v W. F. Exner. I tellungs-Bibliotnek. f und seine Mineralschätze. Von Assayer, United States Assay O ff i e e. WIEN 1873. Verlag des Verfasser«. — Druck von Carl Finsterbeck in W ien. Das Territorium Idaho und seine Mineralschätze. Nachdem die Grenzen von Idaho mehrfach geändert worden sind, bildet dasselbe jetzt ein nahezu rechtwinkliges Dreieck mit einem Flächeninhalt von 86294 Q Meilen, welches im Norden an British Columbia, im Westen an Washington und Oregon, im Süden an Nevada und Uttah und im Osten an Wyoming et Montana grenzt. Die Basis des Dreiecks misst 850, die andere Kathete 420 englische Meilen. Die Bevölkerung die 1866 noch über 20,000 Seelen betrug, hat mit der allmäligen Erschöpfung der Goldwäschereien langsam aber beständig abgenommen und beträgt gegenwärtig höchstens 15000 Menschen, die vorzüglich von Bergbau, Ackerbau und Viehzucht leben. Sämmtliche Flüsse des Territoriums, mit Ausnahme von Bear und Green River, die sich respective in den grossen Salzsee und den Colorado ergiessen , gehören zum Flussgebiet des Columbia: Der bedeutendste unter denselben ist der Snake River und dessen hervorragendste Nebenflüsse sind ^wiederum der Clearwater, Sal- mon, Weiser, Payette und Boise River. Der Snake River durchläuft fast in seiner ganzen Länge ein vulkanisches Thal und hat sich im Laufe der Zeit in dem Basalt ein Bett gegraben, dessen fast senkrecht abfallende Wände an den grossen Fällen eine Höhe von 620 Fuss erreichen. Die Fälle selbst wetteifern an Grossartigkeit mit den Niagarafällen und werden X 4 Seltenheiten und nach einigen Jahren, als die Arbeit systematisch und in grossem Massstabe betrieben wurde, hat man in diesem Becken von 3—4 Millionen im Jahre gewonnen. Im Allgemeinen lässt sich annehmen , dass Boise Basin ungefähr die Hälfte bis zwei Drittel der 60—65 Millionen gehören, welche Idaho bis jetzt producirt hat, und wird dies Verhältniss einhalten , bis die aus den Erzen gewonnenen edlen Metalle eine grössere Rolle spielen. 1863—1866 wurden die Wäschereien in Owvhee, Rocky Bar und Lemhi gefunden, von denen jedoch keine auch nur annähernd die Ausdehnung und Reichhaltigkeit der Lager im Boise Basin besassen. Seitdem sind keine neuen Entdeckungen gemacht und da alle diese Goldgruben, im wahren Sinne des Wortes, seit ihrer Auffindung bestäudig (d. li. so lange ein hinreichendes Wasserquantum vorhanden ist) bearbeitet sind, sind viele fast ganz, alle aber mehr oder weniger erschöpft und die Wäschereien im Basin sind die einzigen, die wirklich noch auf grössere Bedeutung Anspruch machen können, obgleich auch sie nur noch ein Drittel ihrer früheren Produktionen liefern. Der grösste Theil der jetzt noch bearbeiteten Felder ist in den Händen der Chinesen , die 1864, 65 und 66 massenweise aus Californien nach Idaho auswanderten und dort alle solche Wäschen kauften, die von den weissen Arbeitern als nicht lohnend betrachtet wurden. Diess war damals der Fall, wenn nicht wenigstens 5— 6 Dukaten pro Tag per Mann erzielt wurden, da die Arbeitslöhne so viel betrugen. Die Chinesen, welche mehr als bescheidene Ansprüche an’s Leben stellen und für 1 1 4—2 Dukaten per Tag arbeiten, bearbeiten alle diese Lager natürlich mit gutem finanziellen Erfolg und ohne die von ihnen producirte Goldmenge würde die Produktion der Wäschereien jetzt schon eine ziemlich geringe sein; aber da diese sogenannte Chinese diggings (solche, die nur von Chinesen lohnend bearbeitet werden können) in sehr grosser Menge vorhanden sind, so wird es noch eine lange Reihe von Jahren dauern, bis das Goldwäschen ganz aufhört. Früher oder später muss dieser Zeitpunkt allerdings ein- treten und die Zukunft des Landes beruht ausschliesslich auf seinem grossen Reich thum an Erzen aller Art, der Fruchtbar ko it k 5 seiner Thäler und dem tür Viehzucht in grossartigem Mnssstabe ausreichende Vorrath des vorzüglichsten Grases. Sämmtliche das Land durchziehende Gebirge sind erzführend. Bis jetzt liegt der eigentliche Bergbau allerdings noch in der Kindheit und eine verhältnissmässig geringe Anzahl von Gängen wird bis jetzt abgebaut, aber genug ist gethan, um zu zeigen , dass sie an Ausdehnung und Reichhaltigkeit denen aller andern Staaten der Union ebenbürtig sind. Die vorkommenden Erze sind hauptsächlich goldhaltiger Quarz, Bittererde, gold- und silberhaltige Bleierze, Kupfererze, Eisenerze und Zinnober, ausserdem lässt das der Koldenlormation ungehörige Gebirge an einem Theil des Boise- und Snake-Elusses mit ziemlicher Bestimmtheit auf die Anwesenheit des unter gleichen Verhältnissen in Wyoming, Colorado und Neu Mexico auftretenden Lignits schliessen. Der goldhaltige Quarz findet sich überall, wo der Flugsand goldführend ist. Der Gehalt ist sehr verschieden, von wenigen Dollars bis auf 100 St. Dukaten per Tonne. Die Verarbeitung geschaht mittelst der sogenannten stamp :.:ills. Das Erz wird nass fein gepocht und die Trübe über geneigte mit Kupferplatten belegte Ilerde geleitet, wo das auf den Platten vor Beginn des Betriebes durch Aufreiben von Quecksilber erzeugte Kupferamal- gam das freie Gold aus der Trübe aufnimmt. Im Pochtrog selbst sind ebenfalls ein oder zwei solcher Platten angebracht. Wo der Quarz goldhaltige Schwefelungen führt , werden dieselben gewöhnlich aui Plamenherden gewonnen, concentrirt und in Pfannen ohne oder mit vorhergehender Röstung amalgamirt. Unter den eigentlichen Silbererzen nehmen Chlorsilber, Roth- giltig, Weissgiltig, Sprödglaserz, Silberglanz und Fahlerz den ersten Platz ein. Chlorsilber, Rothgiltig, Weissgiltig und Silberglanz finden sich vorzugsweise derb in den Owyhugruben und kommen häufig in grossen Mengen nesterweise vor. Aus der Poorman Mine wurde ein 500 Pfd. schwerer Block solides Weiss- giltigerz gefördert, ein mehrere hundert Pfund wiegendes Stück Erz zum grossen Theil aus derbem Chlorsilber bestehend, wurde von derselben Grube zur Pariser Ausstellung gesandt und Silber- glanz kommt sehr häufig in derben Massen vor. Fahlerz und Sprödglaserz sind neben Silberglanz mehr in 6 den Silbererzgängen von Alturas County und im ßanna Distrikt Boise County vertreten. Sehr reine und sehr silberreiche Bleiglanze finden sich am South Mt. Owyhu County, in Bounty und fast allen nördlichen Counteis. 'Bleicarbonate treten ebenfalls am erstgenannten Platze auf. Der Durchschnittsgehalt der Bleiglanze stellt sich so viel zu ermitteln ist, auf 30—60% Blei und 30—60 Dukaten in Silber, obgleich in einzelnen Gruben ein Gehalt von mehreren Hundert Dollars per Tonne vorkommt. Kupfererze sind in Oneida County und Lemhi County gefunden und sind Kupferkies, Buntkupfererz und Kupferantimonglanz nebst geringen Mengen von Kiesel- und kohlensauern Kupfer vertreten, tyn Deadwood Distrikt sollen Malachit und Lasur in bedeutenden Quantitäten und mit starkem Goldgehalt Vorkommen, die Kupfererze von anderen Lokalitäten’, die von mir pro- birt wurden, zeigten immer nur sehr geringe Mengen der edlen Metalle. Von Eisenerzen kommt Brauneisenstein und Sphärosi- derit vor und obgleich meines Wissens noch kein bedeutendes Lager gefunden ist, so lässt sich doch mit Gewissheit auf das Vorhandensein derselben schliessen. Zinnober wird an drei verschiedenen Stellen gefunden, in Millors Camp, Stanley Basin et Deadwood Distrikt. Es kommt gewöhnlich in erbsen- bis bohnengrossen Stücken im Goldsand vor, doch sind Stücken von 5 Pfd. Gewicht gefunden und da viele Leute dieses Jahr die erwähnten Lokalitäten untersuchen werden, ist das Auffinden von Gängen wahrscheinlich. Starke Soolquellen finden sich am Salmon River und in Oneida County, in letzterer findet eine Verbreitung der Soole statt. Heisse Mineralquellen, vorzüglich Schwefelwasserstoff und Alkalien haltend, finden sich in allen Theilen des Territoriums. Die Gruben von Oroghu ausgenommen, werden die vielen reichen Erzgänge noch immer nicht hinreichend beachtet. V o eine Ausbeutung derselben geschieht, wird dieselbe gewöhnlich nachlässig und in verderblich kleinem Massstabe und meistens unter der Leitung von Leuten betrieben, denen jede Fähigkeit sowohl in theoretischer als praktischer Beziehung abgeht. Eine sehr grosse Anzahl der besten Gänge liegt gänzlich brach , weil ihre Eigenthümer nicht die Mitt e l besitzen, um Reduktionswerke 7 für ihre Erze zu bauen, da bei den mangelhaften Transportmitteln und der weiten Entfernung von den nächsten Maschinen Werkstätten die Errichtung solcher, grossen Aufwand an Zeit und Geld verlangt. Eine Bearbeitung der Gänge, so lange kein Markt für die Erze da ist, liegt ebenfalls wegen der Mittellosigkeit der Besitzer ausser Frage und meistens ist das Erz nicht reich genug um einen Transport per Axe von 150 —400 Meilen und per Bahn von 1000—2000 Meilen zu ertragen und Concentrationswerke erfordern wiederum eine grössere Capitalanlage. Die natürliche Folge dieser ungünstigen Umstände ist, dass die Grubenbesitzer muthlos werden ünd ganze Distrikte voll der herrlichsten Gänge tocft und öde daliegen, die in verhältniss- mässig kurzer Zeit Hunderttausende produciren könnten, käme ihnen Capital und eine rationelle Gewinnung und Verarbeitung ihrer Erze zu Hülle. Obgleich diese jetzt herrschende Muthlosigkeit für den Augenblick dem Lande sehr schadet, so hat sie doch auch Gutes im Gefolge. Wie in allen andern Minenstaaten und Territorien der Union, glaubten auch hier die Leute, dass ein unaufgeschlossener Erzgang ein unabhängiges Vermögen repräsentire und wurden in dem Glauben dadurch bestärkt, dass einige Gänge für ganz unverhältniss hohe Preise von Capitalisten erworben wurden. Jetzt, nachdem sie 7—10 Jahre vergeblich auf weitere Philanthropen gewartet haben, die ihnen das 10 — lOOfache vom Werth ihrer Gange bezahlen und sie einsehen, dass sie ohne die Hülle des Capitals bei ihrer eigenen vollständigen Mittellosigkeit nichts mit ihren unaufgeschlossenen Schätzen machen können, sind sie endlich dahin gekommen, Preise zu fordern, die im Verhältniss zu dem wirklichen Werth der Gänge und der daran gethanen Arbeit stehen und den Capitalisten in jeder Weise entgegen zu kommen. Hiezu kommt nun, dass der grösste Hemmschuh einer raschen Entwicklung unserer Berg- und Hüttenindustrie, die gänzliche Abwesenheit aller Eisenbahnen, in kurzer Zeit gehoben sein wird. Die Northern Pacific Bahn, welche in kurzer Zeit vollendet sein wird; geht durch den nördlichen Theil des Territoriums, die Portland-, Dalles- und Salt Lake-Bahn, die jetzt in Angriff genommen ist, weil die südliche Hälfte des Landes in seiner grössten Ausdehnung von Westen nach Osten durchschneiden, 8 Zweigbahnen werden und müssen folgen, und für jede eine Grube die jetzt trotz der ungünstigen Verhältnisse bezahlt, werden wir dann Hunderte haben, wie uns die*Erfahrung der letzten zehn Jahre in allen andern Minenstaaten gezeigt hat. Die Gelegenheiten für eine vortheilhafte Capitalanlage sind deshalb unzweifelhaft sehr günstig. Es lassen sich wirklich gute Gänge zu einem sehr billigen Preise kaufen , es sind derselben so viele, dass selbst die grössten Hüttenwerke aut einen beständigen Erzvorrath rechnen können, sobald die Minenbesitzer einen Markt für ihre Erze bekommen; in Reichheit sowohl als Ausdehnung sind die Gruben denen aller Staaten ebenbürtig und alles was nöthig ist, um Idaho den ihm nach ^seinen unerschöpflichen bergmännischen Hülfsquellen zukommenden Rang zu verschaffen, ist Kapital und tüchtige, theoretisch und praktisch gebildete Betriebsführer. Wo diese beiden vorhanden waren und sind, ist der pecuniäre Erfolg nie ausgeblieben, last alle englischen, amerikanischen Graben bewirtschaftende Compagnien und auch einige amerikanische liefern die Beweise dafür, während sich auf der andern Seite in neun unter zehn Fällen nachweisen lässt, dass das zu Grundegehen so vieler mit grossen Geldmitteln ausgerüsteten amerikanischen Compagnien seinen Grund einzig und allein in dem Umstand hat, dass amerikanische Capitalisten, die die Berg- und Hüttenindustrie erst seit wenigen Jahren und meistens nur von Hörensagen und poetischen Ergüssen in Zeitschriften kennen , sich trotz aller traurigen Erfahrungen immer noch nicht an den Gedanken gewöhnen können, dass die erfolgreiche Leitung eines Berg- oder Hüttenbetriebes gewisse theoretische Kenntnisse und praktische Erfahrung voraussetzt, welche weder im Comptoir, noch bei einem Advokaten oder in einer Maschinenwerkstätte sich erwerben lassen. A. Wolters. Assayer. U. S. Assay Office. John Lemp Verlag des Verfasser». — Druck von Carl Finsterbeck in Wien. Jf V ,-;v . -, vfe/- • •- ! / v m •-. «*■*• f '..ï/Jv' »J. it ' fc \ • . ■:&.;*: $> : * . v v - ■ : y --'r;:^î£ ,i? v. ■ ; /'. *' ,. > \yy . TMW-Bibliothek