-Kl Künstliche Blumen Mus verschiedenem Material als: aus Stoffen, Papier, Gold, Silber, Wolle, Ehcnille, Perlen, Band, Federn, Haaren, Muscheln, Fischschuppcn, Wachs und Leder naturgelrc» herzustellen. M Nebst einem Anhang über Dlumen- und Darben- LymboUl!. t^ln stilN!>l»ttls sür Blumcnarbciterinnen, Modistinnen und Dilettantinnen. Nach französischen Quellen bearbeitet und ergänzt von Mathilde Clasen-Schmid. Illnflrirk mik 370 in den Text gedruckten Holzschnitten und einem chrvmvlithogr. Titelblatt. Leipzig, Verlag von lsoffmami Lc Bhnstei». l880. - «-K-- Künstliche Blunren aus verschiedenem Material als: aus Stoffen, Papier, Gold, Silber, Wolle, Chenille, Perlen, Band, Kedern» Haaren, Muscheln, Kischschuppen, Wachs und Feder naturgetreu herzustellen. Nebst einem Anhang üver Blumen- und Iiaröcn-Synröokik Lin Handbuch für Blumenarbeiterinnen, Modistinnen und Dilettantinnen. Nach französischen Luellrn bearbeikek und ergänzt von Mathilde Clasen-Schmid. Jllnstrirt mit 370 in den Text gedruckten Holzschnitten und einem chromoltthogr. Titelblatt. Leipzig. Verlag von Hoffmann L Ohnstein. 1886. «evnlsek»» mussumwisn 0t»t.ior^rn M » ',-!,»--- ^ t»»H» . ^ -»V^ -»-L: 'l Vorwort. Von jeher sind kunstvoll verfertigte Blumen als an- nmthige Belebung der weiblichen Bekleidung und besonders als Haar- und Hutschmuck verwendet worden. Das vorliegende Buch hat den Zweck, allen denjenigen Mädchen und Frauen, welche sich mit der Kunst des Blumen- machens, sei es aus persönlicher Neigung oder um sie als Erwerbsmittel zu betreiben, beschäftigen wollen, unterrichtend beizustehen. Dasselbe enthält nicht nur die genaue Unterweisung in der Herstellung der Stoff- und Papierblumen, der Gold- und Silberblumen, der Woll-, Chenille- und Perlenblumen, sondern lehrt ebenso die Anfertigung der seltener vorkommenden Band-, Feder-, Haar-, Muscheln-, Fischschuppen- und der Wachs- und Lederblnmen, die alle ihren Platz und ihre Verwendung zum Theil in der Toilette, zum Theil als Schmuck von Ziergegenständen der Wohnräume haben. Ein so umfassendes Lehrbuch dieser Art dürfte bisher in Deutschland nicht vorhanden sein. Erst jüngst wurde ein solches von Madame Verboom herausgegeben und erschien in Paris und Brüssel. Das unsrige ist nicht eine IV Vorwort, einfache Übersetzung, sondern vielfach eine Ergänzung und Vervollständigung desselben und wurde von Seiten der Herausgeberin ein besonderes Gewicht darauf gelegt, die Unterweisungen ebenso genau als leicht verständlich für Jedermann zu geben. Die auf kurz gefaßte Angaben beschränkte, als Anhang beigegebene Blumen- und Farbensymbolik dürfte auch nicht unwillkommen sein, da einestheils der Fall nicht selten vorkommt, daß durch die zum Bouquet verwendeten Blumenarten diesem noch eine besondere Bedeutung und Beziehung verliehen werden soll; und da anderntheils bei gänzlicher Unkenntniß der Blumen- und Farbensymbolik sich nur zu leicht in dieser Hinsicht mißliche Verstöße einschleichen können. So möge denn das mit zahlreichen Blumenabbildungen und instruktiven Darstellungen versehene Buch eine freundliche, dem Zweck seines Erscheinens entsprechende Aufnahme in der Frauenwelt finden. Leipzig, im November 1885 . Die Herausgeberin. Inhalts - Verzeichnis. Einleitung. E r st e r Abschnitt. Stoffblumen. Seite Die Rose.16 Die gefüllte Rose aus Mous- selin.29 Die Kamelia.34 Rothe Geranien .... 40 Der spanische Flieder . . 42 Der Jasmin.47 Mehrfarbige Geranien . . 49 Das Stiefmütterchen (ksnsöo) 53 Das Haidekraut .... SS Tausendschönchen .... S8 Die Skabiose.60 Die Nelke.63 Das Maiblümchen ... 71 Die Akazie.72 Der Goldregen .... 73 Das Adonisröschen ... 7S Die Weißdornblüthe . . 78 Seile Die Azalea.81 Der Goldknopf .... 85 Das Aschenkraut (tünsraria) 87 Die Waldrebe.90 Das Chrysantemum . . 93 Die Fuchsin.99 Die Levkoie .102 Das Vergißmeinnicht . . 106 Die Narcisse.109 Die Orangenblüthe . . . 113 Das weiße Maßliebchen . 116 Die Flammenblume (klrlox) 118 Der Rittersporn .... 120 Die chinesische Primel . . 124 Die Alpenrose.128 Die Verbena.131 Das gefüllte Veilchen . . 133 Das einfache Veilchen . . 135 Zweiter Abschnitt. Papierblumen. Vorbemerkung.139 ^ Die Klatschrose .... 149 Specielle Vorbemerkungen . 142 j Die Mohnrose.154 VI Inhalts-Verzeichniß. Die gefüllte Mohnrose . . Seite 159 Die Heckenrose . . . . Die chinesische Mohnblume 162 Die Winde. Die Pfingstrose .... 165 Die Kornblume .... Die Stockrose. 172 Die Hortensia. Die Aster. 179 Der Schneeball . . . . Die Ranunkel. 185 Die Kamelie. Die Georgine. 188 Die Granatblüthe . . . Die weiße Lilie .... 195 Die Tulpe. Die Rose. 199 Die Oleanderblüthe . . . Die Provencer Rose . . 206 Die Hyacinthe . . . . Die bengalische Rose . . 209 Das Geisblatt . . . . Die gefüllte bengalische Rose 212 Die spanische Wicke . . . Die Monatsrose . . . . 216 Die Balsamine . . . . Die gefüllte Monatsrose . 219 Die Kastanienblüthe . . Dritter Abschnitt. Gold- und Silberblumen. Olivenzweig mit Goldblät- tern und Goldfrüchten . 268 Goldene Staubfäden und Pistills.270 Gold- oder Silberähren . 271 Gold- oder Silberhafer . 273 Haselnußzweige von Gold oder Silber . . . . Verfahren beim Vergolden oder Versilbern . . . Gold und Silber flüssig aufzutragen .. Vierter Abschnitt. Wollblumen. Die chinesische Aster ... 285 ^ Die Georgine . Die Klatschrose . ... 288 Die Ranunkel . . . Die Rose.291 ^ Das Immergrün Die Winde. 295 ^ Die Mohnrose . . Die Lilie. 298 I Die Narcisse . . . Die Kornblume .... 801 Das rothe Geranium Die Fuchsia. 303 ! Laubblätter von Wolle Die Anemone. 305 , Kirschentuffs . . . Die Maßliebe. 307 ! Gestricktes Moos . . Die Kamelie. 308 ^ Seite 22 « 222 225 228 231 233 236 238 241 245 25« 253 256 261 275 278 280 310 312 313 314 315 317 318 320 320 Jnhalts-Verzeichniß. VII Fünfter Abschnitt. Blumen von gekämmter Wolle. Seite Die wilde Rose .... 329 Die Narcisse . . . . . 331 Die Lorbecrrose .... 332 Seite Die Tulpe, die weiße und die gefleckte Lilie . . . 333 DasStiefmütterchen(ksnses) 335 Die Dahlia oder Georgine 336 Sechster Abschnitt. Gehäkelte Wollblumen. Die Aster . . . . . 341 Die Mohnblume . . . 347 Die Georgine . . . . 343 Die Narcisse .... 348 Die Lilie . . . . . 344 Der Epheu. 351 Siebenter Abschnitt. Chenilleblumen. Die Weißdornblüthe . . 357 Der Goldknopf . . . 361 Das Maiblümchen . . 360 Die Mohnrose . . . 363 Das Veilchen . . . . 360 Die Fuchsia .... 364 Die Aster . . . . . 360 Die Päonie .... 365 Das Maßliebchen . . 361 Das Stiefmütterchen 367 Die Kornblume, die Hya- Die Tulpe. 368 cinthe, das Vergißmein- nicht .... . . . 361 Die Mohnrose Das Maßliebchen Achter Abschnitt. Perlenblumen. 373 376 Weinblätter 378 Neunter Abschnitt. Bandblumen. Veilchen und Rosen aus Band . . . . 381 VIII Jnhalts-Berzeichniß. Zehnter Abschnitt. Federblumen. Leite , Seite Die Rose. 389 I Die Nelke.393 Der Cactus.391 ^ Die Aster, Narcisse, Lilie rc. 394 Elfter Abschnitt. Haarblumen. Die Rose, die Maßliebe, die ! das Vergißmeinnicht, die Aster, dasStiefmütterchen, > Narcisse .... 399—401 Zwölfter Abschnitt. Blumen aus Muscheln und Fischschuppen. Rosenzweig aus Muscheln l Rosenzweig aus Fisch- als Verzierung von Käst- ^ schuppen.409 chen. 407 ^ Dreizehnter Abschnitt. Wachsblumen. Vorbemerkung . . . 415—420 ! Die Nelke.429 Die Rose. 422 Die Hyacinthe .... 430 Die Kamelia. 425 Die Passionsblume ... 431 Die Winde. 426 I Früchte aus Wachs: Orange, Die Maiblume .... 427 ^ Pfirsiche, Pflaume, Apsel, Die Veilchen. 428 ; Weinbeeren, Kirschen, Jo- Die Orangenblüthe . . . 428 . hannisbeeren . . 434—439 Die Georgine. 428 > Vierzehnter Abschnitt. Lederblumen. Wilde Rose . . . . . 447 Kamelia. . 454 Aster. . . 448 Jasmin. Fuchsia. . . 449 Anhang. Passionsblume . . 450 Blumen-Symbolik . . . 461 Glockenblume . . . . . 454 Farben-Symbolik . . . 470 Einleitung. Zur Anfertigung künstlicher Blumen bedarf man an Ge- räthschaften und Material Folgendes: 1. Einen Rollenstab oder Spulenhalter; ein mit einem runden Bleifnß versehener Eisenstab, aus den eine mit ungezwirnter Seide, Baumwollengarn, Zwirn oder dünnem Messingdraht versehene Rolle oder Spule aufgesteckt wird, so daß sie sich leicht drehen und die Seide sich sehr leicht abwickeln läßt. (Fig. 1.) 2. Eine Federzange, Pincette genannt, mit absperrenden Schenkeln (Fig. 2 .), zum Biegen, Drehen und Richten der verschiedenartigen Blnmentheile. 3. Eine gewöhnliche Zange, znm Biegen des Drahtes. 4. Ein an beiden Enden mit einer Kugel abschließendes sogenanntes „Kröseisen", welches dazu dient, die Blätter verschiedener Blumen zu „krvsen". (Fig. 3.) 5. Verschiedene Eisenkugeln (Boules), von 2 Centi- meter bis zu einem Millimeter im Durchmesser, von denen man, je nach Bedarf, eine auf dem sogenannten „Bouleisen" befestigt. (Fig. 4.) 6. Eine gewöhnliche scharfe Schere. i Einleitung. S 7. Eine größere, stärkere Schere, zum Zerschneiden des Drahtes. 8. Einen Psriem. 9. Ein großes, mit Kleie gefülltes Kissen, sogenanntes „Kröskissen". 10. Ungeglühter und geglühter Draht. 11. Chappeseide. 12. Eine Rolle mit übersponnenem Draht. 13. Eine Rolle mit grünem Papier überzogenen Draht. 14. Einen Kasten mit verschiedenen Aquarellfarben, nebst Pinsel, Palette und Farbennäpfchen. 15. Ein mit Sand gefülltes Holzgefäß in Form eines Eimerchens, in welches man beim Arbeiten die verschiedenen, die Staubfäden tragenden Bündelchen, Knospen und Einzeln- heiten der Blumen einsteckt. 16. Einen Blumenträger oder Blumenhalter, der aus zwei, ohngefähr 50 Centimeter von einander getrennten Eisenstäben besteht, die beide an ihrem obern Ende umgebogen und an eineni Holzfuß befestigt sind. An die von einem Ende zum andern gezogenen, zum Aufhängen der einzelnen Blumentheile dienenden Bind- oder Drahtfäden werden die umgebogenen Enden der verschiedenen präparirten Stengel angehakt. 17. Eine platte, in mehrere kleine Fächer getheilte Pappschachtel, deren Fächer dazu bestimmt sind, Blätter von verschiedener Größe, Staubfäden, Kelche und alle die zarten, zur Anfertigung von Blumen dienenden Theilchen aufzunehmen. 18. Weiche Baumwolle, von der Qualität, wie sie die 4 Einleitung. Juweliere anwenden und welche der meist geleimten Watte vorzuziehen ist. 19. Sogenanntes Schlangenpapier. Ein sehr feines, durchsichtiges, grünes und braunes Papier. Um es in Streifen zu schneiden, faltet man das Papier in derselben Richtung, in der es gefaltet ist, wenn man es kauft und zwar in einer Breite von 4 Centimeter zusammen, schneidet es jedoch in entgegengesetzter Richtung mit der Schere in Streifen. Nachher theilt man jeden Streifen je nach der Stärke der zu bedeckenden Stengel; ihre Breite darf aber 2 Centimeter nicht überschreiten. 20. Ein Töpfchen flüssiger Leim. Der Leim der Blumenarbeiterinnen wird meist aus in kaltem Wasser aufgelöstem Gummi arabicum bereitet und mit ein wenig Mehl vermischt. Man löst 70 Gramm Gummi arabicum vollständig in Wasser auf, so daß es die Consistenz von flüssigem Gelee hat, fügt alsdann noch 35 Gramm Mehl hinzu und rührt das Ganze zehn Minuten lang tüchtig um, wodurch es zu einer Art Teig wird, den man „Pate" nennt. Um die Herzen oder die Kelche der meisten Blumen herzustellen, braucht man festere Pate von verschiedenen Farben. Diese wird auf folgende Weise zubereitet: Man löst weißes Gummi arabicum in möglichster Dicke in kaltem Wasser auf. Dann löst man in einem andern Gefäß einen Löffel voll Stärke und eine gleiche Quantität Weizenmehl ebenfalls in kaltein Wasser auf und rührt beide zu einem Teig, vereinigt diesen dann mit dem aufgelösten Gummi arabicum und rührt das Ganze so lange durch, bis sich sämmtliche Ingredienzen vollständig vermischt haben. Nun wird die Masse Einleitung. 5 leicht in der für die herzustellende Blume erforderliche Farbe gefärbt. Diese Masse ist dann die farbige Pate. Die aus S t off herzustellenden Blumen werden aus Perkal, Organdis, Cnmbric, Jakonet, Linon, aus feinem Batist, aus Erepp, Seidengaze, Musselin, Sanimet, Atlas und Seidenstoff gefertigt.* Die grünen Blätter von fast allen Blumen findet man bei den Blumenfabrikanten in Packeten vorräthig. Will man sie jedoch selbst anfertigen, so muß man sich einige Ansschlageisen, wenigstens für die beliebtesten oder bekanntesten Blumen verschaffen. Vorzüglich für Rosen braucht man verschiedene Blattgrößen. Unentbehrliche Werkzeuge zur Verfertigung künstlicher grüner Blumenblätter sind Matrizen und Stanzen. Unter Matrizen versteht man in der Blumentechnik jede vertiefte Form, mittelst welcher ein ihr sich anpassender erhabener Körper hergestellt werden soll. Die Grundfläche der Matrize trägt demnach die Vertiefung des eingeschnittenen Blattes, während auf der Oberfläche der Stanze das erhabene Blatt eingefeilt ist. Zwischen diese beiden Theile placirt man das durch das Ansschlageisen ausgeschlagene oder ausgezackte Blatt und preßt Matrize und Stanze fest zusammen. In Ermangelung einer Presse bedient man sich dazu eines Schraub- stocks oder einer Zwinge, zwischen denen Matrize und Stanze fest eingepreßt werden. Es ist erforderlich, beide vorher müßig zu erwärmen. * Zur Herstellung der Knospen weißer Blumen, z. B. Orangeblüthen, Jasmin rc. nimmt man sogenanntes Hühnerleder, ein sein zubereitetes Lammfell. 6 Einleitung. Erklärung rinigrr technischer Ausdrücke in der Minen- falirikation. Spinnen oder Agirs nennt man eine Art tief ausgezackter Blätter, die zu dem Kelch einiger Blumen und besonders zu dem der Rose gehören. Sie werden größtenteils aus Agirstoff gefertigt. Boulen oder gaufriren bezeichnet das Verfahren, durch welches man mit der Kugel den Kelchen und Kronenblättern gewisse Formbewegungen verleiht, d. h. die Mittel- und Seiten- rippen, Fältchen und andere Unebenheiten, welche den natürlichen Blättern eigen sind, nachbildet. Um zu boulen, legt man das Blättchen auf das Kröskissen, stützt die Kugel fest auf dessen Mitte und macht mit dem Griff des Bouleisens eine kreisförmige Bewegung. Krösen heißt dem Blumenblatt gewisse eigenthümliche Biegungen, besonders an den Rändern beibringen. Um ein Blumenblatt zu krösen, legt man es in die Höhlung der linken Hand, nimmt die Pincette in die rechte Hand und faßt mit deren Spitzen den äußersten Rand der Blättchen; dabei legt man den Zeigefinger so auf die beiden Schenkel der Pincette, daß das gänzliche Schließen derselben verhindert wird, weil sonst die Pincette nicht hin und her gleiten könnte. Dann läßt man die ganz leicht geöffnete Pincette vom Rande des Blättchens bis zu dessen Mitte gleiten, so daß es entsprechend gekräuselt erscheint. Mit Baumwolle bewickeln. Bewickeln nennt man das Verfahren, durch welches man den aus feinem Blumen- Einleitung. 7 draht bestehenden Stengel mit gekrämpelter Baumwolle bedeckt. Manche Blumenarbeiterinnen benutzen dazu auch Werg. Man nimmt ein Stück Draht von erforderlicher Länge in die linke Hand, eine kleine Hand voll weiße Baumwolle in die rechte, zieht diese Baumwolle zwischen dem Daumen und dem Zeigefinger aus einander, placirt die Baumwolle unter den Draht und windet sie dann um denselben, indem man den Draht und die Baumwolle fest zwischen Daumen und Zeigefingern der beiden Hände hält, deren jede eine Bewegung in entgegengesetzter Richtung macht. Auf diese Weise dreht sich die Baumwolle spiralförmig um den Draht, ihn bei gleichmäßigen: Winden überall mit einer gleichen und leichten Lage bedeckend. Soll der hergestellte Stiel mit einem Hauptstiel verbunden werden, der mehrere solcher Stengel trägt, so ist dieser Hauptstiel ebenfalls zwei und drei mal mit Baumwolle zu umwinden. Für den Stiel eines kleinen Bäum- chens oder Strauches nimmt man einen stärkeren Draht und umwindet denselben vier oder fünf mal mit Baumwolle. Mit Papier bewickeln. Um den mit Baumwolle umwickelten, als Stengel dienenden Draht mit Papier zu überziehen, wird das eine Ende desselben zwischen den Daumen und den Zeigefinger der linken Hand placirt, der bereit gehaltene Papierstreifen in die rechte Hand genommen, das eine Ende desselben ein wenig angefeuchtet und über das Ende des Drahtes angebracht. Alsdann nimmt man das Papier, wie man es vorher mit der Baumwolle gethan hat, zwischen Daumen und Zeigefinger der rechten Hand und 8 Einleitung. den Draht zwischen denselben Fingern der linken Hand, ihn beständig nach links drehend. Anf diese Weise legt sich der mit der rechten Hand gehaltene Papierstreifen spiralförmig nm den Draht; das einzige, was diese Hand zu thun hat, ist, den Papierstreifen schräg zu halten, um zu vermeiden, daß die spiralförmige Windung übereinanderrollt, und muß sie den Streifen loslassen, je nachdem die linke Hand agirt und der zu umwickelnde Draht langsamer oder rascher gedreht wird. Um das Papier am entgegengesetzten Ende des Drahtes zu befestigen, schneidet man den Papierstreifen in schräger Richtung ab, befeuchtet ihn mit ein wenig Leim und drückt ihn gegen den Draht, denselben fest zwischen dem Daumen und dem Zeigefinger haltend. Mit Taffet oder mit Crepp bewickeln. Zuweilen wird auch Taffet oder Crepp anstatt des Papiers angewendet, nm die Zweige gewisser Blumen, znm Beispiel die der Rose, herzustellen, weil die Anwendung dieser Stoffe es gestattet, die dornigten Eigenthümlichkeiten des Stengels zu imitiren. Alan nimmt ein viereckiges Stück grünen Crepp oder Tastet, legt zwei Ecken so zusammen, daß ein Dreieck entsteht und schneidet in der Richtung der Langseite desselben schmale Streifen. Sind dieselben aus Tastet geschnitten, so fasert man sie an beiden Enden aus und windet sie dann wie das Papier um den Draht. Die ausgescherten Ränder geben auf diese Weise mit ihren Frünzchen einen haarigen Stengel. Hat man anstatt des Taffet Crepp genommen, so verfährt man ebenso, nur mit dem Unterschied, daß man hinterher mit der Spitze der Schere die Fäden des Stoffes durch Kratzen etwas löst, welches einen dornähnlichen Flaum Einleitung. 9 sormirt. Alsdann röthet man den Crepp durch carmin- rothes Wasser, das man mit einem Schwamm streifenweise aufträgt. Angabe, wie die Llättcr zu durchfädrlii und zn befestigen lind. Mag man nun die grünen Blätter selbst hergestellt oder bei dem Blnmenfabrikant gekauft haben, welches letztere ohne Zweifel am meisten der Fall sein wird, da einestheils dieselben zu einem verhältnismäßig billigen Preis in schöner Herstellung zu haben sind, anderntheils die Selbstherstellung doch mit mancherlei Schwierigkeit und Kosten verbunden ist, in beiden Fällen geschieht die Befestigung in folgender Weise: Man legt einige derselben auf einander, durchsticht sie etwa im Drittel ihrer Länge von der oberen Blattspitze gerechnet, mit einer Nähnadel, nimmt dann eines nach dem andern einzeln und zieht durch das Loch feinen Messingdraht oder Cantille, so daß er über den untern Theil des Blattes ein wenig hinausragt. Dieser Drahtfaden wird sich also zum Theil auf der oberen, zum Theil auf der unteren Seite des Blattes befinden. Man hat Sorge zu tragen, daß derselbe sich genau an beide Seiten des Blattes anlegt und weder zu kurz noch zu lang ist. Zu lang, würde er das Blatt nicht tragen oder halten können, dagegen zu kurz, dasselbe in nachtheiliger Weise zusammenschieben. Die beiden Drahtenden werden dann am untern Blattende zusammengedreht und bilden das Blattstielchen, das man, je nach der Art des Blattes, kürzer oder länger zu halten hat. 1« Einleitung. Den auf der oberen oder rechten Seite des Blattes befindlichen Draht überklebt man mit einen: Streifchen Zeug von der Farbe des Papiers. In diesem Fall schneidet man den Streifen etwas länger als den Draht, um das untere, das Blatt überragende Ende desselben mit dem Papierstreifen zu umwinden. Anfertigung von Staubfäden oder Pistills. Die Blume wird bekanntlich aus dem Kelch, der Krone und den Befruchtungstheilen gebildet. Letztere erscheinen meist als ein kleiner, im Innern der Blume sich erhebender Körper, welchen man als Pistill oder Stempel, oder auch als Staubfäden, mit Staubbeuteln versehen, bezeichnet. Soll eine künstliche Blume völlig naturähnlich erscheinen, so müssen diese Staubfäden auch möglichst naturgetreu nachgebildet werden. Aus gesteiftem Zwirn schneidet man Fäden von der erforderlichen Anzahl und Länge, umfaßt sie in der Einleitung. H Mitte mit einem feinen Draht und windet sie daran fest, so daß sich ein Büschel bildet. Hat man den Büschel befestigt und beschnitten, dann taucht man die Spitzen der Fäden einzeln in gelben oder orangefarbigen Siegellack, oder auch in aufgelöstes, mit Safran ganz hell gefärbtes Gummi arabicnm, so daß jede Spitze nur einen Tropfen von der Größe eines Stecknadelknopfes annimmt, der, schnell trocknend, bald zu einem festen Kügelchen wird. Oder man taucht die Spitzen der Fäden in Gummiwasser und tupft sie dann in farbigen Gries oder Pulver, je nachdem dies die farbigen Staubbeutel am besten darstellt. Das Auftupfen der Stanbfädenbüschel auf den Gries nennt die Blumenkünstlerin „körnen". Erster Abschnitt. Stosfblu men. Wir gehen nach diesen einleitenden Bemerkungen nun dazu über, die Art und Weise der Anfertigung aller derjenigen Blumen anzugeben, welche ihrer Schönheit und Lieblichkeit wegen sowohl an sich, als in Verbindung mit anderen Blumen, ganz besonders das Auge erfreuen und deshalb zu den gesuchtesten und beliebtesten gehören. Um dieselben naturgetreu nachzubilden, ist es nothwendig, daß wir sie unmittelbar nach der Natur, sowohl im Ganzen als im Einzelnen, auf das Sorgfältigste studiren. Nur in Folge eines solchen Studiums sind wir im Stande, eine wirklich kunstvolle Illusion herzustellen; und das ist ja der höchste und eigenthümlichste Reiz der Blumenfabrikation, welche, nicht etwa wie die Stickerei, nur eine annähernde und blos stilistische Naturwahrheit erstrebt, weil nur solche im Grunde der Stickerei möglich ist, sondern die Blumenfabrikation will wirklich in ihren besten Leistungen eine vollendete Naturreproduction bis zur Täuschung erreichen. Durch diese Täuschung erfreut sie nicht nur unser Auge, sondern erregt auch in hohen, Grade unser Interesse, indem wir die künstlerische Geschicklichkeit in der Herstellung bewundern. Es gehört also zur gelungenen Herstellung von Blumen nicht nur Fleiß und Sorgfalt, sondern auch Sinn 16 Ltossblumc». und Verständniß für den Organismus der Blumenwelt und für die Anmuth und Schönheit, die sich in den verschiedenen Stadien ihrer Entwickelung offenbaren. Beginnen wir nun mit der Rose. Die Rose ist eine der lieblichsten Blumen. Die Dichter aller Zeiten preisen ihre Anmuth und nennen ihre Schönheit bezaubernd; ja sie erscheint als das Symbol des edelsten Liebesreizes, als eine Vereinigung von innigster Liebe und Unschuld. Da ist es doch wohl ganz in der Ordnung, daß wir sie auch hier an die Spitze stellen, obgleich sie zn den ziemlich schwierig herzustellenden Blumen gehört. Schon Stoffblumen. 17 die große Anzahl ihrer Blätter und die Anordnung derselben erfordert ein sehr sorgfältiges Verfahren. Wir meinen hier die eigentlichen Blumenblätter, welche in der Blumentechnik den Namen Lams (Ininach führen, wogegen man die Stengelblütter einfach als Blätter bezeichnet. Die „Lams" der Rose werden aus weißem Battist hergestellt, den man am zweckmäßigsten auf einen Stickrahmen zieht, ihn mit Kleister aus feinem Stärkemehl überstreicht und diesen trocknen läßt. Nun sucht man sich zunächst eine schone, natürliche Rose zu verschaffen, von welcher man einige Blätter von verschiedener Große ablöst, deren Formen man auf Papier nachzeichnet und diese alsdann, um eine Schablone zu gewinnen, auf starkes Papier ausklebt. Ist die aufgeklebte Zeichnung trocken, so schneidet man den Contour derselben ringsum aus, giebt jedoch dem untersten Ende des Blättchens etwas an Länge zu, um es leichter befestigen zu können. Nach diesen Schablonen von verschiedener Größe werden alsdann die Blätter aus dem Battist geschnitten. Hat man keine natürliche Rose zur Verfügung, so bedient man sich unserer Muster zum Herstellen solcher Schablonen. Natürlich richtet sich die Zahl der Blätter nach der zu imitirenden Blume. Für eine große Rose bedarf man wenigstens fünfzig derselben, von von denen 16 von Nr. 1 (vergleiche unsere Abbildung) für das Herz, und 24—30 von Nr. 2 für die das Herz umgebenden Blättchen bestimmt sind; 10 Blätter, nach unserem Muster Nr. 3 geschnitten, dienen für die Knospe. Erst nachdem die Blätter ausgeschnitten sind, werden sie gefärbt, wofür der technische Ausdruck „stippen" gebräuch- 2 18 Stoffblumen. lich ist. Man löst etwas Carminroth oder hellrothcn Crapp- lack in lauwarmem Wasser auf. Diese so gewonnene Rosenfarbe gießt man in ein Wasserglas, während man in einem anderen mit Wasser gefüllten Glase 125 Gramm crsinoi' tartari auflöst. In dies letztere gesäuerte Wasser taucht man die zu färbenden Blätter ein, Preßt sie dann zwischen trockenen Tüchern sorgfältig aus und taucht die nun kaum noch feuchten in das präparirte rosafarbige Wasser. Zu beachten ist hierbei, daß die Farbe der Rosenblätter nicht durchweg eine gleiche ist, sondern Abstufungen hat; um diese zu imitiren, färbt man die Blätter zuerst nur ganz hell, dann, sie mit der Zange am untersten Ende fassend, wiederholt man die Färbung, das Blatt jedesmal in das gesäuerte Wasser, dann in das gefärbte tauchend, jedoch nicht ganz, so daß der spitze Theil desselben, welcher stets Heller zu halten ist, etwas über dem Niveau des gefärbten Wassers bleibt. Dies Verfahren ist drei bis vier mal zu wiederholen. Je öfter man dies Eintauchen vornimmt, desto weicher wird der Uebergang von einer Nüance zur andern werden. Die nassen Blätter legt man zunächst auf den Rand einer Untertasse und breitet sie dann, ohne daß sie sich berühren, zum Trocknen auf Löschpapier aus. Da es sich meistentheils zeigt, daß die getrockneten Blätter am Rande ein zu mattes Rosa haben, so malt man nachträglich die Ränder mit einem Pinsel und etwas Carmin nach. Alsdann giebt man ihnen die gewölbte Form, zu welchem Zweck man das Blatt auf das Kröskissen legt und die Kugel des Bouleisens auf die Mitte desselben stark preßt. Ohne die Kugel von der Stelle zu rücken, macht man mit dem Stoffblumen. 19 Griff eine kreisförmige Bewegung, während man darauf achtet, daß sich keine Falte in dem Blatte bildet. Dies Verfahren heißt man „Boulen". Man „boult" auf diese Weise alle Blätter, welche die Rose umschließen. Diejenigen jedoch, welche sich in der Mitte der Rose befinden, müssen etwas plissirt oder „geknörpelt" werden, um deren Form der Natur möglichst treu nachzubilden. Man faltet sie zunächst der Länge nach, preßt sie mit der Pincette gegen das Kröskissen, legt sie in derselben Richtung noch einmal doppelt, preßt sie abermals an und entfaltet sie dann wieder. Auch dies Verfahren nennt man kurzweg „krösen". Alsdann gehen wir zur Herstellung der Staubfäden über. Die Staubfäden der Rose sind kleine weiße, oben mit einem gelben Kügelchen versehene Fäden. Um sie nachzubilden, nimmt man weißen Zwirn, taucht ihn, damit er eine gewisse Festigkeit und Steifheit erhalte, in Stärkekleister. Wenn derselbe trocken geworden, legt man ihn ohngefähr fünfzehn mal zu einem kleinen Bündel zusammen, das wenigstens zwei mal länger als die Staubfäden sein muß. Dann nimmt man einen feinen Draht von 6 Centimeter Länge, biegt ihn in der Mitte zusammen, legt das Fadenbündel in die umgebogene Stelle, drückt es fest gegen den Draht und verbindet dessen beide Enden zu einem Stiel. Hierauf legt man die so in der Mitte gebundenen Zwirnfäden doppelt zusammen und zwar in der Richtung des Drahtstiels, sucht sie möglichst zu vereinigen und schneidet sie ganz gleichmäßig ab, wodurch eine pinselartige Form entsteht. Mittelst der Pincette werden nun die Zwirnfäden gelockert und gleichmäßig getheilt. Um ihnen die gelben 2 * 2« Stoffblumen. Köpfchen anzubilden, hält man pnlverisirten gelben Ocker oder gelben Gries bereit. Nnn befeuchtet man mit einem in Gummiwasser getauchten Pinsel die äußersten Spitzen der Fäden, kehrt das ganze Bündel nach unten und bringt dessen Spitzen mit dem gelben Pulver in Berührung, wodurch man die Staubbeutel der Staubfäden der Rose erhält. Um nun die Blume aufzubauen, nimmt man ein Stück Draht von 20—25 Centimeter Länge, und Baumwolle oder Watte, um den Draht in der Weise zu umwickeln, wie wir dies im Eingänge unseres Buches angegeben, wobei selbstverständlich darauf zu achten ist, daß der Draht gleichmäßig bedeckt erscheint. Nachdem man den Stiel der Rose vorbereitet, knüpft man an dessen Ende den auf der kleinen Rolle bereit gehaltenen grünen Seidenfaden an, befestigt mittelst desselben zugleich das Bündel der Staubfäden, indem man den Seidenfaden mehrere mal um den kleinen, gewundenen und mit den Staubfäden vereinigten Drahtstiel windet. Alsdann werden die Blätter angefügt und zwar zuerst die kleinsten und am meisten „getrosten", die sogenannten Herzblätter, die man kreisförmig um den Mittelpunkt ordnet. Um nicht zu viel mit Seide zu umwinden, wodurch die Form der Blume zu fest erscheinen könnte, werden die Blattenden mit etwas „Pate" angeklebt und nur von Zeit zu Zeit mit Seide umwickelt. Nun geht man zum Ansetzen der größeren Blätter über, wobei wohl zu beachten ist, daß sie regelmäßig placirt erscheinen und daß die runde Form der Rose gelungen zum Ausdruck kommt. Die letzte Reihe der Rosenblätter erscheint in der Natur meist etwas nach außen gebogen. Um dies nachzuahmen, faßt man die Stoffblumen. 21 Blätter unter dem oberen Rand mit der Pincette und biegt sie etwas nach außen, was die Anmuth der Blume erhöht, wenn es im naturalistischen Sinne geschieht. Nun fehlt noch der Kelch mit den Spinnen. Ihn selbst herstellen zu wollen, rathen wir nicht, da man vollständig präparirte Kelche bei dem Blumenfabrikant vorräthig findet. Sie sind so hübsch aus Wachs gebildet, wie man sie selbst nicht würde machen können, sind hohl und mit Baumwolle leicht gefüttert. Man fügt diesen fertigen Kelch der Rose leicht an, indem man deren Stiel in die dafür angebrachte Oeffnung zieht und den Kelch bis dicht an die Rose schiebt. Was nun die Stengelblätter betrifft, auf die wir später noch zurückkommen werden, so sei hier zunächst nur bemerkt, daß für die aus Battist gefertigten Blumen die aus wachs- getränkten Stoffen gefertigten Stielblätter den aus Battist oder Papier gemachten Blättern vorzuziehen sind. Um vieles leichter als die geöffnete Rose ist die Rosen- knospe herzustellen. An Stelle der Staubfäden macht man an das oberste Ende des Stiels ein längliches Kügelchen von Baumwolle, in der ohngefähren Größe der Knospe. Um dieses befestigt man ringsum fünf oder sechs kleine gut geboulte Blättchen, die man aufleimt und von denen die ersten die Baumwolle schon ganz bedecken. Solche Knospen- blättchen sind zwei mal zu boulen, das erste mal wie die andern Blätter, das zweite mal mit einer ganz kleinen Kugel, die man vom Ansatz bis zur Höhe des Blättchens gleiten läßt, wobei man immer etwas stärker aufdrückt, jemehr sich die Kugel dein oberen Ende des Blattes nähert. 22 Stoffblumen. Hat man eine ganz geschlossene Rosenknospe darzustellen, so leimt man nur die Kelchblätter, die Spinnen oder Agirs genannt werden (siehe Fig. 4), und die man aus sogenanntem Agirstofs schneidet, über die vorhin angegebene Baum- wollenkugel und rückt dieselben so nahe an einander, daß die Knospe gänzlich davon bedeckt wird. Den eigentlichen Kelch setzt man in derselben Weise, wie wir es bei der offenen Rose angegeben, an. Um aus den fertigen Rosen, Knospen und Blättern einen Zweig zu bilden, fügt man zu dem schwächeren Stiel, welcher den Kelch trägt, einen zweiten, etwas stärkeren, mit Baumwolle umwickelten Stiel. Man befestigt beide mit grüner Seide an einander und umgiebt dann das Ganze mit einem grünen Streifen Schlangenpapier. Dies Papier ist auf der einen Seite dunkel-, auf der andern hellgrün; 4 oder 5 Centimeter von der Blume entfernt bringt man an den Hauptstiel einen mit Papier umwickelten Blütter- zweig an, und etwa 2—3 Centimeter weiter einen zweiten, doch in entgegengesetzter Richtung. Dann nimmt man von den gefertigten Knospen, deren Stiel mit Baumwolle und Papier umgeben sein muß, ein oder zwei von verschiedenem Entwickelungsgrad und verbindet dieselben mittelst Seide. Kleineren Knospen giebt man einen kürzeren Stiel, damit die halbgeöffneten Knospen sie überragen; an der Stelle, wo die Knospenstiele sich vereinigen, wird ein Blättchen von zartem Grün angebracht, und der Knospenstiel an einen stärkeren, mit Baumwolle und mit grünem Papier umwickelten Stiel angesetzt, an welchem die grünen Blätter von einer Entfernung zur andern befestigt werden. Das Ende des Stoffblumen. 23 Papierstreifens ist am Ende des Stiels gut mit Leim oder Pate zu verkleben. Will man diese Stiele recht naturgetreu herstellen, so ersetze man das grüne Schlangenpapier durch einen Schrägstreifen von leichtem, grünem Tastet, den man in seiner ganzen Lange an beiden Seiten ausfasert; diese Fasern ähneln im hohen Grade den weicheren Dornen des Rosenstiels. Besonders bei der Moosrose, der Königsrose und der Centifolie ist es erforderlich, für die Blumen- und Knospenstengel, anstatt des Papiers grünen Crepp zu verwenden, den man zu diesem Zweck ebenfalls in Schrägstreifen schneidet. Hat man mit demselben den Stiel beklebt, dann kratzt man leicht mit einer Scherenklinge über diesen hin, so daß die Fäden des Stoffes sich etwas ablösen und rings um den Stiel die kleinen Dornen und das Moos imitiren. Um dem rauhen Stiele auch die natürliche Farbe zu verleihen, malt man ihn, leicht hin über den Crepp fahrend, mit einem Pinsel etwas roth. Hat man größere Dornen herzustellen, so löst man diese von einem natürlichen Rosenstock ab und leimt sie dem künstlichen Stiel auf. Will man jedoch ein Rosenbonqnet herstellen, so verfährt man zwar im Einzelnen ebenso, für das Ganze aber schlägt man insofern einen andern Weg ein, als man zunächst eine Anzahl von Rosen in verschiedenen Graden des Aufblühens anfertigt, damit man bei dem Arrangement des Bouquets eine beliebige Auswahl treffen kann. Im Allgemeinen ist hier zu bemerken, daß die verschiedenen Grade der Entfaltung durch ein mehr oder minder starkes Auswölben der Blätter mittelst des Bouleisens darzustellen ist. Man be- 24 Stoffblumen. dient sich dazu, je nach Erforderlich, einer größeren oder kleineren Kugel, mit der man bald starker bald schwächer die Blätter modellirt. Doch müssen wir auch hierbei wieder auf das Studium der Natur, welche reizende Abwechselungen bietet, die sich nicht erfinden lassen, hinweisen. Wie alsdann Knospen, Blumen und Blätter zu vertheilen und zu ordnen sind, müssen wir nach unserm Geschmack ermessen. Haben wir die Aufgabe, mehrere Rosenzweige an einen gemeinsamen Stamm anzubringen, so ist dessen unterer Theil mit Holzbraunem Papier in Spiralwindungen zu umwickeln und dieses mit einer entsprechenden Farbe, welche stark mit Leim oder aufgelöstem Gummi arabicnm versehen ist, zu übermalen, theils um die Spiralwindungen des Papiers zu verdecken, theils um zugleich die Dornen anzukleben. Soll ein solcher Stamm oder ein Aestchen wie schräg abgeschnitten erscheinen, so ist die betreffende mit Papier oder mit Tasfet zu umwickelnde Stelle schräg abzuschneiden. Hat man die Aufgabe, einen ganzen Rosenstock nachzubilden, so ist dies unmöglich, wenn man nicht einen natürlichen Rosenstock vor Augen hat, an welchem man den organischen Zusammenhang und die Entwickelung der größeren und kleineren Zweige studirt. Der Strauch wird nach seiner Vollendung in ein passendes, mit feinem Sand gefülltes Gefäß gestellt und damit er darin Halt gewinne, wird dieser Sand mit Pappe oder mit Carton bedeckt, in welchen man ein Loch gemacht, durch das man den Stamm des Bäumchens hindurch und in den Sand steckt. Durch getrockneten Kaffeesatz, mit welchem man die Pappe oder den Carton bedeckt, wird die Erde imitirt. Stoffblumen. 25 Bei allen Arten von Rosen, wenn sie aus Battist gemacht werden, ist das fast ganz gleiche Verfahren zn beobachten, wie auch die Größe, die Form und die Anordnung der Blumenblätter variiren mag. Wir rathen, deren Blätter womöglich nach der Natur zuzuschneiden, wie wir dies schon vorhin angegeben haben, obgleich unsere beigefügten Muster sowohl für den Anfang als im Falle der Ermangelung der natürlichen Blume in gewöhnlichen Fällen ausreichen. Für die Moosrose bedarf es noch der besondern Bemerkung, daß hier an Stelle der an dem Kelch befindlichen Spinnen oder Agirs kleine natürliche Moosblüttchen, sowohl um die entfaltete Blume als um die Knospe mittelst Leim in der Weise angeklebt werden, daß sie die natürliche Form bewahren. Die Blätter dunkelrother Rosen bedürfen einer besonderen Behandlung und müssen mit tieffarbigem Carmin mehreremal übermalt werden. Man läßt sie vor jeder Bemalung erst wieder trocken werden, indem man sie auf ein Stück Flanell legt; die Bemalung geschieht mit einem Pinsel und zwar auf beiden Seiten des Blattes. Eine noch verstärktere Färbung läßt sich dadurch erreichen, daß man extrafeines Carminpulver mit einem harten kurzen Pinsel, einer sogenannten Bürste, auf das noch etwas feuchte Blatt auftrügt. Für die äußeren Blätter läßt man den in Carmin gefärbten Rand wie er ist, das heißt verstärkt ihn nicht, sondern überträgt das Carminpulver nur bis auf die Mitte des Blattes und bis zum Anfang des untersten Endes. Um die Farbe der gelben Rose nachzuahmen, färbt man die Blätter mit aufgelöstem Gnmmigutti, was man auch 26 Stoffblumen. zubereitet in kleinen Mischehen kaufen kann. Vorher taucht man die Blätter in reines Wasser, trocknet sie behutsam, wie wir bereits vorher bei dem Rothfärben angegeben, und zieht sie dann durch die in einer Untertasse befindlichen gelben Flüssigkeit. Hierauf läßt man sie wieder auf Lösch- papicr trocknen, wobei man vermeidet, daß die Blätter sich berühren. Sodann malt man mit einem Pinsel und etwas reinem Gelb die äußersten Ränder etwas nach und läßt sie natürlich vor weiterer Verwendung wieder trocknen. Ein moderirteres Verfahren ist für eine weiße Rose mit gelbem Kelch anzuwenden. Auch bei ihr taucht man zuerst die Blätter in reines Wasser und trocknet sie in der angegebenen Weise. Dann gießt man einige Tropfen Gelb in das Wasser und malt auf jedes Blatt, von unten anfangend bis zur Mitte desselben, einen länglichen hellgelben Flecken, und zwar auf dessen beiden Seiten. Fleischfarbige Theerosen werden zuerst in zartem Rosa in der bereits angegebenen Weise gefärbt und dann in mit eremor tnrtnri oder Citronensaft gesäuertem Wasser gespült, worauf man einige Tropfen Gelb in ein Wasserglas thut und die Blätter darin ein oder zwei mal eintaucht, je nachdem man die Rose mehr oder weniger dunkelfarbig haben will. Hierbei ist besonders zu bemerken, daß man die Blattspitze, nämlich das untere Ende des Blattes, nicht mit röthlich färben darf, damit dasselbe einen schönen reinen gelben Ton erhält, der den Fleischton des oberen Theils des Blattes noch anmuthiger erscheinen läßt. Rein weiße Rosen zeigen oft an den Blattspitzen einen grünlichen Farbenton. Es ist leicht, diese Wirkung zu er- Stoffblumen. 27 zielen. Man bereitet eine lichtgrüne Farbe, indem man etwas Pariser Man und Gelb zusammenmischt und beide in Wasser umrührt. Nachdem man vorher die Blumen- blättchen etwas angefeuchtet und wieder abgetrocknet hat, taucht man die untere Spitze der Blätter in die lichtgrüne Farbe und läßt sie dann auf Löschpapier trocknen. Die An- feuchtung der Blätter geschieht hauptsächlich deshalb, um einen zarten Uebergang der Farbe zu bewirken. Hinsichtlich der grünen Blätter hat man Wohl zu beobachten, daß man sie der Art der Rosen entsprechend richtig wählt, denn ein Blick auf die Natur belehrt uns, daß die verschiedenen Arten der Rose auch wesentlich verschiedene Laubblätter haben. Die der bengalischen und der Theerosen sind spitz geformt, die der Centifolien und der Königsrosen haben ein breites, mehr gerundetes Blatt. Ferner übersehe man nicht, daß die Blätter in der Nähe der Knospen und an der Spitze der Zweige ein zarteres und leichteres Grün haben als die größeren an den unteren Theilen der Zweige und des Strauches. 28 Stoffblumen. I 4 Stoffblumen. 2» Die gefüllte Rose aus Mousselin. Zur Herstellung der gefüllten Rose verwendet man Mousselin oder Nansouk. Aus dem feinern, recht durchsichtigen Mousselin lassen sich reizende, leichte und duftige Rosen für Ballcoifftiren und Ballbouquets bilden, während aus dichterem Nansouk oder Mousselin dieselben ein mehr der Natur entsprechendes Ansehen erhalten. Der Mousselin muß appretirt sein. Man faltet ihn sechsfach zusammen und schneidet in entgegengesetzter Richtung zuerst drei Carres, jedes von 3'/2 Centimeter Breite, dann drei Rosenblätter nach Nr. 1 unserer Abbildung, dann 6 Blätter Nr. 2, 6 Blätter Nr. 3, 12 Blätter Nr. 4, 3U Stoffblumen. « Blätter Nr. 5, 24 Blätter Nr. 6, 3 Blätter Nr. 7 und 3 Blätter Nr. 8. Für die Knospe schneidet man 12 Blätter Nr. 5 und 3 Blätter Nr. 8. Die Färbung der Blätter, die man beliebig hell oder dunkel halten kann, geschieht auf die bereits angegebene Weise. Die drei Carrös dienen dazu, daraus Bouillotten, oder sogenannte Bänschchen zu machen. Man nimmt jedes einzeln und vereinigt die vier Ecken mittelst der Finger, indem man die Mitte aufbauscht, die Bouillotte mit der Pincette ordnet, und sie am untern Ende durch einen feinen Draht verbindet. Sodann macht man ein Bnndelchen Staubfäden nach dem oben angegebenen Verfahren, befestigt dieselben mit einem umgebogenen Draht und knüpft die Bäusch- chen zwischen die Staubfäden. Hierauf nimmt man die 6 Roscnblätter Nr. 2, faltet sie der ganzen Länge nach zusammen und zieht mit der Spitze eines Schenkels der Pincette in derselben Richtung über jedes Blatt abwärts, damit die Btitte länger werde als die Seiten, wodurch die Blätter schon eine erhebliche Wölbung erhalten. Nunmehr führt man mit der Pincette von der Seite bis zur Mitte des Blattes, lockert oder bauscht dasselbe von einer oder von zwei Seiten, wobei man es etwas umwendet. Ebenso verfährt man mit allen andern Blättern bis zu Nr. 5. Dann modellirt man die Blüttchen mehr oder weniger mit der Pincette, damit ihnen die Form zu Theil werde, welche sie haben sollen. Um ihnen die erforderliche Regelmäßigkeit zu verleihen, leimt man die einzelnen Blattreihen zu sechs zusammen und zwar so, daß sie sich gegenüber zu Stoffblumen. 31 stehen kommen. Es ist dies das einfachere Verfahren; will man jedoch die Natur ganz treu copiren, so klebe man sie so, daß sie sich gegenseitig etwas überdecken, das heißt, daß das eine Blatt sich etwas über das andere legt, worauf man dieselben mit sechs großen Blättern umgiebt, welche letztere man dadurch modellirt, daß man sie mit dem Nagel des Daumens in die Länge zieht. Ueberhaupt lassen sich die aus Mousselin geschnittenen Blätter nicht gut boulen. Alan verleiht ihnen ihre hohle Form am zweckmäßigsten, indem man sie nach allen Richtungen mit den Fingern zieht und am unteren Ende des Blattes ein Fültchen bildet. Die ganze Zurichtung dieser Blätter geschieht nur mit der Pincette und den Fingern. Die Rosenblätter Nr. 7 und 8, die ganz unterhalb angeleimt werden, an die man die Spinnen und den Kelch anfügt, formen sich von selbst. Um eine Knospe zu bilden, umgiebt man das Ende eines feinen Drahtes mit einer länglichen Baumwollenkugel. Hier ist es erforderlich, daß die Blättchen mit einer gewärmten Kugel des Bouleisens ziemlich hohl gemacht werden. Dann bildet man aus einem der Blättchen eine kleine Tute und leimt diese über die ganze Höhe der Füllung von Baumwolle, bringt alsdann zwei Blättchen einander gegenüber an, worauf man die andern zu drei, jedoch etwas tieferstehend, hinzufügt; um sie zu befestigen, werden sie in der Mitte leicht angeleimt und am Ende mit Seide gebunden; dann werden Spinnen und Kelch angesetzt. Hierbei ist das noch zu berücksichtigen, was wir bereits über die Herstellung der sich entfaltenden Knospe bemerkt haben. Das Befestigen an den Stiel, auch das Aufziehen ge- Z2 Stosfblumcn. nannt, geschieht in derselben Weise wie bei der Battist- rose. Kleinere Rosen aus Mousselin werden genau so hergestellt wie die großen und bedient man sich dazu auch der von uns angegebenen Musterblätter, jedoch nur bis Nr. 6. Da die Herstellung der Rosen aus Mousselin weit schwieriger ist, als diejenige aus Battist, und besondere Ge- schicklichkeit und einen feinfühlenden Geschmack erfordert, so ist den Anfängerinnen in der Kunst des Blumenmachens zu rathen, diese Arbeit mit einigen Borstudien nach der Natur zu beginnen, so daß sie mit einer gewissen Gewandtheit und Sicherheit an die Ausführung einer großen und vollständigen Blume gehen. Auch verlangt die Mousselinblume, besonders wenn sie bei der Toilette zur Verwendung kommen soll, einen gebildeten Geschmack in der Herstellung der Zweige und der Gruppirung der Knospen und Blätter. Nr. 2 . Nr. 3. Nr. 1. Stoffblumcn. 33 Sir. 1. Nr. 5. Nr. 6. Nr. 8. 34 Stoffblumen. Die Kamelie. Diese schöne, aus dem östlichen Asien stammende Blume, die bei uns in verschiedenen Spielarten einheimisch geworden, welche sich sowohl in der Farbe, der Füllung, als dem Bau wesentlich unterscheiden, hat ganz besondere Eigenthümlichkeiten, die von der Blumenmacherin wohl zu beachten sind. Wir werden auf dieselben im Laufe unserer Unterweisung zurückkommen. Man hat sich zunächst grüne Blätter, Knospen, Sprößlinge und Kelche der Pflanze zu verschaffen, sowie holz- Stoffblumen. 35 braunes Papier zur Herstellung der schwächeren und stärkeren Zweige. Die Form der Blumenblätter ist von uns angegeben. Man hat 3 Blätter von Nr. 1, 3 von Nr. 2, 3 von Nr. 3. 3 von Nr. 4, 3 von Nr. 5, 6 von Nr. 6, 6 von Nr. 7, 6 von Nr. 8, 12 von Nr. 9 und 3 von Nr. 10 zu schneiden. Im Ganzen 48 Blätter. Die Blätter von Nr. 1—5 werden in der hohlen Hand mit der Pincette gerollt; die von Nr. 6—9 erhalten die erforderliche Form dadurch, daß man die Pincette in die rechte Hand nimmt, die Blättchen der Reihe nach über dieselbe legt und mit dem Daumen darauf drückt; so bildet man eine Ader von einem Centimeter Länge in der Mitte der Blättchen, indem man die Pincette in die Höhe derselben anlegt und sie hernntergleiten läßt. Die so erzeugte Ader wird die Blättchen umbiegen. Dann legt man sie auf das Kissen und rundet sie durch Aufdrücken der Kugel Nr. 9 und zwar auf deren linke Seite, wodurch die rechte Seite sich nach außen biegt und die natürliche Form erhält. Die drei Blätter Nr. 10 werden ebenso gemacht, jedoch mit dem Unterschied, daß man die Kugel auf der rechten Seite aufdrückt, um die umhüllende Form derselben zu bilden. Man fertigt nun ein Stielchen von Baumwolle über einen feinen Draht, placirt die fünf ersten Nummern in drei Reihen und zwar so, daß die Blätter wechselständig zu stehen kommen, worauf sie mit Seide befestigt werden. Die immer größer werdenden Blätter sind natürlich auch höher als die vorhergehenden und werden so angeklebt, daß diejenigen von Nr. 6 drei wechselständige Blättchen und die 3 * Stoffblumen. 36 von Nr. 7, 8 und 9 sechs wechselständige Reihen bilden; die drei Blätter von Nr. 10, welche die hohle Seite nach innen kehren müssen, werden ganz zu unterst angeklebt. Man boult drei grüne Unterblätter von jeder Größe, klebt zuerst die großen und dann die kleinen an und zwar in wechselständiger Richtung. Um die Knospe zu bilden, schneidet man einen Stoffstreifen von 4 Centimeter Breite, man boult ihn und formt ihn zu einer Tute, als wollte man eine Rosenknospe machen, wobei man jedoch den Rand nicht umbiegen da»f. Die Knospe wird fest zusammengezogen und nach unten mehr gerundet, als nach oben. Nun befestigt man sie an einen feinen Draht, boult mit der Kugel sechs Unterblättchen und zwar ziemlich hohl, die man zu je drei wechselständig um die Knospe klebt. Wenn die grünen Blätter, die man jetzt anzusetzen hat, nicht genügend präparirt sein sollten, so muß man sie beim Ansetzen etwas verstärken. Man schneidet zu diesem Zweck Streifen aus Holzbraunem, statt aus leichtem grünen Papier, und legt ganz nahe an die Kamelie einen Sprößling und ein großes Blatt, dann weiter unten, diesem entgegengesetzt, ein zweites, jedoch ohne Hinzufügung einer Knospe und verfährt so weiter mit dem Ansetzen der Blätter. Auch bei einer halboffenen und einer grünen oder geschlossenen Blume sind die Knospen ebenso nahe nebeneinander anzusetzen und mit einem grünen Blatt festzubinden, da die Blumen der Kamelie keinen Stengel haben, vielmehr so nahe an den Hauptzweig angewachsen sind, daß es scheint. Stoffblumen. 37 als seien sie an denselben festgeklebt. Man muß also Knospen und Blumen ganz nahe an die Laubblätter setzen. Die Blätterzweige enthalten keine Blüthen und noch ist zu bemerken, daß die kleineren der grünen Blätter mehr am Ende und die größeren in der Höhe des Zweiges anzubringen sind. Was die Farbe der Blume betrifft, so ist hier der Blumenmacherin ein weites Feld gelassen, denn man hat rothe Kamelien in zahllosen Abstufungen, aber auch weiße, gelbliche und gescheckte. Selbst in der Form der Blumenblätter giebt sich mancherlei Verschiedenheit kund, da sie sowohl abgerundet oder ausgeraubet, ganzrandig oder gezähnt, selbst geschlitzt und gefranzt vorkommen. Wer eine wirklich ausgezeichnete und vollständig naturgetreue derartige Blume erzielen will, bedarf jedenfalls eines natürlichen Modells. Nr. 1. Nr 2. Nr. 3. 38 Stoffblumen. > I I Stoffblumen. Nr. 9. Nr. 10. Nr. 1. Nr. 2. Tret Kelchbllittchen. Drei KelchblSttchen. 40 Stofsblumen. Rothe Geranien. Diese allgemein bekannte Blume ist verhältnißmäßig leicht nachzubilden. Man wählt zu deren Blättchen einen Stoff, der aus der einen Seite ponceauroth und auf der andern gelb gefärbt ist. Jede Blume erfordert 2 Blättchen von Nr. 1 und 3 Blättchen von Nr. 2 unserer Muster. Am Ende eines jeden Blättchens bildet man mit der Pincette drei kleine Falten, befestigt die Blättchen mit Seide an den Mittelpunkt der Blume, wo die Staubfäden sich befinden, Stoffblumen. fügt zur größeren Haltbarkeit noch etwas Leim hinzu und setzt dann den Kelch mit den Kelchblättchen an. Die Blumen und Knospen sind der Natur entsprechend anzubringen, wobei der Fingerzeig zu benutzen ist, den unsere Abbildung giebt. Am Allgemeinen ist zu bemerken, daß die Stiele lang und ziemlich stark sind und daß die grünen Blätter sich in kleinen und größeren Gruppen ordnen. .> » i Kelch. 42 Stoffblumen. Spanischer Flieder. Die allgemeine Form der Fliederblume ist zu bekannt, als daß wir sie näher zu beschreiben brauchen, dagegen erfordert ihre Zusammensetzung doch eine genaue Beobachtung, damit die ganze Blume nicht steif und schwerfällig aussehe. Man schneidet zunächst Sterne von drei verschiedenen Größen aus Battist nach unseren Mustern Nr. 1, 2 und 3. Man braucht wenigstens zwölf Dutzend solcher Sterne von Stoffblumeii. 43 verschiedener Größe, die weiß oder lilafarbig zu halten sind, je nachdem die Blume werden soll. Will man sie lilafarbig, dann färbt man diese Sterne in einer Mischung von Carmin und Preußisch-Blau, aus welcher die Lilafarbe Heller oder dunkler, je nach dem Verhältniß der Mischung hervorgeht. Man verfährt dabei genau nach der Angabe, die wir zum Färben der Rosenblättchen gegeben. Wenn dieselben trocken sind, fährt man mit der Spitze des Pfriems der Länge nach über die vier, den Stern bildenden Blättchen, sowohl den Rändern entlang, als über die Mitte. Um sie zu boulen, wärmt man eine kleine Kugel und wölbt einzeln, indem man sie auf das Kissen legt, jedes Sternchen einzeln. Dann werden dieselben auf kleine Röhrchen gezogen, wie man 8 lp n ! s §tc>sfbl>imen. 44 solche im Handel vorrüthig findet. Doch kann man sie auch selbst anfertigen. Will man sich diese Mühe machen, so schneidet man Plättchen von Papier oder von Battist, in einer Länge von 9—12 Millimeter und einer Breite von 2—3 Centimeter, nachdem man dem Papier oder dem Battist vorher die Farbe der Blumenblüttchen gegeben. Man rollt sie dann zu Röhrchen von entsprechender Form und klebt sie an den Seiten zusammen. Nachdem man feinen Draht in kleine Stückchen geschnitten und diese durch die Röhrchen gezogen, nimmt man die Sterne, durchsticht deren Mittelpunkt mit dem Pfriem, zieht durch diese Oeff- nung das eine von dem Röhrchen ausgehende Ende des Drahtes, legt mit der Pincette ein wenig grünen Teig auf das oberste Ende desselben und über diesen Teig ein wenig gelben Gries. Letzteren bläst man jedoch gleich wieder ab, so daß nur einige Körnchen daran kleben bleiben, auf welche Weise man die zwei Staubbeutel des spanischen Flieders imitirt. Alsdann befestigt man mit grüner Seide an den untern Theil des Röhrchens einen kleinen Kelch mit zwei sehr eng stehenden Zäckchen. Der Büschel oder die traubenartige Form des spanischen Flieders, welche in der Botanik lll^rsus genannt wird, beginnt gewöhnlich mit zahlreichen Knospen, die man gleich den Röhrchen bei den Blumenhändlern fertig kaufen kann. Will man sie jedoch selbst herstellen, so verfährt man auf folgende Weise. Man bildet zunächst kleine Carres von violettem, jedoch mehr in's Rosa spielenden Papier, vorausgesetzt, daß die Blume lilafarbig sein soll; beabsichtigt man jedoch eine weiße zu bilden, so nimmt man an Stelle des Stoffblumen. 45 Papiers einen feinen weißen Lederstoff. Nun befestigt man an das oberste Ende eines feinen Drahts ein längliches Kügelchen von Baumwolle, bedeckt dieses mit dem Papier- carrv oder dem feinen Leder, umhüllt im ersteren Falle das Ganze mit lilafarbiger Gaze, die man am untern Ende des Kügelchens mit Seide umwindet. Im anderen Falle, wenn man weißen Flieder bilden will, bedarf es dieses Gazeüberzuges nicht. Nun muß diese kleine Knospe noch gefurcht werden, was wir damit erreichen, daß wir dieselbe mit einem starken, festgezogenen Seidenfaden der Länge nach in vier gleiche Theile theilen. Schließlich leimt man der Knospe noch einen kleinen grünen Kelch an. Hat man auf diese Weise eine genügende Anzahl von Knospen und Blümchen zu Stande gebracht, dann geht man dazu über, sie zu einem Büschel zu vereinigen. Zuerst werden ein oder zwei Dutzend Knospen mit einigen Blüthen entsprechend verbunden, indem man sie auf gewundenen Silberlahn, sogenannter Cantille aufzieht, die man vorher in der bestimmten Länge ausgezogen und abgeschnitten hat. Nachdem man mehrere solcher Büschel in zwei oder drei verschiedenen Größen hergestellt, fängt man nun an, diese zu einer größeren Traube zu verbinden; man beginnt mit denjenigen Büscheln, an deren Spitzen sich die meisten Knospen befinden, placirt die kleinen Tuffs einander gegenüber, fügt dann die größeren hinzu und baut so die Blume fertig; dann versieht man dieselbe mit einem etwas stärkeren Stiel, an welchen man zwei grüne Blätter einander gegenüberstehend anbringt, und noch zwei andere in entgegengesetzter Richtung. 46 Stoffblumen. Nun sind noch kleine Blätterzweige zu bilden und an den Hauptzweig in gleicher Entfernung, doch iminer einander gegenüberstehend, anzubringen. Da wo der ganze Blumen- thyrsus aufhört, werden die Stiele mit Holzbraunem Papier umwunden. Den spitz auslaufenden, herzförmigen Laubblättern verleiht man dadurch eine erhöhte Natürlichkeit, daß man ihnen die hellgrüne Mittelrippe mit etwas Farbe aufmalt. Nr. 1. Nr. 2. Nr. 3. Stoffblumen. 47 Der Jasmin. Die Blummblättchen des Jasmin macht man aus weißem, gesteiftem Battist und werden sie alle zugleich und zusammenhängend, so daß sie eine Art Stern bilden, nach unserem Muster Nr. 2 geschnitten. Ueber jedes wird mit dem Pfriemen eine Furche der mittleren Länge nach gezogen. Jetzt schneidet man nach unserem Muster Nr. 1 kleine trapezartig gestaltete Blättchen von weißem Papier und leimt sie an den Seiten zusammen, so daß kleine Röhrchen entstehen. Nachdem man den oberen Rand dieser Röhrchen mit etwas Leim versehen, setze man den geboulten Blumenstern (Muster Nr. 2) an. Der Mittelpunkt der Blume besteht nur aus einem starken, gesteiften, am oberen Ende mit grüner Pate überstrichenen Faden, der durch das Röhrchen durchgezogen wird. Jetzt setze man den Kelch an den untern Theil der Tube, der noch etwas zusammenzuziehen ist und befestige alles mit Leim an einem Stielchen, das mit Schlangenpapier zu umwickeln ist. Auf jeden Zweig kommen 6—8 Blüthen. 48 Stofsblumen. Um die Knospen zu machen, bildet man zunächst wieder ein kleines längliches Kügelchen von Baumwolle an dem Ende eines feinen Drahtes, bedeckt dasselbe mit einem kleinen, aus weißem Leder geschnittenen Viereck, so daß eine längliche, spitz geformte Knospe entsteht. Das untere Ende wird mit offener weißer Seide zusammengezogen und das überschüssige Leder gleichmäßig abgeschnitten. Um das Röhrchen der Knospe recht natürlich zu machen, windet man einen weißen, in schräger Richtung geschnittenen Lederstreifen spiralförmig und zwar recht fest um ein Drahtstielchen, befestigt ihn mit weißer Seide und schließt das Röhrchen mit dem Ansetzen des Kelchs. Die Zweige des Jasmin sind sehr sorgfältig herzustellen, da sie in der Natur leicht und biegsam erscheinen. Das grüne Blatt desselben ist spitzförmig und wird meist aus Tastet geformt. Man setzt an einen seinen Stiel zuerst zwei Blätter zusammen und zwar einander gegenüberstehend an, umwindet ihn einige mal mit Papier, placirt dann noch zwei Blätter, in entgegengesetzter Richtung der ersteren, bildet dann Knospen und Blüthengruppen und verbindet sie mit dem Blätterzweig. Die Blätter sind stets zu zwei anzubringen. Zum Umwinden des Stieles wird ganz dunkelgrünes Papier genommen. Nr. I. Röbrche». Nr. 2. Blättcrkreis. Stoffblume» 49 Mehrfarbige Geranien. -I, > / Bekanntlich giebt es eine Menge verschiedener Geranien, die von den Kunstgärtnern künstlich gezüchtet werden. Wir wollen hier die Herstellung einer Art derselben geben, die von besonders hübscher Wirkung ist. Die verschiedenen Farben, welche dieselbe zeigt, werden hauptsächlich durch die Anwendung zweier verschiedener Stoffe wiedergegeben. Nachdem man zuerst aus Battist nach Fig. 1 die ganze Blumenkrone ausgeschnitten hat, zieht man auf jedes Blatt derselben mit dem Pfriemen Linien, wie wir solche in Fig. 3 angegeben haben. Sodann schneidet man aus Sammet 50 Stoffblumen. Fig. 2 und leimt diese auf die präparirte Blumenkrone, welche dann das Ansehen von Fig. 3 gewinnt. Hierauf macht man mit der Pincette am Ende eines jeden Blattes, den angegebenen Theilungen entsprechend, eine Falte. Den Mittelpunkt der Blume formt man, indem man einige Fäden zusammenleimt, deren oberste freistehende Enden eine Art kleiner Aigrette bilden. Diese Enden überstreicht man mit etwas hellgrüner Pate oder Kleister, während man die Fäden vereinigt. Auf diesen Mittelpunkt wird die Blume aufgezogen und mit etwas Leim befestigt. Für den Kelch wird Fig. 4 geschnitten, dieser mittelst eines Pinsels mit flüssigem Lein: bestrichen und dann mit Wollenstaub bestreut, um dem Kelch ein sammetartiges Ansehen zu geben. Ist diese Application trocken, so giebt man dem Kelch die Form, modellirt ihn mit der Pincette, wie die Blumenblätter und leimt ihn an die Blume. Für die Knospe verfährt man in ähnlicher Weise wie bei anderen Knospen, indem man zunächst eine kleine, längliche Formation von Baumwolle am Ende eines feinen Drahtes macht. Um die Baumwolle zu glätten und deren Fasern zu verbinden, befeuchtet man den Daumen mit etwas Wasser und bearbeitet mit demselben die Baumwolle. Alsdann umklebt man die Form mit drei, vorher in der hohlen Hand etwas gerollten Blumenblättchen und setzt einen Kelch an, gleich demjenigen der Blumen. Beim Aufziehen der Blumen ist zu beobachten, daß sie in Gruppen von drei oder vier Blumen und fünf oder sechs Knospen vereinigt werden. Man befestigt sie mittelst eines feinen Seidenfadens an einen mit Baumwolle umwickelten Stoffblumen. 51 Draht, welcher, wenn er umwunden ist, ein Drittheil stärker erscheint, als der Stiel. Da die Blumen und Knospen, deren Stiele von ungleicher Länge sind, sich nicht unmittelbar an die Zweige ansetzen, sondern noch einen gemeinsamen zweiten Kelch haben, den man in der Botanik mit dem Namen involuernm bezeichnet, so ist auch dieser noch herzustellen und zu placiren. Er hat jedoch dieselbe Form wie die Blumenkelche und wird nach seiner Placirung mit Papier umwickelt. Jedes grüne Blatt der Geranien mich auf einen feinen, gut mit Baumwolle umwickelten Draht befestigt werden und erhält je nach seiner Größe einen Stiel von 8—10 Centi- meter Länge. Jede Blumen- und Knospengruppe wird auf einen biegsamen, gut mit Baumwolle umwickelten, den Stiel bildenden Draht befestigt und sind die Blätter etwa 12 Centi- meter davon entfernt einander gegenüberstehend an denselben anzubringen. Nr. 1. Mättcrkrcis. 4* 52 Stoffblumen. Nr. 3. Vollendeter BlätterlreiS. Nr. 4. Nr. 2. Application von Lammet. Stofsblumen. 53 Das Stiefmütterchen oder kvnsev. Den Namen ?6N866 führt dieses, sowohl in seiner Blätter-Zusammensetzung als in seinen Farben sehr interessante Blümchen in Frankreich, weil es dort die Stelle unseres Vergißmeinnicht vertritt. Da wo dasselbe auf Aeckern wild wächst, hat es eine etwas andere Form, als das in Gärten gezogene. Seine unmuthige, theils violette oder blaue, Stoffblumen. 54 theils weiße und gelbe Farbe vollständig nachzuahmen, erfordert eine sorgfältige Behandlung derselben. Man schneidet zunächst aus Battist zwei Blumenblätter nach der Fig. Nr. 1 und dann deren eins nach der Fig. Nr. 2 und färbt sie in der Weise mit aufgelöstem Gummi- gutt, daß sie an ihrer untern Spitze Heller und zuletzt weiß bleiben. Nachdem sie trocken geworden, ziehe man mit einem feinen Pinsel und mit chinesischer Tusche die kleinen schwarzen Streifen nach unserer Abbildung oder noch besser nach der Natur. Alsdann wird Fig. 3 aus violettem (pensöefarbigem), Sammet geschnitten. Man boult die nach Fig. 1 und 2 geschnittenen, gelb gefärbten Blättchen auf der linken Seite, um sie zu wölben und weniger steif zu machen und drückt den Sammetblättchen auf ihrer Rückseite mit dem Pfriemen drei Adern ein; die Seitenränder der Sammetblättchen werden mit der Pincette etwas nach rückwärts gebogen. Jetzt stellt man ein Pistill aus Seide her, befestigt es an einen feinen Draht und bringt rings um dasselbe die Blumenblätter von Sammet an, fügt ihnen nach rechts und links etwas unterhalb die 2 Blättchen von Fig. 1 und alsdann in die Mitte derselben das Blättchen Nr. 2 an. Der Kelch aus grünem Papier (Fig. Nr. 4) wird tuten- förmig unter die Blume gezogen und aufgeleimt. Der mit griinem Papier zu umwickelnde Stiel muß so gebogen werden, daß die Blume wie in der Natur eine aufgerichtete Haltung zeigt. Die langen stark ausgezackten grünen Blätter sind ziemlich weit von der Blume entfernt anzubringen. 65 Stofsblumen. 1 . Das Vaidrkrauk. ^ ,L ^ - Diese hübsche, kleine, aus einer einblättrigen, glockenförmigen Krone bestehende Blume wird nach dem Muster 56 Stoffblumen. Nr. I geschnitten. Dies für die Herstellung der Dolde bestimmte, aus Battist zu schneidende Blatt wird derartig mit einem röthlichen Lila gefärbt, daß es sich nach oben Heller abstuft; um dasselbe zu modelliren, legt man es auf das Kissen und boult jeden der kleinen Ausschnitte mit einer etwas erwärmten Kugel. Dann leimt man das Blatt tutenfvrmig — wir müssen hier immer wieder auf die Natur hinweisen — der natürlichen Blume entsprechend, zusammen und biegt die runden blättchenförmigen Ausschnitte nach auswärts. Hierbei bemerken wir zugleich, daß man die Knospe dadurch herstellt, indem man das Blatt oberhalb in entgegengesetzter Richtung nach innen zusammenleimt. Um die Blume anzusetzen, befestigt man mit Seide einen Staubfaden auf einen kurzen, dünnen Draht, zieht ihn in die Blume ein und bindet ihn mittelst eines Seidenfadens. Zur Herstellung des Blätterwerks der Blumen werden grüne Papierstreifen, nach den Mustern 2, 3 und 4 geschnitten, verwendet. Für den Streifen Nr. 2 wählt man ein helleres Grün als für den Streifen Nr. 3 und für diesen ein wieder etwas helleres als für den von Nr. 4. Nachdem man an einen feinen Draht eine Gruppe von Knospen befestigt hat, umwindet man denselben mit dem geschlitzten Papierstreifen von Nr. 2 in der gewöhnlichen Weise und werden sich dann während des Umwindens die Papierspitzen so abheben, daß sie das Blätterwerk des Haide- krants imitiren. Jetzt bringe man einige Blumen an denselben Stiel und umwinde deren etwa drei Centimeter langen Stiele ebenfalls mit den Streifen Nr. 2. Stoffblumen. 57 Sind auf diese Weise alle Blumenzweige, deren man bedarf, präparirt, so geht man zur Herstellung des Hauptzweigs über. Man bedient sich dazu des dunkleren Papierstreifens Nr. 3, windet ihn um einen feinen, mit Baumwolle umwickelten Draht, placirt oben an denselben drei Knospen zusammen, befestigt sie, nimmt dann einen stärkeren Draht, den man mit Holzbraunem Papier umwickelt und verbindet ihn mit dem ersteren. Etwa 2—3 Centimeter tiefer als die oberen Knospen placirt man nun noch drei Knospen und unmittelbar neben ihnen vier Blumen, deren kleine vereinigte Stiele man mit dem Streifen Nr. 2 umwindet. Alsdann reiht man drei Blumengruppen um diesen Hauptzweig und etwas tiefer drei oder vier grüne Zweige und umwickelt den präparirten Draht mit dem breitesten und dunkelsten Papierstreifen. So fährt man fort, die Blinnenzweige und die grünen Zweige, entsprechend der Größe des Hauptzweiges, den man herstellen will, zu ordnen und zu verbinden. Zum Schluß umgiebt man das unterste Ende des Hauptzweigs mit kleinen grünen Zweigen, die man aus den Papierstreifen von Nr. 3 und 4 in der angegebenen Weise herstellt. Nr. 3. Nr. 1. Blumenblatt. Nr. 4. Stoffblumen. 58 Tausendschönchen. Die zarten, zahlreichen Blättchen des Tausendschönchen lassen sich aus freier Hand nicht so sauber ausschneiden wie erforderlich ist. Man kauft dieselben fabrikmäßig hergestellt, ganz und gar fertig, in Mousselin ausgeschnitten und zwar in verschiedenen Farben: weiß, roth, rosafarbig und weiß und rosafarbig zugleich. Das Blümchen ist mehr oder weniger gefüllt herzustellen und je nachdem verwendet man eine größere oder geringere Zahl. von Blätterkreisen für die Blumenkrone. Man zieht die Blätterkreise einzeln auf, leimt den ersten an Stoffblume». 59 die gelbe Mittelscheibe der Blume und hält die Blättchen mit den Fingern fest, um sie aufzurichten. Dann folgt der zweite Blätterkreis, der ebenfalls mit etwas Leim befestigt und dessen Spitzen mit der Pincette hübsch vertheilt werden. Dann der dritte Blätterkreis, dessen Spitzen wie die der vorhergehenden Kreise aufgerichtet werden, während man die des nun folgenden vierten Kreises etwas zurückbiegt. In derselben Weise kann man die Blumenkrone auch aus fünf oder sechs Blütterkreisen bilden. Man fügt ihr dann zum Abschluß einen kleinen, grünen, wie die andern ausgezackten Blätterkreis an, dessen Blättchen man nach unten zurücklegt. Zur Herstellung der Knospe nimmt man, je nach der Größe derselben, einen der Blätterkreise und schneidet ihn in vier Theile, kröst jedes dieser Theile so, daß sich die Blätterspitzen nach innen biegen, befestigt sie dann mit Seide an einen feinen Draht und umgiebt sie mit einem sehr ausgezackten und fest zusammengezogenen Kelchschluß. Es werden mehrere Blumen zu einem gemeinsamen Blüthen- kopf an einen Stiel gebunden und an dessen Ende einige Partien grüner Blätter angebracht. Stoffblunien. Die Skabiose. V Es ist zur Herstellung dieser Blume eine besondere Ge- schicklichkeit nicht erforderlich, gleichwohl bildet die Skabiose in einem Bouqnet, gegenüber anderen hellen und glänzenden Blumen, durch die dunkle Farbe des sogenannten Kopfbodens einen schön wirkenden Contrast. Zunächst hat man den tellerförmigen Kopfboden herzustellen, der eine etwas convexe, runde Scheibe bildet. Man macht zu diesem Zweck aus feiner, braun violetter Wolle einen Büschel von etwa zwanzig Fäden, die eine Länge von 10—12 Millimeter haben. Nun nimmt man einen feinen Draht, den man in der Mitte in Art einer kleinen Pincette §tosiblnme». «!l zusammenbiegt, placirt den Wollenbüschel in die Biegung des Drahts und dreht den Draht zusammen. Auf diese Weise entsteht die Form eines 1, dessen Arme die Wollenbüschel darstellen und dessen Stamm der Draht bildet. In der Richtung des letzteren, jedoch nach oben hin, legt man nun die beiden Theile des Wollenbttschels zusammen, umwindet sie mit Seide und schneidet alle Fäden ganz gleichmäßig, wodurch man einen Wollentuff erhält. Um diesem ein plüschartiges Ansehen zu verleihen, werden die äußersten Enden der Fäden gleichmäßig ausgekämmt. Aus mehrerer» solcher, an den Stielen verbundener Wollen- tuffs wird nun die convexe Scheibe zusammengesetzt und werden derselben, nachdem man ihr die richtige Form gegeben, noch eine Anzahl schwarzer oder violetter, mit Staubbeuteln versehenen Zwirnschleifchen als Staubfäden eingefügt. Hierbei beobachte man, daß die Wollenfäden und die Zwirnfäden im Mittelpunkt der Blumenscheibe länger seien, als diejenigen in: Umkreis. Alsdann schneide man für jede Blume aus violettem Atlas nach unserem Muster Nr. 1 und 2 kreisförmige Blättersterne, deren einzelne Blätter man modellirt, indem man mit der Pincette in deren Mitte eine Falte macht. Diese Blätterkreise fügt man unterhalb dem Kelch an und zwar zuerst den kleineren und nach diesem den größeren, doch so, daß die Spitzen der Reihen sich nicht bedecken, sondern in die Lücken der andern Spitzen zu stehen kommen. Jede einzelne Blume wird auf einen ziemlich langen, dünnen, biegsamen und vorher mit grünem Papier umwundenen Stiel aufgezogen. «2 Sioffblumen. Ttoffblumen. 63 Die Nelke. Es giebt bekanntlich rothe, weiße, und gesprenkelte oder gestreifte Nelken und kommen bei den gestreiften die rothen Streifen meist auf weißem oder gelbem Grund vor. Um die Blumenblättchen der Nelke zu schneiden, nimmt man ein kleines viereckiges Stückchen Battist in der Größe, daß sich unser Muster danach herstellen läßt, legt es vierfach zusammen, faltet es dann über Eck zu einem Dreieck. Die obere Spitze desselben formt man durch Ausschneiden zuerst nach unserem Muster. Dann schneidet man die Seitenwinkel des Dreiecks ebenfalls unserem Muster entsprechend aus, was zur Folge hat, daß die einzelnen Blumen- Ltossblumen. (!-l blätter sich trennen. Man bedient sich dazu einer kleinen, sehr spitzen Schere, mit der man auch die kleinen Zäckchen des Blumenrandes ausschneidet. Für jede Nelke braucht man vier solcher Blätterkreise. Will man dieselben sprenkeln, so breite man sie auf einen Teller aus, tauche die Spitze eines Pinsels in etwas Carmin und male damit die unregelmäßigen Streifen, und zwar von der Höhe des Blattes anfangend, wo sie breit sind, während sie unten schmal und spitz zulaufen. Hat man keine natürliche Blume zur Hand, so richte man sich nach unserem Modell, das die Form der Streifen sehr deutlich angiebt. Um die Nelke aufzuziehen, lege man die ausgeschnittenen Blätterkreise übereinander, falte ihre acht Theile dann so zusammen, daß sie als ein einziges Blatt erscheinen, wobei zu beachten ist, daß die mit Streifen versehene Seite nach innen liege. Hierauf ordne man das Ganze mit der Pincette in der hohlen Hand, indem man mit der Spitze der Pincette über die Mitte des Blattes gleitet, und so zwei oder drei Falten bildet; dann biegt man den oberen Rand des Blättchens etwas zurück, so daß es eine muschelsörmige Höhlung erhält. Die innere Mitte der Nelke wird wie diejenige des Geraninms hergestellt, doch verleiht man ihr noch zwei Hälmchen aus der Fahne einer nicht zu großen Feder, die man mit der Pincette etwas kräuselt; dann wird die Blume auf den mit einem Kelch versehenen Stiel aufgezogen und zu einem Ganzen verbunden. Obgleich man die Kelche für die Nelken ebenso im Handel vorräthig findet, wie die für andere Blumen, so wollen wiv Stofsblumen. 65 doch ihre Selbstherstellung hier angeben, da sie keineswegs so schwierig ist. Man nehme steifgestärkten Battist von nelkengrüner Farbe, schneide aus demselben ein längliches, der Größe des Kelches entsprechendes Stückchen, zacke es oben vier- zähnig aus, boule dessen untersten Theil so, daß er durch die Behandlung mit der Kugel überall gleichmäßig gerundet erscheint, leime dann sorgfältig eine Seite an die andere, so daß ein Röhrchen entsteht, an dessen Ende nur eine kleine Seffnnng bleibt, um den Stiel der Blume aufzunehmen. Letzterer, auf welchem alle vereinigten Blumenblüttchen aufzuziehen sind, wird so weit mit Baumwolle umgeben, daß die Blumenblätter an ihrem unteren Ende davon etwas bedeckt werden und ist die Baumwolle so zu modelliren, daß sie dem Kelchröhrchen entspricht, das nun, nachdem vorher etwas Leim an dessen unteren Rand angebracht worden, auf den Stiel aufgezogen wird. Es ist wohl zu beachten, daß die Blüttchen des Kelches richtig anliegen und daß dessen unteres Ende hübsch abgerundet sei. Nun schneide man aus demselben Battist, aus deni man den Kelch geschnitten, einen kleinen sternförmigen Kelchansatz, versehe diesen mit einem Loch in der Mitte, kröse ihn mit der Kugel nur im Mittelpunkt und ziehe ihn auf den Stiel bis zum Kelch aufwärts, um so die schuppenartigen Blätter zu imitiren, die den Uebergang vom Kelch zum Stiel der Blume bilden. Natürlich werden Kelch und Kelchschluß mit etwas Leim verbunden. Für die Knospe wird der Kelch sammt Ansatz ebenso gebildet und mehr oder weniger geschlossen gehalten. Bei Stofsblumen. 1'>i» halb geöffneten Knospen sind die Blumenblättchen, so weit sie zum Vorschein kommen, etwas gefältelt und geknittert darzustellen. Da die langen und schmalen Stengelblätter nur wenig Modellirung bedürfen, so kann man sie aus nelkengrün zu färbendem Battist leicht selbst zuschneiden. Auch das Färben des Battist kann man selbst besorgen, indem man sich dazu des sogenannten Blattgrüns bedient, das man in Stückchen, wie andere Wasserfarben, kaufen kann, dem man aber bei der Anwendung noch etwas Weiß zusetzt. Den in verschiedener Größe ausgeschnittenen Blättern bringt man mit dem Pfriem in der Mitte der Länge nach eine streifen- förmige Vertiefung bei. Jetzt schneidet man, um den Blättern Stiele beizufügen, dünne Drahtstückchen, die etwas länger als die Blätter sind, aus denen der Blattstiel hergestellt wird. Sodann schneidet man vorher schmale Papier- oder Stoffstreifen von der Farbe der Blätter in gleicher Anzahl. Diese Streifen müssen lang genug sein, um, den Stiel damit zu bedecken und dann um das übrige Ende gewunden zu werden. Um die Stiele an die Blätter zu befestigen, lege man letztere mit der rechten Seite auf den Tisch, ziehe die Drahtstäbchen durch Leim und drücke den ringsum mit Leim bedeckten Stengel auf das bereitliegende Blatt. Alan wird bemerken, daß zu beiden Seiten des Drahtstiels eine Leimlinie hervorquillt, die man jetzt mit dem kleinen Papierstreifen der ganzen Länge nach bedeckt und den Streifen so fest aufdrückt, daß der Stiel sowohl oben als unten am Blatt fest anklebt. Beim Binden oder Ansetzen bedient man sich für die Stoffblumen. 67 feineren, oberen Stiele selbstverständlich auch eines feineren Drahtes, umwindet ihn mit Baumwolle, placirt daran zu zwei, in gleicher Größe einander gegenüberstehend die Blätter und zwar so, daß die größten nach unten kommen. Die der Natur entsprechenden Biegungen der Blätter stellt nian mittelst der Finger her. Die Knospe wird für sich auf einen sehr dünnen und biegsamen Draht, welcher ihr zugleich als Stiel dient, gezogen und verbindet sich mit dem Hauptstiel durch zwei Stengelblättchen. Die gleichfalls niit einem, jedoch etwas stärkeren Stiel versehene Blume ist nun mit der Knospe zu vereinigen, worauf man fortfährt, die Blätter weiter unten anzubringen. Schließlich umwindet man die Stiele mit dunkelgrünem Schlangenpapier. Nun noch einige besondere Bemerkungen. Die großen, sogenannten flamändischen Nelken sind nicht so fein aus- zuzacken wie die vorher beschriebenen, und in Blättern, aber nicht in zusammenhängenden Blätterkreisen auszuschneiden (siehe Seite 68). Sie können einfach oder gestreift fein und man befestigt sie in der Weise, wie wir bei den Rosen- blättern angegeben haben (s. Seite 20). Nicht nur aus Battist, sondern auch aus Monsfelin lassen sich in der angegebenen Weise und nach den Mustern Nr. 1 und 2 (s. Seite 69) sehr hübsche Nelken herstellen. Um rosafarbige Streifen aus den feinen Monsfelin zu machen, präparirt man Carminfarbe in der Weise, wie wir es bei der Rose angegeben haben. Man kann das Verfahren dadurch abkürzen und vier Blumenblätter zugleich mit Streifen versehen, wenn man sie genau auseinanderlegt, die Farben dnrchdringen läßt und sie nachher in klarem Wasser abspült. sg Stosfblumen. Will man Nelken herstellen von gelber Grundfarbe, so kann man das Gelb so lebhaft steigern als man will. Sind die gefärbten Blätter trocken, dann malt man die Streifen mit Pinsel und Carmin an, wiederholt dies nochmals, wenn sie trocken geworden sind, mit noch kräftigerem Carmin und mit einem noch feineren Pinsel. Zur Abwechselung kann man auch einige braune Streifen anbringen und einige hellere Stellen, ohne sie zu überziehen, stehen lassen. Das Ansetzen der Mousselinnelken und der Knospen geschieht wie bei den andern. Blätter für sehr große Nelken. Nr. 2. Bicnindzwanzill Blätter. Stoffblumen. Gezackkr Nrlke von MousselinblMchrn. Fünf Blättchcn. Nr. 2. Bierundzwaiizig Blättchcn. r 70 Stoffblumen. Blätterkrcis mit streifen. Stosfblumeii. 71 Das Maiblümchen. Diese zarte und sehr schwierig aufzubauende Blume findet man uiit den dazu gehörigen Pistills sowie mit ihren Knospen bei den Blumenfabrikanten fertig vor. Man schneide das Pistillbündelchen in zwei Theile, bringe etwas Leim daran und ziehe eine Blume auf. Die letztere giebt es in acht bis zwölf verschiedenen Größen. Um die Blumen traubenförmig an einen feinen Draht zu befestigen, beginne man mit zwei oder drei der kleinsten Knospen, nehme dann einige der größeren derselben, füge dann die Blumen ebenfalls von den kleinsten bis zu den größten bei, bis man eine hübsche Traube hergestellt hat, welche so biegsam sein muß, daß die Maiblümchen bei der leisesten Bewegung daran erzittern. Die kleinen Stiele sind nur mit grüner Seide zu umgeben. Die großen und langen grünen 72 tosfblumen. Blätter werden am untersten Ende der Traubenstiele befestigt und der Natur entsprechend grnppirt. Die Akazie. Die Farbe der Akazienblüthe ist rosa. blaßrosa oder weiß; um ihre Blüttchen zu formen, schneide man 3 Blütt- chen nach Nr. l, 2 und 3 und boule diejenigen von 1 und 2 mit der Kugel. Das Blatt Nr. 3 dagegen wird mit dem Holzgriff des Bankeisens (siehe Nr. 3, Seite 2) gekröst. Es ist dabei folgendermaßen zu verfahren. Man stütze die eine Kugel des Bouleisens gegen die Brust, lege das Blumenblatt über eine der vertieften Windungen des Kngelhalters, nehme dann einen starken, dafür bereit gehaltenen Faden und ziehe diesen in die vertiefte Windung, wodurch sich eine Ader bildet und das Blatt sich umbiegt; dann leite man Stoffblumen. 73 den spitz zugehenden unteren Theil desselben mit der Pincette nach vorwärts. Man kann auf diese Weise mehrere Blätter zugleich modelliren. Man nimmt nun ein Stückchen sehr feinen Draht, befestigt daran das Blatt Nr. 1 in der Weise, daß die beiden Seiten desselben sich in der Form einer Bohne zusammenlegen; darüber befestige man das Blatt Nr. 2, welches halb geöffnet bleiben muß, und placire alsdann hinter diese beiden das Blatt Nr. 3, das gänzlich nach außen zurückge- bogen wird. Die Knospen sind mit den Blattformen Nr. 1 und 2 herzustellen. Man schneide den Kelch aus grünem Papier entsprechend dem beigegebenen Muster, ziehe die Blume darauf und verbinde die vier Theile des Kelchs recht behutsam mit etwas Leim. Die Akazienblüthe bedarf sechs bis acht Knospen, von denen jede für sich von einem feinen Blattstiel getragen wird. Die je zu zwei gegen einander überstehenden Blüthen werden so angebracht, daß sie eine länglich runde Traube formiren. Zu einer solchen braucht man etwa zwanzig Blüthen. Die grünen Blätter erhalten ihre Stiele in gleicher Weise, wie bei der Rose angegeben, doch brauchen sie nicht mit Baumwolle, sondern nur mit schmalen, grünen Papierstreifen umwunden zu werden. Hat man gelernt die Akazienblüthe recht natürlich herzustellen, so wird es ein Leichtes sein, die Bohnenblüthe und die des Goldregens bei einigem Studium der Natur mit gleicher Vollkommenheit herzustellen. Bemerkt sei hier 74 Stoffbliimen. noch, daß beim Goldregen die Traubenblume feiner und länger ist und mehr nach abwärts fällt, als bei der Akazie. Nr. 1. Ein Bliittchen. Nr. 3. Der Kelch. Ein Blättchen. Stoffblumen. 75 Das Adonisröschen. Von dieser Blume giebt es in der Botanik mehrfache Variationen, auf die wir hier nicht speciell eingehen können, die aber sämmtlich in gleicher Weise hergestellt werden wie die Gattung, die wir hier als Beispiel anführen. Wir berücksichtigen hier vorzüglich die blutrothe Blume dieser Gattung. Nachdem man nach unserer Figur Nr. 1 und 2 die verbundenen abgerundeten Blätter in Battist ausgeschnitten, gebe man ihnen die blutrothe Farbe dadurch, daß man sie wenigstens drei mal hinter einander durch eine sehr gesättigte Carminauflvsung zieht und wieder trocknen läßt. 76 Stoffblumen. Die schöne Wirkung der Blume hängt vorzüglich von der Lebhaftigkeit ihrer rothen Farbe ab. Dann ziehe man über jedes Blatt mit einem in chinesische Tusche getauchten Pinsel von der Mitte bis znm Ende desselben sehr seine Streifen und boule später die Blüttchen mit einer deren Größe entsprechenden Kugel, da sie nur leicht gerundet werden dürfen. Um den in der Mitte der Blume, mit Staubfäden umgebenen sogenannten Griffel nachzubilden, befestige man an einen feinen Draht einen starken und gesteiften Faden von sechs Millimeter Länge und tauche dessen Ende in gelbe Pate, um ein kleines, längliches Kügelchen zu formiren. Dieses bildet den Blumengriffel. Für die Staubfäden verwende man kürzere Fäden, die am Ende mit Gummi bestachen und mit einem Körnchen gelben Gries versehen werden. Die für die Blumenkrone — oder Corolla — be- bestimmte Figur Nr. 1 wird nun zunächst um dies kleine Bündel geleimt und unter diese dir. 2 befestigt, in der Weise, daß die Blättchen von Nr. 2 die Blattlücken von Nr. 1 decken, also wechselständig zu stehen kommen. Der grüne Kelch hat die Form eines fünfzackigen Sternes, wie unser Muster zeigt, und wird, nachdem ihm durch die Pincette die erforderliche Modellirung gegeben worden, unter die Blume gezogen und mit Leim befestigt. Die Knospe besteht aus einer sehr kleinen, an einem Drahtende befestigten und mit rothem Stoff überzogenen Baumwollenkugel, an welche sich ein Kelch anschließt, der in kleinerem Maßstabe zu schneiden ist, als derjenige der Blume. §toffbl»»ien. 77 Nr 1. Ei» Blüttrrkrris. Nr. 2. Ein BlältcrkrciS. Trr Ärlch. 78 Stoffblumen. Die WritzdoriMükhe. Der Weißdorn oder Hagedorn trägt weiße, leicht rosa gefärbte Blüthen, doch giebt es auch eine Art, die durchweg rosafarbige und sogenannte gefüllte Blüthen treibt. Man schneide, um sie herzustellen, nach Fig. Nr. 1 einen Stern in fünf Abtheilungen und färbe dessen Mitte rosafarbig. Bevor diese Farbe gänzlich trocken geworden, fahre man mit einem nassen Pinsel rings um den Rand des farbigen Mittelpunktes und verbreite so das Roth auch über den übrigen Theil desselben. Nun boule man mit einer kleinen, gewärmten Eisenkugel jedes einzelne Blättchen, demselben dadurch die nöthige Höhlung verleihend. Das Pistill und die Staubfäden des Weißdorns sind gleich denjenigen des Adonisröschens in der bereits ange- Ctosfblumen. 7» gebenen Weise herzustellen. Es findet nur der Unterschied statt, daß die Staubfäden der Weißdornblüthe aus braunen Fäden gebildet werden. Die rings um das Pistill gebundenen Staubfäden, die bei dieser Blüthe keinen Staubbeutel tragen, suche man nun mit der Spitze der Pincette etwas aufzulockern und gleichmäßig zu ordnen. Dann ziehe man einen kleinen Blätterkreis auf, leime denselben um die Staubfäden und füge ihn: einen kleinen grünen Kelch an. Wünscht man gefüllte oder rosafarbige Doppelblüthen, dann hat man nach Fig. 1 noch Fig. 2 vervollständigend aufzuziehen. Die Knospen haben die Gestalt von kleinen Kügelchen und man bereitet sie am Ende eines feinen Drahtes über einen Kern aus Baumwolle, bedeckt diesen mit feinem Weißen Leder, indem man dasselbe darüberzieht, es befestigt und die Enden derselben mit einer Schere sorgfältig abschneidet. Jede Knospe erhält einen kleinen, grünen Kelch. Da die grünen Knospen nicht größer sind als eine Stecknadel, so imitirt man sie nur durch ein Kügelchen von grünem Teig. Die Blüthen und Knospen werden in Bouquets aufgezogen, indem man acht bis zwölf Knospen von verschiedener Größe und ebensoviel Blüthen in Gruppen vereinigt, wie solche in der Natur vorkommen. Diese Bouquets erhalten dann einen viel stärkeren Stiel, als derjenige der Blumen. Auch werden die Blumenstiele nicht mit Baumwolle, sondern nur mit grünem Papier umwunden, während der stärkere Hauptstiel erst mit Baumwolle und dann mit braunem Papier umwickelt wird. Man befestige mehrere Bouquets in verschiedenen Entfernungen, ihnen zugleich die 80 Stosfblumen. grünen Laubblätter anfügend. Erst wenn der Hauptstiel mit dem braunen Papier umzogen und letzteres nochmals mit brauner Farbe übermalt ist, leimt man demselben natürliche Dornen an. Die grünen Blätter des Weißdorns stehen meist wechselweise, haben etwas lange Stiele, sind stumpf, spitzig, drei- lappig und stumpf gezähnt; der mittlere Lappen ist ein bis zwei mal leicht eingeschnitten. Die Farbe der Blätter ist oben glänzend grün, unten jedoch etwas matter. Unsere Abbildung läßt die Form derselben deutlich erkennen. Nr. 1. Ein Blüttchcnkrcis. Nr. 2. Ein Blkttchcnkreis Ltofsblumen. 81 Die A;alea. Diese glockigtrichterförmigen Blumen kommen in verschiedener Farbe, weiß, rosafarbig, ponceanroth und gestreift vor. Die Staubgefäße derselben bestehen aus einem langen, gegen das obere Ende sich verstärkenden, mattgrünen Pistill und aus sechs kürzeren, gelben Staubfäden, die dasselbe umgeben. Man beginne mit der Nachbildung des Pistills, indem man zwei gelb gefärbte Fäden von erforderlicher Länge zusammenleimt und an deren untersten Ende etwas gekämmte, mit grünem Teig zu bedeckende Baumwolle anbringt, während man das andere Ende erst in 1 82 Stoffblumen. Gummi arabicum und dann in gelben Gries taucht. Rings um dieses, noch mit einem feinen Draht zu versehende Pistill bindet man die sechs, aus gelbem Zwirn bestehenden Staubfäden, von denen jeder an der Spitze als Staubbeutel noch ein kleines Körnchen trägt. Wir geben für die Blumenkrone zwei Muster von verschiedener Größe, da sich diese Blume meist nur in zwei Größen zu entwickeln pflegt. Dem nach dieser Form geschnittenen Stoff verleihe man eine trichterförmige Gestalt und leime ihn an den sich berührenden Seiten zusammen. Die so gewonnene Blnmenkrone wird nun über die mit dem Pistill verbundenen Staubfäden gezogen und am unteren Ende, wo sich der sogenannte Blüthenboden befindet, mit Leim befestigt. Die fünf blattförmigen Ausschnitte der Blumenkrone sind sodann mit der Pincette leicht nach auswärts zu biegen. Nun schneide man einen fünfzähnigen Kelch nach unseren! Muster Nr. 3, leime auch ihn trichterförmig zusammen und ziehe ihn unter die Blume, ihn dort befestigend. Der Stiel dieser Blume, welcher ungefähr einen Centimeter Länge hat, wird mit grüner Gaze umwunden, um ihm ein rauhes Ansehen zu verleihen. Man hat zum Aufbauen eines kleinen Azaleastrauches etwa zwanzig bis dreißig Blumen von beiden Größen nöthig. Sie werden in Gruppen von zwei, drei oder vier kleinen und großen Blumen zusammengestellt und mit einem zweiten, gemeinsamen Kelch umgeben; derselbe besteht aus zwei trichterförmigen, sechszähnigen Theilen, von denen der kleinere Holzbraune Blättchen und der größere mattgrüne Blättchen hat. Den kleineren Blätterkreis schneide man nach unserm Etoffblumen. 83 Muster Nr. 4 und den größeren nach dem Muster Nr. 5. Die Kelchblätter beider modellire man, um ihnen die richtige Form zu geben, mit der Kugel oder mit der Pincette, ordne dann um dieselben neun bis zwölf Laubblätter von verschiedener Größe und verbinde sie zu einem Ganzen. Nachdem der Stiel mit Holzbraunem Papier umwunden worden, placire man in einer Entfernung von drei bis vier Centimeter kleinere, aus neun bis zwölf Laubblättern bestehende Tuffs, und fahre fort, den Stiel in dieser Weise, der Natur entsprechend, in seiner ganzen Länge zu garniren. Zu bemerken ist, daß die Stiele nur wenig mit Baumwolle umwunden sein dürfen und daß die Blumen die Blättertuffs wesentlich überragen müssen. o* 84 Stoffblumen. Nr. 3. Kclchblättchen. Nr. 4. Holzbraunc Blättchcn. Nr. 5. Mattgrüne Blättchcn. Stoffblumen. 85 Der Goldknopf. Man schneide zur Herstellung der Blumenkrone sechs concentrische Blätterkreise nach Fig. Nr. 1 und sechs nach Fig. Nr. 2 und färbe sie mit aufgelöstem Gummi gntti schön goldgelb, bonle mit einer kleinen Kugel jedes einzelne Blättchen von Fig. Nr. 1 und mit einer größeren Kugel jedes Blättchen von Fig. Nr. 2. Nun forme man aus feinem Draht, dem als Staubbeutel ein grünes Teigkügelchen anzureihen ist, ein kleines Pistill, um welches man die kleinen Blätterkreise ringsum mit Leim befestigt. Die runden Blättchen müssen so geordnet werden, daß sie nicht über einander, sondern wechselständig zu stehen kommen. Die letzte Reihe derselben ist leicht nach auswärts zu biegen, um der Blume die natürliche Form zu geben. Alsdann wird der kleine grüne fünszähnige Kelch in der schon mehrfach beschriebenen Weise angefügt. 86 Stoffblumen. Die Knospen werden aus vier oder fünf, mehr oder weniger geschlossenen Blätterkreisen gebildet und wird ihnen selbstverständlich auch ein Kelch zugegeben. Die noch vollständig geschlossene grüne Knospe wird aus einem Kügelchen von grünem Teig, dem ein Kelch beizugeben ist, gebildet. Wie aus unserer Abbildung zu ersehen, so befindet sich jede Blume einzeln am Ende eines langen, sehr biegsamen Stengels, der mit grünem Papier zu umwinden ist; auch sieht man aus derselben, daß die Laubblätter ziemlich entfernt von der Blume anzubringen sind. Nr. 1. echs Blütterkrcisc. Nr. 2. Sechs Blättertteise. Kelch. Stoffblumen. 87 Das Aschenkraut. Das Aschenkraut, das zur Gattung der Sternblumen gehört, ist außerordentlich verschieden in der Farbe. Zu den vorzüglichsten und beliebtesten Varietäten gehören die lilafarbigen mit hellfarbig und dunkelviolett gefärbtem Mittelpunkt, ebenso die dunkelvioletten mit hellrosafarbigem Mittelpunkt, sowie die purpurrothen und hell- und dunkelblauen. Bald ist das Herz der Blume von einfacher, lebhafter oder sammetartiger Farbe, bald auch buntfarbig, doch stets findet 88 Stoffblumen. man, daß es mit der Farbe der Blumenblätter contrastirc; die größere Zahl der Blumen variirt von Gelb bis ins Purpurrothe. Nachdem man den Blätterkreis Nr. 1 geschnitten hat, colorirt man ihn mit dem Pinsel, wenn möglich nach der Natur. Besitzt man dazu jedoch nicht die genügende Ge- schicklichkeit, so kaufe man bereits gefärbte Blätterkreise, die mau vorräthig findet. Man modellirt diese, oder im erstern Falle die selbstgemalten, indem man den Pfriem auf die linke Seite jedes Blumenblättchens aufpreßt, um die naturgemäße Vertiefung zu markiren; hierauf biegt man das Ende jedes Blättchens mit der Pincette nach auswärts. Um den Mittelpunkt der Blume zu machen, schneide man aus Battist ein kleines Rundtheil von 6—7 Millimeter im Durchmesser, durchsteche dessen Mitte mit dem Pfriem, leite den oberen Theil des Stiels in diese Oeffnung und leime beide zusammen. Dann bereite man aus etwas Mehl und flüssigem Gummi arabicum eine feste Teigmasse, der man braune Farbe zumischt, und die man mit einem Federmesser so zuschneidet, daß sie dem runden Battisttheilchen, aus welchem man sie anzubringen hat, entspricht. Durch Aufdrücken mit einen: stählernen Fingerhut, den man hierzu in der Art eines Petschafts gebraucht, verleiht man ihm eine körnige Oberfläche. Alsdann ziehe man den, wie vorhin angegeben präparirten, aus dreizehn Blättchen bestehenden Blätterkreis auf. Will man eine doppelte oder gefüllte Blume haben, so lege man zwei solcher Kreise so übereinander, daß die Blättchen wechselständig erscheinen. Zum Schluß schneide man nach Fig. Nr. 2 den grünen Kelch und Stoffblumeii. 89 füge ihn der Blume derartig an, daß jedes Theilchen desselben fest angeleimt ist. Die halb offenen Knospen lassen sich sehr leicht darstellen. Man leimt um den Kern der Blume den Blätterkreis, richtet diesen so empor, daß die Blättchen gerade aufwärts stehen, drückt ihn etwas zusammen und fügt einen kleinen Kelch hinzu. Beim Aufbau der Pflanze ist zu beachten, daß man mehrere Blumen und Knospen zusammen an ihren Stielen befestigt, doch müssen die Blumen die Knospen überragen. Dann versehe man diese Blumengruppen da, wo sie sich verbinden, mit einem länglichen grünen Blättchen, das an den Hanptstiel anzukleben ist, wodurch der organische Zusammenhang des Hauptstiels mit den Blumenstielen imitirt wird. Die großen, grünen Blätter haben lange Stiele wie die des Geraniums; die Form der untersten ist mehr rundlich oder herzförmig, sie sind gekerbt oder gezähnt, oder auch ganzrandig und erscheinen um so schmaler, je weiter sie am Hauptstiel von einander stehen. Für eine hübsche Wirkung, auf die wir hier ja vorzüglich zu sehen haben, genügt es, vier bis fünf demselben anzufügen. Nr. i. 90 Swffblumen. Die Waldrebe. Wir geben von dieser Blume zwei sowohl in der Form wie in der Größe verschiedene Muster. Die Farbe der Blumenblätter ist weiß, doch nach der Mitte grüngelb. Die Verschiedenheit unserer Muster ist durch den Umstand bedingt, daß die Blumenblättchen, je nachdem die Blumen mehr oder weniger aufgeblüht oder entfaltet sind, eine etwas andere Form haben. Halb aufgeblühte Blumen haben runde Blättchen, die mehr entwickelteren spitze, von denen einige sich nach auswärts biegen; bei wieder anderen erscheinen die Blätter leicht zusammengefaltet. Man muß Stosfblumen. 91 daher, will man wirklich etwas Hübsches leisten, die in der Natur vorkommenden Verschiedenheiten studiren und wird alsdann finden, daß jedes Blättchen verschieden mit der Kugel zu boulen oder zu modelliren ist. Zuerst forme man aus gestreiftem Zwirn ein langes, an einen dünnen Draht zu bindendes Pistill und bringe ein wenig grün gefärbte Pate sowohl am obern als am untern Ende des Pistills an; letzteres versehe man mit etwas Gummi arabicum, um ein gelbes Grieskörnchen daran zu befestigen; dann binde um dasselbe zehn bis zwölf Staub-' fäden von weißem, am Ende gelb gefärbtem Zwirn. Jetzt sind die Staubfäden und die Blumenkrone, deren Blättchen natürlich sorgfältig modellirt sein müssen, in schon mehrfach angegebener Weise zu vereinigen und mit dem aus grünem Papier geformten kleinen Kelch, dessen Blättchen ebenfalls einer Modellirung bedürfen, durch Leim zu verbinden. Die Knospen werden wie diejenigen des Jasmin (s. Seite 47) geformt, doch weniger spitz und etwas aufgeblähter. Blumen und Knospen sind vermischt anzubringen und an einen Stiel zu befestigen, der mit grünem Papier umwunden wird. Da die Zweige so fein und biegsam sein müssen, daß sie das Ansetzn von Ranken gewinnen, so verfertigt man sie aus grün umwundenem, feinem Draht, an den man abwechselnd grüne Blätter, Blumen und Knospen anbringt. Eine gelungene Imitation dieser Blume vermag in hängenden Ampeln, Blumenkörbchen oder dergleichen eine allerliebste Wirkung hervorzubringen. Stoffblumen. Ä2 Kleine rundßesormtc Blättersternc. Große runSgesormte BlNttcrsternc. Kleine ivitzneformle Blöttcrsteriic. Große svißncformtc Blättcrsterne. Stofsblumcn. 9.; Das Cstri-säutrmum. Eine reich gefüllte Blume, die in verschiedenen Farben vorkommt. Alan findet sie weiß, gelb, dunkelroth, roth gestreift, rosafarbig und purpnrroth. Zur Herstellung jeder dieser Blumen bedürfen wir fünf verschiedene Blätterkreise und außerdem noch einen für die Knospe. Doch beginnen wir auch hier wieder mit den Staubfäden. Man bilde ein Bündelchen Staubfäden aus grüngelb gefärbten Baumwollenfäden, vermische diese mit längeren gelben Fäden von Zwirn, wobei in gleicher Weise zu verfahren ist, wie wir es bei dem Mittelpunkt der 91 Stoffblumen. „Skabiose" angegeben haben. Zugleich placire man zwischen diese zusammengelegten grünlichen und gelben Fäden sechs bis acht kurze, gut geboulte Blättchen nach Fig. Nr. l, welche durch dieselbe Drahtschlinge zu befestigen sind, durch die die zusammengelegten Staubfäden gehalten werden. Dadurch wird eine Art Samenkrone gebildet. Zu beachten ist, daß diese Blättchen an ihrem untern Ende durch die Schlinge des Drahtes so zu ordnen sind, daß sie sich nach aufwärts richten. Mit der Pincette giebt man ihnen jetzt die passende Form und Stellung. Bald biegt man sie bis zu den Stallbfäden nach innen, bald dreht man sie nach außen und vereinigt sie dadurch mehr mit den Blättchen der Blumenkrone; bald verbindet man eines der Blättchen der ersten Reihe lnit denen im Herz der Blume befindlichen. Zu diesem Zweck taucht man einen Pinsel in dünnes Gummiwasser, überträgt letzteres auf die Spitze des Blättchens, neigt dieses über die Samenkrone und drückt die geleimte Stelle desselben mit der Pincette an dessen Mitte. Wir haben nun noch nachzuholen, wie die Blätterkreise der Blumenkrone, dem sogenannten Herz der Blume anzufügen sind. Die Blume besteht aus: einem Blätterkreis Nr. 1, der mit der Zange zu krösen ist; und aus zwei Blätterkreisen von Nr. 3, Nr. 4, Nr. 5 und Nr. 6, welche als Röhre mit der Pincette in der hohlen Hand gerollt werden. Man beginnt mit dem Blätterkreis Nr. 1, dessen Blättchen vorher mit der Zange zu krösen sind. Ist dies geschehen, so wird um den Blumenkern oder das Herz ringsum etwas Leim angebracht und der betreffende Blätterkreis leicht an die klebrige Stelle angedrückt. Stoffblumen. 9', Nun folgen die beiden andern nach Nr. 3 zu formenden Blätterkreise, bei deren Ansehung vorher abermals Leim aufgestochen wird. Sämmtliche Kreise werden so angesetzt, daß ihre Blättchen mit den vorhergehenden stets wechsel- ständig zu stehen kommen. Natürlich darf der Leimanftrag nur so stark sein, daß er zur Befestigung ausreicht. Um diese Blume recht ungezwungen erscheinen zu lassen, setze man ihr einen natürlichen Kelch an, den man vorher, damit er beim Ansetzen oder Aufziehen nicht Platze, in kaltes Wasser taucht. Für die Knospe macht man ein kleineres Herz als das der Blume und fügt demselben einen gekrösten Blätterkreis nach Nr. 2 und einen röhrenförmig gerollten nach Nr. 4 an, alsdann noch einen natürlichen Kelch. Man verfährt dabei ebenso wie bei der Herstellung der Blume. Sodaun bemühe man sich, einige derselben etwas aufrecht stehend zu formen, nur eine halb aufgeblühte Knospe zu imitiren. Das Aufziehen an den Zweig beginnt man mit einer kleinen, sogenannten Gipfelknospe und setze daran eine Blume. Die Stengelblätter sind stets gegenüberstehend zu placiren. 96 Stosfblumen. t!l» Blättcrkrcis. Nr. 2. t!in Blätterkrcis sür die Kttusve Stoffblumen. 97 Nr. 3. Zwei Blätterkrcisc. Nr. 5. Zwei Blätkcrkreise. S8 Stoffbluinen. Nr. 4. Zwei Blätterlrcise. Ein Blätterkrcis mehr für Sie Knospe. Nr. 6. Zwei Blätterkreise. Stoffblumen. 99 Die Fuchsia. Diese graziöse, in mehreren Arten vorkommende Pflanze treibt in Form und Farbe ausgezeichnet schöne und zahlreiche Blüthen, unter denen die scharlachfarbigen die gewöhnlichsten sind. Um deren Blume zu formen, schneide man vier Kron- vder Blüthenblätter nach dem Muster Nr. 2, färbe sie nnt Carmin roth und ziehe sie hinterher durch gesäuertes Wasser, wie wir dies schon bei der Herstellung der Rose beschrieben haben. Vier andere, welchen die Form des Musters Nr. l zu geben ist, werden violet gefärbt. Diese 7 * 10« Stofsblumen. Farbe erlangt man durch Mischung von Carmin und preußisch Blau. Das im Mittelpunkt dieser Blume befindliche lange Pistill wird durch einen gelben, mit dem obersten Ende in grüne Pate getauchten Faden nachgebildet. Um dieses ordnet man die aus weißem Zwirn herzustellenden Staubfäden, deren äußerste Spitze in aufgelöstes arabisches Gummi getaucht werden, um ihnen als Blüthenstanb einige Gries- körnchen anzukleben. Um diesen Mittelpunkt herum befestigt man nun vier violette Blättchen nach Nr. 1 und wölbe dieselben ein wenig mit der Pincette. Unter diese, nämlich um den Blumenstiel herum, winde man alsdann ein kleines längliches rundes Körperchen aus Baumwolle, über welches die rothen Blättchen Nr. 2 zu befestigen sind, nachdem man vorher in der Mitte derselben eine Rippe eingeprägt, so daß die beiden Seiten des Blüttchens sich etwas aufrichten. Um sie zu befestigen, leime man den untern Theil dieser Blättchen bis zum Ausschnitt über das Baumwollenkörper- chen, drücke dasselbe in der Gegend des Ausschnittes sest an und lenke zugleich diese vier Blättchen nach aufwärts um die Krone. Beim Ansetzen derselben ist noch zu beobachten, daß die rothen und die violetten Blättchen wechsel- ständig zu stehen kommen. Endlich ist dann ein kleiner Kelch aus grüner Pate, der die Form eines in die Länge gezogenen Kügelchens hat, anzuziehen. Die Knospen der Fuchsin werden wie diejenigen des Jasmins gearbeitet; die Baumwollenkugel wird mit rothem Battist bedeckt und ein kleiner Kelch von grüner Pate, gleich demjenigen der Blume angefügt. Auch die ganz kleinen. Ttoffblnmen. 101 noch nicht erschlossenen Knospen sind aus grüner Pate zn bilden, die oberhalb etwas röthlich angemalt wird. Zum Blumenstiel, der sehr elastisch und schlank ist, nimmt man feinen Draht, den man mit weißen Seidenfaden umwickelt und, der Natur entsprechend, röthlich und grünlich anmalt. Die Blumen sind zu zwei oder drei mit Knospen zusammen anzusetzen und zunächst dem Ansätze sind zwei kleinere grüne Blättchen anzubringen, worauf man die anderen, die stets einander gegenüberstehen, folgen läßt. Dabei ist noch darauf zu achten, daß die grünen Blätter so gebogen werden, daß sie stellenweise die Biegung des Zweiges verbergen. Die langen, stärkeren Zweige sind mit Holz- braunem Papier, die schwächeren und schmiegsameren mit leicht gerathetem zu umwinden. Nr. 1. Bier Blättchen. Nr. 2. Vier Blättchen. 1V2 Stoffblumen. Dir Levkoje. Die Blumen der Sommerlevkoie sind sehr gefüllt. Es giebt deren weiße, hell- und dunkelrothe, braune, graue, weiß und roth gefleckte, oder weiß und lilafarbige. Will man eine dieser Arten ganz speciell nachahmen, so bedarf dies eines besonderen Studiums, welches wir Dem überlassen müssen, der sich diese Aufgabe stellt. Wir können hier natürlich nur eine dieser verschiedenen Arten berücksichtigen. 103 Stoffblumen. Man braucht zur Garnirung eines Stieles wenigstens sechs Knospen und sünf Blumen, die man auf folgende Weise zusammenstellt: Drei Knospen aus zwei Blätterkreisen von Nr. 1; drei Knospen aus drei Blätterkreisen von Nr. 1; vier Blumen, bestehend aus zwei Blätterkreisen Nr. 1 und aus zwei von Nr. 2; vier Blumen, bestehend aus zwei Blätterkreisen Nr. l, aus zwei von Nr. 2 und aus zwei von Nr. 3; vier Blumen, bestehend aus zwei Blätterkreisen von Nr. 1, aus drei von Nr. 2 und aus drei von Nr. 3. Am untern Ende jedes Blättchens bilde man mit der Pincette drei Falten, runde dann den oberen Rand mit einer Kugel über dem Kröskissen. Nachdem man vorher den Mittelpunkt der Blume aus grüner Pate hergestellt und diese an einen Draht befestigt, leime man jeden dieser Blätterkreise an den Mittelpunkt an, ordne die Blätt- chen geschickt mit der Pincette nach auswärts und vollende dann die Blume durch das Hinzufügen eines grünen, gezähnten Kelches, dessen Grundform wir in Figur Nr. 1 angegeben haben. Das Aufbauen der Blume geschieht in folgender Weise: Zuerst befestige man einige kleine Knospen von verschiedener Größe, lasse auf diese die sechs halb aufgeblühten Knospen folgen, und zwar sich immer gegenüberstehend, dann die kleineren Blumen, hierauf die größeren und endlich die großen, welche ganz nahe an einander stehen müssen. Unter die letzteren placire man in einiger Entfernung nun die großen lanzettförmigen grünen Blätter, zu je vier oder fünf von verschiedener Größe zusammen, umwinde den Stengel mit grünem Papier, bringe dann in Stoffblumen. einiger Entfernung noch einige kleinere und größere Blätter an, und als Abschluß zwei große, einander gegenüberstehend. Soll der Hauptstamin noch Seitensprößlinge erhalten, so werden diese in regelmäßigen Entfernungen an denselben angebracht und mit Knospen und Blüthen versehen. Die Stengel müssen gut mit Baumwolle und dann mit grünem Papier umwunden werden. Hierauf überstreicht man sie mit flüssigem arabischem Gummi und bestreut sie mit Wollenpuder. Letzteres macht sie rauh und verleiht ihnen eine gesteigerte Natürlichkeit. Ebenso verfährt man mit dem Kelch. Das grüne Blattwerk wird in ungleichen Gruppen und aus Blättern von ungleicher Größe zusammengesetzt. Die in Mitte derselben vorkommende sehr kleine Knospe läßt sich leicht imitiren, wenn man unser Muster Nr. 1 stark mit der Kugel boult. > Stoffblumen, 10 ', 106 Stofsblumcn. Das Vrrgitzmrinmchk. Dieses niedliche, himmelblaue Blümchen gilt bei uns Deutschen als Symbol inniger Erinnerung und liebevoller Zuneigung; bei den Franzosen hat, wie wir schon früher bemerkten, das Penst'e oder Stiefmütterchen diese Bedeutung. Um das Vergißmeinnicht herzustellen, schneide man nach dem nachstehenden Muster einen kleinen, aus fünf Theilen bestehenden Blätterkreis. Das schöne Blau der Blume erzielt man durch etwas Himmelblau oder hellen Sobald, wie man solche in Stückchen kaufen kann. Beim Färben des Blätterkreises hat nian darauf zu sehen, daß die Blättchen in der Nähe des Mittelpunktes weiß bleiben. Wenn die Stoffblumcn. 107 erste Färbung trocken ist, ziehe man über jedes Blättchen mit dem Pinsel oder einer spitzen weichen Feder kleine Streifen von etwas dunklerem Blau. Die Knospen sind traubenartig anzusetzen und müssen an Zahl stufenweise abnehmen. Deren Anfertigung geschieht auf folgende Weise: Man schneidet zunächst weiße gnmmirte Fäden, in der Länge von einigen Millimetern. Man hat nicht zu befürchten, daß man sie zu lang schneidet, denn da jedes obere Ende derselben mit einem Kügelchen versehen und das untere Ende an dem Stiel befestigt wird, so ist eine beliebige Kürzung leicht vorzunehmen. Man nimmt den Faden doppelt, legt ihn an das Trahtstielchen und umwindet ihn und zugleich den Stiel einige mal mit grüner Seide, befestigt sodann die Knospen daran und ordnet so fortfahrend die mit kleinen und großen Knospen versehenen Fäden rings um den Stiel. Die letzten und obersten Knospen sind so klein, daß man nur ein wenig grüne Pate von der Größe eines Stecknadelknopfes an den Faden zu befestigen hat, um sie zu imitiren. Auch die darauf folgenden etwas größeren sind aus gleicher Pate zu formen. Jedoch die tiefer stehenden und größten sind von gekämmter, mit rosafarbiger Gaze bedeckter Baumwolle zu bilden. Letztere vervollständigt man durch einen kleinen grünen Kelch, welcher sie beinahe bis zur Hälfte umhüllt. Die Blättchen unseres kleinen Blätterkreises müssen mit der kleinsten Kugel auf der linken Seite geboult werden. Man bringt den Blätterkreis so um ein gelbes Pistill an, daß die rechte Seite nach oben kommt, und setzt sie in gleicher Weise wie die Knospen traubenartig an den Stengel. 108 Ttoffblumen. Man beginnt mit einigen Knospen, setzt dann sechs bis acht Blumen in kurzen Entfernungen untereinander, umwindet den Drahtstengel mit grünem Papier und fügt einige grüne Blätter, von denen die obersten lanzettförmig, die untersten jedoch herzförmig sind, hinzu. Stoffblumcn. IM Die Narcisse. Die Blumenblätter der Narcisse erscheinen vom reinsten Weiß, doch an ihrem untern Theil sind sie grünlich gelb angehaucht. Jede Blume bedarf sechs Blätter, die nach dem Muster Nr. 1 zu schneiden sind. Man lege zwei Blätter übereinander in die hohle linke Hand, nehme die Pincette in die rechte Hand und kröse sie, indem man, 3—5 Millimeter vom Rande desselben entfernt, die Pincette darüber gleiten läßt, und sie zugleich auf den zu modellirenden Theil fest aufstützt. Dann lege man die Blätter auseinander, und, die linke Hand hohl oder halb geschlossen haltend, bediene man sich wiederholt der Pincette, um die Blätter von Stoffblumen. 110 der Mitte bis zum Ende zu pressen. Man wiederhole dieses Verfahren von rechts nach links. Bei der Narcisse sind die sogenannten Honigbehälter, welche die Blumenfabrikanten auch mit dem Namen Blüthen- kelch bezeichnen, sehr sichtbar. Dieser Theil der Blume erhebt sich aus deren Mittelpunkt wie ein kleiner, grün-gelber, roth geränderter Kelch. Um ihn nachzubilden, schneide man aus gelbem Battist ein Rnndtheilchen von der Größe eines Fünfmarkstückes in Gold, färbe den Rand desselben mit der Spitze eines in Carmin getauchten Pinsels röthlich und dessen Mitte auf gleiche Weise grünlich. Mit dem Pfriem steche man alsdann in die Mitte eine kleine Oeffnung, boule das Rnndtheilchen und ziehe durch die kleine Oeffnung die Staubfäden der Blume, deren Enden vorher in grüne Pate getaucht wurden, um die Staubbeutel darzustellen. Diese Fäden sind an dem der Blume als Stiel dienenden Draht zu befestigen. Rings um diesen Mittelpunkt leime man drei Blumenblätter und zwar im Dreieck stehend an, und die andern drei unter diese, jedoch mit diesen wechselständig. Nun schneide man aus grünem Battist ein längliches Viereck nach dem Muster Nr. 2, mache daraus eine hohle Röhre, ziehe diese unter die Blumenblätter und befestige sie unter ihnen mit Gummi oder mit flüssigem Leim. Alsdann nimmt man weiches, grünes Wachs und formt aus demselben zwischen den mit Wasser benetzten Fingern ein kleines dreieckiges Theil, dessen Stärke nicht diejenige des Röhrchens überragen darf, und klebt es an das Ende des letzteren fest. Den Blumenstengel umwinde man hierauf mit grünem Papier in der Länge von 4 Centimeter. Nun schneide man Stoffblumen. 111 das Muster Nr. 3 aus appretirter Gaze und zwar in schräger Richtung, um die Schale herzustellen, welche den Blüthen- stengel der Narcisse umgiebt. Man färbt dieselbe leicht roth, rundet sie über dem Finger und befestigt sie dann so über dem Stengel, daß sie bis über das grüne Wachs- theilchen reicht. Noch natürlicher läßt sich diese den Blumenstengel umhüllende und lederartige Schale darstellen, wenn man sich dazu der zweiten getrockneten Schale einer Zwiebel bedient, die man in derselben Weise anlegt, wie wir vorher für die appretirte Gaze angegeben. Der Stengel von 20 Centimeter Länge muß biegsani, aber gilt mit Baumwolle umwunden sein. Die ihm eigenthümliche Form verleiht man ihm dadurch, daß man ihm auf beiden Seiten einen feinen Draht anfügt, wodurch ihm die gleichmäßige Rundling benommen wird. Man formt ihn zwischen den Fingern, verbindet ihn mit dem Blumenstiel, und umwindet ihn mit dunkelgrünem Papier. Am Ende desselben befestigt man noch drei oder vier lange, nach unsern Mustern Nr. 4 aus grünem Papier zu bildende Blätter, deren Festigkeit man vorher mit einem dünnen, grünen Stäbchen verstärkt. 1l2 Stosfblumen. Nr. 1. cchs Blättchcn, Nr. 2. Tas Röhrchcn. Nr.'4. Ttcngclblalt der Narcisse. Nr. 3. Gazcliüllc. Stoffbliimen. 113 Die Vranirenblüthe. Die fünfBlätter dieser markigenBlumeschneidemansämmt- lich nach unserem Muster aus weißem, etwas dichtem Battist, lege sie auf das Kröskissen, markire mit dem Pfriem der Länge nach die nöthigen Streifen, boule jedes Blatt, jedoch nur mäßig. Um das ziemlich starke Pistill dieser Blüthe herzustellen, umwinde man einen feinen Draht von einem Centimeter Länge leicht mit Baumwolle, überstreiche letztere mit grüner Pate und bilde oberhalb eine kleine kugelförmige Bauschung. Zur Herstellung der dicht nebeneinanderstehenden Staubfäden nehme man einen Streifen Velinpapier von ungefähr ein und einen: halben Centimeter Breite, mache mit der Schere kleine Einschnitte von der Länge von einem Centi- Stoffblume». IN Meter, so daß sie faserartige Schnitzel bilden und befestige an jeden dieser Fäserchen ein wenig gelbe Pate. Diesen so hergerichteten Streifen, dein man eine beliebige Länge geben kann, wickelt man auf ein Stück Pappe, damit er nicht chiffonire, und benutzt davon für jede Blume so viel als erforderlich. Man erspart sich durch diese Vorrichtung Zeit und Mühe. Um diese Staubfäden mit dem Pistill zu vereinigen, klebt man das freie Ende des Papierstreifens mit Leim an dasselbe fest und wickelt es um dieses. Da jede Orangenblüthe sechzehn bis zwanzig Staubfäden erfordert, so schneidet man das Papier nicht eher ab, bis man zwei Reihen von diesem gebildet, wobei der Streifen das Papier zweimal umschließen muß. Diese zwei Reihen sind so zu ordnen, daß sie unterhalb vereint erscheinen, dagegen sich oberhalb trennen und dadurch im Mittelpunkt der Blüthe einen freien Raum lassen. Rings um diese Staubfäden werden nun die fünf Blumenblättchen angeleimt, worauf man den aus einem kleinen, drei- oder fünfzähnigen Stern von grünem Perkal bestehenden Kelch ansetzt. Um letzteren noch naturgetreuer erscheinen zu lassen, bringe man an dessen untern Theil noch fünf kleine, etwas erhöhte Streifen von mattgrüner Pate an. Um die geschlossene Knospe herzustellen, bilde man am oberen Ende eines Drahtstiels ein Banmwollenkörperchen von entsprechender Form, überziehe dieses mit feinem weißen Leder, das am untern Ende mit grüner Seide zu befestigen ist und klebe daran einen kleinen Kelch von grüner Pate. Das Ansetzen an den Hanptzweig beginnt man mit Stoffblumen. 11 ', kleinen Bouquets von Knospen in verschiedenen Größen, denen man alsdann geöffnete Blüthen anfügt. Die kurzen Blumenstiele werden mit grünem Papier umwickelt und daran die grünen Blätter, unserer Vorlage entsprechend, angebracht. Fünf Blättchen. 116 Stoffblumen. Das weihe Maßliebchen. Dies einfache, sowohl Wiesen, Gärten als Bonquets so nmnuthig schmückende Blümchen, das im wahren Sinne des Wortes volksthümlich ist, wird in folgender Weise ohne große Schwierigkeit nachgebildet. Alan schneide nach dem bestehenden, dreifach getheilten Muster, dessen Theile oberhalb noch einen kleinen Aus- schnitt zeigen, fünf Blattpartien. Jedes der Blättchen muß mit dem Pfriem über dem Kröskissen gestreift und dann mit der Kugel leicht nach auswärts gebogen werden. Die die Mitte bildende Scheibe der Blume wird aus gelber Pate geformt, in gleicher Weise, wie wir dies Verfahren schon bei dem Chrysanthemum erklärt haben. Nachdem inan deren äußeren Rand ein wenig mit Carmin gefärbt, Stosfbl»men. 117 klebt man die Blumenblättchen rings um die Scheibe an, indem man das mit Leim versehene untere Ende mit der Pincette gegen die Scheibe drückt. Den Kelch schneidet man aus grünem Perkal, zieht ihn unter die Blume und klebt ihn dort an. Die Art, wie die Blumenstiele nachzubilden, ist bereits so oft erklärt worden, daß wir es hier unterlassen können. Man ziehe je drei Blumen mit einigen Knospen und ein oder zwei der gekerbten Blätter an den Hauptstiel. Um eine halb geöffnete Blume zu imitiren, bedarf es nur, die geöffnete Blume so viel mit den Fingern zusammenzudrücken, daß sie zur Hälfte geschlossen erscheint. Kclch. Fünf Blüttchen. 118 Stoffblumen. Dir Flammenblume (Phlox). Die Farbe der Flammenblume ist rosenroth oder weiß, violet, blaßgelb oder auch gesprenkelt und gestreift. Für jede Blume formt man ein Röhrchen von Battist, indem man die Figur Nr. 1 nachschneidet und an beiden Seiten des Randes zusammenklebt. An dasselbe befestigt man oberhalb einen der Blätterkreife, Nr. 2 oder Nr. 3. Nun stellt man zwei, aus zwei schwefelgelb gefärbten Zwirnfäden bestehende Pistills her und befestigt sie an einen Draht, den man derartig in dem Röhrchen anbringt, daß Stoffblumen. 119 die Pistills genau den Mittelpunkt der Blättchen bilden. Tann zieht man einen Stern von grünem Papier als Kelch auf, klebt ihn etwas an und richtet dessen Blättchen dem Nvhrchen entlang auf. Diese Blumen werden so arrangirt, daß sie eine gemeinsame Gruppe von Knospen und offenen Blumen bilden, die sich oberhalb fast halbkngelfvrmig gestaltet. Die schlanken und spitzen Stengelblätter des Strauches, der in der Natur die Große von 3—6 Fuß erreicht, sind sehr regelmäßig anzubringen und zwar je zwei einander gegenüberstehend. Der Stiel wird schließlich in der wiederholt angegebenen Weise mit grünem Papier umwunden. Nr. 1. Rölirche». Nr. 2. Kleine Blume. Nr. 3. («rötzcrc Blume. 120 Stoffblumen. Der Rittersporn.* Die Varietät in den Farben dieser Blumen ist eine außerordentlich zahlreiche und geht von dem reinsten Weiß bis zum dunkelsten Violet, so wie durch alle rosa- und lilafarbigen Töne bis zu gesprenkelten Vermischungen. Wir bedürfen zu deren Reproduction vier Blätterkreise von verschiedener Größe. Dieselben sind vor dem Aufziehen zu knittern, oder wie vielfach der technische Ausdruck heißt, zu „knörpeln", indem man jede Blätterspitze zwischen die Pincette nimmt und sie um sich selbst windet. Alsdann geht man dazu über, ein kleines, gelbes Pistill zu bilden, das man mit einigen kleinen, mit gelbem Gries zu be- * Nicht alle Arten der Delphineen haben an dem rückwärts verlängerten Kelchblatt den sogenannten Rittersporn, besonders nicht die gefüllten. Stoffblumen. 121 körnenden Staubfäden von Zwirn umgiebt. An das untere Ende dieser Staubfäden bringt man etwas Leim, setzt den Blätterkreis Nr. 1 daran und kneift ihn in der Mitte etwas ein, damit die Blnmenblättchen fest an den Mittelpunkt anschließen. In dieser Weise bilde man sechs Blumen von gleicher Größe, dann noch sechs andere, ebenfalls aus dem Blätterkreis Nr. 1 bestehend, denen man jedoch den Blätterkreis Nr. 2 so hinzufügt, daß die Blätter der beiden Kreise wechselständig zu stehen kommen. Auch dem zweiten Kreise ist mittelst der Pincette die erforderliche Form zu geben. In gleicher Weise verfährt man, um sechs weitere Blumen zu bilden, und zwar aus den nach einander aufgezogenen Blätterkreisen Nr. 1, 2 und 3, und stellt endlich, ebenso verfahrend, die letzten sechs Blumen aus sämmtlichen Blätterkreisen nämlich, aus 1, 2, 3 und 4 her. Damit die letzteren für den Stengel der Blume nicht zu schwer werden, befestige man sie mit Seide. Sind diese vier und zwanzig Blumen so hergerichtet, so umwinde man deren Stiel mit grünem Papier und füge sie dem Zweig in folgender Ordnung an: Zunächst setze man zwölf Knospen, von denen sechs grün, nämlich noch gänzlich geschlossen, und sechs theilweise bereits entfaltet sind und die Farbe der Blume zeigen, eine nach der andern und zwar drei zu drei, pyramidenförmig an. Nach diesen folgen sechs kleine grüne Blätter in zwei Reihen, dann drei Blumen nach dem Muster Nr. l, dann abermals drei grüne Blätter zwischen den Blumen, und so fährt man fort, bis sämmtliche Blumen, je drei zu drei, aufgezogen sind. Nachdem man den Hauptzweig noch etwas verstärkt und die Blumen 122 Ttoffblumen. und Blätter an ihren Stielen emporgerichtet hat, garnirt man den untern Theil des Hauptstiels mit den der Blume eigenartigen schmalen grünen Blättern und unterstützt diese, damit sie nicht zu sehr niederhängen, sorgfältig mit dünnen, grünen, daran zu befestigenden Stäbchen. Der Hauptstiel, an dein die Blüthen sich gruppiren, kann zwanzig Centimeter lang sein. In der Natur ist derselbe oft viel länger, aber es ist besser, wenn derselbe ein reichlich mit Blumen besetztes Exemplar darstellt, als wenn der Zweig zu lang und gedehnt erscheint. Ein Blnttcrkrcis. Ei» BlättcrkrciS Stoffblumen. 123 Ei» Blüttcrkrcis. Nr. 4. Ein Bintterkrcis. 121 Stoffblumen. Die chinesische Primel. Die Primel blüht bekanntlich rosafarbig oder weiß, mitunter auch hellgelb, und Blumen und Knospen bilden Tuffs von verschiedener Größe. Unsere Muster bestehen aus drei Blätterkreisen, von denen sowohl die kleineren als größeren fünf Blnmenblättchen enthalten. Dieselben sind vor dem Aufziehen zu krösen, indem man mit der Pincette drei oder vier fächerförmig sich ausbreitende Streifen von der Mitte des Blattes bis zum untern Ende desselben bildet und dann den Rand mit einer kleinen, erwärmten Eisenkugel bonlt. Des Musters Nr. 5 bedient man sich, um eine Tube von Ttosfblumen. 12 » der Farbe der Blume herzustellen, indem man beide Lang- seiten desselben zusammenklebt. Dann präparirt man ein Pistill von gelbem Zwirnfaden, mit einem, den Staubbeutel formirenden Köpfchen von grüner Pate, bindet es mit Seide an einen sehr feinen Draht und placirt es in die Mitte des Blätterkreises, so daß es über dessen Blättern emporragt. Schließlich wird das Röhrchen aufgezogen und werden dessen Zacken an die Blume angeklebt. Die bauchigen Kelche werden aus grünem Battist oder Agirstoff, der Größe der Blume entsprechend, gebildet. Man schneidet zu diesem Zweck ein etwas längliches Stück, boult es in der Bkitte, um die bauchige Form herzustellen, klebt es au den Seiten zusammen, zieht den Kelch über das Röhrchen und klebt dessen engeren Theil rings um das letztere an. Der Stiel wird mit grüner Gaze überzogen und hinterher mit einer spitzen Schere überkratzt, um ihm ein haariges Ansehen zu geben; alsdann röthet man ihn etwas mit Carmin, den man mit dem Pinsel aufträgt. Um die Knospe der Primel zu bilden, benutzt man das Modell Nr. 4, kröst die Blättchen mit der Pincette, schließt den Blätterkreis zur Halste und befestigt ihn mit Seide an einen dünnen Draht. Die Knospe bedarf keines Röhrchens, sondern nur eines kleinen Kelches, den man in der angegebenen Weise anfügt. Um die Blumen aufzuziehen, hat man vorher drei Blumentnffs zu bilden, von denen der erste aus fünf großen Blumen, aus einer oder zwei mittelgroßen, und aus einer oder zwei kleineren Blumen, nebst einigen Knospen besteht. Die anderen, weniger umfänglichen Tuffs 126 Stoffblumen. stellt man aus zwei oder drei großen Blumen, aus einer von mittlerer Größe und aus einer kleinen nebst Knospen zusammen. Jeder Blumentuff wird an einen biegsamen, mit Baumwolle umwundenen Drahtstiel befestigt. Sämmtliche Stiele sind mit rothgefärbter Seidengaze zu umgeben, und verleiht man ihnen in der angegebenen Weise ein rauhes, dornenartiges Ansehen. Jeder derselben muß fünfzehn bis zwanzig Centimeter lang sein. Die herzförmigen, gelappten, grünen Blätter werden an einen stärkeren, aber gleichfalls biegsamen Stiel von zehn bis zwölf Centimeter Länge angebracht. Sowohl die Blumentuffs als die Blätter find in verschiedener Höhe und so anzubringen, daß sie ein natürliches Ensemble geben. Nr. 1. Nr. 2. Blätterlrcis. Blätterkreis. Ttoffblumen. Nr. 4. Blätterkreis für Sie Knospe. Nr. 5. Rölirchen. 128 Ctossblumen. Die Alpenrose. Die Alpenrose ist eine Blume aus höheren Regionen^ auf den höchsten Bergen ist ihre eigentliche Heimath, doch hat sie sich auch in unseren Gärten eingebürgert. Eine Blumenmacherin darf gewiß nicht versäumen, alle Sorgfalt darauf zu verwenden, sie hübsch darzustellen, da sie in Bouquets zugleich die Nebenbedeutung eines freundlichen Grußes aus weiter Ferne hat. Zu ihrer Herstellung bedarf es nur eines Blätterkrcises, doch geben unsere Muster ihrer zwei, von denen der kleinere sowohl zu kleineren Blumen als zu Knospen verwendet Stoffblumen. 129 wird. Wir bedienen nns zuerst des größeren Kreises, der, nach unserem Muster geschnitten, derartig zusammengeleimt wird, daß die Höhlung sich nach innen befindet. Dann bildet man mit der Pincette einige Adern in demselben, um zugleich dem Blatt eine wellenförmige Bewegung zu verleihen. Nun hat man zunächst ein sehr langes Pistill herzustellen, das man mit dem obersten Ende eines feinen Drahtes verbindet und um welches man ringsum ein Dutzend, mit gelben Knöpfchen versehene Staubfäden ordnet; die Blume, die keines Kelches bedarf, wird nun aufgezogen und um die Staubfäden befestigt. Der nach dem kleinen Blätterkreis zu fertigenden Blume giebt man eine halb geschlossene Form und sucht sie halb geöffneten Knospen ähnlich zu machen. Um einen Blumentuff aufzubauen, bedarf man achtzehn Blumen. Man beginnt mit einigen Knospen, die man ziemlich gedrängt zusammenstellt, dann setzt man kleinere Blumen an, je zu zwei einander ziemlich dicht gegenüberstehend, und endlich die großen und voll entwickelten Blumen, die weiter von einander anzubringen sind. Die Gesammtform des Tuffs gleicht im äußeren Umriß einer aufgerichteten Traube. Der Hauptstiel muß stark und biegsam erscheinen. Die länglichen, spitz endenden grünen Blätter werden zwei zu zwei ziemlich nahe unter der Blumengruppe angebracht und können sich bis auf ein Dutzend derselben belaufen. Der fünfzehn bis zwanzig Centimeter verlängerte - Hauptstiel, der ohne Blätter bleibt, dem jedoch Nebenzweige mit Knospen, Blumen und Blättern angefügt werden können, ist mit Holzfarbigem Papier zu umwinden. Stoffblumen. 13(> Ein Blütterkreis Ein Blätterkreis. Kleine Blume. Stoffblumen 131 Die Vrrbena. Die Verbena oder das Eisenkraut ist von carminrother, violetter, blauer oder weißer Farbe. Wir geben für diese Blume zwei Muster von verschiedener Größe, deren einzelne Blättchen leicht mit der kleinsten Kugel zu boulen sind. Jede Blume bedarf eines Röhrchens von gleicher Farbe wie die Blume. Dessen Form ist nach dem Modell des Röhrchens für die chinesische Primel (Seite 124) herzustellen und oberhalb mit etwas Leim, den man bis zum Mittelpunkt der Blume gleiten läßt, zu versehen. Dann schneidet man aus gelber Pate ein sehr kleines Pistill, zieht es mit Seide an einen feinen Draht und setzt es so in die Mitte des Röhrchens, daß es in gleicher Höhe mit den Blnmenblättchen zu stehen kommt. Der untere Rand dieses 9* 132 Stoffblumen. Röhrchens wird an einen kleinen Drahtstiel befestigt, und dann noch ein zweites, eine Art Kelch formirendes Röhrchen, unterhalb des ersteren angebracht. Die mit kleinen Stengeln oder Blattstielen versehenen Verbenen werden in Dolden, und zwar zehn bis fünfzehn Blumen zusammen, aufgezogen, so daß die am Rande befindlichen Blüthen ein wenig über die in der Mitte stehenden sich erheben. Den in dieser Weise präparirten Blumentuff bindet man an einen feinen Drahtstiel, umwindet ihn mit grünem Papier und fügt die spitzen, gekerbten Stengelblätter, einander gegenüberstehend, hinzu. Nachdem man nun noch die nöthigen Nebenzweige von grünen Blättern gebildet, sucht man das Ganze, der Natur entsprechend, zu vereinigen. Kleines Blümchen. Gröberes Blümchen. Stoffblumen. 133 Das gefüllte Veilchen. Die Blumenblättchen des Veilchens sind insofern nicht ganz übereinstimmend, als das unterste Blatt des Blätterkreises sich weiter ausrandet, als die obersten vier, die nicht nur etwas schmäler, sondern auch stumpfer abgerundet sind. Man bereitet zuerst auf einen feinen Draht ein Pistill von grünem Papier. Dann hat man sämmtliche einzelne Blättchen von zwei Blätterkreisen Nr. 1 und die von vier Blätterkreisen Nr. 2 sehr hohl zu boulen und deren Rand mit der Pincette zu umkreisen, und zwar drei Blättchen von der inneren und zwei Blättchen von der äußeren Seite, um auf diese Weise in der Blume zwei aufwärts stehende und drei abwärts geneigte Blättchen zu erhalten. Die ersten zwei Blätterkreise werden auch zuerst dem Pistill mit etwas Leim angefügt und fest angedrückt; dann folgen die vier 134 Stoffblumen. anderen Kreise, die in derselben Weise befestigt werden und deren abwärts geneigte Blätter wie die der zuerst aufgezogenen Blätterkreise zu krösen sind. Der kleine, grüne, vorher zu bonlende Kelch wird gleichfalls mit Leim darunter befestigt. Soll aus den Veilchen ein rundes Bouquet gebildet werden, so werden sämmtliche Veilchen vereinigt und einfach mit grünen Blättern umgeben, wie unsere Abbildung zeigt. Will man dagegen naturwüchsige Tuffs machen, dann sind Blätter und Blumen so aufzuziehen, daß die letzteren unter den grünen Blättern ein wenig verborgen stehen. Nr. 1. Zwei BlStterkreise. Nr. 1. Zwei BlStterkreise. Nr. 2. Vier BlStterkreise. Stoffblumen. 135 Das einfache Veilchen. Es ist natürlich leichter herzustellen als das gefüllte, doch ist das Princip der Herstellung ganz dasselbe. Man kröst mit der Pincette in der vorher angegebenen Weise zwei Blättchen von dem Blätterkreis Nr. 1, dann die drei anderen in entgegengesetzter Richtung, zieht die Blume an das, wie angegeben herzustellende Pistill und fügt den kleinen Kelch mit etwas Leim darunter. Unterhalb der Blume ist der ziemlich schlanke Blumenstiel ein wenig umzubiegen, so daß erstere sich abwärts neigt. 136 Stoffblumen. Nr. 1. Ein Blättcrkrcis. Nr. 2. Kelch. Wer unseren vorstehenden Anweisungen mit Aufmerksamkeit nachgekommen und sich dabei zugleich gewöhnt hat, stets die Natur als Modell zu berücksichtigen, dem wird es leicht möglich sein, jede vorkommende Blume, sobald er ein genügendes Vorbild besitzt, täuschend nachzubilden. Er wird zugleich ermessen lernen, ob es bei dieser oder jener Blume zweckmäßig erscheint, auch noch andere Stoffe zur Herstellung zu verwenden, als die von uns angegebenen. Zweiter Abschnitt. Papiervluine n. Allgemeine Vorbrinrrkungen. Die Papierblumen sind leichter herzustellen als die Stoffblnmcn, müssen gleichwohl mit großer Sorgfalt und Vorsicht gemacht werden, wenn man ihnen eine derartige Natürlichkeit verleihen will, wie sie in den Stoffblumen zu erreichen ist. Wenn auch das technische Verfahren im Allgemeinen demjenigen sehr ähnlich ist, das wir bei den Stoffblumen angegeben haben, so wird es doch nicht zu vermeiden sein, daß wir hin und wieder Einiges wiederholen müssen, was wir bereits in der ersten Abtheilung unseres Buchs angegeben. Doch wie anmuthig auch die Papierblumen erscheinen, wenn sie gut ausgeführt sind, so sind sie dennoch nicht elegant genug, um als Schmuck der Toilette zu dienen; sie haben vielmehr einen decorativen Character anderer Art und sind dem entsprechend vorzugsweise als freundlicher Schmuck unser Wohn- und Empfangszimmer und zu festlichen Dekorationen der verschiedensten Art zu verwenden. Hübsch arrangirt wirken sie ganz reizend in Vasen, in 140 Papierblumen. Körbchen, in Ampeln und ganz besonders als Festons und Kränze. Auch die Geräthschaften, deren man sich bei der Anfertigung derselben zn bedienen hat, sind zum Theil etwas abweichend von denjenigen für die Stoffblume; wir werden auf diese weiter unten noch zurückkommen. Das bei den Papierblumen zur Anwendung kommende feine Seidenpapier ist vollständig präparirt und in allen Farben im Handel bei den Blumenhändlern oder den Papierhändlern vorräthig. Es ist so fein und durchsichtig und so leicht zu behandeln, daß man die Textur der Blumen auf das Vollständigste zu imitiren vermag. Die Blumenblüttchcn werden mit einer feinen Schere nach den von uns beigegebenen Mustern geschnitten. Zu diesem Zweck wird das Muster, indem man ein durchsichtiges Papier darüber legt, durchgepaust, diese Pause ausgeschnitten und mit arabischem Gummi auf ein Stück Carton gezogen, dann nochmals genau ausgeschnitten, so daß man sämmtliche einzelne Blätter, sowohl als Blütterkreise der betreffenden Blume als stets zu verwendendes Muster in Carton geschnitten vorräthig hat. Hinsichtlich der Stengelblätter, Staubfäden, Stengel oder Pistills, Knospen und Herzblätter thut man am besten, dieselben für Papierblumen vollständig vorbereitet zu kaufen, denn diese sind einestheils gegenwärtig zu einem verhältnißmäßig sehr geringen Preis zu haben und anderntheils werden sie fabrikmäßig so vollkommen hergestellt, wie man sie mit aller Mühe und Sorgfalt nicht würde machen können. Doch ist damit nicht ausgeschlossen, daß man eine große Anzahl derselben nach dem Papierbliinieil. Itl im vorigen Capitel von nns angegebenen Verfahren selbst fertigstellen kann. Die Kelche der Kornblumen verschafft man sich am billigsten, wenn man diese Blumen während der Saison sammelt, sie einzeln aushängt oder auch auf den Fußboden auseinander legt und, wenn sie ganz trocken geworden, deren Kelche abtrennt und säubert, und sie an einem Orte, der frei von aller Feuchtigkeit sein muß, bis zum Gebrauche aufbewahrt. Will mau Papierblumen nur zu einem dekorativen Zweck herstellen, der keine allzu sorgfältige Imitation erforderst sondern nur eine Fernwirkung beansprucht, so kann man die Stengelblätter mit wenig Mühe und ohne Kugel und Boul- oder Kröseisen selbst herstellen. Man nimmt ein natürliches Blatt von der Art, welche man nachbilden will, klebt es mit etwas Gummi auf Carton und schneidet es, wenn es trocken ist, ringsum aus. Nach so gewonnenen Mustern können dann sämmtliche Blätter geschnitten werden. Da die Größe auch ein und derselben Gattung sehr variirt, so muß man für jede Pflanze zwei oder drei von verschiedener Größe anfertigen. Das für Blumen bestimmte Papier ist zur Herstellung von Stengelblättern zu dünn und muß man daher für diesen Zweck stärkeres Papier anwenden, das in verschiedenen grünen Farbentönen käuflich zu haben ist. Specielle Vorbemerkungen. Will man dazu übergehen, die Blütternmster einer Blume unmittelbar von der Natur zu nehmen, so entblättert man «ine natürliche Blume sorgfältig und trocknet die platt ge- drückten Blättchen zwischen zwei Lagen Lösch- oder Filtrir- papier. Nachdem sie 24 Stunden unter der Presse gelegen, nimmt man sie sorgfältig hervor und zeichnet, nachdem man Pauspapier über dieselben gebreitet, deren Conturen ganz Papierblumen. UZ genau nach, zieht alsdann dies Pauspapier mittelst Kleisters auf Carton, läßt das Ausgeklebte gehörig trocknen und schneidet dann jedes Blättchen einzeln aus. Will man eine Mustersammlung von mehreren Blumen anlegen, so ist es, um Verwechselungen zu vermeiden, nöthig, jedes Musterstück so zu bezeichnen, daß man weiß, zu welcher Blume es gehört. Lrautschuktafel und Voulrisen. Das Markiren der Rippen der Blättchen mit der Kugel wird bei Papierblumen zweckmäßiger auf einer Kautschuktafel als auf dem Kröskissen ausgeführt (s. Abbildung). Man lege das betreffende Blättchen auf die Kautschuktafel und drücke mit der Kugel mehr oder weniger stark auf dasselbe, je nachdem es mehr oder weniger 144 Papierblumm. vertieft sein soll. Man kann auch mehrere Blätter, Vier- oder fünf übereinander legen und sie zusammen boulen. Die kleine, an einem Eisenstäbchen mit Holzgriff befestigte Kugel, wie sie unsere Abbildung zeigt, hat 3—4 Millimeter im Durchmesser. Für den Privatgebrauch genügt dieselbe. Macht man jedoch ein Geschäft aus der Herstellung solcher Blumen, dann wird es für die Gleichmäßigkeit und Schnelligkeit der Arbeit förderlich sein, wenn man deren mehrere von verschiedenen Größen hat. Um die grünen Blätter zu krösen, legt man dieselben gleichfalls auf die Kautschuktafel, zieht an der rechten, nämlich an der nach außen gekehrten Seite des Blattes — und zwar in der Mitte und in der Länge desselben — mit dem Pfriem eine scharfe Linie, um die Mittelrippe zu bilden; zieht dann die Adern oder Nebenrippen von jeder Seite derselben, soviel deren erforderlich find, um die Natürlichkeit des Blattes zu imitiren. Im Fall man die Papierblumen mit Stosiblumen vermischen will, deren gefärbte Blätter man farbig gekauft hat und die man in Ermangelung eines Kröskissens auf der Kautschuktafel boulen will, ist es nothwendig, die Tafel vorher mit weißer Leinwand zu umwickeln, um zu verhüten, daß sich der farbige Staub, der sich durch das Boulen von den Blättern ablöst, an die Kautschuktafel ansetze. Das Rändern eines Blättchens geschieht wie bei den Stoffblumen mittelst der Pincette. Man hält das Blatt zwischen dem Daumen und Zeigefinger der linken Hand und verfährt in ähnlicher Weise, wie man Papier kräuselt. Papierblumen. 145 Um die Stengel der Blättchen und diese selbst zu biegen, zu richten, zu befestigen oder zusammenzupassen, bedient man sich stets der Pincette, ohne mit den Fingern hineinzugreifen. Zugleich benutzt mau das Stielende derselben, um den Leim oder die Pate an die verschiedenen zu vereinigenden Theile anzubringen. Der Draht, aus dem man den Stiel der Blume bilden will, wird, wie bereits bei den Stoffblumen ^angegeben worden, meistentheils mit etwas Baumwolle umwunden. Vorher macht man am oberen Ende desselben ein kleines Häkchen, um später daran sowohl das Pistill als die Staubfäden befestigen zu können. An diesen Stiel werden nun die Blumen und Kelche entweder mit Seide oder auch mit einem schmalen farbigen Papierstreifen von 4—5 Millimeter Breite, oder bei größeren Blumen noch etwas breiter, angesetzt und aufgezogen. 10 146 Papierblumen. Bei dem Aufziehen der Blumen hält man die Pincette stets mit der rechten Hand und den anfznwindenden Theil, sei es Seide oder ein Papierstreifen, in der Art zwischen dem Daumen und dem Zeigefinger, daß er über den Zeigefinger geht und hinter die Hand füllt.. Die Umwindnng geschieht, indem man den Stengel, an dessen oberes Ende man den Faden oder das Papier befestigt hat, schnell dreht, wobei man den Zeigefinger immer abwärts gegen den Daumen drückt. Man hat wohl darauf zu achten, daß weder die Seide noch das Papier zwischen den Fingern gerieben wird, wodurch deren Farben getrübt würden. Es ist dies eine bei der ganzen Arbeit durchweg zu beobachtende Vorsicht. An die Spitze des präparirten Stengels befestigt man zunächst diejenigen Theile, welche die Mitte der Blume bilden, nämlich das Pistill und die Staubfäden und das Papierblumen. 117 Herz der Blume, das ja vielfach verschieden gestaltet ist. Jeder dieser Theile wird sorgfältig befestigt, entweder mit Seide oder etwas Leim oder Pate. Das weitere Aufziehen der Blume erfolgt nun in der Weise, daß man die Blätterkreise oder vorkommende einzelne Blätter um diese mittleren Theile so ordnet, wie es die Specialität der Blume erfordert; also bald über einander- stehend, bald wechselständig, bald in Gruppen von zwei oder mehreren, bald theilweise übereinander liegend. Bei der Jnstruction für die Nachbildung unserer Vorlagen haben wir hierüber, sowie über das Ansetzen der Kelche und die Befestigung der Kelchblättchen speciellere Unterweisung gegeben. Nun noch ein paar Worte über das Aufziehen und Befestigen der Stengelblätter: Um den grünen Blättern mehr Halt und Festigkeit zu geben, klebt man auf deren Rückseite unter der Mittel- It8 Papierblumen. rippe einen kleinen übersponnenen Draht, sowie unsere vorstehende Abbildung es veranschaulicht. Jedes Blatt muß einzeln an den Zweigdraht befestigt werden, der vorher in derselben Weise wie die Blumenstengel zu präpariren und mit Seide oder Papier zu umwickeln ist. Zugleich hat man beim Aufziehen der Blätter stets die natürliche Pflanze so treu als möglich nachzuahmen, indem man wohl beachtet, wie und in welchen Entfernungen die Blätter gegeneinander stehen und wie sie an den Stiel ansetzen. Das Gleiche ist beim Ansetzen der Zweige zu beobachten. Gestattet die Saison nicht, eine natürliche Blume oder Pflanze als Modell zu erhalten, und ist dieselbe unter unseren Mustern, die ja nicht alle Blumen enthalten können, nicht vorhanden, so verschaffe man sich gute Abbildungen als Vorlagen. Endlich sehe man noch darauf, daß sowol die Blumen und Blätter als die Zweige sich in geschmackvoller und naturgemäßer Weise gruppiren, wobei man vor Allem das im Auge behalten muß, was für den Wuchs der Pflanze charakteristisch ist. Papierblumen. 149 Die Klatschrose oder Feldmohn. Wir beginnen die Papierblumen mit der Klatschrose, da sie eine von denjenigen Blumen ist, die sich in Papier am leichtesten imitiren lassen und welche zugleich als Schmuck in Vasen und Körbchen eine reizende Wirkung machen. Alan wähle dafür hochrothes Papier von der Farbe der Klatschrose und schneide nach dem Muster Nr. 1 vier Blätter. Sodann reibe man etwas chinesische Tusche an und male mit einem Pinsel den mandelförmigen Fleck an dem untersten Theil des Blattes in der Größe, wie wir ihn angegeben, und zwar von beiden Seiten des Papiers, damit derselbe möglichst dunkelfarbig erscheine. Nachdem die angemalte Stelle vollständig trocken geworden, werden diese vier Blätter vereinigt, in der Mitte zusammengefaltet « 150 Papierblumen. und wird der obere Theil eines jeden Blattes, ungefähr ein Drittel des Ganzen, etwas chiffonnirt und zwischen den Fingern gepreßt und geknittert, um die kleinen Biegungen und Fältchen der natürlichen Blume nachzuahmen. Jedes Blatt wird nun am oberen Ende geboult und werden an dessen unteren Ende mit der Pincette — an beiden Seiten des schwarzen Fleckes — drei oder vier Fältchen gebildet, damit die Blättchen die muschelförmige Vertiefung erhalten. Die Samenkapsel der Blume hat stumpfe, dicht an ein- andersteheude Rippen. Wo möglich bediene man sich der natürlichen, gut getrockneten Kapseln. In Ermangelung derselben rathen wir folgendes Verfahren an, durch welches sich diese mit leichter Mühe nachbilden lassen. Man forme in erforderlicher Größe eine kleine Kugel von Baumwolle und tauche sie in hellgrüne Pate. Nun schneide man aus gelbgrünem Papier einen kleinen Kreis von einem Centimeter im Durchmesser, falte dieses Kreischen zum Halbkreis zusammen, bestreiche diese Falte mit einem feinen, in braune Farbe getauchten Pinsel, breche, nachdem die angemalte Falte trocken geworden, den kleinen Halbkreis nochmals zum Viertelkreis, male die sich ergebenden Falten ebenfalls braun an, lasse sie trocknen und breche den Viertel- kreis nochmals um, male auch diese dadurch entstehenden Falten braun an; und man wird beim Entfalten des Kreis- chens dasselbe sechsfach durch braune Linien getheilt finden. Nachdem man diese Linien noch etwas mit der Pincette bearbeitet hat, wird das Kreischen über die Baumwollen- kugel gezogen, oberhalb derselben befestigt und der noch Papierblumen. 151 etwas über die Kugel hinausgehende Rand desselben mit der Pincette entsprechend plissirt. Diese Erklärung ist umständlicher als die Ausführung derselben. Bei einiger auf die letztere verwendete Sorgfalt und Aufmerksamkeit wird man mit dem Resultat zufrieden sein. Durch diese imitirte Kapsel wird nun ein Draht gezogen, sowohl um den Stiel zu bilden, als um an dessen oberen Theil zwei Reihen aus schwarzem Zwirn gefertigte Staubfäden anzubringen; alsdann binde man die vier Blu- menblättchen am Fnßpunkte der Staubfäden fest. Für den Kelch schneide man zwei Blättchen von grünem Papier nach dem Muster Nr. 3, boule sie und befestige sie, eines dem andern gegenüber, unter der Blume. Um die halb geöffnete Klatschrose nachzubilden, klebt man die, wie vorhin angegeben, befestigten Blumenblätter bis zu ihrer halben Höhe an den Rändern mit etwas Leim zusammen, doch so, daß die Blattränder oberhalb frei und offen bleiben. Für die Knospe schneidet man nach dem Muster Nr. 2 vier Blumenblätter, modellirt sie mittelst Boulen, knittert deren oberen Theil und befestigt sie unterhalb mehr oder weniger geschlossen, je nachdem man die Knospe mehr oder weniger geöffnet haben will. Dann fügt man wie bei der Blume zwei grüne, den Kelch bildende Blättchen hinzu. Die kleinste, fast noch ganz geschlossene Knospe besteht aus einem rothen Papierröllchen, welchem zwei Kelchblättchen angesetzt und so angeleimt werden, daß sie das Papierröllchen fast gänzlich umschließen. 152 Papierblumen. Die Klatschrose hat einen langen, leichten und schmiegsamen Stiel, den man aus mit grünem Crepp umwundenen Draht herstellt. Die sich einander gegenüberstehenden grünen Blätter werden in Entfernungen von 8—10 Centimeter angebracht, und während des Umwindens des Stiels mit Crepp durch diesen befestigt. Die größeren Blätter folgen mehr unterhalb, und zwischen ihnen placirt man andere, schmiegsame Stiele, die eine geöffnete oder geschlossene Knospe tragen; man biegt diese so, daß die Knospe sich nach abwärts neigt. Auch an diese Stiele bringt man einige Blätter an und vereinigt das Ganze in passender Weise. Das unterste Ende des Stiels wird mit grünem Papier umwunden. Der die Stiele bedeckende Crepp wird mit einer spitzen Schere überkratzt, damit er ein rauhes Ansehen gewinne, worauf man ihn mit einen: in Earmin getauchten Pinsel etwas röthet. Nr. 1 . Virr Blätter. Papierblumen. 153 Nr. 2. Nr. S. 154 Papierblumen. Die Mvhnrose. Zur Anfertigung dieser Blume läßt sich sowohl gesprenkeltes oder gestreiftes, als auch anderes buntfarbiges Papier verwenden. Man schneidet für die Blumenkrone acht Blätterkreise nach dem Muster Nr. 1, welches den achten Theil des Kreises darstellt. Jeder Blätterkreis muß am äußeren Rande vier und zwanzig kleine bogenförmige Aus- schnitte tragen. Dann schneide man zwei Blätterkreise nach dem Muster Nr. 2, welches den vierten Theil des Kreises angiebt. Um diese Blätterkreise zu bilden, nimmt man zwei Bogen Papier, schneidet acht Carrss in der ganzen Größe des Musters Nr. 1, faltet diese Carres über Eck zu einem Papierblumen. 15ä Dreieck, faltet sie dann noch zweimal in derselben Weise, legt über dieses zusammengefaltete Papier das Muster Nr. 1, welches, wie gesagt, den achten Theil des Blätterkreises darstellt, und schneidet nun den oberen, die vier und zwanzig kleinen Bogen formirenden Rand genau darnach aus. Endlich schneidet man am unteren Ende noch die kleine Spitze ab, wodurch man im Mittelpunkt des Kreises eine Oeffnung erhält. Nachdem sämmtliche, die Blumenkrone bildende Kreise geschnitten sind, nimmt man einen nach dem andern, steckt den Zeigefinger der linken Hand durch die kleine, in der Mitte befindliche runde Oeffnung, rollt die Blätter um den Finger, um sie nach der bereits angegebenen Weise zu krösen, rollt sie hierauf wieder ab und legt diese Präparaten Blätter so lange zur Seite, bis man sie braucht, um sie als Blume zu vereinigen. Das Herz der Mohnrose fertigt man aus einer kleinen, mit grünem Papier überzogenen und an einen feinen Drahtstiel befestigten Baumwollenkugel. An diesen Stiel bindet man nun mit feinem Draht einen Blätterkreis, läßt dann nacheinander die übrigen Kreise folgen, indem man unter jeden etwas Papier mehr um den Draht windet, damit die folgende Blütterreihe etwas niedriger stehe als die vorhergehende und damit die Blume sich runde. Beim Anbringen dieser Blätterkreise ist besonders anzurathen, daß das Winden so gleichmäßig als möglich geschehe, damit die Blume nicht eine spitze, sondern eine richtige, der natürlichen Blume entsprechende Form erhalte. Nachdem die acht Blätterkreise aufgezogen sind, knittert man die zwei, nach dem Muster Nr. 2 geformten Blätterkreise zwischen den Fingern, kröst 156 Papierblumen. sie und biegt deren Rand etwas nach rückseits, worauf man sie ebenfalls nacheinander und zwar wechselständig aufzieht und sie mit Leim anklebt. Die Mohnrose bedarf keines Kelches, da sie, sobald sie aufgeblüht ist, ihre Blätter sogleich abwärts sinken läßt. Um die Knospe zu formen, drückt man etwas Baumwolle an das oberste Ende eines krumm gebogenen Drahtes, bildet daraus ein ziemlich großes Kügelchen, bedeckt es mit Papier von der Farbe der Mohnblume und klebt zu beiden Seiten ein modellirtes, aus grünem Papier nach dem Muster Nr. 3 der Klatschrose geschnittenes Blättchen an; diese Blätt- chen müssen vorsichtig an das Kügelchen und zwar so angeleimt werden, daß sie das farbige Papier desselben fast gänzlich verbergen. Will man eine halbgeöffnete Knospe formen, so spaltet man die soeben beschriebene etwas auseinander und legt in den Spalt ein wenig ausgeschlagenes, oder ausgezacktes, chiffonnirtes Papier von der Farbe der Mohnblume; doch darf dieses die Knospe nur sehr wenig überragen. Beim Aufziehen der Blume setzt man an den Blumenstengel noch einen zweiten, langen, biegsamen und mit Baumwolle umwundenen Stiel. Wegen der Stärke der Blume muß man ihn mehrere mal anbinden, die Baumwolle an demselben dann gleichmäßig vertheilen und ihn ohngefähr 15 Centimeter lang mit grünem Papier umwickeln. Nun setzt man zwei Blätter an, umwickelt weiter und zwar noch einige mal mit dem grünen Papier, worauf man etwas weiter unten am Stiel noch zwei Blätter anbringt. In gleicher Weise wird auch die Knospe angesetzt. Man biegt Papierblumen. 157 den Stengel derselben so tief vornüber, daß sie beinahe den Stiel der Blume berüht. Nachdem sämmtliche Stengel mit Blättern garnirt sind, bindet man sie mit feinem Draht fest zusammen und fügt ihnen als letzten Stiel ein kleines, am Ende gespitztes und dem untersten Ende des Hauptstiels die gehörige Festigkeit verleihendes Holzstäbchen hinzu, was ebenfalls mit Papier zu umwickeln ist. Achter Theil des VlMerlrreisrs. Nr.'l. " Acht Blätterlrcist. 158 Papierblumen. Vierter Theil des BlMrrkreisrs. Nr. 2. Zwei Blältcrlreise. Papierblumen. 159 Die gefüllte Mohnrose. Die gefüllte oder krause Mohnblume wird fast in gleicher Weise hergestellt wie die vorige, nur sind die Muster, nach denen die Blätter zugeschnitten werden, etwas verschieden. Wir geben deren zwei. Das Papier wird in acht Theile, wie bei der einfachen Mohnrose angegeben wurde, zusammengefaltet, und am oberen Rande nach dem beifolgenden Muster Nr. 1 mit Einschnitten versehen. Nun nimmt man die geöffnete Schere in die rechte Hand, das mit den Aus- schnitten versehene Papier in die linke und kräuselt diese Ausschnitte mit der Schere, indem man das Papier zwischen 160 Papierblumen. dem einen Theil derselben und dem Daumen der rechten Hand gleiten läßt. Der runde Ausschnitt des Papiers wird nun zur Hälfte entfaltet und dessen unterer Theil chiffonirt und zwischen den Händen geknittert. Nachdem die acht runden Theile des Musters Nr. 1 auf die beschriebene Weise präparirt worden sind, schtleide man zwei Blätterkreise nach dem Muster Nr. 2, das den vierten Theil des Kreises darstellt, kröse deren Blätter bis zum Drittel ihrer Größe, boule sie daraus mit der Kugel, um ihnen die Wölbung zu geben und füge sie der Blume an. Im Uebrigen verfährt man wie bei der einfachen Mohnblume. Rchkrr Theil des Kreises. Papierblumen. 161 Virrlrr Thril dr« Blälkrrkrrisrs. Nr. 2. Zwei Blätterkreiie- 11 162 Pavicrblumen. Die chinesische Mohnblume. Diese hübsche Varietät der Mohnblume wird aus buntfarbig gestreiftem oder gesprenkeltem Papier angefertigt. Man braucht dafür acht Blätterkreise des Musters Nr. 1, welches den zwölften Theil eines Kreises bildet und nach unseren vorhergegangenen Beschreibungen anzuwenden ist, ferner zwei Blätterkreise des Musters Nr. 2, welches den vierten Theil eines solchen Kreises ausmacht. Der gezähnte Rand sämmtlicher zwölf Blättchen eines jeden Kreises des Musters Nr. 1 wird nun mit der Scheren- klinge leicht gekräuselt und deren unterer Theil zwischen den Fingern geordnet. Sämmtliche Blätterkreise sind in gleicher Weise anzusetzen, wie es für die Mohnrose (Seite 154) angegeben worden. Nun klebe man die zwei nach unserem Muster Nr. 2 gefertigten Kreise an und suche Papierblumen. 16 Z den Blättern dadurch ein Art Ausbiegung zu geben, daß man sie oben und unten zusammenhält und sie zugleich etwas zusammendrückt, wodurch die Blume erst die richtige Form der natürlichen Mohnblume erhält. Zwölfter Theil des Bläktsrkreises. Acht Blätterlreise. 11 * 164 Papierblumen. Virrlrr Theil drs Blätlrrkreisrs. Nr. 2. Zwei Blätterlreise. Papierblumen. 165 Die Pfingstrose. Die Pfingstrose oder Päonie wird in der Regel aus dunkel-carminrothem Papier hergestellt. Sie kommt jedoch auch rosafarbig und weiß vor, und hat man je nach der Farbe das Papier zu wählen. Die Schönheit der Blume besteht vorzüglich in ihrer reichen, prächtigen Füllung und in der üppigen Entfaltung ihrer Kronblätter. Das Verfahren ihrer Zusammensetzung und ihres Aufbaues ist ein gleiches, wie das bei der Mohnblume. Will man als etwas Besonderes eine gesprenkelte Blume darstellen, so nimmt man ein Blatt hellgelbes, rosafarbig gesprenkeltes oder gestreiftes Papier und schneidet daraus vier Blätterkreise, die so in 166 Papierblumen. acht Theile getheilt werden, daß jedes Achtel unserem Muster Nr. 1 entspricht. Dann nimmt man ein Blatt weißes, rosafarbig gesprenkeltes Papier, schneidet daraus noch vier solche Blätterkreise von demselben Verhältniß, wie die vorhin angegebenen. Die Ränder der Blätter werden mit der Pincette etwas geknittert, was bei mehreren zugleich geschehen kann; dann windet man sie spiralförmig um den Finger, zieht sie fest über denselben, dreht sie hierauf um und wickelt sie in entgegengesetzter Richtung, damit sie sich wieder entfalten. Dadurch wird das eigenartige Aussehen dieser großen Blume am zweckmäßigsten nachgebildet. Die vier gelben, gesprenkelten Blätterkreise werden, und zwar einer nach dem andern, trichterförmig an einen kleinen Stiel befestigt und rings um das Pistill, jedoch in ungleicher Höhe angebunden. Nach ihnen werden die vier anderen Blätterkreise aufgezogen, die man, um die Blumen abzurunden, vorher geboult hat. Man befestigt sie wie die vorhergehenden mit feinem Draht. Nunmehr sind noch zwei andere Blätterkreise, unter Benutzung des Musters Nr. 2, zu schneiden und ebenfalls an den Rändern zu knittern und in der Mitte zu boulen. Diese sowohl als die vorhergehenden sind wechselständig zu arrangiren; die Befestigung der von Nr. 2 geschieht jedoch nur durch Ankleben. Der aus fünf ungleichen Blättern bestehende Kelch wird aus dunkelgrünem Papier nach dem Muster Nr. 3 und 4 geschnitten, in der Mitte geboult, etwas röthlich angemalt und unterhalb der Blume so festgeleimt, daß die Blätter sich einander gegenüberstehen. Die geschlossenen Knospen erfordern ein gleiches Ver- Papierblumen. 1«!7 fahren wie die Knospen der Mohnrose. Für die halbgeöffnete Knospe schneidet man acht einzelne Blumenblätter nach dem Muster Nr. 5, boult dieselben und schneidet dann noch acht getrennte Blätter nach dem Muster Nr. 6, worauf man sie sämmtlich durch Knittern in der angegebenen Weise modellirt. An einem durch Umbiegen mit einer Oese versehenen Draht von mittlerer Stärke wird nun eine kleine Kugel von Baumwolle aufgezogen und rings um dieselbe werden mit Seide zunächst die zugerichteten Blätter von Nr. 6 und dann die acht geboulten von Nr. 5 je vier zu vier angebracht. Die Ränder derselben sind mittelst Leim etwas zusammenzukleben, damit die Knospe halb geschloffen bleibt. Der Kelch wird wie derjenige der Blume hinzugefügt. Beim Aufbauen der Pfingstrose braucht man ziemlich viele der länglichen oder lanzettlichen grünen Blätter. Die Blume wird an einen ziemlich starken, mit Baumwolle umwundenen Hauptstiel befestigt und dieser, dem in gewissen Entfernungen noch Nebenstiele zugegeben werden, mit grünem Papier umwickelt. Sowohl die Blumen als die Knospen sind mit dünnem Draht zu befestigen, um deren Haltung zu sichern. 168 Papierblumen. Achter Theil des BlAkrrkreiles. Nr. 1. Acht Blätterkreise. Papierblumen. Vierter Theil des Bläkterkreisrs. X X X^ Nr. 2. ZwSlf Blätterkrelsc. 170 Papierblumen. Nr. 3. Zwei Äclchblättchcn. Nr. 4. Zwei Kclchblättchcn. Papierblumen. 17! Nr. 5. Knospe. Nr. 6. Knospe. 172 Papierblumen. Die Stockrose. Die Stock- oder Pappelrose ist groß, kommt einfach und gefüllt vor, ihre Farbe ist bald hellrosa, bald dunkelroth, bald weiß, gelb, violett, und selbst Purpurschwarz. Deren Blüthenstiele sind kurz, der Hauptstiel dagegen ist ziemlich lang, fest und straff aufgerichtet. Das Verfahren beim Zuschneiden der Blumenblätter ist ein gleiches wie bei der Mohnrose; das Papier wird auch hier viereckig geschnitten, zum Dreieck zusammengefaltet und dann noch zwei mal zusammengelegt, so daß eine zugespitzte Form entsteht. Auf dieses achtmal zusammengefaltete Papier wird nun, je nach der Größe der Blume, eines Papierblumen. 173 unserer Muster gelegt, welches jedes den achten Theil des Blütterkreises bildet, und danach die Form der Blätter zugeschnitten. Für jede Blume schneidet man vier Kreise von dieser Größe, und nach demselben Muster Nr. 1 noch fünf getrennte oder einzelne Blumenblätter. Nachdem sämmtliche Blätter zugeschnitten sind, windet man jedes Blatt der Blätterkreise spiralförmig um den Finger, wie bei der Mohnrose angegeben, entfaltet es vorsichtig wieder, damit es nicht zerreiße, boult die fünf einzelnen Blätter muschel- förmig und richtet nun die Blume her, indem man einen dünnen, mit Baumwolle umwundenen Draht nimmt und an denselben oberhalb einen der eng und trichterförmig zusammengezogenen Blätterkreise mit Seide oder feinem Draht befestigt. Vorher ist der Stieldraht oben in Form eines Häkchens umzubiegen, um die Blume sicherer befestigen zu können. In gleicher Weise werden noch drei andere Blätterkreise, jeder für sich an einen kleinen Draht befestigt und dann sämmtlich um den zuerst aufgezogenen Blätterkreis grnppirt, so daß sie eine Art Pompon oder Büschel bilden. Dann klebt man die einzelnen Blnmenblättchen so an, daß sie sich etwas überschneiden und den Büschel oder Pompon um 3—4 Centimeter überragen. Von grünem Papier schneidet man nun einen sternförmigen Kelch, boult ihn mit einer Kugel von entsprechender Größe, bringt im Innern desselben etwas Leim an, zieht ihn unter die Blume und umwindet den Stiel mit grünem Papier. Die geöffneten Knospen werden in gleicher Weise nach dem Muster Nr. 1 präparirt, doch zieht man die Blätter- Papierblumen. i?r kreise enger zusammen und läßt die letzte Reihe der einzelnen Blättchen die anderen nur wenig überragen. Um einen Zweig einer Stockrose aufzubauen, bedarf man erstens zwei Knospen, jede aus vier Blätterkreisen und fünf nach Nr. 1 gebildeten Blättern bestehend. Zweitens zwei Rosen, eine jede aus vier Blätterkreisen und fünf einzelnen Blättern nach Nr. 2 gebildet. Drittens vier Rosen, jede aus vier Blätterkreisen und fünf einzelnen Blättern nach Nr. 3 gebildet. Endlich viertens vier Rosen, jede aus vier Blütterkreisen und aus fünf einzelnen Blättern nach Nr. 4 gebildet. Beim Aufbau des Ganzen beginnt man mit zwölf bis zwanzig geschlossenen Knospen von verschiedener Größe, die man traubenförmig an einen Stengel setzt und unter ihnen, etwas weiter abwärts, fünf oder sechs grüne Blätter anbringt. Von da an verstärke man den Stiel durch einen stärkeren, mit Baumwolle umwickelten Draht, der den Hauptstiel bildet. Sollte sich der Draht zu schwach erweisen, so kann man demselben als Verstärkung noch ein dünnes Stäbchen hinzufügen. Hierauf lasse man eine halb geöffnete Knospe folgen, dann noch einige kleine grüne Blätter, nach diesen eine weiter geöffnete Knospe mit Blättern, alsvann kleine, abwechselnd mit Blättern versehene Blumen, endlich die großen Blumen, und so weiter bis zum Ende des Stiels. Die Stengel der Blätter und Blüthen sind sorgfältig aufzurichten, damit der Zweig eine pyramidale Form gewinne. Die grünen Blätter sind so zu placiren, daß die kleineren oberhalb stehen und nach abwärts die größeren folgen. i Papierblumen. 175 Man bedarf von jeder Größe derselben vier bis sechs und werden sie erforderlichen Falls mit einem grünen Stäbchen unterstützt. Selbstverständlich wird sowohl der Blatt- wie ,L>er Hauptstiel mit grünem Papier umwunden. Achter Theil des Bläkkerkrrises. «nospc. Nr. I. Vier Blütterkreise. 176 Papierblumen. Nr. 3. Vier Blätterkreise. Nr. 2. Vier Blätterkreise. Nr. 4. Knospe. Fünf einzelne Blätter. Papierblumen. 177 > Nr. 2. Fünf Blätter. 12 178 Papierblumen. Nr. 3. Fünf Blätter. Nr. 4. Fünf Blätter. - ^ Papierblumen. 17S Dir Asirr. Deren Farbe ist bekanntlich sehr verschieden: weiß, rosa, lilasarbig, violett und gesprenkelt. Jede Blume erfordert einen Blätterkreis nach unserem Muster Nr. 1, zwei Blätterkreise nach Nr. 2, zwei Blätterkreise nach Nr. 3, zwei derselben nach Nr. 4, zwei nach Nr. 5 und endlich zwei nach Nr. 6. Der Blätterkreis Nr. 1 muß mit der Pincette in der hohlen Hand gekröst worden und zwar in der Weise, wie wir dies bei der Rose (Seite 18) angegeben haben. Desgleichen der erste der Blätterkreise von Nr. 2, während der zweite mit der Pincette in der Hand gerollt wird, um jedem Blättchen eine röhrenförmige Windung zu geben. Allen Blättchen der übrigen Kreise wird eine ähnliche Form ver- 12 * 180 Papierblumen. liehen, nur mit dem Unterschied, daß sie weniger geschlossen ist. Um eine in der Entwickelung bis zum letzten Stadium vorgeschrittene Aster darzustellen, biegt man die zwei kleinen Spitzen eines jeden Blumenblattes mit der Pincette leicht nach abwärts. Als Abschluß der Blume schneide man einen Blätterkreis aus grünem Papier, ziehe denselben unter die vorhin angegebenen, befestige ihn und biege dessen Blättchen noch etwas weiter nach abwärts als die andern. Das Herz dieser Blume findet man meist im Handel vorräthig, doch kann man dasselbe in folgender Weise auch selbst machen. Von starkem, gelbem, halb aufgedrehtem Baumwollengarn schneidet man acht bis zehn Fäden von acht Millimeter Länge, die man zu einem kleinen Bündel formt; nimmt dann einen feinen Draht, den man, wie wir schon wiederholt angegeben, in der Mitte zusammenbiegt, placirt in die Biegung das Baumwollenbündelchen, schlägt das Bündelchen nach aufwärts und dreht dann die beiden Drahtenden wie eine Schnur zusammen. Hierauf vereinigt man die beiden Endtheile des Bündelchens so, daß sie mit dem Draht dieselbe Richtung nehmen, schneidet sie gleichmäßig ab, bearbeitet sie mit der Spitze der Schere, um ihnen eine plüschartige Weichheit zu geben und umwindet sie am unteren Ende mit Seide, dann hat man ein der Natur ähnliches Herz der Aster. Rings um dasselbe wird nun mit der Spitze der Pincette ein wenig Leim angebracht, dann der Blätterkreis nach dem Muster Nr. 1 angefügt und, um die Blumenmitte etwas zu bedecken, leicht ange- Papierblumen. 181 drückt. Nun folgt der, gleich dem ersten gekröste, jedoch nach dem Muster Nr. 2 geschnittene Blätterkreis, der ebenfalls mit etwas Leim befestigt wird; alsdann ein zweiter Blätterkreis nach dem Muster Nr. 2, den man möglichst gerade aufrichtet; nun kommt der Blätterkreis des Musters Nr. 3 an die Reihe, bei dessen Aufziehen man jedoch den Leim etwas unterhalb des Herzens der Blume, anstatt rings um dasselbe, anbringt. Bei den nun folgenden Blätterkreisen von Nr. 4 giebt man den einzelnen Blättern eine abwärtsfallende Richtung und in gleicher Weise fügt man die Blätterkreise Nr. 5 und 6 hinzu. Bei Anfügung eines jeden Kreises suche man den aufgetragenen Leim mit der Fingerspitze gut zu vertheilen, sowohl der Befestigung wegen, als um die Richtung der einzelnen Blättchen zu sichern. Hierauf folgt die Hinzufügung des grünen, als Abschluß dienenden Blätterkreises in der angegebenen Weise. Für eine halbgeöffnete Knospe schneidet man einen Blätterkreis nach dem Muster Nr. 4, theilt ihn in vier Theile, modellirt diese, wie die in der Mitte der Blume befindlichen Blättchen, öffnet sie wieder und befestigt sie mit Seide an einen mit einer Oese versehenen Drahtstiel, jedoch so, daß die hohle Seite nach Innen kommt. Nun schneidet man einen Blätterkreis aus grünem Papier, boult jedes einzelne Blättchen desselben und umhüllt damit die Knospe; schließlich schneidet man noch einen zweiten grünen Kreis, faltet dessen Blättchen zwischen den Fingern und befestigt ihn rings um den erstern. Nachdem man die Blumen an den Stiel aufgezogen, setzt man zunächst drei oder vier grüne Blättchen an, die 182 Papierblumen. man dadurch gewinnt, daß man sie aus dem grünen Blätterkreis zu drei oder vier ausschneidet, dann sie zwischen den Fingern etwas faltet. Derartige Blättchen bringt man von Zeit zu Zeit rings um den Zweig an, während man ihn mit grünem Papier umwickelt. Ferner erhält jeder Zweig, der eine Blume oder Knospe trägt, grüne Blätter von verschiedener Größe und werden schließlich die Stiele mit Carmin etwas geröthet. Nr. 1. Ein Blättcrkreis. « Zwei Blättcrkreise. Papierblumen. 183 Nr. 3. Zwei Biütterlreise für die Blume und ein Kreis für die Knospe. Nr. 6. Drei Blütterkreife. 184 Papierblumen. Nr. 4. Zwei Blätterkreisc. Nr. 5. Zwei Blätterkrcise. Papierblumen. 18 » Die Ranunkel. Diese aus Asien stammende große und schöne Blume variirt in den verschiedensten Farben, und ist es eine Eigenthümlichkeit derselben, daß der obere Rand der Blumenblätter stets dunkler ist, als der übrige Theil des Blattes, ja daß er nicht selten eine ganz von demselben verschiedene Farbe hat. So kommt es z. B. vor, daß der obere Rand eines gelben Blattes carminroth ist, was man leicht mit einem Pinsel und etwas Farbe nachahmen kann. Zu ihrer Nachbildung bedarf man zwölf Blätterkreise, die nach dem beigegebenen Muster zu schneiden sind. Vier derselben werden mit der Kugel Nr. 8 ziemlich hohl ge- boult; es sind die, welche zunächst um den Kern der Blume 186 Papierblumen. stehen. Die übrigen acht werden stufenweise mit der Kugel Nr. 7 weniger gehöhlt, so daß die letzten fast ganz platt erscheinen. Der Kern der Blume wird gebildet, indem man etwas Baumwolle an das umgebogene Ende eines Drahtstiels befestigt, ihm die Form eines Kügelchen giebt, dieses in flüssigen Leim taucht und es mit ein wenig Schnupftabak bestreut. Der erste Blätterkreis, den man an diese Kugel mittelst Leim anbringt, muß stets blaßgrün sein, ganz gleich, welche Farbe man der Blume zu geben beabsichtigt. Jeder folgende, mit Gummi anzuheftende Blütterkreis wird mit dem Finger ringsum angedrückt, jedoch möglichst vorsichtig, damit die ausgeboulte Form der Blume darunter nicht leide. Die inneren Blumenblättchen müssen sich, indem sie sich nach innen biegen, etwas über einander legen, so daß das durch den Tabak geschwärzte Banmwollenkügelchen nur als ein Punkt von der Größe einer Erbse sichtbar bleibt. Der zweite Kreis ist ebenso anzusetzen wie der vorige, doch sind dessen Blätter mit jenen wechselständig zu stellen, was für die Blume von großer Wichtigkeit ist. Die nun folgenden Blätterkreise werden etwas tiefer und immer wieder wechselständig angesetzt. Der abschließende Kelch, der nach bei- stehendem Muster zu schneiden ist, wird der Blume so angefügt, daß die Seiten gut an einander schließen. Die kleinen Knospen werden aus zwei gut geboulten Blütterkreisen, die größeren und stärkeren aus vier derselben gebildet und mit einem abschließenden grünen Stern versehen. Papierblumen. 187 Wir müssen hierbei abermals auf die Beobachtung der Natur hinweisen. Der Hauptstiel der Blume, obgleich aufrecht stehend und von ziemlicher Stärke, muß trotzdem schmiegsam erscheinen. Er wird erst mit Baumwolle und dann mit grünem Papier umwunden. Zwischen den Blumen und den grünen Blättern läßt man eine Entfernung von sechs bis acht Centimeter und sind letztere zu zwei oder drei zu gruppiren. Dasselbe ist bei den Knospen zu beobachten. Die grünen Blätter müssen unterhalb geschmackvoll geordnete Tuffs bilden, wobei zu berücksichtigen, daß dieselben meist lang gestielt sind, während man die kleineren Blätter in der Natur meist kurz oder stiellos findet. Zwölf Blättcrkrcise. 188 Papürblumen. Die Georgine. Diese prächtige Zierpflanze darzustellen gelingt sehr leicht in Papier. Man hat sie theils einfach, theils halb, theils ganz gefüllt und die letzteren sind, wenn sie recht große, schön gerundete Blütheuköpfe und eine recht schöne Form der einzelnen Blüthen haben, am meisten geschützt. Man findet sie vom hellsten bis zum dunkelsten Roth, zuweilen auch orange- oder citronengelb, weiß oder bunt. Um deren Blüthenkopf zusammenzusetzen, schneide man nach den angegebenen Mustern zwei Blütterkreise von Nr. 1, zwei von Nr. 2, vier von Nr. 3, vier von Nr. 4 und zwölf von Nr. 5. Beim Krösen der einzelnen Blättchen faßt m an die gleich großen Blätterkreise zusammen und bildet die Blumenblätter Papierblume». 189 in Form von Röhrchen oder regelmäßigen Tuten, deren unteren Theil man platt drückt. Die ersten Nummern müssen oberhalb ganz geschlossen, die anderen aber stufenweise geöffnet sein. Hat man die Blätterkreise auf diese Art präparirt, so klebt man um ein aus grünem Teig geformtes und an einem feinen Drahtstiel befestigtes Pistill ein wenig flüssigen Leim und beginnt mit dem Ansetzen des ersten Blätterkreises, indem man jedes Blättchen so nahe an das Pistill befestigt, als wollte man dasselbe verbergen. Alsdann werden die anderen Kreise mit ihren tutenförmigen Blättern nach einander aufgezogen, zwischen jeden derselben etwas Leim anbringend. Man hat darauf zu achten, daß die Blumenblätter wechselständig stehen. Um den doppelten Kelch der Blume zu imitiren, schneidet man nach dem Muster Nr. 6 zwei Blätterkreise aus grünem Schlangenpapier, dessen einzelne Spitzen mit den Fingern etwas gefaltet und nach auswärts gebogen werden. Nachdem man dieselben aufgezogen, schneidet man noch einen andern Kelch nach Nr. 7 aus grünem Papier, formt ihn und biegt ihn gleichfalls nach auswärts und bringt ihn unter den ersteren an. Schließlich sind die grünen Kelchblätter, der Natur entsprechend, etwas zu röthen. Die Blume muß so regelmäßig geordnet werden, daß sie das Ansehen einer großen Rosette gewinnt. Die Knospen werden genau in derselben Weise hergestellt, doch kann man sie nach Belieben kleiner oder größer halten. Man benutzt dazu die Muster Nr. 1, 2 und 3, sechs solcher Blätterkreise genügen gewöhnlich; die Knospe wird mit einem grünen Blätterkreis umschlossen. 190 Papierblumen. Die Stiele, an denen die Blumen und Knospen zu befestigen sind, müssen biegsam und gut mit Baumwolle umwunden sein. Zwischen der Blume und den ersten Blättern bleibt eine freie Stiellänge von zwölf bis fünfzehn Centi- meter. Der Stengel, an dem sich die Knospe befindet, wird so weit umgebogen, daß letztere beinahe den Stiel berührt. Es ist eine Eigenthümlichkeit der Georgine, daß die Knospe, je mehr sie sich entwickelt, sich um so mehr am Stiel aufrichtet, und dennoch steht die ganz entwickelte Blume nicht etwa an gradem Stengel, wie die Rose, sondern macht eine etwas coquette Bewegung, als wollte sie uns von der Seite ansehen. Die grünen, länglichen und etwas gezähnten Blätter werden, in Zweigen zu drei und fünf gruppirt, so angesetzt, daß eines derselben an die Spitze des Zweiges kommt, während die andern sich gegenüberstehen. Nr. I. trin Mättcrkrcis. Papierblumen. Nr. 2. Zwei Blätterkreise. Nr. 3. Vier Blätterkrcise. 192 Papierblumen. Vier Blätterkrcise. ! Papierblumen. 193 Nr. 5. Zwölf Bliittcrkreise. 13 194 Papierblumen. Zwei Kelche. Ein Kelch. Papierblumen. 195 Dir Weihe Lilie. Zur Imitation der schönen weißen Lilienblätter bedarf man eines starken, festen und weißen Papiers. Drei Blumenblätter sind nach dem Muster Nr. 1 und drei nach dem Muster Nr. 2 zu schneiden. Um sie vom unteren Ende an, etwa ein Drittel ihrer Länge, gelbgrün zu färben, benetze man sie vorher mit Wasser und beginne mit dem Modelliren derselben erst dann, wenn sie wieder trocken geworden sind. Alsdann falte man zunächst jedes Blättchen der Länge nach zusammen, biege es ungefähr bis znr Hälfte nach auswärts, rolle dessen beide Randseiten nach innen und entfalte es dann wieder. Um ihnen Halt zu geben, leime man ihnen unterhalb, der Länge nach, einen dünnen, mit weißein Papier bedeckten Draht an. 13 * 196 Papierblumen. Der Mittelpunkt der Lilie besteht aus einem langen, mit sechs Staubfäden umgebenen Griffel. Um diese Theile nachzubilden, binde man einen drei Centimeter langen, gesteiften und gelb gefärbten Zwirnfaden an einen sehr feinen Draht, befestige an dessen obersten Ende ein plattgedrücktes Kügel- chen von gelbem Teig und versehe das andere Ende mit etwas Baumwolle oder Watte, die man mit gelbem Pulver bestreut. Um diese Baumwolle bringe man nun als Staubfäden sechs gesteifte und mit Staubbeuteln, die aus starkem Papier oder Reisstroh herzustellen sind, versehene Zwirnfäden an, die jedoch kürzer sein müssen, als der in der Mitte befindliche Griffel. Die Nachbildung der Staubfäden geschieht in folgender Weise: man schneide kleine ovale Theilchen aus Papier, überstreiche sie mit flüssigem arabischem Gummi und bestreue sie mit gepulvertem gelbem Ocker; sie werden in horizontaler Richtung, dem obersten Ende der Fäden angesetzt. An den Fuß dieses Mittelpunktes befestige man nun mit Seide und mit Leim zuerst drei Blumenblätter nach dem Muster Nr. 1, und dann über diese drei Blätter nach dem Muster Nr. 2, und zwar wechselständig. Da die Lilie keinen eigentlichen Kelch besitzt, so muß man, um die Befestigung der Blumenblätter zu verbergen, das Papier des Stiels soviel als möglich dazu benutzen, indem man es eng mit der Blume verbindet und alsdann noch das untere Ende der Blumenblätter etwas mit Grün anmalt. Zum Aufziehen der Blume bedarf man eines starken, mit Baumwolle und mit blaßgrünem Papier umwundenen Drahtstiels. Der befestigten Blume läßt man in einer kleinen Entfernung ein etwas rückseits gebogenes Kelch- oder Hüll- Papierblumen. 197 blättchen folgen. Um den Zweig zu garniren braucht man wenigstens sechs grüne und vier oder fünf halb geöffnete Knospen und drei halb und drei ganz aufgeblühte Blumen. Letztere charakterisirt man dadurch, daß man bei den ganz geöffneten Blumen die Blätter mit den Fingern stärker nach auswärts biegt, während man sie bei den halb geöffneten mehr gerade stehen läßt. Gleich den Blumen und den halb geöffneten Knospen erhalten auch die grünen Knospen das vorhin erwähnte Kelch- oder Hüllblättchen. Für die halb aufgeblühten oder geöffneten Knospen bedarf man sechs, nach dem Muster Nr. 3 geschnittene Blättchen, die geformt, aneinandergesetzt und an einen kleinen, mit Watte umwickelten Stiel befestigt werden. Für grüne Knospen färbe man das Papier gelblichgrün und umgebe damit ein aus Baumwolle gebildetes, kugelförmiges Körper- chen, das die Größe und das Aussehen der Lilienknospe hat, und befestige dieses an einen, mit grünem Papier umwundenen Drahtstiel. Beim Aufziehen der Blume beginne man mit einer grünen Knospe, der man etwas weiter unten eine zweite folgen läßt, und fährt so fort, bis sämmtliche Knospen angebracht sind. Alsdann werden einige kleine Blättchen angefügt und nun folgen am Hauptstiel die Blumen, die man gleichfalls in geringer Entfernung übereinander anbringt und wobei man mit den weniger geöffneten beginnt. Hat man so den Aufbau der Blume vollendet, so wird es erforderlich sein, den Hauptstiel noch durch einen stärkeren Draht, den man mit feinem Mefsingdraht anbindet, zu unterstützen. Dieser Hauptstiel muß wenigstens zwanzig bis 198 Papierblumen. fünfundzwanzig Centimeter Länge haben, wird mit grünem Papier umwunden und der Länge nach mit kleinen, grünen Blättern versehen. Gegen das Ende desselben folgen dann, je drei zu drei und ziemlich nahe an einander, die anderen grünen und spitzen Blätter. Nr. 1. Drei Blatter. Nr. S. Knospe. Nr. 2. Techs BIStter. Drei Blatter. Papierblumen. 199 Die Rvse. Die Arten der Rose sind sowohl der Form als der Größe und Farbe nach außerordentlich zahlreich. Wir wollen hier ein leicht faßliches Verfahren angeben, sie aus Papier herzustellen, und dazu zugleich eine Art von Rosen wählen, die am wenigsten Schwierigkeiten bietet. Man nehme Papier von der Farbe derjenigen Rose, die man nachbilden will, schneide davon einen Streifen von 6—8 Centimeter Breite, der ganzen Länge des Papiers nach, falte diese Streifen nach der Größe des Musters Nr. 5 zusammen und schneide aus ihnen zuerst die Form der größten Blätter der Rose. Damit sich die Blätter auseinanderlegen lassen, schlitze man die Seiten des zu- 2 «» Papierblumen. sammengefalteten Streifens bis zur Hälfte. Der übriggebliebene Theil des Papierbogens wird nun seiner längsten Seite nach in vier Streifen geschnitten und zwar entsprechend der Höhe der Muster Nr. 4, Nr. 3, Nr. 2, und Nr. t. Der letzte und schwülste dieser Streifen dient zur Herstellung der Bouillotten oder Puffen und für die kleinen Blättchen, welche man um diese setzt. Diese Streifen werden nun, wie schon bei den größeren Blättern angegeben, in der Breite der entsprechenden Muster zusammengelegt, dann nach diesen die Blätter ausgeschnitten und schließlich die Streifen bis zur Hälfte ihrer Höhe geschlitzt. Das Herz der Rose wird aus einem Bündelchen gedrehter und gestreifter Baumwollenfäden gebildet, das man zwischen der Biegung eines doppelt genommenen Drahtes einklemmt und dort leicht befestigen kann. Man schneidet die Fäden, die in Form einer Quaste erscheinen, gleichmäßig, taucht deren Spitzen in Gnmmiwasser und dann in gelben Gries oder Pulver und läßt sie trocknen, wobei jedoch zu verhüten, daß die einzelnen Fäden zusammenkleben. Die Zusammensetzung der Rose beginnt man mit den Bouillotten oder Püffchen. Dieselben werden aus einem kleinen Papiercarrs geformt, das man zum Dreieck über einander legt, und dann es dadurch zum Püffchen formt, daß man, während man die unteren Enden des Dreiecks mit der linken Hand Zusammenhalt, mit der rechten die beiden anderen Enden mit diesem vereinigt; auf diese Weise entsteht eine Bouillotte oder Puffe, welche jedoch noch der Modellirung bedarf. Letztere geschieht mit der Pincette und hat man sich zu bemühen, mittelst derselben die eigenthümlichen Knit- Papierblumen. 201 terungen der natürlichen Rosenblättchen nachzuahmen. Man befestige jedes Püffchen an einen feinen Draht und ordne es rings um den Mittelpunkt der Rose so, daß sich einige derselben mit den Staubfäden vermischen. Aus dem übriggebliebenen Papier des für die Bouillotten bestimmten Streifens schneide man nun einige kleine, sehr schmale Rosenblättchen und kröse dieselben, indem man sie in die hohle linke Hand legt, dann die Pincette in die rechte nimmt, den Zeigefinger an dieselbe so anlegend, daß sie nur halb geöffnet ist. Indem man nun das Blättchen von oben bis zur Mitte zwischen den Schenkeln der Pincette gleiten läßt, kräuselt sich dasselbe wie eine kleine Locke. Diese Blättchen werden zu drei oder vier um die Bouillotten gesetzt und müssen sich etwas über das Herz der Rose neigen. Nun nimmt man den nach Angabe präparirten Rosen- blätterstreifen Nr. 2, knillt in diesem einige Blätter, indem man sie in der hohlen Hand zusammenlegt und mit der Pincette eine Falte darin bildet. Man bearbeitet nämlich mit der Pincette die Mitte des Blattes, dessen Seiten man etwas umwendet, worauf man mit derselben eine zweite Falte, welche bis zum unteren Ende des Blattes geht, bildet. Hierauf legt man das Blatt vorsichtig auseinander und biegt dessen oberen Rand mit der Pincette etwas nach auswärts. Man löse nun von jedem der Streifen vier Blättchen ab, falte sie zu je vier so ineinander, daß sie ein kleines Bündel bilden, und setze diese Bündel, nachdem man sie gleichfalls mit einem Draht versehen, rings um die vorhin angesetzten schmalen Blättchen an. Der Streifen Nr. 3 wird 202 Papierblumen. dann ebenso präparirt wie der Streifen Nr. 2 und in vier Bündelchen getheilt, von denen jedes aus vier Blättern besteht, und befestigt man diese rings um die vorigen und zwar wechselständig. Die aus dem Streifen Nr. 4 gebildeten Blättchen sind zunächst auf dem Kröskissen oder der Gummitafel zu boulen. Alsdann wird dieser Streifen zu zwei oder drei Blättchen getheilt und wendet man diese Blättchen mit der Pincette etwas um, indem man einen Schenkel der Pincette leicht über das auf den Daumen der rechten Hand liegende Blatt gleiten läßt, worauf diese zwei oder drei Blättchen ebenfalls an einen Draht befestigt und da zwischen den übrigen angesetzt werden, wo diese eine Lichtung oder freie Stelle zeigen. Nun sind noch die Blätter des Streifens Nr. 5 zu krösen. Jedes Blatt wird an beiden Seiten mit der Pincette etwas umgewendet. Hierauf theile man den Streifen zu je fünf Blättern, befestige vier dieser fünfblätterigen Reihen so rings um die Rose, daß sie sich nach auswärts neigen und mit den vorhergegangenen wechselständig stehen, das heißt, daß die Mitte eines Blattes jedesmal zwischen den Seitenrändern der vorher befestigten Blätter zu stehen kommt. Es ist sehr wesentlich für die Form der Blume, daß deren Blätterreihen immer in derselben Höhe angesetzt werden, in welcher die Bouillotten sich befinden, weil anderenfalls die Rose entweder platt oder trichterförmig erscheinen würde. Damit man beim Anfügen des Kelches nicht auf Schwierigkeiten stoße, muß man den durch den Messingdraht befestigten Ansatz der Blätter gehörig zurichten und Papierblumen. 203 erforderlichen Falls abschneiden und das überflüssige Papier beseitigen. Da es sehr schwierig sein würde, den Kelch der Rose aus Wachs oder Teig selbst zu bilden, so ist es rathsam, denselben fertig zu kaufen. Dann ist dessen Ansehung sehr leicht. Jedoch hat man sich vorher zu überzeugen, ob er auch weit genug ist und nicht überflüssige Baumwolle enthält. Nachdem man vorher die sogenannten Spinnen der Rose angefügt, leitet man den Stengeldraht durch den Kelch und umhüllt mit dem letzteren den unteren Ansatztheil der Rose, den man vorher mit etwas grünem Leim oder Kleister versehen hat. Der Kelch selbst braucht dann nicht weiter befestigt zu werden, da eine Verschiebung desselben, sowohl durch die Baumwolle, die er enthält, als durch das grüne Papier, womit der Stiel zu umwickeln ist, verhindert wird. Die Form der Knospe ist vorher in Baumwolle nachzubilden, die man an das Ende eines umgebogenen Drahtes befestigt und ihr durch spiralförmiges Umwinden allmählich die Gestalt verleiht, welche die Knospe in der Natur hat. Nachdem man dieser Form mittelst Leim oder Gummi eine gewisse Festigkeit gegeben, bedeckt man sie mit kleinen, gut geboulten Blättchen und setzt hierauf die Spinnen an, welche die geschlossenen Knospen beinahe gänzlich umhüllen und sie oberhalb wesentlich überragen. Die halb geöffnete Knospe dagegen ist aus Rosenblüttern zu bilden, die man gleich denjenigen der entwickelten Rose vorher modellirt, dann einfach um den Finger windet, um ihnen die nöthige Biegung zu verleihen. Das untere Ende der Knospenblätter schneide man etwas spitz zu, um die Knospe besser in den Kelch 2Y-1 Papierblumen. ziehen zu können und um ihr eine hübsche Form zu geben; befestige sie dann an einen kleinen, sehr feinen, mit Baumwolle umwundenen Drahtstiel, umgebe sie mit den erforderlichen Spinnen und ziehe, wie bei den geschlossenen Knospen, den Kelch darunter. Das Ansetzen oder Aufziehen der Papierrose geschieht in derselben Weise wie dasjenige der Stoffrose, weshalb wir dies hier nicht weiter angeben wollen, sondern auf diese verweisen. l ) Streifen Nr. 1. Drei Bouillotten. Papierblumen. 205 Streifen Nr. 4. Streife» Nr. 5. 206 Papierblumen. Die Provenrrr Rose. Diese, auch Rose powponia und Jungfernrose, oder kleine Centifolie genannt, ist eine ziemlich niedrige Abart mit kleinen Blättern und Blüthen. Obgleich dieselben gewöhnlich rosenfarbig erscheinen, so imitirt man sie doch gern in Blaßgelb oder in Purpurroth. Man schneide zwei Blätterkreise nach dem Muster Nr. 1, spalte sie etwas in der Mitte und kröse sie, wie die Herzblätter der Rose. Dann schneide man vier Kreise nach dem Muster Nr. 2, boule die kleinen Blättchen derselben einzeln nach einander, und nun noch vier Kreise von Nr. 3, die ebenfalls zu boulen sind. Papierblumen. 207 Nun bilde man einen mit Staubfäden umgebenen Mittelpunkt, wobei man sich nach der bei der Stoffrose gegebenen Erklärung richtet; klebe ringsum etwas Leim an, ziehe einen geboulten Blätterkreis von Nr. 1 um den Mittelpunkt, an den man ihn, um ihn zu befestigen, fest andrückt. Ebenso wird der zweite Blätterkreis von Nr. 1 angesetzt und nachdem man wieder etwas Leim aufgelegt, folgen die Blätterkreise von Nr. 2. Dieselben müssen gut geboult und, um die richtige Form der Rose nachzubilden, etwas übereinander liegen. Am unteren Ende der Blättchen wird nur wenig Leim angebracht und derselbe richtig vertheilt. Endlich werden die vier Kreise Nr. 3 aufgezogen. Sie sind nur mäßig zu boulen, da die Form dieser Rose eher flach als rund ist. Nun wird eine geboulte Spinne darunter geklebt und mit einem kleinen Kelch geschlossen. Die grünen Knospen sind in gleicher Weise zu fertigen wie die der anderen Rosen. Die halb geöffneten entsprechen dem Anfang der Rose und setzt man ihnen, je nach der Größe oder Stärke, die man ihnen geben will, vier oder fünf Blättchen an. Wenn man die Rosenstiele mit grünem Crepp oder Flor umwindet, dessen Ränder man leicht ausgestanzt hat, so sieht dies natürlicher aus, als die Papierumwindung. Sie sind alsdann in der angegebenen Weise etwas zu röchen. Beim Ansetzen an den Hauptstiel verfährt man ganz so wie bei den andern Rosen, nur mit dem Unterschied, daß man hier mehrere kleine Knospen anzubringen sucht. Papierblumr». SO« Nr. I. Zwei Blätterkrcise. Nr. 2. Bier Blättcrkrcise. Nr. 3. Vier BMterkreilr. Papierblumen. 209 Die bengalische Rose. M, ^ Diese Rvse ist sehr zart und ihre Blätter erscheinen geknittert und verbogen. Eine Eigenthümlichkeit derselben ist, daß die Farbe der Blätter in der Ordnung, wie sie aufeinander folgen, immer lebhafter wird. Da diese Blätterordnungen, die in Kreisen den Mittelpunkt der Blume umgeben, auch vielfach mit dem technischen Ausdruck „Rangordnungen" oder einfach „Rangs" bezeichnet werden, so wollen wir diesen Ausdruck hier beibehalten. Zur Herstellung derselben bedarf man vier verschiedene solcher Rangs, deren Blätterformen in unseren Mustern gegeben sind. Die Blätter des ersten Rangs müssen geboult 14 210 Papierblumen. werden und ist deren Rand in der bereits mehrfach angegebenen Weise etwas umzubiegen. Auch die Blätter des zweiten Rangs werden geboult. Das Blättermnster Nr. 3 ist für vier Rangs zu verwenden, von denen die erste Rangreihe geboult, die zweite gleichfalls geboult und deren Blätter an einer Seite umgebogen werden; endlich werden auch die Blätter der zwei letzten Rangreihen geboult und deren Ränder an beiden Seiten umgebogen. Die Befestigung geschieht mittelst Leim. Bouillotten sind für diese Rose nicht erforderlich. Um die Farbe der verschiedenen Rangs wiederzugeben bedarf man rosafarbiges Papier von verschiedenen Graden. Nämlich: Blaßrosa für den Rang Nr. 1, lebhaftere Färbung für den von Nr. 2, noch lebhafteres Rosa für drei Rangs von Nr. 3; tiefes intensives Rosa für den vierten und letzten Rang von Nr. 3. Das Rosa der offenen sowie der halboffenen Knospen ist von tiefster Rosa-Nüance. Die Spinnen dieser Rose, die nicht die Knospen umschließen, sondern sich zurücklegen, sind klein und ohne „Griffs". Die an den Hauptstiel anzusetzenden grünen Blätter sind ziemlich lang und von spitz zugehender Form. Will man von dieser Rose ein ungewöhnlich großes Exemplar herstellen, so braucht man derselben nur noch einige Rangs mehr anzufügen. Papierblumen. 211 Sechster Theil des Blälterkreises. Nr. 2. Ein Rang. Nr. 1. Ein Rang. Vierter Theil des Bläkkerkreifts. Nr. 3. Vier Rangs. 14 * 212 Papierblumen. Die gefüllte bengalische Rose. Diese Rosen kommen in rosenrother und kirschrother Farbe vor. Zur Herstellung einer jeden derselben braucht man: einen Blätterkreis Nr. 1, gekröst; zwei Blätterkreise Nr. 2, geboult; zwei Blätterkreise Nr. 3, geboult und mit der Zange an einer Seite umgebogen; zwei Blätterkreise Nr. 4, geboult und an den Seiten zurückgebogen; vier Blätterkreise Nr. 5, geboult und an den Seiten zurückgebogen. Der Mittelpunkt dieser Rose bedarf keiner Bonillotten; deren Blätter werden stets wechselständig angesetzt. Papierblumen. 213 Nr. 1. L14 Papierblumen. j Papierblumen. 215 216 Papierblumen. Die Mmmtsrvie. Die Monats- oder Noisette-Rose erfordert als Mittelpunkt drei, durch Messingdraht befestigte Bouillotten. Ferner: zwei Blätterkreise, sogenannte Rangs, nach dem Muster Nr. 1, Welches den sechsten Theil eines solchen Kreises bildet; sie Werden geformt, mit der Pincette geknillt und mit Leim befestigt. Zwei Rangs nach Nr. 2, werden geknillt und angeleimt. Vier Rangs nach Nr. 3, werden angeleimt; der erste Rang wird geboult, der zweite geboult und an einer Seite zurückgebogen, der dritte und vierte gekröst und an den Seiten zurückgebogen. Nun werden vier einzelne, geboulte und an beiden Seiten rückwärts gebogene Blättchen, um die Form der Rose zu Papierblumen. 217 sollenden, angesetzt, worauf man den Kelch darunter zieht. Das für diese Rose zu verwendende fertig zu habende Papier ist gelblich und mit rosafarbigem Rand ausgestattet. Man schneidet daraus zunächst drei den Mittelpunkt der Rose bildende Bouillotten und alsdann die Rangs in oben angegebener Weise. Die Streifen für die Knospen schneidet man aus dem rosafarbigen Rand, weil die letzte Reihe der Blättchen der Noisette-Rose, so wie die der halb geöffneten Rosenknospe in der Natur stets rosafarbig erscheinen. Die Knospen werden wie diejenigen der andern Rosen- arten gefertigt. Kleine Knospen von spitzer Form sind durchweg rosafarbig, haben verschiedene Größe und sind ziemlich zahlreich. Es läßt sich z. B. ein Tuff von einem Dutzend kleiner grüner Knospen mit zwei bis drei halb geöffneten bilden, denen man eine oder auch mehrere Rosen hinzufügen kann. Das Blätterwerk ist, gleich demjenigen der bengalischen Rosen, spitz geformt. Dieselben Muster und dieselbe Erklärung eignet sich auch für die Anfertigung der weißen und rothen oder der Königsrosen, für welche man jedoch mehr abgerundete grüne Blätter wählt. 218 Papierblumen. Sechster Theil des Blällrrkrrises. Nr. 1. Zwei Rangs. Nr. 2. Zwei Rangs. Vierter Theil des BlMrrkrrisrs. Nr. 3. Drei Rangs. Papierblumen. 21» Die gefüllte Monatsrose. Sie ist weißgelb und unterhalb rosafarbig. Man bedient sich zur Herstellung dieser allerliebsten Blume derselben Muster, die wir für die bengalische Rose angegeben. Für jede derselben nimmt man einen mit der Pincette getrosten Blätterkreis Nr. I, zwei mit der Pincette geknillte Kreise Nr. 2, zwei in gleicher Weise gekröste nach Nr. 3, zwei ge- boulte nach Nr. 4 und endlich vier geboulte und an den Seiten rückwärts geränderte Kreise nach Nr. 5 jener Schablonen. In den Mittelpunkt der Rose befestigt man drei Bouillotten. — Die weitere Zusammenstellung bedarf keiner nochmaligen Anweisung. 220 Popierblumen. Die Heckenrose. Die Heckenrose, auch wilde oder Hundsrose genannt, ist eine sehr einfache, im zartesten Rosa erscheinende Rose. Sie gestattet nur fünf Kronenblätter, die man nach dem Muster Nr. 1 schneidet und alsdann boult. Der Mittelpunkt der Rose wird gleich demjenigen der andern Rosen, doch mit etwas mehr Staubfäden, hergestellt und der Rand der Kronenblättchen leicht mit der Pincette nach rückseits umgebogen. Die letzteren sind mit Leim rings um die Staubfäden festzukleben, worauf man den Kelch und die Spinnen oder Agirs ansetzt. Für eine halb geöffnete Rose schneidet man fünf Kronenblätter Nr. 2, boult sie ziemlich stark und leimt sie fest um Papierblumen. 22 l den Mittelpunkt, dessen Staubfäden man eng zusammenzieht, damit die Kronenblätter möglichst anschließen. Offene Knospen werden auf gleiche Weise gefertigt, nur daß sie dichter übereinander schließen, weshalb ihre Kroneu- blätter mehr geboult werden müssen. Sie bedürfen keiner Staubgefäße. Man befestigt sie an einem feinen Drahtstiel, setzt einen kleinen Kelch mit aufrechtstehenden Spinnen daran und überzieht den Stiel mit grünem Crepp. Der Hauptstiel wird mit Holzbraunem Papier umwunden und mit natürlichen Dornen versehen. Kleine Blume. Grotze Blume. Nr. 1. Fünf Blättchen. Fünf Blättchen. 222 Papierblumen. Die Winde. Die Farbe der Winden ist weiß, rosafarbig, violett oder hellblau. Ueber die Blumenkrone Nr. 1 zieht man, von jedem Einschnitt an gerechnet, einen leichten Nerv von lebhafterer oder hellerer Farbe, als die des Fonds. Da diese Blume nur eine einblättrige 'Blumenkrone besitzt, so bedarf man zu deren Anfertigung auch nur eines Musters. Die beiden Seiten dieses Musters Nr. 1 werden, nämlich die Randseiten, so vorsichtig als möglich zusammengeleimt. Den obern Theil der Blnmenkrone kröst man mit der Kugel auf dem Kissen oder der Kautschuktafel, damit er sich erweitere und das untere Ende sich trichterförmig verenge. Den Mittelpunkt der Blume bildet man durch eine in grünen Teig getauchte Baumwollenkugel. Sie wird an die Papierblume». 223 Spitze eines feinen, der Blume als Hauptstiel dienenden Drahtes gezogen. Nun zieht man die trichter- oder glockenförmige Blume auf, setzt den fünfzähnigen, nach dem Muster Nr. 3 aus grünem Papier geformten Kelch, nachdem man die fünf Zacken desselben geboult, darunter und drückt dessen mit etwas Leim versehene Ansatzstelle gegen die Blume fest an. Die Knospen der Winde sind sehr spitz und um sich selbst gerollt. Man formt sie nach dem Muster Nr. 2, leimt dieses an den Seiten, eine kleine Tute bildend, zusammen und befestigt diese Tute mit Seide an einen sehr feinen Trahtstiel. Nun faßt man sie mit der Pincette, rollt sie der Länge nach, um ihr die spiralförmige Windung zu geben, um sich selbst und setzt einen grünen Kelch darunter, dessen Zacken man rings um die Knospe anleimt. Der Stiel wird mit grünem Papier umwunden und dann über den Griff der Pincette gezogen, um die rankenartigen Biegungen nachzubilden. Die grünen, spitzen und herzförmigen Blätter sind unserer Abbildung entsprechend anzusetzen. X Nr. 3. Für dcn Kelch. Nr. 2. Knospe. Papierblumen. 225 Dir Kornblume. Für die Kornblume oder Cyane schneidet man nach unserem Muster aus feinem blauem Papier acht bis zwölf Kronenblätter, je nachdem man die Blume einfacher oder gefüllter darstellen will. Um sie zu modelliren legt man sie in die hohle Hand und bearbeitet sie mit der geschlossenen Pincette, wobei man sich jedoch vorsehen muß, daß deren Spitze das Papier nicht zerreiße, weshalb man mit dieser weniger als mit den Seiten der Pincette aufdrückt. Dann befestigt man die Blättchen einzeln in Form von kleinen Tuten mit Seidenfaden an die Spitze eines feinen Drahtes. Hierauf ordnet man sie kranzförmig um die Staubfäden. Die Spitzen der kleinen Tuten kommen selbstverständlich 15 226 Pavierblumen. nach unten zu stehen, und müssen alle Blättchen eine gleiche Höhe haben. Die vorher herzustellenden Staubfäden bestehen aus zehn bis zwölf braunen, zwei Centimeter langen, am unteren Ende fest zusammengebundenen Seidenfäden, welche gut gummirt, oben gabelförmig getheilt und mit den Spitzen in schwarzgefärbten feinen Gries einzutauchen sind. Als Kelch verwendet man am besten den natürlichen Kelch, den man zu diesem Zweck aufbewahrt hat. Damit er sich leichter anfügen lasse, lege man ihn vorher einige Minuten in kaltes Wasser. Hat man jedoch keine natürlichen Kelche zur Verfügung, so kann man dieselben auch in folgender Weise nachbilden. Man schneidet zunächst einen zackigen Stern von goldbraunem Papier, der so groß sein muß, daß er den unteren Theil der Blume zu umhüllen vermag, schneide dann noch drei Sterne, und zwar den einen immer kleiner als den andern, und durchsteche deren Mitte mit dem Pfriem. An den zackigen Rand dieser Sterne trage man nun mit der Spitze eines Pinsels etwas braunrothe Farbe auf, lasse diese trocknen, boule die einzelnen Sterne mit einer kleinen Kugel, versehe sie im Innern mit Leim und ziehe sie nach einander so auf, daß sie wechselständig zu stehen kommen. Die geschlossene Knospe besteht aus einem kleinen Baumwollenkügelchen, das vollständig von den Kelchblättchen umhüllt ist. Charakteristisch für die halb geöffnete Knospe ist, daß einige etwas chiffonirte Blumenblättchen aus derselben hervorragen. Der mit dunkelgrünem Papier zu umwindende Haupt- Papierblumen. 227 stiel muß fest und doch elastisch sein. Die lanzettlichen grünen Blätter werden demselben in einer ziemlichen Entfernung von den Blumen je zwei zu zwei angesetzt und mit den Fingern etwas umgebogen. Ebenso werden die Knospen placirt und alsdann die Stengel verbunden. Zwölf Blättchen. 15* 228 Papierblumen. Die Vorkensra. Die Blüthen der aus China und Japan stammenden Hortensia stehen büschelweise und in großen, halbkugelförmigen Gruppen vereinigt. Wenn sie vollständig entfaltet, fo erscheinen sie schön rosafarbig, während sie im halb aufgeblühten Zustande grünlich sind. An ein und demselben Stiel kommen sowohl ganz, als halb aufgeblühte Blumen vor.- Jede aus vier Blättern bestehende Blume bildet einen Blätterkreis von verschiedener Größe, wie ihn unsere Muster zeigen. Nachdem man nach den letzteren eine größere Anzahl ausgeschnitten, versieht man mit der Pincette jedes Blättchen mit einigen Rippen. Nun bildet man am oberen Ende eines Drahtes ein Pistill aus einem kurzen, mit Wachs gesteiften Fädchen, dessen Spitze man in gelben Kleister Papierblumen. 229 oder Pate taucht, wogegen man am unteren Ende desselben etwas Leim anbringt und einen der kleinen Blätterkreise über das Drahtstielchen bis an das Pistill zieht. Man bedarf einer großen Anzahl solcher Blumen, um eine große Blüthenkugel zu bilden. Letztere wird aus Blüthengruppen von sechs bis acht Blumen zusammengesetzt, die mau an einem größeren, mit Baumwolle umwundenen und mit grünem und rosafarbigem Papier umwickelten Stiel vereinigt. Auf diese Weise erhält man eine Anzahl Blüthengruppen von verschiedener Größe, die man nunmehr neben einander so gruppirt, daß ihre Vereinigung eine kugelförmige Form erhält. Die grünlichen, also noch nicht ganz entwickelten Blnmen werden ebenso wie die rosafarbigen gefertigt, doch verwendet man dazu nur unsere kleinen Muster und giebt der Blumenkugel einen etwas geringeren Umfang. Jede Blumenkugel bedarf eines starken, mit Baumwolle umwundenen Hauptstiels, an welchen! sie aufzuziehen ist, worauf alsdann zwei grüne Blätter, und zwar einander gegenüberstehend, angebracht werden. Für den Aufbau der ganzen Pflanze bedarf man nun noch mehrerer Blätterzweige, die ebenfalls einen ziemlich starken, gut mit Baumwolle umwundenen Stiel erhalten; die grünen Blätter werden daran einander gegenüberstehend angesetzt. Sämmtliche Stiele werden mit einem in Carmin getauchten Schwamm etwas geröthet, indem man mit demselben in kurzen Absätzen den Stiel betupft, um so die in der Natur vorkommenden röthlicheu Flecken der Stiele nachzuahmen. 230 Papierblumen. Der ganze Aufbau der Pflanze ist dann so zu ordnen, daß er einen hübschen Strauch formirt. Um das unterste Ende des Hauptstiels zu verstärken, fügt man demselben noch ein kleines Stäbchen hinzu. Nr. 3. Papierblumen. 231 Drr Schneeball. Der Schneeball erscheint in Form einer großen, aus kleinen, ganz weißen und aus grünlich-weißen Blüthen bestehenden Kugel. Zur Herstellung solcher Blüthen schneidet man nach den Mustern Nr. 1 und 2 Blätterkreise in zwei verschiedenen Größen, bildet in der Mitte eines jeden Blättchens eine Falte und wendet den Seitenrand desselben ein wenig nach rückseits. Uebrigens wird diese Blume genau so hergestellt, wie die Hortensia, nur mit dem Unterschied, daß man die Blüthenkugel des Schneeballs etwas kleiner und gänzlich rund formt. Sie läßt sich jedoch auch auf eine besonders rasche Weise anfertigen. Aus einer kleinen Hand voll Baumwolle bildet 232 Papierblumen. man eine Kugel von gehöriger Größe, thut etwas Stärke hinein, und arrangirt die Blüthen, sie mit Gummi festklebend, darüber. Von oben beginnend, placirt man zuerst die kleinen grünlichen Blüthen, dann die Baumwollenkugel drehend, rings um dieselbe die großen Blüthen, bis sie gänzlich davon bedeckt ist. Die grünen Blätter des Schneeballs sind dreilappig zugespitzt und gezähnt. Nr. 1. Nr. 2. Papierblumen. 233 Die Kamelie. Da die Anfertigung der Kamelie aus Papier im Wesentlichen ebenso vorzunehmen ist, wie deren Anfertigung aus Stoff, so sei es uns gestattet, unsere Leserinnen auf Seite 34—39 unseres Buches zu verweisen, wo auch die zur Herstellung derselben erforderlichen Muster angegeben sind. Für die weiße Kamelie ist das Reispapier ein ganz vorzügliches Material, da dasselbe den sammetartigen Schein der Blumenblätter sehr gut imitirt. Um sich dessen bedienen zu können, ist es jedoch, da es sehr leicht bricht, erforderlich, es vor dem Beginn der Arbeit anzufeuchten, indem man es zwischen zwei nasse Papierbogen legt. Außerdem bedarf es noch einer besonderen Präparation, um ihm den allzuweißen Ton ! 234 Papierblumen. zu benehmen. Dieselbe erfolgt jedoch erst, nachdem man die Blumenblätter ausgeschnitten hat, wobei man, sowohl der Zahl als der Reihenfolge nach, ganz so verfährt, wie bei den Stoffblumen angegeben worden. Man taucht nämlich sämmtliche Blätter nach und nach in mattgelb gefärbtes Wasser, legt sie dann, wie wir bereits an anderer Stelle angegeben haben, zum Trocknen auf Löschpapier und ordnet sie so, daß sämmtliche spitze Enden der Blätter in derselben Richtung zu liegen kommen. Nun bereite man in einer Untertasse eine nicht zu dunkle, gelbe Farbe, rühre dieselbe wohl um und gebe mit dem Pinsel der unteren Blattspitze einen etwas gelblicheren Ton; dann wende man dasselbe auf die andere Seite und verfahre hier ebenso, weil die von einer Seite aufgetragene Farbe das Reispapier nicht genügend durchdrängt. Sind die Blätter trocken, so lege man sie wieder zwischen angefeuchtetes Papier, um sie ohne Gefahr bonlen zu können. Das letztere muß vorsichtig geschehen und darf die Kugel nicht zu fest aufgedrückt werden; ebenso muß man sich hüten, das Papier mit den Nägeln zu berühren, da es leicht schadhaft wird. Die weitere Modellirung der Blätter wird gleichfalls ganz in derselben Weise vorgenommen, wie wir sie bei der Stoffblume dieser Art angegeben haben; auch das Aufziehen derselben an den mit Baumwolle bedeckten Stiel geschieht in gleicher Weise. Bemerkt sei hierbei noch, daß bei den gefüllten Kamelias weder das Pistill noch die Staubfäden sichtbar werden. Für den Kelch schneide man aus grünem Papier drei Blättchen nach dem Muster Nr. 1 und 3 nach dem von Papierblumen. 235 Nr. 2, boule sie und befestige zunächst die größeren unter die Blume und dann die kleineren, alle zwischenständig, so daß sie sich dachziegelförmig bedecken. Auch das bei der geöffneten Knospe zu beobachtende Verfahren bedarf keiner nochmaligen Angabe für die Herstellung in Papier. Um die kleinste, ganz geschlossene Knospe nachzubilden, windet man um das oberste umgebogene Ende eines Drahtes etwas Baumwolle, giebt derselben die erforderliche Form, bedeckt sie mit mattgrünem Papier und überzieht, sie, um ihr Glanz zu verleihen, mit dünnflüssigem arabischem Gummi. Hinsichtlich des Aufziehens und der Anordnung der grünen Blätter verweisen wir ebenfalls auf die Stoffblume. Will man farbige, und besonders tiefrothe Kamelien herstellen, so ist es rathsam, vorher einige Versuche mit der Anmalung des Papiers zu machen und stets die Anmalung der Blätter auf beiden Seiten vorzunehmen; besonders in diesem Falle ist in erster Linie erforderlich, ein natürliches Modell von gleicher Farbe vor sich zu haben. 236 Pavierblumen. Dir Graiiallilnthr. Man nehme hochrothes Papier von der Farbe der Blume, schneide daraus sechs Blatterkreise nach unserem Muster und lege sie so übereinander, daß deren Blättchen sich vollständig decken. Nun knille man mit der Pincette jedes Blättchen dieser Kreise nach den verschiedensten Richtungen und marquire am Ende eines jeden ein oder zwei Falten, um es muschelförmig um sich selbst zu runden. Nun befestige man jeden dieser Blätterkreise pflöckchenförmig mit Seide an ein kurzes Drahtstielchen und vereinige sie dann sämmtlich, um die Blume zu bilden, worauf man unterhalb die Drahtstiele kurz abschneidet. Den Kelch der Blume bilde man ganz so, wie denjenigen der Nelke und schlage zu diesem Zweck unsere Unter- Papierblumen. 2Z7 Weisung aus Seite 65 nach; nur nehme man in diesem Falle nicht grünes, sondern korallenrothes Papier. Nach dessen Vollendung bringe man etwas flüssigen Leim in denselben und füge ihn den vereinigteil Blumenblättern an. Will man eine gefüllte Granatblume, so setzt man zwei oder drei Blätterpflöckchen mehr ein. Halbgeöffnete Knospen sind ebenso herzustellen, nur daß man weniger Blätterkreise dazu verwendet. Man findet dieselben in der Natur meist zwischen Blättertnffs placirt. Die grünen, lanzettlichen Blätter werden gruppenweise zu fünf und sechs an den Hauptstiel befestigt und erforderlichen Falls durch ein ihnen angeklebtes Stäbchen unterstützt. Der Stiel ist mit grünem, röthlich anzumalendem Papier oder mit Holzbraunem zu umwinden. Techs Blättcrkreise. 238 Papierblumen. Dir Tulpe. Zur Anfertigung der Tulpe umwinde man drei oder vier dünne, 15-18 Centimeter lange und zu einem Stiel vereinigte Drähte mit Baumwolle und zwar so, daß letztere am oberen Ende ein kleines Köpfchen von der Größe einer Erbse bildet. Dieses Köpfchen bestreiche man mit Gummilösung und tauche es dann in gelbgefärbten Gries. Nachdem es getrocknet, befestige man um dasselbe mit Seide sechs aus starkem, schwarzem und gesteiftem Zwirn bestehende Staubfäden. Hierauf schneide man aus weißem oder gelbem Papier nach unserm Muster sechs Kronenblätter, male auf beiden Seiten derselben Streifen mit Chromgelb oder rothem Papierblumen. 239 Carmin, wobei man unsere Anweisungen im Artikel „Nelke" Seite 64 beachte, lasse sie trocknen, boule zuerst den obersten, dann den untersten Theil eines jeden Blattes und leime schließlich dessen Mitte entlang — gleich wie bei dem Kronenblatt der Lilie — ein dünnes Drahtstäbchen, um es zu stützen, auf. Nachdem man die Blätter in dieser Weise vorbereitet, klebe man sie recht vorsichtig mit Leim oder Kleister, und zwar so, daß man diesen nicht bemerkt, rings um die Staubfäden. Um der Tulpe ihre natürliche Form zu geben, müssen die sechs Kronenblätter richtig zwischen einander gesetzt werden. Die Knospe der Tulpe wird aus einem oval- förmigen, mit hellgrünem Papier überzogenen Baumwollen- Körperchen geformt. Sie wird gleich der Tulpe an einen Hauptstiel gesetzt und dieser mit mattgrünem Papier umwunden. Am Ende desselben setzt man zwei bis vier lanzettförmige, etwas wellenförmig gebogene grüne Blätter derart an, daß sie fast gänzlich den Stiel umhüllen? 240 Papierblumen. Techs Tulpcnblätter Papierblumen. 241 Die Olrandrrblütlze. Man verwendet für die Oleanderblüthe rosafarbiges Papier in vier Abstufungen. Aus den: am tiefsten gefärbten schneidet man Figur Nr. 1 und klebt sie tutenförmig zusammen. Nun präparirt man die Staubgefäße, indem man fünf kleine längliche Kügelchen aus grünem Teig bildet, diese sternförmig an das obere Ende eines kleinen Drahtes anbringt und sie dann in die nach Nr. 1 gefertigte Tute zieht, sie unterhalb mit Seide befestigend. Die Kronenblätter sind nach den Mustern 2, 3 und 4 zu schneiden und zwar zwei blaßrosafarbige nach Nr. 2, drei lebhafter gefärbte nach Nr. 3 und sechs noch tiefer gefärbte 10 242 Papierblumen. nach Nr. 4. Die von Nr. 2 werden gekröst, indem man sie in zwei Theile zusammenlegt, am unteren Ende rollt, dann wieder öffnet und sie in der Mitte ein wenig bonlt. Die Seitenränder der Kronenblätter Nr. 3 werden in entgegengesetzter Richtung gerollt. Die von Nr. 4 sind wie die vorherigen zu modelliren und an ihrem oberen Ende in der Mitte etwas mit der Pincette zu kneifen. Die Zusammensetzung der Blume geschieht in folgender Weise: Der Tute, welche die Staubfäden enthält, werden zunächst zwei blaßrosafarbige Blättchen von Nr. 2, einander gegenüberstehend, angesetzt; dann folgen drei Blätter von Nr. 3 und nun sechs Blätter von Nr. 4, letztere in zwei Reihen, zu drei und einander gegenüberstehend. Dann fügt man noch drei Blätter von Nr. 2, jedoch von dem lebhaftesten Rosa, etwas zurückstehend an, und endlich den kleinen braunen Kelch, der nach unserem Muster Nr. 5 zu schneiden ist. Die halb geöffnete Knospe des Oleanders wird gleich der Rosenknospe aus fünf oder sechs Blättchen gebildet, denen man zum Abschluß noch drei dunkelrosafarbige Blättchen hinzufügt und sie derart befestigt, daß sie nur bis zum dritten Theil der Knospe aufwärts reichen. Selbstverständlich ist hier auch der braune Kelch anzufügen. Die Blüthenzweige sind in der Weise herzurichten, daß man fünf oder sechs Knospen zu einer Gruppe vereinigt und ihnen einen gemeinschaftlichen Kelch, eine sogenannte Klaue, anfügt. Dann ordnet man noch ein anderes Bouquet von grünen Knospen, in welchem man zugleich eine halbgeöffnete Knospe und eine oder zwei Blumen anbringt; Papierblumen. 243 endlich folgen Bonquets mit drei oder vier geöffneten Blumen. Diese einzelnen Zweige, deren Stiele mit grünem und geröthetem Papier zu umwinden sind, werden nun in Entfernungen von 4—5 Centimeter mit 2—3 grünen Blättern versehen und dann dem mit braunem Papier umwundenen Hauptstiel angesetzt. Nr. i. Fünf Blättchen für die Blume und drei für die Knospe 16* 244 Papierblumen. Nr. 3. Drei Blättchen. Nr. 4. Techs Blättchen. Papierblnmen. S45 Die Hyarinihe. Von dieser Blume giebt es einfache und gefüllte Arten. Sie sind von äußerst verschiedener Farbe und haben kleine und zugleich große Blüthen, die sich an einem starken Haupt- stiel pyramidenförmig erheben. Eine solche pyramidale Blüthengruppe erfordert sechs kleine oder geschlossene Knospen, sechs halb geöffnete Knospen und zwölf Blumen. Für die letzteren sind vier Blätter nach dem Muster Nr. 1, vier nach dem von Nr. 2 und vier nach dem von Nr. 3 zu formen. Die halb geöffneten Knospen werden aus zwei nach Nr. 1 geschnittenen Blättern, welche man gleich den Herz- blättchen der Rose boult, gebildet. Man befestigt beide Blätterschnitte übereinander an einen kleinen Baumwollen- 246 Papierblumen. draht mit Seide und zwar so, daß die Blättchen des einen die Zwischenräume des andern decken, und klebt die schließende Stelle gut fest. Jede der vier ersten Blumen wird aus zwei gekrösten Blättern von Nr. 1 und aus zwei gleichfalls gekrösten Blättern von Nr. 2 hergestellt. Das Krösen der zwei letzten Blätter geschieht mit dem Kröseisen (s. Seite 2, Fig. 3), indem man, wie in den Vorbemerkungen bereits angegeben, eine der Kugeln gegen die Brust und die andere gegen den Tischrand stützt. Alsdann legt man den zu krösenden Blätterschnitt der Länge nach über eine der vertieften Windungen des Kröseisens, nimmt einen starken Faden, zieht denselben so über den aufgelegten Blätterschnitt, daß er sich in die vertieften Windungen einzwängt, wodurch eine starke Einbiegung der Blätter entsteht. Hierauf biegt man mit der Spitze der Pincette die Zacken des Blätterschnittes wieder nach außen. Auf diese Weise kann man mehrere Blätterschnitte zugleich krösen, die man dann wieder auseinander nimmt und jeden einzelnen tutenförmig zusammenleimt. Das letztere erfordert eine gewisse Geschicklichkeit und Vorsicht, damit sich die dem Blättchen gegebene Form nicht wieder entstelle und das Blättchen nicht mit Leim befleckt werde. Es ist hierbei als praktisch zu empfehlen, daß man eine der zu verklebenden Seiten leicht über den mit etwas Leim versehenen Rand des Gefäßes gleiten läßt, in welchem sich dies Bindemittel befindet. Die beiden Randseiten müssen stets genau zusammengefügt sein und ist dabei wohl zu beachten, daß an der zusammengefügten Stelle die Blattzacken weder einen größeren noch einen kleineren Zwischenraum Papierblumen. 247 erhalten, als dies bei den andern der Fall, weil sonst die Blätter nicht gegenüber zu stehen kommen. Wenn die so gebildeten Blüthentuten vollständig trocken sind, biege man deren Blattspitzen, um ihnen die Glocken- oder Trichterform zu verleihen, etwas nach außen. Die Zusammenfügung der Blume wird mit zwei Kronen- blättern Nr. 1 begonnen; man stellt dieselben aufgerichtet gegen einander, als ob man eine Knospe bilden wollte. Dadurch erhält man den Mittelpunkt der Blume. Nun nimmt man die zwei Tuten von Nr. 2, klebt etwas Leim an das Ende der einen Tute und setzt diese in die andere von Nr. 2, und zwar so, daß die Blattspitzen wechselständig zu stehen kommen. In diese Doppeltute werden nun die zwei verbundenen Herzblätter eingezogen und unterhalb mit Seide befestigt. In gleicher Weise wird mit den Blumen der zweiten Größe verfahren. Der Mittelpunkt besteht stets aus zwei Blättern des Musters Nr. l, die Corolle oder Blumenkrone aus zwei Tuten von Nr. 2 und aus zwei Tuten von Nr. 3. Die größten Blumen werden zusammengesetzt aus zwei Blättertuten von Nr. 2, zwei von Nr. 3 und zwei von Nr. 4 und erhalten selbstverständlich auch die zwei Herzblättchen. Da jeder Blätterschnitt nur eine Reihe von Blattspitzen darstellt, so sind jedesmal zwei Blätterschnitte erforderlich, um einen zwischenständigen „Rang" zu bilden. Der kleine, an jeder Blume befindliche Blattstiel muß mit grüner Seide umwickelt werden. Will man nun zum Aufbauen der Hyacinthe übergehen, so bilde man zunächst einen Stiel aus einem Draht mittlerer Größe, den man mit Baumwolle umwickelt. Man befestigt an der Spitze desselben 248 Papierblumen. sechs kleine Knospen mit Seide, die man traubenartig neben- einandersetzt; dann läßt man sechs halb geöffnete Knospen, drei zu drei, folgen und weiter abwärts gehend, rings um den Stiel nach einander die vier Blüthen von Nr. 1, die vier von Nr. 2 und die vier von Nr. 3. Die Blumen sind beim Ansetzen gilt und dicht mit Seide zu umwickeln und hat man jedesmal, wenn man einen neuen Blattstiel ansetzt, den Faden möglichst straff anzuziehen. Wichtig beim Ansetzen der Blume ist, daß man sie stufenweise weniger nahe aufeinanderfolgen läßt, je mehr man sich dein Ende des Hauptstiels nähert. Die von der Wurzel ausgehenden grünen Blätter der Hyacinthe stehen theils aufrecht, theils sind sie etwas um sich selbst gewunden; im ersteren Falle hat man sie mit einem dünnen Drahtstäbchen zu unterstützen, im anderen Falle ihnen die gewundene Form zu geben. Nr. 1. Nr. 2. Zwei Blättchen. Zwei Blättchen. Papierblumen. 249 Zwei Blättchcu. Nr. 4. Zwei Blättchen. 250 Papierblumen. Das Grisblalk. Die doldenartigen Blüthen des Geisblattes — oder des Jelänger-jelieber — stehen in unregelmäßigen Gruppen, die in ihrer Zusammensetzung eine quirlartige Form bilden. Um sie zu imitiren, schneidet man unser Muster aus rosafarbigem Papier. Von den: spitzen Ende an bis zur Mitte ist das Blatt mit Carmin zu röthen und außerdem zwischen jedem Einschnitt desselben eine rothe Linie zu ziehen. Der im Muster etwas tiefer stehende aber breitere Blatttheil wird etwas nach auswärts gebogen, dagegen sind die anderen vier vereinigten Theile in der Mitte zu boulen. w-, Die Staubfäden macht man von weißem Zwirn und zwar ziemlich lang, damit sie die Blumen etwas überragen. Papierblumen. 25l und befestigt sie an einen Trahtstiel, an welchem später die Blüthenröhrchen aufgezogen werden. Die Zahl der Staubfäden beträgt fünf, von denen drei lang sind und zwei kurz. Um ihre eigenthümlichen Staubbeutel zu imitiren, nimmt man ein Stückchen strohgelben, gut gesteiften Battist in der Breite von 4—6 Fäden und von 9 Millimeter Länge und klebt dasselbe an die Spitze der Staubfäden, so daß es mit diesen die Form eines 1 bildet. Das gleichfalls aus weißem Zwirn herzustellende Pistill ragt über die Staubfäden hinaus und schließt durch eine kleine Spitze von grünem Teig. Staubfäden und Pistill werden nun vereinigt. Die nach unserem Muster geschnittenen und nach unserer Angabe roth angemalten Blattformen werden nun an den Seiten hülsenförmig zusammengeleimt, jedoch nur bis zu dem breiteren Theil, von dem wir vorhin angegeben haben, daß er nach auswärts gebogen werde. Hierauf wird die Blüthen- dolde dem Pistill angefügt und der Blume ein kugelförmiger Kelch von hellgelbem Teig als Abschluß beigegeben. Die Knospe wird aus gerollter Baumwolle gebildet, die geschickt geformt werden muß. Es ist nämlich nicht nur die Form der Knospe, sondern zugleich auch die Kugelform des Kelches aus derselben Baumwolle herzustellen; letztere, indem man den Ansatz des Kelches mittelst eines Seidenfadens etwas einzieht. Bei der Formgebung der Knospe ist besonders zu beachten, daß sie oberhalb, bevor sie spitz endet, eine erhebliche Anschwellung zeigt, welches am meisten bei den halb geöffneten Knospen der Fall ist. Der Theil der Baumwolle, welcher den Kelch darstellt, wird mit hellgrünem Teig oder Kleister und der übrige Theil 252 Papierblumen. mit carminrothem bedeckt. Soll die Knospe stark entwickelt erscheinen, so wird an den Seiten derselben, ehe man den angeschwellten Theil mit rothem Teig bedeckt, ein lanzettförmiges Streifchen von weißem Teig aufgetragen. Nun befestigt man fünf Blumen oder Knospen -— gewöhnlich zwei Blumen, zwei rothe und weiße Knospen und eine geschlossene Knospe — an ein und derselben Stelle des Stengels; doch kann man auch Gruppen anbringen, in denen einige Dolden etwas mehr unterwärts ansetzen, wodurch Nebengruppen gebildet werden, die aus einer Blume und zwei Knospen bestehen können. Der mit grünem Papier zu umwindende Hauptstiel zieht sich gewissermaßen durch die großen grünen stiellosen Blätter hindurch. Um dies nachzuahmen, versehe man das aus dem Ganzen geschnittene Blatt mit einem Loch, das man mit dem Pfriem herstellt, leite während des Umwindens den Stiel durch dasselbe bis zu der Stelle, wo man das Blatt placiren will, befestige den untern Theil desselben daselbst mit etwas Leim und setze das Umwinden fort bis zu den nächsten grünen Blättern. Wie unsere Abbildung zeigt, stehen diese Blätter entweder zu zwei sich einander gegenüber oder auch büschelweise. Toldcnmustcr. Papierblumen. 253 Dir spanische Wickr. Diese in ihrer Form unregelmäßige Blume hat drei Kronenblätter: ein großes abgerundetes, in der Botanik eorinn (Schiffchen) genannt, das nach dem Muster Nr. 1 geschnitten wird, und zwei kleinere Blätter, welche man als Flügel bezeichnet, die man nach dem Muster Nr. 2 schneidet. Bei der rosenfarbigen Wicke ist der Mittelpunkt der eoring, dunkelrosafarbig, deren Rand hellrosa und deren unteres Ende weiß. Diese Verschiedenheit der Farbentöne gilt auch für die Flügelblätter. Um dies Colorit nachzubilden, taucht man die Blätter zunächst in Wasser, legt sie auf Löschpapier und drückt in die Mitte derselben einen in aufgelösten 251 Papierblumen. Carmin und Rosafarbe getauchten Pinsel auf. Die Feuchtigkeit der Blätter verhindert, daß die Farbe weiter aufwärts steigt als erforderlich ist. Damit die Blattspitze weiß bleibe, feuchte man dieselbe nochmals mit Wasser an. Nachdem sämmtliche Blätter angemalt und trocken sind, umzieht man die Stelle in der Mitte, wo die Rosafarbe am lebhaftesten ist, mit einer leichten rosafarbigen Linie, welche alsdann die Einfassung derselben bildet. Nun sind in der Mitte des Schiffchens, der Länge nach, mit der Pincette mehrere Furchen zu bilden und wird dasselbe alsdann am oberen Rande und an den Seiten, und besonders vorsichtig an der Stelle geboult, wo es sich nach vorn umlegt; die Flügelblättchen werden in gleicher Weise geboult. Nach dem Muster Nr. 3 schneidet man nun aus gelbgrünem Papier einen kleinen, vierspaltigen Kelch und aus demselben Papier ein kleines Carre und bildet aus dem letzteren durch Zusammendrehen eine sogenannte leere Aehre. Diese stellt das Pistill dar, das man an die Spitze eines Stiels befestigt. Um dasselbe werden nun mit Seide die Flügelblättchen so gebunden, daß die ausgeboulten Stellen sich berühren und dadurch das Pistill mehr oder weniger verborgen wird, je nachdem die Blume mehr oder weniger entwickelt ist. Nun füge man die eoriiin derartig an, daß sie an den nicht - geboulten Theil der Flügelblättchen zu stehen kommt. Um hier kein Versehen zu machen, beobachte man ein natürliches Modell. Nun setze man den Kelch mit Leim an und sind zwei Blättchen desselben hinter die eorinn und eines vor dieselbe zu placiren; das letzte Kelchblättchen kommt hinter die beiden Flügelblättchen zu stehen. Papierblumen. 255 Die zarten Wickelranken dieser Schlingpflanze lassen sich sehr leicht nachbilden. Man nimmt hellgrüne, offene Seide, zieht sie durch flüssigen Leim, läßt sie trocknen und windet sie spiralförmig nur einen Pfriem, und — um den Auslauf der Ranke zu bilden — schließlich noch um eine Stecknadel. Zieht man nun den Pfriem und die Stecknadel aus der spiralförmigen Windung, so hat man eine sehr natürlich gewundene Ranke. In ähnlicher Weise krümmt man den sehr feinen, mit grünem Papier umwundenen Draht des Blumenstiels über eine entsprechende Holzform. Die Blumen werden nun an einen feinen, biegsamen Hanptstiel ausgezogen, so daß sie in ziemlich regelmäßigen Entfernungen zu stehen kommen. Schließlich befestigt man noch die Wickelranken an solchen Stellen, wo diese in der Natur vorzukommen Pflegen, und versehe den Hauptstiel mit Blätterstielen, ähnlich wie unser Vorbild dies angiebt. Nr. 1. Nr. 3. Nr. 2. 256 Papierblumen. Die Valsaminr. Diese sehr hübsche Blume ist wegen ihrer unbestimmten Form ungemein schwierig nachzubilden. Am natürlichsten ließe sie sich wohl durch einzelne Kronenblätter herstellen, doch würde dies eine langwierige Arbeit sein und sür eine Blume, die wesentlich einen festlich-decorativen Zweck hat, zu viel Zeitaufwand erfordern. Uebrigens würde diese sorgfältige Herstellung auch nicht zur vollen Wirkung kommen, da diese Blumen in der Natur theilweise von den grünen Blättern bedeckt werden, die sie umgeben. Eine kleine Un- vollkommenheit in der Darstellung wird also nicht störend wirken. Die Farben der häufig auch gefüllten Blüthen Papierblumen. 257 sind violett, carmoisinroth, purpurfarbig, scharlachroth oder auch weiß mit roth schattirt. Man hat vier verschiedene Größen von Blumen zu machen. Zur ersten verwendet man einen Blätterkreis Nr. 1 und einen von Nr. 2; zur zweiten einen Blätterkreis von Nr. 1, einen von Nr. 2 und einen von Nr. 3; zur dritten einen Blätterkreis von Nr. 1, einen von Nr. 2, einen von Nr. 3 und einen von Nr. 4; zur vierten einen Blätterkreis von Nr. 1, einen von Nr. 2, einen von Nr. 3, einen von Nr. 4 und zwei von Nr. 5. Man modellirt die Blätter, indem man sie um die Finger windet und hinterher mit einer kleinen Kugel an den Rändern wellt, mit welcher man, dieselbe aufstützend, die Ränder umkreist. Sämmtliche Blätter werden in gleicher Weise modellirt, mit Ausnahme von den nach den Blätter- kreisen von Nr. 3, 4 und 5 geschnittenen. Bei diesen letzteren bildet man mit der Pincette in der Mitte eine Rippe, wie bei den Blättern der Kamelie angegeben worden; alsdann höhlt man sie, indem man sie ihrer Länge nach mit der Kugel boult und zugleich deren Rand mit derselben umkreist. Jeder Blätterkreis wird einzeln und der Reihe nach aufgezogen und festgeklebt, wobei man die einzelnen Blättchen etwas einkneift, damit sie etwas freier abstehen und die Blume leichter aussehe. Die erforderlichen Staubbeutel, Knospen und Blätter trifft man im Handel fertig vorräthig an und rathen wir, hiervon Gebrauch zu machen. Wie gewöhnlich wird der Hauptstiel zunächst mit Baumwolle umwunden, worauf man an dessen Spitze einen Tuff 17 258 Papierblumen. Blätter von verschiedener Größe so ansetzt, daß die kleinsten in der Mitte stehen. Dann werden da, wo die Blätter ansetzen, kleine Knospen angebracht. Während man nun im Ansetzen der Blätter fortfährt und immer größere folgen läßt, umwindet man zugleich den Hauptstiel mehr und mehr mit Baumwolle, so daß er am untersten Ende die Stärke eines Fingers erreicht. Die Blumen werden gleich den Knospen in die Ansatzwinkel der grünen Blätter placirt, welche letztere sich etwas über die Blume neigen. Die Stiele werden mit zartgrünem Papier umwickelt, müssen jedoch, wenn die Blume dunkelfarbig ist, etwas mit Carmin geröthet werden. Nr. i. Papierblumen. 259 Nr. 4. 17 * 260 Papierblumen. Nr. 3. Nr. 5. Papierblumen. 261 Die Kastanienblütljv. Die nach unserem Muster zu schneidenden Blätterkreise müssen, wie wir es bei der Rose angegeben, in Rosafarbe getaucht und gespült werden. Da die Blättchen sehr leicht im Wasser zerreißen, so erfordert dieses Verfahren große Vorsicht. Die Kastanienblüthe hat sowohl gelbe, als rosafarbig gefleckte Blätter, von denen die gelben die in der Entwickelung begriffenen und die rothen die vollständig aufgeblühten sind. Beim Krösen nimmt man mehrere Blätterkreise zusammen und knittert deren einzelne Blätter, indem man sie mit der Pincette rechts und links windet; jede Blüthe erhält in ihren Mittelpunkt Pistill und Staubfäden, an welche sie aufgezogen wird. Unter Benutzung unseres Musters wird 262 Papierblumen. alsdann ein kleiner fünfzähniger Stern geschnitten, zum Kelch geformt und aufgeleimt. Das Blüthenstielchen wird mit blaßgrünem Papier umwunden. Für jeden Blüthenkegel braucht man vier bis fünf Dutzend solcher Blüthen. Von diesen legt man sechs rosafarbige und sechs gelbe Blüthen zur Seite, nimmt noch dieselbe Zahl und vereinigt diese zwei zu zwei mit einer Knospe. Nun bleiben noch drei Dutzend, die drei zu drei mit einer oder mit zwei Knospen vereinigt werden, und sind deren Stielchen mit Papier zu umwinden. Man beginnt den Aufbau des Blüthenkegels mit sechs Knospen, placirt dann die zwölf einzelnen Blumen in drei Reihen, fügt dann im Verfolg sechs aus zwei Blüthen bestehende Tuffs an und endlich die aus drei Tuffs bestehenden. Der Stiel, der die Blume trägt, muß, obgleich stark doch biegsam sein, und ist der ebenfalls ziemlich starke Hauptstiel gleichfalls mit Baumwolle zu umwinden. Dann fertigt man fünf oder sechs Zweige für die grünen Blätter, die man, sie palmettenartig stellend, ähnlich wie die Finger an der Hand ordnet; setzt dann an das obere Ende eines jeden dieser mit Baumwolle umwundenen Drähte drei grüne Blätter von gleicher Größe und dann zu beiden Seiten derselben zwei kleinere und endlich zwei noch kleinere. Die Gruppirung gewinnt dadurch eine fächerartige Form. An den Vereinigungspunkt befestigt man ein Stückchen geröthe- ten Schwamm, womit man das Knötchen imitirt, aus welchem die Blätter hervorgehen. Der Blätterzweig erhält einen langen Stiel, an den man die schönen, länglich lanzett- lichen, scharf gesägten Blätter anfügt. Diese Blättcrzweige Papierblumen. 263 werden so an den Hauptzweig angebracht, daß der Blüthen tragende Zweig sie weit überragt. Sämmtliche Zweige sind alsdann in der bereits wiederholt angegebenen Weise zu rothen. Blütterkreis. Kelch. Dritter Abschnitt. Gold- und Silderblumen. Diese Art künstlicher Blumen gehört in mehrfacher Hinsicht zu den Phantasieblnmen und eignet sich besonders ihrer flimmernden und festlichen Wirkung wegen sowohl zum Schmuck von Altären als zu Ballcoifsüren, wo sie in Form von Guirlanden und Zweigen und vermischt mit Battistblumen einen wirklich reizenden Effect hervorbringt. Die Anwendung des Goldes und Silbers ist dabei eine sehr verschiedene. Bald bilden diese edlen Metalle die Rippen und Nerven der grünen Blätter, bald die Herzen der Blume, die Staubfäden und Pistills, bald die Kelche, und mitunter wirken sie als vergoldete und versilberte Früchte, wie z. B. an Oliven und Weinbeeren. Manche an sich wenig effektvolle Blume erfährt durch sie eine gesteigerte Schönheit, wie z. B. die Distelrose, deren Blnmenblüttchen goldglänzend strahlen, während das Herz derselben von einer Anzahl kleiner, weißer Federhälmchen gebildet wird, die in Mitte der goldigen Blättchen die schönste Wirkung machen. Wir wollen schon hier bemerken, daß diese Feder- hälmchen dadurch gewonnen werden, daß man die weiße Federfahne dem Kiel entlang abreißt, wodurch man eine Art Federfranze erhält. 268 Gold- und Silberblumen. Olivrnzwrig mit goldgestreifien Blättern und goldenen Früchten. Man bedarf dazu zunächst gefirnißte Olivenblätter von verschiedener Größe, die käuflich zu haben sind. Die größten sind dunkelgrün, die kleineren gelbgrün. Alan versieht sie, einige Millimeter von deren Spitze entfernt, mit einem kleinen Einschnitt, den man mit der Spitze des Federmessers ausführt. Um ein feststehendes Maß der erforderlichen Goldfäden für sämmtliche Blätter zu gewinnen, mißt man nun deren Länge mit einem solchen Faden, indem man diesen über das zwischen dem Daumen und dem Zeigefinger der linken Hand gehaltene Blatt leitet, und zwar von dem einen Ende desselben bis zu dem kleinen Einschnitt, bei welchem man den Goldfaden wieder zurückbiegt und etwas zusammendrückt. Hierbei ist wohl zu beachten, daß die zwei verbundenen Fadenlängen etwas die Länge des Blattes überragen müssen. So bildet man sich für sämmtliche verschiedene Blattgrößen eine Maßlänge, nach welcher man nachher die erforderlichen Goldfäden abschneidet. Hierauf nimmt man eines dieser Blätter in die linke Hand, den entsprechend langen Goldfaden in die rechte und fädelt ihn durch die dem Blatt beigebrachte Oeffnung, zieht ihn durch dieselbe bis zu der umgebogenen und leicht zusammengekniffenen Stelle, streckt die beiden Fadenlängen nach der Blattrichtnng und vereinigt sie unterhalb, indem Gold- und Silberblumen. 26t> man sie zwischen den Daumen und den Zeigefinger der linken Hand nimmt und sie mit den Fingern der rechten Hand zusammendreht. Die Blättchen werden nun, indem man sie mit der linken Hand so festhält, daß die Goldfäden sich nicht verschieben können, mit goldfarbigem Papier an den Stiel gewunden. Für die Früchte kauft man bei dem Glas- oder Perlen- händler kleine hohle Glaskugeln von entsprechender Form, vergoldet sie und befestigt sie an einen mit goldfarbigem Papier überzogenen Draht, indem man dessen Spitze mit etwas gelbem Leim versieht und diese Spitze in die kleine, am unteren Ende der Kugel befindliche Oeffnung einfügt. Die Zurichtung der Blätter, die wir hier für den Oliven- zweig angegeben, gilt gleicherweise für die meisten anderen Blätter, insbesondere für Wein- und Johannisbeerblätter, und ebenso für breitere und ausgezacktere, nur sind bei diesen Goldfäden, welche die Hauptrippe bilden, auch noch die Goldfäden für die Nebenrippen anzubringen. Die Hauptrippe ist meistentheils um den vierten Theil länger als die Nebenrippen. Die Traubenkörner, sowohl bei Wein als Johannisbeeren, sucht man durch kleine vergoldete Glaskügelchen, die man einfädelt und traubenförmig ordnet, nachzubilden. Für Eicheln verschafft man sich natürliche, getrocknete Eicheln und vergoldet diese. Wie man bei der Vergoldung zu verfahren hat, werden wir am Schluß dieses Abschnitts angeben. 270 Gold- und Lilberblilmen. Goldene Staubfäden und Pistills. Man wendet sie am wirksamsten bei solchen Blnmen an, die viel Staubfäden und hervorragende Pistills besitzen, wie z. B. die Skabiosen, die Maßliebchen, die Distelrosen und die Chrysanthemen. Die Blumen selbst fertigt man nach den in unseren Abschnitten für die Stoss- und Papierblumen gegebenen Unterweisungen und fügt ihnen als besonderen Schmuck nur die goldenen Staubfäden und Pistills hinzu. Man verwendet für letztere, je nach der Form und der Stärke der Staubfäden, offenen oder gedrehten Goldlahn, den man nach Erforderniß mit Goldpoudre oder noch besser, mit Gold- oder Silberlahn vervollständigt. Läßt die Art der Staubfäden es zu, so macht es sich sehr schön, wenn man an das obere Ende derselben in horizontaler Richtung ein kleines Goldplättchen ansetzt. Bei solchen Blumen wird zuweilen auch das Blätteroder Laubwerk vergoldet oder versilbert. In diesem Falle werden die Blätter wie gewöhnlich aus Papier geschnitten, dann vergoldet, geboult und angesetzt. Mit den vergoldeten Blättern muß mau möglichst sorgfältig umgehen und dieselben nur auf der linken Seite bearbeiten. Gold- und Silberblumeu. 27l Gold- oder Silderähren. Alan bedient sich zur Herstellung derselben des Goldoder Silberpapiers und des gedrehten Lahns, welcher bei den Tressenhändlern zu haben ist. Man schneide zunächst eine gewisse Anzahl kleiner Carrvs von einem Centimeter im Durchschnitt aus Goldpapier oder aus gelber Seidengaze, theile dann gedrehten Goldlahn in Stückchen von sechs Centimeter Länge, aus denen der Bart der Aehren zu bilden ist. Hierauf theile man feinen Eisen- draht in Stückchen, welche der Länge der herzustellenden 272 Gold- und Silberblumen. Aehren entsprechen, umgebe sie mit gelber Seidengaze, nehme alsdann eines derselben für den Stiel und befestige an dessen oberstes Ende mit gelber Seide, die man fest umwindet, ein Stückchen Goldlahn. Die länglichen Getreidekörnchen werden aus etwas Baumwolle gebildet, wobei man darauf zu achten hat, daß sie etwas kleiner sein müssen als die Papier- oder Gazecarrös, mit denen sie bedeckt werden sollen. Nun falte man eines dieser kleinen Carrös in schräger Richtung zusammen, so daß ein dreieckig zugespitztes Theil entsteht, welches man über das aus Baumwolle gebildete Körnchen legt und dieses damit rundum bedeckt; das Körnchen wird nun geschlossen und mit Seide an den Stiel befestigt. Ebenso verfährt man mit sämmtlichen anderen Körnchen und ordnet sie dann, während man gleichzeitig die Bartgrannen einfügt, so an den Stiel, daß die Spitze des folgenden stets den Ansatz des vorhergehenden bedeckt. Zum Abschluß der Aehre bildet man einen tutenförmigen Kelch, boult und rundet ihn etwas und fügt ihn an dieselbe an. Die Aehren werden nun an einen mit Goldpapier bezogenen, den Hauptstiel darstellenden Drahtstiel angesetzt, dem man die langen, grashalmartig gespitzten Blätter von Goldpapier anklebt. Gold- und Tilberblumen. 273 Gold- oder Sildrrhafer. Die Haferähren sind wesentlich verschieden von der Weizen- und Kornähre und erfordert deren Herstellung ein besonderes Verfahren. Man bedarf dazu Goldpapier, Goldlahn und Cantille, welche letztere, auf Spulen gewunden, käuflich ist. Man schneidet für diese Aehren längliche und spitze Blättchen aus Goldpapier und marquirt mit dem Pfriem vier Streifen in deren Längenrichtung. Dann schneide man Stiele von sechs Centimeter Länge aus Goldcantille. Zur Herstellung des Aehrenbartes schneide man Stückchen Goldlahn in der Länge von fünf Centimeter. Außer den zwei 18 Gold- und Silberblumen. 271 länglichen Blüttchen, die den Kelch eines jeden Haferkorns bilden, sind noch zwei andere, kürzere erforderlich, um das eigentliche Korn herzustellen; man boult sie gleich dem ersteren über dem Kissen oder der Kantschuktafel mit einer kleinen Kugel. Nachdem man auf diese Weise sämmtliche Theile der Aehre präparirt hat, bildet man an der Spitze eines Can- tillestiels ein kleines, längliches Baumwollenkügelchen und stellt eine Anzahl solcher Stiele her, die man einstweilen zur Seite legt. Nun nimmt man mit der Pincette eines der kürzeren Blättchen, die man geschnitten und gebonlt, bringt etwas Leim in die Höhlung desselben und fügt ihm einen Aehrenbart aus Goldlahn so an, daß dieser Bart sich genau an dem etwas umgebogenen Theil des Blättchens befindet und dessen äußerste Spitze etwas überragt. Gleich nach dem Ankleben der Bärte legt man die Blättchen auf die linke Seite, nämlich auf die umgebogene Seite. Ist man hiermit fertig, so nimmt man einen von den Stielen, an dem man die Baumwollenkügelchen befestigt hat, legt rechts und links um dies Kügelchen eines dieser Blättchen, so daß dieselben sich an den Seiten berühren und die Baumwolle bedecken. Mit der Pincette kneift man nun das Ende des Blättchens, an welchem sich der Bart befindet, etwas zusammen. Sind so sämmtliche Stiele, kurze Blättchen und Aehrenbärte links und rechts um das Baumwollenkörnchen vereinigt, so klebt man die länglichen und gekerbten Blättchen an, welche die Aehre begleiten; dieselben müssen aufwärts stehen, und imitiren, indem sie sich etwas offnen, vollständig die Haferähren. Die kleinen Aehrenhälmchen werden Gold- und Silberblumen. 275 nun an einen leichten, schmiegsamen, großen Halm gezogen. — Silberne Haferähren werden ebenso hergerichtet und zusammengesetzt. Gewissermaßen in Parenthese sei hier noch beigefügt, daß man für Haferähren, welche eine getreue Nachbildung der Natur darstellen sollen, Battist von einem mehr oder weniger grünlichen Gelb nimmt, je nach der Reife, die man zu imitiren hat. Die Aehrenbärte werden alsdann aus grün oder gelb gefärbten Pferdehaaren gebildet. Vaselnutzzwemr in Gold oder in Silber. Die Blüthe der Haselnuß ist bedeckt mit zahlreichen Schuppen, die nach der Spitze hin immer kleiner werden. Um sie nachzubilden, schneide man fünftheilige Sterne von 18 * Gold- und Lilberblumen. 276 Goldpapier. Für jeden Zweig bedarf man deren acht und zwanzig von abnehmender Größe, von denen die kleinste an das äußerste Ende der Blüthe befestigt werden. Um sie zu boulen, breitet man über das Kröskissen so viele dieser Sterne, als dasselbe aufzunehmen vermag und boult mit einer sehr kleinen Eisenkugel jeden Ausschnitt derselben. Selbstverständlich legt man sie mit der vergoldeten Seite auf das Kissen und bearbeitet deren Rückseite. Durch das Aufdrücken der Kugel werden sich die kleinen Ausschnitte heben und rings um den Mittelpunkt des Sternes, den man mit einer kleinen Oeffnnng versehen, eine Art Kranz- form bilden. Die kleineren derselben sind noch etwas stärker zu boulen, damit sie sich zu einer Knospe runden. Für die Stiele, an welche die Sternchen aufzuziehen sind, schneidet man Goldcantille von 8 Centimeter Länge und befestigt an das eine Ende derselben eine fest zusammengezogene kleine Baumwollenkugel. Nun schneidet man stark gnmmirten weißen Zwirn in Fäden von gleichfalls 8 Centimeter Länge; man braucht ebensoviel Zwirnfäden als Cantille-Stiele. Die letzteren werden nun bis zur Hälfte, mithin unterhalb der Baumwollenkugel abgeschnitten. Nun nimmt man einen der gnmmirten Fäden und bindet ihn mit gelber Seide an einen Theil des Cantille-Stiels. An den den Stiel überragenden Faden bindet man nun die andere Hälfte des Stiels, ebenfalls mit gelber Seide. Auf diese Weise erhält man einen sogenannten hängenden Zweig, und hat das Verfahren einen zweifachen Zweck, nämlich einestheils zu verhüten, daß der Stiel nicht zu steif und starr werde und anderenteils, dem Faden eine genügende Gold- und Tilberblumen. 277 Festigkeit zu geben, um die Baumwollenkugel tragen zu können. Alsdann umwindet man den Cantille-Stiel mit Goldpapier, das man in sehr schmale Streifen geschnitten, legt das eine Ende eines solchen Streifens unter die Baumwollenkugel, der man vorher etwas mit Safran gefärbten Leim angefügt und windet den Streifen fest und spiralförmig um den Stiel. Da man jedoch während des Aufziehens der geboulten Blättchen den Stiel einige Zeit in der Hand festhalten muß, so ist anzurathen, denselben nicht gänzlich mit Papier zu umwinden, da das Papier leicht unscheinbar würde; man umwinde deshalb nur ungefähr den dritten Theil des Stieles, schneide den Papierstreifen in schräger Richtung ab, versehe die Stelle, wo er abgeschnitten ist, mit etwas Leim und drücke das Ende fest an. Nun sind die Sternchen aufzuziehen. Man nimmt mit der Pincette den kleinsten und geschlossensten Stern, leitet den Drahtstiel durch die im Mittelpunkt befindliche Oeffnnng desselben und läßt das Sternchen bis zur Baumwollenkugel gleiten, so daß diese davon bedeckt und durch dasselbe gänzlich verborgen wird. Damit es haften bleibe, muß die Baumwollenkugel vorher mit gelbgefärbtem Leim überzogen werden. Nun sind die anderen Sterne und zwar der zunehmenden Größe nach aufzuziehen, wobei man zwei oder drei gleichzeitig einfädeln und bis an ihre Stelle gleiten lassen kann. Bei diesem Aufziehen hält man den Stiel mit der linken Hand so, daß die Spitze der Blüthe nach unten hängt. Nachdem man nun mit der rechten Hand dem Stiel etwas flüssigen gelben Leim angefügt hat, zieht man mit der Pincette den nächsten Stern bis zu den bereits befestig- 278 Gold- und Silberblumen. ten und drückt ihn mit der Pincette gegen die mit Leim versehene Stelle. Nun ordnet man vorsichtig die Blättchen der Sterne, damit sie nicht unschöne Falten werfen. So fährt man fort, bis der mit Goldpapier umwundene Theil des Stieles gänzlich bedeckt ist, wobei darauf zu sehen, daß die kleineren Sternchen enger aneinander rücken, als die größeren. Nun wird auch der bisher noch frei gelassene Theil des Stiels mit einem Goldpapierstreifen umwunden, worauf man die übrigen größeren Sternchen aufzieht, bis sämmtliche acht und zwanzig placirt sind. Dann wird der Zweig aufgehangen und ein anderer angefertigt. Die vollständig hergerichteten grünen Blätter der Haselstaude sind, und zwar in verschiedener Größe, käuflich zu haben. Für ihre Anordnung giebt unsere Abbildung einen genügenden Fingerzeig. Schließlich machen wir nochmals darauf aufmerksam, daß sowohl die Goldfäden, als das Goldpapier außerordentlich vorsichtig zu behandeln sind, da dies Material sehr leicht seinen Glanz verliert. Es wird daher zweckmäßig sein, während des Arbeitens stets ein Glas mit reinem Wasser in der Nähe zu haben, um die Finger, wenn ihnen Leim anhaftet, sofort wieder reinigen zu können. Verfahren beim Vergolden oder Versilbern. Um Gold oder Silber auf Stoff, Papier, Glas oder Holz zu übertragen, muß man zuerst den zu vergoldenden Gegenstand mit einer Art Firniß überziehen. Es giebt Gold- und Silberblumen. 279 deren mehrere, von denen wir hier mir die einfachsten anführen: 1. Man laßt Honig und Gummi arabicum in gleichen Theilen in Bier sieden. Dies bildet eine Masse, die, in kleine Töpfe oder Gefäße gefüllt, sich lange Zeit conser- viren läßt. 2. Alan löse Gummi arabicum und gemahlenen Zucker in Wasser bis zu einem dicken Brei auf. Für das Vergolden oder Versilbern nimmt man die bekannten sehr leichten Gold- oder Silberblätter, die man in sogenannten Büchelchen in Farben- oder Galanteriehandlungen kaufen kann. Man darf diese äußerst dünnen Metallblättchen nicht mit den Fingern berühren, sondern nimmt sie mit einem flachen breiten Pinsel, dem sogenannten Vergolderpinsel auf, um sie zunächst auf das Zuschneidekissen zu legen und von diesem an die zu vergoldende Stelle zu bringen. Da wir für unsere Zwecke nur kleinere Stellen zu vergolden haben, so ist das Goldblättchen vorher mit einem scharfen Messer auf dem Zuschneidekissen, dem sogenannten Vergolderkissen, in Stückchen von erforderlicher Größe zu theilen. Das Vergolderkissen ist handgroß, von Schasleder und mit Haaren ausgestopft, und kann man sich dasselbe erforderlichen Falles selbst herstellen. Das Zertheilen der Goldblättchen muß stets mit kurzem, scharfem Schnitt geschehen. Nachdem man den zu vergoldenden Gegenstand mit einem der beiden Firnisse dünn überzogen, legt man mit dem Pinsel ein Stückchen Goldblatt von entsprechender Größe darüber und drückt dasselbe mit einem Bällchen von Baum- 280 Gold- und Zilberblumen wolle so lange an, bis es sich überall an den Gegenstand angeschlossen und der Firniß trocken geworden. Will man den Glanz des Goldes etwas erhöhen und überhaupt stellenweise eine sehr glatte Fläche herstellen, so glätte man die Vergoldung, wenn sie vollkommen trocken ist, mit einem Elfenbeinzahn oder Polirstahl. Gold und Silber flüssig aufxulragen. Am einfachsten bedient man sich dazu des bekannten Muschelgoldes oder Silbers, das man mit einem in Wasser getauchten Pinsel flüssig macht und mit diesen: Pinsel aufträgt. Nur die feinsten Sorten dieses Muschelgoldes und ebenfalls des Muschelsilbers sind von längerer Dauer und läßt sich nur mit diesen eine größere Fläche ganz gleichmäßig bedecken. Man kann sich jedoch auch selbst eine Art Gold- und Silbertinte herstellen, die jedenfalls den Vorzug hat, eine größere Dauer zu besitzen und eine feinere Gold- und Silberfarbe abzugeben. Man nehme eine beliebige Menge echter Gold- oder Silberblätter, wie solche die Vergolden brauchen, und die, wie schon bemerkt, in Büchelchen zu kaufen sind, reibe sie mit weißem Honig auf einem Reibftein möglichst fein. Man erhält dann eine steife Masse, die man in so viel kochendem, reinem Wasser auflöst, daß das fein geriebene Gold zu Boden sinken kann. Alsdann gieße man die trübe Flüssigkeit vorsichtig ab und trockne das niedergeschlagene Pulver auf Papier. Hierauf reibe man es in einem Serpentinmörser mit so viel Gold' und Tilberblumen. S81 Gummiwasser ab, daß man es als Tinte oder Farbe benutzen kann. Es ist anzurathen, zunächst eine Probe zu machen, ob das Gummiwasser das Pulver auch genügend bindet; andernfalls ist dasselbe zu verstärken. Will man die mittelst einer Feder oder eines feinen Pinsels aufgetragene Vergoldung glätten, so verwendet man dazu ebenfalls einen Elfenbeinzahn oder den Polirstahl. In gleicher Weise läßt sich Silbertinte bereiten. Vierter Abschnitt. W o l l b l u m e n. Die Herstellung von Wollblumen ist eine leichte, unterhaltende und in ihren Resultaten sehr erfreuliche Arbeit. Natürlich ist das Verfahren nicht bei jeder Blnme dasselbe; hat man sich aber mit fünf oder sechs verschiedenen Weisen genügend bekannt gemacht, so ist man im Stande, diese zur Herstellung von mehr als zwanzig Blumenarten zu verwenden. Die Wollblumen sind zum Schmuck von zahlreichen Gegenständen geeignet. In Verbindung mit gestrickter Mooswolle kann man sie als Bordüren für Lampen- und Flacon- untersetzer, oder auch als Garnirnng für Sophakissen, Kamin- vorsetzer und dergleichen verwenden. Dir chinesische Aster. Man bedarf zunächst eines kleinen, stachen und schmalen Brcttchens von I'/z Centimeter Breite und von 20 Centi- 286 Wollblumen. Meter Länge; sodann zweier kurzen Rundstäbchen. Form und Zweck dieser Gegenstände sind aus unserer Abbildung ersichtlich. An jedes dieser Stäbchen befestigt man einen seinen, ziemlich langen Draht und rollt ihn um dasselbe. Nun nimmt man das kleine Brettchen mit der linken Hand, die geeignete Wolle mit der rechten, wickelt letztere einmal um das Brettchen vollständig herum und befestigt sie mit ven freigelassenen Enden der beiden Drähte, wodurch diese vereinigt werden. Bei jeder Wiederholung der Umwickelung leitet man einen der Drähte unter und den andern über den Wollfaden, so daß sie sich kreuzen, wobei man das Brettchen vor sich hält. Durch dieses Verfahren verbindet man die Wollschlingen an der Kante des Brettchens, wie Abbildung zeigt. In dieser Weise fortfahrend, hat man noch zu beachten, daß man den Wollfaden zuerst hinter das Brettchen und dann, ihn umwickelnd, vor dasselbe führe; ferner, daß man die Wolle nicht zu fest anziehe, vielmehr möglichst locker halte. Wollblumen. 287 Ist das Maßbrettchen vollständig mit Schlingen bedeckst so läßt man diese von demselben abgleiten, um zur Anfertigung der kleinen Blüttchen der Aster überzugehen. Dies geschieht in folgender Weise: Man bindet drei und drei dieser Schlingen am oberen Ende durch einen kleinen Doppelknoten von Seide zusammen. Zu diesem Knoten kann man Seide von lebhafterer Farbe verwenden als die der Wolle ist; z. B. läßt sich bei weißer Wolle gelbe, hellgrüne oder rosafarbige Seide nehmen. Um den Mittelpunkt oder das Herz der Blume herzustellen, legt man zwanzig und einigemal einen gelben Wollfaden in der Länge von ungefähr 5 Centimeter zusammen, befestigt ihn in der Mitte und dann ein wenig höher mit feinem Draht, egalisirt nun die Enden recht genau mit einer Schere und theilt dieselben, indem man mit der Spitze der Schere so lange darüber weggleitet, bis sie wie Sammet weich und glatt geschoren sind. Ist dies geschehen, so nimmt man die präparirten, durch die Drähte verbundenen Blättchen und näht sie in drei Reihen rings um das Herz. Obenstehende Abbildung macht dies Verfahren anschaulich. Schließlich wird ein Doppeldraht als Stiel unterhalb der Blume befestigt und mit grüner Wolle umwickelt. In gleicher Weise werden Georginen, Anemonen, -Goldblumen und Ranunkeln gefertigt. 288 Wollblumeii. Dir Klatschrose oder der Feldmohn. Die Klatschrose bildet man aus scharlachrother, drei- drähtiger, englischer oder auch aus gerippter, sogenannter Crewel-Wolle. Man bedient sich dabei eines gleichen Maß- brettchens wie das, welches bei der chinesischen Aster angewendet worden, bildet auf diesem die Wollschlingen und befestigt sie in derselben Weise mit Draht, wie dies bei den Schlingen jener Blume geschehen. Zweiunddreißig Schlingen genügen für ein Klatschrosenblatt. Beim Beginn dieser Arbeit sorge man dafür, daß ein Wollfaden und ein Drahtende in der Länge von 3—4 Centi- meter frei bleibt. Ein Gleiches ist nach Beendigung der zweiunddreißig Schlingen zu beobachten. Nach Entfernung der Schlingen vom Maßbrette wird durch die untere Reihe derselben, wo sie doppelt sind, ein feiner Draht gezogen. Indem man die beiden Enden desselben derartig zusammen- Wollblumen. 28 » zieht und verbindet, daß die Schlingen sich unten, eine Spitze bildend, vereinigen, erhält das Blumenblatt die Form, wie unsere Figur sie darstellt. Zum oberen Theil des Blattes wird jetzt derjenige Theil der Schlingen, der auf dem Holzmaße den unteren Theil bildete, also derjenige, wo die Schlingen mittelst des Drahtes festgebunden wurden. Jetzt dreht man die Draht- und Wollfädenenden, die man an jeder Seite des Blattes herabhängen ließ, zu einer Schnur zusammen und rundet sie derartig, daß sie die gehörige Blattform der Blume bilden, worauf man die Enden mit demjenigen Drahte zusammenbiegt, durch den die untere Spitze des Blattes hergestellt wurde. Auf diese Weise sind sechs solcher Blättchen zu fertigen. Für die Mitte oder das Herz bedient man sich eines natürlichen Mittelpunktes / ) der Klatschrose; doch kann man denselben auch durch einen kleinen Wollbüschel ersetzen, wie dies bei der Aster angegeben. Nur ist für die Klatschrosen hellgrüne, anstatt gelbe Wolle zu nehmen. 19 290 Wollblumen. Die rings um das Blumenherz zu ordnenden Staubfäden bestehen aus schwarzen, gummirten Zwirn- oder Garnfäden. Um die Blume anzusetzen oder aufzuziehen, leitet man zuerst durch den Mittelpunkt ein Stück Draht, dessen oberes Ende etwas umgebogen ist, setzt rings um diese Mitte die Staubfäden und bringt dann die zwei ersten Blättchen, hierauf die anderen, einander gegenüberstehend an. Um das Ende dieser Blätter wie um den Stiel wird dann, das Ganze zu befestigen, grüne Wolle gewunden. Vorstehende Figur zeigt die vollendete Klatschrose als Muster für die Ausführung. Der Jasmin, die Narcisse, das Alpenveilchen, die Ranunkel und viele andere Blumen mit ähnlichen Blättchen, die aber mehr oder weniger klein, abgerundet oder schmal sind, werden auf gleiche Weise gebildet. Wollblumen- 291 Die Rose. Zur Herstellung derselben braucht man ein Brettchen von der Form, wie nachstehende Figur sie angiebt. Es hat sechs Centimeter in der Breite und acht und ein halb Centimeter in der Höhe. In der Mitte befindet sich ein kleines Loch, und ringsum in der Nähe des Randes eine Reihe von Löchern. Zu den Blättern verwendet man englische fünf- drähtige Wolle, weiße, gelbe, rosafarbige oder rothe in verschiedenen Schattirungen. Man bedarf 14 Blätter von verschiedener Größe und Breite, die in einem stufenweisen 19 * Wollblumen. 292 Verhältniß stehen. Die vier ersten Blättchen bestehen aus sieben, die fünf mittelsten Blättchen aus neun und die fünf größeren aus elf Wollreihen. Um diese Blätter zu formen, macht man zuerst ein Kreuz von Häkelgarn über das Maß- brettchen, indem man das Garn mit der Nadel durch die in den vier Ecken befindlichen Löcher führt. Diese Fäden über- kreuzen sich in der Mitte des Brettchens, von wo aus man mit dem Blatt beginnt, indem man den in eine Nadel gefädelten Wollfaden unter den gekreuzten Fäden her rings um diese windet. Die also gewundenen Wollfäden müssen hübsch glatt und nicht über oder unter einander liegen. Zu diesem Zweck und uni dies Blatt zu formen, lege man den Daumen der linken Hand darüber. Hat man die für die betreffende Blattgröße hinreichende Anzahl Wollfädenreihen gebildet, so fädelt man einen einfachen Wollfaden in eine feine lange Stopfnadel und zieht ihn mittelst dieser durch die Mitte sämmtlicher Wollfäden und durch die ganze Mitte des zu formirenden Blattes, Wollblumeii. 293 wie beistehende Figur zeigt. Um in dem Blatte eine kleine Vertiefung oder Höhlung zu bilden, zieht man alsdann den Faden ein wenig an. Ebenso verfährt man in der entgegengesetzten Richtung, den ersten Wollfaden überkreuzend. Für die Bereitung der Staubfäden präparirt man eine Auflösung von Gummi arabicum, der man ein wenig Gries und Safran beimischt. In diese Mischung werden nun die Enden von einigen zwanzig, mit Wachs getränkten, weißen Zwirnfäden eingetaucht. Nach dem Trocknen haftet der Gries an den Fadenenden und macht die Wirkung der kleinen Körnchen, welche in der Natur den Pollen der Blume anhängen. Erst nachdem diese Fäden vollständig trocken geworden sind, ordnet man sie rings um ein Büschel von grüner oder gelber, gut gekämmter Wolle. (Siehe nachstehende Figur.) Die Blättchen sind so um den Kelch zu arrangiren, daß eines das andere überragt, dann mit feiner Wolle fest zu nähen. Ebenso heftet man die äußeren Rosenblüttchen an der Seite leicht aneinander. Der Stengel der Rose wird wie der der anderen Blumen aus feinem, mit Wolle umwickelten Draht gebildet. 294 Wollblumen. Will man eine schattirte Rose fertigen, dann setzt man die kleinsten Blätter von der dunkelsten Schattirung rings um das Herz der Rose und ordnet die anderen stufenweise derart, daß diejenigen der äußeren Reihe die hellsten sind. Auf diese Art macht man ebenfalls die Kamelia, die gewöhnliche und die Stockrose. Für die Rosenknospe bildet man die Blätter ebenso, doch etwas kleiner, wie die für die Rose, ordnet sie rings um die Staubfäden und zwar so, daß die letzteren die ersteren etwas überragen. Um die Spinnen nachzubilden, legt man einen grünen Wollfaden doppelt zusammen, knüpft ihn mittelst eines feinen Drahtes, oben ein Köpfchen for- mirend, fest und biegt die Drahtenden, die man unter den Wollfäden verbirgt, zurück. In dieser Weise ordnet man vier solcher Wollfäden rings um die Knospe und umwindet dann ihre untersten Enden, um den Kelch zu formiren, mit grüner Wolle. Diese Art Spinnen vermag nur in geringem Grad den natürlichen zu gleichen, deshalb ist es rathsam, anstatt ihrer die Spinnen anderer künstlichen Rosen anzuwenden. Wollblumen. 295 Die Winde. »,'kr Diese Blume läßt sich aus eine sehr leichte Art in Wolle herstellen. Man bedarf dazu fünfdrähtige englische Wolle in mehreren Schattirungen von blau, rosa oder lilafarbig, doch kann man sie auch ganz weiß halten. Nachstehende Figur giebt die Form des dazu gehörigen Maßes verkleinert an. Es hat die Gestalt einer kreisförmigen Scheibe von 7 Centimeter im Umfang, ist von dünnem Holz, in der Mitte mit einem Loch und in der Nähe des Randes mit einer Reihe von 24 kleineren Löchern versehen, die in gleicher Entfernung von einander stehen. In eine Tapisserienadel wird nun starkes, weißes Häkel- 296 Wollblumen. gärn eingefädelt, dessen Ende man mit einer ziemlich großen Schlinge versieht. Mit dieser Nadel sticht man in eines der Umkreis-Löcher der Scheibe und dann in dasjenige der Mitte. Dies geschieht ringsum, doch so, daß zwischen zwei Fäden immer ein Loch frei bleibt. Dadurch entsteht ein Stern von zwölf Strahlen. Die Befestigung der Wolle geschieht auf der Rückseite der Scheibe. Hierauf fädelt man gelbe Wolle in die Nadel und leitet sie — so nahe als möglich an den Mittelpunkt der Scheibe — unter den aufgespannten Fäden hin, wobei man diese zugleich mit der Wolle umwindet, um sie zu bedecken und eine Fläche zu bilden. Unsere Abbildung giebt genau die Richtung der Nadel an. Nach der fünften, in gelber Wolle gearbeiteten Reihe wird angehalten und ein Stopfstich nach rückwärts ausgeführt. Alsdann nimmt man Wolle von hellstem Gelb, führt mit dieser drei oder vier Reihen aus, wechselt dann mit einer dunkleren Farbe und schattirt nun die Blume so lange, Wollbliimen. 297 bis die sternförmig aufgespannten Baumwollenfäden bis zum Löcherkreise der Scheibe bedeckt sind, worauf man die Wolle befestigt. Jetzt wird die Scheibe umgedreht, um die Hinteren Fäden ringsum, zwei Centimeter vom äußeren Rande abzuschneiden. Das dadurch freigewordene Wollengewebe ist nun leicht von der Form abzunehmen. Die Staubfäden zu dieser Blume kauft man beim Kunst- Blumenhändler, wo man sie stets vorräthig findet. Acht derselben leitet man in die Blume durch die Oeffnung in der Mitte und zieht alsdann mit einem dünnen Draht die unterhalb der Blume herabhängenden Fäden zusammen, wodurch man zugleich die Staubfäden befestigt. Um der Blume die gehörige Form zu geben, knüpft man die erwähnten, am oberen Rande der Blume befindlichen Fäden zwei und zwei zusammen, ohne sie jedoch zu eng zusammenzuziehen. Durch dieses Verfahren wird rings um die Blumenkrone ein umgebogener Rand gebildet, was der Blume eine besondere Anmuth verleiht. Die Garn-Enden sind sorgfältig unter diesen umgebogenen Rand zu verbergen. Zur Herstellung des Blumenstengels wird ein dünner Draht genommen, dessen oberes Ende umgebogen und unter dem Kelch der Winde befestigt. Derselbe wird in der bereits angegebenen Weise mit grüner Wolle umwunden, wobei man darauf zu sehen hat, daß sämmtliche Wollfäden- Enden verborgen werden. Alle hohlen oder Glockenblumen sind nach diesem Verfahren anzufertigen. 288 Wollblumen. Dir Lilie. Auch diese bedeutungsvolle Blume gelingt sehr gut in Wolle. In Bouquets und mit anderen künstlichen Blumen vermischt, läßt sich durch sie eine sehr schöne Wirkung erreichen. Derartige künstliche Lilien werden in Kirchen besonders viel als Altarschmuck verwendet. Die Ausführung ihrer Blätter ist sehr verschieden von derjenigen anderer Blumenblätter. Man nimmt dazu ein Stück Draht von sechzehn Centimeter Länge und zwar von stärkerer Sorte als diejenige, deren man sich zur Verfertigung der bisher Wollblumen. 299 beschriebenen Wollblumen bediente, und biegt es derartig, daß es die Form des Lilienblattes erhält, die bekanntlich sich oben zuspitzt, sich an den Seiten etwas weiter und sich nach unten wieder etwas schmäler gestaltet. In die obere Mitte dieses aus Draht geformten Blattumrisses windet man einen feineren, mit weißer Wolle umwundenen Draht und leitet ihn, um die sogenannte Mittelrippe des Blattes zu bilden, über die Mitte bis zum anderen Ende der Blattform. Nun wird der Drahtumriß ausgefüllt, wozu man sich einer Stopfnadel und schöner weißer Zephirwolle bedient und wobei man oben rechts anfängt. Die Ausfüllung geschieht durch eine Art Stopfstich in folgender Weise: Man 300 Wollblumen. leitet den Wollfaden oberhalb von einem Rande zum andern, gleitet mit der Nadel unter den untern Rand, so daß man den links befindlichen Draht umwindet; leitet die Wolle über die soeben gebildete Reihe zurück, führt sie unter den mittelsten, die Rippe formirenden Draht, diesen umwindend, wie es unser Muster deutlich veranschaulicht. Dasselbe Verfahren wiederholt man der ganzen Länge des Blattes nach, indem man die Wolle einmal über und einmal unter den mittelsten Draht führt, um ein Kreuzgewebe herzustellen. Diese Arbeit ist nicht schwierig; es handelt sich nur darum, sie ganz regelmäßig auszuführen und keine Zwischenräume in den Reihen entstehen zu lassen. Man braucht sechs ganz gleiche Blätter für eine Lilie. Sie werden stets einander gegenüberstehend, um das Pistill oder den Stempel der Blume geordnet und mittelst weißer, um ihre unteren Enden gewundener Wolle befestigt, wobei man den Rand des Blattes, um ihm die natürliche Bewegung zu geben, ein wenig znrückbiegt. Um das Pistill der Blume zu fertigen, nimmt man dünnen Draht von 16 Centimeter Länge, umwindet ihn mit gelber Wolle und biegt ihn am oberen Ende derartig um, daß sich drei Schlingen bilden, wie nachstehende Figur anschaulich macht. Von demselben Draht, den man jedoch mit weißer Wolle umwindet, fertigt man sechs Staubfäden von 6 Centimeter Wollblumen. 301 Länge, biegt deren Enden in Form eines kleinen Hammers zurück und überzieht sie mit gelber Wolle. Der aus stärkerem Draht bestehende Stempel oder Stiel der Blume wird nun mit dem Pistill durch Umwinden von Wolle verbunden. Uebrigens kann man diese Pistills und Staubfäden auch beim Blumenfabrikanten entnehmen, wo man sie in vollendeter Form vorfindet. Mit einiger Ueberlegung läßt sich dasselbe Verfahren auch für die Herstellung der Tulpe und des Krokus anwenden. Die Kornblume. 302 Wollblumen. Sie besteht, in Wolle ausgeführt, aus sechs einzelnen Blümchen, wie unsere Vorlage zeigt. Für jedes Blümchen formt man sechs Blättchen von einem Centimeter Länge. Zunächst biegt man einen fein umwundenen Draht in zwei Theilchen zusammen. Dann legt man einen blauen Woll- faden von gleicher Länge abermals zusammen und verbindet ihn am Ende mit dem Draht durch einen kleinen Knoten. Dadurch werden die Blättchen gesteift, so daß sie die Form behalten, die man ihnen giebt. An den ziemlich langen Blumenstielen ordne man sie rings um einen Tuff schwarzer, mit weißen Köpfchen versehener Staubfäden, welche aus schwarzem Zwirn gemacht und mit ihren obersten Enden in eine Mischung von Stärke und Gummi arabicum getaucht werden. Der Hauptstiel wird mit grüner Wolle umwunden. Das dazu passende Blätterwerk kauft man entweder fertig, oder schneidet es, der Form der natürlichen Blätter entsprechend, aus grünem Papier. l Wollblumen. 303 Dir FuchNa. Die Blätter dieser Blume werden über einem kreisförmigen, platten, in der Mitte und am Rande durchlöcherten Maßbrettchen ausgeführt. Ueber demselben wird ein starker, weißer Faden kreuzförmig befestigt, dann etwas rothe Zephir-Wolle genommen und sie lose zwischen dem Brettchen und den kreuzförmig gespannten Fäden gleitend, ringsum gewunden. Das Blättchen muß eine länglich-ovale Form von zwei Centimeter Länge erhalten. Man fädelt nun in eine Nähnadel offene rothe Seide und zieht sie vier oder 304 Wollblumen, fünf mal kreuzförmig durch die Wollfäden, um diese zusammenzuziehen und ihnen die Form eines am obern Ende etwas gespitzten Blattes zu verleihen. Nun wird der kreuzförmig angebrachte Faden, welcher über das Maßbrettchen, um das Blatt festzuhalten, gezogen wurde, abgeschnitten und das Blättchen abgenommen, worauf man vier andere Blätt- chen in gleicher Weise herstellt. Für den Mittelpunkt der Blume bildet man ein Büschel- chen von violetter Wolle, welchem man ziemlich lange Fädchen von gelbem Zwirn und zwar viel länger als die Wollfäden hinzufügt. Die ersteren sind in Gummi arabicum, die letzteren, als Staubfäden und Pistill, in etwas Gelb zu tauchen. Diese Staubfäden sind in der Mitte des violetten Woll- büschelchens zu befestigen und die fünf Blättchen rings um dasselbe zu ordnen. Während man sie an ihren Stielen vereinigt und diese Stiele mehreremal ziemlich dicht mit grüner Wolle umwindet, formirt man zugleich eine Art 'Kelch. Der Hauptstiel ist gleichfalls mit grüner Wolle zu umwinden. Dieser Stiel muß fein und sehr biegsam sein, damit die Blüthen, wie die der natürlichen Blume, sich nach abwärts neigen. Wollblumen. 305 Die Anemone. Sie lassen sich in roth, gelb oder weiß darstellen. Man bedient sich zur Anfertigung derselben gleichfalls eines runden, Platten, ringsum und in der Mitte durchlöcherten Maßbrettchens, befestigt darüber einen kreuzförmig gezogenen Faden, nimmt farbige Wolle, beginnt in der Mitte, windet die Wolle, sie zwischen dem Faden und dem Maßbrettchen hindurchfühlend, lose ringsum auf, bis man 20 306 Wollblumen. s I < ! i > ein plattes, rundes Theil von vier Centimeter im Durchschnitt erreicht hat; fädelt dann offene Wolle in eine Nähnadel und zieht dieselbe vier bis fünf mal kreuzförmig durch dieses runde Theil, um es zusammenzuhalten und daraus ein Blatt zu formiren. Dadurch, daß man einen dieser Fäden etwas mehr anzieht als die andern, erhält das Blatt an seiner Spitze eine Einbiegung. Der über das Maß- brettchen gespannte Kreuzfaden wird nun abgeschnitten und das Blatt abgenommen. So werden noch vier gleiche Blätter gebildet. Um die Anemone aufzuziehen, befestigt man an einen Draht schwarze Wolle, ähnlich wie für die Staubfäden der Aster angegeben worden, schneidet jedoch hier diese Woll- fäden etwas länger, kämmt sie und befestigt um dieselben mit feinem Draht die fünf präparirten Blättchen. An der innern Seite eines jeden Blattes werden dann, um die Blätter zusammenzuhalten, mit offener Wolle einige Rück- stiche angebracht. Folgende Figur veranschaulicht eines der präparirten, von dem Maßbrettchen abgezogenen Blumenblätter. i Wollblumen. 307 Die MaWrbr. Diese einfache Wiesenblume ist eine der leichtesten in Wolle auszuführenden Blumen. Für jedes Blättchen nimmt man einen Faden weißer Wolle, legt ihn in drei gleiche Theile zusammen und knüpft ihn in der Mitte mit sehr seinem Draht fest. Dann legt man die dreifach zusammengelegten Fäden zurück, indem man die in der Mitte znsam- mengewundenen Draht-Enden zu verbergen sucht. Dieser Draht verleiht dem Blatt den nöthigen Halt, muß jedoch unsichtbar bleiben. Woll- und Draht-Enden werden nun mit einem Faden umwunden und das Blatt ist fertig. Für eine Blume braucht man zwölf oder vierzehn solcher Blättchen. Die erste Figur, Seite 308, erklärt deutlich eines der kleinen Blumenblättchen; die zweite Figur zeigt das aus gelber Wolle bestehende, die Staubfäden der Blume bildende Büschelchen, dessen Enden gleichmäßig abgeschnitten und als- 20* Wollblumen. Z <>8 dann gekämmt sind. Nun werden die Blättchen rings um diese Staubfäden geordnet, worauf man einen Hauptstiel hinzufügt. Das Ganze wird dann mit Zwirn festgebunden, das Ende jedes Blumenblättchens mit grüner Wolle und dann der ganze Stiel ebenso umwunden. Schließlich sind zwei große, grüne Stengelblätter anzubinden. Die kamrlia. Die Kamelia wird aus weißer oder aus rother Zephirwolle gefertigt. Rings um einen Tuff von Staubfäden Wollblumen. 309 ordnet man zunächst drei kleine Blumenblätter. Jedes Blatt ist aus vierzehn, über einem Maßbrettchen von zwei Centi- meter Breite hergestellten Wollschleifchen zu bilden. Die fünf äußeren Blätter, welche um jene drei, die Mitte der Blume formirenden Blätter geordnet sind, müssen größer und über einem Maßbrettchen von zwei und einem halben Centiineter Breite ausgeführt werden. Jedes derselben besteht aus siebzehn Wollschleifchen. Durch das Biegen des Drahtes verleiht man dem Blatt die ihm eigene runde Form, wie unser Muster sie darstellt. Die ziemlich langen Enden des Drahtes werden in Form eines kleinen Blattstieles zu- sammengewunden. Man befestigt diese Blätter ringsum, die ersten drei mittelst eines feinen Messingdrahtes. Der aus einem ziemlich starken Draht bestehende, etwas kurze Hauptstiel ist mit Holzbrauner Wolle zu umwinden. I 310 Wollblumen. Dir Georgine. Die außerordentliche Regelmäßigkeit dieser Blume macht ihre Nachbildung in Wolle gleichfalls sehr leicht. Sie wird fast genau wie die chinesische Aster, für welche wir die Erklärung im Anfang dieses Abschnittes gegeben, nachgebildet. Nur muß man für die Georgine ein besonderes Maßbrett- chen benutzen, welches 27 Centimeter lang und an einem seiner Enden zwei und einen halben Centimeter breit ist, dann allmählich schmäler wird, so daß die Breite des schmalen Endes nur einen Centimeter beträgt. Dieses Maß- brettchen wird in seiner ganzen Länge mit Schleifen von rother, gelber, purpurrother, weißer oder mit schattirter Wollbliimen. 31L Wolle umgeben. Die Kette, welche diese Wollfranze befestigt, muß von sehr feinem Draht sein. Nachdem das Maßbrettchen hinreichend mit Wolle umwunden, wird es herausgezogen, worauf man, um die Einteilung der Blätter zu bewirken, stets drei solcher Schleifchen verbindet, indem man sie mit einem kurz an den Enden abzuschneidenden Draht umwindet. Für den Mittelpunkt der Blume knüpft man acht bis zehn grüne Wollenfäden in der Mitte zusammen, legt sie derart in einander, daß sie eine kleine Kugel oder ein Bällchen formiren und näht sie unterhalb fest. Rings um diesen Mittelpunkt näht man nun mit Seide die sich an einander reihenden Blättchen, wobei man mit den kleinsten beginnt und, sie spiralförmig windend, in fünf Reihen ordnet. Die Blume muß möglichst platt geformt sein. Unterhalb deren Mittelpunkt wird ein mit grüner Wolle umwundener Hauptstiel angebracht. 312 Wollblumen. Die Ranunkel. Für diese Blume gilt dasselbe Verfahren wie bei der chinesischen Aster, doch mit dem Unterschied, daß sie auf einem schmäleren Maßbrettchen, von einem Centimeter Breite, ausgeführt wird. Die Blättchen der Ranunkel sind nicht einzutheilen. Nachdem man eine Länge von 28—30 Centimeter an Wollschleifen erreicht hat, zieht man das Holz- brettchen heraus und rollt diese Franze doppelt um die kurzen, aus einigen zwanzig grünen Fäden mit runden Köpfchen bestehenden Staubfäden. Die Franze wird mit Zwirn angenäht und der Kelch aus grüner, unter der Blume ringsum gewundener Wolle hergestellt, welche dann gleichfalls um den aus Draht bestehenden Hauptstiel gewunden wird. Die aus Wolle gefertigten Ranunkeln von allen Farben, roth, gelb, rosa-, lila-farbig und weiß, sind von einer sehr hübschen Wirkung. Wollblumen. 313 Das Immergrün. Um das Immergrün oder Sinngrün nachzubilden, wähle man Wolle von der ihm eigenen blauen Farbe und verfahre wie bei der Herstellung der Klatschrose. Auf einem Holz- brettchen von einem und einem halben Centimeter Breite bilde man für jedes Blättchen zwanzig Wollschleifen. Jede Blume erfordert vier Blätter. Man forme ein kleines Bündel von Staubfäden, welche man am besten bei dem Blumenfabrikanten kauft, binde rings um dieselben die Blätter und biege sie etwas nach auswärts. Dann rolle man grüne Wolle unter die Blättchen und rings um den Stiel und füge zwischen jedes Blättchen ein Stückchen feinen, zusammengebogenen und mit grüner Wolle umwundenen Draht, um die Kelchblättchen der Blume anzudeuten. Unsere Vorlage veranschaulicht, wie weit diese die Blumenblättchen überragen müssen. 314 Wollblumen. Die Mohn rose. Aus rother Wolle wird eine Franze in gleicher Weise gebildet, wie dies bei der chinesischen Aster angegeben worden. Das dafür bestimmte Maßbrettchen ist 2 Centimeter breit und 70 Centimeter lang. Nachdem man das Brettchen aus den Wollschleifen gezogen, wird in eine Tapisserienadel AM »L I I » rothe Wolle, und zwar etwas hellere als die für die Franze bestimmte, gefädelt und die Nadel oben durch jede Schleife gezogen, wobei man zugleich an jeder Schleife ein Knötchen Wollblumen. 31L bildet, wie unsere Figur zeigt. Die Staubfäden sind gleich denjenigen der Klatschrose. Um dieselben wird nun diese Schleisenfranze, fünf Blätterkreise bildend, spiralförmig gezogen und durch einige Stiche befestigt. Der mit grüner Wolle zu umwindende Drahtstiel muß leicht und hübsch gebogen sein. Die Narzisse. Die Kronenblätter der Narzisse werden wie die der Klatschrose gebildet. Man nimmt weiße Zephirwolle und feinen mit weißer Seide umwundenen Draht. Auf einem Holzbrettchen von zwei und einem halben Centimeter Breite Wollblumen. ZI6 bildet man aus dem mit weißer Seide umwundenen Draht zweiundzwanzig Schleifen, dreht die Draht-Enden, sie befestigend, unter dem Blatt zusammen und biegt dann den Draht des Blattes an beiden Seiten unterhalb ein wenig nach innen, um ihm nach oben eine erweiterte und nach unten eine etwas engere Form zu geben. Man bedarf sechs Blättchen von gleicher Größe. Die Mitte der Narzisse ist kelchförmig. Zu deren.Herstellung bedient man sich eines kleinen Maßbrettchens von einem halben Centimeter Breite, bildet über demselben zehn bis zwölf Schleifen von hellgelber Wolle, und nimmt für die Kette, welche die Schleifen über dem Brettchen befestigt, statt feinen Drahts, ponceaurothe Seide. Das Brettchen wird aus den Wollschlingen gezogen und aus diesen eine Rundung gebildet, in deren Mitte drei kleine, grüne Bällchen oder Staubfaden-Köpfchen eingesetzt werden. Rings um diesen Mittelpunkt ordnet man nun regelmäßig die sechs Blumenblätter, indem man sie am untern Rande etwas übereinanderlegt. Der nun hinzuzufügende und mit grüner Wolle zu umwindende Hauptstiel ist etwas vornüber zu binden. Die Herstellung der grünen Blätter werden wir noch besonders angeben. Wollblumen. :n7 Das rvtffr Grranimn. In ponceaurother Zephir-Wolle ausgeführt, ist diese Blume von trefflicher Wirkung. Die fünf Blätter, aus welcher sie besteht, sind ebenfalls wie die der Klatschrose zu formen, nur mit dem Unterschied, daß das Maßbrettchen, über dem die Wollschlingen ausgeführt werden, nur einen und einen halben Centimeter breit ist. Man vereinigt diese Blätter rings um ein Bündelchen grüner, die Staubfäden imitirenden Wollfäden. Nachdem man unter die Blume und rings um den Stiel von 3 Centimeter Länge grüne Wolle gewunden, ordnet man drei oder vier Blumen von gleicher Größe in Tuffs und bindet sie mit einein Faden fest. Dann fertigt man acht oder zehn Knospen in folgender Weise: 318 Wollblumen. Man legt einen rothen Wollfaden in zwei Theile zusammen, verbirgt ihn halb unter einigen grünen, mit einein sehr feinen Draht zusammengelegten Wollfaden und fügt einen kleinen biegsamen und mit grüner Wolle umwundenen Stiel hinzu. Dann befestigt man diese Knospen am Ende der Blumenstengel. Um die Hüllblättchen, aus welchen alle diese kleinen Stengel hervorgehen, nachzubilden, biegt man einen feinen, mit grüner Wolle umwundenen Draht in zwei Theile und formt daraus sehr kleine, unter die Stiele einzuziehende Blättchen. Sie werden sämmtlich mit dem starken, zweimal mit grüner Wolle zu umwindenden Hauptstiel verbunden. Laubblätter von Wolle. Obgleich es sich im Allgemeinen am besten machen wird, wenn man für die Wollblumen dieselben künstlichen Blätter wie für die Stoff- und Papierblumen verwendet, so giebt es doch Fälle, in denen es viel harmonischer wirkt, wenn auch diese grünen Blätter in Wolle ausgeführt werden, z. B. wenn die Wollblumen zum Schmuck von Lampen, Vasen oder Flaconuntersetzern dienen sollen. Es wird daher nicht überflüssig sein, wenn wir die Herstellung dieser Blätter auch noch angeben. Man bildet zuerst aus Golddraht den Umriß des Blattes, giebt ihm die möglichst richtige Form und verbindet dessen beide Enden durch Zusam- menwinden unterhalb so, daß noch ein kleiner Stiel übrigbleibt, der lang genug sein muß, um das Blatt an den Wollblumen. 319 Stengel zu befestigen. Alsdann fädelt man Wolle von der Farbe, die das Blatt erhalten soll, in eine Tapisserienadel, befestigt das eine Ende des Wollfadens an einen Drahtstiel und umwindet damit den Golddraht spiralförmig, indem man, die Spitze der Nadel gegen sich wendend, mit derselben immer von rechts nach links sticht. Sollten die spiralförmigen Windungen ungleich werden, oder sollte der Umriß des Blattes sich verbogen haben, so suche man die ersteren mit den Fingern gleichmäßig zu ziehen und den anderen wieder in die richtige Form zu bringen. Nun hat man den inneren Theil des Blattes mit Wolle auszufüllen. Der Faden wird nicht abgeschnitten, sondern am unteren Ende des Blattes, das man in der linken Hand hält, ver- knötet, dann die Nadel gegen die Spitze des Blattes geführt und dort in die spiralförmige Umwindnng gestochen, alsdann wieder znm unteren Ende zurückgeführt und hier an der Stelle befestigt, von der man vorher ausgegangen. Dadurch "wird die Mittelrippe des Blattes markirt. Nun führt man den Faden wieder nach oben durch die zweite Tour der Umwindnng und dann wieder zurück, so fortfahrend von unten bis oben und von oben bis unten, bis zu der Stelle wo der Faden sich an die spiralförmige Windung anschließt, die nun den Rest desselben aufnimmt. Hier wird der Faden verstochen und abgeschnitten und dann geht man dazu über, die andere Hälfte des Blattes in derselben Weise auszufüllen. Doch kann man die grünen Blätter auch in der Weise herstellen, wie wir sie für das Lilienblatt (Seite 299) angegeben haben. Die jedesmalige Form der Blätter ist maßgebend für das Verfahren, das man zu wählen hat. 32V Wellblumen. Airschrntuffs. Tuffs von Kirschen und anderen kleinen runden Früchten bilden in Bordirungen und selbst in Bonquets nicht selten eine wirkungsvolle Abwechselung, weshalb wir deren Herstellung, gewissermaßen als Anhang, hier angeben. Für Kirschen schneidet man aus rother Wolle Fäden von dreizehn Centimeter Länge, knüpft sie in der Mitte mit Draht zusammen, zieht diesen recht fest und läßt die Enden desselben ziemlich lang für den Stiel übrig. Dann ordnet man die zusammengeknüpften Wollenfäden kugelförmig, kämmt sie und schneidet sie mit der Schere ringsum gleichmäßig ab, so daß kein Faden den anderen überragt. Bei einiger Ge- schicklichkeit läßt sich die Form der Kirsche vollständig nachahmen. Der kleine Drahtstiel ist mit grüner Wolle zu umwinden und macht es sich sehr gut, wenn man in einem und demselben Tuff Kirschen von verschiedener Farbe anbringt. Zu jedem Tuff gehören etwa drei bis vier grüne Blätter, die hier am passendsten aus Wolle in der angegebenen Weise herzustellen sind. Es macht sich sehr gut, wenn man deren Mittelrippe und Ränder durch gespaltene, rothbraune Wolle mittelst der Tapisserienadel etwas markirt. Gestricktes Moos. Zu dessen Fabrikation verwendet man eine besondere Wolle, welche unter dem Namen „Mooswolle" bekannt ist und die in mehrerern Schattirungen von Grün vorhanden ist. Wollblumen. 321 Mit dieser Wolle und mit feinen Stahlnadeln strickt man Streifen in Strumpfband-Genre von einigen zwanzig Maschen Breite, und zwar immer rechts und fest gestrickt. Hat man die ausreichende Länge, deren man für den bestimmten Zweck gebraucht, erreicht, dann legt man den gestrickten Streifen über ein Haarsieb, das man über ein mit kochendem Wasser gefülltes Gefäß anbringt und läßt ihn darauf so lange liegen, bis das Gestrickte vollständig von dem eingezogenen Dampf durchdrungen und gut befeuchtet ist, worauf man dasselbe mit einem heißen Stahl oder Plätteisen glättet. Nunmehr schneidet man die Streifen in der Mitte der Länge nach auf und lockert die Wolle von allen Seiten. Die nun ganz gekräuselten Wollfäden, die gleichwohl durch den Rand der Strickerei gehalten werden, stellen sehr gut das Moos dar. 21 Fünfter Abschnitt. Blumen aus gekämmter Wolle. Nur die Blätter der Blumen sind es, die in dieser Art von Technik aus Wolle, und zwar aus Wollen- franzen gebildet werden. Pflanzenblätter sind theils aus demselben Material wie die der Stoff- und Papierblumen, theils auch werden sie ausnahmsweise aus anderen Stoffen, wie z. B. aus Sammet rc. hergestellt. Ebenso werden die Staubfäden und Pistills wie bei jenen aus Fäden und Drähten gebildet, weil sie sonst zu schwerfällig erscheinen würden. Zur Herstellung dieser Art von wollenen Blumenblättern bedient man sich schöner fünfdrähtiger sächsischer Wolle in verschiedenen Farben. Um die Franze zu bilden, aus denen die einzelnen Blätter geformt werden, bedarf man eines kleinen Instrumentes, des „Spulenhalters". Dieser besteht aus einem Bügel, dessen beide gekrümmte Enden ein Rundstäbchen halten. An die beiden zugespitzten Endpunkte dieses Rundstäbchens befestigt man eine mit feinem, unübersponnenem Draht umwundene Spule und bringt in der Mitte des erwähnten Bügels einen genügend starken Bindfaden an, um den Spulenhalter an irgend einen feststehenden Gegenstand, z. B. an einen Haken, oder an ein schweres, mit Sand gefülltes Nadelkissen anhängen zu können. Sodann bedarf man noch eines hölzernen Rundstabs von zwei Centimeter 326 Blumen aus gekämmter Wolle. im Durchmesser, der lang genug sein muß, um ihn handhaben zu können und zugleich die Franzenkette aufzunehmen. Während der Arbeit muß man den Spulenhalter gerade vor sich haben. Den freien Rundstab nimmt man in die linke und die Wolle in^die rechte Hand, verbindet die beiden Drahtenden und befestigt daran die Wolle, die man nun so über den Rundstab legt, daß der spitze Winkel, den die beiden Drähte bilden, mit seiner Spitze den Rnndstab berührt. Nun lenkt man die Wolle zunächst unter den Draht Blumen aus gekämmter Wolle. 327 rechts und zugleich um denselben und um das runde Holz und leitet ihn dann unter den Draht links und abermals zugleich um den Rundstab. Zu beachten hierbei ist, daß beide Manipulationen ganz dieselben sind, nur daß die eine von rechts und die andere von links ausgeführt wird. Ferner ist die Wolle so anzuziehen, daß bei der fortschreitenden Arbeit beide Drähte zu gleicher Zeit vorwärts geleitet werden und daß die Arbeit von rechts nach links fortgeführt wird. Unsere Abbildung zeigt deutlich die Zusammensetzung des kleinen Instrumentes und ebenso wie die Wolle den Rundstab zu umgeben hat. Nachdem man eine ziemlich lange Reihe von verknüpften Windungen gebildet hat, zieht man sie vom Holzstab ab und schneidet die Schleifen unverzüglich' sämmtlich mit einer scharfen Schere mitten durch, da dies, während sie noch ihre volle Rundform haben, gleichmäßiger geschehen kann, als wenn sie dieselben theilweise verloren. Man kann beim Anfertigen dieser Franze auch die Farbe der Wolle stellenweise wechseln, um die Blätter mit helleren und dunkleren Partien zu versehen. Ist die Franze aufgeschnitten, so kämmt man die Wolle mit einem Elfenbeinkamm, zuerst mit der weiteren und dann mit dessen engerer Seite gut durch. Sie muß so lange gekämmt werden, bis alle ihre Fäden so egalisirt sind, daß sie einem feinen dichten Plüsch ähnlich sehen. Dies sind die allgemeinen Vorbereitungen, die für alle derartige Woll- blumen erforderlich sind. 328 Blumen aus gekämmter Wolle, Abgezogene und aufgeschnittene! Kranze. Zusammengelegte .., Kranze. Blatt, Vorderseite, Blatt, Rückseite, Blumen aus gekämmter Wolle. 329 Die wilde Rose. Diese Rose besteht aus sünf Blättchen. Indem man beim Anfertigen der Franze die dazu nöthige weiße Wolle aufwindet, vermischt man sie mit etwas rosafarbiger Wolle, deren Fäden, wenn sie aufgeschnitten sind, beim Kämmen sich so mit den weißen vermischen, daß man glaubt, ein Zartes rosafarbiges Gewebe vor sich zu sehen. Für jedes Blatt braucht man zwei Theile Franzen von vermischter weißer und rosafarbiger Wolle von fünf Cenümeter Länge. Man legt diese Theile der Länge nach doppelt zusammen. 330 Blumen aus gekämmter Wolle. bildet einen andern Theil Franze von zwei und einem halben Centimeter Länge aus grünlicher Wolle, näht die beiden Rand-Enden der zusammengelegten Franzen mit starkem Zwirn, eine überwendliche Naht bildend, fest aneinander, setzt zwischen die zwei das aus grüner Wolle gefertigte Theil und näht die so zu vereinigenden Randseiten zusammen; dies grüne Theil bildet die linke Seite des Blattes. Alle übrigen Blätter werden in gleicher Weise hergestellt. Eine andere wichtige Manipulation ist noch zu erklären, die darin besteht, die Wolle zu scheren und den Blumenblättern die erforderliche Form zu geben. Zu diesem Zweck bedient man sich einer Schere besonderer Art, wie sie unsere Abbildung darstellt. Eines der Scherenmesser ist rund und mit einem kleinen Rand versehen, welcher den Wollenplüsch beim Scheren aufnimmt. Inmitten eines jeden Blattes markirt man durch Scheren einen Nerv, und wird alsdann der Rand sowohl als der übrige Theil weiter geschoren. Beim Aufbauen der Blume nimmt man etwas starken Draht, bindet an dessen Ende mit grüner Seide ein mit Staubfäden umgebenes Pistill, ordnet um diesen Mittelpunkt die fünf Blättchen und bindet sie fest; der die Kette bildende Draht dieser Blättchen gestattet, dieselben rückwärts zu biegen und ihnen dadurch eine gefällige und bleibende Form zu geben. Hierauf schneidet man aus Pappe ein rundes Theil von 18 Millimeter im Durchmesser, durchsticht es in der Mitte, zieht den Draht, welcher den Blumenstiel bildet, durch und näht die Blätter auf diese Pappe mit starkem Zwirn, um ihnen mehr Halt zu geben, fest. Dann setzt man die Spinnen und den grünen Kelch der Rose an, Blumen aus gekämmter Wolle. 331 und zwar so, daß sie gut an die Pappe anschließen und diese gänzlich verbergen. Alsdann ist noch der Stiel mit Holzbraunem Papier zu umwinden und ein Zweig von zwei Blumen und einigen Knospen anzusetzen und das aus grünem Sammet bestehende Blätterwerk hinzuzufügen. In gleicher Weise wird auch die Narzisse, jedoch aus weißer Wolle gefertigt. Deren Blätter haben eine grüne Ader und der Blume ist ein sogenannter Honigbehälter eigenthümlich. Ohne Vorlage oder Modell läßt sich übrigens keine Blume gut herstellen, es sei denn, daß man sie schon öfter nachgebildet. Wenn wir schon früher wiederholt angerathen haben, die Pistills, Staubfäden, Kelche, Spinnen und die grünen Blätter fertig zu kaufen, so ist das bei den Wollblumen um so mehr geboten, als diese Theile viel zu schwerfällig erscheinen würden, wollte man sie — was ja nicht unmöglich wäre — aus Wolle fertigen. Im Betreff der grünen Blätter jedoch wird es mitunter harmonischer wirken, wenn man sie aus grünem Sammet herstellt, den man beim Blumenhändler in allen Schattirungen haben kann. Dieselben müssen aber gut geformt und gut modellirt werden, wenn sie schön wirken sollen. 332 Blumen aus gekämmter Wolle. Dir Hbeerrolr. Die Blätter der Lorbeerrose sind am Ende etwas länglicher und spitzer geformt, als die der wilden Rose. Man fertigt sie aus rosafarbiger Wolle in den lebhaftesten Schat- tirungen. Man braucht sechs Blätter für eine Blume. Ein Bnndelchen Staubfäden, an einen ziemlich starken Draht gebunden, bildet die Mitte derselben. Rings um diese Staubfäden und zwar etwas tief, um der Blume eine Blumen aus gekämmter Wolle. 333 prononcirte Höhlung zu geben, werden die Blätter gebunden. Nachdem ein Kelch von grünem Crepp angeleimt worden, umwindet man den Blumenstiel mit Holzbraunem Papier. Die grünen Blätter sind sehr schön und von länglicher, sehr spitzer Form. Das Geranium wird auf gleiche Weise angefertigt, dessen Blumen alsdann zu Bouquets oder Tuffs verbunden werden. Die Tulpe. Für die sechs zu einer Tulpe erforderlichen Blätter braucht man'eine Franze von 7—8 Centimeter Länge. Die- 334 Blumen aus gekämmter Wolle. selbe wird aus rother und schwarzer Wolle gebildet, und in angegebener Weise zusammengelegt. Nachdem man drei Theile übereinandergelegt, werden die Ränder derselben durch eine Naht vereinigt. Zur Stütze dieses länglichen Blattes wird im Innern desselben ein Stückchen Cantille eingenäht. Soll die Tulpe auf gelbem Fond gestreift erscheinen, dann muß man beim Winden der Franze schwarze, rothe und braune Wolle einmischen. Die Enden der Blätter werden etwas ausgezupft, damit sie lang genug sind, um sie fest um ein Pistill von grünem Teig, das mit schwarzen Staubfäden zu umgeben ist, zu binden und um sie zugleich an den aus starkem Draht bestehenden und mit grünem Papier zu umwindenden Hauptstiel zu befestigen. Die Tulpe hat keinen Kelch. Auf ähnliche Art wird die Weiße Lilie und die Tigerlilie angefertigt, natürlich mit Berücksichtigung der diesen Blumen eignen Formen. Blumen aus gekämmter Wolle. 335 Das Stiefmütterchen (^vusäo). Das samnietartige Ansehen dieser Blume läßt sich in gekämmter Wolle sehr hübsch nachbilden. Die Blumenblätter werden wie die für die wilde Rose gefertigt, zwei in hellgelber und eins in dunkelgelber Wolle. Man ordnet sie der besonderen Form dieser Blume entsprechend, und zwar die zwei violetten nach oben, die zwei hellgelben an den Seiten und das dunkelgelbe Blatt nach unten rings um ein 336 Blumen aus gekämmter Wolle. kleines grünes, den Mittelpunkt der Blume formirendes Kügelchen. Unter jedes Blatt wird ein Streifen von grünem Papier geklebt. Die schwarzen, auf den gelben Blättern des Pensees vorkommenden Streifen werden dadurch nachgebildet, daß man einen schwarzen Wollfaden darüberzieht. Die Dahlia vder Georgine. Diese regelmäßig geformte Blume läßt sich auch in dieser Art von Wolle sehr leicht imitiren. Man fertigt Blätter in drei verschiedenen Größen. Die kleinsten derselben umgeben den Mittelpunkt der Blume, es sind deren zehn; die zweite Reihe besteht aus dreizehn, und die letzte aus siebzehn und zwar viel länglicheren Blättern. Will man eine ponceaurothe Dahlia fertigen, dann vermischt man mehrere Schattirnngen dieser Farbe, um die Blätter zu variiren. Nachdem man an das oberste Ende eines als Hauptstiel geltenden Drahtes ein Pistill von grünem Teig befestigt, hat man, wie bei der wilden Rose, ein rundes Stückchen Pappe von sechs Centimeter im Durchschnitt anzusetzen, damit es den Blättchen als Stütze diene. Diese letzteren werden sehr regelmäßig und immer gegenständig angesetzt, mit starkem Zwirn an die Pappe festgenäht und mit Pate oder Leim angeklebt. Nachdem die Pappe noch mit einem Stückchen grünem Crepp beklebt worden, fügt man einen Kelch von grünem Papier an. Der Stiel wird wie gewöhnlich mit grünem Papier umwunden. Nach vorstehenden Beschreibungen lassen sich aus gekämmter Wolle noch manche andere Blumen anfertigen, wie Blumen aus gekämmter Wolle. 337 z. B. das Maßliebchen, die Weißdornbüthe, der Jasmin, die Passionsblume, die Orangeblüthe rc. Gefülltere Blumen, wie die Rose, die Mohnblume, die Kamelie rc. gelingen dagegen weniger auf diese Weise, weil sie zu massiv werden. Wir fügen deshalb eine kleine Abänderung dieses Verfahrens bei, deren Anwendung sich für gewisse Blumen, und besonders für gefüllte, besser eignet. Wir wollen dieselbe an einem Beispiel zeigen. Wir nehmen an, man will ein Maßliebchen in gekämmter Wolle nachbilden. Zunächst befestige man ein Bündelchen rother Wolle an einen Draht, schere dasselbe, soviel dies erforderlich, und umgebe es mit den spitzgeformten Herzblättchen. Für die zweite Reihe jedoch setzt man keine einzelnen Blätt- chen an, sondern bildet eine Franze von sechs Centimeter Länge über ein stärkeres Holzstäbchen. Für die dritte Reihe nehme man ein noch stärkeres Holzstäbchen und fertige eine Franze von neun Centimeter Länge. Diese zwei Franzenreihen werden nun um die bereits an den Mittelpunkt angesetzten, sogenannten Herzblättchen gewunden. Für die Herzblättchen hat man rosafarbige Wolle, für die Franzen jedoch gemischte, nämlich rosafarbige und weiße Wolle zu verwenden. Endlich fertigt man noch eine grüne Franze in zwei Schattirungen, um sie als Kelch unter der Blume anzubringen. Will man auch die grünen Blätter aus einer Franze bilden, so legt man die Franze auseinander, so daß das Schnürchen die Blattrippe darstellt, und bestreicht deren Rückseite mit etwas flüssigem Leim, damit die Fäden sich verbinden. Nachdem sie trocken geworden, schneide man mit der Schere die Zacken des Blattes ein. 33 « Blumen aus gekämmter Wolle. Für die Knospe macht man eine schmale Franze von drei Cetimeter Länge und windet sie um ein Kügelchen von gelber oder hellgrüner Wolle. Die grünen Kelchblättchen umgeben und überragen die Knospe. Die ganze Abänderung in dem Verfahren besteht also darin, daß man bei der Franzenherstellung Holzstäbchen von verschiedener Stärke und die breiten Franzen in geeigneter Weise verwendet. Sechster Abschnitt. Gehäkelte Wollklumen. 22 * Die Aster. UMj Diese Blumen wollen keineswegs eine getreue Nachbildung der Natur sein. Dazu ist die Häkeltechnik nicht geeignet. Wohl aber kann man mittelst derselben die natürlichen Formen der Blumen in einer interessanten Weise, gewissermaßen dem Material entsprechend, übersetzen. So kommt es bei den gehäkelten Wollblumen vor, daß man gewissen Blumenblättern eine Kugelform giebt, was man eine „Perle häkeln" nennt, wodurch solche Blumen ein ganz eigenthümliches Ansehen gewinnen. Von dem Ge- 342 Gehäkelte Wollblumen. schmack und der Geschicklichkeit der Arbeiterin wird es abhängen, diese Technik in passender Weise anzuwenden. Zunächst die Aster. Aus maisfarbiger, cordonnirter Seide wird der Mittelpunkt derselben hergestellt. Dann bildet man mit einer stählernen Häkelnadel einen, aus drei Kettenmaschen bestehenden Anschlag zu einer Rundung, sticht in jede dieser Kettenmaschen zwei feste Maschen und vollendet diesen Mittelpunkt durch eine Reihe fester Maschen. Hierauf nimmt man eine Elfenbeinnadel und fünfdrähtige violette Zephirwolle oder Wolle von irgend einer beliebigen Farbe und macht eine Reihe feste Maschen, indem man auf der Reihe, um die Rundung glatt zu erhalten, zuweilen eine Masche zunimmt. Auf der folgenden Reihe beginnt man mit den Blättern, die in Perlenform dargestellt und in folgender Weise ausgeführt werden. Die Reihe beginnt mit einer auf der Häkelnadel befindlichen Schleife. Man sticht mit der Nadel in die erste Masche der vorigen Reihe und zieht die Wolle durch diese Masche, als wollte man eine Doppelmasche bilden; anstatt jedoch die Masche zu vollenden, läßt man die zuerst auf der Nadel befindliche auf derselben und häkelt in die zweite Masche vier Kettenmaschen; dann sticht man mit der Nadel rückwärts in die erste dieser Kettenmaschen, zieht die Wolle durch diese Masche und zugleich auch durch die zwei andern, auf der Nadel befindlichen Woll- schlingen. Auf diese Weise hat man eine Kugel oder „Perle" gebildet, die für die Blume als Blatt verwendet wird, wie unsere Abbildung zeigt. -- Man häkelt nun acht gleiche Blätter für die erste Reihe der Blumenblätter, arbeitet dann eine Reihe fester Maschen, Gehäkelte Wollblumen. 343 indem man mit der Häkelnadel hinter die Blätter sticht und in dieser Reihe um drei Maschen zunimmt. Alsdann häkelt man eine zweite, elf Blätter repräsentirende Perlenreihe und darauf eine Reihe feste Maschen, indem man vier Maschen zunimmt. Diese beiden Reihen sind mit der mittelsten Schattirung der lilafarbigen Wolle zu arbeiten. Endlich wird die dritte und letzte Reihe der Perlen, fünfzehn gehäkelte Kugelblätter bildend, mit der hellsten, lilafarbigen Wolle ausgeführt. Die Blume ist nun fertig. Um sie zu stützen, näht man unter den von maisfarbiger Seide gehäkelten Mittelpunkt derselben ein kleines Stückchen runder Pappe und befestigt daran einen als Stiel dienenden, mit grüner Wolle umwundenen Draht. Für die grünen Blätter häkelt man aus grüner Wolle eine Reihe von zehn Kettenmaschen und rings um dieselben feste Maschen. Dann werden die Maschen von der untersten Seite bis zur Spitze, wo man drei dreifache Stäbchen häkelt, zugenommen und, von der entgegengesetzten Seite zu- rückhäkelnd, wird wieder in gleichem Verhältniß zugenommen. Bei dem Häkeln dieser Blätter suche man das Grün zu variiren und sie in verschiedenen Größen zu gestalten. Für die Knospe bildet man aus gehäkelten Perlen sieben Kugelblätter, vereinigt sie, schließt die Knospe unten durch drei Reihen einfacher Maschen, indem man stufenweise abnimmt; nun fügt man wie bei der Blume einen Stiel hinzu. Die Dahlia oder Georgine wird in gleicher Weise gehäkelt, doch eine größere Anzahl von Blätterreihen gearbeitet. Für die Mitte derselben häkelt man nur ein kleines Bällchen von grüner Wolle. 344 Gehäkelte Wollblumen. Die ^ilie. iM Zum Anfang des Lilienblattes häkelt man von schöner weißer Zephirwolle 35 Kettenmaschen. Dann nimmt man einen feinen, mit weißer Seide umwundenen Draht von 30 Centimeter Länge, sticht ihn in die letzte dieser Maschen Und häkelt über die Kette: 1 einfache Masche, 2 feste Maschen, 26 Stäbchen, 2 feste Maschen, 1 einfache Masche, 1 Ketten- masche, legt darauf den Draht auf die andere Seite der aus 35 Maschen bestehenden Kette und häkelt 3 einfache Maschen, 2 feste Maschen, 3 Stäbchen, 16 Doppelstäbchen, 6 Stäbchen, 2 feste Maschen, 2 einfache Maschen und 3 Maschen über die Kette; hierauf häkelt man von der andern Seite des Gehäkelte Wollblumen. 345 Drahtes 2 einfache Maschen, 2 feste Maschen, 6 Stäbchen 16 Doppelstäbchen, 3 Stäbchen, 2 feste Maschen, 3 einfache Maschen, 1 Kettenmasche. — Für jede Blume braucht man 6 Blätter. Die Knospe wird aus gleicher Wolle gefertigt, doch ist deren Stiel kürzer als jener zu halten. Man häkelt 25 Kettenmaschen, befestigt den Draht, wie es bei dem Blumenblatt geschehen, häkelt 3 einfache Maschen, 2 feste Bläschen, 15 Stäbchen, 2 feste Maschen, 2 einfache Bläschen in 1 Kettenmasche und von der andern Seite 2 einfache Maschen in 1 Masche, 2 feste Bläschen, 15 Stäbchen, 3 feste Maschen, 3 einfache Maschen, 1 Kettenmasche; dann rings um das Blatt eine Reihe einfacher Maschen. Man biege nun den Draht entsprechend der Form des Blattes. Jede Knospe braucht drei Blätter. Für die Staubfäden schneidet man acht Stückchen weiß übersponnenen Draht, nimmt etwas hellgelbe, gespaltene Wolle, häkelt 7 dichte Kettenmaschen und 6 feste Maschen darüber, zieht die Enden von zwei Stückchen Draht bis zur Mitte dieses kleinen gelben Theiles, welcher einem Staubbeutel ähnlich sehen muß, dessen Stiel der Draht bildet. Für die Blume sind sechs, für jede Knospe zwei Staubfäden nöthig. Für die Pistills häkelt man aus mattgrüner Wolle ein kleines Bällchen in der Größe einer Erbse und zieht wie bei den Staubfäden in dasselbe sehr feinen Draht. Man braucht drei solcher Bällchen, vereinigt sie und umwindet deren Stiele mit hellgrüner Wolle. Für die grünen Blätter nimmt man zum Anfang die 346 Gehäkelte Wollblumen. dunkelste grüne Wolle und wechselt während des Arbeitens mit den grünen Schattirungen ab. Man beginnt mit 40 Kettenmaschen, zieht den Draht in die letzte derselben und häkelt darüber 3 einfache Maschen, 3 feste Bläschen, 25 Stäbchen, 4 feste Maschen, 4 einfache Maschen. Dann biegt man den Draht um, häkelt 4 einfache Maschen, 4 feste Bläschen, 25 Stäbchen, 3 feste Maschen, 3 einfache Blaschen, 1 Kettenmasche in die letzte. Der Draht wird nun umgebogen und man häkelt: 5 einfache Maschen, 5 feste Maschen, 16 Stäbchen, 8 feste Blaschen, 4 einfache Maschen, 2 einfache Maschen in eine Masche, 1 Kettenmasche. Man biegt den Draht wieder um, häkelt 2 einfache Bläschen in eine Masche der andern Seite, 4 einfache Maschen, 8 feste Bläschen, 16 Stäbchen, 5 feste Maschen, 5 einfache Maschen, 1 Kettenmasche. Nun nimmt man ein anderes Stückchen Draht, befestigt die Wolle in die achte Blasche, von dem untern Theil des Blattes an gerechnet, und häkelt 24 feste Maschen für den Draht, dann 8 einfache Maschen, 1 einfache Masche in die Kettenmasche, biegt den Draht um und häkelt noch 1 Masche in dieselbe Kette, 8 einfache Maschen, 23 feste Bläschen, 1 einfache Masche. Dann wird die Wolle abgeschnitten. Dieses Blatt ist von mittlerer Größe; man kann in derselben Weise größere und kleinere anfertigen. Das Aufziehen der Blume beginnt man mit den drei präparirten Pistills und ordnet rings um dieselben zuerst die sechs Staubfäden, dann die sechs Blumenblätter und windet sämmtliche Stiele mit grüner Wolle fest zusammen. Für jede Knospe ordnet man drei Blättchen so zusammen. Gehäkelte Wollblumen. 347 daß sie sich nach innen biegen und die in der Mitte angebrachten Staubfäden fast gänzlich bedecken. Je zwei Knospen konlmen an einen Stiel, dann folgt die Blume und endlich bringt man die grünen Blätter an, mit den kleinsten beginnend. Während des Bindens der verschiedenen Theile umwindet man zugleich den Hauptstiel mit hellgrüner Wolle. Die Mohnblume. Die Herstellung derselben erfordert rothe Wolle, weiße Cantille, schwarze Seide, Blumendraht und ein Holzstäbchen von ein und einem halben Centimeter Breite. Man beginnt mit 7 Kettenmaschen. Dann nimmt man feinen Draht und arbeitet über denselben und in die Kettenmaschen 1 feste Masche, 2 Stäbchen in jede der drei nach- 348 Gehäkelte Wollblumen. sten Maschen, 3 Stäbchen in die folgende, und wieder 3 Stäbchen in die nächstfolgende. Von der andern Seite der Kette und immer über den Draht häckelt man 4 Stäbchen in dieselbe Masche, in welche man vorher 3 Stäbchen gehäkelt, dann 3 Stäbchen in die folgende, 2 Stäbchen in jede der 3 folgenden, 1 feste Masche in die nächststehende, 3 einfache Maschen. Tann arbeitet man, um das Blumenblatt zu bilden, ringsum in folgender Weise: 1 feste Masche und I Stäbchen in die erste feste Masche, 1 Stäbchen in jede der 7 folgenden Maschen, 2 Stäbchen in jede der 11 folgenden Maschen, 1 Stäbchen in jede der 7 folgenden Maschen, 1 Stäbchen und 1 feste Masche in die folgenden, 1 einfache Masche. Für jede Blume sind vier Blätter nöthig. Für die Staubfäden häkelt man von Seide eine Kette von ohngefähr 3 Centimeter Länge, läßt an dieser Kette einen langen Faden hängen, fädelt diesen in eine Nähnadel und windet ihn dann um das Holzstäbchen, indem man immer in die Kette sticht. Nachdem das Stäbchen herausgezogen, schneidet man die Seidenfäden auf, rollt die auf diese Weise gebildete Franze zusammen und befestigt sie so, daß die aus Luftmaschen bestehende Kette ein kleines Bällchen formirt. Dann bindet man das Ganze an einen feinen, mit Seide umwickelten Drahtstiel und ordnet ringsum die Blumenblätter, welche mit einem stärkeren, mit grüner Wolle umwundenen Stiel zu versehen sind. Die grünen Blätter dieser Blume häkelt man mit gleichen Maschen wie diejenigen der Lilie, wobei man soviel als möglich die Form der natürlichen Blätter nachzubilden sucht. Gehäkelte Wollblumen. 34» Die Narcisse. Erforderliches Material: weiße Zephirwolle; sächsische, gelbe, rothe und grüne Wolle, letztere Farbe in drei Schattirnngen, und feiner Blumendraht. Die Kronenblätter der Narcisse beginnt man mit weißer Wolle und mit einem Anschlag von 15 Kettenmaschen. Dann schneidet man Draht von der Länge eines Fingers, zieht das Ende desselben in die letzte Kettemnasche und häkelt in derselben Richtung der 15 Kettenmaschen. Nun häkelt man 2 einfache Maschen, 3 feste Maschen, 7 Stäbchen, 1 feste Masche, 3 einfache Maschen in eine Masche. Von der andern Seite der Kette und immer über den Draht häkelt man 1 feste Masche, 7 Stäbchen, 8 feste Maschen, 2 einfache Maschen und zieht die Wolle durch die letzte 350 Gehäkelte Wollblumen. Kettenmasche. Das Fadenende windet man um den Draht. Für jede Blume braucht man sechs Blätter. Der Mittelpunkt der Narcisse wird in folgender Weise angefertigt: mit weißer Wolle häkelt man 7 Kettenmaschen, schneidet den weißen Wollfaden ab und verbindet ihn mit der gelben Wolle, vereinigt die 7 Kettenmaschen zu einer Rundung und häkelt siebenmal hinter einander 1 feste Masche; 1 Masche wird durchgezogen, der Faden abgeschnitten, die rothe Wolle genommen und 1 einfache Masche in jede Blasche der vorigen Reihe gehäkelt. Der Wollfaden bleibt hängen und wird dann benutzt, um das Herz der Blume mit den sechs Blättern zu verbinden. Nun wird ein doppelter, zusammengewundener Draht genommen, mit grüner Wolle umwickelt und das Ganze daran gebunden. Am Ende wird dieser Hauptstiel durch mehrmaliges Umwinden mit dem Wollfaden etwas verstärkt. Für die grünen Blätter der Narcisse häkelt man mit grüner Welle 50 Kettenmaschen, häkelt dann die nächste Reihe in die Kette und über einen Blumendraht und um- häkelt diese Blattrippe mehr oder weniger — wie es bei dem grünen Blatt der Lilie angegeben ist — indem man auch hier die Form des natürlichen Blattes berücksichtigt. Sich nach der Abbildung richtend, bindet man schließlich an den Hauptstiel mehrere Blätter von verschiedener Größe. Gehäkelte Wollblume». 351 Der Epheu. Material: Grüne Wolle in drei Schattirungen, schwarze Wolle, Cantille und Blnmendraht. Für ein großes Epheublatt häkelt man mit der dunkelsten grünen Wolle 16 Kettenmaschen, häkelt dann über eine Trahtrippe, in die Kettenmaschen stechend: 2 feste Maschen, 9 Stäbchen, 4 feste Maschen; man biege den Draht um und zwar so, daß man noch an derselben Seite über denselben arbeiten kann, und häkele 2 feste Blaschen, wende das Blatt und biege den Draht; dann werden 8 Ketten- maschen gehäkelt; man dreht das Blatt und häkelt in diese Kettenmaschen 7 feste Maschen; bei diesem Verfahren gelangt man zu dem Draht am Ende des Blattes; über diesen Draht werden 12 feste Maschen gearbeitet; dann biegt man denselben um und häkelt darüber 8 feste Maschen, 8 Stäbchen, 2 feste Maschen; man biegt den Draht um und häkelt 7 feste Maschen. Nun häkelt man 9 Ketten- und 8 feste Maschen darüber und für den übrigen Theil des Blattes 7 Stäbchen und 4 feste Maschen; wendet um und häkelt 11 feste Maschen, 5 Stäbchen, 1 feste Masche, biegt den Draht wieder um und häkelt 20 feste Maschen darüber; zum Anfang des Blattes zurückgehend, häkelt man daselbst als Abschluß desselben noch 1 einfache Blasche. Alle andern Blätter werden in gleicher Weise, doch mit einer geringeren Anzahl von Maschen ausgeführt; für die kleinsten Blätter nimmt man die hellgrünsten Farben. An jedem Blatte befindet sich das Doppelende eines Drahtes, 352 Gehäkelte Wollblumen. welches man, um den Blattstiel zu bilden, zusammendreht und mit Wolle umwindet. Für die Beeren nimmt man acht kleine Stückchen Can- tille, biegt jedes Theil in Form einer Haarnadel zusammen und bildet in der Mitte mit schwarzer Seide ein kleines Kügelchen, dreht die zwei Cantille-Enden zusammen und umwindet sie mit grüner Wolle. Diese Beeren werden gruppenweise angebunden. Beim Binden des Zweiges bildet man den Hauptstiel aus starkem Daht, bindet die Blätter, die kleinsten zuerst, an denselben, placirt zwischen diese einige Beerengrnppen und umwindet den Hauptstiel mit grüner Wolle. Siebenter Abschnitt. L h e n i l l r b l u in e n. 23 -l7'dk M-E! kj ^ ! -r Von täuschender Naturwahrheit kann auch bei der Chenilleblume nicht die Rede sein. Der Herstellung solcher Blumen liegt auch diese Absicht nicht zu Grunde; sie giebt vielmehr die Natur insoweit wieder, als es mit diesem Material möglich ist, dennoch aber vermag man mit diesem Material verschiedene Blumen so nachzuahmen, daß ihre Eigenartigkeit vollkommen zu erkennen ist. Sie eignen sich vorzüglich zum Schmuck für Soireöcoffüren und Hüte, sind jedoch auch durch das sammetartige Ansehen und den milden Glanz an und für sich für das Auge sehr angenehm, ja die Farbennüancen, die sich erreichen lassen, sind nicht selten von reizender Wirkung. Man bedient sich zur Anfertigung dieser Blumen einer bereits präparirten Chenille, die mit einem dünnen Eisenoder Messingdraht zusammengedreht ist, der aber vorher, damit er die Fähigkeit erlange, die ihm gegebenen Biegungen beizubehalten, ausgeglüht worden. Diese Chenille ist in verschiedenen Stärken zu einem verhältnißmäßig billigen Preis käuflich. Außer ihr bedarf man noch feineren und stärkeren Blumendraht für die Befestigung und Verbindung der einzelnen Theile. Man wendet ein verschiedenes'Verfahren für die Herstellung der Chenilleblumen an und zwar je nach der Art 23 * 356 Chenilleblumen. der Blume. Die erste nennt man die Ringelform, weil sie die Blnmenblättchen durch Ringel darstellt, die ein blatt- artiges Ansehen dadurch gewinnen, daß die Fäden der Chenille in der Mitte zusammenschließen, wodurch sie wie eine ausgefüllte Fläche erscheinen. In dieser Weise lassen sich jedoch nur sehr kleine Blättchen bilden, wie z. B. die der Apfelblüthen, des Vergißmeinnicht^ des Maßliebchens rc. Das zweite Verfahren aber setzt wirkliche Blätter zusammen und nennt man dasselbe das „blätterformende". Die Blumenblätter werden einzeln aus mehrerer» verbundenen Reihen von Chenille gebildet. Diese Weise wendet man bei den Rosen, den Mohnblumen, den Narcissen rc. an. Das dritte Verfahren endlich ist eine Verbindung des zweiten, mit der Herstellungsweise der Stoff- und Papierblume. Dasselbe ist im Stande, die schönsten und anmuthig- sten Resultate zu erzielen. Wir werden auf diese verschiedenen Herstellungsarten bei der Unterweisung für einzelne Blumen näher eingehen. Ckenilleblumen. 357 Die Weitzdornblüthe. Man beginne mit der Herstellung eines halben grünen Blattes, zu welcher man schöne grüne, etwas starke Chenille von ohngefähr zwanzig Centimeter Länge bedarf. Man biege sie an ihrem obereir Ende um und drücke sie so zusammen, daß sie eine zackenartige Form gewinnt; dann bildet man noch drei oder vier kleine Zacken, indem man zugleich die Chenille abwärts leitet und jede Zacke an den Ansatzpunkt der vorhergehenden befestigt. Die letztere größere 358 Chenilleblumen. Zacke sucht man ein wenig zu runden. Das auf diese Weise erlangte halbe Blatt wird man öfter Gelegenheit haben, unter den Blüthen des Weißdorns anzubringen. Man gebe diesem Blatt nun einen verlängerten Stiel, um eine Blume daran anbinden zu können. Für die Blume nimmt man blaßrosafarbige Chenille, zupft das Ende derselben etwas aus und befestigt es an das Ende der grünen Chenille des Stiels, indem man sie leicht mit diesem zusammenwindet. Aus der rosafarbigen Chenille werden nun fünf kleine Ringelchen gebildet, die man mit den Fingern rundet, aber nicht abtrennt, sondern sie kreisförmig um den Stiel ordnet. Man befestigt sie genügend, wenn man die rosafarbige Chenille an die grüne des Stiels anwindet und sie jedesmal da, wo ein Ringelchen abschließt, fest zusammenkneift. Alsdann bilde man noch drei andere kleine Ringelchen, die man im Mittelpunkt der ersteren anbringt und mit diesen verschlingt. Nachdem man die überflüssige Chenille abgeschnitten, verbindet man das Ende der eingeschlungenen Riugelchen im Mittelpunkt mit den bereits befestigten Blättchen. Diesen aufgezogenen Ringelchen ist nun eine bauchige Form zu geben und zwar so, daß sie sich oberhalb nach der Mitte der Blume neigen. Will man deren Natürlichkeit steigern, so binde man an den Stiel, auf den sie aufgewunden, mehrere kleine, aus braun gummirtem Zwirn bestehende Staubfäden an. Die Herstellung der grünen Blätter ergiebt sich bereits aus dem, was wir vorhin für die Herstellung des halben Blattes angegeben. Man nimmt grüne Chenille in der Länge von zwanzig Centimeter, biegt sie nach der rechten Seite so zu- Chenilleblumen. 359 sammen, daß der umgebogene Theil mehr als die Hälfte des Theils ausmacht, den man in der linken Hand hält. Nun forme man aus diesem längeren Theil vier kleine Zacken, drücke diese an den linken kürzeren Theil so an, daß von demselben noch ein Rest für den Blattstiel übrig bleibt und forme dann aus dem Rest der zwanzig Centi- meter, indem man zur linken Seite übergeht, gleiche Zacken wie die ersteren, jedoch mit Ausnahme der ersten, welche die Spitze des Blattes bildet. Nachdem man die Chenille genügend befestigt, giebt man dem Blatt soviel als möglich eine natürliche Form. Für die obersten grünen Blätter eines Zweiges wählt man helleres Grün als für die unterhalb anzubringenden, und für die Knospe macht man an das Ende der rosafarbigen Chenille ein Köpfchen oder Knötchen, versieht dasselbe mit einem Stiel und vereinigt eine Anzahl solcher zu einem Bouquet. Die Blumen sind in den verschiedensten Schattirungen von den hellsten bis zu den dunkelsten Rosatönen zu halten. Um einen Weißdornzweig zu arrangiren und zu binden, wird niit den Knospenbouquets begonnen; dann befestigt man zunächst die hellgrünen Blätter und nach diesen die Blüthengruppen. Nun zupft man das als Stiel an den Blumen und Blättern gelassene Chenille-Ende, um es an den Hauptstiel anzusetzen, welcher stärker sein muß als die Stiele der Blumen und Blätter. Die abwechselnd mit grünen Blättern zu umgebenden Blüthengruppen werden mit festem Zwirn an den Hauptstiel gebunden, und dieser wird dann von oben bis unten mit grüner Chenille umwunden, wobei zu 360 Chenilleblumen. beachten, daß die spiralförmigen Windungen gegen das Ende zu etwas dichter werden, um den Stiel zu verstärken. Das Maiblümchen wird in derselben Weise angefertigt. Man bildet die Zacken der kleinen Blumenkrone nach, indem man feine weiße Chenille zackenförmig einkneift und jede Zacke zusammendrückt. Die Blume muß geschickt gerundet und gegen den Kelch zu gebaucht werden. Ein kleines, ebenfalls aus weißer Chenille bestehendes Schleifchen stellt die Knospe dar. Um die tranbenförmig gruppirte Maiblume aufzubauen, befestige man zuerst an einem grünen Chenillestiel eine Knospe, lasse dann die Blumen mit ihren kleinen Blumenstielen folgen, ordne sie vorn überhängend und verberge die Windungen der Bindseide oder des Zwirns in dem Plüsch der Chenille. Das Veilchen läßt sich besonders hübsch in Chenille darstellen, indem man die Ringelchen von ungleicher Farbe und zwar von weißer und violetter Chenille macht. Um den Kelch zu imitiren, wird etwas sehr feine grüne Chenille unter die Blättchen gewunden. Jede Blume bindet man an einen geraden, nur am oberen Ende etwas gekrümmten Stiel und glättet den Plüsch dieser Chenillestiele etwas mit dem Nagel des Fingers, damit sie feiner und biegsamer erscheinen. Die Aster. Man schneidet aus Pappe eine kleine Scheibe von einem Centimeter Durchmesser, umwindet dieselbe mit gelber Chenille, klebt diese mit Gummi fest und ordnet um sie zehn Ringblättchen von hellrosafarbiger Chenille, dann unter diese zwölf größere, mehr schleifen- artigere Ringblättchen von lebhafterem Rosa und schließt Chenilleblumen. 361 die Blume endlich mit einer Reihe noch größerer Schleifen- blättchen von tiefrosafarbiger Chenille. Das kleine Maßliebchen fertigt man ebenso, mit dem Unterschied, daß man nur eine Reihe von Schleifen- blättchen aus weißer Chenille formt. Die Kornblume, die Hyacinthe, das Vergißmeinnicht und andere ähnliche kleine Blumen sind mit möglichster Berücksichtigung ihrer Blätterformen in gleicher Weise anzufertigen. Deren grüne Blätter sind wie die einzelnen Blumenblätter zu bilden, deren Herstellung wir bei der jetzt folgenden Blume angeben werden. Der Goldknoxf. Da diese Blume nicht aus verbundenen Ringelchen, sondern aus einzelnen Chenilleblättchen gebildet werden muß, 362 Chenilleblumen. so wollen wir zunächst das Verfahren angeben, wie einzelne Blumenblätter zu machen sind. Man verwendet für dieselben etwas starke Chenille, nimmt das Ende derselben zwischen den Daumen und den Zeigefinger der linken Hand, bildet ein Ringelchen daraus, läßt jedoch das Ende etwas länger, so daß es über das Ringelchen hinausgeht. Nun windet man die Chenille nach rechts und zwar fest anliegend um das Ringelchen, welches nun aus zwei Reihen Chenille besteht, und wiederholt dieses Verfahren so lange, bis die Anzahl der Ringe die Größe des Blattes hat, das nian darstellen will. Ist man damit fertig, so wird die Chenille um das freigelassene Ende gewunden und abgeschnitten. Jetzt verleiht man den vereinigten Chenillekreisen die erforderliche Form, indem man sie entweder nach der Länge zieht, oder nach der Breite aus- biegt, oder ihnen eine Spitze anbildet. Für alle Blumen, deren Blätter, wie z. B. die der Rose, durchweg gerundet sind, bleiben selbstverständlich auch die Chenillekreise gerundet; überhaupt ist die Formgebung des Blattes bei der Chenille, die sehr biegsam ist, gar nicht schwierig. Die Herstellung des Goldknopfs beginnt man damit, daß man an ein Draht-Ende ein kleines grünes Kügelchen befestigt und dieses mit feinen weißen Staubfäden nmgiebt, wodurch man das Herz der Blume imitirt und um welches man fünf Ringelchcn feiner goldgelber Chenille, dann fünf Blättchen aus gelber Chenille bindet, die so — und zwar aus drei Ringelchen — wie wir vorhin angegeben, hergestellt worden sind. Die vereinigten Blumenblättchen werden nun unten mit grüner Chenille umwunden und wird die Chenilleblumen. 363 Umwindung dieser Chenille spiralförmig um den Hauptstiel fortgesetzt. Die Mohnrose wird gleichfalls aus Blättchen zusammengesetzt, die jedoch größer sind als die des Goldknopfs und daher mehrfach umwunden werden müssen. Um das obere Ende eines Drahtes bindet man hellgrüne Chenille, bildet daraus ein Ringelchen von der Größe einer Erbse, befestigt um dieses die aus schwarzem, gummirtem Zwirn bestehenden Staubfäden und dann um diese Staubfäden vier Blumenblätter aus Chenille von der hochrothen Farbe der Mohnblume. Wie wir bereits angedeutet, wird die Rose ebenso hergestellt, doch sind deren Blätter nur ein aus Staubfäden gebildetes Blumenherz zahlreicher und wechselständig anzubringen. 364 Chenilleblumen. Dir FurWa. Man befestige an einen kleinen Draht ein langes mit Staubfäden umgebenes Pistill, bilde drei kleine Blumen- blättchen von violetter Chenille und befestige sie rings um diesen Mittelpunkt; Pistill und Staubfäden müssen die Blätt- chen weit überragen. Dann mache man noch vier längliche und drei spitze Blättchen von rother Chenille und umgebe damit die ersteren. Um den Ansatz der Blätter winde Chenilleblumen. 365 man rothe Chenille und alsdann grüne, die den Kelch darstellt. Die Päonie. Für diese große Blume mit ihren meist ungleichen Blättern präparirt man aus ponceaurother Chenille acht lange, schmale Blätter für das Herz und zwölf breitere für die Corolle. Es ist bei der Formgebung der Blätter darauf zu achten, daß einige der Päonienblätter an der einen Seite abgerundet und an der andern dagegen etwas ausgeschweift sind. Nachdem man sämmtliche Blättchen präparirt hat, bildet man aus hellgelber Seide einen kleinen Kreis, überzieht diesen mit derselben Chenille kreuzförmig, führt dann diese Chenille aus dem Mittelpunkt dieses Kreises in einer Länge von ohngefähr 15 Centimeter weiter, kneift sie dann um und windet sie zurück, dreht sie spiralförmig und eng die ganzen 15 Centimeter entlang und verstärkt diese Spiralwindung, je mehr man sich dem Ende nähert. Man verfertige nun noch zwei solcher Theile und lasse sie aus einen: gemeinschaftlichen Mittelpunkt als Pistill der Päonie hervorgehen. Nach der Vollendung desselben befestigt man dieses Pistill an einen Draht, schneidet die gelbe Chenille ab und bringt rings um das Pistill die kleinsten Blättchen, die man am Ende etwas abrundet, mit gelber Seide an. Hierauf setzt man die zweite Reihe der Kronen- blätter an, biegt sie gegen den Mittelpunkt der Blume und fährt dann fort, die Blätter anzubinden, die möglichst im Mittelpunkte befestigt werden müssen, damit die Blume eine runde und nicht eine spitze Form erhalte. Die drei unter der Blume anzubringenden Kelchblättchen sind aus grüner Chenille zu machen und der Blume anzubiegen. Mit der- 366 Chenilleblumen. selben grünen Chenille umwindet man, nachdem man Knospe und grüne Blätter angebracht, den Hauptstiel. Die Knospen werden aus einer kleinen Anzahl von einzelnen Blättchen und aus kleinen, die äußeren Blättchen darstellenden Schleifchen von grüner Chenille geformt und rings um die ersten geordnet. Die grünen Blätter, die, wie wir bereits angegeben, ebenso angefertigt werden, wie die Blumenblätter, erhalten eine größere Anzahl von Chenillereihen und giebt man ihnen durch Biegen mit den Fingern eine ovale, mehr oder minder längliche oder abgerundete Form, je nach den zu imitiren- den Blättern. Chenilleblumen. 367 Das Stiefmütterchen oder rensöv. Der sammetartige Glanz dieser Blume läßt sich in Chenille sehr gut wiedergeben. Zunächst präparirt man aus violetter Chenille zwei längliche Kronenblättchen, dann aus hellgelber Chenille zwei kleinere und nun aus orangegelber Chenille ein ebenso langes, doch schmäleres Blatt als die violetten Blätter. Jetzt bindet man ein grünes Kügelchen an einen Draht und windet rings um dasselbe drei sehr kleine Ringelchen aus weißer Chenille. Damit ist das Herz der Blume gebildet. Daran bindet man die zwei violetten Blätter, sie etwas übereinander legend, fügt ihnen unter- 368 Chenilleblumm. halb die zwei hellgelben Blätter bei, und placirt unter diese das orangegelbe Blättchen. Mit violetter Chenille, die man in eine Tapisserienadel fädelt, bildet man nun in der Mitte eines jeden der hellgelben Blätter einen ziemlich langen, an der Rückseite des Blattes abschließenden violetten Chenillestich; das unterste Blatt erhält drei solcher Stiche. Unsere Abbildung zeigt deutlich, wo dieselben anzubringen sind. Man windet nun grüne Chenille unter die Blume und rings um den Stiel; nun werden die grünen Blätter in gleicher Weise wie die des Weißdorns angefertigt. Die Tulpe. Es bedarf kaum der Bemerkung, daß auch sie aus einzelnen Blättern zusammengesetzt wird. An einen Draht befestigt man oberhalb drei Stückchen schwarzer Chenille, die man oben mit einem Knötchen versieht, damit sie die Form der Staubfäden erhalten. Das unterste Ende dieser Theilchen wird ausgezupft, um sie befestigen zu können, ohne den Stiel zu verstärken. Man stelle nun sechs Tulpenblätter her und gebe ihnen eine länglich ovale Form. Ihre Länge muß zehn Centimeter und ihre Breite, an der Stelle, wo sie am breitesten sind, vier und einen halben Centimeter betragen. Ein wenig unterhalb dieser'schwarzen Staubfäden werden zuerst drei Tulpenblätter und dann die drei anderen gebunden und zwar wechselständig; sie sind derartig fest mit Zwirn zu umwinden, daß sie sich nach unten zusammenziehen und nach oben erweitern. Um die grünen, aus der Wurzel hervorgehenden Blätter der Tulpe herzustellen, verwendet man grüne Chenille nach dem angegebenen System in vier und fünf Reihen, bei deren Cheiiilleblumen. 36S Aufwindung man jedoch so verfahren muß, daß die Blätter eine möglichst längliche Form erhalten. Man befestigt sie an dem Stamme durch verborgene, an der inneren Seite angebrachte Stiche mit grüner Seide. Vier bis fünf Blätter genügen für einen Stamm. Es ist leicht, ihnen eine etwas concave Form zu verleihen, indem man sie an den untern Theil des Stieles anbiegt. Da dieser Stiel recht glatt sein muß, so läßt sich die plüfchartige Chenille hier nicht ohne weiteres verwenden, es ist vielmehr ein besonderes Verfahren vorzunehmen. Man ziehe den Stiel durch eine dünne Lösung von Gnmmiwasser und klebe an dessen beide Seiten einen Faden hellgrüner Chenille, und zwar von der Blume bis zuni untern Ende des Stiels an, wo man die Chenille abschneidet. Um sie noch zuverlässiger zu befestigen, winde man dann spiralförmig ringsum noch grüne Seide, die sich nicht bemerkbar macht. Da die Tulpen bekanntlich in den verschiedensten Farben vorkommen, so kann man zu ihrer Herstellung gelbe, rothe, Weiße, violette Chenille anwenden, ja man kann sie sprenkeln und streifen, indem man Fäden aus Chenille von abstechender Farbe in der Mitte der Blumenblätter stichweise anbringt. Nach dieser Methode, die wir mit Berücksichtigung verschiedener Fälle und Formen angegeben, lassen sich alle Arten von Blumen in Chenille anfertigen. Allerdings bedarf es einer gewissen Geschicklichkeit und eines guten Geschmacks für Anordnungen und Verbindungen, um in dieser Arbeit eine ungewöhnliche Vollkommenheit zu erreichen. 24 Achter Abschnitt. Perlenblu m e n. 24 * .. : ^ tt 2 ! 1 ^ Die aus Perlen gefertigten Blumen verwendet man sowohl als Garnirungen der Hüte, der Roben und der Con- fectioneu als auch zur Herstellung von Bouquets und Todtenkränzen. Man bedient sich zur Anfertigung solcher Blumen kleiner Glasperlen, die man leider nicht in allen beliebigen Farben im Handel vorfindet, sowie eines sehr feinen Blumendrahtes. Die Wvhnvose. .-N Einfache Blumen gelingen am besten in Perlen. Die Mohnrose würde sehr zu dieser Herstellung geeignet sein, 374 Perlenblumen. könnte man ihr ihre schöne scharlachrothe Farbe verleihen, doch findet man in durchsichtigen oder glänzenden Perlen nur ein ziemlich dunkles Granatroth und in matten Perlen ein für diesen Zweck unschönes Ziegelroth. Um ein Blumenblatt zu bilden, werden die Perlen auf einen feinen Draht gefädelt. Dieser mit eng aneinander gereihten Perlen bedeckte Draht wird nun spiralförmig um sich selbst gewunden, so daß er einen platt geformten, aus zwölf Perlenreihen bestehenden Kreis bildet. Der Draht fügt sich jeder beliebigen Form und bewahrt dieselbe. Um diesen, ein einzelnes Blumenblatt formirenden Perlenkreis zu befestigen, zieht man durch denselben kreuzweise einen sehr feinen Draht und befestigt ihn an jeder Perlenreihe durch einen Rückstich. Für eine Mohnrose macht man vier solcher Kreise oder Blumenblätter. Um den Mittelpunkt der Blume zu fertigen, bildet man Schleifchen aus grünen, in Draht gefädelten Perlen, und nimmt vierundzwanzig Perlen für jede Schleife, vereinigt fünf gleiche Schleifen, windet die zwei Enden des Drahtes zusammen und läßt aus dem Mittelpunkt dieser fünf Schleifen den gekrümmten Draht um einen halben Centimeter hervorragen, dann dreht man den Draht, um ihn zu befestigen, zusammen und macht mit dem längsten Ende desselben noch eine, aus einigen zwanzig grünen Perlen bestehende Schleife. Nun befestigt man den Draht eng anschließend, bildet noch acht gleiche Schleifchen oder Blättchen und verwahrt den Draht darunter. Auf diese Weise erlangt man einen kleinen Kelch von Schleifchen, aus denen ein gewundener Draht hervorgeht, welcher einen zweiten, aus gleichen Schleif- Perlenblumen. 375 chen bestehenden Kelch trägt^ der über den ersten in Form eines kleinen Schirmes hervorragt. Dieses sogenannte Blumenherz wird mit Draht an dem Ende des andern, als Blumenstiel dienenden Drahtes festgebunden. In achtzehn kleine Drahtfäden fädelt man nun schwarze Perlen, ordnet diese Fäden als Staubfäden rings um den Mittelpunkt und biegt sie dann gegen denselben. Die vier präparirten Blumenblätter werden nun mit dem kleinen, dieselben am untern Ende überragenden Draht-Ende an den Hauptstiel festgebunden und an diesem noch mit einem andern Draht und dann unterhalb der Staubfäden befestigt. Mit den Fingern sind nun die Blättchen hübsch und regelmäßig zu formen. Für die Anfertigung eines grünen Blattes wird eine ziemlich große Menge von Perlen auf einen Draht gereiht und dieser dann in Form des Blattes gebogen. Will man ihm die Form eines gezackten Blattes verleihen, so krümmt man den Draht an die Seiten. Zwischen die aufgezogenen Perlenreihen wird stets in der Länge und an einigen andern Stellen etwas Draht gezogen, um sie zu stützen. Der Hauptstiel wird mit grüner Seide umwickelt. 376 Perlenblumen. Das Mahlirlichrn. Diese Blume, welche sich gleichfalls sehr gut in Perlen nachbilden läßt, wird oft mit der Mohnblume und mit der Kornblume, um ein Bouquet von Feldblumen zu formen, vereinigt. Es werden 27 gelbe Perlen auf feinen Draht gereiht, worauf man aus denselben einen kleinen platten, als Mittelpunkt der Blume dienenden Kreis formirt. Um das Blumenblatt zu bilden, muß man zunächst 33 weiße Perlen anreihen, dann den Perlenfaden in zwei Theile, und zwar am untern Ende, umbiegen, dann noch 24 weiße Perlen anreihen, doch diese letzteren erst zur Hälfte. Hat man nämlich 12 Perlen eingefädelt, so leitet man den Draht über die erste Schleife und fädelt dann die andern 12 Perlen ein. Auf diese Weise ist ein Blättchen zu bilden. Der Draht wird am Ende nur eingekniffen, Perlenblumen. 377 nicht abgeschnitten. Man beginnt, in gleicher Weise wie bei dem ersten verfahrend, mit einem andern Blatt, bis man deren sieben oder acht angefertigt. Nachdem man sie rings um die kleine, das Herz der Blume bildende Rundung geordnet, wird der Blattstiel an den Hauptstiel gewunden. Mit dem grünen Blatt verfährt man, wie es für dasjenige der Mohnrose angegeben wurde. In dieser Weise, die Blumenblätter und als deren Mittelpunkt Rundungen oder Schleifchen zu bilden, verfährt man mit vielen andern Blumen. Alle Blumen mit großen oder breiten Kronenblättern, wie z. B. die Rose, die Kamelie, das Pensäe und die Lilie, werden wie die Mohnrose, das heißt mit runden oder ovalen Blättern versehen. Die Blütt- chen der kleineren Blumen, wie die des Goldknopss, des Jasmins, des spanischen Flieders rc., werden wie die des Maßliebchens aus Schleifchen gebildet. Für das Vergißmeinnicht macht man sechs kleine Blumen, von denen jede aus fünf Blättchen zusammengesetzt wird. Zur Herstellung derselben werden einige fünfzig blaue Perlen auf Draht gereiht, dann acht oder zehn derselben von den andern getrennt, um daraus durch Umbiegen des Drahts ein Blatt zu bilden. Man schließt und befestigt das Blättchen, indem man den Draht umwindet. Auf diese Weise verfährt man fünf mal. Nun ist noch der Kelch übrig. Dieser wird ebenso, jedoch aus fünf bis sechs gelben Perlen gebildet. Man biege den Draht nach außen, so daß man einen kleinen Kreis erhält, um den man sämmtliche Blättchen regelmäßig ordnet. Selbstverständlich muß man die Blättchen, obgleich sie 378 Perlen blumen. aus ein und demselben Draht gebildet werden, in ziemlicher Entfernung von einander ordnen, damit man sie nöthigen- falls abschneiden und ihnen eine Art Stiel von 2—3 Centi- meter Länge verleihen kann. Die fertigen Blumen werden dann mit einem zweiten Stiel versehen und befestigt, wie bei den Stoffblumen angegeben ist. Wrinblättrr von Schmrlzxerlrrr. Die in Schmelzperlen auszuführenden Weinblätter unseres Musters lassen sich auf zweierlei Art sehr hübsch verwenden. Erstens als Verzierung oder als Agraffe zum Schluß des Leibchens, der Confectionen, des Gürtels rc., in welchen: Fall die Perlen auf ziemlich starken Draht gereiht, auf sehr starken Stoff, Wachsleinwand oder dergleichen genäht und die Blätter nach Vollendung ausgeschnitten und ausgeräubert werden. Die zweite Verwendung besteht darin, daß man die Blätter als Kante auf beliebigen Stoff anbringt, die Perlen auf Zwirn reiht, im Plattstich festnäht und die Rippen der Blätter in abstechender Farbe arbeitet. Auf hellen: Stoff in grauschwarzen: Schmelz und auf dunkelfarbigen: Stoff in Goldperlen ausgeführt, wirken diese Blätter vortrefflich. Neunter Abschnitt. Vandbln in e n. Veilchen und Rosen aus Band. Vrilchrnbvuguek. Von jeher hat man es geliebt, die Form der Blume auch noch da anzuwenden, wo man nicht gerade die Absicht hat, sie in allen Einzelheiten der Natur nachzubilden. Wir finden das besonders in der Gold- und Silberschmiede- knnst und die Juweliere stellen aus Edelsteinen der verschiedensten Art Blumenformen dar, ohne eigentlich die Absicht zu haben, dieselben treu nach der Natur bilden zu wollen. In ähnlicher Lage befinden wir uns, wenn wir Blumen aus Band für diesen oder jenen Zweck herstellen; wir können solchen Blumen nur ganz in: Allgemeinen eine gewisse Natnrähnlichkeit geben und wir freuen uns darüber, wenn uns dies gelingt. 1 382 Bandblumen. Weitere Ansprüche macht auch das Veilchenbouquet nicht, dessen Herstellung jedoch ganz amüsant ist. Alan nimmt dazu zwei Meter sehr leichtes violettes Tafsetband von ein und einem halben Centimeter Breite. Dasselbe wird im Zickzack, wie unsere Abbildung deutlich erkennen läßt, mittelst violetter Fadenseide gefältelt. Die Falten sind ziemlich eng zusammenzuziehen. Dann bildet man ein kleines, dem Umfang des Bouquets entsprechendes Kissen aus Watte, die man vorher mit Jrispulver bestreut hat, um dem Bouqnet ein angenehmes Parfüm zu geben und überzieht dieses Wattepolster mit grünem Tastet. Nachdem man dessen untere Seite geebnet und ausgeglichen, wird die Bandrüsche auf dessen obere Seite aufgezogen. Man beginnt in der Mitte und näht die spiralförmig zu windende Rüsche fest aneinander, so daß das darunter befindliche Kissen nicht zum Vorschein kommt. Hierauf fädelt man in eine starke Nähnadel einen gelben und einen grünen Seidenfaden und näht mit diesen beiden Fäden zugleich in 1 r Bandblumen. 383 unregelmäßigen Entfernungen eine Anzahl von Stichen, wodurch man den Mittelpunkt oder das Herz der einzelnen Blumen andeutet, wie solches im Beilchenbouquet hin und wieder zum Vorschein kommt. Alsdann werden die zahlreichen Falten der Rüsche, um ihnen das Ansehen von Veilchenblättern zu geben, mit der Pincette geschickt ausgezupft, oder auch hin und wieder niedergedrückt. Unter das Kissen befestigt man hierauf einige kurze, mit grünem Papier umwundene Drahtstiele, ordnet dann rings um die violette Rüsche einen Kreis von grünen Veilchenblättern, deren Stiele man mit den andern Trahtstielen verbindet und umwindet sie sämmtlich mit einem farbigen Faden oder Bündchen; und man besitzt ein das Auge täuschendes Veilchenbouquet, das zugleich einen angenehmen Duft im Boudoir oder im Wäscheschrank zu verbreiten vermag. Die Rose. In derselben Weise läßt sich eine hübsche Rose darstellen. Deren Mittelpunkt wird aus Band von lebhaftem Rosa und dessen Umgebung aus Band von zartem Rosa 384 Bandblumeii. gebildet. Man setzt sie in folgender Weise zusammen. Auf einem runden Theilchen aus gelbem Baumwollenstoff befestigt man eine Goldperle, die man mit sechs kleinen weißen Perlen umgiebt, fältelt dann ein vierundzwanzig Centi- meter langes Taffetband im Zickzack und ordnet dasselbe um den Mittelpunkt; fältelt in gleicher Weise ein hellrosafarbiges Band von sechsnnddreißig Centimeter Länge, bringt dasselbe rings um den lebhafteren Mittelpunkt an und befestigt es unterhalb. Man erhält auf diese Weise eine sehr hübsche Rosette, die sich sowohl als Schmuck von Hauben oder Coiffüren^ als zum Ausputz von Untersetzern für Lampen, Vasen und für andere Gegenstände eignet. Zehnter Abschnitt. FeVerbln m r n. Auch die Federblumen können gemäß dem Material, aus welchem sie hergestellt werden, die Natur nur bis zu einem gewissen Grade imitiren; aber sie sind, wenn geschickt gemacht, interessant und können bei geschmackvoller Anordnung sogar pikant wirken. Man fertigt sie sowohl einfarbig, schwarz, weiß, grau oder braun an, oder auch buntfarbig und in beiden Fällen können sie als Garnirungen von Hüten und Coiffüren sehr hübsch wirken. Phantasiebegabte Arbeiterinnen haben schon öfter ganz ungemein reizende Combinationen auf diesem Gebiet zu Stande gebracht, z. B. Rosen aus Pfauenfedern gebildet, phantastische Blätter geformt und lebhafte Farbencontraste erzielt. Am meisten bedient man sich zu ihrer Herstellung der Tauben-, Hühner- nnd Hahnenfedern, aber auch derjenigen der Rebhühner und der Schwäne und ebenso der buntfarbigen Federn ausländischer Vögel, so wie der Papageien- und der Fasanenfedern rc.; Trauerblumen macht man aus Raben-, Krähen- und Reiherfedern. Die Anwendung von Gold, Glasperlen, buntfarbigen Seidenbüscheln und anderer künstlicher Blumenbestandtheile ist selbstverständlich nicht ausgeschlossen, vielmehr geeignet, diese Blumen noch interessanter zu machen. Das Blätterwerk wird aus irgend einer kleinen oder großen Feder geschnitten, deren Spitze immer diejenige des 25 * 388 Federblumen. Blattes bilden muß. Auch die Blumenblätter sind mit der Schere nach der Form der natürlichen Blätter zuzuschneiden und erforderlichen Falles auszuzacken. Der Aufbau der Blume geschieht in gleicher Reihenfolge wie der anderer künstlicher Blumen. Man ordnet zunächst Pistill und Staubfäden und vereinigt dieselben an einem mit Papier zu umwindenden, aus ausgeglühtem Eisendraht bestehenden Stiel. Weitere Einzelheiten werden wir bei den einzelnen Blumen angeben. Um den Federn die erforderliche Biegung zu geben, fährt man mit dem Federmesser wiederholt dem Kiel entlang, wobei man dasselbe dem ganzen Kiel entlang gleiten läßt. Federguirlanden und Kränze, als Verzierung der Hutköpfe rc., welche eigentlich nicht zu den Federblumen zählen, werden aus Enden von Pfauenfedern und anderen schönen Federarten gebildet, indem man sie mit feinem, schmiegsamem Draht aneinanderreiht oder zusammenbindet, je nach der Art der Guirlande oder des Kranzes. Federblmnen. 38!» Die Rose. Wir nehmen an, der zu bildende Rosenzweig soll eine Coiffüre oder einen Hut schmücken. Wir würden in diesem Fall keineswegs einen buntfarbigen Zweig anrathen, sondern es für schöner halten, sowohl die Blumen als die Blätter aus weißen Federn zu bilden. Hierzu eignen sich am besten Schwanenfedern oder die kleinen, unter den Flügeln junger Tauben befindlichen. Aus diesen Federn schneidet man eine Z90 Federblumeii. genügende Anzahl von Blättern in Form der Rosenblätter, die man mit den Fingern noch etwas nachzurunden sucht. Am Ende eines jeden Blattes läßt man ein freies Kiel- Ende, um dasselbe anbinden zu können. Nachdem man an einen kleinen Drahtstiel in der schon wiederholt angegebenen Weise das Herz der Blume sammt den Staubfäden gebildet, welche letztere aus weißem Zwirn bestehen müssen, bringt man rings um dasselbe die Rosenblätter an, indem man deren freies Kiel-Ende anbindet. Die Blätterreihen sind wechselständig zu ordnen, die kleinsten nach Innen und die größeren nach Außen und hat man sich natürlich zu bemühen, die Form der Rose möglichst erkennbar zu machen. Die Knospe besteht aus drei vereinigten Blättchen, welche man mit vier oder fünf kleinen, aus der Fahne einer Feder geschnittenen, die Spinnen vorstellenden Blättchen umgiebt und diese festbindet. Die die Laubblätter darstellenden Federn werden am Rande etwas gezackt und mit dem Kiel- Ende an einen mit weißer Seide umwickelten Draht gezogen. Blumen, Knospen und Blätter sind nun in schöner Anordnung an einen Hauptzweig anzubringen, den man zuerst mit weißem Zwirn und dann mit weißer Seide umwindet; doch kann man den Hauptstiel auch mit weißem Taffet überziehen. Federblumen. 391 Der Eartus. Die Cactusblume wird aus schönen, rothen Papageienfedern hergestellt oder, in Ermangelung derselben, aus roth gefärbten Federn; doch sind die Papageienfedern viel leuchtender und schöner als die gefärbten. Auch hier vergesse man nicht, einer jeden Feder ein freies Kiel-Ende zu lassen. Für das Herz der Blume bildet man an einem Draht drei 392 Federblume». kleine Tuffs leichter Federchen — oder Marabout-Theil- chen — zwischen die man abwechselnd drei kleine, aus Rabenfedern gebildete Tuffs ordnet. Diese Büschelchen werden mit Zwirn befestigt, und nun placirt man rings um dieselben die erste Reihe der Blumenblüttchen und zwar die kürzesten, dann wechselständig die zweite Reihe und schließlich die dritte. Die Knospe wird aus vier oder fünf rothen Federn gebildet, die man mit dem Kiel-Ende an einen Draht befestigt und mit vier kleinen grünen Federn umgiebt. Die grünen Blätter werden aus grünen Federn geschnitten. Man randet sie mit der Schere aus und sucht sie in der Farbe zu variiren, indem man hin und wieder graue und braune, je nach den Federn, die man zur Verfügung hat, anbringt. Der Hauptstiel wird mit grüner Seide oder mit grünem Tastet umwunden. Federblumen. 393 Die Nelke. Man bedarf für die Nelke durchaus des getrockneten Kelchs einer natürlichen Nelke oder eines künstlich hergestellten, beini Blumenfabrikanten gekauften. Die Nelken- blätter werden durch braune und gelbe Federn einer Meise gebildet und nicht mit der Schere beschnitten, sondern verbleiben in ihrem natürlichen Zustande; nur giebt man dem kleinen Kiel mittelst einer geschlossenen Schere eine stärkere Biegung, wobei man so verfährt, wie wir bezüglich dieser Manipulation durch Anwendung des Federmessers angegeben. 394 Federblumen. Zunächst befestigt man an einen Draht zwei der Fahne einer Gänsefeder entnommene Fädchen, welche als Mittelpunkt die Nelkenblätter überragen müssen. Um diese bindet man nnt Zwirn in zwei oder drei Reihen die die Blumenblätter vorstellenden Meisefedern, zieht dann den Draht durch die kleine Oeffnnng des Kelches bis dicht an diese Federn und klebt den Kelch dort an. Die langen und dünnen Pflanzenblätter der Nelke können verschiedentlich aus braunen oder grauen Federn, die man an den mit grüner Seide oder mit grünem Papier oder Taffet überzogenen Hauptstiel bindet, gebildet werden. Die Aster. - M Jede strahlenförmige Blume wird wie die Aster hergestellt, und ist eine niehr oder mindere Abweichung in der Federblumen. 3!» Wahl oder Zusammensetzung der Federn dem persönlichen Geschmack überlassen. Die Hauptsache ist, daß die Phantasieblume, denn von einer andern kann ja hier nicht die Rede sein, hübsch ausfalle. Man wähle in unserem speciellen Fall für eine solche Blume die schönsten, weißen, unter den Flügeln der Gänse befindlichen Federn, denen man jedoch, um sie verwenden zu können, erst die geeignete Form geben muß, wobei in folgender Weise zu verfahren ist. Man nimmt die Feder in die linke Hand und die Schere in die rechte, hebt jedes einzelne Theilchen der Feder mit dem Scherenblatt anst biegt es mit dem rechten Daumen zurück, so daß es zwischen dem Finger und dem Scherenblatt sich befindet und lenkt dann das letztere leicht nach unten. Sind sämmtliche Federtheil- chen auf diese Weise bearbeitet, so gewinnt die ganze Feder dadurch die Form einer Locke; man nennt dieses Verfahren das Kräuseln. Hat man beide Fahnenseiten der Feder auf diese Weise gekräuselt, so sind dieselben mit Vorsicht von dem Kiel abzulösen, nämlich so, daß die Theilchen in Verbindung bleiben. Um eine Belebung in der Farbe herbeizuführen, kann man diese Federfahnen an ihren unteren Theilen leicht rosafarbig anmalen, indem man den Pinsel in dünnflüssigen Carmin taucht und damit die Ansatzstellen bestreicht, wobei aber wohl zu bemerken ist, daß dies vor der Ablösung vom Kiel geschehen muß. Diese Federschnur wird nun rund um ein Bündelchen befestigt, das man aus Fahnentheilen einer Maraboutfeder oder aus Goldfäden gebildet hat. Zu denLaubblättern verwendet man die grünen Federn des Federblumen. Z»6 Papageis oder anderer, grünfarbiger Vögel. Blumen und Blätter werden dann an mit Papier umwundene Stiele gebunden. Für die Narcisse nimmt man sechs weiße, recht biegsame Federn, giebt ihnen mit der Schere eine etwas länglichere Form als die der Rosenblätter und gruppirt sie um einen Mittelpunkt von kleinen gelben und braunen, kreisförmig geordneten Federn, oder auch um ein künstlich hergestelltes Herz einer Narcisse. Für die grünen Blätter verwendet man die schönen dunkelgrünen Schweifblätter des Haushahns. Zur Herstellung der Lilie bedarf man sechs schöne, blendend weiße Federn. Die Schwanenfedern sind ohne Zweifel für diesen Zweck die vorzüglichsten, doch sind dazu auch die Federn von weißen Tauben oder weißen Hühnern zu verwenden. Alan verleiht ihnen durch Zuschneiden die erforderliche Form und bearbeitet deren Kiel in der angegebenen Weise, so daß die einzelnen Blätter eine hübsche Biegung erhalten und gruppirt sie um einen Mittelpunkt, in welchem sich Pistill und Staubfäden befinden. Diese sind entweder zu kaufen oder auch kann man sie selbst herstellen. Im letzteren Fall taucht man die hammerförmig umgebogenen Pistills in gelben Gries oder in eine Auflösung von Chromgelb, dessen Farbe noch lebhafter wirkt. Als grüne Blätter sind auch bei der Lilie die grünlichen Hahnenfedern zu verwenden, und zwar diejenigen vom hellsten Grün. Elfter Abschnitt. Haarbl n m e n. L5' ' .Hr - v -»-> jH. P»< ^ ^ ti itt ii rrL '' 4"" ^4^ .< M'7'- Aus Haaren lassen sich bekanntlich allerlei hübsche Gebilde verfertigen und nehmen unter diesen besonders die Haarblumen eine hervorragende Stelle ein. Diese viel Sorgsamkeit erfordernde Kunst wird bei den verschiedensten Völkern gepflegt, doch stehen vor allem die Circassierinnen im Ruf, die feinsten Haararbeiten zu verfertigen. In London befindet sich eine Sammlung von Flechtarbeiten und Stickereien aus diesem Material, die von den Bewohnern der Südseeinseln herrühren. Selbst mit Klöppelwerkzeugen werden fein verschlungene und complicirte Figuren aus Haar gebildet. Die Haare bedürfen für eine derartige Benutzung vorher einer besonderen Präparation. Man reinigt sie zunächst, indem man sie mit gut zerdrückter Hafergrütze oder in Mehl abreibt, worauf man sie in Sodawasser wäscht, um sie zu entfetten und locker zu machen. Am geeignetsten sind für die Blumenherstellung die von lebenden Personen entnommenen Haare, die eine größere Elasticität und einen schöneren Glanz besitzen, als diejenigen von Todten. Die von letzteren sind zwar auch zu verwenden, jedoch muß man sie vorher in mit Holzasche gesättigtem Wasser sieden, wodurch sie ihre frühere Schmiegsamkeit und selbst ihren Glanz wieder erhalten. 400 Haarblumen. Das Geräth, welches man zur Verfertigung der Haarblumen bedarf, besteht aus einein kleinen aufrechtstehenden Gestell, dessen Fuß ein kleines Brettchen bildet, an dessen beiden Seiten sich zwei kleine, anfrechtstehende Stäbchen erheben, die in der Richtung des Fußbrettchens eine Ouer- stange tragen. Ferner aus sehr feinem Blnmendraht, aus einer Schere, einer Zange, einem Stückchen Fischbein und aus Stricknadeln von verschiedener Stärke. Außerdem bedarf man zur Herstellung der Köpfchen der Staubfäden noch eine Anzahl kleiner Goldperlen. Um Verwickelungen vorzubeugen, sind die zu verarbeitenden Haare mit einer Bürste recht gleichmäßig zu glätten und in Partien oder Strähnen zusammenzubinden. Wir beginnen mit der Herstellung eines Blattes. Man nehme dazu ein Stückchen Draht von ohngefähr zehn Centi- meter Länge, biege es in der Mitte so um, daß zwei gleich lange Theile entstehen und winde diese am Biegungsende zusammen. Den so gewundenen Draht nehme man nun zwischen den Daumen und den Zeigefinger der linken Hand und befestige daran das Ende eines kleinen, gut geglätteten Haarsträhns- Letzteren lasse man vorher wiederholt durch die Finger gleiten, um den Glanz desselben aufzufrischen. Die beiden Drahttheile werden nun nach rechts und nach links auseinander gebogen; dann nehme man eine Stricknadel, fasse sie so mit der linken Hand, daß deren kleinerer Theil in horizontaler Richtung über die gewundene Stelle des Drahtes kommt, leite dann den Haarsträhn um die Stricknadel und befestige ihn, indem man die Drahtfäden darüberkreuzt. Man wiederholt dies so oft, bis die auf der Haarblumen. -101 Stricknadel befindliche Anzahl von Windungen ausreicht, um ein Blatt herzustellen. Alsdann zieht man die Stricknadel aus und man hat eine Reihe durch den Draht zusammengehaltener Schleifen, aus denen man eine beliebige Blattform herstellen kann. Nun winde man die Draht-Enden zusammen und bedecke sie mit Seidenfaden von der Farbe des Haares oder auch mit gleichfarbigem Haar. Je nach der Größe der Blätter ist eine feinere oder stärkere Stricknadel zu nehmen. Ziemlich schwierig und mühsam ist eine Rose aus Haar zu bilden; es gehört dazu viel Zeit und Geduld. Man ziehe zwei Seidenfäden, zwischen denen man einen Silberoder Messingdraht placirt, über die Mitte der Querstange des kleinen Gestells, das an den Arbeitstisch anzuschrauben ist. An das uns zugewendete Ende dieser Fäden lege man ein glattes, ziemlich plattes Holzstäbchen an, durchschlage alsdann mit den Seidenfäden und dem Messingdraht einen kleinen Haarsträhn und winde ihn um das Holzstäbchen, wodurch die Seidenfäden und der Draht den Haarsträhn befestigen. Wenn man so einige Touren gemacht hat und das Haar gut in der Seide befestigt worden ist, verstärkt man den Holzstab mittelst eines Stückchen Pappe, damit die folgenden Schleifen größer werden als die ersteren, und fährt dann mit dem Umwinden fort, bis man eine genügende Anzahl von Schleifen hergestellt hat, um die Rose zu formen. Nun bildet man zunächst den Mittelpunkt der Rose, der aus kleinen, an feinen Draht gereihten Goldperlen besteht. Diesen nmgiebt man mit den verbundenen Schleifen so, daß 402 Haarblumen. die kleineren in der Mitte und die größere'! nach Außen zu stehen kommen. Selbstverständlich hat man dieselben vorher vom Gestell abgelöst. Die so präparirte Blume wird an einen stärkeren, den Hauptstiel bildenden Draht gebunden und ihr ein Kelch aus Pate angesetzt. Letzterer wird mit darüber gewundenen Haaren bedeckt, die mit aufgelöstem Gummi arabicum auf der Pate befestigt werden. Auf dieselbe Art wird die Knospe gebildet, zu der man jedoch weniger Schleifen verwendet; auch ist es bei der Schleifen- anfertigung für dieselbe nicht erforderlich, das Holzstäbchen zu verstärken. Natürlich erhält auch sie. wie die Rose, einen Kelch. Auch um Maßliebchen. Astern und andere strahlenförmige Blumen mittelst der Haarblumentechnik herzustellen. bereitet man zunächst ein kleines Blumenherz aus eingefädelten Goldperlen, die man über einem runden Stückchen Pappe von einem und einem halben Centimeter im Durchmesser mit einigen Stichen Seideufaden glatt befestigt. Man bildet eine Anzahl Schleifchen nach der für die Blattherstellung beschriebenen Weise und windet sie rings um diesen Mittelpunkt. Der Intelligenz der Verfertigerin bleibt es überlassen, wo es ihr für die Blume passend erscheint, auch das nachstehende Verfahren anzuwenden, das in der Regel nur für solche Blumen benutzt wird. die getrennte Blättchen haben. Dasselbe besteht in folgendem: Man nimmt ein Stückchen Aischbein von einem Centimeter oder mehr Breite — dessen Länge ist wenig maßgebend — und zwei feine Drahtfäden, von denen jeder besonders auf ein Stückchen Holz oder Haarblumen. 403 Pappe gewunden wird. Man befestigt die beiden Drähte mit Seide an einen ohngefähr aus zwölf Haaren bestehenden Strähn, nimmt das Fischbeinstäbchen in die linke Hand und zugleich den mit den Drähten verbundenen Haarsträhn, windet diesen mit der rechten Hand um das Fischbeinstäbchen und befestigt jede Schleife, indem man einen der Drähte über und den andern unter die Strähne leitet. Dadurch werden die Haare über dem Fischbeinstäbchen befestigt. Man fährt mit diesen Windungen fort, bis man die erforderliche Anzahl von Schleifchen erreicht hat. Dann zieht man das Fischbein heraus. Hierauf nimmt man ein Endchen ganz seinen Drahtes und bindet jede der nach unten hängenden Schleifchen an der Stelle, wo sie sich umbiegen, zusammen, um dem Blatt eine spitze Form zu geben. Der oben befindliche Theil der Schleife ist bereits durch den Draht zusammengebunden und man hat nur noch die beiden herabhängenden Enden am Schluß der Schleifenkette um- zuwinden. Für das Pensöe oder Stiefmütterchen hat man fünf einzelne Blätter zu bilden, die man in der der Blume eigenthümlichen Stellung um eine an einen Draht befestigte Perle ordnet. Das Vergißmeinnicht, das aus Haar gefertigt einen sehr niedlichen Eindruck macht, erhält ebenfalls eine an einen Drahtstiel befestigte Goldperle, um welche man fünf kleine, durch sehr feinen Draht befestigte Haarschleifchen anbringt. Die Narcisse wird aus einzelnen Schleifchen zusammengesetzt wie das Pensöe und erscheint sehr interessant, wenn man sie aus weißem Haar herstellt. Sie erfordert 26 * 401 Haarblumen. sechs Blättchen, die man mit Seide rings um ein aus Perlen bestehendes Herz ansetzt. Diesen Abschnitt schließend, wollen wir noch bemerken, daß es uns überflüssig geschienen, für eine noch größere Anzahl verschiedener Blumen die Anfertigungsweise speciell anzugeben; es muß der persönlichen Intelligenz der Haar- blumenmacherin überlassen bleiben, die so viel Sorgfalt und Geduld erfordernde Technik, die wir genügend angegeben, passend zu verwenden. Andere Arten von Haargebilden, wie Schnüre, Geflechte, Zahlen, Namenszüge und dergleichen, die eine noch complicirtere Herrichtung bedingen, gehören selbstverständlich nicht in unser Buch. Zwölfter Abschnitt. Blumen aus Muscheln und Fischschuppen. Wir wollen zuerst von den Blumen aus Muscheln reden. Die Technik macht hier wenig Schwierigkeiten, gleichwohl erfordert sie Sorgfalt und ein gewisses Talent, das Material auszuwählen und den Formen entsprechend anzuordnen. Muschelblumen bedürfen stets einer Fläche als Unterlage, von der sie sich mehr oder weniger plastisch abheben. Vorzüglich geeignet sind sie zum Schmuck von Kästchen, Bonbonnieren und mancherlei kleinen, nicht zum täglichen Gebrauch bestimmten Möbeln. Zunächst sind die Muscheln nach der Große und der Farbe zu sortiren. Je mehr kleine sich unter ihnen befinden, desto besser ist es. Um sie dauerhaft befestigen zu können, muß man sich aus Wachs und starkem Leim ein Bindemittel bereiten. Man nimmt zwei Theile Wachs und einen Theil Leim und schmelzt dieselben zusammen; bei der Anwendung muß die Mischung warm sein. Nehmen wir nun an, wir hätten den oberen Theil eines Kästchens mit Rosenzweigen zu schmücken. Ehe wir uns an die Arbeit begeben, müssen wir über die ganze Anordnung im Klaren sein, und haben uns daher eine Contour- zeichnung zu machen, der entsprechend wir die Ausführung vornehmen. Man wähle kleine, längliche, rosafarbige Muscheln, welche den Rosenblättchen am meisten ähnlich sehen, tauche den unteren Theil derselben in das präparirte Bindemittel Blumen aus Muscheln und Fischschuppen. 4 03 und placire sie auf der Grundfläche da, wo sie der Zeichnung gemäß hinkommen sollen, wobei man sie fest gegen das Holz andrückt. Nehmen wir nun an, wir wollten zuerst das Herz der Rose bilden, so hat man eine Anzahl kleiner Muscheln aufrechtstehend anzuleimen und dann um diesen Mittelpunkt mehrere Reihen größerer Muscheln anzubringen, wobei man besonders darauf achten muß, daß die Rose ihre runde Form erhalte. Die letzten und größeren, die Rosenblätter repräsentirenden Muscheln placirt man mehr flach und an die Grundfläche anliegend. Dann bringt man längliche Muscheln als Blätterwerk an und ordnet sie einander gegenüberstehend an einen mit dem Bindemittel überzogenen Holz- oder Drahtstiel. Ist man mit der Arbeit fertig, so überzieht man sie, nachdem alle einzelne Ansätze trocken geworden, mit einem durchsichtigen Firniß. Im Allgemeinen ist noch Folgendes zu bemerken. Jede etwas breite Blume erfordert als Unterlage ein Stück starken Carton, auf den man die Muscheln festklebt. Auch kann > . man die Muscheln mit Aquarellfarben coloriren, was sich ganz hübsch macht, wenn es mit Geschmack geschieht; doch sind in diesem Fall die Stengelblätter mit grünem Papier Zu umgeben. Leichte zierliche Zweige vermag man aus kleinen Muscheln herzustellen, wenn man sie auf Cantille ' , reiht, in welchem Fall sie vorher mit einem kleinen Löchel- chen zu versehen sind. Auch lassen sich solche Blumen noch mit kleinen oder größeren Perlen ausstatten, die man gereiht oder einzeln an den Zweigen oder am Ansatz der Muschel- : blätter anbringt; auch schwarze Wachsbeeren sind in dieser ' Weise wirkungsvoll zu verwenden. ^ Blumen aus Muscheln und Fischschuppeu. 409 Rosrnzwrip aus Fischschuppeu. Besonders die Schuppen des Blei oder Brassen eignen ' sich für Phantasieblumen dieser Art, welche selbstverständlich auf die Nachahmung der natürlichen Farben verzichten, dagegen die äußerst zarte und glänzende Wirkung machen, als bestehe die Blume aus einer Verbindung von Silber und Perlmutter; diese feinen und durchsichtigen Schuppen haben wirklich einen perlmutterartigen Schmelz und schillernde Reflexe von großer Schönheit. 410 Blumen aus Muscheln und Fischschuppen. Die mit Sorgfalt' vom Fisch abzulösenden Schuppen sind zunächst mit kaltem Wasser zu reinigen und auf einem Sieb zu trocknen. Sodann nimmt man eine Schuppe nach der andern und durchsticht sie am untern Ende mit einer Stecknadel, um sie auf einen feinen Silberfaden ziehen zu können. Unsere kleine Abbildung verdeutlicht dies Verfahren. Dieser Silberdraht wird, wenn er durch die kleine Oeffnung durchgezogen worden, doppelt zusammengelegt und in einer Länge von einem Centimeter zusammengewunden, während man den übrigen Theil des Fadens in einer Länge von drei bis vier Centimeter abschneidet. Auf diese Weise richtet man eine so große Anzahl von Schuppen her, als erforderlich scheint. Um nun eine Rose anzufertigen, nimmt man für den Stiel derselben ein Stückchen Draht von ziemlicher Stärke,, befestigt an dessen oberes Ende ein kleines Baumwollen- kügelchen als Herz der Blume und umwindet dieses ringsum mit Silberlahn. Die ersten Schuppenreihen, welche man um diesen Mittelpunkt ordnet, bringt man ziemlich dicht zusammen an und befestigt sie mit Silberdraht, den man über das an jeder Muschel befindliche Fadenende bindet. In dieser Weise fährt man fort, die anderen Schuppen um die erste Reihe anzusetzen, läßt jedoch bei den folgenden Reihen, und besonders bei den äußersten, dem Silberfaden, an welchem sich die Schuppe befindet, etwas mehr Spielraum, damit zwischen diesen und den vorhergehenden Muschelreihen ein Zwischenraum entstehe. Alan bemühe sich dagegen, die in der Mitte befindlichen Schuppen kurz anzubinden, damit die Rose nicht eine zu spitze Form erhalte. Als Abschluß der. Blumen aus Muscheln und Fischschuppen. 411 Blume wird unter die letzte Schuppenreihe durch Umwinden von Silberlahn eine Art Kelch ungebildet. Für die Knospen werden die Schuppen in derselben Weise befestigt, doch nimmt man ihrer weniger und placirt sie enger aneinander. Das Aufziehen der Blume und der Knospen muß mit Rücksicht auf dieses eigenthümliche Material geschehen, wenn die rechte Wirkung nicht verloren gehen soll. Die künstlichen Stengelblätter aus Silberpapier werden an einen ebenfalls mit Silberpapier umwundenen Draht mittelst Silberlahn befestigt, wobei darauf zu achten ist, daß beide nicht eine zu schwächliche und dünne Wirkung den Schuppenblumen gegenüber machen. Mit demselben Verfahren lassen sich Blumen sehr verschiedener Art anfertigen und kann man sogar Farrenkraut- zweige sehr anmuthig imitiren, wenn man an einen Silberdraht kleine, mit einem Silberfaden versehene Schuppen- blättchen anbringt und diese einander gegenüberstehend befestigt. 412 Blumen aus Muscheln und Fischschuvpen. Sehr reizend wirken derartige Blumen als Coiffüren- schmuck. Auch lassen sich reizende Brochen auf diese Weise herstellen, z. B. ein Maßliebchen mit Knospen und Blättern, ein Schmuck, der an Feinheit der Farbentöne, an Eleganz und Leichtigkeit mit den schönsten Juwelen rivalisiren kann. Dreizehnter Abschnitt. W a ch s b L u in e n. Von allen Blumen-Imitationen hat die Wachsblume, Nenn sie wirklich mit feinem Sinn für Naturwahrheit ausgeführt ist, am meisten Anspruch, ein wirkliches Kunstwerk auf dem Gebiete der Kleinkunst genannt zu werden. Auch erfordert sie unstreitig eine subtilere Behandlung bei der Herstellung, als alle anderen künstlichen Blumen und es gehört eine längere Uebung und mancherlei Erfahrung dazu, sie mit einer gewissen Leichtigkeit und Sicherheit sowohl in ihren einzelnen Theilen, als in der ganzen Anordnung natürlich zu gestalten. Andererseits ist die dabei in Anwendung kommende Technik geeignet, selbst der feinsten Dame ein eigenthümliches Vergnügen zu gewähren. Auch das Material, das Wachs hat einen gewissen Reiz, da es bei gehöriger Zubereitung angenehm zu behandeln ist, und dessen dünne Schichten mit der Textur der Blumen und Blätter eine gewisse Aehnlichkeit haben; auch läßt sich das Wachs sehr gut coloriren und sind ihm selbst die glänzendsten Farbentöne in täuschendster Natürlichkeit zu verleihen. Die Wachsblumentechnik erfordert verschiedene Geräthe, von denen wir diejenigen, die ihr ausschließlich eigen sind, durch Abbildungen veranschaulichen. Einer solchen bedarf, da er allgemein bekannt ist, der eiserne Löffel zum Abschöpfen 416 Wachsblumen. nicht, der gleichwohl in erster Linie unentbehrlich ist, da man denselben gebraucht, um die dünnen Wachsschichten herzustellen, aus denen sowohl die Blumenblätter als auch die meisten grünen Blätter geformt werden. Dessen Anwendung werden wir später erklären. Wachsblumen. 417 Zu den speciellen Geräthen gehören folgende stempel- artige, hölzerne Formen, die zu verschiedenen Blumenblättern verwendet werden und das mit Nr. 1 bezeichnete Modellir- holz, von welchem man drei verschiedene Größen haben muß. Es dient dazu, wie schon sein Name besagt, die Blätter zu modelliren, sie mit Rippen zu versehen und ihnen die erforderlichen Biegungen zu geben. Der mit Nr. 2 bezeichnete Stempel wird für Blumenkelche von der Form der Winde verwendet. Der mit Nr. 3 bezeichnete speciell für die Maiblume, zugleich aber dazu, um den Mittelpunkt verschiedener anderer Blumen zu formen. Durch den mit Nr. 4 bezeichneten Stempel werden die einzelnen Dolden des spanischen Flieders gebildet und wird er auch zum Kelch der Jonquille verwendet. Andere Blumen, zum Beispiel glockenförmige, erfordern wieder andersgeformte Stempel, die wir hier nicht alle in Abbildung bringen können, die man sich jedoch von einem geschickten Holzschnitzer anfertigen lassen muß, wenn man derartige Blumen mit Leichtigkeit herstellen will. Solche Stempel müssen aus hartem Holz gefertigt, gut polirt sein und die innere Form der Blume möglichst getreu bei ihrer Ausfüllung wiedergeben. Nr. 5 unserer Abbildung stellt eine kleine Stahlpincette von 15 Centimeter Länge dar und Nr. 6 das sogenannte Bouleisen; dessen Kugel hat 10 Millimeter Durchmesser, ist von hartem Holz und an einem eisernen Halter befestigt, der mit einem Holzgrisf versehen. Nun bedarf man zum Färben der Blätter noch kleiner 418 Wachsblumen. stumpfer Pinsel, deren kurze, dichte Borsten eine gleichmäßige Fläche bilden. Zum Anmalen der Nerven und anderer Einzelheiten bedient man sich feiner Marderpinsel. Endlich noch bedarf man Draht von verschiedenen Stärken. Das Präpariren des Wachses. Man nimmt reines, weißes Wachs und läßt es über gelindem Feuer in einem irdenen, gut glacirten Gefäß schmelzen. Dem flüssig gewordenen Wachs ist nun französisches Terpentin zuzufügen und zwar in dem Verhältniß, daß auf eine Tasse flüssiges Wachs ein kleiner Löffel Terpentin kommt. Nun stelle man sich ein Becken mit warmem Seifen- wasser zur Seite, halte einige feine Läppchen bereit und den Schaumlöffel in der Hand. Letzteren taucht man zunächst in das Waschbecken, reibt ihn mit dem Seisenwasser ab, entfernt das überflüssige Wasser durch Abschütteln, schöpft dann mit ihm die oberste Schicht des flüssigen Wachses mit rascher Bewegung ab, als wolle man es abschäumen, zieht dann den in Folge dessen mit Wachs bekleideten Schaumlöffel zurück, taucht ihn in das Seifen- wasser, ihn dann ebenso schnell wieder herausnehmend: und man wird eine dünne Schicht halb durchsichtigen Wachses von dem Löffel lösen können, wie man solche zur Herstellung verschiedener Blumenblätter, als zum Beispiel der Rosen, Azaleen rc. bedarf. Das gewonnene Wachsblatt wird auf weißes Papier gelegt und ist vor Staub zu schützen. In dieser Weise verschafft man sich eine ganze Wachsblumen. 419 Anzahl von Wachsschichten, bis man deren genug zu haben glaubt, um eine Blume herstellen zu können. Das Wachs darf weder zu heiß sein, weil es sich sonst beim Erkalten zu stark zusammenzieht, noch zu kalt, weil es alsdann nicht fließt. Keinenfalls aber darf man es bis zum Siedepunkt erhitzen. Für Blumen, deren Blätter sehr dicht und fest sind, wie z. B. für die Orangeblüthen und Kamelien rc., ist dem geschmolzenen Wachs noch gepulvertes Kremserweiß beizumischen, jedoch nur in geringer Quantität, etwa auf die Tasse den dritten Theil eines Kaffeelöffels. Die Farbe ist durch Umrühren mit einem Holzstäbchen mit dem Wachs vollständig zu verschmelzen. Nun verfährt man mit dem Schaumlöffel wie vorhin angegeben, um die erforderliche Menge weißer Wachsschichten zu erhalten. Bleibt noch ein Rest von dieser Mischung übrig, so gießt man diesen in eine mit Seifenwasser bestrichene Schale, um sie für späteren Gebrauch aufzuheben. Um dem Wachs eine gelbe Farbe zu geben, setzt man demselben in flüssigem Zustande etwas gepulvertes Chromgelb zu und präparirt, wie angegeben, eine Anzahl dünner, gelber Wachsschichten. Die Abfälle des gelb gefärbten Wachses lassen sich, nachdem man sie auf dem Feuer wieder flüssig macht, zu der Herstellung grüner Wachsschichten wieder verwenden. Man mischt dem heißen Wachs etwas grüne gepulverte Farbe bei. Je nachdem man ein helleres oder dunkleres Grün nimmt, sind die verschiedensten Abstufungen in dieser Farbe zu erzielen. Ebenso läßt sich das Wachs blau, roth und violet färben und sind diese fein ge- 27 * 5 420 Wachsblumen. pulverten Farben sehr leicht dem flüssigen Wachse beizumischen; doch erscheinen letztere Farben, wenn sie mit dem Pinsel auf das Wachs aufgetragen werden, viel schöner, frischer und glänzender. Wachsschichten von reinem Wachs, also ohne Beimischung irgend einer Farbe, sind unter anderem für Glockenblumen zu verwenden. Die grünen Blätter lassen sich am natürlichsten auf folgende Weise herstellen. Man überzieht durch Eintauchen ein natürliches Blatt erst auf der einen, dann auf der andern Seite mit grün gefärbtem Wachs und legt die beiden abgelösten Wachsblätter, nachdem man zwischen ihnen einen Draht eingefügt, übereinander. Dieses Verfahren gelingt selten beim ersten mal und erfordert Geduld und Geschick- lichkeit, aber derartige Wachsblätter sind viel natürlicher als diejenigen, die man nach Mustern formt und die man alsdann mit Rippen und Nerven versehen muß. Die Anfertigung der Wachsblumrn im Allgemeinen. Alan bedarf zunächst gute Muster der Blattformen. Die empfehlenswertheste Art, in den Besitz solcher zu gelangen, ist eine natürliche Blume zu zerlegen und von ihren einzelnen Blättchen eine Papierform zu schneiden. Auf jedes Muster notire man die Anzahl der nach ihm zu bildenden Blättchen und zugleich deren Farbe. Ehe man nun dazu übergeht, aus den präparirten dünnen Wachsschichten die Blumenblätter zu schneiden, hat man die Schraube der WachKblimien. 421 Schere etwas zu lockern. Die Schere ist so oft als nöthig in Wasser zu tauchen, um das Ankleben des Wachses zu verhindern. Sollte dies trotzdem vorkommen, so hat man die Schere sofort zu reinigen, indem man sie in heißes Wasser taucht und dann wieder abtrocknet. Alan wird bald bemerken, daß das Wachs eine glatte und eine gekörnte, eine obere und eine untere Seite hat. Auf dessen gekörnte Seite legt man das Papiermuster und schneidet auch auf dieser Seite aus. Selbstverständlich müssen die Ausschnitte genau und sauber sein, wobei wir zugleich bemerken wollen, daß überhaupt alle Ausschnitte in Wachs durch Seidenpapier gegen Staub zu schützen sind, da dieser sich leicht anhaftet. Den ausgeschnittenen Blättchen ist vor ihrer weiteren Verwendung die der Natur entsprechende Färbung zu verleihen. Man bedient sich dazu des bereits oben erwähnten stumpfen Pinsels, den man in beinahe senkrechter Richtung hält und 'damit schnell die Farbe auf das Wachs überträgt. Für Rosen, Fuchsins, Kamelien rc. verwendet man Car- min, den man auf einer kleinen Palette mit Wasser anreibt. Für Mohnrosen, Dahlien rc. erhält man ein leuchtendes Roth, wenn man gelb gefärbtes Wachs zu den Blättchen verwendet und dieses mit Carmin übermalt. Je nach der Lebhaftigkeit der gelben Farbe wird die Wirkung der Uebermalung eine andere sein, so zum Beispiel erscheint auf citronengelb gefärbtem Wachs der Carminauftrag unge- mein feurig. Die verschiedenen Nüancen des Rosenroths werden durch mehr oder weniger verdünnten Carmin hergestellt. 422 Wachsblumen. Je nach der eigenartigen Textur der Blumenblätter lassen sich jedoch auch trockene, gepulverte Farben mit großem Erfolg anwenden. In diesem Falle müssen die zu färbenden Blättchen vorher etwas erwärmt werden; alsdann taucht man den Pinsel in die pulverisirte Farbe, trägt diese auf das Wachs, auf welchem sie in Folge dessen Erwärmung haften bleibt. Dies Verfahren erzeugt den sam- metartigen Glanz der Pfirsiche, eine Wirkung, die sich unmöglich mit Wasserfarben erreichen läßt. Man achte beim Coloriren der Blumenblätter darauf, daß deren untere Spitze nicht mit gefärbt werde, da eines- theils die Färbung die Verbindung des Wachses erschwert und anderntheils eine noch vielleicht vorhandene Feuchtigkeit der Blättchen diese vollständig aufhebt. Wir gehen jetzt dazu über, an einzelnen Blumen die verschiedenen Arten des Herstellungsverfahrens anzugeben; man wird sich aus diesen Beispielen leicht eine passende Technik für alle übrigen Blumen bilden können. Die Rose. Das Papiermuster wird, wie bereits gesagt, auf die gekörnte Seite des Wachses gelegt, und mit einer scharfen Schere, die, so oft es erforderlich, in warmes Wasser zu tauchen ist, nachgeschnitten. Nachdem man die Wachs- blättchen leicht mit Carmin geröthet, wobei man jedoch deren Ansatzspitze ohne Farbe läßt, legt man sie nacheinander in die linke, hohle Hand und zwar so, daß die glatte Seite des Wachses unterhalb zu liegen kommt und boult mit der Kugel jedes derselben, indem man zuerst dessen rechte und dann dessen linke Seite preßt, jedoch vermeidet, mit der Kugel die Mitte der Blättchen zu berühren. Die Blättchen Wachsblumen. 423 erhalten auf diese Weise eine der Natur entsprechende und gefällige Form. Für halb geöffnete Rosen und Knospen sind die Blätter stärker zu boulen, damit sie eine runde Form erhalten. Zum Aufnehmen der Blättchen, sowie um der Model- lirung derselben nachzuhelfen, bedient man sich der Pincette. Sind die Blättchen colorirt und genügend modellirt, so ordnet man sie der Reihe nach auf einem Stück Papier und stellt dann die Staubfäden her. Um diese zu bilden, nimmt man einen Streifen weißes Wachs von zwei Centimeter Länge und einem halben Centimeter Breite, schneidet dessen Breite bis zu ihrer Hälfte in seine Streifen, wodurch eine Art Franze entsteht, taucht diese mit ihren Spitzen in aufgelöstes Gummi arabicum und dann in pulverisirte, gelbe Farbe, um die Staubbeutel zu bilden. Nun geht man dazu über, die Kelche der Rose zu formen. Dieselben werden aus Wachs geschnitten, möglichst getreu nach der Natur modellirt und grün gefärbt. Hierauf richtet man die grünen Blätter der Zweige her. Da die untere Seite dieser Blätter in der Natur Heller ist als die obere, so sind dieselben aus zwei Wachsschichten von verschiedenem Grün, die man übereinander legt, zu schneiden. Ist dies geschehen, so befestigt man zwischen diesen beiden Wachsblättern einen Draht, der die Mittelrippe des Blatts und zugleich dessen Stiel bildet, preßt nun die beiden Blätter stark zusammen, damit sie fest aneinander kleben, und versieht mit einer spitzen Schere alsdann das Blatt mit den kleinen Randausschnitten. Sicherer jedoch wird der Draht zwischen den beiden Blättern befestigt, wenn 424 Wachsblumen. man ihn vorher mit Wachs überzieht. Man nimmt einen schmalen Streifen von grünem Wachs, legt das eine Ende desselben an den Draht an und windet diesen zwischen Daumen und Zeigefinger, bis er von dem Wachsstreifen umwunden ist. Nun bleibt noch übrig, die Rippen des Blattes naturgemäß mit dem Pfriem nachzubilden und überhaupt demselben die natürliche Einbiegung zu geben. Hat man alle diese einzelnen Bestandtheile der Blume in genügender Anzahl fertig gestellt, so geht man zum Aufbau derselben über. Ein doppelt zusammengewundener Draht eignet sich für den Hauptstiel besser als ein starker aber einfacher Draht. Dessen oberstes Ende windet man zunächst noch zwei oder drei mal zusammen, damit die Blume beim Arrangiren nicht abgleite, überziehe dieses Ende mit grünem Wachs, runde dasselbe mit den Fingern und gebe ihm eine pistillartige Form. Rings um dieses Pistill winde man nun den kleinen, die Staubfäden bildenden Wachsstreifen, indem man dessen unteren Theil fest andrückt. Hierauf setzt man die Rosenblättchen und zwar die kleinsten zuerst an. Der untere Theil eines jeden Blättchens ist fest an das grüne Wachs anzudrücken, mit welchem der Draht bedeckt worden. Die Wärme der Finger genügt, das Wachs so weich zu machen, daß es anklebt. Nun folgen die übrigen Blätter nach ihrer Größe und bedarf kaum bemerkt zu werden, daß gerade auf diesen Theil die größte Sorgfalt zu verwenden ist, um eine möglichste Naturtreue zu erzielen. Nachdem man den Kelch angesetzt, überzieht man den übrigen Theil mit grünem Wachs. Als Spinnen, so- Wachsblumen. 425 Ivohl für die Rosen als für die Knospen, verwendet man die käuflichen und fügt sie an, wie wir schon bei den Stoff- blumen angegeben haben. Auch ist das zu berücksichtigen, was wir dort bezüglich der an die Zweige anzusetzenden grünen Blätter bemerkten. In der Regel besteht jeder Zweig aus fünf kleineren Blättern, von denen eines sich an der Spitze des Stiels befindet und werden die folgenden größeren je zwei gegenüber angesetzt. Wie dies zu geschehen, ist leicht aus der von uns angegebenen, bei der Wachsblume anzuwendenden Technik zu ersehen. Da die Rose eine der schwierigsten aller Wachsblumen ist, so wird es Demjenigen, dem ihre Ausführung gelungen, leicht werden, alle folgenden Blumen in Wachs zu imitiren. Die Kamelie. Sollte man keine natürliche Kamelie als Modell zur Hand haben, so empfehlen wir die in dem Capitel „Stoffblumen" gegebene Abbildung, sowie die Muster, nach denen die Blätter zu schneiden sind. Alan umwindet das Ende eines Drahtes ein wenig mit gelbgrünem Wachs und überzieht den Draht in einer gewissen Länge mit demselben Wachs, kröst die kleinsten Blumenblättchen und placirt sie rings um das grüne Wachs, als wollte man eine festgeschlossene Knospe bilden; alsdann ordnet man um dieses Herz drei Reihen der anderen Blätter, in ähnlicher Weise wie wir es bei der Rose angegeben, indem man das unterste Ende dieser Blättchen zwischen den Fingern erwärmt, und gegen den mit Wachs überzogenen Stiel preßt. Die äußerste Blütterreihe wird leicht nach auswärts gebogen. Der zart grün gefärbte Kelch ist oberhalb ausgernndet. Die grünen Blätter, obgleich sie im All- 426 Wachsblumen. gemeinen eine schlanke Form haben, sind breit und von glänzender, dunkelgrüner Farbe. Wenn man den aus weißem Wachs zu bildenden Kamelien mit dem Pinsel einen zarten Hauch von Carmin verleiht, so erhöht das deren natürliche Wirkung. Die Winden. Man bedient sich zu ihrer Herstellung der Holzform Nr. 2, bestreiche dieselbe mit Seife, spüle sie leicht in Wasser, tauche sie dann in heißes Wachs und gleich hinterher wieder in das Seifenwasser. Beim Herausziehen der Form aus dem flüssigen Wachs hält man dieselbe senkrecht, damit das Wachs nach unterhalb und nicht an den Seiten abtropfe; in dieser Lage verbreitet sich das letztere gleichmäßig über alle Flächen der Form. Nach dem Erkalten ist es leicht abzunehmen und man hat einen regelmäßigen Kelch der Blume, dessen Inneres und Aeußeres nun zart mit Rosa, Blau oder Violet gefärbt wird. Die Farben sind so abzustufen, daß sie gegen den oberen Rand der Glockenformen fast unbemerkbar werden. Man schneidet nun ein Streifchen Wachs in Fäserchen, um die Staubfäden nachzubilden und befestigt dieselben an das obere Ende eines Drahtes, das man ebenfalls mit etwas Wachs versehen hat. Der Draht wird nun mit dem anderen Ende durch den Blumenkelch geleitet und hierauf mit grünem Wachs überzogen. Kelch und Blätter sind nach der Abbildung, die wir den Papierblumen beigegeben, zu gestalten, noch besser allerdings nach der Natur zu formen. Die Ranken werden aus mit Wachs überzogenem Draht gemacht, den man spiralförmig um ein Stäbchen oder einen Bleistift Wachsblumen. 427 Windet und der seine gewundene Form behält, wenn man den Stab wieder herauszieht. Die Maiblume. Sie wird mittelst der Form Nr. 3 angefertigt und wendet man dieselbe ganz so an, wie wir bei der Winde angegeben haben. Man darf bei dieser Blume nicht die Geduld verlieren, wenn man die Form manchmal zwei-, drei- oder mehreremal in das Wachs tauchen muß, ehe man eine vollständig gelungene Glockenform erzielt. Hat man eine größere Anzahl solcher Glöckchen zu Stande gebracht, so schneidet man mit einer spitzen Schere deren Ränder in spitze Fähnchen, wie die Maiblume solche in der Natur zeigt, und biegt dieselben mit der Pincette leicht nach außen. Dann klebt man etwas gelbes Wachs an eine Drahtspitze, taucht dies Kügelchen in flüssiges Gummi arabi- cum und unmittelbar darauf in gelbes Pulver, um den Pollen der Blume nachzubilden. Ein jedes Blümchen wird mit einem kurzen Drahtstielchen versehen, welches an seinem oberen Ende ein Pistill von gelbem Wachs trägt. Die Anordnung der Blümchen an einen gemeinsamen Stiel ist entweder aus unseren Abbildungen in den vorhergehenden Abschnitten oder nach der Natur zu ersehen. Man beginnt mit einigen Knospen, die nur aus kleinen, weißen, auf Drahtstielchen gezogenen Wachskügelchen bestehen. Der Hauptstiel wird ebenso wie die kleineren Stiele mit grünem Wachs überzogen. Da die grünen Blätter der Maiblume sehr lang sind und in Wachs nur äußerst schwierig hergestellt werden können, so bedient man sich hier, wie bei den Stoffblumen, der käuflichen Blätter. 428 Wachsblinnen. Auch die Beilchen sind sehr hübsch in Wachs nachzubilden. Zu deren Blättchen nimmt man weißes Wachs, das man mit einem weichen Pinsel violet anmalt. Diese Blume erfordert viel Sorgfalt und Geduld, wenn sie gelingen soll. Wer bisher unseren Ausführungen gefolgt ist, bedarf für deren Herstellung keiner weiteren Erklärung. Am meisten eignen sich die Orangeblüthen für die Nachbildung in Wachs, obgleich das Wachs für sie ein etwas dichtes Material ist. Beim Zusammensetzen der Blume verfährt man wie bei der Rose, ordnet die Blättchen rings um ein mit Staubfäden garnirtes Pistill, das jedoch stärker ist, als dasjenige der Rose; auch die Staubfäden sind etwas länger. Am vorzüglichsten gelingen die Knospen, die bei einiger Sorgfalt den natürlichen bis zum Verwechseln ähnlich sehen. Auch die Stengelblätter, die vom zartesten Grün sind, lassen sich sehr gut in diesem Material imitiren. Besonders zu Brautcoiffüren eignen sich schön arrangirte, in Wachs ausgeführte Orangeblüthenzweige. Die Georgine. Soll diese Blume gelingen, so thut man am besten, die Blättermuster unmittelbar nach der Natur zu schneiden, muß jedoch den unteren Theil derselben durchweg etwas länger formen, um sie in erforderlicher Weise ankleben zu können. Jedes Blättchen ist vorher der Länge nach zu boulen und mittelst der Pincette mit einer Mittellinie zu versehen und sind an diese Hauptrippe die Nebenrippen nachzubilden. Die größten Blättchen werden leicht nach außen gebogen. Da diese Blume eine ungewöhnlich große Krone besitzt, muß man sie mit einem starken Stiel versehen. Um diesen Wachsblumen. 42 » zu präpariren, leitet man das obere Ende eines doppelt zusammengebogenen Drahtes durch einen Holzknopf, befestigt letzteren an denselben durch Umwinden und überzieht ihn mit gelbgrünem Wachs. Um diesen, die Mitte der Blume bildenden Holzknopf wird alsdann gelbes Wachs gerollt, dasselbe gut modellirt und eine kleine Franze von gleichem Wachs, deren Herstellungsweise wir bereits erklärt und welche die Staubfäden darstellt, daran gepreßt. Diese Staubfäden sind an ihren Enden mit gelbem Pulver zu versehen, um ihnen die Pollen oder Staubbeutel anzufügen. Wie gewöhnlich beginnt man das Ansetzen der Blättchen an den Mittelpunkt mit den kleinsten derselben, welche bei der Georgine sehr gerade zu stellen und ziemlich fest aneinander zu pressen sind. Die Anordnung der nun folgenden größeren Blätter bedarf keiner weiteren Erklärung; ist der als Mittelpunkt dienende Holzknopf vollständig mit Blättchen bedeckt, so fügt man, um den folgenden Blütt- chen Halt zu geben, noch einen gelben Wachsrand hinzu, der die Befestigung der Blättchen erleichtert. Die Ordnung sämmtlicher Blumenblättchen ist wechselständig und wird die letzte Reihe derselben etwas nach auswärts gebogen und alsdann ein grüner Kelch angesetzt. Diese in allen Farbentönen vorkommende Blume ist zwar recht schwierig zusammenzusetzen, doch lohnt die Schönheit einer glücklichen Imitation derselben vollkommen die darauf verwendete Arbeit. Noch wollen wir bemerken, daß die Blättchen der weißen Georgine an ihrem untern Theil grünlich gelb zu färben sind. Die Nelke. Jedes Blättchen derselben muß einzeln 430 Wachsblumen. geschnitten werden. Man streift oder sprenkelt sie mit dem Pinsel roth oder braunroth auf weißem oder gelbem Grund. Die Ausschnitte der Blättchen werden mit einer scharfen und spitzen Schere vorgenommen. Die Zusammensetzung derselben wird, wie bei fast allen Blumen, damit begonnen, daß man an das Ende eines Drahtes die Staubfäden imitirt, die bei der Nelke aus zwei dünnen Gänse- federchen hergestellt werden. Man umgiebt ihre Ansatzstelle mit etwas grünlichem Wachs und arrangirt die Blättchen, indem man wie gewöhnlich mit den kleinsten beginnt, die man rings um die Staubfäden, beinahe aufrechtstehend, placirt und endet mit den größten, die etwas nach außen gebogen werden. Dann fertigt man einen Kelch aus Papier, dessen Herstellung wir bei den Papierblumen angegeben, überzieht ihn mit grünem Wachs und setzt ihn fest an die Blume. Die Hyacinthen lassen sich leicht in Wachs nachbilden und bedürfen daher nur einzelner Anmerkungen. Sollen es rosafarbige oder blaue Blumen sein, so beobachte man auch hier, den Ansatztheil der Blättchen nicht mit zu färben. In die Mitte eines jeden derselben ziehe man mit dem Pfriem, und zwar von beiden Seiten eine Linie, um die Längebewegung zu markiren, während man dessen Um- biegung dadurch hervorbringt, daß man das Blatt über den Stiel eines der Geräthe vorsichtig zurückbiegt. Die Vereinigung der Blättchen geschieht in der bekannten Weise. Deren Anordnung ist aus unserer Abbildung (Seite 245) M ersehen. Wachsblumen. 431 Die Passionsblume. Da diese Blume nach der Gestalt ihres Pistills und der Form ihrer Staubbeutel ihren Namen erhalten hat, so müssen selbstverständlich diese mit besonderer Sorgfalt nachgebildet werden. Man setzt, um das Pistill zn formen, drei kleine Stückchen Wachs und zwar von hellgrüner, gelber und weißer Farbe übereinander und umgiebt damit einen Draht 432 Wachsblumen. von entsprechender Größe in der Art, daß das oben befindliche weiße Wachs stärker ist, als das gelbe und hellgrüne unterhalb, wo das Pistill an den Fruchtknoten ansetzt, den man durch ein kleines Kügelchen von citronengelbein Wachs darstellt. Nun formt man die drei, das Pistill überragenden Staubbeutel. Für letztere nimmt man drei Stückchen Draht von ohngesähr achtzehn Millimeter Länge und um- giebt sie ringsum mit weißem Wachs, das man am oberen Ende dieser Drähte so viel verstärkt, daß sich eine Art von kleinen Kügelchen bildet. Nachdem man letztere dunkel- pnrpnrroth gefärbt, werden die kleinen Drähte an ihrem untern Ende znsammengewnnden. Ihre Befestigung an das Pistill ist so zu ordnen, daß ihre Köpfchen ein Dreieck bilden, dessen drei Seiten ohngefähr zwei und einen halben Centimeter lang sind. Hierauf prüparirt man fünf spatel- förmig abschließende Staubfäden und befestigt sie um das Pistill. Nun ist noch die der Passionsblume eigenthümliche Corolle in folgender Weise zu bilden: Alan schneidet aus einem Streifen weißen Wachses eine feine Franze von zwölf Millimeter Breite und fünf Centimeter Länge, colorirt diese an der nicht gefranzten Seite schön purpurroth und vermindert die Intensität dieser Farbe, indem man sie in zarter Schattirung auf die andere, gefranzte Seite übergehen laßt. Diese Franze wird nun oberhalb des Fruchtknotens so angesetzt, daß deren tiefgefärbter unterer Theil die kleine gelbe Kugel berührt. Nun legt man ein Stück Wachs von gleicher Länge wie das erste in zwei Theile zusammen, schneidet an den Rand desselben eine kleine Franze von 2—3 Millimeter Breite^ Wachsblumen. 433 colorirt diese mit einem dunkelfarbigen Violet und windet sie um die erste. Ein Kreis kleiner Blättchen, von denen jedes ohngefähr einen Millimeter breit ist, umgiebt diese zweite Franze. Diese Blättchen werden aus einem zusammengelegten, 20 Millimeter breiten Wachsblättchen geschnitten. Jedes dieser Blättchen wird einzeln zwischen den Fingern gerollt; dann werden sie auf einen gleichfalls aus weißem Wachs bestehenden Streifen von ohngefähr 6^ Centimeter Länge und von 18 Millimeter Breite ganz gerade und eng nebeneinander befestigt. Die Spitze dieser kleinen Blättchen wird hellblau angemalt, die Mitte derselben weiß gelassen und deren unterer Theil dunkelviolet colorirt. Nun placirt man den weißen Streifen so unter den andern, daß die kleinen Franzen ihn überragen. Zur Anfertigung der größeren Blättchen, zehn an der Zahl, legt man ein citronengelbes Wachsscheibchen zwischen zwei Scheibchen weißes Wachs und verbindet diese, indem man die oben befindliche Fläche überreibt. Aus dieser dreifachen Scheibe schneidet man um die Blättchen, deren unterer Theil mattgrün zu coloriren ist, während der obere mit dem Geräthe Nr. 1 etwas umgebogen wird. Alsdann werden diese Blättchen um den Mittelpunkt geordnet, worauf man ihnen gefällige und natürliche Biegungen giebt. Die Spitzen der kleinen blauen aufrechtstehenden Blättchen bearbeitet man mit der Pincette so, daß sie nicht allzusteif erscheinen. Unter die fertige Blume wird dann ein grüner Kelch gezogen und der Hauptstiel mit grünem Wachs umwunden. Hiermit wäre die Wachstechnik, soweit sie bei der Blumen- 28 Wachsblumen. 434 Herstellung in Anwendung kommt, genügend erklärt. Es erübrigt nur noch zu bemerken, daß man, um die Natürlichkeit dieser Blume zu erhöhen, sich auch noch anderer Zusätze bedienen kann. So verwendet man z. B. oft die getrockneten Samengehäuse und Kelche gewisser dazu geeigneter Blumen, in welchem Falle die Kelche dünn mit Wachs überzogen werden. Auch bedient man sich statt der aus Wachs geformten Staubfäden nicht selten weißer, in heißes Wachs getauchter Zwirnfäden, besonders zur Herstellung langer Staubfäden. Ferner unterlegt man zuweilen die Blumenblättchen, um eine natürlichere Wirkung zu erzielen, mit Mousselin; besonders thut man dies bei den Blättern der Lilie, deren Oberfläche weiß, deren untere Seite jedoch grünlich ist. Um deren Wirkung nachzuahmen, legt man ein Stückchen hellen Mousselin zwischen ein Scheibchen weißes und ein Scheibchen grünes Wachs und schneidet aus diesen übereinandergelegten Theilen die Blätter. Die Wirkung ist sehr zart und natürlich. Kleine Fehler und Unebenheiten, welche beim Formen entstanden sind, werden durch Verputzen und Poliren ausgebessert, was man auch Bossiren nennt. Auch ist es zulässig, einzelne, an kräftige Stieldrähte befestigte Blumen, wenigstens theilweise mit Stoffblättern zu versehen, um ihnen eine gewisse Schwerfälligkeit zu benehmen. Früchte aus Wachs. Wenn man im Besitz guter Formen ist, so sind Früchte, Aepfel, Birnen, Citronen, Orangen rc. sehr leicht herzustellen. Wachsblumen. 43» denn das Innere der Formen ist einfach mit geschmolzenem Wachs auszugießen nnd der Abguß aus der Form zu heben. Muß man sich jedoch die Formen selbst machen, so ist die Sache schon etwas umständlicher, keineswegs aber schwierig. Man bildet diese Formen, indem man die natürlichen Früchte in flüssigen Gyps taucht, den man in einen Napf von hinreichender Größe gegossen. Dieser Napf kann aus Steingut, Porzellan oder Blech oder auch aus gut geglättetem harten Holz zusammengesetzt sein, wenn nur die Verbindungsstellen den flüssigen Gyps nicht durchtasten. Von welchem Material aber auch das Gefäß sein mag, es muß dessen Inneres vorher gut mit Baumöl bestrichen werden, damit der Gyps nicht anklebe. Man taucht die zu formende Frucht bis zu ihrer Hälfte in den flüssigen Gyps. Ist der letztere genügend hart geworden, so zieht man über die andere, noch freie Hälfte der Frucht eine dichte Schicht von wohl eingerührtem Gyps, die man allmählich so stark aufträgt, daß die Gefahr, sie könnte beim Abnehmen zerbrechen, ausgeschlossen erscheint. Damit aber diese zweite Hälfte der Form nicht an die erste anklebe, hat man den Rand der ersteren allenthalben da mit Baumöl zu bestreichen, wo er von der zweiten Formhälfte berührt werden wird. Nachdem auch der Gyps der zweiten Hälfte hart geworden, nimmt man beide Hälften aus dem Gefäß, schneidet die überflüssigen Gypsanhängsel mit dem Messer weg, versieht die Formhälften da, wo sie zusammenschließen, mit kleinen Einschnitten, die als Merkmale für deren Zusammenpassen dienen, und nimmt die abgeformte Frucht heraus. Das Letztere würde, wenn man die Abformung der 28 * 436 Wachsblumen. Frucht der Länge nach theilt, bei solchen Früchten mit Schwierigkeiten verbunden oder sogar unmöglich sein, die da, wo deren Stiele und Krönchen sich befinden, erhebliche Vertiefungen haben; man hat diese daher der Quere nach bis zur Hälfte zu formen, wodurch dies Hinderniß wegfällt. Im Uebrigen verfährt man so, wie vorhin angegeben worden. Der Abguß, oder die Ausfüllung der Form, kann ebenfalls auf zweierlei Weise vorgenommen werden. Entweder füllt man die eine Hälfte der Form, die man in die linke Hand nimmt, mit flüssigem Wachs und legt dann rasch die andere Hälfte genau passend, gleich einem Deckel, mit der rechten auf die gefüllte Hälfte, drückt beide fest gegeneinander und schüttelt die Form nach allen Richtungen hin und her, damit das Wachs sich an allen Seiten ansetze. Man führt mit dem Schütteln so lange fort, bis man keine Bewegung des Wachses mehr vernimmt. Oder man versieht die Form an irgend einer Stelle der Zusaminenfügung mit einer trichterförmigen Oefsnung, durch die man das Wachs, das ohn- gefähr die Hälfte der Form füllen muß, eingießt, worauf man die Oeffnung rasch mit dem Daumen, dem man ein Stückchen Papier unterlegt, schließt und nun die Form nach allen Seiten umwendet und schüttelt. Das kleine Wachstheil- chen, das sich dadurch an den Abguß ansetzt, beseitigt man mit einem Messer, ebenso etwaige feine Ränder, die sich an der Stelle, wo die Formenhälften zusammenschließen, nicht selten bilden. Vor Allem aber darf man nicht vergessen, beide Formhälften vorher innerlich mit in Baumöl aufgelöstem Talg gleichmäßig, doch nicht zu sehr, zu bestreichen, damit Wachsblumen. 437 das Wachs nicht anklebe. Das Einölen kann mit einem weichen Pinsel oder mit einem Bällchen von Baumwolle geschehen. Sodann ist sehr darauf zu achten, daß das Wachs weder zu heiß noch zu kalt sei. Ein Mittel, sich dieses so wichtigen Grades zu versichern, ist, daß man ein kleines Stückchen hartes Wachs in das flüssige legt. Zerschmilzt dasselbe sofort, so ist das flüssige Wachs zu heiß, schwimmt es dagegen oben auf und schmilzt es erst nach und nach an den Rändern, so hat das flüssige Wachs den richtigen Grad und muß sofort in die Form gegossen werden. Das Gefäß, worin sich das flüssige Wachs befindet, muß glacirt und mit einem Ausgußschnabel versehen sein. Auf diese Weise lassen sich fast alle nicht zu weiche Früchte durch Formen nachbilden. Will man nun dem flüssigen Wachs auch eine der Frucht entsprechende Farbe geben, so wähle man dazu fein gepuderte Farbe, von der man etwa einen Kaffeelöffel voll in ein Beutelchen von hellfarbigem Mousselin einbindet. Dieses taucht man so lange in das geschmolzene Wachs, bis es genug Farbestoff an dasselbe abgegeben. Um Orangen zu färben, nimmt man röthliches Chromgelb; für grüne Birnen und Aepfel Chromgrün, welche Farben sich leicht abstufen lassen. Sollte auf diese Weise die Färbung noch nicht genügend intensiv wirken, so kann man deni Wachs noch etwas Oelfarbe, wie solche in Tuben als Malerfarben zu kaufen sind, beimischen. Eine gewisse Art von Aepfeln wird aus gelbem Wachs gefertigt und mit dem Pinsel zinnoberroth angemalt. Die Krönchen bildet man 438 Wachsblumen. aus Velinpapier oder, was noch besser ist, man klebt natürliche Krönchen ein und giebt der Frucht ebenfalls einen natürlichen Stiel. Um Aepfel glänzend zu machen, reibt man sie mit den Händen, kann sie aber auch mit leichtem, ganz Hellem Firniß überziehen. Aehnlich sind die Birnen zu behandeln. Der Ton der blanvioletten Pflaumen läßt sich nur durch dem Wachs beigemischte Oelfarbe von demselben Ton erreichen. Wenn man sich eine gute Form davon gebildet, die jedoch nicht so leicht gelingt, sind auch die Gold- oder Liebesäpfel sehr gut nachzubilden und ihr glänzendes Colorit ist unter andern Früchten von der schönsten Wirkung. Die Pfirsiche wird am besten aus grüngelbem Wachs geformt und an einer Seite mit Carmin gefärbt. Von dieser, aus Pulver bestehenden Farbe bringt man etwas auf die Palette und knetet sie mit wenigen Tropfen Wasser bis zu einem dicken Brei. Der Pinsel darf nicht in Wasser getaucht werden, er muß vielmehr kaum feucht und nur mit etwas Farbe versehen sein, die man möglichst schnell auf das Wachs überträgt und vertheilt. Um das Sammetartige der Pfirsichschale nachzubilden, nimmt man Reispuder in die linke Hand und rollt die Pfirsiche so lange zwischen beiden Händen, bis sie durchweg mit einer leichten Puderschicht bedeckt ist; alsdann aber darf man die Pfirsiche nur so wenig als möglich berühren. Hat man die Aufgabe, ein Fruchtkörbchen zu arrangiren, in welchem mehrere Pfirsichen vorkommen, so ist deren Färbung hübsch zu variiren, wozu man natürliche Pfirsichen als Muster nehme. Wachsblumen. 439 Erdbeeren lassen sich nicht abformen, man muß sie mit der Hand aus Wachs bilden, wobei das zu berücksichtigen ist, was wir hinsichtlich der Behandlung des Wachses bei den Wachsblumen angegeben haben. Man überstreut dann die fertige Erdbeere mit kleinen Körnchen, die man etwas andrückt und fügt der Beere einen kleinen, mit Papier umwickelten Stiel und einige grüne Papierblätt- chen an. Trauben, Johannisbeeren und ähnliche kleine Beeren stellt man aus Glaskügelchen von verschiedener Größe her, die man, nachdem man sie an Drahtstiele befestigt hat, in flüssiges, gefärbtes Wachs taucht. Die geschickte Ausführung der Färbung trägt sehr dazu bei, den Wachsfrüchten eine täuschende Natürlichkeit zu verleihen. Vierzehnter Abschnitt. Lederblumen. Airs Leder gebildete Blumen, Blätter und Früchte haben, wenn sie gut ausgeführt sind, eine große Aehnlichkeit mit Schnitzereien aus Eichenholz und können in ähnlicher Weise wie diese als anmuthiger Schmuck für verschiedene Gegenstände angewendet werden. Selbstverständlich imitiren solche Lederschnitzereien nur die Form und nicht die Farbe der Blumenblätter und Früchte. Um so wichtiger ist es daher, die natürlichen Formen dieser Gegenstände charakteristisch wiederzugeben. Unter charakteristisch verstehen wir hier, daß diejenigen Form-Eigenthümlichkeiten, welche uns als Erkennungszeichen der Blumen und Blätter gelten, auch in der Nachbildung recht bemerkbar hervortreten. Was die Werkzeuge für diese Arbeit betrifft, so sind es dieselben, die wir für die Wachsblumen angegeben. Als Material dient dichtes Schafleder ohne jede Appretur, also so wie man dasselbe beim Fellhändler und beim Schuhmacher findet. Die Muster, sowohl für die Blumenblätter als für die Pflanzen- oder grünen Blätter, welche man in diesem Material ausführen will, sind vorher sorgfältig in glatter Pappe auszuschneiden. Die Umrisse derselben müssen sauber und bestimmt sein, damit man sie ohne Schwierigkeit mit einem spitzen Bleistift umziehen kann. 444 Lederblumen. Nachdem man das Schafleder auf einem Tisch oder einem Zeichenbrett ausgebreitet, legt man das zu schneidende Muster darauf und umfährt mit einem spitzen Bleistift dessen Umrisse so stark, daß sie auf dem Leder zu erkennen sind, nimmt dann das Muster wieder ab und schneidet mit einer scharfen Schere oder mit einem spitzen Federmesser die aufgezeichnete Form, genau dem Bleistiftumrisse folgend, aus. So verfährt man mit- allen Theilen der Blume oder Pflanze, die man darstellen will. Alsdann legt man die ausgeschnittenen Theile etwa zwanzig Minuten lang in eine mit kaltem Wasser gefüllte Terrine, nimmt sie wieder heraus und trocknet sie ab, indem man sie zwischen einer Serviette preßt. Das noch etwas feuchte Leder ist nun schmiegsamer als vorher und läßt sich leicht modelliren. Wo es erforderlich ist, zieht man jetzt mit einem Pfriem die Haupt- und Nebenrippen der Blättchen und Blätter, giebt ihnen mit den Fingern oder auch mit den von uns angegebenen Werkzeugen die passende Formbiegnng, die das Leder im trockenen Zustande unverändert beibehält. Um diesen Zustand herbeizuführen, legt man es entweder in die Sonne, oder setzt es einer nicht zu starken Ofenwärme aus. Alsdann firnißt man die Theile, was ihnen eine größere Festigkeit verleiht. Man kann helleren oder dunkleren Firniß wählen, je nachdem man eine bestimmte Holzart imitiren will, sich aber auch des einfachen Bernsteinfirnisses bedienen, der dem Leder einen schönen Glanz verleiht und nur dünn aufgetragen zu werden braucht. Um Rosenholz zu imitiren, müssen sämmtliche Bestandtheile vor den Firnissen in eine Mischung von Essig und venetianischem Roth eingetaucht werden. Das Lederblume». 445 Firnissen selbst geschieht mit einem Pinsel und kann ein- oder auch zweimal vorgenommen werden; in letzterem Falle muß die erste Ueberziehnng vollständig trocken geworden sein, ehe die zweite aufzutragen ist. Ueberhaupt muß alles Gefirnißte zwei bis drei Tage trocknen, bevor man es wieder in die Hand nehmen darf. Die Stiele, sowohl die stärkeren als schwächeren, werden aus schmalen Streifen derselben Lederart gebildet, indem man diese Streifen, wenn sie noch feucht sind, mit der Hand auf einem Tisch rollt, so daß sie sich cylinderförmig um sich selbst winden. Stärkere Stiele sind erforderlichen Falles mit einem Draht zu versehen, den man in den gerollten Stiel einzieht. Für die Ranken der Weinreben und anderer mit Ranken versehenen Pflanzen windet man einen dünnen, noch feuchten Lederstreifen um ein Stückchen oder um einen Bleistift, oder auch um einen stärkeren Holzstab und läßt ihn trocken werden; wenn man alsdann den benutzten Stab oder das Stäbchen herauszieht, wird der Lederstreifen die spiralförmige Windung behalten. Zur Herstellung der Weinbeeren oder anderer Beeren bedient man sich entweder größerer oder kleinerer Holzperlen, die man mit einem Drahtstielchen versieht; doch lassen sich diese Beeren auch aus Leder bilden, indem man Erbsen von einer gewissen Größe mit Leder überzieht; es ist dies allerdings schwieriger, dafür aber auch künstlicher. Das Leder kann der Erbse aufgeleimt oder aufgebunden werden. In letzterem Falle ist es unterhalb, da wo das Stielchen ansetzt, mit einigen Stichen zu befestigen. Auch diese Beeren werden schließlich mit Firniß überzogen. 416 Lederblumen. Nehmen wir nun, um an einem Beispiel das technische Verfahren weiter nachzuweisen, an, wir hätten die Aufgabe, einen Rahmen oder irgend welchen Gegenstand mit Lederblumen auszuschmücken. Wir würden dem Rahmen zunächst einen feinen Holzton zu geben suchen, indem wir ihn mit Essig und venetianischem Roth dünn überstreichen und dann, wenn dieser Anstrich trocken ist, um ihn sauber zu glätten, stark frottiren und ihn schließlich noch firnissen. Erst wenn der Firniß gründlich trocken, also nach einigen Tagen, gehen wir nun zur Verzierung desselben über. Die präparirten Blumenblätter und Stiele sind nun nach einer geschmackvollen Vorlage zusammenzusetzen und aufzubauen, wobei man mit denjenigen Theilen beginnt, die sich unmittelbar an den Rahmen anlegen. Diese werden mit kleinen, feinen Nägeln auf das Holz festgenagelt, wobei zu beachten, daß man letztere da anbringt, wo sie am wenigsten ins Auge fallen. Für die anderen, freier stehenden Bestandtheile und deren Verbindung unter einander bedient man sich eines starken Leims. Auf die Zusammensetzung der einzelnen Blumenblättchen und der Befestigung der Blätter an die Stiele werden wir unten specieller zurückkommen. Wir nehmen einstweilen an, daß die Ausschmückung des Rahmens gelungen sei und das Ganze nur noch einen leichten Ueberzug von Copalfirniß bester Qualität bedürfe. Gehen wir nun zu einzelnen Blumen über, um das Herstellungsverfahren derselben an Beispielen nachzuweisen. Vorher sei noch bemerkt, daß es rathsam ist, die Blumenblätter soviel als möglich aus einem Stück, das heißt, als zusammenhängende Blätterkreise zu schneiden. Lederblumen. 447 Wir beginnen mit der wilden Rose. Man schneide genau nach unserer Figur 1 zwei Blätterkreise und lege sie so übereinander daß die Blättchen wechselständig stehen; dann durchsteche man die Mitte, lege ein Stückchen Draht doppelt zusammen, füge in dessen umgebogene Stelle ein Stückchen Leder, befestige es durch Umwinden der beiden Draht-Enden und ziehe den Draht durch die Oeffnung. Dieses Draht-Ende, das mit Leder zu überziehen, dient zugleich als Stiel. Für die Staubfäden, die man an die mit dem Stückchen Leder versehene Umbiegung des Drahtes ansetzt, nimmt man einen schmalen Lederstreifen, den man bis zur Hälfte seiner Breite in feine Franzen schneidet, in ähnlicher Weise, wie wir es bei den Wachsblumen angegeben. Wir haben hierbei vorausgesetzt, daß die Blätterkreise, bevor sie an den Stiel aufgezogen worden sind, in der Weise model- lirt wurden, wie wir oben angegeben. Während die oberen fünf Blättchen sich etwas über die Staubfäden schließen müssen, sind dagegen die unteren fünf leicht nach auswärts zu biegen. 448 Lederblumen. Für die gefüllte Rose sind vier fünfblättrige Blätterkreise zu schneiden, von denen der erste etwas kleiner als unser Muster zu halten ist und der vierte etwas größer als derselbe; die beiden anderen erhalten die gleiche Größe unseres Musters. Nachdem man die Blättchen modellirt und wo es erforderlich, geboult, verfährt man hinsichtlich ihrer Zusammensetzung und Aufziehung an den Stiel wie bei der wilden Rose. Für die grünen Blätter hat man nach natürlichen Blättern von verschiedener Größe vorher Muster zu schneiden. Die nach diesen geschnittenen Lederblätter sind in der von uns angegebenen Weise zu formen, mit Rippen und mit einem Stielchen zu versehen. Nr. 2. Die Aster wird nach dem Muster Nr. 2 gebildet, nach welchem man zwei Blätterkreise zu schneiden hat, von denen Lederblumen. 449 der zweite etwas größer zu halten ist. Man modellirt die Blättchen, indem man mit dem Pfriem in der Mitte eines jeden, und zwar der Länge nach, eine stark vertiefte Linie zieht. Nachdem man die beiden Blätterkreise auf einen Stiel gezogen und befestigt, schneidet man für den Mittelpunkt der Blume ein kleines rundes Theilchen und klebt dasselbe dort an. Den äußeren Rand desselben rundet man etwas ab und punktirt die ganze Rundung mittelst Pfriemstichen. Die Fuchsia. Der Kelch bildet den hervorragendsten Theil dieser Blume. Man schneidet ihn nach Figur Nr. 3. Fig 3- Die vier inneren Blättchen, von denen eines mit Punkten auf unserem Muster angegeben, werden als Blätterkreis, das heißt zusammenhängend, geschnitten; ebenso sind die 29 450 Lederblumen. neun Staubfäden aus einem Lederstückchen zu schneiden. Man befestigt sie gemeinsam an einen Drahtstiel, ordnet den aus vier Blättchen bestehenden Kreis um sie und befestigt beide mit Leim. Dieselben sind selbstverständlich vorher mit dem Eisen zu boulen und etwas zu krösen. Nun wird der Kelch angefügt, dessen Blättchen man mit der Pincette etwas von der Blume ab und nach außen biegt. Die Kelchblättchen der Fuchsia stehen mit den inneren Blättchen wechselständig und die Staubfäden müssen weit hervorragen. Für die Knospe bedarf man keiner Staubfäden, man schließt deren Kelch durch Zusammenrollen über sich selbst. Wenn schon für die Lederblnmen im Allgemeinen Wirklich gute und etwas stilisirte Vorlagen dem unmittelbaren Studium nach der Natur vorzuziehen sind, weil das ungeübte Auge der Natur gegenüber leicht das Nebensächliche für das Hauptsächliche hält und dadurch in das Kleinliche verfällt, so ist besonders für die Herstellung der Fuchsia und der nun folgenden Passionsblume eine klare deutliche Abbildung, wie wir sie für die letztere bringen, bei Weitem vorzuziehen. Die Passionsblume. Man präparire zunächst die einzelnen Theile für die Blume nach unsern Mustern und beginne mit den beiden Blätterkreisen für die Corolle, von denen der zweite, sternförmige in Fig. 5 durch Punkte angegeben ist; dann stelle man die Rundform Fig. 6 her, die mit concentrischen, eng zusammenstehenden Einschnitten zu versehen ist, so daß sie strahlenförmige Hälmchen bilden, die jedoch vom Mittelpunkt so weit entfernt bleiben müssen, wie im Muster angegeben. Vom Mittelpunkt aus schneide Lederblumen. 451 29 » 452 Lederblumen. 7 . Lederblumen. 453 man nun mit der Spitze eines scharfen Federmessers ebenfalls eine Anzahl Strahlen, doch so, daß zwischen ihnen und den äußeren Strahlen ein fester Lederrand bleibt. Die Passionsblume hat, wie unsere Abbildung zeigt, fünf spatel- förmig abschließende Staubfäden und drei über dem Pistill erhabene und über die Staubfäden gebogene Griffel, die beide aus einem Stück zu schneiden sind, wie dies Fig. 7 angiebt. Hat man nun auch noch den aus drei Blättchen bestehenden Kelch nach dem Muster Nr. 8 geschnitten, so kann man, vorausgesetzt, daß man sämmtliche Blättchen vorher gehörig modellirt hat, zum Zusammensetzen der Blume übergehen. Zunächst zieht man durch den Mittelpunkt der Staubfäden einen Doppeldraht, windet ihn unterhalb zusammen und umwindet ihn mit einem schmalen Lederstreifen. Dieser Draht dient dazu, um daran oberhalb das Pistill zu befestigen und zugleich den Stiel der Blume zu bilden. Nun richtet man die Griffel auf, umwindet deren Ansatzpunkt, sowie den der Staubfäden, mit etwas Leder und setzt dann den Strahlenkreis Fig. 6 an. Deren kleine, halm- förmige Ausschnitte in der Mitte ordnet man so um das 454 Lederblumen. Pistill, Wie es in der Gesammtabbildung der Blume Fig. 4 zu ersehen ist. Unter diesen Strahlenkreis wird die nach Fig. 5 gefertigte Doppelcorolle an den Stiel aufgezogen und alsdann der Kelch angesetzt. Sämmtliche Theile sind mit etwas starkem Leim zu befestigen. Für den weiteren Aufbau der Blume giebt unsere Abbildung einen ausreichenden Fingerzeig. Die Glockenblumen oder Glöckchen. Um deren glockenförmige Gestalt aus Leder zu bilden, muß man sich, wie bei den Wachsblumen, vorher eine Holzform herstellen, über welche man das feuchte Leder aufzieht und bis zum vollständigen Trockenwerden verbleiben läßt. Der kleine, einen Stern bildende Kelch und einige Staubfäden sind in der angegebenen Weise auszuführen. Die Kamelia. Aus den bisherigen Erklärungen dürfte die Ledertechnik so anschaulich geworden sein, daß es nur noch weniger Andeutungen für einzelne Blumen bedarf. So können wir uns darauf beschränken, für die Kamelia nur ein Muster, Fig. 9, anzugeben. Nach demselben werden zunächst zwei Blätterkreise von der Mustergröße geschickt- Lederblumen. 455, ten, dann noch ein oder zwei, die etwas größer als das Master sind, und von denen jeder Kreis sechs Blättchen hat; dann einen noch etwas größeren, mit sieben oder acht Blättchen. Sämmtliche Theile sind der natürlichen Blume entsprechend vorher zu boulen und dann übereinander zu setzen, wobei man darauf zu achten hat, daß die kleinsten oben und die größten unterhalb zu stehen kommen und daß die Blättchen sich nicht decken, sondern sich wechselständig verschieben. Man befestigt sie mit Leim und zieht durch den Mittelpunkt der Kreise einen mit Leder umwickelten Drahtstiel. 10. Für die Blume des Jasmin schneidet man einen Stern nach Fig. 10, befestigt ihn an einen ziemlich dick mit Leder umwundenen Stiel, der oberhalb, um den Ansatz der Blume zu bilden, wesentlich stärker sein muß, als unterhalb; dann ist ein kleiner, einen Stern bildender Kelch anzuleimen und sind der Blume noch die kleinen, fein geschnittenen Stengel- blättchen anzufügen. Zum Schluß wollen wir nun noch, um zu zeigen, wie vielfach Lederblumen als Schmuck der verschiedensten Gegen- 456 Lederblumen. stände angewendet werden können, das Ausschmückungsverfahren von zwei solcher Gegenstände, an denen man die ersten Versuche vornehmen mag, angeben. Der eine derselben stellt ein aus Pappe gefertigtes, äußerlich mit Holzbrauner Oelfarbe angestrichenes Körbchen dar. Die beiden Ansätze des Henkels sind mit einem kleinen Tuff von Rosen nebst Blättern und Knospen bedeckt. Aus diesen Rosentuffs entwickeln sich nach beiden Seiten leichte Blätterzweige mit zierlichen Blümchen, der Ausbiegung des Körbchens folgend; das letztere ist innerhalb mit blauem Sammet gefüttert. Lederblumen. 457 Die andere Vorlage stellt ein Consol dar, an welchem die aus Leder gebildeten Eichen- und Epheublätter und Zweige die Aufgabe haben, als zierliches Holzschnitzwerk zu erscheinen. Es kommt hier sehr viel darauf an, daß das 458 Lederblumen. Ranken- und Stielwerk sich in anmuthigen Biegungen bewegt und die Formen des Consols in hübschen Gruppen umgiebt. Ebenso sind die kleinen Beeren des Ephens und die Eicheln geschmackvoll abwechselnd zwischen den Blättern zu gruppiren. Das Consol ist als aus Holz gefertigt und mit dunkeler Eichenholzfarbe überzogen gedacht. Für die Wirkung des Ganzen wird es Vortheilhaft sein, wenn das gesammte Blätterwerk nebst Früchten mit einem etwas helleren Firniß überzogen wird. Da die Stengel und Zweige des Eichenlaubs in der Natur ziemlich dick sind, so verwendet man für ihre Herstellung starken Draht, den man mit Leder überzieht, wobei man, soviel als möglich,, die kleinen knotigen Ansätze zu imitiren sucht. Die Epheu- stengel dagegen sind schlank und müssen biegsam erscheinen; deren Ranken werden wie die anderer Schlingpflanzen gemacht. Das Verfahren haben wir bereits angegeben. Für die Eicheln sind natürliche, mit Firniß überzogene Eicheln zu verwenden. Kann man solche nicht erlangen und will sie aus Leder herstellen, so setzt man sie aus zwei Theilen zusammen, nachdem man jedem Theil mit dem Bouleisen die erforderliche halbrunde Form gegeben; die beiden Hälften werden durch Leim verbunden. Derartig ornamentirte Console bilden einen hübschen Wandschmuck und können als Träger von Blumenvasen^ Pendülen, kleinen Statuen und dergleichen dienen. Blumen- und Farben-Symbolik. Vlnmen-Svmbolik A. Achillenkraut Mißtrauen dem Schwätzer. Adonisröschen Schmerzliche Erinnerung. Aehre Ueberfluß. Ahornblüthe Vorbehalt. Akazie (weiße) Platonische Liebe. Akazie (rothe) Eleganz. Algen (Wassermoos) Unbeständigkeit. Aloe Kränkung. Alpenmoos Bescheidenheit ist die größte Zierde. Alpenröschen Verheißung von Glück. Alraun Mangel. Altheeblüthe Zarte Aufmerksamkeit. Amarants, Unsterblichkeit. Amarylles Koketterie, Stolz. V. Bärenklauc Ungleichheit. Bärentraube Berühmtheit, Ruf, Name. Ambrosienkraut Gastronomie. Ananasblüthe Vollkommenheit. Anemone Ergebung in Geduld. Angelika Inspiration. Anis Vertrauen. Apfelblüthe Uneinigkeit in der Liebe. Apfelblatt Entzweiung. Aprikosenblüthe Bitte um Annäherung. Aronsblume Heftigkeit, Eifer. Artemisia Auserkoren. Asand Strafe. Aschenkraut (Lineruriu) Gedenke der Todten. Asklepia Bitte um Verzeihung. Aster Geheime Absicht. Aurikel Freundlich blickende Augen. Baldrian Leichtigkeit. Barbenkraut Huldigung der Liebe. Balsamine (rothe) Ungeduld. 462 Blumn-Symbolik. Balsamine (weiße) Ungewißheit. Balsamrose Genesung. Bandgras Bitte um einen Kuß. Basilikum Armuth. Bechcrblume Liebe mich. Belladonna Trügerische Reize. Berberisbeere Weigerung, Uu- bescheidenheit. Betonie Ueberraschnng. Bilsenkraut Fehler. Bingelkraut Gute Neigung. Binse Gehorsam. Birncnblüthe Gute Eigenschaften. Birkcnblatt Einladung. Bittcrsüßblüthe Wahrheit, Wiederannäherung. Blutblume Anmaßung. Eactus Kurzes Glück. Ealmus Rausch des Glücks. Eeder Widerstand, Unsterblichkeit. Ehristblume Jederzeit umschwebt mich dein Bild. Eichorienblüthe Bitterkeit. Tattclblüthe Solidität. Tcccmbcrblume Glückliches Alter. Diptam Geburt. Distel Dummheit. Bohnenblüthc Unbemerkter Lauscher. Borrctsch (LorraZo) Abstoßendes Wesen. Braut in Haaren (XiZsUa) Wird stilles, häusliches Glück dir genügen? Brennende Liebe Fürchte nicht diese Gluth, sie führt zum Glück! Brennnessel Nimm dich in Acht. Brommbeerblüthe Zürne nicht! Buchenzweig Größe. Buch-baum Standhaftigkeit, Stoicismus. Buchweizen Häusliche Tugend. Butterblume Wiedersehen. Eistrose Frei von Eifersucht. Citroncnkraut Verlangen nach Correspondenz. Eorneliuskirsche Lebe lange und glücklich Eyprcsse Trauer. Dolde Bitte um Beschirmung. Dotterblume Heftigkeit. Drciblattblume (Driockis.) Nie möge das Schicksal uns trennen. E. Ebereschenzweig Unterwürfigkeit. > Ehrenpreis Analogie. Ebcrreis Unverständlichkeit. Eibisch Bitte um Alleinsein. Eberwurz (Esrlina) Einsamsein. > Eichenzweig Teutscher Mann. Blumen-Symbolik. 463 Eichenblatt Stärke. Eierpflanze Fruchtbarkeit. Einblatt Genie. Eiskraut Kälte. Eisenhütchen Arme, kleine Hütte. Engelblume Unvergleichliche, himmlische Schönheit. Farnkraut Zutrauen. Febernelke Kinderei. Fcldkümmcl Hat man dich je gefragt? Feige Süße Liebe. Fclsenkirschenblnthe Wonnegefühl. Fenchclblüthe Momentaner Unverstand. Fetthenne Trennung istderSterb- lichen Loos. Feuerdorn Zorn. Enzian (weißer) Dankbarkeit. Enzian (gelber) Undankbarkeit. Epheu Anhänglichkeit. Erbsenblüthe Stilles Vergnügen. Erdbeerblüthe Liebenswürdigkeit. Estragon Artigkeit, Scherz. Elzbeerenzweig Schmeichelei. Feuerlilie Gluth der Liebe. Feuernelke Deine Schönheit beunruhigt mich. Fingerhut Frauengunst erwerbe. Fingerkraut Geliebtes Mädchen. Flachsblüthe Beständigkeit. Flieder (spanischer) Erste Regung der Liebe. Flieder (weißer) Verlassenheit. Fliegcnblünichen Belästigung. Flockenblume Krankheit. Fuchsin Naiver Leichtsinn. G. Gänsefuß (Guter Heinrich) Güte. Gartenampfer (Uutisntu) Geduld. Gauchheil (^nL^allis) Usuäsr-vous. Gauchheil (Frvsnsis) Rechne auf mich. Geisblatt (Je länger, je lieber) Liebesbande. Gemswurz Behendigkeit. Georgine Neuheit. Geranium Laune. Ginster Schwache Hoffnung. Glaskraut Ruhmsucht, Eitelkeit. Glockenblume Erkenntlichkeit. Goldblume Erinnerungen der Kindheit. Goldhaar Spötterei. Goldknöpfchcn Liebe zum Gold. Goldlack Unendliche Sehnsucht. Goldregen Geiz. Goldruthe Vernünftige Zurechtweisung. Götterblume Du bist meine Göttin Granatbluthe Aufrichtige Freundschaft. Granatbeere Vereinigung. Grashalm Bitte um Antwort. 464 Blumen-Shmbolik. H. Habichtskraut Grausamkeit. Hagebutte Vergänglichkeit. ^ Hagedorn Hoffnung. Hahnenfuß Gezwungener Gruß. l Hahnenkamm Wachsamkeit. Haidekraut Einsamkeit. Hanfblüthc Unangenehmes Wesen. Haarstrang Ländliches Glück. Haselnußblüthe Aussöhnung. Hauswurz Sucht nach Berühmtheit. Heckenkirsche Süße Bande. Heidclbccrblüihe Verrath. Heliotrope Liebe über Alles. Helmkraut Ergebung dem Sieger. Heuhechcl Unerschrockenheit. Herenblume Zauberei. Himbeerblüthc Lust. Himmclsröschcn Liebende Blicke. Himmclsschlüffcl Todesahnung. Hollunder Wohlthat. Hopsenblüthe Ungerechtigkeit. Horteußa Beständige Liebe. Huflattich Erwiesene Gerechtigkeit. Hundskohl (fliegenfangender) Schlingen. Hungerblümchen Schmachten nach dem Besitz der Geliebten. Hyacinthe Neigung. I. Jberis Sorglosigkeit. Immortelle Auf ewig! Immergrün Versicherung steter Gewogenheit. Insectenblümchcn Annäherung. Iris Angenehme Botschaft. Zsopblüthe Glücklicher Weiser. Jasmin Zufriedenheit mit der Versicherung der Freundschaft. ! Iohannisbecrenzweig (rothe) Bitte um Vertäuen. Iohannisbeerenzweig (weiße) Versicherung beständiger Liebe. Johanniskraut Falschheit. Jonquille Wunsch. Judenkirsche Irrthum. K. Kaiserkrone Macht. i Kamille (römische) Bemühung Kamelia Bescheidenes, verehrungs- ! sich würdig zu zeigen. würdiges Verdienst. ^ Kannenkraut Mißmuth, Verstim- Kamille (deutsche) Haß. , mung. Blumen-Symbolik. 46ü Kastanienbliithe Luxus. Katzenpfötchen Hinterlist. Kapucinercreffe Feurige Liebe. Keusche Mimosa Aufmerksamkeit auf sich selbst. Kirschenblüthe Gute Erziehung Kirschlorbeer Giftige Worte. Klatschrose Dummheit. Klee (rother) Freiheit über Alles. Klee (weißer) Zaghaftigkeit. Kleeblatt (vierblättriges) Glück in der Liebe. Klette Anschmiegung. Knoblauch Widerwärtige Gesellschaft. Königin der Nacht Reizende Unwiderstehliche. Königskerze Weichheit, Schlaffheit. Koloquintc Entfernung. Koriander Willkommen. Kornblume Einfachheit, Zartheit. Kornrade Empfindlichkeit. Krappblume Verläumdung. Krausemünzc Traurige Vergangenheit. Kreuzblume Genesung. Kreuzdorn Einsiedelei. Kreuzkraut Unvergängliche Liebe. Krokus Ueberlegung. Kürbisblüthe Größe, Stärke. Kümmel Ähnlichkeit. Kugelblume Mißtrauen dem Lie- besschwur. Kuhblume Gleichheit der Empfindung. L. Labkraut Veränderung. Lattich Kaltsein. Lärche Kühnheit, Verwegenheit. Lavendel Inbrunst, Eifer. Lcbensbaum (Dimja) Alter. Leberblümchen Liebe zur Häuslichkeit. Levkoie (violette) Frieden. Lcvkoic (rothe) Dauernde Schönheit. Levkoie (weiße) Mitleid mit dem Liebenden. Liane Unauflösbare Bande. Liebesblume Geschenk der Geliebten. Liguster Wiedersehen am Abend. Lilie (blaue) Majestät. Lilie (weiße) Unschuld. Lilie (gelbe) Hochmuth. Lindenblüthe Eheliche Liebe. Linsenblüthe Süße Träumerei. Lobclin Gute Gedanken Löffelkraut Vertraue mir! Löwenmaul Grobheit. Löwenzahn Orakel. Löwenschweis Unordentliches Leben, schlechte Aufführung. Lolch Schlechte Gesellschaft. Lorbeer Ruhm, Triumph. Lotosblume Beredsamkeit. Lungenkraut Heftige Liebe. Lupine Vergebliche Bitte. Luzerne Unmöglichkeit. 30 466 Blumen-Symbolik. M. Märzglöckchcn Erster Blick der Liebe. Maiblume Verborgene Liebe. Majoran Mäunerfeindin. Malve Schönheit.doch kaltesHerz. Mandclblüthe Fröhlichkeit. Mannstreu Gedenke des gegebenen Schwnrs. Maulbeere Ueberflnß, Reichthum an Gütern. Maßliebchen Schicksalsgöttin. Melisse Beständiges Gedenken der Geliebten. Mispclblüthe Beharrlichkeit in der Liebe. Mohnblume Schläfriger Mensch. Moosblume Vereinigung. Münze (Uentba) Tugend. Mutterkraut Mütterliche Liebe. > Myrthenblüthe Liebe, i Myrthcnzweig Schüchterne Liebe. N. Nachtschatten Glückliche Stunden der Liebe. Nachtkerze Unbeständigkeit. Nachtviole Hinterlist. Narcisse (gelbe) Eigenliebe. Narcisse (weiße) Sanftmuth, Milde. Natterkopfblume Bosheit,Schlechtigkeit. Natterzunge Verläumdung. Nelke (einfache) Entsagung. Ochsenzunge Lüge. Oleander Verführung. Oelzweig Mäßigung im Ueber- fluß. Nelke (rothe) Feurige, reine Liebe. Nelke (weiße) Trost im Gedanken des Wiedersehens. Nelke (Kaiser-) Auszeichnung durch Talente. Nelke (chinesische) Aversion. Nelke (Bart-) Prüfe, ehe du wählst. Nelke (Pech-) Verkürzung der ! Liebe vor der Welt. Nelke (Berg-) Säume nicht! 0 . Orangcnblatt Großmuth. Orangenblüthe Jungfräulichkeit. ^ Olivenblüthe Weisheit, Charak- > terfestigkeit. P. Päonie Glanz. ^ Papierblume Geduld. Pantoffelblume Flehen um Er- ^ Palmblatt Sieg. hörung. Pappel Eleganz. Blumen-Symbolik. 467 Pappel (weiße) Gute Anwendung der Zeit. Pappel (Zitier-) Seufzen, Stöhnen. Passionsblume Glaube. Pcrlblume Vom Schönen die Schönste. Perlgras Perlende Thränen. Petersilie Schmaus, Gasterei. Pfeffcrkraut Thätigkeit. Pfeffermünze Umstände wegen Kleinigkeiten. Pfeifenstrauch Stillschweigen. Pfennigkraut Treues Herz ist besser als Geld und Gut. Oueckengras Verachtung. ! Pfirsichblüthe Schüchternes Ge- ! ständniß. Pslaumenblüthe Halte Wort! ! Pfriemen Dir allein gehöre ich an. I Phlox Glücklich der, welcher dir ! gefällt. ! Pilz Wähne nichts Arges! Pimpernuß Getäuschte Hoffnung. Pistazie Bezaubernde Schönheit. Potcntilla Erkläre dich näher. Portulak Söldnerei. ! Preißelsbeerblüthe Lustig und guter Dinge. Primel Flüchtige Liebe. Q. Ouittcnblüthe Anbetung, trotz der Verachtung. R. Rachenlilie Zweideutiges Benehmen. Rainfarrn Bedenken ob treuer Liebe. Ranunkel (Garten-) Schönheit ohne gute Eigenschaften. Ranunkel (Feld-) Bosheit. Raute Gemeine Gesinnung. Reseda Gute Eigenschaften übertreffen deine Reize. Rettig Freude unter Thränen. Ringelblume Besorgniß, Unruhe. Rittersporn Liebe zur Veränderung. Rose (Centifolie) Anmuth. Rose (hochrothe) Gesundheit. Rose (bengalische) Vollständige Geständnisse. Rose (weiße) Unschuld. Rose (gelbe) Ungetreue Kokette. ! Rose (Mai-) Frühzeitige Lieblichkeit. I Rose (Moos-) Wonne empfinden beim Anblick. Rose (Monats-) Ländliche Schönheit. Rose (wilde) Poesie. Roseuknospe Geliebte. Roscndorn Liebespfeil. Rosenblatt Einwilligung. Rosenstengel Verweigerung. Rosmarin Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit. 30 * 468 Blumen-Symbolik. S. Saflor Scherz anstatt Liebe. Safran Mäßigung. Salbey Achtung. Salzkraut Beißende Bemerkung. Sammetblume Mein Glück ist in deiner Hand. Sauerampfer Empfindlichkeit. Schachblume Spiel. Schafgarbe Langweiliger Schwätzer. Skabiose Unglückliche Sensibilität. Schlehdornblüthe Warum Verachtung? Schierling Tod. Schlingbaumblüthe Vernachlässigung tödtet mich. Schöllkraut List Schlüsselblume Herzensschlüssel. Schneeball Gefühllosigkeit. Schneeglöckchen (kleines) Trost. Schuppenwurz Geheimniß Schwalbwurz medicinische Gesellschaft. Schwarzdornblüthe Schwierigkeit. Schwerte! Sicherster Schutz. Schwertlilie Verletzung Sedum (gelbes) Wortlose Gefühle. Sedum (weißes) Unmöglichkeit zu zürnen. Seegras Verständniß. Seerose Kälte, Gleichgültigkeit. Seidelbast Gefallsucht. Seifenblume Schlüpfrige Wege. Sellerie Todesangst. Sichelklec Günstiger Augenblick. Sinnpflanze Große Sensibilität. Siegwurz Gleichgültigkeit. Sonnenblume Falscher trügerischer Reichthum, trügerische Reize. Spanischer Pfeffer Leid stärkt die Liebe. i Spierlingsblüthe Klugheit. Spindelbaumblüthe Dein Bild ist in meinem Herzen. Spinnenblümchen Geschicklichkeit. Spiräa Achtung anstatt Liebe. Spierstaude Unnützlichkeit. Springgurkenblüthe Kritik. Stechapfel List. Stechpalme Menschenfeindlichkeit. Steinkraut Felsenherz. Sternblume Hoffnung des Herzens. Stiefmütterchen Rückeriunerung. Stragelblumc Sanftmuth. Strohblume (gelbe) Unverwelk- lichkeit. Strohblume (rothe) Kein Mißgeschick soll uns trennen! Stundenblume Kurzes Glück. Tabaksblüthe Besiegte Schwierigkeit. T. Tagblume (Taglilie) Untreue. Taubenkropf Ohne Galle. Blumen-Symbolik. 469 Täschelkraut Sicherheit. Tanne Vermögen. Tausendgüldenkraut Verräthe- rische Blicke. Tausendschön Entzücken durch Lieblichkeit. Taxbaum Versicherung ewiger Liebe. Teufelszwirn Räthselhaftes Wesen. Thränenweide Thränen, Schmerz, Melancholie. Theestrauch Abendgesellschaft. Thymian Unbesonnenheit. Tigerblume (büZriäia) Herzzerreißende Nachricht. Traubenfarn Träumerei. Tuberose Wollust. Türkenbund Reich' mir die Hand, mein Leben! Tnlpc Liebeserklärung. N. Ulmenblatt Einladung zum Besuch. Ulmenreis Beruhigender Zuspruch. V. Vanillenblume Kommen, sehen, siegen und verschwinden! Veilchen (weißes) Reinheit des Herzens. Veilchen (blaues) Gegenseitige Freundschaft. Vcnusspiegel Schloß und Riegel öffnet Amor. Verben« Entzücken. Vergißmeinnicht Gedenke mein! Veronika (Ehrenpreis) Treu«. Vexirnelke Schöne Luftschlösser. Vogelbeere Mißtraue ihm! Volkameria Innerer Werth. W. Wachholderblüthe Gastfreundschaft. Wachsblume Frohsinn in kleinster Hütte. Wachtelweizen Herzenstausch. Waid Zweifel an der Stärke der Liebe. Waldglocke Beständigkeit. Waldmeisterblümchen Erhaltung des Frohsinns Waldrebe Penetration. Waldröschen Bedürfniß zu lieben. Wallnußblatt Herzlichen Dank! Wasserlilie Beruhigung Wegbreite Tugendhaftes Wirken im Stillen. 470 Farben-Symbolik. Wegdorn Malerei. Weide Aufrichtigkeit. Weidenröschen GegenseitigesGlück. Weinlaub Leben und Genießen. Weißdornblüthe Anderes Städtchen, anderes Mädchen. Weißwurz Bewahrtes Geheimniß. Wermuth Abwesenheit. WickenblütheZarte Vergnügungen. Wieseuknöpfchen Vergebliches Suchen. Wiesenraute Frommer Wunsch beim Lebewohl. Winterblume Sorgende Freundschaft. Wintergrün Ewige Liebe. ! Wohlgemuth Zufriedenheit. Wolfsmilch Verfolgung. Wohlverleih Verachtung desWeisen beim Geschrei der Thoren. ! Wucherblume Kummer. , Wunderblume Wunderbare l Fügung. H. Mopblüthe Weiser Genuß des Lebens. Z. Zapfenkraut Liebe zum vollen Weinfaß. Zarznwinde Eigensinn, Hartnäckigkeit. Zeitlose Mai des Lebens blüht nur einmal. Zimmctrose Eile mit Weile. Zinnia Erhörung der Wünsche. Zottenblnme Ruhm. Zuckerrose Süße Küsse. Zweiblatt Kein Leben ohne Liebe. Zwiebelblüthe Fliehe mich! Farben - Symbolik. Einfache Farben. Weiß Unschuld, Reinheit, Aufrichtigkeit. Purpurroth Höchste Macht, Ehre, Würden. Earmoisinroth Wahre Frömmigkeit, Gesundheit. Scharlachroth Scharfsinn, Umsicht. Rosenroth Jugend, Liebe, Zärtlichkeit. Braun Demuth. Dunkelbraun Tiefer Schmerz. Farben-Symbolik. 471 Grau Hoffnung, Zuneigung. Jndigoblau Gottseligkeit. Veilchenblau Freundschaft, Erinnerung, Beständigkeit. Goldgelb Pracht, Glanz, Reichthum. Rothgelb Mißtrauen. Blaßgelb Untreue. Schwarz Trauer. DusLmmenges'rhkL Farben. Weiß »nd blau Weisheit. Weiß und hellblau Erinnerungen an die Kindheit. Weiß und grau Elend. Weiß und hochroth Erhebung, Beförderung. Weiß und blaßgelb Entschiedene Neigung. Weiß und hellgelb Dünkel, widerliche Anmaßung. Weiß und schwarz Beharrlichkeit, Standhaftigkeit. Weiß und purpurroth Artigkeit, angenehmes Betragen. Weiß und carminroth ungestümer Muth. Weiß und grün Tugend. Weiß und veilchenblau Rechtlichkeit, Zartgefühl. Weiß und roscnroth Bezaubernde Frische. Blau und fahlgelb Geduld. Blau und grau Unbeständigkeit. Blau und hochroth Intelligenz Blau und schwarz Falschheit, Heuchelei. Blau und roth Treue Liebe. Blau und veilchenblau Mäßigung. Braun und veilchenblau Traurige Erinnerungen.. Braun und rosenroth Zärtliche Liebe. Earmoifinroth »nd lila Fromme Wünsche. Carnioisinroth und grau Bescheidene Frömmigkeit. Scharlachroth und carminroth Fähigkeit zu herrschen. Scharlachroth und grün Weise Vorsicht. Blaßroth und fahlgelb Tadelns- werthe Schwäche. Hochroth und fahlgelb Unbeständiges Glück. Hochroth und lila Liebe für das ganze Leben. Hochroth und veilchenblau Niedrige Schmeichelei. Indigo und braun Tiefe Rene. Indigo und lila Erhebung zur göttlichen Liebe. Blaßgelb und carmoifin Scheinheiligkeit. Blaßgelb und rosenroth Liebes- verrath. Hochgelb und blau Vergnügungssucht. Hochgelb und grau Neid, Mißgunst. 472 Farben-Symbolik. Hochgelb und hochroth Vollkom- ! Rosenroth und hochgclb Ange- menes Glück. ^ nehme Häuslichkeit. Hochgclb und schwarz Uebersät- > Rosenroth und schwarz Verliebt- tigung. , sein bis zum Sterben. Hochgelb und grün Freigebigkeit. ! Rosenroth und veilchenblau Feines Hochgclb und veilchenblau Ver- l Benehmen, Urbanität, goltener Dienst. Roth und grau Ehrgeiz. Lila und blau Lernbegierdc. , Noth und blaßgclb Grundlose Lila und rosenroth Verlangen ! Eifersucht, nach Liebe. Roth nnd hochgelb Habgier. Schwarz und fahlgelb Verzehrende ! Roth und schwarz Mürrische Krankheit. ^ Laune. Schwarz und grau Langsame Ge- j Noth und rosenroth Künstliche nesung. i Stärke Schwarz und hochroth Strenge. ! Roth und grün Löbliche Kühnheit. Schwarz und veilchenblau Spitz- Noth und veilchenblau Treue büberei, Betrug. ^ Freundschaft. Orangcgclb und blau Liebens- l Grün und blau Fröhlichkeit, würdige Gelehrsamkeit. . Grün und grau Bedauern. Orangegelb und veilchenblau Süße ' Grün und carminroth SüßeHoff- Vertraulichkeit. nung. 'Veilchenblau und roth Lebhafte Grün und schwarz Getäuschte Erinnerung. Hoffnung. Purpurroth und hochgelb Höchstes , Veilchenblau und fahlgelb Große Glück. > Gefahr. Purpurroth und schwarz Gefal- Veilchenblau und grau Blindes lene Größe. ^ Vertrauen. Rosenroth und blau Liebe zu den Veilchenblau und carminroth schönen Künsten. Dauernde Anhänglichkeit. Rosenroth und blaßgclb Zunei- Veilchenblau und grün Kluge Zu- gung von kurzer Dauer. ! rückhaltung. Druck von Ackermann n. Glaser in Leipzig. IH/IW-Sibliottisk 00810125 > Druck von Ackermann L «loser in Leipzig. Isciinirciisr iVIuseum Wien Sibliotiiek 41.939