MWWsz M bd- )L lL.-Z^-7L -!'.<1 WWWWW M1MWLRLWD1 Das UM Z Zur Erinnerung a» die (krofflimig des lieneil Niis-gkr - VerLorglliigstilUlLks ill der MmuirstM. UWM HW Auf Grundlage mehrerer Manuskripte des Bnrgerspital-Amtsvirectvrs Herrn Josef Holzinger, verfaßt von Michael Tllt man Magistrats-Concipist und Directidns -Adjunct rm Bürgerspitalamte. Mit bier Abbildungen. Wjen. 1860 . Im Selbstverläge des Bürgerspitalamtes. ^ "iimsrkss A»..»sumwisn »»»».tvrnL* Druck der typografisch-literansch-artistischen Anstalt L. Öamarski L ll. D-iUwartch). Inhalts-sterzeichniß Vorwort. III I. Die Entstehung des Wiener Bürgcrspitales und dessen Entwicklung bis zum Jahre 1529. Die Entstehung des Wiener Bürgerspitalcs. 3 Allgemeine Bemerkungen, die Sage über die Entstehung des Spitales, die abweichende Meinung und die bis jetzt bekannte Thatsache hierüber. Die ursprüngliche Bestimmung des Wiener Bürgerspitalcs. 5 Die Vermögens-Erwerbnugeu. 7 Die Verdienste der Kirche um das Emporkommen des Spitales, die Ablaßbriefe für die Wohlthäter des Spitales, die wichtigsten Schenkungen, der Kauf des Kalksburger-, Wurzbacher- uud Rothwasser-Waldeö, der Besitz- stand des Spitales im Jahre 1326. Die Foudsgebahrung . 13 Die Einkommensquellen, die Einnahmen und Ausgaben, daö Leinwandhaus, Schuhhaus, Riemhaus. BrothauS als spezielle Einkommensquellen von lokalem Interesse, das Gottcsheilsalz uud das Bicrrecht als privil. Rechte des Spitales. Die Verpflegung der Armen . 16 Die Wirthschaftsgebäude, das Langhaus als eigentliches Armenhaus, die Art und Weise der Verpflegung der Armen , die Zahl der Armen, die ärztliche Hilfe und die Seelsorge für die Armen im Spitale. Die Verwaltung des Bürgerspitales . 18 Der Spitalmeister und seine Dicnstleute, daö Bürgerspital als Stiftung und Gemeinde-Jnstitut. Abschluß des Zeitabschnittes. 20 Die Türkenbelagerung, die Säule von St. Colomann. Seite kl. Das Wiener Bürgerspital als allgemeines Armen-, Kranken-, Kindel- und Waisenhaus in der Zeit von 1530 — 1784. Das St. Clara-Kloster und die Folgen der Türken-Invasion für das Bürgcrspital ....... -. 25 Die Entstehung des St. Clara-Klosters, Widmung desselben zum Bürgerspitale, dessen Bauzustand, allgemeine Zeitverhältmsse. Der erweiterte Wirkungskreis des Bürgerspitales. 27 Die Pilgerbeherbung, Auslagen für Krankenhäuser, St. Johann in Siechen- als, das Lazareth, die Kranken im Bürgerspitale, im Parzmaicr'schen Hause, imBäckenhäusl, dieJncorporirnng von St. Marx und Klagbaum, die Kinder im Bürgerspitale, das Nikolai-Klösterl, die Chaos'schen Stiftknaben, Zahl der Armen, Kranken und Kinder, allgemeine Bemerkungen über den erweiterten Wirkungskreis des Bürgerspitales. Die Vermächtnisse, Stiftungen und Rechtsgeschäfte . 34 Geschenke und Stiftungen. Ursprung des kleinen Siegels oder Wappen vom Bürgerspitale, das Gasthaus zum wilden Mann in der Kärnthnerstraße, die Wallhorn'sche Stiftung, fremde Stiftungen, der Sebastianiwein, verschiedene Erwerbungen , das Auknechtshaus, der obere und untere Werd, die Güter vom Nikolai-Klösterl, das Haus Nr. 349 aus der Landstraße, das Wirthshaus zum goldenen Adler in der Leopoldstadt, die Drittelsteuer, die Borstadt Spitelberg, der Wein - und Getreide-Zehent in Wien, die Güter vom Spitale zu St. Marx, der Realbesitz im Jahre 1706, verschiedene Verkäufe, der Realbesitz un Jahre 1784. Die Fondsgebahruug. 42 Das Einkommen aus der eigenen Wirthschaft, die Zehente, das Gottesheilsalz, der Brauhausbetrieb und das Bierrecht, Befreiung des Bürgerspitales von der Consumtionssteuer, der Bier- und Weintaz, die Bierschankconcessioni- rung, die Gewerbsrechte, das Grundbuch, die Wohnzinse, die Einnahmen und Ausgaben im Allgemeinen. Die Verpflegung der Armen und Kranken. 51 Die Ausspeisung der Armen, Kranken, Kindbetterinnen und Kinder, die Bekleidung der Armen, die Schule für die Kinder, Bezeichnung und Belegraum der „Stuben" im Bürgerspitale, die Aufhebung der Naturalver- pflegung, die Aerzte im Bürgerspitale und dessen Filial-Anstalten , die Apotheke zum heiligen Geist, die Seelsorge, die jährlichen Prozessionen und kirchlichen Feste. Die Verwaltung und deren Hilfspersonale. 55 Der Spittlmeister und seine Beamten, deren Geschäfte und Besoldungen, die übrigen Dienstleute im Bürgerspitale, die Speiseordnung der Beamten Seite und Diener, die „Verehrungen" an dieselben, die Waldaufsicht, der Stu- benvater und die „Armenleutküche." Der Abschluß dieses Zeitabschnittes.. . 59 Die Entstehung des allgemeinen Krankenhauses, die Aushebung der alten Spitäler. Illl. Das Wiener Bürgerjpital. nach dem Jahre 1784. Das Bürger-VersorgungsHaus zu St. Marx uud das Siechenhaus beim Magbaum .. 65 Die Entstehung und Entwicklung beider Anstalten, die Jncorporirung derselben zum Bürgerspitale, St. Marx als Spital und als Bürger-Versorgungs- haus, Beschreibung des letzteren. Der gegenwärtige Wirkungskreis des Bürgerspitales.. . 63 Die rezeßmäßigen Gebühren, die Zahl der armen Bürger in der Handbethei- lung und im Versorgungshause. Die Bcrmächtuisse, Stiftungen und Rechtsgeschäfte . .. 70 Die Geschenke der Gewerbs-Corporationen, die Vermächtnisse, das Haus Nr. 682 in der Stadt, Legat der Therese Kramel, die Stiftungen, die Käufe und Verkäufe, der gegenwärtige Realbesitz des BürgerspitalsondeS. Die Fondsgebahruug . . -. 71 Die Umänderung der verschiedenen Einkommensquellen, der Umbau deö Bürgerspitales in das jetzige Zinshaus, die Kosten des Baues und andere Ursachen der finanziellen Bedrängniß des Fondes, Entstehung der Bürgerspitals- WirthschaftS-Commission, deren Wirken und das Wiederaufleben des Fon- des, die Capitalien, das Gesammtoermögen des Bürgerspital-Fondes. Die Unterstützung und Verpflegung der Armen. 60 Das Maß der Handbetheilung für die armen Bürger, die Verpflegung im Nersorgungshause, der Speisentarif für Gesunde und jener für Kranke, die Aerzte im Versorgungshanse, die Seelsorge daselbst, das Restaurationsfest. Die Verwaltung des Fondes . -. 86 Aufhebung der Superintendenten, Organisirung der Bürgcrspitals-Wirthschasts- Lommission, deren Wirkungskreis, die Namen der gegenwärtigen Mitglieder derselben. Das neue Bürger-VersorgungsHaus. 90 Ursachen des Neubaues, Bildung des Bausandes, verschiedene Plätze für den Bau der neuen Anstalt, Beschreibung der Anstalt, Verpflegung der Armen daselbst, das Pensionat im neuen Bürger-Versorgungshause, die Statuten bezüglich der Aufnahme in dasselbe, die Bedeutung des Namens »Bürger" und des Versorgungshauseö für arme Bürger. Schlußdemerkungen 102 Vorwort. Oür die Bedürfnisse d.er Lokal-Armenpflege in Wien bestehen, abgesehen von den Grundspitälern, aus früherer Zeit herrührende Fonde und zwar: der allgemeine Versorgungsfond, der Bürgerlad- und der Bürgerspitalfond. '. Schon die Bezeichnung bekundet, daß nur die beiden letzteren Fonde die spezielle Widmung „für Bürger" haben, während der allgemeine Bersorgungsfond die Bedürfnisse der Armenpflege für alle nicht bürgerlichen Gemeindeangehörigen und für Bürger insoweit zu decken hat, als die speziellen Fonde hiezu nicht ausreichen. IV Der allgemeine Versorgungsfond bezieht seine Zuflüsse aus eigenen Vermögenschaften, aus frommen Vermächtnissen und Geschenken, aus den Proeenten von Verlassenschaften, Aufschlägen zur Verzehrungssteuer u. A. Seine Abgänge werden in letzter Linie aus dem Communal-Einkommen gedeckt. Der Bürgerlad-Fond hat einige gestiftete Vermögenschaften aus früherer Zeit, deren Erträgnisse nebst mehreren zugewiesenen Beiträgen sein Einkommen bilden. Der Fond ist von geringerer Bedeutung und unterstützt 450 arme Bürger mit monatlichen Beträgen. Der allgemeine Bersorgungsfond und Bürgerladfond sind unter der unmittelbaren Verwaltung der Commune. Eine bedeutende Vermögenschaft ist der Bürgerspital- Fond — das eigentliche Institut der Bürgerversorgung, dem es durch die Gunst der Zeitverhältnisse bisher möglich war, ohne Beihilfe des allgemeinen Versorgungsfondes oder der Commune seine Aufgabe der Bürgerversorgung größtenteils allein zu lösen, nur zum wenigsten Theil Hiebei durch den Bürgerlad- Fond unterstützt. Mit dem Namen „Wiener Bürgerspital" wollen wir nicht das große Zinshaus Stadt Nr. 1100, sondern das vor- V benannte Institut der Bürgerversorgung, den Bürgerspital-Fond, bezeichnen und dessen Erinnerungen und verschiedene Aufgaben, Jahrhunderte zurück, in den Rahmen einer kurzen Darstellung bringen. Den Anlaß dazu bietet uns die bevorstehende Eröffnung eines neuen Bürger-Bersorgungshauses und die Uebersiedlung der armen Bürger Wiens in diese neue Anstalt. Blos zur Erinnerung an diesen neuen Abschnitt im wohlthätigen Wirken des Wiener Bürgerspitales sind die nachstehenden Zeilen geschrieben und machen eben deshalb keinen Anspruch auf eine allseitige Erschöpfung des Gegenstandes. Sie sind zunächst den Bürgern von Wien gewidmet, welche daraus ersehen wollen, wie schon vor Jahrhunderten — Wiener Bürger in der Ausübung der christlichen Nächstenliebe wetteiferten und wie das Erbe derselben, fortan durch den Wohlthätigkeitssinn der nachfolgenden Bürgerfamilien vergrößert, auch durch Jahrhunderte seine wohlthätigen Wirkungen verbreitet und das Elend und die Noth der Armen lindert. j Bermag diese Darstellung eine solche Ueberzeugung in den Wiener Bürgern wachzurufen, so ist der Zweck derselben vollkommen erfüllt und damit auch für das Bürgerversorgungs- Jnstitut, für dessen fernere Entwicklung der größte moralische -- ^' ^---^ VI Stützpunkt gewonnen, weil die Borbilder der vergangenen Jahrhunderte ein Mahnruf zu gleicher Wohlthätigkeit für alle > Zukunft sein werden. Wien im August 1860 . § Die Gntütelnmg lies Wiener Hüigerüpitnles und dessen Entwicklung bis zum Jahre 1529. i ! > Die Entstehung des Wiener Bürgerspitales. Die Wohlthätigkeit und die Armen - Fürsorge sind wesentlich christlichen Ursprungs. Die heidnische Gesellschaft kannte weder eine Privat- Wohlthätigkeit noch eine öffentliche Fürsorge für die Armen. Mit dem Einteilte des Christenthums in die Welt baut sich die Gesellschaft auf christlichen Grundlagen aus, der Geist des Christenthums durchweht alle ihre Einrichtungen und Gesetze, und sowie es jedes einzelne Glied einer christlichen Gesellschaft für seine heilige Pflicht erkennt, seinem bedrängten Mitbruder beizuspringen, so wenden auch die christlichen Gemeinden überall, wo solche entstehen, in Städten und aus dem Lande, nach Maßgabe ihres Vermögens ihr Augenmerk auf die Versorgung ihrer Armen. Zwar sind es ursprünglich meistens einzelne wohlhabende Bürger, I welche durch fromme Stiftungen eigene Anstalten znr Versorgung der Gemeinde-Armen gründen, aber jede solche Anstalt wird alsbald Gemeinde- Anstalt , die Gemeinde nimmt sie unter ihren Schutz und befördert auf jede Weise ihr Aufblühen und ihr Gedeihen. Unter den Städte-Bürgern Deutschlands haben zu jeder Zeit die Bürger Wiens durch ihren ausgezeichneten Wohlthätigkeitssinn geglänzt. Zeuge dessen, die vielen mildthätigen Stiftungen, an denen Wien so reich ist, Zeuge dessen, die zahllosen und bedeutenden Spenden, welche beinahe täglich aus den Taschen der Wiener für mildthätige Zwecke fließen. Eines der schönsten Denkmale dieser Wohlthätigkeit der Wiener Bürger ist aber das ,,Wiener Bürgerspital/' Die ältesten vorhandenen Urkunden, in welchen des Wiener Bürgerspitales erwähnt wird oder welche sich ausschließlich auf dasselbe beziehen, ^ — --^ 1 - datircn vom Jahr 1257. Aus keiner derselben und auch nicht uns späteren Urkunden können wir jedoch die Entstehung des Bürgerspitales, die Namen der Gründer desselben mit Bestimmtheit ersehen. Nach einer Sage haben im Jahre 1206 die Bruder Otto, Ehuno und Konrad, damals drei der reichsten Bürger von Wien, ein Bermögen von 200 Goldgulden zum Unterhalte von 12 armen Bürgern und eben so vielen Bürgerinnen gewidmet und sür deren Unterkunft vor dem Kürthnerthore eine Hütte von Holz erbaut, welche Hütte ,,der Bürger Spital" genannt wurde. In einer Urkunde vom Jahre 1257 werden diese drei Brüder als Lenker des Bürgcrspitales bezeichnet, wozu immer nur erfahrene, um das Spital verdiente Bürger gewählt wurden. Daraus läßt sich einige Wahrscheinlichkeit sür obige Sage oder doch die Annahme ableiten, daß die vorbezcichnetcn Bruder zur Gründung des Bürgerspitales viel beigetragen haben. Nach einer anderen Meinung wäre das Bürgerspital gleichzeitig mit dem Heiligengeistspitale entstanden und aus diesem hervorgegangen. Als nämlich zu Ende des 12. Jahrhnndertes Papst Jnnoccnz III. in Rom zur Pflege von Armen und Kranken, sowie zur Beherbergung von Pilgern ein Spital gegründet und die Verwaltung desselben dem ncngestifteten Orden des heiligen Geistes übertragen hatte, fand solches in vielen Ländern Nachahmung und auch in Wien wurde von Herzog Leopold des Glorreichen Eaplan, Gerard, im Jahre 1208 ein gleiches Spital gegründet und sür dasselbe die Ordensbruder des heiligen Geistes bernsen. Das Spital hieß ,,Heiligengeistspital" und war vor dem Kärnthnerthore, jedoch jenseits des Wienflnsscs, aus der Wieden nächst der gegenwärtigen St. Earls-Kirche gelegen. Ein Filiale des Spitals bestand diesseits der Wien vor dem Kärnthnerthore. Dem neuen Spitale wendete sich der sromme Sinn und dre Wohlthätigkeit der Wiener vorzüglich zu und reichliche Gaben wurden theils den Ordensbrudern und ihrem Gottes- hause, theils den Armen und Kranken im Spitale gewidmet. Die verschiedenen Stiftungen sind je nach ihrer Widmung abgesondert und speziell sür das Sondergnt der Armen frühzeitig eigene Meister zur Vcr- waltnng bestellt worden. Der Sonderling der Vermögenschaften wäre dann die Trennung der Armen und Pilger von den Kranken gefolgt und während das Heiligengeistspital vorzüglich die Krankenpflege beibehielt, für die Zwecke der Armenpflege und Pilgcrbeherbergung das Haus vor dem Kärnthnerthore ,,das Spital der Bürger" verwendet worden. Znr Begründung dieser Ansicht wird bemerkt, daß im Bürger- spitale wie im Heiligeugeistspitale noch in der Zeit, aus welcher Urkunden vorliegen, die Ordensbrüder des heiligen Geistes Leiter der Geschäfte waren und daß beide Spitäler auch das gleiche Jnsiegcl führten, nämlich: ein einfaches Kreuz, worüber der heilige Geist in Gestalt einer Taube schwebt, mit Sonne, Mond und zwei Sternen, welches Siegel vorn Bürgerspitale seit dem Jahre 1264 bis jetzt als großes Jnsiegcl gebraucht wird. Die beiden letzteren Thatsachen sind allerdings außer Zweifel, sie lassen aber auch die Annahme zu, daß das von Wiener Bürgern gegründete Spital den Ordensbrudern anfänglich zur Leitung übertragen wurde, was auch als eine Eonsequcnz der Entwicklung aller communalen Verhältnisse in den Städten wahrscheinlicher ist. Die Gründung des Spitals durch Wiener Bürger ist unzweifelhaft und wird ausdrücklich durch eine Urkunde vom Jahr 1259 bestätigt. Mit Gewißheit kann nur behauptet werden, daß das Wiener Bürgerspital um die Mitte oder in der 1. Hülste des 13. Jahrhundcrtes von Wiener Bürgern vor dem Kärnthnerthore gegründet worden ist. Die ursprüngliche Bestimmung des Wiener Bnrgerspitales. Bis in die Mitte des 11. Jahrhundertes war Wien der Tummel- platz vieler Völkerschaften und von mannigfaltigem Unglücke heimgesucht. Auch in der Folgezeit weniger beachtet, wählte der erste Herzog von Oesterreich Heinrich Jasomirgott (1144) Wien zu seiner Residenz. Die ^--- 0 Jahre des Friedens brachten die Pläne zur Reise, die derselbe zur Förderung der Wohlfahrt seines Landes gefaßt hatte. > Die Stände wurden nach Geistlichen, Herren, Freien, Edlen. Rit- i lern und Bürgern geordnet, Wien erhielt seinen ersten Stadtrichter, wurde ! wegen seiner günstigen Lage an der Donau der Stapelplatz des Handels ! nach dem Orient und der Sammelpunkt der häufigen Pilgerfahrten nach ! Palästina. Wien blühte schnell empor und schon 1221 gab Herzog Leo- ! pold seiner Hauptstadt eigene Statutar-Rcchte, worin ein Stadtrichter, ein ! engerer Ausschuß von 24 und ein weiterer Ausschuß von 100 Bürgern ! znr Verwaltung bestimmt wurden. j Mit diesem Aufleben der Stadt fällt auch die Gründung des Bürgerspitales zusammen. In allen Städten bildeten die Bürger eine ge- ^ schlosscne, cigcnbcrcchtigte Corporation, sie repräsentirten die Gemeinde, j in welcher sie nicht blos die Mehrzahl, sondern auch die Meistbesitzenden ' waren. Aus den Bürgern lasteten sonach die Pflichten der eigenen Corpo- ! ralion und dann zum größten Theile auch die Pflichten der Gemeinde ! selbst. j Aus den Verpflichtungen der Corporation entstehen in allen Städ- ! ten ,,Bürgerspitäler" mit dem nächsten Zwecke znr Versorgung armer ^ Mitbürger. Die allgemeinen Gemeindepflichten bedingen auch die Vor- ! sorge für unbürgerliche, für fremde Personen. So lange die letzteren in j geringer Minderzahl die Städte bewohnten, haben die Bürgcrspitäler aus- ! gereicht, auch diese unterzubringen und bei den primären Verhält- ! nisten der Städte waren die Bürgcrspitäler nichts anderes als Ge- meindespitälcr, weil ja auch die Gemeinde fast ausschließlich aus Bürgern ^ bestand. j Dasselbe finden wir in diesem Zeitabschnitte auch beim Wiener ^ Bürgcrspitale. Die große Anzahl der vorhandenen Urkunden über Stis- j tungen und Vermächtnisse zeiget, daß es ausschließlich Wiener ! Bürger waren, die das Spital gegründet und zur größeren Bedeutung ! gebracht haben. Im erslen Beginne war es das Spital der Bürger für ! ihre armen Mitbürger. In der Folgezeit erhellet, daß im Bürgcrspitale 7 Pilger beherbergt, daß daselbst einige Kinder und Irren verpflegt worden, daß auch arme verlassene Personen daselbst geboren haben. Die Pilgerbchcrbcrgung war eine Nothwendigkeit, in den Zeit- und Lokal-Verhältnissen begründet, indem die wenigen Herbergen in Wien die zahlreichen Pilger nicht ausnehmen konnten, die von allen Ländern zuströmten und das Bürgcrspital allein geeignet war, denselben zeitweise» Unterstand zu geben. Es entfiel auch diese Beherbergung, als im Jahre 1415 Elise Wartenancr eine besondere Herberge für Pilger in der Kärnthner- straße neben der St. Johanneskirche gegründet hatte. Kinder und Irre waren nnr sehr vereinzelt im Bürgerspitalc ausgenommen und verpflegt, nnd ebenso sind auch Kranke nur sehr selten im Bürgerspitalc vorgekommen. Außer der Bürgerversorgung dient das Bürgerspital zu anderen Zwecken nnr insolange, als noch keine besonderen Anstalten vorhanden waren. Mit der Entstehung dieser Anstalten wird es von bestimmten tasten befreit. Die Bürgerversorgung allein blieb fortwährend und vorzugsweise die Bestimmung des alten Armen-Bürger- Hauses vor dem Kärnthncrthore. Die Vermögens-Erwerbungen. Die Kirche ist die Trägerin der Armenpflege fortwährend und auch im christlichen Mittclalter gewesen, sie war es, welche die freie und freudige Wohlthätigkeit aus christlicher Liebe zum Nächsten geschaffen und großgezogen hat. Die Mittel, welche sie dabei anwandte, wurzeln aus religiösem Boden und in der göttlichen Eigenschaft der Kirche als Mittlerin zwischen Gott und der Menschheit. Die Kirche lehrt, daß die Liebe in rechtschaffenen Werken der Barmherzigkeit bestehe, daß das Almosen die Bedentung der Sühne für begangene Sünden besitze, daß der Dürftige ein Repräsentant des Erlösers sei; sie lehrt, daß der Besitz nur Lehen, der Besitzer Lchenträger Gottes ist mit der Verpflichtung, sein Gut nur im Sinne des alleinigen Eigcnthümcrs zu verwenden. Die Wirkungen dieser segcnsvollen Lehre kaun Niemand hinweg- läugnen, Nicniand die Tausend und Tausende van Gefangenen zählen, welche diese Lehre losgekauft, die Armen, welche sie ernährt, die Millionen Thränen, welche sie getrocknet hat. Auch das Wiener Bürgcrspital hat unter diesem schirmenden Schutz und Segen der Kirche seine Vcr- mögenschasten erworben. Bald nach Entstehung des Spitals hat sich nämlich nach Anleitung des Ordens zum heiligen Geiste eine Bruderschaft ,,znr unbefleckten Jungfrau Maria" gebildet, deren Vereinszweck dieEmporbringungdes Bürger- spitales gewesen ist. Am 29. Juni 1298 erlies; Meister Heinrich und die Bruderschaft einen Aufruf folgenden Inhaltes: ,,Bei dem großen Zusammenflüsse von Fremden verschiedener Nationen zu Wien habe bisher kein .Haus zur Erholung und zum Ausruhen bestanden und müssen nicht Wenige auf den Plätzen und Straßen ihr Leben enden. Um diesen; Uebel abzuhelfen, haben Einige ein Spital zu gründen angefangen, zu dessen Vollendung das nöthige Geld nicht aufgebracht werden kann. Sie sehen sich daher bcmüssigct, die Mitwirkung der Acbte, Pröbfle und aller Ehristgläubigeu um milde Beiträge anzurufen und geben auch Nachricht, daß der Papst und Viele Bischöfe den Gutthätcrn des Spitals Ablässe verliehen haben und die Bruderschaft alle Wohlthäter als Mitglieder aufnehme." Die hier erwähnten Ablaßbriefe sind nicht vorhanden, wohl aber existiren noch die Urkunden über viele Ablaß-Ertheilnngcn und andere Gnadenakte, welche in der folgenden Zeit von der Kirche zur Hebung des Spitales ausgegangen sind. So gibt Bischof Wcrnhard von Passau (1309) allen Jenen, welche an was immer für einen; Tage in der Bürgcrspital-Kirche Messen hören, reuig beichten und die Armen unterstützen, einen Ablaß von 40 Tagen. Gleichen Inhaltes ist ein Ablaßbrief des Diöcesanbischofes Albert von Passau im Jahre 1337. i) Papst Johann XXII. bewilliget die Jneorporirung dee Weigels- dorser Pfarrkirche sammt allen Gütern derselben zum Bürgcrspitale, womit viele Zehentrcchtc dem Spitale zugekommen sind. Ebenso hat Bischof Gottfried von Passem (1351) die am Bürgcr- spitalS-Gottesaekcr vor den; Kärnthncrthore vom Magister Jacob, Arzt in Wien (1338) erbaute St. Eolomanns-Eapelle, sammt allen ihren Gütern dem Bürgcrspitale incorporirt. Papst BonifazinS gibt Allen, welche die Eapclle des heiligen Eolo- mann zu Wien besuchen, ihre Sünden bereuen und beichten und zur Erhaltung der Kirche etwas beitragen, einen Ablas; von 100 Tagen. Johann , Bischof von Bitric und Weihbischof von Passan, weihte 1414 die Kirche im Langhansc des Bürgerspitales und ertheilt allen Wohlthätern des Spitals einen Ablas;. Lconhard, Bischof von Passau bewilligt (1146) die Verlegung des KirchweihscsteS im Bürgcrspitale vom Sonntage nach Allerheiligen aus den nächsten Btontag nach Pfingsten, weil am 1. Tage bei St. Ste- fan die Reliquien gezeigt werden, das Volk sonach dahin strömt und dadurch die Andacht im Bürgerspital vermindert wird. Johann, Eardinaldiaeon von L. Angelo und päpstlicher Legat in Deutschland, ertheilt (1448) allen Gntthätern des Bürgcrspitalcs einen lOOtägigen Ablas;. Ullrich, Bischof von Passan, ertheilt (1435) allen, welche dem feierlichen Umzüge mit Gottes Leichnam, der scdcn Freitag im Bürgerspitale unter großem Zulauf des Volkes gehalten wird, beiwohnen, einen Ablaß von 40 Tagen. Bcffarion, Bischof von Tusculum, bewilliget (1460) für die 6 Ea- pläne des Bürgcrspitales, das; sie in allen, dem Bischöfe vorbchaltenen Fällen die Absolution ertheilen und das Altarssacramcnt reichen dürfen n. s. w. u. s. w. Und alle diese Aufforderungen an die vom Glauben erwärmten Gemüther blieben nicht fruchtlos. Zeuge dafür die vielen und großartigen Schenkungen dieser Periode, von denen wir nur Einige anführen wollen. 10 Die älteste vorhandene Schenkungsurkunde datirt vom Jahre 1264, worin Otto von Gumpendors, Bürger zu Wien, dem Spitale seines Seclenheiles wegen, verschiedene Aecker und Weingärten in Reinprechts- dorf vermacht hat. Rapoto, Bürger von Wien, schenkt (1271) noch bei seinen Lebzeiten dem Bürgerspitale mehrere Weingärten in Als. Rnedgcr von Jnßeinsdorf (Inzersdors), Bürger zu Wien, schenkt (1293) dem Bürgerspitale ein Hans sammt Gründen in Jntzcinsdorf, einen Wirthschastshof mit 21 Joch Acckern, Baum- und Wicsgartcn und 11 Joch Ueberland. Hcrbart Herzog und seine Ehesrnu schenken (1295) ihr ganzes Vermögen dem Bürgerspitale gegen dem, daß sie bis zu ihrem Tode im Spitale eine separate Wohnung und Verpflegung vom Hcrrntisch erhalten. In den Urkunden der nächsten Jahre werden meistens Grnnddienste und Burgrcchte geschenkt, mit der Widmung, daß die Armen an bestimmten Tagen gespeist werden sollen, wobei die Speisen genau bezeichnet sind, die sie erhalten. Sehr häufig ist auch in diesen Urkunden die Anordnung eines Bades enthalten, eine Wohlthat, die wegen der damaligen häufigen Hautkrankheiten nicht unterschätzt werden kann. Eine der größten Stiftungen ist die von Scisried, dem Futtercr, und Stesan, dem Krüglcr, beide Bürger von Wien, welche (1330) dem Bürgerspitale mehrere Gülten und Güter, ,,so sie um 1600 Pfund Pfennige gekauft haben," schenkten. Darunter waren 2HöseinKagran, ein Hos und Weingarten zu Nenburg, mehrere Weingärten zu Sievring und am Nußberg und dann Burgrcchte und Zinse aus verschiedenen Häusern in Wien. Die Stiftung hatte die Widmung, daß den Dürftigen im Spitale jährlich an 50 Tagen.nach einander Mahlzeiten bereitet werden sollen. Während diese Mahle stattfinden, sollen die Herren im Spitale zu der Stifter Hilf und Trost alle Sonntag eine ganze Vigilic singen und alle Montag ein Seclen- amt abhalten. Auch sollen die Armen jeden Dienstag ein Bad erhalten. Stesan der Krüglcr hat (1333) noch weiter dem Bürgerspital vermacht sein Haus in der Wollzeilc, einen Hof gegenüber vom Spitale, ---.- 11 - alle seine Wiesen, wo sie immer gelegen nnd einen Weingarten zu Mödling. Konrad Hcrscheftl, Bürger von Wien, schenkt (1348) den Dürftigen im Bürgcrspital 9 Fleischbänke und soll deren Erträglich jährlich zu Mahlzeiten sür die Armen verwendet werden. Konrad Rüger des Grasen Sohn schenkt dem Bürgcrspital im Jahre 1355 ein Haus vor dem Kärnthnerthore und mehrere Weingärten daselbst zum Unterhalte der St. Colomannscapellc am Gottesacker. Ebenso Jaschkc Pcheim (l368) 7 Weingärten und 159 Pfund Burgrcchte in Wien, Kunrad von Gars (1369) 2 Häuser am Lichtcnsteg zu Mahlzeiten und Bäder für die Armen. In den nächsten Jahren folgen Schenkungsurkunden über Zchent- rechte zu Grumctncusiedl, Vclm, am Wiencrbcrg u. a., bezüglich welcher , falls sie 2ehen waren, von den jeweiligen Herzogen dem Bürger- spitale auch die Lehcnherrlichkeit übertragen wurde. Im Jahre 1383 hat Ehristos Syrseyer dein Bürgerspitalc aus besonderer Andacht 1000 Pfund Pfennige vermacht mit der Bestimmung, daß diese auf Gülten angelegt und von dem Erträgnisse die Armen gespeist werden sollen u. s. w. u. s. w. Auch Kauf- und Tausch Geschäfte kommen in diesem Zeitabschnitte vor. Bon ersteren erwähnen wir den Kauf eines Holzes gegen die Liesing abwärts (KalkSburger Wald) im Jahre 1289 — den Kauf eines Waldes mit einer Lcithcn und einem Wiesflcck zu Au (Wurzbacher Wald) im Jahre 1315 und den Kauf eines Waldes zu Wcidlingau (Rothwasser- wald) im Jahre 1386 — blos deßhalb, weil diese drei Wälder noch jetzt im Besitze des Bürgerspitales sind. In den Verhältnissen der Zeit war es begründet, daß die Schenkungen an das Bürgcrspital größtentheils in Realitäten: Aeckcr, Wiesen, Wälder, Weingärten und Häuser — dann in Burgrcchten, Grundrechts- Zinsen, Bergrechten und Zehenten bestanden, weil bei dem damaligen geringen Verkehre, auch das Mittel des Verkehres — Geld — nur in geringer Menge vorhanden war. »«SW> 12 Nach einen! alten Dicnstbnche vom Jahr 1326 hatte das Bürger- spital bis dahin schon sollende Besitzungen erwarben: Aeeker: Einen Hof zu Meidling mit 48 Joch, zu Wcigelsdorf mit 29 Joch, dann noch zu Jnzcrsdors und in Wien. Wiesen: Ueber 130 Tagewerke zu Ebcrsdors, Himberg, Lochsen- dors, Rodaun, Weidlingau. Wälder: Zu Kalksburg und Au (Weidlingau). Weingärten: 4 Joch nächst dem Spitale in der Stadt, dann in Atzgcrsdorf, Als, Ottakring, Sievring, Grinzing, Nnßdorf, Amasbach, Purgstall u. a. Häuser: Ein Haus vor dem Spitale, ,,worin ein Schund wohnt," ein Keller in der Kärnthnerstraße und daneben ein Haus, ein Haus am neuen Markt, dann in der Ehnrwanerstratze (zwischen dem Hoskriegs- gebäude und dem Seitzerhofe), am Haarmarkt einen Brunnen, auf der hohen Brücke eine Badstube, ein Haus beim rothen Thurm, in der Singerstrapc, am Gries. B u r g rechte, nämlich Forderungen auf Häuser versichert, damals die einzige Art, auf welche Baargelder fruchtbringend angelegt wurden, auf fast allen Häusern in Wien, selbst vom Rathhanse wurden 4 Pfund Pfennige gezinset. Zinse von Obstgärten, Aeckern und Weingärten im Wernhards- thal zwischen Matzleinsdors und Meidling, in Meidling selbst, zu Brunn, Jnzersdorf, Laa, Neudorf, Breitensee, Pcnzing, Ottakring, Lerchenfeld, Pötzleinsdorf, Währing, Sievring, Nußdors, Simmcring, Fischament, Wolfpassing und fast in allen Rieden um Wien. Bcrgrechtsbczüge in Mitterberg, Pötzleinsdorf, Klaizing, Als, Gumpoldskirchen, Guntramsdorf, Grinzing. Zehent r echte in Wcigleinsdorf, Wampersdors, Hirsdorf, Pot- tendors, Simmering. Bis zum Schlüsse des Zeitabschnittes (1529) waren viele dieser Rechte und Besitzungen verlaust oder vertauscht worden, dagegen aber viele Häuser in Wien, dann noch Wirthschaftshöse zu Kagran, Nenbnrg, 13 Fischameut, Griuziug, Erdprcß, Zwölsaring, Jnzersdorf, Heruals, Gru- nntncusiedl, Sievring, Klosterueuburg, ebenso auch Wiesen, Weingärten Ulid Zehentrechte zugewachsen, so daß es ermüden würde, alle diese wechselnden Besitzverhältnissc zu verzeichnen. Die Fondsgebahrnnq. Das Einkommen floß zunächst und säst ausschließlich aus der eige- ueu Bewirthschastung der erworbenen Realitäten. Auch die Zehente wurden in untin-u eingeheimset und das ganze Erträgnis; der Wirthschaft für die Bedürfnisse des Spitales verwendet. Das Maß der Unterstützung der Armen richtete sich nach dem jeweiligen Erträgnisse der Wirthschaft, dabei wurde nicht viel verrechnet, sondern Alles auf Treue und Glauben znr Verwendung abgegeben. Wir können daher auch kein klares Bild über die Einnahmen und Ausgaben in diesem Zeitabschnitte darstellen und bemerken blos, daß nach den Rechnungen znm Höchsten 200—350 Personen, Arme undHauspersöuale zusammen, im Bürgerspitale verpflegt wurden und daß besonders die Hausosficiere in der letzten Zeit reichlich und bis znm Ueberflussc speisten und ,,pokalirten." Die Iahresrechnung des Spitalmeisters ist ganz kurz und enthält nur die Einnahmen an Burgrechten und Zinsen, welche vierteljährig bezahlt wurden und 1326—231'/., Pfund betragen haben, dann in einigen Baargcldern für verkaufte Wirthschaftsprodukte, iusbcsonders Wein, soweit solche im Spitale erübrigt wurden. Zum Ausschank des Weines waren eigene Leutgcber bestellt. Bei den Anklagen werden blos die Dienstlöhnungen und jene Beträge angeführt, welche zum Ankaufe von Wirthschafts-Erfordernissen nothwendig waren. Nach der ältesten vorhandenen Rechnung des Spitalmeisters Illlrich Zink vom Jahre 1380 beträgt schon die Baar-Einnahme 1159 Pfund, dagegen die Auslage 1171 Pfund. In einem Anhange zu dieser Rcch- 14 nung werden dann noch die Frucht Vorräthe und Wirthschafte Requisiten aller Art, die Zahl der Ochsen, Kühe, Kälber, Pferde, Schweine u. s. w. aufgeführt, woraus der umfangreiche Wirthschastsbetrieb des Bürgerspitales erhellt. Mit dem fortwährend zunehmenden Besitze sind selbstverständlich die Erträgnisse gestiegen und ungerechnet den eigenen Verbrauch der Naturalien im Hause betragen die baaren Einnahmen der letzten Jahre schon 8000—10.000 Gulden. Diese baaren Einnahmen werden zum geringsten Theile auf Dienstlöhnungen — größtcntheils aber auf Ankäufe von Realitäten verwendet, was eben nebst den Vermächtnissen das Anwachsen des Grundbesitzes beim Bürgerspitale bewirkt hat. Wir glauben aus diesen! Zeitabschnitte noch einige spezielle Einkommensquellen des Bürgerspitales anführen zu sollen, weil diese ein lokales Interesse haben und für die Zustände der damaligen Zeit bezeichnend sind. Es sind dies nämlich die Einnahmen von einigen Häusern in Wien, welche dem Bürgerspitale gehörten, jedoch zu communalen oder öffentlichen Zwecken vermiethet waren, und einige Rechte. Am Hohenmarkte besaß das Bürgerspital das , ,Leinwandhaus", worin die Leinwandhändler ihre Berkaufsstände hatten, und dafür zum Spitale einen jährlichen Dienst zahlten. Von diesen! Hause wurde 1506 zuerst ein Stock und 1628 auch das übrige Gebäude verkauft. Die Leinwandhändler bildeten damals eine Bruderschaft, hatten schon 1453 eine eigene Ordnung und bestehen noch dermalen als Gremium der verge- währten verkäuflichen Leinwandhandlungen. Gleichfalls am Hohenmarkte war das sogenannte ,,Schuhh aus" mit den Verkaufsstünden für die Schuhmacher, welche jährlich ihre Stände wechselten und ebenfalls zum Bürgerspitale einen Dienst zahlten. Das Schuhhaus hörte im Jahre 1528 auf, weil daselbst eine ,,Schraubstube" (Kriminalgerichtsstube) errichtet worden ist. Ebenso hatten die Riemer ihre Stände in einen! eigenen ,,Ri em- hause," welches Haus jedoch schon im Jahre 1421 an die Riemer vom Bürgerspitale verkauft worden ist. --- — - 15 Unter der Benennung ,,Brothaus" besaß das Bürgerspital ein Haus am Graben, von dem es heißt, daß dasselbe,,zu leichtfertigem Lebenswandel" bestimmt war. Es war ein Schank-, Spiel- und Tanzhaus und das jetzige Haus Nr. 1144 am Graben, das rechte Eckhaus in die obere Bräunerstraße. Zufolge einer milden Stiftung vom Herzog Albrecht im Jahre 1352 hatte das Bürgerspital wie alle Spitäler den Bezug von jährlichen 240 Stöcken Salz ü zu 115 Pfund aus Hallstadt — Gottesheilsalz genannt — bewilliget, für welchen Bezug vom Herzoge Albrecht VI. (1459) auch die Mauth- und Zollfreiheit zugestanden wurde. Schon in diesem Zeitabschnitte hat das Bürgerspital das sogenannte ,,Bierrecht" erworben, ein Recht, welches in der Folgezeit zu einer der ersten Einkommensquellen des Spitales sich gestaltete. Das Bierrecht oder das ausschließliche Recht zum Bierbrauen und Bierausschank in Wien, war nach den ältesten Urkunden ein landesherrliches Recht, welches zu Lehen gegeben wurde. Es waren mehrere Lehenträger vorausgegangen, bis im Jahre 1432 das Bürgerspital von Stefan Kraft zu Merspach ,,das ihm zu Lehen gegebene Bierrecht zu Wien sammt allem, was dazu gehört," erkaufte. Hiermit war auch das älteste Bräuhaus vor dem Widmer- (Burg-) Thore in der Weidenstraße, in das Eigenthum das Bürgerspitales gekommen. Herzog Albrecht (1432) bestätigte den -Kauf des Bierrechtes für das Bürgerspital und auch die folgenden Regenten haben dieses Recht des Spitales fortwährend geschützt, aus dem Grunde ,,damit die armen Leut desto besser unterhalten werden mögen." — Es ist dies ein Beweis des großen Wohlwollens, welches die österreichischen Regenten schon in alter Zeit dem Bürgerspitale zu Theil werden ließen und die Folgezeit wird lehren, daß durch die Verleihung und Beschützung dieses Rechtes allein die österreichischen Regenten auch die größten Wohlthäter der Armen im Bürgerspitale gewesen sind. 16 ! ! Die Verpflegung der Armen. I . ! Das alte Wiener Bürgerspital hatte wegen der vielen Wirthschaft^- ! gebände, die init demselben verbunden waren, eine graste rämnliche Aus- i dehnung. Bom Kärnthnerthore bis gegen das Earolinenthor und bis an i ! den Wienfluß (damals Kuuipslncke und Gcreuth genannt) erstreckten sich nach alten Urkunden die Bürgerspitalsgebände, wozu auch alle daselbst gelegenen Weingärten nach und nach erworben wurden. ! So ausgedehnt die Wirthschaftsgebände geivrsen, ebenso beschränkt ! ^ waren jedoch die Räumlichkeiten für die Armen. Schon in einer Urkunde ^ vom Jahre 1649 wird als Unterknnstsort für die Armen ein abge- > sonderten, in einen! langen Trakte erbaute:' Haus bezeichnet und wegen ! seiner Banart wahrscheinlich, mit dem Worte,.Langhaus" näher bestimmt, j In diesem Langhaus» ,waren wenige große Zimmer und eine eigene ^ Eapelle, die inl Jahre 1441 urkundlich neuerdings geweiht werden ! mußte; aus weicher Ursache, ist jedoch uicht ersichtlich. Für das Langhaus ^ war eine eigene Mutter mit zwei Dirnen bestellt zur Erhaltung der Ordnung und Bedienung der Armen und für die Armen selbst werden eine eigene Frauenstube, eine Kindsstube und eine Greisenstube im Langhause genannt. l ^ Dieses Langhaus scheint sonach das eigentliche Bürgerspital gewesen i zu sein; es war schon in einer besseren Weise gebaut, mit einem Ziegel- ^ dache versehen und wird in allen alten Urkunden als ,,treffentlich groß ! und wohl erbaut" geschildert. Was die Art und Weise der Verpflegung der Armen betrifft, so war selbe anfänglich höchst nothdürstig und dürste nur darin bestanden i haben, daß die Annen Unterstand, im Winter gewärmte Stuben, zu ! ihrer Verpflegung aber nur so viel erhielten, als durch Opfer und Samm- > lnngen eingegangen ist. Ein Beweis dafür sind die vielen schon im 16. ^ und vorzüglich im !4. Jahrhunderte dein Bürgerspitale zugewendeten j Stiftungen zu Mahlzeiten, sowie zn Handbetheilungen und Kleidern. 17 Erst nach und nach haben die Armen eine eigentliche Verpflegung ! erhalten und zufolge der vorhandenen Urkunden über mehr als 160 ! Mahlstistungen kann nicht gezweifelt werden, daß bald in dieser Zeit- periode eine tägliche Verköstigung der Armen stattgefunden hat, vielleicht nur an jenen Tagen schlechter, an welchen keine Stistmahle waren. Das Einkommen des Fondes bestand größtentheils in Naturalien, wie sie der mannigfaltige Wirthschaftsbetrieb erzeugte; mit der Zunahme des Erträgnisses wurden auch die Armen besser gespeist und anö den Rechnungen der letzten Jahre ist schon ersichtlich, daß die Psründner ohne Ausnahme täglich zu Mittag Wein und Abends Bier erhielten, was bei dem ausgedehnten Weinbaue und dem ausschließlichen Rechte des Bürgerspitales zur Bierbrauerei leicht möglich war. Geschenke des Allerhöchsten Hofes an die Armen im Bürgerspitale sind vielfach verzeichnet, darunter sasU alljährlich viele Hausgeräthc, Wäsche, Kleider und andere Gegenstände, welche bei Hofe nicht mehr benützt wurden. An hohen Festtagen und heiligen Tagen wurden die Armen im Bürgerspitale von den Bewohnern Wiens besucht und mit den mannigfaltigsten Gaben im Ueberfluffe beschenkt. Nach den Küchenrechnungen des Spitales sind vom 14. Jabrhnn- derte an die Verpflegten von Woche zu Woche mit 250—350 Personen angegeben und darunter auch die Verwaltung, die Geistlichen und das Wirthschastspersonale begriffen. Die Zahl der Armen in diesem Zeitabschnitte kann daher kaum über 300 Personen betragen haben, und wenn in einem Briese des Papstes Johann XXII. vom Jahre 1333 von 600 Annen Erwähnung geschieht, die sich im Bürgerspitale zu Wien befinden, so sind darunter auch gewiß die vielen Pilger enthalten, welche im Bürgerspitale Unterstand ohne Verpflegung erhielten. In Absicht aus dieärztliche Hilfe kann wohl nicht angenommen werden, daß hiesür besondere Vorkehrungen bestanden. Eine eigene Heilwissenschaft, wenn man die ärztlichen Funktionen der Vorzeit so nennen L»___ 2 e^>—-- § - 18 will, hatten einzelne Priester, und außer diesen nur wenige. So war insbesonders der Stifter des Heiligcngeistspitals, Gerard— ein geschickter Arzt und die Ordensbruder zum heiligen Geiste haben sich ebenfalls zu diesem Zwecke ausgebildet. Sie dürften auch die ersten Aerzte des allen Bürgerspitals gewesen sein, in welchem ohnehin weniger Kranke, als alte, erwerbsunfähige Arme verpflegt wurden. Mit der Gründang der Wiener Universität (1365) mochten in dieser Beziehung bessere Zustände angebahnt worden sein; allein auch nach dieser Zeit finden wir in den Urkunden keines Arztes im Bürger- spitale erwähnt. Für die Seelsorge der Armen waren im Bürgerspitale nicht weniger als 7 Priester — 1 Pfarrer und 6 Capläne, — welche vom Bürgerspitale präsentirt und vom Bischöfe zu Passau bestätiget wurden. Dann war noch in der St. Colomanns-Capellc ein Caplan mit einem Gehilfen. Pfarrliche Iurisdictionsrechte hatte das Bürgerspital nicht, es waren aber die Priester daselbst berechtiget, die Absolution, selbst in den dem Bischöfe vorbehaltenen Fällen zu ertheilen. Die Priester waren nicht gut dotirt und hatten blos die Verpflegung beim Herrentische und ihre Meßstipendien, welebe damals mit wenigen Pfennigen bezahlt wurden. Jeder Priester hatte nur eine Schlafkammer und alle zusammen eine gemeinschaftliche, im Winter geheizte Stube zum Tages-Aufenthalte. Uebrigens war es im Geiste der Zeit gelegen, daß vorzüglich die religiösen Feierlichkeiten vielfach und bei jeder Gelegenheit gepflegt wurden , zu welchem Zwecke auch reiche Ornate und Paramente vorhanden gewesen sind. Die Verwaltung des Bürgerspitales. Die Verwaltung für das eigentliche Spital und für die Führung der Wirthschaft war in der Person eines Meisters vereiniget, der dazu seine eigenen Organe und Dienstleute hatte. Iu ältester Zeit, wo es sich mehr um die Leitung des Spitales allein handelte, wurden die Meister aus dem heil. Geist-Orden entnommen, und es werden als solche z. B. ^280 Probst Eonrad, 1295 Eonrad der Priester, ^315 Simon der Priester u. s. w. genannt; allein schon in der Mitte des dreizehnten Jahr- hundertes waren denselben ,,Pfleger" — i-oetm-W — beigegeben, so daß den Priestern eigentlich nur der Gottesdienst und die Seelsorge, den Pflegern aber die Verwaltung der Vermögenschaften obgelegen ist. Im Jahre l323 wird Stefan, der Krügler, als Pfleger und Spitalmeister genannt und von da ab war der Spitalmeister der alleinige Leiter des Vürgerspitals. Er wurde aus dem Stndtrathe oder äußeren Rathe, gewöhnlich auf Ein Jahr gewühlt und erscheint im folgenden Jahre öfters als Bürgermeister. Der Bürgermeister heißt auch sehr oft oberster Spitalmeister und hat mit dem Stadtrathe die Oberleitung des Vürgerspitals geführt, daher auch alle wichtigeren Dokumente vom Bürgermeister, Spital- meister und Rath der Stodt Wien unterfertiget sind. Die Aufnahme der Armen ins Spital erfolgte durch den Bürgermei ster und Spitalmeister. Unter dem letzteren bestanden ein Schätzer, Zehent- ner, Schreiber, Amtsleute aus den Wirthschastshösen und Dienstgesinde. Der patriarchalische Haushalt entbehrte auch der ,.Meisterin" nicht — gewöhnlich die Frau des jeweiligen Spitalmeisters, welche in der Küche vorzüglich schaffte und wirkte. Die Küche selbst theilte'sich in jene für den Herrentisch und in die andere für die Annen und Dienstleute, mit eigenen festgesetzten Speise- ordnungen. Die Jahresrechunng des Spitalmeisters, in Gegenwart des Bürgermeisters und Stadtrathes abgeschlossen, endet immer mit den Worten: ,,wonach der Rath dem Spitalmeister oder der Spitalmeister dem Rathe die Mehrauslage oder die Mehreinnahme pr. ... zu ersetzen schuldig erkannt wurde," oder: ,,wornach Rath und Spitalmeister sich beglichen haben." 20 Daraus insbesouders und aus allen Verwaltungsmaximen erhellt die Gemeinschaftliche der Interessen zwischen der Stadt und dein Bür- gerspitale, insofern als schon in den ältesten Zeiten die Gemeinde jeden Abgang des Bürgerspitales, welcher im Einkommen des letzteren seine Bedeckung nicht fand, aus dem Eommunnl-Einkommen berichtigte. Ungeachtet der Grundstock des Fondes in gestifteten Vermö- genschaften besteht, hat die Gemeinde seit der Entstehung des Spitales und im ganzen Zeitabschnitte den Fond ausschließlich und allein geleitet und durch selbstgewählte Organe verwaltet, so daß dem Bürgerspitnle nebst der Eigenschaft einer Stiftung auch die eines Gemeinde-Institutes nicht abgesprochen werden kann. Abschluß des Zeitabschnittes. Wir glauben mit dem bisher Gesagten ein kurzes übersichtliches Bild vorn alten Bürgerspitnle vor dem Kärnthnerthore gegeben zu haben, und es erübrigt uns noch, den Ausgang dieses Zeitabschnittes zu erwähnen. Derselbe knüpft sich an die erste Belagerung Wiens durch die Türken und wurde durch diese veranlaßt. Es war nämlich im Monate September 1529, als zahlreiche Volksmassen, all ihr bewegliches Habe mit sich führend, vorn Lande herein hinter die Stadtmauern flüchteten und die Kunde mitbrachten, daß der Erbfeind der Christenheit, die Türken, gegen Wien vorrücke. In aller Eile mußten die Bertheidigungsmaßregeln getroffen werden, und mitten in seinem stillen, wohlthätigen Wirken war auch dem Bürgerspitnle die Nachricht zugekommen, daß seine Gebäude vor denr Kärnthnerthore aus Rücksicht der Vertheidigung geschleift werden müßten. Die Armen, die wichtigsten Urkunden und Schriften und die beweglichen Geräthschasten wurden so schnell als möglich in das Himmelpsorten- Kloster und andere geistliche Häuser innerhalb des Kärnthnerthores in Sicherheit gebracht und sonach die Gebäude des Bürgerspitals vor dem 21 Kärnthnerthore, wie beschlossen, zerstört. Was davon übrig geblieben, hat nachträglich die Wuth der Belagerer der Erde gleich gemacht. Mit welchem Heldenmuthe die Angriffe des Feindes, insbesonders beim Kärnthnerthore, zurückgeschlagen wurden, und wie schließlich diese unheilvolle Heimsuchung von Wien sich abgelenkt hat, das haben wir hier nicht weiter zu erzählen. Für uns genügt es zu constatiren, daß das alte Bürgerspital vor dem Kärnthnerthore bei der ersten Belagerung Wiens durch die Türken zu Grunde ging, und daß das Gebäude, woran drei Jahrhunderte mit emsigem Eifer geschaffen, in wenigen Wochen aufgehört hatte, der Zufluchtsort der Armen zu sein. Nur eine steinerne Säule blieb verschont, um den nachfolgenden Jahrhunderten die Stelle zu bezeichnen, wo einst das erste Bürgerspital von Wien gestanden hatte. Diese steinerne Säule war noch vor wenigen Jahren vor dem Kärnthnerthore zu sehen und hatte folgende in rothen Marmor gehauene Inschrift: Oal?, pavv i8t volpraelit Zu lob 6lots und in den blren Nariam und 2 u Trost aller Oelau Ingen Leelen öail und ist volpraelit In die saneti llaeoln Xpostoli Xnno Doniini NOOOXXXII. Nächst dieser steinernen Säule war früher die St. Colomanns- Capelle gestanden, um welche herum der Bürgerspitals-Gottesacker sich , ausgedehnt hat. als allgemeines Armen-, Kranken-, Findel- unÄ Waisenhaus in der Zeit von 1530—1784. Das St. Clara-Kloster und die Folgen der Türken- Jnvasion für das Bürgerspital. In Folge der Belagerung Wiens durch die Türken haben die armen Bürger zunächst ihr Wohnhaus verloren. Auch die Wirthschastsgebäudc und Häuser in den Vorstädten waren zerstört und es fehlte daher auch ein entsprechender Centralpunkt, von wo aus das Wirthschaftswesen wieder geleitet werden konnte. Beides sollte dem armen Bürger-Institute bald wieder zu Theil werden. Schon zu Anfang des Jahres '1530 hat Erzherzog Ferdinand I. das ehemalige St. Clara-Kloster innerhalb des Kärnthnerthores am Schweinmarkte zum Bürgcrspitale bestimmt. Es war dieses Kloster von Herzog Rudolfs Gemalin, der französischen Königstochter Blanca, 1303 für Jungfrauen und Witwen des Landadels gegründet und von den Klosterfrauen, Clarisserinnen genannt, bis zum Jahre 1529 bewohnt. Noch vor der Türken-Jnvasion flüchteten die Nonnen nach Villach in Kärnthen und erhielten nach ihrer Rückkehr am 27. März 1531 unter der Aebtissin Anna Weiser das ehemalige Pilgramhans mit der Kirche zu St. Anna zu ihrem ferneren Wohnorte. Das St. Clara-Kloster blieb fortan den armen Bürgern, wurde auch Spital zu ,,Allerheiligen", ,,bei St. Clara" oder ,,zum heiligen Geist" genannt und war an der Stelle des gegenwärtigen, dem Bürgerspitalsonde gehörigen, großen Zinshauses, Stadt Nr. 1100 gelegen. Obwohl das St. Clara-Kloster den armen Bürgern schon am 1. März 1530 eingeräumt worden, so ist doch der Confirmationsbrief vom Erzherzoge und Könige Ferdinand erst am 20. December 1539 26 ausgefertiget und darin dieses Kloster förmlich zum Bürgcrspitale gewidmet, was zunächst der vielen Verdienste wegen erfolgte, die sich der Bürgermeister Wolsgang Treu bei der Türkenbclagerung erworben hat. Das neue Bürgerspital hatte nur theilweise Einen Stock und größ- tentheils ebenerdige Gebäude, eine große, sehr schöne Kirche gegen die Bastei zu, am Eingänge der jetzigen Eomödiengassc gelegen, mehrere geräumige Wohnungen zur Unterbringung der Armen und eine solche räumliche Ausdehnung, daß ohne viele Bauten der Wirthschastsbetrieb bald wieder ausgenommen werden konnte. Durch die Zuweisung des St. Elara-KlosterS ist das Bürgerspital für das zerstörte frühere Versorgungshaus und die ehemaligen Wirth- schastsgebäudc vor dem Kärnthnerthore vollkommen entschädigt worden ; allein ein fühlbarer Schaden verblieb demselben dadurch, daß durch die Türken alle eigenen Häuser in den Vorstädten, darunter auch das Bräuhaus vor dem Widmer-Thore, zerstört worden, und daß durch die Verheerungen, welche die Türken sowohl an den dienstbaren Häusern in Wien als aus dem Lande veranlaßten, die Einkünfte bedeutend geschmälert wurden. An Grunddiensten wurde durch Jahre nichts eingebracht, weil die Häuser niedergebrannt oder die Eigenthümer verschollen waren. Eben so waren viele Weingärten zerstört und das Einkommen vom eigenen Weinbau, wie vom Weinzehent für die nächsten Jahre versiegt. Als Entschädigung für rückständige Zinse fielen dem Bürgerspitale viele Brandstätten und verwüstete Weingärten zu, in Ermanglung aber der Mittel zum Aufbaue wurden nicht nur diese, sondern selbst die eigenen Brandstätten und verwüsteten Weingärten um Preise verkauft, die selbst für die damalige Zeit ungemein niedrig waren, z. B. für eine Brandstätte und Weingarten in Gumpendors 12 sl., für eine Brandstätte in Als 21 sl., Häuser in Als und Hernals um 34—40 sl. u. s. w. Es war eine Zeit der allgemeinen Noth, des größten Elendes, und wenn das Bürgerspital demungeachtet bald wieder lebenskräftig einwirken konnte, so ist die Ursache davon nur darin zu suchen, daß sein Vermögen aus dem ersten Zeitabschnitte größtenteils in Grund und Boden bestand. 27 Wenige Friedcusjahre genügten, und wir sehen das Bürgerspital wieder aufleben und in den folgenden Jahren großartiger als früher sich entfalten. Der erweiterte Wirkungskreis des Bürgerspitales. Während wir im ersten Zeitabschnitte den Wirkungskreis des Bär- gcrspitals vorzüglich und beinahe ausschließlich in der Versorgung armer Bürger nachgewiesen haben, zeigt uns dieser Zeitabschnitt eine weit ausgedehntere Wirksamkeit des Spitals. Zunächst schon dadurch, daß die P i lgerb eherbergnng wieder deshalb zurückfiel, weil das Pilgramhaus, wie erwähnt, den Elarisserinnen eingeräumt worden ist. Die Pilgerfahrten waren schon sehr in Abnahme und daS Bürgerspital wurde für die Uebernahme dieser Verpflichtung mehr als genügend dadurch entschädigt, daß demselben laut Urkunde vom 3. Juni 1539 das Pilgramhaus in Mödling und die dazu gehörigen Gründe zugewiesen worden sind. Ferner kommen schon in den ersten Jahren nach der Türkcnbelagerung Auslagen für die Krankenhäuser zu St. Johann in Siechenals und später für das Lazareth in den Rechnungen vor. St. Johann in Siechenals war ein Pestspital, im Bezirke der Pfarre Währung gelegen, weil die Kranken daselbst vom Pfarrer in Währung die Sterbesakramente erhielten. Diesseits der Als war der Psarrbezirk Schotten, es mußte daher das Pestspital jenseits der Als gestanden haben. Es wurde sicher sammt dem umliegenden Dorfe St. Johann 1529 von den Türken zerstört, die Ruinen des Siechen- hauses dienten aber fortwährend zum nothdürstigen Unterstände für die Pestkranken bis zum Jahre 1563, in welchem erst das Lazareth diesseits der Als als Pestspital genannt wird, weil St. Johann in Siechenals ganz verfallen und unbrauchbar geworden war. Das Dorf St. Johann blieb verödet, bis 1646 Johann Thury das erste Haus baute und nach und nach die jetzige Vorstadt ,,Thury" entstand. 28 Das Lazareth diesseits der Als war ein sehr altes, in seinem Ursprünge nicht bekanntes Siechenhaus zu St. Lazar an der Als — daher der Name ,,Lazareth," — welches im Jahre 1529 ebenfalls von den Türken zerstört, später aber wieder theilweise aufgebaut worden ist. Bei diesem Lazarethe stand ein Kirchlein, dessen Hochaltar den Pestpatronen St. Rochus und Sebastian gewidmet war. Anstatt dieses beschädigten Altarbildes wurde in späterer Zeit das Bild St. Johann des Täufers ausgestellt und von da ab das Lazarethkirchlein auch ,,St. Jo- hannescapelle" genannt, verschieden von dem Johanneskirchlein des alten Pestspitals jenseits der Als und auch verschieden von der Johannescapelle am Thurybrückl, welche letztere noch besteht und erst 1713 von der Gemeinde erbaut worden ist. — Zur Erweiterung des Lazarethes hat im Jahre 1648 Paul Hirsch von Hirschseld ein Haus und im folgenden Jahre Bernhard Holler 3 Weingärten, welche daran stoßen, vermacht. Das Bürgerspital ist am 24. März 1651 im Grundbuche des Stiftes Schotten um dieses Reale geschrieben und damit sein Eigenthumsrecht aus das Lazareth und das spätere Bäckenhäusl bücherlich begründet. Auch im Bürgerspitale in der Stadt kommen in diesem Zeitabschnitte viele Kranke vor; die Geburten daselbst sind zahlreicher geworden, im Jahre 1535 erst 19, waren selbe 1551 bereits aus 83 gestiegen. In Folge dessen mußte eine eigene „Kinderstube" errichtet werden. Eben so kommen auch mehrere Irrsinnige vor, für welche ein eigener „Kolter" gebaut wurde. In den ersteren Jahren nach der Türkenbelagerung waren inder Regel im Bürgerspitale mehr Arme als Kranke, da für letztere der Klagbaum, St. Marx und andere Häuser bestimmt waren. Nur zur Winterszeit, wo die Kranken zahlreicher wurden oder bei Epidemien, waren auch im Bürgerspitale viele Kranke. So sind daselbst im Jahre 1541 — 940 erwachsene Personen und 148 Kinder, dann in Siechen- als 401 Personen an der Pest gestorben. Im Jahre 1600 sind gar 2600 Personen im Bürgerspitals-Gottesacker begraben worden. Die 29 größte Anzahl Kranker im Bürgerspitale war Ende 1596, wo in einer Woche 1100 Personen gespeist und selbst ane ,,Traidkasten" und in der Mühle Krankenbetten ausgestellt waren. Für die Kranken hat das Bürgerspital das Parzmaier'sche Haus im tiefen Graben angekauft, 2 Gärten in der Roßau zu Eontumazanstalten ndaptirt und auch in Gebäuden und Hütten in der Spittelau zeitweise Krankenstuben errichtet. Das Parzmaier'sche Haus war bleibend Filial- Krankenhaus, bis 1709 das ,,Bäckenhäusl" in der Alservorstadt erweitert und als Krankenhaus bestimmt worden ist. Wir haben oben erwähnt, daß 1648 zum Lazarethe 3 Weingärten vermacht wurden; in einen: kleinen Hause daselbst wohnte ein Weinzierl des BürgerspitalS, und das Häuschen selbst hieß ,,Bäcken- häusl", wahrscheinlich von den: nächst dabei gestandenen ,,Bäckerkreuz" so geheißen. Im Jahre 1650 wohnte daselbst ein Jnsectionsarzt, wofür die Gemeinde dem Bürgerspitale Zins zahlte. In: Jahre 1656 ist das Häuschen zu einem kleinen Spitale vom ^sraiiy sunitutis erweitert und als solches unterhalten worden, bis 1679 die Kranken, welche im Lazarethe keinen Platz hatten, ins Bäckenhäusl übersiedelten und vom Bürgerspitale daselbst verpflegt wurden. Im Jahre 1679 war das Bäckenhäusl ausnahmsweise Pestspital, im Jahre 1683 wurde St. Marx von den Türken zerstört und es kamen die Kranken provisorisch hieher, wofür dem Bürgerspitale die Kosten vergütet wurden. Ebenso kamen 1693, 1695 und 1699 Kranke ins Bäckenhäusl, welches von 1709 an bleibend zu Krankenzwecken bestimmt wird. Neben dem Bürgerspitale und dessen Filialen, Lazareth und Bäckenhäusl, ist blos das Spital zu St. Marx in Absicht auf seine Ber- mögenschaften und die ausgedehntere Krankenpflege gegen Ende des 17. Jahrhundertes von größerer Bedeutung gewesen. Alle übrigen kleineren Anstalten waren nur für wenige Personen berechnet wie der Klagbaum, das Kreuzherrnspital aus der Wieden, der Contumazhof, das Kaiserspital, St. Josessspital, Kollonicz'sche Bersorgungshaus und andere. 30 Erst 1693 wurde unter Kaiser Leopold I. das große Armenhaus in der Alsergasse gegründet, welches von da an im ausgedehnten Maße bei der Armen- und Krankenpflege mitwirkte. Der größte Eentralpnnkt für Armen- und Krankenpflege blieb jedoch fortan das Bürgerspital, und dies vorzüglich seit dem Jahre 1706, als auch St. Marr und Klagbarem dem Bürgerspitale incorporirt wurden. Hierdurch sind auch die St. Marrer Güter dem Bürgerspitale zugefallen und dessen Kräfte für daS fernere Wirken sehr erstarkt worden. Bezüglich der Entstehung von St. Marr und Klagbarem verweisen wir aus den nächsten Zeitabschnitt und erwähnen blos, daß das Bürgerspital von 1706 an 4 Filial-Anstalten — Lazareth, Bäckenhäusl, St. Marr und Klagbarem — zu dotiren hatte. In der Kinderstube im Bürgerspitale waren im 16. Jahrhunderte selten mehr als 30 — 40 Waisenknaben und Findlinge. Die Mädchen verpflegte die Stadt und zwar seit 1589 im Nikolai- Klösterl. DaS Nikolai-Klösterl wurde 1275 vorn Abte Heinrich in Heiligenkreeez, dem Bürgermeister Baltrom Vatzon und mehreren andern Wiener Bürgern für Jungfrauen des grauen Eisterzienser-Ordens in der Singerstraße gestiftet, war später zu einer öffentlichen Schule der Theologie bestimmt, dann OrdenshauS von den St. GeorgenSrittcrn, 1529 ein Zufluchtsort der auS den Klöstern zu St. Nikolai vor dem Stnbenthore und St. Magdalena vor dem Schottenthore geflüchteten Klosterfrauen, wurde 1545 den 0. 0. Franziskanern zugewiesen und nachdem diese 1589 das Bußhaus bei St. Hieronymo — ihr jetziges Kloster — erhielten, machte der Stadtrath aus dem Nikolai-Klösterl ein Waisenhaus für arme Mädchen. Kaiser Ferdinand 11. hat 1624 dasselbe den Elarifferinnen aus Preßburg zugewiesen und verordnet, daß die ,,Waisenmädel" in das Bürgerspital kommen, und diesem Spitale dafür die Güter des Nikolai-Klösterl als Entschädigung zufallen sollen. Diese Waisenmüdchen (12 an der Zahl) kamen im Jahre 1624 in das Bürgerspital. Im Jahre 1666 fand eine weitere Vermehrung der Kinder durch die Aufnahme der Chaos'schen Stiflkuaben statt. — Freiherr von Chaos hat nämlich in seinen! Testamente eine großartige Widmung zur Erziehung von Waisen angeordnet und die Testamentsvollzieher schlössen mit dem Biugerspitale einen Contract dahin ab, daß dieses die Pflege und Erziehung von 30 Stiftknaben gegen jährliche 2500 fl. übernehme. Ant der Vermehrung des Stiftkapitals sind die Knaben 1672 aus 45 und 1075 aus 00 vermehrt und dafür dein Bürger- spitale die entsprechende höhere Zahlung geleistet worden. Die Chaos'schen Stistknaben waren in einen: eigenen Hause in der Kärnthnerstraße (seht Nr. 1043) untergebracht. Im Jahre 1730 wurde der Vertrag mit den Stistungs-Administratoren erneuert und darin auch die Bestimmung aufgenommen, daß die Stiftung sogleich 20 Knaben aus dem Bürgerspitale und dann jährlich 5 Knaben in die Verpflegung übernehmen solle. Dies geschah bis 1756, von welchem Jahre an die Stiftung anstatt dieser Verpflichtung jährlich 8000 fl. zum Unterhalte von 50 Findelkindern an das Bürgerspital zahlte. Die Chaos'schen Stiftknaben waren schon früher in ein neugebautes Haus aus der Vümgrube übersiedelt, welches 1754 zur Militär-Akademie umgestaltet wurde. Die Stistkuabeu kamen aus diesen! Grunde in das Brenner'sche Haus in der Währingergasse (heutige k. k. Gewehrsabrik), von da 1707 in das Waisenhaus am Rennweg und 1785 in das jetzige Waisenhaus in der Alser- vorstadt. Die Ehaos'sche Stistcapelle in der Kärnthnerstraße wurde 1763 abgebrochen und nebst einen! Stocket des Bürgerspitals zu den! Baue des Kärnthnerthor-Theaters abgetreten. Wie sehr der Wirkungskreis des Bürgerspitals sich in diesem Zeitabschnitte erweiterte, beweist auch der Umstand, daß im Jahre 1684 — Arme, Kranke und Kinder zusammen — 611 Personen im Spitale fortwährend verpflegt wurden. Damit war aber das Spital überfüllt und die Kranken wurden aus Strohsäcken zwischen den Betten eingetheilt. Von 1706 an wurde eine bessere Eintheilung möglich und es sind die Kranken und Gebärenden nach St. Marr, Personen mit gefährlichen Krankheiten in das Bäckenhänsl, Aussätzige in den Klngbaum zugewiesen worden. Dos Lazoreth sollte blos ols Pestspitol dienen und stand noch 1713, in welchem Jahre zum letztenmal die Pest wüthete, bis 1766 leer. In diesem Jahre wurde es zum Militärspital mit dem Vorbehalte überlassen, daß es sogleich dein Bürgerspitale zurückgegeben werden soll, wenn eine Pest ausbrechen würde. Am Ostersonntag des Jahres 1751 waren 409 bürgerliche und 116 unbürgerliche Arme, dann 161 Kinder im Spitale in der Stadt, bei welchen Ziffern es so ziemlich bis Ende des Zeitabschnittes verblieben ist. Außerdem waren noch in den Vorstädten Wiens und am Lande fortwährend Kinder in Pflege, deren Zahl von Jahr zu Jahr gestiegen ist und in den letzteren Jahren 500—600 Köpfe betrug. Die Zahl der Kranken in St. Marx hat 200, im 18. Jahrhunderte 300—500 betragen. Im Parzmaier'schen Hause war blos Raum für 30—40 Personen, und im Klagbaum konnten gar nur 12 Personen untergebracht werden. Im Bäckenhäusl war zu Anfang des 18. Jahrhundertes der Raune für Kranke ebenfalls gering. Die vielen Bauten, welche das Bürgerspital ausführte, vergrößerten jedoch dieses Haus auf eine Weise, daß selbst über 500 Kranke in demselben verpflegt wurden. Aus all' dem geht hervor, daß in diesem Zeitabschnitte weniger die Armen als die Kranken die Mittel des Bürgerspitals in Anspruch nahmen ; auch sind es im Gegensatze zum 4. Zeitabschnitte zum geringeren Theile ,.Bürger", welche im Bürgerspitale und dessen Filialen Hilfe und Unterstützung fanden. Die Zunahme des Verkehres, die allmälige Heranbildung Wiens zum Centrnlpunkte der Industrie und des Handels, bewirkte eine rasche Steigerung der Bevölkerung. Neben den Bürgern bewohnen auch nicht bürgerliche Personen in großer Anzahl die Stadt und auch für diese niußte bei allgemeinen Calamitäten Vorsorge getroffen werden. Insbesondere nach dem Abzüge der Türken war eine große Noth und Verarmung der Bevölkerung eingetreten und der Stadt sind plötzlich viele Verpflichtungen aus Wohlthätigkeitszwecke erwachsen, wofür aus früherer Zeit keine genügenden Vorkehrungen vorhanden waren. Nach einer Urkunde 33 des Kaisers Ferdinand von: 25. December 1540 erhielt die Gemeinde die Rninen der zerstörten Spitäler, um neue Anstalten zu errichten. Allein die Erbauung derselben ging nicht vorwärts. Das Bürgerspital hingegen hatte Bermögen und räumliche Gebäude, es stand unter der Oberleitung der Commune und es lag sehr nahe, demselben die Reali- sirung der Verpflichtungen der Gemeinde gegen Vergütung der Kosten zu übertragen. Für die Uebernahme der Waisen- und Krankenpflege wurde das Bürgerspital auch immer entschädiget oder erhielt doch das Versprechen einer Entschädigung, und dadurch wurde seine eigentliche Widmung ,,sür die Bürgerversorgun g" gewahrt. In einer kaiserlichen Urkunde über die Onartierbesreinng des armen Epittlhnnses ddt. Wien am 13.Oc- tober 1670 wird als ein Verdienst des Bürgerspitals hervorgehoben, daß darin, ,,o b es zwar allein für die armen Bürger gewidmet, deren sich unter den Verpflegten nicht der 4. Theil befindet, auch andere arme Personen von allen Nationen verpflegt werden." Die eigentliche und vorzüglichste Ausgabe des Wiener Bürgerspitales ist also auch in diesem Zeitabschnitte die „Bürgerversorgung" geblieben. Nur die Zeitverhältnisse haben dem Spitale einen allgemeineren Wirkungskreis zugewiesen und nur nach und nach hat dasselbe alle Zweige der Wohlthätigkeit in das Bereich seines Wirkens erhalten. Es erklärt sich dieses aus der Entstehung und Fortbildung der Bürgergemeinde. Nut dieser Gemeinde entstanden, war das Bürgerspital ursprünglich zur Versorgung alter und erwerbsunfähiger Bürger bestimmt. Eigene Krankenhäuser in einer Gemeinde sind sowie Finde!- und Waisenhäuser stets das Bedürfniß einer späteren Zeit. Auch in Wien machte erst die Vergrößerung der Gemeinde, die Vermehrung ihrer Bevölkerung diese verschiedenen Wohlthätigkeits-Anstalten nothwendig. So lange nur vereinzelte Anforderungen gestellt wurden, genügte wieder das Bürgerspital und man gewöhnte sich dadurch daran, im Bürgerspitale den Ccntralpunkt für alte Zweige der Wohlthätigkeit zu finden, auch dann noch, als diese verschiedenen Zweige der Wohlthätigkeit schon weit ab von der eigentlichen 3 Bestimmung des Bürgerspitals, weit ab von seinen Verpflichtungen gelegen waren. Hat auch das Bürgerspital für diese, ihm fremden Zwecke viele und große Zuflüsse und Unterstützungen erhalten — der ursprüngliche Stistungssond mußte seiner Widmung stets erhalten bleiben. Die Bürgerversorgung verblieb der Hauptzweck des Bürgerspitales, alle anderen Zweige seines Wirkens waren Nebenzwecke, welche mit der fortschreitenden Entwicklung der Stadt entfallen. Die Vermächtnisse, Stiftungen und Rechtsgeschäfte. Geschenke und Vermächtnisse sind auch in diesem Zeitabschnitte dem Bürgerspitale zugeflossen; jedoch erst in der zweiten Halste des 16. Jahrhundertes werden diese Gaben reichlicher zugewendet und das Bürgerspital hat im Durchschnitte bis 1784 jährlich —3000 Gulden aus diese Weise erhalten. Auch die Stiftungen werden erst in der zweiten Hälfte des 16 . Jahrhundertes wieder zahlreicher und bestehen von nun an weniger in Realitäten als in baaren Geldbeträgen. Im Jahre 1541 erhielt das Bürgerspital mehrere Weingärten der aufgelösten Bruderschaft ,,zu unserer lieben Frau", wofür einige Jahr- tage zu begehen waren. Diese Bruderschaft führte als Siegel einen Reichsapfel mit einem Kreuz und dem Umschlingungsbuchstaben M — und es scheint, daß das jetzige kleine Siegel des Bürgerspitales ,,ein Reichsapfel mit einem Kreuz ohne M" damals angenommen wmde, wenigstens kam früher dieses Siegel nicht vor. Im Jahre 1567 hat Gabriel Kreuzer für die Armen im Bürgerspitale, St. Marx und Lazareth, je 500 fl. gestiftet, damit die Interessen vertheilt werden, ebenso weitere 500 fl. zum Lazareth, damit daselbst mehrere Stuben für die Armen gebaut werden. Thomas Scherer hat (1567) 500 fl. und Ursula Scherer (1588) 1500 fl. zum Bürgerspitale 35 St. Marr und Klagbanm gestiftet, damit die Interessen vertheilt werden; Barbara Wolf (1588) stiftet 800 fl. zur Gründung eines Iahrtages und Seelenamtes bei St. Elara. Mathias Schwarz (1591) vermacht einen Haussatz mit 100 st., welcher Satz aus dein Hause Nr. 260 in der Stadt noch besteht. Mit Uebergehnng der weiteren kleineren Stiftungen führen wir noch an, daß im Jahre 1621 das Gasthaus zum wilden Blaun in der Kärntlmerstraße dem Bürgerspitale zu dem Ende ,,verschafft" wurde, das; alljährlich am Snsannatage allen im Spitale befindlichen Armen ein Mahl verabreicht werde. Dieses Hans wurde anfänglich verpachtet, 1671 aber verkauft. Eine große Stiftung erfolgte auch 1705 durch Maria Freiin von Wallhorn, welche 3550 st. zu dem Ende legirte, daß von den Interessen zwei arme Männer und Frauen, welche die jeweiligen Besitzer der Herrschaft Schönkirchen präsentiren sollen, im Bürgerspitale verpflegt werden. Außerdem waren auch Stiftungen, die von Fremden im Bürgerspitale persolvirt wurden und von welchen die Stiftungscapitalien nicht im Bürgerspitale hinterlegt waren. So haben die Greißler, Oehlerer, Kässtecher und Häringer alljährlich ein solennes Hochamt mit Predigt und Opfergang gefeiert, und dann den Armen und Kindern ini Bürgerspitale, den Armen zu St. Marr und im Klagbanm und auch den Gefangenen im Amtshause, Jedem eine Semmel, ein Blumenbüschl und 1 Kreuzer ausgetheilt, was nach der mündlichen Ueberlieferung auf einer alteil Stiftung beruhte, worüber jedoch nichts Weiteres bekannt war. Ebenso besteht noch eine Stiftung beim Stifte Schotten, wonach die Armen im Bürgerspitale und jetzt in allen Bcrsorgnngs Häusern jährlich am Scbastianitagc mit Wein und Brot betheilt werden. Diese Stiftung reicht bis in das Jahr 1480 zurück. Weit wichtiger in diesem Zeitabschnitte sind jedoch die Bcsitzver- ändernngen in Folge vortheilhafter Rechtsgeschäfte. Schon 1533 wurde die Herrlichkeit und Dienstbmkeit von 6 Häusern in Zwölfaring, 1542 Zehente zu Schwechat, Gleitern, Simme- 3 » 36 ring, Ottakring, Altmannsdorf, Hietzing, Laiuz und Speising um 2200 fl., das Dorf Penzing mit allen dazu gehörigen Diensten um 5500 fl., im Jahre 1551 ein Hos in Penzing mit 37 Joch Aeckern um 500 fl., im Jahre 1557 gegen Gumpendors 18 Joch Aecker, 1563 ein Haus in Perchtoldsdors sammt Weingärten, 1569 das Amt Nuß- dors sammt allen dazu gehörigen Grunddiensten und Bergrechten käuflich erworben. Im Jahre 1582 wird das Auknechtshänsel in der Spittelau gekauft, noch jetzt ein Eigenthum des Bürgerspitals — 1581 der Reidt- hof in St. Ulrich sammt Garten, Weingarten und 7 Joch Aecker um 3200 fl. und sofort noch weitere kleine Realitäten. Eine großartige Erwerbung war die des oberen und unteren Werd es (jetzige Roßau und Leopoldstadt) vor dem Werder-Thore und gegen den neuen Thurm. Beide Werde gehörten der Stadt und sollten einem Gläubiger derselben im Exekutionswege übergeben werden. Das Bürgerspital bezahlte jedoch über Befehl des Bürgermeisters (1588) die Schuld und erhielt die beiden Werde ins Eigenthum. Das Erträgniß derselben wurde in den nächsten Jahren durch Verkauf der öden Grundflächen zum Häuserbau im unteren Werd, durch Verpachtung des oberen Werdes an die Holzhändler, sehr gesteigert. Auch von der Judenschaft kam ein großer Theil der Einnahme. Sie hatten im oberen Werd ihre Begrübnißstelle, wofür sie (1623) jährlich 100 fl. bezahlten und als dieselben unter Kaiser Ferdinand ll. (1624) in den unteren Werd verwiesen wurden, woselbst ihre Duartiere einen großen Theil der Haide, der Taborstraße, der Sperl-, Tandelmarkt-, Herrn-, Bad-, Pfarr-, Angurten- und Strafhaus-Gasse umschlossen, waren sie dem Bürgerspitale dienstbar, an welches sie verschiedene Abgaben zu entrichten hatten. Im Jahre 1670 sind die Juden ganz ausgewiesen worden und erhielten von der Stadt für ihre Häuser eine Entschädigung von 110.000 sl., wovon auch die an das BürgO'spital rückständigen Abgaben der Juden bezahlt wurden. Im Jahre tl679 war die Pest, 1683 die Türken-Belagerung — beide Ealamitäten haben das Bürgerspital in Schulden gebracht und die 37 Commune allein hat (1688) eine bedeutende Forderung gellend gemacht, wofür wieder der obere und untere Werd, mit Ausscheidung der „jenseits des Grabens gelegenen Au" — Stadtgutau genannt — überlassen werden muhte. Zur mehreren Ausgleichung erhielt das Bürgerspital noch die Befreiung vom Taz und Umgelde für eigene Bier- und Weiuschanken und das Recht von allen in und vor Wien befindlichen Bierstuben diesen Taz und Umgcld selbst ciuzukassiren. Dieser Vergleich wurde am 2. Juni 1688 mit der Stadt förmlich abgeschlossen und erhielt 1689 die Bestätigung des Kaisers Leopold. Damit war die Herrlichkeit des Bürgerspitals über den oberen und unteren Werd zu Ende und demselben blos die Stadtgutau verblieben, welche noch jetzt im Besitze deS Fondes ist. Auch hatte das Bürgerspital noch während seiner Grundherrschaft im unteren Werd ein Brauhaus errichtet und daneben ein Häuschen angekauft, welche ebenfalls dem Spitale verblieben sind. Im Jahre 1624 erwarb das Bürgerspital die Güter deS Nikolai klösterl: mehrere Weingärten, 2 Wiesen und einen Garten im unteren Werd, Zehentc zu Gnuncrsdorf und Günzersdors und einige Capitalien, wofür 12 Waisenmädchen inS Spital ausgenommen wurden. Durch Kauf wurden weiter erworben: (1669) der Taz- oder dupplirteS Zapfeumaß — eine Abgabe von Wein, Bier u. a. Getränken in Nufidors, Pcuzing und Weigelsdors — (1669) ein Haus, Stadl- und Weingarten aus der Landstraße (jetzt Nr. 349 daselbst) zur Unterbringung von Heu und Stroh und zur Wohnung für den Stadl- mayer. Diese Realität wurde (1683) von den Türken zerstört, jedoch wieder neu aufgebaut und war eigentlich eine Stiftung des WachSlerS Pezzolo zur Kirche bei St. Stefan, woselbst von dem Erträgnisse des Hauses eine tägliche Messe gelesen werden sollte. Nach Ankauf der Realität hat das Bürgerspital zur Erfüllung der Stiftung jährlich 266 fl. bezahlt , welche erst in der neuesten Zeit durch Bezahlung eines verhältniß- mäßigcn Capitals abolirt wurden. 38 Im Jahre 1.682 wurde dasWirthshaus zum goldenen Adler in der Leopoldstadt im Epecutionswcge für eine Forderung erworben, welche das Bürgerspital an den Eigenthümer hatte — das Wirthshaus wurde verpachtet, schon 1683 aber von den Türken zerstört, nach Auf- erbauung desselben <1687) verkauft, aber schon 1689 wieder um 10.700 fl. zurückgekauft, wonach es durch den ganzen Zeitabschnitt im Besitze des Spitals verblieb. Im Jahre 1693 wurde die sogenannte Drittelsteuer erworben. Die Landstände kassirten von den Unterthanen die Steuern für den Staat ein und erhielten die Aufforderung den dritten Theil davon dem Staate abzukaufen, wofür sie für ewige Zeiten den dritten Theil der Steuern ihrer Unterthanen selbst behalten sollten. Die Stände haben das Ablös- capital an sämmtliche .Herrschaften repartirt und an das Bürgerspital entfiel ein Betrag von 1681 sl., welchen dasselbe auch bezahlte und dafür jährlich 110 sl. und mehr an Drittelsteuer bezog. Mit deut Verkaufe der Unterthanen, dann mit der Aushebung des Unterlhänigkeitsverbandes hörte auch diese Drittelsteuer aus. Im Jahre 1696 wurde das sogenannte Landgut (jetzt Vorstadt Spitelberg) erworben. Schon von alter Zeit her besaß das Bürgerspital Weingärten zwischen den Wegen bei St. Ulrich. Dieses und die dazu gehörigen Höfe waren Lehen und Landgüter des Stiftes Schotten und vor demselben, zwischen den Wegen, war das Bürgcrspital ,,Grundherr- schaft." Bis zum Jahre 1570 find daselbst blos einige kleine Hütten bestanden, für welche vorn Bürgerspitale ein eigener Richter bestellt war. Im Jahre 1584 kaufte das Bürgerspital den Ncidthos daselbst mit einem Garten, 7 Joch Aeckern und mehreren Weingärten, woraus dann mehrere dienstbare Ansiedlungen entstanden. Im Jahre 1683 haben auch hier die Türken Alles zerstört; es kamen aber bald wieder neue Ansiedler, meistens Ungarn und Croaten, daher auch die neuentstandene Häusergruppe ,,Croateudörsel" geuannt wurde. Mehrere Grundbesitzer haben zum Zwecke solcher Ansiedlungen gegen einen Gulden Zins per Klafter, Baustellen abgegeben, wogegen das Bürgerspital als Grundherrschast - - protestirte und sämmtliche Klafterzinse nebst mehreren Häusern (1696) einlöste. Von dieser Zeit an datirt die Bezeichnung ,,SpitelbergD Im Jahre 1704 hat das Bürgerspital von der Hofkammerden Wein- und Getreid-Zchent im Wiener Zehentbezirke um 38.000 sl. gekauft. Der Kauf wurde auf 10 Jahre geschloffen, innerhalb welcher Zeit der Kauffchilling zurückbezahlt werden sollte. Das Erträgniß dieses Zehents war jährlich 3—4000 fl. und blieb dem Bürgerspitale bis 1728, in welchem Jahre derselbe gekündet und 1729 mit 38.000 fl. znrück- bezahlt wurde. Die größte Erwerbung dieses Zeitabschnittes, wofür jedoch gleichfalls große Gegenleistungen übernommen wurden, waren die Güter vom Spitale zu St. Marx im Jahre 1706, bestehend in Aeckern zu Erdberg, auf der Landstraße, Wieden, in Simmering und Ebersdors, zusammen gegen 400 Joch, Wiesen zu Simmering und Laxenburg über 100 Tagwerke, Weingärten über 100 Viertel zu Grinzing, Pötzleins- dorf, Gersthof, Perchtoldsdorf, dann Gärten auf der Landstraße, in Erdberg und Simmering, ein Wald hinter Hütteldors (Schuhbrccher- wald) mit 70 Joch und ein zweiter Wald bei Gablitz mit 44 Joch, welche beiden Wälder noch seht im Besitze des Fonds sind, endlich das arme HanS zu St. Marx sammt Brau-, Back- und Wirthshaus, das Schmidhäuschen und ein kleines Haus des Almosensammlers, wohin später das Linicnamt gekommen ist, nebst einigen unterthänigen Häusern zu Grinzing und Simmering. Außer diesen bisher angeführten Erwerbungen fanden noch viele kleinere Käufe statt, welche wir jedoch nicht weiter anführen wollen, nur im Allgemeinen sei bemerkt, daß von 1706 an — nach Jncorporirung der Marxer-Güter — das Bürgerspital über 752 Joch Aecker, 429 Tagwerke Wiesen, 219 Viertel und 430 Pfund Weingärten, dann Wälder und Auen, 3 Bräuhänfer und dies Alles in eigener Bewirth- schaftung befaß. Es ist wohl selbstverständlich, daß alle diese angeführten Käufe auch vielfache Verkäufe bedingten. Realitäten, welche nicht vorzüglich 40 rentirten oder zu entfernt waren, wurden verkauft und dann der Grund sah festgehalten, die erzielten Kausschillinge immer wieder in Realitäten zu fundiren. Die Verkäufe sind im Verhältnisse zu den Käufen bei Weitem geringer und daraus zu schließen, daß die Wirthschaft beim Bürgerspitale gut geführt worden ist. Wir können alle einzelnen Verkäufe wohl nicht im Detail verzeichnen und bemerken blos, daß bis 1569 außer den: Verkaufe einiger Weingärten zu Sievring und Klosternenbnrg, einiger Aecker in St. Ulrich, mehrerer Unterthanen in Zwölsaxing und Inzersdorf und des alten Spitalgrundes vor denl Kärnthnerthore (1568) an 18 Bürger, keine wesentlichen Verkäufe vorkommen. Ebenso find die Verkäufe bis 1600 und in den folgenden Jahren nicht beträchtlich. Um die Mitte des 17. Jahr- hundertes scheint jedoch die Weinwirthfchnst wegen der vielen Beschwerden nicht mehr beliebt gewesen zu fein und es kommen daher viele Verkäufe von Weingärten in Penzing, Jnzersdorf, Landstraße, Hernals u. a. vor. Auch der Spittlhof zu Velm (Felling) sammt Gründell und Wiesen wurden (1669) an Frecherm von Kaiferftein und ebenso 24 Joch Aecker bei St. Marx, ,,weil sie dem Spitale nicht mehr nützlich waren," verkauft. In der zweiten Türkenbelagerung (1683) wurden die meisten Weingärten verwüstet und der Ausbau derselben erschien nicht mehr lohnend, daher gleichfalls viele in Matzleinsdors, Penzing, Brcitcnsee, Baum- garten, Nußdors, Grinzing, Perchtolsdorf, Gersthof u. a. hintangc- geben wurden. Auch die meisten kleineren Häuser in Wien und aus dem Lande wurden verkauft, weil deren Erhaltung viele Auslagen machte. Außerdem St. Elara-Kloster besaß gegen Ende des 17. Jahrhnndertes , das Bürgerspital blos noch das Bräuhans in der Lcopoldstadt, das Adlerwirthshaus und den Mayerhof daselbst, den Spittlkeller am neuen Markt (jetzt Nr. 1046), welcher 1675 zu einem Zinshaus umgebaut und 4781 mit einem 3. und 4. Stocke versehen worden war, 3 Fleischbänke am Lichtensteg, 3 Flecksiederhüttcn vor dem Kärnthnerthore, Haus und 41 Ltadl aus der Bandstraße, das 2lnlnechtshaus in der Spittlan und ein Jägerhaus i>n Stadtgute. Aus denr Zande waren noch ein Hos zn Grin- zing und Penzing, ein Hon- in Pcrchtoldsdors und das PilgramhauS in Mödling eigenthürnlich. Mit der Jncorporirung von 2t. Marr hat die Bürgerspital-Wirth- schast eine so große Ausdehnung erlangt, daß das Ganze nur mit Mühe zusammengehalten werden konnte, weitere Erwerbungen in Realitäten werden von da ab nicht angestrebt, und die versügbarcn Baarbeträge durch Anlage bei den Ständen, im Stadt-Oberkammeramt, im Salz- amt, Äupseramt n. s. w. sruetisicirt. Dagegen aber dauern die Berkänse fort und zwar: 1706 das Haus zn Grinzing, 1710 das zu Penzing an die Gemeinde, 1709 das Dorf Weigelsdorf gegen Ucbcrlassung des TazeS am Spitelberg, 1717 ein Stück Grund zürn Baue des Belve- dereS, ebenso Weingärten und Aecker zu Wien, Simmering, Penzing und Nußdorf in den folgenden Jahren. Im Jahre 1747 wird das seit 1542 im Besitze des Bürgcrspitals gewesene Dorf Penzing an den allerhöchsten Hos verlaust, ini Jahre 1780 aber durch Kauf wieder zurück- erworben — das Jägerhaus im Prater wurde 1780 gleichfalls an den allerhöchsten Hos verkauft. Zum Schlüsse des Zeitabschnittes (1784) besaß das Bürgerspital: die 3 Bräuhäuscr, das Spittlhaus am neuen Markt, daS Adlerwirthshaus in der Zeopoldstadt, Haus und Ltadl auf der Bind straße, ein HauS zn Perchwldsdors und Mödling, 3 Fleischbänke am Lichtensteg, das Auknechtshaus und die bekannten Spitäler. Zehente und zwar diesseits der Donau: zu Belm den ganzen Wein-, Getreide-, und Äraut-Zehent, zu Zwölsaxing den ganzen Getreide, Erbsen- und Bnscn-Zehciit, zu Weigelsdorf den Getreide- und Wein- Zehent, zu Simmering und Erdbcrg den halben Getreide- und Wcin- Zehcnt, zn Schwechat im Franenseld und zu Älederling den halben Ge- treidc-Zehent, zu Penznrg, Hietzing, Baumgarteu, 2>.ckuz, Gumpcndorf, Nikolsdors, MatzleinSdors, Breidling, Hundsthurm, Atzgcrsdors, Alt- niaunsdors, Unterlicsing und um die Stadt Wien den halben Ge- treibe- und Wein-Zehent. Dann jenseits der Donau: zu Hansthal den halben Getreide-, Hühner- und Gänse-Zehent, zu Günzersdors den ganzen und zu Gaunersdorf den halben Getreide- und Wein Zehent. Untcrthänige Häuser: 425 — zu Hernals, Breitensee, Brunn, Simmcring, Nußdorf, Heiligenüadt, Spitelbcrg, Nämpelsdors (Rein- prcchtsdors), Wieden und Erdberg. Weingärten: 407 Viertel und 173 Pfund, davon waren 28 Viertel ehemals bei St. Marx. Aeeker: 764 Joch, davon 384 Joch von St. Marx. Wiesen: 472 Tagwerte, davon 430 Tagwerke von St. Marx. Gärten: 43 , davon 36 von St. Marx und die 5 Wälder zu Hadersdors, Weidlingan, Knlksburg, Gablitz und Hütteldors, nebst der Stadtgutau im Prater. Im Vergleiche zum Besitzstand vorn Jahre 4706 zeigt sich somit nur eine geringe Vermehrung der Aeeker und Gärten, dagegen aber eine Abnahme im Häuser- und Weingärten-Besitze. Die Fondsgebahnmg. Nebst den Vermächtnissen, Geschenken, Sammlungen, Erträgnissen von Stiftungen war es vorzüglich die eigene Wirthschaft, welche die Bedürfnisse des Institutes deckte und zwar: Der Weinbau. Unmittelbar nach der Türkenbelagcruug mehr vernachlässiget, kaut derselbe bald wieder in Aufschwung und das Erträgnis; wurde wie früher im SpittlkeUer, aus der Mehlgrube, im Tischler- und Knnter-Grübl, in 2 kellern des neuen Spittlhauses und an anderen Orten per Maß um 40—46 Denare verkauft. Schon 4531 sind wieder 837 Eimer ausgeschenkt, 4628 Eimer in Gebünden verkauft, 4552 Eimer im Spitale verspeist worden und darüber noch ein Vorrath von einigen tausend Eimern verblieben. Das Erträgniß war nach den Jahren und wechselnden Besitzverhältnissen sehr verschieden, jedoch in den besten 43 Jahren sind für verkauften Wein nicht über 10.000 Gulden eingc- slosfcn. In der zweiten Hälfte des 10. Jahrhundcrtcs hat die Weinwirthscbast abgenommen, die Verpachtung oder der Verkauf der Weingärten wurde dem eigenen Betriebe vorgezogen, jedoch immer fo viel gebaut, als im Spitale und dessen Filialanstaltcn benöthigct wurde. Vorn Jahre 1735 an, als die Naturalverpflegnng der Armen aufgehoben wurde, hörte der eigene Weinbau fast ganz aus und als Pachterträgniß von Weingärten oder von verkauftem Wein erscheinen 12—4 5.000 st. verrechnet. Der Feldbau. Im Jahre 1531 waren erst 80 Joch mit Korn und Hafer angebaut, während noch viele Gründe wegen Mangel an Betriebsmittel öde blieben. Wenige Jahre später find schon über 200 Joch Becker und 300 Tagwerke Wiesen bewirthschaftet worden. Dieser Wirth- schaftsbetricb hat sich fortan gesteigert und wie schon erwähnt, mit der Jneorporirung von St. Marx seine größte Ausdehnung erreicht. Auch in diesem Zeitabschnitte sind bis 1735 die Erträgnisse der Wirthschaft nicht verrechnet und dalnit die Bedürfnisse des Spitals und seiner Filialanstal- ten gedeckt worden. Nur aus der Zahl der verpflegten Armen und Kranken kann gefolgert werden, daß auch diese Erträgnisse bedeutend gewesen sind. Mit der Einstellung der Naturalverpflegnng (1735) werden auch die Aecker, Wiefen und Gärten theilweife verpachtet, theilweise selbst bewirthschaftet, und das Erträgnis; erscheint immer in Geld mit 8—10.000 Gulden per Jahr verrechnet. Wälder und Anen liefern Bau- und Brennholz, welches jedoch den Bedarf nicht deckte, so daß vorzüglich Brennholz alljährlich angekauft wurde. Sie blieben fortwährend in der eigenen Belvirthschaftuna, weil selbe keine geeigneten Objecte der Verpachtung sind. Die Zehente, welche meistens aus dem ersten Zeitabschnitte dati- ren und schon im Vorhergehenden ausgezählt wurden, werden anfänglich wie die Wirthschaftsprodukte überhaupt, eingeheimset und im Spitale verbraucht, mit der Aushebung der Naturalverpflegnng der Armen, ebenfalls verpachtet. Die Pachtschillinge wurden im Zehentamte bei St. Ste- fan cingehoben, weil das Bürgerspital mit dieser Kirche viele Zehente ge- ----s? 44 meiusam besäst. Das Erträgnist von! verpachteten Zehent beträgt jährlich 12 . 000 — 111.000 fl . DaS Gottes h ei lsalz, wovon scholl iln vorigen Zeitabschnitte gesprochen, wird fortwährend bezogen, auch ist dieser Bezug um jährliche 8 Störte vermehrt worden, welche bis 1706 den! Spitale zu St. Marx bewilliget waren. Zn besonders ergiebigen EinkommenSgnellcn gestalten sich in diesen! Zeitabschnitte der Brau Hausbetrieb und das Bierrecht. Das erste Brauhaus vor dem Widm er-7 bore wurde zerstört und nicht wieder ausgebaut. Im neuen Bürgerspitale entstand ein solches erst l 537, das Braugeschäst war aber nur gering betrieben und ungeachtet 1548 ein langer Trakt im Spitale zur Unterbringung des Brauhauses sammt allen Erfordernissen eingerichtet wurde, betrug die eigene Erzeu- ! gung im Jahre 1569 blos 1000 Eimer. Das Bier kostete damals per ! Mast 12—16 Denare. Der Betrieb im Stadtbrauhansc nahm jedoch j fortwährend zu, weil auch der Genus; des Bieres beliebter geworden war. Die Scheuten wurden vielfach vermehrt, zn Ende des 16. IahrhundcrteS i jährlich über 7000 Eimer gebraut und zur Verbesserung des BicrcS eigene i Eiskeller errichtet. ! Um diese Zeit entstand auch das B r a uhaus in dcr 2 eopol d- ! stadt, in welchem sowie nach der Incorporirung von St. Marx, auch ! im Marrer Brauhause das Bierbrauen fortgesetzt worden ist. Im Jahre I ! 1719 wurden als Ertrag vom Stadtbrauhanse 15.000 fl., vom Leopold- ! l städter-Brauhausc 3000 fl., vorn St. Marrer-Brnuhanse 10.000 fl. > ! inS Spittlamt abgeführt. Dieses Erträgnis; hat jedoch in den nächsten i ! Jahren abgeuonnnen und ist im Jahre1730 auf 3800 fl., 2300 fl. und I i 720 fl. gesunken, daher das eigene Brauen ausgegeben und alle 3 Brau- ! Häuser verpachtet wurden. Der Pächter zahlte für jedes Gebräu per 52 ! Eimer in der Stadt 13 fl., Lcopoldsladt 11 fl., St. Marx 10 fl. und ! der Pachtzins im Jahre 1734 betrug in der Stadt 2739 fl., Lcopold- ! stadt 3022 fl., St. Marx 1640 fl. Bis zum Jahre.1784 haben sich I diese Erträgnisse aus 6000 fl., 4000 fl. und 2500 fl. gesteigert. ^-^ 45 Worin das Bierrecht bestand, kommt bereits im ersten Zeitabschnitte vor, in welchem dieses Recht unbeanstandet ausgeübt wurde. Unmittelbar nach der Lürkenbelageruug hatte das Bürgerspital kein Bräuhaus, daher der ausschließliche Bierschank in Wien vom Bürger- spitale mit fremden Bieren, welche aus Dlmütz, Jglau, Frcystadt, Manthhansen n. a. bestellt wurden, gepflogen worden ist. Bom Jahre 1537 an konmtt wieder zum Theile das selbst gebraute Bier in Verkauf. Im Jahre 1564 hat Herbert Zöllner am Hundsthurm ein Braurecht erhalten, jedoch nur für sein eigenes Getreide und mit der Berkaussbcschrän- kung an sein Hofgesinde. In den Burgsrieden durfte kein Bier eingeführt oder verkauft werden, wenn nicht vom Bürgcrspitale dazu die (ioncession gegeben war. In diesem Privilegium wurde das Bürgerspital noch 1327 und bis 1399 durch mehrere kaiserliche Mandate geschützt. Im Beginne des 17. Jahrhundertes hat man jedoch die Biereinsuhr wegen nicht zureichender eigener Erzeugung häufiger gestattet, wofür ein Ausschlag per Eimer 3 kr. und von 1638 an per Eimer 15 kr. bezahlt wurde. Die Einnahme hievon war in der Butte des 17. Jahrhnndertes 18—20.900 sl. und stieg bis zum Jahre 1784 auf 30.000 und selbst 40.000 st. per Jahr. — Um die schon früher eingeführte Biertrankstcuer für den Staat erhöhen zu können, wurde dieser Ausschlag des Bürgerspitales aufgehoben und dafür vom 1. August 1784 an, ein jährliches Pauschale von 31.000 fl. aus dem Bancal-Aerar bezahlt. Außer diesem Bieraufschlage wurde die Bierconsnmtion noch weiter belastet, z. B. im Jahre 1380 mit einem Aufschlage von 15 kr., wel- ! eher zur Erbauung von Eontnmaz - Anstalten bestimmt war und wovon das Bürgerspital keinen Antheil hatte. Zur Tilgung der Schulden, welche das Bürgerspital aus Anlaß der Pest im Jahr 1713 contrahirte, erhielt dasselbe einen Bieraufschlag per Eimer 20 kr. bewilliget, welcher 1723 auf 15 kr., 1725 aus 5 kr. herabgesetzt und Ende 1723 ganz aufgehoben wurde. Die Schulden waren aber noch nicht getilgt, weßhalb im Jahre 1735 ein neuer Ausschlag per Eimer 1 Schilling bewilligt worden ist ,,insolnnge der Körner- und Hopfenpreis solches erlaube?' -- -- ———— -- — - 46 Dieser Llllsschlag wurde 4738 auf 4 lr. uud 4740 aus 1 kr. per Eimer ermäßiget uud war im letzteren Betrage ein bleibender Bezug mit einem jährlichen Erträglich van 2—3000 fl. — Im Jahre 4771 wurde dieser Bezug aufgehoben und dafür vom Haudgrasenamte jährlich 2400 sl. dem Spitale bezahlt. Das Bürgerspital genoß von jeher die Befreiung von allen Ausschlägen aus Bietualien und andere Gegenstände, „insoweit diese Aufschläge den Unterhalt der Armen beschweren möchten." Als daher im Jahre 4734 aus Vieh, Wein, Getreide und andere Bietualien eine Steuer ausgeschrieben und diese bei der Einfuhr eingehobcn wurde, mußte diese Steuer zwar auch das Bürgerspital zahlen, aus Grund der bisherigen Befreiung erlheilte aber Kaiser Karl VI. am 23. Februar 4737 dem Spitale die Begünstigung, daß dasselbe vierteljährig um Vergütung der bezahlten Auslagen einschreiten könne. Diese Rückvergütung wurde auch unter dem Titel eines Almosens alljährlich mit 4600—2500 sl. bis 4764 geleistet. Von da an erhielt das Bürgerspital keine Vergütung. Erst 4774 wurde sich über Ansuchen des Spitals dahin verglichen, daß der Wein-, Fleisch- und Mehlausschlag für die vergangenen Jahre vergütet und von 4774 für diese Aufschläge und den vorerwähnten Bier- ansschlag von 4 kr. per Eimer zusammen ein jährlicher Betrag von 5000 fl. an das Spital bezahlt werden solle, was auch fortwährend geschah. Als neue Einkommensquellen in diesem Zeitabschnitte müssen wir aber noch anführen: Den Bier- und Weintaz. Seit alter Zeit mußten alle Vierund Wcinschanken — auch die des Bürgerspitales — an die Stadt eine Abgabe unter diesem Namen bezahlen. Dos Bürgerspital hatte diesen Taz lange Zeit von der Eommune gepachtet, im Jahre 4688 erhielt es nebst der Befreiung vom Taze für eigene Bier- und Weinschanken auch das Recht ins Eigenthum, von allen Bierschonken den Taz zu beziehen. Aus dem Privilegium des ausschließlichen Bierschankes folgte für das Bürgerspital auch das Recht zur ausschließlichen Bierschank-Eon- 47 cessionirung, welches Recht mit der Steigerung der Bierconsnmtion immer einträglicher zn werden begann. Wegen dieses Rechtes, das auch die Commune in Anspruch nahm, dann wegen des Tazes war ein langjähriger Proceß mit der Stadt, worin 1762 das Bürgerspital obsiegte, in Folge dessen sich die Einkünfte aus beiden Rechten, von; Jahre 1744 per 4447 fl. bis 1783 per 9342 fl., mehr als verdoppelten. Die Bierwirthe standen unter dem Bürgerspitale, es wurde ihnen 1734 eine Bruderschaft (Zunft) zu bilden gestattet, welche ihre Quatember- messen, sowie bei Ableben eines Bierwirthes eine Seelenmesse in der St. Clara-Kirche abzuhalten und dabei Almosen an die Annen zu vertheilen hatte. So lange die Wirthschaft in eigener Regie war, hatte das Bürgerspital auch eigene Bier- und Weinschanken. Mit der Verpachtung der Bräuhäuser und Weingärten hören diese Schauten auf. Der Bier- und Weinschank im Stadtspitale, sowie der Bierschank zu St. Marr werden aber als herrschaftliche Gerechtsamen abgesondert verpachtet. Dasselbe war bei der Bäckerei im Stadtspitale und in St. Marr der Fall, so das; diese Gewerbsrechte an und für sich eine neue Einnahmsquelle des Fondes bilden. — Das Adlerwirthshaus in der Mopoldstadt war immer verpachtet, rücksichtlich der Apotheke ,,znm heiligen Geist" in der Stadt wird in der nächsten Abtheilung mehreres erwähnt. Cin Ausfluß der Grundherrlichkeit des Bürgerspitales war das Grundbuch oder das Verzeichnis; der Unterthanen und des unterthä- nigen Besitzes, womit verschiedene Einnahmen, Mortuar, Laudeminm u. a. verbunden waren. Dieses Grundbuch war sicher auch im 1. Zeitabschnitte vorhanden, das Erträgnis; desselben mochte aber gering gewesen und die Bezüge wahrscheinlich dem Grundbuchsührer überlassen worden sein. In diesem Zeitabschnitte gewann das Grundbuch schon eine größere Ausdehnung vorzüglich dann, als das Bürgerspital eigene Gründe zur Ansicdlung überließ, welche Ansiedler Unterthanen des Spitals wurden. Im Jahre 1706 kam das kleine Grundbuch von St. Marr zum Bürgerspitale und bis zum Jahre 1731 hat das Grundbuch schon 48 eine solche Ausdehnung erlangt, das; zur Führung desselben noch ein Adjunkt bestellt wurde. Im Iabre 1782 war die Einnahme vom Grund ! buch bei 10.00t) sl., »velche Einnahme bis zum Jahre 1784 so ziemlich ! > constant geblieben ist. ! Das Einkonlmen von W o hnzi n sen war gering, ioeil das Bürger- ! spital außer den; Spittlhaus an; neuen Blarkte kein eigentliches Zinshaus ! noch besaß und selbst dieses erst gegen Ende deS 17. und im 18. Jahr- ! Hunderte einträglicher wurde. Zum Schlüsse deS Zeitabschnittes war daS ! l Zinserträgniß vom Spittlhause im Durchschnitte 5—6000 sl. j Die Burgrechte auS dem ersten Zeitabschnitte hören nach und ^ nach ganz aus, weil die baaren Gelder nunmehr beinahe ausschließlich in ! öffentlichen Schuldpapieren sundirt »verden und eS treten die Interessen ! von diesen Papieren als Einkommensquelle an die Stelle der alten ! j Burgrechte. > ^ Wir haben damit nicht alle Einkommensquellen deS BürgerspitaleS ^ ^ in diesem Zeitabschnitte erschöpft, können jedoch die noch übrigen Zuflüsse, i ! ivelche dem Spitale z. B. durch Opserstöcke und Sammelbüchsen, die bei i ^ den Thoren der Stadt, in verschiedenen Kirchen und Eapellen ausgestellt ! ! waren, durch Beiträge von der Stadt, von den Borstädtcn oder von : i Eorporationen u. s. w. zu Theil lvnrden, übergehen, weil diese Zuflüsse ^ nicht bedeutend sind und auch das Wesen deS ArmeninstituteS nicht be- j l rühren. > j In; Allgemeinen gestalten sich die Einnahmen in diesen; Zeitab- ! > schnitte in folgender Weise: ! ! im Jahre 1531 7.573 fl. ! ^ 1569 16.030 ,, > > ,, 1601 30.019 ,, ! z ,, 1700 103.000 „ ! ! Die Ausgaben weisen fast die gleichen oder etwas kleineren Zis- j fern nach. Wir müssen jedoch hier bemerken, daß, wie in den; vorhergehenden Zeitabschnitte auch dermalen die Erträgnisse der Wirthschaft, soweit ----E 49 selbe im Spitale ausgezehrt wurden, nicht verrechnet sind. Aus den eilten Rechnungen erhellt mich, was wir schon früher erwähnten, das; bis zum Anfange des 17. Jahrhundertes Baargeldcr meistens in Realitäten, weniger aus Burgrechte angelegt wurden, daher diese letzteren noch im Jahre 1603 zusammen blos 15.797 fl. betragen haben. Bon da ab hören diese Geldanlagen nach und nach ganz auf und erscheinen dafür die Anlagen bei den Ständen, Stadt-Dberkammcramt u. s. w. — Bis 1654 hat das Bürgerspital an solchen Schnldpapieren schon 67.983 fl. besessen. Diese Summe stieg in den folgenden Jahren um so rascher, je mehr das Bürgerspital wegen seines ohnehin großen Besitzes an Realitäten weitere Ankäufe von Grund und Boden nicht realisirte. Mit Beginn des 18. Jahrhundertes werden die Capitalien als Stammgut abgesondert und nur die Interessen davon als Einnahmen verrechnet. Im Jahre 1708, somit bald nach der Jncorporirung von St. Marx, betragen die Einnahmen 130.861 fl. die Ausgaben 130.715 ,, die Capitalien 154.000 ,, Die Pest im Jahre 1713 hat den Capitalienstand ganz ausgezehrt und das Bürgerspital mußte überdies noch gegen 500.000 fl. Schulden contrnhiren. Nur durch die Bewilligung eines außerordentlichen und einträglichen Bierausschlages und andere vielseitige Unterstützungen gelang es, die Bermögensverhältnisse des Spitales wieder nach und nach zu ordnen. Bis zum Jahre 1730 hatten auch die Capitalien wieder eine Summe von 112.602 fl. erreicht. Um die Erträgnisse der Wirthschaft zu heben , hat die im Jahre 1733 ernannte sudäelegii-to Hofcommission viele Aenderungen im Wirthschaftswesen vorgenommen. Alle Gewerbsrcchte, dann viele Aecker, Wiesen und Weingärten wurden verpachtet, die eigene Bcwirthschaftnng eingestellt und auch die Naturalverpflegung der Armen mit Ausnahme jener der Kinder aufgehoben. Alle Erträgnisse der Wirthschaft und der sonstigen Rechte werden in Geld verrechnet und die Rechnungen gewähren 4 ebendeshalb vom Jahre 1737 an einen genaueren Einblick über den jeweiligen Vermögensstand des Bürgerspitales, wie die folgende kurze Tabelle beweiset. Im Jahre Einnahmen Ausgaben Capitalien Gulden Gulden Gulden 1745 . 194.076 153.825 211.372 1746 . 201.356 162.062 223.560 1750 . 178.535 169.978 296.841 1766 . 273.331 252.749 337.454 1779 . 205.101 200.533 366.295 1782 . 210.532 200.006 378.366 Im Jahre 1784 erfolgt der Rechnungs-Abschluß mit Ende Oktober und wird vom 1. November 1784 an nach dem Militärjahre fortgeführt. Auch sind im Jahre 1784 alle eigenthümlichen und Stiftungscapitalien der k. k. Stiftungshauptcassa übergeben worden, im nächsten Jahre aber, nachdem 57.958 fl. von ausgelösten Stiftungen an den Religionsfond übertragen waren, wieder zurückgekommen, wornach 1786 sämmtliche dem Bürgerspitnle verbliebenen Capitalien mit 319.043 fl. im Stadtdepofitenamte hinterlegt worden sind. Wir wollen mit allen vorangesührten Ziffern blos den Beweis hergestellt haben, daß das Bürgerspital, ungeachtet der vielfachen Verpflichtungen, die demselben mit Bezug aus die Armen- und Krankenpflege obgelegen sind, auch in diesem Zeitabschnitte fortwährend zugenommen und allen Unfällen der Zeiten widerstanden hat. Die Ursache hievon lag ohne Zweifel in den Unterstützungen, die dem Spitale allerhöchsten Ortes zu Theil geworden, dann aber auch in der Unterstützung der Wiener und vor Allem in dem Umstände, daß der große Grundbesitz aus alter Zeit und die Erträgnisse hievon mit der Zunahme des Verkehres an Werth in großartigen Proportionen gestiegen sind. 51 Die Verpflegung der Armen und Kranken. Auch im neuen Bürgerspitale, dem ehemaligen St. Clara-Kloster, wurde dieselbe Verpflegung der Armen wie im ersten Zeitabschnitte eingeführt. Die Ansspeisung geschah nach zwei Classen. Es wurde nämlich die Speise der Starken und der Schwachen unterschieden, für jede Classe sowie für jeden Tag die Speise namentlich vorgeschrieben und an die Armen und Kranken verabreicht. An bestimmten Tagen oder hohen Festtagen waren auch besondere Speisen: Fische, Bäckereien u. A. bestimmt. Die Kindbetterinnen erhielten die schwache Portion und in den ersten 8 Tagen täglich ein Pfund lämmernes oder kälbernes Fleisch, Abends Zwetschken. Die Wiegen- und Fatschenkinder erhielten täglich Milchkoch und zum Getränke gezuckerte Milch mit Wasser gemischt. Die größeren Kinder, Grünröckler, waren bis 1638 am schlechtesten gehalten und wurden größtentheils von dem Erträgnisse der Sammelbüchsen verpflegt, die in den Zimmern derselben aufgestellt waren. Vorn Jahre 1638 an erhielten auch diese täglich eine Fleischspeise. Die Chaos'schen Stistknaben hatten eine eigene Köchin und die beste Verpflegung. Für die Bekleidung der Armen kommen wenige Auslagen vor, es genügten die Kleider der Verstorbenen. Nur Kosten und Leinwand wurden gekauft, sowie auch Rupfen zum Einnähen der Todten. Die Grünröckler hatten grünes Gewand und graue Strümpfe, die Nikolai-Mädchen Nöckel von grünem Tuch, rothe Kittel und rothe Strümpfe. Die Chaos'schen Knaben erhielten jährlich zwei Kleider von blauer Farbe, wie solches die Stiftung verordnete. Selbst als noch wenige Kinder im Bürgerspitale waren, im Jahre 1384, war für dieselben ein Präzeptor bestellt und nur bei St. Stefan und St. Michael sind damals gleichfalls Schulen bestanden. Auch in diesem Zeitabschnitte war für die Kinder im Bürgerspitale ein Prä- zeptor bestimmt, die Chaos'schen Stiftknaben hatten deren zwei und zum Unterrichte in den schönen Künsten noch einen Cantor, Geiger und Mahler. 4 « Zur Unterbringung der Armen, Kinder und Kranken mußte das St. Clara-Kloster genügen. Bis zum Jahre 1677 kommen größere Bauten daselbst nicht vor. In diesem Jahre wurde jedoch ein Neubau am Schweinmarkt begonnen und um die stumpfe Ecke bis zur Kirche durch 20 Jahre fortgesetzt. Auch im Innern des Spitals sind für die Erfordernisse des Institutes viele Bauten vorgenommen worden. Nach einer Auszeichnung vom November 1684 bestanden im Bür- gerspitale damals die nachfolgenden Zimmer oder Stuben: Die Nikolaistube. mit 14 Betten ,, Burgerstube .. .. 13 ,, große Männerstube. ., 85 ,, neue Männerstnbe. .. 31 ,, Bnrgerinstube.. „ 15 ,, Schwarzstube. „ 51 ,, Marienstube. 5 ,, Ncustube. .. 27 ,, Ertra-Männerstube. .. 27 ,, Eztra-Bubenstube. „ 18 ,, Eisenstube. „ 19 ,, Mühlstnbe. .. 32 ,, Kindbettstube. „ 51 ,, Grünröcklerstube. 32 ,, Kinderstube. ,, 29 ,, Rndelstube. .. 15 und für die Chaos'schen Stiftlinge sammt Dienstboten mehrere Stuben. 68 zusammen 532 Betten. Nach Vollendung des Baues im Jahre 1697 haben die Stuben andere Bezeichnungen erhalten, nur die Bürger- und Bnrgerinstube und die für die Kinder blieben mit der bisherigen Bezeichnung, alle übrigen erhielten den Namen eines Heiligen: Barbarastubc, Marthnstnbe, Seba- stianistube, Rochusstube n. s. w. In den zugewiesenen Filialspitälcrn geschah die Verpflegung der Kraulen vorn Bürgerspitalc aus und aus die gleiche Weise. Line wesentliche Aenderung in der Verpflegung erfolgte im Jahre 1735 durch Aufhebung der Naturalverpflcgung als Folge der im Wirthschaftswesen vorgenommenen Veränderungen. Die Armen erhielten statt der Kost nunmehr täglich und zwar die Vürger 7 kr., die Nichtbürger 6 kr. In der Stadt, sowie auch in St. Marx und im Bäckcnhäusl wurde ein Koch aufgenommen, der die Traitcrie erhielt, in welcher die Speisen von den Armen angekauft werden konnten. Blos die Kinder, deren Ammen und Dienstboten und die Kranken erhielten die Natural- Verpflcgung fort. Die größeren Kinder werden seit vielen Jahren aus das Land in die Kost gegeben und für Eines 20—30 Gulden Kostgeld jährlich bezahlt. Vom Jahre 1752 an kommen auch Fatschenkindcr aus das Land, um die ausfallende Sterblichkeit zu vermindern, welche im Stadtspitale unter denselben herrschte. Sie wurden bei ihrer Abgabe aus einem Fuße mit einem Zeichen markirt. Zur ärztlichen Hilfe für die Armen und Kranken war im Stadtspitale ein Physikus, in späteren Jahren auch ein Wundarzt mit den nöthigen Gehilfen und noch ein zweiter Arzt bestellt. Auch in den Filialspitälcrn war je ein Arzt, im Lazarett) jedoch nur zur Zeit einer Epidemie unterhalten. Aus Medikamente wurde im ersten Zeitabschnitte und auch in den ersten Jahren dieses Abschnittes nicht viel ausgegeben, weil das Bürgerspital damals noch keine eigene Krankenanstalt war, und noch im Jahre 1550 haben diese Auslagen blos 300 fl. betragen. Im Jahre 1551 wurde aber schon eine Hausapotheke errichtet, die Aus- lagen auf Medikamente erreichten mit Beginn des 17. Jnhrhnndertcs die Höhe von 1000 Gulden und darüber und deshalb wurde im Jahre 1642 eine neue Apotheke in der Kärnthncrstraße, wo selbe noch besteht, erbaut, ein eigener Provisor aufgenommen und von da aus später auch die Filialanstaltcn mit Medikamenten versorgt. Auch an Private wurden Medikamente verabreicht, wogegen daS Apothckergremium protestirte, bis Kaiser Leopold am 27. Immer 1081 dem Bürgerspitale das Privilegium ertheilte, die Apotheke mit dem Zeichen ,,zum heiligen Geist" fortzuführen. Auch wurde das Gremium verpflichtet, dieselbe als eilte öffentliche Apotheke in seine Visitationen einzubezichen. Die Bürgcrspitals-Apothcke war erst im Jahre 1052 vollständig etablirt und nahm bis zu Lüde des 17. Jahrhnndcrtcs einen größeren Aufschwung, so das; damals 1 Provisor und 3 Gehilfen angestellt waren. Die Apotheke wurde bis Ende des 18. Iahrhnndertcs in eigener Regie betrieben, und von da an, gleich den übrigen Gewerbsrcchtcn verpachtet. Für die Secl sorge sind nicht mehr 7 Geistliche, sondern blos 3 — ein Pfarrer und 2 Eapläne — im Bürgerspitnlc allgestellt. Im 17. Jahrhunderte waren zeitweise auch nur zwei Geistliche, daher bei feierlichen Anlässen fremde Geistliche geladen werden mußten. Bei den Frohnleichnams-Umgängcn war die Geistlichkeit des Bür gcrspitals im Range vor mehreren Stadtpsarrcn gereiht, alle Herren, Frauen und das Dicnstpcrsonalc des Spitales mußten an diesen Pro Zessionen theilnchmcn, zu welcher Feier sie mit Kränzen bctheilt wurden. Voll der Spitalskirchc aus geschahen auch alljährlich Prozessionen: am 25. April nach St. Marx (Markus-Prozession), in der Kreuzwoche nach St. Anna, zu den Himmclpfortcu und zu deu Franziskanern, in der Octave des FrohnlcichnamsfestcS nach St. Stesan, am Rochustage nach Pcnzing, am Bartholomänskagc nach Hictzing und in der Rosalien-Oetave zur Eapellc im Bäckcnhäusl. Entgegen wurden auch in die Spitalskirche Wallfahrten vorgenommen und die Rechnungen zeigen, daß aus Paramente zur Hebung dieser Feierlichkeiten große Auslagen gemacht wurden. In allen Stuben des Spitals wurden über Anordnung des Stadtrathes (1051) Crucifixe aufgemacht. Im Jahre l 090 befand sich im Bürgerspitalc ein wundcrthätiges Gnadenbild, zu welchem große Prozessionen stattgefunden haben. 55 Die religiösen Feste überhaupt wurden wie früher auch im Bürger - spitale bei St. Clara mit großem Pompe gefeiert. Es waren dazu immer die ersten Bürger geladen, welche mit ihren Familien und all ihrem Hausgesinde in festlichen Neidern Hiebei erschienen. Selbst Mitglieder des a. h. Hofes haben oft diesen Festen beigewohnt und dann war das Zuströmen der Wiener um so größer, die Feier selbst um so erhebender. So finden wir auch alljährlich verzeichnet, daß der Allerhöchste Hos in der Fastenzeit am heil. Grabe im Bürgerspitnlc gebetet und bei diesem Anlasse die Armen beschenkt hat. Im Jahre 1769 haben diese Besuche des heil. Grabes von Seite des a. h. HofcS aufgehört. Gegen Ende des Zeitabschnittes war die Theilnahme an den religiösen Festen im Allgemeinen geringer auch diese Feste selbst wurden thcilweise abgestellt. Die Verwaltung und deren Hilfspersonale. Die Verwaltung wurde im Wesentlichen wie im ersten Zeitabschnitte fortgeführt. An der Spitze derselben standen der Spittlmeister und die beiden Superintendenten, welche aus dem Stadtrathe gewählt worden sind. Das Hilfspersonale mußte im Laufe des Zeitabschnittes wegen des größeren Umfanges der Geschäfte vermehrt werden und wir finden schon gegen Ende des 16. Iahrhundertes einen eigenen Grund- schreiber, Zehenthändler, Remanenzer, Amtsschreiber, jeder mit einem oder mehreren Gehilfen angestellt. Für die Jurisdiktion und zur Vertretung in Rechtssachen war auch ein Syndikus im Bürgerspitale beschäftiget. Der Spittlmeister hatte nebst der Jurisdiktion mit dein Syndikus auch die Wirthschaft zu verwalten, wobei er in wichtigen Angelegenheiten das Gutachten der Superintendenten und zum Theil auch die Genehmigung des StadtratheS einholen mußte. Die Spittlmeisterin hatte das Zujchneiden und die Verrechnung aller Lcinwandsorten, die Abgabe der Victualicn in die Küche, die Aussicht über die Küche zu besorgen. 56 ^- Der Grnndschrciber ist mit der Führung des Grundbuches und der Verwaltung der Pupillargclder betraut, er hatte die Inventuren vorzunehmen, die (5ontractc des Bürgcrspitalcs zu versassen n. a. Der Zehenthändler halte seinen Amtssitz im vereinigten bischöflichen Zchcntamtc bei St. Slefan, utußte die Zchcntbezirke bereisen, den Zchcnt mit Hilfe eigener Voten einbringen, überhaupt in allen Zchentangelegcn- heilen niitwirken. Der Remanenzer hatte alte Rückstände vorzumerken und einzubringen, die nothwendigen gerichtlichen Schritte deshalb einzuleiten und verschiedene Controlls-Dicnste zu leisten. Der Amtsschrciber besorgte die Kanzleigeschäste und stand in allen Dienstcssachcn dem Spittlmeister zur Seite. Die Superintendenten erhielten ein Honorar und zu bestimmten Zeiten Wirthschaftsprodncte als Gratifikation für ihre Mühewaltung. Ebenso erhielt der Spittlmeister blos die Verpflegung für sich und seine Familie und zeitweise Gratisicationen. Um die Mitte des 17. Jahrhnn- dertes wurde der Spittlmeister bleibend besoldet. Nach einer Rechnung von 1703 hatten der Spittlmeister -150 Gulden, ,, Grnndschreiber 100 ,, „ Zchentner 100 ,, ,, Remanenzer 80 ,, ,, Amtsschreiber 26 ,, Jahresgchalt nebst Ouartier und voller Verpflegung im Spitale. Der Syndikus hatte blos eine Bestallung von 60—70 fl. Im Vräuhause in der Stadt war ein Bierschreibcr, ein Braumeister, dann Brauknechte, Binder, Biersührer und andere Diener. Außer diesen waren im Stadtspitale: ein Schafser, welcher die Aufsicht über die Baulichkeiten führte, beim Eiykanse der Victualicn in- tcrvenirtc u. s. w., ein K astn er für die Verwahrung der Körnerfrüchte, ein Ober- und Unter kcllncr für die Weinwirthschast und eigene Leutgebcr für den Wcinausschank. Der Pfister besorgte die Brod- ^_ 57 bäckerci mit 4 Gehilfen. Für die verschiedenen Hausvcrrichtungen sind verschiedene Individuen mit den Namen: Krautbnucr, Stndlmaycr, Zu- schrottcr, Geschirrmaycr, Kuhmaycr u. s. w. bestellt, deren jeder seine eigenen Diener und Knechte hatte. Alle im Stadtspitale Bediensteten speisten beim Spittlmcister anf 3 Tischen und jeder Tisch hatte seine besondere Speiscordnung. Beim ersten Tische speisten: der Spittlmcister sammt Frau, ,, Pfarrer und seine Eaplänc, ,, Grundschreibcr, ,, Rcmnncnzer und ,, Bierschrciber. Beim zweiten Tische: der Amtsschreiber, ,, Knstner, .. Präzcptor, .. Lchasfer, ,, Oberkellner, .. Pfister. „ Hofbinder. Beim dritten Tische: der Untcrkellncr, ,, Müller, die Müllerjungcn, ,, Herrcnkutscher und andere Diener. Alle Bediensteten erhielten auch zu bestimmten Zeiten Geschenke — Verehrungen genannt, z. B. zu Mariä-Lichtmeß gemalte Kerzen und Wachsstöcke, in der Fasten jeden Mittwoch, Freitag und Samstag Salz- bretzcn, am Palmsonntage Palmbuschcn, zu Ostern Osterflccken, rothe Eier und Selchfleisch, beim Frohnleichnamsfeste Kränze, zur Weinlese Most, zu Allerheiligen Heiligenstritzel, zu Weihnachten Rauchwccken. Auch bei — 58 verschiedenen anderen Gelegenheiten wurden Wirthschaftsproducte ..verehrt." — Zur Aussicht über die Waldungen des Bürgerspitalcs wurden gegen Ende des 17. Jahrhundertes mit Bewilligung des betreffenden Hosamtes die nächststationirten k. k. Förster bestimmt, worüber im Jahre 1707 bezüglich der Stadtgutau ein förmlicher Contract abgeschlossen worden ist. Bezüglich der Armen führte, der ,,Stubcnvatcr" die Aussicht, daß dieselben ihre ordentliche Kost erhielten und mit allen anderen Bedürfnissen versehen werden. Der Stubenvater mußte täglich mit seiner Gattin die Küche visitircn, die Speisen verkosten und alle Gebrechen sogleich anzeigen. Er führte ein Protokoll über sämmtliche Arme im Spitale und übernahm die Vcrlasscnschastcn der Verstorbenen. Zur Bereitung der Speisen für die Armen war die große oder ..Armenlcutküche" bestimmt. Ausgespeist wurde zu Mittag um 10 Uhr. Abends mn 5 Uhr im Sommer, um 4 Uhr im Winter. ES scheint in den letzteren Jahren nicht immer bei der Verwaltung eine besondere Ockonomie vorgehcrrscht zu haben, weil öfter Erinnerungen in dieser Beziehung vorkommen und im Jahre 1716 insbesonderS die großen Mahlzeiten beim Spittlmeister untersagt worden sind. Im Jahre 1718 werden die 3 Tische völlig aufgehoben. Die vom ersten Tische erhiel- ten Geld-Aegnivalente, für die Personen des zweiten und dritten Tisches übernahm die Knchclmeisterin um eine bestimmte Summe die Berichtigung, vom Jahre 1723 an erhielten auch diese Personen ein jährliches Kostgeld. Um diese Zeit begann die für Stiftungen eingesetzte Hofcommission einen mehreren Einfluß auf die Verwaltung des Bürgerspitales auszuüben. Sie übte eine strenge Controlle, und um nützliche Aenderungen insbesonderS im Wirthschaftswescn zu berathen und einzuführen, wurde mit Beziehung von inneren und äußeren Stadträthen im Jahre 1735 eine Spezial - Commission delegirt ; die bisherigen Superintendenten werden ihres Amtes enthoben, der eigene Wirthschastsbetrieb wird größ- tentheils eingestellt und in Folge dessen auch die Naturalverpflegung der Armen aufgehoben, was wir schon früher erwähnt haben. Diese delegirtc Hoscomnlission übte bis zum Jahre 1747 den meisten Einfluß aus die Verwaltung; von da ab erscheint jedoch wieder der Stadtrath als Obcrleitcr und die beiden Superintendenten werden wie früher dem Spittlmeistcr zur Berathung in wichtigen Angelegenheiten bei- gegeben. Der Abschluß dieses Zeitabschnittes. Ungeachtet der veränderten Verhältnisse, welche durch die fortschreitende Entwicklung des Verkehres, durch das Zuströmen vieler Tausende von Fremden veranlaßt wurden, war die Armen- und Krankenpflege größtenthcils auf die blos für das lokale Bedürfniß berechneten Institute angewiesen verblieben und außer dem großen Armenhause am Alserbach seit 1693 keine Anstalt begründet worden, welche den veränderten Zcitverhältnissen vollkommen Rechnung getragen hätte. Wenn auch den verschiedenen Spitälern von Staatswegen manche Zuflüsse zugewendet wurden und insbesondere durch die Zuweisung von St. Marx an das Bürgcrspital ein größerer Centralpunkt für Humanitätszwecke geschaffen war, so haben doch alle Spitäler nur theilweise genügt. Dem schöpferischen Genie Kaiser Josef des Zweiten war es vorbehalten, auch hier eine totale Umänderung zu begründen. Er faßte den Plan, alle verschiedenen Anstalten in Eine großartige Anstalt zu vereinigen. Bereits im Jahr 1781 erhielt die Regierung den Auftrag, einen Entwurf auszuarbeiten, wie diese Eine Humanitätsanstalt neu eingerichtet und organisirt werden soll. Der von der Regierung nach 15 Monaten vorgelegte Entwurf hat den Kaiser nicht befriediget und unterm 24. August 1782 hat derselbe selbst die Basis detaillirt verzeichnet, auf welcher die Regulirung vorgenommen werden sollte. Gleichzeitig wurde zur schnellen Durchführung der gegebenen Normen im September 1782 die Ober- direction in Stiftungssachen zusammengesetzt, dagegen aber die milde Stistungscommission, die Congregation der O-assn puuxerum und der Eonvertitcncassen aufgelöst. 60 Die vorn Kaiser Joses vorgeschriebenen Normen bestanden nn Wesentlichen in folgenden Grundsätzen: ,,Dic dermalen vorhandene Anzahl der Kinder, Krauten und Armen müsse and den bestehenden Mitteln auch in Zukunft erhalten werden. In den einzelnen Spitälern ist zunächst die Zahl der Kranken zu erheben und was für diese im Jahre hindurch an Medikamenten, Krankenwärtern, Doctorcn u. a. ausgelegt worden, in eine Massa zu nehmen, welche den Fond des allgemeinen Spitales bildet, wohin die Kranken aus allen Spitälern zu bringen sind. Die Kinder werden aus die gleiche Weise gezählt und sammt dem gestifteten Vermögen für dieselben in das Waisenhaus am Rcnnweg übersetzt. Für die Armen soll ein Handgeld ausgcmittclt werden, gegen dessen Bezahlung sie auswärts leben und sich fortbringen mögen. Die solches nicht im Stande sind, werden in dem großen Armcnhause oder im Contumazhos untergebracht?' Im September 1782 sind die Kinder auS dem Bürgcrspitale in das Waisenhaus am Rennwcg übersiedelt und dahin für die Verpflegung derselben im Jahre 1783 — 8800 fl. bezahlt worden. Kranke und Arme blieben noch vorläufig in den bisherigen Anstalten, weil das allgemeine Spital noch nicht fertig war und die Regulirung überhaupt nur langsamen Schrittes vorwärts ging. Kaiser Josef erließ daher im Februar 1H83 ein neuerliches Hand- billet mit folgenden entschiedenen Befehlen: ,,Alle in den Armenhäusern befindlichen Individuen, so selbst hinaus zu gehen wünschen und sich etwas verdienen können, sind gegen wöchentlich abzudeichende Hausportion sogleich zu entlassen. Eine eigene Commission hat sämmtliche Armenhäuser, Stube für Stube, durchzugehen, die Armen, welche austrcten wollen und auch diejenigen, welche wegen Gebrechen verbleiben müssen oder verbleiben wollen, aufzuzeichnen und den letzteren zu bedeuten, daß sie nach Nbbs, ins —- - ^- 61 Karthäuser-Kloster nach Mauerbach und wenn diese Orte nicht ausreichen , in das Kloster Jnibach unweit Krems oder in den hiesigen Contumazhos gebracht werden. Die Kranken vorn Bürgerspital sind in das allgemeine neue Krankenhaus , die armen Bürger in den Contumazhos zu bringen und das Bürgerspital selbst soll in ein Zinshaus umgebaut werden." Das neue Generalspital wurde am 16. August 1784 eröffnet und die Kranken aus allen Spitälern kamen in den nächsten Monaten dahin. Die armen Bürger sind aber nicht in den Contumazhos, sondern in Folge einer Allerhöchsten Entschließung vorn 11. August 1784 in das ehemalige Krankenhaus zu St. Marx übersiedelt, welches von da ab dasi Bersor- gungshaus der Wiener Bürger verblieben ist. Durch diese kaiserlichen Anordnungen waren die allgemeine Armen- und Krankenpflege vollkommen in das Bereich der Staatsverwaltung gezogen, welche zum Zwecke der erstem das Findet- und Waisenhaus, dann die verschiedenen Versorgungshäuser und die Psarr-Armen-Institute creirte, zum Zwecke der letzteren vorzüglich das neue allgemeine Krankenhaus in der Alservorstadt bestimmt hat. Nur jene Vermögenschaften, welche zur Versorgung der armen Bürger von Wien gestiftet waren und welche bisher immer die Gemeinde verwaltete, sind auch ferner in der Verwaltung der Gemeinde unter der Oberleitung der Hos- commission in Stiftungssachen verblieben. - — - Das Bürgerversorgungshaus zu St. Marx und das Siechenhaus beim Klagbaum. Wir haben hier zunächst einige Notizen über die Entstehung beider Anstalten nachzuholen. Bezüglich des Spitales zu St. Marx sind weder die Zeit der Entstehung, noch die Namen der Gründer bekannt, und was in letzterer Beziehung in einer kurzen Broschüre des 1)e. Lorcnz Novag über St. Marx erzählt wird, daß es ursprünglich die Besitzung eines Arztes war und von diesem zur Krankenpflege gestiftet wurde, gehört in das Bereich der Sage. Bon einem Armenhause „St. Marx" geschieht in den alten Urkunden erst in der Mitte des 14. Iahrhundertes eine Erwähnung. Es läßt sich aber durch Vergleichung alter Urkunden unter einander mit großer Wahrscheinlichkeit annehmen, daß die Bezeichnung ,,St. Marx" erst in der Mitte des 14. Jahrhundertes allgemein wurde und daß dieses Spital schon früher unter dem Namen ,,bei St. Johann vor dem Stubenthore" oder „bei St. Lazar vor dem Stubeuthore" bestanden habe. Ist dies richtig, so bestand St. Marx urkundlich schon im Jahre 1318 und wir werden nicht viel fehlen, wenn wir die gleichzeitige Entstehung desselben mit dem Liechenhause „zum Klagbaum" in der zweiten Hälfte des 13. Iahrhundertes annehmen. Das Siechenhaus beim Klagbaum wurde aus der Wie- den, in der noch jetzt bestehenden Klagbaumgasse im Jahre 1266 vom Meister Gerard, dem Stifter des Heiligengeist-Spitals, für aussätzige Arme und Sieche gegründet. Es hatte eine kleine Capelle zum heil. Job und stand unter der Aussicht eines Meisters und einer Meisterin. Die Armen erhielten eine kleine Pfründe, als .Hauskleidung einen Mantel mit einem rothen Kreuze in einem rothen Ringe und mußten insbesonders für den Stifter, dann für den Landesfürsten nnd für die Wohlthäter des Spitales tägliche Gebete verrichten. Dieses Siechenhaus hat nie eine nenneuswerthe Vermögenschaft erworben, die Armen blieben vorzüg- lich auf das Almofen beschränkt, weshalb es auch mit St. Marx und mit diesem zum Bürgerspitale ineorporirt wurde. Im Klagbaum wareri fortwährend 10—12 Personen untergebracht, bis es 1785 ganz ausgelassen wurde. Die wenigen Stiftungen, welche das Siechenhaus hatte, oder die bis 1785 gewidmet wurden, sind noch jetzt beim Bürgerspitale und werden daselbst fortwährend als Klagbaumstiftungen derart persol- virt, daß bis 1811 — 12 Personen und seither 6 Personen verpflegt werden mit der Verpflichtung, die stistbriesmäßigen Gebete zu verrichten. Das Spital zu St. Marx hatte immer eine eigene Verwaltung, welche nach der ersten Belagerung Wiens durch die Türken, als die Gemeinde die Oberleitung erhielt, aus dieselbe Weise wie im Bürgerspitale eingeführt wurde. Schon im 14. Jahrhunderte wird eine Eapelle zum heil. Johannes bei St. Marx genannt, welche gut dotirt war. Die jetzige Kirche wurde jedoch erst im 16. Jahrhunderte, wahrscheinlich nach dem Jahre 1529 gebaut, weil alle in derselben noch sichtbaren Grabsteine aus dieser Zeit stammen. Den Bau des Thurmes verlegt eine Inschrift an der Außenseite desselben in die Jahre 1626 und 1627, als Michael Pekh von Amberg, äußerer Rath in Wien, Obervater des Spitals gewesen ist. Die V erm'ö gensch asten des Spitales zu St. Marx gelangen erst nach 1529 durch verschiedene größere Stiftungen zu einer mehreren Bedeutung und bestanden größtentheils in Aeckern, Gärten, Wiesen und Weingärten, welche von jeher selbst bewirthschaftet wurden. Von dem Erträgnisse der Wirthschaft deckte das Spital seine Auslagen und hat im 17. Jahrhunderte fortwährend 150—200 Kranke verpflegt. Als jedoch im Jahre 1683 von den Türken Haus und Wirthschaft zerstört, Felder und Weingärten verwüstet, der Wein abgelassen und das Vieh hinweggetrieben waren, konnte sich das Spital in seiner Vermögens- gebahrung nicht mehr erholen , daher es 1706 aus Beseht der Regie- 67 rung mit dem Bürgerspitale incorporirt wurde, das ohuehin au St. Marx mehrere Forderungen hatte. Unter der Verwaltung des Bürgerspitales wurde St. Marx gleich anfänglich erweitert und durch neue Gebäude vergrößert. Es wurden eigene Abtheilungen für Schwangere, Wahnsinnige, innere und äußere Kranke verschiedener Art errichtet und im Spitale fortwährend 300 bis 500 Personen verpflegt. Mit Ausnahme kleinerer Abänderungen verblieb St. Marx in dieser Verwendung bis 3784, in welchem Jahre die sämmtlichen Kranken in das neue allgemeine Spital übersiedelten. Nach St. Marx dagegen wanderten Anfangs des Jahres 1785 aus dein Bürgerspitale in der Stadt 87 gebrechliche arme Bürger und Bürgerswitwen und von dieser Zeit an war St. Marx das Vcrsorgungshnus für Wiener Bürger. Es liegt am äußersten Ende der Landstraße in einem verschobenen Rechtecke gebaut. Die Grundarea des Gebäudes sammt Hofräumen betrügt 3 Joch 1151 Klafter. Gleich beim Haupteingange befindet sich die Kirche, links an der Verwnltungskanzlei vorbei sind ebenerdige Pfründner- zimmer, über diesen im 1. Stocke die Verwalterswohnung. Am Ende des Ganges führt eine Stiege zu den Pfründnerzimmern im 1. Stocke mit einigen kleinen Seitentractcn. Ebenerdig sind hier die Lokalitäten für dieTrai- terie, für die Magazine und weiter zurück das Badhaus. An diesen linken Haupttract schließt sich die Einfriedungsmauer und wendet sich gegen den ! rechten Haupttract, wo zunächst die Wohnung des Arztes und 4 Krankenzimmer und daran anstoßend die Localitäten des Bräuhauses sich befinden. Von dem Haupteingange rechts biegt um eine stumpfe Ecke das Bierschanklocale, rückwärts desselben befindet sich das Backhaus und über der Straße, abgesondert vorn Versorgungshause, gehört noch ein kleines Häuschen,,Schmidhaus" genannt, zum Versorgungshause. Rückwärts des Bräuhauses, am Linienwall, ist der Garten mit einem Flächenraume von I Joch 1312 Klafter, welcher zur Benützung für die Armen, für den Verwalter, Bräumeister und Bierschankpächter abgetheilt ist. _ „__ ^ 5 » 68 Es ist dies der gegenwärtige Bestand des Versorgungshauses zu St. Marr. Im Wesentlichen war derselbe seit mehr als einem Jahrhun- dert gleich; nur sind im Lause der Zeit nach Bedürfniß an den Haupt- tract stückweise kleine Gebäude, ohne viele Wahl und Adaptirung der Theile unter einander angefügt worden. Dadurch erklärt sich auch die Berschiedenartigkeit der äußeren Anlage des Hauses (s. Abbildung) und die Berschiedenartigkeit der einzelnen Räume im Innern. Die ebenerdigen Zimmer datiren aus ältester Zeit, sie sind klein, niedrig und gewölbt, unzugänglich für Licht und Lust und deshalb auch feucht und der Ge- sundheit schädlich. Besser sind die Zimmer in den kleinen Stockwerken und in den Seitcntracten, jedoch auch diese entsprechen nicht den Anforderungen , welche im Geiste des Jahrhundertes an eine VersorgungsAnstalt für arme Bürger gestellt werden müssen. Der gegenwärtige Wirkungskreis des Wiener Bürgerspitales. Arme und erwerbsunfähige Bürger, Bürgersfrauen und Witwen zu unterstützen und zu verpflegen ist seit 1784 der ausgesprochene Zweck des Wiener Bürgerspitales. Wir haben jedoch im vorhergehenden Zeitabschnitte erwähnt, daß dem Bürgerspitale znm Zwecke der Waisen- und Krankenpflege verschiedene Vermögenschaften zugewachsen sind. Wir haben auch erwähnt, daß die Verpflichtungen des Bürgerspitales in Absicht aus die Waisen- und Krankenpflege an die ueucreirten Staatsanstalten übergingen und der Fond zur Bestreituug der Auslagen der neuen Staatsanstalten aus den ! Mitteln der alten Spitäler nach dem allerhöchsten Willen gebildet werden ! mußte. In Folge dessen wurde auch für das Bürgerspital als ehemaliges Kranken-, Findet und Waisenhaus nach einem mehrjährigen Durchschnitte der Auslagen für Kranke, Findelkinder und Waisen eine jährliche Bei- tragsguote ausgemittelt und für die Jabre 1785—1787 mit 103.575 Gulden 15 Kreuzer per Jahr firirt, für die Jahre 1788—1791 wegen - 69 > Abgabe einiger Stistungscapitalicn an die Staatseassa anf 103.432 fl. 37"/^ kr. vermindert. In Folge einer Vorstellung des Bürgcrspitales, daß durch diese hohe jährliche Abgabe der eigentliche Zweck des Fondes gesährdct sei, indem dadurch beinahe das gesammte Ankommen des Fou- des erschöpft werde und für die Armenpflege kaum der 5. Theil der jährlichen Abgabe übrig bleibe, wurde diese jährliche D.note (1791) auf 96.184 fl. 24'-/^ kr. bestimmt, wobei es bis 1808 verblieb. Vom Jahre 1809 an erhöhte ein Hoskanzleidccret den Beitrag anf 118.618 fl,, der bis l819 bezahlt wurde. Vom Jahre 1820 an mußten 2 Fünftel der vorstehenden Summe in Eonvcntions-Münzc und 3 Fünftel in Wiener- Währung entrichtet werden, wonach die jährliche Abgabe sich anf 189.739 fl. 45 kr. W. W. oder 75.895 fl. 54 kr. (5. M. erhöhte. Dieser Beitrag wird noch alljährlich an die Staatseassa aus dem Ankommen des Bürgcrspitales unter dem Namen ,,rezcßmäßigc Gebühren" entrichtet. (5's kann wohl nicht angenommen werden, daß diese jährliche Bei- tragsguote noch weiter erhöht wird. Das Bürgcrspitnl strebt vielmehr die Herabmindcrung derselben aus 103.432 fl. 37^ kr., das ursprünglich bestimmte Ausmaß, an, welches sich in Folge des Finanzpatcntes von 1811 aus den gleichen Betrag in W. W. oder aus 41.373 fl. 3 kr. C.-M. beziffern würde und zwar darum, weil blos diese Summe als Aequi- valent für die früheren Verpflichtungen erhoben wurde und blos diese, bis zum Jahre 1784 abgelegenen Verpflichtungen des Bürger- spitales — nicht die, mit deij Erweiterung der Hauptstadt fortwährend zunehmenden Auslagen der Staatsanstaltcn die Grundlage der Zahlung bilden. Wäre das letztere der Fall, so müßte die Zeit kommen, wo das ganze Einkommen des Bürgcrspitales als jährliche Beitragsquote bezahlt wird, wo sonach der Fond selbst ausgelöst und im Findet-, Waisen und Krankenhaus Fondc ineorporirt ist. Alle Widmungen des 1. und 2. Zeitabschnittes für arme Bürger, alle Widmungen seit 1784, welche eminent die Bestimmung ,,sür arme Bürger" an sich tragen, wären ihren! Zwecke entzogen. > « > - A n I Wir konnten diese längere Bemerkung über die Beitragsquote des Bürgerspitales zu Zwecken der StaatS-HumanitätSanstalten nicht übergehen , weil diese Zahlung zum Wirkungskreise des Fondes in der Neuzeit gehört, eine Lebensfrage des Fondes bildet und auf die Ausdehnung der Bürgervcrsorgung selbst einen großen Einfluß ausübt. Die Unterstützung verarmter Bürger geschah von Beginn dieses Zeitabschnittes bis jetzt auf eine zweifache Weise: durch monatliche Hand- betheilungcn und durch Verpflegung im Versorgungshause zu St. Marx. In St. Marx ist die Zahl der Verpflegten fortwährend gestiegen, von 87 Personen im Jahre 1785 auf 163 ., ., ,. 1798 171 244 296 336 400 1800 1808 1815 1830 1840. Schon mit dieser Zahl war das Versorgunghaus vollständig besetzt. In den späteren Jahren bis jetzt konnten zum Höchsten 420 Personen aufgenommen werden. In der Handbetheilung waren 1785 beiläufig 300 Personen. Die Zahl der Getheilten wurde in den nächsten Jahren wegen Mangel an genügenden Mitteln nicht sehr vermehrt und stieg bis 1798 blos auf 346 Personen. Mit Beginn dieses Jahrhundertes erholte sich der Fond wieder mehr und mehr und vermochte bis 1815 schon 553 Arme zu unterstützen, welche Unterstützung bis 1847 schon aus 900, im Jahre 1852 auf 1000, im Jahre 1853 aus 1100 und seit 1858 auf 1200 Personen ausgedehnt wurde. Die Vermächtnisse, Stiftungen und Rechtsgeschäfte. Die armen Bürger im Versorgungshause erhalten häufige Geschenke theils von den Gewerbs-Eorporationen, welchen sie früher angehörten, 71 theils auch von einzelnen Personen, die gewöhnlich selbst ihre Spende unter die Armen vertheilen oder vertheilen lassen. Und diese Spenden sind nicht blos sür die nothwendigsten Bedürfnisse der Armen berechnet. Sehr ost reichen sie über das Nothdürftige hinaus und erfüllen im reichlichen Maße die edle Absicht des Geschenkgcbers, welcher den Armen eine besondere Freude bereiten wollte. Das war von jeher der Charakter des Wieners, daß er sich nicht recht freuen kann, wenn die Armen s ch nicht nüt ihm freuen. Wo immer der Einzelne oder eine Corporation ein Freudenfest feierte, da müssen auch die Armen dabei sein und sich mitfreuen. So war es immer, so ist es auch noch heute in Wien. Nebst der unmittelbaren Bethcilung der Armen im Versorgungshause fließen aber auch dem Bürgcrspital-Fondc sür seine allgemeinen Zwecke durch Vermächtnisse fortwährend reichliche Gaben zu. Alljährlich weisen die Rechnungen an solchen Spenden 3000 bis 4000 fl. nach, und in einzelnen Jahren hat diese Ziffer auch das Doppelte, das Dreifache betragen. In Folge eines Vermächtnisses des k. k. Regierungs-Concipisten Joses Klein hat der Fond im Jahre 1847 die Hälfte des Hauses Nr. 682 in der Stadt erworben und die andere Hälfte im Jahr 1854 gekauft. Ferner hat die Hauseigenthümcrin Therese Krnmel ihren gesummten Nachlaß an 6 Humanitätsanstalten, darunter das Bürgerspital, gewidmet, wovon dem Bürgerspital 10.387 fl. repartirt wurden. Mit diesem Erbthcile und einer Aufzahlung von 5000 fl. hat das Bürgerspital (1857) das zum Nachlaß gehörige Haus Nr. 99 am Schottenfelde gekauft, dasselbe im folgenden Jahre jedoch wieder Hintangegeben. Auch Stiftungen sind seit 1784 in baren Beträgen und bis jetzt 30 an der Zahl vorgefallen, mit der Widmung des Erträgnisses theils zur Vertheilung an die Armen, theils zur Feier einer heiligen Messe in der Kirche des Versorgungshanscs an bestimmten Tagen des Jahres. Uebrigens bestehen beim Bürgerspitals-Fonde aus alter Zeit 18 Stiftungen vom Klagbaum-Spitale und ebenso noch 16 Stiftungen aus der Zeit vor 1784, welche mit den vorgenannten 30 Stiftungen der 72 neueren Zeit dermalen ein Jahrcserträgniß van 7300 Gulden äst. Währ. abwerfen. Dieses Erträgnis; wird aus die stistbricfmäßige Weise verwendet. Die R echtsgeschäste anbelangend, erwähnen wir, daß Erwerbungen aus diese Weise seit 1784 sehr wenige und diese erst in den letzten zwei Jahrzehentcn stattgefunden haben. So wurde (1841) das Ehaos'schc Stisthaus Stadt Nr. 1043 gelaust. Dieses Hans war ursprünglich theils aus ebenerdige Gebäude des Bürgcrspitals, theils vom Grunde aus für die Ehaos'schcn Stiftlinge von der Stiftung gebaut, wurde nach Uebersicdlung der Stiftlinge aus die Laimgrube längere Zeit zu amtlichen Zwecken verwendet, später zu einem Zinshausc eingerichtet, und wie erwähnt, im Jahre 184 l vorn Bürgerspitalc, soweit es diesen; nicht ohnehin schon gehörte, erworben. Im Jahre 1834 wurden ein Grundcomplcx von 24 Joch im Stcuerbezirke Matzleinsdorf, im Jahre 1856 daS Hans Nr. 1042 in der Stadt und im selben Jahre ein kleines Haus Nr. 38 am Althann angekauft. Im Jahre 1859 endlich kam ein Grundeomplex von 2l Joch in Pötzleinsdorf, dann das HauS Nr. 41 am Althann, nebst den daselbst befindlichen Holzlager-plätzen durch Kauf zum Bürgerspitalc. Die übrigen käuflichen Erwerbungen betreffen blos kleinere Grundstücke in Simmcring, Ebersdorf und Mcidling, womit zunächst eine bessere Arroudirung des angränzendcu Bürgerspital-Grundes bezweckt worden ist. Dagegen haben aber Verkäufe von Realitäten in viel ausgedehnterem Maße stattgefunden. Die entfernten Aeckcr, dann sämmtliche Weingärten in Pötzleinsdorf, Grinzing, Ottakring, Nußdorf u. s. w. sind schon zu Ende des vorigen Jahrhundertes hintangegcbcn worden. Im Lause des 19. Jahrhundertes wurden die Wiesen zu Himbcrg, Larenburg, Guntramsdors und Achau, der Paulusgrund in Erdbcrg, die Auen und Aeckcr in Kagran, Aeckcr in Gumpendorf und auf der Landstraße, die Fleischbänke in der Bischosgassc verkauft. Im Jahre 1824 wurde das Bäckcnhäusl in der Währingergasse an die Regierung für den allgemeinen Armensond gegen dem abgetreten, daß daselbst auf immerwährende Zeiten 25 Bürger verpflegt werden. Weiter sind 1838 Stadel lind Haus aus der Landstraße, 1840 das Adler-Wirthshaus und 1843 das Brauhaus und Bierschreiberhäusl iu der Lcopoldstadt cbcusalls verkauft worden. Nicht unbedeutende Verkäufe mußten aus öffentlichen Rücksichten in den letzten drei Jahrzehnten znr Nordbahn, znr Gloggnitzer- und Brucker-, dann zur Verbindungsbahn, zum k. k. Arsenal, zur Ferdinands- Wasicrleitung, zu den Fricdhöfcn von St. Äkarr, Matzleiusdorf und am Hundsthurm, zum Ncustädter-Eanal, zu den Vichständen und zum Schlachthause in St. Marx stattfinden. Aus Anlaß der Erbauung des neuen Bürgcrversorgungshanses sind endlich im Jahre 1856 das Vcrsorgungshaus zu St. Marx, daS Brauhaus, Back- und Schmiedhaus daselbst, nebst einem neuerbautcn Stadel und einigen Grundparzcllcn verkauft worden. Gegenwärtig besitzt der BürgcrspitalS-Fond folgende Realitäten und zwar: Häuser: Das große Zinshaus Stadt Nr. 1400 und daS damit vereinigte HauS Stadt Nr. 1043, das Haus Nr. 1046 am Neuenmarkt in der Stadt, das Haus Nr. 1042 in der Kürnthnerstraße, daS Haus Nr. 682 in der Sehönlaterngassc, die kleinen Häuser Nr. 15 am Althann (das alte Auknechtshäusl), Nr. 38 und Nr. 41 ebendaselbst und daS neucrbaute Bürgcrversorguugshaus in der Alservorstadt. Aecker und Gärten, zusammen 660 Joch in folgenden Bezirken: ^och, davon 10 Joch Gärten, ,, meistens Aeckcr, einige Gärten und Hutwcidcn. Aeeker, m auf der Landstraße ,, ,, Wiedcn . . . . in Matzlcinsdorf . . . am Hundsthnrm .... in der Alservorstadt . . . ,, Althann und Lichtenthal 11 131 46 26 36 2V- 23 Aeckcr und Gärten, Hansgarten und Hans-Aren, meistens Gärten und dann Holzlagerplätze, Aeckcr, Ebersdorf.72 74 m Simmering .... 189^ Joch Aecker und einige Gärten, ,, Meidling . . . . . 97 ,, Aecker, Fünshaus . . . . . 3 ,, ,, ,, Pötzleinsdorf . . . . 21 ,, Heiligenstadt . . . . 12 ,, Gärten. Die Wiesen aus früherer Zeit, soweit selbe nicht verkauft wurden, sind, um deren Erträglich zu erhöhen, in Acker-gründe umgestaltet worden, und somit im Flächenmaße der Aecker inbegrissen. Wälder, Waldwiesen und Auen, zusammen 754 Joch, m folgenden Bezirken: in Purkersdors nächst Weidlingau, den Rothwasserwald pr. 130Joch, ,, Gablitz, den Marxerwald pr. 45,, ,, Hadcrsdors, den Schuhbrecher-, Hadersdorser- und Wurzbacherwald, zusammen pr.178 ,, ,, Weidlingau, eine Wiese pr. 2 ,, ,, Breitensurth, den Kalksburgerwald pr. 193,, und die Auen und Wiesen im k. k. Prater pr. 204,, Im Vergleiche zum früheren Zeitabschnitte und selbstverständlich m Folge der vielen vorangeführten Verkäufe, hat sich der Realitäten Besitz des Fondes bedeutend reduzirt und weil die Aausschillinge immer in öffentlichen Staatspapieren fructifieirt werden, so ergibt sich als gleichzeitige Folge mit dem Beginne des 19. JahrhunderteS eine fortwährende Vermehrung der Capitalien, wie die nächste Abtheilung zeigen wird. Die Fondsgebahrung. Die verschiedenen Einkommensquellen haben seit 1784 eine totale Umänderung erfahren. Die eigene Wirthschaft wurde zu einem Hemm Theile noch bis 1793 fortbetrieben, von da ab wird aber allgemein das Verpach- tungssystem eingeführt, wie dieses schon bezüglich der meisten Aecker, Wiesen und Weingärten und sämmtlicher Gewerbsrechte der Fall war. ^___ Es ist darin auch bis in die Neuzeit keine Aenderung eingetreten und diese Pachtschillinge bilden das Einkommen des Fondcs von seinem Grundbesitze mit Ausnahme der Wälder und Auen, welche sortan unter der Aussicht der k. k. Förster selbst bewirthschaftet werden. Die Zeh entrechte verbleiben fast in der vollen Ausdehnung des vorigen Zeitabschnittes bis zum Jahre 1848, nur wurden auch diese Rechte seit 1793 verpachtet. Die gründ- und dorsherrlichcn Rechte über 425 untcrthänige Häuser und über verschiedene Gründe waren schon 1797 größtentheils verkauft, nur ein kleiner Rest ist ebenfalls bis zum Jahre 1848 verblieben. Mit der allgemeinen Aufhebung des Unterthänigkeitsvcrbandes und der Entlastung des Grund und Bodens von allen daraus entspringenden Verpflichtungen, haben auch die zehent- und grundhcrrlichen Rechte des Bürgerspitalcs aufgehört. Als Entschädigung dafür erhielt der Fond (1851) Grundentlastungs-Dbligationen im Betrage von 159.840 fl. Conv. Münze, wovon nunmehr die Interessen dem Fonde zufließen. Das ,,Gottesheilsalz" wurde (1786) für das Bürgerspital und für St. Marx aus einen jährlichen Bezug von 643 fl. umgeän dert, dieser Betrag im Jahre 1811 auf die gleiche Summe in Wiener- Währung rcduzirt und wird noch fortwährend mit 258 Gulden Eonv. Münze oder 260 fl. 90 kr. öst. W. aus der StaatScassa bezogen. Das Bräuhaus in der Stadt Nr. 1100 wurde Ende des Jahres 1789 cassirt und an dessen Stelle der 4 Stockwerke hohe Track gegen die Augustiner-Bastei zu, gebaut. Bis 1789 war das Bräuhaus, wie auch die übrigen Bräu häuf er in der Leopoldstadt rmd in St. Marx bis zu deren Verkauf (1843 und 1856) verpachtet. Ebenso waren auch das Adlerwirthshaus in der Leopoldstadt, der Bier- schank und das Backhaus in St. Marx bis zu deren Verkauf (1840 und 1856) sortan verpachtet. Die übrigen Gewerbsrechte, als Bier- und Wcinschank, dann das Backhaus und die Apotheke verblieben als Pachtobjecte und sind als solche noch dermalen Einkommensquellen des Fondcs. Vorn 1. November 1820 an wurde eine allgemeine Berzchrnngs- stcncr eingeführt und die sämmtlichen bisherigen Eonsumtionsgesäklc mußten gegen Entschädigung aufhören. Damit haben auch der ,,Bier- taz und das Umgeld", welche das Bürgerspital von den Bierschanken in der Stadt und in den bürgerlichen Vorstädten bezog, sowie die Befreiung der eigenen Schankgercchtigkcitcn von diesen Abgaben, ihr Ende erreicht. Bis znr Ausmittlung der Entschädigung erhielt das Bürgerspital jährliche Vorschüsse. Im Jahr 1849 erfolgte dann die Entschädigung dadurch , das; dem Fonde zwei Staatsobligationcn über einen Betrag von 468.336 sl. E. M. ausgestellt wurden, wovon die Interessen nunmehr anstatt der früheren Bezüge dem Fonde zufließen. Bezüglich des ,,Bierrechtcs und der verschiedenen Ausschläge, welche schon im vorigen Zeitabschnitte mit dem jährlichen Betrage von 36.000 sl. rcluirt wurden, haben wir blos zu erwähnen, daß auch dieser Bezug im Jahre 1811 auf die gleiche Summe in Wiener- Währung reducirt worden ist und dermalen jährlich mit 14.400 sl.E. M. oder 15.120 sl. oft. W. aus der Staatscassa bezahlt wird. Eine fortwährend steigende Einkommensquelle der Neuzeit sind die Micthzinsc vorzüglich von dem Zeitpuncte an, als der Umbau des ehe' maligcn Spitales in der Stadt in ein Zinshaus vollendet war. Rücksichtlich der Fondsgcbahrung im Allgcmcinen bemerken wir, daß zu Ende des vorigen JahrhundcrtcS zunächst der Neubau in der Stadt viele Summen erforderte, welche contrahirt werden mußten. Der Stadtmagistrat allein hat zum Zwecke des Baues 502.000 sl. dargeliehen nnd die lausenden Interessen der contrahirtcn Schulden, die jährliche große Abgabe an die Humanitätsanstaltcn des Staates lähmtcn nothwendig die Wirksamkeit des FondcS in Betreff der Armenpflege aus längere Zeit. Ungeachtet überall auf Ersparungen und auf Erhöhung der verschiedenen Erträgnisse gesehen wurde, hatte der Fond alljährlich ein bedeutendes Deficit nachzuweisen. So betragen 1797 die Einnahmen 238.900 fl. die Ausgaben 273.527 ,, 77 1798 die Einnahmen 258.000 fl. die Ausgaben 281.000 ,, Zum Zwecke der Armenpflege konnten nicht mehr als 20—25.000 fl. verwendet werden. Es war dies auch in den nächst vorhergehenden Jahren der Fall und um endlich hierin Ordnung und die Fondsgcbahrung selbst geregelter zu machen, sind im Jahre 1798 gegen 300.000 fl. Schulden bezahlt, in Folge dessen aber die Capitalien auf 88.000 fl. vermindert worden. Die jährlichen Passiven ließen befürchten, daß das Fortbestehen des Fondes selbst gefährdet sei. Kaiser Franz I. erließ daher eine Ausfor- derung an die Bürger Wien s, ihren alten historischen Versorgungssond nicht sinken zu lassen und demselben durch persönliche Dienste oder durch Unterstützungen aufzuhelfen. Und der Ausruf des hochgeliebten Monarchen, entsprungen aus einem Herzen voll Milde und Güte, entflammte auch die Herzen aller Wiener Bürger. Was an höchster Stelle als Wunsch im Interesse der leidenden Armuth ausgesprochen wurde, es sollte, es mußte bald in Erfüllung gehen, weil der Kaiser selb st an die christliche Nächstenliebe seiner Bürger appellirte und dieses hohe Wort nie ohne Erfolg, nie ohne begeisterten Widerhall geblieben ist. Es entstand in Folge dieses Allerhöchsten Aufrufes die Bürge r- spital - Wirthschafts - Eommission. Die einzelnen Mitglieder derselben gingen persönlich von Haus zu Haus und sammelten milde Gaben für die armen Bürger, die Spenden vereinigten sie in der sogenannten ,,milden Beitragscassa," aus welcher dann die Armen in St. Marx Zulagen zu ihrer Betheilung erhielten. Diese Beitragscassa wurde später, nachdem der Fond schon mehr gekräftiget war, wieder aufgehoben. Eine vorzügliche Einnahmspost der Beitragscassa bildete eine musikalische Akademie, die alljährlich für die armen Bürger abgehalten wurde, die erste im Jahre 1801, wobei Haydn das Oratorium ,,die Schöpfung" persönlich dirigirte. Diese Akademien finden noch alljährlich statt, sie sind immer durch den Besuch des Allerhöchsten Hofes, vieler Herrschaften und durch eine zahlreiche Versammlung der 78 Wiener ausgezeichnet und beweisen, daß sich die Pietät sür das alte Bürgerversorgungs-Jnstitut fortwährend erhalten hat. Der Bürgerspital - Wirthschasts - Commission , welche allseitig die Sympathie der Mitbürger sür den Bürgerspitalfond wach erhielt, ist das Wiederaufleben des Foudes zu verdanken. Die Rechnungen des lausenden Jahrhundertes zeigen von Jahr zu Jahr ein günstigeres Resultat, wie die folgende kurze Tabelle zeiget: 1 . Jahr Einnahme Ausgabe 1809 . 338.365 297.130 Gulden alte Währung. 1816. 365.922 341.469 W.W. 1848 . 195.511 193.661 „ Conv. Münze. 1852 . 265.933 248.781 ,, ,, 1856 . 338.914 332.644 ,, ,, 1860 . 364.004 363.033 ,, äst. W. präliminirt. 2 . Hauptposten der 180S ISIS 1S4S 1SS2 1S5S isso alte W. W. W. Conventions - Münze öst. W. Einnahme an: Interessen von Capitalien 13.635 20.000 30.348 61.093 78.762 89.000 Pachtzinse von Aeckcrn 22.661 ^117902 10.561 19.696 35.884 44.092 Miethzinse ..... 111.791 118.010 147.174 178.000 188.000 Erträgnip der Wälder . 13.519 4.397 5.426 13.774 7.477 9.210 Taz. 10.636 10.342 — — — - Zehcnt. 14.868 14.534 — — — — Grundbuch . 3.838 514 3.396 — — — Ausgabe an: Landesfürstl. Steuern . 5.640 26.076 27.522 42.850 64.445 72.047 Staats-Hum.-Austalten 118.618 118.618 75.895 75.895 75.895 79.712 die Armen . . . 38.538 32.602 61.075 63.683 98.079 133.800 79 Bei der Ausgabspost für die Armen in der letzten Tabelle sind auch die Armen im Versorgungshause, jedoch nur rücksichtlich ihrer täglichen Geldporlionen, begriffen. Die Kosten aus Wohnung, Bekleidung, ärztliche Pflege u. s. w. sind darin nicht enthalten. Die Wirthschaft- Commission hat durch diese Resultate der Fonds- gebahrung ihren Namen glänzend gerechtsertiget. Alljährlich ergeben sich Ueberschüsse beim Fonde und dies nicht zum Nachtheile der Armenpflege. Die steigende Ausgabe für die Armen beweist, daß die Commission den eigentlichen Zweck des Institutes, die bessere Verpflegung der armen Bürger, nie aus dem Auge verlor. Aus der vortrefflichen Gebahrung des Fondes seit dem Beginne des lausenden Jahrhundertes, zunächst aber dadurch, daß viele Realitäten verkauft, viele Rechte abgelöst und die erhaltenen Werthe in Staatspapieren fructificirt wurden, erklärt sich die Zunahme des Einkommens an Interessen von Capitalien oder die Zunahme der Capitalien selbst, welche von 88.000 Gulden auf 272.700 Conv.-M. und 426.000 W ,. 380.000 ., 316.000 .. 299.103 im Jahr 1798 „ 1809 .. 1835 1848 .. 1852 .. 1860 „ 137.700 ,. 586.003 „ 1,353.000 „ 2,024.000 gestiegen sind. Wenn wir das Einkommen und die Auslagen des Bürger- spitalsondes aus einige Haupt-Kategorien der Einnahme und Ausgabe nach Percenten vertheilen, so beträgt: Das Einkommen von Staatspapieren.. 230/,, „ ,, durch Beitrüge des Staates. 5<>/o „ ,, vom gesummten Realbesitze. 720/o. Die Auslage aus Verwaltung, Gesammt-Regie, Steuern und .53»/. receßmäßige Gebühren. für Armenbetheilung und Verpflegung 80 Die obenerwähnten Capitalien mit Hinzurechnung des Schätzungswerthes der Realitäten ergeben ein Gesaminivermögen von mehr als 5 Millionen Gulden, welche gegenwärtig den Grundstock des Bürgerspital-Fondes bilden. Die Unterstützung und Verpflegung der Armen. Wir haben erwähnt, daß die armen Bürger seit 1784 aus dem Fonde entweder durch Betheilung auf die Hand oder durch Verpflegung im Versorgungshausc unterstützt werden. Hier wollen wir die Art und Weise und das Mas; der Unterstützung kurz verzeichnen. Die Hand betheilung soll nur eine Unterstützung sein zum besseren Fortkommen für solche arme Bürger, die entweder selbst sich noch etwas erwerben können, oder welche von anderer Seite eine kleine Hilfe genießen. Der Betrag der Betheilung richtet sich stets nach dem Einkommen des Fondes und hat von; Jahre 1784 bis 1812 für jeden Armen per Tag nicht mehr als 6 kr. — 7 kr. alte Währung und später 11 kr. W. W. betrage». Im Jahre 1837 erhielten die Annen monatlich 2 fl. 30 kr. Conventions-Münze, im Jahre 1843 — 3^ fl. C. M. Im Jahr 1847 erhielt eine Hälfte per Monat 3^», die andere Hälfte 4 fl. C. M., welche Beträge im Jahr 1852 auf 4 uud 5 fl. erhöht wurden. Im Jahre 1853 waren die Kategorien zu 6, 5 und 4 fl., im Jahr 1858 zu 7, 6 und 5 fl. C. M. per Atonal abgetheilt. Mit der Einführung der österr. Währung sind die letzten Beträge aus 8, 6'/^ und 5'/^ fl. österr. W. erhöht worden und seit November 1859 werden 1200 Pfründner in Abstufungen zu 8, 7, 6 und 5 fl. vorn Bürgerspitnlamte betheilt. In besonderen Nothlagen erhalten diese, in der Stadt und in den Vorstädten zerstreut lebenden armen Bürger von dem Pfarr-Armen-Jnstitute aus dem allgemeinen Versorgungssonde der Stadt Wien weitere Unterstützungen, ebenso in Krankheitsfällen unentgeltliche ärztliche Hilfe, Medicamente, Bandagen, Bäder u. a., gleich den übrigen nach Wien zuständigen Armen. Für jene armen Bürger, die wegen besonderer Gebrechlichkeit ganz erwerbsunfähig sind und keine sonstige Stütze haben, ist das Bürger- 81 Versorgungshaus bestimmt. Sie leben daselbst, nach dem Geschlechte getrennt, immer Mehrere in einem Zimmer zusammen. Bei der Einthei- lung in die Zimmer werden die Gesundheitszustände der Einzelnen berücksichtiget, so daß stets die Kräftigeren zusammen und die Siechen zusammen , in eigenen Zimmern wohnen. Für jedes Zimmer ist aus der Zahl der Psrüudner ein Vorsteher (Stubenvater, Stubenmutter) und ein Gehilfe bestimmt, welche für Ordnung und Reinlichkeit Sorge tragen. Was der Arme an Bettgeräthe, Wäsche und Kleidung bedarf, erhält derselbe von der Anstalt. Speisen und Getränke werden aber nicht von der Anstalt verabfolgt, sondern es erhält der Arme, wie dies seit 1735 eingeführt ist, eine tägliche Geldportion, womit er sich beimHauS- traiteur verköstigen kann. Der Traitenr verabreicht die Speisen nach einem coutractmäßig bestimmten Tarife, in welchen: die Preise so gestellt sind, daß die jeweilige Geldportion des Armen zum Ankaufe der nöthigen LebensmittO ausreicht. Die Geldportion der Pfründner im Versorgungshause war nach dem Einkommen des Fondes im Lause der Zeit verschieden. Im Jahre 1784 pr. Tag 6 kr., erhielten diePfründner 1798:9 kr., 1802:12 kr., 1812:9 kr. W. W., 1813 :13 kr. W. W., 1814:18 kr. W. W., 1837: 8 kr. E. M., 1847:9 kr. E. M.. 1852:10 kr. E. M., 1855: 11 kr. E. M., 1856 :12 kr. E. M. und seit November 1858:24 kr. öst. Währ. pr. Tag. Die Stubenvorsteher und Gehilfen erhalten für ihre besondere Dienstleistung kleine Zulagen zu ihrer Geldportion. Im Verhältniß zu diesen täglichen Geldportionen waren die Tarife der Traiterie festgesetzt, von denen wir blos den jetzt bestehenden anführen. Speisentarif für Gesunde. uppe des Morgens : Ein Seitl lautere Rindsuppe detto mit Semmelschnitten detto Einbrennsuppe . . kr. öst. W. 1 1'/2 ^2 — 6 kr. oft. W. Suppe zu Mittag : Riudsuppe mit Mehlspeis, Reis oder Gerste. 2 Fleischgattungen: Rindfleisch ohue Knochen, gekocht, 5 Loth.. . . . Zl/y detto gekocht, 8 Loth. 5 . Saures Fleisch, 8 Loth und ein Seitl Brühe . 4 V 2 Eingemachtes Kalb- oder Lammfleisch, 8 Loth. 51/2 Fleck, Lungenmuß oder Beischel 1 Seitl 4 ^ Kalb-, Lamm- oder Schweinsbraten, '/y Pfund.14 detto 8 Loth. 8 Lungenbraten, gekocht, ^ Pfund 10 Geräuchertes Fleisch, '/>, Pfund . . 5 Mehlspeisen: Das Seitel abgeschmalzene Nudeln, Schmarrn u. s. w. 4 Knödeln aller Gattungen, das Stück 3 Loth . 1 Gemüse: Ordinäre Zuspeisen, das Seitl .. 2 Bessere Gattungen, darunter auch Hül- sensrüchte, V 2 Seitl. 10g Zum Zwecke der ärztlichen Hilfe in Erkrankungssällen sind dermalen ein Arzt und ein Wundarzt im Bersorgungshause angestellt. Die erkrankten Psründner kommen in eigene Krankenzimmer, die Geldportion derselben wird eingestellt und sie erhalten die vom Arzte angeordneten Speisen und Getränke aus Kosten des Fondes von der Traiterie. Die Verschreibung der Speisen von Seite des Arztes hat nach dem folgenden Speisentarise ,,sür Kranke" zu geschehen, nach welchem schwache, Viertel-, halbe und ganze Portionen, je nach dem Kraukheitszustande des Armen, angewiesen werden können. Speisentarif für Kraule. Schwache Portion. Früh: Klare Rindsnppe.t MittagS: Trinkpanadl oder Gerstelischleinr.: Abends: Rindsnppe mit Semmelschnitlen oderPanadl j Viertel Portion. Früh: Rindsnppe mit Semmelschnittcn. Mittags: 1. Rindsnppe Ulit feiner Mehlspeise, geriebe- ueil Gerstl oder Nudel oder Fleckerl, oder mit Reis oder Illmergcrstl ...... 2. 'Obstspeise, nänilieh gedünstete Aepsel oder gekochte Birnen, ckwetsehken, Kirschen oder Weichsel oder Gemüse, als: Spinat oder gedünstete gelbe Rüben. A bends: Suppe wie zu Mittag oder Panadl . . . Zu Mittag und Abends jedesmal eine Semmel . Halbe Portion. Früh: Rindsnppe mit Semmelschnitten . . .. BNttags: 1. Rindsnppe mit seiner Mehlspeise als: geriebenen Gerstl, Nndel oder Fleckerl, oder mit Reis oder Ulmergerstl. 2. Abwechselnd, Kalbsbraten 12 2oth, 2anltnsbra1en 12 2oth, cingetitachtes Kalb fleisch 12 2oth, geröstetes, dann in einer schmackhaften Sauce eingemachtes Gehirn 8 2oth, kälbernes eingemachtes Gekröse, rein gewaschen und weich gekocht, 8 2oih oder eingemachtes junglümmernks Fleisch Nom Seblö- gel oder der Brust 12 2oth, oder aber auch eine Mehlspeise, entweder Kipselkoch oder auf gelaufenen Milchreis 1 Seitel .... ü 84 3. Dbstspeise, nämlich gedünstete Acpsel oder gekochte Birne», Zwetschken, Kirschen oder Weichsel oder Gemüse, als: Spinnt oder gedünstete gelbe Rüben . Abends: Rindsuppe wie zu Mittag. Zu Mittag und Abends jedesmal eine Semmel. kr. vst. W 30 ! Ganze Portion. Früh: Rindsnppe oder Einbrennsuppe mit Semmel- schnitten . Mittags: 1. Rindsnppe mit seiner Mehlspeise, als geriebenen Gerstl, Nudel oder Fleckerl oder mit Reis oder Ulmergerstl. 3. Rindfleisch, weich gesotten ohne Knochen oder ungenießbaren Hautwerk 8 Loth 3. Als Zuspeis gelbe Rüben, weiße Rüben, saure Rüben, Kohl, Spinat oder gekochten Salat 4. Abwechselnd, Kalbsbraten 12, Loth, Lammsbraten 12 Loth, geröstetes, dann in einer schmackhasten Sauce eingemachtes Gehirn 8 Loth, knlbernes eingemachtes Gekröse, rein gewaschen und weich gekocht 8 Loth, oder eingemachtes junglämmernes Fleisch vom Schlögel oder der Brust 12 Loth, oder aber auch eine Mehlspeise, entweder Kipfelkoch oder aufgelaufener Milchreis 1 Seitel . . Abends: 1. Suppe wie zu Mittag. 2. Dreimal in der Woche 8 Lotb eingemachtes kälbernesPenschel, Kälberfüße oder Gekröse, zweimal Mehlspeise und zweimal Dbstspeise 40 Täglich 3 Semmeln 85 Besondere Speisen und Getränke kr. vst W Eine Portion klare Flerschsitppe . ,, ,, Panadl . . ,, ,, Gerstenschlenn. . ,, ,, Fleischsnpve mit Et. ,, ,, ,, mit eingekochter Mchlspeis oder Rei^ ,, ,, Wenisnppe, welche '/^ Maß enthalt ,, .. Biersuppe, welche Maß enthält . . . ,, ,, Ernmachbrühe. ,, ,, Einbrennsuppe. ,, ,, Blilchspeis ... ,, ,, Obstspeis . . ,, ,, Sauerkraut . . . - . „ ,, Rindfleisch.. Milch ' ^ Maß. 1 k '/2 t ^ l/ , / 10 0 ^ '/2 4 8 2 5 Wein 'H Maß.. 6 Ein Ei ......... . . 2 Eine Portion Kalbsbraten Pfund 14 Mit der Genesung tritt der Pfrnndncr aus dem Krankenzimmer aus und erhält seine frühere Gcldportion. Für die Scclsorge waren früher zwei Geistliche im Bersor- gungshanse. Dermalen ist nur ein Geistlicher angestellt. Bon den kirchlichen Feierlichkeiten in der Anstalt müssen wir vorzüglich des ,,Re st anrät ions festes" gedenken, das alljährlich seit 1801 stattfindet. ES ist ein Fest znm Andenken an die Entstehung vcr Bnrgerspital-Winh- schafts Commission, ein Fest, bei welchem die armen Bürger im Gebete der Wohlthäter des Bürgerspitals gedenken und den Segen des Himmels für sie erflehen. Nebst einer entsprechenden Predigt, welche die Bedeutung des Tages hervorhebt, findet in der.Hauskirche ein feierliches Pontipkal- Amt statt, die Bürgermilizen und Innungen wohnten in früherer Zeit > 86 ^- diesem Feste dc> und ließen es sich angelegen sein, ehren armen Mit- bürgern einen guten Tag zn bereiten. Gewiß Viele erinnern sich noch an die Freuden, welche am Rcstan- rationsfeste den Armen bereitet wurden. Van allen Vorstädten strömten die Verwandten und Bekannten herbei und Jeder hatte sür die armen Bürger ein kleines Geschenk oder doch ein freundliches Wort mitgebracht. Alle Wohnzimmer der Armen waren festlich niit Blumen geschmückt, die Annen selbst wurden im Garten an einer langen Tafel gespeist, wobei die Vertreter der Gemeinde, dann die Bürgerspitals- WckrthschasU Commission, die Vorsteher der Gewcrbs Eorporationen u. a zugezogen waren. Seit dem Aufboren der Bürgermilizcn hat das Fest an seiner Fröhlichkeit viel verloren, es wird aber alljährlich gefeiert, und statt der früheren gemeinschaftlichen Ansspeisnng werden jetzt die Annen all diesem Tage in Gegenwart der Vertreter der Eommnnc und der Bürgerspitaks- Wirthselmfts Commission bethcilt. So viel wir wissen, wird im Jahre 1860 das Restaurationssest schon ilit neuen Versorgnngshanse gefeiert und soll in Zukunft immer an dem Tage der Eröffnung der neuen Bürgerversorgnugs Anstalt begangen werden. Die Verwaltung des Fondes. Unmittelbar nach der Aushebung des Bürgnspitals in der Stadt wurde die Verwaltung wie früher durch den Schulmeister und die Superintendenten fortgeführt, Ebenso halte der Stadtmagislrat seinen früheren Einfluß allf die Verwaltung beibehalten. Die Oberleitung führte die Hos stelle iil Stiftullgssachcir. Allein schon im Jahre 1707 wurde der allerhöchste Wille des Kaisers ausgesprochen, daß nach vollendetem Umbau des Bürgerspitals, und wenn überhaupt die neue Ordnung in Gang gebracht sein wurde, auch in der Verwaltung eine Aenderung eintreten solle. Insbesondere sollen nach dem Ableben der bisherigen besoldeten Superintendenten diese Stellen nicht mehr beseht werden und anstatt derselben bei der Verwaltung des FondeS mehrere Bürger anS christlicher Liebe für ihre armen Mitbürger mitwirken. Alle Angelegenheiten deS Armen Institutes sollen in besonderen „HanS-Commissionen" berathen und entschieden werden. Die vorn Magistrate erstatteten Vorschläge zur Organisirnng der BürgcrspitaIS - WirthschaftS - Commission erhielten im Jahre 1800 die allerhöchste Genehmigung. Nach denselben hoben 8 Bürger von Wien als Beisitzer bei den HanS-Commissionen, die unter dem Vorsitze eines MagistratSratheS stattfinden, zu fungircn und bei der Verwaltung mitzuwirken. Bei jeder Sitzung muß ein Protokoll aufgenommen und dieses dem Magistrate, der Regierung und selbst der Hofstelle in StistnngS- sachen vorgelegt werden. Für gewisse Beschlüsse der Commission ist die Genehmigung des Magistrates einzuholen und daher auch noch ein zweiter Magistratsrath als Referent in BürgcrspitalS-Angelegenheiten zu bestimmen. C'S wurde schon an anderen Orten erwähnt, wie in Folge dieser Veränderung in der Verwaltung, durch die aufopfernde Thätigkeit der CommissionS - Beisitzer der Fond sich erholte, und dessen Gebahrung von Jahr zu Jahr vorthcilhastcr sich gestaltete. Im Jahre 1812 wurde die BnrgerspitalS-Wirthschasts-Commission wegen ihres EiserS von der Hosstclle in Stiftnngssachcn besonders belobt und in ihrem bisherigen Wirkungskreise bestätiget. Zugleich wurde der Personal- und BesoldungS- stand deS BürgerspitalamtcS regnlirt, dem Spittlmcister ein Gegen- händler, an die Stelle deS Grundbuchhalters ein Registratur, anstatt deS SchaffcrS ein Bauübergeher bestimmt. Für die Zehentgeschäste verblieb der Aehenthändler und zwar fortan im erzbischöflichen Zchent- amte, wo die Pachtzinsc für Zehente eineassirt wurden. Für das VersorgungshauS in St. Marr wurde ein Hauspfleger, ein kontrollirendcr Amisschreiber, 2 Benefiziaten, 1 PhysiknS und zwei Wundärzte genehmigt. 88 Die speziellen Rechnungen und Voranschläge des FondeS kamen zur Censur an die Stadtbuchhaltnng und von dieser zur k. k. Hosbuch- Haltung in Stiftungssachen. Die Beisitzer der Wirthschafts-Commission haben in allen Angelegenheiten ein vot 1 , 1,1 si(-eisivi,M) was in einem Negierungsdccrcte vom Jahre 1824 als schon ursprünglich im allerhöchsten Willen gelegen, bestimmt verordnet wurde. Kaiser Joses II hatte 1788 eine neue Pfarr C'inthcilung in Wien eingeführt und auf diese Psarr Eintheilung gestützt, zur Handhabung der Loeal- Armenpflege ,,das Armeninstitut" gegründet. Das gesammtc Armen- institnt stand unter der Leitung der Regierung, die Gemeinde hatte blos den Abgang der Bedürfnisse zu decken, welche aus den vorhandenen Armenfondcn nicht bestricken werden konnten. Dies verblieb bis 1848, in welchem Jahre die verschiedenen Armenfondc in Einen Fond , ,den aIlgemcinen Versorgn n gs so n d" vereinigt und dessen Verwaltung, sowie die Leitung der Local- armenpflege in ihrem ganzen Umfange an den Magistrat übertragen wurden Im selben Jahre wurde auch der Wirkungskreis der Bürgerspital- Wlrthschasts-Comnlission und des Magistrates in Bürgcrspitalsachen erweitert und denselben in vielen Angelegenheiten eine selbststnndige Gebah- rung zuerkannt. Die Regierung als Stiftungsbehörde hatte sich jedoch fortan einen vielseitigen Einfluß auf die Verwaltung reservirt. Der alte Name ,,Spittlmeister" war schon im Jahre 1841 in den eines ,,Amtsdirector" umgeändert. Seit der Constituirung der Gemeinde Wien im Jahre 1880 und nach deut ausgesprochenen Grundsätze ,,daß die Armenpflege Angelegenheit der Gemeinde ist" hat der Gemcinderath und Magistrat fast die alleinige Oberleitung des Bürgcrspitales und ist nur in solchen Fällen an die Genehmigung der k. k. Statthaltcrci gebunden, in welchen überhaupt auch die Gemeinde rücksichtlich ihrer Vcrmögensgcbahrung eine solche Genehmigung einholen muß. Gleichzeitig mit allen anderen Gemeindeämtern wurde auch das Bürgerspitalamt im Jahre 1852 rücksichtlich seines Beamtenstatus ^_____ 89 vom Gcmemderathe organisirt. Die Wirthschasts-Comnnssion selbst nbei blieb in ihrem bisherigen Wirkungskreise. Wir glauben die Ueberzeugung gegeben zu haben, das, der Bürger- spüalsond in fortwährender Aufnahme begriffen -und dast bei der Verwaltung desselben mit einer weisen Dekonomie zugleich das Bestreben gepaart ist, die armen Bürger von Jahr zu Jahr reichlicher zu unterstützen. Beide Resultate hat in altgewohnter Weise und naeb traditionellen Grundsätzen die Bürgerspital-Wirthschasts-Commisston erzielt. Wir halten es daher für eure Pflicht gegenüber dem gesammten Bürgerstandc von Wien schließlich jene Männer zu verzeichnen, welche das wohlthätige Wirken der Hu manitätsanstalt seit Jahren mit aufopfernder Liebe für ihre armen Mitbürger fordern. Unter dem Vorsitze des Magistratsrathes Franz Walter und unter der Leitung des Amtsdirectors Josef Holzinger besteht gegenwärtig die WirthschaftS-Commission aus folgenden acht Wiener Bürgern : Franz Lutzenlcithner, Mitglied des äußeren Rathes», Fabriks- besitzcr. Samuel v. Diöszeghi, Gemeinderath, Josef Trci 1 l, Gemeinderath, Eduard H ütter, Gemeinderath, Paul Frauz, Privatier, Ferdinand Reder, Besitzer des goldenen Verdlcnstkreuzes uns der Krone, Vorsteher der bürgert. Seidenzeugsabrikanten, Friedrich Fuchsthallcr Seidcnzeugfabrikant und Adolf Fritz, Bäckermeister. Dieselben wirken in Folge einer bestehenden Geschäftsordnung nach Wahl in verschiedenen Geschäfts-Abtheilungen als: für Armenpflege, Bauangelegenhciten, Hänseradministration, Gründeverpachtnngen, Wälder- Bewirthschaftung und Cassa Gcbahrnng, sie haben in allen Angelegenheiten das Recht der Initiative, sowie auch jeder Gegenstand in den Commisstons- sitzungen aus Grundlage der einzelnen Gutachten durch Stimmenmehrheit entschieden wird. Das neue Bürgerversorgungshaus in der Alser> Vorstadt. Nebst der Sorge, den armen Bürgern innner reichlichere Gaben zu spenden, vereinten sich die Bestrebungen der Bürgerspital-WirthschastS- Eommission vorzüglich in dem Baue eines neuen, der Haupt- und Rest- dcnzstadt würdigen BürgcrversorgungshanscS. Die veranlassende Ursache hiczn waren die Unzulänglichkeit und Unzweekmäßigkeit des alten Versor- gnngshanses zu St. Marr, sowie die ungesunde Lage dieses Hauses. Schon im Jahre 1820 hat der damalige Physikus der Anstalt lw. Nowag geschrieben: ,,Dic Senkgruben der großen Artillerie-Easerne, der Krotenbach, in welchem der Unrath säst zweier Vorstädte sich vereiniget, der nahgelegenc Donauarm, der ost die Erdbergermaß übcrschwcnnnt und stinkende Sümpfe macht, die vielen Küchengärten, in welchen Kohlstrünke u. dgl. der Fäulniß überlassen werden, die Stände für jede Gattung Schlachtvieh, die das Spital fast umschließen, die Dünste, die sich im Brauhanse so verschieden und häufig entwickeln u. a. sind mehr als genug, um die Lust zu verpesten und vorzüglich böse Wechselficber, Katarrhe, Lungen- suchten — bei den alten Pfründnern zu erzeugen." Alle diese Uebelstände haben sich seither nicht vermindert, sondern noch dadurch vermehrt, daß alle Räume benützt werden mußten, um die Zahl jener armen Bürger aufnehmen zu können, die der Versorgung bedurften. Es ist inSbesonders das Verdienst deS gegenwärtigen AmtS- directors Joses Holzinger, welcher seit dem Jahre 1834 dem Fonde Vorsicht, den Bau eines neuen Burgerversorgungshauses nicht nur angeregt , sondern auch mit rastlosem Eifer, mit wahrer Hingebung durch- I 01 zu haben. Bereits im Jahre 1836 beschäftiget sich derselbe mit der Art und Weise, wie die nöthigen Mittel zu einem Ban sonde gewannen werden könnten. Der Bausand selbst halte sich bald gefunden. Ersparnisse des .^anptfondes, einzelne Summen für verknuste Gründe, Beiträge von angehenden Bürgern und Prafessianisten bildeten den Grundstock, welcher durch fortwährende Fructisicirung zu einer ansehnlichen Höhe flieg. Es war nur die Frage, wo soll das neue BcrsorgnngshanS gebaut werden ? An der Stelle des alten Bersorgungshanscs zu St. Marr, des Roscnthal'schen Garten, auf der Sandgcstätte nächst dem botanischen Garten wurden in den Jahren 1841 und 1842 Bermcssnngen vorgenommen, Pläne ausgearbeitet und aus verschiedenen Ursachen wieder aufgegeben. Im Jahre 4813 schien die Anhöhe von der Belvederc 40nie ein geeigneter Platz, um so mehr als dieser Grund auch Eigenthum des Bürgcrspitales ist. Der Ban war großartig angelegt, von Seite der Regierung jedoch nicht genehmigt. In den folgenden Jahren wurden viele Berichte über die Nothwendigkeit eines neuen Bnrgcrversorgungsbanscs erstattet und so kam das Jahr 4848, dessen politische Verhältnisse auf alle administrativen Zweige einen lähmenden Einfluß ausübten. Ucbcr- dics waren auch die Eourse aller Staats-Essecten sehr gesunken und damit auch der Banfond für die neue Anstalt beinahe aus die Hälfte rcdueirt. Sobald die Eourse sich besserten, begannen die früheren Bemühungen, einen geeigneten Bauplatz für das Bürgcrvcrsorgnngshaus aufzufinden. Der Graf Dietrichslein'schc Garten, mehrere Häuser auf der Sieben brünner-Wiese wollten zum Baue erworben werden, allein die Verhandlungen führten zu keinem Resultate. Endlich im Jahre 4833 siel die Wabl aus das alte, dem Bürgcr- spitale gehörige Lazareth in der Alservorstadt mit der dabei befindlichen sogenannten St. Iohanncseapellc ss. Abbildung). Es war dieser Platz wohl auch schon früher beachtet worden, derselbe erschien jedoch immer zu klein, weil man ursprünglich in Absicht hatte, ein großes Versorgnngs- haus wenigstens für 1000 Personen zu erbauen. Es wäre ein solches 92 Versorgungshaus wohl für Jahrhunderte berechnet gewesen, wahrend für die Gegenwart und viele Iabrzehente auch eine viel kleinere Anstalt aus- reicht. Uebcrdics sind auch viele Summen laut geworden, welche gegen den Bau des Bürgerversorgnngshanscs vor der V > n > e sprachen und für die armen Bürger von Wien den Wunsch äußerten, daß sie doch inmitten ihrer Verwandten und Bekannten eine Wohnstätte erhalten sollen. Den armen Bürgern würde dadurch ihr Los sehr erleichtert, weil sie im Kreise ihrer Verwandten doch riwnche Frendcntage genießen, manche Stunde vergnügt zubringen können. Die Bürgerspitals Wirthschafts Eomnnssion wollte und konnte solche Wünsche nicht ignoriren und nachdem inner der Linie ein großer Bauplatz nicht zu erwerben war, entstand der Entschluß, ein kleineres Vcrsorgnngshaus an der Stelle des Lazarethes zu bauen und durch Erwerbung nachbarlicher Realitäten für eine mögliche Vergrößerung der Anstalt vorzndenken. Der Ausführung dieses Entschlusses standen jedoch neue Hindernisse entgegen und wieder mußten Jahre vergehen, bis ein Vorhaben realisirt wurde, das beinahe seit 20 Jahren zum Stadtgespräche geworden war. Das Lazareth war nämlich seit 1784 in Benützung des k. k. allgemeinen Krankenhauses. Die Sanitätsvcrhältnisse von Wien haben seit mehreren Jahren alle öffentlichen Krankenhäuser überfüllt und daher es nicht mög- ! lieh erscheinen lassen, das Lazareth sogleich seinem Eigenthümer zurückzugeben. Die fortgesetzten Bemühungen der Eommnne erwirkten endlich die a. h. Entschließung vom 13. Februar 1857 womit die Ilebergabe des Lazareths angeordnet wurde. Von da an konnte erst aus eine rasche Durchführung des Baues gedacht werden. Zur Erweiterung des Baugrundes wurde schon früher das Haus Nr. 234 am Alscibach erworben und sonach zur Erlangung von Projekten für die neue Anstalt ein Eoncurs ausgeschrieben, bei welchem das Projekt des Architekten Ferdinand Fcllner mit dem ersten Preise j ausgezeichnet wurde. Auf Grund dieses Projectes erfolgte die Baubcwil- lignng des Gemeinderathcs und Magistrates und im Frühjahr 1858 konnte der Ban beginnen. - --- - 93 Die Terrainverhältnisse waren dem Baue nicht günstig. Das un ebene Niveau bedingte kostspielige Abgrabungen, tvelche ganze Reihen von Todtengerippen bloslcgten, lveil uui das Zazareth früher der Pestfriedhos sich ausdehnte. Auch war der Grund durch die früher hier bestandenen Ziegeleien bis zu einer großen Tiefe aufgelockert, wodurch wieder der Grundbau toslspielig wurde. Der Bauplatz selbst bot durch seine unregelmäßige Figur manche Schwierigkeiten für den Bau eures Hauses, bei welchem die Hauptaufgabe in der Herstellung möglichst vieler Ubieationen bestand und nur die Bauanlage des Architekten Fellner hat diese Schwierigkeit am besten überwunden. Das neue Bürgerversorgungshaus ist vollendet und in wenigen Wochen werden die armen Bürger und Bürgerinnen von St. Marx hieher übersiedeln. Wir haben daher noch zu bemerken, wie die neue Anstalt gebaut, wie sie im Innern eingerichtet ist und aus welche Weise die armen Bürger daselbst verpflegt werden sollen. An der Ecke zwischen der Währinger und Alserbachstraße gelegen hs. Abbildung und Grundriß) hat die Anstalt in jeder dieser Straßen einen Traet mit zwei Stockwerken und einer Fronte von 42 Klaftern Die beiden Traete sind im Winkel ihrer Neigung durch einen Mittel- oder Sucrtract mit drei Stockwerken und einer Frontlänge von 22 Klaftern verbunden. Der Mitteltraet bildet die Hauptsronte der Anstalt, welche ein kleiner Borgarten, mit einem massiven eisernen Gitter abgeschlossen, umgibt. Die Hauptsronte zieren am Firste mehrere Figuren und zwar eine allegorische Mittelgruppe, 13 Schuh hoch Bindobona darstellend, wie sie die Armuth schützend aufnimmt und 2 Seitenfiguren, der heil. Martin und die heil. Elisabeth, jede 9 Schuh 10 Zoll hoch, in Sandstein vom Bildhauer Melnitzkt) ausgeführt. Nebst diesen Figuren sind sowohl der First als auch andere Stellen des Gebäudes mit dem Wappen des Bürgerspitales ,,dem Reichsapfel mit einem Kreuze" geschmückt. Durch den Haupteingang gelangt man in eine geräumige Borhalle, in welcher rechts die Kanzlei, links das Portierzimmer situirt sind. - . - ——- - ^ 94 Die beiden in der Halle eingebrachten Votivtaseln erzählen — die eine davon, die Geschicke des Wiener Bürgerspitales in der Vorzeit, die andere — die Entstehung der neuen Anstalt. Von der Halle aus wird die ganze Anstalt in ihrer inneren Anlage mit Einem Blicke übersehen. In der Mitte — die Kirche, deren Hochaltar schon am Haupteingange sieht- bar ist und die ganze Vorhalle in eine Vorcapelle verwandelt. Die Kirche saßt über 800 Personen und hat nebst dein Musikchor, der Caeristei und Paramentenkammer, auch zwei Oratorien und zwei kleine Glockenthürme. Der Hochaltar der Kirche sowie die Kanzel sind theils in Marmor, theils in weißem Sandstein ausgeführt. Rechts und links der Kirche ziehen sich die 1 Klafter 8 Schuh breiten Eorridore in den Hintergrund und werden in jedem Traete durch einfache 6 Schuh breite Stiegen abgeschlossen. Eine Zierde des Mitteltraetes sind die 7 Schuh breite, freitragende Hauptstiege mit Oberlichte und die Vorhallen in allen drei Stockwerken, welche letzteren die schönste Fernsicht gewähren, im Winter gebeizt werden und den armen Bürgern als Versammlungsorte dienen sollen. Nebst den Beamtenwohnungen sind im Mitteltratte noch 20 separirte Zimmer jedes für eine oder zwei Personen bestimmt, welche ihre Verpflegung im Bürgerversorgungshause bezahlen. Für die armen Bürger und Bürgerinnen sind ebenerdig, im l. und H. Stocke der beiden Seitentracte zusammen 40 Zimmer gebaut, von denen jedes 6 Klafter lang und 3 Klafter 3 Schuh breit ist. Als System der Zimmer wurde nach Prüfung größerer Versorgungsanstalten in den verschiedenen Hauptstädten Europas vom Architekten jenes gewählt, welches die Stellung der Betten senkrecht aus die Scheidemauern möglich macht und mit den mindesten Unzukömmlichkeiten für die Bewohner auch die geringsten Aulagskosten verbindet. Bor jedem Zimmer befindet sich ein Vorzimmer und zwischen je zwei Zimmern abwechselnd eine Theeküche zur Benützung für die Armen und ein Raum, von welchem aus die Kohlenösen der Zimmer bedient werden. Am Ende jeden Traetes im l. und II. Stocke sind je ein Krankensaal für die Psründner, somit zu sammen in der Anstalt vier Krankensäle, jeder 0 Klafter 5 Schuh 95 lang und 5 Klafter breit, mit einem Raume für 15 bis 20 Kranke. Sämmtliche Raume der Seitentracte, Gänge, Vorzimmer, Pfründ- ner-Zimmer und Krankensäle haben eine lichte Höhe von l4 bis 15 Fuß und sind bis unter das Dach auf eisernen Traversen feuersicher eingewölbt. Zu ebener Erde in den Seiteutracten sind noch die Traiterie und das Badhaus für die Armen, und abseits vom Hauptgebäude im Hose ein kleiner Bau mit den Lokalitäten für die Wäscherei, Löschreguisiten, Leichenkammer u. a., und in den hellen, trockeneil Souterrains des Tractes in der Alserbachstraße die Arbeitsstile für Tischler, Schuhmacher und Schneider, die Magazine der Anstalt und die Keller zur Unterbringung des Brennstoffes. Verbaut sind im Ganzen 1237 Quadrat-Klafter und nach Erwerbung eines Theiles deS ehemaligen k. k. Moutursdepots irr der Wührin- gerstraße ist noch ein freier Raum voll 2763 Quadrat-Klafter mit Gar- tenanlagen für die armen Bürger vorhanden. Die Kosten des Baues werden eine halbe Million Gulden erreichen. Schon aus der Bauanlage ist ersichtlich, daß auch im neuen Versorgungshause die Armen nach dem Geschlechte getrennt wohnen werden, und zwar im Tratte der Alserbachstraße — die Männer, im Tratte der Währingerstraße die Frauen. Ein Zimmer bewohnen 10 Personen und in jedem Zimmer ist ein Zimmervorsteher und ein Gehilfe auS der Mitte der Armen zur Sorge für Ruhe und Reinlichkeit bestimmt. Für den Fall der Nothwendigkeit können auch 12 Personen beguem in jedem Zimmer untergebracht werden, so daß die Anstalt mit Einschluß der Krankensäle und der kleinen Zimmer im Mitteltratte nahe an 700 Personen aufzunehmen vermag. Die Verpflegung der Armen erfolgt aus dieselbe Weise wie im VersorgungShause zu St. Marx. Die Armen erhalten nämlich zur Ver- köstigullg in der Traiterie die bisherige Geldportion, Kleider und Wäsche aber nach Bedürfniß von der Anstalt. Für die Traiterie bleiben dieselben Speisentarise wie in St. Marx. Nücksichtlich der Verwaltung, Seelsorge und ärztlichen Hilfe gelten auch in Zukunft die bisherigen Normen. Die sämmtlichen Einrichtungsstücke der Zimmer find neu und aus Eichenholz angefertiget. Für die Betten sind geheftete Strohfäcke, dreiteilige Roßhaar Matratzen, Roßhaar-Kopspolster und Echafwoltdecken bcstilnmt. Die Federtucheten des alten Versorgungshauses werden aus Rücksichten der Reinlichkeit und Gesundheit ganz cassirt. Wenn wir noch weiter bemerken, daß zur Begncmlichkeit der Annen in allen Stockwerken lebende Brunnen sind, daß die Gänge und Vorhallen mit Gasflammen beleuchtet werden, daß ein geräumiger Garten und ein Badhaus es jedem Armen möglich machen, durch Bewegung in frischer Luft und durch Reinhaltung des Körpers für feine Gesundheit zu sorgen, wenn wir erwähnen, daß auch sür die Reinlichkeit des ganzenHauseS durch Wasserschluß-Retirade und durch eiire vom Hauptgebäude abgesonderte Waschanstalt niit allen Einrichtungen, welche in anderen öffentlichen Anstalten sich als praktisch bewährten, Sorge getragen ist, so glauben wir die Ueberzeugung gegeben zu haben, daß in der neuen Bürger-Versorgungsanstalt alle Anforderungen befriedigt sind, die an ein solches Institut gemacht werden können. Wir übergehen die kleinen Adaptirungen, welche die Mannigfaltigkeit der Bedürfnisse einer Versorgnngsanstalt nothwendig machten, und erwähnen nur noch des Pensionates, das nach dem Beschlusse der Bürgerspitals-Wirthschafts-Eommission als eine neue Art Unterstützung gewisser Classen von Wiener Bürgern mit der Erössnungdes neuen Versorgnngshauses ins Leben treten soll. Nur Wenige des Bütgerstandes erfreuen sich des Glückes, daß sie reich geboren werden, und im Ueberflnsse, in Freude und Vergnügen ihr ganzes Leben, zubringen können. Die große Mehrzahl der Bürger gehört immer dem Gcwerbestande an, für 'welchen Arbeit und wieder Arbeit das Losungswort des Tages ist. Gewöhnlich mit einem kleinen Betriebsfonde versehen, ist es auch fast allein die Arbeitskraft des Einzelnen, mit welcher sich der Bürger seine Zukunft schaffen muß. Der Wille mag in den meisten Fällen vorhanden fein, und jeder Bürger wird auch eine Zeit 97 loben können, wo ihm die Sonne des Glückes geschienen hat. Gut für ihn, wenn er redlich und reichlich oder wenigstens soviel geerntet hat, daß er die Jahre seines Alters sorgenlos vollbringen kann! Unglücksfälle, sociale Verhältnisse, oder eigene Schnld vernichten manche Gewerbe schon im Beginne, manche erst dann, wenn der Bürger bereits mit Zuversicht der Zukunft entgegensah. Gottvertrauen und Manneskrast wird im Unglücke zwar Jeden zur erneuerten Arbeit spornen — aber ein Tag schafft blos die Bedürfnisse des nächstfolgenden Tages, kein Sparpfennig erübrigt und im Alter sind schwiele Hände, gebeugte Nacken, Gebrechen des Körpers und Geistes für Viele die einzigen Früchte der Arbeit, die sie geerntet und volle Armuth das Los, das ihnen für ihre letzten Lebensjahre beschieden ist. Für diese Invaliden der Arbeit sorgt stets die christliche Barmherzigkeit. Für arme Bürger lauten alle Spenden und Gaben, welche dem Bürgerspitale zufließen, für arme Bürger waren die Geschenke gewidmet, von welchen das neue Versorgungshaus gebaut wurde, — für arme Bürger find also auch zunächst die Räumlichkeiten der neuen Anstalt bestimmt. Nebst diesen ganz Armen gibt es aber manche Bürger, die sich für die Tage des Alters und der Erwerbsunfähigkeit ein kleines Vermögen erhalten haben. Sie wünschen nichts sehnlicher, als damit bis ans Ende ihrer Tage auszureichen, sie beobachten eine Sparsamkeit, die an Entbehrung gränzt, sie haben eine Kraft der Entsagung auf Alles, was das Menschenherz erfreut, und dabei eine Zufriedenheit mit ihrem Lose, die von einem wahrhaft sittlichen Werthe dieser Personen Zeugniß gibt. Ungeachtet dessen reicht im Privatleben das Erträgniß ihres Vermögens allein nicht aus, von Jahr zu Jahr schwindet das Capital, und oft im hohen Alter müssen solche Personen die Barmherzigkeit ihrer Mitbürger in Anspruch nehmen. Eine Unterstützung dieser Bürger derart, daß es ihnen möglich wird, mit ihrem kleinen Vermögen sich ihr Fortkommen zu sichern, setzt sich das Pensionat im neuen Bürger-VersorgungsHause zum Zwecke, wohin solche Bürger gegen eine Entschädigung ausgenommen und verpflegt werden sollen. Die Entschädigung ist so billig als möglich gestellt, und nur eine öffentliche Anstalt, wie das Bürgerversorgungshaus, ist in der Lage 7 98 gegen eine so geringe Gegenleistung einerseits die vorbezeichnete Classe von Bürgern zu unterstützen, anderseits aber auch dadurch ihrem eigentlichen Zwecke, blos arme Bürger zu unterstützen, nicht entgegenzuhandeln. Für das Pensionat sind von der Bürgerspitals-Wirthschasts-Commission vorläufig folgende Statuten festgesetzt worden: 1. Zweck und Bestimmung des Pensionates. Das Pensionat ist für ältere, erwerbsunfähige Bürger von Wien, deren Frauen und Witwen bestimmt, welche es aus Rücksichten einer nothwendigen Sparsamkeit vorziehen, statt in einem Privathause, in der Bürger-Bersorgungsanstalt zu leben, und welche die mannigfaltigen Vortheile, die ihnen diese Anstalt bietet, mit einem billigen Betrage dem Bürgerspital-Fonde entschädigen können. Die aufzunehmenden Personen dürfen jedoch an keinem solchen Gebrechen des Geistes oder Körpers leiden, wodurch die Ruhe und Ordnung der Anstalt gefährdet werden könnte. 2. Leistung des Pensionates. Der Aufgenommene erhält entweder allein oder mit einer zweiten Person zusammen ein Zimmer und im Allgemeinen das Recht zur Benützung aller Einrichtungen der Bürger-Versorgungsanstalt. Insbesondere kann derselbe aus der Haus-Traiterie die Speisen und Getränke um die billigen Tarispreise beziehen, die Wäsche-Reinigungsanstalt und das Badhaus, den allgemeinen Garten und die übrigen allgemeinen Räumlichkeiten des Hauses nach Maßgabe der Bestimmungen benützen, wie sie für das Versorgungshaus bestehen oder erst bestimmt werden. Im Falle der Erkrankung erhält der Pensionär ärztliche Hilfe und Medikamente von der Anstalt, welche auch für die nothwendige Bedienung desselben, für Beheizung und Beleuchtung der Wohnung Sorge tragen wird. 3. Gegenleistung des Pensionärs. ! Ordnung, Ruhe und Reinlichkeit in der Anstalt sind nothwendig bedingt durch die Beobachtung der allgemeinen Hausvorschriften. Der --- — -- 99 Pensionär will durch seine Aufnahme das Erstere erreichen und wird daher auch in letzterer Beziehung diesem Zwecke nicht entgegenhandeln. Außer der Beobachtung der Hausvorschristen übernimmt dann jeder Pensionär die Verpflichtung, die bestimmte Entschädigung an den Bür- gerspital-Fond und aus die festgesetzte Weise pünktlich zu leisten. Diese Entschädigung besieht: u) wenn der Pensionär ein Zimmer allein bewohnen will, in der Zahlung eines jährlichen Betrages von 120 Gulden öst. Währ.; l>) wenn derselbe mit einem zweiten Pensionär wohnt, in der Zahlung eines jährlichen Betrages von 96 Gulden öst. Währ. Den Betrag dieser Entschädigung hat jeder Pensionär in vierteljährigen Raten und im Vorhinein im Bürgerspitalamte zu bezahlen. 4. Austritt und Entlassung aus dem Pensionate. Jeder Pensionär kann nach Belieben austreten, derselbe muß jedoch hievon 3 Monate vorher dem Bürgerspitalamtc die Anzeige erstatten. Ebenso wird auch die Bürgerspitals-Wirthschafts-Commission einem Pensionär die Entlassung aus der Anstalt 3 Monate früher bekanntgeben, wenn nicht besondere Gründe die sogleiche Entfernung nothwendig machen. 5. Einkauf in das Pensionat aus Lebensdauer. Würde es ein Bürger, eine Bürgerssrau oder Witwe vorziehen, durch einmaligen Erlag eines Capitales oder auf andere Weise lebenslänglich die Aufnahme in die Anstalt zu erlangen, so wird die Bürger- spitals - Wirthschafts - Commission von Fall zu Fall ein abgesondertes Uebereinkommen abschließen und die Wünsche des Bittstellers, soweit solches mit dem Hauptzwecke der Anstalt vereinbart werden kann, möglichst berücksichtigen. 6. Gesuche nm die Aufnahme in das Pensionat. Die Gesuche um die Ausnahme in das Pensionat sind an die Bür- gerspitals-Wirthschasts-Eommission zu richten und müssen enthalten: 7 100 u) den Namen, Charakter aber die Beschäftigung und den Wohnort des Bittstellers, l>) das Alter und den Stand (ob ledig, verheiratet oder verwitwet), c) die Nachweisung der bürgerlichen Eigenschaft, cl) das vom k. k. Bezirks-Armenarztc ausgestellte Zeugniß über die Erwerbsunfähigkeit und e>) die Erklärung, daß der Bittsteller die festgesetzte Entschädigung an den Bürgerspital-Fond auf die vorgeschriebene Weise leisten werde. Ueber diese Gesuche wird von der Bürgerspitals - Wirthschaft^ Commission nach freier Wahl und ohne Angabe der Beweggründe entschieden. Die Gesuche sind im Bürgerspitalnmte Stadt Nr. 1100, 8. Stiege, 1. Stock zu überreichen, welches Amt auch die näheren Auskünfte schriftlich oder mündlich ertheilt. Das Pensionat ist eine Ausdebnung des wohlthätigen Wirkens des ! Bürgerspitnls auch auf solche Bürger, die, strenge genommen, noch keinen i Anspruch auf eine Unterstützung aus dem Foude machen könnten. Wir glauben daher, daß dieses ,.Pensionat" — das erste seiner Art in l Wien — von allen minder bemittelten Bürgern freudig begrüßt werden ! wird, und können auch hoffen, daß sie dasselbe in ihrem eigenen Interesse benützen werden. Die Commune Wien verbindet mit dem Namen,,Bürger," den sie einem Gemeindegliede ertheilt, die Auszeichnung eines ehrenhaften Charakters, die Anerkennung für besonders verdienstvolle Leistun- ^ gen zum Besten der Gemeinde. Der Name ..Bürger" erinnert fort- ^ während an jene Heroen der vergangenen Jahrhunderte, die durch Vater- ! landsliebe und unbesiegten Heldenmuth glänzten, er erinnert an jene ^ alten, gesinnungstüchtigen Geschlechter, bei denen biederer, gerader Sinn, ! männlicher Freimuth und ein fühlend Herz für die leidenden Mitbrüder ! ^ ein Familienerbe war. Die Verleihung des Bürgerrechtes ist daher auch ^ - -——-—---- 101 eine Aufforderung der Gemeinde an den Einzelnen, diesen Vorbildern nachzustreben und denselben an Gesinnungstüchtigkeit und Gemeindesinn gleich zu werden. Die Besten der Gemeinde sollen Bürger sein, Allen vorangehend, wo es gilt, sür Kaiser und Vaterland Opfer zu bringen, wo es gilt, das Wohl der Gemeinde zu schützen und zu fördern. Dieser Bedeutung des Bürgers mußte auch das Versorgungshaus ,,für arme Bürger" Rechnung tragen. Nicht blos, wenn der Bürger sür die Gemeinde leistet oder mehr leistet, als ein anderes Glied der Gemeinde, verdient er vorzüglich Achtung und Anerkennung, sie müssen ihm auch dann verbleiben, wenn Unglückesälle ihn betroffen haben. Er fühlt ohnehin doppelt schwer die Schläge des Schicksals, weil er in der Regel von Hause aus oder durch eigenes Bemühen seine ,,guten Zeiten" gehabt hat. UeberdieS hat die Gemeinde Wien das Glück, einen bedeutenden BürgerversorgungS-Fond zu besitzen. Dieses Erbe der alten Bürgerfamilien ist daS specielle Eigenthum aller ,,armen" Bürger. Die armen Bürger von Wien sind daher reich — reich durch die Wohlthätigkeit der vergangenen Jahrhunderte, reich durch die fortwährend lebendige christliche Nächstenliebe ihrer Mitbürger. Die Bürgerspitals-Wirthschnsts- Commission konnte daher auch ein Haus bauen, das gegen andere ähnliche Anstalten schon in seiner Erscheinung vortheilhnft hervortritt. Und waS die Commission angestrebt, das fand die bereitwilligste Förderung und Unterstützung der Commune selbst. Das warme Fürwort des -Herrn Bürgermeisters Dr. Johann Freiherrn von Seiller hat, wie überall, wo es sich um Werke der Wohlthätigkeit handelt, viele Hindernisse beseitiget und die vielen Denkmale der freien Gemeindeverwaltung um ein neues, schönes Denkmal durch die neue Bürger-Versorgungsanstalt bereichert. Das Haus ist schön, es ist aber auch zweckmäßig gebaut und eingerichtet, wie es die Bedeutung des Bürgers in der Gemeinde, wie es die Zeitverhältnisse erfordern, und die Commune Wien hat alle ihre Bürger dadurch geehrt, daß sie den armen Mitbürgern ein solches Versorgungshaus widmete. Schlußbemerkungen. Es ist das vierte Versorgungshaus, welches für die armen Bürger von Wien — wir können sagen, seit dem Entstehen ihrer Vaterstadt — nächstens eröffnet wird und jede Uebersiedlung der armen Bürger vorn alten in das jeweilige neue Versorgungshaus fällt immer in eine Zeit, die auch einen Epoche machenden Abschnitt in der Entwicklung der Stadt Wien selbst bildet. Die Türkenbelagerung war der Anlaß, daß sämmtliche Vorstädte mit ihren alten hölzernen Häusern, mit ihren engen und unsauberen Gassen und Lücken zerstört wurden, daß alle Thürme, Gräben, Wälle und Festungswerke , wie sie die alte Zeit zu Zwecken der Vertheidigung geschaffen, im Jahre 1529 verschwanden. Die Drangsale der vergangenen Jahre, die Möglichkeit ähnlicher Leiden in der Zukunft mahnten zwar wieder zur Befestigung der inneren Stadt, aber diese Festungswerke, an welchen Tausende von kräftigen Arbeitern auS allen Ländern 15 Jahre ununterbrochen gearbeitet haben, waren nach einem bestimmten Systeme durchgeführt und im Vergleiche zu den früheren ähnlichen Werken zweckmäßiger angelegt. Die alten Vorstädte wurden neu und schöner gebaut, neue Vorstädte entstehen und lagern sich in einem Gürtel um die innere Stadt. Geht auch dieser Ausbau langsam vor sich, so verzeichnet die Ge- schichte der Stadt Wien hiefür die mannigfaltigsten gegründeten Ursachen. Die Sonnenstrahlen einer besseren Zeit beginnen über Wien mit Anfang des 18. JahrhunderteS zu leuchten und andauernd alle Verhält- niste belebend zu durchgingen. Wir sagen nur Bekanntes, wenn wir die Regierungsperiode Marie Theresiens und Josefs II. als eine Epoche bezeichnen, in welcher Wien erst beginnt, sich zur eigentlichen Großstadt zu entwickeln. Und wer möchte zweifeln, daß das kaiserliche Wort, welches gegenwärtig die Niederreißung der Stadtwälle anordnet und den freien Verkehr zwischen Stadt und Vorstädte eröffnet, daß der kaiserliche Wille, 103 welcher durch eine Fülle von großartigen öffentlichen und privativen Ge- bänden Stadt und Vorstadt zu Einem Gemeinwesen auch in der äußeren Erscheinung vereinigt, diese Entwicklung Wiens zur Großstadt nicht nur befördern, sondern auch abschließen wird! Ebenso fällt der erste Abschnitt im wohlthätigen Wirken des Bürgerspitales oder die Uebersiedlung der armen Bürger in das St. Clara- Kloster in die Zeit nach der ersten Türkenbelagerung, der zweite Abschnitt oder die Uebersiedlung nach St. Marx reiht sich an die resormatorischen Bestrebungen Kaiser Josefs II. und die dritte Uebersiedlung in das neue Versorgungshaus fällt wieder in eine, für die Entwicklung der Stadt im Allgemeinen, höchst wichtige Zeitperiode. Mit der Eröffnung der neuen Bürger-Versorgungsanstalt steht auch das Wiener Bürgerspital an der Schwelle einer unbekannten Zukunft. Von kleinen unscheinbaren Anfängen hat sich dasselbe troff vielfacher Mißgeschicke, die es im Lause von mehr denn sechs Jahrhunderten betroffen, zu einer blühenden Anstalt entwickelt, die jefft viele Hunderte von Personen unterstützen und die Aermsten der armen Bürger anstatt in einer hölzernen Hütte in einem neuen und zweckmäßigen Hause verpflegen und versorgen kann. Und fragen wir nach den Ursachen dieser Resultate, so gibt uns die Vergangenheit genügende Aufklärung. In seinem Ursprünge ein Gott gefälliges Werk, war das Bürgerspital in allen Zeiten von Gott beschützt und gesegnet. Die göttliche Gnade wendete dem Bürgerspitnle zunächst die Herzen der Herrscher zu. Oesterreichs Regenten beschützen das Spital durch Gesetze und Privilegien und dieser Schutz galt — den Armen. Oesterreichs Regenten besuchen die Armen und Kranken in ihren gewiß nicht einladenden ,,Stuben" und spenden Trost und milde Gaben der leidenden Armuth. Und dem Beispiele der Herrscher folgen die Bürger, die Bewohner von Wien. Jnso- lange das Bürgerspital allein die hervorragendste Rolle für Zwecke der Wohlthätigkeit hatte, mochten alle diese Beweise der christlichen Nächstenliebe augenfälliger sein, sie galten nur Einer Anstalt. Die Folgezeit hat viele Institute der Wohlthätigkeit geschaffen, viele Denkmale der christ- -I > >- 104 lichen Barmherzigkeit gegründet und eben dies ist der Beweis, daß der alte Wohlthätigkeitssinn der Wiener fortlebt, daß er in der Weise großartiger sich entfaltet, als die Armuth, die Noth größer, deren Ansprüche verschiedener und dringender werden. Wir haben gezeigt, daß das Bürgerspital auch in seinem bescheidenen Wirkungskreise fortwährend an den Liebesgaben der Wiener Theil nimmt, ja daß bei vielen Anlässen das Bürgerspital sowohl allerhöchsten Ortes als auch bei den Wienern sich eines besonderen Wohlwollens erfreut und daß vorzüglich die armen Bürger überall gerne unterstützt werden. Wir haben gezeigt, daß die Bürger von Wien durch eine aus ihrer Mitte gewühlte Commission das Vermögen der armen Mitbürger seit 60 Jahren musterhaft verwalten und daß die Gemeinde mit gewissenhafter Sorgfalt die Interessen des armen Bür- gersondes überwacht -und leitet. Wir können daher nur mit dem Wunsche schließen: ,,Möge es immer so bleiben." Möge d er Segen Gottes, der das Bürgerspital durch 600 Jahre bis auf den heutigen Tag sichtbar beschützt hat, nimmer von demselben weichen, möge er den armen Bürgern und ihren Wohlthätern und jenen Bürgern, die alle ihre Kräfte dem Gedeihen der Anstalt widmen, im reichsten Maße zu Theil werden. - i H <1 1 »- !- I- » I ' ! 1 Druck von L. C. Zamarski L C. Dittmarsch in Wien. N W S ^IVIW-Sibliowsk 00610049 lecknisckss IVIussum Wien Sibliotkek 41.729