-M, ^' - ' " ^L < ^ MMW HE?.i ,?! /<» rs -L. ^ L'LL-I ^ 7 » Vorwort Wenn die gewaltigen Ereignisse, die sich in den Jahren 70 und 71 gleichsam vor unseren Augen abspielten, momentan auch eher hemmend, als fördernd auf die segensvolle Arbeit der Erziehung in Schule und Haus einwirkten, so sind dieselben doch, nachdem der Kriegslärm verhallt und ein ruhmvoller Friede geschlossen war, in ihrer Nachwirkung von der größten Bedeutung für uns geworden. Neues, frisches Leben treibt jetzt auf allen geistigen Gebieten hervor und ist der Aufgabe, das junge Geschlecht auf die höchsten Stufen sittlicher Kraft und Vollkommenheit zu heben, förderlich. Ein Hauptantheil fällt den Frauen bei der Lösung dieser Aufgabe zu. Sie sollen das junge Geschlecht hüten und pflegen; sie sollen die Herzen empfänglich machen für wahre Frömmigkeit, für Achtung vor Gesetz und Autorität; sie sollen den opferwilligen Sinn für Vaterland und Fürst wecken, die auf Irrwege abschweifenden Ideen in die Bahn der Tugend lenken und die jungen Seelen begeistern für alles Wahre, Edele und Schöne. Um dieser Aufgabe gewachsen zu sein, muß die deutsche Frau selbst auf der „Höhe der Zeit" stehen. Ihr dazu zu verhelfen, bietet die Schule, unter möglichster Berücksichtigung des eigenartigen weiblichen Wesens und dessen naturgemäßer Bestimmung, die Hand. Die vorliegende Schrift ist ein Versuch, nach dieser Richtung die Gestaltung des Unterrichtes in der höheren Töchterschule zu kennzeichnen. Hinlänglich belohnt würde der Verfasser sein, wenn dieser Zweck wenigstens annähernd erreicht wäre. Landsberg a. W., im Zuni 1872. D. V. Motto: „Was kein Verstand der Verständigen sieht, .Das übet in Einfalt ein kindlich Gemüth." Schiller. Welches ist die Eigenart der weiblichen Uatur und Bestimmung, und wie ist danach -er Unterricht in der höheren Töchterschule zu gestalten? Wenn in der Literatur der Frauenfrage hier und da eine gewisse Abgeschmacktheit zu Tage tritt und der Grund davon zum Theil darin liegt, daß die Eigenart der weiblichen Natur und Bestimmung im Allgemeinen zu wenig eingehende Berücksichtigung erfährt, so mußte das von dem Vereine für höhere Töchterschulen in Berlin zur freien Concurrenz gestellte obige Thema bei denjenigen entschieden Anklang finden, welche an der Sache selbst „von Berufes wegen" innigen Antheil nehmen. — Zu diesen glaubt der Verfasser sich zählen zu dürfen und versucht es, gestützt auf eine mehrjährige Beobachtung und praktische Thätigkeit in Schule und Haus, in Nachfolgendem obige Frage nach bestem Vermögen zu beantworten. Werfen wir zunächst einen Blick auf die physische Natur des Weibes, so tritt uns die zarte Gestalt, die feine Structur, die Sanftheit und Abgerundetheit der Körperfläche entgegen. Selbst die seelischen Verhältnisse finden im Organismus des Weibes sichtbaren Ausdruck. Während im Manne der Winkel als bestimmter Ausdruck der begrenzten Linie vorherrscht, begegnen wir im Weibe der unbestimmten, verschwimmenden Wellenlinie; beim Manne finden wir Schroffheit, beim Weibe Sanftheit der Formenverhält- i 2 nisse. Der Mann repräsentirt die Kraft, das Weib die Schönheit.^) — An der Schönheit des weiblichen Körpers hat die Kopfbildung einen wesentlichen Antheil. Der etwas größere weibliche Schädel ist platter gewölbt, im horizontalen Durchschnitt runder und in der Schläfengegend schmaler als der männliche. — Das Gerüst des Unterkiefers ist niedriger, im Ganzen etwas kleiner und parabolisch gebogen, daher vorn enger: es bildet den entsprechenden Grundbau eines gerundeten Kinnes. Der lebendige Ausdruck des Gesichtes wird jedoch weniger durch die eigenthümliche Form des Schädels selbst, als durch die ebenmäßige Bildung des Gesichtes hervorgerufen. Wie im weiblichen Körper Rundung und Fülle überhaupt vorherrschen, so sind die Wangen voll, zart und rund, und eine wM)e Mischung von Weiß und Roth verleihen ihnen die mannigfaltigen Nüancen der Schönheit. Die Dimensionen des weiblichen Rumpfes sind ebenfalls von denen des männlichen abweichend. Die Wirbelsäule erscheint verhältnißmäßig länger, weil nicht nur die einzelnen Wirbelkörper des Rückgrates höher, sondern auch die dazwischenliegenden Knorpelscheiben dicker sind; auch ist sie eigenthümlich gebogen. Am Halse schwach nach vorn, dann tief in die Brusthöhle hineintretend, läßt sie die Schönheitslinie der Hinterseite mehr zur Geltung gelangen, als die männliche. Die Eigenthümlichkeit des weiblichen Körpers erstreckt sich selbst auf einzelne Knochen; so ist das Schlüsselbein weniger gebogen und aufsteigend, das Brustbein schmaler und kürzer. Besonders sind die Rippen charakteristisch: sie sind dünner, platter, kürzer und schärfer gerändert, nach vorn nur wenig gekrümmt und biegen sich um die Brusthöhle mehr in spiralförmiger Richtung, weshalb schon die vierte Rippe in gleicher Höhe mit dem unteren Rande des Brustbeins liegt, während die Rippen des Mannes schräg abwärts laufen. In dieser Eigenthümlichkeit des weiblichen Knochenbaues liegt der Zauber der Schönheit des Brustkastens, der Abrundung und Elasticität des oberen Rumpfes. *) „Das Weib ist in allen Beziehungen schöner als der Mann, nur daß der Schöpfer zu leichten Thon genommen." Lessing. 3 Damit nun auch der Nacken und Oberrücken des schönen Geschlechts durch kein spitzes Knochenblatt verunziert und eckig werde, ist das Schulterblatt bis zur Durchsichtigkeit dünn gebildet, dichter auf den Brustkasten angedrückt und die massige Verdickung ihrer Ränder vermieden. Was die unteren Gliedmaßen betrifft, so sind die weiblichen nicht nur absolut kürzer, als die männlichen, sondern durch ihre Knochen und deren Verhältniß zum Rumpfe so eigenartig gestaltet, daß sie sichtlich den „weiblichen Schooß" bilden helfen. Die Füße des weiblichen Geschlechtes sind nicht nur kleiner, zarter und zierlicher als die männlichen, sondern auch ihre Knochen sind anders mit einander verbunden. Während der männliche Fuß mehr an beiden Seiten ausgeschweift erscheint, ist der weibliche mehr in der mittleren Sohle ausgehöhlt und der Bau desselben characte- risirt neben der Zierlichkeit die Schönheit des Fußes. Auch die Schönheit der weiblichen Hand beruht einzig und allein auf ihrem Knochenbau. Selbst eine magere Hand wird schön genannt, wenn ihr Bau den vollkommenen weiblichen Typus trägt. Die Muskeln und Bänder des weiblichen Geschlechts sind aus weicheren Stoffen, als die des männlichen; ihre Zweck kann nur sanfte Bewegung sein.^) Auch die Muskelkraft des Weibes ist der Qualität der Muskeln entsprechend geringer, als die des Mannes. Die Blutbewegung des Weibes ist schneller, als die des Mannes, jedoch ohne die dem Manne eigenthümliche Energie. Die Pulsadern sind dünner, durchscheinender, weniger elastisch, daher färbt das durchscheinende Blut die weibliche Haut röther, aber die dünneren Wände der Adern dehnen sich leichter aus, woher, durch den Druck von Schnürleib und- Strumpfband unterstützt, die schönsten Glieder durch „Aderknoten" entstellt werden. Der geringen Elasticität der Pulsader ist es beizumessen, daß der weibliche Puls, selbst in Aufregung, weicher ist, als der männliche, und da das weibliche Herz absolut kleiner ist, als jenes, auch *) „So wie das Weib läuft, hört es auf unmuthig zu sein." Jean Paul. 1 » die Blutgefäße zahlreicher vorhanden sind, also das Blut aus engeren Räumen in weitere fortgedrückt wird, so ist auch die Blutwelle des schwächer gebauten Herzens langsamer und weniger kräftig. Aber auch das weibliche Blut selbst ist dadurch wesentlich von dem männlichen verschieden, daß es flüssiger ist, mehr Wasser und s weniger Blutkörperchen enthält, leichter ist, mehr Faserstoff besitzt, is daß es leichter gerinnt und seine Bereitung schneller von Stat- j ten geht. : Die weiblichen Lungen sind kleiner, als die männlichen, wes- j halb auch der Stoffwechsel, namentlich die Bildung der Kohlensäure, ^ weit langsamer vor sich geht, mithin das Athembedürfniß nicht so , groß ist, wie beim männlichen Geschlechte, und das Weib deshalb längere Zeit eine schlechtere Luft ertragen kann, auch nicht so leicht dem Erstickungstode anheimfällt. s Als besondere Eigenthümlichkeit verdient beim weiblichen Athem ' das „Steigen und Fallen" des Busens eine Bemerkung. * Die Erscheinung wird durch den Bau des Brustkastens und ^ seiner inneren Organe bedingt. Derselbe ist in allen seinen Durchmessern enger, aber, seiner dünneren Rippen und längeren Knorpelansätze ryegen, elastischer und beweglicher; beim Ausathmen sind die unteren, aufsteigenden, beim Einathmen die oberen, mehr horizontal ^ laufenden Rippen vorzugsweise in Thätigkeit, und da die im Umkreise der Brust liegenden Athemmuskeln in ihrer Horizontalwirkung auf die mehr spiralförmig gebogenen, dünneren Rippen wirken, so wird die weibliche Brust mehr in horizontaler Richtung ausgedehnt. Hierin liegt die Bedingung jenes „Steigens und Füllens" des weiblichen Busens. Die Eigenart des weiblichen Körpers tritt uns endlich hinsichtlich der flüssigen und festen Körpertheile in der Weise entgegen, daß im weiblichen Geschlechte die flüssigen überwiegend auftreten, während im männlichen die festen Theile vorherrschen. ! Die weiblichen Nerven sind im Allgemeinen feiner als die männ- r lichen, jedoch machen von dieser Regel die Geruchs- und Sehnerven ? eine entschiedene Ausnahme. Wenn nun durch die Physiologie , festgestellt ist, daß durch die sogenannte graue Gehirnsubstanz*) die Aufnahme der Reize und die schnelle Uebertragung der Reize auf die reagirenden Nerven vermittelt wird, so kann es nicht befremden, wenn das Weib, als Trägerin einer überwiegend grauen Gehirnmasse, für alle Reize sehr empfänglich ist. Kaum wird es daher, bei der im höheren Grade hervortretenden Reizempfänglichkeit der weiblichen Natur, auffällig erscheinen, daß das Weib „nervös" ist, und die hysterischen Beschwerden, wie Ohnmachten, Keuchhusten, Starrkrampf rc. tzu seinen habituellen Schwächen gehören. Was den Entwickelungsgang der weiblichen Natur im Allgemeinen betrifft, so ist in demselben sowohl ein schnelles Entfalten als Verschwinden aller Kräfte wahrzunehmen. — Gehen wir zur Betrachtung der psychischen Natur über, so finden wir, daß im weiblichen Wesen das Gemüth**) vorherrscht, wobei nicht ausgeschlossen ist, daß auch der Verstand des Weibes dem des Mannes nach mancher Seite hin überlegen ist. Alles, was das Gemüth vorzüglich in Anspruch nimmt, wirkt aus das Weib im verstärkten Maße. Aus diesem Grunde kann dasselbe zur.größten Selbstverleugnung getrieben werden. Im Leiden ist das Weib ergebener, gefaßter, religiöser; es duldet die äußeren Drangsale und Widerwärtigkeiten des Lebens mit größerer Standhaftigkeit, als der Mann: „Und wenn der Mann die Hoffnung schon verlor, Blickt noch das Weib vertrauungsvoll empor!" *) Das Gehirn ist das Organ des Geistes. — Das Naturgesetz: „Größe und Kraft eines Organs entsprechen einander" erleidet zwar für die Beziehungen von Gehirn und Geist im Allgemeinen keine Ausnahme; doch ist die Sache nicht so zu fassen, daß unbedingt die Größe des Gehirns ein Maßstab der Geisteskräfte ist, da ein kleines wohlbeschaffenes Gehirn mehr Stärke besitzen kann, als ein schlechter beschaffenes, aber größeres. Also bei gleicher Beschaffenheit kann die Größe des Gehirns ein Maßstab seiner Kraft sein. Da demnach bei Beurtheilung der Geisteskräfte eines Menschen die Qualität des Gehirns mit in Rechnung zu ziehen, dieselbe aber äußerlich schwer zu ermitteln ist, so kann die Phrenologie zur Lösung der einschlagenden Frage nur einen geringen Beitrag liefern. **) „Denn Schön'res find ich nicht, Wie lang' ich wähle, Als in der schönen Form die schöne Seele." In sofern die Eigenart der weiblichen Natur eine größere Empfänglichkeit für Eindrücke offenbart, nimmt dieselbe auch leichter etwas in das Gedächtniß auf, jedoch ist dasselbe weniger treu, da das demselben Ueberlieferte, der schwächeren Reaction wegen, weniger assi- milirt ist. Wegen der größeren Regsamkeit hat das Weib viel Phantasie, aber dem Producte derselben fehlt die Kühnheit. Aus diesem Grunde ist das weibliche Urtheil schnell, dringt jedoch verhältniß- mäßig weniger in die Tiefe; weshalb das Weib einen guten und klaren Verstand besitzen kann, ohne zu abstrakten Forschungen geeignet und geneigt zu sein.^) Mit Rücksicht auf die Erkenntnißweise darf als feststehend gelten, daß sich die weibliche Natur, in Bezug auf das Object, an das Factische hält. Sie sieht Alles im Ganzen, sie denkt konkret. Das Auseinanderhalten verschiedener Begriffsgebiete wird ihr ungemein schwer. Daher findet auch der oft gehörte Vorwurf, daß Dichterwerke auf Frauen fast nur stofflich wirken, hierin seine Begründung. Wie leicht in dem weiblichen Urtheile die Rechtsverhältnisse mit der Moralität der Betheiligten zusammenfließen, darf als bekannte Thatsache gelten. Am Richtigsten wird man die weibliche Erkenntnißform als „Anschauung" bezeichnen können. „Der Mann ist von der Natur auf das Erkennen durch Zergliederung angewiesen; er neigt zur Abstraktion und bedarf ihrer. Das Unterordnen unter das Allgemeine ist bei ihm der Abschluß der geistigen Analysis und eben darum ein rein begriffliches, dem nur zu häufig die entsprechende Anschauung fehlt. In sofern kann die weibliche Anschauungsweise schon an und für sich, ohne besondere Begabung, nicht selten den Eindruck eines genialen Blickes^* **) ***) ) machen, während sie in anderen Fällen durch ihr naives Ueberspringen aller *) Aus dem tieferen Gefühlsleben des Weibes erklärt es sich, daß die alten Deutschen den Frauen eine prophetische Kraft zuschrieben. Auch erkannten die Germanen, Griechen und Römer in dem Seelenleben ihrer Frauen ein wichtiges Element, das in ihrem eigenen wenigstens nicht in dem Grade vorhanden war. **) R. Virchow: „Ueber Erziehung des Weibes." Berlin 1865. Fr. Enslin. ***) Man muß in vielen Dingen dem Weibe einen feineren Blick, eine tiefere und schnellere Ahnung zugestehen. Leidenschaft unterdrückt und berückt weit öfter Kopf und Herz des Mannes, als das gelassenere, geduldigere Weib. ^ 7 in der Mitte liegenden Verhältnisse Lächeln erregen mag." Die Richtung auf das Object als solches hängt damit eng zusammen, daß in der Weiblichkeit das Gefühl eine hervorragende Bedeutung hat, indem es eine große Sicherheit und eigenthümliche Schärfe offenbart, während der Verstand^) im Allgemeinen nur als Begleiter und Diener des Gefühls fungirt und selbstständig nur in den Kleinigkeiten des täglichen Lebens auftritt, die aber immerhin in ihrer beständigen Wiederkehr eine hohe Wichtigkeit annehmen.^) Ein weibliches Wesen, das außerhalb der wirtschaftlichen und materiellhäuslichen Angelegenheiten einen vom Gefühl losgelösten Verstand bekundet, macht stets den Eindruck der Unweiblichkeit. Die psychische Weiblichkeit characterisirt sich also in der Empfänglichkeit, in dem feinen Sinn für das Unmuthige, in der Innigkeit des Gefühls für das Schöne und Edele, in der Liebe;* **) ***) ^) während das bloße schlaue Hinarbeiten auf irgend ein Ziel, es mag löblich sein oder nicht, ohne persönliche gemüthliche Betheiligung, durchaus nur bei Männern erträglich ift.-s) Alle diese Eigenthümlichkeiten der weiblichen Natur sind nicht als Mängel, sondern als eine mit der männlichen gleichberechtigte Form und Schattirung der Menfchennatur anzusehen. Dagegen ist das bei den Mädchen in höherem Maße als bei Knaben auftretende Unstäte, Unsichere, ihre Neigung zu Spiel und Tändelei, ihre auf Zerstreutheit ruhende Gedächtnißfchwäche als Naturfehler anzusehen und durch die Erziehung zu bekämpfen. Diese Naturfehler stellen sich bei dem Mädchenunterrichte nicht nur dem nach Form und Inhalt wissenschaftlichen, sondern auch dem elementaren Unterricht ent- *) Die Frau bedarf das Urtheil des Mannes, als Correctiv ihres Willens so gut als das Umgekehrte der Fall ist. Dadurch ist keine Sclaverei bedingt und kann von einer Emancipation in diesem Sinne keine Rede sein. **) Der Werth der richtigen Gemüthsbildung ist daher so wichtig, weil in so vielen Fällen das Gemüth, nicht der Verstand, unser Denken und Thun regiert. ***) Die Liebe ist die Krone jedes Lebens; sie krönt auch das niedrigste Haupt. Ist „Der Mann muß sich erst vernünftig machen, aber das Weib ist schon von Natur vernünftig." Fichte. gegen und müssen von diesem so gut, wie von jenem, bezwungen werden.^) Aus der geschilderten weiblichen Natur ergibt sich auch deren Bestimmung. Das Weib besitzt einen schwächeren Körperbau, eine leichtere Organisation, eine vorwiegendere Kraft des Gemüthslebens, als der Mann. Wir dürfen daher mit Recht behaupten, daß an das Weib hinsichtlich der Körperkraft nicht dieselben Anforderungen zu stellen sind, wie an den Mann.^) Das Weib ist für die leichteren körperlichen Arbeiten geschaffen. Das sind die Arbeiten innerhalb der Häuslichkeit, innerhalb des Familienkreises. Aber auch das Gemüthsleben weist das Weib in's häusliche Leben. Im engeren Familienkreise stehen sich die Kräfte j nicht feindlich gegenüber; überall sind Bande der Liebe. Hier liegen ' die Ziele, welche es nach der Eigenart seiner Natur erringen kann. ! In der That sind es zwei Wirkungskreise, die dem weiblichen Geschlechte zugewiesen sind, in denen es im milden Glänze errungener - Geistigkeit inneres Leben wecken und fördern soll: Die Familie und das gesellige Leben. Im letzteren soll es durch die Tiefe des Gemüthes und Reinheit der Sitte veredelnd auf den Mann einwirken, der nur zu oft im Dränge des Schaffens und Wirkens sich dem kalten Verstände der natürlichen Ungebundenheit und Leidenschaft hingibt, und während *) „Die Eigenart des Urbildes, das jedem Menschenwesen zu Grunde liegt^ nennt man seinen Character. Er ist es, welchen die Erziehung vor allen Dingen in's Auge zu fassen hat. Das materielle Ziel der Erziehung besteht daher in der Gestaltung eines sittlichen, ausgebildeten, individuellen Characters auf Grund einer harmonischen Entfaltung aller Anlagen und Kräfte." Wichard Lange. Die Befähigung im Erkennen der eigenartigen Charactere ist nicht durch Studium, sondern durch Uebung zu erwerben. Wem sie indeß angeboren ist, der ist ein Erzieher von Gottes Gnaden, ein erziehliches Genie. Fröbel sprach dieses Genie vorzugsweise dem weiblichen Geschlecht zu und erblickte.in dem gesunden t/ unverdorbenen Weibe eine geborene Erzieherin, eine echte Gärtnerin der 'X Kindheit. Ob- / *) **) „Der Mensch kann nur das, was seiner Natur gemäß ist." G^the. / In Deutschland beugt sich der starke Mann vor dem schwächeren Weibe, und dieses, da es weiß, wie nöthig ihm sein Schutz ist, versteht den Mann durch ; Liebreiz und Erkenntlichkeit zu belohnen. — es ihm im geistigen Verkehr wahre Lebensfreude schafft, soll es ihn zugleich an sittlichen Zwang gewöhnen.'*) In der Familie soll das Weib als treue Gehülfin des Mannes und als Mutter vorzüglich die erste Erziehung des heranwachsenden Geschlechtes leiten, und durch seine sittliche und intellektuelle Bildung sowohl die noch zarte und für jeden Eindruck empfängliche Kinderseele an das Gute gewöhnen, als auch schon die ersten Grundlagen des Wissens in seinen Geist legen und so sein inneres und äußeres Glück zu begründen streben. Wahrhaft gebildet werden wir daher nur das weibliche Wesen nennen kennen, welches sich die Eigenschaften und Fähigkeiten erworben hat, welche im geselligen Leben mit Anmuth, in der Familie mit Würde sich zu bewegen versteht, erfüllt mit klarem Bewußtsein über die ihm im menschlichen Verbände angewiesene Stellung, und mit Einsicht und edeler Willenskraft ausgerüstet. "**) Als lebendigem Factor des Hauses gebührt dem Weibe die Sorge für das materielle Gedeihen und die sittliche geistige Förderung desselben: „ . . . Drinnen waltet Die züchtige Hausfrau, Die Mutter der Kinder, Und herrschet weise Im häuslichen Kreise, Und lehret die Mädchen Und wehret den Knaben, Und reget ohn' Ende Die fleißigen Hände, Und mehrt den Gewinn Mit ordnendem Sinn, *) Es ,ist Thatsache, daß die Frauen in Amerika mit einer Hochachtung behandelt werden, an der sich der deutsche Philister, der den Werth der Frauen nicht zu würdigen versteht, ein Muster nehmen könnte. Es zeigt sich aber auch, daß der Mann, wenn er durch unmotivirte Concession an das^ Weib seine Manneswürde wegwirft, von diesen — wie in Amerika — verachtet, sich seines natürlichen Adels, der in edeler Würde und innerer Anmuth besteht, entkleidet. **) „Eine schöne Frau gefällt dem Auge, eine gute dem Herzen; jene ist ein Edelstein, diese ein Schatz." 10 Und füllet mit Schätzen die duftenden Laden, Und dreht um die schnurrende Spindel den Faden, Und sammelt im reinlich geglätteten Schrein Die schimmernde Wolle, den schneeigten Lein, Und füget zum Guten den Glanz und den Schimmer Und ruhet nimmer." In diesen Worten unsers großen Dichters ist die eigenartige Bestimmung echter Weiblichkeit gekennzeichnet. Mit der Familien- Erziehung und BildVüg ist der Frau der „höchste" Wirkungskreis anvertraut, von dessen richtiger oder verkehrter Ausfüllung das Wohl und Wehe der Familie, der Gesellschaft und des Staates abhängt. Ohne Frage gehört die Wartung, Pflege, Bildung und Erziehung der Kinder in der Familie vornämlich der Mutter. Und mit welcher Pünktlichkeit und Treue liegt die wahre Mutter diesen ihren Pflichten ob! Tag und Nacht ist sie für das Wohl der Kinder thätig, unermüdlich in ihren Lehren und in ihrer eigenartigen Mutterliebe, welche in der heiligen Schrift so häufig mit der Liebe Gottes und Christi in Vergleich gestellt wird. Freud' und Leid des Kindes finden ein lautes Echo in ihrer Mutterbrust; Alles, ja sich selbst gibt ihre opferfreudige Liebe hin, wenn es der Rettung ihrer Kinder gilt. Ein stilles, sittsames Wesen, Häuslichkeit und Wirth- schaftlichkeit zieren ihre Weiblichkeit, und diese Tugenden gelangen selbst schon in den Jugendspielen des Mädchens zur Geltung. Es ist anspruchslos und genügsam in der Wahl des Spielplatzes und der Spielsachen. Ein stilles 'Winkelchen in der Stube genügt ihm; am liebsten weilt es unter Blumen im Garten. Mit der Puppe, mit dem Kochgeschirr, mit bunten Bändern kann es sich allein stundenlang köstlich amüsiren. Ein getreues Abbild seiner naturgemäßen Bestimmung! — Wenngleich wir der Frau das politische Gebiet, als zu ihrem unmittelbaren Wirkungskreise gehörend, aus geschlechtlichen und anderen Gründen verweigern müssen, so hat sie doch am Wohle 2) „Das Schicksal eines Volkes, seine Blüthe wie sein Verfall hängen in letzter Instanz allein von der Erziehung ab, die seiner Jugend zu Theil wird." Fichte. „Man könnte erzogene Kinder gebären, wenn die Eltern erzogen wären." G)ithe. 11 desselben indirect einen mächtigen Antheil, ja den größten Einfluß; den letzteren gewinnt sie dadurch, daß sie der wahre, lebendige Factor der Familienerziehung ist. Es darf daher für den Staat und die Gesellschaft nicht gleichgültig sein, wie die Mutter ihre Kinder erzieht.^) Weil aber an der rechten mütterlichen Erziehung so viel liegt, so reicht die Thätigkeit der Frau innerhalb der Familie in hervorragendster Weise in das Leben des Staates und der Gesellschaft hinein, und durch diese hohe Aufgabe ist die Frau naturgemäß zur Begründerin des echten Volkslebens bestimmt. „Nichts ist natürlicher, als daß die Mutter, welche die erste Ernährerin, die Gespielin, die stete Gesellschafterin und Pflegerin des Kindes war, welche seinen Geist zuerst mit ihren Bildern, mit ihrer weiblichen Art, die Dinge anzuschauen, der Unbefangenheit des Kindes näher stand, auch noch später leichter die Wege findet, um zu dem Herzen des Kindes zu dringen. Liegt es nicht im regelmäßigen Gange der Dinge, daß sie die Art ihres Kindes, die Eigenthümlichkeiten seines Körpers und seines Geistes, wenn auch vielleicht unbewußt, besser kennen lernt, genauer erfährt, weil sie mehr mit dem Kinde lebt, als der vielleicht ungleich mehr kundige Vater, dessen Eindruck mehr stetig, dessen Urtheil mehr durch allgemeine Erfahrungen und Grundsätze oder durch zufällige Wahrnehmungen, als durch anhaltende und besondere Beobachtung geleitet wird!" Die Natur ist ewig gerecht in Ertheilung der Anlagen, die für einen bestimmten Beruf gelten. Das zeigt sich, wenn wir die Individualität der Kinder in ihrem zarten Alter in Betracht ziehen. Bei diesen Kindern wiegt das Gefühlsleben so bedeutend vor, daß diejenigen, die zunächst auf seine Pflege besonders hingewiesen sind, das regere Gefühlsleben in gewissem Grade mit den Kindern theilen müssen. Sie würden dem Kinde sonst zu fern stehen, seine Bedürf- *) „Kenntnisse und gute Erziehung führen am sichersten zur weisen und sparsamen Verwendung der vorhandenen Kräfte; Unwissenheit dagegen ist die theuerste Sache im Lande. Ein unterrichtetes und verständiges Volk ist immer sittlicher und fleißiger als ein unwissendes und ungebildetes." Adam Smith. **) Siehe: Rudolf Virchow „Ueber Erziehung des Weibes." Berlin 1865. Fr. Enslin. 12 nisse, Wünsche und Neigungen nicht zu erkennen und zu würdigen vermögen, wenn sie nicht ein dem Kinde mehr sympathetisches Element hätten, als der Mann. Daß das tiefere weibliche Gefühlsleben, das sich vorwiegend dem Kinde gegenüber zeigt, sich auf die ganze Individualität des Weibes erstreckt und diese beeinflußt, ist natürlich. Außerdem ist ja bekannt, wie häufig der Lebensweg eines Menschen lediglich durch die Mutter bestimmt wird. Die Thatsache, daß die Mütter die ersten und einflußreichsten Erzieherinnen sind, berechtigt zu der Folgerung, daß es der höchste Gewinn der Familie, des Staates und der Gesellschaft sein würde, in den Müttern zugleich die besten Erzieherinnen zu besitzen. Hieraus ergiebt sich aber als Aufgabe der Frauen, etwas Gründliches zu lernen, um diese ihre herrliche Naturanlage der Jugend gegenüber im vollen Maße verwerthen zu können. Die Sorge, welche das Weib als Gattin dem Manne widmet, steht in zweiter Linie. Zunächst sorgt der Mann für sich selbst. Die Hülfe des Weibes ist für ihn in der Regel nur eine Hülfe. Als Gehülfin ist ihm das Weib vom Schöpfer beigesellt: „Ich will ihm eine Gehülfin machen, die um ihn sei." 1. Mos. 2, 18. „Ein denkender, gebildeter Mann wird sich daher befriedigt fühlen, wenn er bei der Gattin Verständniß und Mitgefühl findet. Ihm würde sicher eine Stütze seiner geistigen Kraft entzogen werden, wenn er nicht in der Theilnahme feiner Frau einer billigen Ermunterung, einer tröstenden Zuspräche beim Mißlingen seiner Pläne oder beim Widerstände der Gegner begegnete. Jedoch wird er mit ihr die Fragen des Lebens immer nur sehr im Allgemeinen besprechen." Ein tieferes Eingehen auf die Lebensfragen wird aus dem *) „Man darf wohl behaupten, daß sich im Allgemeinen der gesund organi- sirte Mann nicht deshalb verheirathet, um besser gewaschen, genährt und gepflegt zu werden, sondern lediglich um der Liebe und Freundschaft willen, und bisweilen auch, weil er sich nach Kindern sehnt." Hedwig Dohm. Der Mann bedarf des Weibes, das Weib des Mannes, das ist Naturgesetz. — Er entbehrt außerhalb der Ehe nicht die Frau, nicht die Liebe. Die Frau aber entbehrt den Mann, wenn sie nicht aller Sitte Hohn sprechen und außerhalb der Gesellschaft stehen will. **) R. Virchow: „Ueber Erziehung des Weibes." Berlin 1865. Fr. Enslin. 13 Grunde des eigenartigen geistigen Naturells des Weibes im Allgemeinen zur Unmöglichkeit. Allerdings wird eine gewisse Gleichmäßigkeit der Bildung zwischen Mann und Frau nothwendig sein, aber sie wird bei der Frau auf der formellen Seite sich auf diejenige Erwecktheit des Geistes reduciren können, welche das Verständniß allgemeiner Zwecke möglich macht, materiell aber sich auf die Kenntnisse zu beschränken haben, deren Mangel in der gebildeten Gesellschaft auffällt. In dieser Hinsicht wird sich das Maß stets nach den Zeitverhältnissen bestimmen müssen. In dem gemeinschaftlichen Hauswesen wird dem Manne natürlicher Weise immer die äußere, der Frau die innere Sorge übertragen sein. Das Umgekehrte kann nie als Regel gelten, wenn es auch in vereinzelten Fällen vorkommen und vollständig richtig sein mag. Mancher Frau sind freilich die ausgezeichneten Gaben verliehen, auf die Geschicke der Menschheit einzuwirken, und Niemand wird derartige ausnahmsweise Befähigungen zu allgemeinen Aufgaben bezweifeln.^) Ist es doch überhaupt nicht jedem Weibe beschieden, *) „Wenn die Geschichte große Frauen ausweist, so sind dieselben meist erst bedeutend durch den Umgang mit großen Männern geworden. Sie haben im Allgemeinen weniger durch Thatkraft, als durch Tugend geglänzt und durch eine anregende Seite gewirkt. „Bei Beobachtung derselben wird man mit Interesse die Gegensätze weiblicher Anschauung und thatkräftiger Erfassung auf gleichen Gebieten wahrnehmen. Während die eine Frau durch Fleiß und gänzliche Hingebung an ihre Aufgabe sich mühevoll durchringt, widerstrebende Verhältnisse besiegt, und aus Armuth zur Berühmtheit gelangt, so sieht man die andere, welche, statt sich in begüterten Verhältnissen dem Wohlsein in der Ruhe zu überlassen, gleich unermüdlich ihrem wissenschaftlichen Forschungsdrange Folge leisten. „Auch begnügt sich das hier und da auftretende Frauen-Genie nicht immer mit erworbenem Ruhme ausübender Kunstleistung, sondern strebt zugleich, das Selbsterrungene in Schülerinnen zu neuer Gestaltung zubringen. , Aber nicht das Glänzen- und Berühmtseinwollen, nicht das Suchen nach Anerkennung, sondern das ernste Durchdrungensein von der Hoheit des Berufes, ein sittlich schaffender Ernst, stellt die Frau auf den Gipfel, der der rühmlichen Anerkennung sicher sein darf." Gattin und Mutter zu werden, und selbst diejenigen, welche es werden, sind nicht für ihr ganzes Leben darauf beschränkt, Gattin und Mutter zu sein. „Ihnen hat der Zustand der modernen Gesellschaft das Maß der individuellen Freiheit zum Theil schon geschaffen, und es wird die weitere Entwickelung das natürliche Resultat herbeiführen, welches das weibliche Geschlecht an der Lösung der allgemeinen Aufgaben des Menschengeschlechtes selbstständig den ihm gebührenden Antheil nehmen läßt, nie aber wird es „der natürliche Beruf" des Weibes sein, in politischen oder soüalen Fragen handelnd einzugreifen, weil geschlechtliche Rücksichten ein veto sprechen. „Verwerflich sind daher alle diejenigen Emancipations-Bestrebungen, welche die Unterschiede außer Acht lassen, die die Natur zwischen die Geschlechter gestellt hat." Auch ein rein materieller Boden ist der Frau zugewiesen; er knüpft sich an die Familie, indem die Frau, als lebendiger Factor der Familienerziehung, zugleich befähigt sein soll, wo nicht zunächst direct für die Familie zu erwerben, so doch gewiß das Erworbene in geeigneter Weise nutzbar zu machen. Daß diese Aufgabe in der heutigen Zeit eine nicht geringe ist, sondern an zunehmenden Schwierigkeiten mannigfacher Art leidet, bedarf kaum der Begründung. Auch ist die Neigung, diesen Berufszweig auszufüllen, beim weiblichen Geschlechte sichtlich im Abnehmen begriffen. Zudem hat die mit den Zeitverhältnissen nicht Hand in Hand gegangene Ausbildung der Frau für ihren Beruf einen Zustand herbeigeführt, in dem das Bewußtsein der Verantwortlichkeit sich gleichzeitig mit der nöthigen Einsicht im Verschwinden befinden. Mit dem Schwinden des Bewußtseins der hohen Aufgabe dev Frau, durch ihre erziehliche Einwirkung die sittliche Entwickelung der Familie zu bestimmen, ist auch das Bewußtsein geschwunden, daß die Frau gleichfalls bestimmt ist, auf die Förderung des geselligen Lebens*) zu wirken. Der gefeierte deutsche Dichter singt: „Aber mit sanft überredender Bitte Führen die Frauen das Scepter der Sitte, *) Die Frauen, als natürliche Pflegerinnen edeler Sitte, verdienen in gesellschaftlicher Hinsicht viel mehr Rücksichten als die Männer. D. V. Löschen die Zwietracht, die tobend entglüht, Lehren die Kräfte, die feindlich sich hassen, Sich in der lieblichsten Form zu umfassen, Und vereinen, was ewig sich flieht." r Es ist daher im hohen Grade nothwendig, daß die Frau in der Gesellschaft ihre Aufgabe auf geistigem und sittlichem Gebiete verstehe, um den Schwankungen des weiblichen Geschlechtes innerhalb der Gesellschaft einen „Halt" und der Gesellschaft selbst eine gesunde Richtung zu geben. Zwar wird die Frau nur zu häufig in die Lage kommen, selbst materiell erwerben zu müssen, was die Beobachtung der niederen Schichten des Volkes täglich zur Genüge lehrt; allein welche bestimmenden Umstände die Frau auch in das Erwerbs- oder Geschäftsleben drängen, nie wird ihre eigenartige Bestimmung in etwas Anderem zu finden sein, als in dem, auf das ihre Naturanlage selbst hindeutet, das ist in erster Linie die Familie, in zweiter Linie das gesellige Leben. Leider ist die höhere Ausbildung des weiblichen Geschlechtes gegenwärtig in Bahnen gelenkt, welche zu ausschließlich auf die Anforderungen des geselligen Verkehrs und viel zu wenig auf den inneren geistigen Verkehr in der Ehe und auf den ersten Unterricht der Kinder durch die Mutter berechnet sind. Noch sind die Worte eines Fsnölon^) nicht erfüllt: „Das Weib muß in Dem unterrichtet werden, was seine Lebensaufgabe ausmacht. Es soll die Aufsicht über die Erziehung haben, der Söhne bis zu einem gewissen Alter, der Töchter, bis sie heirathen, die Aufsicht über den Wandel, die Sitten und Dienste der Hausgenossen, die Aufsicht über die Haushaltung, Ausgaben rc. Darin besteht sein Amt, darin soll es Wissenschaft haben." — Alle oberflächliche und schöngeistige Mitgift, wie sie in unsern höheren Töchterschulen und weiblichen Erziehungsinstituten gesammelt wird, ist im engeren häuslichen Kreise wenig oder nicht zu verwerthen. Eine höhere Töchterschule sollte daher bei ihrem Ziele die eigenartige Bestimmung des Weibes nie aus dem Auge verlieren. Sie sollte ihre Zöglinge stets so führen, daß die- °) „8nr 1'eäueatiov äe8 Mes.' 16 selben befähigt würden, den Kreis ihrer Aufgaben zu verstehen und ihrer höchsten Aufgabe vorzugsweise genügen zu können. Somit sind wir der Frage näher gerückt: Wie ist der Unterricht in der höheren Töchterschule zu gestalten?^) Die höhere Töchterschule schließt zunächst alles das ihr Eigen- ö thümliche ein, was für das Weib nothwendig ist, um die Aneignung ! des Materials zu ermöglichen, das für den Beruf einer Erzieherin ! unerläßlich ist. Damit ist sie in die Nothwendigkeit versetzt, die- ' jenigen Stoffe als Bildungsmittel zu benutzen, welche dazu dienen, ^ die Frau „auf die Höhe der Kultur" zu stellen. Die Forderungen! für den erziehlichen Beruf in der eigenen Familie fallen genau mit. dem allgemein weiblichen Erziehungsberufe zusammen. Sie ver- j langen einerseits einen gewissen Abschluß der Bildung, andererseits i eine vorbereitende Bildung. ^ Wer erziehen will, muß zunächst selbst erzogen sein; nur der j Selbsterzogene wird einen Menschen auf eine höhere Stufe der Er- i ziehung führen können. Ist die Frau selbst nicht erzogen, so, kann sie in ihrer Person das nicht darstellen; sie steht dann im *) „Aller Unterricht muß dem Zwecke gemäß für das Leben sein und darum - vom Leben ausgehen und stets auf dasselbe zurückweisen." Pestalozzi. ; Aller Unterricht muß erziehlich sein. „Wo die Erziehung einem körper- ? lich und geistig gesunden Kinde begegnet und in ihre fürsorglichen Arme nimmt, i da sucht sie die Harmonie des Gesammtbildes zu erhalten, fund jwo sie äugen- blicklich getrübt ist, wieder herzustellen. Sie erstrebt eine gleichmäßige, vollgewichtige Entfaltung aller Kräfte. Sie sucht die menschliche Körperlichkeit so zu behandeln, daß sie zu einem schönen und vollendeten Ausdruck gelangt, eben-^ so seine Geistigkeit, faßt stets den ganzen Menschen in's Auge nach allen Rich-.' tungen seiner Kraft, und behauptet, daß nur der harmonisch ausgebildete Mensch ? als der eigentliche Mensch zu betrachten sei." W. Lange. ^ **) „Nichts erzieht besser, als die Gegenwart eines trefflichen Menschen." r I. Wagner. j „Die Charactererziehung erfordert eigene Charactertüchtigkeit; denn mehr als Wort und Rede wirkt das Beispiel, und zu allem Erziehen gehört?, eine Ruhe und Besonnenheit, eine Ebenmäßigkeit des Gemüthslebens, welche die^ allerernsteste Arbeit an sich selbst voraussetzt. Der Erfolg unserer erziehlichenß Thätigkeit ist von unserer eigenen Erziehung so abhängig, daß wir eigentlich^' Jdealmenschen sein müßten, um unserer Aufgabe ganz zu genügen." W. Lange. Gegensatze zu dem, was sie von ihrem Zöglinge verlangt, und hebt somit ihre eigene Wirksamkeit auf, da im Vorleben, im Vorbilde, im Veranschaulichen die große Hauptsache der Erziehung selbst beruht. Die Erziehung bleibt unvollkommen, wo dieser Factor fehlt. Mit Bewußtsein wird die Frau nur das selbst sein und das Kind zu dem leiten können, was seine Bestimmung ist, wenn sie weiß, wozu der Mensch zu erziehen ist; daher muß sie von der Schule dahin geführt sein, die Aufgabe des menschlichen Lebens zu begreifen und zu überblicken. Sie hat nicht bloß nöthig, die Aufgabe der Frau allein begriffen zu haben, sondern hat ja auch den Knaben bis zu einem gewissen Alter zu erziehen; sie soll auch dem Jünglinge voran- leuchten, muß also einen Begriff davon besitzen, was die Aufgabe des Mannes ist. Sie muß die Pflichten kennen, für welche der Mann vorbereitet werden muß, wenn ihre erziehliche Einwirkung nicht zwecklos oder verderblich werden soll. Um diese Aufgabe in ihrer ganzen Wichtigkeit aufzufassen, muß die Frau Kenntniß haben von den gesellschaftlichen Zuständen, wie sie geschichtlich feststehen, S diese können jedoch nur in der nationalen Auffassung verstanden ^ werden. Es ist daher unerläßlich, daß die Frau eine Kenntniß von der Nationalkultur besitze. Diese Forderung setzt nicht nur ein practisches, selbständiges Urtheil, sondern auch ein scharfes Erkenntnißvermögen, sowie ein begründetes Wollen voraus. Noch aber reicht die Erfüllung dieser Bedingungen nicht hin, die Frau im vollsten Maße für ihren höchsten erziehlichen Beruf auszurüsten. > Die verschiedenen Entwickelungsstadien, welche der Mensch von sei- * nem ersten Schrei an bis zu der Zeit, wo er einer absichtlichen er- ^ ziehlichen Thätigkeit entrückt wird ^ durchläuft, sind so mannigfaltig, und die Anlagen und Neigungen so verschiedenartig, ja selbst auf den verschiedenen Stufen der körperlichen Entwickelung oft so eigenartig, daß ein besonderes Wissen von dem Wesen des Menschen und " seiner Entwickelung dazu gehört, um nicht einer oft völligen Rath- * losigkeit, selbst bei einer sonst ausgezeichneten allgemeinen Bildung, ^ anheimzufallen.^) Da der Geist und Körper im engsten Wechsel- *) „Je begabter ein Mensch ist, desto markirter tritt die Eigenart seines ? Wesens hervor; je geringer seine Begabung ist, desto schwerer läßt sich das H Charakteristisches eines Wesens erkennen." 18 Verhältnisse stehen, und die Wissenschaft bereits zu Resultaten gelangt ist, deren Kenntnisse vor argen Mißgriffen schützen können, so darf nothwendigerweise die Kenntniß beider dem Erzieher nicht verschlossen bleiben. Man würde dann nicht jene unsinnige Sucht der Eltern, aus ihren Kindern im zarten Lebensalter Wunderkinder zu schaffen, erleben; man würde ferner nicht wahrnehmen, daß die Mütter die Kinder der Sorge Anderer, oft Unwissender überlassen, wenn sie selbst Klarheit besäßen über die nothwendige Sorgfalt, welche die Pflege des Körpers und Geistes des Kindes erfordern. Die höhere Töchterschule^) hat daher die Aufgabe, die nöthige Einsicht in das Wesen des menschlichen Körpers und der Seele zu verschaffen. Nur durch diese Einsicht wird es der Frau leicht werden, sich später in ihrer Bildung auf diesem Gebiete weiter zu fördern. Es kann nicht Aufgabe der Schule sein, sich in der ganzen Breite dieser Objecte auszudehnen; es hieße dies, sie zur Fachschule stempeln; sie hat aus die Gegenstände vorzubereiten und damit hinzuweisen auf diese Seite des weiblichen Berufes. Zum Abschlüsse ist die Vorbildung für den weiblichen Beruf der Erziehung in der Weise zu bringen, daß den Schülerinnen die Grundsätze der Erziehung selbst zum Verständniß gebracht werden. Erst hierdurch wird die Frau befähigt, ihren Beruf mit Sicherheit auszufüllen. Sie gewinnt dadurch einen Maßstab für ihre eigene Erziehung, untersucht nach festen Gesichtspunkten und handelt nach erworbenen Resultaten. Eine zweite Aufgabe hat die höhere Töchterschule zu lösen, indem sie ihre Zöglinge für den speciell häuslichen Wirkungskreis vorbereitet. Zwar fordert Niemand von ihr, daß sie ihre Zöglinge im Kochen, Braten, Backen rc. unterrichte, jedoch hat sie zu verhin- /f dern, daß das Bewußtsein von diesem Wirkungskreise, als einem der j i Bestimmung der Frau gemäßen, verloren gehe. Das geschieht ^ ! dadurch, daß sie den Zöglingen den Nachweis der Wichtigkeit desselben liefert, indem sie ihnen durch den Unterricht veranschaulicht, wie das Weib^ durch diesen Wirkungskreis dM Hebel Zum Wohle oder *) In der Schule ist das Lernen zwar Hauptsache, doch muß es selbstverständlich der im Vordergründe stehenden Erziehungsaufgabe stets dienstbar sein. D. V. 19 Wehe, zum Vorwärts oder Rückwärts der Familie in der Hand hat, wie dieser Wirkungskreis zu einem Erziehungsmittel wird, wenn sie das.MMtbewMML^ür den selben weckt, wenn sie^die Neigung' zur vractisch m B ethäLigmia steiger^"^as"^nn^doch nrir^adurH'^g'k^- s^ehen, daß die gesammle Mlßung ; pm kla ren Bewuß tsein und zu tv.r,E1n iickit fü brt. daß das Klei nste so wichti g rss"als"das Größte, und daß hierfür dw'Hausfrau besonders verantwortlich ist. Selbstverständlich muß eine geistige Befähigung den Hausfrauen innewoh- nen, wenn sie diese Seite des Berufes mit Einsicht üben sollen. Für den materiell-häuslichen Beruf der Frau treten indeß vielfach wichtige Factoren auf, die das häusliche Leben und Schaffen fordert. Ohne einen practischen Sinn würde die häusliche Aufgabe im Einzelnen wie im Ganzen fruchtlos bleiben. Ein solcher fordert die Fähigkeit, ein gegebenes Verhältniß in seiner Allseitigkeit zu erkennen, fordert aber auch die Befähigung, sich der richtigen Mittel bewußt zu werden und diese in geeigneter Weise anzuwenden. Es ist daher von Bedeutung, daß die^Schule die Auf gabe, den practischen Sinn_ ^u^bilden, in ihrem gan;en"HmfangOeI'messe unHfO"'Auf allen ihren Gerieten hat sie diesen Sinn auszubauen und zu fördern. Der häusliche Beruf erfordert ferner Geschicklichkeit. Sie ist die Fertigkeit, sich in die Einzelausgabe sofort zu finden und den richtigsten und kürzesten Weg einzuschlagen. Die Geschicklichkeit ist um so wichtiger für das häusliche Leben, als dasselbe sich aus einer Menge von Kleinigkeiten zusammenfügt, die bei dem Mangel der erwähnten Eigenschaft die edelste Zeit verloren gehen lassen. Wie nun Geschicklichkeit und praktischer Sinn für den einzelnen Fall von Wichtigkeit sind, so ist es auch die Gewandtheit in der Stellung zum Ganzen. Es treten in der Familie der Aufgaben und Lagen so viele und mannigfache an die Frau heran, welche das Leben außerhalb der Familie nicht kennt. Diese fordern den Sinn, sich schnell in jede Lage zu finden und zu schicken, und die Fähigkeit, welche dazu verhilft, ist Gewandtheit. Alle drei Eigenschaften hängen eng mit einander zusammen und dürfen der Frau für ihre häusliche Bestimmung nicht fehlen. Die höhere Töchterschule hat diese unterricht- lich anzubahnen. 2 « 20 Eine ähnliche Forderung stellt die materiell-häusliche Bestimmung der Frau an diese hinsichtlich der Ordnung und Sauberkeit. Der höhere oder geringe Grad der Ordnung und Sauberkeit ist gleichsam der Maßstab für das gesammte Hauswesen, auch für den Geist, der in der Familie und in der Frau selbst waltet. Die Sorge für Herstellung beider ist eine fernere Aufgabe der höheren Töchterschule. Sie hat ihren Zöglingen nicht nur Ordnung und Sauberkeit anzueignen, sondern muß diese nothwendigen Eigenschaften der künftigen Frau so zum Bewußsein bringen, daß sie sich ohne den Besitz derselben nicht denken kann. Kaum lassen sich diese Eigenschaften denken, ohne in Verbindung mit dem Sinne für Ebenmaß und Sparsamkeit. Am meisten jedoch kommt es darauf an, daß die Sorgfalt und Beharrlichkeit gepflegt werden, wenn nicht die vorerwähnten Eigenschaften nur einen theilweisen Nutzen herbeiführen sollen. Die Sorgfalt wendet sich der größten, wie der kleinsten Aufgabe mit derselben peinlichen Gewissenhaftigkeit zu. Sie ist der Gegensatz der Leichtfertigkeit. Die Beharrlichkeit läßt sich durch kein Hinderniß von der Aufgabe zurückweisen, bevor dieselbe ihrem Ziele entgegengereift ist. Das characteristische Grundwesen der Hausfrau gipfelt jedoch in der Aufopferungsfähigkeit, welche in Noth und Schmerz dem größten wie dem kleinsten, dem vorübergehenden, wie dem andauernden Bedrängniß die eigene Abhülfe zuwendet und sie nicht Anderen überläßt. Der erziehliche Unterricht der höheren Töchterschule hat darauf // hinzuwirken, daß die angeborene Aufopferungsfähigkeit der Frau ge- ^ nügend Berücksichtigung finde. r. Wenn die bisher erwähnten Aufgaben der höheren Töchterschule i vorzugsweise die ethische Seite in's Auge fassen und volle intellectuelle Bildung fordern, so darf doch auch die Bildung des Geschmackes, als eine ästhetische Forderung nicht unberücksichtigt bleiben, da er das Schöne als Object behandelt, und zwar nicht als Regel, sondern als Idee.*) Die Regeln des Geschmackes sind nun keineswegs ab- *) Es ist ein folgenschwerer Irrthum, daß ästhetische Bildung nur für den Aristokraten sei. Die Mittel zur ästhetischen Erziehung hat vor Allem Fröbel an die Hand gegeben. Schon durch die Benutzung des Spieltriebes wird das Kind ästhetisch herangebildet. D. V. 21 stracte Begriffe, sondern „Anschauung in sich vollendeter Formen". Zum Behufe der Bildung des Geschmackes soll die höhere Töchterschule in ihren Zöglingen eine Reihe schöner und edeler Vorstellungen erwecken, „damit die Empfindung, auf diese Weise geübt, ein treibendes Moment werde für alle häuslichen Gestaltungen". Treffend sagt Holscher* **) ): „Ein Leben ohne Ideale ist an sich schon ein halbes, geistloses; sind diese aber als verdorben vorhanden, so werden sie tödtlich. Mit der Geschmacksbildung wachsen und mehren sich die reinen Ideale, und sie verdrängen nothwendig, insofern sie ohne das Wahre nicht sein können, die Lüge, den Schein, den Prunk, den Flitter und Tand als ihre Kinder und flößen Ekel ein gegen das Gemeine und Niedrige, wie überhaupt Unedele."^) Bei der Möglichkeit des Eintrittes in den erwerblichen Beruf muß die höhere Töchterschule das Vermögen, die gegebenen Zustände und Objecte in ihrem Verhältnisse zu Thatsachen des Augenblicks zu erkennen und in 'Beziehung zu setzen, kräftigen, da der Frau die Kraft des Ueberblickes und des Einblickes nicht erlassen werden dürfen. Es ist daher die Frau durch das Bewußtsein, im Hause miterwerben zu dürfen, zu der Freude am Schaffen berechtigt. Diese Freude hat die Schule zu begründen, da sie allein die rechte, befriedigende ist und allein die richtige Würdigung der Arbeit anderer zur Folge hat. Es muß hier das praktische Bewußtsein erzielt werden, daß weder Rang noch Stand den Menschen macht, sondern daß ein Herz haben für den Untergebenen, Dienenden erste und letzte Forderung der Humanität ist. Keinem ist mehr Gelegenheit geboten, als der Frau, die Humanität dem Volksleben einzuimpfen. Um aber rechte Bildung in das Volksleben hineinzutragen, ist solche Bildung vorauszusetzen, die aus der nationalen Kultur stammt, die ohne An- *) Ueber Stellung und Aufgabe der höheren Töchterschule." Chemnitz 1871, bei Focke, xaZA. 14 u. 15. **) Sobald der gewissenhafte Erzieher die hohe Wichtigkeit des Schönen und der. Erziehung zum Schönen, wie sie Schiller in seinen „Briefen über die ästhetische Erziehung des Menschengeschlechtes" fordert, erkannt hat, wird er auch Mittel und Wege finden, sich selbst, und dann auch die ihm anvertraute Jugend nach Möglichkeit ästhetisch zu bilden. D. V. 22 Muß an das Nationale nicht existirt, die an ihr genährt ist und in ihr ihre Lebensquelle hat.^) An keiner Stelle im Leben wird durch verkehrte, falsche Bildung der Frau so großes Unheil angerichtet, als an dieser. Alles Kastenmäßige, jede Trennung, die von der Mißachtung ausgeht, ist unendlich durch die Frau gesteigert. Eitelkeit, Glanzsucht nähren hinlänglich den Zug der ständischen Zurücksetzung. Auch diese negative Aufgabe darf die höhere Töchterschule nicht vergessen.^) Sie hat positiv dahin zu streben, daß das Weib eine gemeinsame Gesinnung für die verschiedenen Kreise der menschlichen Gesellschaft wieder gewinne. Die Schule gibt hier eine solche Bildung, vermöge deren die spätere Frau selbständig im Stande ist, sich eine klare Erkenntniß von dem zu verschaffen, was von den allgemeinen Interessen handelt.^*) Es ist daher nicht nothwendig, daß die Frau im Stande sei, wissenschaftliche Werke zu studiren, wohl aber muß sie die dem wissenschaftlichen Gewände entkleideten Ergebnisse verstehen. Sie kann beispielsweise ihrer Aufgabe gar nicht wahrhaft nachkommen, wenn sie nicht wenigstens die Elemente der Naturwissenschaft sich klar gemacht hat. — Indem man, wie bisher, alles eigentlich Ernste und Schwierige aus dem Unterrichte der höheren Töchterschule methodisch fernhält, begünstigt man, was ohnehin in der weiblichen Schwäche begründet ist, die geistige Oberflächlichkeit^), 2°) Man kann wohl kaum ein Geschöpf mehr beglücken, als dadurch, daß man ihm die Mittel zu einer freien, ungehemmten Entwickelung gewährt. **) Wahre Bildung wird weder durch Talent, noch durch Kenntnisse, noch durch Thätigkeit ersetzt; sie wird nur durch unausgesetzte Wachsamkeit auf alle unsere Gedanken, Worte und Handlungen errungen und eine wirkliche innere Tüchtigkeit folgt nicht unbedacht dem faulen Strome eines hergebrachten Unge- schmacks, sondern weiß sich durch eigene Vorzüge zur Geltung zu bringen. »»*) Das höhere und letzte Moment der Erziehung und Bildung ist die sittliche Hebung und Kräftigung des heranwachsenden Geschlechtes. s) Es ist daher mit Ernst daran zu denken, mit Rücksicht auf das weibliche Gefühlsleben, ein heilsames Gegengewicht durch eine entsprechende Verstandesbildung zu schaffen. 23 die vorzugsweise Schätzung des äußeren Schimmers und glänzender Mode, die Eitelkeit^) und Gefallsucht, das hohle Getändel mit schöngeistigen Phrasen, die Neigung, sich durch Lectüre gehaltloser Romane einem verderblichen Phantasiespiel hinzugeben, das Gefallen an schaler Unterhaltung und glänzender Gesellschaft rc., während der einmal empfundene Hochgenuß wahrer und gründlicher Erkenntniß dieselbe wie ein besserer Schutzengel durch's Leben begleiten und ihr tausendfach edlere und reinere geistige Genüsse und würdigeren Stoff auch zur geselligen Unterhaltung erschließen würde. Wenden wir uns nun den Lehrfächern der höheren Töchterschule selbst zu. Vor allen Dingen fordert das Gemüthsleben des Weibes dauernd in der religiösen Lebensanschauung erhalten zu werden, und die Ausbildung seines Geistes eine derartige gründliche allgemeine Bildung, die von aller Vielwisserei, von aller systematischen Wissenschaft im strengsten Sinne fern bleibe. Wir bezeichnen den KekigionsunLerrichL als dasjenige Lehrobject, das die eigentliche Grundlage des die Schule erfüllenden Geistes und Lebens ist. Daß er den Zweck erreiche, wird davon abhängig bleiben, ob es der Lehrer überhaupt versteht, oder in welcher Weise er in allen Lehrobjecten und sittlichen Beziehungen des Schullebens den religiösen Gesichtspunkt festzuhalten im Stande ist, ohne der Wahrheit Abbruch zu thun, ohne seiner Unterrichtsweise eine tendenziöse Richtung auf Frömmelei zu verleihen. Der Religionsunterricht muß als die beste geistige Nahrung für das Gemüthsleben des Weibes angesehen werden und als der Centralpunkt des weiblichen Unterrichts die Eigenthümlichkeit desselben offenbaren. Wenn daher auf eine gedächtnißmäßige Einprägung des religiösen Lehrstoffes hoher Werth gelegt wird, so straft sich dieser Mißgriff ganz besonders in der beregten Schule. Es muß vielmehr der von gewisser Seite ausgehenden Forderung, die Mädchen *) Der Eitele hat immer eine Sehnsucht gesehen, verstanden, bewundert, geliebt zu werden. Er rst also der eigentlich Einsame. 24 von vorn herein nicht mit vielen: Auswendiglernen zu behelligen, sondern dieselben mehr mit unbefangenem Gemüth die heilige Geschichte aufnehmen zu lassen, beigestimmt werden. Wenn es vorzugsweise bei diesem Lehrobject darauf ankommt, daß den Mädchen die wahre Frömmigkeit frühzeitig Herzenssache werde, so sollte auch Alles, was sich auf die Religion bezieht, den Mädchen vor allen Dingen zu reiner Herzenssache gemacht und denselben die Angst, das Gehörte wieder zu geben, erspart werden. Macht sich doch heutzutage die Thatsache, ,daß auf das Wiedererzählen der biblischen Geschichten bei den kleinsten Kindern in der Regel zu große Sorgfalt gelegt wird, in der Weise geltend, daß der Schwerpunkt des Religionsunterrichtes auf Kosten des Gemüthes verschoben und die Gedächtnißübung, sowie die Sprachfertigkeit in einer Weise behandelt werden, welche die zartesten Empfindungen für das Göttliche im kindlichen Gemüthe vernichten, anstatt dieselben zu beleben und einer harmonischen Entwickelung der übrigen Geisteskräfte nützlich zu machen. Der edelste Stoff, den die Schule überhaupt bietet, sollte in der liebevollsten und freiesten Art gegeben und aufgenommen werden. Es sollten die Religionsstunden Stunden der seligsten Freude sein; in ihnen sollte die Stimmung des tiefsten Friedens, den die Seele in der Gemeinschaft mit ihrem Gotte athmet, herrschen; in ihnen sollten die Schülerinnen zu einem lebendigen Gefühle der Gottesnähe geführt werden, um wahre Frömmigkeit in dem Herzen zu befestigen, nicht zur Fertigkeit, mit vielen Worten gelernte Dinge zu recitiren. Für das Entfalten eines wirklichen Glaubenslebens ist es nöthig, daß der Mensch die Erfahrung an sich selbst mache, die in dem Verkehr mit Gott sich kund gibt. Gerade in dem ersten Religionsunterrichte der Mädchen wünschten wir diese Erfahrung herbeizuführen. Der Stoff dieses Lehrobjectes kann, nachdem an die Pietät gegen die Eltern angeknüpft worden, im Wesentlichen die heilige Geschichte sein. Insofern sie dem Kinde vorgetragen wird, ohne die Forderung einer selbständigen Reproduction, insofern das Erzählte als Anknüpfungspunkt für gemüthvolle Gespräche dient, welche in dem Anschauungskreise des kindlichen Standpunktes liegen, wird dem Lehrer Gelegenheit gegeben, die Geschichte der Vergangenheit zu einem lebendigen Gegenwärtigen zu gestalten, was leider bei der gewöhn- 25 lichen Behandlung nicht hervorzutreten pflegt. Wenn so der erste Religionsunterricht mehr den erbaulichen als den unterrichtlichen Character annehmen sollte, so bleibt dabei nicht ausgeschlossen, daß die Kinder zu freiwilliger Wiederholung und dadurch zur Aneignung von manchen kleinen Gebeten, Sprüchen und Liederversen angeregt werden. Wenn , behauptet wurde, daß die weibliche Natur nicht in der Lage ist, über den Lehrgehalt der Dogmen viel zu reflectiren, daß ihr die Religion mehr Sache des Gefühls, als des Gedankens ist, so liegt darin gewiß viel Wahrheit, jedoch haben alle Bestimmungen über den Unterschied der Geschlechter eine relative Bedeutung, die ebenfalls der Berücksichtigung bedarf. Es wäre verkehrt, wenn dem Mädchen die Lehre des Christenthums wichtiger wäre, als seine Herzensstellung zu Gott. Wichtig bleibt immerhin die Lehre als solche für das Mädchen, wichtiger, als oft gemeint wird. Die religiöse Bildung muß um so mehr vertieft werden, als dem Weibe eine gründliche wissenschaftliche Bildung versagt ist. Soll das Weib eine religiöse Lebensanschauung haben, so muß ihm diese zur fundamentalen Kenntniß werden, auf welcher alle übrige Erkenntniß ruht. Es muß in die Ueberfülle des Reichthums, in die unergründliche Tiefe des Gedankens, welche das Christenthum dem denkenden Geiste ausschließt, einen Blick gethan haben, wenn es nicht schließlich dem Phrasenthum und dem Materialismus verfallen soll. Es ist nöthig, daß wir, wenn wir den Mädchen zeigen, daß das Christenthum in seiner ganzen geistigen Tiefe von denen nicht begriffen wird, die es angreifen, dieselben nicht an ein anmaßendes und absprechendes Räsonniren über religiöse Dinge gewöhnen. Diesen Character muß der religiöse Unterricht namentlich auf den höheren Stufen der höheren Töchterschule tragen, da nur dieser Standpunkt der Bildung entspricht, die fromme Richtung des Gemüthes sichert und für die eigenartige Bestimmung des ! Weibes befähigt. Die Darstellung des religiösen Unterrichtsstoffes sei eine einfache. Auf der Elementarstufe wird die biblische Geschichte, nach der I heiligen Schrift erzählt, den Hauptstoff bilden. Bei Auswahl der ! Geschichten für jede der einzelnen Klassen ist Rücksicht darauf zu 26 nehmen, daß die betreffende Auswahl die ganze Geschichte des Reiches Gottes umfasse, welche von Klasse zu Klasse erweitert wird. Die Psalmen, Sprüche, sowie kirchliche Kernlieder, welche gelernt werden, müssen ebenso, wie die fünf Hauptstücke des Katechismus durch regelmäßige Wiederholung zum festen Besitz gebracht werden. Wenn auf der untersten Stufe eine geringere Zahl biblischer Geschichten des alten und neuen Testamentes absolvirt wird und anlehnend eine einfache Wort- und Sacherklärung des ersten Hauptstückes stattfindet, auf der Mittelstufe dagegen eine concentrische Erweiterung der biblischen Geschichte eintritt, an die sich das zweite Hauptstück anschließt, so bleibt der oberen Stufe übrig, einen Gesammtüberblick über die Geschichte des Reiches Gottes zu geben, der die Kinder gewöhnt, die großen Thaten Gottes auf einander zu beziehen und der hinlänglich Gelegenheit gibt, die wichtigsten Heilswahrheiten der heiligen Schrift an der Hand der Geschichte als Ergebnisse zu betrachten und ausführliche Stücke aus der Bibel selbst zu lesen. Auf der höchsten Stufe ist eine zusammenhängende Darstellung der christlichen Sittenlehre im Anschlüsse an das erste Hauptstück, der Glaubenslehre im Anschlüsse an die übrigen Hauptstücke des Katechismus, sowie das Wesentlichste aus der Kirchengerichte die Hauptaufgabe, die am besten dann gelöst wird, wenn gewisse Haupttheile der heiligen Schrift z. E. das Evangelium Johannes, der Römerbrief rc. im Zusammenhange durchgenommen und an der Hand einer prac- tischen und erbaulichen Auslegung die Schülerinnen zu einem selbständigen Gebrauche der heiligen Schrift angeleitet werden. Nächst dem Religionsunterrichte gebührt dem Unterricht in der Muttersprache die höchste Stelle. Fast keine höhere Schule ist so wie die höhere Töchterschule in der glücklichen Lage, die Muttersprache zum geistigen Fundamente ihres gesammten Unterrichts zu gestalten, denn dieselbe ist weder durch fremde Sprachen, noch durch die Ueberfülle der realen Objecte so beschränkt, wie die höhere Knabenschule; auch hat sie für die gründliche Behandlung des elementaren Unterrichts ungleich mehr Zeit, als die Volksschule. 27 Wie aller Unterricht, so muß auch der in Rede stehende seinen bildenden Einfluß auf das weibliche Gemüths) in der Weise geltend machen, daß er an die Sicherheit, Klarheit und Innigkeit geknüpft wird, mit welcher die Frau den Geist und die Schätze der Muttersprache zu erfassen vermag. Der elementare Unterricht hat daher dahin zu führen, daß die Zöglinge, die in der Schriftsprache niedergelegten Gedanken Anderer richtig aufzufassen vermögen und daß sie im Stande sind, die eignen geordnet, vollständig und correct mündlich und schriftlich auszudrücken. — Der Unterricht hat überhaupt das ganze Gebiet des gegenwärtigen Baues der deutschen Sprache in die Gewalt der Zöglinge zu bringen, indem er die einzelnen Stufen der Entwickelung des menschlichen Geistes berücksichtigt. Darnach hat dieser Unterricht sowohl das Gebiet der Sprachform zu seinem Objecte, indem er sie veranschaulicht und durch Einführen in das Sprachgefühl ihren rechten Gebrauch ermöglicht, als auch die weitere Aufgabe, die Sprachformen als aus der Art zu denken nothwendig hervorgegangen, darzustellen. Wenn dieses das endgültige Ziel des Sprachunterrichts überhaupt ist, so ist die Betrachtung der Sprachformen zum Zwecke der gefühlsmäßigen Aneignung derselben das nächste Ziel dieses Unterrichts. Demnach zerfällt der Unterricht in zwei Stufen, in die Bildung des Sprachgefühls und in die Bildung des Sprachbewußtseins. Während die erste dahin führt, daß sich der Zögling gewissermaßen von ihr beherrscht wisse, soll die zweite dahin führen, daß der Zögling die Sprache beherrsche. Jede umschließt ungefähr den Zeitraum von vier Schuljahren. Daß in diestr Zeit der Unterricht in der Muttersprache in der Allgemeinheit und Weite des Begriffs zur Anwendung kommt, in welcher derselbe von den niedrigsten Elementarstufen an bis zu den höchsten das Denken und Sprechen, *) Es läßt sich freilich in allen Lehrobjecten etwas für die Gemüthsbildung thun; die Hauptsache aber bleibt das Gemüth des Lehrers selbst. Eine Eigenschaft vor allen ist ihm nöthig: die Selbstverleugnung. Der Lehrer muß dem Täufer Johannes gleichen, der da spricht: „Er muß wachsen, ich aber muß abnehmen". Wo in diesem Geiste gelehrt wird, da werden wir an Verständniß nicht zweifeln dürfen und können alle übrigen Bedenken fallen lassen. 28 das Lesen und Schreiben, die Uebung des Gedächtnisses umfaßt, ^ bedarf kaum der Bestätigung. Der erste Unterricht gründet sich » vorzugsweise auf Anschauung. Die einfachsten Sprachformen werden durch Betrachtung und Uebung in das Sprachgefühl hinüber- ß geführt. Er beschäftigt sich mit dem einfachen Satze. Auf Grund des Sprachgefühls müssen die Schülerinnen selbst frei über die Formen mündlich und schriftlich verfügen und sie-anwenden können; und zwar sowohl in Rücksicht der Sprachrichtigkeit nach Lautreinheit, Betonung rc., als auch in Hinsicht auf die Verwandlung der gegebenen Sprachformen nach Zahl, Zeit, Person und Ortsverhältniß. Wenn auf der nächsten Stufe die Aufgabe ruht, eine Uebersicht über die bisher gewonnenen Sprachformen zu schaffen, durch Benennung der Satztheile, der Fälle rc., so muß die Rechtschreibung durch Entwickelung der hauptsächlichsten Gesetze derselben mit der Uebung im einfachen und erweiterten Satz Hand in Hand gehen. — Ist so das Wichtigste der Wortform-, Wortbildungs-, Satz- und Rechtschreibungslehre absolvirt, so bleibt für die Oberstufen nur übrig, die bereits erlangte Einsicht in das Wesen der Sprache zu erhalten, zu befestigen und zu vertiefen, was durch Anknüpfung an jeden anderweitig behandelten Stoff geschehen kann. Die Beobachtung, daß, jemehr die weibliche Art zu denken sich entwickelt, desto mehr die Neigung der jungen Mädchen sich der grammatischen Betrachtung der Sprache abwendet, hat zum Theil seine Begründung darin, daß der grammatische Lehrstoff, so weit er in die höhere Töchterschule gehört, ein ziemlich beschränkter ist. Diesem Uebelstande wird abgeholfen durch die vergleichende Betrachtung der Sprache, zu welcher das Französische und Englische gegenüber dem Deutschen auf der Oberstufe der höheren Töchterschule die mannigfaltigste Veranlassung gibt, und welche für das klare Verständniß dieser Sprachen sehr ergiebig gestaltet werden kann. Wenn wir die Forderung stellen, daß auf der letzten Stufe dieser Schule die eigentliche Grammatik nicht mehr gelehrt werde, sondern bereits in den vorhergehenden Klassen absolvirt sei, so soll) der deutsche Unterricht', um den Geist und das Gemüth der jungen Mädchen mit einem tüchtigen Inhalte auszustatten, sich auf dieser! Stufe mit der Einführung in die deutsche Literatur beschäftigen. An die geistigen Schätze der nationalen Bildung ist auch die Bildung des Weibes gewiesen und in diesen geistigen Schätzen kommt die Fülle, Schönheit sowie Eigenthümlichkeit der Muttersprache erst zur lebendigen Anschauung. — Eine Einführung in das Verständniß der Meisterwerke der deutschen Literatur wird daher in den Stand setzen, die Schönheit zu empfinden und die Klarheit nachzuahmen, welche aus jenen Werken hervorleuchtet.^) Daraus folgt, daß auf der oberen Stufe der höheren Töchterschule alle Seiten des Sprachunterrichts, das Lesen und Schreiben, das Denken und Sprechen, die Uebung des Gedächtnisses und die Bildung des Geschmackes auf den Unterricht in der Literatur bezogen werden und durch ihn ihren vollen Werth und Inhalt empfangen müssen. Der Centralpunkt des deutschen Unterrichts ist daher ein ästhetischer. Insofern aber diese ästhetische Richtung bei Mädchen leicht in eine verderbliche Gesühlständelei ausartet, muß das Gefühl unter der heilsamen Zucht des Denkens gehalten werden. Dem weiblichen Gemüthe sagt die Lyrik vorzugsweise zu. Es scheint daher geboten, demselben schon frühzeitig die zarten Blüthen derselben wahr und lebendig vorzuführen, und zwar nicht bloß durch Lectüre und Memoriren, sondern durch eingehende Erörterung und Besprechung von Stufe zu Stufe. In kurzen scharfen Zügen wird ein Umriß der Poetik, sowie das Wesentlichste aus der Metrik zum Besitze der Mädchen zu bringen sein; ebenso ist denselben ein Einblick in die geistige Arbeit unserer großen Dichter zu gewähren, und es sind ihnen die mustergültigen Darstellungen derselben über das Wesen der Kunst und Poesie zur Kenntniß zu bringen. Zum völligen Verständniß der Literatur ist es ferner nöthig, die Umwandlung der ästhetischen Principien, welche von Klopstock *) Vielleicht wird auch hierdurch die Richtung auf eine gute Lectüre sich anbahnen lassen. D. V. In den Büchersammlungen unserer Frauen finden sich Prachtwerke, Gedichte und Romane; aber äußerst selten erblickt man eine tüchtige Erziehungsschrift; „und doch," sagt W. Lange, liegt auf ihren Schultern mehr als anderswo das Heil der zukünftigen Generation und der gesammten Menschheit, und doch ist die Erziehung eine so überaus schwere Sache!" 30 bis auf Schiller stattgefunden, und die in den geistvollsten Schriften dargestellt ist, den Zöglingen zur Anschauung zu bringen. Als fruchtbringenden Stoff nach jeder Richtung empfiehlt Professor Flashar Herder's „von deutscher Art und Kunst", Lessing's „Laokoon", Schillers Aussatz über „naive und sentimentale Dichtung" rc. Er sagt: „Solche inhaltvolle Denkübungen, angeknüpft an irgend eine unserer klassischen kritischen Schriften, müssen die innere Grundlage der ganzen Beschäftigung mit der Literatur in der Mädchenschule bilden. Erst von hier aus ist ein tiefer Gewinn dieses Unterrichtsgegenstandes zu erwarten. Daß Einzelnes dabei Übergängen werden kann und muß, daß die Mädchen über Schwierigkeiten, welche aus dem Mangel gelehrter Kenntnisse hervorgehen, schnell und leicht hinweggehoben werden müssen, versteht sich von selbst. Geschieht dies, und haben sie den inneren Zusammenhang auch nur einer einzigen solchen Schrift recht erkannt, so darf gehofft werden, daß sie der Trivialität in der Beurtheilung ästhetischer Dinge abgewendet und mit dem feineren Sinne jenem Interesse für das Kunstschöne zugewendet sind, welches in der weiblichen Seele tiefe Wurzeln hat.^) Auch die Meisterwerke der Poesie selbst, welche den Mädchen vorgeführt werden, dürfen nicht bloß dem Genusse dargeboten werden, sondern müssen mit Vermeidung aller eingreifenden Kritik nach allen Seiten hin durchgearbeitet, erklärt und zum Verständniß gebracht werden. Da es in der Mädchenschule darauf ankommt, das Einfachere dem Schwierigeren vorzuziehen und die sittliche Zartheit des Gefühls nicht zu verletzen, so hat man eine Auswahl der zu behandelnden Stücke zu treffen." Bei einer derartigen Auswahl sind selbstredend diejenigen Werke, welche durch den Reichthum'der Ideen die beste Gelegenheit bieten, über sittliche und ästhetische Fragen eingehende Erörterungen zu *) Encyclopädie des gesammten Erziehungs- und Unterrichtswesens von K. A. Schmid. 934. **) „Das Herz nur schafft in süßer Sympathie Aus jedem Gegenstand sich Hochgenuß, Hört in dem Sturm der Liebe Morgengruß, Und sammelt Freunde aus des Lebens Müh'!" Seume. 31 Pflegen und welche dem nationalen Leben nahe liegen, vorzugsweise zu berücksichtigen. In erster Linie sind es „Schiller's Gedichte", welche auf ungesuchteste Weise die Anknüpfung an die religiöse Lebensauffassung zulassen; ebenso Lessing's „Minna von Barnhelm", sowie Rückert's und Uhland's Gedichte, welche dem Zwecke entsprechen. Daß derartige Erläuterungen die beste Grundlage für den deutschen Aufsatz bieten, liegt aus der Hand. Die nächste Bedingung für eine Gewandtheit im schriftlichen Gedankenausdrucke ist die Gewandtheit im mündlichen Ausdrucke. Der Weg zu beiden aber ist einzig und allein fleißige Uebung, in der die Förderung der Selbständigkeit der Schülerinnen Hauptsache bleibt. Wir unterscheiden bekanntlich drei Hauptstufen in der Behandlung des Aussatzes, welche nach einander auftreten. Die wichtigste ist die bis jetzt am meisten vernachlässigte erste Stufe. Es ist diejenige, auf der die vorgelegten Muster nicht nur dem Stoffe, sondern auch der Form nach von den Schülerinnen treu wiederholt werden. Auf der zweiten Stufe wird der Stoff wiederholt, die Form aber von dem Schüler selbst gefunden. Die letzte Stufe verlangt endlich Stoff und Form des Aufsatzes möglichst selbständig von den Schülerinnen. Die große Noth, welche der Aufsatz Schülerinnen und Lehrern bereitet, liegt in verschiedenen Ursachen. Nur zu häufig trägt die unrichtige Wahl der Themata selbst die Schuld; oft aber wird ein zu hoher Grad produktiver Kraft bei den Schülerinnen vorausgesetzt, welcher nicht vorhanden ist. — Was den Stoff betrifft, so muß derselbe in einer Fülle und Klarheit gegeben werden, die denselben mit Leichtigkeit überblicken läßt, so daß auf der Mittelstufe der ganze Fleiß der Form der Darstellung zuzuwenden ist. Geschieht dies nicht, so liegt die Gefahr nahe, daß die Mädchen ihre Zuflucht zur Phrase nehmen und in dieser zur Unwahrheit gedrängt werden. Außerdem gibt es für die obere Stufe eine Menge von Dingen, welche dem Unterrichte der Mädchen weniger nahe liegen, und die doch zur allgemeinen Bildung wesentlich beitragen, z. E. gewisse Zweige der Naturwissenschaft, der Geologie, sowie Belehrungen über Handel, Gewerbe, Ackerbau rc. Aus diesen und ähnlichen Gebieten bestimmte 32 Punkte zum Gegenstände des Aufsatzes zu machen, würde sich schon aus dem Grunde empfehlen, weil auf diese Weise den Mädchen Dinge zum Verständniß gebracht werden, welche sonst, wegen der Beschränktheit in der Zeit, ihrer Bildung abgehen würden. Werden solche Gegenstände in gründlicher Vorbesprechung in ein rechtes Licht gestellt, so werden die Mädchen nicht allein den Aufsatz mit lebendigem Interesse an der Sache anfertigen, sondern auch Gelegenheit finden, ihre eigenen Erfahrungen und Gedanken an den Gegenstand anzuknüpfen; denn „das Konkrete übt jederzeit einen weckenden Einfluß auf die schlummernden Geisteskräfte". Stets sollte der Aufsatz die Frucht einer inhaltsvollen Denkübung sein, und ist diese vorhanden, so wird jener gewiß nicht mißlingen. Freilich darf den Mädchen nicht zugemuthet werden, in ihren Aufsätzen eine zu strenge Objectivität zu bewahren. Die individuelle Darstellung, zu der die weibliche Natur vorzugsweise befähigt ist, mag immerhin auch im Aufsätze hier und da sichtbar werden. Bei der Behandlung von Thematen, wie: „In welcher Weise möchte ich die Pstngstferien verleben", oder: „Welches war der glücklichste Tag meines Lebens" rc. ist selbstverständlich keine Besprechung nöthig. Solche Themata finden indeß nur zum Behufe der Prüfung des Bildungsstandpunktes Anwendung und können ein Maß abgeben für die geistige Selbständigkeit der Schülerinnen. — Gehen wir über zum Anterricht in fremden Sprachen. Der fremdsprachliche Unterricht hat für die höhere Töchterschule einen formalen und materiellen Zweck. Er muß sich so gestalten, daß jene mechanische Aneignung der fremden Sprache, welche man so häufig in Familien und Schulen als eine Nothwendigkeit betont, nämlich die Kinder möglichst frühzeitig zum Nachplappern fremder Klänge anzuhalten, vermieden werde; denn der ssau vtrwe ck des fremd- > sprachlichen Unterrichts kann hier ^^.t^in^em (^ebra ^ liegen, sondern in der Vertiefung und Verschärfung des Bewußtseins der allgemeinen Gesetze der Sprache, ist also in der, Bildung des Denkvermögens zu suchen. Wenn zunächst das Französische aus 33 Gründen des Weltverkehrs in die höhere Töchterschule eindrang, so war es natürlich, daß der Unterricht eine demgemäße Behandlung erfuhr. Nachdem jedoch der Einfluß der französischen Literatur und Sprache auf die deutsche Bildung an Einfluß verloren hat, auch das Französische nicht mehr in der früheren Ausdehnung als Weltsprache dient, ist das Ziel des praktischen Gebrauches für die höhere Töchterschule nicht zu betonen, zumal M^patriotiichen Rücksichte n dem selben hohe Sympathien nicht zur Seite stehen. "" " Anders verhält es sich mit dem Englischen. Die englische Literatur ist nicht nur reicher als die französische, sondern auch tiefer bildend und vermöge der zarten und innigen Empfindungen, die sich durchgehend darin offenbart, ganz besonders für die weibliche Bil- ' düng geeignet, obwohl wir davor warnen müssen, gerade die beiden größten Dichter Englands, Shakespeare und Byron, der Jungfrau als Lectüre in die Hände zu geben. Die englische Sprache liegt der deutschen näher, als die französische, leistet daher wegen des verwandtschaftlichen Baues mit dem Deutschen für den formalen Zweck weniger, als die französische. — Für die Beibehaltung des Französischen in der höheren Töchterschule spricht jedoch sowohl die weite Verbreitung desselben, als der tiefe Einfluß, den dasselbe auf unser geistiges Leben geübt hat, und der Reichthum der Formen, sowie die logische Gebundenheit seines Satzbaues. Der Unterricht im Französischen ist daher so einzurichten, daß die Schülerinnen das Ziel erreichen, bei Vermeidung grober Fehler ihre Gedanken über ein leichtes Thema niederzuschreiben, einem mündlichen französischen Vortrage zu folgen, über einfache Verhältnisse sich mit Leichtigkeit auszusprechen, auch ein schwierigeres Buch verstehen zu können. Wenn nun von verschiedenen Seiten die Behauptung laut wurde, daß es dem weiblichen Wesen widerspreche, das Französische specifisch grammatisch zu behandeln, so können wi,r uns dieser Auffassung um so weniger anschließen, als wir nicht anzunehmen vermögen, daß die Denkgesetze für die weibliche Natur anderer Art sind, als die der männlichen. Wenn dem Weibe überhaupt die Fähigkeit nicht abgesprochen werden darf, den Organismus einer leichteren Sprache zu erkennen, so glauben wir berechtigt zu sein, eine grammatische Ausbildung dieser Sprache in der höheren Töchterschule zu fordern. Selbstverständlich 3 34 muß von einer wissenschaftlichen Behandlung Abstand genommen werden, jedoch bleibt immerhin ein reiches Material logischer Beziehungen, namentlich für die oberen Stufen der höheren Töchterschule, übrig. Wir beginnen den fremdsprachlichen Unterricht mit dem Französischen, weil es von vorn herein mehr formalbildende Kraft besitzt, als das Englische, und auch, weil es mehr Zeit erfordert als dieses, außerdem aber eine Anhäufung und plötzliche Ueberschüttung an Lehr- ftunden durchaus vermieden werden muß. Da sich das Englische überdies leichter und schneller erlernt, wenn ihm ein guter deutscher und französischer Unterricht vorangegangen ist, so ist auch aus diesem Grunde der Anfang mit dem Französischen gerechtfertigt. Je inhaltvoller die bildenden Einflüsse der englischen Sprache sind, welche ihr sprachlicher Reichthum und ihre ethische Behandlung auf das weibliche Gemüth ausüben, desto nothwendiger ist die Beibehaltung resp. die Aufnahme des Englischen für die höhere Töchterschule geworden. Da außerdem die formalen Schwierigkeiten der Erlernung gering sind, auch das Ziel der genannten Anstalt nur darauf hingeht, ein englisches Buch zu lesen und zu verstehen, so wird ein Zeitraum- von drei bis vier Jahren vollständig genügen, diese Kenntniß zu vermitteln. Der Hlechenunterricht hat sich so zu gestalten, daß er nicht bloß eine klare Einsicht in das Wesen der Zahl verschafft, sondern daß er den Schülerinnen einen möglichst hohen Grad von Gewandtheit in den vielfachen Operationen mit Zahlen aneignet. Außer den vier Species und den Brüchen nebst Decimalbrüchen wird die Regeldetri, Gesellschafts-, Mischlings- und Zinsrechnung zu üben sein. Aus naheliegenden Gründen, welche auf dem künftigen Beruf basiren, ist dem Kopfrechnen eine besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden, zumal die Anlage der Mädchen in der Regel dieser Richtung entgegenkommt. Auf allen Stufen ist ein klares Bewußtsein über die jeder Operation zu Grunde liegenden Verstandesschlüsse zu fordern und namentlich auf den oberen Stufen neben der Rechenfertigkeit die Sicherheit der Schlüsse anzu- 35 streben. Leichtere algebraische Aufgaben, welche durch Verstandesschlüsse zu lösen sind, schärfen den Geist der jungen Mädchen und geben durch gelegentliche Hinweisung auf die höhere Rechenkunst den Mädchen eine Ahnung von der über ihr Wissen hinausgehenden Weite der Wissenschaft. Die zu benutzenden Rechenhefte sind mit besonderer Vorsicht auszuwählen und anzuwenden, weil die bereits geschilderte weibliche Natur, zur Reception und Reproduction geschaffen, einem constructiven Denken abhold ist. Die Geometrie in den Lehrplan der höheren Töchterschule aufzunehmen, hat insofern volle Berechtigung, als sie, abgesehen von ihrem formal und materiell bildenden Einflüsse, einerseits dem physikalischen und geographischen Unterrichte dienstbar wird, andererseits den Rechenunterricht in gedeihlicher Weise unterstützt, indem sie sich auf die Längen-, Flächen- und Körperberechnung bezieht. Der genannte Zweck fordert keine rein wissenschaftliche Behandlung des Gegenstandes, sondern kennzeichnet nur das Maß und die methodische Behandlung desselben. Der Lehrstoff selbst ist so einzurichten, daß er etwa im dreizehnten Lebensjahre mit wöchentlich einer Stunde beginnt und mit zwei Stunden auf den folgenden Stufen fortgesetzt, das entsprechende Ziel erreichen läßt. Möglichst populär sind zu behandeln die Winkel und ihre Eigenschaften, die Dreiecke und ihre Congruenz, die Parallelogramme, die Gleichheit derselben und der Dreiecke, die Lehre vom Kreise, die Ausmessung gradliniger Figuren und des Kreises, die wichtigsten regelmäßigen Körper und ihre Ausmessung. Die Waturlehre ist, wie eines der anziehendsten und reichsten, so auch eines der bedeutendsten und wirksamsten Bildungsmittel der Jugend, sie vermittelt die Einsicht in die wichtigsten praktischen Lebensfragen. Das Gebiet der Naturerscheinungen bietet hinlänglichen Stoff, sowohl die Kräfte, welche in der Natur walten, zu erklären, als auch die Ge- 3 » 36 setze aufzusuchen, denen die Veränderungen der Naturkörper unterworfen sind. Beim Unterrichte wird ausgegangen von der Anschauung, diese wird unterstützt durch das Experiment. Eine gute Sammlung von Apparaten, womöglich ein besonderes Zimmer für die Apparate und den Unterricht, ergeben sich als Nothwendigkeit. Der Unterrichtsgang ist etwa folgender: Der Apparat wird beschrieben, auch die zum Experimente nothwendigen Dinge werden erklärt; das Experiment wird von den Schülerinnen scharf beobachtet; an analoge Erscheinungen aus der Natur und dem praktischen Leben wird hierbei erinnert; die Schülerinnen liefern eine möglichst selbständige Beschreibung des Experiments unter Benennung der bei der Erscheinung wirksamen Kräfte. Auf den höheren Stufen wird endlich das betreffende Gesetz festgestellt, dem diese Erscheinungen unterzuordnen sind. Der Beginn dieses Unterrichts kann im elften oder zwölften Lebensalter der Schülerinnen, mit einer Stunde wöchentlich, stattfinden. Als Unterrichtsstoff dürften für die höhere Töchterschule folgende Gegenstände zu bezeichnen sein: Die Schwere, die Ruhe und Bewegung fester Körper (Fallgesetze), die atmosphärische Luft und deren Eigenschaften, das Barometer, die Luftpumpe, der Stechheber, die Windbüchse, die Taucherglocke, die Feuerspritze; der Schall, die Wärme und Kälte, das Thermometer; die feuchten Naturerscheinungen; das Licht; die feurigen Lufterscheinungen; der Magnetismus; die Elektricität. Außerdem werden gelegentlich die allgemeinen Eigenschaften der Körper zur Anschauung gebracht. Die Ghemie ist derjenige Lehrgegenstand, welcher in den weiblichen Bildungsanstalten gewöhnlich keine oder nur eine sehr geringe Aufmerksamkeit erfährt, und doch liegt dieses Feld des Wissens den Frauen keines- weges so fern; denn die Chemie gibt Belehrung über die Stoffe, aus denen die Körperwelt besteht, erklärt die Lebenserscheinungen der Thiere und Pflanzen und ist daher als eine nothwendige Fort- 37 setzung des naturgeschichtlichen Unterrichts zu betrachten. Da sie sowohl eine Menge von Erscheinungen erklärt, welche sich täglich um uns her vollziehen, als auch zeigt, wie die Stoffe der Natur für das praktische Leben nutzbar gemacht werden können, so muß dieselbe mit Recht von einer gebildeten Frau gefordert werden. Das Lehrfach setzt jedoch ein reiferes Alter voraus, wird daher erst im letzten Schuljahre mit zwei Stunden wöchentlich auftreten. Als Lehrstoff werden (analog dem physikalischen) zu behandeln sein: Die Säuren, Salze, der Sauerstoff, die Verbrennung, die Verbindungen des Sauerstoffes, der Wasserstoff, das Wasser, der Stickstoff, die atmosphärische Luft, die Verbindungen des Stickstoffes, der Kohlenstoff, die Verbindung des Kohlenstoffes, der Schwefel, der Phosphor, der Kiesel, Chlor rc. Pie Geschichte gehört zu den Lehrobjecten, durch welche vorzugsweise auf die Bildung des weiblichen Gemüthes gewirkt werden kann. Die Gründlichkeit im Geschichtsunterricht darf jedoch nicht in der Masse des beigebrachten Stoffes, in der Menge der Namen und Zahlen bestehen, sondern in der Art und Weise, wie der Stoff angeeignet wird. Auch ist ein systematisches Fortschreiten in diesem Fache nicht unbedingt nothwendig, wohl aber verlangt der Unterricht eine volle, klare, lebenswarme Anschauung. Die Geschichte, im engsten Anschlüsse an die Geographie gelehrt, ist für die weibliche Bildung insofern von großer Wichtigkeit, als die ethischen Elemente, welche dieselbe darbietet, von der bedeutsamsten Art sind, indem sie dem Weibe den Zusammenhang ihres Lebens mit dem ihres Volkes und dem der Menschheit zum Bewußtsein bringen, während die dem weiblichen Wesen gesetzten Schranken eine größere Gründlichkeit in geographischer und naturwissenschaftlicher Beziehung verbieten. Auf der ersten Stufe führt der Geschichtsunterricht zunächst einzelne Persönlichkeiten vor. Da diese in den Schülerinnen möglichst Leben gewinnen müssen, so ist die Benutzung guter Abbildungen anzureihen. Auf der Grundlage des allgemeinen Menschlichen, dem Kinde Bekannten, wird das Eigenthümliche der Persönlichkeit um so 38 deutlicher hervortreten. Alles Unwesentliche muß wegfallen, damit das zuerst empfangene Bild klar und scharf in seinen Umrissen sich von dem Uebrigen trennt. Auf den folgenden Stufen tritt die Verbindung von mehreren erzeugten Vorstellungen ein und gestaltet ebenso deutlich das Bild eines Volkes oder eines Zeitabschnittes. Durch Hinzufügung von Aehnlichem und Verwandtem muß das Bild an Breite und Tiefe zunehmen. Schon auf der Mittelstufe wird dafür gesorgt, daß die gewonnenen Anschauungen möglichst auf einander bezogen werden, um einen Ueberblick über die Geschichte zu gewinnen. Je kürzer die Zeit bemessen ist, desto kleiner muß natürlich der Kreis der Vorstellungen sein; nie aber darf der Jntensivität und Klarheit derselben etwas genommen werden. Die Vorstellungen ranken sich an Namen und Zahlen, letztere werden dem Gedächtnisse um so leichter eingeprägt, als das lebendige Interesse an der Person oder an der Katastrophe dem Gedächtnisse entgegenkommt. Bei der Weltgeschichte kommt es darauf an, in dem Leben und Aufblühen der Völker, wie in ihrem Hinsterben das ewige Walten sittlicher Gesetze, in diesen aber den ewigen Gesetzgeber zu erkennen. Es kommt ferner darauf an zu zeigen, wie die Völker in reiner Sittlichkeit und wahrhaft humaner Bildung die einzige Grundlage ihres Gedeihens und ihrer Entwickelung besitzen. Die vaterländische Geschichte soll die Schülerinnen zur Erkenntniß der Vorzüge und Eigenthümlichkeiten des eigenen Volkes führen und in ihnen durch lebendige anschauliche Schilderungen der Epochen, welche mit Recht der Stolz unseres Volkes sind, eine wahrhaft patriotische Gesinnung erwecken. Da die weibliche Neigung, das Historische lieber an Personen als an Ereignissen anzuschauen, vorwaltet, so muß im Unterrichte hierauf Rücksicht genommen werden. Es muß daher die Schilderung des Individuellen, nebst der Hervorhebung des Zusammenhanges, der zwischen Gesinnung und That der Menschen und ihrem Geschick besteht, und welcher überall auf daß weise Walten Gottes hinführt, besonders hervortreten, sowie die Stellung der Frau, welche sie in den verschiedenen Kulturperioden eingenommen hat, in gebührender Weise berücksichtigt werden. Außerdem bietet die Geschichte Gelegenheit, Gegenstände, welche aus verschiedenen F 39 Gründen mit aphoristischer Kürze behandelt werden müssen, z. B. die Mythologie, oder solche, die säst ganz ignorirt werden müssen, z. B. das Politische, an rechter Stelle und im rechten Lichte darzustellen. Der Unterricht beginnt im vierten Schuljahre und nimmt durchschnittlich zwei Stunden wöchentlich in Anspruch. — Die Geographie hat den Zweck, einerseits unsern Erdkörper in der Bildung seiner Oberfläche kennen zu lehren, andererseits zu zeigen, wie derselbe als Wohnsitz des Menschen, der sie zu seinem Zwecke bearbeitet und abgrenzt, aufgefaßt wird, und endlich, wie derselbe als Weltkörper sich zum ganzen Weltall stellt. Wenn der letzte Zweck nur erreicht werden kann durch mathematische, so wird der erste erreicht durch physikalische Vorkenntnisse, durch ein Eingehen auf das Thier- und Pflanzenleben, wie auf das Leben der menschlichen Bewohner. Dem eigentlichen geographischen Unterrichte geht ein propädeu- tischer Unterricht voran, der, von der Heimath ausgehend, die Erde betrachtet, indem er Pflanzen-, Thier- und Völkerleben zur allgemeinen Veranschaulichung bringt und von der Vorstellung der Erde als einer großen Fläche zu der der Kugel schreitend, sowohl für den geographischen, wie auch für den naturkundlichen und geschichtlichen Unterricht zum Fundament wird. Die Mittelstufe wird sich im Bezug auf tropische, physikalische und politische Geographie mit den Hauptsachen beschäftigen, während die Oberstufe sich specieller mit einzelnen Punkten, namentlich mit dem Vaterlande, sowie mit dem Wichtigsten aus der mathematischen Geographie abgibt. Als Veranschaulichungsmittel dienen der Globus, Planiglobus und die betreffenden Landcharten. Der Unterricht beginnt vorbereitend im dritten Schuljahre und erhält seinen Abschluß in der ersten Klasse der Anstalt. 40 Die Waturöefchreiörmg wird für den weiblichen Beruf sowohl in formeller Beziehung, als auch in Rücksicht auf das Gemüthsleben in segensreicher Weise wirksam werden.^) Natürlich wird man auch hier überall eine lebendige klare Anschauung erwecken und auch die im weiblichen Wesen begründete Beobachtungsgabe möglichst kräftigen und entfalten müssen. Wenn den Zöglingen durch eine genügende Verstandesschärfe die Möglichkeit geboten ist, die verwandten und ähnlichen Merkmale rc. der einzelnen Naturkörper zusammen zu stellen, um alle Erscheinungen der Glieder eines weise geordneten Ganzen aufzufassen, so führt diese Erkenntniß dahin, die Natur aufzufassen als eine von unumstößlichen göttlichen Gesetzen getragene, und auf diese Weise zur Erkenntniß Gottes selber. Der Unterricht beginnt nach zurückgelegtem neunten Lebensjahre, wird zunächst in zwei Stunden wöchentlich, später, beim Eintritt des Unterrichtes in der Naturlehre, in einer Stunde wöchentlich ertheilt. Wenden wir uns zu dem Zweige der Naturkunde, welcher die Aufmerksamkeit der höheren Töchterschule im besonderen Maße auf sich ziehen sollte, zu der Wotanik. Kein Fach bietet so treffliche Gelegenheit, durch Selbstuntersuchung den formalen Zweck des naturkundlichen Unterrichts zu fördern. Das Auge der Zöglinge wird geschärft, die Erkenntniß des Baues organischer Wesen wird gewonnen, die Weisheit und Größe des Schöpfers oft im unscheinbaren Pflänzchen wieder gesunden. — Ein frischer Unterricht in der Botanik wird stets den niederen Klassen eine unerschöpfliche Fundgrube der Freude öffnen können. Unvergleichlich ist dieser Gegenstand für die künftige Mutter in Betreff *) „Mache die Kinder nur aufmerksam auf die vollendeten Formen in der Natur, aus die Formen, an denen uns die Harmonie der Theile, die Größe der Kraft, die Sanftheit und Zartheit wohlthut, und der Kleinen Schönheitssinn wird sich regen und ähnliche Bilder suchen." 41 der geistigen Anregung der Kinder, sowie sür die einstige Hausfrau in Bezug auf die Garten- und Küchenverwaltung. Die besonders bildende Beziehung des Gegenstandes zum weiblichen Leben beruht auf der tiefen symbolischen Verwandtschaft, die zwischen dem Pflanzenleben und dem weiblichen obwaltet, auf dem Wesen der Schönheit und Sittlichkeit. Ihren bildenden Einfluß macht die Botanik darum bei Mädchen geltend, weil in derselben eine gewisse Gründlichkeit möglicher ist, als in anderen Zweigen der Naturkunde. Sie vermittelt eine möglichst genaue Kenntniß des Pflanzenreiches, macht bekannt mit dem inneren Bau und dem Leben der Pflanze, mit der Mannigfaltigkeit und Schönheit der äußeren Formen und mit der Ordnung in dieser Mannigfaltigkeit. Selbstverständlich können nicht alle „Kinder Flora's" den Schülerinnen vorgeführt werden, daher müssen bei Auswahl der zu besprechenden Exemplare diejenigen, welche sich durch ihre Nützlichkeit oder Schädlichkeit besonders auszeichnen, als: die Küchengewächse, die Obstarten, die Arzenei-, Zier- und Giftpflanzen, besonders berücksichtigt werden. Der Unterricht beginnt nach dem dritten und reicht ungefähr bis zum achten Schuljahre. — Der Unterricht, welcher gleichlaufend mit dem botanischen ertheilt wird, insofern beide zugleich beginnen und jeder ein Semester belegt, ist der Unterricht in der Zoologie. Dieser Unterricht must sich so gestalten, daß er eine klare und vernünftige Anschauung von der Thierwelt vermittelt. Ohne Frage trägt der Gegenstand zur Schürfung der Sinne und zur Erzielung eines logischen Denkens bei. Durch ihn wird den Zöglingen die Möglichkeit geboten, ihr eigenes Verhältniß zur Thierwelt richtig zu beurtheilen. — Aus dem Grunde ist das Thier nach der Stufenleiter seines Wesens^) zur Veranschaulichung zu bringen und schließ- *) Damit ist nicht gesagt, daß auf der untersten Stufe mit der niedrigsten Thiergattung begonnen werden soll. Der Verfasser beginnt mit der Betrachtung der Hausthiere, knüpft also an Bekanntes an, geht dann zu den Vögeln und später zu den Fischen über u. s. w. 42 lich der Mensch, welcher als das vollkommenste Geschöpf sich seinem Leibe nach der oberen Thierwelt anschließt, als Herr der Schöpfung hinzustellen, da er sich die Kräfte, Dienste und Körperstoffe der Thiere nutzbar macht und seinem Willen selbst die stärksten Thiere sich beugen müssen. Die Natur ist in allen ihren Erscheinungen stets so interessant und anziehend für das unverdorbene sinnige Gemüth, daß es keiner künstlichen Hülfsmittel bedarf, um Liebe für dieselbe in den Kindern zu erwecken. Wenn der Lehrer selbst von der Größe des Gegenstandes erfüllt und Herr des Stoffes geworden ist, dann wird es nicht fehlen, daß die Zöglinge mit Lust und Liebe lernen und mit Dank zu Dem aufblicken, dessen unendliche Weisheit, Allmacht und Liebe uns überall entgegenleuchtet. Wenn außerdem der Lehrer gewohnt ist, etwas mehr, als organisch gegliederte oder chemisch zusammengefügte Elemente in der Thier-, Pflanzen- und Steinwelt zu erblicken, und die Kinder schauen zu lassen, so wird der ganze Unterricht in der Naturkunde überhaupt von einem höheren Geiste und Sinne getragen werden, und die Frucht eines solchen Unterrichtes ist unverkennbar. Für gute Veranschaulichungsmittel, als: ausgestopfte Thiere, Spiritusexemplare, Abbildungen rc. ist selbstverständlich Sorge zu tragen. Die Mineralogie kann allerdings in der höheren Töchterschule nur eine untergeordnete Stelle einnehmen. Unzureichende mathematische und chemische Kenntnisse, sowie Mangel an Zeit bedingen dies. — Die Aufgabe der höheren Töchterschule ist es, die wichtigsten, im Leben gebräuchlichen Mineralien nach ihren hervortretenden Merkmalen zu beschreiben und zu unterscheiden, ihre Benutzung nachzuweisen und sie in Klassen und Ordnungen eines natürlichen Systems einzureihen. Insofern zur Erreichung dieses Zieles chemische Kenntnisse nöthig sind, erhält dieser Lehrgegenstand seinen Abschluß in dem Unterrichte in der Chemie auf der obersten Stufe der Schule. 43 Zur Beschreibung und Unterscheidung kommen von den einfachen Mineralien die wichtigsten Steine (Edelsteine), Salze, Metalle, , sowie die brennbaren Mineralien. Außerdem wird eine sachgemäße - Belehrung über die Versteinerungen und Gebirgsbildungen gegeben. Das Unterrichtspensum findet in dem Zeitraum von einem Jahre bei einem einstündlichen wöchentlichen Unterricht seine Erledigung. Zeichnen. Der Unterricht im Zeichnen übt seinen Einfluß wesentlich auf die Ausbildung des Schönheits- und sittlichen Schicklichkeitssinnes aus. Seine Aufgabe in der höheren Töchterschule kann nur die sein: Auge und Hand zu bilden; die Entwickelung des Sinnes für Schönheit der Formen zu bewerkstelligen; die Anleitung zu geben, selbst schöne Formen zu bilden und dieselben darzustellen. Zur Erreichung dieses Zieles wird man frühzeitig und gleichmäßig die Bildung des Auges und der Hand eintreten lassen, damit die letztere bald geschickt werde, Linien von verschiedener Form und Lage zu zeichnen und das Auge zu befähigen, die Gestalt und Lage, sowie die verhältnißmäßige Größe der Linien richtig zu beurtheilen. Außerdem muß sich der Unterricht so gestalten, daß er die Thätigkeit aller Schülerinnen möglichst gleichmäßig in Anspruch nehme und ihre geistige und sittliche Bildung in harmonischer Weise fördere. Der Unterricht tritt vorbereitend bereits im ersten Schuljahre aus und erstreckt sich über die gesammte Schulzeit. Wenn derselbe mit dem Lineal und Zirkel beginnt, so muß von vorn herein dahin gearbeitet werden, diese Hülfsmittel zu entbehren, um zum „Freihandzeichnen" zu gelangen, durch welches die Schülerinnen auf das „Zeichnen nach der Natur" vorbereitet werden. Vorzugsweise wird darauf Rücksicht zu nehmen sein, daß die Schülerinnen einen richtigen Contur zeichnen lernen, als daß sie zu frühzeitig sich mit der Ausführung in Licht und Schatten versuchen. Als letzte Form des Zeichnenunterrichtes ist das Tuschiren und Coloriren zu betrachten. Der Unterricht ist bis etwa zum zwölften Lebensjahre der Schülerinnen in wöchentlich zwei Stunden, von da ab in einer Stunde zu ertheilen. I>er Schönfchreiöunterricht. Es ist die Aufgabe der Schule, durch den Schreibunterricht der ^ Schülerin ein Mittel in die Hand zu geben, durch welches sie ihre Gedanken darstellen kann. Eine gute, gefällige Handschrift wird das ! Hauptziel des Unterrichts sein. Da das Schreiben eine rhythmische Bewegung mit sich bringt, auf deren sichere Ausführung der wesentliche Erfolg basirt, so dürfte das Taktschreiben, welches bereits allgemeine Anerkennung gefunden, auf allen Stufen zu üben sein. Die Schreibübungen erstreben die richtige Darstellung einzelner Schriftformen, die sichere und schnelle Verbindung verwandter und nicht verwandter Schriftformen, wie die Darstellung sprachlich zusammenhängender Wörter. Der Unterricht hat dahin zu führen, daß die Schülerinnen sobald als möglich sich der äußeren Hülfsmittel (Linie, Linienblatt) entäußern, um sich möglichst früh in den freien Gebrauch der Schrift zu setzen. Einheit im Schreibmaterial ist nothwendige Bedingung zu einem gleichmäßigen Fortschritte. Eine gesundheitswidrige Haltung beim Schreiben ist nicht zu dulden; da indeß diese Forderung erst nach Abschaffung der alten, nicht zweckentsprechenden Schulsubsellien vollständig realisirt werden kann, so müssen wir die Abschaffung derselben aus Gesundheitsrücksichten dringend fordern. Auch die Ziffern sind beim Schön- schreibunterricht auf allen Stufen zu üben; schlechte Ziffern sind überhaupt in keinem Lehrgegenstande zu dulden. Der Inhalt für die Schriftformen im Zusammenhange ist aus dem Sprachstoffe zu wählen. Der Unterricht selbst beginnt mit dem Eintritt in die Schule und dauert bis zum achten Schuljahre. Aer Leseunterricht. Der Zweck des Lesens besteht nicht allein darin, daß der Lesende sich die Gedanken eines Anderen erschließt, sondern darin, daß er dieselben auch Anderen unmittelbar in der gegebenen Form lautrichtig darstellt. Daher ist es die Aufgabe des Leseunterrichts, dahin zu 45 führen, daß die Gedanken vollkommen so dargestellt werden, wie sie jener gedacht, erfunden hat. Vorausgesetzt wird ein jeder Stufe entsprechendes Lesebuch. Das Verständniß der Lesestücke wird durch Anwendung der Sprachgesetze bei der Erklärung derselben befördert, indem Schwierigkeiten der Gedankenverhältnisse auf Grund der erkannten Sprachgesetze gelöst werden. Da nun der Leseunterricht sich mit dargebotenen Gedanken beschäftigt, so dient er auch gleichzeitig zur Erwerbung von Sachkenntnissen. Daher geht seine weitere Aufgabe dahin, den Inhalt eines Lesestücks zu erschließen. Selbstverständlich muß die Darstellungsform ebenfalls Berücksichtigung finden, in welche der Inhalt gefaßt ist. Es knüpfen sich nothwendig stilistische Erörterungen und Betrachtungen an denselben. Ein gutes Lesebuch muß diesem Zwecke vollkommen entsprechen. Die wöchentliche Durchschnittszahl der Lehrstunden für diesen Gegenstand muß mindestens zwei betragen, wobei bemerkt wird, daß , die unteren Stufen mehr, die oberen dagegen weniger in Anspruch nehmen. — Ein Gegenstand, welcher bis jetzt fast keinen Eingang in höhere Töchterschulen gefunden hat, ist Z>ie Lehre vom menschlichen Körper. (Anthropologie.) Da dem weiblichen Geschlechte die Pflege der körperlichen und geistigen Natur der Menschen in die Hände gegeben ist, so sollte vor allen Dingen das Weib eine möglichst klare Einsicht in das körperliche und geistige Wesen des Menschen besitzen. Eine solche wird es befähigen, auch das Erziehungswerk in heilsamer Weise auszuüben. Es kann allerdings nicht davon die Rede sein, daß in der höheren Töchterschule ein volländiger Kursus in der Anatomie und Physio- b logie zu geben sei, sicherlich aber ist es möglich, sich auf das zu ^ > beschränken, was in keiner Weise auf das weibliche Gemüth ver- wirrend einwirken kann. Die Kenntniß von dem Baue des mensch- ,, , lichen Körpers, von den Verrichtungen seiner einzelnen Organe, von dem, was ihm nützt und schadet, muß in der Jugend erworben werden, damit man im späteren Leben sein und seiner Mitmenschen Wohl zu fördern im Stande ist. Durch diese Kenntniß wird man befähigt, nicht nur Krankheiten, sondern sogar frühzeitigen Tod von sich und „seinen Nächsten" abzuwenden. Der Unterricht hat seinen Platz auf den Oberstufen der Anstalt, geht der Erziehungslehre voraus und bildet gewissermaßen die Grundlage für dieselbe; er wird ungefähr in einem Jahrespensum bei zwei wöchentlichen Stunden zu absolviren sein. Die Krziehitngskehre. Insofern die höhere Töchterschule auf den Beruf der künftigen Frau vorbereitet, gibt sie nicht eine unbestimmte allgemeine Bildung, sondern eine solche, welche für alle Zweige des weiblichen Berufes vorbereitet. Sie hat daher die Aufgabe, das junge Mädchen in das Wesen und die Aufgabe der Erziehung einzuführen. Um nun nicht das Ziel der Fachschule zu verfolgen, hat sich die höhere Töchterschule darauf zu beschränken, die Grundsätze der Erziehung im Allgemeinen zur Kenntniß und zum Verständniß zu bringen. Der Unterricht ist um so nothwendiger, als die Erziehung der Kinder vor der Schulzeit fast ausschließlich und während derselben zum großen Theile der Mutter anheimfällt.*) Er wird gegründet auf den Religionsunterricht, auf die Kenntniß des menschlichen Körpers und des Vermögens der Seele, sowie auf den vorausgegangenen Turnunterricht, und findet seinen Platz in den ersten Klassen der Anstalt. Wenn wir im Anschlüsse hieran wünschen, daß die höhere Töchterschule zu einem „Fröbelschen" Kindergarten in der Weise in Beziehung trete, daß den Schülerinnen der oberen Klassen die *) Wenn hier der Einwand erhoben werden sollte, daß dieser Unterricht nicht in die Töchterschule, sondern in die Fortbildungskurse gehöre, so bedauern wir allerdings die verhältnißmäßig geringe Benutzung der letzteren; wollen aber den Schülerinnen, welche jene Anstalt nicht besuchen können, sollen oder wollen, immerhin bequeme Gelegenheit bieten, den so wichtigen Gegenstand kennen zu lernen. 47 Gelegenheit geboten würde, darin wöchentlich etwa 2 Stunden unter tüchtiger Anleitung praktisch thätig zu sein, so haben wir dabei die Absicht, den Schülerinnen das zu bieten, was ihnen aus verschiedenen Gründen im nahen oder entfernten elterlichen Hause versagt ist. — Die Beschäftigung mit Kindern ist eine nicht nur den Müttern, sondern allen jungen Mädchen natürliche, und selten werden wir ein junges Mädchen finden, das die kleinen Kinder nicht besonders liebte.^) Durch eine derartige Einrichtung würde der große Sprung, den die Mädchen aus der Puppenstube in die Ehe thun, bedeutend ausgeglichen werden. „Ein Kindergarten ist nicht nur die Elementarschule für künftige Mütter zu ihrer Erziehung und Bildung für die Erziehung und Bildung kleiner Kinder in den ersten und wichtigsten Lebensepochen, sondern zugleich ein Bildungsinstitut für unsere Töchter überhaupt in negativ abweichender, wie in positiv gestaltender Beziehung."^) Der GesangunLerricht beginnt mit dem Eintritte des Kindes in die Schule und beschäftigt sich zunächst mit einzelnen, bequem liegenden Tönen. Er wird anfänglich in halbstündigen Lectionen ertheilt und verbreitet sich über sämmtliche Schuljahre. Durch Vor- und Nachsingen, ohne den Gebrauch der Tonzeichen (Ziffern, Noten) werden den Schülerinnen erstens Höhe und Tiefe, zweitens Länge und Kürze, drittens Stärke und Schwäche der Töne veranschaulicht und zum Verständniß gebracht. Die Ausbildung der Gehör-, Sprach- und Stimmwerkzeuge, die Erweckung des musikalischen Sinnes und der Empfänglichkeit für Melodie und Rhythmus sind als die nächsten Zwecke dieser Unterrichtsstufe zu bezeichnen. *) Fröbet wollte die Einsicht in das Erziehungswesen der Jungfrauenwelt in seinem Kindergarten gewähren. Aber wie viele sind es, die sich um ihn und seine Sache kümmern? Wie viele bereiten sich ernstlich für ihren Erzieher- und Mutterberus vor? Vertändelt und verträumt wird nur zu oft die Zeit zwischen Schule und Ehe. Ohne Einsicht und Erfassung segeln die meisten in den Hasen der Ehe hinein und schließlich sollen Kinder Kinder erziehen'." **) A. Diesterweg. 48 Die Beobachtung der Hauptregeln, welche zur Bildung eines guten Tones gehören, beziehen sich auf die Haltung des Körpers, auf die Stellung des Mundes, und auf die Athmung der Lungen. Die folgende Stufe, welche etwa das Kindesalter zwischen 9—12 Jahren berücksichtigt, hat vorzugsweise den Zweck, die Schülerinnen zu befähigen am Gemeindegesange in'der Kirche thätigen Antheil nehmen zu lassen, außerdem aber leichtere Volkslieder, auch wohl zweistimmige, einzuüben. Die Einübung und Benutzung der Tonzeichen, die Bezeichnung und Anwendung der Pausen und Taktarten, sowie der gebräuchlichsten rhythmischen und dynamischen Kunstausdrücke ist hier am Platze. Mit der Erreichung dieses Zweckes wird unter gewöhnlichen Verhältnissen der Unterricht in der Volksschule abschließen. Das Ziel desselben in der höheren Töchterschule geht weiter hinaus. Die letzte Stufe des Gesangunterrichts, welche Mädchen von 12—16 Jahren einschließt, beschäftigt sich vorzüglich mit dem mehrstimmigen Gesänge. Wenn schon auf der zweiten Stufe die Auffassung des Accordes, zunächst des Dreiklanges, angebahnt wurde, so wird doch hier im mehrstimmigen Satze die Geschicklichkeit des 'Richtig- und Reinsingens, des Treffens und vom Blatt Singens, sowie des künstlerischen Vortrages im höheren Maße angestrebt werden und somit die Bildung des Geistes nach gewisser Richtung befördert. Den Uebungsstoff liefert der Choral, der figurirte geistliche, und Volksgesang. Ein gründlicher Unterricht unter kunstsinniger Leitung ist aber nur dann gewährleistet, wenn der sonst practische Gesanglehrer ein gewisses Maß theoretischer Kenntnisse auszuweisen vermag. Außerdem erscheint es rathsam, die Violine, als das am geeignetsten befundene Instrument, bei den Gesangübungen zu benutzen. Wird nach den vorbezeichneten Gesichtspunkten der Gesangunterricht ertheilt, so wird der Gesang seine, das Gemüth veredelnde Kraft äußern. *) Denn: „Gesang verschönt das Leben, Gesang erfreut das Herz, ' Ihn hat uns Gott gegeben Zu lindern Sorg' und Schmerz." 49 Mit Rücksicht auf die Herzens- und Gemüthsbildung der Mädchen im Besonderen wird mit der Gesangslust Einfalt und kindlicher Sinn geweckt und erhalten werden. Mithin sind stets nur solche Melodien zu wählen, die durch Wahrheit, Frische und Zartheit zum rechten Ausdruck des weiblichen Lebens werden können. Der Gurnimlerricht. Die Hauptquelle weiblicher Unschönheit ist die vernachlässigte Körperbildung. Mancherlei Rücksichten verhindern die weibliche Jugend, sich gleich den Knaben eine der körperlichen Entwickelung und Gesundheit zuträgliche Motion zu machen. Es haben daher Aerzte und Pädagogen die weibliche Gymnastik als pädagogisches, diätetisches und Präservatives Mittel zur Aufnahme in die Erziehung der weiblichen Jugend empfohlen. Durch Einführung des neueren (Spieß'schen) Systems, welches nicht in einer Reihe von indifferenten Leibesfertigkeiten, sondern in einer natur- und vernunftgemäßen anatomisch begründeten Lehre und Kunst der Leibesübung besteht, hat dieselbe mehr und mehr Verbreitung gefunden. Eine sorgfältige Berücksichtigung der physischen und psychischen Eigenthümlichkeiten des weiblichen Geschlechtes ist bei Ertheilung dieses Unterrichts erstes Erforderniß. Die beabsichtigte leibliche Ausbildung darf nicht auf Kosten der zarten Weiblichkeit in eine spartanische Härte oder athletische Künstelei ausarten und die Zartheit der Empfindungen nicht vertauscht werden gegen ein keckes, kühnes, männliches Wesen, wie andererseits auch jene oberflächliche Anstands- übung und Komplimentirkunst zu vermeiden ist. Das kräftigende und geschmeidige Element der Körperübungen mit dem gefälligen und verschönernden zu verbinden und das Turnen so vielseitig und besonders für die Zwecke der Heilkunde und der edelen Erziehungskunst anwendbar zu machen, ist Aufgabe der weiblichen Gymnastik. Während das Ziel des Turnunterrichts bei den Knaben dahin geht, Kraft, Gewandtheit und Muth zu erstreben, muß durch denselben bei Mädchen vorzugsweise die Gesundheit und Anmuth*) der *) Die Schönheit des Körpers, mittelbar auch die der Seele. 4 50 Bewegung zu erreichen gesucht werden. Es bilden daher überhaupt die Freiübungen den Centralpunkt alles Turnens bei den Mädchen. Wir beginnen die Turnübungen an Mädchenschulen in dem schulfähigen Alter und lassen sie nach Maßgabe der Körperbeschasfenheit ungefähr bis zum fünfzehnten Lebensalter dauern. Wenn die Mädchen in den ersten Schuljahren in der Regel weder körperlich noch geistig so weit entwickelt zu sein pflegen, daß ein systematischer Unterricht im Turnen mit ihnen begonnen werden kann, so ist doch diese Zeit mit Erfolg durch angemessene Anleitung zu Bewegungsspielen auszufüllen. Die Fröbel'schen Spiele verdienen auf dieser Stufe vor allen übrigen den Vorzug, weil sie einmal zur Erreichung des Zweckes am geeignetsten sind, sodann aber auch den systematischen Turnunterricht wesentlich vorbereiten, indem die zu ihrer Ausführung nöthigen Körperstellungen, Gangarten und Ganglinien geübt werden und daher ein schnelleres Fortschreiten auf den ersten Stufen des Turnunterrichts ermöglichen.^) Erst nach dem achten Lebensjahre finden die Frei- und Ordnungsübungen, wie wir dieselben mit einigen Erweiterungen auch bei Knaben haben, Anwendung. Gute Haltung, ein aufrechter Gang und Förderung des taktischen und rhythmischen Gefühls sind hierbei zu erstreben. Von den Gerätübungen, die beim Mädchenturnen in zweiter Linie stehen, sind diejenigen auszuwählen, welche dem weiblichen Organismus und der Weiblichkeit überhaupt entsprechen. Es sind dies zweckmäßige Hangübungen an der wagerechten Leiter, am Reck, der Hangschaukel und am Rundlauf, oder nützliche Balancirübungen auf den Schwebebäumen, Stützübungen am Barren rc. Die weiblichen Landarbeiten. In Bezug auf die weiblichen Handarbeiten in der höheren Töchterschule hat man versucht eine fruchtbringendere Gestaltung des *) Das Spiel ist nicht nur ein vortreffliches Beschäftigungsrnittel für die Kleinen, sondern auch selbst für die reifere Jugend. Wie man durch das Spiel bildend einwirken kann, das haben Guthsmuths und Fröbel trefflich dargelegt, und das führen uns die nach ihren Vorschriften gestalteten Beschäftigungsanstalten, die Kindergärten und Spielschulen, anschaulich vor. 51 Lehrgegenstandes herbeizuführen. Belehrungen über die Eigenschaften der Stoffe, über die benutzten Werkzeuge rc. haben den Unterricht bereits in richtigere Bahnen gelenkt. Wir dürfen jedoch erst dann eines tüchtigen Erfolges gewärtig fein, wenn die Schülerinnen in möglichst kleinen Abtheilungen (ca. 15) von methodisch gebildeten Lehrerinnen in der Weise unterrichtet werden, daß jedes rein mechanische Anlernen von Fertigkeiten von vorn herein ausgeschlossen bleibt. Der Unterricht beginnt in dem Alter, darin die Schülerinnen die Fähigkeit haben, eine einfache Zeichnung, nachdem sie erklärt ist, zu verstehen und dieselbe nachzuzeichnen; er kann also selbstverständlich erst nach dem ersten Schuljahre eintreten und bleibt dann bis zum Austritt aus der Schule obligatorischer Lehrgegenstand. Verwendung der Lehrkräfte. An die Frage wegen der Gestaltung des Unterrichtes läßt sich wohl kaum eine andere naturgemäßer und enger anfügen, als die, welche von der Verwendung der Lehrkräfte handelt. Diese hat indeß ihre Schwierigkeiten. Schwierig wird sie zu lösen sein, insofern die kleinen Mädchen in den ersten Schuljahren von Personen desselben Geschlechtes unterrichtet werden sollten, was jedoch momentan darum nicht durchweg ausführbar erscheint, weil die jungen Lehrerinnen der heutigen Zeit jene praktische Durchbildung, welche die Garantie für ein befriedigendes Resultat im Unterrichten gewährleistet, in der Regel nicht besitzen. Am besten würden unserem Zwecke verheiratete, im Erziehungsund Unterrichtswesen theoretisch und praktisch gebildete Frauen, welche selbst Mütter sind, dienen; aber wo diese hernehmen? Aeltere, unverheiratete Personen beiderlei Geschlechtes sind jedenfalls als ungeeigneter für die Leitung kleiner Mädchen zu be- *) Siehe: 1) R. Schallenfeld. Der Handarbeitsunterricht in Schulen. Werth, Inhalt, Lehrgang und Methodik desselben. Frankfurt a. M. 1868. l I. Ch. Hermann'sche Buchh. 2) Practische Anweisung zur Ertheilung des Hand- ^ arbeitsunterrichtes nach der Methode von A. Schallenfeld. Frankfurt a. M. 1869—71. 4 * 52 zeichnen, da sie sich im Allgemeinen schwer in die Natur und das Wesen dieser Kleinen werden versenken können. So bleibt uns also nur noch übrig, Lehrer und Lehrerinnen neben einander, die an Jahren, Geist und Gemüth der zarten Mädchenseele am nächsten stehen, für den Anfangsunterricht in Töchterschulen auszuwählen, in der Erwartung, daß Dasjenige, was den jungen Lehrerinnen an praktischem Lehrgeschick mangeln sollte, durch eine von der Liebe zu den Kleinen dictirte gemüthvolle Hingabe an jene in gewissem Sinne ersetzt werde. Was die gemüthvolle Seite im Lehrerberufe betrifft, so werden ohne Frage darin Lehrerinnen ihren Geschlechtsgenossen näher stehen, als Lehrer. In den mittleren und oberen Klassen der Töchterschule dagegen werden die vorzugsweise wissenschaftlichen Fächer den Lehrerinnen nur im beschränkten Maße zuzutheilen sein, weil ihnen mehr oder weniger die vorauszusetzende wissenschaftliche Bildung, welche hier ein erfolgreiches Wirken zur Bedingung hat, mangelt. Selbstredend werden Lehrerinnen für Nebendisciplinen schon aus Erziehlichkeitsrücksichten in höheren Töchterschulen als geeignet bezeichnet werden können. Außerdem wird bei der Wahl von Lehrkräften nicht nur auf eine allseitige Befähigung im Unterrichte, sondern auch hauptsächlich darauf Bedacht zu nehmen sein, daß Lehrer und Lehrerinnen so beschaffen sind, daß sie als stete Vorbilder den Schülerinnen gelten können, da letztere nur zu leicht jeden Mangel und jede Schwäche, welche ihrem Erzieher anhaften, entdecken.^) Daß Mädchen überhaupt sich das einmal gebildete Ideal fester einprägen oder erhalten als Knaben, denen ein solches im geräuschvolleren Treiben ihres Lebens nur zu leicht verwischt wird oder ganz verloren geht, bedarf kaum der Bestätigung. Vor allen Dingen bleibt das Haupt-Ideal der Dirigent der Schulanstalt. — Die Forderungen, welche wir an die Lehrer und Lehrerinnen zu stellen berechtigt sind, fallen in er- *) Beim Unterrichte sind die Personen die Hauptsache, nicht die Bezeichnung der Fächer; während diese die Ideale ausstellen, müssen jene die Ideale verwirklichen. 53 höhtem Maße auf den Vertreter der ganzen Anstalt. Wer aber, so fragen wir, sollte dieser sein? Der Verfasser ist in Rücksicht auf die Eigenthümlichkeit des weiblichen Wesens der Ansicht, .daß im Allgemeinen ein Mann und zwar „ein ganzer Mann" an die Spitze der Schule zu stellen sei. Selbstverständlich müssen demselben tüchtige weibliche Kräfte zur Seite stehen, um die specifisch weiblichen Verhältnisse bei Berathungen, Conferenzen rc. regeln und ordnen zu helfen. Es bedarf außerdem wohl kaum des Hinweises, daß der Vorsteher der Schulanstalt aus innigster Begeisterung sein Amt führen und geeignet sein muß, durch eigenen Unterricht erfolgreich wirksam zu sein, schon um die Thätigkeit seiner Mitarbeiter leiten und regeln zu können. Aehnlich dem Bilde der Familie sieht nun die Schülerin in dem Vorsteher den Mann der Autorität, der aber in harmonischer Weise in sich den Ernst und die Würde mit der liebevollen Herablassung vereinigt, während sie in ihren Lehrerinnen das Ideal vollkommener Weiblichkeit erblickt.^) Auf diese Weise kann vielleicht mancher ungünstige Eindruck, den eine fehlerhafte häusliche Erziehung oder^ein anderer Umstand hervorgerufen, ausgeglichen und dem Mädchen Gelegenheit gegeben werden, sich ein richtiges Ideal zu bilden für seinen späteren Erziehungsberuf. Nachdem der Verf. in dem Vorstehenden versucht hat, den Unterrichtsstoff und die Methode unter Berücksichtigung der eigenartigen Natur und Bestimmung des weiblichen Geschlechtes zu kennzeichnen, auch, soweit es der gegebene Raum gestattete, seine Ansicht über Verwendung der Lehrkräfte in der höheren Töchterschule kund zu geben, überreicht derselbe das Büchlein den Freunden des Er- ziehungs- und Bildungswesens mit der Bitte, einen soliden Maßstab an diese Erstlingsgabe anlegen zu wollen, da dieselbe aus purer Liebe zur Sache entsprungen ist und nur den Zweck hat, *) Denn wo das Strenge mit dem Zarten, Wo Starkes sich und Mildes paarten, Da gibt es einen guten Klang." Schiller. „mehr Licht" über den Stand der Töchterschulen verbreiten zu helfen. Der Grundsatz, welcher den Verfasser bei der Arbeit hinsichtlich der an die Schule zu stellenden Forderungen leitete, ist in den Worten ausgesprochen: ,Die Mittelstraße immer, Das Mittelmäßige nimmer.' EIL MMWRsL^ MAE- -schätz- '' ^ A^>