Nr. 3. Wien, den 21. April 1870. 111. Jahrgang. ORGAN FÜR TELEGRAPHENWESEN. Herausgeber: L. J. Wols chit z. — Verantwortlicher Eedacteur: JosefBayer. Redaetion: Margarethenstrasse Nr. 7. Alle Zuschriften sind portofrei an die Redaction zu richten. Uufrankirte Briefe werden nicht angenommen und Manuscripte nicht zurückgestellt. Inserate werden mit 10 kr. österr. W. für die zweispaltige Petitzeile berechnet. Das „Telegramm“ erscheint am 1., 11. und 21. eines jeden Monates. Abonnements: für Wien: vierteljährig 1 fl.,halbjährig 2 fl., ganzjährig 4 fl. österr. W.; für die Provinz: vierteljährig 1 fl. 20 kr. halbjährig 2 fl. 40 kr., ganzjährig 4 fl. 60 kr. Abonnements werden angenommen bei der Expedition, Margarethenstrasse Nr. 7. Inhalt. Text: Ueber das Verhalten einiger galvanischer Batterien gegenüber den Anforderungen der Telegraphie. (Fortsetzung.) — Ueber die Verwendung der Frauen für den Telegraphendienst. (Fortsetzung.) — Ueber die Nothwendigkeit der Anlage unterirdischer Telegraphen - Leitungen überhaupt und in Wien insbesondere. — Rundschau. — Eröffnung neuer Telegraphenstationen. — Personalnachrichten. — Inserate. Ueber das Verhalten einiger galvanischer Batterien gegenüber den Anforderungen der Telegraphie. (Fortsetzung.) Der Prüfung der einzelnen Elemente durch die Commission ging eine Messung einiger Stromstärken voran, welche im Telegraphenbetriebe praktisch angewendet werden. Diese Ermittelungen wurden an mehreren Batterien der Central-Station in Berlin in doppelter Weise ausgeführt. Einmal wurden in die irgendwo unterbrochene Batterie verschiedene Windungen einer Tangentenboussole geschaltet und während der Correspondenz die extremen Ablenkungen, sowie auch die mittlere Ablenkung der durch Hebung der Hemmung | träge gemachten Nadel abgelesen. Ausserdem wurde in die irgendwo unterbrochene Batterie ein Kupfervitriol - Volta- v meter gestellt und die».Gewichtsänderungen in demselben während mehrerer Tage ermittelt. Es stellte sich heraus, dass, wie auch von vornherein zu erwarten war, die Leistungen der einzelnen Batterien im Telegraphenbetriebe sehr erheblich variir- ten. Die mittlere Leistung der Ruhestrom- Batterie war gleich der Ausfällung von etwa l Kr Kupfer pro Tag, der entwickelte Strom war also im Mittel -^2 -oder circa 31,7 31 ma stark. Die durch verschiedene Arbeitsstrom-Batterien gelieferten mittlern Ströme schwankten dagegen zwischen circa 6 und circa 1 S“ a . — Diese Stromstärken wurden der Prüfung der einzelnen Elemente zu Grunde gelegt. Die Prüfung des Verhaltens der Elemente im Arbeitsstrom, Versuchsreihe A, wurde in der Weise angestellt, dass der Schliessungsbogen jeder Batterie über Hebel- und Arbeitskontakt eines zugehö'rigen Relais geführt wurde. Die Windungen aller Relais waren in einen Kreis geschaltet, der eine besondere Batterie enthielt und über Hebel und Arbeitg* 1 kontakt einer sogenannten Wippe ge- | schlossen war. Die TVippe selbst endlich arbeitete mit einer eigenen Batterie nach dem Prinzipe der Selbstunterbrechung und unterbrach und schloss dadurch in kurzer Periode den Kreis, in welchen die Windungen der Relais geschaltet waren. Somit waren auch die zu untersuchenden Batterien in derselb en Periode abwechselnd geschlossen und geöffnet, und sollten hierdurch die Verhältnisse des Arbeitsstromes einigermassen nachgeahmt werden. Wippe und Relais wurden wiederholt regulirt, so dass die Zeitdauer des Schlusses der der Oeffnung im Durchschnitt gleich war. In der Secunde wurde ungefähr 2—3mal geöffnet. In den besondern Kreis jeder Batterie war ein künstlicher Widerstand und ein Voltameter geschaltet. Natürlich war durch geeignete Umschalter Sor^e getragen, dass jede Batterie sowohl für sich allein als auch in Verbindung mit den dazu gehörigen Apparaten durch blosse Um- stöpselung mit den auf einem besondern Tische aufgestellten, zur Untersuchung bestimmten Instrumenten verbunden werden konnte. Der künstliche Widerstand jeder Batterie war so gross bemessen, dass die Batterie zu Anfang der Untersuchung denselben Strom lieferte, der in Arbeitsstromleitungen im Mittel verlangt wird. Dabei war auf die Unterbrechungen in der Weise Rücksicht genommen, dass der wirkliche Strom während der Dauer der Schliessung eigentlich bedeutend grösser war und erst der mittlere Strom, den das Voltameter wiedergab, dem durch die oben erwähnten Ermittelungen festgestellten mittlern Arbeitsstrome glich.*) Später wurde der *) Es war übrigens in der Kommission auch die Ansicht vertreten, dass aie Prüfung ebenso genau gewesen wäre, wenn man die Elemente mit einem andern (grossem) Widerstande von solchem Betrage permanent geschlossen hätte, dass der entstehende kontinuirliche Strom dem mittlern. Arbeitsstrome gleich wurde. künstliche Widerstand nicht geändert, die Stromstärke also nicht konstant gehalten. Der Anfangsstrom war etwa so stark, dass im Voltameter pro Tag 0 r , 4 Kupfer ausgeichieden wurden, also ^•oder circa 12"“, 5. Die Prüfung des Verhaltens der Elemente in Ruhestromlei tungen zerfiel in zwei gesonderte Reihen. Bei einer derselben, Untersuchungsreihe B, war jede Batterie mit einem Voltameter und einem künstlichen Widerstande von solchem Betrage permanent geschlossen, dass der anfänglich entstehende Strom etwa die, wie oben erwähnt, durch Versuche ermittelte Stromstärke des Ruhestroms hatte, also pro Tag circa l p Kupfer ausschied. Die Widerstände wurden während der Untersuchung nicht geändert, also die Strömst ärken nicht konstant gehalten. Bei der andern Prüfungsreihe, Reihe C, wurden alle Batterien mit einem Voltameter und einem künstlichen Widerstande hintereinander in einen Kreis geschaltet und der Widerstand häufig regulirt, so dass der entwickelte Strom nahe constant blieb. Derselbe hatte auch hier etwa die durch Versuche ermittelte Stromstärke des Ruhestroms. Bei beiden Versuchsreihen war gleichfalls Sorge getragen, dass jede Batterie durch blosse Umstöpselung mit den Messinstrumenten verbunden werden konnte. Ausserdem wurden noch zwei besondere Untersuchungsreihen angestellt, um das Verhalten der Elemente sowohl wenn sie D, völlig angesetat lange geöffnet blieben, als auch wenn sie E. dauernd kurz geschlossen waren, kennen zu lernen. Auch bei der letztem Reihe waren Voltameter eingeschaltet. 1 Die Messinstrumente bestanden in einer Tangentenboussole nach Gaugain mit verschiedenen Windungssistemen, einer Sinusboussole, einer Sinustangenten- bousaole (nach der Konstruction von Siemen» & Halske, vergl. Schellen, der elektromagnetische Telegraph 4. Auflage, pag. 99 ff.) und einem Stöpselrheostaten, welcher Widerstände von 0 bis 10.000* einzustöpseln gestattete. In kurzen Zwischenräumen wurden die einzelnen Batterien, welche aus 1—3 Elementen bestanden, behufs Bestimmung der Constanten mit den Instrumenten verbunden. Die Messung der elektromotorischen Kraft geschah nach der Fechner’- schen Methode durch Bestimmung derjenigen Intensität, welche die Batterie in einem sehr grossen Widerstande erzeugte. Die Widerstandsmessungen wurden nach verschiedenen Methoden, vornämlich aber nach der Ohm’schen, ausgeführt. (Fortsetzung folgt.) Deber die Verwendung der Frauen für den Telegraphendienst. (Fortsetzung.) VI. Wir haben schon in unserer vorigen Nummer das Verzeichniss der Staaten gegeben, in welchen die Verwendung der Frauen bei Telegraphenstationen jeder Gattung gestattet ist. Es sind dies: Dänemark, Norwegen, Schweden, das Grossherzogthum Baden und die Schweiz. In Dänemark hat die Verwendung der Frauen, obwohl allgemein zugelassen, bis heute keine grosse Ausdehnung gewonnen. Die Leitung einiger Staatsstationen ist gegen eine vertrags- mässig festgesetzte Vergütung entweder dem Postmeister des Ortes oder einem andern öffentlichen Beamten, der nicht dem Telegraphendienste angehört, unter der Bedienung überlassen, dass er sich selbst und auf seine Kosten die Beihilfe die er nöthig hat, verschaffe. Bei anderen Stationen zweiten Ranges wird dem Leiter, welcher ein eigent* licher Telegraphenbeamter ist, ein fixer Gehalt gezahlt, damit er sich ausschliesslich dem Dienste widme. Bei Stationen dieser 2. Kategorie steht es den Vorstehern frei, unter ihrer persönlichen Verantwortlichkeit zu verwenden, wen sie wollen, vorbehaltlich der Genehmigung des Generaldirektors. Häufig genug nehmen sie Frauen zu Hilfsarbeiterinen, hauptsächlich ihre Frau oder Tochter. Es gibt ebenso auch einige Stationen, in welchen die Arbeit eine sehr unbedeutende ist und deren Leitung Frauen anvertraut ist. Die Besoldung, die sie erhalten, ist eine sehr massige. Endlich wird in einigen Stationen von grösserer Bedeutung eine kleine Anzahl von Frauen, soweit e3 möglich ist, zu allen Details des Dienstes verwendet. In diesem letzteren Falle werden die Frauen eben so behandelt, wie die Super- numeraire und erhalten keine höhere Besoldung als diese. Um eine von der dänischen Verwaltung unmittelbar besoldete Stelle zu erlangen, muss die Frau dieselben Kenntnisse besitzen, wie sie von den Männern für die niederen Grade verlangt werden, hauptsächlich eine gute Schrift, eine korrekte Ortographie in der Landessprache, und einige Kenntnisse in der französischen, englischen und deutschen Sprache. Obwohl die dänische Verwaltung in diesen Anstellungen verschiedener Natur durch die Verwendung der Frauen hinreichend befriedigende Resultate erlangt hat, insbesondere was die Beförderung der Depeschen betrifft, für welche einige 1 * 32 unter ihnen eine bemerkenswerthe Geschicklichkeit bewiesen haben, ist dieselbe doch wenig- geneigt, die Zahl der gegenwärtig angestellten Frauen beträchtlich zu vermehren. Vom ökonomischen Gesichtspunkte aus scheint die Verwendung der Frauen dieser Verwaltung keine Vortheile zu bieten, da sie sich ohne Schwierigkeit mittelst eines jährlichen Gehaltes von 150—200 dänischen Rigsdalern (425— 565 Frcs.) sehr junge Leute männlichen Geschlechts verschallen kann. Nun ist dieser Gehalt das Minimum der Vergütung, welche einer Frau gewährt werden könnte und würde selbst diese noch unzulänglich sein, wenn ihr Dienst sie ausser den Ort riefe, w r o sie mit ihrer Familie wohnt, während der junge Mann sich viel leichter überall billige Existenzmittel verschaffen kann. Da zweitens das Telcgraphenperso- nale grundsätzlich verpflichtet ist, sich nach Bedürfniss des Dienstes versetzen zu lassen, so wird die Verwaltung durch die Verwendung von Frauen, die oft nicht ohne Unzukömmlichkeit versetzt -werden können, in ihrer Handlungsfreiheit eingeschränkt. Endlich ist es oft schwierig, den Frauen Posten anzuweisen, welche ihrem Geschlechte entsprechen, insbesondere in den Bureaux, wo sie genöthigt sind, mit Männern zusammen zu arbeiten, und sie stehen überhaupt, auch die geschicktesten, als Beamte den Männern nach, sowohl was Ausdauer, als Geschicklichkeit betrifft. Obwohl anscheinend in ähnlichen Verhältnissen, wie die dänische, gelangt die norwegische Verwaltung, welche der Verwendung der Frauen weiteren Spielraum lässt, zu ganz verschiedenen Schlussfolgerungen: In Norwegen werden unverheirathete Frauen seit dem Jahre 1858 in den Tele- graphenämtern verwendet. Sie müssen 20 bis 30 Jahre alt sein, eine gute Gesundheit, eine Erziehung wie sie gewöhnlich für Gouvernanten verlangt wird, genossen haben, eine gute Schrift besitzen, mit Genauigkeit rechnen und ausser den skandinavischen Sprachen die französische, deutsche und englische Sprache soweit kennen, um korrekt Dik- tando schreiben zu können. Die norwegische Verwaltung kündigt in den Zeitungen an, dass sie Elevinen braucht, und w T ählt dann aus den Kandidatinen, w r elche sich melden, die ihrem Bedarfe entsprechende Zahl. Diesen Bewerberinen wird gestattet, im Bureau eines Inspektors einen Kurs über die für den Telegraphendienst speciell nothwendigen Kenntnisse, der 3 — 4 Monate dauert, zu hören. Ausser den praktischen Uebungen hält ihnen der Inspector eigene Vorträge über die theoretische Telegraphie. Am Schlüsse des Kurses legen die Bewerberinen eine Prüfung ab vor einer Kommission von drei, von der Verwaltung ernannten Examinatoren. Die Prüfung ist theils mündlich, theils schriftlich. Nachdem sie dieselbe bestanden haben, erhalten sie erledigte Dienstposten mit dem Titel „Elevinen“ und 560 Frcs. jährlichen Gehalt. Später, wenn neue Vakanzen entstehen, rücken sie unter die Zahl der ordentlichen Beamten mit 840 Frcs. Besoldung vor. Dieser Gehalt steigt auf 1100 Frcs. w r enn sie zur Leitung kleiner Stationen bestimmt werden, oder w r enn sie eine gewisse Dienstzeit zurückgelegt haben, so dass gegenwärtig beiläufig die Hälfte das Maximum von 1100 Frcs. bez’eht. Die entsprechenden Gehalte der Beamten männlichen Geschlechts wechseln zwischen 1100 und 2000 Frcs. nach ihrem Range oder ihrer Dienstzeit. Wenn sie sich verheirathen, müssen die Frauen ihr Amt niederlegen. Die norwegische Verwaltung verwendet die Frauen sowohl in den kleinen Stationen, deren Dienst von Einer oder I von Zweien versehen wird, als auch für den Tagdienst in den grossen Stationen, die von einem Inspector geleitet werden, und zwar allein oder zusammen mit Männern. Gegenwärtig sind 46 Frauen unter diesen Bedingungen angestellt, aber ihre Zahl soll vermehrt werden. Die norwegische Verwaltung schätzt sich glücklich den Frauen diese Stellen eingeräumt zu haben, indem sie folgendes bemerkt: „Ohne zu rechnen, dass vom ökonomischen Gesichtspunkte aus die Frauenarbeit gegenüber jener der Männer grosse Vortheile bietet, so leben die Frauen, da sie weniger Bedürfnisse als die Männer haben, leichter mit ihrem geringen Gehalte, als diese mit dem ihrigen. Trotz der Geringfügigkeit der Besoldungen, findet man unter den Frauen leichter als unter den Männern ein Personale, welches den höheren Klassen der Gesellschaft angehört, und welches nichtsdestoweniger mit der Lage, welche ihm geboten wird, zufrieden ist. „In unserem Lande und in der Mehrzahl der Staaten, bemüht sich eine grosse Anzahl von Staatsbeamten und ihnen in gesellschaftlicher Beziehung glcichste- hende Personen, ihren Töchtern eine gute Erziehung zu geben, da sie ihnen eine andere Erbschaft nicht hinterlassen können, und die Eltern sind glücklich, ihre Kinder auf diese Weise unter den Schutz des Staates gestellt zu sehen. Diese Verhältnisse bringen es mit sich, dass sehr distinguirte Frauen in den Telegraphendienst treten, welche bedeutend dazu beitragen, unsere Anstalt in der öffentlichen Meinung zu heben. „Was den eigentlichen Dienst betrifft, nämlich die Pünktlichkeit, Ordnung, Geschicklichkeit in der Handhabung de Apparate, sowie die praktische Befähigung , so lassen die Frauen nichts zu wünschen übrig. So sind bei Tage die internationalen Linien fast immer von ihnen bedient und die korrespondirenden Stationen haben sich über diese Einrichtung immer befriedigend ausgesprochen.“ Die norwegische Verwaltung kon- statirt übrigens, dass die Frauen im Allgemeinen weniger der Ermüdung widerstehen, als die Männer. In gleicher Weise wie die dänische Verwaltung erkennt sie auch an, dass eine Verwaltung immer einige Beengung empfindet, wenn sie über ihr Personal nicht frei verfügen kann und genöthtigt ist, auf Verhältnisse Rücksicht zu nehmen, die für ein Bureau einen Leiter des einen oder anderen Geschlechts erheischen können, und wenn sie endlich der grösseren Abhängigkeit der Frauen Rechnung tragen muss, die für dieselbe den Wunsch, in der Nähe ihrer Familie verwendet zu werden, so natürlich macht. Aber trotz dieser geringen Unzukömmlichkeiten betrachtet sie dieselben als vorzüglich geeignet für den Telegraphendienst und glaubt, dass es für die sociale Stellung der Frauen im Allgemeinen von grosser Bedeutung ist, wenn ihnen der Staat nach und nach gestattet, für ihre Existenz durch Uebernahme aller jener Functionen zu sorgen, welche sie auszuüben im Stande sind. (Fortsetzung folgt.) Ueber die Nothwendigkeit der Anlage unterirdischer Telegraphen-Leitungen überhaupt und in Wien insbesondere. Die Verwaltung der Telegraphen des Norddeutschen Bundes, deren reges Bestreben für die Entwicklung des Telegraphenwesens nicht genug gewürdiget werden kann, hat so eben eine beachtens- wertbe Abhandlung über die Nothwen- digkeit der Anlage unterirdischer Telegraphenlinien und zwar speciell in Bezug auf Norddeutschland veröffentlicht, welcher wir folgende Stellen entnehmen: Die elektrische Telegraphie, erst seit zwei Jahrzehnten im praktischen Leben angewendet, ist bereits zum einflussreichsten Mittel für den Nachrichten-Verkehr geworden und hat eine so tief eingreifende Wirkung auf alle Verhältnisse des Staatslebens erlangt, dass es als überflüssig erscheinen muss, ihre Wichtigkeit für das Letztere noch besonders hervorzuheben. Indem sie die Nachrichten auf die grössten Entfernungen mit Gedankenschnelle übermittelt, rückt sie gleichsam alle durch die Leitungsdrähte verbundenen Städte, Länder und Welttheile nahe zusammen und überwindet Raum und Zeit in wunderbarster Weise, so dass sie jetzt schon für Handel und Wandel, für die Familie, im Kriege und im politischen Leben geradezu unentbehrlich geworden ist. Die kleinste Stadt vermag heute nachzuweisen, dass der Besitz dieses geistigen Verkehrsmittels für sie als Bedürfniss zu betrachten ist. Für den Umfang der in dieser Beziehung gemachten Ansprüche zeugen die zahlreichen auf allen grösseren Verkehrswegen befindlichen Telegraphen-Leitun- gen und nur mit äusserster Anstrengung ist es bisher gelungen, diesen Ansprüchen einigermassen zu genügen. Mit der Steigerung derselben und mit der Zunahme der Leitungsdrähte an den Gestängen vermehrt sich die Schwierigkeit der Befriedigung und in demselben Masse vormindert sich, wie man behaupten kann, die Möglichkeit, dass der elektrische Telegraph der an ihn gestellten Hauptanforderung „ein zuverlässiger Träger des Nachrichten- Verkehrs zu sein“ zu entsprechen vermag. Der Grund für diesen Uebelstand ist ip dem jetzt vorzugsweise gebräuchliche^ Constructionssistem der Telegrapheh- Linien zu suchen. Die Uebermittelung der telegraphischen Nachricht geschieht bekanntlich durch aufeinander folgende Impulse des elektrischen Stromes, welche vermittelst Apparate auf der die Naehricht gebenden Station dem Leitungsdrahte mitgetheilt werden und, fast mit der Geschwindigkeit des Lichtes sich fortpflanzend, die Apparate der empfangenden Station in einer den Beamten verständlichen Weise in Bewegung setzen. Die Grundbedingungen für die Fortpflanzung des elektrischen Stromes sind, ganz abgesehen von den Apparaten, die absolute Continuität der Drahtleitung und demnächst die gute Isolation derselben. Die geringste noch messbare Lücke in der Leitung macht jede Fortpflanzung der Elektricität und hiermit das Telegraphiren unmöglich. Mängel der Isolation, veranlasst durch Berührungen des Drahtes mit irgend welchen leitenden, mit der Erde in Verbindung stehenden Körpern, stören und erschweren die Correspondenz, indem einTheil der Elektricität hier abgeleitet wird und nur eine zur Bewegung der Apparate nicht immer ausreichende Menge derselben zur fernen Station gelangt. Ausser diesen beiden Haupterfordernissen: vollkommener Zusammenhang und möglichst gute Isolation des Leitungsdrahtes, muss die ganze Telegraphen- Anlage aber auch die gehörige Solidität und Festigkeit besitzen, um äusseren störenden Einflüssen widerstehen und ihrer Bestimmung dauernd entsprechen zu können. Es gibt nun zwei verschiedene Con- structionssisteme der Telegraphen-Anla- gen: Das der oberirdischen Telegra- phen-Linien, bei denen der Leitungsdraht in der isolirenden Luft frei aufgehängt, - 35 äü Stangen (Trägern) befestigt und durch Körper von diesen getrennt wird, welche die Elektricität möglichst wenig leiten (Isolatoren); und das der unterirdischen resp. der subaquatisehen Tele- graphen-Linien, bei denen der Leitungsdraht auf seiner ganzen Länge mit einem isolirenden und schützenden Ueberzuge versehen ist und resp. in die Erde gelegt oder in das Wasser versenkt wird. Gegenwärtig sind die oberirdischen Telegraphen-Linien fast ausschliesslich im Gebrauch, während die unterirdischen nur in Ausnahmefällen, wie bei Stadtleitungen, in Tunnels, zur Passirung von Flüssen und Seestrecken angewandt werden. (Fortsetzung folgt.) Sundschau. Inland. (Der interne Telegraphentarif) der österreichisch-ungarischen Monarchie, welcher vom 1. d. Mts. an für Entfernungen bis zu 10 Meilen auf 40 kr., und für alle grösseren Entfernungen auf 60 kr. per einfache Depesche festgesetzt wurde, wird zu Folge a. h. Entschliessung vom 2. März d. J. mit 1. Juli eine weitere Herabsetzung in der Weise erfahren, dass der Gebührensatz von 40 kr. auf Entfernungen bis zu 25 Meilen zur Anwendung kommen wird. Von dem letzteren Zeitpunkte an tritt an Stelle des gegenwärtigen Zonentarifsistems das im Art. 5 und 6 des Vereins-Telegraphenvertrages dto. Baden-Baden, den 25. October 1868 erörterte Taxquadrat-Tarifsistem (vergl. Nr. 10 und 11 des Telegramm, Jahrgang 1868.) (Die officielle Wiener Börsencurs- Cursdepesche,) welche von Wien täglich an alle Staats - Telegraphenstationen zur öffentlichen Affigirung befördert wird, wird vom l.Maid.J. an folgende Notirungen enthalten: Einheitliche Staatsschuld in Noten, » » » Silber, 1860er Staatsanlehenslose, Bankaktien, Creditaktien, London, Silber, Napoleond’ors. (Vermehrung der Telegraphen-Inspec- toren, Commissäre, Verwalter und Controllore.) Die fortschreitende Ausdehnung des Telegraphennetzes im Bereiche der k. k. Telegraphen-Verwaltung hat eine angemessene Vermehrung des leitenden Personales der Anstalt nöthig gemacht, zu welchem Behufe neue Tele- graphen-Inspectorate in Graz und Beichenberg errichtet, ferner 2 Inspectors-, 2 Commissärs- und 2 Controllorsstellen für Graz undEeichenberg, 1 Verwaltersstelie für Eagusa, dann 2 Controllorsstellen für Triest und 1 gleiche Stelle für Zara neu besetzt werden sollen. Verschiedenes. (Schnelligkeit des elektrischen Stromes.) Professor Gould hat gefunden, dass die Schnelligkeit des elektrischen Stromes in den transatlantischen Kabeln 7000 bis 8000 Meilen in der Sekunde beträgt, und hingegen nur insoferne etwas abweicht, als der Strom beide Kabel oder ein Kabel und die Erde durchlauft. Bei Luftleitungen hat der elektrische Strom nahezu die doppelte Geschwindigkeit, und zwar nimmt die Letztere im Verhältnisse des Abstandes der Telegraphendrähte von der Erde, und beziehungsweise mit der Höhe der Telegraphen- Säulen zu. In unterirdischen Drähten ist der Stromlauf nicht schneller als in unterseeischen Leitungen, während seine Geschwindigkeit bei Luftleitungen von mittelmässiger Höhe gegen 12,000, bei Luftleitungen von bedeutender Höhe aber gegen 16.000 bis 20.000 Meilen in der Sekunde beträgt. (Schutz des Eisendrahtes vor Oxidation.) Macmillan und Macgregor in Dumbarton und Glasgow haben ein neues Mittel zum Schutze des Eisendrahtes gegen Oxidation vorgeschlagen, welches darin besteht, dass man das Eisen in Berührung mit geschmolzenem Schwefel bringt. Es bildet sich hierbei an der Oberfläche des Eisens eine dünne Schwefel- schichte, welche bald hart wird und das Metall vollkommen vor den Einflüssen der atmosphärischen Luft bewahrt. Personal-Nachrichten. Der bisher mit der Führung des Telegra- phen-Centralamtes in Wien betraute Telegra- phen-Commissär Ferdinand Premier ist gestorben. 36 - Eröffnung neuer Vercins-Telc- graphen-Stationen. Neue Yereins-Telegraphen-Stationen sind eröffnet worden in Oesterreich-Ungarn. Station: mit dem Tarife von Barszczowice (F-L) in Galizien, Lemberg. Kis-Körös (L) in Ungarn, Tolna. Kßiaze (F-L) in Galizien, Zloczow. Kun SzeHtMiklos( L) in Ungarn, Duna-Földvär. Ozydöw (F-L) in Galizien, Schelletau (L) in Mähren, Szabadsallas (L) in Ungarn, Zablötce (F-L) in Galizien, ZadwÖrze (F-L) in Galizien, Baden. Station: Haagen (L), Mfillingen (L), Sauldorf (L), Schwackenreuthe (L), Zizenhausen (L), Nord-Deut Station: Burg-G( münden (F-Ci, Grossenbusek (F-c), Grossenlftder (F-C), Haselünne (C), Lieh (F-C) Renzendorf (F-C), Salzschlaf (F-C), Stockheim in Hessen (F-C), Zell-Romrod (F-C), W ft r t t e'-m her Brody. Iglau. Duna-Földvar. Brody. Lemberg. mit dem Tarife von Schopfheim. Stockach. Stockach. Stockach. Stockach. c h 1 a n d. mit dem Tarife von Marburg. Giesen. Fulda. Lingen. Giesen. Marburg. Fulda. Frankfurt a.M. Marburg. &• Station: mit dem Tarife von Einsingen (C), Ulm. L bedeutet: beschränkter Tagesdienst. C „ voller Tagesdienst. F „ Eisenbahn-Telegraphenstation. Durch die Expedition des „Telegramm“ und durch alle Buchhandlungen ist zu beziehen: Der Hiighes’sche Typendruck-Apparat von Dr. J. Stark. Separat-Abdruck aus der Zeitschrift „Das Telegramm.“ Preis 1 fl. ö. W. Die Broschüre ist 5 Druckbogen s*ark und enthält 6 grosse Tafeln mit der vorderen, oberen und perspektivischen Ansicht des Apparates und seiner Details. - Wichtig. Mit Rücksicht auf die zufolge Allerhöchster Entschliessung von 2. März 1870 genehmigte Telegraphen-Tarifherabsetzung berichtigter Allgemeiner Telegraphen-Tarif zur Berechnung der Gebühren für die Beförderung telegrapischer Depeschen nach allen in- und ausländischen Telegmphenstationen nebst den für die Abfassung, Beförderung und Zustellung telegraphischer Correspondenzen geltenden Bestimmungen. Herausgegeben mit Genebmhaitung der k. k. Staats- Telegraphen-Direktion von L. J. Wolschitz, k. k. Sekretär. Mit einer Karte des europäischen Telegraphen- Netzes. Druck der k. k. Hof- und Staatsdruckerei in Wien. Selbstverlag von L. J. Wolschitz, Margarethenstrasse Nr. 7. Der „allgemeine Telegraphentarif“ kostet 1 fl. 10 kr. ö. W. mit colorirter und 1 fl. ö. W. mit nichtcolorirter Karte. Derselbe ist hei den Stationen der Wiener Privat-Telegraphen-Gesell- schaft eingefiihrt und durch alle Buchhandlungen zu beziehen. Wilhelm Weimer, Mechaniker, Wien, Wieden, Neumannsgasse Nr. 5, verfertiget alle Gattungen elektrische Telegraphen-Apparate und Batterien, Haustelegraphen, elektrische Uhren, sowie auch Feldtelegraphen-Apparate neuester Form, welche sehr verlässlich sind. Von diesen Apparaten stehen in Russland bereits 48 Stück im Gebrauche. Karte des europäischen Telegraphennetzes mit Angabe der Ilauptverbindungeu und Anschlusspunkte der internationalen Linien. H^ausgegeben von L. J. Wolschitz. Wien, 1869. Die Karte ist 12 Zoll hoch und 18 Zoll breit Preis eines colorirten Exemplares . 35 kr. ö. W. „ „ nicht colorirten „ . 25 kr. ö. W. S. 9—12 des Internationalen Telegraphen-Vertrages. Druck von F. B. Geitier, Albrechtgasse 4, in Wien.