NATURGESCHICHTLICHE LEHRMITTEL. ( Theilbericht der Gruppe XXVI.) Bericht von DR. A. POKORNY, k. k. Regierungsrath, Director des Leopoldstädter Communal-, Real- und Obergymnafiums in Wien. Kein Unterrichtsfach bedarf fo fehr geeigneter Veranfchaulichungsmitteln als die Naturgefchichte. Namentlich auf den unteren Stufen ift ein einigermafsen erfolgreicher Unterricht ohne unmittelbare Anfchauung kaum denkbar, weil felbft im günftigften Fall, wenn das befprochene Object dem Schüler fchon bekannt war, die Vorftellung deffelben wohl felten fo vollſtändig und getreu fein wird, wie es ein einigermafsen gründlicher Unterricht in der Naturgefchichte erfordert. Wenn man ferner bedenkt, dafs das Wefen diefes Unterrichtes in einem fteten Vergleichen der Naturkörper und ihrer Eigenfchaften befteht, und dafs aus diefem Vergleiche die gemeinfamen und unterfcheidenden Merkmale derfelben abftrahirt werden follen, fo wird erft die Nothwendigkeit eines materiellen Subftrates recht klar, da ohne ein folches die Vorftellungen unbeftimmt bleiben und nur ein oberflächliches Wiffen erzeugt wird, das gröfstentheils in der gedächtnifsmässigen Aneignung von mitgetheilten, alfo nicht urfprünglich felbft erworbenen Kenntniffen beruht und daher weit geringeren Werth befitzt. Ift es nun auch unthunlich, dem Schüler alles Wiffenswerthe in Wirklichkeit oder wenigftens im Abbild vorzuführen, fo foll derfelbe doch möglichft viel aus dem Born unmittelbarer Anfchauung fchöpfen, weil je umfangreicher letztere ift, um fo leichter und erfolgreicher verwandte Gegenftände des naturgefchichtlichen Wiffens fich anknüpfen laffen. Es iſt auch gegenwärtig die Nothwendigkeit eines möglichft ausgedehnten Anfchauungsunterrichtes in der Naturgefchichte fo allgemein anerkannt, dafs in den Ausftellungsgegenständen der Unterrichts- Abtheilungen aller Culturvölker die naturgefchichtlichen Lehrmittel einen hervorragenden Platz einnahmen. Es ift fogar hier fehr fchwer, die Grenze zu ziehen, wo der Begriff eines naturgefchichtlichen Lehrmittels aufhört. Ganz unpaffend wäre es da, fich auf das in den eigentlichen Unterrichtsabtheilungen Ausgeftellte zu befchränken. Eine Menge der lehrreichften Objecte bot die gefammte Weltausftellung in allen Gruppen zerftreut, fo dafs fie felbft als das grofsartigfte und inftructivfte Muſeum für Belehrung in allen Zweigen der naturgefchichtlichen Disciplinen betrachtet werden kann. Namentlich enthielten die Gruppe I( Berg- und Hüttenwefen) und die Gruppe II( Land- und Forftwirthschaft) in den verfchiedenen ausgedehnten Agriculturhallen und den Pavillons für Forft- und Montan- Induftrie äufserft werthvolle Einzel- Objecte, wie ganze Sammlungen von hohem inftructiven Werthe für den naturgefchichtlichen I* 2 Dr. Alois Pokorny. Unterricht. Defsgleichen waren in den Gruppen III bis IX häufig neben den Erzeugniffen der verfchiedenen Induftrien die Rohproducte ausgeftellt und ebenfo enthielt die Gruppe XII( Graphifche Künfte) äufserft Werthvolles für den naturgefchichtlichen Unterricht. Manche Pavillons, wie der des Fürften Schwarzenberg und der Pavillon der öfterreichifchen Handels- Marine, enthielten koftbare MufealSammlungen und ebenfo fand fich in den verfchiedenen Schul-, Wohn- und Bauernhäufern beachtenswerthes Material. Erwähnen wir noch kurz des Reichthums an lebenden Pflanzen und Thieren, den die Weltausftellung theils bleibend, theils temporär befafs, fo wird erft die Bedeutung derfelben als eines koloffalen und höchft inftructiven Muſeums in naturgefchichtlicher Beziehung klar. Bei diefer Fülle von Stoff kann der Bericht fich nur auf eine gedrängte Ueberficht des für den eigentlichen Unterricht wichtigſten naturgefchichtlichen Materiales befchränken. Es wird hiebei von den naturgefchichtlichen Lehrbüchern und den Lehrzielen und Lehrplänen diefes Faches an den verfchiedenen Schulen und in verfchiedenen Ländern abgefehen. Was hingegen die Ausftellung an eigentlichen naturgefchichtlichen Lehrmitteln bot, läfst fich in drei Hauptgruppen fondern: I. Abbildungen, II. Modelle, III. Naturkörper. In jeder Hauptgruppe wird mit dem elementaren Unterricht begonnen. Eine ftrenge Sonderung der Objecte für diefen, fowie für den mittleren und höheren Unterricht ift fchon defshalb nicht leicht durchführbar, weil hier viele Objecte auf den verfchiedenen Stufen des Unterrichts mit gleichem Nutzen verwerthet werden können. Doch wird auch in jeder der Hauptgruppen eine Dreitheilung des Unterrichtes und feiner Lehrmittel fich annähernd und in Uebereinstimmung mit anderen Specialberichten des Unterrichtswefens ergeben. Abbildungen. Unter den naturgefchichtlichen Abbildungen zu Unterrichtszwecken nehmen die auf den Maffenunterricht hinzielenden Wandtafeln den hervorragendften Platz ein. Die Ausstellung bot nun gerade von diefen Wandtafeln fo Mannigfaches dar, dafs zunächft eine Erörterung der hier in Betracht kommenden allgemeinen Gefichtspunkte nothwendig ift, um das vorhandene Material gehörig fichten und verwerthen zu können. Die naturhiftorifchen Wandtafeln verfolgen zwei verfchiedene Hauptrichtungen. Die einen haben den Zweck, einzelne oder wenige zufammengehörige Objecte in möglichft grofsem Mafsftabe und möglichft grell darzuftellen, um als Hilfsmittel beim Unterricht felbft benützt zu werden. Es find gleichfam Illuftrationen des mündlichen Vortrages, die auf die Ferne und ein grofses Auditorium berechnet find. Die zweite Art folcher Wandtafeln verfolgt den entgegengesetzten Zweck, möglichft Viel im kleinften Raum zufammengedrängt zu bieten. Die einzelnen Figuren fallen fodann felbſtverſtändlich klein aus und können nur in der Nähe deutlich gefehen werden. Solche häufig auch mit Text verfehene Wandtafeln dienen hauptfächlich zur Wandzierde und zur gelegentlichen Einzelbetrachtung aufserhalb der Schulzeit, alfo mehr zur Selbftbelehrung, als zum Maffenunterricht. Die Art der Ausführung naturgefchichtlicher Wandtafeln ift felbft aufserordentlich mannigfach. Alle graphifchen Künfte, vorherrfchend allerdings der billige Steindruck, vereinigen fich hier. Holzfchnitte, Kupferftich und Stahlftich, Naturdruck und Photographie finden mannigfache Anwendung. Ebenfo ift die Manier der Zeichnung, insbefondere die Anwendung der Farben, fehr verfchiedenartig. Es läfst fich im Allgemeinen nicht entfcheiden, welche Art von Wandtafeln die vorzüglichften find, da es hier in erfter Linie auf den Zweck des Unterrichtes und auf die Art der Verwendung ankommt. Aufser der graphifchen Dar Naturgefchichtliche Lehrmittel. 3 ftellung wird auch immer die richtige Auswahl der abzubildenden Objecte von gröfster Bedeutung fein. So verfchieden nun die Lehrziele und der Zweck des naturgefchichtlichen Unterrichts überhaupt fein können, fo verfchieden werden' auch brauchbare Abbildungen und Wandtafeln fich ausführen laffen. Man mufs daher bei der Wahl fich zunächft den Zweck des Unterrichtes gehörig vergegenwärtigen, da hievon die Auswahl des abzubildenden Stoffes und die Art der Darftellung abhängt. Was nun die unterfte Stufe des Unterrichtes anlangt, fo handelt es fich hier um möglichft getreue habituelle Bilder ganzer Naturproducte, wie fie der Anfchauungsunterricht erfordert. Auf diefer elementaren Stufe des Unterrichtes wird man kaum ein kräftiges Colorit der abgebildeten Gegenstände entbehren können, da die Farbe, obgleich ein naturhiftorifch häufig fehr untergeordnetes Merkmal, durch ihren mächtigen finnlichen Eindruck das naive Auffaffungsvermögen des Kindes und des Laien befticht. Feine Ausführung und Detail- Darftellungen find hier nebenfächlich. Viel wichtiger find Darftellungen des Zuſammenhanges der Naturproducte mit ihrer technifchen Verwendbarkeit oder ihrer geographifchen Verbreitung. Hieher gehörige Wandtafeln wurden in grofser Menge von Oefterreich, Deutſchland, der Schweiz, Nordamerika, England, Schweden und Frankreich. ausgeftellt. Manche derfelben werden nicht nur in der Volksfchule, fondern auch in den Mittelfchulen mit Vortheil benutzt werden können. Die elementarften Bilder diefer Art umfaffen auch Manches aus dem Aufchauungsunterricht, was nicht zur Naturgefchichte gehört und find fowohl in Form von Wandtafeln, als auch in Form von Bilderbüchern erfchienen und verwendbar. In der öfterreichifchen Unterrichts- Ausftellung waren aus Prag, Olmütz und Wien hieher gehörige Verlagsartikel ausgeftellt. Ein älteres, aber bemerkenswerthes Werk aus Prag ift Dr. Amerling's Orbis pictus major, der in feiner colorirten Ausgabe in 15 Heften recht brauchbare gröfsere Bilder enthält, wie es fcheint, aber nur wenig Verbreitung fand. Weit bekannter und gebräuchlicher find die im Verlage von F. Tempsky herausgegebenen Giftpflanzen von J. Patek( 8 Foliotafeln). In Prag erfchien ferner bei Kober ein guter Atlas zur Botanik von J. Klika und ein Käferbuch von demfelben Verfaffer mit fein colorirten zahlreichen Bildern, welche fich den befferen deutfchen, namentlich württemberg'fchen Erfcheinungen diefer Art würdig an die Seite ftellen. Der Umftand, dafs der Text diefer Bilderwerke in böhmifcher Sprache erfchien, fetzt der weiten Verbreitung derfelben unüberfteigliche Hinderniffe entgegen. Man bemerkt nämlich überhaupt, dafs jede Nation ihre eigenen naturhiftorifchen Bilderwerke für den Elementarunterricht hat, welche durch ihre Auswahl, noch mehr aber durch den meift in der Mutterfprache beigedruckten Text eben nur innerhalb der Landesgrenzen Verbreitung finden, im Auslande hingegen unbekannt find. Kleinere Nationalitä ten haben hier einen um fo fchwierigeren Stand, als fchon die Koftfpieligkeit guter Bilderwerke bei geringem Abfatz die Herausgabe folcher Werke nicht lohnend erfcheinen läfst und häufig auch die nöthigen künftlerifchen Kräfte zur Ausführung fehlen. Mit gröfserem Vortheile werden daher in folchen Fällen gute Bilderwerke benachbarter Culturvölker zu benützen fein und die einheimifche Induftrie verfucht fich zunächft mit Nachbildungen derfelben, wie an mehreren Beifpielen in der öfterreichifchen und ungarifchen Unterrichtsausftellung zu fehen war. Die thätige Firma von E. Hölzel in Olmütz lieferte für den naturgefchichtlichen Anfchauungsunterricht ebenfalls Wandtafeln für Schule und Haus ( 16 Tafeln), fowie den kleinen naturgefchichtlichen Schulatlas von C. Heller zum Handgebrauch der Schüler, nebft fünf morphologifchen Tafeln zur Naturgefchichte des Pflanzenreiches und 12 zootomifchen Tafeln zur Naturgefchichte des Thierreiches von demfelben Verfaffer. Auch vier grofse Tafeln mit Abbildungen efsbarer und fchädlicher Schwämme von F. Marquardt und zwei Tafeln 4 Dr. Alois Pokorny. von nützlicher und fchonenswerther Infecten von A. Müller erfchienen dafelbft.- Die Firma A. Hartinger in Wien trat mit ihren weitverbreiteten Farbendruckbildern auf. Unter diefen find die„ efsbaren und giftigen Schwämme" äufserft effectvoll und eine wahre Zierde der Wände eines Schulzimmers. Weit matter find die ,, Giftpflanzen" desfelben Verlegers( 16 Foliotafeln), deren Colorit und Zeichnung zu unentfchieden, theilweiſe fogar minder genau find. Bei naturgefchichtlichen Bildern kommt es aber viel weniger auf künftlerifche und malerifche Anordnung und Ausfchmückung, als auf genaue, naturgetreue und kräftige Darftellung an. Hingegen gehören die„ anatomifchen Wandtafeln" H. Kundratim felben Verlage zu den beften Schulabbildungen der Ausftellung wegen ihrer wiffenfchaftlich- genauen Durchführung, die man gerade auf diefem Gebiete fo häufig vermifst. Endlich find noch einzelne der landwirthschaftlichen Tafeln" Hartinger's für den naturgefchichtlichen Unterricht von hohem Werth und follten namentlich Landfchulen nicht fehlen. Durch den reichen Text, der um die in der Mitte der Wandtafel befindliche Abbildung herum angeordnet ift, geben fie reichen Stoff zur Selbftbelehrung und Fortbildung. Einige der hervorragendften, wie die Bienenzucht, Seidenzucht, künftliche Fifchzucht, Obftbaumzucht und andere empfehlen fich durch ihre Verwendbarkeit in naturgefchichtlicher, wie in praktiſcher Beziehung. 29 Ein hervorragendes, kaum übertroffenes Bilderwerk für Schulen, dem nur noch einige im fchwedifchen Schulhaufe ausgeftellte naturgefchichtliche Bilderwerke würdig zur Seite ftehen, ift noch immer Fitzinger's Atlas zur Naturgefchichte der Wirbelthiere. Er ging in einer Zeit aus der Wiener Hof- und Staatsdruckerei hervor, als diefes Inftitut den damals kürzlich erft erfundenen lithographifchen Farbendruck cultivirte und auf eine hohe Stufe der Vollendung brachte. Gleichzeitig dienten diefe farbenprächtigen und fehr getreuen Originalbilder als Vorlagen für plaftifche Nachbildungen der Thiere für den Blindenunterricht, welche feinerzeit bei der erften Weltausftellung in London( 1851) und in Paris( 1855) Auffehen erregten. Diefe Bilder haben nebft ihrer Naturtreue und dem fchönen Colorit noch den grofsen Vortheil für die Schule, dafs jede Quarttafel nur Eine oder wenige zufammengehörige Arten abbildet, wodurch der Unterricht wefentlich concentrirt wird. Die Feinheit der Bilder macht es allerdings nothwendig, dafs fie nur unter Glas und Rahmen benützt werden follten, was aber von allen feineren Bildern gilt, damit fie nicht zu fehr durch Licht und Staub leiden oder abgegriffen, befchmutzt und zerriffen ihrem Zwecke frühzeitig entzogen werden. Während in Oefterreich der Farbendruck zur Herstellung naturgefchichtlicher Bilder mit Vorliebe und Erfolg verwendet wird, fieht man fonft noch häufig nur lithographirte, aus freier Hand colorirte Bilderwerke. Das Colorit wird in der Regel dadurch greller, kräftiger und für den vorliegenden Zweck nicht felten vortheilhafter, obgleich auf Koften der Feinheit und Naturtreue der Darftellung. Wie wichtig aber hier die Farbe ift, bewies eben die Ausftellung fchlagend, indem die herrlichen gefättigten Farben der englifchen und nordamerikanifchen Wandtafeln auf den erften Blick beftechend wirkten, während fie in der Zeichnung den befferen Producten diefer Art aus Oefterreich und Deutfchland bedeutend nachftanden. Im deutfchen Unterrichtspavillon ragten unter den naturgefchichtlichen Bilderwerken befonders die vielverbreiteten und vorzüglichen Wandtafeln aus Württemberg und Sachfen hervor. Unter diefen nehmen wieder gegenwärtig J. F. Schreiber's aus Efslingen„ grofse colorirte Wandtafeln der Naturgefchichte der drei Reiche" einen der erften Plätze ein. In fünf Abtheilungen( Säugethiere, Vögel, niedere Thiere, Pflanzen und geologifche Bilder) wird der naturgefchichtliche Lehrftoff für den elementaren Unterricht in guter Auswahl ebenfo überfichtlich, als naturgetreu dargestellt. Es erfreuen fich defshalb diefe Tafeln einer fehr grofsen Verbreitung. Aufser in Deutſchland und in Oefterreich werden fie Naturgefchichtliche Lehrmittel. 5 gegenwärtig auch in anderen Staaten benützt, wefshalb eigene Ausgaben für Nordamerika( Bofton), Frankreich( Paris), Italien( Turin), Rumänien( Hermannftadt), Rufsland( St. Petersburg), Schweden( Gothenburg) mit Text in den betreffenden Sprachen beftehen. Als ein befonders anregendes Lehrmittel find darunter die geologifchen Bilder von F. v. Hochftetter zu bezeichnen, welche 24 geologifch wichtige und eigenthümliche Landfchaften darftellen. Jede Wandtafel enthält fechs Bilder in Kleinfolio, welche auch in Atlasform erfcheinen; wie denn diefelben aus der bekannten G. H. Schubert'fchen Naturgefchichte des Thierund Pflanzenreiches in Bildern hervorgegangen find. Eine Reihe fehr verwendbarer Wandtafeln für den Anfchauungsunterricht waren aus dem Verlag von Eugen Ullmer in Ravensburg( Württemberg) ausgeftellt. Hierher gehören: Dr. W. Ahle's botanifche Wandtafeln"( 8 Blätter) mit Darftellungen der anatomifchen Verhältniffe und der Entwicklungsgefchichte der wefentlichen Blüthentheile. Ferner desfelben Verfaffers, Wandtafeln der Pflanzenkrankheiten"( vier Tableaux: das Mutterkorn, die Traubenkrankheit, die Kartoffelkrankheit und den Roft des Getreides darftellend); ferner - Dr. O. Fraas'" geologifche Wandtafeln", die vier Weltenalter in geologifchen Profilen und Landfchaften darftellend. Mehr praktiſche Zwecke verfolgen die im felben Verlage erfchienenen Wandtafeln der Pferderacen von Dr. A. v. Rueff und die pomologifchen Tafeln von Dr. E. Lucas. Die königlich württembergifche Centralftelle für die Landwirthschaft in Stuttgart hat unter den Lehrmitteln noch zahlreiche Abbildungen und Wandtafeln landwirthschaftlich nützlicher und fchädlicher Thiere und Pflanzen gebracht. Hier reihen fich auch die vorzüglichen landwirthschaftlichen Wandtafeln von Nathufius, die botanifchen Demonftrationswandtafeln aus Stahel's Verlag in Würzburg über Keimung von Vicia Faba, Blüthen von Carum carvi, Wurzeln von Humulus Lupulus und dergleichen würdig an. Das k. fächfifche Minifterium für Cultus und Unterricht hat den grofsen Wandatlas von H. J. Rupprecht, im Verlage von Meinhold& Söhne für den Unterricht in der Naturgefchichte zur Ausftellung gebracht. Ift gleich derfelbe in feinen älteren Lieferungen kaum den Anforderungen der Neuzeit in Beziehung auf correcte, naturgetreue Darftellung( namentlich im botanifchen und mineralogifchen Theil) mehr entſprechend, fo ift doch die grofsartige Anlage des Ganzen, fowie die Ausführung mancher zoologifchen Tafeln und insbefondere die neuere Fortfetzung fehr anerkennenswerth. Zu letzteren gehört die Anatomie des Menfchen von Dr. Fiedler und die Sinnesorgane des Menfchen in anatomifcher Darftellung von Dr. E. Wenzel und F. Foedifch. Eine eigenthümliche, fehr bemerkenswerthe Art der Darftellung iſt die von Gotthold Elssner in Löbau in Sachfen. In grofsem Mafsftabe werden botanifche Gegenftände, insbefondere anatomifch- morphologifche Präparate dadurch zu einer fehr klaren Anfchauung beim Maffenunterrichte gebracht, dafs diefelben fehr grell, weifs auf fchwarzem Grunde, erfcheinen. Da die Zeichnungen mit fehr viel Gefchick und fehr naturgetreu durchgeführt find, fo überragt diefer einfache fchwarze Steindruck an Wirkung manche colorirte Darftellung. Es find bisher Analyfen der Getreidepflanzen und einiger Laub- und Nadelhölzer in diefer Art der Ausführung erfchienen. In der Einfachheit und der hieraus refultirenden Billigkeit folcher Schulzeichnungen liegt ein nicht zu unterfchätzender Vorzug. Bei der aufserordentlichen Fülle des naturgefchichtlichen Lehrftoffes ift es fehr mifslich, wenn die Auswahl des in Bildern darzuftellenden Materials eine zu kärgliche iſt. Es ift auch zweifellos, dafs namentlich auf etwas höheren Stufen des Unterrichtes eine feine, in allen Theilen durchgeführte und durch Farben unterſtützte Darftellung in fehr vielen Fällen nicht nothwendig erfcheint. Eine Darftellung des Objectes in fcharfen Umriffen reicht bei Formverhältniffen, wie fie hier vorwiegend 6 JeDr. Alois Pokorny. zu betrachten find, vollſtändig aus und der Lehrer der Naturgefchichte ift bekanntlich fehr häufig genöthigt, feinen Vortrag durch rafch an der Schultafel entworfene Skizzen zu unterſtützen, Handzeichnungen in gröfserem Mafsftabe zu entwerfen oder in gröfserer Auswahl vorzubereiten. An manchen Schulen, befonders dort, wo Zeichenunterricht eingeführt ift, werden defshalb die Schüler felbft aufgefordert, die Lehrmittel der Anftalt durch Copien guter Abbildungen zu vermehren und die öfterreichifche Unterrichtsausftellung zeigte mehrere folche Beiſpiele, wie die naturgefchichtlichen Schülerzeichnungen der Rofsauer Communal Oberrealfchule in Wien und der Oberrealfchule in Leitomifchl. Die vorzüglichften Proben folcher naturgefchichtlichen Abbildungen wies aber der Schweizer Unterrichtspavillon aus. Profeffor A. Menzel aus Zürich ftellte eine Reihe von grofsen Wandtafeln in Manufcript aus, auf welchen die Objecte in grellen, dicken, fchwarzen Umriffen aufgetragen waren. Die verfchiedenartigften zoologifchen und botanifchen Gegenftände( Pilze, Iris, Cerafus; Echinus, Actinia, Rhizopoden) zeigten die Verwendbarkeit diefer Darftellungsweife. Diefe Methode fcheint in der Schweiz übrigens allgemein in Anwendung zu fein. Sie ift nämlich auch dem grofsartigen Tafelwerk von H. Wettftein zu Grunde gelegt, welches unter dem Titel" Wandtafeln für den Unterricht in der Naturkunde" im Verlag der Erziehungsdirection in Zürich( zu beziehen durch den Cantonsfchulrath) erfchien und als obligates Lehrmittel für die Schulen des Cantons Zürich gilt. Nicht weniger als 80 Foliotafeln enthalten zoologifche, 40 Foliotafeln botanifche Abbildungen in fchwarzen kräftigen Umriffen( lithographirt). 80 Tafeln find der Phyfik und Mechanik gewidmet. Die Ausstellung bot kein ähnliches dem naturgefchichtlichen Unterrichte gewidmetes Bilderwerk, wie es hier unter der Aegide des Cantons Zürich für die Schulen des Landes mit grofser Munificenz und Umficht gefchaffen wurde. Eine grofse Anzahl zum Theile vorzüglicher naturhiftorifcher Bilderwerke enthielt das fchwedifche Schulhaus. Es, waren dabei die verfchiedenften Methoden der Darstellung vertreten. Zu den feinften colorirten Bildern gehören die von Wright: Schwedens Vögel, und Wright und Friis: die Fifche Skandinaviens. Diefe bei Gjöthftröm und Magnuffon in Stockholm erfchienenen Tafeln haben Quartformat und ftellen in der Regel nur einzelne Species dar. Für den Schulgebrauch find die Figuren etwas zu klein. Die Feinheit und Correctheit der Darftellung läfst aber nichts zu wünſchen übrig und ftellt fie den Fitzingerfchen Tafeln nahe. Für Volksfchulen werden Schumburg's zoologifche Tafeln ( fchwarz, mit Thiergruppen) und Smitt's( colorirte) Wandtafeln der efsbaren und giftigen Schwämme Skandinaviens gute Dienfte thun. Ganz vorzüglich find aber Anders fohn's botanifche Wandtafeln, welche einzelne Pflanzenarten fehr grell und deutlich, weifs in Schwarz hervortreten laffen und daher für den Maffenunterricht fehr verwendbar find. Aufserdem war noch Meves' Atlas über die Säugethiere Skandinaviens, Ohlsfon's naturhiftorifcher Atlas und ein recht anfchauliches Zonenbild in Form eines langen Streifens mit den charakteriftifchen Pflanzen und Thieren der einzelnen Zonen im fchwediſchen Schulhaufe ausgeftellt. Frankreich hat unter den zahlreichen Gegenftänden des Unterrichtes auch einige naturgefchichtliche Wandtafeln ausgeftellt. Darunter ift der Anfchauungsunterricht zum Gebrauch der Kinderafyle im Verlage von Hachette in Paris durch das fchöne Colorit und die feine, obgleich nicht immer naturgetreue Art der Darstellung am hervorragendften. Im Verlage von G. Maffon in Paris erfchienen naturgefchichtliche Wandtafeln von M. Achille Comte, die auf fchwarzer Wachs- Leinwand gedruckt wohl fehr dauerhaft fein mögen, aber für die Entfernung bei weitem nicht fo deutlich hervortreten, wie die gewöhnlichen Wandtafeln auf Papier. Eine dritte Art folcher Tafeln wurde von Deyrolle fils Naturgefchichtliche Lehrmittel. 7 zum Unterricht in den Naturwiffenfchaften für Primärfchulen herausgegeben. Die Bilder find gröber ausgeführt, aber trotz mangelhafter Zeichnung immerhin kenntlich. Aufser Thieren und Pflanzen wird auf mehreren Tafeln Anatomie des Menfchen dargestellt. Auf den mineralogifchen Tafeln find mehrere techniſch oder geologifch wichtige Mineralien und Gefteine, die fich nicht gut abbilden laffen, in natürlichen Stücken aufgeklebt. England hat in der Induftriehalle von naturgefchichtlichen Wandtafeln nur die bekannten Abbildungen von Johnfton zur Botanik und Naturwiffenfchaft überhaupt ausgeftellt. Die botanifche Organographie und menfchliche Anatomie find befonders gelungen und beftechen durch ihre fchönen Farben mehr, als durch Naturtreue. Vieles ift auch abfichtlich nur fchematiſch dargeftellt. Hingegen war eines der originellften botanifchen Lehrmittel an einem Orte, wo es kaum gefucht wird, nämlich in der Kunsthalle zu finden. Unter den verfchiedenen kunftgewerblichen Ausftellungsgegenständen des South Kenfington- Mufeums waren dafelbft auch Suiten von botanifchen Wandtafeln zu fehen, welche eine merkwürdige Combination von Herbar, Bild und Text darboten, indem um natürliche getrocknete Pflanzen herum in Wandtafelform ergänzende farbige Abbildungen und ein grofsgedruckter Text angebracht waren. Das Ganze ftellt eine grofsartige Illuftration des botanifchen Syſtems dar, welche ihrer Koftfpielig. keit wegen wohl nur wenig Nachahmung finden wird. Die Vereinigten Staaten von Nordamerika brachten in ihrer Unterrichtsausftellung, fowie in ihrem Schulhaufe bemerkenswerthe Proben von naturgefchichtlichen Bilderwerken, theils in Atlasform, theils in Form von Wandtafeln. Unter den letzteren verdienen befonders hervorgehoben zu werden: Prang's natural hiftory feries für Schule und Haus. Diefe fehr gefchmackvollen Wandtafeln beftehen eigentlich aus mehreren kleineren Bildern, die um ein gröfseres Mittelbild herum angeklebt find und dadurch Gruppen verwandter Naturkörper bilden. So find z. B. verfchiedene Blattformen um ein gröfseres Blatt in der Mitte gruppirt, ebenfo um eine Lilie, Nelke und dergleichen die verwandten Pflanzen oder um eine Katze, einen Reiher, ein Rind die verwandten Thierformen. Da die einzelnen Bilder fehr fein find und namentlich ein prächtiges lebhaftes Colorit haben, fo macht das Ganze einen fehr guten Eindruck, die Einzelheiten treten aber hier auf eine gröfsere Entfernung beffer hervor, als wenn, wie gewöhnlich, die ganze Gruppe auf einem Papier in gleicher Fläche gedruckt wäre. Es waren Tafeln für verfchiedene Stufen des Unterrichtes, als für Primär-, Grammär- und Hochſchulen zufammengeftellt. Willfon& Calkin's( in New- York) naturgefchichtliche Schul- und HausWandtafeln enthalten ähnliche Gruppen kleiner Bilder, die aber zugleich mit ausführlicherem erklärenden Text verfehen find. Es find theils Habitusbilder von Thieren und Pflanzen, theils auch morphologifche und terminologifche Darstellungen. Cuttler in Philadelphia hat anatomiſche und anthropologiſche Wandtafeln veröffentlicht, unter welchen befonders die comparativen Wandtafeln, welche dasfelbe organifche Syftem in den verfchiedenen Claffen der Wirbelthiere behandeln, für den Unterricht verwendbar find. Die bisher betrachteten Bilderwerke dienten vorzugsweife zur Unterftützung des elementaren naturgefchichtlichen Unterrichtes in den unteren und mittleren Schulen. Die Weltausftellung brachte aber auch zahlreiche wiffenfchaft liche Werke für den höheren Unterricht, welche bald von den Verfaffern, meift aber von den Verlegern und daher in der XII. Gruppe( graphifche Künfte) ausgeftellt waren. Es kann hier nicht der Zweck fein, alle diefe meift aus dem Buchhandel ohnehin bekannten Werke aufzuzählen; es wird genügen, einige davon hervorzuheben, um hiedurch den inftructiven Charakter der Weltausftellung auch 8 Dr. Alois Pokorny. in diefer Richtung darzuthun. So brachte die öfterreichiſche Ausstellung von naturgefchichtlichen Bilderwerken unter Anderem: A. Fritfch, die Vögel Europas. A. Politzer, zehn Wandtafeln zur Anatomie des Gehörorganes zum Gebrauche für Vorlefungen und zum Studium der Anatomie des Ohres. C. v. Ettingshaufen und A. Pokorny Phyfiotypia plantarum auftriacarum, die Gefäfspflanzen des öfterreichifchen Kaiferftaates in Naturdruck. Von letzterem Werke erfchien gelegentlich der Ausftellung die II. Serie, fo dafs gegenwärtig 10 Foliobände mit 1000 Kupfertafeln und den dazu gehörigen Textbänden auflagen. Das Werk felbft ging aus der Wiener Hof- und Staatsdruckerei hervor und befindet fich im Verlage von F. Tempsky in Prag. Es dürfte fich fchon durch den ungewöhnlich grofsen Umfang, fowie durch die Eigenthümlichkeit feiner Darftellung durch Naturfelbftdruck bemerkbar machen. Sein wiffenfchaftlicher Schwerpunkt liegt aber in der Bearbeitung der Flächenfkelete in den blattartigen Organen der abgedruckten Pflanzen, deren Refultate einen wohl nicht zu verkennenden Werth für die Pflanzenpaläontologie befitzen, mit gleichem Vortheil aber auch bei einer gründlichen Syftematik und bei der Beftimmung recenter Pflanzen benutzt werden können. Die erftere Richtung ift in zahlreichen reich illuftrirten Arbeiten von C. Freiherrn v. Ettingshaufen über die Nervation blattartiger Pflanzenorgane und zur Erforschung der Flora der Vorwelt vertreten; die letztere wurde in A. Pokorny's Holzpflanzen Oefterreichs des Weitern ausgeführt. Ein hervorragendes graphifches Lehrmittel für den höheren geographifchen und geologifchen Unterricht ift das grofse Aquarell- Tableau von Profeffor Fr. Simony in Wien, Gletſcherphänomene darftellend. Seine Bedeutung als naturgefchichtliches Bildwerk wurde durch eine beigegebene Sammlung inftructiver Muſterſtücke von recentem und altem Gletfcherfchutt wirkfam unterſtützt. Aufserhalb Oefterreichs waren die meiſten naturgefchichtlichen Bilderwerke von Frankreich in der XII. Gruppe ausgeftellt. Namentlich bot der Verlag von E. Roret und G. Maffon in Paris eine reiche Auswahl, wie die Suites à Buffon, Boisduval chenilles et lépidoptères de l'Europe, Vinfon voyage à Madagascar, Redouté les plus belles fleurs et fruits, Pouchet Zoologie, Duhamel les arbres, E. de Geyffier herbier forestier de la France phototypographique und Andere mehr. In den übrigen Ländern waren naturgefchichtliche Bilderwerke nur fehr vereinzelt zu treffen, wie z. B. L. Favre les champignons comestibles in der fchweizerifchen Ausftellung und E. Fries icones selectae hymenomycetum im fchwediſchen Schulhaus. Von der Photographie zu naturgefchichtlichen Zwecken ift merkwürdigerweife noch nicht der ausgedehnte Gebrauch gemacht worden, den diefes Verfahren zuläfst. Trotz der zahlreichen und fehr verfchiedenartigen Proben, die in der Weltausstellung vorlagen, vermifst man noch eine durchgreifende, fyftematifche und zufammenhängende Verwerthung derfelben zu Unterrichtszwecken. Die Vielfeitigkeit der Photographie zur Darstellung naturgefchichtlicher Lehrmittel geht aber fchon daraus hervor, dafs fie nach Bedarf verkleinerte und vergröfserte Bilder, fowie Bilder in natürlicher Gröfse gibt und mit Nutzen zur Darstellung von Objecten aus allen drei Reichen der Natur verwendet werden kann. Am beften wird die Vielfeitigkeit der Photographie im Dienfte der Naturgefchichte durch folgende, keineswegs complete Aufzählung ihrer factifchen Verwendung bei der Wiener Weltausftellung erkannt. Das zoologifche Mufeum der Univerfität Heidelberg hat durch Photographien die Form der Schränke und die Art der Aufftellung der Thiere illuftrirt. Das k. k. Schottengymnafium in Wien gab eine photographifche Ueberficht feiner Skeletfammlung, die vereinigte k. k. Mittelfchule in Feldkirch die Photographie einer Partie Alpenpflanzen( die Silberthaler Gruppe) im botanifchen Garten dafelbft. Die k. k. Oberrealfchule zu Leitomifchl und Dr. Warthe im Naturgefchichtliche Lehrmittel. 9 chemifch- technifchen Laboratorium in Peft lieferten Lichtpaufen von Blättern in natürlicher Gröfse. Antoine's Coniferen enthalten directe Photographien, während das erwähnte Werk von Geyffier phototypographirt ift. Directe Aufnahmen von Pflanzen( Blumen), Thieren( ausgeftopften, fowie lebenden), Menfchenracen und Völkertypen waren faft in allen photographifchen Abtheilungen, am hervorragendften in der deutfchen Ausstellung( Verlag von Wiegandt und Hempel in Berlin) zu fehen. Bemerkenswerth find auch die gelungenen Photographien von Schmetterlingen und anderen Infecten. Den gröfsten belehrenden Werth hatten aber die zahllofen photographifchen Landfchaftsbilder, unter denen wieder die äufserft lehrreiche und umfangreiche Sammlung aus den englifchen Colonien, insbefondere aus Auftralien und Neufeeland, fowie die grofsen Photographien aus Californien und dem Weften der Vereinigten Staaten obenan ftehen. In der That wird der geologifche und pflanzenphyfiognomiſche Charakter folcher Landfchaften nicht nur vom geographifchen, fondern auch vom naturhiftorifchen Standpunkt durch gute Photographien, befonders in ftereofkopifchen Aufnahmen in fo unübertrefflicher Weife dargestellt, dafs fchon hiedurch allein die Photographie einen für Schule und Unterricht unerfetzlichen, viel zu wenig bisher gewürdigten Werth enthält. Auch von Makrophotographien bot die Ausftellung manches Intereffante. Ein englifcher Photograph( Frank Hacs in London) brachte Vergröfserungsphotographien( nach Vifitkarten) vom Tiger, Löwen, Nashorn, Elephant und Zebra, die fehr bemerkenswerth waren, befonders durch die Art und Weife, wie fich beiſpielsweife Details der Haut der Dickhäuter wiedergaben. Ein fehr beliebtes Object eigentlicher Vergröfserungsphotographien waren Moeller's Typenplatten von Diatomeen, deren allerdings wunderbare Anordnung photographifch vergröfsert in Oefterreich( photographirt von C. Haack in Wien), Deutſchland( befonders gelungen von Dr. G. Fritfch in Berlin) und in Nordamerika zu fehen waren. Diefe fo vielfeitige, aber doch mehr vereinzelte Anwendung der Photographie läfst hoffen, dafs diefe graphifche Methode immer mehr für den eigentlichen naturgefchichtlichen Unterricht Verwendung finden wird. Zum Schluffe mögen noch unter den naturgefchichtlichen Bilderwerken zwei Ausstellungsobjecte befprochen werden, die gleich den fchon erwähnten botanifchen Wandtafeln des Kenfington- Muſeums und den mineralogifchen Wandtafeln von Deyrolle eine Combination von Natur und Kunft find. Das eine Object find die von J. Plafchke, Malet aus Landeck in Schlefien, gelieferten gemalten Vögel, deren Gefieder durch natürliche Federn wiedergegeben ift. So gefchickt diefe flachgeftopften Vogelbälge( Auerhahn, Truthahn, Reiher, Schnepfe, Eisvogel, Gimpel) mit einer paffenden gemalten Umgebung eingerahmt find, fo wird doch für den Unterricht dabei wenig gewonnen und ein gut geftopftes ganzes Exemplar diefem Bilde mit natürlichen Federn beim Unterrichte vorzuziehen fein. Auch dürfte fchon der hohe Preis die Verbreitung diefer unnatürlichen Verbindung in Schulen hindern. Im Gegenfatz dazu hat E. Erxleben in Landskron in feinen geologifchen Bildern ein recht brauchbares Lehrmittel gefchaffen. Die vier Weltenalter, die Fraas( fiehe oben) nur bildlich darftellt, werden hier in Käftchen durch die entsprechenden Gefteinsformen und charakteriftifchen Verfteinerungen wirkfam illuftrirt, wobei kleine Landfchaftsbilder im oberen Theil der Käftchen der Phantafie zu Hilfe kommen. Es wird übrigens hier mit Recht mehr Gewicht auf die Naturkörper gelegt, als auf die Bilder, wie denn auch unter den fpäter noch zu befprechenden Sammlungen einige vorkommen, die zu ihrer Erklärung mit Vortheil auch gleichzeitig graphifcher Darftellungen fich bedienen. Modelle. Hieher gehören die mannigfaltigen plaftifchen Nachbildungen von Naturkörpern, die fich zur bildlichen Darftellung minder eignen, im natürlichen Zuftande 10 Dr. Alois Pokorny. aber wegen ihrer Seltenheit oder Kleinheit oder wegen der Schwierigkeit der Aufbewahrung beim Unterrichte wenig benützt werden können. Hier hat die Induftrie noch ein weites dankbares Gebiet zur Ausbeute, da zweifelsohne bei dem gegenwärtigen Fortfchritte der Technik und bei hinreichender Nachfrage die verfchiedenartigften Objecte der drei Reiche fich im Modell darftellen liefsen, während gegenwärtig nur verhältnifsmäfsig wenige Naturkörper, die gleichfam von felbft zur plaftifchen Nachbildung einladen, als Anfchauungsmittel für den Unterricht, und zwar noch in fehr befchränktem Mafse angewendet werden. Das Materiale der Modelle richtet fich theils nach der Natur der darzuftellenden Gegenftände, theils hängt es von der Wahl des Verfertigers ab, fo dafs Modelle desfelben Gegenftandes aus fehr verfchiedenen Stoffen dargestellt werden. Zur bequemeren Ueberficht werden hier die ausgeftellten Modelle nach den drei Hauptrichtungen des naturgefchichtlichen Unterrichtes gruppirt. Modelle zum Unterrichte aus der Mineralogie und Geologie. Unter diefen find die Kryftallmodelle die gewöhnlichften. Die geometrifche Regelmäfsigkeit diefer Körper erleichtert ihre Nachbildung. Da nun die natürlichen Kryftalle meift nicht vollſtändig ausgebildet, überdiefs in der Regel felten und klein find, fo find für das theoretifche Studium der Mineralogie Kryftallmodelle äufserft erwünſcht und diefs umfomehr, als plaftifche Nachbildungen den Anfänger rafcher in den Stand fetzen, fich in den Kryftallgeftalten zu orientiren, als es durch Zeichnungen möglich ift. Bei den Kryftallmodellen find, wie bei den Abbildungen, zweierlei Gefichtspunkte zu unterfcheiden. Die einen dienen hauptfächlich dem Selbft. unterrichte; fie find daher klein, aber oft fo präcis ausgeführt, dafs fie Winkelmeffungen geftatten. Die andere Art folcher Modelle dient zum Maffenunterrichte in der Schule und hat daher entsprechend grofse Dimenfionen. Die Weltausftellung bot verfchiedene Beiſpiele von beiden. Kleine Kryftallmodelle werden am gewöhnlichften aus Holz, feltener aus Gyps, Schwefel, Maffe, Cartonpapier, Glas und dergl. dargeftellt. So beftechend namentlich Kryftallmodelle aus maffivem Glas( felbft Imitationen aus Bergkryftall kamen vor) auf den erften Blick erfcheinen, fo find fie doch in ihren Abmeffungen felten fo genau als gute Holzmodelle, und die letzteren defshalb, fowie der Billigkeit wegen vorzuziehen. Nachbildungen aus Cartonpapier eignen fich befonders als belehrende Uebung für Schüler; ebenfo die meift ziemlich rohen Nachbildungen aus Gyps oder anderen plaftifchen Maffen. Immer dürften aber für den Selbftunterricht und namentlich, wo es fich um Darftellung zahlreicher und complicirterer Formen handelt, gute Holzmodelle den Vorzug verdienen. Eine fehr präcis und nett ausgeführte und achfengerecht aufgeftellte Sammlung folcher Kryftallmodelle aus Birnbaumholz( 120 Stück, angefertigt von Becker) hat das Leopoldftädter Real- und Obergymnafium in Wien zur Anficht gebracht. Ungleich wichtiger für die Schule find die grofsen Kryftallmodelle aus Pappe( Carton), Glas oder Draht und felbft Horn. Maffive Modelle eignen fich fchon wegen der Schwere minder; folche Modelle müffen daher immer hohl angefertigt werden. Das gewöhnlichfte und einfachfte Material dazu ift Pappendeckel; doch geben folche Modelle nur die äufsere Form, die Geftaltung und Gruppirung der Flächen, geftatten aber keinen Einblick in die inneren Abmeffungen. Mit Recht werden daher diefe plumpen, wenig brauchbaren Modelle in neuerer Zeit vernachläffigt, wie denn auf der Ausftellung nur wenige Proben davon mehr zu fehen waren. Die gröfste Sammlung brachte noch die bergakademifche Mineralien Niederlage in Freiburg in Sachfen. Eigenthümlich waren die Kryftallmodelle aus durchfichtigem Horn mit durchgezogenen Achfen von A. Preller, Kammmacher und Modelleur in Hof( Baiern). Weit inftructiver find die hohlen Modelle aus zufammengeklebten Glasflächen. Die weitaus gröfste und fchönfte Sammlung diefer Art ftellte Dr. Lang Naturgefchichtliche Lehrmittel. 11 hans, Director der königl. baierifchen Gewerbefchule in Fürth, aus. In kleinerem Mafsftabe, aber auch fehr inftructiv find die Glas- Kryftallmodelle von F. Thomas, Buchbinder und Modelleur in Siegen( Provinz Weftphalen in Preufsen). Diefe Glasmodelle haben den grofsen Vorzug der Durchfichtigkeit. Sie geftatten daher die Anficht des Achfenkreuzes, die Einfchachtelung verwandter Formen und dergleichen. Die Kanten werden durch grell grüne Papierftreifen auf ziemliche Entfernung hin deutlich fichtbar. Noch praktiſcher für den Unterricht find aber Gittermodelle aus Draht, Stäben und dergleichen; fie waren jedoch auf der Weltausftellung nur fpärlich vertreten. Die öfterreichiſche Unterrichtsabtheilung enthielt einige fehr bemerkens werthe von Profeffor E. Barla an der Staats- Oberrealfchule zu Brünn con ftruirte Gittermodelle im Grofsen. Die Achfen find durch fchwarze Stäbe, die Kanten durch rothfeidene Schnüre fehr kenntlich dargeftellt. Ein befonders inftructives Modell enthält fämmtliche plenotefferale Geftalten in einem Würfel eingefchachtelt, wobei einzelne Flächen durch zahlreiche parallele Fäden wie fchraffirt hervortreten. Hier verdienen auch die vorzüglichen Drahtmodelle erwähnt zu werden, die von Profeffor J. P. Stroeffer aus Brüffel in der belgifchen Abtheilung zu fehen waren. Diefe unter dem Namen ,, Somatakanten" ausgeftellten Kantenfyfteme dienten fowohl zur Unterſtützung des Unterrichtes in der Stereometrie, Trigonometrie, beim perfpectivifchen und graphifchen Zeichnen, in der Geographie( Armillarfphäre), als auch in der Kryftallographie. Ein befonderer Vorzug diefer Modelle ift ihre Solidität, die gute Verlöthung der Ecken und die Anwendung verfchiedenfarbiger dicker Eifen-, Kupfer- und Zinkdrähte. Diefe Gittermodelle geftatten nicht nur den Einblick in die inneren Abmeffungen der Kryftallgeftalten, fondern geben auch durch Projection ihres Schattens auf einer Ebene äufserft lehrreiche und anfchauliche Vorlagen zur perfpectivifchen Zeichnung folcher Körper. Sie verdienen daher unbedingt den Vorzug vor den Papp und felbft vor den Glasmodellen. Nebft den Kryftallmodellen werden am häufigften Edelſtein- Imitationen für den mineralogifchen Unterricht verwerthet. Zunächft als billiger und effectvoller Schmuck werden folche Imitationen maffenhaft und fabriksmäfsig in Frankreich erzeugt und die Ausftellung der franzöfifchen Bijouterie bot eine fehr reichhaltige Auswahl in diefer Richtung dar. Der ebenfalls fchwungvoll in Böhmen, befonders in der Umgebung von Turnau, betriebenen Induftrie im Schleifen und in Imitation von Edelſteinen hat der thätige Naturalienhändler V. Frič in Prag eine neue nutzbare Anwendung für Unterrichtszwecke dadurch gegeben, dafs er in Glasflüffen alle, auch die minder gebräuchlichen Edelſteine nachahmen liefs, und auf diefe Art Sammlungen künftlicher Edelſteine zufammenbrachte, welche durch ihre Reichhaltigkeit und die getreue Nachbildung von Farbe und Glanz fich auszeichnen und zugleich die Haupttypen aller Schliffformen repräfentiren. Es gibt folche Schulfammlungen zu 36, 50 und 72 Stück; auch werden aufserdem Sammlungen der gröfsten und berühmteften Diamanten zu 4 und 15 Stück ausgegeben. Aufser diefen Imitationen waren in der Ausftellung noch kleinere, aber minder gelungene Edelſtein- Imitationen( zum Beiſpiel 16 Stück in angeblich natürlichen Kryftallformen) zu fehen. Diefe, fowie wieder äufserft koftbare Nachbildungen aus Bergkryftall entſprechen aber wenig den Bedürfniffen des Unterrichtes und find daher auch, wie die Kryftallmodelle aus maffivem Glas, wenig verbreitet. - Gleich den Edelſteinen eignen fich gröfsere Maffen der Edelmetalle, insbefondere Gold- und Platinklumpen, fehr gut zur Nachbildung. Die Ausftellung bot hierin wahre Prachtftücke in der Abtheilung der britifchen Colonien, wo der grofse ,, Gold- Nugget" Welcome aus dem Bergwerks- Departement zu Melbourne in Auftralien mit feinen Genoffen ein Hauptanziehungspunkt war. Wegen der vielfachen Anregung follten ähnliche Gypsmodelle in den Schulmufeen eine gröfsere Verbreitung finden wie bisher. 12 Dr. Alois Pokorny. Auffallend fpärlich waren in der Ausftellung die fo werthvollen Gypsmodelle feltener Petrefacten vertreten. Das Meifte in diefer Beziehung bot noch V. Frič aus Prag mit feinen Modellfammlungen von Foraminiferen, Radiolarien und Trilobiten. Die Modelle der Foraminiferen find aus Gyps, die der Radiolarien aus Maffe verfertigt und geftatten eine klare Anfchauung der zierlichen Schalformen in ſtark vergrössertem Mafsftabe. Sie find, fo wie die Suiten der böhmifchen Trilobiten unter Leitung des Profeffors Dr. A. Reufs und des Cuftos Dr. A. Fritfchangefertigt und entſprechen auch wiffenfchaftlichen Anforderungen in Beziehung auf Richtigkeit der Beftimmungen und Correctheit der Ausführung.- In der deutfchen Unterrichtsausftellung hat J. Kreitmayer, Formator des baierifchen Nationalmufeums in München, ein Sortiment von paläontologifchen Abgüffen, Doctor L. W. Schaufufs in Dresden einige Gypsmodelle von gröfseren Petrefacten ausgeftellt und ebenfo in der öfterreichifchen Unterrichtsabtheilung die Rofsauer Oberrealfchule in Wien. Bei der grofsen Menge vorzüglicher Modelle, die das bekannte Rheinifche Mineralien comptoir des Dr. A. Krantz in Bonn allein liefert, war jedoch die Zahl der in der Ausftellung befindlichen Nachbildungen von foffilen Sauriern, Enkriniten, Säugethierreften, Thierfährten und ähnlichen für den Unterricht wichtigen Objecten, wie gefagt, ziemlich gering. Sieht man von den geologifch- colorirten Reliefkarten, die fchon der Bericht über geographifche Bildungs- und Unterrichtsmittel erwähnt, ab, fo befafs die Weltausstellung zwei hervorragende Arten von Modellen, zur Unterſtützung des eigentlichen geologifchen Unterrichtes. Hierher gehören zunächft die MiniaturVulcane aus Schwefel vom Profeffor Dr. F. von Hochftetter in Wien. Diefe Art von Modellen ift um fo intereffanter, als ihre Entstehung felbft ein geologifches Experiment ift, fo dafs nicht nur die äufsere Form der Schwefelkegel als Modell vulcanifcher Kegelbildung, fondern zugleich auch die Art ihrer Hervorbringung als Erklärung des analogen Naturproceffes im Grofsen dient. So wie nämlich die im Zuftande wäfferiger Schmelzung befindliche Lava wefentlich durch die Spannkraft des eingefchloffenen Wafferdampfes aus den vulcanifchen Spalten hervorquillt und bei ihrem wiederholten Ueberfliefsen mit den übrigen Eruptionsproducten die Auffchüttung der vulcanifchen Kegel bewirkt, fo gibt der aus Sodarückständen gewonnene Schwefel beim Erftarren zu Eruptionen im Kleinen Veranlaffung, welche durch ihre Wiederholung ähnliche Auffchüttungskegel aus Schwefel erzeugen. Durch gefchickte Benutzung der hiebei eintretenden Umstände laffen fich eine Menge an den Vulcanen vorkommende Details nachbilden und dadurch erklären. Die ausgezeichnet fchönen Modelle der Ausftellung wurden in der Erften öfterreichifchen Sodafabrik zu Hrufchau in Mähren unter Mitwirkung des Herrn Dr. Opl erzeugt. Ein zweites ausgezeichnetes geologifches Lehrmittel war das geologiſche Profilrelief der Alpen zwifchen Vorderrhein und Wallenfee( Finfterahorn) von A. Heim, Docent der Geologie in Zürich. Es beftand aus 35 auf Glasplatten gemalten geologifchen Verticaldurchſchnitten, welche auf einer horizontalen geologifchen Karte der Gegend felbft aufgeftellt ftanden. Von oben betrachtet, fah man daher die geologifche Befchaffenheit des Terrains an der Oberfläche, von feitwärts aber das Höhenprofil der Gegend mit der Fortfetzung der Formationen im Innern der Gebirge, fo dafs der geologiſche Bau derfelben auf einen Blick durchfchaut werden konnte. Hier würden fich die verfchiedenen Bergbau- Profile anfchliefsen, wie zum Beiſpiel die im Pavillon des k. k. öfterreichifchen Ackerbauminifteriums befindlichen. Da diefelben aber mehr praktiſche Specialeinrichtungen verfolgen, fo dürfte deren kurze Erwähnung hier genügen. Modelle zum Unterricht in der Botanik. Unter den Pflanzen eignen fich die Pilze am beften zu plaftifchen Nachbildungen; fie werden daher auch häufig in Wachs, Gyps, Papiermaffe und Naturgefchichtliche Lehrmittel. 13 dergleichen nachgeahmt und find in folchen Modellen ein beliebtes Anfchauungsund Lehrmittel für den elementaren Unterricht. Doch laffen diefe Modelle in der Regel vieles in Bezug auf Natürlichkeit zu wünſchen übrig und ſtehen meift guten Abbildungen nach, umfomehr, als das Modell von der feineren Structur diefer Gebilde, häufig nicht einmal von dem morphologifchen Detail, keine oder doch nur fehr undeutliche Darftellungen gibt. Form und Farbe allein genügen aber denn doch nicht zu einer einigermaffen gründlichen Belehrung über diefe Naturkörper. In der öfterreichifchen Ausftellung waren Pilz- Nachbildungen von C. W. Adler zu fehen. Weit verbreiteter und bekannter find die urfprünglich von Profeffor Dr. Büchner, fpäter aber von A. v. Löfecke und F. A. Böfemann in Hildburghaufen herausgegebenen plaftifchen Nachbildungen efsbarer und giftiger Pilze, die auch im deutſchen Unterrichtspavillon ausgeftellt waren, kaum aber den verhältnifsmäfsig hohen Preis lohnen. Aufser den Pilzen find Obft und Früchte, fehr dankbare Objecte der Nachbildung. Obwohl meift nur von fpeciell pomologifchem Intereffe, gab es doch Ausftellungen folcher Objecte von hohem allgemeinen Werthe, wie die Früchte aus Papiermaffe in der Ausftellung der k. zoologifchen Gefellfchaft in Amfterdam, die wichtigften efsbaren Früchte der oftindifchen Colonien der Niederlande darftellend. Jedem Befucher der weftlichen Agriculturhalle werden wohl noch die herrlichen Wachsmodelle der frutti artificiali des Padre Pietrantonino Alcantarino aus Neapel in befter Erinnerung fein. Die ausgeftellten Trauben, Birnen, Kirfchen, Erdbeeren in den verfchiedenften Sorten waren von überrafchender Frifche und Natürlichkeit. Das künftliche Obft des Garnier Valleti Franz aus Turin in derfelben Abtheilung fchlofs fich der früheren Sammlung würdig an. Dafs auch Wurzeln und Gemüfe in Modellen fehr naturgetreu wiedergegeben werden können, haben Sutton& Sons, Samenhändler der Königin von England aus Reading( Berkſhire), und C arter& Beale aus London bewiefen. Obgleich nur zunächft zur Illuftration der erzielten Erfolge in der Landwirthschaft dienend, könnten folche oder ähnliche Modelle mit vielem Nutzen auch in der Schule beim botanifchen Unterrichte verwerthet werden. Die für den Unterricht in der Botanik werthvollften Modelle der Ausftellung find jedoch die bekannten und viel verbreiteten Blüthenmodelle aus Papiermaffe, Guttapercha und dergleichen von Brendel Robert aus Breslau, der diefelben fabriksmäfsig erzeugt. Bisher wurden 65 botanifche Modelle zur Erläuterung des Blüthenbaues der wichtigften wildwachfenden und Culturpflanzen, fowie des natürlichen Pflanzenfyftems ausgegeben. Die einzelnen Modelle ftellen Analyfen der wichtigften Pflanzenorgane in ftark vergröfsertem Mafsftabe vor und find fowohl in der Form, als in der Färbung fehr genau wiedergegeben. Auch die Art der Aufftellung in entſprechende Träger ift fehr praktiſch. Für den höheren botanifchen Unterricht hat Dr. Ziegler aus Freiburg in Baden vortreffliche pflanzenphyfiologifche Wachspräparate ausgeftellt. Die dargeftellten Objecte find der Art, dafs fie weder durch Bilder, noch durch die natürlichen Präparate fo anfchaulich einem Schülerkreife demonftrirt werden können, als durch diefe Wachsmodelle. Namentlich gilt diefs von den Samenknɔspen und Pflanzen embryonen. Aber auch die Modelle zur Blüthenentwicklung find fehr inftructiv. Aus dem Gefagten geht hervor, wie mannigfach die Verwendung von Modellen beim botanifchen Unterrichte fein kann. Es unterliegt aber keinem Zweifel, dafs die Verwendung folcher Modelle eine noch weit vielfeitigere fein könnte. Wer die erftaunlichen Leiftungen der Induftrie auf der Wiener Weltausftellung in der Fabrication künftlicher Blumen in der öfterreichifchen und franzöfifchen Abtheilung( Gruppe V, Textilinduftrie) bewundert hat, wird nicht verkennen, dafs diefe Induſtrie auch zur Unterſtützung des naturgefchichtlichen 14 Dr. Alois Pokorny. Unterrichtes verwerthet werden könnte und in Zukunft vielleicht auch Verwerthung finden wird. Modelle zum Unterrichte in der Zoologie und den verwandten Fächern. - Modelle lebender Thiere aus den oberen Claffen des Thierreiches werden wohl nur bei dem erften Anfchauungsunterricht in der Kinderftube, im Kindergarten, vielleicht auch noch in den unteren Claffen der Volksfchule Anwendung finden. Der Pavillon des kleinen Kindes, die Spielwaaren- Induftrie des fächfifchen Erzgebirges und zahlreiche andere ähnliche Ausftellungen boten hier überreichen Stoff. Mitunter wurde auch manches Originelle geboten. So wurden in der Mafchinenhalle Amphibien aus Kautfchuk( Kröten, Eidechfen, Schlangen und dergleichen) von E. Novotny aus Wien, zum Verkaufe ausgeboten, um Kinder an das eigenthümliche Gefühl beim Berühren diefer Thiere und an ihre Bewegungen zu gewöhnen und dadurch das Vorurtheil und die natürliche Scheu vor diefen Thieren zu bekämpfen. Aber auch auf höheren Stufen des Unterrichtes werden Modelle folcher Thiere erwünſcht ſein, die fich fchwer aufbewahren laffen und auch lebend nur felten zur Verfügung stehen, zum Beiſpiel Quallen, die See- Anemonen( Actinien), nackte Schnecken und dergleichen. Aus Glas gefertigte Modelle der erfteren führten V. Frič aus Prag und Doctor L. W. Schaufufs aus Dresden, letzterer überdiefs noch Wachsmodelle von Nacktfchnecken vor. Hieher könnten vielleicht auch die künftlichen Schmetterlingsfammlungen von G. W. Adler aus Wien gerechnet werden, welche aus ausgefchnittenen, recht guten colorirten Abbildungen von Schmetterlingen auf Papier beftehen, die gleich den Infecten auf Nadeln in Käftchen gereiht allerdings täufchend einer Schmetterlingsfammlung gleichen, doch aber nur den Werth eines Bilderbuches haben. Sehr eigenthümlich waren die Riefenmodelle von Alexander Strembitzky aus St. Petersburg als Hilfsmittel für den anfchaulichen Unterricht in der Naturgefchichte. Die Entwicklung des Sterlets, der Kopf einer Ochfenbremfe, eines Schmetterlings, der Fufs einer Küchenfchabe, einer Spinne waren hier in koloffalen Dimenfionen dargestellt. So gut und getreu auch die Ausführung diefer Modelle war, fo entſteht doch ein gegründeter Zweifel in die Zweckmässigkeit folcher riefigen Modelle, die in den meiften Fällen durch grofse einfache Zeichnungen in Umriffen fich hinreichend inftructiv erfetzen liefsen. Die meiſten hieher gehörigen Modelle jedoch ftellen anatomifche, phyfiologifche und pathologiſche Präparate dar und in diefer Beziehung boten die deutfche und franzöfifche Ausftellung das reichfte Material. Dem Stoffe nach find die Modelle meift aus Wachs oder Papier- mâché, feltener aus Guttapercha und anderen Harzen, Gummi, Holz, Glas und dergleichen verfertigt; die Objecte find theils in natürlicher Gröfse, theils vergröfsert nachgebildet, mit den natürlichen Farben und bisweilen von vollendeter technifcher Ausführung. - Zu den beften Modellen diefer Art gehörten die phyfiologifchen Wachspräparate von Dr. A. Ziegler aus Freiburg, die Entwicklungsgefchichte des Menfchen und der Thiere( Hühnchen, Frofch, Echinodermen) darftellend. Weisker Rudolf, anatomifcher Modelleur aus Leipzig, lieferte 25 mikrofkopifche Wachspräparate menfchlicher Parafiten, darunter eine fchöne Darftellung der Bandwürmer und ihre Entwicklung aus der Finne. Aber auch Infectenmetamorphofen( Calopterix virgo) waren von ihm ausgeftellt. Die Münchener Anatomiker und Bildhauer Zeiller& Söhne lieferten eine reiche Suite anatomifcher Modelle vom Menfchen und einzelner Organe desfelben( Auge, Gehörorgan, Herz, Stimmorgan, Fufs, Hand, Kopf, alles zu zerlegen). Eine bemerkenswerthe Suite von 20 plaftifchen Darftellungen, ausgeführt von Fanny Zeiller, behandelte die Entwicklungsgefchichte des Menfchen, des Säugethiers und Vogels. Auch L. Heftermann, Bildhauer und Modelleur aus Hamburg, führte eine ganze Naturgefchichtliche Lehrmittel. 15 Reihe anatomifcher Unterrichtsmodelle für Schulen vor. Für den Unterricht an Mittelfchulen dürften fich aber doch als das befte und billigfte Lehrmittel die bekannten vielverbreiteten Gypsmodelle empfehlen, die unter Leitung des Profeffors Dr. Bock in Leipzig als plaftifch- anthropologifche Lehrmittel für Schulen ausgegeben werden und vom Bildhauer G. Steger in Gyps gebildet und von A. Goldfufs mit Oelfarbe gemalt find. Specialrichtungen verfolgen die von U. Baur aus München ausgeftellten Wachspräparate vom Pferde und die pathologifchen Präparate aus Papier- mâché( Becken) von C. F. Fleifchmann aus Nürnberg; defsgleichen die äufserft effectvollen und fchönen anatomifch- chirurgifchen Wachsmodelle von Jules V. J. Talrich, anatomifchem Modelleur an der medicinifchen Facultät in Paris. Nicht unerwähnt kann am Schluffe bleiben, dafs in Oefterreich- Ungarn, welches in Bezug auf naturgefchichtliche Modelle auffallend hinter den Leiftungen des Auslandes zurückbleibt, der Verfuch gemacht wurde, die plaftifch- anatomifchen Modelle des Menfchen durch fchichtenartig übereinander liegende flache Zeichnungen zu erfetzen. Hieher gehört eine zerlegbare menfchliche Geftalt aus Eifenblech, von der Oberrealfchule in Leitomyfchl ausgeftellt, und ein ähnliches Modell aus Papier von Dr. L. Arányi aus Budapeft Doch können diefe Flachmodelle mit den plaftifchen Darftellungen in keiner Weife wirkfam concurriren. WO Sammlungen von Naturkörpern. So wichtige Unterftützungsmittel des naturgefchichtlichen Unterrichtes Abbildungen und Modelle find, fo können fie doch in der Regel die Natur felbft nicht vollständig erfetzen. Sie werden in allen Fällen von Nutzen fein, wo es unmöglich oder fchwer ift, die Naturkörper beim Unterrichte zu benützen, oder es fich um Eigenfchaften und Verhältniffe der Naturkörper handelt, die fich namentlich beim Maffenunterrichte an diefen nur fchwer demonftriren laffen. In der weitaus überwiegenden Zahl der Fälle aber wird der Lehrer dennoch es vorziehen, den Schüler aus unmittelbarer Anfchauung der Naturobjecte felbft feine Kenntniffe fchöpfen und erweitern zu laffen, wie fchon Linné in feinem berühmten Ausfpruche: ,, Herbarium( natura) praeftat omni icone", die unmittelbare Anfchauung und Unterfuchung der Naturproducte allen künftlichen Nachbildungen mit Recht vorzog. Der naturgefchichtliche Unterricht kann defshalb paffender Sammlungen nicht entbehren und es werden Naturalienfammlungen von den kleinen Handfammlungen für Schüler und Elementarfchulen angefangen bis zu den grofsen Nationalmufeen aufwärts zu den wichtigften Lehrbehelfen der Naturgefchichte gehören. Es kann unmöglich Aufgabe des Berichtes fein, das gefammte naturhiftorifche Material der Weltausftellung als Lehrmittel gleichmäfsig in Betracht zu ziehen. Die immenfen Naturfchätze, die hier als Rohproducte ihrer techniſchen, induftriellen und commerciellen Wichtigkeit wegen aufgefpeichert waren, haben allerdings zugleich ihre didaktifch inftructive Seite. Doch tritt diefe hier nicht fo deutlich hervor, wie bei den eigentlichen naturgefchichtlichen Sammlungen, welche behufs des Unterrichtes und des Studiums der Naturkörper eigens angelegt wurden. Der Bericht wird fich daher zunächft auf naturgefchichtliche Schul- und Mufealfammlungen zu befchränken haben. Unter diefen find wieder die allgemeinen, alle drei Reiche umfaffenden Sammlungen für den erften Elementarunterricht zu unterfcheiden von den höheren Stufen des Unterrichtes entfprechenden Specialfammlungen, welche felbft wieder am paffendften nach den drei Reichen unterfchieden werden können. 2 16 Dr. Alois Pokorny. Allgemeine naturgefchichtliche Schulfammlungen für den Elementarunterricht. Bei diefen Sammlungen handelt es fich nicht um Reichhaltigkeit, Seltenheit oder hohen Werth der Objecte. Im Gegentheil foll eine gute Schulfammlung möglichft compendiös und leicht und billig herzuftellen fein. Eine gute, den Zwecken des Unterrichtes entſprechende Auswahl und ein wahrhaft inftructiver Zuftand der Objecte find hier die Hauptfache; der Unterricht auf diefer Stufe braucht daher nicht viele und feltene, aber gut gewählte und inftructive Naturkörper. Solche Sammlungen werden in den meiften Fällen am beften vom Lehrer dem Lehrftoffe entſprechend zufammengeftellt. Hierin liegt aber eine befondere Schwierigkeit, da nicht jeder Lehrer Gelegenheit und Gefchick dazu befitzt, paffende naturgefchichtliche Sammlungen für die erfte Stufe, des Unterrichtes aber noch viel zu wenig Gegenftände eines regelmäfsigen Handels find, Daher die auffallende Erfcheinung, dafs felbft bei genügenden Geldmitteln die Schulen felten mit zweckentfprechenden Naturalienfammlungen verfehen find. " In einigen Ländern hat die Unterrichtsverwaltung felbft diefen wichtigen Gegenftand durch Zufammenftellung und Anempfehlung geeigneter naturgefchichtlicher Schulfammlungen gefördert. Obenan ftehen in diefer Beziehung Deutfchland und einige Cantone der Schweiz. Aber auch aus Oefter. reich- Ungarn, Schweden und Rufsland waren bemerkenswerthe Schulfammlungen für die unterfte Stufe des naturgefchichtlichen Unterrichtes zu fehen. So brachte das öfterreichifche Mufterfchulhaus einzelne kleine Sammlungen, die beftimmten Lefeftücken des Lefebuches angepafst find und zu deren fachlichen Erläuterung dienen.„ Was man in der Kohlengrube findet", wie man Eifen gewinnt", Tableaux von Nutz- und Giftpflanzen, Zufammenftellungen über Haus- und Nutzthiere und deren Producte und dergl. find dem kindlichen Alter ganz entſprechend, da fie anregend wirken und dem Verſtändniffe der Kleinen zugänglich find. Hier fo wie in der öfterreichifchen Unterrichtsabtheilung find befonders einige gelungene Sammlungen diefer Art von J. Grimme, Volksfchul- Lehrer in Baden, fo wie deffen Infecten- und Mineralienfammlungen hervorzuheben. Einzelne öfterreichifche Lehrer traten mit fchönen Specialfammlungen auf; fo F. Dohnal aus Zborowitz in Mähren und K. Lula aus Wittingau in Böhmen mit Tableaux zur Seidenzucht, A. Thuma aus Chrudim ( Böhmen) mit einem Tableau zur Bienenzucht, Oberlehrer J. Weiffel aus Wien mit fchön getrockneten Pflanzen in ihren natürlichen Farben, L. Heiden in Wien mit Käferfammlungen, TherefiaKollmann aus Linz mit Volksfchul- Herbarien u. f. f. Der Lehrer der evangelifchen Volksfchule in Graz F. Kubin ftellte eine Anzahl hübfch adjuftirter Herbarien in Octavform aus, welche von den Schülern felbft angelegt wurden und nebft den getrockneten Pflanzen noch die gefchriebenen Befchreibungen derfelben enthalten. Wenn nicht hiedurch zu viel Zeit einem doch nur befchränkten Theile des Unterrichtes gewidmet wird, fo ift diefs dort, wo die Umstände es erlauben, eine für die Schüler recht lehrreiche und anregende Befchäftigung. Das königlich ungarifche Minifterium für Cultus und Unterricht hatte unter den Lehrmitteln für Volks- und Bürgerfchulen auch kleine naturgefchichtliche Schulfammlungen, als Mineralien, Herbarien und Infectenfammlungen ausgeftellt und auch fonft hatten Private für diefe Stufe Proben geliefert, wie Eger in Budapeft eine Mineralienfammlung für Bürgerfchulen und F. Eberhöch aus Koronczo die Giftpflanzen Ungarns auf Quartblättern, wobei die getrocknete Pflanze mit einem gedruckten Text in deutfcher und ungarifcher Sprache umgeben ift. Der Text enthält die Merkmale der Pflanze, die Symptome der Vergiftung und die Mittel dagegen. Eine Anzahl origineller Tableaux für den erften Anfchauungsunterricht, der die naturgefchichtliche und technologifche Seite einzelner Rohproducte ver Naturgefchichtliche Lehrmittel. 17 anfchaulichen foll, befand fich in der ruffifchen Unterrichtsaus ftellung. Beiſpielsweife ift auf einem folchen Tableau die Weide dargestellt durch eine Weidenblüthe, Weidenrinde, einen Weidenzweig, eine Weidenkohle, einen Weidenkorb und eine Fifchreufe. Aehnlich werden die Getreide- Arten, der Flachs, Hanf, die Kartoffel, die Fichte u. f. f. durch verfchiedene Beftandtheile des Naturproductes und feiner Fabricate erläutert. Im deutfchen Unterrichtspavillon waren kleine Schulfammlungen von Baden, Württemberg, Baiern, Sachfen und Hamburg ausgeftellt. Einen befonders compendiöfen und dabei inftructiven zoologifchen und mineralogifchen Apparat für Volksfchulen enthielt die badifche Collectivaus ftellung. Einige kleine Säuger, ein paar Vögel, eine Schlange, eine Eidechfe, ein Fifch, zwei kleine Infectenfchachteln und ein paar Mufcheln bilden den gefammten zoologifchen Apparat einer badifchen Volksfchule und ebenfo einige Mineralien, Felsarten, Verfteinerungen und Kryftallmodelle aus Holz den mineralogifchen Apparat derfelben. Es ift felbftverftändlich, dafs hiemit nur die Minimalgrenze einer Schulfammlung ausgedrückt ift, welche jede, auch die kleinfte Dorffchule unter ihren Lehrmitteln erreichen foll. Dafs viele Schulen darüber hinaus den Lehrmittelfchatz erweitern, befonders dort, wo fähige und fleifsige Lehrer in diefer Richtung thätig find, war ebenfalls an mehreren Beifpielen erfichtlich. So hat G. Speidel, Lehrer in Dünkelsbühl( Baiern), eine recht gute biologifch- entomologifche Sammlung geliefert. Sehr nette und zweckmäfsige Schulfammlungen in grofser Auswahl hat L. Heftermann aus Hamburg ausgeftellt, als: Erze und Mineralien, Infecten, Herbarien von Forft-, Bienen, Nahrungs- und Giftpflanzen, Gräfern, Algen der Nord- und Oftfee und dergl. mehr. Vorzügliche naturhiftorifche Schulfammlungen waren im Schweizer Pavillon zu fehen. So hatten einzelne Cantone, wie Zürich, Aargau und Teffin, Mufterfammlungen für ihre Secundär, Cantons- und Bürgerfchulen ausgeftellt, die von dem tiefen Verftändnifs und der ernften Beachtung, welchen die Schweizer dem Studium der Naturgefchichte widmen, ein rühmliches Zeugniss abgeben. Sammlungen von Mineralien, Felsarten und Verfteinerungen, von Infecten und Pflanzen waren vorwiegend vertreten und einzelne derfelben kommen noch später zur Befprechung. Das fchwedifche Schulhaus enthielt unter feinen vielen vorzüglichen und nachahmenswerthen Einrichtungen auch ſchöne Sammlungen von Mineralien, Infecten und Pflanzen. Am meisten verdient ein Herbariumkaften hervorgehoben zu werden, der in Form von Schubfächern Rahmen enthielt, in welchen getrocknete und auf Papier gefpannte Pflanzen lagen. Es laffen fich auf diefe Weife zahlreiche Pflanzen leicht und bequem aufbewahren und jeden Augenblick beim Unterricht verwerthen, indem der Lehrer die betreffende Pflanze hervorzieht und gleich einer Wandtafel am beften auf fogenannten Originalleiften zur Anficht aufhängt. Wären die Pflanzen gleich befferen Bildern noch durch Glastafeln vor dem Staube und vor Befchädigungen gehörig gefchützt, fo könnte diefe Einrichtung als muftergiltig angefehen werden Ein ähnlich aufbewahrtes Herbarium hat übrigens auch die k. k. privilegirte öfterreichifche Staatseifenbahn Gefellfchaft zur Anficht ausgeftellt. Recht hübfch und brauchbar waren im fchwediſchen Schulhaufe die Typenfammlungen von Infecten in Schachteln von Octavformat und mit doppeltem Glasboden, um beide Seiten bequem betrachten zu können. Auch in der öfterreichifchen Unterrichtsausftellung waren ähnlich eingerichtete Schmetterlingsfchächtelchen zu fehen. Naturgefchichtliche Specialfammlungen für den mittleren und höheren Unterricht. Mineralogifche, geologifche und paläontologifche Sammlungen. Sieht man von dem koloffalen hieher gehörigen Material, welches die I. Gruppe der Weltausftellung( Berg- und Hüttenwefen) aus faft allen 2* 18 Dr. Alois Pokorny. Ländern der Welt enthielt, zunächft ab, fo laffen fich die fpeciell, Unterrichtszwecken gewidmeten mineralogifch- geologifchen Sammlungen nach den Ausftellern in drei Gruppen fondern, nämlich in Sammlungen der Mineralienhändler, in Schul- und Privatmufeen und in grofse Landes- oder Reichsmufeen. Die Mineralienhändler waren nur in der öfterreichifchen und deutfchen Unterrichtsausftellung vertreten. Ihr Lager beftand theils aus einzelnen Schauftücken und Proben, theils aus zufammenhängenden, fyftematifch für eine beſtimmte Stufe des Unterrichtes zufammengeftellten Schulfammlungen. Unter den öfterreichifchen Ausftellern diefer Art war G. A. Lenoir aus Wien in der Gruppe XIV( wiffenfchaftliche Inftrumente) untergebracht, wefshalb feine fchöne Expofition, die aus Seltenheiten und fchön kryftallifirten Stücken beftand, leicht überfehen wurde. Dr. L. Eger aus Wien ftellte zumeift gröfsere Prachtftücke aus, wie: gefchliffene Doppelfpathe, grofse Kryftalle von Epidot, Dioptas, Schwefel, grofse Meteorfteine und dergl. V. Frič aus Prag hatte nebft den bereits erwähnten Nachbildungen von Edelſteinen, Foraminiferen und fo fort befonders mehrere kleinere und gröfsere, für bestimmte Stufen des Unterrichtes abgegrenzte mineralogifche und geognoftifche Schulfammlungen für Lehranstalten und Schüler zur Ausftellung gebracht. In erfreulicher Weife ift dadurch für die Befchaffung der Lehrbehelfe beim mineralogifchen Unterricht in Oefterreich durch die genannten drei Firmen, welche übrigens nach Wunfch beliebige Zufammenftellungen von mineralogifchen, geolo gifchen und paläontologifchen Sammlungen und ebenfo die Nebenbehelfe, wie Kryftallmodelle, Nachbildungen, Härtefcala und dergl. beforgen, Rechnung getragen. Auck J. Erber, Naturalienhändler aus Wien, hat eine mineralogifche Abtheilung feines Lagers eröffnet und bietet gleichfalls Gelegenheit zum Ankauf der hieher gehörigen Lehrmittel. Im deutfchen Unterrichtspavillon hatte C. F. Pech, Mineralienhändler aus Berlin, lofe Kryftalle, Dünnfchliffe von Felsarten und Mineralien kleineren Formats und die Bergakademifche Mineralienniederlage zu Freiburg in Sachfen Mineralien, Gefteine, Verfteinerungen, kleinere und gröfsere Schulfammlungen, Kryftallmodelle aus Pappe und dergleichen ausgeftellt. Doch liefs letztere in der Formatifirung und Adjuftirung der Stücke Manches zu wünfchen übrig. Manche renommirte Mineralien und Naturalienhandlung Deutfchlands, wie Dr. A. Krantz' Mineralien comptoir in Bonn, war auf der Weltausftellung leider nicht vertreten. Die hieher gehörigen Mufe alfammlungen fanden ihre vorzügliche Vertretung nur in Oefterreich, da fchon die Schwierigkeit des Transportes Zufendungen gröfserer Sammlungen aus weiter Ferne verhinderte und gerade in Oefterreich das Studium der Naturgefchichte an Lehranstalten durch zahlreiche gut eingerichtete Schul-, Privat- und öffentliche Mufeen gefördert wird. Unter den eigentlichen Schulmufeen ift die mineralogifch- geologifche Sammlung des Leopoldftädter Communal, Real- und Obergymnasiums in Wien hervorzuheben. Diefe Anftalt ftellte ihre Sammlungen in einem zerlegbaren Mineralien- Pultkaften aus, der nach Bedarf und Raumverhältniffen als freiftehender Doppel- Pultkaften oder wie hier in der Ausftellung als ein doppelter Wandkaften benützt werden kann und felbft Ausftellungsgegenftand war. Die in den Unterkäften befindlichen Schubläden haben die Einrichtung, dafs fie in ähnlichen Pulten in den Schulzimmern unter Glas aufgeftellt werden können, wodurch es möglich ift, die forgfältig zufammengeftellte und etiquettirte Schulfammlung längere Zeit den Schülern zur Anfchauung zu bringen. In den Pulten waren Kryftallmodelle aus Birnbaumholz, künftliche und natürliche Edelſteine und der, Boden von Wien", eine geologifche Sammlung aus der Umgebung von Wien ausgeftellt. Die Unterkäften enthielten eine mineralogifche Schulfammlung für Untergymnafien, als Belegftücke zu A. Pokorny's illuftrirter Naturgefchichte des Mineralreiches Naturgefchichtliche Lehrmittel. 19 ( 572 Nummern), eine terminologifche Mineralienfammlung für das Obergymnafium nach C. Naumann( 240 Nummern) und eine geognoftifch- paläontologifche Sammlung für das Obergymnafium( 260 Nummern). Hiedurch war der ganze mineralogifch geologifche Lehrapparat für ein öfterreichifches Gymnafium zur Anfchauung gebracht. Die öfterreichifch- ungarifche Unterrichtsausftellung enthielt aber auch aus den Privatmufeen von Profefforen vorzügliche Proben von inftructiven Sammlungen für den höheren Unterricht in der Mineralogie, Geologie und Paläontologie. Profeffor R. Niemtfchik in Wien brachte feine reichhaltige Sammlung natürlicher Kryftalle zur Anfchauung. Diefe mehrere taufend Stücke umfaffende Sammlung ift fehr überfichtlich in Glaskäftchen auf Wachsftäbchen nach dem Formate gruppirt und umfafst fehr viele kryftallographifche Seltenheiten und Merkwürdigkeiten. Profeffor J. Niedzwiedzki aus Krakau hat für die Mittelfchulen eine Sammlung von Mineralien zufammengeftellt, die in Oefterreich häufig oder in grofsen Maffen vorkommen. Die Auswahl diefer Stücke, das fchöne Format und das inftructive Ausfehen derfelben zeigt von dem Verftändniffe, mit welchem diefe Sammlung( 180 Stücke) aus öfterreichifchen Fundorten zufamm engebracht wurde. Profeffor A. Makowsky aus Brünn trat mit einer geognoftifchen Sammlung auf, welche die Gefteine Mährens in terminologifcher Anordnung umfafste. Diefe Anwendung hat den grofsen Vortheil, dafs der Schüler nebft dem Namen zugleich die hervorragendften Eigenfchaften des Gefteines nach feiner Synthefe, allgemeinen Structur, Textur und Genefis erfährt. Die Stücke felbft liefsen durch das grofse, gleiche Format und den frifchen Bruch, die genaue Bezeichnung des Vorkommens, der Formation und Nomenclatur nichts zu wünfchen übrig. Eine ähnliche fehr verdienftliche und inftructive geognoftifche Specialfammlung war die des Profeffor Dr. J. Szabó aus Budapeft über die ungarifchen Trachyte, welche hier nach einem natürlichen Syfteme fehr überfichtlich in ausgewählten Stücken zufammengeftellt waren. Endlich hat Profeffor C. Freiherr von Ettingshaufen aus Graz eine fehr bemerkenswerthe pflanzen paläontologifche Ausftellung zur Demonftration des gemeinfchaftlichen Urfprunges der Floren der Erde vorgeführt. Während früher die Tertiärpflanzen als vorwiegend nordamerikaniſche Pflanzenformen erklärt und beftimmt wurden, und erft fpäter, und zwar zuerft durch Ettingshaufen der neuholländifche Charakter einzelner Tertiärfloren nachgewiefen wurde, waren hier unbeftreitbare Belegftücke von dem Vorhandenfein tropifcher( afiatifcher und afrikanifcher), europäiſcher, neuholländifcher und nordamerikaniſcher Pflan zentypen aus der Tertiärzeit Mitteleuropas und fpeciell Oefterreichs ausgeftellt, und dadurch der Beweis von dem gleichzeitigen Vorkommen der in der Jetzwelt getrennten Hauptfloren der Erde zur Tertiärzeit geliefert. Aeufserft wirkfam wurden hiebei die mit grofser Sorgfalt ausgewählten foffilen Pflanzen durch die Blätterabdrücke recenter Pflanzen in Naturfelbftdruck erläutert. Eine der grofsartigften mineralogifch- geologifchen Ausftellungen war die der k. k. geologifchen Reichsanftalt in Wien. Die wiffenfchaftliche Seite diefes Inftitutes war hauptfächlich durch Karten und Druckfchriften, die praktiſche Seite desfelben durch grofsartige Sammlungen der nutzbaren Producte des Mineralreiches in Oefterreich vertreten. Was aber hier bei Befprechung der Mufeal- Sammlungen am meiften hervorgehoben zu werden verdient, war die in ihrer Art einzige, eben nur einem mit kaiferlicher Munificenz ausgeftatteten und mit der ganzen Autorität des Staates unterftützten Inftitute mögliche Sammlung von Prachtftücken foffiler Pflanzen und Thiere, welche in einem freiftehenden Mittelfchranke die Collectiv- Ausstellung des öfterreichifchen Unterrichtsminifteriums zierten. Von Landesmufeen war das naturhiftorifche Landesmufeum Kärntens durch Aufftellung feiner reichen mineralogifchen Sammlung im Pavillon der Kärntner Montaninduftrie glänzend vertreten. 20 Dr. Alois Pokorny. Bei der Unmöglichkeit, die mineralogifchen und geologifchen Schätze der I. Gruppe nur einigermafsen eingehend von ihrer didaktifchen Seite würdigen zu können, mögen unter der Fülle des Gebotenen nur einige Beiſpiele zum Schluffe hier kurz angeführt werden, als die Ausftellung der Berg- und Hüttenproducte, der k. k. Montanwerke( Idria, Brixlegg, Joachimsthal, Raibl, Swoszowice, Příbram, Häring, Klaufen, Spital) und der öfterreichifchen Salinen im Pavillon des k. k. Ackerbauminifteriums; die prachtvolle Ausftellung der Stafs further Steinund Kalifalze im deutfchen Montan- Pavillon( gegenwärtig dem k. k. Hof- Mineraliencabinet in Wien bleibend einverleibt); die Mineralfchätze der englifchen Colonien, darunter die Cap- Diamanten, die Goldvorkommen von Queensland und Victoria, die Mineralien des neufeeländifchen Colonial- Muſeums; das Salzvorkommen aus den Punjab in Oftindien; die Ausftellungen von Brafilien, Spanien, der Türkei, darunter die paläontologifchen und geognoftifchen Sammlungen von Dr. und Madame Abdullah Bey, von Griechenland, Japan u. f. f. Botanifche Sammlungen. Gegenüber den fo zahlreichen und reichhaltigen mineralogifchen Sammlungen waren die botanifchen für die mittlere und höhere Stufe des Unterrichtes auf der Weltausftellung, wie es in der Natur der Sache liegt, minder vertreten. Eigentliche Pflanzenfammlungen oder Herbarien eignen fich wenig zur Schauftellung und die Schule und der Unterricht benützen mit Vorliebe und mit Recht theils frifches Material, theils als Erfatz desfelben gute Abbildungen und Modelle. Nichtsdeftoweniger waren auf der Weltausftellung auch Herbarien von hohem didaktifchen und wiffenfchaftlichem Intereffe, vor allem. aber auch in den Ausftellungen der II. Gruppe( Forft- und Landwirthfchaft) ein immenfes botanifches Material von Hölzern, Früchten, Droguen und dergl. aufgefpeichert. Endlich haben die temporären internationalen Ausftellungen lebender Pflanzen, fowie die ftabilen Gartenanlagen ein nicht weniger ergiebiges Feld für den Botaniker geliefert, deffen didaktiſch wichtige Seite wohl im Allgemeinen zu wenig gewürdigt und wegen Kürze der Zeit auch nicht genügend ausgebeutet worden fein dürfte. Von eigentlichen Schul- und Mufeal- Sammlungen brachte auch auf diefem Gebiete die öfterreichifche und deutfche Unterrichtsausftellung das Meifte; doch waren auch fehr brauchbare und lehrreiche Herbarien von der Schweiz, von Italien, Schweden und den überfeeifchen Ländern ausgeftellt. Unter den Kryptogamen- Sammlungen ift zunächt die Algenfammlung von E. Leveling aus Wien zu erwähnen. Diefelbe umfafst die Algen des adriatifchen Meeres in 20 Tableaux, unter Glas auf einem Stativ drehbar aufgeftellt. Die Präparation diefer Algen zeigt infofern einen Fortfchritt, als diefelben nicht wie gewöhnlich auf dünnem Papier, fondern auf Cartons aufgezogen find, was feine entfchiedenen Vortheile hat. Das werthvolle Lichenen- Herbar des verftorbenen Profeffors A. Maffalongo( Lichenes veneti rariores, herausgegeben von M. Anzi) war in der weftlichen Agriculturhalle in leider wenig geeigneter Weife zur Anficht ausgeftellt. Weit zweckmäfsiger waren dagegen die Clado niae auftriacae von Dr. S. Poetfch aus Kremsmünfter in zwei Foliobänden eingerichtet. Jedes Blatt diefes Flechtenherbars hatte einen dicken Rahmen, wie in einem Photographie- Album, wodurch die Flechten vor Druck und vor dem Eindringen des Staubes bewahrt blieben, eine Methode, die fich für ähnliche Sammlungen fehr bewähren dürfte. - E. de Thuemen Fungi auftriaci exficcati lagen als Verlagsartikel der Firma S. Calvary( Berlin) in der Ausftellung der deutfchen Buchhändler auf und dürften defshalb vielfach überfehen worden fein. Eine andere Pilzfammlung, hauptfächlich gut getrocknete Durchfchnitte gröfserer Pilze enthaltend, von Dr. Bolla aus Prefsburg, waren theils in der Ausftellung des öfterreichifchen Apothekervereines, theils in der ungarifchen Unterrichtsausftellung zu fehen. Naturgefchichtliche Lehrmittel. - 21 J. Dietrich aus Jena ftellte im deutfchen Unterrichtspavillon deutfche Laub- und Leber- Moofe aus. Madame Abdullah Bey hatte ihre bemerkenswerthe, fchon bei der Parifer Ausftellung 1867 prämiirte Sammlung von Algen, Flechten und Moofen in 25 Tableaux in der türkifchen Unterrichtsabtheilung zur Anfchauung gebracht. Von Phanerogamen Sammlungen waren einzelne eigens zu Unter richtszwecken präparirt und verdienen defshalb hier in erfter Linie genannt zu werden. R. Beranek aus Wien brachte eine terminologifche Sammlung plaftifch getrockneter Pflanzen für Mittelfchulen. Auf einem Stativ waren in Tableaux unter Glas die wichtigften Formen der Pflanzenorgane( Wurzeln, Stengel, Blätter, Blüthen, Früchte) übersichtlich zufammengeftellt. Die Pflanzen wurden in heifsem Sand getrocknet und dann ftark gummirt, fo dafs fie ihre plaftifchen Formen mitunter fehr gut erhielten. Eine befonders nachahmenswerthe Erfcheinung war das Schulherbar des Profeffors Menzel aus Zürich, welches Pflanzen- Analyfen auf Duodezblättchen unter Glas enthielt, und dadurch im kleinften Raum ein vortreffliches Material zur fyftematifchen Botanik darbot. Auf jedem Blättchen befand fich eine Species mit den bezüglichen Blüthen und Frucht- Analyfen im natürlich getrockneten Zuftande. Es ift begreiflich, dafs man diefe fehr praktifche Idee auf verfchiedene Weife modificirt beim Unterricht anwenden kann. Ein Hauptvorzug diefer Präpaparate ift, dafs fie felbft eine Unterfuchung mit der Lupe geftatten und gegen Befchädigung vollkommen gefchützt find. Die k. k. zoologifch- botanifche Gefellfchaft in Wien hat nebft dem bereits erwähnten Lichenen- Herbar von Dr. Poetfch noch drei botanifche Special- Sammlungen ihrer Mitglieder zur Anficht ausgeftellt, wobei jede diefer Sammlungen eine befondere didaktifche Richtung verfolgt. E. Berroyer aus Wien brachte nämlich in zwei Bänden die Giftpflanzen der niederösterreichifchen Flora und fuchte das Inftructive der gut getrockneten und ausgewählten Pflanzen- Exemplare durch gezeichnete Analyfen und durch paffende Notizen zu erhöhen. E. Woroszczak aus Wien brachte in Form eines Herbars in zwei Bänden die Holzorgane der niederöfterreichifchen Holzpflanzen zur Anfchauung. Diefs wurde dadurch ermöglicht, dafs von den drei Hauptfchnitten des Stammes( Querfchnitt, Längsfchnitt parallel den Markftrahlen, Längsfchnitt fenkrecht auf die Richtung der Markftrahlen) 3 bis 4 Millimeter dicke Proben, ferner Rindenftücke Zweige mit Knofpen und dergl. auf einen Herbariumbogen aufgeklebt waren. Die Ränder der Bogen waren wie in den Photographie- Albums hinreichend dick, um die aufgeklebten Objecte vor Druck und Staub zu fchützen Dr. A. Pokorny aus Wien brachte endlich die Blattorgane der Holzpflanzen des öfterreichischen Kaiferftaates in einem eigenen Herbar zur Anfchauung. Das Herbar enthielt im kleinften Raume eine vollſtändige Sammlung der Blätter aller 520 im Kaiferthume Oefterreich wildwachfenden oder häufiger cultivirten Bäume, Sträucher und Halbfträucher. Die ausgeftellten Blätter waren zugleich die Originalexemplare der in dem Werke des Ausftellers Oefterreichs Holzpflanzen, Wien 1864" enthaltenen 1640 Blattabdrücke in Naturdruck und erhielten erft durch das beiliegende Werk ihre volle Bedeutung. 99 Die Gruppe XXVI der öfterreichifchen Ausftellung enthielt noch einige Herbare, unter denen das umfangreichfte von V. Plemel, Caplan in Karner- Vellach in Krain mit 30.000 Exemplaren herrührte. Dasfelbe enthielt die Pflanzen nicht in fyftematifcher Reihenfolge, fondern nach Excurfionen und Gebirgsftöcken, wodurch es zugleich ein gewiffes geographifches Intereffe gewann. Dr. Helfer aus Wien brachte die öfterreichifchen Medicinalpflanzen in einem fehr luxuriös eingerichteten Kaften zur Anfchauung, ohne dafs die Art der Aufftellung, einzelnen oder wenigen Arten ein befonderes Querfach zu widmen, wegen ihrer Koftfpieligkeit und wegen des geringen Nutzens fich fehr empfehlen würde. 22 Dr. Alois Pokorny. Die anderen Herbarien der Weltausftellung verfolgten meift fpecielle praktifche, meift land- und forftwirthschaftliche Richtungen, wie das in der weftlichen Agriculturhalle vom k. italienifchen Ackerbau- Minifterium ausgeftellte Erbario foreftale, die Pflanzenfammlungen im fürftlich Schwarzenberg'fchen Pavillon und dergl.; theils dienten fie zur Illuftration der Bodenerzeugniffe ferner Länder, wie die Herbarien der englifchen und franzöfifchen Colonien. Egyptens, Japans. Auch Schweden und Griechenland haben bemerkenswerthe Herbarien ausgeftellt. Die gröfsten botanifchen Schätze der Weltausftellung waren jedoch, wie fchon Eingangs erwähnt wurde, in den pflanzlichen Rohproducten aller Länder ausgeftellt. Wenn auch hier in erfter Linie die Verwendbarkeit zur Vorführung derfelben beftimmend war, fo dürfte wohl kaum je eine fo bedeutende Anzahl der verfchiedenartigften techniſch- wichtigen Pflanzen an Einem Punkte der Erde vereinigt gewefen fein, als auf der Wiener Weltausftellung. Die Vereinigung diefer Schätze zu einem ftabilen Centralmuſeum wäre allein im Stande gewefen, die wiffenfchaftliche Seite diefes immenſen Materiales gehörig auszubeuten. Manches davon, was öfterreichifchen Schulen und wiffenfchaftlichen Inftituten zugute kam, wird gewifs noch in Zukunft belehrend und fördernd wirken. Einzelne der ausgeftellten Collectionen wirkten unmittelbar durch die Reichhaltigkeit und Merkwürdigkeit ihrer Producte und die Zweckmäfsigkeit der Aufftellung, wie z. B. die Trophäe von Rohproducten aus den oftindifchen Colonien der niederländifchen Handelsfocietät in Amfterdam oder die Ausftellung des ColonialMuſeums aus Liffabon in der weftlichen Agriculturhalle, welches unter Anderem das gröfste Pflanzenwunder Afrikas, die Welwitfchia mirabilis, in mehreren Exemplaren vorführte; oder die egyptifche Ausftellung, welche die ganze Ueppigkeit der fubtropifchen Vegetation des Landes durch eine gute Auswahl von Stäm men, Blüthen und Fruchtſtänden, riefenhaften Blättern und dergl. zur Geltung brachte. Von Riefenbäumen, diefen effectvollen Ausftellungsgegenständen, lieferte die öfterreichifch- ungarifche Forftausftellung an Querfchnitten fowohl, wie an 140 Fufs langen Stämmen, deren einzelne, wie die Maftbäume vor dem Pavillon des Ackerbauminifteriums, in die Lüfte emporragten, anfehnliche Repräfentanten der einheimifchen Vegetation. Von exotifchen Riefenbäumen war wohl die von der brafilianifchen Regierung in der Nähe des Palais des Vicekönigs von Egypten im Freien aufgerichtete Araucaria excelfa das hervorragendfte Beiſpiel. Die Nordamerikaner haben diefsmal von ihren californifchen Mammuthsbäumen, den riefigen Sequoien, nur Photographien eingefendet( ,, the grizzly giant" mit 101 Fufs Umfang und 35 Fufs Durchmeffer), doch verbieten hier der Raum und die Abgrenzung des vorliegenden Berichtes, in eine nähere Betrachtung des botanifchen Materials der Weltausftellung an Holzarten, Früchten, Fafer- und Farbftoffen, Harzen, Droguen( z. B. die reichhaltige Ausstellung der Chinarinden des öfterreichifchen Apothekervereines in Wien und der fo merkwürdigen Expofition der Cinchonen auf Java) und dergl. einzugehen. Ebenfo kann den lebenden botanifchen Schätzen der Weltausftellung nur eine kurze flüchtige Ueberfchau gefchenkt werden. Als dem eigentlich naturgefchichtlichen Unterrichte, wenngleich nicht ausfchliefslich, gewidmet, verdient hier in erster Linie der Volksfchulgarten der öfterreichifchen Mufterfchule auf dem Weltausstellungsplatze genannt zu werden. Derfelbe verdankt feine Entstehung dem Comité der Schulfreunde, insbefondere dem eifrigen Vorkämpfer für zweckmäfsige Volksfchulen und Schulgärten Dr. E. Schwab in Wien. Ueber die Einrichtung und den Zweck des Gartens geben die von Dr. Schwab verfafsten Brofchüren:„ Die öfterreichifche Mufterfchule für Landgemeinden auf dem Weltausftellungsplatz" und" Der Volksfchulgarten. Wien, bei Hölzel 1873" nähere Auffchlüffe. Der Referent kann nicht umhin, hinzuzufügen, dafs ebenfo erfpriefslich und nothwendig, wie für die Volksfchule der Volksfchulgarten und für die Hochfchule der botanifche Garten, auch für die Mittelfchule eine Naturgefchichtliche Lehrmittel. 23 Gartenanlage im Intereffe des Unterrichtes wie in fanitärer und pädagogifcher Beziehung ift. Nur wenige Mittelfchulen, namentlich in Städten, werden diefen Vortheil geniessen. Dafs die Sache aber möglich und durchführbar ift, zeigt unter Anderem der bereits erwähnte Plan des botanifchen Gartens der vereinigten Mittelfchulen in Feldkirch, der in der öfterreichifchen Unterrichtsausftellung auflag. Die Ausftellung bot felbft hie und da Gelegenheit, lebende Pflanzen zu fehen, wie die mit Früchten beladenen Bananen in der marokkanifchen Abtheilung, die pflanzenphyfiologifchen Verfuche der landwirthschaftlichen Schulen, die forft. wirthschaftlichen Anpflanzungen in der Umgebung des Pavillons des Fürften Schwarzenberg und des k. k. Ackerbauminifteriums und dergl. Sehr reich an intereffanten füdlichen Pflanzenformen war die Umgebung des Pavillons des Fürften von Monaco, darunter zwei koloffale Agaven mit Blüthenfchäften. Die temporären internationalen Ausftellungen der Gartenbau- Gefellſchaft brachten eine Fülle der feltenften, merkwürdigften und verfchiedenartigften lebenden Pflanzen auf den Weltausftellungsplatz; aber auch die ftabilen Pflanzengruppen namentlich in der Nähe des Kaiferpavillons, im Hofraume des Pavillons für den deutfchen Kaifer, in der Mitte des Raumes zwifchen der Rotunde und der Mafchinenhalle, fowie vor der Kunfthalle waren für die Pflanzenfreunde, fowie für den Forfcher von hohem belehrenden Intereffe. Sammlungen für Zoologie und verwandte Fächer. Die hieher gehörigen Objecte laffen fich in vier Hauptgruppen fondern, nämlich in verkäufliche Sammlungen der Naturalienhändler, in Sammlungen der Schul-, Privat- und öffentlichen Mufeen, in Ausstellungen zoologifcher Objecte verfchiedenen Urfprunges und Zweckes, endlich in Ausftellungen lebender Thiere. Anhangsweife follen noch die anatomifchen und mikrofkopifchen Präparate kurz befprochen werden. Unter den öfterreichifchen Naturalienhändlern haben J. Erber und Dr. L. Eger aus Wien und V. Frič aus Prag Proben ihres Lagers an Bälgen, Skeleten und Weingeift- Präparaten zur Anficht gebracht. Unter den Ausftellungsobjecten von J. Erber find befonders die fehr fein und nett von Fräulein Caroline Hammer präparirten Skelete und unter den Weingeift- Präparaten die Amphibien hervorzuheben. Auch führt diefe Naturalienhandlung ein grofses Lager von Infecten, Spinnen, Conchylien und niederen Thieren für gröfsere Mufeen und Specialfammlungen. Befonderes Auffehen erregten trockene Krabbenpräparate mit beweglichen Gelenken Dr. J. Eger führte mehrere grofse fchöne Skelete und gut geftopfte Bälge, Vogeleier und dergl. vor. V. Frič hat befonders inftructive und fchöne Weingeift- Präparate niederer Thiere, exotifche Infecten, kleine Schulfammlungen von Infecten und dergl. ausgeftellt. Durch diefe drei renommirten Naturalienhandlungen, welche den weitaus gröfsten Theil der öfterreichifchen Schulen mit Naturobjecten verforgen, wird der naturgefchichtliche Unterricht in Oefterreich wefentlich gefördert.- Von kleineren verkäuflichen Sammlungen. aus Oefterreich find die Ausftellungen von J. Dorfinger& Sohn aus Salmannsdorf bei Wien( Schmetterlinge und Raupen) und von Temifto cle Azzolini aus Roveredo( ausgeftopfte Thierbälge) zu erwähnen. In der deutfchen Unterrichtsausftellung war das Lager von Dr. L. W. Schaufufs( fonft E. Klocke) in Dresden das reichhaltigfte. Es umfafste gleichfalls geftopfte Bälge, Skelete, Weingeift- Präparate, kleine Sammlungen von Infecten, Conchylien und Korallen, fowie die bereits früher erwähnten Modelle. Zu den vorzüglichften Expofitionen diefer Art gehörten aber die wenigen, jedoch ausgewählten Stücke von Edward Gerard aus London in der englifchen Unterrichtsausftellung. Balg und Skelet eines Orang- Utangs, der Balg von Propythecus Edwarfii aus Madagascar, die zerlegten Schädel von Python, Morrhua, Chelonia, Ovis und dergl. waren ebenfo vorzüglich präparirt, als tadello's erhalten. Unter den Schul- und Privatmufeen für Zoologie hat das Leopoldstädter Communal, Real- und Ober- Gymnafium in Wien nebft mannigfaltigen. 24 Dr. Alois Pokorny. Proben feiner zoologifchen Sammlungen( Bälgen, Skeleten, Weingeiftpräparaten, Schauftücken von Krebfen, Würmern, Conchylien, Korallen, Wefpenneſtern und dergl.) einen Glasfchrank dazu als Ausftellungsgegenstand vorgeführt. Diefer Glasfchrank hat nur die Rückwand aus Holz und bewegliche Fächer von ungleicher Breite. Diefs und die handfamen Dimenfionen geftatten die Unterbringung und bequeme Benützung einer möglichft grofsen Menge der mannigfaltigften Objecte im kleinften Raume. Auch die Rofsauer Communal- Oberrealfchule in Wien hat aus ihren reichen Lehrmittel- Sammlungen nebft zahlreichen inftructiven zoologifchen Modellen und mikrofkopifchen Präparaten noch entomologifche Objecte ausgeftellt, unter denen zwei Tableaux von Hymenopteren durch die forgfältige Auswahl, fchöne Präparation und Aufftellung, fowie durch richtige Beftimmungen fich auszeichneten. Eine eigenthümliche und fehr lehrreiche Sammlung zoologifch- biologifcher Präparate war die des Profeffors Dr. H. Landois aus Münfter im deutfchen Unterrichtspavillon. Diefe für den Unterricht an Gymnafien und Realfchulen fpeciell angefertigten Präparate follen zugleich die Lebensweife des Thieres veranfchaulichen, find daher mit einer paffenden Umgebung verfehen und ftellen die Thiere in verfchiedenen Lebensmomenten dar. Man fieht beifpielsweife in einem Tableau Fledermäufe fliegend, fchlafend und fäugend; in anderen Tableaux Kröten, Grillen, Heufchrecken, Todtengräber( Necrophorus vefpillo), Mordwefpen und dergl. mit ihren Verwandlungsftufen und in ihrer charakteriftifchen Lebensweife. Ein fehr beliebter Gegenftand folcher Zufammenftellungen ift die Seidenzucht und es fehlte auch für die mittlere Stufe des Unterrichtes nicht an guten Sammlungen diefer Art. So brachte Profeffor Pichler von der Linzer Oberrealfchule ein Tableau der oberöfterreichifchen Seidenfchmetterlinge( Attacus lunula, Antherea Yama- mai und Perenyi, Bombyx mori). Vortreffliche hieher gehörige Sammlungen waren unter Anderem auch in der weftlichen Agriculturhalle zu fehen, worunter die Ausstellungen des Profeffors Aleffandro Brizzolari aus Arezzo ( Monografia del Saturnia Yama- mai) und des Dr. Ritter Angelo Maeftri aus Pavia als befonders belehrend hervorzuheben find. Die Sammlung des Letzteren erftreckte fich auch auf andere nützliche und fchädliche Infecten. Unter den zoologifchen Privatfammlungen aus Oefterreich ift eine Sammlung galizifcher Spinnen von L. Weigel in Lemberg und die grofse Arachnidenfammlung von Dr. G. Böckh aus Prefsburg in fechs Doppelkäften( letztere in der ungarifchen Abtheilung) hervorzuheben. Von hohem wiffenfchaftlichen Intereffe und durch Seltenheit und Reichhaltigkeit ausgezeichnet waren die Sammlungen des Profeffors Dr. Guftav Mayr aus Wien. Die eine umfafste in fieben grofsen Schauläden nicht weniger als 168 Arten europäiſcher, afiatifcher und nordamerikanifcher Eichengallen mit ihren Erzeugern und Einmiethlern. Die zweite Sammlung, ebenfalls einzig in ihrer Art, enthielt 98 auf Objectträger befeftigte baltifche Bernſteine mit Ameifen- Einfchlüffen. Beide Sammlungen find um fo werthvoller, als fie die typifchen Exemplare zu den betreffenden Monographien des Ausftellers. enthalten. Die k. k. zoologifch botanifche Gefellfchaft in Wien brachte die Gattungen der niederöfterreichifchen Infectenfauna in einer fehr überfichtlichen und vollſtändigen Weife zur Anfchauung. Eine der fchönften Privatfammlungen war ferner die Conchylienfammlung von Robert Damon aus Weymouth in der englifchen Unterrichtsabtheilung. Diefe Sammlung enthielt in den auserlefenften, durch frifche und fchöne Färbung ausgezeichneten Exemplaren die Typen der Genera neuentdeckter Mollusken. Auch in der Schweizer- Unterrichtsabtheilung war eine fehr bemerkenswerthe Privatfammlung von J. Boll, Naturforfcher in Bremgarten in Aargau, zu fehen, der europäiſche und nordamerikaniſche Mikrolepidopteren in ihren verfchiedenen Entwicklungsperioden zum Studium comparativer Entomologie vorführte. Naturgefchichtliche Lehrmittel. 25 Zahlreich waren die Ausftellungen landwirthschaftlich und forftwirthschaftlich nützlicher und fchädlicher Thiere. Um nur einige der hervorragendften zu nennen, möge hier der zoologifchen Objecte im fürftlich Schwarzenbergfchen Pavillon, der k. k. privilegirten öfterreichifchen Staatseifen bahn Gefellfchaft, der Forftakademie zu Neuftadt- Eberswalde in Preufsen, der land- und fortwirthschaftlichen Collectivausftellung des Königreiches Böhmen u. f. f. gedacht werden. In Bezug auf Infecteníammlungen wurden jedoch alle diefe Expofitionen weit von der Ausstellung Seiner kaiferlichen Hoheit, Erzherzog Albrecht, in der öftlichen Agriculturhalle übertroffen. Hier war nämlich die in ihrer Art einzige entomologifch- biologifche Sammlung fchädlicher und nützlicher Infecten mit befonderer Rückficht auf Land- und Forstwirthfchaft von Friedrich A. Wachtl ausgeftellt, eine Sammlung, die fchon durch ihren Umfang, vor allem aber durch die Reichhaltigkeit und Auswahl der Objecte, ihre unvergleichlich fchöne Präparirung, das Inftructive der Metamorphofen, Aufenthaltsorte und Frafsftücke, fowie die Eleganz der Ausstattung imponirte. Das grofsartigfte zoologifche Muſeum der Weltausftellung war im Pavillon der öfterreichifchen Handelsmarine zu fehen. Hier hatte die k. k. Seebehörde und das Mufeo civico in Trieft die Nutzproducte des adriatifchen Meeres und ihre Feinde in äufserft vollſtändiger und wirkfamer Weife zur Anfchauung gebracht. Dadurch, dafs diefe Thiere insgefammt trocken, in grofser Menge und frei ausgeftellt waren, gewann die ganze Sammlung ein hohes, belehrendes Intereffe für das Publicum, während einzelne Vorkommniffe und Alterszuftände auch den Fachmann befriedigen mussten. Selbſtverſtändlich waren die Fifche, von den riefigen Haififchen bis zu den winzigen Sardinen, in guten geftopften Exemplaren vorwiegend vertreten; aber nicht weniger auffallend waren die grofsen und kleinen Krufter, die Kopffüfsler, die Schnecken, Mufcheln, Polypen und Radiaten des Meeres; fchon durch ihre Maffe, durch den eigenthümlichen localen Charakter der Meeresfauna, den diefe Sammlung fo fchlagend zum Ausdrucke brachte, wurde fie zu einem grofsen Anziehungspunkte der Ausftellung, befonders für die zahlreichen Befucher derfelben, die noch nie Gelegenheit hatten, einen Fifchplatz in einer Hafenftadt zu befuchen. Noch wäre hier das immenfe zoologifche Material, welches die Weltausftellung zerstreut in einzelnen Gruppen darbot, näher zu betrachten Wie bei den botanifchen Objecten ift es auch hier wegen Fülle des Stoffes ganz unthunlich, ins Detail einzugehen und es mögen einige beiſpielsweife Anführungen genügen, um die Reichhaltigkeit der Weltausftellung in diefer Richtung einigermafsen darzulegen. Die gröfste Menge zoologifcher Objecte war theils in der II. Gruppe ( Land- und Forftwirthfchaft), theils in den Natur und Rohproducten ferner Länder und Colonien enthalten. Die II. Gruppe führte Gegenftände der Viehzucht, der Jagd und Fifcherei vor. Durch Einbeziehung der land- und forftwirthfchaftlich nützlichen und fchädlichen Thiere wurde Gelegenheit zu kleineren und gröfseren Sammlungen geboten, wie deren einzelne bereits angeführt wurden. Gröfsere Sammlungen von Nutzproducten des Fifchfanges enthielt noch der norwegifche und nordamerikaniſche Fifchereipavillon. Pelzthiere und Charakterthiere waren in einzelnen Exemplaren mitunter in fehr natürlicher und effectvoller Haltung und Gruppirung in den verfchiedenften Theilen der Ausftellung zu finden. Am meisten zoologifche Ausbeute boten aber ferne Länder: Brafilien mit feiner glänzenden, bunten Vogel- und Infectenwelt und dem darauf fich gründenden originellen Feder- und Käferfchmuck; Indien mit den Jagdtrophäen feines Grofswildes; das Capland mit feinen Straufsenfedern, Büffelhörnern, Nashörnern, Elephantenzähnen und Giraffenknochen; endlich Auftralien und Neufeeland mit der ganzen Eigenthümlichkeit feiner Thierwelt. Als Glanzpunkt derfelben mufs die Ausftellung der Skelete der Riefenvögel( Moa) bezeichnet werden. Profeffor Dr. F. v. Hochftetter in Wien beforgte die Aufftellung diefer höchft feltenen 26 Dr. Alois Pokorny. und werthvollen, von D. J. Haaft, Director des Canterbury Mufeums zu Chriftechurch in Neufeeland eingefendeten Skelete dreier ausgeftorbenen Arten( Dinornis giganteus, D. elephantopus und D. ingens), gegen welche der jetzige neufeeländifche Kiwi oder Schnepfenftraufs( Apterix australis), der in zahlreichen Exemplaren vorhanden war, nur als ein winziger Epigone jener Riefengefchlechter erfcheint. Selbft lebende Thiere waren auf der Weltausftellung theils bleibend, theils temporär vertreten. So beherbergte die öfterreichifche Unterrichtsabtheilung eine lebende, von J. Erber ausgeftellte Tarantel; die italienifche Abtheilung ein Seewaffer- Aquarium mit Algen und Thieren, die aber bald zu Grunde gingen, die landwirthschaftliche Collectivausftellung Böhmens eine fehr intereffante Sammlung lebender Flufs- Perlmufcheln aus den böhmifchen Gewäffern. Fürft Schwarzenberg hatte vor feinem Pavillon lebende Biber und grofse Karpfen ausgeftellt; der Vicekönig von Egypten hielt Kameele, egyptifche Schafe und Ziegen und dergl. in den Stallungen feines Palaftes. Am grofsartigften waren aber die Schauftellungen der temporären internationalen Thierfchauen in den Adnexen des Weltausftellungs- Platzes. Bedenkt man noch, dafs in der nächften Nähe der Weltausftellung das Wiener Aquarium mit feinen reichen Schätzen an lebenden Thieren eröffnet wurde, fo bot in der That der Prater im Jahre 1873 ein überrafchend mannigfaltiges Schaufpiel des bunteften Thierlebens. Anhangsweife möge hier noch eine kurze Ueberficht der hervorragendften anatomifchen Präparate Platz finden, obgleich diefe vielfach das hier zu behandelnde Gebiet überfchreiten und verwandte, vorzüglich praktiſch- medicinifche und pathologiſche Richtungen berühren. Sowohl auf dem Gebiete der menfchlichen als auch auf dem der comparativen Anatomie haben fich aufser OefterreichUngarn faft nur Italien und Rufsland durch eigentliche Präparate betheiligt. Deutſchland und Frankreich lieferten auf diefen Gebieten nur Modelle. Was nun die Confervirungsmethoden der Weichtheile anlangt, wie fie an ganzen Leichen und bei einzelnen Organen verfucht wurden, fo find hier die berühmten Präparate der Profefforen L. Brunetti aus Padua und E. Marini aus Florenz in erfter Linie zu nennen, die erfteren durch Austrocknen in einem luftleeren Raume erzeugt und daher fchwammig aufgetrieben, trocken, leicht; die letzteren nach einer noch geheim gehaltenen Methode von frifchem, unverändertem Ausfehen und gefchmeidig. In der öfterreichifchen Unterrichtsabtheilung hat Dr. G. Jurié aus Wien Präparate der Harnblafe durch eine Löfung von Glycerin, Zucker und Salpeter confervirt und ebenfo Medianfchnitte des männlichen Beckens, welche urfprünglich in faft gefrorenem Zuftande des Cadavers gemacht und in Alkohol langfam aufgethaut wurden. Hieher gehören auch die makro- und mikrofkopifchen Durchfchnitte des Gehirns, wie fie von den Profefforen L. Teichmann aus Krakau und Woldemar Baetz aus Kiew( Rufsland) dargeftellt wurden. Ausgezeichnete Injectionspräparate haben geliefert: E. F. Trois, Confervator des königlichen Inftitutes in Venedig( Fifche, Amphibien etc.), aufserdem auch die öfterreichifchen Anatomen, wie Teichmann in Krakau, Lenhoffek in Budapeft und vor Allen J. Hyrtl in Wien. Die Ausftellung der Präparate J. Hyrtl's bildete einen Glanzpunkt in der öfterreichifchen Unterrichtsausftellung. Aufser 216 Capillargefäfs Injectionen brachte Hyrtl 24 menfchliche Placenten mit normalen und abnormen Gefäfsverhältniffen, ferner 57 Corroſionspräparate von bewunderungswürdiger Ausführung. Aufserdem lieferte Hyrtl noch 8 Tableaux Skeletpräparate, fämmtlich mit den natürlichen Bändern, von Ganoiden, Amphibien und Reptilien, fowie 2 Tableaux Gehörpräparate, von denen das eine die Labyrinthe des Menfchen und der Säugethiere, das andere die Gehörknöchelchen derfelben umfafste. Naturgefchichtliche Lehrmittel. 27 Unter den übrigen Ausftellern müffen noch als fehr bemerkenswerth befonders hervorgehoben werden: die Schädeldurchſchnitte( Nafenmufcheln) verfchiedener Säugethiere von Profeffor L. Teichmann, die Skeletpräparate des Profeffors Th. Margó aus Peft; die anatomifchen Präparate des normalen und pathologiſch afficirten Gehörorganes von Profeffor A. Politzer in Wien mit fehr inftructiven Apparaten zur phyfikalifchen Unterfuchung des Gehörorganes; und die dentiftifchen, äufserft lehrreichen Präparate des Dr. A. Z figmondy in Wien. An diefe grofsen anatomifchen Präparate fchliefsen fich die zahlreichen hiftologifch pathologiſchen mikrofkopifchen Präparate der Weltausstellung an. Es dürfte hier genügen, wenn darunter die Präparate des Profeffors Dr. Hefchl aus Graz, Dr. Barth aus Leipzig, Profeffor Dr. H. Krafinsky aus Moskau erwähnt werden. Wichtiger für den eigentlich zoologifchen, zum Theile felbft für den botanifchen Unterricht find jene mikrofkopifchen Präparate, welche eigens zu diefem Zwecke, namentlich zur Unterftützung des mittleren und höheren Unter richtes ausgegeben werden. Solche Präparate brachte die deutfche Unterrichtsausftellung in guter Auswahl. Das vorzügliche Inftitut für Mikrofkopie von J. D. Moeller aus Wedel in Holftein ftellte 800 mikrofkopifche Präparate zur Botanik, Zoologie und Geologie aus, darunter feine berühmte Typenplatte der Diatomaceen. Defsgleichen war auch das mikroskopifche Inftitut von C. Rodig in Hamburg mit einer reichen Auswahl von folchen Präparaten vertreten Leider bot die Weltausftellung keine Gelegenheit, diefe Präparate zu prüfen; wefshalb fo manche gute Leiftung auf diefem Gebiete unbekannt geblieben fein dürfte. Rückfchau. Ueberblickt man das in diefem Berichte behandelte immenfe Material, welches die Wiener Weltausftellung an naturgefchichtlichen Lehrmitteln darbot, fo wird dadurch der Wunfch rege, dafs dasfelbe nur auch in dem Mafse dem naturgefchichtlichen Unterrichte zugute käme, in welchem es dafelbft vorlag. In diefer Beziehung kann man fich aber nicht verhehlen, dafs aus Mangel einer gehörigen Organifation wohl nur ein geringer Theil diefes Materials feine wirkliche didaktifche Verwerthung findet. Es ift nämlich die Schulinduftrie, was naturgefchichtliche Lehrmittel anlangt, bei Weitem noch nicht fo weit vorgefchritten, wie es beifpielsweife bei den vérwandten chemifch- phyfikalifchen Lehrmitteln der Fall ift. Es find überhaupt nur die naturgefchichtlichen Abbildungen und Modelle Gegenftand einer eigenen Induftrie; gerade der wichtigfte Theil diefer Lehrmittel aber, die Naturalienfammlungen, werden durch einen noch wenig entwickelten Handelsverkehr vermittelt. Hiebei ift vor Allem noch die Unklarheit, die über die Ziele und den Umfang des naturgefchichtlichen Unterrichtes an den Schulen der meiften Länder fchwebt, die Urfache einer gleichen Unficherheit in dem Herbeifchaffen der geeigneten Lehrmittel. Es zeigt fich diefs fchon in den Bilderwerken und Modellen, obgleich diefe mit einem mehr präcifirten Plane gefchaffen werden; es zeigt fich diefs aber noch mehr an den Schulfammlungen, welche in der Regel mehr durch den Zufall, als durch eine auf ein beftimmtes Ziel gerichtete Abficht zu Stande gebracht werden, wefshalb denn auch naturgefchichtliche Schulfammlungen häufig viel unbrauchbares und überflüffiges Material enthalten. Diefs Alles kann nur fehr allmälig beffer werden, bis nämlich die Lehrziele des Unterrichtes auf den verfchiedenen Stufen desfelben allgemeiner feftgeftellt find und dadurch die Induftrie bewogen wird, paffende Lehrbehelfe zu fchaffen oder die nöthigen Naturkörper in guter Auswahl und Befchaffenheit zu beforgen, während diefs gegenwärtig gröfstentheils dem guten Willen und den Fähigkeiten des Lehrers überlaffen bleibt. Was aber die Stellung Oefterreichs zu diefer Induſtrie anlangt, fo geht aus der vergleichenden Ueberficht der naturgefchichtlichen Lehrmittel der verfchiedenen Länder zur Genüge hervor, dafs Oefterreich in Bezug auf die Samm 28 Dr. Alois Pokorny. Naturgefchichtliche Lehrmittel. lungen von Naturkörpern und den durch die Lehrer gefchaffenen Lehrapparat keineswegs anderen Culturvölkern nachfteht, dafs hingegen unfere Schulinduftrie in Bezug auf die künftlichen Lehrbehelfe, namentlich die Herbeifchaffung guter botanifcher und zoologifcher Modelle, namentlich mit Hinblick auf Deutſchland noch vieles zu wünfchen übrig läfst. Da gerade in Oefterreich der naturgefchichtliche Unterricht an den Schulen einer befonderen Pflege fich erfreut, fo hat die diefsbezügliche einheimifche Induftrie noch ein weites Gebiet der Fortentwicklung. Eine zweite Frage, die fich bei der Fülle von Roh- und Naturproducten an der Wiener Weltausftellung aufdrängt, ift die Verwerthung diefes zerftreuten und häufig geringgefchätzten Materiales nach der Weltausftellung zu Unterrichtszwecken. Abgefehen davon, dafs durch einzelne öfterreichifche Lehranstalten, Inftitute und Lehrer fchon während der Ausftellung theils durch Kauf, theils durch Widmung bedeutende Acquifitionen gemacht wurden, fo ift hier hauptfächlich jenes grofse naturgefchichtliche Material gemeint, welches nach der Ausftellung von den Ausftellern als werthlos zurückgelaffen oder ausdrücklich dem öfterreichifchen Unterricht gewidmet wurde. Es mufs als ein glücklicher Gedanke bezeichnet werden, dafs das k. k. Ackerbau- und Unterrichtsminifterium dergleichen Lehrmittel übernimmt und vor Verfchleppung fchützt, um fie fodann entweder zu einer Centralfammlung, einer permanenten Lehrmittelausstellung u. dgl. zu verwerthen oder an einzelne Inftitute und Lehranstalten, an denen fie die geeignete Würdigung finden, zu überlaffen. Wer die umfangreichen, zum Theile fehr werthvollen und fonft faft nicht zu erreichenden Acquifitionen überblickt, welche allein das k. k. Hof- Mineralien cabinet und die k. k. geologifche Reichsanftalt in Wien aus der Weltausftellung bezogen haben, mufs die bedeutende und bleibende Bereicherung unferer naturhiftorifchen Mufeen durch die Wiener Weltausftellung dankbar anerkennen. In diefer unmittelbaren Bereicherung unferer Muſeen aber und in den Anregungen, welche die einheimifche Induftrie auch auf diefem Gebiete durch die Weltausftellung zu fchöpfen Gelegenheit hatte, liegt ein Theil der fegensreichen Wirkung des grofsen culturhiftorifchen Ereigniffes der Weltausftellung, deffen volle Bedeutung erft die Zukunft bringen kann. MATHEMATISCHE LEHRMITTEL. ( Theilbericht zur Gruppe XXVI.) Bericht von JOSEF KNIRR, Profeffor in Wien. " Alles Abftracte wird durch die Anwendung dem Menfchenverftande genähert, und fo gelangt der Menfchenverftand durch Handeln und Beobachten zur Abftraction." Diefe Worte Goethe's werden uns bei unferer Betrachtung leiten und können zugleich unfere Lefer von der ganzen Bedeutung unferer Aufgabe überzeugen. Die für den mathematifchen Unterricht auf der internationalen Weltausftellung in Wien im Jahre 1873 ausgeftellt gewefenen Lehrmittel können füglich in Lehrmittel für den Anfchauungsunterricht und in Lehr- und Uebungsbücher, welche in den verfchiedenen Lehranstalten dem mathematifchen Unterrichte zu Grunde liegen, eingetheilt werden. Der Natur des Gegenftandes gemäfs follen hier zuerft die ausgeftellten Lehrmittel für die Arithmetik, Algebra und Analyſis, dann die Lehrmittel für den Unterricht in der Geometrie einer Befprechung unterzogen werden. Bevor jedoch der Berichterstatter diefe Befprechung beginnt, hält er fich verpflichtet, einige Daten aus der Gefchichte der Mathematik vorauszufchicken. In der älteften Zeit war es die Natur felbft, welche die Menfchen anregte, Mathematik im weiteften Sinne des Wortes zu betreiben, da fchon die Befriedigung der gewöhnlichen Lebensbedürfniffe die Menfchen zum eifrigen Studium derfelben hinzog. Das regelmässige Wechfeln von Tag und Nacht, das periodifche Wiederkehren der Mondesphafen und fo vieles Andere mögen hiezu die erfte Veranlaffung geboten haben; der Hausvater wollte feine Angehörigen, der Hirt feine Heerde zählen. Durch das Auftreten mehrerer Dinge derfelben Art waren Zahl und Form fchon mit den erften finnlichen Anfchauungen gegeben; die Zahl mufste nur von den Gegenständen gelöft werden, damit fie felbftftändig auftrete. Das Zählen und die Erfindung der Zahlwörter gehören daher unftreitig zu den erften geiftigen Thätigkeiten der Menfchen. Man kann wohl mit Sicherheit annehmen, dafs fich die Menfchen in der erften Zeit beim Zählen der Finger einer Hand bedienten, und die Zahl fünf mag wohl den erften Ruhepunkt beim Zählen gebildet haben. Anftatt fechs wird man daher fünf mehr eins, anftatt fieben: fünf 30 Jofef Knirr. mehr zwei u. f. w. gezählt haben. Nach Alexander v. Humboldt gibt es heute noch Völker, welche auf diefe Art zählen. Bei anderen Völkern find noch Spuren vorhanden, dafs fie auf diefe Art gezählt haben mögen. Wieder andere Völker benützten beim Zählen beide Hände, bildeten die Zahlwörter von eins bis zehn, zählten überhaupt nach Perioden von zehn und legten fo den Grund zum dekadifchen Zahlenfyftem. Auch das Zählen nach Händen und Füfsen, das heifst nach Perioden von zwanzig zu zählen, war bei mehreren Völkern üblich; es findet fich diefe Methode zu zählen heute noch bei den Völkern im nordweftlichen Afrika. Diefelbe zog fich früher über Spanien, Frankreich** und England; bei den meiften Völkern des Kaukafus ift fie noch vorherrfchend. Am ausgebildetften war das Vigefimalfyftem bei den Völkern in Süd- und Mittelamerika. " Die Chinefen follen fich nach Suter's Gefchichte der mathematifchen Wiffenfchaften, Zürich 1873", in früheren Zeiten zweier Zahlenfyfteme, des Zweierund Duodecimalfyftems bedient haben. Dafs diefe verfchiedenen Zahlenfyfteme nicht auf einmal entftanden, fondern eine Menge vorbereitender, geiftiger Proceffe vorausfetzten, ift wohl für fich klar. Kaum jedoch hatten die Menfchen die erften Schwierigkeiten beim Zählen überwunden, fo mufste fich fchon im grauen Alterthum bei ihnen das Bedürfnifs fühlbar gemacht haben, die Refultate des Zählens dauernd zu befitzen, da diefelben, dem Gedächtniffe allein anvertraut, leicht in Vergeffenheit geriethen. Diefs führte die Menfchen Hand in Hand mit der Entwicklung der Zahlenfyfteme zur graphifchen Darftellung der Zahlen. Das Uebereinanderlegen von Steinchen und anderen geeigneten Gegenftänden, das Einkerben hölzerner Stäbe,*** das Aneinanderreihen paralleler Striche mögen wohl in frühefter Zeit dem Mangel an Zahlzeichen abgeholfen haben. Nach Livius wurde jährlich zu Rom im Heiligthume der Minerva ein Nagel eingefchlagen, um die Jahreszahl zu fixiren.**** Die Bezeichnung der Zahlen gefchah auf zweifache Weife; entweder benützte man dazu die Buchftaben des Alphabets, wie es die Griechen thaten, oder man erfand zur Bezeichnung der Zahlen eigene Zeichen, wie diefs bei den Römern. Etruskern, Babiloniern, Perfern und Anderen der Fall war. In Indien kamen beide Bezeichnungsweifen vor( fiehe Arneth's" Gefchichte der reinen Mathematik. Stuttgart 1852.") Ob fich die Völker der Buchftaben des Alphabets oder eigener Zeichen zur Bezeichnung der Zahlen bedienten, war an und für fich von geringer Bedeutung; wefentlich war jedoch die Methode, wie die Zahlen durch die gewählten Zeichen dargestellt wurden. Indien ift höchft wahrfcheinlich das Vaterland der jetzt allgemein gebräuchlichen Methode, alle Zahlen mit neun Zeichen darzuftellen. Hervorgehoben mufs hier noch werden, dafs die Zahlzeichen, fie mögen durch Buchftaben oder Ziffern ausgedrückt gewefen fein, urfprünglich nicht zum Rechnen, fondern nur zur Feftftellung des Rechnungsrefultates verwendet wurden. Die Rechnungen felbft wurden theils an den Fingern, theils an eigens zu diefem Zwecke erfundenen Rechenmafchinen ausgeführt. Diefe Rechenmafchinen waren in der erften Zeit ebenfalls fehr einfach, gewöhnlich eine Schnur mit beweglichen Kügelchen nach Art eines Rofenkranzes. Später vervollkommneten * , Ueber die bei den verfchiedenen Völkern üblichen Syfteme von Zahlenzeichen und über den Ursprung des Stellenwerthes in den indifchen Zahlen." A. L. Crelle, Journal für die reine und angewandte Mathematik. Band IV. Berlin 1829. ** In dem franzöfifchen quatre- vingt fowohl als auch in dem englifchen Three fcore find noch Spuren übrig. *** Eine Methode, die noch heute im füdlichen Ungarn gebräuchlich ift. **** Siehe ,, Die Zahlzeichen und das elementare Rechnen der Griechen und Römer" von Dr. Friedlein. Erlangen 1869. Mathematifche Lehrmittel. 31 fich diefelben immer mehr und mehr und waren gewifs nicht ohne Einfluss auf die Vervollkommnung und Entwicklung der Zahlenfyfteme. In ganz Afien rechnet man fchon lange mit einer Mafchine, welche Swanpan heifst und folgende Einrichtung hat. Sie befteht aus einem rechteckigen, meift Fig. 1. D A 6000 0000 00000000$ 30 -0000 B hölzernen Rahmen AB CD, deffen kürzere Seite fenkrecht gegen den Rechner läuft. Parallel mit der längeren Seite des Rahmens befindet fich das Zwifchenftück FG, welches den Rahmen in zwei ungleiche Räume derart theilt, dafs der kleinere Raum vor dem gröfseren zu liegen kommt. Senkrecht zu diefem Zwifchenftück durchziehen denfelben in gleichen Entfernungen 10 Stäbe, auf welchen in der gröfseren Abtheilung je fünf, in der kleineren je zwei bewegliche Kugeln angebracht find.( Bei Friedlein und Cantor ift der ganze Apparat um einen Winkel von 90 Grad gedreht.) Jede der fünf Kugeln des erften Stabes zur rechten Hand bedeutet eine Einheit, jede der zwei oberen Kugeln aber fünf, das ift fo viel, als alle unteren zufammen. Jede der fünf Kugeln am zweiten Stabe gilt einen Zehner, jede der zwei oberen aber fünfzig. Jede der fünf Kugeln am dritten Stabe bedeutet hundert, jede der zwei oberen fünfhundert, und fo geht die Reihe fort derart, dafs jede Kugel des nachfolgenden Stabes ftets den zehnfachen Werth einer Kugel des vorhergehenden Stabes erhält. Mit diefer Mafchine kann man nicht nur jede beliebige Zahl( durch blofse Verfchiebung der Kugeln) bildlich darftellen, fondern auch alle unfere Rechnungen ausführen. Es ift von Reifenden fchon öfter berichtet worden, dafs die Chinefen mit diefer Mafchine ſchneller rechnen, als wir mit unferen Zahlen. Der Berichterstatter felbft hatte Gelegenheit, während der Weltausftellung einen Reifenden zu fprechen, der diefe Ausfage nicht nur beftätigte, fondern noch hinzufügte, dafs die chinefifchen Kaufleute aus ihrer Methode zu rechnen ein Geheimnifs machen und fie nur ganz Bevorzugten mittheilen. Es ift wohl klar, dafs die Handhabung der Rechenmafchine leichter durch mündlichen Unterricht, als durch Regelwerk erlernt werden kann. Das Wichtigfte aber an diefer Mafchine ift, dafs fie unzweifelhaft die unmittelbare Veranlaffung zur Erfindung des dekadifchen Zahlenfyftems gegeben hat. Denn die Kaufleute werden gewifs öfter genöthigt gewefen fein, einzelne Rechnungen durchzuführen, ohne dafs fie die Mafchine bei der Hand gehabt hatten. Sie werden daher bemüht gewefen fein, die Mafchine fammt ihren Kugeln zu zeichnen, und dabei öfter die Kugeln durch Striche erfetzt haben, woraus dann durch Ueber- und Nebeneinanderreihung der Striche die Ziffern, wenngleich in fehr abweichender Form von der jetzt bei uns gebräuchlichen, 3 32 Jofef Knirr. entftanden fein mögen. Später wurden die Stäbe durch Columnen erfetzt, woraus das Rechnen mit Columnen entftand, aus welchem dann unfere Methode zu rechnen hervorging. Angeführt mufs hier noch werden, dafs in Rufsland heute noch viele Leute mit der fogenannten ruffifchen Rechenmafchine ihre Rechnungen durch führen. Da das dekadifche Zahlenfyftem wefentlich zur wiffenfchaftlichen Entwick... lung der Arithmetik beigetragen hat, fo erlaubt fich der Berichterstatter, aus der fchon früher in Crelle's Journal, IV. Band, angeführten Abhandlung Alexander Freiherrn von Humboldt's eine Stelle darüber wörtlich anzuführen. Dafelbft heifst es auf Seite 207:" Der Gedanke, alle Quantitäten durch neun Zeichen auszudrücken, indem man ihnen zugleich einen abfoluten und einen Stellenwerth gibt, fagt einer der gröfsten Geometer unferer Zeit und aller Zeiten, Laplace. der Verfaffer der Mechanique célefte, ift fo einfach, dafs man eben defshalb nicht genugfam erkennt, welche Bewunderung er verdient. Aber eben diefe Einfachheit und die Leichtigkeit, welche die Methode dem Calcul zufichert, erheben das arithmetifche Syftem der Indier zu dem Range der nützlichften Entdeckungen. Wie fchwer es war, eine folche Methode zu erfinden, kann man daraus abnehmen, dafs fie dem Genie des Archimedes und Appolonius von Perga, zweier der gröfsten Geifter des Alterthums, entgangen war." Die bei den Römern in Gebrauch gewefene Rechenmafchine hiefs Abacus und unterfchied fich vom Swanpan dadurch, dafs im kleineren Raum nur eine Kugel, in gröfseren blos vier Kugeln vorhanden waren. Der Werth der einzelnen Kugeln war derfelbe wie beim Swanpan. Diefe Rechenmafchine gibt uns darüber Aufklärung, warum die Römer blos fieben Zeichen zur Darstellung der Zahlen benützten. Sie wählten nämlich für jede Kugel, deren Werth fich von dem einer zweiten unterfchied, ein eigenes Zeichen. So diente das Zeichen I für eine untere Kugel am erften Stabe nach rechts; die obere Kugel an demfelben Stabe wurde mit V bezeichnet. Zur Bezeichnung einer unteren Kugel am zweiten Stabe diente das Zeichen X; die obere Kugel an demfelben Stabe wurde mit L bezeichnet. Für die verfchiedenen Kugeln am dritten Stabe waren die Zeichen C und D; eine untere Kugel am vierten Stabe wurde mit M( 1000) bezeichnet. Die Vielfachen von Taufend wurden in Worten ausgedrückt. Der Einrichtung des Abacus gemäfs durfte fich ein Zahlzeichen nur viermal wiederholen, obwohl in der älteften Zeit auch eine öftere Wiederholung vorgekommen ift. Stand ein Zahlzeichen von kleinerem Werthe vor einem, welches einen gröfseren Werth bezeichnete, fo wurde das kleinere von dem grösseren abgezogen; folgte das kleinere dem gröfseren, fo wurden fie addirt. Die Bezeichnungen VI, VII u. f. w. find der deutlichfte Beweis dafür, dafs die Römer in früherer Zeit nach dem pentadifchen Syfteme gezählt haben; in der Sprache jedoch folgten fie dem Decimalfyfteme. Es würde zu weit führen und ohne befonderes Intereffe fein, die Methoden, wie die Griechen ihre Zahlen bezeichneten und rechneten, näher zu erörtern. Eine Streitfrage ift heute noch, ob die Griechen das indifche Zahlenfyftem gekannt haben. Man kann wohl vermuthen, dafs Pythagoras mit dem Columnenfyftem vertraut gewefen fei. Allein die damalige fchwerfällige Rechnungsmethode der Indier einerfeits, die Liebe zum Gewohnten andererfeits mögen vor Allem Urfache gewefen fein, dafs die Griechen bei ihrer Methode zu rechnen geblieben find. Angeführt mufs hier noch werden, dafs nach Suter's Gefchichte das chrift. liche Abendland die Kenntnifs und den Gebrauch der arabifchen Zahlzeichen dem gelehrten franzöfifchen Mönche Gerbert, dem nachmaligen Papfte Sylvefter dem Zweiten, verdankt, und dafs erft durch den berühmten Rechenmeifter Adam Riefe die arabifchen Zahlzeichen ihre jetzige beftimmte Form erhielten. Wenn der Berichterstatter diefe gefchichtlichen Daten vorausfchickte, fo liegt der Grund einerfeits in dem Umftande, dafs diefelben erft eine richtige Wür Mathematifche Lehrmittel. 33 digung der auf der Weltausftellung vorhandenen Rechenmaschinen ermöglichen, andererfeits dürften die Weltausftellungen durch eine gröfsere Betheiligung von China, Indien, Japan u. f. w. der Ort werden, durch welchen manche dunklen Stellen der Gefchichte der Mathematik erhellt und erklärt werden könnten. Man ift gewöhnt, die Weltausftellung als den Ort zu betrachten, auf welchem die geiftigen Wettkämpfe der gegenwärtig lebenden Generation in überfichtlicher und einfacher Weife zum Ausdrucke gebracht werden. In Wirklichkeit find jedoch die Weltausftellungen der Tummelplatz, auf dem die ganze Menfchheit feit der Schöpfung ihre geiftige Kraft, auf die verfchiedenen Völker vertheilt, zur Geltung zu bringen fucht. Denn was wären unfere Erfindungen, unfere Erzeugniffe, wenn fie fich nicht auf die geiftigen Anftrengungen und Bemühungen unferer Eltern und Voreltern ftützen könnten? Ein Ding, das kaum der Beachtung werth wäre. Wenn nun die geiftigen Kämpfe uud Beftrebungen unferer Voreltern von fo wefentlichem Einfluffe auf die Weltausstellungen find; wenn Männer, wie Alexander Freiherr von Humboldt, der älteften Gefchichte der Mathematik ihre ungetheilte Aufmerkfamkeit zuwendeten; wenn fchon die Pagination eines alten Codex wichtige Aufklärungen brachte; wenn Alexander Freiherr von Humboldt diejenigen Philologen, welche perfifche, griechifche oder arabifche Handfchriften zu unterfuchen Gelegenheit haben, fowie Reifende, die fich in der indifchen Halbinfel aufhalten, auffordert, die bis jetzt in diefer Richtung gemachten Entdeckungen weiter zu verfolgen und zu vervollſtändigen: fo werden wohl die geehrten Lefer das Beftreben des Berichterstatters, am geeigneten Orte fein Schärf lein zur Gefchichte der Mathematik beizutragen, billigen. Mathematifche Lehrmittel der Volks- und Bürgerfchule. ( Arithmetik.) Wenn auch auf der Weltausftellung zu Wien weder ein Swanpan noch ein Abacus zu fehen war, fo war einerfeits die Rechenmafchine fo vielfeitig vertreten, andererfeits bildet diefelbe ein fo wichtiges Hilfsmittel für den Rechnungsunterricht, dafs fie einer kritifchen Befprechung unterzogen zu werden verdient. Blos im amerikanifchen Schulhaufe war eine doppelte ruffifche Rechenmafchine von Hermann Reffelt ausgeftellt, da fie jedoch mit keiner Gebrauchsanweifung verfehen war, fo gingen ihre etwaigen Vortheile für die Befucher der Weltausstellung ganz verloren. Von den anderen ausgeftellten Rechenmafchinen waren vor Allem zwei verfchiedene Formen vorherrfchend vertreten. Die eine fafste, wie Fig. 2, innerhalb des rechteckigen Rahmens AB CD zehn horizontale eiferne Stäbe mit je 10 verfchiebbaren hölzernen Kugeln. Diefe Mafchine hat die Beftimmung, den Kindern der Volksfchule den Zahlenkreis von I bis 100 zu veranfchaulichen. Mit derfelben läfst fich nicht blos das Zählen von I bis 100 auf eine finnliche Weife vermitteln, fondern auch das Hinzuzählen, Hinwegnehmen, Vervielfältigen und Enthaltenfein in diefem Zahlenkreife anfchaulich darftellen. Sie ift jedoch unbrauchbar zur Verfinnlichung des dekadifchen Zahlenfyftems, unterſtützt das Eindringen des Schülers in den eigentlichen Geift desfelben nicht im mindeften. Solche Mafchinen waren ausgeftellt: Eine in der öfterreichifchen Mufterfchule für Landgemeinden vom Comité der Schulfreunde. Eine zweite in der deutfchen Unterrichtsabtheilung von Ludwig Heftermann in Hamburg. Hier war noch die Einrichtung getroffen, dafs die einzelnen horizontalen Stäbe fehr bequem herausgenommen werden konnten * Siehe Crelle Journal, Band IV, Seite 230. 3 34 Fig. 2. Jofef Knirr. 90 Eine andere Rechenmafchine war dafelbft ausgeftellt von Johannes Neubert; nur waren bei derfelben die Kugeln durch ver fchiebbare Würfel erfetzt. Die von M. G. Priber in Leipzig ausgeftellte Rechenmafchine war überdiefs noch mit einer beweglichen Platte verfehen, wodurch die Kugeln, mit denen nicht gerechnet wurde, verdeckt werden konnten. Die von der Erziehungsdirection in Bern ausgeftellte Rechenmafchine war rückwärts noch mit weiteren 10, ebenfalls parallel laufenden Stäben zur Verfinnlichung der Brüche in dem Zahlenraume von I bis 10 verfehen. Auch in der belgifchen Abtheilung waren drei Rechenapparate ausgeftellt, und zwar: Ein von A. Pétry, Directeur de l'école moyenne de l'état à Mons, Arithmomètre, enseignement intuitif de la numération; dann Arithmomètre par F. M. A. A. und Arithmomètre métrique von Alphons Martinot. Der letztere Apparat dürfte jedoch blos beim Privatunterricht brauchbar fein. Im fchwedifchen Schulhaufe war eine Rechenmafchine ausgeftellt, welche der zweiten Form angehört. Sie befteht aus einem hölzernen Stativ, welches oben von einem horizontal liegenden hölzernen Brete, das I Meter lang und 8 Centimeter breit ift, begrenzt ift. Senkrecht zu diefem Brete laufen in gleichen Abftänden 10 Stäbe aus Eifendraht, auf welchen je 9 Kugeln aufgefteckt werden können, Fig. 3. In der Mitte des Stativs befindet fich eine Lade zur Aufbewahrung der Kugeln. Eine zweite derartige Rechenmafchine befand fich in der öfterreichifchen Unterrichtsausftellung, von dem um die Hebung des öfterreichifchen Volksfchulwefens hochverdienten k. k. Landes- Schulinfpector Vincenz Praufek ausgeftellt. Sie hatte aber nur vier Verticalftäbe, war viel kleiner und dürfte defshalb nur fehr wenig beachtet worden fein. Dafs jedoch die Rechenmafchine mit verticalen Stäben in keiner guten Schule fehlen darf, neben der die Mafchine mit horizontalen Stäben blos der Bequemlichkeit wegen verwendet werden kann, wollen wir jetzt zu erweifen fuchen. Ob fich der Lehrer bei der Verfinnlichung des inneren Werthes der Ziffern von I bis 10 der Peftalozzi'fchen Einertabelle oder der Tillich'fchen Rechenhölzer oder der Zahlenbilder durch Punkte, oder anderer Gegenftände bedient, ift an und für fich für den Rechenunterricht gleichgiltig; die Verbindung zweier Methoden dürfte denfelben fogar fördern. Bei der Zahl 10 angelangt, mufs jedoch Mathematifche Lehrmittel. der tüchtige Lehrer feinen Schülern die Grundzüge des dekadifchen Zahlenfyftems mittheilen, wenn er fie nicht jetzt fchon an das Einlernen unverftandener Sätze gewöhnen will. Er wird daher feine Schüler darauf aufmerkfam machen, wie unendlich ermüdend es für den menfchlichen Geift wäre, für jede neue Zahl, welche durch das Hinzuzählen der Einheit entſteht, ein neues Wort und ein neues Zeichen zu erfinden, die dann beide dem Gedächtniffe anzueignen wären; dafs es jedoch dem menfchlichen Geifte gelungen ift, beide Aufgaben auf eine hichft einfache und bewunderungswürdige Weife zu löfen. Hier wird der Gebrauch der Rechenmafchine mit verticalen Stäben unerläfslich, foll nicht der Rechenunterricht gleich beim Beginne für die Mehrzahl der Schüler unverftändlich werden. Der Schüler fieht die Zahlen der Reihe nach auf der Mafchine entſtehen und fchreibt fie Fig. 3. 35 dann auf feine Tafel. Werden überdiefs die Schüler angehalten, die Zahlen von I bis 100 auf der Mafchine zuerft aufzuftecken, dann die fo entftandenen Zahlen aus zufprechen und fie zuletzt an die Tafel zu fchreiben, fo wird nicht nur das mechanifche Herfagen der Zahlen vermieden, fondern auch ein richtiges und wirkliches Verftändnifs erzielt und fo alle Schwierigkeiten, welche beim Anfchreiben und Ausfprechen dekadifcher Zahlen entſtehen, behoben. Der feine Schüler zum Denken anfpornende Lehrer wird ihnen auch schon im Zahlenraume von I bis 10 die Begriffe von geraden und ungeraden Zahlen beibringen und fie auf das Theilbarkeitsgefetz für den Divifor 2 aufmerksam machen. Ganz wefentliche Dienfte leiftet jedoch diefe Mafchine bei der Erklärung des fchriftlichen Rechnens, das ift bei der Addition, Subtraction, Multiplication und Divifion; Dienfte, die die erftgenannte Mafchine unter keiner Bedingung zu leiften vermag. Ja häufig. wirkt die Maſchine mit horizontalen Stäben fogar ftörend auf den Rechenunterricht, denn die Anzahl von hundert Kugeln, welche den Schülern auf einmal vorgeführt wird, lenkt fehr leicht die Aufmerksamkeit derfelben beim erften Unterrichte vom eigentlichen Unterrichtsziele ab, was befonders dann der Fall ift, wenn die auf den einzelnen Stäben befindlichen Kugeln verfchieden gefärbt find, und es wird den Schülern das Anfchreiben dekadifcher Zahlen fehr erfchwert, wenn diefelben längere Zeit mit diefer Mafchine. geübt wurden. Diefen Uebelftänden, welche erfahrungsgemäfs auftreten, fuchte Infpector Praufek bei einer zweiten in der öfterreichifchen Unterrichtsabtheilung ausgeftellten Mafchine mit horizontalen Stäben dadurch abzuhelfen, dafs er die eine Hälfte des Rechteckes mit einem Brete, welches auch die Stelle einer Tafel vertreten kann, eindeckte und fo dafür forgte, dafs den Schülern beim Unterrichte nur fo viele Kugeln vorgeführt werden, als fie zu fehen unbedingt nöthig haben. 36 Jofef Knirr. Aus denfelben Gründen mag wohl auch die in der deutfchen Unterrichtsabtheilung von Ludwig Heftermann ausgeftellte Rechenmafchine zum bequemen Herausheben der einzelnen horizontalen Stäbe eingerichtet fein, damit den Schülern der Reihe nach ein, zwei oder mehrere Stäbe mit je 10 Kugeln zur Anfchauung gebracht werden. Auch die durch die Verlagshandlung Hachette& Comp. in Paris fowohl vom Minifterium als auch von der Stadt Paris ausgeftellten Rechenmafchinen hatten zur Abhilfe der gerügten Uebelftände eine Combination beider Maſchinen, indem ihre Einrichtung es ermöglichte, dafs die Kugeln horizontal und vertical verfchoben werden konnten, daher die Form wie Fig.( 4) hatten. ABCD ftellt uns wieder einen rechteckigen Rahmen mit Stäben aus Eifendraht dar, auf welchen je 10 Kugeln verfchiebbar waren. Diefe Mafchine dürfte wohl eher zu einer Begriffsverwirrung als zu einer Begriffserklärung beitragen. Fig. 4. Einen ganz wefentlichen Vorzug befitzt jedoch die Mafchine mit verticalen Stäben vor der mit horizontalen, dafs fie dem gewandten Lehrer ein vor zügliches Hilfsmittel darbietet, feinen Schülern die Theilbarkeitsgefetze für die Diviforen 9 und II auf eine naturgemäfse Weife zum klaren Bewufstfein zu bringen. Der Berichterstatter erlaubt fich hier den Vorgang, den er in der Schule einzuhalten pflegt, mitzutheilen. Um das Theilbarkeitsgefetz für den Divifor 9 aufzuftellen, laffe der Lehrer von einem Schüler eine ganz willkürliche Anzahl Kugeln auf die einzelnen Stäbe ftecken, nehme hierauf eine Kugel von einem beliebigen Stabe, ftecke fie auf den Einheitenftab und frage die Schüler: Welche Veränderung habe ich jetzt mit der vorgelegten Zahl vorgenommen? Wird dadurch der etwa vorhandene Reft gegen den Divifor 9 umgeändert? ( Es wird hier vorausgefetzt, dafs die Schüler den Lehrfatz:„ Der Reft einer Zahl gegen einen gegebenen Divifor bleibt unverändert, fo lange man ein Vielfaches des Divifors zu ihr hinzuaddirt oder von ihr fubtrahirt", kennen, welcher folgendermafsen fehr leicht abgeleitet wird. Das nebenftehende Schema A gibt uns das Bild aller Zahlen, E A I I I I I I I I I I I I I I I I I I I I I I I welche gegen den Divifor 7 den Reft 3 geben. Diefer Reft bleibt unverändert, ob man oben eine beliebige Anzahl horizontaler Reihen von fieben Einern, hinwegnimmt oder hinzugibt.) Nachdem beide Fragen von den Schülern richtig beantwortet wurden, nehme der Lehrer eine Kugel von einem anderen Stabe und lege fie auf den Einheitenftab, beide Fragen an die Schüler wiederholend. Nachdem auch fie richtig beantwortet wurden, weife er darauf hin, dafs auch dann die Theilbarkeit gegen den Divifor 9 ungeftört bleiben wird, wenn er fämmtliche Kugeln auf den Einheitenftab legen Mathematifche Lehrmittel. 37 würde, und dafs der etwa auftretende Reft nicht von der Form der Zahl, fondern nur von der Zifferfumme allein abhängig ift, aus welcher gleich bei ihrer Bildung( durch das Hinauflegen fämmtlicher Kugeln auf den Einheitenftab) alle möglichen 9 ausgefchieden werden können. Um das Theilbarkeitsgefetz für den Divifor II abzuleiten, laffe der Lehrer wieder eine ganz willkürliche Anzahl Kugeln auf die einzelnen Stäbe der Mafchine ftecken, nehme dann eine Kugel vom dritten( Hunderterftab), lege fie auf den Einheitenftab und frage einen Schüler: Welche Veränderung habe ich dadurch mit der vorgelegten Zahl vorgenommen? Nachdem diefe Frage von dem Schüler richtig beantwortet und die Antwort begründet wurde, richte er an einen zweiten die Frage: Wurde dadurch der etwa vorhandene Reft gegen den Divifor II geändert? Nach der richtigen Beantwortung diefer Frage lege der Lehrer fämmtliche Kugeln des dritten Stabes auf den Einheitenftab. Sollte die Anzahl der Kugeln die Zahl 11 überfteigen oder erreichen, fo weife der Lehrer darauf hin, dafs man auch hier je 11 Kugeln weglaffen kann und blos den Reft zu berücksichtigen hat. Hierauf nehme er eine Kugel vom fünften Stabe und lege fie auf den erften ( Einheitenftab) und wiederhole diefelben Fragen. Das gleiche Verfahren iſt mit den Kugeln am 7., 9. u. f. w. Stabe fortzufetzen. Nun nehme der Lehrer eine Kugel vom vierten Stabe( Taufenderftab), lege fie auf den zweiten( Zehnerftab), wiederhole die vorigen Fragen, und lege fämmtliche Kugeln des vierten Stabes auf den zweiten. Ebenfo vérfahre er mit fämmtlichen Kugeln des 6., 8. u. f. w. Stabes, auch hier alle Vielfachen von II ausfcheidend.* Durch diefen Vorgang wird die Beftimmung des Reftes einer beliebig grofsen Zahl auf die Auffuchung des Reftes einer zweizifferigen Zahl zurückgeführt. Da aber allen zweizifferigen, durch II theilbaren Zahlen die Eigenfchaft zukommt, dafs fie mit zwei gleichen Ziffern gefchrieben werden, fo wird der fprachgewandte Schüler leicht im Stande fein, das refultirende Theilbarkeitgefetz in Worten auszudrücken. Die fo gewonnene zweiziffrige Zahl gibt uns aber auch ftets den kleinften pofitiven Reft, welchen die vorgelegte Zahl gegen den Divifor II hinterlässt, was bei den bis jetzt in den mathematifchen Lehrbüchern durchgeführten Methoden nicht immer der Fall ift. Die Kenntnifs des kleinften pofitiven Reftes gegen die Diviforen 9 und II ift jedoch fowohl für die Theorie als auch für die Praxis fehr wichtig, da wir mit Hilfe derfelben die Richtigkeit unferer Rechnungen bei der Multiplication, Divifion, beim Potenziren und Wurzelausziehen dekadifcher Zahlen auf eine höchft einfache und fchnelle Weife einer Prüfung unterwerfen können. Durch die vorausgefchickten Betrachtungen wurden wir in den Stand gefetzt, den kleinften pofitiven Reft für den Divifor II ebenfo leicht, wie für den Divifor 9 zu beftimmen, und können nach Belieben die Neuner oder Elferprobe anwenden. Da jedoch jede Probe, für fich allein angewendet, keine mathematiſche Gewifsheit der Richtigkeit des Refultates gibt, fo gewinnt durch die Verbindung beider Proben unfer praktifches Rechnen einen hohen Grad von Sicherheit. Profeffor Dr. Eduard Heis, welcher fich durch feine vorzügliche Sammlung von Beiſpielen und Aufgaben aus der allgemeinen Arithmetik und Algebra fehr wefentliche Verdienfte um die Verbreitung gediegenen mathematiſchen Wiffens in Deutſchland und Oefterreich erworben, fagt in der 34. Auflage derfelben, Seite 52:„ Die * Der allgemeine Beweis befteht in Folgendem. Es fei Na,+ 10a,+ 102a3+ 10%+ Iа + 1on1a n, fo mufs weil, 102m+ 110( mod. 11) und 102m 1( mod. 11) ift, N=( a+ a+ as+)+ 10( a,+ a+ as+)( mod. 11) oder NS₁+ 10s,( mod. 11) fein. 38 Jofef Knirr. höchft praktiſche Neunerprobe bei der Multiplication und Divifion, welche fchon im Algorithmus M. Georgii Peuerbachii( † 1461) de integris vorkommt und welche fich in allen alten Rechenbüchern findet, ift in unferen Tagen mit Unrecht in Vergeffenheit gerathen." Ganz vorzügliche Dienfte leiftet unfere Rechenmafchine bei der Löfung der umgekehrten Aufgabe. Es fei nämlich eine x- zifferige Zahl zu fuchen, welche gegen den Divifor 9 den Reft 7 hinterläfst. Der denkende Schüler wird diefelbe fchon dadurch löfen, dafs er die Anzahl der Kugeln um 7 gröfser als ein beliebiges Vielfaches von 9 wählt und fie dann ganz willkürlich auf die einzelnen Stäbe der Mafchine vertheilt. Soll die zu fuchende Zahl noch aufserdem durch 8 theilbar fein, fo wird der Schüler bei der Vertheilung der Kugeln blos auf die drei letzten Stäbe rechts Rückficht nehmen. Träte jetzt noch die Bedingung hinzu, dafs die zu fuchende Zahl bei der Divifion durch II auch den Reft 5 hinterlaffe, fo wird er nur dafür zu forgen haben, dafs die Summe der Kugeln an den ungeraden Stäben um 5 gröfser ift, als die Summe der Kugeln an den geraden Stäben. Der Berichterftatter gewann während feiner Lehrerpraxis die Ueberzeugung, dafs die Schüler diefe Aufgaben, welche durch die Combination der Congruenzen: г₁( mod. 9), r2( mod. 11), rg( mod. 8), г4( mod. 125) u. f. w. gebildet werden, mit einer gewiffen Vorliebe löfen; Aufgaben, welche den Verftand fchärfen und mit denen fich nach Dr. M. Cantor's Beiträgen zur Gefchichte der Zahlzeichen in Schlömilch's Zeitfchrift für Mathematik und Phyfik, dritter Jahrgang, Seite 335, die Chinefen und Inder fchon frühzeitig befchäftigt haben. Obwohl fich die Theilbarkeitsgefetze für die Diviforen: 2, 5; 4, 25; 8 und 125 mit der genannten Rechenmafchine noch weit einfacher darftellen laffen; obwohl diefelbe bei der Lehre von den Decimalbrüchen fehr gute Dienfte leiftet; obwohl es dem Berichterstatter ein Leichtes wäre, noch andere Vorzüge, die der Mafchine mit horizontalen Stäben nicht eigen find anzuführen; fo glaubt er dennoch diefelben übergehen zu müffen, hielt fich jedoch im Intereffe des Rechenunterrichtes verpflichtet, das Vorausgefchickte in feinen Bericht aufzunehmen; denn nur dann, wenn die Mafchine in diefem Sinne gehandhabt wird, gebührt ihr der Name Rechenmafchine". " Eine eigentliche Rechenmafchine, wo fchon durch ein blofses Drehen einer Kurbel, nach vorhergegangener richtiger Einftellung des Inftrumentes, die Ziffern des Refultates zum Vorfchein kommen, war in keiner Unterrichtsausftellung zu fehen, dagegen war in der Gruppe XIV in der franzöfifchen Abtheilung ein Arithmometer von dem Erfinder Thomas de Colmar ausgeftellt. Diefe Mafchine zeigte uns recht deutlich, dafs unfer Zifferrechnen auf einem genau beſtimmten Mechanismus beruht; fie befitzt fogar noch den Vortheil, dafs die mit ihr erzielten Rechnungsrefultate keinen Fehlern unterworfen find. Bei dem ungeheueren Auffchwunge, den der Handelsverkehr, das Credit und Verficherungswefen im neunzehnten Jahrhunderte genommen, hilft diefe Mafchine einem dringenden Zeitbedürfniffe ab. Um einen Begriff von der Leiftungsfähigkeit diefer Mafchine, deren innerer Mechanismus bei einem ausgeftellten Inftrumente blosgelegt und bei dem das Ineinandergreifen der einzelnen Räder erfichtlich war, zu geben, fei hier angeführt, dafs man mit derfelben weit fchneller rechnet, als diefs bei dem gewandteften Rechner der Fall ift. Ein nur halbwegs geübter Arbeiter ift mit diefer Mafchine im Stande, in einer Minute zwei gegebene achtzifferige Zahlen zu multipliciren und das erhaltene Product durch eine dritte achtzifferige Zahl zu dividiren. Die erfte derartige Mafchine, wenn auch nach einem Mathematifche Lehrmitttel. 39 anderen Principe und weniger vollkommen, wurde von dem franzöfifchen Mathematiker Paskal erfunden. Auch in der XIV. Gruppe der öfterreichifchen Ausftellung waren mehrere auf demfelben Principe beruhende Arithmometer von Julius Maffeur und Dobefch in Wien ausgeftellt. In der ungarifchen Ausftellung Gruppe XIV waren ebenfalls zwei Arithmometer von Ferdinand Biringer und Hebetanz in Ofen ausgeftellt, welche aber blos zum Addiren geeignet waren. Der Berichterstatter erwähnt noch des in der deutfchen Unterrichtsabthei lung ausgeftellten Born'fchen Rechenapparates zur Veranfchaulichung der Rechnungsoperationen an. Zahlenbildern mit wechfelnden Farben für den Zahlenraum von 1 bis 100, fowie des in der fpanifchen Abtheilung von Orozeo Sanchez ausgeftellten„ Abaco metrique decimal"; ferner der vom Collége national ausgeftellten: ,, Table arithmétique, algébrique- géométrique" und weifet bezüglich der anderen in der öfterreichifchen und ungarifchen Unterrichtsabtheilung ausgeftellten Rechenapparate auf den Bericht über das öfterreichifche Unterrichtswefen, Wien 1873, und auf das Namenverzeichnifs der durch das königlich ungarifche Minifterium für Cultus und Unterricht zufammengeftellten Collectivausftellung, Budapeft 1873, hin. Von anderen ausgeftellten Hilfsmitteln beim Rechenunterrichte verdienen hervorgehoben zu werden:„ Tableau des monnaies françaises représentées en grandeur naturelle", ausgeftellt von Hachette et Comp. in Paris. Diefe zwei Tableaux geben ein weit befferes Erfatzmittel einer Münzfammlung, als diefs durch den Vorgang in den Schweizer Schulen, wo die ausgeftellten Landesmünzen aus unedlen Metallen geprägt waren, gefchieht. Eine jede gute Volksfchule foll wohl eine Sammlung der im Lande gangbaren Münzen im Originale befitzen. Als fehr zweckmäfsig müffen auch die im amerikanifchen Schulhaufe von J. L. Rofe in Bofton ausgeftellten Schiefertafeln für Schüler bezeichnet werden, welche die Namen der Wochentage, der Monate und manches andere für die Jugend Wiffenswerthe auf der hölzernen Randeinfaffung gedruckt enthielten. Angeführt zu werden verdienen noch: die grofse, fchöne, um eine horizontale Achfe drehbare Doppelfchultafel aus Schiefer, wie fie in der Gewerbeakademie in Berlin eingeführt ift, von der königl. preufsifchen Handelsverwaltung ausgeftellt; ferner die Lehrmittel beim Rechenunterrichte für Blinde, ausgeftellt. von der königl. fächfifchen Landesblindenanftalt in Dresden, fowie die des Blindeninftitutes in Kopenhagen; endlich Neuberts:„ Die arabifchen Ziffern als Zahlbilder", worin unfere neun Zahlzeichen aus ebenfo viel geraden Linien entftanden dargeftellt werden, als in jeder derfelben Einheiten Einheiten enthalten find, wodurch folgendes Bild entſteht. 1L4+ 5648 Was die Literatur diefes Unterrichtszweiges betrifft, fo war diefelbe, Oefterreich Ungarn ausgenommen, in allen Ländern fehr fpärlich, oft gar nicht vertreten. Die ausgeftellten Rechenbücher für die Volks- und Bürgerfchulen bildeten meift nur Sammlungen von Aufgaben, welche wohl an der Hand eines tüchtigen Lehrers den gewünſchten Nutzen ftiften mögen, jedoch keineswegs geeignet find, das häusliche Studium der Schüler in Erkrankungsfällen zu unterftützen. In diefem Sinne abgefafst waren fieben Bändchen Rechenaufgaben im fchwedifchen Schulhaufe und fechs Bändchen in der Schweizer Unterrichtsabtheilung zu fehen. Auch in der Unterrichtsabtheilung des deutfchen Reiches waren fehr wenig Rechenbücher ausgeftellt; man fand dort blos: 40. Jofef Knirr. Koch W.:„ Aufgaben für das fchriftliche Rechnen." Berlin 7 Bändchen. Hutter P.:„ Sammlungen von Sammlungen von arithmetifchen Aufgaben." Regensburg 1870. Eckel J. B.: Stufengang des Rechnungsunterrichtes für die Elementarfchulen." Regensburg 1870. Heinifch G. Fr.:„ Die Decimalbruchrechnung und ihre Anwendung auf die neuen Mafse und Gewichte in Bayern." Bamberg 1870. Krafft Theodor:" Sammlung arithmetifcher Beiſpiele und Aufgaben. Nürnberg 1863. Schwager H.:,,Die Elemente der Arithmetik." Würzburg 1868. In der königl. ung. Unterrichtsabtheilung waren ausgeftellt: Arvai„ Sammlung von Rechnungsbeispielen."( Ungarifch.) Buxbaum H.:„ Kopfrechnen mit Brüchen."( Deutfch.) Lutter:" Rechnungsaufgaben- Sammlung."( Ungarifch.) Telegdi L.:" Rechenbuch für Volksfchulen."( Ungarifch.) Uebungsbuch zum Rechnen für Volksfchulen( ungarifch), von der königlichen Univerfitäts- Buchdruckerei in Peft ausgeftellt. Dasfelbe fowohl in deutfcher, rumänifcher als auch in kroatifcher und ferbifcher Sprache. Das im amerikanifchen Schulhaufe dem Publicum zur Einfichtnahme aufgelegene Rechenbuch:„ The Common School Arithmetic Combined. Analysis and Synthesis Adapted to The Best Mode Instruction in The Elements of Written Arithmetic." Bofton. 1873, liefs den aufmerkfamen Lefer auf eine im Rechenunterrichte fehr gut eingerichtete Volksfchule fchliefsen. In der franzöfifchen Abtheilung waren ausgeftellt: Pichot J. ,, Eléments d'arithmétique." Ouvrage rédigé conformément aux programmes officiels de 1860. Paris 1866. Hachette et Comp. Mesnard M. A:" Traité d'arithmétique théorique et pratique." Paris. Dudot: Cours complet d'arithmétique pratique." Paris. Delalain et fils. In der belgifchen Abtheilung fand man die Lehrbücher: " Raingo G. B. J.:,,Traité élémentaire d'arithmétique." Mons 1873. Wattier J. B:" Arithmétique des écoles primaires." Mons 1873. Mortier C: ,, Traité d'arithmétique pratique, destiné aux écoles primaires." Bruxelles. Faux A. ,, Traité d'arithmétique." Mons 1870. Faux A.:„ Manuel d'arithmétique." Mons 1872. Endlich glaubt der Berichterstatter noch das von dem Seminar für Volksfchul- Lehrer und Lehrerinen zu Iwäskylä in Finnland ausgeftellte Buch„, Rechnungsaufgaben von C. Bousdorf." Helfingfors 1871, erwähnen zu müffen, obwohl dasfelbe mehr als genügend darthat, dafs dort der Rechenunterricht noch Vieles zu wünſchen übrig läfst. Bevor der Berichterstatter das Gebiet der Volks- und Bürgerfchule verlässt, fei noch der verdienftvollen Thätigkeit Johannes Strehl's, weiland Directors der Unterrealfchule zu St. Anna in Wien, gedacht, deffen„ Leitfaden zum Unterrichte im Rechnen" in Oefterreich den Weg zum gründlichen Rechenunterrichte in der Volksfchule anbahnte, deffen ganzes Streben dahin zielte, Gedankenlofigkeit und Mechanismus aus dem Rechenunterrichte in der Volksfchule zu verbannen. Lehrmittel für den mathematifchen Unterricht an LehrerBildungsanftalten. Die für die Volks- und Bürgerfchule ausgeftellten Lehrmittel wurden defshalb möglichft eingehend befprochen, da einerfeits für Lehrer und Lehrerinen Bildungsanftalten keine Lehrmittel ausgeftellt waren, andererfeits der Lehrer in Mathematifche Lehrmittel. 41 jedem Augenblicke in der Lage fein foll, von den der Schule zu Gebote ſtehen. den Lehrmitteln die nützlichfte Anwendung machen zu können. Bei keinem Unterrichtszweige dürfte jedoch die Literatur fo fpärlich vertreten gewefen fein, als es thatfächlich bei diefem der Fall war. Ausgeftell t waren: Gruber K.:„ Ausführliche Anleitung zum Gebrauche des Rechenunterrichtes in der Volksfchule und höheren Bürgerfchule für den Lehrer bearbeitet." Carlsruhe 1869. Böhme A.:„ Anleitung zum Unterricht im Rechnen. Ein methodiſches Handbuch für Lehrer." Berlin 1873. Wenn man bedenkt, dafs felbft Profeffor Carl Schubert in dem Berichte über das öfterreichifche Unterrichtswefen als Berichterstatter diefes Unterrichtszweiges Seite 202 fagt:„ Die den fpeciellen Bedürfniffen der Lehrer und Lehrerinen- Bildungsanftalten angepafsten Lehrbücher müffen eben erft gefchaffen. werden," fo ift diefs ein deutlicher Beweis, dafs man an mafsgebender Stelle den Lehrer- Bildungsanftalten noch immer nicht die gehörige Sorgfalt zuwendet. Bildet doch der Rechenunterricht, gründlich ertheilt, die Seele des gefammten Volksfchul- Unterrichtes. Denn wenn es auch heutzutage noch fonft recht achtbare Menfchen gibt, die weder lefen noch fchreiben können, die erften Elemente des Rechenunterrichtes mufsten fie fich aneignen, auch wenn fie fich beim Rechnen der Finger bedienen follten. Lehrmittel für den mathematiſchen Unterricht an Mittelschulen. ( Algebra.) Für diefen Unterrichtszweig konnten bei der abftracten Natur desfelben keine Objecte ausgeftellt fein, es könnte höchftens in der unterften Claffe bei der Erklärung des dekadifchen Zahlenfyftems und bei der Lehre von der Theilbarkeit der Zahlen die Rechenmafchine mit verticalen Stäben in Anwendung kommen, was jedoch überflüffig wird, fobald die Volksfchule ihre Pflicht thut. Der Berichterstatter geht daher gleich zu den ausgeftellt gewefenen Lehrund Uebungsbüchern über, erlaubt fich aber bezüglich der in der öfterreichischen Unterrichtsabtheilung ausgeftellten auf den Bericht über das öfterreichifche Unterrichtswefen, Wien 1873, hinzuweifen; er glaubt jedoch anführen zu müffen, dafs in den öfterreichifchen Gymnafien vorzugsweife Močnik ,,, Lehrbuch der Arithmetik für Untergymnafien", Wien bei Gerold's Sohn, fowie deffen in demfelben Verlage erfchienenes„ Lehrbuch der Algebra" und Heifs Ed., Sammlung von Beiſpielen und Aufgaben aus der allgemeinen Arithmetik und Algebra", im Gebrauche find. An den öfterreichifchen Realfchulen find: Villicus Franz ,,, Lehr- und Uebungsbuch der Arithmetik für Unterrealfchulen", 3 Theile. Wien; dann Haberl J. ,,, Lehrbuch der allgemeinen Arithmetik und Algebra", fowie Frifchauf J. ,, Lehrbuch der allgemeinen Arithmetik" am meiften in Verwendung. " Nebft Heifs E.:,,Beifpielfammlung", Köln 1873, dürfte Zampieri J. ,,, Sammlung von Formeln, Aufgaben und Beiſpielen aus der Arithmetik und Algebra" am häufigften verwendet werden. In der Unterrichtsabtheilung des deutfchen Reiches waren ausgeftellt: Haller Baron von Hallerftein:„ Lehrbuch der Elementar- Mathematik." Berlin 1870. 1872. Worpitzky:„ Elemente der Mathematik für Gelehrtenfchulen." Berlin Reidl Friedrich:„ Die Elemente der Mathematik." Berlin 1868. Emsmann Guftav:„ ,, Höhere algebraifche Gleichungen zum Gebrauche in Realfchulen und Gymnafien", Halle 1867. Gallenkamp W.:,,Die Elemente der Mathematik." Iserlohn bei J.Bädeker. 42 Jofef Knirr. Eckl J. B." Angewandte Arithmethik für Latein- und Realfchulen." München 1861. Baumblatt L.:„ Vollständiges Rechenbuch für alle Stände." Mannheim 1871. Lübfen H. B.: Ausführliches Lehrbuch der Arithmetik und Algebra zum Selbftunterrichte." Leipzig 1873. Lübfen's fämmtliche Werke find in Oefterreich verbreitet und werden gerne gelefen. Binn H.:,,Kaufmännifche Arithmetik." Stuttgart. Schmidt L.:,,Das Ganze des Verficherungswefen." Stuttgart. Schmidt Julius:„ Die Arithmetik des Verkehrslebens." Stuttgart. Hauck A. und H.:„ Lehrbuch der Arithmetik für Gewerbe-, Handelsund Realfchulen." Nürnberg 1872. 3 Theile. Maier Hirfch:" Sammlung von Beiſpielen, Formeln und Aufgaben aus der Buchftabenrechnung und Algebra." Berlin 1873. Ein Buch, welches feinerzeit viel zur Hebung des mathematifchen Unterrichtes in Oefterreich beitrug.. Auflage. Heifs E.„ Sammlung von Beispielen." Köln 1873. Einunddreissigfte Bardey E.:„ Methodiſch geordnete Aufgabenfammlung für Gymnafien und Realfchulen." Leipzig 1873. Schellen H.:" Aufgaben für das theoretifche und praktiſche Rechnen." Münfter 1870. Siebenftellige Logarithmentafeln waren dafelbft ausgeftellt: Bremiker C.: Logarith. trigon. Handbuch. Berlin 1872. Schrön Ludwig. Braunfchweig 1871. Köhler H. Leipzig 1870. Bruhns C. D. Leipzig 1872 und Wittftein Th. Fünfftellige Logarithmentafeln. Hannover 1872. Der Berichterstatter kann nicht umhin, fein Bedauern auszufprechen, dafs einerfeits fo wenig mathematiſche Lehrbücher ausgeftellt waren, andererfeits diefelben fo bunt unter anderen Büchern ftanden, dafs die Leiftungen Deutfchlands auf dem Felde der Mathematik für die Befucher der Weltausstellung faft ganz verloren gingen. Noch weit fchwächer war die mathematiſche Literatur anderer Staaten vertreten. Von Frankreich hatten nur die Verlagshandlungen Hachette et Comp. und Gauthier in Paris ausgeftellt, und zwar: Anicot A.:„ Leçons nouvelles d'algèbre élémentaire." Paris. Bourdon M.:,,Application d'algèbre." Paris 1872. Lacroix S. F.: Eléments d'algèbre." Paris 1871. " Laurent H.: Traité d'algèbre." 99 Vacquant P. C.:,,Leçons d'algèbre élémentaire." Bertrand J.:" Traité d'algèbre." Zwei Theile 1870. Lionnet M.:„ Algèbre élémentaire à l'usage de candidats au baccalau réat es sciences et aux écoles du gouvernement." Paris 1868. Schrön L.:,,Tables de logarithmes." Paris 1873. Dupuis J.:„ Tables de logarithmes." Paris 1871. Hoüel J.„ Tables de logarithmes à cinq décimales." Paris 1871. In der belgifchen Abtheilung waren ausgeftellt: Raingo G. B.:„ Eléments d'algèbre." Mons 1873. Falisse V. et et: Graindorg J. Traité d'algèbre élémentaire." Mons 1872. " In der amerikanifchen Abtheilung waren blos von der Verlagshandlung Barnes& Comp. in New- York die mathematifchen Werke von Davies Charles ausgeftellt, und zwar: Practical Mathematics; University Arithmetic; Elementary Algebra; Elements of Algebra on the bases of M. Bourdon. Mathematifche Lehrmittel. In der ungarifchen Abtheilung fah man folgende Werke: Arányi B.:„ Sammlung von Beiſpielen zur Algebra."( Ungarifch.) Arnftein: Algebra.( Ungarifch.) Braffai: Uebungsbuch zur Algebra.( Ungarifch.) Klamarik J.: Arithmetik und Algebra.( Ungarifch.) Kifs L. Leitfaden der Algebra.( Ungarifch.) Komnenovich S.: Algebra.( Ungarifch.) Lutter N.: Die Elemente der höheren Arithmetik.( Ungarifch.) Mauritz: Allgemeine Arithmetik und Algebra. Szász- Močnik: Algebra.( Ungarifch.) 43 Wie aus den Jahresberichten des königl. baierifchen Realgymnafiums zu Nürnberg 1871/72, des königl. Realgymnafiums in München 1871/72 und des königl. Realgymnafiums zu Speier 1871 erfichtlich ift, wird dem mathematiſchen Unterrichte dafelbft nicht nur eine gröfsere wöchentliche Stundenzahl zugewiefen, es ift auch das Ausmafs für das zu erftrebende Lehrziel ein höheres, als diefs an den öfterreichifchen Gymnafien und Realfchulen der Fall ift. Mathematiſche Lehrmittel für Hochfchulen. ( Analyfis.) In der deutfchen Unterrichtsabtheilung fah man zuerft mit einem goldenen Lorbeerkranze verfehen: Gaufs F. C.: Sämmtliche Werke, und zwar hieher gehörend: 1) Disquifitiones arithmeticae. 2) Höhere Arithmetik. 3) Höhere Analyfis. Herausgegeben von der k. Gefellſchaft der Wiffenfchaften zu Göttingen; ferner: Lübfen H. B.:,,Lehrbuch der Analyfis zum Selbftunterrichte." Leipzig 1871. Lübfen H. B.:,,Einleitung in die Infinitefimalrechnung." Leipzig 1870. Der Berichterftatter mufs abermals auf die äufserft fpärliche Vertretung in diefer Richtung hinweifen und fich damit begnügen, anzuführen, dafs es fchwerlich in Oefterrelch einen Mittelfchul- Lehrer der Mathematik geben dürfte, deffen Privatbibliothek nicht reichhaltiger mit mathematifchen Büchern aus Deutſchland verfehen wäre. Er hält fich verpflichtet, auf die gediegenen mathematiſchen Werke Schlömilchs hinzuweifen, welche in Oefterreich befonders von den LehramtsCandidaten mit Eifer gelefen werden. In der franzöfifchen Abtheilung waren ausgeftellt. Bertrand J.: ,, Traité de calcul différentiel et de calcul intégral." Paris 1864. Jordan Camille: ,, Traité des fubftitutions et des équations algébriques." Serret J. A.:" Cours d'algébrique fupérieure." Paris 1866.( Wurde von G. Werthheim ins Deutfche überfetzt.) Serret J. A." Cours de calcul différentiel et de calcul intégral." Paris 1868. 2 Bände. Salmon P. G.:" Leçons d'algèbre fupérieure." Traduit de l'anglais par M. Bazin. Paris 1868. Sturm Ch. ,, Cours d'analyfe." Paris 1873. 2 Bände. Hermite Ch. M.: ,, Cours d'analyfe." Paris 1873. Valfon C. A.:,,La vie et les travaux du Baron Chauchy." Paris 1868. Gerono M. et Ch. Briffe:„ Nouvelles annales de mathématique." Paris 1872. In der amerikanifchen Abtheilung war blos Davies Ch.: Elements of the differential et integral Calcules" zu finden. Die Verlagshandlung„ Gerold's Sohn in Wien" hatte ausgeftellt: Burg A. ,, Compendium der höheren Mathematik." Dritte Auflage. 44 Jofef Knirr. Schulz von Strafsnitzky L.:,,Grundlehren der höheren Analyfis." Spitzer Simon: Allgemeine Auflöfung der Zahlengleichungen mit einer oder mehreren Unbekannten." Spitzer Simon:„ Studien über die Integration linearer Differentialgleichungen." Von der Verlagshandlung L. W. Seidel et Sohn in Wien: Herr J. Lehrbuch der höheren Mathematik." Zweite Auflage. Von der Verlagshandlung Wilhelm Braumüller in Wien: Skřivan: Grundlehren der Zahlentheorie." 17 Lehrmittel für den geometriſchen Unterricht. Allgemeines. Obwohl alle alten Völker mit mehr oder weniger Gefchick fich mit dem Studium der Geometrie befchäftigten, fo waren doch nur die Egypter dasjenige Volk, welches fchon frühzeitig ein ausgedehntes geometrifches Wiffen befafs und , dasfelbe auch praktiſch verwerthete. Die egyptifche Kaftenverfaffung, die regelmäfsig wiederkehrenden Ueberfchwemmungen des Nils und manche andere periodifche Phänomene der Natur mögen hiezu die unmittelbare Anregung gegeben haben. In welch hohem Anfehen die geometrifchen Kenntniffe der Egypter geftanden fein müffen, beweift, dafs nach Röth's Gefchichte der abendländifchen Philofophie", Thales von Milet, Pythagoras aus Samos und andere Gelehrte Griechenlands nach Egypten gingen, um dafelbft ihr Wiffen zu erweitern. " Die griechifchen Geométer haben die von den Egyptern erhaltenen geometrifchen Sätze nicht nur ftreng wiffenfchaftlich begründet, fondern auch die Geometrie erweitert und zu dem hohen Grade der Vollendung gebracht, in welcher fie auf uns gekommen ift. Es ift wohl felbft einleuchtend, dafs die von den Griechen fo hoch ausgebildete Geometrie von wefentlichem Einfluffe auf die weitere Entwicklung des gefammten mathematifchen Wiffens gewefen. Geometrifche Lehrmittel für Volks- und Bürgerfchulen. Man war lange Zeit der Meinung, dafs die Geometrie nicht in die Volksfchule gehöre, und noch heute find die Anfichten der Schulmänner über das: ,, wie viel dafelbft zu lehren fei", getheilt. Wie viel oder wie wenig Geometrie in der Volksfchule zu lehren wäre, kann hier wohl nicht erörtert werden; nur foll auch in der Volksfchule der Grundfatz gelten, dafs die Schüler nichts lernen, was fie nicht verftehen oder was ihnen nicht bewiefen werden kann. Ein geometrifcher Unterricht, der den Schülern nur Lehrfätze ohne Beweife vorführt, ift geradezu fchädlich. Der Berichterftatter mufs auch die von Jofef Rofs in Bofton in der amerikanifchen Abtheilung ausgeftellt gewefenen planimetrifchen Figuren als dem geometrifchen Unterrichte in der Volksfchule nachtheilig erklären; fie bleiben immer geometrifche Körper, wenn auch die dritte Dimenfion noch fo klein wird, und werden nie die Fläche erfetzen; auch kann den Schülern der Begriff einer geometrifchen Figur durch geeignete geometrifche Körper viel klarer beigebracht werden. Es genügt defshalb für den geometrifchen Unterricht in der Volksfchule eine kleine Sammlung geometrifcher Körper, wie man folche gröfsere Sammlungen in der Unterrichtsabtheilung des deutfchen Reiches, ausgeftellt von Schröder J. und Möfer L. in Darmſtadt; in der belgifchen, ausgeftellt von Bifter J. und von Ströffer J.( erftere aus Zinkblech, letztere aus Metalldraht) fehen konnte. Auch die Verlagshandlung Hachette et Comp. hatte eine recht fchöne Sammlung ausgeftellt, ebenfo das Volksfchullehrer- Seminar zu Jywäskylä in Finnland. Letztere Sammlung war von den Schülern des Seminars felbft verfertigt. Mathematifche Lehrmittel. 45 Erwähnt zu werden verdienen noch die geometrifchen Lehrmittel im fchwedifchen Schulhaufe, wo neben einer Sammlung von Körpern auch der Krämer'fche Apparat, deffen Einrichtung aus nebenftehender Zeichnung( Fig. 5) erfichtlich ist, ausgeftellt war. Derfelbe kann mit grofsem Vortheile bei der Lehre von der Berechnung des Flächeninhaltes geometriſcher Figuren und von der Beftimmung des Rauminhaltes der Körper benützt werden. Sehr zahlreich waren die Lehrmittel für das metriſche Mafs und Gewichtsfyftem vertreten, noch zahlreicher jedoch die ausgeftellten Lineale, Mafsftäbe und Zirkel. Als recht inftructiv für den Unterricht mufs die von Profeffor C. B opp in der deutfchen Unterrichtsabtheilung ausgeftellte Tafel ,, Anfchauliche Vergleichung der gebräuchlichften Fufsmafse mit dem metrifchen Mafse" bezeichnet werden. Lehrbücher für den geometrifchen Unterricht waren blos drei ausgeftellt und zwar in der deutfchen Abtheilung: Stubba A. ,, Lehrbuch der Geometrie für Stadtfchulen und SchullehrerSeminare." Leipzig 1870. Dürringer: ,, Elemente der Formen lehre und Geometrie für höhere Volksfchulen."( Ungarifch.) Mayer: Formenlehre und GeoFig. 5. metrie"( ungarifch); die letzteren zwei in der ungarifchen Abtheilung. Geometrifche Lehrmittel für Mittelfchulen. Die geometrifchen Lehrmittel für Mittelfchulen beftanden wieder in Sammlungen geometrifcher Körper und in ausgeftellten Lehrbüchern. Da die erfteren bereits bei der Volksfchule angeführt wurden, genügt hier blos die Bemerkung, dafs die meiſten der ausgeftellten Sammlungen für den Unterricht an Mittelfchulen ausreichten. Von Lehrbüchern waren ausgeftellt in der ungarifchen Abtheilung: Abel M. ,, Geometrie."( Ungarifch.) Bajusz:„ Analytifche Geometrie in der Ebene", fowie deffen ebene und fphärifche Trigonometrie.( Sämmtlich ungarifch.) Klamarik: ,, Geometrie"( Ungarifch.) Lübens: ,, Geometrie"( Ungarifch.) Szabóky: ,, Geometrie für Obergymnafien und deffen Močnik's Geometrie." ( Beide ungarifch.) In der deutfchen Unterrichtsabtheilung fand man die Werke: Müller:„ Lehrbuch der Planimetrie." Bremen 1870. Gallenkamp W.:,,Sammlung trigonometrifcher Aufgaben." Mülheim 1856. Ziegler A.:,,Fundamente der Stereometrie." München 1872. Lübfen H. B.:,,Lehrbuch der Elementargeometrie." Leipzig 1873. Lübfen H. B.:,,Ausführliches Lehrbuch der ebenen und fphärifchen Trigonometrie": Leipzig 1873. Recknagel G.:,,Lehrbuch der ebenen Geometrie." München 1871. 46 Jofef Knirr. Werke: In der franzöfifchen Ausftellung fah man: Compagnon P. F.:„ Eléments de géométrie." Paris 1868. Rouché E.:" Eléments de géométrie." Paris 1873. Serret J. A.:,,Traité de trigonométrie." Paris 1868. Die niederländifche Unterrichtsabtheilung enthielt folgende mathematiſche Van Geer P.: Leerbock der Meetkunde." Leyden by Sijthoff 2 Bände. Van Pefch A. J.:" Logarithmentafels mit vijt Decimalen." Leiden 1873. Schlömilch& Fort:„ Analyftifche Geometrie", in das Holländifche übertragen. Unter den in Oefterreich am häufigften in Verwendung ftehenden Lehrbüchern find zu nennen: Sonndorfer R.: Lehrbuch der Geometrie für die oberen Claffen der Mittelfchulen." Wien. " Moznik: ,, Geometrie für Obergymnafien." Geometrifche Lehrmittel für Hochfchulen. Die hieher gehörenden ausgeftellten Werke waren: Bouget& Ch. Houfel J.:„ Géométrie analytique à trois dimenfions." Serret J. A. Géométrie de direction." Paris 1869. Sonnet H.:,,Eléments de géométrie analytique." Paris 1873. Lübfen H. B.:„ Ausführliches Lehrbuch der höheren Geometrie." Leipzig 1872. Gaufs C. F.: Geometrie und Methoden der kleinften Quadrate." Göttingen. Davies Ch.: Elements of analytical Geometrie." New- York. Obwohl Oefterreich noch nicht alle Lehrbücher für den mathematiſchen Unterricht felbft erzeugt und auf fremde Hilfe angewiefen ift, fo zeigt uns fchon eine wenn auch nur flüchtige Vergleichung der mathematifchen Lehrbücher von einft und jetzt den ungewöhnlichen Fortfchritt, den Oefterreich in diefer Rich tung in den letzten 25 Jahren gemacht hat. Leider wurde den Befuchern der Weltausftellung die Gelegenheit nicht geboten, diefen Vergleich anftellen zu können, da kein mathematifches Lehrbuch, welches vor dem Jahre 1848 gedruckt wurde, ausgeftellt war. Hoffen wir, dafs bei der nächften Weltausftellung diefes Moment die gebührende Rückficht finden wird.