»o V-'M! M7P .A,'KA dLV L» L>'4» Dandarbeitslrnudt. WmlilrbeilslMtk fiir Ahrerinnkn-Rildimgslttlstalten und zum Vollständig in 4 Abtheilungen mit ca. 300 Abbildungen. Bon Gabriele Hillardt, ^ ^rbrüslkhrrrin sn drr k. k. ^lnnlnnnntnlt rur ^ildvng bon lskhrkrinnkn in shnn. 1. Abtheilung Tas Häkeln. »mm. Mit 51 Abdildmu^T^ k 5 - Wien 1878. Verlag von Bloch L Hast» ach I., Kärnthnerstratze 38 . «ULLUMwisN S. vit' B orloort. 2^ie Zeit liegt nicht sehr ferne, wo man im Bereiche der Schule die weiblichen Handarbeiten als Unterrichtszweig kaum kannte. Sie wurden durchaus nicht als ein in die Schule eingreifender Lehrzweig betrachtet. Nur hie und da wurden sie an Schulen gelehrt, ohne daß man sich um deren Bedeutung gekümmert hätte. Nach und nach widmete man jedoch diesem Unterrichte mehr Aufmerksamkeit, und es ist ein erfreuliches Zeichen für alle jene, welche sich für denselben interessiren, daß man die Aufgabe desselben in immer mehr wirksamer Weise erkennt, und zur Ueberzeugung gelangte, daß ein richtig geleiteter Unterricht in den weiblichen Handarbeiten zur allgemeinen Bildung der Mädchen wesentlich beitrage. Beschränkte sich in früherer Zeit der Handarbeitsunterricht darauf, den Mädchen nur die technische Fertigkeit in gewissen Handarbeiten beizubringen, so kann nunmehr, bei den Anschauungen, die man in neuerer Zeit von demselben hat, jener Unterricht in seiner Einseitigkeit nicht mehr bestehen. Es tritt daher das Bedürfnis eines allgemeinen theoretischen Unterrichtes immer mehr zu Tage. Man strebt darnach den Schülerinnen nebst dem Können, auch jenes Wissen zu vermitteln, das sie zu einem bewußten Arbeiten befähigt, und wodurch das Mechanisirende des früher gepflogenen Handarbeitsunterrichtes aufgehoben wird. Das Streben, den Handarbeitsunterricht nach dieser Richtung zu heben, gibt sich auch durch die allenthalben darüber erscheinenden Werke kund. Die meisten derselben fassen hauptsächlich die Ertheilung des VI Unterrichtes ins Auge, und bieten viel Belehrendes. Doch ein wichtiges Moment wird beinahe immer übersehen. Das Eingehen in das Wesen der Handarbeiten selbst. Nachdem es aber unbedingt erforderlich ist, daß jene, welche einen zweckentsprechenden Handarbeitsunterricht ertheilen wollen, zunächst des Gegenstandes selbst vollkommen mächtig seien, tritt das Bedürfnis nach einem geeigneten Lehrbuche immer mehr in den Vordergrund. Daher sah ich mich veranlaßt, den Versuch zu machen, das Wesen der weiblichen Handarbeiten in der Handarbeitskunde von der Behandlung des Unterrichtes vollständig zu trennen, und nicht allein die Handarbeiten im Allgemeinen systematisch zu behandeln, sondern auch die einzelnen Arten der Handarbeiten selbst genau zu gliedern und deren Theile systematisch und übersichtlich zu ordnen, um den Handarbeitsunterricht wo möglich von den Willkürlichkeiten zu befreien, mit denen er jetzt meistens behandelt wird. Möge das vorliegende Werk den geehrten Lehrerinnen und allen jenen, welchen an einer gründlichen Kenntnis der weiblichen Handarbeiten gelegen ist, ein willkommener Leitfaden sein. Wien am 16. März 1878. Gabriele Warbt. Iilhlilts-Veyeichiliß. Seite. Vorwort. V Einleitung. 1 Das Häkeln. 2 Die deutsche Häkelei. 4 Ausführung der Maschenartc», und Anwendung derselben zu Häkelstiche» - 4 Das Mustcrhäkelu. 13 Verbindungen der Maschenarten zu piqueartigen Mustern. 14 Dichte Muster mit zwei oder mehrere» Fäden von abstechender Farbe - - l7 Das Häkeln über Schnur und Borte. 18 Das Häkeln mit Perlen. 18 Das Häkeln durchbrochener Muster. 18 Muster, welche auf Grundlage geometrischer und ornamentaler Formen beruhen 19 Spitzenartige Muster. 26 Guimpenhäkelci - -. 28 Das Häkeln geometrischer Formen. 29 Biktoriahäkelei. 35 Häkelstiche in Viktoriahäkelei.'. 35 Geometrische Formen in Viktoriahäkelei. 39 üiuikii!ut/-öttl,i!n( ,l,.c ' ' V - ... . . ..... .... iU»I5" rrl » . . , . . . »i: I,lu/ n. > - > .P/V 1 >l . .'^.i I«. tzW -! . - .-. - - I >-i.. n. »-oL M«»f» »letii'MLii«« ;».' . , . ' ' - »»MX,,', -nni.lL,) >.I .. »i »chti, ' ' < Einleitung. Unter weiblichen Handarbeiten versteht man jene Arbeiten, mittelst welcher aus Fäden oder Geweben mit Hilfe verschiedener Werkzeuge, Gegenstände zur Bekleidung, Verzierung u. d. g. ausgeführt werden. Wir unterscheiden 3 Gattungen solcher Arbeiten. Die erste umfaßt alle jene Arbeiten, mittelst welcher durch Per- schlingung eines Fadens oder mehrerer Fäden, dichte und durchbrochene gewebeartige Gegenstände ausgeführt werden, und zwar: Häkelarbeiten, Strickarbeiten, Netzarbeiten, Fri- volitätenarbeiten, Spitzenklöppelei, genähte Spitze und Knüpfarbeiten, Die Häkelarbeit wird mit einer Nadel, die Strickarbeit mit 2 gleichartigen Nadeln ausgeführt. Zur Netzarbeit sind 2 verschiedenartige Werkzeuge erforderlich. Frivolitäten werden mit Schiffchen gearbeitet. Zur Spitzenklöppelei sind Kissen, Stecknadeln und Klöppel erforderlich. Genähte Spitze wird nur mit Nähnadel und Faden gearbeitet. Knüpfarbeiten werden gewöhnlich auf Kissen mit Fäden oder Schnüren ausgeführt. Zur zweiten Gattung gehören solche Arbeiten, wobei Gewebe durch Zerschneiden und verschiedenartiges Zusammenfügen zu Wäsche und Bekleidungsgegenständen verarbeitet werden: Das Wäschenähen und das Kleidermachen. Die dritte Gattung umfaßt jene Arbeiten, wobei Gewebe und gewebeartige Arbeiten mittelst Nadel und Faden zur Zierde aus genäht oder üb er näht „gestickt" werden. ' Hieher gehören: Ausnäharbeiten, Tapisseriearbeiten, Plattstickereien und Applications arbeiten. Handarbeitskunde. I. Abth. I Das Häkeln. Die Häkelarbeit soll um das Jahr 1820, im Kloster der englischen Fräulein zu Prag von einer Nonne mittelst eines Tambourirhäkchens erfunden worden sein. *) Das Häkeln ist das Bilden von Schlingen mittelst eines Fadens und einer Nadel, welche an einem Ende ein Häkchen hat und deshalb auch Häkelnadel genannt wird. Mehrere vereinigte Schlingen bilden eine Masche. Durch das Aneinander- und Uebereinanderreihen vieler Maschen, entstehen einem Gewebe ähnliche Flächen, welche dicht oder durchbrochen sein können. Es gibt zweierlei Arten der Häkelarbeit: a) die deutsche Häkelei, d) die Viktoriahäkelei, auch der tunesische Häkelstich oder die Strickhäkelei genannt. Bei der deutschen Häkelei kann sowol jede Masche, als auch jede Reihe, ein für sich abgeschlossenes Ganze bilden. Bei der Viktoriahäkelei sind zwei Reihen erforderlich, um eine vollständig abgeschlossene Maschenreihe zu bilden, da sich die Schlingen der ersten Reihe sogleich auflösen, wenn sie nicht mit einer zweiten abgeschlossen sind. Nach der Bestimmung des anzufertigenden Gegenstandes kann zum Häkeln Baumwolle, Zwirn, Schafwolle, Seide, Gold- oder Silberfaden verwendet werden, doch eignet sich stark gedrehter Faden besser dazu als lose gedrehter. Als Werkzeug zum Häkeln dient die oben erwähnte Häkelnadel. Die Häkelnadeln werden aus Stahl, Holz und Bein verfertigt. Es lassen sich an denselben zwei Theile unterscheiden: der Haken und der Stiel. Der Haken befindet sich am oberen Ende. Er soll weder zu rund, noch zu scharf und spitz zugeschliffcn sein. Im ersteren Falle wird das leichte Aufnehmen der Schlingen gehindert, im letzteren wird wenig gedrehter Faden leicht gespalten. Der Stiel kann zweierlei Form haben. Entweder er wird vom Haken aus allmälig dicker, und hat dann eine durchschnittliche Länge von 10—12 Cm. Manchmal wird er zur Hälfte durch einen Stahl-, Holz- oder Beingriff ersetzt. Dieser ist mitunter hohl und mit der Nadel so verbunden, daß man diese in denselben Hineinschieben kann. Oder er verläuft vom Haken aus in gleichmäßiger Dicke und ist an einem Ende mit einem Knopfe versehen, um das Herabgleiten der Schlingen zu verhindern. Die Länge solcher Nadeln beträgt 20 — 40 Cm. *) Es ist leider nicht zu ermitteln, ob sich diese Sage bestätigt, weil in dem Kloster selbst keine Aufzeichnungen darüber vorliegen. 3 Nadeln mit ebenfalls gleichmäßig verlaufendem 3 —4Cm. langem Stiele, welche in einen Beingriff eingeschraubt werden, sind die sogenannten Tambourirnadeln, welche durchwegs aus Stahl verfertigt und nur zu feinen Arbeiten verwendet werden. Sie kommen jedoch nach und nach außer Gebrauch. Die Häkelnadeln mit allmälig dicker werdendem Stiele benützt man nur zur deutschen Häkelei. Zur Viktoriahäkelei kann man nur jene mit gleichmäßigem Stiele benutzen, doch kann man solche auch zur deutschen Häkelei gebrauchen. Die richtige Haltung der Arbeit trägt viel zur leichteren und schnelleren Handhabung derselben bei. Der Faden wird in folgender Weise über die Hand gelegt: Man faßt das Fadenende mit der rechten Hand, legt den Faden so zwischen den 4. und 5. Finger der linken Hand, daß das Ende gegen die innere Handfläche zu liegt, führt ihn um den kleinen Finger nach außen über den 4. 3. und Zeigefinger, windet ihn einmal um diesen, so daß zwei Fadenlagen entstehen. Die erstere soll auf dem untersten, die zweite auf dem obersten Fingergliede, das Fadenende nach der inneren Handfläche zu liegen. Der Zeigefinger wird etwas gebogen gehalten. Mitunter wird der Faden auch folgendermaßen gehalten: Man führt ihn von außen zwischen dem 5. und 4. Finger der linken Hand, unter den letzteren und den 3. Finger, zwischen diesem und dem Zeigefinger heraus, legt ihn über diesen und hält diesen beinahe wagrecht zur Arbeit. Die erstere Art ist vorzuziehen, weil Hiebei der Faden freier liegt und bei der zweiten gewisse Maschenarten gar nicht ausführbar sind. Die Häkelnadel hält man am besten derart mit der rechten Hand zwischen Mittelfinger und Daumen, daß sie auf dem Mittelfinger ruhend, eine ähnliche Lage einnimmt, wie die Feder beim Schreiben. Ganz unzulässig ist es, sie so zu halten, wie eine Stricknadel. Eine schöne Häkelei muß gleichmäßig und dehnbar sein, daher soll die Dicke der Häkelnadel jener des Garnes entsprechen. Fehler in der Häkelarbeit können nur durch das Auftrennen bis zu dem Fehler behoben werden. Wenn der Faden an einer Häkelarbeit zu Ende geht oder reißt, so können die Fadenenden bei dichten Flächen überhäkelt werden. Bei durchbrochenen Arbeiten werden die Enden der zu vereinigenden Fäden einige Centimeter lang gespalten, in entgegengesetzter Richtung übereinander gelegt und dann werden mit den so vereinten Fäden einige Maschen gearbeitet. * 1 * Die deutsche Häkelei. Die Maschenarten. Bei der deutschen Häkelei unterscheiden wir, mit Rücksicht auf die Fadenverschlingung, acht Maschenarten, und zwar: 1. Kettenmaschen, auch Luftmaschen genannt, 2. feste Ketten waschen, 3. feste Maschen, 4. Stäbchen maschen, 5. Knöpfchen maschen, 6. Wickelmaschen, 7. Büschelmaschen, 3. Doppelmaschen. Die einzelnen Theile einer Masche werden Maschenglieder genannt. Mehrere nebeneinander gestellte Maschen bilden eine Reihe. Die Reihen werden je nach der Maschenart, entweder hin- und zurückgehend oder nur auf einer Seite gearbeitet. Dies letztere geschieht deshalb, weil die Kehrseite der Häkelarbeit von der rechten Seite meist wesentlich unterschieden ist. Bei hin- und zurückgehenden Reihen wird die Arbeit zu Ende jeder Reihe gewendet und es müssen bei Beginn der Reihen, der Höhe der Maschenart entsprechend, eine oder auch mehrere Luftmaschen gearbeitet werden, damit die Kanten nicht einziehen. Wenn nur auf einer Seite gearbeitet wird, muß der Faden stets neu angelegt werden. Zu diesem Zwecke wird die Nadel in die Anfangsmasche, d. h. in die Luftmasche geführt, welche zu Beginn der vorhergehenden Reihe gearbeitet worden ist; der Faden wird als Schlinge durchgezogen und der Höhe der Masche entsprechend, führt man eine oder mehrere Luftmaschen aus. Zu Ende der Reihe wird der Faden abgeschnitten und das Ende desselben durch die letzte Maschenschlinge durchgezogen, auf welche Weise überhaupt der Abschluß jeder Häkelarbeit herbeigeführt wird. Die Fadenenden können zu Anfang und Ende jeder Reihe über- häkelt oder nach Vollendung der Arbeit vernäht werde». Die Maschenglieder der vorhergehenden Reihe bilden die Grundlage für die nächstfolgende. Je nachdem eines oder das andere aufgenommen wird, entstehen verschiedene Häkel stiche. Ausführn,»g der Maschenarten nnd Anwendung derselbe» zu Häkelstichen. Ketten- oder Luftmaschen. (Abb. I.) Nachdem man den Faden in früher erwähnter Weise über die Finger gelegt hat, führt man ihn von rechts nach links um den Daumen, 5 so daß er sich kreuzt und halt das Fadenende zwischen dem 3. und L. Finger fest. Die Nadel von unten nach aufwärts in die so gebildete Schlinge führen * den vom Zeigefinger herabführenden Arbeitsfaden von rechts nach links über die Nadel legen*) und mit dem Häkchen durch die Schlinge ziehen; von H wiederholen. Zur Ausführung einer Luftmasche sind 2 Bewegungen erforderlich : Faden auf die Nadel legen, durchziehen. Mehrere in dieser Weise nebeneinander gereihte Maschen bilden eine Kette. Jede einzelne dieser Maschen besteht aus drei nebeneinander liegenden Fäden. Beim Darüberhäkeln werden gewöhnlich die beiden oberen Fadenlagen aufgefaßt. Mit dieser Masche wird jede Häkelarbeit, sowol der Deutschen als auch der Miktoriahäkelei begonnen. Bei Ausführung durchbrochener Arbeiten muß sie beinahe immer angewendet werden. Kste Keilenmaschen. (Abb. 2.) Die Nadel zwischen 2 wag- rechte Glieder einer Masche der untcrenReihe führen, den Faden auf die Nadel legen, durch beide aufderNadel befindlichen Schlingen durchziehen. Dies erfordert 3 Bewegungen: Einstechen, Faden auf die Nadel legen, durchziehen. Diese Masche hat zwei wagrechte Glieder. Sie dient hauptsächlich als Verbindungsmasche bei spitzenartigen Mustern; ferner zum Aneinan- derschließen der Reihen bei kreisförmigen Arbeiten u. d. gl. Man kann sie auch zur Anfertigung solcher *) Wo es nicht ausdrücklich bemerkt ist, muß der Arbeitsfade» immer in dieser Weise gefaßt werden. Abb. 2. Abb. I. Gegenstände anwenden, welche mit grober Baumwolle oder Schafwolle ausgeführt werden. In diesem Falle muß man sehr lose arbeiten, weil diese Masche die Eigenthümlichkeit hat, sich sehr zusammenzuziehen. Sie kann hin- und zurückgehend und auf einer Seite ausgeführt werden. Man kann sie auch verändern, je nachdem man die Schlingen unter den vorderen oder rückwärtigen Maschengliedern der vorhergehenden Reihe aufnimmt. Keste Maschen. (Abb. 3.) Die Nadel in eine Masche der untern Reihe führen *); den Faden auf die Nadel legen, durch die Masche durchziehen: den Faden auf die Nadel legen; durch beide aus der Nadel befindlichen Schlingen durchziehen. Dies erfordert 5 Bewegungen: Einstechen, den Faden auf die Nadel legen, durchziehen; den Faden auf die Nadel legen; durchziehen. Diese Masche hat sowol auf der rechten, als auf der Kehrseite vier Glieder und zwar auf jeder Seite zwei senkrechte und zwei wagrechte. Auf der rechten Seite liegen die wagrechten Glieder nebeneinander, auf der Kehrseite liegen sie übereinander. Jede feste Masche bildet, wenn Häkchen und Garn einander entsprechen, ein Quadrat und entspricht der Höhe einer Luftmasche. Aus festen Maschen gebildete Häkelstiche. Der Rosen st ich. Hin- uyd zurückgehende Reihen: Die Nadel unter beide wagrechten Glieder der Rechtsscite führen, und die Masche ausführen, wie oben angegeben. Der russische Häkelst ich. Dieser wird in derselben Weise, jedoch nur auf einer Seite gearbeitet. Der gerippte Häkelst ich. Hin- und zurückgehende Reihen, und stets die rückwärtigen Maschenglicder auffassen. Wenn in dieser Weise, jedoch nur auf einer Seite gearbeitet wird, dann entsteht der Kettenstich. Eine Beränderung des gerippten Stiches, insofern man in das Vorderglied der Masche sticht, ergibt den Bord er st ich. Abb. 3. *) Es ist stets vorausgesetzt, taß eine Anschlagreihc vorhanden ist. Der Strickstich. Dieser ist auf einer Seite zu arbeiten. Es wird Hiebei das untere wagrechte Glied der Kehrseite einer Masche aufgefaßt. Der Piquestich. Auf einer Seite zu arbeiten. Die Nadel unter eines der senkrechten Glieder einer Masche der vorhergehenden Reihe führen, und die feste Masche ausführen, wie oben. Noch andere Häkelstiche entstehen, wenn der Faden mit der Häkelnadel anders gefaßt wird, als bei den oben angegebenen festen Maschen, z. B.: Der schräge Häkelstich. Auf einer Seite zu arbeiten: Das rückwärtige Glied einer Masche der unteren Reihe auffassen; den Faden mit dem Häkchen fassen, ohne ihn um die Nadel zu legen, durch die Masche durchziehen, dabei muß die Nadel hinter den Faden zu liegen kommen; den Faden durch beide auf der Nadel befindlichen Schlingen durchziehen, ohne ihn um das Häkchen zu legen. Der Kreuzhäkelstich. Dieser wird wie der schräge Häkelstich ausgeführt, doch wird die Nadel unter beide wagrechten Glieder der Masche der untern Reihe geführt. Der Schlingen st ich. Ein oft angewendeter Stich aus festen Maschen, ist der Schlingenstich. Man arbeitet Hiebei im Ketten- oder russischen Stich in folgender Weise: Nachdem man die Nadel in ein Glied der unteren Masche geführt hat, faßt man den Faden in der Entfernung von ungefähr 2 Cm. mit dem Mittelfinger und Daumen der linken Hand, legt ihn auf die Nadel und arbeitet die Masche wie gewöhnlich, indem man die Fadenschlinge festhält. Es entstehen dadurch auf der Kehrseite, welche nach Vollendung der Arbeit die Rechtsseite derselben ist, Schlingen, die nach Belieben kürzer oder länger gemacht werden können. Man kann auch in Streifen geschnittenes Kartenpapier benützen und den Faden darüber legen, anstatt ihn mit der Hand festzuhalten. Dieser Stich wird meistens mit Schafwolle ausgeführt und als Besatz zu Winterkleidern u. d. gl. angewendet. Der Rosen st ich, der russische, der gerippte Häkelstich und der Kettenstich eignen sich zur Ausführung von Arbeiten mit jedem beliebigen Garne. Der Strick- undP ique st ich, sowie der schräge und der K r eu z- häkelstich eignen sich namentlich zu Arbeiten mit dickem Garn. Die festen Maschen können auch anstatt der Luftmaschen zum Anfangen von Arbeiten benutzt werden. (Abb. 4). Hiebei ist in folgender Weise vorzugehen. Abb. 4. 8 2 Luft masche». Die Nadel zwischen die Glieder der 1. Luftmasche führen, den Faden auf die Nadel legen, als Schlinge durch die Masche ziehen; den Faden auf die Nadel legen und durch beide auf der Nadel befindlichen Schlingen ziehen; die Nadel in das zur Linken befindliche Glied der eben gehäkelten Masche führen, den Faden auf die Nadel legen, als Schlinge durch die Masche ziehen; den Faden auf die Nadel legen durch beide auf der Nadel befindlichen Schlingen ziehen u. s. f. Itäbchkniiiascheii. «! Abb, 5. Diese bilden kleine Säulen. Sie können sowol hin- und zurückgehend, als auch auf einer Seite gearbeitet werden und finden bei dichten und durchbrochenen Arbeiten die mannigfachste Anwendung. Es giebt verschiedene Arten der Stäbchenmaschen und zwar: Halbe oder kurze, einfache, dopvelte, dreifache, vierfache rc. Stäbchen, ineinandergreifende Stäbchen, Kreuz stäbchen. Halbe Stäbchen: (Abb. 5.) Den Faden auf die Nadel legen,diese in eine Masche der untern Reihe führen; den Faden auf die Nadel legen, durch die Masche durchziehen; den Faden auf die Nadel legen, durch alle 3 Schlingen durchziehen. Dies erfordert 6 Bewegungen. Die Höhe einer halben Stäbchenmasche entspricht der Höhe zweier Luft- maschen und der Breite zweier Maschen. Einfache Stäbchen: (Abb. 6.) Den Faden auf die Nadel legen, diese in eine Masche der untern Reihe führen; den Faden auf die Nadel legen, als Schlinge durchziehen; den Faden auf die Nadel legen, durch die zwei folgenden Schlingen durchziehen; den Faden auf die Nadel legen, durch die beiden letzten Schlingen durchziehen. Dies erfordert 8 Bewegungen. Die Höhe einer einfachen Stäbchenmasche entspricht der Höhe dreier Luftmaschen und der Breite dreier Maschen. Doppelte, dreifache, vierfache rc. Stäbchenmaschen zu bilden ist der Faden 2, 3, 4mal rc. auf die Nadel zu legen und die Masche wie oben auszuführen, indem Abb. 6. der Faden durch je 2 und 2 Schlingen geführt wird, bis das Stäbchen geschlossen ist. Die Höhe der doppelten, dreifachen rc. Stäbchen entspricht der Höhe von 4, 5 rc. Luftmaschen. Die einfachen Stäbchenmaschen haben 2 senkrechte Glieder, welche je nach der Höhe des Stäbchens durch ein schief liegendes Glied 1, 2, 3mal abgetheilt sind. Eine Veränderung dieser Maschenart ergibt sich, wenn man die obersten, senkrechten, links liegenden Glieder auffaßt und die Stäbchen über diese ausführt. Wird eine Arbeit mit feinem Garne mit Stäbchenmaschen ausgeführt, indem die Schlingen zwischen den wagrechten Maschengliedcrn der vorhergehenden Reihe aufgenommen werden, dann ist es rathsam, die Nadel zugleich unter die wagrechten Glieder der Kehrseite zu führen, weil hicdurch die Maschen mehr Festigkeit und Gleichheit erhalten. Ineinandergreifend Diese Stäbchenmaschen weri Man arbeitet nach Erfordernis ein aus jedem der senkrechten, links liegenden Glieder eine Schlinge auf (man erhält Hiebei nach der Zahl der senkrechten Glieder, bei einfachen Stäbchen 2, bei doppelten 3 Schlingen rc.), aus der zunächstliegenden Masche wird ebenfalls eine Schlinge aufgenommen, der Faden um die Nadel gelegt, als Schlinge durch diese Masche durchgezogen, und dann werden je 2 und 2 Schlingen zusammengeschürzt. Diese Maschenart ist na mentlich bei solchen Mustern verwendbar, wobei drei oder vierfache Stäbchen angewendet werden, und welche dichtere Wir im Zusammenhange bilden. Kindchen. i.Add. 7.) n in folgender Weise ausgeführt: beliebig hohes Stäbchen und nimmt ?lbb. 7. erfordern, als gewöhnliche Stäbchen KreuMbchen. (Abb. 8.) Diese bilden durchbrochene Flächen. Sie werden sowol zu Mustern als auch zu Einsätzen an Kinderleibchen u. d. gl. verwendet um Bänder durchzuziehen. Ausführung: 3 Luftmaschen, 2 Maschen übergehen, 1 einfaches Stäbchen in die 3. Masche; 5 Luftmaschen, den Faden auf die Nadel — 10 — legen, die Nadel in die Glieder der beiden zusammengeschlossenen Stäbchen führen und ein einfaches Stäbchen machen. H Den Faden 2mal um die Nadel legen, diese in die nächste Masche der unteren Reihe führenden Faden auf die Nadel legen, als Schlinge durchziehen, den Faden auf die Nadel legen, die beiden folgenden Schlingen zusammenschürzen. (Es bleiben Abb. 8. 3 Schlingen auf der Nadel.) Den Faden auf die Nadel legen, 2 Maschen der unteren Reihe übergehen, in die 3. stechen, den Faden umlegen, als Schlinge durchziehen. Die 5 auf der Nadel befindlichen Schlingen zu 2 und 2 zusammenschürzen. 2 Luftmaschen, den Faden um die Nadel legen, die Nadel wie früher zwischen die obersten Glieder der zusammengeschürzten Stäbchen führen, den Faden um die Nadel legen, durchziehen. Die Masche wie ein einfaches Stäbchen schließen. Diese Stäbchen können auch hoher gemacht werden, doch muß dann die Breite auch der Höhe entsprechen. Gewöhnlich übergeht man so viele Maschen der unteren Reihe, als man Fadenlagen (Umschläge) über die Nadel gibt. Die Zahl der letzteren muß immer eine gerade sein, wenn beide Hälften gleich hoch sein sollen. Diese Stäbchen können auch so gearbeitet werden, daß eine Hälfte höher ist, als die andere. Das Anlegen mit Stäbchenmaschen. (Abb. 9.) Abb. 9. Die Stäbchen können ebenfalls zum Anlegen von Arbeiten verwendet werden. Der Stäbchenanschlag ist in folgender Weise auszuführen: 4 Luftmaschen, den Faden 2mal auf die Nadel legen, diese in die 1. der 4 Luftmaschen führen, den Faden auf die Nadel legen, durch die Masche durchziehen -l- den Faden auf die Nadel legen, durch die beiden folgenden Schlin- gen durchziehen, von rtz noch ^mal wiederholen -tz H den 'Faden 2mal auf die Nadel legen, 11 diese in das unterste links liegende Glied der Stäbchenmasche führen, das Stäbchen schließen wie oben. Von -st -st stets wiederholen. Knöpschenmaschen. (Abb. 10.) Den Faden auf die Nadel legen, diese in eine Masche der unteren Reihe führen; den Faden auf die Nadel legen, durch die Masche und die Schlinge zugleich durchziehen; den Faden auf die Nadel legen, durch beide auf der Nadel befindlichen Schlingen durchziehen. Diese Masche entspricht der Höhe zweier Luftmaschen und wird nur auf einer Seite ausgeführt. Sie kann ebenfalls verändert werden, je nachdem die Schlingen aus den verschiedenen Maschengliedcrn aufgenommen werden und eignet sich namentlich zur Ausführung von Arbeiten mit dickem Faben. Abb.'10. Wjchelmaschen. Es gibt zweierlei Arten der Wickelmaschen: feste Wickelmaschen und Wickel st äbchen. Zur Ausführung dieser Masche ist ein loser Anschlag erforderlich und bedarf man unbedingt solcher Häkelnadeln, welche gegen den Griff zu stärker werden. Auch ist es vortheilhaft, die Nadel im Verhältnisse zum Garne feiner zu wählen, als bei der Ausführung der übrigen Maschenarten. Feste Wickelmaschen. (Abb. 11.) Den Faden 5mal, lose doch gleichmäßig auf die Nadel legen, diese in eine Masche der unteren Reihe führen, den Faden auf die Nadel legen, durch die Masche und zugleich durch alle auf der Nadel befindlichen Schlingen durchziehen. Dies erfordert 8 Bewegungen. Diese Masche hat 5 spiralförmig liegende und 2 wagrechte Glieder Abb. II. 12 Abb. 12. Die Höhe einer festen Wickelmasche entspricht der Höhe zweier Luftmaschen. Wickel st äbchen. (Abb. 12.) Den Faden 12mal auf die Nadel legen, diese in eine Masche der untern Reihe führen; den Faden auf die Nadel legen, als Schlinge durchziehen; den Faden auf die Nadel legen, durch alle auf der Nadel befindlichen Schlingen durchziehen, die letzte ausgenommen; den Faden auf die Nadel legen, durch die beiden auf der Nadel befindlichen Schlingen durchziehen, wobei man den Faden nur so viel anziehen darf, daß er der Höhe des Stäbchens entspricht. Um daS Durchziehen des Fadens durch die Schlingen zu erleichtern, sind diese mit dem Daumen und Mittelfinger der linken Hand festzuhalten. Diese Masche erfordert 19 Bewegungen und hat unten 2 senkrechte, 12 spiralförmig liegende und oben 2 wagrechte Glieder. Sie kann höher oder niedriger gearbeitet werden und wird nur auf einer Seite ausgeführt. Die festen Wickelmaschen eignen sich nur zu Arbeiten aus dicker Baumwolle oder Schafwolle. Die Wickel st äbchen können mit beliebigem Garne ausgeführt werden. Mit feinem Garne gearbeitet, können sie zu Blümchen und Blättchen zusammengestellt werden, welche der Weißstickerei ähneln. Niischelniaschen. Abb. 1ä, (Abb. i:j.) Die Nadel in eine Masche der vorhergehenden Reihe führen, den Faden auf die Nadel legen, als Schlinge durchziehen; den Faden auf die Nadel legen, diese nochmals in dieselbe Masche der untern Reihe führen; den Faden auf die Nadel legen, durch die Masche durchziehen (es sind nun 1 Schlingen auf der Nadel); den Faden auf die Nadel legen, alle 4 Schlingen zu einer Masche zusam- menschürzen. Dies erfordert 9 Bewegungen. Diese Masche bildet Büschel, welche größer oder kleiner ausge- 13 führt werden können, je nachdem mehr oder weniger Schlingen aufgenommen werden. Die einzelnen Maschen nehmen mehr Raum ein als andere. Es ist daher bei der ersten Reihe, nach jeder 2. oder 3. Masche eine Masche zu übergehen. Die Höhe dieser Masche entspricht der Höhe zweier Luftmaschen. Aopprlmaschen. (Abb. 14.) Dies sind solche Maschen wobei aus 2 oder mehreren Maschen der unteren Reihe Schlingen aufgenommen und zu einer Masche zusammengeschürzt werden. Sie bilden den Uebergang zur Viktoriahäkelei, dienen hauptsächlich zu Arbeiten mit dicker Baumwolle oder Schafwolle, und werden gewöhnlich nur auf einer Seite ausgeführt. Ausführung: AuS 2 neben einander liegenden Maschen der untern Reihe, durch Umlegen und Durchziehen des Fadens je eine Schlinge aufnehmen, so daß mitEin- schluß der 1. Maschenschlinge 3 Schlingen auf der Nadel sind, den Faden auf die Nadel legen, durch alle drei Schlingen durchziehen, eine Schlinge aus jener Masche aufnehmen, woraus die letzte Schlinge der 1. Masche aufgenommen worden, die 2. Schlinge aus der folgenden Masche aufnehmen, den Faden auf die Nadel legen, durch alle Schlingen durchziehen. Diese Masche erfordert 8 Bewegungen. Sie kann sehr mannigfach verändert werden, indem 3 auch 4 Schlingen aufgenommen und verschiedenartig zusammengeschürzt werden. Auch können die Schlingen einer folgenden Masche aus den Gliedern der zuletzt gearbeiteten Masche aufgenommen werden, u. s. f. Das Musterhäkeln. Durch systematische Anordnung und Zusammenstellung verschiedener Maschenarten und Häkelstiche können sowol dichte, als auch durchbrochene Muster gebildet' werden. Durch Zusammensetzung der Maschenarten und Häkelstiche der deutschen Häkelei ohne Luftmaschen oder höchstens mit einer Luftmasche abwechselnd entstehen dichte piqucartige Muster. Durchbrochene Muster entstehen durch die Verbindung von Luftmaschen mit anderen Maschenarten. Durch Anwendung mehrerer verschiedenfarbiger Fäden als auch von Perlen, Schnüren und Borten können verschiedenartige Muster ausgeführt werden. Abb. 14. 14 Die Anzahl der Maschen und Reihen, welche zur einmaligen Ausführung eines Musters erforderlich sind, nennt man einen Mustersatz. ' Verbindungen der Maschenarten zn piquöartigen Mustern. Um solche Muster aus zweierlei Masclienarten oder Häkelstichen zu bilden, werden diese in regelmäßiger Abwechslung an- und übereinander gereiht. Solche Muster sind sehr leicht ausführbar und können in der mannigfaltigsten Weise zusammengestellt werden. Sie dienen namentlich zur Ausführung von Tragbändern, Deckenbändern, Bettdecken u. dgl. und eignen sich hauptsächlich zu Gegenständen aus groben Garnen. Beispiele. Feste Maschen mit festen Maschen. 1. Reihe. 2 Maschen im russischen Stich, 2 Maschen im Strickstich. Bei allen folgenden Reihen wird der russische Stich über den russischen, der Strickstich über den Strickstich gearbeitet u. s. s. *) l Feste Maschen mit Luft Maschen 1. Reihe. 1 feste Masche, 1 Luftmasche. 2. Reihe. Wie die 1., doch wird die Luftmasche über die feste, und diese über die Luftmasche der untern Reihe ausgeführt. » Feste Maschen mit einfachen Stäbchen. 1. Reihe. 1 Masche im Rosenstich, 1 Masche der untern Reihe übergehend, 3 einfache Stäbchen in die zweitfolgende Masche; 1 Masche übergehend. 2. Reihe. Zurückgehend: die feste Masche in die mittlere der 3 Stäbchen, die 3 Stäbchen in die feste Masche der untern Reihe. Feste Kettenmaschen mit Knöpfchenmaschen. I.Reihe. 2 Knöpfchenmaschen, 2 feste Kettenmaschen. 2. Reihe. Die Knöpfchenmaschen über die festen Kettenmaschen und umgekehrt. Feste Maschen mit Büschelmaschen. 1. Reihe. 1 Masche im Rosenstich, 1 Büschelmasche. 2. Reihe zurückgehend nur im Rosenstich. Wickel st äbchen und Doppel waschen. 1. Reihe. 2 Wickelstäbchen, 2 Doppelmaschen. 2. Reihe versetzt. Andere Maschcnverbindungen. wodurch auch piqucartige Muster entstehen, sind solche, wobei gewisse Maschenarten aus einem Grunde von festen Maschen hervorragen. Solche Maschen werden Reliefmaschen genannt. Sind sie derartig zusammengestellt, daß sie Büschel bilden, dann heißen sie Reliefmuschen. *) Die angegebenen Muster werden, wo es nicht ausdrücklich bemerkt ist, nur aus einer Seite gearbeitet. 15 ES gibt zweierlei Arten der Reliefmaschen. 1. Solche, welche in einen Grund von festen Maschen gearbeitet sind und auf diesem hervorragen. 2. Solche, welche über einen Grund von festen Maschen gearbeitet sind, über 2 oder mehrere Reihen desselben Herabgreifen. Wir geben in Folgendem nur die Ausführung der Reliefmaschen und Muschen an. Es ist daher vorausgesetzt, daß einige Reihen mit festen Maschen vorhanden sind. Auch müssen vor und nach jeder Musche einige feste Maschen gearbeitet werden. Es können mit denselben die verschiedenartigsten Muster zusammengestellt wcrden. Namentlich eignen sich solche dazu, welche auf Grundlage geometrischer Formen beruhen. Reliefmuschen dürfen nicht zu dicht aneinander gereiht werden, weil sonst die Arbeit ein schwerfälliges Ansehen erhält. 1. Art der jielicsnmschen. Diese können mit jedem beliebigen Stich mit festen Maschen ausgeführt werden. Abb. 15. Abb. 16. Schlingenmuschen. (Abbildung 15.) Die Nadel unter die wagrechten Glieder der nächsten Masche führen; den Faden auf die Nadel legen, als Schlinge durchziehen und 4 Luflmaschen machen; den Faden auf die Nadel legen, beide auf der Nadel befindlichen Schlingen zusammenschürzen. Geschlossene Stäbchenmuschen. (Abb. 16.) 4 einfache Stäbchen, welche nur zur Hälfte vollendet werden, so daß nach der 16 Abb. 17. Ausführung des 4. Stäbchens 5 Schlingen auf der Nadel sind, welche mit einer Schlinge zusam« mengeschürzt werden. Offene Stäbchenmuschen. (Abb. 17.) 5 einfache Stäbchen in die nächste Masche, die Nadel aus der Schlinge herausziehen, in das 1. der 5 Stäbchen führen; die freigelassene Schlinge des letzten Stäbchens fassen, den Faden auf die Nadel legen, durch beide auf der Nadel befindlichen Schlingen ziehen. 2. Ari der Ueliefmaschen. Diese Maschen können bei verschiedenen Häkelstichen angewendet werden, doch eignen sich namentlich der gerippte Häkel stich und der Kettenstich hiezu, weil die freiliegenden Vorderglieder der Neihen als Anheftungspunkte dienen. Bei dem ersten Stiche sind 3 Reihen erforderlich, bevor die erste Reihe mit Reliefmaschen ausgeführt werden kann, bei dem 2. genügen 2 Reihen. Im Folgenden ist nur die Ausführung der Reliefmaschen selbst angegeben, daher die vorangegangene Vollendung der ersten 2 oder 3 Reihen vorausgesetzt ist. Relief st äbchen. (Abb. 18.) 1 feste Masche, 1 eins. Stäbchen in das freistehende wagrechte Maschenglieo Abb. 18. der 2. Masche der 1. Reihe. Jene Masche der unteren Reihe, welche durch das Stäbchen gedeckt wird, ist zu übergehen. Die Anzahl der glatten Reihen, welche über jede Musterreihe ausgeführt werden, richtet sich nach dem betreffenden Muster, doch darf beim gerippten Häkelstich immer nur eine ungleiche Anzahl ausgeführt werden, damit die Neliesstäbchen immer auf dieselbe Seite kommen. Diese Stäbchen können auch in schiefer Lage nach rechts oder links geneigt ausgeführt werden. Bei Ausführung der Neliefmaschen sind. immer jene Maschen der untern Reihe zu übergehen, welche durch diese Maschen gedeckt werden. Neliesstäbchen von der Kehrseite der Arbeit auszuführen. 1 feste Masche, die Nadel in die nächste Masche führen, den Faden auf die Nadel legen, durch die Masche durchziehen, den Faden auf die Nadel legen; die Nadel in das freiliegende wagrechte Maschenglied der 2. Masche der r».. ^ v M x, 1. Reihe der Kehrseite führen, (diese bildet dann die rechte Seite der Arbeit), den Faden auf die Nadel legen, als Schlinge durchziehen ; den Faden auf die Nadel legen, die zwei nächsten Schlingen zusammenschürzen, den Faden auf die Nadel legen, die 3 übrigen Schlingen zusammenschürzen. Offene und geschlossene Stäbchen muschen werden in gleicher Weise ausgeführt wie bei der ersten Art, doch greifen sie, wie die Reliefstäbchen, in die vorletzte Reihe zurück. Dasselbe ist bei Wickelstäbchen, Doppelmaschen u. dgl. der Fall, wenn sie als Reliefmaschen angewendet werden. Dichte Muster mit 2 oder mehrere» Läden von abstechender Farbe. Zur Ausführung dicht gehäkelter Gegenstände mit zweierlei Fäden kann je nach dem Zwecke des Gegenstandes Baumwolle, Häkelspagat, Schafwolle, Seide, Gold- oder Silberfaden verwendet werden, doch müssen die Fäden von gleicher Dicke sein. Bei Ausführung solcher Arbeiten sind die Fäden dem Muster entsprechend zu wechseln. Hiebei ist zu beachten, daß jene Masche, welche einer Masche in anderer Farbe vorangeht, nicht mit dem Faden geschlossen werden darf, womit sie ausgeführt wurde, sondern die 2 letzten Schlingen mit dem andersfarbigen Faden zusammenznschürzen sind. Zur Ausführung von Mustern in dieser Art werden häufig Typenmuster (Tupfmuster) als Vorlagen benützt. Darunter werden solche Muster verstanden, welche in ein Quadratnetz gestellt sind. Die einzelnen Quadrate des Netzes können entweder auf einer Seite (gerade carrirt) oder auf der Spitze aufstehend (schief carrirt) gezeichnet sein. Zu der eben angeführten Arbeit werden erstere benützt. ES eignen sich hiezu namentlich feste Maschen, Büschclmaschen und einfache Stäbchen. Auch können zweierlei Maschenarten in Verbindung gebracht werden, deren Höhe und Breite einander entsprechen, z. B. feste Maschen und feste Wickelmaschen u. dgl. Bei der Ausführung solcher Arbeiten ist hauptsächlich darauf zu achten, daß Maschen- und Reihenzahl der Quadratur des Musters entsprechen, da sonst das Muster ein Zerrbild wird. Wenn man daher ein solches Muster mit festen Maschen arbeiten will, wird man, nachdem, wie schon früher erwähnt, eine richtig gehäkelte feste Masche ein Quadrat bildet, für jedes Quadrat des Tupfmusters eine Masche berechnen, deren Breite die Höhe einer Reihe entspricht. Wünscht man ein Muster zu vergrößern, dann kann man für jedes Quadrat 2 Maschen berechnen, deren Breite die Höhe zweier Reihen entspricht u. s. f. Um solche Muster mit einfachen Stäbchen zu arbeiten, sind für ein Quadrat 3 Stäbchen zu berechnen, deren Breite die Höhe einer Reihe entspricht. Auch mit Reliefstäbchen können Muster mit mehreren Farben ausgeführt werden. Handarbeitskunde. >. Abth. 2 Bei Häkelstichen, welche hin- und zurückgehend gearbeitet werden, sind jene Fäden, mit welchen eben nicht gearbeitet wird, zu überhäkeln. Wenn nur auf einer Seite gearbeitet wird, können die freien Fäden auf der Kehrseite lose liegen bleiben oder mit eingehäkelt werden. Das Letztere ist namentlich bei solchen Gegenständen anzuwenden, welche nicht gefüttert werden. Bri Arbeiten mit Stäbchenmaschen hat das Ueberhäkeln der freien Fäden in folgender Weise zu geschehen: Der Faden, welcher auf die Nadel gelegt wird, um das Stäbchen damit auszuführen, ist unterhalb deS freien Fadens hervorzuholen. Die beiden ersten Schlingen werden zusammengeschürzt und der freie Faden erst bei dem Zusammen- schürzen der beiden letzten Schlingen überhäkelt. Das Häkeln über Kchnur und Borte. Gewisse Arbeiten, Tassen, Herrenmützen u. dgl. werden häufig über eine Einlageschnur ausgeführt, theils um dem Gegenstände mehr Festigkeit zu geben, theils um, wie z. B. Strumpfbänder, diesen dehnbar zu machen. Zu letzterem Zwecke werden elastische Schnüre angewendet. Hiebei wird keine Anschlagreihe ausgeführt und die Schnur mit festen Maschen dicht überhäkelt, damit sie nicht durchzusehen ist. Eine andere Art über Schnur oder Borte zu häkeln ist jene, wobei diese derart zwischen den Maschen hervortreten, daß sie ein Muster bilden. Hiezu werden gewöhnlich feste Maschen angewendet. Die Breite der einzuhäkelnden Borte muß der Höhe einer Masche entsprechen. Diese Arbeit ist namentlich mit Gold- oder Silberborte und Seide ausgeführt, sehr effektvoll und können zu derselben ebenfalls Tupfmuster als Vorlagen benützt werden. Bei jenen Maschen, welche das Muster bilden, muß die Borte derart hervortreten, daß die Maschen hinter derselben gearbeitet werden; bei jenen, welche den Grund bilden, werden die Maschen vor der Borte gearbeitet. In dieser Weise ausgeführt, bildet die querliegende Borte das Muster, doch kann diese auch den Grund bilden. Das Häkeln mit perlen. Dieses wird zur Ausführung von Geldbörsen, Herrenmützen u. dgl. angewendet und gewöhnlich mit Seide, kleinen Gold-, Silber- oder Stahlperlen ausgeführt, und zwar so, daß die Perlen das Muster bilden. Die Perlen werden vor Beginn der Arbeit an den Arbeitsfaden gereiht. Zur Ausführung derselben sind feste Maschen am verwendbarsten. Es wird hiebci in folgender Weise vorgegangen: Nachdem die 1. Schlinge durch die Masche der untern Reihe durchgezogen ist, wird die Perle an die Masche angeschoben und diese geschloffen. Hiedurch 19 kommen die Perlen auf die Kehrseite der Arbeit zu stehen, welche nach Vollendung dieser die Rechtsseite ist. Diese Arbeit wird gewöhnlich nur auf einer Seite ausgeführt und können hiezu ebenfalls Typenmuster als Vorlagen benützt werden. Das Häkeln durchbrochener Muster. - Um solche Muster auszuführen, sind Luftmaschen in Verbindung mit anderen Maschenarten anzuwenden, wozu sich namentlich feste Maschen, Stäbchenmaschen, Knöpfchenmaschen, Büschelmaschen, Wicketstäbchen, auch offene und geschlossene Stäbchcnmuschen eignen. Feste Wickelmaschen und Doppelmaschen sind hiezu weniger anwendbar. Wir unterscheiden zweierlei Arten durchbrochener Muster, und zwar: 1. Solche Muster, welche auf Grundlage geometrischer und ornamentaler Formen beruhen. 2. Spitzenartige Muster. Erstere werden häufig nach carrirten Typenmustern gearbeitet, wobei man jedoch stets an die Quadratur des Netzes gebunden ist. Sie werden übrigens auch ohne das Netz, in beliebiger Weise zusammengestellt und lassen in diesem Falle mehr Mannigfaltigkeit zu, weil man nicht durch das Netz an bestimmte Maschen- und Reihenzahl gebunden ist. Muster, welche auf Krundlage geometrischer und ornamentaler Können beruhen. Man kann beim Häkeln durchbrochener Arbeiten sowol solche Muster als Vorlagen benützen, welche in ein gerades, als auch solche, welche in ein schiefes Netz gestellt sind. Muster, welche in ein gerades Netz gestellt sind, und deren Art der Ausführung der viereckige Häkelstich genannt wird, kann man auf Serlei Arten ausführen. 1. Im Quadrathäkelstich, wobei Grund und Muster dem Typenmuster genau entsprechen. 2. Im versetzten Quadrathäkelstich, wobei der Grund durch versetzte Quadrate gebildet ist. 3. Im Recht eck stich, wobei der Grund Rechtecke darstellt. 4. Im versetzten Rechteckstich, wobei der Grund durch versetzte Quadrate gebildet ist. 5. Im Kreuzstäbchenstich und mit ineinandergreifenden Stäbchenmaschen. Bei Ausführung des Quadrathäkelstiches sind für jedes Quadrat des Typenmusters 3 Maschen Breite und 1 Reihe Höhe zu berechnen. 2 * 20 Daher sind dreimal so viele Maschen anzulegen, als das Muster Quadrate enthält. Außerdem sind noch für den Beginn der 1. Reihe 3 Maschen, und als Abschluß des letzten Quadrates ist eine Masche hinzuzurechnen. Man wendet zur Ausführung dieser Muster Luftmaschen und einfache Stäbchenmaschen an. Jedes leere Quadrat erfordert 1 Stäbchen und 2 Luftmaschen, jedes Musterquadrat 3 Stäbchen. Die Luftmaschenquadrate müssen immer mit einem Stäbchen beginnen und enden. Wenn daher ein Muster- quadrat zwischen zwei leeren Quadraten steht, so wird das erstere 4 Stäbchen enthalten müssen, da sich das Schlußstäbchen des vvranstehenden leeren Quadrates den 3 Stäbchen des Musterquadrates anschließt, demnach werden 2 nebeneinanderstehende Musterquadrate 7 Stäbchen enthalten u. s. w. Diese Muster können auf einer Seite und auch hin- und zurückgehend gearbeitet werden, doch ist die erstere Art vorzuziehen, weil die Arbeit hübscher aussieht, namentlich dann, wenn nur die rückwärtigen wagrechten Maschenglieder aufgenommen werden. Wird mit hin- und zurückgehenden Reihen gearbeitet, dann können abwechselnd bei einer Reihe die rückwärtigen, bei der andern die vorderen Maschenglieder aufgenommen werden, wodurch dann die freiliegenden wagrechten Glieder nur aus einer Seite hervortreten und die Arbeit eine Rechts- und eine Kehrseite erhält. Abb. 19. Mb. 2N. Abb. 19 stellt ein Typenmuster, Abb. 20 dieses Muster in obiger Weise ausgeführt dar. MtzWMjMT Der versetzte Quadratstich wird mit Luftmaschen und doppelten Släbchenmaschen gearbeitet. Es sind Hiebei 4 Maschen Breite und 1 Reihe Höhe zu berechnen. Daher sind viermal so viele Maschen anzulegen, als das Muster Quadrate enthält. Auch hier muß eine Abschlußmasche hinzugerechnet werden. Die Anzahl der Luftmaschen für den Beginn der ersten Reihe muß der Höhe der Stäbchen entsprechen. 21 Nachdem sich hier auch, wie bei dem voranstehendcn Muster, das Abschlußstäbchen des leeren Quadrates dem Musterquadrate anschließt, so wird jedes einzelnstehende Musterquadrat 5, zwei neben» ei na »der stehende Musterquadrate jedoch werden !> Stäbchen enthalten. Abb. 2 t stellt ein Typenmuster, Abb. 22 dieses Muster im versetzten Quadratstich dar. Abb 21. Abb. 22. Bei dem Grund, welcher versetzte Quadrate bildet, werden nicht, wie bei dem Quadrathäkelstich Stäbchen über Stäbchen und Luftmaschen über Luftmaschen gestellt, sondern die Stäbchen müssen immer in die mittlere der 3 Luftmaschen gearbeitet werden. Aus dieser Ursache schließen sich häufig halbe durchbrochene Quadrate an die Musterquadrate an. Solche werden dann nur aus einer Luftmasche und einem Stäbchen gebildet. Der Rechteckstich (Abb. 23) wird dem Quadrathäkelstich ähnlich, auch mit Luftmaschen und einfachen Stäbchen gearbeitet. Nach- dem man hiczu dieselben Vorlagen benutzt, wie zu letzterem, so bleibt die Berechnung der Maschen- und Reihenzahl diesem gleich. Es werden jedoch bei Ausführung des Grundes stets 2 Quadrate zusammengezogen, . Abb. 23. d. h. das Schlußstäbchen des 1. Quadrates wird stets weggelassen und daher werden für je 2 Quadrate 5 Luftmaschen gearbeitet. Bei diesem Häkelstiche werden die Rechtecke gleichmäßig über- cinandergestellt. Bei dem versetzten Rechteckstich (Abb. 24) werden die Quadrate wie bei dem versetzten Quadratstich versetzt, d. h. die Stäb- Abb. 24. NMM ^EMUWWKi MMM WMWM chen des Grundes müßen in die mittlere der 5 Luftmaschen gearbeitet werden. Auch Hiebei müssen häufig halbe Rechtecke ausgeführt werden, welche dem Stiche entsprechend gearbeitet werden müssen. Die versetzten Suche eignen sich namentlich zu arabeskenartigcn Mustern. Der Kreuz st äbchen stich (Abb. 25). Dieser wird mit einfachen Kreuzstäbchen und mit ineinandergreifenden dreifachen Stäbchenmaschen gearbeitet. Es werden Hiebei für jedes Quadrat 4 Maschen Breite und eine Reihe Höhe berechnet. Die leeren Quadrate des Typenmusters werden 23 mit je einem Kreuzstäbchen, besten Breite 4 Maschen einnimmt, ausgeführt. Jedes Musterquadrat enthält 4 Maschen, so daß zwei nebeneinanderstehende Musterquadrate 8 Maschen enthalten müssen u. s. w. Alle diese Muster können auch so ausgeführt werden, daß Grund und Muster je von anderer Farbe ist. Die Berechnung der Maschen- zahl ist dieselbe wie oben. Das Wechseln der Fäden geschieht wie bei den dichten Mustern dieser Art. Wenn z. B. der Grund weiß, das Muster braun dargestellt werden sollte, so wäre die 2. Luftmasche vor jedem Musterquadrat mit braun zu arbeiten, und das letzte Stäbchen jedes Musterquadrats, welches vor einem durchbrochenen steht, mit weiß zu schließen. Man nimmt Hiebei gewöhnlich jenen Faden über die linke Hand, mit welchem eben gehäkelt, es findet daher ein häufiger Wechsel der Fäden statt. Der eben unbenützte Faden wird so überhäkelt, daß der Arbeitsfaden sowol bei Ausführung der Luftmaschen als auch der Stäbchen immer unter demselben hervorgeholt wird. Bei Ausführung der Stäbchen muß er zwischen die obern Glieder treten. Eine andere Art durchbrochene Muster mit 2 Farben auszuführen: Das Verhältnis der Maschen zu den Quadraten ist wie oben. Wenn die Anschlagreihe vollendet und das 1. Stäbchen zur Hälfte geschlossen ist, wird jener Faden, womit das Muster ausgeführt werden soll, zwischen Arbeitsfaden und Maschenschlingen gelegt, das Stäbchen geschlossen und für jedes durchbrochene Quadrat über diesen Faden 2 feste Maschen und 1 Stäbchen ausgeführt, das letztere wird in die entsprechende Masche der untern Reihe gearbeitet. Die festen Maschen umschließen den eingelegten Faden und vertreten die Stelle der Luftmaschen. Das Wechseln der Fäden findet wie oben statt. Die Musterquadrate werden mit einfachen Stäbchen mittelst des eingelegten Fadens ausgeführt. Die Ausführung von Mustern, welche in schiefes Netz gestellt sind, nennt man den Netz häkelst ich. Der durchbrochene Grund desselben wird aus Luftmaschen und festen Ketten- oder festen Maschen gebildet. Die Ausführung dieses Grundes ist folgende: 1. Reihe: 1 feste Masche, 7 Luftmaschen, 5 Maschen übergehen. 2. Reihe: wie die 1., doch werden die Bogen versetzt, so daß ein Bogen zwischen je 2 Bogen der untern Reihe zu stehen kommt und die feste Masche in die Mittelmasche des Luftmaschenbogens der untern Reihe gearbeitet wird. Abb. 25. KAM« WWW — 24 Die Bogen können größer oder kleiner ausgeführt werden, doch dürfen sie stets nur eine ungleiche Anzahl Luftmaschen enthalten. Auch sind mindestens 2 Luftmaschen mehr zu arbeiten, als Abb. 26. Anschlagmaschen Übergängen werden. Bei jenen Reihen, welche mit einem halben Bogen beginnen und schließen, sind zu Anfang und Ende Stäbchenmaschen in entsprechender Höhe zu arbeiten, damit die Kanten nicht einziehen. Für jede Netzquadratreihe sind 2 Reihen aus- zuführen, wovon stets die 2. Reihe der untern Qua- dratreihe die 1. der folgenden bildet. Die Musterquadrate werden mit doppelten Stäbchenmaschen oder Wickelstäbchen gearbeitet und sind für jedcs derselben je nach der Größe des Bogens 5—7 Stäbchenmaschen in die feste Masche der untern Reihe auszuführen. Wenn Wickelstäbchen angewendet werden, müssen verhältnismäßig weniger gearbeitet werden, weil sie mehr Raum einnehmen, als die andern Stäbchenmaschen. Jedes Quadrat, ob dicht oder durchbrochen, ist mit einer festen Masche zu beginnen und zu enden. Daher müssen die Stäbchenmaschcn jedes Musterquadrats in eine feste Masche der untern und zwischen 2 feste Maschen der eben auszuführenden Reihe zu stehen kommen. Schließt bei der folgenden Reihe ein Musterquadrat sich an ein solches der untern Reihe an, dann werden die Stäbchen des Musterquadrats in die feste Masche gearbeitet, mit welcher das Mustcrquabrat der untern Reihe beginnt und die feste Masche, welche daL Musterquadrat schließt, wird in die mittlere Stäbchenmasche des Musterquadrats der untern Reihe ausgeführt. Die Bogen können auch doppelt gelegt werden, indem nach jeder Musterreihe eine Bogenreihe in solcher Weise gearbeitet wird, daß Bogen über Bogen und feste Maschen in feste Maschen gearbeitet werden. Bei der nächsten Musterreihe sticht man in die Mittelmasche des untern Bogens und schließt beide Bogen mit einer festen Masche zusammen. Durch diese Art der Ausführung wird das Muster nur auf einer Seite gearbeitet, wodurch die Arbeit eine rechte und eine verkehrte Seite erhält. Zu dieser Art der Arbeit eignen sich namentlich nur schieflinige Muster. Abb. 26 stellt ein Typenmuster im schiefen Netz, Abb. 27 ein solches Muster in Häkelarbeit mit doppelten Bogen dar. Adb. 27. - 25 — Abb, 28. Abb, 3V. Andere Muster, welche auf Grundlage geometrischer Formen beruhen, jedoch nicht an die Quadratur gebunden sind, lassen sich aus allen Maschenarten in der mannigfaltigsten Weise zusammenstellen. Sie bilden den Uebergang zu den spitzenartigen Mustern. Unter Abb. 28—33 geben wir beispielsweise einige Muster. Abb. 28 ist aus senkrechten, Abb. 29 aus wagrechten, Abb. 30 aus schiefen Streifen zusammengestellt. Bei Abb. 31 bis 33 dienen Quadrate, Rechtecke und Dreiecke als Motive. solche Abb. 29. Abb. 31. Abb. 32. Abb. 33. 26 Hpihenarlige Muster. Diese werden meist mit Luftmaschen, festen Kcttenmaschcn, festen Maschen, Stäbchenmaschen und Wickelstäbchcn, auch in Verbindung mit Mignardise, gehäkelter Guimpe ü. dgl. ausgeführt. Namentlich werden hiezu die sogenannten Picots verwendet. Unter PicotS versteht man kleine Jäckchen, deren es dreierlei Arten gibt: 1. dichte Picots, 2. Luftmaschenpicots, 3. Spitzenpicots. Dichte Picots. Von diesen werden wieder unterschieden: a) kleine Picots, d) große Picots, e) spitzige Picots, ä) Blättchenpicots. Von den letzteren unterscheidet man wieder runde und spitzige Blättchenpicots. Kleine runde Picots: 3 Luftmaschen zurückgehend, in die 2. und 1. derselben je eine feste Masche. Große runde Picots: 5 Luftmaschen, in die 2 ersten derselben je 1 Stäbchen. Spitzige Picots: 6 Luftmaschen, über die 5 ersten derselben zurückgehend, 1 feste Kettenmasche, 1 feste Masche, 1 halbes Stäbchen, 1 einfaches Stäbchen, 1 doppeltes Stäbchen. ^ Runde Blättchenpicots: 4 Luftmaschen, in die 1. derselben 3 Stäbchen, 3 Luftmaschen, I feste Kettenmasche in diejenige Masche, in welche die Stäbchen ausgeführt worden sind. Spitzige Blättchenpicots: 6 Luftmaschen, 1 doppeltes Stäbchen in die 1. derselben. Das Stäbchen darf jedoch nicht ganz geschloffen werden, sondern es müssen 2 Schlingen auf der Nadel bleiben, es werden noch 2 solche Stäbchen in dieselbe Masche ausgeführt und schließlich alle Schlingen zusammengeschürzt. 5 Luftmaschen, 1 feste Kettenmasche in diejenige Masche, in welche die Stäbchen ausgeführt worden sind. Luftmaschenpicots. Von diesen werden unterschieden: ») kleine Luftmaschenpicots, 27 d) große Luftmaschenpicots, o) Wickelpicots, ä) Picots nach abwärts. Kleine Luftmaschenpicc selben 1 feste Masche u. s. f. Große Luftmaschenpicots: 5 Luftmaschen, in die 1. derselben 1 Stäbchen u. s. f. Wickelpicots: 5 Luftmaschen, in die 1. derselben 1 Wickelstäbchen u. s. f. Picots nach abwärts: (Abb. 34.) 5 Luftmaschen, die Nadel aus der Schlinge ziehen, in die 1. der Luftmaschen führe», die freigelassene Schlinge fassen, durch die Masche durchziehen. ts: 5 Luftmaschen, in die 1. der- Abb. 34. Spitzenpicots. Von diesen unterscheiden wir: a) Spitzenpicots mit Luftmaschen, d) Spitzenpicots mit festen Maschen. Spitzenpicots mitLuft- maschen. (Abb. 35.) 2 Luftmaschen, die Nadel in die 1. derselben führen, den Faden auf die Nadel legen, als Schlinge durchziehen, 2 Luftmaschen. Es sind nun 2 Schlingen auf der Nadel, -je die Nadel aus beiden Schlingen herausziehen, in die 2. Schlinge und zugleich in die 1. der Luftmaschen führen, den Faden als Schlinge durch die Lustmaschen durchziehen, 2 Luftmaschen von * wiederholen. " Abb. 35. Spitzenpicots mit festen Maschen. (Abb. 36.) Es ist zunächst eine Luftmaschenkette auszuführen. Ueber diese Kette arbeitend: 1 feste Masche, die Schlinge dieser Masche so lang ziehen, als das Picots hoch ^werden soll, die Nadel aus der Schlinge ziehen; zwischen 28 die wagrechten Glieder der eben gehäkelten Maschen führen, den Faden auf die Nadel legen, als Schlinge durchziehen, 1 feste Masche in die nächste Masche u. s. f. Abb. 36. Es können auch einfache Muster man sie reihenweise übereinander stellt. Die Picots dienen hauptsächlich zur Ausführung spitzen- ähnlicher Muster, doch können sie sowol als Abschluß von Arbeiten, als auch anstatt einer Anschlagreihe diene». In diesem Falle muß die 1. Reihe in die querliegenden festen oder Stäbchenmaschen ausgeführt werden. Spitzenpicots können zu diesem Zwecke nach auf- oder nach abwärts gelegt werden. Im ersten Falle werden sie mit festen oderStübchenmaschen über- häkelt, indem zwischen je 2 Maschen eine Luftmasche ausgeführt wird. daraus gebildet werden, wenn Guimpenhäkelei. Zur Ausführung dieser Häkelei ist eine Metallnadel in Form einer großen Haarnadel erforderlich. Man kann zu dieser Arbeit jedes beliebige Garn verwenden, doch eignen sich namentlich Schafwolle und Seide dazu. Zu Gegenständen, welche der Wäsche unterliegen, ist diese Arbeit weniger empfehlenswert, weil sie durch das Waschen leicht an Schönheit verliert. Sie wird immer mit anderer Häkelei in Verbindung gebracht und dient namentlich als Abschluß solcher Arbeiten, welche mit Fransen versehen werden, indem die Oehrche» zum Einknüpfen der letzteren dienen. Es giebt derlei Arten gehäkelter Guimpe: einfache, doppelte, Stäbchen- und Muschenguimpe, Guimpe mit zweierlei Faden. Einfache Guimpe: Den Faden wie gewöhnlich über die Finger legen und eine Schlinge bilden; die Häkelnadel aps der Schlinge herausziehen, den links liegenden Stab der Metallnadel von unten nach aufwärts Hineinschieben und den Stab zwischen Daumen und Zeigefinger der linken Hand nehmen. Der Arbeitsfaden muß der Arbeitenden zugekehrt sein und die Schlinge muß so lang sein, daß sie bis zur Mitte der Nadel reicht. Den Faden um den rechten Stab der Nadel legen, die Häkelnadel in die über dem linken Stab liegende Schlinge führen; den Arbeitsfaden 2 » Abb. 37. fassen, durch die Schlinge durchziehen (hicdurch entstand' um den rechten Stab ebenfalls eine Schlinge), den Faden auf die Nadel legen, durch die auf der Häkelnadel befindliche Schlinge durchziehen, * den Faden um den linken Stab legen, die Metallnadel nach rechts wenden, daß d?r Faden den nun rechts- liegenden Stab umschließt, die Häkelnadel in jene Schlinge führen, welche den linksliegenden Stab umschließt; den Faden auf die Nadel legen, als Schlinge durchziehen, den Faden auf die Nadel legen, beide auf der Nadel befindliche Schlingen zusammenschürzen. (Dies bildet eine feste Masche um die zunächst liegende Schlinge des linksliegenden Stabes.) Vom * wiederholen. Doppelte Guimpe: Diese wird ebenso begonnen und ausgeführt, doch werden stets 2 feste Maschen nebeneinander gestellt. Stäbchenguimpe:Jn jede Schlinge 1 feste Masche und 2 einfache Stäbchen. Muschenguimpe: Anstatt fester Maschen werden Büscheln gearbeitet. Guimpe mit zweierlei Faden: Es wird ein andersfarbiger Faden angelegt, die festen Maschen darüber gearbeitet. Dieser Faden muß immer unmittelbar neben den festen Maschen gewendet werden. Das Häkeln geometrischer Formen. Da alle weiblichen Handarbeiten auf Grundlage geometrischer Formen beruhen, so ist die Kenntnis der Ausführung derselben sehr wichtig. Die bei den weiblichen Handarbeiten am häufigsten vorkommenden Formen sind: Das Rechteck, das Quadrat, das Dreieck, das Trapez, der Rhombus oder die Raute, das Sechseck, das Achteck, der Kreis. 30 Mit der deutschen Häkelei können durch Zu- und Abnehmen alle Formen, in jeder beliebigen Maschenart, dicht oder durchbrochen ausgeführt werden. Das Zunehmen bei der deutschen Häkelei geschieht entweder mit Luftmaschen oder indem man nach Erfordernis 2 oder mehrere Maschen meine Masche arbeitet. Bei höheren Maschenarten müssen selbstverständlich verhältnismäßig mehr Maschen aufgenommen werden, als bei niederen Maschenarten, weil die einzelnen Reihen bei jenen höher sind als bei den andern. So wird man z. B., wenn man bei einer geometrischen Form mit festen Maschen 1 Masche aufnimmt, bei derselben Form, wenn sie mit einfachen Stäbchen gearbeitet wird, 2 Maschen aufnehmen. Das Abnehmen geschieht entweder durch das Uebergehen der abzunehmenden Maschen oder man nimmt zwei oder mehrere Maschen- schlingen der vorhergehenden Reihe auf die Nadel und schürzt sie mit einer Schlinge zusammen. Man nimmt auch ab, indem man die letzten Maschen einer Reihe nicht abhäkelt. Rechtecke. Diese können von der schmalen oder breiten Seite ausgeführt werden, indem eine entsprechende Anzahl Maschen angelegt und eine erforderliche Anzahl Reihen ausgeführt wird. Sie finden Anwendung bei Streifen, Decken, Teppichen u. dgl. Kuadrate. Diese können in verschiedener Weise gearbeitet werden. Sie werden ^ Abb. 38. ' zur Ausführung von Tüchern, Tep- ' pichen u. dgl. angewendet. Quadrate von einer der Umfangslinien aus gearbeitet, mit festen Maschen: Diese werden stets so hoch gearbeitet, als sie breit sind. Die Anzahl der erforderlichen Reihen richtet sich nach der Höhe der Maschenart. Quadrat mit festen Maschen von der Spitze ausgeführt. (Abb. 38.) : 2 Maschen anlegen, die Arbeit wenden, in die 1. Masche 2 oder auch 3 Maschen arbeiten. Bei jeder folgenden Reihe wird zu Anfang und zu Ende 1 Masche aufgenommen, indem in die 1. und letzte Masche je 2 Maschen gearbeitet werden. Wenn das Quadrat die erforderliche Breite erreicht hat, wird in demselben Verhältnis bis auf eine Masche abgenommen, indem die erste und vorletzte Masche jeder Reihe Übergängen wird. r L» .L L rr« Dasselbe Quadrat mit einfachen Stab- Abb. 39 chenmaschen: 4 Maschen anlegen, in die 1. 3 Stäbchen. Bei jeder folgenden Reihe in die 1. und letzte Masche 3 Stäbchen. Das Abnehmen findet in demselben Verhältnisse statt, indem die Anfangs- und Endmaschen jeder Reihe Übergängen oder zusammen- gehäkelt werden. Quadrat mit festen Maschen von einer der Ecken aus gearbeitet. (Abb. 39.) 2 Maschen anlegen, in die 1. derselben 3 feste Maschen. Bei jeder folgenden Reihe in die mittlere der 3 festen Maschen wieder 3 feste Maschen. Quadrat von einer der Umfangslinien ausgeführt. (Abb. 40.) Eine Maschenzahl anlegen, die der Größe der Umfangslinien entspricht, jedoch ungerade sein muß, und eine Reihe fester Maschen darüber häkeln. Bei der 2. Reihe werden die beiden letzten Maschen nicht ge- Abb. 40. bäkelt, die Arbeit gewendet, eine Luflmasche gemacht und alle Maschen abgehäkelt,. zu Ende der nächsten Reihe werden die 2 letzten Maschen wieder nicht abgehäkelt. Man arbeitet so fort bis auf eine Masche. Ueber diese wird wieder eine gearbeitet, und diese wird nochmals abgehäkelt, und die beiden Nächstliegenden freistehenden ebenfalls. Die Arbeit wenden und zu- rückhäkeln. Es werden immer bei jeder 2. Reihe die 2 freistehenden Maschen mit abgehäkelt, bis das Quadrat abgeschlossen ist. Auf Grundlage dieses Quadrates beruht die Ausführung der Ecken bei Deckenrändern, Einsätzen zu Deckenkappen u. dgl., wenn diese der Quere nach gearbeitet werden. Abb. 41 zeigt eine derartig gearbeitete Ecke. Quadrate vom Mittelpunkte aus gearbeitet, mit Häkelstichen aus festen Maschen, welche nur auf einer Seite ausgeführt (Abb. 42) sind: 4 Luftmaschen mit einer festen Kettenmasche zur Rundung verbinden, indem man die Nadel in die 1. der Luftmaschen führt und eine feste Kettenmasche arbeitet. In jede der 4 Luftmaschen 3 feste Maschen, bei jeder folgenden Reihe stets in die mittlere Masche dieser 3 festen Maschen wieder 3 feste Maschen u. s. f. Solche Quadrate mit Häkelstichen, welche auf beiden Seiten gearbeitet werden, sind in derselben Weise anzufangen, doch wird stets zu Beginn jeder Reihe eine Luftmasche gemacht, in welche bei Schluß der Reihe die Häkelnadel hinein- Abb- 41. geführt wird, bevor man die letzte Masche abschließt. Bei Beginn der 2. und aller folgenden Reihen werden, bevor die Arbeit gewendet wird, 2 feste Kettenmaschen gemacht, um zu der Mittelmasche zu gelangen, welche die Ecke bildet, dann wird die Arbeit gewendet und eine Luftmasche gemacht. Bei Ausführung der beiden ersten Maschen der folgenden Reihen müssen dann sowol die Glieder der festen Kettenmaschen als auch die festen Maschen aufgenommen werden, damit die festen Kettenmaschen nicht zu sehen sind. Dasselbe Quadrat mit einfachen Stäbchenmaschen maschen, -se von noch 2mal wiederholen, 2 Stäbchen, mit einer festen Kettenmasche an die 4. der 7 Luftmaschen anschließen. Die erste dieser Lustmaschen bildet den Mittelpunkt des Quadrates, die 2. .3. und 4. bilden das 1. Stäbchen dieser Reihe und das 3. Stäbchen der 4. Stäbchenabtheilung. Wenn die 1. Reihe vollendet ist, muß sie 4 Stäbchenabtheilungen zu je 3 Stäbchen enthalten, welche durch je 3 Luftmaschen getrennt sind. 33 2. Reihe: 1 feste Kettenmasche in die nächste Luftmasche, 6 Luftmaschen, H i Stäbchen in die 3. Luftmasche, 3 Stäbchen über die nächsten 3 Stäbchen, l Stäbchen über die nächste Luftmasche, 3 Luftmaschen von ^ wiederholen. Bei der 4. Stäbchenabtheilung werden nur 4 Stäbchen gearbeitet und das letzte Stäbchen an die 3. der 6 ersten Luftmaschen mit einer festen Kettenmasche angeschlossen. Die folgenden Reihen werden in gleicher Weise ausgeführt, dadurch wird sich stets die Anzahl der Stäbchen bei jeder Abtheilung um 2 vermehren. Dieses Quadrat kann auch ohne Luftmaschen ausgeführt werden. In diesem Falle müssen selbstverständlich anstatt der Luftmaschen Stäbchen gearbeitet werden. Dreiecke. Diese werden sowol zur Ausführung von Tüchern als auch zu Zusammensetzungen, zu Decken und dergleichen verwendet. Die folgenden Dreiecke sind alle mit festen Maschen auszuführen. Das rechtwinklige, gleichschenklige Dreieck. Wenn das auf die Spitze gestellte Quadrat zur Hälfte ausgeführt ist, erhält man dieses Dreieck vom rechten Winkel ausgeführt. Dieses Dreieck von der Grundlinie auszuführen, wird die 2. Hälfte des auf die Spitze gestellten Quadrates gearbeitet, indem eiüe entsprechende Maschenzahl angelegt wird. Abb. 44. Abb. 45. Dasselbe Dreieck in anderer Weise von der Grundlinie auszuführen (Abb. 44): 4 Maschen anlegen, in die 3. und 1. Handarbeitskmide. 1. Abth. 3 34 derselben je 2, in die mittlere Masche 3 Maschen. Bei jeder folgenden Reihe in die l. und letzte Masche 2, in die mittlere 3 Maschen. Dieses Dreieck von einem der Schenkel auszuarbeiten (Abb. 45): Dieses wird ausgeführt wie die 1. Hälfte des 2. Quadrates mit der Diagonale, doch wird bei der 2. Reihe die vorletzte Masche Übergängen und die letzte abgehäkelt. Bei Beginn der 3. Reihe wird die 1. Masche Übergängen und so abwechselnd fort. Das stumpfwinklige Dneieck. 2 Maschen anlegen, in die l. derselben 3 Maschen, bei jeder folgenden Reihe zu Anfang und Ende je 2 Maschen aufnehmen. Das spitzwinklige Dreieck. 2 Maschen anlegen, in die 1. derselben 2 Maschen, zu Ende jeder folgenden Reihe eine Masche aufnehmen. Das gleichseitige Dreieck. Für die Ausführung dieses Dreieckes kann keine bestimmte Norm angegeben werden. Die ersten Reihen werden, wie bei dem rechtwinkligen, gleichschenkligen Dreieck ausgeführt, bei den folgenden Reihen wird etwas langsamer aufgenommen, als bei den letzteren, und muß Hiebei die Form des Dreieckes berücksichtigt werden. Die Dreiecke können übrigens von den verschiedenen Winkeln aus gearbeitet werden. Das Trapez. Dieses wird ausgeführt wie das rechtwinklige, gleichseitige Dreieck, von der Grundlinie aus; doch darf nur soweit gearbeitet werden, als die obere Weite des Trapezes betragen soll. Die Raute. Die l. Hälfte dieser wird, wie das spitzwinklige Dreieck gearbeitet, dann wird in demselben Verhältnis abgenommen, in welchem zugenommen worden. Wird das stumpfwinklige Dreieck geschlossen, indem im selben Verhältnisse abgenommen wird, in welchem zugenommen worden, so entsteht ebenfalls eine Raute. Das Sechseck mit festen Maschen: 2 Maschen anlegen, in die erste derselben 6 Maschen, in jede der Nbb. 46. 0 Maschen 3 Maschen. Bei jeder folgenden Reihe in jede der mittleren Maschen wieder 3 Maschen. Da die Sechsecke aneinander gestellt werden können, ohne daß Lücken entstehen, sind sie namentlich zu Zusammensetzungen für Decken und Teppichmuster sehr verwendbar. Achtecke werden in ähnlicher Weise gearbeitet, doch finden sie namentlich mit dichten Mustern ausgeführt seltener Anwendung. Die Kreisform. Mit festen Maschen. (Abb. 46.) 2 Maschen anlegen, in die erste derselben 4 Maschen, in jede dieser Maschen 2 35 Maschen. Bei der folgenden Reihe abermals in jede Masche 2 Maschen. Bei den übrigen Reihen ist in regelmäßigen Zwischenräumen so viel zuzunehmen, daß die Kreisform entsteht und die Arbeit immer flach liegt. Mit Stäbchenmaschen. Die Ausführung dieser Form beruht auf Grundlage des von der Mitte aus gehäkelten Quadrates mit Stäbchenmaschen. Doch darf Hiebei nicht in 4 regelmäßigen Zwischenräumen aufgenommen werden, sondern das Aufnehmen muß so vertheilt werden, daß die Kreisform entsteht. Auf Grundlage der Kreisform beruht die Ausführung der sogenannten Sterne, wobei namentlich zu beobachten ist, daß nicht ununterbrochen in der Runde gearbeitet werden darf, sondern daß jede Reihe abgeschlossen werden muß. Bei Sternen aus Luft- und Stäbchenmaschen wird zu Beginn und Ende der Reihen so gearbeitet, wie bei dem Quadrat mit einfachen Stäbchenmaschen. Bei Sternen, welche Luft- maschcnbogen enthalten, ist es oft nothwendig, über den 1. halben Bogen feste Kettenmaschen zu arbeiten, um zur Mitte desselben zu gelangen, und so den Beginn der Reihen möglichst unsichtbar zu machen. Den Beginn der Kreise kann man auch ohne Luftmaschen machen, indem man den Faden über dem Daumen kreuzt, eine Luftmasche bildet und die dadurch entstandene Schlinge überhäkelt. Viktoriahäkelei. Diese Häkelei wird auch der tunesische Häkelstich oder die Strickhäkelei genannt, weil bei derselben alle Maschen einer Reihe in ähnlicher Weise wie bei dem Stricken, auf eine Nadel gereiht werden. Sie bildet daher den Uebergong von der Häkelarbeit zur Strickarbeit. Diese Häkelei eignet sich namentlich zu Decken, Teppichen, Tüchern u. dgl. und wird stets nur auf einer Seite ausgeführt. Zu einer Musterreihe, d. h. einer vollständig abgeschlossenen Maschenreihe sind zwei Reihen erforderlich. Die erste, wobei die Schlingen aufgenommen werden, nennt man die Schlingenreihe, die zweite heißt die Schlußreihe, weil sie zum Abschluß für die erste Reihe dient. Arbeiten mit dieser Häkelei können dicht und durchbrochen ausgeführt werden, doch kann man nicht so mannigfaltige Muster arbeiten, wie bei der deutschen Häkelei. Röhrenförmige Arbeiten kaun man damit nicht machen. Häkelstiche in Viktoriahäkelei. Man unterscheidet bei dieser Häkelei verschiedene Häkelstiche, welche auf Grundlage der Maschenarten der deutschen Häkelei beruhen, und zwar : 3 * 36 g.) Einfache Schlingenstiche, d) doppelte Schlingenstiche, e) Luftmaschenstiche, ä) Doppelstiche, e) Stäbchenstiche, k) Wickelstiche, 8) Stiche mit Büschelmaschen, k) Stiche mit Doppelmaschen, i) Relicfstiche. Die meisten dieser Stiche beruhen auf der Ausführung einer Musterreihe, doch kann man sie beliebig auch aus mehreren verschiedenen Musterreihen zusammenstellen, auch kann man verschiedene Häkel- stiche mit einander in Verbindung bringen. Als Basis jeder Arbeit in Viktoriahäkelei ist eine Luftmaschen- kette erforderlich. Als Abschluß ist eine Reihe fester Kettenmaschen empfehlenswert. Einfache Schlingenstiche (Abl>. 47). Bei diesen Stichen wird bei der Schlingenreihe stets aus jeder Masche der unteren Reihe eine Schlinge aufgenommen, welche bei der Schlußreihe einzeln abgeschlossen Abb. 47. wird. Dieser Stich hat 2 senkrecht! senkrechte werden durch 2 wagrechte den beiden senkrechten. Schlingenreihe: Die letzte Masche der Luftmaschenkette übergehen (im weiteren Verlaufe der Arbeit werden bei den Schlingen- stichen zu Beginn der Reihen keine Luftmaschen gemacht*), die nächste aufnehmen, den Faden auf die Nadel legen, durchziehen. So fort, bis alle Maschen aufgenommen sind. Schlußreihe: Den Faden auf die Nadel legen, durch die letzte Schlinge ziehen; den Faden auf die Nadel legen, je 2 und 2 Schlingen zusammenschürzen. und 3 wagrechte Glieder. Je 2 getrennt; ein wagrechtes liegt über *) Manche Stiche haben die Eigenthümlichkeit, sich schief z» ziehen. Um dies zu vermeiden, innß rechts eine Masche Übergängen, links eine aufgenommen werden. 37 Je nachdem man bei der folgenden Schlingenreihe die senkrechten oder die wagrechten Glieder aufnimmt, entstehen die mannigfachsten Veränderungen. Doppelte Hchlingenstiche (Abb. 48). Bei diesen wird die 1. Schlingenreihe so gearbeitet wie bei den einfachen Schlingenstichen, bei der Schlußreihe jedoch werden 3 oder 4, oder abwechselnd 2 und 3 oder 3 und 4 Schlingen zusaminengeschürzt und eine entsprechende Anzahl Luftmaschen dazwischen gemacht. Je nachdem dann bei der 2. und allen folgenden Schlingenreihe» die Schlingen verschieden aufgenommen werden, erhält man wieder verschiedenartige Stiche. Abb. 48. Luttmaschenstiche (Abb. 49). Diese unterscheiden sich von den vorangehenden Stichen dadurch, daß bei der Schlingenreihe nach dem Aufnehmen jeder Schlinge eine oder mehrere Luftmaschen gemacht werden. Die Schlingen können dann bei der Schlußreihe, je nach der beabsichtigten Zusammenstellung, entweder einzeln oder zu 2 oder 3 zusaminengeschürzt werden. Abb. 49. Aoppelstiche (Abb. 50). Bei diesen wird bei der Schlingenreihe stets abwechselnd eine Schlinge aufgenommen und der Faden auf die Nadel gelegt. 38 Bei der Schlußreihe wird die Schlinge mit dem rechts oder links daneben liegenden Faden abgemascht. Abb. 50. Durch das Aufnehmen verschiedener Schlingen kann man den Stich beliebig verändern. Ebenso auch, wenn man bei der Schlußreihe den über die Nadel liegenden Faden Herabgleiten läßt und ihn bei der nächsten Schlingenreihe wieder aufnimmt. Stäbchenstiche (Abb. 51). Abb. 51. Diese Stiche beruhen auf der Ausführung ein- oder mehrfacher Stäbchenmaschen, doch dürfen die beiden letzten Schlingen nicht zu- sammengeschürzt werden. Bei diesen Stichen sind zu Beginn der Reihen nach Erfordernis 2 oder mehrere Luftmaschen zu arbeiten. Auch ineinandergreifende Stäbchenmaschen können hiezu verwendet werden. Michelstiche. Diese beruhen auf der Ausführung der Wickelmaschen, doch ist deren Anwendung nicht anzuempfehlen, weil sich die Häckelnadel zu deren Ausführung schlecht eignet. Büschel- und Boppelmaschen. Diese beruhen ebenfalls auf der Grundlage derselben Maschenarten der deutschen Häckelei und ergiebt sich deren Ausführung von selbst. 39 Keliefstiche. Zur Ausführung dieser eignet sich namentlich der einfache Schlin- genstich in Verbindung mit geschlossenen Stäbchenmuschen, doch kann man auch Schlingenmuschen und offene Stäbchenmuschen anwenden. Auch in Viktoriahäkelei kann man Muster mit 2 oder mehreren Fäden von verschiedener Farbe arbeiten. Die Fäden sind hierbei nach Erfordernis zu wechseln. (geometrische Formen in Biktoriahäkelei. In dieser Häkelei können die geometrischen Formen nicht so mannigfaltig ausgeführt werden, wie in der deutschen Häkelei. Sie werden ebenfalls häufig mittelst des Ab- und Zunehmens gebildet. Das Abnehmen geschieht entweder durch Uebergehen oder durch Zusammenschürzen mehrerer Schlingen der untern Reihe. Das Aufnehmen geschieht, indem man aus einer Schlinge mehrere aufnimmt. Rechtecke, Quadrate von einer der Umfangslinien oder von der Spitze aus, ebenso verschiedene Dreiecke u. dgl. können leicht nach dem Prinzip der Ausführung der geometrischen Formen in der deutschen Häkelei gearbeitet werden. Kreisförmige Formen können höchstens mit senkrecht zum Centrum stehenden Reihen gehäkelt werden. Von der Mitte aus können sie ebenso wenig gearbeitet werden, wie die Quadrate. Röhrenförmige Arbeiten können ebenfalls nicht gearbeitet werden, außer man arbeitet sie streifenweise und näht sie dann zusammen. Druck von I. C. ffiscker L Comp. Wien. Khrerinnen-Bildungsanftalten und ;um Hklbstunikrrichre. Mit besonderer Lchngnahmc auf das Grganisations-Alalul der Lildnngs- Anstalten für Lehrerinnen an den öffentlichen Volksschule» in Grfferreich. Vollständig in 4 Abtheilungen mit ca. 300 Abbildungen. Bon Gabriele Warbt, ^rd-il-I-dttrin -a d,r k. k. rnr ^>»>">>0 b°» ^-hr-rinrirn 2. Abtheilung. Tas Stricken. Mit 38 Abbildungen. Wien 1879. Verlag von Bloch L Hasbach I., Särnthnerttraße 38. Inhalts-Vermchniß Seite Einleitung.1 Haltung des Strickzeuges..2 Das Auflegen der Maschen.2 Der Kreuzanschlag .3 Das Aufstricken der Maschen.S Das Ausschleifen der Maschen.6 Der Oehrchenanschlag.8 Die Maschenarten und deren Ausführung.9 Rechte Maschen.19 Verkehrte Maschen.11 Verdrehte Maschen .12 Kettenmaschen.14 Hohlmaschen.14 Knöpfchenmaschen.15 Das Abwäschen oder Abketten.16 Das Einstricken des Fadens.17 Fehler in der Strickerei.17 Das Auftrennen der Strickerei.18 Das Anmaschen.19 Das Ausbessern gestrickter Flächen.20 Das Musterstricken.23 1. Dichte Muster.23 2. Durchbrochene, spitzenartige Muster.. 31 Das Stricke» geometrischer Formen.43 Rechtecke.43 Quadrate .43 Dreiecke.48 Der Rhombus.'.49 Das Sechseck.49 Das Achteck.49 Die Kreisform.49 Einleitung. Das Stricken reiht sich, mit Rücksicht auf die Ausführung, an das Häkeln an. Es wurde im 16. Jahrhundert in Spanien oder Frankreich erfunden. Von den verschiedenen Gegenständen, zu deren Ausführung man sich der Strickarbeit bedient, scheinen Strümpfe die ersten gewesen zu sein, und zwar war es in der Schweiz, wo man diese zuerst anfertigte. König Heinrich II. von Frankreich soll im Jahre 1547 und die Königin Elisabeth von England im Jahre 1561 die ersten gestrickten seidenen Strümpfe getragen haben. Die Handstrickerei wird schon seit langer Zeit durch Wirkmaschinen ersetzt. Diese sollen um das Jahr 1589 von einem Engländer erfunden worden sein. In neuerer Zeit sind Strickmaschinen erfunden worden, mittelst welchen alle möglichen gestrickten Gegenstände gemacht werden können. Das Stricken ist das Bilden von Schlingen (Maschen) mittelst eines Fadens und zweier Nadeln. Bei Ausführung kreis- und cylinderförmiger Arbeiten kommen auch vier und fünf Nadeln in Anwendung, um die Arbeit besser handhaben zu können. Die Schlingen, die mittelst der Strickerei gebildet werden, stehen mit einander in unmittelbarem Zusammenhange, und dieser ist die Ursache, daß die Strickarbeit sehr elastisch ist und sich deshalb namentlich zu wärmenden, anschmiegenden Gegenständen eignet. Die Nadeln, deren man sich zum Stricken bedient, nennt man Stricknadeln. Es sind dies gewöhnlich gleichmäßig dicke, nur an den Enden etwas zugespitzte stählerne Stäbe, doch benützt man zu Arbeiten von dicker Baumwolle und Schafwolle auch Nadeln von Holz und Bein. Gute Stahlstricknadeln biegen sich nicht und haben weder zu scharfe noch zu stumpfe Spitzen. Die gewöhnliche Länge derselben ist Haiii?arl'ert§slliidc. 2 2U'lh 1 2 18—25 Cm., doch gibt es auch 30—60 Cm. lange. Diese sind gewöhnlich nur an einem Ende zugespitzt, an dem andern jedoch mit einem Knopfe versehen. Hinsichtlich der Dicke gibt es verschiedene Nummern. Je höher die Nummer, desto feiner die Nadel. Nach der Bestimmung des anzufertigenden Gegenstandes verwendet man zum Stricken Baumwolle, Zwirn, Schafwolle oder Seide. Zum Stricken eignet sich wenig gedrehter Faden besser, als stark gedrehter, weil die Arbeiten aus ersterem leichter und elastischer sind. Nadel und Faden müssen derart mit einander übereinstimmen, daß die Arbeit weder zu lose noch zu dicht wird. Haltung des Strickzeuges. Der Faden wird in derselben Weise über die linke Hand gelegt, wie beim Häkeln. Das Strickzeug wird mit dem Daunren, dem Mittelfinger und vierten Finger der linken Hand so gehalten, daß das eine Ende jener Nadel, von welcher die Maschen eben abgestrickt werden, zwischen den Spitzen des Daumens und Mittelfingers ein wenig hervorragt. Die Enden jener Nadeln, womit eben gestrickt wird, sollen so wenig als möglich hervorgeschoben werden, weil dadurch die Maschen leicht verzogen und ungleich werden. Das Strickzeug darf weder zu hoch, noch zu niedrig gehalten werden. Die Arme sollen nicht an dem Körper anliegen und während des Strickens möglichst wenig bewegt werden, da eine fortgesetzte größere Bewegung derselben nicht blos ermüdend, sondern auf die Dauer gesundheitsschädlich ist. In manchen Ländern wird der Arbeitsfaden über die rechte Hand gelegt, auch benützt man halbmondförmig gebogene Nadeln, welche an einem Ende, gleich einer Häkelnadel, zu einem Häkchen umgebogen sind. Durch die Art und Weise, wie Hiebei die Arbeit gchandhabt wird, können nur verkehrte Maschen gebildet werden. Beide Weisen, die Arbeit zu handhaben, fördern diese weniger, als die oben angegebene. Das Auflegen der Maschen. Bei Beginn jeder Strickarbeit müssen Maschen angelegt werden, auf deren Grundlage die Arbeit ausgeführt wird. Es gibt vier Arten, die Maschen anzulegen: 1. Das Auflegen mit über dem Daumen gekreuztem Faden: den Kreuzanschlag; 2. das Aufstricken; 3. das Aufschleifen; 1. das Anlegen mit Ochrchen: den Oehrchen anschlag. 3 Der ÄreuMschlag. Von diesem gibt es vier verschiedene Arten, und zwar: a) den Kreuzanschlag mit einfachem Faden, b) den Kreuzanschlag mit dreifachem Faden, e) den doppelten Kreuzanschlag, ä) den Kettenanschlag. a) Der Kreuzanschlag mit einfachem Faden. Der Faden wird wie bei Beginn einer Luft- maschenkette über die Finger gelegt, doch läßt man ein langes Fadenende, welches der aufzulegenden Maschenzahl entspricht, der inneren Handfläche zu liegen. Die Nadel von unten nach oben in die über dem Daumen liegende Schlingeundvon rechts nach links unter jenes Theil ^ des Fadens führen, welches zwischen Zeigefinger und Daumen liegt. (Abb. 1.) Diesen Faden durch die über dem Daumen liegende Schlinge führen, den Daumen aus derselben herausziehen und die Schlinge über die Nadel legen. Im weiteren Verlaufe der Arbeit wird der Faden so über den Daumen gelegt, daß das Fadcnende nach außen liegt, die Nadel wird unter den vorn liegenden Faden L geführt und die Masche gebildet wie oben — Um das Abstricken der Maschen zu erleichtern, werden diese gewöhnlich über zwei Nadeln aufgelegt und eine derselben vor dem Abstricken herausgezogen. b) Der Kreuzanschlag mit dreifachem Faden. Man legt den Faden dreifach zusammen und zieht ihn durch die durch das Wenden desselben entstandene Schlinge mit der Nadel durch. Dann legt man die einfache Fadenlage über die Hand, wie bei dem einfachen Kreuz- anschlage, die dreifache Fadenlage legt man über den Daumen, in derselben Weise wie oben, und bildet dann die Maschen, wie bei dem Kreuzanschlag. Hiedurch entsteht unterhalb der Maschen eine Kette mit dreifacher Fadcnlage. o) Der doppelte Krcuzanschlag. Dieser kann mit einfachem oder dreifachem Faden ausgeführt werden. Man führt die erste Masche aus wie oben, doch wird der Daumen nicht aus der Fadenschlinge herausgezogen, sondern die Nadel wird nochmals in dieselbe geführt, indem man die rückwärts liegende Fadenlage faßt (Abb. 2) und noch eine Abb. 2 Masche bildet, dann erst läßt man die Schlinge vom Daumen Herabgleiten. Hiedurch entstehen zwei dicht neben einander liegende Schlingen. — 5 — 6) Die doppelte Kette. (Abb. 3.) Diese kann ebenfalls mit einfachem oder dreifachem Faden ausgeführt werden. Es wird Hiebei Abb. 3. vorgegangen, wie bei der ersten Art, doch anstatt das Fadenende immer nach außen zu legen, muß es abwechselnd einmal nach außen und einmal zwischen Daumen und Zeigefinger zu liegen kommen. Das Aufstrichen -er Maschen. Man schlägt eine Masche mit dem einfachen Kreuzanschlag an, nimmt Faden und Nadel wie beim Stricken in die linke, und eine zweite Nadel in die rechte Hand, führt die Nadel, die man in der rechten Hand hält, durch die Schlinge, welche auf der linken Nadel liegt, legt den Faden über die rechte Nadel und zieht ihn als Schlinge durch die Schlinge der linken Nadel (Abb. 4), legt die eben gebildete Schlinge auf die linke Nadel, so daß nun zwei Schlingen auf derselben sind; dann führt man die Nadel in die eben gebildete Masche und bildet eine Schlinge wie oben, legt diese auf die linke Nadel u. s. f. 6 Diese Art des Auflegens wird gewöhnlich bei solchen Gegenständen angewendet, wobei ein doppeltes Rändchen ausgeführt wird, weil sich diese Anschlagmaschen leichter auffassen lassen, als andere. Zu anderen Gegenständen ist diese Art des Auflegens weniger verwendbar, weil die Kante immer etwas lose aussieht. Das Aufschleifen der Waschen. Dieses kann in zweierlei Weise geschehen: er) Das einfache Aufschleifen. Man legt eine Schlinge in gewöhnlicher Weise über die Nadel, legt den Faden wie beim Stricken 7 über die linke Hand, jedoch so, daß der Faden nur einmal über dem Zeigefinger liegt, dann führt man die Nadel von unten nach oben unter jene Fadenlage, die auf dem äußeren Gliede des Zeigefingers liegt (Abb. 5); den Zeigefinger aus der Schlinge ziehen, diese Schlinge auf die rechte Nadel legen u. s. w. Abb. S. b) Das Anlegen mit Doppelknoten. Man bildet die erste Schlinge, wie oben, legt den Faden in entgegengesetzter Richtung über den Zeigefinger, so daß die Nadel der äußeren Handfläche zu liegt; führt die Nadel unter die nach einwärts liegende Fadenlage, von unten hinauf (Abb. 6) und hängt den Faden als Schlinge über die Nadel. Man arbeitet so fort, indem man abwechselnd die Nadel einmal unter die vordere, das andere Mal unter die rückwärtige Fadenlage führt. Diese Art des Anlegens wird namentlich bei dem Musterstricken angewendet, wenn mehrere Maschen unmittelbar neben einander aufzunehmen find. !>n Gehrchenanschlag. Man legt zwei Maschen mit dem einfachen Kreuzanschlag an, wendet die Arbeit, legt den Faden über die Nadel, sticht in die erste Masche von rechts nach links hinein, und hebt sie auf die rechte Nadel. (Abb. 7.) Die zweite Masche strickt man glatt ab und zieht die abgehobene darüber. Man setzt dies fort, bis der Anschlag die erforderliche Länge hat. Durch das Auflegen des Fadens entstehen an den Kanten kleine Lehrchen. Diese werden nach Vollendung des Anschlags auf einer Seite auf eine Nadel gereiht und als Maschen abgestrickt. Wenn bei b, e, ä des Kreuzanschlags und bei dem Auflegen mit Doppelknoten bei der ersten über den Anschlag auszuführenden Reihe abwechselnd der Faden über die Nadel gelegt wird und die zwei folgenden neben einander stehenden Maschen zusammengestrickt werden, entstehen kleine durchbrochene Räudchen. 9 Die Maschen,nten und deren Ausführung. Die Strickmaschen sind über der Nadel liegende Schlingen, welche derart mit einander verkettet sind, daß sich alle Maschen, welche nicht auf eine Stricknadel gereiht oder anderweitig befestigt sind, auflösen, sobald eine Masche aufgelöst wird. Dieses Auflösen der Maschen kann sowol in senkrechter, als auch in wagrechter Richtung stattfinden. Jenes Theil der Masche, welches der Strickerin zugekehrt ist, heist das vordere, jenes, welches auf der entgegengesetzten Seite liegt, das rückwärtige Maschenglied. Um eine Strickmasche auszuführen, bedarf man zweier Nadeln. Einer, worauf sich die aufgelegten Maschen befinden, und welche mit Abb. 10 der linken Hand gehalten wird, und einer, womit sie von dieser abgestrickt werden, und welche mit der rechten Hand gehalten wird. In Rücksicht der verschiedenen Fadenverschlingung unterscheiden wir sechs Arten der Strickmaschen, und zwar: 1. Die rechte oder glatte Masche; 2. die verkehrte, auch linke oder krause Masche genannt; 3. die verdrehte, auch verschränkte oder englische Masche genannt; 4. die Kettenmasche; 5. die Hohlmasche; 6. die Knöpfchenmasche. Flechte Maschen. Rechte Maschen (Abb. 8) werden in folgender Weise gebildet: Die Nadel, welche mit der rechten Hand gehalten wird, von unten nach aufwärts unter das vordere Glied der zu- nächstliegendenMasche führen, den Faden von rechts nach links über die Nadel legen, mittelst derselbendurch die Masche durchziehen, diese von der linken Nadel Herabgleiten lassen. Dies erfordert vier Bewegungen: einstechen, auflegen, durchziehen, herablassen. Wird eine Fläche mit rechten Maschen ausgeführt, so bilden die vollendeten Ma- schenreihen senkrechte Streifen. Die rechte Masche wird zur Ausführung solcher Gegenstände angewendet, welche glatt und gleichmäßig sein sollen. Sie sieht auf der Kehrseite anders aus, als auf jener, auf welcher sie gebildet worden. Die Kehrseite kann auch absichtlich ausgeführt werden; die Masche, die man hiezu verwendet, wird die verkehrte oder linke, auch krause Masche genannt. Streifenweise auszuführende Arbeiten werden daher immer hin- und zurückgehend gearbeitet, weil man eine Kehrseite und eine Nechts- seite absichtlich bilden kann. verkehrte Naschen. Verkehrte Maschen (Abb. 9) werden in folgender Weise gebildet: Den Faden auf die linke Nadel legen, die rechte Nadel von 12 - -k oben herab hinter dem Faden in die Masche der linken Nadel führen; den Faden von unten nach aufwärts auf die rechte Nadel legen, durch die Masche durchziehen; die Masche von der linken Nadel Herabgleiten lassen. Dies erfordert fünf Bewegungen. Die verkehrte Masche wird sowol beim Musterstricken angewendet, als auch, um gewisse Theile in einer glatten Fläche zu markiren, wie z. B. als Nähtchen beim Strumpfe. Diese Maschen unterscheiden sich von den glatten dadurch, daß sie wag rechte Reihen bilden. verdrehte Maschen. Bon diesen unterscheiden wir a) glatt verdrehte und b) verkehrt verdrehte. V 13 a) Glatt verdrehte Maschen. (Aob. 10.) Diese werden gebildet, indem man die Nadel von rechts nach links unter das rück- wäriige Maschenglied führt, wobei der Faden hinter der Nadel liegen bleibt; den Faden von rechts nach links über die Nadel legen, durch die Masche durchziehen. b) Verkehrt verdrehte Maschen. Diese werden gebildet, indem die Nadel unter das rückwärtige Glied der Masche von unten nach aufwärts geführt und die Masche wie eine verkehrte Masche abgestrickt wird. (Abb. 11.) Die glatt verdrehte Masche unterscheidet sich von der glatten dadurch, daß die Glieder nicht nebeneinander, sondern gekreuzt liegen. 14 Auf der Kehrseite unterscheidet sich diese Masche von der verkehrten nicht. Sie wird nie zur Ausführung größerer Flächen, sondern nur bei dem Musterstricken angewendet. Ketteiimnschen. Dies sind Randmaschen, die bei solchen Arbeiten angewendet werden, welche man streifenweise ausführt. Sie bilden eine Kette und werden angewendet, um den Kanten der Arbeit mehr Festigkeit und Gleichheit zu geben, oder um die Endmaschcn leichter auffassen zu können, wie z. B. bei Fersen. Diese Masche kann auf zweierlei Weise ausgeführt werden: a) Alle Maschen einer Nadel abstricken, die Arbeit wenden, in die erste Masche so hineinstechen, als sollte eine verdrehte Masche gebildet werden; die Masche von der linken Nadel abheben, wobei der Arbeilsfaden hinter dieser liegen muß. d) Die Maschen einer Nadel bis zur letzten Masche abstricken, den Faden über die linke Nadel legen, als sollte die Masche links abgestrickt werden; die Masche mit der rechten Nadel abheben (dadurch wird der Faden vor die Masche zu liegen kommen), die Arbeit wenden, die erste Masche (die eben abgehobene) glatt verdreht abstricken. Hohlmaschen. Die Hohlmaschen (Abb. 12) bilden Lücken und werden hauptsächlich beim Musterstricken angewendet, oder auch, wenn eine gewisse Maschenzahl vermehrt werden soll. Sie werden gebildet, indem der Faden über die Nadel gelegt und die dadurch entstandene Schlinge bei der nächsten Reihe als Masche abgestrickt wird. Durch die Ausführung einer Hohlmasche wird die Maschenzahl der Arbeit um eine Masche vermehrt, daher müssen bei solchen Arbeiten, wobei nicht aufgenommen werden darf, ebenso viele Maschen abgenommen werden, als Hohlmaschen ausgeführt werden. Diese Maschen können nur in Verbindung mit anderen Maschen- arten gearbeitet werden. kl»ö;>fche»»inscheii. (Abb. 13.) Die Knöpfchenmaschen bilden Knötchen. Sie werden bei dem Mustcrstricken angewendet und können ebenfalls nur in Verbindung mit anderen Maschen ausgeführt werden. Sie werden folgendermaßen gebildet: Eine glatte Masche stricken, jedoch die Masche von der linken Nadel nicht herablassen; die soeben mit der rechten Nadel gebildete Masche auf die linke Nadel zurücklegen und glatt abstricken. Es werden noch vier bis fünf solcher Maschen aus derselben Masche der linken Nadel gebildet, so daß vier bis fünf Schlingen auf der rechten Nadel 16 liegen; die Masche von der linken Nadel herablassen, die vier ersten Schlingen über die letzte heben. Jene Masche, welche einer Knöpfchemnasche folgt, muß sehr fest gestrickt werden, damit sich das Knöpfchen nicht auf die Kehrseite der Arbeit legt. Das Abmaschen oder Abkette«. Um eine Strickarbeit abzuschließen, müssen die Maschen abgelauscht oder abgekettet werden, damit sie sich nicht auslösen. Das Abmaschen geschieht in folgender Weise: 17 Zwei Maschen glatt abstricken, die erste derselben über die zweite heben, die folgende Masche abstricken, die rechts danebenliegende darüber heben u. s. f. Die abgeketteten Maschen dürfen weder zu fest noch zu lose sein, sondern sie müssen im Verhältnis zu der Strickerei stehen. Das Einstricken des Fadens. Wenn an einer Strickarbeit der Faden reißt oder zu Ende geht, so muß er wieder vereinigt oder ein neuer angelegt werden. Dies findet in derselben Weise statt, wie beim Häkeln.*) Fehler in der Strickerei. Wenn an einer Strickarbeit nicht alle Maschen richtig ausgeführt sind, so ist sie fehlerhaft. Die Fehler, welche in einer Strickarbeit vorkommen können, sind verschiedenartig, z. B. ungleich gestrickte Maschen, herabgeglittene Maschen, das Zusammenstecken einer herabgeglittenen Masche mit dem darüber- liegenden Faden, schlecht aufgenommene Maschen, halbe Maschen, welche durch das Theilen des Fadens entstehen u. dgl. m. Die Fehler in einer Strickarbeit können verbessert werden: entweder durch das Hinablassen und richtige Wiederaufnehmen der fehlerhaften Masche, oder durch das Zurücklegen der Maschen, oder durch das Auftrennen bis zu dem Fehler. Durch das Hinablassen der Maschen können nur jene Fehler verbessert werden, welche durch unrichtiges Verschlingen der Maschen entstehen. Ist eine Masche am unrechten Orte abgenommen und sind viele Reihen darüber gestrickt worden, dann kann dieser Fehler nicht durch das Hinablassen und wieder Hinaufnehmen der Maschen verbessert werden, weil das Garn zum Hinaufnehmen der zweiten Masche nicht ausreichen und sich daher die Arbeit zusammenziehen würde. Derselbe Fall tritt ein, wenn über eine herabgeglittene Masche viele Reihen gestrickt sind. Ist eine Masche am unrechten Orte aufgenommen und sind viele Reihen darüber gestrickt worden, dann kann dieser Fehler ebenfalls nicht durch das Hinablassen der aufgenommenen Masche verbessert werden, weil dadurch Lücken entstehen würden. In solchen Fällen muß daher die Arbeit bis zu dem Fehler aufgetrennt werden. Durch das Zurücklegen der Maschen können solche Fehler verbessert werden, worüber nur wenig Nadeln oder Reihen gestrickt worden sind. Wenn viele Reihen über einen Fehler gestrickt sind, dann *) Siehe Handarbeilskuu-e, 1. Abtheilung. Handarbeitskunde. 2. Abth. 2 ist das Zurücklegen nicht rathsam, weil in diesem Falle mehr Zeit beansprucht wird, als zu dem Auftrennen. Sind nur wenig Nadeln oder Maschen über den Fehler gestrickt, dann ist es vortheilhafter, die Maschen zurückzulegen, denn es werden z. B. vier Maschen schneller zurückgelegt, als aufgetrennt, weil in letzterem Falle das Auffassen der Maschen viel Zeit erfordert. Das Verbessern eines Fehlers durch das Hinablassen der Masche geschieht, indem diese bis zu dem Fehler hinabgelassen und richtig aufgenommen wird. Das Hinaufnehmen glatter hinabgelassener oder hinabgeglittener Maschen wird in folgender Weise ausgeführt: Die hinabgelassene Masche mit dem zunächst darüberliegenden wag- rechten Faden auf die linke Nadel nehmen; die rechte Nadel von rechts nach links in die Masche führen und diese über den danebenliegenden Faden heben. Das Hinaufnehmen verkehrter Maschen wird in folgender Weise ausgeführt: Die Masche mit dem zunächst darüberliegenden wagrechten Faden auf die linke Nadel nehmen, so daß die Masche hinter dem Faden liegt. Die rechte Nadel von rechts nach links in die Masche führen, den Faden von rechts nach links fassen, durch die Masche durchziehen. Es liegen nun Masche und Faden auf der linken Nadel. Diese zieht man zurück, daß beide Herabgleiten, und legt nur die Masche allein auf dieselbe zurück. Eine Masche verdreht hinaufzunehmen, muß diese verdreht auf die linke Nadel gelegt und in dieser Lage über den darüberliegenden Faden gehoben werden. Das Verbessern eines Fehlers durch das Zurücklegen der Maschen wird ausgeführt, indem die Maschen von der rechten Nadel auf die linke zurückgelegt werden, so lange, bis die fehlerhaften Maschen aufgetrennt find. Das Verbessern eines Fehlers durch das Austrennen geschieht, indem die Nadeln aus der Arbeit herausgezogen werden und das Gestrickte bis zu dem Fehler zurückgetrennt wird. Tas Auftrennen der Strickerei. Jede Strickarbeit kann von oben herab aufgelöst oder getrennt werden. Glatte, röhrenförmig ausgeführte Arbeiten, wie z. B. Strümpfe, können nicht allein von oben herab, sondern auch von unten hinauf getrennt werden, wenn die Anschlagreihe weggeschnitten wird und die Maschen klar gelegt werden. Streifenweise ausgeführte Arbeiten können nicht von unten hinauf aufgelöst werden, weil die Endmaschen, ob Kettenmaschen oder nicht, das ununterbrochene Auslösen hindern. 19 Strickarbeiten mit abwechselnd rechten und linken Maschen können ebenfalls nicht von unten nach oben aufgelöst werden, weil die Verbindung der rechten und linken Masche eine Verschlingung zur Folge hat, die eine ununterbrochene Auflösung solcher Arbeiten nicht zuläßt. Zusammengestrickte Maschen und mit Muster gestrickte Arbeiten überhaupt können nicht von unten hinauf aufgelöst werden. Glatte und verkehrt gestrickte Arbeiten können in wagrechter Richtung in zwei oder mehrere Theile getheilt werden. Um dies auszuführen, wird eine Masche zerschnitten und die folgenden Maschen werden mit einer Nadel der Reihe nach aufgelöst. Derartig getrennte Arbeiten können wieder so zusammengenäht werden, daß man es nicht bemerkt, daß sie getheilt waren. Dieses Verfahren wird das An maschen genannt und namentlich bei dem Einstricken der Strümpfe angewendet. Das Anmaschen. (Abb. 14.) Das Anmaschen glatter Maschen. Die Maschen der aneinander zu nähenden Theile müssen zunächst klar gelegt werden. Um das Auflösen derselben zu verhindern, können sie auf Stricknadeln gereiht werden. Der Faden, welcher zu dem Anmaschen benützt wird, muß die gleiche Dicke mit jenem der Arbeit haben. Er wird in eine Nähnadel eingefädelt und auf der Kehrseite der Arbeit so befestigt, daß man von rechts nach links arbeiten kann. Die Arbeit ist so zur Hand zu nehmen, daß sich jene Maschen, welche mit einander verbunden werden sollen, gegenüberstehen. Dann arbeitet man in folgender Weise: Die Nadel in die äußerste freiliegende Masche des oberen Theiles von unten hinauf führen; diese Masche von der Stricknadel abheben; die Nähnadel von oben herab in jene Masche dcs unteren Theiles führen, welche der eben abgehobenen gegenüber steht; die danebenliegende Masche von unten nach oben fassen, den Faden herausziehen, jedoch nur so weit, daß die mit demselben zu bildende Masche den übrigen Maschen völlig gleicht. Die Nähnadel in jene Masche des oberen Theiles von oben herab führen, welche schon früher gefaßt worden war; die danebenstehende Masche von unten nach oben fassen, den Faden anziehen; die zweite der früher zusammengefaßten Maschen des unteren Theiles von oben herab, die danebenstehende von unten hinauf fassen u. s. w. Das Anmaschen gerippter Flächen. Gerippte Flächen sind solche, wobei immer eine glatte Reihe mit einer verkehrten wechselt. Solche getrennte Arbeiten werden in folgender Weise zusammengenäht: 20 Die auszubessernde Arbeit wird derart zur Hand genommen, daß die zu ergänzende, verkehrte Kette an das obere Theil anschließt, dann ist die Nadel in die erste Masche des oberen Theiles von oben nach unten zu führen; die beiden Maschen des unteren Theiles sind wie bei der glatten Strickerei zusammenzufassen; dann wird die Nadel wieder durch die erste Masche des oberen Theiles von unten hinauf und in die danebenstehende Masche von oben herab geführt. Die unteren Maschen werden wieder, wie bei der glatten Fläche, zusammengenommen u. s. f. Tas Ausbessern gestrickter Flächen. Sind an einem gestrickten Gegenstände einzelne Theile schadhaft geworden, dann müssen sie ausgebessert werden, d. h. das schadhafte Garn ist durch neues zu ersetzen. Daher beruht das Flicken des Gestrickten auf der Nachahmung der Maschen mittelst einer Nähnadel und eines Fadens. Ist der Gegenstand nur insoweit schadhaft, daß das Garn noch nicht durchgerissen, sondern ein baldiges Durchreißen desselben zu erwarten ist, so ist dasselbe dadurch zu verhüten, indem die dünnen Maschen mit neuem Garne übernäht werden, das etwas feiner sein muß, als jenes, womit der Gegenstand gestrickt worden ist. Dieses Uebernähen kann in zweierlei Weise stattfinden, und zwar: a) Nachdem man die Nadel bei I (Abb. 15) 15. herausgeführt hat, übergeht man einen Faden nach rechts, einen nach auswärts; nimmt den nach rechts übergangenen Faden nach links auf die Nadel; wieder einen Faden nach rechts, einen nach aufwärts, den nach rechts übergangenen Faden aufnehmen u. s. f. Will man zurückgehend arbeiten, dann nimmt man zwei Fäden nach links auf die Nadel, übergeht einen nach abwärts, einen nach rechts, nimmt den nach rechts übergangenen Faden auf die Nadel, übergeht einen nach rechts, einen nach abwärts u. s. w. b) Wenn man die Nadel bei I (Abb. 16) herausgeführt hat, übergeht man einen Faden nach rechts und zwei Fäden nach aufwärts; nimmt die beiden nächsten, linksliegcnden Fäden auf, übergeht zwei wagrechte Fäden nach abwärts, einen Faden nach rechts und sticht bei I wieder hinein; nimmt zwei Fäden nach links auf, übergeht einen Faden nach rechts, zwei wagrechte nach aufwärts; nimmt die zwei nächsten, linksliegenden Fäden auf, Abb. 16 . «LL 21 Mb. 17. übergeht einen nach rechts und zwei wagrechte nach abwärts, wieder einen Faden nach rechts u. s. w. Bei der folgenden Reihe nimmt man die Arbeit so zur Hand, daß die eben vollendete Reihe nach aufwärts liegt; übergeht einen wagrechten Faden nach abwärts, führt die Nadel zwischen zwei auseinander liegenden Fäden heraus, übergeht zwei wagrechte Fäden nach abwärts; nimmt zwei Fäden nach links auf die Nadel, übergeht zwei Fäden nach aufwärts, einen nach rechts, nimmt nach links zwei Fäden auf die Nadel u. s. f. In dieser Weise wird immer ein wagrechter Faden zwischen je zwei Stichen liegen. Wenn jedoch das Garn durchgerissen ist, müssen neue Maschen gebildet werden. Bevor dies ausgeführt wird, sind die durchrissenen Fäden so weit aufzulösen, als das Stück schadhaft ist. Diese Fäden sind abzuschneiden und die wagrechten Maschen klar zu legen. An den senkrechten Seiten sind die Fäden so wegzuschneiden, daß die senkrechten Maschenreihcn frciliegen und eine viereckige Lücke entsteht. An deren Winkel sind je drei bis vier Maschen aufzulösen (Abb. 17) und die dadurch abgelösten Theile auf die Kehrseite des Gegenstandes zu legen, woselbst sie mit einigen Stichen befestigt werden. Um das Zusammenziehen der Fäden zu verhüten, wird der Gegenstand über ein Stoppholz gelegt, welches die Form einer Kugel, eines Eies oder eines Pilzes hat. Es gibt mehrere Arten, die Strickmaschen nachzubilden. a) Mit wagrecht gespannten Fäden. Man spannt auf der Rückseite der Arbeit jeder zu ergänzenden Reihe entlang einen Faden in wagrechter Richtung, indem man ein bis zwei Maschen des Strumpfes mitfaßt. (Abb. 18.) Wenn dies vollendet ist, wird die Nadel von der Kehrseite auf die Rechtsseite bei jener Masche herausgeführt, welche dem linksseitigen ganzen Theile zunächst liegt. Dann arbeitet man Abb. 18. Abb. 19. abwärtsgehen)»: den zunächstliegenden wagrechten Faden derart von unten nach oben fassen, daß der Arbeitsfaden rechts von der Nähnadel liegt. (Abb. 19.) Alle wagrechten Fäden in gleicher Weise übernähen. Nachdem der letzte Faden übernäht ist, wird die Nadel von oben nach 22 unten in die zunüchstliegende untere Masche geführt. Die Nadel unter einige Maschen der Kehrseite führen. Bei derselben Masche herausführen, bei welcher sie hineingeführt worden. Aufwärts arbeitend: den zunächst- liegenden Faden von oben herab derart fassen, daß der Arbeitsfadcn rechts von der Nadel liegt. (Abb. 20.) Alle wag- rechten Fäden in gleicher Weise übernähen; die Nadel in jene Masche führen, welche jener gegenüberliegt, bei welcher sie herausgeführt worden war. Einige Maschen der Kehrseite übernähen, die Nadel bei der folgenden Masche herausführen, die Fäden wie oben übernähen u. s. f. k) Mit schief gespannten Fäden. Das Spannen dieser findet entweder auf der Rechtsoder apf der Kehrseite statt und ist hiezu ein verhältnismäßig feiner Faden erforderlich. Das Spannen der Fäden auf der Kehrseite findet in folgender Weise statt: Die Nadel durch einige Maschen der Kehrseite führen und bei der nächsten klarliegenden Masche herausführen. Die Nadel auf der entgegengesetzten Seite in die zunächstliegende Masche führen und einige Maschen übernähen. (Abb. 21.) Zurückgehend wieder einige Maschen übernähen und die Nadel bei derselben Masche herausführen, durch welche der Faden eben geführt worden. An der entgegengesetzten Seite die Nadel in die zweite Masche führen, einige Maschen der Kehrseite übernähen, zurückgehend die Nadel bei derselben Masche herausführen u. s. f. Auf der rechten Seite der Arbeit werden zu beiden Seiten der Lücke einige Maschen in gleicher Weise übernäht, wie dies Abb. 22 deutlich zeigt. Wenn dies geschehen ist, wird auf der Rechtsseite ein Faden angelegt, welcher gleiche Dicke mit der Strickerei hat. Von links nach rechts gehend einige Maschen übernähen, welche mit der zunächst zu ergänzenden Reihe gleichlaufen. Den Abb. 22. Abb. 23. . Faden von unten nach oben in die erste klarliegende Masche führen; die Nadel unter beide Fäden führen, welche in einer Masche liegen, die Nadel in dieselbe Masche zwischen den schiefliegenden Fäden von oben nach unten zurückführen, die nächste Masche von unten nach oben WWW UUZ UsM Abb. 20. Abb. 2t. MW 23 fassen, die Nadel unter die senkrechten Fäden dieser Masche führen u. s. f. (Abb. 23.) Die Schlinge, welche unterhalb der schiefen Fäden gebildet wird, muß der Größe einer Masche entsprechen. Zu Ende der Reihe werden einige Maschen derselben übernäht. Zurückgehend werden einige Maschen der folgenden Reihe übernäht und die Maschen in gleicher Weise gebildet. Schließlich werden die Maschen aneinander gemascht. Das Mnsterstrikken. Die Muster, welche mittelst der Strickarbeit ausgeführt werden können, sind zweierlei Art: 1. Dichte, piqusartige Muster; 2. durchbrochene, spitzenartige Muster. 1. Dichte Muster. Diese Muster werden meistens zu wärmenden Gegenständen, wie Decken, Unterröcken u. dgl. verwendet. Sie werden aus glatten, verkehrten, verdrehten Maschen und Knöpfchenmaschen gebildet. Man unterscheidet verschiedene Arten dieser Muster, und zwar: a) Solche, die aus wagrcchten, senkrechten und schiefen Streifen bestehen, und solche, welche auf der Grundlage geometrischer Formen beruhen und aus glatten, verkehrten und verdrehten Maschen gebildet werden; b) Muster, die durch Abheben der Maschen, Abfassen, auch „Abstechen" genannt, entstehen; e) Muster, die durch das Kreuzen der Maschen entstehen, ck) nach Typenmustern gestrickte Muster*). a) Muster, die aus wagrcchten und senkrechten Streifen bestehe», und solche, die auf Grundlage geometrischer Formen beruhen und aus glatten, verkehrten und verdrehten Maschen gebildet sind. Muster aus wagrcchten Streifen, die aus rechten und verkehrten Maschen gebildet sind. Um solche Muster zu bilden, ist abwechselnd eine Nadel rechts, eine verkehrt zu stricken**). Wenn der Streifen die erforderliche Breite hat, sind entweder zwei Nadeln rechts oder zwei verkehrt zu stricken, damit der rechte Streifen über den verkehrten zu stehen kommt und umgekehrt. Dann ist wieder abwechselnd eine Nadel rechts und eine verkehrt zu stricken. Diese Streifen können breit, schmal, oder schmal und breit ausgeführt werden. Auch können in diese Streifen verschiedene Muster hineingestrickt werden. *) Bezüglich der Mustersätze und der Eintheilung der Muster gilt dasselbe, wie beim Häkeln. 2*) Es wird vorausgesetzt, daß die Muster streifenweise ausgeführt werden. 24 Muster aus senkrechten Streifen, die aus rechten und verkehrten Maschen gebildet sind. Bei solchen Mustern müssen immer rechte Maschen über rechte und verkehrte über verkehrte gestellt werden. Die Streifen können ebenfalls schmal, breit, oder schmal und breit ausgeführt werden. Muster aus schiefen Streifen. Um solche Muster, ausrechten und verkehrten Maschen, mit von rechts nach links liegenden Streifen auszuführen, ist auf jeder Nadel der Rechtsseite um eine Masche nach links hinein- und auf der Kehrseite um eine Masche nach rechts herauszurücken. Hiedurch werden sich die Streifen nach links allmälig verlieren, rechts hingegen werden neue entstehen, welche stets zu beginnen haben, wenn der Streifen zu Anfang der Reihe eine Masche mehr enthält, als die übrigen Streifen. Diese können ebenfalls in verschiedener Breite ausgeführt werden. Wenn sie schiefer liegend sein sollen, dann muß stets um zwei Maschen vorgerückt werden. Sollen sie weniger schief liegend sein, dann müssen stets zwei Nadeln gleich gestrickt und darf erst bei jeder dritten Nadel"um eine Masche vorgerückt werden. Will man sie nach rechts geneigt ausführen, dann muß im selben Verhältnis auf der Rechtsseite nach rechts vorgerückt und auf der Kehrseite nach links hineingerückt werden. Arbeitet man einige Nadeln nach links vorrückend und einige Nadeln nach rechts hineinrückend, dann erhält man Muster im Zickzack. Auch diese können verschieden breit sein. Muster aus Quadraten und Rechtecken. Um Quadrate mit rechten und linken Maschen zu stricken, wird eine Nadel weniger gestrickt, als das Doppelte der Maschenzahl beträgt, welche für ein Quadrat angenommen worden. Dann werden die Quadrate versetzt, daß rechte über linke zu stehen kommen, und umgekehrt. Um Rechtecke der Höhe nach zu stricken, muß die Anzahl der Nadeln im Verhältnis zu der Maschenzahl mehr betragen, als zu einem Quadrat. Werden sie der Breite nach ausgeführt, dann muß die Anzahl der Nadeln im Verhältnis weniger betragen, als bei einem Quadrat. Muster aus Dreiecken. Diese können entweder so ausgeführt werden, daß die Dreiecke ineinander geschoben sind, oder daß sie sich von einem Grunde abheben, welcher in einer andern Maschenart ausgeführt ist. Um ein Muster der ersten Art auszuführen, ist eine Masche rechts und eine ungleiche Maschenzahl links zu stricken, welche der Größe der Grundlinie des auszuführenden Dreiecks entspricht. Bei jeder folgenden Reihe vermehren sich die rechten Maschen um zwei, indeß sich die verkehrten um zwei vermindern, bis auf eine Masche. Dann werden die Dreiecke versetzt, so daß die rechtsgestrickten über die verkehrtgestrickten zu stehen kommen, und umgekehrt. Sie können auch übereinander gestellt werden, indem nach Vollendung einer Reihe Dreiecke die folgenden nicht 25 versetzt werden. In der eben angegebenen Weise entstehen rechtwinkelige, gleichseitige Dreiecke. Sollen stumpfwinkelige Dreiecke gestrickt werden, dann muß jedes auf der Grundlinie stehende Dreieck bei jeder folgenden Nadel auf beiden Seiten um je zwei Maschen hineinrücken, wodurch die andern um zwei Maschen herausrücken. Spitzwinkelige Dreiecke auszuführen, müssen stets zwei Nadeln gleich ausgeführt werden und bei jeder dritten Nadel um zwei Maschen vorgerückt werden. Rautenförmige Muster. Die erste Hälfte derselben wird ausgeführt, wie die Dreiecke. Die zweite wird in umgekehrter Reihenfolge gestrickt, so daß sich die Maschenzahl der Dreiecke in gleicher Weise vermindert, in welcher sie sich vermehrt hat. Auf Grundlage der angeführten Muster können die verschiedenartigsten Muster zusammengestellt werden. Um glatte Muster auf verkehrt gestricktem Grunde deutlicher hervortreten zu lassen, wendet man glatt verdrehte Maschen anstatt glatter an. Namentlich sind die verdrehten Maschen da vorzuziehen, wo einzelne Maschen zwischen verkehrte zu stehen kommen, weil sie deutlicher hervortreten, als die glatten. d) Muster, die durch Abheben der Masche» entstehen. Zu diesen gehören die sogenannten Patent neuster, die ihrer Elasticität wegen sehr beliebt sind. Die gebräuchlichsten derselben sind das einfache und das doppelte Patentmustcr. Einfaches Patent. (Mb. 24.) Erste Reihe: Den Faden auf die rechte Nadel legen*), diese Nadel in die nächste Masche so hineinführen, als ob eine verkehrte Masche gebildet werden sollte, und die Masche so von der linken Nadel auf die rechte heben; die folgende Masche glatt u. s. f. Zweite Reihe: Die abgehobene Masche wird mit dem darüberliegenden Faden glatt zusammengestrickt, der Faden um die Nadel gelegt und die einzelnstehende Masche wie oben abgehoben. Wenn dieses Muster bei cylinderför- migen Arbeiten angewendet wird, dann muß man die beiden Maschen, welche zusammenzustricken sind, abwechselnd bei einer Nadel glatt, bei der andern verkehrt zusammenstricken. *) Es wird vorausgesetzt, daß zu Anfang und Ende der Reihen Ketten- maschen nnd Nähtckien gemacht werde». Abt'. 24 — 26 Abb. 25. Doppelpatent. (Abb. 25.) Dieses ist auf der Kehrseite der Arbeit zu beginnen. Die erste Reihe wie bei dem einfachen Patent. Zweite Reihe: alle Maschen sind glatt zu stricken und der über der Nadel liegende Faden ist stets abzuheben, indem die rechte Nadel von rechts nach links hineingeführt wird. Dritte Reihe wie die zweite des einfachen Patentes. Die zweite und dritte Reihe wechseln mit einander ab. Dieses Muster kann auch mit zwei Fäden verschiedener Farbe ausgeführt werden, indem jede der beiden Musterreihen mit einem andern Faden gearbeitet wird. Wenn die Fäden in anderer Weise abgehoben oder abgestrickt werden, entstehen andere Muster. Die doppelte Strickerei. Diese reiht sich, vermöge der Art und Weise der Ausführung, an die Patentmuster an. Sie wird zur Anfertigung von Gegenständen verwendet, die doppelt liegen oder auf beiden Seiten gleich sein sollen. Bei dieser Strickerei sind bei der ersten Nadel aus jeder Masche zwei Maschen zu stricken, indem jede Masche zunächst glatt und dann glatt verdreht abgestrickt wird. Zweite Nadel: eine Masche glatt, die folgende abheben, indem man hineinsticht, als ob sie glatt verdreht gestrickt werden sollte; die folgende Masche abheben, wobei der Faden vor derselben liegen muß u. s. f. Alle folgende» Nadeln werden in derselben Weise gestrickt, indem stets die bei der vorangegangenen Nadel abgestrickte Masche abgehoben und die abgehobene abgestrickt wird. Es können in dieser Strickerei auch Muster gestrickt werden. Hiebei muß man ebenfalls stets abwechselnd eine Masche abheben und eine abstricken. Wenn man z. B. ein Muster mit abwechselnd zwei glatten und zwei verkehrten Maschen stricken wollte, so müßte man sowol nach jeder glatten, als auch nach jeder verkehrten Masche eine abheben. Wenn die Nadel aus der Arbeit herausgezogen wird, dann theilt sich diese in zwei Hälften. Eine andere Art solcher Muster ist jene, wobei dieselben Maschen mehrere Reihen hindurch von der linken auf die rechte Nadel gehoben werden, indem der Faden auf der rechten Seite der Arbeit hinter, auf der Kehrseite hingegen vor den abgehobenen Maschen liegen bleibt. Man kann Hiebei beliebig abwechselnd eine Masche abheben und eine abstricken, oder zwei abheben, zwei stricken, oder auch eine abheben und 27 zwei stricken u. dgl. Das Abheben der Maschen geschieht gewöhnlich in der Weise, daß man in die abzuhebende Masche so hineinsticht, als ob man sie glatt verdreht abstricken wollte. Dieselben Maschen können auch mehrere Reihen hindurch abgehoben und dann erst abgestrickt werden. Abb. 26 zeigt ein solches Muster, welches in folgender Weise gestrickt wird: Erste Nadel: glatt (das Muster ist auf der Kehrseite der Arbeit zu beginnen). Zweite Nadel: verkehrt. Dritte Nadel: glatt. Vierte Nadel: vier Maschen glatt, zwei Maschen abheben, wobei der Faden hinter den Maschen zu liegen kommt. Fünfte Nadel: die früher glatt gestrickten Maschen werden verkehrt gestrickt, die abgehobenen abgehoben, indem der Faden vor den Maschen liegen bleibt. Sechste Nadel: wie die vierte. Siebente Nadel: wie die fünfte. Achte Nadel: wie die vierte. Neunte Nadel: wie die erste. Zehnte Nadel: wie die zweite. Elfte Nadel: wie die erste. Dann wird das Muster von der vierten Nadel fortgesetzt, doch wird es gewechselt, indem die abgehobenen Maschen in die Mitte jener zu stehen kommen, welche früher glatt gestrickt wurden. Dieses Muster kann auch mit zwei verschiedenfarbigen Fäden gearbeitet werden, indem man die drei ersten und die vierte bis achte Nadel mit je zwei Fäden von verschiedener Farbe strickt. «-) Muster, die durch das Kreuzen der Masche» entstehen. Diese Muster werden in verschiedener Weise ausgeführt. Die einfachste Art ist jene, wobei man die Maschen mehrere Reihen hindurch, wie bei dem letztangeführten Muster, abhebt und dann die abgehobenen Maschen kreuzt, indem man erst die links- und dann die rechtsliegende abstrickt. Abb. 27 stellt ein solches Muster dar. Dieses wird in folgender Weise gearbeitet: Erste Nadel: zwei Maschen verkehrt, zwei Maschen abheben, indem die rechte Nadel von rechts nach links hineingeführt wird und Maschen liegen bleibt. Abb. 27. der Faden hinter den Abb 26. 28 Zweite Nadel: die abgehobenen Maschen wieder abheben, indem der Faden vor denselben liegen bleibt; die beiden anderen Maschen glatt. Dritte Nadel: wie die erste. Vierte Nadel: wie die zweite. Fünfte Nadel: die beiden abgehobenen Maschen werden glatt gestrickt, indem zuerst die links- und dann die rechtsliegende abgestrickt wird, so daß die beiden Maschen gekreuzt übereinander liegen. Sechste Nadel: verkehrt. Bei der siebenten Nadel beginnt das Muster von vorn, doch wird es versetzt, indem die zu kreuzenden Maschen über die verkehrten zu stehen kommen und umgekehrt. Wenn man zwei oder mehrere Maschen mit einander kreuzt, ohne daß sie mehrere Reihen hindurch abgehoben werden, dann entstehen die sogenannten Zöpfchenmuster. Abb. 28 stellt ein solches Muster dar. Dieses wird in folgender Weise gestrickt: Erste Nadel: vier verkehrt, drei Maschen auf eine dritte Nadel heben, nach innen der Arbeit legen, die folgenden drei Maschen glatt, die drei abgehobenen glatt. Nun folgen fünf Reihen, wobei stets die glatten Maschen glatt, die verkehrten verkehrt gestrickt werden. Dann wiederholt man das Muster von der ersten Nadel. Man kann auch doppelt gewundene Zäpfchen bilden. Diese müssen abwechselnd in entgegengesetzter Richtung gekreuzt werden. Die Maschen können noch in anderer Weise gekreuzt werden, wie das Muster Abb. 29 gibt, welches in folgender Weise ausgeführt wird und auf beiden Seiten gleich ist. Erste Nadel: die erste Masche mit einer dritten Nadel abheben, diese so legen, daß sie der Arbeiterin zugekehrt ist, die folgende Masche verkehrt; die abgehobene glatt; die nächste Masche mit einer dritten Nadel abheben. Diese so legen, daß sie nach außen der Arbeit liegt, daher von der Arbeiterin abgewendet ist; die folgende Masche glatt; die abgehobene verkehrt u. s. f. Nun folgen fünf Nadeln, wobei stets die glatten Maschen glatt, die verkehrten verkehrt gestrickt werden. Dann beginnt das Muster von vorn, indem die verkehrten Maschen zwischen die glatten und die glatten zwischen die verkehrten zu stehen kommen. Eine andere Art dieser Muster ist jene, wobei eine verdrehte Masche mit einer verkehrten derart gekreuzt wird, daß erstere gleich Abb. 29. Abb 28. KÄM AM 29 einer Kette über einer verkehrt gestrickten Fläche liegt. (Abb. 30.) Das vorliegende Muster wird in folgender Weise gestrickt: Anschlag: 34 Maschen. Erste Nadel: Kettenm., sechs glatt, sechs verkehrt, eine glatt verdreht, eine verkehrt, vier glatt, sechs verkehrt, eine glatt verdreht, eine verkehrt, sechs glatt, Kettenm. Zweite Nadel: Kettenm., zwei glatt, 4- vier verkehrt, eine glatt, die nächste Masche auf eine dritte Nadel heben, nach außen der Arbeit legen, die folgende Masche glatt, die abgehobene Masche verkehrt verdreht, fünf glatt, vom 4- wiederholen, vier verkehrt, zwei glatt, Kettenmasche. Dritte Nadel: Kettenm., sechs glatt, vier verkehrt, die nächste Masche wie oben abheben. Die folgende Masche glatt verdreht, die abgehobene verkehrt, zwei verkehrt, vier glatt, vier verkehrt, die nächste Masche wie oben abheben, die folgende glatt verdreht, die abgehobene verkehrt, zwei verkehrt, sechs glatt, Kettenmasche. Vierte Nadel: Kettenm., zwei glatt, 4- vier verkehrt, drei glatt, die folgende wie oben abheben, die nächste glatt, die abgehobene verkehrt verdreht, drei glatt, vom -4 wiederholen, vier verkehrt, zwei glatt, Kettenm. Fünfte Nadel: Kettenm., sechs glatt, zwei verkehrt, die folgende wie oben abheben, die nächste glatt verdreht, die abgehobene verkehrt, vier verkehrt, vier glatt, zwei verkehrt, die folgende wie oben abheben, die nächste glatt verdreht, die abgehobene verkehrt, vier verkehrt, sechs glatt, Kettenmasche. Sechste Nadel: Kettenm., zwei glatt, -4 vier verkehrt, fünf glatt, die nächste wie oben abheben, die folgende glatt, die abgehobene verkehrt verdreht, eine glatt, vom 4- wiederholen, vier verkehrt, zwei glatt, Kettenm. Siebente Nadel: Kettenm., sechs glatt, eine verkehrt, die nächste Masche auf eine dritte Nadel heben, nach innen der Arbeit legen, die folgende verkehrt, die abgehobene glatt verdreht, fünf verkehrt, vier glatt, eine verkehrt, die nächste Masche auf eine dritte Nadel heben, nach innen der Arbeit legen, die folgende verkehrt, die abgehobene glatt verdreht, fünf verkehrt, sechs glatt, Kettenmasche. Achte Nadel: Kettenm., zwei glatt, 4- vier verkehrt, vier glatt, die folgende wie oben abheben, die nächste verkehrt verdreht, die abgehobene glatt, zwei glatt, vom -st- wiederholen, vier verkehrt, zwei glatt, Kettenm. Neunte Nadel: Kettenmasche, sechs glatt, drei verkehrt, die nächste wie oben abheben, die folgende verkehrt, die abgehobene glatt verdreht, drei verkehrt, vier glatt, drei verkehrt, die nächste wie oben abheben, die folgende verkehrt, die abgehobene glatt verdreht, drei verkehrt, sechs glatt, Kettenmasche. Zehnte Nadel: Kettenmasche, zwei glatt, 4- vier verkehrt, zwei glatt, oie nächste wie oben abheben, die folgende verkehrt verdreht, die Abb. 30. 30 abgehobene glatt, vier glatt, vom -s- wiederholen, vier verkehrt, zwei glatt, Kettenmasche. Elfte Nadel: Kettenmasche, sechs glatt, fünf verkehrt, die nächste wie oben abheben, die folgende verkehrt, die abgehobene glatt verdreht; eine verkehrt, vier glatt, fünf verkehrt, die nächste wie oben abheben, die folgende verkehrt, die abgehobene glatt verdreht, eine verkehrt, sechs glatt, Kettenmasche. Von der zweiten Nadel wiederholen. Die im Vorangehenden beschriebenen Muster enthalten die Elemente der piquöartigen Muster und können in der mannigfaltigsten Weise verändert werden. Auch werden sie häufig mit durchbrochenen Mustern in Verbindung gebracht. ü) Nach Typeiimilstern gestrickte Master. Diese können in dreierlei Weise gearbeitet werden: 1. Mit glatten und verkehrten Maschen; 2. mit Knöpfchenmaschen; 3. mit Perlen. 1. Typenmuster mit glatten und verkehrten Maschen. Um dichte Muster zu stricken, können Typenmuster im geraden Netz verwendet werden. Hiebei ist für jedes einzelne Quadrat eine Masche zu berechnen. Um das quadratische Verhältnis der Maschen zu den Reihen zu erzielen, sind stets zwei gleichartige Reihen auszuführen. Es ist gleichgiltig, ob jene Quadrate, welche das Muster bilden, mit glatten, verkehrten oder verdrehten Maschen gestrickt werden. 2. Muster mit Knöpfchenmaschen, nach Typenmustern gestrickt. Solche Muster werden namentlich zu Decken, Deckenbändern u. dgl. verwendet. Für jedes Quadrat des Typenmusters sind zwei Maschen zu berechnen. Aus einer wird das Knöpfchen gebildet und eine wird glatt gestrickt. Um das quadratische Verhältnis des Typenmusters herzustellen, sind über jede Musterreihe drei Reihen zu stricken, welche stets glatt gestrickt werden, wenn der Gegenstand streifenweise ausgeführt wird. Die Knöpfchenmaschen können auch mit einem von dem Grunde abstechenden Faden ausgeführt werden. In diesem Falle ist der Faden, mit welchem die Knöpfchen ausgeführt werden, bei jeder Musterreihc neu anzulegen, und bei streifenweisen Arbeiten ist die Knöpfchenmasche bei jener Reihe, welche der Musterreihe folgt, verkehrt abzustricken. 3. Muster mit Perlen. Diese Arbeit wird nur zu Geldbörsen u. dgl. bcnützt, indem man hiezu Seide und kleine Metallperlen verwendet. Die Perlen sind an den Faden zu reihen, bevor die Arbeit begonnen wird. Indem immer glatt gestrickt wird, sind die Perlen einzeln an die Maschen anzuschieben und diese dann abzustricken. Die 31 Perlen kommen während des Strickens auf die Kehrseite der Arbeit zu stehen, welche dann die Rechtsseite bildet. Für jedes Quadrat der Vorlage ist eine Masche zu berechnen und über jeder Musterreihe eine glatte Reihe auszuführen. Zu den dichten Mustern gehören auch die Schlingenstrickerei und Strickerei mit Perlen. Schlingenstrickerei. Diese wird häufig zur Verzierung von Winterbekleidungsgegenständen benützt, z. B. als Besatz zu Krägen u. dgl., auch als Garnitur von Lampentassen u. s. w. Es ist hierzu ein flaches oder rundes Holzstäbchen erforderlich, dessen Umfang der Größe der auszuführenden Schlingen entspricht. In Ermangelung eines solchen kann auch ein Streifchen dickes Kartenpapier verwendet werden. Die Schlingenreihe wird stets zwischen mehreren glatten Reihen in folgender Weise ausgeführt: Eine Masche glatt, das Holzstäbchen auf der Kehrseite der Arbeit anlegen, den Arbeitsfaden darüber legen, die folgende Masche abstricken, die dadurch entstandene Masche auf die linke Nadel legen und nochmals abstricken. In dieser Weise werden alle Maschen dieser Reihe abgestrickt. Dann wird nach Erfordernis eine ungleiche Anzahl Reihen darüber gestrickt. Das Stäbchen darf nicht früher aus der Schlinge herausgezogen werden, bis nicht eine oder mehrere Reihen über die Schlingenreihe gestrickt sind. 2. Durchbrochene Ipihemirtige Muster. Das Charakteristische der durchbrochenen Muster besteht darin, daß sie durch Lücken gebildet sind. Die Lücken werden mittelst Hohlmaschen oder auch durch das Aufschleifen der Maschen gebildet. Man wendet zur Ausführung solcher Muster verschiedene Maschenarten an. Die Hohlmaschen werden gewöhnlich in der früher angegebenen Weise ausgeführt. Seltener wird der Faden so über die Nadel gelegt, daß diese vor demselben liegt. Die Hohlmaschen sehen verschiedenartig aus, je nachdem sie bei der folgenden Reihe abgestrickt werden. Wird die Hohlmasche bei streifenweisen Arbeiten verkehrt abgestrickt, so liegen über der durch sie entstandenen Lücke zwei gewundene Fäden und die daraus entstandene Masche liegt glatt. Wird die in obiger Weise aus der Hohlmasche entstandene Masche verdreht abgestrickt, dann liegen die Glieder dieser Masche nicht senkrecht, sondern das rechte Glied liegt über dem linken. Die Fäden liegen ebenfalls gewunden über der durch die Hohlmasche entstandenen Lücke. 32 Wenn Hohlmaschen unmittelbar übereinander gestellt werden, ohne daß glatt oder verkehrt darüber gestrickt wird, dann liegen die Fäden derselben einfach. Wenn Hohlmaschen unmittelbar übereinander gestellt und verdreht abgestrickt werden, dann liegt der Faden auch einfach, doch die aus demselben gebildete Masche liegt verdreht. Um größere Lücken zu bilden, legt man den Faden zwei, auch drei Mal über die Nadel, wodurch man doppelte und dreifache Hohlmaschen erhält. Wenn aus solchen Hohlmaschen zwei oder mehrere Maschen zu bilden sind, dann müssen die Hohlmaschen abwechselnd glatt und verkehrt abgestrickt werden, weil zwei oder mehrere glatte Maschen, welche aus einer Hohlmasche nebeneinander gestrickt werden, in eine Masche zurückfallen. Wenn vor und nach einer doppelten Hohlmasche abgenommen wird und die Hohlmaschen übereinander gestellt werden, dann liegen die Fäden derselben doppelt gewunden. Mitunter werden auch mehrere übereinander gestellte Hohlmaschen mit einer Masche zusammengestrickt. Hiebei wird in der Regel eine doppelte Hohlmasche ausgeführt, welche bei der zweiten Reihe als einfache Hohlmasche auf die rechte Nadel gehoben wird, indem man unmittelbar davor eine doppelte Hohlmasche ausführt. Dies findet je nach dem Muster durch vier bis fünf Reihen statt, wobei dann vier bis fünf Fäden auf der Nadel liegen. Um die Hohlmaschen zusammenzu stricken, wird die rechte Nadel unter alle Hohlmaschen geführt, der Faden auf die Nadel gelegt, als Schlinge unter der Hohlmasche hervorgeholt, die Schlinge auf die linke Nadel gelegt und glatt abgestrickt. Um größere Lücken zu bilden, wendet man auch das Aufschleifen der Maschen an. Ganz große Lücken zum Durchziehen von Bändern u. dgl. werden gebildet, indem eine gewisse Maschenzahl abgekettet und bei der folgenden Reihe über den abgeketteten Maschen eine gleiche Anzahl Maschen auf- geschleift wird. Durch die Ausführung der Hohlmaschen wird die Maschenzahl vermehrt. Man muß daher bei solchen Arbeiten, wobei sich die Maschenzahl nicht vermehren darf, im selben Verhältnisse abnehmen, in dem zugenommen worden ist. Es gibt verschiedene Arten des AbnchmenS oder der Maschenvcr- minderung, und zwar: a) das glatte Abnehmen, d) das verkehrte Abnehmen, o) das glatt verdrehte Abnehmen, ä) das verkehrt verdrehte Abnehmen, e) das Ueberziehen oder überzogene Abnehmen, k) das Zusammcnstricken dreier Maschen. 33 a) Das glatte Abnehmen: Zwei Maschen glatt zusammenstecken. Es wird angewendet, wenn sich die zusammengesteckten Maschen nach rechts neigen sollen. d) Das verkehrte Abnehmen: Zwei Maschen verkehrt zusammenstecken. Dieses wird angewendet, entweder um die zusammengesteckten Maschen hervortretender zu machen, oder bei streifenweisen Arbeiten auf der Kehrseite, wenn sich das Abnehmen auf der Rechtsseite nach rechts neigt. e) Das glatt verdrehte Abnehmen: Zwei Maschen glatt verdreht zusammenstricken. Dieses neigt sich nach links und wird bei verschiedenen Mustern angewendet. ck) Das verkehrt verdrehte Abnehmen: Zwei Maschen verkehrt verdreht zusammenstricken. Dieses wird angewendet, wenn bei streifenweisen Arbeiten auf der Kehrseite abgenommen werden muß und sich das Abnehmen auf der Rechtsseite nach links neigt. e) Das Ueberziehen: Eine Masche von der linken Nadel abheben, die folgende glatt stricken, die abgehobene mit der linken Nadel fassen und darüber heben. Dieses Abnehmen neigt sich nach links. k) Das Zusammenstricken dreier Maschen, womit zwei Maschen auf einmal abgenommen werden, wird verschieden ausgeführt, je nachdem sich die Maschen nach rechts oder links neigen, oder eine Masche zwischen einer nach rechts und einer nach links liegenden steht, wobei sich wieder die oberste nach rechts oder links neigt. Das nach rechts geneigte Abnehmen zweier Maschen wird ausgeführt, indem drei Maschen glatt zusammengestrickt weisen. Auf der Kehrseite wird dieses Abnehmen ausgeführt, indem drei Maschen verkehrt zusammengestrickt werden. Das nach links geneigte Abnehmen zweier Maschen: Eine Masche abheben, die zwei folgenden glatt zusammenstricken, die abgehobene darüberziehen. Oder: Zwei Maschen abheben, die folgende glatt stricken, die beiden abgehobenen darüberziehen. Auf der Kehrseite wird dieses Abnehmen ausgeführt, indem drei Maschen verkehrt verdreht zusammengestrickt werden. Das Zusammenstricken dreier Maschen, wobei eine Masche zwischen einer nach rechts und einer nach links geneigten steht, wobei die nach rechts geneigte zu oberst steht: Eine Masche abheben, die folgende glatt, die abgehobene darüberlegen, die dadurch entstandene Masche auf die linke Nadel legen, die folgende darüberlegen, die Maschen auf die rechte Nadel zurücklegen. Auf der Kehrseite wird dieses Abnehmen ausgeführt: Eine Masche abheben, wobei der Faden vor derselben liegen muß; die zwei folgenden Maschen verkehrt zusammenstricken, die abgehobene darüberlegen. Dasselbe Abnehmen, wobei jedoch die oberste Masche nach links geneigt ist: Eine Masche abheben, die zwei folgenden glatt, die abgehobene darüberziehen. Ha»darbeit-k«ude. L. Abth 2 34 Auf der Kehrseite wird dieses Abnehmen ausgeführt: Zwei Maschen verkehrt zusammenstricken, die dadurch entstandene Masche auf die linke Nadel legen, indem der Arbeitsfaden vor derselben liegt, die folgende Masche darüberziehen, die daraus entstandene Masche auf die rechte Nadel zurückheben. Wenn mehr als zwei Maschen unmittelbar nebeneinander abzunehmen sind, muffen die Maschen abgekettet werden. Die durchbrochenen Muster sind unendlich mannigfaltig. Man unterscheidet dreierlei Arten derselben: 1. Solche, welche eine gleichmäßig durchbrochene Fläche bilden; 2. Streifenmuster; 3. Muster, welche auf Grundlage geometrischer Formen beruhen. Alle diese Muster werden wieder in solche unterschieden, wobei über jede Musterreihe eine glatte oder verkehrte Reihe gestrickt ist, und eine solche, wobei jede Reihe eine Musterreihe ist. 1. Muster, welche eine gleichmäßig durchbrochene Fläche bilden. Diese werden durch regelmäßig wiederkehrende Abwechslung von Hohlmaschen und Abnehmen gebildet, und enthalten eine, auch zwei, seltener mehrere Musterreihen. 2. Streifenmuster. Am häufigsten sind Muster mit senkrechten Streifen, die entweder alle durchbrochen oder abwechselnd dicht und durchbrochen sind. Zu den dichten Streifen eignen sich namentlich die Zöpfchenmuster, jene mit hinübergestrickten Maschen, auch aus Knöpfchenmaschen zusammengestellte Muster u. dgl. Die Muster mit senkrechten Streifen erhalten häufig eine Abgrenzung der einzelnen Streifen. Diese Abgrenzung ist verschiedenartig, am gebräuchlichsten sind jedoch folgende Abgrenzungen: a) Das Perlmuster, welches zwei Maschen und zwei Reihen erfordert. Erste Reihe: eine Hohlmasche, überzogen abnehmen. Zweite Reihe: verkehrt. . d) Das Rosmarinmuster mit zwei Maschen und vier Reihen. Erste Reihe: eine Hohlmasche, überzogen abnehmen. Zweite Reihe: verkehrt. Dritte Reihe: glatt abnehmen, eine Hohlmasche. Vierte Reihe: verkehrt. o) Die Erb senket te, mit vier Maschen und zwei Reihen. Erste Reihe: glatt abnehmen, eine doppelte Hohlm., überzogen abnehmen. 35 Zweite Reihe: verkehrt, und die doppelte Hohlm. abwechselnd glatt und verkehrt. Strickt man über diese beiden Reihen noch eine glatte und eine verkehrte Reihe, dann erhält man die doppelte Erbsenkette. ä) Das russische Nähtchen, mit vier Maschen und zwei Reihen. Erste Reihe: glatt abnehmen, eine Hohlm. Zweite Reihe: eine Hohlm., die Hohlm. der untern Reihe mit der links danebenliegenden Masche glatt, verkehrt oder überzogen zusammenstricken. 3. Muster, welche auf Grundlage geometrischer Formen beruhen. Die Grundmotive dieser Muster sind meistens das rechtwinkelige, gleichschenkelige Dreieck und das auf die Spitze gestellte Quadrat. Die Grundlage dieser Muster bildet gewöhnlich eine zwischen zwei Hohlmaschen gestellte glatte, glatt verdrehte oder verkehrte Masche. Die Hohlmaschen treten entweder bei jeder Reihe oder bei jeder zweiten Reihe nach rechts und links zurück, wodurch sich die mittleren Maschen stets um zwei vermehren. Bei auf die Spitze gestellten Quadraten treten die Hohlmaschen wieder zusammen, indem sich die mittleren Maschen stets um zwei vermindern. Die letzten drei Maschen werden dann gewöhnlich zusammen- gestrickt. Solche Muster existiren in großer Mannigfaltigkeit und können sehr leicht verändert werden. Das Stricken und namentlich das Abstricken solcher Muster von gestrickten Mustern gehört zu den schwierigsten weiblichen Handarbeiten und erfordert viele Uebung. Wir geben unter Folgendem einige Muster, welche die früher angeführten Elemente enthalten. Erstes Muster. sAbb. 31.) Einfache Hohlmasche, glattes Abnehmen, Ueber- ziehen, das Zusammenstricken dreier Maschen, die aus der Hohlmasche gebildete Masche wird glatt verdreht gestrickt. Anschlag 41 Maschen. Äbb. 31. WWWMKW 3 * 36 Erste Nadel: Kettenmasche, 2 glatt, 1 Hohlmasche, 3 Maschen zusammenstrichen (1 Masche abheben, die 2 folgenden glatt zusammenstrichen, die abgehobene darüberziehen), 1 Hohlm., 1 verdreht, 2 glatt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., glatt abnehmen, 1 Hohlm., 1 glatt, 1 Hohlm,, überziehen, 2 glatt, 1 verdreht, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstrichen, l Hohlm., 1 verdreht, 2 glatt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., glatt abnehmen, 1 Hohlm., 1 glatt, 1 Hohlmasche, überziehen, 2 glatt, 1 verdreht, 1 Hohlmasche, 3 Maschen zusammenstrichen, 1 Hohlm., 2 glatt, Kettenmasche. Zweite Nadel: verkehrt, nur die beiden Maschen, die zu Anfang und Ende der Nadel neben den Kettenmaschen stehen, werden rechts- gestrickt. Dies findet bei jeder verkehrten Nadel statt und wird, um Wiederholungen zu vermeiden, in der Folge nicht mehr erwähnt werden. Dritte Nadel: Kettenmasche, 4 glatt, 1 verdreht, 1 Hohlm., überziehen, glatt abnehmen, 1 Hohlm., glatt abnehmen, 1 Hohlm., 1 glatt, 1 Hohlm., überziehen, 1 Hohlm., überziehen, glatt abnehmen, 1 Hohlm., l verdreht, 1 glatt, 1 verdreht, 1 Hohlm., überziehen, glatt abnehmen, 1 Hohlm., glatt abnehmen, 1 Hohlm., 1 glatt, 1 Hohlm., überziehen, 1 Hohlm., überziehen, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 1 verdreht, 4 glatt, Kettenmasche. Vierte Nadel: verkehrt. Fünfte Nadel: Kettenm., 3 glatt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 1 verdreht, glatt abnehmen, 1 Hohlm., glatt abnehmen, 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm., überziehen, 1 Hohlm., überziehen, 1 verdreht, l Hohlm., 3 Maschen zusammenstrichen, 1 Hohlm., 1 verdreht, glatt abnehmen, 1 Hohlm., glatt abnehmen, 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm., überziehen, 1 Hohlm., überziehen, 1 verdreht, 1 Hohlm., überziehen, 3 glatt, Kettenmasche. Sechste Nadel: verkehrt. Siebente Nadel: Kettenm., 4 glatt, 1 verdreht, glatt abnehmen, l Hohlm., glatt abnehmen, 1 Hohlm., 5 glatt, 1 Hohlm., überziehen, t Hohlm., überziehen, 1 verdreht, 1 glatt, 1 verdreht, glatt abnehmen, 1 Hohlm., glatt abnehmen, 1 Hohlm., 5 glatt, 1 Hohlm., überziehen, 1 Hohlm., überziehen, 1 verdreht, 4 glatt, Kettenmasche. Achte Nadel: verkehrt. Neunte Nadel: Kettenm., 4 glatt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., glatt abnehmen, 1 Hohlm., 2 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstrichen, 1 Hohlm., 2 glatt, 1 Hohlm., überziehen, 1 Hohlm., überziehen, 1 glatt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., glatt abnehmen, 1 Hohlm-, 2 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstrichen, 1 Hohlm., 2 glatt, 1 Hohlm-, überziehen, 1 Hohlm., überziehen, 4 glatt, Kettenmasche. Zehnte Nadel: verkehrt. Elfte Nadel: Kettenm., 3 glatt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., glatt abnehmen, 1 Hohlm., 1 glatt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 1 verdreht, 1 glatt, 1 verdreht, 1 Hohlm., überziehen, 1 glatt, 1 Hohlm., über-" ziehen, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstrichen, 1 Hohlm., glatt ab- 37 nehmen, 1 Höhln,., 1 glatt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 1 verdreht, 1 glatt, 1 verdreht, 1 Hohlm., überziehen, 1 glatt, 1 Hohlm., überziehen, 1 Hohlm., überziehen, 3 glatt, Kettenmasche. Zwölfte Nadel: verkehrt. Dreizehnte Nadel: Kettenm., 2 glatt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 1 glatt, 1 Hohlm., überziehen, 2 glatt, 1 verdreht, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstricken, 1 Hohlm., 1 verdreht, 2 glatt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., glatt abnehmen, 1 Hohlm., 1 glatt, 1 Hohlm., überziehen, 2 glatt, 1 verdreht, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstricken, 1 Hohlm., 1 verdreht, 2 glatt, glatt abnehmen, t Hohlm., glatt abnehmen, 1 Hohlm., 3 glatt, Kettenmasche. Vierzehnte Nadel: verkehrt. Fünfzehnte Nadel: Kettenm., 4 glatt, 1 Hohlm., überziehen, 1 Hohlm., überziehen, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 1 verdreht, 1 glatt, t verdreht, 1 Hohlm., überziehen, glatt abnehmen, 1 Hohlm., glatt abnehmen, 1 Hohlm., 1 glatt, 1 Hohlm., überziehen, 1 Hohlm., überziehen, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 1 verdreht, 1 glatt, 1 verdreht, 1 Hohlm., überziehen, glatt abnehmen, 1 Hohlm., glatt abnehmen, 1 Hohlm., 4 glatt, Kettenmasche. Sechzehnte Nadel: verkehrt. Siebzehnte Nadel: Kettenm., 5 glatt, 1 Hohlm., überziehen, 1 Hohlm., überziehen, 1 verdreht, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstricken, 1 Hohlm, 1 verdreht, glatt abnehmen, 1 Hohlm., glatt abnehmen, 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm., überziehen, 1 Hohlm., überziehen, 1 verdreht, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstricken, 1 Hohlm., 1 verdreht, glatt abnehmen, 1 Hohlm., glatt abnehmen, 1 Hohlm., 5 glatt, Kettenmasche. Achtzehnte Nadel: verkehrt. Neunzehnte Nadel: Kettenm., 6 glatt, 1 Hohlm., überziehen, 1 Hohlm., überziehen, 1 verdreht, 1 glatt, 1 verdreht, glatt abnehmen, 1 Hohlm., glatt abnehmen, 1 Hohlm., 5 glatt, 1 Hohlm., überziehen, l Hohlm., überziehen, 1 verdreht, 1 glatt, 1 verdreht, glatt abnehmen, 1 Hohlm., glatt abnehmen, 1 Hohlm., 6 glatt, Kettenmasche. Zwanzigste Nadel: verkehrt. Einundzwanzigste Nadel: Kettenm., 2 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstricken, 1 Hohlm., 2 glatt, 1 Hohlm., überziehen, 1 Hohlm., überziehen, 1 glatt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., glatt abnehmen, 1 Hohlm., 2 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstricken, 1 Hohlm., 2 glatt, 1 Hohlm., überziehen, 1 Hohlm., überziehen, 1 glatt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., glatt abnehmen, 1 Hohlm., 2 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstricken, 1 Hohlm., 2 glatt, Kettenmasche. Zweiundzwanzigste Nadel: verkehrt. Dreiundzwanzigste Nadel: Kettenm., 2 glatt, 1 verdreht, 1 glatt, l verdreht, 1 Hohlm., überziehen, 1 glatt, 1 Hohlm., überziehen, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstricken, 1 Hohlm., glatt abnehmen, 1 Hohlm., 1 glatt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 1 verdreht, 1 glatt, 1 verdreht, 1 Hohlm., überziehen, 1 glatt, 1 Hohlm., überziehen, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstecken, 1 Hohlm., glatt abnehmen, 1 Hohlm., 1 glatt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 1 verdreht, 1 glatt, 1 verdreht, 2 glatt, Kettenmasche. Iivnles Muster. (Abb. 32.) Glatt und verkehrt abgestrickte Hohlmaschen, verdreht verkehrtes Abnehmen, russisches Nähtchen. Anschlag 35 Maschen. Abb.^32. 3 glatt, 1 Hohlm., 1 Hohlm., Erste Nadel: 1 abheben, 4 glatt, 1 Hohlm., überziehen, 1 glatt, 1 Hohlm., überziehen, 5 glatt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 1 glatt, 1 Hohlm., überziehen, 5 glatt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm., überziehen, 2 glatt, 1 abheben. Zweite abnehmen, 2 Nadel: verkehrt, 2 verkehrt, 1 Hohlm., verkehrt verkehrt abnehmen, 3 verkehrt, verkehrt verdreht abnehmen, 3 verkehrt, 1 Hohlm., verkehrt abnehmen, 3 verkehrt, verkehrt verdreht abnehmen, 1 Hohlm., 4 verkehrt, 1 Hohlm., verkehrt abnehmen, 3 glatt. Drittb Nadel: 1 abheben, 4 glatt, 1 Hohlm., überziehen, 3 glatt, 1 Hohlm., überziehen, 1 glatt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 5 glatt, 1 Hohlm., überziehen, 1 glatt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 5 glatt, 1 Hohlm., überziehen, 2 glatt, 1 abheben. Vierte Nadel: 3 glatt, 2 verkehrt, 1 Hohlm., verkehrt abnehmen, 4 verkehrt, 1 Hohlm., 3 verkehrt zusammenstricken, 1 Hohlm., 7 verkehrt, 1 Hohlm., 3 verkehrt zusammenstricken, 1 Hohlm., 6 verkehrt, 1 Hohlm., verkehrt abnehmen, 3 glatt. Fünfte Nadel: 1 abheben, 4 glatt, 1 Hohlm., überziehen, 3 glatt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 1 glatt, 1 Hohlm., überziehen, 5 glatt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 1 glatt, 1 Hohlm., überziehen, 5 glatt, 1 Hohlm., überziehen, 2 glatt, 1 abheben. Sechste Nadel: 3 glatt, 2 verkehrt, 1 Hohlm., verkehrt abnehmen, 2 verkehrt, verkehrt verdreht abnehmen, 1 Hohlm., 3 verkehrt, 1 Hohlm., verkehrt abnehmen, 3 verkehrt, verkehrt verdreht abnehmen, 1 Hohlm., 3 verkehrt, 1 Hohlm., verkehrt abnehmen, 4 verkehrt, 1 Hohlm., verkehrt abnehmen, 3 glatt. Siebente Nadel: 1 abheben, 4 glatt, 1 Hohlm., überziehen, 1 glatt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 5 glatt, 1 Hohlm., überziehen, 1 glatt, 39 glatt abnehmen, 1 Hohlm., 5 glatt, 1 Höhln,., überziehen, 3 glatt, 1 Hohlm., überziehen, 2 glatt, 1 abheben. Achte Nadel: 3 glatt, -i- 2 verkehrt, 1 Hohlm., verkehrt abnehmen, verkehrt verdreht abnehmen, 1 Hohlm., 7 verkehrt, 1 Hohlm., 3 verkehrt zusammenstricken, 1 Hohlm., 7 verkehrt, 1 Hohlm., verkehrt abnehmen, 2 verkehrt, 1 Hohlm., verkehrt abnehmen, 3 glatt. Drittes Muster. (Abb. 33.) Verdreht abgestrickte Hohl- maschen, Muschen, Rosmarinmuster. Anschlag 46 Maschen. Abb. SS. «OOGWW Erste Nadel: 1 abheben, 2 glatt, 2 verkehrt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 2 verkehrt, 1 glatt, 1 Hohlm, überziehen, 8 glatt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 2 glatt, 1 Hohlm., überziehen, 8 glatt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 1 glatt, 2 verkehrt, glatt abnehmen. 1 Hohlm., 2 verkehrt, 2 glatt, 1 abheben. Zweite Nadel: 5 glatt, 2 verkehrt, 2 glatt, l verkehrt, die Hohlm. verdreht verkehrt, 1 Hohlm., verkehrt abnehmen, 6 verkehrt, verdreht verkehrt abnehmen, 1 Hohlm., die Hohlm. verdreht verkehrt, 2 verkehrt, die Hohlm. verdreht verkehrt, 1 Hohlm. verkehrt abnehmen, 6 verkehrt, verkehrt verdreht abnehmen, 1 Hohlm., die Hohlm. verdreht verkehrt. 1 verkehrt, 2 glatt, 2 verkehrt, 5 glatt. Dritte Nadel: 1 abheben, 2 glatt, 2 verkehrt, 1 Hohlm., überziehen, 2 verkehrt, 2 glatt, 1 verdreht, 1 Hohlm., überziehen, 4 glatt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 1 verdreht, 2 glatt, 4 Maschen aufschleifen, 2 glatt, 1 verdreht, 1 Hohlm., überziehen, 4 glatt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., l verdreht, 2 glatt, 2 verkehrt, 1 Hohlm., überziehen, 2 verkehrt, 2 glatt, 1 abheben. Vierte Nadel: ö glatt, 2 verkehrt, 2 glatt, 3 verkehrt, 1 verkehrt verdreht, 1 Hohlm., verkehrt abnehmen, 2 verkehrt, verkehrt verdreht abnehmen, 1 Hohlm., 1 verkehrt verdreht, 10 verkehrt, 1 verkehrt verdreht, 1 Hohlm., verkehrt abnehmen, 2 verkehrt, verkehrt verdreht abnehmen, 1 Hohlm., 1 verkehrt verdreht, 3 verkehrt, 2 glatt, 2 verkehrt, 5 glatt. 40 Fünfte Nadel: 1 abheben, 2 glatt, 2 verkehrt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 2 verkehrt, 4 glatt, 1 verdreht, 1 Hohlin., überziehen, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 1 verdreht, 4 glatt, überziehen, glatt abnehmen, 4 glatt, 1 verdreht, 1 Hohlm., überziehen, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 1 verdreht, 4 glatt, 2 verkehrt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 2 verkehrt, 2 glatt, 1 abheben. Sechste Nadel: 5 glatt, 2 verkehrt, 2 glatt, 4 verkehrt, verkehrt verdreht abnehmen, 1 Hohlm., 2 verkehrt, 1 Hohlm., verkehrt abnehmen, 10 verkehrt, verkehrt verdreht abnehmen, 1 Hohlm., 2 verkehrt, 1 Hohlm., verkehrt abnehmen, 4 verkehrt, 2 glatt, 2 verkehrt, 5 glatt. Siebente Nadel: 1 abheben, 2 glatt, 2 verkehrt, 1 Hohlm., überziehen, 2 verkehrt, 3 glatt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 1 verdreht, 2 glatt, 1 verdreht, 1 Hohlm., überziehen, 8 glatt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 1 verdreht, 2 glatt, 1 verdreht, 1 Hohlm., überziehen, 3 glatt, 2 verkehrt, 1 Hohlm., überziehen, 2 verkehrt, 2 glatt, 1 abheben. Achte Nadel: 5 glatt, 2 verkehrt, 2 glatt, 2 verkehrt, verkehrt verdreht abnehmen, 1 Hohlm., 1 verkehrt verdreht, 4 verkehrt, 1 verkehrt verdreht, 1 Hohlm., verkehrt abnehmen, 6 verkehrt, verkehrt verdreht abnehmen, 1 Hohlm., 1 verkehrt verdreht, 4 verkehrt, 1 verkehrt verdreht, 1 Hohlm., verkehrt abnehmen, 2 verkehrt, 2 glatt, 2 verkehrt, 5 glatt. Neunte Nudel: 1 abheben, 2 glatt, 2 verkehrt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 2 verkehrt, 1 glatt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 1 verdreht, 3 glatt, 4 Maschen aufschleifen, 3 glatt, 1 verdreht, 1 Hohlm., überziehen, 4 glatt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 1 verdreht, 3 glatt, 4 Maschen aufschleifen, 3 glatt, 1 verdreht, 1 Hohlm., überziehen, 1 glatt, 2 verkehrt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 2 verkehrt, 2 glatt, 1 abheben. Zehnte Nadel: 5 glatt, 2 verkehrt, 2 glatt, verkehrt verdreht abnehmen, 1 Hohlm., 1 verkehrt verdreht, 12 verkehrt, 1 verkehrt verdreht, 1 Hohlm., verkehrt abnehmen, 2 verkehrt, verkehrt verdreht abnehmen, 1 Hohlm., 1 verkehrt verdreht, 12 verkehrt, 1 verdreht verkehrt, 1 Hohlm., verkehrt abnehmen, 2 glatt, 2 verkehrt, 5 glatt. Elfte Nadel: 1 abheben, 2 glatt, 2 verkehrt, 1 Hohlm., überziehen, 2 verkehrt, 1 glatt, 1 Hohlm., überziehen, 4 glatt, überziehen, glatt abnehmen. 4 glatt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., überziehen, glatt abnehmen, 1 Hohlm., überziehen, 4 glatt, überziehen, glatt abnehmen, 4 glatt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 1 glatt, 2 verkehrt, 1 Hohlm., überziehen, 2 verkehrt, 2 glatt, 1 abheben. Zwölfte Nadel: 5 glatt, 2 verkehrt, 2 glatt, 1 verkehrt, 1 verkehrt verdreht, 1 Hohlm., verkehrt abnehmen, 8 verkehrt, verkehrt verdreht abnehmen, 1 Hohlm., 1 verkehrt verdreht, 2 verkehrt, 1 verkehrt verdreht, 1 Hohlm., verkehrt abnehmen, 8 verkehrt, verkehrt verdreht abnehmen, 1 Hohlm., 1 verkehrt verdreht, 1 verkehrt, 2 glatt, 2 verkehrt, 5 glatt. 41 Dreizehnte Nadel: 1 abheben, 2 glatt, 2 verkehrt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 2 verkehrt, 2 glatt, 1 verdreht, 1 Hohlm., überziehen, 1 glatt, überziehen, glatt abnehmen, 1 glatt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 1 verdreht, 2 glatt, 4 Maschen aufschleifen, 2 glatt, 1 verdreht, 1 Hohlm., überziehen, 6 glatt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 1 verdreht, 2 glatt, 2 verkehrt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 2 verkehrt, 2 glatt, 1 abheben. Von der vierten Nadel wiederholen, mit Ausnahme des Rosmarinmusters, das in regelmäßiger Folge gewechselt werden muß. Viertes Muster. (Abb. 34.) Doppelte Hohlmaschen: Einfache Erbsenkette und Erbsengitter. Anschlag 34 Maschen. Erste Nadel: 1 Abb. 34. abheben, 2 glatt, 2 verkehrt , glatt abnehmen , eine doppelte Hohlm., überziehen, 2 verkehrt, glatt abnehmen, 1 doppelte Hohlm., überziehendem noch 2mal wiederholen, 2 verkehrt, glatt abnehmen, 1 doppelte Hohlm., überziehen, 2 verkehrt, 2 glatt, 1 abheben. Zweite Nadel: Alles glatt, ausgenommen die zweite der Hohlmaschen, die immer verkehrt gestrickt wird. Dritte Nadel: 1 abheben, 2 glatt, 2 verkehrt, glatt abnehmen, 1 doppelte Hohlm., überziehen, 2 verkehrt, 1 einfache Hohlm., überziehen, glatt abnehmen, 1 doppelte Hohlm., überziehen, glatt abnehmen, 1 doppelte Hohlm., überziehen, glatt abnehmen, 1 einfache Hohlm., 2 verkehrt, glatt abnehmen, 1 doppelte Hohlm., überziehen, 2 verkehrt, 2 glatt, 1 abheben. Vierte Nadel: wie die zweite. Aus der einfachen Hohlmasche wird nur eine Masche gestrickt. ' Von der ersten Nadel wiederholen. Wustes Muster. (Abb. 35.) Mit einer Masche zusammengestrickte Hohlmaschen, mit mehreren Maschen zusammen- gestrickte Hohlmaschen. aufgeschleifte und abgekettete Maschen. Anschlag 62 Maschen. Erste Nadel: 1 abheben, 2 glatt, 2 verkehrt, 3 glatt, glatt abnehmen, 1 doppelte Hohlm., überziehen. 3 glatt, 2 verkehrt, 1 glatt, 1 Hohlm., überziehen, 1 Hohlm., überziehen, 1 Hohlm., überziehen. 2 verkehrt, 3 glatt, glatt abnehmen, 1 doppelte Hohlm., überziehen, DMjM WWW — 42 — Abb, 35 '-r»/>-4sü 88 ,' - sML MMW 3 glatt, 2 verkehrt, 1 glatt, 1 Hohlm., überziehen, 1 Hohlm., überziehen, 1 Hohlm., überziehen, 2 verkehrt, 3 glatt, glatt abnehmen, 1 doppelte Hohlm., überziehen, 3 glatt, 2 verkehrt, 2 glatt, 1 abheben. Zweite Nadel: ö glatt, 2 verkehrt, verkehrt verdreht abnehmen, 1 doppelte Hohlm., die doppelte Hohlm. der vorigen Reihe als einfache Hohlmasche auf die rechte Nadel heben, verkehrt abnehmen, 2 verkehrt, 2 glatt, 7 verkehrt, 2 glatt, 2 verkehrt, verkehrt verdreht abnehmen, 1 doppelte Hohlm., die Hohlm. der vorigen Nadel abheben, wie oben, verkehrt abnehmen, 2 verkehrt, 2 glatt, 7 verkehrt, 2 glatt, 2 verkehrt, verkehrt verdreht abnehmen. 1 doppelte Hohlm., die Hohlm. der vorigen Nadel abheben, wie oben, verkehrt abnehmen, 2 verkehrt, 5 glatt. Dritte Nadel: 1 abheben, 2 glatt, ^ 2 verkehrt, l glatt, glatt abnehmen, 1 doppelte Hohlm., die beiden Hohlmaschen der vorigen Reihe auf die rechte Nadel heben, überziehen, 1 glatt, 2 verkehrt, 2 glatt, die erste derselben über die zweite ziehen, 1 glatt, die vorhergehende darüberziehen, die nächsten 4 Maschen in derselben Weise glatt abstricken und stets die vorangehende darüberziehen, vom -s- noch einmal wiederholen, 2 verkehrt, 1 glatt, glatt abnehmen, 1 doppelte Hohlm., die beiden Hohlmaschen der vorangehenden Reihen auf die rechte Nadel heben, - überziehen, 1 glatt, 2 verkehrt, 3 glatt Vierte Nadel: 5 glatt, -s- verkehrt verdreht abnehmen, 1 doppelte Hohlm., die 3 Hohlmaschen der vorhergehenden Reihen auf die rechte Nadel heben, verkehrt abnehmen, 2 glatt, 1 verkehrt, 6 Maschen auf- schleifen, 2 glatt, vom -s- wiederholen, verkehrt verdreht abnehmen, 1 doppelte Hohlm., die 3 Hohlmaschen der Unteren Reihen auf die rechte Nadel heben, verkehrt abnehmen, 5 glatt. Fünfte Nadel: 1 abheben, 2 glatt, 2 verkehrt, 1 glatt, 4 Maschen aufschleifen, die rechte Nadel unter die 4 auf der linken Nadel befindlichen Hohlmaschen führen, den Faden auf die Nadel legen, als Schlinge unter den Hohlmaschen hervorziehen, diese Schlinge auf die linke Nadel legen und glatt abstricken (dieses Verfahren gleicht der Ausführung der Knöpfchenmasche, S. 16), 3 Maschen aufschleifen, 1 glatt, 2 verkehrt, 7 glatt, 2 verkehrt, 1 glatt, die rechte Nadel unter die 4 auf der linken Nadel befindlichen Schlingen führen, den Faden auf die Nadel legen, unter den Hohlmaschen hervorziehen, diese Schlinge auf die linke 43 Nadel legen und als Masche abstricken, es werden noch 7 solcher Schlingen über dieselben Hohlmaschen gebildet, 1 glatt, 2 verkehrt 7 glatt, 2 verkehrt, 1 glatt, 4 Maschen ausschleifen, die Nadel unter die 4 Hohlmaschen der vorhergehenden Reihen sühren, und eine Schlmge bilden, wie oben, 3 Maschen ausschleifen, 1 glatt, 2 verkehrt, 2 glatt, 1 abheben. Sechste Nadel: 5 glatt, 10 verkehrt, 2 glatt, 7 verkehrt, 2 glatt, 10 verkehrt, 2 glatt, 7 verkehrt, 2 glatt, 10 verkehrt, 5 glatt. Von der ersten Reihe wiederholen. Die breiten durchbrochenen Streifen, die durch das Abketten der Maschen entstehen, werden zum Durchzug von Bändern angewendet. Das Stricke» geometrischer Forme». Diese können in der Strickarbeit ebenso wie in der Häkelarbeit mittelst des Ab- und Zunehmens gebildet werden. Das Abnehmen wird entweder durch das Zusammenstecken zweier oder dreier Maschen oder durch das Abketten ausgeführt. Das Aufnehmen an den Kanten der Formen kann in zweierlei Art ausgeführt werden. Erstens: Die erste oder letzte Masche der Nadel glatt abstricken, jedoch von der linken Nadel nicht hetKgleiten lassen, sondern nochmals, aber verdreht abstricken. Zweitens: Die erste Masche abstricken, aus dem linksliegenden Gliede jener Masche der vorhergehenden Reihe, welche eben abgestrickt worden, eine Masche stricken. Wenn zu Ende der Reihe eine Masche in dieser Weise aufgenommen werden soll, muß die Masche aus dein re chtsliegenden Gliede der letzten Masche ausgenommen werden. Auch wird häufig mittelst der Hohlmaschen aufgenommen. Rechtecke. Bei' diesen ist in gleicher Weise vorzugehen, wie bei der Häkelarbeit. G u a d r a t e. Quadrat, von einer der Umfangslinien ausgeführt: Eins Maschenzahl anlegen, welche der Größe der Umfangslinien entspricht, ' noch einmal so viele Nadeln stricken, als Maschen angelegt sind. Gewöhnlich entsprechen zwei Reihen Höhe der Breite einer Masche. Dies Verhältnis findet jedoch nur bei glatt gestrickten Arbeiten statt. Bei gemusterten Arbeiten muß so viel gearbeitet werden, daß die Längensciten den Querseiten entsprechen, weil sich die Muster verschieden zusammenziehen oder dehnen. 44 Das auf der Spitze stehende Quadrat: 1 Masche anlegen, am Ende jeder folgenden Nadel 1 Masche zunehmen, bis das Quadrat die gewünschte Breite hat; am Ende jeder folgenden Nadel 1 Masche abnehmen, bis auf 1 Masche. Quadrat mit einer Diagonale: Eine Maschenzahl anlegen, welche der Größe der Umfangslinien entspricht, alle Maschen bis zur letzten, welche auf der Nadel bleibt, abstricken, die Arbeit wenden, die zuletzt gestrickte Masche abheben, die Nadel vollständig abstricken, bei der folgenden Nadel bis zu der abgehobenen Masche stricken, welche wieder auf der linken Nadel bleibt, die Arbeit wenden, die zuletzt gestrickte Masche abheben, die nächste stricken. So abwechselnd fort, bis nur eine Masche auf der Nadel bleibt. Dann wird im selben Verhältnis eine Masche zugestrickt, bis keine mehr auf der rechten Nadel ist. Dieses Quadrat wird zum Eckenstricken bei Deckenrändern, Einsätzen u. dgl. verwendet, und kann auch mit Muster ausgeführt werden. Wir geben unter Folgendem die Ausführung einer solchen gemusterten Ecke an. (Abb. 36.) Anschlag 25 Maschen. 1. Nadel: verkehrt. Abb. 36. 2. Nadel: glatt. 3. Nadel: Ketten- masche, 4 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen überzogen zusammenstecken, 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen überzogen zusammenstecken , 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen überzogen zusammenstecken , 1 Hohlm., 4 glatt, Kettenmasche. 4. Nadel: verkehrt. Zu Anfang und Ende Kettenm., und je 2 glatte Maschen. Nachdem alle geraden Reihen in dieser Weise gearbeitet werden, erwähnen wir derselben in der Folge nicht mehr. 5. Nadel: Kettenm., 2 glatt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstricken, 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstricken, 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm., überziehen, 2 glatt, Kettenmasche. Die beiden Musterreihen werden so oft wiederholt, als man den Streifen lang haben will. MULM »M Die Ecke strickt man in folgender Weise, nachdem der Streifen mit der zweiten Musterreihe geschlossen worden ist: 1. Nadel: Kettenm., 4 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammen- stricken, 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstricken, 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstricken, 1 Hohlm., 3 glatt, die nächste Masche abheben, wobei man den Faden vor derselben liegen läßt. Es bleibt eine Masche auf der linken Nadel zurück. 2. Nadel: Die erste Masche so abheben, daß sich der Faden um sie herum legt, alle anderen verkehrt, bis auf die zwei vorletzten Maschen, die glatt gestrickt werden, Kettenmasche. Es werden alle geraden Reihen in dieser Weise gearbeitet. Um Wiederholungen zu vermeiden, wird dies nicht weiter erwähnt werden, und wird nur die Ausführung der ungeraden Reihen angegeben. 3. Nadel: Kettenm., 2 glatt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstricken, 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstricken, 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm, überzogen abnehmen, die nächste Masche abheben, wie oben. 5. Nadel: Kettenm., 4 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstricken, 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstricken, 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstricken, 1 Hohlm., 1 glatt, die letzte Masche abheben, wie oben. 7. Nadel: Kettenm., 2 glatt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstricken, 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstricken, 1 Hohlm:, 3 glatt, die letzte Masche abheben, wie oben. 9. Nadel: Kettenm., 4 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstricken, 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstricken, 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm., überzogen abnehmen, die letzte Masche abheben, wie oben. 11. Nadel: Kettenm., 2 glatt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstricken, 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstricken, 1 Hohlm., 1 glatt, die letzte Masche abheben, wie oben. 13. Nadel: Kettenm., 4 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstricken. 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstricken, 1 Hohlm., 3 glatt, die letzte Masche abheben, wie oben. 15. Nadel: Kettenm., 2 glatt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstricken, 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm., überzogen abnehmen, die letzte Masche abheben, wie oben. 17. Nadel: Kettenm., 4 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstricken, 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstricken, 1 Hohlm., 1 glatt, die letzte Masche abheben, wie oben. 19. Nadel: Kettenm., 2 glatt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstricken, 1 Hohlm , 3 glatt, die letzte Masche abheben, wie oben. 46 21. Nadel: Kettenm., 4 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammen- stricken, 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm., überzogen abnehmen, die letzte Masche abheben, wie oben. 23. Nadel: Kettenm., 2 glatt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstecken, 1 Hohlm., 1 glatt, die letzte Masche abheben, wie oben. 25. Nadel: Kettenm., 4 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstecken, 1 Hohlm., 3 glatt, die letzte Masche abheben, wie oben. 27. Nadel: Kettenm., 2 glatt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm., überzogen abnehmen, die letzte Masche abheben, wie oben. 29. Nadel: Kettenm., 4 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstecken, 1 Hohlm., 1 glatt, die letzte Masche abheben, wie oben. 31. Nadel: Kettenm., 2 glatt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 3 glatt, die letzte Masche abheben, wie oben. 33. Nadel: Kettenm., 4 glatt, 1 Hohlm., überzogen annehmen, die letzte Masche abheben, wie oben. 35. Nadel: Kettenm., 2 glatt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 1 glatt, die letzte Masche abheben, wie oben. 37. Nadel: Kettenm., 4 glatt, die letzte Masche abheben, wie oben. 39. Nadel: Kettenm., 3 glatt, die letzte Masche abheben, wie oben. 41. Nadel: Kettenm., 2 glatt, die letzte Masche abheben, wie oben. Die Nähtchenmaschen werden auf der Kehrseite immer glatt gestrickt, wie früher. 43. Nadel: Kettenm., 1 glatt, die letzte Masche abheben, wie oben. 45. Nadel: Kettenm., die letzte Masche abheben, wie oben. 46. Nadel: beide Maschen abheben, wobei der Faden vor denselben liegen bleibt. 47. Nadel: Kettenm., 1 glatt, die nächste Masche abheben, wie oben. 48. Nadel: die erste Masche abheben, die folgende glatt, Kettenm. 49. Nadel: Kettenm., 2 glatt, die nächste Masche abheben, wie oben. 50. Nadel: die erste Masche abheben, 2 glatt, Kettenm. Von nun an werden bei allen geraden Nadeln alle Maschen verkehrt gestrickt, mit Ausnahme der End- und Nähtchenmaschen. 51. Nadel: Kettenm., 3 glatt, die nächste Masche abheben. 53. Nadel: Kettenm., 4 glatt, die nächste Masche abheben. 55. Nadel: Kettenm., 2 glatt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 1 glatt, die nächste Masche abheben. 57. Nadel: Kettenm., 4 glatt, 1 Hohlm., überzogen abnehmen, die nächste Masche abheben. 59. Nadel: Kettenm., 2 glatt, glatt abnehmen, 1 Hohlm-, 3 glatt, die nächste Masche abheben. 61. Nadel: Kettenm., 4 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zwammen- stricken, 1 Hohlm., 1 glatt, die nächste Masche abheben. 63. Nadel: Kettenm., 2 glatt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm., überzogen abnehmen, die nächste Masche abheben. 47 65. Nadel: Kettenm., 4 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstecken, 1 Hohlm., 3 glatt, die nächste Masche abheben. 67. Nadel: Kettenm., 2 glatt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstecken, 1 Hohlm., 1 glatt, die nächste Masche abheben. 69. Nadel: Kettenm., 4 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstecken, 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm., überzogen abnehmen, die nächste Masche abheben. 71. Nadel: Kettenm., 2 glatt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstecken, 1 Hohlm., 3 glatt, die nächste Masche abheben. 73. Nadel: Kettenm., 4 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstecken, 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstecken, 1 Hohlm., 1. glatt, die nächste Masche abheben. 75. Nadel: Kettenm., 2 glatt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstecken, 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm., überzogen abnehmen, die nächste Masche abheben. 77. Nadel: Kettenm., 4 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammen stricken, 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstecken, 1 Hohlm., 3 glatt, die nächste Masche abheben. 79. Nadel: Kettenm., 2 glatt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstecken, 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstecken, 4 Hohlm., 1 glatt, die nächste Masche abheben. 81. Nadel: Kettenm., 4 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstecken, 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstecken, 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm., überzogen abnehmen, die nächste Masche abheben. 83. Nadel: Kettenm., 2 glatt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 3 glatt, 3 Hohlm., 3 Maschen zusammenstecken, 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm., 1 Maschen zusammenstecken, 1 Hohlm., 3 glatt, die nächste Masche vbheben. 85. Nadel: Kettenm., 4 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammen stricken, 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstecken, 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstecken, 1 Hohlm., 1 glatt, die nächste Masche abheben. 87. Nadel: Kettenm., 2 glatt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstecken, 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstecken, 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm., überzogen abnehmen, die nächste Masche abheben. 89. Nadel: Kettenm., 4 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstecken, 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstecken, 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstecken, 1 Hohlm., 3 glatt, die näckiste Masche abheben. Abb. 37. 90. Nadel: Kettenm., 2 glatt, glatt abnehmen, 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstricken, 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm., 3 Maschen zusammenstricken, 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm., überzogen abnehmen, 2 glatt, Kettenmasche. Hiemit ist die Ecke vollendet. Das Muster wird in entsprechender Weise fortgesetzt. Quadrat, von der Mitte aus gestrickt (Abb. 37): 4 Maschen anlegen, diese auf vier Nadeln vertheilen, die Nadel mit der zuletzt angelegten Masche an jene mit der zuerst angelegten anlegen, und aus jeder Masche zwei Maschen stricken, indem man die Masche glatt abstrickt, nicht von der Nadel Herabgleiten läßt, sondern dieselbe Masche glatt verdreht abstrickt, so daß man schließlich acht Maschen hat. Erste Musterreihe: 1 Hohlmasche, 1 glatt, vom -s- noch siebenmal wiederholen. Alle geraden Reihen werden glatt gestrickt, daher wird derselben ferner nicht erwähnt werden. Zweite Musterreihe: -s- 1 Hohlm., 1 glatt, 1 Hohlm., 3 glatt, vom -s- noch dreimal wiederholen. Dritte Musterreihe: 1 glatt, 1 Hohlm., 1 glatt, 1 Hohlm., 4 glatt, vom noch dreimal wiederholen. Vierte Musterreihe: -j- 2 glatt, 1 Hohlm., 1 glatt, 1 Hohlm., 5 glatt, vom noch dreimal wiederholen. Fünfte Musterreihe: -s- 3 glatt, 1 Hohlm., 1 glatt, 1 Hohlm., 6 glatt, vom -s- noch dreimal wiederholen. Man arbeitet nun so fort, bis das Quadrat die gewünschte Größe hat, indem sich bei jeder Musterreihe die glatten Maschen je um zwei vermehren. Dreiecke. Das rechtwinkelige, gleichschenkelige Dreieck, vom rechten Winkel auszuführen, wird in derselben Weise vorgegangen, wie bei der ersten Hälfte des auf die Spitze gestellten Quadrates. Dieses Dreieck von der Grundlinie auszuführen, ist eine entsprechende Maschenzahl anzulegen und am Enve jeder Nadel 1 Masche abzunehmen, bis auf eine Masche. Das stumpfwinkelige Dreieck: 1 Masche anlegen, zu Anfang und Ende jeder folgenden Reihe 1 Masche aufnehmen. Das spitzwinkelige Dreieck: 1 Masche anlegen, 2 Maschen daraus stricken, 2 Nadeln stricken ohne aufzunehmen. Bei der folgenden Nadel zu Anfang und Ende 1 Masche aufnehmen, wieder 2 Nadeln stricken, ohne aufzunehmen u. s. f. 49 Der Rhombus. Die erste Hälfte desselben wird ausgeführt, wie das spitzwinkelige Dreieck. Bei der zweiten Hälfte wird in demselben Verhältnisse abgenommen, in dem zugenommen wurde. Das Sechseck. Regelmäßige Sechsecke können entweder von einer der Umfangslinien oder von der Mitte aus gestrickt werden. In ersterem Falle ist es empfehlenswerth, ein Sechseck zu zeichnen und das Auf- und Abnehmen darnach einzurichten. Um Sechsecke von der Mitte aus zu stricken, wird vorgegangen, wie bei dem von der Mitte aus gestrickten Quadrate. Hiebei werden 3 Maschen angelegt, 6 Maschen daraus gestrickt, dann arbeitet man stets abwechselnd 1 Hohlmasche, 1 glatt, so daß man 12 Maschen erhält, und vertheilt dann diese auf sechs Theile. Dann arbeitet man wie bei dem erwähnten Quadrate, doch werden über jede Musterreihe zwei glatte Reihen gestrickt. Das Achteck. Bei diesem geht man vor, wie bei dem Sechseck. Bei aus der Mitte gestricktem Achtecke legt man 4 Maschen an und strickt 8 Maschen daraus. Die beiden letzterwähnten Formen werden seltener angewendet. Die kreisforiu. (Abb. 38.) 4 Maschen anlegen, auf 4 Nadeln vertheilen, die erste derselben an die letzte legen und aus jeder 2 Maschen stricken, wie bei dem von der Mitte aus gestrickten Quadrat. Erste Musterreihe: 4- 1 Hohlmasche, 1 glatt, vom noch 7 mal wiederholen. Nach jeder Musterreihe folgt eine glatte Reihe. Zweite Musterreihe: 4- 1 Hohlmasche, 2 glatt, vom -s- noch 7mal wiederholen. Dritte Musterreihe: 4- 1 Hohlmasche, 3 glatt, vom 4- noch 7mal wiederholen. Vierte Musterreihe: 4- 1 Hohlmasche, 4 glatt, vom noch 7mal wiederholen. Handarbeitskundc. 2. Abth. Abb. 38. 4 WODW 50 Fünfte Musterreihe: -s- 1 Hohlm., 5 glatt, vom 4- noch 7mal wiederholen. Sechste Musterreihe: -i- 1 Hohlm., 1 glatt, 1 Hohlm., überzogen abnehmen, 3 glatt, vom -l- noch 7mal wiederholen. Siebente Musterreihe: -s- 1 Hohlm., 3 glatt, 1 Hohlm., überzogen abnehmen, 2 glatt, vom -s- noch 7mal wiederholen. Achte Musterreihe: -l- 1 Hohlm., 5 glatt, 1 Hohlm., überzogen abnehmen, 1 glatt, vom noch 7mal wiederholen. Neunte Musterreihe: -j- 1 Hohlm., 7 glatt, 1 Hohlm., überzogen abnehmen, vom -s- noch 7mal wiederholen. Dies ist die einfachste Art der Kreisform. Auf Grundlage derselben beruht die Anfertigung der sogenannten Sterne, welche in den mannigfaltigsten Mustern existiren. Mrtrmnti>--Bildilngsln>staltcn »nd ;iim Sklbstutttrrrilhkt. Mit besonderer üctugnnlimc auf dos Nrg»nisntio»s-Sl»t»> der ÜUdungs- Antlnlleii für Lebrerinue» »» den össcutliche» bolbsschnlc» in Geltcrrcich Bollständig in 4 Abtheilungen mit ca. 300 Abbildungen. Bon Gabriele Warbt, 3. Abtheilung. Tas Nähen- Mit 7t» Abbildungen. Wien 1878. Verlag von Bloch L tzasbach I., Lärntkncrstraße 38- Äilhalts-Vmeichms;. Einleitung. Die Stiche und deren Ausführung . . . Vorstiche.'. Rückstiche. Saumstiche. Ueberwindliche Stiche. Hohlstiche. Knopflochstiche '. Die Nähte. Verbindungsnähte. Befestigungsnähte. Ziernähte. Faltennähte. Das Passepoilieren. Riegel oder Spangen. Das Zuschneiden der Wäsche im Allgemeinen Das Anfertigen der Tisch- und Bettwäsche . Tischzeug. Bettzeug. Das Anfertige» der Leibwäsche. Damenbeinkleider. Herrenunterbeinkleider. Kinderbeinkleider. Nachtjacke». Aermel zu Nachtjacken . Einfaches Nachthäubchen. Frauenhemde». Herrenhemden. Nachthemden. Erstliuqshemdchen. Das Ausbesser» der Wäsche. Seite 1 2 2 3 ü 5 6 7 8 8 10 13 14 15 15 16 17 17 18 20 21 26 28 20 32 34 34 41 , 46 > 48 . 49 Einleitung Aus dem Bedürfnis den Körper vor den zerstörenden Einflüssen der Witterung zu schützen, entstand die Kleidung. Die ältesten Völker, namentlich Jäger- und Hirtenvölker, benützten hiezu die Thierfelle. Da diese aber der Größe oder auch der Form der Körper nicht entsprachen, dachte man früh daran dieselben in zweckentsprechender Weise zusammenzufügen. Hiedurch entstand das Nähen. Das Nähen ist die Ausführung von Stichen, mittelst einer Nadel und eines Fadens, auf irgend einem Stoffe. Werden die Stiche nur zur Verzierung eines Gegenstandes angebracht, dann nennt man eine solche Arbeit „Stickarbeit", werden die Stiche zum Zwecke der Verbindung zweier Stofftheile ausgeführt, dann nennt man eine solche Arbeit „Näharbeit". Es gibt zwei Gattungen der Näharbeiten: 1. Das Weißnähen. 2. Das Kleidermachen. Unter dem Weißnähen versteht man die Anfertigung der Haus- und Leibwäsche, unter dem Kleidermachen, jene der Kleider, Jacken u. dgl. Zum Nähen bedarf man folgender Werkzeuge : Einer Nähnadel, eines Fadens, eines Fingerhutes, einer Scheere und eines Nähkissens. Die Nähnadel ist eine Nadel, welche an einem Ende scharf zugespitzt ist, und an dem anderen ein Oehr hat. Es gibt kurze, halblange und lange Nähnadeln. Zum Weißnähen werden kurze und halblange Nähnadeln verwendet. Gute Nähnadeln müssen aus gut gehärtetem Stahle verfertigt sein ; das Oehr darf den Faden nicht schneiden; die Spitze muß allmälig zulaufen. Die Nadel soll nur ein klein wenig dicker sein als der Faden des Stoffes, zu welchem sie benützt wird. Der Faden, welcher zum Nähen benützt wird, kann je nach dem Stoffe, welcher genäht werden soll, Zwirn, Baumwolle oder Seide sein. Der Nähzwirn ist zweidrähtig. Der Faden soll feiner sein als die Nadel, und nicht länger genommen werden, als ungefähr 40 Cent. Ein solches Handarbeitslunde. s. Abth. I 2 in einer Nadel eingefädeltes Stück Faden wird auch „Nähtling" genannt. Den Faden über Wachs zu ziehen ist nicht zweckmäßig, weil die Nähte dadurch leicht schmutzig werden. Der Fingerhut hat den Zweck, beim Einstechen der Nadel in das Zeug, den Mittelfinger zu schützen, und mit demselben mechr Gewalt anwenden zu können. Das Nähkissen dient zum Befestigen der Arbeit. Die Nähnadel ist mit den Spitzen des Daumens und Zeigefingers der rechten Hand derart zu halten, daß zu beiden Seiten der Finger ein gleich langes Ende derselben hervorragt, und die Spitze der Näherin zugekehrt ist. Beim Weißnähen sollen beim Einnähen des Fadens niemals Knoten gemacht werden, sondern der Faden ist mit einigen Stichen zu befestigen. Die Stiche und deren Anssiihrnng. Ein Stich ist die Verbindung zweier Punkte mittelst einer Nadel und eines Fadens. Jener Punkt, wo die Nadel in den Stoff hineingeführt wird, ist der Eingangspunkt, jener, wo sie herausgeführt wird, ist der Ausgangspunkt des Stiches. Jeder Stich erfordert zwei Hauptbewegungen: n) Das Einstechen der Nadel in den Stoff, beim Eingangs- und das Herausführen derselben beim Ausgangspunkt den Stich. b) Das Herausziehen der Nadel aus dem Stoffe und das Anziehen des Fadens: den Zug. Nach der verschiedenen Richtung, welche die beiden Punkte eines Stiches zueinander einnehmen, gibt es auch verschiedene Stiche, und zwar: 1. Vorstiche. 2. Rückstiche. 3. Saumstiche. 4. Ueb erwind liche Stiche. 5. Hohlstiche. 6. Knopflochstiche. I vorstiche. Diese werden angewendet: rr) Zum Verbinden zweier Theile, d) zu Ziersäumen, e) zu Falten nähten. Bei Ausführung dieser Stiche wird der Stoff gewöhnlich so gehalten, daß die Kante nach aufwärts liegt. Abb. 1. Ausführung: (Abb. 1.) Die Nadel in den Stoff führen; nach links einige senkrecht zu derselben stehende Fäden des Stoffes aufnehmen, Nadel und Faden herausziehen; eine gleiche Anzahl Fäden übergehen u. s. w. Bei diesen Stichen stehen Eingangs- und Ausgangspunkte ivagrecht zu einander, indem zwischen je zwei Stichen ein freier Raum bleibt. Dieser ist jedoch auf der Kehrseite mit einem Stiche gedeckt; hingegen bleibt jener Raum, welcher auf der Rechtsseite mit einem Stiche gedeckt ist, auf der Kehrseite frei. Diese Stiche werden je nach ihrer Verwendung zwei und mehr Fäden breit ausgeführt, doch wird nicht immer fadengerade, sondern je nach Bedarf auch schief genäht. Diese Stiche werden auch zum Aneinanderheften (Vornähen) zweier Theile verwendet. In diesem Falle werden sie jedoch gewöhnlich sehr groß gemacht. 2. !i ücksti ch e. Bei diesen unterscheiden wir: a) offene Rückstiche, d) geschlossene Rückstiche, o) verkehrte Rückstiche, ck) Steppstiche. Bei Ausführung dieser Stiche wird der Stoff so gehalten, wie bei den Vorstichen. Auch bei diesen Stichen stehen Eingangs- und Ausgangspunkt wagrecht zueinander. Sie werden entweder so ausgeführt, daß zwischen je zwei Stichen ein Zwischenraum bleibt, „offene Rückstiche", oder so, daß sie dicht aneinander schließen, „geschlossene Rückstiche." a) Offene Rückstiche. (Abb. 2.) So viel senkrecht zur Nadel stehende Fäden (beispielsweise 3) aufnehmen, als die beabsichtigte Breite eines Stiches beträgt; ebenso viele Fäden nach rechts zurück- zählen, als die Breite des 1. Stiches beträgt, und beim Eingangspunkte dieses die Nadel hineinführen, 2mal so viele Fäden nach links auf die Nadel nehmen, als die Breite des ersten Stiches beträgt (9), Hiebei steht Vz der Fäden rechts. Abb. 2. WWWM »ursnvr 4 ^/z derselben jedoch stehen links vom Nähtling; den Faden herausziehen; so viele Fäden nach rechts zurückzahlen, als der 1. Stich erfordert (3), wieder 2mal so viele Fäden aufnehmen, als der Stich breit ist u. s. f. Bei diesen Stichen liegt der Faden auf der Kehrseite unter dem Stiche der Rechtsseite doppelt, unter dem freien Zwischen- raume liegt er einfach. b) Geschlossene Rückstiche. (Abb. 3.) So viele senkrecht zur Nadel stehende Fäden aufnehmen, als die beabsichtigte Breite des Stiches erfordert; ebenso viele Fäden nach rechts zurückzählen, die Nadel in den Stoff führen und noch Imal so viele Fäden aufnehmen, als der Stich breit werden soll; Hiebei steht die- eine Hälfte der Fäden rechts, die andere jedoch links vom Nähtling, ebenso viele Fäden nach rechts zurückzählen, als der Stich breit werden soll, die Nadel in den Stoff führen u. s. w. Auf diese Weise kommen die Stiche dicht nebeneinander zu liegen. Bei diesen Stichen liegt der Faden auf der Kehrseite immer doppelt. -MM Abb. 4. e) Verkehrte Rückstiche. Man kann sowol die offenen als auch die geschlossenen Rückstiche von der Kehrseite aus arbeiten. Offene Rückstiche von der Kehrseite aus zu arbeiten (Abb. 4): Der Nähtling wird auf jener Seite der Arbeit befestigt, welche zur linken Hand liegt und auf jener Seite des Stoffes herausgeführt, auf welcher gearbeitet wird, dann werden so viele Fäden nach rechts gezählt, als die Breite eines Stiches beträgt ; einstechen, und beim früheren Ausgangspunkt die Nadel herausführen, nach rechts 3mal so viele Fäden übergehen als die Breite eines Stiches beträgt, und so viele Fäden aufnehmen, als die Breite eines Stiches erfordert u. s. w. Bei geschlossenen, von der Kehrseite aus zu arbeitenden Rückstichen (Abb. b) wird der erste Stich ausgeführt wie oben, dann werden noch einmal so viele Fäden nach rechts Übergängen, als die Breite eines Stiches erfordert; nach links so viele Fäden aufnehmen, als die Breite eines Stiches erfordert u. s. w. üW!?U! 5 Selbstverständlich können Abb. die Fäden des Gewebes nur dann gezählt werden, wenn fadengerade genäht wird; wenn die Naht schief zu den Fäden des Gewebes steht, dann muß sich die Näherin nach dem Augenmaße richten. ä) Steppstiche (Abb. 6) sind geschlossene Rückstiche, Mb. 6. welche sich von diesen dadurch unterscheiden, daß sie kleiner sind, und gewöhnlich 2 höchstens 3 Fäden breit gemacht werden. Wenn dem Faden des Gewebes entlang genäht wird, kann man einen Faden desselben herausziehen und der dadurch entstandenen Rinne entlang nähen, wodurch die Gleichheit der Stiche leichter erzielt wird. Wenn die Naht schief zu den Fäden des Gewebes steht, muß die Näherin, wie oben, das Augenmaß zu Hülfe nehmen. Um einen schönen Steppstich zu erzielen, darf der Nähtling etwas dicker sein, als die Fäden des Gewebes, auch muß er stets sehr gleichmäßig angezogen werden. 3. S a u m st i ch e. Diese werden zu Säumen, Uebernähten u. dgl. angewendet. Der Saumstich wird 2—4 Fäden breit und 1—2 Fäden hoch ausgeführt und hat daher eine schiefe Lage. Zwischen je zwei Stichen ist ein Zwischenraum zu lassen, welcher ebenso breit ist, als der Stich. (Abb. 7.) Bei schief zu säumenden Gegenständen ist dasselbe zu beobachten wie oben. 4. Uebermindliche Stiche. Von diesen unterscheiden wir: a) den überwindlichen Rechtsstich, auch Endelstich genannt, d) den überwindlichen Linksstich. Abb. 7. -I I 6 Sie werden zum Verbinden zweier Kanten angewendet, und liegen schief zu einander. Die überwindlichen Nechtsstiche haben, während des Arbeitens, auf der Rechtsseite der Arbeit den Eingangs- und auf der Kehrseite derselben den Ausgangspunkt. Bei den überwindlichen Links- stichen ist es umgekehrt. Bei der Ausführung dieser Stiche werden die Kanten der zu verbindenden Stofftheile gleichmäßig aneinander gelegt, und der Gegenstand so gehalten, daß die Kanten nach aufwärts liegen. a) Der überwindliche Rechtsstich (Abb. 8) wird nur zum Verbinden zweier Webekanten angewendet. Hiebei wird die Nadel 1—2 Fäden tief unter der Kante, von rechts nach links, so in den Stoff geführt, daß sie einen Winkel zu demselben bildet. Daher der Ausgangspunkt auf der Kehrseite der Arbeit ist. Der 2. und alle folgenden Stiche, liegen über den zu verbindenden Kanten, 1—2 Fäden von dem vorhergehenden Stiche entfernt. Abb. 8. Abb. 9 krk-LÄ ru«: W b) Der überwindliche Linksstich, (Abb. 9) wird in derselben Weise, doch von links nach rechts ausgeführt. 5. H o h Von diesen unterscheiden wir: Hohlnahtstich. a) Der Hohlsau mstich (Abb. Abb. 10. l st i ch e. a) den Hohl sau inst ich, I») den 10) wird bei Befestigungssäumen anstatt anderer Stiche angewendet, um die Säume zu verzieren. Er wird in folgender Weise ausgeführt, nachdem unterhalb des Saumeinschlags 3—4 wagrecht zu diesem liegende Fäden herausgezogen worden und der Saumeinschlag oberhalb der dadurch entstandenen Rinne niedergeheftet ist: Der Nähtling wird am linken Ende des Saumes befestigt, und Abb. 11. von rechts nach links werden 2—4 der senkrechten freistehenden Fäden auf die Nadel genommen; diese muß unterhalb des Nähtlings liegen, den Nähtling anziehen, unmittelbar oberhalb der 3 senkrechten eben umnähten Fäden 2—3 Fäden hoch in den Einschlag stechen, wobei die Nadel oberhalb des Nähtlings liegen muß. Die Nadel wieder von rechts nach links unter die nächsten 3 senkrechten Fäden führen rc. Der Saumeinschlag ist so stramm als möglich über den Zeigefinger zu spannen, um das Zusammenziehen der Fäden zu verhindern, b) Der Hohlnahtstich. (Abb. 11.) Es wird nach Erforderniß eine Anzahl Fäden aus dem Gewebe herausgezogen, und der Faden rechts von der auszuführenden Naht befestigt. Es werden 2—4.senkrecht zur Naht stehende Fäden von rechts nach links aufgenommen, der Nähtling wird angezogen, die Nadel zurück nach rechts geführt und die eben aufgenommenen Fäden werden Übergängen; wieder nach rechts unter 1—2 der schon früher aufgenommenen Fäden und 1—2 Fäden tief in das Gewebe stechen, wobei der Nähtling oberhalb der Nähnadel liegen muß, die nächsten 3 Fäden aufnehmen u. s. f. Abb. 12. 6. Knopflochstiche. Der Knopflochstich ist ein überwindlicher Stich. Bei demselben ist der Eingangspunkt der Nadel auf der Kehrseite, der Ausgangspunkt hingegen auf der Rechtsseite der Arbeit. Es gibt verschiedene Arten dieser Stiche, doch führen wir nur den bei Weißwäsche gebräuchlichen an. Ausführung. (Abb. 12.) Es wird ein Einschnitt in den Stoff gemacht, und dieser so zur Hand genommen, daß er dem Zeigefinger entlang liegt, dann wird, von rechts nach links gehend, in folgender Weise gearbeitet: Die Nadel einige Fäden tief, so zwischen dem Einschnitte von innen nach außen in den Stoff führen, daß sie senkrecht zu dem Einschnitte steht, und der Nähtling rechts liegt; dann wird jenes Theil des Nähtlings, welches dem Nadelohr zu liegt, mit der rechten Hand von rechts nach links um die Nadel gelegt, so daß diese in einer Schlinge liegt. Nun wird die Nadel heraus- und der Nähtling nach rechts so angezogen, daß die Schlinge an die Kante des Einschnittes trifft. 8 Die Nähte. Eine Reihe gleichartiger Stiche wird eine Naht genannt. Nach der Art der Stiche unterscheiden wir/. 1. Vorstichnähte, 2. R ü ck sti chnä h t e, 3. Saumnähte, 4. Ueberwindliche Nähte, 5. Hohlnähte, 6. Knopflochnähte. Nach der Art ihrer Verwendung werden unterschieden: 1. Verbindungsnähte, 2. Befestigungsnähte, 3. Faltennähte, 4. Ziernähte. I. Uerbindungsnähte. Verbindungsnähte sind solche Nähte, welche dazu dienen, 2 Theile miteinander zu verbinden. Hieher gehören: и) Vorstichnähte, ff) Rückst ich nähte, e) Ueberwindliche Nähte, (I) der Doppelsaum, auch Schneidernaht genannt, s) die Doppelnaht, auch französische Naht genannt, к) die Uebernähte. Unter diesen Nähten unterscheiden wir wieder: I. Einfache Nähte, zu deren Ausführung nur eine Naht erforderlich ist, und II. Doppelnähte, zu deren Ausführung 2 Nähte gehören. Zu den ersteren gehören: Die Vor- und Rückstichnaht, die über- windlichen Nähte und der Doppelsaum. Zu den zweiten gehören: Die Doppelnaht und die Uebernähte. u) V o r st i ch n ä h t e. 2 Theile, welche miteinander verbunden werden sollen, entweder gleichmäßig oder nach der Weise der Zu- sammenfügung aneinander legen und mit Vorstichen verbinden, indem die Nadel durch beide Stosftheile durchgeführt wird. b) R ü cksti chn äh t e. Hierbei ist vorzugehen wie bei den Vorstich- nähten, doch werden anstatt der Vorstiche Rückstiche ausgeführt. c) Die überwindliche Rechtsnaht, Endelnaht. 2 Webekanten, Sahlenden, werden gleichmäßig aneinander gelegt und mit dem überwindlichen Rechtsstiche verbunden. Bei Ausführung dieser Naht darf der Stich nicht zu stramm angezogen werden, weil nach ihrer Vollendung die beiden Stofftheile auseinander zu legen und die Naht platt zu streifen ist. 9 Wenn aber die Stiche zu stramm angezogen sind, ist dies nicht möglich. Die überwindliche Linksnaht wird gewöhnlich beim Flicken angewendet. Sie dient zur Verbindung zweier gesäumter, oder anderer, zerschnittener Theile. Um 2 gesäumte Theile zu verbinden, sind diese derart zusammen zu legen, daß die Rechtsseiten aneinander zu liegen kommen. Um 2 ungesäumte Theile zu verbinden, sind beide Stofftheile einige Fäden breit umzubiegen, die umgebogenen Theile auf die Außenseite zu legen und mit überwindlichen Stichen zusammen zu nähen. Auch bei dieser Naht dürfen die Stiche nicht zu fest angezogen werden. ä) Der Doppelsaum. Es sind 2 Theile derart aneinander zu legen, daß jenes Theil, welches der Näherin zugekehrt ist, einige Fäden tiefer liegt, als das andere. Die überragende Kante des einen Theiles wird umgebogen, dann werden beide Theile so breit miteinander umgebogen, als der Saum breit werden soll. Dieser wird mit Saumstichen genäht, indem durch alle Stofftheile durchgestochen wird. ö) Die Doppelnaht. Zu dieser sind 2 Nähte erforderlich. Die erste Naht auszuführen, werden 2 Stofftheile gleichmäßig aneinander gelegt und auf der rechten Seite der Arbeit mit Vorüber Rückstichen verbunden. Dann ist die Naht auszustreifen und die Arbeit so zu wenden, daß der Nahteinschlag nach innen zu liegen kommt, und eine Rückstichnaht auszuführen, welche so tief unterhalb der Kante liegen muß, daß der Nahteinschlag auf der rechten Seite gänzlich gedeckt wird. k) Die Uebernähte. Diese auszuführen sind ebenfalls 2 Nähte erforderlich, eine Rückstichnaht und eine Saumnaht. Wir unterscheiden 2 Arten der Uebernähte: I. Die Rollnaht. II. Die Kappnaht. I. Die Rollnaht. Ditse auszuführen sind 2 Stofftheile so aneinander zu legen, daß die Kante des einen Theiles die andere um einige Fäden überragt. Die Arbeit ist so zur Hand zu nehmen, daß die vorstehende Kante der Näherin zugekehrt ist. Die Stofftheile werden ungefähr 1/z Cm. unterhalb dieser Kante mit Rückstichen verbunden. Nach Vollendung der Rückstichnaht sind beide Theile auseinander zu streifen und die Arbeit so zur Hand zu nehmen, daß die Nechtsseite derselben auf die linke Hand zu liegen kommt. Dann werden die beiden obenauf liegenden Kanten mit dem Daumen der linken Hand so lange vor- und rückwärts gewirbelt, bis die Kante einem Schnürchen gleicht. Die Naht darf stets nur so weit gewirbelt werden, als sie mit dem Daumen niedergehalten werden kann. Dann wird eine Saumnaht ausgeführt, indem durch das untere Stofftheil und die gewirbelte Kante durchgestochen wird. Diese Naht darf von der Rückstichnaht nur 4—5 Fäden entfernt sein. 10 Diese Uebernaht wird auch angewendet, um ein Theil mit einer Webekante, mit einem zerschnittenen Theile zu verbinden. In diesem Falle sind die Theile gleichmäßig aneinander zu legen. Die Nückstich- naht ist auf der Seite der Webekante auszuführen. II. Die Kappnaht: Diese auszuführen werden die Stofftheile so aneinandergelegt und die Arbeit so zur Hand genommen, wie bei der Rollnaht. Die Rückstichnaht wird etwas tiefer unterhalb der Kante ausgeführt, als bei der Rollnaht. Nach Vollendung der Rückstichnaht, wird die vorstehende Kante umgebogen und niedergesäumt. 2. Veselkigungsnähte. Diese haben den Zweck die losen Fäden zerschnittener Stoffe so zu befestigen, daß sie sich nicht lostrennen können. Hiezu gehören: u) der Borst ich säum, d) der Saum mit Saumnaht, c) der Steppsaum, ä) der Besatzsaum, e) der Passepoilsaum, I) die Hohlsäume, 8) die Knopfloch naht. u) Der Vorstichsaum. Der Stoffrand wird auf der Kehrseite der Arbeit einige Fäden breit umgebogen, dann nochmals umgebogen und zwar so breit als der Saum werden soll, dann wird dicht oberhalb des erst entstandenen Bruches des Stoffes eine Vorstichnaht gemacht, indem durch alle drei Stofflagen durch gestochen wird. Diese Naht wird nur bei dünnen Stoffen angewendet. I)) Der Saum mit Saumnaht. Der Stoffcand wird wie oben umgebogen, doch wird anstatt einer Vorstichnaht, eine Saumnaht ausgeführt. c) Der Steppsaum. Dieser ist zugleich ein Ziersaum und kann so ausgeführt werden, daß der Einschlag auf die rechte, oder auf die Kehrseite der Arbeit zu liegen kommt. Gewöhnlich wendet man erstere Art an, namentlich bei Münnerhemden, Nachtjacken u. d. g. In diesem Falle macht man einen schmalen Einschlag wie oben, doch muß dieser auf die Rechtsseite der Arbeit zu liegen kommen, dann biegt man den Stoff nach Erfordernis 2—ck Cm. breit um. Die Steppnaht wird oberhalb des erst entstandenen Bruches des Stoffes gemacht. Bei fadengerade liegenden Säumen kann man einen Faden des Gewebes herausziehen und demselben entlang nähen, wodurch die Arbeit gleicher und schöner wird. Wenn der Einschlag auf die Kehrseite der Arbeit zu liegen kommt, dann ist in jenem Stofftheil der Rechtsseite, welches den Saumeinschlag deckt, ein Faden herauszuziehen, um der hiedurch ent- 11 standenen Rinne entlang nähen zu können, doch muß diese Rinne etwas innerhalb des Saumeinschlages stehen, damit alle drei Stofflagen zusammengefaßt werden können, cl) Der Besatzsaum. Dieser findet namentlich bei schief geschnittenen Stoffen Anwendung. Um einen solchen auszuführen, ist ein schiefer Streifen *) zu schneiden und derart an das zu säumende Stück anzulegen, daß die beiden Rechtsseiten aneinander und die Kanten gleichmäßig nebeneinander liegen. Unterhalb der Kanten wird eine Bor- oder Nückstichnaht ausgeführt. Nach Bollendung derselben wird der Streifen derart auf die Kehrseite des Gegenstandes gebogen, daß er auf der rechten nicht sichtbar ist. Die noch freie Kante desselben wird umgebogen und mit Saumnaht niedergenäht. 6j Der Passepoilsaum. Es wird ein schiefer Streifen geschnitten und beiläufig 1 Cm. unterhalb einer Kante desselben eine Passepoilschnur angelegt, der Stoff darüber gelegt und die Schnur mit Vorstichen eingenäht. Dieser Streifen wird derart an den zu säumenden Gegenstand angelegt, daß die Rechtsseite dieses an die Kehrseite des Streifens so tief zu liegen kommt, als für den Nahteinschlag erforderlich ist. Der Streifen wird mit Rückstichen so angenäht, daß die Naht dicht oberhalb der Schnur liegt. Nach Vollendung der Naht wird der Streifen derart umgelegt, daß die Passepoilschnur eine Kante bildet. Die entgegengesetzte Kante des Streifens wird umgebogen und mit Saumstichen niedergenäht. Um Säume zu fälschen, wird ein fadengerader Streifen geschnitten und in derselben Weise vorgegangen wie bei dein Besatzsaum. k) Hohlsäume. Diese sind Befestigungs- und Ziernähte zugleich. Sie haben unterhalb des Einschlags kleine, spitzenähnliche Zwischensätze, die durch Herausziehe» wagrechter, und durch Umnähen und Verschlingung senkrechter Fäden des Gewebes entstehen. Es giebt vielerlei solcher Säume. Die gebräuchlichsten sind: Der einfache und der dop- pelteHohlsau m, der Leiterst ich säum, der Silberstichsaum, der Rosen stich säum, der Bund st ich säum u. a. Sie werden auf der Kehrseite der Arbeit ausgeführt. Der einfache Hohlsaum wird so gearbeitet, wA bei der Ausführung des Hohlsaumstiches angegeben worden. WHMDUNR WWW KUH lLSWWM *) Schief geschnittene Streifen sind immer fade»gerade zusammenznstiicken. 12 Der doppelte Hohlsaum. (Abb. 13.) Um diesen auszuführen werden 4—6, auch mehr Fäden aus dem Gewebe herausgezogen, und die obere Naht wie bei dem einfachen Hohlsaum, die untere aber mit dem Hohlnahtstich ausgeführt, indem stets dieselben Fäden aufgenommen werden, welche bei der ersten Naht aufgenommen worden sind, so daß senkrechte Stäbchen entstehen. Der Leiter st ichsaum. (Abb. 14.) Es werden 8—10 Fäden aus dem Gewebe herausgezogen. Die erste Naht ist mit dem Hohlsaum st ich auszuführen, indem stets eine gerade Anzahl Fäden zusammengeschürzt wird. Die zweite Naht wird mit dem Hohlsaum st ich gearbeitet, indem man die Hälfte zweier nebeneinander liegenden Stäbchen zusammenfaßt. Die Stäbchen erhalten hiedurch eine schiefe Lage. WWW - i- Der Bund st ichsaum. (Abb. 15.) Nachdem 10—20 und auch mehr Fäden aus dem Gewebe herausgezogen worden sind, wird ein doppelter Hohlsaum gemacht. Dann wird am linken Ende des Saumes in der Mitte des ersten Stäbchens der Nähtling befestigt und die ersten 2—3 Stäbchen von links nach rechts so aufgenommen, daß die Nadel in einer Fadenschlinge liegt und der Nähtling angezogen. Dann wird noch eine gleiche Schlinge über dieselben Stäbchen geschürzt, um diese fester zusammenzuschließen. Hm WWW Abb. 16. SWWW DerRosenstichsaum. (Abb. 16.) Nachdem wie oben 10 und mehr Fäden aus dem Gewebe gezogen und ein doppelter Hohlsaum gemacht worden ist, wird der Nähtling, welcher länger sein muß, als der Saum, am linken Ende des Saumes , in der Mitte des 1. Stäbchens befestigt. Das 2. Stäbchen von rechts nach 13 links auf die Nadel nehmen und so über das linksliegende Stäbchen heben, daß sich die beiden Stäbchen kreuzen. In dieser Weise werden je 2 und 2 Stäbchen gekreuzt. Diese können auch doppelt und dreifach miteinander verschlungen werden. Der- Silber st ichsaum. (Abb. 17.) Unterhalb des Saumeinschlages 4—6 Fäden herausziehen, 3 Fäden übergehen, die nächsten 4 bis 6 Fäden herausziehen u. s. f. 4—5mal, so breit man die Verzierung eben haben will. Die oberste Naht ist mit dem Hohlsaumstich, die übrigen Nähte sind mit dem Hohlnahtstich auszuführen. Sie können auch in folgender Weise gearbeitet werden: Nachdem die Hohlsaumnaht vollendet ist, wird der Näht- ling auf der linken Seite des Saumes befestigt. Dieselben Fäden, welche bei der ersten Naht zusammengeschürzt worden sind, oberhalb des nächsten dichten Streifens von rechts nach links aufnehmen, die Nadel herausziehen und dieselben senkrechten Fäden der nächststehenden untern Reihe aufnehmen, die Fäden des nächsten Stäbchens der oberen Reihe von rechts nach links aufnehmen, dieselben Fäden der unteren Reihe aufnehmen u. s. w. Diese Nähte können beliebig auf der Rechts- oder auf der Kehrseite der Arbeit, auch mit färbigen Faden aus- geführt werden. Abb. 17 zeigt den Saum in dieser Weise gearbeitet. Die unterste Naht muß immer mit dem Hohlnaht st ich gearbeitet werden. g) Die Knopflochnaht. Diese wird angewendet, um die Schnittkanten, welche durch das Einschneiden der Knopflöcher im Stoffe entstehen, zu befestigen. Nachdem das Knopfloch in entsprechender Größe geschnitten ist, werden die Stofftheile, dem Einschnitte entlang, mit Vorstichen zusammengeheftet (das Heften kann auch vor dem Einschneiden geschehen). Die Schnittkanten werden dann mit dem schon früher angeführten Knopflochstich übernäht. Nachdem die beiden sich gegenüberliegenden Nähte vollendet sind, werden die beiden Seiten je mit 2—3 langen Stichen übernäht, welche dann senkrecht zu dem Knopfloche stehen. Diese Stiche werden mit dem Schürzstiche derart übernäht, daß die Schlingen dem Innern des Knopfloches zu liegen. Jedoch müssen diese Stiche auch in den Stoff greifen. 3. I i e r n ä h t e. Ziernähte sind solche Nähte, die zum Zwecke der Verzierung an Wäschestücken angebracht werden. Hiezu gehören: WWW 1-4 L -irrt) Faltensäume, b) Iene Steppsäume, welche zugleich Befestigungsnähte sind, o) Steppnähte überhaupt, 6) Hohlsäume, die ebenfalls Befestigungsnähte sind, o) Hohlnähte, a) Faltensäume. Es gibt einfache und doppelte Faltensäume. Einen einfachen Faltensaum auszuführen, wird der Stoff zusammengebogen und in der Breite des beabsichtigt» n Saumes eine Vorstich- oder Steppnaht gemacht. Diese Säume werden in verschiedener Breite, nach rechts oder nach links gelegt und beliebig zusammengestellt. Den doppelten Faltensaum (Quetschfalte) auszuführen, wird der Stoff ebenfalls zusammengebogen und mit Vorstichen zusammengenäht. Dann wird der Saum derartig auseinandergelegt, daß der Bruch des Stoffes, welcher durch das Zusammenbiegen entstanden ist, die Mittellinie des Saumes bildet. Um die Ausführung der Nähte zu erleichtern, und die Gleichheit derselben leichter zu erzielen, wird ein Faden des Stoffes herausgezogen, dem entlang die Naht gearbeitet wird. *) e) Hohlnähte. Diese werden den Hohlsäumen ähnlich gearbeitet, nur mit dem Unterschied, daß sie nicht an einen Saumeinschlag anschließen, und daher zu beiden Stilen mit dem Hohlnahtstich genäht werden. 4. K a l t e n n ii h 1 e. Diese haben den Zweck, längere Stofftheile mit kürzeren zu verbinden. Wir unterscheiden zwei Arten der Faltennähte: a) die Falte nnaht mit Vorstichen, d) die Wirbelnaht. a) Die Faltennaht mit Vorstichen wird angewendet, wenn ein längeres Stofftheil zwischen zwei kürzere eingenäht werden soll. Sie wird in folgender Weise ausgeführt: Es wird ein starker Nähtling V 2 Ein. unterhalb des Stoffrandes befestigt und eine Vorstichnaht mit 3 — 4 Fäden breiten Stichen ausgeführt. Nach Vollendung derselben werden, um die Falten gleich zu legen, diese so dicht als möglich zusammengeschoben und der Faden mittelst einer Nadel befestigt. Die Arbeit wird an einem Nähkissen befestigt und derart in die linke Hand genommen, daß die Falten über dem Zeigefinger liegen, dann werden die Falten von links nach rechts gehend gestreift, indem die Nadel in Mitte der übcrgangenen Fäden der Naht, *) Die Nähte b) e) ä) sind schon seither besprochen worden. 15 derart angesetzt wird, daß man senkrecht Herabstreifen kann und zwischen je 2 Stichen eine Rinne entsteht. Bei leichten und feinen Stoffen, wobei das Faltenstreifen nicht angewendet werden kann, wird in einiger Entfernung der ersten Vorstichnaht eine zweite ausgeführt, wobei die bei der ersten Naht aufgenommenen Fäden wieder aufgenommen und die übergangenen, Übergängen werden. Die Falten werden an glatte Stofftheile gewöhnlich mit Saumstichen angenäht, indem in jede Falte ein Stich ausgeführt wird. b) Die Wirbelnaht. Diese ist zugleich eine Befestigungsnaht. Sie wird angewendet, wenn das einzureihende Stofftheil überwind- lich an ein anderes Theil angenäht werden soll, z. B. bei Gar- nirungen. Sie wird gewöhnlich nur bei leichten Zeugen angewendet. Ausführung: Man arbeitet von rechts nach links, indem man den Stoffrand zwischen Daumen und Zeigefinger faßt und so schmal als möglich so nach abwärts rollt, daß die Innenseite des Röllchens der Näherin zugekehrt ist. Die Nadel wird von außen nach innen, unter, und dann über das Röllchen geführt. Der Stoff wird allmälig zusammengeschoben. Derartig eingereihte Streifen werden überwindlich an den betreffenden Streifen angenäht. Das p a sse p o i l i e r e ». Dieses hat den Zweck, das Ausdehnen schief geschnittener Stoffe zu verhindern und einem Gegenstände überhaupt, wie z. B. Besetzen, mehr Festigkeit zu geben. Es wird ein schiefer Streifen geschnitten, die Paffepoilschnur in die Mitte desselben gelegt, der Streifen zusammengebogen und dicht unterhalb der Schnur eine Vorstichnaht ausgeführt. Um bei Besetzen das Einnähen eines schiefen Streifens zu ersparen, wird beiläufig 1 Ein. unterhalb des Stoffrandes, die Schnur angelegt, und das tiefer liegende Stofftheil so zusammengebogen, daß die Schnur in einer Rinne liegt. Die aueinanderstoßenden Stofftheile werden mit Dörflichen zusammengenäht. Diegel oder Spangen. Zur Befestigung der Schlitze werden häufig anstatt kleiner Zwickel sogenannte Riegel oder Spangen angewendet. Diese werden derart ausgeführt, daß der Winkel des Schlitzes mit feinen Schlingstichen (siehe Stickarbeiten) so weit umnäht wird, daß die Schlingstichnaht höchstens 1 Ein. lang ist. Von einem Ende derselben zum andern werden 3—4 magrechte Fäden so gespannt, daß diese mit der Schlingstichnaht ein Dreieck bilden. Diese Fäden werden ebenfalls dicht mit Schlingstichen umnäht, indem an den End«r 2—3 Stiche in den Stoff ausgeführt werden. Die Köpfchen der Stiche müssen nach dem Innern des Winkels liegen. 16 ras 'Zuschneiden der Wcistwäsche im Allgemeinen. Unter dem Zuschneiden der Weißwäsche versteht man das einem Schnitte entsprechende Zerschneiden von Stoffen, die zu Wäschestücken zusammengefügt werden sollen. Wir unterscheiden: a) Das Zuschneiden solcher Wäschestücke, die nur senkrechte und wagrechte Kanten haben: Das Zuschneiden der Tisch-, Bettwäsche u. dgl. b) Das Zuschneiden solcher Gegenstände, wobei die Schnittkanten verschiedene Richtungen einnehmen: Das Zuschneiden der Leibwäsche. Bei dem Zuschneiden ist stets der Lauf der Fäden des Gewebes zu berücksichtigen. Jedes Gewebe hat zweierlei Fäden: a) Die Kettenfäden. d) Die Schuß- oder Werftfäden. Kettenfäden sind jene Fäden, welche der Länge des Gewebes entlang liegen. Sie sind immer etwas dicker, als die andern Fäden. Schußfäden sind jene Fäden, die der Breite des Gewebes entlang liegen. Ebenso hat jedes Gewebe zweierlei Kanten: a) Die Webe kante, auch das Sahlende genannt. Diese liegt in der Richtung der Längsfäden und entsteht durch das Wenden der Schußfäden beim Weben. Sie bildet die Begrenzung der Längsfäden zu beiden Seiten des Gewebes. b) Die Schnittkante. Diese liegt beim Weben wagrecht zu den Webckanten. Die Fäden derselben sind nicht befestigt, und lassen sich daher leicht lostrennen. Theile, welche sich nicht in die Länge dehnen sollen, werden der Länge nach den Kettenfäden entlang geschnitten. Theile, welche dehnbarer sein sollen, schneidet man ihrer Länge nach den Schußfäden entlang, und Theile, welche sehr dehnbar sein sollen, werden schief geschnitten. Bei dem Zuschneiden leinener Wäschestücke ist da, wo faden- gerade geschnitten werden soll, ein Faden des Gewebes herauszuziehen. Um dieses zu erleichtern ist der Stoff zwischen den Fingern zu reiben, wodurch die Appretur entfernt wird. Glattes Bau mw ollzeug wird an einem Ende eingeschnitten und auseinander gerissen. Gutes, dichtes Leinenzeug läßt sich nicht reißen. Leichtes Leinenzeug soll nicht gerissen werden, weil die Fäden des Stoffes etwas gewaltsam gerissen werden müssen, wodurch das Gewebe verzogen wird. 17 Um einen Stoff schief zu schneiden, ist dieser so ins Dreieck zu legen, daß der Kettenfaden wagrecht zum Schußfaden liegt, oder umgekehrt. Bei dem Abmessen der Stoffe ist, namentlich bei Baumwollzeugen etwas zuzugeben, weil sie in der Wäsche gewöhnlich ein wenig eingehen. Die Stoffe sollen nicht der Webekante entlang, sondern in der Mitte der Breite gemessen werden, weil die Webekanten meistens ungleich ausgedehnt sind. Verzogene Stoffe müssen erst nach beiden Richtungen schief und dann in wagrechter und senkrechter Richtung gleich gezogen werden. Zu dem Zuschneiden ist eine große, scharfgeschliffene Scheere erforderlich, welche so zu halten ist, daß das breite Theil derselben unterhalb des zu schneidenden Stoffes zu liegen kommt, weil sonst der Stoff leicht mit der Spitze derselben durchgerissen werden könnte. Das Anfcrilgen -er Tisch-, Beiiwäsche u. -gl. Bei der Anfertigung dieser Gegenstände ist zu berücksichtigen: u) Das Messen der Stoffe, d) das Zerschneiden der Stoffe, e) das Zusammenfügen der Stoffe, ä) das Befestigen der Schnittkanten. Tischwäsche, Handtücher und Sacktücher haben häufig sogenannte abgepaßte Muster, d. h. jedes einzelne Stück hat ein dessen Größe abgrenzendes Muster. Solche Stücke brauchen selbstverständlich nicht abgemessen zu werden. Die Schnittkanten werden gewöhnlich mit einem schmalen Saume befestigt. Tischzeug. Darunter werden Tischtücher und Servietten verstanden. Sie werden aus weißem Leinen- oder Baumwollenstoff, in Zwilch und Damast erzeugt und haben gewöhnlich ein abgepaßtes Muster, welches bei zusammengehörigen Gedecken übereinstimmend ist. Tischtücher sind von verschiedener Größe; für 6, 12, 18, 24 und 36 Personen. Die Größe der Speiseservietten ist ungefähr 56—70 Cent. im Quadrat. Sowol Tischtücher als Speiseservietten haben je 2 Schnitt- und 2 Webekanten. Die ersteren werden schmal gesäumt. Kaffeezeug ist gewöhnlich farbig. Kaffcetücher sind von verschiedener Größe; für 6—12 Personen. Sie sind häufig von Fransen desselben Stoffes umgeben. Desgleichen die Kaffeeservietten. Diese haben ungefähr 40 Cent. im Quadrat. Kaffeezeug wird auch aus Java-Kannevas, Waffelstoff und russischer Leinwand mit Stickarbeit angefertigt. HandarbeitSlunde. 3. Ablh. 2 18 Bettzeug. Abb. 18. Leintücher. (Abb. 18.) Diese werden , r z . « aus Leinwand, Halbleinwand oder Shirting verfertigt. Sie bilden ein Rechteck, dessen Länge sich zur Breite verhält wie 3:2 und sollen länger sein als die Bettstatt. Zu großen Leintüchern sind 408 Cent. 78 Cent. breiten Stoffes erforderlich. Dieser wird in 2 gleiche Theile geschnitten, die mit einer Endelnaht verbunden werden. Die Schnittkanten werden schmal gesäumt. Um die Endelnaht zu ersparen, wird dop pelt breiter Stoff erzeugt, welcher jedoch verhältnismäßig theuerer ist, als der andere. Bettüberzüge werden stets den Betten und Kissen angepaßt, für die sie bestimmt sind. Sie werden aus glatten und gemusterten Leinen- und Baumwollstoffen angefertigt. // Abb. 19. 8 Kopfkissenüberzüge. (Abb. 19.) Zu einem Kopfkissenüberzug gewöhnlicher Größe sind 117 Cent. 78 Cent. breiten Stoffes erforderlich. Die Breite des Stoffes wird znr Länge des Ueberzuges genommen, so daß ein solcher Ueberzug 58'/2 Cent. breit (doppelt zusammengelegt) und 78 Cent. lang wird. Mitunter nimmt man den Stoff auch so, daß die Längsfäden der Länge des Kissens entlang liegen. Die Kopskissenüberzüge werden der Länge nach mit einer entsprechenden Naht zusammengenäht. Häufig wird an einer Seite ein Einsatz angebracht. Falle ist an den Kanten ein breiter Saum zu machen satz wird überwindlich an die Kante desselben angenäht. Einsatz angebracht, dann sind die Ouerseiten zusammenzunähen. An der offenen Seite wird ebenfalls ein breiter Saum gemacht. In diesem werden entweder auf einer Hälfte Knopflöcher und an der entgegengesetzten Knöpfe angebracht, oder es werden Schnürösen überwindlich angenäht. In diesem Der Ein- Wird kein Abb. 20. Solche Ueberzüge werden auch in Quadratform gemacht. 80 Cent. im Quadrat. Das obenauflie- gende Theil wird oft auf allen 4 Seiten mit einem Einsätze begrenzt. (Abb. 20.) P lumeauxübe rzü g e. Plumeaux sind kleine Oberbetten, welche gewöhnlich die Quadratform haben. Zu einem Ueberzug sind 234 Cent. 117 Cent. breiten Stoffes erforderlich. 19 Sie werden von weißem, häufig von rothem Baumwollenzeug, sogenanntem Rouge, oder auch von Seidenzeug angefertigt und mit Spitzenüberzug versehen. Der Stoff wird in der Mitte der Länge zusammengelegt, und zu beiden Seiten zusammengenäht. Ist derselbe zu schmal, dann muffen 2 Breiten genommen oder der Stoff nach Erfordernis zusammengestückt werden. Das offene Ende ist mit einem breiten Saume und mit Schnür- ösen oder Knopflöchern zu versehen. Das obenaufliegende Quadrat wird häufig ebenso wie die quadratischen Kopfkiffenüberzüge rings mit einem Einsatz begrenzt. Ueberzüge zu großen Oberbetten. (Abb. 21.) Zu solchen sind 468 Cent. 78 Cent. breiten Stoffes erforderlich, welcher mit jenem der Polster übereinstimmen soll. Von den 468 Cent. wird Vz der Länge weggeschnitten. Das kürzere Theil wird der Länge nach in der Mitte zusammengebogen, und die Schnittkanten an einer Seite mit einer Uebernaht zusammengenäht. Dann werden die Webekanten beider Theile mit einander verbunden, wodurch ein Sack entsteht. Dieser wird an der offenen Seite mit einem breiten Saume versehen, an welchem Schnür- borten mit überwindlichen Stichen angenäht werden. Wenn der Stoff 117 Cent. breit ist, sind nur 312 Cent. erforderlich. In diesem Falle wird der Stoff in der Mitte der Länge zusammengebogen und die beiden Kanten werden miteinander verbunden. Ueberzüge zu Oberbetten erhalten unten keine Einsätze. Hingegen bringt man sie in neuerer Zeit an den beiden Längenseiten an. Deckenkappen. (Abb. 22.) Die Länge der Decken verhält sich zur Breite wie 3 : 2. Die Decken sind durchschnittlich 1'/2 Meter lang und 1 Meter breit oder auch 180 Cent. lang und 120 Cent. breit. Bei dem Zuschneiden der Deckenkappen muß rings für die Umschlagsbreite und für einen breiten Saum zugegeben werden. Die Umschlagsbrcite beträgt durchschnittlich 20—30 Cent. mit dem Saume. Zu einer Decke von 1^ Meter Länge und einem Abb. 22. Abb. 21 2 * 20 Meter Breite mit 20 Cent. Umschlagsbreite wird daher die Länge 100 Cent. und die Breite 140 Cent. betragen müssen. An jeder Ecke sind nach beiden Seiten noch einmal so viel Cent. abzumessen als der Umschlag breit werden soll. Der Stoff wird dem entsprechend derart umgebogen, daß ein rechtwinkliges, gleichschenkliges Dreieck .entsteht, welches man herabschneidet. Die dadurch an der Decken- kappe entstandene Schnittkante ist in der Mitte zusammenzubiegen. Die so zusammengelegten Stofftheile werden mit Uebernähten verbunden. Die Kanten werden breit gesäumt. Wenn ein Einsatz eingenäht wird, ist nur ein schmaler entsprechender Umschlag zu machen, welcher einen 3—4 Cent. breiten Saum erhält. Nachdem die Ecken zusammengenäht sind, wird der Einsatz überwindlich eingenäht. An der äußern Kante des Einsatzes ist ein breiter Saum anzubringen. Die Ecken können auch unzusammengenäht bleiben. In diesem Falle ist der ganzen Deckenkappe entlang ein gerader oder auch ein schiefer Streifen entgegenzunähen. Doch muß dann in der Mitte der schiefen Kante ein kleiner halbkreisförmiger Einschnitt gemacht und mit Schling- stichen umnäht werden. Die Deckenkappen werden rings mit Knopflöchern versehen, welche senkrecht zum Saume in regelmäßigen Entfernungen anzubringen sind. Bei den offenen Deckenkappen sind die Knopflöcher an den Ecken derart anzubringen, daß ein Theil über das andere geknöpft werden kann. Zu Federritten, (Inletten) wird Nanking oder Kannevas verwendet. Die Größe derselben muß mit jener der Ueberzüge übereinstimmen. Die Zeichen, Buchstaben und Ziffern, ob gemerkt oder gestickt, werden bei Tischtüchern, Servietten, Handtüchern, Sacktüchern und Leintüchern stets im Winkel links oberhalb des Saumes angebracht, desgleichen bei Bettüberzügen. Bei Deckenkappen, bringt man sie links im untern Umschlag, unter dem Saume an. Große gestickte Buchstaben in der Mitte der Kopfkissenüberzüge oder der Sacktücher anzubringen ist zweck- und daher auch geschmacks- widrig. Hingegen werden sie an Letzteren in neuerer Zeit in der Mitte einer Seite angebracht. In diesem Falle werden die Sacktücher so zusammengelegt, daß die Webekanten nicht sichtbar sind. Das Anfertigen der Leibwäsche Bei diesem ist zu unterscheiden: u) das Maßnehmen, d) das Zeichnen der Schnitte, c) das Zuschneiden, cl) das Zusammenfügen der verschiedenen Theile zu einem Ganzen. n) Das Maßnehmen. Das Maß wird behufs des Zeichnens der Schnitte für jede Art der Wäschestücke über irgend einem entsprechenden Körpertheil genommen. Es ist Hiebei stets sehr genau zu Werke zu gehen, indem von den richtigen Maßverhältnissen das Passen des Wäschestückes abhängt. b)Das Zeichnen der Schnitte. Um dieses zu erleichtern, zeichnet man nach Erfordernis Rechtecke oder Quadrate mit entsprechenden Richtungslinien. Die Umgrenzungslinien der Rechtecke und Quadrate werden in folgender Weise bezeichnet: Die linke mit u, die rechte mit d, die obere wagrechte mit e, die untere mit «I. Die Richtungslinien werden ebenfalls mit Buchstaben, die Linien der Schnitte jedoch mit Ziffern bezeichnet. (Um Wiederholungen zu vermeiden, wird dies nicht mehr besonders erwähnt werden.) es Das Zuschneiden. Bei dem Zuschneiden ist zu berücksichtigen, daß die einzelnen Theile eine richtige Fadenlage erhalten, und so nebeneinander gelegt werden, daß möglichst viel Stoss erspart wird. Bei jedem Theile ist stets so viel Stoff zugegeben, als für die Nahteinschläge erforderlich ist. Besetze, Krägen, Manschetten u. dgl. werden immer ihrer Weite nach den Längenfäden entlang geschnitten. cl) Das Zusammenfügen der einzelnen Theile zu einem Ganzen findet mit entsprechenden Nähten statt. Tamcubtinkleidcr. Diese werden in verschiedener Weise angefertigt: u) mit geradem Besetz, d) vorn mit Gurt und rückwärts mit Zug, c) rings mitGurt. Unten werden sie entweder mit Säumchen verziert, oder in Falten gezogen und in ein Besetz genäht. Geschlossen werden sie entweder rückwärts oder an der Seite. Die hiezu erforderlichen Maße sind: Das Maß der Länge und jenes der Leibweite. Ersteres wird von der Hüfte, bis etwa eine Hand breit oberhalb der Knöchel genommen. Die Leibweite wird etwas loser genommen, als zu Kleidern. Zu einem Paar Damenbeinkleider sind 230—250 Cent. 78 Cent. breiten Stoffes erforderlich. 22 Abb. 23. Damenbeinkleider mit geradem Besetz. (Abb. 23.) Es ist ein Quadrat zu zeichnen, dessen Seitenlange der Länge des genommenen Maßes entspricht. o und ä sind in 4 gleiche Theile zu theilen und die Theilungspunkte durch die Senkrechten: e, k, g zu verbinden. a und b sind zu halbiren und mit einer Wagrechten: Ii zu verbinden. u wird nach aufwärts um V,o ihrer Länge verlängert; desgleichen k. Beide Linien werden an den oberen Endpunkten durch eine Wagrechte: i verbunden. Vom linken Endpunkt i wird dieser Linie abgerechnet und eine Linie gezogen, welche an a anschließt und so zu Ii geführt wird, daß sie ungefähr '/z, dieser Linie abschneidet. Dieses Theil der Linie wird mit 1 bezeichnet. Sie wird dann unbedeutend nach einwärts gebogen und zum Winkel herabgesührt, den die Linien ck und e bilden. Dieses Theil der Linie wird mit 2 bezeichnet. Bom rechten Endpunkt c wird derselben abgerechnet und eine Linie gezogen, die ungefähr '/b der oberen Hälfte des Quadrates entlang senkrecht herabgeführt und dann so gegen k geschweift wird, daß sie Ii von rechts in der gleichen Entfernung durchschneidet wie l. Diese Linie wird mit 3 bezeichnet. Sie wird fortgesetzt, 2 entsprechend etwas gebogen herabgezogen und an den Durchschnittspunkt der cl und A angeschlossen. Sie wird mit 4 bezeichnet. Vom oberen Endpunkt 1 wird nach rechts eine Schiefe: 5, zu dem Winkel den die Linien a, k bilden, geführt. 1, 2, k bilden das rückwärtige, o, k, 3, 4 das vordere Theil des Beinkleides. Schnitte zu Beinkleidern, welche vorn einen Gurt und rückwärts einen Zug erhalten (Abb. 24), werden in derselben Weise gezeichnet, wie die vorangehenden, doch fällt die Linie 5 hinweg, hingegen wird von der Mitte 23 — des Zehntels des verlängerten t eine Linie 6 gezogen. Da solche Beinkleider meist für dicke Personen gemacht werden, kann 1 von i an senkrecht herabgezogen werden. Um den Schnitt für den Gurt (Abb. 25) zu zeichnen, wird das Maß der Leibweite genommen und ein Quadrat gezeichnet, dessen Seitenlange einem Viertel des erhaltenen Maßes entspricht. Die Linien werden, wie oben, mit a, b, o und ä bezeichnet, a wird halbirt und durch eine Wagrechte: e mit k verbunden. Dann wird o halbirt und durch eine Senkrechte: k mit ck verbunden. Vom untern Endpunkt a wird stst dieser Linie aufgetragen und eine Wagrechte: g zu k geführt. Vom obern Punkte a, herab, wird dieser aufgetragen und eine Wagrechte ii zu k geführt. Vom Winkel der Linien a, e wird nach rechts '/x aufgetragen und eine Senkrechte: i zu 6 geführt. Vom Winkel, den u, e bilden, wird herab aufgetragen, zum Winkel der Linien i, e eine Schiefe: 1 gezogen. Vom linken Endpunkt dieser wird zum Winkel, den I», ck bilden, eine etwas nach auswärts gebogene Linie 2 gezogen, welche die Winkel der Linien i, e und st Z schneidet. Vom Winkel, den i, 0 bilden, wird zum Winkel, den e, d bilden, eine etwas gebogene Linie 3 gezogen, welche den Winkel der Linien st b durchschneidet. Das Theil an Linie d gibt die vordere Mitte, der ganze Schnitt die Hälfte des Gurtes. Dieser kann übrigens beliebig schmal geschnitten werden. Bei dem Zuschneiden solcher Beinkleider ist, wie bei den vorangehenden vorzugehen. Wenn man den Saum für den Zug nicht fälschen will, muß der Linie i entlang so viel Stoff zugegeben werden als für den Saum erforderlich ist. Im anderen Falle wird ein Besatzsaum gemacht. Das Gurttheil wird doppelt geschnitten und ist der Schnitt so auf den Stoff zu legen, daß I, den Längenfäden entlang liegt. Wenn der Stoff nicht reicht, um es im Ganzen zu schneiden, dann muß er b entlang gestückelt werden. Die Länge der Linie 1 des Gurtthciles muß mit der Hälfte des Zehntels der verlängerten k übereinstimmen*). Die Linie 1 des Gurttheiles ist an die verlängerte k mit Ueber- naht anzunähen. An der innern Seite ist je ein Bindband anzubringen, welches durch den Saum geführt wird. Das vordere Theil des Beinkleides, welches an das Gurttheil angenäht wird, ist in Fallen zu ziehen. Abb. 25. >> '-— 4 - ' i - ' i *) Unsere Zeichnung zeigt das (Änrttbeil, der Deutlichkeit wegen, verhältnismäßig größer, als das Beinkleid. 24 Abb. 26. Es wird zwischen die beiden Stofflagen des Gurttheils gelegt und dann werden alle 3 Theile mit Nückstichen zusammengenäht. Die oberen Kanten werden überwindlich zusammengenäht. Es kann auch oben eine Passepoilschnur eingenäht werden. In diesem Falle wird zuerst die Schnur eingenäht, das vordere Gurttheil an das Beinkleid mit Nückstichen und das rückwärtige Theil mit Saumstichen angenäht. Bei Schnitten zu Beinkleidern, welche rings einen breiten Gurt erhalten, werden a und d nur um */ 2 o verlängert und c gegen .3 ebenfalls etwas geschweift. (Abb. 20.) Um den Schnitt zu einem solchen Gurttheile (Abb. 27) zu zeichnen, wird das Quadrat mit den Nichtungslinien und dem Schnitte, Abb. 27 . wie bei dem früheren Gurt, gezeichnet. Dann wird auf o ein gleiches Quadrat errichtet und die obere Wagrechte mit ü bezeichnet, ck, e, ü werden nach links um i/g verlängert und mit einer Senkrechten l verbunden. Vom Winkel, den I, k bilden, wird an l von I aufgetragen und eine Wagrechte m zur verlängerten a geführt. Man zeichnet nun in das untere Quadrat den Schnitt Abb. 25. Dann wird 2 nach links etwas gebogen zum Winkel der I, m und von da an senkrecht zum Winkel der I, ü geführt, 3 wird etwas gebogen zum Winkel der in, a und von da senkrecht zum Winkel der a, k geführt. Solche Gurte werden ebenfalls in doppelter Stofflage geschnitten. Wenn der Stoff nicht reicht, sie im Ganzen zu schneiden, dann wird er an 1 gestückelt. Häufig werden solche Gurte zu Beinkleidern verwendet, die an den Seiten geknöpft werden. In diesem Falle werden, sowol Vorder- als Rücktheile separat geschnitten, doch muß jedes Theil 3—4 Cent. weiter sein als die Leibweite, weil die Theile übereinander gelegt werden. An den Linien k solcher Beinkleider ist ein Schlitz ungefähr 4 z der Länge zu schneiden (Abb. 20. I*), welcher mit einem Besatzsaum zu versehen ist. Bei solchen Beinkleidern werden die rückwärtigen Theile ungefähr ihrer Länge entlang, sowie die Vordertheile überwindlich zusammengenäht. Die Falten sind wie oben einzutheilen. Abb. 28. Abb, 29. Das vordere Gurttheil ist rechts und links mit je 2 Knopflöchern zu versehen. An das rückwärtige Theil werden Knöpfe entsprechend angenäht. Mitunter werden die Damenbeinkleider unten in Falten gereiht und in ein Besetz eingenäht, in diesem Falle müssen sie unten weiter geschnitten werden. (Abb. 26. II.) Beim Zuschneiden der Beinkleider wird der Schnitt der Linie k entlang zusammengebogen und mit dem Bug an den Bruch des Stoffes gelegt. Wenn der Stoff schmal ist und genau die Breite eines Beines gibt. werden die unteren Theile der Beine aneinander gelegt und so in entgegengesetzter Richtung geschnitten. (Abb. 28.) Um Stoff zu ersparen, können die rückwärtigen Theile mit den vorderen gleich hoch geschnitten werden. Die zu ergänzenden Theile werden von dem Abschnitte geschnitten. Abb. 28. I. Ist der Stoff so schmal, daß aus der Breite nicht ein ganzes Bein geschnitten werden kann, dann setzt man einen Zwickel an. Abb. 24. I, II veranschaulicht, wie der Zwickel her auszuschneiden und anzusetzen ist. Bei breiten Stoffen werden die Schnitte so ineinandergelegt, wie es Abb. 29 veranschaulicht. I, II zeigt, wie die anzusetzenden Theile herauszuschneiden sind, wenn der Stoff oben gerade geschnitten wird. Wenn die Beinkleider in obiger Weise geschnitten werden, dann muß selbstverständlich ein Bein der Linie k entlang eine Naht erhalten. Mitunter wird auch Stoff erspart, wenn jedes Theil einzeln geschnitten wird. In diesem Falle müssen beide Beine der Linie k entlang eine Naht erhalten. Für ein Paar Beinkleider sind 2 gleiche Theile zu schneiden, die in entgegengesetzter Richtung zusammengenäht werden. 26 Einfache Beinkleider erhalten unten einen breiten Befestigungssaum. Der zu diesem erforderliche Stoff ist beim Zuschneiden zuzugeben. Dieses muß auch stattfinden, wenn das Beinkleid mehrere wagrechte Ziersäume desselben Stoffes erhalten soll. Wird es mit Einsätzen verziert, dann sind die Theile entsprechend kürzer zu schneiden. Die Saume werden dann erst entweder vor dem Zusammennähen der Beine oder auch ausgeführt, wenn die Linien 2, 4, welche die Röhrentheile bilden, zusam mengenäht sind. Diese werden gewöhnlich mit Uebernaht verbunden, doch werden einfache Beinkleider auch mit Doppelsäumen zusammengenäht. Den Linien 1, 3 entlang wird ein Besatzsaum ausgeführt. Die beiden Beinkleidtheile werden dann vom oberen Endpunkte der Linien 3 ungefähr */io der Länge des Beines entlang überwindlich zusammengenäht. (Abb. 23*.) Beinkleider mit Besetz oder Gurt erhalten gelegte oder gezogene Falten, welche 3—4 Cent. von der vorderen Mitte beginnen. Gelegte Falten werden nach rückwärts zu gelegt. Das Besetz wird 8—10 Cent. breit und etwas länger geschnitten, als die Leibweite beträgt. Es wird in 4 gleiche Theile getheilt, wovon die beiden mittleren für die Vorder- und die beiden anderen für die Rückseite genommen werden. Beinkleider, welche rings im Zug gemacht werden, erhalten der ganzen Weite entlang einen Besatzsaum, durch welchen ein Band gezogen wird. Htrrtnttntrrbrinklrider. Diese werden aus Leinwand, Halbleinwand, Shirting, Barchent und Flanell verfertigt. Sie werden in zweierlei Weise gemacht: a) mit Zug, d) mit Besetz. Zu einem Paar Herrenunterbeinkleider sind 230—260 Cent. 78 Cent. breiten Stoffes erforderlich. Die hiezu erforderlichen Maße sind: das Maß der Länge und jenes der Leibweite. Das Maß der Länge wird von der Taille über die Hüfte bis zum Knöchel genommen. Es wird ein Rechteck gezeichnet, dessen Länge dem Längenmaße, und dessen Breite dieser Länge entspricht. (Abb. 30.) o wird halbirt und eine Senkrechte e zu ä gezogen. Links von o werden ^ von e aufgetragen und eine Senkrechte: k zu i v w rt rr ir in Vom linken Endpunkt e wird */, dieser aufgetragen und eine nach auswärts gebogene Linie zuin linken Endpunkt i geführt. Dieses Theil der Linie wird mit l bezeichnet. Sie wird verlängert und etwas nach rechts gebogen zum Winkel der Linien ä, k geführt. Dieses Theil der Linie wird mit 2 bezeichnet. Vom rechten Endpunkt >i wird weniger aufgetragen als ^7 derselben beträgt, und eine Linie gezogen, die etwas mehr als ^7 von e senkrecht herablauft und von da zum Winkel der Linien i, d geschweift wird. Diese Linie ist mit 3 zu bezeichnen. Sie wird verlängert und der Linie 2 entgegen zum Winkel der Linien ä, g gezogen und mit 4 bezeichnet. Vom oberen Endpunkt 1 wird zum Winkel der Linien e, Ii eine Schiefe: 5 gezogen, l, 2, 5i e geben den Schnitt für das rückwärtige, die rechte Hälfte von e, o, 3 und 4 jenen für das vordere Theil eines Beines. 2 » Bei dem Zuschneiden der Herrenunterbeinkleider geht man vor, wie bei den Damenbeinkleidern. Für Beinkleider, welche rings einen Zug erhalten, wird im Falle der Saum für den Zug nicht gefälscht werden soll, so viel Stoff zugegeben, als für den Saumeinschlag erforderlich ist. Doch muß dann die Linie 1 so nach auswärts geschnitten werden, wie es die punktirte Linie 6 angibt. Würde man 1 nach aufwärts gerade verlängern, dann würde der Saumeinschlag die Linie 1 nicht decken. Die Linien 2, 4, werden mit Uebernaht, Doppelsaum oder Doppelnaht verbunden. Die rückwärtigen Theile werden mit Uebernaht zusammengenäht, desgleichen das untere Stück der vorderen Theile bis zum *. Vom unteren Endpunkt e wird ungefähr dem 9 Theil entlang ein Schlitz hineingeschnitten, welcher ebenso wie die unteren Kanten des Beines schmal gesäumt wird. Der Winkel des Schlitzes wird mit einem Riegel befestigt. An die unteren Theile der zerschnittenen e werden schmale Bündchen angenäht. Die oberen Theile der Linien 3 werden schmal gesäumt. Durch den Saum am oberen Rande wird ein Bindband durchgezogen. Bei Beinkleidern, die ein Besetz erhalten, wird an den beiden Linien 1 ungefähr */? derselben freigelassen und die Linien von da an verbunden. Im Uebrigen werden die Theile so genäht, wie bei dem ersten Beinkleid. Der Schlitz, welchen die beiden 1 bilden, wird schmal ge säumt. Der Schnitt zum Besetz (Abb. 31) wird in folgender Weise gezeichnet: Nachdem man das Maß der Leibweite genommen hat, zeichnet man ein Rechteck, welches 3 —4 Cent. breiter ist als die halbe Leibweite und dessen Senkrechte 2/7 der Breite betragen. Die Linien sind mit a, b, e und ä zu bezeichnen. Vom oberen Endpunkt n ist etwas weniger als */? derselben aufzutragen und eine Schiefe: 1 zum Winkel der Linien d, ä zu führen. 0, b, 1 bilden den Schnitt des Besetzes. Es sind 4 solche Theile zu schneiden. Der obere Rand des Beinkleides wird wie bei dem Damenbein- kleid in Falten gezogen oder gelegt, und ebenso eingetheilt, indem er zwischen je 2 Theile des Besetzes gelegt und an diese angenäht wird. Das rechtsseitige Besetz erhält vorn, an der Linie b zwei Knopflöcher, an das andere werden entsprechend 2 Knöpfe angenäht. Rückwärts an a werden an beiden Theilen 2 kleine Löcher ausgenützt, oder Oesen eingeschlagen, durch welche schmale Bündchen gezogen werden, um das Beinkleid beliebig enger oder loser zusammen zu binden. Kinderbeinkleider. Diese werden von denselben Stoffen angefertigt, wie die vorangehenden. Das Maß wird von der Taille bis unter das Knie ge- Abb. 31. 5 e 1 r. r >e Abb. 32. nommen. Es wird ein Rechteck gezeichnet, dessen Länge diesem Maße entspricht und dessen Breite mehr beträgt als die Länge. (Abb. 32.) e wird halbirt und eine Senkrechte: 6 zu ck gezogen. Vom linken und vom rechten Endpunkt e wird je V« dieser abgerechnet und 2 Senkrechte: k und Z zu ä geführt. An u wird von oben */ig aufgetragen und eine Wagrechte: l> zu d geführt. Vom unteren Endpunkt a wird etwas mehr, als ^/z dieser aufgetragen und eine Wagrechte: i zu b geführt. Vom linken Endpunkt ^ r ; >e ; b i r wird /12 derselben aufgetragen und eine Schiefe: 1 zum Winkel der Linien n, i gezogen, von hier wird eine etwas gebogene Linie: 2 zum Winkel der Linien k, ck geführt. Vom rechten Endpunkt ü wird dieser aufgetragen und eine Schiefe: 3 zum Winkel der Linien b, i geführt. Von hier wird eine etwas gebogene Linie: ck zum Winkel der Linien ck, g geführt. Vom oberen Punkte 1 wird eine Schiefe 5 zu dem Winkel der Linien 6, I, gezogen. Will man das Beinkleid vorn ausgeschnitten haben, dann trägt man vom rechten Endpunkt lr 2/21 auf, und zieht die Linie wie es die punktirte Linie veranschaulicht. Genäht werden solche Beinkleider in den verschiedenen Weisen, wie die Damenbeinkleider. Bei Springhöschen werden die Linien 1, 3 zusammengenäht. Der Linie o entlang wird ein Schlitz geschnitten, der ungefähr Vz der Länge derselben beträgt. Sie erhalten ein gerades Besetz, das an den Seiten geknöpft wird. U a ch i j a ck e n. Diese werden aus Perkail, Shirding, Gradl, Wallis, Piqus und Barchent verfertigt. Sie werden mit glattem oder gezogenem, oder auch mit angesetztem Vordertheil, Sattel oder Passe genannt, angefertigt. Zu einer einfachen Nachtjacke für Erwachsene, mit glattem Vor dertheile, sind 2—2Vz Meter, 78 Cent. breiten Stoffes erforderlich. Abb. 33. > L > 30 7 r z 6 7 S 9 1 « « <ü Einfache Olachtjacke mit glattem Vordertheile. Das Maß hiezu ist knapp um den Hals zu nehmen, und ein Rechteck zu zeichnen, dessen Längenseiten das Doppelte der Halsweite und dessen O-uerseiten ^/g der Länge betragen. (Abb. 33.) Vom unteren und vom oberen Endpunkt a, ist je ^ derselben aufzutragen und 2 Wagrechte: o und k zu l> zu ziehen. Vom rechten Endpunkt o ist an dieser ^ von a aufzutragen und eine Senkrechte: g zu k zu ziehen. Vom linken Endpunkt k sind ^ dieser aufzutragen und eine Senkrechte: Ii herabzuziehen, deren Länge ^ von u beträgt, k wird zwischen a und d halbirt und mit ll eine Parallele: i gezogen. Vom Winkel der Linien o, g wird zum Winkel der Linien b, k eine krumme Linie: 1 gezogen. Vom Winkel der Linien o, g wird zum Winkel der Linien k, ti eine Schiefe: 2 geführt. Von hier zieht man die Linie 3 für den Armlochausschnitt, welche anfangs senkrecht und dann geschweift zum unteren Endpunkt i geführt wird. Von hier aus zieht man eine Linie: 4 etwas geschweift zum Winkel der Linien a, o. Von hier aus zieht man eine etwas geschweifte Linie 5 ungefähr zur Mitte ^ von ck. 1—5 geben den Schnitt des Abb S4- orderen Theiles. Das rückwärtige Theil der Nachtjacke (Abb. 34) wird nach dem vorderen gerichtet, indem das Rechteck um so viel schmäler gezeichnet wird, als die Hälfte des Quadrates o, k, g beträgt. F wird von oben herab um 2/g gekürzt und von da eine Wagrechte zu b gezogen, e, k, b, i bleiben dem Vordertheile gleich. Die Linie 1 für den Halsausschnitt wird in das Rechteck gezeichnet. Die übrigen Schnittlinien bleiben jenen des Vorderteiles gleich, nur 3 wird etwas weniger geschweift. 31 Wenn die Nachtjacke für eine Person bestimmt ist, die nicht ganz normalmäßig gewachsen ist, dann muß der Schnitt nach Erfordernis etwas geändert werden. Bei dickhalsigen Personen z. B. muß das Rechteck etwas kürzer gezeichnet werden, als das Doppelte der Halsweite beträgt. Bei Personen mit kurzen Achseln muß die Linie 2 etwas kürzer gezeichnet werden u. s. f. In solchen Fällen ist es am zweckmäßigsten, das Maß der Achsellänge, der Brustweite und der Halsweite zu nehmen und den Schnitt danach zu modificiren. Beim Zuschneiden der Vordertheile ist an b soviel zuzugeben, als für einen breiten Saum erforderlich ist. Sollen mehrere Ziersäume gemacht werden, dann ist, wenn der Stoff breit genug ist, so viel zuzugeben, als für die Säume erforderlich ist. Wenn er nicht breit genug ist, müssen diese Säume angesetzt werden. Wenn Einsätze gegeben werden, muß das Vordertheil um so viel schmäler geschnitten werden, als die Breite der Einsätze beträgt. Die Theile werden so aneinander gelegt, daß die Achseltheile gegeneinander zu liegen kommen. Wenn der Stoff nicht breit genug ist, kann auch der Zwickel angestückelt werden, wie es die verlängerte punktirte i in Abb/33 zeigt. Doch können die Zwickel auch kürzer angesetzt werden. Die Rückentheile werden im Ganzen geschnitten, daher muß die mit b parallel laufende Linie an den Bruch des Stoffes zu liegen kommen. Die Zwickel können wie bei den Vordertheilen angesetzt werden. Die Achsel- und Seitentheile werden mit Uebernaht, mit Doppelnaht oder auch mit Doppelsaum zusammengenäht. Unten wird ein Besatzsaum mit schiefgeschnittenen Streifen gemacht. Die Knopflöcher werden bis zum Taillenschluß gemacht. *) Um den Schnitt zu einer Nachtjacke mit gezogenen Vorder t h ei le n (Abb. 35) zu zeichnen, werden o und ä um Vr verlängert. Die Richtungslinien bleiben so wie bei dem vorangehenden Schnitte. Auch die Schnittlinien bleiben jenen gleich, nur 2 wird um ^ länger als früher. *) Bei Frauenwäsche werden die Knopflöcher in dem rechten, bei Herrenwäsche in dem linke» Saume angebracht. 32 Vs glatt gelassen Abb Wenn man gerne viele Falten hat, kann man e und ä beliebig verlängern. Beim Nähen wird an 1 zu beiden Seiten je und das Uebrige in Falten gezogen. Solche Nachtjacken werden nur für dicke Personen angefertigt. Schnitte zu Nachtjacke» mit Sattel. Man zeichnet den Schnitt zu einer einfachen Nachtjacke. In diesen zeichnet man den Schnitt des Sattels. Die Sattelschnitte sind verschiedenartig. Die beiden Linien I und II in Abb. 33 zeigen solche Schnitte. Für das anzusetzende Theil wird das Rechteck wie zu den Nachtjacken mit gezogenen Vordertheilen gezeichnet. Um den Schnitt einer Nachtjacke mit dem Theile I zu zeichnen, wird die Achsellinie um so viel verkürzt, als die Achsellinie des Sattels beträgt. Abb. 36. I. Die Linie I wird dem Satteltheile entsprechend gezeichnet. Um den Schnitt einer Nachtjacke mit dem Theile II zu so viel verkürzt, als das Satteltheil wird ebenfalls dem Sattel ent- zeichnen, erfordert sprechend wird das Abb. 36 gezeichnet Armloch um II. Die Linie II Die Satteltheile werden mit Stickerei, Einsätzen oder Säumen versehen. An dem unteren Theile werden zu beiden Seiten einige Cent. frei gelassen und das Uebrige in Falten gezogen. Die Sternchen in Abb. 36 deuten an, wie weit die Falten ungefähr reichen sollen. Das Satteltheil wird mit dem in Falten gereihten Theile auf der rechten Seite mit Rückstichen zusammengenäht, die Kanten auseinander gebogen und ein schiefer Streifen darüber gesteppt. Vorn setzt man einen gefälschten Saum an. Aermet ju Uachljacken. Ellenbogenärmel werden in zweierlei Weise geschnitten. Entweder mit breitem Ober- und schmalem Untertheile oder gleich breit. Um den Schnitt zu einem Ellenbogenärmel ersterer Art k ^ / / /. . / / . ü / . _. .«1 L/ L L 4 ) 6 o wird halbirt und eine Senkrechte s Abb. 37. zu ck gezogen. a ist durch 2 Wagrechte t, g in 3 gleiche Theile zu theilen. An o wird links ^/g dieser abgeschnitten und eine etwas gebogene Linie: 1 zu a geführt, die ungefähr an das untere Drittel von a anschließt und von hier senkrecht herabgezogen wird. Vom oberen Endpunkt 1 wird zum Winkel der Linien b, t eine nach aufwärts gebogene Linie: 2 geführt. Von hier aus wird eine etwas gebogene Linie: 3 zum Winkel der Linien 6 , s geführt. Vom Winkel der Linien c, o wird eine Linie: 4 zu a gezogen, die ungefähr an das untere Drittel a anschließt und von hier senkrecht herabgezogen wird. Vom oberen Endpunkt 4 wird eine nach abwärts gebogene Linie: 5 zum Winkel der Linien b, k gezogen. t, 2, 3 bilden den Schnitt des oberen, 3, 4, 5 jenen des unteren Aermeltheiles. Der Schnitt wird entweder so auf den Stoff gelegt, daß ä, oder 1 und 4 sadengerade liegen. Der Aermel wird mit denselben Nähten zusammengenäht, welche man bei der Jacke verwendet hat. Unten erhält er einen Passepoilsaum. Der Aermel wird so eingenäht, daß 1 und 4 in die Mitte des rückwärtigen Armlochtheiles zu liegen kommen. Das obere Theil wird auf der Achsel etwas eingehalten. Wenn der Aermel zu weit ist, legt man unter dem Arme eine Falte, welche nach dem Rückentheil gekehrt ist. Um den Schnitt zu Aermeln zu zeichnen, bei welchen beide Theile gleich weit sind, wird das Maß genommen wie oben und auch ein solches Rechteck gezeichnet. (Abb. 38.) a wird halbirt und eine Wagrechte: 6 zu b gezogen. Vom unteren Endpunkt a wird '/, 2 , vom oberen V 24 derselben aufgetragen und je eine Wagrechte: k und g zu d geführt; g um */s länger als 0 . 0 wird halbirt und eine Senkrechte: k zu ck gezogen. Vom rechten Endpunkt 0 wird an dieser */§ aufgetragen und eine Senkrechte: i von a herabgezogen. Handarbeitskunde. 3. Abth. An ä wird vom rechten Endpunkt dieser Vz abgeschnitten. Von: Winkel der Linien a, g wird eine Senkrechte: l zu e gezogen, welche von da an zu dem bezeichneten Drittel etwas gebogen herabgeführt wird. Vom Winkel der Linien a g wird eine etwas nach abwärts gebogene Linie: 2 zum unteren Endpunkt i geführt. Desgleichen wird eine nach aufwärts gebogene Linie: 3 geführt. Vom rechten Endpunkt der Linien 2, 3 wird eine Linie: 4 gezogen, welche anfänglich etwas nach links und dann nach rechts gebogen zum Winkel der Linien b, k geführt wird. 1, 3, 4 bilden den Schnitt des oberen, 1, 2, 4 jenen des unteren Aermeltheiles. Ein solcher Schnitt muß der oberen Hälfte 1 entlang fadengerade auf den Stoff gelegt werden. Genäht werden diese Aermel so wie die früheren. Die Halsbündchen der Nachtjacken werden 4—6 Cent. weiter gemacht, als die Halsweite beträgt. Man schneidet sie entweder gerade, oder vorn etwas abgeschrägt. Die Nachtjacken werden auch mit Krägen versehen. Einfaches Unchthäubchen. Es wird ein Rechteck gezeichnet, dessen Länge der Gcsichtslänge entspricht und dessen Breite */g weniger beträgt als diese. fAbb. 3!>.) Von o wird zu a eine halbkreisförmige Linie: 1 gezogen, wie es die Abbildung veranschaulicht, b ent lang wird eine etwas nach einwärts gebogene Linie: 2 gezogen. Der Schnitt wird so auf den Stoff gelegt, daß 2 den Längenfäden entlang liegt. Es werden 2 gleiche Theile geschnitten, die mit einer entsprechenden Naht verbunden werden. Vorn erhält das Häubchen einen Besatzsaum, ck entlang einen Zug. Abb. 39. T r a u e n h e in d e n. Diese werden aus Leinen- und Baumwollenstoff angefertigt. Sie sind unten weit und gegen die Taille zu schmäler. Die unten erforderliche Weite wird entweder durch Ansetzen schief geschnittener Stofftheile, Zwickel, Keile, auch Gähren genannt, erzielt, oder wenn der Stoff breit genug ist, können sie auch so geschnitten werden, daß man das Ansetzen der Zwickel erspart. 35 Je nachdem die Zwickel geschnitten und angesetzt werden gibt es: eO Hemden mit zwei langen Zwickeln, d) Hemden mit einem langen Zwickel, o) Hemden mit zwei kurzen Zwickeln, ck) Hemden ohne Zwickeln. Damenhemden werden gewöhnlich so lang gemacht, daß sie zur Hälfte der Wade reichen. Das Maß ist von der Achsel so tief herab zu nehmen, als man das Hemd eben haben will. Die durchschnittliche Länge für Erwachsene beträgt beiläufig 100—120 Cent. Die untere Weite 90—100 Cent. Man benöthigt stets doppelt so viel Stoff als die Hemdlänge erfordert, nebst dem was für Aermel und etwaige Besetze und Satteltheile benöthigt wird. Gewöhnlich verhält sich die Länge des Stoffes für ein Hemd zur Breite derselben wie 3:1. Gewöhnliche Stofflänge für ein Hemd, Aermel mit eingerechnet, 230—250 Cent. Das Verhältnis der Länge zur Breite, fertig genähter Hemden, ist ungefähr wie: 15 zu 12. Die Aermel werden verschieden gemacht. Entweder gerade und mit Zwickel oder geschweift, nach verschiedenen Schnitten. Dem entsprechend geschweift geschnitten. Bei ersteren Aer- meln beträgt die Armlochweite ungefähr */i, bei letzteren ungefähr O, der Hemdlänge. Die Frauenhem- den erhalten entweder gerade Besetze oder Satteltheile nach verschiedenen Schnitten. Das Zeichnen eines Damenhem- des mit 2Zwickeln. (Abb. 40.) Es ist ein Rechteck zu zeichnen, welches der Länge des Hemdes entspricht und dessen Querseiten */5 weniger betragen als diese. An e ist von links und rechts je */§ dieser Linie abzuschneiden und zwei Senkrechte e und k zn (1 zu führen. werden auch die Armlöcher gerade oder Abb. 40. 4r 3 5 ö'lLÄIOttlL 3 * 36 An a herab sind von o aufzutragen und eine Wagrechte: 8 zu e zu ziehen. Vom Winkel der Linien e und 8 sind an beiden Linien je ^ von 8 aufzutragen und mit einer Schiefen: b zu verbinden. Vom Winkel der Linien b, o ist an dieser beiläufig ^ der Länge des Schenkels abzurechnen und eine Wagrechte i zu b zu ziehen. Vom linken Endpunkte i ist eine Schiefe: k zum Winkel der Linien a, ä zu ziehen. An der rechten Seite des Rechteckes werden Aermel und Zwickel in gleichem Verhältnisse, doch in entgegengesetzter Richtung gezeichnet. Links von e sind 2/s dieser aufzutragen und ist eine Senkrechte: I herabzuziehen, die */i 2 von o beträgt. e ist zwischen e, l zu halbiren und eine gebogene Linie: m zum unteren Endpunkt der Linie 1 zu ziehen, die von da an wagrecht gezeichnet und in entgegengesetzter Richtung entsprechend fortgeführt wird. Dieser Linie entsprechend ist eine Linie: n zu ziehen, welche in der Mitte ungefähr Vr höher liegt als m. Das Rechteck a, o, e, g bildet den Aermel, das Dreieck o, 8, b den Aermelzwickel. o, k bilden den Rumpfzwickel, m den vorderen, n den rückwärtigen Ausschnitt des Hemdes. Ein in dieser Weise gezeichnetes Hemd, gibt eine Normale für alle übrigen Schnitte, wie dies aus den folgenden Abbildungen ersichtlich ist. Das Zuschneiden und Nähen. Zu einem solchen Hemde ist ein Stück Stoff erforderlich, dessen Breite */, der Länge beträgt. Von der Breite dieses Stückes ist derselben, der ganzen Länge nach herabzuschneiden. (Abb. 41.) Wenn mehrere gleichartige Hemden von einem Stücke zugeschnitten werden, ist dieser Streifen der ! ganzen Länge des Stückes entlang in einem herabzuschneiden, bevor der Stoff der Breite nach zerschnitten wird. Der Breite nach ist so viel herabzuschneiden, als für die Aermel erforderlich ist. Wenn mehrere Hemden aus einem Stücke geschnitten werden, mißt man nur die Stocklänge ab. ' Der übrige Stoff wird zu den Aermeln verwendet. Der Stoff für das Rumpstheil wird in der Mitte der Länge zusammengebogen, wodurch Vorder- und Rücktheil des Hemdes entstehen. Dann ist die Armlochweite abzumessen. Die Rumpfzwickel werden von jenem Streifen geschnitten, welcher von der Stoffbreite weggeschnitten worden ist. Es sind 2 gleichlange Theile abzumessen, die bis zum Armloch reichen müssen. - Jedes derselben ist der Länge nach so schief durch- < 37 Abb. 42. zuschneiden, daß zu beiden Enden je ein schmales Theil liegt (Abb. 42), welches ungefähr der Breite einnimmt. In dieser Lage ist der Stoff entzwei zu schneiden, wodurch je 2 gleiche Theile entstehen. Die Stockzwickel werden zu Zweien mit den^b. 43111 geraden Seiten verbunden, und zwar 2 mit Ueber- und 2 mit Edelnaht. Die schiefen Seiten derselben werden je an eine gerade des Rumpfes mit Uebernaht angenäht. Diese Nähte dürfen nicht länger sein, als die Mittelnähte der Zwickel, daher sind die schiefen Seiten ein wenig einzuhalten. Der untere Rand des Hemdes erhält einen breiten Befestigungssaum. Für den Aermel ist ein Rechteck zu schneiden, welches doppelt so lang ist, als der Aermel ohne Zwickel. (Abb. 43. I.) Der Aermelzwickel bildet ein Quadrat, dessen Seiten kürzer sind, als die Linie § des Aermels. (Abb. 43. II.) Wenn genügend Stoff vorhanden ist, können Aermel und Zwickel in einem geschnitten werden. Wenn mehrere Hemden geschnitten werden, schneidet man einige Aermel aus jenem Stücke, welches von den Rumpfzwickeln entfällt und einige von dem Abschnitte des Halsausschnittes. In diesem Falle liegen erstere Aermel der Länge nach den Längenfäden, letztere den Querfäden entlang. Es müssen jedoch stets für ein Hemd je 2 und 2 gleiche Aermel genommen werden. Der Aermelzwickel wird so mit Uebernaht an den Aermel angenäht, daß die ä des Aermels mit e des Zwickels und e des Aermels mit d des Zwickels vereinigt wird. Der Aermel erhält einen breiten Befestigungssaum und wird mit Uebernaht eingenäht. Der Aermelzwickel muß ungefähr (/,4 der Aermel- weite über den Rumpfzwickel hinüberragen. Er muß daher etwas weiter sein, als das Armloch. Er wird entweder auf der Kehrseite mit Saumoder auf der Rechtsseite mit Steppstichen an die Rumpfzwickel angenäht. Bei Hemden, die mit der Maschine genäht werden, ist es vor- theilhafter, den Aermelzwickel an die Rumpfzwickel anzunähen, bevor diese au den Rumpf angenäht werden, und Rumpfzwickel und Aermel in einem einzunähen. Wenn das Hemd nicht in Falten gereiht wird, dann wird längs des Ausschnittes ein schiefer Streifen entgegengenäht. Wird es in Falten gereiht, dann ist in der vorderen Mitte ein Schlitz hineinzuschneiden, dessen Länge ungefähr ^4 der Rumpflänge beträgt. (Linie 0.) Dieser ist zu beiden Seiten mit je einem 2 Finger breiten Befestigungssaum zu versehen. Die beiden Säume sind so übereinander zu legen, daß der rechte über dem linken liegt. Das Rumpftheil ist unterhalb des Schlitzes, so weit der Saum reicht, in Falten zu ziehen, welche so an die übereinanderliegenden Säume 38 geheftet werden, daß die Kanten der Falten und Säume aneinanderstoßen. Darüber ist ein 1 Cent. breites Besetz und auf der Kehrseite eines in gleicher Länge und Breite anzunähen. An Hemden für starke Personen, können die beiden Säume auch gefälscht werden und wird in diesem Falle der Rumpf unterhalb der selben nicht in Falten gezogen. Die Falten des Ausschnittes sind beiläufig 2 Cent. weit von den Säumen zu beginnen, und nehmen nebst den Säumen ungefähr * g der Länge des Besetzes ein. Dieses wird 1^/gMal so lang geschnitten, als die Halsweite beträgt. Es wird in 4 Theile getheilt, wobei auf jedes der beiden Endtheile 2—3 Cent. mehr entfallen müssen, als für die beiden mittleren Theile. Diese werden in 3 gleiche Theile getheilt, deren mittleren die Falten des rück wärtigen Ausschnittes einnehmen. Anstatt gezogener Falten, wendet man auchZier- säumchen an. In diesem Falle ist das Rumpftheil unterhalb des Schlitzes so weit in Falten zu ziehen, als die Säumchen reichen. Das Besetz erhält ein wagrecht geschnittenes, der rechteSaum 2 senkrecht geschnittene Knopflöcher. Hemd mit einem Zwickel. (Abb. 44.) Bei solchen Hemden wird der Stoff in der Mitte der Länge zusammengebogen, die Weite des Armlochs abgemessen und an der unteren Kante so viel abgerechnet, als die obere Breite eines Zwickels erfordert. Dann wird die Länge und die untere Breite des Zwickels abgemessen und dirser herausgeschnitten. Das übrige Stück wird im Rechteck dem Armloch und dem Aermel entsprechend herausgeschnitten. (Abb. 45. I.) I i Die punktirten Linien in Abb. 44 i zeigen den Schnitt und Armlochausschnitt i für einen abgerundeten Aermel. Abb. 46. 39 Die beiden Rumpfzwickel werden mit den schiefen Seiten zusammengenäht und fe eine gerade Seite des Zwickels (Abb. 45. II.) an eine gerade des Rumpfes angenäht. Bei solchen Hemden entstehen an den Mittelnähten der Zwickel Ecken, die weggeschnitten werden müssen. Hemden mit 2 kurzen Zwickeln. Solche Hemden zu schneiden, wird der Stoff in der Mitte der Länge zusammengebogen und an dem Bruch des Stoffes an jeder Seite je der Stoffbreite aufgetragen und eine Schiefe zur Hälfte der Länge des Rumpfes herabgezogen. (Abb. 46.) Diesen Linien entlang wird der Stoff herabgeschnitten, wodurch 4 Zwickel herausfallen. Diese werden mit den schiefen Seiten zusammengenäht und je eine gerade des Zwickels an eine gerade des unteren Rumpftheiles angenäht. Solche Hemden erhalten gewöhnlich abgerundete Armlöcher und dem entsprechende Aermel. Die Aermel werden so geschnitten, daß die äußere Weite des Aermels jener an Abb. 40, entspricht. Gegen das Armloch zu werden sie etwas kürzer geschnitten als an 40. In der Breite werden solche Aermel gewöhnlich um die Hälfte schmäler geschnitten, als an Abb. 40. (Abb. 47. I.) Die Seitentheile des Rumpfes können gerade (Abb. 47. Il), oder wie es in neuerer Zeit der engen Kleider wegen geschieht, etwas ausgeschweift werden. (Abb. 47. III.) Bei Hemden, deren Aermel einen Theil der Achsel bilden, muß der Stock um so viel kürzer Abb. 47. geschnitten werden, als das Hemd durchdenAermelver- längert wird. (Abb. 48.1.) Solche Hemden werden auch oft in der Taille etwas ausgeschweift. In diesem Falle werden die Zwickel etwas kürzer geschnitten, als bei den anderen Hemden. (Abb. 48.) Solche Hemden werden gewöhnlich mit einem Sattel gemacht, dieser ist entweder rund oder herzförmig. (Abb. 49.) Den Schnitt zu einem runden Sattel zu zeichnen, zeichnet man ein Rechteck, dessen Breite der Brustbreite und dessen Länge ^ weniger beträgt als diese. (Abb. 49.) Rechts und links von e, ebenso von a und b von oben herab wird je */g von a aufgetragen und e, a und e, b je mit einer Schiefen 1—2 verbunden. 1 und 2 werden mit je einer Gebogenen 3 und 4 verbunden. Der rückwärtige Sattel wird gleich dem vorderen, nur etwas enger, geschnitten. Um ein herzförmiges Theil zu zeichnen, werden a und b nach abwärts um so viel verlängert, daß das Rechteck das Verhältnis von 1:2 erhält, und mit einer Wag- rechten verbunden. Die Theile werden dann beliebig breiter oder schmäler gezeichnet, wie dies die Abb. 49 zeigt. Selbstverständlich muß das Rumpf- theil dem Satteltheile entsprechend ausgeschnitten werden. (Abb. 48. II.) Die Satteltheile werden so an das Rumpftheil angenäht wie bei der Nachtjacke. Solche Hemden können vorn oder auf der Achsel geknöpft werden. Abb. 49. o .— Bei entsprechender Stoffbreite können auch Stock, Aermel und Zwickel in einem geschnitten werden, In diesem Falle erhält das Hemd nur 2 Nähte. Diese Art des Zuschneidens ist namentlich bei Kinderhemden zu empfehlen. Abb. 50 zeigt ein solches Hemd. Die punktirten Linien in Abb. 44, 47, 48 und 50 zeigen die Schnitte im Verhältnis zu dem Normalschnitte Abb. 40. Herrenhe m d e n. Diese werden aus Leinwand und verschiedenen Baumwollstoffen verfertigt. Beim Zuschneiden des Herrenhemdes unterscheiden wir: a> das vordere Rumpf- oder Stocktheil, l>> das rückwärtige Rumpf- oder Stocktheil, c) die Aermel, ä) den Sattel, das Halsbesetz, den Kragen und die Manschetten. Die 3 ersten Theile müssen ihrer Länge nach, den Längen- fäden des Stoffes entlang geschnitten werden, die letzteren werden ihrer Weite nach den Längenfäden entlang geschnitten. Man benöthigt daher für ein Hemd so viel Stoff, als die Länge der 3 ersten und die Weite des längsten Theiles, d. i. des Sattels oder im Falle dieser in der Mitte gestückelt wird, des Halsbesctzes erfordert. Zu einem Hemde für Erwachsene benöthigt man 3—3^2 Meter Stoff. - 42 Das Maß zu einem Herrenhemd wird knapp um den Hals, über die Brust von einem Arme zum andern, sowie die Länge derselben von der Halsgrube bis zum Taillenschluß genommen. Wenn das Maß der Brustweite nicht vorhanden ist, nimmt man diese ungefähr */§, bei Erwachsenen gewöhnlich 10 Cent. weiter als die Halsweite. Das vordere Stocktheil. Abb Dieses schneidet man entweder im Quadrat, dessen Seiten der Länge des Hemdes entsprechen (Abb. 51) oder auch etwas länger. Zu Hemden für Erwachsene nimmt man stets die ganze Stoffbreite. Die Länge beträgt 78—90 Cent. An e ist zu beiden Seiten Vio dieser für den Aermelaus- schnitt aufzutragen. An a und d ist von oben ungefähr je V» dieser Linien aufzutragen und von den bezeichneten Punkten von o zwei Linien 1, 2 zu ziehen, die anfangs senkrecht herabgeführt und dann gegen die bezeichneten Punkte an a und b gekrümmt werden. An o ist vom Aermelausschnitt an zu beiden Seiten je so viel aufzutragen, als die Hälfte der Brustbreite und so viel beträgt, als für die Hälfte eines der beiden vorderen, breiten Säume erforderlich ist. Von hier werden 2 Senkrechte 3, 4 zur Hälfte des Quadrates gezogen. Nach dieser Theilung bleibt in der Mitte des Rumpfes Stoff übrig. Dieser wird gewöhnlich zur Verzierung des Brusttheiles verwendet. Dieses soll die Hälfte der ganzen Brustbreite einnehmen. Um die Theilung zu bezeichnen, wird a zwischen 1, 3 und 2, 4 halbirt und je eine Parallele e, k mit 3, 4 gezogen. Abb. 52 Als Verzierung macht man entweder ein glattes, herzförmig geschnittenes Theil, Brustlatz, Chemisette, auch Giletbrust genannt, oder Faltensäuine. Der Brustlatz wird herzförmig geschnitten, Abb. 51. I und Abb. 52, und kann von jenem Stofftheile gemacht werden, welcher zwischen 3 und 4 liegt, Abb. 51 II , wenn dieses Stück so breit ist, als die beiden Zwischenräume zwischen s 3 und k 4 betragen, weil diese gedeckt werden sollen, indem der Brustlatz die Hälfte der Brustbreite einnehmen soll. Wenn das Stück breit genug ist, durchschneidet 43 man e in der Mitte und macht einen Einschnitt bis zur Mitte des Quadrates Z. Rechts und links schneidet man bis b, b so tief, als je */g zwischen o 3 und k 4 beträgt. Dann wird der Stoff den Linien 3, 4 entlang umgebogen und das umgebogene Theil herzförmig geschnitten, doch so, daß dessen untere Breite Vs der oberen Breite beträgt. Die Kanten werden umgebogen und niedergesteppt. Abb. 61. I veranschaulicht, wie das Theil zu schneiden ist, Abb. 51. II veranschaulicht den umgebogenen Brustlatz. Wenn das Theil zwischen 3—4 breiter ist, als die Hälfte der Brustbreite, dann wird an e von 3 und 4 an so viel abgemessen, als für die Theile des Brustlatzes erforderlich ist und das übrige Stück herausgeschnitten. Ist das Theil zwischen 3—4 nicht breit genug, um den Latz daraus zu machen, dann wird der Stoff den Linien 3—4 entlang herausgeschnitten, nachdem man für die Nahteinschläge zugegeben hat. In diesem Falle werden die Theile für den Latz angesetzt. Um solchen Hemden mehr Steifheit zu verleihen, wird zwischen die doppelte Lage des Brusttheiles eine grob gewebte Leinwand gegeben, welche man gewöhnlich nach unten etwas kürzer schneidet als das Theil. Wenn man das Brusttheil mit Faltensäumen verzieren will, dann mißt man nach der Breite der Säume, welche man machen will, aus, ob das Theil zwischen 3, 4 genügend breit ist. In diesem Falle schneidet man e in der Hälfte, bis zur Mitte des Quadrates durch, desgleichen schneidet man von der Mitte, rechts und links, bis zu o und k den Stoff durch. Die Faltensäume müssen so eingetheilt werden, daß sie ebenfalls ungefähr die Hälfte der Brustbreite einnehmen. (Abb. 53.) Ist das Stück zwischen e I nicht breit genug, dann schneidet man es heraus, indem man zu beiden Seiten so viel Stoff zugibt, als für die Nahteinschläge der zusammenzusetzenden Stücke erforderlich ist. Das Brusttheil wird in erforderlicher Breite genäht und dem Hemde eingesetzt. Dasselbe geschieht, wenn schiefe oder Quer- Säume eingesetzt werden. Jener Stoff des Brusttheils, welcher unterhalb diesem ist, wird in Falten gezogen oder gelegt, bei Chemisettebrust nur so weit, als die Linie b reicht, bei Faltenbrüsten bis e, I. Die Falten werden überwindlich an das Brusttheil angeheftet und wird sowol auf der Rechts- als auf der Kehrseite je ein schmales Besetz darüber genäht. Bei Hemden, welche für dicke, hochschultrige Männer bestimmt sind, läßt man die Linie e gerade. Sind sie jedoch für magere Männer Abb. 53. l - '4 > ' 44 mit stark herabfallenden Achseln bestimmt, dann schrägt man ungefähr */ 2 o von o ab. (Abb. 51. III.) Die Tiefe des vorderen Halsausschnittes beträgt ungefähr */g, die Weite desselben ungefähr der Halsweite. Bevor man den Halsausschnitt macht, müssen die beiden vorderen Säume übereinander genadelt werden. Das vordere Rumpftheil wird unten mitunter auch rund geschnitten. Abb. 53. I. Abb. 54. Das rückwärtige Stocktheil (Abb. 54), wird um so viel kürzer geschnitten, als die Seitenhöhe des Sattels beträgt, wobei man jedoch für die Nahteinschläge zugeben muß. Die Breite muß mit jener des Vordertheiles übereinstimmen. Sattelschnitt. (Abb. 55.) Es wird ein Rechteck gezeichnet, dessen Breite der Brustbreite und dessen Höhe ^ derselben beträgt. Abb. 55. r.t ^ k r ^ § L i z An a ist von unten */g dieser aufzutragen und eine Wagrechte: e zu b zu ziehen, ck ist zu halbiren und eine Senkrechte: I zu o zu ziehen. Links und rechts von e ist je die Hälfte des Drittels der Halsweite aufzutragen und e, ck durch zwei Senkrechte: ß, b zu verbinden. Vom Winkel der Linien a, e ist eine Schiefe: 1 zum Winkel der Linien o, Z, vom Winkel der Linien b, 6 ist eine Schiefe: 2 zum Winkel der Linien o, b zu ziehen, Diese beiden sind mit einer Halbkreisförmigen 3 zu verbinden, welche an I anschließt. Der Sattel wird doppelt geschnitten und in 4 gleiche Theile getheilt. Nun wird das rückwärtige Stocktheil, nachdem zu beiden Seiten so viel für den Armlochausschnitt abgerechnet worden, als dieser am Vordertheile beträgt, so eingetheilt, daß rechts und links je ^ der Sattelweite frei bleibt. Das Uebrige wird in Falten gereiht. Dann wird das rückwärtige Theil zwischen die beiden Satteltheile eingenäht. Die Linien 1, 2 des Sattels werden so an das vordere Theil angenäht, daß sie mit ihren Endpunkten an die Endpunkte 1, 2 desselben treffen. Die beiden Stocktheile werden dann so zusammengelegt, daß die Linien 1, 2 des Sattels die obere Kante des Hemdes bilden. Sie 45 werden von den vorderen Armlöchern an nur so weit zusammengenäht, daß unten ungefähr ^ der Stocklänge offen bleibt. Dieser Schlitz wird mit einem Riegel befestigt. Nachdem der Rumpf zusammengenäht ist, werden die Armlöcher des rückwärtigen Theiles, dem Bordertheile entsprechend, ausgeschnitten. Die unteren Kanten des Rumpfes werden schmal gesäumt. Zu den Aermeln (Abb. 56) wird ein Stück Stoff genommen, welches 1/4 weniger als die vordere Stocklänge und beiläufig l^mal so viel beträgt als die Armlochweite. Zu Hemden für Erwachsene wird gewöhnlich die ganze Breite des Stoffes, und 50—5,8 Cent. Länge angenommen. Dieses Stück wird bis zur Mitte der Länge zusammengenäht, gewendet und die Naht auf der andern Seite fortgesetzt. Dieses findet statt, damit die Aermelzwickel in entgegengesetzter Richtung zu liegen kommen. Wenn die Endelnaht vollendet ist, wird der Stoff so zusammengelegt, daß die Naht in der Mitte liegt. Äbb. 56. I. Dieses Stück wird nun derart zusammengebogen, daß an den entgegengesetzten Seiten, je ein gleich breites Stück liegt, welches der Hälfte der Armlochweite entspricht. Abb. 56. II. Wenn der Stoff zu schmal ist, um beide Aermeln aus einer Breite zu bekommen, wird die Armlochweite und entsprechende Länge abgemessen, der Stoff der Mitte der Länge nach zusammengebogen und so schief geschnitten, daß das untere Theil */z weniger beträgt, als das obere. Man kann die Aermel oben gerade lassen, oder auch Abb. 57. etwas abrunden. (Abb. 57. I.) Die Aermel werden mit Uebernähten zusammengenäht und an dem unteren Theile ein kleiner Schlitz gelassen, welcher schmal gesäumt wird. In neuerer Zeit wird der Schlitz häufig in das obere Aermeltheil geschnitten. (Abb. 57.) In diesem Falle wird der Aermel ganz zusammengenäht und der Schlitz da hineingeschnitten, wo das glatte Theil endet. (Abb. 57.) Ein solcher Schlitz muß rings besetzt werden. Die Aermel werden mit Uebernaht eingenäht und können, wenn man mit der Maschine näht, eingenäht werden, bevor die Rumpftheile zusammengenäht werden. In diesem Falle werden dann Aermel und Rumpf in einem zusammengenäht. Die Zwickel müssen auf die Rückseite des Hemdes zu liegen kommen. Das Maß der Manschettenweite wird um die Mitte des Unterarmes lose genommen. Sie werden eckig und rund geschnitten. Man Abb. 56. zeichnet ein Rechteck, dessen Breite dem Maße entspricht und dessen Höhe 1/4 der Breite beträgt und zeichnet den Schnitt hinein. (Abb. 58 u. 59.) Abb. 58. Abb. 59. Die Manschetten können entweder unmittelbar an den Aermel angenäht werden, oder es wird nur ein schmales Besetz angenäht und die Manschette daran geknöpft. Manschette und Besetz werden in 4 gleiche Theile getheilt. An die beiden Endtheile wird der Aermel glatt angenäht, das Uebrige wird in Falten gezogen. Die Manschetten erhalten gewöhnlich eine Zwischenlage von grober Leinwand, wie das glatte Brusttheil. Sie werden auf der Kehrseite zusammengenäht, gewendet und auf der rechten Seite ^2 Cent. unterhalb der Kante gesteppt. Manschetten, die zum Anknöpfen bestimmt sind, erhalten oberhalb der untern Kante 3 gleichmäßig vertheilte Knopflöcher und V? unterhalb der obern Kante je ein wagrecht geschnittenes Knopfloch. Wird die Manschette angenäht und ist sie nicht bestimmt, mit Zierknöpfen zusammengehalten zu werden, dann erhält sie nur auf jener Seite 2 Knopflöcher, welche auf dem oberen Theile des Armes liegt. Das andere Theil wird entsprechend mit Knöpfen versehen. Die Form der Krägen unterliegt sehr der Mode. Das Halsbesetz wird 3 Cent. weiter geschnitten, als die Halsweite beträgt und an den Enden abgerundet. Es ist vortheilhaft, die Krägen unter dem Besetze entsprechend abzurunden. (Abb. 60 und 61.) Abb. 61. Abb. 60. Uachthe in d e n. Herrennachthemden. Diese werden entweder mit einem Sattel gemacht, wie die Taghemden oder mit geraden Schulterstücken. In jedem Falle muß sowol die Breite des Rumpfes, als auch die Länge des Schlitzes und jene der Acrmlöcher mit den Taghemden übereinstimmen. Die Letzteren können allenfalls etwas weiter gemacht werden. Die Länge beträgt ungefähr H 4 mehr, als jene der Taghemden. Abb. 62. — L7 — Nachthemden mit Sattel werden ganz so geschnitten, wie die Taghemden, doch werden sie einfacher ausgestattet als diese. Nachthemden mit geraden Schulterstücken. (Abb. 62.) Für ein solches Hemd schneidet man ein Stück in der doppelten Länge des Rumpfes und biegt es in der Mitte der Länge zusammen, ohne es zu zerschneiden. Für die Schulterstücke werden 2 Theile geschnitten, welche je ein Rechteck bilden, dessen Breite der Achsellänge ent spricht und dessen Höhe ungefähr die Hälfte der Breite beträgt. (Abb. 62. I.) Diese Schulterstücke werden dem Rumpfe so aufgesteppt, daß die Mitte ihrer Länge, der Mitte des Rumpfes entlang liegt. (Abb. 62.1.) Dieser erhält keinen Armlochausschnitt und muß eine der Höhenkanten des Schulterstückes auf eine Kante des Numpftheiles treffen. Nachdem die Schulterstücke auf das Rumpftheil aufgeheftet sind, wird durch beide Theile ein Einschnitt gemacht, welcher in die Mitte des Schulterstückes treffen und der Länge desselben entsprechen muß. (Abb. 62. II.) Dann wird ein Zwickel ^ im Quadrat geschnitten, dessen Seiten der Länge dieses Einschnittes entsprechen. (Abb. 63.) Abb. 63. Es wird so in diesen eingesetzt und aufgesteppt, daß der rechte Winkel a in jenen des letzteren trifft, dann wird das Quadrat zum Dreieck gebogen und auf der Kehrseite niedergesäumt. Der vordere Halsausschnitt ist weniger tief zu machen, als beim Taghemd. Der rückwärtige Ausschnitt ist größtentheils gerade und wird nur gegen die Achsel etwas gekrümmt. Das Hemd wird rings in Falten gereiht und in ein Besetz genäht, welches weiter fein muß, als jenes des Taghemdes. « Abb, 64. Die Aermel werden Abb. 68. entweder so geschnitten, . wie jene des Taghemdes, . oder mit geraden' z - Zwickeln. In diesem - ^- ^. Falle schneidet man ein . Rechteck, dessen Länge der Aermellänge 5 . und dessen Breite '/g weniger beträgt 6 als diese. (Abb. 64.) Dann schneidet ^. man einen Zwickel im Quadrat, dessen ——.———- - -— Seiten ^ der Länge des Aermels be- ^ ^ ^ ^ ^ tragen. (Abb. 65.) Der Aermel wird dann so zusammengenäht, wie jener des Frauenhemdes. Die beiden mittleren Drittel werden in Falten gezogen. Die Armlöcher werden nicht rund ausgeschnitten, sondern das Rumpftheil bleibt gerade. Die weitere Ausführung bleibt jener der anderen Hemden gleich. Bei Nachthemden für Kranke empfiehlt es sich, das vordere Rumpftheil ganz durchzuschneiden und zum Knöpfen zu machen. Auf dem Lande werden auch Taghemden häufig in obiger Weise angefertigt. Auch Hemden für kleine Knaben werden in dieser Weise gemacht. Damennachth emden. Diese werden beiläufig */z länger gemacht als die Taghemden. Es ist zweckmäßig zur Anfertigung solcher Hemden den Stoff so breit zu nehmen, als der unteren Weite betragen. (Diese ist gewöhnlich jener der Taghemden gleich). In diesem Falle werden die Hemden mit einem Zwickel geschnitten, wie das Hemd Abb. 45. Sie werden mit Sattel und genähter Brust gemacht, wie die Herrenhemden. Bei Hemden für Kranke ist es empfehlenswert, sie vorne ganz herab zum Knöpfen zu machen. Die Aermel werden so gemacht, wie jene der Tag- oder auch die der Nachthemden für Herren. Erstliiigshem-chen aus einem Stücke. (Abb. 66.) Es ist ein Rechteck zu zeichnen, dessen Höhe ^ der Breite beträgt. Diese hat in natürlicher Größe gewöhnlich 60 Cent. An a ist von oben herab 44 von o aufzutragen und eine Wag- rechte: e zu ziehen, welche ungefähr 4 z der Breite von e beträgt. Bom rechten Endpunkt derselben ist eine Senkrechte: k herabzuziehen, a ist zwischen o und 6 zu halbiren und eine Wagrechte: g zu b zu ziehen, e ist zu halbiren und eine Senkrechte: b zu ziehen, die ungefähr ^/z der Höhe des Theiles zwischen o und g beträgt. Von b ist von rechts und links je */is von g abzurechnen und von einem Endpunkte zum andern eine Ovale: i zu ziehen. Nach abwärts ist eine gleiche Linie ü 49 -UM*- k > zu ziehen. An der rechten Seite des Abb. 66. Rechteckes sind 2 Linien: I, m zu ziehen, welche den Linien v, k ent- i sprechen. r' Vom linken Endpunkt o wird ^ von o aufgetragen und eine Senkrechte: n zu ä gezogen. Auf der ^ rechten Seite wird eine entsprechende Linie: o gezeichnet. ^ Der Schnitt wird den Linien v und l entlang eingeschnitten, die Stücke von u zu u und von o zu d weggeschnitten, und der Stoff den Linien k und m entlang eingebogen, ebenso der Linie g entlang. Der Linie Ii entlang ist ein Einschnitt zu machen und der Stoff zwischen i und k wegzuschneiden, o und o werden bis zum Winkel der Linien o, k und I, m zusammengenäht, wodurch der Aermel gebildet wird. Desgleichen werden die Theile u, k und w, o an o angenäht. Das Hemd- chen erhält an den senkrechten Kanten je einen Besatzsaum und unten wird es rings schmal gesäumt, den Linien i, k entlang wird ein Besatzsaum angebracht und das Hemdchen beliebig garnirt. Die Aermel erhalten einen breiten Saum, welcher auf der Kehrseite ausgeführt werden muß, damit das Aermelchen umgeschlagen werden kann. Die Zeichen werden an Beinkleidern links unter dem Besetze oder in dem Besetze angebracht. Bei Nachtjacken, Frauen- und Herrnhemden gibt man sie links oberhalb der Säume, bei Frauenhemden mitunter auch oben in der vorderen Mitte. Das Ausbessern der Wäsche. Unter dem Ausbessern der Wäsche versteht man sowol das Ergänzen durchgerissener und das Ersetzen gänzlich fehlender Fäden eines Stoffes, durch neue, als auch das Ersetzen schadhafter Stellen von größerer Ausdehnung durch neuen Stoff. Daher unterscheiden wir zweierlei Arten des Ausbesserns und zwar: 1. Das Stopfen, 2. Das Einsetzen. 1. Das Stopfen. Kleine Schäden, die dadurch entstanden sind, daß ein Theil der Fäden nach einer Richtung durchgerissen ist oder dadurch, daß dieselben theilweise gänzlich entfernt sind, können mittelst des Stopfens ausgebessert werden, wenn die übrigen zunächstliegenden Theile noch so erhalten sind, daß nicht ein baldiges Schadhaftwerden derselben bevorsteht. Handarbeitskundc. s. Abth. 4 — 5N — Zum Stopfen eignen sich am besten die Längenfüden desselben Stoffes. Wo keine solchen vorhanden sind, ist ein der Stärke des Gewebes möglichst entsprechender Faden zu wählen. Um bei feineren Geweben und schwierigeren Mustern das Zusammenziehen der Fäden zu vermeiden, kann das schadhafte Stück auf Wachsleinwand, oder auf ein straff gespanntes Kissen geheftet werden. Das Stopfen geschieht gewöhnlich auf der Kehrseite des auszubessernden Gegenstandes und müssen die Fäden, der Art und dem Muster des Gewebes entsprechend, ergänzt werden. Bei Gegenständen, woselbst Langen- und Querfäden fehlen, sind die ersteren zunächst zu ergänzen. Diese werden parallel nebeneinandergelegt. Die Querfäden sind dem Gewebe entsprechend zu ergänzen. Längen- sowie Querfäden sind einige Fäden tief in den Stoff hineinzuführen, um das Ausreißen desselben zu vermeiden. Beim Wenden des Stiches darf der Faden nicht stramm angezogen werden, sondern man soll eine ganz kleine Schlinge lassen, weil der noch »ngcnäßtc Faden beim Waschen etwas eingeht, was bei dem schon gebrauchten Wäschestücke nicht mehr der Fall ist. Nach den Arten der Gewebe unterscheidet man: a) Leinwandstopfe, I>) Köperstopfe, o) Zwilchstopfe, ck) Damaststopfe. a) Leinwandstopfe. Bei leinwandartig gewebten Stoffen ist ein Faden des Stoffes auf die Nadel zu nehmen, der folgende zu übergehen, im weiteren Verlaufe der Arbeit ist der übergangene aufzunehmen und der aufgenommene zu übergehen. (Abb. i>7). Abb. 67. Abb. 68. rrrrruu! b) Köperstop fe. Diese wird bei geköperten auch kreuzgearbeitet genannten Stoffen angewendet. Es gibt verschiedenartig geköperte Gewebe. Die gebräuchlichsten werden in folgender Weise gearbeitet : 5t Abb. W, 2 Faden des Stoffen übergehen, 2 Fäden auf die Nadel nehmen. Bei jeder folgenden Reihe rückt man um einen Faden nach rechts oder links vor. (Abb. 68.) 1 Faden des Stoffes übergehen, 2 Fäden auf die Nadel nehmen. Bei jeder folgende» Reihe um einen Faden vorrücken. (Abb. 60.) 1 Faden des Stoffes übergehen , 3 Fäden aufnehmen, die folgenden Reihen, wie oben. (Abb. 70.) Auf der Grundlage der letzte ren Art beruht die Ausführung der Muster im Zwilch. Bei diesem bilden gewöhnlich 6ie hervortretenden Quer- fäden das Muster und die hervortretenden Längenfäden den Grund. Auf der Kehrseite ist das Umgekehrte der Fall. Die Damaststopfe beruht auf derselben Grundlage, nur mit dem Unterschiede, daß die Muster im Damastgewebe viel zusammengesetzter und daher schwieriger sind. Bei Körper-, Zwilch- und Damastgeweben müssen die zu ergänzenden Querfäden stets dem Muster folgen. Abb. 7V. 2. Das Einsetzen. Wenn ein Wäschestück so schadhaft ist, daß es durch Stopfen nicht mehr ausgebessert werden kann, dann muß das schadhafte Stück herausgeschnitten werden. Um dieses zu ersetzen, schneidet man ein Stück Stoff, in der Form des herausgeschnittenen Stückes, doch um so viel größer, als für die Nahteinschläge erforderlich ist. Das neue Stück wird entweder mit breiter Uebernaht oder über- windlich eingenäht. Im ersteren Falle wird das neugeschnittene Stück an die Stelle des alten so eingeheftet, daß es über die Kanten des auszubessernden Gegenstandes ein wenig hinüberragt. Die Rückstichnaht wird entweder auf dem einzusetzenden Flecke ausgeführt oder auch auf dem auszubessernden Gegenstände, doch müssen in letzterem Falle verkehrte Rückstiche angewendet werden. Die letztere Art ist vorzuziehen, weil dadurch die Ausführung der Ecken erleichtert wird. Die Saumnaht wird auf dem auszubessernden Gegenstände ausgeführt. Bei dem Einsetzen hat man namentlich darauf zu achten, daß an den Ecken keine Falten entstehen. Um dies zu erzielen, ist in jeder Ecke des Gegenstandes ein kleiner schiefer Ein- 52 » . n ii schnitt zu machen. Die Nähte sind soweit über die Ecken herauszuführen, daß stets der letzte und der erste Stich jeder Ecke einen rechten Winkel bilden. Wenn der Fleck überwindlich eingesetzt wird, dann sind sowol die Kanten des Gegenstandes, als auch jene des Fleckes, schmal zu säumen und überwindlich zusammenzunähen. Wenn größere Theile eines Wäschestückes einzusetzen sind, müssen sie vorsichtig herausgetrennt oder herausgeschnitten und die neuen Stücke genau darnach geschnitten werden, wobei zu beobachten ist, daß der Fadenlauf des neuen Stückes jenem des alten entsprechen muß. Zum Einsetzen soll ein möglichst ähnlicher, doch nicht neuer Stoff genommen werden. Druck von 6. Mischer L Comp. Wien. siir Kehreriimen-Mdungsanstalten und ;um Itlbstuntkrrichtr. Mt besonderer Lyugnahme auf das Drganisations-Statut -er Sildungs- Änstaltcn für Lehrerinnen an den öffentlichen Volksschulen in Oesterreich. Vollständig in 4 Abtheilungen mit 256 Abbildungen. Von Gabriele Hillardt, ^rbeit»I,hrlrin sn dir i. k. rxr bo» ^ehririnnrn 4. Abtheilung. Tas Netzen. Das Ausnähen. Das Sticken. Mit einem Anhange: Anleitung zur Anfertigung der zebrüuchlichltrn «eidlichen Hondnrdriten. Mit 97 Abbildungen. Wien 1879. Verlag von Bloch L Hasbach I-, Kärnthncrllraßc 38. Iilhlüts-Vcrmchinß. Das Wetzen. ^ " Seite Einleitung. 3 Die Maschenarten. 4 Das Musternetzen. 3 Das Netzen mit Perlen.16 Das Netzen geometrischer Formen.15 Geometrische Formen im schiefen Netz.16 A.) Formen, die von den Umgrenzungslinien aus gearbeitet werden - - - 16 d) Formen, die vom Mittelpunkte aus ausgeführt werden.18 Geometrische Formen im geraden Netz.19 Ausnäbarbeiten.22 Das Ausnäben des Netzes.22 Das Ausnähen von Häkel- und Strickarbeiten.24 Z>as Sticken. Einleitung.27 Tapisseriearbeiten . 27 Die Sticharten und deren Ausführung.28 1. Einfache Stiche .29 2. Kreuzstiche. 30 a) Einfache Kreuzstiche.30 I. Das griechische Kreuz.30 II. Das Andreaskreuz.31 III. Das längliche Kreuz.40 d) Doppelte Kreuzstiche.40 o) Rococostiche.42 ck) Füllstiche . 44 Plattstickereien .44 Die Sticharten.45 IV Seite Das Weißsticken.48 1. Die Schlingarbeit.49 2. Die schottische Stickerei.49 3. Die französische Stickerei.50 Das Plattsticken mit Farben. 51 Auflegearbeiten (Applicationsarbeiten).52 u) Weiße Auflegearbeiten.52 5) Färbige Auflegearbeiten.52 Anhang. Anleitung ;nr Ausführung -er gebräuchlichsten weiblichen Hanbarbcilen. Einleitung.55 Anleitung zur Anfertigung von Gegenständen, die zur Ausschmückung der Wohnung dienen: Fußteppiche.56 Tischteppiche.56 Bettdecken. 57 Schutzdecken.57 Vorhänge.57 Fensterpölster.57 Sophapölster.58 Schlummerrollen.58 Fußpölster.58 Zur Kinderwäsche gehörige Gegenstände: Wickelbänder.58 Lätzchen.58 Kinderleibche».58 Häubchen ohne Stern.63 Häubchen mit Stern.64 Verschiedene Bekleidungsgegenstände: Der Strumpf.64 Gamaschen.. Kniewärmer. 72 Hosenträger. 73 Hausschuhe. 73 Das Wetzen. Handarbeitsrundk. «. Abth. 1 4 Bei dem schiefen Netze bilden die Fäden auf die Spitze gestellte Quadrate, bei dem geraden Netze stehen die Quadrate auf den Umfangslinien. Um eine Netzarbeit anzufangen, bildet man eine 15—20 Centim. große Schlinge aus starkem Faden, indem man die beiden Enden desselben zusammenknüpft. Diese Schlinge ist mit einer großen Nadel an ein schweres Kiffen zu befestigen. Das Ende des über die Schütze gewickelten Arbeitsfadens wird an diese Schlinge festgeknüpft. Tie Maschenarten. Die Schlingen, welche durch das Netzen entstehen, werden auch Maschen genannt. Wir unterscheiden folgende Arten der'Netzmaschen: 1. einfache, 2. doppelte, 3. lange, 4. gebundene, 5. gedrehte. 1. Einfache Maschen. Nachdem man die Schlinge an ein Kissen gehängt und an dieselbe den Arbeitsfaden befestigt hat, nimmt man die Fig. I. Einleitung. Die Netzarbeiten, die wegen ihrer Schönheit und Dauerhaftigkeit sehr beliebt sind, gehören zu den ältesten weiblichen Handarbeiten. Das Netzen ist das Bilden von Schlingen, die mittelst eines Knotens befestigt werden. Zur Ausführung eines Netzes sind folgende Werkzeuge erforderlich: 1. Eine Schütze, auch Netznadel genannt; 2. ein runder oder glatter Stab, gewöhnlich „Walze" genannt. ' Die Schütze ist eine von Stahl, Messing, Bein oder Holz verfertigte, an den beiden Enden gabelförmig gespaltene Nadel, die zum Aufwinden des Garnes dient. Die Walze ist von Bein, Holz oder Stahl. Sie muß sehr glatt polirt und auch möglichst gleichmäßig sein, weil sonst die Maschen, die man darüber schürzt, ungleich werden. Der Faden, dessen man sich zum Netzen bedient, kann je nach dem Gegenstände, den man netzt, von Baumwolle, Zwirn, Seide oder Schafwolle sein. Netzarbeiten sehen bei oberflächlicher Betrachtung auf beiden Seiten gleich aus, bei genauerem Beschauen findet man einen kleinen Unterschied in den Knoten. Die Netzarbeit läßt sich nicht so austrennen, wie die Häkel- und Strickarbeit, sondern man muß, wenn man eine Masche auflösen will, den Knoten, der sie abschließt, vorsichtig mit einer Nadel aufmachen. Wenn der Faden an einer Netzarbeit zu Ende geht, dann muß man den neuen Faden mit dem alten zusammenknüpfen. Das Beendigen einer Netzarbeit geschieht durch das Abschneiden des Fadens. Wir unterscheiden zweierlei Arten des Netzes: 1. Das schiefe Netz; 2. das gerade Netz. t* Walze zwischen Daumen und Zeigefinger der linken Hand, wobei die Finger gestreckt zu halten sind. Den Arbeitsfaden legt man über die Walze und die innere Seite des 2., 3. und 4. Fingers der linken Hand nach abwärts, führt ihn hinter den genannten Fingern hinauf und legt ihn so nach links, daß er mit dem Daumen festgehalten werden kann. (Abb. 1.) Dann führt man den Faden hinter dem 2., 3., 4. und 5. Finger herab und führt die Nadel durch die Schlinge auf den Fingern, und hinter der Walze durch jene Schlinge, an welche der Arbeitsfaden befestigt ist, so daß über der Hand eine zweite Schlinge entsteht (Abb. 2), Abb. 2. welche mit dem kleinen Finger festgehalten wird. Dann zieht man den Arbeitsfaden nach und nach an, wobei zunächst jene Schlinge loszulassen ist, welche mit dem Daumen gehalten wird; dann wird jene Schlinge nach und nach angezogen, die über dem 2., 3. und 4. Finger liegt (Abb. 3), indem die letzte Schlinge mit dem kleinen Finger festgehalten wird. Schließlich wird diese Schlinge langsam von dem kleinen Finger herabgelassen und ein Knoten geschürzt, indem der Faden fest angezogen wird. Der Knoten muß dicht an die Walze anschließen. 6 Abb. 3, Um eine Masche zu bilden, müssen zwei Knoten geschürzt werden, weil jede Schlinge durch zwei Knoten befestigt werden muß. Um aber eine Reihe von Maschen zu bilden, wird man nur einen Knoten mehr schürzen müssen, als Maschen angelegt werden sollen. Eine in dieser Weise ausgeführte Maschenreihe bildet die Anschlagreihe, den sogenannten Fadenanschlag. Nach Vollendung derselben wird die Walze herausgezogen, die Arbeit gewendet und die Walze unterhalb der eben vollendeten Reihe angelegt. Bei Ausführung der zweiten und aller folgenden Reihen wird die Schütze nicht mehr in die große Schlinge, sondern in die Masche der eben gebildeten Reihe geführt. Nachdem bei Beginn aller folgenden Reihen der erste Knoten der ersten Masche wegfällt, sind daher dann immer nur so viele Knoten zu schürzen, als Maschen gearbeitet werden. Die Netzreihen werden immer hin- und zurückgehend ausgeführt, indem man von links nach rechts arbeitet. Nach Vollendung der Arbeit ist der Anschlagfaden herauszuziehen, wodurch sich die über denselben geschürzten Knoten auflösen, daher die Maschen der ersten Reihe länger werden, als jene der übrigen Reihen. Um dies zu vermeiden, kann die erste Reihe über eine entsprechend kleinere Walze ausgeführt, oder der Maschenanschlag angewendet werden. 7 Diesen auszuführen, wird eine Masche wie oben angelegt, und der Länge nach herab immer nur eine Masche genetzt, so lange, bis die erforderliche Zahl erreicht ist. Die so entstandene Maschenreihe wird an einen starken Faden gereiht, welcher zur Schlinge verbunden wird, und bildet nun die beiden ersten Reihen der Arbeit. 2. Doppelte Maschen sind solche Maschen, welche durch zweimaliges Umlegen des Fadens über die Walze gebildet werden. 3. Lange Maschen sind solche, deren Knoten nicht an die Walze anschließen. 4. Gebundene Maschen. Man bildet eine lange Masche, legt den Faden wie zu einer gewöhnlichen Masche über die Finger, jedoch nicht über die Walze, und führt die Schütze anstatt in die Masche der vorhergehenden Reihe, zwischen die eben ausgeführte Masche. (Abb. 4.) Den Knoten, welcher an die Walze anschließen muß, schürzt man wie gewöhnlich, wobei die beiden Fäden der Masche gleichmäßig nebeneinander liegen müssen. Diese Maschen bilden sechseckigeLücken. Sie werden häufig als Einsatz bei Hauben u. dgl., auch zum Durchziehen von Bändern verwendet. Abb. 4. 5. Gedrehte Maschen. Der Faden wird wie bei einer einfachen Masche über die Walze und die Finger gelegt, jedoch bevor man 8 ihn mit dem Daumen freiläßt, wird die Schütze unter der eben abzu- netzenden Masche von rechts nach links unter den Arbeitsfaden geführt (Abb. 5) und dann erst der Knoten zugeschürzt. Abb. 5. Ein Netz in dieser Weise mit feinem Garne und dünner Walze ausgeführt, sieht dem Gewebe des Tülls ähnlich, daher wird dieses Netz auch Tüll netz genannt. Es können in dieser Weise auch doppelte und lange Maschen gebildet werden, doch sind diese weniger gebräuchlich. 9 Tas Musternetzen. Mittelst des Netzens können nicht so mannigfaltige Muster gebildet werden, wie mittelst des Häkelns und Strickens, weil die als einfache Fadenschlinge liegende Masche nicht so mannigfaltige Abwechslung zulaßt, wie die Häkel- und Strickmasche. Die Muster im Netze können in verschiedener Weise gebildet werden, und zwar: 1. Durch Anwendung vonWalzen v ersch ied en er Dicke; 2. durch Auf- und Abnehmen der Maschen; 3. durch das Kreuzen der Maschen; 4. durch Zusammenstellung einfacher, doppelter und langer Maschen; 5. durch das Durch schlingen der Maschen. 1. Muster, welche durch Anwendung von Walzen verschiedener Dicke gebildet werden. Solche Muster werden gebildet, indem man z. B. abwechselnd eine Reihe über eine dicke und eine über eine dünne Walze, oder: zwei Reihen über eine dünne und eine über eine dicke Walze arbeitet u. dgl. Bei solchen Mustern können die Walzen in beliebiger, doch regelmäßig wiederkehrender Reihenfolge gewechselt werden. Hervortretender sind sie, wenn zu jenen Reihen, welche über einen dicken Stab gearbeitet werden, sehr dicker oder doppelt liegender Faden genommen wird; oder wenn die Reihen, zu welchen man den dicken Stab benützt, mit Schafwolle, jene, zu welchen man den dünnen Stab benützt, mit Seide ausgeführt werden.*) 2. Muster, welche durch Auf- und Abnehmen der Maschen gebildet werden. Diese Muster bildet man, indem man die Maschen in regelmäßiger Aufeinanderfolge zusammennetzt und wieder so viele Maschen aufnimmt, als man abgenommen hat, oder auch umgekehrt. Das Auf- und Abnehmen der Maschen kann in einer und derselben Reihe stattfinden, oder man kann auch so arbeiten, daß man bei gewissen Reihen nur auf- bei anderen hingegen nur abnimmt. Solche Muster können auch mit zweierlei Walzen und zweierlei Fäden gearbeitet werden, wie es Abb. 6 zeigt. *) Wenn mit Seide oder Spagat genetzt wird, muß der Fade» während des Arbeitens öfters mit reinem Wasser ein wenig benetzt werden, um das Aufspringe» der Knoten zu verhüten. 10 Dieses Muster wird in folgender Weise ausgeführt: Erste, zweite und dritte Reihe (dünne Walze, feiner Faden): einfache Maschen. Vierte Reihe (dicke Walze, dicker Faden): einfache Maschen. Fünfte Reihe (dicke Walze, dicker Faden): je zwei Maschen mit einem Knoten zusam- menschürzen. Sechste Reihe (dicke Walze, dicker Faden): in jede Masche zwei Knoten, so daß man die frühere Maschenzahl wieder erhält. Von der ersten Reihe wiederholen. Zu dieser Art der Muster gehören auch die sogenannten Musch en- muster, wovon man vier Arten unterscheidet, und zwar: a) schiefe Wuschen; d) senkrechte Wuschen; o) lose Schlinge nmuschen nach aufwärts gekehrt; ä) lose Schlingenmuschen nach abwärts gekehrt, a) Schiefe Wuschen. (Abb. 7.) Erste Reihe: fünf Knoten in eine Masche, zwei bis drei glatte Maschen u. s. f. Zweite Reihe: die vier aufgenommenen Maschen mit der nächsten rechts oder links liegenden Masche zusammenschürzen, je nachdem sie nach rechts oder links liegen sollen. Abb. 6. Abb. 7. Abb. 8. WWWM WM b) Senkrechte Wuschen. (Abb. 8.) Erste Reihe : wie oben. Zweite Reihe: die vier aufgenommenen Maschen in einen Knoten zusammenschürzen. Dritte Reihe: die beiden Maschen zur Seite jeder Musche in einen Knoten schürzen. 11 e) Lose Schlingenmuschen Abb. 9. nach aufwärts. (Abb. 9.) Erste Reihe: eine einfache Masche, den Faden um die Walze legen, die Schütze oberhalb des Knotens der zunächst- liegenden Masche der vorhergehenden Reihe herausführen. (Es wird vorausgesetzt, daß vor Beginn des Musters einige glatte Reihen ausgeführt worden sind.) Die Nadel in der angegebenen Weise drei- bis viermal durch dieselbe Masche führen, ohne jedoch einen Knoten zu schürzen (Abb. 10); in die nächste Masche einen Knoten schürzen. Abb. 10. Zweite Reihe: die losen Schlingen sind mit einem Knoten zusammenzuschürzen. ! ! Abb. 34. a) Senkrechte Stiche. Um einen senkrechten Stich (Abb. 30) auszuführen, wird man zwei oder mehrere wag rechte Fäden des Canevas übergehen. Man hat dabei zu beobachten, daß man entweder immer Abb. 31. von unten hinauf, oder immer von oben herab sticht, nie aber abwechselnd einmal von unten hinauf und das andere Mal von oben herab. Daher wird die Ausführung des Stiches sich in folgender Weise ergeben: Bei 1 (Abb. 31) Herausstechen, drei wag- rechte Fäden nach aufwärts übergehen, bei 2 hinabstechen; drei wagrechte Fäden nach abwärts übergehen, bei 3 heraus- Abb. 33. stechen, bei -I hinab u. s. w. Bei den versetzten Stichen (Abb. 32) muß immer eine gerade Anzahl Fäden Übergängen werden, weil jeder folgende Stich in die Mitte des voranstehenden trifft. d) Wagrechte Stiche. (Abb. 33 u. 34.) Diese werden in ganz ähnlicher Weise ausgeführt, wie die senkrechten, doch müssen bei denselben stets die senkrechten Fäden des Canevas Übergängen werden. Diese Stiche werden ebenfalls in gleichmäßig nebeneinander gestellten Reihen oder auch versetzt gearbeitet. e) Schiefe Stiche. Von diesen Stichen gibt es mehrere Arten und zwar: I. den Perlstich, II. den schmalen Gobelinstich, III. den breiren Gobelinstich, IV. den langen Gobelinstich. I. Der Perlstich. (Abb. 35.) Dieser ist einen Faden hoch und einen Faden breit. Er kann sowohl von rechts nach links, als auch von links nach rechts liegen. Meist arbeitet man ihn von rechts nach links in von links nach rechts führenden Abb. 35. Reihen. Er wird am gleichmäßigsten, Abb. 36. wenn er nicht in hin- und zurückgehenden Reihen, sondern immer von derselben Seite ausgehend gearbeitet wird. Abb. 36 zeigt die Ausführung desselben. 30 Abb. 37. Abb. 39. Abb. 41. Abb. 42. II. Der schma- Abb. 38. Abb. 40. le Gobelinstich. (Abb. 37.) Dieser ist zwei Fäden hoch und einen Faden breit. (Abb. 38.) Bezüglich der Ausführung ist dasselbe zu beobachten, wie beim Perlstich. III. Der breite Gobelinstich. (Abb. 39.) Dieser ist zwei Fäden hoch und zwei Fäden breit. (Abb. 40.) IV. Der lange Gobelinstich (Abb. 4l) ist drei Fäden hoch und zwei Fäden breit, oder auch vier Fäden hoch und zwei Fäden breit. (Abb. 42.) 2. Kreuzstiche. Das Charakteristische der Kreuzstiche besteht darin, daß zwei oder mehrere Stiche übereinander liegen und sich kreuzen. Von den Kreuzstichen unterscheiden wir: a) Einfache Kreuzstiche, d) doppelte Kreuzstiche, c) Rococostiche, ä) Füll-, auch Spitzenstiche genannt. n) Einfache Kreuzstiche. Diese bestehen aus zwei sich kreuzenden Stichen, wovon der untere Unterstich, der obere Deck stich genannt wird. Alle Unterstiche, und dem zu Folge auch alle Deckstiche, müssen immer die gleiche Lage haben. Zu den einfachen Kreuzstichen gehören: I. Das griechische Kreuz, II. das Andreaskreuz, III. das längliche Kreuz. Abb. 43. 1. Das griechische Kreuz. (Abb. 43.) Dieses wird ausgeführt, indem ein senkrechter Stich über einen wagrechten gelegt wird oder umgekebrt, so daß sich die Stiche in der Mitte kreuzen. Man macht es zwei oder vier Fäden hoch und ebenso viele Fäden breit. Wenn dieses Kreuz auf beiden Seiten gleich sein soll, wird es in folgender Weise ausgeführt : 31 1. Kreuz. Man führt den übergeht: 2 senkrechte Fäden nach rechts, sticht hinab.2 2 wagrechte Fäden nach abwärts übergehen, Herausstechen 3 4 wagrechte Fäden nach aufwärts, hinabstechen.... 4 4 wagrechte Fäden nach abwärts, Herausstechen - - - 5 2 wagrechte Fäden nach aufwärts, hinabstechen.... 6 12 senkrechte Fäden nach rechts, Herausstechen.7 Faden bei 1 (Abb. 44) heraus, 4 senkrechte Fäden nach links, hinabstechen.8 4 senkrechte Fäden nach rechts, Herausstechen.9 Abb. 44. I f > > i . n» -i- 2 > ' 1! !l! 11" 2. Kreuz. 2 senkrechte Fäden rechts, hinabstechen .10 2 wagrechte Fäden abwärts, Herausstechen.11 4 wagrechte Fäden aufwärts, hinabstechen .12 4 wagrechte Fäden abwärts, Herausstechen.13 2 wagrechte Fäden aufwärts, hinabstechen .14 2 senkrechte Fäden rechts, Herausstechen .15 4 senkrechte Fäden links, hinabstechen .16 4 senkrechte Fäden rechts, Herausstechen .17 u. s. f. Die halben Stiche sind Hilfsstiche, die angewendet werden müssen, um den Stichen die richtige Lage zu geben. II. Das Andreaskreuz. (Abb. 45.) Dieses entsteht durch das Kreuzen von zwei breiten Gobelinstichen. Es wird in verschiedener Weise ausgeführt. Bei Gegenständen, die nicht auf beiden Seiten gleich sein müssen, näht man so, daß nur auf der ^b. 45. rechten Seite ein Kreuz entsteht. Bei Gegenständen, die auf beiden Seiten gleich sein sollen, wendet man entweder den Wiener Kreuzstich an, wobei der Deckstich abwechselnd nach rechts und links liegt, oder man näht so, daß alle Decksticbe eine Richtung haben. Die letztere Art ist vorzuziehen, denn die verschiedene Richtung der Deckstiche beim Wiener Kreuzstiche macht einen unangenehmen Eindruck. Es soll überhaupt bei allen Kreuzstichen berücksichtigt werden, daß alle Deckstiche dieselbe Richtung haben. Das Andreaskreuz, welches nur auf der rechten Seite gekreuzt ist, wird in folgender Weise genäht: Der Faden bei 1 (Abb. 46 a) herausführen. 2 senkrechte Fäden nach rechts, 2 wagrechte abwärts, hinabstechen . 2 wagrecbte Fäden aufwärts, 1 Herausstechen.3 2 senkrechte Fäden nach rechts, 2 wagr. abwärts, hinabstechen 4 2 u. s. w. 32 Nachdem man eine Reihe in dieser Weise gearbeitet hat, näht man zurückgehend in folgender Weise weiter: Abb. 46. 2 wagrechte Fäden nach aufwärts übergehen (Abb. 46 b), Herausstechen.5 2 senkrechte Fäden nach links, 2 wagrechte abwärts, hinab- stechen .6 2 wagrechte Fäden aufwärts, Herausstechen.7 2 senkrechte Fäden nach links, hinabstechen.8 u. s. w. Der Wiener Kreuzstich wird in folgender Weise mit vier hin- und zurückgehenden Reihen gearbeitet: 1. Reihe, u (Abb. 47): Abb. 47. I -- / ! Bei 1 Herausstechen - - 1 senkrechten Faden nach links, 1 wagrcchten abwärts, hinabstechen 1 senkrechten Faden nach links, 1 wagrechten abwärts, Herausstechen*) 2 senkrechte Fäden nach rechts, 2 wagrechte aufwärts, hinabstechen 2 senkrechte Fäden nach rechts, 2 wagrechte abwärts, Herausstechen - 2 wagrechte Fäden aufwärts, 2 senkrechte nach rechts, hinabstechen 2 senkrechte Fäden nach rechts, 2 wagrechte abwärts, Herausstechen - 2 wagrechte Fäden aufwärts, 2 senkrechte nach rechts, hinabstechen - - 2. Reihe, l>: 2 senkrechte Fäden nach links, 2 senkrechte Fäden nach links, 2wagr.abwärts, Herausstechen 9 2 wagr.aufwärts, hinabstechen 1 2 3 4 5 6 7 8 10 *) Die Stiche 1. 2 und 3 werden gemacht, um den Faden einzunähen. Das Einnähen und Vernähen desselben findet immer nach der Richtung der ersten und letzten Stiche der Kreuze statt. 33 2 senkrechte Fäden nach links, 2 wagrechte abwärts, heraus - stechen .11 2 senkrechte Fäden nach links, 3. Reihe, «: . 1 senkrechten Faden nach rechts, 1 wagrechten aufwärts, hin- abstechen.14 1 senkrechten Faden nach links, 1 wagrechten aufwärts, Herausstechen .15 2 senkrechte Fäden nach rechts, 2 wagr. abwärts, hinabstechen 16 2 senkrechte Fäden nach rechts, 2 wagrechte aufwärts, hinabstechen .12 2 senkr. Fäden nach links, 2 wagr. abwärts, Herausstechen - - 13 2 wagrechte aufwärts, Herausstechen .17 2 senkrechte Fäden nach rechts, 2 wagr. abwärts, hinabstechen 18 2 senkrechte Fäden nach rechts, 2 wagrechte aufwärts, Herausstechen .19 2 senkrechte Fäden nach rechts, 2 wagr. abwärts, hinabstechen 20 4. Reihe, <1: 2 senkrechte Fäden nach links, 2 wagrechte aufwärts, Herausstechen .21 2 senkrechte Fäden nach links, 2 wagrechte abwärts, hinabstechen .22 2 senkrechte Fäden nach links, 2 wagr. aufw., Herausstechen 23 2 senkrechte Fäden nach links, 2 wagr. abwärts, hinabstechen 24 2 senkrechte Fäden nach links, 2 wagr. aufw., Herausstechen 25 Das Vernähen des Fadens geschieht wie zu Beginn der Arbeit das Einnähen desselben, indem man 2—3 einen Faden breite Stiche macht, die der Lage des Kreuzes entsprechen. Alle gleichseitigen Stiche müssen mit einem verhältnißmäßig feinen Faden gearbeitet werden, weil die Stiche doppelt und dreifach liegen. Der beiderseitige Kreu gleiche Richtung haben, wird zwar in folgender Weise: 1. Reihe, n (Abb. 48): Die Nadel bei 1 herausführen 1 1 senkrechten Faden nach links, 1 wagr. abwärts, hinabstechen 2 1 senkrechten Faden nach links, 1 wagrechten abwärts, her- ausstechcn.3 2 senkrechte Fäden nach rechts, 2 wagr. aufwärts, hinabstechen 4 2 senkrechte Fäden nach rechts, 2 wagr. abwärts, Herausstechen 5 2 senkrechte Fäden nach rechts, 2 wagr. aufwärts, hinabstechen 6 Die Stiche 10 und 11 bilden HandarbcitSkunde. t. Abth. zst ich, wobei alle Deckstiche die auch mit 4 Reihen gearbeitet, und 2 wagrechte Fäden abwärts, 2 senkrechte nach rechts, Herausstechen .7 2 senkrechte Fäden nach rechts, 2 wagr. aufwärts, hinabstechen 8 2 senkrechte Fäden nach rechts, 2 wagr. abwärts, Herausstechen 9 1 senkrechten Faden nach links, 1 wagr. aufwärts, hinabstechen 10 1 senkrechten Faden nach rechts, 1 wagrechten aufwärts, her- ausstechen.11 en Uebergang zur 2. Reihe. 3 34 Abb. 43. 2. Reihe, b: 2 senkrechte Fäden nach links, 2 wagr. abwärts, hinabstechen 12 2 senkrechte Fäden nach links, 2 wagr. aufwärts, Herausstechen 13 2 senkrechte Fäden nach links, 2 wagr. abwärts, hinabstechen 14 2 senkrechte Fäden nach links, 2 wagr. aufwärts, Herausstechen 15 2 senkrechte Fäden nach links, 2 wagr. abwärts, hinabstechen 16 2 senkrechte Fäden nach links, 2 wagr. aufwärts, Herausstechen 17 3. Reihe, v: 2 senkrechte Fäden nach rechts, 2 wagr. abwärts, hinabstechen 18 2 senkrechte Fäden nach rechts, 2 wagr. aufw., Herausstechen 19 2 senkrechte Fäden nach rechts, 2 wagr. abwärts, hinabstechen 20 4. Reihe, (Abb. 51) 2 senkr. Fäden rechts, 2 wagr abwärts, hinabstechen - - 2 senkr. Fäden links, 2 wagr aufwärts, Herausstechen - 1 senkr. Faden rechts, 1 wagr abwärts, hinabstechen - - 1 senkr. Faden rechts, 1 wagr aufwärts, Herausstechen - 2 senkr. Fäden links, 2 wagr abwärts, hinabstechen - - 2 senkr. Fäden rechts, 2 wagr aufwärts, Herausstechen - 3. und 4. Kreuz: wie Abb. 51. 6 is 2. 5. Kreuz, v. (Abb. 52.) Nachdem das 4. Kreuz vollendet ist, indem man herausgestochen hat, übergeht man: 1 senkr. Faden rechts, 1 wagr. 2 senkr. Fäden links, 2 wagr. aufwärts und sticht hinab - 1 aufwärts, hinabstechen - - 3 1 senkr. Faden rechts, 1 wagr. 1 senkr. Faden rechts, 1 wagr. abwärts, Herausstechen - - 2 abwärts, Herausstechen - - 4 *) Die Stiche 1—6 müssen sich decken und find hier nur der Deutlichkeit wegen einzeln abgebildet. 3 * 36 Abb. 52. 6. Kreuz, <1 (Abb. 53): Abb. 53. 1 senkr. Faden rechts, 1 wagr. aufwärts, Herausstechen - . 1 1 senkr. Faden rechts, 1 wagr. abwärts, hinabstechen - - - 2 7. Kren;, « (Abb. 54): Abb. 54. 1 senkrechten Faden rechts, 1 wagrechten aufwärts, hinabstechen.5 2 senkrechte Fäden links, 2 wagrechte abwärts, Herausstechen .6 2 senkrechte Fäden rechts, 2 wagrechte aufwärts, hinabstechen .7 2 senkrechte Fäden links, 2 wagrechte aufwärts, Herausstechen - - - - 3 2 senkrechte Fäden rechts, 2 wagrechte abwärts, hinabstechen .... 4 1 senkrechten Faden rechts, 1 wagrechten aufwärts, Herausstechen - - - - 5 1 senkrechten Faden rechts, 1 wagrechten aufwärts, hinabstechen - - - - 6 2 senkr. Fäden links, 2 wagr. abwärts, Herausstechen - - 7 2 senkr. Fäden rechts, 2 wagr. aufwärts, hinabstechen... 8 2 senkr. Fäden links, 2 wagr. aufwärts, hinabstechen - - 2 1 senkr. Faden rechts, 1 wagr. abwärts, Herausstechen - - 3 1 senkr. Faden rechts, 1 wagr. aufwärts, hinabstechen - - 4 2 senkr. Fäden links, 2 wagr. abwärts, Herausstechen > - 5 2 senkr. Fäden rechts, 2 wagr. aufwärts, hinabstechen - - 6 2 senkr. Fäden rechts, 2 wagr. abwärts, Herausstechen - - 1 37 8. Kreuz, k (Abb. 55): 2 senkrechte Fäden nach links, 2 wagrechte aufwärts, Herausstechen - - - 2 senkr. Fäden nach rechts, 2 wagr. abwärts, hinab- stechen - ... 2 1 senkr. Faden nach links, 1 wagr. aufwärts, Herausstechen - - 1 senkr. Faden nach rechts, 1 wagr. aufw.,hinabstech. 2 senkr. Fäden nach links, 2 wagr. abwärts, Herausstechen .... 2 senkrechte Fäden nach rechts, 2 wagrechte aufwärts, hinab- 1 stechen .6 Abb. SS. 9. Kreuz. Die Ausführung desselben ergibt sich nach dem Vorangegangen von selbst. 10. Kreuz: wie das sechste. 11. Kreuz, x (Abb. 56). Nachdem das 10. Kreuz vollendet ist, indem man hinadgestochen hat, arbeitet man weiter: Abb. 56. 2 senkrechte Fäden nach rechts, 2 senkrechte Fäden nach links, 2wagr. abwärts, Herausstechen 1 2 wagr. auswärts, hinabstechen 2 38 1 senkrechten Faden nach rechts, 1 wagr. abwärts, Herausstechen 3 1 senkrechten Faden nach links, 1 wagr. abwärts, hinabstechen 4 12. Kreuz, Ir (Abb. 57): 2 senkrechte Fäden nach rechts, 2 wagr. abwärts, Herausstechen 1 1 senkrechten Faden nach links, 1 wagr. aufwärts, hinabstechen 2 1 senkrechten Faden nach rechts, 1 wagr. aufw., Herausstechen 3 2 senkrechte Fäden nach rechts, 2 wagr. aufw., Herausstechen 5 2 senkrechte Fäden nach links, 2 wagr. abwärts, hinabstechen 6 1 senkrechten Faden nach links, 1 wagr. abwärts, hinabstechen 4 2 senkrechte Fäden nach rechts, 2 wagr. aufw., Herausstechen 5 2 senkrechte Fäden nach links, 2 wagr. abwärts, hinabstechen 6 Abb. 57. /r- // 13. Kreuz, 1 (Abb. 58): 1 senkrechten Faden nach links, 1 wagrechten abwärts, Herausstechen .1 1 senkrechten Faden nach links, 1 wagrechten aufwärts, hinabstechen .2 2 senkrechte Fäden nach rechts, 2 wagrechte abwärts, Herausstechen .3 2 senkrechte Fäden nach links, 2 wagrechte aufwärts, hinabstechen .4 1 senkrechten Faden nach rechts, 1 wagrechten abwärts, Herausstechen .5 1 senkrechten Faden nach links, 1 wagrechten abwärts, hinabstechen .6 2 senkrechte Fäden nach rechts, 2 wagrechte aufwärts, Herausstechen .7 2 senkrechte Fäden nach links, 2 wagrechte abwärts, hinabstechen .8 3 » Abb. 58. -V // > > > ! X X! X? I" / X I / ! ^ 1 >5! > > X! - X ^ X ! .. ! ! X" ! i > ! > ' 1 14. Kreuz, 1 (Abb. 58): 2 senkrechte Fäden nach rechts, 2 wagr. abwärts, Herausstechen 2 senkrechte Fäden nach links, 2 wagr. aufwärts, hinabstechen 1 senkrechten Faden nach rechts, 1 wagr. abwärts, Herausstechen 15. Kreuz, k (Abb. 59): 1 senkrechten Faden nach links 1 1 wagr. abwärts, hinabstechen 4 2 senkrechte Fäden nach rechts, 2 2 wagr. aufw., Herausstechen 5 2 senkrechte Fäden nach links, 3 2 wagr. abwärts, hinabstechen 6 Abb. 59. 40 2 senkrechte Fäden nach links, 2 wagr. aufw., Herausstechen 1 2 senkrechte Fäden nach rechts, 2 wagr. abwärts, hinabstechen 2 1 senkrechten Faden nach links, 1 wagr. aufw., Herausstechen 3 16. Kreuz, k (Abb. 59): 2 senkrechte Fäden nach rechts, 2 wagr. abwärts, Herausstechen 1 2 senkrechte Fäden nach links, 2 wagr. aufwärts, hinabstechen 2 1 senkrechten Faden nach rechts, 1 wagr. abwärts, Herausstechen 3 1 senkrechten Faden nach links, 1 wagr. abwärts, hinabstechen 4 17., 18. und 19. Kreuz, l von selbst. 1 senkrechten Faden nach links, 1 wagr. abwärts, hinabstechen 4 2 senkrechte Fäden nach rechts, 2 wagr. aufw., Herausstechen 5 2 senkrechte Fäden nach links, 2 wagr. abwärts, hinabstechen 6 2 senkrechte Fäden nach rechts, 2 wagr. aufw., Herausstechen 5 2 senkrechte Fäden nach links, 2 wagr. abwärts, hinabstechen 6 1 senkrechten Faden nach rechts, 1 wagr. aufw., Herausstechen 7 1 senkrechten Faden nach rechts, 1 wagr. abwärts, hinabstechen 3 : Ausführung derselben ergibt sich III. Das längliche Kreuz. Dieses besteht aus zwei langen, sich kreuzenden Godelinstichen. Diese Kreuze können gleichmäßig nebeneinander gestellt oder auch versetzt werden. Sie können auch so gestellt werden, daß die breite Seite des Abb. 60. Kreuzes die Basis desselben bildet, auch werden sie häufig in der Mitte mit einem wagrechten, beziehungsweise senkrechten Stiche gebunden. Abb. 60 zeigt ein solches Kreuz, 3 Fäden hoch und 2 Fäden breit, und Abb. 61 ein solches, 4 Fäden hoch und 2 Fäden breit. V . / Iv X / ! X X X ! d) Doppelte Kreuzstiche. Dies sind solche Stiche, wobei sich ein Andreaskreuz mit einem griechischen Kreuze kreuzt, oder wobei sich Andreaskreuze mit länglichen Kreuzen kreuzen. Zu den doppelten Kreuzstichen gehören: a) Das einfache Smyrnakreuz, d) das doppelte Smyrnakreuz, e) das auf der Spitze stehende Smyrnakreuz. Abb. 62. g.) Das einfache Smyrnakreuz. Es wird ein Andreaskreuz, jedoch 4 Fäden hoch und 4 Fäden breit, ausgeführt. Ueber dieses arbeitet man ein griechisches Kreuz, ebenfalls 4 Fäden hoch und 4 Fäden breit. (Abb. 62.) 41 Auch diese Kreuze werden mitunter auf beiden Seiten gleich genäht, und zwar in folgender Weise (Abb. 63): Abb. 63. Nachdem man den Faden in gewöhnlicher Weise eingenäht hat, sticht man bei 1 heraus 1 a) 4 senkrechte Fäden nach rechts, 4 wagr. aufw., hinabstechen 2 d) 4 senkrechte Fäden nach links, 4 wagr. abw., Herausstechen 3 2 senkrechte Fäden nach rechts, 2 wagr. aufw., hinabstechen 4 2 senkrechte Fäden nach rechts, 2 wagr. abw., herausstcchen 5 e) 4 senkrechte Fäden nach links, 4 wagr. aufw., hinabstechen 6 4 senkrechte Fäden nach rechts, 4 wagr. abw., Herausstechen 7 2 senkrechte Fäden nach links, 2 wagrechte aufwärts, hinabstechen .8 2 wagrechte Fäden aufwärts, Herausstechen.9 4 wagrechte Fäden abwärts, hinabstechen.10 ä) 2 wagrechte Fäden aufwärts, Herausstechen.11 2 senkr. Fäden nach rechts, hinabstechen .12 4 senkr. Fäden nach links, Herausstechen.13 4 senkr. Fäden nach rechts, hinabstechen.14 b) Das doppelte Smyrnakreuz. (Abb.64.) Man arbeitet ein Andreaskreuz, 6 Fäden im Quadrat, über dieses legt man zwei Kreuze, wovon das erste 6 Fäden breit und 2 Fäden hoch, das zweite 6 Fäden hoch und 2 Fäden breit ist. (Abb. 65 a, b,e.) Abb. 6t. !N2»S L.»»! Abb. 65. Abb. 66. Abb. 67. Abb. 69. e) Das auf der Spitze stehende Smyrnakreuz. (Abb. 66 u. 67.) Man arbeitet ein griechisches Kreuz, 4 Fäden hoch und 4 Fäden breit, und legt ein Andreaskreuz, 2 Fäden im Quadrat, darüber. Alle Kreuzstiche können in einfache Stiche zerlegt werden, indem man alle Stiche in der Mitte zusammentreffen läßt. Man nennt diese Stiche „gebrochene Stiche". Unter Folgendem geben wir die Ausführung des einfachen gebrochenen Smyrnakreuzes an. Abb. 68 gibt die Ausführung an. Abb. 69 zeigt das vollendete Kreuz. Abb. 68. Nachdem man den Faden wie gewöhnlich mit Hilfstichen eingenäht hat, sticht man bei 1 heraus. 2 senkrechte Fäden nach rechts, 2 wagr. aufwärts, hinabstecben 2 Bei 1 wieder Herausstechen. 2 wagrechte Fäden aufwärts, hinabstechen .3 Bei 1 Herausstechen. 2 senkrechte Fäden nach links, 2 wagr. aufwärts, hinabstechen 4 Bei 1 Herausstechen. 2 senkrechte Fäden nach links, hinabstechen .5 Bei 1 Herausstechen. 2 senkrechte Fäden nach links, 2 wagr. abwärts, hinabstechen 6 Bei 1 Herausstechen. 2 wagrechte Fäden abwärts, hinabstechen .7 Bei 1 Herausstechen. 2 senkrechte Fäden nach rechts, 2 wagr. abwärts, hinabstechen 8 Bei 1 Herausstechen. 2 senkrechte Fäden nach rechts, hinabstechen .9 Bei 1 Herausstechen. c) Nococostiche. Wir unterscheiden: a) den kleinen, b) den großen, e) den doppelten Rococostich. Diese Stiche müssen mit einem verhältnißmäßig feinen Faden ausgeführt werden. Es eignen sich hiezu getheilte Fäden der Filosell- seide am besten. 43 a) Der kleine Rococostich. (Abb. 70 a.) Dieser eignet sich namentlich zu kleinen, zarten Gegenständen. Er wird in folgender Weise ausgeführt (Abb. 71): Herausstechen bei.1 2 wagrechte Fäden aufwärts, hinabstechen.2 1 senkrechten Faden nach links, 1 wagrechten abwärts, Herausstechen .3 1 senkrechten Faden nach rechts, hinabstechen .4 1 wagrechten Faden abwärts, Herausstechen.5 Dieser Stich trifft unmittelbar mit 1 zusammen. 2 wagrechte Fäden aufwärts, hinabstechen .6 Dieser Stich liegt unmittelbar neben 2. 1 senkrechten Faden nach rechts, 1 wagr. abwärts, herausstech en 7 1 senkrechten Faden nach links, hinabstechen.8 Abb. 70 s,». d. Abb. 72. d) Der große R .ocostich (Abb. 70d) gleicht dem obigen, doch ha er 4 Fäden im Quadrat. Daher sind die senkrechten Stiche 4 Fäden ^ hoch, die wagrechten 2 Fäden breit. (Abb. 72.) o) Der doppelte Rococostich. (Abb. 73.) Dieser Stich hat auch 4 Fäden im Quadrat. Man arbeitet Hiebei 4 senkrechte Stiche, deren jeder mit einem wagrechten, 1 Faden breiten Stiche gebunden ist. Er wird in folgender Weise ausgeführt (Abb. 74): Abb. 74. Herausstechen.1 a) 4 wagrechte Fäden aufwärts, hinabstechen .2 b) 2 senkrechte Fäden nach links, 2 wagrechte abwärts, Herausstechen .3 — 44 — 1 senkrechten Faden nach rechts, hinabstechen - - - 1 senkrechten Faden nach rechts, 2 wagr. abwärts, bei 1 Herausstechen - - - 4 wagrechte Fäden aufwärts, hinabstechen. e) 1 senkrechten Faden nach links, 2 wagrechte abwärts, Herausstechen. 1 senkrechten Faden nach rechts, hinabstechen ... 8 2 wagrechte Fäden abwärts, bei 1 Herausstechen... 9 4 wagrechte Fäden aufwärts, 4 hinabstechen.10 ä) 1 senkrechten Faden nach rechts, 2 wagr. abw-, Herausstechen 11 5 1 senkrechten Faden nach links, hinabstechen - - - 12 6 e) 2 wagrechte Fäden abwärts. bei 1 Herausstechen - - - 13 4 wagrechte Fäden aufwärts, hinabstechen.14 2 senkrechte Fäden nach rechts, 2 wagr. abw., Herausstechen 15 1 senkrechten Faden nach links, hinabstechen - - - 16 Wir haben hier nur die bekanntesten Stiche angeführt. Es gibt jedoch außer diesen noch sehr viele andere. Um Muster mit den angeführten Stichen zu arbeiten, benützt man häufig Typenmuster. Zu allen jenen Stichen, die ein auf der Umfangslinie stehendes Quadrat bilden, oder wovon sich mehrere in ein solches Quadrat zusammenstellen lassen, eignen sich gerade carrirte Muster. Zu jenen Stichen, die auf die Spitze gestellte Quadrate bilden, benützt man Muster im schiefen Netz. (Bei diesen Stichen trifft jeder folgende Stich zur Mitte der vorhergehenden.) Ueberhaupt eignen sich zu Tapisseriearbeiten hauptsächlich solche Muster, die auf Grundlage geometrischer Formen beruhen. «l> FMstiche. Diese werden zur Füllung von Mustern verwendet. Sie werden mit Metall- und Seidensäden, oder nur mit feinem Seidenfaden, auch mit zweierlei, mit dem Muster harmonirenden Farben ausgeführt, und machen einen hübschen Effect. Sie werden aus senkrechten, wagrechten und schiefen Stichen zusammengestellt und lassen eine große Mannigfaltigkeit zu. Ulaltltickereien. Das Plattsticken zerfällt in drei besondere Arten, und zwar in: 1. das Weiß sticken; 2. das Plattsticken mit Farben; 3. das Goldsticken. 45 Die Lticharten. Die Stiche, welche bei den beiden ersten Arten angewendet werden, sind folgende: a) der Stielstich, b) der Schnürlstich, e) der Steppstich, ä) der Kettenstich, e) der Schlingstich, t) der Knöpfchenstich, g) der parallele Plattstich, d) der ineinandergreifende Plattstich. a) Der Stielstich. (Abb. 75.) Dieser eignet sich zur Ausführung jeder Art von Linien. Er folgt der Richtung der Zeichnung, indem jeder folgende Stich zur Mitte des vorhergehenden Abb. 75. greift. Die Stiche müssen eine möglichst gleichförmige Linie bilden. Er wird meist bei der Plattstickerei mit Farben zur Ausführung feiner Linien und zur Contourirung angewendet. Man kann ihn von links nach rechts, wie den geschlossenen Rückstich von der Kehrseite aus, arbeiten. In diesem Falle erhält man auf der Kehrseite der Arbeit geschlossene Rückstiche*). Oder man arbeitet ihn von rechts nach links, wie es die Zeichnung zeigt. b) Der Schnürlstich. (Abb. 76.) Dieser wird meistens beim Weißsticken zur Ausführung feiner Linien angewendet. Es wird, der Richtung der Linie folgend, ein feiner Faden vorgezogen und über diesen werden die Stiche in schiefer Richtung ausgeführt, indem sie möglichst fein, dicht und gleichmäßig nebeneinander gelegt werden. o) Der Steppstich. Von diesem unterscheiden wir zweierlei Arten: den einfachen Steppstich und den gekreuzten Steppstich. Der einfache Steppstich wird in derselben Weise ausgeführt, wie bei dem Weißnähen. Er wird beim Plattsticken Abb. 76. *) Siehe Handarbeitskunde, 3. Abth. 46 mit Farben zur Ausführung punktirter Linien, beim Weißsticken sowohl zu diesem Zwecke, als auch zur Füllung von Blümchen, Arabesken u. dgl. verwendet. Der gekreuzte Steppstich wird so ausgeführt, daß abwechselnd ein Stich rechts, einer links liegt. Dadurch kreuzen sich die Stiche auf der Kehrseite und das Muster sieht wie mit Stoff unterlegt aus. Dieser Stich kann jedoch nur bei durchsichtigen Stoffen angewendet werden. Abb. 77 a zeigt die Rechtseite dieses Stiches, Abb. 77 b zeigt ihn von der Kehrseite. Abb. 77. ä) Der Kettenstich. Von diesem gibt es zweierlei Arten: 1. den ineinandergreifenden Kettenstich, 2. den gebrochenen Kettenstich. Beide Arten werden sowohl zur Ausführung breit markirter Linien bei Weiß- und Plattstickerei mit Farben, als auch zur Füllung von Arabesken u. dgl. verwendet. Der ineinandergreifende Kettenstich (Abb. 78) wird in folgender Weise gearbeitet: Nachdem man die Nadel auf die rechte Seite der Arbeit herausgeführt hat, legt man den Faden nach links und führt die Nadel in den Stoff, indem man, je nach der Richtung des Stiches, einige, senkrecht oder schief zu derselben stehende Fäden aufnimmt. Die Nadel muß Hiebei oberhalb des Fadens liegen. Man zieht sie nun heraus, zieht den Faden an und macht einen neuen Stich wie oben, indem man in die oben gebildete Schlinge sticht. Der gebrochene Kettenstich (Abb. 79) wird so gearbeitet, wie der vorangehende, nur mit dem Unterschiede, daß man nicht in die eben gebildete Schlinge, sondern daneben sticht. 47 e) Der Schlingstich. (Abb. 80.) Dieser Abb. 80. wird, von links nach rechts gehend, gewöhnlich einer Zeichnung folgend, in nachstehender Weise ausgeführt: Nachdem man der Zeichnung entlang eine Reihe dicht nebeneinander liegender Vorstiche ausgeführt, „vorgezogen" hat, befestigt man den Arbeitsfaden an dem linken Ende der Arbeit und nimmt zwei oder mehrere wag recht zur Zeichnung liegende Fäden des Stoffes auf, wobei man den Faden links von der Nadel liegen läßt und diese oberhalb desselben herausführt, so daß er eine Schlinge bildet. Die Stiche müssen dicht nebeneinander liegen. Die Breite derselben richtet sich nach der Zeichnung. k) Der Knöpfchen stich. (Abb. 81.) Dieser wird nur zur Füllung angewendet und in folgender Weise ausgeführt: Man wickelt den an den Stoff (dieser muß in einen Rahmen oder in eine Trommel eingespannt sein) befestigten Arbeitsfaden mit der linken Hand zwei bis drei Mal um die Nadel, die mit der Rechten gehalten wird. Die Nadel wird so in den Stoff geführt, daß der Stich nach links liegt. Man zieht den Faden unten langsam heraus, indem man ihn so lange mit dem Zeigefinger der linken Hand festhält, bis er durchgezogen ist. Dieser Stich soll immer von rechts nach links liegen und von links nach rechts gehend ausgeführt werden. g) Der parallele Plattstich. (Abb. 82.) Vor Abb. 82. Ausführung dieses Stiches ist die Contour mit kleinen Vor- stichen vorzuziehen und der Raum innerhalb derselben mit langen Stichen auszufüllen (zu unterlegen). Dann wird die Zeichnung mit möglichst gleichmäßigen, parallelliegenden Stichen übernäht, wobei namentlich auf die Reinheit der Contour besondere Rücksicht zu nehmen ist. Der Stich kann schief oder gerade zur Zeichnung liegen. Welche Richtung die Stiche übrigens haben mögen, so müssen sie doch immer parallel nebeneinander liegen, außer bei gebogenen Linien. Bei diesensrliegen sie innerhalb des Bogens näher aneinander, als am Außenrande. Bei Ausführung solcher Zeichnungen ist es rath- sam, die Nadel außerhalb des Bogens heraus- und innerhalb desselben hineinzuführen. Bei getheilten Blättern und Blümchen ist in derselben Weise vorzugehen. Abb. 81. 48 Endet eine Zeichnung, welche mit dem parallelen Plattstich ausgeführt wurde, in eine Linie, Schnörkel u. dgl., dann ist diese bei der Weißstickerei mit dem Schnür!-, bei der Plattstickerei mit Farben mit dem Stielstich auszuführen. Wenn größere Flächen mit dem parallelen Plattstiche gefüllt werden sollen, dann muß dies in scharf abgegrenzten Reihen geschehen. In diesem Falle findet das Unterlegen nicht statt. k) Der ineinandergreifende Plattstich. Dieser wird entweder so ausgeführt, daß jeder folgende Stich zur Mitte des vorhergehenden greift (Abb. 83), wobei die Stiche Abb. 83. nicht zu dicht nebeneinander gelegt werden Abb. 84. dürfen, welches Verfahren namentlich bei der Weißstickerei angewendet wird; oder er wird so ausgeführt, daß die Stiche derart ineinander greifen, daß man sie nicht von einander unterscheiden kann. (Abb. 84.) Zu diesem Zwecke müssen sie innerhalb der Con- touren möglichst ungleichmäßig ausgeführt werden, denn sobald sie sich scharf abgrenzen, geht der Charakter der Zeichnung leicht verloren. Dieser ineinander greifende Plattstich wird auch der Malerstich genannt. Er wird bei solchen Zeichnungen angewendet, die schattirt sind und wobei der Uebergang vom Lichten zum Dunkeln, und umgekehrt, möglichst wenig bemerkbar sein soll. Dieser Stich bequemt sich jeder Form an, doch darf er nie zu lang und lose aufliegen. Der Raum innerhalb der Contour wird bei Ausführung dieses Stiches nicht unterlegt. Tas Weifzsticken. Das Weiß sticken ist eine Arbeit, wobei namentlich weiß in Weiß gearbeitet wird, doch werden im Allgemeinen jene Stickereien darunter verstanden, welche auf weißem, waschbarem Stoffe ausgeführt werden, auch in dem Falle, wenn färbiges Garn hiezu verwendet wird. Die Effecte in der Weißstickerei werden namentlich durch die Anwendung der verschiedenartigen Stiche erzielt. Es werden drei Gattungen der Weißstickerei unterschieden, und zwar: 1. Schlingarbeiten; 2. schottische, auch englische Stickerei; 3. französische Stickerei. 49 1. Die Schlingarbeit. Es gibt zweierlei Arten der Schlingarbeit, und zwar: I. Schlingarbeit, die zur Befestigung von Kanten dient; II. Guipüreschlingerei. I. Schlingarbeit, die zur Befestigung von Kanten dient. Hiezu werden Bogen der mannigfaltigsten Art verwendet. Die Contouren derselben sind mit kleinen Dörflichen vorzuziehen; der Raum innerhalb derselben wird mit großen Dörflichen oder mit Kettenstichen ausgefüllt. Bei Ausführung runder oder spitziger Bogen müssen die Stiche in der Mitte derselben senkrecht, an den Seiten aber, der Richtung des Bogens folgend, etwas schief, zu Ende der Bogen aber wagrecht zu diesen liegen. Die Ecken müssen möglichst fein und scharf abgegrenzt werden. Zu diesem Zwecke sind die ersten Stiche jedes folgenden Bogens in die letzten Schlingen des voranstehenden auszuführen. Um jene Bogen, die als Begrenzung dienen, ist der Stoff nach vollendeter Arbeit vorsichtig wegzuschneiden. Bei Gegenständen, die gewaschen werden, ist es rathsam, den Stoff erst dann wegzuschneiden, wenn der Gegenstand gewaschen und geplättet ist. Um Tüll zu schlingen, ist ein dichter Stoff, Mull u. dgl., über denselben zu spannen und die Arbeit darüber auszuführen. Nach Vollendung derselben ist der Stoff um die Zeichnung herum vorsichtig wegzuschneiden. II. Guipüreschlingerei. Bei dieser bildet ein Netz von gerad- oder krummlinig gespannten Fäden den Grund. Dieses Netz wird entweder mit Guipüreschnur ausgeführt, oder es werden Baumwollsäden (auch feines Roßhaar) gespannt, welche dicht mit Schlingstichen übernäht werden, ohne daß man in den darunter liegenden Stoff sticht. Nach Vollendung des Gegenstandes ist der Stoff unterhalb der Fäden vorsichtig wegzuschneiden. Diese Arbeit wird zur Ausführung von Chemisetten, Taschentüchern u. dgl. in russischer Leinwand, weiß oder roth genäht, auch zu Schutzdecken u. a. verwendet. 2. Die schottische Stickerei. Zu dieser können nur solche Zeichnungen verwendet werden, die aus Kreisen, Ovalen oder einfachen Blättchen bestehen. Die Contouren derselben sind mit Vorstichen vorzuziehen. Bei Ausführung kleiner Kreise ist der Stoff mit dem Stecher zu durchbohren. Bei größeren Kreisen ist in der Mitte derselben ein kleiner kreuzweiser Einschnitt zu machen. Desgleichen bei kleinen Blättchen und Ovalen. Bei größeren Blättchen und Ovalen ist ein Stückchen Stoff innerhalb, doch nicht zu nahe der Contour wegzuschneiden. Der vorstehende Stoffrand innerhalb derselben ist mit der Nähnadel auf die Handarbeitskunde. 1. Abth. 4 50 Kehrseite des Stoffes zu streichen. Dieser wird dann der Contour entlang mit dicht nebeneinander liegenden überwindlichen Stichen über- näht, indem man von rechts nach links arbeitet und von innen nach außen sticht. Große Kreise werden auch mit Spitzenstich ausgenäht. 3. Die franMslhe Stickerei. Diese wird zur Ausführung von Buchstaben, stylisirten Blumm, Arabesken u. dgl. verwendet. Je zarter und schwungvoller das Muster, desto schöner der Effect. Diese Muster werden entweder nur mit dem parallelen Plattstich und dem Schnürlstich ausgeführt, oder es werden, um verschiedene Lichteffecte zu erzielen, auch mehrere Sticharten in Verbindung gebracht. Bei solchen Mustern, welche mit einem andern als dem parallelen Plattstiche gearbeitet werden, wird die Contour entweder mit dem Stiel- oder Schnürlstiche, oder auch mit dem Steppstiche ausgeführt. Muster, die mit dem Steppstiche contourirt sind, dürfen nicht mit diesem gefüllt werden. Hiebei ist entweder der gleichmäßig ineinander greifende Plattstich oder der Knöpfchenstich anzuwenden. Mit dem Stielstiche contourirte Muster können mit dem Steppstiche gefüllt werden, was entweder in gleichmäßigen Reihen oder mit einzeln gestreuten Stichen stattfindet. Buchstaben können in verschiedener Weise gestickt werden. Ganz weiß oder roth, mit dem parallelen Plattstiche. Weiß, mit weißem oder rothem Steppstiche umrandet, wobei die feinen Linien ebenfalls mit dem Steppstiche ausgeführt werden. Weiß, mit rothem Schnürlstich umrandet. Mit weiß und roth gewundenem Stiche, welcher nur zur Contourirung benützt wird. Bei Ausführung dieses Stiches wird die Contour mit nicht zu kleinen, weißen Steppstichen genäht, welche roth übernäht werden. Ferner können die Buchstaben weiß oder roth mit dem Stiel-, Stepp- oder Schnürlstiche contourirt und mit weißen oder rothen Knöpf- chen, Steppstichen, ineinander greifenden Plattstichen u. dgl. gefüllt werden. Bei der Wahl von Buchstaben ist stets die Form derselben zu berücksichtigen, und sind nur solche zu wählen, welche klar und deutlich hervortreten. Blumen-Alphabete, Monogramme, welche schwer zu erkennen sind, sind geschmackswidrig. Ebenso die Doppel-Monogramme, welche wohl oft hübsche Ornamente bilden, deren Buchstaben jedoch manchesmal ganz unkenntlich sind. Dem Vorziehen und Unterlegen ist stets große Aufmerksamkeit zuzuwenden, weil die Reinheit der Form sehr davon abhängt. Kleine, zarte Zeichnungen dürfen nicht zu hoch unterlegt werden. Bei dem Unterlegen müssen die Stiche immer dem Stickstiche entgegengesetzt gelegt werden. Auch achte man darauf, daß die Kehrseite der Rechtseite möglichst gleich wird und daß man von einem Theile zum andern kommen kann, ohne daß man es bemerkt oder den Faden abschneiden muß. Auch ist es zu empfehlen, daß man von links nach rechts arbeite. 51 Bei sehr dichten Zeugen wird empfohlen, die Kehrseite einzuseifen. Spitzenstiche in Weißstickerei, Arbeiten in „xoiut laes", überschreiten den Rahmen dieses Werkes. Das Plattsticken mit Farben. Plattstickereien mit Farben werden mit Schafwolle, Seide oder Chenille auf Cachemir, Tuch, Seide, Sammt, Leder u. dgl. ausgeführt. Die einfachste und leichteste Art derselben ist jene, wobei lineare Zeichnungen mit dem Stepp-, Stiel- oder Kettenstiche ausgenäht oder auch mit Litze benäht werden. Diese wird entweder mit senkrechten, schiefen oder gekreuzten Stichen, mit Seide von abstechender Farbe, auch mit Silber- oder Goldfäden der Zeichnung entlang aufgenäht, oder mit regelmäßig vertheilten kleinen Gold-, Silber- oder Stahlperlen, auch mit möglichst kleinen, unsichtbaren Stichen, der Farbe der Litze entsprechend, auf den Stoff befestigt. Goldlitze auf grünem, schwarzem oder purpurnem Sammt, sowie Silberlitze auf blauem Sammt macht einen schönen Effect. Eine andere leichte Art dieser Stickerei sind die sogenannten „Phantasie-Stickereien", wobei Zeichnungen mit leicht auszuführenden Stichen, sogenannten Fischgrätenstichen (Hexenstichen), in Verbindung mit dem Stiel-, Stepp-, Knöpfchen- und Kettenstiche, ausgenäht oder mit Litze benäht werden. Der Effect solcher Stickereien beruht auf der Farbenzusammen- stellung und dem Glänze der Seide. Zur Ausführung ornamentaler Zeichnungen eignen sich namentlich die Plattstiche, die entweder mit der Farbe des Stoffes oder mit einer diesem entsprechenden Farbe, oder auch mehrfärbig gearbeitet werden. Einfärbige Stickereien werden gewöhnlich so ausgeführt, wie die französische Stickerei, indem sie unterlegt und mit dem parallelen Plattstiche gearbeitet werden. Größere, in diesem Stiche ausgeführte Flächen, welche in scharf abgegrenzten Reihen gearbeitet werden, dürfen nur sehr wenig unterlegt werden; häufig findet dieses auch gar nicht statt. Um bei einfärbigen Stickereien verschiedene Lichteffecte zu erzielen, werden verschiedene Sticharten, auch Spitzenstiche angewendet, welche den Effect darüber gelegter Spitzenarbeit machen, wie z. B. Kreuzstiche oder ähnliche Stiche, wie die Spitzenstiche des Netzes u. dgl. Bei mehrfärbigen Stickereien finden je nach der Zeichnung alle Stiche Anwendung. Der Effect derselben hängt namentlich von der Wahl des Musters, der Farbenzusammenstellung und der Schönheit der Ausführung statt. Einfache Stickereien können in der Hand genäht werden, solche mit dem Plattstiche u. dgl. müssen in Rahmen eingespannt und vor dem Abspannen auf der Kehrseite mit aufgelöstem arabischem Gummi be- strichen werden, um das Zusammenziehen derselben zu vermeiden. 4 * 52 Auflege« r Veiten. (Applicationsarbeiten.) Unter diesen versteht man solche Arbeiten, wobei Ornamente aus irgend einem Stoffe auf einen andern übertragen werden. Wir unterscheiden zweierlei Auflegearbeiten, und zwar: a) weiße Auflegearbeiten, d) farbige Auflegearbeiten. a) Weiße Auflegearbeiten. In Weiß ist namentlich das Auflegen auf Tüll gebräuchlich. Zu diesem Zwecke ist ein dichter Stoff, auf welchen eine Zeichnung übertragen worden ist, der Form des Gegenstandes entsprechend, auf Tüll zu heften. Die Contouren der Zeichnung werden mit dem Schnür!-, Ketten- oder Schlingstiche dicht übernäht, indem beide Stofflagen gefaßt werden. Jener Theil der Zeichnung, welcher innerhalb der Contour liegt, wird mit dem Platt-, Schnür!-, Schlingstiche u. dgl. ausgeführt. Nach Vollendung der Arbeit wird der außerhalb der Contour liegende dichte Stoff vorsichtig weggeschnitten. Tüll auf Tüll in dieser Weise applicirt, macht den Effect von Spitzen arbeit. Eine andere Art der Applicationsarbeit ist jene, wobei auf dichtem Stoffe gestickte Muster in französischer Stickerei aus dem Stoffe herausgeschnitten und auf Tüll übertragen werden, indem sie auf der Kehrseite mit kleinen Saumstichen angenäht werden. Dasselbe Verfahren wird angewendet, um alte Stickereien auf neuen Stoff zu übertragen. Enthalten solche Stickereien Gitter- oder Spitzenstiche, so wird nach dem Uebertragen der neue Stoff unterhalb derselben weggeschnitten. Wenn die Spitzenstiche beschädigt sind, dann werden sie weggeschnitten und in dem neuen Stoffe solche ausgeführt. Aus dichten Leinen- oder Baumwollstoffen herausgeschnittene Ornamente, auf gleichen Stoff aufgelegt und mit der Maschine aufgesteppt, dienen zur Verzierung von Hemden u. dgl. b) Farbige Auflegearbeiten. Zur Ausführung farbiger Auflegearbeiten eignen sich namentlich Sammt und Tuch. Die aufzutragenden Ornamente werden ausgeschnitten, mit arabischem Gummi vorsichtig auf der Unterlage befestigt, angeheftet, und mit dem Platt-, Ketten-, Schlingstiche, mit Börtchen oder Fischgrätenstichen festgenäht. Diese Arbeit wird überhaupt immer mit Plattstickerei in Verbindung gebracht. Anhang. Anleitung zur Ausführung der geliröilchlMkn weiblichen Hnndnrbriten. Einleitung. Wenn auch bei der Ausführung weiblicher Handarbeiten kein bestimmter historischer Styl festgehalten werden muß, so ist es doch nothwendig, daß jede Handarbeit in einem gewissen Sinne stylrichtig und wohl durchdacht sei, nichts Zufälliges und Ungeräumtes enthalte. Die Zeichnungen und Muster, die bei der Ausführung weiblicher Handarbeiten angewendet werden dürfen, sind: 1. Muster, die durch Zusammenstellung geometrischer Formen entstehen, geometrische Ornamente. 2. Flächenornamente überhaupt. Das sind solche Ornamente, welche nicht den Eindruck der Erhabenheit machen. Zu vermeiden sind folgende Muster: 1. Gebilde, welche auf Nachahmung der Natur berechnet sind, da sich die Nadelarbeit wenig dazu eignet, die Natürlichkeit natürlicher Gegenstände wiederzugeben. Daher im Kreuzstich gestickte Landschaften, Genrebilder, Blumen u. dgl. gänzlich zu vermeiden sind, da hiedurch nur Caricaturen zu Tage gefördert werden. Im Plattstich gestickte Blumen sind nur dann erlaubt, wenn sie künstlerisch ausgeführt sind. 2. Reliefornamente, das sind solche, wobei ein Theil beschattet und zurücktretend, der andere beleuchtet und vorspringend ist, wodurch das Ganze den Eindruck der Erhabenheit macht. Diese Ornamente sollen namentlich bei Ausführung von Teppichen, Polstern u. dgl. gänzlich vermieden werden. 3. Blumen aus Wolle jeder Art, desgleichen Blumen aus Perlen u. dgl. Ebenso die Darstellung von Blumen in geschorener Arbeit. Bei Arbeiten, wobei nur Muster wiedergegeben werden können, welche auf Nebeneinanderstellung kleiner Quadrate beruhen, wie z. B. beim Kreuzstiche, beim viereckigen Häkelstiche, beim Stopfen im Netze u. dgl., sollen womöglich nur solche Muster angewendet werden, die aus geometrischen Formen zusammengestellt sind. 56 Arabesken oder stylisirte Blumen sollen bei solchen Arbeiten nur dann angewendet werden, wenn der Gegenstand groß ist und in die Ferne wirken soll, weil die zackigen Ränder, welche durch die Zusammenstellung der kleinen Quadrate entstehen, an großen Gegenständen, und von ferne gesehen, weniger scharf hervortreten, z. B. bei großen Teppichen, Vorhängen u. dgl. Kreuzstichstickereien auf Tuch, ebenso Perlenstickereien überhaupt sind geschmackswidrig, doch können Stahl-, Silber- oder Goldperlen, einzeln gestreut, wohl angewendet werden. Große schwere Muster passen nicht zu kleinen Gegenständen, ebenso unpassend sind schwere Stickereien auf feinem Stoffe. So sind z. B. mit Perlen ausgenähte Tüllarbeiten zweck- und geschmackswidrig, weil die Perle für das feine Gewebe zu schwer ist und dieses leicht durchreißt. Bei Tischteppichen, Tassen u. dgl. ist auf die Randverzierung das meiste Gewicht zu legen, hingegen ist die Mitte weniger zu verzieren, weil sie gewöhnlich durch darauf gestellte Gegenstände verdeckt wird. Bei allen Gegenständen, die zur Zierde eines Zimmers dienen sollen, muß die Farbe des Zimmers und der Einrichtung in Betracht kommen. Bei Gegenständen, die zur Bekleidung dienen, soll der Zweck derselben, der Stoff und die übrige Kleidung berücksichtigt werden. Anleitung zur Anfertigung von Gegenständen, die znr Ausschmückung der Wohnung dienen. Allsteppiche. Diese haben entweder die Form eines Quadrates oder die eines Rechteckes. In letzterem Falle ist gewöhnlich das Verhältniß der Breite zur Länge wie 2 zu 3. Sie werden meistens in Tapisseriearbeit, seltener in Strick- oder Häkelarbeit ausgeführt. Zu Fußteppichen eignen sich am besten Muster mit gedämpften Farben. Mchteppichr. Diese werden im Quadrat und Rechteck oder auch rund, auf Tuch oder Cachemir mit Plattstickerei ausgeführt. Auch werden sie von Spagat oder Berlinerwolle gehäkelt; mit Zwirn oder Bcrlinerwolle genetzt und ausgenäht, seltener werden sie gestrickt. Als Randverzierung zu gehäkelten und genetzten Tischteppichen eignen sich namentlich Mäander. 57 Bettdecken. Diese werden in der Form eines Rechteckes, gewöhnlich im Verhältniß von 2 zu 3 gearbeitet. Couvertdecken werden 230—240 Cm. lang und 156—160 Cm. breit gemacht. Sie werden aus Baumwolle, seltener aus Berlinerwolle gehäkelt und gestrickt. Es eignen sich dazu namentlich Zusammensetzungen geometrischer Formen. Die gestrickten sind den gehäkelten ihrer Leichtigkeit und Geschmeidigkeit wegen vorzuziehen. Gehäkelte Couvertdecken werden auch in durchbrochener Arbeit ausgeführt. Auch genetzt und ausgenäht werden solche Decken, doch müssen sie dann mit färbigem Unterfutter versehen werden. Schuhdecken. Diese werden im Quadrat von 30—40 Centimeter oder rund im selben Größenverhältniß gehäkelt, genetzt, in Tüll ausgenäht oder in Euipürearbeit, auch in Verbindung mit Weißstickerei ausgeführt. Die gehäkelten werden in der Regel von weißer Baumwolle angefertigt, doch ist färbiger Faden vorzuziehen, weil große, weiße Flecken auf den Möbeln einen störenden Eindruck machen. Schutzdecken aus schwarzem Tüll, mit färbiger Filosellseide ausgenäht, oder aus färbigem Zwirn genetzt und in Filetguipüre ausgenäht, sind sehr empfehlenswerth. Auch in Guipürearbeit weiß oder farbig genäht, sind sie sehr hübsch. Vorhänge. Diese werden im Rechteck, nach der Höhe der Fenster 3—4 Meter lang und 120 Cm. breit, ausgeführt. Sie werden gehäkelt, gestrickt, genetzt, in Tüll ausgenäht, auch in Weißstickerei gearbeitet. Genetzte Vorhänge, die gestopft, in Filetguipüre oder im Kettenstiche, roth oder in einer andern, den Möbeln entsprechenden Farbe ausgenäht sind, desgleichen Tüllvorhänge, in letzterer Weise ausgeführt, machen einen hübschen Effect. Vorhänge müssen im geraden Netze gearbeitet werden, weil das schiefe Netz zu diesem Zwecke zu dehnbar ist. Kenstcrpölster. Diese werden im Rechteck oder auch röhrenförmig gearbeitet. Das letztere ist namentlich bei gehäkelten Fensterpölstern anzuempfehlen. Hiebei wird, um das Abreißen des Fadens bei jeder Reihe zu vermeiden, die Verbindung der Reihen mittelst Luftmaschenketten bewerkstelligt. Sie werden auch gestrickt, genetzt, mit Tapisseriearbeit, Weißstickerei oder Plattstickerei mit Farben, auch aus Java-Canevas oder Waffelstoff ausgeführt. Genetzte Fensterpölster sind im schiefen Netz auszuführen. 58 Sophapölker. Diese werden im Quadrat, 40—50 Cm. groß, oder auch rund im selben Größenverhältniß, mit Tapisseriearbeit oder Plattstickerei, Auf- legearbeit, auch mit spitzenartigen Ueberzügen, z. B. Netzarbeit mit Filetguipüre ausgenäht, ausgeführt. Schlummerrollen. Diese find cylinderförmig, 50—60 Cm. lang und haben 40 bis 45 Cm. im Umfange. Sie werden gehäkelt, gestrickt, in Tapisseriearbeit, Plattstickerei, meist mit geraden oder schiefen Streifen gearbeitet. Bei den gehäkelten sind alle Arten der Reliefmaschen als zweckwidrig zu vermeiden. Knßpölster. Diese werden etwas größer als Sophapölster, rund oder quadratisch, mit Häkel-, Strick-, Tapisseriearbeit oder Plattstickerei mit Farben ausgeführt. Zur Kinderwäsche gehörige Gegenstände. Wickelbänder. Diese werden 170—180 Cm. lang und 6—8 Cm. breit, in Häkel- oder Strickarbeit, mit piquöartigen Mustern, auch aus piquoarti- gen Stoffen, Waffelstoffen, und zwar zwei- oder mehrfärbig gearbeitet. Gehäkelte und gestrickte Wickelbänder werden gewöhnlich der Quere nach gearbeitet. Sie werden an den Enden mit je 40 Cm. langem Binv- band versehen. L ii h ch e n. Diese werden gehäkelt oder gestrickt, aus piquoartigen Stoffen geschnitten, gestickt oder mit Litze benäht. Gestrickte sind den gehäkelten vorzuziehen, weil sie weicher sind als diese. Die Form der Lätzchen ist sehr verschieden und kann durch Auf- und Abnehmen beliebig ausgeführt werden. Kinderleilichen. (Abb. 85.) Kinderleibchen werden meistens gestrickt und gehäkelt. Die Verhältnisse der einzelnen Theile zu einander werden nach der unteren Weite berechnet.. 59 Abb. 85. Das untere gerade Theil beträgt bis zu den Armlöchern ein Drittel der Weite, (a) Die Weite jedes der Rückentheile beträgt ungefähr ^—1 Cm. mehr als ein Viertel der ganzen Weite des Leibchens, (b) Die Höhe der Rückentheile, vom Armloch an, beträgt ein Sechstel der Weite des Leibchens, (e) Die Höhe des Vordertheiles, vom Aermelloch an, beträgt ebenfalls ein Sechstel der Weite des Leibchens. Die untere Breite der Achseltheile beträgt die Hälfte der Breite der Rückentheile, sä) Die Höhe der Achseltheile beträgt ungefähr der unteren Weite des Leibchens, beiläufig ein Viertel der Höhe des Rückentheiles, (o) Die Achseltheile werden beim Halsausschnitt durch Abnehmen so weit abgeschrägt, daß sie schließlich oben so breit sind, als der unteren Weite beträgt, (f) Die Achseltheile an den Vordertheilen müssen mit jenen der Rückentheile ganz übereinstimmen. Wenn man gerade Achseltheile macht, dann nimmt man sür diese ein Drittel der Breite eines Rückentheiles (z) und macht die Achseltheile ungefähr um die Hälfte höher, als die früher erwähnten, (d) Die Aermel. Die Länge der Aermcl Abb. 86. beträgt ungefähr 2 Cm. mehr, als die untere Weite des Leibchens. Sie werden ' - in verschiedener Weise gearbeitet: s - - - - s a) Vom Armloch aus der gan- . . . . . s zen Länge nach gleich weit. In diesem l / Falle bildet der^Aermel ein Rechteck. ' ' ' ' 's (Abb. 86 .) . . . . / , b) Unten schmäler als oben. / In diesem Falle wird der ganzen Länge 60 nach unter dem Arme so viel abgenommen, daß die Aermel unten ungefähr ein Drittel schmäler sind als oben, wie es die punktirten Linien in Abb. 86 andeuten. c) Auf der Achsel abgerundet. Man rundet sowohl die geraden als auch die abgeschrägten Aermel auf der Achsel ab. (Abb. 87.) Die Höhe der Rundung beträgt ungefähr ein Achtel der übrigen Länge des Aermels. Sowohl gehäkelte als auch gestrickte Leibchen werden entweder der Breite oder der Länge nach gearbeitet. Der Breite nach werden gewöhnlich durchbrochene Leibchen gearbeitet. Sobald die Achseltheile vollendet sind, werden diese sowohl bei gehäkelten, als auch bei gestrickten Leibchen auf der Kehrseite mit überwindlichen Stichen zusammengenäht. Das Zusammenhäkeln dieser Theile ist nicht empfeh- lenswerth, weil dadurch eine dicke Naht entsteht. Nach Vollendung der Achseltheile werden die Aermel eingehäkelt oder eingestrickt, wobei man auf der Achsel einige Maschen zunimmt, weil der Aermel hübscher fällt, wenn er auf der Achsel etwas weiter ist. Um einen Maßstab für die erforderliche Maschenzahl zu erhalten, mißt man die Weite des Armloches und berechnet nach der unteren Weite des Leibchens, wie viel Maschen für die Weite eines Aermels erforderlich sind. Bei gehäkelten Leibchen muß bei den Aermeln, wenn sie in der Runde gearbeitet werden, jede Reihe abgeschlossen werden. Man wird daher z. B. bei Leibchen, deren Muster aus Luftmaschen und einfachen Stäbchenmaschen zusammengesetzt sind, zu Beginn der Reihen anstatt des ersten Stäbchens drei Luftmaschen arbeiten, und die letzte Masche jeder Reihe stets an die erste anschleifen. Unten versieht man die Aermel mit einem Zug. Dieser besteht gewöhnlich aus einer Reihe einfacher Stäbchen, einer darauffolgenden Reihe Kreuzstäbchen, oder einer Reihe, wobei man abwechselnd arbeitet: zwei Luftmaschen, zwei Stäbchen übergehen, zwei Doppelstäbchen u. s. w. Dieser Reihe folgt wieder eine Reihe einfacher Stäbchen und dann eine beliebige schmale Spitze. Um den Halsausschnitt häkelt man den Zug wie um die Aermel, doch ist Hiebei in den Winkeln etwas abzunehmen, damit der Ausschnitt hübsch gerundet wird. Diesen umhäkelt man mit derselben Spitze, wie die Aermel. Man häkelt an die Leibchen häufig einen Rand. Dieser darf jedoch nicht breit sein. Zu Leibchen eignen sich überhaupt nur kleine Muster. Der Breite nach gestrickte Leibchen werden ebenso gearbeitet, wie die gehäkelten. Abb. 87. 61 Die Aermel werden hineingestrickt, indem man die Kettenmaschen auffaßt. Bezüglich des Uebrigen gilt dasselbe, wie bei den gehäkelten Leibchen. Am unteren Rande erhalten die Aermel ebenfalls einen Zug. Zu diesem Zwecke strickt man einige Reihen verkehrt, welchen man eine Löcherreihe folgen läßt, wobei man gewöhnlich doppelte Hohlmaschen macht, die mit doppeltem Abnehmen abwechseln. Dieser Reihe folgen wieder einige verkehrte Reihen. Schließlich umgibt man die Aermel mit einer gestrickten oder gehäkelten Spitze. Um den Halsausschnitt wird ein gleicher Zug gemacht, wie um die Aermel, doch muß man auch hier in den Winkeln einige Maschen abnehmen. Piquöartige Leibchen arbeitet man häufig der Länge nach, Namentlich arbeitet man Leibchen im tunesischen Stich und gestrickte Leibchen bequemer in dieser Weise. Solche Leibchen werden meistens, der bequemeren Arbeit wegen, mit geraden Achseltheilen gearbeitet. Bei solchen Leibchen schlägt man die der Höhe entsprechende, nach dem Schnitte zu berechnende Maschen- zahl an, arbeitet das Rückentheil gerade bis zu den Achseltheilchen. Bei gehäkelten Leibchen legt man eine für die Höhe der Achseltheile erforderliche Maschenzahl an, bei gestrickten Leibchen werden die erforderlichen Maschen auf geschleift*). Dann arbeitet man wieder gerade weiter, bis die für die Achseltheile erforderliche Breite erreicht ist. Bei gehäkelten Leibchen arbeitet man nach Vollendung der Achseltheile nur so weit, als das untere Drittel reicht, und häkelt dann so viele Luftmaschen, als die Höhe des Armloches erfordert. Bei gestrickten Leibchen kettet man die für das Armloch erforderliche Maschenzahl ab und schleift ebenso viele Maschen auf, als man abgekettet hat. Die Vordertheile arbeitet man dem Schnitte entsprechend. Die Aermel werden für solche Leibchen separat, dem Schnitte entsprechend, gearbeitet. Es eignen sich hiezu die gleichweiten Aermel mit abgerundeter Achsel am besten. Als unterer Abschluß für diese eignet sich der elastische Rand am besten, wobei abwechselnd zwei glatte und zwei verkehrte Maschen gestrickt werden. Bei solchen Leibchen werden die Aermel in die Armlöcher eingenäht. Der Zug um den Halsausschnitt wird so gearbeitet, wie früher angegeben worden ist. Die Kinderleibchen können auch so gearbeitet werden, daß sie nicht in der Mitte, sondern auf der Seite offen sind. Diese Art ist zweckmäßiger, weil der Rücken der Kinder besser gedeckt ist und sie vor Verkühlung geschützt werden. Solche Leibchen werden in folgender Weise gearbeitet: ') Siehe Handarbeitskunde, 2. Abtheilung: Das Stricken. 62 Nachdem man einen Anschlag gemacht hat, der 1 Cm. mehr beträgt, als zu einem gewöhnlichen Leibchen erforderlich ist, *) arbeitet man so viel gerade hinauf, bis die Höhe ein Drittel der Weite beträgt. (Abb. 88, I.) Dann arbeitet man über ein Drittel der Maschenzahl (Abb. 88, II.) gerade hinauf, so viel als ein Sechstel der unteren Weite beträgt (Abb. 88, III.); theilt die Maschenzahl in vier gleiche Theile (Abb. 88, IV.) und arbeitet über jenem Viertel, das der inneren Seite des Leibchens zu liegt, ein Stückchen hinauf, das so hoch ist, als ^ der unteren Weite beträgt. (Abb. 88, V.) An der Seite des Halsausschnittes wird das Theil durch Abnehmen einiger Maschen abgeschrägt. Abb. SS. Nach Vollendung dieses Theiles wird das zweite Rückentheil gearbeitet, indem man 1 Cm. mehr nimmt, als ein Sechstel der unteren Weite beträgt. (Abb. 88, VI.) Dieses Theil wird so hoch gearbeitet, wie das erste; auch das Achseltheil wird dem ersten genau entsprechend gearbeitet. Abb. 89. Die Höhe des Vorderteiles ist jener der Nückentheile gleich, ebenso die Größe der Achseltheilchen. Diese werden nach Vollendung des Leibchens auf der Kehrseite der Arbeit zusammengenäht. An der äußeren Kante des breiteren Rückentheilcs werden bei gehäkelten Leibchen einige Stäbchenmaschen, bei gestrickten einige glatte oder verkehrte Maschen gearbeitet, damit eine dichte Kante entsteht, in welche die Knopflöcher in regelmäßiger Entfernung angebracht werden. *) Dieser Centimeter wird bei der Berechnung nur da in Betracht gezogen, wo es besonders erwähnt ist. Das schmälere Rückentheil erhält ebenfalls eine solche Kante, doch ohne Knopflöcher. Sie wird mit einem feinen Bändcben unterlegt und werden kleine, den Knopflöchern entsprechende Knöpfe daran genäht. Der Halsausschnitt wird mit Zug und Spitzchen versehen, wie bei gewöhnlichen Leibchen. Die Aermel werden in der bekannten Weise gearbeitet. Abb. 89 zeigt die Rückansicht dieses Leibchens. Killdcrhäubchen ohne Stern. (Abb. 90.) Abb. 90 7 4 . Um den Schnitt zu einem solchen Häubchen zu construiren, zeichnet man eine Wagrechte: a, die noch einmal so lang ist, als die Gesichtslänge. Von dieser Linie schneidet man rechts und links je ein Zwölftel derselben ab und zieht zwei senkrechie Richtungslinien: b, o herab, deren Länge ein Viertel V ^ der Gesichtslänge be- .V ^ . . trägt. Von den beiden ^ Endpunkten der Linie a ' V ' ' zieht man je eine « >—. Schiefe: ck, s zu den unteren Endpunkten der Linien d,o. Von diesen zieht man zwei Wagrechte: k, g, die je ein Viertel von a betragen. Von den Endpunkten dieser beidenWagrechten zieht man zwei Senkrechte: b, die um zwei Drittel länger sind, als k und 8- Diese beiden Linien werden mit einer Wagrechten: L verbunden. Die Linie b kann man, je nachdem man die Häubchen mit mehr oder weniger Falten haben will, beliebig etwas länger oder kürzer machen. Um solche Häubchen zu häkeln oder zu stricken, beginnt man beliebig bei a oder bei k. Im ersten Falle wird man zu Anfang und Ende der Reihen, dem Schnitte entsprechend, abnehmen und so weit arbeiten, bis das Theil die erforderliche Höhe hat. Dann wird bei gehäkelten Häubchen die dem Schnitte entsprechende Maschenzahl nicht abgehäkelt und das mittlere Theil in erforderlicher Länge gearbeitet. Bei gestrickten Häubchen werden die Maschen den Linien k, Z entlang abgekettet und das Uebrige dem Schnitte entsprechend gearbeitet. Wenn man das Häubchen von der Linie k aus beginnt, dann wird sowohl bei gehäkelten, als auch bei gestrickten Häubchen die für die Linien k, 8 erforderliche Maschenzahl angeschlagen. 64 Sobald das Häubchen nach dem Schnitte fertig gearbeitet ist, werden die Linien b, in Falten gereiht, so weit zusammengezogen, daß sie der Länge der Linien k, g entsprechen, und an diese auf der Kehrseite mit überwindlichen Stichen angenäht, wobei man jedoch gegen die Winkel zu mehr Falten gibt, als an die übrigen Theile. Um das Zusammennähen der Theile zu Abb. 91. vermeiden, kann man bei Häubchen, die von k hinauf gearbeitet werden, an k so viele Maschen abnehmen, daß man die Länge der Theile k, g erhält, und arbeitet dann das obere Theil dem Schnitte entsprechend. h Zur Vervollständigung dieses einfachen v Häubchens, welches Abb. 91 in der Vollendung k zeigt, arbeitet man rings herum eine Spitze, b zieht durch den Zug ein schmales Bündchen und versieht es mit Bindbändern. Kinderhäubchen mit Ztern^(Abb. 92.) Zu einem solchen Häubchen häkelt oder strickt man einen beliebigen Stern, dessen Halbmesser ungefähr ein Drittel der Gesichtslänge beträgt: a. Nach Vollendung des Sternes arbeitet man rings um diesen, ohne aufzunehmen, so viel als ein Drittel des Halbmessers beträgt: d. Abb. 92. Dann theilt man die Maschenzahl in Viertel und arbeitet über drei Viertel gerade hinauf so viel, bis das Häubchen so tief ist, als es hoch ist, so baß man es in ein Quadrat einschließen kann, wie es die Zeichnung zeigt. Dann wird um das Häubchen ein Zug gearbeitet, wie um den Halsausschnitt der Leibchen, und schließlich wird dasselbe mit einer kleinen Spitze versehen, i Wenn man das Häubchen vorn verlängern will, dann nimmt man in entsprechender Weise zu, damit es die Form erhält, wie sie die punktirten Linien der Abbildung zeigt. Verschiedene Bckleidungsgegenstände. Der Ztrumps. Der Strumpf hat zwei Haupttheile: 1. das Bein oder die Wade, 2. den Fuß. 65 An dem Beine unterscheiden wir drei Theile: 1. Das Theil vom Beginne des Strumpfes bis zu dem Abnehmen ; 2. das Theil mit dem Abnehmen; 3. das Theil zwischen dem Abnehmen und der Ferse. An dem Fuße unterscheiden wir vier Theile: 1. die Ferse, 2. den Zwickel, 3. das Theil zwischen Zwickel und Spitze, 4. die Spitze. Die Größenverhältnifse der einzelnen Theile zu einander werden in verschiedener Weise berechnet. Schallen seid theilt den Strumpf in folgender Weise ein: Der Rand wird so viele Reihen hoch gestrickt, als Maschen auf einer Nadel sind. Das Abnehmen beginnt, wenn das Stück so hoch ist, als es breit ist. Die Wade soll mindestens ein Viertel länger sein, als der Rand und das Stück über dem Rande. Das Stück über der Wade muß zwei Drittel der unteren Strumpf b r e i t e betragen. Der Beinling ist 2VsM«l so lang, als der Strumpf unter der Wade breit ist. Der Zwickel beträgt ein Drittel der Fußlänge. Die Fußlänge beträgt die Hälfte der Beinlänge. Susanne Müller theilt den Strumpf in folgender Weise ein: Strumpfrand ein Sechstel der Beinlänge. Das Stück zwischen Rand und Abnehmen: ein Drittel der Beinlänge. Das Stück mit dem Abnehmen: ein Drittel der Beinlänge. Das Stück zwischen Abnehmen und Ferse: ein Drittel der Beinlänge. Die Höhe des Zwickels übereinstimmend mit der Höhe der Ferse. Fußspitze: ein Drittel der Fußlänge. Eine andere Eintheilung ist folgende (Abb. 93): Das Stück vom Beginne des Strumpfes bis zu dem ersten Abnehmen: so hoch, als es breit ist. (n) Das Stück mit dem Abnehmen: l^mal so lang, als das untere Stück, (b) Das Stück zwischen Abnehmen und Ferse: * zmal so lang, als das untere Stück, (c) HandarbeitSlunde. 4. Abtb- ö Den Zwickel so hoch, daß auf jeder Nadel eine bis zwei Maschen weniger sind, als in dem Stücke unterhalb der Ferse. Fußspitze ungefähr ein Viertel der Fußlänge, (ä) Fuß länge: die Hälfte der Beinlänge. Bei Kniestrümpfen wird das gerade Stück bis zum Abnehmen doppelt so lang gestrickt, als bei den niederen Strümpfen. Socken (Männerstrümpfe). Bei diesen wird das Bein gewöhnlich so lang gestrickt, als der Fuß; manchesmal macht man auch das Bein kürzer, als diesen. Man darf nur vier- bis sechsmal abnehmen. Bei Socken, wobei das Bein durchwegs mit dem elastischen Muster (zwei glatt, zwei verkehrt) gestrickt wird, nimmt man häufig auch gar nicht ab. Die Eintheilung des Fußes ist so, wie bei den Frauenstrümpfen. Die Strumpflange und Weite für die verschiedenen Altersstufen ist nach Karoline Wilhelmi folgende: Fußlange Weite*) Strumpf für Neugeborene - 9 Cm. 5-/i Cm. k, „ 3 Monate - - 10'/- 6-/. „ N '/- Jahr - - 12 7 1 « - - 13'/- f' 7'/- ,, „ 2 — 4 Jahre - 15 3-/2 „ ff " 4-6 ., - 16'/2 O-/- „ 6-8 „ - 18 10 8-10 „ - 19'/- IO -/2 „ „ 10-12 - 21 Il-/- 12-14 - 22'/2 13 Für den kleineren Fuß einer Frau 24 ,/ 13 „ „ mittleren " " „ 25-/2 13-/2 „ „ „ großen 27 14V- „ „ „ sehr großen „ 28'/2 19 „ Socken: Für Knaben von 10-12 Jahren oder Fußlänge Weite einen kleinen Mann. - 24 Cm. 9-/, Cm für den kleinen Fuß eines Mannes ' 25-/2 „ 10 „ „ mittleren „ „ „ - 27 11 . „ großen „ „ „ - 28-/2 „ "V- " „ sehr großen . „ „ - 30 12 Selbstverständlich sind dies nur Durchschnittszahlen, die eben nur ungefähr einen Anhaltspunkt für dir Größe des betreffenden Alters geben. *) Diese Zahlen geben die Weite des zusammengelegten Strumpfes und daher die halbe Weile desselben an. 67 Gewisie Theile des Strumpfes, wie: der Rand, das Nähtchen, das Abnehmen, die Ferse, der Zwickel und die Spitze werden verschiedenartig ausgeführt. Der Rand. Eine sehr beliebte Art desselben ist der elastische Rand, welcher schmale, glatte und verkehrte Streifen in senkrechter Ricktung bildet. Man strickt hiebet stets abwechselnd 2 glatte und 2 verkehrte Maschen, und stellt immer glatte über glatte und verkehrte über verkehrte Maschen. Haltbarer als dieser jedoch ist das doppelte Nändchen. Um dies auszuführen, wird mittelst des Aufflrickens die erforderliche Maschenzahl angelegt. Dann strickt man, der Dicke des Garnes entsprechend, acht bis zwölf Reihen glatt, eine verkehrt und wieder so viele Reihen glatt, als früher. Dann werden so viele Anschlagmaschen, als eine Nadel Maschen zählt, auf eine sechste Nadel gereiht, diese nach innen der Arbeit gelegt und immer eine Masche des Anschlages mit der entsprechenden Masche zusammengestrickt. Um Zackenrändchen zu stricken, wird anstatt der verkehrten Äeihe eine Reihe gearbeitet, wobei stets abwechselnd eine Hohlmasche mit dem überzogenen Abnehmen wechselt. Ueber diese Rändchen werden nach Belieben kleinere oder größere, verkehrte oder durchbrochene Ränder gearbeitet. Am gebräuchlichsten jedoch ist es jetzt, drei bis vier verkehrte Reihen ohne Muster zu machen. Das Nähtchen. Sobald der Rand beendet ist, beginnt das Nähtchen, welches den Zweck hat, die Mitte des Strumpfes zu kennzeichnen und mit verkehrten Maschen in folgenden Weisen ausgeführt wird: Eine Masche breit. Diese wird entweder bei jeder Reihe verkehrt gestrickt, oder es wird eine glatte Reihe dazwischen gearbeitet. Zwei Maschen breit. In diesem Falle werden abwechselnd zwei glatte Reihen und zwei Reihen mit zwei verkehrten Maschen gestrickt. Drei Maschen breit. In diesem Falle wechseln drei glatte Reihen mit drei Reihen mit drei verkehrten Maschen ab. Oder man strickt bei einer Reihe eine Masche glatt, eine verkehrt, eine glatt, und bei der folgenden eine verkehrt, eine glatt, eine verkehrt, so daß immer die glatten Maschen mit den verkehrten wechseln und umgekehrt. Bei Strümpfen mit einer oder drei Nähtchenmaschen muß eine Masche mehr angelegt werden, als sonst für den Strumpf erforderlich wäre, da das Nähtchen sonst nicht in die Mitte des Strumpfes trifft. Das Nähtchen erstreckt sich bis zu Ende des Fersenschlusses. 5 * 68 Das Abnehmen. Das Abnehmen hat den Zweck, dem Strumpfe die gehörige Form zu geben. Es steht zu beiden Seiten der Naht. Wenn diese breit ist, kann man es unmittelbar an sie anschließen; ist sie schmal, dann muß es durch eine Masche von derselben getrennt werden. Es wird glatt oder verkehrt ausgeführt, jedoch muß das Abnehmen im Zwickel und in der Spitze immer mit jenem des Beines übereinstimmen. Die Ferse. Wenn diese begonnen wird, müssen die Maschen gleichmäßig auf vier Nadeln vertheilt sein, und zwar so, daß das Nähtchen den Mittelpunkt zweier Nadeln bildet. Ueber diese Nadeln wird hin- und zurückgehend abwechselnd glatt und verkehrt gestrickt. Zu Beginn jener Nadel, welche rechts von dem Nähtchen, und zu Ende jener, welche links von demselben liegt, werden Kettenmaschcn und Nähtchen ausgeführt. Das Nähtchen muß mit jenem in der Mitte des Strumpfes übereinstimmen. Die Ferse wird verschiedenartig ausgeführt. Die gebräuchlichsten Arten derselben sind: die einfache Ferse, die Stegferse und die Herzferse. Die einfache Ferse. Diese wird so viele Nähtchen hoch gestrickt, als zwei Drittel der Maschenzahl einer Nadel beträgt. (Unter einem Fersennähtchen werden zwei Reihen verstanden.) Um die Ferse zu schließen, wird die Maschenzahl in Drittel getheilt. Das mittlere Drittel strickt man hin- und hergehend, indem man auf der rechten Seite die beiden letzten Maschen desselben mittelst Ueberziehens zusammensteckt, eine Masche des linksliegenden Drittels glatt strickt und eine Masche abhebt, wobei der Faden vor derselben liegen muß. Die Arbeit wird gewendet, die abgehobene Masche wieder abgehoben und die Nadel verkehrt zurückgestrickt, wobei mit den Endmaschen der beiden letzten Theile in derselben Weise verfahren wird, wie oben; doch werden die Maschen verkehrt zusammengestrickt und die letzte Masche so abgehoben, daß der Faden hinter derselben liegt. Die Arbeit wird gewendet, die abgehobene Masche wieder abgehoben und so lange in dieser Weise fortgearbeitet, bis alle Maschen der beiden End- theile abgenommen sind. Dann werden die linksseitigen Kettenmaschen aufgefaßt, wobei das vordere Glied unter dem rückwärtigen hervorgeholt wird. Diese Maschen werden verkehrt oder auch verdreht abgestrickt, und die letzte derselben mit der zunächstliegenden der folgenden Nadel glatt zusammengestrickt. Die beiden Ristnadeln (auch Spannnadeln genannt) werden glatt abgestrickt, bis auf die letzte Masche der zweiten Nadel. Die rechtsseitigen Kettenmaschen werden ebenfalls aufgefaßt, die letzte Masche der zweiten Ristnadel mit der ersten Ketlenmasche zusammengestrickt und die übrigen Maschen abgestrickt. 69 Durch das Zusammenstricken der Maschen zu beiden Seiten der Fersennadeln werden die Lücken vermieden, welche gewöhnlich zu beiden Seiten der Ferse entstehen. Die Steg ferse. Es werden so viele Nähtchen gestrickt, als ein Drittel der Maschenzahl einer Fersennadel beträgt, die Maschen in vier gleiche Theile getheilt und über die beiden mittleren Theile ebenso viele Nähtchen gestrickt, wie unten. Der Fersenschluß wird auf der Kehrseite begonnen, indem man die Kettenmaschen des oberen Theiles auffaßt, die letzte derselben mit der zunächstliegenden, der stehengebliebenen des unteren Theiles, zusammenstricht, eine Masche hinzustrickt und eine in der früher angegebenen Weise abhebt. Dann wendet man die Arbeit, strickt auf der rechten Seite bis zu den Kettenmaschen, faßt diese auf und strickt die letzte derselben mit der zunächstliegenden des unteren Theiles mittelst des Ueberziehens zusammen, strickt eine Masche glatt und hebt die nächstfolgende in früher angegebener Weise ab. Im weiteren Verlaufe der Arbeit strickt man die Nadel stets bis auf die drei letzten Maschen ab, strickt die beiden vorletzten in oben angegebener Weise zusammen, strickt die letzte ab und hebt eine Masche der früher stehengebliebenen hinzu. In dieser Weise fährt man so lange fort, bis alle Maschen des unteren Theiles abgestrickt sind, und schließ! dann die Ferse, wie oben. Die Herz ferse. Nachdem die Ferse so viele Nähtchen hoch gestrickt ist, als zwei Drittel der Maschenzahl betragen, strickt man bei kleinen Strümpfen drei, bei großen die fünf Mittelmaschen der Ferse, wendet die Arbeit und strickt bei jeder Nadel eine Masche hinzu, indem diese Masche in der oben angegebenen Weise abgehoben wird. Bis alle Maschen abgestrickt sind, werden die Kettenmaschen wie bei den anderen Fersen aufgefaßt und abgestrickt. Die beiden letzten Fersen bilden einen breiten Rist und sind daher empfehlenswerther, als die erste. Der Zwickel. Dieser wird zu beiden Seiten der Fersennadeln, und zwar zu Anfang der rechts- und zu Ende der linksliegenden gebildet. Die letztere wird bis auf die drei letzten Maschen abgestrickt und die zwei vorletzten Maschen zusammengestrickt. Bei der ersteren wird die erste Masche abgestrickt und dann werden die beiden folgenden zusammengestrickt. Das Zusammenstricken soll mit jenem des Beines übereinstimmen. Die Zahl der Reihen, welche über jedes Abnehmen gestrickt wird, richtet sich nach der Maschenzahl. Bei geringer Maschenzahl strickt man immer zweimal darüber, bei größerer Maschenzahl wird abwechselnd cin- oder zweimal darüber gestrickt. Bei den beiden letztangeführten Fersen wird der Zwickel größer, als bei der ersten, weil bei diesen Fersen zum Schlüsse mehr Maschen sind, als bei der ersten. 70 Die Spitze. Das Abnehmen in der Spitze kann verschiedenartig ausgeführt werden. Die gebräuchlichsten Arten sind: das schneckenförmige und das bandförmige Abnehmen. Das schneckenförmige Abnehmen. Die Maschenzahl wird in vier gleiche Theile getheilt und dann werden die zwei ersten Maschen jeder Nadel zusammengestrickt. Bei Strümpfen mit glattem Abnehmen werden die Maschen überzogen. Das Abnehmen rückt bei jeder Reihe um eine Masche vor. Die Anzahl glatter Reihen, welche über jedes Abnehmen zu stricken sind, muß nach der Maschenzahl berechnet werden, damit die Länge der Spitze das rechte Verhältniß erhält. Das B and ab n eh m en. Die Maschenzahl wird ebenfalls in vier gleiche Theile getheilt und die erste Nadel, von der Mitte des Strumpfes gerechnet, bis auf vier Maschen abgestrickt, dann werden zwei Maschen zusammengestrickt und die beiden letzten glatt gestrickt. Die ersten beiden Maschen der folgenden Nadel werden glatt und die beiden nächsten zusammengestrickt. Bei der dritten Nadel wird wie bei der ersten, und bei der vierten wie bei der zweiten vorgegangen. Anfänglich werden vier, dann zwei und dann wird eine Reihe über das Abnehmen gestrickt. Schließlich wird ununterbrochen abgenommen. Es sind so viele Maschen abzunehmen, daß bei kleinen Strümpfen drei, bei großen vier Maschen auf jeder Nadel bleiben. Diese Maschen werden so auf zwei Nadeln gereiht, daß je die Mitte zweier Nadeln in die Mitte des Strumpfes kommt. Die entgegengesetzten Maschen werden auf der rechten Seite zusammengemascht und so der Strumpf geschlossen. Das An- und Einstricken der Strümpfe. Wenn Strümpfe so schadhaft sind, daß man sie nicht mehr durch das Stopfen ausbessern kann, müssen sie an- oder eingestrickt werden. Bei Strümpfen, welche angestrickt werden, ist das schadhafte Stück herabzutrennen und durch ein neues zu ergänzen. Bei Strümpfen, welche eingestrickt werden, ist das schadhafte Stück herauszutrennen, ein neues, dem früheren gänzlich entsprechendes hinein- zustricken und nach Vollendung dessen, das neue Stück an das übrige Theil anzumaschen. Ist nur die Ferse in einem Strumpfe zerrissen, dann wird diese vorsichtig herausgetrennt und entweder eine der ersten vollständig entsprechende hineingestrickt, die Kettenmaschen aufgefaßt und die Ferse an das übrige Theil angemascht, oder es wird die sogenannte faule — 71 Ferse hineingestrickt. Um diese auszuführen, werden, nachdem die Ferse herausgetrennt ist, alle Maschen auf vier Nadeln gereiht und in der Runde gestrickt, indem zu beiden Seiten der Ferse in derselben Weise abgenommen wird, wie bei dem Bandabnehmen in der Spitze. Es dürfen nur so viele Maschen abgenommen werden, bis so viele Maschen übrig sind, als die andere Ferse beim Schlüsse zählt, dann werden die gegenüberstehenden Maschen zweier Nadeln aneinandergemascht. Bei dem An- und Einstricken ist auch hauptsächlich darauf zu achten, daß die Dicke des neuen Garnes dem früheren entspricht. Gamaschen. (Abb. 94.) Diese werden von Berlinerwolle in verschiedener Weise gestrickt. Man arbeitet sie entweder mit fünf Nadeln in der Runde, wie Strümpfe, oder der Länge nach mit zwei Nadeln; auch offen zum Knöpfen von oben herab mit zwei Nadeln. Die erste Art ist die gebräuchlichste und am leichtesten anzufertigende. Man arbeitet sie auch in zweierlei Art. Entweder unten gerade oder mit einem Läppchen. Man legt Hiebei eine erforderliche Maschenzahl an und strickt rund, wie bei einem Strumpfe, indem man ein sehr dehnbares Muster wählt. Am zweckmäßigsten ist jenes, wobei man immer abwechselnd zwei Maschen glatt, zwei verkehrt strickt. Man arbeitet in dieser Weise, je »achtem man kurze Gamaschen oder Kniegamaschen machen will, ein gerades Stück im selben Verhältnisse, wie beim Strumpfe. Bei kurzen Gamaschen, wie beim gewöhnlichen Strumpfe, bei Kniegamaschen, wie beim Kniestrumpfe. Das Theil mit dem Abnehmen uns das darauf folgende glatte Stück wird ebenso gearbeitet, wie beim Strumpfe. Zu dem Theile mit dem Abnehmen wählt man gewöhnlich ein anderes Muster, als zu dem Rande. Es eignen sich jedoch hiezu nur kleine Muster mit glatten und verkehrten Maschen. Bei Gamaschen, die kein Läppchen erhalten, muß das untere gerade Stück etwas länger sein, als bei den anderen. Dieses Stück arbeitet man wieder mit abwechselnd zwei glatten und zwei verkehrten Maschen. 72 Gamaschen mit Läppchen, wie sie die Abbildung 94 darstellt, werden anfänglich ebenso gearbeitet, wie die ersten. Nach Vollendung des unteren geraden Stückes wird jedoch ein Theil mit einem Zwickel gestrickt. Man arbeitet Hiebei in der Runde fort, nachdem man die Maschen so vertheilt hat, daß ungefähr ein Fünftel derselben rechts und eines links vvm Abnehmen zu stehen kommt. Man nimmt nun zu beiden Seiten dieses Theiles bei jeder Reihe je eine Masche auf, wodurch Zwickel entstehen, indem bei dem rechts- liegenden Zwickel die erste Masche glatt und verdreht, bei dem links- liegenden hingegen die letzte Masche in derselben Weise abstrickt. Die durch das Aufnehmen entstandenen Maschen strickt man gewöhnlich glatt, so daß der ganze Zwickel glatt gestrickt ist. In dieser Weise arbeitet man so lange fort, bis die Zwickel ungefähr ein Sechstel der ganzen Länge der Gamasche betragen, wie es die Abbildung 94 a zeigt. Nachdem dies vollendet ist, wird das rückwärtige Theil mit dem Zwickel abgekettet. Das vordere Stück wird hin- und zurückgehend weiter gearbeitet, indem man zu Anfang und Ende jeder zweiten Reihe eine Masche abnimmt, bis das Läppchen ungefähr ein Viertel länger ist, als das Theil mit dem Zwickel. Zu solchen Gamaschen eignen sich am besten sehr dehnbare Muster mit Längenstreifen. Kniewärmer. (Abb. 95.) Diese werden von Berlinerwolle oder auch von Baumwolle gestrickt. Man legt eine der Weite des Kniewärmers entsprechende Maschen- zahl auf vier Nadeln an und strickt in der Runde so viele Reihen, als die Hälfte der Maschenzahl beträgt. Dann nimmt man ein Neuntel derselben Abb. 95. und strickt darüber hin- und hergehend, indem man zu Ende jeder Nadel eine der übrigen Maschen hinzustrickt, und arbeitet in dieser Weise so lange fort, bis man die Hälfte der Maschenzahl abgestrickt hat; dann arbeitet man das Knie- theil für sich bestehend weiter, indem man am Anfange jeder Nadel eine Masche abnimmt, bis man wieder nur ein Neuntel der Maschenzahl auf der Nadel hat. Nach Vollendung des Knie- theiles faßt man die Kettenmaschen auf, so daß man wieder so viele Maschen hat, als zu Beginn, und strickt wieder so viele Reihen gerade hinauf, als bei dem unteren Stück, und kettet die Maschen ab. 73 Man kann die geraden Stücke auch etwas länger machen, wenn man will. Zu Kniewärmern dürfen ebenfalls nur sehr dehnbare Muster gewählt werden. Hosenträger. (Abb. 96.) Diese werden gestrickt, gehäkelt und gestickt. Am häufigsten fertigt man sie gestrickt oder gestickt an. Zu den gestrickten eignen sich Patentmuster am besten; auch Muster in doppelter Strickerei sind hiezu sehr verwendbar. Abb. 86. Zu den gestickten eignet sich feiner Stramin, auch dunkelgefärbter, am besten. Kleine Muster mit gedämpften Farben sind hiezu am zweckmäßigsten. Die Länge der Hosenträger richtet sich nach der Person, für die sie bestimmt sind. Die Breite derselben beträgt 4—5 Centimeter. Sie werden gewöhnlich schmal angefangen und erweitern sich nach beiden Seiten, bis sie die erforderliche Breite erlangt haben. In dem ersten Achtel der Länge bringt man zwei Knopflöcher der Länge nach an. (a) Die beiden Patten betragen ungefähr Vi« der ganzen Länge, (b) Bei gestrickten und gehäkelten Hosenträgern halbirt man die Maschenzahl und arbeitet jede Patte für sich, indem man in jeder derselben Knopflöcher anbringt. Diese arbeitet man, indem man die Maschenzahl abermals halbirt und so lange hin und her häkelt oder strickt, als für die Länge eines Knopfloches erforderlich ist. Dann schneidet man den Faden ab, legt ihn unten an und strickt die zweite Hälfte der ersten gleich hinauf, dann arbeitet man wieder über das ganze Theil weiter. Bei gestickten Hosenträgern werden die Knopflöcher hineinge- schnitten und ausgeschlungen oder eingefaßt. Solche Hosenträger müssen gefüttert und rings eingefaßt werden. Hausschuhe. (Abb. 97.) Diese werden gehäkelt, auf Canevas mit Tapisseriearbeit oder auf Tuch mit Plattstickerei gestickt. Man arbeitet sie nach einem Schnitte, der in folgender Weise zu construiren ist: Handarbeitskunde. «. Abth. 6 74 Man zeichnet ein Rechteck so lang als der Fuß, dessen Breite ein Fünftel weniger beträgt, als die Länge. Das Verhältniß des Rechteckes ist daher wie 4 zu b. Abb. 97. Man bezeichnet die Seiten desselben mit a, b, e, ck, halbirt a, und zieht eine Wagrechte: e bis zu b. e wird ebenfalls halbirt und eine Senkrechte k zur Mitte des Rechteckes gezogen. Rechts und links von k wird je ein Achtel von c aufgetragen und zwei Senkrechte: g, b zu o gezogen. Schließlich schneidet man rechts und links von e ein Viertel derselben ab und zieht zwei Senkrechte: i, k zu ä. Von den Winkeln der Linien o, 8 und e, b zieht man die beiden Linien 1, 2, wie es die Abbildung zeigt. 8, b werden von der Mitte aus mit einer halbkreisförmigen Linie: 3 verbunden und die beiden Linien: 4, 5 zu ä gezogen, indem man sie an i, k anschließt. Druck von I. C. Fischer L Comp. Wien. lIVlW-öiblioltisk 00810113 leckmrctis; IVIureum Wien 41.864