DIE HAUSINDUSTRIE OESTERREICHS. EIN COMMENTAR ZUR HAUSINDUSTRIELLEN ABTHEILUNG WIEN 1890. REDKURT VON WILHELM EXNER. ALFRED HOLDER K. IT. K. HOF- UND UNIVERSITÄTS - BUCHHÄNDLER I. ROTHENTI1URMSTRASSE 15. ?**#* ft ** £■* 4 , je- Vrï^S* ■■ -Rv*r; wxfnr y . ’V&M* ft»#**' ».id'SLi&J i*«5 r"> ' .jwwwwi HAUSINDUSTRIE OESTERREICHS. EIN COMMENTAR HAUSINDUSTRIELLEN ABTHEILUNG AUF DELt ALLGEHEIMEN LAND- UND «TMHSMFTL. AUSSTELLUNG WIEN 1890. HUUIG1KT VON WILHELM EXNER ALFRED HOLDER K. U. K. HOF- UND UNIVERSITÄT« - BUCHIIANDT.ER 1. KOTNEKTHURMbTRASSE 13. fc4mmc umwien mpuotmck Druck von Ch. Reisser & M. Werthner. vV -j EINLEITENDES VORWORT. esterreich ist ungemein reich an eigenartigen, des eingehendsten Studiums werthen Vorkommen von Hausindustrien. Socialstatistische Untersuchungen, wie sie in neuester Zeit bei verschiedenen deutschen Hausindustrien, z. B. jener von Thüringen angestellt wurden, fehlen uns leider fast noch gänzlich. Dagegen ist manche descriptive Arbeit bezüglich einzelner österreichischer Hausindustrien geliefert worden. Das Grödenerthal, die Viechtau, das Tischlerdorf Mariano, der Böhmerwald waren schon wiederholt Gegenstand von Publicationen wohlmeinender Männer, welche die wirthschaftliche Bedeutung oder die technologische Seite der dort angesiedelten Hausindustrien schilderten. Die Ausstellungen in Lemberg, Czernowitz, Przemysl, Krakau gaben Veranlas- iii sung, Notizen über die bei dieser Gelegenheit mehr oder minder glücklich vo’rgeführten Hausindustrien zu sammeln. Niemals aber war bisher der Versuch gemacht worden, ein die Gesammtheit der wichtigeren österreichischen Hausindustrien zusammenfassendes Bild zu schaffen. Zum ersten Mal wurde dieser Versuch durch den Beschluss des General-Comites der Allgemeinen land- und forstwirtschaftlichen Ausstellung des Jahres 1890, eine besondere Abtheilung für die österreichische Hausindustrie zu organisiren, angebahnt. Als mir die Leitung dieser, allerdings in sehr bescheidenem Umfange zu veranstaltenden Gruppe übertragen wurde, fasste ich den Entschluss, alle jene Personen dem Unternehmen zu gewinnen, die entweder berufsmässig oder als Amateurs eine namhafte Stellung zur Frage der Entwicklung oder Conservirung der bestehenden Hausindustrie einnehmen. Die Liste der Mitglieder dieses » Fach-Comites « zeigt, dass ich in der That viele hervorragende Persönlichkeiten heranzuziehen so glücklich war. Durch das »Programm« wurde das Arbeitsfeld abgesteckt und innerhalb desselben ist eine überaus reiche, alle wichtigen Zweige der österreichischen Hausindustrie charakteristisch vertretende Reihe von Objecten aufgesammelt worden. So anziehend und für den Fachmann lehrreich diese Collection an und für sich auch sein mag, so schien es mir doch angemessen und für weitere Bestrebungen auf diesem Gebiete uner- iv i lässlich, meine verehrten Mitarbeiter zur Verfassung von Monographien über die ihnen besonders genau bekannten hausindustriellen Emporien zu bestimmen. Auch hierin habe ich das weitestgehendste Entgegenkommen dankbar anzuerkennen. Es konnte nicht meine Absicht sein, durch Reglements und Instructionen die individuelle Richtung der einzelnen Referenten erheblich zu beeinflussen. Einförmigkeit wäre kein Vorzug gewesen, und wer weiss, wie gross der Schaden geworden wäre, hätte man von pedantischen Grundsätzen geleitet*, das Wagniss unternommen, zu schematisiren. So ist, im Gegentheile, das vorliegende Buch entstanden, dasauseiner Reihe selbstständig entworfener Schilderungen besteht, jede für sich im höchsten Grade belehrend, alle zusammengenommen nicht nur ein unschätzbarer Commentar für unsere hausindustrielle Abtheilung, sondern auch ein Beitrag von — wie mir däucht — bleibendem Werth für die Kenntniss eines wichtigen Zweiges der Volks- wirthschaft. National-Oekonomen und Socialstatistiker können und werden dieses Buch als Wegweiser für Studien benützen können, die auch in unserem Vaterlande höchst zeitgemäss wären. Staatsmänner, welche es sich zur Aufgabe machen, nothleidenden Volksclassen zu Hülfe zu kommen, sollten dieses Buch lesen, um zu erkennen, dass sie die ärmsten unter den Armen bisher übersehen haben. Der Kampf um’s Dasein ist kaum irgendwo ein so bitterer, wie in der Werkstelle des Dorfbewohners. Diesem fehlt noch Alles, was man durch die Arbeitersschutz-Gesetzgebung beim Fabrikswesen und in dem städtischen Gewerbe geleistet. Ihm sind auch die Früchte der Selbsthilfe fast versagt. Und doch sind diese von dem modernen Culturleben exilirten Menschen oft noch die Träger der Traditionen alter Cultur-Epochen. Möchten diese Blätter dazu beitragen, in den weitesten Kreisen ein werkthätiges Interesse zu wecken für die österreichische Hausindustrie! Ostern 1890. W. Exner. PROGRAMM für die Gruppe „Hausindustrie“. 1. Als Hausindustrie ist jene Productionsform aufzufassen, in welcher der Landbewohner i n oder bei seiner Wohnstätte neben der land- oder forstwirtschaftlichen Berufsbethäti- gung Gegenstände des eigenen Bedarfes für den Haushalt und die Kleidung oder Artikel zum Verkaufe, die sonst Objecte der gewerblichen oder industriellen Betriebsamkeit sind, herstellt. Die Mitglieder seiner Familie sind seine Hilfsarbeiter; Lohnarbeiter treten nur ausnahmsweise hinzu. Jene in die land- und forstwirtschaftlichen Nebengewerbe fallenden Erzeugungen, die nicht auf Kosten und Gefahr eines anderen, des Grossgrundbesitzers, sondern auf Risico des Hausindustriellen fallen, gehören hieher. 2. Gebiet: die im Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder, — die occupirten Provinzen Bosnien und Hercegovina. 3. Da es nicht zu erreichen ist, dass Hausindustrielle selbst als Aussteller auftreten, entfallen für diese Abtheilung alle jene Bestimmungen, welche das Programm enthält, um einen Theil der Ausstellungskosten auf diese überzuwälzen, wie Platzmietlie, Transport und Versicherungsspesen, Ausstattung, Firmenbezeichnung etc. Dem Fachcomite wird vielmehr ein Credit für den Ankauf und die aus der Entlehnung entspringenden Kosten eröffnet. 4. Für diese Gruppe ist ein abgesonderter Ausstellungsraum ausserhalb der Rotunde zu bestimmen, von dessen Grösse die Höhe des Credites abhängt. 5. Ein Specialkatalog ist zu verfassen. 6. Fiir die Mitwirkung bei der Durchführung des ganzen Unternehmens ernennt das Generalcomite auswärtige Mitglieder des Fachcomites über Antrag des Obmannes. 7. Die Gruppe: »Hausindustrie« ist von der Gruppe: »Gewerbe und Industrie im Dienste der Bodencultur« räumlich und organisatorisch zu trennen, so dass jede von beiden selbstständig durchgeführt wird. Das Fachcomite für die besondere Gruppe Hausindustrie: Hofrath Wilhelm Exner, Obmann. Das Generalcomite für die Allgemeine land- und forstwirth- schaftliche Ausstellung Wien 1890: Der Präsident: Josef Fürst Colloredo-Mannsfeld. I. Vicepräsident: I. Vicepräsident: Franz Graf Falkenhayn. Christian Graf Kinsky. Der Schriftführer: Adolf Hochegger. Fach-Comite für Hausindustrie. Obmann: Wilhelm Exner, k. k. Hofratli, o. ö. Professor an der k. k. Hochschule für Bodencultur, Director des k. k. Technologischen Gewerbe-Museums, Reichsrathsabgeordneter etc., Wien, IX., Währingerstrasse 59. Mitglieder: Angerer Johann, Dr., Reichsrathsabgeordneter und Gutsbesitzer, Innsbruck. Attems Heinrich Graf, k. k. Kämmerer, Major, Verwaltungsrath der k. k. priv. wechselseitigen Brandschadenversicherungs- Gesellschaft, Graz. Bach, Emilie, Directrice der k. k. Fachschule für Kunststickerei, Wien, f. Baraniecki, Dr., Director des städtischen Museums, Krakau. Czartoryska Marie Fürstin von, Herrschaftsbesitzerin, Wiazownica bei Jaroslau, Galizien. Dzieduszycki Wladimir Graf, k. k. wirklicher geheimer Rath und Kämmerer, Herrschaftsbesitzer, Lemberg. Goebel Gustav, Leiter der k. k. Fachschule für Holzindustrie und Marmorbearbeitung, Hallstatt, O.-Oe. Greil Hans, Leiter der k. k. Fachschule für Holzschnitzerei und Kunsttischlcrei, Ebensee O.-Oe., tx Hallwich Hermann, Dr., kaiserlicher Rath, Reichsrathsabgeord- neter, Secretär der Handels- und Gewerbekammer, Reichenberg, Böhmen. Hoenig Max, Dr., Secretär der Handels- und Gewerbekammer, Olmütz. Kornauth Johann, Director der k. k. Fachschule für Holzindustrie, Bozen. Kretschmer Johann, Kaufmann und Bürgermeister, Grulich, Böhmen. Lind Carl, Dr., k. k. Sectionsrath im Ministerium für Cultus und Unterricht, Wien, I., Minoritenplatz 7- Mikyska Alois, Dr., Reichsrathsabgeordneter und Landes- Advocat, Wal.-Meseritsch, Mähren. Murnik Johann, kaiserlicher Rath, Landesausschuss, Secretär der Handels- und Gewerbekammer, Laibach. Ribi Carl August, Director der k. k. Fachschule für Holzindustrie, Mariano bei Görz. Romstorfer Carl, Professor an der k. k. Staats-Gewerbeschule, Czernowitz. Rosmael Franz, Director der k. k. Fachschule für Holzindustrie, Wal.-Meseritsch, Mähren. Storck Josef, k. k. Hofrath, Architekt, Director der Kunstgewerbeschule des k. k. Oesterr. Museums für Kunst und Industrie in Wien, I., Stubenring B. Taschek Josef, Kaufmann, Obmann des Deutschen Böhmerwald- Bundes, Budweis. Weigel Ferdinand, Dr., Landes-Advocat, Secretär der Handelsund Gewerbekammer, Krakau. Wierzbycki L. von, Eisenbahn-Betriebsdirector, Lemberg. Wiglitzky Hubert, Dr., Secretär der Handels- und Gewerbekammer, Czernowitz. Zachar Anton, Landesrath etc., Czernowitz. X T DIE HAUSINDUSTRIE OESTERREICHS. Grundlagen der Hausindustrie: Kunst und Technik Talent und Fleiss Tradition und Fortschritt. mMm mm® StUSSSS SSBES a»isa»i! DIE INNERÖSTERREICHISCHEN LÄNDER. I. Steiermark, Kärnten. er im Volke und mit dem Volke lebt, dem kann es nicht entgangen sein, dass die Rückwirkung der Entwicklung aller Gewerbe, der Industrie, des Handels, des Verkehrswesens und die vollständige Umgestaltung gar vieler culturellen und volkswirthschaftlichen Institutionen einen Umschwung in den Gewohnheiten, Beschäftigungen, Sitten des Landbewohners herbeigeführt haben. Ob dieser Wandel dem Volke zum Wohle gereicht? In vielen Beziehungen gewiss nicht. Ja, obwohl ein warmer Freund des gesunden Fortschrittes, sage ich doch — »gewiss nicht«. So viel steht fest, dass in der Zeit, da die Fabrik noch nicht eine so sehr dominirende Rolle spielte, als es heute der 1 1 Fall ist, die Arbeit im Hause, in der Familie viel höher in Ehren stand. Nahezu Alles, was heute beim Krämer, beim Händler, am Markte g ek a u ft wird, wurde damals im Hause erzeugt; es wurde dabei zum mindesten viel Geld erspart. Man behauptet freilich — und mit einer gewissen Berechtigung — dass der heutige Mangel einer Hausindustrie in Steiermark-Kärnten und die Schwierigkeit, eine solche einzubürgern, wohl zum Theil in den Lebensgewohnheiten der Alpenbevölkerung begründet sei. Es ist allerdings richtig, dass in den Waldregionen der Mann auch im Winter, mindestens ein gut Theil desselben, ausser Haus — im Walde weit weg — beschäftigt ist, und richtig ist es auch, dass die kleinlichen Handgriffe einer hausindustriellen Thätigkeit weder seinen Gewohnheiten noch seiner Neigung entsprechen. Die Frau hat mit der Führung der Hauswirthschaft ihrer Ansicht nach vollauf zu thun — in grossen Wirtschaften auch wirklich recht viel zu thun. Es bleibt ihr demnach nur wenig freie Zeit. Ich gebe also zu, dass es überhaupt schwierig sei, neue Fertigkeiten als Hausindustrie einzuführen; dass bei der Schwerfälligkeit und dem geringen Fleisse des deutschen Aelplers dies sogar kaum möglich sei; und doch war es einst anders. — Ich bin sonach der Anschauung, dass es überaus verdienstlich wäre, wenn mindestens dort, wo der Wald nicht eine Hauptrolle spielt, und für all’ die Vielen, welche mit dem Walde weniger zu thun haben, der Versuch gemacht würde, den langen Winter durch Händearbeit auszufüllen. DieWinterfuhrwerkerei, namentlich in Folge des Kohlenbrennens, hat nahezu aufgehört; Tausende von Aelplern haben nach beendetem Dreschen nichts mehr zu thun — und es ist Thatsache, dass all’ die Menschen, welche früher T 2 T b_ in dieser Zeit mit Fuhren sehr beschäftigt waren, jetzt mit- sammt ihren Knechten in stumpfsinnigem Hinbrüten die lange Winterszeit todtschlagen. Den Aelpler aus diesem nicht menschenwürdigen Zustande durch Einführung gewinnbringender und den Geist beschäftigender Hausindustrien herauszureissen, wäre eine ebenso patriotische als menschenfreundliche That, und es wäre ein grosser Vorzug dieser Ausstellung, wenn sie zum Ausgangspunkte einer dieses Ziel im Auge habenden Action gestaltet würde. Welcher Volkswirth, welcher Patriot könnte die Tragweite solcher Volkserziehung unterschätzen? Gewiss ist es ja, dass wir heute ein ganz neues eigenartiges Volksleben haben. Den veränderten Verhältnissen angepasste häusliche Arbeit zu begründen, durch weit ausholende Massnahmen auf die Arbeitslust, auf die Schaffensfreude — sonach auf den Volkswohlstand, auf Sitte und Moral hinzuwirken, mit einem Worte das Volk für unser Jahrhundert zu erziehen, ist fürwahr des Hinzuthuns der Besten werth. — Steiermark. Abgesehen von Loden- und Wifituch (halb Wolle, halb Leinen) wird nur mehr sporadisch Hausleinen gewebt, und werden mehrerenorts rohe Holzwaaren und etwas — ganz wenig — Korbgeflechte hergestellt. Im Grossen und Ganzen aber stehen die meisten Hauswalken unbeniitzt, die alten Nagelschmieden fast ausnahmslos verlassen da. Die Webstühle sind zumeist bei Seite geschafft, ja selbst die Behelfe zur Erzeugung von Seife und Unschlittkerzen, die Essigständer wurden in die Rumpelkammer gestellt. 7 3 1 * T I i So viel steht fest, dass die hausindustrielle Erzeugung der Wirthschaftsbehelfe und der Kleidung arg im Rückgänge begriffen ist. Der Essig, die Kerze etc. werden beim Krämer gekauft, die Leinwand und das Tuch beim Kaufmann und Fass, Reif und Rechen und noch manches Andere am Markte erstanden; jedenfalls wird für Alles Geld ausgegeben, ohne dass etwa für die erübrigte Zeit in anderer Form Geld eingehen würde. Mag auch dabei der Geldent- gang durch die entfallende Ersparniss für jede einzelne Familie kein grosser sein — im Volkshaushalte stellt die Summe gewiss ein gut Stück Nationalvermögen vor. Auf die einzelnen Productionszweige übergehend, glaube ich zur Schaffung eines vollständigeren Bildes alle im Hausstande— durch die Hausgenossen betriebenen »Erwerbs«- Zweige, dann die landwirthschaftlichen Nebengewerbe (Verarbeitung der eigenen Erzeugnisse) und im weitesten Sinne erst all’ die Producte der gewerblichen Hantirungen zum eigenen Hausgebrauch besprechen zu müssen. Wein-, Cider-Bereitung sind — streng genommen — landwirtschaftliche Betriebe und doch auch theihveise Hausindustrie. Die Mangelhaftigkeit ihrer heutigen Durchführung hervorzukehren, würde jedoch den Rahmen dieser Studie überschreiten. Es sei an dieser Stelle nur auf den Beerenwein hingewiesen. Solcher wird nur von Wenigen producirt (z. B. Domäne Montpreis, Bezirk Lichtenwald). Die Cultur der Himbeere wäre jedoch empfehlenswert, zumal für höhere Weingebirgslagen, wenn die Reblaus die Reben vernichtet haben wird. Essig wird aus Wein- und Obsttrestern (Trebern) noch bereitet, geht aber zurück. Dörrobst wird fast nur noch zum Hausgebrauche be- T 4 T A -*-ö- A reitet, etwas Weniges auch zum Wochenmarkt gebracht. Gegendweise wurde früher davon viel erzeugt und verkauft. Im Bezirke Rann werden nun auch von der Bauernschaft Zwetschken zu Prünellen bereitet. Sie erlernten es von Görzem, welche alljährlich auf zwei Monate hiezu in diese Gegend kommen. Die Obst dörre hat aber für Steiermark die grösste Bedeutung. Die Obstproduction ist eine höchst ausgedehnte und sehr fortgeschrittene. Es gelang namentlich den Bemühungen des k. k. österreichischen Pomologen-Vereines, den Welthandel nach Steiermark zu ziehen. Die private Dörranstalt der Central-Station zu St. Peter bei Graz hat die Richtung angegeben — sie erprobte und propagirte das neue amerikanische Dörrverfahren. Die Pro- ducte fanden namentlich in Deutschland, Schweden viel Anwerth, wurden hoch bezahlt; sie eröffneten dem steirischen Dörrobst den Weltmarkt. Die Aufgabe der Anstalt war damit erfüllt. Es steht nun an den steirischen Landwirthen, diese Hausindustrie, dem erhaltenen Beispiele entsprechend, einzurichten und zu verallgemeinern. Oel wird in Mittelsteier aus Lein- und Kürbissamen, in den politischen Bezirken Marburg, Pettau, Windisch-Grazund im Bezirke Cilli (im Umkreise des Bacherer Gebirges) aus Kürbiskörnern bereitet und dient als Speiseöl. Viele Land- wirthe versorgen sich den Hausbedarf — noch mehr gehen aber zum Krämer; Einiges kommt auch auf die Wochenmärkte, und wird die Sauerbrunnflasche voll mit einem Gulden verkauft. Die entschälten Kürbiskömer werden in der Mühle vermahlen, dort von Leuten des Mahlgastes in einer grossen Pfanne — flachem Kessel — geröstet, ausgedrückt und gepresst. Oelkuchen sind Nebenproduct. Selcherei. Haushaltungsbetrieb zum Eigengebrauche. T T i i Selchwürste werden mitunter auch zu Markt gebracht, geräucherter Speck auch an Productenhändler verkauft. Am Draufelde zwischen Marburg und Pettau ist über den Herbst und Winter die Schweineschlächterei im Schwünge. In mehreren Dörfern befasst sich eine grössere Anzahl von Bauern damit. Sie kaufen fette Schweine, schlachten sie Donnerstags und bringen auf Wägen Fleisch und Speck Freitags nach Pettau, Samstags nach Marburg zum Wochenmarkte. Viel besuchter sind die Wochenmärkte in Marburg, wo oft über fünfzig Wagenladungen eintreffen. Fleisch und Speck werden ebenso en gros wie en detail verkauft, viel auch nach Kärnten und Obersteier. Diese »Spehoren« — so heissen die Speckbauern — sind allerdings besteuert, betreiben aber diese Speculation als Nebenbeschäftigung nach Aufhören landwirthschaftlicher Feldarbeiten. — Wäre der Fiscus nicht so erfinderisch, würde diese Hausindustrie allgemeiner werden und so freudigere Entwicklung finden. Bäckerei von Brot zum Hausgebrauche in jeder Haushaltung gebräuchlich. In Untersteier wird aber auch von Schankwirthen und Anderen Weissbrot aus Weizenmehl, der Laib meist zu zwanzig Kreuzer, ausgebacken und im Hause wie ausser Hause verkauft. An Sonntagen werden mehrere Körbe davon zu jeder Kirche gebracht und auch auf die Wochenmärkte; die Bäcker eifern viel gegen diesen altherkömmlichen Brotverschleiss — gegen diese alteingebürgerte Hausindustrie, weil sie angeblich — und nur sie »gewerbeberechtigt« sind und »Steuern zahlen«. Handmühlen sind im Unterlande in den Gerichtsbezirken St. Marein, Drachenburg, Rohitsch und im südlichen bergigen Theile des Gerichtsbezirkes Pettau und im Oberlande fast in allen Bezirken allgemein. Diese Handmühlen sind in der Wohnstube oder in einer Kammer aufgestellt, T r. i i haben zwei Mühlsteine geringen Durchmessers und geringer Dicke und werden mit der Hand getrieben. Wenn die' Bäuerin (Winzerin) das Feuer an gemacht und das Wasser im Topfe zugesetzt ist, geht sie zur Mühle und mahlt sich das nöthige Kukurutzmehl fiir’s Frühstück — Mus oder Sterz — oder auch zum Brotlaibe. Graupe wird im Unterlande noch viel bereitet aus Hirse, Gerste und Heiden, meist in die Mühle zur Stampfe geschickt, in Gebirgsgegenden aber noch immer in einem grossen hölzernen Mörser gestampft. Molkerei. Ausser Butter und Rindschmalz ist auch der Käse erwähnenswerth. Dieser Bauernkäse ist weiss, in Kugeln von Eigrösse geformt und wird an Sonne und Licht getrocknet, in Wirthshäusern und auf Märkten verkauft, selbstverständlich auch zu Hause, namentlich zum Imbiss für Arbeiter, gebraucht. — Auf mehreren Domänen des Mittelund Unterlandes wird Fettkäse in Ziegel- und Laibform, in Donatiberg bei Rohitsch der »Rohitscher Dessertkäse« pro- ducirt. Im Oberlande hat neuester Zeit die Käse-Erzeugung einen bedeutenden Aufschwung genommen, und beginnt Käse ein Handelsartikel zu werden. Bis nun ward nur Schmalz erzeugt und viel oder wenig — aber gewiss Alles — selbst verzehrt. — Der landwirthschaftlichen Filiale Aussee gebührt das Verdienst, diesen Aufschwung erzielt zu haben. Leinwand. Die Erzeugung von Leinwand hat im Unterlande in vielen Gegenden schon ganz aufgehört; wo sie noch besteht, ist sie im raschen Rückgänge, am Aussterbeetat. Im Pettauer Bezirke existirt in keinem Hause mehr ein Spinnrad, und kein Weib kann mehr spinnen, die Alten haben es vergessen, die Jungen nicht gelernt. Dafür aber sieht man auch in äusserlich wohlhabend aussehenden Häusern in den t i Betten nacktes Stroh. In Pettau waren 1880 das letzte Mal Spinnräder am Markte. Gegen den Savezipf— District Rann — zu wird noch ziemlich viel gesponnen. Vor hundert Jahren war Leinwand in vielen Gegenden des Unterlandes — Windisch-Graz, Polstrau — ein ganz bedeutender Exportartikel. Mit der Leinwand sind auch die Färbereien in den Städten und Märkten ein gegangen. In Blau und Schwarz — ohne Dessin — hat seinerzeit auch jede Bäuerin färben können. Ausser Leinwand wurden im Unterlande früher in jedem Hause allerlei Zwirn, Schusterdraht und Bänder für Schürzen und sonstigen Bedarf erzeugt, jetzt befasst sich Niemand mehr damit. Im Bezirke Vorau — und auch sonst noch vielerorts in der mittleren Steiermark — werden noch grössere Mengen bester grober Hausleinwand gewebt. Selbe wird zwar aus selbst gebautem Hanf im Bauernhause auf dem in selbem befindlichen Webstuhle gemacht, es wird jedoch hiezu der Weber auf die »Stöhr« genommen. Im Oberlande Murau, Aussee etc. wird viel Hanf zu diesem Zwecke gebaut und nahezu in jedem Hause grobe Leinwand für den eigenen Bedarf gemacht. — Die gröbste: »Rupfer«, mittelfein als »Abborsten«, fein als »Reisten«. Loden. Wenn auch stark im Rückgänge begriffen, so ist doch dieser Hausindustriezweig der gesundeste im Lande, und hat er sich, mindestens in den Gegenden von Schladming, Prassberg, Pöllau noch einigermassen erhalten, ja es behaupten die Schladminger, dass er dort »Fortschritte mache«. Fs lässt sich nicht feststellen, wie alt dieser Hausindustriezweig ist. So viel steht fest, dass sich von Generation zu Generation diese Hausindustrie forterbte, und sie entwickelte sich von Geschlecht zu Geschlecht, ja von Jahr zu 8 1 Jahr, zu leichterer Arbeit und besserer Qualität des Stoffes. Der Hausloden dient dort in erster Linie der Landbevölkerung, der Ueberschuss bildet eine nicht zu unterschätzende Erwerbsquelle des obersteirischen Bauern. Für den Verkauf und für die Männerkleider wird er gewalkt, für die Mägde wird er ungewalkt verwendet. Der »steirische Loden« ist im Handel sehr geschätzt. Freilich gilt dies nur zumeist von dem industriell ausgefertigten. Man hält weisse, schwarze und graue Schafe; letztere sind die beliebtesten, weil die Wolle bereits die richtige Farbe hat. Die Wollschur findet hier jährlich dreimal statt, nämlich: vor Weihnachten, Ende der Fastenzeit und im Monate Juli. Die Schafwäsche wird sehr sorgfältig durchgeführt. Die Wolle wird jetzt zum »Wollenschläger« gebracht, früher, u. zw. vor wenig Jahren noch, ging dieser von Haus zu Haus. Ein Brett mit Saiten bespannt war sein Werkzeug, worauf er die Wolle so lange »schlug«, bis diese ganz und gar gereinigt, zerfasert und zur Spinnerei tauglich war. Gegenwärtig wird die Wolle von ihm mittelst Kartätschen zum Spinnen zurecht gearbeitet. Um Schladming, dem Hauptsitz dieses Industriezweiges, existiren dermalen vier solche Kartätschen. Selbe werden theils mit der Hand, aber auch schon mittelst Wasserkraft in Betrieb gesetzt. Hierauf wird die Wolle gesponnen. Alle weiblichen Arbeitskräfte werden in Anspruch genommen; selbst Kinder müssen sich daran betheiligen. Der obersteirische Bauer weiss, dass die Qualität des Lodens in erster Linie von guter Wolle abhängt. Man kann aber leider nicht sagen, dass die Schafzucht auf einer hohen Stufe steht. — Der Aelpler ist eben sehr conservativ. — Das Hauptgewicht legt er auf die sorgfältige Reinigung und Be- ■tt- 7 9 arbeitung derselben durch den »Wollenschläger«; die Frauen lassen sich ein gleich massiges Spinnen der Wolle sehr angelegen sein. Während so die Hausmutter die Aufräumung der Spinnräder anordnet, sorgt der Hausvater für den »Weber«, der von Haus zu Haus wandert und während der Arbeitsdauer ganz ins Haus genommen wird. Nach dem Weben wird der Loden dem sogenannten »Lodenwalker« übergeben, was hier mittelst der Maschine geschieht. Damit erst ist diese vielhändige und mehrseitige Arbeit zum Abschlüsse gekommen. Ist auch, wie schon gesagt, eine gute Qualität des Lodens von den Vorarbeiten abhängig, so liegt doch der Schwerpunkt schliesslich und hauptsächlich in der Leistung des sachkundigen aufmerksamen Loden walk er s. Nach dessen Arbeit kann erst von »geringer«, »mittlerer« oder »guter« Qualität des Lodens gesprochen werden. Ein leichtfertiger Lodenwalker kann den ihm übergebenen, bisher bestbearbeiteten Loden verderben. Dass seine Arbeit keine leichte und auch nebst seiner Umsicht und seinem Fleisse von anderen Umständen abhängt, sagt des Lodenwalkers Sprichwort: »G’rath’s, so g’rath’s!« Man kann annehmen, dass durchschnittlich jeder Grundbesitzer der Schladminger Gegend zwei bis drei Ballen Loden zu je 25 bis 30 Meter Länge erzeugt. Bedarf nun auch durchschnittlich jeder Landwirth für sich und sein Haus einen Ballen, so ergibt der Verkauf des Ueberschusses immerhin eine namhafte Einnahme. Wünschenswerth wäre unbedingt die Erhaltung und Vervollkommnung dieses einzigen Hausindustrie-Zweiges. Er gibt vielen Händen Beschäftigung. Rationelle Veredlung der Schafzucht wäre vor Allem dringend geboten. 10 T Die Schladminger sagen, dass in den letzten Jahren ein kleiner Rückgang im Absätze des Lodens, angeblich durch die Einfuhr des »Tiroler Lodens« zu spüren war. Sie meinen aber, dass letzterer von geringerer Qualität und darum selbstverständlich wohlfeiler sei, dass dieser Umstand, sowie das Verlangen nach Neuerung in der Kleidung mehrere Käufer zum Bezüge des Tiroler Lodens verleitete. Nach kurzem Versuche kehrten diese jedoch wieder zum Kaufe von Steirer- Loden zurück, denn es sei erwiesen, dass dieser, trotz seines höheren Preises, wegen seiner Dauerhaftigkeit doch der billigere ist. An dem Hauptumsatzorte, in Graz, sagt man aber, dass der Fabriksloden diesem Hausloden arge Con- currenz bereitet, da er geschmeidiger, hübscher in Farbe, breiter und billiger sei. Factisch bedienen sich Städter, Touristen, Schützen fast ausschliesslich nur des kleidsameren Fabrikslodens, und war früher der steirische Hausloden ein sehr gesuchter Artikel in unseren Grazer Tuchhandlungen, so findet man gegenwärtig keinen solchen mehr. Der echte »Obersteirer« aber, der Gemsjäger, der Holzknecht, der Bauer, die sind conservativ und bleiben bei den unbedingt haltbareren Hausloden und setzen sich über das Brettige desselben hinweg. Möge es auch so bleiben! Es wäre zu schade, wenn auch dieser letzte Rest heimischer Hausindustrie den Boden verlieren würde. Gut wäre es, wenn in entsprechender Weise für die Verbesserung dieser Hausindustrie etwas geschehen würde, damit sie fortexistiren könne. Ansonst wird die nächste Generation sich auch diesbezüglich blos in Reminiscenzen ergehen können. Im Unterland e, namentlich im Sannthale, wurde noch in den Sechzigerjahren viel Loden erzeugt. Der Prassberger i i Loden hat einen Namen gehabt, wenigstens im Sprich- worte: »Cillier Kinder, Tüfferer Wein und Prassberger Loden Gerathen selten, wenn sie gerathen, muss man sie loben«. Er war russisch grau, sehr licht; daher die »Schneemandeln«. Etwas davon wird auch jetzt noch erzeugt, doch ist — wie gesagt — diese Hausindustrie auch hier im Rückgänge. Auch in Pöllau, Vorau wird ein sehr geschätzter Loden erzeugt. Wifituch (Rass), ein Tuch, halb aus Schafwolle, halb aus Leinwand gewebt, wird von den Männern in Gebirgsgegenden noch viel getragen, Werktags allgemein, mitunter auch noch zum Kirchgänge Sonntags. Namentlich am Wochergebirgszuge, von Drachenburg auf Montpreis zu (vielleicht noch weiter), dann in der östlichen Steiermark ist es noch üblich. Beides wird zu Hause gesponnen, zum Weber geschickt (oder dieser auf die Stöhr in’s Haus genommen), dann aber in einer Walkmühle gewalkt. An den Bacherausläufern sind noch solche Walkereien. In gleicher Weise wird Rass auch um Vorau viel erzeugt. Hier, wie auch anderwärts, werden die Tuchenden zu Patschen verarbeitet. Im Oberlande wird die Wolle auch zur Strumpf- strickerei verwendet; die steirischen Strümpfe waren unverwüstlich. Früher war auch diese Hausindustrie überall und sehr ausgedehnt. Jetzt versorgen zumeist die sächsischen Fabriken den Kaufmann, und dieser nimmt der ländlichen Hausfrau die Sorge um die Strumpfstrickerei ab. Es wäre thöricht, gegen die Consequenzen der entwickelten Industrie anzukämpfen. Bedauerlich ist es aber, dass fast auf allen Gebieten vor derselben die »Arbeit« die Waffen strecken muss. T 12 T I i Holzschuhe sind im Unterlande fast allerorts noch im Gebrauche, werden auch fast überall gemacht. Leder. Im Unterlande um Marburg, Pettau, Luttenberg, Friedau wird die gesammte Beschuhung der Bauernschaft aus Schweinsleder verfertiget. Jedes Schwein wird abgehäutet und wird die Haut zum Lederer zum Gerben und Herrichten gegeben. Anderorts bleibt die Haut am Speck und wird mit diesem verspeist. Stickerei. Betrachten wir die schönen alten Tischdecken, Leintücher, Handtücher, welche sich noch in vielen wohlhabenderen Bauernhäusern und — in unseren Museen und bei Amateurs befinden, so gewinnen wir vollen Respect vor der Leistungsfähigkeit und Geschicklichkeit der heim- gegangenen Geschlechter. Es ist diese hohe Entwicklung — ohne Beschönigung — grad heraus, die Wahrheit gesagt — eine Reminiscenz, gleich so vielem andern in dieser Richtung. Die alten Arbeiten zeichnen sich durch sehr charakteristische Conception der Muster und durch sehr saubere Ausführung aus, zumeist sind es farbige Bordüren, Einsätze, Eckverzierungen in Roth, Blau, Weiss, vollständig abweichend von den sogenannten südslavischen undungarischen Mustern. Doch ganz ist diese Hausindustrie nicht verloren gegangen. Es hat sich, namentlich im Ausseer Alpenthale, in den Kreisen der ländlichen Bevölkerung der Brauch erhalten, das Linnenzeug mit verschiedenartigen Zieraten in sogenanntem Kreuzstiche, wozu meist rothes Garn verwendet wird, zu versehen — »auszusticken«. Uralte Stickmuster, meist bis in die Zeit der Gothik zurückreichend, stylisirte Thiere und derlei Blattwerk darstellend, kommen hiebei in Verwendung. Die Bäuerin, die Dirn in der Sennhütte stickt ihr selbstgewebtes Linnen aus. Die Handtücher, die Deckchen für den Hausaltar, insbesondere 13 i das sogenannte Buttertuch werden regelmässig derart verziert. Die Sennerin, welche Samstag Nachmittags die Milch- producte der Woche am Kopfe in’s Thal trägt, setzt einen Stolz darein, den blank gescheuerten Kübel mit einem sauberen Linnentuch zu bedecken, welches sie mit solchen Stickereien reichlich verziert hat. Auf dieser, in der weiblichen Bevölkerung des Ausseer Thaies erhaltenen und geübten Technik fusste der im Jahre 1880 gegründete »Ausseer Hausindustrie-Verein« seine Bestrebungen, derlei Arbeiten für den Bedarf des Hausrathes wohlhabender Kreise zu verwerthen, in welchem die Mode des Gebrauches buntbestickten Hauslinnens immer mehr um sich gegriffen hat. Ueber Initiative Sr. Excellenz des Herrn Ministers a.D. Freiherrn Johann von Chlumecky unterzog sich ein Damen- comitü der mühevollen Aufgabe, derartige Arbeiten, welche den modernen Bedürfnissen und der herrschenden Geschmacksrichtung entsprechen, zu vergeben, passende Muster zu erwählen, deren Ausführung durch Bauern- und Bürgersfrauen und Mädchen, welchen jene alte Technik geläufig war, zu überwachen und den Verkauf dieser Erzeugnisse zu vermitteln. Selbe fanden jederzeit leichten Absatz. Die Zahl der beschäftigten Arbeiterinnen beträgt mehr als achtzig, der Umsatz erreicht eine Höhe von 4000 Gulden und mehr in einem Jahre. Es steht zu hoffen und zu erwarten, dass diesem Streben voller Erfolg werde. Holzschnitzereien. Merkwürdigerweise wird in Steiermark sehr wenig geschnitzt. Nur in der Ausseer Gegend werden noch einige wenige bessere Holzschnitzereien — nach Art der Oberösterreichischen, Tiroler — angefertigt. Im Mittellande — im östlichen Theile — werden auch noch hölzerne Pfeifen geschnitzt, die sehr gesucht sind. T H T 1 Körbe werden für den Wirthschaftsgebrauch noch in vielen Bauernhäusern aus Ruthen, Stroh, Waldrebe und Spaltlingen (abgespaltenen Streifen von glatten Haselstöck- lingen, sauber abgeputzt) verfertigt. In Gegenden mit Auen, die viel Korbruthen produ- ciren, wie im Sannthale, zum Theil bei Pettau, Rann, werden Handkörbe auf Märkte gebracht, vor Ostern namentlich viele Osterkörbe (in der Grösse von Waschkörben, in denen Ostermahl und Brot zur Weihe getragen wird). In der Fastenzeit werden sehr viele Wagenladungen solcher Osterkörbe aus dem Sannthale über St. Marein bei Erlachstein nach Groatien und Ungarn transportirt. In Sachsenfeld und Rohitsch-Sauerbrunn bestehen vom Lande subventionirte Korbflechtereien, deren Erfolge mir nicht bekannt sind. Heugabeln, Heurechen, Sensenstiele, Wetzsteinkumpfe werden im Unterlande nur noch ausnahmsweise zu Hause verfertigt, mehrentheils auf Märkten und Kirch- plätzen von den Verfertigern verkauft, die der einheimischen Bevölkerung angehören und sich mit dieser Arbeit über Winter, als Nebenbeschäftigung, befassen. Noch mehr werden lärchene Weingartenstöcke gespalten und gut abgesetzt. Endlich werden auch Schindeln erzeugt und zumeist nach Niederösterreich verkauft. Im Oberlande um Knittelfeld, Obdach, Oberzeiring, Weisskirchen, dann auch im Vorauer Bezirke und — eingeschränkt — auch in allen übrigen Landestheilen werden diese rohen Holzgeräthe zumeist nur für den Localbedarf von einzelnen darin geübten Arbeitern producirt und an dem sogenannten Veitstage (15. Juni) auf Kirchplätzen an den Mann gebracht, verkauft. Bedauerlich ist es, dass für diese leicht herzustellenden Gegenstände Geld ausgegeben "7 15 t i i wird, und noch bedauerlicher, dass die vielen Bauern der Holzgebiete diese und noch viele andere Holzgegenstände in den beschäftigungslosen langen Wintertagen und Abenden nicht hausindustriell — sehr ausgedehnt — für den Export herstellen. Besen. Zimmerbesen aus Moorhirse und Stallbesen aus Birkenreisig, Stauden von Waldheide und Johannis-(Schwarz-) Beeren werden mitunter gekauft, mitunter im Hause gemacht. Von Stallbesen — wie sie die Strassenkehrer in Graz und Wien haben — gehen alljährlich grosse Partien auf Flössen auf der Save nach Croatien abwärts. Sie kommen, wie das Flossholz, aus dem Sannthale. Waschwannen, Waschtröge, Brotwannen (Teigdösen) aus Pappelholz ausgehöhlt, welches nach Durchnässung an der Sonne nicht springt, sind auf Jahrmärkten zu finden. Werden von bäuerlichen Erzeugern aus der Luttenberger und Radkersburger Gegend gebracht. Fassreife. Namentlich im Überlande schneiden Knechte und selbst Bauern Fassreife und bringen sie in den Handel. Nagelschmieden. Betrieb als Hausindustrie ist im Unterlande nicht zu Hause. Die wenigen Erzeuger sind besteuerte Gewerbsleute. Im Oberlande findet man noch ab und zu eine Handschmiede ; zumeist stehen sie aber verlassen. Gegen die Ma- schinstiften kann diese Hausindustrie nicht ankämpfen, das steht fest. Eine weise, vorsorgliche Verwaltung könnte aber vielleicht durch Schaffung von Vorbedingungen die mtissig stehenden Hämmer — diese so gesund gewesene Hausindustrie — nach anderen Richtungen wieder in Bewegung bringen. Dank den gesteigerten Ansprüchen wird auch schon am Flachlande auf Nettigkeit, Solidität, Bequemlichkeit, Zweck- T 16 T i mässigkeit und Dauerhaftigkeit der Gebäude gesehen, und werden Bauführungen jetzt nur mehr durch eigene Bauleute, mitunter durch praktische Empiriker besorgt; diese Hausindustrie hat aufgehört, und ist dies gewiss gut. Mehreren Orts werden Mauerziegel für Gebäude von den Bauersleuten selbst — ohne fremde Ziegelmacher — bereitet (geformt, getrocknet und gebrannt), meist wird mehrere Jahre daran gearbeitet, bis der Bedarf gedeckt ist. Wahnsinnig wäre es, das Fabriksproduct bekämpfen zu wollen, wohl aber muss, meiner innersten Ueberzeugung nach, allen Ernstes dahingestrebt werden, jene möglichen Hausindustrien einzubürgem, welche die Fabrik nicht ab- tödten kann. Sehen wir uns in anderen Ländern um, namentlich in den slavischen, in Ungarn, Deutschland — von romanischen Ragen ganz abgesehen — so finden wir nirgends diesen nahezu völligen Mangel an Nebenbeschäftigung auf dem flachen Lande. In dieser Studie finden sich manche Anhaltspunkte für die einzuschlagende Richtung der Bestrebungen. Die Ausstellung selbst wird zweifelsohne reiches Materiale bieten, den Gedankengang zu ergänzen. Möge auch mein Streben — »Erziehung des Volkes zur Arbeit« — ideal sein, ich fühle es durch, dass ich nicht so ganz Unrecht habe, ich weiss es, dass Vieles erreichbar wäre. Steiermark ist ein Agriculturland. Auf diesem Gebiete lassen sich unzählige Nebenerwerbe und folgerichtig Beschäftigungen, es lässt sich somit Arbeit schaffen, und damit schon ist in der Erziehung des Volkes viel gewonnen. 17 2 Der Obstbau bedingt Verarbeitungen — so recht Hau s- industrieim wahren Sinne des Wortes, der Wald, der Holzreichthum, die viele Müsse der Bauern in den Waldregionen erfordern nutzbringende Zeitausfüllung, und schliesslich gestatte man mir noch aufmerksam zu machen — auf die »Fremdenindustrie«. Unsere herrliche grüne Steiermark übt an sich — als Alpenland — eine grosse Anziehungskraft. Nütze man diesen enormen Vortheil; — erziehe man das Volk zur Fremdenverkehrs-Hausindustrie, auf dass unser schönes Land darin der fremdentiberflutheten Schweiz, dem viel bereisten Norwegen nicht allzuweit nachstehe. Die Natur hat das Ihrige gethan; die Menschen wären dazu ganz herrlich angelegt, sie sind aber — vorerst dazu nicht erzogen. — Kärnten. Die im September 1885 zu Klagenfurt abgehaltene I. Kärntner Landes-Ausstellung bot in der Gruppe IV die Erzeugnisse der Hausindustrie, wobei wir uns über die Hauptrichtungen der dortigen Hausindustrie gut orientiren konnten. Man merkte aus den zur Ausstellung gebrachten Objecten, dass, wie in allen Alpenländern, auch in Kärnten die eigentliche Hausindustrie in dem Masse dem Verfalle entgegengeht, als die Erzeugnisse der Fabriken überhandnehmen. Dessenungeachtet haben einzelne der Hausindustrie - Pro- ducte noch immer einige Bedeutung. Hieher zählen vornehmlich die Gespinnste und Leinwaaren, sowie die Holz- geräthe, welche wegen solider und correcter Arbeit alle Anerkennung verdienen. 18 Im Wege der Hausindustrie werden noch verschiedener- orts im Lande, zunächst nur für den Hausbedarf angefertigt: Haus- und Tischleinwand, Gewebe von Hauswollstoffen in recht geschmackvollen Dessins, sogar verschiedene Gattungen von Zwirn und Hausgam, deren gleichmässiger Faden auf grosse Sorgfalt bei der Arbeit schliessen lässt. Aus Grafenstein, Oberdrauburg, Hermagor im Gailthale etc. waren Hanf- und Flachsgespinnste ausgestellt, und zwar ausser gewöhnlichem Tischzeug und Hauszwilch auch feine Gattungen von Damastleinen. Alle diese ausgestellten Hausproducte lieferten den Beweis, dass es den Hausfrauen Kärntens an dem richtigen Verständnisse zur Verarbeitung der Gespinstpflanzen nicht fehle; immerhin bleibt aber dieser Betrieb nur auf einen engen Kreis beschränkt, so dass demselben, bei der ferneren Erscheinung, dass der Flachsbau in Kärnten im Rückgänge begriffen ist, eine grössere volkswirtschaftliche Bedeutung nicht beigemessen werden kann. Die Verarbeitung der Schafwolle zu Kleidungsstoffen wird zwar als Hausindustrie nur in beschränktem Masse betrieben. Die Ausstellung zeigte jedoch, dass auch hier Namhaftes geleistet wird. Aus Friesach war kartätschte Wolle der Metnitzthaler Schafe in weisser und schwarzer Farbe ausgestellt, von welcher unverwüstliche Strümpfe verfertigt werden, und aus Oberdrauburg verschiedene Lodensorten, welche sich durch Festigkeit, Weichheit und gefällige Farbentöne auszeichneten. Die diversen Lodensorten hatte man aber vornehmlich in der Gruppe VII (Touristik und Fremdenverkehr) zu suchen. Hier war der Lavantthaler, Liserthaler und Möllthaler Loden zu finden, und zwar alle Lodenvarietäten von der feinsten bis zur gröbsten. Von grösserem Belange ist jene Hausindustrie, die sich 19 i i mit der Anfertigung der Holzgeräthe für häuslichen und landwirtschaftlichen Bedarf befasst, da diese eine grosse Anzahl von Arbeitern beschäftigt, die da einen Nebenerwerb treiben und daraus nicht unbeträchtlichen Nutzen ziehen. Ein Hauptort für solche Hausindustrie ist St. Margarethen im Rosenthal, von wo allwöchentlich grössere Quantitäten derlei Waaren auf die verschiedenen Wochenmärkte gebracht werden und guten Absatz finden. Es sind das vor Allem: aus weichem und hartem Holze angefertigte Binderwaaren, Butterfässer, Wasser- und Milchkübel, Schäffer, Hühnersteigen, Wannen, Rechen, Gabeln, Schaufeln, Küchen- geräthe etc. Die Bleiberger Bergwerks-Union lässt im oberen Rosenthale zur Verpackung ihrer Bleifabrikserzeugnisse die nöthigen Fässer anfertigen. Von Holzschuhen, »Zockel«, aus Buchenholz waren einige Exemplare aus der Feldkirchener Gegend ausgestellt. Mehr verbreitet ist deren Erzeugung im oberen Gailthale, wo sich ein Verschleiss hiefür in Kirchbach befindet. Korbflechtereien waren nur spärlich vertreten. Es dürfte sich aber gerade für diesen Zweig der Hausindustrie noch so manche Gegend in Kärnten als sehr geeignet erweisen, da die Korbweide hier sehr gut gedeiht. Nicht unerwähnt dürfen auch die in Trettnig bei Klagen- furt verfertigten Heugabeln aus Eschenholz bleiben, welche vorzüglich gebaut und sehr dauerhaft sind. Die Verarbeitung von Stroh zu Industrieartikeln wurde vorgeführt durch einige Fabricate aus dem Jaunthale, und zwar waren es Schuhe und Tragkörbe, welche von der dortigen Bevölkerung mit Vorliebe verwendet werden und ihrer Brauchbarkeit und des billigen Preises wegen einer grösseren Verbreitung würdig wären. 20 4 . i Sogar — Seidenraupenzucht war vertreten. Mindestens wiesen die ausgestellten Cocons und Seidenraupensamen auf das sporadische Vorhandensein dieser Industrie, der jedoch trotz vielseitiger Anläufe und Versuche des in Kärnten herrschenden Klimas wegen die wesentlichen Bedingungen zur weiteren Ausdehnung fehlen. Selbst die damals — vor fünf Jahren — auf der Ausstellung vertreten gewesene spärliche Hausindustrie ist heute geringer geworden. Auch in Kärnten ist die Händearbeit des Bauern zur Zeit, da Feld und Wald das Feiern gebieten, im Verschwinden begriffen. Kärnten ist in dieser Beziehung in gleicher Lage wie die Steiermark. Möge es gelingen, auch dort die Nebenbeschäftigung als Hausindustrie neu zu beleben — und dadurch sowohl Volkswohlstand als Moral zu fördern. Heinrich Graf Attems. 21 f 1 II. Krain. Weit zurück in frühe Zeiten reicht der eine oder der andere Zweig krainischer Hausindustrie, und die erste gesetzliche Bestimmung über Erzeugnisse dieser Industrie stammt aus dem Jahre 1492, da Kaiser Friedrich III. einem Theile der Bewohnerschaft von Krain »in Ansehung des erlittenen Türken-Ruins« gestattete, u. a. auch mit Leinwand, »so sie erziehen und verarbeiten«, »auf das Croatisch und anderwärts sie zu handeln«. Leinwand, Lodentuch, Holz- und Siebwaaren gehören zu den ältesten Erzeugnissen des krainischen Hauses, und es war der Stand dieser Hausindustrie, namentlich im 17. Jahrhunderte, in den Tagen, da Freiherr von Valvasor seine Chronik von Krain »Die Ehre des Herzogthums Krain« 1G89 herausgab, ein besonders blühender, stark über den Hausbedarf hinaus reichender, daher der Handel ein sein- lebhafter. Im 18. Jahrhunderte aber erfolgte ein bedeutender Rückgang auf diesen Gebieten, und wir sehen, dass die 1767 von der Kaiserin-Königin Maria Theresia auch hierlands gegründete, in der heutigen k. k. Landwirthschafts-Gesell- schaft in Krain fortlebende »Gesellschaft des Ackerbaues und der nützlichen Künste« alsbald nach ihrer Gründung, t 22 T von der Ueberzeugung der Nothwendigkeit einer Nebenbeschäftigung für denLandmann erfüllt, 1770 die Preisfrage aufstellte:»Welches Industrialgewerbe in Rücksicht auf Haupt- und Nebenernährungsverdienst dem Bürger und Ackersmanne einesLandes überhaupt und vorzüglich dieses Herzogthums Krain angemessener und nützlicher wäre«,für deren Lösung der Göttinger Professor der Oekonomie J. Beckmann den ersten Preis (36 Ducaten) und der k. k. Secretär Carl von Zahlheim in Wien das Accessit erhielten. Die in diesen Lösungen ertheilten Rathschläge betreffend Stärkung und Erweiterung der bestehenden und Schaffung neuer Hausindustrien mit Bezeichnung der geeigneten Localitäten im Lande Krain trugen jedoch zur Conservirung der bisher erhaltenen Hausindustriezweige nur wenig bei, geschweige denn, dass sie zur empfohlenen Schaffung neuer, z. B. der Bandfabrication nach Niederländer Art, von Rohrdecken u. s. w. geführt hätten! Im Gegentheil, der Rückgang ward immer grösser und fühlbarer! Von dem in unserem Jahrhunderte eingetretenen rapiden Fortschritte der Grossindustrie und des Maschinen- Fabrikswesens wurde die Hausindustrie auch dieses Landes auf das Empfindlichste und Nachhaltigste in zweien ihrer bisherigen Hauptzweige getroffen, in der Leinen- und in der Tuch- (Loden-) Industrie. Die Fabriks- und Maschinenwaare verdrängte auch hier in immer rascher steigender Progression die bezüglichen Erzeugnisse der Hausindustrie und dies selbst in jenen Lan- destheilen, wo sich mit ziemlich zäher Beibehaltung der alten malerischen Volkstracht — wie bei den sogenannten »weissenKrainern« (beli Kranjci) im Möttlinger undTscher- nembler Boden Unterkrains (an der croatischen Grenze) — die Linnen-Hausindustrie noch rege erhalten hat; — selbst i hier bemerkt man in jüngster Zeit die Neuerung, dass das Hauserzeugniss nur als Werktagsgewand gebraucht wird, während für den Sonntagsstaat die gekaufte Fabrikswaare immer mehr den Vorzug erhält. In den meisten Bezirken des Landes aber trägt der Landmann im Allgemeinen nur mehr gekaufte Fabriks- und Maschinenwaare. Von den althergebrachten Hauptzweigen der kraini- schen Hausindustrie haben sich aber doch noch einige und nicht allein auf herkömmlicher Höhe erhalten — ja mehrere verzeichnen in neuester Zeit einen mehr minder erfreulichen Aufschwung — in diese Kategorie gehören die Rosshaar- Sieb- und Krollhaar-Industrie, die Spitzen-Indu- strie, gehoben durch fachgemässes Schulwesen, die Strohflechterei, mächtig besonders durch gesunde Verbindung mit der Grossindustrie, dieHolzwaaren-Industrie, gleich jener der Spitzen durch den günstigen Einfluss des Fachunterrichtes, sowie anderseits durch erhöhten Export und Eröffnung weiter Absatzgebiete den ersten Holzindustriebezirken Oesterreich-Ungarns und des Auslandes nahe gerückt. Als Hausindustrieartikel, deren einige den Handelsweg nach ausserhalb Krains gefunden, mögen im Einklänge mit der Voranführung aus der benachbarten Steiermark hier genannt sein die Landkäse, darunter die Schafkäse von der Pojk (Innerkrain) — dann ausserdem der nach Muster der Schweizerkäse erzeugte »Wocheinerkäse« und der dem böhmischen (Schwarzenberger) nachgebildete »Habacherkäse« — weiters die aus Obst und Beeren gebrannten Flüssigkeiten, der krainische »Slivovic« und der sogenannte »Bri- novec« (Wachholder-Branntwein) und die »Krainerwürste«, die auch schon auf den Karten der grossstädtischen Deli- catessen-Handlungen zu finden sind. Wir wollen nun in nachstehenden Zeilen ein über- 24 -4 i -CH*- sichtliches Bild von dem gegenwärtigen Stande der noch im Lande Krain erhaltenen Hausindustrie zu entwerfen versuchen und dabei, soweit die Daten reichen, auch immer in Kürze das geschichtliche Moment in’s Auge fassen. Rosshaarsiebe und Krollhaar. In ganz Oesterreich- Ungarn ist die Rosshaar-Industrie am bedeutendsten in Krain, und zwar in Oberkrain, in Krainburg und in den dieser Stadt nahegelegenen Ortschaften. Sie ist die älteste industrielle Manufactur Krains, und ihre Entwicklung zum namhaften Export reicht schon in das 16. Jahrhundert zurück. Valva- sor sagt von der Bevölkerung der genannten Gegend: »Ihrer viele handeln mit Siebböden, deren eben wol in diesem Ober Crain eine grosse Quantität gemacht wird, ganz (bis) in (nach) Senegollia (Sinigaglia) und Augusta, in das romanische Gebiet übers Meer.« Feichting’ bezeichnet derselbe Chronist als »meistentheils von Siebmachern bewohnt« »so die Siebböden von Rosshaar machen und sonst im römischen Reiche Sieber genannt werden«, und im Dorfe Peven, in der Nähe von Krainburg, sieht er auch schon »sehr viele Siebböden von Rosshaar machen«. Ein im Besitze der Familie Florian in Krainburg befindlicher Stiftbrief eines gewissen Bartlmä Olben von 1038 spricht von einer (in’s 10. Jahrhundert zurückreichenden) Stiftung des Vaters Jakob Olben. gewesten Rathsbürgers und Handelsmannes in Krainburg, für Siebmacher und andere Handelsgenossen und bezeugt also den so frühen Bestand des Siebmachens in Krainburg. Als hervorragende Siebböden-Erzeuger dieser Gegend erscheinen um 1080Georg und Martin Keb er, Vater und Sohn, die sich durch Vertrag vom selben Jahre (8. März) verpflichteten, dem Grossindustriellen und ob seiner vielen humanitären Stiftungen für Krain unvergesslichen Jakob Schell von Schellenburg (einem gebürtigen Tiroler) T 25 T in Laibach 700 Buschen Siebböden zu liefern. Von dieser Familie Keber sind heute noch Nachkommen mit Siebböden- Erzeugung beschäftigt, desgleichen Nachkommen eines gewissen Dolene, der vor mehr als 150 Jahren dort diese Hausindustrie in ausgedehntem Masse betrieben und sich ein bedeutendes Vermögen erworben haben soll. Die erste Einführung derSiebböden-Erzeugung im Dorfe Feichting ist aber vermuthlich durch Deutsche geschehen, da sich in diesen Gegenden vor der Zeit schon sehr zahlreiche deutsche Kolonisten der Freisinger Bischöfe, der Eigenthümer von Lack, angesiedelt haben. Andere wollen den Ursprung der kraini- schen Rosshaar-Siebbödenerzeugung aus Italien herleiten, wo bedeutende Mengen davon in Verwendung kommen. Auf die deutsche Provenienz deutet aber wohl auch die noch heute für die grossen Siebe schönster und vorzüglichster Qualität in Uebung stehende Bezeichnung »Linzer«, bei welchem Namen man schwer an einen Absatz nach Linz denken kann, da ja bekanntlich der Handel mit Siebböden nach Oesterreich hinaus nie ein lebhafter gewesen. Das Verdienst, dieser Hausindustrie den Export in’s Ausland, namentlich auch auf die grosse Messe von Sini- gaglia und dann nach Holland verschafft zu haben, gebührt den Fabriksbesitzem Johann Josef Jenko von Jenkens- heim, Realitätenbesitzer in Straziäe, Matthäus und Vin- cenzDemäer, Realitätenbesitzer in Dörfern, Peter Heiss in Lack, Dr. med. NatalisPagliaruzzi inKrainburg, welch’ Letzterer speciell wegen Hebung dieses Industriezweiges vom Kaiser Franz 1.1809 in den Ritterstand erhoben worden, und Johann Oman, der mit dieser Waare schon vor 100 Jahren en gros den alten Markt in Sinigaglia besucht hat. Diesen Männern allen gebührt in der Geschichte dieses Industriezweiges ein hervorragender Ehrenplatz. 26 L In neuerer Zeit erscheint dieser Industriezweig in den Händen von vier Fabriksbesitzern: den Familien Anton Globodnik, Primus Hudovernig, Johann Benedig und Paul JeSe. Nebst diesen gibt es noch eine Anzahl kleinerer Geschäftsleute, welche sich jedoch mehr mit dem Handel von Rosshaarsieben und Krollhaaren (Matratzen und Möbelrosshaar) als mit der eigentlichen Erzeugung der Siebe selbst befassen. Als Erzeugnisse dieser Hausindustrie in Krainburg und den umliegenden Orten erscheinen im Laufe der Zeiten: Rosshaarsiebe, diese seit dem Bestehen dieser Industrie, also seit dem 16. Jahrhunderte, R o s s h a a rSt offezu Möbelüberzügen (vom Ende des 18. Jahrhundertes bis circa 1830), Cravatten (von 1830 bis in die neueste Zeit) und in unseren Tagen auch Gewebe für Damenhüte, wozu jedoch besondere Bestellung erforderlich. Das Rohmaterial wird seit den Vierzigerjahren aus Russland über Hamburg und Wien bezogen, auch Frankreich liefert Rosshaar nach Krain, doch schon zugerichtet, gewaschen und sortirt; der Handel mit Holland vermittelte das weisse Rosshaar; der früher lebhafte Bezug von Rosshaar aus Ungarn, Polen und Deutschland hat seit dem Jahre 1840, wie schon angedeutet, nahezu aufgehört, da die russischen Rosshaarmärkte von Petersburg, Ni^njenovgorod und Archangel den Vorzug erhielten. Die Preise des Rohmateriales sind seit fünfzig Jahren um das Dreifache gestiegen, die Erzeugnisse selbst aber haben nur eine ganz geringe Preissteigerung erfahren. Die Erzeugung der Rosshaar - Siebböden in Krain ist folgende: Das in Büscheln einlangende Rosshaar wird gereinigt, Überbunden, gewaschen, getrocknet, ge- 27 r hechelt, gezogen, ausgeklaubt — zu Sieben wird ein 10 bis 28 Zoll (0'3 bis 0'8 Meter) langes verwendet — im Bedarfsfälle gefärbt, und dann erst gelangt es auf den Webstuhl. Die Webstühle sind aus Holz, und ein Priester Namens Ignaz Valenöiö hat sich das Verdienst einer wesentlichen Verbesserung derselben erworben; er hat nämlich an dem Webstuhle eine Walze angebracht, auf welche sich die Rosshaargewebe aufwinden, wodurch dem Webenden die Arbeit um Vieles erleichtert ist. Holzwebstuhl und Holzkamm sind die einzigen Werkzeuge, mit denen der Rosshaarweber hantirt. Das Färben der Haare, das vordem inNeumarktl mitCurcume undRothholz ausgeführt werden musste, geschieht seit 1820 in den Fabriken hierselbst durch eigene Arbeiter. Gegenwärtig zählt man 510 Webstühle mit ungefähr 900 erwachsenen männlichen und weiblichen Arbeitern und 300 Kindern. Der wöchentliche Verdienst eines Arbeiters schwankt zwischen zwei bis fünf Gulden. Die Arbeitstage sind alle Wochentage mit Ausnahme des halben Montags und Samstags. Die erzeugten Siebe führen verschiedene Bezeichnungen, als: ungarische, deutsche, schwarzgelbe, Linzer u. s. w., sie werden in verschiedenen Formen, in gröberen und feineren Sorten geliefert. Die feinste Waare ist biegsam wie ein Seidentuch; auf Bestellung werden auch neue Muster geliefert, für gewöhnlich wird jedoch die altherkömmliche Musterung gefertigt. Die Erzeugnismenge an Rosshaarsieben hat sich seit fünfzig Jahren geradezu verdoppelt; indem sie früher im Werthe auf 100.000 bis 120.000 fl. beziffert wurde, reprä- sentirt sie heute einen Werth von 250.000 fl. Die Jahreserzeugung von Krollhaar (Rosshaar für Matratzen und Möbel) wird heute auf durchschnittlich 120.000 fl. geschätzt. Der Haupt ab satz für die kraini sehen Rosshaar- t 28 i i Siebböden ist im Inlande in Ungarn, Galizien, der Bukowina, Steiermark, Kärnten und in anderen österreichischen Provinzen, im Aus lande in erster Linie in Italien und in der Levante, dann in Spanien, Frankreich und den Niederlanden. Die Krollhaare gehen hauptsächlich nach Triest, Italien und nach der Levante. Auf den Ausstellungen des In- und Auslandes hat dieser krainische Hausindustriezweig bereits ansehnliche Prä- miirungen und Anerkennungen gefunden. Leinen-Hausindustrie. In den Gerichts bezirken von Lack und Krainburg ist die Erzeugung von Rupfenleinwand, sowie halb und ganz gebleichter Leinwand als Industriegegenstand nächst der Gegend von Mannsburg und Zwischenwässern am bedeutendsten. Leinwand für den Hausgebrauch wird in fast allen Bezirken des Landes erzeugt, und es stellten bis vor wenig Jahren die Weiber im Möttlingerboden und in der Gottschee ihre Unter- und Obergewänder aus eigener Leinwand her. Die Lacker und Krainburger Gegend betreibt diesen Hausindustriezweig seit mehr als 500 Jahren, und heute weben da mindestens einige tausend Personeu, und von da gelangt eine bedeutende Menge Stücke Leinwand in den Handel. Doch der schon eingangs erwähnte Rückgang durch dieFabrication macht sich namentlich in diesem Zweige der krainischen Hausindustrie recht fühlbar, wie auch die Baumwollwaare der Leinenwaare überhaupt starken Eintrag thut. Früher waren gesuchte Exportartikel aus diesem Industriebezirke die gute dauerhafte Segelleinwand, sehr viel Sack- und Hausleinwand; das hat, wie gesagt, bedeutend abgenommen. Lack und Krainburg liefern aber auch die schön gefärbte blaue Leinwand, die den ganzen einheimischen Bedarf deckt und sich durch besondere Güte auszeichnet. -*o- - 6 - y 29 T i i Oberkrain liefert weisse und farbige Bandwaare als Hausindustrie-Artikel von besonderer Güte. In diese Kategorie gehören auch die in der Umgebung von Mannsburg (bei Stein) und Krainburg, in Flödnig und Gamling erzeugte gewebteLeinenfatschen; im Jahre 1638 gab es auch in Krainburg selbst »Fatschenmacher«. Bis zum Jahre 1850 hatten der Krainer Leinen und das Krainer Garn besonders aus den Bezirken Krainburg und Lack einen bedeutenden Absatz nach Italien, wo sie einen vorzüglich gesuchten Handelsartikel bildeten. Tuchwaaren. Auch die Erzeugung in der Lodentuch- Hausindustrie hat, wie schon in der Einleitung hervorgehoben wurde, durch die Fabrikswaare einen empfindlichen und rapiden Rückgang erfahren, und es ist gegenwärtig nur mehr die Erzeugung von Lodentuch aus der Umgebung der Bergstadt Idria in Innerkrain, dann aus dem Feistritzer und Radmannsdorfer Bezirke nennenswerth. In der Umgebung des bekannten Seebades Veldes in Oberkrain wird der sogenannte »Oberkrainer Flanell« erzeugt, der sich durch Güte und Solidität der Waare einen guten Namen gemacht hat. Kotzen und Teppiche. SchonValvasor(1689) erwähnt die Kotzen und Decken von St. Jörgen (Dorf St. Georgen im Krainburger Bezirke), von wo noch heute beliebte schönhaarige und ziemlich weiche Kotzen als St. Georgner ordinäre Kotzen auf den Markt gelangen. Die gleichfalls im Krainburger Bezirke verfertigten gewöhnlichen Laufteppiche weisen recht gefällige Muster auf und bewähren sich als besonders dauerhaft. Die bäuerlichen Erzeugeryerscheinen mit diesen beiden Waaren an grösseren Markttagen in der Landeshauptstadt Laibach und halten sie auf dem Marienplatze beim Kloster T 30 T i der P. P. Franziskaner unter stets grossem An dränge den Kaufenden feil. Spitzen. Einen hervorstechenden Aufschwung hat, wie im böhmischen Erzgebirge — dank der huldvollen Bevorzugung und Anregung für die österreichische Spitzenindustrie durch Ihre Majestät die Kaiserin und Königin Elisabeth — die altherkömmliche Spitzenindustrie in und um die Bergstadt Idria in den letzten zwei Decennien gefunden. In die frühesten Zeiten reicht die Beschäftigung mit dem Spitzenklöppeln in der Idrianer Gegend zurück, und die Ueberlieferung weiss davon zu erzählen, dass schon vor Auffindung des Quecksilbererzes in Idria 1479 hier dieser Hausindustriezweig betrieben worden. Doch sind aus diesen frühesten Zeiten unserer heimatlichen Spitzenklöppelei keine Spuren mehr vorhanden, und erst aus der Epoche von 1670 bis 1750 haben sich noch Reste erzeugter Waaren erhalten, die nach dem sogenannten croatischen Muster gefertigt wurden und sich noch heute hie und da vorfinden. Der um Krain so vielfach hochverdiente Ethnograph und Verfasser einer Reihe gediegener Werke über dieses Land und seine Bewohner, B. Hacquet, der in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts durch mehrere Jahre als Werksarzt in Idria angestellt war, hat in seinem ebenso trefflichen wie seltenen Buche: »Abbildung und Beschreibung der südwestlichen und östlichen Wenden, Illyrer und Slaven, deren Gewerbe u. s. w.«(Leipzig 1801) auch über die Idrianer Spitzen wörtlich also Aufschluss gegeben; er schreibt: »Viele Mädchen, die Weiber (in Krain) alle tragen eine Leinenhaube, an dieser ist eine breite Spitze in vielen kleinen Falten quer über den Scheitel gelegt. Diese Spitzen werden im Lande, besonders aber ausserordentlich viel in dem Bergwerke Hydria gemacht, so dass noch ein ziem- T t 31 i licher Handel damit ausser Land getrieben wird. Es sind freilich keine Brüsseler Spitzen, aber doch weiss und fein genug, um ihrem Endzwecke zu entsprechen.« Quer über diese Spitzen geht (in der Kopftracht) eine goldene Borde, Band oder andere Stickerei, welche das Ganze sehr hebt. Eine dritte Epoche in der Spitzenklöppelei dieser Gegend begann 1750 und reichte bis 1820 mit 24 Mustern der sogenannten »gesetzten Spitzen« (stavljene), die heute aber gar nicht mehr gearbeitet werden, wenngleich dafür noch immer die Bezeichnung »neue« Spitzen im Yolksmunde aufrecht erhalten erscheint. In dieser Epoche, 1767, hatte die Kaiserin Maria Theresia eine Lehrerin nach Laibach entsendet, um den Bewohnerinnen des Landes Krain Anleitung in der Anfertigung von Blonden, Seiden-, Zwirn- und Garnspitzen zu geben; doch diese Schule verfiel bald! Die vierte Epoche begann 1820, als die Bergrathsgattin Passetzky aus Joachimsthal in Böhmen ganz neue Muster aus dem Erzgebirge nach dieser Gegend verpflanzte, die noch gegenwärtig unter dem Namen neucroatische Spitzen im Handel sind; diese vierte Epoche reichte bis zum Jahre 1873, in welchem die fünfte und neueste Epoche mit der Wiener Weltausstellung ihren Anfang nahm, denn der eigentliche heutige Aufschwung da tirt eben erst von dieser ersten grossen Exposition in Oesterreich. Obschon bereits im Jahre 1870 die Stadtgemeinde eine Collection Spitzen-Manufacte in Cassel ausstellte und hiefür mit einem Anerkennungsdiplome ausgezeichnet wurde, so hob sich die Production und der Spitzenhandel erst nach der Wiener Weltausstellung. Zum Zwecke der Beschickung dieser Ausstellung wurde von Seite der Stadt- 32 T i gemeinde ein Damencomitö gewählt und in dieses auch Frau Karoline Lapaj n e berufen,welche eine besondereThätigkeit dadurch entwickelte, dass sie an hervorragend tüchtige Klöpplerinnen Aufträge, Muster und Unterweisungen ertheilte, dann gelieferte Arbeiten in Stücklängen von 25 bis 50 Centimeter sammelte, gehörig ordnete und nach erfolgtem und gutgeheissenem Arrangement zur Ausstellung brachte. Hiefiir wurde die Stadtgemeinde mit der Verdienstmedaille ausgezeichnet. In Folge der Ausstellung fingen nun die Idrianer Spitzen an, grössere Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, und es suchte sich der dortige Handelsmann Herr Stefan Lapajne in seiner Eigenschaft als Spitzenhändler alsbald Grossfirmen, zunächst in Wien, welches bisher die Hauptabsatzquelle bildet, dann schon 1876 einige ausländische Firmen auf, als in Sachsen, Rheinpreussen, Russland etc., welche Verkaufstädte zum grösseren Absätze und regerer Erzeugung wesentlich beitrugen. Im Jahre 1876 fand in Idria die Eröffnung der vom hohen k. k. Handelsministerium errichteten Klöppelschule statt, an welcher die einige Jahre vorher auf Grund ihres natürlichen Talentes als reformirende Autodidaktin aufgetretene Spitzenklöpplerin Johanna F e r j a n 6 i ö, eine Bergknappenstochter, als Lehrerin angestellt wurde. Johanna Ferjanöiö hatte die Idee des Fortschrittes in der Zeichnung neuer, von den alten traditionellen Mustern abweichender Formen aufgestellt und zeichnete mit Rücksicht auf die Grundidee alter Brüsseler und Venezianer Spitzen nach eigenem Geschmacke neue Muster, wodurch sie nicht wenig zu den Erfolgen der Idrianer Spitzen auf der Wiener Weltausstellung beigetragen hatte, gleichwie Frau Lapajne für die Verbesserung der Arbeiten wesentlich Sorge getragen. Die Erzeugung nahm sowohl in Bezug auf Quantität als nicht minder auf Qualität immerwährend zu, weil sich auch 1 33 3 T i der Absatz entsprechend steigerte. Dieser gesteigerte Absatz war aber eineFolge vonVerbesserungenderErzeugung, welche darin bestanden, dass stets für neue Muster gesorgt wurde, welche aus Brüsseler und französischen Gegenden acquirirtundoft auch mit den bereits vorhandenen heimischen in entsprechende Combination gebracht wurden. Bis etwa zum Jahre 1876 beschäftigten sich circa 30 Leute (Männer und Weiber) mit der Anfertigung von Mustervorlagen. Diese letzteren wurden in meist sehr primitiv gezeichneten Exemplaren geliefert, wenn auch einige Zeichner bedeutendere Fertigkeit besassen. Gezeichnet wurde auf gewöhnlichem, mit Safran gelb gefärbtem Papier. Zur Verbesserung der Qualität (und damit indirect des Absatzes) erschien da eine Aenderung nothwendig, und so kam es, dass man dazu schritt, durch geübte gute Zeichner regelrechte Mustervorlagen herzu stellen und auf olivengelbem, naturgefärbtem Papier viele tausend Exemplare auf lithographischem Wege vervielfältigen zu lassen, was zumeist die Laibacher lithographischen Anstalten besorgten. Im Jahre 1879 wurde eine industrielle Ausstellung in Teplitz in Böhmen beschickt, und die Idrianer Spitzen erlangten die grosse silberne Medaille. Das Jahr darauf beschickte Frau Karoline Lapajne die Landesausstellung in Graz mit diesen Mustern von Idrianer Spitzen, und wurden die ausgestellten Arbeiten mit der grossen silbernen Medaille prämiirt. Auf der Ausstellung in Triest 1882, wo ebenfalls die neuesten Muster der Idrianer Spitzen zur Exposition gelangten, wurde den vorzüglichen Arbeiten der Idrianer Frauen die grosse goldene Medaille zuerkannt, und das Aus- stellungscomitö erkaufte einen Theil dieser Waare um den namhaften Betrag von 268 fl. für die Ausstellungslotterie. 34 T Ji_ Die Zahl der Spitzenklöpplerinnen belief sich bis zum Jahre 1870 in der Stadt Idria, dann Unter-Idria und umliegenden Ortschaften kaum auf 1000 Frauen, während sich diese Zahl in der Epoche vom Jahre 1873 bis 1890 auf 2500 bis 3000 vermehrte, wobei zu bemerken kömmt, dass in diese Zahl nunmehr auch mehrere Bezirke Ober- krains einbezogen erscheinen, in denen, wie in Sairach, Göriach, Eisnern nach Idrianer Mustern geklöppelt und zeitweilig Schule gehalten wird, wie man auch in neuester Zeit eine Spitzenklöppelei in dem benachbarten Loic (in Innerkrain) anstrebt. Der jährliche Verdienst im Jahre 1860 mit 16.000 fl. hob sich bis zum Jahre 1872 auf circa 30.000 fl. Nach der Weltausstellung und nach Herrichtung der Klöppelschule bis heute hob sich der jährliche Verdienst (die früher erwähnten Bezirke miteingerechnet) auf 150.000 fl., wovon die Summe von 15.000 fl. für den Zwirnbezug aus Böhmen in Abschlag gebracht werden muss. Hier sei nochmals hervorgehoben, dass in Folge der Wiener Weltausstellung, dann späterer Ausstellungen, Errichtung der Klöppelschulen etc. sich diese Industrie in die benachbarten Bezirke und namentlich weit nach Oberkrain hinauf verpflanzte, während sich früher nur Frauen in Idria, Unter-Idria und einigen Ortschaften dieses Bezirkes damit beschäftigt hatten. Der Verdienst von 150.000 fl. entfällt bei der nun eingetretenen enormen Concurrenz auf folgende tägliche Verdienste, und zwar für minder geübte Klöpplerinnen 10 kr. und für die besseren 30 bis 35 kr. per Tag und dies bei einer Arbeitszeit von mindestens 14 Stunden täglich. Die nunmehr massenhaft zunehmende Erzeugung in Krain, insbesondere und hauptsächlich aber jene des Erzgebirges hat zur Folge, dass seit mehr als zwei Jahren der Concurrenz 1 35 3 * T A wegen sehr ermässigte Preise eingetreten sind, dadurch aber der Verdienst bedeutend geringer gestellt ist als in den Jahren 1875 bis 1882, wo sich eine gute Arbeiterin 50 bis 00 kr. täglich verdienen konnte. Schliesslich muss aber gebührend hervorgehoben werden, dass der grosse Aufschwung der Spitzen-Industrie in Idria zum grössten Theile dem unermüdlichen, unausgesetzten Fleisse und der regsten Thätigkeit der schon genannten Frau Karoline Lapajne zu danken ist. Dieselbe hat weder 5Iühe noch Kosten bei Arrangirungvon Ausstellungsobjecten, noch sonstige Schwierigkeiten gescheut, um diese Industrie so hoch, als bei unseren Verhältnissen überhaupt thunlich gewesen, zu heben. Nachdem sie ihre Anverwandte, die nunmehr verstorbene erste Lehrerin an der hiesigen Klöppelschule, Johanna Ferjanèié entsprechend ausgebildet, war sie unablässig darauf bedacht gewesen, auch persönlich auf unzählige Arbeiterinnen in Beziehung auf Fleiss und exacte Arbeit einzuwirken und durch dieBenützung der Expositionen der Idrianer Spitzen-Manufactur allerorts das beste Renommée zu verschaffen. Dies Alles trug hauptsächlich zu dem grossartigen Umsätze der Waare im In- und Auslande bei, und es wäre nur zu wünschen, dass noch weitere erspriessliche Absatzquellen eröffnet würden, damit die Waare nicht zu Spottpreisen abgesetzt werden muss. Im Jahre 1888 wurde anlässlich des vierzigjährigen Regierungs-Jubiläums Seiner Majestät Kaiser Franz Josef I. die vom k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht errichtete, mit der k. k. Fachschule für Holzschnitzerei verbundene Fachschule für Stickerei und Spitzennäherei in Laibach feierlich eröffnet, in welcher das Spitzennähen auch nach den in Oberkrain erhaltenen alten krainischen Mustern für Kirchen- und Hausgebrauch gelehrt wird. 3G i Kopftücher, Jäckchen. Aus dem Anfänge dieses Jahrhunderts, um die Laibacher Congresszeit, stammt der Industriezweig der gestickten Kopf- und Taschentücher, die in den Bezirken Stein, Radmannsdorf, Sittich, sowie in der nächsten Umgebung der Landeshauptstadt angefertigt werden, und welche ursprünglich durch Bestellungen von Kaufleuten in Laibach nach Mustern der Fabrikswaare in Arbeit genommen wurden. Diese gestickten Kopftücher, die als »pece« mit Spitzen verziert eigenartig um das Haupt geschlungen und mit zwei Enden hahnenkammartig gebunden werden, waren in demDecennium von 1860 bis 1870 in Abnahme gekommen, doch beginnt neuestens wieder ein Aufschwung in diesem Modeartikel unserer bäuerlichen Mädchen und Frauen. Die gestickten Taschentücher hielten sich aber immer auf derselben Höhe grösserer Verbreitung, und die Erzeugung derselben zählt immer nach Tausenden, während die weitaus kostspieligere Waare der gestickten Kopftücher 1875 bis auf 1500 Stücke zurückgegangen war. Uralt hingegen ist dieHausindustrie der Stickerei mit selbstgefärb- terWolle bei den schon erwähnten »weissenKrainern« für alle Details ihrer männlichen und weiblichen Nationaltracht. Eine nicht unbeträchtliche Hausindustrie bilden ferner im Steiner Bezirke die baumwollenen Häubchen und Jäckchen für Kinder, Handstickerei, die sich durch hübsche Muster und gefällige nette Arbeit auszeichnen und preiswürdig auf den Markt kommen. Strümpfe, Socken, Jacken. Nicht unbedeutend ist die Hausindustrie der in Idria erzeugten Schafwoll- und Zwirnstrümpfe und Socken, sowie der in Oberkrain, und zwar in der Umgebung von Krainburg, in Neumarktl, Veldes, Jauer- burg und Assling erzeugten Strümpfe, Socken, Fäustlinge und Jacken aus Schafwolle; durchwegs gute und solide Waaren. 37 r Freilich hat in den letzten Jahrzehnten auch in dieser Hausindustrie die Concurrenz namentlich seitens der böhmischen Wirkwaarenfabricate einen bedeutenden Rückgang herbeigeführt, was jedoch unsere heimatlichen Arbeitskräfte nicht abhielt, ihre bezüglichen Erzeugnisse in den Mustern immer mehr zu vervollkommnen und die erzeugte Waare so möglichst concurrenzfähig zu erhalten. Der Werth der fast ausschliesslich nur im Winter von Mädchen und Frauen als landwirthschaftliche Nebenarbeit gelieferten solchen Erzeugnisse beziffert sich per Jahr im Verkaufe auf 12.000 fl. Geflochtene Tuchschuhe, Kopfringe. In einzelnen Dörfern Ober- und Unterkrains ist seit nahezu vierzig Jahren eine Hausindustrie eingeführt und in guter Aufnahme begriffen, nämlich die Erzeugung von geflochtenen Tuch- (Haus-) Schuhen, sogenannten Patschen aus Tuchabfällen. Man kann die Zahl der damit beschäftigten Arbeiterinnen, die diese Arbeit gleichfalls als Nebenarbeit in den Wintermonaten betreiben, auf mindestens hundert veranschlagen, und repräsentirt die derartig fertiggestellte Arbeit von einigen tausend Schuhen einen Werth von einigen hundert Gulden. Für die Köpfe der Wasserträgerinnen liefert man in Ober- und Unterkrain als Unterlage des Schaffes Kopfringe, die aus verschiedenen farbigen Tuchstreifen geflochten werden. Strohflechterei. Schon Hacquet gedenkt in seinem bereits angeführten Buche: »Abbildung und Beschreibung der südwestlichen und östlichen Slaven« der krainischen Strohhüte. Er sagt: »Der Mann trägt auf dem Kopfe im Sommer einen Strohhut, wie sie solche selbst mit vieler Geschicklichkeit verfertigen und auch ausser Landes verkaufen.« Die Einführung dieser Hausindustrie, die heute schon auf jener Stufe der Entwicklung und Vervollkommnung angelangt ist, um den Import fremden Fabricates nach Oesterreich auf ein Minimum zu reduciren, verdankt unser Land einem Eingebornen aus Jauchen, welcher als österreichischer Soldat im vorigen Jahrhundert die Strohflechterei im Florenti- nischen kennen lernte und sie dann, heimgekehrt, seinen Dorfgenossen lehrte (um 1775). Die ersten krainischen Strohhüte gingen also aus dem Dorfe Jauchen im Gerichtsbezirke Egg hervor. Der Absatz derselben war ursprünglich begreiflicherweise auf Krain beschränkt. Doch nicht lange nachher, und ein Tiroler brachte die bereits so weit vorgeschrittene Waare in den Handel ausser Landes; jetzt steigerte sich auch rasch die Erzeugung derselben, und sie blieb nicht mehr auf Jauchen beschränkt, sondern auch andere umliegende Ortschaften wandten sich dem Verdienst versprechenden neuen Hausindustriezweige zu. Es wurden bald auch feinere Geflechte als bisher erzeugt, um erhöhten Ansprüchen genügen zu können, und derTiroler Andr easGrimm machte sich seit 1800 um den Vertrieb derselben viel verdient. Nach Tirol und Kärnten zunächst gingen die Erzeugnisse der Ortschaften Beischeid, St. Jacob, Mannsburg, Terfein, Stob, Studa, Dragomel, Jauchen, Domzale u. s. w. Das feinere Geflecht ging auch schon nach Deutschland hinaus. Mit dem Wachsthum und der Ausdehnung dieser Hausindustrie erstanden auch allmälig mehr und mehr Vermittler des Handels; ausser dem schon genannten Andreas Grimm begegnen uns als solche Peter und Lorenz Mellitzer und dann der Kiemen Blasnik (1834) später; dann (1840 bis 1850) Andreas Jelenz in Jauchen. Schon führte man jährlich um circa 16.000 fl. C.-M. Strohhüte aus Krain vorzüglich nach Tirol, Steiermark und Kärnten aus, und der Hutpreis bewegte sich von vier Kreuzer bis zu einem Gulden f 39 i per Stück. I)a erschien Paul Mellitzer 1S59 mit neuen Mustern, und mit einem Schlage gewann nicht nur die Erzeugung der Strohhüte einen starken Aufschwung, sondern man begann auch sogleich mit der Anfertigung anderer Gegenstände aus Stroh, wie Taschen, Tischteppiche, Sohlen für Schuhe, Bänder und Quasten. Auf die volle Höhe der fachgemässen Fabricationward aber neben dem auch heute noch selbstständig arbeitenden Hausindustriellen die Strohflechterei Krains, wie schon in der Einleitung betont, durch Hinzutritt der Grossindustrie in der neuesten Zeit (seit 1867) gebracht, mit der Einführung der Press-, Schleif- und Druckmaschinen, und haben sich ausser den Fabrikanten Franz Supanöiö, Suäek, Logar, Flies, Maöek, Dolenc,Riedl die Firmen J.Mellitzer und Kleinlechner&Co., Gebrüder Kurzthaler, Peter Ladstädter & Söhne, Josef Ober- walder & Co,, Jos. Grosslercher &: Co. und Georg Mellitzer & Stemberger, die sogenannte Tiroler Colonie, ganz besonders um die Hebung dieser Industrie in Krain verdient gemacht und namentlich die letzten sechs Firmen auch viel Florentiner Geflecht in Verarbeitung gebracht. In technischer Beziehung kommt zu bemerken, dass in der Periode bis 1790 die Werkzeuge sich noch aus einem gewöhnlichen Model und einem Holzkolben zum Glätten zusammensetzten. bis 1835 bestand die Maschine aus einem »Stuhle«, von 1840 an wurden feinere Hüte mit drei Paar Halmen erzeugt, 1866 fing man das Spalten des Strohes an, und 1867 gelangten die vorgenannten Maschinen (Press-, Schleif- und Druck-Maschine) zur Aufstellung und Anwendung. In dem gebirgigen Theile des Industriebezirkes von Egg und des benachbarten von Stein, in denen heute diese Waare gefertigt wird, schneidet, spaltet und flicht man das Stroh, in den in der Ebene gelegenen Ortschaften wird es T 40 4 - i dann zu Strohhüten vernäht, die dann in den Fabriken geleimt, gebürstet und geformt werden. Die Zahl der hausindustriellen Arbeiter überhaupt kann rund mit 10.000 angegeben werden; das Erzeugungsquantum der Hausindustrie und Fabrik mit mehr als l 1 ^ Millionen Hüten per Jahr. Im Jahre 1874 waren über Anordnung des hohen k. k. Handelsministeriums in den Hauptstätten der Strohhutfabri- cation in Mannsburg, Tersain, DomZale und Aich Fachcurse für Strohflechterei errichtet worden, die zur Erzeugung schöner Geflechte wesentlich beitrugen, jedoch noch im selben Jahre wieder aufgelassen wurden. Es wäre die Wiedereröffnung solcher Schulen, anderseits auch eine bessere Cultur des Geflechtsstrohes im Lande selbst sehr zu wünschen. In den Ortschaften der Pfarre St. Marein, Lipoglav und Polica, sowie in St. Leonhard bei Laibach wird ferner als Hausindustrie die Anfertigung von Brodkörben, Brod- backkörben, Säekörben und Fussdecken betrieben. Die Zahl der Arbeiter kann man im Ganzen (Männer, Weiber und Kinder) auf circa 200 veranschlagen, und deren Verdienst mit 10 bis 30 kr. per Tag. Körbe werden jährlich ungefähr 30.000 Stück, Fussdecken 10.000 Stück erzeugt, einheimische Händler bringen erstere in Krain, Kärnten, Salzburg, Oberösterreich, Tirol, Steiermark und Croatien zum Verkaufe, während sich der Absatz der Fussdecken auf Krain und die zunächst gelegenen Länder beschränkt. Der Preis dieser Waaren stellt sich mit 3 bis 10 kr. für Brodkörbe, mit 25 und 40 kr. für Säekörbe und mit 5 bis 12 kr. für Decken. Holz- und Korbflechtwaaren. Die Holz-Hausindustrie Krains ist eine sehr bedeutende und deckt nicht allein den heimischen Bedarf, sondern es werden auch bedeutende Mengen ausser Landes verkauft. In jedem Bezirke werden 41 T A Holzwaaren im Wege der Hausindustrie erzeugt, in den Gerichtsbezirken Reifniz, Gottschee, Grosslaschitz, Laas, Loitsch, Laibach, Radmannsdorf und in einigen Theilen der Gerichtsbezirke Idria, Krainburg und Lack ist jedoch die Holz-Hausindustrie von besonderer Bedeutung. Die Verfertigung von Schaffern, Wannen, Fassein, Zubern und anderen Geschirren wird hauptsächlich im Winter und im Frühjahre mit gewöhnlichen Werkzeugen bewerkstelligt. Das Holz wird zumeist am Stamme gekauft, im Walde zu Dauben geschnitten und dann in den Wohnungen zu fertiger Waare verarbeitet. Die Erzeugung von Drechslerwaaren wird mit gewöhnlichen Werkzeugen betrieben. Die Holzschnitzarbeiten, als: Löffel, Handschaufeln, Fliegenwedel, werden mit einfachen Messern verfertigt. Mulden, Getreide-, Schnee-, Malz- und Mehlschaufeln werden im Walde mit Handhacken roh ausgearbeitet und zu Hause fertig gemacht. Die Holzreifen für Schachteln, Holzsiebe, Holzreuter wurden bis ungefähr 1850 mit der Hand gebogen, jetzt geschieht dies mit Walzenmaschinen aus Holz und aus Eisen. Im Reifnizer Gerichtsbezirke werden aus Fichten- und Tannenholz ungefähr 11.000Butten (Brenten), 5000Wannen, 20.000 Schäfifer, 10.000 Kübel, 20.000 Holzschachteln,3000 Bottiche, 2000 Kannen, aus Buchenholz 8000 Reibeisen, 300.000 Koch- und Esslöffel, 3000 Sensenstiele, 20.000 Besenstiele, 2000 Holzkörbe, 2000 Dreschflegel, aus Pappelund Lindenholz 8000 Schaufeln, aus Buchsbaum 500 Pfeifen, aus Hasel 3000 Heugabeln, circa 300 Metercentner Heftschienen für Siebe, 0000 Heurechen, 500.000 Siebreife, aus denen ungefähr 400.000 Siebe mit Haselholzgeflecht und Rosshaar, dann circa 20.000 Siebe mit Messing- und Eisendrahtgeflecht erzeugt werden, aus Pappelholz 3000 42 Wetzsteinhalter, aus Kirschholz 7000 Fässchen, aus Ahorn und Linde 200.000 Teller und andere Drechslenvaaren; im Gerichtsbezirke Gottschee aus Buchenholz ungefähr 4000 Schaufeln, 400 Salatlöffel (Gabel und Löffel), 5000 Mulden, 1500 Wiegen, 200 bis 300 Billich-Fangapparate, mehrere hundert Rübenhobel und Sessel, aus Bimholz Tabakpfeifen, aus Fichten- und Tannenholz ungefähr 30.000 Schäffer, 2000 Brenten, 1100 Wasserschöpfer, Schmalz- und Wasserkübel und Butterfässchen, aus Fichten-, Tannen- und Kirschholz ungefähr 10.000 längliche ovale Fässchen (genannt Sodritzen, Putscherl), aus Kirschholz ungefähr 100 Spinnräder, aus Hasel, Hartriegel, Kornelkirsche, Weiss- und Schwarzdorn mehrere tausend Schirm- und andere Stöcke, aus Kornel- baum und Schwarzbuchenholz ungefähr 5000 Hammerstiele, Mühl- und Sägespindeln, aus Buchen-, Linden-, Ahorn-,Eichen-, Kirschen-, Korneibaum-und Nussbaumholz mehrere tausend T eller, Leuchter, Schreibzeuge, Kleiderhalter, Rahmen, Körbe und Spielereien, aus Hasel mehrere hundert Fliegenwedel erzeugt. Im Gerichtsbezirke Grosslaschitz werden aus Fichten- undTannenholz ungefähr 3000 Brenten, 500 Wannen, 20.000 Schäffer, 200 Kübel, 500 Fässchen, über 20.000 Zargen und Siebreife, 50.000 Fassspunde, mehrere tausend Büchsen für Gewürze, aus verschiedenen Sträuchern ungefähr eine halbe Million Bündel Zahnstocher zu je hundert Stück, aus Eichenholz einige hundert Bottiche, aus Buchen-und Ahornholz ungefähr 30.000 Löffel, aus Hasel, Esche und Korneibaum ungefähr 400 Rechen, aus Kirschbaumholz 500 Fässchen, aus Buchenholz 300 Kinderwägen, aus Buchen- und Ahornholz 10.000 Teller und Schüsseln, aus Hasel mehrere hundert Fliegenwedel erzeugt. In den Gerichtsbezirken Laas und Loitsch und einigen Dörfern des Bezirkes Adelsberg werden ungefähr jährlich 1 43 i erzeugt: Aus Fichten- und Tannenholz 100.000 Schäffer, 1000 Bottiche und Fässer, 2000 Weinbrenten, aus Buchen- und Ahornholz ungefähr 160.000 Löffel, aus Buchenholz 2000 Krauthobel, 1000 Kurbeln für Schleifsteine, aus Hasel mehr als eine halbe Million Fassreifen und ungefähr 10.000 Rechen. Im Gerichtsbezirke Laibach werden ungefähr eine Million Kistchen für Surrogate und Feigenkaffee aus Buchenholz, circa 100.000 Kisten, dann 2000 bis 3000 Schäffer und ungefähr 400 Wannen aus Fichten- und Tannenholz, eine bedeutende Menge Hobelspäne für Zündhölzchenschachteln und eine grosse Menge Fässer für Honig, Cement, Färb- und andere Waaren, dann mehrere hundert Wagenleitern aus Fichtenholz, über 10.000 Löffel aus Ahornholz und mehr als eine Million Büschel Zahnstocher aus verschiedenen Sträuchern, mehrere tausend Besen aus Birkenreisig erzeugt. Im Bezirke Radmannsdorf werden jährlich aus Fichten- und Lärchenholz ungefähr erzeugt 17.000 bis 20.000 Schäffer, aus Fichten- und Buchenholz 300 Schmalz-, Kraut- und Waschbottiche, aus Buchenholz über 200 Hand- und andere Schlitten, Pflüge und Wirthschaftswägen, dann einige hundert Schneeschaufeln, aus Ahorn ungefähr 3000 Löffel und 200 bis 300 Paare Holzschuhe, ferner Tabakspfeifen, dann aus Fichtenholz beiläufig 200 Bienenstöcke. Aus dem Gottscheer Bezirke, in welchem seit einigen Jahren, und zwar in der Stadt Gottschee, eine Fachschule für Holzindustrie und Stöckeerzeugung und eine Korbflechtschule bestehen, werden auch grosse Quantitäten roher Stöcke in’s Ausland exportirt, um dann wieder in grossen Mengen als Spazierstöcke nach Oesterreich eingeführt zu werden. Die gedachte Schule hat bereits, was die Belebung der Hausindustrie in einigen Gegenden des Gerichtsbezirkes Gottschee, was den Formensinn, Feinheit und stylgerechte Ausführung 44 T der Arbeiten anbelangt, viel erreicht, und es ist mit Bestimmtheit zu erwarten, dass in einigen Jahren die durch die Schule geförderte Hausindustrie viele Familien ernähren wird. Aus demLacker und Krainburger Bezirk werden Schaffer und Fässer geliefert. Die Fässer werden zumeist beim Exporte von Sauerkraut, Honig, sowie bei Versendungen von Branntwein für den Localbedarf verwendet. Auch zur Verpackung von Eisennägeln und anderen Eisenwaaren werden einige tausend Fässer verwendet, die der Lacker und Radmanns- dorfer Bezirk liefern. Waschzuber werden im Lacker Bezirk ungefähr 800 und Spinnräder 1000 jährlich erzeugt, die zumeist in Krain Absatz finden. In der Pfarre Schwarzenberg imBezirke Idria wird dieSchäffer-und Waschzuber-Erzeugung, sowie jene kleiner Holzwaaren in ziemlich bedeutendem Umfange betrieben und in Innerkrain, Triest und dem Küstenlande abgesetzt. Rübenschaber liefert die Umgebung von Mannsburg im Steiner Bezirke zwischen 3000 bis 4000 jährlich, welche auch in Steiermark, Croatien, dann in Fiume und Triest Absatz finden. Die für den Feldbau nöthigen Geräthe, als: Heugabeln, Rechen, diverse Stiele, Dreschflegel, Pflug- und andere Räder werden in nahezu allen Bezirken erzeugt, der Absatz derselben beschränkt sich jedoch nur auf Krain. Die Hausindustrie-Erzeugnisse aus dem Reifnizer, Gott- scheer, Grosslaschitzer und Radmannsdorfer Bezirke finden in Krain, im Küstenlande, Kärnten, Steiermark, Dalmatien, Croatien und Slavonien, einige auch in Ober- und Niederösterreich, Bosnien, Deutschland, Serbien, Rumänien und anderen Orten, die aus dem Laaser, Loitscher und Laibacher Bezirke meistens in Krain, dann aber auch im Küstenlande und Kärnten, Zahnstocher auch in Wien, Ungarn, Galizien, Deutschland, Serbien und Rumänien Absatz. 45 T Die Korbflechterei wird in Krain vorzüglich in den Ortschaften an der Save von ViZmavje bis Förtschach, im Wocheinerthaie, in Innerkrain bei Idria, Planina und im Wippacherthale, dann im Reifnizer Bezirke seit undenklichen Zeiten als Hausindustrie betrieben. Seit einigen Jahren thun sowohl die Korbflechtschule in Gottschee Vieles zur Vervollkommnung dieses Hausindustriezweiges, als auch zwei Lehrer, welche am k. k. Technologischen Gewerbe-Museum in Wien herangebildet wurden. Die Erzeugung beschränkte sich bis zum Jahre 1830 meist auf Körbe für den ländlichen Gebrauch. Um diese Zeit lernte ein Korbflechter aus Förtschach bei Lustthal in Agram die Verfertigung von Hand-, Wiegen-, Deckel- und anderen Körben, sowie das Färben der Ruthen mit Indigo. In seinen Heimatsort zurückgekehrt, betrieb er die Anfertigung derartiger Körbe, die im nahen Laibach leicht Absatz fanden. Aufgemuntert durch den schnellen, vortheilhaften Absatz haben auch andere Korbflechter derartige Körbe verfertigt. Der Absatz war zwar ein schneller, allein die Erzeugung konnte sich quantitativ nicht besonders heben, weil die Verkäufer nur den Localbedarf zu decken hatten und die wegen des grossen Volumens der Körbe theuere Wagenfracht einen Export nicht zuliess. Der Eröffnung der Eisenbahn folgte auch gleich eine regere Thätigkeit in dem Betriebe dieser Hausindustrie, und dem Beobachter entging es nicht, dass sich dieselbe seit dem Jahre 1849 zusehends hob, weil die Eisenbahn es ermöglichte, hierländige Körbe in den Nachbarländern Kärnten, Steiermark, Croatien, ja auch in Oberösterreich und Ungarn abzusetzen. Der Reifnizer Bezirk liefert jährlich ungefähr 20.000 Körbe aus Hasel, Weide und Waldrebe, der Laibacher ungefähr 50.000 aus Weide; in diesem Bezirke werden auch Flaschenkörbe erzeugt. Das Material ist in genügender Menge i im Lande vorhanden, nur die rationelle Weidencultur ist fast noch unbekannt, und auch in dieser Richtung würde eine Korbflechtschule in Laibach, die mit einer Weidencultur- station in Verbindung stünde, viel Erspriessliches leisten. Kämme, Bürsten und dergleichen. In verschiedenen Theilen des Landes, in Inner- und Oberkrain, auch in Unter - krain verfertigt der Landmann Bürsten und Pinsel, dann aus Horn Löffel, Kämme, Feuerzeugbüchsen, und sind besonders die Homkämme aus Bischoflack zu nennen, die einen ansehnlicheren Handelsartikel darstellen; desgleichen liefert Oberkrain als Specialität Zinnkreuze, Zinnschalen und die sogenannten »Soldatenspiegel«. Johann Murnik 47 i OBERÖSTERREICH UND SALZBURG. I. Die Viechtau. n der westlichen Seite des herrlichen Traunsees, zwischen dem lieblichen Traunkirchen und dem uralten Pfarrdorfe Altmünster, entlang des reizenden Aurachthales ist das Gebiet, welches unter dem allgemeinen Namen der Yiechtau die Hauptstätte der Hausindustrie des Salzkammergutes bildet. Während von Hallstatt bis Ebensee im ganzen Kammergut, in Folge des fortwährenden Verdienstes bei den Salinen, beim Forstbetrieb und neuerer Zeit auch bei anderen industriellen Unternehmungen die hausindustrielle Beschäftigung der Bewohner eine mehr vereinzelte ist, so ist in der Viechtau eine im ganzen Thale zusammenhängende Hausindustrie zu treffen. Leider, wie meistens bei der Hausindustrie, ist auch hier die Armuth eine grosse, und die Holzwaarenarbeiter können bei allem Fleisse kaum so viel verdienen, als sie zum Leben brauchen. Freilich sind sie auch von einer gewissen Schwerfälligkeit dem Fortschritte gegenüber nicht freizusprechen, aber SÜWi 48 T sie ertragen ihr armseliges Geschick mit grosser Resignation und sind ehrliche, rechtliche Menschen. Doch sollen diese Zeilen nicht die socialen Verhältnisse der Viechtauer Spiehvaarenarbeiter behandeln, sondern in gedrängter Kürze ein Bild ihrer Thätigkeit auf dem Felde der Hausindustrie bieten, welche bei der Allgemeinen land- und forstwirthschaftlichen Ausstellung in Wien durch eine Collec- tivgruppe der Industrieobjecte veranschaulicht wird. Dass sich die Bewohner der Viechtau mit der Erzeugung von Holzschnitzerei und Drechslerwaaren seit uralter Zeit beschäftigen, ist gewiss, und dürfte ähnlich der Berchtes- gadner, wo die Schnitzerei der Sage nach um 1130 durch Mönche vom Kloster Rottenbuch bei Ammergau eingeführt wurde, ebensolange betrieben worden sein, was auch durch die Aehnlichkeit der erzeugten Objecte bestätigt wird. Dass die Berchtesgadner in ihren Bestrebungen glücklicher als die Viechtauer gewesen sind, mag seine Ursache in verschiedenen günstigen Umständen gefunden haben, jedenfalls waren dieselben unseren Landsleuten an kaufmännischem Blicke überlegen, da selbe bekanntermassen schon in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhundertes Niederlagen in Antwerpen, Cadix, Genua, Nürnberg und Venedig hatten. Unsere Viechtauer waren durch verschiedene Verhältnisse nicht in der glücklichen Lage, es ihren bayrischen Berufsgenossen gleich zu thun; im Jahre 1696 wurde denselben der Hausirhandel sogar gänzlich entzogen. Später erschloss sich für die Viechtauer Waaren ein Absatzgebiet in den unteren Donauländern, was sich wahrscheinlich, nachdem der Hausirhandel verboten war, Dank den Wasserstrassen der Traun und der Donau vollzogen hat. 49 4 .L- Die Viechtauer Holzwaarenarbeiter kann man nach der Art ihrer Erzeugungsproducte in fünf Gruppen theilen: A. Die Verfertiger von land- und hauswirthschaftlichen Geräthen. B. Die Löffelmacher und Löffelmaler. C. Jene, welche Gegenstände erzeugen, zu denen gespaltenes Holz nothwendig ist. D. Die Drechsler. E. Die Spielwaarenschnitzer. A. Die erste Gruppe ist durch eine zeitgemässe, gesunde Entfaltung und auch dadurch, dass allgemein nothwendige Gebrauchsgegenstände erzeugt werden, verhältnissmässig die bestsituirte. Es beschäftigen sich damit circa 60 Familien von zusammen 120 bis 130 Familiengliedern. Erzeugt werden: Stangen, Besenstiele, Besen, Schaufeln, Heugabeln, Kumpfen, Rechen, Kluppen, Schüsseln, Moltern, Mehlschaufeln, Nudelwalker, Gurkenhobel, Butterformen, Fleischschlägel etc. Zu den landwirtschaftlichen Geräthen wird grösstenteils feinspaltiges Fichtenholz verwendet. Zu den Geräthen für Hauswirthschaft meistens Buchen-, Ahorn- und etwas Eschenholz. Die Wäschkluppen, aus Buchenholz verfertigt, sind der schlechtest bezahlte Artikel, indem für 70 Dutzend 1 fl. bezahlt wird. Ein Arbeiter kann in einem Tage 15 bis 17 Dutzend erzeugen, je nach seiner Leistungsfähigkeit. Tranchirteller und Hackbretter aus Ahomholz werden zum Theil auch in Goisem und Ischl erzeugt, da das Ahornholz in der Viechtau nicht mehr ausreicht und häufig aus der Grünau bezogen werden muss; so wird auch ein bedeu- 50 T 1 • * *-► 1 tender Theil von Schüsseln, welche von hier in Handel kommen, am Attersee, namentlich in Unterach erzeugt. Alle diese hier angeführten Haus- und Küchengeräthe sind gut und hübsch gearbeitet, gehen nach Wien und Pest; solche Artikel sind auch in ansehnlichen Qualitäten nach der Schweiz und Westphalen gesendet worden. DieLöffel mache r. Diese bilden die älteste Gruppe in der alten Gilde der Viechtauer Holzwaarenarbeiter. Ihre Lage ist auch die denkbar traurigste, und ihr Gewerbe erfordert bei dem niedrigen Waarenpreis unverhält- nissmässig viel und schönes, glattschäftiges Buchenholz, was in forstwirthschaftlichen Kreisen lautes Bedenken hervorruft. Es dürften sich gegenwärtig einige 80 Familien mit dieser Hausindustrie beschäftigen. Die Löffel unterscheiden sich in zwei Gattungen, und zwar: a) Kochlöffel, l) Esslöffel. Erstere werden in der Länge von 28 Centimeter bis 79 Centimeter (sogenannte Ellenlöffel) erzeugt. Die Esslöffel zerfallen in vierSorten von 15 bis 19 Centimeter Länge und werden in Büschel per Dutzend in den Verkehr gesetzt. Ein jedenfalls durch das Absatzgebiet hervorgerufener Brauch ist das Lackiren der Esslöffel mit bunten, dann in Gold und Silber ausgeführten Ornamenten, Blüthen und Inschriften auf schwarzem Grunde. Das Lackiren der Löffel wird als separates Geschäft betrieben und dabei die möglichste Arbeitstheilung eingehalten. Die Arbeit des Lackirens ist sehr complicirt; jeder Löffel muss vierzehnmal in die Hand genommen werden, bis er fertig ist. Für 100 Dutzend sogenannter»Rundmaulet «und Silber- 7 51 4* T i löffel wird für das Lackiren 4 bis 5 fl. bezahlt. 300 Dutzend bewältigt ein Lackirer im Monat. Der Maximallohn beträgt per Tag 40 kr., aber dieser Betrag wird nur von einer Minderzahl erreicht. Die Esslöffel gehen nach Serbien, Bulgarien, Bosnien und einem Theil von Albanien. Theils durch die politischen Verhältnisse und theils durch den von Frankreich massenhaft eingeführten Blech- löffel verringert sich von Jahr zu Jahr der Absatz dieser Holzlöffel. Nach Westphalen und nach Ungarn wird noch je eine gewisse Gattung von Löffeln abgesetzt. C. Die Spaltwaarenarbeiter. In diese Gruppe gehören die Binder, Schaffelmacher und Schachtelmacher. Diese Gruppe braucht zur Erzeugung ihrer Artikel vorzugsweise Fichtenholz, und dieses muss weiss, astrein, gleichfasrig und insbesonders spaltig oder kliebig sein, wozu nur besondere Stämme ein brauchbares Material liefern. Dies veranlasst auch wieder, dass von forstwirthschaftlicher Seite Bedenken dagegen obwalten, das Holzquantum ohne Schädigung des Forstbestandes aufzubringen, umsomehr, als sich diese Branche vermehrt. Die Schaffelmacher und Binder bilden unter den Viechtauern eine ganz ansehnliche Zahl, es dürften sich circa 50 Familien damit beschäftigen und die jährliche Erzeugung mag, approximativ angenommen, 36-bis40.000 Stück Wasserschaffel betragen. Es werden diese Objecte in den verschiedensten Grössen, auch in der Form mannigfaltig, oval, rund, hoch und niedrig gemacht. Bei den kleineren wird der sogenannte Berchtesgadner Reif mit dem eigenen Verschluss, bei grösseren Schaffein I werden Eisenreifen angewendet. Sehr gut macht sich die Verwendung von rothem Lärchenholz, von welchem je eine Rippe zwischen zwei Taufein (Dauben) eingefügt wird. Die Arbeit ist eine ganz saubere, gute, das Aussehen der Gegenstände ein gefälliges. Aus einem Festmeter astreinem Fichtenholz ist es möglich, 34 Schaffein mittlerer Grösse zu erzeugen. Der Wochenverdienst einer Schaffelbinderfamilie dürfte 5 bis 9 fl. betragen. Für ein Dutzend grosser Schaflei bezahlt der Verleger 5 fl. An die Schäffler schliessen sich die Schachtelmacher an, welche wohl keine grosse Zahl ausmachen. Es gelangt auch bei der Anfertigung der Schachteln ein feinkliebiges Fichtenholz zur Verarbeitung. Die Schachteln werden in runder und ovaler Form von 7 Centimeter Länge, 4 Centimeter Breite bis zu GG Centi- meter Länge und 35 Centimeter Breite hergestellt. Es wird bei der Herstellung und für den Verkauf immer ein Schachtelsatz zusammengestellt (aus 4 bis 6 Stück), bei welchem anreihend nach der Grösse ein Stück in das andere eingeschachtelt wird. Ein Theil der erzeugten und in die unteren Donauländer verhandelten Schachteln wird bemalt, indem auf rothem Grunde mit weisser, blauer und gelber Deckfarbe Ornamente, manchesmal auch mit Vergoldung versehen, angebracht werden. Die Muster sind ganz originell und dürften den seinerzeit von Händlern aus den Donauländern heraufgebrachten (da dieselben den südslavischen Charakter tragen) nachgeahmt worden sein. Der Verdienst der Schachtelmacher ist ein sehr schlechter, namentlich jener der Schachtelmaler. Diese Malerei wird meistens von Weibern betrieben. D. Die Drechsler. Dieselben erzeugen: Salzfassel, Gewürzbüchsen, Nadel- und Federbüchsen, Rosenkränze, Sprudler, Holztrichter, Spagatspulen, Rollhölzer etc. etc. Die Mehrzahl dieser Artikel wird noch so ziemlich, d. h. nach Neukirchner Begriffen, gut bezahlt. Manche Artikel, die früher sehr gangbar waren, haben aufgehört, erzeugt zu werden. Die Drechsler verarbeiten Ahorn-, Zwetschken- und Birnbaumholz. Auch werden Fasspipen in nicht unbedeutenden Mengen erzeugt, namentlich in der Ortschaft Traunkirchen. Die Elite unter den Pipendrechslem befindet sich in Ebensee. E. Spielwaarenschnitzer. Diese Gruppe isteinesehr arme, sie ist auch diejenige, nach welcher die Viechtauer Hausindustrie grösstentheils beurtheilt wird. Es existirt eine ansehnliche Zahl (bei 130) Familien, welche sich mit dieser Art Industrie beschäftigen. Dieselben sind, was das theilweise Ueberlebte ihrer Industrie betrifft, mit den Löffelmachem zu vergleichen, auch darin, dass selbe die gleichen Absatzgebiete in den slavischen Balkanländern haben. Der Erzeuger in der Viechtau arbeitet an diesen Gegenständen in gleicher Weise, wie einst sein Urgrossvater, und auch um den gleichen Preis; denn nachgewiesen ist, dass die Preise, vom Verleger vor mehr als vierzig Jahren bezahlt, bei vielen Artikeln eher besser waren als heute. Es ginge zu weit, alle Gegenstände aufzuzählen, die in dieser Gruppe erzeugt werden, aber es sind manche darunter, die urwüchsig doch etwas Originelles an sich haben und die auf das spielende Kind vielleicht mehr Reiz ausüben als die übertrieben feinen Pariser Spielsachen, welche in die zarte Kindesseele schon die ersten Keime von Ungenügsamkeit und Blasirtheit leeren. i Mit diesem will aber nicht gesagt sein, dass es die Spielwaaren-Erzeugung in der Viech tau nicht nöthig hätte, sich zu verbessern; — gewiss nicht, denn es sind darunter manche Artikel, die den kleinen Zulukaffern vielleicht auch nicht ganz gefallen würden. Dass sich einige Artikel in der Form seit mehreren Jahren etwas gebessert haben, lässt sich nicht leugnen. Zum Schlüsse sei es gestattet, noch einige allgemeine Bemerkungen hinzuzufugen. Wenn man die interessante Broschüre des k. k. Forst- rathes Rudolf Nekola, welche auch hier benützt wurde, durchliest, so findet man häufig die Aussicht ausgesprochen, dass die forstwirthschaftlichen Verhältnisse durch den Betrieb derViechtauer Hausindustrie derartig ungünstig werden, dass es in der Zukunft nicht mehr möglich sein wird, den Holzarbeitern das Rohmaterial abzugeben. Es wird darin die Errichtung der dortigen Fachschule freudig begrüsst. Der Berichterstatter muss gestehen, dass er, als er dies vor acht Jahren gelesen hat, nicht so siegesfreudig in die Zukunft blickte, was er auch leider begründet fand. Es ist gewiss nicht leicht, so alte Verhältnisse, welche sich in ein so conservatives Volk eingelebt haben, zu ändern und der Besserung zuzuführen. Nicht leugnen lässt sich, dass durch die Schule ein Anfang gemacht wurde. Aber unbillig wäre es, zu verlangen, dass mit so geringen Mitteln in dem so schlechten Hause, in welchem die Schule untergebracht ist (vom Monat Mai d. J. ab wird ein besseres, geräumigeres bezogen), die Anstalt einen mehr fühlbaren Einfluss, als es bis jetzt geschah, auf die Hausindustrie Viechtaus hätte nehmen sollen. Hier liegen die Verhältnisse tiefer und es muss von allen Factoren zusammengewirkt werden, wenn sich die f 55 t I Sache bessern soll. Mussten ja doch auch für die nothleidende Messerindustrie des Steyrer-Thales, nebst der wirklich vortrefflich eingerichteten k. k. Fachschule und Versuchsanstalt für Eisenindustrie, Schleifereien etc. um namhafte Beträge hergestellt, überhaupt eine Hilfsaction eingeleitet werden. Jedenfalls verdienen es die alte Hausindustrie Viechtaus und die braven armen und ehrlichen Holzwaarenarbeiter, dass ihnen die Gnade und das Interesse von hoher Seite nicht entzogen werde, sondern dass sie noch weiter unterstützt werden möchten. II. Das obere Salzkammergut. In Ebensee wurde und wird die hausindustrielle Beschäftigung im Ganzen in geringem Massstabe betrieben. Die Hauptbeschäftigung bietet den Bewohnern die grosse, seit 1607 in Betrieb gesetzte k. k. Saline und das k. k. Forstärar. Es datirt auch von dieser Zeit die Vergrösserung des Ortes, welcher früher aus wenigen Fischerhäusern und anderen, zerstreut gelegenen Gebäuden bestand. Seit alter Zeit wurden so nebenher von einzelnen Bewohnern, wie dies in anderen Gebirgsorten auch der Fall ist, Schnitzarbeiten, namentlich Gemsen und Hirsche gefertigt. Dies hat sich bis heute erhalten, und Ebensee weist in dieser Richtung, nebst einem weithin bekannten, tüchtigen Thierschnitzer, Ernst Heiss 1, dessen ganze Familie sich mit Schnitzerei beschäftigt, noch eine Anzahl Holzschnitzer (J. Loidl) auf, welche verschiedene Rahmen, Thiere etc. etc. anfertigen. Im Weiteren wird seit Anfang dieses Jahrhundertes oder von noch etwas früher her die Fasspipendrechslerei betrieben. T T 5G i Diesem Erwerbszweige obliegen sechs bis acht Drechsler, welche mit einem kleinen Personal arbeiten, und in dieser Richtung geniessen die Erzeugnisse des M. Loidl, jetzt M. Loidl’s Witwe, durch ihre vorzügliche Arbeit einen weitverbreiteten Ruf. Das Geschäft wird von dieser Familie seit sechzig Jahren betrieben. Die Erzeugnisse der anderen Pipendrechsler werden in Ebensee durch die Firma Auderieth und Stöger in Vertrieb gesetzt und haben das Renommée einer sehr guten und soliden Waare. Weiters werden auch Hirschhomknöpfe erzeugt, und zwar von J. Lemmerer und J. Steinkogler. Seit 1881 befindet sich in Ebensee eine k.k. Fachschule für Holzindustrie. Eine Reihe absolvirter Schüler hat bereits die Anstalt verlassen, von welchen mehrere sich in Ebensee beschäftigen. In den Gemeinden Ischl, Goisern, Hallstatt und Go sau*) sind zur Zeit 28 Familien hausindustriell beschäftigt, und deren Thätigkeit erstreckt sich auf die Erzeugung von Drechsler- und Schnitzarbeiten, sowie von Marmor- waaren. Das reichliche Vorhandensein von zu Drechsler- und Schnitzarbeiten gut geeigneten Hölzern, als: Buche, Ahorn, Ulme, Erle, Linde, Esche, Eibe, Zirbel und Wachholder, sowie die nahezu kostenlose Beschaffung von schön gefärbtem und reich textirtem Marmor, in Verbindung mit der angeborenen Geschicklichkeit und Handfertigkeit der Bewohner, haben seit vielen Decennien in den Thälern des oberen Kammergutes eine rege hausindustrielle Thätigkeit erhalten. Es werden zumeist Galanterie- und Spielwaaren, sowie *) Die auf die genannten Orte bezüglichen Daten stammen von dem Hallstätter Fachschulleiter Herrn Göbel her. 57 T i verschiedene Gegenstände, für den Hausrath bestimmt, angefertigt, und diese Erzeugnisse finden durch Vermittlung von Händlern und Verlegern ihren Absatz theils in den Ländern der Monarchie, theils in den Donaufürstenthümern und im Orient. Aber auch der im Kammergute ausserordentlich gestiegene Fremdenverkehr führt viele Käufer den Producenten direct zu, und dieser Umstand ist es zunächst, welcher eine bessere Verwerthung der erzeugten Waaren und demzufolge nicht allein lohnenderen Verdienst, sondern auch vermehrte Lust zur Thätigkeit erzielt. Im Allgemeinen ist der Erwerb der Hausindustriellen ein mühe- und sorgenvoller; der durchschnittliche tägliche Verdienst erreicht bei einem ziemlich geübten Arbeiter 55 bis 05 kr., und wenn die Familienglieder sich an der Arbeit betheiligen, was in den meisten Fällen zu trifft, so wird die tägliche Gesammteinnahme im Durchschnitte mit 1 fl. bis fl. P10 anzunehmen sein. Das leidige, ungesunde Verhältniss, in welchem ein grosser Theil der Hausindustriellen zu den Verlegern steht, übt einen nicht unwesentlichen Rückschlag auf die Fortentwicklung und den Bestand der einst blühenden Hausindustrie aus, und obwohl im Allgemeinen, insbesonders aber in den Gemeinden Ischl und Hallstatt, sich bei den Erzeugern das Bestreben nach Emancipirung von den Verlegern kundgibt, ist doch ein nicht geringer Theil derselben noch vollständig in den Händen der Verleger, welche den meist in höchster Geldnoth befindlichen Arbeiter bei Lieferung seiner Waaren arg bedrücken. Fine Besserung würde nur herbeigeführt werden können, wenn der Consument mehr direct mit dem Producenten in Verbindung gebracht werden könnte, was ja nicht allzu 58 T 1 schwer zu erreichen wäre, wenn dem Letzteren die Möglichkeit geboten würde, sein Product an grösseren Handelsorten zu exponiren. III. Spielkugel-Erzeugung aus Untersberger Marmor. Die grossen und allbekanntenMarmorbrüche amUnters- berg nächst Fürstenbrunn und jene zu Adnet, in der Nähe von Hallein, liefern ein ausgezeichnet schönes Materiale, welches zu architektonischen und Monumental - Arbeiten grosse Verwendung fand und findet. Nebst der Verarbeitung grosser Werkstücke zu vorerwähnten Gegenständen werden auch Marmorabfälle theils zu Mosaikarbeiten verwendet, theils werden sie als Rohmaterial zu einer ehemals sehr schwunghaft betriebenen Hausindustrie verwerthet. Die entsprechend kleinen Stücke der eigens zubehauenen Marmorabfälle werden auf den zahlreichen, höchst einfach construirten, kleinen, durch Wasserkraft betriebenen Mühlen in Kugelform gebracht. Dieses Fahricat fand seinerzeit als Spielzeug für Kinder grossen Absatz; es wurde sogar nach Amerika, als Schiffsballast, verfrachtet. In letzter Zeit wurden durch die Massenproduction von Spielkugeln in Thüringen die Preise sehr herabgedrückt, so dass sich die Erzeugung in dieser Gegend kaum mehr lohnt. Vor circa 25 bis 30 Jahren wurden noch an G bis GVg Millionen Stück per Jahr erzeugt; seit dieser Zeit ist die Erzeugung sehr zurückgegangen. Hans Greil. T 50 T i TIROL. on allen den zahlreichen, in den natürlichen Verhältnissen des Landes begründeten (da ja in vielen Theilen des Landes die Landwirtschaft allein zur Ernährung der bäuerlichen Bevölkerung nicht ausreicht und häufig auch ein langer Winter productiv verwertet werden muss) Hausindustrien Tirols sind nur mehr wenige Reste bis auf unsere Tage gekommen. Die Umwälzungen der früheren Communicationsverhältnisse, der leichte Verkehr mit den Handels- und Gewerbsstätten, der gewaltige Aufschwung des Maschinenwesens und noch manche andere nicht minder wesentliche allgemeine wie specielle Ursachen haben auch hier auf fast alle Zweige der Hausindustrie lähmend oder aber gar gänzlich zerstörend eingewirkt und damit eine Erwerbsquelle verschlossen, welche einerseits besser als der karge Boden allein dem Landmanne die Mittel bot, sich des Daseins Mühe zu erleichtern, andererseits aber vielfach auch auf eine Verbesserung der Bodenbewirth- schaftung Einfluss nahm, die das Erträgniss blos dieser letzteren allein niemals gestattet hätte. Nur wo die Hausindustrie der Fabriksindustrie noch Widerstand zu leisten vermag, die Arbeit also noch wesentlich mit der Hand und mit nur einfachen Werkzeugen und 60 T Maschinen geschehen muss, oder aber der fabriksmässige Betrieb die Productionskosten nicht erheblich vermindern kann, finden sich noch grössere oder kleinere Reste eines ehemals blühenden Hausfleisses. Zwar werden auch diese wenigen der Hausindustrie noch übrig gebliebenen Gebiete in immer engere Grenzen eingezwängt, doch soll damit keineswegs schon gesagt sein, dass die Hausindustrien Tirols keine Zukunft mehr haben. Es scheint vielmehr, dass unter Anwendung der richtigen Massnahmen die natürliche Begabung des Volkes überall dort, wo die Individualität des Arbeiters an dem einzelnen Erzeugnisse noch zur Geltung kommen kann, sei es nun in der Richtung auf die Kunst oder in der Richtung auf die Fertigkeit bei Hervorbringung eines Stückes für den spe- ciellen Bedarf, noch zu den schönsten Hoffnungen berechtigt. Solche Industriezweige wären z. B. die Spitzenklöppelei, theilweise die Handweberei, Stickerei und Strickerei, die Erzeugung mancher Bekleidungsartikel, landwirthschaftlicher Geräthe, die Kleineisen-Fabrication, die Stroh- und Korbflechterei, die Holzschnitzerei, manche Zweige der Bijouterie und Tabletterie u. A. m. Die im Nachstehenden angeführten Daten über die im Lande noch existirenden Hausindustrien sind zum grossen Theile den Ergebnissen der eigens zum Zwecke dieser Publi- cation erbetenen Erhebungen der k. k. politischen Bezirksbehörden entnommen, welchen für ihre gütige Mühewaltung an dieser Stelle der verbindlichste Dank auszusprechen gestattet sei. Die einst blühende Spitzenklöppelei hat ihr früheres Ansehen als nationale Hausindustrie fast ganz eingebüsst; sie wird mit wenigen Ausnahmen grösstentheils nur mehr vereinzelt und zum Hausgebrauche betrieben. 61 Nur im Ahrnthale — politischer Bezirk Brunneck — beschäftigen sich noch circa 200 Weiber mit der seit vor- denklichen Zeiten dort eingeführten Spitzenklöppelei und erzeugen den langen Winter hindurch circa 16.000 Meter Spitzen im Werthe von beiläufig 7000 bis 8000 fl. und mit einem durchschnittlichen Tagesverdienst von circa 25 kr. Der Vertrieb geschieht durch Hausirer, welche auch das nöthige Arbeits - Materiale im Austausche gegen fertige Spitzen besorgen. Die übrigen bedeutenderen Erzeugungsstätten stehen mit den von der hohen Unterrichtsverwaltung gegründeten Fachschulen in Verbindung und lassen schon insoferne das Beste erwarten, als die Schülerinnenzahl an diesen Schulen eine ganz bedeutende ist und auch die commer- cielle Gebahrung sich langsam zu heben beginnt. . So beschäftigen sich beispielsweise in Lus er na — politischer Bezirk Borgo — bei 60 Mädchen mit dem Spitzenklöppeln und produciren bei einem Tagesverdienste von durchschnittlich 40 kr. 2200 Meter Spitzen im Werthe von beiläufig 1100 fl. Der Vertrieb der fertigen Waare geschieht durch Verleger. In Proveis und Maid — politischer Bezirk Cles — erzeugen ebenfalls circa 60 Mädchen, aber nur gegen Bestellung, jährlich mehrere hundert Meter Spitzen im ungefähren Werthe von 3000 fl. und verdienen damit je 40 kr. täglich. Die Fachschule in Predazzo — politischer Bezirk Ca- valese — beschäftigt circa 60 Schülerinnen. Nähere Daten fehlen. Als geeignetstes Mittel zur Hebung und Förderung der Spitzenklöppelei wird übereinstimmend eine bessere Organisation des kaufmännischen Vertriebes angegeben. Auch die mit der Viehzucht in Verbindung stehende i i * und einst bedeutende Wollmanufactur — wir erinnern hiebei nur an die bereits eingegangenen Hausindustrien in St. Siegmund im Pusterthale, im Schnalserthale, im Vintschgau u. s. w. — hat zum grössten Theile ihren Untergang gefunden. Nur im Patznaunthale — pol. Bez. Landeck — beschäftigen sich noch die meisten Weiber mit der Verfertigung von Wollsocken und Strümpfen, welche dann — circa 15.000 Paare im Werthe von beiläufig 7—8000 fl. — durch Hausirer in den Handel kommen. Das Arbeitsmateriale liefert die Schafzucht des Thaies, doch wird Wolle theil- weise auch aus Vorarlberg bezogen. Der Tagesverdienst beträgt im Durchschnitte 18 kr. An dieser Stelle wäre auch die uralte Lodenindustrie des Zillerthales — pol.Bez. Schwaz — zu erwähnen, welche in Verbindung mit der ebendort betriebenen Weberei von ordinärer Bauernleinwand bei Einzelnbetrieb und in der Zeit, welche die Feldarbeit übrig lässt, jährlich circa 1000 Metercentner Waare erzeugt. Das Arbeitsmateriale liefern der eigene Viehstand, sowie der selbstproducirte Flachs. Der Vertrieb der Waare geschieht theils durch Hausirer, theils im Grosshandel. Ueber die Hutindustrie in Sexten konnte nichts in Erfahrung gebracht werden, und scheint dieselbe, wenigstens als Hausindustrie, bereits eingegangen zu sein. Jedenfalls weist die bis in’s IG. Jahrhundert zurückreichende, inTiarnodisotto — pol. Bez. Riva — etablirte Erzeugung schafwollener Hüte zur Zeit noch günstigere Verhältnisse auf. Dieselbe beschäftigt noch immer circa 80 Personen bei einem durchschnittlichen Tagesverdienste von 75 kr. bis 1 fl. und producirt mit wenigen Ausnahmen nur während des Winters bis 100.000 Hüte im Werthe von 30—35.000 fl. 4 63 T 1 Die Arbeit geschieht fast ausschliesslich mit der Hand, da nur zum Kardätschen und zum Walken der Wolle je eine durch Wasserkraft getriebene Hilfsmaschine aufgestellt ist. Der Vertrieb geschieht theils im Wege des Hausirhandels, theils werden die Hüte direct an die Kaufleute in der Provinz abgesetzt. Der grösste Theil, besonders die „ordinären Hüte“, geht nach Italien. Zur Förderung dieser Hausindustrie, mit welcher auch eine bisher wenig einträgliche Filzschuh-Erzeugung verbunden ist, empfiehlt die politische Behörde, nach dem Gutachten der Industriellen in Tiarno di sotto, unseren Consulaten, insbesondere in Amerika, eine grössere Theilnahme für diese Artikel. Durch eine kräftige Unterstützung dieser wie jeder anderen Wollindustrie könnte nicht nur der jetzt stark darniederliegenden Schafzucht aufgeholfen werden, es würde damit auch am besten der stets zunehmenden Auswanderung gesteuert. Eine ebenso kräftige Förderung sollte auch die einst so bedeutend gewesene Leinweberei erfahren. Dieselbe wird ausser, wie schon erwähnt, im Zillerthale nur mehr hie und da vereinzelt betrieben, erzeugt ausschliesslich ganz ordinäre Waare und besitzt gar keine mercantile Bedeutung mehr. Bei den Hausindustrien auf textilem Gebiete wären nur noch zu erwähnen: die Maschinenstickerei in einigen Gemeinden des Bezirkes Reutte und eine seit drei Jahren eingeführte Industrie zur Erzeugung wollener Taschentücher in Dordine — pol. Bez. Trient. Dieselbe wird vereinzelt im Winter von nur 20 Personen, darunter zehn Kindern, betrieben und liefert bei einem Tagesverdienste von 15 kr. um beiläufig 800 fl. Waare. Die Erzeugnisse werden durch einen Verleger im Wege des Hausirhandels und auf den Märkten vertrieben. 1 64 T L Die Verfertigung von Tabaksdosen, Pfeifen und Löffeln aus Horn in der Umgebung von Sterzing ist als erloschen zu betrachten, da sich nur mehr kaum nennens- werthe Ueberbleibsel einer einst intensiv betriebenen Hausindustrie in diesen Artikeln vorfinden. Bedeutender scheint eine verwandte Industrie noch in Ehrwald — Bez. Reutte — zu sein, wo den Winter hindurch noch eine genügende Zahl von Arbeitern mit der Erzeugung von Pfeifenspitzeln aus Horn Beschäftigung findet. Diese Artikel werden durch Hausirer weiter in den Handel gebracht. Die hausindustrielle Verarbeitung des Eisens wird an allen Orten, wo dieselbe früher blühte, z. B. in den Gemeinden des Eggenthaies, im Gebiete von Sterzing, im Stubai u. s. w., nur mehr gewerbsmässig betrieben, und bieten nähere Daten hier also kein besonderes Interesse. Nur in Molina — pol. Bez. Riva — hat sich noch ein Rest der dort sehr alten Kleineisenindustrie erhalten; wenigstens beschäftigen sich dort noch circa 100 Personen den Winter hindurch mit der Erzeugung von Nägeln und Wassereimern, wozu sie das Stabeisen aus Kärnten beziehen und altes Eisen in der Provinz aufkaufen. Der Werth der erzeugten Waare im durchschnittlichen Gewichte von 600 Centnem per Jahr beträgt beiläufig 18.000 fl., der Tagesverdienst für den einzelnen Arbeiter wenig mehr als 50 kr. Bei dieser Hausindustrie wird auch Wasserkraft benützt. Die Erzeugnisse werden nur im Lande selbst abgesetzt, doch droht denselben, insbesondere durch die böhmische Concurrenz, auch von diesem letzten Absatzgebiete verdrängt zu werden. An dieser Stelle mag auch noch die durch die k. k. Fachschule unterstützteSilberfiligran-Industrie in Cortina i es r d’Ampezzo Erwähnung finden. Dieselbe dürfte aber derzeit nicht strenge unter die Bestimmungen des § 3 des Gesetzes vom 30. März 1888, R.-G.-Bl. Nr. 33, subsummirt werden können und muss daher einstweilen unerörtert bleiben. Die weitaus zahlreichsten und bedeutendsten Hausindustrien gründen sich in Tirol noch auf das Holz als Arbeitsmateriale. Abgesehen von den zahlreichen, in den einzelnen Gehöften des ganzen Landes zerstreuten, den ganzen Winter hindurch arbeitenden Verfertigern der verschiedenartigsten landwirtschaftlichen Geräthe, werden letztere Artikel in ausgedehnterem Masse auch erzeugt im Sulden- und Mar- telthale des Meraner Bezirkes — Wasserschaffel, Milchgeschirre, Waschwannen, Bottiche u. s. w. In der Gemeinde Vils des Bezirkes Reutte werden Schmalzkübel, in den Gemeinden Ehrwald, Hinter- wang, Höfen, Pflasch, Breitenwang und Staupach desselben Bezirkes Rechen und Heugabeln angefertigt. Die gleichen Objecte und ausserdem noch Körbe, Leitern etc. beschäftigen seit beiläufig achtzig Jahren und bei einem Tagesverdienste von durchschnittlich siebzig Kreuzern in den Gemeinden Folzaria (und hier speciell in den Fractionen: Carbonare, Zobel und Girardi) und in St. Sebastiano circa 120 Personen. Die Erzeugnisse im beiläufigen Werthe von 2000 fl. werden durch die Hausindustriellen selbst auf den Märkten Südtirols abgesetzt. In Sover — politischer Bezirk Trient — existirt eine Hausindustrie, welche sich mit der Erzeugung von Holzschuhen, Trag- und sonstigen grösseren Körben befasst. Hiebei arbeiten circa zwanzig Männer, bei einem Tagesverdienste von 70 Kreuzern, den ganzen Winter hindurch. Der Werth der erzeugten Waare beträgt nur beiläufig 500 fl. i Inwieweit die in Cles, Denno, Malü und Proveis eta- blirten Korbflechtschulen zur Belebung einer Hausindustrie in diesen Orten beizutragen vermochten, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden, doch weisen diese noch ziemlich jungen Anstalten immerhin eine genügende Schülerzahl auf, was auf ein lebhaftes Interesse seitens der Bevölkerung schliessen lässt. Bedeutender aber als alle bisher genannten holzverarbeitenden Hausindustrien sind jene, welche sich mit der Erzeugung von ordinären Spielwaaren und mit dem »Bildschnitzeln« befassen. Mit Ausnahme einer weniger ausgedehnten Hausindustrie auf letzterem Gebiete in den Gemeinden: Biber- wier, Heiterwang, Reutte, Lasch und Aschau des Bezirkes Reutte ist der Hauptsitz dieser Industrie in den Gemeinden des Fassa- und Grödnerthales und im Enne- berg zu suchen. In den Gemeinden Canazei, Campitello, Mazzin, Perra, Pozzo und Vigo des Fassathales beschäftigen sich im Winter 432 Personen — 2 ( .)1 Männer, 124 Weiber und 17 Kinder — mit der Erzeugung von Spielwaaren, meist Thierfiguren. Ausser den sehr primitiven Schnitzwerkzeugen werden auch in sechs Fällen mit Wasserkraft betriebene Drehbänke benützt. Das Arbeitsmateriale, Fichtenholz, beziehen die Arbeiter aus den Gemeinde- und Privatwaldungen, doch macht sich schon ein empfindlicher Mangel an Holz fühlbar, und da es nach der Ansicht unseres Gewährsmannes undenkbar ist, dasselbe für diese Industrie anderswoher beziehen zu können, dürfte der Fassaer Hausindustrie wohl keine lange Dauer mehr beschieden sein. Nicht uninteressant ist die Beurtheilung dieser Hausindustrie seitens einer sonst massgebenden Autorität, welche Folgendes schreibt: »Diese Hausindustrie ist darnach ange- than, das Thal in kurzer Zeit zu Grunde zu richten, indem bereits jetzt in einzelnen Gemeinden empfindlicher Mangel an Brennholz herrscht. Holz von anderswo zu beziehen, ist undenkbar. Das Aufgeben dieser Industrie ist eine Existenzfrage für das Thal. Diese Industrie wirkt aber noch weiter auch demoralisirend auf die Bevölkerung ein. Wo kein Holz zum Schnitzeln ausgezeichnet werden kann, wird die Zuflucht zum Stehlen genommen und das Geld für die erzeugte Waare — ein wahres Spottgeld, so dass oft der Werth des Holzes ein grösserer ist — ausschliesslich auf Schnaps verwendet.« Nun einstweilen werden im Fassa noch immer circa 400.000 Stücke im beiläufigen Werthe von 25.000 fl. erzeugt und resultirt für den Arbeiter doch noch ein Tagesverdienst von ungefähr 75 kr. Der Vertrieb der Waare geschieht ausschliesslich durch Verleger. Eine bedeutend grössere Ausdehnung hat die seit angeblich 1703 dortselbst eingeführte Holzschnitzerei-Hausindustrie im Grödnerthale und dessen Umgebung mit den Hauptorten: St. Ulrich, Christina, Wolkenstein, Ueberwasser, Pufels und Runggaditsch, St. Peter, Lajen, Villnöss und Enneberg, wo sich über 2000 Personen — mehr als 75 Percent der Bevölkerung — mit derselben beschäftigen. Diese Hausindustrie theilt sich hier in zwei streng gesonderte Richtungen. Die eine befasst sich, ähnlich wie im Fassathale, nur mit der Erzeugung von Spielwaaren und theilweise auch mit der »ordinären Bildschnitzerei«, d. h. mit Anfertigung von Heiligen- und Krippenfiguren, Christuskörpern und dergleichen in einfachster Ausführung. Sie beschäftigt den ganzen Winter hindurch und überdies zu jeder Zeit, welche 68 I die sehr beschränkte Landwirtschaft übrig lässt, die weitaus überwiegende Mehrzahl der Hausindustriellen. Die zweite, durch hervorragend veranlagte Bildschnitzer angebahnte Richtung betätigt sich seit circa 50 Jahren intensiver mit der kirchlichen, figuralen Bildhauerei in künstlerischer Darstellung, seit dem letzten Decennium aber auch mit kirchlicher Ornamentik und Schreinerei. Bei den Spielwaarenerzeugern gleicht jede Familienstube so ziemlich einer Werkstätte, wo von Männern, Weibern und Kindern mit den denkbar einfachsten Werkzeugen die circa 500 verschiedenartige Muster umfassenden Objecte geschnitzt und zum Theile auch mit Leimfarben bemalt werden. Nachdem in der Regel jede Familie nur eine Art von Figuren verfertigt, ist die Geschicklichkeit der Arbeiter eine derart erstaunliche, dass nur sie es erklärlich macht, wie diese Hausindustrie noch immer den Markt zu behaupten vermag und die Arbeiter noch immer einen Tagesverdienst von durchschnittlich 50 kr. finden können. Die Bildhauer, deren Hauptsitz St. Ulrich bildet, wo überhaupt auch der grösste Theil der kaufmännischen Unternehmungen etablirt ist, besitzen schon seit Anfang der Siebzigerjahre eigene, vollständig ausgerüstete Ateliers, in welchen Arbeiter beschäftigt sind, die je nach der Geschicklichkeit von 1 bis 4 fl. täglich verdienen. Die mitunter wirklich künstlerisch durchgeführten Erzeugnisse dieser Ateliers werden zumeist von eigenen »Fassmalern« sehr sorgfältig mit Oelfarbe bemalt und staffirt und auch diese Letzteren verdienen von fl. L50 bis 2'50 pro Tag und pro Person. Ausser den schon erwähnten bei der Spielwaaren-In- dustrie meist sehr primitiven Schnitzwerkzeugen kommen bei den Verfertigern der Puppenköpfe auch mit Wasserkraft getriebene Drehbänke zur Verwendung. 6‘J i i Für die Spielwaaren-Industrie wird fast ausschliesslich den Privat- und Gemeindewaldungen entnommenes und aus dem Brennholze ausgeschiedenes Fichtenholz benützt. Für die feinen Bildhauerarbeiten kommt jedoch nur Zirbelholz in Verwendung, welches meistentheils aus den Privatwaldungen der Nachbargemeinden, in einigen Fällen aus den ärarischen Forsten von Villnöss und seit einigen Jahren, in kleineren Quantitäten, auch aus dem Gemeindewalde von St. Ulrich bezogen wird. Einige Bildhauer beziehen aber auch Zirbelstämme aus entfernteren Landestheilen, so insbesondere aus dem Vintsch- gau, aus der Umgebung von Sterzing u. s. w. Das Fichtenholz, welches bei der kirchlichen Schreinerei sowie für die Versandtkisten zur Verwendung kommt, wird gleichfalls den Wäldern der deutschen Nachbargemeinden entnommen, aber auch aus Bayern und Kärnten bezogen. Der Handelswerth der erzeugten Objecte lässt sich wohl nicht genau feststellen, dürfte aber für den ganzen Bereich der Industrie mit circa 300.000 bis 400.000 fl. anzuschlagen sein. Der Vertrieb der Spielwaaren, der ordinären und theil- weise auch der besseren Bildhauerarbeiten wird ausschliesslich durch Verleger besorgt, welche das wöchentliche Erzeugnis entweder von Fall zu Fall, oder gegen Bestellung, oder auch auf Grund von Lieferungsverträgen auf kaufen, in sehr bedeutenden Niederlagen aufspeichern und zum Versandt fertigstellen lassen. Die Spielwaaren werden zum grössten Theile in’s Ausland — auch in überseeische Länder — exportirt, aber auch von den Bildhauerarbeiten gelangt ein ziemlich bedeutendes Quantum in’s Ausland, und verkaufen die grösseren Ateliers, mit Ausschluss des Zwischenhandels, gewöhnlich schon direct. T 70 T i i Nachdem die Berichte der Forstämter über den derzeitigen Stand jener Wälder, aus denen die Grödner Industrie ihr Holz bezieht, nicht rechtzeitig eingetroffen sind, kann die Frage, inwieweit und auf wie lange der Holzvorrath noch ausreichend sei, dieser Hausindustrie zu dienen, nicht erschöpfend beantwortet werden. Soviel lässt sich aber dennoch mit Gewissheit sagen, dass bei auch nur einiger ökonomischer Gebahrung für eine ziemliche Reihe von Jahren noch umsomehr Materiale zur Genüge vorhanden ist, als bei den grossen ausländischen Eingangszöllen und den der Spielwaaren-Indu- strie nicht eben günstigen Handelsverträgen diese Hausindustrie nothwendigerweise von Tag zu Tag an Boden verlieren muss. Neben einem tüchtigen, fachlichen Unterrichte, insbesondere auf dem Gebiete des Zeichnens und Modellirens, wäre für eine kräftige Unterstützung dieser Hausindustrie auch die Ermöglichung des Bezuges von Schnitzholz aus den ärarischen Forsten in geringen Quantitäten (wie dies z. B. in den Jahren 1830 — 18G0 der Fall war) und nicht nur in grossen Partien, wie es jetzt üblich ist, sehr wünschenswerth. Der kleine Schnitzer käme dadurch in die Lage, sich sein Holz billiger beschaffen zu können als bisher, und würde damit vielleicht auch den von unserem Fassaer Gewährsmanne so drastisch geschilderten Uebelständen gesteuert werden können. Die allerdings complicirtere Verrechnung würde ja durch die im Detailverkaufe gewiss höheren Preise paralysirt werden können und sollte überhaupt nicht in Betracht kommen, wo es sich um die Existenz so vieler Familien handelt und wo eine Erscheinung von so hoher wirtschaftlicher Wichtigkeit, wie es die Hausindustrie ist, in Frage steht. Hiemit wären die in Tirol noch bestehenden, bedeutenderen Hausindustrien aufgezählt und ihren wichtigsten Merkmalen nach beschrieben. t 71 T SB Auf eine nähere Erörterung ihrer wirtschaftlichen, ethischen und culturgeschichtlichen Bedeutung einzugehen, mangelt es hier an Raum, und verweisen wir deshalb auf die erschöpfenden Darlegungen berufener Männer. Es genüge zu erwähnen, dass die Hausindustrie als gesellschaftliche Erscheinung der Theilnahme jedes Gebildeten und jedes Gewerbetreibenden werth ist, sowie dem Unternehmungsgeiste Gelegenheit bietet, wohltätig zu wirken, aber auch reichen, materiellen Lohn zu ernten. Hans Kornauth. T T Ü 1 BÖHMEN. I. Böhmerwald. erne habe ich der freundlichen Aufforderung, einen kurzen Bericht über die Hausindustrie und die verwandten Erwerbsverhältnisse des Böhmerwald-Gebietes für die Wiener landwirthschaftliche Ausstellung 1890 zu schreiben, Folge geleistet. Handelt es sich doch darum, die allgemeine Aufmerksamkeit neuerdings auf einen Gebietstheil Oesterreichs zu lenken, der trotz aller eifrigen Bemühungen in den letzten Jahren noch zu wenig die besondere Beachtung von Unternehmern auf sich gelenkt hat. Das Gebiet, über welches Bericht erstattet werden soll, umfasst den vorwiegend und ausschliesslich deutschen Theil Südböhmens (circa 6000 Quadratkilometer). Dieser Theil erstreckt sich von Neu-Bistritz bis Neuem, von dem Gebiete desNe2arkaflusses bis zum Gebiete der Angel, beide Gewässer, die der Moldau, dem Hauptflusse des Böhmerwaldes zugehören. Die Bodenbeschaffenheit dieses Gebietes ist gebirgig (Beispiele der Höhen der Orte: Budweis 392 Meter, Krummau 509 Meter, Winterberg 710 Meter, Eisenstein 774 Meter, Buchwald 1162 Meter; Beispiele der Höhen der Berge: 73 T Scheninger 1084 Meter, Blöckenstein 1262 Meter, Arber 1458 Meter) und weist von Natur aus auf die Ausnützung durch Forstcultur hin. Der Waldreichthum des Böhmerwald- Gebirges ist sprichwörtlich geworden. Der grösste Waldcom- plex ist Besitz des Fürsten Schwarzenberg (167.000 Joch). So bekannt das Vorstehende ist, so schwierig ist es, über den thatsächlichen Zustand der Industrie und des Gewerbes im Allgemeinen und insbesondere über die Hausindustrie im Kurzen Aufschluss zu geben. So wie die Natur auf die Ausnützung des Bodens, vorwiegend auf die Forstcultur hinweist, so waren auch der Holzreichthum und mitunter auch die reichen Torflager des Böhmerwald-Gebietes seit Jahren die Hauptgrundlage für die erstehenden Unternehmungen. Die Glasindustrie ist seit Jahrzehnten im Böhmerwald- Gebiete heimisch. Wenn auch die Glasarbeiter als eine internationale Bevölkerungsschichte, die sich an keine Scholle bindet, betrachtet werden kann, so lässt sich diese bedeutende Industrie des Böhmerwaldes an dieser Stelle doch nicht mit Stillschweigen übergehen. Sie muss vielmehr schon aus der Ursache beachtet werden, weil ein grosser Theil der Bevölkerung direct oder indirect bei dieser Industrie Erwerb findet. Im Böhmerwald-Gebiete finden sich viele Stätten, auf welchen Glashütten bestanden, und welche dann, als der Holzreichthum an Ort und Stelle sich verminderte, aufgelassen wurden. Heute sind noch in Georgenthal, Glöckelberg, Sonnenwald, Josefsthal, Ernstbrunn, Eleonorenhain, Winterberg (Adolf), Unterreichenstein (Klostermühle), Annathal, Eisenstein, Elisenthal und dann andere kleinere Glasfabriken im Betriebe. Manche dieser Glasfabriken erzeugen Gegenstände, 74 T L welche (Pilsener Kammerbezirk, Werth: Hohlglas roh und raffinirt fl. 1,028.000, Tafelglas roh und raffinirt fl. 2,534.000; Budweiser Kammerbezirk, Werth: Hohlglas roh und raffinirt fl. 384.000, Tafelglas fl. 141.000; Verbrauch: 41.000 Meter Holz, 6000 Metercentner Kohle, 15,000.000 Torfziegeln, 15.000 Metercentner Torf) einen Weltruf besitzen. Die Erzeugnisse der Mayer’schen Glasfabriken in Eleonorenhain und Adolf bei Winterberg bildeten stets eine Zierde der Aus- stellungs-Collectionen der Firma Lobmeyr. Die Kunstproducte der Firma Lötz Witwe in Klostermühle wurden erst bei den letzten grossen Weltausstellungen neuerdings rühmlichst gewürdigt. Viele der Arbeiten für die künstlerische Ausgestaltung der Glasproducte werden von den Arbeitern in ihren Wohnungen als Hausindustrie verrichtet. Glasmaler, Glasschleifer sind in der Nähe der genannten Fabriken angesiedelt, und es könnte sich wohl eine noch grössere Zahl derselben im Böhmerwalde niederlassen, denn viele Arbeiten werden aus Mangel an genügenden heimischen Arbeitskräften ausserhalb des Gebietes hergestellt. Die Herstellung von Glasmalereien ist im erfreulichen Aufschwung begriffen (Eleonorenhain, Obermoldau). Eine Art ordinärster Herstellungsweise von Heiligenbildern ist in der Bergreichensteiner Gegend heimisch, und werden die Producte durch Hausirer in den Handel gebracht. Einrichtungen, wie sie in Thüringen durch genossenschaftliche Vereinigung der Glasarbeiter anzutreffen sind, kennt man im Böhmerwalde nicht. Die Glasindustrie sowie die Erzeugung der Holzwaare sind mit ihren Holzbezügen auf die grossen Besitzungen des Fürsten Schwarzenberg, des Grafen Thun-Hohenstein, des Stiftes Hohenfurt, theilweise auf die bayrischen Staats- -io-jh T 1 75 . ■» !» <*• - Waldungen und die Wälder des Fürsten Hohenzollern und der Städte Wallern und Bergreichenstein angewiesen. Leider ist in Folge der lange vernachlässigten Bahnbauten im Böhmerwalde der Holzreichthum dieses Gebietes nicht in der Weise ausgenützt worden, wie es wünschens- werth gewesen wäre. Das Holz wurde und wird noch im rohen Zustande auf der Moldau oder anderen Flüssen des Böhmerwaldes theils geschwemmt (Fürst Schwarzenberg erbaute 1789 im Oberplaner Bezirk einen bis heute benützten 27.000 Klafter [nahezu 7 Meilen] langen HolzschAvemm-Canal, der das Moldaugebiet mit dem Gebiete der Donau verbindet), theils verflösst. Es ist selbst für die rohen Holzerzeugnisse, wie Bretter, Pfosten und Latten, keine genügend billige Verfrachtungsgelegenheit, es ist demnach auch keine Gelegenheit, eine Verarbeitung des Holzreichthums an Ort und Stelle zu fördern. Erst durch die grosse Borkenkäfer-Calamität zu Beginn der SiebzigerJahre wurde mit allen Mitteln dahin getrachtet, das durch die Windbrüche zu Fall gebrachte Holz raschest an Ort und Stelle zu verarbeiten. In diesen Jahren entstanden an vielen Orten kleine und grössere Sägen. Um jene Zeit war für die Böhmerwald-Bewohner, sowie für viele Eingewanderte (leider nur vorübergehend) reichliche Arbeitsgelegenheit. Diese Borkenkäfer-Calamität ist in ihren Folgen noch bis heute fühlbar. Einzelne Theile des Gebietes wurden des schönsten Waldbestandes beraubt und bieten heute ein trostloses Bild. Die Bevölkerung, welche theilweise aus jenen Jahren hier sesshaft geworden, leidet jetzt an Arbeitsmangel und verfällt jährlich in eine Periode der Noth. 70 t Während des Sommers findet sich Feldarbeit, in den schneereichen Wintermonaten Arbeit im Walde, doch in der Uebergangszeit, besonders im Frühjahre, wenn die Nahrungs- vorräthe zu Ende gehen, wird stets von Krankheiten als Folge dieser Umstände berichtet. Von Zeit zu Zeit tritt Hungersnoth ein. Die letzte derartige traurige Lage brach zu Beginn 1889 über die armen Bewohner herein. Eine Hilfsaction des Deutschen Böhmerwald-Bundes ergab 38.000 fl. Die Holzarbeiter obliegen nebst ihrer hausindustriellen Beschäftigung stets auch landwirthschaftlicher Thätigkeit. Im ganzen Böhmerwald-Gebiete ist es üblich, dass neben dem Gewerbe auch Landwirthschaft betrieben wird. Ostwärts von der Moldau ist im Berichtsgebiete die Holzindustrie auf die gräflich Bouquoi’schen Wälder angewiesen und wird von Strobnitz und Brünnl ein schwunghafter Schnittholzhandel betrieben. In Strobnitz werden auch Holzschaufeln erzeugt. Westwärts der Moldau gegen ihren Ursprung zu, immer in grösserem Masse, ist die hausindustrielle Herstellung von Holzwaaren eingebürgert. In Aigen, Johannisthal, Miesau, Salnau, Spitzenberg, Sablat, Rohn, Oberhaid, Brenntenberg, Oberschneedorf, Hüblern, Pumperle, Wolfsgrub, Winterberg, Klösterle, Elend- bachl, Obermoldau, Kaltenbach, Ferchenhaid, Mehregarten, Aussergefild, Fürstenhut, Buchwald, Kuschwarda, Unter- zassau, Adlerhütte, Bergreichenstein, Unterreichenstein, Stadln, Schätzenwald, Grosshaid, Grünbergerho f, Griinberger- hiitte, Stubenbach und an noch anderen Orten finden sich überall Hausindustrie-Stätten für die Holzwaarenerzeugung. Besonders in der Gegend von Obermoldau ist die Herstellung des Resonanz-, Geigen- und Glavierholzes T T 77 i (Buchwald berichtet: Resonanzholz ein Bund, das ist 20 Stück, 4—5 fl., Geigenholz 1 Scheib fl. 1.80), des Zündholzdrahtes (Sablat berichtet: Dieser wird in »Büscheln«, die wieder in »Ballen« gebunden werden, verrechnet. Ein Büschel enthält soviel »Drähte«, als man mit einer Hand umfassen kann. 50 solche Büscheln machen einen Ballen aus. Ein Arbeiter kann täglich etwa 30 solche Büscheln erzeugen. Berechnet werden diese Drähte folgendermassen: Denkt man sich von einem ganzen »Ballen« eine Zündholzlänge abgeschnitten, so heisst diese Länge die »Scheibenlänge« und wird mit circa 13 kr. bezahlt, wenn der Arbeiter das Holz selber dazu gibt. Gibt der Lieferant das Holz, so wird die Arbeit allein per Scheibenlänge mit etwa 7 kr. bezahlt. Der Verdienst ist also folgender: Ein Arbeiter macht täglich 30 Büscheln zu durchschnittlich 13 »Scheibenlängen«, sind in einer Woche 180 Büscheln oder 36 Ballen, somit 46 Scheibenlängen ä 7 kr. gleich 3 fl. 27 1 / 2 kr. per Woche. Früher waren die Verdienste besser), des Rippen- und Rouleauxdrahtes, von Leisten, Schusterspänen, Siebrändern, Bürstenhölzern, Holzschuhen (Johannisthal berichtet: Per Tag 6 bis 7 Paar, per Paar 20 bis 25 kr., das Rohmaterial abgerechnet per Tag 50 bis 60 kr.), Schaufeln, Kistchen für Can- diten, Holzbüchsen (Grünbergerhof berichtet: »In Menge werden per Tag 100 Holzbüchsen per Mann berechnet. Die Preise erzielen die Erzeugnisse 1 / 2 kr. per Stück. Der Verdienst per Mann 50 kr., hievon 15 kr. ab auf Material. Frauen und Kinder verdienen nichts), der Dachschindeln, Holzpfeifen u. s. w. heimisch. Fast in jedem Hause wird einer oder der andere der genannten Artikel hergestellt. Freilich ist die Herstellung wenig lohnend, da die Kosten der Verfrachtung bis zu den Bahnstationen oft wieder den ganzen Arbeitslohn verschlingen; 78 T i es wurde mir auch mitgetheilt, dass an einigen Orten zu Zeiten nicht einmal der Holzwerth gelöst wird, während wieder andere Orte, wie Johannisthal u. s. w., wegen günstiger Verbindungen für diese Holzwaare doch immerhin bessere Preise erzielen. Die Resonanzholz-Erzeugnisse sind durch die Förderer der Böhmerwald-Industrie Bienert und Reif (Kuschwarda) in der ganzen Welt rühmlichst bekannt. Allerdings sind derartige Baumriesen, wie sie seinerzeit in den Forsten des Böhmerwaldes heimisch waren und Musterstücke solcher Exemplare, wie sie im Forstmuseum in Frauenberg zu sehen sind, heute selten geworden, doch ist dieser Zweig des Erwerbes noch immer beachtenswerte Die Erzeugung der Holzleisten kommt aus dem Grunde mehr in Aufnahme, weil die Goldleistenfabriken in Krummau (2) und Budweis (2) eine rege Exportthätigkeit entwickeln. Eine Vervollkommnung der Holzerzeugnisse von der Stufe der früher aufgezählten Producte bis zur Herstellung von Möbeln, Bildschnitzarbeiten u. s. w. ist erst wieder seit dem Beginne der Siebzigerjahre zu verzeichnen. Im Jahre 1873 wurde auf Anregung des Herrn Hof- rathes Wilhelm Exner in Wallern eine Holzindustrie-Fachschule vom Staate errichtet. 1877 wurde eine gleiche Anstalt auf Grund der Anregung desselben Herrn in Bergreichenstein eingerichtet. Beide Fachschulen erfreuen sich dank der ihnen von ihren Begründern weiter zugewendeten steten Sorgfalt eines stets steigenden Schülerzuzuges. Die Wirksamkeit der Schulen ist eine vortreffliche, und es hat sich besonders in Wallern und Bergreichenstein eine ausserordentlich ausgebreitete Hausindustrie -Thätigkeit herausgestaltet. ^T 79 In Wallern (3400 Einwohner) sind Tischler (10 Meister und 21 Hilfsarbeiter), Drechsler (7 Meister und 13 Hilfsarbeiter), Holzschnitzer (18 Meister), Zimmerleute (2 Meister), Wagner (5 Meister und 1 Hilfsarbeiter), Böttcher (4 Meister), Holzschuhmacher (5 Meister), Antikleistenerzeuger (1 Meister und 2 Hilfsarbeiter), Erzeuger landwirthschaftlicher Geräthe (2 Meister), Erzeuger von Holzreifen (2 Meister), Erzeuger von Fensterrollläden (1 Meister), Erzeuger von Holzkisten (1 Meister). Die Erzeugnisse der Wallerner Holzindustrie sind bereits in der ganzen Monarchie bekannt, und ein weiterer Aufschwung ist umsomehr zu erwarten, als günstige Verfrachtungswege der Vollendung entgegenschreiten. Die Bergreichensteiner Hausindustrie ist durch die Fachschule sehr gefördert worden, und wird ein schwunghafter Export in Möbeln, Tassen, Kinderwagenrädem, Zündholzschachteln u. s. w. betrieben. Fürst Schwarzenberg hat auch eine Werkstätte für Erzeugung von Möbeln und Holzschnitzereien in Stubenbach errichtet, dieselbe ist jedoch nach dem Tode des Werkstättenleiters Baumann eingegangen. Sonst finden sich einzelne Bildschnitzer in Obermoldau, Prachatitz, Ferchenhaid u. s. w. Leidet schon der Böhmerwäldler durch den Mangel an modernen Verbindungswegen, so ist ihm noch ein zweites Hinderniss des Gewerbefleisses in den hohen Zöllen Deutschlands auf Holzwaaren erstanden. Die Erzeugung von Holzdraht ist sehr zurückgegangen und fast nur auf die allerdings zahlreichen Zündholzfabriken in Südböhmen beschränkt. Die Verwerthung des Holzes des Böhmerwaldes durch die grossen Industrieunternehmungen zur Herstellung von so i I Holzpapier ist erst seit der neueren Zeit durch die Firmen: Ignaz Spiro & Söhne in Krummau, Moldaumühle (Porak)bei Hohenfurt, Greifenhagen in Schröbers- dorf, Eckert in Stubenbach eingetreten. Eine neue Verwerthung hat das Holz auch durch die Holzwolle-Erzeugungsstätten, welche bei den Glasfabriken und nun neuerdings in Deutsch-Beneschau bestehen, erhalten. Die Herstellung von Geflechten aus Holzspänen zu Schwingen und dergleichen ist als Hausindustrie und Erwerbszweig im Böhmerwalde nicht sehr eingeführt. Die Verwendung der Weidenruthen zu Flechtarbeit e n hat der Deutsche Böhmerwald-Bund durch Errichtung einer Korbflechterei in Oberplan gefördert. Es mussten jedoch einestheils ausreichende Weidenpflanzungen geschaffen, andemtheils Personen mit der Herstellungsweise der Korbflechtwaaren vertraut gemacht werden. Es sind nun einige Familien in der Gegend von Oberplan, Prachatitz und Innergefild mit der Herstellung dieser Arbeiten beschäftigt. In Adolfsthal wurde in den Räumen der seit Jahren eingegangenen Eisenhütte eine Fabrik zur Herstellung von Möbeln aus gebogenem Holz errichtet. Der Betrieb war ein lohnender, und wurden die Erzeugnisse auch nach überseeischen Gebieten exportirt, der Unternehmer musste jedoch aus privaten Gründen die Fabrik auflassen. Es wäre wün- schenswerth, wenn sich neuerlich ein Unternehmer dieser Fabrication annehmen würde. Die Abfallstoffe (Rinden) der Forste werden in den Lohgerbereien, deren es im Prachatitzer Steuerbezirk allein heute noch zehn gibt, verwendet. In früheren Jahren war dieses Gewerbe allgemein in allen Städten des Böhmerwaldes stark vertreten und wurde mit den Erzeugnissen ein lohnender Handel betrieben. 81 c T t In Salnau bei Oberplan wird die Herstellung von Stroh- geflechten für Bienenstöcke betrieben. Eine andere Hausindustrie, die seit altersher im ganzen Böhmerwalde bis heutigen Tages heimisch ist, ist die Flachsspinnerei und Weberei. Heute wird noch in allen Bezirken für den eigenen Hausbedarf gesponnen. Die Hebung der Flachscultur im Böhmerwalde ist eine unabweisliche Noth- wendigkeit. Es wird nun, nachdem endlich eine Bahnverbindung (Budweis, Krummau - Salnau) hergestellt wird, eine Förderung durch die Errichtung von Flachsbauanstalten, von Flachsröstanstalten etc. etwas vom Staate aus geschehen müssen. Sowie der Sitz der Holzindustrie mehr im westlichen Theile des Gebietes ist, so ist die Weberei im östlichen Theile des Gebietes bedeutender. In früherer Zeit war diese Hausindustrie hier wie auch in anderen Gebieten Europas sehr verbreitet. In Neubistritz ist dieBaumwoll-Webwaaren- Herstellung zwar auch fabriksmässig, doch sind in dieser Gegend den Winter über 1800 W eber, im Sommer 800 Weber ausser den Kindern und Frauen, die meistens zum Spulen verwendet werden, in Arbeit. Leider ist der Verdienst der Weber ein kärglicher, und diesem Umstande ist es wohl zuzuschreiben, dass in dem ganzen Districte der Branntweingenuss ein ziemlich ausgebreiteter ist. Die zwölfWebewaaren- Fabriken in Neubistritz sind bestrebt, ihren Producten stets neuen Absatz zu schaffen, zu welchem Zwecke im vorigen Jahre eine Appretur-Anstalt errichtet wurde. Die Neubistritzer vom Staate errichtete Weberei- Fachschule ist von ausserordentlich wohlthätiger Wirkung, da dieselbe auf die Bildung undVerfeinerung des Geschmackes, welche bei diesem Industriezweige von grösster Bedeutung ist, sehr förderlich Einfluss nimmt. t 82 In dem Nachbarorte Altstadt ist ebenfalls die Hausweberei heimisch. Auch diesem Bezirke mangelt eine Bahnverbindung. Im Bezirke Neu haus, namentlich in den Orten Baumgarten, Riegerschlag, Tieberschlag, Kunas und Hosterschlag wird die Leinenweberei als Hausindustrie betrieben. Im südlichsten Theile des Böhmerwaldes, in Aigen und Friedberg ist die Leinenweberei, obzwar dieselbe, wie nach den Berichten zu ersehen ist, um 7 0 Percent gegen frühere Jahrzehnte zurückgegangen ist, doch noch bedeutend. Die Erzeugnisse dieser Gegend wurden früher besonders nach Italien ausgeführt. Die Leinenweberei als Hausindustrie ist ferner er- wähnenswerth in den Orten Wallern, Sablat (18 Weber) sowie auch in der Winterberger Gegend. Die Herstellung von Wirkwaaren wird besonders im Prachatitzer Bezirke (auch in dem von Czechen bewohnten Hussinetz) als Hausindustrie eifrig betrieben. Die Lage des Wirkers ist, wie auch aus den Berichten des Gewerbe-Inspectors hervorgeht, eine sehr traurige, da durch die Einführung der Strickmaschinen der dortigen Hausindustrie der Boden für die gedeihliche Weiterentwicklung entzogen wurde. Es wird immer noch, aber mit kargem Verdienste gearbeitet. Das Bestreben muss dahin gerichtet werden, den beschäftigungslosen Wirkern durch Zuweisung von Strickmaschinen eine erträgliche Existenz zu schaffen, wie dies in einzelnen Fällen der Deutsche Böhmerwald-Bund gethan. Die Verhältnisse wären für den Sitz einer solchen Hausindustrie im Böhmerwalde nicht ungünstiger wie im sächsischen Voigtlande, dessen Bewohner in bedeutendem Masse den Markt mit ihren Erzeugnissen versorgen. 83 6 * T Es wurde auch in Prachatitz von einer Wiener Firma durch Errichtung einer Posamentierfabrik wieder einem Theile der arbeitslosen Bevölkerung Erwerb geschaffen. Nicht unerwähnt können wir eine Beschäftigung lassen, deren Ausübung besonders in der Gegend von Gratzen gepflegt wird und die umso beklagenswerther ist, als zu derselben schulpflichtige Kinder herangezogen werden. In Strobnitz, Brünnl, Heilbrunn u. s. w. werden allgemein Zwirnknöpfe genäht. Die Arbeit ist für die ganze Körperentwicklung nachtheilig und wirkt namentlich auf das Sehvermögen schädlich ein, umsomehr als zu jeder Jahreszeit vom frühen Morgen bis zum späten Abend bei schlechter Beleuchtung in hockender Körperhaltung gearbeitet wird. Für diese Gegend wäre die Einführung einer anderen lohnenden Beschäftigung dringend nothwendig, und es wäre zu wünschen, dass sich Unternehmer finden, welche die zur Verfügung stehenden Arbeitskräfte anderweitig vei wenden würden. Die Spitzenklöppelei ist im Böhmerwalde in mehreren Orten, so in Rudolfstadt bei Budweis, Neuern, Ronsberg und Tann ova heimisch. Auch in diesem Zweige häuslichen Gewerbes ist überall ein bedeutender Rückgang zu verzeichnen, da ja auch hier die billigere Maschinenarbeit den Absatz mühsamer Handarbeit unmöglich macht. Während z. B. in dem obgenannten Rudolfstadt früher fast in jeder Familie geklöppelt wurde, ist jetzt die Zahl der Spitzenerzeuger eine geringe geworden. In Neuern wurde auf Veranlassung des Deutschen Böhmerwald-Bundes ein Unterrichtscurs für Spitzenklöppelei abgehalten. Sehr erfreulich wäre es, wenn die grossen Modewaaren- handlungen der Hauptstädte durch Bestellungen (mit Vorlage 84 von Mustern) den Bewohnern Unterstützung angedeihen lassen würden. Der Absatz der Erzeugnisse erfolgt auch hier wie bei manchen anderen Producten der Wäldler durch Hausirer, da sich keine grossen Firmen der Leute annehmen. Eine andere Hausindustrie, die es verdient angeführt zu werden, ist die Erzeugung von Stahlwaaren. Besonders in dem schon früher genannten Rudolfstadt waren früher viele Hände mit der Verfertigung von Messer- bestandtheilen beschäftigt. Durch die ärarischen Zeugschmieden inBudweis und Rudolfstadt wurde dieser Industriezweig, der ebenfalls früher allgemein verbreitet war, gefördert. Noch erwähnenswerth ist das in den meisten Städten und Dörfern des Böhmerwaldes ausgeübte Steinmetzgewerbe. Einige dieser Steinmetzarbeiter liefern über den localen Bedarf hinaus Grab- und Gedenksteine. Besonders in Budweis, Krummau, Höritz und Wallern sind bei diesem Gewerbe eine grössere Zahl von Arbeitern beschäftigt. In W int erb erg sind bei der grossartig angelegten Gebetbuchfabrik (Steinbrenner) viele Personen in und ausserhalb der Fabrik mit Elfenbein-Schnitzarbeiten, Bronze- waaren-Erzeugung und Buchbinderei beschäftigt. Besonders die Elfenbein-Schnitzerei ist in Winterberg bedeutend geworden, und es erweist sich neuerlich, dass durch die Einführung grösserer Industriezweige der Bevölkerung nicht nur fabriksmässige Beschäftigung, sondern auch hausindustrielle Thätigkeit erschlossen werden kann. Früherer Zeit bestanden auch im südlichen Böhmen Gewerbsunternehmungen, die ähnlich wie die hausindustrielle Beschäftigung der Bevölkerung geeignet waren, eine ausgesprochene charakteristische Lebensführung zu geben. 85 So war in Budweis und in Krummau die Tuchmacherei heimisch, heute ist nur noch in letzterer Stadt die Erzeugung mit fabriksmässigem Betrieb sesshaft. Eine eigenartige Industrie besitzt das südliche Böhmen in dem tschechischen Theile des Gebietes, in Strakonitz. Dortselbst wurde seit Jahrzehnten die Fezfabrication nicht nur als grossartiges Fabriksgewerbe (Fürth), sondern auch in kleinerem Massstabe von Gewerbsleuten betrieben. Die Nagelschmiede sind heute noch in vielen Orten, obzwar ebenfalls durch die in diesem Industriezweig eingeführte Maschinenarbeit stark verdrängt, thätig. In Budweis besteht eine gross angelegte Nagelfabrik Bullaty & Blasskopf. Auch die F eilenhauerei wurde früherer Zeit in vielen Orten betrieben. Es war auch zur Herstellung der Feilen durch die grossen ärarischen Zeugschmieden (in Budweis und Rudolfstadt) Anstoss gegeben. Heute leidet auch dieses Gewerbe hierzulande an dem Mangel ausreichender Capitals- kraft. In allen Orten Südböhmens finden wir Töpfermeister thätig, die allerdings meist nur für den geringen Verbrauch des eigenen Bezirkes arbeiten. Einige Orte weisen jedoch eine grössere Zahl von Töpfern aus, welche auch ausserhalb des eigenen Bezirkes Absatz suchen. So besuchen die Kaplitzer Töpfer seit vielen Jahrzehnten die oberösterreichischen Jahrmärkte, und das dünne, billige Geschirr findet in Oberösterreich viele Käufer. In Budweis sind mehrere Töpfer thätig. Ausserdem bestehen dortselbst zwei Thonofenfabriken (L. & C. Hardtmuth und Brüder Sattler). Die ältere und grossartige Fabrik von L. & C. Hardtmuth hat besonders in den Balkanstaaten grossen Absatz. Eine Filialfabrik wird in Budapest errichtet werden. 7 86 A Niederlagen dieser Fabrik sind in allen Provinz-Hauptstädten Oesterreichs und in den Hauptstädten des Auslandes errichtet. Im Oberplaner Bezirke ist ein Grosstheil der Bevölkerung beim Graphitbaue beschäftigt. Die Graphitgewerkschaft von Schwarzbach und Mugrau, sowie auch die einzelnen bergmännischen Graphitbauten um Höritz liefern grosse Mengen Graphit, welche zu Wagen in Fässern bis Budweis gebracht und von hier theils mit der Bahn, theils auf der Moldau in alle Gebiete verfrachtet werden. Dieser Graphit ist nicht nur in Deutschland in allen Giessereien, so besonders bei Krupp, in Verwendung, sondern » er wird auch ebenso von den englischen Eisenwerken bezogen. Der grosse Reichthum an Graphit im südlichen Böhmen gab Veranlassung zur Errichtung der Budweiser Bleistiftfabrik von L. & C. Hardtmuth. Diese Fabrik ist die einzige in Oesterreich und verschafft auch einer grossen Zahl von Personen ausserhalb der Fabriksräume Lebensunterhalt. Im Vorstehenden habe ich mich bestrebt, einen kurzen Ueberblick über alle jene mannigfachen Gewerbe und Industrien des südlichen Böhmens, besonders des Böhmerwaldes, zu geben, welche einem grossen Theil der Bevölkerung, insbesondere durch die Beschäftigung im Hause, Erwerb verschaffen. Es sei mir nun gestattet, den einzelnen Darstellungen einige allgemeine Folgerungen und ergänzende Darlegungen anzu fügen. Die Bevölkerungsdichtigkeit ist keine so grosse wie im nördlichen Böhmen, es sind aber auch die Erwerbsbedingungen der Bevölkerung sehr ungünstig. Aus allen Bezirken wird gemeldet, dass jährlich Auswanderungen stattfinden. Es werden sowohl aus dem Neuhauser und Neu-Bistritzer Bezirke, sowie aus dem Gratzner, Krummauer, Oberplaner, f 87 Y Prachatitzer, Winterberger Bezirke Auswanderungen nach Amerika gemeldet. Aus einzelnen Orten findet ein grosser Abzug der Bevölkerung nach Ober- und Niederösterreich statt. So besonders aus dem Oberplaner und Bergreichensteiner Bezirke, aus welch’ letzterem so bedeutend, dass sich in Wien ein eigener Verein der Bergreichensteiner, welcher von Zeit zu Zeit gemeinsame Besuche der Heimatsstadt veranstaltet, gebildet hat. Aus einzelnen Bezirken wandert besonders die männliche Bevölkerung über den Sommer nach Ober- und Niederösterreich, sowie nach Bayern aus, um dortselbst lohnendere * Arbeit zu finden; den Winter verbringen die Männer wieder bei ihren Familien, welche sich in der Heimat den Sommer über mit landwirthschaftlicher Beschäftigung den Lebensunterhalt verschaffen. Aus Kuschwarda finden Auswanderungen in die Kleinmünchener Spinnfabrik statt. Aus Brenntenberg bei 'Wallern sind besonders in den Jahren 1886 bis 1889 über 50 Personen nach Steyr ausgewandert. Einzelne tüchtige Holzschnitzer verlassen theils auf einige Jahre, theils auf immer ihre Heimat. So sind aus Wallern Holzschnitzer nach München und Wien übersiedelt. Diese Auswanderungen sind besonders seit Beendigung der Arbeiten zur Bekämpfung der Borkenkäfer-Calamität bedeutender geworden. So bescheiden die Lebensansprüche der Böhmerwald- Bewohner sind, ist es ihnen dennoch nicht möglich, das Auskommen zu finden. Denn durch den oft erwähnten Mangel an Bahnverbindungen ist an einen regen Absatz der Erzeugnisse nach weiterentlegenen Gebieten nicht zu denken. 88 Die Landwirtschaft ist ebenfalls nicht lohnend, da ja der grösste Theil des Grundeigenthums dem Fürsten Schwarzenberg gehört und der Grosstheil der Bevölkerung auf Pachtgründe angewiesen ist. Im Jahre 1885 brachten die »Mittheilungen des Deutschen Böhmerwald-Bundes« eine Bergreichensteiner Zuschrift, der ich folgende Stellen entnehme: »Es treibt insbesondere der Inwohner manche gewerbliche Thätigkeit in seinen freien Stunden. Ein ehemals sehr schwunghaft betriebener Erwerbszweig war das Hobeln des langenZündholzdrahtes, das beinahe Jedermann in der ganzen Gegend verstand und ausübte; das hat grösstentheils aufgehört, nachdem die Baumriesen, die das Material in genügend langem, astlosem Holze boten, selten geworden und die Zündhölzer aus Holzabfällen mittelst vom Wasser getriebener Maschinenhobel erzeugt werden.« »Noch heute werden als Hausindustrie jene unförmlichen Ungetüme, Holzschuhe genannt, mit den primitivsten Werkzeugen, einer Hacke, einem Reifmesser und einem gekrümmten Hohlmesser erzeugt; an mindestens 80 bis 100 Drehbänken, die in ebensoviel Hütten vertheilt sind, werden Holzspunde gedreht, Peitschenstiele, Holzbüchsen und dergleichen erzeugt. Seitdem sich aber einige Unternehmer gefunden, die fabriksmässig solche Waaren massenhaft produciren, haben sie den Preis derselben so gedrückt, dass die Hausindustrie daran zu Grunde gegangen ist, weil sie ihre Erzeugnisse nur bei einigen Zwischenhändlern absetzen könnte, die sie nur weit unter dem Fabrikspreise übernehmen. « »Hieraus ist klar ersichtlich und wird durch die traurige Wirklichkeit bestätigt, dass es in unserer Gegend eine grosse Menge unbeschäftigter Hände gibt, die heute, um ihr 8 !) T Leben zu fristen, mit Ausnahme der verhältnissmässig geringen Anzahl, die mit der Waldarbeit, als Holzfäller und Holzzieher, Flösser, Fuhrleute und dergleichen ihr kärgliches Auskommen findet, mit dem anbrechenden Frühling als Feld- ■arbeiter nach Bayern und Innerösterreich ausziehen, wenn sie nicht gar dem Vaterlande den Rücken kehren und ganz auswandern.« »Der Gewerbsmann in den hiesigen Gebirgsstädten ist grösstentheils zugleich Grundbesitzer; seine Gehilfen, insbesondere die Lehrlinge, arbeiten nicht nur in der Werkstätte, sondern, so oft es der Meister braucht, auf dem Felde und der Wiese. Nur solche Gewerbsleute, die zugleich als Fieranten die nächsten Jahrmärkte besuchen, als Männer- und Frauenschneider, Schuster, Klempner, Lebküchler, Sensen-, Sichelund Messerschmiede, auch wohl einige Schlosser, arbeiten überhaupt mehr oder weniger ununterbrochen.« »Einige hundert vorzugsweise in den Städten wohnende Leute sind in verschiedenen Fabriken als Taglöhner beschäftigt oder werden von denFabriken mit Hausarbeiten versorgt ; so kärglich auch der diesfällige Tag- oder Stücklohn ist, befinden sich diese Arbeiter doch im Ganzen besser als alle anderen, weil sie nicht so ganz und gar von den Zwischenhändlern abhängen.« Es würde wohl den mir zur Verfügung gestellten Raum zu viel überschreiten, wenn ich auch die agrarischen Verhältnisse des Böhmerwaldes, so sehr diese Verhältnisse auf alle anderen Angelegenheiten einen ausschlaggebenden Einfluss haben, erörtern wollte. Bemerkt sei nur noch, dass, so wohlthätig der grosse geschlossene Waldbesitz in klimatischer Beziehung ist, so kann doch nicht geleugnet werden, dass die Vereinigung in einer einzigen Hand nicht die volkswirthschaftlichen Vor- L theile bieten kann, wie sie der Bevölkerung erstehen müssten, wenn mehrere grössere Besitzer Interesse an der Hebung des Volkswohlstandes in diesem Gebiete hätten. Im Krummauer Reviergebiete, Bezirk Krummau, Oberplan und Kalsching finden wir bei weitem weniger hausindustrielle und sonstige gewerbliche Niederlassungen, als im Prachatitzer, Wallerner, Winterberger, Bergreichensteiner und Hartmanitzer Bezirk. Der Grundbesitz ist aber insbesondere in den letztgenannten Bezirken nicht so ausschliesslich in einer Hand vereinigt und dadurch der mannigfaltigsten Anregung zum selbstständigen Schaffen der Weg gebahnt. Aus der Thatsache, dass sich eine so vielgestaltige Thätigkeit auf dem Gebiete der Hausindustrie im Böhmer- ,► walde trotz der widrigsten Verhältnisse erhalten konnte, kann auf ein ferneres besseres Gedeihen und Erblühen des Wohlstandes gefolgert werdeu. Wenn diese Zeilen nur bestimmt waren, all’ die Thätig- keiten aufzuzählen, die eine grosse Zahl von Böhmerwäldlern in den Stand setzen, ihr Leben mit Mühe in der Heimat weiter zu fristen, so haben sie dennoch gewiss auch noch eine andere Aufgabe zu erfüllen. Diese Aufgabe erblicke ich in der Anregung, die gegeben werden soll, um im Böhmerwald-Gebiete durch die berufene Unterstützung unserer österreichischen Exporteure eine Hausindustrie zur Entfaltung zu bringen, wie sie kaum in einem zweiten Landstriche Europas zu finden sein würde. Sobald die nun zu erbauenden Bahnen den billigen Transport und dadurch auch dem Arbeiter einen besseren Lohn ermöglichen, wird es an der Zeit sein, auf die Hausindustrie mit grösseren Geldmitteln fördernd einzuwirken. So wohlthätig die Fachschulen, so erspriesslich der Deutsche Böhmerwald-Bund wirken, so sehr der Böhmer- t 91 wäldler beiden Institutionen freundlich, ja mit ganzer Seele zugethan ist, so kann doch weder mit der einen, noch der anderen Einrichtung allein eine schnelle Entfaltung erreicht werden. So wie in Thüringen die Spielwaaren-Hausindustrie, sie mag viele Schattenseiten haben, aber doch immer wohl- thätig wirkt, weil sich capitalsreiche Exporteure des Vertriebes angenommen haben, so ist auch im Böhmerwalde eine ähnliche Thätigkeit dringend nöthig. Der Deutsche Böhmerwald-Bund hat durch Errichtung von kleinen Holzlagern, durch Beschaffung von Werkzeugen u. s. w. manchen Nutzen gestiftet, doch müssten nur noch grössere Mittel aufgewendet werden, um einen Aufschwung des Exportes zu erzielen. Möge die heurige grosse Ausstellung in unserer Reichshauptstadt auch den Erfolg erzielen, dass sich des Böhmerwaldes und dessen Bewohnern neuerlich weitere Kreise annehmen. Josef Taschek. II. Grulich. Seit langer Zeit ist die Holzschnitzerei in Grulich betrieben worden; dieselbe bildet einen wichtigen Zweig der hiesigen Erwerbsthätigkeit. Der Krippe wurde, weil solche Spielzeuge zur Weihnachtszeit gute Verwerthung fanden, ein besonderes Augenmerk zugewendet, und es wurden solche und Krippenfiguren in allen erdenklichen Ausführungen erzeugt. Von Krippen (landläufig hier »Geburten« benannt) befinden sich im Besitze von Privaten Exemplare, welche nach- weisen, dass die geschnitzten Figuren, die correct gearbeitet, 1()0 Jahre alt sind. Die Anfertigung von Christuskörpern (Corpusse) wurde stark betrieben, und kamen solche schockweise roh geschnitzt zum Versandt. Gegenwärtig hat dieser Artikel aufgehört, nachdem derlei Corpusse auf Särgen durch Papiermache und Metall ersetzt werden. Das Anfertigen aller Holzfiguren wurde zumeist mit einem einzigen Werkzeuge (Schnitzer genannt) bewerkstelligt und kam immer mehr in Uebung. Der Sohn lernte vom Vater, und so gewann die Holzschnitzerei immer mehr an Ausbreitung, sie wurde zur Hausindustrie, welche nicht nur in der Stadt Grulieh, sondern auch in den angrenzenden Ortschaften Niederheidisch, Obererlitz, Rothfloss, auch Oberlipka ansehnlich wurden. Allerdings werden heute ausser dem Schnitzer schon Bildhauer-Eisen zu Hilfe genommen und ist ein erfreulicher Fortschritt auf diesem Ge biete wahrzunehmen. Der Export von Krippenfiguren, Vögeln, Thierköpfen, Thieren, Crucifixen hat sich seit den letzten zehn Jahren bedeutend gehoben. Seit vierzig Jahren erst ist die Pfeifenschnitzerei dazu gekommen, und es beschäftigen sich einige Schnitzler ausschliesslich mit der Erzeugung von Pfeifenköpfen und passenden Pfeifenrohren. Diese werden von den hiesigen Horndrechslern roh übernommen, zusammengestellt und in grösseren Partien versendet. Auch werden solche in allen Dimensionen auf Bestellung angefertigt und mit Standeswappen, Monogrammen etc. ausgestattet. Die im Jahre 1873 in Wien veranstaltete Collectiv- Ausstellung hiesiger Hausindustrieller gab den Anlass zur Gründung der hiesigen nunmehr sechzehn Jahre bestehenden k. k. Fachschule für Holzindustrie. Diese Anstalt, welche Zöglinge ohne Entrichtung eines Schulgeldes in der Tischlerei, Bildhauerei und Drechslerei ausbildet, wurde bei ihrer Gründung seitens der hiesigen Hausindustriellen keines- T »3 t 1 -à. i falls warm begrüsst. Mit vieler Mühe gelang es dem damaligen Fachschul- Comité, im ersten Schuljahre 1873/74 — 24 Schüler der Schule zuzuführen. Diese Eifersucht wurde glücklicherweise in kurzer Zeit bezwungen. Das hohe Ministerium stattete die Schule mit praktischen Modellen aus, welche nunmehr häufig benützt werden. Viele Schüler, welche die Anstalt mit Erfolg frequentirt haben, sind heute in guten Stellungen als Werkmeister und Lehrer an ähnlichen Fachschulen untergebracht, und es ist eine erfreuliche Zunahme von Schülern und Freunden dieser Anstalt wahrzunehmen. Wir gehen nun wieder zu unserer Hausindustrie über und sei zunächst erwähnt, dass heute der Versandt der Waare in grössere Städte und auch nach Deutschland kein geringer ist. Es können mehrere Gewerbsleute angeführt werden, welche Figuren, Thiere, Thierköpfe, Tabakpfeifen, Crucifixe und Wallfahrtsgegenstände en gros versenden. Leider müssen die sogenannten Schockfiguren, welche einen Hauptartikel bilden, zu ungemein billigen Preisen verkauft werden. Ausser den Schnitzlern befassen sich ganze Familien ausschliesslich wieder mit dem Malen der vom Zwischenhändler erkauften Figuren und Gegenstände, und diese Beschäftigung bildet noch immer eine Erwerbsquelle in den härtesten Wintermonaten, da zur Weihnachtszeit diese Artikel am begehrtesten sind. Eine directe Verbindung zwischen Erzeuger und Grossconsument käme unseren Hausindustriellen sehr zu statten. Anderntheils sollten die Erzeuger die Gelegenheit, die ihnen durch die k. k. Fachschule geboten wird, fleissiger benützen, um Mustergiltiges leisten zu können. Möge die diesjährige Ausstellung dazu beitragen, auf die Erzeugnisse der hiesigen Hausindustrie aufmerksam zu machen und neue Absatzgebiete zu erschliessen. Joh. Kretschmer.