehn-, theils zwanzigjährigen Perioden mit einzelnen Zwifchenjahren gegeben, theils Markt-, theils Reluitionspreife. Preife diefer nahe der Stadt Prag gelegenen Domäne follten gleichfam Stadtpreife gegenüber den Landpreifen von Wittingau repräfentiren und in der zum Schluffe gegebenen Tabelle mit Durchfchnittszahlen für beide Domänen verfuchte man wohl, freilich in fehr dilettantifcher Auffaffung, gleichfam landesübliche Preife für Böhmen darzuftellen. Vortheilhaft durch Vollständigkeit fowohl wie durch eine verftändige Anordnung und Ausbeutung zeichneten fich die preisgefchichtlichen Mittheilungen des Bureaus für die land und fortwirthfchaftliche Statistik Beiträge zur Gefchichte der Preife. 17 des Königreiches Böhmen" aus( Oeftliche Agriculturhalle). Unter den zahlreichen Publicationen und handfchriftlichen Arbeiten desfelben fanden fich Tabellen über die Durchfchnitts- Preife landwirthfchaftlicher Producte im Königreiche Böhmen für die Zeitperiode 1800 bis 1870, welche Jahrespreife von Weizen, Korn, Gerfte. Hafer, Kartoffeln und Heu auf öfterreichifcher Währung und niederöfterreichifchen Metzen, beziehungsweife Wiener Centner von theilweife über 100( bis 184) Standorten boten und dem Profeffor Kořiftka, der fich auch um die Sammlung der Getreide und Fleifchpreife in Böhmen grofse Verdienfte erworben hat, zu einer fehr intereffanten graphifchen Darftellung Veranlaffung gaben. ( Siehe unten.) Eine andere vielverfprechende Arbeit aus Böhmen, welche der officielle Generalkatalog verzeichnet hatte, nämlich Beiträge aus Eger und dem Egerlande vom XIV. Jahrhunderte angefangen, nach den reichen dortigen archivalifchen und amtlichen Quellen von dem Archivar und Bibliothekar der Stadt Eger, Georg Schmidt, gearbeitet, fehlte leider auf der Ausftellung; es ift zu wünfchen, dafs diefe reiche Quelle der Preisgefchichte nicht länger der Wiffenfchaft verfchloffen bleibe, nachdem fchon der Schebek'fche Katalog diefelbe nebft den Schwarzenberg'fchen und Reichenberger Quellen als wefentliche Ergänzungen für eine erfchöpfende Preisgefchichte von Böhmen bezeichnet hat. " Für Mähren dienten noch als Ergänzung die Verzeichniffe des Culturaufwands, des Zug- und Arbeitslohnes und der Körnerpreife feit 100 Jahren, welche Forftrath H. C. Weber feiner Schrift über das Markgrafthum Mähren, ftatiſtiſch fkizzirt" beigegeben hat. Aus Steiermark hatte man aus der Feder des Schulrathes Peinlich, Director des I. Staatsgymnafiums in Graz intereffante Beiträge erwartet, deren Ausstellung gleichfalls leider unterblieben ift, obwohl fie handfchriftlich fchon vollendet fein follen. Sehr bedauerlich ift es, dafs Niederöfterreich keinen Beitrag zum preisgefchichtlichen Quellenmaterial geliefert hat, nachdem doch fchon früher Sailer in feinen Arbeiten über niederöfterreichifche Münzwerthe im XIV. Jahrhunderte ( Blätter des Vereines für Landeskunde von Niederöfterreich 1869) und nach ihm Horawitz in den Hildebrand'fchen Jahrbüchern für Nationalökonomie und Statiſtik ( XIV. und XV. Band) gezeigt haben, welch' reiche Ausbeute auch die dortigen Quellen verfprechen. Nur die Wiener Frucht- und Mehlbörfe hatte die Preisbewegung von Weizen und Roggen von 1823 bis 1872 zum Gegenstande graphifcher Darftellungen gemacht( fiehe unten), ohne dafs wir jedoch die hiefür zu Grunde gelegten Daten haben ermitteln können, die aber jedenfalls auf den officiellen Notirungen an diefer Börfe begründet fein werden. Damit ift die Maffe deffen, was aus Oefterreich an preisgefchichtlichem Quellenmaterial auf der Ausftellung geboten war, erfchöpft, wenn wir nicht noch die in den Mittheilungen der k. k. ftatiſtiſchen Centralcommiffion und in den Berichten der verfchiedenen Handelskammern niedergelegten Preisdaten( gewöhnlich bei den Verkehrsausweifen) hieher beziehen wollen. Wie Vieles aber hätte gewonnen werden können, wenn man allenthalben nur mit ähnlichem Eifer( von Opfern gar nicht zu reden) vorgegangen wäre, wie die Prager Handelskammer, und gar, wenn jede öfterreichifche Provinz ihr eigenes ftatiftifches Bureau hätte, ein in jeder Beziehung fchreiendes Bedürfnifs das konnte man an dem ungeheuren Uebergewicht ermeffen, welches gerade Böhmen in diefer additionellen Ausftellung zukam, deffen wohlausgebildete Kronlands- Statiſtik gewifs auch auf diefem Gebiete die mächtigfte Anregung ausübte. - - Was Trieft in feinen Beiträgen zur Darstellung des Welthandels für die Preisgefchichte bot, was insbefondere auch die Budapefter Handelskammer in ihrem prachtvollen Elaborate über die Preife nach den Notirungen des Pefter Marktes geliefert hat, das gehört im Wefentlichen fchon der zweiten Gruppe von Objecten der additionellen Ausftellung an, welche fchon eine erfte Bearbeitung preisgefchichtlichen Rohmateriales zeigen. Wir werden über diefelben 2 18 Dr. Carl Theodor von Inama- Sternegg. weiter unten im Zufammenhange berichte. Dagegen bietet das„, ftatiftifche Jahr buch der Stadt Peft", herausgegeben von Jofef Köröfi, Beiträge zur Gefchichte der Preife in Peft( auch als Separatabdruck erfchienen), welche das von der Budapefter Handelskammer für ihre Bearbeitung verwendete Material wefentlich zu ergänzen vermögen. Zwar find in diefer Schrift meift diefelben Waaren berücksichtigt wie in der Publication der Budapefter Handelskammer, aber bei Köröfi find die Marktpreife, das heifst die amtlichen Notirungen gefammelt, welche von den auf den Pefter Platz gebrachten Nahrungsmitteln durch das Marktinfpectorat aufgezeichnet werden, während die Handelskammer ihren Berechnungen die Börfenpreife zu Grunde gelegt hat. Gerade dadurch, dafs man diefelben Waaren unter verfchiedenen Gefichtspunkten( Barkauf und Speculation) in ihren Preisdifferenzen vergleichen kann, wird der Beitrag des Pefter Jahrbuchs in feinem Werthe erhöht, wie er anderfeits zur vollkommeneren Brauchbarkeit der Bearbeitung der Handelskammer wefentlich beiträgt. Gegenüber diefer Fülle preisgefchichtlichen Materials, welches OefterreichUngarn aus faft ausnahmslos unbekannten und unbenützten Quellen zur Wiener Weltausstellung gebracht hatte, ift Alles von den übrigen Staaten Gelieferte, wenn auch noch fo werthvoll, doch unbedeutend, und es ift um fo mehr zu bedauern, dafs das Specialprogramm der kaiferlichen Commiffion im Auslande fo wenig Eindruck gemacht, fo wenig Erfolg gehabt hat, als die Vorarbeiten zu einer Preisgefchichte befonders in Deutſchland und England, aber auch in Frankreich und Italien fchon ungleich weiter vorgefchritten waren und daher eine viel beffere Unterlage geboten hätten als diefs in Oefterreich- Ungarn der Fall war. Die Ausftellung deffen allein, was die Forfchung in diefen Ländern bereits an preisgefchichtlichem Material zu Tage gefördert hatte, würde im Stande gewefen fein, denfelben einen ebenbürtigen Platz neben Oefterreich zu fichern und es war ein grofser Fehler und ein unverzeihliches Mifsverftändnifs, die Riefenarbeit des letzten Jahrzehnts auf dem Gebiete der gefchichtlichen Statiſtik nicht eben fo gut auf der Ausftellung zur Anfchauung zu bringen, wie z. B. die Kunft ihre neueren Schöpfungen, die gewifs nicht wegen und für die Ausftellung fpeciell gearbeitet worden find, in der Kunfthalle vorgeführt und damit ein Gefammtbild der künftlerifchen Entwicklung der neueften Zeit gefchaffen hat. Das eben ift ja der Werth und die geiftige Bedeutung der Weltausftellungen. dafs fie in gemeffenen Zwifchenräumen die Summe aller menfchlichen Arbeit uns vor Augen ftellt, wie fie in treuem, unermüdlichem Ringen nach Erkenntnifs und Vervollkommnung auf allen Gebieten und von allen Punkten menfchlicher Cultur aus fich beftändig erzeugt, unterſtützt und erhebt; nicht Schauftücke find es, die wir auf einer Weltausftellung zu fehen verlangen, fondern den wahren, möglichft vollſtändigen und ungetrübten Ausdruck der Leiftungsfähigkeit aller Völker auf jedem Gebiete menfchlichen Schaffens wollen wir finden, was eben nur durch erfchöpfende Vorführung aller werthvollen, bahnbrechenden Arbeitsproducte und Verfahrungsweifen in Sammlungen und charakteriftifchen Proben möglich ift. Warum hat Hildebrand in Jena nicht die ftattliche Reihe feiner Jahrbücher für Nationalökonomie und Statiſtik ausgeftellt, welche uns in den letzten zehn Jahren in rafcher Folge fo prächtiges Material über Preis- und Lohnverhältniffe in Thüringen aus dem XVI. und XVII theilweife auch aus den beiden letzten Jahrhunderten brachten, welche die gefchichtliche Statiſtik der Preife im Königreiche Sachfen und im Grofsherzogthume Heffen cultivirten und durch zahlreiche Abhandlungen eine Theorie der preisgefchichtlichen Forfchung anbahnten? Warum fehlten Engel's werthvolle Arbeiten über die Preife der wichtigſten AckerbauProducte in Preufsen aus dem XIX. Jahrhundert, welche doch geradezu als ein Pendant zu der ungarifchen Preisgefchichte bezeichnet werden können? Von Baiern erfahren wir, dafs eine ausgiebige Betheiligung an unferer additionellen Ausftellung beabfichtigt war, dafs aber wegen der langen Unbeftimmtheit über die Art ihrer Ausführung nur einige Bruchſtücke der Anfangs beabsichtigten reich Beiträge zur Gefchichte der Preife. 19 haltigen Sammlung geliefert wurden, welche freilich auch an fich fchon von hohem Werthe und gröfstem Intereffe find, aber als Bearbeitung an fpäterer Stelle berückfichtigt werden müffen. Nur eine einzige Arbeit aus dem Deutfchen Reiche bot namhaftes preisgefchichtliches Material, Dr. Johann Falke's" Beiträge zur Gefchichte der Preife im Königreiche Sachfen 1600 bis 1700", welche in der fächfifchen Unterrichtsabtheilung eine ganz verlorene Stelle einnahm, wie es überhaupt zu bedauern war, dafs den im Folgenden zu nennenden preisgefchichtlichen Werken ihre Stelle nicht da angewiefen wurde, wo fie hingehörten, im Pavillon des Welthandels, fondern dafs fie faft durchgängig in fchwer auffindbaren Winkeln oder gar in den Bureaux der einzelnen Landes commiffionen verborgen lagen. Falke hat der Preisgefchichte feiner Heimat fchon manch' wichtigen Dienft geleiftet und ift unermüdlich thätig, der von ihm mit Vorliebe gepflegten„ gefchichtlichen Statiſtik" neues Material zuzuführen. In feiner„ Gefchichte des Kurfürften Auguft von Sachfen in volkswirth fchaftlicher Beziehung 1868," welche mit dem Preife der Jablonowski'fchen Gefellſchaft ausgezeichnet wurde, lieferte diefer Forfcher für die Münzgefchichte, wie nicht minder für die Gefchichte der Waarenpreife und Löhnungen in der zweiten Hälfte des XVI. Jahrhundertes fehr werthvolle Beiträge; theils vorwärts dringend, theils die nachfolgenden Perioden heranziehend, reihte er an diefe Arbeit feine Beiträge zur fächfifchen Münzgefchichte 1444 bis 1500( in den Mittheilungen des fächfifchen Alterthumsvereines XVI bis XVIII), und die gefchichtliche Statiſtik der Preife im Königreiche Sachfen von der zweiten Hälfte des XV. Jahrhundertes bis zum Schluffe des XVI. Jahrhundertes( Hildebrand's Jahrbücher XIII und XVI), wozu ihm vornehmlich die Amts- Rechnungsbücher der fächfifchen Fürften als Quelle dienten. Unmittelbar an diefe Arbeiten reiht fich nun das ausgeftellte Elaborat, welches die Gefchichte der Preife im Königreiche Sachfen von 1600 bis 1700 weiterführt, und zwar für die Periode 1600 bis 1640 Durchfchnittspreiſe für die wichtigften Körnerfrüchte, in gleichzeitiger Währung und jetzigem Gelde auf Dresdner Scheffel umgerechnet, enthielt, von 1641 bis 1699 vollſtändige Jahresreihen der Preife von Feld- und Gartenfrüchten, Obft und getrocknetem Gemüſe; ferner Preife von Stroh und Heu, Gewürzen, Zucker und Honig, Südfrüchten, Getränken, Vieh und Viehzuchtsproducten, Forft- und Bergbau- Producte, Kleidungsftoffen und Handwerks- Erzeugniffen, Unzengold und Silber, Waffen, Schreibmaterialien und ausführliche Lohnangaben. Vorgelegt wurde nur das einfache Ziffernmaterial, während wir von Falke gewöhnt find, dafs er auch ftets eine wenigftens erfte Bearbeitung und Gruppirung desfelben verfucht und auch die zum Verſtändniffe der Geldpreis- Angaben nothwendigen münzgefchichtlichen Unterfuchungen nie vernachläffigt, die ihm nun freilich für das XVII. Jahrhundert ganz befondere Schwierigkeiten bereiten dürften. Jedenfalls verdient Falke unter den deutfchen Forfchern auf dem Gebiete der Preisgefchichte an hervorragender Stelle genannt zu werden, und der auf die Ausftellung gelieferte Beitrag, durch welchen die Preisgefchichte von Sachfen fo wefentlich gefördert und zu einer der beftgekannten unter den deutfchen Staaten erhoben ift, bürgt wohl dafür, dafs der gelehrte Verfaffer auch künftig mit derfelben Ausdauer und demfelben Verftändniffe feiner fchönen und grofsen Aufgabe nachgehen werde. Ift er ja doch felbft von der Nothwendigkeit einer Gefchichte der Volkswirthfchaft als Grundlage exacter nationalökonomifcher Unterfuchung durchdrungen.„ Die Entwicklung der Volkswirthschaft aber in auf- und abfteigender Linie ftellt fich wefentlich in Zahlenreihen dar. Zwar die Zahlen geben nicht Alles, und auch die Familien- und Volkswirthschaft enthalten Lebenselemente, die fich ftatiftifch in vollſtändig deckender Weife nicht darlegen laffen. Da aber die Mittel der Wirthschaft im Wefentlichen zählbare Güter find, fo bezeichnet die höhere oder niedere Zahl auch den Auf und Niedergang derfelben. Eine Gefchichte der Volkswirthschaft ohne gefchichtliche Statiſtik ift ein Körper von Fleiſch ohne 2* 20 Dr. Carl Theodor von Inama- Sternegg. Knochengerüfte, ein Form- und haltlos verfchwommenes Gebilde ohne plaftifche Unterlage." Die Schweiz hatte durch das eidgenöffifche ftatiftifche Bureau in Bern„ Beiträge zur Gefchichte der Preife" in Manufcript ausgeftellt, mit welchen der Verfuch einer allgemeinen Preisftatiftik der Schweiz für das XIX. Jahrhundert gemacht war. Für 65 Waarengattungen und 17 Arbeiterkategorien waren von 1801 bis 1870 von fünf zu fünf Jahren Durchfchnittspreife aus verfchiedenen Cantonen gegeben und Zwifchenzahlen für einzelne Jahre eingefchoben, wenn abnorme Preife fich vorfanden oder Minimal- und Maximalpreife fehr erhebliche Abweichungen von einander zeigten. Der Stoff war gegliedert: I. Preife bei der Landwirthfchaft, wobei aufser landwirthfchaftlichen Producten auch Preife von Acker- und Wiefenland aus II, von Rebenland aus 9 Cantonen auftraten; II. Preife von Gewerbswaaren und zwar Rohproducte und Fabricate gefchieden, darunter freilich manche z. B. Baumwolle, Organzinen, Trame, Pofit. 30 bis 33 nur von dem einzigen Canton Zürich; III, Löhne und zwar theils Taglöhne der ländlichen und ftädtifchen Arbeiten, Löhne der Gewerbsgehilfen und Gefindelohn( wobei es auffiel, dafs fo oft Taglohn angefetzt war). Eine Erklärung der in den vorliegenden Zahlen zu Tage tretenden Differenzen in den Preifen der verfchiedenen Jahrzehnte, wie fie in den einzelnen Cantonen fich geftaltet haben, war in der Einleitung nicht gegeben, in richtigem Verſtändniffe der von aufsen auf diefes kleine Verkehrsgebiet einwirkenden Umftände, welchen gegenüber die localen Einflüffe nur fecundäre Bedeutung haben. Von ähnlichen Erwägungen geleitet, hatte ja auch Baron Steiger, deffen verdienftvolle Arbeit über die Berner Getreide- etc. Preife wie früher fchon hervorgehoben, die Berner Weizen( Kernen)- und Roggenpreife mit denen Prag's in Parallele geftellt, indem er die Schweiz als Importland für ganz befonders geeignet hielt, Preisveränderungen aufzuzeigen, welche ein Refultat des allgemeinen europäiſchen Weltverkehres find. Da fich überdiefs die Operate des Baron Steiger und des eidgenöffifch- ftatiftifchen Bureaus theilweife auf demfelben Gebiete bewegen, denn auch letzteres bringt Berner Marktpreife, fo lag eine Vergleichung der Zahlen fehr nahe, welche, obfchon wegen der Ungleichartigkeit der Ausdrücke( Hektoliter und öfterreichiſche Währung einerfeits, Centner( 50 Kilogramm) und Francs anderfeits) die Vergleichung fehr erfchwert war, doch in Stichproben wenigftens annähernde Uebereinstimmung der beiderfeitigen Daten zeigte. Nur in Betreff des Dinkels, als der gewöhnlichen Brotfrucht in Bern ift eine erhebliche Differenz unaufgeklärt geblieben. Während das eidgenöffifche Operat Dinkel und Kernen unter der gemeinſamen Bezeichnung Korn aufführte, machte Baron Steiger aufmerkfam auf die eigenthümliche Erfcheinung des Preisverhältniffes des Dinkels zum Preife des durch Entfernung der letzten Spelzenhülfe daraus gewonnenen reinen Kernens, welcher feinerfeits fich im Preife dem Weizen gleichhielt. Während nämlich im XVI. Jahrhundert der Preis des Kernens zum Dinkel wie 2: 1 ftand, war das Verhältnifs: im XVII. und bis gegen Ende des XVIII. Jahrhunderts wie 234 I von 1791 bis 1800 1801 bis 1820 " " 1821 bis jetzt : " 22/3: I " 9 212 I " 21: I Die Urfache liegt in der durch beffere Cultur und reineres Putzen, nach und nach beffer und kernreicher gewordenen Befchaffenheit des Dinkels, fo dafs es weniger Dinkel benöthigte, um die gleiche Menge Kernen daraus zu gewinnen. Es wäre fehr zu wünſchen gewefen, dafs aus dem eidgenöffifchen Elaborate erfichtlich geworden wäre, ob„ Korn" als Durchfchnittsfrucht von Dinkel und Kernen berechnet, oder ob Dinkel und Kernen etwa promiscue gebraucht wurden. Freilich ift in jedem Falle die Angabe unklarer, als es für preisgefchichtliche Quellenwerke zuträglich ift. Als Ergänzung diefes einzigen fpeciell für die additionelle Ausftellung gelieferten fchweizerifchen Elaborates heben wir zunächft eine Abhandlung aus Beiträge zur Gefchichte der Preife. 21 der Zeitfchrift für fchweizerifche Statiſtik" IX. Jahrgang, 2. Quartalheft über Lebensmittel- Preife in Zürich 1800 bis 1872( von Bertelsmann) hervor; ganz befonders um die Statiſtik der Arbeitslöhne aber hat fich die Zürcher ftatiftifchvolkswirth fchaftliche Gefellfchaft( an ihrerSpitze Profeffor V.Böhmert) verdient gemacht, welche unter anderem auch eine eingehende Enquête über Arbeitslöhne veranlafste und fchon im vergangenen Jahre in einem Berichte über ihre Ver handlungen in der focialen Frage als Probe die Löhne der Hürlimann'fchen Spinnerei in Rapperswyl 1835 bis 1872 von 8 Arbeiterkategorien brachte. Profeffor V. Böhmert hat aufserdem in einem im Auftrage der eidgenöffifchen Generalcommiffion für die Weltausftellung verfafsten, noch nicht vollendeten Berichte über Arbeiterverhältniffe und Fabrikseinrichtungen in der Schweiz, auch die Arbeitslöhne und Lohnzahlungs- Methoden in den Kreis feiner Darftellung gezogen und es wird damit eine reiche exacte Grundlage für die Beurtheilung der Arbeiterund focialen Verhältniffe in der Schweiz geboten, wie fie die unerlässliche Vorausfetzung einer gefunden Behandlung der fogenannten focialen Frage bildet. Von England, dem claffifchen Lande der Preisgefchichte, haben wir aufser einem älteren Werke der Miss Boofe in Edinburg" A century of banking in Dundee; being the annual balance sheets of the Dundee Banking Company from 1764 to 1864. 2. Ed. 1867." und einer ftatiſtical Table of Tea( J. C. Sillar and Comp., Brokers) nichts entdecken können. Der Tafel, welche die Theepreife in London von 1836 bis 1870 brachte, waren hiftorifche Notizen über den Theeconfum von 1610 an bis in die Gegenwart beigegeben und durch die Berückfichtigung der Quantitäten neben den Preisangaben ift allerdings Verdienftvolles gefchaffen worden. Rogers' berühmtes Werk Hiftory of agricultur and prices of England, von welchem leider immer erft zwei Bände( bis 1400 reichend) erfchienen find, während der Verfaffer die reichen Urkundenfchätze der englifchen Stifte, Klöfter und Güter bis zum Ende des XVIII. Jahrhundertes, wo das TookeNewmach'fche Werk über die Gefchichte und die Beftimmnng der Preife beginnt, fortführen will, ift wenigftens indirect in den Arbeiten des Profeffors Lafpeyres in Carlsruhe zur Ausftellung gebracht, indem diefer Gelehrte die Hauptrefultate. der Berechnungen aus dem Werke von Rogers graphifch dargestellt hat.( Siehe unten.) Aber wie verdienftvoll und einer Weltausftellung würdig wäre es gewefen, wenn England uns die wichtigen und reichen Quellen feiner Preisgefchichte, aus welcher alle Bearbeiter gefchöpft haben und noch immer fchöpfen müffen, etwa gar in Original, vorgeführt hätte, von den Eton- und Oxford- Tabellen an( von 1595, beziehungsweife 1583 an) bis auf die amtlichen Regifter feit 1770, wodurch England alle übrigen Länder bei Weitem an Reichthum zuverläffiger Preisangaben übertrifft, und welche noch dazu durch die Notizen in F. Eden's State of the Poor ( 1797) bis auf das Jahr 1401 zurückgeführt find! Aus den Ländern der romanifchen Zunge waren fehr vielverfprechende Arbeiten über die italienifche Preisgefchichte' in Ausficht geftellt, welche zwar im Specialkatalog der italienifchen Ausftellung verzeichnet, aber, da wir diefelben trotz eingehendfter Nachforfchungen nicht zu entdecken vermochten, wohl nicht eingefendet worden waren. Da aber doch angenommen werden kann, dafs diefe Beiträge wirklich gearbeitet, wenn auch etwa nicht vollendet wurden, fo wollen wir wenigftens die Aufmerkfamkeit der Forfcher darauf lenken und hoffen, dafs fie bald das Tageslicht erblicken werden. Es ift zunächft von dem Advocaten Gio. Batt. Regoli in Siena ein Volumne manofcritto contenente la ftoria dei prezzi dal fecolo XIII. inclufive al corrente anno 1872, ein Werk, wohl beftimmt, die zerftreuten Angaben von Librario's berühmter Economia politica del medio evo zu ergänzen; fodann von der Camera di commercio di Rovigo ein Profpetto in ftampa de' prezzi annuari della piazza di Rovigo dal 1813 in poi, con relazione ftatiſtica. Spanien brachte durch das Minifterio de Hacienda und durch die Direccion General de Eftatiſtica ftatiftifche Ausweife, befonders über 22 Dr. Carl Theodor von Inama- Sternegg. den Handel, welche wenigftens durch ihre Zahlen über die Waaren- und Werthbewegung einigermafsen in das Gebiet der Preisftatiftik einfchlagen, wie auch die von der Commiffion Centrale de Liffabon im Pavillon des Welthandels ausgeftellte, von Joaquim Jofé de Queiroz gearbeitete Sammlung graphifcher Tableaux, die allgemeine Bewegung des portugiefifchen Handels darftellend ( fiehe unten), nebft einer anliegenden Schrift in franzöfifcher Sprache, welche nähere Auffchlüffe und Zahlen gibt, unter gleichem Gefichtspunkte hierher bezogen werden kann. Von Rufsland war ein Tableau de Commerce extérieur de la Ruffie de 1856 à 1871, über Rufsland eine als Manufcript gedruckte Schrift W. v. Lindheim's ausgeftellt, welche die wirthschaftlichen Verhältniffe des ruffifchen Reiches im Anfchluffe an die polytechnifche Ausftellung in Moskau fchilderte und neben Nachrichten über die ruffifche Staatsbank aus dem Jahre 1871, und über die Privatbanken ( Ende 1872) auch den ruffifchen Handel und die Zolleinnahmen( 1871 und 1872), die Montaninduftrie und die Ausmünzung( 1869 und 1870), die Salzinduftrie 1865 bis 1869 und die Viehzucht nach dem Stande von 1872 behandelt und dabei auch der Preife und Gefammtwerth- Umfätze gedachte. Sehr bedeutend hatte der Orient fich an der Darftellung des Welthandels zum Theile auch an der Gefchichte der Preife betheiligt, befonders wenn man den wirthschaftlichen und adminiftrativen Zuftand der einzelnen orientalifchen Staaten in Betracht zieht. Da nach dem Specialprogramme über die officielle Berichterftattung die Ausftellungen der orientalifchen und oftafiatifchen Völker in einem eigenen Theile diefes Berichtes ausführlich befchrieben, die Bedeutung derfelben für Europa und deffen Handels- und Induftriepolitik gekennzeichnet und insbefondere den Handelsintereffen Oefterreichs in diefer Richtung umfaffende Aufmerkfamkeit zugewendet wird, fo können wir uns hier wohl mit gutem Grunde kurz faffen, um fo mehr, als durch die Beiträge aus dem Orient doch mehr nur die Preisftatiftik der Gegenwart, als auch die Preisgefchichte beleuchtet wurde. Zunächft kommen jene Arbeiten in Betracht, welche von verfchiedenen, theils genannten theils ungenannten Verfaffern im Cercle oriental ausgeftellt waren. In einer Reihe graphifcher und tabellarifcher Darftellung von Preisfchwankungen und Verkehrsverhältniffen, wozu die Beobachtungen und das Materiale von dem Markte zu Conftantinopel gefammelt war, lagen die Preis- und Waarenumfatz- Verhältniffe von levantinifcher Baumwolle, levantinifchen Galläpfeln, Rofenöl, Cerealien, Kreuzbeeren, Tiftik aus dem Jahre 1871 vor; die Darftellung von Jokahama's Seidenausfuhr mit Preisnotirungen umfafst die Periode 1862 bis 1871; von Bruffafeide waren Preisfchwankungen aus den Jahren 1866 bis 1871 notirt. Aus Egypten war dafelbft die Bewegung der Getreidepreife von 1862 bis 1872 dargestellt mit Detail für Gerfte, Weizen, Mais und Bohnen; ferner fanden wir Preife egyptifcher Baumwolle von 1821 bis 1872, Faier 1862 bis 1872 notirt und in Regny Bey's Werk über den Handel in Sudan( von Prof. Brugfch) waren ftatiftifche Notizen über Waarenmaffen und Preife in Khartum, dem Centrum des Handels in Sudan, enthalten. In der egyptifchen Abtheilung waren dann noch befondere Handelsund preisftatiftifche Arbeiten von hohem Intereffe zu fehen. Eine Tabelle enthielt: Valeur totale officielle des Exportations de toute Egypte pendant les vingt dernières années( 1569 année copte à 1588 a. c. 1853 à 1872); eine weitere Valeur totale officielle exporté par chaque Douane d'Egypte pendant 1863 à 1872. Eine grofse Tafel ftellte dar: Valeur totale des importations et exportations d'Alexandrie de 1823 à 1872. Die Zahlen hiefür waren für die erfte Periode 1823 bis 1837 den Memoires de la fociété Imp. Ruffe de geographie entnommen, für die zweite Periode 1838 bis 1852 aus den Annales de commerce exterieur publiées par le gouvernement français, für die dritte Periode 1853 bis 1862 und für die vierte von 1863 bis 1872( den Import betreffend) nach privaten Angaben, von 1863 bis 1872( den Export betreffend) nach officiellen Angaben der egyptifchen Regie Beiträge zur Gefchichte der Preife. 23 rung zufammengeftellt, und in drei Tafeln und einer Ueberfichtstafel zur Anfchauung gebracht. Ein fehr fchön gedrucktes Werk, Statiftique d'Egypte, vom Minifterium des Innern herausgegeben( Le Caire 1873), vervollſtändigte und ergänzte diefe Daten in mannigfacher Beziehung. Faffen wir unfer Urtheil über diefe erfte Gruppe der additionellen Ausftellung zufammen, fo kann nur mit Vergnügen conftatirt werden. dafs für die Preisgefchichte eine ungeahnte Fülle von grofsentheils fehr fchönem und werthvollem Materiale, und zwar befonders von folchen Ländern geboten wurde, welche bisher durch bedauerlichen Mangel an zuverläffigen Preisdaten bekannt waren. Auch läfst fich nicht leugnen, dafs im Allgemeinen ein ganz gefunder, natürlicher Inftinkt und eine verſtändige, zweckbewufste Behandlung die preisgefchichtlichen Quellenarbeiten leitete, obfchon wir es in der überwiegenden Mehrzahl mit Dilettanten oder wenigftens nicht mit ausgefprochenen Fachmännern zu thun hatten. Nur die aus der Unkenntnifs der Gefahr allzuleicht entſpringende Kühnheit in weiterer Verfolgung obenhin fich ergebender Refultate und in umgeftaltender, die Original angaben verwifchender Behandlung der Zahlen ift, theils als vergebliche Arbeit, theils fogar zum Schaden derfelben auch hier nicht felten aufgetreten. Da nun hoffentlich als ficher angenommen werden kann, dafs das in fo grofsem Mafsftabe begonnene Werk einer fyftematifchen Ausbeutung unferer Archive und Regiftraturen für die preisgefchichtliche Forfchung rüftig fortgefetzt werde, und da die erfte Arbeit des Sammlers von Preisdaten meiftens folchen Männern zufallen wird, welche bei vollem Verftändniffe für den Werth der Preisgefchichte im Allgemeinen doch nicht allen Fortfchritten der Theorie und ftatiftifchen Technik folgen können, fo dürfte es wohl hier am Platze fein, an der Hand der additionellen Ausftellung einige Gefichtspunkte flüchtig zu bezeichnen, welche fich uns auch, ein Refultat des Studiums der ausgeftellten Quellenwerke, als wichtig genug ergeben haben, um allgemein bekannt und bei künftigen Arbeiten von allen Seiten gleichmässig berücksichtigt zu werden. Vorerft mufs allenthalben für die Preisgefchichte gefammelt werden und zwar ohne Unterfchied, ob Stadt oder Land, ob wichtiges oder minder wichtiges Verkehrsgebiet; auch mufs Alles gefammelt werden, was an zuverläffigen Preisangaben aufgefunden wird, nur dafs den wichtigeren Nahrungsmitteln und Gebrauchsgegenständen in der Art ein Vorzug eingeräumt werden kann, dafs von ihnen auch zerftreute, vereinzelte Angaben ihren Werth behalten, während von feltener auftretenden und wenig wichtigen Artikeln nur einigermassen zufammenhängende und chronologifch ausgedehnte Angaben nie unberücksichtigt bleiben dürfen. Es gilt eben auch hier, wie von allen exacten Einzeln- oder Maffenbeobachtungen, es gibt ihrer nie genug und man weifs nie, ob fich noch beffere Zahlen finden werden, als die fich eben darbietenden; auch find die Zwecke preisgefchichtlicher Arbeiten fehr verfchieden, und wenn etwa auch der Nationalökonom mit ficheren Zahlenreihen von den Haupt- Marktorten fich begnügen könnte, fo wird doch der Culturhiftoriker auch auf Preisnotirungen vom Lande nicht gerne verzichten; und es iſt jedenfalls beffer, wenn die Auswahl von Fachmännern gefchieht, die ein vorliegendes Materiale für weitere Unterfuchungen fich zurecht machen, als von denen, die bei der Sammlung von Daten gar nicht im Stande find, die verfchiedenen wiffenfchaftlichen Ziele in's Auge zu faffen. Insbefondere darf fich die erfte Sammlung auch nicht auf die amtlichen Daten befchränken; zuverläffige Privataufzeichnungen über Marktpreife, wie fie z. B. Schebek mit Ulr. Schöbek's Specification über Weinpreife 1715 vorgelegt hat, und wie fie in fo vielen Haushaltungen aus früheren Zeiten noch vorhanden fein dürften, find oft werthvoller und genauer für die Kenntnifs der Detail- Marktpreife eines Ortes als die amtlichen Ausweife, die nicht felten an jener bureaukratifchen Unbehilflichkeit und doch auch wieder, bei aller Pedanterie, an jener nur fehr approximativen Genauigkeit leiden, welche amtliche Zahlenausweife diefer Art von jeher und befonders in älteren Zeiten charakterifirt. 24 Dr. Carl Theodor von Inama- Sternegg. Als eine weitere wichtige Forderung müffen wir es bezeichnen, dafs die Sammler für die Preisgefchichte fich unbedingt an die Originalzahlen halten und genaue Angaben über ihren Charakter machen. Denn es ift ein Anderes, mit Marktoder Reluitionspreifen, mit en gros- oder Detailpreifen zu arbeiten; ja felbft feinere Unterfchiede( Baarzahlung oder Zeitcurfe, Standort der Waare, hinzu. tretende Naturalleiftungen etc.) find von weittragendfter Bedeutung; gleichzeitig fällt es aber in den Bereich diefer Specialforfcher für die Preisgefchichte, über die ortsüblichen alten Mafse und Gewichte, fowie über die älteren gangbaren Münzforten fich möglichft genaue und vollſtändige Informationen zu verfchaffen, um den bearbeitenden Fachmännern, die das Materiale mehrerer Gegenden zufammenfaffend bearbeiten müffen, und alfo diefe Details nicht an Ort und Stelle unterfuchen können, womöglich einen fertigen Schlüffel zur Umrechnung der Originalzahlen an die Hand geben zu können. Befonders gilt das für die in früherer Zeit fo taufendfach verfchiedenen Mafse, während die jeweilige Geldwährung doch immer ein gröfseres Gebiet beherrschte, alfo auch fchon mehr in den Arbeitskreis der an einem Mittelpunkt thätigen Preisftatiftiker fällt. Durchfchnittszahlen anftatt der Originalzahlen gegeben, haben für den Forfcher fo gut wie gar keinen, und auch neben ihnen nur einen relativen Werth, indem ihre Richtigkeit doch immer erft controlirt werden mufs; faffen wir dabei noch in's Auge, dafs das arithmetifche Mittel durchaus noch nicht die unbeftrittene Herrfchaft bei Durchfchnittsberechnungen beanfpruchen darf, fo wird die Mahnung, ja die Originalzahlen nicht zu vernachläffigen, gewifs wohlbegründet erfcheinen. Faft noch bedenklicher find die Reductionen, welche ohne die nöthige wiffenfchaftliche Controle von Specialforfchern felbftftändig vorgenommen werden. Die Theorie der ftatiftifchen Reductionen ift nach dem Eingeftändniffe hervorragender Statiftiker noch kaum in Angriff genommen, und ebenfo ift in Betreff der Beftimmung der Münzwerthe und der Vergleichung älterer Werthzeichen mit den heutigen noch keinerlei Gleichförmigkeit erzielt; Prüfung des Feingehaltes erhaltener Stücke, Münzungsnachrichten und Cursberichte werden neben und gegen einander benützt. Endlich möchten wir die Aufmerkfamkeit der Forfcher auch noch auf den Werth der Quantitätsbeftimmungen jener Güter lenken, die überhaupt im Localverkehre eine gröfsere Rolle spielen und auf die gleichzeitige Bevölkerungsziffer, von welcher uns auch aus früherer Zeit mehr Nachrichten erhalten find, als man fich im Allgemeinen träumen läfst. Alle auf den Localverkehr Einflufs nehmenden gefchichtlichen Vorgänge find jedenfalls, ebenfo wie umfaffende Witterungsnachrichten für die Producte der Landwirthfchaft nothwendige Ergänzungen. Nur wenn auf diefe Weife Sorgfalt und Methode in die weitere Sammlung preisgefchichtlichen Materiales eingeführt wird, läfst fich hoffen, dafs die fchöne Frucht gedeihen werde, zu welcher auf der Weltausftellung die erften kräftigen Keime fich zeigten. Erfte Bearbeitung der Preisgefchichte. Wir faffen in diefer Gruppe alle Ausftellungsobjecte zufammen, welche fich nicht darauf befchränkten, das preisgefchichtliche Material, wie es in den Quellen fich vorfand, in einfach fyftematiſcher Ordnung mitzutheilen, fondern welche an demfelben folche Operationen und Veränderungen der Form unternahmen, wie fie zu weiterer unmittelbarer Verwerthung für die Nationalökonomie und Culturgefchichte geboten find. Streng genommen gehören freilich hieher auch fchon alle Durchfchnittsberechnungen und Reductionen auf einheitliches Mafs, Gewicht und Geld, weil ja auch hiedurch die Originalzahlen verwifcht und an ihre Stelle eine durch einen wiffenfchaftlich geregelten Vorgang hervorgegangene Zahlenreihe tritt; und infoferne boten faft alle ausgeftellten Elaborate mehr oder minder auch fchon erfte Bearbeitungen, welche nicht felten fogar durch raifonnirende Beiträge zur Gefchichte der Preife. 25 Einleitungen oder Schlufsworte vervollſtändigt wurden. Es läfst fich aber doch auch hier eine Grenze ziehen, ähnlich wie in der Induftrie zwifchen Rohftoff und Halbfabricat, wo ja auch von letzterem erft gefprochen wird, wenn irgend ein neues technifches Princip der Bearbeitung Anwendung findet, wodurch diefelbe über die blofs äufserliche Formung des Rohftoffes hinausgeht. Der Vollständigkeit halber wollen wir aber, fo weit diefs nicht im Vorgehenden fchon gefchehen ift, doch auch diefe erften Operationen der Syftemifirung, Durchfchnittsberechnung und Reduction kurz berühren, bevor wir über die eigentlichen preisgefchichtlichen Halbfabricate( sit venia verbo) berichten. In Bezug auf die Anordnung des Stoffes hatten fchon die Specialprogramme der kaiferlichen Commiffion Directiven gegeben, die freilich mit einander nicht im vollſtändigen Einklange waren. Während das allgemeine Programm vom 16. September 1871 von den bedeutendften Productionsgebieten die Preife der wichtigeren Artikel möglichft weit zurückreichend und nach fünfjährigen Durchfchnitten neben einander gereiht, unter gleichzeitiger Vorlage von Muftern und Proben verlangte, präcifirte das Specialprogramm vom 30. December 1871 als Gegenftände diefer additionellen Ausftellung: 1. Die Preisangaben der für den Verkehr des betreffenden Landes wichtigften Artikel; 2. die Angabe der gleichzeitig beftandenen Lohnhöhe für gemeine Arbeit; 3. die Angabe des Preifes der im gleichen Zeitraume meift verbrauchten Brotfrucht; 4. die Anführung fchriftlicher Erklärungen der von 2 bis 3 angeführten Daten und des Grundes ihrer Veränderung. Es ift daraus erfichtlich, dafs von Anfang an fchon mehr an eine Bearbeitung preisgefchichtlichen Materials, als an eine blofse Anordnung desfelben gedacht war, und, fo richtig auch der darin ausgefprochene Gedanke fein mochte, dafs diefe Combination die jeweilige Kaufkraft des Geldes anzeigen könne( freilich nur mit Vorbehalt), fo erwies fich denn doch bei der Ausführung diefes Programmes gar bald, dafs zunächft befcheidenere Ziele, diefe aber auf breiteren Bahnen verfolgt werden müfsten, bevor man zu einer begründeten und ftreng kritifchen Prüfung des wechfelnden Preisftandes" gelangen könne. " Diefem Bedürfniffe Rechnung tragend, entwarf denn Dr. E. Schebek für die Mitarbeiter an der Prager Collectivausftellung ein eigenes Programm, in welchem alle Preisangaben und nur Originalzahlen für zuläffig erklärt wurden, wodurch fowohl für möglichft viele Verkehrsgüter vollständige Preisreihen als auch insbefondere lauter unverfälfchte, durch keine Umrechnung in ihrer unmittelbaren Glaubwürdigkeit getrübte Angaben erhofft werden konnten. Es war eine richtige Erwägung, dafs es zunächft auf Richtigkeit des Bildes, nicht auf frappante, gemeinfafsliche Schauftellung ankomme, und dafs Durchschnittsberechnungen und Reductionen nur dann von wahrem Werthe feien, wenn die Rechenoperationen an der Hand der Originalzahlen controlirt werden können. Zwar läfst fich nicht verkennen, dafs die einzelnen Preisartikel für die allgemeine Wirthfchafts- und Culturgefchichte und ihre theoretifche Verwerthung von fehr ungleichem Gewichte und eine Ausfcheidung der wichtigeren von den unwichtigeren Gegenftänden, die aber nur immer für kleinere Gebiete gemacht werden kann, möglich, und zur Befchleunigung der Arbeiten fogar räthlich fei; aber fo lange hier nicht mit grofser Sach- und Ortskenntnifs Normen für weitere Quellenforfchung aufgeftellt find, war es jedenfalls das einzig Richtige, unterfchiedslos zur Sammlung aller Preisangaben aufzufordern, da ja dadurch erft ein ficheres Urtheil über die gröfsere oder geringere örtliche Bedeutung der einzelnen Preisartikel zu gewinnen war. Leider find in Bezug auf die Durchfchnittsberechnungen ähnliche Directiven weder von der kaiferlichen Commiffion, noch von der Prager Handelskammer aufgeftellt worden, was freilich bei dem noch immer controverfen Stande diefer theoretifchen Frage begreiflich, aber auch Veranlaffung war, dafs in dilettantifcher Weife und ahnungslos Durchfchnitte aus blofsen Minimal- und Maximalziffern, aus ungleich langen oder lückenhaften Perioden berechnet wurden, die 26 Dr. Carl Theodor von Inama Sternegg. Eintheilung der Perioden bald von 1 bis 10, bald von o bis 9, bald von ganz beliebigen Jahren ausging, fo dafs eine Vergleichung der Durchfchnittsziffern verfchiedener Elaborate nur in feltenen Fällen möglich war. Das arithmetifche Mittel fand ausnahmslos allenthalben Anwendung; man unterfuchte nicht einmal probeweife den Werth des geometrifchen oder harmonifchen Mittels für die Preisgefchichte, obwohl der allen Fachmännern bekannte Streit, welches Mittel den Vorzug verdiene, bisher weder entfchieden ift, noch auch ohne Weiteres zu Gunften des einfachften und geläufigften arithmethifchen Mittels entfchieden werden kann. Auch in Betreff der Zahl einzelner Preisangaben, aus welchen Durchschnitte berechnet wurden, fand keiner bei Uebereinftimmung ftatt; Durchfchnitte aus den Preifen vieler Standorte wurden neben folche von einigen wenigen Orten zur Vergleichung geftellt; abnorme Jahre bald ausgefchieden, bald in die Berechnung eingezogen, und durch alle diefe Verfchiedenheiten in der Methode der Durchfchnittsberechnung entstand denn begreiflicher Weife eine folche Ungleichheit in der wahren Bedeutung und in dem inneren Werthe diefer Durchfchnittszahlen, dafs man die Refultate, wenn auch nicht geradezu als vergebliche Arbeit, fo doch jedenfalls nur als eine vorläufige Feftftellung, keineswegs aber als definitive, fofort weiter zu verwerthende Grundlage für die Preisgefchichte der einzelnen Länder, am wenigften aber für die vergleichende gefchichtliche Statiſtik betrachten darf. Ungleich mehr Vorficht und Bedacht zeigt fich im Allgemeinen bei den Reductionen alter Mafs-, Gewichts- und Geldangaben, wie denn überhaupt diefe Seite zu den gelungenften der ganzen preisgefchichtlichen Ausftellung gehörte. Die Reduction alter Mafs- und Gewichtsangaben bietet allerdings überhaupt wenig Schwierigkeiten, da man es hier mit Gröfsen zu thun hat, welche weder fo wechfelnd, noch fo unficher in ihrer Beftimmung find, als dies bei den Geldangaben der Fall ift; aber auch in Bezug auf diefe letzteren hat die Ausftellung vieles Vortreffliche, ja geradezu Unschätzbare geliefert. Befonders für Oefterreich find durch das Zufammentreffen mehrerer gründlicher Arbeiten die Geldverhältniffe der letzten hundert Jahre wohl fo klar gelegt, dafs einer jeden Reduction älterer Preisangaben auf die gegenwärtige öfterreichifche Währung künftig alle Schwierigkeiten und Hinderniffe aus dem Wege geräumt find. Von den Mitarbeitern an der Prager Collectivausftellung haben vor Anderen verdienftvoll gearbeitet: Der fürftlich Auersperg'fche Gutsverwalter Jofef Holešovský in Zleb, welcher bei feinem Elaborate den Curs der Bankozettel von 1799 bis 1818 vorgemerkt hat, ferner A. Freiherr v. Weyhe- Eimke in Náchod, mit feinen Reductionstabellen über Preife verfchiedener Gegenftände von 1634 bis 1872 in öfterreichifche Währung, fodann der gräflich Thun zu Hohenftein'fche Directionsadjunct Guftav Welz in Rothenhaus in einem Rückblicke auf die Entwicklung des Rechnungswefens und auf die Münz-, Mafs- und Gewichtsverhältniffe, die gräflich Thun- Hohenftein' fche DomänenCentraldirection in Prag in einer vergleichenden Aufftellung der verfchiedenen Währungen, Mafse und Gewichte, das Consorzio agrario di Trento in Anmerkungen über Münz-, Mafs- und Gewichtswefen; befonders aber Baron A. Steiger und Dr. E. Schebek in Prag felbft. Letzterer hat in einer( feinem Kataloge als Beilage E beigegebenen) Reduction der Urban'fchen Tabellen aus Prag ( fiehe oben) fich die Grundlage zu weiteren intereffanten Bearbeitungsverfuchen gefchaffen( fiehe unten) und fowohl den Curs der Bankozettel und der Wiener Währung im Verhältniffe zur Conventionsmüuze, als auch den Stand des Silberagios von 1848 bis 1872 mitgetheilt; erfterer hat fich gleichfalls in diefem Kataloge ( Beilage B) über alte böhmifche Geldwährung und neuere öfterreichiſche Währungen verbreitet; in letzterer Richtung brachte er eigene Reductionstabellen für Bankozettel( 1799 bis 1811), Einlöfungsfcheine( 1811 bis 1818) Wiener Währung und Conventionsmünze( 1818 bis 1858), fowie öfterreichifche Währung auf effectiv Silber; in erfterer Richtung verfuchte er den reellen(?) Werth der alten böhmifchen Geldwährung zu ermitteln, wofür er freilich beffer und auch für feine eigene Arbeit Beiträge zur Gefchichte der Preife. 27 zutreffender gefagt hätte, den effectiven Silbergehalt der alten böhmifchen Münzen. Denn es ift ein Anderes, den Metallwerth eines beftimmten Geldes, ein Anderes den reellen oder Sachwerth( die Kaufkraft) des Geldes feftftellen wollen. Letzteres ift, beiläufig bemerkt, das fchwierigfte Problem der Preisgefchichte, welches erft nach einer fehr umfaffenden und durchdringenden Bearbeitung der verfügbaren Preisdaten einer Löfung entgegengeführt werden kann; Erfteres dagegen ift eine der weiteren Bearbeitung vorangehende Aufgabe, welche gelöft werden kann theils durch Unterfuchung erhaltener Münzen felbft, theils durch Erforschung der Münzungsvorgänge, theils durch Feftftellung des Cursverhältniffes verfchiedener Münzforten an der Hand der Münzordnungen und gefchichtlicher Nachrichten über Feingehalt und Werthsverhältnifs der Münzen. Was auf diefem Wege erfunden. werden kann und auch gefunden werden mufs, wenn die Unterfuchung eine abgefchloffene fein foll, das ift vor Allem die Kenntnifs des Währungsmetalls, des Münzfufses, der Legirung etc. Zu diefem die Befchaffenheit der Münzen betreffenden Verhältniffen kommen noch hinzu und müffen als wichtig erforfcht werden die gefetzliche Texation der Münzen, Wechfelcurs und Agio. - Aus dem Verhältniffe der Anzahl von Münzen, welche aus der gleichen Einheit feinen Metalls in verfchiedenen Zeiten geprägt wurden, lernt man nur die Verfchiedenheit des Münzfufses kennen- und felbft diefe nicht genau, wenn nicht Legirung, Differenz des Feingehaltes bei groben und Scheidemünzen, Schlagfchatz, Fehlgrenze etc. mitberücksichtigt werden man erfährt alfo z. B., dafs ein Wiener Pfennig im XIV. Jahrhunderte fo viel Silber enthielt, als jetzt 6.9 Kreuzer öfterreichifcher Währung; ein Pfennig im XIV. Jahrhundert ift aber defswegen noch nicht gleich 6.9 Kreuzer öfterreichischer Währung als Preisfatz, fo dafs dasfelbe Quantum Waare 6.9mal fo theuer wäre, weil ja das Feinfilber nicht gleich im Preife geblieben ift. Es ift ein weitverbreiteter, bedauerlicher Irrthum, von welchem jedoch Baron Steiger trotz feiner incorrecten Ausdrucksweife fich vollkommen freigehalten hat, zu glauben, mit dem Verftändniffe der Veränderungen des Münzfufses auch fchon das Verſtändnifs für die Veränderungen der Preife zu befitzen, indem man das Edelmetall( z. B. Mark Silbergewicht) als conftanten Werthmeffer annimmt. Aufser den Genannten haben fich befonders die Triefter- und die Budapefter Handelskammer um das Verständnifs der öfterreichifchen Geldwerthe und ihre Reduction grofse Verdienfte erworben. Erftere hat in drei hübfchen gra phifchen Tafeln die Bewegung des Silberagio in Trieft von 1834 bis 1852, 1853 bis 1862, und 1863 bis 1872 dargeftellt, woraus erfichtlich wird, dafs der höchfte Stand des Agio per 65% Percent im November 1850, der niedrigfte per 14 Percent im Februar und März 1866 beftand. Mit Meifterfchaft aber hat fich die Budapefter Handelskammer diefer Aufgabe unterzogen, indem fie nicht blofs gleichfalls in drei Tabellen den Curs von 100 fl. C. M. Silber in Bankozetteln 1799 bis 1811 von Monat zu Monat, ferner den Curs von 100 fl. C. M. in Einlöfungs- und Anticipationsfcheinen( letztere feit 1813 ganz gleichberechtigt mit den erfteren), eine Scala über den Curs der Bankozettel von 1795 bis März 1811, feftgeftellt nach den Patenten vom 20. Februar 1811, endlich wöchentliche Curfe des Silberagio 1848 bis 1872 bringt, fondern auch in mehreren Tabellen die Höhe des jährlichen Umlaufes von Bankozetteln 1781 bis März 1811, ferner von Einlöfungs- und Anticipationsfcheinen 1811 bis 1817, die Gefammtfumme der emittirten Staatsnoten von Anfang 1849 bis Mitte Auguft diefes Jahres und den Stand des Notenumlaufes von December 1848 bis Ende September 1857( warum nicht weiter fortgeführt?) darlegte und das Verſtändnifs für diefe Zahlen durch die im Texte der Einleitung ihres grofsartigen Werkes wefentlich beförderte. Können wir Durchfchnittsberechnungen und Reductionen als die unerläfslichen Vorarbeiten einer jeden weiteren Bearbeitung preisgefchichtlicher Daten bezeichnen, fo müffen wir nunmehr unfere Aufmerkfamkeit denjenigen Ausftellungsobjecten zuwenden, welche den Verfuch gemacht haben, erft Ergebniffe aus den 28 21 Dr. Carl Theodor von Inama- Sternegg. fo zubereiteten Zahlenreihen zu ziehen, ohne noch für die Theorie der Nationalökonomie oder für die Culturgefchichte unmittelbar fördernde Refultate zu gewinnen oder auch nur zu erftreben. Theils find das Paraphrafen gegebener Preisdaten mit Hinzufügung aufklärender und erläuternder, gefchichtlicher und ftatiftifcher Daten, theils find es graphifche Darstellungen, welche das aus folch reducirten Zahlenreihen gewonnene Bild in jene Form zu bringen verfuchten, in welcher es am deutlichften und eindringlichften zu dem Befchauer fpricht und am beften geeignet ift, Intereffe, Klarheit und Vergleichung zu befördern. In erfter Beziehung mag aufser auf einige fchon früher befprochene Werke( z. B. die Rückblicke" bei dem Operate über die Domäne Rothenhaus, das Vorwort zu dem Operate des Baron Steiger etc.) befonders hingewiefen werden auf Dr. E. Schebek's Abhandlungen über die Domäne Elbogen und über den Haushalt an den Patronatskirchen des ritterlichen Kreuz herrnOrdens mit dem rothen Sterne zu Dobřichovic, Slivenec und Řevnic im XVII. und XVIII Jahrhundert( Catalog Beilage F und G). In der erften fchilderte er die Zuftände der Domäne Elbogen während eines ausgefprochenen Nothjahres( 1623, nicht 1670 wie am Titel der Abhandlung fteht) und verfuchte an der Hand der Original- ,, Geld und Getreiderechnung" den wahrhaft wahrhaft exorbitanten Preifen diejenigen Preife als eine Art Regulativ entgegenzuftellen, zu welchen auf diefer Domäne den Unterthanen die Waaren veranfchlagt wurden, eine Arbeit, welche auch für die spätere Bearbeitung der Preisgefchichte Böhmens nicht unbe rücksichtigt bleiben darf. Die zweite Abhandlung ift eine wahrhaft muftergiltige, cultur- und wirthschaftsgefchichtliche Ausbeutung aller Kirchenrechnungen( von 1617 in längeren oder kürzeren Zeiträumen bis 1766), welche, fo klein die Verhält niffe erfcheinen mögen, in denen fie fich bewegen, doch in Schebek's Bearbeitung zu einem werthvollen Baufteine böhmifcher Wirthfchaftsgefchichte geworden und geeignet find, auf fo manche Seite des Culturlebens des Volkes ein fchlagendes Licht zu werfen. Alle diefe erläuternden Arbeiten aber werden weit überragt von dem grofsen Werke der Budapefter Handelskammer, auf das wir nun näher eingehen müffen, nachdem wir darüber früher nur kurz berichtet haben. Es ift ein grofsartiger, mit eben fo viel Fleifs als Sachkenntnifs gearbeiteter Verfuch, die Platzverhältniffe des Pefter Landes- Productenmarktes, welche in den Preistabellen ihren fchärfften und erfchöpfendften Ausdruck finden, in ihrer Bedeutung für die öfterreichiſch- ungarifche Volkswirthschaft nicht nur, fondern für den grofsen Weltverkehr darzulegen; ein Unternehmen von um fo gröfserer Wichtigkeit und Bedeutung, als Peft das wichtigfte von den Centren des weltbedeutenden ungarifchen Getreidehandels neben Raab und Siffek ift und befonders auch durch feine ausgebreitete Mühleninduftrie den hervorragendften Platz einnimmt, und in diefer Hinficht verdiente das Werk wohl den beften vollſtändig durchgearbeiteten preisgefchichtlichen Unterfuchungen angereiht zu werden, als deffen Endergebnifs von der Handelskammer felbft bezeichnet wird, dafs fich in dem entrollten Bilde einerfeits der mit merkwürdiger Hartnäckigkeit immer wieder aufgenommene Verfuch zeige, Ungarn wirthfchaftlich mit einer chinefifchen Mauer zu umgeben und ein Entwicklungsftudium zu conferviren, welches fich fchon längft überlebt hatte; auf der anderen Seite das unaufhaltfame Herandrängen der Creditwirthschaft an Verhältniffe, welche noch zu einem grofsen Theile den Charakter nicht etwa der Geldwirthfchaft, fondern der reinen Naturalwirthschaft tragen; endlich die leicht erklärliche, aber in ihren Folgen oft verderbliche Ungeduld einzelner, den Uebergang aus dem Agriculturftaate in den Induſtrieftaat, der fich nur langfam und ftufenweife vollziehen kann, zu überftürzen. Alles diefs fcheint der wirthschaftlichen Entwicklung Ungarns feit Anbeginn diefes Jahrhunderts auf den erften Blick die Merkmale des Unberechenbaren aufzuprägen und erfchwert insbefondere die Wahrnehmung der Thatfache, die wir mit freudiger Genugthuung als eine unzweifelhafte hingeftellt zu haben glauben, die Thatfache Beiträge zur Gefchichte der Preife. 29 nämlich, dafs Budapeſt in diefem Augenblicke zu den gröfsten Handelsemporien gehört, und dafs es fich hiezu aufgefchwungen hat, nicht durch künftliche Begünftigung, fondern trotz der Hinderniffe, die ihm immer wieder und wieder entgegengeftellt worden find. Mehr als irgendwo fonft mufs hier Ziffer und Zeichen im Einzelnen genau betrachtet werden, um das Gefetz in dem fcheinbar Unregelmässigen zu finden, für die Vergangenheit zum Verſtändnifs, für die Gegenwart zur Beruhigung, für die Zukunft zur freudigen Zuversicht. Wenn wir trotzdem über das Werk an diefer Stelle berichten, fo entſprechen wir damit nicht blofs der Auffaffung der Handelskammer felbft, welche ihre Arbeit blofs„ Beiträge" genannt hat und weit entfernt zu fein erklärte, das gefammte reiche Ziffernmaterial in fertiger abgefchloffener Unterfuchung aufgearbeitet zu haben, was wohl auch bei der kurzen Frift eines Jahres eine abfolute Unmöglichkeit war; wir glauben uns hiezu aber auch aus dem Grunde berechtigt, weil dem Werke zwei wefentliche Vorausfetzungen einer vollkommen durchgeführten preisgefchichtlichen Arbeit fehlen: die vergleichende Darftellung, um die relative Be deutung des gefchilderten Verkehrscentrums zu erkennen, und die durchgreifende Beziehung auf die Gefetze des wirthschaftlichen Lebens, zwei Momente, wodurch z. B. befonders die claffifche ,, Gefchichte und Beftimmung der Preife" von Tooke und Newmarch fich charakterifirt. Es ift diefs eher ein Vorzug als ein Vorwurf für die Arbeit der Budapefter Handelskammer, denn wo fo wichtiges Material in folcher Fülle zum erftenmale einer Bearbeitung fich darbietet, da erheifcht es die Oekonomie der Kräfte ebenfo wie die Achtung vor der Wiffenfchaft, dafs dasfelbe mit gröfster Sorgfalt und Gewiffenhaftigkeit verwerthet werde. Das Werk, deffen Schwerpunkt die Preistabellen von Getreide und Landesproducten vom Anfange des Jahrhunderts bis in die Gegenwart bilden, behandelt in einer ausführlichen Einleitung die volkswirthfchaftlichen Zuftände Ungarns, insbefondere die Zuftände des Handels, unter fpecieller Berücksichtigung des Handels an dem Pefter Platze, ferner die Productionsverhältniffe der wichtigften Landesproducte, namentlich alfo von Körnerfrüchten aller Art, Wolle, Wein, Tabak, rohen Fellen und Häuten, Rüböl, Branntwein und Spiritus, Wachs und Honig, Speck, Schweinefett, Hanf, Unfchlitt, Knoppern und Federn. Sind in erfterer Hinficht befonders die Tabellen über den Werth der Gefammt- Ein- und Ausfuhr von 1778 an, ferner die fchon früher erwähnten Unterzeichnungen und Tabellen über das Geldwefen und die fämmtlichen in Budapeft domicilirenden Actiengeſellſchaften nach dem Stande vom 31. December 1872, endlich die Verfolgung der handelspolitifchen Entwicklung und des Zollwefens von Werth, fo ift in dem Expofé über die Preisbewegung, die Productions- und Handelsverhältniffe einzelner Hauptartikel eine geradezu muftergiltige Bearbeitung aller zum Verſtändnifs der Preistabellen nothwendigen wirthfchaftlichen Daten geboten, welche überdiefs immer in möglichft exacter Form und überfichtlicher tabellarifcher Darftellung erfcheinen. Für die Erläuterung der Getreide- Productions- und Handelsverhältniffe, welche als wichtigftes Moment des ganzen Pefter Verkehres wohl als Beiſpiel für die ganze übrige Behandlungsweife gelten können, find befondes herangezogen: Das Verhältnifs der Vertheilung des productiven und unproductiven Bodens, und der einzelnen Culturarten, die durchſchnittliche Production der einzelnen Körnerfrüchte nach Comitaten, die Aus- und Einfuhr derfelben von 1816 bis 1850 und 1868 bis 1871, die Ausdehnung der Budapefter Mühleninduftrie, endlich eine umftändliche Motivirung der Preisangaben felbft durch die Ernte- Ergebniffe und den Gefchäftsgang, unter Berückfichtigung anderer Concurrenten( Amerika, Rufsland) auf dem europäiſchen Getreidemarkte, und zufammenfaffende Durchfchnittsberechnungen für fünf, zehnund fünfundzwanzigjährige Perioden. Ausserdem wurden noch Zahlen über die in der Indnftrie befchäftigten Perfonen( leider zu wenig an Populationsftatiſtik), die Anzahl der in der Landwirthschaft verwendeten Mafchinen in ihrer rapiden Zunahme, eine Tafel über die Entwicklung des ungarifchen Eifenbahn- und Tele 30 Dr. Carl Theodor von Inama- Sternegg. graphennetzes, endlich eine erläuternde Gefammtüberficht der Preisbewegung geboten. Das Tabellenwerk felbft brachte vor Allem die Durchfchnittspreife der Körnerfrüchte von 1800 bis 1818 in halbmonatlichen, von 1819 bis 1868 in wöchentlichen Angaben, und zwar in Originalnotirungen, denen zur Umrechnung der verfchiedenen Getreidemafse und Münzfufse auf niederöfterreichiſche Metzen und öfterreichifche Währung gute Schlüffel beigegeben waren; ferner( in 29 Tabellen) die wöchentlichen Durchfchnittspreife der Körnerfrüchte auf dem Pefter Markte in umgerechneten Notirungen von 1819 bis 1858 und in Originalnotirungen von 1859 bis 1868, welchen fich noch zwei Tabellen anreihen, die den wöchentlichen Durchfchnitt des Repspreifes in den Jahren 1854 bis 1868 enthalten; fodann drei Tabellen wöchentlicher Durchfchnittspreife von Körnern und Reps 1869 bis 1872, wegen der feit 1869 aufgenommenen Notirung nach Gewicht von den Haupttabellen ausgefchieden; weitere drei Tabellen enthalten die Jahres-, die fünf- und zehnjährigen Durchschnitte von 1819 bis 1872. Die Preife der ungarifchen Landesproducte auf den Pefter Hauptmärkten bilden den Inhalt weiterer 126 Tabellen, und zwar Preife von Schafwolle, Wein, Branntwein und Spiritus, rohen Häuten und Fellen, Schweinefett, Speck, Unfchlitt, Knoppern, Honig, Wachs von 1800 bis 1872, Tabak 1800 bis 1850, Federn 1827 bis 1872, Hanf 1809 bis 1872 und Oel 1808 bis 1872. Als fehr werthvolle Beigaben erfcheinen fodann zunächft Transport- Ausweife, welche die Bewegung der Zugfchiffe von 1854 bis 1872 zuerft nach den einzelnen Einladeftationen, dann nach der Totalverfrachtung der in Peft auf dem Wafferwege angekommenen und transitirten Körnerfrüchte mit überfichtlicher Zufammenftellung der Schiffsbewegung auf fämmtlichen Abladeplätzen der Donau 1844 bis 1872( auf 26 Tabellen) darlegen; ferner ift in 12 Tabellen der Verkehr der k. k. priv. Donau- Dampffchifffahrt- Gefellfchaft in Körnerfrüchten, während der Periode 1867 bis 1872 detaillirt ausgewiefen und ein überfichtliches Verzeich nifs der in Budapeſt während 1864 bis 1872 zugeführten, verfendeten und transportirten Körnerfrüchte gegeben; endlich zeigen einige Tabellen den Verkehr der k. k. priv. öfterreichifchen Staatsbahn in Körnerfrüchten an der Station Peft und der k. k. priv. Südbahn an der Station Ofen von 1861 bis 1872. Neben den Transportausweifen ift noch die Entwicklung der älteren Budapefter Creditinftitute und der ungarifchen Filialen öfterreichifcher Geldinftitute, fo wie der Stand der ungarifchen Bank- und Creditinftitute im Jahre 1871 detaillirt in Tabellen dargelegt und zum Schluffe die gefammte für die Gefchichte der wirthschaftlichen Entwicklung Ungarns wichtige Literatur angefügt. Aus diefer detaillirten Inhaltsangabe wird wohl beffer als durch vage Lob preifungen der wahrhaft monumentale Charakter diefes Werkes für Ungarn erficht lich, und es hätte der luxuriöfen Beigabe der graphifchen Tafeln nicht bedurft, um nicht blofs als Quellenwerk erften Ranges, fondern auch als würdiges Denkmal des Landes erkannt zu werden, von dem es handelte, der Männer, die es gearbeitet haben, der Herren Dr. Nicolaus v. Szvetenay, Secretär, und Ludwig Schoch, Schriftführer der Budapefter Handelskammer, und ihres Präfidenten Friedrich v. Kochmeifter, durch deffen verftändnifsvolles Eingehen auf ein auch an materiellen Opfern fchwerwiegendes Unternehmen die Errichtung des felben möglich geworden ift. Graphifche Darftellungen der Preisbewegung waren auf der Ausftellung fehr zahlreich vertreten, wie denn überhaupt die graphifche Methode auch im Dienfte der Productions- und Verkehrsftatiftik fich grofser Beliebtheit und vielfeitiger Anwendung zu erfreuen hatte. Es wird Gegenftand eines befonderen Berichtes fein, das gefammte reichhaltige ftatiftifche Material, welches die Weltausftellung geboten hat, überfichtlich zu fchildern und kritifch zu beleuchten; wir befchränken uns auf die Befprechung derjenigen graphifchen Tafeln, welche der Preisgefchichte unmittelbar zu dienen beftimmt waren, oder doch mit ihr im Beiträge zur Gefchichte der Preife. 31 engften Zufammenhange ftanden. Sie alle ftellen fchon mindeſtens erfte Bearbeitungen preisgefchichtlichen Materials dar; denn fie haben ein vollständiges und gleichförmiges, auf einheitliche Werke reducirtes Zahlenoperat zur Vorausfetzung, ohne welche fie ihrer eigenften Aufgabe, ein anfchauliches, deutliches und in grofsen Zügen richtiges Bild eines preisgefchichtlichen Entwicklungsvorganges, nie erreichen können. Wo diefes unerlässliche Erfordernifs vernachläffigt wird, da entſtehen mit Nothwendigkeit irreführende Bilder, welche nicht blofs für den Fachmann allen Werth verlieren, fondern geradezu fchädlich wirken, indem fie der grofsen Menge der Befchauer, der folche anfprechende, gemeinfafsliche Darftellungen das Studium der Zahlenreihen nicht blofs erleichtern, fondern geradezu erfetzen follen, falfche Vorftellungen beibringen, welche im Bilde fich leicht und nachhaltig dem Gedächtniffe einprägen. So litten z. B. die Tafeln des Freiherrn v. Weyhe Eimke über Preife von Wolle, Holz und Steinkohle nebft Taglöhnen auf der Herrfchaft Náchod 1634 bis 1872, ferner über Korn, Kartoffeln und Rindfleifch aus demfelben Zeitraume, über Preife der Schwadovicer Steinkohlen von 1800 bis 1872 an dem Fehler, dafs ihnen keine ununterbrochenen Jahresreihen zu Grunde gelegt werden konnten, und dafs die fehlenden Jahre bei der Abtheilung der Abfciffe ganz unberücksichtigt blieben, anftatt dafs wenigftens diefe Abtheilungen gleiche grofse Zeitabfchnitte enthalten hätten und nur bei der Curve, die durch den Mangel des Materials gebotenen Lücken gelaffen worden wären; fo mufsten nothwendigerweife die Curvenlinien verzerrt und insbefondere die Steigungen und Senkungen fchroffer werden, als diefs den Thatfachen entfpricht, fobald in einem Jahrzehnt eine gröfsere Anzahl von Jahren ausgefallen war. Aehnliche Fehler fanden fich bei den fchon erwähnten portugie fifchen graphifchen Tableaux, deren grundlegende Daten, aufser von 1865 an, aus beliebigen einzelnen Jahren herrührten, die aber im Uebrigen fauber ausgeführt und durch grofse Reichhaltigkeit in Bezug auf die verfchiedenen Arten von Producten ausgezeichnet waren. Da nun bei graphifchen Darftellungen überhaupt, der Natur der Sache nach, nicht eine unmittelbare Förderung der Preisgefchichte, fondern nur eine mittelbare, durch Vereinfachung des Ueberblickes über die Zahlenreihen, gleichfam durch Erleichterung ftatiftifcher Lectüre und lebendiger Anregung zum Studium und zur Beurtheilung preisgefchichtlicher Verhältniffe zu erzielen ift, fo hat auch der Bericht über diefelben keine andere Aufgabe, als die Formen und Methoden darzulegen, in welchen diefes Ziel mit gröfserem oder geringerem Erfolge erftrebt wurde, während die in den Tafeln dargeftellten materiellen Refultate der Preisgefchichte, fo weit fie mit der angewendeten graphifchen Methode zufammenhängen, noch befonders zu befprechen find, infoferne überhaupt das jetzt fchon möglich ift, bevor noch eine eingehende wiffenfchaftliche Unterfuchung des vorgelegten Quellenmateriales angebahnt und durchgeführt werden kann. Der angewendeten Darftellungsweifen waren denn auch gar manche, wenn fchon im Allgemeinen die für gefchichtliche Statiſtik gebräuchlichfte Curvenzeichnung in einem Coordinatenfyftem überwog. Diefer Art waren unter Anderem die bereits erwähnten Náchod' fchen und portugiefifchen Karten, die egyptifchen und fonftigen orientalifchen Diagramme, die grofsen Steigerfchen Tableaux mit der Vergleichung der Berner und Prager Getreide preife, die Tafeln der kaiferlichen Güterdirection, die May'fchen Diagramme über Getreidepreife, Criminalität und Auswanderung in Baiern und die Lafpeyre'fchen Tafeln über Hamburger Waaren, Arnheimer Getreidepreife und englifche Arbeitslöhne. Auch das k. k. Ackerbau- Minifterium hatte in feinem eigenen Pavillon eine Suite von derartigen graphifchen Tafeln ausgeftellt, welche die Bewegungen des Holzpreifes veranfchaulichten. Da das denfelben zu Grunde gelegene Material nicht zugleich erfichtlich war, fo konnten diefe Tafeln wohl als Andeu 32 Dr. Carl Theodor von Inama- Sternegg. tung reichhaltiger preisgefchichtlicher Arbeiten dienen, welche in diefem rührigen Minifterium und auf feine Veranlaffung bei untergebenen Behörden gemacht fein müffen. Wir heben aus der grofsen Reihe hervor: die graphifche Darftellung der Brennholz- Preife auf dem Wiener Markte von 1834 bis 1872( gefchwemmtes und ungefchwemmtes, hartes und weiches Holz gefchieden), Darftellung des Ganges der Holzpreife in den Forftbezirken Gurahumora( Bau- und Brennholz 1852 bis 1872, Arnoldftein Bau-, Nutz- und Brennholz) 1852 bis 1871, Hallein und Zell am See ( Nutz- und Brennholz) 1852 bis 1872. Endlich mufs hier der grofsartigen Ausftellung der Triefter Handelskammer gedacht werden, welche im Pavillon des Welthandels eine Darftellung des Antheils, den Trieft am Welthandel nimmt, in grofsartigem Mafsftabe und in einer der Hauptfache nach fehr gelungenen Weife geboten hat. Allerdings trat die Preisgefchichte bei diefer Ausftellung als ein nebenfächliches( zu karg berücksichtigtes) Moment des Welthandels auf; aber auch die umfaffend dargelegten Verhältniffe der Waarenbewegung von Trieft find für das Verſtändnifs der Preisgefchichte von grofsem Werthe; zwei graphifche Tableaux ftellen die Mengen der 1857 bis 1871 auf dem Landwege, zwei weitere die Mengen der auf dem Seewege( nach Häfen und Flaggen geordnet) 1845 bis 1871 aus- und eingeführten Waaren dar; vier Tafeln gruppiren ferner die eine Million Gulden überfteigenden, und die unter einer Million bleibenden feewärtigen WaarenausfuhrsWerthe; eine Tafel bringt die ganze Handelsbewegung von Trieft 1859 bis 1868 zur Anfchauung; der Tafeln über das Silberagio haben wir fchon früher gedacht. Unter den in mehreren Tafeln dargestellten Gefammt- Platzumfätzen der vorzüg lichften Artikel in Trieft im Jahre 1871 mit Preifen und Quantitäten verdient befonders die tabellarifche Zufammenstellung der Preisbewegungen des Triefter Baumwoll- Marktes in den Jahren 1871 und 1872 in Wochennotirungen mit Beifügung des Curfes auf London per drei Monat hervorgehoben zu werden. Es find acht Sorten Baumwolle berücksichtigt, Vorrath, Zufuhr und Ablieferung auf befonderen Tabellen beigegeben; das grofse Diagramm ift mit befonderer Sorgfalt gearbeitet und fehr fchön ausgeftattet. Leider ift das Facit diefer Handels- und preisftatiftifchen Unterfuchung ein Schmerzensfchrei über die Vernachläffigung des Triefter Platzes feitens der Regierung.„ Der fo bedeutende Abfall in den Zufuhren des Jahres 1872, der für 1873 wohl noch grösser fein wird, ift auf den Umftand zurückführen, dafs wir mit allen unferen früheren Abfatzgebieten nur durch eine einzige Eifenbahnlinie in Verbindung ftehen. Die Verfchleppung der Predilbahn rächt fich durch den Verluft des Transits von Oftindien nach Tirol, Süddeutſchland und die Schweiz, wie fich in ähnlicher Weife auch der Getreidetransit vermindert hat. Dafs Trieft durch folche Vernachläffigung auch mit Bezug auf die ftaatlich- politifchen und wirthschaftlichen Intereffen auf nicht zu rechtfertigende Weife dem Ruine zugeführt wird, ift eine unumftöfsliche Thatfache." Eine andere Art der graphifchen Darftellung in farbigen Bändern fanden wir unter Anderem angewandt bei Helly's Vergleichung der Preife verfchiedener Materialien und Droguen von 1788 und 1873, bei welchen die Abtheilungen der Abfciffe die Preisfcala, die Ordinaten dagegen die beiden verglichenen Jahre bedeuten, welche der gewöhnlichen, entgegengefetzten Anordnung aber auch nur für folche fpecielle Zwecke Anwendung finden kann. Auch Schebek's grofse Tafel über das allmälige und ftetige Steigen der Getreidepreife( fiehe unten) hat die Bänderform angewendet, wie auch in origineller Weife Minifterialrath Dr. Mayr in feiner Tafel über den Münchner Fleifchconfum und die Fleifch preife von 1809/10 bis 1872. Die Bänder find hier vertical geftellt und im Uebrigen die gewöhnliche Ordnung( die Ordinaten als Quantitäten, die Abfciffenabſchnitte als Perioden) beibehalten. Die ganze Länge des Bandes zeigt den Gefammtconfum von Beiträge zur Gefchichte der Preife. 33 Fleifch per Kopf der Bevölkerung, die einzelnen durch Farbenunterfchiede kenntlichen Theile desfelben die Verbrauchsmengen der einzelnen Fleifchgattungen an. Preife und Bevölkerungsziffer( männliche, weibliche) find befonders berücksich tigt. Mit diefem ungemein anfchaulichen Bilde und dem beigegebenen Detail der ftatiftifchen Nachweifungen über Fleifchpreife, Stückzahl der gefchlachteten Thiere und Fleiſchverbrauch auf den Kopf der Bevölkerung( aus der Zeitſchrift des baierifchen ftatiftifchen Bureaus 1871 S. 22 ff.) hat diefer höchft bedeutende Statiſtiker die fehr wichtige, aber noch wenig cultivirte Aufgabe der quantitativen Nachweiſungen über den Güterverbrauch wefentlich gefördert. Es gehört diefelbe allerdings zu den fchwierigften Problemen der Statiſtik, da diefe felten im Stande ift, die Verbrauchsmengen der Methode ftatiftifcher Maffenbeobachtung zu unterziehen und fich defshalb oft mit indirecten Schlufsfolgerungen aus der Productions- und Handelsftatiftik begnügen mufs. Bei einzelnen Verbrauchsgegenständen find jedoch die Vorbedingungen felbftftändiger Beobachtungen aus befonderen Gründen günftiger gelagert. In erfter Linie ift es die Verbrauchsbefteuerung, welche die aus finanziellen Gründen nothwendige Conftatirung des Verbrauches auch der Statiftik zugänglich macht; aufserdem aber gibt in gröfseren Centren des Zufammenwohnens auch der Marktverkauf manchen fchätzenswerthen Anhaltspunkt zur Ergänzung der Confumtionsftatiftik. Diefe vom Verfaffer felbft bezeichneten Schwierigkeiten hat derfelbe in der vorgelegten Arbeit der Hauptfache nach vollständig überwunden. Wenn diefelbe nichts deftoweniger nicht als eine fertige, fondern nur als eine Vorarbeit in Betracht kommen kann, fo liegt der Grund theilweife in deren örtlichen Befchränkung auf eine einzelne Strecke, theils in der fachlichen Befchränkung auf ein einzelnes Gut, die es dem Verfaffer felbft verwehrten, allgemeine Folgerungen für den Procefs der Preisbildung daraus abzuleiten. Aehnlich verhält es fich mit desfelben Verfaffers grofser Karte des Getreidebaues und Schrannenverkehrs in Baiern, mit Berückfichtigung der Preisverhältniffe des Getreides. Es ift bei derfelben einerfeits die Ausdehnung des Getreidebaues, anderfeits der Umfang des Schrannenverkehrs mit den Marktpreifen zur Darstellung gebracht. Die Ausdehnung des Getreidebaues ift für die einzelnen Verwaltungsdiftricte durch die über die ganze Karte fich erftreckenden Farbentöne dargeftellt, wobei die gewählten Farben nach einer Procentenfcala fich von einander unterfcheiden. Der Verkehr auf allen baierifchen Schrannen nach dem Durchfchnitte der Jahre 1869 bis 1871 ift für die betreffenden Orte durch Quadrate der Art ausgedrückt, dafs die Gröfse derfelben dem Quantum der Verkaufsmengen proportionel ift; ein Quadratcentimeter entspricht einem jährlichen Verkaufsquantum von 10.000 Hektoliter. Die Verkaufsmengen der einzelnen Getreidearten find innerhalb der Quadrate durch Rechtecke in verfchiedenen Farben unterfchieden. Die Preisverhältniffe der einzelnen Getreidegattungen find durch Schraffur in der Weife dargestellt, dafs die für die einzelnen Schrannen gefundenen Durchschnittspreife der einzelnen Getreidegattungen in eine gleich grofse Gruppe zerlegt wurden. Die in die erfte Gruppe( niedrigfte Preife) fallenden Verkaufsmengen find ohne Schraffur gelaffen, die ferneren Gruppen find durch einfache, gekreuzte etc. Linien dargeftellt; dabei ift auf der Karte auch auf Flüffe, Canäle und Eifenbahnen Rückficht genommen. In der tabellarifchen Zufammenftellung des Schrannenverkehrs( gleichfalls enthalten in der Zeitfchrift des bairifchen ftatiftifchen Bureaus) ift der Verfuch enthalten, den Gefammtverkanf von Getreide, foweit derfelbe auf den baierifchen Schrannen ftattfindet, oder mindeſtens in den Schrannenanzeigern regiſtrirt ift, zur ftatiftifchen Darftellung zu bringen. Es find defshalb auch diejenigen Orte, welche nur einen mäfsigen Verkauf von Getreide nachweifen, berücksichtigt worden. Die überall auf das forgfältigfte durchgeführte Berechnung der Durchfchnittspreife mit Einbeziehung der Quantitäten des Verkaufes wahrt den Hauptverkehrs- Plätzen das mafsgebende Gewicht für die Beftimmung der Gefammt3 34 Dr. Carl Theodor von Inama- Sternegg. Durchfchnittspreife in den einzelnen Gebietstheilen und im Königreiche. Die Schrannenftatiftik, auch eine der am meiften vernachläffigten und doch wichtigften Partien der wirthschaftlichen Statiſtik überhaupt, hat fich befonders in Baiern vortheilhaft feit 1870 entwickelt, feit welcher Zeit die directe Einfendung aller Schrannenanzeigen von Seite der einfchlägigen Gemeindeverwaltungen an das k. ftatiftifche Bureau angeordnet ift. Auch ift für Abfaffung der Schrannenanzeigen ein gemeinfames Formular entworfen und zugleich auf die richtige Berechnung der Durchfchnittspreife aufmerkfam gemacht und zur Ermöglichung einer Prüfung diefer Berechnung die jeweilige Beifügung des Verkaufserlöfes für die einzelnen Getreidegattungen in den Schrannenanzeigen als unerlässlich bezeichnet worden. genomEs ift diefe Karte des baierifchen Schrannenverkehrs die einzige auf der Ausftellung gewefen, welche zugleich der Preisftatiftik diente, während die in der Methode ähnlich gearbeiteten Karten von Europa, auf welchen Trieft theils durch farbige Bänder, deren Breite, theils durch Quadraten, deren Gröfse den. Quantitäten der ein- und ausgeführten Waaren entſprechen, weder auf die Preife, noch( wie die May'fche Karte) auf die Productionsverhältniffe Rücksicht men haben. Es kann aber nicht geleugnet werden, dafs die kartographifche Darftellung für wichtige Momente der vergleichenden Preisgefchichte und Preisftatiſtik einer reichen Anwendung fähig wäre, um z. B. darzulegen, welche Länder für einzelne Productionszweige mit den geringften Koften arbeiten, zu den billigſten Preifen abgeben können etc., und wie fich diefe Verhältniffe in den einzelnen Ländern. für je eine Periode berechnet, geftaltet haben. Die graphifchen Darftellungen des auf dem Gebiete der Preisgefchichte und Preisftatiſtik rühmlichft bekannten Profeffors Lafpeyres in Carlsruhe ( früher in Dorpat) enthielten in 18 Blättern Relativzahlen der Hamburger Waarenpreife 1851 bis 1870, verglichen mit dem Durchschnittspreife der Jahre 1847 bis 1850= 100 gefetzt; ferner englifche Arbeits- und Waarenpreife im XIV. Jahrhundert( auf acht Blättern), und Arnheimer Getreidepreife von 1571 bis 1870 auf vier Blättern, welche, ohne irgend eine befondere Leiftung fein zu wollen, doch die grofse Gewandtheit des Verfaffers documentiren; ja, man kann faft behaupten, dafs feine eigene Fertigkeit in Herftellung und Verwerthung folcher Tabellen ihn zu dem Fehler verleitet hat, allzuviele Curven auf einem Blatte anzubringen, wodurch die graphifche Darftellung nur zu leicht des einzigen Verdienftes ver luftig geht, um deffen willen fie an Stelle der Tabelle treten kann, eine rafche und fichere Ueberficht zu bieten und grofse Zahlenmafsen mit einem Blicke wenigftens obenhin zu bewältigen. Da diefe Tafeln zur Durchführung beftimmter national- ökonomifcher Themata componirt wurden, fo müffen wir uns ihre Befprechung des Zufammenhanges mit anderen ähnlichen Elaboraten halber noch erfparen, nur die von demfelben Autor, der fich überhaupt auf der Wiener Weltausftellung nur als Techniker preisgefchichtlicher Forfchung fehen liefs und keine felbftftändigen Quellenforschungen brachte, ausgeftellte bewegliche zerfchnittene Tabelle der Hamburger Waarenpreife müffen wir hier noch erwähnen. Diefe Tabelle, bei welcher das Princip der Zählkarten oder Zählblättchen, wie fie die Volkszählungen entwickelt haben, angewendet wurde, ift in einem Tabellenkopf und in 310 Streifen, für jede Waare je eine, zerlegt. Für jede einzelne Waare enthält der Streifen alle in dem Tabellenkopfe verzeichneten Angaben, die 31 abfoluten und die 31 relativen Preife. Diefe 310 Streifen find in 17 Päckchen zufammengefafst, von denen jedes einer der 17 Tafeln der graphifchen Darftellung entſpricht. Diefe Päckchen waren in einem kleinen länglichen Kaften zufammengeftellt. Diefe Form der Tabelle ift mit der Abficht gewählt, um die Waaren nach jeder Rückficht beliebig ordnen zu können, ohne die gefammten 19.220 Tabellenfelder in der gewünſchten Reihenfolge copiren zu müffen. Wollte man alfo etwa das Verhältnifs der Preisfteigerung der Rohproducte zu den Beiträge zur Gefchichte der Preife. 35 Manufactur- oder den fchweren, das heifst weniger werthvollen Waaren zu den leichteren, denen die zu nehmenden Transportvortheile nicht fo bedeutend nützen, unterfuchen, fo hätte man die Tabellenftreifen nur nach den natürlichen Waarengruppen oder nach ihrer Transportabilität, welche fich in dem Durchschnittspreiſe per Centner ausdrückt, zu gruppiren. Diefes an fich gewifs treffliche Mittel einer eingehenden Tabellenanalyfe( L afpeyres hat es felbft in Schebeck's Katalog genauer gefchildert) leidet vor der Hand nur an einer fehr bedeutenden Unhandlichkeit und Subtilität, wodurch eine gröfsere Verbreitung der beweglichen Tabelle in diefer Geftalt wenigftens ein grofses Hindernifs finden wird. " Zum Schluffe fei in diefer Gruppe noch eines originellen Verfuches einer graphifchen Tafel der Preisbewegung von Feldfrüchten, Brot und Fleifch in Prag von 1800 bis 1870 von dem fchon erwähnten Bureau für die land- und forftwirthschaftliche Statiſtik des Königreiches Böhmen( Verfaffer Profeffor Dr. Kořift ka) gedacht. Die Ordinaten diefes Diagrammes, welche die Preife in Gulden darftellen, find Logarithmen diefer Gulden, weil man nur auf diefe Art ein richtiges Bild vom Verhältniffe der Veränderungen verfchiedener Grundpreife erhalten kann." Mit diefer kurzen Rechtfertigung hat fich diefer neue Verfuch auf dem Gebiete der graphifchen Statiſtik eingeführt, deffen Bedeutung und Berechtigung eine nähere Betrachtung verdient. Bei der gewöhnlichen Art der Diagramme find die Ordinaten( nach welchen die horizontale Theilung gefchieht) in einer arithmetifchen Scala derart aufgetragen, dafs der Raumabftand von I zu 2 gleich grofs ift, wie der von 2 zu 3 u. f. f. Eine Curve, welche alfo in zwei auf einander folgenden Abfciffenabſchnitten( etwa Jahre bedeutend) von I bis 2 und 2 bis 3 fteigt, zerfällt in zwei gleich grofse( gleich fteile) Abſchnitte, was vom Bilde in das Wort übertragen, lautet, dafs der Preis im zweiten Jahre( 2 bis 3) eine gleiche Steigung zeigt, als im erften( 1 bis 2). Diefs widerfpricht aber nicht blofs der Thatfache, dafs die zweite Steigung( 2 bis 3) nur halb fo viel bedeutet als die erfte( 50 Percent gegen 100 Percent), fondern auch den erften Anforderungen der Algebra, welche uns das Preisverhältnifs diefer zwei Jahre in geometrifcher, nicht in arithmetifcher Proportion anfetzen heifst. Das, was demnach mit dem Bilde bezweckt werden will, eine möglichft anfchauliche, aber doch richtige Wiedergabe einer Tabelle, wird nicht nur nicht erreicht, fondern in's Gegentheil verkehrt, es wird eine geradezu falfche Vorftellung dadurch befördert; denn die Steilheit der Linie ift das Bild der Steigerung des Preifes; bei der arithmetifchen Scala aber bringt ein Gulden Steigerung denfelben Steigerungswinkel hervor, ob er die unbedeutende Schwankung von 100 zu IOI oder die enorme von I zu 2 darzuftellen hat. Bei der Anordnung der Scala nach einer geometrifchen Progreffion dagegen, fo dafs der Raumunterfchied von I bis 2 gleich ift dem von 2 bis 4, 4 bis 8 etc., erhält man in der Steilheit der Curve das richtige Bild der percentualen Steigerung, indem die Steigerungspercente von I zu 2, 2 zu 3 etc. in gleicher Weife abnehmen, wie die Raumunterfchiede diefer Zahlen. Erft hiedurch wird alfo erreicht, was die urfprüngliche Abficht eines Diagrammes ift, eine geometriſche Darstellung und Veranfchaulichung von Zahlenverhältniffen. Das, was Schebek für die mittlere Ofcillation der Weizenpreife in Prag von Jahr zu Jahr in Percenten ermittelt hat, ohne es in den graphifchen Tafen darftellen zu können, und was Lafpeyres mit feinen relativen Zahlen der Hamburger Waarenpreife wirklich, aber mit Verzicht auf die Deutlichkeit und Ablesbarkeit der Preife dargestellt hat, läfst fich mittelft der graphifchen Logarithmen auf ebenfo verftändliche, aber viel correctere Weife im Bilde geben. Aber nicht blofs in Betreff der Curvenzeichnung bietet diefe Methode einen grofsen Vorzug, fondern auch in Bezug auf das Ablefen von einer folchen Tafel. Bei der gewöhnlichen Form der Auftragung wird nur gezeigt, um wie viel der Preis differirt; mittelft der Logarithmen dagegen findet man aufser diefem arithmetifchen Verhältniffe, das unverändert ftehen bleibt, auch noch, um wie vielmal 3* 36 Dr. Carl Theodor von Inama- Sternegg. der Preis eines Jahres höher ift, als der eines anderen, wie diefs durch die Anzahl gleicher Raumunterfchiede der Scala, gemäfs der geometrifchen Progreffion, angegeben wird. Und zwar ift diefes einfache Ablefen des geometrifchen Verhältniffes nicht blofs für zwei unmittelbar auf einander folgende, fondern für die Beziehungen zweier ganz beliebiger Punkte möglich, wobei man die Abfciffe von dem einen der zu vergleichenden Punkte bis zur Grundordinate mifst und auf die Abfciffe des zweiten Punktes überträgt, um dann an der dadurch getroffenen Ordinate das Verhältnifs einfach abzulefen. Es gibt alfo die logarithmifche Theilung ein kennbareres und richtigeres Bild der Preisbewegung und fie geftattet aufser den arithmetifchen Ablefungen der bisher üblichen Weife auch das Ablefen aller percentualen Verhältniffe, eine Erleichterung auch des rechnerifchen Verfahrens, wie fie in dem fogenannten Rechenftab ( Soho rule, sliding rule) für die Technik fchon lange bekannt ift, für die graphifche Statiftik und insbefonders für die Preisftatiftik aber unferes Wiffens bisher noch keine Anwendung gefunden hat. Was fonft an graphifchen Darſtellungen zur Gefchichte der Preife noch auf der Ausftellung vorlag, war, foweit wir nicht aus anderen Gefichtspunkten noch davon zu fprechen haben, entweder ganz unbedeutend oder wegen Mangels gleichzeitig vorgelegter Tabellen mit dem begründenden und erklärenden Zahlenmaterial vollkommen uncontrolirbar, wie das unter Anderem von den Tafeln der Wiener Frucht- und Mehlbörfe, von Guftav Nobak's Tafeln über die Gerften-, Hopfenund Bierpreife in Baiern 1811 bis 1865, und von den Tafeln des öfterreichifchen Vereines für chemifche und metallurgifche Production über Preisfchwankungen von Chlorkalk, Soda, Glauberfalz, Schwefelfäure etc. von 1864/65 bis 1871/72( nach Monaten geordnet) gefagt werden mufs. - Die 32 graphifchen Tafeln endlich der grofsen Budapefter Preisgefchichte, um mit dem gröfsten Elaborate diefer Gruppe zu fchliefsen, find uns trotz ihrer gewandten Anordnung und meifterhaften typographifchen Ausftat.. tung doch immer mehr wie ein rechtes Ausftellungs- Schauftück, denn als ein nothwendiger Beftandtheil jenes fchon gewürdigten und wohl mit Recht gelobten Riefenwerkes erfchienen. Jedenfalls fteht der wiffenfchaftliche Erfolg, welcher damit erreicht wird, in keinem Verhältniffe zu dem gemachten Aufwande; denn nicht nur ift durch die Darftellung der wöchentlichen Preisbewegung eine ganz unnöthige Maffe von Theilungen und Eintragungen entftanden, welche bei Erfaffung des Bildes in feinen grofsen Zügen und nur dazu hat die graphifche Statiſtik Beruf und Aufgabe- doch unberücksichtigt verloren gehen, fondern es ift auch durch die Anordnung, dafs jeder einzelne Gegenftand auf mehreren einzelnen Blättern gegeben werden musste, eine einigermassen eingehende Vergleichung, ein Studium diefer Tafeln, fo gut wie vollſtändig ausgefchloffen. Ohne diefe Möglichkeit einer intenfiven Vergleichung aber ift die einzelne Tafel ungemein gedankenarm und daher auch eine nur unvollkommene Bearbeitung des Ziffernmateriales; denn nur dadurch, dafs damit wirkliche ftatiftifche Ergebniffe, welche der Lefer des Tabellenwerkes erft mühfam fich hätte gewinnen müffen, gleichfam fpielend vorgeführt werden, erhebt fich die graphifche Statiſtik über die Stufe blofser technifcher Fertigkeit zu einem eminent wiffenfchaftlichen Hilfsmittel. Refultate der Preisgefchichte. Abgefchloffene Unterfuchungen und fertige Ergebniffe der Preisgefchichte traten bei der Ausftellung aus naheliegenden Gründen nur wenige hervor; denn abgefehen davon, dafs ihre erfte Vorausfetzung, ein gefchloffenes Material, auf ein heitliche Zahlenausdrücke gebracht, nur unter befonders begünftigenden Umständen überhaupt zu erreichen war, und dafs die knapp bemeffene Zeit für alle diejenigen, welche erft durch die Ausftellungsprogramme zu derlei Arbeiten angeregt wurden, Beiträge zur Gefchichte der Preife. 37 fchon hiedurch vollſtändig in Anfpruch genommen war, fo darf auch nicht vergeffen werden, dafs wohl für die Befchaffung des Quellenmaterials zahlreiche Kräfte gewonnen werden können, während feine Verarbeitung volle Vertrautheit mit den national- ökonomifchen Theorien mit den grofsen Zügen der Wirthfchafts- und der allgemeinen Culturgefchichte und endlich auch mit der Methode exactwiffenfchaftlicher Unterfuchung vorausfetzt. Angefichts diefer vielen Schwierigkeiten war es um fo werthvoller, dennoch mehreren Verfuchen folcher abgefchloffenen Unterfuchungen zu begegnen, welche mit einem wohlzubereiteten Material ein national- ökonomifches oder culturhiftorifches Thema durchführten; es ift damit nicht blofs manche wiffenfchaftliche Wahrheit wirklich zu Tage gefördert, fondern, was noch mehr ift, an guten Beiſpielen felbft der grofsen Menge der Ausftellungsbefucher gezeigt worden, auf welche Weife und mit welchen Mitteln das anfcheinend fchwerfällige und gedankenarme Zahlengerüfte der gefchichtlichen Statiftik zu einer lebendig fprudelnden Quelle wiffenfchaftlicher Erkenntnifs geftaltet werden könne. Die noch immer, und zwar nicht blofs in den Köpfen fcholaftifch gefchulter Denker fpuckende Anficht, als könne die Induction auf Grundlage exacter Maffenbeobachtung für die wiffenfchaftliche Behandlung und Fortbildung der Nationalökonomie nicht angewendet werden, hat hier in dem Saale des Welthandels- Pavillons eine fchlagende Widerlegung gefunden, die gewifs, obfchon fie fich in kleineren Dimenfionen bewegte, doch an fich fchon geeignet ift, weitere Kreife auf den Umfchwung aufmerksam zu machen, der fich fo unmerklich in der national- ökonomifchen Methode vollzieht, dafs man noch in unferen Tagen Urtheilen begegnet, welche z. B. an Meifter Rofcher nur feine grofse Belefenheit und feine intereffanten gefchichtlichen Anmerkungen rühmen, unfere modernen Statiſtiker aber am liebsten im Geifte der alten Göttinger Schule als Tabellenknechte betiteln möchten. Wir wenden uns auch hier zuerft an die von der Prager Handelskammer ausgeftellten oder doch mit ihrer Ausftellung in Verbindung ftehenden Elaborate. Dr. E. Schebek hatte zwei grofse graphifche Tableaux ausgeftellt, in welchen einerfeits die allmälige Verminderung der Preisfchwankungen, an derfeits das ftetige Steigen der Preife in längeren Perioden nachgewiefen werden follte. Als Material hiezu benützte er das früher fchon ausführlich befprochene Urban'fche Elaborat über die Getreidepreife in Prag von 1655 bis 1872, wählte, da von Hafer die Preife zu vieler Jahre mangelten, Weizen, Korn und Gerfte, und reducirte die Angaben fämmtlich auf niederöfterreichifche Metzen und öfterreichifche Währung in Silber, worüber im Cataloge( Beilage E) ausführlich berichtet ift. Abgefehen von den Bedenken, welche gegen die unmittelbare Verwerthung der Urban'fchen Tabellen, wegen der Ungleichförmigkeit ihrer Erhebung( theils Taxvoranfchläge, theils Marktpreife) früher fchon vorgebracht wurden, find diefe beiden Arbeiten tadellos ausgeführte, fehr werthvolle Beiträge zum Verftändniffe der Preisgefchichte und zur Klärung national- ökonomifcher Anfichten, die nur zu leicht als Wahrheit ohne Beweis angenommen und nachgefprochen werden. Können wir auch mit dem Ergebniffe nicht vollkommen einverftanden fein, weil es die Fehler des Materials gleichfalls an fich trug, fo müffen wir doch den Verfuch als folchen lobend hervorheben und zur Nachahmung und Ergänzung empfehlen. Um die fucceffive Verminderung der Preisofcillation zu finden, wurde, wie der Verfaffer erklärt, die Differenz der Preife von Jahr zu Jahr in Percenten ermittelt und dann aus den jährlichen Ofcillationspercenten die Durchfchnitte für Perioden von 10, 25 und 50 Jahren gezogen. Das vermuthete Refultat kam aber nicht einmal in ganzen Jahrhunderten zum Vorfchein, wodurch der Verfaffer zu der Annahme geführt wurde, dafs weder die Entwicklung der Verkehrsmittel, noch das Fallen der Zollfchranken und die fortfchreitende Entfeffelung des Kornhandels mächtig genug waren, um die Stabilität, welche in den früheren Jahrhunderten in den Preisverhältniffen( in den Taxvoranfchlägen!) im Allgemeinen herrfchte, und die fich, trotz des in minder ausgebildeten wirthfchaftlichen Zuftänden nothwendigerweife um fo 38 Dr. Carl Theodor von Inama- Sternegg. gröfseren Einfluffes der wechfelnden Ernte- Ergebniffe auf die Getreidepreife, auch bei letzterem behauptete, zu überwinden eine Erfcheinung, die um fo mehr auffallen mufs, als bei dem niedrigen Stande der Getreidepreife in älterer Zeit felbft geringe Preisunterfchiede fchon eine merkliche percentuale Abweichung verurfachen. Hätte der Verfaffer gleichförmige Preisreihen vor fich gehabt, fo würde vielleicht diefes feltfame, ihn felbft befremdende Ergebnifs ebenfowenig hervorgetreten fein, als bei anderen ähnlichen Unterfuchungenwie z.B. bei der Vergleichung des Berner und Prager Weizen- und Roggenpreifes durch Baron Steiger, welcher, obgleich auch er die Urban'fchen Zahlen benützte, doch ausdrücklich hervorhob, dafs feit Entwicklung des Bahnverkehrs die Extreme verfchwinden; der Krimkrieg 1854 hatte noch merkliche, der Riefenkrieg 1870 in Frankreich faft keinen Einflufs auf den Weizenpreis. Der höchfte und der niederfte, feit 25 überhaupt vorgekommene Preis weicht nicht einmal um das Doppelte von einander ab, während ehemals Schwankungen um das Vier- und Fünffache öfters vorkamen. Auch in dem Elaborate der Budapefter Handelskammer wird auf die alle Extreme möglichft ausgleichende Macht guter Communicationsmittel und unter Anderem auf die Thatfache hingewiefen, dafs eine in unerhörter Ausdehnung vorgekommene Miſsernte( von 1863) um eine Preiserhöhung von I fl. 30 kr. über den zehnjährigen Durchschnitt hervorzurufen vermochte. Uebrigens leidet diefe Tafel der Preisfchwankungen auch an dem allgemeinen Fehler der nach arithmetifchen Verhältniffen angelegten Tafeln, dafs fie bei dem Befchauen die optifche Täufchung hervorrufen, als wenn Preisfchwankungen von einer hohen Bafis aus ebenfo bedeutend wären, wie arithmetifch gleichgrofse von einer niederen Bafis; eine Schwankung alfo z. B. zwifchen 6 fl. und 8 fl. per Metzen ebenfo ftark( das ift 2 fl.) als eine folche zwifchen I fl. und 3 fl., welcher Fehler die Darftellung auch bei den Steiger'fchen Tafeln erheblich ftört. Wie ganz anders klar ift in diefer Beziehung eine Tafel mit logarithmifcher Theilung der Ordinaten, welche uns über die wahren Verhältniffe der Zahlen belehrt, ohne die abfoluten Zahlen zu verkleiden oder bei einem Bilde, das eben eine richtige Anſchauung der Zahlenverhältniffe geben foll, mit Bewufstfein eine optifche Täufchung hervorzurufen. In der zweiten Tafel hatte Schebek das progreffive Steigen der Getreidepreife im Laufe der Zeit zur Unterfuchung geftellt. Als Ergebniss diefer Unterfuchung legte er in feinem Kataloge nieder, dafs weder in 10- noch in 25jährigen Perioden ein conftantes Steigen zu beobachten war, wobei freilich zu berücksichtigen ift, dafs die lange Dauer der franzöfifchen Kriege und die darauffolgenden Mifsjahre 1816 und 1817 fo fehr auf die Theuerung des Getreides einwirkten, dafs der Durchfchnittspreis im erften Viertel unferes Jahrhunderts den ( befonders niedrigen) des folgenden Viertels noch um etwas überftieg. Erft bei dreifsigjährigen Perioden trat eine Stetigkeit des progreffiven Steigens ein, bei Gerfte freilich auch nur in fehr geringem und blofs bei Weizen und Korn in merklicherem Grade. Das Tableau, welches diefe Unterfuchung veranschaulichen follte, enthielt zunächft die Bewegung der Preife im Durchschnitte von 10 und 30 Jahren unter Beifügung der Preisziffern und der percentualen Preisdifferenzen in jeder nachfolgenden Periode gegenüber den unmittelbar vorangegangenen. Ausserdem aber wollte der Verfaffer auf diefem Tableau auch noch ein Bild von dem Fallen des Geldwerthes geben und bediente fich dazu des Getreides fchlechthin( Durchfchnitt aus den drei Getreidearten) als ,, Werthmeffer des Geldes". Er hält dasfelbe für entferntere und längere Zeiträume wenigftens, wegen feiner im Ganzen ziemlich unveränderten Brauchbarkeit hiezu vorzugsweife geeignet und nimmt in demfelben geometrifchen Verhältniffe ein Sinken des Geldwerthes an, in welchem für die gleiche Periode ein Steigen des abftracten Getreidepreifes auftritt. Wir können uns an diefer Stelle wohl nicht auf eine eingehende kritifche Beleuchtung diefer bedenklichen Annahme einlaffen; nur foviel fei bemerkt, dafs, obgleich der berühmte englifche Preishiftoriker Rogers in ähnlichen Verfahren die alten Geldangaben aus der Mitte des 15. Jahrhunderts einfach mit 12 multiplicirt, Beiträge zur Gefchichte der Preife. 39 um fie im heutigen Gelde auszudrücken, diefs doch gewifs kein exactes Verfahren genannt werden kann. Sicher üben mehrjährige Durchfchnittspreife der Kornfrüchte eine gewiffe mittlere Wirkung auf die Preife aller übrigen Bodenfrüchte, Manufacte und auf die Löhne aus und werden daher ein Kennzeichen vom Sachwerthe des Geldes fein; aber die Wiffenfchaft ift doch fchon tief genug in die verwickelten Gänge diefer fchwierigften Fragen der Preisgefchichte eingedrungen, um zu wiffen, dafs die Veränderungen des Getreidepreifes nicht blofs auf Rechnung der Aenderung des Geldwerthes, fondern auch ebenfo auf Rechnung der veränderten Productions- und Abfatzbedingungen des Getreides zu fetzen find, wie ja auch umgekehrt der Preis des Geldes nicht von den vorhandenen Quantitäten desfelben allein, fondern auch von den Productionskoften desfelben und von dem Bedarfe des Verkehrs nach Circulationsmitteln abhängt; und glaubte der Verfaffer, dafs ihm eine abftracte Getreideforte beffere Bürgfchaft richtiger Refultate bieten werde, als wenn er feinen Berechnungen die Preife des Haupt- Nahrungsmittels( des landesüblich vorherrschenden Brotkornes) zu Grunde gelegt hätte! Befonders, da er die Verhältniffe der Quantitäten, in welchen jede von, den drei Getreidearten in jedem Zeitraume confumirt wurden, nicht mit in Berücksichtigung gezogen hat. Wir find übrigens weit entfernt, diefe Unterfuchung über das Getreide als Werthmeffer des Geldes defswegen verwerfen zu wollen, der Verfaffer hingegen gewifs eben foweit entfernt, apodiktifche Wahrheiten darin zu erblicken; und als eine Darlegung relativ richtiger Ideen, bei deren Würdigung die nöthigen Vorbehalte ftillfchweigend verftanden werden, find beide Tableaux mit dem erläuternden Texte und den Tabellen im Kataloge nicht blofs gut gedacht, fondern auch fehr gelungen, und was das Befte ift, viel verfprechende Beweife, wie fruchtbar eine verftändige Behandlung der Preisgefchichte für die wiffenfchaftliche Erkenntnifs zu werden vermag. Die Specialunterfuchungen des Baron A. v. Steiger, deren Ergebniffe gleichfalls in mehreren graphifchen Tableaux dargestellt find, bezogen fich zunächst auf die Vergleichung der Weizen- und Kornpreife in Bern und Prag von 1528-1871 und der Roggenpreife dafelbft von 1620-1871. Ueber das zu Grunde gelegte Material haben wir früher fchon berichtet; die böhmifchen Daten leiden wieder an der Ungleichförmigkeit ihres Charakters, die fchweizerifchen fcheinen ziemlich genau zu fein; wir haben fie mit denen des eidgenöffifchftatiftifchen Bureaus in Bern verglichen und der Verfaffer hebt aufserdem felbft hervor, dafs von 1783-1830 die aus dem Staatsarchive ermittelten mit den Stadtmarktpreifen verglichen werden konnten und dafs, wenn auch eine mathematifche Gleichheit fich nicht erwarten liefs, doch die aus den verfchiedenen Quellen erhobenen Preife eine Annäherung bis auf wenige Percente ergaben, um welche die Stadtmarktpreife höher find. Was die alte Berner Geldwährung betrifft, fo hätten wir freilich etwas genauere Angaben, befonders über den Silbergehalt des Berner Pfundes gewünfcht, um den graphifchen Tafeln ein unbedingtes Vertrauen entgegenbringen zu können; aber die ganze Arbeit macht fo fehr den Eindruck der Sorgfalt und Gediegenheit, dafs wir uns wohl mit dem Gebotenen begnügen dürften. Um dem aus der graphifchen Darftellung hervorgehenden Mifsverftändniffe wegen der wahren Preisfteigerung vorzubeugen, wurden für jede 25jährige Periode die Mittel aller von einem Jahre zum anderen vorgekommenen Preisfchwankungen nach Percenten vom Mittelpreife berechnet und angeführt. Diefes Schwankungspercent nimmt gegen die Neuzeit hin ftark ab, wenn auch die Preife um ebenfoviel Gulden und Kreuzer differiren als in älterer Zeit. Die Aufgabe diefer vergleichenden Zufammenftellung war, im Wefentlichen. zu zeigen, wie die Macht des Verkehrs und ein höherer Intenfitätsgrad der Wirthfchaft immer mehr nivellirend auf die Preisunterfchiede verfchiedener Länder wirkt. War für den Verfaffer die Wahl der beiden Vergleichungspunkte zunächft aus äufseren Motiven hervorgegangen( er ift ein in Prag lebender geborner Schweizer, fo fuchte er diefe Wahl doch auch tiefer zu rechtfertigen mit den politifchen und 40 Dr. Carl Theodor von Inama- Sternegg. culturgefchichtlichen Eigenthümlichkeiten der Schweiz und ihres hervorragenden Cantons Bern, welche zur Zufammenftellung dortiger Preife und zu Vergleichen mit anderen Ländern befonders anregen. So war die Schweiz feit bald 400 Jahren an keinem Kriege mehr direct betheiligt, als an der franzöfifchen Invafion von. 1798 und 1799 und einzelnen fehr kurzen Unruhen. So beftanden mit Ausnahme einer unbedeutenden Steuer auf Salz und fremde Weine in Bern weder Steuern, noch Zolle, noch Papiergeld. So hatte die Schweiz fchon längft an Producten der Viehzucht mehr und an Producten des Ackerbaues weniger hervorgebracht, als. ihren Nahrungsbedarf und war daher früher und ftärker als andere Länder zum Handel in diefen erften Lebensbedürfniffen genöthigt, ein Handel, der mit Zunahme der Verkehrsmittel immer weitere Kreife zog. Die Vergleichung erwies fich als fehr dankbar und ergiebig, indem fie manche volkswirthfchaftliche Hypothefe beftätigte und fogar neue anregende Gefichtspunkte eröffnete, wenn gleich felbftverftändlich diefe Ergebniffe einer Vergleichung von nur zwei Standorten keineswegs zur Ausfprache allgemeiner Sätze berechtigen. Der Verfaffer hat die wichtigften diefer Ergebniffe in gedruckten ,, Bemerkungen" feinen Tafeln beigegeben, aus welchen wir das Bemerkenswertheste hervorheben. Die Getreide- Import bedürftige Schweiz hatte trotz ihrer Steuerfreiheit feit 300 Jahren fchon höhere Weizenpreife als Böhmen, wobei freilich zu berücksichtigen ift, dafs Weizen( Kernen) in der Schweiz die gewöhnliche Brotfrucht ift, während Roggen in Böhmen. Die Gröfse der Preisunterfchiede zwifchen Prag und Bern war im Jahre 1656 über 700 Percent; im Durchfchnitte des XVII. und XVIII. Jahrhunderts über 120 Percent und fank feit Entwicklung des Eifenbahnverkehrs auf 15 Percent herab; für Roggen blieb der Unterfchied der Mittelpreife immer weit geringer; in neuefter Zeit ift diefer für Prag fogar höher als für Bern. Uebrigens verproviantirte fich die Schweiz nicht aus Böhmen und die allmälige Annäherung der Preife in diefen beiden fo verfchiedenen Ländern ift um fo intereffanter, als fie nicht durch locale Handelsverbindungen bewirkt, fondern ein Refultat des allgemeinen europäifchen Weltverkehres ift. Die erleichterte Zufuhr und gröfsere Auswahl in den Bezugsquellen hat in Bern in den letzten 100 Jahren nahezu eine Stabilität der Weizenpreife bewirkt, während der Prager Weizen- Durchschnittspreis fich in derfelben Zeit nahezu verdoppelt hat, was Steiger durch den grofsen nduftriellen Auffchwung und die Zunahme an Reichthum in Böhmen erklärt. Die Abhängigkeit Berns von fremder Einfuhr für den Brotbedarf äufsert fich in weit gröfserer Senfibilität für ungünftige Conjuncturen; noch im Jahre 817 bei gemeinfchaftlichem Mifswachs ftieg der Weizen in Prag nur um 60, in Bern um 130 Percent über den Mittelpreis. Ein weiterer fehr anregender Verfuch lag von Steiger vor in der Ver gleichung der Verhältniffe einiger Arbeitslöhne, Nahrungsmittel und Gewerbsproducte in der Periode 1660 bis 1680, 1760 bis 1780 und 1866 bis 1871 in Böhmen. Auf der Tafel find die Hauptgruppen durch verfchiedenfärbige Vierecke, welche mit der Preiszunahme wachfen, dargestellt. Die erfte Abtheilung der Tafel gibt das allgemeine Refultat der Vergleichung, wonach die Arbeitslöhne ftärker als die Lebensbedürfniffe im Preife geftiegen find, die materielle Lage der Arbeiter( es find nur Preife des flachen Landes, alfo auch nur Landarbeitslöhne berücksichtigt) fich fomit reell um ebenfoviel gebeffert hat, als die Zunahme des Lohnes die Preiszunahme der Lebensbedürfniffe überwiegt. Unter den Nahrungsmitteln ftieg das Fleifch, wegen feines fehr vermehrten Confums, am bedeutendften; am wenigften Wein wegen der erleichterten Zufuhr( und der Concurrenz des Bieres?), und die Induftrieproducte; das von beiläufig zehnfach höher gezahlten Arbeitern mit zehnfach höherem Brennmaterialaufwand erzeugte Eifen ift gleichwohl nur 12 mal theurer als vor 200 Jahren. Hier zeigt fich der Triumph der Intelligenz und des Fleifses, weil hauptfächlich den fparfamen und intelligenter gewordenen Erzeugungsmethoden die relative Wohlfeilheit der wichtigften Induftrieproducte zu danken ift. Am ftärksten( 30fach) ftieg Holz, Beiträge zur Gefchichte der Preife. 41 welches immer am meiften Naturproduct bleibt und aufserdem wohl grofse Strecken feines Productionsgebietes an andere Culturen abgeben mufste. Eine gewiffe Ausgleichung wird jedoch auch hier durch die Holzfurrogate und die zweckmäfsigere Conftruction der Feuerungen erzielt. Auf der zweiten Abtheilung diefer Tafel war der Detailnachweis für diefe allgemeine Verbefferung der Lage der Landarbeiter geliefert und gezeigt, um wieviel durch ebendiefelbe Arbeitsanftrengung, dem Landarbeiter zur Beftreitung feiner Nahrungs- und anderen Bedürfniffe heute mehr Mittel verfchafft werden als vor 200 Jahren. Die ganze Darftellung ist nicht blofs mit grofsem Verſtändniffe und Fleifse angeordnet, fondern hat auch einen fehr wichtigen und noch immer controverfen Gegenftand in exacter Weife und durch die bildliche Darftellung fehr verftändlicher und anfprechender Manier behandelt. Derartige Bilder find vor Allem geeignet. Sinn und Intereffe für preisgefchichtliche Studien auch in weiteren Kreifen zu erregen und eingewurzelte Vorurtheile mit einem Schlage zu befeitigen. Nur mufs derjenige, welcher fie gibt, felbft fo vorurtheilsfrei an feine Arbeit treten, wie diefs bei Baron Steiger in wohlthuender Weife wahrgenommen werden konnte. Weniger gelungen können wir die letzte feiner graphifchen Tafeln bezeichnen, in welcher ein Vergleich der Ernte mengen und der Verkaufspreise von Weizen und Roggen auf der Domäne Tloskau von 1841 bis 1872 durchgeführt war. Nicht als ob die Darftellung weniger forgfältig oder deutlich, mit weniger Verſtändnifs gemacht gewefen wäre wie die übrigen; aber die Wahl des Themas und die Frageftellung haben einigermassen unfere Bedenken erregt. Zwar begegnet der Verfaffer( in feinen„ Bemerkungen") felbft dem Einwande, dafs die nur auf einer Domäne gewonnenen Erfahrungen nicht allgemein mafsgebend find, mit der Erwiederung, dafs fich aus den vom böhmifchen ftatiftifchen Centralcomité feit 1868 publicirten Landes- Durchfchnittsernten und Preifen die Frage, ob die quantitativen Getreideernten- Schwankungen durch entſprechende Preisbewegungen ausgeglichen werden, ebenfowenig wie nach feinem Elaborate, bejahen laffe; auch ftellt er nicht in Abrede, dafs fortgefetzte Beobachtungen nöthig find, ehe diefe Frage erfchöpfend beantwortet werden kann; übrigens vindicirt er für Tloskau nach Klima, Bodenqualität und Bewirthschaftungsweife fo ziemlich die Qualität eines böhmifchen Durchschnittsgutes. Die Frage an fich ift auch gewiſs wichtig und eingehender, exacter Unterfuchung würdig; insbefondere auch ift, wie wir fchon früher hervorgehoben haben, eine Beziehung der Preife auf die Quantitäten von grofser Bedeutung. Was uns gegen die Art der Frageftellung bei Steiger bedenklich macht, ift der Umftand, dafs Preife und Mengen nicht von jenem Orte genommen worden find, wo fie allein ihre Relation äussern können, von einem Markte. Die Erntemengen eines Gutes können in gar keiner Relation zu dem Preife desfelben ftehen, wenn fie nicht ausfchliefslich oder doch vorwiegend denjenigen Markt beherrfchen, welcher feinerfeits beftimmend für den Preis der Ernte diefes Gutes ift. Wollte die Frage mit Ausficht auf eine brauchbare Antwort geftellt werden, fo müssten die Verkaufsmengen desjenigen Marktes, welcher für die Verkaufspreife des Tloskauer Getreides beftimmend ift, mindeftens als drittes in die Vergleichung geftellt werden; denn nicht blofs die Ernte von Tloskau, fondern die Erntemengen all' der Güter, deren Schwankungen auf dem auch für Tloskau mafsgebenden Getreidemarkte fühlbar find, kommen in Betracht, wenn überhaupt die Beziehungen der Ernte- Ergebniffe zu den Marktpreifen ermittelt werden wollen; und auch die Quantitäten der Vorräthe find nicht unberücksichtigt zu laffen. Der Hinweis auf ähnliche, das umgekehrte Verhältnifs von Mengen und Preis nachweifende Ergebniffe der allgemein böhmifchen Ernteftatiftik( feit vier bis fünf Jahren) genügt offenbar nicht, um das eigene Ergebnifs zu ftützen. Man kann die fehr intereffante Tabelle über den Zufammenhang der Ernten und der Schwankungen der Preife dagegen halten, welche der bekannte Statiſtiker und Nationalökonom Moriz Block in feiner Schrift" L'Europe politique et sociale"( 1869) mittheilt, und wornach von 1841 bis 1867 die Gefammt- Getreideproduction Frankreichs und der 42 Dr. Carl Theodor von Inama- Sternegg. mittlere Getreidepreis allerdings, wenn auch nicht vollkommen genau, fo doch annähernd entgegengefetzte Bewegungstendenzen zeigen. Wir erwähnen diefe Tabelle um fo lieber, als leider Frankreich gar kein Material für die Preisgefchichte zur Ausftellung gefendet hat, und wir daraus doch erfehen, dafs auch dort die hervorragendften Statiftiker der Preisgefchichte ihr Augenmerk zuwenden. ( Die Tabelle ift auch in der„ Internationalen Ausftellungs- Zeitung" vom 17. Auguft 1873 abgedruckt.) Zu der Wahl des Thema's felbft endlich, in feiner Befchränkung auf ein einzelnes Gut( Getreide), möchten wir noch bemerken, dafs über den Preis eines Gutes, aufser anderen Momenten, nicht nur das Verhältnifs von Angebot und Nachfrage diefes einen, fondern auch die fehr vieler anderen Güter entfcheiden. Die Relation zwifchen Erntemenge und Verkaufspreis wird auch defshalb immer verfchleiert werden durch die dazwifchentretende Macht der anderweitigen Bedürfniffe( aufser Getreide) und durch die allgemeine Geftaltung der Einkommensverhältniffe, welche auch bei fteigendem Preife fteigen, den Verbrauch zulaffen, wenn fie fich günftig entwickeln. Uebrigens hat auch hier der Verfaffer feinem Thema in gewandter Weife manche intereffante Seite abzugewinnen ver ftanden. Er wirft einen Blick auf die von dem Stande des Getreidepreifes fo ftark beeinflusste Privatwirthfchaft des Landwirthes und folgert aus der Incongruenz von Ernte und Preishöhe, dafs die Geldeinnahmen, welche der Landwirth aus einer gleichen Getreidefläche jährlich zieht, von fehr fchwankendem Betrage ift. während bei Neutralifirung der Erntefchwankungen durch Preisänderungen jähr lich diefelbe oder doch eine nur allmälig mit dem Culturfortfchritte wachfende Geldeinnahme gezogen würde.„ In den letzten Jahren nahmen die Geldertragsfchwankungen zwar ab, weil die Ernten bei befferer Cultur ficherer und die Getreidepreife ftabiler waren, nicht aber weil Preis und Erntemenge fich beffer compenfirten. Bei ifolirten oder bei Getreide- Import bedürftigen Ländern mag es fich anders verhalten, aber in einem auf dem Weltmarkte gelegenen Lande mit fo grofser Getreide durchfuhr und Ausfuhr wie Böhmen, hört das Gedeihen der Landesernte auf, der entfcheidende Preisregent zu fein, und der Getreidebau wird zu einer recht veränderlichen Einnahmsquelle. Aber auch bei intenfivem Landwirthfchafts- Betriebe gelingt es nicht, fühlbaren Schwankungen in den Jahreseinnahmen zu entgehen. Je induftriöfer folch' ein Betrieb, defto ähnlicher wird er einem er einem den Conjuncturen unterworfenen Induftrieunternehmen." Noch gehörten in den Kreis der Prager Collectivausftellung die Diagramme der kaiferlichen Güterdirection in Prag 1. über die Preife des Bieres, dann der zur Bierbrauerei erforderlichen wichtigſten Materialien, als: Gerfte, Hopfen, Holz, Steinkohlen, fowie der jeweilige Betrag der Verzehrungsfteuer von 1670 bis 1870; 2. die Preife der Steinkohlen an dem Bufchtiehrader Bergwerke im Vergleiche mit dem Aequivalente an gutem weichen Brennholze von 1772 bis 1872, wozu das Material in dem Schebek'fchen Cataloge mitgetheilt ift. Dasfelbe ift für den Bier- und Kohlenpreis, fowie für die Verzehrungsfteuer vollſtändig der Domänenrechnung von Bufchtiehrad ent nommen; für Gerfte und Holz mufsten nur einige Daten von den angrenzenden, in ihren Local- und Culturverhältniffen faft ganz gleichen Domänen Swolenoves und Tachlowitz herbeigezogen werden, und nur der Hopfenpreis ift theilweife den Auszügen der Domänen Swolenoves, Plofchkowitz, Politz und Reichftadt entnommen, welch' letzterer Umftand feinen Grund darin findet, dafs der auf fämmtlichen Domänen erzeugte Hopfen zum gröfsten Theile zu eigener Verwendung, felten aber zum Verkaufe gelangte. Die Preife find hier wie für die zweite Tafel aus der jeweiligen Währung einfach in öfterreichifche Währung umgerechnet; nur in den Jahren 1799 bis 1811 kam der Curs in Betracht, indem die rheinifche Währung nach der gefetzlichen Scala des Bankozettel- Curfes in öfterreichifche Währung umgerechnet wurde. Beiträge zur Gefchichte der Preife. 43 Läfst man das Material in diefer Bearbeitung im grofsen Ganzen als richtig gelten- abfolute Genauigkeit ift dabei freilich nicht erzielt fo kann man nicht ohne Intereffe den Nachweis verfolgen, dafs trotz Sinkens des Gerften- und Hopfenpreifes und des Brennholz- Preifes bei gleichbleibendem Kohlenpreife und nur unerheblicher Zunahme der. Verzehrungsfteuer doch ein Steigen des Bierpreifes in zehn und fünfundzwanzigjährigen Perioden eintritt, was auf fehr ftarke Zunahme der Nachfrage ſchliefsen läfst. Von fünfzig zu fünfzig Jahren macht fich diefelbe Steigerung der Preife auch bei den übrigen Factoren bereits in mehr oder weniger entfchiedenem Verhältniffe geltend. Freilich werden wir in Bezug auf die Annahme diefer Refultate etwas ftutzig, wenn wir ihnen gegenüber die Berechnungen des Baron Steiger über die Verfchiedenheit im Preisauffchlage einiger Artikel in Böhmen halten. wonach das gegen 1670 heute etwa dreifach theurer gewordene Bier aus fünffach theurer gewordenen Ingredienzien, mit zehnfach gröfseren Brennmaterial- Koften, zehnfach beffer bezahlten Arbeitern und unter vierfach höherer Befteuerung erzeugt werden mufs. Nach den Zahlen des Bufchtiehrader Elaborates felbft aber ift das Bier zwifchen 1671 bis 1680 und 1861 bis 1870 geftiegen wie 1: 2.81, Gerfte wie 1: 4.8, Hopfen wie 1: 6:52, Holz wie 1: 6.14 und die Verzehrungssteuer wie 1: 6:54, fo dafs die zuerft hervorgehobene einfeitige Steigerung des Bierpreifes doch nur ein vorübergehendes Mifsverhältnifs bedeuten kann, während im Ganzen die Ergebniffe von Steiger und von Bufchtiehrad doch annähernd übereinftimmen, und die geringe Preiszunahme von Bier als Induftrieproduct geradezu frappant die Vervollkommnung der Brauereitechnik und Oekonomik darzulegen vermag. Wie deutlich würde das auf einer graphifchen Tafel hervortreten, welche mit logarithmifcher Theilung angelegt wäre. Auch die Vergleichung der Steinkohlen mit der Holzökonomie ift fehr lehrreich und liefert in den Zahlen des Steinkohlenpreifes und des Holzäquivalentes für einen Centner mittlerer Würfelkohle nachfolgendes Ergebniſs: ( ununterfchieden) 72 kr. Holzäquivalent 10 kr. oder 1: 139 1772 1782 Steinkohle 12 1: 167 " 7.2 8.2 79 99 99 وو 20 I: 2 44 1792 " 199 97 29 99 " 1802 6.3 24 I: 3.89 99 " 9 י 27 وو " 9 1812 Würfelkohle 1822 " 1832 1842 1852 1862 1872 99 " 99 " 15.4" 12.6 29 32" 49 24 " .. 14 7 99 22'4" י 22 4 27 32 29 40 " 9 RRRRFE 99 " 9 29 20 " 16 " 1: 2.06 I: 191 1: 136 32 I: I 43 " * " وو " 65" 62 I: 2.90 99 I: 194 " 9 62 99 99 99 I: I55 Endlich hat fich der Prager Collectivausftellung, äufserlich wenigftens, auch Profeffor Lafpeyres angefchloffen, deffen graphifche Tafeln wir, fo weit ihre Technik dabei in Frage kam, fchon oben erwähnt haben. Die erfte Serie über 310 Hamburger Export- und Importartikel von 1847 bis 1870 führt auf 18 Blättern den Nachweis der enormen Steigerung, welche feit der Entdeckung der californifch- auftralifchen Goldfchätze und durch diefelben faft alle Waarenpreife erlebt haben. Der Verfaffer hatte dazu in der tabellarifchen Ueberficht über den hamburgifchen Handel ein reiches und zuverläffiges Material, wie es kaum in folcher Vollständigkeit irgend wo anders getroffen wird. Die Hamburger Waaren- Preiscourante, das fei hier nur beiläufig nach Soetbeer bemerkt, werden feit 1736 wöchentlich von der Commerz deputation herausgegeben und hat eine Unterbrechung nur während der Belagerung vom Jänner bis Juni 1814 ftattgefunden. Die Notirung der Preife gefchieht durch die für die verfchiedenen Gefchäftszweige damit beauftragten Makler, welche jedes Jahr dazu ernannt werden; für die wichtigeren Artikel ift je zwei Maklern die Notirung übertragen. 44 Dr. Carl Theodor von Inama- Sternegg. Sie haben fich an dem der Herausgabe vorhergehenden Werktage auf dem Commerzcomptoir einzufinden und in die zu diefem Zwecke eingerichteten Bücher die Preisangaben einzutragen, wonach alsdann der allgemeine Preiscourant zufammengeftellt wird. Die hauptfächliche Norm für die Notirung geben die Preife, zu welchen am Tage derfelben die Waare im en gros Handel zu kaufen gewefen ift. Ift ein zu notirender Artikel gar nicht auf dem Markte, fo unterbleibt die Notirung gänzlich, find, fo weit bekannt geworden, feit dem letzten Preiscourant keine Gefchäfte in einem Artikel gemacht, auch haben keine Kauf- oder Verkaufsanträge ftattgehabt, fo werden die zuletzt notirten Preife unverändert wiederholt. In diefer höchft forg. fältigen Weife, welche wir defshalb ausführlicher erwähnten, damit unfere Handelsund Börfenkammern fich daran ein Beiſpiel nehmen können, werden die Hamburger Waarenpreife feftgeftellt und Profeffor Lafpeyres ift gewifs der eifrigfte Lefer und Bearbeiter diefer Zahlenreihen. Er hat nicht blofs für die Ausftellung eine meift für das Auge berechnete Behandlung derfelben vorgenommen, fondern auch fchon früher in einer Abhandlung ,, Hamburger Waarenpreife und die californifchauftralifchen Goldentdeckungen"( Hildebr. Jahrbücher III. 1864), fowie in einer weiteren über die Berechnung einer mittleren Waarenpreis Steigerung( ebendafelbft XVI. 1871) zu preisgefchichtlichen Unterfuchungen herangezogen, und endlich an der Hand diefer Zahlen die nationalökonomifch wichtige Frage zu beantworten verfucht, welche Waaren im Verlaufe der Zeit immer theurer werden( Abh. in der Tübinger Zeitfchrift für Staatswiffenfchaft 1872). Die graphifche Darftellung der englifchen Arbeits- und Waarenpreife im XIV. Jahrhunderte, über welche der Verfaffer gleichfalls felbft im Schebek'fchen Kataloge und auch fonft berichtet hat, will( in acht Blättern) an einem recht fchlagenden Beiſpiele zeigen, welchen Nutzen die Sammlung von Preisangaben aus vergangenen Jahren ftiften kann. Die Tafeln illuftriren für England die gewaltige Preisrevolution, welche die Peft( der fchwarze Tod) in der Mitte des XIV. Jahrhunderts angerichtet hat. Die Daten zu diefer Darftellung lieferten die beiden Bände des fchon erwähnten Werkes von Roger's" History of agriculture and prizes in England from 1261 of 1789"( bis jetzt 2 Bände, bis 1400 reichend). Der Verfaffer hat diefelbe Darftellungsart mittelft Relativzahlen wie bei den Hamburger Waarenpreifen gewählt, nur legte er blofs die Durchſchnittspreife ganzer Jahrzehnte zu Grunde, und wählte einen vierzigjährigen Zeitraum( 1261 bis 1300) als Ausgangsperiode zur Vergleichung. Die dritte Serie feiner graphifchen Tableaux endlich ftellte uns die den officiellen MarktBewegung der Getreide preife nach notirungen der Stadt Arnheim für die Zeit von 1571 bis 1870 dar, wozu der Verfaffer das Material einer fehr unüberfichtlichen graphifchen Darftellung von Sloet van de Beele:" Diagramme repréfentant les prix des denrées à Arnheim" entnommen hat, indem er diefe Tafel in Zahlen rückübertragen hat, um daraus eine überfichtlichere graphifche Darstellung zu formen. Eine Tabelle diefer Arnheimer Getreidepreife ift übrigens in der Tübinger Zeitschrift für Staatswiffenfchaft, Bd. 28, enthalten, wo diefen Preifen, wegen der für den Tranfit und befonders den grofsen Getreideverkehr günftigen Lage von Lafpeyres Arnheim eine Art von Weltpreis- Qualität vindicirt werden möchte. fucht nun in fünf Tafeln, von denen drei die jährlichen Preife von fünf Körnerfrüchten, eine die Durchfchnittspreife von je zehn Jahren in dreifsig Perioden, und von je hundert Jahren in drei Perioden in abfoluten Zahlen enthalten, den Nachweis zu liefern, wie gleichmäfsig durch fehr lange Zeiträume hindurch das Werthverhältnifs der Haupt- Ackerproducte bleibt trotz aller gelegentlichen Schwankungen. Am deutlichften tritt das Gleichbleiben der gegenfeitigen Wertheverhältniffe auf einem befonderen Blatte hervor, auf welchem der Roggenpreis jedes Jahrzehntes 100 und der Preis von Weizen, Gerfte, Hafer und Buchweizen als Verhältnifszahl dazu gefetzt ift. - Beiträge zur Gefchichte der Preife. 45 Die Diagramme von Mayer( königlich baierifches ftatiftifches Bureau), welche die Bewegung der Getreide preife, der Criminalität und der Auswanderung in den einzelnen Regierungsbezirken des Königreiches Baiern während der Jahre 1835/36 bis 1860/61 veranschaulichen, verfolgen einen bekannten Satz der modernen Socialwiffenfchaft, und find, abgefehen von ihren fchlagenden Refultaten für diefen Zufammenhang der Nahrungsfrage mit dem Hervortreten des verbrecherifchen und des Hanges zur Auswanderung auch dadurch intereffant, dafs für Getreidepreife, Criminalität und Auswanderung eine gemeinfame Scala hergeftellt und dadurch das Bild wefentlich vereinfacht wurde. Diefe einheitliche Scala drückt aus: I. Den Preis eines Scheffels Roggen in Sechfern; 2. die Zahl der Verbrechen und Vergehen auf 100.000 Einwohner; 3. die Zahl der Auswanderer gleichfalls auf 100.000 Einwohner; auf zwei eigenen Tafeln ift dasfelbe Thema durchgeführt für Baiern diesfeits und jenfeits des Rheines( Rheinpfalz), was defshalb von Werth ift, weil diefe Provinz fehr bedeutende wirthschaftliche und fociale Eigenthümlichkeiten zeigt. Uebrigens find die Verdienfte Mayer's um die ftatiftifche Forfchung und insbefondere auch um die rationelle Ausbildung der graphifchen Statiſtik längft anerkannt, und auch diefe Arbeiten über Getreidepreife, Criminalität und Auswanderung( aus der Veröffentlichung des königlich baierifchen ftatiftifchen Bureaus) haben fich fchon lange, einen ehrenvollen Platz in der focial- ftatiftifchen Literatur erworben. Gleichfam als Anhang zu ihrer Collectivausftellung hatte die Handelsund Gewerbekammer in Prag in zwei Käften Waarenmufter älterer Zeit, wo möglich mit den bezüglichen Preisangaben ausgeftellt, die wir nicht mit Stillfchweigen übergehen dürfen. Das Verdienft, diefe Ausstellung zu Stande gebracht zu haben, gebührt, wie wir aus dem Schebek'fchen Kataloge belehrt werden, dem Vicepräfidenten der Handelskammer Richard v. Dotzauer. Die ausgeftellten Mufter lagen theils einer Relation bei, welche über alle in den fünf Commercialkreifen, Königgrätzer, Saazer beide Antheile, Bunzlauer, Leitmeritzer und Stadt Prag erhobenen Manufactursgattungen 1756 erftattet wurde; die böhmifche Webwaaren- Induftrie ift damit vollſtändig vertreten und es bot grofses gewerbegefchichtliches Intereffe dar, diefe oft vergilbten Lein wand-, Tuch-, Spitzen- etc. Mufter mit veralteten Deffins, ja felbft mit den Papierproben, in welche die Leinwand gepackt wurde, wieder an's Tageslicht gezogen und einer kundigen Prüfung ihrer Qualität im Vergleiche zu den gegenwärtigen Geweben unterworfen zu fehen. Dabei lagen 5 Blätter mit Preifen der Bänder aus der Sutori'fchen Bänderfabrik in der königlichen alten Stadt Prag, von welchen jedoch leider das Wichtigfte, die Bandmufter felbft, herausgeriffen waren. Im zweiten Kaften waren geboten eilf Mufter von Seidenftoffen aus dem Memorabilienbuche des Schlofsarchives zu Bělohrad um 1700( M. Dormitzer), ferner dreizehn Mufter von Livréetuch fammt Preifen aus einer Handlung in Prag 1755; acht Mufter von verfchiedenen Sorten zu Bettzeug fammt Preifen 1755; fünfzig Mufter verfchiedener Webereierzeugniffe aus Rumburg 1786( gräflich Kinsky'fche Central direction); eine Mufterkarte der Cottondruckerei von W. J. Gottlafs in Lieben bei Prag von 1822 und ein Mufterbuch der Cottondruckerei von A. W. Kubefch in Lieben bei Prag nach 1822( R. v. Dotzauer). Auch in diefer Richtung hatte demnach die Prager Handelskammer dem Wunfche des allgemeinen Programmes nachzukommen fich bemüht, welches von den bedeutendften Productionsgebieten die Preife der wichtigeren Artikel möglichft weit zurückreichend und nach fünfjährigen Durchfchnitten neben einander gereiht, unter gleichzeitiger Vorlage von Muftern und Proben erfichtlich gemacht wiffen wollte; fie konnte fich in jeder Beziehung als die eigentliche Trägerin des von der kaiferlichen Commiffion faft zu kühn hingeftellten Gedankens betrachten; ohne fie wären die einzelnen Bemühungen zur Förderung der Preisgefchichte in dem Strudel der Maffen verfchwunden und 46 Dr. Carl Theodor von Inama- Sternegg. keine äufserliche Einrichtung, kein Pavillon und kein Saal, ja nicht einmal ein eigener Schrank hätte daran gemahnt, dafs die Gefchichte der Preife bei der Wiener Weltausftellung eine eigene additionelle Abtheilung bilden und mit unter ihre Zierden gehören follte. Wir haben damit, wie wir glauben, erfchöpft, was über diefe Ausstellung und über die einzelnen Objecte derfelben gefagt werden musste, nicht aber auch was über fie gefagt werden könnte, fowohl im Hinblick auf die reiche Fülle ihres Inhaltes, als auch in Rückficht auf die Preisgefchichte als Wiffenfchaft; die Winke, welche wir, durch diefe Ausftellung belehrt, für die Theorie der preisgefchichtlichen Forfchung und ihre Methode gegeben haben, werden hoffentlich nicht verloren gehen und gehören gewifs auch in einen Bericht über ein grofses Feld wiffenfchaftlicher Arbeit; find fie ja doch grofsentheils als ein unmittelbares Ergebniſs der Ausftellung felbft zu betrachten. Und damit find wir denn auch an den Schlufs unferer Berichtarbeit überhaupt gekommen; was uns noch zu fagen erübrigt, das sind Wünfche und Hoffnungen in Bezug auf die Preisgefchichte und auf die preisgefchichtliche Ausftellung und ihre Objecte insbefonders. Wer weifs, wie dürftig doch im grofsen Ganzen das preisgefchichtliche Material war, welches bis jetzt der Wiffenfchaft zur Verfügung geftanden, der wird, wenn er die gefchilderten Schätze der Weltausftellung überblickt hat, nicht anftehen, zuzugeben, dafs ein fo bedeutender, ja geradezu überraschend grofsartiger Zuwachs nicht ohne nachhaltige günftige Wirkung auf die künftige Ausbildung der Preisgefchichte bleiben könne. Auf der anderen Seite aber regte gerade diefes Ergebnifs der in fo kurzer Zeit bewerkstelligten additionellen Ausftellung das Verlangen an, all' die kaum aufgefchürften und obenhin ausgebeuteten reichen Lagerftätten weiter abzubauen und in derfelben Weife auch ganz neue, bisher gar nicht gekannte Fundftätten für die wiffenfchaftliche Verwerthung zu erfchliefsen. Es fcheint der Zeitpunkt gekommen, um von vereinzelter, nebenfächlicher, oft rein zufälliger und aus blofs individueller Neigung entſpringender Behandlung preisgefchichtlicher Fragen zu einer organifirten fyftematiſchen Maffenarbeit überzugehen. Da fehlte bisher noch fo ziemlich Alles. Keine Regierung, keine wiffenchaftliche Körperfchaft, keine Repräfentanz der gewerblichen und Handelsintereffen, ja nicht einmal Vereine oder Comités gab es bis jetzt, welche fich die fortwährende Pflege einer fyftematifch durchgeführten preisgefchichtlichen Arbeit hätten angelegen fein laffen; felbft die fchöne Frucht energifcher und opferwilliger Bemühungen, wie fie die Prager Handelskammer in ihrer Collectivausftellung und die Budapefter Handelskammer mit ihren Beiträgen zur Gefchichte der Preife ungarifcher Landesproducte aufzuweifen hatten, mufs doch immer als ein Treibhaus- Gewächs bezeichnet werden, grofsgezogen durch den aufsergewöhnlichen Eifer der Veranſtalter und eine Reihe uneigennütziger Mitarbeiter, gezeitigt an der künftlichen Sonne der Weltausftellung, deren Wärme auf fo viele Gebiete eine vorübergehend erhöhte Lebensthätigkeit erzeugt hat. Und wie der preisgefchichtlichen Arbeit jede Organiſation, fo fehlte auch den wenigen Einzelnen, welche fich ihr aus Liebhaberei zugewendet, jede Verbindung, und ihren Arbeiten jeder Zufammenhang; ftatt der Maffenbeobachtung, der Vorausfetzung jeder Ermittlung focialer und wirthschaftlicher Gefetze, war die Einzelbeobachtung herrfchend, ftatt gleichmäfsiger wohldurchdachter und allgemein acceptirter Syftematik machten fich höchft fubjectiv gedachte Syfteme und Methoden geltend. Die ,, exacten" Naturwiffenfchaften haben fchon längft ihre meteorologifchen Beobachtungs-, ihre agriculturchemifchen Verfuchsftationen, die, unter einander in einer wohlorganifirten Verbindung, alle in gleicher Weife dem gleichen Ziele zuarbeiten, für exacte Feftftellung aftronomifcher Vorgänge widmen die Regierungen bereitwilligft Hunderttaufende; aber wir haben noch nicht gehört, dafs eine Regierung zum exacten Studium einer Preisrevolution einen Kreuzer bewilligt hätte. " Beiträge zur Gefchichte der Preife. 47 Diefe Verhältniffe nachhaltig zu beffern, dazu fcheint durch die Weltausftellung der geeignete Moment herbeigeführt zu fein. Zuerft handelt es fich darum, das hier vereinigte Material aus feiner zufälligen in eine dauernde Verbindung zu bringen. In diefer Beziehung hat fchon die Prager Handelskammer und insbefondere auch die permanente Commiffion des internationalen ftatiftifchen Congreffes vorbereitende Schritte gethan, indem letztere auf Antrag Engel's befchlofs, an die k. k. Regierung das Erfuchen zu richten, es möge Vorforge getroffen werden, das in der additionellen Ausftellung zur Gefchichte der Preife, wie in der Ausftellung überhaupt fo reich vorliegende ftatiftifche Material zu fammeln und. die weitere Ergänzung im Auge zu behalten. Um diefe Ergänzung nun in rationeller und allfeitiger Weife zu erzielen, bedarf es wohl einer zahlreichen Mitarbeiterfchaft und für jedes Land( Provinz) wenigftens einen Mittelpunkt, an welchem das allenthalben innerhalb desfelben erhobene Material gefammelt, gefichtet und einer erften Bearbeitung unterworfen würde; die Hauptarbeit aber müfste immer einer eigenen Commiffion( Bureau) zufallen, welches nicht blofs die Grundfätze auszuarbeiten und feftzuftellen hätte, nach denen gefammelt und gearbeitet werden foll, fondern auch felbft Hand an die Veröffentlichung und Bearbeitung des gehörig gefichteten und geläuterten Materials legen müfste. So erft kann der fruchtbare und anregende Gedanke der additionellen Ausftellung einen weit über die Wiener Weltausftellung hinausreichenden fegensreichen Einfluss auf Wiffenfchaft und Leben üben. Möge die k. k. öfterreichifche Regierung fich die Ehre nicht entgehen laffen, die erfte unter den Regierungen der Culturftaaten zu fein, welche auch den Socialwiffenfchaften die Wege exacter Forfchung ebnet.