Nr. 7 and 8. Wien, den 31. Juli 1868. 11. Jahrgang. ORGAN FÜR TELEGRAPHENWESEN. GRAMM Eigeuthümer, Verleger und verantwortlicher Rédacteur: L. J. Wolschitz. Redaction: Margarethenstrasse Nr. 7. Alle Zuschriften sind portofrei an die Be- daction zu richten. Unfranldrte Briefe werden nicht angenommen und Manuscripte nicht zurückgestellt. Inserate werden mit 10 kr. österr. W. für die zweispaltige Petitzeile berechnet. Abonnements : Das „Telegramm“ erscheint am 15. u letzten eines jeden Monats. für Wien: vierteljährig 1 fl.,halbjährig 2 fl. ganzjährig 4 fl. österr. W.; für die Provinz: vierteljährig l fl. 20 kr., halbjährig 2 fl. 40 kr„ ganzjährig 4 fl. 60 kr. Abonnements werden angenommen bei der Expedition, Margarethenstrasse Nr. 7. Inhalt. Text: Eröffnung neuer österreichischer Telegra- phen-Stationen. — Der Telegraph auf der Pariser Industrie-Ausstellung im Jahre 1867. (Fortsetzung.) — Schneider's Element. — Ueber die Bedingung zur Erreichung des Maximums der Wirkung eines galvanischen Elementes oder einer Batterie bei vorhandenem ausserwesentlichem Widerstande. — Die Leitungsaufsicht längs den Bahnlinien und die Cöntrole der Bahn- correspondenz. — Die internationale Wiener Telegraphen-Conferenz. — Ergebnisse der Privat- und Staatscorrespondenz in Oesterreich im Jahre 1867. — Rundschau. — Personal-Nachrichten.—Inserate. — An unsere Leser. Illustration: Tafel II. Eröffnung neuer österreichischer Telegraphen-Stationen. Seit I. April 1868 sind nachstehende österreichische Telegraphen-Stationen eröffnet oder wieder eröffnet worden: Bennisch (L) in Schlesien. BiseDZ (L) in Mähren. Ebenfnrth (L) in Nieder-Oesterreich. Elöpatak (B—L) in Siebenbürgen. *) Füred (B—L) in Ungarn. *) Gasteiü (Bad) (B—L) in Salzburg. *) Glina (L) in der Militärgrenze. Gross-Mosty (L) in Galizien. Harkaoy (B—L) in Ungarn. *) lwonicz (B—L) in Galizien. *) Jabluakan (L) Schlesien. Kalasz (L) in Galizien. Kitzbühel (L) in Tirol. Krapina-Markt (L) in Croatien. Krapina-Töplitz (B—L) in Croatien. *) Krynica (B—L) in Galizien. Labien (B—L) in Galizien. Mährisch-Badwitz (L) in Mähren. Mährisch-Trubau (L) in Mähren. Mehadia (Bad) (B—L) in der Militärgrenze. *) NeuhaUS (Bad) (B—L) in Steiermark. *) Podersam (L) in Böhmen. Pottendorf (L) in Nieder-Oesterreich. Prag-Smichow (C) in Böhmen. Reichenau (B—L) in Nieder-Oestereich. Römerbad (D —L) in Steiermark. *) Sauerbrunn bei Rohitsch (B—L) in steierm. *) Skala (L) in Galizien. Stranow-Kmsko (E—L) in Böhmen. **) Szczawnica (B—L) in Galizien, *) Szliacs (B—L) in Ungarn. *) Teplitz bei Trenchin (B—L) in Ungarn. *) TetSChen a. Elbe (N) Böhmen. Topusko (B—L) in der Militärgrenze. Truskawiec (B—L) in Galizien. *) Tüffer (Bad) (B—L) in Steiermark. *) Ulaszkowce (L). in Galizien. Veldes (B—L) in Krain. *) Wartenberg (Bad) (B—L) in Böhmen, Watradorna (B—L) ln der Bukowina. *) Wlasim (L) in Böhmen. Zwittatl (L) in Mähren. *) Für die Sommersaison wieder eröffnet. **) Telegraphen-Station der Turnau-Kralnp- Prager Bahn; selbe wurde am 1.'». Juli 1. J. dem Verkehre übergeben. N bedeutet Tag u. Nachtdienst. C „ voller Tagdienst. L „ beschränkter Tagesdienst. B „ Telegraphen-Sommerstation. F „ Eisenbahntelegraphen Station. Der Telegraph auf der Pariser Industrie-Ausstellung im Jahre 1867. Nach Berichten deutscher, englischer und französischer Fachmänner. Von C. Rosmanith, k. k. Obertelegraphisten. (Fortsetzung.) y. Zeigertelegraphen. Die Zeigertelegraphen waren in der Ausstellung diesmal nur in geringer Anzahl vorhanden und dienten mehr zur Beleuchtung der Geschichte der früheren Telegraphie, als dass sie einen für die Gegenwart bemerkenswerthen Fortschritt hätten erkennen lassen. Die Mehrzahl dieser Apparate war Eigenthum französischer und belgischer Aussteller, die'selbst einräumten, dass die angebrachten Abänderungen oder Verbesserungen hauptsächlich den Zweck verfolgten, die in Frankreich und Belgien bei den Eisenbahnverwaltungen in beträchtlicher Menge einmal vorhandenen Zeigerapparate nach Möglichkeit auch noch ferner verwendbar zu machen und so diesen Verwaltungen die Anschaffung neuer Apparate wenigstens zeitweilig noch zu ersparen. Digney hat in seinem Zeigerapparate den Zeichengeber derart modifizirt, dass die Entsendung des Linienstromes unabhängig ist von der Bewegung der Kurbel, die der Beamte in jeder Richtung bewegen kann, bis sie gerade über den zu telegra- phirenden Buchstaben zu stellen kommt; die Entsendung des Linienstromes geschieht automatisch und beginnt in dem Augenblick, als die an ihrem unteren Theile mit einer Metallfeder versehene Kurbel auf das diesem Buchstaben entsprechende und den Schliessungskreis der Localbatterie bildende Feld trifft. Unter der Tafel des Zeichengebers ist ein Uhrwerk angebracht, dessen Hem- mungsrad im Ruhestande durch den stielartigen Ansatz des Ankers eines kleinen Electromagneten arretirt wird, den eine Localbatterie von zwei oder drei Elementen in Thätigkeit setzt. Auf der Achse des Hemmungsrades ist ein Stromgeber der Batterie und eine Nadel befestigt, die sich unter der Kurbel und um deren Drehungsachse bewegen. So lange der Beamte die Kurbel gegen den zu telegraphirenden Buchstaben dreht, bleibt der Schliessungskreis der Localbatterie offen, der stielartige Ansatz des Ankers arretirt das Hemmungsrad, der Strom geht nicht durch die Linie,und die Nadel desZeichen- gebers und jene des Zeichenempfängers bleiben unbeweglich an ihrem Platze. Im Augenblicke jedoch als der Manipulirende die Kurbel auf ein bestimmtes Buchstabenfeld niederdrückt, wird die Localbatterie durch den Contakt der Feder und des metallischen Zeigers des Zeichengebers geschlossen, der Anker des Elektromagneten angezogen und das Hemmungsrad ausgelöst, das sich um seine Achse dreht, indem es den Stromgeber und die Nadel des Zeichengebers mit sich führt, bis diese durch ‘einen an dem unteren Theile der Kurbel angebrachten Stift arretirt wird. Die Anzahl der successiven Ströme in der Linie hängt augenscheinlich von dem Drehungswinkel des Plemmungsrades und des Stromgebers ab und wird demnach durch die Stellung der Kurbel auf der Buchstäbenscheibe des Zeichengebers regulirt. Die Nadel des ; Zeichengebers, von dem Hemmungsrade j raitgeführt und die Nadel des Zeichenem- j pfängers auf der fremden Station, deren | Bewegung durch den Linienstrom bewirkt wird, drehen und arretiren sich gleichzeitig über dem auf dem Zeichengeber angezeigten Buchstaben. Das Telegraphiren mit diesem Apparate geschieht nothwen- digerweise langsam; der Durchgang des Stromes, statt während der Drehung der Kurbel zu erfolgen, beginnt thatsächlich erst in dem Augenblicke, als die Kurbel auf das betreffende Buchstabenfeld niedergedrückt wird; doch dürfte der Zeitverlust durch die Sicherheit des Telegra- phirens paralisirt werden. Dieser Zeigerapparat mit automatischer Stromentsen- j düng ist auf der französischen Ostbahn in Verwendung. Bei einem andern von Digney ausgestellten Zeigerapparate sind die gewöhnlichen permanenten oder Electro-Magnete durch das Siemens’sche Polarisations-Relais ersetzt und wird der Gang des Hem- , mungsrades durch die von den alternativen Linienströmen in entgegengesetzter Richtung bewirkten Bewegungen des Ankers dieses Relais regulirt. Guillot,Telegraphen-Controlsbeamter der Orleans-Eisenbahn und sein Mitarbeiter Gatyet stellten einen Zeigerapparat ohne Regulirung und mit, auf sehr einfache und bequeme Weise bewirkter Stromwendung aus. Die alternativen Ströme werden nicht von einer Linienbatterie geliefert, sondern sind Inductionsströme, die in den auf eine sehr sinnreiche Weise angeordneten Multiplicationsspulen erregt werden. Unter der Platte des Zeichengebers ist ein permanenter Hufeisenmagnet horizontal angebracht, dessen beide Pole mit je zwei verticalen Cylindern aus weichem Eisen armirt sind, welche die Kerne der Multiplikationsspulen bilden. Die freien Enden der zwei auf demselben Pole befestigten Cylinder besitzen nothwendiger- weise die gleiche Polarität; die Enden der Cylinder links und jene der Cylinder rechts repräsentiren entgegengesetzte Pole. Es genügt die magnetischen Pole in den ma- gnetisirten Eisenkernen wechseln zu lassen, um die Inductionsströme in den Multiplikationsrollen zu erzeugen; diese Ströme sind direct, wenn sich das magnetische Moment vermindert,— verkehrt, wenn dasselbe vermehrt wird. Sobald man die Kurbel in Bewegung setzt, dreht sich eine unter der Buchstabenscheibe angebrachte rechtwinklige Platte aus weichem Eisen um seinen Mittelpunkt vor den freien Enden der vier magnetisirten Eisenkerne der Multiplikationsrollen, bewirkt eine Aenderung ihrer Polarität und erregt in den Drähten dieser Spulen Induktionsströme. Bei jeder Vierteldrehung der Eisenplatte wechseln die induzirten Ströme ihre Richtung ; die vier Multiplikationsspulen sind derart verbunden, dass in allen Fällen die vier Inductionsströme einander verstärken. Ein Ende des induzirten Drahtes ist mit der Erde, das andere mit der Linie in Verbindung; sobald die Kurbel des Zeichengebers sich um ihre Achse dreht, durchläuft die Linie also eine Reihe von alternirenden Strömen, die bei jeder Viertelumdrehung der Eisenplatte ihre Richtung ändern. Der Gang des Hemmungsrades des Zeichenempfängers wird durch die Bewegungen des stielartigen Ansatzes eines rechteckigen Ankers aus rnagnetisirtem Stahl regulirt, der zwischen zwei hufeisenförmigen Electromagneten angebracht ist. Die Linienströme gehen durch die Multiplicationsrollen der zwei Electromagnete, die derart eingerichtet sind, dass der Anker von dem Electromagneten links angezogen und von jenem rechts abgestossen wird, wenn der Strom in einer bestimmten 96 Richtung die Spulen durchläuft, undumge- kehrt von dem Eleetromagneten rechts angezogen und von jenem links abgestossen wird, sobald die Richtung des Stromes verkehrt wird. — Mit diesem Apparate, der auf der Orleans-Eisenbahn in Gebrauch steht, kann eben so schnell telegraphirt werden als mit jedem andern Zeigerapparate. — Die Anordnung des Ankers des Zeichenempfängers leidet jedoch an einem Uebelstande, da die während starker elec- triseher Störungen in der Atmosphäre auftretenden sehr intensiven Ströme den Anker gewaltsam verrücken und seine Rotationsachse verschieben können. Ein derartiger Zufall würde nothwendigerweise den Zeichenmpfänger unbrauchbar und seine Reparatur unerlässlich machen, während das Siemens’sche Polarisations-Relais derartigen Beschädigungen viel weniger ausgesetzt zu sein scheint. Professor Gläsener in Lüttich hatte einen Zeigerapparat eingesendet, bei welchem die clavierähnlichen Tasten des Zeichengebers mit Stromwendung kreisförmig angeordnet sind. Der Anker des Zeichenempfängers ist gleichfalls zwischen zwei Eleetromagneten angebracht, die ihn ab- wechselnd in entgegengesetzter Richtung anziehen und wird die Umdrehung der auf einem Sperrrade befestigten Nadel des Zeichenempfängers nicht durch ein Uhrwerk, sondern direkt durch die alternativenBewe- • gungen des hinteren Theiles des Ankers bewerkstelliget. Doch eignet sich dieser Apparat nicht für lange Linien, da die zu seiner Drehung erforderliche magnetische Kraft immer grösser ist, als diejenige, welche der Strom auf weite Entfernung entwickeln kann, mag auch das System der Nadel und des Sperrrades noch so leicht beweglich hergestellt werden. Die Direction der Eisenbahnen in der baierischen Rheinpfalz hatte einen Zeigertelegraphen von Fardely eingesendet, der durch Anbringung der von Siemens bereits seit längerer Zeit für die Morse-Trans- latoren verwendeten Contaetfeder auch für selbstthätige Uebertragung eingerichtet wurde. Dieser Apparat soll in der Mitte einer 17 Meilen langen, mit IS Stationen in Verbindung stehenden Linie die Cor- respondenz ohne Relais auch bei ungünstiger Witterung ermöglichen. ln der Abtheilung des österreichischen Kriegsministeriums begegneten wir den von Baron Ebner ausgestellten Zeigerapparaten für militärische Zwecke, die vom Mechaniker S. Marcus in Wien angeferti- get wurden. Der Zeichengeber ist der Stöhrer’sche Inductions-Apparat, in welchem zwei Spulen an den Enden einer Armatur aus weichem Eisen ober den Polen eines permanenten Magneten rotiren. Der Zeichenempfänger besteht aus einem Eleetromagneten, zwischen dessen Polen ein kleiner Magnet oscillirt und ein an der Achse des Zeigers befestigtes Zahnrad dreht. Die Buchsta- benscheib'e des Zeichengebers hat keine Löcher oder Zähne, in welchen die Kurbel arretirt werden könnte. In Folge dieses Mangels ist es beinahe unmöglich, die Kurbel genau über den zu telegraphiren- den Buchstaben anzuhalten, wenn man mit der erforderlichen gleichmässigen Geschwindigkeit telegraphiren will. Dies ist jedoch kein Versehen, sondern mit Rücksicht auf die Schwere und Form der roti- renden Spulen, welche einmal in Bewegung gesetzt eine beträchtliche Kraft gewinnen, absichtlich so eingerichtet, da diese j Kraft die Zerstörung irgend eines Theiles ] des Apparates herbeiführen könnte, wenn j die Spulen durch die in einen Zahn der Buch- I stabenscheibe einfallende Kurbel plötzlich : angehalten würden. j Allen Instrumenten dieser Cathegorie dürfte jedoch der electro-magnetische Zeigerapparat von Siemens und Halske in Ber- 97 lin vorzuziehen sein, der seit einem Decen- nium mehrfach in Gebrauch steht und wie- derhohlt beschrieben wurde. In seiner neuesten Modification ist dieser Apparat in eine sehr compendiöse Form gebracht und statt des früheren pultförmigen Holzkastens in eine cylindrische Metallbüchse eingeschlos- sen. Hierdurch werden zugleich alle Verschiebungen einzelner Bestandtheile des Apparates, welche früher manchmal durch das Schwinden und Werfen des Holzes veranlasst wurden, gänzlich vermieden. In dem Cataloge der Londoner Filialanstalt Siemens Brothers ist der Preis eines com- pleten Zeigerapparates mit sechs Paaren permanenter Magnete, paralisirtem Wecker, eisernem Fussgestelle und sonstigen Nebenbestandtheilen auf 24Pfund Sterling angegeben, der Zeigerapparat allein kostet 18 Pfund Sterling, 18 Schilling. VI. Apparate des Morse’schen Systems. Wenn die Bedeutung des Morse-Apparates für das heutige Telegraphenwesen überhaupt noch einer näheren Feststellung bedürfte, so wäre dieselbe aus der Anzahl der aus allen Theilen Europa’s nach Paris eingesendeten Instrumente leicht zu liefern gewesen. Die ausgestellten Apparate lassen sich in zwei Gruppen brin- ‘ gen, je nachdem sie mit einer Stahlspitze vertiefte Zeichen auf dem Papierstreifen machen, oder als sogenannte Schwarzschreiber farbige Schrift ohne Vertiefung liefern. Zu diesen beiden Abtheilungen kann noch die in Amerika gebräuchliche Einrichtung hinzugenommen werden, welche den eigentlichen Schreibapparat ganz weglässt und die Zeichen des Relaishebels blos für das Ohr wahrnehmbar macht, das Morse’sche System also eines seiner wesentlichen Vorzüge vor den Zeigertelegraphen ganz entkleidet. In Europa hat diese Einrichtung bis jetzt nicht Eingang gefunden; über die relativen Vorzüge der Apparate mit färbiger oder erhabener Schrift scheinen die Meinungen noch ziemlich getheilt zu sein. Obgleich den Schwarzschreibern der Vorrang nicht streitig gemacht wird, namentlich in Fällen, wo die durch mechanische Mittel hervorgebrachten Zeichen am Apparate mit besonderer Schnelligkeit sich folgen sollen, so kommt man andererseits von der ursprünglich auf- gestellten Behauptung zurück, dass die Apparate mit färbiger Schrift ebenso empfindlich gemacht werden können, als die fortan ganz überflüssigen Relais; von den ausgestellten und für den Dienst auf längeren Linien bestimmten Schwarzschreibern war die Mehrzahl bereits wieder mit Relais ausgerüstet. Nach diesen einleitenden Bemerkungen wollen wir die bemerkenswerthesten, in dieser Abtheilung befindlichen Apparate besprechen. Siemens undHalskein Berlin stellten einen Morse’schen Schreibapparat aus, der auf einer Platte vollständig mit Galvanoskop, Relais, Taster und Klemmen montirt ist. Der Schreibapparat besteht aus einem starken Uhrwerke, welches den Papierstreifen mit gleichmässiger Geschwindigkeit über eine, mit einer Nuth versehene Walze zu ziehen hat. Unter dieser Walze befindet sich ein Metallstift, welcher am Ende eines Hebels befestiget ist, dessen anderes Ende einen Anker aus weichem Eisen über den Polen eines Electromagne- ten trägt. Sobald der Anker von den Polen eines Elektromagneten angezogen wird, hebt sich der Metallstift und druckt die Zeichen auf der Nuth in das Papier. Der Relais ist amerikanischer Construktion und sehr zart adjustirt. Diese Apparate werden auf den deutschen Eisenbahnlinien vielfach verwendet. Johann Leopolder aus Wien «teilte 98 — einen nach einem ursprünglich in der k. k. Telegraphen-Werkstätte angefertigten Modelle construirten Schreibapparat aus, dessen ßestandtheile in einem Messinggehäuse eingeschlossen sind und dadur ch vor Staub geschützt werden. Der Papierstreifen läuft in der oberen Hälfte des Apparates zwischen Rollen. Gebrüder Digney in Paris stellten einen Morse-Apparat aus, der unter der Benennung „direkter Schwarzschreiber 4 bekannt ist. Bei demselben wird der Papierstreifen vom Ende des Schreibhebels, welcher den Anker trägt, gegen eine kleine Metallscheibe gedrückt, die an der Achse eines Rades des Uhrwerkes befestiget ist und von einer kleinen Filztrommel beständig mit Farbe versehen wird. Siemens und Halske in Berlin haben bei ihrem Schwarzschreiber die bekannte Construktion mit seitlichem Farbgefäss beibehalten, welches durch einen Canal mit dem Scbreibrädchen in Verbindung steht. Dasselbe ist an einer der Achsen des Laufwerkes befestiget und dreht sich in entgegengesetzter Richtung mit der Bewegung des Papierstreifens. P. Vinay in Paris hat bei dem von ihm angefertigten Schwarzschreiber eine Farb- vorrichtung angebracht, die von jenen der eben erwähnten Apparate Digney’s und Siemens ab weicht. Der Apparat hat eine Scheibe dd, Taf. II, Fig. 6, welche unten auf einStück mit Farbe gesättigten Filzes streift, der in einer kleinen Vertiefung liegt (HH). Oberhalb links an dieser Scheibe reibt sich an derselben das Schreibrädchen C, welches sich an einer Achse in dem Rahmen E dreht. Der Rahme ist an einer Achse an den Ständern K drehbar und der an den Rahmen befestigte Arm JE 'E' mit dem Ende des Schreibhebels in Verbindung. Der Papierstreifen wird zwischen den Walzen R und R' über die Rolle b gezogen, wo er von dem Schreibrädchen C getroffen wird, so oft der Schreibhebel sich durch die Anziehung des Ankers des Elektromagneten hebt und dadurch den Rahmen E an seiner Achse dreht. Durch diese Einrichtung wird das Schreibrädchen nie mit Farbe überladen. A. F. Cacheleux in Paris ist wieder zu der ursprünglichen Anordnung von John zurückgekehrt und schreibt mit einem, aus dem Tintengefässe durch den Electromagneten von unten nach oben hervorgehobenen Rädchen auf die untere Fläche des Papierstreifens, welche dann natürlich durch Umkehrung mittelst eines Rollenpaares erst wieder zur oberen gemacht werden muss. Fig. 7 Taf. I, unserer Zeichnung stellt diesen Apparat dar. Das Schreibrädchen ff, bei cc drehbar, besteht auszwei dünnen Metallplatten, deren Entfernung von einander durch die Stellschraube g regulirt werden kann. Auf der linken Seite vom Centrum ist ein an dem flachen Kopfe cc des Hebels befestigter Stift, der von dem Ende E des'Schreibhebels ii gehalten wird. V or diesem Theile des Apparates befindet sich ein Tinten,zeug, aus einem cylindrischen Reservoir bestehend, das mit dem Trog j j communieirt, worein das Schreibrädchen in der Ruhelage taucht. Der Papierstreifen geht zwischen den Walzen R und R' über die Rolle a und wird von dem Schreibrädchen immer getroffen, wenn der Anker des Elektromagneten angezogen und das Ende des Schreibhebels, welches das Schreibrädchen an seiner Achse dreht, aufgehoben wird. Eine andere Neuerung, welche bei allen mit Relais und Localbatterie arbeitenden Morse-Appara- ten anwendbar ist, besteht in der Anbringung einer Glocke über dem Electromagneten, auf welche ein vom Schreibhebel bewegter Hammer schlägt. L. Breguet in Paris stellte einen Schwarzschreiber aus, dessen Farbvorrichtung die Vorzüge der Systeme von Siemens und Digney vereinigen soll. Der Schreibhebel ist an einem Ständer über dem Elektromagneten angebracht, so dass derselbe beim Anziehen des Ankers niedergedrückt, anstatt wie sonst gehoben wird. Das Papier läuft über eine Schneide und wird von einem Schreibrädchen berührt, das von dem Ende des Schreibhebels bewegt wird und an dessen oberer Seite eine Dig- ney’sche Filzwalze anliegt. Das Schreibrädchen befindet sich an der Achse eines Rades des Laufwerkes. Die Zugfeder des Schreibhebels hat sowohl das Schreibrädchen als auch die Filzwalze zu ziehen, so dass der Elektromagnet eine Menge Arbeit verrichten muss, welche wahrscheinlich die Anwendung dieser Einrichtung für direkt wirkende Schreibapparate nicht zulassen wird. Bei dem Schwarzschreiber von Hipp aus Neufchatel ist der Eiectromagnet sarnrnt dem Laufwerke in einem Gehäuse von Metall und Glas eingeschlossen. Der Schreibhebel bewegt sich im rechten Winkel auf die Richtung des Laufwerkes; ein Ende ragt vorn heraus und trägt das Schreibrädchen. Die Farbvorrichtung gleicht jener von Digney’s direktem Schwarzschrei' ber und ist die ganze Construction des Apparates sehr sinnreich. Besondere Aufmerksamkeit ist auf den Schreibhebel verwendet, der in der Ruhelage zwischen zwei Spiralfedern balancirt. Dies hat den Zweck, dass die Feder keinen Widerstand leistet, wenn der Elektromagnet zu wirken und den Anker anzuziehen beginnt, sondern dass nur ihre Spannung grösser wird, je näher der Anker den Polen kommt. Wird der Strom unterbrochen, so hat daher die Feder ihre volle Kraft, den Anker wegzuziehen, ohne jedoch sein neuerliches Annähern gegen die Pole verhindern zu können. (Fortsetzung folgt.) Schneidens Element. Vom k. k. Telegraphisten K. 0. Dieses, vom k. k. österr. Telegraphen- Inspector Schneider construirte Element weicht als modificirtes DanielPsches Element in der Einrichtung von dem gewöhnlichen Daniell’schen Elemente darin ab, dass dabei statt einem Kupfer- und Zinkcyiinder eine Spirale von Kupferdraht Taf. III, Fig. 10, und ein Zinkgussklotz (Fig. 11) in Anwendung kommen und ausserdem ein isolirender Ring zwischen das Kupfer-Element und die Thonzelle geschoben wird, (Fig. 12). *) Die Zusammenstellung geschieht auf folgende Weise: Man schüttet in das Glas beiläufig ein Pfund Kupfervitriol und stellt auf dieses das Kupfer-Element. Auf dieses Kupfer- Element kommt sodann der isolirende Ring, auf letzteren die Thonzelle und in dieses das Zink-Element (Fig. 13). Ehe die Elemente zusammengestellt werden, sind die Thonzellen (etwa 24 Stunden früher) mit Wasser zu füllen. Wenn die Thonzelle eingesetzt wird, lässt man das Wasser in derselben nicht höher als */ 4 Zoll hoch stehen. Zum Kupfervitriole giesst man so viel Wasser, dass es den Boden der Thonzelle erreicht. Die Verbindung der Elemente sowie auch der Batterien unter einander und dieser mit den Zuleitungdrähten geschieht wie bei den Daniell’schen Batterien. Wenn das Wasser in der Thonzelle nicht so hoch steht, dass die Scheibe des Zink-Elementes davon bedeckt wird, so giesst man wieder frisches Wasser zu. Es ist übrigens gut, wenn anfangs mit dem Nach giessen des Wassers etwas sparsam verfahren wird, weil dann ein Ueberlaufen *) Tafel III folgt mit der nächsten Nummer. 100 der Kupfervitriollösung in Folge der En- | dosmose nicht vorkomnit. j In wenigen Tagen wird die Zink- ! vitriollösung hinreichend koncentrirt sein, wornach man dann so viel Wasser in die Thonzelle giessen kann, dass sie bis zur Hälfte voll wird; nur ist immer darauf zu achten, dass ein Ueberlaufen des Kupfervitriols nicht stattfinde. Das Element bleibt so lange unberührt stehen, als nicht der Rand der Thonzelle bis auf die Höhe des Randes des Glases herabgesunken ist. Ist die Thonzelle so tief gesunken, so ist es angezeigt, Kupfervitriol frisch nachzufüllen, im Glase nur so viel Flüssigkeit zu lassen, dass sie nicht überläuft; die weisse Flüssigkeit (Zink vitriol), die sich über derblauen zeigt, und die Flüssigkeit aus der Zelle (ebenfalls Zinkvitriol) ist zu beseitigen und zu demZinke so viel W T asserwie beider ersten Füllung zu geben. Von dem Zinkvitriol ist ein kleines Quantum aufzuheben, um selbes zur Füllung neuer Thonzellen zu verwenden. Eine Reinigung der Elemente ist nie nöthig. Das Zink wird so lange im Elemente belassen, als noch eine Scheibe daran ist, und das Kupfer bis es zu gross, d. i. etwa 2 Pfund schwer wird. Die Zink-Elemente lassen sonach keinen Rückstand als den Stiel, welcher sowie die zu gross gewordenen Kupfer-Elemente gegen neue Elemente ausgetauscht werden. Wie aus dieser Beschreibung ersichtlich, weicht das Schneider’sche Element nicht in dem Stoffe der dazu verwendeten Materialien, sondern blos in Gestalt und Anordnung derselben, von dem Daniell’- schen Elemente ab. Die chemischen Processe in der Zelle, mögen sie erscheinen als Ursache oder als Folge des elektrischen Stromes, w r erden demnach in beiden Elementen qualitativ gleich verlaufen müssen. In quantitativer Beziehung, in dem Vorwalten des einen oder andern Processes wird ein Unterschied bemerkbar sein. Dieser Unterschied ist begründet durch die geringere Vermischbar - keit der zwei Flüssigkeiten im Schneider’- sehen Element, welches durch die zweck- massigere Anordnung derselben erzielt wird. Dass durch einen Einfluss auf denGang des chemischen Processes auch die Elek- tricitäts»Erzeugung modificirt wird, wird klar werden, wenn wir die chemischen Vorgänge in einer Daniell’schen Zelle näher betrachten. Im Daniell’schen Element haben wir zwei Flüssigkeiten, die von einander durch die poröse Thonzelle getrennt werden. Die eine Flüssigkeit isteoncentrirte Lösung von Kupfervitriol und umgibt den Kupferpol; die andere Flüssigkeit, die den Zinkpol umgibt, ist verdünnte Schwefelsäure, wie solche durch successives endosmotisches Ueberströmen der aus dem zerlegten Kupfervitriol freigewordenen Schwefelsäure entsteht, und nach längerem Gebrauche der Batterie mit einer Lösung von Zinkvitriol vermischt ist Diese zwei Flüssigkeiten haben den Zweck, das Auftreten der Polarisation zu verhindern. Die Polarisation entsteht durch die verdichtete Ablagerung des Wasserstoffes am Kupferpol, und des Sauerstoffes (in weiterer Folge desZinkoxy des) am Zinkpol. Da aber beim Daniell’schen Elemente, wie erwähnt, der Kupferpol mit der leicht reducirbaren sclrwefelsauren Kupferoxydlösung umgeben ist, so wird das Auftreten des Wasserstoffes am Kupferpol nicht statt haben können; es wird im Momente der Zersetzung ein chemischer Austausch stattfinden ; das Kupfer im Kupfervitriol wdrd in der Verbindung durch Wasserstoff sub- stituirt, das Kupfer seheidetsich metallisch am negativen Pol aus. Das entstandene Schwefelsäurehydrat wandert, in Folge 101 der endosmotischen Wirkung der Thonzelle j und der mechanischen Wirkung des Stromes, zum Zinkpol. Am Zinkpol wird das durch den ausgeschiedenen Sauerstoff gebildete Zinkoxyd von der Schwefelsäure gelöst. Die Metallflächen werden in Folge dieser Processe wieder rein, die Polarisation kann nicht auftreten. Diese chemischen Vorgänge, die Reductiondes Kupfersalzes und die Oxydation des Zinkes, erscheinen demnach als die wesentlichen Processe, die allein die Stetigkeit des Stromes bedingen. Nach der chemischen Hypothese würden diese Processe als die Ursache des Stromes zu betrachten sein. So vrie bei jeder Oxydation Wärme frei, bei jeder Re- duetion Wärme gebunden wird, so wird bei der Anordnung in der Zelle, beider Oxyda tion des Zinkes positive Elektricifät frei, bei Reduction des Kupfers positive Elektrici- tät verbraucht (gebunden) oder negative Elektricität frei. Wenn positive und negative Elektrieitäten sich ausgleiehen, entsteht ein elektrischer Strom, wenn Wärme und Kälte sich ausgleiehen ein Wärmestrom. Nach beiden Anschauungen der Elektricität-Erregung aber erscheinen genannte Processe als w r esentl*ch, da ohne dieselben kein Strom erzeugt, oder länger erhalten werden kann. Neben diesen wesentlichen Processen im Daniell’schen Elemente treten auch noch andere auf. Die zwei Flüssigkeiten sind getrennt durch eine poröse Thonzelle, sie unterliegen nun den Gesetzen der Endosmose. Demnach wird die Vermischung beider Flüssigkeiten ein- treten, zum Kupferpol wird Zinkvitriol, und zum Zinkpol wird Kupfervitriol dringen. Die chemische Action der Flüssigkeiten auf einander und auf die Polmetalle wird nun statthaben. Die daraus hervorgehenden Processe (im allgemeinen störende Processe) unterscheiden wir in solche, die m i t, und in solche, die ohne Einfluss des elektrischen Stromes verlaufen. Wenn Kupfer - vitriol zum Zinkpol dringt, so wird ohne Einfluss des Stromes, blos bedingt durch die chemische Affinität, eine einfache Substitution des Kupfers im Kupfervitriol durch das Zink statthaben. Kupfer scheidet sich pulverförmig am Zinkpol ab, vom Zink löst sich eine aequi valente Menge auf. Durch den Einfluss des Stromes wird in der Thonzelle neben dem Kupfervitriol auch der Zinkvitriol reducirt werden. Am Kupferpol scheidet sich neben Kupfer auch metallisches Zink ab. Au den Stellen, wo am Kupferpol Zink und am Zinkpol Kupfer abgelagert wird, kann natürlich kein elektrischer Strom im Sinne des Hauptstromes erzeugt werden, da das Kupfer am Zinkpol dem Kupfer und dem abgelagerten Zink- das Zink am Kupferpol dem Zink und dem Kupfer gegenübersteht. Der daraus hervorgehende Strom wird dem Hauptstrom entgegengesetzt sein; ähnlich dem Polarisationsstrom wird erersteren schwächen, ja er wird selben ganz aufheben, wenn die abgelagerten heterogenen Metalle die halben Polflä- chen bedecken. Ist die Kette längere Zeit geschlossen, so wird die ausgeschiedene Zinkmenge am Kupferpol stets wachsen und die Kupferfläche immer mehr verringert. Die Kupfermenge am Zinkpol dagegen wird immer abnehmen; die Zinkpolflächen w T erden immer reiner werden, weil das Kupfer am Zink blos als Leiter der Elektrizität, als positive Elektrode erscheint und in Folge dessen wieder aufgelöst wird. Eine gleiche Menge Kupfer wird dafür am negativen Pol ausgeschieden werden. Ist die Kette nach längerem Gebrauch wieder längere Zeit offen, so wird der umgekehrte Fall stattfinden. Das ausgeschiedene Zink am Kupferpol wird jetzt, da kein elektrischer Einfluss mehr obwaltet, das Kupfer aus dem umgebenden Kupfervitriol Ausscheiden ; Kupfer lagert sich mehr pul- 102 verförmig am Kupferpol ab, die frühere cohärentere Metallmasse wird durch das Austreten des Zinkes lockerer werden; dennoch wird diese Polfläche viel reiner. Am Zinkpol wird bei offener Kette ungehindert die Zersetzung des eingedrungenen Kupfersalzes durch das Zink statthaben. Die Zinkflächen werden immer unreiner, immer mehr mit Kupfer bedeckt. Wir sehen, dass die schädlichen Metallablagerungen, in Folge der Vermischung der Flüssigkeiten, bei Schluss der Kette nur am Kupferpol, bei offener Kette nur am Zinkpol stattfinden. Was bei offener Kette auf der einen Seite verbessert, wird auf der andern verschlechtert, bei Schluss tritt das Entgegengesetzte ein. Wäre ein Element abwechselnd momentan offen und geschlossen, so könnte diese Polarisation durch Metalle, trotz Vermischung der Flüssigkeiten, nicht auftreten, die Stromstärke bliebe sich gleich, nur natürlich auf Grund grösseren Materialverbrauches. Die auftretenden Uebelstände, die Unstetigkeit, der grössere Stoffverbrauch im Daniell’schen Element, haben ihren Grund in der Vermischung der Flüssigkeiten. Je weniger Vermischung desto besser das Element, Nun wollen wirSchneiders Elementmit dem Daniell’schen vergleichen. Der Hauptunterschied des Schneider’- schen Elements besteht in der Anordnung der Flüssigkeiten und der Polmetalle. Bei Schneider’s Element nehmen die Polmetalle eine horizontale Lage ein, oben das Zink, unten das Kupfer. Die Flüssigkeiten sind durch eine horizontale Scheidewand getrennt. Durch Sehneider’s Anordnung ist ein grosser Vortheil erreicht. Die Vermischung der zwei Flüssigkeiten wird nur schwer und langsam stattfinden können. Das spezifische Gewicht des Zinkvitriols (= 3-40) ist bedeutend kleiner als das des Kupfervitriols (— 3-57). Wenn man,gesättigte Lösungen von beiden zu vermischen sucht, so wird man bemerken, dass die obere Schichte immer Zink- die untere immer Kupfervitriol sein wird. Bei einem Element kommt neben der Dichte der Salze noch die Concentration der Flüssigkeiten in Betracht. Da die Kupfervitriollösung immer gesättigt sein muss, und man genö- thigt ist mehrere Kristalle des Kupfersalzes in Vorrath zu geben, die Zinkvitriol- lösung aber erst nach längerer Zeit die gesättigte Concentrirung (in Wirklichkeit fast nie) erhält, weil man immer das verdunstete Wasser wieder ersetzen muss, so folgt daraus, dass die Zinklösung immer weniger dicht ist, als die Kupfervitriollösung, daher immer die obere Flüssigkeitsschichte bilden wird, während die Kupferlösung immer mehr am Boden sich befinden wird. Das Zink in Schneider’s Element wird daher nur vorzüglich von Zinklösung, das Kupfer vom Kupfervitriol umspielt werden; die Vermischung beider Flüssigkeiten hat nicht statt, wie im Daniell’schen Elemente. Ohne Thonzelle würde bei ruhigem Stehenlassen sehr schwer eine Vermischung der Flüssigkeiten eintreten, wie dieses bei dem bereits seit langer Zeit in Gebrauch befindlichen Meidinger’schen und Callaud’- schen Elemente der Fall ist. Durch die Thonzelle ist nun die Vermischung ganz hintan gehalten. Schneider’s Element hat daher die Vortheile des Callaud’schen und DanieU’schen in sich vereint. Im DanielPschen Elemente sind die Bedingungen zum Vermischen der Flüssigkeiten sehr günstig. Die Flüssigkeiten im Daniell’schen Element sind neben einander, durch eine vertikale Thonzelle getrennt. Die Endosmose wird ungehindert statthaben, ja das Austreten des Kupfervitriols wird, durch den grösseren hydrostatischen Druck in Folge der immer höheren Flüssigkeitssäule und grösseren Dichte, immer bedeutender sein, als es durch die 103 Endosmoso allein herbeigeführt werden würde. In Schneider’s Element hat die Vermischung der Flüssigkeiten viel weniger statt, das Element muss daher ein viel günstigeres Resultat ergeben. Dies wird durch die Erfahrung bestätigt. Am Zinkpol ist bei Schneider’s Elemente nie so viel Kupfer abgelagert, als beimDanieH’schen, das Kupfer ist viel reiner, eohärenter. Thätigkeit und Ruhe haben keinen so grossen Einfluss auf die Veränderung der Stromstärke; sie ist viel constanter. Aus dem Processe, wie er normal im Daniell’schen Element verlaufen soll, ist ersichtlich, dass für ein Aequivalent Zink, das sich auflöst, ein Aequivalent Kupfer reduzirt wird. Der Zinkverlust dividirt durch die Kupferzunahme soll also gleich sein dem Quotienten aus dem Aequivalente des Kupfers = 31*6 in das Aequivalent des Zinkes = 32-7 d. i. gleich 1.035. Je näher diese Zahl erreicht wird, desto mehr müssen die wesentlichen Prozesse vorwalten, desto constanter muss das Element sein. Für Schneiders Element gaben zweiBe- stimmungen die Quotienten 1*02 und 1*05 fürdas Daniell’scheElement 0’96 „ 0‘84. Die gebrauchten Zinkmengen verhal- ten sich wie 93:114 um einen gleichen Strom längere Zeit zu erzeugen. Diese Resultate stimmen mit unserer Betrachtung überein. Mit weniger Stoff erhält man mit Schneider’s Element dieselbe elektrische Kraft, weil das Material nicht durch Nebenprocesse, die ohne Einfluss auf die Stromstärke sind, verbraucht wird. In Schneider’s Element haben auch die Polmetalle eine andere Form als im Dani- eH’schen"; dadurch wurde das Element viel einfacher. Für den ersten Anblick wird es scheinen, als ob ein Schneider’sches Element einen bedeutenden Widerstand zeigen würde, da die gegenüberstehenden Metallflächen viel kleiner sind als beim Daniell’schen. Einige Zeit nach der Füllung ist dieses wirklich der FaU: aber bald ändern sich die Verhältnisse, so dass beide nahezu denselben Widerstand zeigen. - Um das, was die Polflächen kleiner sind, ist die Entfernung derselben geringer, und die Concentration der Flüssigkeiten, durch welche vorzüglich der Strom geht, grösser. Die Thonzelle ist, ohne Beeinträchtigung des Zweckes, viel poröser, hat also einen geringen Widerstand. Ausserdem können bei Schneiders Elemente die vollen Flächen der Polmetalle in elektrischen Gegensatz kommen, während beim Daniell’schen schon nach einiger Zeit, in Folge der Vermischung der Flüssigkeiten die Ausscheidung heterogener Metalle an den Polen erfolgt, die Flächen derselben gleichsam immer ver kleinert werden, der Widerstand also ver- grössert wird, oder, wie früher gesagt, die Polarisation auftritt, die hier auch mit in den innern Widerstand einbezogen werden kann. Aus diesem erklärt sieb, warum Schneider’s Element denselben Widerstand und dieselbe Stromstärke haben kann als das Daniell’sche, obschon die gegenüberstehenden Metalifiächen in Schneider’s Element etwa blos 1 j i von den Daniell’schen betragen Messungen ergaben, nachdem beide Elemente einige Tage in gleicher Thätigkeit waren, folgende Resultate: Die Stromstärke zweier Schneidetischen Elemente war: S = tang. 38 3 / 4 ° = = 0 802585; nachdem ein Widerstand W r = 0-9 l S. E, eingeschaltet wurde, zeigte die Tangentenboussole einen Ausschlag von 29*74°; S’ = tang 29s/ 4 o = 0 571547, Aus diesen Beobachtungen berechnet sich der Widerstand eines Elementes auf = 1*125 S.E, 104 Die elektromotorische Kraft auf = 0-902. Für zwei kleine Daniell’sche Elemente wurde gefunden: S = tang 38° = 0 781286 8’ = tang 29o = 0*654304, daher der Widerstand == 1111 S. E., die elektromotorische- Kraft = 0*867. Es wurden demnach für beide Elemente nahezu dieselben Stromstärken und die gleichen Widerstände gefunden, obschon wie gesagt, die Metallflächen bei Daniell’s Element viermal grösser sind, als bei Schneidens Element. Für alle jene Fälle, wo ausserhalb der Batterie ein grosser Widerstand vorhanden ist, kann also das Schneider’sche Element mit Vortheil das Daniell’sche ersetzen. Als Localbatterie, oder als gemeinschaftliche Batterie für sehr viele Leitungen, müssten die Elemente entsprechend vergrössert werden. Dem grossen Danicll’- schen Element, welches nahezu die doppelten Flächen des kleinen hat, würde ein Schneider’sches entsprechen mit Metallflächen doppelt so gross als das beschriebene. Die dem Kupfer gegenüber stehende Zinkfläche im grossen Daniell’schen Elementist 210[[]cm J das Schneider’sche Element, das diesem entspricht, hätte 64[^]cm Zinkfläche. Die Hauptvortheile, welche also Schneiders Element liefert, sind: Einfachere daher billigere Konstruktion, geringerer Materialverbrauch, daher billigere Erhaltungskosten und grössere Stättigkeit. Die Bedienung ist viel einfacher, da eine Reinigung der Metalle nicht nothwendig ist. Es ist im Ganzen ein billiges und constantes Element. Auch die Ergebnisse der schon in Gebrauch gekommenen Elemente, worüber wir nächstens berichten werden, sind übereinstimmend mit obigen Resultaten. (Schluss folgt.) lieber die Bedingungen znr Erreichung des Maximums der Wirkung eines galvanischen Elementes oder einer Batterie hei vorhandenem ausserwesentlichem Widerstande. Vom k. k. Obertelegraphisten J. B. Winkler. Die Stromstärke eines galvanischen Elementes vom Widerstande R, welches ohne Anwendung eines interpolaren Leiters geschlossen ist, wird bekanntlich ausge- drüekt durch die Formel: dagegen die Stromstärke desselben Elementes, durch einen interpolaren Leiter vom Widerstande r geschlossen, durch: E R + r. 2 ) Es verhält sich also S: S'= (R -f- r): R (■+-0 . • a) Ebenso führt die Vergleichung der Stromstärken einer aus n-Elementen gebildeten galvanischen Batterie, deren Pole zuerst unmittelbar, sodann unter Anwendung eines interpolaren Leiters verbunden sind, und für welche man beziehungsweise die Ausdrücke hat: g nE E nR R nE _ E + r R + L 1 B zu der Proportion: (R + ^): R und S'=• S„: S'„ 3) 4 ) - O+sb )’ 1 •>) Aus den unter a) und b) erlangten Resultaten geht zuerst hervor, dass die Stromstärke sowohl eines einfachen galvanischen Elementes als auch einer mehrelementigen Säule durch das Hinzutreten des nusser- wesentlicheu Widerstandes r eine Schwächung erfährt. Es ist ferner ersichtlich, dass 106 diese Verringerung der Stromstärke nicht direkt und ausschliesslich von der Grösse des Widerstandes im Schliessungsleiter, sondern vielmehr von dem Verhältnisse des wesentlichen Widerstandes in dem Elemente oder in der Batterie zu dem Widerstande im Sehliessungsleiter, also von dem Verhältnisse R:r, beziehungsweise nR: r abhängt, woraus schliesslich folgt, dass durch Einschaltung eines ausserwesentlichen Widerstandes unter Beibehaltung des gleichen WertbesfürR, die Wirkung eines einfachen Elementes stets mehr beeinträchtiget wird als jene einer Batterie, und dass für die diessfälligen Verhältnisszahlen die Anzahl der Elemente, aus welchen die Batterie zusammengesetztist, einen wesentlichen Faktor bildet. Die Einführung specieller Zahlenwerthe für R, r und n wird die Richtigkeit dieser Folgerungen noch klarer machen. Sei beispielsweise R = 3 r = 12 und n successive = 2, 3, 4.. so erhalten wir nach Gleichung 1) und 3) und nach Gleichung 2) S' = -p- somit S: S‘ = 13:3 = 5:1 oder S' = i/ 5 S; das heisst die Stromstärke, welche ein Element von dem wesentlichen Widerstande = 3 liefert, sinkt auf ein Fünftel der ursprünglichen Grösse, sobald die Schliessung dieses Elements durch einen Leiter vom Widerstande 15 bewerkstelligt wird. Der Strom erleidet also hierbei einen Intensitätsverlust = */ 5 S. Aus der Gleichung 4) folgt ferner : wenn n ~=2, S 2 n = 3, S 3 n = 4, S 4 E 5 E_ T A 3*6 JE 3*5 ü_ BÄ E_ 3-3 _E_ 3-2 E n = 120, Sj 20 ==a g. j n = 6, s 6 -- n == 12, S„ ~ n— 18, S 18 n = 24, S*4 "I o CO II Ö Sso = n = 36, Sa« = n = 60, S 60 = Bestimmt man wie vorher die Intensitätsverluste, welche die aus 2, 3, 4 . . . Elementen gebildeten Batterien durch Einschaltung des interpolaren Leiters im Vergleiche mit S erleiden, so sind dieselben der Reihe nach für S 2 (= */• S) V« S für s 3 (= y 7 S) y 7 s für S 4 O % S) Vs S für S 6 (= a / 5 S) V 10 S für S 13 (= i/ 4 S) % S Diese Werthe zeigen, dass bei fortgesetzter Vermehrung der Elementenzahl einer durch einen interpolaren Leiter geschlossenen galvanischen Batterie der durch das Hinzutreten des ausserwesentlichen Widerstandes bedingte Intensitätsverlust stetig abnimmt, und dass die Stromstärke sich immer mehr jenem Werthe nähert, welcher bekanntlich gleich ist der Stromstärke, die ein einziges der dazu verwendeten Elemente liefern würde, dessen Pole unmittelbar verbunden sind. Betrachten wir nun noch die Aende- rungen, welche die Stromstärke erleidet, wenn bei gleichbleibendem R der Widerstand im Schliessungsleiter verdoppelt, verdreifacht etc . . wird, so erhalten wir; — 106 für r =- 24, S' = = i/ # S für r = 86, S' = — == '/ 1S S für r = 48, S' = = l / 17 S ■während diese Werthe, falls die Verringerung der Stromstärke direkt und ausschliesslich von der Grösse des Widerstandes im Schliessungsleiter abhängig ■wäre, die Hälfte, den 3 ten , 4 ten . . . Theil des zuerst für S' gefundenen Werthes = 1 j 5 S, also der Reihe nach i/ 10 S, y i5 S, V 20 S, . . . betragen müssten. Nachdem solchergestaltauch die Richtigkeit des schon früher ausgesprochenen Satzes, dass die Aenderung, welche die Stromstärke eines galvanischen Elementes oder einer Batterie durch Einschaltung eines ausserwesentlichen Widerstandes erfährt, von dem Verhältnisse des Widerstandes im Elemente oder in der Batterie zu jenem im Schliessungsleiter abhängt, ausser Zweifel gestellt ist, entsteht die Frage: Bei welche’m Verhältnisse des wesentlichen zum ausserwesentli* chen Widerstände eines galvanischen Elementes oder einer Combi- nation solcherElemente liefern letztere das Maximum der Wirkung? Behandelt man diese Frage allgemein, so sind rücksichtlich des Verhältnisses R : r offenbar nur folgende drei Fälle möglich. Es ist entweder: R = r.I) R > r oder R = r -f- ^>.11) oder endlich R als der Nenner 2 r und j ebenso 2 R

2 R, woraus folgt: _E_ _E 27 > HT+lp E E 2R > TR + y E E Da aber sowohl als identi- d r d K sehe Ausdrücke für S x sind, so ergibt sich schliesslich: S r > s„ und auch Sj > S m ; das heisst: Ein einfaches galvanisches Element durch einen interpolaren Leiter geschlossen, liefert die grösste Stromstärke, wenn R = r also der Widerstand im Elemente gleich jenem im Schliessungsleiter ist. Wird vorstehende Aufgabe für eine aus n gleichen Elementen bestehende galvanische Batterie in derselben W 7 eise durchgeführt, so haben wir bekanntlich für die Stromstärke nE E y __ ___ n nR-fr r .wobeiwieder R + v r n R = r oder R = —.I) n J n R > r oder nR = r -f- S nII und auch S nI > S„ n , Es gilt sonach für die Erreichung des Maximums der Stromstärke auch bei einer durch einen interpolaren Leiter geschlossenen raehrelementigen Batterie die Bedingung, dass der Widerstand der Batterie jenem des Schliessungsleitersgleich, also nR=r sein müsse*). Obschon es nun im Allgemeinen vollkommen gleichgiltig ist, das vorstehend ermittelte günstigste Verhältniss zwischen R oder nR und r durchAenderung der einen oder der anderen der angeführten Grössen herzustellen, so befindet man sich doch vom Standpunkte der praktischen Telegraphie aus, am häufigsten in dem Falle, einem Schliessungsleiter von gegebenem Widerstande die Stromquelle anpassen zu müs* sen, welche unter eben den bestehenden Verhältnissen den günstigsten Effektliefert. Wir befinden uns demnach einer Aufgabe gegenüber, die unter den beiden nachstehenden Formen bereits bekannt ist, und deren Lösung nach dem Vorausgeschickten keinerlei Schwierigkeiten bietet. Sie lautet: Wie hat man über eine gegebene Me- talloberfiäche, die zur Construction galvanischer Elemente benutzt werden soll, zu disponiren, d. h. wie viele Elemente hat man daraus zu machen, um bei gegebenem S chl iessungs bogen das Maximum der Wirkung zu erhalten? oder: Wie hat man zu dem gleichen Zwecke bei bekanntem Widerstande im Schlie- sungsbogen eine gegebene Anzahl galvanischer Elemente zu combiniren? Es handelt sich in einem praktischen Falle wohl selten darum, die galvanische Batterie für einen bestimmten Schliessungsbogen erst zu konstruiren, sondern vielmehr darum, eine disponible Anzahl bereits fertiger Elemente in der für den beabsichtigten Effekt vortheilhaftesten Weise zu benützen. In diesem Sinne ist die zweite Form der vorerwähnten Aufgabe die dem praktischen Bedürfnisse angemessenere, was jedoch nicht hindern soll, die Lösung der Aufgabe in beiden Formen anzudeuten. (Fortsetzung folgt.) *) Die vorstehende Ableitung des für die angewandte Elektricitätslehre so wichtigen Gesetzes, welche ich in keiner der mir bis jetzt bekannt gewordenen einschlägigen Schriften angetroffen habe, dürfte insoferne Beachtung verdienen, als sie bei durchaus elementarer Behandlung strenge mathematiseh durchgeführt ist und ganz allgemein gütige Resultate liefert. Anm. d. Verfassers. Die Leitimgsaulsicht längs den Bahn- ! linien und die Contrôle der Ikhn- ! corrcspondenz. Niemand, der die Verhältnisse kennt, i wird bezweifeln, dass das Interesse der ! Bahngesellschaften mit jenem der Staatstelegraphen im innigsten Zusammenhänge steht. Jedwede Leitungsstörung in den ! längs der Bahn befindlichen Telegraphen- I Leitungen berührt die Bahngesellschaft i fast eben so nahe, wie die Telegraphen- j Anstalt. I Wenn nun auch die Organe der Bahngesellschaften verpflichtet sind, Störungen in den Leitungen zu beheben, so geschieht dies doch nur provisorisch, und proviso-« risch wird in den meisten Fällen nie mehr definitiv. So geschieht es, dass häufig sehr mangelhafte Verbindungen in der Leitung bestehen, welche von unendlichem Einflüsse auf den Betrieb sind. Es ist ansu- 108 nehmen, dass unter 10 Störungen nur eine j von dem Aufseher der Staatstelegraphen behoben wird. Die Bahnverwaltungeu haben an jeder Störung ein so grosses Interesse, dass dieselben Alles aufbieten werden, solche zu vermeiden, wenn man ihnen die Mittel hiezu in die Hände gibt. Diess lässt sich jedoch bei der gegenwärtigen Einrichtung nicht erzielen, weil den Bahnaufsehern und Bahnwächtern die genügenden Instruktionen mangeln und weil dieselben überdiess, so lange nicht auffallende Störungen Vorkommen, solche auch nicht beseitigen, sondern den k. k. Leitungs-Aufseher, laut ihrer Instruktion, blos avisiren. So geschieht es, dass Störungen oft sehr geraume Zeit dauern und die Telegraphenbeamten auf die Folter spannen, wenn es in ihrer Absicht ist, nicht umsonst beim Apparate zu sitzen. Bei gutem Leitungszustande ist es weniger anstrengend, ja sogar angenehm, Telegraphist zu sein, bei schlechter Leitung hingegen eine wahre Marter, und würde man einen Beamten, welcher persönlichen Eifer hat, stets auf solche Linien eintheilen, er möchte 10 Jahre früher unfähig werden, den Dienst zu versehen. Diess wird kaum Jemand, der mit dem Apparattische vertraut ist, bestreiten. Ein phlegmatischer Beamter aber ruht auf Kosten der Verwaltung bei derlei Fällen gemüthlich aus und kümmert sich am Ende wenig, ob die Depeschen Verspätungen erleiden oder nicht. Alle diese Uebelstände wären leicht zu beheben, und zwar mit Vortheil für das Publikum, für die Bahnen und für die Staatsverwaltung. Man übertrage die Instandhaltung der Leitungen längs der Bahnen an die betreffenden Bahn- verwaitungen. Dieselben werden sie gewiss um einen geringeren Betrag recht gerne übernehmen, als die Erhaltung der Leitungsaufseher kostet. Fast auf jeder Bahnstation befindet sich ein Bahnaufseher, welcher seine Strecke unbedingt jeden Tag einmal zu Fuss durchgehenmuss. Derselbe steht unter der strengsten Controle und kann sich seiner Aufgabe keinesfalls entziehen, während die k. k. Leitungsaufseher, sich selbst überlassen, fast ohne jede Controle, in der Regel die ihnen zuge- theilten Strecken nur befahren und in Folge dessen kleineStörungengarnicht bemerken. Der Bahnaufseher, über die Herstellungsart gut unterrichtet, mit dem nötigen Werkzeug versehen, würde bei der Streckenbegehung mit Hilfe der Bahnwächter und den auf der Strecke jeder Zeit beschäftigten Arbeitern, wenig Mühe haben, allfällige Störungen zu beheben, während der Telegraphenaufseher oft halbe Tage lang und länger nur nach Arbeitern suchen muss. Die Bahndirectionen wären, nachdem diess nur eine geringeNebenarbeit für die Bahnaufseher bilden würde, sicher so umsichtig, denselben nur dann eine Gratifi- cation zukoramen zu lassen, wenn sich in ihrer Strecke, mit Ausname von Elemen- ■tar-Ereignissen, längere Zeit kein Anstand ergeben sollte. Der Staatsverwaltung stünde dabei noch immer die Oberaufsicht zu. Dass hierdurch nicht nur die permanenten Linienstörungen gründlich beseitiget, sondern auch wirkliche Ersparnisse erzielt werden würden, glauben wir als ausgemacht betrachten zu dürfen. Ein weiteres Ersparniss ist durch die gänzliche Aufhebung der Controle bei den Bahnbetriebsapparaten geboten. Diejenigen, welche oft am Controlapparate arbeiten, werden zur Ueberzeugung gelangt sein, dass mit Ausnahme weniger Fälle, ■ die Controle eine absolut nutzlose ist. Ist — 109 — die Bahn geneigt, das Telegraphen-Aerar um die Gebühr zu benachtheiligen, so stehen ihr alle Mittel zu Gebote es trotz der strengsten Contrôle zu thun. Die Glockensignalleitungen, welche bereits auf vielen Bahnen eingeführt sind, und sich mit der Zeit durchgehends als ein unerlässliches Betriebsmittel Bahn brechen müssen, schliessen durch ihre Einrichtung schon jede Contrôle von selbst aus. Ebenso bleibt es den Bahnbeamten unbenommen, ihren eigenen Privat - Correspondenzen einen dienstlichen Anstrich zu geben und die Controleure irre zu führen. Die Contrôle ist somit ganz zwecklos. Ausserdem werden durch die Apparateinschaltung in den Staatsämtern die Leitungsstörungen nur vermehrt, weil man annehmen kann, dass je mehr Apparate sich in einer Partialkette befinden, desto mehr Störungen entstehen können. Um die Contrôle zu üben, sind auf der Strecke in gewisser Entfernung die Staats-Stationen mit einer Anzahl Beamten dotirt und halten ununterbrochen Dienst, während die eigentliche Correspondenz füglich durch 1 oder höchstens 2 Beamte bestritten werden könnte. Es steht ja der Staatsverwaltung ohnehin jederzeit frei durch ihre Organe Einsicht in den Betriebsverkehr nehmen zu lassen. Nötigenfalls möge man in Kriegszeiten Staatstelegraphisten den Bahnstationen zuweisen, wofür in solchen -I Fällen von den Bahnverwaltungen an den Staat recht gerne Vergütung geleistet werden dürfte, weil es gerade in jener Zeit für die Bahn am wichtigsten ist, geschulte Telegraphisten im Dienste zu haben. Ein weiterer Nutzen dürfte der Staatsverwaltung durch die Uebertragung von Telegraphenbauten längs der Bahnlinien an die Eisenbahngesellschaften erwachsen. Letztere werden in ihrem eigenen Interesse gerne darnach greifen, weil ihre ei- j Tdagrmm Nr. 7 aal 8 « gene Lebenskraft für den Bahnbetrieb an denselben hängt. Ohne einer guten Telegraphenleitung ist die Bahn mit ihrem Personale in steter Qual der Ungewissheit. Die Eisenbahngesellschaften können die Leitungen billiger als jedweder Unternehmer herstellen, weil ihnen die Localverhältnisse sehr zu'Gute kommen. Sie werden keine Leitung bauen, welche in Kürze umzufallen droht, und von der Staatsverwaltung neuerdings umgearbeitet werden muss; — es wird in ihrem Interesse liegen für sich und für den Staatstelegraphen jede Störung zu vermeiden j — sie werden das beiderseitige Interesse wahren, besser wahren als solches die Staatsverwaltung thun kann, weil Letztere weniger in die Bahnverhältnisse eingeweiht ist. Um Nachtheil für die Staatsverwaltung zu verhüten, hat sie ja das Recht, die nöthige Controle durch den k. k. Bauleiter üben zu lassen. Wir sind der Ansicht, dass ein Versuch, diese Vorschläge mit Umsicht durchzuführen, reichlichen Lohn finden müsste. I. F. H. Die internationale Wiener Telegra- phen-Conferenz. Es wäre eine überflüssige Arbeit, wenn wir uns bei dem heutigen Entwicklungsgrade des Telegraphenwesens erst der Mühe unterziehen wollten, den hohen, ja unberechenbaren Werth der Telegraphie nachzuweisen. Wenn wir denselben an dieser Stelle dennoch hervorheben, so geschieht dies lediglich zu dem Zwecke, um den Masstab anzudeuten, welcher zur richtigen Beur- theilung der t Wichtigkeit der internationalen Telegraphen-Conferenzen und Verträge angewendet werden muss. AL Verkehrsmittel von eminent kos* 2 110 «unpolitischem Charakter und, der Zeit und Entfernung spottender Geschwindigkeit, kann der Telegraph nur dann seine Aufgabe wirklich erfüllen, wenn die Einrichtungen, an welche er gebunden ist, in allen durch den electrischen Draht mit einander verbundenen Ländern der Erde vollkommen übereinstimmen und demzufolge eine genaue in einander greifende und unaufgehaltene Thätigkeit er- möglichen. Diese Bedingung gilt insbesondere für die internationale Telegraphie, weil ein rascher und sicherer Depeschenabfluss nicht denkbar wäre, wenn die für die Beförderung der Telegramme auf weite Entfernungen bestimmten Linien in einzelnen Ländern durch den gegenseitigen Verkehr einer Menge kleiner Z wischstationen überhäuft, — die Leitungen der einen oder der anderen Verwaltung in schlechtem Zustande, — die Apparatensysteme der in direkter Verbindung stehenden Telegraphenstationen verschiedenartig, — die Vorschriften über die Form, Zulässigkeit und Behandlung der telegraphischen Correspondenzen in den durchlaufenen Staaten abweichend sein würden u. dgl. m. In Erwägung dieses Umstandes sind die europäischen Regierungen nach Herstellung der telegraphischen Verbindung zwischen ihren Ländern und nach Massgabe derselben, hinsichtlich des gegenseitigen Telegraphenverkehrs sofort in bestimmte Beziehungen zu einander getreten, indem sie mit Rücksicht auf ihre Gruppirung Telegraphen-Vereine bildeten und Telegraphen-Verträge abschlossen. Obschon nun diese Vereine und Gruppen (der deutsch-österreichische Telegra- phenverein, die durch den Brüsseler Vertrag vom 30. Juni 1858 verpflichteten Staaten u. s. f.) bestrebt waren, gleichartige Grundsätze für den telegraphischen Verkehr festzusetzen,so konnte bei den häufig di- vergirenden Interessen der einzelnen Staa- tengruppen zum grossen Nachtheile des Depeschen- und Verwaltungsdienstes doch niemals eine vollkommene Uebereinstim- mung zwischen sämmtlichen Telegraphensystemen erzielt werden. Namentlich waren es die auf die ungeregelte Linienordnung, auf das minutiöse, theure und verwickelte Abrechnungswesen und auf den für das Publikum überhaupt und für die Handels- und Geschäftswelt insbesondere so wichtigen Telegraphentarif bezüglichen Fragen, welche unter den angedeuteten Verhältnissen eine befriedigende Lösung nicht erfahren konnten. So geschah es beispielsweise sehr häufig, dass zur Aufgabe gebrachte Depeschen zurückgewiesen werden mussten, weil über die Eröffnung der betreffenden Adress-Station vom Auslande gar keine Mittheilung eingelangt und der bezügliche Tarif unbekannt war. In anderen Fällen kam es vor, dass hinsichtlich einer uud derselbeu Station von verschiedenen Seiten her ganz entgegengesetzte und irrige Nachrichten einliefen, oder dass eine Depesche angenommen und abtelegraphirt wurde, aber nur verspätet oder gar nicht an ihre Bestimmung gelangte, weil seit längerer Zeit eine Linien-Unterbrechung bestand, von der die Aufgabestation nichts wusste. Ein anderes Mal wieder entstanden Streitigkeiten über die Beförderungsgebühren, da die Aufgabestation einen Ausdruck im Texte der Depesche als Ein Taxwort und die Adress- oder Mittelstation als zwei Taxworte berechnete. Handelsdepeschen, Welche Curse u. dgl. enthielten, Wurden als chiffrirte Correspondenzen beanständet und nicht expe- dirt. Dann beliebte es einer oder der andern Telegraphen-Verwaltung plötzlich und mitunter hinterher Erhöhungen des Tarifs eintreten zu lassen, beliebige Aende- 111 rungen in den Verkehrsbestimmungen vorzunehmen, Mittheilungen in nicht allgemein bekannten Sprachen zu machen, Zahlungen an die Nachbarverwaltungen zu verzögern u. s. f. Dies fand insbesondere seitens jener Länder statt, welche sich keinem der bestehenden Verträge angeschlossen hatten. Dass durch diese und ähnliche Zustände nicht nur die Entwicklung des Telegraphen-Verkehres gehemmt, sondern auch das Telegraphenwesen vertheuert, seine Funktionen verzögere und seine Ausbreitung verhindert wurde, ist selbstverständlich. Es war die österreichische Telegraphen-Direktion, welche über Anregung und nach den Anträgen der mit den internationalen Agenden betrauten Direktions-Abtheilung bereits im Jahre 1862 den ersten Versuch machte, diese Uebelstände zu beseitigen, indem sie vorerst hinsichtlich der einheitlichen Mittheilung der Stationseröffnungen, Tarife, Linienunterbrechungen, Verkehrsbestimmungen und anderer für den Dienst nothwen- digen Momente eine direkte Verständigung zwischen allen Telegraph en-Verwaltungen Europas in der Absicht anbahnte, um bei glücklichem Erfolge Anhaltspunkte zu weitern Vorschlägen in dieser Richtung zu gewinnen. Die angestrebte Verständigung ge- gelang vollständig, nachdem die durch die Tragweite des Antrages hervorgerufenen Bedenken der eigenen Regierung und das Widerstreben einiger Verwaltungen, bei der gegenseitigen schriftlichen Correspon- denz ausschliesslich die französische Sprache anzuwenden, glücklich überwunden worden waren. Nunmehr lag der Gedanke nahe, auch in den übrigen, eine vollkommene Ueber- einstimmung erheischenden Fragen auf ähnliche Weise ein allgemeines Einver- ständniss herbeizuführen. Dieser Gedanke wurde nicht nur anlässlich der oben erwähnten Verhandlung und zwar namentlich von der französischen und schweizerischen Verwaltung offen ausgesprochen, sondern seitens der Ersteren durch die Einberufung einer internationalen Telegraphen-Conferenz auch sofort ausgeführt. Das Ergebniss dieser Conferenz ist in dem internationalen Telegraphen-Vertrage vom 17. Mai 1865 niedergelegt. Dieser Vertrag, der von allen europäischen Staaten angenommen wurde und in der Geschichte des Telegraphenwesens epochemachend bleiben wird, muss in den meisten Beziehungen durchaus befriedigend und sachgemäss genannt werden, da er alle für die fernere Entwicklung der Telegraphie erforderlichen Bedingungen und Grundzüge enthält. Wir können hier in eine Erörterung der mannigfachen, durch denselben gebotenen Vorth eile, wie z. B. Festsetzung eigener Linien für internationale Depeschen , bedeutende Tarifermässigungen, Einführung des Einheitstarifes, Zulassung chiffrirter und rekommandirter Telegramme u. s.f. zwar nicht eingehen, da wir ohnehin Gelegenheit haben, dieselben später zu berühren; doch müssen wir bemerken, dass behufs Einführung weiterer Verbesserungen in der Telegraphie im Art. 56 des Vertrages vorgeschrieben wurde, denselben periodischen Revisionen zu unterziehen und die erste diessfällige Conferenz im Jahre 1868 in Wien abzuhalten. In Folge dessen und nachdem der Zusammentritt der Wiener Conferenz zuerst im Mai 1867 seitens der betreffenden Abtheilung der k. k. Telegraphen-Direktion, und später seitens der k. italienischen und k. französischen Verwaltung beantragt worden war, erliess die k. k. öster. Regierung im Februar 1868 die erforderlichen Einladungen an die contrahirenden Regie- 2 * 112 rangen, und zwar mit dem Ersuchen, ihre Abänderungsvorschläge zum Pariser Vertrage behufs einheitlicher Redaktion sobald als möglich einzusenden Nachdem mit Ausnahme des Kirchenstaates, der keinen Special-Bevollmächtigten ernennen, aber die zu fassenden Beschlüsse gutheissen zu wollen erklärte, — sämmtliche Regierungen diese Einladung angenommen undihre Delegirten abgeordnet hatten, traten die nachbenannten Conferenzmitglieder zu Wien im Palais des kön. ungarischen Ministeriums am 12. Juni 1868 zur Eröffnungssitzung zusammen. Fremdländische Couferenz-Mitglicder: für Baden: Zimmer, Geheimrath und Direktor der Verkehrs-Anstalten; S c h w e r d, Telegraphen-lnspektor ; für Baiern : Heinrich G u mb a rt, General-Direktionsrath und Vorstand des Telegraphen-Amtes ; für Belgien: Eassiaux, General-Direktor der Eisenbahnen, Posten und Telegraphen; V i n c h e n t, öberingenieur und Telegra- phen-Direktor; für Dänemark: Daher, kön. Staatsrath und Telegraphen- Direktor; für England: Oberstlientenant G o 1 d s m i d, Chef-Direktor der indo-europäischen Telegraphen; Oberstlieutenant Glover, gewesener General-Direktor der indischen Telegraphen ; für Frankreich *. Jager schmidt,Sous-Direkteur im franz. Ministerium des Aeusseren; Graf Dürckheim, General-Inspektor der Telegraphenlinien; für Griechenland: Themistokles Metaxa, kön. griechischer General-Consul in Wien; für Italien: d’Amico, Commandeur und General- Direktor der Telegraphen; für Luxemburg: Eerdinand Eitler von Schäfer, General- Direktor des Credit foncier in Wien ; für die Niederlande: W. A. C. Staring', Referendar im Ministerium des Innern, betraut mit der Leitung des Telegraphenwesens; für die Norddeutsche Bundes-Telegraphen Verwaltung: Oberst von Chauvin, General-Direktor der Telegraphen des Norddeutschen Bundes; für Norwegen*. Nielsen, Telegraphen-Direktor ; für Portugal; Valentin Evaristo do Eego, Adjunkt der General-Direktion der Telegraphen; für Russland und Persien: Sr. Exc. von Luders, General-Direktor der Telegraphen; für Schweden: P. Brändströin, General-Direktor und Chef des Telegraphenwesens; für die Schweiz: Charles Louis Curchod, Telegraphen- Direktor ; für Serbien: Mladen Radojkovitz, Sekretär im Post - Departement; für Spanien; Lucas Mariano deTornos, Sekretär; für die Türkei: Serpos Effendi, General-Sekretär der Telegraphon-Verwaltung; für die vereinigten Donaufürstenthümer: J. Falcoiano, General-Direktor für Posten und Telegraphen; für Württemberg: v. Klein, Telegraphen-Direktor; Schräg, Assessor der Telegraphen-Direk- tion. — 113 — Vertreter der Regierung Sr. k. k. apostoli- sehen Majestät: Graf Julius Szechenyi, Hofrath im k. k. j Ministerium desAeusseren, und die Spezial- j Delegirten: I für Oesterreich und die Militärgrenze: Carl Brunner y. Wattenwyl, k. k. ! Telegraphen-Direktor; | für Ungarn: ; v. Takäcs, k. ung. Sections-Bath. j Bureau der Conferenz: j General-Sekretär: ! v. Becker-Denkenberg, Hofsecre- | tär im k. k.' Ministerium des Aeusseren. | Secretäre: P. Vigier, kais. französischer Telegra- phen-Inspektor; L. J. Wolschitz, k. k. Concipist. Um 1 i/a U. N. erschien S. Exc. der Herr Reichskanzler, Baron Beust, und er- öflfnete die Conferenz mit folgender Rede; „Meine Herren! Die glänzende Versammlung, die ich um mich vereinigt sehe, ist zur Vervollständigungund Ausbreitung einer Anstalt berufen, deren unbestreitbaren Nutzen die Erfahrung bereits bewiesen hat. Ich habe es nicht nöthig, deren Vortheile hervortreten zu lassen und noch weniger geziemt es mir, dies in Gegenwart Derjenigen zu thun, die die besten Richter darüber sind. Der eminent internationale Charakter des Actes, der selbe eingeweiht, erforderte cs, dass die erste Transaction mit den gebräuchlichen Feierlichkeiten umgeben wurde; aus dieser Ursache eben intervenirte auch die Diplomatie bei der im Jahre 1865 in Paris Unterzeichneten Telegraphen-Convention. Jetzt aber, wo es sich um eine Arbeit von ausschliesslich technischer Natur handelt, haben die Regierungen, welche ich in Uebereinstimmung mit dem Artikel 56der erwähnten Con vention zur Revision derselben eingeladen habe, meine Anschauungsweise getheilt, indem sie vorzugsweise bloss Vertreter der betreffenden Verwaltungen hiezu delegirten. Ich bin glücklich, in die Hände so überaus erleuchteter Männer die Obsorge für einen neuen Aufschwung der internationalen Telegraphie übergeben zu können, und werde mit lebhaftem Interesse von den Resultaten ihrer Berathungen Kcnntniss nehmen, um die Regierungen, die sich dabei vertreten Dessen, hievon in Kenntniss zu setzen. Ich hoffe, dass sie zum Präsidenten Ihrer Conferenzen gerne Ihren Collegen, den Vertreter der k. k. Regierung, Herrn Brunner von Wattenwyl, annehmen werden, den ich in dieser Eigenschaft hiemiV vorzustellen die Ehre habe. Seit die Pariser Convention diese grosse Association des Telegraphendienstes begründete, haben neue Mitglieder selbe verstärkt. Ich bin nur deren Organ, wenn ich hier das Vergnügen ausdrücke, das wir über das Erscheinen englischer Vertreter fühlen, und hoffe, dass dip k. k. Regierung nicht getadelt werden wird, wenn sie Ihrer Zustimmung Vorgriff, indem sio Vorschläge annahm, welche auf die Einbeziehung der ostindischen elektrischen Drähte in das internationale Telegraphennetz abzielen. Das europäische Gepräge, das unserer Association aufgedrückt ist, kann Sie nicht übersehen lassen, dass die civilisato- rische Mission, die den Ruhm Europas bildet, dasselbe auf die Ausbreitung und nicht auf die Verkürzung des Gebietes seiner Thätigkeit hinweiset. Mit Vergnügen con- statire ich auch die Anwesenheit der Delegirten aus den vereinigten Fürstentümern, aus Serbien und Luxemburg,' die ich mit gleicher Wärme begrüsse. Meine Herren Delegirten! Gestatten sie mir, Ihnen zu sagen, dassich mich mit ganz besonderer Befriedigung zu den Functionen berufen sehe, die ich soeben bei Ihnen ei fülle, wenn ich daran denke, dass es ein Frieüenswork ist, an welches 114 Sie schreiten. Ist es denn nicht der ausgesprochene Wunsch aller Regierungen, deren Vertreter hier versammelt sind, den Frieden, diese kostbarste Bürgschaft einer besseren Zukunft zu erhalten und zu con- solidiren? Ich meinestheils kenne keine edlere Mission, als unausgesezt für dieses Ziel zu arbeiten. Wir können es nicht bezweifeln, dass die Vervollkommnung und die Ausbreitung des telegraphischen Systems mächtige Hilfsmittel sind, um dazu zu gelangen. Oder kö'nnte es •wohl anders sein? Es wird zwar an skeptischen Geistern nicht fehlen, die mir einwenden werden, dass der lange Frieden, dessen Europa sich erfreute, beinahe zur selben Zeit endete, wo Eisenbahnen und Telegraphen mit staunenswerter Schnelligkeit entstanden und sich verbreiteten, und wir seitdem in dem kurzen Zeiträume von zwölf Jahren drei blutige Kriege sich auf einander folgen sahen, während wir Zeugen eines Bürgerkrieges auf der anderen Hemisphäre waren, der seinesgleichen in der Geschichte nicht findet. Aber, frage ich Sie, wäre es wohl gerecht, in diesen bewunderungswürdigen Errungenschaften des menschlichen Geistes die Ursache dieser Kriege zu suchen ? Wäre es im Gegentheil nicht besser, anzuerkennen, dass sie zur Milderung und Abkürzung von Calamitäten beigetragen haben, die Europa erspart worden wären, wenn der lange, heute bedauerte Friedenszustand zur Verhütung dieser Ue- bel besser angewendet worden wäre? Freuen wir uns daher ohne Rückhalt der Fortschritte, welche die Communications- Erleichterungen der Civilisation verleihen. Sie sind nicht allein dem materiellen Wohlstand und der intellectuellen Entwicklung von Nutzen, sie tragen auch hauptsächlich zur Aufrechthaltung der friedlichen Beziehungen zwischen denselben in wirksamer Weise bei. Insbesondere befördert der Telegraph, mit dem wir uns allein zu beschäftigen haben, Rathschläge derKlugheit und Mässigung, so lange es noch Zeit ist; er hindert überstürzte Handlungen, er beseitigt Missverständnisse und belebt das Vertrauen jetzt oft in eben so viel Minuten, als man sonst Tage und Wochen dazu brauchte. Hat uns das letzte Jahr nicht ein frappantes Beispiel von der ausserordentlichen Nützlichkeit des Telegraphen während politischer Krisen geliefert? Man braucht sich nur die plötzliche Collision ins Gedächtniss zurückzurufen, welche die kaum verlöschte Kriegsfackel neuerdings anzuzünden drohte. Es ist dabei die Frage wohl erlaubt, ob die Cabinette, wenn sie dertelegraphischen Correspondenz beraubt gewesen wären, die Gefahr hätten beschwören können? Brauche ich noch von dem ungeheuren Aufschwunge zu sprechen, den der Telegraph commerziellen Transactionen verleiht? Und ist diese grosse und unaufhörliche Thätigkeit nicht das beste Unterpfand für eine Zukunft des Friedens und des Glückes? Sehen Sie darin ein würdiges Ziel der edelsten Bestrebungen, der intelligentesten Studien und der ausdauerndsten Anstrengungen. Ich beglückwünsche Sie im voraus, meine Herren, zu dessen Erreichung beigetragen zu haben . u Nach Schluss dieser mit Beifall aufgenommenen Ansprache ergriff der französische Delegirte, Herr Jagerschmidt, das Wort, um dem Reichskanzler in warmen Ausdrücken den Dank für die Ehre auszusprechen, welche er der Conferenz durch die persönliche Eröffnung der Sitzungen erwiesen, und um denselben der zuvorkommenden Gesinnungzu versichern, die jedes Mitglied zu den Verhandlungen mitgebracht habe. Nachdem sodann der k. k. Telegraphendirektor Brunner v. Wattenwvl den Vorsitz übernommen hatte, wurde die Conferenz auf den 18. Juni 1868 um 11 U. V. vertagt. (Fortsetzung folgt.) — ii O £ rge bnisse der Privat- und Staats-Correspondenz mittelst der k. k. österreichischen Staats-Telegraphen während des Jahres 1867. c3 rJ ? 02 c3 ci m u o •"Ö tAufgegebene j Eingelangte 1 u PQ :p Ä Betriebs-Periode. interne Privat- i internatiQ- ] nale Privat- j j Staats- internationale Privat- internationale Staats- Transit- Eingehobene förderungsge in ’ôstèrr. W CÎ S3 Ö < D e p e s chen Gulden Im Monate December 1867 In den früheren 11 Monaten 343 91. .63 1,145.954 24.6381 -13Y1451 23.2071 273 298.596 192.468j295.292| 4.472 5.10(1 72.934 i 105.125 11,344 962 Zusammen . . . 1,237.517 323,234 ; 205.613J318.49 ' 1 4.74,5 78.0341 1,450.087 Während des Jahres 1866 Daher eine Zunahme von „ _ Abnahme „ ,1,146.2831186.384 91.234il36.830 343.440 139.827 217,372' 6.487 100.927; • 1.742 ■93.8231 1,263.530 . j 184.337 13.789 Rundschau. Inland. (Trennung des Beamten- und Diener- Status der cis- und transleithanischen Tele- graphen-Anstalt.) Nach einem zwischen denk, k. und k. ung. Handels-Ministerien riicksicht- lich des Telegraphenwesens in den beiden Reichshälften abgeschlossenen Uebereinkommens hat nunmehr die Trennung des Beamten- und Diener- Status der k. k. und k. ungarischen Telegraphen- Anstalt stattgefunden und wird die nachstehende Anzahl von Beamten und Dienern in den Status der k. ungarischen Telegraphen-Anstalt eingereiht : 1 Verwalter I. Classe 1 Controlor II. „ 1 Commissär II. „ 14 Obertelegraphisten I. „ 27 „ II. „ 45 Telegraphisten I. „ 28 * II. „ 92 „ III. „ 16 Amtsboten I. „ 26 „ H. „ 29 „ III. „ 8 Aushilfsboten 33 Aufseher I. „ 35 Aufseher II. Olasse 35 Aushilfsaufseher. Die Beamten und Diener, welche keine Landeskinder sind, mussten bei dieser Gelegenheit folgende, in deutscher und ungarischer Sprache ansgefertigte Erklärung unterzeichnen: Endesgefertigter erkläre hiermit, dass ich unter der, in der Aufforderung des hochlöblichen kön. ung. Ministeriums für Ackerbau, Industrie und Handel vom 8. April 1. J. Z, 5220/1219 enthaltenen Versicherung, laut welcher ich mit den eingebornen k. ung. Beamten (Dienern) in jeder Beziehung einer vollkommen gleichmässi- gen Behandlung theilhaftig werde und mir meine bisherigen Dienstjahre eingerechnet werden, in den Personalstand der k. ung. Telegraphen (Beamten, Aufseher, Amtsboten) definitiv zu übertreten wünsche, und mich demzufolge den von Seite des k. ung. Ministeriums für Ackerbau, Industrie und Handel bestimmten diessfäl- ligen Bedingungen vollkommen unterwerfe ; insbesondere verpflichte ich mich, dass ich: 1. Binnen längstens drei Jahren die ungarische Sprache in solchem Umfange mir eigen mache, da ss ich meinen Amtspflichten vollkommen zu entsprechen vermöge. 2. Längstens binnen einem Jahre den über die Einbürgerung bereits bestehenden oder spä- - 116 — ter zu ermessenden Gesetzen gemäss jene Schritte thnn werde, welche zur Erlangung der Einbürgerung nöthig sind. (Telegraphische Geldanweisungen.) Vom 20. Mai 1. J. an kann im internen Verkehre über Verlangen des Aufgebers einer Postanweisung der von demselben erlegte Geldbetrag an den Adressaten auf telegraphischem Wege angewiesen werden, wenn zwischen der Postanstalt des Aufgabsortes und jener des Bestimmungsortes eine Staats-Telegraphen-Verbindung besteht und der Betrag der Anweisung 500 Gulden osterr. Währ., nicht überschreitet. Anweisungen auf Beträge von 200 fl. bis 500 fl. osterr. Währ, müssen als recommandirte Telegramme aufgegeben werden. Jedes Anweisungs - Telegramm wird als Privat - Depesche behandelt, indem die Tele- graphen-Gebühr von dem Diener der Postanstalt ? welcher die Depesche mittelst amtlichen Zustellungsbuches überbringt, bei der betreffenden Staats-Telegraphen-Station bar erlegt werden muss. Das von der Staats-Telegraphen-Station am Bestimmungsorte einlangende Telegramm wird dem Postamte behufs Verständigung des Adressaten und Auszahlung des Betrages zugestellt. Die Zustellung solcher Anweisungs-Telegramme, welche bei den Staats-Telegraphen- Stationen nach dem Schlüsse der nachmittägigen Amtsstunden der Postämter (Postkassen) einlangen, wird erst am nächsten Mor_ gen bewerkstelligt. (Auflassung der Telegraphen-Amtsbo- ten.) S. Exc. der Herr Handelsminister hat zur Erzielung von Ersparnissen im Telegraphenwesen angeordnet, dass die Telegraphen-Amts- boten für den Depeschen-Bestellungsdienst all- mälig aufgelassen, und durch eigene Ansläufer ersetzt werden sollen. Um diese Massregel mit thunlichster Schonung der vorhandenen Amtsboten und des Pensions-Etats durchzuführen, werden die Telegraphen-Amtsboten zunächst bei den kleineren Stationen, woselbst nur ein oder höchstens zwei Dienerstellen sistemisirt sind, allmälig aber auch bei den übrigen Stationen ohne Ausnahme aufgelassen, und nur bei den Hauptstationen, aber nicht zum Bestellungs- sondern zum inneren Dienste belas sen werden. Die in Abfall kommenden, im Alter vorgerückteren oder sonst wegen phisischer oder moralischer Gebrechen für den Dienst weniger tauglichen Amtsboten werden normalmässig behandelt, die übrigen aber je nach Bedarf bei grösseren Stationen verwendet, oder bei vorhandener Tauglichkeit in den Stand der T-elegraphen- Leitungs-Aufseher versetzt werden. Den Amtsleitem der kleinen Stationen, woselbst nur Ein Amtsbote bestellt ist, wird zur Bestreitung der Kosten für den inneren und den Bestellungsdienst ein Pauschale bewilligt, bei Stationen mit zwei und mehr Amtsboten dagegen werden Ausläufer gegen Taggeld verwendet werden. (Vereinfachung des Geschäftsverkehres zwischen dem k. k. Handelsministerium und der Direktion der Staatstelegraphen.) Vom 1. April d. J. an werden die im Handelsministerium einlaufenden, das Telegraphenwesen betreffenden Geschäftsstücke dem Direktor der Staatstelegraphen, welcher diessfalls als Beferent des Ministeriums fungirt, zugetheilt, von der Telegraphen-Direktion ausgearbeitet und vom Generaldirektor für Post- und Telegraphenwesen, beiziehungsweise vom Handelsminister approbirt. Jene Geschäftsstücke, bei welchen das Handelsministerium als zweite Instanz zu entscheiden hat, sowie Beschwerden gegen Verfügungen der Telegraphen-Direktion werden von der Direktion der Staatstelegraphen nicht vollständig erlediget, sondern bloss mit einer Aeusserung im kurzen Wege an das Handelsministerium abgegeben. Das Erkenntniss in 2. Instanz und die sonstigen Verfügungen werden in einem solchen Palle im betreffenden Departement des Ministeriums ausgearbeitet. Bei Geschäftsstücken der Telegraphendirektion, deren Erledigung den Wirkungskreis 117 dieser Behörde überschreitet, wird der Entwurf der Erledigung selbst und zwar ebenfalls im kurzen Wege dem Handelsministerium zur Approbation vorgelegt. Durch diese Massregel ist in dem bestehenden Wirkungskreise und der behördlichen Stellung der Telegraphen-Direktion zwar nicht nominell, aber thatsächlich eine derartige Aen- derung eingetreten, dass die Auflösung, beziehungsweise Einverleibung derselben in das Handelsministerium, wie wir sie im Interesse der Anstalt dringend wünschen müssen, wohl nur mehr eine Frage der Zeit sein dürfte. (Vereinigung des Post- und Telegraphendienstes.) Die von uns befürwortete Vereinigung des Post- und Telegraphendienstes geht bereits der Verwirklichung entgegen, wenn gleich vorläufignur im bescheidenen Umfange. Ueber Anordnung Sr. Exc. des Herrn Handelsministers hat nämlich die k. k. Telegraplien-Direction folgende Verfügung erlassen: „Die beabsichtigte Vereinigung'der kleineren Telegraphenstationen mit den Postämtern erfordert, dass Postmeister und Postexpeditoren im Telegraphendienste unterrichtet, und darin wenigstens in dem Umfange ausgebildet werden, wie es jene Telegraphendiener sind, welche den Dienst bei Telegraphen-Nebenstationen versehen. Zu diesem Behufe wird von Zeit zu Zeit und je nach Bedarf in Wien, Innsbruck, Triest, Zara, Prag, Brünn und Lemberg für die erwähnten Cathegorien von Postbediensteten ein eigener Telegraphen-Lehrkurs abgehalten werden. Zur Aufnahme in diesen Curs ist jeder Postmeister und Postexpeditor berufen, der sich hierum bei seiner Vorgesetzten l'ostdirektion unter Angabe des Ortes, in welchem er den Curs zu hören wünscht, melden wird, wenn er der deutschen Sprache in Wort und Schrift mächtig, im Besitze einer leserlichen Handschrift, und mit keinem, dem Telegraphendienste abträglichen phisischen Gebrechen, z. B. Augenschwäche, Schwerhörigkeit etc. behaftet ist. Die Dauer dieses Kurses wird auf 4 bis 6 Wochen beschränkt, und den Kandidaten über das Ergebniss der für den Telegraphen-Neben- stationsdienst abgelegten Prüfung ein Zeugnis s ausgefolgt werden. Zur Deckung der für die Telegraphen- Anstalt aus der Abhaltung dieser Curse erwachsenden Auslagen (Lehrmittel etc.) hat jeder Candidat bei Einschreibung in den Curs die Gebühr von Zwei Gulden Oe. W. bei dem betreffenden Telegraphen-In3pektorate zu erlegen. Um es andererseits zu ermöglichen, dass die zum Telegraphen-Nebenstationsdienste befähigten und cautionsfähigen Telegraphen-Amts- boten und Leitungsaufseher auch den Postdienst besorgen können, wurde vom Handelsministerium ferner angeordnet, dass jene Telegraphen-Lei- tungs-Aufseher und Amtsbo'ten, welche von Seite der Telegraphendirektion oder Telegra- pheninspectorat? zu diesem Zwecke nahmhaft gemacht werden, zur postämtlichen Praxis zuzulassen sind, nach deren Beendigung sie sich einer praktischen Prüfung aus der Manipulation und Verrechnung in jenem Umfange, wie er bei den Prüfungen der Postmeister eingehalten zu werden pflegt, zu unterziehen haben. Der Unterricht in der Postmanipulation ist unentgeldlich, auch wenn hiefür ein Postamt ohne k. k. Beamte bestimmt wird, und umfasst einen Zeitraum von höchstens sechs Wochen. Schliesslich Wurden die Telegrapheninspec- torate beauftragt, jederzeit, wenn es sich um Errichtungeinerneuen Telegraphenstation in Orten, wo ein Postamt besteht, oder die Activirung eines solchen in Aussicht ist, handelt, noch bevor der bezügliche .Antrag erstattet wird, die Erhebungen darüber zu pflegen, ob die Vereinigung der Telegraphenstation mit dem Postamte thunlich und wünschenswerth sei, und insbe- sonders, ob der mit dem Telegraphendienste zu betrauende Postbedienstete das unbedingte Vertrauen der Gemeinde geniesse. Indem schliesslich auch den Post- und Telegraphenbeamten die Erlaubniss ertheilt wurde, den Telegraphen- und beziehungsweise den Post- dienst zu lernen, wurde die Anordnung getroffen, dass jene Telegraphenbeamten, welche nach vor- aus gegangener postämtlicher Praxis ein Zeug- niss über die erworbene Kenntniss des Poct- manipulationsdienstes zu erhalten wünschen, in allen Fällen vorerst der Postoffizialsprüfung zu unterziehen sind. Die probeweise Verwendung derselben, welche sich auf einen Zeitraum von mindestens 3 Monaten zu erstrecken hat, kann auch bei anderen Postämtern als solchen mit landesfürstlichen Beamten stattfinden, jedoch ist dieselbe im er- steren Falle auf jene Aemter zu beschränken, deren grösserer Geschäftsverkehr die möglichst vollständige Erreichung des Zweckes der Praxis erwarten lässt. (Theuerungsbeitrag ) Aus dem, von Sr. k. k. ap. Majestät anlässlich der Theuerung zur Unterstützung der Staatsbeamten und Diener für das Jahr 1868 bewilligten Gesammtbe- trage von 300.000 fl. ist auf die Bediensteten der Staatstelegraphen-Anstalt ein Theilbetrag von 23.677 fl. entfallen, welcher mit Rücksicht auf die mehr oder minder ungünstigen Verhältnisse der Percipienten vertheilt worden ist. (Der Agiozuschlag) zu den Telegraphengebühren für Depeschen nach aussereuropäischen Ländern wurde für den Monat April 1868 mit 14 o/ 0 Mai 77 99 14 „ Juni 99 79 1 « , Juli 99 99 14 „ August 99 79 12 „ bemessen. (Industriemedaille.) Der k. k. Direktion der Staatstelegraphen wurde für die bei der vorjährigen Pariser Ausstellung exponirten Gegenstände von der internationalen Jury, als ausserhalb des Concurses stehend, eine bronzene Medaille zuerkannt. Ausland. (Der Telegraph in Brasilien.) Von Rio- Janeiro gehen drei Linien aus, von denen die erste 18 Meilen lang nach Petropolis, der Sommerresidenz des Kaisers, führende Leitung hauptsächlich für die Correspondenz des Hofes bestimmt ist. Die zweite circa 110 Meilen lange Linie erstreckt sich längs der Küste und verbindet Cap Frio mit der Hauptstadt; sie wird zum grössten Theile dazu benützt, um die Ankunft und Abfahrt der Schiffe zu signalisiren. Die dritte längs einer Eisenbahn erbaute Leitung führt nach Viktoria, einer von Rio-Janairo 18 Meilen entfernten Ortschaft. Endlich ist man gegenwärtig mit der Herstellung einer 300 Meilen langen Leitung beschäftiget, welche den Verkehr zwischen der Hauptstadt und der gegen die Truppen von Paraguay kämpfenden Armee erleichtern soll. (Statistische Daten der Telegraphen- Anstalt in Schweden für das Jahr 1867.) Die schwedische Telegraphen-Anstalt besass mit Ende des Jahres 1867 an Staatstelegraphen- Stationen: a) elektrische . . . 96 b) optische . . . . 18 d. i. 114 an Eisenbahntelegraphenstationen . 91 und an Privattelegraphenstationen . 70 Zusammen . 273 Stationen, bei denen 277 Morse-Apparate in Verwendung standen. Vou den Eisenbahn-Stationen waren 21 und von den Privat-Stationen 23 zur internationalen Correspondenz ermächtiget. An Linien standen derselben zur Verfügung: Linieulänge Drahtlänge a) Längs den Eisenbahnen 1.033Kil. 3.420K. b) „ „ Strassen 4.323 „ 8.273 „ c) Unter see-Kabel zwischen Schweden und Gothland 103 „ 103 „ d) Untersep-Kabel zwischen Schweden und Aland 3 „ 3 „ Zusammen 5.664 „ 11.799 „ Von diesen waren Linien mit: 1 Drahte 2.089 Kilometer 2 Drähten 1.903 „ 4 5 6 7 8 99 99 99 99 99 Zusammen 1.172 312 82 45 99 99 T9 30 30 n 5.664 Kilometer. - no Ausserdem gehört der schwedischen Telegraphen-Anstalt das Kabel zwischen Schweden und Preussen in der Länge von 73 Kil. mit 3 Leitungsdrähten gemeinschaftlich mit der preus- sischen Telegraphen-Verwaltung; ebenso das Kabel durch den Sund in der Länge von 15 Kil. gemeinschaftlich mit der dänischen Verwaltung. Das letztere besitzt 4 Leitungsdrähte, von denen jedoch nur zwei in Gebrauch genommen wurden. Das Personale bestand a) bei der Central-Verwaltung: aus 1 General-Direktor, 2 General-Inspektoren, 2 General-Inspektors-Adjunkten, 1 Phisiker, 1 General-Intendanten für Verwaltung und Verrechnung, 1 General-Sekretär, 1 Archivar, 1 Buchhalter, 1 Kassier, 1 Materialverwalter, 2 Revisoren, 5 anderen Beamten. b) Bei den elektrischen Stationen: aus 13 Directoren als Vorstände der Hauptstationen, aus 83 Commissären als Vorstände der Stationen 2. und 3. Classe oder als Vorstandsstellvertreteroder Kassier, bei denHauptstationen, 169 Assistenten als Vorstände der kleinen Aemter oder als Beamte bei den übrigen Stationen. 21 Stationen der letzten Cathegorie werden von Frauen besorgt. c) bei den optischen Stationen: aus 18 Statiousleitern und 22 subalternen Beamten. rung von 71.199 Depeschen und 57.774 fcs. Einnahme. Die internationale Correspondenz vertheilte sich auf die verschiedenen fremden Staaten in nachstehender Weise: Land. Aufgegebene Depeschen. Angekommene Depeschen. Algier und Tunis 85 61 Baden 37 46 Baiern 58 42 Belgien 704 711 Bremen 345 254 Dänemark 14.705 16.698 Egypten 2 3 Frankreich 3.295 3.256 Grossbritannien und Irland 9.702 10.598 Hamburg 4.587 4.911 Italien 234 252 Lübeck 1.201 988 Malta 1 8 Meklenburg 344 407 Moldo-Walachei 5 2 Niederlande 1.053 1.010 Nord-Amerika 4 8 Norwegen 14.802 11.532 Oesterreich 112 141 Portugal 124 140 Preussen 40.04 3.743 Russland (europäisches) 4.133 4.024 Sachsen 144 98 Schweiz 131 126 Spanien 354 351 Türkei (europäische) 5 19 „ (asiatische) 1 1 Württemberg 21 16 Andere deutsche Staaten 84 94 Die Gesammt-Einnahmen betrugen Die Depeschenbewegung gestaltete sich im abgelaufenen Jahre, wie folgt: Depeschen Anzahl interne .... 314.025 internationale . . 120.943 Transit .... 61.137 Einnahme 528.894 fcs. 441.991 Zusammmen . 496.105 970.885 fcs. und ergab gegen das Jahr 1866 eine Vermeh- a) bei den elektrischen Stationen an Betriebseinnahmen 961.328 Fcs. an Beiträgen der Gemeinden, als Mietlizinse etc. 9.556 „ an Staatssubvention für die Herstellung neuer Linien und Vermehrung der Leitungen 263.320 „ Zusammen 1.234.204 Fcs. b) bei den optischen Stationen an Betriebseinnahmen 3,332 „ an Staatssubvention 40.781 „ Zusammen 44.113 Fcs; Dagegen die Ausgaben: a) bei den elektrischen Stationen an Besoldungen, Betriebskosten etc. 903.150 Fcs. an Herstellungsauslagen für neue Linien und Vermehrung der Drähte 248.304 „ Zusammen 1.153.654 Fcs. b ) bei den optischen Stationen an Besoldungen, Betriebskosten etc. 42.066 Fcs. (Schwedische Feld-Telegraphen.) ln einer Broschüre, betitelt „Betrachtungen über die Manöver der neueren Taktik“, wünscht der König von Schweden den Gebrauch der Feld- Telegraphen zu vervielfältigen. Er möchte, dass jedes Cavallerie-Regiment mit dem nöthigen Material versehen wäre, um eine telegraphische Linie in der Länge von 5 Kilometer hersteilen zu können, und dass jeder Detachement-Commandant der Armee wenigstens 10 Kilometer elektrischen Drahtes zu seiner Verfügung habe. — (Schweizerischer Tarif.) Es ist bekannt, dass seit 1. Jänner d. J. die Taxe eines Telegramms im Innern der Schweiz auf 50 Cts. festgesetzt worden ist, und dass diese Taxe für jede weitere Serie von 10 Worten um 23 Cts. j erhöht wird. — Die Ermässigungen der Taxe im Abonnement wurden aufgehoben, man hat aber das Recht, Telegramme zu rekommandiren , oder nachzusenden. Die Taxe für die Abschrift einer an mehrere Adressaten im gleichen Orte gerichteten Depesche beträgt 25 Cts., wenn die betreffenden Telegramme wenigstens aus 40 Worten bestehen, und 50 Cts., wenn dieselbe mehr als 40 Worte enthalten. Die Zahlung der Taxen wird vermittelst j Telegraphen-Marken bewerkstelliget, welche in j , der Mitte das vreisse Kreuz im rothen Felde haben. Die Farbe der Einrahmung ändert je nach dem Werthe folgendermassen : 25 Cts. grau, 50 Cts. blau, 1 Francs grün, 2 Francs gelb bronzirt. (Verbindung mit Californien). Am l. Februar d. J. wurde die Telegraphen-Linie von San Francisco (Californien) nach Cap Breton (Neu-Schottland) mit derjenigen der Telegraphen-Compagnie von New-York nach London vereinigt. Sofort wurden Glückwünsche zwischen Valentia (Irland) und San Francisco ausgetauscht; hernach wurde eine Depesche von London aus direkt nach der Küste des stillen Oceans befördert und brauchte 2 Minuten, um die enorme Distanz von 22,000 Kilometer zu durchlaufen. Eine Depesche vön 80 Worten von San | Francisco an das Bureau in Hearts Content (Neufundland) brauchte 3 Minuten und die Rückantwort erfolgte in 2 Minuten 50 Sekun- den bei einer Distanz von 8,000 Kilometer. — (Die Gesellschaft des London and Pro- vinzial-Telßgraph), welche London und dessen Umgebungen bedient, hat im Jahre 1867 — 25,087 Depeschen mehr als im Jahre 1866 expedirt, was derselben möglich machte, ihren Aktionären eine Dividende von 10°/ 0 auszuzahlen. (Der Präsident der United Ringdom Telegraph Company) hat in der letzten Versammlung eröffnet, dass die Company eine ziemlich grosse Anzahl Schreibapparate nach dem Systeme Hughes angekauft habe. (Die British and Jrish Magnetic Telegraph Company), hat in Folge Vermehrung ihrer Einnahmen eine Dividende von 7°( 0 für das 1., und 8% für das 2. Semester des letzten Jahres auszahlen können. (DerPräsident der Submarine Telegraph- Compagnie) bestätigt in seinem Berichte, dass das im November v. J. von England nach Belgien gelegte Kabel in sehr befriedigender Weise thätig sei; der Verkehr habe, ungerechnet der 121 - direkten Linien nach Hamburg und Frankfurt, um ein Drittel zugenommen. Die Compagnie hat an einem einzigen Tage im Monat Februar 2,000 Telegramme befördert; diess ist die höchste Zahl, welche bisher erreicht wurde. Obschon die allgemeine Handelsund Geschäftsstockung auch auf den Verkehr der Compagnie ihren nachtheiligen Einfluss ausgeübt hat, wurde trotzdem eine Dividende von 5o/ 0 per Jahr auf gewöhnliche und von 7°/ 0 auf privilegirte Aktien vertheilt. — Personal-Nachrichten. Aenderungen im Stande der k. k. Staats-Telegraphen-Beamten seit 1. April 1868. Ernennungen: Zum Telegraphen-Direktions-Rathe u. Vor stände des technischen Departements, den Tele- graphen-Inspektor, kais. Rath Car] Zelli in Brünn. Zum technischen Sekretär in der Telegra- phen-Section des kön. ung. Ministeriums für Ackerbau, Industrie und Handel, den Telegra- phen-Commissär Adolf Ritter v. Klar in Pest. Zum Telegraphen-Commissär, den Telegraphen-Amts-Controlor Johann Haschka für Lemberg. Zum Telegraphen-Amls-Controlor, den Obertelegraphisten I. CI. Josef Knorii für Prag. Zum pr. Obertelegraphisten II. Cl., den k. k. Hauptmann Gustav Freiherrn v. Schweiger-Bürn- stein für Bregenz. Zu prov. Telegraphisten III. Cl. Alfred Calgary für Triest und Heinrich Jaro- liiuek für Prag. Uebersetzungen : Telegraphen-Commissär : von : nach: Kaspar Czernohorsky, Lemberg Wien. Obertelegraphisten: von: nach: Dr. Franz Chimanl Wien Prag. Kajetan Fasanotti, Peterwardein Görz. Rudolf Hannakaiupf, Temesvar Wien. Josef Krch, Beneschau Tabor. Friedrich Kubesch, Neutra Wien. Leopold Lackner, Keszthely Triest. Bernhard Maresch, Lemberg Botzen. Raphael Milin, Temesvar Semlin. Adolf Pospischil, Tabor Salzburg. Carl Rosmanitb, Wien Tetschen a.E. Johann Rotter, Wien Triest. Josef Schmid, Vöslau Wien. Johann Storari, Görz Triest. Ludwig Worel, Agram Semlin. Josef Weuzel Aussig Beneschau. Telegraphisten: von : nach: Josef Alesani, Triest Sebenico. Vincenz Burzmlnski, Krakau Lemberg. Ladislaus Bobrowolskl, Brody Tarnopol. Franz Hlawac, Cormons Klagenfurt. Carl Holaszek, Tarnopol Brody. Emanuel Hubert, Pressburg Triest. Carl flulla, Triest Wien. Franz Hurtig, Pest Wien. Anton Jelinek, Szolnok Wien. Josef Karasek, Lundenburg Prerau. Leo Karasiewicz, Stanislau Lemberg. Julius Köhler, Wien Vöslau. Eduard Kofller, Semlin Orsova. Ferdinand Kretschmer, Prerau Lundenburg. Franz Kybal, Ofen Aussig. Franz Miiost, Triest Spalato. Josef Nejedly, Spalato-/ Triest. Johann Nerradt, Pest Reichenberg. Anton Schütz, Lemberg Krakau Vincenz Sierakowski, Lemberg Stanislau, Alexander Stolz, Reichenberg Triest. Carl Graf v. Strachwitz-Susky, Botzen Krakau. Anton Szalkiewicz, Krakau Lemberg. Pensionirungen: Die Obertelegraphisten: Andreas Kulacek, in Saaz Rudolf Rutta, in Wien (in d. zeitl. Ruhest.) Der Telegraphist: Josef Wesselovsky, in Josefstadt (in d. zeitl. Ruhest.) Dienstes-Entlassungen: Die Telegraphisten: Jakob Blümel in Pest. Josef Bruder in Verovitic. Martin Glasauerin Agram. Vincenz Hrusa in Agram. Sterbefälle: Der Telegraphen-Amts-Verwalter GuidoWeingartner von Müuzberg in Zara. Der Ober-Telegraphist Peter Tischler in Triest. Die Telegraphisten: Leopold Janlschek in Triest. Carl Madlcuer in Salzburg. Rudolf Niederleitner in Triest. Anmerkung: Die dem prov. Telegraphisten I. Cl. Theodor. Freiherrn von Tautphöus in Wien gegebene Diensteskündigung ist zurückgenommen worden. — 122 An unsere Leser. Bei Versendung der heutigen Nummer des „Telegramm“ tritt die Pflicht an uns heran, unsere verehrlichen Herren Leser um Entschuldigung für die lange Unterbrechung in der Ausgabe unseres Blattes zu bitten. Wir kommen dieser Obliegenheit um so lieber nach, als uns ungeachtet der zeitweiligen Sistirung unserer Zeitschrift noch immer von allen Seiten Beweise eines ehrenvollen Vertrauens zugehen, die wir als den besten Beleg für die Lebensfähigheit und Nothwendigkeit unseres Unternehmens ansehen müssen. Gerne bereit, für dasselbe im ausschliesslichen Interesse der Sache alle unsere verfügbaren Kräfte einzusetzen, nehmen wir nunmehr unsere Aufgabe wieder auf, nachdem unsere eigentlichen Berufsgeschäfte, welche durch längere Zeit unsere ganze Thätigkeit anderweitig beanspruchthatten, dies von Neuem gestatten. Bestrebt für einen öffentlichen Verkehrszweig, der bereits eine so hohe Wichtigkeit erlangt hat, eine unabhängige Vertretung bleibend zu schaffen, ersuchen wir unsere verehrlichen Herren Leser und Fach- genossen bezüglich Veröffentlichung Ihrer, das Telegraphenwesen betreffenden Arbeiten, Nachrichten u. s. f. unter Angabe der allfälligen Honorarbedingungen mit uns in Verbindung treten zu wollen, um mit vereinten Kräften die Lösung unserer gemeinsamen Aufgabe anzustreben. Bei diesem Anlasse erlauben wir uns unsere verehrlichen Herren Leserin Kennt- niss zu setzen, dass denselben das für die Monate April, Mai und Juni d. J. erlegte Abonnement für die folgenden drei Monate gutgeschrieben wurde und dass wir Ihnen das hiernach sich ergebende Soll oder Haben bei Versendung der nächsten Nummer bekannt geben werden. Im Sinne unseres in Blatt Nr. 1 von 15. April 1867 enthaltenen Programmes versenden wir mit der heutigen Nummer die erste, zur selbstständigen Sammlungder Telegraphen-Vorschriften gehörende Beilage (Gehaltsregulirung der Telegraphenbeamten und Diener ) mit dem Bemerken, dass wir in den nächsten Nummern den internationalen, am 1. Jänner 1869 m Kraft tretenden Wiener Telegraphen- Vertrag bringen werden. Die Beilagen, welchen am Schlüsse des Jahres ein eigenes Inhalts- verzeichniss beigegeben werden wird, erhalten — jede für sich — eine besondere Paginirung. Briefkasten der Redaktion. Herrn J. Sch. in Raudnitz. Ihr Abonnement lauft bis Nr. 12, Jahrgang 1868 inclusive. Ist Ihnen Nr. 5 und 6 zugekommen? — Herrn J. Q. in Judenburg: Karte und Hughes abgesendet. — Herrn M. Sch. in Ischl: Hughes zugesendet. Der . Hughes’sche Typendruck-Apparat von Dr. J. Stark. Separat-Abdruck aus der Zeitschrift „Das Telegramm.“ Preis I fl. ö. W. Die Broschüre erscheint im Formate obiger Zeitschrift, beiläufig 4 1 /«, Druckbogen stark, mit 6 grossen Tafeln, welche die vordere, obere und perspectivische Ansicht des Apparates und seiner Details enthalten, und kann durch die Expedition dieses Blattes sofort bezogen werden. ■«£ =«. «l« •«' «■ «l-SÄ eurojäMen Telepileiinetzes mit Angabe der Hauptverbindungen und Anschlusspunkte der internationalen Linien. Herausgegeben von L. J. Wolschitz. WIEN, 1867. Die Karte ist 12 Zoll hoch und 18 Zoll breit. Bestellungen übernimmt die Expedition dieser Zeitschrift. Preis eines colorirten Exemplares: 33 kr. Oe. W. „ * nicht colorirten 25 „ „ UST* Hiezu eine ülustrirte Beilage und die Verordnung, betreffend die Gehalts-Regulirung. *tbÖ 8 Druck von F. B. Geitier, Albrechtgasse 4, in Wien. Wien, den 2. August 1868. Kaiserliche Entschliessung betreffend die Regulirung des Standes und der Bezüge der Telegraphen-Beamten und Diener. Seine k. k. Apost. Majestät haben mit Allerhöchster Entschliessung vom 8'. Juli 1868 die von Sr. Excellenz dem k. k. Handelsminister in Betreff der Aenderungen im Stande der Telegraphenbeamten und Regulirung ihrer Bezüge allerunterthänigst gestellten Anträge allergnädigst zu genehmigen geruht. Diese Aenderungen bestehen in Folgendem: 1. Die Gehalte der Telegraphen-Inspektoren, welche wie bisher, in einem Concretal- Status vereinigt bleiben, werden auf 1600 und 1800 fl. Oe. W., die Quartiergelder derselben in Wien und Triest auf 300 fl. Oe. W. erhöht. 2. Die Telegraphen-Commissäre bilden einen eigenen Concretal-Status unter sich und ihre Gehalte werden auf 1200 und 1400 fl. Oe. W., die Quartiergelder derselben in Wien und Triest auf 250 fl. Oe. W. erhöht. 3. Die Gehalte der Stationsverwalter werden auf 1200 und 1400 fl. Oe. W. erhöht. Den Gehalt von 1400 fl. Oe. W. haben der Centralamts-Verwalter in Wien und die Stations- Verwalter in Triest, Prag und Lemberg zu beziehen ; die übrigen Stations-Verwalter mit Einschluss des Verwalters der Telegraphenstation in der Hofburg in Wien beziehen den Gehalt von 1200 fl,; das Quartiergeld der Verwalter in Wien und Triest beträgt 250 fl., die übrigen Verwalter haben Anspruch auf eine Naturalwohnung und in Ermangelung derselben auf ein Quartiergeld von 150 fl. 4. Die Gehalte der Telegraphen-Controlore werden auf 1100 fl. Oe. W., die Quartiergelder der Controlore i» Wien und Triest auf 200 fl. Oe. W. festgesetzt. 5. Für die Telegraphen-Bezirkscassa in Wien wird eine Cassiersstelle mit dem Gehalte von 1400 fl. und dem Quartiergelde von 250 fl. Oe. W., dann eine Cassa-Controlorsstelle mit dem Gehalte von 1100 fl. und dem Quartiergelde von 200 fl. Oe. W. systemisirt. Dagegen wird die bisher beim Central-Telegraphenamte in Wien systemisirt gewesene Controlorstelle mit dem Gehalte von 1155 fl. und dem Quartiergelde von 252 fl. Oe. W. eingezogen. 6. Die Gehalte der Obertelegraphisten werden von 735 fl. und 840 fl. auf 800 und 900 fl., die Quartiergelder der Obertelegraphisten in Wien und Triest von 126 auf 150 fl., dann die Quartiergelder der als Telegraphenamtsleiter - fungirenden Obertelegraphisten, welche mit keiner Naturalwohnung betheilt sind, von 84 fl. auf 100 fl. Oe. W. erhöht. Die Gehalte der Telegraphisten werden von 420, 525 und 630 fl. auf 500, 600 und 700 fl. erhöht, die Quartiergelder der in Wien und Triest stationirten Telegraphisten von 126 auf 120 fl. herabgesetzt. 2 Das Quartiergeld der als Telegraphenamtsleiter fungirenden Telegraphisten, wenn denselben keine Naturalwohnung zugewiesen werden kann, wird auf 100 fl. Oe. W. festgesetzt. 8. Zur Heranbildung von Arbeitskräften werden Eleven in die Telegraphenanstalt aufgenommen, welche jedoch nicht als Beamte angestellt werden, sondern jederzeit entlassen werden können. Diese Eleven werden mit einem Adjutum jährlicher 300 fl. betheilt und erst nach erprobter Verwendbarkeit in Erledigungsfällen zu Telegraphisten der letzten Classe ernannt. Die Zahl derselben wird auf 50 festgesetzt. Die Eleven* sind nicht sofort aufzunehmen, sondern haben allmählig an die Stelle einer gleichen Anzahl von Beamten zu treten, so dass sich der Gesammtstatus der Obertelegraphisten und Telegraphisten jeweilig um dieselbe Anzahl von Beamten zu vermindern hat, als Eleven in die Anstalt aufgenommen werden. 8. Der Tantiemen-Bezug wird aufgehoben, und zwar hat die Einstellung desselben bezüglich der Telegraphen-Stationsverwalter zugleich mit der Anweisung des erhöhten Gehaltes, bezüglich der übrigen Beamten aber erst dann stattzufinden, wenn dieselben später in eine der neu systemisirten höheren Gehaltsklassen vorrücken. 9. Die mit der Allerhöchsten Entschliessung vom 11. Dezember 1861 bewilligte Gehaltszulage per 100 fl. Oe. W. ist künftighin nicht den rangältesten, sondern solchen verdienten und bedürftigen Obertelegraphisten I. Classe zu verleihen, welche sich bereits 10 Jahre in dieser Gehaltsklasse befinden, und keine Aussicht auf Erlangung eines höheren Postens haben. Die Zahl der mit dieser Zulage zu betheilenden Obertelegraphisten wird auf 20 festgesetzt. 10. Die Gehalte der Telegraphenamtsboten werden mit 300, 350 und 400 fl. Oe. W. festgesetzt. Die Amtsboten sind in diese 3 Gehaltsklassen gleichmässig einzutheilen. Die Classe der Aushilfsboten wird somit aufgehoben, jedoch ist der zehnte Theil der gesammten Amts- boten in der letzen Gehaltsklasse nur in zeitlicher Eigenschaft anzustellen. Die Quartiergelder der Telegraphenamtsboten und der Telegraphenleitungsaufseher in Wien und Triest werden mit 80 fl. Oe. W. festgesetzt.*) Der k. k. Staatstelegraphen-Direktor: Brunner. *) Die Gehalte der Leitungsaufseher mit 300, 350 und 400 fl. Oe. W. bleiben ungeänderi In der mindesten Gehaltsklasse befindet sich der sechste Theil der Aufseher. ' rirrrfii i i i > 1 i Mil^ Ti nitjifcMli