77M-6ib1 164 / Weltausstellung, Wien, I8?3. Additionelle Ausstellung Nro. 1 und 2. ltnng der Geschickte der Gewerbe und Erfindungen.) Geschichte der Entwicklung der Vaumwoll ^ industrie in Vorarlberg. Herausgegeben von der ^ttsstcllnngskottuuission in Fcldkirch. ^ schc Bnchdrnekerei, Mdkirch. » Weltausstellung, Wien, 1873. Additionelle Ausstellung Nro. 1 und 2 (Darstellung der Geschichte der Gewerbe und Erfindungen.) zur Geschichte der Entwicklung der Daumwoll- industrie in Vorarlberg. Herausgegeben von der Ausstellungskommission in Feldkirch. u . r. '- / -ALLÄ // Grafische Euchdruckerei, Feldkirch. i!»^. j^r V i^r"NjtÄ' ,5/.; »'i MW Die Generaldirektion der Weltausstellung von 1873 hat neben den 26 Hauptgruppcn auch additiouclle Ausstellungen in das Programm aufgenommen; unter den letztem hatte die additio- nelle Ausstellung Nro. 1 und 2 (Spczial - Programm Nro. 9) Beiträge zur Geschichte der Gewerbe und Erfindungen zu liefern. Zur Berathung der zur Durchführung dieses Unternehmens zweckdienlichen Arbeiten wurde an: 1. September 1872 in Wien eine Konferenz abgehalten, an welcher über Einladung von Seite des gefertigten Präsidiums das Kommissions-Mitglied Herr Hofrath Mages als Vertreter der Vorarlberger Landes-Ausstellungs- kommission Theil genommen hat. In der Sitzung vom 22. November verhandelte die Landes- Ausstellungskommission über den von Herrn Hofrath Mages eingesendeten ausführlichen Bericht und beschloß, es sollen im Sinne des Z 4 (Spezial-Programm Nro. 9) Beiträge zur Geschichte der Entwicklung der Vorarlberger Baumwollindustrie gesammelt werden, da dieser Industriezweig hier zu Lande seit einem halben Jahrhundert von hervorragender Wichtigkeit ist, ja, man kann ohne Uebertreibung sagen, der heimatlichen Gewerbthätigkeit ihr Gepräge verleiht. Die Landes-Ausstellungskommission kann mit Befriedigung konstatircn, daß die einschlägigen Arbeiten mehrerer ihrer Mitglieder von Erfolg gekrönt waren, indem die Spezial-Iury den IV Herren Rudolf Ganahl und Samuel Jenny die Verdienstmedaille, den Herren Getzner, Mutter Comp., Otto Hämmerte, Hofrath Mages und Wilhelm Rhomberg das Anerken- nungs-Diplom zuerkannt hat. Die Drucklegung der nachstehenden Berichte erfolgte auf ausdrücklichen Wunsch des Herrn Leiters der additionellen Ausstellung 1 und 2. Ausstellungskommission in Feldkirch^ 26. August 1873. Der Präsident: Carl Ganahl. I. Beitrag zur Geschichte der Entstehung und Fortentwicklung der BaumwoN-Jnduftrie in Dornbirn und Umgebung. Die Einwohner, insbesondere der ausgedehnten volkreichen Marktgemeinde Dornbirn befaßten sich neben der Viehzucht und dem Feldbaue lediglich mit der Herstellung und der Ausfuhr hölzerner Häuser nach der Schweiz, welch' localer Erwerbszweig lange fortblühte, und nebst dem davon entfallenden Arbeitsverdienst eine bessere Verwerthung ihrer Waldprodukte sicherte. Bei dem kargen Erträgniß von Grund und Boden hätte die immer mehr anwachsende Bevölkerung nur schwer ihr Fortkommen finden können, und so fiel es, wie dies auch anderwärts öfters der Fall ist, auch hier einzelnen rührigen Männern zu, sich um einen neuen, das materielle Wohl ihrer Mitbürger sichernder: Erwerbszweig umzusehen. Die persönlichen Relationen mit der benachbarten Schweiz, und die schon bei ihren: dortigen Aufkeimen vielversprechende Baumwoll-Jndustrie, veranlaßter: Adam Ulmcr, Dominikus Rüf, Josef Minder und Sohn, sowie verschiedene Andere bereits im Jahre 1773 vorerst die Baumwoll-Handspiunerei in der Weise einzuführen, daß sie von Schweizer Baumwollhändlern oder Fabrikanten die rohe Baumwolle bezogen und das in Dornbirn erzeugte Handgespinnst gegen vereinbarten Spinnlohn wieder ablieferten. Ihrem Beispiele folgten bald mehrere andere Vermittler dieser nun schon die halbe Gemeinde beschäftigenden, sich als sehr wohlthätig erweisenden Hausindustrie. Mit dem zunehmenden Geschmacke, den diese bahnbrechenden Mitbürger an industrieller Thätigkeit fanden, konnten sie wohl nicht länger in diesen beschränkten von: Auslande abhängigen Verhältnissen verharren, ihre Anstrengungen richteten sich daher auf die Heranbildung eigener Handweberei, und wir sehen schon in Dornbirn um das Jahr 1781 bereits die ersten Webewaaren aus eigenem Gespinnst auftauchen. 2 Diese ersten Artikel waren damals sogenannte „Cottontücher", diesen folgten Calicos, glatte Mousselines, Pcrcalls, Jaconats (Battistes wurden in jener Zeit nur im Elsaß und dem übrigen Frankreich erzeugt), die noch auswärts gebleicht und gedruckt werden mußten. Dieser strebsame mit allen Hindernissen kämpfende Geist der Dornbirner konnte der hohen Regierung in Wien nicht entgehen, und die Folge davon war, daß diese Erzeugnisse aus Vorarlberg, das damals außer dem öfter. Zollverbande stand, gegen Ursprungs- certifikate zollfrei auf die österreichischen Märkte gelangen konnten. Dieses Zugeständniß veranlaßte die Industriellen sich auch bezüglich der Veredelung ihrer Fabrikate vom Auslande zu eman- cipiren, und diese Veredlungsbranchen selbst in die Hand zu nehmen. Ein Consortium Adam Ulmer, Frz. Martin Rhomberg und Rein errichteten zwischen 1790 — 1794 eine eigene Appretur für Weißwaaren, erhielten sofort von allen Seiten ansehnliche Zusendungen von rohen Waaren, die dann appretirt und fertig adjustirt größtentheils auf dem Wiener Markt erschienen und gute Aufnahme und Anerkennung fanden. Schon 1790 stellte sich die Nothwendigkeit ein, auch außer der Gemeinde Dornbirn Arbeitskräfte zu suchen, zu welchem Zwecke eigene Vermittler (Ferker) aufgestellt wurden, welche für die Handspinner die Baumwolle, für die Handwebcr die Garne von Dornbirn bezogen, die Löhne ausbezahlten und die Waare wieder an die Committcnten zurücklieferten. Solche Ferker beschäftigten hauptsächlich die Gemeinden des Unterlandes, das Thal Montafon und Walserthal. 1795 errichteten Ios. Ant. Herrburger und sein Schwiegersohn Ios. Anton Rhomberg, die sich in diesem Jahre unter der Firma Herrburger L Rhomberg verbanden, solche Filialen sogar im damals noch vorarlbcrg'schcn Landgericht Weiler und im Thannheimer Thale Gerichts Ehrenberg. Aus dem uns zu Gebote stehenden Daten ergibt sich: daß anfänglich beinahe ausschließlich Siam und Berbice' Baumwolle versponnen wurde. Der Handspinnlohn betrug noch 1792 für 1 Pfd. a 32 Loth enthaltend 22 Schneller fein Nro. st. 1.18 Reichswährnng mit der Steigerung von 7 kr. für jeden weitem Schneller pr. Pfd., was das Pfd. mit 35 Schneller fein Nro. auf st. 2.52 stellt. Im Jahre 1795 war derselbe um 16 kr. pr. Pfd. zurückgegangen. 3 1792 wurde ein ^ (Ellbreit) Cottontuch zu 24 Ellen pr. Stück mit fl. 19.— bessere Qualität mit fl. 21.— 1794 7/4 glatte Mousseliue pr. 24 Ellen mit fl. 28.— ^ glatte Mousseliue (33 Zollbreit) fl. 33.— bezahlt. Im Jahre 1806 errichtete Karl Ulmer in Gesellschaft mit Johann Salzmann auf dem Schwefel eine Jndienne- und Blaudruckfabrik, zu deren technischer Leitung sie für die Anfangsperiode einen jungen Franzosen aus Wien, Namens Bouvard beriefen und sich der Dornbirner Drnckeottone bedienten. Diese Druckerei betrieben die Genannten mehrere Jahre, später übernahmen dieselbe pachtweise bis 1821, Gabriel und I. Herosö aus Konstanz, während Salzmann sich bei der Firma Doppelmeyer L Comp. in Mittelweycrburg zum Betriebe der gleichen Fabrikationsbranche für einige Jahre bethciligte. Diese Druckerei auf dem Schwefel war somit nach Mittelweicrburg die Zweitälteste im Lande. Im Jahre 1813 vereinigte sich der bereits genannte Chef der Firma Herrburger L Rhomberg, Josef Anton Rhomberg, mit Lorenz Rhomberg zur Erbauung einer mechanischen Flachsspinnerei zu Achmühle in Dornbirn, welche nach kurzen unlohnenden Versuchen zu einer Baumwollspinnerei umgewandelt und nach und nach auf 7000 Spindeln gebracht wurde. Es ist diese nach vielen technischen Umgestaltungen noch heute in Betrieb und Besitz der Firma Herrburger L Rhomberg stehende Spinnerei die älteste im Lande Vorarlberg und etwa nach jener in Pottcndorf bei Wien die älteste selbst in Oesterreich. Sie ward zu ihrer Zeit als wichtiger, die heimische Industrie ergänzender Faktor freudig begrüßt und hatte die Ehre des Besuches S. Maj. des seligen Kaisers Franz, der auf seiner Durchreise aus Frankreich dieselbe mit größter Aufmerksamkeit besichtigte und den Gründern derselben seine allerhöchste Anerkennung ausdrückte. Ihr Betrieb war bei den damaligen geringen Hülfsmitteln nicht nur in technischer Beziehung, sondern auch rücksichtlich der Baumwollversorgung bei den unausgebildeten Verkehrsverhältnissen mit großen Schwierigkeiten verknüpft, umsomehr als gleich Anfangs das Rohmaterial im Großen, nicht von' den Schweizer Baumwollhändlcrn, sondern möglichst direkte an den europ. Seeplätzen gekauft wurde. So ist es z. B. der Erwähnung gewiß werth, daß diese Spinnerei im Juni 1822 von den Erst-' lingen der von Mechemed Ali produzirten und auf den Markt gebrachten Mako-Banmwolle bezog und verspann, welche Qualität 4 in der Folge am Meisten verarbeitet wurde, während zuvor für die feinen Nr. alle im Handel bis dahin bekannten Südamerikanischen Sorten, für die groben Nr. sämmtlich vorkommende Levantinische Flocken dnrch die Werke gegangen waren. Der größere Verbrauch der Nordamerikanischcn Baumwolle begann in derselben erst mit Anfang der 1830er Jahre. Im Jahre 1816 betrug beispielsweise der Preis von ein Bündel Kettengarn dir. 38 zu 5 Pfd. engl. ä fl. 2.11 fl. 10.55 Reichswährung gegen fl. 4.45 heute. Gegen das Ende des Jahres 1814 trat in die Handweberei zu Dornbirn ein Wendepunkt, mit der Einführung der Buntweberei. Lorcnz Rhomberg, der vorgenannte Theilhaber an der Spinnerei, begann dieselbe mit 6 —8 Webern und schon die ersten dieser Erzeugnisse, die man bis dahin nur vom Auslande sich kaufen konnte, fanden so raschen Absatz, daß es nicht selten vorkam, daß halbfertige Stücke an den Stühlen abgeschnitten verkauft, die übrige Hälfte der Kette wieder angedreht vollendet wurde. ' Es waren dies sogenannte Cotonine von carrirten Dessins mit türkischrothem, dunkel- und hellblauen: und rostgelbem Garne. Diese Weberei breitete sich außerordentlich rasch aus; verschiedene andere Fabrikanten führten sie auch ihrerseits ein, Hand in Hand mit diesem Aufschwung ging auch eine sehr wesentliche Verbesserung des Webstnhles durch die Anbringung des sogenannten „Schnell- schusses", welch' neue Erscheinung Se. Mas. Kaiser Franz bei seinen: vorhin erwähnten Besuche Dornbirns gleichfalls im Arbeitslokale des Handwcbers Thomas Wehinger in der Riedgafse in Augenschein zu nehmen geruhte. Außer den Cotonincs überging man nach und nach auf alle in die Buntweberei einschlagenden, den: Massenverbrauchc zunächst zusagenden Artikel, und weil die etwas komplizirtere Manipulation anfänglich die Fabrikanten nöthigte, in stetem direktem Rapport mit den Hauswebern zu bleiben und deßhalb dieselben in nächster Nähe zu suchen, so hat sich die Glattweberei der rohen Cottone mehr und mehr aus Dornbirn hinausgedrängt gesehen, um desto mehr in der Umgegend sich auszubreiten, bis auch dort die vorhandenen Arbeitskräfte mit Vorliebe sich dem rentabler:: und vervollkommnetercn Betrieb der Buntweberei zuwendeten. 1815 errichteten Carl Ulmer und Alois Rhomberg gemeinschaftlich eine Natur- und chemische Bleicherei. 5 1825 gründete derselbe Carl Ulmer eine Türkischrothfärberei nnd Druckerei, deren technische Leitung sein Sohn Johann Georg Ulmer übernahm und in beträchtlicher Ausdehnung heute noch betreibt. Garne wurden in dieser Türkischrothfärberei nur kurze Zeit gefärbt, als Garnfärbcrei ist sie nach jener in Fclsenau bei Fcldkirch die nächstälteste in Vorarlberg. Aber auch die ersten mechanischen Webstühle sah Dornbirn in Thätigkeit treten, indem schon 1830 oder 1831 von' Ulmer cL Salzmann in ihrem Fabriksgebäude auf dem Rohr- bache ein ganzer Saal mit solchen Stühlen belegt wurde nnd in Betrieb kam. Ein Jahr darauf wurde in diesem gleichen Etablissemente die lulle kMAlais-Wcberei eingeführt, welche aber der Konkurrenz des Mutterlandes dieser Industrie nicht gewachsen war und wieder einging. 1834 errichtete ferner Franz Martin Rhomberg, in dessen Familie die Färberei im Kleinern seit Generationen sozusagen traditionell war, die erste größere Buntfärberei auf dem Rohrbache. In den letzten drei Dezennien erstanden nacheinander die mechanischen Webereien von Ioh. Baptist Salzmann, Ioh. Georg Ulmer, Franz Martin Rhomberg, Herrburger L Rhomberg, Josef Andre Minder, David Fussenegger; die mechanischen Spinnereien von Ioh. Baptist Salzmann, Franz Martin Hämmerte, Herrburger Rhomberg; die zu besonderer Vollkommenheit gelangte Blaudruckfabrik von Franz Martin Rhomberg. Von diesen Schöpfungen.ist besonders die im Verlaufe von circa 20 Jahren zu einer stattlichen Gruppe von Fabrikations- zwcigen herangewachsene Anlage von Franz Martin Hämmerte hervorzuheben. Dieselbe umfaßt Spinnerei, Färberei, Glatt- und Buntweberei, sowie in letzter Hand noch die hierlands bisher einzige englische Schnellbleichcrei für Garne nnd Tücher mit Vacunm-Prinzip. Diese ineinandergreifenden, mit den allcrneuestcn Hülfsmaschinen versehenen FabrirationsMige befähigen diesen Industriellen zu einem so hohen Grad von Beweglichkeit, zum Umspringen von einem Artikel zu einem andern, in Grundstoff und Form ganz verschiedenen, daß er nicht nur vermöge dieser Eigenschaft, sondern auch wegen dem Geschmack und der sorgfältigen Ausrüstung, durch welche sich seine den Seiden-, Wollen- und Leinen- gebieten entnommenen Imitationen nnd Novitäten auszeichnen, füglich sich unter die ersten Industriellen Oesterreichs reihen läßt. 6 Aber auch in der Umgebung Dornbirns, im untern Theile Vorarlbergs entwickelte sich die Baumwollindustric sehr lebhaft; bereits 1816 finden wir in dem nahen Schwarzach die Buntweberei ebenfalls in Betrieb, indem Josef Schwärzler dieselbe, Anfangs für Schweizer-Rechnung, begann, die Ketten aus bunten Garnen dazu aus der Schweiz bezog und sie durch die einheimischen Weber weben ließ, bald darauf aber für eigene Rechnung arbeitete und mit seinen Produkten hauptsächlich die Bozener und Salzburgcr Märkte bezog. Sein Sohn Gcbhard Schwärzler, unter Beibehaltung der väterlichen Firma, fügte den durch ihn immer-mehr ausgebildeten Fabrikationszweigen nun vor vier bis fünf Jahren noch eine mechanische Weberei an der Schwarzacher Ach hinzu. 1826 errichtete Johann Blum in Birkenfeld bei Fussach an einem der Ach entnommenen Wasserkanal, der früher nur eine Mahlmühle trieb, eine mechanische Baumwollspinncrci. Diese überging 1834 an Conrad Gysi aus Zürich, welcher die Mühle entfernte, die Wasserkraft dadurch wesentlich vermehrte und mittelst Verbesserung der Motoren die Spinnerei auf den dermaligcn Stand von 10,000 Spindeln brachte. 1836 gab die durch ihre ausgedehnte Türkischrothfärbcrci und Druckerei rühmlich bekannte Firma Jenny Schindler, über deren Anlagen in Hard in einem andern Abschnitte dieser Broschüre Eingehenderes gesagt ist, die Anregung zu einer am Austritte der Brcgenzer Ach aus dem Gebirge zu Kcnnelbach zu erbauenden großen Baumwollspinnerei von ca. 22,000 Spindeln, welche unter deren Leitung und hauptsächlichen Betheiligung durch eine Aktiengesellschaft errichtet und 1838 in Betrieb gesetzt wurde. 1859 überging das Etablissement vertragsmäßig auf Melchior- Jenny, Friedrich und Dietrich Schindler, von diesen 1871 kaufs- wcise auf W. Schindler, Samuel und Cosmos Jenny, welche dasselbe unter der heutigen Firma „Spinnerei Kcnnelbach" fortführen. Die jetzigen Inhaber erhöhten 1872 die Wasserkraft durch Ersetzung des Wasserrades durch eine Girard - Turbine, und belegen jetzt die ganze Spinnerei mit Selfaktoren. 1873 bauten sie hiezu eine mechanische Weberei von 100 Stühlen, sowie auch Arbeiterwohnungen. Die alte Firma erhielt bei der Industrieausstellung in Wien 1845 die goldene Medaille. 1838 erbaute der vorgenannte Conrad Gysi in Mcrerau bei Bregenz eine Türkischrothgarnfärberei, die in namhaftem Um- 7 fange betrieben und zunächst zur Veredlung der Garne der eigenen Spinnerei bestimmt ist. 1853 errichtete die bereits ermähnte Firma Jenny ck Schindler am Abflußkanalc der Spinnerei Kennelbach die mechanische Weberei Liebenstein; das Etablissement hatte 1861 das Unglück, vom Feuer zerstört zu werden, erstand aber von Grund aus von Neuem mit 200 Stühlen und wird derzeit von Nachkommen der früheren Inhaber fortbetrieben. Um über den heutigen Stand der Baumwollindustrie Dorn- birns und seiner Umgebung eine Uebersicht zu gewinnen, reassumircn wir hier nochmals die jetzt bestehenden Fabriksanlagen in alphabetischer Folge nach ihren Besitzern. Fussencggcr, David, mechanische Weberei in Wallenmad. Fusscnegger, Ioh. Michael, chemische Bleiche und Appretur ebendaselbst. Hämmerte, Frz. Martin, zwei Spinnereien im Gütle, drei mechanische Webereien im Oberdorf und Stcinebach, Färberei, Walzendruck und Schnellbleiche. Herrburger L Rhombcrg, zwei Spinnereien in Achmühle, eine mechanische Weberei in Mittenbrunnen. Rhomberg, Frz. Martin, mechanische Weberei in Schmelzhütten, Färberei und Blaudruck auf mechanischem Wege (Perrottincs und Rouleaux) am Nohrbach. Salzmann, Ioh. Bapt., eine Spinnerei an der Sägen, eine mechanische Weberei in Mittenbrunnen, eine mechanische Weberei mit Spinnerei am Rohrbach. Ulmcr, Ioh. Georg, mechanische Weberei, Türkischrothfärberei und Druckerei auf dem Schwefel. Minder, Joses Andre, mechanische Weberei und Färberei im Enlcnthal, mechanische Weberei in Boden (in Aufstellung begriffen). Conrad Gysi, Spinnerei in Birkenfcld bei Fussach, Tür- kischrothgarnfärberci in M er er au. Jenny, Samuel und Cosmos, Schindler, W., Spinnerei in Kennelbach, mechanische Weberei ebendaselbst. Mechanische Weberei Liebenstein. Schwärzler, Josef, mechanische Weberei in Schwarzach. Von den Fabriksanlagen in Dornbirn stehen die meisten an der Ach oder an dem aus derselben abgeleiteten Mühlkanal, dessen variabler, zeitweise sehr verminderter Wasserstand die Zuhülfe- nähme der Dampfkraft nöthig machte; seit der Aufstellung der ersten Dampfmaschine in der mechanischen Weberei von I. Bapt. Salzmann, 1854 oder 1855, bestehen nun 15 Dampfmaschinen; dieser Umstand und die starke Konkurrenz in den kaum mehr genügenden einheimischen Arbeitskräften stellen sich, wonicht als natürliche örtliche Schranke, so doch als Erschwernis einer noch wesentlich grvßcrn Ausdehnung industrieller Unternehmungen in Dornbirn entgegen. Das Verhältniß zwischen Arbeitgebern und Arbeitern ist, weil auf gegenseitiges Vertrauen und Rücksicht gegründet, stets ein freundliches. Die Arbeiter, täglich Zeugen von den technischen Erfindungen und Reformen, denen der Industrielle, um konkurrenzfähig sich zu erhalten, ohne Zagen sich anschließen und immer von Neuem einen guten Theil des Erworbenen wieder dafür einsetzen muß, ferner eingedenk der pekuniären und geistigen Anstrengungen, mit welchen dieser wo möglich durch den Fortbetrieb der Arbeit die Folgen der Baumwollkrisis während des amerikanischen Krieges für sie zu mildern bestrebt war, bethätigen im großen Ganzen eine vernünftige, lobenswertste Haltung. Es ist aber auch in Dornbirn und größtenteils in Vorarlberg eine eigentlich fahrende Fabriksbcvölkerung nicht vorhanden; die weitaus größte Zahl lebt im Familienverbande und besitzt in der Regel einen eigenen Hausstand mit einem oder mehreren Grundstücken, dessen Besorgung eines oder das andere Familienglied sich unterzieht. Die sehr vorgeschrittene Parzellirung des Grundes (Dornbirn zählt über 20,000 Grundparzellen) begünstigt den Erwerb von Grundstücken, und diese Gelegenheit bildet für den moralisch aufrechten Arbeiter den besten Sporn zur Anlage seiner Ersparnisse. An der Seite dieser Großindustrie findet das Kleingewerbe in allen seinen Abzweigungen ebenfalls guten Verdienst, und der vorhandene Gewcrbeftand, der über die Marken der Gemeinden hinaus Vortheilhaft bekannt und vielfach von außen her gleichfalls Beschäftigung findet, legt hicvon Zeugniß ab. Die Gemeinden selbst wären nie in die Lage gekommen, Uferschutz-, Straßen- und Hochbauten, sowie Kanalisirungen, wie sie dieselben ausweisen, zur Ausführung zu bringen ohne die durch die Industrie geschaffene bessere Steuerkraft; in Weiterverfolgung und Verallgemeinerung dieses Bildes sehen wir aber auch, wie «MWW — 9 — der Staat in den Ländern, in denen Industrie besteht, die Steuerkraft immer besser zu finden und auf die Probe zu stellen weiß, und auch bei ihm steht es außer Frage, daß er für die Anforderungen seiner mannigfachen Vcrwaltnngszweige auch nicht entfernt aufzukommen im Stande wäre ohne die Steuererträgnisse von Industrie, Gewerbe und Handel. Industrie und Landwirthschaft harmonisch vertheilt, wenn sie sich als gleichberechtigte, gleichnothwcndige Elemente im Staate gegenseitig achten, sind die Grundbedingungen des staatlichen Bestandes. Mögen in Oesterreich Regierung und Legislative, dessen eingedenk, eine besonnene, gleich unsern Nachbarstaaten, auf sich selbst bedachte Handelspolitik pflegen und so dem Fleiße der Staatsbürger Hort und Schutz sein! Dornbirn, im Januar 1873. Wilhelm Rhomberg. II. Beitrag zur Geschichte der Entwicklung der Banmwollindustrie !m obern Theile Vorarlbergs, nämlich in den Bezirken von Vludenz und Feldkirch. Die Handspinnerei der Baumwolle fand im obern Theile von Vorarlberg, in den Bezirken von Feldkirch und Bludenz, im letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts Eingang. Ios. Anton Leone betrieb um diese Zeit einen beträchtlichen Handel mit Baumwolle und Handgcspinnstcn; den nämlichen Erwerbszweig kulti- virte, von 1797 angefangen, Ioh. Josef Ganahl, der gleich dem erstgenannten in Feldkirch ansäßig war. Im Jahre 1813 fing Christian Getzner in Bludenz an, die Handspinnerei von Baumwolle zu betreiben. Die Art und Weise dieses Betriebs war ganz gleich der im Berichte aus Dornbirn geschilderten — die meist aus der Schweiz bezogene Baumwolle wurde durch „Ferker" in die Umgegend von Feldkirch und Bludenz ausgegeben, — ja selbst in sehr entlegene Gegenden brachten die „Ferker" die zu verspinnende Baumwolle, so z. B. bis in den untern Theil des Tannbcrg, dessen Ortschaften 4500 bis 5400' über dem Meere liegen. Während aber die Handstickerei und Baumwollweberei im untern (nördlichen) Theile Vorarlbergs gegen Ende des vorigen und bei Beginn des jetzigen Jahrhunderts schon eine beträchtliche Ausdehnung hatte — in Dornbirn allein arbeiteten im Jahre 1796 an 600 Weber — beschränkte sich die Verarbeitung von Baumwolle im Obcrlandc auf die Handspinnerei. Einer Anstalt znr Veredlung von Baumwollwaaren sei übrigens gedacht; es ist die Bleiche in Mciningcn, nordwestlich von Feldkirch, in einer Entfernung von zwei Wegstunden in der Mhc des Rheins gelegen. Der sogenannte Bleichehof in Mciningcn war schon im Jahre 1701 (laut Lehcnbrief von: 25. Februar 1701) vom Erzherzog Leopold von Oesterreich einem gewissen Jakob Hutsch von Adlcrsburg zu einem Erblehen verliehen, nachdem derselbe diesen „Bleichehof" schon seit dem Jahre 1683 gegen einen jährlichen Bestandzins von 80 Gulden „inngehabt" 11 hatte. Die Bleiche in Meinungen hatte während eines halben Jahrhunderts einen nach frühern Begriffen äußerst schwunghaften Betrieb auszuweisen. Die benachbarten St. Gallisch-appenzellischen Baumwollfabrikanten ließen ihre Erzeugnisse vorzugsweise in Mei- ningen bleichen; der Anstalt stand eine große, ebene Bodenfläche zur Verfügung, wie sie im St. Gallisch-appenzellischen Hügellande, wo zudem Grund und Boden in Folge der demokratischen Staats- cinrichtung in kleine Parzellen vertheilt worden, nicht zu haben war. Die Anwendung des Chlors im Bleichvcrfahren änderte aber die Situation; Bleichereien konnten fortan auch ohne große Bodcnfläche bestehen — kurz, die Bleiche in Meiningen hat schon seit 40 Jahren jede Bedeutung verloren und die verfügbare' Wasserkraft wird heute zum Betriebe einer mechanischen Weberei benützt. Zurückkehrend zur Geschichte der Vorarlbergischen Baumwollindustrie erwähne ich, daß sich im Jahre 1817 mit Christian Getzner Andreas Gaßner, senior, associirte, der sich in der Schweiz einige Kenntnisse in der Fabrikation von Baumwollwaaren erworben hatte. In diese Zeit fällt denn auch die Aufstellung mehrerer Haudwebstühlc in Bludenz durch die Genannten, welche auf diesen Stühlen Kölsch, Cotonine und farbige Sacktücher erzeugten. Im Jahre 1818 trat noch Xaver Mutter in die Societät, welche unter der Firma „Getzner, Mutter Comp." die Handspinnerci fortbetrieb, vorzüglich aber sich die Ausdehnung der Baumwollwaarenfabrikation zum Ziele gesetzt hatte. Im Jahre 1817 kaufte sich Christian Getzner in Feldkirch an und begann daselbst im eigenen Hause eine Türkischrothfärberei für Garne zu betreiben, welche aber wegen des üblen Geruches, den sie verbreitete, im Jahre 1822 nach dem zwischen Feldkirch und Frastauz gelegenen Weiler Fclscnau transferirt wurde. Die Räumlichkeiten in Feldkirch wurden nun zu einer Blau- und Schönfärberei, sowie zum Handdruck eingerichtet. Einige Jahre später wurde auch die Blau- und Schönfärberei nach Felscnau transferirt, der Handdruck aber ganz ausgegeben. Vom Jahre 1817 au hatte sich die Fabrikation von Baum- wollwaarcn rasch gehoben und die von der Firma Getzner, Mutter L Comp. erzeugten Kölsch, Cotonine und Sacktücher fanden außer in Vorarlberg besonders auf den Märkten von Hall, Bozen und Verona, wo im Jahre 1820 ein Kommissionslager errichtet wurde, reichlichen Absatz. 12 Im Jahre 1819 errichtete Johann Josef Ganahl von Feldkirch in Gesellschaft mit Gctzncr, Mntter L Comp. unter der Firma Ganahl Comp. die mechanische Baumwollspinnerei „Brunnenthal" in Bludenz, welche aber im Jahre 1830 abbrannte und nicht wieder aufgebaut wurde. Die gegen Ende der zweiten Hälfte der Zwanziger Jahre eingetretene bedeutende Vervollkommnung der Baumwollspinnmaschinen rief in Vorarlberg, namentlich im Jllthale, neue Unternehmungen hervor. Im Jahre 1828 wurde in Feldkirch eine Banmwollspinnerei auf Aktien gegründet unter der Firma „K. k. priv. Spinnerei Feldkirch". Im Jahre 1833 errichtete Johann Josef Ganahl die zweite Baumwollspinnerei in Feldkirch. Carl Ganahl, Sohn des genannten Eigenthümcrs, stellte 1834 im Erdgeschoß dieser Fabrik 50 mechanische Webstühle (power looms) mit Spul-,- Zettel- und Schlichtmaschinen auf, die er von Andrö Köchlin L Comp. in Mülhauscn im Elsaß bezogen. Die mechanischen Wcbstühle aus dieser Zeit waren größten- theils aus Eisen konstruirt; es waren einfach zu handhabende Maschinen, die aber nur 80 Schläge in der Minute machten, während die mechanischen Wcbstühle der Jetztzeit 150 bis 200 und mehr Schläge machen. Die Wcbstühle von 1830/33 hatten keine Abstellgabel, nämlich keine Vorrichtung, welche den Stuhl stillstehen macht, sobald der einfallende Schußfaden bricht. Der Rcgulirapparat, durch welchen die Zahl der auf eine bestimmte Länge der Kette einzuschlagenden Schußfäden bestimmt wird, hing lediglich von der Größe des Gewichtes ab, mit dem der Zettel- jetten-) Baum beschwert wurde, darum war die Regnlirung eine sehr mangelhafte, und leichtere Baumwolltücher (mit 16 bis 19 Fäden Schuß pro Zoll) konnten gleichmäßig nur von den besten Arbeitern gewoben werden. Die heutige Rcgulirvorrichtung gibt je nach der Zahl der Zähne des Wechselndes, das man anwendet, der Sandwalzc, welche das Zettel- (Ketten-) Garn vorn Zettel- (Ketten-) Baume abnimmt, eine gewisse Zahl von Umdrehungen, von welcher (Zahl) die auf eine bestimmte Länge der Kette entfallende Anzahl Schußfäden bestimmt wird. Der Webstuhl aus den Dreißiger Jahren war der geringern Leistung entsprechend leichter gebaut, als der gegenwärtige; die Zettelbaumscheiben hatten einen kleineren Diameter, weil auf den Bäumen nur circa 225 Ellen geschlichtete Kette — gegen 825 Ellen jetzt — aufgewunden wurden. 13 Die Beilagen 6, 6 zeigen von vier Seiten den mechanischen Webstuhl (Power loom), wie er von Andre Köchlin in den Jahren 1830 bis 1834 gebaut wurde. Man wird bemerken, daß bei diesem Webstuhl die Peitsche, welche das Schiffchen hin und her schlägt, in der Mitte angebracht ist. Als eine wesentliche Verbesserung wurde das Anbringen von zwei Peitschen an beiden Seiten des Stuhles betrachtet; diese Stühle (sogenannte riille-pie«) wurden von 1834 an' von der Maschinen- werkstütte- in St. Georgen bei St. Gallen (damals Mich. Weniger ä- Comp.) nach Vorarlberg geliefert. Carl Ganahl erbaute im Jahre 1835 in dem eine Stunde von Feldkirch entfernten Dorfe Frastanz am Bache Samina (Beilage v) eine mechanische Banmwollspinuerei und Weberei. Die Webstühle von Andrö Köchlin, wie sie oben erwähnte Zeichnungen darstellen, wurden aus dem Etablissement in Feldkirch nach Frastanz transferirt und neben diesen auch sicie-pie« aufgestellt; solche Stühle setzte ungefähr um die gleiche Zeit auch die Firma Getzner, Mutter L- Comp. in der Fabrik zu Ncnziug in Gang. In Frastanz kamen in Einem Saale 150 mechanische Webstühle in Gang und ist diese Weberei, mit der die Grenzen des bloßen Versuchs überschritten wurden, das älteste derartige Etablissement von größerer Bedeutung in Vorarlberg und in Oesterreich überhaupt. Es gebührt demnach, wie übrigens schon aus dem Berichte über die Entwicklung der Baumwolliudustrie in Dorubirn hervorgeht, Vorarlberg, was die Einführung der mechanischen Weberei in Oesterreich betrifft, ohne Zweifel die Priorität. Es ist bekannt, daß mechanische Webstühle (Kraftstühle Power looms) in England schon im Anfange dieses Jahrhunderts konstruirt wurden; eine Vortheilhafte Anwendung derselben wurde aber dadurch erschwert, richtiger unmöglich gemacht, daß man, weil die Kette auf dem Stuhl geschlichtet wurde, die Arbeit sehr oft unterbrechen mußte und jeder Stuhl einen eigenen Arbeiter brauchte. Um diesen Uebclstaud zu beseitigen, mußte man ein Verfahren ersinnen, wodurch man die ganze Kette, bevor sie auf den Stuhl gebracht wird, schlichten konnte. Das, was der mechanischen Weberei vor allem mangelte, eine zweckentsprechende Schlichtmaschine, wurde auch in England zu Stande gebracht. Bei den alten englischen Schlichtmaschinen passirt das auf Walzen aufgewündene Kettengarn 14 1. ein Walzwerk, das in einen Trog mit Schlichte taucht und die Kette schlichtet, während die überflüssige Schlichte ausgeprcsst wird; 2. einen Apparat von Bürsten, welche die Schlichte in das Garn einreihen; 3. einen Ventilator, durch den die Fäden schnell getrocknet werden. (Siehe Beilage L.) Die Schlichtmaschine aus den dreißiger Jahren lieferte geschlichtete Ketten für etwa 25 Wcbstühlc. Eine Weberei mit 250 Wcbstühlen brauchte demnach 10 solche Maschinen, während eine einzige SiriiiK-moebine neuerer Konstruktion ausreicht. Die 8i- rinZ'-mgelüne (in Vorarlberg zuerst von Carl Ganahl 1851 eingeführt) läßt das zu schlichtende Kettcngarn durch einen Trog mit durch einströmenden Dampf in fortwährenden: Kochen erhaltener Schlichte, sodann über durch Dampf erhitzte Tambours von Weißblech oder Kupfer passircn, von welchen die getrocknete Kette durch einen besondern Mechanismus ab und auf den Zettel- baum gewunden wird. Siehe Beilagen, k': Zeichnung der Sirin^-maeüine von 1851; 6: Zeichnung einer 8irinn-mac!nn6 neuerer Konstruktion mit nähern Ausschluß gibt die beiliegende Notizspezifikation Wm. Lnncastcrs. In neuester Zeit wird von Lancastcr Bullongh in Accring- ton eine Schlichtmaschine, bei welcher das Garn mehrere Reihen durch Dampf erhitzter Röhren passirt und so durch erwärmte Luft getrocknet wird, als besonders vorzüglich empfohlen. In Vorarlberg liegen über diese Maschine noch keine Erfahrungen vor. Im Jahre 1836 erbauten Escher, Wyß L Comp. aus Zürich in der Größe der vorerwähnten Frastanzer Iabrik eine Baum- wollspinnerei und Weberei in Thüringen, die, längere Zeit für Rechnung einer Aktiengesellschaft betrieben, gegenwärtig Eigenthum von John Douglas ist. Im Jahre 1836 erbauten ferner Getzncr, Mutter Comp. ein drittes Etablissement, nämlich die Baumwollspinnerei und Weberei Lünersee bei Bludenz; endlich wurde im nämlichen Jahre die Spinnerei Klarenbrunn von Josef von Ganahl und Lorünser gegründet. Im Jahre 1831 errichtete I. Müller im Vereine mit Herrburger 6e Rhomberg in Gaiß bei Nenzing eine ausgedehnte Türkischrothfärberei für Garne und Tücher nebst einer Bunt- 15 färberei. Diese Unternehmung wird gegenwärtig von der Firma I. Müller L Söhne betrieben. Im Jahre 1836 wurde im vorarlbergischcn Obcrlande durch die Firma Elmer L Comp., deren Theilhaber aus Glarus in der Schweiz nach Satteins zogen, auch der Cotondruck eingeführt. Die Firma erzeugte zuerst den türkischrothen Druckartikel, und druckte bald darauf auch bunte Shawls mit Applikationsfarben, die damals noch nicht durch die Anwendung des Dampfes fipirt wurden. Die Stoffe waren meist croisirt gewoben, die Tücher (Halstücher) wurden einzeln ausgeschnitten und Wollsransen angenäht. (Beilage repräfentirt ein solches Tuch aus der Zeit von 1835—1843.) Später widmete sich die Firma Elmer L Comp. auch der Erzeugung krapprother Foulards. Bon Interesse scheint mir die folgende Stelle über die Baumwoll-Industrie, welche in dem Buche von Weizencgger- Merkle, betitelt „Vorarlberg" (erschienen im Jahre 1839) enthalten ist. Dieselbe lautet: „Maschinengarn. Während der baicrschen Regicrungszeit von 1806—1814 machte man in Dornbirn den Versuch, den Flachs mechanisch zu spinnen und die Leiuwandmanufaktur, welche vor etwa 200 Jahren eine vorzügliche Beschäftigung des Landes ausmachte, wieder cmporzubringen; so lautete wenigstens der Titel, unter welchem das Gewerbe erscheinen sollte. Der Zweck wurde nicht erreicht, und wollte man die Ausgaben für Gebäude, Wasserleitung und Maschinenbcstandtheile nicht umsonst gemacht haben, so mußte sich die Anstalt in eine Banmwollspinnerci umändern. Vergleicht man die Behandlung von Baumwolle, ihre Reinigung von Samenkörnern und das Lockern durch Schlagen mit Stäbchen aus freier Hand, die Charten- (Karden-) und Spinnstühle rc. mit dem gegenwärtigen Verfahren, so kann man des Lächelns kaum sich enthalten, und dennoch wurde ein Schleier des Geheimnisses darüber gebreitet, um schnelle Nachahmung zu verhindern. Diese ältere Maschine arbeitet in Dornbirn mit einigen Verbesserungen noch immer fort, setzt aber kein Garn in den Handel, sondern aller Borrath wird gewoben, gebleicht, bedruckt, im Garn oder Stücke gefärbt, zu Zeugen, Sacktüchern rc. verarbeitet und im Großen verkauft und verschickt. Die österreichische Regierung begünstiget die Einfuhr der Maschinen jeder Art, welche noch nicht in gleicher Vollkommen- 16 heit im Lande sind oder da verfertiget werden können; seitdem hat die Geheimnißmacherei aufgehört, man erwirbt sich bei nützlichen Erfindungen und Verbesserungen um ein Privilegium, nach dessen Erlöschen die Entdeckung Gemeingut wird. Aller Orten drehen sich jetzt außer Dornbirn Räder der Spinnmaschinen, wo nur immer Wasser genug vorhanden ist; so in Kronhalden bei Bregenz, Lauterach, Hard, Fussach, Hohenems, Feldkirch, Fra- stanz, Nenzing, Mirs, Bludenz und Düring; manche derselben haben wenige Spinnstuhle, gehen ein und kommen wieder empor, nachdem gerade ein Eigenthümer wechselt oder ein besseres Geschäft einzurichten weiß. Zu den vorzüglichsten gehört die Escher'sche in Feldkirch, bei welcher, abgesehen von der Vollkommenheit des Innern, die Wasserräder besondere Aufmerksamkeit verdienen. Es sind zwei, deren jedes eine Kraft von 18 Pferden ausübt und bei dem vorhandenen Wasser aus 25 erhöht wird, so daß man erforderlichen Falles mit einer Kraft von 50 Pferden arbeiten könnte. Die Kammcnsegmentc sind aus Gußeisen, greifen in eiserne Kolben und diese wieder in Wechselräder, welche auf das Haupt- gctriebe wirken; keines eilt voraus, keines bleibt zurück und in kurzer Zeit kaun das eine oder andere außer Wirksamkeit gesetzt werden, während das thätige Rad noch Kraft genug besitzt, einen großen Theil der Stühle in Bewegung zu erhalten, wenn an dem andern eine Ausbesserung geschehen müßte. Die Beheizung geschieht mit einem Dampsofen, von welchem die erhitzten Wasser- dämpfe durch eiserne Röhren im ganzen Gebäude hcrumgeleitet werden. Im gegenwärtigen Stande verarbeitet diese Maschine täglich 12 Zentner Baumwolle, beschäftiget 270 Personen und gibt ihnen einen wöchentlichen Verdienst von 550 Gulden. Das meiste Garn wird nach Oesterreich und in das lom- bardisch-venetianische Königreich abgesetzt, sehr vieles aber selbst im Lande verarbeitet und als Fabrikat weiter verschickt. Frastanz und Nenzing haben mechanische Webereien, welche nur weiße Stücke fertigen, die auf den chemischen Bleichen zu Dornbirn, Brcderis, Mciningen und Bludenz zugerichtet und entweder weiß verkauft oder gefärbt und bedruckt werden. Feines Garn wird in Dornbirn und Bregenz auf Bobinet-Maschinen zu englischem Spitzengrund geknüpft und das gröbere am erstem Orte zu Wollensammet — Manchester — verarbeitet." Was hier aus dem Buche von Weizenegger-Merkte angeführt wurde, gibt Zeugniß von der wichtigen Rolle, welche die 17 Baumwollindustrie schon vor vier Jahrzehnten im wirtschaftlichen Leben Vorarlbergs, gespielt hat. . Der Umstand, daß alle Maschinenteile von Gußeisen aus Zürich, Schasfhausen, Winterthur u. s. w. bezogen werden mußten, was oft sehr lästig fiel, gab im Jahre 1836 Anlaß zum Baue einer Eisengießerei in Frastanz (Beilage U^). Die auffallende Prosperität der Baumwollspinnereien bestimmte auch die Unternehmer, mit der Eisengießerei eine Maschinenwerkstätte zu verbinden und besonders den Bau von Spinnmaschinen zu betreiben. Die Maschinenfabrik Frastanz hat mehrere Jahre lang einen äußerst schwunghaften Betrieb auszuweisen; in Frastanz wurden Anfangs der vierziger Jahre die Triebwerke und Maschinen für die Baumwollspinnereien in Reutte und Tclfs in Tirol und einige Jahre später jene für die Spinnerei Montorio bei Verona gebaut. Diese ohne Frage hervorragende Thätigkeit im Maschinenbau bildet eine interessante Episode in der Geschichte der Industrie Vorarlbergs; ich sage, eine Episode, denn die spätere mißliche Lage der Baumwollspinnereien in Reutte und Telfs, bei denen die Besitzer der Maschincn- werkstätte in Frastanz stark betheiligt waren, wirkte lähmend auf dieses Geschäft, die Wirren der Jahre 1848 und 1849 brachten weitern Schaden, und schließlich hatte der durch die Erweiterung des Eisenbahnnetzes und die eingetretenen Zollbegünstigungen erleichterte Import englischer Maschinen die gänzliche Einstellung des Baues von Spinnereimaschinen in Frastanz zur Folge. (Die Beilagen l, K repräsentiern einen Batteur (Schlagmaschine) und eine Carde, wie solche seinerzeit von der Maschinenwerkstätte in Frastanz konstruirt wurden.) Im Jahre 1860 ging das Etablissement in den Besitz der Firma Carl Ganahl L Comp. über, welche den größer« Theil der Maschinenfabrik für eine Baumwollspinnerei adaptirte, die Werkstätte und Eisengießerei aber nur für den laufenden Bedarf der eigenen und benachbarten Fabriken und kleinerer Gewerbe fortbetreibt. Die Errichtung zahlreicher Baumwollspinnereicn im Erz- hcrzogthume Oesterreich und namentlich in Böhmen, der Aufschwung der Baumwollweberci in der Lombardei erschwerte schon in der ersten Hälfte der vierziger Jahre den Vortheilhaften Absatz von rohen Garnen und Baumwolltüchern. Darum nahmen verschiedene Industrielle in Vorarlberg auf eine weitere Veredlung ihrer Erzeugnisse Bedacht; so errichtete Carl Ganahl in Frastanz im Jahre 1843 eine Türkischrothfärbcrci für Garne und Tücher nebst einer Druckerei. Einige Jahre später errichteten die Herren Gebrüder Rosen- thal im Badgebäude zum Schwefel bei Hohcnems eine Coton- druckerei, der sie nach Aufführung von Neubauten eine Türkisch- rothfärberei beifügten. Im Jahre 1847 erbaute Herr I. M. Ohmeyer aus Fcld- kirch eine Baumwollfp innere: in Rankweil, welche vor einigen Jahren in den Besitz der Familie Rofenthal überging. Seit 1850 wurden im obern Theile Vorarlbergs noch einige mechanische Webereien für rohe Cotone gegründet, so von Jakob Rhombcrg, Gebrüder Rofenthal in Hohcnems, von Ebner 4- Comp. in Frommengersch. In den letzten Jahren errichteten noch I. M. Länglc, der die Schönfärberei schon seit 50 Jahren betreibt, ferner Vallaster-Leibinger, beide von Feldkirch, mechanische Buntwebereien; im Ganzen aber hat sich die Produktion nicht sehr gesteigert. Auch die Erbauung der mechanischen Buntweberei in Blndcnz durch die Herren Gctzner, Mutter 4 Comp. (1870) (Beilage ll) bedeutet weniger eine'Steigerung der Produktion, als das nahende Ende der Hand Weber ei in unserer Gegend. Die Schwierigkeiten, mit denen die Vorarlbergische Baumwollindustrie im letzten Jahrzehnte zu kämpfen hatte, lähmten die Unternehmungslust. Der amerikanische Krieg brachte große Verluste; mehrere Fabriken standen ganz still, andere arbeiteten nur theilweise und mit Schaden. Und als die Verhältnisse auf den Baumwollmürkten eben anfingen, besser zu werden und sich annähernd so zu gestalten, wie vor Beginn des amerikanischen Krieges, erlitt unsere Banmwollindustrie einen neuen schweren Schlag; sie verlor durch die Lostrennung Venetiens von Oesterreich ein altgewohntes, kaum ersetzbares Absatzgebiet, das namentlich von der Vorarlbergischen Buntweberei der übrigen inländischen Konkurrenz gegenüber von jeher fest behauptet worden war. Wenn trotzdem das Entstehen neuer Werke zu registriren ist, so muß der Grund meist in dem bereits angedeuteten Umstände gesucht werden, daß die vorarlbcrgischen Industriellen im Gegensatze zu dem sonst angenommenen Grundsätze der „Theilung der Arbeit" ihrer eigenthümlichen Lage gemäß ihre Produktion derart einzurichten suchen, daß sie die rohe Baumwolle in Arbeit nehmen und bis zum fertigen gebleichten, gefärbten, gedruckten oder buntgcwobcnen Zeuge verarbeiten können. Feldkirch, im Januar 1873. Rud. Gauahl. III. Geschichtlicher Entwicklungsgang des Handdrucks in Hard. Unsere erste industrielle Ansiedluug in Vorarlberg fällt in dieselbe Zeit, da eine Kolonie Genfer Bürger, vertrieben aus ihrer Vaterstadt durch innere Unruhen, an das andere Ende des Bodenscc's, nach dem altchrwürdigen Konstanz, die ersten Keime der Industrie trug. Vielleicht blieb dieser Vorgang nicht ohne Einfluß auf die, Einwanderung des ersten fremden Industriellen, SamuelVogel aus M ü lhauscn, in unsere Gegend. Vertrieben durch die Schreckensherrschaft der französischen Revolution hoffte er hier durch seine friedliche Thätigkeit ein Asyl zu finden; das damals noch ein stattliches Schloßgebäude vorstellende Mittcl- wcicrburg bei Hard entsprach anf's Beste seinen Zwecken und wurde deßhalb von ihm 1792 angekauft und unter der Firma: K. k. priv. Zitz- und Cottonfabrik von Samuel Vogel äe Söhne betrieben. — So spärlich die Ueberrcstc der noch erhaltenen Druck- muster sind, geben sie uns doch genügende Belege einer sehr entwickelten, sorgfältigen Fabrikation, die sich ganz in gleicher Höhe hielt mit den vorzüglichen Leistungen der damaligen industriellen Mittelpunkte — Neufchätel und Mülhansen. Den Hauptartikel bildeten große, zweiseitig gedruckte Baumwollshawls und kleinere sogenannte Ni-8k>n^l8, alle weißbödig mit reichen, vielfarbigen Bordüren, daneben Indiennes mit weißen, schwarzen und mehrfarbigen Fonds. Die Feinheit der Stccherci darf um so mehr gerühmt werden, als man sich damals noch des Mchlbaumholzes, anstatt des viel härtern und feinern Buchsholzes bedienen mußte. Die kriegerischen Zeiten, die den Absatz der Waaren störten, trafen die junge Industrie in's Herz und führten mit der Okkupation Vorarlbergs durch die Baiern im Jahre 1806 ihr vollständiges Aufhören herbei. Samuel Vogel wandte sich nach dem Innern Oesterreichs; mit der Rückkehr des Friedens belebte sich aber auch Mittelweierburg wieder, das unter dessen Schwiegersohn unter der Firma Doppelmayer k Comp. neuerdings als 20 Druckerei, verbunden mit Handspinnerei, aufblühte. Bis zu 40 Druckern beschäftigte sie mit den nämlichen Artikeln, die schon der Gründer eingeführt, zu denen alle jene Genres hinzutraten, welche dem Indigo ihre Entstehung verdanken. Es gehören hieher die küppenblauen Indiennes mit weiß, chromgclb und doppelblau, der Lapis- und Waterloo-Artikel, welch' letzterer ähnlich dem kou^e äe Solkerino die gleichzeitigen politischen Ereignisse widerspiegelte. Von der großen Fenersbrunst, die im Jahre 1818 den größten Theil des ehemaligen'Schlosses zerstörte, erholte sich das Etablissement nicht mehr, sondern sank mit raschen Schritten dem Verfall entgegen. 1825 hatte der Besitzer die Druckerei vollständig zu einer Schncllbleichc und englischen Appretur mittelst Rahmen für Seide, Stickereien, Gaze, Mousscline, gedruckte Iaconnets und Organdis umgewandelt. Fünf Jahre später kaufte es ein gewisser Franz Ballier aus Genf, unter welchem Mittclweier- bnrg Strohhntfabrik wurde, ja sogar zur Tinte- und Stärkesabri- kation stieg es herunter. Inzwischen war auch in Hard selbst im Jahre 1820 eine der Mittelweierburger ganz gleichartige Druckindustrie durch die aus Zürich eingewanderten Eßlinger, associrt mit Lorenz Blum aus Höchst, entstanden, ohne sich aber zu etwelcher Bedeutung emporschwingen zu können. Nach zwei oder drei Jahren wechselte die Fabrik ihre Besitzer und ward 1825 Eigenthum von Melchior Jenny aus Ennenda (Kant. Glarus), der im Vereine mit seinem Schwiegervater und Schwägern dieselbe übernommen, nachdem durch denselben schon etwas früher, nämlich 1. Januar 1823, eine Zitz- und Cottondruckerei unter der Firma M. Jenny Comp. gegründet worden war, welche mit 1. Januar 1827 sich in Jenny L Schindler umwandelte. Bis kurz vor seinem Tode, den 12. Oktober 1863, als Chef dem Hause vorstehend, lag ein 40jähriges, unermüdliches Wirken hinter jenem Manne voll gewaltiger Arbeitskraft und Unternehmungslust, für welche der schließliche Umfang des Hauses Zeugniß ablegte. Die verschiedenen Phasen, welche seit dem ersten Beginne Druckerei in Verbindung mit Färberei genommen, können wir, so gut es die vorhandenen Daten noch erlauben, in folgender chronologischer Reihe vorführen: 1823 bis 1829. U so M erinos, eine Nachahmung des Tür- kischroths auf ungeöltem Stoff, in den gleichen Farben, wie jenes. 21 Lapis, Ausführung und Musterschlag ganz dem heute noch gangbaren Artikel entsprechend. 1828. Seide nfoulards in soliden Krapp-und Applikationsfarben hielten mehrere Jahre an, bis 1836. 1829 nahm die wirkliche Türkischrothfärberei aus Tücher und Garnen ihren Beginn, gleichzeitig der gewöhnliche Actz- und Applikationsfarbendruck auf die erzeugte türkischrothc Waare. Seit dieser Zeit bis heute blieb diese Fabrikation stets die hauptsächlichste in den Etablissements von Hard. 1829 bis 1831 waren die Artikel mit chromgelbcn oder chrom- orangenen Fonds im Gange, zumeist mit mehrern andern Farben illuminirt; ferner Indiennes mit lichten Boden (chromgrün, nanking, grau, rcscda). Iaconats in soliden Krappfarben mit Enluminage. Manganbraunfonds tki8iro) mit den verschiedensten Aetzfarben. Krapproth und Krappbraun. Waterloo- und andere küppenblaue Artikel mit weiß, gelb, grün in Aetzfarben oder reich illuminirt. Leinwand in soliden Farben. In den dreißiger Jahren erreichte die Türkischroth- garnsärberei ihr Ende, unterdessen Türkischroth auf Tücher — Färberei sowohl als Druck — sich außerordentlich entwickelt und auch schon solche Leistungen auszuweisen hatte, daß der Firma Jenny L Schindler auf der ersten Wiener Industrie - Ausstellung anno 1835 die Preismcdaille I Klasse zugetheilt wurde. Nebenher ward aber auch die Fabrikation von buntem Zitz und gekrapptcn Indiennes mit vielfach variirten Fonds namhaft betrieben, ebenso auch Iaconats. 1838 erwarb die Firma das Etablissement Mittclwcierburg, dasselbe für die Artikel Lapis, Krappshawls und Küppenblau verwendend. Die Fabrikation ähnlicher Artikel in Hard selbst nahm ungestört ihren Fortgang, besonders finden wir um's Jahr 1840 herum eine flotte Erzeugung von buntcnShawls mit Applikationsfarben auf glatte und croisirte Baumwolle gedruckt, gekrappte Tüchel und Shawls nur in weiß, roth und schwarz und gelbem Grund zuweilen, 6/su c/s f/'Z/ws mit Aetz-Chromorange. 1845 wurde für den Druck auf Schafwolle uud Halbwolle ein eigenes Etablissement in Hard errichtet, das sich bis 1851 mit Erzeugung von koÜ68, 8ünrvls, M-slmvvI«, keliarpes beschäftigte. Die Industrie-Ausstellung zu Leipzig im Jahre 1850 erkannte der Firma die silberne Medaille für ihre Leistungen in dieser Branche zu. Verdrängt durch die gewaltige Wiener Konkurrenz sah sich das Haus leider zum Aufgeben des Wolldrucks gerade so veranlaßt, wie es gleichzeitig Cosmanos so erging. Noch einige Jahre weiter bis zum Jahre 1854 erhielten sich dort noch die bunten Dampfartikel auf Baumwolle, dann aber ward das Etablissement geschlossen und abgetragen. Von diesem Zeitpunkt an war den beiden Färbereien und Druckereien Hard und der Filiale Mittcl- wcicrburg ein ganz gesonderter Wirkungskreis zugetheilt; letzteres nahm ausschließlich die koulseäs ^orrmeine, die Lapis, Krappshawls, alle Küppen-, Dampf- und andere falschfärbige Artikel, sowie die gedruckten Leinen in die Hände, seine Produktion von Jahr zu Jahr steigernd (1851—59 waren eine Plancheplatte-Maschine und 180 Drucktische in Thätigkeit), bis die Baumwollkrise während des amerikanischen Krieges, der Verlust der italienischen Provinzen und die Konkurrenz des Tücheldrucks mittelst Ronleaup-Maschinen das Etablissement sehr beeinträchtigten. Hard hingegen konzentrirtc sich auf die Türkischroth- fabrikation, welche in der Blüthezeit 1851 bis 1858/59 140 Drucktische beschäftigte, von da an aber ebenfalls, nur durch andere Gründe, Terrain verlor, nämlich seit das Appreturverfahren für die Drucker im Zollverein jeden Zoll illusorisch gemacht und seit moderne Erzeugnisse — unter ihnen Schafwolle zu enorm billigen Preisen — die Nationaltrachten je mehr in Abnahme bringen. T)urch die Auflösung der alten Firma Jenny L Schindler am 31. Dezbr. 1866 trat eine Trennung beider Druckereien auch im Besitze ein, indem die Etablissements in Hard unter der neuen Firma S. Jenny seit Januar 1867, jene in Mittelweicrburg vorn Oktober gleichen Jahres an unter der Firma Samuel Schindler weiter fortgeführt wurden. Für Hard bleibt die Türkischrothfabrikation stets noch die Hauptsache, wenn auch mit der Zeit der Tücheldruck auf andere 23 Genres sich ausdehnte, nämlich von 1867 an aus Garancine- und Dampffarben, 1871 auf Küppcnblau und 1872 auf Leinwand. Mittelweierburg hingegen hielt sich unter dem neuen Besitzer an Lapis, Küppenblaue und Leinen und rüstet sich jetzt, den Wolldruck im Genre Veit Meyer L Söhne in seinen Bereich zu ziehen. Hard, im Januar 1873. S. Jenny. IV. Beitrag zur Geschichte der Entwicklung der Stickerei in Vorarlberg. Die Stickerei auf baumwollenen Geweben wird in Vorarlberg gleich der Baumwollwcbcrei nachweisbar schon seit dem 7. Iahrzehent des vorigen Jahrhunderts betrieben; ja — nach einer Mittheilung aus schweizerischer Quelle hat das-Handelshaus Gonzenbach aus St. Gallen schon im Jahre 1753 in Vorarlberg Stickereien mit kleinen Blümchen anfertigen lassen. Das beiliegende Halstuch (^) mit gestickter Bordüre ist mehr als 75 Jahre alt. Im Jahre 1817 nahm die Stickerei in Vorarlberg einen besondern Aufschwung — sie breitete sich nämlich im nördlichen Theile unseres Landes, in den Rheingemeinden,. Höchst, Lustenau u. s. w. bis in den Bregenzerwald hinein ziemlich allgemein unter der Landbevölkerung aus. Im Jahre 1819 wurde Vorarlberg in den österreichischen Zollverband aufgenommen; zugleich ertheilte aber die kaiserliche Regierung die Bewilligung, rohe Gewebe zum Sticken von der Schweiz zollfrei ein- und ausführen zu dürfen. Immer mehr setzte sich dieser Industriezweig fest und wie bei der Handweberei vermittelten auch hier die sogenannten „Ferker" den Verkehr zwischen den Unternehmern und den Arbeitern. Die „Stückferker", auch kurzweg „Ferker" genannt, begaben sich in die Schweiz (die Kantone St. Gallen und Appen- zell), holten sich bei den Fabrikanten die rohen zum Sticken vorgerückten Stücke und die Garne, besorgten die zollamtliche Behandlung an der Grenze, gaben die Gewebe mit den entsprechenden Garnen an ihre Stickerinnen zur Bearbeitung ab, bezahlten hie- für den bedungenen Lohn, sammelten die fertig gestickten Gewebe wieder ein und brachten diese nach vollzogener zollamtlicher Aus- suhrsbehandlnng den Fabrikanten in der Schweiz zurück. Für diese Mühewaltungen bezog der Ferker von jedem Stücke eine bestimmte Provision. 25 Die „Stückferkerei", welche ein Gewerbe bildet, von dem die Inhaber Erwerbs- und Einkommensteuer bezahlen, besteht heute noch — ja, sie hat mit der Ausdehnung der Stickerei Schritt gehalten — und die Ferker blieben bis jetzt die Agenten, durch deren Hände der größte Theil der Produktion in diesem Industriezweige geleitet wird. Zwar begannen schon im Jahre 1820 Vorarlbergische Unternehmer, Stickereien selbständig zu fa- briziren, so Johann Schneider, Josef Nagel und Lorenz Blum, dann Jakob und Carl Schneider, alle in Höchst; von diesen Unternehmungen besteht aber heute nur noch die zuletzt genannte und zwar unter der Firma „Carl Schneider L Söhne". In der Zeit von 1820—1830 wurden hauptsächlich Kleiderstoffe gestickt und zwar mit Garnen in allerlei Farben. Die beigelegten Muster 6 6V stammen aus der Zeit von 1830 —1835. Später verlegte man sich mehr auf die Feinstickerei, welche heute noch die Firma Schneider Bänziger in Höchst betreibt, der Absatz in Hand-Feinstickereien hat aber seit Einführung der Feinstickmaschinen sehr— man behauptet um gegen früher — abgenommen. Trotzdem und obwohl die Versuche, die Stickerei in Vorarlberg selbständig zu betreiben, in den meisten Fällen nicht gelangen, hat dieselbe doch an Ausdehnung gewonnen und der heute noch hauptsächlich durch „Ferker" geleitete Industriezweig bringt dem Lande einen jährlichen Verdienst von mindestens 1,500,000 Franken. Die Stickerei wurde anfänglich und während vielen Jahren fast ausschließlich als „Frauenarbeit" betrachtet und es verdiente sich ursprünglich eine gute Stickerin täglich ! Gulden (Rcichs- währung 24 fl. Fuß); jetzt verdient eine solche 2 Franken; es gab aber auch Zeitpunkte, wo bei schlechtem Geschäftsgänge der tägliche Verdienst auf 8 kr. herabsank. Personen männlichen Geschlechts beschäftigten sich nur ausnahmsweise, besonders im Winter, mit der Stickerei; die Bregenzerwälder nämlich, welche als Steinhauer, Gypscr, Maurer zur Sommerzeit nach Frankreich und der Schweiz ziehen und im Winter wieder in ihre Heimat zurückkehren, suchen während dieser Zeit sich mit „Sticken" etwas zu verdienen, ebenso die aus den Alpen heimgekommenen Personen. In den letzten Jahren hat die Stickerei in Vorarlberg noch durch die Aufstellung zahlreicher Stickmaschinen an Bedeu- — 26 — tung gewonnen und darum auch aufgehört hauptsächlich Frauenarbeit zu sein, indem jetzt häufig Männer mit den Stickmaschi- nen arbeiten, namentlich mit den großen Feinstickmaschinen, während die kleinere Sticktambourirmafchine vorzüglich Frauenhändc beschäftigt. Gestickte Vorhänge (Ridcaup) werden in Vorarlberg seit vielen Jahren in großer Zahl erzeugt; ich lege 3 Muster von solchen bei; 6 ist 40 Jahre alt, nicht gebleicht, Mousseline tambourirt, k' 35 Jahre alt, gebleicht TM/s 6 30 Jahre alt, gebleicht M/Ev Mousseline ist feines glattes Gewebe; Tülle ist fein und klein gelöchert; Guipure ist grob und groß gelöchert; Application ist der auf Tülle oder Guipure aufgenähte Jaconat (feiner dicht gewobener Banmwollstofs). Das Vorstehende wurde zum größten Theile auf Grund der Mittheilungen der Herren Carl Schneider Söhne zusammengestellt. Feldkirch, im Januar 1873. Rud. Ganahl. Verzeichniß der Ausstellungsgegenstände. Zur Illustration des Berichtes I. Photographien und Zeichnungen. Ein Spinnrad, wie es im vorigen Jahrhundert zum Spinnen von Baumwolle in Verwendung war. Ein alter mechanischer Spinustuhl. Ansicht der alten Spinnerei von Herrbnrger L' Nhombcrg. Ein alter Handwebstuhl. Ein mechanischer Webstuhl aus der Zeit von 1830. Ein neuer mechanischer Wcbstuhl. Plan der neuen Fabrik von F. M. Hämmerte. Ansicht eines Spinnsaales in derselben. Musterbücher. Fünf Musterbücher buntgewobener Fabrikate, erzeugt von Herrbnrger L- Rhomberg, von 1818 angefangen. Eine Mappe zur Darstellung der chronologischen Entwicklung der Buntweberei von 1842 bis 1873, von Otto Hämmerte. L. Zur Illustration des Berichtes II. Photographien und Zeichnungen. 6, 6. Drei Ansichten eines mechanischen Web- stuhles aus der Zeit von 1830 bis 1834. 0. Plan der mechanischen Baumwollspinnerei und Weberei in Frastanz. L. Englische Schlichtmaschine; Zeit von 1830. k. LirüiA-maelnnk von 1851. 6. ZirinA-maeüine neuerer Konstruktion. Baumwollstoff. Fransentuch; Druckartikel; Zeit von 1830 bis 1843. 28 Photographien und Zeichnungen. U2. Plan der Eisengießerei und mechanischen Werkstätte in Frastanz. I. Battcur (Schlagmaschine) zum Reinigen der Baumwolle; Zeit von 1840 bis 1843. K. Cardc; Zeit von 1840 bis 1843. I.. Plan der mechanischen Buntweberei von Getzner, Mutter Comp. in Bludenz (errichtet 1870). Zur Illustration des Berichtes III. Ein Musterbuch in Hard und Mittelweierburg erzeugter Druckwaaren, von 1795 angefangen. v. Zur Illustration des Berichtes IV. ^ Halstuch mit gestickter Bordüre; Zeit von 1795. 8, 0, I). Muster mit farbigen Garnen gestickter Kleiderstoffe; Zeit von 1830 bis 1835. L. Vorhang, nicht gebleicht; Zeit von 1830 bis 1833 Vorhang, gebleicht; Zeit von 1838 bis 1840. 6. Vorhang, gebleicht; Zeit von 1840 bis 1843. IlVIW-Sidliottiek OO2OSS4 6