BERICHT Additionellen Ausstellung VERFASST VON F B.MLZ SeSSI X3D MÜHLENBESITZER IN LANZENOORF. I*-Vv ;L Y'/.A-'UVt Vorwort. Xcli habe diese Zeilen in dem guten Glauben verfasst, a l s würde deren Inhalt, welchen ich ohnehin möglichst gedrängt geschrieben habe, ganz, oder doch wenigstens ziemlich vollinhaltlich in dem von Herrn Professor Exner verfassten Ausstellungs-Bericht aufgenommen werden. Nachdem aber hierzu der gewidmete Raum bei weitem nicht ausreichte, daher mein Bericht nur dazu dienen konnte, um einige das Müllergewerbe und seine Entwicklung betreffende Daten daraus zu entnehmen, dagegen Vieles, was mir nicht weniger bemerkenswerth erschien, aus diesem Grunde vermieden werden musste, nehme ich noch selbst Anlass, diesen meinen Bericht hiermit vollinhaltlich, so wie derselbe ursprünglich von mir verfasst wurde, der Oeffentlichkeit zu übergeben und einer freundlichen Aufnahme der Herren Leser zu empfehlen. Lanzendorf im Juni 1873. Der Verfasser. ? f I > 41 L fMiW****** ’'V ;*ss --^fe Sfe3?-~ 2=SSCj :*T3K S^ss^ ' ÿÈ?sS- -;^4«SS.'. —*vc i^-Vv WfaafeÜBifart YtUt i T i f i *r i> jy i y -Tmit nVi nrmirvr v» ■' nrvrn-iift 'i t wii ri na .'ti > aai i rmnrr -a- - Der Zweck dieser Zeilen ist, den Entwicklungsgang der Wiener Gries- und Hockmüllerei zu verfolgen und denselben möglichst genau und zwar vom Anfänge dieses Jahrhunderts, in Zeitperioden von 10 zu 10 Jahren in einfacher Weise darzulegen. Sollte es mir damit noch gelingen, Männer, welche an dieser Entwicklung und Vervollkommnung des Müllergewerbes hervorragenden Antheil hatten, der Vergessenheit zu entreisen, so darf ich mich wohl de^BewustseinjJ hingeben, diesen Zweck auch in seiner schönsten Seite damit erreicht zu haben. Die meinem Berichte zu Grunde liegenden Daten verdanke ich bis zum Schlüsse des 4. Decenniums den Nachkommen mehrerer Müller, welche schon um das Jahr 1800 wirkten, zum Theil Männe% welche von dem 1. Decennium heute noch leben; vielen Mittheilungen, welche mir auf briefliches Ersuchen bereitwilligst zugegangen sind, und endlich beruhen dieselben auf den Erfahrungen, welche ich theils im eigenen Ges^häfts- betrieb^und Wirkungskreise, theils durch eigene Anschauung auf meinen wiederholten Geschäfts- und Erholungreisen im In- und Auslande mir angeeignet habe, —• Diesen meinen Erhebungen steht auch die Anschauung eines gelehrten Mannes, Herrn Professor Friedrich Kick in Prag, der sich ein bedeutendes Verdienst für die Müllerei durch sein vortreffliches Werk: „Die Mehlfabrikation, ein Lehrbuch des Mühlenbetriebes, Leipzig 1871,“ erworben hat, nicht entgegen, vielmehr sagt derselbe Pag. 5 des gedachten Buches: „Die Wiener Gries- und Hochmüllerei stammt von der Wiener Gegend, wurde in Ungarn, Böhmen, Sachsen und andern Orten acceptirt, und führt die Namen Wiener, 6 Österreichisches, ungarisches, Prager oder sächsisches Mahlver- fahren.“ „Hiermit will nicht gesagt sein, dass man aller Orten ganz den gleichen Vorgang beobachtet, es finden sich vielmehr zahlreiche Abstufungen, nur der Grundgedanke ist der gleiche. Die Zerkleinerung findet allmählig und die Scheidung der Producte nicht allein nach Grösse der Theilchen, sondern auch nach dem specifischen Gewichte derselben statt.“ In Wien und Umgebung hat, so weit ich mit meinen Erhebungen zurückzureichen vermag, nie eine sogenannte Lohnmüllerei stattgefunden. Dieser Umstand scheint auch das Motiv gewesen zu sein, dass es im eigenen Interesse des Müllers gelegen hat, möglichst viel und gutes Mehl aus der Frucht zu gewinnen; und dass man eben schon sehr früh darauf angewiesen war, nicht nur mechanisch, sondern auch nachdenkend zu produciren. Die Wiener Müllerei wurde daher schon im Jahre 1800 mit sehr wenig Ausnahme kaufmännisch betrieben; d. h. der Bedarf an Mehlfrucht wurde grösstentheils am Getreidemarkte in Wien und Wiener-Neustadt für eigene Rechnung ein, — und das daraus erzeugte Mehl grösstentheils an die Bäcker Wiens und Badens verkauft.*) Im Jahre 1805 wurde sogar den Bäckern Wiens verboten, eigene Mühlen zu besitzen.**) Auch gab es damals schon sogenannte Grub-***) oder Bäckermüller und Grieslermüller. Erstere hatten ihre Mühlen grösstentheils au den Gewässern der grossen und kleinen Fiseha, den beiden Kaltengängen und an der Schwechat, letztere an der Wien, am Liesing-, Peters-, Mödlinger- und Badenerbache, f) *) Regier.-Verord. v. 29. Sept. 1804. P. Z. 17321. **) Hofkanzlei-Decret v. 8. Jänner 1805. Reg. P. Z. 1884. ***) Dieser Name dürfte von der Mehlgrube, dem damaligen Vereinigungsort der Müller und Bäcker stammen, woraus sich später die Frucht- und Mehlbörse entwickelte. f) Dieser Unterschied in den Gattungen der Mühlen hat sieh bis heute erhalten, obwohl derselbe ins Hofkanzlei-Decret vom 23. Nov. 1810 ohne Nummer aufgehoben worden ist. 7 Im Jahre 1800 war die Construction der Mahlmühle noch, eine höchst einfache. Jeder Mahlgang separat mit einem Wasserrad angetrieben; ein Beutelkasten, an welchem sich das Beutelwerk befand, war der ganze mechanische Theil einer Mahlmühle, alles übrige musste durch Händearbeit hervorgebraeht werden, zu derselben befanden sieh noch in jeder Mühle einige Pottiche und Siebe. Die Vermahlung der Mahlfrucht wurde allgemein auf nassem Wege vollzogen. Einige Stunden vor der Vermahlung wurde der Weizen gewaschen, wo dies nicht der Fall war, wenigstens hinreichend eingenässt (zugerichtet), denn nur in sehr genässtem Zustande gelang es, das Zerreiben der Kleie möglichst zu verhindern und für die damalige Zeit genügend weisses Mehl zu erzeugen. Das Getreide (Weizen) wurde gleich möglichst klein ge- schrotten und nur die gröberen Theilchen einer Sortirung mittelst Sieben in den Pottichen unterzogen, dabei die kleiichten Theile nicht selten mit einem Schäufelchen abgeschöpft und auf diese mühevolle Weise der Gries aus dem Schrott gewonnen. (Abgel eitert.) Dieser Gries wurde als sogenannter Marktgries verkauft, wir finden denselben um 1810 im nördlichen Deutschland (Berlin) unter dem Namen „Wiener Gries“ in dem Handel, ebenso ward derselbe von Wiener-Neustadts Umgebung nach Triest und Venedig verfrachtet. Kein Wunder, dass man endlich daran dachte, mehr und mehr Gries zu gewinnen, ja selbst um mehr Gries zu bekommen, gröber zu schrotten, die Mühle, vielmehr die Steine, höher zu stellen, und so allmälig zur Gries- und Hochmüllerei überzugehen. Es scheint, dass in dieser Zeit ein Stillstand in der Entwicklung unseres Müllergewerbes eingetreten ist, wozu wohl am meisten die damalige Kriegsepoche und die enorme Theue- rung des Eohproductes beigetragen haben mag. Endlich gehörte das Müllergewerbe damals noch unter die Approvisionirungs- Gewerbe, stand unter einer Satzung, d. h. der Preis für die Mahlproducte wurde von der Behörde vorgesehrieben oder die Höhe desselben bestimmt. Dieser Preis durfte bei Strafe, 8 worüber kein Becurs zulässig war, nicht überschritten werden. *) Es ist klar, dass unter solchen Umständen jeder Versuch, bessere Qualität zu erzeugen, von vornherein ausgeschlossen war. Wir sehen jedoch diese Mahlsatzung noch zu Ende des ersten Deceniums aufgehoben und damit den Hemmschuh der natürlichen Entwicklung unseres Gewerbes beseitiget.**) Weizen aus Ungarn war bisher noch wenige unser vortrefflichster Weizen aus dem Banate noch gar nicht gekannt. Der grosse Gedanke Maria Theresias! Die Colonisirung der Deutschen im Banat brachte erst später seine Segnungen und somit war das Ende des ersten Deceniums dieses Jahrhunderts, wohl das Traurigste für unser Müllergewerbe, zu Ende gegangen. 1810 . Begrüssen wir unser Gewerbe aus der Bevormundung der vorgedachten Satzuugsvorschriften entlassen, also frei! Folglich lür die Zukunlt als alleiniger Leiter seiner Entwicklung. Dass es dieses kostbare Gut auch würdig zu schätzen wusste, beweisst eben, dass es von da an auch ohne alle Bevormundung geblieben ist. Hier muss nach allen meinen Quellen übereinstimmend eines Mannes gedacht werden, welcher für die damalige Zeit im Vorschritt des Müllergewerbes nicht nur Hervorragendes leistete, sondern als der eigentliche Erfinder des heutigen Mahlsystems zu betrachten ist, nämlich Ignaz Paur,***) welcher vorerst Müller in Vöslau war, nach einigen Jahren treffen wir ihn als solchen in Schönau und 1810 in Leobers- dorf, und zwar auf derjenigen Mühle, welche sich heute im Besitze des Herrn Nowak befindet. *) Hof-Decret vom 28. März 1804. Prag. P. Z. 5908. **) Regier.-Verordnnng v. 7. März 1810 ohne Nr. ***) Geboren den 22. Juli 1778 zu Tettendorf, gestorben 6. Septbr. 1842 in Lichtenwörth nächst Wiener-Neustadt. 9 Die genannte Mühle an der Triesting konnte für die damalige Zeit schon eine der grösseren genannt werden. Paur konnte mit der damaligen äusserst mühsamen und anstrengenden Arbeit des Griessiebens (Ableitern) nicht mehr ausreichen, nachdem e r bereits den Versuch gemacht hatte, den aus dem Schrott herausgezogenen Gries feinerer Gattung wieder auf Mehl zu vermahlen, welches Mehl Paur Auszug benannte, und welche Benennung auch bis heute verblieben ist, und construirte im Vereine mit dem Tischlermeister N. Winter*) in Leobersdorf sogenannte Sauberer (Absäuberer) vorerst an den Beutelkästen; gleichzeitig aber auch die erste doppelte Griesputzmaschine, nach denen er sofort 4 Stück gleichzeitig in seiner Mühle aufstellte. Das Princip dieser Maschinen, die Griese mittelst eines Luftstromes, welcher auf die durch eine Spalte fallenden Griese geblasen wird, von der beihaftenden Kleie zu entfernen, ist heute noch aufrecht erhalten, und merkwürdig genug, kaum die Construetion der Gegenwärtigen von denen der Damaligen bedeutend abweichend. Hiermit hatte Paur den Anfang der Wiener Gries- und Hochmü&erei vollzogen und ist als der eigentliche Gründer derselben unzweifelhaft zu betrachten. Die zweiten Putzmaschinen lieferte Winter an Huppmann, nach Baden, soviel bekannt die dritten an Spuller nach Guntramsdorf. Die Verbreitung dieser Putzmaschinen und der Absäuberer wurde, nachdem einmal der Anfang gemacht, in der Wiener Gegend ziemlich allgemein, und Winter konnte kaum mehr genug erzeugen. Um diese Zeit galt sowohl noch das Badener Mehl als auch das Gebäck (Badener Kipfl) als besonders vorzüglich, welches bisher in Wien noeh nicht erzeugt wurde. Im Jahre 1811—1812 übersiedelte der Bäckermeister Gerber von Baden nach Wien und zwar etablirte sich derselbe __ . y i' • fr , *) Winter ist erst im Jahre 1865 in Leobersdorf ln dürftigen ‘ \ Verhältnissen gestorben, 10 in der Stadt, Rothgasse, fing dort an, die Badener Kipfl und das sogenanute Kaisergebäck mit solchem Erfolge zu erzeugen, dass, wie mir ein Augenzeuge versicherte, bei dem Verkaufe Polizei interveniren musste. Nach Gerber sollen Eberl, der nachmalige Hofbäcker und Spuller die Zweitnächsten zur Einführung des Kaisergebäckes in Wien gewesen sein. Ziemlich schnell wurde es auch allgemein. Nun wurde auch nach und nach mehr Bedarf an weissem, sogenanntem Auszug-Mehl und von Seite der Bäcker nicht allein auf Weisse sondern auch auf kräftige Mehle hingewiesen, und es wurde im Jahre 1814—1815 der berste Banater Weitzen auf den hiesigen Mühlen vermahlen, gleich darnach fing die Vorzüglichkeit dieses Weizens an, sich kund zu geben. Wohl kam schon früher Frucht aus Ungarn und dem Banate über Wieselburg nach Wien; allein der grösste Theil dieser Frucht war sogenannte Halbfrucht, und daher zur feinen Mehlerz eugung noch nicht verwendbar. Es ist anzunehmen, dass das Princip der AViener Gries- und Hochmüllerei zu Ende dieses Decenniums wohl schon ziemlich allgemein vollzogen war, keineswegs aber glich das damalige Mehl an Weisse und Güte dem heutigen. Ebenso wurde an Quantität vom Auszug äusserst wenig im Verhältniss von heute erzeugt, und so kam die dritte Periode der A\ T iener Gries- und Hochmüllerei mit ihren Männern an die^ Reihe, welche zur Vervollkommnung wahrlich auch nicht kleinen Antheil genommen hatten. 1820 — 1830 . Die Umwandlung von der ehemaligen Flach- zur AA r iener Gries- und Hochmüllerei w T ar, wie wir sehen, bereits grössten- theils vollzogen. Ign. Paur übersiedelte 1826 nach Lichtenwörth, erbaute die dortige Mühle so vorschrittlich, dass nach derselben viele Putzereien nachgebaut wurden. Auch construirte Paur später eine Waschmaschine, welche er sich patentiren liess. 11 Man sah ein, dass auch Weizen vor der Vermahlung gereinigt werden müsse; hierin hatte sich Georg Mittermüller durch entsprechende Maschinen (sogenannte Stäuber) oder Anwendung derselben, wie durch Aufstellung und Benützung möglichst vieler Griesputzmaschinen bemerkbar gemacht, seine Mahlmühle in Münchendorf, sowie diejenige des Leopold Paur* **) ) in Tattendorf, nachmaliger k. k. Hofmüller, waren die meist ver- vollkommneten Mühlwerke seiner Zeit. Georg Volk brachte die grosse Mühle in Wienerherberg 1824 käuflich an sieh und fing an, dieselbe entsprechend der damaligen Zeit einzurichten, d. h. mit den nöthigen Hülfs- maschinen zu versehen. Unparteiisch kann man behaupten, die Wiener Gries- und Hochmüllerei verdankt den Männern Leopold Paur, Georg Volk und Georg Mittermüller viele Erfolge jener Zeit. Bei Volk wurde das erste Paternosterwerk (Aufzug) zu Mahlzwecken in Verwendung gebracht und fand von da aus in der Müllerei allseitige Verbreitung auf hiesigem Platze.*) Heute wird es wohl keine Mühle um Wien geben, welche nicht über ein Viertelhundert solcher Aufzüge in Verwendung hat. Georg Volk war lange der bedeutendste und beliebteste Müller seiner Zeit. Bisher wurde der gewohnte Mühlenbau, jeder Mahlgang mit separatem Wasserrade versehen, in ganz Oesterreich beibehalten. In Deutschland, am Mittelrhein, im Grossherzogthum Baden, an einigen Orten der Schweiz, hatte man beim Mühlenbau die ursprünglich amerikanische Erfindung, mehrere Mahlgänge auf einen Motor zu concentriren, bereits einzuführen angefangen. Obwohl die Wiener Gries- und Hochmüllerei dort noch keine Verbreitung gefunden hat, war man jedoch im Baue der Mühlwerke bereits vorgeschritten. Man konnte sich dort schon des Gusseisens zu mechanischen Zwecken, ja selbst zum Mühlenbaue bedienen und dasselbe in die hierzu geeigneten Formen bringen und bearbeiten. *) Ein Bruder des oftgen- Ign. Pr. **) 1829. Durch Grimm, Zimmermeister in Fischamend. In Oesterreich war diess zu Ende der jetzigen Periode noch weniger allgemein bekannt und es ging daher der mächtige Umschwung, den dieses Metall in allen mechanischen Gewerben mehr oder weniger mit sich brachte, in die Zeit der Jahre 1830—1840 und der darauf folgenden über.*) Anfangs dieser Jahre sehen wir schon einen mächtigen Aufschwung in unserem Gewerbe. Die Kornkammern Ungarns erschlossen sich, Banat gab bereits den schönsten und auch den meisten Weizen für den Wiener Mehlbedarf. Zur Lieferung desselben waren in Wieselburg Speditions-Häuser entstanden, mächtige Karawanen von Fuhrleuten fruchteten Weizen von Wieselburg, wohin man denselben mit grossen Schiffen von Banat aus brachte, auf sämmtliche Mühlen der Umgebung Wiens. Die Segnungen der Theresianischen Colonisirung waren bereits eingetreten. Man hatte damals allgemein die Ansicht, Banat sei die Kornkammer Wiens! Und so war es auch in der That. Die Mühlen wussten nicht nur der Mehlversorgung Wiens zu entsprechen, allmälig stellte sich ein, wenn auch Anfangs unbedeutender Mehlbedarf nach Brünn, Prag und Böhmen ein. Die Wiener Gries- und Hochmüllerei war eben über die Gewöhnlichkeit bereits hinweggeschritten. Das Wiener Mehl, wozu das Wiener Gebäck wohl auch viel beigetragen haben mag, wurde eben schon anderwärts auch bekannt und berühmt; denn der Herr gab das tägliche Brod in Wien wohl in seiner schönsten Form. *) Die erste Eisengießerei hier war diejenige der Wien-Raaber Eisenbahn, jetzt Staatsbahn, 1840 unter der Leitung des Engländers Socliff, die zweite des Herrn William Noris unter der Leitung des Amerikaners Focati 1846-1847. 13 In Baiern (München) treffen wir bereits die erste Walz- mühle vollendet, nämlich die König Ludwigsmühle in der Au. *) Man glaubte eben in Deutschland auch mahlen zu können, ignorirte aber ganz unser Mahlverfahren und unsere Putzmaschinen. Daher konnte man keine Griese putzen, um daraus schönes Mehl zu gewinnen, das konnte man eben nur in der Wiener Gegend. Im Jahre 1838 traf ich, nächst Winterthur in Tös eine einfache nach Wiener Art eingerichtete Mahlmühle; auf die Frage: „Wie mahlen Sie?“ erhielt ich die Antwort: „Nach Wiener Art!“ Damals natürlich in genässtem Zustande. Diese Art der Vermahlung ist aber auch in der Schweiz bis heute verblieben, während am Wiener Boden die Vermahlung auf trockenem Wege, auf deren Einführung ich später zurückkommen werde, hier längst eine allgemeine geworden ist. Dieses Factum führe ich nur deshalb an, um darzuthun, dass die Wiener Gries- und Hochmüllerei schon damals weit über die vaterländische Grenze hinaus seine gewiss verdiente Würdigung gefunden hatte. Der ausschliessliche Betriebsmotor der Mühlen Oesterreichs war damals die Wasserkraft. Wir sehen unsere Müllerei durch die beispielslose Trockenheit des Jahres 1834 sehr beeinträchtigt. Diese Beeinträchtigung gab wahrscheinlich den Impuls, dieses von der Natur Oesterreich in so reichem Masse gewährte Gut mehr und mehr ökonomisch auszunützen. Der Umbau einiger Mühlen nach amerikanischem System, vorläufig wohl noch grösstentheils in Holz- und Schmiedeeisen-Construction, womit mehrere Mahlgänge sammt Hülfsmaschinen an einem Motor vereinigt wurden, war noch zu Ende der Jahre 1830 mit Glück begonnen und durchgeführt. Das österreichische Mahlverfahren hatte auch zu Ende dieser Zeit mit Bezug auf die damals noch sehr mangelhafte Construction der Mühl werke wesentliche Verbesserungen auf- *) 15 Walzen-Stullungen und 4 Mahlgänge mit Stein. 14 zuweisen, das eigentliche System desselben ward jedoch in keiner Weise geändert, denn was Paur geschaffen — es war bestimmt, für länger zu bestehen. Auch für Oesterreich kam nun die Zeit des Dampfes, des so mächtig umwandelnden Urstoffes des neunzehnten Jahrhunderts, dessen volle Bedeutung man heute kaum noch ahnen kann, allmälig herangeschritten. Er brachte nicht nur Erleichterung im Verkehr und Handel; die Mechanik, sie triumphirt darob; — denn unter ihren Grundgesetzen ist auch für ihn Baum genug, wie unter den ewigen Grundgesetzen der Menschheit für Jedweden. Noch sehen wir zu Ende dieser Zeit unser Product, nebst vielen andern mit der Locomotive der Kaiser Ferdinand-Nordbahn nach Brünn und noch weiter nach Norden gezogen. Als bewegende Kraft war der Dampf der Wiener Gries- und Hochmüllerei noch nicht dienstbar geworden, 1840 — 1850 . Diess sollte für die Jahre 1840—1850 noch Vorbehalten bleiben. *Den Anfang dieser Zeitperiode konnte man mit aller Berechtigung als die eigentliche Reformzeit des österreichischen Mühlenbaues betrachten, und ehe noch einige Jahre vergingen, waren selbst an den kleinsten Mühlwerken Neubauten oder Umwandlungen vollzogen. In mancher Mühle wurde bereits das feine Mehl durch Seide gebeutelt, die französischen Mühlsteine fingen an Beachtung zu finden, selbst Cillinder verdrängten nach und nach das altherkömmliche Beutelwerk. Man huldigte früher der Ansicht, möglichst kleine Mühlsteine seien vortheilhaft, weil dadurch bei der Zerreibung das Mahlgut weniger Grundfläche zu passiren, und dadurch beim Schrotten oder Griesen (Auflösen) weniger geringe Mehlgattungen erzeugt werden. Zum Glücke ging man von dieser Anschauung mehr und mehr ab, man fing an, Steine von 4 bis 5 Schuh Durchmesser zu construiren und verlegte nur die eigentliche Mahlfläche mehr auf die äussere Peripherie derselben, wodurch die Leistungsfähigkeit noch sehr vermehrt wurde. Den französischen Mahlsteinen kam eben die neue Construction, wonach dieselben auf der Welle (Mühleisen) balanciren, zu Gute, während nach den früher construirten Mühlen die Steine auf der Welle unbeweglich waren. Diese Umwandlungen hatten grösstentheils aber auch den Zweck, die oft übermässige Anstrengung der Arbeiter, welche nothwendig war, um das Gewerbe ohne Versäumniss zu betreiben, denselben nun grösstentheils abzunehmen, und womöglich an die Mechanik zu übertragen, oder überhaupt den Mühlenbau und zugleich das Mahlverfahren zu vervollkommnen. Anerkennend muss bei dieser Gelegenheit den eben entstandenen Mühlen- und Maschinenbau-Anstalten der Herren D. Specker* **) ) am Tabor in Wien, sowie der Filiale der Herren Escher Wys & Co. in Leesdorf w *) gedacht werden. Sie hatten allmälig rasch das Bedenken, welches man Anfangs der Gusseisenconstruction entgegenbrachte, beseitiget, und mit ihrem technischen Wissen in die reformbedürftige Zeit des allgemeinen Mühlenbaues wohlthätig wirkend eingegriffen. Jedenfalls gebührt diesen Männern die Ehre, durch ihr Streben die Lebensfähigkeit des Müllergewerbes gegen die ihm kommende Concurrenz theilweise gesichert zu haben. Der Dampf wurde nun auch in Oesterreich als Betriebsmotor der Wiener Mehlfabrikation dienstbar. Bereits im Jahre 1842 sehen wir den Bau der k. k. priv. Dampfmühle vollendet und dieselbe in Betrieb gesetzt. Es war dies ein Werk auf der Höhe der Zeit, welche alle Vorzüge des mechanischen *) D. Specker am Tabor hat 1843 den Mühlenbau begonnen und -war von da an bestrebt, die Vervollkommnung des Mühlenbaues zu erzielen. **) Die gedachte Firma hat innerhalb 23 Jahre allein 742 Steingänge und 138 Walzenstullungen gebaut, damit können allein circa 44.000 Z.-Ctr. täglich erzeugt werden. Von der Mühlenbau-Anstalt in Simmering, L. Neumelk, sind mir bis heute leider keine Daï:h9s to$, nod‘) - .;ntl':i. * ihd'i' il‘'trB jtiWib Imu oil* 0 't;‘:'vij 1 , T. üortni* buc i ' ;hrt/x tai %?•» toî*: rli/l aiftni-jr* ir<*7 ■ l>itp . ni 1 ••,-*msuK;c;:?!>v/ a"-' *. - sar>iV/ nsi-iiiïntjfMfx Hi!r'ht*»4 ii;- . ■ • • ■ .jv: 7 » '.Ku >• • tteßtt stnüüiïT *â‘ïiî-î • '.oiüüI "'«i ■* '..m‘ ■•Ir ;;in.T < V • - • . . r * 4 ■ ' ‘ ' ^ . io^ilirrmboll iaiL .nv ■■’•, fyai iJ-al-v ia . ‘îA^-ilü.. . ' _ . flamiîoli ui tiHiaiu •!<*! nailtnf •’ «4,vui£t- tun ïJfîl Uf»V if)li;*ç. U.lflu' : ,, “K- -‘«sis ‘ '-l'âîavrtir'int^ H fJiJrw ..»ur-r »•..< -h.-':*. w y . * »•* ‘ . . . 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