SCHWEIZ BERICHT GRUPPE VIII HOLZ -INDUSTRIE F. Salvisberg in Bern Mitglied der lnterii«tioimlen Jury. SCHAFFHAUSÈN VERLAG VON 0. BAADER Preis: Fr. 1 Heft 4. T*', WIENER WELTAUSSTELLUNG 1873 SCHWEIZ BERICHT Z- J GRUPPE VIII HOLZ-INDUSTRIE F. Salvisberg in Bern Mitglied der internationalen Jury. SCHAFFHAUSEN VERLAG VON C. BAADER 1874 . ißav Druck von J. Westfehling in Winterthur. Der Verfasser vorliegenden Berichtes wurde vom Eidg. Departement des Innern als schweizerisches Mitglied der Internationalen Jury bei der Wiener Weltausstellung für die achte Gruppe (Holzindnstrie) bezeichnet und nachdem er seine diesfallsige Mission im Laufe des vergangenen Sommers in Wien erfüllt hat entledigt er sich hiemit noch des ihm gewordenen Auftrages über seine Beobachtungen zu referiren. Die achte Gruppe theilte sich in drei Sektionen, um die verschiedenen Abtheilungen der Holzindustrie, die mehrere tausend Gegenstände enthielten, besser bewältigen zu können. Diese Abtheilungen bezogen sich auf a. die Bautischlerarbeiten (Parquette, Fenster, Thüren u. s. f.) b. Möbeltischlerarbeiten; c. Erzeugnisse aus gespaltenem Holze (Fassen, Schindeln, Siebzeuge etc.); d. Holzdraht und Erzeugnisse aus demselben; e. Fourniere und Marquetteriearbeit; f. Gestochene und geschnitzte Arbeit; h. Korkwaaren; i. Korbflechtwaaren; k. Farbanstrich, Beizen und Vergolden von Holzgegenständen; l. Darstellung der für vorgenannte Industrien dienenden Vorrichtungen und Arbeitsprozesse; m. Produktionsstatistik. Die erste Sektion unternahm die Prüfung der unter a, b, c, d, e, f, g, h stehenden, die zweite die unter i, und die dritte die unter k befindlichen Artikel. Die Abtheilungen 1 und m wurden von jeder Sektion möglichst gut erhoben, zum Theil aus den Fragebogen und Notizen, welche den Sektionen zukamen, sowie aus den Mittheilungen, die bei der Aufnahme der Gegenstände eingezogen werden konnten. Meine Aufgabe geht nun dahin, die schweizerische Abtheilung in’s Auge zu fassen, Vergleichungen mit Arbeiten aus andern Ländern anzustellen, deren Leistungen in Kürze zu beleuchten, und meine daherigen Anschauungen der öffentlichen Würdigung zu unterbreiten. 4 F. Salvisberg in Bern. Gemäss dem schweizerischen Kataloge ergaben sich anfangs 73 Aussteller, davon sind 19 zurückgetreten und aus der Gruppe 19 wurde die Parquetterie Interlaken in die Gruppe 8 versetzt, so dass im Ganzen noch 55 Aussteller sich betheiligten. 24 derselben wurden prämirt. Es wurden ertheilt 8 Verdienstmedaillen, 2 Fortschrittsmedaillen, 1 Geschmacksmedaille, 13 Anerkennungsdiplome und 5 Mitarbeitermedaillen. Verdienstmedaillen erhielten: 1. Balmer, Jakob, von Meiringen, Schnitzler. 2. Eberli, Jakob, von Amden bei Wesen, Küfer. 3. Flück, J., am Fluhberg, Brienz, Fabrikant und Schnitzler. 4. Jäger, Jakob & Comp., von Brienz, Schnitzler. 5. Klein, J. F., von Meiringen, Fabrikant und Schnitzler. 6. Pays, J. & Sohn, in Luzern, Fournierfabrikant. 7. Ritschard, Christian, in Interlaken, Schnitzler. 8. Zum-Brunn, Schmocker & Comp., in Ringgenberg. Fortschrittsmedaillen erhielten: 1. Parquetterie Interlaken, Direktor Seiler. 2. Berger, Gebrüder, im Thal, Bern. Geschmacksmedaille erhielt: Mumprecht, Joseph, Ebenist und Schnitzler in Bern. Anerkennungsdiplome erhielten: 1. Abegglen-Perrin, von Iseltwald, Schnitzler. 2. Althaus, Peter, in Meiringen, Schnitzler. 3. Baumann & Simon, in Brienz, » 4. Berger, C. & Comp., in Interlaken, Schnitzler. 5. Bodmer & Ammann, in Zürich, Ebenist. 6. Böhme, F. & Comp., in Winterthur, Schreiner. 7. Bosshard, Rudolf, in Seen, Zürich, Korbfabrikant. 8. Fischer & Grossmann, Brienz, Schnitzler. 9. Grossmann, Joh., Ringgenberg bei Interlaken, Schnitzler. 10. Manser, Küfer, in Appenzell. 11. Michel, Peter, Brienz, Schnitzler. 12. Ruef, Peter, Oberried, Bern, Schnitzler. 13. Sterchi, Friedr., Oberried, Bern, Schnitzler. Mitarbeiter-Medaillen erhielten: 1. Baumann, Sohn, bei Baumann & Simon, in Brienz, Schnitzler- 2. Eggler, Johann, bei Jakob Jäger & Comp., in Brienz. 3. Rieben, bei Mumprecht, Ebenist in Bern, Schnitzler. 4. Rubin, Heinrich, bei Zum-Brunn, Schmocker & Comp., in Ringgenberg, Schnitzler. 5. Thomann, Jakob, Werkführer bei Jakob Jäger & Comp., in Brienz. Holz-Industrie. 5 Unter den sämmlichen 55 Ausstellern befinden sich 34 Schnitzler, 6 Möbeltischler, 2 Parquetfabrikanten, 3 Ebenisten und Schnitzler oder Bildhauer, 3 Küfer, 7 Drechsler, Fournierarbeiter und Korbfabrikanten. Es erhellt daraus, wie schwach die Schweiz in der Holzindustrie vertreten war, und wie wenig im Allgemeinen eine Exposition überjden Umfang, den ein Land in den verschiedenen Branchen besitzt, Zeugniss zu geben vermag. Es ist mit grossen Schwierigkeiten verbunden, wenn man die finanziellen Opfer dafür vermeiden will, getreue statistische Erhebungen in einem Land über die bestehenden Industrien vorzunehmen. Wenn auch eine Behörde nach allen Richtungen genaue Anfragen stellt und Erkundigungen einziehen will, so kann sie sich in vielen Fällen darauf verlassen, dass sie entweder keine, oder neben manchen wichtigen auch viele nicht zutreffende Angaben erhält. Dem Einzelnen, wenn er sich auch in höherer, amtlicher Stellung befindet, ist es noch weit mehr erschwert, oder wird es geradezu unmöglich, eine brauchbare Uebersicht aufzustellen. Das blosse Einziehen von Erkundigungen bleibt eine halbe Massregel und führt oft zu irrigen Beurtheilungen. Um zu einem getreuen Bilde zu gelangen, lohnte es sich wohl der Mühe Jund des Opfers* dass dafür Fachmänner bestellt würden, die das Land bereisen und» gestützt auf einen möglichst genau genommenen Augenschein, ein wichtiges und werthvolles Material beizubringen im Stande sein könnten. Zum Zwecke der Wiener Weltausstellung wurde immerhin einiges Material gesammelt. Speziell für die Gruppe VIII. konnte ich Manches erheben und auch Herr Professor Kronauer hat sich dafür interessirt. Ueber die Gross-Holz-Industrie entnehme ich seinen eingesammelten Notizen dass auf die 22 Kantone sich 1837 Sägen, 12 grössere Einrichtungen für Drechslereien etc., 3 Wagnereien, 15 Schreinereien, 20 Parquet- fabriken, 7 grosse Schnitzereien vertheilen. Den obigen Angaben fügen wir noch hinzu, dass im Frutigthal sich 20 Zündholzfabriken befinden, die durchschnittlich je 20 bis 40 Männer und Kinder beschäftigen und in Bern und Freiburg je eine Waggonfabrik, die so eingerichtet sind, dass jede per Jahr an die 400 Waggons zu liefern im Stande ist. An diese Etablissements reihen sich eine ausserordentliche Menge von kleinern Werkstätten. So meldeten sich in der Schnitzlerei anfänglich 53 Arbeiter, wovon weitaus die meisten als selbständige Chefs da stehen, und hinter diesen blieb noch eine grosse Anzahl Etablissements zurück. Am Auffallendsten ist diess bei der Schreinerei, bei welcher sich eine bedeutende Zahl hätte betheiligen können. Die Erforschung der Produktivität des Landes dient den nationalökonomischen Interessen. Wenn die Weltausstellung nur theilweise dieser Untersuchung nachhelfen kann, so rührt diess davon her, weil sie in Zeit, Raum und den Mitteln auf Grenzen angewiesen ist, innert denen sie sich bewegen muss und sich allein möglich machen kann. Von 6 F. Salvisberg in Bern. diesem Gesichtspunkte aus gesehen, dürfte es auf eine Auswahl der Gegenstände abgesehen sein, bei denen es weniger auf die Quantität als auf die Qualität ankommt, wobei allerdings darauf zu achten ist, dass alle hervorragenden Erscheinungen oder Branchen ihre angemessene Repräsentation finden, nicht wie es z. B. in der Gruppe VIII. der Fall war, wo nur ein höchst lückenhaftes Resultat für die Schweiz sich ergab. Die Gruppe VIII. hat sich nämlich hier vorwiegend mit der Holzschnitzerei des Berner-Oberlandes bemerkbar gemacht, die Vertretung der übrigen Holzindustrien ist nach ihrem Umfange fast nicht der Erwähnung werth. Trotzdem möchte es nicht unnütz sein, auf unsere Leistungsfähigkeit hinzudeuten, um damit der Zukunft einigen Dienst zu leisten. Auch die Holzschnitzerei zeigte sich nicht in ihrem Höhepunkte. Ich erlaube mir dieselbe in mehreren Punkten zu berühren. Bei Anlass der Pariser Weltausstellung im Jahre 1868 machte ich, als eidgenössischer Experte bei der Vorprüfung der Schnitzereien den Versuch, auf die grosse Bedeutung dieser Industrie aufmerksam zu machen, ihren Standpunkt zu bezeichnen, den sie damals einnahm, und für die Zukunft einnehmen soll, unter der Angabe der Mittel, wie das letztere wohl zu erreichen sein möchte. Ich darf desshalb in Manchem auf die daherige Schrift und den Auszug hinweisen, der aus derselben in den Administrativbericht des Generalkommissärs für die Pariser Ausstellung überging. Wir dürfen in der Vergleichung der Wiener mit der Pariser Ausstellung einen Fortschritt notiren, der auch zu weitern Hoffnungen berechtigt. In Paris erschienen 9 Aussteller, wovon einer die Silbermedaille, die andern eine Collektiv-Auszeichnung erhielten, — das Resultat in Wien ist also ein bedeutend günstigeres. In Bezug auf die ausgestellten Gegenstände bietet die Vergleichung zwar keine richtige Uebersicht, weil gerade in Wien von den ausgezeichnetsten Etablissements und Arbeiter wegblieben, während in Paris das Haupt^ der Schnitzlerei durch die Gebrüder Wirth in Brienz vertreten war. Dennoch ist der Aufschwung der Industrie ersichtlich, sowohl was die Mannigfaltigkeit der Darstellung, der Zuwachs von neuen Sujets, als auch die sorgfältigere Arbeit, die künstlerische Behandlung, der Reich- thum der neuen Ideen etc. anbetrifft. Wenn das Resultat in Wien ein weit günstigeres war, als dasjenige in Paris, so darf man es auch dem Umstande zuschreiben, dass der Sache diessmal mehr Aufmerksamkeit von Seiten der Behörden, der Arbeiter und des Gommissariates geschenkt wurde, als diess früher der Fall war oder sein konnte. Die für die Ausstellung eingeleiteten Schritte wirkten belebender, den Vorprüfungen wurde mehr Zeit gewidmet und in Anwesenheit der Aussteller durch Männer geleitet, deren Beruf ihnen ein besonderes Interesse dafür darbot. Aus der offiziellen Vertretung in der Jury in Paris kennen wir keinen eingehenden Bericht über die Holzschnitzerei. Ein solcher wurde Holz-Industrie. 7 auf rein zufälligem Wege beigebracht. In Wien erschien nicht blos eine besondere Repräsentation für diesen Zweck, der eine Berichterstattung Überbunden war, sondern die Schnitzler sandten auf ihren Namen einen Arbeiter, der lediglich ihre Ausstellung zu überwachen hatte. Was der Sache in Wien einen besondern Reiz verlieh, war die in einem Schweizer- Chalet erfolgte Ausstellung der Schnitzarbeiten. Es konnte in der That nichts Passenderes geben, als diese beiden Dinge, die auf dem gemeinsamen Boden des Berner Oberlandes entstanden, unter den gleichen Hut, dem Auge in eine Ausstellung zu bringen. Die überaus freundliche Giebelfronte des hölzeren, von Herrn Architekt Risold erbauten Gebäudes mit seinen Gallerien, Baikonen, den durchbrochenen Geländern und reichen Verzierungen, mit der über das Ganze verbreiteten braunen Farbe des Holzes wirkten so einladend nach der Hauptavenue der Weltausstellung, sowie der Anblick des grünen Gärtchens mit seinem hohen schattigen Baume und der Springfontaine, die die Umgebung des Häuschens zierten, dass damit auch ein günstigerer Besuch erzielt wurde. Dagegen kann Paris gar nicht in Betracht kommen. Gehen wir des Nähern auf die Objekte der Ausstellung und die Aussteller selbst über, welche mit einer Auszeichnung bedacht wurden. Es ist auf den ersten Blick erkennlich, dass für eine Weltausstellung die Holzschnitzerei die Tendenz hegt, die eigentlich kunstindustrielle, wenn möglich die künstlerische Seite herauszukehren. Es ist nicht diese ganze unerschöpfliche Masse von Gegenständen, die zum Theil einen praktischen, mehr aber noch einen spielenden, und viele einen rein nur spielenden Charakter tragen, und welche immerhin einen wichtigen Theil des Handels und des Gewinnstes der Industrie reprä- sentiren, — welche hier erscheint, sondern es betrifft die Ausstellung die Auswahl von Arbeiten, welche die Darstellung der Figur, des Menschen und des Thieres, des Möbels, des Ornamentes, in freier oder gebundener Weise enthalten, von Gegenständen, wie Rahmen, Casetten, Uhrgehäuse mit Aufsätzen von Gruppen und Schnitzereien, dann Häuschen, Vasen, Schaalen, Schachteln, Etageren, Consolen, Schmuckkästchen mit ornirten Füllungen und Deckeln etc., Cigarren- und Liqueur-Kästchen, Etuis, Schlüsselkästchen, Toilettenspiegel, Bestecke, Fächer, — dann Sessel und Tische mit eingelegter Arbeit in Verbindung mit Malerei, Emblemen und Medaillons, Wappenschilder, kleinere Möbel und Schreiner-Arbeiten etc. Innert diesen Grenzen bewegt sich die Ausstellung. Abegglen-Perrin, von Iseltwald und Sterchi in Oberried zeigen uns in grossem Massstabe das alte Oberländer Bauernhaus in Verbindung mit einer Uhr. Es bietet eine freundliche Reminiscenz. Die Arbeit würde eine korrektere in der Form sein, wenn das grosse Zifferblatt, das einen beträchtlichen Theil der schön geschnitzten Giebelfaqade einnimmt, die übrige Proportion nicht zu sehr deprimiren würde. Auch der decorative Untersatz hält sich nicht an das Formenverhältniss des Hauptgegen- F. Salvisberg ia Bern. Standes. Diese Dissonanzen können es nur sein, welche die Jury bestimmte, dem Aussteller für die im Uebrigen so reizende Arbeit das Anerkennungsdiplom, anstatt der Medaille zu sprechen. Es erscheinen auch die neuen Ghäletformen. Der Unterschied von der alten ist instruktiv. Beim letztem ist es überall das ganze Holz, das sich sowohl in der Gonstruktion als für die aus demselben zu schneidenden Profile, Ornamente, Schriften und Gurten geltend macht, während die neuere Zeit, getrieben von ökonomischen Rücksichten, das Klebsystem mit aufgenagelten, dünnen Brettern für den decorativen Theil zur Anwendung bringt. Wie sehr dabei die Solidität und die malerische Anordnung verliert, liegt auf der Hand. Die neuere Zeit hat zwar im Chäletstyl, bezüglich der architektonischen Formen, wo eine gewandte künstlerische Hand dazu kam, eine höchst anmuthige Architektur geschaffen; die Mehrzahl aber, und besonders die ersten, seit etwa zwanzig Jahren entstandenen Schweizer-Ghälets sind höchst geschmacklos und in einer Weise behandelt, die im Ornamente von gar keiner Schule zeugen. Es lässt sich auch seit Jahren im Berner Oberlande und in andern holzreichen Gegenden eine Richtung in der Anfertigung von Bauernhäusern, für kleinere und grössere, auch z. B. für Schulhäuser etc. erkennen, die an Einfachheit und Kasernenmässigem nichts zu wünschen übrig lassen, die auch nicht mehr das mindeste Ornament aufweisen. Es sind wahre Gegensätze zu den alten schönen Häusern; sie bieten eine deutliche Gharakteristik unserer heutigen Tage. Dem geschulten Schnitzler möchten wir aber gerne empfehlen, wenn er doch einmal die lobenswerthe Mühe nimmt, so grosse Schweizerhäuschen, wie die in der Exposition stehenden, auszuschnitzen, neben den Bildern der vergangenen Zeit, gute Modelle für die moderne Auffassung zu fertigen. Damit erreicht er neben dem ästhetischen Ziele, den richtigen praktischen Zweck. Es bleibt ihm dabei immer noch unbenommen, den letztem so weit zu verfolgen, um aus dem Häuschen, wie üblich, eine Schatulle zu machen. Damit wird die allgemeine Proportion der Fanden nicht gestört, wie bei der Anbringung eines allmächtigen Zifferblattes. Mit den erwähnten Modellen Hesse sich auch die Malerei verbinden, die die heutige Architektur wieder mit Vorliebe, selbst für steinene Faqaden aufnimmt, die aber ganz besonders bei Chäletbauten von ausserordentlicher Wirkung sich zeigt, wie diess schon an uralten Gebäuden zu erkennen ist. Peter Althaus, Lehrer an der Zeichnungsschule, verräth in seiner Arbeit Fleiss und Talent. Er liefert eine Spiegelrahme mit Rebblättern geziert, ein Aquarium mit Unter- und Aufsatz, eine geschnitzte Rahme. Er ist ein guter Zeichner und komponirt selbst. ßaumann & Simon bieten Blumenstöcke mit Winden und Steckpalmen. Berger & Comp, eine Uhr mit Jäger, 2 Vasen mit Fasanen und Rebhühnern. Gemsgruppe mit Adler, geschnitzte Bücherbretter, Schreibzeuge etc. Holz-Industrie. 9 Fischer & Grossmaun, zwei Medaillons mit Enten und Vögeln. J. Flück am Fluhfoerg bewegt sich auf allen Gebieten der Schnitzlerei, in der Figur im Ornament, der kleinen und grossem Tischlerei. Er bringt uns Fächer, die mit wunderbarer Feinheit ausgeführt sind. Joh. (xrossmann arbeitet für geschnitzte und eingelegte Tische und Stühle. Jakob Jäger & Comp, leistet namentlich Vorzügliches in der Verfertigung von Gasetten. Jakob Balmer bringt die feinsten Schnitzereien in Bestecken, Uhrenetuis, Portraiträhmchen, in Stechpalmen, Rosengewinden, Fächern etc. J. F. Klein, eine Uhr mit Hirschjagd, Hunden und Hirschen, Schlüsselkästchen mit geschnitzten Füllungen, die sehr fein durchgeführt sind; Christian Ritschard, einige Thiergruppen, die eine gelungene Behandlung zeigen. Peter Rnef verfertigte zwei geschnitzte Blumenrahmen in Nussbaum und Lindenholz, mit Vögelgruppen geziert. Zum-Brunn, Schmocker & Comp, haben sich mit der Fabrikation der verschiedenartigsten geschnitzten Gasetten, mit gravirtem Ornamente, figürlichen Darstellungen, Blumen etc. einen bedeutenden Namen erworben. Verweilen wir noch einen Augenblick bei den Hauptgegenständen, Man kann in der That überrascht sein über den Fortschritt, den die Darstellung der Figur, namentlich die des Thieres in den letzten Jahren gemacht hat. Es sind künstlerische Gebilde, die in naher Zukunft sich von dem bis heute vorwiegend herrschenden industriellen Werthe vollständig werden emanzipirt haben. Die Lebwaare des Oberlandes, die im Stalle und auf den grünen Matten des Thaies, am Ufer des See’s und auf den hohen Weiden des Gebirges sich in allen möglichen Gruppen bewegt, die zahmen Hausthiere aller Art, das Gewild in Wald und Feld, — für sie fasst der intelligente Schnitzler, der tagtäglich diesen heimeligen Erscheinungen begegnet, eine solche Vorliebe und damit auch eine so genaue Kenntniss derselben, dass der bemerkte Fortschritt ein sehr erklärlicher wird. Beinahe mit Leidenschaftlichkeit wählt der Schnitzler die Darstellung der Gemse und des Gewildes, sowie der Vögel in der Luft, vom zahmen Finken an his zum Habicht und dem Adler. Das ist eine Welt, in der er leibt und lebt. Er lässt nicht nach, bis er es dahin bringt, diese Bilder auf das Getreueste wiederzugeben. Die Figur des Menschen dagegen zeigt uns kaum einen Fortschritt. Da wo sie in kleinen Dimensionen auftritt, bei den geschnitzten Häuschen und Bäumen als Staffage dient, in einzelnen Producten für die verschiedenen Berufsarten, als Senn, Landmann, Jäger, Tourist etc., als Gharakterstück erscheint, da sorgt sie für die nöthige Belebung. Wo sie dieses Ziel überspringt, und ihre Versuche in bedeutende Darstellungen 10 F. Salvisberg in Bern. legt, da bleiben dieselben gröstentheils hinter dem Gewöhnlichen zurück. Für eine bessere Arbeit fehlt die strenge Schule. Im Ornamente copirt der Schnitzler immer noch in möglichst naturalistischer Weise die Natur. Das stylisirte Ornament ist ihm noch fremd; es wird auch nur dann aufleben, wenn die Hand das Stift nach geschichtlichen Motiven zu führen versteht. Man darf es aber hervorheben, dass in der blos naturalistischen Wiedergabe alle die Blumen und Früchte, wie die Natur des Oberlandes sie bietet mit Treue und Zartheit, in ausgezeichneter Technik vor unser Auge treten. Diese Blätter und Blumen mit ihren Blüthen und Zweigen, umranken, belegen und beleben die Flächen, die Rahmen, die Füllungen, die Seiten und Fronten der verschiedenen Gegenstände. Nur ist es das richtige Mass, das in diesen Zusammenstellungen nicht immer eingehalten wird; entweder geschieht der Auftrag in zu schwülstiger Weise, oder es lässt sich überhaupt keine Gomposition in denselben erkennen. Es gereicht der Schnitzlerei zur besondern Charakteristik, dass sie neben dem Bestreben einer ideealen Richtung zuzusteuern, auf die Verfertigung von Gegenständen ausgeht, die der Nützlichkeit angehören. Die vielen Sorten von Casetten, Gehäusen, Kästchen, Etuis, Rahmen, Geschirre aller Art etc. gereichen je nach ihrer geringem oder grossem Einfachheit dem Wohnhause nicht blos zur freundlichen Zierde, sondern auch zum nützlichen Gebrauche an. Diess ist die Ursache, warum fast über die ganze Welt diese Gegenstände sich in allen möglichen Formen und Grössen, so zu sagen, ergiessen. Ein weiterer Grund der Verbreitung liegt in der Wohlfeilheit der Preise. Für jedes Geld ist etwas Ordentliches zu haben. In den bedeutendem Artikeln, wie in den Tausenden von Zier- oder Spielzeugartikeln begegnen wir Preisen bis auf eine Tiefe, die beinahe unerreichbar erscheint. Die letztere Gattung von Arbeiten giebt der Schnitzlerei eine ausserordentliche Popularität. Die Fertigung derselben zieht sich vom Alter des sechsjährigen Kindes an bis zu demjenigen des hoch betagten Mannes. Dem Lande gereicht dies zum grossen Vortheil und wird derselbe in dem Maase sich erweitern, als die Vervollkommnung die Auswahl, die Mannigfaltigkeit dieser Artikel in der Fabrikation zunehmen. Das Oberland darf für das Gedeihen der ganzen Industrie nicht ausser Augen lassen, dass Alles seine Zeit hat. Mit der angedeuteten Ueber- fluthung, die aus der gegenwärtigen Behandlungsart hervorgeht, wird ohne Zweifel eine Abspannung oder Uebersättigung eintreten, die dem Lande verderblich werden müsste, wenn es nicht bei Zeiten einem ganz angemessenen Fortschritte huldigt und auf veränderten, oder neuen Feldern die Arbeit entwickelt. Dies betrifft weniger den geringem, blos industriellen, als mehr den kunstindustriellen Theil. Indem der letztere das Praktische beibehält, wird er zugleich nach bedeutender Erweiterung trachten. Die Anfänge dazu sind gemacht. Es ist zunächst die Ausbil- Holz-Industrie. 11 düng des kleinen und grössern Luxusmöbels, die in bescheidenem Masse begonnen hat, und die lediglich als eine einfache, natürliche Folge des bisherigen Strebens, sich wie von selbst ergeben muss. Aus den Caset- ten, Kästchen, Gehäusen etc. sind die architectonisch gehaltenen Schmuckkästchen, Wandkästchen, die Schränke, Büffets, Schenktische entstanden, und muss das eigentliche grössere, strenger stylisirte, geschnitzte Möbel entstehen und zur Allgemeinheit sich erheben. Nach dieser Richtung ist in der Ausstellung kaum von einer Vertretung die Rede. Neben den eingelangten Tischen von Ringgenberg, einem Juwelenschrank im Renaissance Styl, einem französischem Kaminvorsatz, welch’ letztere immerhin als ein fleissiger Versuch anzusehen ist, neben den Vitrinen, erscheint ein einziges bedeutendes Luxusmöbelstück, der dreitheilige Waffenschrank von Schreiner Mumprecht in Bern. Dasselbe darf als ein vorzügliches Stück für Architectur und Sculptur angesehen werden. In der Gruppe VIII war nur eine Stimme des Lobes darüber zu hören. Er war auf Fr. 5000 geschätzt. In dieser Branche haben wir einen guten Anfang. Es hätten sich füglich noch andere bewährte Fabrikanten, wie Flück am Fluhberg, die Gebrüder Wirth in Brienz u. s. w. zeigen dürfen, nachdem sie an der Pariser-Ausstellung und an der letzten Gewerbe-Ausstellung in Interlaken sich in so hervorragender Weise betheiligten. Eine weitere Richtung, die neben der für Luxusmöbel sich auf- thun dürfte, und die mit der Schnitzerei in so engem Zusammenhänge steht, tritt uns in der Bauschreinerei entgegen. Sie ist vereint oder getrennt von der Schnitzerei zu behandeln, je nachdem diess die Verhältnisse des Arbeiters es ermöglichen; wir fassen sie mehr vom Standpunkte des Schnitzlers auf. Hieher gehört die Fabrikation von Ghorstühlen, Altären, Abendmahltischen, Orgelgehäusen, dann die Gallerien, Säulenstellungen, Emporen etc., ganz besonders aber die Ausstattung von Wohnzimmern, Gorridors, Hallen, kleinern Salons und grössern Sälen. Für den in der Zukunft architectonisch gut ausgebildeten Schnitzler des Oberlandes soll hier ein Feld der Thätigkeit erblühen, die auf der rechten Höhe angelangt, unvergänglich bleiben wird. Solche Arbeiten würden sich hauptsächlich auf Bestellungen, nach eigenen oder fremden Entwürfen ergeben, die im Oberlande, unter gewandten Händen, zu einem Preise sich erstellen liessen, wie er in Städten niemals und auf dam Lande an andern Orten nicht billiger ausfallen könnte. Wir haben schon früher darauf aufmerksam gemacht und wollen nicht unterlassen es jetzt auch wieder zu thun, dass die Pflege der Holzindustrie nicht blos für die angeführte Entwicklung sich erfreuen dürfte, sie soll als ausgezeichnete Grundlage, auch für andere Kunsthandwerke und Industrien dienen. In dieser Beziehung schreitet sie zu einer umfangreichen Aufgabe. Der Jüngling des Oberlandes, dem von Kindheit an die Gelegenheit sich präsentirt, eine vortreffliche Zeichnungsschule zu besuchen, zu der sie sich erheben muss, daneben und rings herum die 12 F. Salvisberg in Bern. Schnitzerei sieht, in allen Formen modelliren lernt, dem so zu sagen mit der Muttermilch das Gefühl und das Talent für künstlerisches Schaffen und Denken eingeträufelt wird, der erhält wie nirgends anders in höherm Maasse, die Fähigkeit ein vortrefflicher Schreiner, Schlosser, Spengler, Graveur, Bildhauer, Decorations-Maler, Architect etc. zu werden. Wenn sich diese Aufgabe und ihre Durchführbarkeit so klar vor unsern Blicken entfaltet, so hat es dieser gegenüber einen bemühenden Eindruck in der Ausstellung gemacht, dass von den angemeldeten Schnitzlern nicht weniger als 19 sich zurückgezogen haben. Es liegt offenbar ein Missverständniss diesem Vorgehen zu Grunde, dem jeder praktische Halt entgeht. Es ist doch sicher, dass die Ausstellung eine bedeutende Einbusse erleiden musste, wenn die bedeutendsten Namen, wie die der Gebrüder Wirth, von Vater Baumann, Hugler-Hugler etc. sich ausschlossen. Unter Mitwirkung derselben hätte die Ausstellung noch ein weit günstigeres Resultat erreicht. Wirth hätte uns seine Gompositionen in allen Branchen, die von der consequenten Beobachtung eines Styls zeugen, und seine Figürchen, die von renommirten Bildhauern herrühren, gebracht, — Vater Baumann seine Windenblumen, die er in unnachahmlicher Anmuth darzustellen weiss, für die er schon in der Schweiz, in England und Amerika decorirt wurde. — Hugler-Hugler seine durch und durch künstlerisch gehaltenen Thiergruppen. Sie hätten der höchsten Prämirung vollständig sicher sein können. Wir sind weit davon entfernt, diesen und andern Künstlern, hiermit einen Vorwurf für ihr Verhalten zu machen. Dazu sind wir nicht berechtigt. Aber das constatiren wir, dass sie mit ihrem Ausschlüsse weder ihnen selbst, noch dem Lande einen Dienst geleistet haben. Wenn man den„geringem Umfang betrachtet, den auf der Weltausstellung die Holzschnitzerei eingenommen hat, so mag es nicht ohne Interesse sein, zu vernehmen, mit welchen Kräften im Berner-Oberlande dieselbe gegenwärtig arbeitet. Bereits zur Zeit der Pariser-Ausstellung suchten wir einige statistische Notizen aufzustellen. Sehen wir nun an der Hand einiger neuern Erhebungen, welche Differenzen zwischen der angegebenen Zeit und heute eingetreten sind. In der Kirchgemeinde Brienz befinden sich folgende Ortschaften, wo geschnitzt wird: Wylen mit ca. 100 Arbeiter. Hofstetten 40 Schwanden * 60 Ebligen * 15 Oberried 40 Brienz » 600 Uebertrag: 855 Arbeiter. Holz-Industrie. 13 Im Amte Meiringen: Uebertrag: Hohfluh Goldern, Reuti, Willigen, Geissholz, Felchern, Zaun, Unterheid, Innertkirchen, Gadmen, Guttannen, Meiringen, 855 Arbeiter. Im Amte Interlaken: zusammen mit ca. 650 » St. Beatenberg » » 20 » Grindelbald » » 20 » Wilder swyl » » 12 » Interlaken » » 70 » Niederried > > 10 » Ebligen » » 25 » Habkern » » 6 » Lauterbunnen » . » 15 » Bönigen » » 120 » Ringgenberg » » 120 » Oberried » » 80 » Iseltwald » » 30 » Thun » » 40 » Anzahl der Schnitzler 51073 Wenn bei dieser Angabe 73 Arbeiter mehr aufgezählt sind, als im Jahre 1867, so darf darauf nur insofern ein Gewicht gelegt werden, als wahrscheinlich die früher erhobene Zahl etwas hoch gegriffen war; eine genaue Angabe war damals schwieriger als heute zu ermitteln. Immerhin ist die Differenz nicht erheblich. Dieselbe bezieht sich namentlich auf Meiringen, das in den letzten Jahren, im Verhältniss wie kaum ein anderer Ort, einen bemerkenswerthen Aufschwung genommen hat. Wichtiger als das angegebene Zahlenverhältniss ist der folgende Punkt, der den eingetretenen Fortschritt näher definirt. Der Rechnungsführer eines grossem Geschäftes ist der Ansicht, dass die Absatzsumme für das ganze Oberland sich bald einmal auf zwei Millionen Franken erstrecken werde, während sie vor wenigen Jahren nicht über eine Million galt. Etwa 70 °/o von den verfertigten Waaren gelangen ins Ausland, nach England, Deutschland, Frankreich, Amerika etc., theilweise durch den Fremdenverkauf und theilweise durch directen Export. Die übrigen 30 °/o mögen in der Schweiz bleiben. Sie speisen die Magazine 14 F. Salvisberg in Bern. von Bern, Luzern, Lausanne, Genf, Basel, St. Gallen und mehr und mehr auch die der andern Städte. Die Verbreitung nimmt in grossem Mass- stabe zu. Von Deutschland aus werden für ca. 50,000 Franken Waaren importirt, die als Schweizerwaaren gelten, sowie umgekehrt Süddeutschland auf seinen Namen auch viel von den letztem auf den Markt bringe. Aus dieser Thatsache erhellt, dass bei nicht wesentlich veränderter Zahl der Arbeiter die Nachfrage eine weit grössere geworden ist, und damit die vorhandenen Kräfte in liöherm Masse in Anspruch genommen werden. Dabei sind nicht gerade viel neue Erfindungen aufgetreten; bei der unendlichen Variation der Gegenstände, die seit Langem besteht, war dies kaum nöthig, aber darin liegt der Fortschritt, dass, wie bereits angeführt, die Arbeiten bei vermehrter Nachfrage, besser, schöner und reicher wurden. Im Verhältniss der Arbeitsvermehrung und Verbesserung stiegen auch die Löhne des Arbeiters und die Preise des Fabrikanten. Diess bezieht sich hauptsächlich auf die bedeutenden Stücke, die geringere Waare blieb sich im Preise so ziemlich gleich. Danach bemisst sich der eingetretene Taglohn auf Fr. 1 bis auf Fr. 6 und auch Fr. 8. Die grossen Oberländer-Häuschen von Sterchi und Abegglen-Per- rin gelten Fr. 500 bis Fr. 1000; die wunderbar geschnitzten Fächer von Balmer und aus dem Atelier von Flück am Fluhberg etc. Fr. 200 bis Fr. 400, Thiergruppen von Ritschard, Hugler, Michel etc. Fr. 500. Die Preise ähnlicher Gegenstände variiren von Fr. 100 bis Fr. 1500 oder Fr. 2000, so auch für kleinere Luxusmöbel. Grössere Möbel erreichen die Preise von mehreren Tausend Franken. Der Aufschlag des Fabrikanten mag auf 15 bis 30 °/o durchschnittlich sich stellen, was zur Führung des Geschäftes erforderlich ist. Die vermehrte Nachfrage führte auch eine grössere Arbeitszeit per Jahr herbei. Wir gaben dieselbe früher auf durchschnittlich 200 Arbeitstage an. Diese Angabe mochte selbst etwas hoch stehen. Die Durchschnittszahl dürfte nun füglich 250 Arbeitstage betragen. Es lässt sich aus dieser Darstellung begreifen, dass auch die Zunahme der Etablissements eintrat. In Meiringen entstunden drei neue Fabrikationen und die vorhandenen wurden ansehnlich erweitert. Die Erweiterung fand beinahe an allen Orten statt. Die Einrichtungen mit Maschinen vermehren sich. Die Anwendung der Bandsäge, der Circular-, Schweif- und Brettersäge, die Moulure-Maschine, die Drehbänke, Schnitzelbänke, Bohrmaschinen, Fraisen etc., die Vervielfältigung des kleinen Werkgeschirrs gehen, zur ausserordentlichen Erleichterung der Arbeit, ganz oder theilweise in die Ateliers über. Freilich ist die Benutzung von Wasserkräften zum Maschinenbetrieb noch eine geringe. Der Mangel an genügenden Kräften ist daran Schuld, doch Hesse sich an mehreren Orten Vieles in diesem Punkte erreichen. Es wurde z. B. im Amte Interlaken schon öfters darauf aufmerksam gemacht, dass zur Einführung grösserer Industrien, freilich nicht ohne Kosten, ein ansehn- Holz-Industrie. 15 licher Wasserbetrieb sich effectuiren liesse, um soviel leichter wäre diess für den weniger schwierigen Betrieb der Holzkunst-Industrie durchzuführen. Einen solchen Ausweg muss die vermehrte Concurrenz bezeichnen. Neben dem Betriebe durch Wasser besteht die bedeutende Dampfmaschinenkraft des Hrn. Grossrath Flück, am Fluhberg, der damit eines der glänzendsten Etablissements unterhält. Durch einen ganz nennens- werthen Wasserbetrieb, sowie für die Aufstellung von allen erdenklichen kleinern und grossem Maschinen zeichnet sich das Haus Zum-Brunn, Schmöker & Cie. in Ringgenberg aus, ebenso dasjenige von Ammann in Bönigen. Eine grosse Erleichterung für die Unterhaltung dieser Etablissements gewährt der Reichthum und die Schönheit der Holzarten, die das Oberland besitzt. Dieser Vortheil erstreckt sich besonders auch auf die Masse von selbstständigen Arbeitern, welche, auf ihre eigene Kraft bauend, in ihren Hütten und Ateliers zerstreut in den Thälern und dem Gebirge arbeiten. Für jede Holzart ergiebt sich eine grosse Auswahl zu fertigender Gegenstände. Die weiche Tanne, die zarte Linde eignen sich für die tausenderlei Zier- und Spielzeuge; das Nussbaum-, Eichen-, Birn- und Aepfelbaumholz etc. verbleiben den ansehnlichen Gegenständen, so auch das Ahorn. Die Arve ist beliebt zur Fertigung der Bauernhäuschen, das sogenannte J.-Holz oder die Legföhre für Service-Artikel. Auch fremde Holzarten, wie Palisander, Rosenholz, Mahagoni, Zedern etc., gelangen bei den bedeutenden Fabrikanten immer mehr zur Geltung. Einen wohlthätigen Einfluss auf die lebendige Entwicklung der Industrie übte die zahlreiche Anlage von Verkaufsmagazinen in Interlaken und in der ganzen Schweiz aus. Die meisten davon treten in glänzender Weise auf, und bethätigen einen Inhalt, der nicht verfehlen kann, auf den Besucher auf’s Vortheilhafteste zu wirken. Die neuen Verkehrsmittel bringen eine zehn- und zwanzigfach grössere Anzahl von Touristen in die Schweiz und in das Berner Oberland, als diess in früherer, nicht sehr entfernter Zeit der Fall war. Was Wunder, wenn dadurch die Absatzquelle eine rasche Steigerung erhält. Diese Erscheinung, sowie noch andere auf ähnlichen Gebieten zeigen, dass die moderne Zeit einer Wohlhabenheit sich erfreut, wie eine solche in der Geschichte bis heute sich nicht bemerkbar gemacht hat, und dass mit der steigenden Wohlhabenheit und dem Sinne für das Reisen auch derjenige für die Erweckung einer erhöhten menschlichen Thätigkeit auf den Gebieten der Kunst und der Technik sich aufthut. Namentlich zeichnen sich unsere Tage darin aus, dass sie dem Kunstgewerbe wieder eine grosse Vorliebe zuwenden, indem sie gewerbliche Museen, Zeichnungsinstitute aller Art, die Herausgabe guter Schriften und Modelle gründen, um die Kunstindustrie wieder auf ihre frühere Höhe zu bringen. — Es wurde in dieser Beziehung im Berner Oberlande auch Einiges geleistet. In Meiringen entstund eine tüchtige Zeichnungsschule, die- 16 F. Salvteberg in Bern. jenige in Brienz wird sehr zahlreich besucht, die neu errichtete in Interlaken giebt sich Mühe, in Gang zu kommen. Die Lehrer sind selbst Fachmänner. Herr Althaus in Meiringen betreibt die Fabrikation, ebenso Herr Aplanalp in Brienz; Herr Bofinger, der frühere Lehrer in Interlaken, modellirt ausserordentlich schön. Seine Modelle in Gips über einheimische Pflanzen hatte er in Wien im Schweizer Chalet ausgestellt; sie wurden prämirt. Sie enthalten nicht weniger als 43 diverse Pflanzenblätter. Wir erkennen unter Anderin das Ghristbaumblatt, die Hirschzunge, das spanische Weinlaub, Eichenblatt, Gennerblatt, Rosenblatt, Weisskurz, Bocksbart, Hahnenfuss, Geranium, Brombeer, Jungfernblatt» Petersilie, Ahorn, Erdbeerblatt, Rebblatt, Mohnblatt, Distelblatt, Weinlaubzweig, Eichenlaubzweig mit Früchten etc. Das Modell erscheint also gleichzeitig mit der Zeichnung in den drei verschiedenen Schulen. Diess ist denn auch die richtig belehrende Weise, um die Schüler auf elementarem Wege zu einem glücklichen Verständnisse zu bringen, den Formensinn zu erwecken, den Styl feststellen zu können. Niemals wird die Kunstindustrie, trotzdem dass sie bereits heute, aber in ihrer naturalistischen Art der Darstellung, eine ganz bemerkenswerthe Höhe erreicht hat, einen wirklich künstlerischen, genial belebenden Ausdruck zu erreichen wissen, wenn die akademische Vorbildung ihr abgehen sollte. Die Schulen haben einen guten Anfang und sollen einem hohen Ziele zusteuern. Wenn das Oberland Millionen verwendet zur Etablirung von Eisenbahnen, Hotels, Promenaden und Plätzen für Zuleitung von Wasser und Gas, um den internationalen Comfort im höchsten Masse zu dienen, um damit den Fremdenverkehr zu immer grösserer Blüthe zu treiben, so besteht die einfache Logik dieses Vorgehens darin, die zweitwichtigste Industrie des Landes,' die ihm auch Millionen zusichert und seinen Wohlstand immer mehr begründet, mit der gleichen Aufopferung und Energie zu betreiben. Nun begeht aber das Oberland ein Unrecht an sich selbst, wenn es durch seine geringe Aufmerksamkeit noch viel, sehr viel, zu einer solchen Behandlung der Schulen zu wünschen übrig lässt. Der Bevölkerung fehlt noch das nöthige Verständniss, um die enorme Wichtigkeit des Gegenstandes zu erfassen. Man muss sogar annehmen, dass nicht blos das, sondern eine Tendenz in gewissen Kreisen waltet, welche einen solchen Aufschwung nicht gerade begrüssen würden. Das reiche Interlaken mit seinen brillanten Magazinen, dem Sammelpunkte der Fremden, nach seiner geographisch vortheilhaften Lage, seiner herrlichen Natur, dürfte und sollte mit allem Ernste darauf bedacht sein, hier eine wohldotirte Zeichnungs- und Modellirschule für jegliches Alter, eine kleine Akademie für die Kunstgewerbe und die bildenden Künste aufzu- thun und zu unterhalten. Mit der gehobenen Bildung allein nur gelangt die Selbstständigkeit des einzelnen Arbeiters zur Reife. Die so wenig erfreulichen Bilder ent- Holz-Industrie. 17 rollen sich noch genugsam vor unsern Augen, wo nicht der Mangel einer lohnenden Arbeit noch schaaremveise die Arbeiter in der Touristenzeit auf die Landstrasse hinaustreibt, sondern weil es denselben besser be- hagt, als Gepäckträger etc. herum zu fahren. Ein solcher Hang entspringt nicht dem Bewusstsein der Selbstständigkeit im Berufe, der Freude zu demselben, sondern demjenigen der Unfähigkeit. Das sichere Gefühl, das aus der Geschicklichkeit und der Liebe zum gelungenen Werke hervorgeht, und schöpferisch zu neuen Ideen und Erfindungen führt, ermittelt diejenige sichere Stellung im bürgerlichen und gesellschaftlichen Leben, auf der allein ein erträgliches, oder glückliches, ökonomisch gehaltenes Daheim sich aufzubauen vermag. Wir dürfen recht gut eine solche Zukunft dem Überlande herbeiwünschen, weil die Bedingungen dafür vorhanden sind und es nur vom guten Willen abhängt, dass dieselbe sich erfülle. Indem wir mit dieser Auseinandersetzung nicht allein die Ausstellung der Schnitzlerei berühren, sondern auch das Wesen derselben in ihrem Lande und unsere Ansicht aussprachen, welches Ziel ihr erblühen möge, so gehen wir zu den übrigen Zweigen über, die in der Holzindustrie in der Ausstellung uns entgegentreten und deren Träger bereits genannt sind. Wir erwähnen zunächst der Industrie der Parquets. Die Anzahl derselben hat sich seit der Pariser Ausstellung um einige wenige vermehrt; die Nachfrage nach diesen Böden ist ganz bedeutend im Aufschwünge begriffen. Die vorhandenen 20 bis 25 Fabriken vertheilen sich über die ganze Schweiz, mit Ausnahme der Kantone Schwyz, Graubünden, Wallis und Tessin. Es gibt bald keinen Baumeister mehr, der nicht darauf dringt, wo es immer nur sein kann, bei Wohngebäuden die Parquet einzuführen, wenigstens in den bedeutendem Zimmer derselben, und auch die Privaten fühlen bald durchschnittlich dieses Bedürfniss. Ein gewaltiger Umschlag fand in dieser Beziehung statt. Darin liegt in der That ein grosser Fortschritt. Was Peinlichkeit, Solidität, Dauer, exakte Arbeit, ein wohlfeiler Preis, die unendliche Variation des Holzes und der Dessins, die Schönheit derselben anbetrifft, da reicht die geschickteste Hand des Arbeiters nicht mehr hin, um auch nur in einem Punkte zu erreichen, was die vielen und verschiedenen Maschinen in der Fertigung von Parquetten zu Stande bringen. Die erste Zeit der Entstehung der Parquetterien war mit grossen Opfern und Mühen verbunden, so dass sich nur wenige zu behaupten vermochten. Seit mehreren Jahren hingegen hat sich die Sachlage, trotz einer bedeutenden Konkurrenz, für die Fabrikanten günstiger gestaltet. Die Preise sind beinahe überall in der Schweiz die nämlichen; sie variiren von 55 Cts. per □' für die allereinfachsten Böden bis auf mehrere Franken, je nach einem mehr oder weniger reichen Dessin und der gewählten Holzart. Die am meisten verwendeten Böden beziehen sich 18 F. Salvisberg in Bern. auf den Preis von ca. Fr. 1. 2 per Die eichenen Parquets sind wegen ihrer Solidität die bevorzugtesten, die gewöhnlichsten die tanne- nen. Wo das letztere indessen, wie in den Alpen, in seiner feinen, schnee- weissen Farbe erscheint, da darf es auch für die schönsten Zimmer in Gebrauch fallen, welche nicht gerade zu sehr ausgenutzt werden. Sehr beliebt ist das Nussbaum, Birnbaum, Zwetschgenbaumholz, Kirsch, das Ahorn, die Linde, die Föhre; auch fremde, feine Holzarten bürgern sich ein. Die Dessins enthalten mathematische Formen mit allen möglichen Bildern, Figuren, Farben und Zusammenstellungen von gleichen oder verschiedenen Holzarten. In allen erdenklichen Verschlingungen ziehen die weissen, gelben, braunen und schwarzen Filets durcheinander, und stellen sich die Friese, Trapeze, Quadrate, Rechtecke, Dreiecke, Sterne, stumpf oder auf Gehrung, neben einander. So manchen Vorzug das Par- quet-plaques in Bezug auf die Feinheit und Solidität gewährt, so fällt eben das Fournier des hohen Preises wegen und weil es für reiche Salons und nicht für Räumlichkeiten, wo aufgewaschen wird, hauptsächlich bestimmt ist, weniger in Verwendung als der massive 1" bis 5 k" starke Boden. Neben den mathematischen Dessins fehlen noch die Bilder der krummen Linie. Die freie geübte Hand behält hier noch ein prächtiges Feld für ihre künstlerische Thätigkeit offen. Der Versuch zu Entwürfen hat schon stattgefunden. Die Schwierigkeit der Arbeit und der Preis halten aber einstweilen noch zurück. Im Verhältniss zu andern Ländern besteht in der Schweiz das grösste Bedürfniss nach Parquetboden. Der leichte Bezug des Holzes, die reichen Wasserkräfte, dann aber ganz besonders die grosse Vertretung des wohlhabenden, bürgerlichen Hauses und des industriellen Unternehmungsgeistes geben der Schweiz diesen Vorzug. Dann ist es die ausserordentliche Vermehrung von Neubauten, welche günstig wirkt. Schon wie in frühem Jahren, so ist auch noch heute der Export nach andern Ländern erschwert, oder sogar verschlossen. Das daherige Verhältniss mag etwa ein Fünftel für die Ausfuhr betreffen. Die Summe, für welche die sämmtlichen schweizerischen Fabriken per Jahr arbeiten, lässt sich nicht genau bezeichnen. Sie möchte 8 Millionen Franken nicht übersteigen. Nach der diesem Berichte beiliegenden Aufnahme befinden sich an folgenden Orten Parquetterien in der Schweiz: in Winterthur, Luzern, St. Gallen, in Lausanne, Aigle, Nyon, Obwalden, Baden, Zürich, Uri, Unterwalden, Bomont, Tour de treme, Boll, Biberist, Gren- chen, Solothurn, Bern, Interlaken, Goldbach bei Burgdorf. Dazu kommen eine Menge kleinerer Geschäfte, die Parquets liefern, die hier nicht wohl erwähnt werden können. Unter den angeführten Etablissements is^die Parquetteriefabrik in lnterlaken als das hervorragendste zu bezeichnen. Auf der Ausstellung erschien es mit einem Muster, das in Bezug aufSchönheit des Dessins, des Holzes, der tadellosen Arbeit nichts zu wünschen übrig liess, was von der Gruppe Holz-Industrie. 19 VIII einstimmig anerkannt wurde. Die Parqueterie Interlaken wurde im Jahre 1851 gegründet. Seit 15 Jahren beschäftigt sie über 100 Parquet- arbeiter. Sie besitzt drei bedeutende Wasserräder, deren Transmissionen eine Menge von Maschinen der sinnreichsten Art, wie Säg-, Schneid-, Bohr-, Fug-, Hobelmaschinen, Girkularsägen, Fraisen etc. betreiben und dadurch in die Möglichkeit gelangen, per Tag an die 15,000 □' Parquets zu liefern, oder für das Jahr zwischen 5 bis 6 Mill. Q'. Für das Dörren und Austrocknen steht ein grosser Ofen zur Verfügung. Mit der Parquetterie verbindet sich die Bauschreinerei und der Chäletbau, wofür ca. 120 Gehülfen angestellt sind. Für die Arbeiter wird dadurch gesorgt, dass sie gegen eine billige Entschädigung ein kräftiges Essen in der Fabrik selbst erhalten. Ohne diese Vorsicht w'ären die Arbeiter nicht zu fesseln, da es mehr und mehr schwer fällt, den Unterhalt für dieselben in den Ortschaften zu finden. Wir wollen bei dieser Gelegenheit darauf aufmerksam machen, dass aus diesem Grunde selbst in kleinern Etablissements, die nur wenige Angestellte beschäftigen, die Noth sich immer mehr steigert, fähige Leute zu erhalten. Es sind indessen nicht bloss die kranken gesellschaftlichen Zustände, welche die Besorgung der Arbeit so sehr gefährden, es ist auch die grosse Zerfahrenheit und die geringe Arbeitstüchtigkeit unter den Arbeitern selbst, welche diese Kalamität herbeiführen helfen. In unsern industriellen Bestrebungen, auf dem Gebiete, das wir behandeln, wie in andern Branchen, gestaltet es sich zur bittern Nothwendigkeit, dass zur Ausbildung des jungen Handwerkers weit mehr geschehe, als diess bis dahin der Fall war; denn bald einmal gehört es zur Seltenheit, dass ein junger Lehrling für seinen Beruf die nöthige Lehrzeit verwendet und die nöthige Gewandtheit erhält; dann irrt er planlos und arbeitsscheu umher und geht so nur zu oft einer vollständigen Verkommenheit entgegen. Die Blüthe des Mittelalters hat im Handwerke und den Künsten eine strenge Ordnung gehandhabt; aber mit der Zeit verknöcherten die Handwerkszünfte dermassen, dass ihre Auflösung erfolgen musste. Anstatt etwas Zeitgemässes für die solide Haltung der Gewerbe aufzustellen, liess man Alles zerfallen und gehen, wie es ging und schritt zu einer kompleten Anarchie. Darum liegt heute das Handwerk grossen- theils in verderblicher Weise am Boden und die Person des Handwerkers geniesst auch bei Weitem nicht dasjenige Ansehen wie in frühem Zeiten und wie es gemäss der Nützlichkeit, der national-ökonomischen Wichtigkeit und Schönheit der Gewerbe und des Handwerkes am Platze wäre. Es ist desshalb in hohem Masse zu begrüssen, dass die Idee für die Einführung von Techniken an möglichst vielen Orten in der Schweiz schon ziemlich zur Pieife gediehen ist und bereits in Winterthur die Gemeinde ganz ernsthaft an die Ausführung einer solchen Anstalt, für die Heranbildung von jungen Gewerbtreibenden, schreitet. Neben den Arbeiten für Schnitzerei, Luxusmöbel, Parquetterie, 20 F. Salvisberg in Bern. Bauschreinerei erwähnen wir der vortrefflich gearbeiteten Vitrinen von Bodmer & Ammann in Zürich. Die zurückneigende Form ihrer Fronten eignet sich zur praktischen Aufstellung der Gegenstände. Auf die Behandlung der Vitrinen wurde schon an der letzten Pariser Weltausstellung ein grosses Gewicht gelegt. Es ist desshalb ganz am Orte, dass sie als Ausstellungsgegenstand erscheinen und zur Auszeichnung zugelassen werden. Sie treten in der einfachsten und luxuriösesten Form auf. Da ist allerdings die Absicht dabei, den Inhalt in ein möglichst gutes Licht zu stellen. In der That, je praktischer die Einrichtung, je wohlgefälliger die Vitrine dem Auge sich zeigt, namentlich auch in Bezug auf die Farbenwirkung, um so anziehender werden auch die im Schranke ausgestellten Objekte sich präsentiren. Bodmer & Ammann beschäftigen etwa 18 Arbeiter, darunter Bildhauer, Dreher und Schreiner. Der Werth der durchschnittlichen Jahresproduktion beträgt Fr. 60,000. Neben den so sehr gelungenen Vitrinen von Bodmer & Ammann in Zürich, haben auch Borzynski und Innocenz Rossi in Genf für Uhren und Schmucksachen sehr sehenswerthe Vitrinen aufgestellt. Für die Bauschreinerei sind die meisten Parquetterien des Besten eingerichtet. Mit den Böden werden zugleich Fenster, Thüren, Lambris, Plafonds gefertigt. Erwähnenswerth ist hier die Leisten- und Moulure- Fabrikation von Ammann in Bönigen bei Interlaken. Er besitzt dafür wohl die bedeutendste Maschine, die von Wasser getrieben wird, mit der er in zahlreicher Menge und zu einem geringen Preise die Gesimsarbeiten aller Art verfertigt. In den Erzeugnissen aus gespaltenem Holze zeigen die Gebrüder Berger ein Sortiment Emmenthaler Käserei-Geräthschaften, das durch die Auswahl eines feinen Holzes, einer musterhaften und praktischen Fertigung sich sehr auszeichnete. Ebenso lenkten Jakob Eberle und Manser für die vortreffliche Bearbeitung ihrer Milchgeräthschaften unsere volle Aufmerksamkeit auf sich. Der letztere zeigt uns eine Vorrichtung mit zwei Brenten auf einem Wagen, welche sehr leicht auszuheben und einen bequemen Transport ermöglichen. Zur Aufbewahrung von Milch eignen sich die hölzernen Geschirre, wenn die nöthige Reinlichkeit denselben gewidmet wird, besser als das Metall, namentlich dann, wenn die feinsten Holzarten aus dem Gebirge, wie die Tanne, die Arve, und das Ahorn, dazu verarbeitet werden. Die beiden letztem zeichnen sich ganz besonders durch ihre Reinheit und ihre Zähigkeit aus. Es kann nichts Appetitlicheres geben, als die aus solchen Holzarten verfertigten Milchbrenten, das Butterfass, die Milchgepse, der Milchkübel, die Wasserbrente, die Züber, Kellen, Rahmnäpfe, Handbrenten, Milchtrichter u. s. w. Es schliesst diess nicht aus, dass dieses Werkgeschirr mit eisenem oder messingenem Beschläge befestigt, sehr schön Holz-Industrie. 21 beschlagen und verziert wird. Das metallene Geschirr, besonders das grössere, ist sehr theuer und für die tägliche Handthierung unangenehm. Die Fourniere, die in der Möbelfabrikation eine so bedeutende Rolle spielen, sind durch J. Pays & Sohn in Luzern vertreten. Er erhielt bereits eine silberne Medaille in Lyon und einen ersten Preis in Zürich. Seine ausgestellten Stücke sind nicht gesägt, sondern geschnitten, und von bedeutender Grösse und Feinheit. Es betrifft diess ein Tischblatt von 6 Fuss Länge und 4 Fuss Breite. Das Etablissement besitzt 184 Pferdekräfte und beschäftigt 150 Arbeiter. Neben der Fabrikation von Fournieren betreibt es diejenige von rohen Gewehrschäften. Die daherige Ausstellung war sehr befriedigend. Die Abtheilung für Korbwaaren wurde nur durch Rudolf Boss- liard beschickt. Die ausgestellten Damenkörbe zeugen von einem schönen feinen Geflechte. Für das Schneiden von Weiden und Schilf besitzt das Haus die neuesten Hobel-Maschinen, die von Hand betrieben werden. Es besitzt eine Einrichtung zum Färben und Lackiren, zum Schwefeln der Korbwaaren. Der Umsatz der Flechtereien ist ein ziemlicher. Die Fertigung derselben verbreitet sich auf die Umgebung von Seen. • In jeder Woche wird aus dem Etablissement ein Quantum neuer Waaren abgeführt. Es ist zu bedauern, dass die Branche der Korbflechterei nur so gering auftrat. Die Gewerbeausstellungen, die im Jahre 1873 im Kanton Bern stattfanden, haben z. B. bewiesen, dass für die Flechterei gute Kräfte vorhanden sind. Namentlich Interlaken brachte eine ansehnliche Variation zur Schau, eine Menge und alle möglichen Formen von grossen und kleinen Körben, Tischchen, Sesseln, Hutten, Bänken, Etageren etc. Wo die kunstgewandte Hand des Schnitzlers vorhanden ist, da darf auch derjenige Theil der Korbflechterei nicht fehlen, der auf Schönheit und Gefälligkeit der Form Anspruch macht. Eine daherige Ausstellung hätte ohne Zweifel in Wien ihre Satisfaktion gefunden. Unsre Zeit hat es darauf abgesehen, das Geschäft des Korbers zu erweitern. In jedem Landhause, in dem Garten jedes bürgerlichen Wohnhauses, in jeder Veranda stehen die Gartenmöbel in einfacher, einer mehr oder minder soliden, geringen oder kostspieligen, in zum Theil reicher und künstlerischer Form. Dasselbe, was von der Korbflechterei, lässt sich von der Drechslerei und der Küferei sagen. Von den prämirten schweizerischen Ausstellern ist noch F. Böhme & Comp, in Winterthur für Vergoldungen, Anstriche etc. zu nennen, der sich durch ein sehr hübsches Assortiment von Gold- und Politurleisten, Spiegel und Gemälde, Rahmen, namhaft machte. Das Haus ist von Bedeutung. Die Jahresproduktion beträgt Fr. 200,000, sein Export bezieht' sich auf den ganzen Gontinent und auf übersee’sche Länder. Eine Dampfmaschine und eine Leimsiederei stehen der Fabrikation zur Verfügung und 60 Arbeiter werden beschäftigt. Die Vergoldungen gelangen in unsrer Zeit mit der Wiederaufnahme 22 F. Salvisberg in Bern. der Kunstindustrie wieder bedeutend in Vordergrund, obwohl auch die Naturfarbe, das Poliren, Firnissen, Maseriren reichlich gepflegt wird. Wir erwähnen hier einer Art Beize, welche das Haus Bücher & Dürrer in Krems als ihre Erfindung bezeichnen, nach der sie im Stande sind, die verschiedenen Holzarten bei den Parquets zu imitiren, z. B. aus Buchenholz das Nussbaumholz darzustellen. Für den Farbenanstrich berühren wir ein praktisches Zahlenverhältniss, welches uns durch einen erfahrenen Meister zugekommen ist. 1. Grundfarbe von Bleiweiss auf rohes Holz berechnet: 20 Theile Oel, 12 Theile Farbe. 2. Bleiweiss zu zweitem Anstrich: 12 Theile Oel, 20 Theile Farbe. 3. Zinkweiss für letzten Anstrich: 16 Theile Oel, 16 Theile Farbe. Zimmerfarbe: Dazu kommen für bläulichen Ton oder kaltes Grau: 20 Tropfen Beinschwarz oder 10 Tropfen Ultramarin oder Pariser Blau, je nach den Nuancen in verschiedenen Zusammensetzungen. Für warmes Grau: 6 bis 8 Tropfen Garmin. » Orange oder Orangegelb: einige Tropfen Chromgelb. » Rosafarb: einige Tropfen Zinnober, Lilablau und Carmin. » Steinfarbe: Ocker, Blau und Schwarz. 4. Glanzfarbe für Zimmer: 13 Theile Oel, 13 Theile Zinkweis bis 8 Theile englischen Oellack; oder: 8. bis 10 Theile Zinkweiss, 18 bis 20 Theile Damenfirniss und 4 Theile Terpentin. 5. Ockeranstrich: 20 Theile Oel, 12 Theile Farbe. 6. Rother Anstrich: 22 Theile gebrannter Ocker oder Menning, 10 Theile Oel. 7. Grüner Anstrich: 16 Theile Oel, 16 Theile Farbe. 8. Schwarzer Anstrich: 22 Theile Oel, 10 Theile Farbe. 9. Blauer Anstrich: 20 Theile Oel, 12 Theile Farbe. 10. Gewöhnlicher Lack auf Eichen, Nussbaum, Ahorn, besteht aus: Copallack. 11. Feiner Lack für Möbel u. dgl. besteht aus: Bernsteinfirniss. 12. Matter Lack für Holzfarben: 2 /4 Terpentin, */* Wachs in Terpentin aufgelöst und mit 1 li Copallack vermisch!. Holz-Industrie. 23 Werfen wir nun einen Blick auf das Ausland. Es kann sich hier nicht darum handeln, für die Gruppe VIII eine eingehende Schilderung der daherigen Gegenstände zu geben, diess würde die Grenzen unserer Aufgabe weit überschreiten. Wir beschränken uns auf einige Beobachtungen, die als eine Vergleichung der gegenseitigen Leistungen der unsrigen mit den fremden anzusehen sind. Es war nicht anders zu erwarten, als dass bei der geringen Betheiligung der Schweiz, das Verhältniss zu den bedeutenden Staaten kein günstiges sein werde, doch hat es sich immer noch als ein leidliches herausgestellt. Die Anzahl der Prämirten stellt sich für die Schweiz auf 44°/o, für Frankreich auf 82°/o, für Oesterreich auf 63°/o, für Ungarn auf 34°/o, für das deutsche Reich auf 50°/o, für Italien auf 39°/o, für Gross- britanien auf 42°/o. Neben diesen Staaten waren auch alle übrigen des Continentes mehr oder weniger vertreten, sowie auch eine ansehnliche Anzahl der überseeischen Länder. Fasst man die Ausstellungen dieser Länder für die Gruppe VIII zusammen, so erhält der Beschauer ein Bild der Arbeit, das seine ganze Aufmerksamkeit und sein Nachdenken in Anspruch nehmen darf. Es ist auf allen einschlägigen Gebieten so viel Nützliches, so viel Schönes zu erkennen, dass wir uns nur ungerne davon trennen und nur wünschen können, dasselbe auf unser Gebiet zu verpflanzen, Dieser Wunsch ist ein um so gerechtfertigter, als wir auf den Gebieten der Kunstindustrie, wenn wir sie pflegen, diejenigen Anlagen finden, die uns eine Goncurrenz des Auslandes nicht allzugefährlich macht. Vorderhand steht es ausser Zweifel, dass das Ausland in der kleinern und grossem Möbel-Architektur, in der selbständigen Schnitzerei und Sculptur uns weit überflügelt hat. Diess geschah unter dem Einflüsse ihrer bessern Modelle und Vorbilder. Man darf zwar nicht ausser Acht lassen, dass die grosse Menge von höhern Gewerbeschulen, Kunsthandwerk-, Kunstindustrie- und Kunstschulen, die Gewerbevereine etc., noch neuern Datums sind, dass somit auf die heutige Generation der Einfluss dieser Anstalten noch lange nicht als ein durchschlagender erscheint, dass zur Stunde noch mehr vereinzelte Erfolge sich zeigen, dass dagegen die kommenden, von den besten Systemen durchdrungenen Generationen, Grosses zu bilden im Stande sein werden. Man hält uns entgegen, dass unsere Jugend die Schulen im Auslande benützen kann. Wenn das genügen soll, so verwundern wir uns darüber, dass man ein Polytechnikum errichtete, dass mehrere Universitäten da sind. Es kann dafür ebenso gut oder noch weit besser auswärts gesorgt werden. Dann aber betrifft es immer nur einen geringen Theil, der sich soweit begünstigt sieht, fremde Anstalten zu besuchen. Die Menge bleibt zu ihrem eigenen und zum Schaden des Landes davon ausgeschlossen. 24 F. Salvisberg in Bern. Bei den Andeutungen über die einzelnen Länder fassen wir besonders Oesterreich in’s Auge, weil es einen bedeutenden Aufschwung zeigt und das Land der Ausstellung ist. Oesterreich bringt uns auf dem Boden der Möbeltischlerei, Bautischlerei, der Uhrkasten, der Jalousie’n, der Parquetterie, der Fourniere, des gespaltenen Holzes, der Schnitzereien, des Anstriches, der Vergoldung, seinen ganzen Reichthum. Die Entwicklung dieser Zweige steht unter der gewaltigen Influenz, die durch den immensen Aufschwung der Neubauten der Stadt Wien herbeigeführt wurde. Wir begreifen gar wohl, dass Oesterreich am ersten sich aufgefordert sah, an der Ausstellung das Bestmögliche zu bieten; es konnte ihm aber bei seinen Mitteln nicht schwer fallen, diess zu thun. Bei Anlass der letzten Pariser Weltausstellung wurde man schon aufs Angenehmste überrascht durch die von seiner Seite erfolgte Vorlage von architektonischen Entwürfen, die an geistreicher Gomposition Alles hinter sich zurückliess, was bis dahin in den ersten Städten Europas geleistet wurde. Die Wirklichkeit hat sich diesen Plänen angeschlossen. Wo früher nur vereinzelt oder in ziemlich beschränktem Maase die monumentale Baukunst auftrat, eröffnet sich nun in dem, aus den herben Schicksalsschlägen neu erstandenen Wien, besonders mit dem Aufbau der Ringstrasse, ein Schauspiel der erhabensten Bauweise in einer beinahe unübersehbaren Ausdehnung. Aber nicht blos die öffentlichen Bauten traten uns in diesem Sinne entgegen, die ganze unendliche Pracht und Zahl der neuen Privatbauten nehmen diesen Charakter an, so dass Palast an Palast sich reiht. Die neuen weiten Strassen erheben sich in einer Majestät der Form, die unsere grösste Bewunderung erregt. Die weitaus grösste Mehrzahl der Bauten ist im Renaissancestyl aufgeführt. Man könnte darnach meinen, dass eine grosse Monotonie aus den langen Häuserlinien hervorgehe. Das ist nicht der Fall und zwar darum, weil eine herrliche Fülle des Gedankens, eine so Alles umfassende Variation der Motive, die äussere Darstellung lebendig erhält. Diese reiche Abwechslung enthält eine korrekte Unterlage, eine richtige Gonstruktion. Daneben geht ein ganz besonderer Zug über diese ungeheuren Häusermassen, es ist der Charakter der Kühnheit, des Gewaltigen, der sich über dem grossen Ganzen, wie über dem Detail lagert. Die berühmtesten europäischen Strassen, wie die Boulevards, die Rue Rivoli, Sewastopol, Place de la Concorde in Paris, die Palastreihen der Lords in London, die Linden in Berlin, vermögen dagegen nicht aufzukommen. Man wolle uns diese Abschweifung von unserm Thema in die Architektur hinüber zu gut halten, weil in der Tliat in diesem Aufschwünge der Baukunst Wiens der Schlüssel liegt für die in der besten Entwicklung stehende Holzindustrie dieser Hauptstadt. Der Bautischler, der Möbeltischler, der Kunsttischler für die bedeutende grosse Fabrikation, wie für die kleine elegante Tischlerei, verbunden mit den reichsten Holz-Industrie. 25 Schnitzereien, den Sculpturen und Mosaiken, finden hier ihre vortrefflichste Schule und eine ausgedehnte Beschäftigung. Eine Häuserfacade wird zwar nicht gerade im Möbel copirt, aber die organische, künstlerische, structive Haltung derselben, die Anwendung der Säule, des Pfeilers, des Capitals, der Gesimse, Friese, Lissenen, der Bekrönungen, der Ornamentik, der Farben, der Vertheilung der Massen, die daraus hervorgehende Harmonie, der Rhytmus etc. geben dem Künstler die besten Vorbilder. Sie helfen ihm zu seinen Gompositionen, an die wir eben so sehr uns angeregt fühlen, den Massstab der Kritik anzusetzen, wie an die grossen Monumente. Wien besitzt 4000 grössere Möbeletablissements und 2000 kleinere Gewerbetreibende. Der Export allein beträgt nach den östlichen Ländern und nach Deutschland an die 7 Millionen Gulden. Am meisten Aufsehen machte in der Ausstellung eine Menge von Arrangements von möblirten Zimmern. Das einzelne Möbel kommt in diesem Zusammenhänge weit mehr zur Geltung als alleinstehend. Man erkennt dann so recht seine Bestimmung und seine Form. Im Allgemeinen sind die Arbeiten im Renaissanqestyl gehalten, aus den verschiedenen Perioden derselben, der Früh- und Spätzeit. Unter den zahlreichen Gegenständen bemerken wir allerdings auch einen wesentlichen Unterschied in der Reinheit der Formen, der Güte und Schönheit der Arbeit und möchten uns das Urtheil erlauben, dass im Speziellen die Architektur der Möbeln oft viel zu wünschen übrig lässt. Neben den heitern Gebilden aus der Renaissance, der griechischen und römischen Zeit, die mehr und mehr eine selbständige Haltung an den Tag legen, begegnet uns auch der französische Einfluss aus der. Zopfzeit. Es gibt nun einmal Menschen, die an demselben ihr Vergnügen finden. Die hieher gehörige Anzahl ist aber doch eine kleine. Dann gelangen wir zur gothischen Periode, die auch nur schwach vertreten ist und zwar mit Recht. Wir möchten eine gelungene, gothische Com- position nie ganz verschwinden sehen,’'’sie zeigt uns zu reiche und schöne Seiten. Aber wegen ihrer Kostspieligkeit, ihrer geringem Solidität, ihrer weniger gebräuchlichen Formen kann sie nicht auf Allgemeinheit Anspruch machen. Der Beweis dafür liegt auch schon in der Grossarchitektur. Trotz allen Anstrengungen und der dabei aufgetretenen Geschicklichkeit, dieselbe in Deutschland, namentlich bei den Bauten, anzuwenden, fand sich das Publikum nicht zurecht damit, und die Anwendung trat mehr nur in Fällen der Liebhaberei auf. Weit weniger noch als die gothische, verdient die einer längst erloschenen Tradition angehörende romanische Bauweise mit ihren rohen Formen, die allgemeine Beachtung. Wir machen noch auf eine andere Klippe aufmerksam, die an ziemlich vielen Gegenständen zu erkennen ist. Die Natur des Materials wird gar oft verläugnet, indem eine förmliche Steinarchitektur in das 26 F. Salvisberg in Bern. Holz gelegt wird, anstatt dass hier die feinere, leichter und zierlich gehaltene Linie, die der technischen Eigenschaft des Materials entspricht, zur Geltung komme. Ganz in diesem Genre hat das renommirte Haus Dubell, Sohn, Hoftischler, ein Zimmer dargestellt. Es enthält Wände mit einer grossen Thüre, Lambris. Säulen flankiren dasselbe, ein prachtvoll geziertes Buffet, ein Fauteuil in Naturfarbe, ein Schreibtisch, schwarz gehalten, die Sessel mit Palisandereinlage, ein Ausziehtisch bilden das Innere. Eine Balustrade ganz in Steinform schliesst das Zimmer nach vorn ab. Mehr Steinarchitektur zeigt auch der grossartige, nussbaumene Schrank mit Nische und Karyatiden von Heinrich Röhr. Ein tiefer metallener Glanz ruht auf den Flächen. Die Friese sind schön, die Four- niere von der grössten Feinheit. In entschieden besserer Composition tritt Albert & Sohn mit seinem viertheiligen Spiegelschrank auf. Der untere Theil bildet einen Schreibtisch, Das Entablement, die Consolen, die Friese, die ganze Gontour zeugen von grosser Zartheit. Dem Möbel ist eine Zeichnung in natürlicher Grösse beigelegt. Auch Ludwig bringt eine ganze Zimmerausrüstung, die zu der besten Tischlerarbeit zu rechnen ist, im Style sehr correkt und dem Material angemessen bearbeitet. Die Füllungen der Schränke bestehen aus Marqueteriefüllungen. Das Ganze entfaltet eine eigentliche Pracht. Der Preis des Zimmers beträgt 10,000 Gulden. Ein Schlafzimmer enthält einen Schrank aus den feinsten amerikanischen Holzsorten, dem Ahorn, Zipran, Amaranth ctc. Die Intarsia ist in aller Anmuth vertreten. Die Firma Hassa & Sohn stellen einen Spiegel von 20 Fuss Höhe aus und 10 Fuss Breite aus einem Glase bestehend; im Fernern einen Schmuckschrank aus Zybratholz mit Elfenbeineinlage, Sessel mit Elfenbeinimitation und Malerei. Wir begegnen in der österreichischen Abtheilung einigen Firmen, deren Arbeiten, besonders in der Sculptur, ganz extravagant durchgeführt sind, man möchte beinahe sagen mit Wildheit. Sie behaupten, das sei schön, oder wollen solche Darstellungen dem Publikum, als der neuesten Richtung angehörend, aufdrängen. Kraus, Sohn bringt ein Möbel in Naturfarbe mit Graphitoarbeit und vorzüglicher Marquetterie. Für ausgezeichnete Tischlerarbeiten und Luxusmöbel treten uns noch bekannte Namen entgegen, wie: Irmler für ein Jagdzimmer; Klammer Franz; Kleyphonz für Boule-Arbeiten; Knill Johann in Billards, Knoblauch A., Koppel Johann etc. etc. Weitaus die meisten Etablissements haben es darauf abgesehen, alle möglichen Arten von Möbeln aufzustellen, besonders die, welche dem weitgehendsten Luxus dienen. Holz-Industrie. 27 Das einheimische, ausgezeichnete Holz, wie dae fremde aus allen Ländern, werden herbeigezogen und zu ausserordentlich hohen Preisen verarbeitet. Das Genre der Arbeit ist ebenso vielfältig und bezieht sich auf alle technischen Weisen, welche die Erfindung der alten und der neuen Zeit gesammelt hat. Die Intarsien in Metall, in Gold, Silber, Bronze, Eisen, Elfenbein, Email, Fayence, Schildkröte etc. etc., sind in den reichsten Figuren und Dessins vorhanden, ebenso diejenigen aus allen möglichen Hölzern; dann betrachten wir auch mit grossem Interesse die Verbindung dieser reichen Holzindustrie mit allen möglichen Stoffen von Wolle, Seide, Geweben, Stickereien, Garnituren, Tapeten etc. Es existiren in dieser Richtung eine Menge guter oder berühmter Fabrikationen, die zu nennen wären, und die uns nützliche Notizen zu geben vermöchten, wenn es der Raum eines Berichtes nicht überschreiten würde. Die Möbeltischlerei, die rein der Utilität angehört, ist in geringem Masse vertreten, obschon die Weltausstellung ebenso gut dafür vorhanden ist, ein Möbel seiner Einfachheit, seiner Brauchbarkeit und Nützlichkeit und seines billigen Preises wegen zu prämiren, als die Werke des Reichthums. In der ersten Richtung bemerken wir Sessel von Georg Lirger aus geradem Holze mit Rohrgeflecht um den Preis von fl. 1. 5 und fl. 2 und Jong zu 4 Gulden, die sehr gut gemacht sind. Eine solche Arbeit wird dem öffentlichen Markte wohl anstehen. Die Schnitzerei oder Kleinsculptur hat bei der Kunsttischlerei vollständig Eingang gefunden und zeigt durchschnittlich ein sehr befriedigendes Resultat. Sie ist stylisirt und desshalb der naturalistischen Haltung der Schweizermöbel weit überlegen. Franz Appelt hat mit seinen zwei Friestafeln aus Birnbaum, die von der feinsten Ornamentik zeugen und an die italienische Schule mahnen, die Verdienstmedaille erhalten. Wir erwähnen der Schnitzerei des Salzkammergutes in Ober- Oesterreich in ähnlichem Genre wie im Berner Oberlande, die aber weniger gut ist als dieselbe. Einen ziemlichen Aufschwung nimmt die selbständige Schnitzerei im Tyrol, z. B. im Grödner-Thale, wo über 2000 Menschen damit sich beschäftigen. Der Export soll circa Fr. 600,000 betragen. Die fortgeschrittenem Gegenstände, die sie fertigen, ist die religiöse Figur, die mit künstlerischem Sinne gearbeitet wird und viel besser ist als die in der Holzindustrie des Berner Oberlandes. In nahe Verbindung mit der Kunsttischlerei ist schon längst das Fournier getreten. Oesterreich leistet darin ganz Ausserordentliches. Wir bekunden die prachtvollen Fourniere von K. Schmidt in Nussbaum, Kirschbaum, Ahorn, Birnbaum, der Erl-Fladen, die Rotbeibe, 28 F. Salvisberg in Bern. Taxus, Pappel-Flader, den amerikanischen Ahorn-Eschenholz-Flader, Nussaugenflader. Die Messerschnitt-Fourniere von Grossbaum & Nussbaum & Solin etc., dann der Kreissägeschnitt mit 9 Stücken auf 1 Zoll Dicke in Eibe, Pappel, Kirsch, Nussbaum etc. Auf 36 Zoll bringt Dosz 1000 Blätter oder Messerschnitte, auch von einem Stamme 6000 Schnitte, von der Tuja, dem Mahagoni etc. aus Algerien, Atnboin aus Spanien etc., bis 24 Schnitte auf 1 Zoll, für Kreuzer per Quadratfuss, für Nussbaum, Rosenholz, Amaranth etc. Eduard Weiler besitzt ein bedeutendes Exportgeschäft mit ungarischem Flader, Mahagoniholz für Eisenbahnwaggons, Stücke Ahorn für Streich-Instrumente von 10 Fuss lang und 7 Zoll Dicke. Auber, Fourniere von Palisander, Oliven für Wagen etc. Fournierhändler Sengen fertigt die wie Seidenbänder aufgerollten schwarzen und weissen Fletten (Adern) für Instrumente, schwarze Griffblätter für Guitarren, 2 Linien dick, 22 Linien breit und 15 Zoll lang. Die gepressten Fourniere mit den feinsten Dessins und Figuren in allen Farben von Podany für Damenfächer und Bordüren. Die Drechslerei ist gut repräsentirt durch den Industrie-Bildungs- verein in Haindorf, Böhmen, mit allem möglichen Geschirr und Galanterie-Waaren. Es sind auch eine Menge Etageren und andere gedrehte Arbeiten ausgestellt, die nachweisen, dass diesem Zweige grosse Aufmerksamkeit geschenkt wird. Eine wahrhaft glänzende Ausstellung bilden die Uhrgehäuse für Uhren und Pendülen. Franz Pränker tritt dafür als Spezialist auf und liefert eine prachtvolle Arbeit. Die ersten Wiener-Regulator-Fabriken der Gebrüder Rescli, ferner Anton Schlesinger, Ednard Roland, Bruderstern etc. arbeiten alle nach vortrefflichen Zeichnungen. Wie bei den Kunstmöbeln ist hier die reichste Intarsia berücksichtigt, in Holz, Perlmutter, Metall, Bein, Farben und Dessins. Jakob Weber hat wohl 35 Stück von mittlerer Grösse zur Schau gebracht. Die Preise für diese, meistens im Renaissanqestyl gehaltenen, Uhrgehäuse gehen von 80, 100, 200, 600, 1000, bis auf 4000 Gulden. Diese Arbeiten sind meist gut stylisirt und werden ohne Zweifel die in naturalistischer und fast immer überladener Form ausgeführten Uhrkasten des Berner Oberlandes lange überleben. Es ist aber nicht nur kein Hinderniss vorhanden, in der Schweiz auch in einem reinem Style zu arbeiten, sondern die vorhandene Gewandtheit und Uebung im Schnitzen böte sofort Gelegenheit in dieser kleinern Kunsttischlerei mit Erfolg vorzugehen. Eine solche Abwechslung thäte Noth, denn die unausgesetzt betriebene Wahl des nämlichen Motives treibt zur Ermüdung Holz-Industrie. 29 des Arbeiters, wie des Publikums. — Sowie die Möbeltischlerei es liebt mit ihren Einlegearbeiten einen blendenden Glanz, getragen von strengmathematischen, wunderbar genau durchgeführten und vom reichsten und geschmackvollsten Dessin, vor der Welt zu entfalten, so macht sie sich’s ebenso sehr zur Aufgabe in der Imitation sich zu zeigen. Die Farbe, der Firniss, die Beize, die Politur, der Lack, die Vergoldung, die Bronze, die Tusche, die Schatten- und Lichtbildungen, die Naturfarbe, — sie werfen in allen Nüancen des Lichtes den bald milden und heitern Schimmer, den zarten, matten und ruhigen Ton, den spiegelhellen, blendenden, fast geheimnissvoll tiefen Glanz über diese Flächen und Bilder des künstlerisch geformten Möbels. Wir wandeln in dem heitern Reiche von tausenderlei Farben. Das Vergolden namentlich nimmt eine hervorragende Stelle ein, seitdem mit Hülfe der Galvanoplastik die Matrizen erzeugt werden. Hier stehen hauptsächlich die Modelleurs und Vergolder Kölbl & Threm oben an, dann für den Anstrich die Lackfarben-Fabrikanten Cromami & Carl Weber, besonders in den feinen, der Natur getreuen Holzfarben-Anstrichen, sowie der vorzüglichsten Gopal- und Bernstein- Lack-Firnissen und den feinsten geriebenen Oel- und Lackfarben. Webers Muster sind für das deutsche Museum acquirirt. Wir erwähnen an dieser Stelle der Schultafel aus Gummistoff mit englischer Leinwand zum Schreiben. Die schwarze Oelfarbe besteht aus 1 Theil Holzkohle, 3 Theile Flammenruss, 3 Theile Oelfirniss. 1 Theil Terpentin mit etwas Pariserblau. Für den Gebrauch der Kreide hat sich dieses Mittel als vorzüglich erwiesen. Der Quadratfuss beläuft sich auf 4 bis 5 Kreuzer. Die Tafel ist von Joseph Reimer. Die Parquets haben in Oesterreich einen grossen Aufschwung genommen. Es sind etwa 12 Fabrikanten, die uns hier begegnen. In allen bekannten Holzarten des In- und Auslandes mit der ergiebigsten Auswahl der Dessins, mit einer sehr genauen Ausführung liefern dieselben ihre Arbeiten. Die Fabrike Stephan Baranitzka’s Nachfolger in Wien bietet einen Reichthum von nicht blos mathematischen, sondern von frei gezeichneten Ornamenten. Dieselben haben zwar noch etwas Stereotypes. Es ist hier aber eine ganz bedeutende Ausbildung in der höhern Stufe des Ornamentes und auch der Figur möglich und wird ohne Zweifel eine solche auch eintreten. Das ist eine sehr wohlthätige Abwechslung gegenüber den bald einmal veralteten mathematischen Formen, die bei fortwährender Anwendung den Eindruck der Steifheit gewähren. Diese Wandlung oder dieser Fortschritt ist in den schweizerischen Parquetten unseres Wissens wohl mit Unrecht noch nicht angebahnt. Die Eiche, der Nussbaum, der Ahorn, der Mahagoni gelangen wohl am Meisten zur Verwendung. Die benannte Firma fabrizirt in reichen mathematischen Formen und nach freier Ornamentik Par- 30 F. Salvisberg in Bern. quette, einfache und zusammengesetzte, um den Preis von 23 Gulden bis 57 Gulden österr. Währung. Das Quadratklafter, ohne den Legerlohn, was auf den Quacfratfuss 1,6 Franken bis 4 Franken rund ausmacht. Für die Dauer der gelieferten Arbeit ist eine achtjährige Garantie ange- boten. Im gleichen Sinne zeichnet sich die Parquetterie Schwab in Wien aus, sowie diejenige von Steinmann in Eisnern in der Krain und Franz Knapp in Littau, Mähren, dessen Etablissement mit Wasser und Dampf betrieben wird. Er verarbeitet schwarzes im Wasser gelegenes Eichenholz. Bedeutend ist auch die Parquetterie von Yols in Seebach. Leistier ist eines der ältesten und renommirtesten Geschäfte. Sein Export geht nach allen Ländern, besonders nach England. Franz Kotnik in Verd bei Oberlaibach liefert in angemessener Auswahl Fournier-Parquette von 11 Gulden das Quadratklafter, aus Eichenholz bis 20 Gulden für Zusammenstellungen aus verschiedenen Holzarten zu complizirten Figuren. Bei der starken Konkurrenz behalten die Preisansätze bei den sämmtlichen Fabriken eine ziemlich normale Höhe. Die Gegenstände der Bautischlerei werden sehr oft mit den Par- quetten gefertigt für Thüren, Fenster, Decken, Wände. Bei den Zimmereinrichtungen wie bereits angeführt, zur Aufstellung der Möbeln, nimmt diese Industrie durch die meistens sehr reiche und schöne architektonische Haltung eine ganz namhafte Stellung ein, wie wir den Wunsch ausgesprochen haben, sie möchte auch aus der Schweizer-Schnitzerei hervorgehen. Hieher gehört auch die Leistenfabrikation zu den billigsten Preisen, die praktischen Einrichtungen zu Jalousien, Ventilationsfenstern etc. Mit einem weitern ausgedehnten Industriezweig tritt Oesterreich mit der Fabrikation von massiv gebogenen Holzarbeiten auf. Hiefür hat das Haus Thonet in Wien, das auf verschiedenen Plätzen an die 4000 Arbeiter beschäftigt, ein grosses Verdienst. Die gefertigten Waaren bestehen aus Buchsholz, das zu allen möglichen Curven gekrümmt, eine ausserordentliche Elastizität und Dauer, nichts Geleimtes erhält, und in diesem Zustande zu Einfassungen und Gestellen für alle möglichen Sorten von Haus, Wirthschaft, Gartenmöbeln, in Verbindung hauptsächlich mit Jong und Geflechten und auch mit den verschiedensten Stoffen und Geweben zu einer Anwendung gelangen, die, so zu sagen, einer Ueber- schwemmung gleich, über die bekannte zivilisirte Welt verbreitet ist. Diese Möbel sind ebenso praktisch als billig. Ihrer geringen Dimension wegen, versperren die so konstruirten Sessel, Fauteuils, Canapés, Stühle, Tische und Tischchen etc. in allen erdenklichen Formen, wenig Platz und halten Stoss und Fall aus. Thonet war Mitglied der Jury in der VIII Gruppe und besass eine wirklich glänzende Ausstellung. Ein anderes gleiches Etablissement von ganz bedeutender Aus- Holz-Industrie. 31 dehnung hält Joseph Kolm in Tesclien, Wsetin in Krakau. Er legt uns eine interessante Beschreibung desselben vor. Seine 5 Fabriken zu Wsetin, Litsch, Keltsch, Krakau und Wagstadt, verarbeiten mit 2600 Arbeitern jährlich 600,000 Kubikfuss Buchnutzholz, unter Mitwirkung von 5 Dampfmaschinen mit zusammen 100 Pferdekräften, täglich an tausend Möbelstücke. Die ausgestellten Gegenstände deuten auf eine ausgezeichnete und eine energische Arbeit. Das gleiche Unternehmen verarbeitet für Bauhölzer, Gespärre, Schindeln, Fässer, Werk-, Wagner- und Binderhölzer jährlich 5 Millionen Kubikfuss Rohholz und 2 x /2 Millionen Kubikfuss Klotzholz zur Beschaffung von 2 Millionen Bohlen, Brettern, Latten u. s. w. mit 5 Dampfsägen. Dazu kommt die Erzeugung von Holzdrähten für Zündwaaren- Fabriken vermittelst einer Holzdrahthobelmaschine. In drei Fabriken werden täglich 17 Millionen Zündhölzchen aller Gattungen oder per Jahr 5Va Milliarden Hölzchen gefertigt, wozu jährlich 2000 Klafter reines Nutzholz erforderlich ist. Ein äusserst reiches Bild, ein ebenso nützliches als sinnreiches, verschaffen uns die Korbwaaren und Holzgeflechte. Kudolf Wänger liefert bronzirte, vergoldete, naturfarbene Körbe, Cecches Weidenzweigarbeiten, Franz Beutel in Wien, lakirte Weidenkörbe für Reise-Koffern, spanische Rohrschnüre, Andreas Schmidt in Wien, Verbindungen von Holz und Weide in allen Farben mit Strohgeflecht, Johann Platzer, Rohrgeflechte, gewobenes Holz mit Messingdraht. Jakob Schär, sehr gut gemachte Siebe, Ferdinand Ath, einer der bedeutendsten Korbflechter, einen Rohrleuchter, Lichtschirm aus Holzspähnen und andern Galanteriewaaren. Karitschan in Mähren, das erste Etablissement in Oesterreich liefert mit Maschinen gespaltene Rohre mit 250 Arbeitern, Hugo Bratke, ein aus Alpen-Pflanzenstoff, Fasern-, oder wie es genannt wird, von Bäumen herabhängenden Haaren, Barbata, fabrizirtes vegetabilisches Matrazen- oder Alpenbett in brauner und gelber Farbe. Ein durch das österr. Ministerium Angestellter, der in armen Ortschaften die Flechterei einführen soll, zeigt uns das Kernflechtrohr, Lackflechtrohr, den Kernfaden und Rohr, Lackdraht, wie Rosshaar so dünn, das Palmblatt, den ungebleichten, schwarzen, gelblichten, gekochten Esparto. Das Kochen, Beizen und Waschen geben die Farbe. Das Kochen dauert 3 Stunden, ebenso das Beizen. Wir sehen ein Reise- köfferchen für 11 Gulden von 1 Fuss lang und 8 Zoll hoch, geflochten, mit Schloss, aus geschlissenem oder rundein Esparto, nach der verlangten Stärke gefertigt. Die Geflechte aller Arten gründen eine förmliche Kleiderindustrie 32 F. Salvisberg in Bern. zu billigen Preisen. Wir sehen einen Männerhut für 3 Kreuzer, dann Frauenröcke in allen Farben aus feinen Fasern, Hüte, Bänder, Blumen, von Pius Kumpf in Schuckenau, Böhmen. Ebenso Kossner, als Erzeuger von Sparteriewaaren. Jürgens in Lemberg bringt ein Holzspahngewebe für Ofenschirme, gemalt, für spanische Wände mit Bildern aus Leimfarbe. (Zur Befestigung des Bildes fehlt ein heller Firniss). Ein Fenster-Rouleau von 3 Fuss Breite und 5 Fuss hoch, aus gewobenen Holzstäbchen, kommt auf 1 fl. und 50 kr. österr. Währung, der Quadratfuss Jalousie mit beweglichen Aufzugbrettern zu 40 Kreuzer. Joseph Marschner bindet sein Holzgewebe mit Messingdraht zu Rouleaux. Waurisch Chrisadomus, in Wien. Seine Rohrfabrike erzeugt starke Kohlenbuttenflechten für ärarische Rüstwagen, Kohlenkörbe aus starken 2 Linien dicken Rohren. Die Fabrikationen des Binderholzes, dem früher nicht besondere Aufmerksamkeit geschenkt wurde, erhält in Oesterreich durch das Lager von M. Bauer in Wien eine ziemliche Belebung. Er hat sich auf der Pariser- und andern Ausstellungen für eine solche Hebung accreditirt. Die von ihm in den Handel gebrachten Runddauben stützen sich auf die mit geringerm Verluste des Rohholzes angewendete Arbeit gegenüber den andern Sorten von Fasshölzern. Die 250-eimrigen, gesägten und zugerichteten, ausgeputzten Dauben behalten gegenüber dem gespaltenen Holze die genügende Stärke und werden für die Zukunft den billigem Preis und die Herbeischaffung erleichtern, wenn mehr und mehr durch Abgang des grossen Holzes auch aus kleinern Stämmen'die gesägten Dauben erhältlich sind. Bauer praktizirt diese Fässer für seine eigene bedeutende Weinkellerei in Simmering. Bindermeister Sedlack stellt kleine, sauber ornirte, mit Eisen und Messing beschlagene Fässchen aus, Johann Kresch, Milchgeschirre aus weissem Tannenholz mit eingelegten Streifen etc. Die Gollectivausstellung von Wienerfassbinder hat manches Interessante aufzuweisen. Alfred Yagano in Wien besitzt eine Fabrikation für Fassspunden aus bestem trocknem Fichtenholz für den Brauereibedarf. Es liegen 10 Sorten vor von 12" mittlerem Durchmesser auf 6" Höhe, das 1000 auf 4^2 Flor, und von 21" mittlerem Durchmesser und 10" Höhe für 7 Gulden das Tausend österr. Währung, die Preise ab Bahnhof Gloggnitz, netto per comptant. Die Korkwaaren sind, durch S. Artmann und Schreiber Anton & Co. etc., von den kleinsten bis zu den grössten Dimensionen, sehr fein geschnitten, vertreten, so die Korksohlen, die Korkzapfen von 1" Diamètre. Holz-Industrie. 33 Wenn man auf der Ausstellung eine Anwendung von der blühenden Holzindustrie Oesterreichs sehen will, so ist es zunächst das Kaiserpavillon, das Zeugniss davon ablegt, wenn dasselbe auch mehr nur einen provisorischen Charakter trägt. Auf dem Gebiete der Kunsttischlerei, der Bautischlerei, der Parquets, der Wände und Decken, der Möbel in Verbindung mit den reichsten Stoffen, der Vergoldungen, des Anstrichs etc. ist da das Geschmackvollste geleistet. Auch einige kleinere Pavillons geben davon Zeugniss. Die neueste Zeit hat der Holzindustrie in Wien einen mächtigen Impuls verliehen, namentlich durch die Vorbilder der öffentlichen und Privatbauten und durch die Gründung des Museums für Kunst und Industrie am Stubenring. Die Abgüsse der grossen plastischen Werke, die Goldschmiedekunst, die Thongefässe, die Glasarbeiten, die textile Kunst für Webereien und Stickereien, Möbel und Sculpturen in Holz und Elfenbein, die Gobelins, die Arbeiten aus Eisen, Zinn, Bronze etc. treten uns entgegen. . Die moderne Kunstindustrie, die permanent wechselnde Ausstellung der zeichnenden und reproduzirenden Künste sehen wir in den verschiedenen Säälen aufs Beichste und Nützlichste zur Nachahmung oder zum Studium vorhanden. Eine schöne und praktische Aufmunterung erhalten die Kunst- Industrie und die Gewerbe für Holzarbeiten durch die unter der Leitung von Professor Exner stehende höhere Forstschule in Mariabrunn bei Wien. Im Fernern sind an verschiedenen Orten, wie in Hallern, St. Ulrich, in Tachau, in Wollnem Gewerbeschulen gegründet worden. Für das grosse Reich ist dies freilich sehr wenig, aber es ist auffallend, mit welcher Regsamkeit, namentlich in der Hauptstadt, für die Gewerbe gesorgt wird. Diese Sorge kommt nicht blos von oben, sondern es ist weit mehr der schaffende, denkende Geist und Fleiss des Volkes, das tiefe Gemüth desselben, die Intelligenz des wissenschaftlichen, des Gewerbe- und Künstlerstandes, welche Eigenschaften, wie bei keiner andern Nation in höherem Maasse, in der neuern Zeit sich geltend und fruchtbar machen. Es ist nur ein mangelhaftes Bild, das wir über Oesterreich hiemit gegeben haben, doch erschien es uns nicht unpassend, für die Darstellung seiner Thätigkeit auf dem kunstgewerblichen Gebiete wenigstens insoweit eine Abrundung zu suchen, dass sie dem Gewerbestande der Schweiz einigen Fingerzeig zu geben vermochte. Für die folgenden Länder beschränken wir uns auf Weniges. Das Königreich Ungarn zählt 125 Aussteller. Es lehnt sich für seine Vorbilder an das Kaiserreich an, mit dem es politisch und com- merziell auf’s Innigste verbunden sein muss. Die öffentlichen und Privatbauten von Buda-Pesth nehmen einen eminenten Aufschwung und geben wie in Wien den Bau- und Kunstgewerben einen mächtigen An- 3 34 F. Salvisberg in Bern. stoss. Ungarn hat sich grosse Mühe gegeben auf der Ausstellung gut vertreten zu sein, da es im Grunde mit dem Glücke und der Ehre des Kaiserstaates steigt und fällt. Wir bemerken im Augenblicke, dass es mit grossen Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Für die Grossindustrie fehlen die Hände und die Anlagen. Es trägt das Meiste noch den Stempel des Kleingewerbes, nicht den der konzentrirten Kraft. Es bleibt desshalb doppelt lobenswerth, dass schon in der Lieferung von Kunstmöbeln aller Art sehr gute Zeichnungen, eine tüchtige Arbeit sich her- vorthun, dass die Farbe, die Vergoldung, der Lack, die Mosaik, die Boulearbeit vertreten ist und Alles in nicht zu unterschätzender Anzahl. Die Ungeheuern Wälder Ungarns und Slavoniens, seine Millionen von Eschen und Fichten, seine Nussbaum- und Eichenstämme sichern ihm eine mächtige Industrie für die Lieferung von Parquets und Four- nire für die Bautischlerei und Baugegenstände, für Resonanzholz und Gegenstände in gespaltenem Holze, für Fässer, Stiftfabrikationen etc. • »Labore et Perseverantia« steht geschrieben über dem Pavillon für Parquet-Holzarten der Parquetterie-Fabrik zu Weldzirk. Mehrere Fabriken sind representirt. Thonet hat für seine berühmte Fabrikation der gebogen massiven Hölzer eine bedeutende Filiale in Pesth. Neben einer Menge kleinerer, gut gearbeiteter Fässer sehen wir solche, die 1500 und 2500 Eimer halten. Dieselben tragen Inschriften und Sculpturen. Auf dem Grossen steht: Aus Slavonien mein Holz, Aus Ungarn mein Wein, Doch mein grösster Stolz Im Wiener Rathskeller zu sein. Die Wagenfabrikation nimmt voraussichtlich auch grössere Dimensionen an. Sie arbeitet nach Plänen. Das ungarisch-statistische Büreau gibt 8 Wagenfabriken mit einem Produktionswerthe von 200,000 Gulden an, — ferner 38 Dampfsägen mit 1800 Arbeiter für die Aufarbeitung von 1,600,000 Baumstämmen zu Fabrikaten im Werthe von 5,200,000 Gulden; 99 gewöhnliche Sägemühlen, die 450,000 Baumstämme per Jahr versägen und für 400,000 Gulden Bretter und Holzmaterial produziren. Die Parquet-Anstalten verarbeiten 930,000 Kubikfuss Holz im Werthe von 400,000 Gulden für Bauholz und Parquets. Ferner sind 50 Holzmöbel-, Holzschachteln-, Holznägel-, Kisten- und Fournier-Fabriken im Betrieb, die für 350,000 Fr. Fabrikate liefern; 3 Rohr- und Strohsesselfabriken und 1 Jalousie-Fabrik, die 15,000 Rohr- und Strohsessel, 2000 Stück Jalousien und 1000 Jalousie-Maschinen liefern. Das Königreich wird ein bedeutendes Gewerbe-Museum im Sinne desjenigen von Wien, in Pesth gründen. Holz-Industrie. 35 Ungarn zeigt uns auf seiner Ausstellung ganz ausgezeichnet schöne architectonische Entwürfe in Federzeichnungen, daneben prächtige Gipsmodelle für Privatbauten und Landhäuser. Der Geruch des Barbarismus, in dem Ungarn selbst noch in Oeserreich steht, hat denn auch schon und gewiss mit Recht, abgenommen. Das deutsche Reich erscheint mit 254 Ausstellern für die VIII. Gruppe. Seine Arbeiten stehen, wie in Oesterreich, auf bedeutender Höhe und sind diess seit Jahrhunderten mehr oder weniger gewesen. Die Gewerbe und Künste des Mittelalters bieten uns noch herrliche Zeugen in den alten romantischen Städten im Süden, wie im Norden. Das Handwerk hatte einen goldenen Boden. Die künstlerische Seite desselben wurde sorgsam gepflegt. Den neuen Strömungen der Zeit gemäss hat aber auch hier eine andere Verarbeitung der Gegenstände, die durch Maschinen, Platz gegriffen. Die Mannigfaltigkeit derselben, die Zahl, die Art der Darstellung, die Unterrichtsanstalten im weiten deutschen Reiche, sind gewiss, nach der Fähigkeit der einzelnen südlichen und nördlichen Staaten bemessen, viel umfassender als die auf einer tiefem Stufe der Kultur stehenden Länder des österreichischen Kaiserstaates, ohne dass damit ausgesprochen werde, dass ein merklicher Unterschied in dem Werthe und der Bedeutung der einzelnen Arbeit von hier und dort sich ergebe. Es ist keine bedeutende Stadt in Deutschland auszuschliessen, die in der Möbeltischlerei nicht Bemerkenswerthes leisten würde. Die neuere Zeit hat hauptsächlich die bessere Renaissance für ihre Formen gewählt und durchschnittlich mit vielem Geschick. Berlin war von jeher ausgezeichnet, schon durch die künstlerische Grundlage, die Schinkel durch seine Modellzeichnungen etablirte, und seither durch diejenige, die durch die grossen deutschen Künstler gepflegt und erweitert wurde. Wir erwähnen hier auch beispielsweise in Bezug auf Stylisirung der Möbelzeichnungen, die vom Gewerbeverein in Hamburg herausgegeben werden, nach den Entwürfen gebildeter Architecten. — Wenn in der Ausstellung auch noch viel gothische und romanische Reminiszenzen auftauchen, so erblicken wir darunter doch manche wohl durchdachte Arbeit und wir heben dieselben immer noch weit über den Schild gegenüber dem verwilderten Geschmacke des Zopfes und des Roccoco aus der politisch und sozial verfallensten Zeit des modeangebenden Frankreichs. Die Schnitzlereien der Berliner-Kunstmöbel sind öfters von grosser plastischer Schönheit. Ihre Architektur aber, so wenig man im Stande ist, an einem einmal fertigen Gegenstände Wesentliches zu ändern, trägt öfters etwas Steifes zur Schau, das uns in Oesterreich nicht entgegentritt. Wer darüber in Zweifel sein kann, der wolle die monumentalen Bauformen von Wien und Berlin in ihren ausgestellten Modellen für die projectirten öffentlichen Bauten, eines Nationalmuseums für Berlin, 36 F. Salvisberg in Bern. eines Universitäts-Gebäudes und eines Parlamentshauses in Wien betrachten — er wird sofort die gleiche Erscheinung auch hier wahrnehmen. Wir gedenken bei dieser Gelegenheit, um einen kleinen Abstecher zu machen, der vollendeten Meisterschaft dieser Gipsmodelle, die in ziemlich grossem Masstabe, wohl etwas über Vioo der natürlichen Grösse, so gewaltige Neubauten im Projecte darstellen. Wo einmal für die Ausführung einer grossen Idee, die dem öffentlichen Leben angehört, viele Millionen Gulden zur Ausgabe gelangen, da mag es praktisch und populär sein, für die Behörden und das Publikum, welche sich für dasjenige interessiren, was aus der Tasche des Volkes bestritten werden muss; — wo nämlich für zu errichtende Museen, Kunstsäle, für Unterrichtsanstal- ten, grosse öffentliche Werke aller Art, constructiv und künstlerisch behandelte Vorarbeiten und Modelle nothwendig werden, da hat es einen guten Zweck, diese Darstellungsweise zu wählen, und die daherigen Opfer nicht zu scheuen. Ein solches, einer lebendigen Idee entsprechendes, durch eine fachkundige Hand entworfenes und effectuirtes Bild ist indessen wohl zu unterscheiden von der Fabrikation von kostspieligen Modellen, die auf das Gerathewohl hin, ohne Auftrag, blos für die Spekulation und öfters ohne die erforderliche Sachkenntniss, gefertigt werden, die in dieser Weise schon so manchem geschickten und hoffnungsvollen Arbeiter den Untergang bereiteten. Wir haben in dieser Richtung ziemlich Vieles fcn der Ausstellung. Wir begegnen förmlichen Extravaganzen, und wenn Einzelnes auch gelungen ist, so wird es auch dann nicht zum gangbaren Artikel, sondern für lange oder immer auf Lager liegen bleiben. Diese Bemerkungen beziehen sich auf fast alle Länder. Unter dem Einflüsse der zeichnenden Künstler, dann ganz besonders aber unter demjenigen der Gewerbevereine, der Handwerker- und Künstlerschulen, die sich in der ganzen Welt nirgends, wie in Deutschland, über das ganze Land verbreiten, gelangt die Holzindustrie zur hohen Blüthe. Der Süden giebt hierin dem Norden in nichts nach. Mit der Organisation einer Centralverwaltung für die Bildung von Schulanstalten, von der aus die Filialen nach allen Richtungen sich erstrecken, hat Würtemberg wohl das Bedeutendste geleistet. Das Werk «die Gewerbehalle» ist ein sprechendes Zeugniss dafür und Stuttgart hat damit viel gewonnen. Ebenso bietet München durch die Kunstgewerbeschule «die Mayer’sche Kunstanstalt», das Polytechnikum, das prachtvolle Kunstindustrie-Museum des Maximilianaeum, durch seine Kunstsammlungen, eine unerschöpfliche Quelle für die vorzüglichsten Leistungen auf dem gewerblichen und kunstgewerblichen Gebiete. Die Ausstellung für Schnitzereien, Figuren in jedem Masstabe, für Altäre etc. fast ausschliesslich für religiöse Gegenstände der Mayer’- schen Anstalt ist unübertrefflich. Man darf hier auch die im gothischen Holz-Industrie. 37 Style geschnitzten Altäre in den restaurirten Kirchen Münchens erwähnen, die in ihren stylvollen und feinen Arbeiten wohl unerreicht dastehen. Neben den Luxusmöbeln, den Sculpturen und Schnitzereien hat Deutschland auch für das gewöhnliche Möbel, die Bautischlerarbeit, die Parquette, die Fourniere, die Resonanzen, die Leisten- und Holzdrahtfabrikation, die grobe und feine Korbflechterei, die Korkanwendungen, die Spielwaaren, die Holzstoffzubereitung, die Vergoldungen und Anstriche etc. ganz Glänzendes geleistet. Bemerkenswerth sind auch die Versuche für Holzpflaster für öffentliche Strassen. Unter den 11 Ausstellern Englands erscheint das Haus Jakson und Grahans für Luxusmöbel. In modern gehaltener, gut stylisirter Renaissance, mit den ausgesuchtesten übersee’schen Hölzern, der luxuriösesten Gold-, Silber-, Elfenbein-, Perlmutter- und Schildkröten-Mosaik sehen wir drei Möbel in einem Werthe von ca. je Fr. 100,000, an denen 10 Jahre gearbeitet wurde. England liebt es mit seinem Reichthume zu glänzen. Für solche Gegenstände, wie die benannten, giebt es zu wenige Abnehmer auf dem Continente, sie harren der Kundschaft der reichen Lords, die im Kensington-Museum, Kunst und kunstindustrielle Gegenstände, als Vorbilder niedergelegt haben, die in beinahe zügelloser Pracht und einem Reichthume sich zeigen, die nur den Schätzen des tributpflichtigen Indiens zu verdanken sind. Die meisten von den wenigen ausgestellten Möbeln zeichnen sich durch ihre Form nicht besonders vor- theilhaft aus. Vitrinen gelangten keine zur Prämirung. Einzelne sind colossal behandelt, in Dimension und Form der monumentalen Architectur angehörig. Für Vitrinen-Gegenstände ist diess offenbar eine Verirrung. Eine hübsche Ausstattung in kunstindustriellem Sinne enthält das Pavillon des Prinzen von Wales. Das Billardzimmer enthält ein Billard zum Wenden, das zum Theil Billard und zum Theil Tisch bildet. Der Gedanke wurde praktisch befunden. Belgien beschickt die Holzindustrie durch 12 Aussteller. Es lässt sich manche schöne Arbeit in der Möbelfabrikation erkennen. Sie gelangen sogar alle zur Prämirung. Einen höhern kunstindustriellen Werth .ist im Durchschnitt kaum vorhanden. Wir bemerken unter Anderm eine hohe grosse Kanzel im gothischen Style mit Baldachin von ca. 35 Fass Höhe, die Füllungen und Ecken mit Figuren geschmückt. Das Ganze trägt vollständig den Steincharacter. Die gleiche falsche Richtung tritt bei einigen Vitrinen hervor. Frankreich zählt 27 Vertreter. Die berühmtesten Namen für die Lieferung von Luxusmöbeln stellen aus, wie Worms, Christofle & Cie., Lemoisse, Barbedienne, Fourdinois, Diehl, Bocquerau, Schmitt & Biolet, Charmois, Guéret frères etc. Das Zeugniss der feinsten, geschmackvollsten Technik, gewinnen diese Industriellen dem Beschauer sofort ab. 38 F. Salvisberg in Bern. Auch die Form ist schön, diejenige aus der bessern Renaissancezeit und des Empire. Ein Luxus in der Wahl der Farbe und der Vergoldung des Holzes, der Intarsien in Metall, in Gold, Silber, Stahl, Bronze, künstlicher Massen, Porzellan und Emaileinsätzen, in den feinsten Fournieren und Marquetterien ist entfaltet, der verführerisch wirkt. Neben den unendlichen Variationen, die der Ebenist, der Schnitzler, der Sculpteur, der Graveur, der Vergolder zu erfinden vermögen, vermissen wir in diesen französischen Möbeln auch selten die praktische Seite, in dem Sinne, die Möbel bequem, zugänglich und brauchbar zu machen. Die Preise derselben erstrecken sich von Fr. 3000 bis auf Fr. 40,000. Charmois-besitzt einen Geschäftsbetrieb im Werthe von ca. Fr. 600,000, den Arbeitern desselben wird ein Theil des Gewinnstes eingeräumt. In dieser hohen Nuance der Schönheit und des praktischen Geschickes stehen die Franzosen oben an, indem wir ihre bessern Etablissements betrachten. Wir bemerken aber auch eine Marotte, nach der es ihnen nicht lange wohl dabei ist, etwas Classisches geschaffen zu haben, sondern bald darauf ausgehen, dasselbe zu einem Modeartikel herabzudressiren. Daneben ergehen sie sich in der Idee, ganz pedantisch den Louis XIII., XIV., XV., XVI., den Henri IV. zu imitiren, und damit vergangene Jahrhunderte in ihren Tugenden und grossen Gebrechen, mit der grössten Gewissenhaftigkeit zu reproduziren und die Welt dafür zu fanatisiren. Die Welt hat sich schon oft genug in dieser Weise ins Schlepptau nehmen lassen. Unsere Zeit hat aber eine wesentliche Aenderung oder Purifikation vorgenommen. Die Staaten haben sich emanzipirt. Es ist auch nicht gut, dass Frankreich stets sich als allein tonangebend ansieht. Es kann es auch für sich probiren, darf sich seiner besondern Leistungen freuen und von dem Wahren, das es bringt, wollen wir lernen, ohne es blindlings nachzubilden. Zu seinen Erfolgen haben die vorzüglichen Malerschulen schon unter Louis Philipp beigetragen, dann die vortrefflichen Zeichnungsschulen in Paris, seine bedeutenden Archi- tecten, Bildhauer, Graveure, Künstler, und die grosse, letzte politische Umwälzung. Die ausgestellten, architectonischen Entwürfe, die Vorlege- blätter aus Schulen, die Arbeiten der Schüler derselben zeugen von einem durch und durch praktischen Gange und von einer Energie der Behänd-, lung, die eben dem Franzosen eigen ist, und die wir in den vielen vortrefflichen deutschen Schulen, mit ihrem ausserordentlich reichen Material auf der Ausstellung nicht erreicht finden, oder es sei denn, dass der angeborne Geschmackssinn der Franzosen, die lebendige Wiedergabe ihres Gedankens und ihrer Phantasie uns bestochen hätte. Italien tritt bei der Ausstellung in ganz bemerkenswerther Weise auf. Die Arbeiten in der Kunstindustrie des Holzes mag wohl als der Glanzpunkt ihrer Gesammt-Ausstellung angesehen werden. Ist es eine blosse Zufälligkeit, dass die zum Wettkampfe berufenen Geister nicht Holz-Industrie. 39 in die Arena getreten sind, oder ist auf dem Gebiete der bildenden Künste wirklich ein Rückschritt eingetreten? Wir wagen dies nicht zu beurtheilen. In der Bildhauerei z. B. gehören die ausgestellten Werke mehr dem Genre, dem Amüsement an, anstatt der strengen Kunst, obwohl wir die Meisterschaft bewundern, mit der diese zierlichen, kleinen nakten Marmor-Gestalten den Mittelpunkt der italienischen Abtheilung beleben und das stets zahlreich versammelte Publikum im freundlichsten Humor behalten. Mit ungleich grösserm Eifer oder Talent sind die Arbeiten der 154 Aussteller im Fache der Schnitzerei und der Möbeln behandelt. Dieses Italien bleibt eben doch das Land der Kunst. Industriel ist es nicht, dazu fehlen ihm die Kohle, die Maschinen, die Ausdauer, der Fleiss, der Erfindungsgeist, die Wissenschaft. Es wendet sich der Agrikultur zu, seiner Poesie, seiner künstlerischen Tradition. In der That, an die Werke der grossen Meister lehnen sich diese neuen Compositio- nen, und auch ein neuer schöpferischer Geist spricht aus denselben. Ueber das italienische Ornament zieht auf den ersten Blick etwas Stereotypes, und doch unterscheiden wir scharf die geschichtlichen Unterlagen. Der kühne Wurf eines Michel Angelo, Giotto, Brumeleschi, die geniale Zeichnung eines Bramante, Ghiberti, die reinste edelste Darstellung Raphaels, die venetianischen Vorbilder, die Schule der Lombardi etc. treten uns in wohlverstandener Reminiszenz entgegen. Es ist vorwiegend die Schnitzerei und die Sculptur, die unsre Befriedigung hervor- ruft. Die architec-tonische Lösung möchte dnrchschnittlich weniger gelungen sein. Für diesen Theil zeigt der italienische Künstler keine durchschlagende Auffassung, denn sie ist auch viel schwieriger, dem Verständnisse entfernter, und daher unpopulärer als die Sculptur. Diess Verhältniss steht übrigens in andern Ländern um kein Haar besser. — Italien wurde in ansehnlicher Weise prämirt. Die Kindergruppen von Pagliani, die Tafelgruppe von Luigi Frullini für Fr. 6000, sind reizend schön geschaffen. Die letztere ist für das bayerische Gewerbemuseum bestimmt. Im kunstgewerblichen Museum am Stubenring in Wien steht vom letztem ein Ornamentfries. Scotti’s Tisch mit Marketterie - Malerei zeigt eine prachtvolle Leistung. Ramanelli’s Kasten kommt in das ungarische Gewerbemuseum. Besarel’s gigantisches Kamin mit Eckkaryatiden und einem wundervoll geschnitzten Fries, sollte besser aus Marmor bestehen, anstatt aus Holz. Er stellt einen pompejanischen Tisch aus mit gebrannter, gravir- ter, bemalter Marketterie; für die Bezeichnung der Schatten und der Farben. Lovera’s Architectur an seinem Kasten, etc. 40 F. Salvisberg in Bern. Ricciavelli’s Schatullen aus Zitronenholz mit den Ornamentfüllungen sind gleich ausgezeichnet. Garassini’s Brenntechnik. Verigo’s künstlich gefärbte, auf grauem Grunde eingelegte Holzarten deuten auf eine eigene Industrie. Die Imitation gemalter Tableaus und Landschaften mit der Mar- ketterie zeugt von einer ausserordentlichen Geschicklichkeit, bleibt aber im Ganzen doch ein ziemlich unfruchtbares mühseliges Arbeiten, das man nicht einer systematischen Förderung empfehlen kann. Eine andere Art von Imitation bezieht sich auf alte Möbel. Hier liegt der Versuch zur Prellerei des kunstliebenden Publikums nahe, sie ist auch schon in grossem Masstabe betrieben worden. Solche Nachahmungen, so meisterhaft sie auch sein mochten, haben denn auch bei der Beurtheilung eine grosse Abneigung gefunden, obwohl damit nicht behauptet werden soll, dass bei jedem Fall die angezeigte Tendenz vorliege. Mehrere Sesselfabrikanten liefern eben so wohlfeile als schöne und solide Sessel aus Feigen- und Buchenholz, die federleicht sind, die Sitze aus Bast, Binsen, Stroh, auch Jong für Fr. 1. 60 Cts. Schweden mit 24 Ausstellern macht sich durch seinen enormen Holzreicbthum bekannt und wird mit der Zeit oder sollte es wenigstens, einer umfangreichen, innern Holzindustrie entgegengehen. Der Abtrieb in den Waldungen beträgt nach seinen statistischen Angaben per Jahr an Brenn- und Nutzholz und Export 1150 Millionen Kubikfuss, der Export an Planken und Brettern im Jahre 1872 betrug 91 Millionen Cu- bikfuss. Eine zahllose Menge von Wassersägen, unterstützt durch die reichliche Gelegenheit, dieselben zu etablireri, ebenso auch Dampfsägen sind für die erste Aufarbeitung in Bewegung. Dieser überschwengliche Holzreichthum führt zunächst dazu, bedeutende Hochbau-Arbeiten für öffentliche und private Gelegenheiten, Ghälet-Bauten zu betreiben, und zum Ausbaue derselben die Bautischlerei, die mechanische Tischlerei für Thüren, Fenster, Decken, Täfer, Böden oder Parquets, im Fernern die Arbeiten im Erzeugniss aus gespaltenem Holze die Fabrikation für Jalousien, Persiennen, Marquisen, Holzschindeln aller Art. Die Ausfuhr der Arbeiten aus der mechanischen Tischlerei ist nach allen Richtungen bedeutend. Einen bemerkenswerthen Artikel bilden die Daubenfässer. 1871 wurden über 2 Millionen eichene und über 17 Millionen Stück buchene u. a. Dauben ausgeführt. An Dachschindeln und Zündhölzchen wird auch Grosses geleistet. An diese Bauarbeiten lehnt sich die Drechslerei, wenn auch in geringerm Umfange, und die Korkschneiderei. Die Aktiengesellschaft in Stockholm verarbeitet mit Maschinen per Jahr 22 Millionen Pfropfen. Holz-Industrie. 41 Einige Korbflechtereien sind auch ausgestellt. Die Möbeltischlerei kat keine wesentliche Ausdehnung, entlehnt aber ihre Motive der modernen Richtung, soviel es die grosse Abgeschlossenheit des Landes, das noch mit einem Fusse im grauen Alterthum und mit dem andern in der modernsten Zeit steht, eine solche Entwicklung zulässt. Die Ausstellung enthält ein sehenswerthes Möbel; es ist ein byzantinischer Sessel, der vom Eichenholze eines während 200 Jahren im Meere versunkenen Schiffes, das total schwarz war, gefertigt wurde. Zur Möbelfabrikation werden Ulme, Mahagony, Wallnuss, Jacaranda etc. verwendet; Ulme und Esche zu Furnierscheiben, Föhren, Tannen, Eichen etc. zu Baugegenständen etc. Norwegen, dessen herrliche Landschaften, Seen, Gebirge und Thäler, seine ausgedehnten Waldungen gar oft an die Schweiz mahnen, hat in seiner Holzindustrie viel Aehnliches mit Schweden. Dänemark verdankt seine geschmackvolle Möbelindustrie dem Einflüsse des grossen Bildhauers Thorwaldsen. Es ergiebt sich daraus, wie ein einzelner berühmter Künstler ein ganzes Land in seiner Branche zu regeneriren weiss und vermag. Die besten Architekten Dänemarks bildeten sich auf deutschen Schulen. Die Niederlande erscheinen mit 10 Ausstellern. Das Land, das aus dem Mittelalter so kostbare Bauten und kunstindustrielle Schätze aufzuweisen hat, bezog in ziemlich spärlicher Weise den Weltmarkt. Es erhielt nur eine Auszeichnung. Russland sucht eine nationale Möbelarchitectur im byzantinischen Style aufzustellen, die kaum einer Entwicklung sich fähig erweisen wird, da sie primitiv und roh ist. 22 Aussteller sind da, darunter einige bedeutende Etablissemente, die mit 100 bis 600 Arbeiter ihren Betrieb hersteilen, so Charles Briggen und Schräder für Meubles in St. Petersburg, Machonbaum in Warschau mit 400 Arbeitern; Puntiloff & Stwets in Riga für Korkpfropfen. In einem äusserst luxuriös eingerichteten Pavillon haben die Russen ihre byzantinisch mathematisch combinirten Dessins an Wänden, Boden und Decken und dem Ameublement angewendet. Die Technik ist vortrefflich. Die Ausstattung mit den feinsten Stoffen, Gemälden, Lustres, Spiegel, reiche Oefen, Divans, Kasten und Tische mit glänzendem metallenem Beschläge lassen nichts zu wünschen übrig. Der moderne Luxus in Verbindung mit einer aus uralter Zeit herstammenden bäurischen, möglichst regelrecht und mit aller Mühe zugestutzten Gonstruktion und Form stehen vor unsern Augen. Spanien und Portugal haben schon auf der letzten Pariser Weltausstellung den Beweis geleistet, dass der herrliche Völkerfrühling aus der granadischen Zeit, der das Land als blühenden Garten, geschmückt mit den edelsten Kunsterzeugnissen, sah, unter einem durch die Inquisition besudelten und versunkenen Christenthum längst zu * 42 F. Salvisberg in Bern. Grabe getragen ist. Nur wenige werthvolle Reste maurischer Abstammung sind erhalten. Der Stempel des Finstern und Gedrückten ruht auf den Werken, welche die künstlerische Hand, namentlich die des sechszehnten und siebenzehnten Jahrhunderts und bis zu den neuern Tagen zu schaffen versuchte, und eine byzarre, unreine Form, die als Renaissance ausgegeben wird, macht sich geltend. Für die Wiener Ausstellung bringen diese beiden Länder ähnliche Resultate hervor, wenn sie sich auch weit mehr der modernen Richtung anschliessen, trotz den herrlichen Holzarten, wie Cypressen, Oliven, Zitronen, Orangen, Garubiers etc. Die Vergoldungen an den Möbeln und an den Leisten sind mangelhaft, wie übrigens diejenigen in Italien auch. Arbeiten in Kork haben auch keine Redeutung. Portugal erhebt die Zahnstocherfabrikation zu einer bemerkenswerthen Industrie. Es findet übrigens noch weit eher Gelegenheit sich zu erheben als Spanien, da es an seiner langgestreckten Meeresküste mit allen Nationen in Verbindung tritt, was auch wirklich in seinen industriellen Restrebungen sich bemerkbar macht. Griechenland hat in der neuesten Zeit vermehrte Anstrengungen gemacht, um auf dem kunstgewerblichen Gebiete Resseres zu leisten. Athen führt bedeutende und sehr schöne Rauten auf. Es zieht diess eine rege Thätigkeit für den Bautischler, den Möbel- und Parquetfabri- kanten nach sich. Die ausgestellten Parquets sind indessen schlecht, so die Sculptur an den Möbeln. Eine Menge von religiösen, geschnitzten Süjets macht sich bemerkbar, mehr aber durch den unerhört hohen Preis, als durch die gelungene Arbeit. «Aus dem altklassischen Lande diese Spielereien!» möchte man ausrufen. Einen angenehmem Eindruck macht die Flora der hellenischen Holzarten. Aegypten stellt einen grossen schwarzen Schrank aus in maurischen Formen, die Füllungen mit schwarzem Dessin auf Goldgrund. Die Mosaik besteht aus Mahagoni, Ebenholz, Eiche, Elfenbein. An den Ecken befinden sich Etageren zum Aufstellen der Gefässe. Dann sehen wir hohe Schränke aus Gypressenholz, das einen starken Oelgeruch verbreitet; Stalaktiten und alt aegyptische, alt arabische und neu arabische Schrift sind angebracht. Solche Arbeiten werden oft von Europäern gemacht und meist sehr mangelhaft. Die Hölzer vom hohen Nil nebst einem Beduinenhause aus Geflechten erregen das Interesse des Beschauers. Der ganze Orient tritt uns mit seiner Farbenpracht entgegen, welche die Flächen ihrer Möbel in tiefer Gluth überzieht. Die Schnitzereien sind mit wunderbarer Geschicklichkeit durchgeführt und betreffen alle möglichen Hausgeräthe. Eine ernstere Architectur ist nicht ersichtlich. Es ist das Reich der Jahrtausende, das sich an dem unendlichen Holz-Industrie. 43 Reichthum kleinlicher Gegenstände amüsirt, und trotz der unendlichen Variation in der Farbe und der Arbeit doch eigentlich das Gleiche immer reproduzirt. Die Türkei zeigt uns ein Schachbrett mit wundervoller Mosaik aus Tuja und Perlmutter mit feiner Zeichnung, einen hölzernen Tisch mit Marketterien aus Perlmutter, Schildkröten aus Feigen- und Olivenholz. Aus der kaiserlichen Fabrik in Constantinopel geht ein Harem in arabischem Style hervor, in feiner Zeichnung für Thüren, vergitterte Fenster, Badezimmer, reich verzierte Wände und Mosaik, mit Divans, Commoden, Etageren, Consolen, Hausgeräthen, Schuhe mit doppelten Absätzen mit Metallfilets und Malerei, Gefässe aller Arten mit dem feinsten Lacküberzug etc. Die Schatzkammer, die 200 Millionen Franken enthalten soll, ist ein kleines mit einer Kuppel und reichen Verzierungen versehenes Gebäude. Im ähnlichen Style zeigt uns Tunis eine Saloneinrichtung. Persien bietet uns für seine allgemeine schöne Ausstellung einen lehrreichen Katalog, der uns über seine Nutzhölzer aus den Hochebenen und den Urwäldern im Tiefland am Gaspisee und an den Bergabhängen der Elbarz belehrt, mit den schönen Eichengattungen, Ahornen, Wallnussbäumen, Buxen, Buchen, der elastischen Zelkowia, Gledetschien, Mimosen etc. Welche Zukunft für ein solches Land, wenn es imStande wäre, eine rationelle Holzindustrie darauf zu gründen. Die Romania stellt eine im persischen Style aus Haselnussholz, Buchs, Birnholz etc. bestehende, in den kleinsten und feinsten Verzierungen geschnitzte Casette von 1,5 Fuss Länge aus für Fr. 1500. Persien hat immerhin Interessantes ausgestellt, dann durch die Erbauung des persischen Pavillons allen Luxus des Orientes auf dem kunstindustriellen Gebiete entfaltet, sich einen Namen gemacht, sowie Aegypten durch den Palastbau des Vizekönigs aus diesem Lande. Japan und China bemerken schon den europäischen Einfluss. Ein grosses Bett mit Thronhimmel, das sich im Allgemeinen von grosser Wirkung zeigt. Es ging aber nicht anders als dass die Schnitzereien fürchterliche Ungeheuer enthielten. Diese Länder gefallen sich auch in den übrigen Sculpturen nicht blos in wunderlichen, sondern in schrecklichen, höllischen Darstellungen, wie sie nur der wildesten Phantasie zu entspringen vermögen; alle Arten von Götzenbildern, Drachen, Schlangen, Unthieren, Verzerrungen an menschlichen und thierischen Gestalten in der Sculptur, wie in der Malerei tauchen auf und erscheinen mit allen möglichen Geräthen durcheinander gewürfelt. Trotz aller dieser schrecklichen Welt suchen diese Völker eine gräuliche Komik in die Form zu bringen, was das ganze Gebräu noch widerlicher macht. Die Herstellung des Lackes in den tiefsten, prachtvollsten Farben, die trotz der extravagantesten Verschiedenheit, durch harmonische Ue- bergänge, wie zu einem wunderbaren Feuer angefacht, zusammen auflo- 44 F. Salvisberg in Bern. dern, ist das Geheimniss dieser uralten, verknöcherten Völker, die in allen möglichen Kleinindustrien durch Millionen von geschäftigen Händen, von unbehülflichen Maschinen unterstützt, und im immensesten Zeitverlust, ihre Arbeiten verrichten. Es muss allen diesen Ausgeburten der benannten Form der tiefste Aberglaube, eine gesetzlich anbefohlene Verdummung und Gewohnheit zu Grunde liegen, sonst müssten sie sich verlieren. Die überseeischen Länder haben uns kaum viel Bemerkenswer- thes für die Entwicklung der Holzindustrie gebracht. Es sind hauptsächlich die Spezimen ihrer endlosen, reichen Waldungen, die sie in schön polirten Stücken uns vorführen, und die wir nicht genug bewundern können. Dann ihre Schilfe, ihre Rohre, ihre Gräser, die Aloefaser, aus welch’ letztem sie die gross geflochtenen Körbe für die Maulthiere fertigen, und ihre Seile, Kleider, Teppiche, Wagenräder etc. Ich schliesse hier meinen Bericht, der leider bei dem ausserordentlichen Umfang des Gegenstandes mehr nur einen ? skizzenhaften Werth erhalten hat; ich bedaure diess umsomehr, als ich von den Aufzeichnungen, die ich vornahm, nur einen Theil derselben zu bringen vermag. Eine gründlichere Ausführung hätte aber die Arbeit zu sehr in die Länge gezogen, und auch meine Berufsarbeiten haben mir es vereitelt, eine solche vorzunehmen. Der Bericht hätte sich auch lediglich auf die Schweiz beschränken können. In diesem Falle würde es sich aber kaum der Mühe und Kosten gelohnt haben, einen besondern Commissär zu ernennen. Wie in der Gruppe VIII möchte es vielleicht auch in einigen andern Gruppen der Fall sein, dass nicht mit derjenigen Sorgsamkeit die daherigen Berichte abgefasst werden konnten, wie es die Wichtigkeit des Gegenstandes verlangte. Gegenüber den Opfern, welche die Eidgenossenschaft für die Missionen an die Weltausstellung sich auferlegte, wäre aber eine allseitige, eingehende Behandlung der gestellten Aufgabe sehr wünschenswertli. Um dies für die Zukunft zu erreichen, drängt sich mir der folgende Gedanke auf. Mit der beendigten Theilnahme an den Verhandlungen der Jury in Wien und mit der Ausfertigung eines kürzern oder längern Berichtes, dessen weitere Behandlung dem Ermessen des Beauftragten anheimgestellt war, erlischt auch die Funktion desselben. Damit erlischt nicht nur für mehrere Jahre für weitaus die meisten Juroren jede weitere Theilnahme an der behandelten Frage, sondern die gesammelten Ideen gehen damit grossentheils verloren. Die angefangene Arbeit wird plötzlich mit der Scheere abgeschnitten. Diess Hesse sich wohl auf dem Wege vermeiden, wenn von officieller Stelle aus, von einer Weltausstellung bis zur andern ein gewisser Gontact mit den einmal gewählten Juroren aufrecht erhalten würde, um ihre Erfahrungen über die stattgehabte Ausstellung benutzen zu können, und um anderntheils Holz-Industrie. 45 dieselben für die neue Weltausstellung in bester Weise vorzubereiten. Zu dem Zwecke würden die Juroren in Activität verbleiben, die nur periodisch sein könnte. Sie würden ein Collegium bilden, das sich ein oder einige Male für die vergangene und die neu stattzuhabende Ausstellung besammein und zu verhandeln hätte. In der Zeit von 3 oder mehr Jahren, die zwischen den Ausstellungen verfliessen, erhalten die Mitglieder die nöthige Zeit statistische Erhebungen zu besorgen, um sich damit gegenseitig auszuhelfen. Es würde damit wesentlich dem Mangel abgeholfen, der ein nicht zentralistischer Staat erleidet, der bei seiner Zersplitterung nicht auf zuverlässige Mittheilungen rechnen darf. Das Collegium würde seine Thätigkeit zunächst auf das eigene Land, alsdann auch auf die andern Länder ausdehnen, damit es Vergleichungen anstellen kann. Wenn man sieht, wie die andern es treiben, so lernt man sich selbst erkennen. Diess scheint mir erreichbar zu sein; denn wenn ich aus den mündlichen Mittheilungen ersehe, was in dieser Beziehung die schweizerischen Juroren gesammelt haben, so soll es nicht mehr schwer fallen, das Gesammelte zusammenzustellen. Es ist klar, dass auf diesem Boden jedes Mitglied seine literarischen Studien, namentlich auf seinem Gebiete weit besser pflegen würde, als wenn es keinen An- stoss mehr erhält. Wir begegnen bei der Bildung eines Juroren-Colle- giums der Schwierigkeit, die brauchbaren Leute dafür aufzufinden, weil die daherigen Arbeiten immer mit Opfer verknüpft sind. Ein sehr beschäftigter Berufsmann lässt sich nur ungerne herbei, und andere, denen die Erfahrung und die Kenntnisse mangeln, genügen nicht. Es liesse sich vielleicht das Hinderniss zum Theil damit beseitigen, dass für die zu leistendenArbeiten Entschädigungen eintreten müssten, so namentlich für schriftliche Arbeiten und Angaben, die im Aufträge gemacht, oder aus eigenem Antriebe durch Mitglieder des Collegiums abgefasst, und als gut befunden würden. Diese Entschädigungen könnten nicht von Bedeutung sein, weil es nicht nöthig sein wird, dass die Activität des Collegiums eine anstrengende sei. Auch bei einer geringem, aber geordneten Thätigkeit, dürfte ein fruchtbares Ziel erreichbar sein. Es liegt auf der Hand, dass wenn die Sammlung tüchtiger Leute ins Leben tritt, dass dadurch manche tüchtige Kraft herangebildet wird, dass Autoritäten aus einem solchen Vorgehen heranwachsen, deren Wirken einen reichlichen Zins für das ausgelegte Capital bieten werden. Des Versuches ist desshalb ein solcher Schritt werth. Es mag sein, dass die Weltausstellungen eine andere Gestalt, als die bis heute stattgehabte, annehmen; aber jedenfalls nur im Sinne einer praktischen Erweiterung derselben, wie sie für den Aussteller angebahnt werden muss. Ein Eingehen derselben kann nicht stattfinden; es widerspricht ein solches auf’s Schroffste den solidarisch gewordenen Interessen und der Wohlfahrt aller Völker. 46 F. Salvisberg in Bern. Meine Ansichten und Resolutionen glaube ich so ziemlich fassbar in der obigen Darstellung niedergelegt zu haben. Ich beschränke mich darauf im Speziellen für die Schweiz noch das folgende Resüme zu stellen: Die Holzindustrie war der Zahl der Gegenstände nach auf der Wiener-Ausstellung nur in geringer Weise vertreten. Sie beschränkte sich hauptsächlich auf die Ausstellung von Schnitzwerken des Berner- Oberlandes; aber auch diese hat sich nicht in dem Umfange entfaltet, deren sie fähig ist. Neben den Gegenständen für die Holzsculptur befanden sich einige Möbel, Parquets, Erzeugnisse aus gespaltenem Holze, Anstriche, Vergoldungen und Korbflechtereien etc. Das Verhältniss der Prämirung der ausgestellten Objecte zum Auslande ist als ein ziemlich günstiges zu betrachten, so dass immerhin die Ausstellung einen ehrenvollen Platz einnahm. Wegen der geringen Betheiligung kann eine strenge Vergleichung mit andern Staaten nicht stattfinden. Doch lässt sich wahrnehmen, dass auf allen Gebieten der Holzindustrie das Ausland, d. h. einige Länder desselben uns nicht blos ebenbürtig, sondern in Manchem weit überlegen sind. Einzig in den Parquets wird die Schweiz, nach Verhältniss des Gonsums, eine Oberhand besitzen. Im Fernern steht dieselbe bezüglich der Unterrichtsanstalten für Gewerbe und Kunstindustrie, zu ihrem grossen Nachtheil, weit hinter dem deutschen Reiche zurück. In Vergleichung mit der Pariser Ausstellung hat die Schweiz in Wien einen angemessenen Fortschritt zu zeigen. Meine Wünsche gehen dahin, es möchten unter der Anregung des hohen Bundesrathes und der Kantonsregierungen, zur Förderung des Handwerkes, der Gewerbe und der Kunstindustrie, und damit auch für die Hebung der Holzindustrie in der Schweiz 1. an möglichst vielen Orten durch Behörden und Privaten Fortbildungsanstalten, kunstgewerbliche Museen gegründet und lokale Ausstellungen veranstaltet werden; 2. das Institut der durch die eidgenössischen Behörden, für die Ausstellung ernannten Preisrichter in’s Leben gerufen werden, welches für den Sub. 1 angegebenen Zweck sich zu bethätigen und in der Zeit von einer Weltausstellung zur andern, bei der daherigen Vorbereitung, zu einer angemessenen Betheiligung des Landes an derselben mitzuwirken hätte. Bern, den 15. December 1873. F. SALVISBERG, . Architect. * *4. aæs&ssvgg mmm ä&fäli ‘nr&æ; ïjgfcgÉf; Ö* 3 & ■«: Von den JURY-BERICHTEN sind bereits erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen: Heft 1 (Gruppe XIII): Maschinenwesen und Transportmittel von Professor G. Delabar in St. Gallen .... Kr. 1. 50 » 2 (Gruppe II): Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Wein- u. Obstbau und Gartenbau von Prof. El. Landolt in Zürich Fr. 1. - » S (Gruppe IV): Nahrungs- und Genussmittel als Erzeugnisse der Industrie von Adolf Ott in Bern . . . Fr. 1. — Unter der Presse sind und werden demnächst erscheinen: Heft 5 (Gruppe XIV): Instruments de Précision et de l’Art médical par Elie Wartmann, profess. à Genève et Dr. Ad. Hirsch, Directeur de l’Observatoire à Neuchâtel. » G (Anhang zu Gruppe XIV): Rapport sur le Développement de l’Industrie horlogère dans le Canton de Neuchâtel par Charles Kopp, professeur à Neuchâtel. ■» 7 (Gruppe V, Section 4): Seidenwaaren von C. Baumann- Ziirrer in Zürich. Section 2: Baumwoll-Industrie von J. Steiger-Meyer in Herisau. * 8 (Gruppe III): Chemische Industrie von Prof. Emil Kopp in Zürich. » 9 (Gruppe XVI): Heereswesen von General Hans Herzog in Aarau. * 10 (Gruppe X): Kurzwaaren-Industrie von G. Kiefer-Baer in Basel. » II (Gruppe VI): Industrie du Cuir et du Caoutchouc von Ern.es t Mercier in Lausanne. » 12 (Gruppe IX): Glas-, Stein-, Thon- und Cement-Industrie von Nationalrath B. von Arx in Olten. » 13 (Gruppe XXVI): Erziehungs-, Unterrichts- und Bildungswesen von a. Landammann Dr. F. von Ts chu di in St. Gallen, Vice-Präsident der Internationalen Jury für Gruppe 2G, und Prof. E. Rambert in Zürich. » 14 (Gruppe XXV): Beaux Arts par Lient. Colonel Th. de Saussure à Genève. XK. Jedes Heft bildet ein abgeschlossenes Ganzes und kann einzeln bezogen werden. Der Preis jeden Heftes wird nach dem Umfange bestimmt. Complete Cataloge der Schweizerischen .Abtlieilung* in deutscher und französischer Sprache, mit dem Verzeichn iss der Prümirlen, sind von nun an durch jede Buchhandlung zu dem herabgesetzten Preise von Fr. 1. 80 zu beziehen. TMW-Bibliothek 0020947 2