Nr. 10 u. 11. Wien, den 30. October 1868. 11. Jahrgang. ORGAN FÜR TELEGRAPHENWESEN. Eigenthümer, Verleger und verantwortlicher Rédacteur: L. J. Wolschitz. Redaction: Margaretlienstrasse Nr, 7. Alle Zuschriften sind portofrei an die Re- daction zu richten. Unfrankirte Briefe werden nicht angenommen und Manuscripte nicht zurückgestellt. Inserate werden mit 10 kr. österr, W. für die zweispaltige Petitzeile berechnet. Das „Telegramm“ erscheint am 15. u. letzten eines jeden Monats. Abonnements: für Wien: vierteljährig 1 fl., halbjährig 2 fl. ganzjährig 4 fl. österr. W,; für die Provinz: vierteljährig 1 fl. 20 kr., halbjährig 2 fl. 40 kr., ganzjährig 4 fl. 60 kr, Abonnements werden angenommen bei der Expedition, Margarethenstrasse Nr. 7. Inhalt. Text: Eröffnung neuer österreichischer Telegra- phen-Stationen. — Der Telegraph auf der Pariser Industrie-Ausstellung im Jahre 18Ö7. (Schluss.) — Lardy’s Asphaltkabel. — Schwärzler’s Apparat. — Jakobsohn’s Brief- k asten. — Vereinsvertrag. — Bericht der schweizerischen Telegraphenverwaltung für das Jahr 1867. — Rundschau. — Personal- Nachrichten. — Inserate. Illustration: Tafel IV. Eröffnung neuer österreichischer Telegraphen-Stationen. In der Zeit vom 15. August bis Ende Oktober 1868 sind folgende österreichische und ungarische Telegraphen-Stationen eröffnet worden: Eisenerz (L) in Steiermark. GorÜGe (L) in Galizien. Hermanmestec (L) in Böhmen. Kamenitz bei Eule (L) in Böhmen, Kutinä (L) in Croatien. Makow (L) in Galizien. Mielec (L) in Galizien. Mureck (L) in Steiermark. Nagy-Somkut (L) in Ungarn. Neumarkt (L) in Galizien, Neufelden (L) in Ober-Oesterreich, *) Neutra-Zsambokreth (L) in Ungarn. Nikolsburg (L) in Mähren. Pilgram (L) in Böhmen. Radomysi (L) in Galizien. Rozwadow (L) in Galizien. Saigo-Tarjaa (Grube) (E-C) in Ungarn. ~) Samac (L) in der Militärgrenze. Saybusch (L) in Galizien. Tarnobrzeg (L) in Galizien. Trembowla (L) in Galizien. Wadowice (L) in Galizien. Zabierzow (F-C) in Galizien. s ) Stations - Schliessungen. Elöpatak (B-L) in Siebenbürgen, narkany (B-L) in Ungarn. Iwouicz (B-L) in Galizien. Krapina Töplitz (B-L) in Croatien. Ktyflica (B-L) in Galizien. Lubieu (B-L) in Galizien. Mchadia (Bad) (B-L) in der Militärgreuze. Neuhaus (Bad) (B-L) in Steiermark. Roemerbad (B-L) in Steiermark. Sauerbrunn hei Rohitscb (B-L) in Steiermark. Szczawnica (B-L) in Galizien. Szliacs (B-L) in Ungarn. Teplitz hei Trencsiü (B-L) in Ungarn. Topusko (B-L) in der Militärgrenze. Truskawiec (B-L) in Galizien. Tüffer (Bad) (B-L) in Steiermark, Veldes (B-L) in Krain. » 136 Wartenberg (Bad) (B-L) in Böhmen. Watradoma (B-L) in der Bukowina. L bedeutet: beschränkter Tagesdienst. C „ „ voller Tagesdienst. B „ „ Sommerstation. F „ „ Eisenbahn-Telegraphenstation. 1) Diese Station ist nur vom 15. August bis Ende Dezember jeden Jahres offen. 2 ) Der ungarischen Nordbahn gehörige Station.] 3 ) Der Lemberg-Czernowitzer Bahn gehörige Station. Der Telegraph auf der Pariser Industrie-Ausstellung im Jahre 1867. Nach Berichten deutscher, englischer und französischer Fachmänner. Von C. Rosmanith, k. k. Obertelegraphisten. (Schluss.) VII. Druck-Telegraphen. Das Problem der Herstellung eines Apparates, welcher im Stande wäre, die von ferneher einlangenden Depeschen sogleich in allgemein verständlichen Zeichen, z. B. in der gewöhnlichen Druckschrift wiederzugeben, wurde schon beim Beginne der electrischen Telegraphie vielfach bearbeitet. Die allgemeine Einführung des Morse'schen Apparates drängte aber diese Bemühungen bald in den Hintergrund und man fing in Europa erst während des letzten Jahrzehents wieder an, der Frage ein neues Interesse zuzuwenden. Aus diesen Jahren datiren fast durchaus die von Dujardin, d’Arlincourt, Digney und Desgoffe u. s. w. vorgeschlagenen Lösungen, "welche sämmtlieh, zum Theil mit Varianten, im Pariser Ausstellungsgebäude dem Beschauer wieder vorgeführt wurden, in der Praxis aber bis jetzt sich nirgends dauernd Eingang verschaffen konnten. Verglichen mit dem Apparate von Morse sind sie sämmtlieh von sehr complizirtcr Construction; ausserdem leiden alle an dem wesentlichen Uebelstande, dass der Apparat jedesmal beim Drucke eines Buchstaben in seinem Gange aufgehalten werden muss. Der hiedurch entstehende Zeitverlust, verbunden mit dem weiteren, welcher während des Umlaufes des Buchstabenrades zwischen einem und dem zunächst zu druckenden Buchstaben entsteht, gab in der Praxis immer den Ausschlag zu Gunsten des Morse’schen Systemes. - * Erst an dem Druckapparate von Hughes—in mehreren Exemplaren ausgestellt von der k. französischen Telegraphenverwaltung und von Dumoulin-Fromentin Paris — sind diese Uebelstände, wenn nicht ganz beseitigt, doch so gut als unschädlich gemacht durch die grosse Rotationsgeschwindigkeit des Buchstabenrades, welches überdiess nie arretirt wird, sondern die Buchstaben im Fluge druckt. Wir haben im I. Jahrgange unseres Blattes eine ausführliche Beschreibung dieses Apparates gegeben und können hier ein näheres Eingehen auf diesen wichtigen und von der internationalen Jury mit einem grossen Preise ausgezeichneten Apparate vermeiden; es möge genügen, auf die immer mehr sich erweiternde Anwendung desselben im europäischen Telegraphennetze hinzudeuten. Gegenwärtig steht derselbe in Amerika, Frankreich, England, Italien, Russland, Preussen, Oesterreich und der Türkei im Gebrauche und seine Fabrikation, welchebis in jüngster ZeitMonopoldes Froment’schen Ateliers war, wird voraus • sichtlich ein wesentlicher Zweig der Telegraphentechnik werden. Die Geschichte der Telegraphie hat bis jetzt bloss zwei Apparate aufzuweisen, welche sich internationale Geltung zu erringen vermochten und beide sind durch einen eigenthüm- lichen Zufall amerikanischen Ursprunges. Bevor wir die in dieser Klasse ausge- ' stellten Apparate einer eingehenderen Be- 137 sprechung unterziehen, müssen wir vorausschicken, dass dieselben zwei verschiedenen Systemen angehören. Beim ersten wird die Rotation des Typenrades gleich jener der Nadel des Zeigertelegraphen durch ein Uhrwerk bestimmt, erhalten und re- gulirt, dessen Hemmung (echappement) unter dem Einflüsse von aufeinander folgenden Entsendungen des Linienstromes thätig ist; im Augenblicke, wo das zu te- legraphirende Zeichen der Druckvorrichtung gegenübersteht, wird diese gehoben und das Zeichen auf den Papierstreifen gedruckt. Die Apparate dieses Systemes heissen Typenapparate mit Hemmung. Beim zweiten Systeme hat der Linienstrom die Aufgabe, die Druckvorrichtung in Thätigkeit zu setzen. Die Typenräder der beiden in Correspondenz befindlichen Stationen sind gleich und rotiren gleichzeitig mit derselben Geschwindigkeit. Diese letzte Bedingung ist unumgänglich erforderlich, damit die Zeichen auf den beiden Stationen stets dieselben bleiben und das auf der einen Station angegebene Zeichen genau auf der andern abgedruckt werde. Die Apparate dieser Cathegorie nennt man Typenapparate mit synchronistischer Bewegung. A. Joly in Paris hat das Modell eines Drucktelegraphen ausgestellt, der zwar ebenfalls von den oben erwähnten Uebel- ständcn nicht frei ist, sich aber im Uebri- gen durch seine einfache Mechanik be- merklich macht. Der Apparat ist auf die physikalische Thatsache basirt, dass jeder Elektromagnet einer bestimmten Zeit bedarf, um bis zu einem bestimmten Grade erregt zu werden. Der Zeichengeber besteht aus einem Breguet’schen Zeigertelegraphen mit einem Commutator, um die Richtung des Stromes jeden Augenblick umkehren zu können. [Bei dem Empfangsapparate ist die Achse des mit dem Echappement versehenen Rades zu beiden Seiten über die Gestellplatten hinaus fortgesetzt und trägt auf ihrer nach vorne gerichteten Verlängerung das Zahnrädchen und zwei Typenräder, eines für die Buchstaben, das Zweite für die Zahlen und andere gebräuchliche Zeichen. Das Zahnrädchen bringt während seiner Bewegung die in seine Zähne eingreifende Feder in Vibrationen und letztere kommt hiedurch zeitweilig mit dem gegenüberstehenden Contactpunkte in Berührung. Der auf diese Weise hervorgerufene Schluss der Lokalbatterie dauert aber bei einigermassen rascher Drehung des Manipulators nicht lange genug, um den Elektromagneten, dessen Ankerhebel die Bewegung des Papierstreifens gegen das Typenrad veranlasst, in Wirksamkeit gelangen zu lassen; diese Wirkung und mit ihr der Abdruck eines Zeichens erfolgt vielmehr erst dann, wenn der Manipulatorhebel auf einem Buchstabenfelde angehalten wird. Um willkührlich Buchstaben oder Zahlen geben zu können, ist der Elektromagnet mit einem po- larisirten Anker versehen, der durch seine Bewegung den Papierstreifen nach der Seite verschieben und ihn so unter das Buchstabenrad oder unter das Rad mit Zahlen bringen kann. Die erforderliche Bewegung des polarisirten Ankers wird hervorgerufen, indem man durch den mit dem Manipulator verbundenen Commutator die Stromrichtung so oft als erforderlich umkehrt. Die nach der rückwärtigen Seite der Gestellplatten gerichtete Verlängerung der Druckachse trägt eine Nadel , welche über dem auf der hinteren Seite des Gestelles angebrachten Zifferblatte des gewöhnlichen Indikators spielt; ihre Bewegung wird in einem dem Zifferblatte gegenüberstehenden Spiegel abgelesen, so dass der Apparat als Zeiger- und Drucktele- • # m — graph gleichzeitig gebraucht werden kann. Fig. 9, Tafel II, wird das Gesagte näher erläutern. Die Achse t p trägt die zwei Typenräder t, das Zahnrädchen i, dessen Zähne die Feder s von dem Kontaktpunkte o entfernen, das Rad e, welches von der Gabel k arretirt wird, das Uhrwerk w und den Zeiger p, der auf dem Zifferblatte die Stellung des Typenrades angibt. Eine von der Linie ankommende Reihe positiver Ströme durchläuft die Drahtwindungen des Elektromagneten E, lässt den Anker a oscil- liren und das Rad e rotiren. Hierbei treffen die Zähne des Räd* chens i die Feder s, und entfernen sie vom Kontaktpunkte o so lange, als die Umdrehung des Rades andauert. Sobald diese aufhört wird der erste Lokalschluss hergestellt und der Strom der Lokalbatterie B geht durch den Elektromagneten jEj, 8 und o und löst die Druckvorrichtung aus. — Sobald dagegen eine Reihe von negativen Strömen aus der Linie ankömmt, wird der pola- risirte Anker a ' verschoben, berührt den Kontaktpunkt c, und stellt den zweiten Lokalschluss her, wodurch der Anker des Elektromagneten E l angezogen und der Papierstreifen unter das zweite Typenrad gerückt wird. Auf einem ganz ähnlichen Principe, jedoch mit beträchtlich komplicirterer Mechanik beruht ein von der spanischen Telegraphen-Direktion ausgestellter, von dem Sub - Inspektor Ramon Morenes in Madrid erfundener Apparat. Die Druckvorrichtung desselben wird durch Fig. 14, Tafel IV, veranschaulicht. An einem rechtwinklig an dem Hebel A befestigten Arme aus Elfenbein befinden sich zwei dünne Federn a und b, deren Köpfe a 1 und b ' leicht gegen die zwei Spangen c und c' drücken, von denen eine stets mit den in dem Metallstücke e befindlichen Kontaktschrauben d oder d' in Berührung steht. Der Lokalschluss bildet sich über b, c 1 und d‘ oder über «, c und d, je nachdem der Anker von den Polen des Elektromagneten angezogen wird oder nicht. Während des Telegraphirens oscillirt der Anker fortwährend, unterbricht den Lokalschluss und lässt die Druckvorrichtung erst dann zur Wirksamkeit gelangen, sobald der Anker lange genug auf einer Seite haften bleibt. Brüder Digney in Paris stellten einen Apparat aus, der ebenfalls gleichzeitig als Zeiger - und Typentelegraph gebraucht werden kann. Der Manipulator ist mit Stromwendung; der aus zwei von einander unabhängigen Kernen bestehende Elektromagnet des Indikators wirkt mittelst seiner Enden, das eine setzt den Zeiger und das auf der Achse eines Uhrwerkes befestigte Typenrad in Bewegung, das andere bewirkt mit Hilfe einer Lokalbatterie den Gang der Druckvorrichtung. Zur Erfüllung dieser Doppelaufgabe sind zwei polarisirte Anker vorhanden, welche die Regulirung des Apparates, der übrigens auch nur Buchstaben drucken kann, schwierig machen. Bei dem von d’Arlincourt ausgestellten Typenapparate, der auf den Linien in der Umgebung von Paris mit gutem Erfolge verwendet werden soll, besteht der Zeichengeber aus einem kreisförmigen Klaviere mit 28 Tasten, in dessen Mittelpunkte ein Zeiger rotirt, der gegenüber jenem Zeichen arretirt wird, welchem die vom telegraphirenden Beamten niedergedrückte Taste entspricht. Ein Uhrwerk dreht eine vertikale und eine horizontale, durch zwei gleiche Winkelräder verbundene Achse, von denen die vertikale den Zeiger und den in 28, — 14 leitende und 14 isollrte — Theile geteilten Strom- vertheiler trägt. Auf der horizontalen Achse ist das mit 28 Zähnen versehene Hemmungsrad und zwei Typenräder, eines für die Buchstaben, das zweite für die Zahlen — angebracht, welche sich mit dem Zeiger während der Correspondenz mit derselben Geschwindigkeit drehen. Das Uhrwerk wird von einem Electro- magneten in Gang erhalten, dessen Drahtwindungen auf der gebenden Station durch eine Ableitung des Linienstromes, auf der empfangenden Station dagegen vom Linienstrome selbst durchlaufen werden. Die Druckvorrichtung setzt ein zweites Uhrwerk in Thätigkeit, dessen Gang ein zweiter, von einer Lokalbatterie erregter Electromagnet bewirkt, welcher Letztere als träger Electromagnet regulirt nur dann den Anker kräftig anzieht, wenn der Kreis der Lokalbatterie längere Zeit geschlossen wird. Um irgend ein Zeichen zu telegra- phiren, druckt man die betreffende Taste nieder, wodurch die Verbindung der Batterie mit der Achse des Stromvertheilers hergestellt wird und eine Reihe unterbrochener Ströme durchtiiesst die Linie. Der Anker des bewegenden Electromagneten, zurückgezogen von einer entgegengesetzt wirkenden Feder, oscillirt zwischen zwei Schrauben und bewegt einen Sperrhacken, der bei jeder einfachen Oseiilation einen Zahn des Hemmungsrades weiterrücken lässt. Dabei drehen sich auf den beiden correspondirenden Stationen Zeiger und Typenrad um 1/28 des Umkreises und dauert diese Rotation so lange, bis die auf der gebenden Station niedergedrückte Taste den Zeiger arretirt, mag diess nun auf einem leitenden oder auf einem isolirten Felde des Stromvertheilers geschehen. In diesem Augenblicke wird das telegra- phirte Zeichen auf beiden correspondiren - den Stationen durch den Zeiger auf dem Zifferblatte angezeigt und von dem Typenrade der Druckvorrichtung entgegengehalten. Während der ganzen Dauer der aufeinander folgenden Stromgebungen vi- brirt der Anker des das erste Uhrwerk bewegenden Electromagneten; sobald er eine Schraube berührt, schliesst er den Kreis der Lokalbatterie, doch zu kurze Zeit, um den die Druckvorrichtung in Gang bringenden Electromagneten in Thätigkeit zu setzen; im Gegentheil arretirt sich erst dieser Anker, sobald das Typenrad zu rotiren aufhört, der Kontact dauert länger an, und der Strom der Lokalbatterie wird stark genug, um den Electromagneten der Druckvorrichtung zu erregen, der sodann diese emporhebt und den Druck destelegraphirten Zeichens ausführt. Zur Sicherung der Bewegungen des letzteren Electromagneten schaltet d’Ar- lincourt in den Schliessungskreis der Lokalbatterie ein sinnreich erdachtes Relais ein, welches als Vertheiler der sehr schwachen und kurz andauernden Ströme dieser Batterie während der Oseiilation des Ankers dient, zugleich aber auch die Regulirung des Apparates schwierig und misslich macht. — Ein besonderer Mechanismus erlaubt nach Belieben den Gebrauch des einen oder des anderen Typenrades, je nach der Natur deszutelegraphi- renden Zeichens und verschieben sich dabei diese Räder, während der Papierstreifen und die Druckvorrichtung unbeweglich auf demselben Platze bleiben. Der Fachmann kann sich auch mit dieser Anordnung nicht einverstanden erklären, da dieselbe die Regelmässigkeit der Correspondenz beeinträchtiget. Der Apparat leidet übrigens noch an anderen Uebelständen, welche die Dauerhaftigkeit der mechanischen Verbindungen an seinem wichtigsten Theile in Frage stellen. — 140 — VIII. Coplr-Telegraphen. Die electrische Telegraphie ist ihrem ganzen Wesen nach eine Errungenschaft der neuesten Zeit, da die ersten, auf praktische Ausnützung hinzielenden Versuche vor nicht ganz 30 Jahren angestellt wurden. Die Geschichte ihrer Entwicklung und ihrer Fortschritte verdient von Allen, als eine reiche Quelle des Unterrichtes angesehen zu werden, da sie uns zeigt, wie durch eine glückliche Vereinigung von Kunst und Wissenschaft der Mensch sich der Naturkräfte zu bemächtigen, dieselben zu mächtigen Bundesgenossen zu gestalten und seine Thätigkeit auf die äussere Welt zu erstrecken vermag:. That- Sache ist es, dass die electrische Telegraphie, die bei ihrem ersten Auftreten mit Zurückhaltung, ja sogar mit ziemlichen Misstrauen aufgenommen wurde, alle Schwierigkeiten zu überwinden, die beiden Hemisphären mit Netzen metallischer, durch unterseeische Kabel mit einander verbundener Drähte zu bedecken und zwischen den auf der Oberfläche der Erde zerstreuten Hauptpunkten des Verkehres sichere und schnelle Verbindungen herzustellen im Stande war. Dagegen entdeckten die Gelehrten in diesen langen Linien von, so verschiedenen Einflüssen unterworfenen Leitern ein weites und für Versuche ganz geeignetes Feld, dessen sie sich zu bedienen wussten, um die Gesetze der Fortpflanzung des electrischen Stromes eingehender zu studiren und genauer zu bestimmen. Wir sahen, welcher Reihe von Verbesserungen es bedurfte, um von der Beförderung flüchtiger, reeller oder conventio- neller Zeichen zur Wiedergabe der Depe sehen in gewöhnlicher Druckschrift zu gelangen. Dieses an und für sich so schöne Resultat wurde jedoch noch nicht als das Endziel der electrischen Telegraphie angesehen; es gab noch einen möglichen Fortschritt, nämlich: die eigene Schrift des Aufgebers der Depesche am Endpunkte der Linie hervorzubringen. Dem Bestreben, diess zu erreichen, verdanken die Copirtelegraphen ihre Erfindung. Bei denselben spielt die von der Hand des Aufgebers niedergeschriebene Depesche nothwendiger Weise die Rolle des Stromgebers und die Zeichen, aus denen diese Depesche zusammengesetzt ist, werden auf einem Papierblatte von derselben Form und denselben Dimensionen wiedergegeben. Auf der gebenden und auf der empfangenden Station ist ein Stift angebracht, der sowohl auf der Depesche als auf dem Papierblatte eine Reihe von parallelen Linien zieht. Sind beim Beginne der Correspondenz die beiden Stifte gleich- massig gestellt und wird der Organismus derbeiden correspondirenden Apparate von synchronistischen Bewegungen erregt, so werden auch die Spitzen der Stifte während der ganzen Dauer der Correspondenz immer dieselbe Stellung behaupten. — Die Apparate dieser Klasse unterscheiden sich sowohl durch die in Anwendung gebrachten Combinationen zur Erzielung des Synchronismus und der Regelmässigkeit der Verrückungen der Stifte, der Depesche und des Papierblattes, als auch durch die Wahl der zur Reproduction der befördeten Zeichen gebrauchten Mittel. Der Pendelapparat von Caselli in Turin, ausgestellt von der französischen Te- legraphen-Direction, figurirte als einziger Repräsentant der chemischen Copirtelegraphen. Derselbe wurde vor circa drei Jahren auf mehreren französischen Linien dem wirklichen Betriebe übergeben, hat sich aber in der Praxis nur auf einer derselben (Paris-Lyon, 500 Kil. lang) behaupten können, auf welcher er circa 30 De- 141 peschen von 20 — 25 Worten in der Stunde befördern und dieselben, sowie auch Musikstücke, Zeichnungen und Pläne mit grosser Reinheit wiedergeben soll. Auf längeren Linien werden die von ihm reproduzirten Zeichen undeutlich und somit seine Verwendung für Correspondenzen auf weite Entfernungen nicht thun- lich. Es hat zwar vor Kurzem H. Lambri- quot ein Mittel entdeckt, um die Depesche mittelst einer isolirenden Masse auf Metallpapier zu fixiren, das wie das Originaltelegramm zur Beförderung auf einer an* deren Linie benützt werden kann. Dadurch ist sonach die Translation und die Correspondenz auf die weitesten Entfernungen mittelst des Casellischen Apparates möglich, wenn man von den beträchtlichen Verspätungen absieht, die sich dabei ohne Zweifel ergeben würden. Es ist daher wohl nicht anzunehmen, dass sich dieser Apparat eine internationale Geltung verschaffen wird und diess um so weniger, als sich die anfängliche Hoffnung, dass derselbe auf schlechtisolirten Linien besser arbeiten werde, als die Apparate von Morse und Hughes, in keiner Weise bestätigte. Der in der Ausstellung vorhandene Apparat wich von den vielfach von ihm gegebenen Beschreibungen in keinem wesentlichen Punkte ab. Einen in mehreren Beziehungen be- merkenswerthen Copirtelegraphen hat E. Lenoir^n Paris ausgestellt. Sein System unterscheidet sich von den bisher in Anwendung gekommenen Copirtelegraphen durch die zwei wesentlichen Umstände, dass erstens in demselben jede chemische Wirkung der Electricität gänzlich vermieden, mithin der Stromkreis frei von feuchten Leitern ist, und dass zweitens der Synchronismus der sich drehenden Cylinder auf beiden Stationen durch einen discon- tinuirlich wirkenden Regulator erlangt wird, dessen Gang von der gemeinsamen , 5 Wirkung der Linienbatterie auf beiden Stationen ab hängt. Die von Lenoir ausgestellten Apparate waren nur ziemlich roh ausgeführte Modelle, welche nach ihren wesentlichen Bestandtheilen in Fig. 15 Tafel IV dargestellt sind. Für die wirkliche Correspondenz würden die bezeichneten Apparate nebst einigen Hilfsinstrumenten auf jeder der beiden in Correspondenz tretenden Stationen erforderlich sein. Für die nachstehende Beschreibung des Systemes soll aber der eine Apparat als die gebende, der andere als die empfangende Station betrachtet werden. Auf beiden Stationen drehen die Uhrwerke A, a die Cylinder B , b aus Horngummi mit nahezu gleicher Geschwindigkeit um ihre Achsen. Das Gleiche gilt von den Schraubenspindeln C, c, auf welchen die Schlitten Z), d von links nach rechts fortgeschoben werden, und von den durch Winkelräder in Bewegung gesetzten vertikalen Achsen F, f. Die Achse F macht etwa 150, der Cylinder B 15 Umdrehungen in der Minute; die Höhe eines Schraubenganges der Spindel G beträgt 0. 8 Minuten. Die abzutelegraphirende Depesche ist mit gummirter Tinte auf ein mit Blatt- silber beklebtes Papier geschrieben, welches auf den Cylinder B aufgerollt wird. Der Cylinder lässt sich hiezu aus dem Achsenlager N und dem an seinem anderen Ende befindlichen Kronrade leicht aus- heben. Während seiner Drehung steht er einerseits mit einem, etwa dem positiven Pole der Linienbatterie in beständiger, andererseits durch den Stift E mit dem Schlitten/) nur dann in metallischer Verbindung, wenn der Stift nicht auf einem Schriftzuge der isolirenden Tinte ruht. Der Cylinder b der empfangenden Station ist auf seiner ganzen Oberfläche mit einer sehr dünnen Schicht Indigotinte überzo- gen und mit einem Streifen Strohpapier locker umwickelt. So lange der Electro- magnet e nicht erregt ist, drückt die an dessen Anker befestigte, um das Gelenk q drehbare Spitze mit ihrem Gewichte das Strohpapier gegen die Cylinderfläche, welche unter diesem Drucke ihre Farbe auf die untere Seite des Papieres überträgt. Auf der gebenden Station trägt die vertikale Welle F an ihrem oberen Ende einen secbs3trahiigen Eisenanker J, dessen Arme während der Drehung successive an den Polen der beiden Electromagnete II Vorbeigehen, ferner einen gabelförmigen Arm, in dessen Einschnitt der verlängerte Durchmesser der in P an einer biegsamen Schnur aufgehängten Metallkugel G gleiten kann. Die Welle der empfangenden Station trägt zwar ebenfalls die Re- gulatorkugel g , anstatt des Ankersternes aber nur ein gewöhnliches Schwungrad i. Sie endigt unten in einen sechsstrahli- gen Stern k, dessen Zwischenräume durch Elfenbein ausgefüllt sind und steht durch die Metallfedern l, m , und m% mit drei Klommen zur Aufnahme von Drähten in Verbindung. Als eines wesentlichen Theiles ist auf der gebenden Station noch des Relais R zu gedenken, dessen Spiralfeder so weit gespannt sein muss, dass der Ankerhebel sich erst in Bewegung setzen kann, wenn die Windungen des Electromagneten von deu beiden Strömen der Batterie auf der gebenden und empfangendenStationgleieh- xeitig durchflossen werden. Die gebende Station besitzt eine Linien- und Lokalbatterie; auf der empfangenden Station befindet sich nur eine Linienbatterie so eingeschaltet, dass sich ihr Strom zu dem Linienstrome der gebenden Station addi- ren kann. Nach den in der Figur angegebenen Verbindungen der Apparate und bei der dargestellten Lage der Welle f der empfangenden Station ist in dieser Stellung offenbar nur der Kreis der Linienbatterie der gebenden Station geschlossen, wenn nämlich zugleich vorausgesetzt wird, dass der Stift E nicht gerade auf einem isoli- renden Schriftzuge sich befinde. In diesem Stromkreise liegt der Electromagnet des Relais R, welcher jedoch nach der Voraussetzung nicht kräftig genug erregt wird, um seinen Anker anzuziehen, es bleibt desshalb auch die Lokalbatterie ausser Thätigkeit und der Electromagnet e der empfangenden Station, welcher den Schreibstift vom Cylinder b abhebt und an sich zieht. Der Uibergang des Stromes in die Erde erfolgt durch die Metallfedern l und m z . Setzt man nun auf beiden Stationen die Uhrwerke in Bewegung, so wird der Stift E bald über einen Schriftzug, bald über die metallisirte Papierfläche der Walze B gleiten, der Schreibstift in b also das Strohpapier bald gegen den Farhecylin- der drücken, bald nicht. Gleichzeitig gelangt aber in Folge der Drehung der Welle/ 1 , auch die Batterie der empfangenden Station in periodische Thätigkeit und sendet ihren Strom durch die Leitung in derselben Richtung wie die Batterie der gebenden Station, so oft die Feder m l auf eine Metallkante des Unterbrechers k trifft. Es wird also der Relaishebel der gebenden Station eine Reihe regelmässiger Impulse erhalten und in Folge dieser Letzteren eben so oft eine Erregung der Electromagnete H durch den Strom der Lokalbatterie stattfinden, welche auf den rotirenden Ankerstern J eine beschleunigende oder eine verzögernde Wirkung üben wird, je nach der Stellung, in welcher sich der Stern gegen die Elektro- magnete gerade befindet. Die Wirkung dieser ganzen Combina- tion wird also darin bestehen, dass der Cylinder B gezwungen wird, sich mit nahezu derselben Geschwindigkeit zu drehen, wie der Cylinder b, so dass die auf letzterem erfolgende Reproduction des auf B aufgewickelten Originals als Spiegelbild von gleichen Dimensionen gelten kann, dessen Umkehrung durch Abklatschen in einer Handpresse ohne weitere Schwierigkeit erfolgt. Zur Einleitung sowie zum Schlüsse der Korrespondenz verwendet Lenoir auf beiden Stationen electrische Wecker, welche durch einen Kommutator statt der Copirapparate mit der Leitung in Verbindung gebracht werden können. Obwohl der eben beschriebene Co- pirapparat bei den im Gebäude der Ausstellung angestellten Versuchen mit befriedigender Regelmässigkeit funktionirte, so dürfte doch die Verwendung desselben auf wirklichen Telegraphenleitungen mehrfachen gewichtigen Bedenken unterliegen. Wir sahen, dass der träge Electromagnet des Relais einen Hauptfaktor des Systèmes bildet, da durch ihn der Synchronismus erhalten wird. Werden nun seine Drahtwindungen vom Linienstrome durch- ^ flössen, dessen Intensität auf langen Leitungen durch tausend Zufälle und hauptsächlich durch verschiedene Ableitungen verändert werden kann, so muss auch die magnetische Kraft dieses Electromagneten nothwendigerweise beträchtliche und häufige Aenderungen erleiden und die Regulirung seines Ankers mit der grössten Sorgfalt überwacht werden. Ein ebenso wichtiger Theil des Systèmes ist der Electromagnet e der empfangenden Station, der das Spiel des Stiftes bewirkt und der ebenso sorgfältig den störenden Einflüssen des remanenten Magnetismus zu entziehen ist. Nichtsdestoweniger verdient dieser Apparat wegen seiner sinnreichenConstruk- tion alle Beachtung. Lardy’s Asphaltkabel für unterirdische Leitungen. Dr, Ch. Lardy, Professor an der Akademie zu Neuchâtel, hat den Mitgliedern der zweiten internationalen Telegraphen- Conferenz in Wien ein Kabel aus Asphalt vorgelegt, welches besondere Beachtung zu verdienen scheint. Wir lassen nachstehend den bezüglichen Bericht des Erfinders folgen: Kaum waren die ersten Telegraphenleitungen entstanden, als man auch sofort die Nothwendigkeit erkannte, dieselben vor den mannigfaltigenBeschädigungenzu sichern, welchen sie ausgesetzt sind, wenn sie, wie es gewöhnlich der Fall ist, von Träger zu Träger frei in der Luft gespannt hängen. Zahlreiche Versuche wurden zu diesem Zwecke gemacht, aber mit wenig Erfolg; namentlich ist es noch immer nicht gelungen, ein gutes System für unterirdische Telegraphen-Leitungen zu finden. Die Guttapercha und der Kautschuk waren lange Zeit die einzigen isolirenden Substanzen, welche bei der Fabrikation solcher Kabel benützt wurden; ihrer Anwendung im Grossen tritt jedoch ausser verschiedenen Uebelständen bei der Fabrikation hauptsächlich der hohe Preis hinderlich entgegen. Es ist daher begreiflich, dass man noch fort und fort eifrig nach einem Verfahren sucht, durch welches Fabrikate von gleichem Werthe um billigeren Preis erzeugt werden könnten. Die isolirenden Eigenschaften des Erdharzes (Asphalt), seine vollkommene Unveränderlichkeit, die steigende Gewinnung desselben, endlich seine Billigkeit liessen diese Substanz schon seit langer Zeit zur Verwendung bei unterirdischen Telegraphen-Leitungen vortheilhaft erscheinen; allein seine phisikalischen Eigenschaften 144 gestatteten nicht seine Verarbeitung zu biegsamen Kabeln, wie sie bei Verwendung von Guttapercha erzeugt werden. Dessenungeachtet wurde damit im Jahre 1855 zu Paris die erste unterirdische Telegraphen-Leitung in der Weise hergestellt, dass man die Drähte am Boden eines Grabens spannte, und denselben mit Asphalt ausgoss, wodurch ein Asphaltblock entstand, in dessen Innern sich die Drähte von einander getrennt befanden. Diese Linie arbeitete während der Dauer von fünf Jahren ohne Anstand, und wurde aus anderen Gründen, als wegen Unbrauchbarkeit aufgelassen. Bei anderen Linien, welche man nach demselben Systeme errichtete, verminderte man aus Oekonomie die Dicke der isoli- renden Schichte, in Folge dessen dieselbe an Festigkeit einbüsste, und bei Bodensenkungen Risse bekam. Uebrigens waren die Kosten für diese Leitungen verhältnissmässig hoch, und die Herstellung derselben mit bedeutendem Zeitaufwande verbunden. Einige Jahre später versuchte man die Drähte durch Röhren von Asphalt zu ziehen; die häufigen Löthstellen, die Schwierigkeit, die Anstoss-Stellen gut zu ver- schliessen und der hohe Preis verhinderten jedoch deren weitere Anwendung. Nachdem Dr. Lardy diese verschiedenen Systeme für unterirdische Telegraphen- Leitungen studirt hatte, vereinigte er sich mit M. Alfred Jaloureau in Paris, um die Herstellung von Kabeln aus A.sphalt zu versuchen, welche folgenden Bedingungen entsprechen sollten: 1. Hinreichende Isolirung des Leitungs-Drahtes. 2. Genügende Dauer. 3. Grosse Biegsamkeit. 4. Geringer, den gewöhnlichen Leitungen thunlichst entsprechender Kostenpreis. Die von Dr. Lardy hergestellten Kabel geben nun in Bezug auf diese Bedingungen folgende Resultate; 1. Isolirung. Durch spezielles Studium des Asphaltes ist es gelungen, einen Grad der Isolirung zu erreichen, welcher dem der Guttapercha gleichkommt; es können überdiess nach Belieben Kabel von verschiedenen Isolirungsgraden angefertigt werden, was für den Fall von grosser Bedeutung sein wird, wenn sich die Ansicht mehrerer Fachmänner bestätigen sollte, dass eine geringere Isolirung, als die der Guttapercha, — weil sie die Entladung des Kabels erleichtert, — bei grösseren Entfernungen eine raschere Beförderung und mehr Sicherheit gestatten soll. 2. Dauerhaftigkeit. Niemand wird dem Asphalt diese vortheilhafte Eigenschaft bestreiten. Die schon bestehenden Leitungen mit Asphalt-Isolirung liefern hiefür den Beweis, und Jedermann kann sich davon durch die Besichtigung der vollkommen conservirten Stücke Asphalt überzeugen, welche man in den Schweizer- Seen offenbar aus vorhistorischer Zeit stammend, gefunden hat. Der seit einer sehr alten geologischen Epoche im Jura vergrabene Asphalt ist ebenfalls Zeuge der Unveränderlichkeit dieses Materiales. Obwohl sich nun der Asphalt im Wasser und in der Erde unverändert erhält, so wäre es doch möglich, dass er durch den Einfluss des Leuchtgases eine Veränderung erleiden würde. Dr. Lardy glaubt ein sicheres Mittel gefunden zu haben, ihn ohne grosse Kosten auch dagegen vollkommen zu sichern. In Städten, wo in Folge von Nivelli- rungs- und anderen Arbeiten die Strassen häufig aufgewühlt werden, können Lardy’s Kabel unter geringer Preiserhöhung mit einer Armatur versehen werden, welche sie diessfalls vor jeder Gefahr schützt. In der Regel dürfen diese Kabel jedoch ohne Armatur und ohne Gefahr einer Veränderung in die Erde gelegt werden. 3. Biegsamkeit. In dieser Beziehung entsprechen die Lardy’schen Kabel allen Anfofderungen. Sie können in Ringe von kleinem Durchmesser gebracht, trans- portirt, ausgerollt und gelegt werden, ohne den geringsten Riss zu erhalten. 4. Der Preis der Kabel beträgt loco Gewerkschaft St. Aubin im Canton Neuchâtel in der Schweiz: für dünne, farbige Kabel zur Verwendung in Wohnungen, Kanzeleien etc. pr. Kilometer 250 Frcs. für Kabel mit einem Drahte per Km. 300 Frcs. » v ^ ,, ,, 900 ,, n )) 4 ,■> >> 1200 ,, ?? v 7 11 ii 2000 ,, Eine einfache Prüfung des vorstehenden Verzeichnisses zeigt den grossen Vortheil, welchen diese Kabel in Beziehung auf den Preis desshalb bieten, weil dieselben ausser den Kosten für die Legung weder Ueberwachungs- noch Unterhal. tungsauslagen verursachen, so dass sie auch in dieser Hinsicht mit den Luftleitungen anstandslos concurriren können. Zur Beurtheilung, in wie weit die vorstehenden Angaben den thatsächlichen Verhältnissen entsprechen, fügen wir noch bei, dass anlässlich der Wiener Conferenz mit Dr. Lardy’s Kabel folgender Versuch angestellt wurde: In einen mit angesäuertem Wasser gefüllten Bottich wurde ein 114 Meter langes Stück Kabel gelegt. Ein Ende desselben blieb in der Luft isolirt, das andere wurde mit dem Pole einer aus 36 Smee- schen Elementen bestehenden, gut isolir- ten Batterie verbunden, während vom andern Pole ein Kupferdraht in das, das Kabel umgebende Wasser geführt wurde. Ein gleichzeitig mit eingeschaltetes, sehr empfindliches, 15.000 Umwindungen enthaltendes Galvanometer zeigte während der Zelt des Versuches, der acht Tage währte, nicht die geringste Abweichung. Die k. k. österreichischeTelegraphen- Verwaltung hat mehrere Parthien des Lardy’schen Kabels zur Verwendung in Tirol bestellt; über die damit erzielten Resultate werden wir seinerzeit Mittheilung machen. Umgestaltung des Morse-Apparates in einen Typendruck-Telegraphen.*) Von Franz Schwärzier, Fabriksbesitzer in Bregenz. Relais, Lokal-Batterie, Linien-Batte- rie sowie Einschaltungen bleiben die gegenwärtig gebräuchlichen. Taster (Manipulator). Bei dieser Aen- derung ist für jedes Schriftzeichen ein Taster nöthig, und da ich deren 41 nebst einer leeren Stelle annehme, so entsteht dadurch ein Klavier von 14 Tasten Breite und 3 Tasten Höhe (Taf. IV, Fig. 16) Der Mechanismus des Klaviers ist von Metall, die Tastergriffe sind von Bein. Jede Taste erhält eine metallene Verlängerung a, welche an ihrem Endeein einen kleinen Hacken nach aufwärts gebogen ist. Ober diesen kleinen Hacken befindet sich eine Walze von nicht leitendem Material, Diese Walze erhält in ihrer Längendurchbohrung eine Hülse von Metall und ist auf eine Achse aufgeschoben, welche durch ein Uhrwerk in Umdrehung versetzt wird, so dass sich die Walze durch leichte Friktion mit herumdreht. So wie das Klavier 42 Tasten enthält, ist auch die Walze in ihrer Länge sowie in ihrem Umfange in 42 Theile getheilt; wo *) Wir veröffentlichen diesen Artikel, um dem Wunsche des Herrn Einsenders zu entsprechen, ohne jedoch für die Durchführbarkeit der darin entwickelten Idee igendwie ein- zatreten. m die betreffenden Linien sich durchkreuzen befinden sich wie Fig. b zeigt, Löcher eingebohrt, welche bis auf die metallene Hülse der Walze reichen und ebenfalls mit Metall ausgefüttert sind, das jedoch nicht an die Oberfläche der Walze treten darf* Der Strom der Linienbatterie tritt in sämmt- liche Tastenverlängerungcn und durch die Achse der Walze in die Linie. Schlägt man nun eine Taste an, so berührt der Hacken der Tasterverlängerung die Walze, und indem die Walze sich durch das Uhrwerk um ihre Achse dreht, so wird derselbe, sowie er die auf seiner Bahn befindliche Oeffnung erreicht, in dieselbe einschnappen und dadurch den Kontakt hersteilen. Wie nun der Manipulirende dieses Einschnappen am Finger fühlt, berührt er die folgende Taste und lässt die zuerst berührte los, wodurch sie in ihre frühere Lage zurückkehrt u. s. w. Die Walze steht bei jedesmaligem Einschnappen eines Hacken still, wobei jedoch das Uhrwerk seinen Gang fortsetzt. Da nun eine jede Oeffnung in der W T alze in ihrer Stellung, der Stellung einer Type am Typenrade des Druckapparates entspricht, so wird, sowie der Kontakt hergestellt ist, das Papier an die Type angeschlagen. Es ist jedoch hier kein absoluter Synchronismus nothwendig, wie bei der Beschreibung des Druckapparates gezeigt wird, da sich das Typenrad bei jedem Drucke von selbst regulirt. ' Schreibapparat (Druckapparat). Der Schreibapparat Morse erleidet folgende Aenderung. An der Stelle der beiden Wälzchen, welche gegenwärtig den Papierstreifen vorwärts bewegen, befindet sich eine Achse, welche durch das Uhrwerk in derselben Geschwindigkeit wie die Walze im Manipulator umgedreht wird. Ueber diese Achse ist eine Hülse derart geschoben, dass sie sich durch Friktion mit derselben bewegen muss. Mit die* ser Hülse fest verbunden sind zwei R^der^ das eine enthält auf seinem Umkreise die 41 Schriftzeichen nebst einer leeren Stelle zur Trennung der Wörter, welche der weissen Taste im Manipulator entspricht. Das zweite Rad enthält 42 kQnische Einschnitte, welche mit den 42 Theilen des Typenrades zusammenfallen. Der Schreibhebel ist an der Stelle, wo sich gegenwärtig der Schreibstift befindet, in zwei Arme nach der Entfernung der zwei Räder gespalten. Der erste Arm des Hebels unter dem Typenradeistgepolstert, um das Papier an das Typenrad anzuschlagen, während der zweite Arm einen Zahn enthält, welcher in den entsprechenden konischen Einschnitt des zweiten Rades einfällt und 30 die beiden Räder festhält, indem das Uhrwerk seinen Gang fortsetzt und diess so lange man den Finger auf der Taste am Manipulator ruhen lässt. Sollten die beiden Räder etwas vorgegangenoder zurückgeblieben sein, so erhalten dieselben durch den Zahn auf dem zweiten Hebelarme, indem er in den komischen Einschnitt einfällt, einen Seitendruck und werden so richtig gestellt noch bevor das Papier die Type berührt. Das Typenrad gleitet an einer Rolle mit Farbe? der Papierstreifen wird durch zwei Röllchen und Führung unter dem Typenrade durchgeführt; erhält jedoch keine konti- nuirliche Bewegung wie gegenwärtig, sondern wird beim jedesmaligen Heraussinken des Hebels durch ein kleines Häck- chen (Sperrkegel), welches in ein schräg gezahntes Rad, das mit einem der Leitungsröllchen auf derselben Achse sitzt, eingreift, um eine Typenbreite vorgeschoben. Sollte man eine raschere jedoch etwas schwierigere Manipulation wünschen, so braucht man nur anstatt der Löcher in der Walze Stifte anzubringen, welche mit der Hülse der Walze in Kontakt sind, die Tasterverlängerungen (ohne Hacken) 147 bei ihrem Durchgänge niederdrücken und den stattgehabten Kontakt mit der Lini e anzeigen- Auf diese Weise dürfte der allen möglichen Einflüssen ausgesetzte, schwer handzuhabende Apparat Hughes vollkommen ersetzt werden können. JakobsohiTs selbsttätiger Briefkasten. N. Jacobsohn in Berlin hat einen selbstthätigen Briefkasten erfunden, der nicht blos Sendungen aller Art entgegennimmt und dies sofort dem Eigenthümer anmeldet, sondern auch unfrankirte Briefe bei der Annahme augenblicklich bezahlt und über den Empfang rekommandirter Schreiben so wie Depeschen quittirt, alles unter sofortiger Meldung. Die Sache ist höchst einfach und verhält sich folgen- dermassen: Der selbstthätige Briefkasten besteht aus zwei Theilen, einem äusseren mechanischen, und einem inneren, blossen Aufnameraum. Ersterer, mit einer Messingplatte verkleidet, misst etwa 8 Zoll im Gevierte und hat unten eine horizontale Klappe, mit der Firma des Besitzers, die sich in einem Charnier bewegen lässt, aber durch Federn geschlossen gehalten wird; sobald man nun dieselbe zurückdrückt, um einen Brief hineinzuwerfen, setzt sie ein Schlagwerk in Thätigkeit, welches entweder unmittelbar an die Thür oder auch in einem entfernter liegenden Zimmer wirken kann, wenn es mit diesem durch einen pneumatischen oder electrischen Klingelzug in Verbindung gesetzt worden ist. Soll der Kasten eine unfrankirte Sendung bezahlen, dann steckt der Briefträger den ihm gegebenen Schlüssel (einen passe partout für alle Kästen seines Reviers) in das Schlüsselloch unten rechts, dreht um und es rollt unter Anschlägen der Glocke eine metallene Marke in ein vorspringendes Schälchen. So oft der Schlüssel gedreht wird, fällt eine solche Marke unter einmaligem Glockensignal heraus. Die Marken tragen die laufende Nummer des Briefkastens, die ihm von der Postbehörde ertheilt wird und sie müssen gleich anderen Marken vom Besitzer des Kastens bei der Post gekauft werden i sie haben nur Werth für ihren legalen Besitzer und die Postanstalt, da ihre Entwendung durch Nachschlüssel oder ihre Unterschlagung für die Betreffenden gar keinen Nutzen hätte. Das Quittiren für recommandirte Briefe wird dadurch bewirkt, dass der Briefträger mit seinem Schlüssel das oben links befindliche Schlüsselloch benützt, worauf sich unter Glockenschlag eine von aussen (hinter Glas) sichtbare Papierrolle umdreht und ihm einen gummirten Abschnitt in die Finger schiebt, den er vollends abreisst und der Post abliefert, die ihn in ein dazu bestimmtes Buch klebt. Dieser Abschnitt zeigt in jeder seiner vier Ecken die laufende Nummer des Kastens und in der Mitte die laufende Nummer der Kastenquittung. Der Besitzer kann, wie angedeutet, stets von aussen sehen, ob eine Nummer z. B. während seiner Abwesenheit entnommen ist oder nicht, wofern er sich die zuletzt sichtbare gemerkt hat. Dieselbe Manipulation wie der Briefträger macht der Telegraphenbote, wenn er eine Depesche abzuliefern hat, nur dass er sich hierzu des Schlüsselloches rechts oben bedient und ausserdem das oben am Kasten befindliche Uhrwerk auf die Stunde stellt, in der er die Sendung ablieferte. Das Zifferblatt zählt von 1 — 24, um die Angabe von Vor- oder Nachmittag zu ersparen, und jeder Punkt zwischen den Stundenzahlen bedeutet 5 Minuten. Mit Hilfe dieses Kastens ist die Ablieferung von Depeschen oder expressen Briefen auch wäh- rend der Nachtzeit möglich, ohne dass der Adressat desshalb gestört zu werden braucht. Die Erfindung ist in sämmtlichen bedeutenden Staaten patentirt. Für die Briefträger und Telegraphenboten dürfte die Einführung der selbstthätigen Kasten grosse Vortheile haben, da man an ihre Einführung die Bedingung knüpfen könnte, dieselben stets zur ebenen Erde, im Hausflur, anzubringen, wodurch die geplagten Boten nicht blos Zeit, sondern auch Treppensteigen ersparten. Die Mitglieder der letzten, in Wien abgehaltenen internationalen Telegraphen- Conferenz, welchen Jacobsohn’s Briefkasten vorgewiesen wurde, haben sich anerkennend über denselben ausgesprochen. Neuer Telegraphen - Vereinsvertrag« Wir veröffentlichen nachstehend den am 25. October d. J. zu Baden-Baden abgeschlossenen neuen Telegraphenvereinsvertrag, welcher an Stelle des Schweriner Vertrages vom 30.September 1865 treten soll: „Nachdem die zum Deutsch-Oester- reichischen Telegraphen-V ereine gehörigen hohen Regierungen übereingekommen sind, ihre gegenseitigen telegraphischen Beziehungen durch neue Vertrage zu ordnen, haben Seine Majestät der Kaiser von Oesterreich, apostolischer König von Ungarn, König von Böhmen und von Galizien u. s. w.; Seine Majestät der König von Preus- sen, im Namen des Norddeutschen-Bun- des; Seine Majestät der König von Bayern, Seine Majestät der König von Württemberg und Seine Königliche Hoheit der Grossherzog von Baden; Seine Majestät der König der Niederlande, für den gedachten Zweck zu Ihren Bevollmächtigten ernannt: Seine Majestät der Kaiser von Oesterreich und König von Ungarn u. s. w. den Ministerialrath und Director der k. k. Staatstelegraphen, Carl Brunner von Wattenwyl; und den Chef der Königlich Ungarischen Telegraphen-Verwaltung, Sections- rath Johann von Takäcs; Seine Majestät der König von Preussen den General - Telegraphen- Director des Norddeutschen-Bundes, Oberst Franz von Chauvin; Seine Majestät der König von Bayern den Vorstand der Telegraphen-Ab- theilung der General-Direction der Königlich Bayrischen Verkehrsanstalten, Heinrich Gumbart; Seine Majestät der König von Württemberg den Königlichen Eisenbahnbau- und Telegraphen-Director, Ludwig von Klein; Seine Königliche Hoheit der Grossherzog von Baden den Director der Grossherzoglichen Verkehrsanstalten, Geheimrath Hermann Zimmer; Seine Majestät der König der Niederlande den mit der Verwaltung der Staats- Telegraphen betrauten Referendar, Wilhelm Constantin Arnold Staring , welche sich mit Vorbehalt der Genehmigung ihrer hohen Vollmachtgeber über nachfolgende Artikel geeinigt haben. Artikel 1. Den Bestimmungen des gegenwärtigen Vertrages sind alle Telegraphenlinien und Stationen unterworfen, welche die hohen contrahirenden Theile, sei es in den eigenen Staats-Gebieten, sei es in den Gebieten anderer Staaten für den allgemeinen Verkehr unterhalten. 149 Artikel 2. Jedem der hohen contrahirenden Thei- le bleibt es Vorbehalten, Telegraphen- Linien und Stationen, welche derselbe zur unterseeischen Verbindung mit andern Staaten anlegt, von seinen übrigen Tele- graphen-Linien und Stationen entweder auszuschliessenoder für die unterseeischen Linien abweichende Tarife vorzuschlagen. Artikel 3. Diejenige telegraphische Correspon- denz, welche die Linien zweier oder mehrerer der hohen contrahirenden Theile berührt, wird nach den Festsetzungen des gegenwärtigen Vertrages behandelt und Vereins-Correspondenz genannt. Die Bestimmungen über die Corres- pondenz, welche die Linien nur einer Telegraphen-Verwaltung berührt, bleiben jedem der vertragschliessenden Theile Vorbehalten, Artikel 4. Die auf den telegraphischen Corres- pondenzdienst bezüglichen Bestimmungen des internationalen Telegraphen-Vertrages, revidirt in Wien den 21. Juli 1868, sowie des dazu gehörigen Reglements für den internationalen Telegraphendienst finden auf die Vereins - Correspondenz volle Anwendung, insoweit durch gegenwärtigen Vertrag nicht anderweitige Vereinbarungen getroffen sind. Artikel o. Zur Ermittellung der Beförderungsgebühren für die Vereins-Correspondenz wird das gesammte Telegraphengebiet der hohen contrahirenden Theile in viereckige Flächen zerlegt. Die Bildung dieser Flächen geschieht in der Weise, dass jeder Breitegrad in 5 und jeder Längengrad in 3 gleiche Theile getheilt wird und durch die Theilungspunkte Meridian- und Parallelkreise gezogen werden, wodurch je 13 Vierecke, Tax- quadrate genannt, entstehen. Artikel 6. Die Gebühren für einfache Depeschen von zwanzig Worten betragen: a) 8 Sgr. = 28 kr. süddeusch = 40 kr. öster.Währ. = 0,50 Gulden niederländisch bei der Beförderung zwischen Stationen eines und desselben Taxquadrates unter einander, sowie zwischen denselben und solchen Stationen, welche innerhalb der nächsten, das Taxquadrat umgebenden 8 Quadratreihen (Tax-Viereck) gelegen sind, mit Hinwegfall derjenigen 40 Quadrate, welche ausserhalb des in dieses Taxvier- eck eingeschriebenen Kreises fallen; b) 16 Sgr. = 56 kr. süddeusch = 80 kr. öster. Währ. = 1 Gulden niederländisch bei der Beförderung zwischen Stationen eines Taxquadrates und allen übrigen ausserhalb des Bereiches ad a) gelegenen Stationen. Diese Gebühren erhöhen sich für je weitere zehn Worte oder einen Theil von zehn Worten um die Hälfte. Artikel 7. Die periodische Revision des vorstehenden Tarifes sowie der Terminal- und Transittaxen für die mit dem Auslande gewechselte Vereinscorrespondenz, im Wege der Vereinbarung zwischen den Telegraphenverwaltungen gier hohen contrahirenden Theile, bleibt Vorbehalten. Artikel 8. Die für die Beförderung der telegra- phischen Vereins-Correspondenz eingehobenen tarifmässigen Gebühren bilden ein gemeinschaftliches Eigenthum und werden unter die betheiligten Telegraphen-Verwaltungen nachV erhall nissz ahlen verth eilt, — 150 — welche gebildet werden aus der Zahl der in einem jeden Verwaltungsgebiethe beförderten Vereins-Depeschen, multiplizirt mit einer Ziffer, welche den relativen Wtrth einer Vereins-Depesche in dem bezüglichen Gebiete darstellt. Diese Werthziffern werden im gemeinsamen Einverständniss der betheiligten Verwaltungen festgestellt. Artikel 9. Zur Ermittelung und Ausgleichung der wechselseitigen Zahlungen und Forderungen der einzelnen Telegraphen-Verwaltungen an Gebühren und Auslagen für Vereins-Correspondenz finden nach regelmässigen Zeitabschnitten Abrechnungen statt. Die Telegraphen - Verwaltung des Norddeutschen Bundes unterzieht sich der Besorgung des Abrechnungs « Geschäftes auf Grundlage der zwischen den betheiligten Telegraphen-Verwaltungen vereinbarten Instruction. Der Aufwand für diese Geschäftsbesorgung wird von sämmtlichen Telegraphen- Verwaltungen gemeinschaftlich, nach Verhältniss ihres Antheils an der Gebüh- ren-Einnahme, getragen. Artikel 10. Zum Behufe der Fortbildung der Beziehungen zwischen den Telegraphen- Verwaltungen der hohen contrahirenden Theile findet zeitweise nach Bedürfniss ein Zusammentritt von Abgeordneten statt. Artikel 11. Gegenwärtiger Vertrag tritt mit dem 1. Juli 1869 in Wirksamkeit, jedoch mit Ausnahme der in Artikel 5 und 6 enthaltenen neuen Tarifbcstimmungen, welche spätestens am 1. Juli 1870 in Anwendung kommen. Bis zur Anwendung des neuen Tarife s bleiben die Tarifbestimmungen des Telegraphen-Vereins-Vertrages ddo. Schwerin 30. September 1865 in Kraft. Artikel 12. Dieser Vertrag ist von Jahr zu Jahr kündbar. Die Kündigung kann jedoch nur zum ersten Januar eines jeden Jahres erfolgen, dergestalt, dass der Vertrag demnächst noch bis zum 31. Dezember desselben Jahres in Kraft bleibt. Artikel 13, Der deutsch-österreichische Telegraphen-Vereins-Vertrag vom 30. September 1863 erlischt mit dem Inslebentreten des gegenwärtigen Vertrages. Artikel 14. Die Ratificationen des gegenwärtigen Vertrages sollen in möglichst kurzer Frist in Carlsruhe ausgetauscht werden. Zur Urkunde dessen haben die Bevollmächtigten den gegenwärtigen Vertrag unterschrieben und besiegelt. So geschehen zu Baden-Baden den fünfundzwanzigsten October Eintausend achthundert und achtundsechzig. Carl Brunner. (L. S.) Johann v. Takäcs. (L. S.) Franz v. Chauvin. (L. S.) * Heinrich Gumbart. (L. S.) Ludwig v. Klein. (L. S.) Hermann Zimmer. (L S.) Wilhelm Constantin Arnold Staring. (L. S.) 151 Bericht der schweizerischen Telegra- phenverwaitnng für das Jahr 1867 . (Fortsetzung.) Wir suchten , wie schon oben angedeutet, die Thätigkeit der Angestellten der Haupt- und Specialbureaux anzuregen, indem wir auf definitive Weise ihre Stellung ordneten und die Öconomische Lage derselben verbesserten, ohne die Grenzlinie zu überschreiten, die uns in finanzieller Hinsicht vorgezeichnet ist. Folgende Bestimmungen wurden zu diesem Zwecke zum Beschlüsse erhoben: 1. Die vom Gesetze nicht unterschiedenen Ltellen auf den Telegraphenbureaux sind einander gleich. Es findet daher bei Vakanzen kein Vorrücken auf solchen Stellen statt, sondern es wird dem zu * zenden Bureau nur ein neue” ^ ^ 6 gefügt, dessen Besn' ’-‘'S s8atz rlie Wabl ‘ behördenacb J « 11 Verhältnissen bestimmt. 9. jJie Besoldung der vorbezeichneten Beamten richtet sich nach ihren individuellen Leistungen. Die Besoldungsansätze werden alljährlich im Monat Juni durch gesehen, wobei inner den Schranken des Gesetzes und des Jahresbudgets bei denjenigen Beamten, welche sich durch tüchtige Leistungen verdient gemacht haben, Besoldungserhöhungen stattfinden können. Im Laufe des Jahres finden dagegen in der Regel sonst keine Besoldungsveränderungen statt. 3 . Der Rang der Beamten auf einem Bureau richtet sich jeweilen nach der Grösse ihrer Besoldung und bei gleicher Besoldung nach dem Dienstalter. 4. Die Chefs der Bureaux werden in ihrer Eigenschaft als Telegraphisten auf die reglementarische Amtsdauer gewählt, dagegen wird ihnen die Leitung der Bureaux nur auf unbestimmte Zeit übertragen. Diese Bestimmung hat zum Zweck, die Bureauchef«, deren gerechte und feste Autorität von so grosser Bedeutung für den guten Gang des Dienstes ist, zu unablässigem Diensteifer anzuspornen und deren Ersetzung bewerkstelligen zu können, sobald dieselben den Erwartungen niclt genügen sollten. Ueberdies wurden Beitimmungen aufgenommen, welche die Versetzung de Beamten von einem Bureau auf da* ander erleichtern, ferner sobhe, welche die Alt gestellten ermuthgen, Vorschläge fir Vereinfachung oder Verbesserungen iu Dienste zu bringen, durch Aussetzujg von Gratifikationen; endlich wurde de Anschaffung von *~-chm'schen Lehrbüchern un .^ehufe der Ausjjfld ttet phisten in ihrem Fache. ^gra- Mit Beschluss vom 23. Dezember de* abgelaufenen Jahres und nachdem im Budget der erforderliche Kredit aufgen.ommQ n worden, ist das System der Provision von jeder expedirten Depesche für die Angestellten der Haupt- und Spezialbureaux wieder eingeführt worden. Es ist nicht daran zu zweifeln, dass durch diese Bestimmung der Wetteifer und die Thätigkeit der Angestellten angeregt werde; sie werden sich hiedurch veranlasst finden, keine Anstrengung zu scheuen, die dazu dienen kann, den vermehrten Anforderungen, welche aus der Herabsetzung der Taxe auf 50 Centimen entstehen, ein Genüge zu leisten, Die Erfolge dieser Schluss- nahme, welche auf 1. Januar 1868 in I Kraft getreten ist, werden im nächstjäh- : rigen Geschäftsberichte ihre Besprechung ■ finden. | Zwei Punkte von nicht unwesentlich er i Tragweite haben im Laufe des Jahres unsere Aufmerksamkeit in besonderer | Weise in Anspruch genommen ; es be- ■ trifft dies zunächst die Unterbandlun- ! gen, welche zu dem Zwecke angehoben wurden, um eine grosse direkte Transitlinie vom Westen nach dem Osten durch Frankreich, die Schweiz, Oesterreich und die Türkei zu erstellen, eine Aufgabe, von der weiter unten die Rede sein wird, und anderseits der Vertrag, welcher unterm 27. November 1867 mit sämmtlichen Eisen- bahngescllscliaften der Schweiz zum Abschluss gelangt^ betreffend die Eröffnung der Eisenbahnstationen für die Privattelegraphie. In unserm Geschäftsberichte pro 1862 und 1863 haben w' r Kenntniss davon jegeben, was damals von den Bahngesellschaften in diesem Punkte erreicht werden konnte, und es —m-de mitgetheilt, dass im Jahr 1863 — 1^ Autg«• ^üreaux und 6 * ele g' ra ph en kü reaux auf Eis»^_ j^nstationen dem Verkehr des Publikums eröffnet wurden. Diese Bureaux wurden von Bahnangestellten bedient, die eigent- j/uhen Eisenbahntelcgraphenbureaux mit Apparaten der Telegraphenverwaltung versehen und in Verbindung mit unsern Linien gesetzt. Später haben wir ebenfalls mitgetheilt, dass einzelne Bahnverwaltungen in Abweichung von letzterer Regel einwilligten, gewisse dem Publikum ge? öffnete Bahntelegraphenbureaux durch die eigenen Apparate und Beamten zu bedienen und mit ihren eigenen Linien in Verbindung zu bringen. Auf 31. Dezember 1867 zählten wir 28 Aufgabebureaux und 35 Telegraphen- bureaux auf Bahnstationen, wovon lö ausnahmsweise den Telegraphendienst durch ihre eigenen Apparate und Linien besorgten. Die Bahngesellschaften erhielten für die uns in solcher Weise geleisteten Dienste, sei es in den Aufgabe- oder in den Bahntelegraphenbureaux eine Entschädigung von 50 Centimen für jede beförderte Depesche, und wir Hessen diesen Beitrag als Eisenbahnzuschlagstaxe vorn Publikum erheben. Es hatten aber immerhin die mit dem Bahngesellschaften in dieser Hinsicht getroffenen Vereinbarungen nur einen durchaus provisorischen Charakter. Als die internen Taxen herabgesetzt wurden, so wurde es von Wichtigkeit, die Frage der Eisenbahnzuschlagstaxe aufs Neue ins Auge zu fassen, um eine verhältnissmässige Reduktion derselben zu erzielen; eben so wichtig erschien os uns, die Bahntelegraphen in so allgemeiner Weise als immer möglich für die Privattelegraphie zugänglich zu machen und zu diesemZwecke dieSehwierigkciten, welche in den altern Uebereinkommen sich noch vorfanden, zu entfernen ; es wurde überdies wünschenswerth, die neuen Anor- dDu *-c«n in einer regelmässigen und definitiven zu formuliren. Dieses wurde erreicht durev* r ] erl Vertrag vom 27. November 1867, aus Inhalt wir folgende Punkte hervorheben : Der Vertrag gestattet, dass unter gegenseitigem Einverstäudniss die Apparate und Telegraphenlinien der Eisenbahngesellschaften in ihrer ganzen Ausdehnung für den öffentlichen Telegraphendienst dürfen in Anspruch genommen werden. Dagegen vergütet die Telegraphenverwaltung für diese Vergünstigung, die einer wesentlichen Verbesserung für unsern Dienst gleichkommt, eine jährliche Entschädigung von Fr. 25 für jedes Bureau, in welchem die Apparate der Bahngesellschaft zu unserm Dienste verwendet werden. Wenn ausserdem auf einer Eisenbahnlinie von grösserer Bedeutung alle Stationen durch Apparate und Linien der Bahngesellschaft für die Privattelegraphie eröffnet sein werden und es sich ergibt, dass die Linie zu sehr in Anspruch genommen wird, um den Dienst der Eisenbahnverwaltung mit der nöthigen Sicherheit und Schnelligkeit versehen zu kön- 153 — non, und wenn wir somit in einem erhöhten Grade von der Linie der Bahngesellschaft Gebrauch machen, so bestimmt der Art. 6, dass die Bahngesellschaft das Hecht hat, als Gegenleistung längs der Linie oincn zweiten Draht zu ihrem ausschliesslichen Gebrauch zu erstellen, wozu wur ohne Entschädigung das erforderliche Material zu liefern haben; die Kosten der Erstellung und die Lieferung der Apparate etc. bleiben einzig zu Lasten der Eisen bahn Verwaltung. Gemäss Art. 7 werden die Bahnverwaltungen jn Zukunft die Entschädigung von 50 Centimen nur noch von denjenigen Depeschen erheben, welche auf den Auf- gabebüreaux deponirt worden, um von dort mittelst Boten auf das eidgenössische lelegraphenbüreau getragen zu werden ; wenn aber die Bahnstation durch einer» elektrischen Draht mit dem ^~ 1 * 0S8 . 1 " sehen Büreau verbim' 1 '' 11 ist > s0 w * e den eigentlichen Eisenbahntelographen- büreaux, so beträgt die Vergütung 2b Centimen per Depesche, welche somit wie früher der Hälfte der einfachen internen Taxe entspricht. Wir fanden es gerechtfertigt, die Zuschlagstaxe von 50 Centimen in denjenigen Aufgabebüreaux beizubehalten, welche in der Nähe eines eidgenössischen Bureaus liegen, und wo diese Taxe nur als eine Expressengebühr zu betrachten ist j denn sobald die Depesche telegraphisch an das eidgenössische Büreau gegeben werden kann, so ist die Zuschlagstaxe auf 25 Centimen ermässigt. Es wurde festgesetzt, dass in solchen Bahntelegraphenbüreaux, wo in der gleichen Ortschaft kein eidgenössisches Büreau sich vorfindet, der Bezug jeder Zuschlagstaxe dahin fällt, sobald die Gemeinde sich erklärt, die erforderliche jährliche Leistung von wenigstens Fr. 100 auf die Zeitdauer von 10 Jahren vom Datum der Eröffnung des Bureaus an gerechnet, übernehmen zu wollen. So lange diese Bedingung nicht erfüllt wird, erhebt das Bahnbüreau eine Zuschlagstaxe von 50 Ct. von jeder expedirten Depesche, während keinerlei Zuschlagstaxen für die ankommenden Depeschen erhoben worden. Diese letztere Bestimmung hat einestheils den Vortheil, dass die Zuschlagstaxe von denjenigen bezahlt werden muss, welche die regelmässigen Leistungen nicht übernehmen wollen, und anderntheils erleichtert sich die bezügliche Verrechnung wesentlich. Dieser Vertrag trat am 1. Januar 1868 in Kraft. Dies sind die hervorragenden Punkte in der Geschäftsführung der Telegraphenverwalf” 6 das Jahr 1867. % ir ^.gD.j, übergehen zu äernVA wohinter Anordnung folgenden Bericht über die getroffenen Verfügungen und die gewonnenen Resultate in jedem einzelnen Zweige der Verwaltung. II. Linien. Im J. 1867 wurden — Linien in Stunden a) neu hergestellt.61% b) neue Drähte an bestehenden Linien zugespannt .... 81% c) umgebaut. 34 5 8 . d) abgebrochen. f/s Die Linien des schweizerischen Telegraphennetzes hatten am 31. Dezember 1867 folgende Länge: Linien Stand am 31. Dezember i867 Stand am 31. De- zemher 1866 Vermehrung mit 1, 2, 3, 4 Zusam- Drath Dräthen me» Stunden 402% 236‘/ 8 79% 887, 8067, 3827, 219. 74 3 / 8 66 741«/, 20% 177, 5 22% 64% Die Gesammtlänge der Linien unsers Netzes beträgt somit 806 Stunden oder 3870 Kilometer. Die Ausdehnung aller im Betrieb stehenden Dräthe erreicht 1551 Stunden oder 7445 Kilometer. Da ferner die für den Dienst der Eisenbahn - Verwaltungen bestimmten Drähte eine Länge von 273 Stunden haben, so betrug die Gresammtausdehnung der auf dem Gebiete der Eidgenossenschaft im Betriebe stehenden Drähte am 31. Decetuber 1867 1824 Stunden oder 8755 lVlometer. Von den 806*/ s Stunden Linien unseres Netzet sind 538 s / g längs den Landstrassen und 268 Stunden an den Eisenbahnen erstellt. Diese Linien vertheilen sich nach den verschiedenen Stangenarten folgendermassen: , ..un üiisenstange^ » , Ka stanien- ‘‘ Q 0*/ 8 Stunden. Stangen . . 25*/ g „ „ „ Lärchenstangen . . 53 % * „ imprägnirten Stangen . . 2G9 4 / 8 » » • gewöhnlichen Tannenstangen 324®/ 8 n „ * Kastanien- und Lärchenstangen 19 */s » „ „ Lärchen- und Tannenstangen 31 8 / 8 „ v I» Kabeln . . . ,3y g , 806*/ 4 Stunden. (Schluss folgt.) Rundschau. Ausland. (Legung eines neuen Kabels von Malta Nach Alexandrien-.) Die Versenkung des neuen Kabels zwischen Malta und Alexandrien hat am 26 . September begonnen. Die beiden Dampfer Chiltern und Esean- dria, escortirt von der englischen Fregatte Endy- mion und dem Kanonenboot Newport, brachten dasselbe an Ort und Stelle. Als Ingenieure en Chef fungirten Sam. Canning und Carlo Bright, als Elektriker Wil- loughby Smith. (Anglo - indische Linie.; Für den Bau der Linie von England durch Preusseu, Russland und Persien nach Indien ist man eifrig bemüht, die nöthigen Vorräthe an Materialien an den passendsten Orten anzusammeln. Das Kabel durch das schwarze Meer wird kommendes Frühjahr versenkt werden, die persische Linie bis zum Mai hergestellt und das ganze Werk im Laufe des Jahres 1869 vollendet werden. Russland und Preussen haben erklärt, dass der Verkehr von Handelsdepeschen selbst im Falle eines Krieges nicht gestört werden soll. (Konzessionirung einer franco-ameri- ■‘"^chen Telegraphenlinie.) Emil Erlanger und Reuter ft j, ne Konzession auf 20 Jahre für eine unterseeische Veroijuiii^gp zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten non Amerika erhalten. Die Verbindung soll bis zum 1. September 1869 hergestellt sein ; Brest und ein erst zu bestimmender Ort zwischen Boston und New- Tork werden als Landungspunkte genanat. Das Gresellschaftskapital beträgt 2 7.000,000 Franks. Personal-Nachrichten. In Anerkennung vorzüglicher Dienstleistung im Telegraphenwesen wurde von Sr. k. k. Ap. Majestät dem Director der k. k. Staats-Telegraphen, Dr. Carl Brunner v. Wattenwyl der Titel und Charakter eines Ministerialrathes, dem Rathe der k. k. Staats - Telegraphen-Direction, Dr. Ludwig Kutschera der Titel und Charakter eines Regierungsrathes, dem Telegraphen - Inspector Dr. Hermann Militzer der Titel eines kaiserlichen Rath.es, und dem Concipisten der k. k. Staats-Telegraphen-Direction, Lorenz Inno- cenz Wolschitz der Titel und Charakter eines Directions - Secretärs mit Nachsicht der Taxen a. g. verliehen. Hiezu eine illustrirte Beilage (Tafel IV) und Seite 5—8 des internationalen Wienervertrages. Druck von F. B. Geitier , Albrechtsgasse 4, in Wien.