«k ? - >" - r ' ' «t^UNi^,! M - . ff'litzW TH n .W> M> , MLM WD ^«i^WYI» XVi.- lidi eine / ü' X < (Il O I) 11 (I ^ N i 1^22 . . > S i ^O... III Vorrede. ^Deit Fenelon ist unsäglich viel über die Bestimmung, die Erziehung, Bildung und Veredlung des weiblichen Geschlechtes geschrieben worden, besonders in den letzten dreißig Jahren. Möchte doch auch Alles mit Nachdenken gelesen und beherzigt worden seyn. Zwar läßt sich nicht läugnen, daß diese Schriften den erfreulichsten Einfluß auf einen großen Theil unserer Töchter gehabt haben und viele als Muster schöner veredelter Weiblichkeit unter ihren Gespielinnen wandeln; an andern aber wird man nur zn deutlich gewahr, daß sie leider über das, was sie seyn sollten und könnten, wenig gedacht, und noch weniger gelesen haben. Einer großen Anzahl fehlt es nicht an innerem Gehalt; der rohe Diamant ist aber noch mit einer Kruste umgeben, die nur durch die bildende Hand der Kunst entfernt werden kann. Bei Mädchen dieser Art, werden bildende Schriften ihre gesegnete Wirkung nie verfehlen; Alles wird nur darauf ankommen, sie ihnen in die Hände zu spielen und sie zum Lesen derselben zu veranlassen. In dem vorliegenden Werkchen habe ich, zu diesem Zweck, das Resultat meiner eigenen Ersah- rv rung, nach einer mehr als dreißigjährigen Beschäftigung mit der Erziehung, verbunden mit dem Schönsten und Treffendsten, was eine Gräfin Car- lisle, ein ^ampe, Ewald, Jakobs, Ehrcnberg, Glatz, Friedrich und andere geschätzte Schriftsteller mehr über die Bestimmung und Veredelung des schönen Geschlechtes ausgesprochen haben, in kurzen praktischen Sätzen zusammen gestellt, um zwischen einem jeden dem Nachdenken Raum zu lassen. Eine ältere Schrift von A. Meyer, über die Bildung eines jungen Frauenzimmers, die vor zwanzig oder fünf und zwanzig Jahren mit großem Beifall aufgenommen wurde, bestimmte mich zur Wahl dieser Form, deren Vorzug besonders darin besteht, daß sie kurz, bestimmt und bündig, ohne weitläufiges Raisonnemcnt, mit Anführung der vornehmsten Gründe, sagt, was geschehen soll. Sätze dieser Art, scheinen mir faßlicher und geeignet, sich der Seele reiner und tiefer einzuprägen, auch bei dem leichten weiblichen Sinn der Zerstreuung weniger Raum zu lassen, als ein mehr zusammenhängender rai- sonnircndcr Vertrag. Ich würde mich glücklich füblen, wenn diese kleine Schrift mit eben derselben Liebe aufgenommen und gelesen würde, mit welcher ich sie ausarbeitete, und sie wirklich auf die Bildung meiner jungen Leserinnen den segcnsvollen Einfluß hätte, den ich dabei bezweckte. Der Verfasser. Einleitung >Deit mehr als dreißig Jahren lebe ich in ei« ner friedlichen Ehe. Zwei gute Söhne und zwei glückliche Töchter nennen mich Vater, und schon spie« ken hoffnungsvolle Enkel um meine Knie. Ich war selbst der Erzieher und Lehrer meiner Kinder, der Führer ihrer Kindheit und Jugend; mir ist die Freude und der Trost geworden, mein Streben, sie vorzüglich zu moralisch guten Menschen zu bilden, mit dem glück.ichsten Erfolg belohnt zu sehen. Daher sey es mir vergönnt, auch Ihnen, meine jungen Freundinnen, meine Erfahrungen, meine Ansichten, meinen Rath und meine Wünsche mitzutheilen. Wie viele Töchter edler Herkunft beweinen nicht den Ver» lust ihrer Ruhe, ihrer Unschuld, ihrer Ehre, ihres guten Namens, weil keine warnende Stimme sie von Abwegen zurück rief, keine leitende Hand sich ihnen auf dem schlüpfrigen Pfade des Vergnügens darbot, und kein ernster Wink sie zum Nachdenken über sich selbst aufforderte. Viele sielen ganz aus Unerfahren- A 4 heit und Leichtsinn; «ine noch viel größere Menge ver» alterten verschmäht und verachtet, oder wurden wenig» stens nicht ihren Gatten, ihren Kindern, ihren Umgebungen das, was sie ihnen halten werden können, wenn ihre Jugend besser geleitet worden wäre, wenn sie aufmerksam auf ihre Bestimmung, mehr an sich selbst gebildet hätten. — Ihre eigene Erfahrung wird Ihnen Beyspiele genug zur Bestätigung dieser Wahrheit ins Gedächtniß zurückrufen. Mein Wunsch ist, Sie vor einem ähnlichen Schicksal zu bewahren; nehmen Sie daher die Winke, die ich Ihnen zu geben habe, mit Wohlwollen und Freundlichkeit auf, und beherzigen Sie sorgsam alles, was zur Erfüllung Ihrer Pflicht, zur Veredlung Ihres Geistes und Herzens hienieden dienen kann. Wollen Sie sich nach allen Theilen würdig bilden, so verlieren Sie besonders nicht Ihren dreifachen schönen Beruf aus den Augen: einst liebenswürdige Gattin, edle verständige Mutter, einsichtsvolle Vorsteherin Ihres Hauses und Ihrer Familie zu werden. Vergessen sie aber auch nicht Ihre Verhältnisse zur Außenwelt, Und suchen Sie allenthalben 'als ein ach- lungswerthes Mitglied der menschlichen Gesellschaft, als eine heitere theilnehmende, thatigte, hülfreiche 3 Menschenfreundin zu erscheinen und so viel in Jh- ren Kräften steht, zum gemeinsamen Wohl und zum gemeinsamen Vergnügen Ihrer Umgebungen beizutragen. Zeigen Sie sich überall als ein sittlich gutes Wesen, veredelt durch Religion und alle weibliche Tugenden, durch Sanstmuth, Bescheidenheit, Ordnungsliebe, zarte Weiblichkeit, einen gebildeten Geist und Talente. Lassen Sie aus allem Ihren Thun Freundlichkeit und Herzensgüte, Gedult, weichen Sinn, Wahrheit und Wohlwollen hervorleuchten, und betrachten Sie Ihren Madchenstand als die Vorberei- tungsschule zu Ihrem höheren Beruf. Verschönern Sie ihn durch heitere Erfüllung Ihrer Pflichten, als Tochter und Schwester durch kindliche Zärtlichkeit und Dankbarkeit und warme herzliche Geschwisterliche. Die Natur hat dem Manne und dem Weibe jedem seinen eigenen Geschäftskreis angewiesen. Dem Manne ist mehr Kraft als dem Weibe verliehen worden, daß er sie zum Schutz und zur Ernährung seiner Familie, zum Dienste und zur Vertheidigung des Vaterlandes anwende. Sein Wirken geht mehr nach außen; der Wirkungskreis des Weibes ist aber blos auf das Innere des Hauses, auf die Erziehung ihrer Kinder, die Führung der Wirthschaft beschränkt. Sie bestimmt ergänzen, was ihrem rauhern Gat- AL 4 ten mangelt, ihm und den Ihrigen durch heitern Sinn, Freundlichkeit, Anmuth, sanfte Liebe und Treue das Leben zu mildern und zu verschönern und ihnen ihr Haus zum Himmel zu machen. Gehülfin des Mannes zu seyn, ist des Weibes erster Beruf, aber nicht ihr einziger. Ihr Ordnungsgeist, Ncinlichkeitsgeist, Verschönerungsgeist, Ersparungsgeist zeigt, daß sie auch Hausfrau und Wirthschasterin seyn soll. Mutter zu seyn, lehrt sie der bereitete Nahrungssaft in ihrer Brust und die zärtlich sorgsame sich aufopfernde Liebe in ihrem Herzen. Da nun die Natur selbst jedem Geschlechte sein Geschäft angewiesen hat, so suchen Sie nicht Ihre Rollen zu vertauschen. Ein männliches Weib gefallt eben so wenig, als ein weiblicher Mann. Wenn Sie die sanfte Weiblichkeit ablegen, wenn Sie nach einem männlichen Charakter, nach Abhärtung, wilden Vergnügungen, Schöngeisterei, Gelehrsamkeit streben, so berauben Sie sich Ihres schönsten Schmuckes, Ihrer edelsten Vorzüge, denn Ihr weicher kindlicher , Sinn, Ihre Sanftmuth, Ihr Zartgefühl, Ihre jungfräuliche Anmuth und Schüchternheit ist es, was die Männer so gerne sehen, was-ihre Herzen so 5 mächtig an Sie zieht. So bleiben Sie ihm also treu dem reinen heiligen Character edler Weiblichkeit, der gewiß nicht weniger Achtung verdient als der männliche. Sie sind ehrwürdig in Ihrem Beruf als Tochter, in so weit Sie die Stütze Ihrer Mutter, die Pflegerin Ihrer Aeltern und Geschwister, die Mitaufseherin über das Hauswesen sind; ehrwürdig als Gattin, insoferne Sie brausende Stärke des Mannes durch Liebe mildern, ehr, würdig als Mutter, da Sie Ihren Kindern nicht nur das sinnliche, sondern auch das höhere geistige Leben geben, da sie bestimmt sind, Schöpfer edlerer Geschlechter zu werden, und unter Ihrer Leitung dir Nachwelt heranblühen zu lassen; ehrwürdig endlich als Vorsteherin der Wirthschaft, als die Verwalterin des Familienvermögens, als Befördererin jedes Guten und Edeln in und außer Ihrem Hause. Suchen Sie sich aber dieser Ehre würdig zu machen, und sich von Jugend auf zu Ihrer Bestimmung so zu bilden, daß man sie mit Ueberzeugung den Ersten und Edelsten Ihres Geschlechtes beizählen, und Ihnen einen Rang einräumen könne, der mehr innern Werth als Stand und Geburt habe, einen Rang, der sich auf die Schätzung Ihrer Verdienste, suf wahre Hochachtung gründe. Ist Ihnen aber daran gelegen, die dienlichsten Mittel zu diesem Zwecke kennen zu lernen, so vernehmen Sie den wohlgemeinten Rath eines Vaters, verbunden mit dem, was mehrere andere geachtete Erzieher über diesen wichtigen Gegenstand gedacht und geschrieben haben. Ich werde meine Demer» kungen unter gewisse Rubriken sammeln, und sie Ihnen, in Gestalt kurzer Regeln, zur Beherzigung und zu weiteren Nachdenken übergeben. Nur so viel muß ich vorher noch bemerken, daß das Weib eben nicht einen sehr hohen Grad geistiger Bildung bedarf, um zu den Glücklichen gezählt zu werden; nur darf es ihm an derjenigen Bildung nicht fehlen, ohne welche man nicht zum vollen Besitz und Genuße seiner selbst gelangt. Die Fähigkeit, das Schöne, Erbauliche und Edle überall wahrzunehmen, sich überall Freuden zu bereiten, ein unbefangenes und richtiges Urtheil, Innigkeit und Reichthum der Empfindungen und Bekanntschaft mit dem eigenen Gemüthe, sind hier das Wichtigste. 7 Sorge für die Gesundheit des Körpers. Suchen Sie mit Sorgfalt Ihre Gesundheit zu erhalten, denn sie ist das höchste Gut des Lebens, und' die Gesundheit des Körpers hat den sichtbarsten Einfluß auf die Seele. Eine kränkliche Person kann nie ihren Aeltern, ihrem Gatten, ihren Kindern, ihrer Wirthschaft ganz das seyn, was sie ihnen seyn sollte. Mit ihr leiden zugleich alle ihre Umgebungen und der ganze Geist des Hauses. Ihr Körper, als der Wohnsitz und das Werkzeug Ihrer Seele, verdient die achtsamste Pflege. Ihn kraftvoll und bei vollkommenem Wohlseyn zu erhallen, sei daher eine Ihrer ersten Pflichten. Suchen Sie ihn in dieser Absicht abzuhärten, und hüten Sie sich ihn zu verweichlichen. Wenn Sie sich zu sehr schonen, zu sehr verzärteln, so werden Sie sich keiner rauhen Luft/ keiner Übeln Witterung aussetzen können, ohne zu erkranken. Gewöhnen Sie sich daher, von Kindheit auf, in jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter auszugehen. Vermeiden Sie übertriebene Wärme in der Kleidung, in der Wohnung, in dem Bette. Enthal- 6 ten Sie sich der Wärmflaschen, und erzittern Sie nicht bei dem Gedanken, in einer kalten Kammer und in einem ungewärmten Bette zu schlafen. Gewohnheit lehrt Alles ertragen. Scheuen Sie sich nicht vor Arbeiten gröberer Art, denn sie geben den Muskeln Kraft und Festigkeit. Gewöhnen Sie sich an Ordnung und Einfachheit in der Lebensweise. Beobachten Sie in Arbeit, Erholung, in Essen, Trinken, Bewegung, im Schlaf und im Genießen aller Art ein gewisses Maas; denn nichts erhalt sicherer die Gesundheit als Ordnung und Mäßigkeit. Je einfacher und ungekünstelter Ihre Nah« rung ist, desto weniger Krankheiten werden Sie un« terworfen seyn; es genüge Ihnen Mittags und Abends ein sparsames Mahl; reines gutes Wasser fei Ihr gewöhnliches Getränk; hüten Sie sich vor raffinirten Gerichten, vor stark gewürzten Speisen, vor Leckereien und Süßigkeiten, denn sie verderben den Magen und sind eine Quelle unzähliger Uebel. Seyn Sie nicht minder natürlich und einfach in Ihrem Anzüge. Meiden Sie einengende y Kleider, durch welche das Blut in seinem Umlauf, die Glieoer und Muskeln in ihrer Bewegung, in ihrer Entwickelung gehindert werden. Besonders Schnur- brüste und Schnürleibchen möchte ich Ihnen ganz verhaßt machen- Lassen Sie sich aber nicht nur vor einem all- zuwarmen, sondern auch vor einem allzuleichten, den Körper kaum bedeckenden Anzüge warnen. Es ist wahr, die dünne und zierliche griechische Kleidung, die unsere Töchter und Frauen nachzuahmen suchen, ist weit geschmackvoller und schönen körperlichen Formen weit günstiger, als der steife Anzug unser Mütter; wir leben aber nicht unter dem milden griechischen Himmel, und die Abwechslung der Temperatur ist zu rasch und zu bedeutend in unsern nördlichen Gegenden, als daß ein allzuleichter Anzug nicht eine Menge rheumatischer und gichtischer Uebel zur Folge haben sollte. Schöne Formen gefallen zwar jedermann; wäre es aber nicht thöricht, ihnen das Glück der Gesundheit aufzuopfern; zumal da mit der Gesundheit auch die Schönheit und das Glück des Lebens entschwindet. Viele Krankheiten der Frauen rühren von Stockung der Safte her, welche eine Folge ihrer sit- 10 zenden Beschäftigungen ist. Wollen Sie sich daher gesund erhalten, so machen Sie sich fleißig Bewegung. Hierzu ist aber blos häusliche Thätigkeit allein nicht hinreichend. Sie müssen hinaus in die freie, reine, stärkende Luft, und wo möglich jeden Tag eine oder zwei Stunden sie etwas rasch gehend einathmrn. Aus dem anhaltenden Zimmersitzen entstehen, wo nicht förmliche Krankheiten, doch Schlaffheit, Trag» heit, Unbehaglichkeit, Mismuth, Lebensüberdruß. Bemühen sie sich, Ihre Haut beständig frisch und rein zu erhalten, denn auch davon hängt Ihre gute Gesundheit ab. Waschen Sie sich täglich mehr als einmal, baden Sie sich/ wenn Sie Gelegenheit dazu haben, und wechseln Sie fleißig die Wäsche. Enthalten Sie sich aller Schminke, denn nichts ver» dirbt mehr die Haut und die natürliche gute Farbe. Erlauben Sie sich auch keine betäubende Gerüche, keine Tinkturen, keine Essenzen, weder in noch außer dem Bade. — Daß Sie sich nicht zu warm und nicht zu lange baden sollen, bedarf wohl kaum einer Erinnerung. Empfinden Sie bisweilen kleine Unpäßlichkeiten, so schicken Sie nicht sogleich nach Medicin, sondern suchen Sie vielmehr das Uebel durch gute Diät 11 zu heilen. Mit etwas Geduld verliert es sich öfters von selbst. Merken Sie aber, daß es zunimmt, so vertrauen Sie sich einem geschickten Arzte. Mäßigen Sie sich nicht nur in Speise und Trank, sondern eben so sehr in ihren Affecten und Leidenschaften. Hüten Sie sich besonders vor Zorn, Groll, Neid, Haß, denn alle feindselige Regungen unsers Herzens zerreiben und zermalmen unsere Lebenskräfte und untergraben unsere Gesundheit. Lernen Sie Selbstbeherrschung und suchen Sie sorgsam Ihre Heiterkeit und Ihren Gleichmuth zu erhalten. Bewachen Sie sich auch bei dem Tanz, und zwar um so mehr, da er an sich selbst etwas ganz Unschuldiges und Untadelhastes ist. Er verschafft dem Körper Bewegung, Gewandheit und Grazie; er ist der natürliche Ausdruck der Fröhlichkeit bei der Jugend. Bei einer schwachen Brust bringt aber auch schon mäßiger Tanz Gefahr, und unzählige blühende Mädchen sind schon die Opfer einer ausgelassenen Tanzwuth geworden. Fliehen Sie daher wie Gift alles übermäßige Tanzen. Es verdirbt die Haut, zerstört die Brust, hat Lungensucht, Lungenentzündungen, Auszehrung zur Folge. Der Furien und Bachantenphystognomie, die solche wilde geschmacklose 12 und erschöpfende Tänze dem Gesichte aufdrücken, nicht zu gedenken.*) Bildung des Aeusserlichen. Hat Ihnen der Himmel Schönheit und andere körperliche Vorzüge gegeben^, so suchen Sie sie sorgfältig zu erhalten, denn ein angenehmes Acußeres ist ein Empfehlungsbrief auf der -Reise des Lebens. Man schlicht gern von einem schönen Körper auf eine schöne Seele, und fühlt sich gleich auf den er. sten Blick schon allein durch die Macht der Schönheit zu ihr hingezogen._ Seyn Sie daher nicht gleichgültig gegen Ihre äußere Gestalt. Der Verschönerungstrieb ist dem Weibe natürlich, denn es ist von der Natur schon durch alle ihre körperlichen Anlagen zum Gefallen be. stimmt, und es findet sich dieser Trieb schon bei den kleinsten Mädchen und bei den wildesten Völkern. Suchen Sie aber Ihre Schönheit nicht durch verkehrte Mittel wie z. B Schminken, Krerdeessen, *) Man sehe Hufelands Kunst das menschliche Leben zu verlängern, und Hildebran-S ' Taschenbuch für Gesundheit. 13 Essigtrinken zu erhalten und zu erhöhen, sondern beschränken Sie sich auf fleißiges Waschen mit frischem Wasser, allenfalls mit feiner Kleie, daß aller Schmutz von der Haut weggenommen werde, und auf sorgfältige Reinigung Ihrer Zahne. Eine schöne Haut und reine Zahne sind die sichtbare Gesundheit. Uebernehmen Sie sich nicht in warmen Getränken, besonders Thee, der den Magen angreift, die Verdauu.gskräfte zerstört, die Haut verdirbt, der Schönheit schadet und durch die ungesunden Safte, die er herbeiführt, die Zähne zerstört. Hüten Sie sich noch mehr vor starken Weinen und andern hitzigen Getränken, die die Haut austrocknen, sie fleckig und küpfrich machen. Schminke verschönert nicht und macht vor der Zeit häßlich. Sie ist nicht nur Gift für die Haut, und zerstört die schöne Blüthe der Wangen, sondern sie macht auch die Schamröthe der Tugend unsichtbar. Das geschminkte Gesicht zeigt nicht mehr die Bewegung des Herzens und ist folglich ohne Ausdruck. — Von der Schminke des Gesichtes schließt man auf Schminke des Herzens, und wendet mit Unwillen und Eckrl die Augen von einem gemalten Gesichte ab. 1 14 Lassen Sie sich dagegen, als die sichersten Ver» i schönrrungsmittel: Reinlichkeit, frühes Aufstehen, frische Luft, mäßige Bewegung, fleißiges Kämmen der » Haare, Waschen mit frischem und Baden in lauem t Wasser empfohlen seyn. Auf solche Art geben Sie ^ der Haut Reinheit, Weichheit, Lebendigkeit. — Hal- , ten Sie auch, wie schon gesagt, die Zahne kein und ' den Kopf kühl. ^ ! Hüten Sie sich aber wohl, einen zu großen Werth auf körperliche Schönheit zu legen, denn Schönheit allein ist nicht hinreichend, einen vernünf- ! tigen Mann zu fesseln, und mit großer Schönheit sind auch große Gefahren verbunden; sie kann das Glück Ihres Lebens mehr stören als befördern. Die weibliche Schönheit lockt die Schmeichler, die Gecken, die Verführer eben so wie die Sonne das Ungeziefer herbei, und. setzt diejenigen welche sie besitzen, der Gefahr aus, ihren guten Namen, ihre Unschuld, ihre Ruhe, ihr häusliches Glück zerstört zu sehen. Beneiden Sie daher niemand um ein so gefährliches Geschenk des Himmels, wenn es Ihnen versagt ist. Körperliche Schönheit bezaubert nur eine Zeit ^lang. Ihre ersten Eindrücke sind zu lebhaft, zu 15 stark, ZU sinnlich, als daß sie bleibend seyn könnten. Bald geht daher die Begeisterung, die Liebe, die Lei. denschaft, die sie erregt, in Erschlaffung, Abspannung Eckel über, und selten führt die Verbindung mit vorzüglich schönen Weibern glückliche und zufriedene Ehen herbei. So wie uns Speisen, die unsere Begierden Lurch Süßigkeit und starke Gewürze am meisten reihten, nach dem Genuß am schnellsten aneckeln, eben so erzeugt große Schönheit bei den Männern viel leichter Ueberdruß, als die minder schönen Alltags- formen der Frauen. Und werden diese vollends von Verführern umschlichen, so wird leicht die erste Zärtlichkeit des Gatten in Eifersucht, die erste Liebe in Unwillen, Zorn, Haß, Rachgier, oder Gleichgültigkeit verwandelt. Je größer die Schönheit, desto größer ist für die Weiber die Gefahr, am Herzen verdorben, verführt, elend gemacht zu werden. Trösten Sie sich also, wenn die Natur Sie nicht von dieser Seite auszeichnete. Es giebt aber eine Art höherer Schönheit, die man Anmuth nennt, und die mehr unser eigenes Werk als das Werk der Natur ist. Sie ist der Ausdruck eines gebildeten Verstandes, eines edlen wohlwollenden Herzens, das sich in unsern Blicken, Minen, Stellungen, in Stimme und Geberden auS- spricht. Nach dieser Art von Schönheit, die Sie sich selbst verschaffen können, und womit man allen gefallt, richten Sie Ihr Streben. Es gibt aber keine Anmuth ohne Güte und Wohlwollen. Lassen Sie sich hierin von niemand übertreffen und verlieren Sie nicht den Muth wenn Sie durch die sinnlichen Reize anderer Frauen über» troffen werden. Anmuth verbreitet eine unaussprechliche Grazie über jeden Blick, jede Bewegung, jedes Wort. Sie verschönert die Häßlichkeit und ertheilt der Schönheit den Reiz, ohne den sie nicht gefallen kann; sie ist jede Tugend, jede Vortrefflichkeit in ihrer edelsten Gestalt. Diese Art von Veredlung, meine Freundinnen, lassen Sie sich also angelegentlich empfohlen seyn. _ Schenken Sie der Bildung des äußern Menschen nicht zu viel Zeit und Aufmerksamkeit; verkennen Sie aber auch nicht den Werth eines schönen und angenehmen Aeußern, eines edlen Anstandes und feiner Sitten, denn es ist ja Bestimmung der 17 Weiber, durch Schönheit und Anmuth, Auge und Herz zu erfreuen. _ Bewachen Sie sich, daß Sie in nichts die Grenzen des Schicklichen überschreiten. Erlauben sie sich keine Verzerrung des Gesichts; entstellen Sie nicht Ihre Züge durch die Affekte des Zorns, des Grolls, des Haffes; nicht durch hämischen Spott und Scha» densreude. Heftige Leidenschaften zerstören nebst der Haut auch alles Einnehmende in der Physiognomie," und hinterlassen Züge, die man nie auf einem weiblichen Gesicht sehen sollte. Fliehen Sie alles, was Sie verunstaltet, daß der Blick Aller mit Wohlgefallen auf Ihnen ruhe. Benehmen Sie sich in Allem was Sie thun, mit Leichtigkeit und heiterer Anmuth; suchen Sie alle Ihre Bewegungen zu veredeln, stehen und gehen Sie gerade, verneigen Sie sich mit Anstand, erlau» ben Sie sich keine Stellung, die der feine Geschmack mißbilligt; vermeiden Sie Alles, was unangenehm in die Augen fallt. Der Tanz gibt dem Körper äußerliche Grazie und Gewandtheit, er befördert die Leichtigkeit und Ungezwungenheit in allen Bewegungen, und lehrt B 18 sich der Welt mit Änstand vorstellen. Dernachläf. si^en Sie ihn daher nicht und ehren Sie ihn von dieser Seite. Melden Sie aber wilde Tanze, die die Grazien in Furien verwandeln. Begegnen Sie jedermann mit Höflichkeit, Freundlichkeit, Gefälligkeit. Suchen Sie liebenswürdig zu seyn, so wird man Ihnen mit Liebe entgegen kommen. Ist Ihnen ernstlich daran gelegen, Ihr Aeuße- res zu bilden und Ihre Sittcn zu veredeln, so beobachten Sie aufmerksam solche Personen, die sich durch feine Lebensart auszeichnen, und suchen Sie ihnen nachzuahmen. _ Entziehen Sie sich dagegen dem Kreise der Niedern Mrnschenklafse, denn solcher Umgang ist immer von sehr übelm Einfluß auf die äußern Sitten. Seyn Sie zwar leutselig, nicht hochmüthiq gegen solche Menschen; kalten Sie sich aber immer von ihnen in gehöriger Entfernung. Bei der Standesverwirrunq, die der steigende Luxus herbeigeführt bat, können Sie sich nur durch Bildung an Geist, Sprache, äußeren und inneren Sitten auszeichnen. In der gemischtesten Gesellschaft ry tritt jeder, sobald der Mund sich öffnet, auf die ihm gebührende Stufe. Lassen Sie sich besonders die Verfeinerung Ih- rer Sprache empfohlen seyn. Sprechen Sie nicht wie der Pöbel. Suchen Sie in derselben, Reinheit, Nichtigkeit, Schönheit, Wohlklang zu erringen- Eine schöne, reine, wohlkönende Sprache ist schon allein hinreichend, Wohlgefallen und Wohlwollen zu erregen; rvo sie hingegen gemein, rauh, holpricht, widerlich klingt, da vermuthet man einen rohen Geist, ein ungebildetes Gemüth. Eine schöne Aussprache thut dem Ohre wohl, eine wohlklingende Stimme bezaubert. Man habe die schönste Gestalt, so wird der Eindruck, den sie macht, verschwinden, sobald sich ein gemeiner, rauher, schreiender Mund vernehmen läßt. Ein häßliches Gesicht wird dagegen sichtbar durch eine angenehme Stimme und eine feine Sprache verschönert. Vermeiden Sie aber in der Sprache, so wie in allem Uebrigen, das Studirte, Unnatürliche, Erkünstelte. Zeigen Sie Anmuth und Liebenswürdigkeit in ihrem ganzen äußern Wesen; lassen Sie in B2 20 Allem was Sie sagen und thun, eine natürliche Grazie herrschen. _ Zur Bildung und Verschönerung des Äußerlichen Ihrer Person, gehört auch die Kleidung und der Putz. Lassen Sie sich daher auch die Beherzigung des folgenden Abschnittes empfohlen seyn. Kleidung. Putz. Moden. Bisweilen vergessen solche Frauen, die mit Geist und Talenten begabt sind, zu sehr ihre Kleidung und ihre persönlichen Vorzüge. Ein ausgebildeter Geist und äußere Nettigkeit des Körpers; sind aber sehr wohl vereinbar. _ Vernachlässigen Sie daher nicht Ihren Anzug. Seine äußere Beschaffenheit drückt oft das Innere des Herzens aus. Ein schmutziges, unordentliches Kleid verräth eine unempfindliche schmutzige Seele. Die Wahl der Kleidung ist zugleich der Thermometer ihres Geschmacks. _ Schönheit gefällt schon durch sich selbst; sie kann aber durch einen niedlichen Anzug um sehr vieles erhöhet werden. Eine ungekünstelte Kleidung ist 2L qher viel einnehmender, als ektte studirte. Man gefällt weniger, wenn das Bestreben zu gefallen, zu sichtbar ist, Suchen Sie durch Kleider und Putz mehr den Geschmack zu befriedigen, als die Augen zu blenden. Bemüben Sie sich, durch Ihren Anzug besonders demjenigen zu gefallen, dem zu gefallen Ihre Pflicht ist. So lange Sie jung sind, bedarf es we» nig Schmucks; wenn Sie alt sind, ist er ohne Wirkung. Eine geschmückte Häßlichkeit ist doppelt häßlich. Ordnung und Reinlichkeit ist die schönste Zierde des Anzuzs. Manche Mädchen und Frauen beschäftigen sich halbe Tage lang an ihrem Putztische und gefallen doch nicht mehr als Andere, die kaum eine halbe Stunde darauf verwenden. Vernachlässigen Sie nicht Ihr Aeußeres, setzen Sie aber auch nicht Alles darin. Ihre Bestimmung ist zu gefallen; vergessen Sie es nicht. Sie können sich aber durch etwas Wichtigeres auszeichnen, als den Schnitt Ihrer Kleider; können durch etwas Besseres und Edleres glänzen, als Silber und Gold. Seyn Sie schön, kleiden Sie sich gut, suchen Sie liebenswürdig zu seyn, aber so wie die Blume 22 duftet, ohne Absicht, aus natürlichem unaufhaltba» rem Triebe. Vergessen Sie bei Ihrem Anzüge nicht die Sittsamkeit, die Schamhaftigkeit, die zarte Weiblichkeit. Suchen Sie die Mittelftraße zwischen dem Allzufreien und Allzusteifen, zwischen dem unnatür. liehen spröden Verhüllen und dem urrjungfraulichen koketten Entblössen. Lassen Sie sich Reinlichkeit, Simplicität, Geschmack, sorfältige Wahl Ihrer Kleidungsstücke empfohlen seyn. Denken Sie an dieß Alles, ehe Sie ausgehen, sprechen Sie aber nicht davon in Gesellschaften, be- sonders vor Männern, wenn Sie nicht für eitel und kindisch gelten wollen. Halten Sie auch mit dem Ausruf der Bewunderung zurück, wenn eine Ihrer Freundinnen mit einem neuen Kleide in das Zimmer tritt, daß es nicht scheine,, als interessier Sie der Anzug mehr als die Person. Immer geputzt seyn, heißt nicht wissen, wie man gefallt. Was man täglich sieht, macht wenig Freude. Nur Reinlichkeit und guten Geschmack erwartet man täglich von Ihnen. Legen Sie überhaupt keinen großen Werth auf Ihren Putz. Eine Frau, die zu-großen Werth auf Aierrathm legt, Tage lang daran wählt, des Nachts davon träumt, das Große über dem Kleinen vergißt, ist eine schlechte Gattin, eine schlechte Hausfrau, eine schlechte Mutter. Wir sind den Gebräuchen der Welt, in der wir leben, Achtung schuldig, und die Mode ist ein solcher Gebrauch. Wir müssen sie also mitmachen. Ahmen Sie aber auffallende und häßliche Moden so langsam als möglich nach, und hören Sie so früh als möglich damit auf. Beobachten Sie auch aufmerksam, was Sie kleidet oder nicht kleidet, was passend oder nicht passend für Sie ist. Der Mode blindlings folgen, heißt keinen Geschmack haben, oder ihn verläugnen. Folgen Sie auch den bessern Moden in einer bescheidenen Entfernung; seyen Sie keine der ersten und keine der letzten, die sie mitmachen. Bleiben Sie so lange als möglich auf ihrem eigenen Wege der Schicklichkeit, und bedenken Sie, daß das, was den einen kleidet, nicht eben so gut für den andern paßt. Alter, Schönheit, Vermögen, stimmen nicht bei Allen überem; also kann auch der Kleiderschnitt nicht 24 bei Allen von gleicher Wirkung seyn. Ziehen Eis Ihrer» Spiegel, noch mehr aber Ihre Vernunft zu Rathe, die Ihnen sagen wird, wie Sie eine neue Mode nachahmen sollen. Setzen Sie noch weniger ein Verdienst in die Erfindung neuer Moden, sondern überlassen Sie solche Spekulationen den Putzmacherinnen. Nehmen Sie sie an, um die Auszeichnung zu vermeiden; ge« den Sie aber niemand das Beispiel der Auszeichnung durch Modetand. Suchen Sie überhaupt nie durch Son- derbarkeit die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Geschmackvolle Abwechslung im Anzüge und in der Wahl der Kleidungsstücke, gefällt oft besser als neue Moden. Geistesbildung. Ich habe Ihnen die Bildung Ihres Äußerlichen empfohlen; vergessen Sie aber nicht über den äußern Menschen den innern. Herz und Geist muß der Schönheit der Person würdig seyn, sonst glaubt man einen falschen Edelstein zu sehen, der bloß von Außen schimmert, von innen aber ohne Werth ist. Suchen Sie vielmehr einer echten Perle zu gleichen, deren Gehalt durch die Schönheit der Fassung noch mehr erhöhet wird. Ein rektzvolleS Aeußeres stößt zurück, sobald man merkt, daß es einer rohen und häßlichen Seele zur Hülle dient. Man glaubt die Natur mit sich selbst im Widerspruch zu finden, und wird gegen ein Zwitterwesen, das nur von Außen blendet und einnimmt, mit Unmuth, Widerwillen und Verachtung erfüllt. Suchen Sie daher Ihren Geist mit eben der» selben Sorgfalt wie ihren Körper zu verschönern. Lassen Sie die äußere Anmuth, die feinen Sitten, den edeln und bescheidenen Anstand tief aus Ihrer Seele hervorgehen, und ihr Abbild seyn. In der Glätte des Aeußern muß sich das Innere spiegeln, und es treu wieder geben. Von Innen kommt das wahre Leben, die wahre Schönheit. Machen Sie es sich zu einer heiligen Pflicht, alle Ihre natürlichen Anlagen, alle Ihre geistigen Kräfte nach Möglichkeit auszubilden. Neben Sie Ihr Gedächtniß, Ihren Verstand, scharfen Sie Ihre Beurtheilungskraft, nähren Sie Ihren Geist mit nützlichen Kenntnissen, benützen Sie gewissenhaft den Unterricht, dessen Sie sich zu erfreuen haben, und suchen Sie sich sonst durch gute Schriften zu unter» richten; auch dann / wenn die Schuljahre längst vorüber sind, mit noch'größerem Eifer,, so weit' es Ihre häuslichen Geschäfte zulassen, an' sich fortzubilden. Halten Sie sich nicht- nur an das Leichteste und Unterhaltendste. Das Schwerste und Trockenste biloet und; stählt den Geist am meisten. Gewöhnen Sie sich, nichts oberflächlich anzuschauen, sondern alles genau ins Auge zu fassen, eS richtig zu beurtheilen, und weiter und folgerecht darüber nachzudenken. Streben Sie nach dem Umgang mit gebildeten, vernünftigen und älteren Personen als Sie, besonders mit ernsthaften und gesetzten Männern, denn ein solcher Umgang ist lehrreicher und bildender als Bücher. Suchen Sie sich durch Fragen klar zu machen, was Ihnen dunkel geblieben ist, und erweitern Sie auf solche Art unermüdet ihre Einsichten. Was hindert Sie, bei Ihren stillen weiblichen Arbeiten, ausgezogene Stellen aus den besten Dichtern und Prosaisten, Ihrem Gedächtnisse einzuverleiben, und auf solche Art durch das Vorzüglichste, was . / von den besten Köpfen gedacht und gesagt worden ist, Geist und Herz zu veredeln. Ich sage, Geist und Herz, denn ein Frauen» zimmer, welches Geist besitzt und damit glänzt, aber die Ausbildung ihres Herzens dabei versäumt, gleicht einem Feuerwerke, das zwar die Augen eine Zeit lang belustiget, aber mit einem Knall sich endet, und nichts zurück läßt, als leeren Dampf. Suchen Sie aber nicht mit Ihren Kentnissen zu schimmern und zu prahlen, daß Sie sich nicht lächerlich und verhaßt machen, sondern bewahren Sie sie wie einen köstlichen Schatz in dem Innersten Ihres Herzens, und holen Sie nur dann daraus hervor, wenn Sie ohne Verletzung der weiblichen Bescheidenheit, eine wirklich nützliche Anwendung davon machen können. Eben so wie der Reichthum eines wohlhabenden aber anspruchlosen Mannes sich äußerlich wider seinen Willen verräth, eben so möge sich der Reichthum Ihres Geistes in Ihren Reden und Thaten verrathen. Vergeblich suchen Mädchen ohne Geist und Bildung den Kenner durch ihre äußern Vorzüge zu bestechen. Ihr Geist geht, sobald sie sprechen, in 23 ihre Worte über, und zeigt sich klar in denselben wie. schlechtes Gold auf einem Probiersteine. Ein weibliches Wesen, frei von allen Vorur- theilen und falschem Wabn, mit einem klaren, gesun- den, gebildeten Verstände und einem hellen Blicke des Geistes, ist die edelste und erfreulichste Erscheinung. Lassen Sie, dieß zu werden, Ihr ernstes und uner« müdeteS Bestreben seyn. Weibliche Kenntnisse, Geschicklichkeit und Fertigkeiten. Sie haben das älterliche Haus als die Vorbereitungsschule zu Ihrem künftigen selbststandigen Le» ben zu betrachten. Sie müssen daher Ihre Jugend- jabre gewissenhaft, unter der Leitung Ihrer Mutter, zur Erlangung aller Kenntnisse und Fertigkeiten anzuwenden suchen, die Ihnen künftig unentbehrlich seyn werden. Suchen Sie sich daher früh schon Ihrer Mutter thätig an die Seite zu stellen; unterstützen Sie sie nach Ihren besten Kräften, bemühen Sie sich, < « 2Y ihr dir Last der Wirthschaft zu er leichtern, helfen Sie ihr denken, sorgen, anordnen, daß sie sich frühe auf Sie verlassen könne und Alles im Hause seinen geregelten Gang auch dann fortgehe, wenn die Thätigkeit der Hausmutter durch Krankheit, oder auf eine andere Art, gelahmt ist. Sie werden zwar nicht die Geschäfte der Magd verrichten, Sie müssen sie aber alle verstehen, und besser verstehen als das Gesinde, damit Sie dasselbe ganz übersehen und leiten können, und Ihr Wert Gewicht habe, wenn Sie etwas anordnen. Sind die Töchter des Hauses schwach in diesem oder jenen Theile der HauSgkschäste, so merken es die Mägde nur allzubald, verweigern störrisch den Gehorsam und folgen ihrem eigenen Sinne. Vernachlässigen Sie besonders nicht die Küche; Sie müssen nach der Mutter die beste Köchin im Hause seyn, Alles machen und Alles angeben können, Alles besser wissen, als die Köchin, Ihr Ansehen beruht auf Ihrer Geschicklichkeit. Sie werden sich auch früh schon bemühen, alle zur Nahrung, Kleidung und andern Bedürfnissen des Lebens gehörige Waaren nach ihrer innern Güte 30 und nach ihren Preisen, kennen und beurtheilen zu lernen, damit Sie nicht betrogen oder übervorteilt werden. Sie müssen wissen, wo und zu welcher Zeit alle wirthschastlichen Bedürfnisse am besten, am sichersten und am wohlfeilsten zu haben sind; wie Alles am besten erhalten, und vor Verderben bewahrt werden kann. Es darf Ihnen nicht unbekannt seyn, wie die Lebensrnittel zubereitet, und zwar so zubereitet werden, daß sie, ohne gerade mehr zu kosten, genießbarer, wohlschmeckender und für die Gesundheit zuträglicher werden. Sie werden lernen, wie die Tafel bei aller Frm galität und Sparsamkeit, doch mit Geschmack und Anstand angeordnet werden, und wie man sich mit den wenigsten Ausgaben die meiste Bequemlichkeit verschaffen könne. Sie müssen eine vollkommene Näherin, Sticke- rin, Spinnerin und Strickerin seyn; müssen Alles nach der Mutter am besten verstehen. 3L Häusliche Beschäftigung nach Geschmack und Laune, hat aber wenig Werth. Was haben Sie und Ihre Aelter für Gewinn von Ihrem Spinnen und Stricken, wenn Sie indessen in Küche, Keller und Vorratshaus zehnmal mehr verderben lassen, als Sie mit Ihrer Hände Arbeit verdienen? — Auch die Reinlichkeit und Ordnung des Hauses darf unter solchen sitzenden Beschäftigungen nicht leiden. Beschäftigen Sie sich so, wie es jeden Tag und jede Stunde nöthig ist Gewöhnen Sie sich früh, so gut als die Mutter, das Ganze übersehen" zu lernen. Besorgen Sie selbst die wichtigsten Geschäfte; geben Sie Ihrem Gesinde das Beispiel mun» terer Thätigkeit, aber fordern Sie sie auch von demselben. _ Je mehr Lust und Neigung Sie zu solchen häuslichen Geschäften besitzen, desto leichter werden Sie der Qual der Langenweile entgehen, desto kräftiger und heiterer werden Sie sich fühlen, mir desto mehr Freudigkeit und Lebendigkeit werden Sie wirken und nützen, desto weniger werden Sie sich von Putzliebe, Eitelkeit und Neigung zur Zerstreuung hinreisten lassen. 32 Man ist langst schon, selbst in den höchsten Standen, von dem stolzen Wahn zurückgekommen, als schicke sich das Arbeiten nur für die untern Klassen. Selbst Frauen vorn ersten Range fühlen das Bedürfniß, sich anständig und nützlich zu beschäftigen ; und Viele verdankten in unsern revolutionären Zeiten, nur ihrer Gefchicklichkeit und Arbeitsamkeit die Erhaltung ihrer Familie. Dieß ist ein neuer, höchst wichtiger Grund, der Sie auffordert, Ihre Gefchicklichkeit in alle/ Arten weiblicher Beschäftigung zu üben. Wenn auch nicht, wie in Frankreich, die ganze Ordnung im Staate umgestürzt wird, so bedenken Sie, wie leicht doch eine Revolution in Ihrer Familie möglich ist: Der Vater stirbt, der Gatte stirbt, er hinterläßt kein Vermögen; Ihre ganze Existenz beruht auf Ihrem Kunstfleiß, Ihrer Brauchbarkeit, Ihrer Geschicklich- keit. Die Arbeitsamste und Tüchtigste unter Ihnen, hat sich des besten Looses zu erfreuen. Verlieren Sie die Möglichkeit einer solchen Zukunft nie'aus den Augen, und bereiten Sie sich schon darauf. Suchen Sie recht viele und bedeutende Fertigkeiten in jedem Fache weiblicher Betriebsamkeit zu erlangen, lernen Sie Ihre Kleidung, Ihren Putz selbst besorgen, Ihre Stickereien selbst verfertigen, Ihre Wäsche selbst nähen und plät- / teil. Sie werden auf solche Art Ihren guten Aeltern manche drückende Ausgabe ersparen, und den Zeiten, wo Sie sie nicht mehr haben werden, ruhiger entgegen sehen können. Ihre Geschickuchkeit wird Ihrer Existenz zum Anker dienen, wird Sie vor Noth und bitterm Mangel schützen. Bedenken Sie, daß weibliche Fertigkeiten und Kunstfleiß ein liegender Grund sind, den kein Feind wegnehmen kann, ein Kapital, das reichliche Zinsen tragt, und daß Sie nur hierin Ihre Versorgung zu suchen haben/ wenn Ihnen kein anderer Verssrger von dem Himmel bestimmt ist. Schöne Künste. Die schönen Künste tragen ungemekn viel zu« Erheiterung und Veredlung des Familien - und gesellschaftlichen Lebens bei. Haben Sie daher Anlage zu denselben, so lassen Sie fie, wenn anders die Um» stände es erlauben, nicht unausgebildet. E 34 » Die ersten und empfehlungswürdigsten Utttek den schönen Künsten: sind die deutlich und angenehm vorzulesen und schön und richtig zu schreiben. Suchen Sie sich hierin, mit großem Fleiß, von früher Jugend an zu bilden, denn ist Ihnen einmal eine üble Art zu lesen und eine schlechte Hand zur Gewohnheit geworden, so wird Ihnen die Besserung in der Folge sehr schwer und vielleicht Unmöglich werdem Bedenken Sie, wie viel Mißverstand, Zeitverlust, Verdruß, Aerger für sich selbst und für Andere aus einer schlechten unleserlichen Hand entsteht. Ist Ihnen daher nicht möglich, schön schreiben zu lernen, so bemühen Sie sich doch wenigstens, leserlich zu schreiben. Haben Sie in Ihrer Kindheit eine schöne'Hand erlangt, so suchen Sie sich dieselbe zu erhalten. Zu viel und zu wenig schreiben, ist gleich verderblich. Am schädlichsten aber ist das Schnellschreiben. Schöne Gedanken, durch schöne Schriftzüge ausgedrückt, sind wie Gemälde von einem günstigen Licht erleuchtet. Seyn Sie auch mit großem Fleiß bemüht, richtig schreiben zu lernen, denn Ihre Ehre und die Ach- t 35 tüng der Welt beruht gewissermaßen darauf. Ortho- graphische Fehler lassen auf Mangel an Bildung schließen. Was soll man von dem Verstände einer Person denken, die sich nicht einmal bis zur Fertig, keit in der Rechtschreibung hat erheben können? Mail wird glauben, sie habe in ihrem Leben wenig gedacht und gelesen; man wird sie für leichtsinnig und zerstreut halten und eine sehr schlechte Meinung von ihren Fähigkeiten bekommen- — Aufmerksames Lesen ist eines der besten Mittel, sich ohne Lehrer in der Orthographie zu bilden. Die Kunst etwas richtig und mit Ausdruck vorzulesen, und das Talent angenehm zu erzählen, ist für Ihren künftigen Gatten und für Andere von so großem Werth, daß Ihnen beides Nicht genug ent- pfohlen werden kann. Lassen Sie sich auch die Rechenkunst sehr angelegen seyn, denn gehört sie auch nicht unter die schönen, so gehört sie doch gewiß Unter die nützlichsten Künste, und einer Hausfrau ist sie unentbehrlich. Vertiefen Sie sich aber nicht in lange und künstliche Berechnungen, und wählen Sie vielmehr solche Exem» pel, die täglich im gemeinen Leben vorkommen. C L 36 chen Sie sich auch früh mit allen gangbaren Münz« sorten, ihrem Werth und ihrer Berechnung bekannt. Was die eigentlichen schönen Künste betrifft, als Musik, Zeichnen, Tanzen, so braucht eine wür- dige Hausmutter keine Meisterin in irgend einer zu seyn; doch ist es schön, wenn sie so viel davon weiß, als zu dem Hausbedarf, zu ihrem und ihres Gatten Vergnügen, und zur Veredlung ihrer Person nöthig ist; noch schöner, wenn sie nicht auf dem Halden Wege stehen bleibt, und mehr leistet, als man gewöhnlich zu erwarten pflegt. Sie wird dann um desto eher im Stande seyn, ihren häuslichen Kreis mit unschuldigen wohlthätigen Freuden zu beleben und Gram und Sorgen um sich her zu verscheuchen. Vernachlässigen Sie aber nicht über solchen Künsten die nothwendigeren und wichtigeren Vorbereitungen zu Ihrem eigentlichen weiblichen Berufsleben, und verschwenden Sie nicht dabei die Zeit und die Kräfte, die Ihren Pflichten gewidmet werden müssen, denn stets soll das Vergnügen der Pflicht nachstehen, und nie darf das, was blos zur Erholung dienen soll zu einem Hauptgeschäfte gemache werden. Widmen Sie also bloß den schönen Künsten denjenigen Ueberfluß von Zeit und Kraft, den andere junge Personen Ihres Geschlechts mit tändelndem Nichtsthun oder verderblichen Lesereien oder unnützen Besuchen und zu langen Spaziergängen versplittern. Musik besonders ist für das Weib gemacht. Sie erheitert, erfreut, belebt jede schöne Empfindung, verschönert das häusliche Leben, erhebt den Geist über die Erde. Die Töne sind die Organe des Herzens. Man traut der Empfindung einer Frau, die gleichgültig gegen Musik ist, nicht viel zu. Talent zur Musik haben, und es nicht ausbilden, heißt die Augen verschließen, die zum Sehen bestimmt sind, und die Ohren verstopfen, mit denen wir hören sollen. Haben Sie'also Anlagen zur Tonkunst, so benutzen Sie sie zu Ihrem eigenen, Ihrer Aeltern, Ihres künftigen Gatten und Ihrer Kinder Genuß. Betrachten Sie sie als eine der angenehmsten Erholungen von den Geschäften des Lebens, machen Sie aber nicht daraus das Geschäft Jh-' res Lebens. Haben Sie eine gute Stimme, so vernachläst sigen Sie sie nicht; strengen Sie sie aber auch nicht zu sehr an, besonders in den frühern Jahren, währ rend eines Katarrhs und in besondern kritischen Perioden, daß Sie sie nicht verderben. Singen sollte jedes Frauenzimmer, ich möchte wohl sagen jeder Mensch können, denn es ist gar ein schönes, narrst' liches, menschliches Erheiterungsmittel, das zugleich vor allen andern den großen Vorzug hat, daß es sich mit den meisten mechanischen und fast mit allen weiblichen Geschäften bequem verbinden läßt, Suchen Sie sich jedoch mit Ihrem musikalischen Talent nicht hervorzudrangen und damit zu glänzen. Gehen Sie schwer daran, sich öffentlich hören zu lassen, denn das Publikum ist streng in seinen Forderungen und Urtheilen; es ist ungenügsam, undankbar, geizig mit seinem Beifall; und wenn es ihn wirklich ausspricht, so mischt sich doch nur allzuoft tadelnd die Stimme der Unzufriedenheit in denselben. Viele Mädchen treten selbstgenügsam auf, um vor dem ganzen Publikum zu zeigen, wie schlecht sie spieln und singen, Mehren Sie nicht die Zahl dieser Thörinnen. Wer nichts Vorzügliches zu leisten vermag, der beschränkt sich mit seiner Kunst besser auf den engen Kreis seiner Familie oder nachsichts? »Aller Freunde, Benutzen Sie in solchen Kreisen Ihr Talent, wo es Andere unbenützt lassen; verber- gen Sie es, wo es andere zeigen. Werden Sie aufgefordert, sich hören zu lassen, so lassen Sie sich nicht zu lange bitten, und schaden Sie durch keine kindische Schüchternheit Ihrer Hand oder Ihrer Stimme. Setzen Sie sich aber auch nicht durch zu große Zuversichtlichkeit einer harten Kritik selbst bei Ihren Freunden aus. Sind Sie Ibrer Schwache bewußt, so sagen Sie standhaft und überall Nein. Es kann Niemand verlangen, daß Sie sich Andern zum Vergnügen lächerlich machen. Auch der Tanz ist ein eben so unschuldiges alS heilsames Mittel zur Ausbildung und Veredlung un» serer körperlichen Natur und zur Vermehrung unse» xer geselligen Freuden, wenn es nur ssazu gelernt und getrieben wird. Er ist der natürliche Ausdruck der Fröhlichkeit und giebt dem Körper Anstand und Grazie. Tanzen Sie aber nicht mit Leidenschaft und suchen Sie nicht aus Eitelkeit als Tänzerin bewundert zu werden, daß Sie nicht Ihre Gesundheit zerstören und die Zahl der traurigen Opfer der Tanzsucht vermehren. »v Ein unbeschreiblich widriges, jeden Sinn für Sittsamkeit empörendes Gefühl erregt bei einem sittlich gesinnten Zuschauer das wilde Herumspringm und das enge Walzen, das nur von einem Liederlichen kann erfunden worden seyn. Entehren Sie sich nicht durch so schändliche Tänze. Nur Frauenzimmer, mit deren Unschuld es schon dahin ist, oder die nahe daran sind, sie zu verlieren, können Gefallen daran finden. Die Aeichenkunst ist eine sehr angenehme Beschäftigung, wodurch müssi'ge Stunden auf eine edle Art ausgefüllt werden. Sie ist nothwendig zu mehreren weiblichen Arbeiten; sie schärst den Sinn für Schönheit, Ebenmaas, richtige Verhältnisse, verfeinert den Geschmack und erhöhet um viel den Genuß aller Werke der bildenden Künste. Haben Sie daher Anlagen zur Zeichenkunst, so vernachlässigen Sie sie nicht und bilden sie aus, so weit es Ihre wichtigeren weiblichen Beschäftigungen zulassen. Hat Ihnen aber die Natur einen richtigen Blick und eine geschickte Hand versagt; merken Sie, daß Sie nichts Erträgliches zu Stande bringen können, so verlieren Cie nicht lange Ihre Zeit unter vergeblichen Bemühungen. Mit Mangel an natürlichen Anlagen 4 ! wird man nie ein Künstler. Eben dies gilt von der Musik. Wissenschaftliche Bildung. Wir leben nicht mehr in den Zeiten Montaig- ne's, der sich nicht scheute zu sagen, ein Weib verstehe genug, wenn es das Wamms ihres Mannes von den Beinkleidern zu unterscheiden wisse. Die Frauenzimmer sollen keine Vielwisserinnen, keine Gelehrten, aber auch in den gemeinnützigsten Kenntnissen nicht ganz unwissend seyn. Sie sind dieß ihrem eigenen Wohl, ihrer eigenen und ihres Vaters und Garten Ehre schuldig. Je eifriger Sie ihren Verstand auszubilden suchen, desto mehr werden Sie im Stande seyn, manche öde Stunde des Lebens angenehm auszufüllen und sich in Achtung bei den Männern und den Menschen überhaupt auch dann zu erhalten, wenn schon der vergängliche Neitz körperlicher Schönheit verblü» het ist, oder seine Neuheit verloren hat. Bemühen Sie sich vor allen Dingen, die Sjh umgebende Natur naher kennen zu lernen. Die Bekanntschaft mit der Natur bildet den Verstand, schlägt den Aberglauben nieder, führt uns zu vielen nützlichen Kenntnissen, überzeugt uns von der Größe und Weisheit des Urhebers aller Dinge, schärft und veredelt das moralische Gefühl Vernachlässigen Sie daher nicht die Naturgeschichte und Naturlehre, Nur sey es Ihnen nicht dabei um eitles Wissen, um die Anfüllung Ihres Gedächtnisses mit unfruchtbaren Namen und Kunstwörtern, sondern urn nützliche anwendbare Sachkenntnisse zu thun. Suchen Sie aber nicht mit diesen Kenntnissen zu schimmern, zu prahlen; das heißt, sich lächerlich machen. Sie trinken täglich Kaffee und Thee, Sie essen gerne Zucker, Sie kleiden sich in Leinwand, Baumwollen- und Seidenzeuge; sollten Sie nicht auch wissen, wie und wo Kaffee, Thee, Zucker, Flachs, Baumwolle wachsen und wie sie bereitet werden? Sie sehen regnen und schneien und blitzen, Sie hören stürmen und donnern; sollten Sie nicht auch zu wissen wünschen, wie Regen und Schnee, . 1 45 wie Winde, Blitz und Donner entstehen? Ich wünschte auch, daß Sie die Bestandtheile, die Eigenschaften, die Anwendung und den Nutzen der interessantesten Naturprodukte, den Nutzen und den Zweck der Naturerscheinungen kennen lernten. Ueber dieß alles finden Sie Auskunft in der Naturgeschichte Und der Naturlehre, Besser als aus Büchern werden Sie sich durch das Besuchen der Werkstatte der Handwerker und Künstler von dem Entstehen so vieler interessanter Kunstprodukte unterrichten. Tausende Ihres Ge» schlechts fuhren die Nadel und bestecken sich mit Nadeln, ohne sich jemals bekümmert zu haben, wie Steck- und Nähnadeln gemacht werden. Tausende haben nie Strümpfe weben, oder Bürsten binden, oder Zinn gießen sehen- Ahmen Sie nicht diesen Gleichgültigen nach. Die Werkstätten der mechani» schm Arbeiter sind eine Schule des praktischen Verstandes; es ist in denselben sehr viel Nützliches zu sehen und zu lernen. Also auch Technologie, so nennt man die Gewerbkunde, gehört für Sie unter die empfehlungswürdigen Wissenschaften Sie werden wohl schon öfters — vielleicht nur zufällig — gesehen haben, wie Butter gebuttert 44 und Käse gemacht wird. Können Sie aber auf dem Felde die Gerste von dem Weizen, den Roggen von der Gerste, die Linsen von der Erbsensaat unterscheiden? Ich tv«iß aus Erfahrung, daß Viele Ihres Geschlechts es nicht vermögen. Ist aber nicht eine solche Unkunde in Dingen, die uns so ganz nahe liegen, eine wahre Schande? Aber nicht nur das, was uns zunächst liegt, ist unserer Erkenntniß würdig; auch unser ganzes Vaterland, der ganze Erdtheil, dem wir angehören, die ganze Welt mit ihren Bewohnern, ihren Erzeugnissen, ihren Wundern der Natur und Kunst ist unserer Aufmerksamkeit werth. Lassen Sie sich daher das Studium der Erdbeschreibung empfohlen seyn, zumal da es Ihnen auch im Umgang und zum Verständniß der Schriften , die Sie lesen, unentbehrlich ist. Ohne geographische Kenntnisse versieben Sie selbst nicht die Aeitungsblatter, weil Sie sich keinen richtigen Begriff von der Lage des Landes machen können, von dem die Rede ist. Auch bei dem Studium der Naturgeschichte ist sie Ihnen unentbehrlich. Was würde es Ihnen z. B. helfen zu wissen, daß der Kaffee ursprünglich aus Arabien kommt, wenn Sie nicht wissen, wo Arabien liegt ? 45 Dukch die Geographie und das sehr empfeh- lungswerthe Lesen der Reisebeschreibnngen, lernen Sie die Erde und ihre Bewohner kennen, wie sie jetzt sind, durch die Geschichte, wie sie sonst waren. Die Geographie macht Sie mit Ihren Zeitgenossen, die Geschichte mit Ihren Vorfahren bekannt. Es ist schön, nicht nur die jetzigen, sondern auch die ehemaligen Völker der Erde nach ihrer Denkungsart, ihren Thaten, ihren Sitten und Gebrauchen und nach ih» ren wechselseitigen Verhältnissen kennen zu lernen, zu erfahren, was sie Großes und Edles gethan haben, was wir ihnen für Erfindungen, für Kenntnisse verdanken, und wie wir nach und nach aus dem Zustand der Wildheit zu einem so hohen Grad von Kultur gelangt sind. Die Geschichte empfiehlt sich auch noch in andern Hinsichten als ein treffliches Bildungsmittei. Sie gibt eine Menge nützlicher Begriffe, ihre Begebenheiten enthalten die heilsamsten Lehren, die in dem Leben ihre Anwendung finden, und das Gefühl des Guten und Bösen im Herzen scharfen Sie schildert die Folgen der Tugenden und Laster mit ihren natürlichsten Farben; sie bereichert die Menschen-und Sittenlehren, sie lehrt das Thörichte, Kleine, Unedle, das Große und Erhabene würdigen.' Vernachlässigen 46 Sie daher nicht das Studium der Geschichte, und verbinden Sie damit die Geographie, daß Ihnen der Schauplatz der welthistorischen Begebenheiten klar werde. Unter Allem was Frauenzimmer, die Anspruch auf Bildung machen, zu erlernen pflegen, ist wohl das Studium fremder Sprachen das Entbehrlichste, zumal in unsern Zeiten, wo man sich nicht mehr schämt, in Gesellschaften seine Muttersprache zu sprechen. Die Erlernung einer fremden Sprache erfor« dert viele Zeit, wenn man nicht Gelegenheit hat, sie durch den Umgang zu erlernen. Sie könnten diese Zeit auf viel wichtigere und nützlichere Dinge verwenden, besonders auf das gründliche Studium Ihrer schönen und kräftigen Muttersprache. Lassen Ihnen aber Ihre Verhältnisse Muße genug, sich auch noch mit einer andern zu beschäftigen, so verdient meines Erachtens die Französische, als die Gemeinsprache aller Europäer den Vorzug. Mit Hülfe des Französischen können Sie ganz Europa durchreisen, oder sich mit den gebildeten Bewohnern aller Länder EU- ropa's mündlich und schriftlich unterhalten. Das Studium der fremden Sprachen ist besonders deswegen schätzbar, weil es uns in den Stand 47 seht, die Meisterwerke des menschlichen Geistes, die in denselben abgefaßt sind, zu genießen. Wem daher seine besondern Verhältnisse gestatten, viel zu lesen, und wer Lust an der Erlernung der ausländischen Sprachen hat, der mag sich immerhin seiner Neigung überlassen, zumal da das Sprachstudium, wenn es grammatikalisch vorgenommen wird, zugleich sehr bildend für den Geist ist. Treiben Sie Alles, was Sie unternehmen, mit anhaltendem Eifer; vernachlässigen Sie keine Ihrer Anlagen, keine Ihrer geistigen Kräfte; nicht aber,nur mit den Strahlen der Gelehrsamkeit zu prangen und Ihr Licht leuchten zu lassen vor den Leuten, sondern blos auch Achtung für sich selbst, zu Ihrer eigenen Veredlung und um sich selbst besser zu genießen. Bedenken Sie, daß sich alle Stimmen wider gelehrte Weiber erheben, die mit Verläugnung ihrer Weiblichkeit, und mit Vernachlässigung ihrer Gattinnen-, Hausfrau- und Mutterpflichten als Zwit- tergestalten mit Ansprüchen auftreten, die man ihnen nicht einräumen kann. Sie werden daher nicht ernstlich, nicht streng studiren, nicht ein gelehrtes Frauenzimmer machest 43 wollen, sondern sich begnügen, Ihren Verstand durch guten Umgang, Unterricht, Lesen und Nachdenken zu bereichern und auszubilden, und auf solche Art liebenswürdige Gesellschafterin zu werden. Ihr Geist soll weiblich, nicht männlich'gebildet seyn. Wenn Sie auf das ausgehen, was Sie nicht seyn sollen, und nie ganz seyn können, so verfallen Sie in Unnatur, und machen sich zu einem Gegenstände des Spottes und der La» stecung; Sie werden nicht bewundert, Sie werden beseufzet. Gelehrte Frauen machen sich den Weibern, über die Sie sich zu erheben suchen, verhaßt und kön» nen den Männern nie gefallen. Was dem Manne behagen soll, muß etwas anderes seyn als er. Warum wollen sie seine Nebenbuhlerin an Gelehrsamkeit werden? Man liebt nie eine Nebenbuhlerin. Ein Weib, das von Kantischer, Fichtescher, Schellingschec Philosophie und Litrraturzeitungen spricht, mißfällt wenigstens eben so sehr, als ein Mann, der Sacktü- -/ eher säumt und Strümpfe strickt. Will ein Weib eine eigentliche Denkerin, eine Philosophin, eine Politikerin werden, so vernachlässigt sie ihre Eigenthümlichkeiten, durch welche sie so sehr 4Y sehr gefällt/ und in denen sie Meisterin seyn könnte. Sie gibt ihren echten Schmuck für Flittergold her. Ein Weib braucht keine Philosophin zu seyn. Sie fühlt mehr als sie denkt, und 'ihr Gefühl hat einen gewissen Takt, ein gewisses Vernunftmaas, wodurch sie weniger als durch Schlüsse betrogen wird» sie faßt leichter das Wahre, als sie es ergrübelt. Ein gesunder und gebildeter Verstand ist ihr genug; sie braucht sich nicht durch Philosopheme zur Närrin zu machen. Das Weib ist Weib, nicht durch ihren Geist, sondern durch ihr Herz. Durch Wissenschaft wird sie nie so sehr, als durch ihre Gefühle gefallen. WenN demnach eine Frau der Gelehrsamkeit die Liebe aufopfert, hat sie ihr nicht ihre edelste Bestimmung aufgeopfert? Schmücken Sie immerhin ihren Geist mit schönen Kenntnissen; aber prahlen Sie Nicht damit bor den Weibern und halten Sie sie geheim vor den Männern. Diese werden Ihre Vorzüge wohl von selbst entdecken und sich dann freuen, wenn sie mehr finden, als sie gesucht haben. D 80 L e k t ü r e. Die Lektüre ist eines der herrlichsten Bildungs- mittel, für Geist, Herz und Geschmack. Sie gewahrt Unterhaltung, Vergnügen, Trost, Aufheiterung, Erhebung der Seele, Erweiterung der Kenntnisse, Verfeinerung und Veredlung der Sprache. Wir vernehmen durch sie, was Weife dachten, schöne Seelen empfanden, Edle lehrten und thaten, und lernen wie diese denken und handeln. DaS Lesen bildet den Menschen eben so, wie der gesellige Umgang, dessen Stelle die Bücher vertreten. Sie haben auch vor jenem noch diesen Vorzug, daß man eines schlechten Schriftstellers leichter loS werden kann, als eines schlechten Gesellschafters. Lesen Sie aber nicht blos solche Schriften, die Ihre Phantasie beschäftigen, sondern vorzüglich solche, die Ihrem Gedächtniß, Ihrem Verstände, Ihrem Geiste überhaupt gesunde Nahrung geben; nicht blos Scenen aus einer idealischen, sondern auch aus der wirklichen Welt; nicht blos Romane, sondern auch Reisebeschreibungen, Biographien, belehrende und bil- dende Schriften; das Beste aus den besten Dichtern; Werke, die durch ihren Geist den Ihrigen scharfen, oder die sich auf das Glück und die Angelegenheiten des häuslichen Lebens beziehen. Ernste Bücher seyen gleichsam Ihre Hausmannskost, erheiternde das Gewürze oder der Nachtisch. Meiden Sie alle geistlose, mittelmäßige, schlechte Lektüre; fliehen Sie besonders jene unmoralischen herz- vergiftenden Romane, in denen es besonders darauf angelegt scheint, die Einbildungskraft durch schlüpfrige Bilder und schändliche Ideen zu besudeln, daß nicht vor der Zeit Leidenschaften in Ihnen rege werden, die Ihre Ruhe, Ihre Unschuld untergraben, Ihre Gesundheit, Ihr Glück, Ihr Leben verschlingen. Halten Sie sich iinmer an das Beste und Reinste, da- Gehaltvollste und Würdigste. Es gibt der Romane viele, aber wenige sind in Ansehung der reinen Sittlichkeit ganz unschädlich. Das Sicherste wäre daher, wohl gar keinen zu lesen. Kennen Sie sich aber diesen Genuß nicht ganz versagen, so wählen Sie als die unschädlichsten solche, die von Personen Ihres Geschlechtes, z. B. einer Pichler, Wellmar rc. sind geschrieben, oder Zh» D 2 ncn von edeln und verständigen Frauen empfohlen worden. Die bessern moralischen Romane können nach vollendeter Berufsarbeit, oder zur Erholung nach einer anstrengenden Lektüre, wohlthätig für den Geist seyn. Übertriebene Liebe zu Romanen, waren sie auch von der besten Art, möchte aber leicht bei Ihnen Ansprüche auf ein Romanenleben erregen, Sie zur Schwärmerei führen und Ihnen die gewöhnlichen Geschäfte des Lebens verhaßt machen. Lesen Sie auch anderer Schriften überhaupt nicht zu viel, daß die Neigung zum Lesen nicht m Lesewuth und Müssi'ggang ausarte. Durch zu vieles Lesen wird der Geist mehr betäubt als erquickt; und die Nahrung, die Sie ihm geben, kann so wenig gedeihen, als zu dick ausgestreuter Same selbst auf dem besten Lande. Lassen Sie sich demnach auch hier Mäßigkeit im Genuß empfohlen seyn und machen Sie das, waS blos als die Würze des Lebens dienen soll, nicht zur Speise. Lesen Sie lieber wenig, aber gut, das heißt mit Aufmerksamkeit und Nachdenken. Beziehen Sie alles, was Sie lesen, auf Ihre Bildung; streichen LZ Cle sich die schönsten Stellen guter Schriften an, machen Sie sich Auszüge davon, und überlesen Sie sie recht oft, oder suchen Sie sie ganz Ihrem Gedächtnisse einzuverleiben. Benützen Sie Ihre Lektüre durchaus als Stoff zum Denken und als Mittel, Ihr Herz zu veredeln, folglich vernünftiger und besser zu werden, denn nur auf diese Art wird sie vollkommen bildend und fruchtbar für Geist und Herz. Ohne Nutzen für Herz und Geist lesen, heißt säen und nicht erndten wollen. Das Lesen guter Schriften ist auch das trefflichste, vielleicht das einzige Mittel, Ihren Styl zu bilden. Suchen Sie daher musterhafte Schriftsteller nachzuahmen und schreiben zu lernen, wie sie geschrieben haben. Achten Sie mit besonderer Aufmerksamkeit auf die Ausdrücke, die Wendungen, die Feinheiten derselben. Versuchen Sie aber auch öfters die Gedanken des Schriftstellers ganz von dem Ausdruck abzusondern und dieselben auf Ihre eigene Art einzukleiden und auszubilden. Ihre eigenen Gedanken werden sich dann von selbst in die fremden mischen und sich in ihnen entwickeln; Sie werden das Vergnügen Habey, nicht nur würdig schreiben, sondern guch würdig denken zu lernen. 54 Bildung des Herzens. Sittlichkeit. Durch ein edles und reines Herzest der Mensch der Gottheit am nächsten verwandt. Betrachten Sie daher ein solches als Ihr kostbarstes Kleinod, als Ihren höchsten Reichthum. Ein redliches gutes Gemüth, ein Gemüth voll Liebe und ohne Falsch, fern von Harte und Lieblosigkeit, sey Ihre höchste Ehre, Ihr größter Stolz, denn es ist die Urquelle aller Tugenden und aller Glücksecligkeit. Seelig sind die, die reines Herzens sind; denn in den Wohnungen der Lügen und des Truges wohnt der Heilige nicht. Seyn Sie immer offen, gerade, voll weiblicher Milde, voll Schonung und Menschenliebe; üben Sie allenthalben Gerechtigkeit und Redlichkeit. Wahr sey Ihr Wesen und ungeschminkt wie Ihre Gestalt. Bewahren Sie sorgfältig die Harmonie zwischen Ihrem Innern und Ihrem Aeußern, denn durch Heuchelei laßt sich weder Gott, noch die Welt tauschen. Sie werden alle Stürme des Lebens leichter ertragen, und nie wird es Ihnen an 55 Beruhigung und Trost fehlen, so lange Wahrheit, Unschuld und Rechtschaffenheit die unerschütterlichen Grundlagen Ihres Charakters sind. Sie werden niemand betrügen wollen; ist es aber ein schlimmerer Betrug, falsche Münze für rechte zu geben, als glänzende Worte ohne Wahrheit, Schein ohne Gehalt, Schminke statt aufrichtiger Farbe? Seyn Sie wahr und sprechen Sie wahr, denn Lügen ist ein niedriges, verächtliches, entehrendes Laster. Bleiben Sie fest in Ihren Grundsätzen; lassen Sie sich nicht durch böses Beispiel hinreißen; verlieren Sie nie den Sinn für das Gute und Rechte; bewahren Sie in Ihrem Innern das zartere Gefühl und die Reinheit im Empfinden, Denken, Reden und Handeln. Halten Sie Augen und Einbildungskraft im Zaum. Es ist nicht genug, daß eine Frau kein Unrecht thue; auch ihrer Gedanken soll sie Herr seyn. Ein sündhafter Gedanke ist wie eine giftige Spinne, die das innerste Herz der Rose zerstört. Lassen Sie in den verborgensten Tiefen Ihres Gemüthes keine Regung, keine Wünsche, keine Gesinnungen aufkom- 7V 56 men, die sich mit einem edlen Charakter nicht ver? tragen. Was Sie nicht wagen in Gegenwart edler Menschen auszusprechen, das wagen Sie auch nicht zu denken und zu fühlen. Bewachen Sie sich so, daß Sie nicht nur die Augen der Menschen, sondern auch selbst Gottes Allwissenheit nicht scheuen dürfen. Betrachten Sie jede Art von Unanständigkeit im Umgang als schändlich an sich selbst und beleidigend für Ihr Geschlecht. Die jungfräuliche Reinigkeit ist von so zarter Natur, daß sie gewisse Dinge, ohne besteckt zu werden, nicht einmal anhören kann. Ein Greuel sey Ihnen jeder Mann^ dem dieses feine, weibliche Gefühl nicht heilig ist. Bemühen Sie sich, daß Ihre Herzensreinheit Natur bleibe, nicht erst zur Tugend werde. Es muß Ihnen keine Anstrengung kosten, gewisse Unsilt, lichkeiten zu unterlassen; Sie müssen sie gar nicht kennen. Der Mann liebt mehr das unschuldige, als das tugendhafte Mädchen; es ist ihm noch mehr an der Jungfräulichkeit der Seele als des Leibes gelegen. L? Es ist der höchste Adel der weiblichen Natur, aus Geschmack rein zu seyn, und einen unüberwind» lichen Eckel vor aller Unsittlichkeit zu haben. Prüfen Sie oft Ihr Her;; verheelen Sie sich feine seiner Schwachen; seyn Sie offen, redlich und wahrhaft gegen sich selbst. Sie müssen sich selbst kennen, wenn Sie sich mit Erfolg beherrschen wollen. Vermeiden Sie jeden Umgang mit leichtsinnigen und verdorbenen Menschen, auch mit heftigen jugendlichen Naturen, deren Einbildungskraft die Ver» nunft überflügelt hat, und die durch schwärmerische Ansichten des Lebens und seiner Genüsse Ihr Herz entzünden könnten. Halten Sie sich dagegen an solche, die reines Herzens sind, die Achtung für Tugend und Frömmigkeit haben, an vernünftige, religiöse, besonnene Menschen. Fliehen Sie noch mehr vor jenen Nichtswür» digen, deren schändliche Absichten dahin gehen, durch Reden und Handlungen, zweideutige Scherze und freie Manieren das unbewachte jugendliche Herz mit sündlichen Begierden zu entflammen, zu verderben und zu.ihrer Beute zu machen. Verschließen Sie LS ihnen Ihr Ohr; Sie sind verloren, wenn Sie sie anhören. Hüten Sie sich eben so sehr vor herzverder» bendcn Schriften und seyn Sie auf steter Hut gegen Ihre Phantasie. Romane und Schauspiele geben ihr allzuviel Nahrung, und jemehr sie genährt wird, destomehr hungert sie nach Speise. Geben Sie sich also nicht zu sehr der Neigung zu solchen Werken hin. Wenn Sie sich von Ihrer Phantasie zu sehr beherrschen lassen, so wird sie Ihnen endlich ihre Vorspiegelungen mit Gewalt aufdringen und durch ver. führerische Bilder Ihre Unschuld und Ruhe untergraben. Arbeiten Sie ihr daher gleich Anfangs entgegen und hangen Sie ihr nicht nach. Je langer sie sich festgesetzt hat, desto schwerer ist sie zu verdrängen. Bewachen Sie sie um so mehr, da die Männer auf die Phantasie zu wirken suchen, um auf diesem Wege Ihrem Herzen und Ihrem Kopfe beizu- kommen. Nehmen Sie nicht die Vorspiegelungen 5H derselben für wahre Empfindung an, denn dieß ist die eigentliche Schwärmerei, die Alles verdreht. Erlauben Sie sich keinen Erguß Ihrer Phantasie, weder schriftlich noch mündlich, keine empfindsame Betrachtungen, kein Ausmalen der Gegenstände, keine Darstellung von Idealen, kein Grübeln und Schwärmen. Fühlen Sie Ihr Blut schneller stürmen, die Wangen mehr als gewöhnlich glühen, fühlen Sie Ihr ganzes Wesen in Bewegung, so halten Sie sich zurück. Nehmen Sie sich Zeit, genauer das zu besehen, was den Eindruck gemacht hat, und ob Sie nicht durch Schein getäuscht worden sind. Geben Sie Ihrer Phantasie eine solche Richtung, daß sie mit dem Gewissen auf ein Ziel hinweiset. Bereichern Sie sie mit Bildern der Tugend. Tugend und Gewissen aber wollen, daß Sie Ihren Pflichten treu seien: selbst gegen mürrische und ungerechte Aeltern eine liebevolle und folgsame Tochter, gegen einen treulosen und gefühllosen Gatten eine treue und sorgfältige Gattin, gegen verwöhnte verdorbene Kinder eine gute Mutter, im unvermeidlichsten (0 Mißmuth gerecht und nachsichtsvoll gegen Kinder und Gesinde. Nur dadurch können Sie das Böse bessern. Meiden Sie nicht nur das Böse selbst, sondern selbst den Schein des Bösen. Ihr guter Ruf sey Ihnen über Alles theuer; suchen Sie ihn wie ein kostbares Kleinod zu bewahren. Es ist nicht genug, daß Sie sich in Ihrem Selbstbewußtseyn rein fühlen, auch die Welt muß glauben, daß Sie reines Herzens sind; da aber diese Welt nicht anders als nach dem Scheine urtheilt, so bewachen Sie mit großer Behutsamkeit alle Ihre Reden und Thaten, Ihre Blicke und Gebärden; erlauben Sie sich nichts Zweideutiges, nichts Unschickliches in Ihrem Betragen ; hüten Sie sich vor Leichtsinn und Unbesonnenheit; erwägen Sie die Folgen aller Ihrer Schritte. Seyn Sie besorgt, nicht nur sich selbst Ihye äußere Ehre zu erhalten, sondern auch Ihrem künftigen Gatten den leisesten Zweifel an Ihrer Tugend zu benehmen. Beobachten Sie daher sorgsam den Leiblichen Wohlstand, sollten Sie ihm auch manchen schönen Naturgenuß, manches unschuldige Vergnügen ffufopfern müssen. Vermeiden Sir besonders das Alleinstyn mit Männern, und jede Art von Vertraulichkeit, wäre Ihr Umgang auch noch so unschuldig. Ein solcher Umgang wirft nicht nur ein nachtheiliges Licht auf Ihre Tugend, sondern er hat auch wirkliche Gefahren für dieselbe. Wenn Sie mit einem jungen Mann allein lustwandeln, allein im Zimmer sitzen, allein singen, allein lesen, und er wüßte dieß Alles zu benutzen, was könnte nicht daraus entstehen? Könnte es ihm nicht gelingen, allmählig Ihre Grundsätze umzustoßen und Sie auf Irrwege zu führen? Hüten Sie sich selbst vor den Folgen solchen Alleinseyns mit demjenigen, der Ihnen zum Gatten bestimmt ist. Er muß in Ihnen ein ganz unschuldiges Mädchen, ein Mädchen von unbescholtenem Rufe und unerschütterlicher Tugend, finden, wenn er die frohe Ueberzeugung in sich aufnehmen soll, daß er in Ihnen auch eine treue und würdige Gattin bekommen werde. Ist dagegen Ihr Benehmen zweideutig, und werden ihm Winke gegeben, wie Sie den Wohlstand bei Seite gefetzt, wie man Sie allein bei Männern angetroffen, wie Sie diese und Me Unschicklichkeit 6r sich erlaubt haben; geschieht es, daß der Freund warnt und der Lästerer spottet, ist es dann zu wundern, wenn nach und nach Zweifel entsteben, wenn das Vertrauen weicht, wenn Kälte und Trennung herbeigeführt werden? Ist Ihnen redlich daran gelegen, Ihre Her- zenöreinigkeit zu erhalten, so leben Sie mehr sich selbst, Ihrem stillen häuslichen Kreise und den beglückenden Beschäftigungen des Familienlebens, als den Zerstreuungen der Außenwelt und rauschenden Vergnügungen, in welchen Sie so leicht im Taumel der Lust sich selbst, Ihre Würde und vielleicht sogar Ihre Ehre aus den Augen verlieren könnten. Sollten Sie jemals in Gefahr gerathen, sich zu verirren, sich zu vergessen, sich von der Gewalt der Leidenschaft überwältigen zu lassen, so bedenken Sie die bittern Empfindungen, die mannichfachen Leiden, die Unheilschweren Verhängnisse, denen Sie sich durch ein unreines Herz, durch Unsittlichkeit in Ge. sinnungen und Handlungen aussetzen. Ein Herz, das dem Reiz der Sinnlichkeit, der Lust des Augenblicks mehr gehorcht als der Stimme der Tugend, ist aus seinem Himmel gefallen, es hat sein Para- I 6z dies verloren, es hat sich elend gemacht für das ganze Leben, hat sich der Verachtung und Demüthigungen aller Art ausgesetzt. Die Männer glauben, einer Person, die sich selbst entweiht hat, keine Achtung mehr schuldig zu seyn; Mädchen und Frauen von Ehre fliehen ihren Umgang; unbarmherzige Lästerzungen besudeln sie Mit ihrem Geifer; freche Verführer erfahren oder errathen des Herzens Schuld und das Verlorne Hei- ligthum; sie werden kühner in ihren lasterhaften Absichten — und was will sie ihnen entgegensetzen, jetzt, da sie ihres kräftigsten Schutzmittels, ihrer Würde und sittlichen Reinheit, beraubt ist? — Sie ist in Gefahr, in die entsetzlichste Tiefe sittlicher Verworfenheit zu versinken. Beben Sie daher zurück vor dem ersten Schritt; suchen Sie Ihre Besonnenheit zu behalten; lassen Sie nie die Leidenschaft Herr über Ihre bessern Empfindungen werden, und wenn Augenblicke kommen, wo Sie sich schwach fühlen, wo Sie anfangen zu wanken, so halten Sie fest an Gott. Der Gedanke an seine Gegenwart, die Ueberzeugung, daß der Allwissende Zeuge aller Ihrer Vorstellungen, Ihrer Ent- 64 Müsse und Handlungen ist, wird Sie stärken in der Stunde der Gefahr, wird Sie abhalten unweise zu handeln und Ihnen ewige bittere Reue ersparen. Gedenken Sie, nächst Gott, auch Ihrer Aeltertt und Ihrer Verwandten; Sie mögen Ihnen vorschweben mit ihrer zärtlichen Liebe, ihren schönen Hoffnungen, ihren Lehren und Bitten! Könnten Sie Unbesonnen, könnten Sie grausam genug seyn, durch einige Augenblicke schnöder Lust dieß alles zugleich Mit Ihrem eigenen Lebensglück zu vernichten? KindeSLreue. Sie sind Tochter, ehe sie Gattin, Hausfrau und Mutter werden: die Kindespflichten sind also die ersten, die Sie zu erfüllen haben. Um sich von der Heiligkeit dieser Pflichten desto inniger zu überzeugen, denken Sie oft in den stillen Stunden der Selbstprüfung über das nach, was Ihre Aeltern Ihnen zu Liebe von Ihren ersten Jahren an geduldet, getragen, entbehrt, geopfert haben; erwägen Sie die vielen schlaflosen Nächte, die anstrengende Arbeit, die ermat- 65 ermattenden Sorgen, die Sie besonders Ihrer Mutter kosteten, den drückenden Aufwand, den Ihre und Ihrer Geschwister Erziehung dem Vater verursachte. Ganz >- allein der hingebenden Liebe Ihrer Aeltern und der zärtlichen Sorgfalt für Ihr Wohl verdanken Sie Ihre geübten Seelenkrafte, Ihre Kenntnisse, Ihre Geschicklichkeit, kurz alles, was Sie sind. Was die Guten immer für Sie thaten, ging aus den besten, edelsten, uneigennützigsten Gefühlen hervor, aus dem reinen Wunsche ihr Kind glücklich zu sehen; sollte Sie dieser Gedanke nicht mit heißem Dank und in» niger Liebe erfüllen? Wahre Aelternliebe ist reiner und höherer Na» tue als jede andere; keine andere ist zu größerer Selbstverlaugnung, zu jedem Opfer bereit; waS Sie bei Ihrem Vater, Ihrer Mutter gefunden haben, werden Sie nicht leicht wo anders finden. Ihre Aeltern sind Ihre ersten Wohlthäter, und Sie sind ihnen mehr Dank schuldig, als allen andern Menschen. Seyn Sie daher bemüht, ihnen das, was sie an Ihnen von zarter Kindheit auf gethan haben, mit treuer, kindlicher Liebe und Ehrerbietung zu vergelten. Wie könnten Sie aber Ihre treue Kindesliebe den geliebten Aeltern besser zu erkennen geben, als E tz 66 durch Gehorsam, Ehrerbietung, zarte Achtsamkeit Utid Dankbarkeit? Nichten Sie alle Ihre Handlungen st ein, daß es die Guten nie gereuen möge, Ihnen das Leben gegeben zu haben. Bemühen Sie sich, ihre Freude und ihr Stolz in den besseren Jahren und ihre Stütze im Alter zu werden. Sollten Ihnen auch bisweilen die Worte und Befehle der Mutter zu hart, die Maasregeln des Vaters zu strenge scheinen, so antworten Sie doch nicht mit Empfindlichkeit, mit Unwillen, mit Trotze Unterdrücken Sir jede Bitterkeit in Ihrem Herzen, fügen Sie sich auch in das, was ganz wider Ihre Neigung geht, mit kindlicher Liebe und Ergebung. Lernen Sie schweigen gegen Ihre Aeltern, daß es Ihnen einst auch nicht schwer werde, dem Gatten, selbst in nicht ganz gerechten Forderungen, nachzuge« geben, denn hierauf beruht zum Theil das Glück der Ehe. Lassen Sie sich nicht verführen von dem un» rühmlichen Beispiele so vieler erwachsenen Töchter, die sich für weiser und verständiger halten als die Mutter, ihr in Allem widersprechen, Alles besser wissen und nach ihrem eigenen Sinne machen wsk- 6 ? ten» Verabscheuen Sie ein solches Betragen als unkindlich und tadelhaft; ehren Sie jede Zurechtweisung Ihrer erfahrnen Aeltern, oder machen Sie doch we» nigstens nicht anders als mit der größten Sanft« muth und Bescheidenheit Ihre Einwendungen dagegen» Beharren Sie aber nicht auf Ihrem Sinne, wenn Vater und Mutter auf ihrem eigenen Willen bestehen. Den Kindern, nicht den Aeltern ziemt Nachgiebigkeit. . Ihre Aeltern find die Führer, die Ihnen Gott «uf Erden gegeben hat; den Aeltern gehorchen heißt Gott gehorchen. Heiligen Sie, als eine edle Tochter, das Andenken an alles Gute, das Sie Vater und Mutter verdanken, durch die zarteste und kindlichste Achtsamkeit; erwarten Sie nicht erst die Befehle derselben; suchen Sie, ehe dieselben ihre Wünsche aussprachett, ihre leisesten Winke zu befolgen» Bemühen Sie sich, Ihrer Mutter eine treue Gehülfin zu seyn in ihren Geschäften; erleichtern Sie ihr die Last des Hauswesens; vertreten Sie- wo es seyn kann, ganz ihre Stelle. Es ist schön- E 2 68 wenn eine Mutter sich ganz auf ihre Tochter verlassen und endlich in süßer Ruhe die Frucht ihrer langen Thätigkeit, und ihrer Anstrengung in früheren Jahren, genießen kann. Einer Tochter aber bringt es Ehre, wenn der Geist der Mutter in ihr lebt, wenn sich schon im alterlichen Hause wahrnehmen läßt, mit welchem Anstande, mit welcher Geschäftigkeit und Würde sie einst ihrer eigenen Wirthschaft vorstehen wird. Selbst dann noch, wenn Sie bereits zu voller Selbständigkeit gelangt sind und nicht mehr unter dem väterlichen Dache wohnen, sey Ihnen jeder Rath, jedes Urtheil Ihrer Aeltern werth und theuer. Unternehmen Sie nichts Wichtiges, ohne sie darüber zu hören; ehren Sie sie als ihre ältesten, bewährtesten, Mussten Freunde, Ihre gewissenhaftesten und uneigennützigsten Rathgeber. Stimmen Ihre Ansichten nicht überein, so tragen Sie ihnen wenigstens die Gründe, durch welche Sie sich bewogen fühlen, anders zu handeln, mit Liebe und Bescheidenheit vor. Verschonen Sie Ihre Aeltern mit harten, un- ehrerbietigen Worten und Vorwürfen. Tragen Sie willig die Schwachheiten derselben, thun Sie ihnen Gutes, machen Sie ihnen Freude, so viel Sie kön- nen. Verabscheuen Sie die Ungeheuer, die ihre Ael- tern hülflos lassen im Alter; verabscheuen Sie noch mehr diejenigen, die sich derselben schämen, weil sie reicher und vornehmer geworden sind. Menschen dieser Art sind Scheusale vor Gott und vor den Augen aller Edeldenkenden. Im Alter besonders ist die Zeit, wo Kinder ihren Aeltern ihre ganze zärtliche Anhänglichkeit beweisen sollen. Die Verhältnisse sind jetzt umgekehrt. Die treue Liebe und Pflege, die Vater und Mutter ihren Kindern in den ersten Lebensjahren widmeten, sollen ihnen diese in de§r letze ten vergelten. Für die Aeltern arbeiten, wenn ihre Kräfte sie verlassen, sie in Ihr Haus und an Ihren Tisch zu nehmen, wenn sie Mangel leiden, sie liebreich pflegen in ihren Krankheiten, Alles für sie zu thun und mit ihnen zu theilen, bis endlich der Todesengel auf dieselben herabschwebt: dieß, edle Freundinnen, sey Ihnen eine heilige, unvergeßliche Pflicht. Bleiben Sie derselben treu bis an das Ende, so haben Sie verdient, daß auch Ihnen einst von der Hand der Liebe die Augen geschlossen werden. 70 Geschwisterliche, Nach Vater und Mutter liegt Ihrem Herzen niemand naher als Ihre Geschwister, Lieben Sie sie «ls Ihre ersten und nächsten Freund?, als Ihre tag» lichen Gespielen, als Ihre Haus- und Tischgenossm, und verschönern Sie sich einander, durch treue und herzliche Anhänglichkeit, die Jahre Ihrer Jugend, Verbittern Sie sich nicht, wie es leider in nur «llzuvielen Familien geschieht, durch Zank und Zwie- tracht das Leben; sondern suchen Sie durch wechselseitige Geduld, Gefälligkeit, Nachgiebigkeit die Bande der Natur noch fester zu knüpfen. Sind Sie die Aeltere, so leiten Sie Ihre jüngeren Geschwister mit zarter Liebe, und maßen Sie sich keine drückende Herrschaft über sie an; sind Sie die Jüngere, so achten Sie die Erinnerungen Ihrer älteren Geschwister, die schon vor Ihnen da waren und mehr Erfahrung haben als Sie. Der Aeltere hat immer vor dem Jüngeren gewisse Vorzüge, ?r Es ziemt dem Bruder nicht, einen gebieten» schen Ton gegen die Schwester anzunehmen; noch weniger aber dieser, ihre Bruder und Schwestern zu meistern. Sind Sie aber der leidende Theil, so su» chen Sie lieber die Harte der Schwester oder des Bruders durch Liebe und Gefälligkeit zu erweichen, als durch Klagen bei den Aettern Verdruß herbeizu» führen und das Uebel noch ärger zu machen. Helfen Sie Ihren Geschwistern, wo Sie ih» nen helfen können; suchen Sie ihnen kleine freudige Ueberraschungen zu bereiten, ihnen Vergnügen zu ma» chen, Verdruß von ihnen abzuwenden; beweisen Sie sich durchaus als ihre besten und treuesten Freunde, und suchen Sie so das Herz derselben mit Liebe zu erwärmen. Theilen Sie mit Ihnen, was Sie Gutes ha» ben, bringen Sie ihnen willig kleine Opfer, lassen Sie nie feindselige Gesinnungen gegen sie blicken; seyn Sie die Vertraute der Großen, die mütterliche Freundin und die Lehrerin der Kleinen; lesen Sie, arbeiten Sie mit diesen; seyn Sie ihnen ein Beispiel der Geduld und Sanftmut!). 7L Suchen Sie einander die Erde nicht zur Hölle, sondern zu einem freundlichen Wohnplatz zu machen, und wandeln Sie durch innige Zuneigung verbunden in Liebe und Eintracht den Weg durchs Leben. Häuslicher Sinn und häusliches Leben. Gilt Ihnen Ihr künftiges Glück, und das Glück derer, mit denen Sie einst als Gattin, Mutter, Schwester in der innigsten Verbindung leben sollen, so streben Sie darnach, sich frühzeitig häuslichen Sinn, häusliche Thätigkeit, Geschmack an häuslichen Freuden anzueignen, denn diese und nur diese sind die kräftige, mild erquickende und heilsame Frucht Ihres Lebens. Lassen Sie Ihr Haus Ihre Welt seyn, denn nur da sind Sie heimisch, nur da ist Ihnen Ihr stiller und kleiner aber gefahrloser und glücklicher Wirkungskreis angewiesen. In dem Innern Ihres Hauses können Sie des Guten sehr viel wirken, und eine Fülle des Segens, selbst für die Außenwelt, verbreiten. Hier sollen Sie einst als Gattin für die Bedürfnisse, 75 die Erholung, das Vergnügen Ihres Gatten, als Mutter für die Ausbildung der zarten Seelen Ihrer Kinder sorgen und sie zu guten und brauchbaren Menschen veredeln. Stehen Sie Ihrer Mutter mit unverdrossener Thätigkeit und Freudigkeit bei allen ihren häuslichen Geschäften bei; machen Sie dieselben zu den Ihn« gen, helfen Sie ihr sorgen und wirken; suchen Sie sich, durch Sanftmuth und zarte kindliche Achtsamkeit, die Liebe Ihrer Aeltern zu erwerben und sich schon unter dem väterlichen Dache zur Gesellschafterin, Gehülfin, Beglückerin Ihres einstigen Gatten zu bilden. Begrüßen Sie jeden Morgen die Mutter, den Vater, die Schwestern und Brüder mit einem Kuß der Liebe; schmiegen Sie sich an alle mit Wärme und Theilnahme an; betrachten Sie besonders Ihre Mutter als Ihre beste Freundin und öffnen Sie ihr Ihr ganzes Herz. Liebe fordert zur Liebe, Vertrauen zum Vertrauen auf und läßt in dem Herzen keine Bitterkeit aufkommen. Schließen Sie sich fest an alle die Ihrigen an. 0 / 74 Pflegen Sie mit zarter Sorgfalt die Gesiebten in Tagen der Krankheit und des Unvermögens. Scheuen Sie kein Opfer, wachen, dulden und tragen Sie; lassen Sie Ihre Zärtlichkeit groß werden an Allen, die Ihrem Herzen theuer sind, daß Sie sich würdig machen, einst mit gleicher Liebe behandelt zu werden und das süße Bewußtseyn treuerfüllter Pflicht Sie beglücke. Suchen Sie geistige Bildung mit der häuS» sichen zu vereinigen. Setzen Sie die Häuslichkeit nicht blos in die Verrichtung grober Arbeiten, wobei nicht selten der Sinn für höhere Veredlung ganz verloren geht. Ueberlassen Sie diese Geschäfte, wenn es irgend angeht, dem Gesinde, denn Sie sind nicht zur Magd, sondern zur Gesellschafterin Ihres künftigen Gatten und zur Aufseherin über die Mägde bestimmt. Nützen Sie lieber in dem Hause durch weise Anordnung, einen wahren Blick, und durch das Beispiel reger Thätigkeit in minder rohen Hausgeschäften, Genügsamkeit ist schön und eine große nothwendige Tugend, die von dem wahren häuslichen Sinn hinzertrennlich ist. Beschränken Sie sich aber mit derselben nicht auf die Befriedigung der phisischen Lebensbedürfnisse und versagen Sie sich nicht jeden Ausflug zu dem höheren Lebensgenuß. Nicht die Thier» heil allein und ihre Bedürfnisse, sondern hauptsächlich das Göttliche in dem Menschen soll gepflegt und befriedigt werden. Begnügen Sie sich im übrigen mit dem, waS Ihnen der Himmel gegeben hat, wenden Sie es dankbar zu ihrem Wohl an und beneiden Sie niemand um das, was er vor Ihnen voraus hat. Richten Sie ihre Blicke auf die vielen Tausende, die unter Ihnen stehen, nicht auf diejenigen^ die an Rang und Vermögen über Sie erhaben sind. Wo Zufriedenheit ist, da ist auch in der kleinsten und dürftig, sten Hütte Seeligkeit. Das Glück ist nicht anKlei- derpracht, nicht an Landhäuser, nicht an eine reichbesetzte Tafel, an Festen und Equipaaen und Badereisen gebunden. Sie suchen es vergeblich in dem Gewirrt der Welt; es sitzt in der Tiefe Ihres Herzens. Streben Sie nicht mit ängstlicher Unruhe nach dem, was Ihnen fehlt, sondern suchen Sie vielmehr recht zu genießen, was Sie wirklich besitzen. Neh, wen Sie Ihre Aeltern, Ihre Geschwister, Ihren Gatten, Ihre Kinder, tvie sie sind; suchen Sie je, 76 dem seine gute Seite abzugewinnen, sich in die an« dern zu fügen und in süßer Eintracht mit Allen zu leben. Entfernen Sie jede Veranlassung zu Zwist und Zankereyen. Lassen Sie sich die ärgerlichen Scenen, wodurch sich so manche Familien schänden und zum Stadtgespräche machen, zur Warnung dienen. Würzen Sie Ihre frugale Kost durch Heiter, keit und Scherz, durch trauliche Gespräche und süße Herzensergießungen. Suchen Sie Befriedigung für die Bedürfnisse Ihres Herzens nicht in den geräuschvollen Versamm» lungen der großen Welt, sondern in dem liebevollen Umgang der Theuern, die Ihnen durch die Bande des Blutes befreundet sind. In ihrem stillen, traulichen, aufrichtigen, seelenvollen Kreise, in dem kein Derrather, kein Verläumder lauscht, und wo jedes Herz sich unbefangen dem andern öffnen kann, wer» den Sie sich weit seeliger fühlen, und nie wird in Ihrem Innern eine peinliche Leere entstehen, wie sie die lärmenden Vergnügungen der Welt zurück lassen. 7? Lieben Sie diesen stillen häuslichen Kreis als eine wahre Bildungsschule, in der Sie lernen und lehren, empfangen und mittheilen, veredelt werden und veredeln. Das Beispiel würdiger Aeltern muß immer bildend auf ihre Kinder, das Beispiel der äl» teren Geschwister auf ihre Bruder und Schwestern wirken. Der Vater belehrt, erzählend, fragend und antwortend seine hoffnungsvollen Söhne über Lebens» und Derufspflichten, über wahres und Scheinglück, über ihre Bestimmung als Bürger zweier Welten, über männlichen Sinn und wahre Ehre. Die Mutter sagt ihren Töchtern, was Gott und Pflicht und Sitte von ihrem Geschlechte fordere, sucht sie zur wirthschaftlichen Thätigkeit zu ermuntern, ihre Fähigkeiten zu entwickeln und Geist und Herz zu nähren. Die ältern Brüder und Schwestern werden die Lehrer und Lehrerinnen, die Freunde und Rathgeber der jüngeren: alle Glieder der Familie bieten einander liebend, hülfreich und traulich die Hand. Häusliche Freuden sind die reinsten und schuldlosesten; suchen Sie sich dieselben recht oft zu verschaffen. Es kdstet so wenig, Personen, mit denen wir in Liebe zusammen leben, glücklich zu machen, sie mit kleinen Gaben und andern Beweisen zarter 78 Aufmerksamkeit zu überraschen und zü erfreuen, ihnen bald auf diese, bald auf jene Art zu zeigen, daß wir ihrer gedenken, daß sie uns theuer sind, daß wir nichts mehk wünschen, als sie vergnügt und froh zu machen. Mir lacht daS Herz, wenn ich sehe, daß wohlgerathene Kinder bei ihren Spaziergängen das schönste Obst für die zurückgebliebene Mutter bei Seite legen, daß eines dem andern damit zuvor zu eilen sucht, es ihr schon in der Ferne zeigt, ihr entgegen springt und es unter Küssen in ihren Schoos legt. Mir treten Freudenthranen in die Augen, wenn ich bemerke, wie ein Bruder hermlich das Gart» chen seiner Schwester mit den schönsten Blumen bepflanzt und sich dann in die Hollunderlaube versteckt, um Zeuge ihres Erstaunens und ihrer Freude zu seyn. Sie erräth und entdeckt sogleich den Lieben, der sie so freudig überraschte, fällt ihm dankend um den Hals und belächelt Hand in Hand mit ihm den Prächtig geschmückten Garten. Lassen Sie keinen Geburts- keinen Namens^ tag Ihrer Lieben ungefeiert vorüber gehen. Berges» sen Sie auch Ihre abwesenden Bruder und Schwe» stern nicht. Der Dermählungstag Ihrer Aeltern sey Ahnen ein heiliges Fest. Feiern Sie auch im Freien 74 in Ihrem häuslichen Kreise an dem schönsten Maitag das Fest des Frühlings; vergessen Sie nicht des Erndtefestes und des herbstlichen Gartenfestes bei dem Abnehmen der letzten Baumfrüchte. Veranstalten Pie sogar ein Kartoffelfest, wenn Sie dergleichen köstliche Produkte gebaut haben. Aus einer großen Schüssel davon mit frischer Butter bestehe der ganze Aufwand. Mehren Sie die Zahl dieser kleinen Familienfeste so sehr Sie können, und jedesmal müsse dieselben gleich beym Frühstück ein stattlicher Kuchen verherrlichen. Die Zurückkehr eines lang abwesenden Bruder-, die Ankunft einer verheiratheten geliebten Schwester mit ihren Kindern, ist für die ganze Familie ein neuer Aufruf zur Freude. Man setzt sich traulich zusammen; man schwatzt, man koset, man erzählt sich, was seitdem geschehen ist, was man hofft und erwartet. Alle Herzen schließen sich auf, alle ergies- sen sich in einander. Der Bruder ist ganz erstaunt, die Schwester, die er als Kind verlassen hat, als lieblich aufblühende Jungfrau wieder zu umarmen j er kann sich nicht satt an ihr sehen, er nimmt sie unter den Arm, er schwatzt und tändelt Mit ihr, wie ihr Geliebter. so In den schönen Tagen des Jahres lustwandelt die Familie sich selbst genug, oder an andere liebe Freunde angeschlossen, auf das Land, und gibt sich dem Genuß der schönen Natur im Grünen hin. Man erquickt sich mit Milch und frischer Butter, oder zieht den schwer belasteten Kicschbäumen nach, und kehrt, fröhliche Lieder singend, in der Abendkühle nach Haus. Die Kinder aber jagen lustig voran und ergötzen sich mit unschuldigen Spielen. Und kommen die langen Winterabende', dann setzt man sich traulich zusammen in das heimliche wohlerwarmte Stübchen. Die Schwestern nahen, oder spinnen oder stricken; die Brüder lesen vor; man theilt sich seine Bemerkungen, seine Urtheile über das Gelesene mit; man schwatzt, man lacht, man ist seliger als in einer zahlreichen und steifen Theegesellschaft. Bald aber hat man sich mit den geheimnißvollen Zubereitungen zu dem Fest aller Feste, dem sehnsuchtsvoll erwarteten Christtage, zu beschäftigen. Einem jeden Gliede der Familie soll Freude gemacht, jedes soll beschenkt, überrascht, begeistert werden; keines aber darf auch nur ahnen auf welche Art. Da wird nun die Mutter dringender als zu jeder andern Zeit 8t Zeit des JahreS zugeredet in Gesellschaft zu gehen, und immer von den Töchtern ein scheinbarer Vor» wand erfunden, zu Hause zu bleiben/ damit sie die gewonnenen köstlichen Stunden zu ihren Weihnächte» arbeiten benutzen können. Mit welcher Emsigkeit sie beisammen sitzen; wie eine die andere an Fleiß zu übertreffen sucht! Niemand als sie, selbst die Brü» der, selbst der Vater nicht dürfen erfahren, was vorgeht, daß das Geheimnis von keiner menschlichen Seele verrathen werde. Bei dem aber, was für den Vater gemacht wird, ist immer die Mutter die Rathgeberin und Vertraute. Bisweilen tritt er un» vermuthet zur Thür herein: Mit Dlitzesschnelligkeit wird dann Alles weggerafft, oder mit scheinbarer Unbefangenheit vor seinen Augen versteckt. Bei den Brudern benutzt man die Schulstunden; und tritt einer zur ungelegenen Zeit in das Zimmer, so springt man auf, halt ihm die Augen zu und huscht mit ihm zur Thür hinaus. Man gestattet ihnen aber die Aepfel und Nüsse der kleineren Geschwister zu vergolden und ihren Baum damit zu putzen. Und wenn nun endlich der glänzende Abend gekommen ist, wenn Alles mit gespannter Erwartung in dem Nebenzimmer harret und endlich die Thüren aufgehen, und hundert Lichter die Augen blenden und die weiß gedeckte mit Geschenken beladene Tafel bestrahlen —> 8 82 o wer schildert da die Seligkeit, die jede Druff erfüllt! — Nein, Freundinnen, lassen Sie nie diese schöne vaterländische Sitte in Ihrem Hause in Verfall kommen, sie beglückt schon mehrere Monate vorher die ganze Familie und ist für dieselbe eine Quelle der reinsten Freuden. DaS Jahr neigt sich um jene Zeit zu seinem Ende. Bringen Sie den letzten herrlichen Abend desselben lieber in dem vertrauten Kreise der Ihrigen, als in einer lärmenden Tanzgesellschaft zu. Ueber- denken Sie die Ereignisse des hinter Ihnen liegenden Zeitabschnittes, zählen Sie die Häupter Ihrer Lieben, und freuen Sie sich, dem Himmel dankend, wenn Ihnen kein theures Haupt fehlt. Berechnen Sie> was Sie gethan, geduldet und getragen haben; vergleichen Sie die Summe des Guten und des Bösen, die Ihnen das zurückgelegte Jahr brachte, und wenn sich findet, daß des Guten mehr war, so lassen Sie freudig Ihre Loblieder erschallen und den Becher der Fröhlichkeit herumgehen, Bald schlagt die feierliche Stunde, die den Anfang eines neuen Jahres verkündet, die ganze Familie begrüßt sich mit Glückwünschen, schließt sich fester an einander an, sieht im Geiste voraus, was jedes zu fürchten und zu Hof- SL fen hat und tritt so, theils erwartungsvoll, theils in stiller Ergebung den bedeutungsvollen Zeitraum an. Genießen Sie so mit heiterem, reinen und frommen Sinn alle Freuden stiller, beglückender Häuslichkeit. Walten Sie froh und zufrieden in dem Kreise der Ihrigen. Die Seeligkeit, die Sie in dem Innern Ihres Hauses finden, wird Sie gegen dey Sinnenzauber betäubender Weltfceuden schützen und Sie den Reizen der Verführung entziehen. Als Gehülfin Ihrer Mutter, und Mitvorsteherin der Familie, werden Sie leicht und gründlich alle Vorzüge und Fertigkeiten erlangen, die Ihnen zN Ihrem jetzigen und künftigen Beruf als liebende und beglückende Gattin, als edle Mutter und Erzieherin Ihrer Kinder, als erfahrne und umsichtige Hauswirthin ünent^ behrlich sind. Ihr inneres Glück wird sich auch an» dern mittheilen: den Fremden muß eS wohl seyn in einem Hause, wo Alles sich liebt und seelig fühlt. > Und wenn das Geschick Sie aus der Ihrigen in an- - dere Familien führt, so werden Sie auch in dieseti sregenreich, veredelnd und beglückend wirken. z -»«.. . 8-r Mettschenfteundlichkeit^ Nichts schmückt und veredelt ein weibliches Wesen mehr als sanfte Menschenliebe, ein Herz voll Wohlwollen, voll teilnehmenden Empfindungen, die sich in jedem ihrer Blicke, in dem Ton ihrer Stimme, in allen Zügen ihres Gesichtes aussprechen. Suchen Sie sich daher auch diese Zierde zu verschaffen. Vergessen Sie das Schlechte, wodurch sich nur allzuoft ein Theil der Menschheit entehrt; halten Sie sich an das Gute in ihr, und bestreben Sie sich, Alles, was Sie umgiebt, mit Liebe zu umfassen. Lassen Sie keinen, der seine Zuflucht zu Ihnen nimmt, ohne Rath, ohne Aufheiterung, ohne Hülfe. Spenden Sie Wohlthaten aus, so viel es in Ihrem Vermögen steht. O es ist herrlich, durch Wohlthun Nachahmer der Gottheit zu seyn! Nichts erhebt das Herz so sehr, nichts erfüllt die Brust mit so himmlischen Freuden, als das Bcwußtfepn, dir .-Thränen der Leidenden getrocknet, den Hunger des Durstigen gestillt zu haben. 85 Vergessen Sie Ihrer armen Brüder und Schwestern nicht, denken Sie, daß jede Gabe, die Sie mit gutem Herzen reichen, nur auf Zinsen angelegt ist, haß Sie sie durch des Allvaters Hand einst wieder erhalten werden. Menschenliebesey eine der vornehmsten Quellen Ihrer Glückseligkeit. Suchen Sie die Heiterkeit und Freude, die Sie in Ihrem Innern empfinden, rings um sich her zu verbreiten, sich Allen als ein edles, liebevolles Wesen zu zeigen. Verbannen Sie jeden Stolz aus Ihrem Innern, daß auch der Geringe sich Ihnen nähern und sich Ihres Wohlwollens erfreuen dürfe. Hangen Sie lieber den Empfindungen deS Wohlwollens, der Nachsicht und Güte, als denen des Mißfallens, der Unzufriedenheit, des Unwillens nach; behalten Sie jene glückliche Gemüthsstimmung, da man immer geneigt ist zum seeligen Frieden, immer bereit zum Entschuldigen, zum Vergeben und zum Vergessen, wo man frei von Eitelkeit mehr die Vorzüge und guten Eigenschaften an Andern als «n sich selbst bemerkt, schätzt und ins Licht zu stellen sucht, wenig von Andern erwartet, aber ihnen viel ^ -6 schuldig zu seyn glaubt, und eben so fern von blindem Vertrauen als von übertriebenem Mißtrauen ist, Bleiben Sie sich immer gleich, immer heiter und gutlaunig, unter allen Verhältnissen und Um» standen immer dieselbe Person; äußern Sie überall die nämliche Gutmütigkeit, die nämliche Freundlichkeit; suchen Sie überall Freude zu finden und Freude zu geben. Lassen Sie Ihr Herz einen Sammelplatz dep menschenfreundlichsten Gesinnungen seyn. Nichts macht einen üblern Eindruck, als wenn an Personen Ihres Geschlechts Gleichgültigkeit gegen Menschen- glück, Härte des Gemüths, Kälte gegen unsere Mitmenschen wahrgenommen wird, Der Grund aller schönen Weiblichkeit ist Liebe; Frauen, die nicht lieben, verdienen nicht Ihrem Geschlecht anzugehören. Lassen Sie Ihre Menschenliebe auch offenbar werden in der Beurtheilung Ihres Nächsten. Suchen Sie nicht nach dem Beispiel Anderer blos seine schlimmen, sondern auch seine guten Seiten herauszuheben. Nicht wenige Frauen gleichen Polizeispio- «en, die fremde Häuser durchmustern, um verbotene x 87 Mgaren zu entdecken, während sie selbst den ärgsten Schleichhandel treiben, Schneidende Urtheile über Andere sind eigenes Verdammungsurtheil. Behandeln Sie besonders auch die Gefallenen Ihres Geschlechts mehr mit Mitleid als Verachtung, besonders wenn sie durch schnöde Verführung sind ent» weiht worden. Ohne Nachsicht und mir heftigem Eifer schmähten, gibt nicht immer einen guten Begriff von der Tugend derer, die so spricht, denn gar manche sucht hinter einem solchen Tugendeifer ihre eigenen Fehler zu verbergen. Schweigen Sie lieber ganz über solche 'unglückliche Opfer und überlassen Sie sie dem Urtheil der Männer. Verhalten Sie sich auch stille in Cirkeln, wo es blos auf die Kritik fremder Fehler und Thorheiten abgesehen ist. Lebhafte Theilnahme an solchen Gesprächen hat man sich wenigstens als eine Schwachheitssünde zu verzeihen, bisweilen noch als etwas mehr. Halten Sie sich immer an das Schönere/ an das Edlere im Leben und in der Menschheit; über- 8S sehen Sie an Niemand das Gute, das in ihm liegt, umfassen Sie Jeden mit liebreichem Gemüth, freuen Sie sich mit dem Frohen, trauern Sie mit den Traurigen; alle Menschen sind Ihre Bruder, Ihr» Schwestern; seyn Sie daher gleichgültig gegen nicht», was Menschen und Menschenwohl betrifft. Mehren Sie nicht die Zahl so vieler Menschen, die dem Vergnügen nachgehen und doch immer mißvergnügt aussehen, mit nichts zufrieden sind und an Allem zu tadeln finden. Sie würden auf solche Art sich und Anderen viel Genuß entziehen, Sollte Jemand von Ihren Bekannten in Mangel gerathen seyn, so vergessen Sie nicht, was er Ihnen war; versagen Sie sich einen entbehrlichen Schmuck und suchen Sie ihm heimlich dqmit beizn» stehen. Eine besondere Grazie ist mit der Ausübung jeder Tugend verbunden, auch von der Wohlthätigkeit erwartet man sie. Sie können Tausende auf eine so ungefällige Art verschenken, daß man Ihnen keinen großen Dank dafür wissen wird; Sie können aber auch eine 'Bitte mit so viel Schonung abschlagen, daß Sie nicht mißfallen. Geben Sie also das, was Sie geben können und wollen, ohne sich lange bitten zu lassen, mit Freudigkeit und Willigkeit. Sie werden doppelten Dank damit aufheben. Sie werden kaum im Stande seyn, durch ein» Gabe, auf die Sie lange warten lassen, die Aengst- lichkeit zu vergüten, dje Ihr Zögern veranlaßt. fassen Sie durch Undank, den Sie erfahren, nicht ihr Herz gegen Nothleidende verhärten. Sehen Sie auf das Alter und die Beschaffen» heit derer, die Ihre Wohlthätigkeit in Anspruch nehmen. Ermuntern Sie die Jugend zum Fleiß; verschaffen Sie dem Alter Ruhe. Ein freundliches Wort, eine gute Empfehlung sann zu gewissen Zeiten eben so wirksam seyn, als »ine Geldhülfe. Hüten Sie sich vor übereilten Versprechungen; flößen Sie keine vergeblichen Hoffnungen ein. Es ist besser eine angenehme Überraschung, als eine schmerzhafte Täuschung zu veranlassen. Y0 Wenn Sie dringendes Bedürfniß mit Bescheidenheit kämpfen sehen, so kommen Sie dem Wunsch? des Dürftigen auf halbem Wege entgegen, und suchen Sie ihm die Schamröthe des Bittens zu ersparen. Sprechen Sie nicht von den Wohlthaten, die Sie erwiesen haben, und prahlen Sie noch weniger damit. Nie wird eine prahlerisch ertheilte Gabe wirklich Dankbarkeit erregen; denn die Wohlthat p)ird von her Demüthigung ausgewogen. Lassen Sie Niemand, besonders Arbeiter nicht, auf Sie warten: der Verlust der Zeit ist für alle, die von der mühsamen Anwendung derselben leben müssen, der Verlust ihres Brodes. Wiegen Sie in der Wagschale der Menschlichkeit die Unannehmlichkeiten des Wetters, die Beschwerlichkeiten eines weiten Wegs ab, wenn Sie ?inen Arbeiter oder sonst jemand zu sich rufen lassen, Suchen Sie nicht den Kaufleuten zu viel von dem bekannten Preis ihrer Waaren abzudingen, denn von ihrem Gewinn müssen sie leben. Es wäre aber Ungerechtigkeit gegen Sie und Ihre Familie, wenn Sie sich mulhwillig betrügen ließen. Es wäre Ihrer unwürdig, die dienstfertige Ge- schäftigkeit des Kaufmanns zu mißbrauchen, ihn sein? Waaren herbeiholen, aufmachen, auseinander legen zu lasten, wenn Sie doch nicht gesonnen sind, etwas zu kaufen. Noch unwürdiger wäre es, seine Sachen herabzusetzen, weil der Preis die Kräfte Ihres Beutels übersteigt, oder weil sie nicht nach Ihrem Ge? schmack sind. Es wird zu ihrem eigenen Vortheil gereichen, wenn Sie die Personen, mit denen Sie Geschäfttz abzumachen haben, mit gehöriger Höflichkeit behandeln. Höflich in Ihrem Umgang und pünktlich in Ihren Versprechungen zu seyn, wird weder ihrem Stande noch Ihrer Schönheit Abbruch thun. Heiterer Sinn und Freudigkeit- Die Natur hat die Mädchen zur Fröhlichkeit geschaffen; sie sind bestimmt wie Blumen in dem Garten der Welt zu blühen, und ihm eine freundliche Gestalt zu geben. Suchen Sie sich demnach ein heiteres Herz zu erhalten, blicken Sie fröhlichen Sinnes hinaus in die Natur; treten Sie in dem Kreise Ihrer Schwestern als ein freudebringendes Wesen auf, das überall harmlose Scherze, Lust und Anmuth verbreitet. Man meidet den Mißmuthigen, den Fröhlichen aber liebt jedermann. Lassen Sie sich aber nur die sanfte, edle Munterkeit empfohlen seyn und hüten Sie sich vor schreiender, ins Kecke und Unweibliche übergehender Lustigkeit, vor welcher die Grazien fliehen. Nichts gefallt mehr als die reine Heiterkeit des Gemüths, wo die ganze Seele in die Gestalt tritt, und unschuldig lebhaft aus dem Auge spricht. Erlauben Sie sich nie mürrisches Wesen» Eine mürrische Person ist noch unerträglicher als eine zornige. Das Trotzen und Maulen eines Frauenzim- Y3 niers wird daS Gift ihrer Schönheit. Es verzerrt die liebenswürdigsten Züge ihres Gesichts zur häßlichsten Karrikatur, und keine Kunst vermag am Ende diese Ruinen wieder herzustellen. Seyn Sie sehr auf Ihrer Hut gegen Ihre Launenhaftigkeit, die man so allgemein den Mädchen zum Vorwurf macht, und zwar um so mehr, da oft eine abgefallene Stecknadel, ein nicht recht angeheftetes Band, ein neuer Hut einer Freundin schöner als der ihrige, im Stand ist, manches Mädchen zu verstimmen. Betrachten Sie die Launenhaftigkeit Nicht als ein kleines vorübergehendes Wölkchen, denn sie ist ein sehr großes Uebel. Mißmuthig seyn, ist ein pein« sicher Zustand; der Uebelgelaunte fühlt sich gedrückt und wird drückend für andere. Ueble Laune ist auch, Nach der Bemerkung eines geachteten Schriftstellers, einer der schlimmsten Feinde des häuslichen Glücke Eine Frau, die sich ihren Launen überlaßt, kann bei den besten Eigenschaften und vieler Liebenswürdigkeit sehr bald unerträglich werden. Sie verliert die Herrschaft über sich selbst, sie spricht schneidende Worte, die nicht wieder gut zu machen sind, und deren Ein- Y4 druck öfters selbst der Schwamm der Zeit nicht wieder zu vertilgen vermag. Lassen Sie daher diesen Feind nicht aufkommen und bekämpfen Sie ihn mit aller Gewalt .Merken Sie, daß Ihre Mienen, Ihre Bewegungen «ine feindselige Stimmung Ihres Gemüthes verrathen wollen, daß eine Neigung zu beleidigen, zu kränken sich Ihrer Seele bemächtigt, und es Ihnen erwünschter vorkommt, hart und kalt zu scheinen, als gut und wohlwollend, so verändern Sie in Gedanken die Scene und legen Sie die Person, die Sie verletzen möchten- Ihren Bruder, Ihre Schwester in das Grab, wo Sie nichts mehr gut machen, nichts wieder abbitten, mit nichts den Gekränkten mehr versöhnen können. — Glauben Sie mir, jedes herbe Wort, jeder schnei» dende Ton wird, wenn der Fall wirklich eintritt, wis eine Anklage in Ihrem Herzen wiederhatten, es wird Ihre heitern Stunden trüben und Ihren Schlaf stören^ Suchen Sie jede Quelle übler Laune zu verstopfen; eine der vornehmsten ist unbefriedigter Stolz, unbefriedigte Eitelkeit, unerfüllte Ansprüche. Ein gewöhnliches Mädchen ist sogleich verstimmt, wenn es sich übersehen, übertroffen fühlk; sie ist ge- neigt zu maulen, wenn nicht erfolgt, waS sie sich zu fordern und zu erwarten berechtiget glaubte. Dieser Gefahr ist aber ein bescheidenes, leiöenschaft- und ünspruchloses, gleichmüthiges Mädchen, ein Mädchen, das sich zu beherrschen weiß, nicht so leicht ausgesetzt. Fliehen Sie deU Müssiggang, der eine andere Quelle übler Laune, wegen der Langenweile ist, die ihn begleitet, So wie der Thätige oft nicht ganz mit Unrecht sagt, er habe keine Zeit krank zu seyn, so bleibt ihm auch für die üble Läune keine Zeit. Um Ihrer Arbeitsamkeit gewiß zu werden, Machen Sie eine Eintheilung Ihrer Stunden, und setzen Sie die immer wiederkehrenden Geschälte auf eine bestimmte Zeit. Die Gewohnheit hat eine große Macht, und es ist nichts so lästig, was nicht durch sie erleichtert würde. Auch an Zeit gewinnen Sie so. Wer jeder Art von Arbeit ihre Stunden angewiesen hat, erspart sich die Wahl, die gerne das Unangenehme zurück schiebt, das durch den Aufschub nicht leichter, sondern drückender wird. Wenden Sie auf solche Art Ihre Zeit gut an und füllen Sie Ihren Tag aus, so wird Ihr Herz ein WohnPlatz der Zufriedenheit seyn. y6 - Noch ein anderes edeles und wirksames Mittel habe ich Ihnen zu empfehlen, wenn der Dämon übler Laune Sie beschleicht: beschäftigen Sie sich mit Gott, denn ein religiöses, Gott vertrauendes Gemüth weiß sich leicht über Alles zu trösten und zu beruhigen, und den Sieg über den Mißmuth zu erringen, von welchem sich Andere so leicht überwältigen lassen. Bieten Sie, mit einem Worte, Alles auf, sich zu zerstreuen, und zu verscheuchen, was Ihr Gemüth zu verfinstern droht. Seyn Sie geschäftig, greifen Sie nach einem guten erheiternden Buche, gehen Sie hinaus in die Natur; suchen Sie zu vergessen, was Sie mißmuthig macht; Und lassen Sie nichts unversucht, sich Ihren fröhlichen Sinn, diese herrliche Himmelsgabe, zu erhalten. Ein heiteres Gemüth wird Sie mit Freudigkeit in Vollbringung aller Pflichten Ihres Berufs erfüllen. Mit freudiger Thätigkeit wirkt ein Weib viel kräftiger, als sonst, zur Erhaltung und Beförderung des häuslichen Wohlstandes und zür Herbeiführung der sceligen Folgen desselben, als da sind Freiheit von Sorgen, Eintracht, Liebe, behagliches und glückliches Zusammenleben. Stre^ Y7 Streben Sie nach dieser beglückenden Freudigkeit, denn ein freudiger Sinn tragt Alles und duldet Alles; er wirkt und wird nicht müde und laßt sich nicht niederschlagen, wenn widrige Verhängnisse hereinbrechen; er hilft die Entbehrungen, die Opfer, die Verläugnungen der bittersten Art, welche oft das Schicksal uns bereitet, gelassen ertragen. Die Re» ligion, weit entfernt denselben zu zerstören, stärkt und veredelt ihn. Aus ihm entspringt der hoheSee- lenfriede, die Verklarung, die Ruhe in dem Blick so mancher frommen Dulderin, die mit unglücklichen Verhältnissen kämpft und unter Leiden lächelt. Suchen Sie diese veredelte Freudigkeit des Gemüths wie ein köstliches Kleinod in Ihrem Innern zu bewahren. Durch Freudigkeit und Freundlichkeit ermuntert und belebt das glückliche und beglückende Weib ihr ganzes Haus, durch sie erquickt und stärkt sie den von Geschäften und Sorgen ermüdeten Gat» ^ len, verscheucht den Unmuth, der seine Seele umwölkt, und lächelt ihm die finsteren Runzeln vom Gesicht; durch sie beugt die kluge Beherrscherin des männlichen Herzens allen Zänkereien vor, bleibt immer sanft, gutlaunig, nachgiebig, auch da, wo ihr wirklich zu viel geschieht; durch sie macht sie end- Y8 lich das HauS des Gatten zu einer Wohnung des Friedens, der Freude, der Glückseligkeit. Ordnung und Reinlichkeit. Ehren Sie die Ordnungsliebe als die Mutter und Pflegerin der meisten andern Tugenden, als eine Tugend, die zugleich ziert und nützt. Ordnung herrsche nicht nur in Ihrem Anzug, sondern auch in Ihrem Schrank, Ihrer Küche, Ihrem Zimmer, Ihrem ganzen Haus. Jedes Stück habe mit Rücksicht auf Wohlstand, Bequemlichkeit und Sicherheit seinen bestimmten Platz, wo es zu aller Zeit, auch blindlings könne gefunden werden. Bedenken Sie, daß es viel weniger Zeit und Mühe erfordert, eine Sache, die man gebraucht hat, wieder an den ihr angewiesenen Ort zu bringen, als sie zu suchen, wenn sie verlegt worden ist. Lassen Sie sich besonders gute Ordnung in Aufbewahrung der Schlüssel empfohlen seyn. Halten Sie sich dazu ein besonderes Körbchen, in das Sie sie alle sorgsam legen, und das Sie in einen Schrank verschließen. 99 wenn Sie ausgehen. Ich brauche Ihnen nicht alle Unannehmlichkeiten zu schildern, die aus verlegten Schlüsseln hervorgehen. Lassen Sie dieselbe Ordnung in allen Ihren häuslichen Geschäften und in allem Ihren Thun herrschen. Aufstehen und Schlafengehen, Frühstücken, Mittag- und Abendessen, Alles habe seine bestimmte Stunde und seine Regel, von welcher nie, als in ganz ausserordentlichen Fallen, abgewichen werden darf. Es gibt Frauen, die aus Nacht Tag, und aus Tag Nacht machen; folgen Sie nicht ihrem Beispiel. Entwerfen Sie sich einen Lebens- und Geschäfts» plan, theilen Sie ihre Stunden ein und machen Sie sich's zur strengen Regel, daß an jedem Tage und zu jeder Stunde das und nichts anderes geschehe, al- was in dem Plane angegeben ist. Auf solche Art wird nicht leicht etwas vergessen werden, und nie wer» den Sie den Druck der Langeweile empfinden. Bemerken Sie sich ausserordentliche Geschäfte, die zu besorgen sind, auf einem Zettel, daß keines vergessen werde, und schieben Sie sie da ein, wo Ihnen die gewöhnlichen Arbeiten am füglichsten Zeit da- zu lassen. Alles geschehe zu seiner Zeit. Lassen Sir- sich eine ähnliche Tags- und Geschaftseintheilung für das Gesinde empfohlen seyn, und gewöhnen Sie er von dem ersten Tage des Eintritts in Ihr HauS daran. Durch Gewöhnung geht Alles leicht, und was einmal im Gange ist, das geht von selbst fort. Man gewöhnt sich und Andere eben so leicht an Ordnung als an Unordnung. Sogar Kinder unterwerfen sich in Kleidung, Spiel und Speise gae leicht einer Regel, wenn sie frühzeitig dazu angehalten werden. Sie lernen sich ordentlich anziehen, ihr Spielgerathe, wenn sie es gebraucht haben, pünktlich wieder aufbewahren, sich mit Brod und Obst zu bestimmten Stunden zu begnügen und nicht zu jeder Zeit, oft ohne Hunger und nur zum Zeitvertreibe, zu essen. Sie werden sich um Ihre jüngeren Geschwister sehr verdient machen, wenn Sie sie früh an gute Ordnung gewöhnen und strenge darüber halten. Eben dieselbe Ordnungsliebe, die in Ihrem Anzüge, Ihrem Zimmer, Ihrem Hause, Ihren Arbei» ten und Geschäften herrscht, müsse auch in Ihre» Gedanken und Empfindungen, in Ihren Wünschen und Neigungen sich äußern, denn wenn dieselben nicht im Einklänge und den angenommenen Grundsätzen der Klugheit, der Weisheit der Tugend stehen, so sind es unordentliche Gedanken, Empfindungen und Wünsche. ' Eine Frau, die sich durch Ordnung auszeichnet, ist ein Kleinod. Der Mann, mit andern Geschäften belastet, ist unvermögend dafür zu sorgen; wohl ihm, wenn sein treffliches Weib für Alles so bedacht war, wie er es zu erwarten berechtiget ist, wenn er überall Reinlichkeit und eine schöne musterhafte Ordnung bemerkt. Ihm selbst ist dann wohl, und die ganze Familie fühlt sich glücklich. Wie ganz anders sieht es dagegen in dem Innern eines Hauses aus, wo es der Hausmutter an Sinn für Ordnung und Reinlichkeit gebricht, wo durch ihre Schuld Unordnung in dem Geräthe, in den Geschäften, in der Lebensart der Familie einge» rissen ist! Alles geräth hier in Verwirrung und in Verfall. Der Greuel der Unordnung verbreitet sich über Wohnzimmer, Schlafgemach und Vorrathskam- mer. Das Spielzeug der Kinder, mit Wasche und Kleidern vermischt, liegt zerstreut auf dem schmuzigen ror Hoden umher. Bestäubte Vorhänge, umgestürzte zerrissene Sessel, schmuzige und begossene Tische, un» gemachte und unzugedeckte Betten u. s. w. Dieß Alles erfüllt die Seele jedes an Ordnung und Reinlichkeit gewöhnten Menschen mit Eckel und Widerwillen. Es fehlt bald an einem Schlüssel, bald an einem Werkzeug, bald an diesem, bald an dem; Eines macht dem Andern den Vorwurf der Unordent- lichkeit; man zankt sich, man verbittert einander das Leben; man bereitet sich eine Hölle auf Erden und wird das Gespräche der ganzen Stadt. Fliehen Sie diese Art von Unordnung um desto mehr, da dieselbe nur allzuleicht auch zur sitt- lichen Regellosigkeit führt und in die Empfindungen und die ganze Denkungsart übergeht. Eine Frau, die der Unordnung und des Schmuzes in ihrem Hause und an ihren Kindern gewohnt ist, wird nur allzubald auch den edlern Sinn für die Reinigkeit des Herzens und der Sitten verlieren. Man schließt daher, und zwar nicht immer mit Unrecht, bei Personen, an denen man Ordnungsliebe in ihrem Hauswesen vermißt, auch auf Mangel an wohlgeordneten und reinen Gesinnungen, und traut einer Frau, dir dieser Tugend entbehrt, nur wenig zu. io; Dagegen faßt man die beste Meinung von einer Hausmutter, bei der man im Innern des Hauses und in dem Anzug ihrer Kinder zu jeder Zeit, auch an den Tagen, wo kein Besuch erwartet wird, die größte Ordnung, Regelmäßigkeit und Reinlichkeit gewahr wird; und der Schluß vo» dem äußern auf den innern Menschen ist so natürlich, daß man stets geneigt ist, bei einer Person eben so geregelte Sitten > zu vermuthen. Freilich trügt bisweilen der Schein; im Ganzen aber trügt er nicht. Eng verschwistert mit der Ordnungsliebe ist die Liebe zur Reinlichkeit, mit der ste Hand in Hand geht. Eine ordnungsliebende Person kann nicht unreinlich seyn, weil Unreinlichkeit Unordnung ist. Lassen Sie sich daher beide Tugenden mit gleicher Wärme empfohlen seyn; und zwar um so mehr, da dieselbe Verwandtschaft zwischen der äußern und innern Reinheit statt findet, und sich nicht leicht Schönheit ohne Reinlichkeit denken laßt. Spiel nicht ein reingehaltener Edelstein noch einmal so schön? Seyn Sie also reinlich; waschen Sie sich deS Tags mehr als einmal, baden Sie sich fleißig, wenn Sie Gelegenheit dazu haben, denn beides ist nicht 104 nur der Schönheit, sondern auch der Gesundheit sehr zuträglich, und erhalt die Haut glatt und weich. Unreinlichkeit macht schon überhaupt einen sehr unan» genehmen Eindruck, und ein unreinliches Frauenzim» mer insbesondere ist eine höchst widerliche Erschei» nung. Sie werden sich wohl ohne mein Erinnern bemühen, Ihre Kleider und Wasche sorgfältig vor Verunreinigung zu bewahren, und keine Schmuzflecken daran zu dulden. Beschränken Sie sich aber nicht mit Ihrer Reinlichkeit» und Ordnungsliebe nur auf die Außenseite; auch das, was die Augen nicht sehen, sey durchaus rein und in ordentlichem Zustande. Las. sen Sie nicht ein sauberes Obergewand schmuzigen zerrissenen Unterkleidern zur Hülle dienen. Rein, wie Ihr Körper und Ihre Kleidung, sey auch ihre Wohnung. An dem Boden, an den Wänden, an jedem Geräthe spiegle sich Ihr Rein» lichkeitssinn. Wachen Sie strenge hierin über Ihr Gesinde und sehen Sie ihm täglich nach; scheuen Sie nicht die kleine Mühe, selbst Hand anzulegen, und Staub und Schmuz nicht nur von dem zu ent» fernen, was zuerst in die Augen fällt, sondern auch 105 von dem, was der Blick des Hereintretenden nicht sieht. Seyn Sie Alles, was Sie seyn sollen, nicht blos zum Schein, sondern seyn Sie es wirklich. Lieben Sie das Gute nicht um der Leute willen, sondern aus reiner Liebe zum Guten. Seyn Sie bemüht, in Erhaltung der Ordnung und Reinlichkeit, durch unermüdete Uebung Fertigkeit zu erlangen, wie im Singen und Klavierspielen. Ein guter Spieler kann nicht mehr schlecht spielen: ein reinlich gewöhntes Mädchen kann keine Unrein« lichkeit mehr ertragen. Machen Sie, daß es jedem, der Ihr Haus betritt, wohl darin sey, daß er mit Lust in Ihren Zimmern weile und an Ihrer Tafel * speise. Ueberall, wohin er die Blicke wende, strahle ihm aus dem blanken Geschirr, dem blanken Gerathe freundlich der Geist der Reinlichkeit und Ordnung entgegen. SanstmuLh, Gefügigkeit, Selbstverleugnung, Geduld. Ist Ihnen daran gelegen, sich einst alS Gattin und Mutter ein glückliches Loos zu bereiten, so üben Sie sich, früh schon, als Mädchen, in allen diesen Tugenden; behandeln Sie Ihre Schwestern, Ihre Bruder, Ihr Gesinde, alle Ihre Freunde und Bekannte mit Sanftmuth, Liebe, Freundlichkeit, Geduld. Sie werden durch Gegenliebe und treue Anhänglichkeit dafür belohnt werden. O glauben Sie mir, diese Tugenden sind zu vielen und großen Dingen nütze. Durch keine anderen Mittel und auf keinem andern Wege können Sie zu der Herrschaft über das Herz Ihres künftigen Gatten gelangen und dasselbe nach Ihren Wünschen leiten. Sanftmuth entwaffnet den männlichen Starrsinn und erweicht seine Härte; durch Gefügigkeit wenden Sie den Ausbruch derselben ab; die Geduld ertragt Alles; Selbstverlaugnung gibt zu Allem Kraft. Ein lieblicher freundlicher Sinn erheitert das ganze Haus. 107 Weibliche Sanftmuth trägt unendlich viel zur Erhaltung und Beförderung des Familienglücks und zur Veredlung aller häuslichen Freuden bei. Die Stille, die Ruhe, die Zufriedenheit, die in dem Innern des Hauses wohnt, geht größtentheils aus dem sanften Sinn der Hausmutter hervor. Eine sanfte Gattin macht auch den Gatten, eine sanfte Mutter die Kinder sanft, und ihr Beispiel wirkt herab bis auf daS Gesinde. Eben so die sanftmüthige Freundlichkeit der Tochter. In der ganzen Familie herrscht durch sie ein erquickender beneidenswerther Friede. Lassen Sie sich also Sanftmuth der Sitten, schöne Milde, freundliche Nachgiebigkeit, fromme Geduld empfohlen seyn, wäre es nur wegen der Liebenswürdigkeit, die diese Eigenschaften über Ihre ganze Person verbreiten. Nichts ist für einen Mann anziehender an einem Mädchen, als jener sanfte Tau» bensinn, die Weichheit, die Milde, ohne welche sich schöne Weiblichkeit kaum denken läßt. Doppelt heilig seien sie ihnen, weil das künftige Glück Ihres Lebens davon abhängt. In einem Hause, wo der Hausmutter diese Tugenden fehlen, herrscht Spannung, ehelicher Unfriede, Zank und Elend. Meiden Sie, wenn Ihnen Ihr einstiges ehe', liches Wohl am Herzen liegt, schon in dem väterlichen Hause harte und ungefällige Sitten, fahren'Me niemand mit herben Worten an, erlauben Sie sich nicht einmal Bitterkeit und Grämlichkeit in Ihren Mienen; suchen Sie vielmehr durch einen weichen liebreichen Ton die Herzen zu gewinnen, und denselben auch an» dern mitzutheilen. Wie Sie sprechen, so wird Ihnen geantwortet werden. Suchen Sie nach Möglichkeit Ihre Reizbarkeit, Ihre Empfindlichkeit zu bekämpfen, daß sie nicht in mürrisches Wesen, oder wohl gar in Leidenschaftlichkeit ausarte. Nichts ist häßlicher als ein zorniges Weib. Wenn man sieht, wie ihre Brust in Aufruhr gerath, ihre Augen sich entzünden, ihre Stimme einen rauhen Ton annimmt und ihre Zunge losbricht, so entfernt man sich aus ihrem Kreise, wie aus einer Gewitteratmosphäre, in der man nicht leben kann und nicht leben mag. Ein drohendes, tobendes, gewaltiges Weib erfüllt Alle, die sie sehen, mit Abscheu; sie ist das häßlichste Bild in der Natur. Erhalten Sie, Theure, Ihrem Herzen seine schöne Ruhe; vermeiden Sie, schon als Mädchen, jeden Streit/ jeden Zank, entsagen Sie dem Geiste deö 10t) Widerspruchs, daß er Sie nicht bis in Ihr eheliches Leben verfolge, Ihnen die Liebe, die Freundschaft und Achtung des Gatten raube, den Frieden und den Wohlstand Ihres Hauses und Ihre ganze irdische Glückseligkeit zerstöre. Suchen Sie Ihren Willen nicht mit Gewalt durchzusetzen. Die edle Frau herrscht blos durch Sanftmuth und Gefälligkeit; sie befiehlt durch Zärtlichkeit, droht durch Thränen. ' Entsagen Sie allem Starrsinn. Durch Starr» sinn und Ungefügigkeit bereiten Sie sich eine stürmische Ehe und verbittern Ihrem Gatten, sich selbst, und Allen, die in Ihrer Nähe sind, das Leben; Sie Machen die schönsten Stunden des Tages, nämlich die derFamilienzusammenkünfte beim Frühstück, Mit« tag- und Abendessen, zu den langweiligsten und unangenehmsten. Das krittliche, verdrießliche, streitsüchtige Wesen der Mutter geht auf die Töchter über, hindert ihre Bildung und pflanzt sich fort bis in das dritte und vierte Glied. ie werden sagen, es zieme eben sowohl den Männern, ihre Frauen mit Sanfmuth, Liebe und Freundlichkeit zu behandeln. Freilich sollte dieß so seyn; und wo es sich wirklich so findet, wo man sich 110 wechselseitig mit Liebe entgegen kommt, wo man fich mit welchem Sinne duldet und tragt, da herrscht Seeligkeit. Bedenken Sie aber, durch wie viele an» strengende oft sehr verdrießliche Arbeiten das Gemüth des Mannes verdüstert wird, wie viel Sorgen, die er in sich verschließt, ihn manchmal quälen, durch wie viel unangenehme Vorfälle des Lebens er oft verstimmt wird. Er ist also wohl eher zu entschuldigen, wenn bisweilen Wolken auf seinem Gesichte liegen, als die Frauen, denen die Natur ein leichteres Blut, einen leichteren Sinn gegeben und leichtere mechanische Arbeiten angewiesen hat. Ihr schöner Beruf ist es, den gedrückten Gatten durch liebreiche Freundlichkeit aufzuheitern und ihm die Runzeln von der Stirne zu scherzen. Sind Sie anderer Meinung als Ihre Aeltern, als Ihr Gatte, so tragen Sie sie mit Gelassenheit und Bescheidenheit vor. Finden Ihre Gründe kein Gehör, so stehen Sie ab. Vertheidigen Sie sich nie mit Heftigkeit, sondern mit sanfter Wärme, nicht mit Schreien, sondern mit Gründen. In Allem, was Sie thun, in Ihrem ganzen Wesen verläugne sich nie der Geist weiblicher Sanftmuth. 11t Urbrn Sie Gefügigkeit, die Natur selbst hat Sie Ihnen erleichtert. Durch Ihr bewegliches Ner- vensystem haben Sie Geschmeidigkeit erlangt, sich nach Andern zu richten, zu sehen, zu ahnen, was Andere wollen, und doch Ihr Ich, Ihre Selbststan« digkeit zu erhalten. Bemühen Sie sich also von Jugend auf Ihr» Neigungen zu bekämpfen, sich zu versagen, was Ihnen lieb ist, und sich an Selbstverlaugnung zu ge« wohnen, denn Sie werden derselben einst als Gattin Und Mutter oft bedürfen, werden oft leiden müssen, damit Andere sich freuen, oft arbeiten, damit Andere ruhen können. Es werden Zeiten kommen, wo Sie einen kranken Gatten, ein krankes Kind werden zu pflegen haben, wo Sie die Bewegung in freier Luft, die Zusammenkünfte mit Ihren Freundinnen, die harmlosesten Freuden des Lebens werden entbehren müssen. Lernen Sie auch frühe sich zu bewachen, und wohl zu überlegen, was Sie sprechen, denn Sie werden künftig oft vor dem Gesinde und den Kindern sich zusammen nehmen und Ihre Worte abwä« gen müssen. 11L Uebm Sie sich besonders in der Geduld, denn diese wird in Ihrem künftigen Leben auf harte Pro» ben gesetzt werden. Von Vertrauen auf Gott be« seelt, darf Sie ihre gelassene Standhaftigkeil in den härtesten Kämpfen mit dem Geschicke nicht verlassen. Ich habe zärtliche Töchter an dem Krankenlager eines geliebten Vaters, einer theuern Mutter gesehen: Mit welcher Gelassenheit, mit welcher Besonnenheit und himmlischen Ruhe, ohne Murren und Klagen, ohne Seufzer, mit gewaltsam zurückgehaltenen Thränen unterzogen sie sich nicht der mühevollsten Pflege! Nehmen Sie sich in ähnlichen Fällen solche Töchter zum Muster. Gott wird Sie sehen vom Himmel herab und Ihnen dafür lohnen. Vor den Augen der Gottheit geht die Erfüllung keiner schweren Pflicht verloren; das Vertrauen auf seine Vatergüte, die auch das Schlimmste zum Besten wendet, wird Ihnen Kraft geben, selbst das Härteste mit himmlischer Geduld zu ertragen. , SelbA Ist Ihnen Ihre Bildung und Veredlung wahrer Ernst, so denken Sie oft und reiflich über sich selbst und die Verhältnisse nach, in denen Sie leben. Sie können Ihre Fehler nicht eher ablegen, als bis Sie sich derselben mit Klarheit bewußt sind, Sie können nicht zufrieden leben und Ihres Daseyns nicht froh werden, wenn Sie nicht die Lage, in der Sie leben, richtig beurtheilen und sich in dieselbe fügen lernen. Benutzen Sie überhaupt das Vermögen zu denken, dieses köstliche Geschenk deS Himmels, wodurch sich der Mensch über die thierische Schöpfung erhebt, in allem, was Sie thun: reden, lesen, schreiben, handeln Sie mit Nachdenken. Blicken Sie oft in sich selbst hinein, und leihen Sie Ihr Ohr der Stimme, die aus der Tiefe warnend zu Ihnen spricht. In Ihrem innersten Heiligthume wohnt Gott, und Gott ist die Wahrheit. Lassen Sie es nur stille um sich her seyn, lassen Sie die Wellen der Begierden sich legen, die Stürme der Leidenschaften schweigen, und Sie werden in Ihrer Brust den Tröster vernehmen, der in Ewigkeit unveränderlich ist. 114 Wahlen Sie zu Ihrer Selbstprüfung die stillsten und heiligsten Stunden des Lebens; ziehen Sie sich aus dem Gewirrs der Welt zurück in den Schoos der Einsamkeit; fragen Sie sich da, um wie viel Sie Ihrer Bestimmung auf Erden und für den Himmel bis jetzt naher gekommen, wie Sie Ihre Anlagen und Kräfte angewendet, wie viel Sie sich und Andern damit genutzt, wie Sie Ihre Pflichten gegen sich selbst, Ihre Mitmenschen und die übrige Schöpfung erfüllt haben, und ob wirklich von Ihnen so viel Gutes gestiftet, so viel gerathen und geholfen worden ist, als in Ihrem Vermögen stand. Denken Sie oft ernstlich und ruhig nach über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Prüfen Sie Ihr bisheriges Benehmen gegen Ihre Aeltern, Ihre Geschwister und Freunde; fragen Sie sich, ob Sie wirklich so waren, wie Sie hatten seyn sollen, und ob Sie sich auch gegen Andere so betragen haben, daß Sie hoffen dürfen, sich Liebe und Achtung bei Ihnen zu erwerben. Hören Sie aufmerksam auf die Stimme Ihres Gewissens und erfüllen Sie sich mit guten Vorsätzen. Bei solchen Selbstprüfungen seyn Sie sich selbst ein strenger und unparteiischer Richter; ver« schweigen Sie sich keinen Ihrer Fehler, keine Ihrer U 115 Schwächen, keine Ihrer Verirrungen. Entdecken Sie an sich tadelhafte Liebiingsncigungen, so verdoppeln Sie Ihre Achtsamkeit, Ihre Bemühung, sie zu entfernen. Es wird Ihnen gelingen, denn der Mensch vermag viel, wenn er ernstlich will. Geben Sie keinen unordentlichen Regungen, keinen tadelhaften Gesinnungen Raum, suchen Sie solche mit nichts zu entschuldigen. Alles, was Ihres Herzens und Ihres Geistes unwürdig ist, muß entfernt werden. Denken Sie sich ein Ideal aller menschlichen, besonders weiblicher Vollkommenheiten, und suchen Sie ihm so nahe als möglich zu kommen. Freuen Sie sich, wenn Sie schon seht des Guten dich mehr an sich entdecken, als des Bösen. Trösten Sie sich aber nicht damit, daß Andere noch viel tiefer stehen, als Sie. Nicht mit Nichtswürdigen, sondern mit den Edelsten Ihres Geschlechtes müssen Sie sich vergleichen und ihnen an Bildung und an Tugenden nachzueifern suchen. Wer sich veredeln will, der muß seine Blicke aufwärts, nicht abwärts richten- H2 Wählen Sie daher auch Ihre Gesellschaft unter den Besseren Ihres Geschlechtes, und nähren Sie Ihren Geist mit der Geschichte ausgezeichneter Menschen; suchen Sie unermüdet sich zu derselben Höhe zu erheben, und fragen Sie sich selbst, ob Ihr bisheriges Benehmen wirklich geeignet wäre, sich damit die Liebe und Achtung edler Menschen zu erwerben. Gute Kinder sind die Freude und der Stolz der Aelrern; ob wohl auch Sie berechtigt sind zu glauben, daß Sie ihr Stolz und ihre Freude sind? Machen Sie auch die Verhältnisse, in denen Sie leben, zu einem Hauptgegenstande Ihres Nachdenkens und suchen Sie sichln dieselben zu fügen, denn auf einer klaren Ansicht derselben, und Ihrem fügsamen verständigen Sinne, beruht die Zufriedenheit und das Glück Ihres Lebens. Beherzigen Sie wohl, was Sie einem jeden von denen schuldig sind, die über, neben oder unter Ihnen stehen, Ihren Aeltern, Ihrem Gatten, Ihren Geschwistern und nahen Verwandten, Ihrem Gesinde. Erforschen Sie die Gemüthsart Aller, und behandeln Sie einen Jeden nach seinem Charakter; geben Sir 117 ihnen lieber zu viel als zu wenig, und überlegen Sie, wie Sie es anzufangen haben, um sich Liebe und Vertrauen bei allen zu erwerben. Erwägen Sie auch den Stand, das Vermö- gen und die andern Verhältnisse Ihrer Aeltern, Jh* res Gatten, daß Sie nie Ansprüche machen, die, weil Sie unbefriedigt bleiben, Ihre Zufriedenheit zerstören und Sie mit Mißmuth erfüllen müssen. Suchen Sie also nicht zu glänzen, wo die Umstände Eingezogenhekt erfordern; verlangen Sie keinen großen Aufwand zu machen, wo weise Sparsamkeit nöthig ist; machen Sie keinen Anspruch auf Vorzüge, die nur einer hohen Geburt, einem höher» Range als der Ihrige ist eingeräumt werden können. Sie würden sich aber durch Nachdenken über sich und Andere nicht glücklicher machen, wenn Sie 'es mißbrauchen wollten, bei sich selbst zu sagen- dieß und jenes gebührt mir; dieß und das kann ich fordern: denn solche Ansprüche, die selten erfüllt werden, sind eine'Quelle bittern Mißmuths, und Sie machen sich mit derselben bei Ihren Umgebungen nur lästig und verhaßt. Hoffen Sie lieber gar nichts oder wenig, so haben Sie doch das Vergnügen, Ihre ri8 Erwartung erfüllt, vielleicht sogar übertreffen zu sehen. — Nur Vorzüge und Beweise von Aufmerksamkeit, die uns freiwillig und mir gutem Herzen gegeben werden, nicht aber solche, die man Andern abzutrotzen sucht, haben wahren Werth und können wahres Vergnügen gewahren. Berechnen und bedenken Sie in Allem, waS Sie thun nicht nur die nächsten, sondern auch die entfernteren Folgen, und suchen Sie täglich zuzunehmen an Kenntniß Ihrer selbst, an Lebensweisheit und an Klugheit. Selbstständigkeit und Festigkeit. Haben Sie sich nach Ihrem Temperament und allen Ihren Anlagen und Kräften kennen gelernt, so suchen Sie ganz das zu werden oder zu bleiben, waS Sie seyn können, und nvozu die Natur Sie bestimmt zu haben scheint- Es ist besser Original als Kopie zu seyn. Jeder soll sein eigenes Ich, jeder für sich eine Person haben, die von allen an- 11Y dern verschieden ist. So wenig alle Körper sich gleichen/ so wenig können die Seelen sich ganz ähnlich seyn. Durch die Lehren und die Beobachtung Anderer können Sie aber Ihre Anlagen und Kräfte auf eine Ihnen eigenthümliche Art ausbilden und veredeln. Sie lernen von einem Schreibemeister schreiben; Sie schreiben aber nicht seine, sondern Ihre eigene Hand. Eben so müssen Sie auf die Ihnen eigene Art wiz- zig, verständig, scherzhaft seyn. Beherzigen Sie die Worte des Dichters: Es ist die Gabe zu gefallen Ein Vorrecht, das der Himmel gibt, Und was die Welt an Einem liebt, Das liebt sie darum nicht an allen. Seyn Sie demnach Alles, was Sie seyn können, auf Ihre eigene Weise, und leben Sie nicht nach Andern oder durch Andere und wie Andere. Suchen Sie nicht witzig und naiv zu seyn, wie eine Andere naiv und witzig ist; Sie werden affektirt werden, und Affektation ist widerlich. Bei einem Konzert muß jeder seine eigene Stimme spielen, aber so rein als möglich. 120 Sehen Sie an Andern blos nachzuahmen was Sie seyn können, wenn Sie es ernstlich wollen, ohne gerade zu seyn wie diese. Es ist auch ganz heilsam/ . -u sehen, daß Andere mehr sind, als wir, damit wir uns unserer Vorzüge nicht überheben. Meiden Sie aber/ zur Schonung Ihres Selbstgefühls, und daß nicht Mutlosigkeit und Nichtachtung Ihrer selbst daraus entspringe, in die Nähe solcher Personen zu kommen, von denen Sie zu sehr übertreffen werden. Lassen Sie sich durch keine Schmeichler überreden, daß Sie das seien, was Sie nicht sind. Hö- ren Sie die Stimme Ihres Vaters, ziehen Sie edle Freunde zu Rath, oder lassen Sie sie von'JH- ren Aeltern befragen, wenn diese nicht selbst urtheilen können, z. B. über Anlage zur Musik, Zeichen- kunst rc. Sie müssen mit Ernst und Festigkeit wollen, was Sie seyn sollen. Wie manches Mädchen ist blos aus Weichheit, Nachgiebigkeit, Schwäche gefallen. Schon im Hause ist Selbständigkeit und Festigkeit nöthig, um auch ungesehen von den Aeltern immer recht zu thun, und sich nicht abführen zu lassen von dem guten Wege. 121 Ueberlegen Sie Alles wohl, was Sie unternehmen, daß Sie sich nicht übereilen. Haben Sie aber nach reiflicher Erwägung etwas als gut erkannt und einen Entschluß gefaßt, so bleiben Sie treu dem, was Sie begonnen haben, und beharren Sie darauf mit Entschlossenheit und Strenge. Lassen Sie sich durch keine Lockung von der Ausführung guter Vorsätze abhalten und zur Unbeständigkeit verleiten. Haben Sie ein Geschäft angefangen, so setzen Sie es muthig fort und lassen Sie nicht eher ab, als bis es geendet ist. Suchen Sie sich eine Ge- schicklichkeit zu erwerben, so darf keine Schwierigkeit Sie abhalten, Ihre Uebungen so lange fortzusetzen, bis Sie die erwünschte Fertigkeit errungen haben. Ohne Beharrlichkeit im Fleiß würden Ihnen die herrlichsten Anlagen nichts helfen; durch unverdrossene Uebung hingegen können Sie es ohne besondere Talente sehr weit bringen. Versprechen Sie ,nie etwas, ohne sich vorher wohl zu bedenken; haben Sie aber einmal ein Versprechen gegeben, so halten Sie es standhaft und las- 122 sen Sie sich durch Nichts zum Wankelmuth verleiten. Nicht blos bei den Männern, auch bei den Frauen erfordert die Ehre, daß sie unverbrüchlich ihre Zusagen halten. Wenn Sie 'sich für eine gute Sache verwen» den, so suchen Sie sie mit Kraft durchzusetzen und mulhig alle Hindernisse zu entfernen. Seyn Sie besonders treu und beständig in der Freundschaft. Haben Sie einer geprüften Seele ihr Vertrauen geschenkt, so erhalten Sie es ihr und lassen Sie sich durch keine Launen, keine unwichtigen Veranlassungen bestimmen, ihr Ihre Liebe wieder zu entziehen. Festen Sinn und unerschütterliche Beharrlichkeit im Guten bedarf ein Mädchen besonders in ih» rem Umgang mit dem andern Geschlecht. Was sollte mit liebenswürdigen Männern, mit dem Geliebten aus ihr werden, ohne Selbstständigkeit, ohne Festigkeit, ohne die Kraft, uur dem gemäß zu handeln, was recht ist? 125 Gewöhnen Sie sich schon als Jungfrau an einen beharrlichen Willen, so wird er Ihnen auch einst als Gattin zu statten kommen, denn besonders bei oer Beherrschung der Dienstboten, und der Erziehung der Kinder ist Festigkeit nöthig. Ein Weib, das hin und her schwankt wie ein Rohr, und nichts mit Kraft durchzusetzen weiß, macht ihren Mann und ihre Kinder unglücklich; ersteren, weil er in nichts auf sie damn kann, letztere, weil sie unerzogen aufwachsen. Lassen Sie aber Ihre Festigkeit nicht in Ei^ gensinn ausarten; das heißt, bestehen Sie nicht auf Ihrem Sinne, blos um darauf zu bestehen. Nie müssen Sie ohne Gründe Hanseln; wenn diese sattsam widerlegt sind, so ist Ihre Pflicht nachzugeben. Bleiben Sie unerschütterlich, wo Pflicht und Gewissen sprichthandelt es sich aber davon, schlechte Entwürfe fahren zu lassen, tadelhafte Unternehmungen, unsittliche Vorsätze aufzugeben, so bedenken Sie sich keinen Augenblick. Nur im Guten fordere ich Beharrlichkeit von Ihnen. Schöne Weiblichkeit ist es auch, den Wünschen Anderer sich zu fügen, wo es ohne Verletzung der Pflicht und deö Gewissens geschehen kann. 124 Geben Sie auch Ihrer Mutter, Ihrem Vater, Ihrem Gatten nach, sollten Sie auch wider Ihre Ueberzeugung handeln, denn Nachgeben aus Pflicht ist Ruhm und verdirbt nicht- Desto standhafter seyen Sie in Abwesenheit der Mutter, wenn Sie die Stelle derselben vertreten. Beherzigen Sie dieß Alles wohl, wenn Sie nicht in der Welt für ein schwaches Weib, ein Weib ohne Charakter gelten wollen. Religiosität. Alles in der Natur zeugt von dem Daseyn eines Gottes, der die Menschen liebt; Alles, was unsere Augen in derselben sehen, ist so kunstvoll, so vollkommen, so zweckmäßig eingerichtet, daß wir nothwendig ein Wesen von höchster Weisheit als Schöpfer und Erhalter aller Dinge annehmen müssen, wenn wir nicht in tausend Widersprüche verfallen wollen. Unsere Augen sehen ihn zwar nicht; unsere Arme erreichen ihn nicht; unser Geist ist nicht ver- 125 mögend, sein Wesen zu ergründen; dieß ist aber auch nicht nöthig: Alles, was uns von Gott zu wissen frommt, das ist mit leserlicher Schrift dem Gewissen eingegraben: Sie erkennen den Finger Got» tes in seinen Geboten; Sie fühlen sein Daseyn in Ihrem Innersten, denn einem guten Herzen ist Glaube an Gott ein ewiges Bedürfniß. Halten Sie ihn fest diesen Glauben, denn erst durch ihn erhalt unser Leben eine höhere Bedeutung. Wer Gott vor Augen und im Herzen hat, für den liegt schon ein klarer reiner Himmel in seinem Gemüthe. Was Ware eine Welt ohne Gott? Was der schwache Mensch, einsam irrend in seiner Verworrenheit, die Arme ausstreckend vor sich hin austvärts und abwärts, ohne etwas zu fassen, das ihm Hülfe verhieße, gegen raubgierige gottlose Wesen? O halten Sie fest an Gott! Wenn der Mensch einsam seinem Schmerz, seinem Jammer überlassen ist, so ist doch Eines, das den Hülflosen nicht verläßt und die Dornen des Schmerzes zerdrückt; ein Auge ist, das liebend auf ihm ruht, 126 und eins Hand, die den Gesunkenen aufrichtet An dem liebenden Herzen des Vaters der Menschen ruht er wie ein krankes Kind an der Brust der Mutter und vergißt seinen Jammer an der Quelle nie versiegender Liebe. Errichten Sie Gott einen Altar in der Tiefe Ihres Herzens, bringen Sie ihm Ihren Stolz, Ihre Mißgunst, jede unerlaubte Neigung als ein Brandopfer der Liebe. In dieser unsichtbaren Kirche will er wohnen; in ihr thut er sich durch fromme Thaten kund. Wer Gott fürchtet und seinen Nächsten liebt und die Sünde mehr scheuet als den Tod, der hat den rechten Glauben. Wort aber und Glaube sollen übereinstimmen und Worte nicht für Thaten gelten. Wenn Sie an Gott und seine Vorsehung glauben, wenn Sie ihn fürchten, seine Gebote halten und zu seiner Ehre leben, wenn Sie also Religion und Frömmigkeit haben, so besitzen Sie das Schönste und Beste, was ein Sterblicher besitzen kann, denn das höchste Gut ist nirgends als in Gott. 127 Haben Sie Ehrfurcht für Religion; ohne sie . werden Sie kein wahres Glück finden, denn wie könnten Sie wahrhaft glücklich seyn, wenn es Ihnen am Herrlichsten fehlt? Lassen Sie Ihre Brust einen Tempel wahrer Frömmigkeit seyn, die besonders ein Bedürfniß zarter weiblicher Seelen ist. Sie wird Sie mit Muth, Liebe, Freudigkeit, Ausdauer in Erfüllung Ihrer Pflichten, mit Standhaftigkeit und Trost im Unglück erfüllen: Alles, was das Leben zu tragen und zu dulden gebietet, wird Ihnen leicht durch sie werden. Wo sollten weiche weibliche Wesen in ihren untergeordneten Verhältnissen Kraft finden, den Druck so vieler Leiden zu widerstehen, die ihnen ihre Verhältnisse bereiten, so viele Opfer zu bringen, so viele Lieblingswünsche aufzugeben, stärkte sie nicht der kindliche Glaube, das innige Vertrauen auf Gott und die Fülle süßer Hoffnungen und Ahnungen, die in ihnen leben. Die Religion gibt ihnen Kraft unter Thränen zu lächeln und unter stillen freundlichen Minen ein blutendes von Gram zerrissenes Herz zu verbergen. Durch Religion wird das Weib stark, .ohne unweiblich zu werden. 128 Ehren Sie die Religion/ denn in ihr finden junge Personen Ihres Geschlechts die schönste Uebung ihrer Empfindungen, den schönsten Spielraum für jedes zarte interessante Gefühl- Sie lernen mit der ganzen Kindlichkeit des Vertrauens an einem Wesen hangen, lernen Gott lieben, ehe sie noch einen Mann lieben gelernt haben. Ihr Sinn für Liebe wird dadurch geheiliget, er wird rein und fromm. Sie theilen ihr Herz zwischen Gott und dem Mann ihrer Liebe; sie lernen sich mit Warme, Innigkeit und Vertrauen dem geliebten Gatten hingeben und das seyn, was den Mann bei dem Weibe so glücklich macht. Lieben Sie Gott mit Dankbarkeit und heißer Liebe, denn Alles, was Sie an Freude genießen, jeder frohe Augenblick, jede seelige Empfindung, die sich in Ihrem Innern regt, Alles, Alles kommt von ihm, dem unsichtbaren Geber alles Guten; verehren Sie in ihm Ihren Versorget, Ihren Führer, Ihren Schutz, Ihren Tröster. Vertrauen Sie ihm als Ihrer sichersten Stütze und dem Lenker Ihres Schicksals. Er durchschaut Alles, er ordnet Alles, er weiß uns durch die weisesten l2y sten Mittel und auf den sichersten Wegen zu beglük» ken. Alles steht ihm !zu Gebote, Alles muß unter seiner Leitung zum Besten des Ganzen dienen. Scher» neu Ihnen auch gleich bisweilen seine Fügungen hart und unbegreiflich, so lasten Sie doch Ihr Vertrauen nicht sinken, und bedenken Sie die Eingeschränktheit unsers Geistes, der nur das Nächste sieht, das Ganze der Schöpfung aber nicht zu überschauen vermag. Und trübt sich der Himmel Ihres Lebens, und brechen stürmend die Verhängnisse ein, so wenden Sie Ihren Blick zu den Sternen und zagen Sie nicht, denn auch die Leiden dieser Erde stehen unter Gottes Leitung, und vorzüglich in ihnen bewährt sich die Macht der Religion. In dem Vertrauen auf den liebevollen Vater aller Menschen, der keines seiner Kinder vergißt, finden Sie Geduld zur Ertragung aller Schmerzen des Leibes und der Seele, Stand» haftigkcit in den härtesten Kämpfen mit dem Geschicke, Ausdauer in der schwersten Prüfung. Woher kommt die Gelassenheit, die Besonnenheit, die himmlische Ruhe, mit der so manche fromme Tochter ihre leidenden Aeltcrn, so manche Mutter ihr kranke- hinsterbendes Kind ohne Murren und Klagen, ohne Seufzer, mit gewaltsam zurückgehaltenen Thränen 130 pflegt! O sie kommt von Gott, der ihr Kraft verliehen hat zur Erfüllung der mühevollsten Pflichten. Er sieht und belohnt die schlaflosen Nächte, die bleichen Wangen, den erloschenen Blick, die zerstörte In» gendblüthe, die sie ihren Lieben geopfert hat. — Geben sie sich daher mit kindlichem Glauben, mit Ge- duld und freudiger Hoffnung den Führungen seiner Vorsehung hin. Unterhalten Sie sich gerne mit Gott in den Stunden der Einsamkeit. Er sei Ihr erster Gedanke deS Morgens beim Erwachen, der letzte beim Schlafengehen. Vertrauen Sie ihm täglich Ibr geheimstes Anliegen, und jeden Kummer, der Sie drückt; schütten Sie Ihr ganzes Herz vor dem liebevollen Vater aus und flehen Sie um Rath, um Krall, um Trost zu ihm. Vergessen Sie seiner aber auch nicht, wenn es Ihnen wohl geht, und danken Sie kindlich dem Geber alles Guten für jede Lebensfreude, deren Sie genießen. Denken Sie besonders an ihn, wenn Leidenschaften oder unedle Triebe Ihr Herz zu beflecken drohen. Ein keuscher Sinn vergißt nie, daß der Mensch in jedem Verhältnisse des Lebens den um rsL sichtbaren und allgegenwärtigen Gott zum Zeugen seiner Gedanken und Handlungen hat, und bebt zurück vor Allem, was die Lauterkeit seines Herzen- trüben und ihm die Achtung seiner selbst rauben könnte. Vergessen Sie Gott nie; denken Sie an ihn bei Allem, was Sie unternehmen oder beschließen, bei Allem, was Ihnen Gutes oder Böses widerfährt» Erflehen Sie bei jeder wichtigen Angelegenheit seinen Beistand, und seyn Sie überzeugt, daß wenn Sie sich oft seiner mit kindlichem Gemüthe erinnern, er auch Ihrer nicht vergessen wird. Die Männer lieben Religionsgrfühl an den Frauen; und wirklich sind diese nie schöner, als wenn sie von dem Feuer einer gereinigten Andacht glühen, und alle ihre Gedanken sich in ihren Zügen ausspre^ chen. Aechte Religion macht das Weib billiger, nachsichtiger, schonender in Beurtheilung des Nächsten» Sie setzt aller Sittlichkeit die Krone auf. Den Mangel an religiösem Gefühl sieht hingegen der Kenner gleich auf dem Gesichte des Weibes. Es ist sinnli? cher, härter, geistloser, frecher als gewöhnlich; ihrer 2r rzr Schönheit fehlt der Brillant der Innigkeit, der Frömmigkeit, der Andacht. Ganz empörend ist aber ein weiblicher Freigeist. Verwechseln Sie jedoch nicht mit der frommen Beterin die scheinheilige Betschwester, bei welcher die Andacht nur Schminke ist. Lieben Sie besonders die christliche Religion, denn sie ist die humanste unter allen, und auf die schönsten menschlichen Gefühle gebaut: sie fordert Vertrauen und Liebe zu Gott; sie lehrt geduldig harren, sich verlaugnen, sich unterwerfen, und gründet alle Liese Forderungen auf die göttliche Vorsehung. Sie wirkt auf den ganzen Menschen. Also'nicht nur die natürliche, sondern besonders die Christusreligion sey Ihnen Leitstern und Stütze. Sie gehe bei Ihnen ganz in das Leben, in jedes Geschäft Ihres Berufs, in jedes Vergnügen, in jede Unterhaltung über; sie äußere sich im Reden und Schweigen, im Nachgeben und Widersetzen. Nicht blos an dem, was Sie thun, sondern auch in der Art, wie Sie es thun, sehe man, zu welcher Religion Sie sich bekennen. 133 Der Geist des Christenthums heilige Alles, waS Sie sprechen und unternehmen. Sie werden an Achtung und Liebenswürdigkeit nichts verlieren, wenn dieser Geist Sie belebt. Er wird Sie zu einer Nachgiebigkeit, einer Gefälligkeit, Willenlosigkeit bestimmen, die jede Temperamentsnachgiebigkeit übertrifft, und Ihnen in Allem, was unerlaubt oder unanständig ist, eine unüberwindliche und ruhige Festigkeit geben. Nähren Sie durch das Lesen der heiligen Schrift, und anderer geistvollen Werke über die christliche Religion, den Sinn für das Heilige, und erheben Sie Ihr Herz durch Andachtsbücher und religiöse Gesänge; hüten Sie sich aber eben so sehr vor Grübelei als vor Empsindelei. Geben Sie, wenn Sie einst Gattin und Hausmutter werden, Ihrem ganzen Hause das Beispiel rechter Religiosität. Besuchen Sie fleißig den Gottesdienst; feiern Sie würdig den Tag des Herrn und nehmen Sie mit Achtung Antheil an allen religiösen Gebräuchen, daß Ihre sämmtlichen Hausgenossen sich an Ihnen erbauen und der schöne Geist ungeheuchel- ter Frömmigkeit in Ihrer ganzen Familie herrsche. Weibliche Würde, Sittsamkeit und Bescher- - denheit. Die wahre weibliche Würde gründet sich auf den Stolz, der aus dem Bewußtseyn eines edlen nie «ntweiheten Herzens hervorgeht, eines Herzens, das immer das Rechte und das Gute gewollt und gethan und sich so seiner eigenen Achtung und der Achtung der Welt würdig gemacht hat. Das Gefühl dieser Würde muß und wird Sie abhalten, sich zu dem herabzulassen, was niedrig und unsittlich ist; es muß Sie stärken, wenn Sie zu Handlungen gereizt wer» den, die Vernunft und Gewissen nicht billigen können. Dulden Sie, um sich das edle Kleinod der Achtung Ihrer selbst zu erhalten, keinen unreinen Gedanken, keine gemeine Lust, keine sträfliche Begierde in Ihrem Herzen; halten Sie sich für zu gut und zu groß für die Sünde. Pflegen, bilden, erhöhen Sie alle Ihre Vor. züge; die Wahrheit erleuchte, die Liebe erwärme, die Tugend, die Religion heilige Sie, daß Gottes Eben« bild immer Heller aus Ihnen strahle. 135 Wachen Sie über sich, arbeiten Sie an sich; ehren Sie Ihren Körper; erhalten Sie ihn unent- weiht, wie Ihre Liebe; betrachten Sie ihn mit hei» liger Empfindung: die heitere Stirn, das klare Auge, der edle Anstand, die kunstlose Anmuth aller Ihrer Bewegungen müssen die Würde, die Gott Ihnen verliehen hat, jedem bemerklich machen. In ihm spiegle sich der erleuchtete Geist, das reine, sanfte, demüthige, liebevolle Herz. Bewahren Sie den zarten Sinn für Sitt- samkeit und Züchtigkcit; halten Sie stets das, Ihrem Geschlecht eigene, feine Gefühl der Schicklickkeit und der Scham rege, denn mit der Schamhaftiqkeit ver» liert das Weib seinen mächtigsten Schutzengel. Ein keuscher Sinn vergißt nie, daß der Mensch, in jedem Verhältnisse des Lebens, den unsichtbaren allgegenwärtigen Gott zum Zeugen seiner Gedanken und Handlungen hat und bebt zurück vor Allem, was die Lauterkeit seines Herzens trüben könnte. Die Frauen sollen die Bewahrerinnen der Zucht und guten Sitten seyn. Lassen Sie daher im Ge» fühl Ihrer Würde nichts in Ihrer Nahe zum Vorschein kommen, was wider die Begrifft von Schön» rzö heit, Anstand, Zartgefühl streitet. Nur das Reine und Edle soll das Recht haben, vor Ihnen aufzutreten. Vergessen Sie nie Ihres schönen Berufs! Entfernen Sie aus Ihrem Kreise jede niedere Lust, jede Unschicklichkeit und Sinnlichkeit, alles niedrig vertrauliche Wesen. Weibliche Würde ist die sicherste Schutz» wehr gegen die Vertraulichkeit und Unsittlichkeit der Männer. Fliehen Sie alle Spiele und Scherze, die sich mit weiblicher Sittsamkeit nicht vertragen; erlauben Sie sich keine Mine, keine Stellung, die derselben zuwider wäre; lassen Sie sich in keine Unterhaltung über gewisse Gegenstände ein, über die es einem Mädchen nicht zu sprechen ziemt. Ihr Ohr soll keusch seyn, wie Ihr Mund und Ihr Herz. Erhalten Sie sich die schöne scheue Fühlbarkeit, die vor der leisesten Unsittlichkeit erschrickt. Ein Mädchen, das nicht mehr errötbet, hat schon den mächtigsten Reiz der Schönheit und den Begleiter ihrer Unschuld verloren. 137 Selbst die verfunkensten Männer ehren an den Frauen Tugend, Sittsamkeit und bescheidenes Wesen; und nicht leicht wird ein Mann einem Mädchen, das nicht auf Züchtigkeit und strenge Sitten hält, seine Hand anbieten. Unterlassen Sie daher sorgsam Alles, was ein zweideutiges Licht auf Ihre Tugendliebe werfen könnte. Es gibt ein gewisses keckes und unvorsichtiges Betragen im Umgang, das jedermann mißfallt- Manche Weiber finden kein Bedenken, sich frech über alle Zucht und gute Sitte wegzusetzen und sich durch männliche Dreistigkeit auszuzeichnen. Sie suchen die. Männer auf, anstatt sich von ihnen aufsuchen zu lassen, drängen sich an sie an, kommen ihnen auf mancherlei Art entgegen, sind bemüht, sie anzulocken durch ihre Reize, die sie zur Schau tragen, anstatt dieselben mit edler Sittsamkeit ihren Blicken zu entziehen. — Lassen Sie sich nie durch das Beispiel solcher Frauen in Ihren bessern Begriffen von dem, was schicklich ist, irre machen. Es gibt auch Weiber, die einen Ruhm darin setzen, mit Verlaugnung der schönen Weiblichkeit, sich durch ein ungeschmeidiges, heroisches, männliches We- 138 sen auszuzeichnen. Es wird Ihnen hoffentlich nie in den Sinn kommen, sich mit Dahingebung Ihres besseren Ich sich diesen Zmiktergestalten anzuschließen, die ungeachtet und ungeliebt ein Gegenstand des Spottes und des allgemeinen Tadels weroen. Nicht das heroische, nicht das gelchrte und schöngeisterische, sondern nur das bescheidene, sittsame Weib, in dessen ganzem Wesen sich der Geist weiblicher Milde offenbart, gefallt jedermann. Bescheidenheit und Sittsamkeit sind immer ver- schwistert; beide sind Perlen in dem Kranze der Schönheit, machen sie noch viel liebenswürdiger, und sind vft Ersatz für den Mangel derselben. Unbescheiden- heit hingegen entstellt das ganze Wesen der Frauen und ist bei Ihnen, als dem schwächeren Geschlechte, noch viel unverzeihlicher, als bei den Männern. Lassen Sie sich daher edle Bescheidenheit und Anspruch- losigkeit eben so dringend als Sittsamkeit empfohlen seyn. Drangen Sie sich nicht vor; suchen Sie nicht mit Ihren Talenten zu glänzen, nicht andere damit zu verdunkeln; sprechen Sie nickt viel von Ihrem Reichthum, Ihren vornehmen Verwandten, Ihrem 13Y Aufwende; nehmen Sie nicht in Gesellschaften den erst» - Platz ein, der alleren oder solchen Personen gebührt, die nach Ihrem Rang näheren Anspruch darauf haben. Nehmen Sie zwar Antheil an der gesellschaft» lichen Unterhaltung, sprechen Sie, urtheilen Sie, beleben Sie das Gespräch, suchen Sie die Gesellschaft aufzuheitern; aber seyn Sie nicht zu vorlaut; suchen Sie -nicht das Wort allein zu führen, sevn Sie nicht zu keck, zu unvorsichtig in Ihren Urtheilen, schweigen Sie ganz, wenn von Dingen die Rede ist, die Sie nicht verstehen. Glauben Sie eine Sache besser zu wissen, so erzählen Sie sie mit Bescheidenheit und enthalten Sie sich alles hartnäckigen Widerspruchs. Reden Sie in großen Gesellschaften lieber zu wenig als zu viel, und hüten Sie sich, Aussehen zu erregen; besser wäre es für Sie, ganz übersehen zu werden. Je mehr Sie die Augen auf sich ziehen, desto schärfer und allgemeiner beurtheilt man Sie; und eS wird Ihnen schwer werden, Spöttereien, Stichen des Witzes und andern Unannehmlichkeiten zu entgehen. 140 Bedenken Sie immer wohl, was Sie sagen, denn ein einziges unbescheidenes und unüberlegtes Wort, eine einzige unabsichtliche Zweideutigkeit, kann Ihren ganzen Charakter zweideutig machen. Zeigen Sie sich in Ihrem ganzen Benehmen alS ein bescheidenes, sittsames Mädchen; nichts ziert Ihr Geschlecht mehr, als ein stilles, anspruchloses Wesen. Man muß immer mehr in Ihnen finden, als Sie versprechen. Fürchten Sie nicht, wenn Sie wirklich Gehalt haben, unbemerkt zu bleiben. Man weiß auch das Veilchen unter dem Grase zu finden, hinter das es sich verbirgt, und freut sich dessen nur um so mehr. Weibliche Eitelkeit. 141 Hüten Sie sich vor Eitelkeit, dem fast allgemeinen Fehler Ihres Geschlechts. Wenden Sie zwar immerhin eine merkliche Sorgfalt auf die Erhaltung und Veredlung Ihrer Gestalt, auf Ihrem Anzug und Ihren Putz, daß Ihr ganzes Aeußeres den Forderungen eines reinen Geschmacks entspreche und Wohlgefallen errege. Die Frauen sind einmal, wie die Blumen in der Natur, bestimmt, das Auge zu ergötzen; niemand wird Ihnen daher das bloße Streben zu gefallen, als Eitelkeit anrechnen. -Meiden Sie aber in Ihrem Anzug und in Allem, was Sie thun, das zu Absichtliche, das Stu- dirte, das zu Künstliche, die Ziererei, welche die edle Einfalt der Natur verdrängt, und worin vorzüglich die weibliche Eitelkeit sich offenbart. Machen Sie die sonst lobenswürdige Sorge für Ihr Aeußerliches nicht zur Hauptsache; legen Sie keinen zu großen Werth auf eine schöne Gestalt, auf einen schönen Wuchs, einen kostbaren Schmuck rc. Vernachläßigen Sie nicht darüber das Nothwendigere, i4r das Edlere: die Bildung des Geistes, die Veredlung des Herzens, die Uebung in nützlichen Fertigkeiten. Halten Sie sich nicht für schon vollkommen, wenn Sie glänzen, blenden, einnehmen; alle diese Vorzüge sind vergänglich; streben Sie mehr nach solchen, die einen bleibenden Werth haben, wie Weis» heil und Herzensgute. Lassen Sie sich nicht von Schmeichlern einen zu hoben Begriff von Ihrer Schönheit, von der Macht und dem Werth Ihrer Vorzüge aufdringen; betrachten Sie nicht den Beifall, den Sie sich durch eine glänzende Auffenseile erwerben, als das höchste Gut des Lebens. Beschäftigen Sie sich nicht so ganz mit Ihrem Ich, daß Sie die häuslichen Geschäfte darüber vernachläßigen; versplittern Sie Ihre Zeit nicht mit Toilettenarbeiten; widmen Sie vielmehr den beßern Theil derselben Ihrem Geiste und Ihrem Herzen, und lassen Sie über dem äußern den innern Menschen nicht unausgebikdet. Ein Mädchen gefallt an» meisten durch die Eigenschaften des Gemüths, die es vhne Rücksicht auf das Gefallen veredelt hat. 14 > Bemühen Sie sich nicht, bewundert und angebetet zu seyn, daß man Sie nicht für eitel erklärt. Haben Sie wirklich innern Gehalt, so werden Sie am besten gefallen, wenn Sie sich so geben, wie Sie wirklich sind. Suchen Sie durch nichts Aufsehen zu erregen, denn wenn Sie die weibliche Bescheidenheit so sehr vergessen, so artet das Bestreben zu gefallen in tadel» hafte Eitelkeit aus, gegen die man mit Recht eifert. Die Eitelkeit zeigt sich in hundert Gestalten, sie mischt sich in Alles, versteckt sich hinter jede Tugend, verunreinigt oft das Beste, was in uns ist, sogar die Mutterliebe. Um so mehr seyn Sie dagegen auf Ihrer Hut. Man ist in unsern Zeiten nicht nur eitel auf seine Gestalt, seinen Anzug, die Gewandtheit des Körpers, sondern auch auf Verstand, Kenntnisse, religiöses Gefühl, sogar auf Sanftmuth, Geduld, Menschlichkeit. Suchen Sie, meine Freundinnen, diese Eigenschaften des Geistes und des Herzens wirklich zu erlangen, und nicht nur Ihr Aeuße- res, wie mit einer Schminke, damit zu verschönern, damit zu glänzen, und sich viel darauf zu Gute zu thun. _ 144 Alle weibliche Vorzüge verlieren, wenn Eitel« keit damit gepaart ist. Zeige uns eine eitle Frau, die blendendste Schönheit, den hellsten Verstand, den feinsten Witz; wir werden uns dessen nicht sonderlich freuen, und weniger die Vollkommenheiten sehen, als das Gebrechen, das Sie verunstaltet. Der schlimmste Feind, vor dem Sie sich zu hüten haben, ist die Eitelkeit, viel gekannt und gr» lobt zu seyn. Wenn das männliche Geschlecht die hervorstechenden Fehler der Frauen ohne Schonung rügt, so ist es besonders am unerbittlichsten gegen diejenigen, welche über Gebühr nach dem Beifall der Welt geizen. Eben diese Welt ermüdet nicht, Dornenkronen für Frauen zu flechten, die den Kreis ihrer Natur durchbrechen wollen. Durch die Eitelkeit eines Weibes, das sich schmeicheln ließ, ging das Paradies verloren. Flie» hen Sie diesen Feind, denn er droht mir großen Gefahren. Das Gewissen wird leicht zum Schweigen gebracht, wo Eitelkeit spricht. Der eroberungssüchtige Stutzer klagt nicht über die Eitelkeit der Weiber, denn ihm ist sie ein erwünschtes Mittel, ihnen beizukommen, es sey nun durch süße Worte oder durch Ge- 145 Geschenke. Mit desto größerem Rechte beschwert sich der Ehemann, denn seine Klagen fließen aus der wichtigen Quelle einer immer leichteren Börse. Fliehen Sie die Eitelkeit/ so lieb Ihnen Ihr häusliches Glück ist. Die eitle Frau wird nach und nach ihrem Hause fremd, wie sie sich selbst fremd geworden ist. Ihr Mann, den sie durch ihren Auf» wand zu Grunde richtet, erscheint ihr als ein Tyrann, sein Haus als ein Gefängniß, ihre Kinder als eine lästige Zugabe zu den andern Uebeln des Ehestandes. Friede und Eintracht entweicht, Zank und Streit sind an der Tagesordnung. Wie soll das eitle Weib froh seyn in dem kleinen Kreise, wo seine Gefallsucht keine Befriedigung findet, wo kein Schmeichler sie lobt, kein Stuz« zer sie umgaukelt? wie soll es schlichter Liebe sich freuen, da es Huldigungen fordert? An Schreib - Putz -- und Spieltischen werden die Stunden verbracht, die den häuslichen Geschäften, den Kindern und der eigenen Ausbildung gehören. An Gescllschaf» ten, Vergnügen und Tanz wird verschwendet, war nur aufgetrieben werden kann, und wenig beachtet, K 146 daß überall drückender Mangel ist und die Schulden» last sich häufet. Hüten Sie sich vor Eitelkeit, denn sie führt - zur Verbildung. Die meisten Thorheiten und Abgeschmacktheiten, die Überspannungen, die Vorurtheile, das Bewundern des Unverstandenen, das Nachahmen des Unerreichbaren, das widerliche Gelehrtthun, wor» an man die gebildete Frau erkennen soll, dieß Alles sind Erzeugnisse weiblicher Eitelkeit. Meiden Sie diesen Fehler, wenn Ihnen anders Ihre Ruhe lieb ist, denn in dem Gemüthe der «iteln Frau wohnt keine Ruhe. Bald bewegen es Wünsche und ängstliche Erwartungen, bald erbittern es fehlgeschlagene Hoffnungen. Durch die kleinste Zurücksetzung, durch eine gleichgültige Mine, durch ein unbedachtsames Wort fühlen Sie sich gekrankt, die Sorge weicht nicht von Ihnen und der Neid wühlt sich tief in Ihr Herz. Eine eitle Frau ist weit öfter bei übler als bei guter Laune, und das muß jeder empfinden, der ihr zu nahe kommt. Nichts ist für eine schöne und eitle Frau furchtbarer als das Alter. Die Ansprüche, die sie 147 zu machen gewohnt war, werden von nun an zurück« gewiesen, die Titel, auf die sie sich gründeten, sind erloschen, und auf andere übergegangen. Die immer nachwachsende Jugend, mit ihren Reizen und ihrer frischen Anmuth, wird durch die Zeit selbst vorgeschoben. Es hilft hierbei nichts, eine jugendliche Maske vorzunehmen; die Welt kennt auf ein Haar das Gesicht, das dahinter verborgen ist; und was ist wi» derlicher als jugendliches Thun bei einer überjährigen Gestalt. Die Gewalt der Eitelkeit ist so groß, daß sie bald Alles umstrickt, und in dem selbstsüchtigen Her» zen die Funken wahrhafter und edler Liebe auslöscht. Bald liebt und achtet ein eitles Weib niemand an» ders mehr als sich selbst; wird aber auch am Ende von niemand mehr geachtet und geliebt. Wenn nun der Eitelkeit die geistige innere Bildung geopfert wor» den ist, und der äußere Reiz vor den Augen de- Gatten verschwindet, was bleibt ihm dann von der, die er sich zu seiner Lebensgefährtin wählte? Die Liebe ist entflohen: Sein und ihr eheliches Glück ist auf immer zerrüttet. Werfen Sie daher, theure Freundinnen, Ihren Blick lieber und öfter in Ihr Inneres, als in Ihren K 2 148 Spiegel; suchen Sie sich von innen heraus zu verschönern, ohne eitles Geizen nach Lob und Beifall, ohne die Augen bestechen und auf sich ziehen zu wollen. Eine Perle behauptet schon ihren innern Werth, ohne goldene Fassung und ein Diamant braucht nicht durch Flittergold gehoben zu werden. Ein eitles Mädchen ist und macht selten glücklich. X Koketterie. Es gibt Mädchen, die ihre Eitelkeit und ihren Ruhm darin setzen, durch alle Künste, die ihnen zu Gebote stehen, die Männer anzulocken und sich mit Anbetern zu umgeben. Mädchen dieser Art nennt man Koketten. Sie' heucheln Liebe, um Liebe zu erregen und machen sich oft ein ganz eigenes Vergnügen, die Geliebten andrer Mädchen an sich zu fesseln und sie ihnen abtrünnig zu machen. Beobachten Sie die Künste der Koketten, ss werden Sie finden, daß solche Weiber ihren Zweck oft durch die entgegengesetztesten Mittel zu erreichen 14Y streben/ die Einen suchen den Männern durch einen höchst glänzenden/ die Andern durch einen ganz ein» fachen Anzug zu gefallen. Bald heucheln sie Un- schuld, Naivetät oder ein schmachtendes Wesen, bald suchen sie durch sprudelnden Witz oder einen kecken heroischen Sinn zu imponiern. Uebertriebene Gefallsucht ist aber immer die Triebfeder, die sie leitet. Sie werden von selbst finden, daß in dem Allen so viel Unwürdiges, so viel Häßliches, so viel Widriges liegt, daß ich Sie kaum zu warnen brauche, sich vor dieser Geistes- und Herzenskrankheit sorgsam zu bewahren. Bedenken Sie, daß die Herzen edler Männer nie auf eine so unedle Art gewonnen werden können; nur Stutzer, die gewohnt sind, von einem Mädchen zu dem andern zu flattern, lassen sich von einer Kokette fesseln, aber blos um eine Zeit lang mit ihr zu dahlen, nicht sie zu ihrer Gattin zu machen. Ein Weib, das Allen gefallen will, gefällt gemeiniglich Keinem. Suchen Sie lieber diesen Zweck durch Bescheidenheit, edle Einfachheit der Sitten, Geistesbildung und Herzensgute, kurz durch wahren inneren Gehalt 150 zu erreichen. Durch Buhlerkünste werden alle zärt- liche Empfindungen verscheucht; und wenn ja Liebe erregt wird, so ist sie sinnlicher Art, ohne Zartheit und Dauer; sie ist ein Rausch, der schnell vorüber geht und nichts als Schmerzen hinterlaßt. Wie kann man tief und herzlich ein Mädchen lieben, das jedem mit gleicher Gefälligkeit zulächelt, um die Aufmerksamkeit Aller buhlt, sich jedem lüster» nen Auge darstellt, jeden Jüngling einladet, und Allen das seyn will, was sie nur einem einzigen seyn sollte. Aechte Liebe fordert Vorzug; sie will das, was sie in Anspruch nimmt, theilen; begünstigte Nebenbuhler verscheuchen und todten sie. Ein Mädchen, das sich der Koketterie hingiebt, vergiftet das Reste, das Heiligste, das in sie gelegt ward; ihr Herz trocknet aus und veraltet. Selten wird eine Kokette Gattin. Sie hat den Quell der reinsten und besten Freuden verstopft, sich die Aussichten auf den hochbeglückenden Mutterstand geraubt, sich die Fähigkeit genommen, die zu erfreuen, die sie so gerne erfreuen und glücklich machen möchte. 151 Wehe der Kokette, die dreißig Jahre alt ist; sie hat ausgelebt und wandelt doch noch unter den Lebendigen. Sie taugt nicht mehr für diese, und noch weniger für jene Welt. Alte Mädchen sind gewöhnlich grämlich und verachtete Wesen. Viele verdienen Achtung und Mitleid, aber wie wenige waren es auch werth, Gattin und Mutter zu werden! Ist Ihnen, meine Theure, niclw das Glück beschicken, einen Mann zu finden, der Ihrer Liebe würdig wäre, so suchen Sie doch Ihr Herz rein zu bewahren vor dem Vorwurf, daß Sie die verdiente Strafe Ihrer Schuld tragen. Sprödiqkeit ist der entgegengesetzte Fehler. Auch vor diesem lassen Sie sich warnen, denn er mißfallt bernahe allgemein. Bisweilen entsteht die Sprödig- keit aus einem blöden, scheuen, unbebülflichen Wesen. Ist Ihnen dieses eigen, so bemühen Sie sich, es abzulegen. Sie können ohne Bedenken sich allen Männern mit Bescheidenheit und Sittsamkeit nähern und mit allen sprechen. Bescheidene Freimüthigkeit gefällt Jedermann mehr, als sprödes verschlossenes Wesen. 15L Ist die Sprödigkeit der Mädchen Heuchelei, so wird sie leicht entlarvt und Schande ist ihr Lohn. Ist sie Stolz oder Eigensinn, so läßt man solche Mädchen stehen. Aus dem spröden, scheuen und all» zurückhaltenden Wesen geht nichts als Langeweile hervor, und gar manche Gesellschaft, die sehr unter» haltend hätte seyn können, wird damit verdorben. Oefferrtliche Vergnügungen. Ueberlassen Sie sich nicht zu leidenschaftlich dem Hange zu öffentlichen Vergnügungen, daß Sie nicht im Genuß der rauschenden Weltfreuden die Liebe zu stiller Häuslichkeit verlieren, in welcher Sie allein dauerhaftes inneres Glück und Bildung zu Ihrem Beruf als Gattin, Mutter und Hausfrau finden können. Viele Mädchen trachten nach nichts so sehr, als in großen gesellschaftlichen Kreisen durch ein vor» Iheilhaftes Aeußeres, Prunk des Anzugs und gesellschaftliche Talente zu glänzen, Ueberraschung und Staunen zu erregen, ein Heer von Bewunderern, von 15 ; Anbetern, von Freiern um sich her zu versammeln. Folgen Sie aber nicht dem Beispiel dieser Verhör- ten, denn sie sind nicht auf dem rechten Wege, glückliche Gattinnen zu werden. Die Königinnen der Bälle bleiben gemeiniglich am längsten ohne König. Die Männer buhlen und freien nach ganz verschiedenen Grundsätzen. Zum Tändeln bieten Sie die Hand der schönsten und glänzendsten, zum Heirathen der reichsten, der häuslichsten, sparsamsten, wirth- schaftlichsten; der edlere Mann sieht vorzüglich auf hohe sittliche Reinheit, weibliche Würde, Bildung des Geistes und des Gemüthes; er will nicht ein Weib, das allen Männern gefallen, von allen umschwärmt und gefeiert seyn will, sondern ein solches, das nur ihm allein lebe, sich auf einen engen Kreis von Freunden beschränke, und ihn durch einen thörichten Aufwand nicht zu Grunde richte. Erlauben Sie sich nur selten den Genuß der rauschenden gesellschaftlichen Freuden, denn er ver* schlingt nur allzuoft die Perlen in dem Kranz ächter Jungfräulichkeit: Bescheidenheit, sittliche Würde, Anmuth, Scham, Rücksicht auf den eigentlichen Zweck des Daseyns, und ach, zuweilen sogar der Unschuld Blüthe geht dadurch verloren. / 154 Lieben Sie den Tanz, der an sich nichts als der natürliche Ausdruck jugendlicher Fröhlichkeit ,st, so beschränken Sie sich auf kleine TanzgeseUfcha^ten von Bekannten Tanzen Sie als Tochter in Gegen» wart der Mutter, als Gattin in Gegenwart Ihres Mannes; durchschwärmen Sie nicht ganze Nachte; beobachten Sie auch hier die Gesetze der Mäßigung; lassen Sie das Vergnügen bis zehn höchstens eilf Uhr fortdauern und nicht langer. Bei solchen kleinen Gesellschaften, in dem kein Glied dem andern fremd ist, herrscht Offenheit, Trau- lichkeit, Frohsinn. Lassen Sie sich aber warnen vor großen Ballen Warum wollten Sie sich in dem Fall setzen, dem elendesten, versunkensten Menschen die Hand bieten zu müssen, sich von ihm berühren, umfassen zu lassen, seine geilen Blicke zu ertragen, seinen verpesteten Athem einzusaugen, seine faden Reden zu hören — und von einer solchen Hand in die anorre überzugehen? - Fliehen Sie noch mehr die Maskenbälle, wo diese Unannehmlichkeiten noch größer sind, und nichts Sie vor der Gefahr schützt, von einem verkappten Wüstling ungestraft die schändlichsten Reden und Anträge hören zu müssen. 155 Uebrrlassen Sie sich dem Vergnügen des Tanzes nicht mit Leidenschaft. Das enge Walzen ist ganz wider die weibliche Sittsamkeit; vor wilden Tanzen fliehen die Grazien. Vergessen Sie nicht im Taumel der Lust Ih. rer Gesunoheit; trinken Sie nicht kalt, während Sie erhitzt sind, daß Sie nicht den Keim des Todes im Busen von dem Ballsaale mit nach Hause bringen. Besuchen Sie Klubbs und andere vermischte Gesellschaften, so ziehen Sie sich zurück, wenn Spiele in Vorschlag gebracht werden, welche die Männer zu gewissen Freiheiten berechtigen. Selbst bei Gesellschaftsspielen sollen die Frauen ihre Würde nicht vergessen und die Gefühle der Sittsamkeit unterdrücken. Glücksspiele sind in meinen Augen nicht ganz verwerflich. Man findet in denselben zuweilen in Gesellschaften eine glückliche Awischenbeschäftigung, wodurch die Stimme der Verläumdung zum Schweigen gebracht und die Zügellosigkeit der Zunge gehemmt wird. Suchen Sie aber Ihre Neigung zum Spiel wenigstens so weit zu unterdrücken, daß sie 156 nicht zur Leidenschaft werde. Geben Sie sich demselben nur hin, in soweit es zur Unterhaltung der Gesellschaft unentbehrlich ist, oder für Sie eine Uebung Ihrer Aufmerksamkeit, Ihres Scharfsinnes ist, oder der Wetteifer um den Sieg Sie beseelt. Nie soll ein Weib hoch und des Gewinnstes wegen spielen, denn sie sitzt ihre Weiblichkeit, den Wohlstand ihres Hauses, ihre Achtung und Ehre sichtbar dadurch in Gefahr. Spielsucht artet nur allzuleicht in Gewinnsucht aus. Da es aber doch bei solchen Partieen immer einen gewissen, wenn auch nur niedrigen Einsatz gibt, so machen Sie eS sich zum Gesetz, immer mit Mäßigung und Ruhe zu spielen. Große Empfindlichkeit bei Gewinn und Verlust würde Sie der Habsucht verdächtig machen. Die Aufwallung der Freude und deS Schmerzes am Spieltisch sind für den gleichgültigen Zuschauer ganz lächerlich und widerlich. — Ermüden Sie die Ohren der Gesellschaft nicht mit der Berechnung Ihres Verlustes und den Bemerkungen über die von Ihnen begangenen Fehler, oder die Fehler Ihrer Mitspieler. Unter den öffentlichen Vergnügungen sind die musikalischen Unterhaltungen eines der unschuldig« 157 sten. Nehmen Sie daher Theil daran, so oft es Ihre häuslichen Geschäfte gestatten. Können Sie sich entschließen, Proben Ihrer eigenen Talente in solchen Gesellschaften abzulegen, so treten Sie doch wenigstens nur selten, und auch dann noch mit großer Bescheidenheit auf. Sagt Ihnen aber nicht Ihr Bewußtseyn, daß Sie im Stande sind, etwas Vorzügliches zu leisten, so weisen Sie jede Aufforderung, sich hören zu lassen, standhaft zurück. DaS Publikum ist ein strenger und hämischer Richter; wollten Sie vor ihm den demüthigenden Beweis ablegen, daß Sie nichts oder wenig wissen? Eine nicht ganz so unschuldige Unterhaltung gewährt das Theater. Die bessern Schauspiele kön» nen zwar edlere Gemüther mächtig ergreifen; einzelne gute Empfindungen können aufgeregt, Entschlüsse hervorgerufen, das Laster kann momentan verhaßt gemacht werden. Allein auf dem Theater wird doch, genau betrachtet, eine ganz andere Welt vorgestellt, alS die wirkliche; unerfahrne Jünglinge und Mädchen bekommen daher leicht in dem Schauspielhause eine ganz falsche Ansicht des Lebens; die Phantasie wird mit Lirbesgeschichten und Liebesintriguen, das Gemüth mit schielenden Grundsätzen 15k erfüllt, und die Einsamkeit mit Zweideutigkeiten und Ungezogenheiten beleidigt. Vater, Mütter, Vormünder, gutmüthige Vettern und Muhmen sind oft die lächerlichen und betrogenen Personen des Stückes, die losen Streiche, die ihnen ihre Söhne, Töchter, Neffen und Nichten spielen, werden belacht und beklatscht; das Ehrwürdige wird entheiliget, das Unmoralische mit Beifall belohnt. Der allzuhausige Besuch des Schauspielhauses kann also sehr nachthei« lig auf die Sittlichkeit junger Seelen wirken, nicht zu gedenken, daß durch so viele schlechte Stücke, die vorkommen, der Geschmvck verdorben wird. Ich rathe Ihnen daher, die Schaubühne nur selten zu besuchen, und sich blos an die bessern Stücke zu halten. Was ist wohl aber von den so beliebten Gesellschaftstheatern zu halten? — Es ist nicht zu laugnen, daß sie sehr bildend sind. Der gute Anstand, die Unbefangenheit und Freimüthigkeit des Benehmens, die Sprache, die Deklamation, dieß Alles gewinnt dabei. Und gleichwohl muß ich Ihnen abrarhen, an solchen Gesellschaften Antheil zu nehmen. Das gemeinschaftliche Studiren, die Proben, die Aufführung des Stückes selbst, und noch andere Umstände mehr, geben zu viele Gelegenheit, mit Män» 15Y mrn vertraut zu werden, und setzen Herz und Tugend in Gefahr. Die Phantasie wird zu sehr eingenommen; das ganze Wesen der spielenden Personen erhält leicht einen romantischen Schwung. Mädchen und Jünglinge werden zu sehr von ihrem Beruf abgezogen, in eine andere als die wirkliche Welt versetzt und am Ende auch im Leben zu Schauspielern und Schauspielerinnen umgewandelt. Erlauben Sie sich überhaupt kein Vergnügen, wobei Ihr edleres Ich herabgewürdigt, Ihr Sinn für stille häusliche Freuden geschwächt werden und die Achtung edler Menschen, Ihre Gesundheit und Ihr Familienglück verloren gehen kann. Freundschaft. 160 Sei ohne Freund, sagt ein beliebter Dichter, wie viel verliert Dein Leben! — Ja wohl verliert das Leben ohne Freund! Die edlere Freundschaft ist ein Engel des Himmels: der schönsten, der süßesten Freuden würden wir ohne sie entbehren; sie bessert, sie veredelt den innern Menschen, sie theilt mit ihm die Blumen der Freude, sie ist ihm eine Stütze im Leiden, ein Trost im Unglück. Finden Sie daher, meine Freundinnen, ein weibliches Herz, das harmonisch mit Ihnen empfindet, so schließen Sie sich warm und innig an dasselbe an. Verwechseln Sie aber nicht mit der wahren Herzensfteundschaft, die auf Sympathie, Achtung und Wohlwollen gegründet ist, die Alltagsfreundschaft, die mit dieser nichts als den Namen gemein hat. Es gibt Freundinnen auf Wochen, auf Tage, auf halbe Tage; Freundinnen, die periodisch erkalten, zerfallen, sich zanken. An Freundschaft dieser Art ist nichts gelegen. Wühlen Sie Ihre Freundinnen mit Weisheit und Vorsicht. Oeffnen Sie keiner unwürdigen Ihr Herz; schenken Sie Ihr Vertrauen nur Seelen, die sich i6r sich auszeichnen durch Aufrichtigkeit, Wahrheitsliebe und Treue» Haben Sie aber ein Herz würdig des Ihrigen gefunden, und als bewahrt erprobt: dann geben Sie sich demselben mit vollern Vertrauen hin. Halten Sie es werth, wie das Herz des Geliebten, und bleiben Sie ihm mit ganzer Seele zugethan. Lassen Sie gegen die geprüfte Freundin durch keine Verkleinerung, keine Verlaumdung Ihr Zutrauen schwachen, oder sich von ihr abwendig machen. Lassen Sie von Niemand die Ehre derselben antasten; seyn Sie ihre Vertheidigerin, ihre eifrige Lobrednerin; arbeiten, sorgen, wachen, dulden und tragen Sie mit ihr. Der Bund der Freundschaft sei Ihnen ein heiliger Bund. Lassen Sie keine Pflichten derselben unerfüllt; theilen Sie mit der Freundin alle Blumen des Lebens; verschönern Sie ihr durch treue Liebe jeden ihrer Tage. Lassen Sie sie, wenn das Glück lächelt, herzliche Mitfreude, und wenn Verhängnisse hereinbrechen, Starke, Trost und Hülfe bei Ihnen finden. Glücklich ist die Jungfrau, der schon vor der Liebe treue Freundschaft die Hand bot: denn unter L 152 dem Einflüsse der Freundschaft bildet sie sich am besten für den schönen und dauerhaften Verein der Liebe. Wohl dem Weibe, dem sich die Arme der Freundschaft öffnen, wenn sie das Glück der Liebe entbehren muß, oder wenn das Herz des Galten sich ihr verschließt! Wohl ihr, wenn die von Schmerz und Kummer überfüllte Brust sich in den Schooß der Freundschaft ausgießen kann. Es kommen in der Ehe taufend Dinge vor, über die man sich gegen niemand als eine vertraute Freudin aussprechen kann. Sind Sie aber die Freundin eines vcrheira- theten Weibes, so seyn Sie vorsichtig in ihren Her- zensergießungen, wenn Sie nicht wollen, daß auch der Mann der Vertraute Ihrer Geheimnisse werde: denn oft liegt der Gatte der Gattin naher als die Freundin. Sind Sie aber diejenige, der die Geheimnisse einer Freundin anvertraut werden, so seyn Sie treu -und standhaft in Aufbewahrung derselben und lassen Sie sich durch nichts bewegen, selbst dem Mann Ihrer Liebe etwas davon zu offenbaren. i6s Seyn Sie vorsichtig in der Freundschaft mit Männern. Solche Verbindungen sind immer gefähr- lich, es wird leicht Liebe aus derselben, oder sie artet in ein freies sinnliches Verhältniß aus. Nur allzuleicht bemächtigt sich die feine Sinnlichkeit deS Verstandes, zieht ihn in ihr Interesse und führt ihn über die Grenzen der Sittlichkeit hinweg. / Umgang mit dem männlichen Geschlecht. Fliehen Sie nicht den Umgang mit Männern, suchen Sie ihn aber auch nicht mit allzumerklichem Bestreben, daß Lästerzungen Sie nicht mit Ihrem Geifer besudeln. In Frauenzimmergesellschaften sinkt die Unter» Haltung nur allzuoft zum Kleinlichen, zum Nichts- wrrdigen herab; es werden meistens die geringfügigsten Gegenstände des alltäglichen Lebens und die Stadtneuigkeiten abgehandelt. Unter Männern hingegen öffnet sich Ihnen ein neuer schönerer Gesichtskreis; es werden interessantere Gegenstände abgehandelt, bei L2 164 welchen Geist und Herz Nahrung finden. In Gegenwart der Männer werden Sie sich besser bewachen, besser überlegen, was Sie sprechen, Ihre Gedanken besser vorzutragen suchen, so wie Sie z. B. vor Kennern bemüht seyn werden, besser zu singen und zu spielen. Auf eine wohlthätige Art angespornt, werden Sie bald doppelt seyn, was Sie vorher waren; suchen Sie daher den Umgang der Männer zu Ihrer Bildung und Veredlung zu benutzen. Durch den Umgang mit geistreichen Männern kommt neues Leben in die Frauen. Ihre Munterkeit, Ihr Witz, Ihre Kenntnisse werden aufgeregt; Sie erlangen für manches Schöne neuen Sinn, vvn manchem Nützlichen bessere Ansichten; Ihr Gesichtskreis erweitert sich zusehends; Sie werden bald mit Vergnügen wahrnehmen, wie viel Sie gewinnen; aber diesen Gewinn finden Sie nur bei den Edleren des männlichen Geschlechts. Wählen Sie daher zu Ihrem Umgänge nicht Gecken, sondern Männer, die sich durch ihren Verstand und Charakter auszeichnen, Männer, unter welchen der Geist der Weisheit und Sittlichkeit herrscht. Die beiden Geschlechter find geschaffen einander zu ergänzen und zu bilden; eben so, wie der Mann 165 auf das Weib, wirkt das Weib bildend und veredelnd auf den Mann; es mildert die derben, harten, starren, männlichen Charaktere und macht sie menschlicher. Ein Geschlecht ist Bedürfniß für das andere; eines fühlt sich zum andern hingezogen. Das reinste unschuldigste Mädchen empfindet diesen Zug; schämen Sie sich also nicht, auf gleiche Art zu empfinden. Selbst der Umgang mit Personen Ihres Geschlechts erlangt neues Leben, neues Interesse durch den Umgang mit Männern. Es kommen dabei so viel neue Fälle vor, über die man sich berathen und die Stimme der Freundinnen hören muß., Lassen Sie sich aber als Mädchen nicht m zu viele Bekanntschaften mit unverheirateten Männern «in. Suchen Sie sich nicht mit Anbetern zu um« geben und seyn Sie auf der Hut gegen Ihre Eitel* keil, Ihren Stolz, der sich durch die Menge Ihrer Verehrer geschmeichelt fühlen könnte. Je zahlreicher die Liebhaber, desto seltener sind die Freier; ein Mädchen, die Allen gefallen will, verdirbt es gewöhnlich mit Allen; und was durch so viele Hände gegangen ist, findet am Ende der Schlechteste nicht mehr gut genug für sich. l66 Ziehen Sie diejenigen jungen Männer hervor, die sich durch ein gesetztes bescheidenes Wesen, durch Verstand und einen festen Charakter und sittliche Güte auszeichnen, wenn sie auch Andern an Schönheit der Person, gutem-Anstand und Gewandtheit merklich nachstehen sollten. Von diesen können Sie am meisten Nutzen ziehen; bei ihnen läuft Ihre Sittlichkeit am wenigsten Gefahr. Suchen Sie alle Männer, die Sie umgeben, genauer kennen zu lernen, um das Schlechte von dem Guten zu unterscheiden; messen Sie aber Ihr Betragen gegen sie nach ihren Verdiensten ab, und seyn Sie zurückhaltend gegen Alle, bis Sie den Werth eines jeden bestimmt zu beurtheilen wissen. Jungfräuliche Sittsamkeit gefällt den Männern mehr als unweibliche Wildheit. Ist Ihnen an Ihrer Achtung, Ihrer Zuneigung, Ihrer Liebe gelegen, so lassen Sie sich Sittsamkeit und Bescheidenheit empfohlen seyn. Nichts ist reizender als eine sittsame Schöne. Mädchen, die sich aufzudringen suchen, erregen nur Eckel oder niedrige Begierden. Die Meinung, daß ein Frauenzimmer sich gegen Männer alle unschuldigen Freiheiten erlauben könne, vorausgesetzt, daß sir dabei ihre Tugend sicher stelle, ist sehr unanständig und gefährlich. Sie hat schon unzählige Ihres Geschlechtes zu Schritten verführt, die durch die bitterste Reue nicht konnten zurückgenommen werden- Hochachtung ist die Belohnung der schüchternen Grazie, der Sittsamkeit und Tugend. Nichtachtung, Hohn, Beleidigungen aller Art sind der Lohn ungebundener Wildheit oder Frechheit. Verwechseln Sie aber nicht die Sprödigkeit Mit Sittsamkeit. Die erstere unterscheidet sich von dieser durch das gezwungene, gezierte, Aufsehen erregende Wesen im Umgang. Es ist, als ob die Spröde beständig an Verführung, Unsittlichkeit, weibliche Unschicklichkeit dachte. Das gerade, sittsame Mädchen scheint hingegen von dem allen nichts zu ahnen; sie bewegt sich leicht und natürlich in dem Kreise ihres Geschlechts und fällt nie aus ihrer Rolle, weil sie keine Rolle spielt. lös In Gesellschaft der Weiber, besonders wenn Liebe im Spie! ist, sind alle Männer mehr oder weniger Heuchler. Wollen Sie sie genau kennen lernen, so beobachten Sie sie in Gesellschaft anderer Männer, wo sich alles Zweideutige verliert, und wo sie nicht nur die schöne Seite heraus kehren. Seyn Sie in der Wahl Ihres Umgangs mit Männern lieber zu ängstlich als zu unvorsichtig. Bedenken Sie, daß man nach dem Charakter der Personen, mit denen Sie umgehen, auf Ihren eigenen Charakter schließen wird, und daß die Welt es hierin besonders strenge mit den Jungfrauen nimmt, weil diese die Bewahrerinnen der reinen Sitten, der zarten Empfindungen und der edlen Bescheidenheit seyn sollen. Hüten Sie sich vor süßen Herren, die Sie oft, auf Kosten Ihres Verstandes und Ihrer Ehre, mit Schmeicheleien zu bethören suchen. Viele Männer schmeicheln blos um galant zu scheinen, viele andere, um Erfahrne Mädchen zu schlechten Absichten zu gewinnen. Sie loben Ihre Schönheit, Ihren Verstand, Ihre Artigkeit, Ihren Geschmack; sie geben Ihnen den Vorzug vor allen Mädchen, die sie < i6y kennen, und gehen dann hin und lachen, oder machen sich wenigstens lustig über Ihre Leichtgläubigkeit, wenn es ihnen nicht gelungen ist, Sie ganz zu verführen. Lassen Sie solche Gecken reden; hören Sie nicht auf sie; sprechen und handeln Sie fort, als merkten Sie nicht darauf, oder geben Sie ihnen auf eine andere Art zu erkennen, daß Sir an solchem Lobe keinen Gefallen finden. Schweigt der Schwätzer nicht, so geben Sie ihm kalt zu verstehen, daß er Sie sehr wenig achten und Sie für ein eitles Kind halten müsse, wenn er glaube, daß Sie an so alltäglichen Schmeicheleien Gefallen finden können. De» schämt wird er dann verstummen. Es gibt Männer von viel gefährlicherer Art als diese Stutzer; Nichtswürdige, Wüstlinge mit verdorbenem Herzen und anstößigen Sitten, aber einem glatten gefälligen Aeußeren und feiner Lebensart. Lassen Sie sich aber durch diese äußere Glätte und Gewandtheit nicht, wie so viele andere Mädchen, bestechen. Meiden Sie ihre Gesellschaft, oder begegnen Sie ihnen wenigstens mit steifer Kälte/ und wenn sie schon als ganz versunken bekannt sind, mit zurück- 170 stoßender Verachtung. Ihr ganzes Herz muß sich empören, wenn das Laster sich in Ihre Nähe wagt. Bewilligen Sie solchen Menschen nie einen Tanz, erlauben Sie nicht, daß einer Ihre Hand berühre. Nur mit dem Edlen soll sich das Edle vereinen. Warum wollten Sie Anstand finden, sich gegen solche Männer ganz eben so zu benehmen, wie gegen jedes Weib, das sich dem Laster preis gibt? Unwill- kührlich werden selbst die Sittenlosen Hochachtung gegen Sie fühlen, wenn sie die Kälte gewahr werden, mit der ihnen ihrer Ausschweifungen wegen begegnet wird. Es werden Ihnen auch Stutzer vorkommen, die sich der Gunst aller Weiber und Mädchen rühmen, und in der Gesellschaft eine ausgezeichnete Rolle spielen, vor welcher andere Männer zurück treten. Gemeiniglich werden solche Moderittec von den Frauenzimmern/ denen ihre Eitelkeit bisweilen schlimme Streiche spielt, zuvorkommend aufgenommen, und dieß macht sie» übermüthig, absprechend, unleidlich. Ahmen Sie hier dem Beispiel Anderer nicht nach. Seyn Sie stolz, nicht entgegenkommend gegen einen solcher Verächter und Verläumder Ihres Geschlechts. Behaupten Sie Ihre Würde; ziehen Sie ihm den bescheidenen gesitteten Mann vor, lachen, scherzen 171 Sie mit diesem; thun Sie, als ob jener nicht zugegen wäre, und fertigen Sie ihn, wenn er sich zu- drängt, mit kalter Höflichkeit ab. Sie werden in dem Umgang mit Männern auch männliche Koketten finden, die Liebe heucheln, um Liebe zu erregen, und ein schändliches Spiel mit dem Herzen und der Ruhe der Weiber treiben, von einer zu der andern flattern, und sich an den Thränen der betrogenen Hoffnungslosen laben. Meiden Sie diese Unholde, die man leicht wie Raupen und Heuschrecken an der Verwüstung erkennet, die sie anrichten. Ziehen Sie sich zurück von Männern, die leichtsinnig von dem Heiligsten sprechen, die Tugend und Religion verspotten, und lassen Sie ihnen, wenn Sie nicht schweigen, Ihre Verachtung empfinden, ehe Sie von ihnen in den Abgrund gezogen werden, an dem sie stehen. Entfernen Sie sich aus Männergesellschaften, in denen von Dingen gesprochen wird, die ein unverdorbenes Herz empören müssen. Lassen Sie nicht Ihr Ohr von Zweideutigkeiten, schmuzigen Reden, 172 . anstößigen Scherzen beleidigen. Hüten Sie sich wohl, sie zu belachen oder zu belächeln, denn wer Gefallen am Unreinen zu finden scheint, wird selbst für unrein gehalten. Gewisse Männer sind geneigt, Alles zu ihrem Vortheil zu deuten. Bewachen Sie daher in dem Umgang mit ihnen jedes Wort, jedes Gefühl, jede Handlung. Benehmen Sie sich immer gegen sie mit bescheidener Zurückhaltung, mit edelm Anstande, mit weiblichem Zartgefühl. Geben Sie nie den Männern Gelegenheit, sich Freiheiten gegen Sie zu erlauben. Dulden Sie da» her keine Spiele, die solche Veranlassungen herbei führen; sprechen Sir dagegen mit Würde, mit ruhigem, kaltem, entschlossenem Ernst. Ueberhaupt, gestatten Sie nie eine Freiheit, die wider den Wohlstand lauft; denn man ist geneigt, von dem Kleinen aufs Große zu schließen. Oft aber ist ein Blick, ein Händedruck gefährlicher als ein Kuß. 175 In dem Umgang mir achtungswürdigen Männern seyn Sie natürlich, ungezwungen, unschuldig, munter. Zeichnen Sie den sittlichen Jüngling vor dem unsittlichen aus; nehmen Sie einen offenen Ton gegen ihn an, gehen Sie zutrauungsvoll mit ihm um, tanzen, lesen Sie mit ihm, genießen Sie an seiner Seite die Schönheiten der Natur, machen Sie, daß er gern in Ihrer Gesellschaft sey. Begegnen Sie allen unbescholtenen Männern mit Achtung und fordern Sie Achtung von Allen. Ueberhaupt sey im Umgang mit Männern Ihr Betragen gleich weit von Sprödigkeit oder Koketterie entfernt. Lassen Sie ihnen nicht Zeit zum Tändeln; führen Sie ein solides Gespräch herbei: setzen Sie den Witz, den Scharfsinn, die Talente Ihrer Gesellschafter in Thätigkeit; fragen Sie sie über ihre Urtheile, über neue Schriften, streitige Satze, moralische Wahrheiten; locken Sie die Gründe von ihnen heraus und suchen Sie so der Unterhaltung eine interessante Richtung zu geben, wobei sich auch der Geist wohlbesi'nde. Manche Frauenzimmer scheinen zu glauben, die Männer am sichersten zu fesseln, wenn sie ihre 174 persönlichen Nerze völlig zur Schau tragen, wenn sie sich unsern Blicken immer an öffentlichen Orten darstellen, wenn sie eben so frei mit uns umgehen, wie mit Personen ihres Geschlechts, und uns in ihren Sitten so ähnlich als möglich zu werden suchen. Zeit und Erfahrung werden sie aber ihres Irrthums überzeugen. Nur selten gelingt es einem Ballmädchen, ein edles Herz zu erobern und die Gattin eines geachteten Mannes zu werden. Bieten Sie sich, meine Lieben, nicht auf solche Art den Männern an; vergessen Sie nicht Ihre Würde, und seyn Sie überzeugt, daß Sie mit wahren Vorzügen des Geistes und des Herzens auch in Ihrer Eingrzogenheit nicht übersehen werden. Die wahrhaft Guten und Edeln werden Sie finden und Sie gewiß zu gehöriger Zeit zum Ziele führen. Liebe und Brautstand. 17s Die Frauen sind zur Liebe geschaffen; durch Liebe sind sie bestimmt, Gattinnen und Mütter zu werden; von der Liebe hängt das Schicksal ihres Lebens ab. Wählen Sie daher mit großer, Vorsicht und Besonnenheit den Gegenstand derselben, und be» wahren Sie ihr Herz vor dem Gift der Schmeichelei, der Empfindsamkeit und Liebelei. Beherrschen Sie Ihr Herz, aber lähmen und ,tödten Sie es nicht; Sie würden den höchsten Reiz des Lebens, die schönste Gabe des Himmes in sich zerstören. Noch viel elender würden Sie sich aber machen, wenn Ihr Herz nicht auf die Stimme des Verstandes hörte, wenn ,es sich zu einem Manne hinneigte, der weder Ihrer Achtung noch Ihrer Liebe werth wäre, wenn Sie sich dahin reißen ließen in den Abgrund, den Sie vor sich liegen sehen. Lassen Sie sich nicht durch die schöne oder glatte Außenseite der Männer bestechen; nur das Innere verdient Ihre Aufmerksamkeit. Ich Habe höchst glückliche Weiber gesehen, die Krüppel ju Män« r-6 nern hatten; höchst unglückliche, deren Gatten an Schönheit den Apoll verdunkelten. Ich brauche Sie nicht vor Spielern, vorTrin- kern, vor versunkenen Wüstlingen zu warnen; Ihr guter Sinn wird Sie vor solchen Menschen bewah» ren. Es gibt aber der Männer sehr viele, die dieß alles nicht sind; dagegen aber andere mehr verborgene, und minder auffallende Eigenschaften haben, die wenig eheliches Glück versprechen, wie z. B. Roh- heit der Sitten, Hang zum Liebeln mit allen Mädchen und Frauen, Mangel an Kenntnissen, an Fleis, an Religion, lockere Grundsätze, schlechten Umgang rc> Auch gegen Männer dieser Art bewahren Sie Ihr Herz. Die Liebe zZ einem Mann, der sich Ihre Hochachtung nicht erworben hat, würde bald schwinden. Restehen Sie in der Wahl Ihres Gatten auf solchen Eigenschaften, ohne welche kein eheliches Glück Statt findet, unerschütterlich fest. Nicht Reichthum, so wenig als schöne Gestalt, nicht Rang und Stand, nicht glänzende Vorzüge deS Kopfes sind hierzu nöthig; aber selten ist eine Ehe glücklich, wenn der Mann nicht rechtschaffen ist; wenn er sich einer herrschenden Leidenschaft ergeben hat, wenn ihm Sittlichkeit 177 keit und Religion nichts gelten, wenn er keinen Sinn für häusliches Glück hat. Jeder Mann sey Ihnen auch verdächtig, der nicht mehr an die Reinheit und Liebe Ihres Ge- schlechts glauben kann; denn wer nicht mehr an die Tugend glaubt, hat nur den schlechtem Theil der Weiber kennen gelernt und muß schon lange durch Laster verdorben seyn. Machen Sie sich aber kein Ideal eines vollkommenen Mannes, denn dergleichen gibt es wohl schwerlich in der Natur. Sie würden immer den Schmerz haben, viel weniger zu finden als sie erwarten. Erblicken Sie daher nur kleine Fehler, Schwachheiten, Verwöhnung, so übersehen Sie sie und legen Sie Ihre eigenen Mängel in die andere Wagschale. Die Frauen sind keine Engel, die Männer keine Heiligen. Seyn Sie behutsam auch in andern Hinsichten. Trauen Sie nicht einem Manne, der weit über oder unter Ihrem Stande ist, und achten Sie die Grenzen der bürgerlichen Verhältnisse- Bewachen Sie auch Ihr Herz gegen liebenswürdige Männer, die M 178 schon Gatten sind. Die ganze Ruhe Ihres Herzens und Ihres Lebens läuft Gefahr, wenn der Mann Ihrer Liebe nicht Ihr Gemahl werden kann. Ueben Sie sich in der Herrschaft über Ihr Herz, denn es kann Sie unglücklicher machen, als irgend etwas Anderes. Halten Sie sich an den Urquell jeder Liebe, daß ein Engel allem Unheiligen den Zugang zu Ihrem Gemüthe verwehre. Nie bedürfen Sie mehr Wachsamkeit über sich selbst, nie mehr Herrschaft über Jbr Herz und Ihr ganzes Betragen als in der gefährlichen Periode, tvo zuerst ein Mann Ihr Gefühl rührt. Sind Sie nicht genug Herr über Ihre Empfindungen, die nur allzuleicht unerwiedert bleiben können, und — ich darf eS wohl sagen, — meist unerwiedert bleiben, oder, was noch schlimmer ist — nur halb erwiedert werden, so ist es um die Ruhe Ihres Herzens gethan. Seyn Sie nicht zu spröde, daß Sie den Mann, der Ihnen im Stillen theuer ist, nicht abschrecken; kommen Sie ihm nicht zu merklich mit Liebe entgegen, daß Sie ihn nicht abstoßen, indem Sie ihn 179 anziehen wollen. Hüten Sie sich vor allen Koketten» künsten die meistens auf gutdenkende Männer einen widrigen Eindruck machen, und sie weit gewisser verscheuchen als anlocken. Erst dann, wenn Sie wirklich Liebe gefunden haben, darf der Geliebte wissen, daß Sie ihm zuvorkommen mit Liebe. Suchen Sie die Männer nicht zu sich zu rufen; lassen Sie sie kommen. Harmonisch gestimmte Seelckl suchen und finden sich. Bescheidenheit, Sitt- samkeit, zarte Jungfräulichkeit gefallen am meisten. Lafsin Sie diese sanftanziehende Mädchen»Eigenschaften durch Ihre Reden und Ihr Thun, durch Ihr ganzes äußeres Wesen durchscheinen, wie das Blut durch die Wangen durchschimmert. Sie werden Ihre Wirkung auf Männer, die das Bessere zu schätzen wissen, nicht verfehlen, und der edelste unter diesen sey der Mann Ihres Herzens. Behandeln Sie, wenn Sie diesen gefunden haben, Ihre Liebe recht heilig. Die Liebe mache Sie frömmer und tugendhafter. Wenden Sie sich von dem Geliebten zu Gott, von Gott zu dem Geliebten- Bitten Sie den, dem alles Unreine ein Greuel ist, daß er Ihre Flamme rein erhalte. Durch M 2 180 Gebet geheiligte Liebe macht sicher glücklich, hier oder dort. Sollte Ihre Wahl unglücklich gewesen seyn, so werden die Leiden der Liebe Sie bilden für das Vaterland der Liebe. Ihre Liebe wird Religion, Ihre Religion Liebe werden. Erwerben Sie sich nicht nur die Achtung des Geliebten, sondern suchen Sie sich dieselbe auch zu erhalten. Denn nur dadurch wird die Liebe dauer» haft. Bemühen Sie sich nicht nur hochachtungswür- dig zu scheinen, sondern es auch zu seyn: denn bald wird Er beim nähern Umgang den Schein von der Wahrheit unterscheiden. Seyn Sie sanft, ordentlich, stets beschäftigt, gefällig und guter Laune. Gestatten Sie dem Mann, der Ihre Seele liebt, auch als Braut nicht zu viel Freibeiten, selbst nicht einen Tag vor der öffentlichen Verbindung. Die Männer verzeihen den Weibern nicht leicht eine Schwäche, auch wenn Sie schwach gegen Sie selbst gewesen wären. Was Sie sich als Braut und Bräutigam nicht vor Ihren Verwandten erlauben dürfen, das erlauben Sir sich auch nicht unter vier Augen. Vergrs- 18! sen Sie Ihrer Würde nicht, wenn mehr verlangt wird, als Sie gewahren können. Treten Mißverständnisse und Entzweiungen unter Ihnen ein, so bleiben Sie ruhig und der Wahrheit treu, so wie Sie sie erkennen. Sprechen Sie Ihre Ansichten freimüthig, aber nicht mit Heftigkeit aus. Maulen und trotzen Sie nicht, denn auf diesem Wege verlieren Sie allemal. Der weibliche Einfluß auf den Geliebten ist der Einfluß der Wahrheit und Liebe. 18L E h e. Die Hoffnungen, meine jungen Freundinnen, die sich die Mädchen in der Begeisterung der Liebe von dem Ehestände machen, sind oft eine Quelle großen Unmuths und großer Verstimmung, die oft ganze Jahre, ja das ganze Leben verbittert. Der Ehestand ist kein Eden; jede Ehe hat ihre Nebel und Sturmtage, noch gewisser, als sie einen Honigmonat hat. Aber der möglichen Gewitter wegen versagt man sich die Freuden der Reise nicht. Man hofft dabei auf schöne und heitere Tage; aber die trüben werden auch mit eingerechnet. Erwarten Sie daher nicht Alles von Ihrem Manne, so vortrefflich er auch immer se:-n magö Denken Sie, daß er wohl Fehler haben könne, die Sie bis jetzt noch nicht bemerken, oder doch nicht fühlen, und waffnen Sie sich frühzeitig mit dem Ent» schlusse, ihnen Tugenden und vor Allem Geduld entgegen zu setzen. Es wäre aber unrecht, sich nur den Ehestand als einen Wehestand zu denken. Auch der schlimmste Mann ist nicht immer böse, und wenn er seine gute Stunde hat, kann eine Frau viel für den künftigen Frieden thun. Die Liebe ist ein freies Zusammenstimmen zweier Herzen; die Ehe ein gesetzliches; jenes ist ,'chö» ner und ergötzlicher, dieses dauerhafter und würdiger. Auch in dem Dur der Ehe soll Liebe der Grundton seyn; die gaukelnden Töne aber fallen weg. Es ist Hhon vollkommen genug, wenn in der ernsten Melodie die männliche und weibliche Stimme harmonisch neben einander gehen. Dir jugendliche Liebe ist ein Festtag, den man unter freiem Himmel vertanzt; in der Ehe gibt es fast nur Werkeitage. Kann aber nicht das freundliche Gesicht des Mannes, womit er aus der Last seiner Arbeit nach der vorüberschlüpfen- den Frau aufsieht; kann nicht das Gedeihen der gesunden Kinder, ihre fröhlichen Spiele, ihr fleißiges Lernen, das Lob, das ihnen der Lehrer ertheilt, jeden Werktag zu einem Sonntage machen? Auf die Uebereinstimmung der Gemüthsart,' der Empfindungen, des Geschmacks und der Laune wird bei dem Erfolg einer Ehe immer das meiste ankommen. Ziehen Sie nicht nur das Herz, ziehen Sie auch die Vernunft dabei zu Rathe; nehmen 184 Sie sich aber wohl in Acht, daß Ihnen nicht Leidenschaft antworte. Halten Sie Ihr Herz so lange als möglich frei; ziehen Sie Aeltern und Freunde zu Rathe, die gemeiniglich Heller sehen und unbefangener urtheilen. Uebereilen Sie sich nicht; lernen Sie den, dem Sie das Glück Ihres Lebens anvertrauen wollen, erst naher kennen. Suchen Sie zu erforschen, warum er um Sie wirbt. Nicht alle Männer heira- then aus Liebe; viele schließen sogenannte Convenienz- heiratben; sie sehen auf Vermögen, Familienverbin- düngen, Beförderung; sie suchen durch eine Heirath ihr Glück zu machen. Bisweilen verbindet sich wirkliche Zuneigung mit dem Allen; bisweilen kommt auch die Liebe nach. Nicht alle Ehen dieser Art sind daher unglücklich. Oft wird der Mann aus Achtung und Dankbarkeit ein guter Ehegatte. Wollen Sie sich unter solchen Umstanden hingeben, so suchen Sie sich wenigstens mit Ihrem Vermögen eine gute Behandlung zu erkaufen. Die Absicht Ihrer Bewerber mag seyn welche sie wolle, so weisen Sie wenigstens keinen mit Verachtung zurück und rühmen Sie sich nicht der Körb- 185 chen, die Sie austheilen. Schonen Sie besonders achtungswürdiger Männer und setzen Sie sie nicht zur Belohnung ihres Zutrauens kränkenden Stadtgesprächen aus. Manche Mädchen halten mit Ihrem Jawort recht lange zurück, entweder um sich geltend zu machen, oder weil sie hoffen, es werde etwas Besseres kommen. Allein oft bleibt das Bessere aus, und der erste Liebhaber findet indessen selbst etwas Besseres und zieht sich wieder zurück. Haben Sie mit Bedachtsamkeit gewählt, so bleiben Sie unerschütterlich bei Ihrer Wahl; Ih Versprechen ist ein Band, das Sie unwiderruflich bindet. Zeigen Sie sich ihm von nun an in der liebenswürdigsten Gestalt und legen Sie sie nie ab. Bieten Sie Alles auf, ihm in dieser Verbindung das höchste Gut des Lebens finden zu lassen. Ein Mädchen, das sich nicht in den Ehestand begibt, um ihren Gatten glücklich zu machen, sondern nur, um aus der Abhängigkeit im väterlichen Hause zu kommen und eine selbstständige Rolle zu spielen, wird weder eine gute Frau noch eine gute Mutter werden. Der Ehestand ist ein heiliger Stand; wer dieses ge- 186 heimnißvolle Heiligthum leichtsinnig betritt und mit dem Brautkranze spielt, der hat schon beim Eintritt das Schönste, was er geben kann, verscherzt. Dieses Schönste aber ist eben jene begeisternde Erhebung, die ein frommes Gemüth bei heiligen Handlungen fühlt. — Es gibt keine Art von Verhältniß, die des göttlichen Segens so sehr bedürfte, als die Ehe; und was läßt wohl ein Leichtsinn erwarten, der diesen Gedanken nicht faßt oder ihn in den Wind schlägt? Eine Frau, die ihren Mann nicht vor Augen hat, wird leicht ihre Augen auf andere Männer werfen ; dir den nicht ehrt, den ihr Gott und ihre eigene Wahl gab, wird sich auch leicht selbst entweihen, und die Liebe, die sie ihrem Hause entzieht, auf ein anderes Haus übertragen. Ehren Sie also ihren Gatten, und bieten Sie Alles auf, sich seine Liebe zu erhalten; dieß ist Ihr erster und wichtigster Beruf. Das Weib, das die Liebe ihres Mannes durch eigene Schuld verliert, ist eine Ehebrecherin, weil sie Anlaß zum Bruch des heiligsten Theils der Ehe gab. Sie schafft eine Hölle um sich her und lebt in einer Hölle. 187 Werfen Sie Ihre Blicke auf dir große Menge unglücklicher Ehen, von denen wir Zeugen sind. Wodurch wurden sie unglücklich? Meistens dadurch, daß diejenigen, die sie schlössen, ein zu geringes Maas von zarter Liebe, Klugheit, Gefälligkeit, Achtsamkeit hinein brachten: daß beide Theile, sobald der Priester die Segensformel ausgesprochen hat, einander nichts mehr schuldig zu seyn glauben, und sich alle Arten von Begegnungen erlauben, wie sie Stolz oder Grob» heit, Laune oder Unsinn eingibt. Es ist den meisten Weibern schwerer, Liebe zu erhalten, als Liebe zu erwerben. Die wenigsten blei- ben als Frauen das, wa-s sie als Mädchen waren. Sonst sah man sie^immer reinlich und geschmackvoll gekleidet; jetzt sind sie unordentlich, unreinlich, schlanu- picht; sonst jungfräulich, schamhaft und zurückhaltend, jetzt ist alle Zurückhaltung und Schamhaftigkeit dahin. — So streifen sie nach und nach alles Ed.ere ab und versinken in Gemeinheit. Ahmen Sie nicht diesen Frauen nach. Ver. nachläßigen Sie nicht das, wodurch Sie Ihrem Gatten als Mädchen gefielen ; suchen Sie sich seine Achtung'zu erhalten; kleiden Sie sich beständig auch im 188 Hause nett, reinlich und anständig, daß Sie ibm im- mec artig und liebenswürdig erscheinen; daß kein Be- such Sie oder ihn auf> eine unangenehme Art über» rasche. Selbst in Ihren Hauskleidern bemühen Sie sich, Geschmack und Anmuth zu zeigen. Erlauben Sie sich nichts Gemeines, nichts Niedriges in Ihrem Benehmen/ in Ihren Reden und Handlungen, daß Sie ihm nicht eckelhaft wer» den. Die engste Vertraulichkeit bebt nicht die Pflicht gegenseitiger Achtung und die Regeln der Bescheidenheit auf. Seyn Sie vielmehr sorgsam bemüht, alles Gute, Edle, Anziehendem sich zu vervollkommnen; suchen Sie ihm zu gefallen durch Alles, was irgend gefallen kann, besonders auch die körperlichen Reize. Sorgen Sir für die Erhaltung Ihrer sanften schönen Haut, Ihres weichen und dicken Haares, Ihrer weißen Zähne, Ihrer schönen melodischen Stimme. Sollten Sie das Unglück gehabt haben, einen Mann zu Heimchen, der Sie nicht'liebt, so suchen Sie sich ihm auf eine zarte, nrcht zudringliche Art zu nähern und sich wenigstens seine achtungsvolle Freund» 18 Y schaft zu erwerben. Zeigen Sie ihm liebenswürdige Eigenschaften; seyn Sie freundlich, gefällig, achtsam, nachgebend gegen ihn; Ihr ganzes Betragen sey natürlich und gutmüthig. Bemühen Sie sich, Ihrem Gatten das Leben so ruhig, so süß, so abwechselnd als möglich zu machen; bereiten Sw ihm Gemächlichkeit, Erholung, kleine Freuden aller Art in seinem Hause, die er sonst nirgend finden kann; entfernen Sie jeden Verdruß von ihm; Sie sorgen für sich selbst, wenn Sie für Ihren Gatten sorgen. Lasten Sie ihn in voller Freiheit ganz nach seiner Weise leben; sehen Sie mit Gelassenheit seinen Launen, seinen Wunderlichkeiten nach, wenn sie ihn» nicht unmerklich abgethan werden können, oder er selbst wünscht, sie abzulegen. Lassen Sie ihm seine eigene Art zu sehen, zu denken, zu urtheilen; engen Sie ihn so wenig ein als möglich. Ist Ihr Gatte gewohnt auszugehen, so hindern Sie ihn nicht. Bemühen Sie sich nicht, ihn beständig in Ihrer Nähe zu behalten, daß Sie sich einander nicht zu alltäglich werden. Was man immer 1Y0 hat, das schätzt man nicht mehr nach seinem wahren Werthe; wer vorn Morgen bis Abend Wein trinkt, dem ist Wein kein Wein mehr. Wenn aber der Gatte eine Zeit lang abwesend war, dann werde er mit heiterem Gesicht und froher Liebe von seinem freundlichen wohlgekleideten ihm entgegen schwebenden Weibchen, von seinen liebenden und geliebten Kindern empfangen, daß er sich, wo er auch sey, auf den Augenblick des Wiedersehens in stimm reinen, ordentlichen Hause freue. Aeußern Sie, wenn er zu lange über die Stunde ausbleibt, keine Empfindlichkeit; maulen Sie nicht darob mit ihm, daß nicht auch er verstimmt werde, und die gewohnten Worte der Liebe sich in Bitterkeit verwandeln. Suchen Sie ihn aber in ei» ner guten Stunde Vorstellungen zu machen und ihn zu bestimmen, die eingeführte Ordnung zu ehren. Achten Sie dieselbe jedoch zuerst; lassen Sie sich, wenn Sie in Gesellschaft sind, durch dB Beispiel anderer Frauen nicht abhalten, sich von der Essensstunde zu entfernen, es wäre denn, Sir hätten sich vorher gegenseitig verstanden, dieselbe für diesen lyl Tag weiter hinaus zu rücken. Nichts macht den Mann unmuthiger, als wenn er nach seiner Zurück- kunst die Frau nicht zu Hause findet und seine Geduld sich stundenlangen Prüfungen unterwerfen muß; oder wenn in Abwesenheit der Mutter sich die Kinder an ihn wenden, ihn in seiner Arbeit stören, von ihm wollen unterhalten und beruhigt werden. Qualen Sie ihren Gatten nicht mit Ansprüchen, fordern Sie nicht, daß er sich in Gesellschaften viel mit Ihnen unterhalte, Ihnen öffentlich Beweise seiner Liebe und Achtsamkeit gebe, bei Ihren kleinsten Unpäßlichkeiten alle seine Geschäfte liegen lasse, den Krankenwärter, den Liebhaber, den ängstlich besorgten Schwächling mache. Je weniger Sie von ihm fordern, desto mehr wird er thun. Suchen Sie Ihrem Gatten die beste Gesellschafterin zu werden, denn die Freuden des Umgang- sind die süßesten. Seyn Sie ihm Alles, was Sie ihm seyn können; doch übersättigen Sie ihn nicht, denn selbst gegen das Süßeste kann Uebermaas im Genusse Gleichgültigkeit herbeiführen. lyr Seyn Sie nicht blos für seinen Leib besorgt; sorgen Sie auch für den Geist; unterhalten Sie ihn in seinen Feierstunden durch angenehme Lektüre; erheitern Sie ihn durch Ihren muntern Sinn, schaffen Sie ihm Freude und entfernen Sie Alles, was dieselbe stören kann. Die Pflicht des Gatten ist, die Gattin zu schützen und zu nähren, die Pflicht der Gattin, ihm das Leben froh zu machen. Lassen Sie ihm nach angreifenden Geschäften an Ihrer Seite die Erholung finden, nach der er sich sehnt. Nie müsse er in Ihrer Gesellschaft über Leerheit, Trockenheit, Langeweile klagen können. Lesen, sehen, hören, bemerken Sie, damit Sie Ihrem Gatten etwas Interessantes sagen können- Dazu hak Ihnen die Natur Scharfsinn, Geschmack, Gefühl und die Gabe verliehen, das Gute und Schlechte, das Ernste und Lächerliche zu bemerken. Ihr feiner Takt wird Sie lehren, Alles zur Unterhaltung und Aufheiterung des Gatten auf das Beste zu benutzen. Hüten Sie sich dagegen, ihm durch unangenehme Angelegenheiten die schönsten Stunden des Tages, wie z. B. die des Frühstücks, des Mittag- und Abendessens zu verderben. Halten Sie zu solcher Zeit lyr Zeit mit der Bezahlung Ihrer Rechnungen und Al» lem zurück, was ihn verdrießlich machen und verstim» men könnte. ES finden sich -ja wohl hierzu andere minder schöne Augenblicke. Gewöhnen Sie sich an die Lebensweise, die dem Gatten am angenehmsten ist. Wählen Sie solche Vergnügungen, die ihn an Ihre Gesellschaft fesseln, solche Beschäftigungen, wodurch Sir ihm nütz» lich werden können. Maaßen Sie sich kein Uebergewicht, keine Herr» schaft über ihn an, denn ist der Mann kräftig, so duldet er sie nicht, und es entstehen unangenehme Scenen; ist er aber charakterlos, so haben Sie Beide wenig Ehre davon. Ihre Herrschaft sey die Herrschaft der Liebe und süße Ueberredungskunst. Nehmen Sie Theil an dem, was Ihrem Gat» trn Freude macht; spotten Sie nicht seiner Stek- (kenpferde; schreiben Sie nicht, wie die Frau jene- Dichters, an Ihrem Haushaltungsbuch, während Jh» «er, der Mann seine Gedichte vorliest. N ry4 Hüten Sie sich, ihn durch Einförmigkeitzu ermüden. Seyn Sie nicht immer so ernst, so feierlich, so scherzend, so tändelnd, wie es Ihnen bisweilen so gut steht. Ihr Takt muß Ihnen sogar sagen, zu welcher Art von Unterhaltung Ihr Gatte eben jetzt gestimmt ist. Widmen Sie ihm aber eine anhaltende, ungezwungene Achtsamkeit. Begegnen Sie seinen Freunden höflich, daß er nicht nöthig habe, außer dem Hause mit ihnen zusammen zu kommen. Seine Verwandten behandeln Sie wie die Ihrigen mit Liebe und Achtung. Hat Ihr Gatte Bekanntschaften, die Sie nicht gerne sehen, so suchen Sie ihn nicht zu schnell, sondern nur unvermerkt von ihnen abzuziehen. Brechen Sie mit solchen Personen, gegen die er Abneigung hat, doch ohne Aufsehen zu machen. Stören Sie nicht aus ökonomischen Gründen seine unschuldigen Vergnügungen; suchen Sie sich lieber in Ihren eigenen Ausgaben zu beschränken. .Will Ihr Gatte selbst die Einkünfte und da- Vermögen verwalten, desto besser für Sie, denn er 195 entlastet Sie großer Sorgen. Vernachlaßigt er seine häuslichen Vortheile, so ersetzen Sie mit verdoppeltem Eifer seine Stelle. Vermeiden Sie, so lange Sie können, den er« sten Zwist, und entfernen Sie die Veranlassungen, die ihn herbeiführen könnten. Aus der Gegend, auS welcher daS Gewitter kommt, kommen, wie ein geistreicher Schriftsteller bemerkt, meistens alle an« -ere. Folgen Sie nicht dem Beispiele so vieler Weiber, die ihre Männer durch ihren starren Sinn, ihre Unfreundlichkeit, ihre Übeln Launen, ihr mürrisches Wesen oft aufs Aeußerste bringen. Lassen Sie keine finstere Mine, keine runzlichte Stirn sehen, wenn ec Ihnen unvermuthete Besuche bringt oder Sie auf eine andere Art in eine kleine Verlegenheit setzt. Geben Sie mit gutem Herzen und heiterem Gesicht was Sie haben und geben können; man erwartet und verlangt nicht mehr von Ihnen. Lassen Sie sich nicht von Heftigkeit, nur von Liebe leiten. Liebe begeistere Sie zu der Weisheit und Klugheit, Ihren Mann zu lenken. Ihre Weib« Nr Iy6 lichkeit ist Ihre Starke, Ihre Liebe, Ihre Weis» heit. Machen Sie den Gatten glücklich: wer sich glücklich fühlt, der sucht glücklich zu machen. Die Männer haben aber eben so, wie die Wer» ber, ihre guten und bösen Stunden, ihre kalten und warmen Perioden. Lernen Sie die Ungleichheiten Ihres Gatten ertragen. Verlangen Sie nicht, daß er warm und zärtlich seyn soll, wenn er eben keine Warme und Zärtlichkeit im Herzen hat. Warten Sie: Nach der Ebbe wird die Fluch folgen. Suchen Sie nicht die Ursache seiner scheinbaren Kälte in zweideutigen Gesinnungen; erlauben Sie sich keine Vorwürfe, keine Bitterkeiten: sie würden das Uebel nur ärger machen, denn Liebe läßt sich nicht ertrotzen. Vielleicht liegt die Schuld seiner Kalte an unangenehmen Geschäften, die das Gemüth oft Wochen lang verdüstern; vielleicht wohl gar an Ihnen selbst. Sie können keine immerwährende Liebe von Ihrem Gatten fordern, wenn Sie die Eigenschaften, wodurch Sie sie entstammt haben, nicht forlbesitzen. Ihn blendet jetzt keine Leidenschaft mehr; Sie müssen daher um so liebenswürdiger seyn, wenn Sie ihn fest halten wollen; Sie dürfen die Sorge, ihm zu 1 1Y7 gefallen, und die Bemühung, seine Achtung zu erhalten, nicht aufgeben. Sollte er sich auf dem Wege des Vergnügens verirren, sollte er durch Leidenschaften auf Abwege gerathen, so eilen Sie nicht mit Ungeduld seiner Rückkehr zuvor. Suchen Sie die Quelle seiner Ver» errungen auf, und denken Sie mit Gelassenheit auf die Mittel, wie die Sache zu andern seyn möchte. Bemühen Sie sich, bessere Empfindungen in ihm auf« zuregen, ihm sein Haus lieb zu machen. Geben Sie keiner groben Eifersucht Raum. Vielleicht ist die Verirrung Ihres Gatten nur ein Rausch der Sinne, bei welchen Ihnen sein Herz, an dem Alles gelegen ist, treu bleibt. Haben Sie dem« nach Geduld, er wird bald liebevoller zurück kommen. Durch Stürmen und Toben würden Sie sich in Gefahr setzen, den schönen Frieden, die süße Eintracht, die sonst unter Ihnen herrschte, für immer aus Ihrem Hause zu verscheuchen, und Ihren Himmel in eine Hölle umzuwandeln. Tausend glückliche Ehen werden weniger durch den flatterhaften Sinn des Mannes, als durch das unkluge Benehmen der Frau zerstört. Eifersucht ist eine der schrecklichsten Leiden« lyb schaften, eine Furie, die nichts als Elend verbreitet. Bewahren Sie Ihr Herz, so lange Sre können, vor jedem marternden Argwohn; oft ist das, was Sie dazu veranlaßt, nur ein Trugbild der Phantasie. Hat sich das Herz Ihres Gatten wirklich zu einem andern Weibe gewendet, so suchen Sie es wieder zu gewinnen durch Dulden, Tragen, Freudema- chen, Freundlichkeit, Gefälligkeit. Ist Ihnen die Aufgabe zu schwer, so lassen Sie Ihre blassen Wanaen, Ihren Harm sprechen. Lassen Sie ihm fühlen, »Dafür ein treffliches Weib er hat: Auf diese Art, oder nie, werden Sie die harte Rinde um Ihres Gatten Herz erweichen und eS wieder frei machen von seinen schimpflichen Fesseln. Liebe ist die Hauptkraft, durch die Sie wirken müssen. Je gefährlicher der Irrweg ist, auf dem Ihr Mann geht, desto mehr zarte Liebe zeigen Sie ihm. Sie haben Reize deS Körpers, Geistes, Kopfes, HerzenS; sollte dieß Alle- seine Wirkung verfehlen? Verschließen Sie Ihre Ohren den Aufhetzun-, gen unweiblicher Weiber; lassen Sie sich nicht von dem Wege schonender Liebe abbringen; oder glauben ryy Sie, der laue Gatte werde sich mit mehr Wärme wieder zu Ihnen wenden, wenn er an Ihnen keine Liebe, nur Bitterkeit und Heftigkeit, gewahr wird? Sie müssen ihm sein Haus angenehm, nicht furchtbar machen, wenn er sich in demselben gefallen soll. Verlieren Sie nicht die Geduld, wenn Ihre Bemühungen nicht, so schnell. Sie eS erwarten, mit dem erwünschten Erfolge gekrönt werden. Gelingt es Ihnen aber endlich, die Liebe des Gatten wieder zu erwärmen, dann erst und nicht früher, wählen Sie die besten und heiligsten Stunden, ihm Vorstellungen über seine Verirrungen zu machen. Lassen Sie sich nicht auf Gründe ein; nur mit seinem Herzen, nicht mit seinem Verstände, haben Sie es zu thun. Thun Sie in einer solchen Stunde, was Ihnen Ihr Herz eingibt; bitten, beschwören Sie ihn, fortan auf dem guten Wege zu bleiben; lassen Sie ihm recht tief fühlen, daß Sie seine Entfernung nicht ertragen können! — Nur keine Theaterscene. Klagen Sie auch bei der vertrautesten Freundin nicht über Ihren Mann. Ihre ehelichen Verhältnisse dürfen nicht das Stadtgespräche werden. Tragen Sie, was Sie tragen müssen, allein» handeln Loa Sie nach den Grundsätzen der Liebe, und Alles wird sich besser machen. Ihre Ruhe wird sehr viel gcwin» nen, wenn Sie nicht mehr sehen und hören wollen, als Sie wirklich hören und sehen müssen. Wenn die Welt erfährt, daß eine junge Frau über die Verirrungen ihres Gatten, oder sonst über harte Behandlung klagt, so kommt sie in eine sehr gefährliche Lage. Sie wird durch ihre eigene Schuld allen Arten von Verführungen ausgesetzt, die das eigennützige Mitleid einer gewissen Gattung von Man» nern erfinden kann. Lockungen aller Art umlagern sie, und es wird ihr schwer werden, Ehre und guten Namen unter so mißlichen Verhältnissen zu retten. Folaen Sie um so mehr meinem Rath, niemand zum Vertrauten Ihres geheimen Kummers zu machen. Lassen Sie auch nicht durch das vertrauliche Zuflüstern Ihrer Freundinnen, oder durch die Zuträgerei des Gesindes, Mißtrauen in Ihr argloses Herz bringen, und Ihren hausliek-en Frieden stören. Wei» sen Sie gleich die ersten Versuche mit Ernst zurück, oder beantworten Sie sie mit mißfälligem Still» schweigen. Weiberfreundschaften sind nur allzuoft die Störer der ehelichen Glückseligkeit. 20 ! Daß sich ritte junge Frau in dem Umgang mit Männern mit großer Klugheit und Vorsicht zu benehmen hat, wenn sie nicht das Vertrauen und die Liebe ihres Gatten verlieren will, bedarf kaum einer Erinnerung. Wachen Sie stets über sich, und geben Sie nie Ihrem Manne durch ein leichtsinniges Betragen Veranlassung auch nur zu dem leisesten Mißtrauen, wenn Sie sich nicht Leiden aller Art aussetzen wollen. Ich schreibe ein Buch für Frauenzimmer, die ich gerne zu glücklichen Gattinnen zu machen wünschte. Schreibe ich eines für Männer, so würde ich ihnen wenigstens eben so viel, wo nicht noch mehr gute Lehren und Regeln zu geben haben, denn die meisten bedürfen derselben eben so sehr, als die Frauen. Wenn ein gutes Doppelspiel zu Stande kommen soll, so muß nicht nur eines, es müssen beide Instrumente rein gestimmt seyn. Sind Sie eine der Spielerinnen, und es lassen sich Dissonanzen vernehmen, so sey es wenigstens Ihr Ruhm, daß die Mißlaule nicht von Ihnen kommen. 2or u t t e r st a n d. Hat Sie der Himmel mit der Hoffnung be» glückt, Mutter zu werden, so suchen Sie sorgfältig die Gesundheit Ihres Leibes und Ihrer Seele zu erhalten; überlassen Sie sich keinen heftigen Leidenschaften, bewachen, schonen Sie sich, sorgen Sie für die freie Entwickelung der Frucht, die Sie unter dem Herzen tragen: Nur unter dieser Bedingung können Sie die Mutter eines gesunden Kindes seyn. Suchen Sie sich, wenn Sie schon den süßen Mutternamen führen, immer bei guter Laune zu erhalten, wenn auch manches käme, was Ihre Wünsche durchkreuzet?. Eine Mutter bedarf, mehr als jedes andere Weid, der Uebung in Sanftmuth, Geduld, Nachsicht, Gefälligkeit; sie muß lernen, sich selbst verläugnen, ihre liebsten Neigungen, ihre Gemächlichkeiten aufzuopfern. Auf die Mutter kommt es an, ob die Kinder mürrisch und verdrießlich, oder heiter und froh sind. Ist sie voll grämlicher Laune, so steckt sie auch die Kinder damit an; gute Laune hingegen zaubert jedes 205 Grämeln, jeden kleinen Unmurh hinweg. Verstopfen Sie daher jede Quelle der Mißlaunigkeit, und thun Sie sich Gewalt an, sich heiter zu erhalten. Lassen Sie sich nicht verstimmen durch so viele Veranlassungen zum Aerger, die alle Tage vorkommen. Der feste Wille, ruhig zu werden und ruhig zu bleiben, vermag gar viel. Sind Sie dessen un» geachtet in eine üble Gemüthsstimmung gerathen, so hangen Sie Ihr nicht nach und suchen Sie sich herauszureißen, so bald als möglich. Reden Sie gleich zu der Person, durch die Sie in üble Laune versetzt worden sind; aber nicht um mit ihr zu hadern, sondern um sich zu verständigen. Beobachten Sie die Kinder mit Aufmerksamkeit in ihrem Kreise; folgen Sie ihrer stufenweise» Entwickelung; bemerken Sie, was für Ansichten dieselben von den Dingen haben, was für Eindruck gewisse Menschen, gewisse Gegenstände, gewisse Reden auf sie machen; achten Sie wohl auf die Entstehung und den Gang ihrer Neigungen, wie dieselben an Stärke zugenommen haben, und wodurch sie geschwächt werden können. 264 Lesen Sie gute Schriften über die physische und moralische Erziehung der Kinder*), denn nichts ist trauriger als eine Mutter mit seiner Bildung und mannichfaltigen Kenntnissen geschmückt, eine Frau, die sich auf Malerei und Tonkunst versteht, französisch und italienisch spricht, und nicht weiß, wie sie ihre Kinder behandeln, sie erziehen und bilden soll. Sorgen Sie für die Erhaltung Ihrer Gesundheit, denn diese ist Ihnen zur Erfüllung Ihrer ersten und heiligsten Pflichten unentbehrlich. Eine kranke Mutter kann nicht so viel für ihre Kinder thun, als eine gesunde. Keine Kinderwärterin muß Ihnen näher an Herzen liegen, als Sie selbst, denn keine kann Sie ganz ersetzen. Nicht geringere Sorgsamkeit widmen Sie dem Körper Ihrer Kinder. Entziehen Sie ihnen, wenn Sie sich wohl befinden, nicht die wohlthätige Mutter« brüst, die nichts ihnen vollständig ersetzen kann. Sie *) Z. R. Rosen über Kinderkrankheiten. Hufe- lands Kunst das menschliche Leben zu verlängern. Fausts Gesundhuts-Katechismus. Nie, meyers und Schmarrens Werke über dieEr- Muttg. 205 schaden sich selbst und Ihrem Kinde, wenn Sie es nicht selbst stillen. Besorgen Sie nicht, Ihre Schönheit zu verlieren; Sie werden dieselbe behalten und froh und gesund dabei bleiben. Eine reinliche Mutter, die ihrem Säugling die Brust reicht, hat für den Galten einen Reiz, den ihr kein Putz geben kann. Das Aufziehen mit Thiermilch oder Pflanzen- schleim, kann nicht so heilsam für das Kind seyn, als Muttermilch, denn es ist ein viel gröberer Nahrungssaft, der auch, besonders in der Nacht, schwer in der gehörigen Temperatur zu erhalten ist. Wol« len Sie sich überzeugen, wie erquickend die Milch der Mutter für den Säugling sei, so betrachten Sie, wenn er von der Brust kommt, seine frischen strah» ltnden Augen, seine rothe Bäckchen, sein fröhliches Aussehen, das Leben, das über sein ganzes Gesicht verbreitet ist. Der Grad der Mutterliebe wird sich verdoppeln, und Sie werden sich dreimal glücklicher fühlen, wenn Sie Ihrem Kinde Nahrung aus Ihrer eigenen Brust reichen, Nahrung an Ihrem Herzen, und mit derselben Nahrung für Herz und Leib und Geist: denn niemand zweifelt, daß mit der Milch auch ein 206 Theil der Geistes« und Gemüthsart auf den Säugling übergehe. Eben deswegen ist die Wahl einer Säugamme gefährlich und schwer. Wer weiß, wie im Innern Ihr Körper beschaffen ist, an welchen geheimen Krankheiten sie leidet, was für eine Seele und was für ein Herz in diesem Körper wohnt? Wer berechnet die Gefahren, denen Sie Ihr Kind, bei einer leicht« sinnigen, wollüstigen, boshaften, den Aufwallungen des Zorns ergebenen Person aussetzen; der Praten- sionen solcher Weiber, und der Aergerniß, die Sie bei denselben zu erwarten haben, nicht zu gedenken. Bei de n Mangel an eigener Gesundheit kann aber die Erfüllung der natürlichen Pflicht oft köstlich für Mutter und Kind werden. Suchen Sie daher nichts zu erzwingen, wenn es Ihnen der Arzt oder die Beschaffenheit Ihres Körpers, wie z. B. Krankheit der Brust, Scharfe der Safte rc. verbietet. Wachen Sie über die Wärterinnen, daß sie Ihre Kinder nicht mit Speisen überfüllen, besonder» mit dem schädlichen Mehlbrei aus unvergohrnrm 207 Mehle, der die kleineren Gefäße verstopft. Er schmeckt zwar den Kindern und bringt sie zum Schweigen, zugleich aber bringt er sie öfters um Kraft und Mun» terkeit, ja selbst, in zu reicher Fülle genossen, wie so viele Beispiele überfütterter Kinder lehren, um alle freie Entwickelung der Geisteskräfte. Halten Sie Ihre Kinder nicht zu kalt und nicht zu warm, doch suchen Sie sie mehr abzuhärten als zu verweichlichen. Baden Sie sie öfters; gewöh. nen Sie dieselben aber nicht so, daß sie nicht mehr ohne Baden leben können. Kinder, die nicht von den ersten Tagen an daS Wiegen gewöhnt werden, schlafen auch sehr gut ohne wiegen. Heftiges Schaukeln ist noch viel schlimmer als Wiegen. Verschaffen Sie ihren Kindern, so viel als möglich, den Genuß der freien Luft, nur nicht in zu streng kalten Wintertagen. Sorgen Sie auch, wenn dieselben anfangen heran zu wachsen, für fleißige Bewegung im Freien: Lassen Sie sie hüpfen, springen, tanzen und ihre Kräfte üben so viel sie wollen. 205 Entfernen Sie sie aus der Nahe solcher Men» scheu, deren Reden und Beispiele ihnen verderblich werden könnten. Nichts hat mehr Einfluß auf die Bildung der Kinder, als ihre Gesellschaften und Umgebungen; bewachen Sie dieselben so viel es Ihnen möglich ist. Seyn Sie aufmerksam auf jede üble Gewohnheit Ihrer Kinder, lassen Sie keine Unarten aufkommen, denn die Entstehung derselben ist leichter zu hindern, als ihr Daseyn wieder zu vertilgen. Bemühen Sie sich, durch eine gute mütterliche Behandlung schon von den ersten Jahren an die Liebe und das Vertrauen Ihrer Kinder zu gewinnen. Wer nur durch Furcht auf sie wirkt, der macht sie zu Sklaven und Heuchlern. Seyn Sie gleichsam die Gottheit derselben auf Erden. Geben, helfen, rathen Sie ihnen mütterlich, erfüllen Sie ihre unschuldigen Bitten; wachen Sie über die Worte eines jeden, daß Sie wahr seyen; über seine Versprechungen, daß sie erfüllt werden. Lassen Sie sich, wenn ein verzeihlicher Fehler begangen wird, erbitten, wie Gott sich erbitten läßt. Seyn Sie bemüht, die Ruhe und Heiterkeit Ihres Geistes zu erhalten; denn Frohsinn und Liebe erweckt 209 erweckt Liebe und Frohsinn auch bei den Kindcrn. Das Wort hingegen aus dem Mund einer verdrießlichen und mürrischen Mutter wirkt, wie ich schon bemerkt habe, leicht widrig auf die Kinder und macht sie übler Laune. Ihr Haupterziehungsmittel sey nicht, zu ver. bieten, zu tadeln, einzuschränken. Zwar sind Gebote und Verbote nöthig; auch Folgsamkeit ist nöthig: Nur hüten Sie sich vor dem Zuviel. Viel besser ist, die Kinder zu beschäftigen, sie bei guter Laune erhalten und an das Gute zu gewöhnen. Halten Sie sie früh zur Ordnung, Reinlich» keit, Schamhaftigkeit an. Gewöhnen Sie sie, ihre Kleider und Geräthschaften selbst zu verwahren. In Ihrer Kinderstube, die geräumig sepn muß, herrsche die größte Sauberkeit. Ist ein Kind unordentlich, unreinlich, so lassen Sie ihm die Folgen davon dadurch empfinden, daß Sie es für unfähig erklären, auszugehen, eine Gesellschaft zu besuchen, eine Lustpartie mit zu machen. 210 Gebieten und verbieten Sie nichts unüberlegt, damit Sie Ihr Wort nicht zurück nehmen dürfen. Was aber einmal geboten, oder als Regel festgesetzt tvorden ist, dabei muß es sein unabänderliches Bewenden haben. Ihr ganzes Ansehen beruht auf Ihrer Festigkeit. Nicht der Wille der Kinder, sondern der Wille der Mutter muß durchgesetzt werden: DaS Kind muß denselben als ein unverbrüchliches Gesetz ehren lernen. Gewöhnen Sie Ihre Kinder an FleiS und Ausdauer. Geben Sie nicht ,u, daß dieselben etwas Angefangenes unvollendet lassen; erzählen Sie ihnen von großen Männern, die besonders durch ihren Fleiß und ihre Beharrlichkeit groß wurden. Alles, waS die Kinder wollen, müssen sie lernen, recht und ganz zu wollen; keine Schwierigkeit darf sie abschrecken. Suchen Sie ihnen Sinn für Häuslichkeit und Sparsamkeit beizubringen. Geben Sie ihnen wö- chentlich etwas Geld zur Bestreitung ihrer kleinen Bedürfnisse, und lassen Sie sich Rechnung darüber ablegen, damit sie mit Gell umgehen und wirthschaften lernen. Vertrauen Sie Ihnen, bei reiferen Jahren, auch größere Summen, zur Anschaffung ihrer rir Kleider u. s. w. an. Rathen Sie Ihnen bei der An» Wendung; aber befehlen Sie nicht, daß dem Kinde volle Freiheit bleibe. So wird sich dann bald zeigen, ob Hang zur Sparsamkeit oder Liberalität, zu Geiz oder Verschwendung in demselben liege, und Sie wer» den es frühzeitig auf den rechten Weg Leiten können. Gewöhnen Sie auch Ihre Kinder früh, nicht« zu verwahrlosen, nichts umkommen zu lassen. Bemühen Sie sich, alle ihre Anlagen von innen heraus zu bilden, denn hierauf beruht der Haupt- erfolg der Erziehung. Wirken Sie auf dieselben, wie die Sonne auf die Gewächse, daß die äußere Form Folge der innern Organisation sey. Seyn Sie dabei besorgt, den Kindern ihren heitern Sinn und ihre Freudigkeit zu erkalten, die Ihnen Alles leichter machen wird. Gehen Sie freundlich mit ihnen um; zeigen Sie Interessen an ihren Beschäftigungen, ihren Spielen; nehmen Sie bisweilen selbst Antheil daran; unterhalten Sie sich mit ihnen; strengen Sie Ihre Srzählunqs- und Erfindungsgabe an. Die Kinder fühlen sich nie glücklicher, als wenn Mutter und Vater sich in ihren Kreis Sr mischen, und mit ihnen wieder Kinder werden. — Es gibt Stunden der Ruhe, die weit angenehmer in der Kinderstube als in Klubbs und an dem Spieltisch verlebt werden. Sorgen Sie für einen genügenden Spiel- Ap- parat. Es braucht das Spielwerk nicht theuer, nicht kostbar zu seyn. Oft finden kleine Mädchen mehr Vergnügen an einem eingewickelten Stiefelknecht, der ihr Kind vorstellt, als an einer prächtig geputzten Puppe. Lassen Sie aber den Kindern nicht den ganzen Vorrath an Spielsachen zum Gebrauch; nehmen Sie ihnen nach und nach einen Theil davon weg, und geben Sie ihn erst nach langer Zeit zurück, damit er wieder für dieselben den Reiz der Neuheit erlange. 1 Lassen Sie die Kinder spielen wie sie wollen, und suchen Sie sie nicht Ihrer eigenen Gemächlichkeit wegen zu sehr einzuengen- Dulden Sie ihr Schreien und Lärmen, ihr Hüpfen und Springen, nur in wilde Ausgelassenheit soll es nicht ausarten. Aufregung und Leitung; nicht Zurückdrängung der Kräfte ist die eigentliche Erziehung. Können Ihre Nerven das Getöse nicht ertragen, so entfernen Sie sich. Kommt Gesellschaft, so entfernen Sie die Kin» riz der alle, oder doch wenigstens den größten Theil, und lassen Sie sie nur einzeln wieder erscheinen. Es gibt für die Kinder auch ruhige Spiele »nd Beschäftigungen, die ihnen nicht minder angenehm sind als lärmender Zeitvertreib. Kleine Knaben finden z. D. großes Vergnügen an Bauhölzern und Bausteinen, aus denen sie allerlei Gebäude zu- sammen setzen können; größere an Papparbeiten, am Bücherheften, an der Anlegung kleiner Sammlungen von Naturalien, an dem Schnitzen von Mcisen- kästen, Vogelkäfigen, an Papierdrachcn, die sie sich zusammenkleistern. Nähren Sie, so viel es in Ihrem Vermögen steht, diesen Trieb zur Thätigkeit, und seyn Sie selbst dazu bebülflrch. Halten Sie auch Ihre Töchter zu kleinen Arbeiten an, wie z. B. Seidenläppchen zu zupfen, Taschentücher zu säumen, Strumpfbänder zu stricken. Haben Sie einen Garten, so räumen Sie ein Plätzchen davon Ihren Kindern ein; lassen Sie es von den Söhnen umgraben, von den Töchtern mit Krautern besäen, mit Blumen bepflanzen, von den einen und den andern r- von Unkraut reinigen und begießen. Seyn Sie ihren Kindern das Ideal der Sittlichkeit und Ihren Töchtern insbesondere schöner ri4 Weiblichkeit, so wie der Vater den Söhnen das Ideal jeder männlichen Vollkommenheit seyn soll. Wecken Sie besonders auch schon früh da- religiöse Gefühl Ihrer Söhne und Töchter; sagen Sie ihnen recht oft, daß alles Gute, das sie genießen, von Gott komme. Knüpfen Sie das Meiste, was Sie von der Gottheit sprechen, an Natur und Naturgenuß. Es ist nicht schwer, Kinder, die auch nur etwas zum Nachdenken aufgelegt sind, auf die Quelle alles Guten zurück zu führen. Machen Sie ihnen den Gedanken an Gott lieb; sagen Sie ihnen, daß sie überall von Gott gesehen, beobachtet, bewacht werden ; erwecken Sie Dankgefühl und Ehrfurcht gegen - denselben in den kindlichen Seelen und geben Sie ihnen selbst das Beispiel davon. Dieß sey Hauptsache bei Ihrem ersten Religionsunterricht. Gewöhnen Sie die Kinder an das Gebet und lehren Sie sie, wie man beten soll. Sagen Sie ihnen/ daß Gott Alles hat und Alles kann; daß er zu helfen vermag, wo keine menschliche Hülfe mehr möglich ist, daß er überall unsichtbar seine Hand hat rc., damit ihnen der Gedanke an die Gottheit riL geläufig werde, und sie früh schon Hoffnung und Vertrauen auf dieselbe sehen lernen. Besprechen Sie sich oft über die Rinderzucht mit den Müttern und Vätern wohlgezogener Kinder. Sehen Sie, wie solche Aeltern ihre Söhne und Töch- ter behandeln; erkundigen Sie sich, nach welchen Grundsätzen dieselben verfahren, und hören Sie ihren Rath über Ihre eigenen Kinder. Lesen Sie auch, wie ich Ihnen bereits gerathen habe, daS Beste, wa- über die Erziehung geschrieben worden ist, und machen Sie die Anwendung davon auf Ihre Familie. 216 Beruf der Hausfrau. Die Hausfrau ist die Seele des Hauses, die Alles belebt, nach der sich Alles richtet; seyn Sie daher Ihren Kindern, Ihrem Gesinde, Ihrer ganzen Familie ein Muster der Thätigkeit, der Klugheit, der Ordnung und Reinlichkeit: Sehen Sie auf Alles, wachen Sie über Alles, veranstalten Sie Alles, was geschehen muß, halten Sie Alles zu Rath, suchen Sie Alles zu nützen. Gewöhnen Sie sich früh aufzustehen; denn wenn Sie des Morgens zu lange der Ruhe pflegen, so wird auch das Gesinde Ihrem Beispiele folgen, und die besten Stunden des TageS werden verloren gehen. Seyn Sie überall im Hause gegenwärtig, daß nichts Ihren Blicken entgehe; sehen Sie allenthal- nach, untersuchen Sie Alles. Versäumen Sie aber über den Pflichten der Hausfrau nicht die heiligeren Pflichten der Gattin und der Mutter. Seyn Sie besorgt, daß Ihrem Gemahl nichts abgehe; zuerst haben Sie für ihn, als das Haupt und den Erhalter der Familie, zu sorgen. Halten Sie ihn stets reinlich in Wasche und Kleidung, denn nach dem Aussehen des Mannes wird die Ordnungsliebe der Frau beurtheilt- Halten Sie strenge darüber, daß Frühstück, Mittag- und Abendessen zur festgesetzten Stunde in Bereitschaft sei; daß er überall die gewohnte Bequemlichkeit finde. Lassen Sie eben so wenig'unter den Hausge- schaften Ihre Kinder leiden Man finde sie stets rein gewaschen, gekämmt, gekleidet. Geben Sie an sich selbst das Beispiel der größten Ordnung und Reinlichkeit, sowohl in Ihrem Anzug, als in dem Innern Ihrer Zimmer. Lassen Sie das Aufräumen und Ankleiden allen andern Ge- schaften vorausgehen, daß Sie nicht zu entfliehen brauchen, wenn ein Morgenbesuch Sie überrascht. Gewöhnen Sie alle Ihre Leute, daß sie zur Erhaltung der Reinlichkeit und Ordnung Mitwirken: Es muß Alles in einen solchen Gang gebracht wer» ris den und so gut in einander greifen, daß da- Ganze am Ende auch ohne Mitwirkung der Frau fortgehe. Lassen Sie nicht nur jeden Morgen die Zimmer und Geräthe reinigen, sondern sorgen Sie auch für Reinheit der Luft durch Oeffnung der Fenster und Thüren, und für reines Wasser und reine Gefäße, sowohl zum Waschen als zum Küchengebrauch. Alles Geschirr werde sogleich, nachdem es benützt worden ist, wieder rein gemacht und an seinen Ort aufgestellt. An schicklichen Tagen lassen Sie Alles noch besonders vom Grund aus reinigen. Lesen Sie, was ich in einem andern Abschnitte über die Ordnungsliebe gesagt habe. Wo nicht Ord» nung herrscht, da wird nicht die Hälfte der Geschäfte gethan; in unordentlichen Häusern ist doppelt so viel zu thun als in andern. Gewöhnen Sie sich und ihre Leute, besonders auch ihre Kinder, ganz mechanisch Alles dahin zu legen und zu stellen, wohin e- gehört. Wird etwas schadhaft, so lassen Sie es sogleich ausbessern, denn eine kleine Reparatur macht wem- ger Umstände und Kosten, als eine große. Wird 21Y etwas ganz abgängig, so ersetzen Sie es sogleich durch ein neues Stück, damit nicht indessen das Bessere gebraucht und verdorben werde. Kaufen Sie von solchen Dingen, die man tag» lich braucht, wie z. B. Mehl, Salz, Zucker rc. einen gewissen Vorralh, um der Magd Gange und Zeit zu ersparen. Ueberlegen Sie gleich am Morgen, was den Tag über zu thun ist; schreiben Sie es sich auf, wenn Sie Ihrem Gedächtniß nicht trauen; haben Sie erwachsene Töchter, so berathen Sie sich mit diesen, damit auch sie an das Hauswesen denken und dafür sorgen lernen; bestimmen Sie dann, in welcher Ordnung Alles gethan werden soll/ und weisen Sie jedem sein Geschäft an. — Unruhige Thätigkeit, wildes Hin- und Herlaufen, ist das Zeichen einer unordentlichen Haushaltung. Es gibt Hausfrauen, die lieber Alles selbst thun', weil sie besorgen, es möchte Manches durch ihre Töchter und Mägde verdorben, oder schlecht oder nur halb gethan werden. Ahmen Sie solchen Frauen nicht nach, denn eben das, was dieselben fürchten, geschieht, so oft sie abgehalten werden selbst thätig zu seyn, weil weder das Gesinde noch die Töchter auf solche Art Selbstständigkeit erlangen. Gewöhnen Sie letztere, sich nicht träge, sondern rasch zu bewegen. Nicht Geschwindigkeit, aber Leichtsinn erzeugt Unordnung. Ordnung aber ist die Mutter der Geschwindigkeit. Wenn Sie jeden Schlüssel und jedes andere Ding an seinen bestimmten Platz legen, so ist alle Zeit gewonnen, die Sie sonst mit Suchen verlieren müßten. Befleißigen Sie sich weiser Sparsamkeit, denn größtcntbeils berubt darauf das Glück Ihrer Ehe. Unzählige Familien sind gesunken und gefallen, weil der Hausmutter diese Tugend feblte. Mangel an Sparsamkeit ist eine Quelle des Unfriedens und der Mißhelligkrit. Sparen Sie daher so viel Sie können, ohne die Grenzen des Anstandes zu überschreiten, daß nie die Ausgabe die Einnahme Ihres Gatten übersteige, und jährlich noch ein Ueberfluß für unvorhergesehene Falle bleibe. Lesen Sie, was ich in dem folgenden 221 Abschnitte unter der Aufschrift: Wirth schuft lichte it'über gute Wirthschaft sagen werde. Erleichtern Sie sich den Aufwand, den die Familie erfordert, dadurch, daß Sie ihre Kinder an Mäßigkeit und Genügsamkeit gewöhnen. Es ist nicht nöthig, daß dieselben bei Tisch Bier und Mein trinken und theure Fleischspeisen essen; nicht nöthig, daß sie zu jeder Stunde des TagS Obst und Kucben in den Handen haben und in köstlichen Kleiden ein- herziehen. Klares Wasser ist ihnen gesünder als jedes andere Getränke; Milch mag ihnen die Stelle des Kaffees, Gemüse die Stelle des Fleisches, Reinlichkeit. und Ordnung die Stelle der Kleiderpracht vertreten. Berechnen Sie die Ersparung, die auS dem Allen hervorgehen wird, nicht von einem, aber von fünf, sechs Kmdern. Thun Sie in Ihrem Hause selbst, was Sie mit Ihren Töchtern thun können, halten Sie sie an, sich selbst ihre Wäsche, ihren Putz, ihre Kleidungsstücke zu verfertigen, und der bezahlten Gehülfinnen entbehren zu lernen; spinnen, stricken, sticken Sie mit ihnen, sieden Sie selbst Ihre Seife, plätten Sie Ihre Wäsche, sähen, räuchern Sie Ihr Fleisch, bereiten Sie Ihre Verrathe für den Wrnter u. s. tv* Kaufen Sie Ihre übrigen Verrathe, wie z. B. Schmalz, Eier, Lichter, Holz in den Monaten ein, wo diese Artikel'wohlfeil sind, damit Sie sie im Winter nicht um die Hälfte theurer bezahlen müssen, und sehen Sie fleißig nach, daß nichts davon verderbe. Lassen Sie sich nicht aüf zu viele Bekanntschaften ein, laden Sie keine glänzenden Gesellschaften, die immer mit großem Aufwand verbunden sind, und mehr Langeweile als Vergnügen machen. Klei- ne freundschaftliche Eirkel begnügen sich mit kleinen Opfern. Sehen Sie aber immer dabei auf die äussere Ehre, und suchen Sie allen Anschein von Kargheit zu meiden. Man wird Ihnen leicht Sparsamkeit, nicht aber Knauserei vergeben. Gehen Sie nicht zu viel aus, und geben Ske es auch Ihren Töchtern nicht zu. Haben Sie deren mehrere, so müsse eine um die andere wochenweise die Küche besorgen; ist nur eine vorhanden, so mag sie mit der Magd abwechseln. Halten Sie sie früh 225 an, sich mir Eifer im Hause zu beschäftigen, und die Stelle der Mutter zu vertreten. Bemühen Sie sich, Ihren Söhnen und Töchtern das Vaterhaus angenehm zu machen. Es gibt Frauen, die aus Eitelkeit, um vor der Welt prangen zu können, die schönsten Zimmer ungebraucht lasten, sich mit Gatten und Kindern in einige Winkel einengen und sich den schönsten Lebensgenuß verkümmern. Nehmen Sie sich solche Weiber nicht zum Beispiel und leben Sie für sich und die Ihrigen, nicht für Andere. Alles in Ihrem Hause wird besser gehen, wenn Sie sich gutes Gesinde ziehen. Seyn Sie vorsichtig in der Wahl desselben, verlassen Sie sich nicht auf die schriftlichen Zeugnisse, womit sich dasselbe über sein Wohlverhalten ausweis't, denn gemeiniglich sind die Hauptfehler darin verschwiegen. Sprechen Sie lieber die vorigen Herrschaften solcher Personen, und' bitten Sie sie um vertraute Mittheilungen. Sie werden dann unter vier Augen mehr erfahren, als es zu Ihrer Warnung bedarf. -LL4 Gewöhnen Sie Ihr Gesinde von den ersten Tagen an ganz nach ihrem Sinne- Scheuen Sie nicht die kleine Mühe, den neu angenommenen Mäg« den einige Wochen lang täglich nachzugeben, ihnen Alles zu sagen, was und wie es geschehen muß. Halten Sie strenge über die eingeführte Ordnung. Suchen Sie ihnen in Ordnung, Reinlichkeit und Thätigkeit mit Ihrem Beispiel vorzuleuchten. Berathen Sie sich des Morgens mit ihnen, wie mit Ihren Töchtern, über die Geschäfte des Tages, daß dieselben selbst darüber nachdenken und sorgen lernen. Sie werden ihnen auf solche Art auch mehr Interesse da« für einflößen. Leiten und beherrschen Sie Jbr Gesinde durch alle Mittel, die Ihnen zu Gebote stehen, und dem Charakter der Person am besten angemessen sind. Bei der einen ist besser Liebe als Furcht angewendet, bei der andern sind es ruhige Vorstellungen; Alle erwarten von Zeit zu Zeit kleine Geschenke, die aber eben deswegen nicht von langer Wirkung sind. — Die Furcht wirkt meistens nur auf das Aeußere, und hinter dem Rücken der anzustrengen Herrschaft wird gemeiniglich das Gegentheil von dem gethan, was ihr lieb ist. — Liebe bessert mehr von innen heraus; nur macht sie bisweilen frei und unverschämt; sie wird wird daher durch Ernst gemäßigt werden müssen, wenn sich das Gesinde zu viel heraus nimmt. Ist die Person empfänglich für gelassene Vorstellungen, so wird sich auf diesem Wege sehr viel bessern lassen. Suchen Sie durch eine weise Mischung aller dieser Mittel auf Ihre Leute zu wirken. Hüten Sie sich vor Leidenschaftlichkeit, daß Ihnen nicht in demselben leidenschaftlichen Tone geantwortet werde. Bleiben Sie sanft, gelassen, ernst. Lassen Sie Ihre Güte und Liebe nicht zur Vertraulichkeit werden; halten Sie immer Ihre Mägde in einer gewissen Entfernung von sich, daß sich die Ihnen gebührende Achtung nicht verliere. Nur allzuoft nimmt man Liebe für Schwäche, Herablassung für Vertraulichkeit. Nichts bringt eine üblere Wirkung hervor, als trauliches Plaudern in der einen, und hochfahrende Befehle in der andern Stunde. < Behandeln Sie Ihr Gesinde überhaupt so menschlich als möglich, aber vergessen Sie nicht, daß Sie die Gebieterin sind. Lassen Sie sich nie durch Parteilichkeit für das eine Ihrer Mädchen zu einer harten Behandlung der andern verleiten, und räumen Sie keiner zu viel Macht im Hause ein. Nur Ih» 226 neu allein gebührt es, den Zügel zu führen. Zeigen Sie Ihrer Dienerschaft, daß Sie sie Alle übersehen und sich von keinem hintergehen lassen. Es ist unter Ihrer Würde Ihr Gesinde als Kundschafter zu gebrauchen, und sich durch Ihre Mägde zutragen zu lassen, rraS in andern Familien vorgeht. Entdecken Sie ein Vergehen bei Ihrem Dienst» mädchen, so halten Sie es nicht durch zu große Strenge von einem freien Bekenntniß zurück. Su» chen Sie es durch ernste Güte wieder auf den rechten Weg zu leiten. Es gibt Augenblicke des Mißmuths, von denen kein Sterblicher auf Erden ganz befreit ist; seyn Sie dann auf Ihrer Hut, daß sich Ihre üble Laune nicht über das Gesinde und das ganze Haus ergieße. Mit manchen Frauen steigt die Grämlichkeit aus dem Bette; sie fangen schon auf der Schwelle des Schlafzimmers an zu murren und zu zanken; Alles leidet durch ihre üble Stimmung, Alles antwortet endlich in demselben Ton, und Alles geht schlecht. rr- Lasten Sie nichts vor Ihrem Befinde hören, WaS nicht stadtkundig werden darf. Verschweigen Sie ihm also Ihre Verborgenheiten, Ihre geheimen Leiden. AeUßertt Sie sich auch nicht gegen Ihre Dienerschaft über andere Personen, besonders über die Dienstgehülfen derselben, denn es bleibt selten etwas verschwiegen, Und nicht leicht stehen Diener und Mägde fest und redlich auf der Seite ihrer Herrschaft. Vergönnen Sie Ihrem Gesinde gewisse Stunden unschuldiger Erholung, wenn es treulich sein Tagewerk vollbracht hat. Dulden Sie aber durchaus keine Spiele. Bemerken Sie an Ihren Dienstmädchen Lust zum Lesen, so geben Sie ihnen nützlich unterhaltende Bücher, aber keine Romane oder andere Schriften, die ihre Grundsätze verderben könnten. Ihr plötzliches und unerwartetes Erscheinen und Nachsehen wird den Fleis unter ihren Mägden erhalten und Ordnung und Reinlichkeit befördern. Sie müssen nicht nur sehen, was gethan wird, son« dern auch wir eS gethan wird. P L 228 Gehörige Aufsicht wird Ihre Leute ehrlich erhalten; ein argwöhnischer Sinn aber wird sie zur Heuchelei, zu List und Betrug führen. Sie werden sich auf keine Weise erniedrigen, wenn Sie zu gewissen Zeiten alle Kleinigkeiten in Ihrem Haushalt genau untersuchen. Sehen Sie stets darauf, daß Ihre Leute ihre Religionspflichten treu erfüllen, wenn sie.auch von anderm Glauben wären, als Sie. Wie kann derjenige gut seine häuslichen Pflichten erfüllen, der seiner Pflichten gegen Gott vergißt? Aeußern Sie aber auch thätigen Antheil an dem Wohl eines jeden. Beweisen Sie Allen, daß Sie ihnen eine liebreiche Mutter seyn wollen. Unterstützen Sie sie mit Rath und That und Warnung; . ermähnen Sie sie zum Guten, zeigen Sie ihnen ihren wahren Vortheil; seyn'Sie eifrig bemüht für ihr Wohl; verstoßen Sie sie nicht in ihren Krankheiten und behandeln Sie sie, wie Sie an ihrer Stelle selbst wünschen würden behandelt zu seyn. DieWeiber erkennen, wie ein geschätzter Schriftsteller bemerkt, nur selten die Wohlthat, die ihnen 22Y die Natur durch die Einfachheit ihrer Verhältnisse erzeigt hat- Ihr Haus ist die Welt, für die sie geboren sind; ihr Staat sind die Hausgenossen. Wenn der Mann das Haupt dieses StaateS ist, so ist die Frau wenigstens sein erster Minister, und es ist ihr Geschäft, den Willen des Hauptes zum Besten ihres Staales zu lenken, und ihn auf die gefälligste Weise zur Ausübung zu bringen. So wie sie als Mädchen in ihrem alterlichen Haust nur die natürlichen Verhältnisse der Tochter, und etwa der Schwester, zu ehren hat, so ist sie als Frau von der Natur an ih» ren Mann und an ihre Kinder gewiesen. Ihre Pflichten bewegen sich daher in einem sehr engen Kreise; diesen kennen zu lernen ist nicht schwer. Der Finger der Natur zeichnet ihn vor, und ihre Stimme ruft ein gut geartetes Gemüth ohne Unterlaß darein zurück. Ist es aber nickt für das größte Glück zu achten, nur an solche Pflichten gebunden zu seyn, von denen die Natur selbst die Hälfte auf sich nimmt. Je leichter diese Pflichten sind, desto größer ist Ihre Verantwortlichkeit, wenn Sie sie nicht erfüllen, Wirtschaftlichkeit ist Ihnen noch besonders zu empfehlen. Sie können keine gute Gattin, keine gute Mutter stvn, wenn Sie keine gute Wirthschaften» rZv sind, denn wenn das Weib nicht auf Sparsamkeit sieht, so hat eS der Mann bald zu empfinden; Sorgen verscheuchen seine Heiterkeit; er wird mürrisch, e- entsteht Unfriede, er hört auf sie zu lieben, weil ffk sie nicht mehr schätzen kann. Wirthschaftlichkeit. Güte Wirthschaft hat großen Einfluß auf häuslichen Wohlstand und Familienglück. Der heitere Sinn des Hausvaters, seine Ruhe, seine Zufriedenheit, die Eintracht im Innern und die Achtung der Welt von außen ist davon abhängig. ^Suchen Sie also mit Verstand und Sparsamkeit zu wirthschaften. Je eingeschränkter Ihre Vermögensumstände sind, desto nothwendiger ist weise Sparsamkeit. Kein Rang, kein Reichthum entschuldigt üble Wirthschaft. Ist Ihr Vermögen groß, so werden sich Ihre Einkünfte durch Klugheit und verständige Anwendung verdoppeln lassen und mit ihrem Urberfluß werden Sie desto mehr Glück um sich her verbreiten können. Smd Ihr« Mittel beschränkt, so liegt die Nothwen» L3t digkeit, sie auf das engste zusammen zu halten, ohne hin klar am Tage. Ohne Wirthschaftlichkeit kann eine Hausfrau mit dem besten Herzen, dem besten Charakter ihre Familie höchst unglücklich machen. DeS MarmeS Thätigkeit ist. vergeblich, wenn die Frau die Früchte seiner Arbeit mit Unverstand verschleudert. Hallen Sie also mit Weisheit zu Rathe, waS Ihnen der Himmel gegeben hat. Verschwendung ist Mißbrauch der Güter, die uns zur Verwaltung anvertraut sind. Wirthschaftlichkeit gehört ganz in die Sphäre der Frau, von welchem Range sie auch sei; sie ist nie zu bürgerlich, zu unschicklich. Wirthschaftlichkeit kann aber so wenig mit Geiz, als mit Verschwendung bestehen. Sobald sie in Knauserei ausartet, ist sie keine Tugend mehr. Die Ausgabe muß immer nach Stand, Ein« nähme und Vermögen abgewogen werden. Nie soll die Ausgabe die Einnahme übersteigen. Ist Einschränkung nötbig, so muß zuerst von dem Standesmäßi- 2Z2 gen abgebrochen werden. Es ist klar, daß der Der» mögensverfall unvermeidlich ist, wenn die Ausgabe die Einnahme überschreitet. Sagen Sie nicht, es ist unmöglich, mich mehr einzuschränken, denn wenn Sie Ihre Blicke abwärts richten, so werden Sie «ine Menge Familien finden, die zum Theil mit der Hälfte Ihres Einkommens ausreichen müssen. Weise, mit Knauserei nicht zu vermischende Sparsamkeit, ist zu vielen Dingen nütze. Sie sichert nicht nur die Existenz Ihrer Familie, Ihre Heiterkeit, Ihre Seelenruhe, sondern sie setzt Sie auch m den Stand, Ihren Kindern eine bessere Erziehung zu geben, sich und Ihrem Gatten mehr Lebensgenuß zu verschaffen. Eine Frau, welche die Einkünfte des Hauses weise verwaltet, thut so viel als der, welcher sie verschafft. Machen Sie daher mit Ihrem Gatten einen Plan, wie viel nach Verhältniß Ihrer Einkünfte ausgegeben werden darf. Ziehen Sie dabei jede einzelne Art der Ausgaben in Betracht so viel z. B. für Hausmiethe, so viel für Holz, für Licht, für Schmalz u. s. w. Behalten Sie auch einen Ueber- schuß für unvorhergesehene Falle. 235 Kaufen Sie Holz, Eier und andere solche Artikel, zur Zeit ein, da sie am wohlfeilsten sind; suchen Sie Alles gut zu erhalten und gut zu benutzen. Reinlichkeit, Echmackhaftigkeit, Abwechslung ersetze auf Ihrer Tafel die Menge und Kostbarkeit der Speisen. Sehen Sie bei Ihren Kleidern mehr auf schöne Form, als theuern Stoff, und lassen Sie, was Sie selbst machen können, nicht durch andere Hände um den Lohn verfertigen. Führen Sie Ihre Hausrechnungen 'mit der größten Pünktlichkeit, und behalten Sie immer von Ihrem Hauskaltungsgeld eine gewisse Summe vor» räthig, um das Nöthige einzukaufen, wenn es wohl» feil zu haben ist, oder sich Gelegenheiten dazu zeigen, die schwerlich wieder kommen dürften. Kaufen Sie aber nie etwas Ueberflüßiges, denn das Ueberflüßige ist auch für den geringsten Preis zu theuer. Daß Sie bei beschrankten Mitteln sich kostbar kleiden, mit Pracht Gaste bewirthen, durch die schönsten Spitzen, den blendendsten Schmuck, das ausge» suchteste Ameublement zu glänzen suchen werden, ist Ihrem guten Verstände wohl schwerlich zuzutrauen. 254 Wenn die Ausgabe die Einnahme übersteigt, so können die Kinder nicht mehr ordentlich erzogen werden; es ist kein Nothpfennig vorhanden, der gute Familiengeist ist verweht, das heiligt Band zerrissen. Oft befördert der Mann aus Verzweiflung durch Trunk und andere Ausschweifungen den Untergang, den er nicht länger abzuwenden vermag. Alles lösst sich auf, Alles sinkt, Alles stürzt zusammen. DaS verschwenderiscl-e Weib muß endlich am Bettelstäbe erst Sparsamkeit lernen; warum nicht lieber früher? Der Geist, der in einer zerrütteten Wirthschaft herrscht, geht gemeiniglich auch auf die Kinder über, und vererbt sich voy ihnen noch weiter fort, Ist aber Sparsamkeit nöthig, so sparen Sie lieber an sich, als an Andern. Bewirthen Sie Ihre Gaste nicht mit Luxus aber mit Anstand, und lassen Sie sich, wenn Ihre Börse es nicht erträgt, nicht in zu weitläufige Bekanntschaft ein, Nie aber soll die Liebe zur Sparsamkeit in Härte gegen die Armen, gegen Handwerksleute und Arbeiter ausarten. Versagen Sie sich und den Ihrigen nicht, um zu sparen, gesunde Speisen und Ar- LZ5 zeneien in Krankheiten und vernachläßigen Sie am wenigsten den Unterricht der Kinder. Opfern Sie lieber, wenn Sie sich in Ihrem ordentlichen Einkom- men zu sehr beengt fühlen, ein besonderes Kapital dazu auf. Einige Hundert Thaler, die sie der Erziehung Ihrer Söhne und Töchter in Ihrem Leben widmen, bringen denselben mehr Gewinn, als eben so viele Tausende, die Sie nach Ihrem Tode ihnen hinterlassen. 256 Umgang mit Menschen. Wollen Sie mit Annehmlichkeit unter den Menschen leben, so suchen Sie sich ihr Zutrauen, ihre Achtung und Liebe zu erwerben. Dieß wird Ibnen gelingen, wenn Sie denselben mit solchen Gesinnungen entgegen kommen, denn Zutrauen fordert zu Zutrauen, Liebe zur Gegenliebe auf. Erwarten Sie aber nicht zu viel von den Menschen; denn gemeiniglich sind sie innerlich nicht so gut, als sie äußerlich scheinen. Selbst die Besten denken mehr an sich selbst als an Andere, uns Alle sind mehr oder weniger E.Listen. Doch auch die Schlechtesten tragen den Keim zu einigem Guten in sich; darum verachten Sie sie nicht unbedingt. Bauen Sie aber auch auf die Besseren nicht Ihr Glück und Ihre Zufriedenheit, daß Sie sich nicht in Ihren Erwartungen schmerzlich getäuscht sehen; suchen Sie beides vielmehr in Ihrem Innern; rechnen Sie mehr auf sich selbst, als auf Andere, befreunden Sie sich mit Ihrem Herzen und ihrem Gewissen, so werden Sie sich nie verlassen fühlen und nie wird es Jhrzen an einem treuen Freunde fehlen. 2Z7 Erwarten Sie nicht zu viel vom Leben; nehmen Sie es zufrieden an, wie es ist, gemischt auS Freude und Leid. Verkümmern Sie sich dasselbe nicht durch düstere Ansichten; geben Sie sich aber auch keinen übertriebenen Hoffnungen und Ansprüchen hin. Erhalten Sie sich in einer heitern Gemüths- ftimmung, und blüht Ihnen eine Blume der Freude, so pflücken Sie sie mit Dank gegen Gott, und heiligen Sie durch Demuth jeden süßen Genuß. Wollen Sie unter den Menschen zufrieden leben, und nach Wunsch mit ihnen auskommen, so richten Sre sich nach den Eigenthümlichkeiten und kleinen Schwachheiten derselben, nach ihrem Temperament und ihrer Bildung Es wäre unbillig, von Andern zu verlangen, daß sie sich ganz nach uns bequemen. Je mehr Sie sie nach ihrer Denkunqsart, nach ihren Ansichten, nach ihrer eigenen Weise behandeln, desto mehr werden Sie sich mit ihnen befreunden und Vertrauen und Liebe erwecken. Noch mehr aber werden Sie sie durch wahre Menschenfreundlichkeit und wahres Wohlwollen gewinnen. Wenn Ihre Mitmenschen sehen, wie gut Sie es mit ihnen meinen, wie redlich Sie für ihr 2Z8 Wohl besorgt sind, wie willig Sie ihnen dienen und helfen möchten, warum sollten sie Ihnen nicht gern ihre Liebe und Achtung weihen? Können Sie also rathen, helfen, erfreuen, be« glücken, o so thun Sie ei mit der ganzen Freudig« keit Ihrer Seele. Es lassen sich auf keine schönere Art die Herzen gewinnen, und durch liebevolle Dienst« fertigkeit werden Sie Alle, an denen Sie sie üben, zu Gegendiensten geneigt machen. Hüten Sie sich dagegen vor Neid und Miß. gunst, und begnügen Sie sich mit dem, was Ihnen die Vorsehung geschenkt hat. Bedenken Sie, daß eine Menge Menschen unter Ihnen stehen, die Ur« fache hätten auch Sie zu beneiden. Nichts schändet mehr das Herz, als Mißgunst und niedriger Neid; nichts ist verhaßter, als ein neidischer Mensch. Desto mehr Wohlwollen erregt redliche Theilnahme und Mitfreude über das Glück unserer Nebenmenschen, und noch mehr das Bestreben es zu befördern. Hat Ihnen jemand ein Geheimniß anvertraut, so bewahren Sie es mit der gewissenhaftesten Verschwiegenheit, und theilen Sie es selbst Ihrer ver- 2ZY trautesten Freundin nicht an. Bedenken Sie, daß es nicht Ihr, daß es eines andern Eigenthum ist. Durch Leichtsinn und Schwatzhafrigkeit entstehen in dem gesellschaftlichen Leben unzählige Unannehmlich. keilen und Feindschaften. Lassen Sie sich deswegen auch vor Klatsche«! und Zuträgerei warnen, wenn Ihnen an der Erhaltung Ihrer Freunde und an der Achtung der Welt gelegen ist. Alle Herzen verschließen sich vor einer Person, die sich durch diese Fehler entehrt; das Vertrauen aller ihret Freundinnen und Bekannten ist für sie verloren. Erweisen Sie, in dem Umgang mit Menschen, jedem gern die ihm gebührende Ehre, und geben Sie ihm lieber etwas zu viel als zu wenig. Jeder Mensch, selbst in den niedrigsten Ständen, besitzt Ehrgefühl, und oft mehr und zarteres als die Vornehmen. Keiner will mit stolzer Geringschätzung auf sich herab schauen lassen. Nicht- ist leichter, als Stolz mit Stolz, oder mit Spott und Verachtung zu erwidern, nichts leichter, als Beleidigungen in reichem Maaße zurück zu geben, besonders solchen Personen, von denen man ^ nichts zu hoffen noch ;u erwarten hat- Ist Ihnen daher Ihre Ruhe, Ihre Zufriedenheit lieb, so entsa» gen Sie allem Hochmuth, zumal da er ohnehin bei den Vernünftigen als das Kennzeichen eines schwa- chen Verstandes angesehen wird. Bewahren Sie auch sorgfältig Ihre Zunge und überlegen Sie wohl, was Sie sprechen, besonders in gemischten Gesellschaften. Man ist nur allzuge» neigt, Alles, was Andere reden und thun, einer scharfen Kritik zu unterwerfen, und voreilige, harte, oft ganz unbesonnene und lieblose Urtheile auszusprechen. Gesellen Sie sich diesen Leichtsinnigen nicht bei. Oft sitzt ein Freund des Gelästerten in Ihrem Kreise; es wird jenem Alles hinterbracht und Sie bekommen an ihm einen bitteren Feind, der sich vielleicht durch Verläumdung Ihres guten Namens rächen und Alles Böse von Ihnen sagen wird. Seyn Sie überhaupt auf Ihrer Hut gegen Tadelsucht und üben Sie Gerechtigkeit und Schonung regen jedermann. Bedenken Sie, daß auch Sie Ihre Schwächen und Unvollkommenhriten haben, und rieh» 24 ! richten Sie Andere, wie Sie wünschen, selbst gerichtet zu werden. Hüten Sie sich noch mehr vor Spottsucht, denn durch nichts verliert man leichter als durch Spott die Herzen der Menschen, durch nichts weckt man sicherer ihren Haß. Ein spöttisches Frauenzimmer ist ein widerliches, unausstehliches Wesen; Niemand kann einer Spötterin sein Vertrauen, seine Zuneigung schenken; bald prägt sich auch der Hang zum Spotte ihren Gesichtszügen ein, und zerstört ihre ganze Liebenswürdigkeit. Leben Sie in Eintracht mit Jedermann. Ertragen Sie lieber ein kleines Unrecht, als daß Sie sich durch Spannung und Unfrieden Ihr Daseyn verkümmern sollten. Der Friede ist etwas so schönes, daß er wohl ein kleines Opfer verdient. Wan^ deln Sie unter Ihren Nebenmenschen mit Freundlichkeit und Liebe, so wird Liebe und Freundlichkeit Sie begrüßen. Entstehen wider Ihren Willen Mißverständnisse, so suchen Sie sie durch offene uns treuherzige Verständigung zu heben, und die vorigen guten Ver- Q 24r Hornisse wieder herzustellen. Sind Sie der gekränkte Theil, so verschließen Sie nicht Ihr Herz der Versöhnlichkeit, und bieten Sie zuerst die Hand dazu. Böses mit Gutem zu vergelten ist das Bestreben edler Seelen, denen auch Sie sich beizählen werden. Erwarten Sie nicht zu viel von der Dankbarkeit der Menschen, denen Sie Gutes erwiesen haben, und suchen Sie mehr Ihre Belohnung in dem Bewußtseyn, recht gehandelt zu haben und in dem Beifall Ihres Gewissens. Vielen Menschen ist Dankbarkeit eine Last, die sie ungern tragen; sie sey es aber nicht für Sie, meine Lieben. Erinnern Sie sich stets mit Dankgefühl erhaltener Wohlthaten, und suchen Sie sie nach besten Kräften zu erwiedern. Ein undankbares Gemüth hat immer etwas Empörendes, das selbst den Unwillen roher Seelen erregt. Seyn Sie vorsichtig in der Wahl Ihres Umgangs, denn nach ihm wird man Sie selbst beurthei» len. Wahlen Sie sich dazu nur sittlich gute Personen, von unbescholtenem Rufe, die Ihrer vollkommen würdig seyen. 2-H Pnsonen unter Ihrem Stande begegnen Sie stets mit Höflichkeit. Es gibt aber eine gewisse Art von gnädiger Höflichkeit, die beugender ist als Stolz; hüten Sie sich vor dieser. Machen Sie sich mit gemeinen Personen nicht gemein; machen Sie sie noch weniger zu ihren Ver» trauten, denn Personen ohne Erziehung und Grundsätze könnten leicht einen Übeln Gebrauch von Ihrem Zutrauen machen und einst Ihre Geheimnisse als Waffen gegen Sie anwenden. Ich kenne Frauenzimmer, die sich zu Personen von niedriger Erziehung, mäßigem Verstand und zweideutigen Sitten herab lassen, blos um in ihrem Kreise die ersten zu seyn. Eine so kleine Ehre ist aber einer so großen Herabwürdigung nicht werth. Wahlen Sie Ihre Gesellschaft weder aus zu hohen noch zu niedern Standen. Bei der Wahl der ersteren würden Sie.leicht zu einem Aufwende verleitet werden, der Ihre Kräfte übersteigen könnte, und überdieß sich vielleicht manche Laune, selbst manche Demüthigung müssen gefallen lassen, die ein edles Q L 244 Gemüth um so tiefer verletzen, je lebhafter sich dasselbe seines eigenthümlichen bessern Werthes bewußt ist. Bei dem genauern Umgang mit Personen, die zu tief unter Ihrem Stande sind, würde, wegen des Mangels an feiner Sitte, und mancher Derbheit wegen, Ibr Zartgefühl leiden und manche für Ihre übrigen geselligen Verhältnisse unpassende Gewohnheit Ihr Eigenthum werden. Der Umgang mit Personen Ihres Standes wird Ihnen mehr Vergnügen und der Umgang mit Vornehmen nicht viel mehr Ehre machen. Der Verkehr mit Personen, nicht nur von gleichem Stande, sondern auch von gleichen Neigungen und Gesinnungen, ist der schönste und schicklichste. Wahlen Sie sich, wo möglich, Gespielinnen, die an Bildung etwas vor Ihnen voraus haben, daß dieselben Ihnen als Muster dienen und Sie zu sich hinauf heben. Suchen Sie auch Umgang mit Personen über Ihren Jahren. Sie werden dabei an Ernst und gesetztem Sinn gewinnen, und Belehrung mancher Art in ihrer Gesellschaft finden. 245 Fliehen Sie dagegen den Umgang mit Koketten, die nur nach Männerherzen fischen, und Ihnen ein fittenvcrderbendes Beispiel geben würden. Zhr guter Name, Ihre Tugend könnte bei solchen Gespielinnen in Gefahr gerathen. Sie würden angesteckt werden von den Ränken, den Kunstgriffen, der Falschheit, den arglistigen Wendungen solcher Buhlerinnen. Meiden Sie auch die Gesellschaft leichtfertiger und allzuflatterhaftec Mädchen. Seyn Sie in Gesellschaften sittsam, nicht wild und ausgelassen. Sie brauchen aber deswegen weder stumm noch gezwungen und spröde zu seyn. Bedenken Sie, daß, besonders in Gegenwart der Männer, alle Ihre Bewegungen beobachtet und beurtheilt werden, und daß man gewohnt ist, aus Ihrem Betragen auf Ihre Sitten, Ihre Bildung, Ihren Geist und Charakter zu schließen. Ziehen Sie sich nicht zurück von den ernsten und lehrreichen Unterredungen der Männer. Ihr Verstand und Herz wird dabei gewinnen. Suchen Sie aber nicht bei solchen Gelegenheiten mit Ihren Kenntnissen zu prahlen; bemühen Sie sich lieber, sie hinter bescheidenen Fragen zu verbergen. L46 Mischen Sie sich überhaupt in kein Gespräch über Dinge, die Sie nicht verstehen, und wagen Sie keine Urtheile, wodurch Sie zum Gelächter werden könnten. Schweigen ist besser als unverständig Reden. Haben Sie sich aber gleichwohl vergessen, so ziehen Sie sich so schnell als möglich zurück, bekennen Sie Ihre Unwissenheit und machen Sie aus der Sache einen Scherz. Hat Ihnen der Himmel Witz verliehen, so mögen Sie wohl zur Belustigung der Gesellschaft Gebrauch davon machen. Bedenken Sie aber,' daß Witz, der beständig spielt, ermüdet und leicht ins Trockene und Leere fallt. Seyn Sie daher sparsam damit undsuchen Sie desto mehr durch Ihren Verstand und andere gesellschaftliche Gaben zu gefallen. Bedenken Sie überdem, daß der Witz ein höchst gefährliches Talent ist, wenn er nicht unter der Vormundschaft der größten Behutsamkeit und Herzensgute steht. Leicht berauscht er so sehr, daß man dabei alle Selbstbeherrschung verliert und selbst Freunde mit dessen Stachel verwundet und beleidiget. 247 Selbst Ihren Verstand lassen Sie nur mit Vorsicht blicken, daß es nicht scheine, als wollten Sie sich eine Ueberlegcnheit über die andern Glieder der Gesellschaft damit anmaßen. Suchen Sie nie in Gesellschaften das Wort allein zu führen. Hören Sie mehr, als Sie sprechen, daß Sie sich nicht den Vorwurf der Geschwätzigkeit zuziehen, und Ihnen nichts entwische, was Sie morgen wünschten, nicht gesagt zu haben. Besser ist schweigen als zu viel schwatzen. Es kann jemand an einer gesellschaftlichen Unterhaltung Theil nehmen, ohne ein Wort zu sagen. Dieß zeigt schon der Ausdruck in seinem Gesicht, der einem beobachtenden Auge nicht entgeht. Hüten Sie sich vor harten lieblosen Urtheilen, besonders über Ihr eigenes Geschlecht. Aeußern Sie gegen unglückliche Gefallene mehr mitleidige Theilnahme, als Verachtung, besonders wenn sie durch bübische Verführung gesunken sind. Wer da steht, der sehe zu, daß er nicht falle. Jugend und Schön« heit setzen Mädchen und Frauen großen Gefahren aus. 248 Sind Sie Ihres eigenen untadelhaften Wandels gewiß, so dürfen Sie es um so mehr wagen, unglückliche Schlachtopfer der Lästerung in Ihren Schutz zu nehmen. Vermeiden Sie in Gesellschaften Alles, was mißfallen kann. Begegnen Sie einem jeden mit Achtung und Freundlichkeit. Setzen Sie niemand zurück. Ehren Sie nicht die Kleider, sondern die Rechlschaffenheit der Personen, die Sie vor sich haben, und ihre Denkungsart. Nichts Affektirtes sei in Ihrem Gange, in Ihrer Haltung, Ihrer Miene; nichts Widersinniges in Ihren Reden. Das Gesicht ist der Spiegel des Herzens; durch die Frechheit in den Minen unterscheidet man gleich auf den ersten Blick die Buhlecin von dem unschuldigen Mädchen. Jedermann liebt das Liebreiche, das Gefällige, das Sanfte in den Gesichtszügen. Hüten Sie sich vor heimlichen Gelächter und Dhrenflüstern; es ist beleidigend für die Gesellschaft überhaupt, und je mehr Personen es auf sich beziehen können, desto mehr machen Sie sich Feinde. 24Y Bewahren Sie Ihre Zunge vor Bitterkeit, und seyn Sie zu allen Zeiten sparsam mit Tadel, freigebig mit Lob. Aus der Art, wie Sie dem Lobe eines Abwesenden beitreten, wird man auf Ihre Aufrichtigkeit schließen. Aeußern Sie Achtung gegen bejahrte Personen aus allen Standen ; entschuldigen Sie ihre Schwachheiten, fügen Sie sich in ihre Launen, mildern Sie das Gefühl ihrer abnehmenden Kräfte. Sehen Sie nicht, so lange Sie jung sind, die Alten als Wesen anderer Art an; Ihre eigene Reife, wenn Sie das Leben behalten, wird schneller seyn, als Sie denken, und wird Sie eben so abhängig von dem Mitleiden und der Geduld eines jüngern Geschlechtes machen. Führen Sie Ihre Verhältnisse in Gesellschaften von Personen höheren Standes, so beobachten Sie gegen dieselben die schuldige Ehrerbietung; lassen Sie sich aber nicht zu sklavischer Verehrung herab. 250 Sprechen Sie nicht viel über politische Gegen- stände, und lassen Sie sich nie auf hartnäckiges Streiten ein. Leicht artet es in leidenschaftliche Hitze aus, wodurch sich immer ein Frauenzimmer herab, würdiget. Selbst auf der Bahn der Wahrheit lassen Sie sich durch Ihre Lebhaftigkeit nicht zu weit führen. Neugierde ist eine Schwachheit, die man Ihrem ganzen Geschlechte Schuld gibt und gegen die Sie also um so mehr auf Ihrer Hut seyn müssen. So lange sie Ihnen blos als Wegweiserin auf dem Pfade des Unterrichts dient, ist sie nützlich; artet sie aber in unverschämtes Forschen nach den Verhältnis» sen Anderer aus, so wird sie verhaßt. Ahmen Sie nickt gewissen Personen nach, die dreist, wie ein Thorschreiber, fragen; sondern tragen Sie Ihre Fragen mit Vorsicht, Bescheidenheit und Höflichkeit vor. Beantworten Sie leere und unschickliche Fragen nicht auf eine mürrische Art; kalte Höflichkeit wird Sie besser als Ungeduld gegen vorwitzige Neugier schützen. 251 Verirren Sie sich mit Ihren Gedanken nicht von der Gesellschaft, und verlieren Sie nicht Ihre Geistesgegenwart; vergessen Sie nicht, wer zugegen ist, daß Sie nicht durch unvorsichtige Bemerkungen und Erzählungen anstoßen, unbedachtem gewisse zarte Saiten berühren und in Anzüglichkeiten verfallen. Beschranken Sie sich, bei Erzählung einer Begebenheit, auf Thatsachen; erlauben Sie sich weder im Lobe, noch im Tadel, Uebertreibung, und setzen Sie nie, um zu glänzen, die Wahrheit bei Serie. Seyn Sie vorsichtig und nennen Sie nie un- bedachtsam den Namen derer, die Ihnen eine Nachricht mitgetheilt haben, daß Sie sich nicht bittere Unannehmlichkeiten bereiten. Seyn Sie fröhlich mit den Fröhlichen und stören Sie die Heiterkeit des Gesprächs nicht durch finstere Betrachtungen. Seufzen Sie unter geheimen Leiden, so möge wenigstens die Gesellschaft nichts davon empfinden. < 25 » Geben Sie sich der Freude hin, wo sie sich Ihnen nähert; und lassen Sie sich nicht, durch düstere Gedanken an den gestrigen oder morgenden Tag, den gegenwärtigen Augenblick trüben. V, I i -L <- -t^- - S-^-^ ^ ! UVIW-Sibliottisk 00610050 Z: tzk- « ,« ^:- -KL