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TI e> „'S) ^'■ΟMiei ner «K V j^AISERLlCHEN UND J(ÖNIGLICHEN HOHEIT DEM DURCHLAUCHTIGSTEN HERRN ERZHERZOG RAINER KAISERLICHEN PRINZEN VON ÖSTERREICH, KÖNIGLICHEN PRINZEN VON UNGARN, VON BÖHMEN etc. etc. PRÄSIDENT DER K. K. COMMISSION PÜR DIE WIENER WELTAUSSTELLUNG IN TIEFSTER EHRFURCHT GEWIDMET VON DEN HERAUSGEBERN ADOLF DILÜNGER & AUGUST von CONRATHS. .■;*r fr* r- : > V , /y.\ V! .>f'£ Ü- '* V * ■* /y • ^ 7; , iw* ^"-'' i:«- tv 0-1 iMÀiH jf(' 7 • * ..^;M-^V r 4jj^iv’.. ; ' “ v . . * ; * v tf 1 .? "T 'VT*' .-.'/‘■V - V ’ •* <" •-' •* J» ’•»* * ' ' V;ï ^ ‘ v. '’♦•> *'- • /: }>V«;-i,»j 'ik ü $'<ù ii TS 4.X »i Ä-trr -i ? v 0 & ’ ’ • ' r #/-' *- v ’’ v ;,4 «3«»Äfr^ösiiä h .và^lî^ ‘ -V'Yt : ' r V’ ^ .»*■ -.. ...» ,.ii . .4.,^ > ♦mV/ JtHL'siï'}- *.(ff '; ' -ft 9 -»1,,-i^.vî,* . " ■ Y • , t'-- r V-i .. f . < ■•.,.- » , • ;r j; / '■£•*■’>: WÄ'i.l»'» **»#.10*,^.-i v . - , tl * »J• =<• kT::\ ■ '■ ••••.. ■•>••* ■-• -i-J*.«; ;''»'ifliv-.,.:-; »/’!•••/ ; s _,; , ' • ,.. T , a *?■”■ w 7 ► "j^^iSV/ :•/-*<£. ''T.vS^v' * " ‘ , t, % ■gpv • .» >v *■ «*** \y«\ \ m " '■'v • Î ’ \s ■ + . ^ .. . ‘KtJ'.SÂàïfifV'** ~ 3f' ?>irÄ^Wi-5 ‘ iw&üPi '-jßäiSuM : feî-»r.-'. ; _ ' •*. ' A Y Æ«4vl'w- '• ' '<:'■*•; - ^.r.. •.-. • Mt, V A indem wir dieses Werk der Oeffentlichkeit übergeben, sind wir unseren Lesern Rechenschaft schuldig über die Aufgabe, die wir uns gestellt, um das Urtheil zu erleichtern, wieweit es uns gelungen ist, diese Aufgabe iu befriedigender Weise zu lösen. So wie die Wiener Weltausstellung ein Epochemachendes Ereigniss in der Culturgeschichte des europäischen Continents ist, so wird der Besuch der Ausstellung für jeden einzelnen der Besucher ein hochwichtiger Lebensmoment sein. Es ist eine berechtigte und schöne Sitte, bleibende Erinnerungszeichen an beiuerkenswerthe Tage des Lebens aufzubewahren. Diesem Zweck zunächst soll unser Souvenir-Album dienen. Wir wollen dem Ausstellungsbesucher, den Fremden VI wie den Einheimischen, in dem „Souvenir-Album“ eine Erinnerung an Wien übergeben, welche in Wort und Bild Wien genau so zeichnet, wie es im Jahre 1873 ist. Wir wollen das Bild des heutigen Wien’s festhalten, denn nach Schluss der Ausstellung wird die rapide Entwicklung der Weltstadt die Contourcn vielfach verändern und verwischen. Daher schildern wir Wien in seinen charakteristischen Typen, in seinem öffentlichen und in seinem Kunstleben. Wir hatten vor Allem aber auch eine Pflicht der Dankbarkeit zu erfüllen gegen diejenigen Männer, welche mitgewirkt haben an dem Zustandekommen des grossen Werkes der Wiener Weltausstellung. Oesterreich verdankt den grossartigen Erfolg seiner Weltausstellung in erster Linie Heiner Majestät dem Kaiser, den erlauchten Prinzen des kaiserlichen Hauses, welche Seiner Majestät bei der Förderung der Ausstellung zur Seite standen. v*‘ - .m . .jmmjmw — VII — Wir konnten leider in unsere Porträtgullerie nicht Alle aufnclimen, ’deren Namen in der Geschichte der Wiener Weltausstellung ein ehrenvoller Platz gebührt, unser Album wäre dann zu umfangreich geworden, denn Jeder der ausgezeichneten Männer, die von Seiner Majestät zur Mitarbeit, sei es in der Commission, sei es bei der Leitung der Ausstellung berufen wurden, hat sich grosse Verdienste erworben. Unser „Souvenir-Album“ hat aber auch die praktische Aufgabe, dem Besucher Wien’s während der Ausstellung als Bathgeber zu dienen, ihn durch Wien und die Ausstellung zu führen und seine Blicke auf das Interessante und Bemerkenswerthe zu lenken. Von den besten schriftstellerischen Kräften Wien’s unterstützt, worunter wir die Namen Dr. Arthur von Hoven, Emile Mario Vacano, Dr.Willi. Angerstein anführen, glauben wir diese Aufgabe gelöst zu haben. Und so hollen wir, dass unsere geehrten Leser unser „Souvenir-Album“ als eine dem grossen Unternehmen der VIII Wiener Weltausstellung würdige Erinnerung betrachten und demselben einen dauernden Platz «zum Andenken an das grosse Jahr 1873 in ihrei Bibliothek gönnen werden. In der Anerkennung unserer geehrten Leser finden wir den schönsten Lohn für die Mühen, die wir der würdigen Ausstattung des Souvenir-Albums brachten. Die Herausgeber. Motto: ,,A\ irke Gutes, du nährst der Menschheit göttliche Pflanze Hilde Schönes, du streust Keime der Göttlichen aus.“ Schiller. Inhalt. 1. Spaziergänge durch die Kaiserstadt und das unterirdische Wien — zugleich Fremdenführer. 2. Uehersichtliche Eintheilung der Industrie-Ausstellung. 3. Wiener Typen. 4. Die schönen Künste Wien 7 s. 5. Wiener Blaublut. 6. Biographien. 7. Wien als Welt- und Handelsstadt. 8. Fahrpläne, Tarife und Insertionen. % jSjiajirrgiinjn hurrff bh 'l^uisrrsluM. i. (Ankunft in ilor Kaiserstadt. Eigcnthiiinliclikeiten des "Wiener Lebens. r Allerlei Verhaltungsregeln für Fremde). Iso endlich sind Aviv angelangt! Eine lange Fahrt ist Überstunden . . . Stunde auf Stunde verrann: trotz der A'erschiedenlieit der Landschaften, durch welche uns der "Weg geführt, sehnten wir uns schon recht sehr nach dem Ziele. Die Unterhaltung mit den Reisegefährten, mit denen uns der Zufall zusammengebracht, war längst in's Stocken gerathen; unserer (Rieder hatte sich .allmälig jene unbehagliche Abspannung bemächtigt, die stets eine Folge des Mangels an Bewegung ist . . . Doch jetzt sind wir erlöst! Der Zug ist in eine weite Halle eingefahren, — noch ein gellender Ftiff der Locomotive — der "Waggon hält und „Station Wien“ ruft der Schallher. Aus allen Doupeethiiren drängen sieh die Reisenden mit einer beinahe wilden Hast und eilen dem Ausgange zu. "Wir wissen, dass wir doch noch Aufenthalt haben werden und machen es daher nicht so wie jene, sondern lassen den Strom der Uebrigen an uns vorüber, um uns dann gemächlich in die (lepäekhalle zu begeben. Dort findet die Zollrevision statt, bei der die Mauthbeamten in der Regel ein ebenso taktvolles wie schonendes Renehmen zeigen, so Lg£i 4 — duss nur in höchst seltenen Fällen Klagen über rücksichtsloses Diirchsuehen der Reise-Effecten Vorkommen. Koch in der Gepäckhalle haben wir einem der bei allen Rahnen angestelltcn und durch Nummern kenntlich gemachten Träger die 'Weiterbesorgung der beweglichen Habe, die wir mit uns führen, übergeben. Unser eignes Streben geht .jetzt dahin, sobald als möglich in ein Hotel zu gelangen, ln den meisten andern Städten geschieht dies am Einfachsten, indem man irgend einen sogenannten Gasthofs-Omnilms besteigt, in Wien aber ist dies nicht möglich, weil hier die Hôtels keine eignen derartigen Gcsellschaftswagen zur Abholung der Fremden von den Ralmhöfen besitzen. "Wir müssen uns also entweder einem Fiaker oder einem Einspänner (einem sogenannten Comfortable) oder, wenn wir keines von beiden haben können, einem Stellwagen anvertrauen. Von allein öffentlichen Fuhrwerk in Wien — abgesehen von den Wagen der Pferdc-Eisenbalm — ist der „Stellwagen,“ wie man hier den Omnibus nennt, das Rilligste, aber die Renutznng desselben ist nur demjenigen zu empfehlen, der viel Zeit zu versäumen hat und wenig auf Requemlichkeit gibt. Rei weitem empfehlenswerther sind Einspänner und Fiaker, jedoch ist es dem Fremden zu rathen, sich einiger Massen mit den polizeilich fest- gestellten Fahrtaxen vertraut zu machen, da die Kutscher häufig mit grosser Unverschämtheit höhere Preise beanspruchen, als sie zu fordern berechtigt sind. Uebrigens ist man oftmals gern bereit, diesen Leuten freiwillig ein Trinkgeld zu geben, denn sic sind in ihrer Art Künstler, ihre Kunstfertigkeit verdient wirklich Anerkennung. Ein „fescher“ Wiener Fiaker fährt im schärfsten Trabe durch die mit Wagen und Passgängern oftmals überfüllten Strassen, er weiss sein Gespann mit wahrhaft staunenswerther Geschicklichkeit überall hindurch zu lenken, ohne dass er irgendwo anstösst oder auch nur die Peitsche braucht. Diese Vollkommenheit, mit welcher der Fiaker seine Reschäftigung „Fesch“ ist was der Franzose mit „Chic“ bezeichnet. treibt, ist sein Stolz uml er freut sieh nicht wenig, wenn er für dieselbe eine klingende Anerkennung erhält oder wenn ein Fremder gar noch dazu bemerkt, es gebe auf der Welt nirgends so fesche Kutscher, als in Wien. Doch genug von den feschen Leuten . . . Wir sehen uns also nach einem Wagen um, weil wir vom Dahnhofe in ein Hôtel kommen wollten. Mit Hülfe des Gepäckträgers, dem wir unsere Effecten anvertraut hatten, ist es uns gelungen, binnen wenigen Minuten einen Fiaker zu erhalten; wir drücken dem Manne noch ein Trinkgeld in die Hand und fort brausen die Rosse mit uns. Dald nach der Ankunft im Hotel überzeugen wir uns, dass auch das Gasthofsleben in Wien seine Eigenthümlichkeiten hat. In allen Hôtels sind Restaurationen, in vielen auch Café’s, aber die Verwaltung der Restaurationen und Oafé's ist überall von der eigentlichen Hôtel -Verwaltung vollständig getrennt. Die llötel- Rechnung wird ganz abgesondert von der Restaurations -Rechnung aufgestellt; der Hotelbesitzer kümmert sich gar nicht darum, ob der Fremde der bei ihm logirt, in demselben Hause speist oder nicht. Eine Table d’hôte existirt nirgends, überall wird à la carte gespeist und die Speisen werden nicht auf Rechnung entnommen, sondern stets, auch wenn man im Hause selbst wohnt, beim Verlassen der Restauration bezahlt. Will der Fremde Morgens in seinem Hôtel frühstücken, so kann er sich den Café etc. allerdings auf sein Zimmer holen lassen, aber es fällt auch keineswegs auf, geschieht im Gegentheil in der Regel, dass der Hötelbewohner, nachdem er Toilette gemacht, in ein beliebiges Café geht, um hier seinen „Schwarzen“ oder seinen „Kapuziner“ — wenig mit Milch gemischter, also brauner Café — oder seinen „Weisscn“ — Café mit stärkerer Milchbeimischung oder mit „Obers“, das heisst Sahne, Rahm — zu sich zu nehmen. Ueberall in den Café’s und in den Restaurationen ist männliche Redienung, die in den Letzteren nach dem Alter und dem Grade der geschäftlichen Ausbildung in Getränkekellner, Speisekellner und Zählkellner getrennt ist. Was in der Restauration der fi Zählkellnern ist, ist im Cafe der Zaldmar<|ueur. Nur Zahlmarqueure und Zählkellner rechnen mit den Gästen ah, keinem Andern kann das Genossene bezahlt Averden. Hat man abgerechnet, so ist es ganz allgemein Gebrauch, beim Bezahlen einige Kreuzer als Trinkgeld für die Bedienung beizufügen. In den Café's wird dem Fremden zum (»(‘tränk auch (Jebäck auf den 'Fisch gestellt, er kann davon nach Belieben nehmen, muss bei der Abrechnung aber jedes genossene .Stück besonders bezahlen; ebenso wird das Gebäck in den Restaurationen (Brod, Semmel etc.) stückweise berechnet, was hauptsächlich denjenigen Reisenden auflällt, die aus Gegenden kommen, wo man das Brod als eine nothwendige Zugabe zu allen Speisen betrachtet und daher mit dem Preise für die Letzteren sofort mitbezahlt. Ist der Fremde mit den eben geschilderten Eigenthiimlich- keiten Wiem's bekannt, so kann er sich schon mit einer gewissen Buhe dem Leben in der Kaiserstadt hingeben. Freilich wird ihm noch vieles neu oder ungewöhnlich erscheinen und er dürfte sich sogar in mancher Erwartung, die er aus dem Auslande mitgebracht hat, getäuscht fühlen. Wer zum Beispiel geglaubt hat, er werde in Wien an allen Ecken und Enden die Spuren des Eltramon- tanismus oder mindestens eine streng katholische Bevölkerung finden, dürfte sich nicht wenig wundern, wenn er statt dessen einen ziemlich weitgehenden religiösen Inditferentismus erkennt. Ein Anderer hat vielleicht von dem fröhlichen Wiener Leben gehört und sich dabei Bilder von nächtlicher Schwärmerei, lustigen Gelagen oder dergleichen vor die Seele gemalt, doch schon die ersten Tage seiner Anwesenheit zeigen ihm, dass die grosse 1 Masse der Beve'ilkerung hier so früh schläfern geht, wie kaum in einer anderen grossen Stadt; .er findet um zehn Ehr Abends seilest in den verkehrreichstem (regenden schon die Strassen beinahe' memsoheidecr. Wer übrigens Neigung fühlt, in späterer Nachtstunde noch Ze*r- stre'uungen zu suchen, dürfte um die (Jeh'ge'nheit dazu nicht verlegen we*rden, demi Wien bietet auch dergleichen in reicher Fülle'. Zu warnen ist jedoch ein Jeder vor'allem nächtlichen Be- 7 kanntschaften, vor den männlichen sowohl wie vor den weihliehen, vor den ersteren sogar eigentlich noch mehr, als vor den letzteren. Unter der Maske eines eleganten Cafehausbesuchers verbirgt sieh nicht selten ein professionirter Falschspieler nnd (Jänner. Doch das ist wohl kaum etwas speciiisch Wienerisches, gibt es ja doch Überall Menschen, die den Ketrug geschäftsmässig treiben. Immerhin bleibt im Verkehr mit Unbekannten aber dennoch einige Vorsicht rathsam. Wer übrigens Wien rasch nnd gründlich kennen lernen will nnd keinen Freund besitzt, der das Amt eines Cicerone übernehmen kann, timt am besten, wenn er eineji Fremdenführer engagirt, wie solche in allen guten Hotels disponibel sind. In der Kegel sind dies Leute, welche nicht unbedeutende Kprachkenntnisse nnd einen solchen Kildungsgrad besitzen, dass ihre (Jeseilschaft ganz unterhaltend ist; dafür verlangen sie jedoch auch eine so hohe llono- rirung, dass der Fremde, dessen Keisecasse beschränkt ist, sich lieber ihrer nicht bedienen, sondern seinem eigenen Glücksstern vertrauen soll. (Die Kaiserstadt an der Donau. Eintheilung Wien’s.) /vS3:i den Strapazen unserer Reise haben wir uns einiger Massen erholt, die erste Nacht in Wien ist glücklich verschlafen, UV--.iP.7neu gestärkt wollen wir uns nun an die Besichtigung der Stadt machen. Vor uns auf dem Tische liegt der Plan von Wien Das also ist die Kaiserstadt an der Donau, an der schönen blauen Donau . . . Leider enthält diese vielgebrauchte Bezeichnung eine Unwahrheit, denn Wien liegt gar nicht an dem majestätischen Strom, sondern nur an dem sogenannten Donaucanal, einem canali- sirten Arme der Donau, der lange nicht den Wasserreichthum und die Breite des Letzteren hat. Wer nach Wien kommt, um die Donau zu sehen, muss noch einen tüchtigen Fussmarsch oder eine ziemlich weite Wagenfahrt unternehmen, sonst dürfte es ihm unmöglich werden, seine Absicht zu verwirklichen. In Zukunft wird dies freilich etwas anders werden; das Strombett, welches sich sonst in der Ebene zwischen der Stadt und dem Marchfelde weit ausdehnte, wird eingeengt oder, um den technischen Ausdruck zu gebrauchen, es wird „regulirt“, und auf dem dadurch gewonnenen Terrain sollen neue Häuserreihen, ein grossartiger Stadttheil, erbaut werden. Bis zur vollständigen Ausführung dieses Planes dürften aber wohl noch Jahre vergehen, und in der Zwischenzeit bleibt die Redensart von der „Kaiserstadt an der Donau“ immer noch eine Unwahrheit. Also noch einmal: Das ist Wien! London und Paris sind grösser, Berlin möchte Wien den Rang streitig machen; jede der drei Weltstädte hat ihre Vorzüge, aber Wien hat sie auch, es kann ruhig mit jenen in die Schranken treten und es unterscheidet sich TH I1WM 0 von ihnen durch Mancherlei, im Aeusscren namentlich durch die eigenthiimliehc Gruppirung seiner einzelnen Theilc. Wie alle Städte, die im Mittelalter eine Rolle gespielt haben, hesass "Wien Mauern und Wälle, Basteien, feste Tliore und tiefe Gräben. Nach und nach, bereits im sechzehnten Jahrhundert, wurde indessen der Raum innerhalb der Festungswerke für die grosse Zahl der Bewohner zu klein, viele siedelten sich ausserhalb derselben an, es wurde der Grund zu den Vorstädten gelegt. Die Letzteren entwickelten sich im Laufe der Zeit immer mehr, sie bildeten zuletzt, vierunddreissig an der Zahl, einen ununterbrochenen, stark bevölkerten, weit ausgedehnten lläuserring um Wien herum, aber die Wälle, die Gräben und Glacis blieben nach wie vor als eine Scheidegrenze zwischen beiden bestehen, bis endlich vor etwa einem Dezenium der stets wachsende Verkehr den Abbruch der längst zwecklos gewordenen Werke zur gebieterischen NothWendigkeit machte. Mit dem Falle der Letzteren wurde der Kaiserstadt ihre heutige Gestalt gegeben. Die alte „Wienerstadt“, aus deren Mitte der Stefansdom hoch emporragt, bildet auch heute noch nicht nur in rein räumlicher Beziehung, sondern ebenso riicksichtlieh des Verkehres das eigentliche Centrum Wien’s. Rings um dieses herum liegen die Vorstädte, welche in acht gesonderte Gemeindebezirke — unter den Namen: Leopoldstadt, Landstrasse, Wieden, Margarethen, Mariahilf, Neubau, Josefstadt und Alsergrund — vereinigt sind. In letzterer Zeit ist noch ein neunter Bezirk, die Favoriten, dazugekommen. Das dadurch entstandene Ganze, die „Grosscommune Wien“, ist mit einer sehr sichtbaren und dem Verkehr sehr hinderlichen Grenze umgeben, mit dem „Linienwall“ und „Liniengraben“, durch welche auf ihrer ganzen langen Ausdehnung nur fünfzehn Strassen hindurchführen. Einen fortiticatorischen Zweck hat diese befestigte Grenze nicht, sie trennt nur eben das städtische Terrain von dem übrigen niederösterreichischen Lande und nützt höchstens der Zollbehörde, die an den erwähnten Thoren — hier „Linien“ genannt — die Verzehrungssteuer, zu deren Entrichtung die Ein- 10 wolmtM-Kolmit Winds v(M*pHi0 ergab sich die Nothwendig- keit, denselben zum zweiten Male herunter zu nehmen. Die Arbeit übernahm jetzt der Dombaumeister Friedrich Schmidt, der seitdem nicht nur die »Spitze aufgestellt, sondern auch die sonstige äussere Bestauration des Domes nahezu vollendet hat. Die Frage, ob der zweite nördliche Thurm ebenfalls weitergebaut werden solle, ist während der Ausbesserung des Vorhandenen, durch den Gemeinderath Wien's bcrathen und verneinend beantwortet worden. Der Thurm gewährt eine vorzügliche Aussicht auf die Stadt und deren Umgebung. Er bildet ein natürliches Observatorium und wurde als solches unter Anderem von dem Grafen Rüdiger von »Stahremberg, dem mannhaften Yertheidiger Wien's, bei der Belagerung durch die Türken im Jahre 1683 benützt. Auch Wenzel Messenhauser spähte von hier aus 1848 vergeblich nach dem selmlichst erwarteten Entsätze durch die ungarische Insurrections- armee. Blickt man von dem Thur me aus herab auf das Dach der Kirche, so erkennt man, dass die bunten Ziegel mit denen dasselbe h; gedeckt ist, ein kollosales Mosaikbild des österreichischen Adlers darstellen. Der Stefansplatz, der heute zu den belebtesten Verkehrspunkten der Kaiserstadt gehört, war früher ein Friedhof. Die .Spuren davon sind noch jetzt zu bemerken. Als der Platz nämlich seine ehemalige Bestimmung verlor, wurden viele Kunstdenkmäler und Grabsteine, die sich auf demselben befanden, an der Aussenseite des Domes eingemauert. Da findet man zum Beispiel an der Südseite das Grabmal des im „Pfntf vom Kalenberg“ verewigten Minnesängers Nithardt Fuchs, der bekanntlich Hofnarr Otto's des Fröhlichen war, ferner an der Nordseite die Kanzel des heiligen Johannes Capistran, der durch Kaiser Friedrieh III. aus Italien berufen, am 0. Juni 1451 hier zum ersten Male predigte. Dass ein' so uraltes Bauwerk, wie der Dom, eine ganze Fluth von historischen Erinnerungen wachrufen muss, liegt auf der lland, aber schwerlich dürfte man geneigt sein zu glauben, dass auch das dem „Riesenthor“ des Domes gegenüber liegende „Café de T Europe“ historisch denkwürdig sein könnte. Und doch ist dies der Fall. Als nämlich die Türken 168Ö "Wien belagerten und der König Johann Sobiesky von Polen mit seinem Heere zum Entsätze heran- riiekte, sandte derselbe wiederholt einen jungen Mann Namens Franz Kolschiitzki mit Depeschen in die Stadt an den Grafen Stahremberg. Gewiss war es ein gefährliches AVagniss sich mehr als einmal durch das türkische Lager zu schleichen, aber Kolschiitzki führte dasselbe glücklich aus und er trug dadurch so wesentlich zum Siege bei, dass die Stadt ihm nach Vertreibung der Belagerer zum Danke ein Geschenk machen zu müssen glaubte. Auf die Frage was der muthige Jüngling sich wünsche, bat derselbe um die Erlaubnis», in Wien eine Cafeschänke errichten zu dürfen. Man gab ihm bereitwillig das gewünschte Privileg und der Pole etablirte sein Geschäft dem Stefansdome gegenüber, die Kaiserstadt aber erhielt auf diese W eise ihr erstes und ältestes Caféhaus, welches unter dem schon angegebenen Namen „Café de l’ Europe“ noch heute auf derselben Stelle, wenn auch selbstverständlich in sehr veränderter Gestalt, 17 fortexistirt. Wir bemerkten bereits, dass der Stefansplatz ehemals ein Friedhof gewesen. Eigentlich ist er es noch, denn unter den Steinen die ihn bedecken, schlafen viele den ewigen Schlaf. Unter dem Stefansplatze beginnen die Katakomben Wien’s, in denen Tausende von Leichen liegen. Wer eine etwas wirre unruhige Phantasie oder leicht erregbare Nerven besitzt, soll die Katakomben nicht besuchen, denn für ihn dürften die Schrecken der unterirdischen Bäume schlimme Folgen haben. Zwei Eingänge führen in dieselben, der eine von dem sogenannten „deutschen Hause“ in der Singerstrasse, der andere vom Stefansdome selbst. In dem Letzteren ist hinter der Pilgram’schen Kanzel eine schwarze grosse Flügelthür, über welcher eine halb verloschene lateinische Inschrift die Erinnerung an die Verstorbenen wachruft. Diese Thür verschliesst eine Capelle, von der man zu den unterirdischen Hallen gelangt. Die Katakomben dehnen sich weithin unter der Stadt aus, sie bestehen aus grösseren und kleineren (längen und saalähnlichen Bäumen, die in vier Stockwerken untereinander erbaut sind und mit mehreren Klöstern in Verbindung stehen sollen. In wie fern dies Letztere richtig ist, dürfte sich heute schwer noch constatiren lassen, da die tiefsten Theile der Katakomben stellenweise bereits eingestürzt oder dem Einsturze so nahe sind, dass man dieselben nicht mehr betreten kann. Ein Plan über das (lewirre der verschiedenen (länge etc. existirt nicht, ist vielleicht auch nie vorhanden gewesen; über ihre Ausdehnung kann daher Niemand vollkommen sichere Auskunft geben und ebenso ist der ursprüngliche Zweck ihrer Anlage, sowie ihr Alter nicht mehr nachzuweisen. Wenn wir aber oben bemerkten, diese unterirdischen Käume seien im Stande, die Besucher mit Schrecken zu erfüllen, so ist dies vollständlich buchstäblich zu nehmen, denn dort unten sind die Ueberreste von Tausenden und Abertausenden, die einst oben im Lichte gelebt und gewandelt haben, zu linden. In den dem Erdboden zunächst gelegenen Stockwerken befinden sich die auf dem ehemaligen Stefansfriedhofe ausgegrabenen Gebeine und Särge, in einzelnen tieferen Hallen liegen ferner die Opfer d Preise der Plätze: Loge im Parterre, im ersten und zweiten Stock 25 fl., Loge im dritten Stock 20 fl., Sitz in der Fremdenloge 5 fl., Fauteuil im Parquet erste Iteihe 5 fl., Parquetsitz zweite bis sechste Reihe 4 fl., Parquetsitz siebente bis dreizehnte Reihe fl. 3.50, Parterresitz oder Sitz im dritten Stock erste Reihe fl fl., Sitz im dritten Stock zweite bis vierte Reihe fl. 2. r 0, Sitz im vierten Stock fl. 1.50, nummeriiter Sitz im vierten Stock oder Eintri't in das Parterre fl. 1.20, Eintritt in den dritten Stock 1 fl., Eintritt in den vierten Stock 60 kr. — Dazu an Vormerkgebühr: Für einen Sitz in der Fremdenloge oder Fauteuil im Parquet erste Reihe 1 fl., für einen Sitz im Parterre, Parquet, in der dritten und vierten (Jallerie 50 kr., für mira- rnerirten Sitz 30 kr. t 27 gelangt man an einen Thcil des Ringes, der seiner Vollendung erst in einigen Jahren entgegen gehen dürfte. Auf der linken Seite werden hier neue Gartenanlagen mit »Springbrunnen eingerichtet, sowie eine grössere Zahl monumentaler Rauten begonnen; so das Rathhaus im gothisehen »Style nach dem Entwürfe des Dombaumeisters »Schmidt, ferner die Universität, das Parlamentshaus, der Justizpallast und das Gebäude des General-Conunandos. Der Platz, wo dies alles im Werden begriffen ist, war früher Paradeplatz: hinter demselben liegt das, durch einen mächtigen, theilweise vergoldeten Globus auf seinem Dache auffallende, militärisch-geographische Institut, ferner an der Ecke der Lerchenfelderstrasse der Pallast des Fürsten Auersperg, 1725 von Fischer von Erlach erbaut, sodann zwischen der Schmidt- und Tulpengasse das gräflich C'zernin'sche Palais, worin sich eine interessante Gemälde-Sammlung (zu besichtigen Montag's und Donnerstag's) befindet, und endlich an der Ecke der Alserstrasse der »Sitz des Landesgerichts in Strafsachen oder das sogenannte Criminalgebäude. Dem ehemaligen Paradeplatz gegenüber, auf der andern Seite der Ringstrasse, sind ebenfalls die beabsichtigten Anlagen noch nicht vollendet. Hier befand sich früher, an die zur Burg gehörigen öffentlichen Gärten angrenzend, auf der Höhe einer weit, hervorspringenden Bastei, ein namentlich von der besseren Gesellschaft vielbesuchter Vergnügungsort: der sogenannte Paradiesgarten. Dieser Garten, das dazu gehörige Restaurationsgebäude und die Bastei selbst sind in der letzten Zeit entfernt, das nicht unbedeutende Terrain aber, welches dadurch gewonnen wurde, ist für den Bau eines neuen Hofburgtheaters bestimmt. Bevor das Letztere vollendet werden kann, müssen auch mehrere der angrenzenden schmalen Gassen der innern Stadt umgestaltet werden, so dass diese ganze Gegend binnen einigen Jahren einen bedeutend veränderten Charakter angenommen haben dürfte. Auf der Ringstrasse weiterschreitend, gelangt man auf der rechten Seite zunächst zu mehreren grossen Gebäuden, welche sich mehr durch äussere Pracht, als durch wirkliche architectonisehe tmmmxM «vn n hiij.pi — 28 — Schönheit bemerk lieh machen. Man kommt sodann zu einem der Hauptkreuzungspunkte der Pferdeeisenbahn, deren nach Dornbach und nacli Döbling führende Linien sich hier von den Schienen- strängen der Kingstrasse abzweigen. In einiger Entfernung sieht man von diesem Punkte aus die ihrer Vollendung entgegen gehende Votivkirche (Architect Fcrstl) vor sich, diesen gothisehen Prachtbau, der auf Anregung des unglücklichen Kaisers Max von Mexiko, zur Erinnerung an die wunderbare Kettung des Kaisers Franz .Josef aus der Hand eines wahnsinnigen Mörders, im .Jahre 18f>6 begonnen worden ist. Vor dieser Kirche wird auch das Standbild des verstorbenen Vize-Admirals von Tegctthof, des Siegers in der Seeschlacht von Lissa (18()l>) errichtet werden. Von demselben Punkte bemerkt man ferner noch das provisorische Abgeordnetenhaus, ein Xothbau, der nach Vollendung des Parlamentsgebäudes wieder abgebrochen werden wird. Weiterhin, an der Währingerstrasse, liegt ausserdem das von Ferstl erbaute chemische Laboratorium, ein eigenthümlieher Ziegelrohbau. Wir halten nunmehr den grössten Theil der eigentlichen Kingstrasse hinter uns. Auf der noch übrigem Strecke wird dem fremden Spaziergänger die grosse 1 Zahl von Bank- und Körsengeschäften und W echselstubcn antfallen. Alle diese Geschäfte sind gerade hierher verlegt, weil hier am Sedmttenring die neue Börse (nach den Plänen vem Hansen und 'Pietz) erbaut wird und weil sich ganz in der Nähe dieses Baues die gegenwärtig in Benützung stehende provisorische Börse befindet, die der Vorübergehende sofort an den auf ihrem Daehe stehenden Merkur-Statuen erkennt. Am Schottenring ist als bemerkenswerthes Gebäude nur noch das Hotel Austria zu nennen und auserdem schliesslich die sehr umfangreiche, aber keineswegs künstlerisch bedeutende, durch einen geschmacklosen roth und weissen Anstrich auffallende Kudolfs- Caserne. Wie die Kingstrasse bei der Aspernbrücke, nämlich am Donaucanal, mit einer C'aserne begann, so endigt sie hier an demselben Canal, ebenfalls mit einer Caserne. 29 Die beiden Enden dev Ringstrasse werden durch eine breite Strasse verbunden, welche also die Fortsetzung: jener bildet. Diese Strasse heisst der Franz-.Josefs Quai, der, wie der Name schon andeutet, sieh am Donaucanal hinzieht. Die Uferseite des Franz- Josefs-Quai ist grösstentheils mit geschmackvollen Garten- und Parkanlagen geziert, die andere Seite ist vollständig mit meist grossen Gebäuden bebaut, unter denen jedoch nur das innerhalb Jahresfrist vollendete stattliche Hotel r Metropole“ (Architect Tischler) und das Palais des Grafen Wickenburg (Gonzagagasse Nr. 1) besondere Erwähnung verdienen. Wir haben nunmehr einen Rundgang um die ganze innere Stadt hinter uns, es tritt also an uns jetzt die Aufgabe heran, uns mit den einzelnen Stadtbezirken näher bekannt zu machen und wir beginnen dabei naturgemäss wieder mit dem Centrum, das heisst der inneren Stadt. V. i'Die Burg. Die wissenschaftlichen'und Kunstsammlungen Wien’s.) der Stefansdom von allen Gebäuden Wien's als arehi- ®iv teetonisches Meisterwerk und als knnstliistorisches Denk- mal vergangener Zeiten die meiste Beachtung verdient, so *F ist die kaiserliche Hofburg wegen ihrer räumlichen Ausdehnung und des reichen Inhaltes, den sie hirgt, wichtiger, als irgend ein anderes Bauwerk der ganzen Stadt. Man kann die Burg eigentlich gar kein Gebäude nennen, denn sie wird von einer ganzen Anzahl mehr oder weniger grosser Häuser und Palläste gebildet, die zu den verschiedensten Zeiten entstanden sind und last ohne Ausnahme gar keinen künstlerischen Werth besitzen. Wer sich unter der Burg in Wien, wo so viele mächtige Kaiser residirt haben, einen Prachtbau vorstellt, wird durch den Anblick dieser meist düsteren und schmucklosen Mauern gewiss sehr enttäuscht werden. Der älteste Tlieil der Burg stammt aus dem dreizehnten Jahrhundert. Herzog Leopold der Glorreiche von Babenberg (geb. 1170, gest. 1284) begann den Bau an der Stelle des jetzigen Schweitzerhofes. Das von ihm errichtete (lebäude. bildete ein regelmässiges Viereck mit einem festen Thurm an jeder Ecke, umgeben von einem Binggraben. Sowohl von jenen Tliiirmen, wie von dem Graben existiren noch heute Ueberreste. Yorgrüsserungen der Burg wurden unter Ottokar, dann unter Kaiser Friedrich 111. und endlich unter Ferdinand 1., der derselben im Allgemeinen ihre gegenwärtige Gestalt gab, vorgenommen. Ein abermaliger und zwar vollständiger Einbau ist jetzt projectirt, indessen ist der Zeitpunkt seines Beginnes noch nicht festgestellt. rrwsvf — 31 — Was die einzelnen Theile der Burg Betrifft, so sind auf der der inneren Stadt zugewandten Seite zunächst die imposante Winterreitsehule und das Burgtheater zu nennen. Die Erstere dürfte in ihrer Art kaum ihres Bleichen haben, in ihr fanden 1848 die Beichstagssitzungen statt. Das Letztere wurde 1700 erbaut und seitdem mehrere Male restaurirt; der Zuschauerraum fasst 2000 Personen. Weder das Aeussere noch das Innere entspricht den Erwartungen, die zweifellos jeder Fremde von der r ersten Bühne Deutschlands“ hegt; nur der Vorsaal der llotloge ist wegen seines Schmuckes von lehensgrossen Bildnissen der hervorragendsten Künstler, welche hier thätig gewesen, in ihren bedeutendsten Rollen, sehenswerth. Febrigens sind am llofburgtheater die ersten Kräfte, Künstler unbestrittenen Rufes; die Direction führt gegenwärtig der llofrath Dr. Franz von Dingelstedt.*) Neben dem Burgtheater am Miehaelerplatz befindet sieh ein grosses, noch unvollendetes Portal, durch welches man zum inneren Burgplatz gelangt, der gewöhnlich Franzensplatz genannt wird, weil hier das Denkmal Kaiser Franz I., nach dem Entwürfe des Mailänder Bildhauers Marchesi, errichtet ist. Die Grundlage und das Piedestal sind von geschliffenem Granit; die Ornamente, die acht Basreliefs an dem Piedestal, die vier an den Ecken ruhenden kolossalen allegorischen Figuren der Religion, der Stärke, Gerechtigkeit und Friedfertigkeit sind in der Mailänder Giesserei Manfredini aus Bronze gegossen. Den Franzensplatz umschliessen: gegen Norden die Reichskanzlei, in deren Salons Erzherzog Johann im Jahre 1848 die Frank- *) Die Dogen des llofburgtlieaters sind sänuntlieh abonnirt, doch sind sie zuweilen in den Sommertagen, wenn die Besitzer auf ihren Gütern weilen, von Lohndienern und Zählkellnern der benachbarten Gast- und Cafehäuser ausnahmsweise zu bekommen. Die Preise der übrigen Plätze sind: Sperisitz im Parquet 1. bis 7. Reihe 3 fi., desgl. 8. bis Df. Reihe 2 fl. 50 kr., Sperrsitz im Parterre 2 fl., im 3. Stock 1 ti. 50 kr., Sperrsitz im 4 . Stock und Eintritt in das Stehparterre 1 fl., Eintritt in den 3. Stock fif) kr., in den 4. Stock 40 kr. Monn man sich einige Tage vorher auf einen Sperisitz vormerken lässt, so ist ein Betrag von 50 kr. als Vormerkgebühr an der Casse zu entrichten. 32 furter Deputation empfing, welche ihm die Wahl zum deutschen Reichsvenveser meldete; gegen Westen d(*r Amalienhof; gegen Süden der Leopoldinische Traet. mit dem berühmten C ' ’ -Gange, wo Kaiser Josef 11. seiner Zeit täglich mehrere Male erschien, um jeden, der eine Ritte oder Beschwerde vorzubringen hatte, unangemeldet anzuhören; endlich gegen Osten der Sohweizerhof mit einem reichen älteren Portal. Im Sohweizerhof belindet sich die eigentliche llofburg-Pfarr- kirehe, gestiftet von Kaiser Albreeht 1205; ferner die Privatbibliothek Sr. Majestät, begründet von Kaiser Franz l. und nach dessen letztem Willen Primogenitur - Fideicommis, sie enthält ea. (‘>0.000 Bände, 800 Ineunabcln, 108 Atlanten, über 3400 Landkarten etc.; endlich die Schatzkammer, welche im Sommer Dienstags, Donnerstags und Samstags, im Winter Dienstags und Samstags von 10 bis 1 l’hr zu besichtigen ist.*) In der Schatzkammer ' “ ’ sich unter Kronen, Ordern etc. der grosse, Diamant, Florentiner genannt, der einst im Schatze KaiTs des Kühnen gewesen, dann durch den Fugger in den medioäisohen Schatz nach Florenz, durch Kaiser Franz I. als Grossherzog von Toskana nach Wien gekommen und mehr als eine Million Gulden werth ist; auserdem der Kaiserornat Carl des Grossen, Napoleon’s Krönungsornat als König von Italien, die Wiege des Königs von Rom und vieles Andere. Im Schweizerhofe belindet sich ausserdem auch eine andere, namentlich für den Mann der Wissenschaft sehr interessante Sammlung. Mehrere Habsburger haben sich eingehend mit Astronomie, Astrologie, Physik, Chemie oder Alchymie beschäftigt und dabei den Grund zu der Sammlung gelegt, die jetzt das im Schweizerhofe untergebrachte k. k. physikalisch-astronomische Cabinet bildet und nach vorheriger Meldung beim Custos täglich unentgeltlich zu besichtigen ist. ®) Anmeldung Tagszuvor schriftlich mit Angabe der Zahl und Namen der Besucher im Seliatzkammcrhureau : Hofburg, kleine liedoutensaalstiege, Halbstork. Eintritt frei. 33 Wer die allgemeinen Zimmer mul Säle der ITofImrg besichtigen will - was in der Regel geschehen kann — muss sich dieserhalb an den Burghauptmann wenden*). Die Privatwohnungen des Kaisers und der Kaiserin werden nur bei Altwesenheit des .Hofes geöffnet. In der Hofcapelle findet jeden Sonn- und Feiertag um 11 Uhr Vormittags Kirchenmusik statt. An die bisher erwähnten Theile der Hofburg sehliesst sich neben der Winterreitbalm das llotbiliotheksgebäude an, ein Meisterwerk Fischer’s von Erlach, welches Kaiser Pari VI. errichten liess. Die Hofbiliothek**) wurde begründet durch Kaiser Max I., dann bereichert durch die Xaehlassenschaft Kaiser Friedrichs Hl., durch Mathias Corviuus’ Ofner Büchersammlung, durch die Fugger’sche •Sammlung, durch die Büchersammlungen der unter Kaiser Josef II. aufgehobnen Klöster u. s. f. Sie enthält weit über 300.000 Bände, 12.000 Ineunabeln, 20.000 Bände Manuscripte, über 800 Bände Holzschnitte und Kupferstiche u. a. m. Das Oebäude der Hofbiliothek und die kaiserlichen Redouten- säle, welche sich daranreihen, schliessen den Josefsplatz ein, auf dem das Reiterstandbild Kaiser Josef II. (von Jauner,errichtet 1806) aufgestellt ist. liier an diesem Platze befindet sich auch das k. k. zoologische Naturalien-Uabinet, eine Schöpfung Karl Franz I., gegründet im Jahre 17Do und eine der reichsten derartigen Sammlungen, die überhaupt existiren, obgleich dieselbe bei dem Burgbrande 1848 nicht unbedeutend gelitten hat*’**). Die Burg enthält ferner noch, im sogenannten Augustinergang, das k. k. Mineralien-Kabinet, eine ebenfalls ungemein reiche Sammlung. ln einem der Säle befindet sich ein Schrank mit Schaustücken, z. B. ein Blumenstrauss für die Kaiserin Maria Theresia aus Edelsteinen gearbeitet, ein Stück Bergkrystall von 140 Pfund Schwere, ein Opal 24 Loth schwer u. s. f.f). *) Im Burghofe, 2. Durchgang. 1 Stock. **) Dem Publikum täglich, ausser Sonntags, von 9 bis 4 Uhr geöffnet. Meldung im Lesezimmer. Im Monat August ist die Hofbibliothek geschlossen. ’***) Oeöffnet Donnerstags von 11 bis 2 Uhr, Eintritt frei. Geöffnet Mittwoch« und Freitags v. 10 b. 1 Uhr. Eintritt frei. 3 Ebenfalls im Augustinergange ist das k. k. Münz- und Antikencabinet, welches namentlich in Bezug auf seinen Besitz an geschnittenen Steinen den ersten Bang unter allen Sammlungen ähnlicher Art einnimmt. Ebenso ist der hier vereinigte Keichthum an Vasen, Bronze, (lold- und Silberarbeiten wahrhaft überraschend. Eine Ergänzung des (’abinetes befindet sich in Verbindung mit der sogenannten Ambraser-Sammlung im Schlosse „Belvedere“*). Ausser dem Angegebenen dürfte die Hofburg selbst nichts Bemerkenswerthes bieten, wohl aber müssen wir jetzt ihre äussere nach der Seite der Kingstrasse zu gelegene Front besichtigen^ Tritt man durch das Hauptportal der Burg vom Franzeusplatz hindurch, so sieht man gerade vor sich das. Burgthor, links die Reiterstatue des Prinzen Eugenius, von Fernkorn (errichtet 1805) und weiterhin den Hofgarten, rechst die Reiterstatue des Herzogs Karl ebenfalls von Fernkorn (errichtet 18GO) und dahinter den Volksgarten. Die beiden zur Burg gehörigen eben genannten Härten, sowie der zwischen der Letzteren und dem Burgthor gelegene grosse Platz sind mit hohen, reich vergoldeten Eisengittern umgeben. Der llofgarten, auch Burggarten oder Kaisergarten genannt,**) enthält ein sehr schönes Gewächshaus mit einem auf acht korinthischen Säulen ruhenden Blumensaale, ferner eine aus weichem Metall gegossene Reiterstatue Kaiser Franz 1., des Gemahl der Kaiserin Maria 'Theresia, von B. Moll, errichtet 180P. Der Volksgarten ist dem Publikum stets geöffnet und werden bei (hau hier befindlichen Catehaus im Sommer fast täglich Abends Concerte abgehalten. Ein Theil des Gartens ist dann nur gegen Entree (50 kr.) zu betreten. Ausserdem sollte Niemand versäumen, den hier erbauten Theseustempel zu besichtigen. Derselbe ist eine Nachbildung des von Cimon dem Theseus geweihten Tempel in Athen, erbaut 182B von P. Nobile. In seinem Innern das berühmte Meisterwerk Canova’s, 'Theseus den Centaur *) Cnenlgeltlicli geöffnet Montags und Freitags von Kt l>is 1 l hr. Der fiir den Besucher unentbehrliche, mit grosser Sorgfalt bearbeitete Oatalog kostet 20 kr. **) Dieser Garten ist nur nach Anfrage heim k. k. Hofgartner zu besichtigen. V» JutxKU MnjtiWV.â ' JUa»NkAU W Jê.l*M.t J . 35 besiegend, aufgestellt. Diese in cararischem Marmor gehauene Colossalgruppe wurde von Napoleon I. für Mailand bestellt und 1805 begonnen, nach dein Sturze des Franzosenkaisers aber im Aufträge des Kaisers Franz weiter gearbeitet und 1819 vollendet*). Wir lialien bei unserm Besuche der Hofburg zugleich die daselbst untergebrachten Sammlungen besucht: es erseheint daher der besseren Uebersicht wegen nützlich, hier zugleich die übrigen Sammlungen Wien's kurz zu erwähnen, indem wir uns Vorbehalten, auf die (lebäude, worin sich dieselben befinden, bei unseren folgenden Spaziergängen durch die Stadt, besonders liinzuweisen. Unter den Kunstsammlungen Wien’s nimmt die k. k. Belvedere- Gallerie den ersten Rang ein, welche in dem für den Prinzen Fugen Erbauten Schlosse „Belvedere“ im Rezirke Landstrasse aufbewahrt wird. Diese Gallerie**) wurde vom Kaiser Karl VI. angelegt und in den Jahren 1770 und 1777 in das genannte Schloss übertragen. Die derselben ungehörigen, ungemein zahlreichen und werthvollen Gemälde sind folgendermassen vertheilt: Im ersten Stock belinden sich die grössten Schätze, nämlich in .7 Sälen Werke der italienischen Schulen und in 7 anderen Sälen Gemälde niederländischer Künstler, während im zweiten Stockwerke die altdeutschen, altniederländischen und modernen Schulen vertreten sind. Um den Werth der Belvedere- Gallerie vollkommen zu erkennen, ist es nothwendig, längere Zeit in den einzelnen Sälen zu verweilen. Man lindet da unter Anderen Gemälde von den Italienern: Paul Veronese,Paul Farinato,Schiavone, Tintoretto, Paris Bondone, Palma Vecchio, Bassano, Titian (allein über 30 Werke), Perugino, Rafael Snnzio („Madona im Grünen“), Zu besichtigen nach Mehlung bei tlem wachhabenden Gendarm oder in der -Wachstube unter der Einfahrt vom Franzensplatz in den Schweizerhof. "’ w i Ist dem Publikum nur im Sommer (vom 25. April bis 30. September) Dienstag', Freitags und Sonntags von 1) bis 5 Ehr und zwar unentgeltlich geöffnet. Fremden wird der Zutritt sowohl zu dieser, wie zu den übrigen kaiserlichen Sammlungen auch zu anderer, als der bestimmten Zeit gestattet, doch ist es dann üblich, den Dienern ein Trinkgeld (^die Person ca. 50 kr.) zu geben. 3 * j *- Ha* W JPWUUM 1 3G Caravaggio, Salvator Rosa, Giulio Romano, Fra ßartolomeo, del Sarto, Guido lieni, Anniball und Ludovico Carracei und Correggio; ferner von den Spaniern Murillo und besonders Yelasquez; sodann von den Niederländern Rembrandt, Rubens (sehr viele und vorzügliche Werke), van Dyck, lluysdael, Casp. Toussin, Franz luyders, Hobbema, lluysum, Franz Mieris, Terlmrg, Gerhard Dow, Metsu, Schalken, David Teniers, Wouwerniann u. s. f.; von Deutschen A. Dürer („Verehrung der heil. Dreifaltigkeit“), Holbein, Lucas Kranach, Hans Memmlinghe, Hans von Achen und viele Andere; endlich von den modernen Künstlern Makart, Mateyko, Führich, Bald etc. — Einige wenige, durum aber nicht weniger sehenswerthe Gemälde, und ebenfalls zur Sammlung gehörige Sculpturen sind im Erdgeschoss des Belvedere-Schlosses aufgestellt, wo sieh ausserdem noch die sogenannte Ambraser-Sannnlung befindet-, an die sich eine Sammlung antiker Kunstwerke und ägyptischer Alterthiimer anschliesst. Die k. k. Ambraser-Sannnlung*) ist die ehemalige Riisf-, Kunst- und Wunderkammer des Schlosses Ambras in Tirol. Dieselbe wurde vom Kaiser Ferdinand I. zweitem Sohne, dem Erzherzog Ferdinand, gegründet. Im Jahre 1567 zog dieser mit seiner Gemahlin Philippine Welser in jenes Schloss und begann dort jene, namentlich an beglaubigten Harnischen von Fürsten und Herren vorzugsweise reiche Sammlung. Miniaturen, Manuscripte etc. kamen hinzu. Seine Nachfolger vermehrten die Schätze, bis dieselben endlich mit Ausnahme einzelner Werke, die an die Hofbibliothek, die Gemälde-Sammlung und das Antiken-Cabinet abgegeben wurden, in den Jahren 1814 bis 1816 im Belvedere Aufnahme fanden. Hieran sehliesst sich, wie schon erwähnt, eine Sammlung antiker Kunstwerke, welche eine Ergänzung des Münz- und Antiken - Cabinetes in der Hofburg bilden, und eine Sammlung egyptischer Alterthümer, die zwar erst vor seehszig Jahren begründet, aber dennoch, u. A. *) Unentgeltlich geöffnet im Sommer Dienstags und Freitags von 9 bis 12 und von 3 bis 6 Uhr, im Winter geschlossen. auch durch Geschenke des Vizekönigs von Egypten, schon sehr bedeutend geworden ist. Das k. k. Hof-Museum befindet sich in der bei unserm Gange Uber die Ringstrasse bereits erwähnten .Stallburg*). Die grossartige Sammlung enthält viele Watten und Kriegsgeräthschaften von historischem Werthe. ln der Stallburg ist ferner nach vorher- * gegangener Meldung beim k. k. Oberststallmeisteramte, im Amalienhof in der Burg (täglich) die Ilof-, Jagd- und Sattelkammer zu besichtigen, worin besonders kostbare Pferdedecken und reiche Sättel aus älterer und neuerer Zeit Beachtung verdienen. In einem anderen Tracte desselben Gebäudes sind dann noch die Hofwagenremisen mit vielen alten Schlitten und Wagen von künstlerischem oder historischem Werthe aus dem 15., lfi. und 17. Jahrhundert, sowie mit den alten Krönungswagen und Staatscarossen, Napoleon I. Krönungswagen, den prachtvollen Schlitten aus der Zeit des Wiener Gongresses etc., sehenswerth. Ein zweites k. k. Waffen-Museum ist im Arsenal aufgestellt. Wir werden auf dasselbe später noch zurückkommen. Die Kunstsammlungen der Akademie der bildenden Künste sind in dem gegenwärtig von dieser Akademie benutzten Profoss- hause der Jesuiten (innere Stadt, Annagasse Nr. 8) untergebracht**). Zahlreiche werthvolle Stiche, ältere Gemälde, Marmorwerke und sehr viele gute Gypsabgiisse lassen die Besichtigung auch dieser Sammlungen empfehlcnswerth erscheinen. Ausser den wissenschaftlichen Sammlungen in der Hofburg haben wir an solchen nur noch anzuführen: Das medizinischchirurgisch-anatomisch-pathologische Museum***) in dem von Kaiser w ) Eingang Mariahilferstrasse Nr. 2, täglich geöffnet. **) Ein neues Gebäude für die Akademie der Künste wird am Schillerplatz zwischen der Kingstrasse und dem Bezirke Mariahilf erbaut. Die Sammlungen der Akademie sind jeden Samstag geöffnet, können jedoch auf Ansuchen bei der Direction auch täglich besichtigt werden. ***) Geöffnet Samstags von 11 bis 1 Ehr. Meldung beim Gustos oder beim Director. Josef il. zur Ausbildung von Militärärzten gegründeten Josefinum (Alsergrund, Währingerstrasse Nr. 1 5), ferner das botanische Museum in dem wirklich wunderschön angelegten botanischen (larten (Landstrasse, Lennweg Nr. 14), welches täglich besichtigt werden kann, und schliesslich die Lniversitäts - Bibliothek (innere Stadt, Postgasse Nr. 2), die sehr viele und seltene Werke enthält und täglich für Jedermann geöffnet, daher aber auch so zahlreich besucht ist, dass ihre Leseräume dem Andrange kaum genügen. Ausserdem besitzt Wien vortreffliche Privat-Kunstsammlungcn. Unter denselben ist zunächst die „Albertina“ zu nennen, das heisst, die Handzeichnungen- und Kupferstichsammlung des Erzherzogs Albrecht (Augustiner-Bastei Nr. 0). Dieselbe ist von dem Herzog Albert von Sachsen-Teschen, einem Schwiegersöhne der Kaiserin Maria Theresia, angelegt, ist dann 1822 an den Erzherzog Carl, den Vater des jetzigen Eigenthiimers, übergegangen, und enthält circa 24.000 Ilandzeiclmungen, worunter Albrecht Dürer bedeutend vertreten ist, und 200.000 Kupferstiche*). Die fürstlich Liechtenstein’schc Bildergallerie, welche in 25 Sälen des Liechtenstein - Schlosses (Alsergrund, Licchtenstein- strasse Nr. 33) ausgestellt ist und nicht weniger als 10.000 Nummern, darunter viele Werke ersten Ranges, enthält. Der Begründer dieser Gallerie Avar der im Jahre 1711 verstorbene Fürst Johann Adam von Liechtenstein**). Die gräflich Czernin’sche Sammlung (Josefstadt, Rathhausstrasse Nr. 0), bestellend aus Gemälden, namentlich von nieder ländischen und spanischen Meistern, ferner aus Mineralien, Münzen und Autographien. Die Sammlung besitzt einen Catalog***). Die gräflich Schönborn’sche Gemälde-Galerief) (Stadt, Renngasse Nr. 3) enthält in drei Sälen kostbare Werke von Rubens, Dürer, von Eyeli, Rembrandt, Caravaggio etc. *) Das Publicum hat Montag und Donnerstag von 9 — 1 Uhr Zutrijt. **) Tätlich nach Anmeldung beim Custns zu besichtigen. ***) Geöffnet Montag und Donnerstag. + ) Geöffnet Montag und Mittwoch von 9—3 Uhr. 39 Die gräflich Ilarrach’sche Gemälde - Gallerie (Stadt, Freiung Nr. £) enthält circa 400 Bilder, worunter Titian, Tintoretto, Guido Reni etc. Kunstfreunde finden endlich noch reiche Befriedigung, wenn sie den Sammlungen des Grafen Nako (Stadt, Dorotheergasse), des Grafen Lansenronski (Stadt, Sclienkengasse Nr. 10), des Fürsten Schwarzenberg (Landstrasse, Rennweg Nr. 2) und des Fürsten Metternich (ebenfalls am Rennweg) Besuche abstatten. Wien bietet überhaupt, obgleich mehrere grosse Sammlungen, wie die Arthaber’sehe und die GselFsche, unter den Hammer gekommen sind, noch immer so viel Sehenswerthes an vortrefflichen Kunstwerken, dass derjenige, der dieselben alle und genau besichtigen will, dazu Monate gebraucht, zumal, wenn er die bisher nicht erwähnten, in den Kirchen aufgestellten Gemälde etc. ebenfalls in Augenschein nimmt. Die Kirchen mögen nämlich, wie wir an anderer Stelle bereits zu bemerken Gelegenheit genommen, in architectonischer Beziehung geringes Interesse haben, aber in ihrem Innern sind seit Jahrhunderten Reichthümer aufgespeichert, wie man sie nur in den Gotteshäusern katholischer Länder bei einander findet. VI. (Kreuz und quer durch die innere Stadt.) ir haben den Stefansdom, die Burg und die Kingstrasse ^ . schon einer Besichtigung unterworfen und wenn wir ^ 7 / damit auch die wichtigsten Tlieile der inneren Stadt gesehen haben, so bleibt ein Spaziergang kreuz und quer durch die übrigen Tlieile derselben doch immer noch von Interesse. Wir begeben uns also wieder zum Stefansdom, reguliren unsern Chronometer nach der Stefansuhr und beginnen dann unsere Wanderung. Wir wenden uns zunächst nach rechts und gelangen hier nach wenigen Schritten an den Punkt, wo der Stefansplatz sieh mit dein Graben verbindet, einer breiten, schönen, durch elegante Kaufläden — gezierten Strasse — sowie durch zwei Springbrunnen und eine Denksäule (errichtet zu Ehren der heiligen Dreifaltigkeit von Kaiser Leopold I. nach dem Erlöschen der grossen Pest vom Jahre 1670, aus Salzburger Marmor nach den Plänen des Architekten Ottavio Burnaccini von Fischer von Erlach und Anderen 1603 vollendet, Höhe 66 Fuss). — A 11 der Ecke, wo der Graben mit dem Stefansplatz und der Kärnthnerstrasse zusammenstösst, steht bei dem Hause Nr. 3 an die Mauer befestigt ein alter, Uber und über mit eisernen Nägeln beschlagener Baumstumpf, ein Wahrzeichen der Stadt, an welches sieh die Sage knüpft, dass das daran hängende unaufsperrbare — weil zugeschmiedetc — Schloss einst mit des Teufels Hülfe von einem Schlosserlehrling angefertigt worden sei. Der durch die Nägel gepanzerte Baumstumpf soll auch vor grauen Zeiten der äusserste Baum des Wienerwaldes gewesen sein. 41 Dem „Stock im Eisen“ — so wird der Baumstumpf genannt — gegenüber ist zunächst an der andern Ecke des Grabens das prächtige Waarenhaus von Phil. Haas, gleich daneben der Aziendahof und das Reisleitlmer'schc Haus, weiterhin auf derselben Seite der Trattnerhof, 177b von dem Ilofbuchdrueker von Trattner erbaut, zu beachten. In der Mitte des Grabens führt rechts das schmale Jungferngässchen auf den Petersplatz, woselbst die durch Fischer von Erlach im Aufträge Kaiser Leopold’s 1. erbaute Peterskirehe steht. Hier an der Ecke des Jungferngässchens finden wir auch in einer der besten Restaurationen Wien's (Breiing und Mehlis) Gelegenheit, uns für unsere weiteren Spaziergänge körperlich zu restauriren. Am andern Ende des Grabens angelangt, erblickt man rechts das durch eine grosse Biene am Giebel leicht erkennbare Gebäude der ersten österreichischen Sparkassa. Links gelangt man durch den „Kohlmarkt“, eine sehr stark trequentirte Strasse, mit bedeutenden eleganten Kaufläden auf den Michaelerplatz. Die hier dem Burgtheater gegenüber befindliche Michaelerkirche ist von Herzog Leopold dem Glorreichen 1220 im romanischen Style erbaut, nach einem verheerenden Brande 1310 gothiseh restaurirt und 141(> unter Albrecht IV. vollendet. Die darin aufgestellten Gemälde und Grabmäler sind sehenswerth. Seit 1G2G sind die von Ferdinand 11. nach Oesterreich berufenen Barnabiten im Besitze der Kirche und des damit verbundenen Klosters. Gehen wir vom Michaelerplatz an den zur Holburg gehörigen Gebäuden entlang zum Josefsplatz und in unveränderter Richtung über diesen hinweg, so gelangen wir zur Augustiner Kirche, die unter Friedrich dem Schönen von 1330 bis 133t) erbaut worden ist. Ferdinand II. erhob sie zur Hofpfnrrkirche und übergab sie den Augustiner-Barfiissern. Von den hier befindlichen Kunstwerken ist vor allen Canovas berühmtes Grabmal der Erzherzogin Maria Christina beachtenswerth. In dem zur Kirche gehörigen Kloster lebte Abraham a Santa Clara, auch starb hier (IS. Jänner 1823) der als Dichter und Kanzelredner bekannte Friedr. Zacharias — 12 — Werner. -Seit dem Aussterben der Augustiner-Mönche ist das Kloster eine Bildungsanstalt für Weltgeistliche. An das Augustinerkloster grenzt das Palais d(*s Erzherzogs AH)recht, welches mit seiner grossen, auf die Augustinerbastei hinautführenden Rampe einen imposanten Anblick gewährt. Jenseits der Hastei. nahe der Operngasse liegt ein zweites Palais desselben Erzherzogs und sind beide durch einen über die sie trennende Gasse hinweg führenden gedeckten Gang verbunden. Geht man an der Mauer der erwähnten Pampe entlang, so gelangt man beim Opernplatz zu dem Franz Josefs - Prunnen, welcher ausser mit einer Reihe von allegorischen, die Nebenflüsse der Donau darstellenden Figuren, mit einer ('olossal - Gruppe (Danubius und Vindobona) geschmückt ist. Gruppe und Figuren sind sämmtlich auf Kosten des Erzherzogs Albrecht von dem Bildhauer Meixner aus eararischem Marmor gehauen. Dem Brunnen gegenüber liegt rechts das uns schon bekannte neue Opernhaus, t links das alte Kärnthncrthor-Theater, welches seit der Eröffnung des Ersteren geschlossen und zum Abbruche bestimmt ist. Zur linken Hand dehnt sieh ausserdem die grosse Gebäudemasse des jetzt als Zinshaus benutzten, der Commune gehörigen, sogenannten „Bürgerspitals“ aus. Um uns einen Begriff von der Ausdehnung desselben zu machen, kehren wir um und gehen an seiner Fron! entlang. Wir kommen dabei an den Lobkowitz - Platz, welcher seinen Namen nach dem hier befindlichen Palais des Fürsten Lobkowitz erhalten hat. Auf diesem Platze wurden der Bürgermeister Conrad Vorlauf von Wien und zwei Kathsherren am 11. Juli 1408 wegen ihres pflichttreuen Widerstandes gegen unberechtigte Forderungen des Herzogs Leopold IV.. enthauptet. Folgen wir der Front des Bürgerhofspitals weiter, so führt uns unser Weg bald zu einem kleinen Gässchen, welches auf dem neuen Markt — vulgo Mehlmarkt - mündet. Dieser Marktplatz hat zwei Sehenswürdigkeiten: einen originellen Brunnen mit schönen Figuren von liafael Donner*) und die äusserlieh ganz, unscheinbare Kapuzinerkirche, welche in ihrem Innern die Kaisergruft mit nahezu hundert metallenen Särgen von zum Theil hohem lvuustwerthe birgt mul deren Besichtigung von keinem Fremden versäumt werden sollte. Der Kapuzinerkirche gegenüber liegt am Meldmarkt ein durch eine Vorhalle mit Säulen auffallendes Gebäude, ein Hotel, welches sonst kein Interesse für uns hat, als dass es ein sogenanntes „Durchhaus“ ist und uns auf dem kürzesten Woge in die schmale, aber ungemein belebte Kärnthnerstrasse führt.**) Eine der nächsten Querstrassen dieser Letzteren ist die Himmelpfortgassc, in welche wir einbiegen, um sie — vorüber an dem Gebäude des Finanzministeriums (Haus Nr. 8) - bis zu Ende zu gehen. Sie endet in einer Strasse, die Seilerstätte benannt ist und in der sich das neue, auf Actien erbaute Stadttheater belindet. Dieser unter Heinrich Laube’s Direction stehende Tempel Thaliens, ist denselben dramatischen Zwecken gewidmet, wie das Ilolburgtheater, er ist erst im Herbst 1872 eröffnet und besitzt vorzügliche. Schauspieler, und wird Laube, wenn es ihm gelingt, die weiblichen mittelmässigcn Kräfte durch Künstlerinnen zu ersetzen, mit dem Hurgtheater rivali- siren können. Verfolgen wir die Seilerstätte weiter, so gelangen wir an eine zweite Verbindungsgasse, die ebenfalls zur Kärnthnerstrasse führt. Es ist dies die Singerstrasse, in der sich mehrere bcachtenswerthe Gebäude befinden, nämlich links die kaiserliche Staatsdruckerei und rechts das deutsche Ordenshaus mit der Ordenskirche, ln der Staatsdruckerei, deren Ausstattung mit Typen und Maschinen überaus grossartig ist, verdienen die Abtheilungen für Naturselbstdruck, *) Donnert Figuren waren in Blei gegossen und im Laufe der Zeit sehr beschädigt. Ihrer Schönheit wegen hat man sie fortgenommen, um sie in Erz genau nachgebildet wieder aufzustellen. **) Solcher ,,Durchhäuser“ besitzt "Wien sehr viele und der Fremde tliut gut, wenn er sich bemüht, deren so viele als möglich, kenrten zu lernen, da die Benutzung der durch solche Häuser führenden Passagen oft weite Wege ungemein abkürzt. 44 Photographie, Galvanoplastik und Galvanographie besondere Aufmerksamkeit.*) An die Singerstrasse stbsst der Franziskanerplatz. Dort befindet sich das Franziskanerkloster sammt Kirche (im 15. Jahrhundert erbaut) und ein Brunnen mit einer Mosesstatue. Von diesem Platze führt die Weihburggasse, gleichlaufend mit der Singerstrasse ebenfalls in die Kärnthnerstrasse. Sie enthält die Maltheser- Ordenskirche mit dem Denkmal des Grossmeisters La Valette. Kehren vir auf diesem Wege zur Kärnthnerstrasse zurück, so befinden wir uns wieder in der nächsten Nähe des Stefansplatzes und wir hätten damit unsern ersten Kreuz- und Querzug durch die Stadt beendet. Unsern zweiten Spaziergang zur Besichtigung der innern Stadt beginnen wir vom Franziskanerplatze in der Burg aus. Wir gehen durch das Portal des Amalienhofes und gelangen hier bereits nach wenigen Schritten auf den abgelegenen und wenig frequentirten Ballplatz, dessen wir nur erwähnen, weil sich hier das ehemalige Ballhaus, sowie das Ministerium des Aeussern und des kaiserlichen Hauses befindet.**) Auf dem Ballplatze beginnt die Liiwelstrasse, eine schmale und öde Gasse, in der mehrere gleichlaufende Querstrassen münden, die sämmtlieh Verbindungen mit der Herrengasse bilden. In diesen Querstrassen sind einige beaehtenswerthe Gebäude. Zunächst in der Bankgas.se das fürstlich Lichtenstein’schc Majoratshaus, welches 1.H04 in den Besitz dieser Familie übergegangen, nach den Plänen Martinelli's erbaut und 1858 mit dem Aufwand« von mehreren Millionen nach Davigne's Entwürfen im Innern neu *) Täglich von 10 bis 12 Uhr zu besichtigen. Meldung in der Directionskarizlei. **' Diese Gebäude bieten nichts besonders Sehenswerthcs. Das Ballhaus war ehemals der Raum, in welchem sic h der Hof durch Ballspiele ergötzte. Nach der Gründung des österr. Industriemuseums wurden die Sammlungen desselben zunächst hier untergebracht, seit dafür jedoch ein eigenes Gebäude erbaut ist, steht das Ballhaus unbenutz.t. 45 eingerichtet ist. Darin ist die oben erwähnte Lichtenstein’sche Gemälde-Gallerie anfgestellt. Die Rückenfront wendet dies Palais dem Minoritenplatze zu, auf dem sich das Lutei-richts-Ministerium und die Minoritenkirche befinden. Die Minoritenkirche (italienische Nationalkirche) wurde von König Ottokar im Jahre 127(1 begonnen und 1330 vollendet. Josef II. übergab dieselbe 1780 der italienischen Gemeinde. Von den darin aufgestellten Kunstwerken sind ein Denkmal des Dichters Metastasio (gest. 1782) von Yincenzo Luccardi, Rafaelli's Mosaiknachbildung der Coena Domini des Leonardo da Vinci mit dem dazu gehörigen Altar und mehrere Altarblätter besonders hervorzuheben. Gehen wir durch eine der erwähnten Querstrassen, durch die Bankgasse, bis in die llerrengasse, so sind wir zunächst an dem alten Bankgebäude vorübergekommen. In der llerrengasse gelangen wir zu dem Palast der niederösterr. Landstände (Ilaus Nr. 14), erbaut in den Jahren 1838 bis 1844 von A. Pichler.*) Nahe dabei sind das Regierungsgebäude und das Ministerium des Aeussern. An der Stelle, wo die llerrengasse mit der Strauchgasse zusammentritft, ist das neue Bankgebäude errichtet, durch welches eine Passage auf die „Freiung“ führt. Das neue Bankgebäude wurde bis zur Eröffnung der provisorischen Börse am Schottenring auch zu Börsenzwecken benutzt, es besitzt in seinem Innern prachtvoll ausgestattete Säle und in seinem Vorhofe zur Passage einen monumentalen Brunnen von Ferstel mit Figuren aus der Sage vom Donauweibchen. ln der Strauchgasse, die gleichfalls eine Verbindung mit der „Freiung“ ist, fällt vor Allem ein stattlicher Palast auf, den der Fürst Montenuovo hat erbauen lassen und der jetzt im Besitze der anglo-Österreichischen Bank ist. Auch in dem Hofe dieses Gebäudes kann der Skulpturfreund einen schönen monumentalen Brunnen: St. Georg mit dem Drachen kämpfend von Fernkorn), bewundern. *) Zu besichtigen nach Meldung beim Hausinspector. 46 Die „Freiung“ ist ein ziemlich grosser unregelmässig gestalteter Platz, an dem ausser der einen Front des neuen Hankgebäudes noch eine grössere Anzahl Hauwerke gelegen sind, an denen man nicht, ohne sie näher zu betrachten, vorübergehen sollte. "Wir nennen zunächst den Schottenhot' und die Schottenkirche. Heide gehören den Benediktinern, welche der Herzog Heinrich Jasomirgott 115H aus Schottland herbeirief. In der Kirche ruht ausser dem oben genannten Herzoge der mannhafte Yertheidiger Wiens während der zweiten Türkenbelagerung (1683), Graf Krnst Rüdiger von Starhemberg, ferner Graf Khevenmiiller. Der Schottenhof ist ein kolossaler Gebäudecomplex, dessen eine Front die ganze rechte Seite der sich an die Freiung anschliessenden Schottengasse ein nimmt. lu der Letzten liegt dem Schottenhofe gegenüber der „Mölker- hof“, ein ähnlicher Gebäudoonmplex, welcher der Abtei Molk gehört. Auf der Freiung linden wir auch das wegen der darin auf- gestellten Kunstsammlung bekannte, gräHich Ilarraehsehe Palais (Nr. 3) und endlich (‘inen Hrunnen von Schwanthaler. Derselbe zeigt die Austria und zu deren Füssen die allegorischen Gestalten von Donau, Weichsel, Elbe und Po. Eine breite, aber kurze Gasse;, der „lleidensohuss“ genannt, führt von.der Freiung auf (‘inen zweiten noch grösseren Platz, den „Hof* 4 , an den sich zahlreiche historische Erinnerungen knüpfen. Hier stand einst das Schloss, wo die alten Herzöge Hof hielten: hier wurde beim Beginne der (jotober-Revolution im Jahre 1848 vor dem Kriegsministerialgebäude (Haus Nr. 17) der Minister Latour ermordet, liier betinden sich terner die Garnisonskirche (gegründet löStJt, das bürgerliche Zeughaus, das städtische Hauamt, die Central- Feuerwehr und das Palais der (Kreditanstalt für Handel und Gewerbe. Eine Mariensäule und zwei Springbrunnen schmücken den Platz, der auch als Marktplatz für den Verkauf von Obst, Gemüse, Blumen etc. und vor Weihnachten als Ghristmarkt benutzt wird. Das bürgerliche Zeughaus (Haus Nr. tu*) ist im Jahre 1732 erbaut, es enthält vorzüglich Beutestücke aus den Türkenkriegen, ™) Täglich geiilVnet, Mehlung heim Zeugwart. 47 historisch merkwürdige Riiststiieke von Matthias Corvinus, von Laudon etc. Gehen wir vom Ileidcnschuss quer über den Hof und biegen wir in die schmale Drahtgasse ein, so kommen wir schon nach wenigen Schritten auf den Judenplatz, woselbst sich das Ministerium des Innern befindet. Passiren wir dann zur Linken die Fiitterer- gasse, die Stoss-im-Ilimmel-Gasse und einen Theil der Salvatorgasse, so gelangen wir zur Kirche „Maria am Gestade“ oder „Maria Stiegen“, der böhmischen Nationalkirche, deren Pan iin Jahre 822 begonnen und 11 ö4 vollendet ist. Am Fusse des Hügels, auf dem sie steht, floss ehemals ein Donauurin. Sonntags um 11 Fhr ' ist hier stets schöne böhmische Yocal- und Instrumentalmusik. Die Salvatorgasse, die wir bei dieser Kirche schon betreten haben, führt uns weiter noch zum Kathhause mit der Salvatorkirche und einem schönen Hrunnen von Rafael Donner. "Wir gehen durch den Hof des Rathhauses in die Wipplingerstrasse und dann in diese Letztere nach links einbiegend bis zum hohen Markt, wo sich wieder ein sehenswerther monumentaler Hrunnen befindet. Von hier führt die Judengasse zum " 'z, wo eine kleine, angeblich 1100 Jahre alte Kirche zum Gesuche einladet. Endlich steigen wir von hier die Hupprechtsstiege hinab und kommen so in eine uns bekannte Gegend, nämlich an den Franz-Josefs-Qu.ii, wo wir, um nicht mit einem Alale des Guten zu viel zu tliun, unsern zweiten Kreuz- und Querzug beendigen. Obgleich wir jetzt schon zwei Drittel der inneren Stadt besichtigt haben, bleibt dennoch manches Hemerkenswerthe übrig. Machen wir uns also noch einmal auf den NY eg und beginnen wir diesmal unsern Spaziergang wieder vor dem Ilanptportal des Stefansdomes, wenden uns jedoch nicht, wie bei unserm ersten Rundgange nach rechts, sondern diesmal nach links zur Rothenthurmstrasse, an der uns sofort auf der rechten Seite ein grosses düsteres Gebäude ohne architektonischen NYerth, nur durch seine Ausdehnung und durch einen eigenthiimlicheu Schmuck, einen Cardinals- hut über der Einfahrt der Hauptfront auüällt. Es ist dies das 48 \ ei’zbischöfliche Palais, die Winter-Residenz der Erzbisehöfe von Wien. Neben diesem geistlichen Palaste mündet in der Rothenthurm- strasse die „Wollzeile.“ Wir verfolgen dieselbe und gelangen auf der linken Seite an einen Schwibbogen, durch welchen man zum Universitätsplatz kommt. Hier steht das alte Universitätsgebäude, welches theilweise der Akademie der Wissenschaften eingeräumt ist, und die den Jesuiten eingeräumte Universitätskirche mit sehens- werthen Fresken und 48 Oelgemälden vom Jesuiten Pozzo. Die Schünlaterngasse fährt von hier zum Hauptpostamt, dessen hintere Front man von der Franz-Joscfs-Caserne aus erblickt, wie wir dies beim Beginne unseres Rundganges durch die Ringstrasse erwähnt haben. Neben dem Hauptpostamt befindet sich die Barbaracapelle (Kirche der unirten Griechen) und nicht weit davon die Dominikanerkirche, welche aus dem Jahre 122b stammt, und auf die wir ebenfalls bei unserin Gange um die Ringstrasse bereits hingewiesen haben. Dem Hauptpostamt gegenüber mündet eine Strasse,, die den Namen „Fleischmarkt“ trägt. Jn dieser Letzteren ist die im byzantinischen Kirchenstyle nach llansen's Plänen erbaute Kirche der nicht unirten Griechen im hohen Grade sehenswerth. Die darin enthaltenen Malereien sind von Rahl und Eisenmenger, und diese, so wie die reiche innere Ausschmückung des Vestibüls erbeben* dieses Gotteshaus zu einem der interessantesten Bauwerke Wien's. Kehren wir von hier durch die Postgasse zur Wollzeile zurück, gehen dann mit einer Wendung nach links quer über die Wollzeile fort und biegen in die „Stuben Bastei“ ein, so kommen wir zunächst zur ersten Wiener Detail-Markthalle, einem Bau mit Eisen-Construetionen, dessen äussere Erscheinung dem hohen Herstellungspreise sehr wenig entspricht. In der gleichen Richtung weiter fortschreitend erblicken wir das mit seiner Hinterfront an den Garten der Gartenbaugesellschaft (Siehe Gang um die Ringstrasse) angrenzende Palais Coburg. Wir lassen dasselbe rechts liegen, benutzen den Durchgang durch den eben genannten Garten und gelangen endlich, nachdem wir immer in derselben Richtung 40 fortgegangen, auch an dein neuen Stadttlieater vorübergekommen sind, zum städtischen Pädagogium in der Fichtegasse. Von liier wenden wir uns nach rechts zu den Querstrassen, welche in die Kärnthnerstrasse führen. Mehrere derselben sind uns bereits bekannt, bezüglich derjenigen, welche der Ringstrasse zunächst liegen, ist dies jedoch nicht der Fall. Es sind dies: erstens die Walltischgasse, in der sich die russische Botschaft (Haus Nr. 3), in deren Capelle Sonntags russischer Gottesdienst gehalten wird; zweitens die Krugerstrasse; drittens die Annagasse mit der St. Annakirche (ehemalige Jesuitenkirche vom Jahre 1415, jetzt französische Nationalkirche) und dein dazu gehörigen Kloster, worin sich gegenwärtig die Akademie der bildenden Künste und eine Lehrerbildungsanstalt befinden; endlich viertens die Johannesgasse, in welcher das Rciehsttnanzministerii’.ni zugleich einen Durchgang in die llimmelpfortgasse bietet. Die Kärnthnerstrasse, die wir ebenfalls zum Theil, schon kennen, enthält noch ein bemerkenswerthes Gebäude, nämlich die Maltheserkirche zum heiligen Johannes, welche im Jahre 1100 von den Johannitern in Jerusalem gestiftet wurde und jetzt als ungarische Nationalkirche (Sonn- und Feiertags um 10 Uhr ungarische Predigt) dient. Die Kärnthnerstrasse führt uns endlich wieder zurück zum Stefansplatze. Wir hätten somit fast die ganze innere Stadt besichtigt, es bleibt uns nur noch ein kleiner Theil derselben übrig, nämlich die Umgebung des Wienflusses, so weit dieselbe eben zur innern Stadt gehört. Da ein Spaziergang durch diese Gegend sich schon der Mühe lohnt, so scheint es uns am Platze zu sein, einen solchen nunmehr zu unternehmen. Wir beginnen damit dort, wo der Wienfluss in den Donaukanal fliesst, also bei der Radetzkybrücke. Gehen wir von hier aus möglichst nahe dem Ufer flussaufwärts, so sehen wir links zunächst das bereits zum Bezirke Landstrasse gehörige Ilauptzollamt, dann rechts das Kunst- und Industrie-Museum, neben welchem die Stubenthorbrücke über den 4 50 AA’ientluss führt. Links erblicken wir nun die Oentralmarkthalle, während gleichzeitig an beiden Ufern der Stadtpark beginnt. Rechts endigt derselbe mit dem Kursalon bei der Johannesgasse (Tegett- hofbriicke), während er links noch bedeutend weiter fortgesetzt ist. Rechts beginnen Häusergruppen, in denen das schon genannte Palais des (trafen Larisch (siehe den Spaziergang über die Ringstrasse) in erster Linie und dann weiterhin in der Christinenstrasse Nr. (> das im gothischen Style nach dem Plane des Dombanmeisters Schmidt erbaute akademische Gymnasium antfällt. Diesem Letzteren gerade gegenüber auf dem andern Ufer der Wien liegt zwischen den Cartenanlagen des S 1 t ';es das einfache lind geschmackvolle AVohnhaus des Stadtgärtners. Aut der rechten Seite weiterschreitend, kommen wir bald darauf zum Sehwarzenbergplatz und zur Schwarzenbergbrücke, von der aus man rechts eine Aussicht auf das Schwarzenberg-Monument und die Ringstrasse, links auf den Rezirk Landstrasse und zwar geradeaus auf das Schwarzenberg-Palais, ausserdem alter auch auf die mehr zurückgelegenen ausgedehnten Gebäude der Ileumarkt-Caserne hat. Auf der rechten Seite der AAAen folgt nun zwischen der Canovagasse und der Kiinstlergasse das reich ausgestattete, von Hansen erbaute Musikvereinsgebäude, dicht dabei das Palais des Grafen Liitzow) Giselastrasse Nr. 1 3, erbaut vom Architekten llasenauer), ferner'das frei in Garten-Anlagen liegende Künstlerhaus (Architekt Weber) und die Handels-Akademie, (Akademiestrasse 12, Architekt Fellner). ln der Nähe dieser Gebäude, etwas weiter flussaufwärts, führt über die AA'ien die schönste Brücke, welche unsere Kaiserstadt besitzt, die Elisabethbrücke. Dieselbe verbindet die Verlängerung der Kärntnerstrasse mit dem Bezirke AVieden, ist im Anfänge der Fünfziger Jahre nach den Plänen L. Förster"s erbaut und bei Gelegenheit des Einzuges der Kaiserin Elisabeth am 23. April 1854 dem Verkehre übergeben. Acht Marmorstatucn, welche 18G7 aufgcstellt sind, schmücken dieselbe. Es sind: Herzog Heinrich Jasomirgott (von Melnitzky), Leopold der Glorreiche «ssuiea ieaa < tpÊ^TrqLfcf mm feÉfetlIï 'HJghä-, MM wmSi ■tsMEii M3 ¥h' : s £&& -ARLSKIRCHE, 51 (von Preleuthner), Herzog Rudolf IV. der Stifter (von Hans Gassen, Rüdiger von Starhemberg (von Joh. Fesslerj, Bischof Kollonits (von Pils), Niklas Salm (von M. Purkartshofer), Josef von Sonnenfels (von Hans Gasser) und Fischer von Erlach (von Josef Cesarj. , Von der Elisabethbrücke aus erblickt man im Bezirke Wieden rechts den „Naschmarkt“, einen Obst- und Gemüsemarkt; dahinter das sogenannte „Freihaus“, einen ausgedehnten Gebäudecomplex, der mehr Bewohner hat, als manche Provinzialstadt *); dann links die evangelische Schule) Wiedner Ilauptstrasse Nr. 1), Prachtbau von Hansen; ferner in der Fortsetzung dieses Gebäudes das polytechnische Institut (Technikerstrasse 13), das 1818 vollendet worden ist; und endlich weiterhin die Karlskirehc, eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges. Die Karlskirche ist im Aufträge Kaiser Karls VI., des Vaters der Kaiserin Maria Theresia, der den Bau in einem Gelübde behufs Abwendung der Pest (1713) gelobt hatte, nach den Plänen Fischer’s von Erlach von Martinclli erbaut und 1737 vollendet. In den Gartenanlagen, welche sich zwischen den eben genannten Gebäuden und dem Wientlusse hinziehen, ist gerade vor dem Eingänge des polytechnischen Instituts die Kolossalstatue des Erfinders der Schiffsschraube, Ressel, nach dem Modelle Fcrn- korn’s in Erz gegossen, auf einem hohen Steinpostament aufgestellt. Da die Ufer der Wien von hier aus nichts bemerkenswerthes mehr bieten, so wenden wir uns von der Elisabethbrücke in die verlängerte Kärnthnerstrasse, in der durch die Restauration Likey nicht nur Gelegenheit zur körperlichen Erquickung, sondern zugleich eine eigenthiimliehe Sehenswürdigkeit geboten wird. Die innere Ausstattung dieses in der That schönen Lokals ist nämlich N *) Das „Freihaus“ war früher ein Patrimonium, welches der gräflich Starhemberg'schen Familie gehörte und dem die Stadt Wien nach ihrer tapferen Vertheidigung durch Küdiger von starhemberg gegen die Türken aus Dankbarkeit auf ewige Zeiten Steuerfreiheit gewährte. Daher der Name „Freihaus“. 4 * durchweg in solchen Farben gelullten, welche durch den in derartigen Räumen gewöhnlich hem 1 1 Hauch nicht leiden. Der Likey'’sehen Restauration und Hierhalle gegenüber endigt die Elisabethstrasse, welche uns, wenn wir sie verfolgen, in einen noch unvollendeten Stadttheil führt. Hier sind eine grössere Anzahl neuer Gebäude ira Entstehen begriffen. So an dem projectirten Schillerplatze, der später durch ein Standbild des Dichters geziert werden wird, die neue Akademie der bildenden Künste (Architekt Hansen), ein grosses Hotel u. s. f. Jenseits des Platzes erblickt man am Getreidemarkt (schon zum Bezirke Mariahilf gehörig) das Gebäude der Genie-Direction. Von hier aus begeben wir uns zurück zur Kingstrasse, denn wir haben nunmehr alle Tlieile der inneren Stadt, jede wichtige Strasse und Gasse, und jedes bemerkenswerthe Gebäude darin auf unsern Kreuz- und Querzügen besichtigt. Es bleibt uns nur noch die Aufgabe, ähnliche Wanderungen durch die Vorstädte vorzunehmen. VII. (l)ie Vorstadtbezirke.) dem Centrum, dem ältesten Tlieile "Wiens, in der inneren Stadt, pulsirt noch heute recht eigentlich das llerz des gesummten Wiener Lebens. So ist es seit vielen Jahrhun- derten von jeher gewesen; hier sind die grösste Menge von* Sehenswürdigkeiten zusannnengehäuft und bieten daher die Spaziergänge durch die Vorstadtbezirke bei weitem weniger Interesse. Aus diesem Grunde können wir uns im Allgemeinen auf Ausflüge zu einzelnen Punkten in den sogenannten Vorstädten beschränken. Heginnen wir mit dem zweiten Wiener Gemeindebezirk, der Leopoldstadt. Die Ferdinandsbrücke und die Aspernbrücke verbinden dieselbe mit der inneren Stadt. Nahe bei beiden brücken jenseits des Donaukanals beginnt die lange und breite Praterstrasse*). Wir folgen derselben. Auf der linken Stute kommen wir zunächst zum Carlthenter (Haus Nr. ill.j An der Stelle dieses Theaters stand bereits 17iS 1 ein von Marinelli erbautes Schauspielhaus, welches 1SÖ8 in den besitz des Directors Carl gelangte, der im Jahre 1847 das jetzt bestehende Gebäude nach den Plänen der Architekten van der Null und Siccardsburg errichten liess. Die Statuen an der Façade sind von Hans Gasser. Gegenwärtig steht dasselbe unter der Leitung des *•) Im Yolksmunde hört man noch oft «len früheren Namen dieser Strasse „ Jägerzeile“, den sie trug, weil hier ehedem nur einige Jägerhäuser gestanden. i 54 Direetors Jauner. Aufgeführt werden Schau- und Lustspiele, Possen und Operetten. Sehr tüchtige Kräfte sind an dieser Bühne thätig. (Knak, Matras, Blasel etc.) Dem Carltheater gegenüber endigt in der Praterstrasse die Tempelgasse, in welcher ein israelitischer Tempel, ein Meisterhau L. Försters im orientalischen Style, die Besichtigung verdient. In der Praterstrasse sind ferner noch links die Johanneskirche (gebaut von 1840 bis 45) und rechts das Palais Klein (Haus Nr. 42), sowie das Palais Engel (Nr. 50) bemerkenswerth. Das Ende der Praterstrasse bildet der Praterstern. Vom Praterstem hat man einen weiten Blick nach den verschiedensten Bichtungen. Rechts durch die Franzensbrückenstrasse zur Franzensbrücke, welche über den Donaukanal in den „Weiss- gärber“ genannten Theil des Bezirkes Landstrasse führt. Links die lange Augarten-AIlee-Strassc und die Nordbahnstrasse, in der ausser einem grossen eleganten Hotel der wahrhaft prächtige Nordbalmhof liegt, dessen Vestibül und Treppenhaus wirklich einzig in seiner Art sein dürfte. Gerade vor dem Beschauer zieht sich ein langer und hoher Viaduct der Verbindungsbahn hin, dessen Durchfahrten wie riesige Thorc erscheinen, durch welche man in den Prater gelangt. Der Prater, zum Theil Kunstgarten, zum Theil Urwald, hat seine gegenwärtige Gestalt erst vor dem Beginne der Weltausstellung erhalten. So urwüchsig das Leben sein mochte, welches sich früher hier abspielte, so meinte der Generaldirector der Ausstellung dennoch, dass es eines solchen Unternehmens würdiger sei, wenn an die Stelle der ausgetretenen Fusssteige und elenden Baracken, in denen sich das Volk amusirte, geebnete Wege, gepflasterte Strassen und elegante Holzhäuser träten, da jeder Fremde, der die Weltausstellung besucht, nothwendiger Weise hier vorüber muss. Die rasch vollbrachte Metamorphose hat übrigens dem eigcnthiimlichen Praterleben nicht geschadet. In der Hauptallee finden nach wie vor Sonn- und Feiertags die Corsofahrten der Aristokratie statt, an denen sich auch der kaiserliche Hof bethei- ligt, so lange derselbe während der schönen Jahreszeit in Wien anwesend ist, nnd in jenem Theile, den man den Wurstelprater nennt, wird heute, wie ehemals, beim Reben- und Gerstensaft nmsizirt, gesungen, gespielt und getanzt. Die eigentlichen Weltausstellungs-Anlagen, die Gebäude, Gärten etc. besuchen wir selbstredend, natürlich aber nicht auf einem flüchtigen Spaziergange, wir erwähnen dieselben daher hier nur im Yorübergehen. Kehren wir zum Praterstern zurück und biegen wir in die Augarten-Allee-Strasse ein, so gelangen wir zum Augarten, der wie der Prater kaiserliches Eigenthum und vom Kaiser Josef 11. dem Publikum geöffnet ist. Geber seinem Eingänge ist die von dem eben genannten Kaiser herrührende Inschrift zu lesen: „Der Menschheit von ihrem Schätzer.“ Seit dem vorigen Jahre i lS72) ist in dem herrlichen Garten zur grösseren Annehmlichkeit der Resucher ein Itcstaurationslokal eröffnet. Hinter dem Augarten öffnet sieh eine weite erst theilweise bebaute Ebene, die noch zur Leopoldstadt gehört. Hier befindet sich unter Anderem der Nordwestbahnhof. Im dritten liezirke — auf der „Landstrasse“ — ist im Verhältniss zu seiner Ausdehnung wenig Remerkenswcrthes. Erwähnt haben wir bereits die dem Wienflusse zunächst gelegenen hervorragenden Gebäude dieses Stadttheiles. Ausserdem müssen wir noch das Invalidenhaus i llauptstrasse Nr. 1) anführen, worin sich Kratffs berühmte grosse Schlachtgemälde befinden, die am Jahrestage der Leipziger Schlacht jedermann zugänglich, sonst aber nur nach vorhergegangener Meldung beim Commandanten zu besichtigen sind. Einigermassen die Mühe lohnend ist ein Gang von dem schon erwähnten Schwarzenberg-Palast durch die Strasse „Rennweg“. Hier liegen nämlich das Belvedere mit der Relvodere-Gallerie und Ambraser-Sammlung, die Villa Metternich, die schöne kunstgeschmückte Kirche zu Maria-lleimsuclmng mit dem Kloster der Salesianerinuen und der botanische Universitätsgarten (Haus Nr. 14). Durch die am Ende des Heimweges befindliche Artillerie-Caseme 56 erreicht man das obere Ende der Hauptstrasse des Bezirkes. Hier wenden wir uns nach rechts, um das grosse Schlachthaus zu besichtigen. Sodann begeben wir uns zur nahe gelegenen St. Marxer- Linie, von welcher der Weg zum St. Marxer Friedhof führt, auf dem unter Anderen auch Mozart ruht. Vom Friedhof sieht man bereits das Artillerie-Arsenal vor sich, welches einen kolossalen Gebäude-Complex bildet, dessen Herstellung fünf Architekten anvertraut war. Van der Null und Siccardsburg haben die Aussenfronten und Werkstätten, Hansen das Waffenmuseum, Förster die Gewehrfabrik und Kosncr die Capelle erbaut. Den Besuch des Waffenmuseums sollte Niemand versäumen. *) Die Gebäude wurden 1849 begonnen und 1855 ihrer Bestimmung übergeben. Sie haben ausser der innern Ausschmückung — Fresken von Ralil und Blass etc. — acht Millionen gekostet. Nahe dem Arsenal, zwischen der Belvedere-Linie und der Favoriten-Linie befinden sieh der Staatsbahnhof und der Südbahnhof. Ein Spaziergang in den vierten Bezirk „Wieden“ lohnt nachdem wir bereits die wichtigsten, nahe dem Wienflusse gelegenen Gebäude gesehen, nur noch wenig. Bemerkenswerth dürfte besonders das in der Favoritenstrasse gelegene frühere kaiserliche Lustschloss „Favorita“, welches unter Maria Theresia in eine Anstalt zur Erziehung junger Männer für den Staatsdienst umgewandelt wurde und jetzt den Namen „Theresianum“ führt, sein. Der fünfte Bezirk „Margarethen“ und der sechste Bezirk „Mariahilf“ sind volksreiche Stadttheile, die meist von Geweibleibenden und Arbeitern bewohnt sind und den Fremden sehr wenig besonderes Interesse bieten. Nur in dem entfernten Theile Mariahilf ist ein zweites grosses Schlachthaus, ferner in der Mariahilfer Hauptstrasse der ehemals fürstlich Esterhazy’sehe Park (jetzt städtisches Eigenthum), die Wallfahrtskirche zu „Mariahilf“, die *) Karten zum Besuche werden in der Centralkanzlei des Kriegsministeriums, am Hof Nr. 17, ausgegeben. Geöffnet, (nur gegen solche Karten) Dienstags und Freitags von U bis 3 Uhr. 57 Kirche zum heiligen Kreuz mul die Josefskirehc mit einem erzbischöflichen Knabenseminar. Zum Bezirke Mariahilf gehört auch das Theater an dor Wien (Magdalenenstrasse Kr. 8), welches im Volksmunde gewöhnlich Wiedner Theater genannt wird. Bis zum Jahre 1800 befand sich dies Theater im sogenannten Freihause auf der Wieden, wo es von Schikaneder geleitet wurde. Schon damals stand es in gutem Kufe und eomjumirte Mozart seine „Zauberflöte - für dasselbe, die hier auch zum ersten Male aufgeführt wurde. Schikaneder liess das neue grosse „Schauspielhaus“ in der Magdalenenstrasse in den Jahren 1708 bis 1801 erbauen und erölfnete dasselbe am 13. Juni 1801. Es ist eins der grössten Theater Wien’s, es fasst 3000 Zuschauer, während die Bühne 500 Menschen und 50 Pferde aufnehmen kann. Gegenwärtig steht es unter der Direction von Fräufein Ceistinger und Herrn Steiner. An den Bezirk Mariahilf schliesst sich zunächst der siebente Bezirk „Keubau“, zu dem die von uns bereits erwähnten kaiserlichen Stallungen ( Stallburg), ferner die IIofgardc-Gendarmerie- Caserne und eine grössere Anzahl Kirchen gehören, unter welchen Letzteren die Altlorehenfelderkirehe wegen der darin enthaltenen prachtvollen Kunstschätze entschieden einen Besuch verdient. Durch die zu diesem Bezirke gehörige Westbalm-Linie gelangt man, ebenso wie durch die Mariahilfer-Liuie, zu dem Bahnhof der Kaiserin Elisabeth-Westbalm. Im achten Bezirk „Josefstadt“ dürfte ausser den schon genannten Gebäuden nur noch das „Josefstädter Theater“ in der Ilauptstrasse des Bezirkes zu erwähnen sein. Dasselbe ist 1788 gegründet und hat wahrhaft glänzende Zeiten erlebt. Seit 1850 hat dasselbe sehr bedeutend an Beliebtheit verloren, bis es sich neuerdings unter der Direction des Herrn Fürst wieder in recht erfreulicher Weise gehoben hat. Endlich gelangen wir zum neunten Bezirk „Alsergrund“ der räumlich sehr ausgedehnt ist und von dem ein grosser Tbeil durch öffentliche Gebäude eingenommen wird. Gehen wir zum Beispiel vom Schottenring an der Yotivkirehe vorüber in die Alserstrassc, so gelangen wir in der Letzteren auf der rechten Seite zunächst zu einer grossen Inlanterie-Caserne, an welche sieh das allgemeine Krankenhaus mit seinen kolossalen Räumlichkeiten ansehliesst. An dieses gränzt das Militärspital in der van Svieten-Gasse mit dem Joselinium (Gildungsanstalt für Militärärzte, Eingang von der Währingerstrasse). Nicht fern davon liegt auf der linken Seite in der Alserstrasse die niederösterreichisehe Landesgehär-Anstalt und in der Lazarethgasse die mitten in einem grossen schönen (»arten, mit einem Aufwande von mehr als eine Million Gulden, erbaute neue Irrenanstalt. Von andern hervorragenden Gebäuden im Gezirke Alsergrund sind zu nennen: das Liehtenstein’sehe Palais (Gemäldcgallerie) in der Liohtensteingasse, die Sigl’sehe Maschinenfabrik nahe der Währinger-Linie, das Giirgerversorgungshaus und das Armenversorgungshaus (beide in der Spitalgasse), das neue Gemeindehaus in der Währingerstrasse, die Pfarrkirche in der Servittengasse (Grab dos Fürsten Oetavio Piccolomini), das Waisenhaus in der Waisenhausgasse, der Franz-Josefs-Galmhof in der Alserbaehstrasse und schliesslich als Curiosum die Trödlerhalle („Tandelmarkt“) hinter der Rudolfscaserne. Wir begeben uns nun zur inneren Stadt zurück, und finden einen ebenso angenehmen, wie in seiner Art ungewöhnlichen Erholungsort nach den Anstrengungen des ganzen Weges in der grossen Gischofsehen Gierhalle, nahe dem ehemaligen »Sehottenthor, die wegen ihrer Grösse, schönen Ausstattung und eigenthiimlichen Anlage tief unter dem Niveau der Strasse wohl auch als eine Sehenswürdigkeit Wien’s betrachtet werden darf. VIII. (Ausflüge in Wenn es auch ausserhalb des Zweckes unseres Werkes liegt, eine genaue Beschreibung der gesammten Ausstellung zu geben, so glauben wir doch den Wünschen unserer Leser zu entsprechen, wenn wir einige Daten zur Erinnerung an das grossartige Unternehmen hier mittheilen. Bei der Wald des Bausystems mussten das Klima, die vorhandenen Baumaterialien und die Arbeitskräfte, 80 sowie der für die Vollendung der Gebäude festgestellte kurze Termin ausschlaggebend sein. Man wählte das Pavillonsystem, wodurch es möglich wurde, einem Gebäude von solcher Ausdehnung auch die nüthige Mannigfaltigkeit zu geben, durch die äussere Erscheinung die innere Eintheilung zum Ausdruck zu bringen und die Circulation im Gebäude namentlich dadurch zu erleichtern, dass das Publikum in der Lage ist, die Ausstellung zu besichtigen, ohne in einen bereits besuchten Raum zurückzukehren. Das Ausstellungsgebäudc hat eine Länge von 905 Meter (476 Klafter), eine Breite von 205 Meter (107 Klafter). Es besteht aus einer die ganze Länge des Gebäudes durchschneideriden Hauptgalerie, an welche sich zu beiden Seiten Quergalerien an- schliessen. Den Mittelpunkt bildet die Rotunde, welche der grösste, ohne Stützen bedeckte Raum ist, der bisher auf dem Gebiete der Bau- und Ingenieurkunst hergestellt wurde. Die Rotunde hat einen Durchmesser von 102 Meter (53 Klaftern), eine Höhe von 79 Meter (40 Klaftern) und rührt der Entwurf zu derselben von dem berühmten englischen Ingenieur Mr. Scott Russell her. Die Hauptgalerie hat eine Breite von 25Meter (13Klafter), jede der Quergalerien eine Breite von 15 Meter (ca. 8 Klafterj und eine Länge von 75 Meter (39 Klafter). Die Quergalerien sind von einander durch 35 Meter (18 Klafter) breite Höfe getrennt, von denen 4 überdacht wurden, nachdem in Folge der grossen Zahl von Anmeldungen sich ein Mangel an bedecktem Ausstellungsraum herausgestellt hatte. Im Ganzen sind 28 Höfe vorhanden. Die Gesannntfläche des bedeckten Raumes im Ausstellungspalast beträgt 103.000 Quadratmeter. Oestlich vom Rondeau der Hauptallee des Praters beiindet sich das Gebäude für die Kunstausstellung, welches durch Ober- und Seitenlicht erleuchtet ist und eine Wandfläche von G995 Quadratmeter hat. Bedeckte Galerien führen aus dem Ausstellungsgebäude nach dem Gebäude für die Kunstausstellung, nach dem Pavillon für die Exposition des Amateurs, nach den Glashäusern für die Pflanzenausstellungen und nach den Aquarien. Parallel mit dem Donauregulirungsdamm und dem 81 Industriepalast befindet sieh dicMaschinenhalle,deren Länge 990Meter (445 Klafter), und deren Breite 28 Meter (14 Klafter) beträgt. Für die landwirthschaftliche Ausstellung sind drei Pavillons, zwischen Maschinenhalle, Kunsthalle und Industriepalast, errichtet. Das ganze Bauproject wurde von dem Architekten Herrn Carl Hasenauer verfasst, dem auch die Oberleitung des Baues übertragen wurde. Die Architekten Korompay und Guggitz wurden ihm zur Ausführung der ganzen Riesenarbeit als Assistenten zur Seite gestellt. Die Constructions-Details der Rotunde wurden von Mr. S cott - Russell und Herrn Oberingenieur 'Wilhelm Schmidt von der Staatseisenbahn festgestellt und die Oberaufsicht und Leitung des Baues der Rotunde dem genannten Herrn iOberingenieur Wilhelm Schmidt übertragen. Der Ring der Rotunde, welcher von 32 eisernen Säulen getragen wird, wiegt 35.000 Centner, das gesummte Eisenwerk der Rotunde hat ein Gewicht von 8().()<>() Centner und wurde dasselbe von der Firma Johann Kaspar 4larkort in llarkorten bei Duisburg in "Westphalen zu dem Preise von 9 11. 75 kr. ö. W. per Zollcentner einschliesslich Kosten des Transportes und der Aufstellung geliefert. Ein grosser Theil des Parkes zwischen dem Industriepalast und der Maschinenhalle ist für die von einzelnen Staaten oder einzelnen Ausstellern errichteten Pavillons reservirt. Es befinden sich liier die Ausstellungspavillons Sr. Durchlaucht des Fürsten Johann Adolf von Schwarzenberg, Sr. Hoheit des Herzogs August von Sachsen - Coburg - Gotha, der Redaction der „Neuen Freien Presse“, des Hofbäckermeisters'Roman Uhl, der vereinigten österreichischen Brunnen- und Badeanstalten, der Allgemeinen Oester- reichischen Baugesellschaft, der Donau-Dampfschitffalirts-Gesellschaft, der Innerberger Montangesellschaft, der Dreher’schen Bierhalle, und die Pavillons, welche die deutsche Reichsregierung errichtete. Besonders interessant sind die Bauten des türkischen Reiches und die Sr. königlichen Hoheit des Vicekönigs von Egypten. Erstere stellen ein türkisches Wohnhaus, einen türkischen Bazar und ein türkisches Cafehaus, sowie eine Nachbildung der berühmten Fon- C. — 82 — taine Sultan Ahmed III. in Constantinopel dar, die egyptischen Bauten sind eine Moscliee, die Darstellung einer egyptischen Land- wirthschaft, ein Fellahdorf und einzelne Nachbildungen interessanter egyptischer Bauwerke aus den verschiedenen Perioden der Entwicklung des orientalischen Baustyls. Nach den Bestimmungen des Reglements für die Weltausstellung haben die Aussteller ein Platzgeld zu entrichten und zwar beträgt dasselbe für den Österreichisch - ungarischen Aussteller: im Industriepallast im gedeckten Raum für den Quadratmeter BodenHäche G H., Wandthiche 8 11., BodenHäche für freistehende Objecte ohne Rücksicht auf die Höhe derselben 12 11.; in den Ilof- räumen des Industriepallastes 4 11.; in der Maschinenhalle im gedeckten Raum: BodenHäche 4 H., Wandtläche 2 11.; im Park: im Freien 1 H., in den auf Kosten der Aussteller zu deckenden Raum 8 tl. Die ausländischen (nicht österreichischen) Aussteller haben zu entrichten für den Quadratmeter: im Industriepallast 10 H.; in der Maschinenhalle 4 H.; in den llofräumen des Industriepalastes 4 H.; im Park im Freien 1 fl., im Park in dem auf Kosten der Aussteller zu deckenden Raum 8 11. Ein Quadratmeter BodenHäche in den Gebäuden gibt das Recht auf einen Meter Fay ein gastfreundlicher Ceres-Tempel gewesen, der gern alle opfernden Pilger aufnahm, die ein hohes Ziel anstrebten. Ob Wien in früherer und in jetziger Zeit gerade eine allerbeste »Stätte für die ernste Kunst im höchsten Sinne des Wortes gewesen sei* möchte ich wohl bezweifeln. Das mehr naive und äusserliehe Leben lässt die vollkommene Sammlung nicht zu — weder bei Priestern noch bei Laien. Aber Wien hat stets Glück gehabt — wirklich unverdientes Glück. Mozart wurde ihm zu Theil, ohne dass es ihn verlangte, und obwohl es mit ihm knausert). Beethoven lebte und starb da, obwohl es ihn darben liess. Grillparzer und Hebbel schufen hier, obwohl es den Einen lange Jahre hindurch in allzugrosser Kühe liess, und den Zweiten stets als halben Fremden betrachtete. Keine zweite Residenz der Welt hat so viele grosse Geister aufzuweisen, und keine Stadt der Welt hat früher so wenig gethan für eben diese grossen Geister. Nicht das Yerständniss oder die Freigebigkeit oder der Enthusiasmus fehlte den Wienern, aber sie waren eben stets zu leichtherzig, um sich einem förmlichen Kultus widmen zu können, wie andere Städte. Der Wiener wird einer Patti Ständchen bringen, einer Rettich Statuen errichten und um irgend eine nichtssagende Atfaire sich die Beine ablaufen und den Atliem verlieren. Er hat stets so gar viel zu thun! Und da kommt es denn, dass er nicht strenge misst, und die Stimmung des Moments stets so hoch hinaufschraubt im Beifall, dass dadurch manchmal ein — 97 — Charivari entstellt. Die Andacht, die man in Weimar einem Gothe mitgegenbrachte und einem Schiller, wäre in Wien undenkbar, nicht der Intensivität, wohl aber der Dauer nach. Das Genie erlebt im trenndlichen, freudigen, enthusiastischen Wien selige 'Page — nn seinen Festen; seine Geburtstage und Namenstage und Jubiläen werden da mit einer Glnth der Verehrung gefeiert, wie man sie sonst nur bei den Italienern und Siidamerikanern findet. Die übrige Zeit hin aber wird das Genie ä peil pres vergessen, es wird sogar hie und da bekrittelt, angefeindet, und es muss sehen, dass Journale und Volk den Jubilänmstag eines Uassierers, oder die A'ermählnng eines Zeitiingseigenthiimers, oder das Begräbniss eines Theater- liebhabers in derselben solennen, phrasen- und nicnschenreichen Weise feiern, wie das Fest des Gottbegnadeten. Wien hat also keine Sichtung seiner grossen Künstler, wie Berlin, Leipzig, München. Jene Städte haben einen strikten Unterschied zwischen der Flite der schönen Künste und ihren Tagesgötzen. In Berlin, Leipzig und München z. B. wird es Niemanden einfallen, einen Julius Rodenberg, einen Gutzkow, einen Auerbach, eine Diiringsfeld mit dem ersten besten Feuilletonisten momentan auf eine Stufe zu stellen; oder eine (Velinger mit einer Anna Schramm, oder einen Kaulbach, Knaus, Ascheubach mit irgend «einem Farbenmischer potentirtesten Ranges. Wien, die Stadt des Moments, ist das im Staude. Man betrachte nur, wie viel Berühmt lieiten da alljährlich kreirt werden von Setzers Gnaden,’ und wie wichtig man eine Afläire der Gallmayer gleich neben den Afläiren Europa’s macht. Und dennoch haben die grossen Männer und die grossen Geister es stets geliebt, in Wien zu leben und zu sterben; ich meine einfach desshalb, weil sie erkannten, dass der Wiener nicht aus Unverstand und Unkenntniss so freigebig ist im Superlativ seiner Begeisterung, sondern aus angeborner Sehnsucht nach ein wenig Schwärmerei, ein wenig ('eremoniell, ein wenig Lärm. Und das Leben an und für sich ist in den deutschen Ländern nirgends so voll, so frisch, so schön und so reich. 7 '. ' Am,» ä w mhm wwwwp 98 Alle die tausende Nationalitäts - Polemiken, all’ die vielen fremden Momente und Einwanderer, all’ die verderbten kankaniren- den Elemente, all’ das fremdländische Raffinement, welches in den letzten Jahren hier Platz gegriffen hat, vermochten es nicht, den echten Fond von Ilumor, Jugendlichkeit, Freigebigkeit und Leichtherzigkeit zu verwischen, welcher über Wien lagert ewiglich, wie das Firmament über der Welt. Betrachten wir die Literatur, wie sie in Wien besteht, betrieben wird, und welche Kräfte sie zählt, so müssen wir laut bedauern, dass sie in den letzten Jahren ihre herrlichsten Vertreter, ihre wahrhaft Gottgeweihten verloren hat: Grillparzer, Hebbel und den harmonischen Lyriker Friedrich llalm. Grillparzer war so recht ein Wahrzeichen Wien’s, gleichsam sein Palladium. Und er hielt sich auch wie in einem Tabernakel in seiner bescheidenen, hochgelegenen Wohnung, und mancher Mekkapilger musste unverrichteter Sache abziehen von der i’hiire der Kaaba, denn der unsterbliche Greis war ein Freund der Stille, gleichsam um das Geflüster der Musen besser zu hören. Hebbel war anderen Sinnes, obwohl die Wirkung bei ihm dieselbe war. Die Welt störte ihn gleichsam, weil er sie nicht liebte, weil er verbittert war und misstrauisch in seinem Innern. Er hielt die Menschen für feindlich, weil er schwarzsehend war und leicht verstimmt wurde durch seine eigenen Gedanken. Friedrich Halm lebte dagegen in und mit der Welt — freilich nur mit der grossen. Dieser innige Dichter hatte den seltsamen lloehmuth des kleinen Adels, welcher sich in die höheren Sphären einschmuggelt und glücklich ist, wenn er wieder ein Antichanibre hinter sich hat. Dazu gesellte sich ihm der noch seltsamere lloehmuth der Bureau- kratie, welcher wirklich und wahrhaftig auf einen leeren Titel, auf einen Kanzleirang, auf (‘ine noch so kleine Beförderung etwas gibt, nachdem man eine Griseldis und einen Sohn der Wildniss geschrieben hat! — Hneniuiokli-oh war zuletzt seine Stellung zu Laube, welch’ Letzterer überhaupt die Schwäche hat, jedem geistig 99 gewaltigeren Poeten den Beifall des Publicmns nicht neidlos zu gönnen, obwohl es ihm doch selber daran nicht mangelt. Das Yerhältniss Laube’s zu Hebbel und Halm hat seiner Popularität bei dem parteilosen Wiener gewaltigen Eintrag gethan. Jetzt sind die Beiden todt und Laube ist allein der Vertreter der buchreiten tragischen Muse. Es dürfte ihm jetzt leicht sein, die kleinen Schwächen seines Characters in den Hintergrund treten zu lassen, seine dramaturgischen Polemiken vergessen zu machen und wieder blos einer der vorzüglichsten dramatischen Dichter von Deutschland zu sein. Laube ist in der That jetzt der bedeutendste Vertreter der edleren Literatur in Wien — oder ich sollte vielmehr sagen, er ist der einzige Vertreter der bedeutenderen Literatur — neben Dingelstedt. Man würde sagen müssen nach Dingelstedt, wenn dieser nicht das Poetenhandwerk, dessen genialer Altgeselle er schon war, an den Nagel gehängt hätte, um ganz und gar Minister zu werden. Er ist wohl nicht Minister im eigentlichen Sinne des Wortes, aber Jedermann wird dieses Wort passend linden; denn die Stellung, welche Dingelstedt sich selber geschallen hat, die Art und Weise wie er mit der Welt verkehrt, das Exclusive und Gönnerhafte, welches in seinem Wesen ist, kann man am treffendsten mit dem Worte ministerhaft bezeichnen. Und wenn der Dichter Laube den Tik hat, durchaus Theater-Director sein zu wollen, wie der arme selige Graf Hahn, so hat der Dichter Dingelstedt hin wiederum den Tik, durchaus Holzimmerluft zu athmen. Seine Muse ist darüber siech geworden und gestorben, seine schön klingende Laier ist verstummt, ln der That sind unsere beiden besten Poeten nur mehr als ihre eigenen Schatten zu betrachten, nach ihrer Vergangenheit zu beurtheilen, und in der liegenwart als Monomanen zu bedauern. Wo sind die Zeiten, da Dingelstedt sein wunderbar schönes Gedicht ,, Roman“ schrieb und seine wahrhaft klassischen Muster- Novellen? Diese Novellen sind an Sprache und Styl das Blendendste und Reifste was die gesummte deutsche Literatur aufzuweisen hat. 7 * 100 Dingelstedt ist der Graf Platen der Novelle. Jedes Wort flimmert und glänzt da wie ein geschliffener Edelstein. Man könnte weinen um einen solchen Genius, der von der falschen Ehrsucht eines kleinen Praktikanten befallen wurde, und an dieser Schwäche rettungslos zu Grunde ging und verstummte. Wer dankt dem » Dingelstedt eine gelungene SeenirungV Und wie würde man ihm dankbar sein für einen Band neuer Novellen! — Diese beiden Celebritäten, so mitten aus dem norddeutschen Elemente emporblühend, sind mitten in der speciflseh Wiener Literaturwelt allzu sehr self-inademen, um in dieses typische Wiener Literaturleben eingereiht werden zu können, sie „götheln“ zu sehr. Einer der beliebtesten Bühnendichter Wien’s ist Mosenthal. Er nimmt in der Literatur eine gleichsam schwankende Stellung ein: sein Beuome, sein Prestige ändern sich mit dem jeweiligen Erfolg seiner Stücke. Nach der Deborah hiess er „unser Schiller“, nach der Marina * nannte man ihn einen männlichen Birehpfeifler. Ich glaube, das Rechte liegt so ziemlich in der Mitte. Mosenthal schreibt nur für die Bühne, und dass er hier Echtes und Gediegenes leistet, das beweist schon der enorme, riesige Erfolg, den seine Deborah (Leah) in zwei Welttheilen errungen hat; und wenn er dem Effect huldigt, so liegt dies in der Natur der Sache; wer für den Schauspieler schreibt, darf die Tirade nicht verachten. Bauernfeld ist ein Wahrzeichen Wien’s. Er ist der Matador des österreichischen Lustspiels, welches sich das Ausland erobert hat. Er ist der Kotzebuc Wien’s aber im veredelten Sinne des Wortes. Jede seiner Comödien ist ein herzinniges Lächeln. Weil (Mi ist ein Mosenthal, welcher nach aufwärts ringt. Er iing damit an, dass er Biilmeneffecte dichterisch entschuldigte. . Aber ihm ist das gedruckte Buch auch im Sinne; und er hat noch eine schöne Zukunft vor sich. Seidl ist ein Urtypus der Wiener, welcher sich nur zu spät verkörpert hat. Er ist die schalkhafte Volksmuse, welche leider von der Cancan-Literatur überschrieen wurde. — 101 — Von echten lyrischen und epischen* Poeten hat Wien nur Anastasius Grün aufzuweisen, der noch dazu meistens auswärts lebt und seit seinen „Spaziergängen eines Wiener Poeten“ sich seine Inspirationen nicht mehr aus der Kaiserstadt geholt hat. Grün ist ein guter College und Kamerad für die Schriftsteller besserer Sorte, ohne aber dabei den Weltmann aufzugeben-, er spricht wohl die Sprache des Handwerks, ohne aber in dessen Jargon zu verfallen. Einer der liebenswürdigsten Dichter als Schriftsteller und als Mensch ist A. SiIberstein, der gemüthreiche Verfasser der „Dorfschwalben aus Oesterreich.“ Er malt fein und frisch zugleich; sein Styl ist gleichsam thauig. Sigmund Schlesinger, der geistreiche Comödienschreiber, gehört durch seine Theaterstücke ebenfalls noch der Elite der Wiener Literatur an, obwohl er in der letzten Zeit überwiegend Feuilletonist war. Eine eigenartige Stellung nehmen zwischen unseren Dichtern die beiden Dichterinnen Betti Paoli und Ada Christen ein. Beide so verschieden in ihren Dichtungen, sind es auch in ihrem Leben. Betti Paoli, fast menschenscheu und einsiedlerisch, hat etwas Nonnenhaft-Sanftes in ihrer stillen Weise. Frau Ada Christen, die Sängerin der düster ergreifenden Magdalenenlieder, ist in Wirklichkeit das glücklichste und fröhlichste Gemütli, die sorgsamste Hausfrau, die liebenswürdigste Gastfreundin. Ihr Lachen ist ebenso silberklar wie ihr Blick. Von Bedeutung als glückliche und lebhafte Beobachterin der Natur ist Aglaja von Enderes. Ihre reizvollen Schilderungen aus dem Thierlcben sind Idyllen, die aber für jeden Naturfreund durch die genaue Kenntniss des Wesens der Tliiere einen mehr als unterhaltenden Genuss bieten. Gräfin Marie von Wickenburg und Baronin Marie Ebner-Eschenbach haben als feinfühlende, formgewandte Dichterinnen auch ausserhalb Oesterreichs viele Verehrer gefunden. 102 Lodoitha von Bhim ('Ernst Waldowi, die Verfasserin de r „schwarzen Käthe“, vertritt bei uns das frische, von amerikanischer Luft angewehte Vorwärtsthum in der Frauenstellung, im Vereine mit der tiefempfindenden Frau Döliler (Neuber), welche ich den weiblichen Elihn Burritt nennen möchte: die Friedenstaube. * Die Zahl der Wiener Schriftstellerinnen ist, wie man sieht, verschwindend klein. Aber die Qualität überwiegt entschieden hier die Quantität. Eine Specialität von Wien (wie einst Bäuerle), ein Schriftsteller, ohne den sich die Kaiserstadt kaum mehr denken lässt, der'mit ihrem Treiben, ihren Schwächen und ihren Tugenden auf’s allerintimste bekannt und mit ihnen eng verwachsen ist, ist Anton Langer, der weitbekannte und allgeliebte llans Jörgei. Langer ist auch eine echte Wiener Figur: behäbig, ein bischen Feinschmecker, fidel, ehrlich, leicht ereifert und gutherzig — ein Ehrenmann. Eine zweite bekannteste und oft genannteste specielle Wiener * Celebrität ist 0. F. Berg (Ebersberg), der ebenso populär geworden ist durch seine drastischen Volksstücke, wie durch seinen Kikeriki. Wenn seine Volksstücke auch ebenso wie die Anton Langer’s vorübergehenden literarischen Werth besitzen, so verstehen es doch Beide, stets den richtigen Ton zu treffen, der den Wienern zu Herzen geht. Was diesen Volksstücken leider an Tiefe und Ideengehalt abgeht, ersetzen sie durch effectvolle Scenen und lustige, echt wienerische „Schlager“. Was die Wiener journalistischen Schriftsteller betrifft, so ist leider zu bedauern, dass unter ihnen nicht jenes frohsinnige Einvernehmen herrscht, wie dies in den norddeutschen. Städten der Fall ist. Der Grund dazu ist wohl leicht einzusehen, aber das benimmt * ihm nichts von seiner Traurigkeit. In keinem Lande der Welt gibt es so vielen Grund zu schroffen Parteiungen, und in keinem gibt es auch so viele schroffe Parteien, wie in Oesterreich und wie speciell in Wien, dem Meeresbecken aller Strömungen des Kaiserstaates. 103 Vor allem stehen sich da die Nationalitäten entgegen, und jede Nationalität hat ihre Journale und ihre publicistischen Vertreter. Nun hat aber jede Nationalität wiederum ihre politischen Parteien und diese ihre Organe. Neben diesen Zerwürfnissen stehen sich in keinem andern Lande die Klerikalen und Liberalen so kampfgerüstet gegenüber, wie eben in Oesterreich. Jedes Landstädtchen hat hier sein klerikales und sein liberales Blatt, deren Redacteure sich gegenseitig anknurren. Bei diesen Umständen ist es wohl natürlich, dass von einem Zusammenwirken und Zusammenleben der Journalisten Wien’s keine Rede sein kann; da hat jede Partei ihr Stammgasthaus, ihre Fahne, ihr Theater möchte ich sagen, und es gibt nichts schemenhafteres und unerquicklicheres, als den Schriftstellerverein „Concordia“, der nur bei seinen Bällen (auf welchen Banquiers, hochgestellte Beamten und Schauspielerinnen die erste Rolle spielen) ein einträchtiges Gesicht macht. Wenn auch in andern Städten ebenfalls Parteiungen bestehen, so reichen doch diese nicht über die gedruckten Polemiken hinaus, und das gesellschaftliche Leben vereinigt die prinzipiellen Gegner in jeder fröhlichen Gesellschaft. Sollten wir diese in Wien eigenthümliche Erscheinung beklagen? Gewiss nicht, so unangenehm auch zartbesaitete, lyrisch empfindende Gemiither von ihr berührt sein mögen. Das politische Leben in Wien ist noch in der Gährung begriffen, die Gestaltungen ringen sich eben erst aus dem Chaos, aus der rudis indigestaque modes der politischen Materie empor und es ist wohl ganz natürlich, dass in dem Kampfe um das Dasein die Parteien und Parteischriftsteller über die Sache hinausgehen und den Personen gegenseitig die Pfeile schleudern, die nur für den Prinzipienkampf geschliffen sein sollten. Trotzdem müssen wir anerkennen, dass eine grosse Summe von Talent und Kenntnissen in der Wiener Puhlieistik vereinigt ist. Freilich flechten weder Gegenwart, noch Nachwelt dem Publi- cisten Lorbeerkränze. Das heissliungrige Publicum der Tagesblätter 104 verlangt täglich ein Brillantfeuerwerk geistreicher Ideen, witzige Einfälle, zündender Gedanken; mehr als anderweits hat man sich daran gewöhnt, in den Journalen vorzugsweise nach Unterhaltung, weniger nach Aufklärung zu suchen, des Mannes aber, der im liedactions - Bureau alle Kräfte seines Geistes, die Summe umfassenden Wissens auf einen Punkt concentriren muss, um mit epigrammatische; Kürze die Frage des Tages zu skizziren und um der Masse des Volkes — vorzudenken, erinnert sich der Leser wohl kaum, wenn er sein Lieblingsblatt durchflogen. Und nun gar die sogenannten „Gebildeten“, die sogenannte „gute Gesellschaft“, die ihren ganzen Gedankenvorrath, ihren ganzen geistigen Fond, mit welchem sie tagsüber wirthschaftet und geistreichelt, aus den Zeitungen bezieht, die „elegante Welt“, deren geistige Heimat die Sumpfniederung ist, und die vermöge elementaren Zwanges verhindert ist, zu den Gletscherfirnen des Gedankens emporzusteigen, zu jenen idealen Höhen, zu denen das Getöse des Marktes und der Leidenschaften nicht emporhallt, hoc genus omne, was die Logen der Theater, die Concertsäle und die Salons füllt, entnimmt ebenfalls seinen Bedarf aus dem Gedankenkleinverschleiss, aus der Ideengreisslerei der Zeitungen, ohne der vorhergegangenen Gedanken • arbeit des Journalisten zu gedenken. Wenn wir aus der journalistischen Welt Wien's unseren Lesern nun einige Charakterköpfe auf das Papier zeichnen, so wollen wir damit weder Gunst noch Ungunst walten lassen und eben so w r enig wollen wir sagen, dass die, welche zu nennen wir unterlassen, der Erwähnung nicht wertli gewesen wären. Von den Journalisten des politischen Faches nennen wir zunächst Ignaz Kuranda. Er gehört noch dem vormärzlichen Oesterreich an, und jetzt, als Veteran, greift er wohl selten nur noch zur Feder, die einst so schlagfertig in dem „Grenzboten“, so einflussreich in der „Ostdeutschen Post“ dominirte. Kuranda hat das Verständniss gehabt, zur rechten Zeit, bevor er sich überlebte, sich von der Journalistik zurückzuziehen. Jetzt ist er alt, müde und — reich. 105 In voller Kraft stellt dagegen noch Lecher, der Chcfredacteur der alten „Presse“, ein Talent und ein Charakter, während seine Vorgänger Zang und Dr. 1)reger längst Verwaltnngsräthe geworden und der Journalistik für immer Valet gesagt haben. Michael Etienne, der Freund und College des verstorbenen Max Friedländer, nimmt eine eigenartige Stellung ein. Er steht den verwickelten österreichischen Verhältnissen gänzlich fremd gegenüber, während er die Fragen der auswärtigen Politik in grossartiger und geistreicher Auffassung zu behandeln weiss. Eine frische Kraft ist Dr. Pickert, der von Prag nach Wien iibersiedelte, zugleich Parteiführer der sogenannten „Jungen“ im Reichsrath, gleich schlagfertig in Wort und Schrift. , Karl Ho ff mann ist wohl ein zu weiches Gemütli, um ein schneidiger, politischer Schriftsteller zu sein, Theodor Hemsen ist ein Meister des glatten, gefeilten Styl’s, aber vielleicht gerade desslialb lassen seine Leitartikel die Leser kalt und in M. Sceps scheint allmählig der Börsenmann den talentvollen Journalisten erdrückt zu haben. Drei Journalisten, von grossem Einfluss auf locale Fragen Wien’s sind Dr. Julius Hirsch, Heinrich Beschauer und Schöffel. Dr. Julius Hirsch ist ein kenntnissreicher, scharf beobachtender Nationalökonom, der mit unerbittlicher Logik und schneidender Schärfe gegen verrottete wirthschaftliehe Missstände in Wort und Schrift aufgetreten. Ihm verdankt Wien in erster Linie die Ermässigung der Eisenbahntarife, namentlich für Kohlen und Lebensmittel, die Ermässigung der Gaspreise, die Gründung eines Asyls für Obdachlose und schliesslich ist seiner fortgesetzten geschickten Agitation das endliche Zustandekommen der Wiener Weltausstellung besonders zuzuschreiben. Heinrich Beschauer ist eine Autorität in allen Fragen der Gemeindeverwaltung Wieifs, ein energischer Vertreter des Fortschritts im communalen Leben und in neuerer Zeit hat er durch praktische Vorschläge zur Lösung der in Wien herrschenden Wohnungsnot!! bewiesen, dass er ein Mann 106 von Scharfblick und Umsicht ist. Die Ausführung seiner Vorschläge (Gründung eines neuen Stadtthcils in Kaiser-Ebersdorf) ist nur noch eine Frage der Zeit. Schöffel erwarb sich diuch seine rücksichtslose Kritik der in dein sogenannten „Wiener Wald“ herrschenden irrationellen, für Wien's Klima und für die Fruchtbarkeit der Umgebung Wien's höchst gefährlichen Forstwirtschaft, bleibende Verdienste. Er ist ein Mann von unerschrockener Ehrlichkeit und characteristischer Derbheit des Ausdrucks. Der nationalökonomische Theil der Wiener Blätter ist aus Gründen, die wir weiter unten erörtern, fast durchwegs unbedeutend. Wir nennen Josef Xcuwirth, als einen auf diesem Gebiet über das Niveau des gewöhnlichen hervorragenden Schriftsteller und Professor Sommerfeld, den Redacteur des „Oeconomist“, einen zwar etwas wunderlichen Heiligen, dem aber seine entschiedensten Gegner grosse Gelehrsamkeit und vollste Unabhängigkeit und Ehrenhaftigkeit des Characters nicht absprechen können. Das Feuilleton wird in Wien mit mehr Eifer, als Talent gepflegt. Von bedeutenderem literarischen Werth sind Spitzer's „Wiener Spaziergänge“ (Deutsche Zeitung), Cabinetsstücke feiner geistsprudelnder Darstellung. Boczek, der unter dem Namen Tim-Trimm und „Frank“ schreibt, versteht es ebenfalls, die Fragen des Tages in geistreichen, eleganten Plaudereien zu behandeln. Ebenso Sigmund Schlesinger, dessen wir bereits unter den Lustspieldichtern Wien's gedachten. Von derbwitziger Komik ist J. J. lv. (Krassnigg), wenngleich seine Darstellung wohl nicht immer salonfähig ist. Im Uebrigen hat fast jedes Blatt seinen Wochenplauderer, von denen jedoch leider die meisten mehr Behagen als Geist entwickeln. Es gibt leider in Wien sehr viele Leute, welche glauben, dass, weil ihnen die Kenntnisse und Fähigkeiten fehlen, politische oder national-öconomisehe Artikel zu schreiben, sie berufen seien, das Lesepublicum mit geistlosem Tratsch aus den Kreisen der Theater-' damen, der Finanz-Arist-ocratie und der Dcmimonde zu unterhalten. Man staunt, in sonst nicht schlecht redigirten Wiener Blättern * Feuilletons über Toiletten, scandalöse Liebesaffairen u. dergl. mehr zu finden und wundert sich, dass es Schriftsteller gibt-, welche nicht nur derlei Dingen ihre Zeit und Mühe opfern, sondern sogar so eitel sind, ihre Namen unter derlei geschmacklose Tratschereien zu setzen. Auch die Theaterkritik leidet darunter, dass jeder berufen zu sein glaubt, aesthetische Urtheile zu fällen. Man glaubt, wie es scheint, es gehöre zu einem kunstverständigen Kritiker nur der Besuch des Parterres und die Liaison mit einer Schauspielerin. So ist leider allmählig die ganze Theaterkritik eine rein persönliche, durchaus nicht sachliche geworden, und die wenigen gründlich ästhetisch gebildeten Schriftsteller fühlen sich angewidert, das Wort zu ergreifen, während Unkenntniss und Unfähigkeit durch ihr zudringliches Geschrei dominiren. l)r. Emil Kuh, der übrigens jetzt meist ausserhalb Wien’s lebt, und Ludwig- Speidel haben als Kritiker sich bedeutenden Ruf erworben, auch ausserhalb Oesterreich. Beide sind Männer von umfassender und gründlicher Bildung und gewiegtem, richtigem Urtheile. Kuh’s Leistungen als Essayist gehören der Literaturgeschichte an. Von Musikreferenten besitzt Wien in Hanslick und Schelle zwei Kräfte von europäischem Ruf, denen Ambros sich würdig zur Seite stellt. Ambros beschränkt seine Thätigkeit nicht allein auf die Musik, er ist auch ein schwer gelehrter Kunstverständiger auf dem Gebiet der Malerei, der Sculptur und Architektur. Die Entwicklung der österreichischen, speciell der wienerischen Zeitungspresse zur bedeutenden, weit über die Grenzen Oesterreichs hinaus Einfluss ausübenden Macht datirt erst seit dem Jahre 1848. Vor dem Jahre 1848 waren die amtliche „Wiener Zeitung 14 und Bäuerle's „Theaterzeitung“ die einzigen Organe, welche einige Beachtung verdienten. Zang mit der von ihm gegründeten „Presse“ war es, der in der Entwicklung des österreichischen Zeitungswesens Epoche machte. Er drückte mit seiner „Presse“ den österreichischen Zeitungen ihren eigenthümlichen Charakter auf, der sie noch heute von allen andern deutschen Blättern specitisch unterscheidet. Sollen wir diesen Charakter 108 schildern, so müssen wir sagen, dass er ein überwiegend subjec- tiver ist. Die kalte nüchterne Objectivität, welche in den Spalten der „Times“, der „Augsburger Allgemeinen“, der „Kölnischen“ und in fast allen grossen norddeutschen Journalen jede politische Frage mit der Kühe des secirenden Anatomen behandelt, fehlt der Österreichischen Presse gänzlich. So wie das österreichische Volk seine Politik mehr mit dem Herzen als mit dem Kopfe macht, so folgen die österreichischen Zeitungen spontan den momentanen Eingebungen des bewegten öffentlichen Gefühls. Verlange Niemand in bewegten Zeiten von den österreichischen Journalen ruhige nüchterne Besprechung der brennenden Fragen; die Art, wie z. B. während der Jahre 1864, 1866 und 1870 die sännntlichen norddeutschen Blätter „kühl bis in das Herz hinein“ kritisch die Fragen, welche den ganzen Erdtheil erregten, erörterten, ist in der österreichischen Presse unmöglich und dürfte im Volk auch kaum Anklang finden. Diese subjective Art und Weise der Österreichischen Presse möchten wir nicht beklagen, im Gegentheil, wir finden, dass, wenn dieselbe auch des prikelnden Reizes entbehrt, sie doch dem Inhalt der Journale eine anziehende, lebhafte Frische verleiht. Freilich schlägt dieses bewegte Empfinden bei kleineren Blättern leicht in wahrhaft köstliche Naivität um, die uns fast zu dem Glauben verleitet, Plaudereien politischer Kinder vor uns zu haben. Andererseits aber glauben wir die eigenthümliche Haltung des national-ökonomischen Theiles der meisten Journale auf diese Subjectivität ebenfalls zurückführen zu müssen. Die Wiener Journale besprechen Actien- gesellschaften, Börsenoperationen u. s. w. in ihrem sogenannten national-ökonomischen Theil von einem Standpunkt aus, der lediglich privatökonomisch genannt werden muss, aus jeder Zeile leuchtet das persönliche Interesse pro oder contra des Journaleigenthümers heraus, und diese Erscheinung mag wohl dazu beigetragen haben, die Wiener Presse in den Ruf der Corruption zu bringen. Wenngleich wir die Existenz dieser Corruption weder bestreiten können, noch bestreiten wollen, so dürfen wir wohl behaupten, dass gerade auf diesem Gebiete die Wiener Zeitungspresse besser ist als ihr Ruf. 109 — Die alte, von Zang gegründete „Presse“, welche fast allen später gegründeten Blättern /nun Vorbild diente, hat im Laufe der Zeit viel von ihrem einstigen Glanz und Einfluss eingebiisst. Vertreterin des österreichischen Centralismus ist sie noch heute, wenn auch nicht so schroff wie zu Zeiten Zang’s, und ihr gemässigter Liberalismus bringt sie in den Verdacht, halb oder ganz ofliciöses Blatt der Legierung zu sein. Das bedeutendste Blatt Wien’s, unbedingt ein Weltblatt im eigentlichen .Sinne des Wortes ist die „Neue Freie Presse“. Sie hat leider durch den Tod Dr. Max Friedländer’s einen unersetzlichen Verlust erlitten, der namentlich neuerdings in dem fühlbar werdenden Mangel an redactionellen Takt und in der Auswahl des Stoffes zu 'Page tritt. Ausgezeichnet sind die vielen Verbindungen des Blattes nach auswärts, wodurch es in den Stand gesetzt ist, stets die neuesten und zuverlässigsten Nachrichten zu haben, sehr gut und geschickt redigirt ist das Feuilleton, dagegen bedeutungslos der national ökonomische Theil, seitdem der Einfluss der Unionbank, der Besitzerin des grössten Theiles der Actien der Neuen Freien Presse, sich zu sehr geltend macht. Casimir d. h. Baron Gustav von Heine - Geldern lässt sein altes „Fremdenblatt“ genau noch in der alten harmlosen, wie es scheint, mehr für die Cafeschwestern als für ein politisches Publikum berechneten Weise redigiren, wie vor zwanzig und dreissig Jahren, und — par nobile frntum - - es existirt auch das „Neue Fremdenblatt“, welches genau ebenso redigirt ist, nur dadurch sich unterscheidend, dass es stets das Gegentheil von dem behauptet und vertheidigt, was das alte Fremdenblatt vertritt. Petrefacte einer vergangenen Bildungsperiode! Zwar nicht das bedeutendste, wohl aber vielleicht das einflussreichste Blatt Wien’s ist das „Neue Wiener Tagblatt“. Es ist das Organ der Börsencoulisse und des demokratischen Wiener Kleinbürgerthums und theilt alle Vorzüge und Schwächen dieser beiden Klassen, ln Börsenangelegenheiten gut unterrichtet, besitzt es auch das dem Börsenpublikum eigenthümliche feine • — 110 — Ahnungsvermögen in politischen Dingen, wobei es dann in seinen sensationellen Nachrichten und Bearbeitungen selbstverständlich in die bei der Börse herrschende Uebertreibung verfällt. Ein anderes Organ des Kleinbürgerthums ist die „Vorstadt-Zeitung“, ein ehrliches, überzeugungstreues Blatt, dessen Herausgeber der Gemeinde- ratli Eduard Hügel ist. Die Vorstadt-Zeitung vertritt mit ruhiger Entschiedenheit den demokratischen Standpunkt, und in neuerer Zeit hat sie sich zum Anwalt und Organe des Altkatholicismus gemacht. Zu bedauern ist, dass das Feuilleton des wackeren Blattes absolut talentlos redigirt wird und fast nur Unbedeutendes enthält. Die „Deutsche Zeitung“ ist das Organ der national- deutschen Partei, welche eine innige Allianz zwischen Deutschland und Oesterreich anstrebt. Im Österreichischen Reichsrath führt diese Partei den Namen „die Jungen“. Die Deutsche Zeitung gebietet über ausgezeichnete politische und feuilletonistische Kräfte, namentlich sind gediegene auswärtige Schriftsteller, wie Adolph Stahl-, Alfred Meissner, Robert Byr u. v. Andere mit dem Blatt als ständige Mitarbeiter in Verbindung, trotzdem aber leidet die Redaction des Blattes noch an vielen Mängeln. Es fehlt da an der journalistischen Mache und es ist das umsomehr zu beklagen, als das politische Programm des Blattes, dessen Durchführung eine Lebensfrage für Oesterreich ist, in diesem Augenblick noch viele Gegner besitzt, so dass die Propaganda durch ein sehr gut redigirtes Blatt sein- erwünscht wäre. Die politische Antipode der „Deutschen Zeitung“ ist die „Tagespresse“. Es ist dieselbe ein absolut deutschfeindliches Blatt, welches namentlich während des deutsch-französischen Krieges den französischen .Standpunkt mit leidenschaftlicher Erbitterung vertrat. Die „Tagespresse“ ist mit grossem Talent redigirt und da die französische Partei in Deutschland, Pari Vogt, Kolb, Temiue u. A. sie ebenfalls als ihr Organ betrachten, so ist sie immerhin eine beachtenswerte Erscheinung in der Tagesliteratur. Zu bedauern ist nur, dass die Rtdactinn zuweilen in dem Blatt ihren Mit- 111 arbeitern eine »Sprache gestattet, welche selbst in halbgebildeten Kreisen unter keinen Umständen geduldet werden dürfte. Von mehr wienerischen Standpunkt aus secundirt der „Tagespresse“ das illustrirte „Extrablatt“ des dramatischen Dichters 0. F. Berg. Vorwiegend allerdings eultivirt das Blatt das Theater und die lokalen Ereignisse und dürfte der Gemeinderath die mit attischem Salze gewürzten Berichte in demselben zuweilen etwas unangenehm finden. Die beigegebenen Illustrationen dürften für ein sehr nachsichtiges und anspruchsloses Publikum berechnet sein. Das „Journal des Etrangers“ ist ein Blatt, welches Anfangs einen schweren Stand hatte, da es Alles, was speciell Wien betraf, im fremden Idiome geben musste. Für die Fremden war es daher eine Wohlthat, aber dass es sich auch unter den Wienern einen eifrigen Leserkreis schuf, ist ein Beweis seiner Vorzüglichkeit. Der „Wanderer“ einst durch lange Jahre hindurch ein wegen seiner grossen Unabhängigkeit hoch geachtetes Blatt hat in neuerer Zeit mehrmals den Besitzer gewechselt und mit jedem Besitzwechsel war auch eine Aenderung seiner politischen Farbe verknüpft. Gegenwärtig vertritt es den Föderalismus. Ultra-clerical und feudal ist das „Vaterland“, clerical und centrälistiseh der „Volksfreund“, der leider, nachdem er 10 Jahre lang geistvoll und mit grossem Takt von J. Pia redigirt wurde und als gut unter richtetes Organ des gelehrten und geistreichen Fürst-Erzbischofs in Wien, Cardinal Kauscher, galt, in der letzten Zeit den bekannten Consistorialrath Wiesinger zum Kedaeteur erhielt und seitdem von diesem in fanatischer und anwidernder Weise redigirt wird. Von bedeutenden Wochenblättern nennen wir Warrens’Wochenschrift, die freilich seit dem Tode ihres Stifters viel an ihrem Prestige eingebiisst hat, llerzog's „Montags-Kevue“, die stets sehr genau informirt ist, und Scharf’s „Sonn- und Montagszeitung“. Die ebenfalls von Scharf herausgegebene, von Dr. Angerstein mit Umsicht und Kenntnis» redigirte „Wiener Börsenzeitung“, »Sommer- leld’s „Oeeonomist“ und Trebitsch’s „Handelszeitung“ dürften als die besten n^tional-öconomischen Fachblätter zu bezeichnen sein. 112 An Witzblättern Hat Wien keinen Mangel. Bcrg’s „Kikeriki“ und Sitter’s „Figaro“, als die beiden ältesten Blätter dieses Genres, erfreuen sieh der grössten Verbreitung. Sie sind die klassisehen Vertreter des mehr harmlosen als scharfen Wiener Witzes. Nach Art des Pariser „.Journal amüsant“ sind der „Floh“ und die „Bombe“ redigirt. Der erstere cultivirt vorwiegend Carricaturen der speci tisch wienerischen Typen (Bezirksberger, Studiosus Buhns u. s. w.), während die „Bombe“, vielleicht mehr als es sieh mit dem guten Geschmack verträgt, der Demi munde ihre Aufmerksamkeit schenkt. Eine wienerische Specialität ist Langer’s „Hans-Jörgel“, eine Art gemiithlicher Velime, welche im wienerischen Dialekt die Schwächen und Fehler von Stadt und Land rügt und für Aufklärung und Verbreitung gesunder Ansichten sehr verdienstvoll gewirkt hat, wenn auch jetzt die Zeit bereits den Hans-Jörgel längst überholte. Sonst erscheinen noch für alle Fächer der menschlichen Thätigkeit besondere Fachblätter, welche alle aufzuführen, unsern Raum weit überschreiten würde. Die Musik selber tindet in Wien ihre wahre eigenthümliche Heimat. London versammelt wohl grossartige Kräfte in Production und Darstellung, Paris macht so zu sagen die Mode, aber Wien hat alte musikheilige Häuser und alte historische Winkel, welche immer wieder den Musiker, den Sänger anziehen, und in deren Atmosphäre immer wieder neue Inspirationen entstehen und echte junge Kräfte sich entfalten. Die Leiter und Lenker der Wiener Musikphasen, Musikrichtungen und Musikleistungen sind wohl die Herren Herbeck, Hel 1 mesberger und in anderem Genre die Brüder Strauss. Herbeck, vorzüglich als Dirigent, von reinstem musikalischem Geschmaeke, und ein gründlicher Kenner aller äussern Toneffecte sowohl wie alles inneren Werthes des Musikstückes, ist eine kostbare Specialität. Hell mesberger ist ebenso musikgelebrt, aber selber mehr Artist; voll Schwärmerei für die Kunst, voll inniger echtester Begeisterung für jedes innige, echte Tonwerk. 113 Die beiden (man möchte noch immer sagen die drei!) Brüder Strauss sind ebenfalls eine Specialität Wien’s. Keine andere Residenz der Welt hat einen so populären Compositeur und Virtuosen in Einer Person aufzuweisen, wie Wien in Johann Strauss. Seine Walzer schmeicheln sich überall in jedes Herz, in alle Seelen; er ist erheiternd und universell wie guter Wein. Was Musard speciell für Paris war, ist Johann Strauss für die ganze Welt. Es gibt nichts Verführerischeres als seine Melodien, nichts Ilinreisseiuleres als seine Tänze. Viel trägt auch zu dem Lustre seiner persönlich dirigirten Conccrte die bestechende interessante Persönlichkeit des Compositeurs selber bei. Nach ihm ist Ziehrer der beliebteste Kapellmeister, wie denn überhaupt Wien überreich ist an vorzüglichen, mustergiltigen Regimentskapellen, von welchen Hess und die Deutschmeister obenan stehen. Unter den Musikgrössen darf man Suppe nicht vergessen, den liebenswürdigen Tondichter und prächtigen Dirigenten. Auch das weltberühmte Florentiner - Quartett Backer’s muss man unter den musikalischen Merkwürdigkeiten Wien’s anführen, da es docli eigentlich hier sein wahres Zuhause uüd die Wiege seines Ruhmes hat. An fernere Virtuosen, die entweder durch ihre Herkunft oder durch längeren, bleibenden Aufenthalt mit der Wiener Tonkunst untrennbar verwachsen sind, möchte ich den Cellisten Popper, die liebliche Sophie Menter, die Pianistin; Frau A u s p i t z - K o 1 a r und die weitrenommirten Gesangslehrerinnen Passy-Kornet und Roch holz - Fa lkoni nennen. Die Wiener Oper hat ihre Glanzperiode schon hinter sich. So schöne Kräfte*sic auch aufzuweisen haben mag, sie hat nimmer wieder die frühere Höhe erreicht wie zu den Zeiten Standigl's, Wild’s, der Jjiitzcr, der II einfetter, der Schodel, der Zeer, der Schwarz, der Ney, der Wildauer, der Ozillag, der Stegers, Erls, Anders etc. Die Zeit der mustergiltigen Wiener Oper ist vorüber; denn an klassischen Sängern besitzt es zur Zeit nur noch zwei: Beck 8 ? JSsSL 7 m nml Frau Dustmnnn. Beck, den .Sänger mit der wuchtigen, metallenen Stimme, mit dem durchdringenden (leiste und der ge waltigen Gestaltungskraft, und Frau Dustmann, die letzte Vertreterin jener erhabenen deutschen Schule, welche von Anna Milder auf die S eh rüder-Devri ent überging, und in der Yiardot-Garcia, der Jo hau na Wagner und Louise Lust mann zu versiegen scheint; denn weder die Lucca noch die Maliinger gehören mehr dieser reinen, helldurchgeistigten, innigen Schule an. Wenn aber auch die Wiener Oper keine der ersten Opern institute mehr ist an klassischen Kräften, Ensemble und Mustergiltigkeit, so gebietet sie immerhin über bedeutende Künstler. Oa ist vor allem z. B. Frau AVilt mit einer Prachtstimme und Pracht schule. Ein Biesenorgan, stark und geschmeidig zugleich, welches sich allen Anforderungen der heterogensten Bollen fügt und- eben so perlend in den Fiorituren, wie grossartig im portamento. Ihre Hauptrollen sind die Norma, Lucrezia Borgia, Bertha im Propheten, Alice im Bobert. Fräulein Minnie Hank ist eine wahrhaft reizende, jugendliche Erscheinung und verbindet mit einem Schalkhaften und herzigen Spiele eine grosse Geläufigkeit der Kehle. (Gretehen, Susanna, Zerline, Angela). Fräulein Ehnn ist eine noch junge Sängerin mit grossen Mitteln und grossem Fleisse. Sie hat viel dramatisches Leben und eine schöne Zukunft. (Selika, Julia, Jüdin). Fräulein von Babatinsky hat eine reine, glatte, leichte Koloratur, kühne • Bouladen und blendende Fermatenläufe. Im Spiele ist sie etwas ^ " ' und gedankenlos. Die Königin aller Nachtigallen, die diva Murska , ist leider nicht mehr von der Faserigen; ebenso Fräulein v. Babatinsky. Der Mezzo - Sopran ist durch die Damen (Sindeie und Tremel vertreten. Fräulein Gindele ist vorzüglich in den Oontra-Alt-Soubretteii (Nancy etc.), Frl. Tremel hat grosse .Mittel, und verspricht. Unter den Herren zeichnen sich Dr. Schmidt als einer der bedeutenden Bassisten der Gegenwart aus, der einen riesigen II 14 Stimmenfond besitzt; sein College Kokitanski, weleliev seit Jahr und Tag auch antangt, das überreiche Rolnnaterial ein wenig kiinstleriseli zu ibnnen. Draxler, der Unverwüstliche, timt es noeli immer den feurigsten jugendlichen Nachfolgern gleich in seinen Forcepartien: Marcel und Kaspar. Herr (Gustav Walter, ein seltener lyrischer Tenor (obwohl er auch seit einigen Jahren noch die Partien eines Heldentenors übernimmt), ist ein feinfühlender, geistvoller Künstler mit äusserst wohlklingender Stimme und einem wunderschönen mezzavoce. Herr Rabatt, der Heldentenor, ist ein tleissiger Sänger mit tönender Stimme und stattlicher Erscheinung. Herr Müller, ein frischer, jugendlicher Tenor, passt seinen Stimmqualitäten und seiner Manier nach am besten für die italienischen Opern Verdi’s und Donizetti's. Herr Mayerhofer ist ein lustiger Papageno, Ohapelou etc., dessen drolliges Hanswurstfigiircheii ihm viel behilflich ist zum Erfolge seiner Rufipartien. Was wir vom Opernhause sagten, gilt theilweise auch vom Rurgtheater; auch seine (Glanzperiode ist im Erbleichen. Auch hier schweben die Schemen unvergesslicher Künstler rächend und unbarmherzig durch die Räume und lassen das unechtere (Gold erröthen. Oie Schröder’s, Sophie Miiller’s, Rettich’s, Pcche’s, die Anschütze, Lowe’s, Fichtner’s sind (dien unzertrennlich von den alten engen Räumen des theresianischen lloftheaters. Vielleicht dass mit dem neuen projectirten lloftheatcr die alten Vergleiche ein wenig verblassen. — Ris dahin aber wird das Rurgtheater vorherrschend in einzelnen Kräften und in einzeln prächtig gespielten Scenen glänzen. Das altberiihmte Ensemble, die Aufführungen aus Einem (Gusse, sind vorüber. Und wahrlich, es ist das nicht die Schuld der Leitung; aber dieselbe muss zu oft wechseln. Das Rurgtheater, in welches man einst nur nach vielen lviinstlerproben und nach erreichter Vollendung gelangte, muss jetzt oft zu Experimenten mit jungen Theaterschul Kräften benützt werden, aus 8 * 1 T — 1 IG — Mangel an wirklichen echten Talenten. (Die mit der eingerissenen berechnenden Theatersucht junger Damen, die sieli vor allem zeigen wollen, immer seltener und seltener werden). Daher das ewige „aller et venir“ an dem einst so ruhigen, grossartigen Institute. Wirklich pietätsvolle, echte Künstler hat das Burgtheater » nur noch eine kleine Zahl aufzuweisen. Die Uebrigen, trotz aller I Genialität und trotz aller „beaux moments“ sind schon viel zu ! sehr eomödienhaft agitirt, viel zu sehr in’s Recensentenwescn verstrickt, haben zu zahlreiche Nebenabsichten und Nebenschwächen und vor allem Eifersüchteleien, um jemals jenes klare Künstlertlmm zu erringen, welches einst dieses erste Institut Deutschlands auszeichnete und zur Musterbühne machte. An echten Künstlern hat das Institut vor allem noch Laroche. Das Alter hat diesem rüstigen Veteranen wenig an, da sein Fach, das Characterfach mehr die geistigen Vorzüge als die äusseren bedingt. Er ist noch immer unübertroffen in den klassischen Oharge’s Shakespeares, und unseren > deutschen Lustspielmatadoren. Seine tragische Meisterleistungen hat er unbegreiflicher Weise aufgegeben, obwohl der jetzige Darsteller des Cromwell, Philipp des II., des Mephisto nicht mehr physiche Mittel besitzt, als der hohe Greis. Eben sein Cromwell in den Raupach’schen Dramen und in Laube’s Montrose, ebenso sein König Philipp und sein Mephisto werden wohl dem Wiener nicht wieder ersetzt werden, ji | An Damen hat die junge Generation vorzügliche Künstlerinnen [ij aufzuweisen. Da ist vor allem Fräulein Wolter. Sie ist eine Heroine von erschütternder Kraft in den Scenen der höchsten Leidenschaft. Sie hat in jeder Rolle einen Gipfelpunkt, wo sie hinreissend wirkt durch die Gewalt ihrer Begeisterung oder ihrer Dämonie. * Man vergisst dann ganz auf die etwas kühlere Färbung in den übrigen Szenen, wo die Schauspielerin die sanftere Weiblichkeit oder die Ahnungslosigkeit zur Geltung zu bringen hätte. Aber eben diese Sehattirung in ihrem Spiele verleiht ihren Gestalten einen so unbeschreiblichen Nimbus der Wahrheit. Es spricht daraus i 117 eine so heftige, richtig fühlende Seele, dass man das stets miter- lebt, was die Künstlerin dem Dichter nachfühlt. Frau Gabi llon ist ein Unicum in der Wiedergabe weiblicher Intriguantinen. Man hat nie eine Schauspielerin gesehen, welche feiner zu höhnen und besser zu hassen versteht. Die berühmtesten sogenannten A n s t an d s dam cn , welche seit Jahren auf den deutschen Theatern agierten, waren niemals das, was Frau (iahillon ist. Sie erst hat Köllen geschaffen, die schon lange vor ihr geschrieben waren: eine Marwood in der Sarrah, Sampson, eine Pompadour, und die französichen Marquises a mouches. Sie hat ein eigenes Fach kreirt auf der deutschen Bühne: den an- muthigen, schönen, verfiihrerschcn, weiblichen Franz Moor. Nur die Pariser haben etw'as ähnliches in der Augustine Brohan, — welche aber für die energischen, deutschen Partien der Gabilion zu wenig tragische Kraft besässe. — Frau Strass m a n n , die berühmte Brunhilde Miinchen’s, Bremen’s und Leipzig'», die beste Iphigenie, die erste Thusnelda der deutschen Bühne, wird leider mit Rollen erdrückt, die einst den iitilite’s angewiesen waren. Sie hat einen schweren. Stand in Wien und in der hiesigen Journalistik keinen einzigen Freund. Eine Perle der Ilofbühne ist Fräulein Bognar. *) Die — ich möchte cs nennen „lyrische Tragik“ ist niemals keuscher, poetischer wieder gegeben worden. Die Bognar ist eine seltene Künstlerin, denn sic hat genau so viel Geist als llerz, genau so viel Noblesse als Natürlichkeit, genau so viel Anmuth als Feuer. Jede ihrer Rollen ist eine ureigenthUmliche, stets wunderbar schöne Schöpfung. Fräulein Baudius als naive und muntere Liebhaberin ist eine bedeutende Künstlerin, die in ihren Rollen ihre schönen Augen eben so vortheilhaft zu verwenden versteht, wie die Direction ihr Talent. '”) Ist inzwischen aus dem Verbände des ßurgtheaters ausgetreten. 118 Frau Mitterwurzer ist ein echt französisches Gewächs auf deutschem Boden, sie ist spiritiuell wie eine Marquise de la regence: die frivolen Rollen sind auch ihre Gelungensten. Frau Hart mann ist sehr lieb, naiv, sie ist so herzig wahr, dass man bei ihr stets an ein Frühlingsliiftehen erinnert wird, welches die mürrischste und starrste Schneekruste zu schmelzen versteht. Fräulein Kratz sehr degagirt naiv. Die Erste ganz Kotzebue'sche „jeune premiere,“ die Letztere Benedix’sehe Zofe. Fräulein Preclieisen hat viel Talent. Frau Haitzinger, die heute 73 Jahre zählt, ist als Künstlerin ein Unicum. Geist und Anrnuth haben bei ihr die höchste Stufe der Bildung erreicht und sind ihre Matronen der Natur abgelauschte Gebilde virtuosester Vollendung. Herr Sonnenthal, der Salonliebhaber par excellence, war in der That einer der elegantesten und blendendsten Darsteller des modernen blasirten Liebhabers. Sein ganzes Wesen war bedeutsam und anmuthig zugleich, kräftig und weihevoll und ein wenig spöttisch — alles zur guten Minute. Er schmeichelte und er persiflirte; in den Scenen, wo das Herz zum vollen Ausbruche kam, war er hinreissend in seinem eigenen Hingerissensein. Herr Hart mann ist sein Rivale geworden, der manche seiner jüngeren Rollen erbte; seine Erscheinung ist von bestechender Eleganz. Aber an Wärme und siegreicher Verve hat er Sonnenthal noch nicht erreicht. ln die Erbschaft des grossen Joseph Wagn er theilen sich zwei Heldcnspicler: Krastel, der Junge, und Hallen stein, der Markige. Hallenstein hat ein orgelähnliches Organ und eine stattliche Bühnenfigur. Er ist ein Naturalist im besten Sinne des Wortes. Das heisst, er gebraucht seine Kraft dazu, die Natur zu kopiren in ihren schönsten Zügen, wo sie ihre edelsten Gefühle in kräftigsten Fugen äussert. Krastel hingegen ist alles, was man sich träumt: die Jugend, das frische, lodernde Feuer, manchmal der Uebermuth, aber seine Gestaltungen sind immer harmonisch schön. Baumeister war ein herzlicher Naturbursche. Im „llelden- vater - * ebensowohl wie im „Fallstatf* 1 verschwindet er. Es gibt Talente, die von der Jugend unzertrennlich sind. Wenn es im Schau spiel einen Buttb gäbe, wäre Baumeister noch unvergleichlich. Herr Gabillon ist ein Charakteristiker, der durch die Schärfe seines durchgeistigten Spieles Figuren schalft, die nur ein Hogarth zeichnen konnte. Er ist eine der bedeutendsten Stütze dieser Bühne. Mitterwurzer ist eine angenehme Erscheinung und hat Geist für neun 'Teufel. Aber er kommt den Wienern zu unerwartet nach dem hochtragischen Wagner. Lewinski ist ein kostbarer Deklamator. Es ist wahrhaft staunenswerth, was ein Schauspieler ohne Erscheinung, ohne Organ und ohne Begeisterung, blos durch die geistvolle Rhetorik zu leisten im Stande ist. Lewinski wirkt tief ergreifend durch das frappante Yerständniss seiner Rolle oder seines Gedichtes. Das Stadttheater ist schön von Aussen und schön von Innen. Eine leichte, gefällige Künstlerseele hat hier dem Ernste des Fnternehmens eine reizende lächelnde Maske vorgesetzt. Der Leiter des Ganzen ist der kräftige Laube, der noch bis heute znm jungen Deutschland gehört, wie anno 'Bundestag. Er wählt' die besten Kräfte mit sicherem Auge, er weiss sie an sich zu locken, und wenn sic nicht genügen, ersetzt er sie durch Andere. Die Perle seiner 'Truppe ist Lobe, der Charakterspieler par excellence. Jede seiner Leistungen ist ein Kabinetsstiick, sowohl den Umrissen wie auch dem Detail nach. Er ist einer der Epigonen der guten alten Mensehendarstcllerschule ä la Iffland, die nach Döring, Dessoir und Laroche bereits auszusterben droht. Aber Lobe rettet die gute 'Tradition noch auf Jahrzehnte hinaus, und wird hoffentlich Schüler bilden. Nicht solche Schüler, wie Lewinski, Gabi llon, Ki er schlier sic bilden, denen man Declamationsstunden gibt, sondern Schüler dem Geiste nach. Herr Salomon ist ein Held von edlen Intentionen und Herr Robert wird einst viel werden, sobald er anfängt zu fühlen, dass 1 20 er noch nicht auf der höchsten Stufe der Kunst stellt, die ihm nicht unerreichbar ist. Keusche ist ein Komiker, wie es deren wenige gibt: behaglich und geistvoll, voll Fröhlichkeit und Reflexion zugleich. Von den übrigen Theatern Wien’s will ich nur die Lieblinge erwähnen. Im Wiedner Theater ist Fräulein Geistinger das Centrum alles theatralischen Lebens: ein bedeutendes Talent im edelsten Sinne des Wortes, ist sie eben so gross in ernsten Rollen, wie als Soubrette, sie lacht eben so herzlich, wie sie bitterlich zu weinen vermag. Ihre „schöne Helena“ ist in ihrer Art ebenso populär geworden wie ihre „Frau von der Strasse“ (in Laube's „Kosen Zungen“). In der ersteren Rolle Übertritt! sie die Schneider, in der Letzteren übertraf sie sich selber. Die Bedeutung ihres Talentes und ihre vielseitige Gestaltungskraft würden noch mehr hervortreten, wenn sie nicht durch übertriebenen Toiletten - Luxus den günstigen Eindruck stets paralysirte. Das Funkeln ihrer Brillanten verdunkelt die Diamanten ihres Talentes. Ihre Kunst ist die echteste, die man sich denken kann: denn sie ist einfach das Spiegelbild der Natur. Neben der Geistingcr besitzt das Theater an der Wien noch den ausgezeichneten Charakteristikcr Rott, die Genrebild Virtuosin Herzog und den hochbeliebtcn Thaddaed'l-Komiker Friese. Herr Swoboda ist an dieser Bühne zu ständigen Gastrollen engagirt. Er hat eine hübsche Tenorstiinrnc, grosse Zuversicht in der lebhaften Komik, und ist ein Liebling des Publikums. Das Strampfertheater ist klein wie eine Bonbonniere und ebenso nett wie diese. Es ist ein charmantes Nestelten von Samrnt und Vergoldung — vielleicht zu klein für die Kunst, sicher aber gross genug für das Amüsement. Die Direction dieser Bühne hat sich durch die Acquirirung des Fräulein Josefine Gailmeyer eine Attractionskraft erworben, die das Prosperiren dieser Bühne ausser Frage stellt. 121 Sie ist olme Widerspruch die genialste Soubref.e der Gegenwart. Niemand, der sic nicht selber gesehen hat, kann sich eine Vorstellung machen von ihrer sprudelnden Laune, von ihrem überreichen Witz, von ihrer geistsprühenden Improvisationsverve, und von ihrer hinreissenden Ausgelassenheit. Alle diese Köstlichkeiten halten natürlich ihren bitteren Nachgeschmack — ein Extrem bringt eben das andere nach sich. Jedenfalls ist die Gallmcycr eine Wiener Spccialität und in ihrem Fache einzig und unvergleichlich. Eine vorzügliche Kraft der Gesellschaft ist Herr Lehr echt, ein Ausländer, wie sich die Gesellschaft überhaupt meist aus Ausländern rokrutirt — vielleicht nicht zum Schaden des monoton werdenden Wiener Humors. Lcbrecht ist ein Junge voll 'Talent und voll Verve. Er ist übersprudelnd in seinem Humor und kernig dort, wo er die Sache ernst anpackt. Er ist Sänger und Liebhaber, indem er darauf wartet, Characterspieler zu werden. Schweighofer ist ein Operettentenor bester Sorte, leicht und gewandt, komisch, dass man vor Lachen Thränen vergiest. Herr Girardi ist ein talentirtcr Komiker, der durch Fleiss bald eine Kraft ersten Ranges werden dürfte. Herr Martinius ist ein verständiger Regisseur und routinirter vielseitiger Schauspieler und Frl. Stolle ist ein Mäuschen „ä ernquer“ — wie der Franzose sagt. Graziös wie eine Tortenligur und appetitlich wie (*in Zuckermännchen, dabei ein rosenfarbenes Teufelchen im Frohsinn, der ihr so natürlich ist, wie ein herzliches laichen. Fräulein Fi na ly und Frizi Rluin sind ebenso brillante Erscheinungen wie routinirte Darstellerinen. Die Direction des Carltheaters hat sich sein Komiker 'Trifolium Knaak, Matras und Blascl bei dem vorjährigen Wechsel zu erhalten gewusst. Knaak als Komiker - Regenwurm wirkt durch die Drastik seiner Erscheinung und seiner unwiderstehlichen Grimassen zwerchfellerschütternd. Herr Matras hat viel echte Laune, und Herr Rlasel ist unermüdlich in allen nur denkbaren Drollericen — vom Seil tänzer droben bis zum Schusterjunge herab. 122 Fräulein Meyerliofer, Guilleaume und Link sind ebenso reizende Erscheinungen wie exquisite Operettensängerinnen, und Fräulein St übel eine talentirte Soubrette. Frau Brauneeker- S ehäfer eine noch immer brave Schauspielerin und Sängerin. Fräulein Kronau ist noch fortwährend die Vertreterin des naiven Faches. Fräulein Charlotte Frohp ist für die Dauer der Weltausstellung als Gast von der Direetion des Carltheaters (ligagirt worden. Sie ist eine bedeutende Künstlerin, die die Kunst ernst nimmt. Ihre anmuthige sympathische Erscheinung und ihr melodisches Organ drücken ihren Kunstleistungen den Stempel des vollendeten auf. Hoffentlich wird man ihr Talent an eine der ersten hiesigen Bühnen zu fesseln wissen. Das Josefstädter Theater hat in den letzten Jahren viel abgenommen durch wechselnde Directionen und allzu häutige Improvisation von Schauspielern und Stücken. Unter Director Fürst hat es jetzt sein eigentliches Niveau: die Cultivirung des Wiener Gelegenheitsstückes, wieder erreicht. Es zählt gute ältere Kräfte unter seinen Mitgliedern, so Jungwirth, Li ebb ruinier etc. Herr Tauber ist ein talentirter Komiker, der seine Köllen urdrollig zu gestalten versteht. Fräulein Stengel ist eine routinirte Schauspielerin von angenehmer Erscheinung und einem prachtvollen Organe. Die Malerei hat in Wien in neuester Zeit ihr wärmstes Xestchen gefunden und rivalisirt mit der Düsseldorfer Schule in fast dominirenden Fortschritt. Berlin beschäftigt seine Jünger zu viel mit Waffenübungen, Frankreich verliert sich in die politische Genremalerei, und England ist eben so vollkommen. Und so viel grosse und tüchtige Künstler und Meister auch jede einzelne Kesidcnz aufzuweisen hat, die alten reichen Schulen sind da nicht mehr so prägnant ausgedrückt wie einst. Man kann de facto nur noch von einer Französischen, Düsseldorfer, Münchner und Wiener Schule sprechen. Die Vorzüge dieser Wiener Schule bestehen vor allem in der Innigkeit und Naturfarbe der Landschaft, während sich das 12 3 Historienfaeh, weniger selbstständig, theils an die Lessin g's, tlieils an die Piloty's anleimt. Unter den Wiener Altmeistern der Landschaft stehen Holzer und Seileny obenan. Seileny hat eine merkwürdige Transparenz der Luft und vor allem sein südlicher Himmel ist unvergleichlich foncirt. Josef Holzer, der Maler der heimatlichen Gegenden, ist in seinen Tagestinten fast unerreicht; keiner wie er versteht es, den unfassbaren Mergenthau, die körperlosen Sonnennebel, das unfühlbare Vibriren der Fernsicht wieder zu geben in Farben. Jede seiner Landschaft ist ein Stimmungsbild. Zu den Wiener dürfen wir wohl auch A. Zi mm ermann rechnen, der von München nach Wien übersiedelte und bis 1872 der Akademie als Professor angehörte. Seine markige Gestaltungsweise, das satte, kräftige Colorit geben seinen Landschaften einen eigenthiimlichen Charakter, der manchmal streng erscheinen möchte, wenn nicht über dem Ganzen stets ein wundersamer, mildernder Hauch seelenvoller Poesie ruhte. Schaffer hat einen kühnen, derben Pinsel. Er erfasst mit genialem Chic die packendsten Momente des Tages, der Jahreszeit: er liebt den Vollreifen Effekt, welcher ihm fast immer gelingt. Das gleiche Genre in der Landschaft vertritt ein junger Künstler: III avatschek, er spielt virtuos mit Augustlichtern, die nur noch manchmal zu körperhaft auftreten. Sobald er die Durchsichtigkeit der Sonnenfarbe gefunden hat, ist er am Ziele. Ein eigenartiges Genie in der Landschaft ist Fina 1Hau; sie bringt auf dem kleinsten Raume mit den einfachsten Mitteln die ergreifendste, nachhaltigste Wirkung hervor. Sie ist Meisterin in den schweren, weisslichen Herbstnebeln, in dem öden Slrandufer, in der Herbstlichkcit einer verlassenen Gegend; jedes ihrer Rilder ist ein Gedicht. Dicht an sie schliesst sich in ganz verschiedenem Genre unsere unvergleichliche Alpenblumcn-Malerin Paul ine Halm. Selber ein Kind der Alm, hat sic es dahin gebracht, dass man endlich anfangen wird, auch in die Rlum en bilder einen Sinn zu legen; denn jedes ihrer Blumenstücke ist eine kleine Ge- schichte, deren Helden inan erräth. Hier erwartete eine Sennerin ihren Harschen mit Hlumen und einem Maid. Aui dem andern Hilde hat der Liebste seiner Liebsten einen prächtigen Sonnemvendslrauss in's Fenstergitter gesteckt, auf dem dritten welkt die Lieblingsblume des armen Kaisers von Mexiko, llelleborus niger, über einem schwarzen Schleier. Pauline llalin hat der Ausstellung sechs prächtige Alpenblumen Medaillons gewidmet, welche jede Pllanze in dem ihr eigen - thiimlichen Grund und Hoden, in der ihr eigenthiimlichen Land schaff zeigt. Die Landschaft behandelt Pauline Halm mit herzlichster Hegeistcrung und glücklichster Empfindung. Prächtig in ihren Inspirationen sind auch Schrüdl und Han zoni. Ein eigenartiges, originelles Genre hat unser berühmter Hans Markart nicht sowohl erfunden, als entdeckt. In der alten Florenzer - Schule mit ihren halbdüsteren und ihren halbgrellen Farben, ihren halbgeisterhaften, bald lebensrothen Fleischetfekten und ihren kühnen Drappirungsetfekten, ahnte Markart noch unge hobene Schätze von blendendster Wirkung. Er suchte diese Farbenmysterien mit dem Ueberreiehthum der Rubens'sehen Gonception zu vereinigen, und fand wirklich ein neues, ureigenthümlichcs Genre, das Genre: Markart. Dieses Genre wird vielleicht manche Nachätfer linden, dürfte aber kaum zur Schule- werden, denn nur einem Genius ist es gegeben, solche Effekte versuchen zu dürfen und finden zu können. Worin besteht eigentlich der bestrickende Hauptreiz der Markart’schcn Schöpfungen? In dem durchgeistigten Arrangement der SceneV ln der Pracht der Farben und des Goldes? Oder vielleicht in der fahlen Welkheit der Blüten? Oder gar in der lüsternen Sinnlichkeit, welche hier alle Schleierenden hebt? - Vielleicht in Allem zusammen. Jedenfalls kann sich Niemand dem blendenden Eindrücke dieser grossartig angelegten und mit festem Kaflincment durchgeführten Bilder entziehen. 125 Ebenso eigenthiimlich, aber klarer, eonereter, naturgcmässer in der Form, ist der »Siebenbürger Maler, George Vastag. Auch er hat ein eigenthümliclies Fach gefunden: das Genrebild nach der N a t u r. hei ihm ist alles dem wirklichen, frischen Leben entnommen: Das Lächeln, die Stoffe, die Geberde. Und seine technische Meisterschaft erhöht noch die Täuschung, so dass seine Bilder wirklich zu leben scheinen. Carl Fruwirth ist bedeutend durch die breite Kraft seines Pinsels und die Harmonie seiner Farben. Die Bilder der Helon sind aufs feinste durehrippt, gleich den Flügeln eines »Schmetterlings. Im Porträtfache haben wir vorzügliche Künstler: Die Mayer’s (Georg und Liczen), A. Chross etc. A. Grots etc., die grossen Historienmaler »Szekely, Matejko, Godlewski, domizilieren nicht in Wien. »Szekely hat einen scharfen Geist und ein inniges Herz. Dabei hat er eine grosse, mustergültige Meisterschaft in der Behandlung der »Schatten und des Taglichtes. Matejko ist der Charakteristiker par exccllence, in den »Stoffen überragt er Pilot y. Zwei echte hochverehrte Wiener Künstlernamen sind K r i e- huber und Geiger. Kriehuber ist mit dem Wiener Kunstleben so eng und innig verbunden, dass man sich Wien nicht mehr ohne ihn denken kann. Es gab eine Zeit, wo er der Einzige war, welcher dem Auslande gegenüber das edle Wiener Kunstleben vertrat. Mit welchem grossen und berühmten Namen, der jemals in unserer Stadt weilte, wäre der Name Kriehuber nicht verknüpft! Alles, was an Bang, Talent, Geist oder Ruhm hervorragte, hat sein Meistergriffel verewigt. Sein Porträt des Kaisers in Jagdkleidung ist noch immer das anerkannt beste Bildniss unseres »Souveräns. Danthage kam Kriehuber am nächsten, hat ihn aber nicht erreichen können. Von den beiden Brüdern Geiger’s ist Johann 12G i Nepomuk dev Bedeutendere. Er ist Meister in der historischen Coneeption, und seine grossen Lutherbilder in Pest sind allein schon genügend, seinen Namen unvergänglich zu machen in der Kunstgeschichte; vor allem ist sein verurtheilter Huss Vielen lieber als Lessing's Effektbild. Er arbeitet jetzt an einer Grillparzer Gallerie. Alle würdigen Vertreter der schonen Künste in Wien zu nennen, ist unmöglich in einem kurzen Ueberblicke. Der fremdländische Besucher der Weltausstellung wird alle die hier genannten kennen und lieben lernen, ln Farben, Tönen und Gestaltungskraft werden unsere besten Geister ihr Bestes bieten den (iästen unseres Vaterlandes; waren es ja doch schon im Alter- tliume die Musen, welche jeden Gastfreund des Zeus an den Pforten des Olymps empfingen. Wenn Wien in allen schönen Künsten eben nur ltivale ist 1 und sein kann mit andern Residenzen, so hat es eine Kunst und eine Künstlerin, mit welcher es einzig dasteht in der ganzen Welt. Diese Kunst ist die photografisch treue Wiedergabe der Blume durch Stolle,und diese Künstlerin ist die Gräfin PaulineBaudissin. Die Blumen der Gräfin sind in der That Dichtungen; jeder Strauss von solchen Blumen ist ein Märchen. Die Natur ist hier so täuschend nachgeahmt, dass man fast nur durch Befühlen die künstliche Blume von der frischen unterscheidet. Durch langes Studium hat Grälin Baudissin in ihrem chemischen Laboratorium die Mittel und die' Zusammensetzung gefunden, wodurch sie dem feinsten papier chine die Biegsamkeit und die Fältelung des weichen Blumenblattes verleiht, ebensowohl die Transparenz der Farbe und den Glanz der Frische, wie auch der Schlaffheit und das Runzlingwerden des Welkens. Blumen zartester Natur, bei denen man nie an eine Möglichkeit der künstlichen Wiedergabe gedacht hätte, sind der Blumengräfin ge hingen. Man muss, wie sie, sein ganzes Leben hindurch im intimsten liebevollsten Verkehr mit der Bliithenschönheit der Natur gestanden sein, man muss wie sie jede Pflanze vom Entstehen bis zum Verfall h — 127 — beobachtet und studiert haben, um diese Aelmlichkeit hervorzu- bringen. Man muss aber auch selber eine gottbegnadete Blumen- seele haben, um so den (Seist des Illumenlebens in der kleinsten Eaubranke wieder zu geben! Die (Jrälin Baudissin und ihre Blumen sind Etwas, was nur Wien allein aufzuweisen hat. l ud Baron Schwarz hat auch fiir die Exposition der farbenprächtigen Dichtungen der Blumenfee den schönsten Platz bestimmt, als der Zierde und dem Stolze der Wiener Kunstindustrie. k S^inirr Bluiililul jm ic „grosse Welt“ hat ebenso wie das Proletariat in den verschiedenen Residenzen auch ihren verschiedenen Typus. ££$ Vielleicht sind da die physiognomischcn Unterschiede nicht ^ ' r so in die Augen springend, nicht so grotesk, weil ja in der grossen Welt die Uniform des guten Tones alle Seelen- und Characterauswüchse verdeckt und verschleiert, und dem oberflächlichen Beobachter, dem Laien, im Salon mehr eine Gattung als eine Gesellschaft von Individuen erscheinen lässt. Dem Auge des Kenners aber wird selbst die „grosse Welt“ in den verschiedenen grossen Städten ihr eigenthiimliches, streng charactcristisches Gesicht haben, und das höfliche Lächeln der Oon- venienz wird ihm die einzelnen Physiognomien nicht verwischen. Kr wird die Unterschiede bemerken, mit denen man hier oder dort die rohe ä queuc dressirt, und ihm wird die unterschiedliche Manier autlällen, mit welcher man dort oder hier den C "nt seines Boudoirs zu erhöhen sucht. Und in diesem Punkte haben der österreichische, der preussische, der hannovcr’sche, der baicrisehe, der französische und der englische Adel sein strikt markirtes Prolil eben so gut wie die niedrigeren Schichten. Die grosse Welt ist eigentlich nicht gross, denn sie verhält sich zur kleinen Welt (was die Dimension anbetritl't) ähnlich wie die Perle zur Muschel. Und so ziehe ich denn fast den Ausdruck des Franzosen le beau monde vor, welcher viel bezeichnender ist nach jeder Richtung hin. Denn selbst der radikalste Demokrat wird — 129 falls er unpartheiiseh ist — zugestehen, dass kein Gesellschaftskreis, mag er auch noch so ausgezeichnet sein durch Reichthum, durch Wissen und durch Talent, es so perfekt versteht, schön zu sein oder schön zu scheinen, vie die Adelsveit. Der Adel selber lässt sich hin wiederum eintheilen in die verschiedenen Spezies, denen er selber die Namen gegeben hat: die Exclusiven, die Gelangvcilten, die Passionisten, und die stehenden Typen der heiteren, feinen Salon-Comödie, welche sich la société betitelt und eigentlich Louis XIV. zum Verfasser hat. Die Rolle der Soubrette und des Tasmin übernehmen dabei die characteri- stischen Gestalten der Parvenüs. Der österreichische hohe Adel ist nicht so kurz und prägnant zu schildern vie der anderer Länder. Denn die österreichische Noblesse, die grosse, tonangebende, hoffähige, rekrutirt sich wiederum aus verschiedenen Nationalitäten, deren edelste Vertreter ihr ureigenstes cachet haben. Der spezitisch deutsche österreichische Adel ist in der Minderzahl vertreten. Die kleinen reizenden Länder von Ober- und Niederösterreich und Steiermark, die unter den Rabenbergern und den ersten Ilabsburgern eine kleine Colonie von Ileldenfamilien bildeten, haben ihre besten und ältesten Namen nur in geringer Anzahl auf unsere Zeiten vererbt. Dieser uralte, deutsch-österreichische Adel bildet aber bis heute noch in seinen spärlichen Vertretern die intimste und nächste Umgebung des Herrscherhauses, und man erkennt die „Wiener Adelsfamilie“ auf den ersten Rlick, sie hat ihr Palais zumeist in der llerrengasse oder — seltener — in einer anderen feudalen Strasse des alten Viertels. Nur selten verirrt sich dieselbe in die prächtigen neuen Paläste der Ringstrasse. Und wo dies ja der Fall ist, da gehört dieses neugebaute, moderne, luxuriöse Heim einem jüngeren Zweige, einem Lieblingssohn, der sich vermählt hat und sein eigenes Nostchen haben möchte für die Honigmonate, oder einer Tochter, welche dem Bräutigam ein pied à terre zubringt. Das Stammhaus, der Centralpunkt des Wiener hohen Adels bleibt aber immer das alte Palais 9 130 in’ der llerrengasse. Die Paläste sind ureigen. Im strengsten Per- riickenstyle gebaut, höclistens noch in die Napoleon-Periode fallend. Sie haben noch ganz das unbeschreibliche Exclusive des besten alten Tones, diese Familienhäuser, und das Leben darin gleicht ganz der Aussenseite des Gebäudes. Die Fenster des ersten Stockwerks sind meist dicht verschlossen mit Jalousien — sic führen in die Gesellschaftssäle und in die Empfangszimmer. Das zweite Stockwerk zeigt die zierlichen Vorhänge der Wohnzimmer der Herrschaft. 0 dieses reizende, echte Leben nach den besten Regeln! Man findet da weder die grellen Tapeten der Parvenüpaläste noch die fütilen Möbel derselben. Das Ameublement ist von der höfischen Spliditüt der „guten Zeit“, und so wie das Ameublement sind auch die Domestiken: glatt, ältlich, die jüngeren „Lehrlinge“ bildend und formend, still und verlässlich. Man findet in diesen Zimmern alte, kostbare Rüder aus der letzten Generation des Herrscherhauses, die Gattinen Franz des Ersten oder die lieblichen Kinder des Erzherzogs Franz Carl, mit Spielzeug in den Händen, rosig und lächelnd. Der Herr des Hauses hat die Manieren der Metternich-Schule bewahrt, höflich, ein Bischen zugeknöpft und chcvaleresk bis in’s Herz hinein. Die Dame des Hauses folgt nicht blind der Mode des Tages in ihrer Toilette. Sie trägt die Frisur nach ihrem eigenen Ge- schmackc und übersetzt das letzte Modejournal in die kleidsame Zurückhaltung der lloftoilette. Sie liebt dunkle Schleier, welche das Gesicht künstlerisch umrahmen, und wenn sic schon alt ist, das weisse Häubchen der distinguirten Matrone. Dabei ist sie lebhaft, ein Bischen medisant, sehr interessirt für alle kleinen und grossen Begebenheiten am politischen Himmel und in Gesellschaft sprühend vor Uebermuth und feinen spirituellen AVorten. Niemand versteht das décollement des Soireenkleides so cokett und graeiös zu tragen, wie die Wiener Gräfin; und je weiter sie in den Jahren vorrückt, desto schöner lässt es ihr. — Es ist dies eine allgemein anerkannte Thatsache. Niemandem auch steht die höfische Reiher- und Straussfeder so wohl an im 131 dunklen Haare, und Niemand Hat den chic der französischen Plauderei aus der Zeit vor M. M. Mirabeau und LafFayette so gut in die Gegenwart herübergerettet wie die Wiener Hofdame. Sie ist unwiderstehlich, noch lange nachdem sie aufgehört Hat, hübsch zu sein. Die junge Wiener Comtesse, die Tochter der Gegenwart, schlägt schon manchmal den Ton der Tuilerien des Ex empire an, und folgt der Mode. So lange sie indess in dem feudalen Hause der Eltern lebt, ist derselbe noch immer gedämpft durch die gute Tradition, deren Verkörperung Mama ist. Erst wenn die Comtesse sich vermalt und an der Seite ihres Gemahls ein neues modernes Ringstrassen-Palais bezieht, nimmt sie neufranzösische Allüren an, die freier, freilich wohl auch frischer geworden sind, seit der grosse Napoleon eine Madame Tunot zur Herzogin von Abrantcs machte. Ach, alles versickert und reformirt sich! Thatsache ist jedoch, dass die Wiener Gräfin am längsten jene wohlthuend distinguirte Weise behalten hat, welche einst das Hofleben mit so unbeschreiblichem Zauber umgab und den echten Adel bei all’ seiner Liebenswürdigkeit unnahbar machte für alle Modeneuerungen von schlechtem Geschmack. Diese alten Paläste haben noch ihre festgeschlossenen Thore, die sich nur auf den Klang der grossen Flurglocke öffnen, und ihre schlummerstillen Höfe, in denen die Bedienten unter dem Schatten alter Akazienbäume die Carossen waschen, und endlich ihre kleinen, hochummauerten Gärten, wo in der warmen, schwerduftenden Atmosphäre der Gewächshäuser die Natur mitten im Winter an Maiblumen arbeitet für die Soiree des jour fixe. In einem Appartement des stillen Palastes wohnt stets eine Tante, Stiftsdame oder Sternkreuzordens-Dame. Eine bewegliche, alte Dame ist es, in herbstblattfarbene Seide gekleidet, mit schönen, grauen Locken, und mit einer unnachahmlichen Manier, kleine Bosheiten zu sagen. Sie ist sehr ruhelos und lebt abwechselnd im Stadtpalais, wo sie gegen die Schwester oder Schwägerin Krieg führt, oder in ihrem Stifte, wo sie ihre nächste Thür-Nachbarin 9 * 132 hasst, oder bei einer befreundeten Präsidentin in der Provinz, wo sie sich nach der Residenz sehnt. Sie führt stets ein französisches Tagebuch und empfängt in den Winterdämmerstunden heimlich Kammerfrauen von Erzherzoginnen, um „im Laufenden“ zu bleiben. 0 diese köstlichen, verschlossenen, exclusiven, alten Wiener Paläste! Keine andere Residenz der ganzen Welt hat ähnliche mehr aufzuweisen; sie bewahren noch ein Bischen das vergangene spanische Hof-Air und ein Bischen den vergangenen französischen Geist aus dem Salons der Sevigne. Eine völlig verschiedene Physiognomie hat der ungarische Adel in Wien. Er hat seine ureigensten Formen behalten. Er führt sein Leben in freieren, grösseren Dimensionen gleichsam, sowie er auch lauter spricht und kräftiger auftritt. Der ungarische Adel hat immer etwas Jngendfrisches, Uebermüthiges, auch wenn er schon einen grauen Schnurbart hat. Sein Kennzeichen ist eine unvergängliche ITeberkraft in Allem und Jedem. Er liebt den äusseren Glanz im Costiim und Leben, und hat seine laute Freude daran. Der ungarische Edelmann ist erst dann echt, wenn er in der ganzen Pracht seines Sammt - Pelzes und seiner Brillanten erscheint. Ebenso gibt es nichts Blendenderes, als die ungarische Dame in ihrem National - Ilofcostüm. Der ungarische Adel ist verschwenderisch ; und selbst der Geizige macht da seine etwaigen Knausereien bei verschlossenen Thiiren ab, und ni >mals dann, wenn die Thore seines Palastes geöffnet sind. Der ungarische Adel ist viveur im vollsten Sinne des Wortes. Er lebt rasch und kräftig. Diese Lebenslust hat aber nichts Frivoles an sich, und das reitet ihn vor dem Cynismus, welcher sich zu manchen Zeiten an manchen Höfen unmerklich breit machte. Der ungarische Adel zählt die schönsten Männer und wunderschöne Frauen, und so lässt ihm auch das ganz liebenswürdig zur Schau getragene Selbstbewusstsein und die Eitelkeit nicht übel, die er wie eine Agraffe auf den lvalpak oder in die schwarzen Flechten steckt, so dass sie weithin sichtbar sind. 133 In den ungarischen Adelshäusern Wien’s ist immer sommerliches Wetter: Thüre und Fenster stehen offen für die Gäste, der Tafelmeister ist eine wichtige Person, und die Dame tliut dem Freunde Bescheid mit dem Glase in der Hand. Der ungarische Adel hat sein Air Niemandem abgelauscht: weder der Tradition noch der Mode. Er ist ein Unicum, reich an Schönheit und Kraft, sehr laut, sehr selbstbewusst und sehr freigebig — sowohl mit seiner Schönheit, wie auch mit seiner Kraft. Der ungarische Adel ist das, was der Engländer „gorgeus“ nennt. Es ist ein embarras de richesse in ihm, welcher augenblicklich den ganzen Salon, den ein ungarischer lleld oder eine ungarische Schönheit betritt, derselben zu eigen gibt für die Dauer des Abends. Der böhmische Adel hat wiederum eine ganz verschiedene Physiognomie. Er macht die Majorität der historischen Namen in Oesterreich aus. Er hat eine freundliche, fast behäbige Miene. Er ist fast ausnahmslos reich im edelsten Sinne des Wortes. Die Grundbesitze in Böhmen, seit Jahrhunderten an den Glanz bestimmter Namen geheftet, sind gleichsam der überquellende Exotismus des Landes. Die Burgen ertrinken förmlich in den reichen Parks, zwischen dunkelschattigen Wäldern und köstlichen Fernsichten. Der Bauer ist da ein kleiner Grundbesitzer, die Beamten der Herrschaft sind fast souverän und der Adel selber hat die Sicherheit einer seit Jahrhunderten unangefochtenen, historischen Zelebrität: die Auersperg, Schwarzenberg, Kinsky, die Lobkowitze, die Thun’s, die Kaunitzc, die Dubsky’s und wie sie alle heissen, sind so eng mit dem Boden vcnvachscn, dass sie gleichsam die Halbgötter dieses Bodens sind: fröhlich, feierlich, selbstbewusst und eigenwillig. Sic sind stets ein wenig selbstständig, sogar am Hofe, aber es steht ihnen gut an. Sie haben nicht die materielle Politik erwählt wie der lebenslustige Ungar, sondern die religiöse. Der böhmische Adel hält sich fest an die Tradition und vertheidigt den Priester, dem seine Acltern gebeichtet haben. Es liegt auch eine Grösse in dieser Politik, welche aus der Pietät entspringt. 134 Keine Schlösser auf der ganzen Erde sind so gesättigt mit historischen Reminiseenzen,wie das Schloss des böhmischen Adeligen; überall hat da ein Herrscher geruht, und überall hat da ein Ahnherr eine grosse That vollbracht. Der polnische Adel ist in Wien seltener zu tieften. ^Er hat sich seit einem Jahrhunderte ein wenig ostensibel zum Landbauer gemacht. Seine Schlösser sind nicht mehr reich, sein Land selber hat eher einen Rückschritt gemacht im Comfort. Und dennoch hält sich der polnische Adel mit Vorliebe in seinem Lande auf. Er sucht nicht den Hof. Er lebt in Erinnerungen, wie ein Greis, welcher beim Ilochzeitsfeste seines Enkels auf seiner Stube bleibt. Der polnische Adelige war von jeher nur in dem Leben zu Hause, wo er Aussicht hatte, der Erste zu sein. Der Pole hat einen unerschöpflichen Fond von edelster Ehrsucht in sich. Seit der Theilung findet er die beste Stätte dafür in seinem heimatliliehen Herrenhaus. Dort bewahrt er sich die gute Tradition; er lebt mit vollen Zügen, er pflanzt die Etiquette des starken August fort und er spricht französisch mit der reinen Niiance von Frankreich. Seine Sommerreise macht er stets nach Paris, und seine Gattinen holt er ebenfalls lieber von den Franzosen als von den Deutschen. Seine edelsten Kamen sind mit den edelsten Namen von Frankreich verschwistert und verschwägert, und wenn man ihn sprechen will, muss man in seine Hcimath selber reisen, wo man ihn sicher trifft, in einem einsamen Edelhause, in welches man sich durchfragen muss an armen Hütten vorüber und durch eine kleine Ringmauer von Schlossjuden. * * * Diess ist der alte, grosse Adel Oesterreich’s. Nach diesem kommt der Nachwuchs desselben zur Betrachtung. Der junge Adelige, sei er nun was immer für einer österreichischen Nationalität angehörig, ist gewöhnlich in seinen unverheiratheten Jahren Offizier. Ist er reich, dann ist er Husar oder Uhlane, ist er minder begütert, dann ist er Jäger, der ärmere junge Adelige ist 135 Infanterie - Offizier. Immer aber dient er dem Kaiser, so lange er frei ist von Verpflichtungen gegen seine Familie. Es ist dies eben sowohl Herkommen, als auch persönliche, echte Loyalität. Der junge nobleman in Oesterreich will sich stets sein Wappen neu verdienen — sei es auch nur in einer einzigen Schlacht. Er muss sein junges Blut auswallen lassen, für eine Geliebte und gegen einen Feind. Selbst der adelige Jüngling von der phlegmatischesten Sorte wird durch die usance dazu gebracht. Manchmal freilich wohl ist diese unausbleibliche Offizierslaufbahn eine sogenannte Zwickmühle für unentschiedene Charactere, und dieselben fallen dadurch in die Schulden und in die Ausschweifung. Aber die besseren Seelen erhalten dadurch gleichsam zum zweitenmale den ihnen „schon angebornen Kitterschlag.“ Und die Armee des Kaisers, in der sich die besten Namen des Reiches in voller Jugendfrische als Gemeine, als Chargen und als Offiziere tummeln, erhält dadurch eine Art von LUstre, der selbst die traurigsten Kasernen gleichsam parfümirt. An diesem alten Geburtsadel schliesst sich in Oesten eich eng der Militär-Adel an. Das Avancement zu den höchsten militärischen Stellen ist Jedem offen, und viele Generale sind die Söhne einfacher Bauern oder bescheidener Bürger. Sobald aber der Bauerssohn Stabsoffizier ist, ist er auch dem höchsten Adel des Landes gleichgestellt, und sein Haus bildet einen Sammelpunkt der besten Welt, ebensowohl wie das Palais des Bischofs oder des Prinzen. Der Militärsadel führt den lautesten Salon des Landes. Die Gäste tragen alle glänzende Uniformen und grosse Schnurbärte, und die ärarischen Damen, welche hier die Honneurs machen, sind voll freien Humors. Die „ärarischc Dame“ (von der Oberstin aufwärts) ist meistens selber von militärischen Blute, und nimmt an den Schicksalen des Regimentes insbesondere und der Armee im Allgemeinen den verständnissinnigsten Antheil. Sie ist bei Hofe empfangen, und hat daher die Leichtigkeit des Iloflebens in ihren Empfangsmanieren, selbst wenn sie selber die Tochter eines btirger- 136 liehen Stabsoffiziers ist. Sie ist vielleicht um einen Grad aufrichtiger und barscher als die Grätin, aber in einem gegebenen Falle auch um einen Grad inniger. Alle Offiziere des Regiments sind ihre ständigen Gäste, und jeder Gast ist gleichsam „ein Kind des Hauses.“ Wenn ein junger Offizier so fern von seinen Aeltern krank wird, dann ist es die ärarische Dame, welche ihm aus ihrer Küche die Krankenkost sendet, und die selber ankommt in der Krankenstube, mit dem Fourier- schiitzen an der Seite, welcher weiche Kissen und Fleischkonserven trägt. Wenn die jungen Leute Schulden haben, tindet sie Auswege, und wenn sie einen Streit eingehen, tindet sie eine Versöhnung. Sie ist oft noch jung und schön, aber ihre Stellung als Regimentsmama gibt ihr eine solche Würde, dass weder die Ycrläumdung noch die Böswilligkeit ihren guten Eintluss begeifert. Der bürgerliche Oberst oder der bürgerliche General selber (der durch seinen Stand dem höchsten Adel gleichgestellt wurde) ist äusserlich der Popanz der jungen altadeligen Welt, die ihm subaltern ist, aber innerlich ist er doch ihr gütigster Freund. Er freut sieh, die junge Welt in seinem Hause zu sehen, und er brummt meistens nur, um nicht für schwach zu gelten, und schreibt den betreffenden Vätern heimlich die besten Sachen über die wilden, leichtsinnigen Söhne, die ihm so viel Aerger machen, und ihm doch so an’s Herz gewachsen sind. Nach dem Degen-Adel kommt der Geldadel. Der Banquier oder der Industrielle, welcher hoffähig wurde, spielt keine kleine Rolle in Wien. Sein Palast ist der grösste und schönste; derselbe bildet oft für sich allein eine Fronte von vier Gassen. Er ist prachtvoller als ein kaiserliches Schloss, kostbarer, als ein öffentliches Stadthaus. Er ist hoch, wie das Opernhaus, und seine Fenster sind nicht zu zählen. Goldene Simse mit künstlerischen Gruppen rehaussirt, bilden ihm ein herrliches Diadem, und lebende Gärten und Glaspavillons schmücken sein Haches Dach. Die Zimmer des Palastes sind Prachtsäle und seine Corridors und Treppenhäuser sind Kunstwerke der Stukatur und des decorativen 137 Raffinements. Nur Eins beeinträchtigt vielleicht den Total- effect. Das Ganze beaufsichtigt ein Hausinspektor mit einem Zinsbogen, die Stockwerke sind von Zinspartheien bewohnt, und im Souterrain befinden sich YerkaufsgewÖlbe und Restaurationen. Aber das alles hat eben den Industriellen reich gemacht, und der Reichthum macht ihn zum Aequivalenten des Adels. Man ist gewohnt, über den Geldadel ein wenig Hiichtig zu urtheilen. Man will ihn nicht ganz auf ein Niveau stellen mit dem Geburtsadel und mit dem Degenadel. Der Hof hat ihn acceptirt, aber der bürgerliche Handelsmann dutzt ihn noch — hinter seinem Rücken. In der Tliat jedoch ist der Geldadel vorzüglich in Oesterreich von gutem Hinte und seines Wappens würdig. Der arme Geschäftsmann, welcher Tag für Tag das Erworbene zum Erworbenen fügt, nicht um den Reichthum in die todte Kasse zu scharren, sondern um ihn mit kühnem Wagniss zum Nutzen von 'rausenden wieder auf den Markt zu schleudern, ist in der Tliat eben so gut ein Held an Wagniss und Beharrlichkeit, wie der Kriegsmann 'rausende von Menschen gewinnen durch ihn ihr Broil, ihr Beben; jungen Talenten eröffnet er eine Carrière, dem Ertinder verkörpert er die Idee, den Künstlern gibt er Brod. Und der Hof, welcher diesen Millionär empfängt, hat den richtigen Instinkt der Gerechtigkeit. Ein Millionär, der durch die eigene Spannkraft des Fleisses und der Combination dahin gelangt, eine kleine Armee von Handwerkern, Künstlern und Beamten zu ernähren, zu befördern und zu poussieren, und der dadurch der wohl- thätige Souverän einer kleinen Colonie von hilfebedürftigen, protectionslosen Staatsbürgern wird, ist wohl de facto ein nobleman, und sein Wappen glänzt desshalb nicht weniger, weil es noch frisch ist, und weil er selber die Farben dazu geliefert hat. Der Geldaristokrat Wien's ist vor allem ein echtes Wiener Kind geblieben. Er ist elegant, und dabei herzlich — ein Gentleman, und dabei gutmüthig, wie ein Wanderbursche, der einen Schatz T — 138 — gefunden hat. Er liebt den Prunk und verschwendet viel Geld auf die Décoration seiner Häuser, gerade so wie er eine Vorliebe für dicke, goldene Ketten hat. Aber nicht minder liebt er es, seinen Armen reichliche Spenden zu geben und zu allem, was gut oder was schon ist, seine fürstliche Gabe zu gesellen. Seine Gemahlin wirft ihm vor, dass er sich immer mit Geld beschäftigt, aber hunderte von Arbeitern und Beschenkten danken ihm das. Die Damen des Geldpalastes gehören meistens jener feingebildeten Frauen - Hautevolée an, welche in den Klöstern du sacré coeur oder in den Pensionaten der Schweiz den Weltton zugleich mit den Wissenschaften gelernt haben. Sie sind gründlich gebildet und dabei harmlos liebenswürdig, als hätten sie keine Idee von der Geographie. Niemand weiss so gut die sorgsame Hausfrau und die Weltdame zu vereinen, wie die Geldaristokratin der Ringstrasse. Nach dem Geburts-, Degen- und Geldadel folgt in Wien noch eine Adelsklasse, welche eben nur da zu finden, und so zahlreich ist, wie der Sand am Meere: Das sind die „Herr von’s“ und die „Frau von’s.“ Bekanntlich war es in Wien von jeher Sitte, den besseren Bürgerstand aus eigener Machtvollkommenheit zu adeln. Jeder Mann mit grösserem Einkommen und jede Frau mit einer Seidensehleppe erhielten taxfrei das Prädikat von. Diese Unsitte war ebenso lächerlich von Seite des Gebers wie des Nehmers. Beim Ersteren zeugte es von kriechender Speichelleckerei, beim Zweiten von grotesker Eitelkeit. Oesterreich machte sich dadurch in den Augen eines jeden Ausländers lächerlich. Immerhin blieb aber die Sache selbst bis in die vierziger, fünfziger Jahre noch in gewissen Schranken, und das Herr von Stutzelberger und von Guschelbauer wurde doch nur den reicheren, gebildeten Bürgern zuertheilt. In den letzten Jahrzehnten ist aber aus dieser Schwäche eine förmliche Krankheit, aus dieser Unsitte ein Wahnsinn geworden. 139 In Wien ist jetzt alles von — bis znm Fiaker, bis zum Lumpensammler herab. Wehe dem Fremden, welcher dem Droschkenkutscher sein „Herr von Droschkenkutscher“ und der Kehrichtfrau ihr „Frau von Kehrichtfrau“ vorenthält! Die Partei, welche das gemeine, keifende Hausmeistersweib nicht mit Frau von oder gnädige Frau titulirt, erhält beim nächsten Quartal sicher die Kündigung. Und der zerlumpte Ilacker- bube prätendirt sein „Herr von Gaugl“ ebenso sicher wie die Dienst - magd das „gnädige Fräulein“; beide behaupten ihr Recht mit den Fäusten, und der vernünftige Mensch, welcher es wagen würde, den Einen mit „lieber Freund“ oder die Andere mit „Jungfer Köchin“ zu tituliren, darf sich auf eine Flutli von Schimpfwollen gefasst machen und auf den Ruf eines ungebildeten Barbaren. Wien, diese grosse und schöne Stadt erhält dadurch das Ansehen eines Bicetre oder Bedlam. Heutzutage, wo schon die ganze civilisirte Welt die vernünftige Verkehrsweise der Amerikaner aeceptirt hat, wo selbst im höflichen Frankreich das monsieur und madame, im stolzen hochmüthigen Spanien das senor, im adelsdurstigen Russland das pan für den Bürger und das chlopec für den Diener genügt, bietet Wien allein das unheimliche Schauspiel einer Bevölkerung, die sich gegenseitig mit adeligen Titulaturen narrt, selbst wenn sie den Kehrbesen trägt oder die Wichsbürste in der Hand hält. Und wenn man daher von den Adelsklassen Wien’s spricht, so hat man eigentlich unrecht, denn ganz Wien ist von Adel; nirgends schämt man sich so sehr seines bürgerlichen Standes und nimmt seinen einfachen ehrlichen Namen ohne Prädikat fast als Beleidigung und Missachtung auf. Jeder Schusterjunge hat da sein Wappen und der Fremde erstaune nicht und lasse sich nicht zu allzugrosser Ehrfurcht verblüffen, wenn ihm ein „Herr von Thury“ die Schuhe putzt und ein „gnädiges Fräulein“ die Carbonaden röstet. 0 vanitas! %'"t I»sejil| I., Kaiser von Oesterreich, König von Ungarn und Böhmen etc. etc. S iinf und zwanzig Jalire sind verflossen, seitdem im Jahre 1848 Seine Majestät Kaiser Franz Joseph 1. den Thron r y Oesterreichs bestieg, ein kurzer Zeitraum im Leiten der ^ Völker, aber so ereignisreich und bedeutungsvoll, wie kaum ein anderes Vierteljahrhundert der österreiehisehischen Geschichte. Und um so mehr dürfen wir cs als ein frohes- Zeichen betrachten, dass am Ende dieses Zeitabschnittes das grossartige Friedensfest der Wiener Weltausstellung den harmonisch schönen und glänzenden Abschluss bildet, eine glückliche Vorbedeutung für die kommenden, wie wir hoffen, ein zweites Vierteljahrhundert weit überschreitenden Jahre der Regierung unseres erhabenen Monarchen. * Seine Majestät der Kaiser Franz Joseph I., geboren am 18. August 1830, trat die Regierung an, nach der Thronentsagung seines Oheims, Kaiser Ferdinand I. und nach der Thronfolgeverzichtleistung seines durchlauchtigsten Herrn Vaters, Erzherzogs Franz Karl, am 2. Deeember 1848. Mit jugendlicher Kraft galt cs damals das Staatsschitf Oesterreichs durch die hocherregten Wogen, welche die Stürme des Jahres 1848 aufgewühlt hatten, in den sicheren Hafen des inneren Friedens und gesunder freiheitlicher Entwicklung zu lenken. Der tapferen Österreichischen Armee und ihren unsterblichen Führern ist es zu danken, dass der in seinen Grundvesten erschütterte Kaiserstaat aus der schweren Krise der Bewegungsjahre mit ungeschwächter Kraft hervorging, und die inneren Reformen angebahnt werden konnten. 141 Es liegt dem Plane unseres Werkes vollständig fern, die Geschichte der letzten fünfundzwanzig Jahre Oesterreichs hier zu schildern, die wechselvollen Schicksale, welche unser Vaterland betroffen, leben ja noch im Gedächtniss der gegenwärtigen Generation. Oesterreich, an Ehren und an Siegen reich, musste zweimal die Ungunst des Kriegsglücks erfahren, aber zweimal erhob es sich wie ein Phönix in neu gestärkter Kraft. Sollen wir in kurzen Worten die fünfundzwanzigjährige Regierung Seiner Majestät unseres Kaisers charakterisiren, so müssen wir sagen, dass durch alle Wandlungen der Verhältnisse, durch alle inneren und äusseren Umgestaltungen .Oesterreichs hindurch das unermüdliche Bestreben Seiner Majestät des Kaisers, seinen Völkern Gutes zu tlmn, den Frieden und das harmonische Zusammenwirken Aller zu fördern und erhalten, stets erkennbar ist. In dem fünfundzwanzigjährigen Zeitraum der Regierung traten die verschiedensten Ideen und Personen als leitend in den Vordergrund, es war eine Riesenaufgabc dieses aus so vielen Nationalitäten zusannnengefasstc, von so vielen Parteien und Interessen aufgeregte Reich zu einem Staatswesen im modernen Sinne des Wortes umzugestalten, mancher Staatsmann, der nach seinen Ideen das Beste wollte, und mit redlichster Hingebung sich dem Staatswohl opferte, musste erkennen, dass sein Wirken dem Geiste der Zeit nicht mehr entspreche und vertiel der Unpopularität, aber in allen diesem Auf- und Niederwogen der politischen Gestaltungen blieb unerschüttert und fest die unbegrenzte Liebe des Österreichischen Volkes zu seinem Kaiser. Es ist ein eigenthiimliches, fast kindliches Zutrauen, welches in allen inneren und äusseren Vorkommnissen das gesammte Volk stets seine Augen auf seinen Kaiser richten lässt und wenn dann die politische Notlnvendigkeit eine persönliche Entscheidung des Monarchen nothwendig machte, so ist dieselbe stets so ausgefallen, dass selbst diejenigen, gegen welche sie gerichtet war, mit Freuden sich ihr beugten in dem vollen Bewusstsein, dass der Kaiser selbstlos nur einzig und allein das Wohl des Staates, das Glück seiner 142 Völker die Richtschnur seiner Beschlüsse und Handlungen sein lässt. Epochemachend Tür Oesterreich ist die Regierung unseres Kaisers durch die Entfesselung der wirthschaftlichen Kräfte des Landes und Volkes. Hier lagen unermessliche Schätze und Hilfsquellen, wie lauteres Gold im Schosse der Erde ruht. Diese Schätze zu heben, war die unermüdliche Sorge des Landesvaters und seiner weisen Rathgeber und dass dieses Ziel zum grossen Theile erreicht wurde, zeigt die gegenwärtige wirthschaftlicheBliithe Oesterreichs. Die Wiener Weltausstellung, dieses grossartige Ereigniss von bis jetzt noch unberechenbarer Bedeutung für Oesterreich, verdankt dem besonderen Schutze, welchen Seine Majestät der Kaiser dem grossen Unternehmen zuwandte, das Zustandekommen. Mit lebhaftesten persönlichen Interesse hat Seine Majestät der Kaiser die Vorarbeiten verfolgt, dem Fortsehritt der Bauten seine Aufmerksamkeit geschenkt. Unter den Männern, welche in der Ehrenhalle Oesterreichs als Förderer der Weltausstellung glänzen werden, steht der Name Seiner Majestät des Kaisers obenan. Möge der Monarch, der in seinem Wesen an die glänzende Ritterlichkeit der alten, deutschen Hohenstaufenkaiser und seiner grossen Ahnen, Rudolph I., Maximilian L, Karl V. und Joseph II. erinnert und der mit dem weltumfassenden Scharfblick des Staatsmannes, die 'rügend und das tiefe Gemiith des deutschen Mannes und 'Familienvaters vereinigt, das zweite Vierteljahrhundert seiner Regierung glücklich durchleben und die schönen goldenen Früchte seines edlen und grossen Wirkens als Regent und Vater seines Volkes ärnten. JHisnbtlf!, Kaiserin von Oesterreich, Königin von Ungarn und Böhmen etc. etc. ~/ä> ie engen verwandtschaftlichen Bande, welche seit Jahrhunderten die Fürstenhäuser Habsburg und Wittelsbach mit einander verknüpfen haben die Glieder der baierischen ^ Königsfamilie den Herzen der Oesterreicher so nahe geführt, dass, als im Jahre 1854 Seine Majestät der Kaiser Franz Joseph I. Ihre königliche Hoheit Herzogin Elisabeth von Baiern als Kaiserin in die ehrwürdige Hofburg Wien’s führte, das ganze Volk darin wohl ein freudiges Ereigniss, eine Erneuerung der angenehmen Beziehungen zu dem hohen verwandten Königshause und somit zu ganz Deutschland erblicken konnte. Gehoben wurde aber diese Freude dadurch, dass die hohe Frau einem durch seinen Kunstsinn, seine Bürgerfreundlichkeit, seine Wohlthätigkeit weit über die Grenzen Baierns hinaus geliebten und populären Familienkreise angehörte. Wusste doch Jedermann in Deutschland und Oesterreich, dass die Prinzessinnen, welche an dem anspruchslosen Hofe in Possenhofen Seiner Hoheit dem Herzog Max als Töchter erblühten, mit dem seltenen Liebreiz höchster Frauenschönheit alle grossen Gaben des Geistes und des Gemiithes ver- 0 einigten. Und wie rasch, wie im Sturme gewann die hohe Frau, Kaiserin Elisabeth, die Herzen ihrer Unterthanen, speciell aber der Wiener. Das Volk in Wien liebt seine Kaiserin und die Mythe und Sage schlingen verklärend ihre goldenen Ranken um jede Handlung, o \A 144 jeden Schritt der Monarchin. Nicht die erhabene Fürstin allein, die im Wohlthun unerschöpflich, jedem Werk wahrer echter Frömmigkeit und christlicher Liebe ihren Schutz angedeihen lässt, die alles Gute, Edle und Schöne fördert, sondern fast mehr noch verehrt das Volk die liebevolle treue Gattin, welche gute und böse Tage, die das Schicksal auf Oesterreich herabsendete, mit ihrem hohen Genial theilte, Allen ein Vorbild ungebeugten Vertrauens auf Oesterreichs Zukunft und opferfreudiger Hingebung. Selten wohl hat die Natur mit verschwenderischen Händen in so reichem Masse auf eine Glückliche so viele grosse Gaben gehäuft, selten aber in höherem Grade die schönste Tugend der echt weiblichen Bescheidenheit einer Fürstin verliehen. Wenn die Kaiserin Elisabeth auch nicht den ehrwürdigsten und ältesten Thron der Christenheit zierte, unter die ausserordentlichen, ihre Zeitgenossinnen durch glänzende Gaben des Körpers und des Geistes weit überragenden Frauen dieses Jahrhunderts würde sie stets gehören. Im Mittelalter würde ihr Kulnn von den Lippen der Minnesänger getönt haben, in unserer nüchternen Zeit kann das Volk nur aufrichtig lieben und bewundern und stolz sein auf seine erhabene* Kaiserin. Selbst noch in der Bliithe der Jahre stehend, hat ihre Majestät das Glück, im Jahre 1873 das Ilochzeitsfest ihrer Tochter, welche einem Prinzen desselben Hauses, dem die Mutter entsprossen, zum Altäre folgt, zu feiern. Es ist dies eine Verbindung, welche nicht aus Rücksichten der Politik geschlossen wird, sondern für welche lediglich die Stimme des Herzens ausschlaggebend war. Das ganze österreichische Volk, welches mit Liebe an allen Ereignissen im Schoose der allerhöchsten Familie theilninnnt, freut ' sich dieses Festes. Möge es Ihrer Majestät der Kaiserin an der Seite ihres erhabenen Gatten vergönnt sein, noch viele ähnliche 'Page des reinsten und schönsten Glückes zu erleben. 6;irl Jbbtuij. Erzherzog von Oesterreich, kaiserlicher und königlicher Prinz von Ungarn etc. etc. Profectnr der Wiener Weltausstellung. kaiserliche ( ‘*n<* kaiserliche Hoheit Erzherzog Pari Ludwig, welchen Seine Majestät der Kaiser durch kaiserliche Entschliessung vom 12.September 187 1 zum Protector der Wiener Weltausstellung zu ernennen geruhte, gehört zu denjenigen Prinzen des allerhöchsten Kaiserhauses, welche auch ausserhalb der Grenzen Oesterreichs durch hervorragende öllentliehe Thätigkeit bekannt geworden sind. Die ausserordentliche staatsmännische Befähigung des Herrn Erzherzogs, welche sich bereits documentirte, als derselbe in noch sehr jugendlichem Alter stehend den schwierigen Posten eines k. k. Statthalters in Tirol bekleidete, veranlasste Seine Majestät den Kaiser die ausgezeichneten Dienste dieses seines Herrn Bruders wiederholt bei wichtigen diplomatischen Sendungen im Interesse des Staates zu verwerthen und stets waren die Erfolge, welche Seine kaiserliche Hoheit erreichte, von grossem Nutzen für Oesterreich. Auch zu den Staatsgeschüften der inneren Politik wurde der Prinz wiederholt herbeigezogen, ebenso wie er als der dem Thron am nächsten stehende Prinz so lange Seine kaiserliche Hoheit Kronprinz Hudolph die Grossjährigkeit noch nicht erreicht hat, im Verhinderungsfälle Seine Majestät den Kaiser vertritt. Die Ernennung Seiner kaiserlichen Hoheit zum Proteetor der Wiener Weltausstellung legt ein beredtes Zeugniss dafür ab, welchen 10 146 hohen Werth Seine Majestät auf den glücklichen und grossen Erfolg der Weltausstellung legt. Auch den wissenschaftlichen und künstlerischen Neigungen des Herrn Erzherzogs entsprach diese Ernennung in hohem Grade und mit jenem seltenen, feinen Verständniss, welches ihn stets auszeichnete, wusste er seit Beginn der Vorarbeiten die Ausstellung zu fördern, entgegenstehende Schwierigkeiten zu beseitigen und namentlich da, wo das Interesse der Ausstellung mit anderen Interessen eollidirte, vermittelnd zum Vortheile des grossen Unternehmens einzutreten. Die wärmsten Sympathien des ganzen österreichischen Volkes wendeten in noch höherem Grade, als bisher dem Erzherzog Carl Ludwig sich zu, nachdem seine Gemahlin, die in allen Schichten der Bevölkerung wegen ihrer Frömmigkeit und Woldthätigkeit, wie eine Heilige verehrte Erzherzogin Maria Annunciata ihm leider durch den Tod entrissen wurde. Der Besitz blühender, hoehbegabterKinder und die aufopfernde, freudige Hingebung an das Wohl des Staates und Volkes haben bisher Seine kaiserliche Hoheit für den erlittenen unersetzlichen Verlust trösten müssen, und wir hollen, dass auch der grossartige und glänzende Erfolg der unter seinem Protectorate stehenden Weltausstellung Seiner kaiserlichen Hoheit Tage der Freude bringen möge. % JlrjfjtTfor; ^Hirrt^l. Nach «lern Französischen () veranlassten ihn politische Motive, seine Wirksamkeit in Ungarn aufzugeben. Ein neuer Feldzug gegen Sardinien schien bevorstehend, und der Kaiser hatte soeben das Commando der italienischen Arme? dem General Benedek anvertraut. Die Stellung des Erzherzogs war eine heikle, ehe er jedoch, wie im Vorjahre, massiger Zuschauer der Ereignisse blieb, was ihm höchst peinlich gewesen, entschied er sieh dafür, das Connnando eines Armee-Corps unter den Befehlen Benedek's der italienischen Armee anzimchmen, und begab sich allsoglcich nach Vicenza, um dort sein Hauptquartier einzurichten. Zn Mortara und Novarn befehligte Benedek ein Regiment in der Division des Erzherzogs, und jetzt, seine Eigenliebe der Pflicht und dem Putrotismus unterordnend, stellte sieh der Erzherzog freiwillig unter die Befehle seines ehemaligen Untergebenen. Zwei Jahre blieb er in dieser .Stellung, hüllend, die Ereignisse würden ihm gestatten, auf dem Schlachtfelde zur Erhöhung des österreichischen WafVenruhms beizutragen. Dieses seltene Beispiel von Selbstverleugnung und patriotischer Entsagung zeugt von einer Seelengrösse, welche die Bewunderung der ganzen kaiserlichen Armee, ja wir stehen nicht an, zu behaupten, aller Armeen Europa’s hervorrief. Auf der Wiener Weltausstellung, welcher der Herr Erzherzog das regste Interesse widmet, sind die Besitzungen und Fabriken desselben in hervorragender Weise vertreten. Wir wollen im Nachfolgenden ein Bild von der Ausdehnung der erzherzoglichen Güter und von der Mannigfaltigkeit der Industriezweige geben, welche auf den erzherzoglichen Gütern betrieben werden und werden unsere geehrten Leser daraus ersehen, dass Seine kaiserliche Hoheit Erzherzog Albrecht in seiner Eigenschaft 154 als Grossgrundbesitzer und Grossindustrieller einen hervorragenden Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung Oesterreichs ausübt. Unter ganz extremen klimatischen und geognostischen Verhältnissen, räumlich durch mehr als 100 Meilen von einander getrennt, zeigen die erzherzoglichen Güter eine grosse Abwechslung in ihrer natürlichen Beschaffenheit. Berghöhen, wie der Pilsko und die Komanka in den Karpathen, dann die Lissa liora in den Beskiden mit einer Erhebung von 4 bis 5000 und mehr Fuss — mit ihren Nadelwäldern, dagegen die Riede an der unteren Donjfu mit uralten Eichen, in deren Nähe üppige Wiesen und Aecker unter fast gartenmässiger Cultur, das industricreiche Teschen und Saybusch, und dagegen die öden Ufer des Neusiedlersee’s mit dem Hanysäg-Torfmoor — sind landschaftliche Contrastc, wie man sie sich kaum mannigfaltiger denken kann. Naturgemäss theilen sich die erzherzoglichen Güter in drei Gruppen, und zwar: in die nachbarlich sitnirten schlesisch-galizischen Herrschaften Teschen und Saybusch mit Annexen der Montanindustrie in Ober-Ungarn, dann in die mährische Herrschaft Sechtwitz, endlich in die ungarischen Herrschaften Bellve und Ungariseh-Alten- burg, welche Letztere nicht mit einander Zusammenhängen. Der Total-Grundbesitz Seiner kaiserlichen Hoheit beträgt (in runder Zahl) Öd., Quadrat-Meilen, wovon mehr als die Hälfte 1 10. H Qu.-M.) Wald ist. Das Ackerland beträgt 5.-, die Hutweiden 2. H , Rohrstätten (an der Donau > 2. 4 , Wiesen 2. 0 , Teiche und Flüsse 2. 0 Quadrat-Aleilen. Unproductiv sind im Ganzen 1.. und als Bauparzellen benützt 0., Quadrat-Meilen. Die Kammer Teschen in Oesterreiehisch - Schlesien hat 13., 4 Quadrat-Meilen, die Herrschaft Saybusch in Galizien 6.,,, Bellve in Ungarn 11. 0 , Ungarisch-Altenburg 3. 0 und Scelowitz 1., Quadrat- Aleilen. Die Industriezweige, welche betrieben werden, sind folgende: Steinkohlenbergbau und Verkoksung, Eisenerz-Bergbau t^wobei als Nebenproducte auch Kupfer, Silber und Quecksilber gewonnen werdeni, Holzköhlereien, Ziegel- und Kalkbrennereien, Hochöfen, 155 diverse Eisenhämmer und Walzen, Kupnl-, Flamm-, Puddlings-, Blechglüh- und Schweissöfen, Stahlraftinirfeuer, Email-, Feilen-,’ Tyres-Fabrikation, Blech verzinnerei, Maschinen bau-Anstalten, Dampf- und Wassersägen mit verschiedenen Hilfsmaschinen zur llolzver- feinerung, Holzzerkleinerung, Holzriesen, Schwemmklausen und Trift anstalten, llolzeinprägnirung i Telegraphensäulen), Samendörren, Käsefabriken, Rosoglio-, Liqueur- und Filmfabriken, Leim-, Spodium-, Knochenmehl- und Diingcrfabrikation, Hanf-, Flachs-, «Spinn- und Webefabriken , Branntweinbrennereien, Bierbrauereien, Mahl miihlen etc. ete. Die beiden schlesisch galizischen Herrschaften Teschen und Saybusch bilden, an einander grenzend, vermöge ihrer geographischen Lage, obwohl getrennt bewirtschaftet, ein natürliches Ganze mit ähnlichen Verhältnissen. Der Waldeomplex beider Güter, welcher aus Fichten, Kothbuchcn, Tannen, Kiefern etc. besteht, bezitfert sich auf die namhafte Fläche von irund) lf>. 4 Quadrat- Meilen, dessen jährlicher Werkholz-Etat auf den Sägewerken zu Bau- und gewerblichen Zwecken verarbeitet wird. Diese ermöglichen eine höhere Verwertung des früher fast nur zum Brennen verwendeten Holzes, welche von «lalir zu Jahr steigt, während das Procent an Brennholz auf ein Minimum herabgedrückt wird. Die ertragreiche Montan - Industrie von Teschen, welche auf den gesundesten Grundlagen basirt ist, spielt eine hervorragende Polle. Die reichen «Steinkohlenlager von Karwin und die Eisen- steingruben bei Iglo, Göllnitz und llradek liefern aus fa.st unerschöpflichen Quellen das Pohmaterialc, welches auf der Kaschau- Oderberger Bahn und zwei erzherzoglichen Montanbahnen, teils aber noch per Axe zu den grossartigen Werken in Crzynietz, Carls- hiitte, Fstron, Baschka, Görka und Obschar verfrachtet und daselbst zu den verschiedenen Fabrikaten umgearbeitet wird, als: ganze Dampf- und andere Maschinen, Brücken-Constructionen, Tyres, Schienen, diverse Stahlwaaren, Poterie, Bleche, Feilen, Nägel etc. etc. Die grosse Eisenbahnbriickc über den Pruth (Lemberg-Czerno- witzer Bahnj, dann die jetzt im Bau betindliche neue Nordbahn- 156 brücke über die Donau und die lleizeinriehtungen des Wiener Opernhauses sind z. B. aus den Teschner Etablissements hervorgegangen. Der Ackerbau und die Viehzucht, namentlich die Letztere, liefern Producte, welche in der dortigen volkreichen (legend lebhaften Absatz linden; insbesondere Käse, von dem jährlich circa 2600 Ccntncr erzeugt werden, und zwar aus der Milch von ca. 1000 Stück Kühen, die grösstentheils der Holländer Pace angehören. Die Viehzucht ist auf die Futterwiichsigkeit der (legend und auf den KartofTelbau gestützt, welcher das Materiale zur Branntweinbrennerei liefert, bei der als wertlivoller Abfall die Schlämpe resultirt; — Die beiden grossen Bierbrauereien erzeugen jährlich zusammen ca. 140.000 Eimer Bier. Die Producte der Lüpieur- und Rosogliofabriken erfreuen sich des besten Rufes, desgleichen die Spinnerei- und Webewaaren, deren Erzeugung tausende von Händen beschäftigt. Die Herrschaft Seelowitz, gegenwärtig an den bekannten Zucker-Industriellen v. Robert verpachtet, zeichnet sich durch eine intensive Cultur aus. Einen von den nördlichen Gütern ganz verschiedenen Charakter zeigen die südlichen ulie ungarischem Güter. Hier ist entschieden die Landwirthschaft prävalirend und die Industrie noch in der Kindheit, eine Folge der geringen Bevölkerung der Umgegend. Ausser einer Ilanffabrik, mehrerer Mahlmühlen und einer Brauerei ist hier keine Industrie anzutretfen, dagegen sind die ausgedehnten Ländereien dem Feldbau, der Viehzucht, dem Waldbau und der Fischerei gewidmet. Auch hier ist die Rindviehzucht von grosser Bedeutung und werden deren Producte, frische Milch, K äse und Fleisch in die nahcgelegenen Städte: Wien, Fünfkirchen, Esscgg, Moliacs etc. geliefert. Die Residenzstadt Wien konsumirt aus Ungarisch-Altenburg allein jährlich nahe an 1 x '„ Million Mass Milch und steigt der Consum noch fortwährend. Das Melkvieh ('circa 2000 Stück) gehört der Allgäuer- und der Holländer-, das Mastvieh der Shorthorn-Ra§e und deren Kreuzungen an. Der Ackerbau hat in der letzten Zeit ein neues wirksames Hilfsmittel erhalten durch die Anschaltung von drei Fowlcr’schen Dampfpflug-Apparaten, wodurch eine rationelle Tiefcultur ermöglicht ist, deren Effect sieh in höheren Ernteerträgen bereits äussert. Seine Sammlungen von Kupferstichen und llandzeichnungen, besonders jener von Raphael, Albrecht Dürer, (zweimal wöchentlich unentgeltlich zu besichtigen), gehören zu den berühmtesten Europa’s, seine Ribliothek ist eine der Reichhaltigsten und Resten in Wien. Wenn wir zum Schluss noch hervorheben, dass Se. kaiserliche Hoheit im seltenen Wohlthätigkeitssinne stets an der Spitze steht, wenn es gilt, Nothleidende zu unterstützen, namentlich Invaliden der Armee, den Wittwen und Waisen der Soldaten und Officiere nachhaltige Hilfe angedeihen zu lassen, junge strebsame Talente zu fördern, so haben wir mit flüchtigen Strichen, soweit es der Raum unseres Werkes zulicss, unseren Lesern das Rild eines Fürsten vorgeführt, welchen Oesterreich mit Stolz zu seinen edelsten und besten Söhnen zählt. Tritium Erzherzog von Oesterreich, kaiserlicher Prinz von Oesterreich und königl. Prinz von Ungarn, Böhmen etc. etc. Präsident der k. k. Commission für die Wiener Weltausstellung. «*-' V;.- ie schwierigen und umfassenden Vorarheiten, welche die Aufgabe der grossen Commission fiir die Wiener Weltaus- Stellung bildeten, Hessen die Würde eines Präsidenten !c. T .. • • . 1.11 ... l _•.!_ .1 i.. i... ^ dieser Commission trotz der hohen Auszeichnung und trotz des Glanzes, welche diese Stellung dem 'Präger derselben verleiht, durchaus nicht begehrenswert!! erscheinen, so dass, als durch Allerhöchste Entschliessung zwar bereits der Zeitpunkt der Welt Ausstellung und die Person des Generaldirectors bestimmt waren, die Wahl des Präsidenten der kaiserlichen Commission immer noch nicht vollzogen war. Allerdings aber bezeiclmete, während in den leitenden Kreisen noch kein Entschluss vorlag, die ganze öffentliche Meinung bereits einen Mann als den fast einzig möglichen Ausstellungspräsidenten, der hohe Gehurt und hohen, fiir diese Stellung unentbehrlichen Bang mit bewährter und glänzendster Befähigung verband — Se. kaiserliche Hoheit den Herrn Erzherzog Rainer. Und als in der Tliat die Ernennung desselben Allerhöchsten Orts zum Präsidenten der kaiserlichen Commission erfolgte, erregte diese Nachricht nicht nur ungetheilte Freude, sondern alle Schichten der Bevölkerung sahen in der Betheiligung dieses hochverehrten und allgeliebten Prinzen eine feste Garantie des glänzenden Gelingens des grossen Unternehmens. 159 Mit gewohnter und in den schwierigsten Lagen Oesterreichs bewährter Pflichttreue und Aufopferung unterzog sieh Seine kaiserliche Hoheit Erzherzog Kainer der ihm gestellten grossen Aufgabe. Die kaiserliche Commission, welche, um ihrer Bestimmung genügen zu können und um alle Fachkräfte in sich zu enthalten, aus den heterogensten Elementen zusammengesetzt werden musste, erforderte einen in der Leitung ungeschulter parlamentarischer Versammlungen ungewöhnlich erfahrenen Präsidenten. Seine kaiserliche Hoheit verstand die Sitzungen mit so ausserordentlich feinem Tact zu präsi- diren und mit so seltenem Geschick die Verhandlungen zu leiten, dass jede Leibung der verschiedenen Elemente vermieden und alle Kräfte nach dem einen grossen Ziele, der Förderung der Weltausstellung, concentrirt wurden. So ist es besonders der Liebe und Achtung, welche alle Mitglieder der Commission ihrem Präsidenten zollen, zu danken, dass die schwierige Organisation in überraschend kurzer Zeit vollendet wurde, dass die Abtheilungen und Gruppen- comitc’s sich schnell eonstituirten und ihre Arbeiten mit grösster Beschleunigung vollendeten. Dieses .grosse Verdienst um die Weltausstellung bildet gewiss eines der glänzendsten Blätter in dem thatenreichen und dem Dienste des Vaterlandes geweihten Leben des Herrn Erzherzogs. Seine kaiserliche Hoheit Herr Erzherzog Kainer ist als der vierte Sohn des verstorbenen Erzherzogs Rainer, Bruders Seiner Majestät des Kaisers Ferdinand l., am 11. Januar 1827 geboren und vermählt in glücklichster Ehe mit Erzherzogin Maria Carolina, Tochter des verstorbenen Erzherzogs Carl, des Siegers von Aspern. Das fürstliche Paar erfreut sich einer Popularität im Volke, wie dieselbe wohl nur selten gefunden wird. • ÖQnriit ßnrcitiitit, Erzherzogin von Oesterreich, kaiserl. Prinzessin von Oesterreich, königl. Prinzessin in Ungarn etc. etc. Proteetoi'in der Abtbcilung fiir Kranenarheiten bei «1er Wiener Weltausstellung. ine der brennendsten Fragen der Oegemvart, die Frauen- l ,a t auf der Wiener Weltausstellung ihre besondere ^Berücksichtigung gefunden, indem eine eigene Abtheilung ^ fiir Frauenarbeiten ereilt worden ist, deren Protectorat Ihre kaiserliche Hoheit Frau Erzherzogin Marie, Gemahlin Seiner kaiserlichen Hoheit des Herrn Erzherzogs Rainer, zu übernehmen geruhte. Die hohe Frau, welche, ein Musterweiblicher AViirde und Tugend, eingehendes und liebevolles Verständniss fiir die unter unseren gegenwärtigen, socialen Verhältnissen drückende und vielfach unangenehme Lage des weiblichen Geschlechtes besitzt, hat den Vorarbeiten für das Arrangement das lebhafteste Interesse zugewendet, und Damen aus allen Schichten der Gesellschaft beeilten sich, dem gebildeten Comité beizutreten und an den Arbeiten desselben theilzunehmen. So wird die Abtheilung für Frauenarbeiten einer der interessantesten Thcilc der Weltausstellung sein. Erzherzogin Marie ist die Schwester Seiner kaiserlichen Hoheit des Herrn Erzherzogs Albrecht und eine Tochter des verstorbenen Herrn Erzherzog Carl. Das stille, anspruchslose Familienleben, welches im Palais des unsterblichen Siegers von Aspern herrschte, der Einfluss der geist- und gemüthreichen Mutter und des genialen, fein gebildeten Vaters treten bei allen dieser glück- l(‘.l liehen Ehe entsprossenen Prinzen und Prinzessinnen hervor, die Zierden des allerhöchsten Kaiserhauses und Oesterreichs sind. Erzherzogin .Maria besonders gilt in allen Kreisen des Volkes als eine Dame von seltenem Oeist und liebevollem, warmfühlenden Herzen. Ihre schlichte, bürgerliche Einfachheit und Anspruchslosigkeit, ihre unermüdliche Wohlthätigkeit sichern ihr für ewige Zeiten einen Platz in den Herzen aller Oesterreicher. Wir können nicht besser das "Wesen der hohen Frau und ihr Verhältnis zum Volke eharakterisiren, als wenn wir eine kleine Scene hier kurz mittheilen, welche vor einiger Zeit in einem Wiener Blatte geschildert wurde. In einer Strasse eines entfernteren Vorstadtbezirkes geht rasch eine einfach gekleidete Dame auf dem Trottoir. Aus einer Gruppe armer, spielender Kinder eilt beim Anblick derselben ein kleines, ärmlich gekleidetes Mädchen auf die Dame zu und küsst ihr die Hand. Nach einigen theilnehmenden Fragen nach den Eltern des Kindes, deren Verhältnisse die Dame kennt, setzt dieselbe diesen Weg fort. Ein Herr, der die kleine Scene beobachtet und die Dame wohl erkannt, fragt das Mädchen, ob es wohl wisse, mit wem es gesprochen. Da antworteten nicht allein das Kind, sondern auch dessen inzwischen hinzugetretenen Gespielinnen im Chor, wie verwundert, dass Jemand überhaupt darnach fragen könne: „Aber das ist ja die gute Frau Rainerin!“ So lebt im Munde des Volkes die edle Fürstin, ein Engel der Armen und Bedürftigen, und als ihre glücklichsten Stunden betrachtet sie es, wenn sie Abends nach ihren Wanderungen durch Hütten der Armen in das einfache Palais, welches sie mit ihrem Genial auf der Wiedner Hauptstrasse bewohnt, zurückkehrt mit dem Bewustsein, viele Thränen getrocknet, manches Elend gelindert zu haben. 11 Uriefrritfj Kronprinz des Deutschen Reiches und Kronprinz von Preussen. Protector der deutschen Reichscommission für die Wiener Weltausstellung. ie Wiener Weltausstellung, die erste, welche auf deutschem Roden stattlindet, und welche in ihrem Programm den Einfluss des deutschen Geistes deutlich erkennen hisst, - erfreute sich von dem Beginne der Vorarbeiten an der lebhaftesten Sympathien aller betheiligten Kreise Deutschlands. Die deutsche Reichsregierung erkannte sofort, welche epochemachende Bedeutung für die deutsche Industrie und den deutschen Handel die Wiener Weltausstellung haben würde, nachdem namentlich in Aussicht genommen war, Ostasien und den Orient in hervorragenderer Weise als bisher zu berücksichtigen, jene Länder, in denen der deutsche Handel eine so grossartige Zukunft hat. Mit jener ruhigen, sicheren Thatkraft, welche alle Actionen Deutschlands in Krieg und Frieden ausgezeichnet und der gewiss ein grosser Tlieil der Erfolge des letzten Jahrzehntes zuzuschreiben ist, wurde die Organisirung der Beschickung der Wiener Weltausstellung seitens der deutschen Industrie durch die Reichsregierung eingeleitet und durchgeführt. Die lebhafte, fast an Enthusiasmus glänzende Thcilnahmc, mit welcher die deutschen Industriellen sicli dem grossen Werke widmeten, erhielt wohl den mächtigsten Impuls durch die Ernennung Sr. kaiserl. und königlichen Hoheit des Kronprinzen zum Protector der deutschen Reichscommission. Wir erinnern uns liier, dass im Jahre 18(17 die Kronprinzen der europäischen Länder ebenfalls als Protectoren und Präsidenten der verschiedenen Ausstellungscommissionen fungirten. Man betrachtete diese Ernennung damals als einen Act der Courtoisie gegenüber dem kaiserlichen Hof der Tuilerien, man wusste, dass Kaiser Napoleon III. ein grosses persönliches und dynastisches Interesse daran nahm, die Pariser Weltausstellung äusserlich so glänzend als möglich zu gestalten. Sollte ja doch der Glanz und die Pracht der Ausstellung auf dem Marsfelde die Franzosen für die Einbusse, welche nach französischer Auffassung das Prestige Frankreichs im Jahre 18f>ß erlitten, entschädigen, und es mochte daher für den kaiserlichen llof und für das französische Volk schmeichelhaft genug sein, dass die Thronfolger der alten europäischen Monarchieen nach Paris eilten, um durch ihre Anwesenheit dem Genie Frankreichs zu huldigen. Mit ganz anderen Gefühlen aber wurde in Deutschland und in Oesterreich die Ernennung Seiner kaiserlichen und königlichen Hoheit zumProtector der deutschen Reichscommission begriisst. Allerdings schätzen wir in erster Linie die hohe Ehre, welche Seine Majestät der deutsche Kaiser durch diese Ernennung Oesterreich und der Wiener Weltausstellung erwiesen hat, aber weit bedeutungsvoller erscheint uns diese Wahl, wenn wir die Stellung Deutschlands zur Wiener Weltausstellung überhaupt erwägen, wenn wir die besondere Stellung, welche Seine kaiserliche und königliche Hoheit Oesterreich gegenüber stets eingenommen hat, betrachten. Treue, aufrichtige, warme Freunde hat Oesterreich in Europa vielleicht nur wenige, gar manches trübe Jahr hat uns darüber belehrt. Aber wie die äusseren, politischen Verhältnisse sich auch gestalteten, welche eigenthiimlichcn Constellationcn am Himmel der europäischen Politik sich auch bildeten, das wussten wir stets und haben wir nie vergessen, dass Friedrich Wilhelm, der Kronprinz von Preussen und der einstige Erbe der deutschen Kaiserkrone, einer der besten, aufrichtigsten und treuesten Freunde 11 * — IC,4 — Oesterreichs beständig- war und ist, dass die innige, persönliche Freundschaft, welche ihn mit unserem erhabenen Monarchen, Seine Majestät den Kaiser verbindet, durch kein politisches Ereigniss erschüttert wurde, dass der Kronprinz am Hofe zu Berlin stets der warme Fürsprecher, der beredte Anwalt Oesterreich’s war. Und so begriissen wir Seine kaiserliche und königliche Hoheit nicht allein als den Fürsten, der seiner äusseren Stellung zu Liebe das Protectorat übernommen, sondern vielmehr als den Freund Oesterreich’s, der mit Liebe und Hingebung an dem grossen Werke der Wiener Weltausstellung mitarbeitete. Wir wollen in diesen Blättern, welche der Erinnerung an ein Fest des Weltfriedens geweiht sind, nicht vom Kriege sprechen und die Kraft unserer Feder dürfte auch nicht ausreichen, um die Bedeutung des Kronprinzen als Feldherrn, seine Verdienste um die Siege Deutschlands und um die Errichtung des deutschen Reiches genügend zu würdigen. Mag ein Homer seine Saiten stimmen, um das Lied der deutschen Helden zu singen! Der Siegeslorbeer, der des Prinzen Stirn schmückt, verdeckt seine Liebe zu den Künsten des Friedens, zu den Wissenschaften nicht. Mit lebhaftestem Interesse widmet Kronprinz Friedrich Wilhelm sich der Förderung aller Künste, der Literatur und der Wissenschaften; wie er General-Feldmarschall der Armee ist, so bekleidet er auch die Würde eines Proteetors sämmtlicher Museen in Preussen. Und was ihn besonders auszeichnet, ist, dass er niemals, wie es sonst wohl in den Kreisen fürstlicher Personen Vorkommen mag, irgend ein Amt nur dem Namen nach bekleidet, oder dasselbe zum Tummelplatz dilettantischer Liebhabereien macht. Das anspruchslose, strenge Pflichtgefühl, welches alle Könige von Preussen, die nach dem Ausspruch ihres Ahnherrn, des grossen Friedrich II., nur als die ersten Diener des Staates sich betrachten, diese wie Gold gediegene Tüchtigkeit des ganzen Wesens, die der Kronprinz von seinem Vater, Seine Majestät Kaiser Wilhelm I., erbte, lassen den Kronprinzen stets freudig und thatkräftig den i r.ft. < 3 » Mühen und der Arbeit jedes ihm übertragenen Amtes sich hingeben. Freilich leuchtet dabei über seinem Leben ein Stern besonderen Glanzes. Ein magisches Land schlingt sich von dem deutschen Kaiserthrone zu dem König der deutschen Dichter Wolfgang Goethe. Ihre Majestät Kaiserin Augusta war eine Schülerin Goethe’s; der edle Greis, dem bis zu seiner Todesstunde die Musen ihre Gunst nicht versagt, liebte besonders die junge Prinzessin, die Enkelin seines ihm unvergesslichen Freundes Carl August. Wir denken hier an den grossen Einfluss, welchen die Mütter bedeutender Männer stets auf die Entwicklung derselben ausgeübt haben und wir finden in dem Kronprinzen in seltener Weise die Eigenschaften seiner erhabenen Eltern, die strenge, characterfeste Männlichkeit des. Vaters und den reichen, lebhaften Geist der Mutter harmonisch vereint. Es charakterisirt das Wesen des deutschen Volkes, dass mehr noch als seine glänzenden, kriegerischen Talente dem Kronprinzen seine geistige Thätigkeit als Freund der Künste und Wissenschaften, namentlich aber sein anspruchloses, echt bürgerliches Familienleben die Herzen des ganzen Volkes erobert haben. Im Kreise seiner Kinder, an der Seite seiner Gemahlin, Kronprinzessin Viktoria, ist der Kronprinz das Musterbild eines echtdeutschen Familienvaters. In zahlreichen Schlachten führte der Kronprinz die Deutschen zum Siege, unter seiner Führung erscheint das deutsche Volk zum ersten Male als geeinigtes Ganzes*bei dem grossen internationalen Wettkampf. Die Geister der grossen Dichter und Künstler, Denker und Erfinder, welche Deutschland der Menschheit schenkte, mögen segnend die deutsche Abtheilung der Wiener Weltausstellung und ihren erhabenen Protector umschweben und deutscher Geist, deutscher Flciss und deutsche Arbeit mögen auch bei dieser Weltausstellung die Ehre und die Anerkennung linden, deren sic in so hohem Grade würdig sind. 4 ^Ilforl Jähnmih, Prinz von Wales, Kronprinz von Crossbrittanien und Irland. Ehren-Präsident der k. grossbrittanischcn Commission fiir die Wiener Weltausstellung. er Name des unvergesslichen Prinzen Albert von Sachsen- Coburg, Prinz-Genial Ihrer Majestät der Königin Vietoria, ist mit der Geschichte der Weltausstellungen auf das Innigste verknüpft. Prinz Albert war es, von dem seiner Zeit die Anregung zur ersten Londoner Weltindustrieausstellung ausging, nach seinen Ideen wurde dieselbe eingerichtet, er leitete die Ausführung und ihm ist in erster Linie der grosse Aufschwung der Industrie, welcher eine Folge der Weltausstellungen war, zu danken. Der würdige Sohn seiiffis grossen Vaters, steht der Prinz von Wales an der Spitze der englischen Commission fiir die Wiener Weltausstellung und leitet die Vorarbeiten. Albert Eduard, Prinz von Wales, Herzog zu Sachsen etc. etc. ist am 9. November 1841 geboren. Die ausgezeichnete Erziehung, welche seine Eltern ihm angedeihen Messen, entwickelte die reichen Gaben des Geistes, welche der Prinz besitzt, in ausserordentlich günstiger Weise. Erprobt in allen ritterlichen Künsten, mit umfassender, wissenschaftlicher Bildung ausgerüstet, gilt der Prinz von Wales als der erste Gentleman Alt-Englands. In glücklichster Weise vereinigt er den englischen und den deutschen Charakter in sich und diejenigen, welche das Glück hatten, in persönliche Berührung mit ihm zu kommen, rühmen seinen blendenden Geist und die Ritterlichkeit seines ganzen Wesens. Vermählt ist der Prinz von Wales mit Prinzessin Alexandra • von Schleswig - Holstein - Sonderburg - Glücksburg, Tochter Seiner Majestät des Königs Christian IX. von Dänemark. Der Prinz von Wales ist der Schwager Seiner kaiserlichen und königlichen Hoheit des Kronprinzen des deutschen Reiches und von Preussen, welcher mit der Prinzess Victoria, ältesten Tochter Ihrer Ma jestät der Königin Victoria, vermählt ist, und der Schwager Seiner kaiserlichen Hoheit des Grossfürsten - Thronfolger von Russland, dessen Gemalin, Prinzessin Dagmar, eine Schwester der Prinzessin von Wales ist, so dass dereinst die Herrscher der drei mächtigsten Reiche Europa’s, England’s, Russlands und Deutschlands durch enge, verwandtschaftliche Bande vereinigt sein werden. Es war nicht leicht, in England das Interesse an der Wiener Weltausstellung zu erwecken. England, die Heimat der Weltausstellungen und das erste Industrieland der Welt, hatte die Erfolge der letzten Pariser Ausstellung vom Standpunkte des praktischen Nutzens aus betrachtet und nicht im Verhältniss zu den Kosten stehend gefunden. Unter den englischen Industriellen regte sich zuerst der Gedanke an Reform des ganzen Ausstellnngswesens und es wurde bekanntlich ja auch der Versuch einer derartigen Reform durch Einführung der jährlichen und permanenten Ausstellungen gemacht. Während dieser Versuch im Jahre 1872 nicht den Beifall aller Industriellen sich erringen konnte, vielmehr sehr gewichtige Stimmen gegen die permanenten Weltausstellungen sich anssprachen, begannen allmählig die Vorbereitungen zu der Wiener Weltausstellung grössere Dimensionen, als man allgemein erwartet hatte, anzunehmen. Da war es nunmehr die englische Commission unter Vorsitz Seiner königlichen Hoheit des Prinzen von Wales, welche eine lebhafte und eifrige Agitation erölfnete, um die englischen Industriellen zu grossartigster Methoiligung xu animircn. l’ud diese Agitation war von überraschendem Infolge gekrönt. Man erkannte in England die grosse Bedeutung der Wiener Weltausstellung für den orientalischen und asiatischen Markt und die englische Industrie wird durch ihre glänzende Notheiligung an der Wiener Weltausstellung ihre hervorragende Stellung in der Culturwelt auf's Neue kräftigen und befestigen. l 'iJ®^ in,,alts ’ zu Industriezwe Pfjilijiji dmf uon Protcctor der belgischen Commission für die Wiener Weltausstellung. M elgien gehört, trotz seines geringen, geographischen Flächenden industriellen (Jrossmächten. Fast alle _reige haben in dem kleinen Lande ihren Sitz und ~ '-t> stehen auf der höchsten Stufe der Entwickelung. Die neutrale Stellung des Staates, welche ihn vor kostspieligen Ausgaben fiir ein stehendes lleer bewahrt, gestattet alle Kräfte auf die Hebung des Handels, der Industrie und der Gewerbe zu concentriren. Seit seiner im Jahre 1830 erfolgten Unabhängigkeitserklärung hat Belgien stets als ein Musterstaat gegolten und ist es auch tliat- sächlich gewesen. König Leopold I., ein Prinz aus dem erlauchten Hause Sachsen - Coburg hat es verstanden, die moderne, constitutionelle Regierungsform in Belgien musterhaft herauszubilden, und damit für die übrigen Staaten ein leuchtendes Beispiel aufzustellen. Die hohe Achtung, welche König Leopold bis zu seinem Tode in ganz Europa genoss, so dass er wiederholt bei schwebenden, internationalen Streitigkeiten zum Schiedsrichter berufen wurde, galt zwar in erster Linie dem weisen und ausgezeichneten Fürsten persönlich, hatte jedoch auch ebenso günstige Folgen für die unabhängige, internationale Stellung Belgiens. Sein Nachfolger, König Leopold II., regiert in dem gemässigten, streng constitutioneilen Geiste seines Vaters. 170 Graf Philipp von Flandern ist der zweite Sohn des Königs Leopold I. Leide Söhne haben eine ausgezeichnete Erziehung genossen und eine, weit über das Mass der gewöhnlichen und herkömmlichen, hinausgehende Bildung sich erworben. Besonders Hessen die Prinzen es sich angelegen sein, die Verhältnisse ihres Landes genau zu studiren und auf weiten Reisen Erfahrungen zu erwerben, deren Yerwerthung für Relgien von Rcdeutung sein konnte. Trotzdem daher der Graf Philipp von Flandern in seiner Stellung als präsumtiver Thronfolger zur thätigen Mitwirkung an der Regierung nicht berufen ist, hat er stets vermöge seiner ausgezeichneten Eigenschaften einen bedeutenden Einfluss auf die Geschicke Relgiens ausgeübt. Bereits im Jahre 1867 Präsident der belgischen Ausstellungs- Commission in Paris hat der Prinz sein lebhaftes Interesse stets der Industrie zugewendet. Seine umfassende Kenntniss des wirtschaftlichen Lebens, eingehende national-öconomische Studien und eine bedeutende Arbeitskraft lassen ihn auch seine gegenwärtige Stellung als Protector der belgischen Commission für die Wiener Weltausstellung nicht als blosses Ehrenamt betrachten, vielmehr hat er mit angestrengter und aufopfernder Thätigkeit den Arbeiten der unter seinem Präsidium tagenden Commission sich gewidmet. Seit dem Jahre 1847 mit Prinzessin Maria von Ilohenzollern- Siguiaringen vermählt, daher mit dem preussischen Königshause nahe verwandt, geniesst der Prinz das Glück der Ehe an der Seite seiner Gemahlin, welche seine vielen literarischen und künstlerischen Neigungen theilt, und welche zu den Zierden des Brüsseler Hofes zählt. Die Sympathien, welche Belgien bei allen Nationen geniesst, können daher nur durch die liebenswürdige und geistvolle Vertretung, welche dieses Land bei der Wiener Weltausstellung in der Person des Grafen von Flandern besitzt, gesteigert werden und wir hoffen, dass die Erfolge, welche Belgien bei der Ausstellung erlangen wird, dem Prinzen für seine mühevolle und aufopfernde Thätigkeit der schönste Lohn sein werden. F ü r s t v o n Sch w :i r z e n b erg, Herzog z u K r 11 ni a u etc. etc. Vicepräsideiit (1er k. k. Commission für (lie Wiener Weltausstellung. nnig verwebt mit der Geschichte Oesterreichs zählt das 'jhochturstliche Haus Schwarzenberg zu den glänzendsten und angesehensten Familien der deutsch-österreichischen Aristokratie. Ununterbrochen finden wir einen oder mehrere der Träger dieses grossen Namens in bedeutenden, einfluss reichen Stellungen im Staat, in der Armee oder im Clerus und mit höchst seltenen Ausnahmen, waren es stets persönliche, ausgezeichnete Eigenschaften, welche die Mitglieder dieser erlauchten Familie in den Vordergrund stellten. Fürst Johann Adolf von Schwarzenberg, das gegenwärtige Oberhaupt der Familie, bekleidet zwar die Würde eines k. k. geheimen Käthes, hat aber sonst niemals eine Öffentliche Stellung im Staatsleben Oesterreichs eingenommen. Trotzdem ist sein Name in der Geschichte Oesterreichs für ewige Zeiten eingetragen, denn ihm verdankt die österreichische Landwirtschaft ihren gegenwärtigen Aufschwung und ihre grossartigen Erfolge. Der Fürst Johann Adolf succedirte seinen Vater, dem Fürsten Josef am 19. Decembcr 1883 und übernahm die grossen Besitzungen des Hauses. Da die fürstliche Familie zu den grössten Grundbesitzern Oesterreichs gehört und namentlich die fürstlich schwarzenbergischen Herrschaften in Böhmen und Steiermark grosse, zusammenhängende Complexe bilden, so musste selbstverständlich die Bewirtschaftung derselben für alle anderen Grossgrund-Besitzer von massgebendem Einlluss sein. Mit besonderer Vorliebe batte Fürst Johann Adolf von seiner Jugend an dem Studium der Landwirthsehaft sich gewidmet; ausgezeichnete Landwirthe, wie llorsky und Korners erfreuten sieb seiner Protection und von dem Tage der Uebernahine der Herrschaften seiner Familie durch ihn, begann eine auf wissenschaftlichen Grundsätzen basirende rathmelle Bewirtschaftung, die noch heute als leuchtendes Beispiel für die gesummte österreichische Landwirthsehaft gilt. Ausser dem landwirthsehaftliehen Betriebe hat Fürst Johann Adolf von Schwarzenberg auf seinen Gütern eine grosse Anzahl von Fabriken errichtet, in Schwarzbach, im Bezirke Ober-Iglau in Böhmen besitzt er die grössten Graphitgruben Oesterreichs, in Steiermark zahlreiche Eisenwerke. Bei der Wiener Weltausstellung hat die Fürstliche Schwarzen- bergische Central-Giiter-Direction einen eigenen Pavillon auf dem Weltausstellungsplaze errichtet, welcher schon aus dem Grunde zu den interessantesten Objecten gehört, weil alles Material, das Holz sowohl wie die Steine von den Fürstlich Schwarzenbergischen Besitzungen herrührt. Die Wahl Seiner Durchlaucht zum Yicepräsidenten der k. k. Weltausstellungs-Commission war besonders für die österreichischen Landwirthe ein Ereigniss von grösster Bedeutung und wir irren nicht, wenn wir seinem hervorragenden Einfluss die glänzende Betheiligung der Landwirthe aller Länder zuschreiben. Feingebildeter, die Künste und Wissenschaften besonders protegirender Cavalier ist Fürst Johann Adolf von Schwarzenberg im ganzen österreichischen Volke höchst populär und er sowohl, wie seine Gemalin, Fürstin Eleonore, gebornc Prinzessin von Lichtenstein, verdienen diese Liebe durch ihren Wohlthätigkeitssinn und ihr liebevolles, echt humanes Wirken. 1 09 Graf Adam Andreas von Lichtenstein in den deutschen Reichsfürstenstand erhoben und die Reichsfürsten von Lichtenstein hatten seitdem ihren Sitz im Reichstag auf der schwäbischen Fürstenbank. Bei Gründung des deutschen Bundes trat das Fiirstenthum Lichtenstein als souveraines Glied in denselben ein, nach Autlosung des Bundes im Jahre 18C6 schloss Lichtenstein, welcher dem norddeutschen Bund nicht beitrat und auch im Jahre 1871 sich nicht in das deutsche Reich aufnehmen liess, in politischer und administrativer Beziehung sich Oesterreich an. Wohl nur der Umstand, dass das kleine, zwischen der Schweiz und Vorarlberg gelegene Fiirstenthum Lichtenstein das einzige glückliche Land Europa’s ist, in welchem keine directen Steuern, kein Militär und keine Staatsschulden existiren, dürfte der Grund sein, wesshalb Seine Durchlaucht der regierende Fürst, der den überwiegend grössten Theil säinintlicher Landesausgaben aus seinem Privat- vermögen bestreitet, sein Land nicht gänzlich an Oesterreich abgetreten hat. Seine Durchlaucht Fürst Johann II. trat, nach Ableben seines hochseligen Vaters des Fürsten Josef Alois, am 12. November 1858 die Regierung an. In den Traditionen seines Hauses erzogen, hat Fürst Johann II. besonders sich dem Studium der Wissenschaften und Künste gewidmet. Eine umfassende wissenschaftliche Bildung, feiner künstlerischer Geschmack und Erfahrung in allen ritterlichen Künsten, machen den jungen, am 5. October 1840 gebornen Fürsten zu einem der ausgezeichnetsten und glänzendsten Cavaliere von Deutschland und Oesterreich. Sein Palais, w elches ursprünglich 101)4 von dem berühmten Architekten Hildebrandt erbaut und in den Jahren 1839 bis 1840 von Devignes restaurirt wurde, ist eines der schönsten und grossartigsten Wien’s und trägt, wie kaum ein zweites, den imponirenden Charakter des Palastes eines Grand- Seigneurs. In allen Einzelheiten erkennt man den feinen, kunstverständigen Geschmack des ritterlichen Besitzers. Im öffentlichen Leben ist Seine Durchlaucht selten hervorgetreten. Im Jahre 1803 betheiligte sich Fürst. Johann II. als Mitglied des deutschen Bundes an dem damals in Frankfurt a. M. unter dem Präsidium Seiner Majestät des Kaisers Franz Josef I. von Oesterreich stattgehabten Fürsten tag. Als jüngstes Mitglied der erlauchten Versammlung übernahm Fürst Johann II. das Referat über mehrere sehr wichtige Theile des Bundesreformentwurfs und seine eingehende und lichtvolle Berichterstattung erregte damals allgemeines Aufsehen und legte Zeugniss von der glänzenden staatsmännischen Begabung und den reichen Kenntnissen des jungen Fürsten ab. Besonderes Interesse widmet Seine Durchlaucht Fürst Johann II. der Landwirthschaft, wozu ihn die Verwaltung seiner grossartigen und ausgedehnten Besitzungen in Oesterreich, Preussen und Sachsen veranlasst. Der Gesammtumfang der fürstlichen Besitzungen be- 175 trägt 104 Quadratmeilen mit über 000,000 Einwohner, wovon 2 */« Quadratmeilen mit 20,000 Einwohnern auf das souveraine Fiirstenthum Lichtenstein kommen, llervorheben wollen wir namentlich die Herrschaft Rumburg, von welcher ein Tlieil auf sächsischem Gebiet sich befindet und Schwarzkosteletz (mit einer berühmten, vorzüglich eingerichteten Zuckerfabrik) in Rühmen, Buchowitz (wo die fürstliche Centralbuchhaltung sich befindet), Eisenberg, Eisgrub (mit einem prachtvollen weit und breit berühmten Schloss, welches Seiner Durchlaucht als Sommerresidenz dient), Ostra, Steinitz (nebst Zuckerfabrik), Sternberg und Trübau in Mähren, die Herzogthiimer Troppau undJägerndorf in Oesterreichisch-Sehlesien, das Fürstenthum Leobschütz in Preussisch - Schlesien, Feldberg, Rabensburg, Hohenau, Judenau, Lichtenstein, Licli- tenthal (mit einem, durch sein ausgezeichnetes Bier berühmten Brauhaus), Schottwien und Liebenau in Niederösterreich, dann die Acser Puszta und Vass mit den renommirten Weingärten in Nesz- mely in Ungarn und ausserdem in Adamsthal und Aloisthal grossartige Eisenwerke und Maschinenfabriken^ Diese vielen und grossen Herrschaften, die wir vollständig nicht aufzählen können, nehmen die persönliche Thätigkeit Seiner Durchlaucht in hohem Grade in Anspruch, da Fürst Johann II. als Land- und Forstwirth selbst an allen Zweigen der Verwaltung sich betheiligt. Auf beiden Gebieten, dem aut wissenschaftlichen Principien beruhenden Fortschritte ergeben, hat Seine Durchlaucht Fürst Johann II. seine Herrschaften zu Mustern des landwirtschaftlichen und forstwirtschaftlichen Betriebes erhoben. In der k. k. Commission für die Wiener Weltausstellung war Seine Durchlaucht mit besonderem Interesse tätig und hat Fürst Johann II. durch diese seine Mitwirkung an dem grossen Werke, durch seine Aufopferung, die ihn seine hervorragende Stellung als souveräner Fürst bei Seite setzen liess, um dem grossen Werke und dem Gemeindewohl zu dienen, sich bleibende und glänzende Verdienste um Oesterreich und die Industrie erworben. Julius, Graf uou %ibnis$tj t k. k. Minister der auswärtigen Angelegenheiten und Minister des kaiserl. Hauses. Vieepräsident der k. k. Commission für die Wiener % Weltausstellung. r ilö r«*' Julius Andrassy bekleidet «lie Stelle eines Vicepräsi- deuten der kaiserliehen Ausstellungs-Commission erst seit ® ^ (>r wo ( ‘ r znm k- k- Minister der auswärtigen Angelegenheiten ernannt wurde. Es ist unbedingt nothwendig, da die Wiener Weltausstellung wohl alle Potentaten Europa’s naeli Wien führen wird, «lass derjenige Minister, welcher den Kaiserstaat nach Aussen hin vertritt, dem Präsidium der Ausstellungs-Commission mit angehört, um in «len vielen in das Kessort des Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten gehörigen Fragen sein Votum in die Wagsehalc legen zu können. Ist doch die Weltausstellung selbst ein Ereigniss von so ausserordentlicher, politischer Tragweite, dass sie das ganze Gebiet der auswärtigen Politik bereits seit dem Jahre 1872 last vollständig beherrscht und in ihren nächsten Folgen dürfte sie auf Jahre hinaus wirken. Die heutige Politik der in den Kreis der europäischen Cultur- welt gezogenen Staaten, und man darf wohl sagen, dass jetzt bereits der grösste Theil der Erdoberfläche zu diesem Kreise gehört, — wird nicht mehr wie früher, nach dynastischen, sondern vielmehr nach wirthschafllichcn Interessen bestimmt und auf wirth- schaftlichem Gebiet ist die Wiener Weltausstellung das epoche- i — 177 — machende Ereigniss, welches die nächste Zukunft ausschliesslich beherrschen wird. Bereits als königl. ungarischer Ministerpräsident hatte Graf Andrassy vielfache Gelegenheit, sein Interesse für die Wiener Weltausstellung zu bekunden. Hat doch diese Ausstellung für 1 Urigarn eine besondere, hervorragende Bedeutung, denn zum ersten Male tritt Ungarn, als selbstständiges Land, als staatsrechtlich streng unabhängiger Tlieil der österreichisch-ungarischen Monarchie in den grossen, internationalen Wettkampf ein. Daher hat in Ungarn auch zuerst sich die Agitation für die Betheiligung an der AViener Weltausstellung am lebhaftesten geäussert und diese Agitation war auch von ausserordentlichem Erfolg begleitet, so dass Ungarn jedenfalls zu den bei der Wiener Weltausstellung am Besten vertretenen Ländern zählt. Dieses Resultat wäre eben kaum möglich gewesen, wenn nicht seit dem Jahre 18G7 Ungarn auf allen Gebieten des landwirth- l schaftlichen, industriellen und gewerblichen Betriebes wahrhaft riesenhafte Fortschritte gemacht hätte. Das ungarische Ministerium, welchem seit 1867 Graf Julius Andrassy als Ministerpräsident angehörte, liess es sich besonders angelegen sein, die wirthschaftliche Entwicklung Ungarns zu fördern. Namentlich das Connnunicationswesen, welches bis dahin in Ungarn sehr im Argen gelegen hatte, wurde den durchgreifendsten Reformen unterzogen, zahlreiche Eisenbahnlinien wurden conces- sionirt und in Bau genommen, Strassen hergestellt und die Industrie des Landes überhaupt auf das Wirksamste unterstützt. So hatte Graf Andrassy in seinem Amt als ungarischer Ministerpräsident in erster Linie sich als praktischer Staatsmann gezeigt. Es entspricht das auch seinem ganzen Wesen und seiner I Vergangenheit. Graf Andrassy ist kein Diplomat aus der alten Schule. Sprössling einer der ältesten und reichsten ungarischen Magnatenfamilien, deren Abstammung sich in die graueste Vorzeit verliert, hat er den freiheitlichen Ideen der neueren Zeit von Jugend auf mit Enthusiasmus sich zugewendet. 1/J An dem alten, historischen Verfassungsreeht Ungarn’» mit patriotischer Pflichttreue hängend, dahei fiir die gesetzliche Fortentwicklung des ungarischen Staatsrechts mit warmer lieberzeugungstreue eintretend, blieb Graf Andrassy auf dem streng ungarischen Standpunkt auch im Jahre 1848, als der verfassungsmässige und gekrönte König von Ungarn nicht in der Lage war, seine Würde auszuüben. Man hat diese Episode, während welcher Graf Andrassy theils in Ungarn selbst, dann als diplomatischer Vertreter Ungarns in Paris thätig war, wiederholt in einem revolutionären Lieht dargestellt. Das ist unseres Erachtens nach gänzlich unrichtig, vielmehr entsprach der Standpunkt des Grafen, der an der ungarischen Verfassung unverbrüchlich fest hielt, den streng conservativen Principien und ändert an dieser Thatsache seine spätere Ver- urtheilung zum Tode, die in effigie exekutirt wurde, nicht das Mindeste. Mit derselben Loyalität stellte Graf Andrassy nach Wiederherstellung der ungarischen Verfassung sich Seiner Majestät dem Kaiser wieder zur Disposition und es war der Erwartung des ganzen ungarischen Volkes entsprechend, als Seine Majestät der Kaiser ihn als Ministerpräsidenten in den Rath der ungarischen Krone berief. Nächst Franz Deak ist Graf Julius Andrassy der populärste Mann in Ungarn. Das ungarische Volk verehrt in ihm den glänzenden Cavalier, den ausgezeichneten Staatsmann, den ehrenhaften und gesinnungstreuen Patrioten. Bereits als Grat Beust noch die Würde eines k. k. Reichskanzlers bekleidete, hat Graf Andrassy auf die Leitung der auswärtigen Angelegenheiten Oesterreichs einen nicht unbedeutenden Einfluss ausgeübt. Als daher Graf Beust zurücktrat, war Graf Andrassy wohl der Berufenste, die Fäden der österreichisch ungarischen auswärtigen Politik zu dirigiren. Graf Andrassy verfolgt genau dieselben, auf Wahrung des Einflusses Oesterreichs und seiner Machtstellung gerichteten Zielpunkte der Politik wie Graf von Beust. Das freundschaftliche Verhältniss zu Deutschland, welches in der im Jahre 171) 1872 stattgefundenen Drei - Kaiserzusammenkunft seinen Ansdruck fand, ist besonders seiner Einwirkung zu danken und hat auch freundschaftliche Beziehungen zu Russland zur Folge gehabt. Das Jahr 1873 wird dem Grafen Andrassy die Gelegenheit geben, Oesterreichs gute Beziehungen zu allen europäischen •Staaten besonders zu pflegen und die Folgen der Wiener Weltausstellung für Oesterreichs Machtstellung fruchtbringend zu verwerthen. 12 * l|rbhritl) T|rrbinmth, Graf tum J3ru$l, k. k. Botschafter am grossbrittanischen Hofe. Vizepräsident, der k. k. Commission fiir die Wiener Weltan.sste lluna;. '('v^i^jrvaf Beust darf wohl mit vollstem Recht einer der be- deutendsten Männer der Gegenwart genannt werden und ^ k ^ seine Wirksamkeit in den verschiedenen von ihm bekleideten Stellungen sichert ihm einen dauernden, ehrenvollen Platz in der deutschen und österreichischen Geschichte. Einem sehr alten, norddeutschen Adelsgeschlechte, welches seine Besitzungen in Preussen und Sachsen hat, entsprossen, hat Graf Beust, welcher von Geburt der älteren, freiherrlichen Linie seines Hauses angehört, sehr zeitig sich dem diplomatischen Dienst in seiner Heimat, dem Königreich Sachsen, gewidmet. Noch im Jahre 1848 zum königlichen sächsischen Minister ernannt, gelang es seiner Energie und seiner entgegenkommenden Politik das kleine, von den Parteien vielfach zerrüttete Land wieder in die Bahnen gesetzlichen, segensreichen Friedens zu lenken und durch eine Reihe von Reformen in der innern Gesetzgebung sich die Sympathien des sächsischen Volkes zu sichern. Die eigenthiimliche, politische Lage Sachsens zwischen den beiden, damals im deutschen Bunde rivalisirenden Mächten Oesterreich und Preussen musste den Grafen Beust in seiner Eigenschaft als leitender Minister Sachsen’s ganz von selbst zu einer eingehenden Beschäftigung mit der deutschen Politik und namentlich mit der Frage der Reform der Bundesverfassung führen. Wenn auch 181 grundsätzlich an dem föderativen Charakter der deutschen Bundesverfassung festhaltend, verhehlte er sich doch nicht, dass diese Bundesverfassung im Laufe derZeit wesentlicher Reformen bedürftig geworden sei. Ohne die Souveränitätsrechte der einzelnen Bundesglieder schmälern zu wollen, ging sein Bestreben besonders dahin, auch dem deutschen Volke eine Vertretung bei dem deutschen Bunde zu schaffen und so die- Grundlagen für eine allmählig sich entwickelnde Einheit Deutschlands zu legen. Dieses sein echt deutsches, patriotisches "Wirken war es, welches ihm die Achtung und Liebe des ganzen deutschen Volkes eintrug und welches vor Allem ihn berufen erscheinen liess, während der im Jahre 1864 statttindenden Veihandlungen in London betreffs Lösung der schleswig-holsteinischen Frage, Deutschland dort zu vertreten. Aus dem Schleswig-holsteinischen Krieg entwickelte sich in raschen Consequenzen der (Jonflikt. zwischen Preussen und Oesterreich. Wenn das Kriegsglück sich auch im Jahre 1866 gegen die von dem Grafen Beust mit Wärme und Ueberzeugungstreue vertretene Politik entschied und die in Folge der Ereignisse von 1866 geschaffene, norddeutsche Bundesverfassung ihm seine fernere Wirksamkeit in Deutschland abschnitt, so nahm er doch bei seinem Scheiden die Liebe des Volkes und die Hochachtung seiner politischen Gegner in seinen neuen Wirkungskreis mit hinüber. Und dieser Wirkungskreis war Oesterreich. Wir dürfen sagen, dass es der gute Genius unseres Kaiserstaates war, welcher den Grafen Beust veranlasst«, dass in ehrenvollster Weise von Seiner Majestät dem Kaiser ihm angetragene Amt eines k. k. Ministers der auswärtigen Angelegenheiten anzunehmen. Es war eine Riesenaufgabe, fast zu gross für die Kräfte eines sterblichen Menschen, welcher Graf Beust bei seinem Amtsantritt sich gegenüber befand. Aber er verstand es rasch, sich das unbedingte Vertrauen aller Kreise, mit denen ihn sein Amt zusammenführte, zu erwerben. Die Wiederherstellung der alten, ungarischen Verfassung, das Aufblühen eines freieren Verfassungsleben in der cisleithanischen Reichshälfte, die Aufhebung des Concordâtes in Oesterreich sind Thaten des Grafen Reust, die ihm für ewige Zeiten die Dankbarkeit aller Oesterreicher sichern und die ihn den edelsten und bedeutendsten Erscheinungen der Österreichischen Geschichte anreihen. Wie ein rother Faden zieht sieh durch seine Politik eine unbedingte Gerechtigkeitsliebe, die ihn veranlasst, um des guten Rechtes willen, keinen Kampf, keine Mühe, keine Anstrengung zu scheuen. Und dieser ethische Inhalt seines ganzen politischen Wirkens ist es, welcher ihn so hoch unter den Staatsmännern der Gegenwart stellt. Massig und weise in allen seinen politischen Actionen gelang es dem Grafen Beust sehr rasch, Oesterreich wieder die ihm gebührende, achtunggebietende Grossmachtstellung zurückzugeben, welche es vor dem Kriege von 1866 besessen. Namentlich unablässig bemüht, Europa den Frieden zu erhalten und Oesterreich vor jeden äusseren Conflict zu bewahren, verdankt das Reich ihm die rapide, wirtschaftliche Entwicklung, welche es seit 1847 gehabt hat. Und diese Entwicklung, sowie die geachtete Stellung Oesterreichs in der politischen Welt Europa’s sind es, welche es endlich ermöglichten, die bereits seit dem Jahre 1854 projectirte Wiener Weltausstellung nunmehr im Jahre 1873 durchzuführen. Wir dürfen den Grafen Beust als denjenigen Staatsmann bezeichnen , dessen grossartigen Erfolgen Oesterreich seine Weltausstellung verdankt und wir erblicken in dem glücklichen Zu standekommen und der glänzenden Durchführung derselben die Krönung der Wirksamkeit des um Oesterreich so hochverdienten Mannes War Graf Beust in seiner gegenwärtigen Stellung als k. k. Botschafter in London in der Lage, für die Beschickung der Ausstellung durch die englischen Industriellen einen bedeutenden und erfolgreichen Einfluss auszuüben, so konnte er auch als Vice- präsident der k. k. Ausstellungscommission sich in seiner liebenswürdigen und anregenden Art und Weise an den Vorarbeiten betheiligen. 183 Die persönliche Liebenswürdigkeit des Grafen, welche alle bezaubert, die das Glück haben, mit ihm in nähere Berührung zu kommen, wird auch während der Wiener Weltausstellung, wo er als Vicepräsident mitberufen ist, das grosse Unternehmen zu repräsen- tiren, sich geltend machen. Die ihm bei seinem Scheiden aus dem auswärtigen Amte aus allen Theilen Oesterreichs dargebrachten Ovationen legen den Beweis ab, in wie hohem Grade das österreichische Volk aller Nationalitäten diesen ausgezeichneten Staatsmann liebt und verehrt und wir hoffen, dass er Seiner Majestät dem Kaiser und dem österreichischen Volke noch recht lange in ungeschwächter Kraft zu erfolgreicher Thätigkeit erhalten bleibe. Dr.ipijcfin^rcif|m; uoujStljuiiirj-jlralmru t k. k. geli ei in er Rath, General-Direetor 7 hatte Herr von Schwarz die Vertretung der österreichischen Aussteller nicht übernommen, doch hat er trotzdem in ausgezeichneter Weise den österreichischen Ausstellern in seiner Eigenschaft als Leiter der commerciellen Canzlei der Österreichischen Botschaft zur Seite gestanden. Eine der hervorragendsten Eigenschaften des Herrn von Schwarz ist seine aufopferungsvolle Hingabe in seinem Beruf, wobei er sich nicht darauf beschränkt, lediglich die Ptlichten desselben zu erfüllen, sondern mit Einsetzung seiner ganzen Person ist er uner- miidlich, dem Gemeinwohl Dienste /u leisten. So war während des deutsch-französischen Krieges seine Stellung in Paris eine ausserordentlich schwierige. Der Botschafter, Fürst Metternich, musste sich während der Belagerung von Paris nach dem damaligen Sitz der französischen Regierung begeben, Herr von Schwarz blieb in Paris zurück. Die ganze österreichische Colonie in Paris war seiner Obhut anvertraut, er hatte während der Schrecken der Belagerung, während der Herrschaft der Commune die österreichischen Staatsangehörigen zu vertreten und zu schützen, lieber jedes Lob erhaben ist die Aufopferung, welche Herr von Schwarz in diesen schweren Tagen bewies, und es ist ihm allein zuzuschreiben, dass die Österreichischen Staatsangehörigen ohne schwere Verluste diese Schreckenszeit überstanden haben. Seine Majestät der Kaiser verlieh ihm tur diese Verdienste den Orden der eisernen Krone zweiter Classe, in Folge dessen Herr von Schwarz in den Freiherrnstand erhoben wurde. Noch während der Belagerung in Paris wurde Baron Schwarz zum Leiter der Wiener Weltausstellung designirt. Sobald die Ordnung in Paris wieder hcrgestellt war, eilte er nach Wien, worauf seine delinitive Wahl zum General - Director der Wiener Weltausstellung erfolgte, während er gleichzeitig zum k. k. geheimen Rath ernannt wurde. Seine Majestät entsprach durch diese Uebertragung der General- Direction der Wiener Weltausstellung einem allgemeinen Wunsch der österreichischen Industriellen, welche in Baron Schwarz den Mann ihres Vertrauens verehren. In einer Zeit von zwei Jahren, von Juli 1871 bis l.Mai 1873, hat Baron Schwarz vermöge seines ausserordentlichen Organisationstalentes die grossartigen Vorbereitungen zu dem Riesenwerk vollendet. Er war die Seele des Ganzen. Unermüdlich bis spät in die Nacht hinein thätig, hat Baron Schwarz in allen Zweigen des eingerichteten colossalen Apparates einzugreifen gehabt. Der glänzende Erfolg der Ausstellung ist in erster I inie sein Verdienst und noch nach langer Zeit wird das dankbare Vaterland ihn ehren als den Begründer der wirthschaftlichen Grösse Oesterreichs. Dr\ ^rinriclj Jbwta Director des neuen Wiener Stadttheaters, ist zu Sprottau in Schlesien, den 18. September 1800 geboren, hat auf den Gymnasien zu Gross-Glogau und zu Schweidnitz, und an den Universitäten zu Halle und zu Breslau seine Studien erledigt und ist seit 1832 als Schriftsteller aufgetreten. 1840 wendete er seine schriftstellerische Thätigkeit der Bühne zu, und wurde durch eine Reihe von Stücken — Monaldeschi, Roccoco, Struensee, Gottsched und Geliert, Karlsschüler, Prinz Friedrich, Graf Essex, Montrose, Cato von Eisen, Statthalter von Bengalen, Böse Zungen und Demetrius — ein Mitbegründer des modernen Schauspiel- Repertoir's. 1840 übernahm er die artistische Direetion des k. k. Ilofburgtheaters und führte sie bis 1807. — Er legte sie nieder, weil er sich in seinen Vollmachten verkürzt glaubte, und übernahm die selbstständige Direetion des neuen Leipziger Stadtheaters. — Beinahe zwei Jahre hatte er diese mit grossem Erfolge geführt, und ist 1870 nach Wien zurückgekehrt, wo man vorzugsweise um seinetwillen an die Erbauung eines neuen Theaters gegangen ist, welches unter dem Namen das Wiener Stadttheater im September 1872 eröffnet worden ist. Dr. Urmif utm J)ittgrf$bhl r Director des k. k. Ilofburgtheaters, geboren 30. Juni 1814 zu Halsdorf in Oberhessen, auf dem Gymnasium zu Rinteln und der Landesuniversität Marburg zum Philologen gebildet, von 1830 bis 1841 Gymnasiallehrer in Hessen- Cassel und Fulda, bis 1843 ständiger Correspondent der Augs- 189 burger Allgemeinen Zeitung aus Paris, London und Wien, von 1813 bis 1851 Bibliothekar des Königs von Württemberg, bis 1857 königl. Hoftheater-Intendant in München, bis 1807 General intendant in Weimar, bis 1871 Director des k. k. llof-Operntheaters, von 1871 an des k. k. Hof-Burgtheaters in Wien. Seine schriftstellerischen Werke sind: 1. Lyrische Gedichte: Gedichte (bei Cotta) Lieder eines kosmopolitischen Nachtwächters. — Nacht und Morgen. 2. Romane und Novellen: Unter der Erde; Ileptameren; Sieben friedliche Erzählungen; Das Novellenbuch; Das Wanderbuch; „Jusqu’ à la mer“, Erinnerungen aus Holland; Die Amazone. 3. Drama: Das Haus von Barneveldt; Von Shakespeare: „Das Wintermärchen“ ; „Der Sturm“ ; „Macbeth“ und die sieben Königsdramen; Von Molière: „Der Geizige“; Von Beaumarchais: „Ein toller Tag.“ k. k. llofschau spiel er in Wien, ist im Jahre 1797 in Berlin geboren. Seine theatralische Laufbahn begann derselbe zu Dresden in dem Stücke „Rochus Pumper- nikel“, wo sein Talent sofort anerkannt und ihm ein günstiges Prognostikon gestellt wurde. Er verliess bald Dresden und ging nach Danzig, welches ihn jedoch nur kurze Zeit fesselte, von wo er an das Hoftheater nach Weimar ging, daselbst in ununterbrochener Reihenfolge 10 Jahre lang wirkte und sich ein grossartiges Repertoir bildete, welches die heterogensten Rollen um- fasste, deren jede einzelne den Stempel der vollendeten Künstlerschaft trug. Reich mit Lorbeeren und Ruhm beladen, gastirte er im Jahre 1H33 im kaiserlichen Burgtheater in Wien, welches Gastspiel zum sofortigen Engagement führte, woselbst er noch heute, nach 40 Jahren, ebenso künstlerisch schattend wirkt wie früher, wenn auch im Verlauf der Jahre das Rollenfach theilweise geändert wurde. Hotten wir, dass der noch rüstige Greis der Kunst noch lange erhalten bleiben möge. k. k. llofschauspielerin in Wien. Fräulein Charlotte Wolter gehört zu jenen seltenen und wahrhaft grossen Künstlerinnen, welche hei ihren Kunstleistungen stets innerhalb der Grenzen des Klassisch-Schönen zu bleiben wissen und äussere Mittel nur so weit zur Anwendung bringen, als es zur Interpretation ihrer Rolle unbedingt nothwendig ist. Sie versteht es, in den Geist einer Dichtung auf das Tiefste einzudringen und die Gestalt, v r elche des Dichters Phantasie vorschw r ebte, in höchster Vollendung zu schatten. An feinem geistigen Verständ- niss und grossartiger Gestaltungskraft überragt Fräulein Wolter w r ohl alle Tragödinnen der Jetztzeit, sie ist die Vertreterin jener klassischen Richtung, w r elche die Form gemeisselt zu haben scheint und sie so vollkommen beherrscht, dass sich auf dem reinen Spiegel auch die leiseste Regung der Seele kundgibt. Fräulein Wolter ist ein Kind des sonnigen Rheinlandes. Sie wmrde in der ehrwürdigen heiligen Stadt Cöln am Rhein geboren, ln noch sehr jugendlichem Alter widmete sie sich der Bühne und nach einigen Versuchen an kleineren Bühnen Deutschlands trat sie 191 im Jahre 1857 in Pest auf, blieb dort ein Jahr, ging dann nach Stuhlweissenburg, wo sie einen Winter blieb. Von da gelang es ihr, ein Engagement am Carltheater, welches damals unter Nestroy’s Direction stand, zu erhalten. Hier erregte sie in einigen wenn auch kleineren Rollen entschiedenes Aufsehen und Dr. Heinrich Laube, welcher die grosse Bedeutung ihres Talentes erkannte, rietli ihr, zunächst wieder nach Deutschland zu gehen, um, wenn ihre dortigen Erfolge seinen Erwartungen entsprächen, sie später für das k. k. Hofburgtheater engagiren zu können. In der That war der Erfolg, den Fräulein Wolter in Berlin an dem Victoriatheater, namentlich als Herinione in Shakespeare’s Wintermärchen, errang, ein so durchgreifender, dass von diesem Zeitpunkt an Fräulein Wolter zu den bedeutendsten Künstlerinnen Deutschlands gezählt werden konnte. Nach einem einjährigen Engagement bei dem Thaliatheater in Hamburg, welches dazu beitrug, ihren Ruhm zu erhöhen, berief sie Laube an das Burgtheater, wo sie der Liebling und Stolz des Publikums ist. Fräulein Wolter hat namentlich vielen Hebel’schen und Grill- parzer’schen Gestalten eine für immer massgebende Erscheinungsform gegeben und ihre Darstellungen in Shakespearischen, Schiller’- schen und Göthe’schen Frauenrollen, für welche in den grössten Künstlerinnen Deutschlands bereits Vorbilder existirten, zeigen doch eine vollendete charakteristische Eigentümlichkeit der Auffassung, die ihrem Spiel einen feinen ästhetischen Reiz verleiht. Der Einfluss des Fräulein Wolter auf das deutsche Drama wird aut lange Jahre hinaus ein sehr bedeutender sein, und stets wird Deutschland in ihr eine seiner grössten Künstlerinnen verehren. f — 192 — iLjana (äctsüm^r, Dircctrice des k. k. priv. Theaters an der Wien. Fräulein Marie Geistinger gehört von ihrer Kindheit der Bühne an und ihr reiches und vielseitiges Talent entwickelte sieh bereits sehr frühzeitig, so dass sie noch als sehr junge Schauspielerin und Soubrette an den grössten Bühnen Deutschlands und Oesterreichs gastirend schon lange vor ihrem Auftreten in Wien zu den berühmtesten und ausgezeichnetsten Künstlerinnen Deutsch lands gehörte. Im Jahre 1805 trat sie hei dem Theater an der Wien in ein dauerndes Engagement. Sie ist für Deutschland und Oesterreich die Schöpferin der Operettenpartien des Otfenbach’schen Genres geworden. Bewundernswert!! ist ihre Vielseitigkeit. Sie singt mit hinreissender Verve heute die weibliche Hauptpartie m einer Operette, entzückt als Grossherzogin oder schöne Helena das Publikum Otfenbach’s, den andern Abend leistet sie ausserordentliches als Schauspielerin in einem Langer’schen oder Berg’schen Volksstück und deckt durch ihr Spiel die etwaigen Mängel der Dichtung, dann glänzt sie in einer ernsten Rolle, der sie feines, distinguirtes, geistiges Leben einzuhauchen versteht. Sogar in Opernpartien hat sie Bedeutendes geleistet und trotz ihrer Tüchtigkeit im Gesang es nicht verschmäht, noch in Wien durch Professor Wolff sich für die Oper schulen zu lassen. Ihr feiner künstlerischer Geschmack tritt auch in den Toiletten hervor, welche sie für ihre Rollen wählt und sie ist damit nicht ohne Einfluss auf die Mode in Wien gewesen. Seit 1869 Mitdirectrice des Theaters an der Wien, ist sie in ihrem Fleiss unermiidet geblieben, sie ist das am meisten beschäftigte Mitglied dieser Bühne, und das Wiener Publikum, welches bei jeder sich bietenden Gelegenheit sie auszeichnet, zählt sie zu seinen ersten Lieblingen. Ihr Auftreten nach einer längeren oder kürzeren ITnterbrechung l 193 ist stets für sie ein Triumph und für das Publikum ein Fest. So wohl als Collegin wie als Künstlerin von allen Mitgliedern des Theaters an der Wien hochgeehrt und geliebt, wird ihr stets in der Geschichte des Wiener Kunstlebens eine ehrenvolle Stelle bleiben. Wir haben unterlassen, bei der Ueberschrift dieser kleinen Abhandlung beizufügen, welchem Theater Fräulein Gallmeyer in Wien als Mitglied angehört, denn selbst in der kurzen Zeit des Zwischenraums, zwischen dem Niederschreiben dieser Zeilen und dem Druck unseres Albums kann es dem launenhaften Liebling der komischen Muse längst eingefallen sein, sein gegenwärtiges Engagement am Stramplertheater wieder zu verlassen - und unser Text wäre dann veraltet. Fräulein Gallmeyer ist also gegenwärtig im Strainpfertheater, wie gesagt, nur für kurze Zeit, im Herzen der Wiener ist sie für immer engagirt. Sie ist die klassische Vertreterin der Wienerin auf der Kühne und im Leben, heiter, lebenslustig, witzig, üppig, launenhaft und eigensinnig, aber dabei gutherzig und wolilthätig. Fräulein Gallmeyer ist kein dramatisches Talent, sondern sie ist ein dramatisches Genie und desshalb ragt sie über ihre meisten Rollen hinaus, so dass sie, um diese zur vollsten Geltung zu bringen, sich selbst spielt. Sie ist stets originell, selbst da, wo sie copirt. Ein Theaterkind, auf dem Theater geboren und erzogen, kennt sie kaum eine andere Atlnnosphäre, wo sie sich wohl fühlt, als die Bühne. Im Jahre 1853, 15 Jahre alt (wir sind nämlich so indiscret und verrathen hier, dass Fräulein Gallmeyer am 27. Februar 1838 zu Leipzig geboren wurde), trat sie zum erstenmale, nachdem sie 194 vorher wiederholt in Kinderrollen mitgewirkt hatte, in Brünn als Schauspielerin auf. Im Jahre 1862 engagirte sie Director Strampfer für sein Theater an der Wien, von wo sie zu dem Carltheater übertrat, dann Hess sie sich im Jahre 1872 für das Theater an der Wien engagiren, um nach einigen Malen des Auftretens wieder diesen Contract zu lösen und zum Strampfertheater überzugehen. Ueberall dieselbe geistreiche und liebenswürdige Vertreterin des Soubrettenfachs ist es für Wien auch ganz gleiehgiltig, wo sie spielt, sie wird auf jeder Bühne, in jedem Ensemble Enthusiasmus erwecken und stets der Liebling des Wiener Publikums sein und bleiben. k. k. Hofschauspielerin am 6. Mai 1800 zu Karlsruhe geboren, ist die Tochter einer angesehenen Familie, in deren verwandtschaflichen Kreisen geehrte Namen als Künstler und Gelehrte hervorglänzen. Als zehnjähriges Mädchen unternahm Amalie die erste Fahrt auf dem sturmvollen Brettermeere. Mit dem vierzehnten Lebensfrühling erklärte Amalie den festen Entschluss, der Kunst sich zu widmen und wurde Mademoiselle Mörstadt im fünfzehnten Lebensjahre als Mitglied des Karlsruher Hoftheaters engagirt, wo sie bald durch ihre hervorragenden Leistungen in der Darstellung von naiven und gemüthlichen Rollen ein Liebling des Publikums wurde. Mit dem an derselben Bühne engagirten Liebhaber Neumann vermählte sie sich im folgenden Jahre ihrer Thätigkeit und trat 1818 eine Gastspielreise nach Mannheim und München an, wo sie sich eines bedeutenden Erfolges zu erfreuen hatte. 195 Im Jahre 1820 unternahm Madame Neumann eine Kunstreise nach unserer Kaiserstadt Wien, und kam ihr, als sie im Theater an der Wien gastirte, die damals ganz seltene ehrenhafte Aufforderung zu, im kaiserlichen Burgtheater aufzutreten. Hier wurden ihre Darstellungen mit enthusiastischem Lobe gepriesen, reichlich in Versen besungen, und der jungen Künstlerin ein Engagement unter vortheilhaftesten Bedingungen angetragen. Diese ungeteilten Beifallsbezeugungen, deren Madame Neumann sich hier zu erfreuen hatte, waren nur schwache Vorboten des Triumphes, welchen sie im folgenden Jahre 1821 am Spreegestade feierte. Mit dem Gastspiel in Berlin beginnt die glänzendste Kunstepoche ihres Lebens. Die Gastrollen in Berlin vollendeten den Kunstberuf der Madame Neumann. Wie ihre Darstellungen in Hamburg (1821) der freundlichsten Aufnahme sich erfreuten, so ward ihr Gastspiel in Hannover (1823) von dem schönsten Erfolge gekrönt. Herr Neumann starb im September 1823. Ihre Gastspiele in Frankfurt und Stuttgart 1825, sowie auf den ersten deutschen Bühnen gehörten zum lauten Künstlerruhme der holden Wittwe, doch erschien sie auch auf kleineren Theatern, wenn es galt, einem Kunstgenossen aufzuhelfen, das lecke Schiff eines Bühnendirectors auszubessern, oder solches, wenn es zur Zeit der Ebbe auf eine Sandbank gerathen war, wieder flott zu machen. Während des Aufenthaltes in Leipzig ward ein Rosenorden gestiftet, Madame Neumann zum Grossmeister ernannt und ihr eine von Rosen zusammengefügte Leier überreicht. In ihrer Vaterstadt ward wiederholt von vielen Fremden ausgesprochen: „Der Schönheit wundervollen Lenz Erblickt in Badens Residenz.“ Vor dem Gastspiele in Berlin 1825 hatte Madame Neumann hier in Wien am Burgtheater abermals Gastrollen gegeben. Wenn man früher ihr aufkeimendes Talent bewunderte und den nach- herigen Glanz der reizenden Novize schon geahnt hatte, so wurde doch Jedermann durch ihre Kunstausbildung überrascht, ja von 13 * / 190 den Mitgliedern dieses berühmten Musentempels wurden ihr verdiente Kränze gewunden. Als Madame Neumann zum vierten Male in Berlin gastirte (1820), begegnete sie den immer gleich herzlichen Huldigungen. Die Poesie strömte in gleich unversiegbaren Quellen, und können wir nicht umhin, einen humoristischen Aufsatz, welcher damals als Beiblatt einer Zeitschrift unter der Benennung: „Abschiedstöne an Madame Neumann“ erschien, einzuflechten: „Himmlischer Reisepass zu Neumann’s Erdenwallen.“ Von Seiten der vereinigten Himmelsstaaten wird dem ersten Engel unseres Reiches hiermit die Bewilligung ertheilt, incognito, unter dem Namen Amalie Neumann, eine Reise auf Erden zu machen. Zur näheren Kenntlichkeit fügen wir folgende Persons beschreibung bei: Heimat: Himmel. C’haracter: Alle Abend einen neuen, jeder vortrefflich. Stand: Anstand. Figur: Poetisch. Alt: In dev Kunst, sonst jung. Angesicht: Maiblume. Augen: hassen Alles blau anlaufen. Haare: hocken. Zähne: Dreimal zehn und zwei. . Fnterschreibt gewöhnlich: Alles Schöne Gute. Mit ihr reisen von hier aus: Die Kunst, ihre stete Gesellschafterin. Thalia, Euphrosine undAglaja, ihre Kammermädchen. Die Anmuth, ihre Erzieherin. Der Geschmack, ihr Garderobier. Der Frohsinn, ihr heibarzt. Besondere Kennzeichen: Hat auf der linken Seite ein rechtes Herz und spielt in Trauerspielen mit Lust; sie ist sanft 197 und doch hinreissend, sie ist in allen Rollen 411 Hause und hat doch immer viel Gastrollen; sie ist eine aus- gelernte Spielerin und doch gewinnt der, der mit ihr spielt; , sie ist die sanfteste Person und hat doch viele Auftritte, die allgemeine Sensation erregen; sie hat einen kleinen Fuss und macht doch grosse Fortschritte. Es bestrebt sich alles, sie nicht vom Ort zu lassen und doch ruft man sie immer heraus; ihr Ruf ist festbegriindet und fliegt doch durch ganz Europa; sie ist im Trockenen und lebt doch in Baden. Nach diesem Signalement werden also alle irdischen Elemente, Weste und Zephyre gebeten, sie freundlich aufzunehmen und schmeichelhaft zu empfangen. Alle Erdenleiden und Uebel sind aufs strengste angehalten, ihr kein Hinderniss in den Weg zu legen. Alle Herzen sind beordert, sie auf ihr Verlangen frei ein- und auspassiren zu lassen, und ihr mit Huldigung und Verehrung den gebührenden Vorschub zu leisten. Dieser Pass ist giltig auf 100 Erden-jalire, nach deren Ablauf Amalie Neumann, eigentlich Engel, angehalten ist, in die heimatlichen Himmelshallen zurückzukehren. So gegeben im siebenten Himmel, im Bureau der niedererdigen Angelegenheiten. (L. S.) Erzengel Gabriel, Expedient. Am 2. Jänner 1827 verehlichte sich Madame Neumann mit Herrn Ilaitzinger, welcher aus Wien in Gastrollen zu Karlsruhe auftrat, dessen steigender Ruhm die Grenzen Deutschlands überschritt und in Paris, London und Petersburg widerhallte. Mit vollem Rechte theilte Herr Ilaitzinger mit der Gattin die rühmlichsten Kränze die überall dem ausgezeichneten Künstlerpaare gewunden wurden. Die Kunstreisen nach Berlin, Königsberg etc. fanden allerorts gerechte Würdigung auch ausserhalb des Reiches deutscher Kunst und Sitte, an den Gestaden der Seine in der Weltstadt Paris, in London und Petersburg, Königsberg und Riga wurde ihr schönes 198 Talent gepriesen, und aus der Ferne verkündeten Kunstberichte, gleich freundlichen Siegesbulletins, den Triumph des gefeierten Künstlerpaares. Im Jahre 1845 wurde Madame Haitzinger an das k. k. Hofburgtheater in Wien engagirt und hat ihren künstlerischen Gebilden im Laufe der Zeit neue unvergleichbare Schöpfungen zugefügt, die ihren Namen in der Geschichte der Kunst und speciell des Burgtheaters unvergesslich machen werden und so hoffen wir, dass sie ihren Reisepass, der auf 100 Jahre giltig ist, nicht vor Ablauf dieser Frist den himmlischen Mächten ausfolgen wird. 199 i Urmij ‘Urttlpnj utm Präsident der iiiederösterreichisclien Landescomniission fiir die Wiener Weltausstellung. Baron Wertheim gehört zu denjenigen Männern Oesterreichs, deren Namen Weltruhm sich erworben haben. Seine Cassen, seine Werkzeuge gehen nach allen Ländern der Erde und überall erntet durch sie die österreichische Industrie Ehre und Anerkennung. Er ist ein im schönsten Sinne des Wortes selbstgemachter Mann, ein Bürger, auf den Oesterreich stolz sein kann. In Krems (Oesterreich) geboren, gelang es ihm, nachdem er in Wien gründliche Studien an dem Polytechnicum gemacht und auf längeren Reisen in Deutschland, England und Frankreich seine technische und commercielle Ausbildung vollendet hatte, sich in seiner Vaterstadt mit bescheidenen Mitteln eine Werkzeugfabrik zu gründen. Er hatte mit scharfem Blick das Bedürfniss der österreichischen Industrie erkannt, denn während die Rohmaterialien in ausgezeichneter Qualität und gut geschulte Arbeitskräfte vorhanden, fehlte es an gut construirien, zweckentsprechenden Werkzeugen und war Oesterreich für den Bezug derselben auf das Ausland angewiesen. Wertheim trat als Pionier der Zukunft der österreichischen Industrie auf, er construirte nach eigener Erfindung und nach den besten Patenten anderer Erfinder, Werkzeuge aller Art und seine Erfolge waren auf diesem Gebiet so bedeutende, dass er bereits im Jahre 1842 die Werkzeugfabrik von Gruber in Wien und bald darauf eine dritte Werkzeugfabrik in Scheibbs kaufen und diese drei Fabriken im grossartigsten Massstabe erweitern musste. Bei der ersten österreichischen Industrie-Ausstellung in Wien im Jahre 1845 erhielt er bereits für seine Werkzeuge die erste silberne Medaille, und Seine Majestät Kaiser Ferdinand geruhte die damals 200 preisgekrönte Werkzeugausstellung Wertheim’s für das Polytechnicum ankaufen zu lassen. Im Jahre 1846 siedelte Wertheini nach Wien über. liier gründete er 1852 seine weltberühmt gewordene Fabrik feuerfester und einbruchsicherer Fassen. Nahe an 50.000 solcher Gassen sind seitdem aus dieser Fabrik hervorgegangen und haben den Ruhm der österreichischen Industrie durch alle Länder der Welt getragen. Von besonderem Werthe bei den Wertheim’schen Gassen ist das diesen eigenthümliche Sicherheitsschloss, welches so eingerichtet ist, dass jeder Schlüssel zu jeder Gasse, die aus der Wertheim’schen Fabrik hervorgeht, von den andern verschieden ist, so dass eine sinnreiche Gombination es ermöglicht, über 50 Millionen verschiedener Schlüssel anzufertigen, ohne dass einer dann eine andere Gasse aufsperrt, als diejenige, für welche er gemacht ist. Wertheim protocollirt jeden aus seiner Fabrik hervorgehenden Schlüssel und im Fall des Verlustes kann der sich legimitirende Gassenbesitzer, ohne Zeitversäumniss und ohne dass es nöthig wäre, die Casse nach der Fabrik zu senden, einen neuen Schlüssel von der Fabrik erhalten. Durch diese Einrichtung ist den Besitzern der Wertheim’schen Gassen eine Sicherheit geboten, wie dieselbe bei den Erzeugnissen keiner anderen Fabrik, wie deren Schlösser auch immer eingerichtet sein mögen, vorhanden ist. 1857 hielt er in Constantinopel die erste Feuerprobe seiner Gassen in Gegenwart des Sultans und der Minister ab, und führte dadurch diesen Artikel eig ntlich erst im Orient ein. Erbenutzte seine Anwesenheit in Gonstantinopel um genaue Studien zu machen und verfasste dort auch ein Schema aller etablirten Geschäfte, welches er der niederösterreichischen Handelskammer übergab. Ausser seiner Thätigkeit auf dem Gebiete der Gassen- und Werkzeugfabrikation hat Wertheim auch sich der Buntpapierfabrikation gewidmet. Als Gontpagnon der Knepper’schen Fabrik dieses Aitikds hat er auch in diesem Industriezweig Neues geschaffen und zwar war er es, der die Gigarrettenpapierfabrikation 1857 hei seinem Aufenthalt in Constaninopel richtig auffasste und 201 nach Oesterreich verpflanzte, so dass nunmehr in der ihm mit ange- horigen Fabrik allein täglich 10 Millionen Matter Cigarrettenpapier erzeugt und exportirt 'werden. Fr beschäftiget im Ganzen bei 2000 Arbeiter. Trotz seiner vielseitigen und wie wir sehen, grossartigen industriellen Thätigkeit hat Baron Wertheim ein höchst bedeutendes, gemeinnütziges Wirken entfaltet. Als Vertreter Oesterreichs ist er bei allen bisher abgehaltenen Weltausstellungen thätig gewesen, beim ersten und zweiten deutschen Handelstag in Heidelberg und München bekleidete er die Stelle eines Vicepräsidenten, bei der Eröffnung des Suezkanals im Jahre 1860 vertrat er die niederösterreichische Handelskammer und nahm hervorragenden Antheil an den nach der Eröffnung des Canals stattgefundenen internationalen Con- gressen. Wertheim erwarb sich 24 grosse erste Industrie- Ausstellungs - Mcd a i 11 cn , viele in- und ausländische Orden und erhielt anno 1871 den Orden der eisernen Krone zweiter Classe. Er war der einzige Industrielle aus Wien, welcher das Glück hatte, Seiner Majestät Kaiser Franz Josef I. bei Allerhöchst dessen Anwesenheit in Egypten über österreichische. Industrie und Handel nach diesem Lande Vortrag halten zu dürfen. Als Vicepräsidcnt der Handelskammer, durch Gründung von Gewerbeschulen, namentlich der Gewerbeschule in Krems, von Krankenanstalten für die Arbeiter, wobei er stets selbst mit fürstlicher Muniticenz grossartige Summen spendete, als Gemeinderath der Stadt Wien, als Präsident des niederösterreichischen Gewerbevereins, als Vicepräsident der niederösterreichischen Handels- und Gewerbekammer hat Wertheim sich grosse und unvergängliche Verdienste um Oesterreich und die österreichische Industrie erworben. Besonders müssen wir noch seine wahrhaft aufopfernde Thätigkeit als Präsident der niederösterreichischen Landescommission für die Wiener Weltausstellung hervorheben. Wertheim war es, der, an der Spit/.e der Agitation in Wien stehend, den Wiener Industriellen mächtige Impulse für glänzende Beschickung der Wiener Weltausstellung gab, ihm ist es in erster Linie zu danken, dass die Wiener 202 Industrie in grossartiger Weise sich betheiligte, sein Rath, seine reichen Erfahrungen waren aber auch in der grossen k. k. Commission von Einfluss. In den reichen Kranz seiner Verdienste hat damit Freiherr von Wertheim ein neues, schönstes Blatt geflochten. "Bjrbiirirfy Jklpij, Freiherr von Koromla. Eine der bedeutendsten und hervorragendsten Persönlichkeiten der österreichischen Finanzaristokratie, gehört Freiherr von Schey zu den Männern, welchen Oesterreich seine rapide, wirtschaftliche Entwicklung in den letzten Jahrzehnten verdankt Er ist der Sohn eines alten, ungarischen, aber weit über die Grenzen Ungarns hinaus hochgeachteten Handlungshauses und obgleich auch ihn Neigung und Tradition der Familie schon frühzeitig für den Handelstand bestimmten, so ging er doch erst dann in die streng commercielle, praktische Thätigkeit über, nachdem er sich eine ungewöhnliche, fast alle Gebiete des menschlichen Wissens umfassende Bildung angeeignet hatte. Nachdem er einige Zeit lang in seinem engeren Vaterland Ungarn commerciell thätig gewesen, siedelte er nach Wien über, wo er das Bankhaus Fr. Schey begründete. Es bedurfte nur wenige Jahre, um bei der ausserordentlichen Thätigkeit und der genialen Begabung Schey's sein Haus zu einem Welthaus ersten Ranges zu erheben; schon seit dem Jahre 1852 wird die Firma Schey stets als ebenbürtige neben den Häusern Rothschild, Erlanger u. s. w. genannt. Bei allen grossen Actionen des europäischen Geldmarktes stets in erster Linie betheiligt, hat dabei das Haus Schey ebenso wie das Haus Rothschild stets jene noble, aristokratisch zu nennende Zurückhaltung bei allen jenen 203 Geschäften bewahrt, die nicht unbedingt den Character der höchsten, financiellen Noblesse tragen. Baron Schey hat das feine, exclusive Parfüm der ungarischen Geburtsaristokralie, mit welcher das Haus seines Vaters in vielfachen und lebhaften Beziehungen stand, nach Wien übertragen und hier ein Muster eines grossen Bankhauses, welches in seiner inneren Organisation, in der Sphäre, in welcher es sich bewegt, vielfach an die Fugger und Welser, die Banquiers der deutschen Kaiser gegen Ende des Mittelalters, erinnert. Daher finden wir auch Baron Schey mit Vorliebe bei solchen Unternehmungen betheiligt, welche der Gründungsmanie, der gegenwärtigen übertriebenen Speculationsmanie vollständig fern bleiben. Wo der Name des Freiherrn von Schey bei einem Unternehmen als Präsident oder Mitglied des Verwaltungsrathes erscheint, trägt dasselbe gewiss einen streng soliden und wirthschaftlich bedeutenden Character. So ist Baron Schey Präsident der Handelsakademie, Vicepräsident der Börsenkammer, Präsident der Kaiserin Elisabeth-Westbahn, Vcrwaltungsrath der Theisbahn, der ungarischen Creditbank und der Rückversicherungs-Gesellschaft Securitas. Neben seiner commerciellen Thätigkeit hat Baron Schey sein lebhaftes Interesse an wissenschaftlichen und künstlerischen Bestrebungen bewahrt und wiederholt glänzend bethätigt. Das Wiener Stadttheater verdankt der von ihm ergriffenen Initiative die rasche Durchführung und bekleidet er auch gegenwärtig die Stelle eines Präsidenten des Verwaltungsrathes dieses Kunstinstituts. So sind auch die Salons des Freiherrn von Schey einer der Mittelpunkte der besten Gesellschaft Wiens. Alles was in Wien auf den Gebieten der Kunst und Literatur, der Geburts- und Finanzaristokratie Geltung hat, sammelt sich zur Saison in den mit fürstlichen Geschmack eingerichteten Salons des Hauses Schey, deren Mittelpunkt der liebenswürdige und geistvolle Chef des Hauses ist. 204 JUcrauher t filier uan JkljtioHm welcher im Jahre 1805 in Düren in Rheinpreussen geboren wurde und nach vollbrachten Studien in die Tuchfabriken seiner Verwandten eintrat, nahm im Jahre 1851 nach mehrjährigen grossen Keisen sein Domizil in Wien, wo er theils im Interesse der bekannten Tuchfabrik von Gebrüder Schneller in Brünn zwei Jahre thätig war und sich theils mit den Vorbereitungen für eine zu etablirende Grosshandlung beschäftigte. 1833 wurde die Grosshandlung unter der Firma Alexander Schneller etablirt, die sich seit 1848, vorzugsweise mit Bank-, Rohseiden-, Seiden-, Schafwoll- und Farbwaaren-Geschäften befasste. Im Jahre 1843 — 45 wurde die Berndorfer Metallwaarenfabrik etablirt, die gegenwärtig die grösste ihresgleichen auf dem Continente sein dürfte, welche hauptsächlich Packfong und Alpacca-Waaren mit oder ohne Versilberung und Vergoldung fabricirt. Es wurde ferner eine Nickelfabrik in Losoncz in Ungarn zur Herstellung von gutem Nickel angekauft und ausgedehnt. Beide Etablissements werden in technischer Beziehung ganz allein durch den energischen Director und Associe, Herrn Hermann Krupp, Bruder des bekannten Industriellen in Essen, geleitet. Durch die Einführung des Zwangs-Courses und die Fluctua- tionen im Werthe der Banknoten wurde das Grosshandlungshaus bestimmt, sich nach und nach von den Waarengeschäften zurückzuziehen und sich der Industrie zu widmen. Das Haus kaufte im Mai 1840 den grössten Theil der Kohlengruben in Miesbach in Ober-Baiern, die nach zwanzigjährigen Bemühungen zu den ergiebigsten im Königreiche Baiern gehören. Ferner wurden im Herbste 1840 die landtätlichen Güter Czakowitz, Clenitz und Miskowitz bei Prag gekauft und die Czakowitzer Rübenzucker-Fabrik und Raffinerie gegründet, die sich bald vor den meiste» Fabriken Böhmens unter der Direction des Herrn Alb. Alirens auszeichnete. In der Oeconomic wurden vielfache Verbesserungen eingeführt, die ersten englischen Sah maschinell, llauptliige, englische Walzen und Samenstreumaschinen importirt, die bald nachher vorzugsweise bei anderen Zuckerfabriken ebenfalls eingefiihrt wurden. Gleichzeitig mit anderen grösseren Oeconomien wurden Dreschmaschinen, später Mähmaschinen eingeführt und im Jahre 1802 nach der Londoner Ausstellung ein Dampfptlug importirt, der bis jetzt der einzige im Königreiche Böhmen ist. ln der Fabrik wurden die neuesten Einrichtungen, als: Saturation, der Verdampfungsapparat und das Diffussionsver- faliren zuerst eingefiihrt und stets dafür Sorge getragen, dass keine bewährte Neuerung unbeachtet blieb. Seit dem Jahre 1869, in welchem Jahre die Direction an Herrn Philipp Johann Kitter von Schneller überging, wurden abermals bedeutende Neuerungen eingefiihrt. Im Jahre 1864 wurde eine zweite Kiibenzuckerfäbrik in Gzaslau angekauft und vergrössert, im Jahre 1850 eine weitere Kiibenzuckerfabrik in Czakowitz gebaut und im Jahre 1857 die vierte Zuckerfabrik in Wrdy bei Czaslau gegründet. In den Jahren 1853 —54 wurde ferner die Ebenfurther Wasser- und Dampfmiihle und Kollgerste Fabrik in Gemeinschaft mit den Herren v. Wert heimstein und Lederer etablirt; wenige Jahre später übernahm das Haus Schneller dieses grosse Etablissement für alleinige Keelmung und hat dessen Leistungsfähigkeit durch ein zweites ähnliches Etablissement unterhalb der alten Mühle verdoppelt. Diese beiden Etablissements excelliren durch vorzügliche Fabrikate und die Ebenfurther Kollgerstefabrik hat fast einen europäischen Kuf erworben. Mittlerweile wurde im Jahre 1838 durch den Eintritt des Herrn Paul Schneller, Bruder des Herrn Alex. Schneller, und im Jahre 1*47 durch den Eintritt des Herrn Gustav Sehoeller, Netten der beiden Genannten, welche beide später öffentliche Gesellschafter wurden, das Haus verstärkt. 206 Schon im Jahre 1849 ward ebenfalls die Triestinghofer Messingfabrik im Triestingthal in Gesellschaft mit Herrn Gustav Neufeldt angekauft und energisch betrieben. Im Jahre 1862, nach der Londoner Ausstellung, gehörte Herr Alexander Schoeller zu den fünf Ausstellern der österreichischen Monarchie, die mit der eisernen Krone ausgezeichnet und in den Kitterstand erhoben wurden. Herr Paul Schoeller ward einige Jahre später ebenfalls in den Ritterstand erhoben. lin Jahre 1862 wurde das Eisenwalzwerk in Ternitz von Baron Reichenbach für Rechnung des Grosshandlungshauses Alex. Schoeller angekauft und von Herrn Gustav Neufeldt geleitet. Nachdem nun in dem Jahre 1866 die Bessemer Stahlfabrikation allgemeiner wurde, beschloss Herr Alexander von Schoeller mit seinen Freunden, den Herren Herrn. Krupp, G. Neufeldt und mit Herrn Jos. Hall, Leiter einer ähnlichen, der Südbahn gehörigen Fabrik in Graz, eine Bessemer Stahlfabrik in Ternitz in der Form einer Actien-Gesellschaft zu etabliren. Diese Fabrik wurde so energisch geleitet, dass sie nunmehr die bedeutendste ihrer Art in der österreichischen Monarchie ist, obwohl die Ausdehnung derselben noch nicht ganz vollendet ist. Im Jahre 1871 kaufte die Gesellschaft die in Zwischenbrücken (Wien) liegende Kronprinz Rudolph-Hütte vom Grafen Henkel von Donnersmark, welche als selbstständige Filiale dieser Gesellschaft betrieben wird. In der Bessemer Stahlfabrikations - Actien - Gesellschalt werden Schienen, Achsen, Bandagen (Tyres) ohne Schweissung gemacht und ausserdem das alte Eisenwalzwerk lebhaft fortgesetzt. Die Firma Alex. Schoeller wurde vor einigen Jahren in die Firma Schoeller & Comp, umgeändert, worin die bereits benannten lleiren Paul Ritter von Schoeller und Gustav Schoeller als öffentliche Gesellschafter und Herr Philipp von Schoeller als Prokuraführer mitai beiten. Ausser an den benannten Etabtissements nahm das Haus Schoeller & Comp, hervorragenden Antheil an der Etablirung und dem Betriebe der Leipnick-Lundenburger Rübenzucker - Fabriks- Actien-GesellSchaft, die bei voller Einzahlung der Actien nur von 207 8 bis 9 Theilhabern betrieben wird. Nebenbei wird bemerkt, dass der Schöllerhof, im Jahre 1834 angekauft und von Herrn Alex. Schoeller beinahe ausgebaut, sowie der Bellegardehof und das Haus Nr. 2 in der Bognergasse, Eigenthum der Firma sind. Die Herrschaft Levenz im Ausmasse von circa 20.000 Joch wurde ebenfalls von den Firma-Inhabern angekauft und darauf mit den Herren Leidenfrost eine Industrie errichtet, die namentlich für Ungarn Nachahmung verdient. Es wurde nämlich mit Pariser Apparaten die Fabrikation von hochgradigen rectificirten Rüben- spiritus in’s Leben gerufen, welche Industrie desshalb für Ungarn von so eminenter Wichtigkeit ist, weil dabei 60°/ o des nominellen Gewichtes der Rüben in Futter gewonnen werden, welches Jahre lang in Gruben aufgehoben werden kann. In einem Lande, wo so häufig Futtermisswachs stattfindet, ist eine solche, man möchte sagen Futterfabrikation, von der grössten Wichtigkeit und verdient die baldige Nachahmung im grössten Massstabe. Sämmtliche vorstehend erwähnte Etablissements und Landwirtschaften werden mit ihren Producten auf der Wiener Weltausstellung figuriren. ' Nachdem das Haus Schoeller & Comp, von seinen ausländischen Freunden häufig angegangen wurde, geschnittene Eichen- dimensionsholzer zu liefern, hat dasselbe auch dieses Geschäft aufgenommen, durch Abstockungsverträge den Holzbedarf gedeckt, so dass es nunmehr mit eigenen Remorqueurcn und Schleppschiffen seine Hölzer von der untern Donau nach Wien bezieht und hauptsächlich für den Export vorrichtet, welches Geschäft in volkswirtschaftlicher Beziehung sehr bedeutend ist und von Herrn Gustav Schoeller samint der Dampfschifffahrt ausschliesslich geleitet wird. Herr Alexander Ritter von Schoeller war zwölf Jahre Handelsgerichts-Beisitzer, wesshalb er mit dem Titel eines Kaiserlichen Ruthes ausgezeichnet wurde; ferner war er mehrere Jahre ein tätiges Mitglied der Handelskammer, und endlich wurde ihm 18(38 durch das allerhöchste Vertrauen Seiner Majestät die Ernennung als lebenslängliches Mitglied des hohen Herrenhauses zu Theil. 208 Ijüimjicjj J)rasc^ t Kitter v o n W a r t i m 1) erg, Comtheur d«*$ k. k ö-.torr. Franz Josefs--Ordens. Ofiicier des kais franz. Ordens der Ehrenlegion, Kitter des kbniglsächsischen Albrecht- und des kaiserl. mssischen St. Stanislaus Ordens, Grossgrundhesitzer und Gewerkebesit/.er von Steinkohlen bergwerken unter der Firma lleinr Dräsche Central - Comptoir in Wien, I.. Opernring. Heinrichsliof. Die von Herrn Heinr. von Dräsche betriebenen Bergwerke sind: 1. Die Schwarzkohlen-Uergwerke bei \Yr. Neustadt. 2. Die Braunkoblemverke zu Tliallern, Angern und Fuclia in Nieder Oesterreich. ö. Die Braunkohlenbergwerke zu Zillingsdorf und I.ichten- wörth, Bezirk Wr. Neustadt. I. Die Braunkohlenbergwerke zu geboren, 18BO in österreichische Kriegsdienste getreten, stand als Oberlieutenant bei Windisehgrätz-Chevaux- leger und quittirte 1847; beschäftigte sich schon vor seiner Ouit- tirung mit Tuchfabrikation und gründete 1845 eine grosse Tuchfabrik in Alexowitz, wo er zuerst die mechanische Weberei für Tuch in grossem M assstabe in Anwendung brachte. Später wandte er sich auch der Riibenzuckerfabrikation zu und betrieb eine solche Fabrik in Doloplass und erbaute zwei neue in Prcrau. Das Jahr 18G0 trieb ihn wie viele Andere in das öffentliche* Leben. Er wurde Mitglied des mährischen Landtags, Reichsrathsabgeordneter und Yiee-Präsident der Brünner Handelskammer. 18G4 wurde er von seinen Mitbürgern zum Bürgermeister von Brünn ernannt und hat in dieser Stadt durch die Energie seiner Verwaltung, durch mannigfache Reformen und Schöpfungen ein bleibendes Andenken hinterlassen. Als Politiker wirkte Skene für finanzielle und wirthschaft- liclie Reformen und war und blieb ein entschiedener Centralist. Er konnte sich nicht mit der Tendenz befreunden, die das Xatio- nalitätsprincip einseitig herauskehrte und hat immer daran festgehalten, dass man in Oesterreich vor Allem Oesterreicher sein müsse. Er war zu wiederholtem Male Mitglied der Staatsschulden- Commission. Der Feldzug 186G bot eine Veranlassung, die gänzliche Unzulänglichkeit der österreichischen Kriegsverwaltung kennen zu lernen. Sie konnte nicht einmal die Mittel auftreiben, um das Jahrescontingent an Rekruten rechtzeitig einzukleiden, und es sind dieser mangelhaften Administration zum grossen Theil die schlechten Erfolge dieses Feldzuges znzuschreiben. Der Wunsch, die bestehenden Uebelstände in diesem Zweig der Verwaltung zu beseitigen, brachte Skene auf die Idee, eine 14 — 210 — Reform des Monturwesens anzustreben, und so entstand die Ileeresausriistungs-Gesellschaft, die seinen Namen führt, von ihm geleitet wird und die wohl ein Produkt seiner «geistigen Thätigkeit genannt werden darf. Dieses Institut, anfangs von vielen Seiten einseitig und feindselig beurtheilt, hat sieh durch seine Leistungen Hahn gebrochen und wird nun von allen Sachverständigen als ein grosser Fortschritt in der Entwicklung der Österreichischen Wehrkraft anerkannt. mib Ipiittiir-Isslnöl Wim als Wrll- ie geöll'ncten Pforten des Industrie-Palastes laden die civilisirte Welt zum Rendezvous an den Ufern der schönen blauen Donau ein, und ein .lalir hindurch ist Wien berufen, der Mittelpunkt des Culturlebens der Menschheit, die Hauptstadt der Welt zu sein. Von höchster, kaum berechenbarer Bedeutung* für die Zukunft Oesterreichs, ist die Wiener Weltausstellung fiir Wien der Markstein des Beginnes einer neuen, grossartigen Epoche seiner Geschichte. Mit der Feier dieses Congresses der Arbeit und Wissenschaft, dieser olympischen Spiele der Cultur tritt Wien heraus aus den bisherigen engeren Kreisen, die ihm das wechselnde Schicksal der Staaten und Völker gezogen und vor den Augen aller Welt legt es zum erstenmale die Probe seiner kraftvollen Entwicklung ab und entfaltet zum erstenmale den bestrickenden Zauber der Weltstadt. Von dieser Stellung, welche zu beanspruchen äeine innere und äussere Gestaltung, seine Geschichte, seine Bedeutung, seine Zukunft, Wien volles Recht verleihen, nimmt es mit dem grossen cultur- historisehen Act der Weltausstellung feierlich Besitz, angesichts der Vertreter aller Nationen des Erdkreises, die auf dem gastfreundlichen Boden der Kaiserstadt um den Tempel der Arbeit im Prater sich schaaren. Eine lange und reiche Geschichte hat Wien erlebt und vielleicht gerade ist es das ehrwürdige Alter, sind es die mannigfachen Schicksale, welche Wien gewisse Eigenthiimlichkeiten er- M * Ui «» > halten Hessen, die es davor bewahren, den Charaeter moderner Alltäglichkeit und Langweiligkeit zu tragen. Fast jeder Schritt mahnt den Besucher Wien’s an die Vergangenheit, an die wechselvolle Geschichte des deutschen Reiches und Oesterreichs. Mussten doch lange Jahrhunderte vergehen, bis die natürliche, so ausserordentlich günstige Lage Wien’s zur Geltung kam und die Stadt zur Reichshauptstadt wurde, und selbst als unter den Nachfolgern Carl V. Wien bereits der Mittelpunkt des staatlichen Lebens in den österreichischen Erblanden geworden, rivalisirte noch Prag mit ihm und in Deutschland machten ihm Regensburg und Frankfurt a. M. den Rang streitig. Erst die fast ununterbrochene Reihe von Kaisern aus dem habsburgischen llause, die seit den Religionskriegen in der Wiener Hofburg residirten, machten die Stadt zur luetischen Hauptstadt des deutschen Reiches, während Regensburg mit der zunehmenden Ohnmacht des deutschen Reichstages immer bedeutungsloser wurde und Frankfurt a. M. nur noch Krönungsstadt blieb. Es kam die Auflösung des deutschen Reiches und Wien wurde die Haupt- und Residenzstadt des nunmehrigen Österreichischen Kaiserstaates. Die staatskluge Politik Metternich’s hatte von 1815 bis 1848 Oesterreich die factische Hegemonie in Europa geschaffen und bewahrt, aber Wien selbst hatte nur geringen Vortheil von der glänzenden äusseren Stellung Oesterreichs. Das Regierungssystem Metternich’s lastete im Innern mit bleiernen Flügeln auf der Entwicklung des Staates, hinderte die Entfaltung des Volksgeistes, und während „draussen im Reich“ die grossartigsten geistigen Umwälzungen sich vollzogen, und bei aller äusseren Ruhe d'.e tiefgehendsten religiösen und politischen Fragen die Gemiither bewegten, führte das vormärzliche Wien sein gemüthliches Stillleben, concentrirte sein Interesse auf Musik und Theater und die Worte Schiller’s über die Phäaken an der Donau, bei denen es stets Sonntag sei und stets sich am Heerde der Spiess drehe, wurden durch das Wien Metternich’s und Sedlnicky’s Jahrzehnte hindurch gerechtfertigt, Da kam das Jahr 1848, und der Sturmwind, welcher von Frankreich ausgehend, Europa durchbrauste, fuhr reinigend und belebend durch Oesterreich und durch Wien. Wie mit einem Schlage war die harmlose und gemiithliche Kaiserstadt zu einem Hauptplatze der poetischen Bewegung umgestaltet. Eine kurze Zeit lang schien es, als ob Wien die politische Führerrolle in Mittel-Europa übernehmen wolle, die Ohnmacht des Frankfurter Parlaments, die particularistisch - preussische Politik, welche Berlin beherrschte, schienen im Herbste des Jahres 1848 Wien zum Schwerpunkte* in Deutschland werden zu lassen, ihm die Aufgabe zu übertragen, von den Ufern der Donau aus das neue freie deutsche Yolks- reich zu begründen. Ein schöner Traum, der bald zerstört war; aber Eines rettete dennoch Wien aus dem grossen Schiffbruche des Jahres 1848. Es war der Mittelpunkt der politischen Bewegung in Oesterreich, der Schwerpunkt der Monarchie geworden, und blieb es. Daran konnte selbst die auf 1848 und 1849 folgende Zeit der Reaction und des Concordats nichts ändern, und als nach den Schicksalsschlägen, welche Oesterreich im Jahre 1859 trafen, das Verfassungsleben im Kaiserstaate wieder erwachte, concentiirten sich in Wien wieder alle bewegenden und belebenden Kräfte der Monarchie. Mit überraschender Schnelligkeit entwickelte sich seit dein Jahre 1800 die Stadt und das öffentliche Leben in ihr. Die Huld und das Wohlwollen Sr. Majestät des Kaisers Franz Josef I., Hessen die Basteien und Glacis, diesen beengenden Rundgürtel der inneren Stadt verschwinden und in glänzenden Strassen, Pallast an Pallast gereiht, erstand Neu Wien. Traf im Jahre 18f>G noch einmal Oesterreich schwer die Hand des Unglücks, musste es damals seine Stellung in Italien und Deutschland aufgeben, so sorgte die weise Politik des Monarchen dafür, dass nunmehr die Zeit des inneren Friedens, des freien Verfassungslebens, des wirtschaftlichen Aufschwunges begann. Und von jenem Zeitpunkte ab, von dem Jahre — 2 14 — 1S<>7, beginnt die rasche Entwicklung Wien’s zur Weltstadt. Haben wir so in grossen allgemeinen Zügen die äussere (beschichte Wien’s durchflogen, so betrachten wir nun unser heutiges Wien. Die Zeit, wo „Bäuerle's Theaterzeitung“ der einzige Repräsentant des öffentlichen Geistes war, und ein Couplet eines Yorstadt- koinikers ein Tagesereigniss bildete, ist verschwunden, und wir freuen uns dessen, dass sie auf Nimmerwiederkehr vorüber. Freilich, den Spuren jener Zeit begegnen wir in Wien noch immer. Fs ist ein lustiges, leichtlebiges Volk, welches die Masse der Bevölkerung Wien’s bildet, man könnte den Wienern fast mit grösserem Rechte als den Rheinländern den Beinamen der „deutschen Franzosen“ geben. Freuet Euch des Lebens!“ oder in's Wienerische übersetzt: „Alleweil Adel, fidel!“ ist das grosse Evangelium, zu dem die Mehrzahl der Bevölkerung sich bekennt. Und warum sollte sie es nicht? Liegt doch Wien an den prachtvollen Ufern des schönen blauen Donaustromes, wie ein blitzender Juwel in einem schönen Schatzkästlein. Anmuthige Berge mit schattigem Walde ziehen sich bis in die nächste Nähe der Stadt, die prachtvollen kaiserlichen Lustschlösser mit ihren grossartigen Gärten, reizende Villen und Landhäuser, freundliche Vororte und Dörfer bilden die nächste Umgebung, und die romantisch schönen Voralpen sind in wenigen Stunden zu erreichen, während die Eisenbahn die Wiener in kurzer reizvoller Fahrt zu der Majestät der II ochalpen führt. Vereinigt nun nach dem Gesagten Wien alle Genüsse der Gressstadt mit den Reizen der Natur, so übt auch der Reichthum des Landes, dessen Hauptstadt es ist, seinen Einfluss auf den Character der Bevölkerung. Der Niederösterrcicher und Wiener musste nicht, wie der Brandenburger, in harter, mühseliger Arbeit dem Boden erst die Bedingungen seiner Existenz abringen, eine üppigreiche Natur wirft ihm ihre Gaben verschwenderisch in den Schoss, und ladet ilm> zum Genüsse ein. Dazu kommt die Zusammensetzung Ocstcrreich's aus so vielen Stämmen und Nationen. das Zusammenströmen aller möglichen Kacen in der Hauptstadt der Habsburger, deren Scepter einst ein Reich beherrschte, in dem die Sonne nicht unterging. So vermischten sich mit dem deutschen Blut polnische, ungarische, böhmische, italienische und spanische Hiemente, und es bildete sich die Mannigfaltigkeit in Erscheinung und Charakter der Wiener Bevölkerung heraus, die jeden Fremden überrascht. Nur eigenthiimlich bleibt dem Wiener Volke die leichtlebige, gemiithliche Offenherzigkeit, die Gutmiithigkeit, der lustige Humor in allen seinen nach dem Bildungsgrade verschiedenen Abstufungen, dieses Hingeben an das augenblickliche Gefühl, welches stets den Sanguiniker kennzeichnet, und dieser Charaeter der Bevölkerung war es mehr als die Schönheit der Stadt, welcher den localpatriotischen Gesang: „Es gibt nur a Kaiserstadt, es gibt nur a Wien!“ zur Wirklichkeit und Wahrheit machte. Und von diesen Eigenschaften der Wiener hat selbst die mvellirende Neuzeit nur wenig zu entfernen vermocht. Wir sehen heute noch den Wiener Bürger mit Weib und Kind hinausziehen in den Prater oder in die Umgebung Wien’s, zu lustigen und harmlosen Volksfesten, bei jedem Schritt auf der Strasse lacht uns der kecke und doch nie verletzende Wiener Humor entgegen, und die „Hetz“ der untersten Volksschichten wird doch nie in die wilden und groben Ausschreitungen ausarten, die uns in anderen Gressstädten oft so peinlich berühren. Gewisse Wiener Typen sind noch heute unverändert dieselben, wie vor SO und vor 40 Jahren. Der Wiener Fiaker sitzt heute noch, unbeirrt von der Concurrenz der Comfor- tables, der Stellwägen und der Pferdeeisenbahn, eben so stolz, den blanken Cilinder keck zur Seite gerückt, auf dem Kutschbocke, und lenkt mit unnachahmlicher Virtuosität die dahinbrausenden „Jucker,“ wie damals, als Graf Sandor im Prater und in den Strassen Wien’s seine weltberühmten Fahr und Reitkunststücke übte, und das Fahren mit einem Fiaker noch eine stillschweigend eingeräumte Prärogative der deutschen und böhmischen Aristokratie und der ungarischen Magnaten war; er hat sich dem Zeitgeiste accomodirt, und fährt mit demselben Stolze seinen Millionär der Börse, oder mich den die Millionen erst erspeculi- renden „Börsianer“, wie einst vor Jahren seinen „Cavalier“. Der ehrsame Wiener Bürger und Meister wandert heute noch wie vor Jahrzehnten vor die Linie hinaus zum „Heurigen,“ wo er auf schlechten llolzbänken sitzend am schmutzigen Tische sein gewohntes Seitei trinkt, obgleich allerdings inzwischen in der Stadt und in den Vorstadtbezirken schöne und elegante Gasthäuser entstanden sind, wo man billiger, jedenfalls aber besser isst und trinkt, als draussen „vor der Linie.“ Kurz wir könnten eine ansehnliche Typen-Gallerie anführen die in den letzten Jahrzehnten fast unverändert geblieben sind — und doch ist es anders geworden. Ein ernsterer Zug, trotz allen Humor’s, trotz aller iiber- quellenden Lustigkeit, geht durch die Wiener Bevölkerung. Man nimmt Theil am öffentlichen Leben, diskutirt bis in die Familien- cirkel hinein über die Tagesereignisse und ihre Wirkungen; das Gespräch in den Gasthäusern unter den Bürgern betrifft die Fragen der politischen und commerciellen Entwicklung, Parteien haben sich gebildet und agitiren. Das sociale Leben ist gehaltvoller geworden, und trübe Erfahrungen seit 1848 haben dem Wiener die Lehre gepredigt, dass es doch Wichtigeres auf der Welt gibt, als ein Couplet des Lieblingskomikers, oder das Bein einer Tänzerin, oder gar als ein gutes „Backhändel.“ Tritt doch dieser erfreuliche Fortschritt am Klarsten zu Tage in der mächtigen Entwicklung, welches das Zeitungswesen in Wien genommen, so dass aus so geringen Anfängen der vormärzlichen Zeit eine Presse sich entwickelte, welche zur einflussreichen, an Bedeutung weit über Wien und Oesterreich hinausgehenden Macht geworden ist; tritt es doch klar zu Tage in der Anerkennung, welche Wien’s Urtheil über alle politischen, literarischen und künstlerischen Erscheinungen überall findet. Aus allen Ländern strömen jetzt die besten Köpfe, die Talente nach Wien, um hier für ihre Leistungen sich gewissermassen die Weihe, den Freipass für die ganze Welt zu holen. 217 Innig hängt mit dieser Veränderung der geistigen Physiognomie der Stadt auch die Veränderung ihrer äusseren Gestaltung zusammen. Als das wichtigste Ereigniss auf dem Gebiete der äusseren Umgestaltung haben wir oben bereits die Beseitigung der Basteien und Schanzgräben um die innere Stadt bezeichnet. Basch erhoben sich auf den durch die Demolirung der Wälle und Aus fiillung der Gräben entstandenen Bauplätzen monumentale Bauten aller Art, die Bingstrasse, welche die ganze innere Stadt mit einem prachtvollen Boulevard von Palästen umgibt, entstand. Der Natursinn der Wiener fand seine Befriedigung in der Schaffung öffentlicher Gärten, wie des Stadtparkes, des Volksgartens, der Anlagen am Franz-Josefs-Quai; öffentliche Bauten zu gemeinnützigen und künstlerischen Zwecken, wie das Gebäude der Gartenbau-Gesellschaft, das Künstlerhaus, das Musikvereinsgebäude beweisen den regen, nach edleren Zielen hinstrebenden Sinn der Wiener Bürgerschaft; den Helden des Kaiserstaates, dem Sieger von Aspern, Erzherzog Carl, dem Besieger der Türken, Prinzen Eugen, dem Feldherrn der Leipziger Völkerschlacht, Fürsten Schwarzenberg, entstanden künstlerisch bedeutungsvolle Monumente; auch der Liebling des Volkes, der Fürst der Lieder, Franz Schubert, erhielt inmitten des Grüns im Stadtparke sein Denkmal, und in nicht zu ferner Zeit w'erden auch die deutschen Geistesheroen Schiller und Grillparzer und der österreichische Seeheld Tegetthoff von ihren Marmor- piedestalen auf das Wiener Volk herabschauen. Ebenso verewigte der pietätvolle Sinn des neuen Wien’s auf der Elisabethbrücke die grossen Männer der Vergangenheit, und, der studierenden Jugend ein Vorbild, steht Bessel’s Gestalt vor dem Polytechnikum in Erz gegossen. So ist denn Wien bedeutsam für die Kunstgeschichte geworden, und namentlich in der Geschichte der Architektur der Neuzeit wird es stets eine hervorragende und wichtige Stelle einnehmen. Die Masse grossartiger, meist mit ausserordentlichem Aufwand unternommener Neubauten zogen selbstverständlich eine grosse Anzahl genialer und hervorragender Architekten nach Wien, die hier Gelegenheit fanden, ihre meist originalen und aut !:' dem Gebiete der Architektur bahnbrechenden Ideen zu verwirk- ;,| liehen. Vom grössten Einfluss war zunächst die Rcnovirung des Jjj Stetänsthurmes, dieses alten historischen Wahrzeichen Wien's, wo- 1;j bei es nicht nur die Lösung bedeutender künstlerischer, sondern ir auch bedeutender technischer Aufgaben galt. Es bildete sich um ijj Friedrich Schmidt, den Baumeister des Stefansdomes, der ausser- [ dem in streng gothischem Styl die Lazaristenkirche > Schottenfeld) i; und die Kirche in Neufiinfhaus baute, ein auserwählter Kreis von Ejj Architekten, der mit liebevoller Sorgfalt den gothischen Baustyl in V| . seiner Reinheit und Schönheit pflegte. Als gleichfalls dieser Rich- i 1 tung angehörig, dürfen wir besonders Ferstel's Bau der Votivkirche, deren schöne, rein gothische Formen das Auge der Fremden und Einheimischen erfreuen, hervorheben. Auch sonst gaben die vielen Kirchenbauten, welche der frommgläubige Sinn der Wiener Bevölkerung entstehen liess, Gelegenheit, den gothischen Styl theils gänzlich rein, theils vermischt mit verwandten Richtungen zu pflegen, wobei wir besonders der Elisabethkirche auf der Wieden, der Altlerehenfelderkirche und der Kirche unter den Weissgärbern ( Landstrasse i gedenken .wollen. Eigenthümlich aber, und dem neuen Wien vorzugsweise seinen Charakter verleihend, ist der moderne, an die Musterbauten aus der Renaissance-Periode anlehnende Baustyl, der besonders auf der Ringstrasse zur Geltung gekommen. Gedenken wir hier in erster Linie des Prachtbaues, welchen wir den unvergesslichen grossen Baumeistern van der Null und Siccardsburg verdanken, des k. k. llofoperntheaters, welches in seiner, den höchsten Ansprüchen des Geschmackes gerecht werdenden vollendeten Schönheit und imposanten Grösse nicht nur eine Zierde Wien’s, sondern auch ein leuchtendes Muster für ähnliche Bauten bildet. Hier reihen sich die bereits erwähnten Gebäude des Musikvereines und des Künstlerhauses, das Gebäude der Gartenbaugesellschaft, der Cursalon im Stadtpark und das neue österreichische Museum für Kunst und Industrie würdig an, aber auch der Privatbauthätigkeit der Grössen der Aristokatie und der Geschäftswelt verdankt Wien Prachtbauten von seltener Schönheit und vollendetem Geschmack. Ohne irgend welchen Anspruch auf Vollständigkeit machen zu wollen, erwähnen wir nur die Paläste Ihrer k. k. Hoheiten der 1 lenen Erzherzoge Albreeht, Wilhelm und Ludwig Victor, die Palais Schey, Fipstein, Dräsche lleinrichshof), Königswarter, lloyos- Sprinzenstein, Todesco, Wertheim, Ofeidieim, Giskra, Skene, Duinba auf der Kingstrasse und den nächstgelegenen Strassen; in der inneren Stadt das Waarenlnfus der Firma Philipp Haas & Söhne am Graben, das Palais Wickenburg am Franz Josefs Quai, das Motenuovopalais in der Strauchgasse, das Gebäude der Credit-- Anstalt und das der niederösterreichischen Fscompte-Gesellschaft, das Gebäude der Nationalbank in der Herrengasse u. a. m. Es sind dieses durchwegs Gebäude, die ihrer Entstehung nach der neueren und neuesten Zeit angehören, und in denen der obenerwähnte, dem neuen Wien eigenthiindiche Baustyl, am entschiedensten zum Ausdrucke kommt. Es darf dabei allerdings nicht verschwiegen werden, dass die Rücksichten des Geschmackes und der künstlerischen Gestaltung wohl bei einigen der erwähnten Bauten den Gründen der Zweckmässigkeit hie und da weichen mussten, aber dafür bewegen wir uns ja eben in einer Stadt der Neuzeit, wo Grund, Boden und Kaum immer ungemein hohen Werth besitzen. Concentrirt sich so die grosse Welt Wien’s, die Geburtsund Finanzaristokratie um die Boulevards unserer neuen Weltstadt, um die Kingstrasse, so hat die grössere Geschäftswelt ihren Hauptsitz in der innern Stadt. Die Läden und Auslagen am Graben, Kohlmarkt, unter den Tuchlauben und in der Kärntnerstrasse fesseln die Passanten durch Reichthum und Geschmack des Arrangements; Wechselstuben, Bankhäuser und Banken zeigen, dass Wien ein Börsen- und Geldplatz von universeller Bedeutung ist, und das lebhafte Drängen und Treiben in den Strassen, die Geschäftigkeit der Dahineilenden, der lebhafte Wagenverkehr geben dem Fremden ein wenn auch nur oberflächliches Bild von der commereielhm und universellen Bedeutung Wien’s. Charakteristisch 220 ist (labei, dass die Vorstadtbezirke und Vororte ihre eigenthüm- lichen Physiognomien trotz der rapiden Entwicklung Wien’s bewahrt und sich nur im grösseren Style, jedoch nach derselben Richtung hin, ausgebildet haben. In der Leopoldstadt und dem Bezirke Wieden überwiegt der Handel, und folgen diese beiden Bezirke auf diesem Gebiete der innern Stadt, wobei als charakterisirendes Merkmal hervorgehoben zu werden verdient, dass die Leopoldstadt trotz der veränderten Zeitverhältnissc immer noch der Lieblingsbezirk der israelitischen Bürger Wien’s geblieben; hier, in der Leopoldstadt, linden wir die Cafehäuser, die ausschliesslich dem Geschäftsverkehre dienen und die für einzelne Zweige des Pro- ductenhandels, wie z. B. für den Spiritus, als Börse dienen. Hier ist der Sitz des Handelsverkehres mit Galizien, den ebenfalls die rührigen Söhne des israelitischen Volksstammes vermitteln, und ebenso linden wir hier einen lebhaften Kleinhandel mit allen möglichen Artikeln, bis hinab zu alten Kleidern, Knochen, Lumpen und altem, Eisen. Eine überwiegend industrielle Thätigkeit kennzeichnet die Bezirke Mariahilf, Neubau und Alsergrund (Rossau), und die Vororte Fünfhaus, Sechshaus, Rudolfsheim und Hernals. Hat auch die früher so bedeutende Slnvals-Industrie, die einst dem zu dem jetzigen Bezirke Neubau gehörigen Schottenfeld den Beinamen „der Brillantengrund“ erworben, in der Neuzeit sehr gelitten, so sind dafür andere Industriezweige, namentlich die Leder- und Bronce-lndustric, alle Baugewerbe und die für die Bauthätig- keit direct oder indirect arbeitenden Industrien zu bedeutendem Aufschwünge gelangt, und haben, ebenso wie die Maschinenindustrie, in den genannten Bezirken und Vororten ihre Sitze. Die Bezirke Josefstadt, Margarethen und Landstrasse dagegen haben einen mehr stillen Charakter bewahrt. Die Josefstadt wird mit Vorliebe von Beamten bewohnt, welche hier billige kleine Wohnungen linden, während die Nähe der Giiterbalmhöfe, des Hauptzollamtes und des Arsenals eine sehr starke Arbeiterbevölkerung in dein Bezirke Landstrasse eoncentrirt. Der Bezirk Margarethen, der einzige, in welchem sich noch grosse zusammenhängende 221 Gärten verbilden, wird von vielen Färbern und Gärbern, welche :m den Ufern des diesen Bezirk durchselmeidenden und begrenzenden Wienflusses ihr Gewerbe ausüben, bewohnt. Wenn auch bis jetzt die Vororte Wien’s noch nicht mit der Hauptstadt in administrativer Beziehung zu einem Ganzen vereinigt sind, so ist dagegen auf dem socialen, industriellen und gewerblichen Gebiete keine Unterscheidung bemerkbar. Einige dieser Vororte, wie Fünfhaus, Sechshaus und Rudolfsheim, ferner Hernals, Lerchenfeld, Ottakring, Penzing und Hietzing haben Einwohnerzahlen, welche die mancher recht ansehnlichen Provinzialstadt weit überragen*). In ihrem Aeussern tragen sie meist den Charakter der ihnen zunächst gelegenen Bezirke, deren natürliche Fortsetzung sie bilden, während die entfernteren, wie Hietzing, Döbling, Währing etc. noch vielfach von den Wienern als Sommerparteien in der schönen Jahreszeit bewohnt werden. Diese Art des Landaufenthaltes ist eine specifiseh Wienerische Eigenthümlichkeit, welcher wir hier kurz gedenken wollen. Der Londoner, dessen Mittel es ihm erlauben, geht im Sommer nach dem Continent, nach den Rheingegenden oder nach der Schweiz, der Pariser eilt in die Bäder, sei es in die deutschen Spielbäder, sei es in eines der Mode-Seebäder, der Norddeutsche sucht irgend ein Gebirge auf, in welchem er einige Wochen als Tourist den Sand der niederdeutschen Ebenen und Haiden von sich schüttelt, der Wiener dagegen begräbt sich in einem Dorf in der unmittelbarsten Nähe seiner geliebten Kaiserstadt. *■') Die letzte Volkszählung im Polizei-Ravon von "Wien ergab nach den amtlichen C'onsignationen folgendes Resultat: Innere Stadt (57.57 2, Leopoldstadt 89.923, Wieden 55.424, Landstrasse 8t*.114, Margarethen 52.541, Mariahilf (55.574, Neubau 7£>.<>t>4, Josefstadt 51.070, Alsergrund 57.029, Floridsdorf mit Zwischenbrücken 12.3(54, vor der Favoritenlinie 25.727, Sechshaus mit Fünfhaus und Rudolfsheim 73.312, Gaudenzdorf mit Ober- und Untermeidling 41.190, I’enzing 31.357, Währing mit Weinbaus 29.908, Döbling mit Heiligenstadt, Grinzing, Nussdorf und Sievring 21.344, Weltausstellungs-Rayon 1739, Ottakring mit Hernals, Dornbach und Neulerchenfeld 08.720 und Simmering 10.132, im Ganzen also 932.772 Bewohner. Hier, wo er womöglich den Stefansthurm, das 'Wahrzeichen Wiens, durch .den iiher dem Donauthal liegenden Nebel erblicken kann verzichtet er auf allen Comfort, lässt sich ruhig von den „biederen Landleuten“ in ihre engen, unfreundlichen Bauernstuben für Indien Miethzins einquartiren, nimmt mit den ungeniessbaren Speisen und untrinkbaren Weinen des Dorfwirthshauses fürlieb, lässt sich die urwüchsigen Grobheiten der Dorfmagnaten, welche die Wiener Sonnnerparteien nach einer Art Strandrecht, sowie die Küstenbewohner die gestrandeten Schifte, als Plünderungsobject betrachten, gefallen, zahlt sogar oft noch eine Taxe an die Gemeinde für Strassenbespritznng und Beleuchtung, obgleich die erstere Function vom Kegen, die zweite vom Monde ohne Zuthun der Gemeinde besorgt wird; aber trotz aller dieser Unbequemlichkeiten und Abnormitäten fühlt er sich glücklich, denn er ist „am Land“. Fs gehört nun einmal zum guten Ton in gewissen Schichten der Wiener Bevölkerung, im Sommer „am Land“ zu sein, und da nur sehr wenige Familien in der glücklichen Lage sind, eine Villa zur eigenen Verfügung zu besitzen oder miethen zu können, so ist die Zusammcnpferchung der Sommerparteien in den nächstgelegenen Dörfern oft eine derartige, dass man den Leuten, die ihre oft sehr bequem eingerichteten Stadtwohnungen verlassen, um sich den Unbilden der üblichen Sommerwohnungen auszusetzen, alle Bewunderung für ihren Heroismus zollen muss. Eine llauptursaehe dieser Erscheinung bildet wohl die Abneigung der Wiener gegen das Reisen. Erst in der neueren Zeit sind durch die Eisenbahnen Vergnügungsreisen in die steiermärkischen, oberösterreichischen und salzburgischen Alpen etwas Mode geworden, aber der Kreis dieser Reisenden ist ein immer noch sehr kleiner. Am liebsten bleibt der Wiener in der nächsten Umgebung Wien's, zu einer grösseren Reise entschliesst er sich schwerer, nur Geschäftsreisen bilden da eine Ausnahme; aber die in Norddeutsehland so beliebte Vergnügungsreise mit Weib und Kind, die dort besonders nach dem Harz, der sächsischen Schweiz und dem schlesischen Riesengebirge alljährlich 'rausende führt, hat sich bei den AVienern noch nicht eingebürgert, obgleich die prächtigsten Gegenden der Voralpen gewissermassen vor den Thoren Wien’s liegen. Der Wiener fühlt sich eben nirgends wohl, als in der nächsten Nähe Wien’s. Wahrscheinlich wird aber auch diese Geschmacksrichtung ihre wesentliche Veränderung erleiden, mit dem alljährlich immer grossartiger werdenden Aufschwünge Wien’s als Handelsstadt. Vielleicht keine Stadt des europäischen Continents ist in so hohem Grade berufen, ein Sitz des Grosshandels, ein Stapelplatz des Welthandels zu sein, wie Wien. Als Wasserstrasse übertrifft die Donau, aus dem Herzen Deutschlands kommend, selbst den Rhein, indem ihre bedeutendere Wassermenge und ihre grössere Tiefe den Transport schwererer Lasten in einem Fahrzeuge erlauben, und daher billigere Frachtsätze möglich sind. Sie bildet die natürliche Verkehrsader Mittel- Deutschlands mit Siid-Ost-Europa und dem Orient. Wien ist an der Donau nun der letzte vorgeschobene Posten industrieller Production, während hier dagegen die Rohproductc der Donauländer ihren natürlichen Stapelpunkt haben, von wo aus sie in ihr Consum- tionsgebiet verladen werden. Ebenso ist Wien für den Handel Nord-Ost-l)eutschlands mit Italien die natürliche Zwischenstation. Für den Getreidehandel, für Schafwolle, Felle und Leder, für Wein und die sonstigen Landesproducte der Donaugegenden bildet mithin Wien den Centralmarkt. Von der Bedeutung dieses Handelsverkehrs legen daher auch die in Wien einmündenden Eisenbahnen ein sprechendes Zeugniss ab. Die Kaiser Ferdinands - Nordbahn, welche Wien mit dem Königreich Böhmen verbindet und den Verkehr mit Norddeutschland vermittelt, namentlich von den Ostseehäfen Importartikel herbeiführt, und österreichische Producte nach dieser Richtung hin befördert, dient besonders dem Getreide-Export nach Norden hin, wogegen sie nach Wien schlesische, und böhmische Kohlen, Zucker und die industriellen Artikel der böhmischen Industriebezirke führt. Ebenso zeigen die Südbann, welche den Verkehr mit Italien und die Häfen des adriatischen Meeres ver- 224 mittelt, und die Kaiserin Elisabeth-Westbalm, der die Aufgabe zufällt, Wien mit West-Deutschland, der Schweiz und Frankreich zu verbinden, in ihrem Frachtenverkehr in grossartigen Zittern die Be deutung des in Wien concentrirten Kohproductenhamlels, wahrend die Staatsbahn dem Verkehr mit Ungarn dient, und nach Wien die Producte dieses reichen Landes führt, von denen wir ausser Getreide und Meid noch besonders Tabak und Wein hervorheben, wogegen sie Maschinen aller Art, gewebte Luxusartikel u. s. w, unseren transleithanischen Nachbarn überbringt. Von sehr hervorragender Bedeutung für den Welthandel Wien’s dürfte gerade diese Eisenbahnstrecke werden, wenn die im Bau begriffenen türkischen Bahnen ihren Anschluss an dieselbe haben werden. Die Franz Josefs-Bahn, welche Wien mit dem nordwestlichen Böhmen verbindet, dient zwar vorläufig noch mehr dem internen Verkehr, doch ist ihre Bedeutung für den Handel mit Mittel-Deutschland in ununterbrochener Steigerung begriffen. Die Kronprinz Rudolf-Bahn und die österreichische Nordwestbahn, sowie die Lemberg-Czernowitz- Jassver und die galizische Carl-Ludwigbahn sind Für den internationalen Handel von geringerer Bedeutung, wogegen der locale Verkehr zwischen Wien und den von ihnen durchschnittenen Kron- ländern um so schwerer in’s Gewicht fällt. Die nothwendige Grundlage der Bedeutung einer Stadt als Handelsplatz ersten Ranges ist das Vorhandensein einer eigenen Production und eigener Industrie. Selbst Seeplätze, bei dem doch der blosse Handel und die Spedition überwiegen, bedürfen eines nahegelegenen Hinterlandes, welches wenigstens in einem oder in mehreren Zweigen ihnen eine specielle Bedeutung, ein Ueber- wiegen auf von ihnen besonders cultivirten Gebieten gibt. Die Arbeitsteilung zwischen den Nationen ist ausserdem bereits zu einem Grade entwickelt, dass nur diejenige Nation auf dem Weltmärkte zur Geltung kommt, welche irgend eine Specialität ihrer Industrie zu bieten im Stande ist. Da befindet sich nun allerdings Wien in einer äusserst günstigen Lage, da, vielleicht in Folge der Vorliebe des Wiener Charakters für Besonderheiten, und in Folge des 225 durch frühere Verhältnisse nicht begünstigten, daher fast gänzlich fehlenden Kosniopnlitisinus der Wiener, sich hier eine ganze Reihe specieller Industrien entwickelten, die, zur höchsten Stufe der Vollendung und Ausbildung gelangt, Wien unter allen Umständen eine sehr hervorragende Stellung auf dem Weltmärkte sichern. Wir meinen da zunächst die weltberühmte Wiener Meerschaum- waaren-Industrie. Die Pfeifenschneiderei ist hier zu einer Kunst erhoben, die geradezu bewundernswerthe Arbeiten liefert. Das allerdings sehr günstige Material gibt dem Meerschaumbildhauer Gelegenheit, die feinsten, zierlichsten und geschmackvollsten Arbeiten zu schaffen, die als kleine Meisterwerke der Sculptur gelten können. Auf diesem Gebiete steht Wien einzig und unerreicht da, und es versorgt alle Theile der bekannten Welt mit seinen eleganten, schönen und dabei überraschend billigen Rauch- mpiisiten. Ebenfalls zur höchsten Ausbildung gelangt, und einen ganz eigentümlichen, specifisch wienerischen Charakter tragend, ist die Bronee-Industrie. In erster Linie schafft dieselbe Gegenstände des Gebrauchs, wie Lustres, Leuchter, Kamingegenstände etc., und hier ist besonders eine streng künstlerische Richtung erkennbar. So stammen die ausgezeichneten, den höchsten Anforderungen des Geschmackes entsprechenden Broncearbeiten im Wiener k. k. Opernhause aus der berühmten Fabrik von Dziedzinski und Harnisch in Wien, und ebenso dürfen wir die Fabrik von .1 ohann David Hol len hach erwähnen, in welcher prachtvolle Lustres nach stylgerechten Zeichnungen der besten Architekten Wicn’s erzeugt werden, welche die Bedeutung der Wiener Bronce-lndustrie selbst den französischen höchstberühmten Ateliers gegenüber zur Geltung bringen. In derselben Richtung arbeiten noch eine grosse Anzahl grosser und kleiner Broncefabriken, welche alle namentlich aufzuzählen, uns zu weit führen würde. Der andere Zweig der Wiener Bronce-lndustrie beschäftigt sich ausschliesslich mit der Erzeugung jener kleinen zierlichen Lnxusgegenstände, welche als sogenannte „Wiener Artikel“ in der ganzen Welt gesucht und beliebt sind. Da ist nun Bronce allerdings nicht mehr das einzige 15 226 Material, vielmehr tritt dieselbe hier in der innigsten Verbindung mit feineren Holzarten, mit Leder, Papier und Papiermache auf. Was besonders diesen Wiener Galanteriewaaren einen Vorzug vor den Erzengnissen der concurrirenden Fabriken Frankreichs und Deutschlands gibt, ist die Zierlichkeit, Nettigkeit und Vollendung der Mache, der gewisse leichte Schick, die Frische und Rührigkeit in Entwurf und Ausführung. Von diesen Bronee- und Leder galanterie-Waaren (wir nennen hier, ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu machen, und ohne die Nichtgenannten in Schatten stellen zu wollen, besonders die Fabriken von August Klein, Theodor Klein, Franz Bergmann, Josef Ott, Anton Bing, Louis Böhm, Jacques Löw, Ignaz Luk sch, F. Neiber, II. Ullrich, Carl Wenisch u. a. m.) tindet alljährlich ein sehr bedeutender Export nach allen Welttheilen statt. Diese Entwicklung der Bronee- und Leder-Industrie Wien’s ist denn auch nicht ohne Einfluss geblieben auf die höhere Buchbinderkunst, die ebenfalls in Wien eine eigenthiimliche Richtung genommen. Da wird zunächst als Industrie die Erzeugung von Albums für Photographien betrieben, und sehen wir auf diesem Gebiete die reizendsten und geschmackvollsten kleinen Kunstwerke entstehen und ihren Weg in den Welthandel linden. Sodann aber bewirkt das rege öffentliche Leben Wien's, die Coneentration so vieler geistiger und künstlerischer Kräfte und Vereine in der Reichshauptstadt ein stetes Bediirfniss nach Prachteinbänden für künstlerische Albums, Diplome, Bücher u. s. w., so dass hier diese Prachterzeugnisse ans den verschiedenartigsten Stollen mit Vergoldung , Bronee, Edelsteinen, Email, Elfenbein, Leder u. s. w. in glänzender und wahrhaft künstlerischer Weise hergestellt werden. Auch auf diesem Gebiete 1 ist Paris durch Wien erreicht, wenn nicht überflügelt. Die reiche und prachtliebende Aristokratie, welche um den kaiserlichen llof in Wien sich gruppirt, begünstigte schon seit Jahrhunderten die Entwicklung derGoldschmiedc- und Juwelierkunst in Wien. Auf diesem Gebiet war eiuerseits die herrschende 227 Kirche mit der von ihr hochentwickelten italienischen Goldschmied- kunst, anderseits aber der nahe Orient, dessen Geschmack besonders von den ungarischen Magnaten bei ihren reichen, meist in Wiener Ateliers entstehenden Verzierungen ihrer Prachtkostume bevorzugt wird, von Einfluss. So gewann allmälig die Wiener Schmuck- Industrie ihren eigenen, bestimmt ausgeprägten, gewissefmassen den Geschmack des Occider.ts mit dem Reichthum des Orients vereinigenden Charakter, wobei besonders hervorzuheben ist, dass die Wiener Gold- und Schmuckwaaren in Betreff des Feingehaltes des Metalles sich eines sehr vortheilhaften Rufes erfreuen. Die vielen bedeutenden in Wien bestehenden Etablissements (Bolzani und Fiissl, Michael Goldschmidt & Söhne [in Wien und Prag], Gustav Lerl, Anton Pittner, H. Ratzersdorfer, Vincenz Mayer Söhne, GraniehStädten u. A.) behaupten auf dem Weltmarkt eine hervorragende und ausgezeichnete Stellung. Wir wenden uns nunmehr zu einer Wiener Specialität, die innig verwachsen mit dem reichen Musikleben der Stadt Mozart’s, Beethoven’s und Schubert’s, den Ruhm Wien’s überall dahintrug, wo die Musik Freunde und Pfleger findet. Wir meinen die Piano-* fortefabrikafion. Paris (Erard), London (Broadwood), New-York (Steinway), Berlin (Beckstein), Leipzig (Blüthner) haben ausgezeichnete Pianofortefabrikanten, deren Weltruhm fest begründet und von denen Jeder seine grössere oder kleinere Gemeinde unbedingter Anhänger zählt. Allgemein geschätzt dagegen und den fast ungetheilten Vorzug geniessend bei Musikkennern wie bei Musikfreunden ist der Wiener Flügel. Der weiche, gemüthvolle Charakter der Oesterreicher und ihrer Musik spricht sich in dein Wiener Flügel deutlich aus. Die Piano's und Clavierinstrumente der anderen Nationen, der Engländer, der Amerikaner, der Franzosen und Deutschen haben ihre unzweifelhaften und anerkennens- werthen Vorzüge, jede Nation hängt an ihren besonderen Cultur- und Lebensformen, wie sie sich auch in den Instrumenten ausprägen und es wäre gewiss ungerecht, alles das für geringer zu schätzen, was anders ist. In den englischen und französischen 15 * 228 (’lavieren ist der Ton fertig da, er hat etwas festes, unsteiger- lielies, die amerikanischen Instrumente' imponiren- durch ihre schlendernde Kraft, die dem jugendlich aufstrebenden amerikanischen Volke wohl auch entspricht, aber das feinere, musikalisch geschulte Ohr des Musikers, der durchgebildete Künstler (nicht der efleethasehende Virtuose), sie werden stets mit Vorliebe dem singenden, weichen, seelenvollen Tone der Wiener (.'laviere sieh zuwenden und werden namentlich bei den Wiener Clavieren die vollendete Zartheit des Instruments, welche gleichsam ein Bilden des Tones zulässt, dem Spieler entgegenkommt, dem wahrhaft künstlerischen Anschlag eine feine abgestufte Schattirung gestattet, zu schätzen wissen. Nennen wir von den Wiener Clavierfabrikanten Streicher, Ehrbar, Bösendorfer und Proinberger, so haben wir wohl die berühmtesten Namen erwähnt; aber ausser diesen (’oryphäen bestehen in Wien noch zahlreiche kleinere Fabriken, deien Leistungen ebenfalls ganz ausgezeichnete sind und die ebenfalls mit Erfolg den Iitif der Wiener Flügel auf dem musikalischen Weltmärkte zu bewahren wissen. . Wir hätten mit dieser Schilderung wohl diejenigen Industriezweige, welche Wien ausschliesslich eigenthiimlich oder iu Wien zu einer eigenartigen, einzig dastehenden Entwicklung gelangt sind, erschöpft und dürfen uns nunmehr jetzt denjenigen Industriezweigen zuwenden, welche, wenn sie auch Wien nicht eigenthiimlich und ausschliesslich angehören, dennoch für den sich entwickelnden Welthandel Wien's bereits von hervorragender Bedeutung geworden sind. Da ist es zunächst die Bau- und Möbelschreinerei, welcher wir unsere Aufmerksamkeit widmen müssen. Grosse Etablissements der Bautischlerei entstanden in Wien wohl zunächst zu dem Zwecke, den localen Bedarf der Bauthätigkeit zu decken. Doch sehr bald wurde für den Export gearbeitet, und schon am Anfänge der sechziger Jahre, als die Bauthätigkeit in Wien immer noch in dem ersten Stadium ihres gegenwärtigen Aufschwunges sich befand, waren in Deutschland, Ober-Italien, in der Schweiz und Ost 229 Frankreich die Wiener Panpietten und Fussbdden, Thiiren, Fenster u. s. w., die von den Fabriken vollständig fertig und in sehr geschmackvoller Ausstattung geliefert wurden, bereits sehr gesuchte und sehr gangbare Artikel. Seitdem hat sieh der Export noch wesentlich gesteigert, da auch inzwischen die aufstreben den Ihinauf urstenthiimer, Serbien, sowie die europäische Türkei und Egypten in die Reihe der Consmncnten dieser Bauartikel getreten. Besonders wollen wir hier der ehemaligen Markert’schen, jetzt im Besitze einer Actiengcsellschaft befindlichen Fabrik von Thiiren, Fenstern und Fussbdden gedenken, die des liehen Rufes, dessen ihre Artikel sich erfreuen, vollständig würdig ist. Hand in Hand mit dein Aufschwünge der Bauthätigkeit und der Bautisclderei, ging auch die Möbeltischlerei in rascher Entwicklung aus dem Stadium des hamlwcrksmässigen Betriebes zur Grossindustrie über. Die Prachtbauten Neu-Wien's forderten entsprechende innere Ausstattung und die Aristokratie der Geburt und des Geldes, welche an der Ringstrasse ihre Pallästc sich errichtete, besass Geschmack und Freigebigkeit genug, um durch grossartige und lohnende Aufträge die Thatkraft dieser Industrie zu beleben. Die ersten Architekten Wien's und ihre Schüler nehmen keinen Anstand, diese, rein auf das Praktische gerichtete Industrie durch stylvolle Zeichnungen zu unterstützen, und dadurch der Wiener Möbeltischlerei jenen feinen und geläuterten Geschmack zu geben, welcher dieselbe vor der ausländischen Coneurrenz so vortheilhaft auszcichnet. Dieser Vorzug und die grossartigen Erfolge, welche die Wiener Industrie der gewebten Stoffe für Fuss- teppiche, Decken, Vorhänge, Möbelstoffe u. s. w. errang, sichern Wien auf dem Gebiete derjenigen Industrie, welche der inneren Ausstattung des Hauses und der Wohnung dienen, einen hervorragenden Anthcil am Weltmärkte. Auf diesem Gebiete hat die Wiener Industrie noch eine grossarfige Zukunft. Durch die Herr schaft der französischen Mode seit zw ei Jahrhunderten ist eine totale Verwüstung des Geschmackes eingetreten. Der Styl Ludwig XIV., wie maru die Verballhornisirung der Renaissance in Frankreich zu 230 nennen beliebt, (las Rococco und der Gipfel der Geschmacklosigkeit, der sogenannte Styl Ludwig XVI., der überladene Bombast des ersteren, die Bizarrerie und Geziertheit des zweiten und die matte Plattheit und Kunstlosigkeit des dritten, beherrschen heute noch durch die Nachwirkungen der französischen Modetyrannei, fast die ganze europäische Möbeltischlerei und die Industrie der Ausstattung der Häuser und Wohnungen. Dazu die Vorliebe der Franzosen für naturalistische Blmnendecoration, so dass die ganze Ornamentation im Innern der Zimmer schliesslich den Charakter des wüst Ueberladenen erhält. Alles dieses zusammen genommen hat sich allmählig krankhaft gesteigert, daher die Wiener Industrie mit ihrer gesunden und geschmackvollen, an die leichten "Muster der Renaissance und des Orients sich anlelmenden Richtung, unbedingt als natürliche und logische Reaction betrachtet werden muss. Der dem orientalischen Gesclnnacke nachstrebenden Ornamentik gehört, weil sie die natürliche und vernunftgemässe ist, unbedingt die Zukunft, und hier hat Wien vor allen anderen Industrieplätzen dieses Genres den Vorsprung. Wir dürfen hier nicht unerwähnt lassen, dass es besonders dem Österreichischen Museum für Kunst und Industrie zu danken ist, Avenn der Durchbruch des geläuterten und richtigen Geschmackes sich in Wien auf diesem Gebiete so rasch vollzog. Dieses Institut war unermüdlich thätig, der Industrie die besten und stylvollen Muster zu beschallen und die Leitung desselben verstand es in tactvoller Eimvirkung, neben den künstlerischen Interessen die praktischen Bedürfnisse der Industrie besonders zu berücksichtigen. liier gedenken wir namentlich der Firma Philipp Haas & -Sohne in Wien, welche, ein Welthaus ersten Ranges, der Wiener Industrie auf diesem Gebiete Bahn brach und die Coneurrenz der Franzosen siegreich aus dem Felde schlug. Daneben dürfen wir noch Bujatti und (’. Giani nennen Letztere Firma ist besonders in kirchlicher Richtung thätig und hat hier rückhaltslos und mit grösstem Erfolge die Bahn stylisirter Muster, mit vorwiegender Benützung mittelalterlicher Beispiele, betreten. 231 Ausschliesslich dem massenhaften Bedarf widmen sieh die Wiener Bekleidungs- und Schuhindustrie. Nachdem die Herstellung billiger und schöner Bekleidungsstofle in den böhmischen, mährischen und schlesischen Fabriken gelungen, nahm sehr rasch die Bekleidungsindustrie in Wien ihren Anlauf zur Betheiligung an dem Welthandel, und die enorm billigen Preise, gegen welche selbst die deutsche Concurrenz zurticktreten musste, verschafften rasch Wien die fast ausschliessliche Geltung. Wiener Kleider und Schuhwaaren linden sich jetzt fast auf allen europäischen und aussereuropäischen Märkten, und der Orient, bis tief hinein nach Asien, ist auf diesem Gebiete dem Wiener Platze tributpflichtig geworden. Nachdem, wie aus den Berichten der nach Ostasien gesendeten österreichischen Expedition ersichtlich, die ostasiatischen Völkerschaften die europäische 'Pracht anzunehmen beginnen, eröffnet sich der Wiener Bekleidungsindustrie ein neues grösseres Absatzgebiet, und trotz der bedeutenden Concurrenz der amerikanischen Schuhfabriken hat sich in der letzteren Zeit ein im raschen Steigen begriffener Export Wiener Schuhwaaren nach Amerika organisirt, welchem jedenfalls noch eine glänzende Zukunft bevorsteht. So hätten wir denn in allgemeinen Zügen den gegenwärtigen Stand derjenigen AViener Industrien charakterisirt, welche berufen sind, an dem Welthandel Theil zu nehmen. Wir haben nur die im Augenblicke wichtigsten Industriezweige hervorgehoben, obgleich wir der Maschinen Industrie, namentlich so weit dieselbe mit der Herstellung von Eisenbahnbedarf und von landwirthschaftliehen Maschinen sich beschäftigt, ferner der Fabrikation optischer Instrumente und wissenschaftlicher Werkzeuge, der Shwal-Industric, die, obgleich nicht mehr so bedeutend, wie früher, immerhin doch noch sehr heachtcnswerth ist (Productionswerth jährlich circa fünf Millionen Gulden i, der Fabrikation eiserner Gassen, aul welchem Gebiete Wien (Wertheim, Wiese, Oezelt u. s. w.) ebenbürtig neben England und Amerika, steht, der Ziindwaaren Industrie, deren Export zwar gegen frühere dalire, wo Wien fast ausschliesslich 232 mit seinen Ziindwaaren den Markt beherrschte, etwas abgenommen hat, die aber immer noch sehr bedeutend ist, gedenken könnten. Nur eines Export-Artikels, der zwar nicht in Wien selbst, wohl aber in der nächsten Umgebung Wien’s producirt wird, müssen wir erwähnen, des Bieres nämlich. Seit Dreher sein grossartiges Etablissement in Schwechat bei Wien zu jener Hohe der Production in Qualität und Quantität gebracht hatte, die ihm den Export nach dem Auslande ermöglichte, begann das „Wiener Bier“ seinen Siegeslauf durch alle Länder der Erde. In Deutschland, wo bisher das bairische Bier den Vorzug und die fast ausschliessliche Herrschaft besessen hatte, fand das Wiener Bier so rasch Eingang, dass selbst in München, dem classisehen Hauptsitze des Biercultus, das Wiener Bier zur Geltung kam. In Amerika, in England, in Frankreich, in Italien, im Orient, selbst in Indien, Japan und China wird das Wiener Bier allen anderen Biersorten vorgezogen, und steigert sich die Nachfrage von Jahr zu Jahr, namentlich aber, wenn es gelingen wird, durch sorgfältige und zweckmässige Verpackung zu ermöglichen, dass das Bier auch auf den längsten Seereisen nach heissen Gegenden frisch und unverdorben bleibt, wird Wien im Orient und in den ostasiatischen Reichen noch eine grossartigere Entwicklung seines Bier-Exports sehen. Dass Wien jetzt bereits auf diesem Gebiete massgebend geworden, dass es heute bereits die anerkannte Hauptstadt aller Bierproduetion ist, geht einerseits au> dem Umstande hervor, dass alle grosseren Brauereien Oesterreichs in Wien sowohl für den Kleinverkauf und Ausschank, wie für den Export Niederlagen zu errichten gezwungen sind, andererseits aber aus der Nachahmung der musterhaften Schwechater und Liesinger Brauereien bei Anlage neuer Etablissements im In- und Auslande. Ueberall, wo jetzt noch grössere Brauereien angelegt worden, bestrebt man sich, nach Schwechater oder Liesingfer Art zu brauen und „Wiener Bier“ zu erzeugen. Sind, wie wir in unserer Schilderung übersichtlich dargothan zu haben glauben, mithin die Vorbedingungen vorhanden, um Wien zu einem Weltkandelsplatze ersten Ranges zu gestalten, so nimmt 233 es auf dem Gebiete des Geldmarktes bereits die Stelle ein, welche seiner industriellen und mercantilen Bedeutung: entspricht. Wien ist neben London und Paris der dritte Platz des Geldverkehres. Die Wiener Börse war bereits vor 1848, als Frankfurt a. M. noch der Deutschland beherrschende Börsenplatz war, tonangebend. Die lange Periode der Metterniclrschen Regierung' während welcher Wien thatsächlieh der politische Mittelpunkt Eumpa’s war, gab der Wiener Börse seinen Einfluss, der heute noch seine grossen Nachwirkungen* ausübt. Freilich ist die Physiognomie und ganze Gestaltung des Geldmarktes seitdem eine absolut andere geworden. Andere Faktoren und andere Kräfte wirken heute, als damals. Die riesenhafte Entwicklung des Actienwesens, die massenhafte Gründung neuer Banken hat dem Wiener Geldmärkte eine fast endlose Reihe neuer Papiere zugeführt, welche der Speculation die reichste Beschäftigung und Ausbeute geben. Namentlich aber waren es die grossen Eisenbahnbauten in Oesterreich-Ungarn, welche eine bedeutende Goncentration des in- und ausländischen Capitals an der Wiener Börse bewirkten. Die grossen Geldmächte Europa’s, soweit sie nicht, wie Rothschild, Erlanger, Königswarter u. A., ihre Zweigniederlassungen in Wien haben, stehen wenigstens in directen Beziehungen zur Wiener Börse, lind wir dürfen es wohl aussprechen, dass in den letzten Jahren kein grösseres Geschäft auf dem europäischen Geldmärkte ohne hervorragende und lebhafte Betheiligung Wien's zu Stande kam. Von derartigen grossen internationalen Speculationen erwähnen wir zum Belege dieser Behauptung nur die Beschaffung des Capitals für den Suezkanal, für die Pacific-Eisenbahn, für die türkischen Bahnen und schliesslich die grosse französische Milliarden-Anleihe. Illustrirt wird aber die Bedeutung und Leistungsfähigkeit der Wiener Börse noch besonders, wenn wir hervorheben, dass ausser der grossartigen Betheiligung an den erwähnten internationalen Geldoperationen Wien für den eigenen Bedarf der Emissionen neuer Papiere im Jahre 1871 allein noch circa 1 flfl Millionen Gulden aufbringen musste. Charakteristisch und als Ausdruck der sehr gesunden 234 Verhältnisse des wirthschaftlichen Lebens Oesterreichs bezeichnend ist, dass gerade in der letzten Zeit es vorzugsweise industrielle Unternehmungen sind, denen das disponible Capital sich zuwendet, und dass die Wiener Börse für Industriepapiere stets ein grosses Entgegenkommen zeigt. Möge daher eine' nicht zu ferne Zukunft der Wiener Börse die Wiederherstellung der Valuta bringen, wozu jetzt die Verhältnisse jedenfalls günstiger sind, als jemals. Nicht ohne innere und äussere Berechtigung durfte cs daher unternommen werden, Wien zum Sitze der nächsten grossen Weltausstellung zu machen und dadurch die Ueber- nahme seiner hervorragenden Stellung als Welthandelsstadt zu inauguriren. Betrachten wir den Charakter der Wiener Weltausstellung, wie derselbe durch Organisation und Programm festgestellt wurde, so bemerken wir sehr wesentlich unterschiedene Merkmale gegen die bisherigen in London und Paris stattgefundenen Weltausstellungen. Streng vermieden wurde jedes äussere und leere Schaugepränge. Die Wiener Weltausstellung soll instructiven und praktischen Zwecken dienen. Wir finden daher in den Programmen besonders die Entwicklung der einzelnen Industriezweige berücksichtigt, die Geschichte des Welthandels, der Gewerbe, der Preise, als zur Darstellung gelangend, in Aussicht genommen, besonders aber ist dafür Sorge getragen, dass die nächsten Resultate der Ausstellung durch Anknüpfung neuer Absatzverbindungen für den Industriellen sofort fruchtbar gemacht und verwerthet werden können. So wird die Ausstellung ein grossartiges, nützliches und lehrreiches Bild der gesammten Weltindustrie und des Welthandels bilden, und damit in ihrer ersten und bedeutendsten Folge zum Regulator des Weltmarktes für die nächsten Jahre sich gestalten. Die bedeutende und für die fernste Zukunft bestimmende Einwirkung der Weltausstellung auf die Entwicklung Wiens ist damit von selbst gegeben. Hauptaufgabe der Wiener Weltausstellung ist es, den Osten Europa's und ganz Asien, sowie das nördliche Afrika in den belebenden Kreis des Weltverkehres 235 und der Civil isation einzubezielien. Der Bau der türkischen Bahnen und des Suezkanals bilden hierzu wichtige Hebel. Hatte sich nach der Entdeckung Amerika’s und des Seeweges nach Ostindien die Richtung des Welthandels absolut verändert, und sanken die grossen Handelsstätte Siiddeutschland's und des adriatischen und mittelländischen Meeres zur Bedeutungslosigkeit für den Weltverkehr herab, so kehrt nunmehr der grosse Strom des Handels theilweise wieder in sein altes Bett zurück. Die Wasserstrasse der Donau, die Landwege der Eisenbahnen durch Oesterreich über den Brenner nach Italien und durch Ungarn nach dem Oriente erhalten eine früher kaum geahnte Bedeutung. China und Japan, die nunmehr den. Handel mit Europa erschlossen sind, liegen von jetzt ab Wien und Oesterreich näher, als irgend einem anderen Industrieland, und Wien mit seinem natürlichen Seehafen Triest gestaltet sich ganz von selbst zum Mittelpunkt des orientalischen und asiatischen Welthandels. Jeder Industrielle, jeder Fabrikant, jeder Banquier, der von dem orientalischen und asiatischen Markt nunmehr wird Nutzen zu ziehen beabsichtigen, muss Wien zum Stützpunkte aller seiner Operationen machen. Die, wie wir geschildert haben, bereits so grossartig entwickelte Industrie Wien's, wird an den Vortheilen der neuen Stellung der Weltstadt an der Donau, zwar in erster Linie betheiligt sein, aber naturgemäss muss nunmehr Wien auch der Mittelpunkt der ganzen Österreichischen, mitteldeutschen und süddeutschen Production und des Handels, der Stapelplatz aller im Orient und in Asien gesuchten und gangbaren Artikel werden. Die Wiener Weltausstellung wird da zunächst Veranlassung bieten, Handelsniederlassungen und Factoreien in allen Theilen Asiens und des Orients zu gründen, die in ununterbrochener Beziehung mit Wien, ein stetes und regelmässiges Geschäft vermitteln. So eröffnet sich der Kaiserstadt eine glänzende Perspective. Das friedliche Reich der Arbeit erweitert seine Grenzen nach 236 Osten, nach der ewig jungen Heimat des Menschengeschlechtes zu. Wien ist berufen an diesem civilisatorischen Werke den Hauptantheil zu übernehmen, und so bildet die Weltausstellung des Jahres 1873 nicht nur den Markstein der Entwicklung Wien's zur Weltstadt, sondern auch den Beginn einer neuen Epoche in der C u 11 u r g e s c h i c h t e der Menschheit, in der Gestaltung des Reiches d e r A r b e i t, d e s F r i e d c n s und d e r g e i s t i gen Freiheit aller Nationen. \ J)ic T^rise nnqfy Ü[mt ;nr Ü[eHmi$$Mliing* ^> en - Diese Parole dürfte im Jahre 1873 an allen ^Punkten der eivilisirten Welt, wo irgend ein Interesse für \ 1 J- ^ ° ^ Axculturgeschichtliche Entwicklung und Fortschritt sieh regt, ertönen. Aus den entferntesten Ländern rüsten sich die Männer der Industrie und des Handels, der Wissenschaften und Künste, um so zahlreich als möglich bei der Weltausstellung zu erscheinen, sei es als Aussteller, sei es als Besucher der Weltausstellung, um zu sehen und zu lernen, Studien zu machen und Erfahrungen zu sammeln. Unsere hochentwickelten Verkehrsmittel, welche sogar seit der letzten Pariser Weltausstellung ausserordentliche Fortschritte gemacht haben, erleichtern allerdings das Keisen nach Wien in ausserordentlicher Weise. Der Zusammenfluss von .Fremden während der Ausstellung in Wien wird jedoch ein so ausseroidentlicher sein, dass es selbst für den erfahrenden Reisenden, für den gutunter- richteten Ausstellungsbesucher nothwendig ist, bei Zeiten seine Vorkehrungen zu trefleu, um sowohl unterwegs auf der Reise, wie in Wien bequem und angenehm sich zu belinden. Die Geueraldirection der Wiener Weltausstellung hat, um den Besuch der Weltausstellung zu erleichtern und den Fremden, welche nach Wien kommen, jede 238 mögliche Bequemlichkeit zu bieten, die Organisation der Reise nach Wien und der ITnterkuntt in Wien selbst in die Hand genommen. Es wurde zu diesem Zwecke ein Wohnungs- und Reise- Centralbureau errichtet ^ dessen Leitung Herrn Adolph Lehmann, dem Herausgeber des bekannten und als ausgezeichnet bewährten Allgemeinen Wohnungs-Anzeigers von Wien, übertragen wurde. Herr Lehmann, eine anerkannte Capacität auf diesem Gebiet, hat dieses Reise- und Wohnungsbureau auf das Grossartigste 'eingerichtet. Das Centralbureau des Institutes befindet sich im IX. Bezirk (Alsergrund), Lichtensteinstrasse Nr. ü, die Filiale in der innern Stadt. Wollzeile Nr. 8 ( im Bazar). Da dieses Central - Reise- und Wohnungsbureau das Einzige ist, welches mit der General-Direction ofticicl in Verbindung steht, so ist es selbstverständlich in der Lage, seinen Committenten ausserordentliche Yor- tlieile zu bieten. Mit allen europäischen Eisenbahnen und Dampf- schift'sgesellschaften steht das Centralbureau in Verbindung und hat von denselben bedeutende Tarifermässigungen für Personen- und Gepäckverkehr erlangt. In allen grossen Städten Europa’s sind Agenturen und Vertretungen errichtet, welche Gesellschafts reisen nach Wien organisiren, die mit beschleunigter Fahrt zu er- mässigten Preisen stattlinden. Jeder Committent, welcher sich an einer derartigen Gesellschaftsreise betheiligt, empfängt vor der Abreise ein zuverlässig redigirtes Reisehandbuch, in welchem ausser den Fahrkarten, Tarifen u. s. w. Wohnungsanweisungen für den Aufenthalt in Wien, Eintrittskarten in die Öllentlieheu Vergnügungsund Belustigungsorte Wien’s, Anweisungen auf guten Mittagstisch zu ennässigten Preisen, Nachweisungen von Restaurationen, kurz alles Dasjenige sich befindet, was der Fremde während seines längeren oder kürzeren Aufenthaltes in Wien wissen muss. Die Einrichtung ist eine in jeder Beziehung so unbedingt practische, dass der Fremde alle weiteren Auslagen für Lohn diener, Fremdenführer u. s. w. vollständig erspart, da die Reisenden bei ihrer Ankunft auf den Bahnhöfen Wien’s bereits von Beamten des Bureau in Empfang genommen, nach ihren Wohnungen geführt, durch die Ausstellung und Sehenswürdigkeiten Wien’s geleitet werden. Bei allen bisherigen 'Weltausstellungen fehlte eine derartige practische Institution und wir glauben eine angenehme Pflicht zu erfüllen, wenn wir die Leser unseres Werkes und alle Fremden, welche Wien im Laufe des Jahres 1873 zu besuchen gedenken, hiemit auf das Fentral-Reise- und Wohnungsbureau aufmerksam machen. 240 (Karl filiert ®)ritjrfjiifcr t I ngenieil r, Gründer des Wiener Loeal-Telegrafen und der pneumatischen Post, prov. Vorstand des österreicliisclien Vereins der Freunde der Naturwissenschaften etc., Besitzer einer Telegrafen-Bauanstalt, ist geboren in Kemathen in Oberösterreich im Jahre 1835. Indem wir die verschiedenen Phasen seiner gründlichen Studien übergehen, ist es Hauptzweck, in Kürze die vielseitige Thätigkeit des Herrn Mayrhofer zu skizziren. Die Verdienste, die sich derselbe in Bezug auf die Verbesserungen des Telegrafenwesens erworben, speciell und erläuternd anzuführen, würde den Raum unseres Werkes überschreiten, und sei hier nur in gedrängter Fassung erwähnt, dass der Entwurf des Projeetes, in Wien Local Telegrafen zu errichten, welche die Vorstädte, Vororte, Eisenbahnen und Dampfschiftstationen, sowie das Staats-Telegrafen- Oentrale untereinander verbinden, von Herrn Mayrhofer herrührt. Die Emancipation der Frauen in Bezug auf Verwendung derselben beim Telegrafendienst, ist gleichzeitig seinem unermüdlichen Streben zu danken und sind die nahezu 1000 Frauen, die heute im österreichischen Telegrafendienst thätig sind, ein glänzendes Resultat. Ausserdem erfand derselbe „einen Controll-Apparat für den Zugsverkehr der Eisenbahnen, den elect. magnetischen Abstimmung^ Apparat für Reichsraths- und sonstige parlamentarische Verhandlungen , dessen Einführung beim Baue des neuen Parlaments- Gebäudes beschlossen ist. Das Project, in Wien electrische Ehren, sowohl auf allen Plätzen, als auf den Thürmen und öffentlichen Gebäuden zu errichten, hat Mayrhofer entworfen, und sind die Verhandlungen darüber im hiesigen Gemeinderathe im besten Zuge. Die Oonstruction eines Luftballons zu Kriegszwecken wurde von Herrn Mayrhofer mit Anwendung der neuesten Erfindungen der Technik und Erfahrungen in der Naturwissenschaft vollendet, 1 r Parl /Mayrhofer,. - v PH 8 ®*$« SS*2£ j 241 und waren die Resultate seiner Ascension, welche am 22. September 1807 zu Linz in Gegenwart Seiner kaiserl. Hoheit, des Herrn Erzherzog Josef und vieler Militär- und Civilbehörden statttand, von dem glänzendsten Resultat begleitet. — In einer Höhe von über 7000' machte er mit Zuhilfenahme des Ballon-Regulateur Senkungen ohne Gasentstrommung und wieder Erhebungen ohne Auswerfen von Ballast; die Landung erfolgte bei der österr. Lagstadt, an der Linz - Budweiserstrasse, Nachmittags 4 Uhr 35 Minuten. Die Anregung zur Befahrung des Attersee’s in Oberösterreich mit Dampfschiffen machte Mayrhofer, und sind die Erfolge, welche der Errichter der Dampfschifffahrt daselbst, Herr von Horwath, erzielt, von bedeutendem, pecuniären Gewinn begleitet. Das eben in Wien in Errichtung begriffene Unternehmen der pneumatischen Post ist das Project Mayrhofer's und ist die com- plette, pneumatische Einrichtung für Wien, wie Berlin und London eine solche schon besitzen, in Ausführung begriffen. Die Wichtigkeit einer solchen Institution für eine Weltstadt ist ausserordentlich. Die Briefe werden in eigener Handschrift (gegenüber der Ab- telegratirung beim electr. Telegrafen ), ohne Beschränkung der Wortezahl und in Minuten zu tausenden von Stücken auf einmal expedirt; auch bleibt der Inhalt der Briefe Jedermann unbekannt und dürfte sich diese neuerliche Schöpfung Mayrhofer’s sicherlich des allgemeinsten Beifalls zu erfreuen haben. Die Telegrafenbauanstalt steht unter seiner persönlichen Leitung und werden besonders die Blitzarbeiter nach strengen, wissenschaftlichen Prinzipien verfertigt und ausgeführt. Herr Mayrhofer ist ausserdem Verfasser eines populären Lehrbuches mit 2 lithogratirten Tabellen über Telegrafie, grosser lithografirter und colorirter Wandtabellen, die Electro-Mechanik in Bezug auf den Morse - Telegrafen vorstellend; einer Broschüre über Aeronautik nebst Photografien etc. 16 242 ünrl jSctjiucubn;* Schwender, wein in aller Welt ist dieser Name fremdV Der Name Schwender ist einer der populärsten, nicht nur in Wien und in Oesterreich, in aller Herren Länder, selbst jenseits des Ocean's spricht man, wenn von Wien die Rede ist, auch von „Schwender“. Und mit Recht. — Schwender ist der Reformator auf dem Gebiete der Vergnügungen und seine Etablissements „Colosseum“ und „Neue Welt“ stehen einzig in ihrer Art da. Als die hervorragendsten Momente in der Geschichte des Hauses Schwender sind folgende zu verzeichnen: 1845. Erste grössere Festivität. 1849. Eröffnung des Sommertheaters. 1850. Eröffnung der Cafehalle und Einführung des Häringschmauses am Aschermittwoch in Wien. 1853. Eröffnung des Amor Saales. 1861. Eröffnung der „Neuen Welt“ in Hietzing nächst Schönbrunn. 1864. Eröffnung des Colosseums. 1872. Erbauung der „Alhambra“ in der „Neuen Welt“. Schwender senior, der Gründer der Etablissements, der in Folge seines unermüdlichen Strebens und seiner rastlosen Thatkraft seine eigenste Schöpfung zur Bedeutung brachte, war der Erste, der in Wien die billigen Transportmittel, die Omnibusfahrten für zehn Kreuzer, in s Leben rief und einbürgerte. Schwender senior starb, bereits im Besitze eines Weltrufes, im Jahre 1866. Vom Jahre 1866 an übernahm Schwender, der gegenwärtige Besitzer der Etablissements, nach dem Tode seines Vaters, die alleinige Leitung seiner Etablissements, und der neue Pracht- Amor-Saal, sowie die „Alhambra“ geben Zeugniss von dem, was Schwender geleistet und zu leisten im Stande ist. Schwender’s „Colosseum“ fasst mehr als zehntausend Menschen und rechtfertiget somit in wahrem Sinne des Wortes jScH WENDER. r 243 seine Bezeichnung. Dasselbe bestellt aus den Amor-, Flora- und llarmoniesälen, der grossen Prachthalle, dem Theater und der Tunnel- und Gartenlokalitäten. Während der Weltausstellung werden in demselben täglich grössere Festivitäten mit Concerten, Bällen abgehalten und in einem für diese Zeitperiode bestimmten hervorragenden Café Chantant die besten und vorzüglichsten Künstler aus allen Weltgegendcn auftreten. Die „Neue Welt“, das grösste und schönste Park-Etablissement Europa's, ist in Hietzing, nächst dem k. k. Lustschlosse Schönbrunn gelegen, und fasst nahezu zwanzigtausend Menschen ; für dieses Etablissement sind für die Zeit der Weltausstellung die ersten Kräfte gewonnen u. z. die Kapelle des k. k. Hofballmusik- Direetor Eduard Strauss, die besten Militär - Capellen der Wiener Garnison, Gymnastiker, Sänger, Tänzer, überhaupt Künstler aller Art, und zwar nur die Hervorragendsten, welch 1 Letztere im grossen neuen „Theater Internationale“ alltäglich Vorstellungen geben werden. Ausserdem werden während der Weltausstellungssaison Sänger- feste, bei welchen stets über tausend Sänger mitwirken dürften, abgehalten. Die „Alhambra“, die jüngste Schöpfung Schwender's, hat allen seinen früheren Einrichtungen die Krone aufgesetzt, der Bau ist ebenso grossartig angelegt als künstlerisch vollendet, und stellt alles bis jetzt in diesem Genre Gebotene tief in den Schatten. Die Illumination der „Neuen Welt“ besteht in mehr als zehn tausend der verschiedensten Beleuchtungsobjecte mit Gas. Die dort abgebrannten Feuerwerke sind imposant und überraschend. Schon wiederholt ward den beiden Etablissements Schwender die hohe Ehre von Besuchen Seiner Majestät des Kaisers und des Allerhöchsten Hofes, sowie vieler fremder Potentaten zu Theil. Mit vollem Recht wird die „Neue Welt“ als das Rendez vous der hohen Aristokratie und der eleganten Welt und das „Colosseum“ als der Sammelpunkt der Wiener Bürger bezeichnet. Was Schwender auf dem Gebiete der Humanität geleistet und noch immer leistet, ist zu bekannt, als dass eine Erwähnung 16 * 244 desselben nöthig wäre; Schwender verwendet alljährlich bedeutende Summen zur Linderung von Noth und Elend, wo immer sich dieselben fühlbar machen. Schwender hat erst in jüngster Zeit die Gründung eines Fonds zur Erbauung eines Bürger-Versorgungshauses in Rudolfsheim angestrebt und durch seine Wohlthätigkeit ermöglicht. Am Namensfeste Seiner Majestät findet alljährlich eine grossartige Festivität zum Besten der Kaiser Franz .Josefs-Stiftung, für die Wittwen und Waisen österreichischer Ofliciere statt; sein jüngstes edles Werk ist die Gründung des Wohlthätigkeitsvereines „ Weihnachtsbaum u zur Bekleidung armer Schulkinder. Dies sind nur einige wenige Beispiele seines in die Oetfentlichkeit gedrungenen humanen Sinnes; was Schwender im Stillen wohlthut, das wissen überhaupt nur die Armen und Hilfsbedürftigen der Residenz und ans der Fremde. Schwender ist eben ein Mensch in der edelsten Bedeutung des Wortes und mit vollem Rechte der Liebling der Wiener und eine der populärsten Persönlichkeiten der Kaiserstadt. hie deulsrlien und die östeiTeicliischen Hader im Jahre 1873. Das Jahr 1873 wird einen grossen Strom von Fremden aus allen Ländern Fiiiropa’s und allen Welttheilen nach Deutschland, speciell nach Oesterreich führen. Wenn auch Tausende von Ausstellern und Ausstellungsbesuchern während des Sommers 1873 ihren Aufenthalt in Wien zu nehmen genbthigt sind, so dürfte doch eine grosse Anzahl von Fremden es vorziehen, nur vorübergehend sich dem Gcwirrc der werden den Weltstadt Wien und den Unbequemlichkeiten, welche das Zusammenströmen so vieler Fremden mit sich Führen wird, nicht auszusetzen. ln unserer Zeit, wo man von den entferntesten Punkten aus mit Leichtigkeit überall per Eisenbahn gelangen kann, dürfte es sich daher mehr als in jedem anderen Jahre cm pfehlen, während des Sommers 1873 in einen der vielen freundlichen Räder Oesterreichs und Deutschlands ständigen Aufenthalt zu nehmen und Wien nur in kurzen Intervallen während der Glanzperioden der Ausstellung und den mit der selben verknüpften, internationalen Festlichkeiten zu besuchen. Es empfehlen sich dazu die österreichischen Bäder, namentlich Ischl, Gastein, Gmunden, auch Meran, Rohitsch-Sauer brunn (in Steiermark), dannCarlsbad,Franzensbad,Teplitzu.s.w. 'Bezüglich Ischl und Gmunden verweisen wir auf das betreffende Inserat in unserem Inseratcntheil), aber selbst entferntere, deutsche Bäder dürften sich dazu eignen, da ja in 24 Stunden von jedem deutschen Badeort aus Wien mit Leichtigkeit zu erreichen ist. fFortsetzung auf Seite VIII.) II mm. in lîaden-13aden. III BADEN-BADEN. Heil-Anstalten Thermalbäder, Stahlbäder, Schwimmbäder, Molkenanstalt Russische Dampf-Bäder. ^rinl^alle fiit al Ut Mtuitmlen ÏHe Stile heö (Conoerfationoljaufce Lesecabinet mit in- und ausländischen Zeitungen Restaurations - Localitäten während des ganzen Jahres geöffnet. CONCERTE, BÄLLE, RÉUNIONS in den Räumen des Conversationshauses. Ooncei*te des Curorchesters . in der bisherigen Stärke, unter Leitung des Directors Herrn Miloslav Krönnemann, während der Sommermonate Morgens, Mittags und Abends im Kiosk; im Winter Abends in den Sälen. Concerte der Militär-Musiken vollständige Regiments-Musik. Opern- uiul Schauspiel-Vorstellungen des Grossh. Hoftheaters in Carlsruhe in den Sommer- und Wintermonaten. Extra-Concerte hervorragender Künstler und Extra-Vorstellungen im Theater. JAGDEN UND FISCHEREI. RENNBAHN ZU IFFEZHEIM, Während des Winters bleiben die Säle des Conversationshauses r sowie die Restaurations- Localitäten geöffnet und finden Conzerte, Theater-Vorstellungen etc. in oben angeführter Weise statt. Das Kur-Comité: Gaus, Bürgermeister. Taets v. Amerongen, F. C. Joerger, k. k. Major a. D. Gern.-Rath u. Banquier. 5 * I I — IV — hill'i!' :* 4 % &**!%< iiWö.. wm 3 t mm Mt Mäa %&ii WM*\ |y§5§? t'ifjSy, 1 "’ y .lL a Gmunden am Traunsee. Schloss Ort. V Der $ ii t ort % in uiulcn f ! liegt in reizendster Lage am pittoresken Traunsee, ist ein vorzüglich beliebter Aufenthalt der llewohner von Wien und mit dem Eisenbahnnetz in direeter Verbindung. Derselbe besitzt: Soolen-, Fichtennadel-, Dampf- lind Douehebäder mit Schwimmanstalten; ausserdem werden Molke und alle Mineralwässer in der Trinkhalle verabfolgt. Letztjährige Anzahl der Curgäste war über 1(>00, mit Tausenden von Touristen. Zur Unterhaltung dienen die vielen herrlichen Ausflüge, das Theater, das hübsche geräumige Casino mit Concert, Tanz und Spiel, die tägliche Musik auf der einzig gelegenen Promenade. Reizende Wasserpartien mit Dampf- und Ruder schiffen auf dem See und der Traun bis zu dem sehens- werthen Traunfall. Herrliche Aussicht auf den wegen seinen Alpenglühen und seinem Gemsjagden berühmten Traunstein. Villen sind über GO, darunter hervorragende Bauten mit grossartigen Gartenanlagen. Dirigirender Badearzt ist Dr. Franz Feuerstein. ! — VI — ! f gî| S $n 'mz&i mmm r yÿ#5i£ iS v. »>. l ‘,? v s?‘ r^V*y> K [I—’itnimwiT! « V i ii k c i* » r i 4 i VII — ISCHL, Oberöste rreieh, Sa 1 zk anunergu t. Lieblings - Sommeraufenthalt der österreichischen Kaiserfamilie. Bäder mit Soole, Schwefelwasser, Fichtennadelabsud, Absud von Nuss- und Eschenblättern, Molke, Moorwasser, Schlamm, Malz etc. Inhalation von Soolen- und Fichtennadeldämpfen, zerstäubter Soole. Salzdampf und russische Dampfbäder. Schwimmanstalt und Gymnastik. Kaltwasserheilanstalt. Kuh-, Schaf- und Ziegenmolke. Kräutersaft. Maria Louisens Salzquelle und Salzberg. Schwefel Quelle. Letztjährige Fremdenfrequenz 10.253 Personen. Badeärzte: l)r. 3ofef ttitter uott öremter, kais. Rath, k. k. Salinen- und Badearzt, Director sämmt- licher Badeanstalten. — Dr. Heinrich Kaan. - - Dr. Moriz Fürstenberg, kais. Rath. —- Dr. Leopold Heinemann. — Dr. Josef Hirschfeld. — Dr. |jmimun Stifger* — Dr. fjrtnrtd) $erjUit. NB. Im Jänner 1873 wird Ischl durch die schon im Bau begriffene Eisenbahn dem Weltverkehr eröffnet werden und darf mit liecht einem schnellen Emporblühen entgegensehen. — Eisenbahn ä Ja Rigi auf den Schafberg. Grossartiges neues Casino. (Im Bau begriffen.) VIII Besonders erlauben wir uns auf die schönen rheinischen Bader aufmerksam zu machen, welche nachdem die Spielbanken aufgehoben sind, einen ungestörten Genuss ihrer prachtvollen Natur bieten. Wir meinen namentlich Baden-Baden, dieses kleine Paradies Südwestdeutschlands, Ilomburg, Wies baden, Ems, Kissingen u. s. w. Von allen diesen Bädern lässt sich Wien leicht in sehr kurzer Zeit erreichen und der Besucher kann so die Annehmlichkeiten des Badeaufenthaltes ohne grosse Kosten mit dem Besuche der Ausstellung verknüpfen. Als zuverlässige, gewissenhafte Rathgeber können wir unsern geehrten Lesern die Badezeitung „Union“ in Frankfurt herausgegeben von R. Nentwig, (Expedition, Frankfurt, am Theaterplatz 13), dann den in Wien erscheinenden „Our- salon“ und den in Carlsbad von dem Badearzt Dr. Fleckles herausgegebenen „Sprudel“ bestens empfehlen. In diesen genannten Blättern ist alles Wisscnswerthe für den Bade- reisenden zu finden. Für Fremde, welche den Sommer 1873 zu interessanten und anregenden Reisen in den Gebirgsgegenden Deutschlands und Oesterreich benutzen wollen, bietet das in Wien erscheinende Blatt „Der Tourist“ das Centralorgan der Österreichischen Alpen- und Touristenvereine, reichhaltiges Material an Reisetouren und praktischen, auf Erfahrung basirenden Rathschlägen. 0mm- >, r; ^Illlilfî&ÎUbfS Iß.^rabenlG Ti :A' ..-ruiA*—~ - i-fHT " 1 ""’"TTnTT'TTTTtÏM mm MAGAZIN VON INGLISCH-& r^ANZÖgl^CHEN HERRENyWODE-WAAREN m rr r*i>» • • V V «V ‘i?v ra*/> Y n -Q^L'SVi rKAIS.KÖNlGL.QSTEREICHlSCHE, KAISERN RUSSISCHE. KQfflGL.WÜRTEMBERGlSCKj( HOF- UIEFERANTEN für feinste w#S% Mob ~y_y'o :v< -iJiKj ^ o -. *\UAl£. <=;—— ^fc tPo £ jschl Kohlmarkt?. baden basen Üenr straS* ^POy. C aüA / jtyoi rjl -S s-> eö WmM 18 ACTIEN-GESELLSCHAFT der k. k. priv. hydraulischen Kalk- u. Portiand-Cement-Fahrik zu ^ERLIOOS (VORM. y^MGELO jSAULICH.) Erzeugung : Preisgekrönter Perlmooser Portland-Cement n. echter Kufsteiner hydraulischer Kalk-Cement. Durch die bedeutenden Erweiterungen der Fabriks-Anlagen der an uns gebrachten, vormals Angelo Saullich’- sclien und Julius Kink’schen Cement-Fabriken sind wir in der Lage, für das Baujahr 1873, sowohl in Bezug auf Quantität, als auch durch vorzüglichste unübertreffliche Qualitäten unsere P. T. Abnehmer in jeder Richtung zufrieden zu stellen. Geneigte Aufträge bitten wir an unsere Direction in Salzburg; Niederlage in Wien, Wien Strasse Nr. 3; Verwaltung in Kufstein; Verwaltung in Kirchbichl; Niederlage in Pest, Academiestrasse Nr. 5; C. Bergmann in Linz für Oberösterreich zu richten. Die bisherige Erzeugung obgenannter Fabriken beschränkte sich auf etwas über Eine Million Wiener Centner Cement, doch der Begehr des In- als auch des Auslandes, nach welch 1 letzterem 1872 beinahe die Hälfte der Erzeugung gesandt wurde, veranlasste uns, diese auf das Doppelte zu beantragen. j^EMENTWAAREN-j^ABRIK IN NUSSDORF des JOSEF NEUMÜLLER in WIEN. Nur aus preisgekröntem Perlmooser Portland-Cement erzeugte Gegenstände. Betonierungen von Fabrikslocalitäten; pflafterungnt mit gewöhnlichen Cementplatten, natur- farbig, roth und schwarz in 60 Dessins; Pfloftetungett mit Marmor-Cement-Piatten, geschliffen und polirt, weiss, schwarz und roth in 60 Mustern; £rottoir-$)ftalterungen mit 2 bis 3 Zoll starken Cement- Platten und Beischaffung von Randsteinen; Stiegen Auf CU in jedwedem Ausmasse und Form; Canal-liinnen von 6/6 Zoll bis 36/42 Zoll lichter Weite; Brunnrngranfce, Brumtencinfaffungen, Bntmtenjicgd, tDaflerleitungo - It oljrcn, Pferhe - fltufd)eln, ^futter- Imrreit, Steine für (Brabhreuje und alle Gattungen HJerkjteine für Bauten; ferner Bau-Ornamente aus Kufsteiner hydraul. Kalk. Durch die grossartigen Einrichtungen in meiner Fabrik bin ich in der Lage, in jeder Richtung meine P. T. Abnehmer zufrieden zu stellen. los. Neumiiller, Wien, Wieden, Wienstrasse Nr. 3. 2 * 20 H t | rl I ir ij Pi t EDUAIID WITTE. mm 11 #rmttl)tterftrafjc itr« 59, MWi pßPp*!^ mm ALri y? 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Hôtel Imperial, Kärntnerring 16. Hôtel Erzherzog Carl, Kärntnerstrasse 31. Hôtel Müller, Graben 19. Hôtel Munsch, Kärntnerstrasse 24, Neuen Markt 6. Hôtel Metropole, Donauquai. Hôtel Meisel, Kärntnerstrasse 2, Neuen Markt 4. Hôtel Wandl, am Peter 12. Wilder Mann, Kärntnerstrasse 17. Matschakerhof, Seilergasse 6. OesterreichischerHof,Rothenthurmstrassel8. Komischer Kaiser, Renngasse 1. Stadt London, Fleischmarkt 22. Stadt Frankfurt, Seilergasse 14. Kaiserin Elisabeth, Weihburggasse 3. Ungarische Krone, Himmelpfortgasse 14. König von Ungarn, Schulerstrasse 10. Hôtel Schippler, Wallnerstrassc 1. Hôtel Garni, Parkring 2. Hôtel Garni, Pestalozzigasse. Hôtel Garni, Plankengasse 5. Hôtel Garni, Fleischmarkt. Hôtel Austria, Schottenring. Hôtel de France, Schottenring. II. Leopoldstadt. Goldenes Lamm. Hôtel Tauber, Praterstrasse. Weisses Ross, Taborstrasse. Hôtel de l’Europe. Kronprinz von Oesterreich. Hôtel Schröder, Taborstrasse 12. Hôtel National, Taborstrasse 18. Russischer Hof, Praterstrasse 11. Nordbahn, Praterstrasse 72. Schwarzer Adler, Taborstrasse 11. Bairischer Hof, Taborstrasse 39. Nordwestbahn, Taborstrasse 47. III. Landstrasse. Dreher’sche Bierhalle, Hauptstrasse. Goldener Engel, Hauptstrasse 7. Blaue Kugel, Hauptstrasse 122. IV. Wieden. Hôtel Victoria, Favoritenstrasse 11. Stadt Triest, Hauptstrasse 14. Stadt Oedenburg, Hauptstrasse 9. 65 Goldenes Lamm, I lauptstrasse 7. Goldenes Kreuz, 1 lauptstrasse 20. Hôtel Zillinger, Haiiptstrasse. VI. Mariahilf. Hôtel Kummer, Haiiptstrasse. Hôtel Krenn, Haiiptstrasse 71. Kubischer Hof, Haiiptstrasse Hl. Stadt Salzburg, Haiiptstrasse. Hôtel Licdl, Haiiptstrasse. vm. Josefstadt. Hirsch, Alscrstrasse 33. Hôtel Garni, Buchfeldgassc 5. Rudolfsheim. Hôtel Wimbcrgcr, Neubau-Gürtel. Hôtel Sehwender, Schönbrunnerstrasse. Cafehäuser. I. Innere Stadt. Cafe Brunner, Ecke des Opernring lind Opcrngassc. „ Czech, Graben. „ Cursalon, Stadtpark. „ Daum, Kohlmarkt. „ Europa, Stephansplatz. „ Griensteidl, Ecke der Schaufler- und Herrengasse. 5 66 Café Hembsch & Meier, Ecke am Schottenring, vis-à-vis der Votivkirche. „ Ilochleitner, Kärntnerring. „ Meyer, ira Ileinrichshof, vis-à-vis dem Opernhaus. „ Opernhaus, Bürgerspital. „ Römer, Naglergasse. „ Stadler, Franz Joseph Quai. „ Schlegel, Graben. „ Wiek, Graben. „ Walch, Kärntnerstrasse. II. Leopoldstadt. Café Fetzer, Praterstrasse. „ Bauer, vis-à-vis dem Nordbalmhof. „ National, Taborstrasse. „ Stierböck, Praterstrasse. Restaurationen. I. Innere Stadt. Restauration zum Lothringer, Kohlmarkt. „ zur Linde, Rothenthurmstrasse. „ zum alten Kühfuss, Tuchlauben. „ Sacher, verl. Kärntnerstrasse. „ Faber, verl. Kärntnerstrasse. „ Breiing & Mebus, Graben. „ Lickey, verl. Kärntnerstrasse. Philipsky, vis ä-vjs der Oper. Gause, Restaurant zum Künstlerhaus. „ „ Johannisgasse. 67 Dreher’sche Bierhalle, Operngasse. „ „ Naglergasse. Hegel’s Restaurant und Hotel garni. Bischofs Bierhalle, Belariastrasse. „ „ Museenstrasse. Liesinger Bierhalle,Restaurant, Schottenthor. Restauration Steindl, Steindlgasse. „ Rotlier Igel, Wildpretmarkt. II. Leopoldstadt. Restauration zum Nordbahnhof, vis-a-vis vom Nordbahnhofe. III. Landstrasse. Restauration Dreher’s Bierhalle, Hauptstr. . „ n * Ungergasse. IV. Wieden. Restauration zur Waage, Waaggasse. VI. Mariahilf. Goldene Birne, Hauptstrasse. Englischer Hof, Hauptstrasse. VII. Neubau. Georg Drah’s Bierhalle, nächst der Mariahilfer Linie. Restauration zum Lagerwäldchen, Kaiserstrasse, Ecke der Burggasse. VIII. Josefstadt. Restaurant Riedhof, Wickenburggasse. „ „ Gold. Schlüssel, Schlösselgasse. „ Grünes Thor, Lerchenfelderstrasse. 5 * 1873. 1873. 'rJlicitCr rlK’lliUI55it'l(llll0. i§> h j. Wir booliron uns Ihnen anzuzeigen, dass wir unser * 1 Tbütigkeit als ile-p rasen tunten für die Wiener Weltausstellung unter der hei dein k. k. Handelsgerichte in Wien protorollirfen Finna: Internationales Commissions- und Speditionshaus am heutigen Tage eröffnet haben. Unser Ontrulbureau befindet sich bis auf Weiteres, Wien, Josefstadt, Wirkenburggasse Nr. Ml, die Hrölfming unserer Filialen in der inneren Stadt und auf dem Ansstell ungsplatze werden wir durch besondere Cirrulaire bekannt geben. Indem wir auf unser nebenstehendes Urogramm verweisen, empfehlen wir Ihnen vorkommenden Falls unsere Dienste. Hochachtungsvoll ergebenst hlMUNUKU & CONKATHS. 1873. luiener urelliuisslcllimg. 1873. Diliinger & Conraths 1 11 1 ernat iona los SpedMinus- ii. Cnnimissionslmis Repräsentanten für die Wiener Weltausstellung 1873 Wickenburggasse Nr 19 ertheilen Auskunft und genaue Informationen über all«* die Ausstellung betreibenden Fragen: übernebinen für Fremde, welche im Jahre 1 ST I Wien besuchen, das Mietlien von einzelnen Zimmern und ganzen Widmungen: Besorgung aller in den Reglements für die Resohickung der Ausstellung vorgesehenen, durch den Aussteller zu veranlassenden Handlungen und zwar: ;i) Hmpfangnahme der Objecte. Im Auspackung derselben. c) (lebernahme der Mmballagen zur Aufbewahrung. dj Aulstellung der Objecte. e) Arrangement \on Finzel- iwid Oollectivausstellungeu. i'i Bewachung, Reinhaltung und Ordnung der Objecte, S) , ' ... In Rücksendung. Commercielie Vertretung der Aussteller währerttl der Weltausstellung, 'Vermittlung von < !eschiiftsabschlüssen, Uebernahme von AIust.erlagern.AVaarendepöts.t leseliäfts- empfehlungen u. s. w.; Versicherung der Ausstellungsobjecte, theils durch tlrim- düng eigener die grösste Sicherheit bietender Orüppen- verbände. theils bei österreichischen und nicht- österreichischen Versioherungs-< iesellscliaften. 1873. $iiMKr $Miaus$tdlu»0, 1873. Grossartigstes Publikationsinstitut in allen Spraclien der Welt, Plakatanzeiger, Publikationen in allen Zeitungen zu den niedrigsten Tarifen; Anfertigung aller Drucksorten zn den billigsten Preisen in eigener, ausschliesslich der Ausstellung gewidmeter Druckerei. Während der Ausstellung: Errichtung eines Industrie-Bazars 1‘iir Publicate der Ausstellungsobjecte und ■»Specialitäten, sowie für solche Artikel, welche entweder zur Aufnahme in die Weltausstellung sich nicht eigneten, oder deren Anmeldungen zu spät gekommen. Spedition. Dollmetscher und Fremdenführer während der Ausstellung, Besorgung aller Rechtsgeschäfte der Aussteller durch drei mit der Repräsentanz in vertragsmässig geregelter Verbindung stehenden k. k. Hof- und (lerichts- Advokaten und Notarien. Correspondenz in allen Sprachen der Weit. Besorgung von Patenten und des Marken- und Musterschutzes für Ausstellungsobjecte. Vermittlung des Verkaufs von Patenten, Verkauf der Ausstellungsobjecte nach Schluss der Ausstellung. Besorgung aller in das Ausstellimgsfaeh schlagenden lite- rariscliHu Arbeiten. Die neue Fiakertaxe Fiaker. Für Fahrten innerhalb der Linien Wiens mit Einschluss des Fraters bis zum Damme der Staatseisenbahn (Landungsplatz der Dampfschiffe bei den lvaisermühlen ausgenommen) für jede Verwendung des Wagens bis zu einer Stunde 1. 11., für jede folgende halbe Stunde 50 kr. Für nachbezeichnete Fahrten ausserhalb der Linien Wiens ist zu entrichten: 1. Von jedem Funkle innerhalb der Linien Wiens zu dem Arsenale und dem sogenannten Lardgutc ausserhalb der Favorit en- Linie dann nach Gaudenzdorf, Ober- und Untermeidling, Fünf haus, Sechshaus, Rudolfsheim, Neulerchenfeld, Ottakring, Hernals, Währing, Weinhaus, Oberdöbling, Simmering und zum Meidlinger Bahnhöfe oder zurück 2 fl. 2. Von jedem Funkte innerhalb der Linien Wiens nach Schönbrunn, Hietzing, Penzing, Gersthof, Unter-DÖbling und Zwischenbrücken oder zurück 2 11. 50 kr. o. Von jedem Punkte innerhalb der Linien Wiens nach Lainz, Speising, Ober- und Unter-St. Veit, Haking, Baumgarten an der Wien, Breitensee, Hetzendorf, Altmannsdorf, Dornbach, Neuwaldegg, Pötz- leinsdorf, Sievring, Grinzing, Heiligenstadt, Nussdorf, Floridsdorf, Freudenau, Lusthaus und Landungsplatz der Dampfschiffe bei den Kaisermühlen im Prater oder zurück 3 11. Im Falle der Retourfahrt sind für die Wartezeit, sowie für die Zeit der Rückfahrt für jede halbe Stunde 50 kr. zu bezahlen. Von 11 Uhr Abends bis 7 Uhr Früh ist für alle diese Fahrten die Hälfte der betreffenden Taxe mehr zu zahlen. Für Fahrten von und zu den Wiener Bahnhöfen, von einem Hauptbahnhofe zum anderen, von und zu den Tanzunterhaltungcn an öffentlichen Orten und vom Westbahnhofe nach Sechshaus, Fünfhaus, Rudolfsheim, Gaudensdorf, Ober- und Untermeidling, dann vom Süd- und Staatsbahnhofe zu dem Arsenal und dem sogenannten Landgute sind zwischen 7 Uhr Früh und 11 Uhr Abends 1 fl. 50 kr., zwischen 11 Uhr Abends und 7 Uhr Früh 2 fl. 20 kr. zu entrichten. Für Fahrten von den Wiener Bahnhöfen, von den Tanzunterhaltungen an öffentlichen Orlen in die vor den Linien oder zurück gilt die Taxe sub 1, 2, o. Im Falle der Rückfahrt gelten auch hier die oben für die Retourfahrten festgesetzten Bestimmungen. Für das im Wagen untergebrachte leichte Gepäck ist nichts zu bezahlen; für das am Kutschbocke oder rückwärts tun Wagen untergebrachte Gebäck sind 30 kr. zr entrichten. Bei allen Fahrten von Orten ausserhalb der Linien Wiens hat der Fahrgast die Linien- mauthgebühr zu entrichten. Einspänner. Kür Fahrten innerhalb der Linien Wiens mit Einschluss des Praters bis zum Damm der SlaaUeisenbalm (Landungsplatz der Dampfschiffe bei den Kaisermühlen ausgenommen) fiir die Verwendung des Wagens bis zu einer Viertelstunde 40 kr., über eine Viertelstunde bis zu einer halben Stunde 50 kr., fiir jede weitere Viertelstunde 20 kl*. Für nachbezcichnctc Fahrten ausserhalb der Linien Wiens ist zu entrichten: 1. Von jedem Punkte innerhalb der Linien Wiens zu dem Arsenale und dem sogenannten Landgute ausserhalb der Favoriten- Linie, dann nach Gaudenzdorf, Ober- und Unter-Meidling, Fünfhaus. Seohshaus, Rudolfsheim, Neulorehonfeld, Ottakring, Hernals, Währing, Weinbaus, Oberdöbling, Simmering und zum Mcidlinger Bahnhofe oder zurück 1 . fl. 20 kr. 2. Von jedem Tunkte innerhalb der Linien Wiens nach Schönbrunn, Hietzing, Penzing, Gersthof, Unter-Döbling und Zwischenbrücken oder zurück 1 fl. (iO kl*. 3. Von jedem Tunkte innerhalb der Linien Wien* nach Lainz, Speising, Ober- und Untcr-St.-Veit, llaking, Raumgarten an der Wien, Breitensee, Hetzendorf, Altmannsdorf, Dornbach, Neu waldegg, Tötz- leinsdorf, Sievring, Grinzing, Heiligenstadt, Nussdorl, Floridsdorf, Freudenau, Lusthaus und Landungsplatz der Dampfschiffe bei den Kaisermühlen im Tiater oder zurück 2 fi. 20 kr. Von 11 Uhr Abends bis 7 Uhr Früh ist für alle diese Fahrten die Hälfte der betreffenden Taxe mehr zu zahlen. Für Fahrten von und zu den Wiener Bahnhöfen, von einem Hauptbahnhofe zum anderen, von und zu den Tanzunterhaltungen an öffentlichen Orten und vom Westbahnhofe nach Sechshaus, Fünfhaus. Rudolfsheim, Gaudenzdorf, Ober- und Unter-Meidling, dann vpm Süd- und Staatsbahnhofe zu dem Arsenal und dem sogenannten Landgute sind zwischen 7 Uhr Früh und 11 Uhr Abends 80 kr. zu entrichten. Für Fahrten von den Wiener Bahnhöfen, von den Tanzunterhaltungen an öffentlichen Orten in die Orte vor den Linien oder zurück gilt die Taxe sub 1, 2, 3. Im Falle der Rückfahrt gelten auch hier die oben für die Rctoiirfahrten festgesetzten Bestimmungen. Für das im Wagen untergebrachte leichte Gepäck ist nichts zu bezahlen; für das am Kutschbocke oder rückwärts am Wagen untergehrachte Gepäck sind 20 kr. zu erdrichten. Bei allen Fahrten von Orten ausserhalb der Linien nach Wien hat der Fahrgast die Linienmauthgebühr zu zahlen. Die näheren Bestimmungen sind in der Fiaker- und Einspänner- Ordnung enthalten, welche jeder Fiaker und Einspänner über Verlangen vorzuweisen verpflichtet ist. NORDBAHN Plan von Wien mit dem Ausstellungs-Terrain .NORDtW EST-BAHN NORDBAHN rAüilli. P i #p ‘g tSÜF HSÄ «-rr -s—c—r lidefe 'Z * M V x SopTiie.'nNB 1 N|plis- Bl [IHI'lit.|.q^ltj3 1ÄI 'nüi -»‘•KV mmw ï t [ \ 3 % I 4 vl I *«*■»**»>« »»aMaùtÉA | 11 ■■'J'Pj.üP I» '**•-* >%* TMW-Bibliothek * >« «<àài * y,* 0021000 3 r *êus. A**