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HOF- UND STAATSDRUCKEREI j**r?*".. & -UND f % Y * A. • r* ZUR>FEIER$»DES E'Ï'NHÜNDERTJÂH= RÏGEN tBËSTANDËS ■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■•■■■■■■■■■■■B DERI-K^KéHOF=UND ■■■■■■■■■■■■■■■illlllBIIHIIIIIHIIIBIBIIIIIIIGIIIIIIIIIIIIIIII STAATSDRUCKEREI NOVEMBERS? 9 ? !■ '.MiTi /ycr-TT-i DIE HOF= UND STAATS= DRUCKEREI VON DER GRÜNDUNG BIS ZUR ©tfsJ GEGENWART DIE BETÄTIGUNG DER HOF: UND STAATS: DRUCKEREI AUF DEM GEBIET DES BUCH: DRUCKS 2'SXsS Kd VON PROF. A. W. UNGER DIE HOF= UND STAATS= DRUCKEREI ALS KUNST= ANSTALT 2SeXSZd VON DR. JOSEF DERNJAC DIE HOF= UND STAATS= DRUCKEREI VON DER GRÜNDUNG BIS ZUR QkXsS GEGENWART rc5^9 l'l SCHRIFT=| i. GIESZEREI ; e u Beginn des vorigen Jahrhunderts hielt sich die Verwendung des Buchdrucks für Zwecke der staatlichen Administration im Vergleiche zu der Gegenwart noch in engen Grenzen, da es nahezu ausschließlich Staatskreditpapiere sowie Patente, Regierungszirkulare, Gesetze und Instruktionen waren, für welche derselbe in Anspruch genommen wurde* Dieser verhältnismäßig geringe Bedarf an Druckarbeiten wurde bei verschiede- _nen Privatbuchdruckern gedeckt, mit welchen meist mehrjährige LieferungsVerträge auf Grundlage vereinbarter fester Preise abgeschlossen waren und von welchen einzelne, so vier der bedeutendsten Wiener Firmen, den Titel k. k. Hofbuchdrucker, sowie den Reichsadler im Schilde führten* Als im Jahre 1804 die Verträge mit diesen vier Wiener Offizinen ihrem Ende entgegen gingen, eine Erneuerung derselben jedoch ohne wesentlich ungünstigere Bedingungen nicht möglich schien, regte der Präsident der k* k* allgemeinen Hofkammer, Karl Graf von Zichy- Väsonykeö, die Errichtung einer eigenen Druckerei an, welche der Staatsverwaltung ausschließlich zur Verfügung stehen sollte* Mit der Allerhöchsten Entschließung vom 18. September 1804 weiland Seiner Majestät des Kaisers Franz I. wurde dieser Vorschlag genehmigt und damit die k.k. Hof- und Staatsdruckerei ins Leben gerufen. | MIT'NEUEN •| KOMPLETT: I G • I ■ E • S • Z= ‘| MASCHINEN aren es sonach vornehmlich Rücksichten ökonomischer Natur, welche zu dieser Neugründung den unmittelbaren Anstoß gaben, so kam gleichwohl auch in Betracht, die wichtigsten Druckarbeiten des Staates an einer Stelle zu vereinigen, um sie unter genauer Aufsicht durchführen lassen zu können und damit dem bewährten Beispiele anderer Staaten, welche mit der Errichtung solcher Druckanstalten bereits vorangeschritten waren, nachzufolgen« Da zunächst nicht die Absicht bestand, die Hof- und Staatsdruckerei in staatlicher Eigenregie zu führen, wurden mit den bedeutendsten Wiener Buchdruckerfirmen Verhandlungen behufs Abschlusses eines Kontrakts eingeleitet; ein solcher kam auch sodann mit dem Buchdrucker und Verlagsbuchhändler Josef Vinzenz Degen, dessen Bedingungen die günstigsten schienen, am 25« September 1804 zu stände« oseph Vinzenz DEGEN, geboren 1761 zu Graz, hatte d sich nach Erlangung der akademischen Würde eines Magisters der freien Künste und der Philo- sophie dem Buchhandel gewidmet, die Paul Kräusle sehe Buchhandlung in Wien erworben und zu einer der bedeutendsten, namentlich auf dem Gebiet der französischen Literatur, ausgestaltet; später hatte er auch die Albertische Buchdruckerei übernommen und sowohl durch Einrichtung einer eigenen Schriftgießerei, wie durch Erwerbung von Lettern aus dem Ausland in so reichem Maße ausgestattet, daß er sich selbst an der typographischen Anfertigung der Staatskreditpapiere beteiligen konnte« Der mit Degen abgeschlossene Kontrakt, in welchem eine halbjährige Kündigungsfrist festgesetzt war, lautete auf die Maximaldauer von zehn Jahren, vom 1« November 1804 angefangen, und war für den Fall der Übernahme der Druckerei in staatliche Regie in Aussicht genommen, Degen mit der Leitung derselben zu betrauen« Den Vereinbarungen gemäß hatte Degen die Herstellung nahezu sämtlicher Druckarbeiten der in Wien befindlichen Staatsämter und Behörden zu übernehmen und eine dieser Aufgabe entsprechende Druckerei zur Verfügung zu stellen, welche in einem staatlichen Gebäude untergebracht werden sollte« Die für die Behörden zu liefernden Arbeiten waren der Staatsdruckerei nach festen Tarifen zu vergüten, und sollte der sich ergebende Reingewinn zwischen dem Unternehmer und dem Ärar geteilt werden« Die für den Verkauf bestimmten Arbeiten der Staatsdruckerei sollten vorläufig in Degens Privatbuchhandlung im sogenannten kleinen Michaelerhaus gegen entsprechende Verrechnung an den Staat in den Handel gebracht »4 - L'; è i ' » WrÄEv: «• X *J& ;-vi •'! *• £> .’*?•• *#* -‘ ' " «V > «.• ■ JÉ*. >^ - * ‘ -5?Ä 4 ••:-»• * ^.v r • • ' ' r;?» • werden* Schon wenige Wochen nach dem mit Degen abgeschlossenen Kontrakt begann unter dessen Leitung und unter der Aufsicht der allgemeinen Hofkammer die Tätigkeit der neuen Anstalt, welche in dem, dem Ärar überlassenen Teil des Franziskanerklosters in der Singerstra§e ihre Unterkunft zugewiesen erhalten hatte» Nach den Materien der Druckarbeiten zerfiel dieselbe in eine geheime, in erster Linie zur Herstellung der Staatskreditpapiere bestimmte, und in eine öffentliche Abteilung; erstere arbeitete zunächst mit sieben, letztere mit zwölf Pressen» Da jedoch dringende Aufträge sich einstellten und in rascher Folge mehrten, erwarb Degen von der Schulbücher- Verschleifj-Administration und von Privatbuchdruckern eine weitere Anzahl von Pressen, so da§ zu Beginn des Jahres 1805 schon dreißig in Tätigkeit standen und das Arbeitspersonal einhundert Köpfe zählte, welcher Stand sich nach einigen Schwankungen zu Ende des Jahres 1807 nahezu verdoppelte» *SlrtrTj|ie schweren Kriegszeiten, welche den österreichischen Kaiserstaat in jener Periode heimsuchten, brachten auch dem jungen Unternehmen der Staatsdruckerei mancherlei Bedrängnis» Schon im ersten Jahre ihres Bestands mu^te die geheime Abteilung der Anstalt zur Sicherung vor den Franzosen nach Pest verlegt, nach ihrer Rückkehr im Jahre 1809 neuerlich nach Ungarn übertragen und in Gro§wardein etabliert werden* Da§ im gleichen Jahre die Staatsdruckerei auch an der Aufstellung der ambulanten Felddruckerei beteiligt war, welche die erste Relation über den bei Aspern erfochtenen Sieg in die Öffentlichkeit brachte und zumeist in Gaunersdorf und Budwit; arbeitete, soll hier als Episode aus jenen Kriegsjahren nicht unerwähnt bleiben« Die Schwierigkeiten, mit denen die Druckerei zu kämpfen hatte und zu denen auch die auf dem Arbeitsmarkt sich empfindlich geltend machende Teuerung der Kriegszeiten hinzukam, veranlagten Degen, welcher an einem Prosperieren des Unternehmens zweifelte, zu Beginn des Jahres 1810 um Auflösung seines Kontrakts zu bitten; wenn er sich gleichwohl durch den Hinweis auf die Notwendigkeit des weiteren Bestands der Staatsdruckerei bestimmen lie§, von seinem Vorhaben abzustehen, war dies ein Beweis opferwilliger Ausdauer, der auch durch seine Erhebung in den Adelsstand mit dem Prädikate „von Elsenau“, welcher nach einigen Jahren die Verleihung des Ritterstands folgte, huldvolle Anerkennung fand« Als sich der Zeitraum, für welchen der Kontrakt mit Degen abgeschlossen worden war, seinem Ende näherte, fanden eingehende Beratungen über das fernere Schicksal der Staatsdruckerei statt« Obschon die k* k» geheime 5 s Kreditshofkommission, der die Staatsdruckerei im Jahre 1814 unterstellt war, mehr der Meinung zuneigte, wieder zu dem früheren System der Arbeitsvergebung an mehrere Privatbuchdrucker zurückzukehren, wurde gleichwohl mit der Allerhöchsten Entschließung vom 21* Oktober 1814 die Beibehaltung der Staatsdruckerei, und zwar in eigener Regie angeordnet und damit der Bestand dieser Anstalt für die Zukunft gesichert* Nicht so sehr der finanzielle Ertrag des Unternehmens, der in den Jahren des Kontrakts nur einige tausend Gulden betragen hatte, war hiebei für dessen weiteres Schicksal entscheidend, als vielmehr die Erkenntnis, daß die Funktion dieser staatlichen Anstalt als Preisregulator für Druckerzeugnisse sowohl für das Ärar wie für das Publikum von offenbarem Nutzen sei* ^54 it 1. November 1814 ging das Institut, welches nunmehr k* k* Hof- und Staatsärarialdruckerei genannt wurde, in den staatlichen Betrieb über* Degen, der sein Privatgewerbe aufgab und dessen Druckereieinrichtung abgelöst wurde, ward zum Direktor 3 und bald darauf zum k* k* niederösterreichischen Regierungsrat ernannt; ihm wurde ein Direktionsadjunkt, sowie je ein Beamter für die Rechnungs- und Kanzleigeschäfte beigegeben* Drei Oberfaktore wurden stabil angestellt, während das übrige Arbeitspersonal in Wochen- oder Stücklöhnung verblieb* Als Stammkapital der Staatsdruckerei wurde die Summe von 150*000 fl* W* W* festgesetzt, welche sich mit vier Prozent verzinsen sollte, bis im Jahre 1833 die Verfügung einer abgesonderten Verrechnung aufgehoben wurde. Die geheime Abteilung der Staatsdruckerei, welche Degen bisher als „Direktor im Kunstfache der geheimen Staatsarbeiten“ geleitet hatte und die nach ihrer Wiederrückkehr von Ungarn im Gebäude des Dominikanerklosters untergebracht worden war, wurde nunmehr, im Jahre 1816, auch räumlich mit der Hof- und Staatsdruckerei vollständig vereinigt. In einer detaillierten Instruktion vom 6. Jänner 1817 wurden für den Betrieb der Staatsdruckerei in allen Zweigen feste Normen vorgeschrieben; der mit der Errichtung der Anstalt angestrebte Zweck wurde in folgender Weise gekennzeichnet: sie habe „die zum Geschäftszuge der Staatsbehörden und Ämter benötigten Druckarbeiten, dann die zur Kenntnis des Publikums zu bringenden öffentlichen Verordnungen, Zirkulare und Patente, auch andere aus Staatsabsichten zu verbreitende Werke, die kein Verlagsartikel der Privatbuchhandlungen werden können, schnell, verläßlich, bis zur Bekanntmachung mit Geheimhaltung und zugleich wohlfeiler als von Privatkontrahenten zu liefern . . . . : die Druckkosten für amtliche Arbeiten seien der 6 . A '$***■ * K" '.'<*** ' .- U' ^ &* W M TW* 7 '-*#-* - " É : i |i, ,,^v ><>. ' : : - ; ^ Sä^K^' 1-/'r v ■-•■#;? « i -jt * • -.rCtëàï # $ f '•- .«it .■■ *■■**". •**■* $ m w .HrfT - •.>^^ iA * « srr KARL GRAF ZICHY VON VASONYKEÖ PRÄJtuÄNT DER KAIS. KÖN. HOFKAMMER -*- r 1 » % x - * v> ?- *? 4 < V - ; ., , 7«'v r” / . '♦> v . - #t ;'»v 'Viv> ..;>-* : " ■ 7 , .. i, <&vv , t -, i . - c i; V Si 0*9 1 vollständigen Vergütung des Aufwands gleichzustellen, wobei auf musterhafte Ausführung der Arbeiten Bedacht zu nehmen sei“* ar hiemit der Grund gelegt zu einer organischen Regelung der Betriebs- und Dienstverhältnisse, so schien es doch, als ob die Ungunst der Umstände das Institut nicht zur erwünschten Konsolidierung kommen lasse* Die Verbreitung der Lithographie, die Errichtung einer eigenen Druckerei bei der privi- legierten # österreichischen Nationalbank und der mstand, da§ nicht alle Ämter ihren Bedarf bei der Staatsdruckerei deckten, verursachten einen um so empfindlicheren Arbeitsentgang, als das Personal bei dem Zwang, den vorkommenden dringenden Arbeiten gegenüber gerüstet dazustehen, nicht wesentlich verringert werden konnte, so da§ das Gleichgewicht zwischen Regieauslagen und Erträgnissen nicht immer aufrecht zu erhalten war. Doch auch diese Schwierigkeiten, welche im Jahre 1823 so drohende Gestalt angenommen hatten, dafj neuerdings die Frage der Auflösung der Anstalt aufgerollt wurde, sollten durch das energische Eingreifen der Staatsverwaltung, bei der sich die Überzeugung von der Notwendigkeit des Bestands einer eigenen staatlichen Druckerei siegreich Bahn gebrochen hatte, ohne Fährnis überstanden werden. Durch vermehrte Zuweisung von Arbeiten größeren Umfangs, wie jener der Postmanipulations-Drucksorten, und durch Förderung des Absatzes ihrer Druckwerke wurde die Hof- und Staatsdruckerei in die Lage gesetzt, diese kritische Periode zu überwinden und eine £9^8^ wesentliche Besserung ihrer Verhältnisse zu erzielen* 8^29^ ^irektor von Degen, welchem es noch vergönnt war, diesen Erfolg wahrzunehmen, schied am 6* Juni 1827 aus dem Leben* Die Leitung der verwaisten Anstalt wurde dem Direktionsadjunkten Josef Anton vonWOHLFARTH anvertraut. Derselbe war im Jahre 1794 bei der k. k* Bankohofbuchhaltung in _ _ den Staatsdienst getreten, woselbst er mit den die Errichtung der Staatsdruckerei betreffenden Agenden beschäftigt war. Der Gefahren wohl bewu§t, welche dem Bestand der Staatsdruckerei drohten, war Wohlfarth, dessen Ernennung zum Direktor im Jahre 1832 erfolgte, vor allem bestrebt, den Ertrag der Anstalt nach Möglichkeit zu heben und damit dem Staate eine dauernde Einnahmsquelle zu eröffnen* Die in der Folge aus dem Gewinn der Anstalt abgelieferten Geldsummen zeigen, da§ ihm dies gelungen ist, allerdings nicht ohne Beeinträchtigung der Qualität der produzierten Druckerzeugnisse, welche nicht durchwegs mehr einem , » ' h SETZER- ABTEILUNG H TföRtiH av/mAr t9E Vergleich mit solchen aus privaten Offizinen standhalten konnten* In einem neuen Amtsunterricht wurde im Jahre 1834 den geänderten Verhältnissen in der Verwaltung und dem Betrieb der Anstalt durch genaue Normierung Rechnung getragen* In seinem Bestreben, das Arbeitsgebiet möglichst zu erweitern, fand Wohlfarth wirksame Unterstützung durch die im gleichen Jahre verfügte Einverleibung der seit längerem bei der allgemeinen Hofkammer eingerichteten Steindruckanstalt in den Verband der Staatsdruckerei; zur Verringerung der Schreibgeschäfte der Behörden bestimmt, arbeitete diese Lithographie auf acht Pressen, für welche jedoch erst im Jahre 1840 Räume im Gebäude der Staatsdruckerei selbst zur Verfügung gestellt werden konnten* Des weiteren wurde im Jahre 1836 die technische Einrichtung der Staatsdruckerei, welche seit ihrer Gründung nur durch Übernahme des teils veralteten, teils unbrauchbaren Inventars der aufgelassenen Druckereien der Taubstummen-Anstalt und der k. k*Tilgungs- und Einlösungsdeputation ergänzt worden war, der Ausgestaltung zugeführt* Zu erwähnen ist vor allem die Einführung des dampfmotorischen Betriebs, welche durch die Anschaffung einer dreipferdigen Dampfmaschine von den Mechanikern Fletcher und Punchon ermöglicht wurde; dieselbe hatte, in einem neuen Zubaue zu den Betriebslokalitäten untergebracht, zwei um den Preis von 8500 fl* C* M* neuangekaufte Schnelldruckpressen mit Kraft zu versorgen* Hand in Hand mit der Verbesserung der Einrichtung und der in ihrem Gefolge sich einstellenden Vermehrung der Arbeits- 8 C!. ii kV^ pw aufträge gingen Vorkehrungen, welche darauf abzielten, den Absatz der erzeugten Produkte zu fördern* Zu diesem Zwecke wurden zunächst die k* k* Taxämter, später die Gefallenökonomate in den einzelnen Provinzen verhalten, den Verschleiß der zum Verkauf an das Publikum bestimmten Veröffentlichungen für Rechnung der Staatsdruckerei zu übernehmen* Allein diese Maßnahme, wie auch die gegen Ende des Jahres 1839 vorgenommene gänzliche Loslösung des Y cr kaufsgeschäfts aus der Tätigkeit der Staatsdruckerei durch die Übertragung des Absatzes ihrer Druckwerke gegen festgesetzte Provisionen an die k. k* Schulbücher-Verschleiß-Administration bewährten sich nicht, denn schon mit Beginn des Jahres 1844 wurde der Verschleiß zur Gänze der Staatsdruckerei rückübertragen* Auch die anfänglich erzielte Steigerung der Arbeitstätigkeit des Instituts sollte wegen der früher berührten Mängel in der Ausführung der Druckerzeugnisse geradezu in das Gegenteil Umschlagen, indem sich immer mehr empfindlicher Arbeitsmangel einstellte, so daß schließlich im Jahre 1840 mehr als ein Drittel des Arbeitspersonals der typographischen Abteilung entlassen und deren Zahl auf 45 beschränkt werden mußte. Nach längerer Beurlaubung wurde der k* k* Rat und Direktor Wohlfarth am 30* Mai des genannten Jahres in den Ruhestand übernommen* In der folgenden nahezu zweijährigen Vakanz des Direktorpostens wurde die Anstalt durch den Vorstand ihrer lithographischen Abteilung Albert Richard, welcher im Jahre 1835 zum Direktionsadjunkten ernannt worden war, geleitet. SETZERABTEILUNG 9 it der Allerhöchsten Entschließung vom 24. Jänner 1841 wurde der Lehrer der italienischen Sprache an dem k. k. Lyzeum und an der ständischen Sprachschule zu Linz, Alois AUER zum Direktor der k. k. Hof- und Staatsdruckerei ernannt* Geboren zu Wels am 11. Mai 1813, kam Auer mit 11V 2 Jahren zu einem Buchdrucker seiner Vaterstadt in die Lehre und arbeitete daselbst nahezu elf Jahre als Setzer und Korrektor; nebenbei widmete er sich dem Studium fremder Sprachen mit solchem Erfolg, daß er im Jahre 1837 mit Nachsicht der vorgeschriebenen Studien als Lehrer der italienischen Sprache angestellt wurde. Die Vereinigung fachtechnischer typographischer Kenntnisse mit linguistischem Wissen bedeutenden Umfangs erweckte in ihm den Plan zur Begründung eines grammatischen Universalsystems und zur Errichtung eines typographischen linguistischen Instituts. Durch Reisen, welche er im Jahre 1839 zum eingehenden Studium der bedeutendsten typographischen Anstalten des Auslands unternommen, in seinem Gesichtskreis erweitert, erbot er sich, als er den leitenden Posten der Hof- und Staatsdruckerei frei geworden sah, aus diesem Unternehmen ein hervorragendes polygraphisches Institut und eine Musteranstalt für typographische Arbeiten zu machen, welche durch Verbreitung gemeinnütziger Kenntnisse um geringe Preise, Erhöhung des schriftstellerischen Honorars „durch Befreiung von der buchhändlerisch-spekulativen Oberherrschaft“ und damit im Gefolge durch Unterdrückung schädlicher Schriften dem Staate zum Ruhme und Vorteil gereichen sollte. Daß seine Bewerbung an maßgebender Stelle Gehör fand, hatte er dem ausgezeichneten Rufe zu danken, der ihm als Fachmann voranging, wie nicht minder dem vortrefflichen Eindruck, den sein von reichem Verstand und männlicher Tatkraft, gepaart mit jugendlichem Elan, zeugendes Wesen hervorrief. ollte er, nun die Zügel der Anstalt in seinen Händen, die weitausgreifenden Ziele, die er sich gesetzt, wirklich zur Tat werden sehen, so mußte das Reformwerk mit der gänzlichen Umgestaltung des Vorgefundenen Betriebs beginnen, um aus dem alten Unternehmen ein neues zu schaffen, das in seinen Sachmitteln allen, auch den höchsten Anforderungen der Zeit Genüge leistend, das Fundament zu bilden vermochte, auf dem er die Verwirklichung seines Programms aufbauen konnte. Mit rastlosem Eifer und aus dem unversieglichen Born seines praktischen Talents stets neue Ressourcen schöpfend, sollte es denn Auer auch gelingen, im Verlauf weniger Jahre die Staatsdruckerei auf m eine Stufe der Vervollkommnung zu bringen, die ihr den Ruf eines Etablissements ersten Ranges bis ins ferne Ausland sicherte* Er erreichte dies, wie später von berufener fachlicher Seite eingehend erörtert wird, durch fast völlige Erneuerung des Letternmaterials, durch intensive Ausnützung bisher wenig beschäftigter Abteilungen, so hauptsächlich der Schriftgie§erei und der Galvanoplastik, durch Schaffung eines typometrischen Systems und durch gründliche Umwälzung des gesamten Maschinenapparats* Mit welcher Konsequenz diese Umgestaltung betrieben wurde, bekundet der Umstand, da§ schon nach Verlauf des ersten Jahrzehnts seiner Tätigkeit Auer über 165 der verschiedensten Druckpressen verfügte, die zahlreichen Hilfsmaschinen nicht zu rechnen* Die alte Dampfmaschine, welche den gesteigerten Anforderungen nicht mehr zu entsprechen vermochte, wurde im Jahre 1848 durch eine neue von acht, nach einigen weiteren Jahren durch eine solche von sechzehn Pferdekräften ersetzt* ^S'SL urch diese Reformen hatte Auer den ersten Punkt seines Programms, die grundlegende Umwandlung der Staatsdruckerei und Ausgestaltung derselben zur ersten und größten typographischen Anstalt der Monarchie, zur Wahrheit gemacht* Mit gleichem Eifer schritt er nun an die Durchführung des zweiten Teils seiner Aufgabe, der ihm bei seiner idealistischen Veranlagung wohl als der Hauptzweck seiner Tätigkeit erschienen sein mochte, nämlich die Anstalt in den Dienst von Kunst und Wissenschaft zu stellen und aus ihr ein Kunstinstitut vornehmsten Stils zu schaffen* Seinen speziellen linguistischen Neigungen und Kenntnissen gemä§, suchte er vor allem auf dem Gebiet der Sprachwissenschaften das Arbeitsfeld der Staatsdruckerei zu erweitern, indem er Druckarbeiten in fremden, bisher daselbst nicht gepflegten Sprachen zur Herstellung übernahm* Als im Jahre 1845 im polytechnischen Institut in Wien die dritte allgemeine österreichische Gewerbeausstellung eröffnet wurde, konnte die Anstalt bereits eine reiche Auswahl der neu erworbenen typographischen Hilfsmittel dem Urteil des Vaterlands unterbreiten; besonderes Interesse erweckte, da § neben dem großen Typenreichtum auch eine stattliche Sammlung von Erzeugnissen der Galvanoplastik und Stereotypie gezeigt wurde* Die ungeahnte Entfaltung der Tätigkeit der Staatsdruckerei auf dem Gebiet des fremdsprachigen Drucks zeitigte die Einrichtung, da§ für die neueintretenden „Zöglinge“ und für jüngere freigesprochene Mitglieder der Anstalt neben dem fachtechnischen ein besonderer, namentlich auf Kenntnis der Orthographie und der Regeln abzielender Sprachunterricht organisiert wurde; hiebei wurden in erster ii 34 Linie die französische und italienische Sprache gepflegt, nächstdem die englische, lateinische und andere, zeitweise selbst orientalische Idiome» Auch in Geschichte, Geographie, Zeichnen und Kalligraphie wurden die Zöglinge unterwiesen, die nach dem Stand ihrer Kenntnisse in drei Klassen eingeteilt waren» Der Unterricht wurde in arbeitsfreien Stunden der Wochentage und an Sonntagen erteilt, und zwar soweit dies durchführbar war, von Mitgliedern der Anstalt selbst; im Jahre 1865 wurde im Gefolge der damals getroffenen anderwei- tigen Verfügung en auch die Auflösung dieser Kurse angeordnet» iiese intensive Übung des fremdsprachigen Drucks sollte die Hof- und Staatsdruckerei nicht hindern, daneben auch neue Kunstzweige zu erproben, zu pflegen und zu fördern» Namentlich fand die bis dahin wenig geübte Xylographie in der Staatsanstalt eine in kurzem geachtete Pflegestätte; die lithographische Abteilung wurde durch Einführung des Farbendrucks erweitert, verschiedene neue Reproduktionsverfahren, wie die Chemitypie, Galvanographie, Stylographie, Hyalo- graphie, Chalkographie, Siderographie, später auch die Photographie kamen dortselbst zur Anwendung» Auch durch Erfindungen, welche in der Anstalt gemacht wurden und der graphischen Kunst im allgemeinen zu gute kamen, hat sich die Staatsdruckerei bleibende Verdienste erworben» Im Jahre 1852 erfand Auer im Verein mit dem der Anstalt angehörigen Faktor Andreas Worring den Naturselbstdruck, welches Verfahren er in den von der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, deren wirkliches Mitglied er im Jahre 1847 geworden war, herausgegebenen Denkschriften näher beschrieben hat* Daneben beschäftigte er sich auf dem Gebiet der Maschinentechnik mit Verbesserungsversuchen, wie durch ihn auch die neuen Verfahren, photographische Aufnahmen durch den Druck wiederzugeben (Photogalvanographik und Phototypographie), welche der Faktor der photographischen Abteilung der Anstalt Paul Pretsch erfunden hatte, zur ersten Anwendung gebracht wurden. Endlich müssen die Versuche Auers, dem durch mehrere Jahre auch die Oberleitung der ärarischen Papierfabrik zu Schlöglmühl anvertraut war auf dem Gebiet der Herstellung des Papiers aus Maisstroh Erwähnung finden; sie geben ein Charakteristikon für die Vielseitigkeit seines Geistes, wenn sie auch zu einem nachhaltigen Erfolg nicht zu führen vermochten* Der außerordentliche Aufschwung, den die Hof- und Staatsdruckerei in diesen Zeiten genommen, fand auch im Wettbewerb mit dem Ausland ehrendste Anerkennung. Auf der im Jahre 1851 in London veranstalteten Weltausstellung begründete 12 die Hof- und Staatsdruckerei ihren Weltruf und erhielt sie hier durch einstimmiges Urteil der Jury allein unter allen ausstellenden typographischen Instituten die höchste Auszeichnung, die Council- Medal* Auch auf der Weltindustrieausstellung zu Paris im Jahre 1855 errangen die Leistungen der Hof- und Staatsdruckerei, neben typographischen Arbeiten waren hier wie in London auch Holzschnitte, Kupfer- und Stahlstiche sowie Photographien ausgestellt, das höchste Lob, indem ihnen neben jenen der kaiserlich französischen Nationaldruckerei die gro§e goldene Medaille zu teil wurde* Die Münchener Gewerbe- und Industrieausstellung des Jahres 1854, die Industrieausstellung, welche im Jahre 1855 zu Amsterdam veranstaltet wurde, sowie die im Jahre 1862 zu London er öffnete Ausstellung für Agrikultur, Kunst und Industrie, endlich die allgemeine photographische Ausstellung des Jahres 1865 zu Berlin, welche ebenfalls von der Hof- und Staatsdruckerei beschickt wurden, vermochten den Ruf der Anstalt nur zu festigen* Welchen Umfang die Tätigkeit der Staatsdruckerei angenommen hatte, kann daraus entnommen werden, da§ die Zahl der beschäftigten Arbeiter von 109 im Jahre 1841 auf 254 im Jahre 1845 und auf 859 im Jahre 1850 stieg, wie für die Arbeiten der Druckerei in diesen drei Jahren 8000 beziehungsweise 24*000 und 200*000 Ries Papier benötigt wurden; die größte Ausdehnung des Betriebs fiel aber in das Dezennium von 1851 bis 1860, in welcher Zeit der Stand der beschäftigten Arbeiter mitunter bis über tausend Köpfe anwuchs, so da§ wiederholt räumliche Erweiterungen der Anstalt durch Auf- und Zubauten vorgenommen werden mußten* Das Projekt eines Neubaues, welches im Jahre 1859 ventiliert wurde, 1t® kam nicht zur Ausführung* / 2^ / 2L^ / 3L35'SLZ5 / iL^5 / 3L r v **«uf dem praktischen Nutzgebiet äußerte sich die gesteigerte Leistungsfähigkeit des Staatsinstituts durch Befassung mit amtlichen Arbeiten in einem Umfang, wie dies vordem nicht möglich gewesen wäre* Im Jahre 1842 wurde die Lottodirektionsdruckerei aufgelöst und wurden ihre Arbeiten der _Staatsdruckerei überwiesen; hierauf wurde die Herstellung aller Staatskreditpapiere und Geldsorten, sowie der sämtlichen Postwertzeichen für den ganzen Bedarf der Monarchie in der Anstalt konzentriert* Im Jahre 1848 erhielt dieselbe die Drucklegung der Berichte über die Verhandlungen des Reichstages übertragen, zu welchem Zweck im November dieses Jahres eine eigene Druckereiabteilung in Kremsier eingerichtet wurde. Bedeutungsvoll war auch die Anordnung, da§ die Staatsdruckerei die Veröffentlichungen der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften unentgeltlich herzustellen 13 habe, sowie die Begründung des Reichsgesetzblattes, welches in zehn Sprachen zu drucken war. Brachte der Druck und Verlag der kaiserlichen „Wiener Zeitung“, welchen die Hof- und Staatsdruckerei in den Jahren 1857 bis 1859 zu besorgen hatte, zwar nur eine vorübergehende Arbeitsvermehrung, so war es andrerseits ein Zuwachs dauernden und beträchtlichen Umfangs, der ihr kurze Zeit darauf mit der Zuweisung der Drucklegung der Protokolle des Reichsrats, sowie des n.-ö. Landtags zu teil wurde. Mehrfach wurde die Staatsdruckerei zur Einrichtung eigener Druckereiabteilungen in Anspruch genommen, wie solche bei Verwaltungs- und Gerichtsbehörden, sowie bei dem Reichsrat zur rascheren Bewältigung der Druckarbeiten zumeist für lithographische Drucksachen etabliert und bis zum Jahre 1865 aufrecht erhalten wurden, wie denn ihre Wirkungssphäre überhaupt sich in dieser Periode nicht auf Wien allein beschränkte. Die von der französischen Regierung im Jahre 1805 in Mailand gegründete, sodann im Jahre 1815 von Österreich übernommene und fortgeführte Staatsdruckerei blieb zwar von der Wiener Anstalt unabhängig, dagegen war die Lemberger Ararialdruckerei, welche im Jahre 1831 ins Leben gerufen bis 1870 bestand, während des Zeitraums 1848 bis 1853 und ebenso die von Wien aus im Jahre 1850 in Temesvar errichtete Staatsdruckerei, welche im Jahre 1866 wieder aufgelöst wurde, der Oberleitung Auers unterstellt. Als im Jahre 1851 vom Ministerium des Innern die Frage der Errichtung staatlicher Druckanstalten in den Kronlandshauptstädten aufgerollt wurde, unterstü^te die Hof- und Staatsdruckerei, der dieselben untergeordnet werden sollten, dieses Vorhaben, es sollte aber wegen der ablehnenden Haltung der meisten Landesstellen nicht zur Verwirklichung gelangen. In diesem Zusammenhang sei hier auch zweier Missionsdruckereien Erwähnung getan, deren Einrichtung durch die Hof- und Staatsdruckerei ermöglicht wurde, jener in Jerusalem und in Chartum. as weitreichende Ansehen der Hof- und Staatsdruckerei war ein unbestreitbares persönliches Verdienst des Direktors Auer; die Aufgabe, die er sich beim Antritt seiner Dienstführung zum Ziele gesetzt hatte, hatte er in überraschend kurzer Zeit gelöst; jedoch sein nimmer rastender Geist konnte bei dem erzielten Erfolg nicht haltmachen, er drängte ihn zur Verwirklichung seiner idealen Bestrebungen und damit zu immer weiter ausgreifender Tätigkeit. So kam es, da§ er die Staatsdruckerei in mancher Richtung auf Bahnen lenkte, welche zwar ihren Ruf als Kunstinstitut seltener Vielseitigkeit verbreiteten, andrerseits aber doch über den Rahmen ihrer eigentlichen Zweckbestimmung und Aufgaben hinausgingen» Da§ diese vorzugsweise Betätigung auf idealen Gebieten bei einem staatlichen Unternehmen, das in erster Linie praktischen Zwecken dienen sollte, zu Bedenken namentlich ökonomischer Natur führte, war eine Folge, die sich früher oder später geltend machen mu§te« Und so ergab sich, da§, als die Lage des Staatshaushalts dringend die möglichste Einschränkung der staatlichen Verwaltungsauslagen erheischte, auch bei der Hof- und Staatsdruckerei der Hebel zur weitestgehenden Restringierung der Betriebskosten angesetzt wurde» Zunächst wurde eine Einschränkung des Wirkungskreises der Anstalt durch Herausgabe einer neuen Amtsinstruktion, welche mit dem Jahre 1865 in Kraft trat, angebahnt« Dem folgte in Bälde eine drakonische Maßregel« m 1» Oktober dieses Jahres wurde auf Grund eines Ministerratsbeschlusses verfügt, da§ die k» k» Hof- und Ararialstaatsdruckerei auf jenen Stand zu restringieren sei, den sie ursprünglich eingenommen; es sollte mit allen Arbeiten, die darüber hinausgingen, innegehalten, die Verlagshandlung aufgelöst, _ _die Aufräumung des Vorrats eingeleitet werden» Auch wurde erwogen, ob die Arbeiten der Anstalt nicht überhaupt lediglich auf die Herstellung der Kreditseffekten zu beschränken wären, was im Wesen einer Auflösung des Instituts gleichgekommen wäre» Die Einschränkung des Betriebs hatte namhafte Entlassungen von Arbeitskräften zur Folge; während die Anstalt zu Beginn des Jahres 1865 noch über nahezu 600 Bedienstete verfügte, war die Zahl der nicht stabil Angestellten um die Mitte des folgenden Jahres auf 409 gesunken* Hand in Hand mit diesen einschneidenden Veränderungen sollte sich auch in der Leitung der Anstalt ein Wechsel vollziehen» Nach mehrmonatlicher Beurlaubung, während welcher der Vizedirektor und frühere Direktionsadjunkt der Anstalt Karl Adam Kaltenbrunner die provisorische Leitung führte, trat Auer, der im Jahre 1858 zum wirklichen Hofrat ernannt und im Jahre 1860 in den Ritterstand mit dem Prädikate „von Welsbach“ erhoben worden war, am 28» März 1866 in den Ruhestand« u seinem Nachfolger wurde mit der Allerhöchsten Entschlie§ung vom 13« Oktober 1866 der Direktor der „Wiener Zeitung“, k* k* Sektionsrat Dr* Anton BECK ernannt, und dieser bald darauf auch zum Hofrat befördert* Anton Beck, geboren zu Butsch in Mähren am 6* Jänner 1812, war nach Absol- vierung der juridischen Studien im Jahre 1837 bei 15 m der k« k« Cameral-Gefallen-Verwaltung in Wien in den Staatsdienst getreten, verlief denselben jedoch bald wieder, um sich in Dienste des fürstlichen Hauses Schwarzenberg zu stellen« Im Jahre 1848 in den Reichstag gewählt, gründete er in Olmütz das politische Journal „Österreichischer Korrespondent“ und folgte bald darauf einer Berufung in die beim Justizministerium eingesetzte Redaktion des Reichsgeseßblattes, wo er auch an der Herstellung^ der juridischpolitischen Terminologie der slavischen Sprachen Österreichs teilnahm« Mit Beginn des Jahres 1860 übernahm Beck die Redaktion der „Wiener Zeitung“, für welche eine eigene Druckerei errichtet worden war, daneben leitete er durch einige Monate ein privates £3^3^ Zeitungsunternehmen, das „Wiener Tagblatt“« ollte dem Prozesse der Auflösung, welchen Beck bei Übernahme der Leitung der Hof- und Staatsdruckerei vorfand, ein Ziel gesetzt werden, mußte jNj er vor allem danach trachten, daß die in Aussicht ^ genommenen und zum großen Teil bereits durchgeführten Betriebseinschränkungen wieder fallen gelassen wurden, und fanden seine Bestrebungen die kräftigste Unterstützung in der Tatsache, daß, je mehr an den Lebensnerv der Anstalt gegriffen wurde, ihre Unentbehrlichkeit und die Notwendigkeit ihrer Existenz im staatlichen Organismus um so fühlbarer sich geltend machte« So wurde die angeordnete Auflassung des Verlags nicht zur Wirklichkeit, da der neue Direktor nachwies, daß die Staatsdruckerei, darauf angewiesen, ihre Betriebsund Verwaltungskosten aus den eigenen Einnahmen zu decken, bei Erfüllung ihrer vor allem praktischen Verwaltungszwecken dienenden Aufgabe des eigenen Verlags nicht entraten könne« War die Kunstabteilung der Staatsdruckerei aufgelassen worden, so konnte auch diese Einschränkung auf die Dauer nicht aufrecht erhalten werden, da es sich zeigte, daß diese Abteilung für die Herstellung der Staatskrediteffekten unentbehrlich war« In ähnlicher Weise trat die natürliche und seitens Becks wirksam geförderte Reaktion auf den Gebieten anderer Beschränkungen ein, welche dem Institut rücksichtlich seiner Bewerbung um Druckaufträge beziehungsweise seiner Inanspruchnahme von den Staatsbehörden auferlegt worden waren« Eine schwere Krisis ward damit für die Anstalt überwunden, sie konnte wieder besserenZeiten entgegensehen und einer neuen Entwicklung zugehen« Um die Erträgnisse des Verschleißes zu erhöhen, wurden die Einhebung einer Provision bei amtlichen Druckwerken und die Überlassung von Verlagsartikeln der Staatsdruckerei an private Firmen ä condition bewilligt« Durch ihre rührige Tätigkeit, die -imm 1 » Promptheit und Exaktheit in der Effektuierung der Aufträge wufjte die Staatsanstalt bald den Kreis der abnehmenden Behörden um beträchtliches zu erweitern und damit der Gefahr, da§ diese von der ihnen freigestellten Wahl des Lieferanten zu Ungunsten des Staatsinstituts Gebrauch machen könnten, die Spitze abzubrechen« Als im Jahre 1867 der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften die unentgeltliche Benützung der Staatsdruckerei gegen Bewilligung eines Äquivalents entzogen und die Wahl der Druckanstalt überlassen wurde, bedeutete dies einen beträchtlichen Ausfall für die Staatsdruckerei; dieser, sowie der Ausfall, welchen die staatliche Sonderstellung der Länder der ungarischen Krone immer mehr fühlbar machen muffte, wurde zunächst wettgemacht durch die Übertragung der Herstellung der Staatsnoten» Die Einführung eines neuen wesentlich niedrigeren Tarifs für die Herstellung der Druck-, lithographischen und autographischen ^Verke trug ihrerseits nicht minder dazu bei, das Arbeitsfeld der Staatsdruckerei zu erweitern» Zu den zahlreichen amtlichen Bestellungen, neben welchen auch einzelne berück- sichtigenswerte private Aufträge unter den als zulässig vorgeschriebenen Voraussetzungen übernommen wurden, kam die Herausgabe der Handausgabe der österreichischen Geseke und der kleinen Ausgabe der Militärvorschriften, sowie die Herstellung von Karten und Atlanten für Schulen» enn bei diesem Stand der Entwicklung neuerdings versucht wurde, durch Errichtung einer internen Zöglingsanstalt für die Heranbildung geeigneter Arbeitskräfte für die Staatsdruckerei zu sorgen, so zeigte sich auch hiebei das Bestreben, in erster Linie den nächstliegenden praktischen Anforderungen gerecht zu werden, indem schon bei der Auswahl der zur technischen Ausbildung aufzunehmenden jugendlichen Personen / > s der Nachweis von Kenntnissen in den österreichischen Landessprachen verlangt wurde; späterhin, im Jahre 1877, wurde diese Institution wieder aufgelassen und die Ausbildung der Anstaltszöglinge der allgemeinen Fachschule für Buchdruckerlehrlinge überlassen« 9^2 er reiche Schat; an fremden Lettern bot der Hof- und Staatsdruckerei auch weiterhin vielfach Veranlassung, wissenschaftliche Werke sowohl für das Inland als auch für das Ausland zur Drucklegung zu übernehmen; von besonderer Bedeutung für die Anstalt waren die wiederholten ehrenvollen Aufträge, mit welchen, zumal in den späteren Jahren, fremde Regierungen die Anstalt betrauten« Namentlich waren es KreditsefFekten, sowie Wertzeichen des postalischen und telegraphischen Verkehrs, daneben auch Schulbücher und andere Druckwerke, welche für Persien, Rumänien, Serbien, Bulgarien, Griechenland und Montenegro, dann für das Fürstentum Liechtenstein in der Anstalt herzustellen waren; auf Wunsch einer englischen Firma wirkte die Staatsdruckerei im Jahre 1888 bei dem Druck von Dollarnoten für südamerikanische Staaten mit« Wie zu Auers Zeiten wurden Druckereien des Auslands mit sachgemäßer Unterstützung des Wiener Instituts eingerichtet, so die katholische Missionsdruckerei der Provinz Schantung in China, eine katholische Druckerei in Seerd in Kurdistan, die Druckerei des Klosters S« Salvatore in Jerusalem, die Druckerei des Franziskanerkonvents in Mostar, 1871; daß die Staatsdruckerei ebenso die Druckerei des k« u« k« Ministeriums des Äußern und im Jahre 1878 eine Felddruckerei, sowie im folgenden Jahre die Regierungsdruckerei in Sarajevo eingerichtet hat, sei hier gleichfalls verzeichnet« dministrative Umsicht sowie kluge Anpassung der Anstaltsleitung an die gegebenen Verhältnisse und die staatlichen Bedürfnisse der Staatsdruckerei brachten eine neue Epoche des Aufschwungs und der Blüte der Anstalt« Der Arbeitsumfang nahm stetig zu, die Anforderungen an die Leistungsfähigkeit des Unternehmens stiegen mehr und mehr, so daß es der intensivsten Ausnützung der gegebenen Betriebsanlage bedurfte, um mit der eingetretenen Entwicklung gleichen Schritt zu halten« Im Gefolge dieser Neubelebung ging die Vervollkommnung der Betriebsmittel; neue, ökonomische Vorteile bietende Pressen wurden beschafft sowie der Letternvorrat ergänzt und teilweise umgeändert; schon im Jahre 1870 war der Anstalt eine zweite liegende Dampfmaschine von 36 Pferdekräften zur Verfügung gestellt 18 11 worden, neben der die alte stehende Maschine zur aushilfsweisen Verwendung beibehalten blieb; bald darauf erfuhr der Maschinenbestand durch Beistellung eines zwölfpferdigen Lokomobils eine Erweiterung, im Jahre 1886 hielt mit der Einstellung zweier für die galvanoplastische Abteilung bestimmten Schuckertschen Dynamomaschinen die elektrische Betriebskraft ihren Einzug in die Anstalt, im folgenden Jahre wurde die erste Rotationsschnellpresse aufgestellt« s fand diese Entwicklung auch in der kontinuierlichen Vermehrung der Arbeitskräfte Ausdruck; der Personalstand der Staatsdruckerei, welcher sich schon kurze Zeit nach Becks Leitungsübernahme wieder nahezu verdoppelt hatte, sollte in der Folge eine Höhe erreichen, wie sie selbst in der Glanzperiode der Fünfzigerjahre nicht zu verzeichnen war« Eine bemerkenswerte Neuerung war die seit dem Jahre 1867 in größerer Zahl geübte Verwendung weiblicher Kräfte für solche Arbeiten, die keine besondere physische Anstrengung beanspruchen« Bei diesem steten Anwachsen des Personalkörpers konnten die Räumlichkeiten des alten Druckereigebäudes mit der Zeit nicht mehr ausreichen und ergab sich die Notwendigkeit, einzelne Abteilungen der Druckerei außerhalb des Franziskanergebäudes unterzubringen« Im Jahre 1873, als die Druckarbeiten für die Wiener Weltausstellung die Tätigkeit der Staatsdruckerei in hohem Grade in Anspruch nahmen, wurde für diesen speziellen Zweck eine Filialdruckerei auf der Wieden, Obere Alleegasse, etabliert und um dieselbe Zeit eine weitere Filiale im Klostergebäude der Serviten in der Roßau eingerichtet, woselbst ein Dampfmotor mit 16 Schnellpressen zur Aufstellung gelangte; diese Abteilung wurde später in die Räume des alten akademischen Gymnasiums, Bäckerstraße, verlegt« Schon früher aber waren die Schriftgießerei und die für die Herstellung der Postwertzeichen bestimmte Abteilung in das Dominikanerklostergebäude übertragen worden, wie auch einige andere Abteilungen außerhalb der Zentrale in mehreren Gebäuden mietweise untergebracht worden waren« o hatte sich die Hof- und Staatsdruckerei durch vornehmliche Verfolgung ihrer praktischen Nutzzwecke materielle Selbständigkeit zu erringen vermocht« Dies gab ihr die berechtigte Grundlage zu regerer Betätigung auch im Dienste der Kunst« Besonders gefördert wurde das Institut in seinem Streben nach erhöhter Pflege der graphischen Kunstzweige durch die im Jahre 1885 erfolgte Berufung zur Druckherstellung des Prachtwerks „Die österreichisch-ungarische m i 11 Monarchie in Wort und Bild“« Diese ehrende Aufgabe erheischte die Errichtung eines eigenen xylographischen Ateliers, an dessen Spitze der Professor an der Kunstgewerbeschule des k« k« Österreichischen Museums für Kunst und Industrie, Wilhelm Hecht, gestellt wurde« Das Kupferstichatelier wurde in seinen Personalkräften reorganisiert, sowie eine Abteilung für Lichtdruckerei kreiert und der k« k« Professor an der Akademie der bildenden Künste, Johannes Sonnenleiter gewonnen, der Direktion in diesen Fächern mit seinem künstlerischen Rat zur Seite zu stehen« Die figurale £&&&£& Galvanoplastik wurde gänzlich eingestellt« ÜSHuch im öffentlichen Wettbewerb sollte sich die Staatsdruckerei, wie sie es unter Auers Leitung getan, um die Anerkennung ihrer Leistungen nicht ohne Erfolg bemühen, dies selbst schon zu jener Zeit, wo sie noch um den Fortbestand ihrer eigenen Existenz ringen muffte« Auf der im Jahre 1867 zu Paris veranstalteten allgemeinen Kunst-, Industrieewerbeausstellung gaben die von der Staatsdruckerei vorgelegten Gegenstände, unter welchen namentlich die chromolithographischen Arbeiten hervorragten, kund, da§ die Anstalt sich in ihren Produkten mit den Instituten des In- und Auslands immer noch messen könne; erhöhte Bedeutung mu§te aber diese Ausstellung für die Staatsdruckerei gerade aus dem Grund erlangen, weil Direktor Beck daselbst wertvolle Neuerungen, namentlich auf dem Gebiet des Maschinenwesens, kennen zu lernen Gelegenheit hatte, die er alsbald in der Anstalt der Verwertung zuführen konnte« Nicht lange darauf, 1869, wurde die Kunst- und Industrieausstellung in Genf mit Erzeugnissen des Naturselbstdruck-Verfahrens beschickt« Von erheblicherem Belang für die Hof- und Staatsdruckerei war die Wiener Weltausstellung des Jahres 1873, auf welcher die Anstalt eine reiche Sammlung älterer und neuerer künstlerischer Arbeiten zur Schau stellte, unter denen namentlich die auf dem Gebiet der Photozinkographie, der Photolithographie, der selbsterfundenen Planotypie und des neu verbesserten Blindendrucks vorgewiesenen Produkte besonderen Beifall fanden« Auch auf zahlreichen anderen, größeren und kleineren österreichischen Ausstellungen waren Arbeiten der Staatsdruckerei zu sehen, so insbesondere eine reiche Sammlung von Stahlstichabdrucken, sowie Erzeugnissen der Stylographie und der Platogravüre auf der internationalen Ausstellung der graphischen Künste, welche im Jahre 1883 in Wien stattfand« Als im Jahre 1882 das vierhundertjährige Jubiläum der Einführung der Kunst Gutenbergs in Wien festlich begangen wurde und Wiens Buchdrucker- 2 0 geschichte eine ebenso eingehende als würdige Darstellung fand, stellte die Staatsdruckerei für dieses Werk mehrere Erzeugnisse zur Verfügung, darunter eine Probe des nur in dieser Anstalt gepflegten Naturselbstdruc ks und einen photolithographischen Farbendruck* ie stetige Arbeitszunahme und die damit Schritt haltende Personalvermehrung bedingten die Durchführung einer festeren inneren Organisation mit strenger Gliederung der zahlreichen Arbeitsabteilungen, wobei die für die Erzeugung der Wert- effekten bestimmten Ateliers von den übrigen in _ähnlicher Weise getrennt wurden, wie dies in der ersten Periode der Anstalt der Fall war* Ebenso stellte sich die Notwendigkeit heraus, den Verschleiß vollständig vom Verlag der Anstalt zu sondern« Daß bei einem zu einem Korps von über 1200 Köpfen angewachsenen Personalstand auch in sozialer Richtung neue Grundsätze verfolgt wurden, welche den modernen Tendenzen nach möglichster Verbesserung der Lage der Arbeiterschaft Rechnung tragen sollten, lag in der naturgemäßen Entwicklung der Dinge* Das nächstliegende Gebiet, auf welchem sich humanitäre Bestrebungen geltend machten, war die Fürsorge für erkrankte Bedienstete* Schon in den Vierzigerjahren hatte sich angesichts des Umstands, daß die Anstalt erkrankten Bediensteten den Arbeitslohn nur durch eine bestimmte Frist von einigen Wochen auszuzahlen in der Lage war, spezielle Krankenunterstützungen aber nur ausnahmsweise von Fall zu Fall vorkamen, im eigenen Personalverband des Instituts eine Krankenkasse gebildet, deren Fonds aus wöchentlichen Beiträgen der Mitglieder aufgebracht wurde und aus welchem Krankenunterstützungen in bestimmter Höhe für die Maximaldauer von 26 Wochen geleistet wurden* Als der Leiter der Staatsdruckerei im Jahre 1865 auf Wunsch des Verwaltungsausschusses dieses Vereins die Oberaufsicht über dessen Geldgebarung übernahm und den obligatorischen Beitritt aller zeitlich Bediensteten zu demselben einführte, betrug der Kassenfonds ungeachtet des nahezu zwanzigjährigen Bestands nur etwas über 800 fl* Die bei diesem Anlaß von der Direktion angeregte Gründung eines Aushilfsfonds mit staatlichen Beiträgen nach dem Muster der seit 1824 bei der Pariser Nationaldruckerei bestehenden analogen Einrichtung kam zwar nicht zu stände, doch sollte vom Jahre 1869 angefangen die staatliche Unterstützung in der Weise Platz greifen, daß einerseits der Hauskrankenkasse unmittelbar wöchentliche, später jährliche staatliche Zuschüsse zugewendet, andererseits den erkrankten Bediensteten die volle freie Wartung und die Verpflegung im Spital des Konvents der 2 1 ■i 1 Barmherzigen Brüder zu Wien, durch das Zugeständnis unentgeltlicher Herstellung seines Druckarbeitenbedarfs, gesichert wurden* Trotz dieser Beihilfe konnte aber die Kasse den Anforderungen nicht nachkommen, und so erfolgte im Jahre 1875 ihre Auflösung wegen der Unzulänglichkeit ihrer Mittel* Zugleich wurde die Aufnahme sämtlicher zeitlich Bediensteten der Anstalt in den „Allgemeinen Krankenverein zu den heiligen Schutzengeln in Wien 44 durchgeführt, der Krankenunterstützungen in bestimmten Ausmaßen bis zur Dauer eines Jahres gewährte* jie Vereinbarung mit diesem Verein wurde gelöst, als auf Grund des Gesetzes vom 30* März 1888, R* G. B1* Nr* 33, die Krankenkasse der k* k* Hof- und Staatsdruckerei und mit ihr jene Institution, welche auch jetzt noch besteht, ins Leben trat* Die Beitragsleistung ist in den Statuten derselben derart festgestellt, da§ die Mitglieder zwei Drittel, das Ärar ein Drittel des Aufwands zu tragen haben; für die Lehrlinge zahlt das Ärar den vollen Beitrag, während Bedienstete mit über 1200 fl* Jahresverdienst denselben zur Gänze selbst zu entrichten haben* Die Mitglieder der Krankenkasse haben Anspruch auf Krankenunterstützungen in der Höhe von 60 Prozent des zuletzt bezogenen wirklichen Tagesverdienstes, wobei für diesen die Maximalgrenze von 2 fl* 70 kr* gilt, sowie auf unentgeltliche ärztliche Behandlung und Beistellung der Heilmittel, dies alles bisher durch einen Zeitraum von in maximo 20 Wochen; im Ablebensfall wird ein Beerdigungskosten- beitrag in dem A usmaß des zwanzigfachen Tagesverdienstes geleistet* ^gy»"« »*jS^ l \leichzeitig mit der Aktivierung dieser Bestimmun- gen wurden sämtliche Betriebsbeamte und Arbeiter 1/aW der Hof- und Staatsdruckerei nach Vorschrift des IZjfl Fu Gesetzes vom 28* Dezember 1887, R* G* Bl* Nr. 1 LJYI ex 1888, bei der Arbeiter-Unfallversicherungsanstalt I für Niederösterreich versichert; die hiefür entfallen- ^3 den Beiträge wurden, wie dies auch derzeit noch geschieht, unter Verzichtleistung auf das dem Unternehmer zustehende Recht des Lohnabzugs in der Höhe von 10 Prozent des Beitrags, seitens der Staatsdruckerei zur Gänze auf ihren Etat übernommen* Neben der Kranken- und Unfallsversicherung des Anstaltspersonals war es seine Versorgung für den Invaliditätsfall, welcher die Leitung der Hof- und Staatsdruckerei besonderes Augenmerk zuwendete Zunächst übernahm es die Anstalt im Jahre 1867, als der Verein der Buchdrucker und Schriftgie§er in Wien eine Kranken- und Invalidenkasse gegründet hatte, aus der die Mitglieder dauernde Unterstützung tjc. fS erhielten, die nach den Satzungen auf die Unternehmer entfallende Beitragsleistung für ihre, diesem Verein beigetretenen Angehörigen aus den Betriebsmitteln zu bestreiten« Vom Jahre 1874 an wurden die Beiträge an den Unterstützungsverein derselben Branche für Niederösterreich entrichtet und dieselben später, als im Jahre 1877 der noch bestehende Pensionsunterstützungsverein von den Mitgliedern der Hof- und Staatsdruckerei in Gemeinschaft mit jenen der „Wiener Zeitung“ ins Leben gerufen war, dieser Korporation zugewendet; die letztgenannte Vereinigung, welcher jeder Anstaltsbedienstete mit Ausnahme der Lehrlinge und weiblichen Hilfsarbeiter nach erreichtem 18« und vor zurückgelegtem 40« Lebensjahr beizutreten vermag, bietet ihren Mitgliedern und deren hinterlassenen Frauen und Kindern nach zehnjähriger Karrenzzeit Pensionsunterstützungen, wobei die Festsetzung der Höhe der Mitgliedsbeiträge und Pensionsunterstützungen der Beschlußfassung der jährlich abzuhaltenden Generalversammlung zusteht* Welche Richtung in der Folge das Bestreben der Staatsdruckereiverwaltung nahm, den Bediensteten eine entsprechende Versorgung zu sichern, soll an späterer Stelle Gegenstand der Dar- Stellung sein* ier sei noch einer Wohlfahrtseinrichtung gedacht, welche sich für das Anstaltspersonal segensreich U Lü [ jSj erwies, der im Jahre 1873 aufgestellten Anstaltsküche« Dieselbe wurde auf ärarische Kosten eingerichtet und sollte es den Arbeitern ermöglichen, um billiges Geld ein warmes Mittagessen zu erhalten« Von einem aus Anstaltsbediensteten zusammengesetzten Ausschuß verwaltet, erfreut sich diese Hausküche bis jetzt des besten Zuspruchs, Beweis dessen, daß im Laufe der Zeit aus den Gebarungsüberschüssen nach Bestreitung der Eigenregiekosten namhafte Beträge der Anstaltskrankenkasse, sowie dem Pensionsunterstützungsverein zugewendet werden konnten« Gemeinnützigen Zwecken dienen ferner zwei Institutionen, welche sich im Schoße des Personalkörpers der Staatsdruckerei selbst gebildet hatten, das Spar- und Vorschußkonsortium und der Fachtechnische Klub« Die erstgenannte, als handelsgerichtlich registrierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung im Jahre 1890 gebildete Vereinigung bietet ihren Mitgliedern durch Übernahme von Anteil- und Spareinlagen die Gelegenheit zur fruchtbringenden Anlage von Ersparnissen und wendet ihnen im Falle eintretender Notlage durch Benützung des Konsortialvermögens Vorschüsse unter möglichst billigen Bedingungen zu« Die zweite, im Jahre 1886 begründete und vom Finanzministerium subventionierte Korporation hat die Aufgabe, den technischen Beamten und Funktionären mittelst einer Fach- und belletristischen Bibliothek, sowie durch Veranstaltung von Vorträgen, Kursen und Exkursionen die theoretische Fortbildung ihrer Kenntnisse zu erleichtern und daneben die Geselligkeit und Kollegialität zu heben« eben ihrem humanitären Werte trugen alle diese, das Arbeiterwohl fördernden Einrichtungen wesentlich dazu bei, das Band zwischen Anstalt und Personal enger zu knüpfen und das Dienstverhältnis zwischen beiden zu einem gewissermaßen patriarchalischen zu gestalten« Und dies war von unverkennbarer Wichtigkeit bei einem Betrieb, der in kontinuierlichem Wachstum begriffen, stets neue Kräfte aus dem offenen Arbeitsmarkt an sich heranziehen mußte« Die Zahl von 1200 Köpfen war bald überschritten, denn die stetig zunehmende Intensivität der staatlichen Verwaltungstätigkeit, welcher die Ausgestaltung des Administrativapparats in gleichem Maße folgen sollte, verfehlte nicht, durch sprunghaft steigende Ansprüche auch auf die Hof- und Staatsdruckerei ihren Einfluß geltend zu machen« Insbesondere führten die Entfaltung des postalischen Verkehrs mit den Hand in Hand gehenden Neueinrichtungen, wie vor allem jener des Postsparkassenamts, sowie die Entwicklung des staatlichen Eisenbahnwesens im Verein mit dem erheblichen Arbeitszuwachs auf künstlerischem Gebiet dazu, daß sich die Anstalt vor der Erkenntnis sah, ohne gründliche Reform des gesamten Betriebsorganismus ihrer Aufgabe nicht mehr gewachsen zu sein« n erster Linie waren es die räumlichen Verhältnisse, die energisch Abhilfe heischten; der Anstaltsbetrieb war an nicht weniger als sechs verschiedenen, räumlich mehr oder minder entfernten Punkten verteilt und mußten an Mietzins jährlich über 20«000 fl« entrichtet werden« Resultierte hieraus eine empfindliche Erschwernis und bedeutende Verteuerung der ganzen Betriebsführung, so traten immer mehr schwere Übelstände zu Tage, welche in der baulichen Anlage der Hauptbetriebsstätte in der Singerstraße selbst und speziell in der gefährlichen Situierung der Dampfkessel gelegen waren, zu "denen sich die bedenkliche Überlastung der Arbeitsräume, ihre Überfüllung und hygienische Unzulänglichkeit gesellten« Da endlich diese räumlichen Kalamitäten einer den Fortschritten der modernen Technik voll entsprechenden Ausgestaltung der inneren Betriebseinrichtungen hemmend im Weg standen, mußte die ungenügende Unterkunft bei der rastlosen Weiterentwicklung der graphischen Industrie ernste Gefahren n afce für das Ansehen und den Ruf der Hof- und Staatsdruckerei in sich bergen* So drängten die unhaltbar gewordenen Verhältnisse zu jener Lösung, welche schon im Jahre 1859, allerdings noch nicht aus so zwingenden Gründen angestrebt worden war und welche allein die Gewähr voller Sanierung bieten konnte, nämlich zur Etablierung einer neuen, sowohl dem Betriebsstand der Anstalt wie auch den sanitären und technischen Anforderungen der Neuzeit gerecht && werdenden Betriebsstätte in einem eigenen Anstaltsgebäude« ler Erkenntnis dieser Notwendigkeit sollte bald die Erfüllung folgen« Es wurde mit den Vorverhandlungen begonnen und im Zuge derselben als Bau- plat$ die Area des ehemaligen militärischen Fourage- depots im dritten Wiener Gemeindebezirke, Rennweg Nr« 16, im Ausmaße von 5211 Quadratmetern __bestimmt« Die Pläne des Neubaues wurden mit Benützung eines von der Dikasterialgebäudedirektion hergestellten Entwurfs von dem Departement für Hochbau im Ministerium des Innern, das Projekt der maschinellen Einrichtung von dem Professor des Maschinenbaues an der technischen Hochschule in Wien, Regierungsrat Johann Radinger, angefertigt und dieses ganze Operat nach eingehender Prüfung durch Fachautoritäten und die Vertreter der Finanzverwaltung der Ausführung des Baues zu Grunde gelegt« BUCHBINDEREI 2 5 Die Baukosten waren mit 1,400*000 fl*, jene ftir die maschinelle Einrichtung mit 200*000 fl* veranschlagt, so dafj sich unter Hinzurechnung der an die Heeresverwaltung zu leistenden Baugrundentschädigung per 125*000 fl*, ein Gesamtkostenaufwand von 1,725*000 fl* ergab* Im Jahre 1888 waren die Vorarbeiten so weit gediehen, da§ den Vertretungskörpern der den Neubau betreffende Gesetzentwurf unterbreitet werden konnte* Derselbe wurde in den Sitzungen des Abgeordnetenhauses vom 4* und 6* Dezember, sowie jener des Herrenhauses vom 15* Dezember 1888 ohne Debatte angenommen und erhielt am 21* Dezember desselben Jahres die Allerhöchste Sanktion* Damit war ein bedeutsamer Schritt für die weitere Entwicklung der Hof- und Staatsdruckerei vollzogen* it den Bauarbeiten wurde im Jahre 1889 begonnen* Die Organisation des Neubaues war in der Weise eingerichtet, da§ dem in der Person des Finanzministers vertretenen Ärar als Bauherrn zur Beratung ein Baukomitee an die Seite gestellt war, welches sich unter dem Vorsitj des Sektionschefs Benjamin Freiherrn Possaner von Ehrenthal aus Vertretern des Finanzministeriums, dem Direktor der Hof- und Staatsdruckerei, dem Vorstand des erwähnten Hochbaudepartements Ministerialrat Karl Köchlin als Bauleiter, dem vorgenannten Professor Regierungsrat Johann Radinger als Bauführer für die maschinelle Einrichtung, und zwei weiteren technischen Experten zusammenset^te; die Baukontrolle war dem Vorstand der Dikasterialgebäudedirektion überwiesen* Der Bau wurde im Spätherbste 1890 unter Dach gebracht und mit Ende Oktober des folgenden Jahres in seiner inneren Einrichtung fertiggestellt, so da§ am 26* November 1891 von der Bau- behörde der Benüt^ungskonsens erteilt werden konnte* hne Verzug wurden die Ubersiedlungsarbeiten in Angriff genommen, und konnten schon am Tage nach der Erteilung des Konsenses 20 Buchdruckschnellpressen und eine Rotationsmaschine nebst dem notwendigen Hilfsapparat in Betrieb gesetzt, sowie eine 42 Mann starke Setjerabteilung eingerichtet werden* Der Umzug, welcher sich insofern schwierig gestaltete, als der Betrieb während dieser Zeit keinerlei Störung erfahren durfte, war im Verlauf von fünf Monaten bewerkstelligt, so da§ mit Ende April 1892 der letjte Mann im neuen Haus untergebracht war* Als mehrere Wochen später, am 24* Juni 1892, der Anstalt die Auszeichnung des Allerhöchsten Besuchs Seiner Majestät des Kaisers zu teil wurde, konnte sie den Betrieb in voller, tadelloser 2 6 Funktion präsentieren und aus Allerhöchstem Munde die huldvollste Anerkennung ihrer Einrichtungen finden, ein Ehrentag, welcher im Gedenkbuch des Instituts durch die Allerhöchste Namensfertigung ä^&t&£&dem dauernden Gedächtnis überliefert ward.’JMMJÄ^iS chon ihrem äußeren Eindruck nach gewährt die neue Arbeitsstätte einen sehr freundlichen Aspekt. Die Hauptfront an der breiten Verkehrsader des Renn- wegs gelegen und im Osten von dem gegenüberliegenden Häuserblock der Magazingasse gedeckt, grüßt vom Westen und Süden her das unbegrenzte Licht- und Luftmeer des nachbarlichen botanischen Gartens mit seinen anrainenden großen Parkanlagen. Von der Kellersohle mit seinen sieben Etagen zu imposanter Höhe emporragend, bekundet der Bau, daß es dem technischen Geschicke gelungen ist, auch die nüchterne Stätte des Großbetriebs dem architektonischen Rahmen der großstädtischen Umgebung harmonisch anzupassen. Was das Außere verspricht, hält nicht minder die innere Anlage und Ausstattung. Der Hauptsache nach aus Stein und Eisen gebaut, bietet das Haus an 300 geräumige Lokalitäten mit guter Belichtung, darunter 24 große Doppellichtsäle; Personen- und Lastenaufzüge, Zentraldampfheizung und Ventilationsanlage, elektrisches Licht neben Gasbeleuchtung, ein ausgedehntes Telephonnetj mit zahlreichen Stationen bezeugen, daß alle Errungenschaften der modernen Technik in umfassenderWeise nu^bar gemacht sind. Das größte Interesse mußte aber dem Fachmann die maschinelle Anlage zur Erzeugung der benötigten motorischen Energie und des elektrischen Lichts, sowie zur Kraftübertragung erwecken, eine Anlage, welche an Exaktheit ihrer Ausführung und, wie die Erfahrung lehrte, Sicherheit der Funktion wohl ihresgleichen suchen durfte; im glasüberdeckten Südhof waren die beiden Haupt-Dampfmaschinen, liegende Compound-Receiver-Maschinen, von welchen die eine eine Normalleistung von 105, die andere eine solche von 211 Pferdekräften sicherte, sowie die große Zentralwelle, von der die Transmissionsstränge in die einzelnen Geschoße liefen, auf einem vom Gebäude vollständig isolierten Stampfbetonfundament symmetrisch eingebaut; zur Reserve war noch die alte, aus der früheren Arbeitsstätte übertragene Dampfmaschine mit 36 Pferdekräften im Keller installiert. Durch sinnreiche Vorkehrungen wurde für den Fall des Versagens der einen oder der anderen Maschine beziehungsweise der Betriebsuntauglichkeit der Zentralwelle die Gefahr einer längeren Betriebsstörung unmöglich gemacht. Die allgemeine Einteilung des Gebäudes, welche auch heute noch in Kraft ist, war in der Weise 9E getroffen, daß der Haupttrakt am Rennweg die Lokalitäten für den administrativen Dienst, die Kunstabteilungen und die Wohnungen aufnahm, während der den Gärten zugewendete, mit dem besten Tageslicht versehene Westtrakt für die mit der Wertzeichenerzeugung betrauten, der Süd- und Osttrakt für alle übrigen Betriebsabteilungen bestimmt waren* Das Souterrain diente zur Unterbringung der ausgedehnten Magazine und Depots für die gewaltigen Bestände an Verlagsartikeln, Lettern, Papierformen und stehenden Sätzen etc*, dann der mechanischen Werkstätten, der Hausküche, sowie verschiedener Dienerwohnungen; aus Rücksichten der intensivsten Raumausnützung wurden zwei kleinere Höfe, mit Glaseindeckung versehen, als Papierdepots verwertet und später im Dachbodenraum die ursprünglich im Keller mit einem Beleuchtungsapparat von 12*000 Kerzenstärken untergebrachten Ateliers für pho- tographische Zwecke installiert* hygienischer Richtung ist insbesondere durch die Anlage von Bädern vorgesorgt, welche im Kellergeschoß in getrennten Räumen für Männer und für Frauen eingerichtet sind und aus je acht warmen und zwei kalten Duschen bestehen; die Bäder sind dem Personal zur freien Benützung eingeräumt, wobei die Bedienung und Wäsche von der Anstalt kostenfrei beigestellt wird* Auch ist ein ärztliches Ordinationszimmer installiert, woselbst die für Unfälle oder plötzliche Erkrankungen notwendigen Utensilien, Arzneien, Labemittel, ferner Verbandzeug u* dgl* zur Verfügung stehen; vier Bedienstete der Anstalt versehen freiwillig, unter Gelöbnis, den Sanitätsdienst, zu welchem Ende sie von dem ordinierenden Arzt der Anstaltskrankenkasse entsprechend unterwiesen werden. Für den Fall des Vorkommens einer infektiösen oder epidemischen Erkrankung ist ein Epidemiezimmer nach den Anordnungen der Sanitätsbehörde eingerichtet* / 2>& / 2>!S / 3L ^ar mit der Errichtung des neuen Anstaltsheims die drückende Raumfrage einer glücklichen Lösung zugeführt, so war nunmehr auch die Möglichkeit gegeben, das zweite, dem dringenden Bedürfnisse Sjj entsprungene Postulat nach entsprechender Ergänzung der Betriebsmittel zu befriedigen. Mit den seitens des Finanzministeriums zu diesem Zweck zur Verfügung gestellten Geldmitteln im runden Gesamtbetrag von 309*000 fl. wurden im Jahre 1891 und 1892 eine größere Anzahl von Maschinen erstklassiger Qualität angeschafft und damit die Hof- und Staatsdruckerei wieder auf den ihrem Betriebsumfang entsprechenden 2 8 Sachmittelstand gebracht* Dank dieser durchgreifenden Investitionen konnte sich die Anstalt aber auch in der Folgezeit bis auf den heutigen Tag damit begnügen, weitere Ergänzungen ihres Maschinenapparats nur in dem Maße vorzunehmen, als sie durch natürliche Abnützung der vorhandenen Objekte oder durch technische Vervollkommnungen und Erfindungen gefordert wurden« ief einschneidende Reformen sollte die mit dem Wechsel der Betriebsstätte inaugurierte neue Ara der inneren Organisation der k«k* Hof- und Staatsdruckerei und insbesondere der Stellung ihres Arbeitskörpers bringen* Die Erkenntnis, daß die Hof- und Staatsdruckerei vermöge ihres wichtigen _Berufes, die Erfüllung der Regierungszwecke unter allen Umständen durch ihre prompte Mitwirkung sicherzustellen, auf einen Arbeitskörper angewiesen sei, welcher an dem Dienstverband mit der Anstalt mit hingebender Treue und dem Aufgebot der ganzen Kraft festhalte, drängte zur Ergreifung von Maßregeln, welche, das Gefühl der Zugehörigkeit mit dem materiellen Einzelinteresse in Einklang bringend, einen kräftigen Schild zur Abwehr £3/2^ moderner zersetzender Einflüsse gewähren konnten« as eine dieser Mittel, durch welches sich ein langgehegter und wiederholt zur Diskussion gestellter, aus finanziellen Gründen aber bisher unberücksich- tigt gebliebener Wunsch des zwischenzeitig in den Ritterstand erhobenen Direktors Beckerfüllen sollte, war die Vermehrung des im ganzen nur 13 Stellen _einschließlich jener der Oberbeamten umfassenden, mithin zu dem vorhandenen Arbeitskörper von mehr als 1400 Köpfen im augenfälligen Mißverhältnis stehenden Standes an definitiven Beamtenposten um 18, das ist auf 31 Stellen« Das zweite, in seinem Effekte wohl ungleich wirkungsvollere Mittel erschien in der Zu- gestehung von Versorgungsansprüchen an die zeitlich Bediensteten des Instituts gelegen« Staatliche Versorgungsgenüsse kamen bisher bei eingetretener Arbeitsunfähigkeit in relativ geringem Ausmaß nur in jenen seltenen Fällen vor, wo die besonders berücksichtigungswürdige Lage der Betroffenen die Erwirkung einer Gnadengabe zulässig erscheinen ließ« Im übrigen konnten, wie voran erwähnt, die zeitlich Bediensteten eine Versorgung für den Invaliditätsfall nur insofern finden, als sie privaten Zweckvereinen als Mitglieder angehörten« Die Hof- und Staatsdruckerei trug hier allerdings auch ihr Scherflein bei, und zwar in ziemlich erheblichem Ausmaß; die Versorgung hing aber doch nur von dem arbiträren Ermessen des s 2 9 Einzelnen, sowie seiner Energie und Leistungsfähigkeit zur regelmäßigen Entrichtung des Mitgliedsbeitrags ab, dessen nicht zu gedenken, daß einerseits die Belastung des Einkommens für die Mehrzahl eine empfindlich fühlbare war, andrerseits aber die erzielte Versorgung bei der an sich geringen Höhe der erreichbaren Maximalst® unter Stützung selbst nur einen problematischen Wert hatte« in Geschenk der größten Bedeutung war es daher, als mit der Allerhöchsten Ermächtigung vom 26* April 1892 dem zeitlich bediensteten Personal der Hof- und Staatsdruckerei das Recht der staatlichen Versorgung zuerkannt wurde« Hienach sollte den zeitlich Bediensteten mit Ablauf einer ununterbrochenen und tadellosen Dienstzeit von zehn Jahren und nach vollendetem fünfunddreißigsten Lebensjahre bei eintretender Dienstuntauglichkeit oder ohne Verschulden erfolgter Dienstenthebung der Anspruch auf Ruhegebühren, und zwar auf Pensionen oder Provisionen erwachsen; das Personal war zu diesem Zweck nach Maßgabe seiner fachlichen Ausbildung in fünf Gruppen eingereiht, deren vier erste die Pensionsberechtigung enthielten, während die fünfte Gruppe den Provisionsanspruch gewährte« Die Dienstzeit wird von jenem Tag an gerechnet, an welchem das Gelöbnis der Treue und strengsten Wahrung der Amtsverschwiegenheit unter Handschlag geleistet wird« Der Bemessung der Pensionen für Mitglieder der vier oberen Gruppen sollten zwei Drittel des lebten Jahresverdienstes bis zur Maximalhöhe von 800, 700, 600 und 500 fl« in den einzelnen Gruppen zu Grunde gelegt werden, und richtete sich weiter das Ausmaß der Ruhegebühr nach der zurückgelegten Dienstzeit mit den für die stabilen Beamten geltenden Abstufungen und nach den sonstigen diesbezüglichen allgemeinen Normen« Die Provisionsberechtigten der fünften Gruppe hatten eine tägliche Provision nach den bezüglich des Ausmaßes der Provisionen im allgemeinen bestehenden Vorschriften zu erhalten« Die Witwen und Waisen endlich waren nach den Grundsätzen der allgemeinen Pensions- beziehungsweise Provisionsnormen zu behandeln« Diese Grundsätze hatten auch für die zeitlich Bediensteten weiblichen Geschlechts und ihre zurückgelassenen ehelichen Waisen unter entsprechenden Voraussetzungen Anwendung zu finden« Schließlich wurde auch festgelegt, daß in besonders rücksichtswürdigen Fällen selbst vor dem Eintritt der Pensions- oder Provisions-Berechtigung Abfertigungen in bestimmten Ausmaßen gewährt werden könnten« Mit diesen Begünstigungen wurde das Personal der bangen Sorge um seine Zukunft enthoben und in seiner materiellen Stellung, zumal 3 0 es von jeder Beitragsleistung zur künftigen Ruhegebühr entbunden war, auf ein Niveau gestellt, welches das seiner Berufsgenossen im Privatdienst weit überragt* Es mag für den Direktor der Anstalt, Hofirat Dr* Ritter von Beck, welcher im November desselben Jahres nach mehr als sechsundzwanzigjähriger Leitung des Instituts in den wohlverdienten Ruhestand trat, wohl eine Quelle der Befriedigung gewesen sein, daß er auch die Wünsche seiner väterlichen Fürsorge für sein Personal, dank der kaiserlichen Gnade, zur reifen Frucht gediehen sehen konnte» ofrat von Beck ließ die von ihm regenerierte Anstalt als ein Etablissement zurück, das schon in seinen Betriebseinrichtungen eine Sehenswürdigkeit, über k- 31 ein Korps ausgezeichnet geschulter und wohl dis- g ziplinierter Arbeiter verfügte, für seine amtlichen Verpflichtungen eine hohe Leistungsfähigkeit auf- _^ wies und trotz der Ungunst der anfänglichen Verhältnisse auch auf manchen der Kunst zugeneigten Gebieten die achtungsvolle Anerkennung über die Grenzen der Heimat hinaus sich gewahrt hatte« Seinem Nachfolger war die Bahn vorgezeichnet, die er schreiten mußte, um auf der geschaffenen Grundlage weiter zu bauen» Direktor Hofrat Ottomar VOLKMER, mit der Allerhöchsten Entschließung vom 19» November 1892 an die Spitze der Anstalt gestellt, war, am 7» Mai 1839 zu Linz geboren, aus der Artillerieakademie aml» September 1861 als Unterleutnant zweiter Klasse zum Feldartillerieregiment Nr» 2 ausgemustert worden und hatte bei dieser Waffe bis zum Jahre 1881 gedient, in welchem er am 17« April als Major zum Vorstand der technischen Gruppe des k« k» Militärgeographischen Instituts bestellt wurde» Dem Verband der k» k» Hof- und Staatsdruckerei gehörte Volkmer seit 29» Mai 1885 an, zu welcher Zeit er, kurz vorher zum Oberstleutnant des Korpsartillerieregiments Nr* 8 befördert, zum Vizedirektor der Anstalt mit dem Titel und Charakter eines Regierungsrats ernannt wurde« In dieser Eigenschaft hatte er reiche Gelegenheit gehabt, sich mit den bewährten Administrationsprinzipien seines Vorgängers vertraut zu machen, wodurch es ihm ermöglicht war, die Anstalt in demselben Kurse weiter zu lenken, ein Bestreben, in welchem er seitens des Beamten- und Arbeitspersonals volle Unterstützung fand» Hauptsächlich zwei Richtungen waren es, denen sich die Fürsorge der obersten Administrative nach Vervollkommnung des Bestehenden zuwendete und welche dieser Zeit charakteristisches Gepräge liehen, die eine dahingehend, das organische Gefüge der Hof- und Staatsdruckerei durch prägnante Umschreibung ihrer Betätigungsformen mit bindenden fit 3 1 3H Vorschriften in seinem innern Verband zu festigen und zu stärken, die andere dahin abzielend, das initiierte Programm der Förderung der sozialen Wohlfahrt des Anstaltspersonals nach Kräften weiter auszugestalten» In ersterer Hinsicht drängten die wesentlich geänderten Betriebsverhältnisse der Staatsanstalt zu einem Ersatz für die ihrer Zeit nicht mehr entsprechenden Instruktionen aus dem Jahre 1864, nämlich des Amtsunterrichts, der Verrechnungs Vorschrift und der Instruktion für den mit der Lokalkontrolle be- _trauten Beamten, sowie der gleichfalls veralteten Vorschriften für den Verlag und Verschleiß Der Betrieb hatte seither nicht bloß an Umfang zugenommen, er war überhaupt infolge der Fortschritte der Graphik wie nicht minder jener der Technik ein anderer geworden; die dienstliche Organisation hatte einschneidende Umwandlungen erfahren und auch die Gebarung mußte nach dem Verkauf der ärarischen Papierfabrik Schlöglmühl, nach der Errichtung einer eigenen Rechnungsexpositur des Finanzministeriums in der Anstalt zur Besorgung der Rechnungs- und Kontrollsgeschäfte, nach der Einführung der Merkantilverrechnung neben der kamera- listischen, endlich nach der Trennung der früher kumulativ verwalteten Zweige des Verlags und Verschleißes ein wesentlich verändertes Bild aufweisen» Nach langen Studien und Vorarbeiten, die bereits im Jahre 1892 begannen und an denen späterhin auch der Oberste Rechnungshof werktätig teilnahm, wurden der neue Amtsunterricht, die Durchführungsvorschrift zu demselben, sowie die Instruktion für die Rechnungsexpositur im Finanzministerium fertiggestellt, und konnten dieselben an Stelle der vorerwähnten Instruktion mit 1» Jänner 1897 in Wirksamkeit gesetzt werden» 3 J55r^25F‘TTMen geänderten Verhältnissen durch entsprechende Normierung sich anpassend, charakterisierten sich diese neuen Vorschriften besonders durch das streng durchgeführte Prinzip, den Kreis ihrer Aufgaben nicht allein rücksichtlich der obersten Beamten der Anstalt, sondern bis zu den Abteilungsleitern herab durch Feststellung der ihnen obliegenden Rechte und Pflichten genau zu umschreiben und dadurch das Gefühl der Verantwortlichkeit in alle Teile des komplizierten Anstaltskörpers zu tragen; eine weitere wichtige Neuerung bedeutete sodann die vollständige Trennung der Administration von der eigentlichen Verrechnung, womit auch die Neuregelung des Kontrolldienstes Hand in Hand ging» Bezüglich der Einteilung des gesamten Dienstes brachte 3 2 GALVAN O PLASTIK der neue Amtsunterricht eine Einrichtung, welche ihrem Wesen nach auch heute noch in gleicherweise besteht, das ist die Gliederung der Anstalt in sechs Geschäftsgruppen* In der ersten Gruppe wurde der gesamte administrative Dienst vereinigt; sie umfaßt daher die Direktion mit ihren verschiedenen Kanzleien, die Anstaltsbibliothek nebst dem Museum, die sämtlichen Kassa- und Verrechnungsgeschäfte, die Inventarführung, sowie Papier- und Materialverwaltung, das chemisch-physikalische Laboratorium* Die beiden Kunstabteilungen, Xylographie und Kupferstich, welche keiner der bestehenden Gruppen eingegliedert wurden, blieben der Direktion unmittelbar unterstellt* Auf die folgenden vier Gruppen wurde der gesamte technische Betrieb verteilt, und zwar bilden zunächst die Gruppe II die sogenannten kreditlichen Abteilungen, in deren Ateliers, baulich von den übrigen technischen Geschäftsgruppen getrennt, die Fabrikation der Wert- und Kreditpapiere sowie der Wertzeichen vor sich geht; dieselbe enthält die Kupferdruckerei, Typendruckerei (Handpressen, Schnellpressen und Rotationsmaschinen für variable Formate), Postwertzeichenerzeugung, Revision undStempelmarken-Untersuchung, Stereotypie, Galvanoplastik und Setzerei nebst sonstigen Hilfsabteilungen* Die nächste Gruppe III umfaßt die Lithographie und Steindruckerei, die Ateliers für Photographie, Lichtdruck, Photolithographie, Heliogravüre und Zinkätzung, die Kunstkupferdruckerei, Buchbinderei, Schriftgießerei, Stereotypie und weitere zwei Rotationsmaschinen einschließlich der dazu gehörigen Hilfsabteilungen* In der Gruppe IV, von welcher in der Folge die Gruppe IVa zur Konzentrierung des gesamten typographischen Druckapparats abgetrennt wurde, war die Typographie mit ihren zahlreichen Setzerabteilungen ff und diversen Depots zusammengefaßt, während die Gruppe V den gesamten maschinellen Betrieb einschließlich der Dampfheizung und Ventilation, der elektrischen Lichterzeugung und der Hilfswerkstätten in sich vereinigt. In der Gruppe VI endlich wurden das Verlagsmagazin und die ganzen Verschleißgeschäfte (Bücherund Drucksortenverschleiß einschließlich Expedit) konzentriert. Außerhalb dieser Gruppeneinteilung und vollkommen unabhängig von der Anstaltsleitung fungiert die Rechnungsexpositur, welche eine Abteilung des Finanzministerial-Rechnungsdepartements 5, nach Richtschnur der ihr eigens gegebenen Instruktion die Rech- nungs- und Kontrollsgeschäfte über die gesamte Geschäftsgebarung zu besorgen hat. Ä ÄlT^ie Aktivierung des neuen Amtsunterrichts zog die Notwendigkeit nach sich, jene internen Vorschriften, welche die Direktion der Hof- und Staatsdruckerei im eigenen Wirkungskreis einerseits für die Faktore, w MJ Ä Abteilungsleiter, Faktorsubstituten und Korrek- toren, andrerseits für die einzelnen Arbeiterkate- ^ ~ gorien erlassen hatte, einer eingehenden Revision zu unterziehen, um dieselben mit den geänderten lokalen und den Betriebsverhältnissen gleichfalls wieder in Einklang zu bringen. Das Ergebnis dieser Revision war die Neuherausgabe der „Direktiven für die Gruppenvorstände, Oberfaktore, Faktore u. s. w.“ sowie der „Speziellen Bestimmungen“ für die Arbeiterschaft im Jahre 1899, dann die Verfassung einer neuen, die Ausführung der Reservatarbeiten behandelnden Instruktion, durch welche der faktischen Übung gewisser Einrichtungen und Vorkehrungen die erwünschte normative Basis gegeben wurde. Daß ferner auch die Arbeitsordnung, soweit sie in einzelnen ihrer Bestimmungen durch die Verhältnisse überholt erschien, der entsprechenden Korrektur zugeführt wurde, ergab sich als weitere Konsequenz. fljy y^^ jj^^jjagen alle diese Neukodifizierungen im Interesse der Ordnung des Dienstes in der Staatsanstalt, so war fr- andrerseits von nicht geringerer Bedeutung für rCY* die persönliche Stellung des Arbeitspersonals die Erlassung eigener Disziplinär-Vorschriften. Das Be- * u dürfnis nach Aufstellung diesbezüglicher Normen war mit jenem Moment gegeben, wo das zeitlich bedienstete Personal durch die Zuerkennung des staatlichen Versorgungsanspruchs in den Genuß einer neuen wichtigen Begünstigung getreten war, es mithin geboten schien, die Ausübung des Rechtes der Kündigung sowie Entlassung mit Kautelen zu umgeben, welche 3 4 RF geeignet waren, den im konkreten Falle beobachteten Vorgang jederzeit zu rechtfertigen und gegen Verdächtigungen zu schützen* Die in dieser Erkenntnis der Anstaltsleitung schon im Jahre 1892 vorgezeichneten Verhaltungsmaßregeln wurden drei Jahre später der Kodifizierung zugeführt, wobei davon ausgegangen wurde, unter Berücksichtigung der gegebenen besonderen Verhältnisse die in den allgemeinen, für die Staatsdienerschaft geltenden Disziplinarnormen enthaltenen Grundsätze sinngemäß zur Anwendung zu bringen* Die dergestalt zu stände gekommenen „Disziplinarvorschriften“ konnten nicht verfehlen, bei dem Arbeitskörper des Instituts das Standes- St® und Pflichtbewußtsein in eindringlicher Weise zu heben* ben solchen moralischen Effekt und dies in noch erhöhtem Maße mußte die reiche Förderung hervorbringen, welche den Bediensteten der Hof- und Staatsdruckerei zur Verbesserung ihrer sozialen Wohlfahrt in demselben Dezennium zu teil wurde und welche, wie bereits erwähnt, das zweite hervorstechende Merkzeichen für die Verwaltungsprinzipien dieser Zeitperiode bildete* Zunächst war es die Ausgestaltung des Beamtenstatus durch Vermehrung der vorhandenen 31 Stellen im Jahre 1896 um mehr als das Doppelte auf 64 und nach einem weiteren Biennium wieder um 16 auf 80 Beamtenposten, eine Statuserweiterung, welche es ermöglichte, den in verantwortungsreicher Dienstesstellung stehenden Funktionären den Beamtencharakter mit seinen Benefizien zu gewähren, wie sie andrerseits geeignet war, die strebsamen Elemente zur vollsten Hingabe an den Dienst und Einsetzung ihres ganzen Könnens anzuspornen* Io war es des ferneren die wesentliche Verbesserung der staatlichen Versorgungsgenüsse für jene Bediensteten der Anstalt, welche nach den Allerhöchst genehmigten Grundsätzen vom Jahre 1892 in die Provisionsgruppe V eingereiht waren und demgemäß einen Ruhegenuß im Höchstausmaß von nur 27 Kreuzern täglich oder 98 fl* 55 kr* pro Jahr zu erlangen vermochten; auf Grund der Allerhöchsten Ermächtigung vom 24* Februar 1897 wurde nämlich diese Provisionsgruppe aufgehoben und durch zwei weitere Pensionsgruppen, V und VI, ersetzt, deren Bemessungsgrundlagen mit der Maximalhöhe von 350 beziehungsweise 250 fl* festgestellt wurden* Durch diese Reform wurde 572 aktiven Bediensteten, denn so stark war das von der alten Provisionsgruppe gestellte Kontingent, überdies aber vermöge der rückwirkenden Anwendung, welche dieser Maßnahme eingeräumt m 5 wurde t auch den sämtlichen bereits im Provisionsstand Befindlichen ein unverhofftes Geschenk zu teil, dessen materielle Bedeutung darin Telegen war, da§ für 70 Prozent der Beteiligten der erreichbare Ruhegenu§ auf den mehr als dreieinhalbfachen und für die restlichen 30 Prozent auf den mehr als zweieinhalbfachen Betrag gegen früher erhöht wurde. line nicht minder wertvolle Neuerung bedeutete für Pc jWSM die Arbeiterschaft die Einführung des neuen Normallohntarifs im Jahre 1896; dieser brachte den umfangreichen Kategorien der Buchdrucker, Schriftsetzer und Schriftgie^er eine durchschnittlich beiläufig zehnprozentige Erhöhung der Arbeitslöhne und die gleichzeitige Verkürzung der Arbeitszeit um eine halbe Stunde, so da§ dieselbe nunmehr neun Stunden beträgt; erwähnenswert ist, da§ diese halbe Stunde dem Institut rund 35.000 fl. kostete. Eine weitere Verbesserung der Lohnverhältnisse ergab sich im Jahre 1898 durch die Erhöhung des Mindestwochenlohns für Hausdiener und Hilfsarbeiter von 9 beziehungsweise 7 fl. auf 10 fl., dann durch die Erhöhung der Uberstundenvergütung für jene Arbeiter, welche bisher eine Entschädigung von zwei Prozent von jedem Gulden des Wochenlohns erhalten hatten, auf 2 V 2 Prozent mit der Maximalgrenze von 45 kr. pro Stunde, endlich durch die weitere Erhöhung der Normallohnsätze für Buchdrucker, Schriftsetzer und Schriftgie§er in dem neuen Lohntarif vom Jahre 1900. eredte Kunde von der Fürsorge für das Wohl der Arbeiterschaft geben Maßnahmen, wie die im Jahre 1897 bewilligte Übernahme der vollen Krankenkassenbeiträge für jene noch im Zustand der Rekonvaleszenz befindlichen und deshalb beurlaubten Bediensteten, welche kein Krankengeld mehr, aber _auch keinen Lohn beziehen, durch die Hof- und Staatsdruckerei und die Gewährung von Hebammengeldern an die weiblichen zeitlich bediensteten Mitglieder der Krankenkasse, gleichgültig ob verheirateten oder ledigen Stands, mit der Bestimmung, da§ die Anstalt für die eventuellen, sich hienachbei der Krankenkasse ergebenden Gebarungsabgänge aufzukommen habe. Den gleichen Geist humaner Rücksicht bezeugen die im Folgejahre 1898 zugestandenen Begünstigungen, wonach den zu den Waffenübungen oder Manövern einberufenen Bediensteten, gleichwie jenen, die infolge von Infektionskrankheiten in ihren Familien dem Dienst fernbleiben müssen, der volle Lohnbezug für zwei Wochen unter gleichzeitiger Erhöhung der Lohnbemessungsgrundlage bewilligt worden war (0 Im selben Jahre gelangte noch eine weitere Einrichtung zur Einführung» welche für die Arbeiterschaft von Bedeutung war, nämlich die Verstärkung der bis dahin aus der Direktion» dem technischen Inspektor» dann dem Maschineningenieur und den Oberfaktoren zusammengesetzten Disziplinarkommission durch zwei dem Stande der zeitlich Bediensteten angehörende Funktionäre; hiedurch war der Arbeiterschaft die Gelegenheit geboten» durch ihre zu diesem Amt berufenen Vertreter nicht allein ihr Votum einzulegen» sondern auch sich die Überzeugung von der gerechten und milden Beurteilung der vorkommenden Straffalle zu verschaffen* o konnte das Personal der Hof- und Staatsdruckerei mit dem Ausgang dieses Dezenniums auf eine reiche Fülle von Benefizien zurückblicken» die ihm im Laufe desselben zur Verbesserung seiner materiellen und sozialen Wohlfahrt zu teil geworden waren* Da§ hiedurch die Arbeitsfreudigkeit im gesamten Anstaltsverband gehoben und jeder Einzelne zur Einsetzung seines besten Könnens angeeifert wurde» zeigten die Leistungen der Anstalt» welche auch in dieser Periode die volle Anerkennung der graphischen Fachwelt fanden* Hervorgehoben sei hier insbesondere die der Staatsdruckerei im Jahre 1894 seitens der Photographischen Gesellschaft in Wien zu teil gewordene Auszeichnung der einhelligen Verleihung der goldenen Gesellschaftsmedaille für die vollendete Durchführung des von dem k* k* österreichischen Handelsmuseum herausgegebenen großen Prachtwerks »»OrientalischeTeppiche 44 » einer mit Beihilfe der Photographie hergestellten Sammlung von farbigen Drucken nach orientalischen Teppichen» wie im weiteren das patriotische Interesse in der Herstellung des dem xylographischen Atelier reiche Arbeit bietenden Porträtalbumwerks »»Österreichs Herrscher aus dem Hause Habsburg 44 formvollendeten Ausdruck finden sollte* nd auch vor dem Auslande sollte die Anstalt ihr Prestige in ehrenvoller Weise wahren» so gelegentlich der internationalen Ausstellung für Buchgewerbe und Papierindustrie in Paris 1894» dann der vom königlichen Kunstgewerbemuseum in Berlin 1895 veranstalteten Ausstellung graphischer Erzeugnisse» sowie der wenige Monate nachher zu Salzburg abgehaltenen internationalen photographischen Ausstellung alpinen Charakters* Als im gleichen Jahre die Staatsdruckerei sich an der von der kaiserlich russischen technischen Gesellschaft veranstalteten »»Ersten allrussischen graphischen Ausstellung 44 in St. Petersburg beteiligte» erhielt sie für die Ausführung der exponierten Kupferstiche» ri^T7^r?T« ■ ■ , Heliographien, chromolithographischen sowie der typographischen Arbeiten ein ehrenvolles Anerkennungsdiplom samt Bronzemedaille* Ebenso errang sie sich im folgenden Jahre bei der internationalen Ausstellung für Amateurphotographie in Berlin die Ehrenmedaille; bei der im Jahre 1900 in Paris stattgehabten Weltausstellung, auf , welcher eine reichhaltige Kollektion von Produkten der Anstalt zur Schau gestellt war, wurde ihr von der internationalen Jury die 1 höchste Auszeichnung, der grand prix, zuerkannt. uch in diesem Zeitraum flössen der Staatsdruckerei Bestellungen ausländischer Regierungen zu, welche i den Kreditabteilungen erwünschte Beschäftigung gaben; nicht unberührt soll bleiben, daß auch des 1 öfteren Delegierte fremder Staaten die Anstalt be- suchten, um ihre Organisation und Einrichtung zu studieren, so im Jahre 1898 auch aus dem japa- i nischen Inselreich, wie wiederholt ein Austausch von Arbeitskräften zum Studium der gegenseitigen Betriebe, speziell mit der deutschen 1 Reichsdruckerei, stattfand» , as anbrechende neue Jahrhundert brachte der Hof- und Staatsdruckerei mit dem am 20* Jänner 1901 ■ erfolgten plötzlichen Ableben ihres Direktors, der kurz vordem in den erblichen österreichischen Adelsstand erhoben worden war, einen unerwarteten Wechsel in der Oberleitung» Mit der Allerhöchsten Entschließung vom 7. März 1901 wurde, nachdem in der Zwischenzeit gemäß den Bestimmungen des Amtsunterrichts die Geschäfte des Direktors von dem Vizedirektor Georg Fritz sub- stitutorisch geführt worden, der Vorstand der Direktion der Staatsschuld, Hofrat Ernst GANGLBAUER, an die Spitze des Instituts berufen» Ganglbauer, geboren am 22» Oktober 1859 zu Wien, war nach Absolvierung der juridisch-politischen Studien am 13. März 1882 als Konzeptspraktikant bei der Direktion der Staatsschuld in den Staatsdienst getreten und hatte, am 3. Dezember 1885 zur Dienstleistung in das Finanzministerium berufen, sich daselbst, vom Ministerial- konzipisten in den einzelnen Rangsklassen bis zum Sektionsrat vorrückend, in seinen verschiedenen Verwendungen so bewährt, daß ihm anläßlich seines Ausscheidens aus dem dortigen Verband bei seiner am 29» Mai 1899 erfolgten Ernennung zum Hofrat und Vorstand der Direktion der Staatsschuld für seine bisherige ausgezeichnete Dienstleistung die Allerhöchste Anerkennung zu teil geworden war. Hofrat Ganglbauer stand der Hof- und Staatsdruckerei keineswegs fremd gegenüber, da er seit dem Jahre 1895 die Leitung und 3 Kontrolle des Aufsichtsdienstes in den Kreditabteilungen der Anstalt führte, eine Funktion, deren Ausübung ihm vermöge des notwendigen harmonischen Zusammenwirkens mit dem übrigen Getriebe des Anstaltsmechanismus die volle Vertrautheit mit den Einrichtungen und Betriebsverhältnissen des Instituts gesichert hatte» leichzeitig mit der Ernennung des neuen Direktors und mit derselben Allerhöchsten Entschließung wurde, in Genehmhaltung des diesfalligen weiteren alleruntertänigsten Antrages des k« k« Finanzministers Dr« Eugen Ritter Böhm von Bawerk, eine für den Werdegang des Instituts auf dem Kunstgebiet bedeutungsvolle Institution ins Leben gerufen, der Sachverständigenbeirat der Hof- und Staatsdruckerei« Zusammengesetzt [aus hervorragenden Vertretern der Kunst und Fachtechnik, sechs an der Zahl, fallt ihm die Aufgabe zu, der Hof- und Staatsdruckerei in Erfüllung ihrer Aufgabe, den technischen Fortschritt im Interesse der gesamten graphischen Künste Österreichs zu fördern und als Musteranstalt vorbildlich zu wirken, als beratendes Organ zur Seite zu stehen« Im besonderen soll er seine Tätigkeit äußern durch Anregung künstlerischer Druckwerke und anderer, im Rahmen der organischen Aufgaben der Staatsanstalt liegenden graphischen Arbeiten, sei es neuer Werke, sei es der Reproduktion von das allgemeine Kunstinteresse berührenden Schöpfungen, dann durch Überwachung der kunstgerechten Ausführung derselben, ferner durch Beurteilung der Anwendbarkeit von Kunstprinzipien auf dem Nutj- gebiet, endlich durch Begutachtung zwecks sachlich würdiger Repräsentation des Instituts im internationalen Wettbewerb« Wie wertvoll und nutzbringend sich die Unterstü^ung dieses neugeschaffenen Beirats für die Hof- und Staatsdruckerei in ihrer künstlerischen Betätigung erwies, bezeugen jetzt schon nach dem erst kurzjährigen Bestand dieser Institution die artistischen Leistungen der Anstalt, deren Bedeutung an anderer Stelle eingehend gewürdigt werden soll« Hier sei nur hervorgehoben, daß das in seiner zweiten Serie fertiggestellte Wandtafelwerk für Volks- und Bürgerschulen, dann die Reproduktionen von Gemälden der Modernen Galerie in Wien, sowie die Fortschritte auf dem Gebiet der Autotypie vielfache Anerkennung nicht allein der Fachwelt, sondern auch weiterer Kreise gefunden haben; dies fand auch seinen Ausdruck gelegentlich der Beteiligung der Staatsdruckerei im Jahre 1903 an der internationalen Ausstellung für Photographie und graphische Künste zu Mainz, dann der Kinderweltausstellung in St« Petersburg, sowie der vom Österreichischen Museum für Kunst und Industrie veranstalteten Weihnachtsausstellung in Wien, endlich der daselbst jüngst abgehaltenen Ausstellung der Wiener photographischen Gesellschaft* IPirektor Hofrat Ganglbauer, getreu seinen Ante- zedentien des geschulten Administrativbeamten, der PVy v0den gewünschten Effekt mit tunlichster Schonung Kd Wdj der wirtschaftlichen Kräfte erzielen will, richtete sein um xßSF Äfft I Bestreben darauf, den Betrieb des ihm anvertrau- ten Instituts möglichst ökonomisch zu gestalten* Dienten hiezu einesteils Vereinfachungen in der Betriebsführung und Änderungen in der Arbeitseinteilung, welche die möglichste Fernhaltung teurer Überstundenarbeit bezweckten, so erwies sich anderenteils nicht minder erfolgreich das Bemühen, die Anschaffungskosten für Material durch tunlichste Beschränkung des Handeinkaufs und intensivste Anwendung des Konkurrenzwegs billiger zu gestalten* Daß hiebei wie bei der Ergänzung des Maschinen- und sonstigen Sachmittelstands an die heimische Produktion und Industrie appelliert wurde, die Ausnahmsfalle nicht gerechnet, wo beispielsweise ein Spezialfabrikat, weil im Inland nicht produziert, aus dem Ausland bezogen werden muß, soll die Anstalt in ihren Einrichtungen mit den technischen Vervollkommnungen Schritt halten, war das Festhalten an einem vorlängst geübten Grundsatz* Eine weitere, im gleichen Interesse der ökonomischeren Betriebsführung inszenierte Reform bedeutete die im Sommer des laufenden Jahres ins Werk gese^te und nunmehr vollständig durchgeführte Umgestaltung des bisherigen, die benötigte motorische Kraft und elektrische Lichtmenge selbsterzeugenden Dampfbetriebs auf jenen des elektromotorischen Antriebs und des Bezugs der elektrischen Energie für Kraft- und Beleuchtungszwecke aus dem städtischen Elektrizitätswerk der Gemeinde Wien* Die wirtschaftliche Tragweite dieser Neueinrichtung scheint in dem gelegen, daß bei der Eigenart des Druckereigroßbetriebs, dessen Kraftbedarf sich nur in bestimmten, durch relativ lange Pausen getrennten Zeiträumen geltend macht, nunmehr Arbeitskraft und Kraftbedarf einander genau angepaßt, müßige und dabei kostspielige Arbeitskraft aber, wie sie bei Aufrechthaltung eines regulären Dampfmaschinenbetriebs unvermeidlich, gänzlich eliminiert werden konnte« In organisatorischer Beziehung erfuhr die Hof- und Staatsdruckerei im Jahre 1901 einen wichtigen Zuwachs durch die Eingliederung des auf Grund der Allerhöchsten Entschließung vom 30* April dieses Jahres in die diesseitige Finanzverwaltung übernommenen Staatsnotenateliers* Mit der Ein- Stellung der Staatsnotenerzeugung war wohl die eigentliche Zweckbestimmung dieses Ateliers weggefallen; trotzdem aber mußte der Fortbestand desselben , welcher bis zur gänzlichen Abolition der Staatsnoten an und für sich nicht vermeidbar war, als sehr erwünscht erscheinen und wurde daher die Erhaltung dieser wertvollen Institution in Form ihrer Inkorporation in die Hof- und Staatsdruckerei gesichert. Im organischen Verband derselben eine eigene Abteilung bildend, soll sie, einesteils noch mit den Agenden der gemeinsamen schwebenden Schuld in Staatsnoten bis zu deren Abwicklung beschäftigt, im übrigen ihre Personalkräfte und Sachmittel ausschließlich in den Dienst der k. k. Hof- und Staatsdruckerei stellen; die Reorganisierung des Ateliers bildete die nächste Aufgabe, die teil- weise auch bereits der Lösung entgegen geführt wurde. 'ÄvS'Ä eben diesen, die interne Sphäre der Hof- und Staatsdruckerei berührenden Angelegenheiten sollte im Jahre 1903 eine hochbedeutsame Frage zur Austragung gelangen, welche die Anstalt auf ihrem Lebensgang gleichsam wie ihr Schatten begleitet hatte, nämlich die Frage ihrer Stellung zur Privat- _druckindustrie. Die organische Zweckbestimmung der Hof- und Staatsdruckerei, den Bedarf der Staatsverwaltung an Druckarbeiten zu befriedigen, hatte in ihrer Verwirklichung seit jeher den Antagonismus der in ihren Interessen sich hiedurch geschädigt vermeinenden Privatdruckindustrie gefunden; deren Bestreben war daher auf die möglichste Beschränkung dieses Arbeitsgebiets der Staatsanstalt und ihrer Bewegungsfreiheit gerichtet. Das allgemeine staatliche Interesse hatte zu der Errichtung der Hof- und Staatsdruckerei geführt, indem man zu der Überzeugung gelangt war, daß der Staat eines solchen Hilfsamts, welches ihm jederzeit in Verfolgung seiner Ziele zur Verfügung stünde, nicht entraten könne; das allgemeine staatliche Interesse war es auch, eine Anstalt zu besitzen, welche die Kredit- undWerteffekten des Staates zu erzeugen im stände war, und nur im Einklang mit der Mission des Staates stand es endlich, wenn diese Anstalt auch dazu berufen wurde, die Kunst zu pflegen und auf diesem Gebiet der Privatindustrie vorbildlich voranzugehen. Die Summe dieser Aufgaben erforderte aber die Etablierung eines Betriebs, dessen entsprechende Instandhaltung mit beträchtlichen Kosten verbunden wäre. Eine solche konstante Inanspruchnahme der finanziellen Mittel des Staates war aber zu vermeiden, wenn die Hof- und Staatsdruckerei auch auf dem reinen Nutzgebiet eine entsprechende Tätigkeit entfaltete, welche es ihr ermöglichte sich aus eigenen Kräften zu erhalten. Wie wenig intensiv dieses Gebot der Selbsterhaltung tatsächlich zur Wirkung kam, beweist, daß in den letzten Jahren kaum mehr ein Drittel des gesamten staatlichen He ff Bedarfs an Druckarbeiten in den Werksälen der Hof- und Staatsdruckerei zur Herstellung gelangte# Trotzdem machte sich infolge mißverständlicher Auffassung und Verkennung der beruflichen Aufgaben der Hof- und Staatsdruckerei immer wieder auf Seite der Privatindustrie ein Residuum von Mißtrauen gegen angebliche Konkurrenz der Staatsanstalt geltend, welches es dem Finanzministerium erwünscht erscheinen ließ, ein einträchtiges Nebeneinanderleben beider Interessenten zu ermöglichen und zu sichern# Die zu diesem Zweck im Sommer 1903 vom Finanzministerium veranstaltete Konferenz erfüllte die Hoffnungen, indem es gelang, im Wege freien Meinungsaustausches ein Einverständnis zu erzielen, welches in seinen Grundzügen die Abgrenzung des gegenseitigen Tätigkeitsgebiets festlegte. Der Hauptgewinn dieses Einverständnisses mußte aber in dem moralischen Erfolg erblickt werden, daß die Privatindustrie von nun an in der Hof- und Staatsdruckerei nicht mehr £3/£den feindlichen Konkurrenten anzusehen bestimmt ward#fivSiS lickt man nun zurück auf den Werdegang der Hof- und Staatsdruckerei, so sieht man aus den bescheidensten Anfängen ein Institut sich entwickeln, das, nach beschwerlichem Kampf um seine Existenz zu glanzvollen Erfolgen vorschreitend und nach den Verführungen allzu reicher idealistischer Betätigung _auf seine eigentliche Arbeitsbahn zurückkehrend, in konstantem Fortschritt zu voller Blüte emporgewachsen ist# So darf die k# k# Hof- und Staatsdruckerei der Gegenwart mit ihrem Korps fachlich geschulter Kräfte, mit ihrer Betriebsstätte, die den weitgehenden Ansprüchen der modernen Technik und Hygiene entspricht, wie mit ihrem gewaltigen Druckapparat, dann mit ihrem auserlesenen Letternscha^ und ihrem sonstigen bedeutenden Sachmittelstand, endlich mit ihrer Leistungsfähigkeit und Vielseitigkeit ihrer Betätigung, als ein Etablissement bezeichnet werden, das an der Spitze der heimischen Druckindustrie schreitet, sich aber auch würdig den großen staatlichen Instituten des Auslands an die Seite zu stellen vermag« jie Fülle der kaiserlichen Gnade, durch welche der Arbeitskörper der Anstalt eben jetzt erst wieder aus dem Anlaß der hundertjährigen Bestandsfeier reichste Förderung seines sozialen Wohls erfahrt, indem der Stand an definitiven Beamtenstellen unter entsprechenderDotierung der einzelnenRangs- _klassen von 80 auf 103 Posten erhöht, die Maximaldauer der bisher nur für zwanzig Wochen gewährten Krankenunterstützung auf ein volles Jahr ausgedehnt, die Institution der d 4 2 Vertrauensmänner eingeführt, sowie das Versorgungswesen speziell durch Festsetzung der Grundlage für die Pensionsbemessung mit den für die betreffende Gruppe geltenden Höchstbeträgen, ohne da§ wie bisher der Jahres verdienst in Rücksicht zu ziehen ist, durch Vereinigung der beiden lebten Pensionsgruppen zu einer einzigen mit dem erhöhten einheitlichen Maximalsa^ von achthundert Kronen, durch Bemessung der Mindestpension mit vierzig Prozent des betreffenden Gruppenhöchstbetrags und Anrechnung jedes weiteren Dienstjahres, durch Eliminierung des Lebensjahrerfordernisses und durch Verbesserung der Reliktengenüsse in munifizenter Weise ausgestaltet wird, möge dem Personal stets ein Ansporn zu treuer Pflichterfüllung sein und das Band zwischen dem Institut und seinen Dienern zum innigsten machen« So in Erfüllung ihrer Zweckbestimmung vom Geiste wohlwollender Fürsorge getragen, möge die jubilierende Anstalt in ihrem neu beginnenden Lebensabschnitte weiter blühen und gedeihen, zum Nu^en des Staates, zum Wbhle von Kunst und Wissenschaft, zu Fromm und Ehren dem Vaterland! ■' r m KAISER JOSEPHPRESSE DIE BETÄTIGUNG DER HOF: UND STAATS = DRUCKEREI AUF DEM GEBIET DES BUCH: DRUCKS VON PROF. A. W. UNGER . 0 p I ROTATIONS=j MASCHINEN L, ■i F-Ü-R-E-I-N=| v *|UND*ZWEI= . .F-A-R-B-E-N =\\ .|D-R-U-C-KJ. ei einer Beurteilung der graphischtechnischen Leistungen der Staatsdruckerei ist es nur natürlich, wenn dem Buchdruck der breiteste Raum zugewiesen wird» Nicht allein seine kulturelle Bedeutung, welche den Charakter der von uns „Neuzeit“ genannten geschichtlichen Epoche weitaus mehr zu beeinflussen bestimmt war, als es die Entdeckung Amerikas vermochte, ist hiefür maßgebend, sondern auch der Umstand, daß der __Buchdruck als die Mutterkunst aller übrigen graphischen Fächer anzusehen ist, und endlich die Tatsache, daß ihm vor allem andern der größte Anteil an der Beschaffung der für die verschiedensten Bedürfnisse auf allen Gebieten des staatlichen, gesellschaftlichen und geschäftlichen Lebens notwendigen Druckwerke zukommt. Die außerordentlichen Verdienste, welche sich unser Staatsinstitut vornehmlich in der Sphäre des Buchdrucks erworben hat, sind von weit über die heimischen Grenzen ragender Bedeutung. Die Anstalt beschränkte sich nicht allein darauf, dem 4 s schon knapp nach ihrer endgültigen Übernahme in Ärarialregie in der Amtsinstruktion vom Jahre 1817 ausgesprochenen Aufträge, „sich durch musterhaften Satz und Druck, schöne Lettern, reine Farbe und gleiche Papiere auszuzeichnen“, gerecht zu werden, sondern, wie Faulmann in seiner Geschichte der Buchdruckerkunst hervorhebt, „trat sie bald mit gewaltiger Kraft über alle Grenzlinien hinaus, brach sich die Bahn ihres Geschäftskreises und nahm so die Stellung ein, die ihr als eine der ersten graphischen Kunstanstalten in und außer Europa gebührte“* Sie ergriff auch häufig die Initiative auf Gebieten, welche die Privatindustrie als zu riskante oder uneinträgliche weniger beachtete, reformatorisch und grundlegend vorzugehen und dadurch beispielgebend und befruchtend auf bis dahin unfruchtbaren Feldern zu wirken* Dieses mit nur wenigen Unterbrechungen stets geübte Bestreben zeitigte eine wesentlich gesteigerte Konkurrenzfähigkeit auch der nacheifernden Privatbuchdruckereien gegenüber dem Ausland, was sich im Laufe der Zeit bis heute in dem Einströmen von Aufträgen, zum Beispiel aus dem Orient, die früher einen anderen Weg genommen hatten, fühlbar machte* erner wirkte die Staatsdruckerei im eminenten Interesse aller Fachangehörigen durch die großherzige Freigabe von in der Anstalt gemachten Erfindungen und Verbesserungen auf graphischem Gebiet, durch die Klarstellung der praktischen Eignung von außerhalb derselben auftauchenden Neuerungen, durch die Begünstigung, welche sie Erfindern gewährte, indem sie diesen ihre Ateliers und Werkstätten zu Versuchszwecken überließ, endlich dadurch, daß aus den Reihen ihrer Mitarbeiter Männer hervorgingen, deren Namen auf immer mit der Geschichte des Buchdrucks innig verknüpft bleiben* Mit einer selten anzutreffenden Bereitwilligkeit öffnet das Staatsinstitut jedem Wißbegierigen seine Tore. Namentlich seit seinem Aufenthalt im neuen Gebäude, in jeder Hinsicht eine Sehenswürdigkeit, ist es das Objekt eifrigen Studiums und vorbildlich für ähnliche Unternehmungen im Reiche und im Ausland* Aus einer Privatanstalt hervorgegangen, die sich schon weit über das Durchschnittsmaß emporgehoben hatte, gelang es der Staatsanstalt zu einer Zeit, da die Leistungen der bürgerlichen Offizinen noch in einem eingeengten Kreis sich bewegten, Österreich den unbestrittenen Ruhm einer führenden Rolle auf allen graphischen Gebieten und unter allen Kulturstaaten zu verschaffen. Die offiziellen Berichte der zahlreichen von der Hof- und Staatsdruckerei beschickten Ausstellungen führen bei der Besprechung ihrer Expositionen eine geradezu begeisterte Sprache, welchem 4 8 fff ungewöhnlichen Lob sich das hervorragender fachlicher Kapazitäten anschloß« Kein geringerer als Paul Dupont, der den Ruhm, die Buchdruckerkunst zur höchsten Vollendung gebracht zu haben, für Frankreich und Italien in Anspruch nahm, sollte sich selbst widersprechen, wenn er in seiner „Histoire de rimprimerie“ 1854 offen erklärte, daß die Erzeugnisse der Wiener Staatsdruckerei, welche mit so viel Erfolg die neuen Erfindungen auf die Buchdruckerkunst anwendet, besonders ausgezeichnete seien und auf der Londoner Ausstellung 1851 allgemeine Bewunderung erregt hätten, und daß die Anstalt die ihr unter sämtlichen typographischen Instituten allein verliehene höchste Auszeichnung, die Council Medal, verdient habe« Ähnliche Würdigung fand die Hof- und Staatsdruckerei in vielen Geschichtswerken der Buchdruckerkunst, namentlich in jenen von Mayer und Faulmann« Die vielen Ausstellungen, welche die Anstalt während des vergangenen Jahrhunderts beschickte, bis zur Weltausstellung 1900 in Paris, wo das Institut gleichfalls den höchsten Preis davontrug, sind bereits angeführt worden; es sei aber noch erwähnt, „daß, als unter Auer die Staatsdruckerei zum erstenmal auf einer Weltausstellung erschien und durch die Pracht und die Mannigfaltigkeit ihrer Leistungen blendete, man unwillkürlich zu der Vermutung hinneigte, daß die österreichische Regierung riesige Mittel aufgewendet habe, um diesen Triumph zu erringen« Das Gegenteil war aber der Fall: die Kosten der Erweiterungen mußten aus den Einnahmen der Anstalt bestritten werden«“ Die gleichfalls im vorangehenden Teil angegebenen wiederholten Zuweisungen von Druckaufträgen seitens vieler fremder Regierungen, ferner die häufig durch die Staatsdruckerei durchgeführte Einrichtung von typographischen Offizinen im Ausland sind charakteristisch für den Weltruf, den das Staatsinstitut als Buchdruckerei in Bälde erlangt hatte« Hier sei auch ein interessantes Detail eingefügt: Im Jahre 1805 mußte die k« k« Hof- und Staatsdruckerei der französischen Felddruckerei eine Presse und Satz- und Druckrequisiten überlassen, nachdem der Einwand Degens, daß diese sein Privateigentum seien, nichts gefruchtet hatte« on den namhaften Personen, die ihre Ausbildung in der Staatsdruckerei genossen hatten, seien genannt: der verstorbene außerordentliche Gesandte und bevollmächtigte Minister Karl Ritter von Scherzer, der sich die unvergängliche Dankbarkeit der Wiener Buchdruckergehilfen durch seine Bestrebungen, __ deren materielles und geistiges Wohl nachdrücklich zu fördern, erworben hatte und welcher, als sein Lieblingswunsch, 4 9 ein typographisches Musterinstitut zu gründen , nicht in Erfüllung gehen konnte, Weltreisen mit der „Novara“-Expedition und dann durch Europa, nach Siam, China und Japan, machte und schließlich eine glänzende Beamtenlaufbahn in Staatsdiensten zurücklegte; der Professor der Stenographie Karl Faulmann, dessen Werke über die Schrift von fundamentaler Bedeutung sind; der technische Direktor der Nationalbank in Lissabon Josef Leipold; der Direktor der Staatsdruckerei in Bukarest J♦ GöbL Ferner waren Eleven: der Professor an der k* k* orientalischen Akademie Anton Hassan, der berühmte französische Buchdrucker und Verleger Berger-Levrault in Nancy, der verstorbene Schriftsteller O* F* Berg, der verstorbene Herausgeber des Extrablattes Ritter von Singer, die späteren Buchdruckereibesitzer R. von Waldheim (f), Karl Prochaska jun* in Teschen, Alfred Traßler in Troppau, C* Fuchs in Prag, der Typograph Karl Fasol, der durch seine eigenartige „Stigmatypie“, einer auf der Kombination von Punkttypen zu Figuren beruhenden Satztechnik, sich bekannt machte, und eine stattliche Reihe von Angehörigen fremder, selbst exotischer Staaten, wie Serben, Schweizer, Schweden, Araber, Neuseeländer u* s* w* Sie alle halfen den Ruhm der Staatsdruckerei über die ganze Erde verbreiten* ZS'SL&'SL it der Bestellung des Wiener Buchhändlers, Buchdruckers und Schriftgießers Joseph Vinzenz DEGEN zum Leiter der ins Leben gerufenen Staatsdruckerei, hatte die damalige Hofkammer die beste Wahl getroffen* Kein anderer der Fachleute jener Zeit war geeigneter, bei der Gründung dieses so hochwichtigen Instituts an dessen Spitze berufen zu werden* Dies um so mehr, als gerade hier in die Wagschale fiel, daß Degens Kenntnisse und Können im Buchgewerbe von außerordentlicher Vielseitigkeit waren* Seine Buchhandlung zählte zu den größten und war namentlich durch ihre sinnreich angeordneten, typographisch vortrefflich ausgeführten Kataloge sehr bekannt* Die Erzeugnisse seiner in jeder Hinsicht, sowohl Personal, als Einrichtung und die zur Verwendung gelangenden Materialien betreffend, musterhaft betriebenen Offizin gelten noch heute als hervorragende* Die von ihm hergestellten Prachtausgaben lateinischer und deutscher Klassiker (u* a* Catull, Ovid, Lucanus, Peter Uz, Wieland) sind ein Schmuck der Bibliotheken und erzielen hohe Liebhaberpreise* Die Degenschen Druckwerke fanden wegen ihrer Vorzüglichkeit auch die ungeteilte Anerkennung des Auslands und man stand nicht an, Degen einem Bodoni und Didot an die Seite zu stellen* Man rühmte die seltene Vollendung der Schriften, 5 0 1 f. rp V«^ m k t Ti f AUF TRAU K. H..& * « Ï ; i die tadellose Satzeinteilung sowie den schönen Druck selbst großer Werke. Dabei muß festgehalten werden, daß alle diese noch auf hölzernen Handpressen hergestellt wurden, bei welchen die maschinelle Tätigkeit auf die Ausübung des Druckes beschränkt war, während alle anderen notwendigen Handlungen durch den Drucker vorgenommen werden mußten« Eine gleichmäßig gute Arbeit hatte also eine durch stete Schulung erhaltene besondere Geschicklichkeit des Druckers zur Voraussetzung. ährend seiner Direktionsführung hatte Degen keine Gelegenheit, ähnliche hervorragende Druckwerke des Staatsinstituts zu schaffen; dessen damaliger Wirkungskreis war ein allzu beschränkter, welcher Umstand sich später empfindlich fühlbar machte, als gesteigerte Aufgaben an die Anstalt herantraten. _Aber sämtliche unter Degen aus ihr hervorgegangenen Buchdruckarbeiten zeichneten sich durch schöne Lettern und musterhaften Druck aus. Nicht so unter dem zweiten Direktor WOHLFARTH, der sein Hauptaugenmerk leider darauf richtete, möglichst große pekuniäre Erfolge zu erzielen. Um so glanzvoller dagegen sticht der enorme Aufschwung unter AUER hervor, der sich um die Typographie unvergängliche Verdienste erwarb. In den folgenden, die verschiedenen Buchdruckfacher behandelnden Abschnitten taucht sein Name immer wieder auf, wenn von bedeutungsvollen Schöpfungen die Rede ist. Sein Trieb, beständig schöpferisch zu walten, führte ihn unablässig zu immer neuen, mitunter kostspieligen Versuchen, wodurch schließlich die finanzielle Basis der Staatsdruckerei ungünstig beeinflußt wurde. Seinem Nachfolger, dem Hofrat BECK gelang es, die Anstalt durch Einhaltung ruhigerer Bahnen zu konsolidieren, dabei dennoch die früheren Errungenschaften festzuhalten. Unter seine Amtsführung fallt das wichtige Ereignis der Übersiedlung in das neue Heim, wobei auch die Einrichtungen für den Buchdruck in ausgedehntem Maße erneuert und vermehrt wurden. So übernahm, als Hofrat Beck nach sechsundzwanzigjähriger Tätigkeit in den Ruhestand trat, Hofrat VOLKMER die Leitung eines in jeder Hinsicht musterhaft funktionierenden Betriebs. Er wurde bei dieser wesentlich unterstützt vom Vizedirektor Regierungsrat Fritz, der insbesondere als Schriftsteller sich eines namhaften Rufes in der Fachwelt erfreute. Die reichen Ehren, die die Staatsdruckerei während dieser Epoche erntete, wurden hauptsächlich ihren ausgezeichneten Leistungen auf den Gebieten der Chromolithographie sowie einiger anderer Reproduktionsverfahren zu teil, welchen zu dieser Zeit besondere Aufmerksamkeit zugewendet wurde* Das kam auch in einer Reihe von Publikationen zum Ausdruck, welche Werke für einzelne graphische Zweige wertvolle Quellen darstellen« Wohl wurde auch sorgfältig darauf geachtet, das Niveau der typographischen Arbeiten auf dem überkommenen Stand zu erhalten« Aber eine vielleicht zu weitgehende Vorsicht beobachtete die Leitung der Hof- und Staatsdruckerei, gleich anderen namhaften Berufsangehörigen, gegenüber den gegen das Ende des XIX» Jahrhunderts vor sich gegangenen gewaltigen Umwälzungen auf dem Gebiet des Buchgewerbes« Namentlich der Umschwung im Schriftwesen, der allerdings bei einem großen Teil der Fachleute anfänglich heftigen Widerspruch auslöste, aber auch die moderne, glänzende Vervollkommnung des farbigen Illustrationsbuchdrucks waren auf das Staatsinstitut nicht von jenem wünschenswerten Einfluß gewesen, da§ es auch in diesen Zweigen an der führenden Spitze bleiben konnte« Vielmehr trat hier, im Akzidenzfache und Kunstdruck, die Überlegenheit mancher Privatoffizinen offen zu Tage« Das unerwartete Hinscheiden Hofrat Volkmers bereitete seinem verdienstlichen Wirken in den erwähnten graphischen Fächern und in der Reorganisation des administrativen und technischen Dienstes ein jähes Ende« Hofrat GANGLBAUER, der nunmehr an die Spitze des Instituts berufene Direktor, erkannte rasch die oben angedeutete, einzelnen typographischen Abteilungen unleugbar anhaftende Rückständigkeit und bemühte sich nicht ohne Erfolg, auch im Kunstbuchdruck der Anstalt die altgewohnte ehrenvolle Position zu erringen« Erreicht wurde dies durch die Heranziehung und Ausbildung besonders befähigter Akzidenzsetzer, durch Schulung von Maschinenmeistern für den Illustrationsdruck, durch die Schaffung neuen Schriftmaterials, welches sowohl den modernen künstlerischen Anforderungen, als auch hygienischen und technischen Grundsätzen in gleichem Ma§e entspricht, und durch eine weitgehende Ausgestaltung der Abteilung, welcher die Herstellung der Monochrom- und Dreifarbenautotypie-Klischees obliegt« Auch in technischer, betriebshygienischer und ökonomischer Hinsicht wurden besonders in den Schriftgu§- und Buchdruckabteilungen zum Teil bedeutsame Reformen eingeführt« Und so hat, von Degen angefangen — mit der einzigen Ausnahme des zweiten Institutsleiters — jeder der bisherigen Direktoren in seiner individuellen Art dazu beigetragen, den Ruhm der Anstalt zu vergrö§ern und zu befestigen« Wenn des Einen Eigenart diese Richtung, des Anderen Vorliebe jene einmal in besondererWeise begünstigte, so war dies doch nie von beträchtlicherem ungünstigen Einfluß gewesen; es hat vielmehr in mancher Hinsicht Nutzen gebracht« Und als sehr dankenswert ist 5 2 LE «SKK SSS&fi» WSSlI'fi II«« iff" f§m\ WM zu konstatieren, da§ die Regierungen den Bestrebungen der Staatsdruckerei fast immer ein nicht nur von fiskalischen Rücksichten geleitetes Wohlwollen entgegenbrachten* Dieser Fürsorge entsprang auch die im Jahre 1901 erfolgte Errichtung des Sachverständigenbeirats, welcher besonders berufen erscheint, die Staatsdruckereileitung bei der Erfüllung vieler schwierigen Aufgaben tatkräftigst zu unterstützen,^Ä^Ä^MJ^^Ä'35i£’3J 4 Ä j jf^in bedeutender Bruchteil der von den Buchdruck- iSsm abteilungen des Instituts herzustellenden Arbeiten bildet hauptsächlich wegen der ungeheuren Mengen, die da zu bewältigen sind, einen Gegenstand des Interesses» Wohl werden auch hier, man nehme nur die mittels Buchdrucks angefertigten Marken, sehr hohe Anforderungen in Bezug auf die Qualität gestellt, aber in allererster Linie kommt hier das so wunderbare Zusammenarbeiten vieler Faktoren in Betracht, das allein solche bedeutende quantitative Leistungen gestattet» Das ist auch der Fall bei den zahllosen, den mannigfaltigen staatlichen Bedürfnissen dienenden Drucksorten, wie Verordnungsblättern, Gesetzessammlungen, Tarifen, Parlamentsprotokollen und -Vorlagen u. s» w» Bei ihnen wird selbstverständlich die jeweilig einfachste, billigste Form eingehalten und nur in der Raschheit der Herstellung wurde sprunghaft fortgeschritten» Das interessanteste Objekt dieser Art ist der für das Jahr 1806 zum 5 3 erstenmal in der Staatsdruckerei angefertigte „Hof- und Staatsschematismus“, der seit 1844 den Namen „Hof- und Staatshandbuch“ führt* Beim Durchblättern der neunzig Jahrgänge ersieht man nicht nur die allmählich infolge des Wachstums vor sich gegangene Änderung des Äußeren, sondern welthistorische Denkwürdigkeiten drängen sich da oft in unmittelbarer Folge* Die alljährlich in etwa drei Monaten zu vollendende Drucklegung des umfangreichen „Niederösterreichischen Amtskalenders“ erfolgt mit einer Sorgfalt, die in Anbetracht dieses kurzen Zeitraums erstaunlich ist* |Qber nicht nur die von Anbeginn in weiten Grenzen sich bewegende Produktivität, sondern vielmehr S die Vollkommenheit und Schönheit der aus der Staatsdruckerei hervorgegangenen Gelegenheitswerke ist der Gegenstand ungeteilter Bewunderung* Sorgfältiger Satz, richtige Schriftenwahl, reichliche Raumbemessung und ein gleichmäßiger korrekter Druck selbst bei den umfangreichsten Werken, die manchmal Dezennien zur Fertigstellung brauchten, zeichnen alle Bücher aus der Staatsdruckerei aus. Der großen Menge, umfaßte doch die Anstaltsbibliothek Ende 1903 von eigenen Werken 8112 Nummern, seien j e einige, die ve rschiedenen Epochen repräsentierend, entnommen* en bemerkenswerten Anfang machten die unter dem genialen Auer entstandenen Werke* Sie sind zum Teil, dem damaligen Geschmack gemäß, mit farbigen Einfassungen oder einer solchen in Golddruckversehen; einzelne besten bereits sehr schwie- rige, prächtige typographische Farbendrucke, wie „Das arabische hohe Lied der Liebe“, vonHammer- Purgstall,1854, und die „Geschichte der Auer“, 1862* Die Holzschnitte hiefür stammten aus dem von Auer errichteten Holzschneideatelier, das von Friedrich Exter, einem in diesem Fach sehr begabten Künstler, geleitet wurde* Daselbst fand auch zum erstenmal der Farbenholzschnitt eifrige Pflege. Mit welchem Erfolg, lehren die aus jener Zeit stammenden herrlichen Farbendrucke* Bedeutende Leistungen bildeten das in vier großen Foliobänden 1857 erschienene Werk von Dr* Hirtenfeld „Der Militär-Maria-Theresien-Orden“, das Großfoliobuch „Reise Ihrer Majestäten Franz Joseph und Elisabeth durch Kärnthen“, 1859, und „Die Kleinodien des heiligen römischen Reiches deutscher Nation“, von Dr* Fr* Bock, 1864, dessen typographischer Teil den allseits anerkannten chromolithographischen in feiner Übereinstimmung ergänzt. Von außergewöhnlich umfangreichen Werken sind zu nennen: „Die Literaturgeschichte der Araber“, von Hammer-Purgstall, in sieben bis zu 1700 Seiten enthaltenden Bänden, 1850, ferner die bei L* Zamarsky begonnenen 60 Bände des „Biographischen Lexikons des Kaiserthums Österreich“, von C» v» Wurzbach, die von Hofrat Auer übernommen und erst unter seinem Nachfolger Hofrat Beck beendet wurden, und die in den Jahren 1861 bis 1875 erschienenen 16 dickleibigen Gro§quartbände, „Reise der österreichischen Fregatte Novara um die Erde“, bei welchem Werk unter anderen auch Scherzer als Autor mitwirkte» nter Hofrat Beck gelangte 1879 eine der trefflichsten Druckarbeiten zur Ausgabe, und zwar „Die Votivkirche in Wien“ als Gro§folioband mit trefflich gedruckten Holzschnittillustrationen, zweifarbigen Initialen und Umrahmungen» In diesem Buch schlossen sich in würdiger Weise Satz und Druck den vornehmen darin vereinigten Arbeiten erster graphischer Künstler, wie Knöfler, Bader, Kozeluch und andere, an» In demselben Jahr erschien der erste Jahrgang des Publikationsorgans der Gesellschaft für vervielfältigende Künste, „Die graphischen Künste“» Bei dieser, strenge Anforderungen an die Drucktechnik stellenden Zeitschrift wurden bis etwa 1900 vornehmlich der Holzschnitt und die Zinkotypie kultiviert, von da ab meist nur photomechanisch hergestellte Klischees verwendet; der Jahrgang 1903 ist mit Autotypien großen Formats, in der Anstalt selbst verfertigt, reich ausgestattet» Das vom verewigten Kronprinzen Rudolf von Österreich verfaßte Werk „Eine Orientreise“ erschien 1884 als gro§e Folioprachtausgabe, mit 73 Radierungen von J* Klaus und mit vorzüglichen Holzschnitten von F» W» Bader, welcher ein Jahr später die billige Volksausgabe in Quart folgte, die sich gleichfalls durch musterhaften Druck der schönen, nach Zeichnungen von Pausinger angefertigten Holzschnitte auszeichnet» 1885 begann auch die Herstellung des monumentalen Druckwerks „Die österreichischungarische Monarchie in Wort und Bild“, die 1902 beendet wurde und 24 Bände umfaßte» Das aus diesem Anla§ errichtete xylo- graphische Atelier, jenes unter Auer war leider längst aufgelassen worden, lieferte die gro§e Anzahl Holzschnitte, welche das Werk zieren und es mit den durchwegs typographisch, mittels Chromo- zinkotypie, dann mittels Farbenholzschnitt hergestellten bunten Trachtenbildern so besonders begehrenswert machen» Hier wäre auch der Druckausführung des großen Farbenholzschnitts von Hermann Paar „Heilige Justina“, nach A» Moretto, 1887, rühmliche Erwähnung zu tun» Unter Hofrat Volkmer entstanden die mit vielen Autotypien und Strichzinkotypien illustrierten zwei Riesenbände, 5 5 ff 3 I „Franz Joseph L und seine Zeit“, von J. Schnitzer, 1898, dann das Tagebuch meiner Reise um die Erde“, von Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este, zwei Lexikonoktavbände, 1895, und „Die spätrömische Kunstindustrie“, von Alois Riegl, 1901, in Gro§folio, mit in der Anstalt erzeugten Autotypien versehen und mit chromolithographischen Beilagen von seltenem Kunstwert. Diese und andere gewi§ hervorragende Prachtwerke tragen den gleichen, fast ein wenig zur traditionellen Schablone gewordenen, allerdings noch immer höchst vornehmen Charakter früherer Erzeugnisse. Sie zeigen dieselbe Sorgfalt im Satz und im Druck und ein gutes Papier. Aber zu dieser Zeit hatte sich bereits eine andere Geschmacksrichtung allmächtig Bahn gebrochen, die nach einer individualisierenden Behandlung jedes einzelnen Buches verlangte und deren unabweisliche Forderungen sich auf alle Teile eines Druckwerks, Schrift, Papier, Illustration, Buchschmuck, Farbe und Einband erstreckten. Dieser Umschwung, der sich hauptsächlich im Kunstbuchdruck bemerkbar machte, war nicht zum geringsten Teil der kräftigen Initiative einer Reihe namhafter Künstler zuzuschreiben, die sich auf graphischem Feld betätigten. Deren Bestrebungen revolutionierten geradezu die gewohnte, im Laufe derZeit künstlerisch recht angreifbar gewordene Methode der Buchausstattung. Aber nichtsweniger als widerspruchslos wurde die moderne, zum Teil auf vortreffliche, sehr alte Vorbilder zurückgreifende Richtung aufgenommen. Ein mitunter recht verbitterter Widerstreit entbrannte darob auch in den engeren Fachkreisen und so brauchte es geraume Zeit, bis die, von den ihr anfänglich anhaftenden Unzulänglichkeiten befreite, heute dominierende Art der Buchausstattung fast allerorten zur Geltung kam. Auch die Staatsdruckerei wollte sich nicht durch frühes Erscheinen auf dem umstrittenen Gebiet exponieren, welches Bestreben anläßlich der Pariser Weltausstellung 1900 deutlich zum Ausdruck kam, und sie beschränkte sich mit allzu ängstlicher Vorsicht auf die Fälle, in welchen eine moderne Ausführung vom Besteller strikte gewünscht worden war. Hierher gehört die, auch als Buchdruckarbeit sehr gediegene Publikation des österreichischen Museums für Kunst und Industrie, betitelt „Kunst und Kunsthandwerk“, welche als Monatsschrift seit 1898 erscheint und ein vom bis dahin Herkömmlichen entschieden abweichendes Gepräge aufweist. Die in jüngster Zeit entstandenen Werke beweisen nicht nur, da§ mittlerweile die Staatsdruckerei mit vorzüglichem Erfolg die so zahlreich gegebenen künstlerischen Anregungen verwertet hat, sondern da§ sie auch hier wieder schöpferisch vorangeht. Vornehmlich zeigen dies, aufjer der vorliegenden Festschrift, das „Textilwerk“ und das in großem i i 5 6 :v=\\—*v JL Format gehaltene, mehrfarbig gedruckte Buch „Konkurrenzen für eine einfache Pfarrkirche, für ein Reliquiar und für ein heiliges Grab“» Die für die Illustrationen dienenden Klischees wurden aus- schließlich in den Ateliers der Anstalt hergestellt. '2^&'2LZ5 / 3L ehr schwierige Aufgaben hat die Staatsdruckerei im mathematischen und anderem komplizierten Werk- und Tabellensatz zu lösen gehabt» Einige derselben dürften überhaupt nur ihr gestellt worden sein, so die Handelstabellen und die auch in anderer Hinsicht höchst interessanten, in größten Dimensionen _gehaltenen Sprachentafeln von beiläufig zwanzig Idiomen, welche, wie die später erwähnten Polyglotten, aus mnemotechnischen Gründen in Tabellenform angeordnet wurden» Dagegen fehlten lange die Gelegenheiten zur Ausübung des künstlerischen Akzidenzsatzes» Erst in neuerer Zeit boten sich solche in den Prospekten für Verlagswerke und anderen Drucksorten» Der typographische Musiknotendruck, den seit langem ein günstigeres graphisches Verfahren ersetzt hat, wurde unter Auer in größerem Umfang nur verhältnismäßig kurze Zeit, aber in vollendeter Weise geübt» Die dieser Tätigkeit entstammenden Werke „La Lira del Popolo“, 1848, dann „Harf* und Psalter“, eine Sammlung religiöser Gesänge PAC K H O F von Randhartinger, 1853, endlich der durch seine Größe auffallende Band „Missa Solennis 44 , von Franz Liszt, 1859, gehören zu den besten Leistungen im Fache des Musiknotenbuchdrucks und sind kaum ĮĮĮÄ?!/Ä von anderen überholt worden» ÄvSÄÄÄJSÄSÄ em Blindenunterricht wurde durch die von der Hof- und Staatsdruckerei mit ihren selbst geschnittenen Blindentypen für den Lettern- und Musiknotensatz hergestellten Bücher, die das Druckbild in Strichen oder Punkten hochgeprägt, also für den Tastsinn leicht erkennbar, trugen, eine unschätzbare Förderung zu teil» Ein Vergleich des 1847 unter Auer zum erstenmal in den Buchhandel gelangten derartigen Blindenbuchs überhaupt, des „Immerwährenden Kalenders für Blinde 44 , dann des 1848 herausgegebenen „Namenbuches für blinde Kinder 44 , von J»Dole- zalek und endlich vorzüglich der unter Hofrat Beck 1873 erschienenen zwei Großquartbände „Fibel und erstes Lesebuch für Blinde 44 , von Friedrich Entlicher mit der in Waldows „Buchdruckerkunst 44 enthaltenen, für Deutschland mustergültigen Blindendruckprobe, läßt die außerordentliche Überlegenheit der ersteren leicht erkennen» Diese Tätigkeit der Staatsdruckerei muß um so dankbarer anerkannt werden, als der Blindendruck wegen seiner aus mehreren Gründen absoluten Unrentabilität von Privatoffizinen fast gar nicht geübt wurde» Das genannte Lesebuch für Blinde von Entlicher wurde als das zweifellos vorzüglichste in den Blindenanstalten Österreichs, Deutschlands und der Schweiz benützt» Gleichfalls unter Hofrat Beck erfolgte die Herstellung eines weiteren Lesebuchs für Blinde, zu welchem ganz neue Typen nach den Angaben des Herausgebers ÄS/ S» Heller in der Staatsdruckerei eigens geschnitten wurden* S5Ä ines der wichtigsten Ruhmeskapitel der Geschichte der Staatsdruckerei füllt ihre Betätigung auf dem Gebiet fremdsprachiger Druckwerke» Auf diesem hatte sie alle anderen Institute derart überflügelt, daß ihr aus vielen fremden Staaten, ja sogar aus Paris, dem Sitz der bis dahin in diesem Zweig führenden französischen Staatsdruckerei, reiche Aufträge zuflossen» Den Anstoß zu dieser so erfolgreichen Einbeziehung fremdsprachiger Arbeiten in den Wirkungskreis des Instituts gab die 1845 unter Auer erfolgte Drucklegung des zwischen Österreich und der Pforte geschlossenen Handels- und Schiffahrtsvertrags in italienischer und türkischer Sprache» Für den türkischen Satz wurde nun von der Staatsdruckerei die Neschi-Schrift geschnitten und gegossen* Dieser erste Versuch war so gelungen, daß die kompetentesten 5 Orientalisten einstimmiges Lob spendeten« Auer, von leidenschaftlichem Interesse für Linguistik überhaupt beseelt, arbeitete mit Feuereifer auf diesem Felde weiter« Innerhalb eines Jahres standen für den Werksatz bereits über 60 fremde Alphabete, darunter etwa 35 orientalische, zur Verfügung, was sonst kein anderes Institut aufzuweisen in der Lage war« Die Staatsdruckerei erschien denn auch nicht nur rasch mit Aufsehen erregenden Werken auf dem öffentlichen Plane, sondern sie gab fremdsprachige Lettern nach London und den Orient ab und nach Paris, Konstantinopel, Christiania, Kopenhagen, Leipzig, Erlangen, Halle und Peru hatte sie bedeutende Aufträge zu erfüllen« Es erschienen 1844 das „Vaterunser“ in 608 Sprachen, wodurch der Adelungsche Mithridates um 86 Vaterunserformeln vermehrt erscheint, 1847 dasselbe in 206 Sprachen, ferner „Die Schriftzeichen des gesamten Erdkreises“, durchwegs mit schwierigsten Sätzen von auffallender Grö§e« Die dritte Tafel der „Typenschau des gesamten Erdkreises“ gestattete den Vergleich des Besitzes an fremdsprachigen Schriften der österreichischen Staatsdruckerei mit jenem anderer staatlicher Institute sehr zu Gunsten der ersteren. Die von unserer Anstalt mit peinlicher Genauigkeit geschnittene hebräische Quadrat- und die rabbinische Kursivschrift gelangten zum erstenmal in dem nach einem alten Pergamentkodex der Wiener Hofbibliothek herausgegebenen Werk „Clavis Talmudica auctore Rabbi Nissim Ben Jacob“ zur Verwendung« 1847 erschien von Dr« A« Pfizmaier der japanische Roman „Die Gestalten der vergänglichen Welt in sechs Wandschirmen“ als überhaupt erster mit beweglichen japanischen Lettern und als erster in Europa in dieser Sprache hergestellter Druck« Von demselben Autor wurden Grammatiken des Arabischen, Persischen und Türkischen und ferner das chinesische Geschichtswerk „Tso tschuen“ gedruckt, bei welchem die aus einem Stück bestehenden chinesischen Zeichen verwendet wurden« Aber noch unter Auer wurde auch die Herstellung von aus einzelnen Teilstücken kombinierbaren chinesischen Lettern erfolgreich durchgeführt, nachdem Breitkopf in Leipzig 1789 es bei einem Versuch in dieser Richtung hat bewenden lassen« Leitend war dabei der Gedanke, die ungeheure Anzahl der bei chinesischen Drucken sonst notwendigen verschiedensten Zeichen zu verringern« Es wurden dann im Laufe der Zeit etwa noch 50 größere fremdsprachige Werke gedruckt, unter denen einige wie kostbare Kleinode hervorleuchten. So die im Satz wie im Druck gleich vollkommenen Wörterbücher und Grammatiken des Abbe Favre (1860 bis 1880) für die javanische und malayische Sprache, mit der französischen Übersetzung abwechselnd, und insbesondere die für die Schrift- 5 9 \ I r U/ und Sprachenforschung epochale Wichtigkeit besitzenden Werke Karl Faulmanns „Illustrierte Geschichte der Schrift 44 und „Das Buch der ^Schrift 44 , 1880* Dieses letztgenannte ist in jeder Hinsicht ein ganz Österreich ehrendes Druckwerk zu nennen und es bildet nicht nur einen Denkstein der Leistungsfähigkeit unserer Staatsdruckerei, sondern es ist eines der schönsten Werke, deren Dasein je dem Buchdrucker zu danken war* Heute verfügt das Institut Ä® über rund 150 fremde Alphabete in 325 Graden und Arten* ^ie schon seit langer Zeit als aktuell empfundene Frage der Satzbeschleunigung und die vielfachen Versuche in dieser Richtung haben von jeher die sorgsamste Beachtung seitens der Staatsdruckerei gefunden* Die einfachere Methode, die Satzzeit zu reduzieren durch Anwendung von Logotypen, das _sind aus einem Stück bestehende Buchstabengruppen, wie sie sich durch die am häufigsten in der Sprache vorkommenden Kombinationen ergeben, wurde in der Anstalt fast der endgültigen Klarstellung zugeführt, indem man dem Setzer Leopold Weiß von 1881 bis in die jüngste Zeit Mittel und Gelegenheit gab, sein als das durchdachteste zu bezeichnende „Wort- und Summengliedersystem für alle Kultursprachen 44 praktisch zu erproben und es, sowie die hiefür nötigen Kästen und Lettern möglichst zu vereinfachen. Die weit kompliziertere Sache der Setzmaschinen hat gleichfalls das Staatsinstitut unter ihre besonderen Förderer zu rechnen* Der im Jahre 1832 mit einer Remuneration von 300 Gulden C* M* für die Konstruktion einer Maschine bedachte Setzer Georg Gallasek beschäftigte sich schon während der dreizehn Jahre, die er im Verband der Staatsdruckerei zubrachte, mit Versuchen, die ihn später zum Bau eines vereinigten Schnellsetz-, Druck und Ablegeapparats führten. Auer erwirkte dem Erfinder einer Setzmaschine, Josef Kliegl, eine Spende von 6400 Gulden C* M. seitens des Kaisers Ferdinand I*, der eine gleich hohe Summe auch L* E. Tschulik zuwendete, dessen Setz- und Ablegemaschine erst in der Staatsdruckerei gebrauchsfähig wurde* Auch die von J. Prasch ersonnene Letternsetzmaschine, dann die von Lagermann wurden durch längere Zeit erprobt, und die später auftauchenden Apparate, die endlich glückliche Lösungen des so schwierigen Problems bedeuteten, begegneten eifrigem Studium von Seite des Instituts, in welchem derzeit vier Exemplare der von der österreichischen Waffenfabriks-Gesellschaft in Steyr gebauten Zeilensetz- und -Gießmaschine „Monoline 44 im Gebrauch stehen* Die Schriftgießerei der Staatsanstalt hatte bei der Gründung ein Personal von nur fünf bis 3 UJ 6 0 r\ (ft S Ir it  : > s f 4 A „iliatüiisLïll iiii.j s sechs Personen und ganz geringfügige Betriebseinrichtungen* Es war für sie auch keine schöpferische oder überhaupt umfangreichere Tätigkeit beabsichtigt, sondern es oblag ihr nur die ständige Ergänzung des vorhandenen Schriftenmaterials» Dieses bestand aus einer vollständigen Garnitur der damals als die schönsten angesehenen Wallbaumschen Frakturschriften und aus einigen Serien französischer Antiqua- und Kursivschriften. Dieser engumschriebenen Aufgabe kam die Abteilung unter Degen in der zufriedenstellendsten Weise nach« Unter seinem Nachfolger geriet jedoch auch die Schriftgießerei ganz in Verfall» Das in Verwendung stehende Satzmaterial blieb trotz völliger Abnützung im Gebrauch und es bedurfte, nachdem kein geregelter Umguß mehr erfolgte, unzähliger Defektgüsse t deren jeder seine eigene Zurichtung hatte, so daß also von einer Übereinstimmung nicht mehr gesprochen werden konnte. Verschärft wurde dieser Zustand durch den im Laufe der Jahre erfolgten Kauf von gleichfalls in Kegelhöhe und -große nicht korrekten Schriften. So kam es, daß Auer, als er die Leitung der Staatsdruckerei übernahm, ein fast völlig unbrauchbar gewordenes Letternmaterial vorfand, mit dem nun in der kürzesten Zeit gründlich aufgeräumt wurde. Auer ließ ungesäumt den Neuguß von zwölf Graden Frakturschrift mit den dazugehörigen Auszeichnungsschriften, je einer Garnitur Antiqua- und Kursivschrift und den Umguß von 633 Zentnern alter Schriften vornehmen. Damit war neues, frisch pulsierendes Leben in die Schriftgießerei gekommen, und die Herstellung sehr kleiner Schriften, zum Beispiel einer Diamantfraktur, bewirkte eine Anspannung aller ihrer Kräfte. Für weitere ununterbrochene Arbeit war reichlich gesorgt. angels eines unserem damaligen Landesmaß entsprechenden Systems, hielt fast jede Druckerei ein selbstgewähltes, nichtsweniger als einwandfrei fundiertes Maßverhältnis bei ihren Schriften ein, welches aber nicht einmal bei den Schriften ein und ^ derselben Offizin immer vollständig übereinstimmte* Dieser Zustand mußte sich naturgemäß in der unangenehmsten Weise geltend machen, als doch erklärlicherweise gerade bei der Schaffung von Satzformen, die aus unendlich vielen kleinen Teilen zusammengefügt werden, die Schwierigkeiten sich ins Ungemessene steigern, sobald diese zahlreichen Komponenten nicht die strengen Maße eines Systems besitzen. Ein solches schuf nun Auer mit seinem auch den Denkschriften der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften einverleibten Werk „Uber das Raumverhältnis der Buchstaben“. Er legte seinem, in dem 1849 erschienenen und, was Satj anbelangt, vielleicht einzigen Buche beschriebenen i „typometrischen Systeme 44 das Wiener Zollmaß und dievonFournier erdachte Einheit, den typographischen Punkt, zu Grunde* Damit war eine Sache von hoher praktischer Bedeutung geschaffen, die sofort von mehreren Druckereien Österreichs aufgegriffen und verwertet wurde* Nach den neuen Grundsätzen erfolgte nun die Umgestaltung des gesamten Letternmaterials, die den Guß von 3000 Zentnern umfaßte* Das zu dieser Zeit gedruckte Schriftprobenbuch enthielt bereits 232 einheimische Schriftgattungen, der Personalstatus der Gießerei war auf 20 Personen gestiegen, die vorhandenen 90 Handgießinstrumente wurden größtenteils erneuert. Ä35Ä Y e * nen noc k höheren Stand gelangte die Schrift- i jrSafcwi gießerei, als ihr endlich eine Schrift- und Stempelschneiderei angegliedert wurde, deren erste Arbeit der Schnitt der Neschi-Schrift nach 16 mal vergrößerten Zeichnungen des Skriptors der Hofbibliothek Albert Krafft war und die mehr als 500 _Matrizen ergab* Die rasch aufeinanderfolgende Anfertigung von 104 diversen Alphabeten erforderte weitere rund 50*000 Schriftstempel und Matrizen* 1850 standen bereits 8 Schriftgießmaschinen mit 10 vierspännigen Gießöfen in steter Benützung. Von diesen Maschinen erzeugte jede 14*000 bis 20*000 Buchstaben pro Tag gegenüber den 4000 bis 5000 durch freien Handguß mittels der „Instrumente 44 * Bedeutende und seltene Leistungen sind der Schnitt und Guß von zehn Graden Blindenschrift, darunter einer hebräisch, und die in der Staatsdruckerei hergestellten Typen für stenographischen Satz* Den nach den Zeichen Stolzes 1854 gefertigten folgten 1858 solche nach dem System Gabelsbergers, die für den Druck der „Österreichischen Blätter für Stenographie 44 1859 bis 1862 verwendet wurden* Den unter Hofrat Beck angekauften und dann neu gegossenen Faulmannschen Typen wurde wegen der ausgezeichneten technischen Durchführung rückhaltlose Anerkennung gezollt* ie von der Staatsdruckerei nach Vorbildern aus dem VI* bis XVII* Jahrhundert angefertigten Schriften kamen in dem Werk „Die Buchschriften des Mittelalters 44 , 1852, zur Veröffentlichung, während die besonders schöne „Gutenbergschrift 44 , eine getreue Nachbildung der von Gutenberg zur 42zeiligen Bibel benützten Typen, als Textschrift in dem Buch „Das älteste Urbarium von Kremsmünster 44 , vonL* Achleuthner, 1877, verwendet wurde* Selbstverständlich konnten wegen der immensen Kosten nicht sämtliche von der Staatsdruckerei benötigten Schriften von ihr selbst geschnitten werden, sondern es wurden zahlreiche * 2 fremde angekauft und vervielfältigt* Hingegen ist die in dieser Jubiläumsfestschrift verwendete Buchschrift „Plinius“ eine jüngste Schöpfung der Staatsdruckerei* Den letzten Jahren war es Vorbehalten, daß das seit langem verstummte Interesse weiter Kreise für die Buchausstattung im allgemeinen und für das Schriftwesen im besonderen auf das regste erwacht ist. Nach langer Pause, während welcher das künstlerische Niveau der meisten Druckschriften seinen Tiefstand erreicht hatte, befaßten sich wieder Künstler von Ruf mit der Schaffung von auch typographisch verwertbaren Schriften, die aber zum Teil, weil sie zu sehr das ornamentale Moment auf Kosten der Leserlichkeit betonten, vielfachen und entschiedenen Widerspruch fanden* Es war daher für die Staatsdruckerei nicht leicht, bei der Wahl einer neuen Schrifttype allen mit mehr oder weniger Recht geltend gemachten Gesichtspunkten gerecht zu werden* Die nun vorliegende, unter Mitwirkung von Rudolf von Larisch entstandene Schrift ist eine allen diesen heiklen Umständen vortrefflich genügende* Sie ist gut lesbar, von kräftiger Massenwirkung und günstiger Verteilung* Trotjdem, daß die Schrift den typographischen Anforderungen gut angepaßt wurde, blieb ihr der gewisse Reiz des handschriftlichen Charakters* Als anregende Vorbilder bei der Wahl der neuen Schrift dienten einige Werke der Hofbibliothek, insbesondere das von Nikolaus Jenson in Venedig 1472 gedruckte Buch „Cai Plynii secundi naturalis historiae“ etc* Ferner wurden in letzter Zeit die besten neuen Druckschriften, welche die Künstler Eckmann, König, Behrens und Hupp zu ihren Schöpfern haben, dann die Psalter- Gotisch u. s. w. dem Schriftschatje der Staatsdruckerei einverleibt. Diese Neuanschaffungen zusammen mit den Erzeugnissen der eigenen Gießerei setzen das Institut in die Lage, ihre Druckwerke ungemein vielfältig gestalten zu können* Vornehmlich aus hygienischen Rücksichten hat der derzeitige Direktor den Betrieb der Schriftgießerei fast ausschließlich mit Komplett-Gießmaschinen eingerichtet, von welchen ein Teil schon früher mit bestem Erfolg installiert war. Diese mechanisch so kunstvoll ausgerüsteten Apparate, die eine Reihe gesundheitsschädlicher Manipulationen ersparen und äußerst ökonomisch arbeiten, liefern dort Schriften bis zum Konkordanzkegel* Nur darüber noch hinausgehende große Schriften werden mittels der Handgießmaschine verfertigt. Im ganzen sind jetjt vierzehn Komplett- und fünf Handgießmaschinen in Tätigkeit* Die galvanoplastische Abteilung der Staatsdruckerei, deren treffliche Leistungen aus früheren Jahren auf rein kunstgewerblichem Gebiet durch Herstellung wertvoller Plastiken später an anderer Stelle besprochen werden, wurde in großem Maße für die Zwecke des Buchdrucks zum K erstenmal von Auer in Anspruch genommen, der sie gleich nach seinem Amtsantritt neu einrichtete und ihr die Vervielfältigung der zahlreichen im In- und Ausland angekauften Schriften übertrug* Ferner hatte sie die der Staatsdruckerei von Professor Stephan Endlicher überlassenen 12*000 chinesischen Typen in einem kurzen Zeitraum zu matrizieren* Neben dieser, die Schriftgießerei unterstützenden Tätigkeit bildete aber jene der Herstellung von Druckstöcken und Druckplatten seit jeher die umfangreichere* Die stets steigenden Bedürfnisse bedingten wiederholte Ausgestaltungen und 1886 wurden die ersten Dynamomaschinen, und zwar zwei Schuckertsche, aufgestellt* Im neuen Haus bilden die beiden Abteilungen für Galvanoplastik, so wie die Stereotypie Sehenswürdigkeiten für sich. Auf allen Ausstellungen, auf welchen während der letzten sechs Dezennien die Staatsdruckerei erschien, erweckten die von aller Welt schon ob ihrer Größe bewunderten stereotypischen und galvanoplastischen Druckplatten Aufsehen* Von weittragender Bedeutung für den Druck sehr großer Auflagen ist das vor kurzer Zeit in der Staatsdruckerei ausgearbeitete und uneigennützig publizierte Verfahren der Herstellung von Eisengalvanos, die Millionen Abdrücke von einer einzigen Platte gestatten* Ähnliche Bestrebungen, u* a. die galvanoplastische Herstellung von Eisenplatten, fanden schon 1867 und 1870 eine Belohnung seitens der Regierung* Die vorzüglichen Einrichtungen der galvanoplastischen Abteilungen, welche heute mit 13 Steinzeugwannen arbeiten, die von vier Dynamos mit Strom gespeist werden und die noch quadratmetergroße Platten zu liefern im stände sind, werden auch von den Privatanstalten häufig in Anspruch genommen; im Jahre 1902 wurden für Private allein Platten im Ausmaß von 94.000 Quadratzentimeter verstählt* Neuerdings hat die Verwendung der vorzüglichen galvanischen Nickeldruckstöcke sehr an Ausbreitung gewonnen; im Jahre 1903 wurden für Marken und Stempel 3594 Stück angefertigt. ie allmähliche, manchmal allerdings von kategorisch durchgeführten Umwälzungen unterbrochene Gestaltung des Druckmaschinenbestands der Staatsdruckerei während des abgelaufenen Jahrhunderts gibt die anschaulichsten Belege nicht nur für die Entwicklung der Offizin zum gigantischen Institut von heute, sondern auch für die gewaltige Umwandlung des Buchdrucks überhaupt während dieser Zeit* Dreiundeinhalb Jahrhunderte ward er technisch kaum anders ausgeübt als von seinem großen Erfinder* Ungefähr der Anfang des XIX. Jahrhunderts brachte aber die Papiermaschine, die eisernen Handpressen 6 4 IV» r«a ■*äme und etwas später die Schnellpresse, die bezeichnenderweise noch heute von den Buchdruckern kurzweg „Maschine“ im Gegensatz zur „Presse“ genannt wird* Unter Degen wurde auf den damals fast noch ausschließlich im Gebrauch stehenden hölzernen Handpressen gearbeitet* In die Zeit der Definitivstellung der Anstalt in den Staatsbetrieb fiel dagegen schon anderwärts die praktische Verwertung der epochalen Erfindung Friedrich Königs* Dadurch, daß bei den Handpressen mit der Anordnung zweier Platten der Druck der ganzen Fläche mit einem Mal erfolgt, mußten ihre Größenverhältnisse selbst bei den eisernen innerhalb enger Grenzen bleiben* Durch die Verwendung eines über der hinweggleitenden Form abrollenden Zylinders bei der neuen Schnellpresse wurde der Plattendruck in einen fortschreitenden, immer auf ein schmälstes Flächenelement beschränkten umgewandelt. Dies in Verbindung mit der durch ein Walzwerk der Maschine automatisch vor sich gehenden Einfärbung der Form gab mit einem Schlag die Möglichkeit, eine Anzahl von früher auf mehrere Handpressen verteilten Formen zu einer einzigen zu vereinen und, vermöge des Wegfalls der vielen eben bei der Handpresse nötigen Manipulationen, in gleicher Zeit eine sechs- bis HAUSKÜCHE 6 5 zehnfach größere Leistung zu erzielen* Aber erst Mitte der Dreißigerjahre, als Friedrich Helbig, ein Neffe Königs, im Verein mit Leo Müller in Wien die erste österreichische Spezialfabrik errichtete und der letztere die Königsche Schnellpresse in rühmlichster Weise vervollkommnet hatte, stellte die Staatsdruckerei 1836 unter Direktor Wohlfarth zwei Schnellpressen auf* Gleichzeitig wurden drei eiserne Handpressen, welche die hölzernen völlig zu verdrängen begannen, installiert* Diese wenig ausgiebige Verjüngung der maschinellen Hilfsmittel entsprach der damals in der Staatsdruckerei herrschenden Stagnation* Unter Auer trat, wie schon hervorgehoben wurde, auch hierin von Grund auf ein Wandel ein* Bei seiner Berufung standen von den mittlerweile ganz schadhaft gewordenen hölzernen Degenschen Handpressen nur zwanzig im Betrieb, denen die oben genannten drei eisernen Handpressen und zwei Schnellpressen, ferner zehn Steindruckhandpressen zugewachsen waren* Zehn Jahre nachher zählte man schon 50 eiserne Handpressen, 46 einfache und doppelte Buchdruckschnellpressen, 40 lithographische und 24 Kupferdruck- Handpressen und die dazugehörigen Hilfsmaschinen* Solcher rapiden Entwicklung entsprechend, mußte naturgemäß auch die Dampf- maschinenanlage bedeutend vergrößert werden. uers Betrauung mit der Oberleitung der ärarischen Papierfabrik Schlöglmühl, welche er bis zum Jahre 1864 innehatte, bot ihm Gelegenheit, den langwierigen Werdegang der Papierherstellung auf das genaueste kennen zu lernen* Hiebei faßte er den genialen Gedanken, die zahllosen Zwischenmanipulationen, welche das auf dem Stapel der Erzeugungsmaschine aufgerollte Papierband bis zum endlichen Bedrucken erfahren mußte, zu ersparen. Seine ursprüngliche Idee, die Schnellpresse in unmittelbare Verbindung mit der Papiermaschine zu bringen, verwirklichte er praktisch nicht, wohl aber ließ er acht Schnellpressen der Staatsdruckerei derart einrichten, daß auf ihnen direkt Rollenpapier verdruckt und nachher erst von der Maschine selbst zerschnitten wurde* Gewiß stellt dieses Verfahren, welches Auer erst privilegieren ließ, dann aber von ihm der Allgemeinheit freigegeben wurde, einen der Versuche dar, die später zu den gigantischen Rotationsmaschinen führten, bei welchen keine hin- und herpendelnde flache Formenplatte die Schnelligkeit in engeren Grenzen hielt wie bei den Schnellpressen, sondern kontinuierlich in der gleichen Richtung sausende Zylinderpaare jene schwindelnd hohe Ergiebigkeit der Druckleistung ermöglichen* Die erste derartige Rotationsmaschine wurde unter Hofrat Beck 1888 aufgestellt, der rasch eine t 6 zweite folgte* 1890 waren außer diesen zwei Riesenmaschinen . 70 Zylinder-, drei Tiegeldruckschnellpressen und nur mehr 17 Hand- 1 pressen für den Buchdruck im Betrieb, der von sieben Kraftmaschinen, drei mit Dampf, vier mit Gas gespeist, von zusammen 102 Pferdekräften besorgt wurde und natürlich noch die vielen in , den anderen Abteilungen befindlichen Maschinen umfaßte* ^'SL ur allüberall mustergültigen, dem Fachmann wie 1 dem Laien gleichermaßen auf das höchste imponierenden Offizin wurde die Staatsdruckerei nach ihrer Unterbringung m ihrem neuen Haus auf dem i Rennweg* Mit der Übersiedlung, die an und für sich schon als eine der respektabelsten Leistungen 1 anzusehen ist, weil ohne jede Betriebsunterbrechung ! vollführt, ging gleichzeitig eine umfangreiche Erneuerung des Maschinenbestands vor sich* So wurden von Buchdruckmaschinen i allein zwei große Rotationsmaschinen und zwanzig einfache Schnellpressen mit bedeutendem Druckformat aufgestellt* Das schöne, 1 großzügig in allen seinen Details angelegte Gebäude, mit den , gesunden Arbeitssälen, den hellen Höfen, deren einer als Packraum an das Getriebe eines emsigen Ameisenbaues erinnert, mit seinen 1 grandiosen Dampfmaschinen-, Beheizungs- und Beleuchtungsanlagen bildete das Ziel Tausender, die von hier einen unverwischbaren 1 Eindruck mitnahmen* Beinahe beängstigend wirkt dieser vielgeglie- , derte, fast in jedem Raum eine andere, aber immer das regste Interesse fesselnde Tätigkeit zeigende Mechanismus, der dennoch 1 gleichmäßig und genau, wie ein Uhrwerk gefügt, funktioniert* Die hohen Trockenräume mit den ungeheuren Transporteuren, die rasenden Rotationsmaschinen, dann wieder das monotone Klappern ■ der eigenartigen, zehn Marken mit einem Schlag sauber lochenden Komplettperforiermaschinen, die Zyklopen bei den Dampfkesseln, das 1 geheimnisvolle Treiben der Photographen in ihren Dunkelkammern, ( kurz alle mögliche menschliche und maschinelle Tätigkeit ist da wunderbar vereinigt* , en jetzigen Status von vier Rotationsmaschinen, 103 Buchdruck- und 53 dem Flachdruckverfahren 1 dienenden Schnellpressen mit zusammen etwa , 250 Hilfsmaschinen gedenkt Hofrat Ganglbauer nicht zu vermehren, sondern nur auf dem jeweilig 1 besten Stand der Technik durch Auswechslungen zu erhalten* Dagegen trachtet auch er, wie es im Institut ja Überlieferung ist, gute Neuerungen dienstbar zu machen* , So sind bereits Bogenanlegeapparate, die letzte Errungenschaft auf ■■ ■ - ■ y .1 - ■ ■ i 'TaTi ■ , ■ . r—■ ■ rza! buchdruckmaschinellem Gebiet, tätig, die gleich den neuen Falzmaschinen neben vorzüglicher Arbeit eine wesentliche Ersparnis erhoffen lassen» Eine betriebsökonomisch sehr bedeutungsvolle und technisch tief einschneidende Änderung, die als wichtige Anordnung der Verwaltung schon vorher genannt wurde, hat sich in den letzten Monaten dadurch vollzogen, daß der gesamte Maschinenpark nicht mehr durch die gewaltigen Dampfmaschinen, die jedes Besuchers Bewunderung wachriefen, sondern durch größtenteils neu installierte, etwa 165 unscheinbare Elektromotore bewegt wird» Diese wahren Heinzelmännchen sind aber für den intermittierenden Druckmaschinenbetrieb von unschä^barem Wert» Sie machen, da die meisten der Pressen ihren eigenen, fast keiner Wartung bedürfenden Motor besißen, und nur sehr wenige im Gruppenantrieb gekuppelt sind, die gefährliche, kraftzehrende Transmission überflüssig und die Maschinen selbst von einander unabhängig» Dabei wird aber noch weiter, da die Kraftspenderin ruht, wenn die von ihr getriebene Presse stillsteht, wesentlich an Kosten gespart» Die neue elektrische Zentralanlage mit den Schalttafeln übertrifft ihre schon sehenswert gewesene Vorgängerin an Zweckmäßigkeit und Schönheit der Anlage noch um ein Bedeutendes» In einem kleinen Raum, in welchem mit zuckenden roten Blißen versehene Warnungstafeln den Menschen zur Vorsicht mahnen, gelangt der aus dem Straßenkabel zugeführte Primärdrehstrom von 5000 Volt Spannung teils zur Transformierung auf Drehstrom von 110 Volt, teils durch gekuppelte Sekundär- und Primärdynamomaschinen zur Umformung auf Gleichstrom derselben niedrigeren Spannung» Da dirigiert ein einziger Techniker die Tätigkeit des großen und vielverästelten, das ganze Haus durchziehenden und mit Licht und Kraft versorgenden Elektrizitätsneßes» Die Anstalt auch jeßt wieder gegen alle Eventualitäten zu schüfen, ist die Aufgabe einer Reserveanlage* Versagt aus irgend einem Grund das Straßenkabel die Abgabe des Stroms, so liefert die für dringendste Betriebszwecke erforderliche Menge augenblicklich eine von äußeren Ressourcen ganz und gar unabhängige eigene elektrische Zentralstation, in welcher eine Dynamomaschine von dem mit ihr direkt gekuppelten neuartigen Hult-Motor betrieben wird» Der schöne, mit Glas überdachte, jeßt freiwerdende Raum, welcher bisher die ihres wichtigen Amts so ruhig waltenden Dampfmaschinen beherbergte, wird nunmehr vollkommen abgedeckt, um für die anstoßenden Arbeitsräume eine neue Licht- und Luftquelle zu bilden» Welch greller Kontrast, wenn hier der hochinteressanten, noch aus der patriarchalisch-gemütlichen Zeit des Buchdrucks herstammenden Reliquie gedacht wird, nämlich der pietätvoll im Museum der 5 m Anstalt aufbewahrten zierlichen hölzernen Handpresse, die Kaiser Josef II* bei seinen Übungen in der Kunst Gutenbergs benutzt hatte* Sie wurde im Jahre 1819 von Erzherzog Johann dem Buchdrucker Anton Strauß in Wien in Anerkennung seiner dem Staate 1809 geleisteten Dienste geschenkt# Von dessen Nachfolger, Strauß'Neffen Leopold Sommer, erwarb Auer nach wiederholten vergeblichen Versuchen endlich im Jahre 1850 die Presse um den Betrag von &&&&&&&&£&&&£ 995 Gulden C* M* m die Ausgestaltung des typographischen Illustrationswesens hat sich die Staatsdruckerei wiederholt besondere Verdienste erworben* Dies geschah teils durch die Arbeiten ihrer Angestellten, teils durch die anderer Graphiker, denen sie ihre Arbeitsräume zu Versuchszwecken überließ* Hier sind zu nennen, von Gießendorf, Piil, Pretsch, Leipold, Knoblich, Tomassich, Karl Angerer, der Begründer der nachmals einen Weltruf erlangenden Firma C* Angerer SC Göschl, dann Bartos, Allgeyer, Fritj u* a* Die intensive Beschäftigung mit der Herstellung von photomechanisch und im Abwege gewonnenen Buchdruckklischees fiel hauptsächlich in die Zeit, da diese noch lange nicht durch Spezialanstalten Gemeingut aller Buchdrucker geworden waren* Ebenso erfolgte zweimal die Errichtung xylographischer Ateliers zu Zeiten, da es mit der ehrwürdigen Holzschneidekunst in Österreich nicht zum besten stand und sie auf einige wenige Talente beschränkt war* ühmlich ist des Vorgehens der Staatsdruckerei zu gedenken, daß sie nicht nur für eine weitgehende D Ausbildung ihres Gehilfen- und Lehrlingspersonals in der mechanischen Handfertigkeit sorgte, sondern U daß sie — auch hier machte der vielseitige Auer den Anfang — durch die Abhaltung von Unterrichts- _kursen, deren Organisation im administrativen Teile besprochen ist, bestrebt war, dem fachlichen Wissen des Einzelnen eine breitere theoretische Grundlage zu geben und so ein verläßliches, den schwierigen Aufgaben gewachsenes Setter- und Korrektorenpersonal heranzubilden* Als sehr interessante betriebstechnische Neuerung ist der unter Hofrat Beck unternommene Versuch zu bezeichnen, durch eigene stenographische Unterrichtskurse einen Teil der Setter der „Reichsratsabteilung“ zu befähigen, unmittelbar nach den einlangenden Stenogrammen zu setzen, um die Herstellung dieser stets in kürzester Zeit zu beendenden Arbeiten erheblich beschleunigen zu können* Dieser Unterricht war hauptsächlich für die längere Zeit hindurch ausschließlich in der Staatsdruckerei gepflegte © Ausführung rein stenographischer Druckwerke mittels besonderer Lettern von großem Vorteil* Ähnliche fortbildende Zwecke verfolgt planmäßig auch der im Jahre 1886 gegründete „Fachtechnische Klub der Beamten und Faktoren der Staatsdruckerei“* Seine Mitglieder, die vielfach leitende Stellungen in dem komplizierten Betrieb einnehmen, erhalten reichlich Gelegenheit in erster Linie die Fortschritte auf ihrem fachlichen, in zweiter Reihe auf andern Gebieten von allgemeinem Interesse wahrnehmen zu können* Der Klub, der auf seine Kosten zur Weltausstellung 1900 drei seiner Mitglieder nach Paris entsendete, besitzt auch ein eigenes Publikationsorgan in den „Mitteilungen des Fachtechnischen Klubs“* Um die zur obersten Leitung berufenen Personen in die Lage zu setzen, von dem jeweilig höchsten Stand der graphischen Fächer lückenlos in Kenntnis zu sein, wurde ihnen seit Hofrat Beck häufig die Unternehmung umfassender Studienreisen gestattet, die sich über den ganzen Kontinent erstreckten* Insbesondere für das Gebiet des Buchdrucks waren diese Reisen von reicher Ausbeute, die in erschöpfenden Berichten niedergelegt wurde* Dadurch hat nicht nur die Anstalt selbst, sondern ein weiter Kreis von Berufsangehörigen an dem Ertrag der Reisen partizipiert* Eine wesentliche Ergänzung schuf Hofrat Ernst Ganglbauer durch die Einrichtung, zeitweilig auch Funktionäre aus den verschiedenen Abteilungen zu Studienzwecken ins Ausland zu schicken* Dieser Umstand im Verein mit dem Brauch, gewisse Arbeitskräfte mit fremdstaatlichen Schwesterinstituten auszutauschen, verhindert in der besten Weise eine sonst kaum zu meidende Verknöcherung der Arbeitsmethoden* Kein Wunder, daß unter diesen Verhältnissen viele der Beamten, Faktoren und sonstigen Mitarbeiter zu publizistischer Betätigung angeregt werden, die bisher eine wertvolle Bereicherung der Fachliteratur ergab* ie schwierig und verantwortungsvoll die Leitung der Staatsdruckerei ist, erhellt drastisch ein einziger Umstand. Fast jeder graphische Betrieb, der nicht ausschließlich leicht einzuteilende eigene Bedürfnisse, eines Verlags etwa, zu decken hat, leidet unter der Tatsache, daß eine Periode der intensivsten Tätigkeit von einer Periode stillen Geschäftsgangs abgelöst wird, deren Minderertrag niemals durch ein ausgleichendes Herabgehen der Regiekosten wettgemacht werden kann, weil diese sich überhaupt kaum nennenswert verringern lassen* Diese Tatsache stellt nun insbesondere an die Leitung großer Unternehmen hohe Anforderungen in Betreff der Organisation* Die Hof- und Staatsdruckerei hat gleichfalls in großem Maße mit derart sprunghafter r.j+ , .i*t '■■' y ■ -*.-, Tt I *-* vy>y.\: v .*• V « "f>- ! 1 • „ . «r ^ i • ♦ ^ ÿ *»*%• r >s»v ‘ . .. ' ,k , V 3i'; *\ ■•&-! • , v 3 Arbeitsüberhäufung zu rechnen und muß die an sie ergehenden amtlichen Aufträge oft unter den schwierigsten Verhältnissen erledigen» So ist auch die Anstalt gezwungen, gesetzte Formen während langer Zeiten oft stehen zu lassen, um zum Beispiel eine Gesetzvorlage, für die nach beendigtem Satz jahrelang die Erledigung aus irgendwelchen Gründen aussteht, dann plötzlich innerhalb des Zwangstermins von einigen Tagen fertigstellen zu können» Ende 1903 hatten diese stehenden Formen ein Gewicht von fast zwei Millionen Kilogramm und einen Sachwert von über zwei Millionen Kronen» Selbstverständlich ist diese ungeheure Menge von Saßmaterial fast immer festgelegt; nichtsdestoweniger müssen häufig in unglaublich kurzer Zeit umfangreiche, Material in größter Menge erfordernde Werke erledigt werden» Der Saß des „Österreichischen Centralkatasters“, der 10 Bände mit etwa 10»000 Seiten stark ist, wurde in 16 Wochen fertiggestellt; der „General-Gütertarif“, dessen 4520 Kolumnen rund 70»000 Kilogramm Saßmaterial beanspruchen, muß nach zweiund- einhalb Monaten expediert werden können» ^S'SL^'SL^S'SL ^J ^ ie glatte Erfüllung so vieler schwierigen Berufsauf- K “ gaben ist dem Staatsinstitut nur dadurch möglich, daß das treffliche Personal einer Leitung unterstellt ist, die es sich immer zur Aufgabe gemacht hat, alle Fortschritte auf den Gebieten der graphischen Künste, dann der Maschinentechnik und der ein- _schlägigenHilfsfacher unausgesetzt und aufmerksam zu verfolgen* Zu welcher Leistungsfähigkeit die Staatsdruckerei bisher vorgeschritten ist, zeigen einige aus dem Geschäftsberichte für das Jahr 1903 entnommene Zahlen» Die Setzerabteilungen, deren 450 Setzern 2694 Setzkästen mit 2,120*987 Kilogramm Material zur Verfügung stehen, hatten Formen für 27*673 Satzbogen herzustellen» Die Kreditbuchdruckerei lieferte an Werteffekten für Österreich und eine Reihe fremder Länder 1 Milliarde und 391 Millionen Stücke, deren Schneiden, Revidieren, Zählen, Perforieren, Leimen, Einspangen und Verpacken besonderen Abteilungen obliegt» Die nicht- kreditlichen Druckereien erzielten an Werk-, Akzidenz- und Kunstdruck eine Gesamtleistung von über 100 Millionen Abdrucke» Ausschließlich für den Eigenbedarf der Anstalt wurden in ihrer Schriftgießerei an Lettern, Linien, Einfassungen u» s» w» 144»518 Kilogramm erzeugt* Die drei Abteilungen für Stereotypie und Galvanoplastik lieferten 22»205 galvanische Druckstöcke, 31*980 Kilogramm Flachstereotypen, 2075 Rundstereotypen und 393 Rundgalvanos für die Rotationsmaschinen, endlich wurden Platten im Ausmaß von 40*000 Quadratzentimeter verstählt» Um das Bild übersichtlich und i fff vollständig zu machen, seien auch die Leistungen der Abteilungen hier angeführt, welche andere graphische Techniken ausüben, und deren Erzeugnisse an besonderer Stelle dieser Festschrift besprochen werden* Die Abteilung für Lithographie war 1903 mit der Herstellung der Platten und Steine für farbige Tafeln und Faksimilereproduktionen beschäftigt« Die Steindruckerei war im stände, an feinlithographischem und Kunstdruck 920*684 Abdrucke und an gewöhnlichen Arbeiten 929*369 Abdrucke auszuweisen* Das photographische Atelier verfertigte 1441 Aufnahmen für die Zwecke der photomechanischen Druckverfahren^ die Lichtdruckerei von 195 Platten 53*756 Abzüge* Die von der Ätjerei gelieferten Klischeeplatten erreichten das Gesamtausmaß von 221*202 Quadratzentimetern* Die Buchbinderei hatte an Broschüren, Einbänden u« a« 177 Millionen Exemplare zu bewältigen* Es ist selbstverständlich, daß, entsprechend den vorgenannten imposanten Leistungen der produktiven Abteilungen, auch jene der Hilfsabteilungen, wie Expedite, Verschleiße, Materialdepots, Lettern-, Formen- und Papiermagazine, Tischlerei, Schmiede, Schlosserei, Leimerei u* s* w*, sich in weiten Grenzen bewegen* Die Organisation dieses graphischen Riesenbetriebs, in welchem nahezu 1700 Personen tätig sind, ist eben eine mustergültige* Die Menge der zu bewältigenden Verwaltungsarbeiten ist aus einigen herausgegriffenen Angaben leicht erkennbar* So betrug die Summe der Manipulationsgeschäfte des Direktionsbureaus im letzten Geschäftsjahre 88*595* Die Kassa hatte 145*000 Empfangs- und Ausgabsposten zu verrechnen; die Zahl der einlangenden rekommandierten Briefe erreichte allein 9000 Stück; für die eingelaufenen Bestellungen wurden 31*251 Laufzettel ausgefertigt £t&und einer zweimaligen tarifmäßigen Berechnung unterzogen* ei dem großen Verbrauch an Betriebsmaterialien, der im Jahre 1903 den Betrag von rund 320*000 Kronen erforderte, ferner an Papier, von welchem in demselben Jahre 160 Millionen Bogen neben V /2 Millionen Kuverts verarbeitet wurden, und bei dem Umstand, daß die an 42 Abteilungen vom Materialdepot zu _verabfolgenden Verbrauchsgegenstände die verschiedenartigsten sind, war es mit Schwierigkeiten verknüpft gewesen, die Einkaufsbedingungen derart festzuset^en, daß gleicherweise die qualitativ wie pekuniär günstigste Erstehung gesichert erschien* Es war daher die von Hofrat Ganglbauer vorgenommene Regelung des Lieferungswesens in technischer wie administrativökonomischer Hinsicht gleich wertvoll* Bietet die Methode der Konkursausschreibung die Gewähr der freien Entwicklung der (0 kommerziellen Kräfte und infolgedessen der wohlfeilsten Erstehung, so bildet die gleichzeitige Einführung der Überprüfung der angebotenen sowie der steten Kontrolle der gelieferten Ware, sei es Papier, Druckfarbe oder etwas anderes durch einen Berufschemiker eine ausgezeichnete, wissenschaftlich fundierte Ergänzung des vom Praktiker gefällten Urteils* Dieser kann, neben der rasch erwiesenen tatsächlichen Verwendbarkeit, nur Äußerlichkeiten feststellen; eine genaue, besonders hier oft so notwendige Erkenntnis der StofF- zusammensetzung ist ihm unmöglich und er bleibt dann ohne gelehrte Hilfe auf die Empirie angewiesen* Das kann aber zu Mißhelligkeiten führen, deren Gutmachung unter Umständen ausgeschlossen ist* |ie vorstehende gedrängte Würdigung der Betätigung der Staatsdruckerei — und es konnten aus der Fülle ihrer Leistungen nur in das Gebiet des Buchdrucks fallende in dieser Abhandlung besprochen kw wir JkfKm werden — läßt zur Genüge erkennen, welch hohen Wert sie besitzt* Sie stellt sich jedoch auch als not- ^ wendige Einrichtung eines Kulturstaates dar* Es mag dem Fernerstehenden die nach strengen Vorschriften sich vollziehende Amtsgebarung nur als hemmende Fessel erscheinen; sie allein aber bietet die Kautelen größter Sicherheit, die für Herstellung der Wertpapiere sowohl wie der vielfach geheimen anderen Drucksachen des Staates im öffentlichen Interesse gefordert werden müssen* Und so sind es noch heute wie vor hundert Jahren tatsächlich schwerwiegende Gründe, welche den Bestand der ausschließlich und unmittelbar der Staatsgewalt unterstehenden Anstalt dringend erheischen, wie analoge Verhältnisse auch die Errichtung einer eigenen Druckerei der Österreichisch-Ungarischen Bank zur zwingenden Notwendigkeit machten* Ein Vorteil der amtlichen Gebarung, die in wichtigen Fällen nur schriftliche Relationen kennt, ist übrigens auch darin zu erblicken, daß alle bedeutsamen Vorkommnisse auf graphischem Gebiet in den Akten festgelegt sind, was für den Forscher von unschätzbarem Werte ist* Nicht nur die der Staatsdruckerei instruktionsmäßig obliegenden ideellen Aufgaben bedingen es, daß sie sich auch zeitweilig an der Herstellung von Druckwerken beteiligt, die nicht bestimmten amtlichen Zwecken dienen, sondern eine derartige Betätigung ist als unleugbar im öffentlichen Interesse liegend zu bezeichnen* Ein mit der Anfertigung von Wertpapieren betrautes Institut bedarf möglichst uneingeschränkter Bewegungsfreiheit auf allen graphischen Gebieten, wofür die kräftigste Illustration jene in das Ende der Direktionszeit Auers fallende Auflösung der Kunstabteilung der Staatsdruckerei bildet, 3 ■i 1 welche nach kurzer Zeit unter Beck rückgängig gemacht werden mußte» Denn man hatte erkannt, daß der wichtigste Grundsatz bei der Herstellung von Wertpapieren nicht darin liegt, einfach den routinierten Kassier — etwa durch Anbringung von Geheimzeichen an den Kreditpapieren — sondern das große Publikum vor Fälschungen zu schützen* Ein solcher Schutz ist aber hauptsächlich darin zu finden, daß Kreditpapiere zugleich graphisch-technisch vollendete Arbeiten sind, die die Erkennung weniger vollkommen ausgeführter Nachahmungen leicht ermöglichen» Und nur dann kann eine Anstalt derart Vollkommenes leisten, wenn alle von ihr betriebenen Fachabteilungen durch intensive Betätigung lebensfrisch erhalten werden» Eine solche ist wieder allein möglich, wenn es dem Institut gestattet ist, unter Umständen auch nicht direkt staatlichen Bedürfnissen bestimmte Werke herzustellen, die aber wegen ihrer besonders schwierigen Ausführung eine Anspannung aller verfügbaren Kräfte verlangen» Dagegen ist darüber hinaus die Wirksamkeit der Staatsdruckerei nach den Bestimmungen der geltenden Vorschriften eng begrenzt» Sie ist im allgemeinen von Privatarbeiten grundsätzlich ausgeschlossen und darf solche nur ausnahmsweise und stets nur mit Bewilligung des k» k» Finanzministeriums hersteilen, wenn eben die Zulässigkeit derartiger Arbeiten „durch die Anwendung fremder Schriftzeichen oder wegen besonders künstlerischer, komplizierter Ausfertigung, welche Privatanstalten nicht besorgen können“, dargetan erscheint oder Gründe des Gemeinwohls und der Humanität für einen billigen Vertrieb von Drucksorten maßgebend sind« Tatsächlich ist der sämtliche Privatarbeiten umfassende Ausweisposten ein sehr geringer» Er betrug im Jahre 1903 bei einer Gesamtlosung ÄS/ von über 5 V 2 Millionen Kronen nicht ganz 50»000 Kronen» S5Ä |as Bestehen eines Instituts vom Range der österreichischen Staatsdruckerei ist aber nicht nur im Interesse der Gesamtheit der Staatsbürger gelegen sondern es ist auch geradezu ein ausschlaggebender Faktor für das Gedeihen des heimischen Kunstgewerbes« Nach dem Amtsunterricht vom Jahre 1864 und dem vom Jahre 1896 bildet eine Hauptaufgabe der Hof- und Staatsdruckerei „den technischen Fortschritt im Interesse der gesamten graphischen Künste Österreichs zu fördern, auf zweckmäßige Reformen Bedacht zu nehmen, als Musteranstalt zur Förderung der graphischen Künste einzuwirken und in ihrem Fach der Privatindustrie voranzugehen“» Dieser von oberster Stelle bestimmte Grundsatz, für dessen Befolgung dieselbe Verantwortlichkeit besteht wie für die aller anderen Punkte der Instruktion, ist wesentlich geeignet, die Bedeutung des Instituts für die Allgemeininteressen der Fachangehörigen zu dokumentieren« Dazu kommt noch das hervorstechende Merkmal der besonderen Stabilität, deren sich die Staatsdruckerei naturgemäß erfreuen kann« Bei ihr können allgemeine Konjunkturen nie die entscheidende Rolle spielen« Sie ist vielmehr der immerfort lebendige Rahmen, der die eigenen und fremden Fortschritte auf graphischem Gebiet dauernd und allen nutzbringend umfaßt« Und so möge denn unsere k« k« Hof- und Staatsdruckerei der ruhmreichen Geschichte des ersten Jahrhunderts ihres Bestands noch die vieler, gleiche Ehren verkündend, folgen lassen« K O R R E TORE 5 DIE HOFHUND STAATS 2 DRUCKEREI ALS KUNST 2 ANSTALT 22re££9 VON DR. JOSEF DERNJAC f A ■I na ✓ m unteren Ende der Singerstraße, den durch ein schmales Gäuchen vom Palaste der Staatsschuldenkasse getrennten alten Häusern gerade gegenüber, ziert im ehrwürdigen Gebäude des Franziskanerklosters, dort, wo es in seinen oberen Geschossen auch den bescheidenen Schmuck der kreisrunden Nischen nicht mehr besitzt, der es als einen der lebten Zeugen vom Einfluß der deutsch-niederländischen Renaissance auf das Kunstschaffen in _unseren Gegenden charakterisiert, das Erdgeschoß eine Reihe hoher Schaufenster. Ihre Ausstattung mit den eigenartigen Füllungsornamenten und mit den kleinen Statuetten im Fries, die das kaum handbreit ausladende Gesimse stützen, läßt uns über ihre Entstehungszeit nicht lange im Zweifel. Auch in dem, was hinter den Scheiben zur Schau gestellt ist, okkupiert das Moderne, das sich eingeschlichen, neben den uns schon in unserer frühesten Jugend liebwert und vertraut gewordenen Stücken, dem Wandschmuck und den Lehrbehelfen der Fünfzigerjahre, nur einen V-E-R-L-A-G D-E-R- K." K. H O F = U N D . I î ï ' 4 £ verhältnismäßig sehr bescheidenen Raum* Ein stiller Winkel, weit abseits von den Passagen gelegen, welche der Strom geschäftiger Menschen vom frühen Morgen bis in die späte Nacht hinein kontinuierlich durchflutet, ist erfahrungsgemäß nicht der Ort, an dem eine Schaustellung, und sei sie noch so geschickt und geschmackvoll arrangiert, wesentlichen Nutzen bringen kann* Und so mag in Rücksicht auf die Verbreitung ihrer trefflichen Leistungen für die Hof- und Staatsdruckerei die permanente Ausstellung in ihrem eigenen Hause an einer Stätte der verkehrslosen Weltabgeschiedenheit seit jeher nahezu bedeutungslos gewesen sein* on den Passanten, die Geschäft oder Müßiggang am Franziskanerkloster tagsüber vorbeiführt, sind immer nur wenige in Betrachtung vor der Auslage stehen geblieben, die über dem Mittelfenster in einem mächtigen Giebel unter den Fittichen des Doppeladlers in goldenen Lettern als „Verlag der k* k* Hof- _und Staatsdruckerei“ sich zu erkennen gibt* Und nicht allzu oft geschah es, daß ein Besucher die Treppe hinauf und in jenen Gang des oberen Geschosses sich verirrte, wo eine bis an die Kreuzgewölbe der Decke emporragende Gruppe von herrlichen Bildwerken alles dominierte: die in Rahmen beiderseits an den Wanden symmetrisch angeordneten Werke der graphischen Kunst, die Kupferplatten, Holzschnitte und druckfertigen Steine in Wandschränken und Vitrinen, die naturgetreuen Abbildungen diverser Spezies aus dem Tier- und Pflanzenreich in den Fensternischen und die geschlossenen oder aufgeschlagenen Prachtwerke auf den Schränken und Pulten jener plastischen Gruppe vis-à-vis* Es war eine wohlgeordnete Schaustellung all jener vorzüglichen Arbeiten, mit denen die k* k*Hof- und Staatsdruckerei so viele Ehren und Auszeichnungen davongetragen, von der ersten Londoner Weltausstellung von 1851 angefangen bis herein in unsere Zeit* Es war in gefälliger Form zusammengestellt das lehrreiche Material, auf Grund dessen die Franzosen sie für eine würdige Rivalin „de la première imprimerie du monde, de l'imprimerie impériale française“, die Engländer sie für „the most complété printing establishment of the world“ erklärt* s ist noch nicht lange her, daß in einer Reihe von glänzenden Festen der große Aufschwung gefeiert wurde, den das Eisenbahnwesen aller Länder Österreich verdankt* Das Aufblühen des großen Staatsinstituts für Typographie und der mit le^terer zusammenhängenden Künste der Illustration fallt chronologisch mit demselben zusammen* Wenn in 8 10 (ff » 1 Zukunft ein Geschichtsschreiber, schon um der Fortschritte auf diesen beiden Gebieten willen, den Fünfzigerjahren des vorigen Säkulums, mehr als bisher üblich war, Gerechtigkeit widerfahren läfjt, dann wird er auch nicht umhin können, eines Auer und Beck, die den glänzenden Ruf der k. k. Hof- und Staatsdruckerei als Kunstanstalt begründet, mit Anerkennung zu gedenken. Denn wie Karl Ghega und sein Ingenieurkorps, so waren auch diese mitsamt ihren hervorragendsten Mitarbeitern, so waren auch ihre Gönner und Förderer echte Söhne des alten Österreich, der viel verlästerten Epoche von Kaiser Franz und Metternich. ^ie so viele Geister, denen es in der Folge vergönnt war, schöpferisch zu wirken, hatte das wohlmeinende Geschick auch Alois Auer fernab von der breiten Strafe des methodischen Studienganges seine eigenen Wege geführt. Er fand in einer Buchdruckerwerkstätte sich selbst und seine Welt. Dann, nachdem er sein Wissen auf vielen Reisen ausgebaut und bereichert, ward ihm das seltene Glück zu teil, in einem Alter, da minderbegünstigte Sterbliche in öffentlichen Diensten über das Praktizieren noch nicht wesentlich hinaus sind, auf einen sehr hohen leitenden Posten gestellt zu werden. „Der polygraphische Apparat oder die verschiedenen Kunstfächer der k. k. Hof- und Staatsdruckerei in Wien“, 1853, also zwei Jahre nach der ersten Londoner Weltausstellung herausgegeben, ein Oktavband, 50 Seiten stark, mit mehreren artistischen Beilagen, zeigte, was der Mann in der kaum ein Dezennium umfassenden Periode seiner Wirksamkeit an dem Staatsinstitut an technischen Verfahren in das Leben gerufen und was sein hochfliegender Geist sich von der Entwicklung jedes einzelnen derselben versprach. - O ^ie beigegebenen Kunstblätter erscheinen uns auf ^ den ersten Blick wie ein Auszug aus dem seiner- ¥3 zeit allerorten und zumal in London bestaunten, Qi aus den Abdrücken sämtlicher graphischer Fächer gl zusammengestellten IV. Bande des Albums der J k. k. Hof- und Staatsdruckerei, sind es aber nicht, njln dem Texte, worin die am Schlüsse auf einer afel kurz charakterisierten und in Erhabendruck, Tiefdruck, chemischen Druck und Naturselbstdruck eingeteilten technischen Verfahren noch einmal ausführlich besprochen werden, klingt uns so manches wie eine Vorahnung der heutigen Zeiten mit dem Niedergang der alten künstlerischen und dem Aufgang der modernen 1 photomechanischen Vervielfältigungs verfahren, mit der Moment ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ » .■■■s ■■ ■ ■■■ «-■ ■ ■ ■ i ^ '■ ■ r photographie und der Ansichtskartenflut. Vom Holzschnitt hei§t es, „er werde, obgleich man ihn noch lange zu Illustrationen gebrauchen wird, das Gebiet der Wirklichkeit, nämlich der schon vorhandenen bildlichen Darstellungen, räumen müssen“; „man liefere“, hei§t es weiter, „der Photographie nur nach und nach die ganze Welt in Bildern; dies wird Tausenden von Photographen Beschäftigung und, wofern der Preis auch Minderbemittelten erschwinglich, Millionen von Käufern Gelegenheit bieten, dieselbe, so weit man sie braucht, in seinen Zimmern zu haben, all die Städte und Gegenden, die man durchfliegt, all die merkwürdigen uns vor Augen geführten Gegen- stände mitzunehmen“. er damals eben erfundenen Galvanoplastik glaubte Auer eine besonders glänzende Zukunft weissagen zu können. Er war überzeugt, da§ „alles, was das Auge sieht und das Gefühl zu unterscheiden vermag, dem galvanischen Strome gehöre“, und da§ die zerstreuten Werke großer Meister Italiens und des gesamten In- und Auslands, die als Unika ihrem Standort angehören, nach und nach (galvanisch) vervielfältigt und dem Verkauf würden zugeführt werden. Es wird sich in der Folge zeigen, da§ er, in der Lage, seine Theorie in die Praxis zu übersetzen, mit Eifer an die galvanoplastische Vervielfältigung der verschiedenen Werke grofjer Meister ging, dabei aber leider die Kostspieligkeit des „kalten Gusses“ bei der Anfertigung von Kopien, zumal lebens- grofjer Statuen, nicht hinreichend in Erwägung zog. harakteristisches Zeugnis, wie erfolgreich Auer die graphischen Vervielfaltigungsverfahren kultivierte, gibt die von ihm in Gemeinschaft mit Dr. H. Meynert redigierte „polygraphisch illustrierte Zeitschrift Faust“, von welcher fünf Jahrgänge, 1854-58, erschienen sind. „Man gründe nur“, so hatte er ein Jahr vor dem Erscheinen des ersten Jahrgangs geschrieben, „eine illustrierte Zeitung mit Beilagen aus allen Fächern der Natur, der gesamten Gebiete der Technik, der Kunst und Wissenschaft, ausgeführt mit Hilfe aller Druckkünste und sie wird sich in jedes Haus und in jeden Winkel, wohin ein Buch dringen kann, Bahn brechen“. Zur Popularisierung der in der k. k. Hof- und Staatsdruckerei auf dem Gebiet der graphischen Künste gewonnenen Resultate hat sie in den Kreisen ihrer Leser zweifellos beigetragen Wofern von letzteren noch welche unter den Lebenden weilen, dürften sie sich, wie an die dem Texte an Naivität vollständig ebenbürtigen Holzschnittillustrationen in Joh. Nepomuk Vogls Volkskalender, so ÖE 8 2 ■y&t\ i . s V — , +1 i'.Tr*?: • "'^... ' Vv.^r.s . S aTTOMAR VON VOLKMER HOFRAT UND DIREKTOR DER KOT- UND STAATSDRUCKEREI /*5 r % fl / /*! U gCWlliliCllj ^Y( reichen ziemlich weit zurück« Ein im Hamburgischen Museum für Kunst und Gewerbe bewahrtes Manuskript mit dem Titel: „Ueber die mancherley Arten Abbildungen zu verfertigen, eine Vorlesung gehalten 1779 von Johannes Dominicus Schulde, des Werk-, Abbildungen zu verfertigen, eine Vorlesung gehalten 1779 von Johannes Dominicus Schulde, des Werk-, Zucht- und Armen-Hauses praktischem Arzte“ gibt, illustriert mit eingeklebten Probedrucken, von denselben ausführliche Kunde* Das wichtigste Verfahren war das des Hallenser Buchdruckers Johann Gottfried Trampe, der getrocknete Pflanzen auf einer Pappeunterlage mit den Buchdruckerballen einschwärzte und auf der Buchdruckerpresse zum Abdruck brachte, die Ectypa vegetabilium ad naturae similitudinem expressa, 200 Blatt, 1760-64, die bedeutendste aus der Trampeschen Offizin hervorgegangene Publikation* (Nach einem Auszug des Manuskripts dem Verfasser von Herrn Dr.J.Brinckmann, Direktor des Hamburgischen Museums für Kunst und Gewerbe, freundlich mitgeteilt*) Indessen ist es immerhin ein anderes, von den Objekten selbst oder von Formen, die durch Einpressen derselben in weiches Metall hergestellt worden sind, Abdrücke zu gewinnen* So interessant die von dem oben genannten Hamburgischen Arzte beschriebenen Experimente Trampes und seiner Nachfolger, welche übrigens hierzulande unbekannt geblieben sind, als deren Vorstufen, historisch betrachtet sein mögen, sie nehmen der in der k* k* Hof- und Staatsdruckerei gemachten Erfindung auch nicht das mindeste von ihrem Verdienst* Es hat aber allerdings nicht an Versuchen gefehlt, das letztere zu schmälern* Im Jahre 1853 entstand über die Erfindung des Naturselbstdrucks eine Kontroverse, bei welcher Auer in seiner Schrift „Eigenthumsstreit bei neuen Erfindungen“ seine Prioritätsansprüche mit Erfolg verteidigte* Verletzend waren die Angriffe von englischer Seite* Er hat in der Schrift: „Die Entdeckung des Naturselbstdruckes, vorgelesen in der mathematisch - naturwissenschaftlichen Klasse der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften 1854“ seiner gerechten Entrüstung über die Perfidie derselben beredten Ausdruck gegeben* Für dasjenige, was er von denEngländern erfahren, wurde ihm von einer anderen Seite wenigstens einigermaßen Genugtuung gewährt* Auf Ansuchen des Hauses Viktor Masson in Paris, dessen Chef im September 1853 zum Studium der Einrichtungen in der k* k* Hof- und Staatsdruckerei in Wien geweilt, erhielt ein Monat später der Leiter der galvanoplastischen Abteilung und Miterfinder des Natur selbstdrucks, Faktor Andreas Worring, von Regierungs wegen die Erlaubnis, sich nach Paris zu begeben und daselbst in dem genannten Hause nach dem Wiener Muster die Anstalten für Gal- vanoplastik und für den Naturselbstdruck einzurichten* 'SL^S'SL nzwischen erfolgte auf dem Gebiet der Photographie eine Erfindung nach der anderen* Und von keiner derselben kann man sagen, daß sie Auer in seinem Institut nicht erprobt und eingeführt* Die Versuche, Daguerreotypplatten zu ä^en und auf diese Weise druckfahige Platten zu gewinnen, hatten keinen nennenswerten praktischen Erfolg* Besser war es diesbezüglich mit der in München von Kobell erfundenen Galvano- graphie bestellt, wie sich weiter unten zeigen wird. Im Jahre 1852 . : I hatte Talbot in England die Quellbarkeit der Lichtbilder auf Chromatgelatine entdeckt; an diese Beobachtung anknüpfend, machte Paul Pretsch, welcher bald nach der Berufung Auers, im Jahre 1842, in die k« k« Hof- und Staatsdruckerei eingetreten war, angeregt durch dessen Naturselbstdruck, die Erfindung der Photogalvanographie« Das Abformen der Naturobjekte brachte ihn auf die Idee, die durch Licht erzeugten Reliefs auf Chromatgelatine in ähnlicher Weise galvanoplastisch abzuformen und zum graphischen Druckverfahren nutzbar zu machen« In voller Würdigung der Bedeutung derselben hat Auer Pretsch zur praktischen Durchführung seiner Erfindung die Mittel des Staatsinstituts zur Verfügung gestellt und ihm auch die finanzielle Ausnützung derselben gestattet« Pretsch nahm 1854 ein ähnlichesPatentaufseinePhotogalvanographie wiejenes, dasWorring ein Jahr zuvor, und zwar ebenfalls mit Unterstützung Auers für den Naturselbstdruck erworben« Die nach seiner Methode hergestellten Druckplatten brauchten zwar viel Retusche durch die Hand des Kupferstechers, lieferten aber schöne Halbtonbilder« Pretsch reiste nach London, das er irrtümlicherweise für den richtigen Ort ansah, seine Erfindung fruchtbar zu machen und wo er die Photogalvano- graphic Company gründete« Die Erfahrungen, die er hiebei machte, bilden ein würdiges Seitenstück zu der Art und Weise, in welcher seinerzeit der Erfinder der Schnellpresse, Friedrich König, von seinem unternehmenden Teilnehmer, Thomas Bensley, ausgebeutet worden war« Für alle Enttäuschungen, die er erlitten, bot auch die bei der Londoner Weltausstellung von 1862 für die photographisch hergestellten Kupfer- und Buchdruckplatten ihm verliehene „einzige“ Medaille dem Erfinder der Photogalvanographie keineswegs Ersatz« Er kehrte 1863, an Leib und Seele gebrochen, nach Wien zurück und fand in der Hof- und Staatsdruckerei seine letzte Zufluchtsstätte« Die Pretschsche Methode wurde allerdings schon in den Sechzigerjahren, wo es sich um Herstellung von Buchdruckplatten handelte, durch das sogenannte Pigmentverfahren verdrängt, welches sich in natur- gemä§er Konsequenz aus der Pretschschen Erfindung entwickelt hatte und zum Beispiel im k« u« k« militärgeographischen Institut in Wien noch gegenwärtig zur Herstellung von Landkarten benützt wird« In den Halbtonheliogravüren wurden diese galvanischen Methoden durch die schnelleren Atzmethoden erseht« Das Verdienst eines Pretsch, für seine Zeit bahnbrechend gewirkt zu haben, wird dadurch in keiner Weise geschmälert« Die nach seinem am 26« August 1873 erfolgten Tode laut gewordenen Stimmen, welche ihm die Priorität seiner Erfindung streitig zu machen suchten, mußten angesichts der übereinstimmenden Zeugenaussagen redlicher und hochverdienter Männer 9 2 verstummen* In gebührender Anerkennung der Tatsache, da§ er die modernen photomechanischen Verfahren mächtig gefördert, hat ihm der Wiener Faktorenverein, 1888, zum größten Teil aus den Beiträgen seiner Mitglieder, und weil nirgends sonst Pla£ dafür zu gewinnen war, in s einem eigenen Lokal ein Denkmal errichtet* nter den Photogalvanographien, die aus der k* k* Hof- und Staatsdruckerei hervorgegangen, sind zu nennen: Der Bogen des Septimius Severus mit der Phokas-Säule, Das Portal des Domes in Bamberg, nebst einem galvanoplastischen Farbendruck (ein Hundskopf). Sie kamen 1858, vier Jahre nach _Pretsch' Austritt aus der Anstalt, in den Handel* Was die sonstigen Techniken betrifft, welche im „Polygraphischen Apparat“ noch angeführt und mehr oder minder ausführlich besprochen werden, so ist, wie es den Anschein hat, mit der überwiegenden Mehrzahl derselben wenigstens in Einzelblättern nicht sonderlich viel geleistet worden* Bis auf die paar Proben in der genannten Schrift und in dem oben bereits zitierten IV. Bande des Albums der k* k* Hof- und Staatsdruckerei ist uns von der Gravierung, Guillochierung, Hyalographie (Glasätzung), Glypho- graphie, Cirographie, und wie sie alle heilen mögen, nichts ausnehmend Hervorragendes bekannt, es sei denn, da§ eine oder die andere dieser Methodenbei der Herstellung der Geldnoten Anwendung gefunden hätte* Hervorzuheben wäre, da§ die vonKobell in München erfundene Galvanographie, welche von einer auf Metallgrund angefertigten Tuschzeichnung erst eine negative und von letzterer zum Zwecke des Drucks eine positive Kopie anfertigt, schon 1851 mit einem Blatte, dem Abschied, nach Schindler, debütierte* Die Stunden des Stahlstichs, oder wie er auch genannt wurde, der Siderographie waren bereits gezählt und was die umständliche Methode der Chemi- typie, erfunden 1846, betrifft, Ausfüllung einer Tiefdruckplatte durch flüssiges Metall und Umwandlung derselben durch Freilegung der erstarrten Masse in eine Hochdruckplatte — deren Erfinder, den Dänen Piil, sofort an sein Institut gefesselt zu haben, Direktor Auer auch zum Ruhme angerechnet werden mu§ — so wissen wir von ihr so viel, dafj sie, meistens nur zur Reproduktion von Plänen, Karten u. s* w*, kurz zur Herstellung von grofjen Bildflächen verwendet, welcher das Holz Schwierigkeiten bot, noch viel später, nach Auers Rücktritt, bei der Erzeugung der österreichischen Rentenpapiere (Goldchemitypie) sich bewährt hat. Aber da vermutlich zum letztenmal* Die Methoden der chemigraphischen Zinkätzung (Gillotage, erfunden von dem Franzosen Gillot, 1850) und der Photozinkotypie, 9 3 i welche gleichfalls in der Anstalt schon frühzeitig angewendet wurden, . ' hatten allmählich auch von den großen Bildflächen Besitz ergriffen* 1 1 ^UAJJVfl5*g^5Tt°n den Publikationen in Buchform, bei denen der ' Holzschnitt seine Leistungsfähigkeit erwiesen, sind ' 1 KLik Führichs Denkblätter für unsere Zeit bereits früher , i genannt worden* Für den Reliquienschrein der 1 mhP* 8 Kathedrale von Graz, dessen Reliefs, Arbeiten von 1 1 Niccola und Giovanni Pisano und merkwürdige t ■Jrl nf rtlJr Vorbilder für Petrarcas Trionfi, die Staatsdruckerei ' i galvanoplastisch kopieren lie§, lieferte sie 1858 auch die elf photo- i ' graphischen Beilagen* In der Lithographie legte sie bei der Repro- 1 duktion der Historischen Handzeichnungen P* Joh* Nep* Geigers 1 1 von ihrem Können wieder ein glänzendes Zeugnis ab* (Text von G* A* , Schimmer, 90 Tafeln, 1861*) Aber wie bei den Einzelblättern, so suchte i die Staatsdruckerei in ihrer ersten großen Entwicklungsepoche vor ■ 1 allem in der Chromolithographie sich auszuzeichnen* Mehr wie 1 Hebras Atlas der — mit revoltierender Naturtreue wiedergegebenen 1 , — Hautkrankheiten, 1856, dem die Zeit nichts Ähnliches an die , , Seite zu setzen wu§te und dessen erste Lieferungen auf allen Aus- i Stellungen, wo sie zu sehen waren, wohlbegründetes Aufsehen 1 erregten und weit mehr noch als des Hofgärtners F. Lesemann in 25 chromolithographischen Tafeln reproduzierte Viola Tricolor, 1859, , interessieren uns die Werke kultur- und kunsthistorischen Charakters i und unter letzteren die kleineren, wie zum Beispiel Rudakowich, 1 Album der Ritterorden und Ehrenzeichen, 1856, und Hirtenfeld, Der ' Militär-Maria-Theresien-Orden, 1857, begreiflicherweise wieder , weniger als die großen und übergro§en Folianten wie Jolly, Bar* , A* E*, Monographie de la Chapelle de Bourgogne k Anvers, 1858, ' qu* Roy* Folio; Heldenzüge aus dem Jahre 1859, 1862, qu* Folio; 1 Reise Ihrer Majestäten durch Kärnthen 1856, 1859, Folio; Kirch- 1 liehe Baudenkmale im Erzherzogthum Österreich, nach Konr* Grefe, . 26 Blatt, 1861, Gro§folio; Kanitz F*, Serbiens byzantinische Monu- i mente, 1862, Grofjfolio; Bock Fr*, Die Kleinodien des heiligen ' römischen Reiches deutscher Nation und die Kroninsignien Böhmens, 1 Ungarns und der Lombardei, 1864, Imperialfolio* i fT"Z?CScKs^Jennern braucht man nicht erst auseinanderzusetzen, 1 JjM was einzelne dieser Werke als Illustrationen der 1 Zeitgeschichte, andere als Fundamente kunsthisto- 1 rischer Erkenntnisse bedeuten* Als künstlerischen XwüS Cb Leistungen gebührt unter ihnen dem erst- und 1 letztgenannten, welche beide Seiner Majestät dem Kaiser gewidmet sind, unbedingt der erste Preis* „Das Werk von Jolly“, schreibt Dr. Gustav Heider, „reiht sich durch künstlerische Vollendung der Ausstattung dem Bedeutendsten an, was die Mittel der Vervielfältigung jüngster Zeit gebracht haben“ (siehe Mitteilungen der k. k. Zentralkommission, IV. Band, 1859, Seite 11). „So viel Vollendetes aus der k. k. Staatsdruckerei hervorgegangen ist“, sagt Jakob von Falke, „das Bocksche Werk, die Reichskleinodien, ist doch das Vollendetste und Großartigste zugleich. Es darf sich kühn, was den Farbendruck und die typographische Ausstattung betrifft, dem Glänzendsten an die Seite stellen, was England und Frankreich Ähnliches geleistet haben, ja es reicht vielleicht kaum ein Konkurrent an dasselbe heran.“ (Rezensionen und Mitteilungen über bildende Kunst, 1864, Seite 421.) eber alles, was sich nach Auers Rücktritt bis in die Gegenwart herein in der k. k. Hof- und Staatsdruckerei ereignet, ist in den beiden vorhergehenden Kapiteln bereits so viel gesagt worden, daß für unsere Darstellungen nur mehr die Ergänzung des dort Gebotenen und dessen retrospektive historische Betrachtung die Aufgabe bilden kann. Es waren nicht bloß Bedenken nationalökonomischer Natur, nicht bloß Rücksichten auf die durch die Ereignisse von 1859 und der folgenden Jahre herbeigeführte üble Lage des Staatshaushalts, welche die Einschränkung des Wirkungskreises der Anstalt durch die Amtsinstruktion von 1865 zur Folge gehabt. Auch ein anderer Grund wirkte mit. ahraus, jahrein ertönten aus den Kreisen der Wiener Buchdrucker und Verleger Klagen über die Stockung ihres Gewerbes und über die Hindernisse, welche die blühende Staatsanstalt dem freien Spiel der Kräfte bereite. „In ausgedehntem Maße bedienten sich Konkurrenzraben der öffentlichen Blätter, um auch gegen die Staatsdruckerei ihre Angriffe zu richten und hinter dem Aushängschild des allgemeinen Wohls mit tugendhafter Entrüstung deren hohe Preise zu tadeln, um ihr womöglich einige Brocken abzuzwacken.“ Bezeichnenderweise erschien es vor allem wünschenswert, „daß der Verlag ihrer Verschleißartikel einer renommierten Verlagsfirma übergeben werde“. Die Angriffe wollten nicht zur Ruhe kommen und bildeten in der Sitzung des österreichischen Abgeordnetenhauses vom 7. Dezember 1874 bei Gelegenheit der Beratung des Budgets der k. k. Hof- und Staatsdruckerei den Gegenstand einer Interpellation durch den Abgeordneten Dr. Roser. Es kam zu eingehenden Erörterungen für und wider, wobei sich die Vertreter der Anschauung, daß die Staatsanstalt 5 3 I HE vorzugsweise künstlerischen Zwecken zu dienen habe, die Tatsache entgegenhalten lassen mußten, dieselbe habe Prachtwerke aus Auers Zeiten als Makulatur verkaufen müssen« In der Tat waren damals die Verlagsbestände der Hof- und Staatsdruckerei sehr erheblich durch Verkauf zu herabgesetzten Preisen reduziert worden« Die meisten noch halbwegs gangbaren Artikel wurden um die Hälfte, um ein Viertel, ja um ein Zehntel des ursprünglich bemessenen Preises abgegeben« Und was die allerältesten Ladenhüter unter den Chromolithographien, Holzschnitten, Kupferstichen und Lithographien betrifft, so wurden die meisten derselben ganz und gar aus dem Verkehr, wenn auch nicht aus der eingangs erwähnten Auslage in der Singerstra§e gezogen« Als nach Auers Abgang Dr« Anton Beck die Leitung der k« k« Hof- und Staatsdruckerei übernahm, wu§te er die in Bezug auf die Einschränkung erhaltenen strengen Weisungen in sehr kluger und wohlüberlegter Weise zur Ausführung zu bringen« Er warf den Ballast des Verlags den Gegnern seines Instituts unbedenklich als Opfer hin, um von den Keimen, die sein Vorgänger gepflanzt, die triebkräftigen um so sicherer in eine bessere Zukunft retten zu können« f y^jj uf der Höhe des Lebens, durch parlamentarische und schriftstellerische Tätigkeit gereift, wu§te Beck zwischen Illusionen, von denen man sich befreien, und Idealen, deren Verwirklichung man aus allen Kräften erstreben müsse, zu unterscheiden« Es dauerte nicht lange, kaum die Spanne Zeit, welche Auer gebraucht hatte, um auf der Londoner Weltausstellung zu dem bekannten Triumph zu gelangen, und schon konnten aufmerksame Beobachter konstatieren, da§ „ein neuer Geist in die Hallen des Ex-Franziskanerklosters eingezogen“« „Man bestrebt sich“, heifjtes, „an die Erinnerungen der Glanzepoche dieses Instituts anzuknüpfen und wieder würdig und schön zu schaffen« Man scheint zu der richtigen Erkenntnis gelangt zu sein, da§ einem der typographischen Kunst gewidmeten Staatsinstitut in erster Reihe die Verpflichtung obliegt, der gesamten Buchdruckerkunst im Reiche bahnbrechend und anregend voranzuschreiten*“ Und wieder, wie zu Auers Zeiten, begann sie „Glanz und Ruhm hinauszusenden in die Welt“* Die Bemühungen Becks, die Anstalt als Kunstinstitut auf die alte Höhe zu bringen, wurden durch einen mittlerweile erfolgten Umschwung in der Entwicklung des abendländischen Geistes mächtig gefördert« Das Interesse der Gebildeten wandte sich immer mehr und mehr der Kunst und Kunstgeschichte zu« Schon die bedeutenden Prachtwerke, welche die Staatsdruckerei seit den Siebzigerjahren mm KUNST- KUPFER- DRUCKEREI - '^*1 "•WB m m . C IL bis auf heute entweder selbst verlegt oder für die sie auf Rechnung anderer Verleger das Illustrationsmaterial geschaffen, geben ein getreues Spiegelbild der Wandlungen, welchen die neue Kunstströmung in Hinsicht auf die Bevorzugung dieser oder jener Kunstübung allmählich unterlag, sowie der technischen Verfahren, die in ihrem Betrieb einzuführen sie nicht umhin konnte« Die zahlreichen Tafeln zu den Denkschriften und Sitzungsberichten der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften (Kreide- und Federlithographien, Chromolithographien); die Publikationen wie Pulgher, Les Eglises byzantines, 1878 (Lithographien und Chromolithographien); Leitner, Die Waffensammlung des Allerhöchsten Kaiserhauses, 1866—70 (desgleichen) ;Thausing, Die Votivkirche, 1879 (Kupfertafeln, eingedruckte Holzschnitte, Chromoxylographien); Faulmann, Illustrierte Kulturgeschichte, 1881 (Farbendruck, in den Text gedruckte Holzschnitte) gehören in Bezug auf technische Herstellung mit den oben bereits angeführten in eine Gruppe« Anders Noltsch, Gedenkblätter an die Belagerung Wiens durch die Türken, 1683 (Phototypien nach Federzeichnungen von Petrovits, 1883); Camesina, Wiens örtliche Entwicklung bis zum Ausgange des XIII« Jahrhunderts, 1877 (Holzschnitte, Lithographie und Zinkätzung); Leitner, Die hervorragendsten Kunstwerke aus der Schatzkammer des österreichischen Kaiserhauses, 1870-73 (Original-Radierungen); Schloß Stern bei Prag, 1879 (Kupferdruck- und Lichtdrucktafeln); Galerie historischer Porträts, 1883 ff* (Photogravüren nach gleichzeitigen Stichen oder Gemälden); Eine Orientreise, beschrieben von Kronprinz Rudolf (illustriert nach Zeichnungen von Fr# v* Pausinger, mit 87 Radierungen von Klaus und Holzschnitten von F* W* Bader, 1885); Die österreichischen Herrscher aus dem Hause Habsburg-Lothringen (Heliogravüren und Holzschnitte); Corpus Papyrorum Raineri Archiducis Austriae, 1888 (Lichtdruck und Farbenlichtdruck); Pausinger, Fr# v„ Jagd-Album, 1890 (Heliogravüre); Orientalische Teppiche, 1892, Die österreichische Kaiserkrone, 1895, AltorientalischeGlasgefö§e,1895, Japanische Vogelstudien, 1895, Riegl, Die spätrömische Kunst-Industrie, 1901 (farbige Radierungen, Kombinationsdrucke, Lichtdrucke, Heliogravüren)* Ein großer Kreislauf wird durchmessen und vollendet* Nach einer kurzen, sich mit Schwarz und Wei§ begnügenden Periode langt man durch die Entwicklung der auf photographischer Grundlage beruhenden Vervielfaltigungsmethoden bei den farbenprächtigen Monumental-Werken im Stile der Bockschen Reichskleinodien wieder an* an mul?, um Auers Leistungen richtig zu würdigen, sich die Umstände vor Augen halten, unter denen er seine Tätigkeit begann* Es war die Epoche, in der ein in Bezug auf Lektüre äußerst bedürfnisloses 5 Volk sich damit begnügte, die Wiener Zeitung durchzublicken und alle Jahre die renommiertesten französischen Schauerromane durchzublättern; da das Ausland Österreich mit illustrierten Ausgaben überflutete, hierzulande aber selbst die „Theater-Zeitung“ ihr illustriertes Gewand ablegen und ein Werk, wie Duller, Erzherzog Karl, unübersteigbarer Hindernisse, id est des völligen Mangels an künstlerischen Kräften wegen, mit in den Text gedruckten Lithographien verziert werden mu^te (siehe Karl v* Scherzer, zitiert bei Fritz, Die Illustrationen alter und neuer Zeit, 1889)* Bofrat Beck hatte es weitaus besser* Er wirkte bereits im Zeitalter der „Kunstinteressen und deren Förderung“* „Was wir brauchen“, schrieb Karl von Lützow (Zeitschrift für bildende Kunst, 1871, Seite 7 ff*), „sind Fachschulen für graphische Künste, ^ sind Vereine, welche nur diese, und zwar im aller- _höchsten Sinne des Wortes als die Ubersetzungskunst der artistischen Weltliteratur mit allen Kräften pflegen und fördern“* Die Fachschule war schon vorhanden, der Verein lie§ auch nicht lange 9 □ auf sich warten# Im Jahre 1863 war Louis Jacoby als Professor für den Kupferstich an die k# k# Akademie der bildenden Künste berufen worden# In demselben Jahre, 1871, da obiger Ruf nach einem Verein erging, verwandelte Leopold Ritter von Wieser den „Verein zur Beförderung der bildenden Künste 44 in die „Gesellschaft für vervielfältigende Kunst 44 # Merkwürdigerweise hatte diese Gesellschaft gleich nach dem Beginn ihrer Wirksamkeit gegen die ganz gleichen Anwürfe anzukämpfen, wie seinerzeit unter Auer die k# k# Hof- und Staatsdruckerei# Auch ihr sagte man nach, daß sie Makulatur zentnerweise am Lager habe, nur „ein gewöhnliches Verlagsinstitut 44 sei, „ohne festen Plan und klares Ziel 44 und wohl als „Musteranstalt 44 dastehen, der Privatindustrie aber beileibe keine Konkurrenz machen dürfe (siehe Graphische Künste, 1887, Seite 20, Mitteilungen der Gesellschaft für vervielfältigende Kunst, Seite 6)# Glücklicherweise war im Verlaufe St®£ eines Dezenniums der Geist der Zeit ein anderer geworden#^®Ä jQuf den beiden großen Festen, den „Internationalen graphischen Ausstellungen 44 , welche die Gesellschaft 1883 und 1886 in Szene gesetzt, konnte man das zeitgenössische Schaffen auf dem von ihr gepflegten Gebiete nach jeder Richtung hin vollständig überblicken# Da zeigte es sich, daß die Grabsticheltechnik _allenthalben ^bereits in absteigender Richtung sich bewegte und, wenigstens in Österreich, nur dank der Gesellschaft für vervielfältigende Kunst noch eine Pflege fand# Da zeigte im Gegensätze hiezu die Radierung allüberall einen großartigen Aufschwung, und zwar nicht bloß die von so vielen Vereinen und Künstlerklubs gepflegte Originalradierung# Einer hochgesteigerten Kunstwiß- und Schaubegierde der oberen Zehntausend unter den Gebildeten entsprechend, erschienen nach der Reihe, mit oder ohne Text, von einem einzigen großen Meisterwie W#Ungerodervonirgend einer Künstlervereinigung mit der Nadel vervielfältigt, die großen Galeriewerke, die kaiserliche, die Kasseler, die Amsterdamer, die Wiener akademische Galerie etc# Inzwischen ward die einst so geschälte Lithographie durch den Holzschnitt, die Zinkographie, den Lichtdruck und die Heliogravüre so sehr in ihrer Anwendung beschränkt, daß man ihrer kaum noch sich bediente, außer zu populären Gegenständen niedrigster Art# Was den Holzschnitt betrifft, so ergab er sich, dem Zuge der Zeit folgend, der „Pflege des Malerischen 44 # Die Hauptschät^e seiner Kunst ruhten in den großen Prachtwerken, welche seit den Sechzigerjahren in großer Anzahl erschienen waren (siehe Langl, die erste Jahresausstellung der Gesellschaft für St® vervielfältigende Kunst, 1886-87, Kunstchronik, Seite 306)# 9 9 5 an erweist diesen Publikationen, bei denen der Einband häufig wichtiger war als der Inhalt, die Bilder immer anziehender als der Text und die man nach dem Publikum, in dem sie gingen, allen Grund hätte, als Protjenliteratur zu bezeichnen, eine hohe Ehre, wenn man konstatiert, da§ das Werk des Kronprinzen Rudolf durch seinen Titel mit einer Serie derselben zusammenhängt* War es doch für ganz andere Kreise berechnet, mit einer ganz anderen Gesinnung unternommen und einem sittlichen Ernst, von dem bei obigen Büchern kaum etwas zu verspüren war, begonnen und vollendet. Da§ zum Zwecke der Herstellung der für „Österreich-Ungarn in Wort und Bild“ notwendigen Holzschnitte in der k. k. Staatsdruckerei unter dem aus München berufenen Meister Wilhelm Hecht ein eigenes xylogra- phisches Institut „und in Verbindung damit in der Kunstgewerbeschule des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie eine Fachschule für Xylographie errichtet, da§ damit für diesen Zweig der graphischen Künste ein neuer Mittelpunkt geschaffen wurde, ist bekannt (siehe Langl a. a. O.). Desgleichen, da§ man für das Fach des Kupferstichs Johannes Sonnenleiter als künstlerischen Beirat in die k. k. Hof- und Staatsdruckerei berief und dort auch ein eigenes Atelier unter dem jungen, strebsamen Thomas Hrn5ir, einem Schüler Jacobys, gründete. / SL15'jiL^ / 2^ / SL\5'2^ / 2L^ / 2L Sjorträtstiche des letzteren, von welchen insbesondere die nac k Originalen von H. v. Angeli geschaffenen ÖL a Porträts des Kronprinzen Rudolf und der Kronprinzessin Stephanie hervorzuheben sind, fanden au ^ ^ cn Ausstellungen in der Folge ebenso ihre wohl- verdiente Anerkennung wie seine nach Palma vecchio _gestochene Madonna und wie das ebenfalls im Verlag der k. k. Hof- und Staatsdruckerei erschienene, von Karl Klaus nach einer Photographie gestochene Porträt des Feldmarschalls Erzherzog Albrecht. Und was die Leistungen Wilhelm Hechts betrifft, so wird sein Holzschnitt nach H.v. Angeli, Seine Majestät Kaiser Franz Joseph in ganzer Figur und im Ornate des goldenen Vlieses darstellend, schon auf der Ausstellung von 1886 und ebenso auf jener von 1888 von Kennern und Laien als ein „Ehrenblatt“ bezeichnet. Höchst wirkungsvoll, hervorragend schon durch seine Dimensionen, ist es nach jeder Richtung hin ein Meisterwerk. „Lehrreich ist es vor allem in Bezug auf die Mittel, über welche die heutige Xylographie gebietet, um das verschiedenartig Stoffliche darzustellen“ (siehe Langl a.a.O„ Volkmer, Chronik der Gesellschaft für vervielfältigende Kunst, 1888, Seite 102). ■-.je ■-- i , :j ■ ■ *=■ ■ » 10 0 fortan bleibt die k* k* Hof- und Staatsdruckerei mit der Gesellschaft für vervielfältigende Kunst immerdar in anregender Verbindung, wie sie andrerseits auch vom k* k* Österreichischen Museum direkt oder indirekt Impulse beziehungsweise Aufträge empfängt* Hiezu gehört das Wiener Heilthumbuch vom Jahre _ 1502 , 1882, und das von Sitte und Salb herausgegebene Werk, Die Initialen der Renaissance, 26 Tafeln nebst Text, 1882* Zu verschiedenen größeren Publikationen der Gesellschaft für vervielfältigende Kunst besorgte die Staatsanstalt den Druck des Textes, so für den Holbeintisch, 1887, für Führich, Legende des heiligen Wendelin, 1878, Ludwig H* Fischer, Historische Landschaften, 1882, Marak, Österreichs Waldcharaktere, 1882, für das Kronprinz Rudolf-Album, 1883, und für den Huldigungsfestzug der &&&&&&&&&&&&& Stadt Wien, 1880* or allem aber bildet ein bleibendes Verdienst der k* k* Hof- und Staatsdruckerei die typographische Herstellung und illustrative Ausstattung der von der genannten Gesellschaft 1887 begründeten und heute noch erscheinenden Zeitschrift, Die graphischen Künste* Ihre Gründung markiert für alle __ Folgezeit den Augenblick, daÖsterreich die Führung auf dem Gebiet dieser Künste übernahm; sie hat die kostspielige und deshalb bei Zeitschriften in solchem Maf;e nirgends angewandte Illustration durch Kupferstiche und Radierungen im Texte in den deutschen Verlag aufs neue eingeführt* leiches Lob gebührt wohlverdienterweise auch dem Werke, welches die Gesellschaft im Anschluß an diese Zeitschrift herauszugeben unternahm: Die ver- VJi [T vielfaltigende Kunst der Gegenwart, welches eben- [Jf/j falls in der Staatsdruckerei gedruckt wird* Seine Aufgabe war, ein „Gesamtbild der vervielfältigenden Kunst der Gegenwart, vor allem von dem Schaffen des Holzschnitts, des Kupferstichs, der Radierung, der Lithographie sowie des Farbendrucks in den vornehmsten Kunstländern Europas und Amerikas Rechenschaft zu geben“* Daneben, so hiefj es im Programm, werden aber auch „die vornehmsten photomechanischen Reproduktionsverfahren, vornehmlich die Heliogravüre und die Phototypie mit ihren Nebenzweigen und ihren zahlreichen Arten der Anwendung Berücksichtigung zu finden haben, weil sie für die Richtung der Zeit vorzugsweise charakteristisch und auch auf den Gang der vervielfältigenden Kunst selbst von unabweisbarem 10 Einfluß sind 44 (siche Graphische Künste, 1886, Seite 94)* „Zu den schlichten Musen der graphischen Künste haben sich in jüngster Zeit eine Schar wohlbewafFneter Kobolde gesellt, die den Hexenküchen der Chemiker und Physiker entsprungen, mit allerhand Säuren und Mixturen im Handumdrehen dasselbe leisten, zu dem ehrbare Künstlerhände Monate und Jahre gebrauchen* Die photomechanischen Reproduktionsverfahren rücken im Tief- und Hochdruck der graphischen Kunst hart an den Leib*“ (Langl a* a* O*) Die Folgen davon traten auf der graphischen Ausstellung von 1894 klar genug zu Tage* Es war nur ein leidiger Trost, wenn man sich sagte, „dafj bei aller Vollkommenheit das mechanische Reproduktionsmittel die künstlerische Reproduktion doch nicht ersetzen, da§ durch die Abtretung der werktätigen Arbeit an die Camera doch nur eine Veredlung der graphischen Künste entstehen könne“ u. s* w* (Langl a*a*0*) Eine Befriedigung bot nur die Wahrnehmung, da§ die Malerradierung vorläufig noch im Aufnehmen und da§ die Lithographie, als wollte sie zur nahe bevorstehenden Jahrhundertfeier ihrer Erfindung von neuem Zeugnis ablegen, zuerst in Frankreich, dann in den übrigen Ländern neue Blüten zu treiben begann* )ies änderte aber nichts an der Tatsache, da§ nach der Überschwemmung des Kunstmarkts mit unzähligen Kunstblättern, wie sie die erste Hälfte des vorigen Jahrzehnts charakterisierte, ein Rückschlag erfolgt war, eine Abnahme der Kauflust und damit der künstlerischen Produktion, dafj die Gesellschaft für vervielfältigende Kunst die periodische Fortsetzung” ihres großen Galeriewerks einstellen muffte, da§ die großen Aufträge aufhörten, da§ bei so schlechten Aussichten in den Werkstätten graphischer Kunst, bei Stechern und Radierern, eine Abnahme des künstlerischen Nachwuchses sich konstatieren lie§, da§ Stich und Radierung gelitten, da§ der Freihandholzschnitt, wie ihn vor 50 Jahren Menzel ins Leben gerufen, keinen Vertreter mehr besaf;* (R* Graul, Die Ausstellung von Werken der graphischen Künste, £&£&&&&&&&£&£&&'Wien 1894*) r bezüglich des Ungerschen Belvederewerks \ die Vermutung ausgesprochen wurde, da§ die Abdrücke mit der Schrift „von galvanischen Ablagerungen genommen werden“, erfolgte dagegen von berufener Seite eine energische Verwahrung* Wird die Heliogravüre, dieses „täuschende Surrogat“, _für Kupferstich und Radierung heute oder morgen wirklich ein Ersatz für diese, hie§ es schon 1875 in einem Lütjowschen i “-y - ~ï-. ■%'r. % ! r %* -*%-v (• "* j il^ „«♦J»»**! "V k . m vV'. êtkSôè.^ â£*>\ iï p, ■ îV *’ > ç-” * • • -' r Ü -, *•• N 1.yfcÀ- «Mk * • ; V. «■ '* -, V * w . > -*/ « .*»; \» , » ■ • ..V »•• *■ ■ ’{ #•- * r ■ f»*! »* * 'ÿ \ ‘ ;. :■'■ -/ ^ •; /, i '. ■■ ’of-'-Mî ' . V- >V*fÔ - ; . -P* ’'V* P % -v J L- i S* •■; ~s K ^ * 4. ■*wÀ * * : ' :4 L: • ^ Æt&kl * * In . *:5- 5 V--JT * ■ r”* sa. ,i r« r V(; *** ;■ - ff t^E c « -X TW- - ;v ■*. ..■.- •. > î^ï , sjA^-ï, : • J'. 4 ’>• * ~*rt -, ; r .. ■ * £ *.: v -, y L" ‘flV > -•# ' .... v * ;- T /: ,|^2J|îV- .. ‘ * *» ; : .-^|- " 4i JfM* SS .-.v h: ' ■ U ■ r ’ ^*7 "vf > '* \ï I ’ Säfel&T JF *^ v ',>'.. , - -■ . ? .. v *'■ ■ * «■"• h, - Z\ n ■ . v-,-t» "■•■i • • .'v». ••■ '*'■■•■ • • . ■ H • -V ^ -* P;.» *>■; # # -:.Â" ; yc r ■ " •-‘-p . '• • • \? • ' - *.,, / ■•: ' ■■ * .r** ‘me%., t r « • • ♦ - ^ ;; * * .'v^-4 ,-,.f| - ,. r 1 ^- . ■-» . *■ ' .••■- , w ^ - ••*.■';•, v f ».- a.--' ■ ▼ - Ä *■ ■' . • - - ■ x- & Artikel (siehe Zeitschrift für bildende Kunst, 1875, Seite 236 ff*), „dann Adieu Holzschnitt und Kupferstich!“ Mittlerweile gewannen die photographischen Reproduktionsverfahren rasch steigende Bedeutung* Es erfolgte die Herausgabe der gro§en Galeriewerke durch Braun in Dörnach, welchem sich bald Hanfstasngl in München an- schlofj* In Paris begannen Boussod & Valadon den Heliogravüren- Kunstverlag; in den Achtzigerjahren erfand Klic in Wien seinen heliographischen Halbton-Atzprozefj, welcher alle ähnlichen älteren Methoden rasch verdrängte und von größter Wichtigkeit für den Kunstverlag wurde* Angerer & Göschl in Wien hatten die Zinko- typie zur großen Vollkommenheit gebracht, Löwy inWien kultivierte den Lichtdruck; auch der Staat lie§ diesen Techniken als den vervielfältigenden Künsten der Zukunft offizielle Anerkennung angedeihen als 1887 Unterrichtsminister Freiherr von Gautsch die k* k* Graphische Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie und Reproduktionsverfahren ins Leben rief* Die Hof- und Staatsdruckerei säumte nicht, sich die neuen Errungenschaften auf diesem Gebiete nutzbar zu machen* Ende des vorigen Jahrhunderts gingen aus ihren Anstalten viele sehr erfolgreiche Arbeiten hervor. Originell waren die in der Staatsdruckerei zuerst ausgeführten Versuche, die heliographischen Prozesse durch Heranziehung des von Ives in Amerika erfundenen, direkten typographischen Leimprozesses (sogenanntes amerikanisches Kupferemailverfahren) leistungsfähiger zu machen, was durch Anwendung der direkten Kopierung des Rasterbildes auf die Kupferplatte (ohne weitere Übertragung) und Einät$en desselben möglich wurde* Stand sohin die Epoche Anton Becks unter dem Zeichen der Förderung des Kupferstichs, der Radierung und des Holzschnitts, so erntete das Regime Ottomar Volkmers (bis 1901) wohlverdiente Erfolge durch Einführung der neuen photomechanischen Reproduktionsverfahren, welche in noch steigendem Ma^e durch seinen Nachfolger Hofrat Ganglbauer gewürdigt und erfolg- £&£S/£7£1&£&£9/ reich gefördert werden. on Photogalvanographien, die bereits unter Auer aus der k. k. Hof- und Staatsdruckerei hervorgegangen sind, war oben bereits die Rede. Schon 1859 erscheint in der Gruppe der Holzschnitte in dem Verlagskatalog die oben auch schon erwähnte, von Bock gestochene Endersche Madonna sowie _eine Landschaft von Calame als typographische Drucke von Exter, wohl mit Hilfe von galvanoplastisch gewonnenen Kopien der Holzstöcke beziehungsweise des Kupferstichs hergestellt* In derselben Zeit, 1858 bis 1859, bringt der Verlag auch noch zwei 10 3 Photographien nach den Tuschzeichnungen von Leander Ruß, Die Gründung Wiens (Flucht der Markomannen vor den Römern über die Donau) und Die Gesandtschaft: des Cheruskerfürsten Hermann überbringt dem Markomannenkönig Marbod den Kopf des Varus, in den Handel# Im Jahre 1872 stellt auf Grund dieser, oder was wahrscheinlicher, neuer photographischer Aufnahmen der fraglichen Handzeichnungen, der Leiter der galvanoplastischen Abteilung, Faktor Pecher, Reproduktionen her, die gegenwärtig in den Sammlungen, die sich ihres Besitzes erfreuen, unter dem Namen Photogravüren gehen, die er aber selbst, des außerordentlich umständlichen technischen Verfahrens wegen, das er sich ersonnen — entwickeltes Pigmentbild durch Klopfen mit einer Bürste gekörnt, galvanoplastische Kopie — als Photoplastik bezeichnet# Noch unter Auer in den Fünfzigerjahren wendeten in der Zinkätzung der Kupferstecher Tomassich und Faktor Knoblich ein der oberwähnten französischen Gillotage ähnliches Verfahren an, über welches letzterer eine Schrift publizierte (Die Zinkographie, Wien 1865)# Quellenmäßig alle Versuche festzustellen, mit denen die k# k# Hof- und Staatsdruckerei bis gegen das Ende der Siebzigerjahre außerdem noch zur Entwicklung der modernen photomechanischen Verfahren beigetragen haben mag, sind wir leider außer stände# Auf der Jubiläums-Gewerbeausstellung von 1888 war sie in der Lage, auch ihrerseits einen „Aufschwung“ zu dokumentieren# Da zeigte sie außer jenen oben bereits zitierten Publikationen in Buchform einige Halbton- Photolithographien mittels des Orell-Füßli -Verfahrens; da hatte sie außer den zehn schon 1880 herausgegebenen Photogravüren nach Kupferstichen in dieser Technik eine anziehende Kollektion landschaftlicher Charakterbilder nach Kreidezeichnungen von Marak, wie Schweigen (der Vahrnersee in Tirol), Murmeln (Motiv aus der Gegend von Weidlingau), Brausen (Donaugegend bei Theben) und Tosen (aus dem Ridnauntal in Tirol) zur Schau gestellt# Da interessierte sie durch die beiden für Österreich-Ungarn in Wort und Bild hergestellten, einen nieder- und einen oberösterreichischen Landmann darstellenden Volkstrachtenbilder, von denen sie außer den heutigen Abdrücken, zur näheren Veranschaulichung des Zusammenhangs der Farben, auch die Drucke der einzelnen Farbenplatten exponierte (siehe Volkmer, Die Graphischen Künste auf der Wiener Jubiläums-Gewerbeausstellung 1888, Chronik der Gesellschaft für vervielfältigende Kunst 1888, Seite 104, ff#)# Nicht lange nach dieser Ausstellung machte ein aufmerksamer Beobachter der N 5 10 4 ''ii 1 M Bewegungen des heutigen Kunstlebens und Kunstverkehrs die Wahrnehmung, „da§ der Geschmack der Liebhaber und Sammler sich in immer gesteigerterem Grade wieder den farbigen Stichen der zweiten Hälfte des XVIIL Jahrhunderts zuwende“ (Lütjow, Farbige Stiche als Modeartikel, Kunstchronik 1891—92, Seite 181)* Das war ungefähr um dieselbe Zeit, da im k« k« Österreichischen Museum eine Ausstellung obiger Kupferstiche stattfand« Er fand sich daraufhin veranlagt, uns auch über die Ursache dieser Liebhaberei etwas zu sagen« In den Jahren 1878 und 1880 hatte das Haus Goupil in Paris Aquarellfaksimiles mittels Photogravüre hergestellt (Hussard et son cheval, nach Ed« Detaille; Pierrette, nach Madrazo; Le pensionat, nach Mad« Lemaire), dann in der Reproduktion von Ölgemälden und Pastellen mit glänzenden Resultaten sich versucht« mis die kunstliebenden Kreise Wiens an den Kupferstichen des XVIII« Jahrhunderts in den Räumen ^ des k« k« Österreichischen Museums sich erfreuten, da traten in Kunstzeitschriften bereits farbige Heliogravüren an Stelle der Stiche und Radierungen, da ^ begann in Wien, wo Knöflers weltbekannte Anstalt, _F« W« Bader und Paar die Chromoxylographie mit gutem Erfolg betrieben hatten, wo, wie schon oben gesagt worden, Angerer und Göschl, Josef Löwy und andere mit farbiger Zinko- typie und verwandten Techniken bahnbrechend vorangegangen, die k« k« Hof- und Staatsdruckerei im Aufträge des k« k« Handelsmuseums das monumentale Prachtwerk, Orientalische Teppiche, für welches die k« k« Graphische Lehr- und Versuchsanstalt die ZINKÄTZEREI 10 5 photographischen Negative beistellte« Dann tauchte die Algraphie auf, welche in der Hof- und Staatsdruckerei zunächst für die Ausführung künstlerischer Originalarbeiten herangezogen wurde, in der Folge aber eine namhafte Erweiterung durch die Einführung des direkten Kopierverfahrens erfuhr, welches den Druck feinster Strichzeichnungen und schöner Halbtonbilder in der Flachdruck- presse ermöglichte* on Original-Algraphien der Staatsdruckerei sind zu nennen: eine Reihe ein- und mehrfarbiger Darsteh lungen figuralen und landschaftlichen Charakters des Baron Myrbach, darunter Blätter in den größten in der lithographischen Presse zulässigen Formaten, eine Sammelmappe, betitelt Algraphische Studien, zirka 20 Studien und Kompositionen aus der Fachschule Myrbachs an der Wiener Kunstgewerbeschule, 1900; Das Leben der Armen, von Hermine Heller-Ostersetzer, und Der Tag einer Dame, von Stephanie Glax« Unter den Photoalgraphien wären zu erwähnen: der im Aufträge des k« k« Ministeriums für Kultus und Unterricht nach Zeichnungen von H* Lefler und J* JLJrban für die Monatsschrift Kunst undKunsthandwerk angefertigte Österreichische Kalender, 1898, ein vorzüglicher Studienkopf nach einer Zeichnung von F* KhnopfF, eine Reihe von Faksimile-Reproduktionen nach künstlerischen Originalarbeiten für die graphischen Künste und für das Jahrbuch der kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses etc«, endlich eine Reproduktion nach dem Gemälde von J« V« Krämer, Im Sonnenschein* Überdies hat die k« k* Hof- und Staatsdruckerei mehr als 100 Blätter, Originalzeichnungen in Stich und Halbton, zur direkten photographischen Übertragung auf Aluminium für Rechnung einer deutschen Firma übernommen« Was die Hof- und Staatsdruckerei in dem sogenannten Kombinationsverfahren sowohl bezüglich des Zusammenwirkens von Lichtdruck und Chromolithographie als auch Photoalgraphie und Heliogravüre mit anderen Chromoverfahren zu leisten vermag, zeigt sie in dem vom k« k* Ackerbauministerium herausgegebenen, nach Originalaufnahmen von Julius Ritter von Blaas ausgeführten Album, die Rinderrassen der österreichischen Alpenländer, in den schon erwähnten Werken: OrientalischeTeppiche, Altorientalische Glasgefäße, und in zahlreichen Kunstblättern, von denen unter anderem Dürnstein, nach einem Aquarelle von R« Alt, Landstraße mit Birkenallee, nach einem Temperagemälde von H« Charlemont, Herbstabend, nach einem Gemälde von E* Kasparides, Am Strande von Grado, nach einem Gemälde desselben Künstlers, Im Sonnenschein von J« V« Krämer 10 6 und Helldunkelstudie, nach einem Gemälde von E« Veith insbesondere genannt sein mögen« Das neueste durch Kombinationsdruck hergestellte Blatt ist eine Reproduktion nach dem Gemälde Herbstwald, von Olga Wiesinger-Florian, die auf der jüngsten Ausstellung der Wiener Photographischen Gesellschaft zur Exposition gebracht war« „Ihre Glanzleistung und eine der höchsten Leistungen dieser ganzen Ausstellung bietet die Staatsdruckerei durch ihren Kombinationsdruck nach einem Bilde der Frau Wiesinger-Florian« Hier ist durch Lichtdruckübertragung auf Stein eine geradezu stupende Wirkung erreicht, ein Tonreichtum und eine Leuchtkraft der Farbe, die man nicht müde wird zu bestaunen« Wahrlich ein Standard- work!“ (Franz Servaes, Neue Freie Presse, 29« September 1904«) „Man könnte den Herbstwald auch eine Phantasie in Gelb taufen; jedenfalls beherrscht dieses Bild von packender Naturwahrheit die Kollektion der Anstalt, die seit langer Zeit einen Stolz der Wiener bildet, wie seinerzeit die kaiserliche Porzellanmanufaktur, deren Reliquien man heute pietätvoll sammelt«“ (Photographische Korre- spondenz, September1904«) esondere Bedeutung hat das von der Staatsdruckerei edierte Wandtafel werk, von welchem im verflossenen Jahre die erste Serie und im Herbste dieses Jahres die zweite Serie erschien« Der Erfolg der englischen Fitzroy-Pictures, der Pariser Ansichten von Henry Reviere und der von B« G« Teubner und _ Voigtländer in Leipzig für Schule und Haus herausgegebenen Steinzeichnungen erweckte auch bei uns in Österreich den lebhaften Wunsch, in farbigen Originallithographien von der Hand namhafter Künstler den weiten Volkskreisen, vor allem aber der Schule einen zeitgemäßen und gediegenen Ersatz für allerlei minderwertigen und in pädagogischer Beziehung ganz und gar zweckwidrigen Bilderschund zu bieten« Aus einer im Herbste 1902 ausgeschriebenen und von 48 Künstlern beschickten Konkurrenz gingen neun als Sieger hervor« Max Kurzweil mit seinem Donaufischer, einem reizenden Idyll vom Praterspitz, J« Danilowatz, ein Schüler Ungers, mit seinem Franz Josephs-Bahnhof im Winternebel und im Schein der glühend roten Laternen, Karl Ederer mit seinem Eisbären und seinen Pyramiden, Comploi mit seinem Aschenbrödel, Max Suppantschitsch mit dem Donautal bei Dürnstein, Max Lenz mit einer Mühle im Walde, G« Bamberger mit dem Hochwasser im Gebirge, H« Wilt mit einer Partie aus dem Wienerwald« An der Konkurrenz für die zweite Serie hat sich die dreifache Anzahl von Künstlern beteiligt« Die meisterhafte Ausführung dieser Blätter in (0 10 einer Gröfje von 66:88 Zentimeter, in vier bis zu sechs Farben auf starkem Lithographiepapier, brachte der k* k. Hof- und Staatsdruckerei seitens der berufenen Kritik die volle Anerkennung* uch in den übrigen Zweigen der Illustration arbeitet die Staatsanstalt, sei es für den eigenen, sei es für fremden Verlag, mit den modernen Mitteln rüstig weiter* Als Herstellerin des Typendrucks und wenigstens teilweise auch der künstlerischen Beigaben bleibt sie durch die Zeitschrift, Kunst und Kunsthandwerk, mit dem k* k* Österreichischen Museum für Kunst und Industrie und durch die oben bereits wiederholt erwähnten Graphischen Künste sowie durch das Werk über die Theater Wiens mit der Gesellschaft für die vervielfältigende Kunst in dauernder Verbindung* Im Porträtwerk, Die Oberstjägermeister 1500—1900, 1901, schafft sie zu den bereits bisher angeführten Werken desselben Genres, die aus ihren Ateliers hervorgegangen, ein würdiges Seitenstück* Einige ganz ausgezeichnete farbige Blätter hat ferner die Staatsdruckerei zu dem Werk J* Schnitzers, Kaiser Franz Joseph I* und seine Zeit, und im abgelaufenen Jahre zu dem Werk M. Dregers, Künstlerische Entwicklung der Stickerei und Weberei, beigesteuert« att des schmalen, mit Kreuzgewölben überdeckten dumpfigen und finsteren Ganges im alten Franziskanerkloster bergen jetjt zwei luftige und helle Zimmer, in ihrem neuen Gebäude rechts vom Vestibüle gelegen, die Schäle und Cimelien der k* k* Hof- und Staatsdruckerei« Die großen galvano- _plastischen Gruppen und Reliefs dominieren an den Wänden den Fenstern gegenüber und in den Ecken; Prachtwerke, gebunden und nicht gebunden, liegen auf größeren und kleineren Tischen in der Mitte oder an den Seitenwänden zu bequemer Schau umher; Platten, Holzstöcke, lithographische Steine glänzen in Vitrinen, während das blanke Metall zierlicher Schnellpressen- modelle uns aus Glasschränken, die an den Fensterwänden aufgestellt, entgegenblinkt* Es ist noch im großen und ganzen dasselbe Material, das auch im Franziskanerkloster zu sehen war, auf welches die graphischen Werke aus glänzenden Rahmen von den Wänden herunterblicken* Aber unter diesen findet sich an Stelle der alten wohlbekannten so manch ein neues, ganz eigenartiges, leuchtend in seiner Farbenfrische* Und alle dominiert, mit den roten Draperien, deren Falten es umrahmen, das schöne Kaiserbild des Meisters Wilhelm Hecht, als Markstein der Epoche, in welcher die Anstalt 10 8 J T* ^..ïi^i*. ■ J f. «I •5: ,jf «» „**» * v#! .. -. .. . ,. _* > ■ï$»'-..:t“ 4 f v**r~- Aj^âj^ÿt-frir-v * «X' 1 » ÏW-'Ÿ* K- 1 - -V . ' 1* • ?i; .: \A „A * ,'Th **&*■*+ ’ % ' ■ 3*tf ., DR. EUGEN r RITXER BÖHM VCSÏ1AWERK «^eTTFîSÆ K. K. FÏNANZMINIsfEK tAflWâÆ *" , B. ^ * f *i3te>’ X ? > ■* .• -ri ISCâK* 1 SS« £ • .. -wm •■ * **% *Kt .">.'3*. v^A < #5|R4I ■■■1C s*«» *w;^ * l«lilil>UI 41 , . - . r |fcj|. -J Jll^. .^^•Âêéiiiïi iniâii»&&émkii ''< i im Lkâtiiiàmm^ ff DR. EUGEN RITTER BÖHM VON BAWERK <3*>ß^sSaS K.K. FINANZMINISTER SAJeTfcai© fr 4 ^■1 ihren Lauf zu neuen und höheren Zielen begann« Wir stellen uns, ihre im vorstehenden kurz skizzierte Geschichte noch frisch im Gedächtnis, noch einmal vor jene eingangs erwähnte Auslage in der Singerstraße« Anscheinend hat darin der pure Zufall, in Wirklichkeit die instinktive Empfindung von ihrer Zusammengehörigkeit die allerältesten und die allerneuesten Farbendrucke, die Produkte der Chromolithographie und der photomechanischen Vervielfältigungsverfahren so nahe als möglich aneinander gerückt« Sie bieten, nebeneinander betrachtet, die beste Gelegenheit, über die Verfeinerung, welche unser Farbensinn im Laufe eines halben Jahrhunderts erfahren, sich Rechenschaft zu geben« Und so verschieden ihr Aussehen auch auf den ersten Blick sein mag, sie waren doch, die ältesten sowohl wie die neuesten, als Mittel der Volkserziehung gedacht: sie gehören doch in künstlerischer Beziehung zueinander und in die nämliche Entwicklungsreihe« Die Engelmann, Owen Jones und Auer hatten vollkommen begriffen, daß die Zukunft der vervielfältigenden Künste der Farbe gehört« Sieht man sich die neuesten Werke näher an, in denen unsere moderne koloristische Empfindung, das Kind einer neuen zukunftsfrohen Kunst Triumphe feiert, dann muß man jenen Männern zugestehen, daß sie, wohl vertraut mit den Instinkten der weitesten Bevölkerungskreise, auf der richtigen Fährte sich befanden, und daß alles, was zwischen ihrer Wirksamkeit und den neuesten Bestrebungen sich abgespielt, die Wiederbelebung der altüberlieferten Vervielfältigungsmethoden, nur eine, wenn auch glänzende Episode der europäischen Kunstentwicklung, nur eine Begleit- erscheinung archaisierender Kunstbewegung war« orläufig hat es ja noch seine Richtigkeit damit, daß „eine photomechanisch hergestellte Platte eine vom Künstler geschaffene, mit ihren Zufälligkeiten und intimen Reizen nicht ganz ersehen kann“, daß ein feinfühliger Kunstfreund eine Originalradierung Klingers oder einen Originalholzschnitt Vallodons __der besten Heliogravüre oder Zinkotypie vorziehen wird im Zeitalter der Maschinenarbeit« Aber andrerseits ist es ebenso außer Zweifel, daß die schon üppig und voll entfalteten photomechanischen Vervielfältigungsverfahren noch lange nicht auf dem Gipfelpunkt ihrer Entwicklung angelangt sind« Und darf bei Werken, wie die zuletzt besprochenen Kunstblätter der k« k« Hof- und Staatsdruckerei, von „Maschinenarbeit“ im herkömmlichen Sinne des Wortes noch überhaupt die Rede sein? Der Gefahr, im Streben zu irren, unterliegen nicht bloß Einzelindividuen« Fehlt auch schließlich bei so manchem, was unternommen wird, der erwartete Erfolg, i i 10 9 ♦ STEMPELSCHNEIDER *. » die Leistungsfähigkeit und das Selbstvertrauen haben doch eine Steigerung erfahren* Gro§ ist die Zahl der Werke, welche uns die k. k. Hof- und Staatsdruckerei seit mehr als sechzig Jahren geschenkt» Als Ausdruck des Geistes ihrer Zeit interessieren sie alle, viele darunter noch insbesondere als Illustrationen zur vaterländischen Geschichte» Das mächtige Staatsinstitut hat die Privatindustrie nicht nur nicht geschädigt, sondern auch vor der Stagnation bewahrt. Und der Höhenstand der modernen Vervielfältigungsverfahren beruht in letzter Linie auf manchen Versuchen und auf Erfindungen, welche innerhalb der Mauern des alten Franziskanerklosters gemacht worden sind. Hoffen wir am Vorabende ihrer Säkularfeier, da§ diesen Entdeckungen in Zukunft noch zahlreiche andere folgen und diese zu den glänzendsten Leistungen befähigte Staatsinstitution, auf die nicht nur Wien, sondern ganz Österreich stolz zu sein alle Ursache hat, auch fernerhin getreu dem Wahlspruch: „Für Wissenschaft und Kunst“ eine gedeihliche Entwicklung nehme. » * 110 * ti ■ •’S a \ 1 * _3 I NEUES GEBÄUDE DEFI K. KL HÖR VERZEICHNIS DER TAFELN KAISER FRANZ JOSEPH L Kombinationsdruck, Lichtdruck mit Chromolithographie, nach dem Gemälde von Leopold Horovitz. KAISER FRANZ L Autotypie nach einem Schabkunstblatt von F. Wrenk, letzteres nach dem Gemälde von J. Ziterer, nach Seite 4* KARL GRAF ZICHY VON VÄSONYKEÖ, Präsident der kais. kön. Hofkammer. Heliogravüre mittelst Tiefatjung nach einem Kupferstich von A. Ehrenreich, nach dem Gemälde von Peschki, nach Seite 6* JOSEPH VINZENZ RITTER DEGEN VON ELSENAU AUF TRAUTENFELS, k. k. n. ö. Regierungsrat, Direktor der k. k. Hof- und Staats-Ärarialdruckerei. Lichtdruck nach einem Kupferstich von F. John, letzterer nach dem Gemälde von C. Agricola, nach Seite 50* DR. ALOIS AUER RITTER VON WELSBACH, k. k. Hofrat und Direktor der k. k. Hof- und Staatsdruckerei. Photozinkographie nach einem Faksimileholzschnitt von E. Kret^schmar, letzterer nach einer Zeichnung von A. Naumann, nach Seite 60. DR. ANTON RITTER VON BECK, k. k. Hofrat und Direktor der k. k. Hof- und Staatsdruckerei. Holzschnitt nach einer photographischen Aufnahme von Prof. Fritj Luckhardt, nach Seite 70. OTTOMAR VON VOLKMER, k. k. Hofrat und Direktor der k. k. Hof- und Staatsdruckerei. Photoalgraphie nach einer photographischen Aufnahme von Dr. J. Szekely in Wien, nach Seite 82. ERNST GANGLBAUER, k. k. Hofrat und Direktor der k. k. Hof- und Staatsdruckerei. Heliogravüre nach einer photographischen Aufnahme der k. k. Hof- und Staatsdruckerei, nach Seite 102. DR. EUGEN RITTER BÖHM VON BAWERK, k.k. Finanzminister. Radierung von W. Hecht nach einer Photographie, nach Seite 108. NEUES GEBÄUDE DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. Dreifarbendruck nach einem Aquarell von K. Müller, nach Seite 110. im Vorliegendes Werk wurde über Ermächtigung des k* k. Finanzministeriums aus Anla§ der Feier des einhundertjährigen Bestandes der k* k. Hof- und Staatsdruckerei hergestellt und am 25*Oktober1904vollendet. Text- undTafeldruck, Ausstattungs-undPlattenmaterial, weiters der Letternschnitt, der letztere unter der Mitwirkung des Dozenten an der Kunstgewerbeschule des k. k* Österr. Museums für Kunst und Industrie in Wien RUDOLF Edlen von LARISCH, aus der K. K* HOF- UND STAATSDRUCKEREL «4 Die Originalholzschnitte auf den Seiten 3,17,33,47, 53, 78, 110 und die photozinkographisch reproduzierten Entwürfe für Holzschnitt auf den Seiten 2, 8, 9, 25, 43, 46, 57, 65, 75, 79, 85, 89, 97 und 105 von Maler C* O. CZESCHKA.««««««««« Die Entwürfe für den Schmuck des Werkes: Wasserzeichen für Textpapier, Initialen, Umrahmung, Titel, Tafelschutj- und Vorsatzblätter, Umschlag und Einbanddecken von dem Professor an der Kunstgewerbeschule des k. k. Osterr* Museums für Kunst und Industrie, Maler KOLOMAN MOSER, welcher auch die Druckausführung künstlerisch geleitet hat*^A Text- und Tafelpapier von der k* k* priv* Papierfabrik SCHLÖGLMÜHL* «««««««« Die Festschrift gelangt in 1700 Exemplaren für die Angehörigen der k* k* Hof- und Staatsdruckerei und in einer weiteren Anzahl von teils broschierten, teils in Leder gebundenen numerierten Exemplaren zur Auflage, welche für besondere Widmungen und den Buchhandel bestimmt sind* Die Bucheinbände in Leder sind ausgeführt von der WIENER WERKSTÄTTE* «ÄS««« Verlag der k. k* Hof- und Staatsdruckerei in Wien* £«««««« Alle Rechte Vorbehalten* ««««««« TMW-Bibliothek 0047535 8 I- rsi if Sr 6rj£ #, j •?^4