Wieo, den 15. Angnst 1867. 1. Jahrgang. DAS TILE6BAMH. ORGAN FÜR TELEGRAPHENWESEN. Eigeuthiimer, Verleger und verantwortlicher Eedacteur: L. J. Wolschitz. Redaction : Margarethenstrasse Nr. 7. Alle Zuschriften sind portofrei an die Redaction zu richten. Unfranlcirte Briefe werden nicht angenommen und Manuscripte nicht zurückgestellt. Inserate werden mit 10. kr. österr. W. für die zweispaltige Petitzeile berechnet. Abonnements: Das „Telegramm“ erscheint am 15. u letzten eines jeden Monats. für Wien: vierteljährig 1 fl.,halbjährig 2 fl., ganzjährig 4 fl. österr. W.; für die Provinz: vierteljährig 1 fl. 20 Irr., halbjährig 2 fl. 40 kr., ganzjährig 4 fl. GO kr. Abonnements werden angenommen bei der Expedition, Margarethensträsse Nr. 7. Inhalt. Text: Eröffnung neuer österreichischer Telegraphenstationen. — Der Hughes’sche Typen- druck-Apparat (Fortsetzung). — Apparate für die transatlantische Kabelleitung. — Organisation der italienischen Telegraphen- Anstalt. — Die schwedische Telegraphen- Anstalt. — Rundschau. — Personal-Nachrichten. Illustration: Varley’s Versendungs - Apparat (Fig. I bis VI). Eröffnung neuer österreichischer Telegraphen-Stationen. In der Zeit vom 1. Juli bis 15. August „1867 sind .nachstehende österreichische Tele- ‘graplien-Stationen eröffnet worden: Balassa-Gyarmath (L) in Ungarn. Bethlen (L) in Ungarn. Braunall (L) in Böhmen. Dobromil (L) in Galizien. Gföhl (L) in Oesterreich. Gr atzen (L) in Böhmen. Kremsier (L) in Mähren. Nachod (L) in Böhmen. Pawlowitz (L) in Mähren. - Radautz (L) in der Bukowina. ~ Radkersburg (L) in Steiermark. Szecseny (L) in Ungarn. Temesvär Fabrik (L) in Ungarn. Veldes (B—L) in Krain. Vöslau (B —C) in Oesterreich. Weitra (L) in Oesterreich. Zwettl (L) in Oesterreich. L bedeutet: beschränkter Tagdienst. C „ voller Tagdienst. . B „ Sommerstation. Der Hughes’sche Typendruck-Apparat. Von Dr. J. Stark. (Fortsetzung.) Der Electromagnet. Es wurde bereits erwähnt , dass die Form des Eleetromagnetes von der gewöhnlichen abweicht. So lange kein Strom durch die Multiplicationsrollen geht, liegt der Anker an den Eisenkernen und wird erst durch die Einwirkung eines Stromes losgelassen. Während'bei den gewöhnlichen Electromagneten der Strom erst Magnetismus erzeugt, wird hier der bestehende vermindert. Figur 10 Tafel IV zeigt den Electromagneten sammt den eonstanten Magneten in verkleinertem Massstabe. Die Eisenkerne sind auf den Magnetpolen fest gemacht und sind nicht, wie gewöhnlich, durch ein Querstück verbunden. Zwischen den Spulen und dem eonstanten Magnete ist ein kleiner Zwischenraum. An der unteren Fläche der Tischplatte ist der eine Schenkel eines recht- winkelig gebogenen Eisenstüekes angeschraubt , an dessen zweiten vertikalen Schenkel mittelst der zwei in Figur 10 sichtbaren Querlamellen der Magnet durch Schrauben befestiget wird , so dass er zwischen den gegenüber stehenden Plat- Verwechslung dieser Drahtenden kann man bewirken, dass der Strom in verkehrter Richtung durch die Drahtwindungen hindurch geht. Wenn der constante Magnet seine Kraft verlieren würde , so kann man ihn wieder kräftig machen , indem man bei kurzem Schlüsse einen kräftigen Strom in einer, der gewöhnlichen entgegengesetzten Richtung durch die Drahtwindungen des Electromagnetes schickt. Während man glauben möchte, dass um auf einen so eomplicirteu Mechanismus, der eine grosse bewegende Kraft in Anspruch nimmt, einzuwirken , Ströme von sehr grosser Intensität nothwendig seien, hat Professor Hughes durch die sinnreiche Einrichtung seines Electromagnetes die Anforderungen an den elctrischen Strom auf ein Minimum reduzirt und damit grosse Wirkungen erzielt. Während bei den gewöhnlichen Elee- tromagneten der Strom so lange andauern muss, bis der Anker seine Funktion vollführt , genügt hier eine weit geringere Dauer, da es nur nöthig ist, das Loslassen des Ankers zu bewirken und die übrige Wirkung mechanischen Kräften überlassen wird. Auch wird sich später zeigen , dass selbst wenig constante Ströme den Gang des Apparates nicht stören. Wie vor- theilhaft diese Anordnung sei, zeigen die überraschenden Resultate, die damit her- vorgebraeht werden. Mittelst kleiner Stücke von Kupfer und Zink in der Grösse eines Sou auf die Zunge gelegt, funktionirt der Apparat bei einem eingeschalteten Widerstande von öOO—600 Kilometer regelmässig, eben so bei kurzem Schlüsse mittelst zweier feinen Drähte (Ralaisdraht) und eines Wassertropfens.. (Fortsetzung folgt.) Apparate für die transatlantische Kabel-Leitung. i. Der Versendungs-Apparat. Wir geben unseren Lesern nachstehend eine illustrirte Beschreibung des Apparates, welcher für die Beförderung der Correspondenz auf dem atlantischen Kabel verwendet wird, und das Resultat der vereinigten Studien der ausgezeichneten englischen Electriker Cromwell F. Varley und William Thomson ist. Mittelst desselben kann man längs eines langen Untere see-Leiters eine grössere Anzahl von einzelnen Zeichen erhalten,' als dies bei irgend einem anderen bekannten Systeme der Fall ist. Jeder Telegraphenbeamte kennt die Natur der Schwierigkeiten, welche die Correspondeuz auf einem Kabel von beträchtlicher Länge darbietet. Ist ein Pol einer Batterie mit der Erde, der andere mit einer noch so langen isolirten Luftleitung verbunden, so erlangt der Strom fast augenblicklich seine grösste Intensität an dem fernen Ende des Drahtes und kein Th eil der Electricität wird statisch gebunden , da der Draht keine electro-statische, d. i. keine Eigenschaft besitzt, die Electricität im Gleichgewichtszustände zu erhalten. Aus derselben Ursache verschwinden auch am fernen Ende die Zeichen, sobald die Verbindung mit der Batterie unterbrochen wird. Der Draht bindet keine Electricität und kaum stellt die Batterie ihre Thätigkeit ein, so verschwindet auch folgerichtig jedes Zeichen am fernen Ende. Auf diese Art können die kürzesten Zeichen ohne jedes Ilinderniss mit der grössten Schnelligkeit aufeinanderfolgen. Bei einem Untersee-Kabel hat man jedoch einen Leiter, der, obschon er keinen grösseren Leitungswiderstand zu leisten vermag, als irgend eine Landlinie, eine ungeheure electro - statische Eigenschaft besitzt, so dass, sobald eine Batterie mit ihm in Verbindung gesetzt wird, die erregte Electricität zum Theile von dieser electro-statischen Thätigkeit gebunden wird und ein messbarer Zeitraum verstreicht, ehe sich selbst der schwächste Strom an dem fernen Ende bemerkbar macht und eine beträchtliche Zeit vergesst, ehe er seine höchste Intensität erreicht. BeimTJnterbrechen des Schliessungskreises der Batterie muss sich die auf diese Art statisch gebundene und im Leiter zurückgehaltene Electricität an beiden Enden entladen und das Zeichen dauert am fernen Ende noch an, obwohl der Schlies- sungskreis der Batterie schon früher unterbrochen wurde. Desshalb kann das Zeichengeben nur mit einer bedauerlichen Langsamkeit stattfinden und die Beförderung der aufeinander folgenden Zeichen muss sich sehr verzögern. Die erste Verbesserung des Telegra- phirens auf den Untersee-Kabeln bestand darin, dass man einen schwächeren Strom in entgegengesetzter Richtung durch das Tau sendete, sobald ein Zeichen beendet werden sollte, um die statische Ladung [des Kabels zu neutralisiren, anstatt ihr einfach an beiden Enden den Abfluss in die Erde zu gestatten. Var- ley liess sich im Jahre 1854 diese Art des Telegraphirens auf submarinen Leitungen privilegiren, obwohl noch Andere das Verdienst dieser Erfindung in Anspruch nehmen. Die Resultate der mit dem verbesserten Systeme von Varley und Thompson an- gestellten Versuche gestatten nunmehr auch eine grössere Schnelligkeit des Zeichengebens, indem man dem ersten Strome einen zweiten von derselben Stärke jedoch in entgegengesetzterRichtung durch einen längeren Zeitraum folgen lässt, um den ersten zu neutralisiren und sodann einen kurzen Strom in der Richtung des ersten entsendet. Manchmal verwendet man auch eine noch grössere Anzahl von abwechselnden Strömen und auf dem atlantischen Kabel werden gegenwärtig 5—7 Ströme für ein Reichen entsendet. Die beigegebene Zeichnung veranschaulicht den zur Hervorbringung dieser Wirkung in Gebrauch stehenden Mechanismus und wird durch dieselbe die nachstehende Beschreibung für Jedermann verständlich sein. Es isthierbei zu bemerken, dass der Apparat für die Verwendung beim atlantischen Telegraphen eini- germassen modificirt werden musste; doch sind die Aenderungen so unbeträchtlich, dass sie das Prinzip seines Gebrauches nicht im Mindesten alteriren. Der Apparat besteht aus einer Achse AA (Fig. I) die durch ein Uhr-System mit gleichförmiger Geschwindigkeit in Bewegung gesetzt wird. Zwei mit Ausschnitten versehene Scheiben (Ex centric’s), die in der FigurIII einzeln dargestellt sind, befinden sich frei auf der obengenannten Achse, drehen sich jedoch mit ihr mittelst eines Reibungs-Mechanismus F, der im Principe in Etwas jenem des Hughes’schen Typenapparates ähnlich ist, oder werden durch den zweimal rechtwinkelig gebogenen Hacken C (Fig. II), der in die Nuth G der sich mit den Excentric’s gleichzeitig bewegenden Scheibe D (Fig. V) eingreift, beliebig arretirt und an der Umdrehung gehindert. Auf diesen Sperrhacken wirken die zwei Hebel P und N, welche die zeichengebenden Tasten darstellen. Sind diese in der Ruhelage, so dreht sich zwar fortwährend die Achse AA, doch die Scheibe I ) und die Excentrics BB werden von dem Sperrhacken G festgehalten. Wird eine Taste niedergedrückt, so löst sich der Sperrhacken aus und die Scheiben drehen sich gleichzeitig mit der Achse. Jede Um- 102 drehung dieser Scheiben bringt ein Zeichen hervor. Dieses wird in nachstehender Weise l u Stande gebracht: Oberhalb jeder Secto- i enseheibc befindet sich eine gerade Feder e und l (Fig. I), die während der Umdrehung der Excentrics durch die hervbrtre- tenden Sectoren derselben in die Höhe gehoben wird. Die Feder e steht durch die Klemmschraube E mit der Erde, die Feder l dagegen durch die Schraube L mit der Linie in leitender Verbindung. Befinden sich die Tasten in der Ruhelage, so sind auch die Scheiben in piner solchen Stellung, dass keine dieser beiden Federn in die Höhe gehoben wird, wodurch sie mit ' einem anderen, unten angebrachten Con- tactfederpaare mm' in Berührung kommen, welches letztere mit platinirten Contact- punkten versehen und mit einem Commutator JJ‘ (Fig. II u. VI) in Verbindung ist. Ein viertes, oben angebrachtes Federpaar nn‘, das von der Feder l oder e berührt wird, sobald diese von den Sectorenschei- ben gehoben werden, ist mit einem anderen Theile HH‘ des Commutators verbunden. Auf diese Art steht in der Ruhelage der Tasten die Linie sowie auch ein Pol der Batterie durch das untere Federpaar mit der Erde in Verbindung, während der andere Pol isolirt ist. Das Niederdrücken einer der beiden Tasten löst nicht blos die Excentrie’s aus und lässt sie an der Umdrehung der Achse theilnehmen, sondern wirkt auch auf den Commutator. Beim Niederdrücken der Taste N nimmt dieser die in Fig. VI veranschaulichte Stellung ein, indem der positive Pol der Batterie mit dem unteren, der negative Pol dagegen mit dem oberen Federpaare in Verbindung tritt. Die Sectorenscheiben sind derart geformt, dass in der ersten Zeit ihrer Umdrehung keine auf die über ihnen befindlichen zwei Federn wirkt und so die Linie mit der Erde verbunden lässt. Mit Ausnahme dieses an Beiden so geschnittenen Theiles 6 (Fig. Ill u.VI) sind die zwei Scheiben das Gegentheil von einander, d. h. wo die Eine ausgeschnitten, ist die Andere rund, wie eine genaue Ansicht der Fig. Ill u. IV darthut. Auf diese Art geschieht es, dass, wenn eine Nase die über ihr befindliche Feder hebt, die andere keine Wirkung ausübt. Wird z. B. die Feder l gehoben und tritt mittelst des oberen Federpaares mit einem der Batteriepole in Verbindung, so bleibt die Feder e in der Ruhelage jedoch mit dem anderenBatte- riepole verbunden. Die Ausschnitte und Projectionen der Scheiben sindin der Weise angeordnet, dass die erste Verbindung der Linie mit der Batterie eine gewisse Zeit andauert, die zweite Verbindung ist von längerer Dauer und entgegengesetzter Polarität, die dritte von kürzerer Dauer als die erste jedoch von derselben Polarität, die vierte ist neuerdings entgegengesetzt, jedoch kürzer als die dritte und die fünfte ist das Gegentheil der vierten und auch von kürzerer Dauer. Eine genaue Betrachtung der Fig. III und IV wird das eben Gesagte vollständig erklären. Welche Lage der Commutator durch das Niederdrücken einer Taste auch einnehmen möge, stets ist dieselbe derjenigen entgegengesetzt, die durch das Niederdrücken der anderen Taste hervorgebracht wird und auf diese Art ist auch der Sinn der entsendeten Ströme immer entgegengesetzt (es werden immer nur Ströme von entgegengesetztem Sinne entsendet), d h. wenn die erste Taste den Commutator in eine solche Lage bringt, dass die Seetorenscheiben einen positiven Strom zu entsenden anfangen, so wird durch das Niederdrücken der anderen Taste das Gegentheil bewirkt und die Excentrie’s lassen einen negativen Strom durch das Kabel gehen. Sobald eine Rotation der Achse A 103 — vollendet ist und der Sperrhacken C einfällt, springt eine Stahlfeder von einem Stifte der Achse ab und der dadurch hervorgebrachte Ton zeigt an, dass die niedergedrückte Taste losgelassen und ein anderes Zeichen beginnen kann. Die Total-Wirkung dieses Mechanismus besteht darin, dass beim Niederdrücken einer Taste die Aufeinanderfolge der durch die Umdrehung der Sectorenschei- ben hervorgebrachten Verbindungen der Linie mit der Batterie am fernen Ende des Kabels durch die Ablenkung eines empfindlichen Galvanometers nur ein einziges Zeichen, entweder positiv oder negativ, ergibt und dass durch das Niederdrücken der anderen Taste eine der früheren entgegengesetzte Ablenkung der Galvanometernadel erzielt wird. Auf diese Art erhält man zwei einfache Zeichen, welche durch diesen Stromwechsel mit einer schnelleren Aufeinanderfolge hervorgebracht werden können, als durch irgend ein anderes bekanntes Mittel. Es versteht sich von selbst, dass bei der Correspondenz auf dem atlantischen Kabel das gewöhnliche Morse-Alphabet angewendet wird, indem die Ablenkungen in einem Sinne die Punkte, jene im anderen Sinne die Striche vorstellen. Die auf diese Art am fernen Kabelende erzeugte Intensität des Stromes ist nur ein Theil jener Intensität, die der Strom erreichen würde, wenn man ihn durch einen unbestimmten Zeitraum wirken Hesse. Von der relativen Dauer des aufeinanderfolgenden Stromwechsels wird der Theil der Stromstärke bedingt, welcher am fernen Kabelende auftritt, und auch die Schnelligkeit, mit der die aufeinanderfolgenden Zeichen entsendet werden können. Das in unseren Zeichnungen dargestellte Instrument gibt Verbindungen von nachstehender Dauer: -J- 100 — 156 -f- 80 — 32, 5 -j- 26 und erzeugt am fernen Kabelende einen Strom, welcher dem hundertsten Theil der ganzen Stromstärke gleich ist. Der Theil des permanenten Stromes, welcher die besten Resultate liefert, ändert sich bei tlen verschiedenen Kabeln und muss von dem Electriker von Fall zu Fall bestimmt werden. Das Instrument ruht auf circa 3i/ s Schuh hohen Füssen; unter dem Tische ist zur Regulirung der Umdrehungsgeschwindigkeit der Sectorenscheiben ein ausgezeichnetes Metronom angebracht, das mittelst eines Pedals aufgezogen wird. (Fortsetzung folgt.) Organisation der italienischen Telegraphen-Anstalt . Ein dem Minister der öffentlichen Bauten unterstehender General - Director leitet den Telegraphendienst sowohl in technischer als administrativer Beziehung. Bei der General - Direction ist ein technisch-administrativer Rath eingesetzt, der sowohl die den geregelten Gang des Dienstes betreffenden Fragen, als auch die nöthigen Reformen und die wichtigeren Voranschläge zu prüfen, und darüber Bericht zu erstatten hat. Dieser Rath ist zusammengesetzt aus dem Director als Präsidenten , aus einem Fachgelehrten , aus den Ober-Inspectoren und aus dem Vorstande der Rechnungs Abtheilung der General-Direction ; die Bezirks- (Comparti- mental-) Directoren können zur Theil- nahme an den Berathungen zugezogen werden. Der Fachgelehrte hat die Verpflichtung , die auf die Verbesserung oder Abänderung des Telegraphen - Systemes abzielenden Erfindungen zu untersuchen, das Programm für die Lehrkurse und für die durch die Dienstanweisung vorgeschrie- — 104 benen Prüfungen zu entwerfen. Er präsi- dirt bei Abwesenheit des General - Direc- tors den oben erwähnten Berathungen. Den Ober-Inspeetoren ist die Ueber- wachung der Land- und Untersee - Linien der Bezirks - Directionen und der diesen letzteren unterstehenden Stationen anvertraut; sie beaufsichtigen die Errichtungsund Instandhaltungs-Arbeiten , die Eröffnung der Aemter, den gesammten Betrieb, sowie auch die Central-Werkstätte und das Haupt-Magazin. Zur Erleichterung der Verwaltung der Staats-Telegraphen in den Provinzen sind diese in Telegraphen - Bezirke und Kreise eingetheilt. Jedem Bezirke (com- partimento) steht ein Bezirks-Director vor, welcher mit dem Ministerium correspon- dirt, alle Dienstzweige seines Bezirkes überwacht , und in den Grenzen seines Wirkungskreises die für den geregelten Gang des Dienstes nöthigen Verfügungen trifft, oder in Antrag bringt. Jeder Bezirks -Direction sind mehrere Unter-Inspectoren und Officiale beigegeben , welche die auf den Personalstand, das Materiale, den Betrieb und die Verrechnung Bezug habenden Arbeiten verrichten. Jeder Bezirk enthält mehrere Kreise und jeder Kreis eine bestimmte Anzahl von Stationen sammt den diese Stationen verbindenden Leitungsstrecken. Als Vorstand eines jeden Kreises ist ein Unter-Inspector bestimmt , der seine Berichte an den Bezirks - Director leitet und in seinem Bezirke die Errichtung und Instandhaltung der Linien , die Einrichtung der Stationen und die Beaufsichtigung sämmllicher Dienstzweige zu besorgen hat. Die Stationen zerfallen auf Grund ihres Erträgnisses und ihrer Wichtigkeit in drei Cathegorien. In die 1. Cathegorie gehören: Alle Uebertragungs- und Ablagerungs-Stationen , alle Stationen von politischer und militärischer Wichtigkeit ohne Bücksicht auf ihr Betriebsergebniss , ferner jene Aemter, deren jährliches Erträg- niss 10.000 Frs. übersteigt. In die zweite Cathegorie fallen jene Stationen, die 2000—10.000 Frs. einnehmen, und in die dritte diejenigen Aemter, deren Einnahme die Summe von 2000 Fr. nicht erreicht. Keine Station wird eröffnet oder offen gelassen , wenn die das Aerar treffenden Auslagen grösser sind als die Einnahmen, jene Fälle ausgenommen , wo die technischen Erfordernisse des Telegraphendienstes, oder aber politische oder militärische Verhältnisse die En-ichtung und den Fortbestand des Amtes erheischen. Die Bedingungen für die Errichtung neuer Telegraphen - Stationen über Verlangen der Gemeinden sind folgende: A. Für eine Station mit beschränktem Tagdienste an einer bereits bestehenden Telegraphenlinie. a) Station 2. Classe mit einem Bestellten (commesso) und einem Boten: Beistellung und Erhaltung des mö- blirten Locales, Leistung von öOO Frs. für die Einrichtung, Garantie einer Miminal- Einnahme von jährlichen 2000 Frs. für die aufgegebenen Privat-Depeschen. b) Station der 3. Classe mit einem provisorischen Beauftragten (applicato): Beistellung und Erhaltung des mö- blirten Locales, Leistung von S00 Frs. für die Einrichtung, Garantie einer Minimal- Einnahme von jährlichen 1000 Frs. für die aufgegebenen Privat-Telegramme. Sollte es die Gemeinde vorziehen, den Beauftragten selbst zu bestimmen und zu entlohnen , sowie die unentgeltliche Zustellung der Depeschen und die Amtsauslagen zu übernehmen, so kann sie den Telegraphen auch in einem Locale aufstellen, das nicht ausschliesslich hiefür 105 bestimmt ist} doeb bleiben die Einrichtungskosten auch unter dieser Voraussetzung die gleichen. Die Garantie für die Einnahme wird aber in diesem Falle auf 300 Frs. herabgesetzt, und die Telegraphen-Verwaltung zahlt als Ersatz der Gemeinde den Ueberschuss der Einnahme bis zu jenem Betrage, den die Entlohnung des Beauftragten (d. i. höchstens 600 Fr*.) bildet. B. ImFalle als das zu errichtende Amt sich nicht an einer bereits bestehenden Linie befinden sollte , sind nebst den obigen Bedingungen noch nachstehende zu erfüllen: a) Ausser dem Transporte der Säulen bis zum Gebrauchsorte Vorausentrichtung von 200 Frs. für jeden Kilometer Leitung. b) Entrichtung von jährlichen 50 Frs. für die Instandhaltung eines jeden Kilometers der Linie, wofern es die Gemeinde nicht vorzieht, dieselbe selbst zu überneh* men , in welchem Falle sie nur 30 Frs. für das auszuwechselnde Materiale zu bezahlen hat. Anstatt dessen kann auch die Erhöhung der Ziffer der garantirten Einnahme um 50, resp. 30 Frs. stattfinden. Dort, wo die neue Linie mit dem Telegraphennetze derart in Verbindung gebracht wird , dass man einen neuen Draht auf einer stehenden Leitung anbringt, wird für die betreffende Strecke die sub a) angegebene Auslage um die Hälfte und jene sub b) um ein Drittheil vermindert, jedoch die Instandhaltung der Gemeinde nicht überlassen. Der General-Director schlicsst Ver- j träge mit jenen Eisenbahn-Gesellschaften, deren Bahnstationen für die Staats- und Privat-Correspondenz eröffnet werden sollen ; er trifft mit den Gemeinde-Repräsentanzen, sowie auch mit Privatpersonen besondere Uebereinkommen rücksichtlich der gemeinsamen Bestreitung der Auslagen für jene Staatsämter , deren Einnahmen die Kosten zu decken nicht im Stande sind. Für den Dienst bei den Bezirks - Di- rectionen und den Stationen 1. Classe, sind fünf Classen von Telegraphen - Officialen bestimmt. Als Voi’stände der wichtigsten Stationen 1. Classe werden Unter-Inspectoren aufgestellt. Die Vorstände jener Aemter , welche jährlich mehr als 20.000 Frs. einnehmen , und die an Stelle der Vorstände mit der Cassagebahrung betrauten Officiale müssen Caution leisten. Die Ober-Inspectoren , die Bezirks- Directoren, die Unter - Inspectoren und die Officiale bilden das Personale des Status, innerhalb dessen die Beförderungen zu zwei Drittheilen nach der Ancicnnität, und zu einem Drittheile nach dem Ver- dienate stattfindet. Die Beförderung von einem Grade in den andern geschieht nach Verdienst. Vor der Ernennung eines Officiales zum Unter-Inspector wird eine förmliche Prüfung gefordert. Jeder Bewerber um eine Anstellung muss sich einer Probezeit unterziehen. Für die Stationen der 2. Cathegorie ist eine eigene Classe von Bediensteten (commessi) bestimmt, die einen fixen Stationsort haben und anfänglich eine Entschädigung von 600 Frs. beziehen, welche nach je vier Jahren um 200 Frs. wächst, bis sie den Betrag von 1800 Frs. erreicht, der als die höchste Entschädigung für solche Beamte zu gelten hat. Im Falle einer tadelhaften Aufführung kann die Erhöhung der Entschädigung verschoben werden. Diese Bestellten können erst nach einer zweijährigen Praxis in das Personale des Status aufgenommen werden. Der Dienst bei den Stationen 3. Classe wird nicht von eigenen Beamten, sondern von Gemeindemitgliedern (applicati, inea- ricati) besorgt, die entweder aus Beamten anderer Verwaltungszweige, oder auch — 106 aus Privatpersonen, z. B. Postexpeditoren, Gemeinde-Beamten, Volksschul-Lehrern, Frauen gewählt werden und mit Rücksicht auf die Einnahmen der Station eine von Fall zu Fall zu bestimmende , 600 Frs. nicht überschreitende Entschädigung gemessen. Dieselben werden über Veranlassung der Telegraph en-Ver waltung im mechanischen Theile des Dienstes unterrichtet und können während der Amtsstunden in demselben Locale nebenbei einer anderen , den Telegraphen - Dienst nicht beirrenden Beschäftigung obliegen, so dass sie sich mit einer mässigen Entschädigung zu begnügen im Stande sind. Bei den Stationen der 1. und 2. Ca- thegorie wird der innere Dienst und die Depeschenzustellung von Boten besorgt, die nach der Stückzahl der Telegramme bezahlt werden; doch darf die Zustellung- gebühr IS cts. per Depesche nicht übersteigen. Der entfallende Betrag wird monatlich vergütet, darf aber jährlich nicht mehr als 600 Frs. ausmachen. Bei den Stationen der 3. Cathegorie wird die Besorgung dieser Geschäfte von jenen Personen veranlasst, welche dieFüh- i ung der Station übernommen haben. Die Errichtung und Instandhaltung der Leitungen besorgen die Ober - Aufseher und Aufseher; doch zieht man , insofern e keine besonderen Verhältnisse obwalten, für alle minder wichtigen Linien das System der Verpachtung vor. Der Personalstand der italienischen Telegraphen - Verwaltung wurde bei der im September 1865 stattgefundenen Or- ganisirung in nachstehender Weise festgesetzt : bp —h © a> m o GQ cs 3 NI Ö TS o M CQ D »H ■ 6 PQI5C4 4 Ober-Inspectoren 4 6.000 ( L 1 5.500 10 Bezirks-Directoren *) 11 2 5.000 (ui. 7 4.500 ? i. 2 3.500 52 Unter-Inspectoren ) ii. 14 3.000 im. 16 2.800 (IV. 20 2.500 ( L 90 2.200 \ ii. 120 2.000 1090 Officiate UH. 180 1.800 /IV. 300 1.500 \ V. 400 1.200 ( I. 1 2.400 10 Mechaniker \ n. 3 1.800 (in. 6 1.200 ( L 1 3.000 10 Magazineure ) n. 3 1.800 (in. 6 1.200 70 Ober-Aufseher 20 50 1.200 960 410 Aufseher 410 720 Die schwedische Telegraphen-Anstalt. Die Telegraphen-Linien Schwedens können in drei Categorien eingetheilt werden, nämlich: 1. In eigentliche Staatstelegraphen Linien, welche ausschliesslich für die Beförderung der Staatsund Privat-Correspondenz bestimmt und fast durchgehends längs den Staats- oder Privat - Eisenbahnen errichtet sind. In manchen Fällen macht die Telegraphen- Verwaltung von ihrem Rechte, die Säulen für eigene Rechnung längs den Eisenbahnen aufzustellen, Gebrauch;in anderen Fällen trifft sie mit den Eigenthümern dieser Bahnen ein Uebereinkommen, um ihre Drähte an die bereits auf Kosten der Letztem errichteten Stangen anzubringen. Im ersteren Falle wird den Privat-Eisen- bahngesellschaften gegen eine geringe Entschädigung die Anbringung einer bestimmten Anzahl Drähte an den auf Kosten der Telegraphen-Verwaltung aufgestellten Säulen gestattet. *) Ein Bezirks-Director ist Vorstand des technischen Departements der General-Direction. — 107 2. In Staatseisenb ahn-Telegra- phen-Linien, welche in erster Reihe zur Verbindung der verschiedenen Eisenbahnstationen bestimmt, zugleich aber auch für die Privatcorrespondenz eröffnet sind. Letztere Correspondenz ist jedoch nur unter dem ausdrücklichen Vorbehalte gestattet, dass die den Bahndienst betreffenden Depeschen unter allen Umständen den Vorrang in der Beförderung haben müssen. Diese Linien stehen unter der Ueberwa- chung der Staatseisenbahn-Verwaltung. 3. In Privatei senbahn-Telegr a- phen-Linien. Die Stationen dieser Linien nehmen gleichfalls Depeschen zur Beförderung sowohl an Stationen derselben Linie, als auch an Staats- und Staatseisenbahn-Stationen an. Auch hier gebührt übrigens den Eisenbahnbetriebs-Telegrammen der Vorrang in der Beförderung. Die Correspondenz innerhalb der Grenzen die ser Linien unterliegt keiner Ueberwachung von Seite der Regierung, so zwar, dass die Gesellschaft die Beförderungsgebühren nach ihrem Gutdünken festsetzen kann. Nur dann, wenn diese Privatlinien mit jenen der Staatsverwaltung direct verbunden werden und bei einer combinirten Beförderungsweise muss sich die Gesellschaft strenge an die für die Staatslinien geltenden Dienstbestimmungen halten. Für den Fall, dass die Depeschen- Beförderung nicht bloss die Staatslinien, sondern auch die Linien der Staatsbahn oder einer Privatgesellschaft in Anspruch nimmt, ist im Interesse der Bevölkerung das Uebereinkommen getroffen worden, dass der Aufgeber nur die gewöhnliche, von der Regierung festgesetzte Gebühr zu entrichten hat, Bei internen Depeschen wird dieselbe gleich- massig unter die zwei oder drei betheiligten Verwaltungen getheilt, während bei internationalen Telegrammen die Verwaltung der Staatseisenbahn oder die betreffende Privatgesellschaft nur den für interne Depeschen bemessenen Betrag erhält; der Ueberschuss kommt der Verwaltung der Staatstelegraphen zu Gute. Die schwedischen Staats-Telegraphen- Stationen werden in drei Classen einge- theilt, nämlich: 1. Stationen mit permanentem Dienste . 8 2. Stationen mit vollem Tagesdienste . 41 3. Stationen mit beschränktem Dienste — offen an Wochentagen von 9i/ a Uhr Vor- bis D/a Nachmittagsund von 3 i/a Uhr Nachmittsgs-bis Si/ a Uhr Abds., und an Sonn- und Festtagen von 8 bis 10 Uhr Vormittags. 44 zusammen . 93 Stationen, Als Grundsatz ist angenommen, dass jede Gemeinde, welche die Errichtung eines Telegraphenamtes anspricht, ein dazu geeignetes Locale unentgeltlich, beistellen muss. Unter den Stationen der dritten Classe sind einige, die nur unter der Bedingung errichtet wurden, dass die Gemeinde nicht bloss die Kosten der Miethe, Beleuchtung, Beheizung und Reinigung des Amtslocales trägt, sondern auch die Gehalte des Telegraphisten und des Boten bestreitet, wofür sie die Hälfte der Einnahmen für alle beförderten und eingelangten Depeschen bezieht. Ausser den, der Telegraphen-Verwaltung gehörenden Stationen gibtesnoch eine beträchtliche Anzahl Telegraphen-Sta- tionen der Staats- und Privat-Eisenbahnen. Diese sind sämmtlich zur internen und zur Correspondenz mit Norwegen, mehrere auch zur internationalen Correspondenz ermächtiget. Doch dürfen diese Stationen keine Depeschen zur Beförderung zwischen zwei Orten in Schweden annehmen, wenn die Telegraphen-Verwaltung sowohl am Aufgabsorte, als auch am Bestimmungs« orte ein Amt besitzt. Im Anfänge dieses Jahrhundertes hatte man an den verschiedenen Punkten der schwedischen Küste eine grosse Anzahl von optischen Telgraphen errichtet, hörte jedoch gegen das Jahr 1804 auf, sich derselben zu bedienen. Erst im Jahre 1838 setzte sie die Regierung wieder in Wirksamkeit und erliess für dieselben ein Reglement, wodurch der Dienst und das Personale ganz nach militärischem Systeme organisirt wurde. Gegenwärtig ist diese Einrichtung, obwohl sie ihren militärischen Charakter ganz beibehalten hat, unter den General-Director der Staats-Telegraphen- Linien gestellt. Nach Massgabe der Ausdehnung der Letzteren bis an die Meeresküste, konnten mehrere optische Stationen aufgelassen werden. Es bestehen.nunmehr nur noch 18 derselben, welche sich gröss- tentheils vor der Einfahrt des Hafens von Stockholm, und auf der südlichen Küste bei Gothenburg befinden. Mit Ende des Jahres 1866 besass Schweden: a) electrische Staatsstationen . . 93 b) optische Staatsstationen . . . 18 c) Staats-Eisenbahn-Stationen . . 90 d) Privat-Eisenbahn-Stationen . 66 sonach im Ganzen. Telegraphen-Stationen, . 267 Tarif. Mit 1. Juli 1859 wurden die Bestimmungen des Brüsseler Vertrages für die internationale Correspondenz angenommen. Auf die interne Correspondenz wendete man gleichfalls die dienstlichen Anordnungen dieses Vertrages, jedoch mit der Ausnahme an, dass statt der Zonen, eine Einheitstaxe von 2 Reichsthalern für eine Depesche von 20 Worten und von 1 Reichsthaler für jede weiteren 10 Worte, ohne Rücksicht auf die Entfernung des Aufgabs- und Bestimmungsortes eingehoben wurde. Diese Einheitstaxe wurde am 1. Jänner 1862 auf l 1 /, Reichsthaler per 1 bis 20 und i/g Reichsthaler für jede weiteren 10 Worte herabgesetzt. Mit 1. April 1865 erfuhr der interne Tarif eine letzte Abänderung, die eine sehr beträchtliche Vermehrung der Depeschen im Gefolge hatte. Die Einheitstaxe wurde damals auf einen Reichsthaler für die einfache Depesche und i/ 4 Reichsthaler für je 5 Worte mehr festgesetzt. Dieser interne Tarif steht noch gegenwärtig in Kraft, mit der zu Gunsten der Küsten - Dampfschiffahrt zugestandenen Ausnahme,dass eineDepesche von höchstens 10 Worten (Adresse und Unterschrift mitbegriffen), wenn sie vom Capitän oder dem Commissionär des Dampfschiffes gefertigt ist und ausser den Namen des Aufgebers, des Empfängers und des Schiffes bloss die Angabe der Ankunfts- oder Ab« fahrtszeit enthält, an jedes Telegraphenamt des Landes um die Gebühr von */ s Reichsthaler befördert wird. Verwaltungs-Personale. Mit Ende des Jahres 1866 bestand das Personale der Telegraphen-Verwaltung aus.* 1 General-Director, 2 General-Inspectoren, 1 General-Intendanten fürOeconomie uud Verrechnung, 1 General-Secretär, 1 Archivar, 1 Buchhalter, 1 Cassier, 2 Material-Intendanten, 2 Revisoren, und ausserdem aus meh' reren subalternen Beamten in den ver schiedenen Abtheilungen der Verwaltung, im Ganzen aus 18 Personen. Ein Professor der Akademie der Wis senschaften ist der Verwaltung als Physiker beigegeben. Behufs Ueberwaehung der Linien und Stationen ist das Königreich in zwei Telegraphen-Districte getheilt, — 109 — deren jeder einem General-Inspector anvertraut ist. Dieser Beamte überwacht in den Grenzen seines Districtes sowohl den administrativen als technischen Dienst, leitet die Errichtung der neuen und die Ausbesserung der alten Leitungen, sowie die Aufstellung neuer Stationen, sorgt für den regelmässigen Gang des Dienstes in den Aemtern und bildet sonach daß Mittelglied zwischen der Verwaltung und den Stationen; Das Stationspersonale hat drei Grade, nämlich: a) Directoren (Vorstände der Hauptstationen) ; b) Commissäre (Vorstände der Stationen zweiter Classe, oder Adjunkten der Vorstände bei den Hauptstationen); c) Assistenten (Leiter bei kleinen* oder Beamte bei den übrigen Stationen), Sowohl aus Ersparungsrücksichten, als auch um den jedes Unterhaltes beraubten Frauen Exislenzmittel zu gewähren, hat man in Schweden seit 3 Jahren ein System angenommen , nach welchem Frauen, die sich einer Prüfung unterzogen und bei einem der Staats-Telegraphenämter im praktischen Dienste eingeübt haben, zur Dienstleistung bei den electrischen Telegraphen zugelassen werden. Gegenwärtig sind mehrere junge und ledige Frauenspersonen als Vorstände der kleinsten Stationen dritter Classe angestellt. Sie beziehen einen Gehalt, der zwei Drittel desjenigen der männlichen Vorstände bei Stationen gleicher Cathegorie erreicht. Andere Frauen werden von Zeit zu Zeit als Gehilfen in den Aemtern der zweiten Classe oder als Substituten der männlichen Vorstände bei den Stationen der dritten Classe verwendet. Die Verwaltung hat alle Ursache mit der Art, wie diese Telegraphistinnen ihre Obliegenheiten erfüllen, zufrieden zu sein. Die Gesammtzahl des der Telegraphen-Verwaltung unterstehenden Stationspersonales beträgt: 1. Bei den electrischen Stationen: a) Männer.224 b) Frauen. 19 243 2 . Bei den optischen Stationen: Männer .. 40 zusammen . . . 283 Personen. Mat eriale. Seit dem Jahre 18Ö9 werden auf den Linien, welche die Verwaltung baute oder umlegte, nach dem Systeme des Dr. Bou- cherie mit einer Kupfervitriol-Lösung im- prägnirte Säulen verwendet. Von den S.746 Kilometern Leitungen, welche das schwedische Telegraphennetz gegenwärtig umfasst, sind 4.294 Kilometer oder 74‘7o/ ö mit solchen präparirten Stangen versehen. Der auf allen Leitungen verwendete Eisendraht ist galvanisirt und hat einen Durchmesser von beiläufig 4.2S Millimeter. Alle längs den Eisenbahnen, sowie auch einige längs den Strassen errichteten Leitungen haben grosse Porzellan-Isolatoren, deren Form dem in Preussen und Dänemark angewendeten Systeme ziemlich nahe kommt. Auf den andern Linien bedient man sich kleiner Porzellan-Isolatoren, die gegen die Zerstörung durch eine Eisenglocke geschützt sind. Die Batterien sind nach dem Systeme Bunsen’s eingerichtet, aber mit der Abänderung, dass sie nicht mit Salpetersäure, sondern mit Schwefelsäure gefüllt werden. Der Morse’sche Apparat steht bei der Staats-Telegraphen-Verwaltung allgemein im Gebrauche. Die Hälfte der Stationeü ist mit Schwarzschreibapparaten versehen, die theils in Schweden, theils in Paris angefertigt wurden. Die nachstehende Tabelle weist annähernd die Einnahmen und Ausga* ben der Telegraphen-Verwaltung im J ah re 1866 nach: A. Für die electrisehen Linien: 1. Einnahmen: a) Betriebs-Einnahme . . Frcs. 903.650 b) Beiträge gewisser Gemeinden für Localitäts- Miethen etc.* 9.570 c) Staatsbeitrag zur Herstellung neuer Leitungen und Vermehrung der Leitungsdrähte . ... „ 659.150 Zusammen Frcs. 1,572.270 2. Ausgaben. a) Gehalte der Beamten u. Diener, Erhaltung von alten Linien etc. . . . Frcs. 869.400 b) Errichtung neuer Leitungen und Vei’mehrung der Drähte. „ 609.700 Zusammen Frcs. 1.479.100 B. Für die optischen Linien: 1. Einnahmen. a) Betriebseinnahme . . . Frcs. 3.030 b) Staatssubvention .... „ 49.720 Zusammen . . Frcs. 52,750 2. Ausgaben. Gehalt der Wächter und Erhaltung der Leitungen etc.Frcs. 47.110 Rundschau. Inland. (Neuer Telegraphcn-Apparat.) Herr Josef v. Kliegl aus Sellye in Ungarn hat die Modelle einer von ihm erfundenen electro -magnetischen Typensetzmaschine und eines Telegraphen- Schreibapparates, welcher ' 1. die gewöhnliche Morseschrift mit grosse - rer Schnelligkeit gibt, 2. mittelst einer eigenen Construction die Depeschen in gothisch - römischen Buchstaben und weisser Schrift auf dunklem Grunde schreibt, 3. auf beide Arten zugleich arbeitet und’ endlich 4. auch ein gleichzeitiges Telegraphiren zwischen verschiedenen Stationen derselben Linie zulässt, der Staats-Telegraphen - Direction zur Einsicht vorgelegt. Demselben wurde mit Genehmigung des Handels-Ministeriums ein Betrag von 200 fl. zur Ausführung dieses Apparates bewilliget. (Gebühren- Ermässigung.) Die Taxe für eine einfache, zwischen den Städten Peterwardein und Neusatz gewechselte Depesche wurde auf 20 kr. österr. Währ, herabgesetzt. (Tantifsme-Erhöhnng.) Zur Aufmunterung der Beamten behufs Erlernung der Manipulation des t.ughes’schen Apparates, sowie als Entschädigung für die bei derselben erforderliche grössere Aufmerksamkeit ist den bei diesem Apparate beschäftigten Beamten bis aufWeiteres eine Tantieme von 1 / a Kreuzer per Depesche ohne Unterschied, ob dieselbe abgegeben oder aufgenommen wird, und ohne Kücksicht auf ihre Wortzahl bewilligt worden, welche dieselben nebst ihren Antheilen an der allgemeinen Gebühren- Tantieme beziehen. (Agiozaschlag za den Telegraphen-Gcbüh- ren pro Angast und September 1867.) Der Agiozuschlag zu den Telegraphen-Gebühren für Depeschen nach den, dem Pariser-Vertrage nicht beigetretenen Staaten beträgt pro August d. J. 23o/ 0 und pro September 22o/ 0 . (Telegraphen-Lehrkurs.) Mit Genehmigung des k. k. Ministeriums für Handel und Volkswirtschaft wurde behufs Heranbildung von zur Completirung des Beamtenstandes der k. k. Staats-Telegraphen-Anstalt geeigneten Candida- ten ein Telegraphen-Lehrkurs angeordnet. Dieser Kurs beginnt am 1. October 1867, dauert drei Monate und wird in Wien, Prag und Lemberg abgehalten. Die Bewerber um Aufnahme in denselben haben ihre Gesuche längstens bis 15. September 1867 bei der k k. Staats-Telegraphen-Direction in Wien einzubringen und sich über das zurückgelegte 18. und nicht überschrittene 30. Le- bensjahr, über den bisherigen tadellosen Lebenswandel, ihre Verwendung im Staats- oder Privatdienste, ihre Studien, namentlich über die Absolvirung der sechsten Gymnasialklasse oder der Oberrealschule oder einer den letzteren gleichgehaltenen Civil- oder Militar-Unterrichts- Anstalt, endlich über ihre physische Eignung zum Telegraphendienste mittelst legaler Zeugnisse auszuweisen und den Besitz einer guten Handschrift darzuthun. Ausserdem wird von den Bewerbern die volle Kenntniss der deutschen, und eine derartige Vorkenntniss der französischen Sprache gefordert, dass sie befähigt sind, Schriftstücke in diesen letzteren Sprachen zu lesen und zu übersetzen. Die Kenntniss anderer in- und ausländischer Sprachen wird besonders berücksichtigt. Jeder Bewerber hat vor der Einschreibung eine Taxe von acht Gulden zu erlegen, wogegen derselbe mit den erforderlichen Lehrmitteln unentgeltlich betheilt wird. Ausland. (Herabsetzung des Telegraphen - Tarife* in der Schweiz.) Der schweizerische National- rath hat beschlossen, die Gebühr für die einfache Depesche im internen Verkehre vom 1. Jänner 1868 ab auf 60 cts. zu ermässigenund 600.000 Frcs. zum Ausbau des Telegraphennetzes zu bewilligen. (Telegraphen-Verbindung zwischen England und Ostindien.) Das Project einer directen Verbindung England’s mit Ostindien durch eine Telegraphenleitung, die Preussen und Russland durchschneidend sich zu Teheran an das Kabel am persischen Golfe anschliessen würde, ist von Neuem in Erwägung gezogen worden. Sowohl der preussische Telegraphen - Director, Oberst Chauvin, als auch General Lüders, Director der russischen Telegraphen, haben sich nach London begeben, um an den dieses Unternehmen betreffenden Berathungen Theil zu nehmen. Zu demselben Zwecke soll auch ein Kabel von Fallmouth nach Gibraltar und weiter nach Malta gelegt werden. Die Idee, Depeschen aus Alexandrien zu erhalten, ohne sich der Landroute bedienen zu müssen, findet in England eine sehr günstige Aufnahme. (Kabel zwischen Frankreich und Nordamerika.) Den amerikanischen Zeitungen zufolge werden die nöthigen Concessionen zur Legung eines Kabels zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten schon in der nächsten Zeit er- theilt und die Arbeiten wahrscheinlich noch vor Ablauf von zwei Jahren beendet werden. (Das im Jahre 1866 gelegte transatlantische Kabel), dessen Unterbrechung wir in Nr. 4 unseres Blattes gemeldet haben, ist wieder hergestellt, W)r Kurzem jedoch von Neuem unterbrochen worden. Dieses Mal befindet sich die schadhafte Stelle laut eines Telegrammes der Station Valentia 60 Meilen von der Station Hearts Content entfernt und wieder in so geringer Tiefe, dass die Reparatur in Bälde zu erwarten ist. Nach einem vom Präsidenten der anglo- amerikanischen Telegraphen - Gesellschaft veröffentlichten Berichte wurde die erste Unterbrechung durch einen Eisberg verursacht, der über das Kabel getrieben worden war. (Zur Reform des Telegraphenwesens in England.) Wie wir bereits in Nummer 3 dieses Blattes erwähnten, hat die englische Regierung die Absicht, das Telegraphen-Monopol in ganz Grossbritannien und Irland an sich zu ziehen, und dürfte die Realisirung dieses Projectes nicht allzu lange auf sich warten lassen. Die zu diesem Zwecke verfasste Bill ist bereits gedruckt und wird in kurzer Zeit eingebracht werden. Dieselbe dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach auf keinen Widerspruch stossen. (Verwendung derElectricität znm Schmelzen des Eisens.) Unter den verschiedenen Verwendungen, die der Electro -Magnetismus im Laufe der letzten Jahre gefunden hat, dürfte jene die grösste Tragweite besitzen, welche in einem der grössten Eisenwerke zu Sheffield erprobt und von einem vollständigen Erfolge gekrönt worden ist. Die Operation geschieht in nachstehender Weise: Gegenüber der Seitenöffnung des Schmelz- Ufa* ■- I .* 114 ^. {**. ■xrpjwm — 112 — ofens wird ein Electromagnet, den eine Smee’- . sehe Batterie , in Thäfigkeit setzt, anfgesteffi und der magnetische Strom auf das schmelzende’' Eisen geleitet. Die dadurch hervorgebrachte Wirkung ist staunenerregend. Das Metall wallt auf, und ist in wenigen Augenblicken vollständig geschmolzen. Hierdurch werden nicht nur die Kosten der Feuerung bedeutend vermindert, sondern es gewinnt das Eisen auch an Güte, da seine Härte nach dieser Operation bedeutend zunimmt. Endlich scheint der Magnetismus das Eisen von allen fremden Bestandtheilen zu reinigen, die bei dem gewöhnlichen Schmelz-Verfahren nicht ausgeschieden werden können, so dass man hoffen darf, es werde diese Erfindung berufen sein, gewissen metallurgischen Industriezweigen die grössten Dienste zu leisten. Personal-Nachrichten. Aenderungen im Stande der k. k. Staats-Telegraphenbeamten in der Zeit vom 1. Juli bis 15. August 1867. ; . Ernennungen: Telegraphist I. CI. Johann Pauck, in Temesvär, zum Rechnungsofficialen in Pest. Telegraphist II. CI. Dionys Csiuiponeriu in Wien, run Telegraphisten I. CI.« in Pest. Zu Telegraphisten: Stefan Augustovicb, I. CI. in Pest. Julius v. Haiistcin, I. Cl. in Semlin. Ignaz Keller, I.'Cl. in Wien. Carl Sandorf, I. Cl. in Pest. Constantin Seuffcrt, I. Cl. in Essegg, Franz Wessely, I. Cl. in Temesvafr.’ Victor Ztlanowicz, I. Cl. in Krakau, Franz Ainterle, II. CL in Semlin. Rudolf Holitscb, II. Cl. in Semlin.*) Julius hnrichowski, II. Cl. in Krakau. Eduard Lassbacher, II. Cl. in Semlin. Julius Liemert, II. Cl. in Semlin. Anton Mayr, II. Cl. in Semlin. Sigmund Molnär, II. Cl. in Pest. Anton Beros, III. Cl. in Triest. Alexander Kolb, III. CK in Pest. t^JSrasmus Lang, III. Cl. in Semlin. f (3t>sef Kodier, III, Cl. in Orsowa. Ferdinand Sanocki, III. Cl. in Agram; Ludwig SziukovHs, III. Cl. in Tem,esvär. Ignaz Tärnok, III. Cl. in Gross-Kanizsa. Anton Tbanlioffcr, III. Cl. in Pest. Stefan Yecsey,' III. Cl. in Pest. Uebersetzungen: Obertelegraphisten : von nach: Johann Gclinek. Beneschau Iglau. Emerich Gratzl, Kimpolung Radau tz. Wilhelm Guttenbefger, Teplitz Salzburg. "Emil Kankoffcr, Triest Wien. Josef Krch, Iglau Beneschau. Gustav Maix, Linz Krems. Rudolf Weiss, "* Pressburg Wien. Telegraphisten: von: nach: Stefan v. Baternay, Lemberg Stanislam Wilhelm Bayer, Krakau Wien. Franz Denk, Reichenberg Wien. Johann Dngantschy, - Kecskemet Nagy-Karoly. Friedrich Fäbry, Nagy -Kar oly Kecskemet, Josef-Herzberger, Prag - Brünn. Moriz Jennel, Reichenberg Rumburg. Carl v. Kaisersfeld, Pest Graz. Emil Paskay, Semlin » Temesvär. Josef v. Perelli, Temesvär - v . Wien. Engelbert Pscbiebl, Ottocac Triest. Alexander Ritter, Essegg - Mohacs. Carl Rudolph, Brünn Teplitz. Josef Schulz, _ Wien Schlan. Leopold Sowa, y Hermannstadt Wien. Alexander Stolz, Temesvär Reichenberg. Friedrich Strnischtie, Szathmär-Nemethi Trautenau. Emil v. Szuts, Semlin Pest. Mathias Turba, Triest Wien. Heinrich Wal linger, Semlin Hermannstadt, Johann Willvonseder, Temesvär Linz. Johann Wowes, Brünn Prag. Dienstes -Enthebung: Obertelegraphist Johann Zeiser in Trautenau (über eigenes Ansuchen). Verzichtsleistungen: Telegraphisten: Robert Bartoscb, II. Cl. in Agram. Carl Hofmaim, II. Cl. in Krakau. Johann liiruscbaü, I. Cl.'in Krakau. Rudolf Rieder, II. Cl. in Orsowa. *) Ist mittlerweile gestorben. Druck von F. B. Geitier, Albrechtgasse 4, in Wien. Hierzu eine illustrirte Heilage,