L—. s -. -2M: EU < ^ ^-> v -< .< 6c>ch über dem §eind. Nach einer Originaizeichnung von L. Hanetzag. vtt Mg in veuMK-5üM;taMa IM-I-Stz. Von f^. Schwabe löauptmann im Infanterieregiment von Do^sn (5. Ostpr.) Nr. 41, kommandiert zur Dienstleistung beim kriegsministeriurn. Mit tb Kunstbeilagen und zahlreichen ^ext - Illustrationen. lZerlin 1907. Verlag von L. 6. Weller 5Ms Rechte insbesondere Las der Übersetzung.vorbehalten. Inhaltsverzeichnis. Seite Literaturverzeichnis. VI Vorwort.VII 5l. Zur Einführung. Die ältere Oeschichts Osutsch-Südwestakrikas. Die Entdeckungsgeschichts Südafrikas. — Oie ersten Europäer fassen festen §utz. - Verhältnis zu den Eingeborenen. - Entdeckung und frühere Beschichte Osutsch-Südwestakrikas. — Die kämpfe der Bottsntotten gegen die Bsrero. Südwestakrika unter deutscher Herrschaft. — Oie ersten kämpfe der Deutschen gegen Bottsntotten und Bsrero l893 1898. - politische Betrachtungen. - Die äthiopische Bewegung . I Oie allgemeinen Landesverhältnisse des Schutzgebiets. Der Oukbau des Schutzgebiets. - Die küstsnlandschaktsn. - Das Bmbo-, Bersro- und Brotz-Oamaland. — Die Wasssrverhältnisse - Oie eingeborene Bevölkerung: Ovambo, Bersro, Bastards, Bottsn- totten, Bsrgdamara, Buschmänner. 23 Oie allgemeine politische Lage zu Beginn des ^ahres1904 39 Oie deutschen Machtmittel. Oie Schutztrupps. — Stärke und Verteilung. — Ausbildung und Bewaffnung. - Bis Stationen. - vas Transportwesen. - Oie Pferde. Oer Ltufstand der Bondelzwarts . 49 lZ. Der Aufstand der lerere. Oie Lage im Linkang )anuar 1904 . 58 Oie Bersro. ... 60 Oie Gründe des Llukstandss. ... 70 Oer Ltusbruch des pukstanües.71 Swakopmund. - - 75 Okahandja und >Vindhuk. 94 Omaruru und Okombahe. 99 Oer Osten.105 Oer Borden . . ,.108 >Vaterbsrg. 114 XVeitere Mordtaten der Bsrero.115 Otjimbingwe.116 Oer Zug des Oberleutnants von Zülow .117 vas Lingreiken 3. M. S. „ Babicht".122 IV 5cite Die Deutschen gehen zum Angriff über. Die 2. §eldkompagnie. .134 Maßnahmen in der Heimat.151 Das Eintreffen der ersten Verstärkungen.152 Die allgemeine Lage und die Schwierigkeiten der Kriegführung 160 Der Zug des Hapitänleutnants O^gas ins Swakoptal und der Eruppenbsfehl vom 15. §ebruar 1404 ,62 Die Operationen der Ostabtsilung. Der Vormarsch nach Osten. — Das Erkundungsgekscht bei Owikoko- rsro. — Im Lager von Onjatu. — Der Sieg bei Okaharui. - Abmarsch nach Otjihasnsna. — Auflösung der Ostabtsilung ... 164 Die Wsstabtsilung.186 Die Hauptabteilung.145 Erneuter Vorstoß ins Swakoptal.146 Weitere Vorbereitungen kür den Angriff der Hauptabteilung >44 Das Oefecht bei Onganjira ..201 Das Oekecht bei Oviumbo.204 Die weitere Tätigkeit der deutschen Druppsn bis Mitte )uni 1404. Organisatorische Maßnahmen.215 Die Lage im Mai und die Wiederaufnahme der Operationen. Oberst Leutwein gibt den Oberbefehl an Generalleutnant von Drotha ab.220 Der Entschsidun gskampf am Waterberg. Generalleutnant von Lrotha und die neuen Verstärkungen . 226 Die erneute Aufnahme der Operationen.235 Der 11. und 12. August 1404 264 Die Verfolgung der Hsrero.244 Das Ende des Hersrovolkss.300 C. Der Aufstand der Hottentotten. Die Ereignisse im Groß-Damaland bis zum Oktober 1404 307 Der Aufstand der Witboi und ihrer lZundesgenossen bis zum Ende dos Wahres 1404 310 Das ^sahr 1405. Die Operationen bis Mitte ^suli.321 Die weiteren Operationen gegen Hendrik Witboi und seine Verbündeten.. . 354 Die Hämpke in den Distrikten Gibson, Grootfontein und Hethanien.362 Die Hämpfe gegen den Gandenkührer Andreas.374 V Seite Der §ortgang der Operationen bis zum Ende des Wahres 1905. käsndrik XVitbois Ende.377 Morenga und Morris. 381 Der Gethanier Cornelius.397 Die Verpflsgungsschwierigkeitsn im Groß - Namalande und die Cisenbahn Cüderitzbucht-^ubub.399 vas )ahr 1906. Die Gefangennahme des Cornelius.407 Der weitere §eldzug gegen Morenga, Morris und lohannes Christian.413 Lchlutzwort. 436 fln lagen. Anlage 1: Verzeichnis der während des läersro - 54ukstandes ermordeten Personen, sowie der im Gefecht gefallenen Personen der Zivilbevölkerung.443 pnlags 2: Übersicht der in den fahren 1904 bis 1906 nach Veutsch-Südwestafrika entsandten Cruppsntransports. . . 445 Literaturverzeichnis. IZeihsfte zur Marine-Rundschau 1905; IZsrlin, E. 5. Mittler L- Lohn. I. Die Tätigkeit des Landungskorps 5. M. L. „IZabicht" während des kZsrsro-putstandss. II. Das Marine - Expeditionskorps in Südwest - Ltkrika während des IZsrero-Liufstandss. 6ut Grund amtlichen Materials bearbeitet im Lldmiralstab der Marine. Seihskt zum Militär-Wochenblatt 1905, 6. kZekt; IZsrlin, E. L. Mittler L Sohn. Dsutsch-Südwestakrika, Vortrag gehalten in der Militärischen Gesellschaft zu IZerlin am 15. März 1905 von Schwabe, IZauptmann. Saysr, IZauptmann, Der l^rieg in Südwsstatrika und seine IZsdeutung für die Entwicklung der Kolonie; Leipzig 190b, §r. Engslmann. Deutsch-Südwsstakrikanischs Zeitung, Jahrgänge 1904- 1906. Deutsche k^olonialzeitung, Jahrgänge 1904 -1906. Deutsches l^olonialblatt, Jahrgänge 1904 1906. Die dämpfe der deutschen Eruppen in Südwsstatrika. Lluk Grund amtlichen Materials bearbeitet von der l^riegsgsschichtlichen flbteilung I des Großen Sensralstabss. 1., 2., 3. lZekt; IZerlin 1906, E. S. Mittler Lr Sohn. §ran^ois, Major L. von, Kriegführung in Südafrika. IZsrlin 1900, Dietrich Ssimer. Organisatorische Bestimmungen für die kaiserlichen Schutztruppsn in Lltrika (Schutztruppen-Ordnung.) IZsrlin 1898, E. 2. Mittler 8- Sohn. Quade, Oberstleutnant, (Zensral v. Erotha u. d. Sahn Lüderitzbucht- l^ubub, im „Eag". IZust, L., §armsr-Windhuk, I^risg und §risden im lZsrerolands. Leipzig 1905, L. L1. Mittler.. Salzmann, Erich von, Oberleutnant, lm Dampfs gegen die IZsrsro. IZerlin 1905, Dietrich Nsimsr (Ernst Vohsen.) Schwabe, IZ., Geheimer Segierungsrat, Verschiedene Llufsätzs im „Lag" über die Verkshrsvsrhältnisse in Südwsstatrika, die Eisenbahn Lüderitz- bucht-I^ubub u. ä. Schwabe, 13., IZauptmann, Mit Schwert und Pflug in Deutsch-Südwest- akrika. IZerlin 1904, E. S. Mittler 8- Sohn. Schwabe, >3., IZauptmann, Dienst und Kriegführung in den Kolonien und auf überseeischen Expeditionen. IZsrlin 1903, E. S. Mittler K Sohn. Vierteljahrshekte für Eruppenkührung und IZeerssKunde, herausgegeben vom Großen Gsneralstabe, 1904, 3. IZsft. Schwabe, IZauptmann: Einige Lehren aus dem Kriegs in Deutsch-Südwestafrika. IZerlin, E. S. Mittler k Sohn. Vorwort. ^-ast drei Jahrs hindurch wütet in unserem südwsstafrikanischen Schutz- ^ gebiet ein l^rieg, wie er leidenschaftlicher und erbitterter kaum jemals auf kolonialen Schauplätzen geführt worden ist. Dur Wenige haben bei IZsginn des löersro-Dufstandes die Schwere dieser dämpfe vorausgesehen, die dem deutschen Volks so große Opfer auferlegen sollten. Major von §ran^ois, der ehemalige Landeshauptmann des Schutzgebiets, schrieb Jahre vor dem .Ausbruch des Krieges: „Man ist in Deutschland zu sehr geneigt, die Schwierigkeiten zu unterschätzen, welche überseeische Expeditionen, und besonders solche in Deutsch-Südwestafrika, verursachen. Den Mühseligkeiten und Entbehrungen, den Anstrengungen und (Zekahren, die derartige Expeditionen mit sich bringen, fehlt und muß kehlen der schnelle durchschlagende Erfolg, den der lxolonialkreund ungeduldig erwartet. Ein veni, vidi, viel gibt es in Süd- westakrika nicht, nur langsam kommt man vorwärts, nur langsam wird sich der Widerstand der Eingeborenen völlig brechen und die lZesisdslung durchführen lassen. — In Südwestafrika liegen die Verhältnisse ganz besonders schwierig. Mehr denn zwei Jahrhunderte haben löolländsr und Engländer gebraucht, um den Widerstand der Eingeborenen in ihren südafrikanischen Kolonien zu besiegen. Dun sitzt der unabhängige Aest der Eingeborenen, welche den löolländern und Engländern 250 Jahre hindurch das Leben schwer gemacht haben, in unserer jungen Kolonie. Aber nicht mehr Speer und Sogen führen diese Leute, sondern vorzügliche Sinterladergewehrs, und nur der Macht sind sie geneigt zu weichen." - Diese prophetischen Worte haben in den Ereignissen der letzten sjahrs ihre volle Ssstätigung gefunden. Wild war der Llngrikk, zäh der Widerstand der kriegerischen eingeborenen Völker, aber ihr fanatischer Mut, ihre nomadische Verwegenheit brach zusammen vor der unerschütterlichen, hingebenden und glänzenden Tapferkeit der deutschen Streiter, die uns aus jedem Sekechtsbild von neuem entgegsnleuchtet. Ob im glühenden Sonnenbrand der Steppen, ob in den eisigen Dächten der weiten Sochländer — der deutsche Soldat hat dort unten im kernen Lands stets seine Pflicht getan. Das sollen die nachfolgenden Schilderungen dem deutschen Volks zeigen! — Der Dank der Verlagsbuchhandlung und des Verfassers gebührt an dieser Stelle den Serrsn Oeheimrat prof. Dr. 6. §ritsch, Oberstleutnant von Slasenapp, Sauptmann Volkmann und Sauptmann Sa^sr, die das Such durch Überlassung wertvoller photographischer Aufnahmen bereichert haben. 6r. Lichterfelde, im Oktober 1406. Der Verfasser. Oie ältere Geschichte Veutsch-Südwestatrikas. Die Entdeckungsgsschichie Südafrikas. Die ersten Europäer fassen festen §utz. — Verhältnis zu den Eingeborenen. — Entdeckung und frühere (Zeschichte Deutsch - Süü- wsstafrikas. — Die dämpfe der löottentottsn gegen die löerero. — Südvvsstafrika unter deutscher Herrschaft. — Die ersten dämpfe der Deutschen gegen IZottentotten und lösrero 1843 1848. — politische IZetrachtungsn. Die äthiopische Devvsgung. iskes Dunkel liegt über der älteren (Zeschichts unseres süd uisscafrikanischen Schutzgebiets, und bis in die neueste Zeit — bis um die Mitte des vorigen Jahrhunderts — sind die Dachrichten, die wir über das ferne Land und seine lZswohnsr haben, spärlich und lückenhaft. Llnd doch liegt die Entdeckung dieser südlichen Lüsten um viele ^ahr- Hunderts zurück. - Sie erfolgte zur Slütezsit Spaniens und Portugals, zu der Zeit als die Auffindung des Seeweges nach dem schätzsrsichsn Wunderlands chidisn das Problem und die hsitze Segler der vornehmsten I^ulturnationsn Europas bildete. Damals nahm man mit Ssgeisterung die Entdeckungsfahrten wieder auf, die vor Jahrhunderten die Söhne phöniziens weit über die Meers geführt hatten; damals erwuchs von neuem dem Menschengeschlechts die weisheitsvolls Erkenntnis, datz die Meers kein trennendes, daß sie vielmehr ein verbindendes Element seien. Lind in diesem lZswuhtssin ist im Lauf der Jahrhunderts — von grauer Vorzeit an bis zu unseren Lagen - ein töser von Abenteurern und von Entdeckern, von kühnen Seefahrern, tatendurstigen Kriegern, von Kaufleuten, Männern der Wissenschaft und Religion hinausgezogen in das Ongewisse, losgerissen von der Ssimat, nur ihrem Stern folgend und vertrauend. Verschiedenartig wie ihr löandwsrk waren auch die Lriebtsdern ihrer Wagnisse: Die Segler nach Auhm, Ehre, Reichtum und lösrrschgewalt sind die ursprünglichsten und menschlichsten, denen später idealere, die erstrebte Ausbreitung des löandels, des Volksgebiets, der Aeligion, die Vervollkommnung der Wissenschaft und endlich die Lösung sozialer Problems ßrleg 1904 >406. 1 2 vis ältere Beschichte Veutsch-Südwestakrikas. folgten. Und all' diese Entdeckungsfahrten hatten etwas ungemein Nationales an sich, denn dem glücklichen Abenteurer und Entdecker folgten die vielgsschmähten Eroberer, die „Konquistadoren", folgte die wohl- organisierte und -durchdachte Expedition, die zur Besitzergreifung der Entdeckung führte. So entstanden die ersten Bändels-, Plantagen- und Sisd- lungskolonien; so vertiefte sich allmählich das Bild des Erdkreises. Aber einer großen Anzahl der ersten Entdeckungen in ferner Vorzeit war ein seltsames Schicksal beschieden: das des Vsrgessenwerdsns. Gewaltige Ereignisse der Weltgeschichte lenkten das Interesse der Menschen in andere Bahnen, Expeditionen verschollen und zogen die Kenntnis ihrer Entdeckungen mit sich ins Grab. Meteorglsich oder wie eine §ata Morgana, ein „Mirage", ist so die Bunds von der Existenz weiter Länder aufgetaucht, um bald darauf wieder im Dunkel zu versinken und später — nach vielen Jahrhunderten oft - aufs neue und nun endgültig wieder zu erstehen. Dies Schicksal traf auch das atlantische Afrika der Phönizier. Als ihre Epigonen treten erst wieder Spanier und Portugiesen und die Söhne der seefahrenden Städterepubliksn Italiens im t4. und lö. Jahrhundert auf den Plan, auk dem Wege nach dem kernen Indien, dem „Phantom der Ehr^se", des Goldes, folgend, das, wie unser großer Geograph Bichthoken sagt, ihnen den weiten Weg erhellte. In unsicheren Bonturen zuerst - dann deutlicher und immer deutlicher traten aus märchenhaftem Dunkel die Büsten West-, Süd- und Ostakrikas hervor. Bier die blutigen Degsrdespotisn der Elfenbein-, Gold- und Sklavenküste, dort - am Südends des gewaltigen Erdteils — aus dem Debelmeers das Babo tormsntoso, das „Vorgebirge der Stürme", umspült von wilden gefahrvollen und gekürchtetsn Gewässern, und endlich die Ostküsts Afrikas in ihrer herrlichen Iropsnpracht. Prinz Bsinrich der Seefahrer ist der genialste Sohn dieser Zeiten. Das Innere des schwarzen Erdteils bietet damals unter dem Wogen einer gewaltigen Völkerwanderung das Bild eines brodelnden Bexenkessels, und in diesen wilden Wirrwarr hinein wird zum ersten Mal das christliche Breuz getragen. Die Portugiesen Bartolomeo Diaz und Diogo Lao, die im Jahre 148b das Bap der Stürme umsegelten, müssen als die Entdecker unseres heutigen Schutzgebiets gelten. Auf dem kelsgepanzsrten, brandungumpsitschten Bap Die Entdeckungsgeschichte Südafrikas. 3 Meergewaltigen Rolland und England treten auf im Wettbewerbs, um die sagenhaften Schätze dieser Breiten, um das Ophir der Bibel wiederzufinden, Erotz erhob sich eins Marmorsäule, die im ^sahre 1893 auf Bskehl Seiner Majestät des Kaisers nach Deutschland überführt und auf ihrem Standort durch eine neue ersetzt wurde. Das verwitterte Denkmal trägt die Inschrift: „Im )ahre 6685 nach Erschaffung der Welt und 1485 nach Christo ließ der erhabene und glorreiche Bönig D. )oao II. von Portugal dieses Land entdecken und diese Säule errichten durch seinen Bitter Diogo Läo." — Gleichwie aber für uns das heut von den tausend Lianen des tropischen Likerwaldes umrankte und wie in tiefem Zauberbann ruhsndeBrotz- §riedrichsburg, die Gründung des Großen Kurfürsten, versunken ist, so versank auch die Entdeckung Diogo Eaos, um erst nach käst vier Jahrhunderten wieder zu erstehen. ßurz nach den Portugiesen und Spaniern erscheinen aber auch germanische Völker in diesen südlichen Ozeanen. Die 4 Die ältere Ssschichts Oeutsch-Südwestakrikas. das man von jeher in Afrika gesucht hatte, und an den Gestaden des süd- atiantischen und indischen Ozeans werden in der Folgezeit gewaltige dämpfe ausgekochten, die entscheidend sind kür den Besitz der Süd- und Ostküsts Afrikas. Wenn es den Portugiesen auch gelang, ihre Berrschakt in weiten 6e bieten des westlichen wie östlichen Südafrikas bis auf den heutigen Cag zu behaupten, so ging der Besitz der Südspitze - des Baplandes — kür sie doch schon früh an die Bolländer verloren, denen hier wiederum zu Beginn des 1d. Jahrhunderts, seit 1815, die Engländer in der Berrschakt folgten. Vie ersten Europäer, die an den buchtenreichen Lüsten Südafrikas festen §utz katzten, fanden diese Länder von kriegerischen, starken und widerstandsfähigen Bottsntotten - und Bsgsrstämmen besetzt. Die Beziehungen zu diesen waren zunächst durchaus freundschaftliche, aber der gewinnbringende Austausch von Waren zog immer neue Einwanderer herbei, man rüstete Expeditionen aus, die tief in das Innere vordrangen, und die ersten Siedlungen und Staatengebilde entstanden, in denen die überlegene Cultur der Europäer den bis dahin frei umherschweifenden Eingeborenen eins untergeordnete Stellung und die Befolgung ihnen ungewohnter und lästiger Sssetze zuwies. Bas alles veränderte das friedliche Bild. Bis Eingeborenen wichen zwar zunächst zurück, bald jedoch folgten Zerwürfnisse und dämpfe mit den immer weiter nachdrängenden Europäern. Osr Besitz von Feuerwaffen brachte diesen mühelose Siege in den ersten kriegen, aber bald nahm die Lage überall dort einen bedrohlichen Charakter an, wo im Laufs der Zeit der Bändel auch den Eingeborenen die §susrwaffs in die Bände tioronna-kottentott. pi-of. Dr. T. kritlck pliot. gespielt hatte. Und wo ist dies in Afrika nicht der §all gewesen?! Ein Beer gewissenloser Bändler, nur auk eins möglichst schnelle persönliche Bereicherung bedacht, überflutete bald überall dort, wo nur Europäer bereits festen §uh gekotzt hatten, von den Büsten aus vordringend das Innere bis zu den fernsten zugänglichen Punkten. Die ersten Europäer fassen festen §utz. 5 Und da die Eingeborenen nur zu bald die Uebsrlegsnheit der §euer- wakken gegenüber Speer und Bogen, Keule, Messer und Schild erkannt hatten, richtete sich ihr Begehren stets in erster Linie auf den Erwerb der neuen Waffen. Zumal, da sie zumeist )ägsr- und krisgervölker waren. — So wurde das Feuerrohr" bald allüberall der beliebteste Handelsartikel, für den die umherziehenden, die „Wander"-Bändlsr — okt Llbenteurer schlimmster Battung im Austausch für die Produkts des Landes enorme Bswinne erzielten. Ungeheuere Mengen von Bewehren, Pulver und Blei wurden von den Zeiten der ersten Berührung bis in unsers Eage den Eingeborenen zugeführt, und Sklaven, Bold und edle Steins, Elfenbein, Vieh, Pferde, Wildfelle und anderes mehr bildeten die Eauschwaren. Baß diese oft erst durch Ueberkälle auf benachbarte Stämme erbeutet wurden, schreckte die Bändlsr von dem lohnenden Beschäkt nicht ab. Waren sie doch gerade bei den wildesten räuberischen Völkern, denen sie das „Handwerkszeug" erneuerten, gern gesehen und stets willkommen. Sie wurden mit §reudsn begrüßt, selbst wenn der Stamm gerade mit den Weißen in §ehde lag. Sehr spät erst meist viel zu spät, um verlustreiche schwere kämpfe zu vermeiden - haben die meisten bssitzergreikenden europäischen Staaten scharks Waffen- und Munitionseinfuhrverbots kür ihre Bebiets erlassen oder mit mehr oder weniger Blück und Erfolg versucht, die Eingeborenen zu entwaffnen, was okt zu harten kämpfen führte. Und so finden wir heutzutage in käst ganz Llkrika von den Küsten bis weit ins Innere die nationalen Waffen der Eingeborenen durch das §eusrgewehr verdrängt, und in Südafrika sieht der eingeborene, fast durchgehends mit dem Hinterlader bewaffnete Krieger eines noch freien, herrschenden Stammes mit mitleidigem Lächeln auf den Sklaven herab, der sich im Besitz eines Vorderladers glücklich schätzt. Batts somit der Europäer in unglaublicher Licht- und Sorglosigkeit der allmählichen Bewaffnung seines §eindes - des „schwarzen" oder „gelben" Mannes — Jahrzehnte hindurch zugesehen, so hatte er später die bitteren §olgen seiner Nachlässigkeit zu tragen, denn in den seltensten §ällen ist es dann gelungen, den Eingeborenen die ihnen über alles teuere Waffe wieder zu entreißen, und in diesen seltenen §ällen niemals ohne blutige kämpfe. Ltm erfolgreichsten haben die vollständige Entwaffnung der Ein geborenen mit furchtbarer Energie und Bärte die Buren in Südafrika durch 6 Die ältere beschichte Oeutsch-Südwestakrikas. geführt, denn sie erkannten wohl, daß ein Oebist, das Massen bewaffneter Eingeborener birgt, keine Sicherheit für einen dauernden §riedsn, für das §ortkommen des weißen Mannes und seiner Cultur bietst. Llbsr neben der stetig fortschreitenden Erstarkung der Widerstandsfähigkeit der südafrikanischen Eingeborenen durch den Sande! mit §euer- waffsn hat noch ein anderes Moment lange Zeit hindurch erschwerend auf die endgültige Erschließung Südafrikas eingewirkt: ftm Susgang des 18 . Jahrhunderts nämlich drangen neue, starke und kriegerische ßaffern- stämms sowohl im Osten wie im Westen — über den Sambesi und Okavango — vor und marschierten in die südlich dieser Ströme liegenden Länder ein. Die käst zahllos zu nennenden — Sriege der Suren und Engländer gegen die Sottentotten- und Satfsrnstämms, von letzteren besonders gegen die Sulu, IZasuto, Oriqua und Matabels, geben ein lebhaftes Süd von der Schwierigkeit der Sümpfe gegen diese wildkriegerischsn, zahlreichen und kräftigen Völker. Und doch ist trotz gewaltiger Snstrengungsn die „Lin- geborsnenfrags" im britischen Südafrika nur zum Eeil gelöst: Die Macht der „gelben Sasse", der Sottentottsn, ist zwar vollständig gebrochen, aber die Sakkernstämme stehen noch heut als ein §aktor da, mit dem gerechnet werden mutz, besonders da sie sich im (Zsgensatz zu den Sottentotten dauernd stark vermehren. — Nur ein (Zebist blieb bei der allgemeinen Erschließung Südafrikas zeitlich weit zurück: unser heutiges Dsutsch-Südwestafrika. Während im Norden des Sunensklusses - in Ltngola — die Portugiesen und im Süden des Oranjs, des „Orotzflusses", die Solländer schon seit Jahrhunderten festen §utz gefaßt hatten -- ja, als in neuester Zeit bereits ein reicher Sranz blühender und aufstrebender Städte die Süsten des Ntlantischsn und Indischen Ozeans zierte, als Sapstadt und Port Elisabeth, East London und Durban entstanden und zu verkehrsreichen Handelszentren geworden waren, lag unser heutiges Schutzgebiet noch in tiefer Weltabgsschiedenheit da. Zwar waren auch an seinen Süsten, wie wir gesehen haben, kühne Seefahrer gelandet, aber weder diese noch die späteren Llmsegler des Saps der guten löoffnung hatten die unwirtlichen Strandwüsten zu weiterem Eindringen zu reizen vermocht. — Lind so blieben denn diese Sestads einsam seitwärts der großen Sarawanenstratzsn der Meers liegen, und noch bis in Die Entdeckung Deutsch-Südwsstafrikas. 7 die letzten Jahrzehnte des verflossenen Jahrhunderts sollten die Schiffe aus aller löerren Länder, die nach Südafrika segelten und dampften, achtlos an einem Lands vorüberziehen, dessen Erwerbung und Kultivierung uns Deutschen vorbehalten blieb. XVis des Menschen IZIick okt flüchtig hinwsggleitet über den Edelstein in rauher, unscheinbarer Schale - so war es auch hier. Denn es ist das 8 Die allere Geschichte Deutsch-Südwestakrikas. Versteckte, Oasenhakte dieser weiten Oebiste, das ihnen die jungfräuliche Unberührtheit bis in die jüngste Zeit bewahrte. Im besten nämlich 1450 km längs der Meeresküste hinreichend- trennt ein gewaltiger Strandwall und ein an vielen Stellen undurchdringlicher Oürtel rasch und stetig ansteigender Dünen-, Sand- und Steinwüsten das fruchtbare Hinterland vom Ozean, und ebenso wird dasselbe kern im Osten von einem Binnenland-Dünengürtsl, den wasserarmen lxalahari- und Omaheks - Landschaften und den Sumpfgsbieten am Okavango - Sambesi gegen die östlichen Orsnzländer abgeschlossen. So war also ein Zugang sowohl vom Meere wie auch vom Sinnen- lands aus beschwerlich und nicht leicht zu finden. Dies im Süden aber, dort wo der Oranjsklutz die brausenden Wasser durch die Klüfte und Schründe seines tief eingelassenen Fels- bettes dem Utlantik zuwälzt, und hoch im Norden, wo der l^unens schnell durch das flache Land dahinfließend dem Meers zueilt, liegen die Einfallstore in unser heutiges Schutzgebiet. Ursprünglich bevölkerten nur die Suschmänner, jenes rätselhafte Glied der afrikanischen Urrasss, und das Nsgervolk der löaukoin, die Ssrgdamara, das Land, unstet die unendlichen, wildrsichen Grassteppen und Sergwildnisss durchstreifend und an den weit auseinanderliegsnden Wasserstellen rastend und ihre Suschhütten bauend. Um Linde des 18. Jahrhunderts aber veränderte sich das Süd. Durch das nördliche Eor zwischen l^unens und Zunger kulckmann. Okavango brach, durch uns unbekannte Einflüsse Pros. Vr. S. krillick pliol. . hinausgedrängt aus seinen ursprünglichen nördlicheren Wohnsitzen, die Phalanx eines mächtigen Santuvolkss in das Land ein. Einer gewaltigen Flutwelle gleich überschwemmten die Ovaherero, begleitet von ungeheuren Rinderherden, die Landschaften des heutigen Damaralandes bis hinunter zu den lieblichen Ufern des Swakopklusses. Was sich ihrem Vordringen in den Weg stellte, wurde vernichtet oder zu Sklaven gemacht. Der Ssst der Suschmänner und Sergdamara floh in die unzugänglichsten Oertlichkeiten und führte dort das Leben des gehetzten Wildes. Die unersättliche Die kämpfe der iäotlsnfoNsn gegen die frerero y WMMWM Ländergisr der Ssrero aber, ein Symptom, das sich bis in die neueste Zeit bei ihnen geltend gemacht hat, veranlaßte sie, immer weiter nach Süden vorzustoßen, löier jedoch fanden sie energischen Widerstand. Südlich des Nuasgebirgss nämlich, um I^ehoboth und weiterhin im Stromgebiete des Honiierüüiien!m tiüitengediet. 10 vis ältere Seschichte Veutsch-Südwestafrikas. Auob und Dossob bis hinunter zum Oranjetlusse saßen zu Anfang des ly. Jahrhunderts bereits Stämme der Shoi-Shoin, der Daman, oder wie wir sie heute meist nennen: der Hottentotten. Unter ihnen ragte an (Dacht und Ansehen die „Aote Nation" hervor, deren Häuptling Oasib weithin über den Süden herrschte. In der allgemeinen Linie des Swakop erfolgten die ersten wütenden Zusammenstöße zwischen den Hirten der Herero und den Wägern der Daman. Die schwarze und gelbe Nasse begannen den gewaltigen Sampf, der fast ein volles Jahrhundert erfüllte. Oasib übernahm die §ührung der Hottentotten, aber er mußte bald einsehen, daß seine (Dacht der der Herero nicht gewachsen war. In dieser Stunde der Dot gedachte er der Deile seiner Dation, die damals noch jenseits des Oranjeklusses hausten, der Orlam, deren Vorposten aber schon am Sroßflusse selbst standen. Sein Auf nach Sitte fand bei diesen williges (Zehör. Die Wohnsitze der kriegerischen „OrlanV'-Stämms der Daman hatten ursprünglich weit südlicher gelegen in den fetten Weidsgründen der Sapkolonie; das Wahrzeichen ihrer Heimat war der Dafelberg, aber durch die immer mehr und mehr wachsende Einwanderung von Weißen wurden sie in jahrzehntelangen und blutigen Sümpfen immer weiter und weiter nach Dordsn in das wüste Suschmanns- und Slein-Damaland verdrängt. Längst schon war ihnen der Oebrauch des Gewehrs und die Art und Weise europäischer Sriegkührung bekannt und geläufig, und längst schon hatten sie voll Segler auf die Landschaften nördlich des Oranjeklusses gesehen, in denen ihnen eine neue, glückliche Heimat zu winken schien. )etzt rüttelte Oasibs Auf sie auf aus ihrem stumpfen Zaudern und rief sie zu neuen Daten. Ein gewaltiger Heerbann überschritt die buschigen Ufer des Grenzflusses. Die Rührung riß die Häuptlingsfamilie und der Stamm der Afrikaner an sich, und ihnen folgten neben anderen, heut fast vergessenen Völkern die Witbois und die Deils der Dation, die wir heut als die Orlam von Ssthanien und Serseba kennen. Seinem weithin über die Grenzen der damaligen Sapkolonis hinaus gekürchteten Vater jsager war Ionker Afrikaner in der Herrschaft gefolgt, wohl der größte Eingeborene, den Südafrika je hervorgebracht hat, ein rastloser Mann von großen Laben des Geistes und SLrpsrs, ein Srisger Dia dämpfe der Sottentotten gegen die iberero, tt vom Scheitel bis zur Sohle, ein kluger Staatsmann und ein Träumer zugleich, dem die Verwirklichung eines großen Nationalreichs der Naman vorschwebte. ftn der Spitze seiner weiter wart er s>6) aut die Serero, und im §luge wurde das Land bis weit hinauf zu dem großen Salzsee, der Ctosapfanne, unterworfen. Das §eusrrohr in der Sand des Sottentotten brach den Mut 12 Die allere Leschichte Veutsch-Südwestafrikas. der mit Speer und l^eule anstürmenden Gattern, die Herero wurden zu Sklaven und blieben es in harter Knechtschaft, bis es ihnen am 15. Januar 18b3, nachdem auch sie im tausch kür ihre Minder in den lZesitz von Sewshren gelangt waren, in dem mörderischen treffen bei Otjimbingwe gelang, das ^och der durch Sruderkriegs und zahllose §shden geschwächten Hottentotten abzuschütteln. Das Gingen jedoch fand hiermit kein Ende. — ^jonker Afrikaner zwar war in die ewigen Jagdgründs dahingegangen, aber in seinem Sohns )an Banker Afrikaner und in Hendrik Witboi, dem kamptsstrohen Häupt- ling des Orlams von (Zibeon, entstanden seinem Vermächtnis Erben und den rachedurstigen Daman neue, gewaltige §ührer im Streite. Aus den finsteren Schluchten des Sansgsbirges und aus dem befestigten Heerlager löoornkrans kielen die Verbündeten, denen sich zeitweise alle anderen Damastämms und die Sastards von Ashoboth anschlössen, mordend und brennend, sengend und plündernd in das Hersroland ein und jahrzehntelang hielten sie ganz Südwsstakrika in Aufregung und Unruhe, - bis zum ^ahre 1892, das einen Umschwung der Lage brachte. Zu dieser Zeit trat ein neuer §aktor in die Entwickelung der politischen Verhältnisse ein: die Deutschen. — - Die ersten Europäer, die in unser heutiges Schutzgebiet eindrangen, waren vereinzelte )ägsr, Händler und Missionare. Die Rheinische Missionsgssellschakt in Elbsrksld und Sarmsn hatte bereits in den dreißiger fahren des verflossenen Jahrhunderts ihre ersten Sendboten nach Südafrika entsandt, die zunächst südlich des Oranjeklussss ihre Tätigkeit entfalteten. Sald jedoch wurde man auch auf die nördlicheren Sebiste aufmerksam, und dies umsomshr, als die dort lebenden Dama- häuptlinge, und unter ihnen )onksr Afrikaner selbst, um die Entsendung von Missionaren gebeten hatten. Irisch ging es an die Arbeit, und wenn auch die ununterbrochenen läriege der Missionstätigksit ungeheure Schwierigkeiten bereiteten und hier und dort zum zeitwsissn Aufgeben einzelner Stationen zwangen, so überwand die opferfreudige Hingabe der „Sendlinge" doch endlich siegreich alle Hemmnisse, und ein starkes und stetiges Jortschrsitsn in der Ausbreitung der christlichen Lehre schien sich im (Zrotz-Damalande bemerkbar zu machen. Dicht so günstig entwickelten sich die Verhältnisse im Oamaralands, wo der verschlossene, mißtrauische und finstere Charakter der Oie ersten Weihen in Süüwestafrika. 13 Serero von den ersten Zeiten, von t 844 an bis in unsers Lage dem Wirken der Missionare zahllose Schwierigkeiten schuf. Vollständig erfolglos aber blieb der erste, im ssahrs 1857 unternommene Versuch im Ambolande. 1870 erst konnten dorthin die ersten — und zwar finnischen Missionare entsendet werden, die heute zwar ebenfalls gewisse Erfolgs erzielt zu haben vermeinen, von denen es mir jedoch unzweifelhaft erscheint, daß sie - gleichwie im Serero- und Damalande — nur Scheinerfolge sind und sein konnten. Nicht die Missionare sind hierfür verantwortlich zu machen, sondern die politische Ordnung der Dinge im Lande: die bis IW4 ungebrochene Serrschgswalt der Eingeborenen. Das haben uns die verflossenen ssahre mit erschreckender Deutlichkeit bewiesen. Die weißen ssägsr und Sondier, die als Vorboten einer späteren IZssisdlung das südwestliche Afrika betraten, kamen von weither gezogen. Sie wurden angelockt durch die Sunds von dem Wildreichtum des Landes und von den ungeheuren Rinderherden in den Steppen der Damaragebiete. Quer durch die Salahariwüsts und über den Dgami-Sss zogen sie heran aus den Ländern weit im Osten am Mittellauf des Oranjeklusses und tief unten aus der Sapkolonie. Ihre ungefügen Wagen, auf denen sie die Sandsls- warsn, Gewehre, Pulver und Glei, Sättel, Granntwein, Stoffs, prächtige SIsidsr und vieles anders mit sich führten, wurden von lZewatkneten begleitet, denn der Weg und das „Sandslsfsld" waren unsicher und gefahrvoll. Oll war es vorgekommen, daß die Sändler, nachdem sie ihre Waren gegen Minder, Elfenbein, Wildkells und Gehörns eingetauscht und dann mit den gewonnenen Ssrden den weiten Rückweg angetreten hatten, von ihren Sandelstreunden angefallen wurden und den eben erworbenen IZesitz mit den Wakksn in der Sand verteidigen mutzten. Die Ovambo und Ssrsro waren hierin besonders gefürchtet. Weit besser war mit den Daman auszukommen, die viel zu klug waren, um die kür ihre ununterbrochenen Einfälle in das Sereroland unentbehrlichen Munitionslisferantsn durch Erpressungen und Geraubungen zu verscheuchen. So entwickelte sich trotz der eben geschilderten §ährnisse ein lebhafter Sandsl im Dama- und Damaralande, aber alle diese ersten ssägsr und Sändler waren doch nur zeitweise IZesuchsr unseres heutigen Schutzgebiets, und Jahrzehnts vergingen, bevor die ersten Spuren einer seßhaften weitzen Gsvölkerung sich geltend machten. Wiederum waren es dann Missions- I ^ Die ältere Seschichts Oeulsch-Südwsstafnkas. Kolonisten, die zuerst an den Punkten sich ansiedelten, an denen die Missionare bereits kleine Oemeinden Eingeborener gesammelt hatten. Im "fahre 1863 entstanden so die Uranfänge einer lZssiedlung des Landes mit Deutschen in Otjimbingwe. Daß die Einwanderung zu jenen Zeiten nicht bereits eine größere Ausdehnung annahm, lag vor allem an der furchtbaren Unsicherheit im Lande infolge des seit dem Anfang der siebziger )ahre wieder entfesselten Krieges zwischen lösrero und löottsntottsn. Zwar gelang es den rheinischen Missionaren, im Icchre 1870 Frieden zwischen den erschöpften und üscimiertsn Parteien zu stiften, aber die (Zlut glomm doch unter der Asche kort, und wenige )ahre später brachen die Feindseligkeiten von neuem aus. Nun wandten sich Missionare und löändlsr an die Asgierung der kap- kolonie mit der eindringlichen Bitte, das unglückliche, durch die ununter krochenen Fehden und Kriegs zerrüttete Land kür England in Besitz zu nehmen und ihm hierdurch den Frieden zu geben, dessen es zu einer endlichen gedeihlichen XVeitsrentwickelung so dringend bedurfte. Und in der Lat erschien bald darauf ein britischer Kommissar, palgravs, der, mit allerlei Vollmachten seiner Legierung versehen, es versuchen sollte, mit den einflußreichsten löäuptlingsn des Landes Verhandlungen anzuknüpfen und sie zur Anerkennung der britischen Oberhoheit zu bewegen. palgrave befand sich gerade in Okahandja, und die Verhandlungen mit den dort versammelten löäuptlingsn schienen dem Ziels nahe, als durch einen Zufall - durch das Zusammentreffen bewaffneter löirten der köerero und Daman - die kriegskuris von neuem entfesselt wurde. Der Kommissar floh unter Lebensgefahr zur Küste und verließ das Land. England aber, dessen Interesse und Macht zu jener Zeit — um 1880 - durch die bedrohlichen Verhältnisse im Osten der Kapkolonie, den beginnenden ersten Unabhängigkeitskrieg der Buren, voll in Anspruch genommen war, ließ seine Pläne bezüglich der Besitzergreifung Büdwestakrikas fallen und erklärte nur die Walkischbai und eins Anzahl kleiner, an der Küste zwischen diesem söaken und der Mündung des Oranje gelegener Buanoinseln für britischen Besitz. Die Erwerbung des Landes durch die Deutschen. 15 In die §olgsze>t fällt die Erwerbung des Landes durch die Deutschen. In den fahren 1883 — 85 nämlich gelang es dem Sremer Kaufmann Lüderitz, durch Verträge mit verschiedenen eingeborenen Häuptlingen bedeutende Landerwerbungen - zunächst im Hinterlands von Llngra pequsna, dem später „Lüderitzbucht" getauften fZaken zu machen, und bereits im Jahre 1884 wurden die gesamten Gebiete zwischen Oranje und I^unene unter den Schutz des Deutschen Deiches gestellt. Dis zu dieser Zeit hatte sich die Zahl der im Lands ansässigen XVeitzsn nur wenig vermehrt. Dem ersten deutschen Deichs Kommissar Dr. Goering standen keine Machtmittel zu Gebote. Obgleich er sich redliche Mühe gab, zwischen Daman und löersro §rieden zu stiften, blieben diese Versuchs doch vollständig erfolglos, und der I^sichskommissar wurde sogar durch die Umtriebe eines britischen Agenten, Lewis, der die iöerero gegen ihn aufhetzte, ge zwungen, im Jahre 1888 zu flüchten und zeitweilig das Land zu verlassen. 51ls kurz darauf die erste deutsche Schutztruppe unter den beiden Serren v. §ran 9 ois nach Südwestafrika geschickt wurde, wandten sich die Verhältnisse aber doch zum besseren. Zwar hatte auch der damalige Sauptmann v. §ran^ois nicht durchsetzen können, datz zwischen den streitenden Parteien §rieds geschlossen wurde, denn er mutzte sich - eine harte Llukgabs kür den energischen und tatenkrohen Mann! - seiner Instruktion gemäß jedes Gin- griffs in die zügellosen Streitigkeiten der Gingeborenen enthalten, aber er erreichte 6s doch, datz seine Gruppe von 21 auf 50 Mann verstärkt wurde, und mit diesen gründete er die beiden ersten deutschen Stützpunkte im Damaralande, die Wilhelmskeste (Gsaobis) und Grotz-VVindhuk. Um Major von kransvis. 16 Die ältere Geschichte Oeutsch-Südwestafrikas. diese beiden festen Plätze, unter deren türmen sich in der §olgezeit deutsche Einwanderer sammelten, tobte der l^risg weiter, wobei es gerade heut bemerkenswert und psychologisch interessant ist, daß beide Parteien die Neutralität der Deutschen streng respektierten. Aber Iran^ois lietz nicht nach, die Llnhaltbarksit der Zustände an maßgebender Stelle in der löeimat zu schildern, und konnte endlich im Namen des Deutschen Kaisers den Landfrieden gebieten. Er scheute keine Anstrengung und Gefahr, persönlich bei beiden Parteien die ernstesten Vorstellungen zu erheben, und nach mancherlei Abweisungen schienen seine Mühen den ersehnten Erfolg bringen zu wollen. Es war dies im Jahre 1892, das, wie bereits angedeutet, einen Wendepunkt in der Geschichte des Schutzgebiets darstellt. Wie ein Lauffeuer durcheilte damals die frohe spunde das Land vom l^unens- bis zum Oranjeklutz, daß lösndrik Witboi, der berühmte und gefürchtets §ührsr der Daman, und Samuel Maharero, der Oberhäuptling der löerero, §risden zu schließen geneigt seien. Der Dastardhäuptling lösrmanus van Wijk von Ashoboth hatte sich zur Vermittlung erboten. Der einzige, der nicht triumphierte, war der löauptmann von §ran^ois. Das Land brauchte allerdings Auhs, aber §ran^ois erkannte doch mit scharksm Glich, daß der so unerwartet rasch zustande gekommene §rieds sich gegen ihn selbst, gegen die Deutschen richten sollte. Dies unbestreitbare und große Verdienst des Aeichskommissars ist bisher nie genügend gewürdigt worden, daß nämlich seine kühlllbsrlegende löaltung gegenüber den Eingeborenen ihn in dem Augenblick, in dem seine Politik gewonnen zu haben schien, die drohende Gefahr voll erkennen ließ. Das Ergebnis dieser Erkenntnis bildete das Eintreffen von 200 deutschen Soldaten im März des Jahres 1898. Mit ihnen konnte §ran^ois sich unverzüglich gegen löendrik Witboi wenden, der seine dunklen Pläne durchschaut sah und mit wilder Energie den l^ampf aufnahm, stets in der löokknung, unter den anderen löottentottenstämmen und den löerero Gundesgsnossen zu finden. Die Gastards von Aehoboth, an die er, ebenso wie an die löerero, einen scharfen IZrisk mit der Aufforderung, sich kür ihn oder wider ihn zu erklären, sandte, riß der Asichskommissar durch schnelle und energische Maßnahmen auk seine Seite, und damit verging auch den löäuptlingen des Groß-Damalandes und denen der löerero die Lust, sich den Witbois anzuschließen. köendrik erhielt zwar versteckten Zulauf von fast allen löottsn- 2^ ^ . Ocis VVindhuker ^c>I. 2WR- «^ 8^5 -» '.' ^ . -. - L. *7 n- Die Erwerbung des Landes Lurch die Deutschen. 17 tottenstämmen des Südens, aber eine okkene Erklärung kür ihn erfolgte von keinem der löäuptlinge. Damit war viel, vielleicht alles gewonnen! In zwölfter Stunde, d. h. zu rechter und in gewitterschwüler Zeit, begann der löauptmann v. §ran^ois diesen I^rieg, in dessen Verlauf er in vielen siegreichen Gefechten der Machtstellung lösndriks den erschütternden Stoß versetzte, und dessen Gsendigung sein Nachfolger, Major Leutwein, nach erneuten schweren und glücklichen dämpfen in der Nauklukt im September 1894 durchführte. Die Niederwerfung des mächtigen löäuptlings, dessen Namen man weit über die Grenzen der Kolonie hinaus ebenso in Sän Paul de Loanda, in Kapstadt und Pretoria wie in Lauren;o Marquez nannte, machte einen starken Eindruck in ganz Südafrika, verhinderte aber nicht, daß in der Folgezeit alljährlich neue kriegerische Expeditionen notwendig wurden, um die Dnbotmätzigksit einzelner Stämme zu zügeln. So mutzten in den fahren 1894/95 die l^hauas- und Simon Lopperschsn löottsn- totten zur l^uhe gebracht werden; das )ahr 1896 sah den verlustreichen §eldzug gegen die rebellischen Ost-löersro, Ovambandjeru und die wiederum aufständischen!^ Hauas; 1897 empörten sich die pkrikaner am Oranjeklutz und 1897/98 mutzte man gegen die Zwartbois und Eoopnaars im ßaokokeld marschieren. Es trat dann eine Periode der - scheinbaren! - Geruhigung ein, bis gegen Ende des Wahres 1903 sowohl im flmbolande und am Okavango wie im krieg I904-I90S. 2 bottentottbiiltorä au; kronrkontsln. 18 Die ältere Beschichte Veutsch-Südwestakrikas. Bondelzwartgebist starke Unruhen ausbrachen, die von den Berero, die seit fahren systematisch den nationalen Entstand vorbereitet hatten, im Januar 1904 als Sprungbrett benutzt wurden. — Wenn aus dieser mit groben Strichen gezeichneten Beschichte des Schutzgebiets zur (Zenüge hervorgeht, datz die deutsche Berrschakt den Eingeborenen aller Stämme und lassen bis in die neueste Zeit gleichmäßig verhaßt und bsssitigsnswert erschien, so muß die §rags aufgeworfen werden, ob es denn überhaupt möglich sein konnte, die Eingeborenen zu §rsundsn der deutschen Berrschakt im Lands zu machen. Im Binblick aber auf die Beschichte und Entwicklung des übrigen Südafrika, im Binblick ferner auf die gleichartigen Verhältnisse des Schutzgebiets und endlich im Binblick auf den selbstbewußten, herrischen Charakter seiner Eingeborenen mußte man diese §rage von vornherein energisch verneinen! Ich Habs des öfteren in Wort und Schrift darauf hingewiesen, daß kolonisieren zu allen Zeiten und auf allen Schauplätzen der Weltgeschichte eine (Dachtkrags war. Diese Eatsachs muß auch in unserem §alle an erster Stelle in Betracht gezogen werden. Wenn schon die Beschichte der Bändels- und tropischen plantagen- kolonien, in denen im allgemeinen die Beringkügigkeit des einwandernden weißen Elements nur unbedeutende Veränderungen der Bssitzverhältnisse hervorruft, und deren wesentlicher Bewinn gerade auk der durch die kulturelle Lehrtätigkeit der Weißen gesteigerten Produktivität der Eingsborenengebiete beruht, wenn schon die Beschichte dieser erfüllt ist von zahllosen Beispielen energischen Widerstandes der dünkelhaften und mißtrauischen Eingeborenen — um wieviel mehr wird man diesen Widerstand bei der Entwicklung einer Siedlungskolonis voraussetzen müssen, selbst wenn, wie in Südwsstakrika, zunächst nur die absolut herrenlosen Bebiete in den Besitz der einwandernden Weißen übergingen. In Südafrika brauchte man nicht weit zu suchen, um lehrreiche Beispiele hierfür zu finden: die mit Blut geschriebene Beschichte der Burenfreistaaten, die der Bapkolonis, des Sululandes, des portugiesischen Südostakrika und endlich der furchtbare (Batabsleaufstand im )ahrs 189b geben deren genug. In Südwestakrika aber lagen die Verhältnisse noch besonders schwierig. Die deutsche Verwaltung traf hier eingeborene Bassen an, die durch über zwei Menschenaltsr wütende Bämpke erregt, kriegerisch gesinnt, wohl- Die Erwerbung des Landes durch die Deutschen. Iy bewaffnet und selbst Eroberer waren. Zudem mutzte die durch die Eigenart des Landes bedingte Lebensweise seiner Eingeborenen und deren Charakter mit einer stärkeren Einwanderung logischerweise kollidieren. Südwsstafrika ist das Land der Steppsnwsiden; mit Ausnahme der Ovambo sind seine Bewohner, vor allen aber die Berero, viehzüchtsnds Nomaden, deren Lebensführung naturgemäß weit ausgedehntere Gebiete beansprucht als die einer seßhaften, Garten- oder Ackerbau betreibenden Bevölkerung. Die Berero besaßen nun allerdings derartig ausgedehnte Gebiete, daß sie zunächst keinen Grund hatten, irgend welche Unruhe zu zeigen, trotzdem aber nahm ihre Erregung mit der wachsenden Einwanderung Weißer dauernd zu. Sie gaben an, daß sie durch diese in ihrer Existenz bedroht würden, und bewiesen ihre üble Laune durch zahlreiche Grsnz- überschreitungsn in den fahren 1895,46, indem sie behaupteten, im eigenen Lande nicht genügende Weide kür ihre Berden zu finden. Und doch konnte in diesen ersten fahren der Entwicklung Südwestafrikas von einer Einengung der Berero durch die deutschen Einwanderer keine Bede sein. Bis wenigen §armer, die damals um Windhuk, am Auas- gebirge, bei Seeis und weiter östlich bis nach Gobabis zu saßen, hielten sich vor den Berero ängstlich zurück und die von ihnen erworbenen Ländereisn gehörten nicht zum Bsrerolande, sondern zu einem herrenlosen Landstrich, zu einer gewissermaßen „neutralen Zone", deren Existenz nach den Briegsn zwischen Berero und Baman von beiden Parteien stillschweigend anerkannt worden war. Aber wenn man auch bei weitgehendster Berücksichtigung des Bomadsn- charakters der löersro ihre infolge der doch nur sehr langsam zunehmenden Einwanderung wachsende Unruhe sich dahin erklären kann, daß sie nicht von heute auf morgen, sondern in eins fernere Zukunft sahen, so brachte doch das Jahr 1847 einen vollständigen Umschwung der Lage: die Rinderpest dezimierte die nach löunderttausenden zählenden Berden der Berero und brachte das Volk in seiner Entwicklung und seinem Bationalvermögsn um Jahrzehnte zurück. Logischerweise konnten die Berero den Vorwand, daß ihr Land „zu klein" sei, nun nicht mehr geltend machen. Jetzt aber trat ihr wahrer Charakter hervor, ihre bereits von mir erwähnte unersättliche und unberechtigte Ländergier, ihre Anmaßung und Ueberhebung. Und da sie ein starkes und selbstbewußtes Volk waren, blieb die infolge der all- 2 ' 20 Die allere Beschichte Veulsch-Südwestafrikas. mählichen Stärkung des weißen Elements erhoffte Einschüchterung vollständig aus und dos gegenteilige Resultat trat ein: ein furchtbarer, hier und da offen zu Eage tretender Saß keimte in ihnen auf, ein Saß, der >m Januar ly04 in der Vernichtung alles Deutschen sich (Zenügs zu tun suchte. Der Widerstand der löottentotten leitet sich aus im wesentlichen ähn lichen Motiven her. Sei ihnen treten jedoch der Sang zu dem ungebundenen, ruhelosen, wilden und beutereichen Sriegsleben, Stolz oder besser: eine fast an Wahnsinn grenzende Eitelkeit und Ueberhebung, die §reude an gefahrvollen Abenteuern und der Satz gegen alle und jede Ordnung und Obrigkeit noch stärker hervor. Sie waren es, die den gelbhäutigen Srisger immer wieder Hinaustrieben zu aussichtslosem Sampf. Während so die herrschenden eingeborenen Nationen - einschließlich eines Eeils der Ovambo, wie wir später sehen werden - der deutschen Serrschakt und dem sich durch die wachsende Einwanderung immer weiter ausbreitenden deutschen Sultureinfluß ablehnend und feindlich gegenüberstanden, wenn sie dies klugerweise auch nicht stets offen zeigten, - finden wir die von ihnen unterdrückten und geknechteten Völker, Berg damara und Buschleuts, mit ihren Neigungen vielfach auf deutscher Seite! In den Unruhen seit 1895 haben diese erwiesenermaßen meist nur gezwungen in den Neihsn der Ssrero und Sottentotten gegen uns gefochten. Die Bastarde von Nshoboth endlich nahmen als Abkömmlings von Atrikandern und Sottentottenkrauen von jeher und in jeder Beziehung eins Sonderstellung unter den Eingeborenen ein. Bereits als sie noch — zu Beginn des 19. Jahrhunderts — auf britischem Gebiet in der Sapkolonie dicht südlich des Oranje saßen, hielten sie sich zu den Weißen, stolz auf ihre Mischlingsnatur und das weiße Blut, das in ihren Adern rollt. Sie haben seit dem Ausbruch des Srieges gegen Sendrik Witboi im Jahre 1893 stets treu auf unserer Seite gefochten. Wenn im Vorstehenden in großen Umrissen die politische Stellung der Eingeborenen zur deutschen Serrschatt gekennzeichnet worden ist, so muß an dieser Stelle noch einer Erscheinung gedacht werden, die man im wahren Sinns des Wortes eins „Errungenschaft der Neuzeit" unter den Eingeborenen nennen könnte, nämlich der sogenannten „äthiopischen Bewegung". Es mutzte in den letzten Jahren zweifellos auffallend erscheinen, daß Die äthiopische Gewegung. 21 fast zu gleicher Zeit an verschiedenen, viele Tausende von Kilometern von einander entkernten Schauplätzen des riesigen schwarzen Erdteils bewaffnete Erhebungen der Eingeborenen gegen die weihen löerren sich zeigten. In Deutsch-Südwest- und Oeutsch-Ostakrika, in Kamerun, in Angola, am Niger, in Uganda und Natal wurde das Kriegsbeil ausgegraben. Aus anderen Gegenden wurde und wird von einer verdächtigen, starken Unruhe unter den Eingeborenen berichtet: Im Sudan, an den Grenzen Abessiniens, rühren sich die Völker; im Seengebiet scheint sich ein kür Deutsch- und Gritisch- Ostakrika und den Kongostaat gleich bedrohlicher Aukstandshsrd gebildet zu haben; die Gasuto und Sulu zeigen rebellische Gelüste .... Ist es da zu verwundern, wenn allmählich der Verdacht und die Ueberzeugung unter den gefährdeten Weißen laut wurde, diese bedrohlichen Ereignisse und Anzeichen könnten einen Gswsggrund, eine Ursache haben?! Damit aber war die Eheorie von der „äthiopischen Gewegung" gegeben. Gier und dort wollte man in den Rädelsführern und Schürern der Auk- stände und Unruhen Sendboten der äthiopischen nicht etwa abessinischen*) - Kirche, „äthiopische Emissärs", erkannt haben, die durch das „Afrika den Afrikanern" — das „Der schwarze Erdteil den Schwarzen" — die eingeborenen Völker zur gemeinsamen Auflehnung gegen die weiße Gerrschakt reizten. Zuzugeben ist, daß in einzelnen §ällsn in der Eat „äthiopische Emissäre" - d. h. Leute, die sich kür solche ausgaben! — den Grand geschärt haben, und zuzugeben ferner, daß die aufständischen Gswegungen ohne Zweifel gruppsnweis in ursächlichem Zusammenhang zu einander stehen — so Oeutsch-Südwestafrika - Angola; Oeutsch-Ostakrika — Uganda; Data! - Sulu- und Gasutoland. Auch ist es bei dem in neuester Zeit in Afrika so enorm entwickelten Nachrichten- und Verkehrswesen wohl anzunehmen, daß z. G. eingeborene Stämme der Ostküste durch absichtlich gefärbte, lügenhafte Gerüchte von dem glücklichen Erfolg der Aufstünde an der Westküste erregt und gleichfalls zum Widerstand gegen die ihnen unbequeme weiße Herrschaft gereizt worden sind - dennoch aber muß die Eheoris von der gemeinsamen äthiopischen Urheberschaft für vollständig verfehlt gehalten werden. Es werden sich vielmehr überall — für Südwestakrika ebenso wie für die kriegerischen Erhebungen der Eingeborenen auf In der früheren anfinge ist diese Stelle Lurch Las versehentliche Sortiassen der Worte „nicht etwa" entstellt, wegen bereits beendetem Druck der ersten Sogen konnte die noch vor verausgabe des Suchs versuchte Nenderung nicht mehr ausgeführt werden. Die äthiopische Kirche wurde 1S42 in Pretoria errichtet. 22 Die Miere Geschichte Oeutsch-SüLwestalrikas. anderen Schauplätzen - die gleichen natürlichen Svmptome feststellen lassen, wenn wir folgenden Erwägungen Baum geben: Die Austeilung und Erschließung Afrikas durch die europäischen Nationen und die intensive Besitzergreifung, die Ausbreitung der Herrschaft und Besiedlung in den ihnen zugefallenen Gebieten, hat in der neuesten Zeit ein bis zur §ieberhaktigkeit gesteigertes Maß angenommen. Ein Netz von Nampferlinisn umspannt den schwarzen Erdteil; tief in sein Inneres dringen von allen Seiten die Schienenstränge vor; zahllose Expeditionen durchwühlen an geheiligten Stätten den Boden nach Schätzen, und die Wogen der stillen Seen und der geheimnisvollen Biesen-Ströme werden gefurcht von den rauchenden Schiffen der Weißen. Den Schritt der neuen Herren vermag nichts aufzuhalten: In kühnem, gewaltigem Bogen überspannt ihre Brücke aus stählernen Lianen die Wunderfälle des Sambesi; auf den Wällen der heiligen Städte am Niger schreiten die Posten lm ßhakiklside, und die §ahns des Propheten, die Schädelp^ramiden vor den Altären der blutigen Götzen, die geheiligten, ewigen §eusr, sie sanken dahin, sie erloschen vor dem I^reuz der Eroberer. Eiek hat dies alles in das Leben, in das gesamte Dasein der eingeborenen Völker eingegriffen. Sie sahen ihre alten Institutionen, ihre Begriffe von Becht, ihre Sitten und Gebräuche, ihre zügellose §reiheit und Unabhängigkeit im innersten Mark bedroht. Und wie den Europäern immer deutlicher die Erkenntnis erwuchs, daß die Auffassungen der Eingeborenen von Staat, Beligion und Wirtschaft zum größten Eeil kulturfeindliche seien, so kam diesen allmählich die Erkenntnis von der erdrückenden Ueberlegenheit der verachteten europäischen lxultur. Und aus stiller Wut wuchs rasender Haß, offene §eindschakt und endlich — in zwölfter Stunde - das wilde Begehren, sich den fremden Eindringlingen im stampf bis aufs Messer zu widersetzen. Mögen daher die äußeren Anlässe zu den Aufständen in Südwestafrika und in anderen Kolonien noch so mannigfaltige sein: sie sind belanglos gegenüber der Tatsache, daß wir in Afrika in einer Periode großer Basssnkämpke, im Beginn des letzten wütenden Widerstands der Unkultur gegen die Ixultur stehen. Und diese dämpfe mutzten kommen. Nichts konnte sie in Südwestafrika und nichts wird sie in Zukunft in anderen Gebieten Afrikas verhindern. Vie allgemeinen Landesverhältnisse des Schutzgebiets. Der Aufbau des Schutzgebiets. — Die Mstenlandschattsn. — Das LImbo-, Ssrsro- und Srotz-Namaland. - Ois VVasserverhältnisse. — vis eingeborene Bevölkerung: Ovambo, löerero, Bastarde, Bottentotten, Bergdamara, Buschmänner. um Verständnis der großen dämpfe in den fahren 1904 bis 1906 und kür die Würdigung dessen, was in ihnen von unseren Gruppen geleistet wurde, ist die Kenntnis der allgemeinen Verhältnisse des Landes unerläßlich. Wir werden sehen, wie verschiedenartig von unseren heimischen diese Verhältnisse sind, wie ungewohnt und fremdartig sie den Soldaten anmuten mußten, und wie einschneidend und groß ihr Einfluß auf die gesamte Kriegführung war. - Die nach den Namen der sie bewohnenden Eingeborenen benannten Heile des Landes, das LImbo-, löerero- und Sroß-Namaland zeigen nicht allein in politischer löinsicht, sondern ebenso in bezug auf Klimatologie, auf §auna, §lora und Oeognosie schark begrenzte Unterschiede. Llls vierter Eeil kommen die Küstengebiets hinzu, in sich gleichartig und abgeschlossen. Der allgemeine Llufbau des Schutzgebiets bietet das eigenartige und fesselnde Süd gewaltiger Eerrassenlandschakten, die von der l^üsts an rasch und stetig ansteigend etwa in der Mittellinie des Landes ihre größte Seehöhe erreichen, um dann nach Osten — nach der l^alahari-Oepression zu — ebenso rasch wieder abzuflachen. Vor den Llugsn des Seifenden türmen sich gigantische löochländsr auf; wildzerrisssne §elsengebirge, die ein Meer von (Zipfeln, von lzuppen, von Eafslbsrgen, von tief eingsschnittenen Schluchten und einsamen löochtälsrn zeigen, wachsen aus ihnen empor. Während im Sorden und Osten des Schutzgebiets die Eerrassenländer einen mehr ebenen Charakter zeigen, treffen wir die höchsten Erhebungen, die überwältigende Schönheit erhabener, massiger und wildzerklüfteter Sergländer, im mittleren Eeile, und im Oroß-Namalands die großartigen und seltsamen, kür Südafrika typischen Eatelbergkormationen. 88 « «MMW WWW WWW , Ä WHKGWHA2 ver sslukbau des Schutzgebiets. 25 Die §>guration der Strandlinis des Schutzgebiets ist einfach und arm an Einbuchtungen. Die kaufte wird bespült von dem in süd - nördlicher Dichtung streichenden, kalten Senguella-Strom, der nicht allein auf die Temperatur dieser Meeresteile und der an sie grenzenden Landkomple-ce, sondern auch auf die Gestaltung der lauste einen entscheidenden Einfluß ausgeübt hat. Ihm ist es zuzuschreiben, daß die alljährlich in der Regenzeit von den §>üssen dem Meers zugekührten ungeheuren Sandmassen nordwärts geleitet und an vorspringenden Punkten der l^üsts abgelagert werden, und durch diesen Umstand ist die Versandung einer 5lnz,.h> von Säten eingetreten, die dicht nördlich größerer §lußmündungen liegen. So war der erst 1832 entdeckte Ogdsnhaksn bereits im jsahre 1879 vollständig verschwunden, das gleiche Schicksal traf 1894 den Sandwich-Saken, und die Walkisch-Sai scheint in ähnlicher Weise ihrer allmählichen Versandung entgegenzugehen, wie der durch den Sau eines steinernen Wellenbrechers gebildete IZoots- und Leichter- hafen vor Swakopmund. Die Lüderitzbucht allein, weitaus der beste Safen unserer I^Lste, wird durch die ihr südwestlich vorgelagerte bergige Sturm- taucher-Salbinssl vor jeder Verfluchung geschützt. Die weiten l^üstenlandschakten sind arm an Niederschlügen und fast vegetationslos. Dünen-, Sand- und Steinwüstsn geben ihnen das Gepräge trostloser Oeds und Verlassenheit. In einer Srsits von 70 bis zu 180 km zieht sich dieser Gürtel mächtig ansteigender Wüsten von I^unene bis zum Oranjs hin, in seiner nördlichen Sälkte durchbrochen von tieksingerissenen, von kahlen Sandgebirgen begleiteten §lußbstten, die mit ihrer l^etts von Sühwasssrstellsn die Straßen in das Innere bilden. Im l^aokokeld sind der Soanib, Ugab und Eisib die bekanntesten, im Damaralande Swakop und I^uiseb die kür den Verkehr bedeutsamsten. Südlich des l^aiseb aber beginnt die eigentliche Segion der tot- bringendsn Dünen- und §lugsandwüsten, die — mit alleiniger Ausnahme des Weges Lüderitzbucht— I^ubub — jeden Verkehr zwischen IMste und Sinnenland unmöglich machen. Die §lüsss, die, wie der Esondab und Lsauchab, hier dem Meere zustreben, verschwinden an der östlichen Dünengrenzs unter den Sand- bergen, um kern im Westen nach 180 km langem, unterirdischem Lauf dicht am Meere wieder zu erscheinen. Da sie auch hier noch unter der oberen Sandschicht Süßwasser führen, so können sie kür die Erforschung dieser 2b vie allgemeinen Landesverhältnisse des Schutzgebiets. unbekannten Küstengebiete - besonders in bergbaulicher löinsicht - immerhin von großem Werte sein. / r: KAM s-^s^ch- . ^ MWWK Von einer Bevölkerung des gesamten Küstenstrichs ist mit Ausnahme der löatenplätzs kaum zu reden. Nur wilde tZuschleute und halbvsrtisrts löottentotten durchstreifen diese schauerlichen Cinöden, um die wenigen Wasser- Der Sutbau des Schutzgebiets. 2? stellen sich sammelnd und vorn Tischfang und der jsagd auf Seevögsl lebend. Der §ischrsichtum der küstengewässer ist ein übergroßer, der rationell betriebene Tang aber war bisher nur im stillen Wasser der Buchten und Lagunen möglich, da Bochseekischerboote und die nötigen Tanggeräte kehlten. Werden diese beschafft, so ist die Versorgung des IZinnenlandss mit frischen, getrockneten und gesalzenen Tischen möglich und wohl auch lohnend kür den Unternehmer. Die frei und offen daliegenden küstsnteils sind dem Anprall der mächtigen Dünung und Brandung des Südatlantik preisgegeben, so Latz Landungen außerhalb der Büken und der wenigen und nur teilweise geschützten Reeden überaus gefahrvoll und in der Mehrzahl der Tülle überhaupt nicht durchführbar sind. Die vorn Major v. §rar»;ois dem Verkehr geöffnete Asede an der Swakopmündung ist zweifellos die günstigste an der ganzen Küste; meiner Ansicht nach, die ich seit vielen fahren - seit 1847 - geltend gemacht Habs, hätte man jedoch anstatt des lZaus einer festen Mols, eines Wellenbrechers, dessen Versandung sich mit Sicherheit voraussehen ließ, die Anlage eines in Lissnkonstruktion auszuführenden Piers in Angriff nehmen sollen. Im übrigen bin ich der Meinung, daß man in Rücksicht auf die Lösung der Ovambokrage, die über kurz oder lang durchgeführt werden muß, versuchen sollte, an der Dordküste des kaokokeldes eine Besds zu finden, die ähnliche Vorteile wie die Swakopmündung bietet. Tür die Versorgung der im Ambolande operierenden und - späterhin - dort stationierten Lruppen würde die Auffindung einer, wenn auch nur bedingt brauchbaren Beede von größter Bedeutung sein. — Das Amboland mit den deutschen Landschaften am Okavango-Sambesi bildet den einzigen Lei! des Schutzgebiets, der in der Lat bereits in bezug auf Klima und Tiara rein-tropischen Lharakter zeigt, während die Boch- landschakten des Bersro- und (Zroß-Namalandes, die bis zum Breitengrads von Behoboth geographisch ebenfalls der tropischen Zone zugerechnet werden müssen, infolge ihrer Seehöhs und infolge des Linklussss der das Land bespülenden kalten Meeresströmung subtropischen Lharakter tragen. Die starke Begsnmsnge des Ambolandes bildet die Orundlage kür die ackerbauende Beschäftigung seiner Bewohner, die, in zahlreiche Stämme gespalten, aber doch ziemlich eng zusammengedrängt, den mittleren kern des Landes bewohnen, das im Westen, Osten und Süden von ausgedehnten, aber 28 Die allgemeinen Lcmdesverhältnisss des Schutzgebiets. menschenleeren Wald- und Wüstenstsppsngsbieten umschlossen wird. Die Siedlungen der Ovambostämme gruppieren sich um die Landschaften Ongandjera und Ondonga, in denen auch die Bauptorte und die Stationen der finnischen (Bissionsgesellschakt liegen. Im Norden, zwischen l^unens und Okavango, geht das deutsche Bmboland in einer Ausdehnung von 480 km unvermittelt und ohne jede natürliche Grenze in das portugiesische Bmboland über. Da der die sogenannte „Grenze" bildende Breitengrad auch in politischer Beziehung keine Trennung darstellt, sondern willkürlich quer durch die Ovambostämme läuft, ist die Lösung der „Ovambokrage" untrennbar von einer Neuordnung der Grsnzverhältnisss mit den Portugiesen. Einen von dem des Bmbolandes wesentlich verschiedenen und unter sich mehr gleichmäßigen Charakter tragen die südlicheren Eeils des Schutzgebiets, das lösrero- (Bamara-) und das Grotz-Bamaland. Das subtropische Mima dieser weiten Landstriche: warme Eags, aber kühle Nächte selbst in der heißesten Zeit, macht sie so überaus geeignet kür die Besiedlung durch Europäer. Wenn im Bmbolande die häufigeren und günstiger verteilten Niederschlüge bereits kür den plantagsnbau — den Bnbau edler, tropischer Nutzpflanzen — volle Gewähr bieten, so tragen die ungeheuren Stsppenlandschakten des löerero- und Namalandes infolge der weniger günstigen Nisdsrschlagsvsrhältnisss ein wesentlich anderes Gepräge. Nie Viehzucht — die Zucht des Bindes, des Pferdes und des Kleinviehs aller Brt — ist es, wozu diese prächtigen, nahrhaften Weiden auffordern, löundsrttaussnde von Bindern und Pferden, (Billionen von Schaken und Ziegen können auf ihnen ihre Nahrung finden, und in den letzten fahren vor den Bukständen war man energisch bei der Brbeit, die eingeborenen und minderwertigen Bassen durch die Einführung edlen Zuchtmaterials zu verbessern. Die bedeutenden Erfolge, die hierin bereits erzielt worden waren, sind heut zwar ausnahmslos vernichtet, der Umstand jedoch, daß wenige ^sahrs seit dem Bufhören der Binderpest, seit 1898 genügten, um den durch die Seuche dezimierten Viehbestand käst wieder auf die alte lööhs zu bringen, gibt uns die Sicherheit vollen Erfolges kür die Zukunft. Ganz besonders gilt dies von der Zucht von Wollschafen und (Bsrinos. Buch die Straußenzucht sei hier erwähnt. Gartenbau kann an zahlreichen Stellen mit bestem Erfolg betrieben werden; ßärnerbau jedoch nur an einzelnen günstigen Orten und kür die Arbeiten in cker kranäung von Sroakopinund. MGM 30 Die allgemeinen Landesverhältmsss Las Schutzgebiets. Zukunkt überall dort, wo das geeignete Land durch künstliche Bewässerung fruchtbar gemacht werden kann. Unabhängig aber von dieser bietst dls Cultur zahlreicher Südfrüchte, vor allem der Dattel und Feige an den §luß- läuken und des edelsten Weins auf den Salkplateaus, sichere flussicht auf reiche Ertrüge, fluch der bereits seit langem von den Eingeborenen kultivierte Labak gedeiht gut. - Ich habe mit dieser gedrängten Uebersicht zeigen wollen, datz dls Produktivität des Schutzgebiets, das in den breitesten Volksschichten lächer- licherwsiss den Buk einer Wüstenei hat, in keiner Weise hinter den gleichartigen Steppengebieten des übrigen Südafrika, der ßapkolonis, des Transvaals und der Oranjsflutzkolonie zurücksteht. Und in der Eat haben nur Deutsche, Buren und Engländer, die unser Schutzgebiet aus eigener flnschauung kannten und die ich in den eben bezeichneten Ländern traf, an Ort und Stelle bestätigt, datz dies auch ihre Meinung sei. Gewiß — auch in Deutsch-Südwestafrika dehnen sich weite, sterile Wüstengebists aus, die einen trostlosen Eindruck machen — sie bilden aber doch nur die unansehnliche Schals eines goldenen Serns. Vor allem aber mutz man, um die Schönheit und den Wert des Schutzgebiets erkennen zu können, die großen, vislbegangenen Seerstratzen meiden, an denen der auk- und abflutende Verkehr die Weiden vernichtet und dem Lande ein flus- sshen verleiht, dem das der Seitenlandschakten des Inneren Sohn spricht. Und so kann denn auch nur derjenige — der wandernde löändlsr, der Farmer, der Jäger und Soldat — der weitab von den Straßen und Wohnungen der Menschen das weite „Feld" durchschweikt, der über Berg und Fluß, durch Eal und Steppe vordringt, die Eigenart und den Wert eines Landes wie Südwestakrika voll erkennen; nicht aber der, welcher, und wenn auch hundertmal, die großen Straßen hinaufzieht, die der Verkehr geschaffen hat. — Wenn wir von der Süsts herkommend die weiten WüstenNächsn mit ihren tief in das Massiv des Urgesteins eingeschnittenen Flußläufen und den flugsandbewehten Gebirgen durchquert haben, erreichen wir in den Wüstsn- stsppen die Gebiets beginnender Vegetation. Doch liegen die wildzerrissenen Bsrgzügs kahl unter dem Glast der Sonne da, aber an ihren fibstürzen, in den Bsgenschluchrsn, an den Betten der Binnsale, der Bäche und Flüsse sprießen schon dürftige Gräser und Büsche; niedrige kriechende Bäume zeigen sich hier und dort in den bereits wildreichen Ebenen. klick au! einen ^eil iler Ziehungen unü Saiten von kiein-^inittiuk. -puoiiöjog uuoz ^sp uspis^i usp znzz 32 Oie allgemeinen LanLssverhältnisss des Schutzgebiets. W Wir dringen weiter vor und immer lieblicher wird das IZild, das bald - wenn wir dem Laut des Swakop folgen: etwa in der Sähe von Salem, Snawood und Einkas - seine volle Schönheit entfaltet. Weite löochsbsnsn offnen sich vor uns, unendliche Flächen, ein wogendes Meer gelben (Zrases. Gallerie- waldungsn und Same riesiger, dichtbelaubter fina- und Dorn- bäume spenden an den Fluhläufen dem Wanderer Schat ten, und voll Entzücken ruht sein Suge auf den Felsen- gebirgen, auf diesem Chaos von Luppen und Gipfeln, von massigen Bücken und scharfen Graten, hinter denen sich in duftiger Ferne neue löoch- landschaiten auftürmen. Schon bedecken sich hier auch die schroffen Gänge der Gebirge mit saftigen Kräuterreichen lZsrgweiden; die Ebenen zeigen den Charakter der Parklandschaft; wie grüne Inseln tauchen Saum- und Suschgruppen aus ihrem Grase empor. - Wer die sanften Gügel- wellen des Damaralandes, das Schluchtengewirr der r--«^ 5ln der Wasserstelle 6nlcha (Vogelkranz) I Die Wasservsrhältnisss. 33 wildromantischen Sergländer der IZastardhochebenen, wer die weiten baumlosen Grassteppen des Nama- landes sehenden Auges durchschritten hat, der wird mit mir einer Meinung sein, daß diese Länder es verdienen, deutsch zu sein. Lind doch ist Deutsch-Südwsst- akrika in seinem löauptteil ein arides Land. Mit Ausnahme der Grsnzströme, des ßunsns, Oka- vango, Sambesi und Oranjs finden sich nur periodische §Illsss, die in der Zeit der großen Asgsn - vom sjanuar bis April - okt gewaltige Wassermassen führen, die jedoch ebenso schnell abfließen, wie sie gekommen sind. Gs liegt dies in dem geologischen Aufbau des Landes begründet, das von seinen ziemlich die Mitte des lang gestreckten Gebietes haltenden höchsten Erhebungen und Wasserscheiden in gewaltigen Terrassen nach Osten und Westen abfällt. L)ie §lüsss haben daher meist starken §all. löierzu kommt, daß ein §euchtigksitsersatz durch Niederschlüge in den meist völlig regsn- losen Monaten Mai bis Dezember nicht eintritt, dagegen der Verdunstungsprozeß infolge der innerhalb dieser Zeit immer mehr steigenden Trockenheit der Lutt ein enorm großer wird. Lediglich in den in der Gbene liegenden teilen des krieg IS04-1S0S. 3 kureniarm Uittod. 34 Die allgemeinen Landesverhältnisse des Schutzgebiets. Flußbettes oder dort, wo §elsbarrisren das Bett schneiden und die Wasser aufstauen, oder endlich in Löchern und Bassins, die sich häufig in den Flußbetten finden, hält sich offenes Wasser noch längere Zeit nach den letzen liegen. Da jedoch die Mehrzahl der größeren §lüsse auch in der Trockenzeit unterirdisch — unter der oberen Sandschicht - schwach strömendes Wasser führt, so sind die Bewohner Südwestafrikas von jeher daran gewöhnt, sich durch mehr oder weniger tief versenkte Brunnen die Schätze des Grundwasserstroms zu erschließen. So ist - wenn auch Quellen („§onte>nen") und größere oder kleinere Leiche (meist Sammelwasssrstellsn im Lehmboden, sogenannte „Vie^s") sich über das ganze Land verstreut finden - doch die Mehrzahl der Siedlungen an den Laut der §!üsss gebunden. Erklärt sich durch diese für ganz Südwestakrika gleichen Verhältnisse das Nomadenhafte seiner eingeborenen Völker und zum Leil auch der eingewanderten Weißen, so mußte der vornehmlich durch die Missionars erzeugte Drang nach festen Wohnsitzen, die Periode der beginnenden Seßhaftigkeit, sich ganz besonders günstige Stellen des Landes zu seiner Entwicklung suchen. Dur dort wurde die Dnlage dauernder Siedlungen möglich, wo Wasser zu jeder Zeit und in einer die Erhaltung der Serden sichernden Menge vorhanden war. So entstanden, zunächst unter dem Einfluß der Missionare, denen nach der Besitzergreifung des Landes durch die Deutschen die Begierung, die Schutztruppe, die Linsiedler folgten, Gemeinden an den Oertlichkeiten, die offenes Wasser in genügender Menge besitzen. Bald jedoch ging man - dem Beispiel der nahen Kapkolonie folgend - dazu über, den Wasserreichtum künstlich zu heben. Der Brunnenbohrer und der Kulturtechniker erscheinen auf dem Plan, und unter ihrer Silke bricht vom offenen Wasser aus der §armer auk, um. durch die künstliche Schaffung von Wasser, durch Bohrungen und Dammbauten, sich und seinen Serden Gebiete voll herrlichen Wsidegrases zu erschließen, die bis dahin infolge des §ehlsns von Wasserstellen tot und unbenutzt dalagen. Lind so sehen wir in Südwestakrika ein Land der kuituroassn entstehen, die räumlich okt weit getrennt sind durch Landschaften, die noch heute nur in der Begenzsit dem Domaden Unterhalt bieten, mit deren schrittweiser Eroberung man jedoch jetzt bereits beschäftigt ist. Datürlich ist es dabei, daß einzelne der europäischen Kulturzentren den anderen weit voraus waren. Es sind dies die am leichtesten zu- Die Wasscrverhältnisso. 35 gänglichen und somit am frühesten besiedelten, zwischen denen man bereits moderne Verkehrsmittel (Eisenbahnen) findet, sowie die, in denen bereits entdeckte IZodenschätze (Mineralien und ähnliches) der Ausbeutung harren. Durchaus irrig ist es übrigens, anzunehmen, daß es unter geordneten, friedlichen Verhältnissen im Schutzgebiet an Wasser kür Menschen und Eiere kehle. Mit Ausnahme der Wüstenklächen vielmehr und vereinzelter anderweitiger Oertlichkeiten ist Wasser für diese Zwecks durchaus genügend vorhanden, und seine Menge kann, wie bereits oben bemerkt, durch geeignete Erschlietzungsmatzregeln in ungeahnter Weise gehoben werden. üblalut eine; Iruppentronsporls vorn ksluilwl in ?uakopinunii. Die eingeborene Bevölkerung des Landes lebte von jeher weit verstreut. Dur dort, wo in den Ebenen und Gebirgen sich Wasser und Grasweide in genügender Menge und guter Beschaffenheit fand, konnten Dnsiedlungen angelegt werden. )e nach der örtlichen Beständigkeit der ebenerwähnten, kür das Leben von Menschen und Eieren unentbehrlichen Bedürfnisse bestanden sie bald aus nur wenigen Bütten (pontoks), bald aus umfangreichen Komplexen von solchen und von Steinhäusern, deren Bau zwar Missionare und Bändlsr gelehrt hatten, die aber doch nur von wenigen reichen Berero benutzt wurden. Umfangreicher war ihr Gebrauch lediglich bei den Bastarden von Behoboth. 3 ' 3b Die allgemeinen Landesverhältnisse des Schutzgebiets. Oie Organisation der eingeborenen Völker war eine patriarchalische zu nennen, vis durch l^assenzugehörigkeit, Sprache, Sitten, Gebräuche und Neigungen sich bald schart, bald schwächer von einander unterscheidenden „Nationen" näherten sich einander wieder in den Lebensgewohnheiten, die durch die Gleichartigkeit der Steppengebiete in wirtschaftlicher Hinsicht bedingt werden. Nie Völker zerkielsn in Stämme (l^apitänschatten), die von Häuptlingen (Kapitänen) beherrscht wurden. Niese „Herrschaft" war jedoch meist eine wenig einflußreiche, und nur dann von kräftiger Wirkung, wenn das Interesse des Häuptlings von seinen Untertanen als das eigens anerkannt wurde. - Nie freien, herrschenden eingeborenen Völker waren als zum Llusbruch des Nukstandss im ^sahre 1904 die Ovambo, Herero, Gastarde und Hottentotten. Näheres über Zahl, Organisation und die Abgrenzung ihrer Gebiets enthält die nachstehende Uebersicht. Nie Zahlen geben die Mittel aus den Schätzungen zahlreicher Landeskennsr. I. vis Ovambo. Sohl Lsr Hapitänschakten Seelen- mit Sinter- Lsbietsgrenzsn Hauptorte (Stämme u. Häuptlings) Zahl ludern Ve- rvakkneten vis Ovambo von: jsm Norden und . Ondonga Osten sind weder l. Omandongo -s- Häuptling: vechale, natürliche noch po- Onajsna „ Hambonds litische Grenzen vor- Olukonda -h Handen, jjm Westen Onüpa ch Q kann eine Linie von Ontananga ch Zwartbois-Vrift am Okaloko . Uukuambi 70 ooo sooo Hunens über Gland- 2. Omukuju Häuptling: vechumbo pütz-Ombombo aus . Ogandjera 2- /2) Gkango, im Süden 3. Nshoboth -j- Häuptling: Schaamkas 2 eine weitere von . Ombarantu V Gkango über Onoo- 4. ? . Uukuanjama lange auf jhpinge 5. Namakunde ch Häuptling: Uejulu angenommen wer- Omupanda -s- den. Ondjiwa -s- (vis letzten beiden bereits auf portugiesischem Gebiet.) Llnm. zu I.: ch — Stationen der finnischen Missionsgesellschaft. „ „ II., III., IV.,V.: ch — Stationen der Rheinischen Missionsgesellschaft. Die eingeborene Sevölkerung. 3? II. Die Herero s(6esst-)vamaraj. Obsrhäuptlingi Samuel Maharsro, Okahandja. Napitänschattsn tStämme u. löäuptlings) Seelen- zahl Zahl der mit Hinterladern 6e- wafsneten Oebietsgrenzsn löauptorte Die löersro von I. Omaruru jjm Norden der l. Omaruru -j- löptl.: Michael Ijisessta 20,5" südl. Sr.; im 2. Okahandja im Westen das 2. Okahandja -j- löptl.: Samuel Maharero Naokotelü; im Osten Otjosasu -p die Landesgrenzs Grotz-lZarmen des Schutzgebiets; Otjiseva 3. Waterberg im Süden der Lauf 3. Waterberg -j- löptl.. Oavidl^aunjonua des Swakop bis 4. Otjimbingwe Otjiseva und von 4. Otjimbingwe j- köäuptl.: Zacharias dort eins Linie bis Zaxaua 80 000 7 500 zum Schnittpunkt 5. Okandjose des 23° südl. Srsite 5. Okandjose löäuptl.: Ljstjoo mit der östl. Landes- 6. Otjihasnena grenze. 6 . Otjihasnena ch löäuptl.: Mambo löäuptl.: Ombuondjou 7. (Sanjo) 8. Sobabis -j- 8. Nie Ovambandjeru löäuptl.:? verstreut und vsr- 9. vie Ovatjimba armt im Nord- vvestsn des löerero- landss an den Grenzen d. >3aoko- fsldss. III. vie vastarde von I^ehoboth. löäuptling: ! 4 000 Sermanus van Wijk 300 jjm Norden eine Linie Vaalgras- Nranznsus; im Westen Vaalgras— Nauchas—Nauklukt; im Osten der Laut des SchaMusses; im Süden der Laut des > Usib- und Sloem- ! tischflusses. Nehoboth -j- 38 Die allgemeinen Landesverhältnisse des Schutzgebiets. lV?. Die Naman (ftzotlentotlen). l^apitänschakten (Stämme u. Säuptlinge) Seslsn- Zahl Za>)I der mit Hinterladern IZe- voakkneten Sebietsgrsnzen Sauptorts l. vis Witbois I 500 Im Norden die 1. Sibeon Sptl.: Sendrik Witboi Südgrenzsn der (Narisntal 2. Die Note Nation SO Sastard- u. Sersro- 2. Soachanas -tz Iöptl.:lNanasseNoreseb Gebiets; im übrigen Z. Nie vsthanier 250 die Landesgrenzen 3. IZcthanien -tz löptl.: Paul §rsdsriks des Schutzgebiets. 4. vis verssba- 4. IZerssba -tz Sottsntottsn ISO löptl.: Lhristian Soliath 5. vis §ranzmans- S. Sochas Sottsntottsn 400 Sptl.: Simon Soppsr b. vis Veldschosn- 6. I30SS -h Lrager (§sldschuh- träger) ISO Sptl.: Sans löendrik 7. vis Sottentotten 7. Sestmanshoop-t von l^sstmans- l 20 hoop (vseibsche) 100 Säuptl.: 8. vis SonLelzwarts 400 8. Warmbad -tz Sptl.: Wilh. Lhristian d. vis Zwartbois 80 y. Im tzaokokeld Säuptl.: Lazarus §ranzkontein ch Zrvartboi 10. vis Zestonteinsr 10. Im l^aokofeld (vopnaars) 80 Zsskontsin löptl.: )an vichamab 11. vis vopnaars ? 11. Im britischen löäupl.: pist löaibib Walfischbai - Gebiet 12. Nutzerdsm in früheren Sa.21S0 u.o. unteren I^uissb. kriegen zersprengt: Walfischbai -j- und Nkrikaner und Nooibank (Schep- khauas (Nmraalschs) mannsdorf). Nuhsrdem: V. Die IZergdamara, die unter töersro, Gottentotten und IZastardsn verstreut leben und nur eine geschlossene Niederlassung in Okombahs-l- (westlich Omaruru) unter dem köäuptling Cornelius haben, die unter dem besonderen Schutz der deutschen Legierung steht. Ihre Gesamt- Die allgemeine politische Lage zu Beginn des Wahres IW4. 3Y zahl ist schwer zu bestimmen, sie soll - den sehr ungleichen Schätzungen nach - 30 bis 50 000 betragen. - Die Buschmänner endlich, die auk der niedrigsten Kulturstufe stehenden Eingeborenen des Landes, leben nördlich des Waterbergs, im Osten und an den Lüsten des Schutzgebiets zerstreut, doch finden sich bei ihnen - meist gerade in den entlegensten, ödesten, wasserarmen Oebisten - hier und dort auch Organisationen, die an die Stammssverbände der übrigen Eingeborenen erinnern könnten. Sprechen doch einzelne Behende sogar von „Buschmannskapitänen." Während sich die Bsrgdamara im allgemeinen bei den Siedlungen der Weihen und Eingeborenen einkinden und als Birten, knechte und Lirbeiter gesucht und geschätzt sind, halten sich die Buschmänner meist scheu zur Seite und sind nur selten bereit, sich dem Zwangs eines Dienstes zu fügen. Ihre Zahl zu schätzen, ist schwer, doch mag sie einige Lausende betragen. vie allgemeine politische Lage zu lZeginn des Wahres 1904. Von all diesen Eingsborenenstämmen hatten seit dem Beginn des energischen Vorgehens der deutschen Begierung - seit 18Y3 — bereits zahlreiche gegen die neuen Berren in Waffen gestanden. Von anderen hatten sich einzelne Krieger in oft bedeutender Zahl den kämpfenden Volksgenossen angeschlossen, ohne dah der Stamm, zu dem sie gehörten, sich offen an den Feindseligkeiten beteiligte. Erwägt man weiterhin die bereits durch die früheren Bassenkriegs zwischen Bsrero und Bottentottsn hochentwickelten kriegerischen Eigenschaften der Mehrzahl der Eingeborenen Südwestakrikas und ferner ihre zweifellos bestehende politische Unzufriedenheit, die sich höchst einfach lediglich durch das Bestehen der deutschen Berrschakt an sich erklärt, — so ist es einleuchtend, dah die deutsche Sache unter den Eingeborenen nur sehr wenige von solchen freunden besah, die sich durch das Erkennen des Wertes der europäischen Cultur und durch die 40 Die allgemeine politische Lage zu Beginn des Wahres 1904. hierdurch hervorgerufene Interessengemeinschaft an die Deutschen gefesselt kühlten. Lediglich die Bastards von Behoboth können diesen §reunden zugezählt werden. Die Missionen hatten zwar, wie bemerkt, unter den Eingeborenen käst aller Stämme, besonders unter den löottentotten, zweifellos Erfolge erzielt, aber ihre Schützlinge waren bereits in den Basssnkriegen vor 1893 in politischer löinsicht dem Bat der im übrigen hoch angesehenen Missionars nur dann gefolgt, wenn dieser Bat sich in seinen §olgsn mit den politischen Bestrebungen des Stammes vereinen ließ. Der Einfluß der deutschen löerrschakt, deren Machtmittel die Eingeborenen zeitweilig gefügig und unterwürfig machten, hat die Mission anscheinend dazu gebracht, den eigenen Einfluß stark zu überschätzen. Wir werden dies später beobachten können. In wirtschaftlicher Beziehung waren innerhalb des kurzen Zeitraums seit 1893 starke, ja zum Lei! auffallende §ortschritte gemacht worden, köieran hatten weder die kriege der Deutschen gegen die Eingeborenen noch der aus ihnen sich herleitende Umstand etwas zu ändern vermocht, daß gerade ein Leil der wirtschaftlich am höchsten stehenden Weißen harte Verluste gehabt, ja zum Dell alles verloren hatte. Diese fingen eben mit ungeschwächter Willenskraft „von vorn" an, und ihre Brbeit gedieh. Im )ahrs 1893 konnte man die Zahl der weißen Bnsiedlsr „an den §ingsrn" abzählen. Die Vieh- und sonstige wirtschaftliche Produktion derselben war gleich Du». Ihren gesamten IZedark an lebendem Vieh mußte die Legierung durch k^auk bei den Eingeborenen, fast ausnahmslos bei den löerero decken. Dur wenige der ältesten (meist Missions-Molonisten kamen neben diesen in Betracht, und auch deren Berdsn stammten zumeist ursprünglich von den löerero, von denen sie im Austausch kür eingeführte Gebrauchsartikel im sogenannten „§eldhandel" erworben wurden. Waren die Eingeborenen zu jener Zeit einmal schlecht gelaunt, wie 1893 infolge des kurz zuvor von der Legierung erlassenen Waffen- und Munitionseinfuhrverbots, dann stiegen die Vishpreiss infolge der geringen Bereitwilligkeit, zu verkaufen, okt innerhalb weniger Lage bedeutend. In den fahren 1893 bis 1895 war dies geradezu zur Kalamität geworden. Diese Verhältnisse hatten zehn )ahrs später ein wesentlich anderes Gesicht angenommen. Die von der Begierung und einigen deutschen (kolonial-, Siedlungs-) Gesellschaften in Besitz genommenen Leile des mittleren S» EML ll i M4»i ,MM! 8^akopmunil. 42 Die allgemeine politische Lage zu Beginn des Wahres 1904. Damaralandss wiesen — ebenso wie das Grotz-Namaland - einen bereits starken Stamm von §armern und Ansiedlern auf. produziert wurde: Groß- und Kleinvieh, Pferds, Getreide, Mais, Eabak, Wein und Gartentrüchts. Wenn auch von einer Versorgung des IZedarfs der Schutztrupps, des bedeutendsten Konsumenten, durch die inländische Produktion noch keine Aeds sein konnte, so erschienen doch die Produkts des Schutzgebiets bereits neben den eingeführten auf dem Markt. Die löersro hatte die im Jahre 1897 ausgebrochens Rinderpest von ihrem Stand als fast konkurrenzlose Viehbesitzsr und -Züchter verdrängt und hierdurch den Weihen, die zwar teuerer aber auch rationeller arbeiteten, einen grotzen Vorsprang gegeben, den diese voll auszunutzen verstanden. Neue bedeutende und kapitalkräftige l^aufmannstirmen und Gesellschaften hatten sich neben den älteren im Schutzgebiet ansässig gemacht, Erzfunds waren festgestellt worden, und man dachte bereits an die Eröffnung zahlreicher größerer Getriebe auf bergbaulichem und landwirtschaftlichem Gebiet. Die Schiffsverbindungen mit der Geimat und dem britischen Südafrika hatten im Laufe der Jahre einschneidende Verbesserungen — besonders auch bezüglich der Eariks —erfahren, und im Jahre 1902 war die erste Eisenbahn Swakopmund — Windhuk eröffnet worden. Auch an der Verbesserung der Landungsanlagen in Swakopmund hatte man gearbeitet. Die weiße Gevölksrung war —nach dem Stande vom 1. Januar 1903 —auf 4640 Personen, davon 3391 männlichen, 1249 weiblichen Geschlechts, angewachsen. Kirchen waren gebaut, Schulen eröffnet worden, und auch mancherlei in dieser Einsicht für die Eingeborenen geschehen. Auf sicherer Grundlage, auf der breiten Gähn wirtschaftlicher Erfolge und Erstarkung schien man somit rasch und sicher vorwärts schreiten zu können. Und die in der Eat innerhalb weniger Jahrs errungenen Erfolgs sind unbestreitbar, sie beruhen auf dem Wert des so oft verlästerten Landes. Aber man hatte einen §aktor nicht beachtet ihn vielleicht und wahrscheinlich im Vollgefühl des glücklichen Vorwärtskommens übersehen und mißachtet: die Eingeborenen, und vor allem die Gersro! Drohend stand ihre Phalanx den Weißen gegenüber, und sie ballten die §aust, als sie in dem wirtschaftlichen Emporblühsn des weißen Mannes den eigenen Niedergang zu erkennen glaubten. Sie hätten nicht Südafrikaner, nicht Gantu, nicht nahe Verwandte der Sulu sein müssen, wenn Die allgemeine politische Lage zu Beginn des Wahres 1404. 43 kln cker kokn 8ioakopmuncI-ViiilIliuk. Ww,? .. ' ^ ihnen nicht die Lehre im Blute lag, dah Weitze und Schwarze nicht nebeneinander leben könnten. flut diese Lehre und ihre IZetätigung seitens der Eingeborenen ist in ganz Lltrika bisher nur eins gültige und befriedigende Llntwort gefunden worden: die des Schwertes! konnte aber die deutsche (Dacht in Südwestafrika eins solche Llntwort zum Schutze ihrer Interessen erteilen? War sie hierzu kräftig genug? Oie deutschen Machtmittel. Die Schutztruppe. Stärke und Verteilung. - sslusbildung und Bewaffnung. - Bis Stationen. — Dos Transportwesen. — Bis Pferds. T^ie Stärke der kaiserlichen Schutztrupps kür Osutsch-Südwestakrika betrug zu Ssginn des Wahres 1404 unter Abrechnung der Seurlaubten und vienstunbrauchbaren 27 Offiziers, 3 Sanitätsoffiziere, 3 Veterinäre, I Zahl- Troh-Mnäliuk. klick auk äsn Ort von Züäuekten aus. 44 Die deutschen Machtmittel. Meister, 720 Mann und rund 800 Pferds. Sisrvon entfielen jedoch auf die Polizei- trupps, die von der §eldtruppe scharf geschieden war, etwas über 200 Mann, so daß für die Verwendung im §elds etwa ZOO, auf 4 Compagnien, eins §eld- und eine Gebirgsbatteris verteilte Mannschaften verblieben. Die Gruppen waren im ganzen Schutzgebiet vom Oranje bis zu den Aordgrsnzen des Ssrerolandes verteilt, während das Amboland jeder militärischen Sssstzung entbehrte, löierbsi war der worden stärker bedacht als das SrotzMamaland, in dem nur eine, die 3. Compagnie in ßsetmanshoop stand, während im mittleren . Schutz- gebist und im lösrsrolande 3 Compagnien und 2 IZattsrisn, die l. und die §eldbatterie in VOindhuk, die 2. in Omaruru, die 4. in Outjo und die 6s- birgsbattsrie in Okahandja garnisonierten. Die Schwäche der Schutztrupps bestand — ganz abgesehen von ihrer einem größeren Aufstand der Eingeborenen gegenüber durchaus unzureichenden Zahl in erster Linie in der durch die Ausdehnung der zu schützenden Gebiets bedingten Entfernung der einzelnen Die Schutztrupps. 45 Truppenteile von einander, ferner aber in der Schwächung der ßriegsverbände durch zahlreiche Abkommandierungen zur Polizei, zum Zoll und zu anderen zivildisnstlichsn Obliegenheiten. Zudem befanden sich in den Stabs-Standorten der einzelnen Truppenteils stets nur etwa die löälfts der Offiziere und Mannschaften, da die übrigen zur Besetzung der zahlreichen kleineren Stationen, die sich oft in nicht unbedeutender Entfernung vom Sauptstandort befanden, und zum patrouillsndisnst verwendet werden mutzten. 7sds Mobilisierung war daher mit großen Schwierigkeiten verknüpft und erforderte geraume Zeit. Eine wirksame, schnelle gegenseitige Unterstützung war fast ausgeschlossen, sobald es sich um größere Entfernungen handelte. Die kriegsmähige Ausbildung der Mannschaften wurde zwar überall mit großem Eifer betrieben, litt jedoch naturgemäß ebenfalls unter den oben geschilderten Schwierigkeiten bedeutend. Lrotzdem stellte sich die Lrupps in bezug auf die Ausbildung des einzelnen Mannes (Schieß- und Aeit- kertigkeit, Kenntnis des Landes und der §echtweise der Eingeborenen, Gewöhnung an das ßlima) als ein durchaus hochwertiges Kampfmittel dar. Die Disziplin und löingabs der Mannschaften war, wie sich in den folgenden k^ampfjahren zeigte, eins glänzende. Die lZewakfnung bestand aus dem Infantsris-Gswehr M. 88 und dem Seitengewehr M. 71/84. An Artillerie waren vorhanden: fünf bcm Schnsll- keuer-Gebirgsgeschütze, fünf ältere §eldgeschütze L 73 und fünf Maschinengewehre. Vier 5,7 cm Schnelladekanonen waren zu Seginn des Wahres 1404 zur Reparatur in Deutschland. Als geschlossener artilleristischer Lruppentsil konnte lediglich die Gebirgsbatteris angesehen werden; die übrigen Geschütze und die Maschinengewehre waren auf die einzelnen Stationsbesatzungen, bezw. Compagnien verteilt. Die Stationen bestanden fast ausnahmslos aus festen steinernen Sau- werken, okt in großem Viereck angelegt, mit Mauern umschlossen und von Lärmen überhöht und flankiert. Sämtliche Stationen waren angewiesen, stets auk l 2 Monate mit Proviant versehen zu sein. Gewehre und Munition wurden auch kür die Mannschaften des IZeurlaubtenstandes in genügender Menge vorrätig gehalten. - Sesonders Aufmerksamkeit und Sorgfalt erfordert bei allen überseeischen 46 Oie deutschen Machtmittel. und kolonialen kriegen und Expeditionen die Organisation des Transportwesens. In Südwsstafrika stand tür die Versorgung der Eruppen im Innern mit Proviant und Kriegsmaterial von der lauste aus nur eine Eisenbahnlinie, tüilitärltation in Stoh-Karmen. die von 5wakopmund nach Windhuk, zur Verfügung. Ihr Wirkungskreis war zudem naturgemäß ein nur beschränkter. Die südlichen Eeils des Oroß- Namalandss konnten der großen Entfernungen wegen von ihr nicht mehr versorgt werden, sie waren vielmehr auf den Verkehr mit dem löaken Lüderitzbucht angewiesen. Die Schulztruppe. 47 Der gesamte Verkehr im Schutzgebiet - insofern er sich auf die Seran- und Mitkührung von Vorräten aller flrt bezieht - basierte jedoch mit Ausnahme der einen Sahnlinie auf dem von Ochsen gezogenen schweren Wagen, dessen Brauchbarkeit selbst auk den schlechtesten Wegen und querfeldein bereits seit den Tagen der ersten Einwanderer in Südafrika erprobt worden war. darren und mit Mauleseln oder Pferden bespannte leichtere Wagen wurden erst später und mit nur wechselndem Erfolg in Anwendung gebracht. So muhte die Truppe auf längeren Expeditionen stets von den schwerfälligen Ochsenwagenkolonnen begleitet werden, durch die Schnelligkeit und - »v . » kalt aut clem lllarlck. überraschendes Einleiten eines Kriegszuges oft vereitelt wurden. Verzichtete man auf die Mitnahme der Wagen und trat den Marsch ohne sie - etwa nur mit Sandpferden — an, so konnte die Trupps zwar rücksichtslos vorwärts marschieren, war aber doch in kürzerer Zeit gezwungen, sich behufs proviant- und Munitionsersatzes auf eins der Stationen oder auf die nachgeführtsn Kolonnen zurückzuziehen. Die letztgenannte Mahregsl ist aber für schwächere Truppen deshalb von Nachteil, weil sie auf Märschen in Feindesland stärkere Wagenbsdeckungsn erfordert, als wenn die Fahrzeuge der Trupps unmittelbar angegliedert sind. Es tritt somit eine unter Umständen bedenkliche Schwächung der Oekechtskrakt der Truppen ein. 48 Die deutschen Machtmittel. Bei der großen Wichtigkeit des Bachschubwssens hatte man schon in früheren fahren dafür gesorgt, daß die Gruppe sich im Besitz eines festen Bestandes von Wagen und Zugochsen befand. IZsreits Major von Tran^ois hatte dieser Trage seine volle Aufmerksamkeit geschenkt, und im Laufs der ^ahre verfügte die Schutztrupps über einen Wagenpark und eine größere Anzahl fest angestellter, bewährter Wagsntrsibsr und sonstigen Personals, das aus Leitern und Ochsenwächtsrn besteht. Als Treiber waren besonders die Bastards geschätzt, weil sie meist ehrlich, zuverlässig und geschickt sind. Der Wagenpark der Schutztruppe genügte übrigens bei weitem nicht - weder in früheren noch späteren Zeiten — um die gesamten Zufuhren von der iZüsts her zu bewältigen, löierzu mußten vielmehr private Wagenbesitzer herangezogen werden, die gegen einen bestimmten Satz pro 100 pfd. die Tracht übernahmen. So sehen wir deutsche Ansiedler, Buren, Bastarde, löerero und Bottentotten kür die deutsche Bsgierung Transports ausführen. Bas Trachtkahren galt allgemein als ein sehr lohnendes Geschäft - allerdings mutzte der Zerr, der „Baas" des Wagens, persönlich oder durch einen sicheren Beauftragten, den „Konduktor", eine scharfe Controlle über das personal ausüben, um Nachlässigkeiten zu verhüten, die häufig große Verluste an Zugvieh zur Tolgs hatten. Besonders gefürchtet waren in dieser Beziehung die Wüstsnwege zur l^üsts. Lausende von gebleichten Ochsenschädsln bezeichnen die Straßen Swakopmund (Walfischbai) - Wind- huk und Lüderitzbucht - f^ubub, und erst der Bau der Eisenbahn schuf auf der nördlichen Baute Wandel. Die der Lruppe gehörigen Wagen waren den einzelnen Stationen zugeteilt; die Zugtiere wurden, falls sie nicht in Gebrauch waren, auf „Viehposten" gehalten, wo sie unter Aufsicht des eingeborenen Personals und besonders hiermit beauftragter Unteroffiziere und Mannschaften weideten. Ebenso die Pferde, die zudem in der Bsgenzsit ()anuar - April) wegen der in diesen Monaten auftretenden, in ganz Südafrika verbreiteten und sehr gefährlichen pferdsseuchsn oft auf weit entlegene Plätze gebracht werden müssen, die infolge ihrer Lage im Bereichs des Sähen- oder Seeklimas von den Seuchen frei sind. Auch diese Verhältnisse waren - wie erklärlich - geeignet, in der Seuchen-Gskahrzeit die geregelte Mobilisierung der Lruppen gänzlich in Trage zu stellen. Die Pferds der Eingeborenen wie der Schutztrupps entstammten aus- Die Pferde. 49 nahmslos den Zuchten der Kapkolonie, des Transvaals und vor allem des besonders pferdereichsn Oranje-§reistaats. In der Kapkolonie hatte man bereits !m 17. Jahrhundert die Pferdezucht begonnen. Später war vielerlei zur Verbesserung der Nasse geschehen - in erster Linie durch die Einführung edler englischer Pferde aber das gemeine südafrikanische Oebrauchspkerd, der Landklepper, gehört doch der alten, nunmehr über zweihundert ssahrs alten Nasse an. Es ist dies ein kleiner, genügsamer, harter Schlag von wenig ansprechendem Llsutzeren. Der dicke, schwere Kopf und kurze, wenig biegsame Kais, der oft auffallend lange und Senkrücken geben dem Eier einen Nusdruck von Schwäche, der aber durch seine große Leistungsfähigkeit voll widerlegt wird. Dabei nennt der südafrikanische Klepper alle Eugenden und §ehlsr des XVeidepferdes sein eigen. Seine Sinnesorgane sind auf das feinste ausgebildet, er ist meist fromm und zutraulich, dabei aber oft lächerlich bodenschsu. Sehnen und köuke sind hart und widerstandsfähig, was sich durch den steinigen' Soden zur Oenüge erklärt. Schon als §ohlen mutz sich der „Südafrikaner" mühsam seine (Zräser auf den mit (Zsröll bedeckten Ssrghängen zusammensuchen. Stallpflege wird ihm ebenso selten zu teil wie Kraftfutter. Die Zufuhren aus der kapkolonis waren bereits in den kriegen der Eingeborenen untereinander wie später alljährlich bedeutende, da die Unsicherheit im Lande eine rationelle, erfolgreiche Züchtung nicht aufkommen ließ. Oft trieben kapkoloniale und §rsistaat-Suren löerden von mehreren hundert Pferden aus dem Süden herauf bis Sehoboth und XVindhuk, wo sie von Llnkaufskommissionsn der Schutztruppe und privaten erworben wurden. Die IZastards von Sehoboth sind als passionierte und geschickte Pferdezüchter und Seiter bekannt, die löottentotten zwar leichte und leistungsfähige Seitsr, aber ebenso wie die schlecht reitenden Serero unmenschlich roh und grausam in der Sehandlung der Eiere. Oer Aufstand der Gondelzwarls. Eief im Südosten des Schutzgebiets von den Ufern des Oranseklusses bis zu den kleinen und (Zrotzsn Karasbergen dehnt sich ein weites, steiniges löochland aus, das kurz nach der Einwanderung der Orlam - Sottentotten Krieg 1Y04 IS0S. 4 50 Die deutschen Machtmittel. von einem Stamm derselben, den lZondslzwarts, besetzt wurde. Es sind wenig fruchtbare und wasserarme Landschaften, die sich, von den l^aras- bsrgen terrassenartig abfallend, nach Süden bis zu den wilden, unwegsamen l^andgebirgen des Oranje, den „Oranjsklüftsn", erstrecken und die im Osten allmählich in dem Sandmser der südlichen l^alaharistsppe aufgehen. Weite Strecken dieses zu den schlechtesten teilen des Schutzgebiets gehörigen Landes sind öde und fast vegetationslos. Die (Zrasebenen enthalten wohl hier und da gute, nahrhafte Weiden, sind aber weithin mit §elsblöcken und (Zeröllschutt bedeckt. Unbarmherzig brennt die Sonne auf die steinigen, schattenlosen Ebenen herab; der Wanderer ist schutzlos ihren sengenden Strahlen preisgegeben. Llllsin in den §lußtälern zeigt sich eins lebhaftere Vegetation, und an ihnen lagen auch fast ausnahmslos die Siedlungen der Weißen und Eingeborenen. Warmbad war der löauptort der lZondslzwarts, und die lZsilkrakt der hier dem Erdboden sntsprudelnden heißen Quellen bereits seit altersher bekannt und geschätzt. Schon im 18. Jahrhundert hatten hier englische - wssle^anlsche — Missionare unter den köottentotten gewirkt, um später von rheinischen Missionaren abgelöst zu werden. Lln den Ufern des (Zei- abklusses, der in den I^arasbergen entspringt und bei Stolzenfsls in den Oranss mündet, liegen die alten, heut verödeten Missionsstationsn (Zaob (Jerusalem), Samis (lZIydeverwacht) und löeirachabis. Der Eharakter des Landes hat im Lauts der Jahre auch dem Charakter der IZewohnsr seinen Stempel aufgedrückt. 51uch die Uühs der benachbarten ßoranna-löottentotten, dieses gekürchtetsten Raubgesindels des lUein-Uama- und lZuschmannlandes, mag seinen Ceil dazu beigetragen haben, daß die „lZondels" von jeher in dem l^ufe eines besonders wilden, trotzigen und verschlossenen Menschenschlages standen. Und doch schienen sie in den ersten Jahren der deutschen löerrschakt dieser nicht abgeneigt - vielleicht allerdings nur deswegen, weil sie sich weit außerhalb der Machtsphärs der Deutschen befanden. Im Jahrs 1890 schloß der damalige l^sichskommissar Dr. (Zosring einen Schutzvertrag mit dem Säuptling der lZondslzwarts, und noch 1893, nach dem ftusbruch des ersten Krieges mit löendrik Witboi, sprach man in Windhuk von ihnen als von den „einzigen wirklich treuen §reundsn" der Deutschen unter den Sottentotten. Erklärlicher wird diese löaltung allerdings Im Distrikt Warmbad 1903. 51 durch den Umstand, dah sie selbst bereits gegen Hendrik Witboi mit Erfolg gekochten und sich seiner despotischen Gelüste erwehrt hatten. Im Laufe der 7ahre aber hatte die §rsundschakt mit den Deutschen manch argen l^itz erhalten und war in jenes scharf beobachtende Mißtrauen umgeschlagen, das die anderen löottentottsnstämme den Deutschen entgegenbrachten, obwohl diese es wahrlich nicht verdienten. Zu IZeginn des Wahres 1903 bestand die im Distrikt Warmbad ansässige weiße Bevölkerung aus 143 Personen, davon 2 Deutsche, 129 Suren, 11 Engländer und 1 Schwede. Die auf 6 Stationen verteilte Schutztruppe war nur 16 Höpfs — I Offizier, 3 Unteroffiziere und 12 weiter - stark; hierzu kamen noch 2 Zivilpolizistsn. Im Laufe dieses Wahres hatten sich bereits allerhand kleinere und anscheinend nur wenig bedeutende Mihhellig- keiten mit den Sondslzwarts abgespielt. Uuch hatten diese der vom Gouvernement angeordneten Wakkenabstempelung passiven Widerstand entgegengesetzt. Im Oktober desselben Wahres ließ sich William Christian - „unabhängiger Kapitän des Damaqua-Stammes der Sondel- zwarts und Obsrkapitän des zu Swartmodder (Hestmanshoop) wohnenden Eseibschsn Stammes von der roten Dation", wie er sich selbst im Protokoll des Schutzvertragez nannte - grobe Widersetzlichkeiten gegen den Stationschef Leutnant ^obst zuschulden kommen. LUs dieser sich darauf am 25. Oktober mit dem Sergeanten Snav, 2 Leitern und zwei bewaffneten deutschen Llnsisdlsrn zur Werkt*) des Häuptlings begab, um ihn zur Rechenschaft zu ziehen, kam es zum offenen Hampke. Eapker gegen die erdrückende ') „werkt" wird in Südafrika jede Niederlassung der eingeborenen genannt, mag sie ein Dorf sein oder nur aus einer kleineren Nnzahl von IZütten oder einem einzelnen Sehökt bestehen. 4 ' üeutnont Aoblt 52 Der Aufstand der IZondelzwarls. Uebermacht fechtend fielen Leutnant )obst, Sergeant Sna^ und Dnsisdler Sühn, der anders Dnsisdler und ein Gefreiter wurden verwundet, aber auch der Kapitän Christian erschossen. Die überlebenden Deutschen konnten sich nach der Militärstation retten, die von Leutnant a. D. §rhr. von dem Gussche, dem Gevollmächtigtsn der „South Llkrican Lerritories"-Gesellschaft, mit dem Dsst der IZesatzung und den in Warmbad lebenden Weißen gehalten wurde. Die Gondslzwarts schlössen die §este noch an demselben Lage ein. Erst in der Dacht zum 27. gelang es dem treuen Diener des gefallenen Leutnants )obst, einem jungen, verwegenen Serero, sich durch die Linien des Gegners hindurch- zuschleichsn. Llm 29. früh erreichte er das 280 km entkernte Seetmanshoop, und von hier aus wurde die Lllarmnachricht so schnell auf der Seliographen- linie nach Windhuk weitergegeben, daß die dort in Garnison befindliche 1. §eldkompagnis bereits am 29. mittags den Gekehl zu sofortiger Marschbereitschaft erhalten konnte. 2 Lage vor Gintreffen der Meldung war die in Seetmanshoop stehende 3. Compagnie unter dem Kommando des Leutnants der Dsservs Dr. Merensk^ nach den Sarasbsrgsn abgerückt, wo gleichfalls Unruhen ausgebrochen waren. Sie wurde sofort zurückbeordert, bevor sie aber in Ssetmanshoop wieder eintraf, brach von dort bereits am 29. Sauptmann von Soppv mit dem Dest der Gssatzung — 4 Unteroffizieren und 14 Deitern — auf und erreichte in Eilmärschen am t. Dovembsr abends Warmbad, eine glänzende Leistung. Dm t. Dovembsr folgte ihm Leutnant Mersnskv, der mit 80 Deitern, I Geschütz und 1 Maschinengewehr am Ib. in Warmbad eintraf. Die Silke durch Soppv kam kür die in Warmbad Eingeschlossenen gerade zur rechten Zeit. Die Gondels hatten sich bereits bis auf 50 m an die §este herangeschosssn, zogen aber beim Serannahsn der kleinen Entsatz- abteilung auf Sandfontsin ab. Dachdem auch noch Witboi - Silkstruppen unter Oberleutnant Graf Sageneck in Warmbad eingetroffen waren, rückten die Deutschen unter Soppv am 19. auf Sandkontein vor, wo man am folgenden Lage auf den stark verschanzten Gegner traf. Es wurde sofort zum Llngriff geschritten und nach schwerem Gefecht, das die Dacht zum 21. hindurch anhielt, der §sind aus seinen Stellungen geworfen und vollständig in die §lucht geschlagen. Die Weitere Verstärkungen für den Süden. 53 Witbois zeigten sich im nächtlichen Sturni auf die Sandfontein-I^uppe als tapfere Bundesgenossen. Das feindliche Lager mit beladensn Wagen, Proviant, Bewehren und Munition, sowie sonstigem l^riegsbedark aller Llrt - darunter sogar Dynamit - kiel in die Bände der Sieger, die keine Verluste erlitten. Die Bondeis sammelten sich kurze Zeit darauf in zwei Bruppen bei Uhabis und Bartebesstmund. Inzwischen näherten sich '7.'- '' ... V t ^ weitere Verstärkungen dem Kriegsschauplatz. Zunächst die l. §eldkompagnie unter Oberleutnant Brat Stillfrisd — etwa lOO Mann und t Maschinengewehr stark, die den 565 km langen Marsch Windhuk — Beet- manshoop in 19 Lagen zurücklegte und dort am l 9. November eintraf; ferner die Bsbirgs- batterie aus Okahandja unter Bauptmann von Bsydebreck und endlich eins Bastardabteilung unter Oberleutnant Böttlin. Den Oberbefehl übernahm der stellvertretende Kommandeur der Schutztruppe, Bauptmann von §iedler. Bereits jetzt jedoch zeigten sich die grotzen Schwierigkeiten, die durch die weitenCntfernungsn, die Unwsgsamkeit und Wasser- armut dieser südlichen Landschaften der Kriegführung entstehen mutzten. Der Proviantersatz wurde in einzelnen §ällsn zur absoluten Unmöglichkeit, so datz man sich im Süden auf die Beobachtung der Bebellen beschränken mutzte. Im Borden — an den Barasbsrgsn — hatte seit dem Llbzug der Compagnie Msrensky der Bszirkshauptmann von Bibeon, Bauptmann der Bessrve von Burgsdorff, mit Witboihilkstruppsn die Aufständischen unter LIaas Matros im Schach öouptmann von Koppi^. 54 Der 6ufstcmd der Vondelzwarts. gehalten, später unterstützt von der Gebirgsbatteris lZe^debreck. 6m 10. Dezember schlug lZurgsdorff am Südrand der großen l^arasbsrge die inzwischen durch IZondeizwarts verstärkten dortigen 6sbe»sn. Die lZedrohlichkeit der Lage veranlaßte im Dezember den Gouverneur des Schutzgebiets, Oberst Leutwein, sich selbst nach dem Süden zu begeben. Da er erkannte, daß bei der Weitläufigkeit und den besonderen Schwierigkeiten des Kriegsschauplatzes energische Maßnahmen getroffen werden mußten, um den 6ukstand mit möglichster Schnelligkeit niederzuwerfen und so seine Ausdehnung auf die unsicheren Elemente der den lZondels benachbarten Stämme, vor allem der Veldschoendrager und Süd- IZsthanisr zu verhindern, wurde von l^estmanshoop aus am 25. Dezember die lösranziehung der 2. Compagnie aus Omaruru (lZauptmann §ranks) bekohlen. Inzwischen hatten die liebelten am Oranje einige kleine Erfolgs errungen. Sie überfielen die Zollstation Gha- bis, wobei zwei deutsche lieiter getötet wurden, und drängten im Snkang Dezember den mit einer Patrouille von 23, meist von lt-iMbr-ck. aus lZastarden bestehenden lieitsrn gegen löartebeestinund erkundenden Oberleutnant IZöttlin auf britisches Gebiet, von wo die Erupps später mit Genehmigung der britischen Legierung zur See in das Schutzgebiet zurückkehrte. Oberleutnant IZöttlin und 1 lieiter wurden verwundet, 4 Krieger der IZondelzwarts kielen. Geber diesen Zusammenstoß, der deshalb besonders bemerkenswert ist, weil hier zum ersten Mal von einer der Parteien im Gefecht die britische Grenze überschritten wurde, sandte der englische Inspektor Woon einen Gericht an das ßap-Gouvernement, in dem es heißt: K7L Gefecht des Oberleutnants IZöttlin am Oranjs. 55 „Ich Irak am II. Dezember abends von Damansdrikt hier ein und fand den Subinspektor Ddams mit 14 Mann (der Kap-Polizei) vor. Das Lager der Dottentotten befindet sich auk der IZank des Ilussss, uns gerade gegenüber, auf einer rings von steilen Sähen umgebenen §Iächs. Gegen 4 Uhr morgens, beim Grauen des Dagss, wurden wir durch heftiges Gewehrfeuer geweckt. Ich Netz sofort alle Mannschaften sich bereit machen und ging in ausgedehnter Linie durch das §luhbett, das hier ziemlich trocken lag, vor. XVir fanden, daß eine Patrouille der Deutschen unter Oberleutnant IZöttlin von der Ukerseits her das Lager der löotten- totten angegriffen und die pontoks sowie das den löottentottsn gehörige Vieh genommen hatte. Ich ließ meine Leute sämtlich bis ganz nahe an die nördliche Dank vorrücken. während die Deutschen das Vieh der Eingeborenen zusammentrieben, wurden sie plötzlich von drei Seiten durch die löottentottsn, die offenbar bedeutende Verstärkungen erhalten hatten, angegriffen. Der Offizier erhielt einen Schuh ins Dein und einen in den Dücksn und ein Mann wurde durch einen Schuh in die Drust schwer verwundet. Die übrigen suchten Deckung im §Iuhbett, wo ich sie entwaffnete und zu unserem Lager hinübsrsandts. Die löottsntotten eröffneten nun ein heftiges §susr auf uns und rückten über die §läche grade auk die Stelle zu, wo Leutnant Döttlin durch einige seiner Leute aus dem Gefecht getragen wurde. Korporal Llugustin lief, einen kleinen LInion-)ack in der löand, mutig vorwärts und deckte mit der §Iagge die Dräger, worauf das §suer verstummte. Dadurch wurde ohne §rage das Leben Oberleutnant Dättlins und der Dräger gerettet. Kapitän Christian sandte später herüber und entschuldigte sich wegen des §eusrns auf unser Gebiet. Ich sagte ihm, daß ich das §eusr erwidern würde, wenn das noch einmal vorkommen sollte. Das §suer der löotten- totten war übrigens sehr heftig und gut gezielt, so dah wir ohne Zweifel starke Verluste gehabt hätten, wenn wir nicht im §lutzbstt in guter Deckung gewesen wären. Dur sehr schwer konnte ich meine Leute davon abhalten, das §euer zu erwidern. Ich behielt die Gewehre und die Munition der Deutschen hier und sandte die letzteren selbst zu §uh nach Damansdrikt, da ich keinen Proviant kür sie hatte. Oberleutnant Döttlin und der verwundete Dsiter befinden sich noch hier und ich tue kür sie, was ich kann. 5b Der Aufstand der IZondelzwarts. Die Sottentotten haben jenseits des §lusses eine teste Stellung inne, und eine starke deutsche Abteilung wird binnen kurzem von Sandtontein erwartet, um sie anzugreifen. Pater Sellsin ist soeben aus pella eingetroffen, um den Verwundeten beizustehen." Zu dem allgemeinen Angriff auf die bei Sartebesstmund stehenden IZondelzwarts kam es jedoch nicht mehr. Sauptmann von I^oppv erfuhr in Sandkontein, daß die IZondels bei Ghabis sich mit denen bei Sartsbsest- mund vereinigen wollten und stieß auf diese Meldung hin auk Somsdrift am Oranje vor. Die §olge dieses geschickten Manövers war, daß die feindliche "West (Ghabis) - Abteilung auf britisches Gebiet übertrat und dort entwaffnet wurde. Am 27. Dezember schloß darauf Sauptmann von Siedler mit dem Dachfolger des in Warmbad erschossenen alten Kapitäns Willem, Johannes Christian, zu Somsdrift einen Waffenstillstand ab; Oberst Lsutwein verhandelte mit den Aebsllen in den Sarasbsrgen. Die Sottentottsn zeigten sich gefügig, da ihre Lage bei Sartebeestmund eins wenig günstige war. Am 27. Januar 1904 wurde zu l^alktontsin nördlich von Warmbad §riede geschlossen, und zwar unter folgenden Bedingungen: Abgabe aller Gewehre und Munition, sowie aller während der Unruhen geraubten Güter. Abtretung eines Csils des Stammesgebiets an die deutsche Aegierung; hierzu sollten - vorbehaltlich späterer weiterer lZsstimmung - das Gebiet von I^eetmanshoop und die I^arasbergs gehören. Auslieferung aller Personen, die unter dem Verdacht standen, § armer ermordet und §armsn ausgeplündert zu haben. - Zum Distriktschsk von Warmbad, wo sich die IZondelzwarts sammeln sollten, wurde Oberleutnant Graf von Sageneck ernannt; den Oberbefehl im Oranjs-IZszirk behielt vorläufig Sauptmann von §iedler. Gereits kurze Zeit nach dem Abschluß des §risdsnsvertrages zeigte es sich übrigens, daß man auf Lreus und Gewissenhaftigkeit in der Grfüllung der Vertragsbedingungen von Seiten der lZondels nicht zu rechnen Habs. Die Ablieferung der Gewehre ging nur zögernd vor sich, vielfach wurden alte und unbrauchbare Waffen übergeben, während man die guten Sinter- lader augenscheinlich in Verstecken zurückbehielt. Auch die Auslieferung der Aädelskührer und Mörder blieb im wesentlichen unerfüllt; die Saupt- schuldigsn entflohen auf britisches Gebiet — unter ihnen die Grüder Jakob und Eduard Morris und Morsn ga. Wir werden ihnen später wieder auk §riede mit den Bondeizwarts. 57 den Befechtskeldern des Broh-Namalandes begegnen, trotzdem sie jetzt kür vogelkrei erklärt und preise auk ihre l^öpke gesetzt wurden. Obwohl aber der Vertrag von I^alkkontein zu einer endgültigen und dauernden Beruhigung des südlichen Namalandes nicht führte, so war sein Abschluß doch kein übereilter. Er muhte erfolgen und wurde bedingt durch die Lage im Bersrolande, wo sich inzwischen erschütternde und bedrohliche Ereignisse abgespielt hatten - Ereignisse, die denen in dem furchtbaren Matabeleaufstand im Jahre 1896 gleichend das sofortige Einsetzen aller verfügbaren Kräfte im Norden des Schutzgebiets gebieterisch erheischten. Ourch den §riedensschluh mit den Bändels wurde die Mehrzahl der im Süden versammelten deutschen Eruppen zur Verwendung im Ssrsro- lands frei; ebenso ein Eeil der von den Namastämmen gestellten löilfs- truppsn, die - in Stärke von 300 Bewehren aus Bibeon, Berssba, Bethanien, l^oes und Bochas — sich unter der §ührung ihrer löäuptlings gut gehalten hatten. Ver Hufstand der lerere». Die Lage im Anfang )anuar 1904. »Hoch dem Abmarsch der im löersrolande stationierten Truppenteile nach dem Lüden wurden, um das mittlere Schutzgebiet nicht ganz von militärischen Machtmitteln zu entblößen, gegen Snde Dezember die kalt üer Gruppen an einem k!vwr. Mannschaften der Reserve und Landwehr I. Aufgebots in den IZezirken Omaruru, l^aribib, Okahandja, XVindhuk, Oobabis und Aehoboth eingezogen. Aus ihnen wurden die polizeirnannschakten ersetzt, von denen ein Lei! in die nach dem Dondelzwartgebiet abgerückten §eldtruppen eingestellt Die Lage im Anfang Januar 1904. 59 worden war, und ferner je eins Ersatzkompagnie in Windhuk und Omaruru gebildet. Damit war alles geschehen, was die augenblickliche Lage und die Vorsicht erforderten. Auch konnten hiermit im Bsrerolande die zur Verstärkung der Schutztrupps zur Verfügung stehenden Machtmittel als fast aufgebraucht gelten, denn wenn auch die Zahl der ausgebildeten Mannschaften der Bsssrve und Landwehr 34 Offiziere und 730 Mann betrug, so verteilten sich diese doch über das ganze Schutzgebiet. §ür di„ Distrikte Outjo und Orootkontein sah man von einer Ein- berukung der Reserven ab, da sie durch die in Outjo stehende 4. §eld- kompagnis und die Eruppen in Orootkontein unter Oberleutnant Volkmann genügend gesichert erschienen. Die Lage im mittleren Schutzgebiet bot somit zu Anfang )anuar 1904 keinen Anlatz zu besonderer Beunruhigung. Die im Distrikt Maltahähs auf §arm Zaris durch Buschleuts erfolgte Ermordung des §armsrs ^säger und seiner §rau im Dezember 1903 konnte ebensowenig weitgehende Besorgnisse hervorrufen wie einzelne §älle von offener Widersetzlichkeit eingeborener Arbeiter in l^aribib und Okahandja, oder wie die Beraubungen Weißer, die aus dem Distrikt (Zobabis gemeldet wurden. Dergleichen Vorfälle hatten sich zwar bisher nicht gerade häutig ereignet, aber man war doch daran gewöhnt, hier und da mit ihnen rechnen zu müssen. Lind doch ging es wie ein leises Ahnen durch die weiße Bevölkerung des Bsrerolandes, daß man auf der But sein müsse. Aber niemand konnte an einen gemeinsamen Aufstand aller Berero denken, trotzdem vereinzelte Personen auftraten, die eins starke Unruhe unter den Eingeborenen bemerkt haben wollten. Man hatte im Laufe der )ahre den über alles Matz launischen Eharaktsr der Berero kennen gelernt und sich daran gewöhnt, sie bald mißmutig, widerspenstig und anmaßend, bald wieder heiter und entgegenkommend zu sehen. Zudem lag ein bemerkbarer äußerer Anlaß zu einer allgemeinen und tiekergshenden Mißstimmung unter den Berero durchaus nicht vor — und wenn auch nicht die Masse des Volkes, so erfreuten sich doch die älteren, den Deutschen seit langen fahren bekannten Kapitäne eines gewissen Vertrauens bei diesen. Man hielt sie für zuverlässig und auch wohl für viel zu klug, um sich in einen großen die sMIitäritation in vtjimbingcce^ 60 Der Aufstand der tzerero. I^risg mit den Deutschen zu stürzen. War es doch auch jedem Weißen bekannt und geläufig, wie okt die Kapitäne in Streitigkeiten zwischen ihren Leuten und den Weißen als Vermittler aufgetreten waren, wie okt sie ihre „Untertanen" - wenn man so sagen darf — und besonders die schwer lenksamen §eldherero beschwichtigt und von unüberlegten löand- lungsn zurückgehalten hatten. — Und doch hatte man sich in den löerero gründlich getäuscht. Man hatte in den sieben fahren des §riedens mit ihnen — seit 1896 — die wahren Grundzügs ihres Volkscharakters vergessen und besann sich erst auf dieselben, als es zu spät war. Die lderero. Ss mag daher hier eins lZeurteilung der löerero Platz finden, die ich seinerzeit an anderer Stelle*) gegeben Habs, und die sich mit dem Urteil vieler älterer Missionars und weisenden, und mit dem einer großen Zahl von Llnsiedlern, Kaufleuten, Offizieren und IZeamten deckt. Dort heißt es anläßlich der Gründung des ersten Distrikts im lösrero- lands, Otjimbingws: „Die lösrero, mit denen wir vor dieser Zeit niemals *) In »Mit Schwert und Pflug in Veutfch-Südxvestafrika." Die löerero. 61 in engere Berührung gekommen waren, verhielten sich im allgemeinen abwartend und ruhig, wenn auch kleinere Reibereien infolge der Neuordnung der Verhältnisse nicht ausblieben. Mir persönlich mutzte vor allem daran liegen, die Charaktereigenschaften, Sitten, (Zebräuchs und Bechtsanschauungen dieses Bantukaffernstamms möglichst schnell und genau kennen zu lernen. Was ich bisher über das Leben und Creiben der löerero, besonders aber über ihre Stellungnahme gegenüber der im Verhältnis zu anderen Kolonien sehr starken weitzsn Bevölkerung Südwsst- akrikas gehört hatte, war wenig vertrauenerweckend. Bedrückungen und Vergewaltigungen weitzer Kaufleute waren an der Tagesordnung gewesen, wobei die Raffern ihre Macht und numerische Clsbsrlegsnheit einzelnen gegenüber schonungslos, und ohne auch nur einen Schein des Bechts zu wahren, ausgenutzt hatten. Bas patzte schlecht zu dem in deutschen Zeitungen häufig erwähnten „strengen Bschtsgskühl" der Neger und zu der beliebten Phrase, der Neger gleiche in seinen Charaktereigenschaften einem „Kinds". )a: einem schon von fugend auf verdorbenen Kinde, das will ich eher zugeben! — Von den wsitzen Einwohnern Otjimbingwes wurde demgemäß die Besetzung des Orts, um die sie schon häufig gebeten hatten, mit großer Freuds begrüßt. Einige von ihnen hatten in stetem Streit und in steter Furcht vor den Raffern gelebt, anders hatten sich Buhe und Frieden dadurch erkauft, daß sie alle Forderungen ihrer Quälgeister befriedigten. Und in welcher Weiss wurden diese Forderungen gestellt! Es war vorgekommen, daß ein Baufe lösrsro in einen Store kam und in unverschämtester Weise befahl: „6ib uns zehn packen und kosen, ebensoviel löüte, zwanzig paar Schuhs, einen Sack Kaffee, vier Pfund Cabak und drei Flaschen Branntwein! Es ist für den Kapitän. Dieser wird es später bezahlen!" — Wurde die Forderung verweigert oder nicht wenigstens zum Ceil befriedigt, so setzte sich der kändler, wenn die Besucher gerade in übler Laune waren, tätlichen Beleidigungen und schwerer (Zeschäftsschädigung aus. Mir ist ein Fall bekannt, in dem die über die hartnäckige Weigerung eines Kaufmanns, ohne Bezahlung Waren zu verabfolgen, erbosten löerero diesem Cüren und Fenster seines Stores mit Brettern vernagelten und ihm bekannt machten: „Dein Store ist auf vier Wochen geschlossen, da Du durch Deine Weigerung den Kapitän und uns beleidigt hast!" — 62 Der Aufstand der Sersro. Von Sezahlung, die noch heute fast ausnahmslos in Vieh geleistet wird, war selten genug die Aede und auch dann nur nach okt monate-, ja jahrelangem Warten. In vielen §ällen blieb sie auch ganz aus, und die Kaufleute schrieben bei einzelnen besonders gefurchtsten und gewalttätigen Raffern )ahrs hindurch Schuld zu Schuld, in der löokknung, später einmal unter Mithilfe einer Legierung durch Vieh- oder Landübsrweisungsn entschädigt zu werden. Derartige Verhältnisse fanden sich an allen Orten vor, in denen weiße Kaufleute unter den Serero wohnten, so in Omaruru, Okahandja und Otjimbingws, wo die Summen, die einzelne Eingeborene den §irmen Sälbich, Aedsker, Olöditsch und Donnert schuldeten, ganz enorme waren. Das mutzte anders werden, und schon in den ersten Dogen meiner Anwesenheit in Otjimbingws berief ich eine größere Versammlung der Serero, in welcher ich ihnen ihre Sünden in längerer Aede vorhielt und erklärte, daß ich die Weißen gegen alle Llebergrifke energisch schützen würde. Anlaß hierzu gab mir ein §all, der bereits am Doge meines Eintreffens sich abgespielt hatte. Der Kaufmann Donnert nämlich wurde durch einige um Schnaps bettelnde Sersro, unter denen sich auch der Lintsrkapitän des Platzes, Viktor, befand, in der frechsten Weiss in seinem Laden belästigt. Als er drohte, er werde um Silke nach der Militärstation schicken, rief ihm Viktor, einer der verschlagensten und hinterlistigsten Raffern, die ich kenne, wörtlich zu: „Slaubs nicht, daß der Offizier dort unten kür Dich ^ehovah ist!" Donnert schickte nun nach der Polizei, und ich ging selbst mit einer Patrouille in seinen Laden, wo es zu einer harten Auseinandersetzung und Zurechtweisung kam, in deren Verlauf ich den Sersro sagte, daß sie im Wiederholungsfalls ohne Onade eingesperrt werden würden. Das half, und die Maulhelden entkernten sich ziemlich kleinlaut. Seistige Oetränks durften übrigens nur denjenigen Eingeborenen verkauft werden, die im löesitzs eines in jedem einzelnen §alls neu ausgestellten Erlaubnisscheins der Polizei waren. Diese Scheine wurden den Läufern von den Kaufleuten abgenommen und der polizsistation allmonatlich zurückgereicht, so daß ein Mißbrauch unmöglich war. Mehr als täglich eine §lasche Wein, Pier oder Sranntwein wurde an eins Person nicht verabfolgt, während Eingeborene, die in trunkenem Zustande angetroffen worden waren, überhaupt keinen Schein erhielten. Die Ssrero. b3 Das ist eins erzieherische Matzregel von hohem Wert, und nichts fürchten die Ssrero mehr, als auk die „schwarze Liste" gesetzt zu werden. Infolge einiger Prügeleien unter den Eingeborenen, bei deren einer ein Sersro seinen IZruder mit einem Deichselbaum halbtot schlug, wurde in mehreren Fällen der Verkauf geistiger Getränks auf die Dauer von 14 Dogen bis zu vier Wochen ganz verboten, und dann konnte man so recht sehen, wie ergeben die Eingeborenen dem Lrunke sind. Während einer solchen alkohol- lossn Zeit erschien eines Lages der alte Kapitän Zacharias Zeraua im polizeibursau und fiel dort um eine Flasche Schnaps bettelnd auf die Knies. Er erhielt natürlich nichts. — Später wurde der Sande! mit geistigen Getränken noch dadurch erschwert, datz kür jeden Erlaubnisschein 50 Pfennige an die Legierung gezahlt werden mutzten, aber auch so blieb der Verbrauch durch die Eingeborenen ein großer. Die Missionsgessllschaft sucht denselben mit lischt nach Möglichkeit einzuschränken, aber ganz verbieten wird man diesen Sandeiszweig nicht können, ohne den Gesamthandel auf das empfindlichste zu schädigen, und die in den deutschen Schutzgebieten geübte Llrt und Weiss ist weit besser als die in den englischen Kolonien geltenden Llnschauungsn, nach denen der Eingeborene kaufen kann, was er will. Derartige Llus- schrsitungen, wie man sie von betrunkenen Eingeborenen in Kapstadt z. IZ. täglich sehen kann, sind bei uns einfach unmöglich. Major v. Fran^ois war ein grundsätzlicher Gegner des Sandels mit geistigen Getränken in der Erkenntnis, datz die Eingeborenen, falls dieser nicht auf das äußerste beschränkt und erschwert würde, bald ihr letztes Stück Vieh gegen Srannt- wein eingetauscht haben würden. In dieser Sinsicht sind Sersro, Daman und IZastards einander gleich, und flusnahmsn bestätigen lediglich die Nsgel. Eins Verordnung, die ich gleich in den ersten Lagen erließ, war die, datz Weihe einer Vorladung vor den „Nat" der Sersro nicht mehr Folge zu leisten hätten, und daß eins derartige Vorladung unzulässig sei. Die Gerichtsbarkeit war damals, als nur ein kaiserliches Gericht in Windhuk bestand, in den entkernter liegenden Distrikten dahin geregelt, datz alle leichteren Fälle, sowie Streitigkeiten zwischen Weißen und zwischen Weißen und Eingeborenen*) von den Distriktschefs behandelt wurden, wogegen die Verukung an das kaiserliche Gericht offen stand.**) Geber Eingeborene *) Hierbei wurden bestimmungsgemäß eingeborene Geisitzer zugezogen, ebenso bei Vergehen der Eingeborenen gegen die deutschen Gesetze und bei von ihnen verübten Verbrechen. **) Später wurden auch in Otjimdingwe von dem kaiserlichen dichter Gerichtstage abgehalten. 64 Der Liukstand der lösrsro. dagegen und bei Streitigkeiten unter diesen solite in allen §ällen, die nicht Vergehen oder Verbrechen darstellten, den Häuptlingen und dem „Bat" die Entscheidung zustehen. Dieses Zugeständnis an die nationale Würde wurde jedoch nach kurzer Zeit von den Eingeborenen selbst aufgegeben, nachdem sie gesehen hatten, wie himmelweit der Unterschied zwischen der deutschen und ihrer eigenen Rechtsprechung war. ssch Halts es kür einen sehr großen moralischen Erfolg, daß in Otjimbingwe und an anderen Orten die löerero nach und nach alle wichtigeren Streitigkeiten, die sie untereinander hatten, vor dem Distriktschef auszufschtsn sich gewöhnten, und daß sie üch bei leichteren Verstößen die Schuldigen nach der (Dilitärstation brachten, mit der Sitte, den §all zu untersuchen und lischt zu sprechen, weil, wie Zacharias einmal erwähnte, „die Deutschen dies besser verständen." Die Dichtigkeit dieser Einsicht muß allerdings von jedem zugegeben werden, der einen Blick in die Brt der Rechtsprechung bei den löerero getan hat. Es gibt keine Bschtsvsrdrshung und keine Ungerechtigkeit, die hier nicht wider besseres Wissen in schamlosester Weiss ausgeübt worden wäre, denn während an ärmeren löerero, besonders aber an allen §remden, nicht Stammsszugehörigen*), die der löerero „mutua", d. h. Sklaven, zu nennen beliebt, auch die geringfügigsten Verstöße in harter, okt grausamer Weiss geahndet wurden, gingen einflußreiche, wohlhabende und vornehme löerero auch nach Verübung der schwersten Verbrechen") frei ars. Ein Beispiel: Der Kaufmann Sustav Voigts erzählte mir folgenden §all, den er in Okahandja, wo er ein Geschäftshaus hat, erlebte: Eines Morgens stand er hinter dem Ladentisch, und eine große Menge löerero füllte den Store, plötzlich sah er, wie einer derselben ein paar Schuhe nahm und mit seinem Baubs das löaus verlassen wollte. Voigts rief den Mann an, stellte ihn zur Bede und schalt ihn einen Dieb. Llber der löerero entschuldigte sich weder noch gab er die Schuhe heraus, sondern verließ unter Drohungen den Laden, indem er sagte, Voigts habe ihn und seine Dation beleidigt und werde sich deshalb vor dem Bat zu verantworten haben. Und wirklich, am Nachmittage wurde der Kaufmann vor den Bat getc-rdert. Was blieb »1 v. h. sowohl weihe, als auch tzastards, Naman, IZergdamara und iöuschieute. Die beiden letzteren gelten den löerero übrigens kaum als Menschen. Sehstzt und gejagt, führten sie, soweit sie nicht viener der löerero waren, ein so bejammernswertes Dasein, Sah sich später die deutsche Nsgierung ihrer nachdrücklichst annahm. Selbst bei Mord und Dotschiag, wie Lies unzählige lZeispieie beweisen. StiK'H beldhersro. Ois kerero. 65 dem recht- und schutzlosen Manne übrig, als zu gehorchen! Der Bat, in dem Samuel Maharsro, der „Oberhäuptling der Berero", selbst den Vorsitz führte, gab nach eingehender Beratung sein Urteil dahin ab, datz der Kaufmann Voigts nicht habe wissen können, ob der köerero „die Schuhe nicht klotz Habs entlehnen und später zurückbringen wollen, denn ein Bsrsro stehle niemals". (!)*) Daher sei die Bezeichnung „Dieb" nicht nur als eins Beleidigung des einzelnen Mannes, sondern auch des gesamten Stammes zu betrachten. Bis Sühne behalte der lösrero die Schuhe, und Voigts Habs noch 20 Mark Gsrichtskostsn zu zahlen. Voigts fügte sich, da er wohl wutzte, datz eins Weigerung die Sachlage für ihn nur noch schlimmer gestalten werde. In welcher Weiss die lösrero „Gesetze" gaben, zeigt übrigens auch die Bestimmung, datz kein Weitzer im Damaralande Landbesitz erwerben konnte.**) Bauplätze und §armsn wurden zwar „verkauft", d. h. hohe Summen von den Bäuptlingsn dafür eingestrichen, aber die verachteten „mutua" erhielten in Wirklichkeit das Land nur zu Lehen. Der Besitz blieb den Bsrsro, fiel nach dem Dods des Weitzsn an sie zurück und konnte dann von neuem „verkauft" werden. Dies „Gesetz" galt auch für Gebäude jeder Brt und Grötze und bot den Raffern die Gelegenheit, Geld- und Warsnerpressungsn als Schraube ohne Gnds fortzuführen, zumal sie sich das Becht anmatzten, jeden Weitzen jederzeit ausweisen und seines Besitzes verlustig sprechen zu können. War der „mutua" ihren §orderungsn eben nicht gefügig, so verboten sie z. B. die Wetterführung eines Baues, wie einige halbfertige Gebäude in Otjimbingws deutlich genug zeigen. — Die Missionars vermochten, so sehr sie sich Mühe gaben, an diesen Verhältnissen nichts zu ändern, und die köandlungsweiss der kzaktern den Weitzen gegenüber erscheint um so schimpflicher, als sie bei diesen in den ununterbrochenen fzriegen mit den Daman stets Bat und Bitte gefunden hatten. Bber Dreue und Dankbarkeit verlacht der Bsrero und bezeichnet diese Gigenschaftsn als kindisch. Ich führe hier das Urteil an, datz Missionsinspektor von Bhoden in seiner „Geschichte der Bhsinischen Missionsgesellschaft" über die Bersro fällt: „So blieb denn die predigt der Missionare anfangs nur sehr kümmerlich und *) Mir sagte Samuel Mal)arero einst ganz anders, jeder löerera sei ein „geborener Dieb", vatz sie dies selbst wissen, beweist, datz einzelne Gattern, wenn sie weisen unternehmen, zwei bis drei Hosen und Semden, ihr ganzes Nesitztum, übereinander anziehen, um nicht in der Abwesenheit bestohlen zu werden. **) Nur die Rheinische Missionsgesellschatt hatte eigenen IZesitz. lzrieg 1904-1906. 5 6b Der Hufstand der Sersro. mangelhaft"), und das Seidenvolk fast ohne alle geistliche Llnrsgung. Es sah die weihen Männer, die unter ihm wohnten, etwa als Zauberer an, die den eigenen Zauberern noch überlegen seien, oder als reiche Fremdlinge, bei denen gut zu stehlen und zu betteln wäre, oder als kräftige Schutzhsrren gegen die §einde. Lirme und ausgeplünderte Serero sammelten sich gern auf der Station der weihen Lehrer. Sei ihren schwarzen lZrüdern hatten sie wenig Mitleid und Erbarmen zu erwarten. Dur die weihen Männer hatten Mitleid mit ihrer Not, wollten ihnen Gutes erweisen, waren kür ihr Wohlergehen besorgt, und darum bauten sie ihre Bienenkorbhütten gern um die Wohnung der Missionare her. Nicht etwa, daß sie dem wohlwollenden weihen Manne nun dankbare Anhänglichkeit bewiesen hätten. Nichts weniger. Sie belogen, bsstahlsn, ärgerten ihn auf alle Weiss, es fiel ihnen garnicht ein, ihm etwas zuliebe zu tun, nur für sich selber den gröhten Vorteil aus seiner Nnwssenhsit zu ziehen, das war ihr Ziel." — Lider die Missionars arbeiteten unentwegt weiter, sie erlernten die Sprache, predigten und lehrten, sie zeigten den Raffern, wie man Gärten anlegen und Sorn bauen müsse, sie schuksn Kirchen und Schulen, unterstützten die Sungsrndsn und heilten die kranken. Dank ernteten sie wenig, aber die neue Lehre fahte doch allmählich hier und dort festen §utz, die ersten Seiden konnten getauft und neue Stationen gegründet werden. So entstand Groh-Barmen, das 1843 von Sahn und Bam gegründet wurde, 184Y Otjimbingwe und ein )ahr darauf Okahandja (Schmelenshoop), wo Bath und Solde sich niedsrliehen. Lider steht nun heutigen Dags der erzielte Erfolg im Verhältnis zu der aufgewendeten Mühe und Arbeit? Ich glaube: nein, und das liegt allein am Lharakter des Volkes, von dem Bhodsn an einer anderen Stelle folgendes sagt: „Die unverschämtesten Bettler und geriebensten Betrüger finden sich nicht etwa hier und da unter ihnen, sondern die ersten Missionare meinten, das ganze Volk scheine garkeinen Begriff davon zu haben, dah Lügen und Stehlen Sünde sei. Ganz so schlimm hat sichs bei näherer Bekanntschaft doch nicht herausgestellt, und es finden sich hier und da noch Spuren von Dankbarkeit, Dreus und Erbarmen. Lider diese ') Der Schwierigkeit wegen, die den ersten Missionaren iöugo Sahn, lan IZam und Nach die Lrlernung der Sprache machte, aber die charaktereigenschatten der Serero sind noch heute bei der Mehrzahl des Volkes dieselben wie damals und werden sich kaum bessern. Oie ksrero. 61 Spuren sind selten. lm allgemeinen ist ihnen die rohests Grausamkeit natürlich. Sie schneiden ihren befangenen stände und §ützs ab, schlitzen Mindern den bauch auf, als mutzte es nur so sein, und wundern sich, datz die buropäer sich über solche breuel entsetzen." Heutzutage ist hiervon vieles durch die Arbeit der Mission und unter dem steten Druck der deutschen Herrschaft besser geworden, bber wenn dieser Zwang nicht bestände, würden buhe und §risds im Damaralcmde schwerlich vorhanden sein. Harm man denn hoffen, datz ein Degervolk sich in 50 fahren so hoch entwickele, datz aus bestien zivilisierte Menschen werden? Wohl mag es heut unter den herero überzeugte Lhristen, gerechte Herren und treue Diener geben, aber das sind zweifellos nur sehr wenige; für die Mehrzahl ist das Christentum reine Modesache. Cs gefällt ihnen, in die hirchs zu gehen und Lieder zu singen, denn sie sind sehr musikalisch; aber das Christentum — was die Hauptsache ist — in ihrem bürgerlichen Leben zu bstätigen, davon ist nur bei den wenigsten die beds. buch äußerlich haben sie §ortschritte gemacht, sie kleiden sich auf den Missionsstationen europäisch, sie trinken hakkee und lZranntwsin und führen moderne bewehre, aber im herzen sind sie die alten herero geblieben, das haben uns ihre Treulosigkeiten in den folgenden Jahren deutlich und zur benüge bewiesen, und das zeigen die Giftmorde, die, meist aus Habsucht zwischen nahen Verwandten irgend einer Erbschaft wegen, noch heute ebenso häufig wie früher vorkommen. Man mutz auch einen großen Unterschied machen zwischen den herero, die seit Jahren auf den Missionsstationen leben, und denen, die weit ab von den großen harawanenstratzen im §slde ihre bindsr hüten, bind erstere von europäischem Schliff übertüncht, so haben wir in den letzteren die ursprünglichen wilden Damara vor uns, Domaden, die ohne Hunde von Sott und der XVelt, mit §ellen und Drahtringen behängen im brasfelds umherirren, nur ihren Herden lebend. Und so groß ist der Unterschied, datz man glauben möchte, zwei ganz verschiedene Volksstämme vor sich zu haben, aber doch nicht groß und vertieft genug, datz nicht ein eines Verbrechens wegen von der behörds verfolgter christlicher Dorf-Herero seine HIeider abwürfe und in das §eld entflöhe, um dort unter seinen heidnischen brüdern versteckt selbst wieder ein wilder Heide zu werden. buch das Crbschaftsrscht der hakkern macht der Tätigkeit der Mission Leiber 6es kierervliüuptHngs Xaveilio, Die Iö2rero. by die größten Schwierigkeiten, denn der Erbe muß mit den löerden, die ihm zufallen, auch die Frauen des Verstorbenen heiraten und unterhalten. Hut er dies nicht, so geht er der Erbschaft verlustig. War der Verstorbene nun ein Seide und ist der Erbe ein Ehrist, so wird letzterer, wenn er mehr als eine Frau heiratet, aus der Osmsinde ausgsstoßsn, was er allerdings wohl fast immer dem Verluste der Erbschaft vorzieht. Ein IZeispiel hierfür war der einflußreiche löäuptling Mcmasss von Omaruru, der allerdings später, wenn ich nicht irre, wieder Ehrist wurde. — Llus der Ersulosigkeit der löerero zog ich übrigens den Vorteil, jederzeit gut von Spionen bedient zu sein, die für Seid — guten Worten legten sie keinen Wert bei — alles, auch gegen ihre Stammssgenossen, taten und mir in den späteren Sriegen wesentliche Dienste leisteten. Die Furcht vor ihren lörüdern bewog sie aber doch, mich stets nur in tiefer Dacht aufzusuchen. Ein Posten führte sie dann zu mir. Lehrreich und kennzeichnend dürfte auch das Urteil eines löerero über den Lharaktsr seines Volkes sein. Ich hatte unter meinen Dienern einen jungen Sakkern, der mir sehr ergeben war und mir eines Eagss sagte: „Wenn die löerero zornig sind und toben, dann ist nichts zu befürchten, aber wenn sie lachen und freundlich sind, dann, löerr, sei vor ihnen auf der löut!"*) Und ein anderer meiner Diener, ein treuer, anhänglicher und gewissenhafter IZastard, Petrus löenz, versicherte mir: „Mijnheer, die löerero sind so verschlagen, daß, wenn Du auch ihre Sprache verstehst und mit ihnen am Feuer sitzt, sie Deinen Eod beschließen können, während Du glaubst, sie sprächen von lZlumsn!" - Man lernt dieses Volk erst kennen, nachdem man jahrelang unter ihm gelebt hat, und wie mancher Missionar hat mir bittere Magen über die geringen Fortschritts der Mission unter den löerero ausgesprochen. Mißtrauisch, dünkelhaft, stolz und wiederum bettslhakt und hündisch, lügnerisch und treulos, diebisch und — wenn sie in der Ueberzahl find — gewalttätig und grausam, das sind die hervorstechendsten Eharaktereigen- schakten der echten löerero, die sie übrigens mit vielen Saffernstämmsn Südafrikas teilen. Das Einzige, was man der Mehrzahl nicht absprechen kann, ist Tapferkeit im Miege, aber auch nur, wenn es zum Llsußerstsn -> Oersesbe Zunge sagte Leutnant Lggsrs und mir !m Zähre iSSb den ausvruch des groben Kufstandes voraus. 70 Der Aufstand der lZsrero. Kommt. — Bart mög mein Orteil sein, gerecht aber ist es jedenfalls, und hart und gerecht mutz auch die Behandlung sein und bleiben, die wir den klaftern angsdeihen lassen, sonst werden sie uns noch oft übel mitspielen, denn der Bersro hält Milde und Nachsicht stets für Schwäche und Feigheit! — " Die Sründe des /^ufstandes. Diese IZeurtsilung der Berero wurde im )ahre l 898 geschrieben. Wird sie bei der Untersuchung über die (Zründs, die zum Bufstands führten, herangezogen, so dürfte sich unschwer erkennen lassen, datz in der Dat die Bersro allein aus wütendem Batz gegen die Wsitzsn und ihre überlegene Cultur, also aus Bassenhatz, die Schuldigen zu nennen sind nicht aber die deutschen Ansiedler, denen — infolge ihrer angeblichen Bedrückungen und (Zewalttätigkeitsn gegen die Berero — in Deutschland vielfach die Schuld zugeschoben wurde. Mit dieser schweren und unberechtigten Anklage bekundete man eins vollkommene Unkenntnis und Verständnislosigksit für die in der Dat im Schutzgebiet bestehenden Verhältnisse. Ls sind zwar allerdings — wie die dem Bsichstag zugegangene „Denkschrift über Lingeborensn-Politik und Bersroaufstand" angibt — Oebsr- griffs seitens der Wanderhändler erfolgt, von denen einzelne den Bersro in weitgehender Weiss Credit gaben und sie dann durch rücksichtsloses Schuldeneintreiben, wobei es in einigen §ällen zur Selbsthilfe kam, reizten — dabei darf man aber nicht vergessen, datz der Bersro nie ein gutwilliger Zahler gewesen ist und sich meist durch allerlei Bänke und lznikke dieser lästigen §olge des Laufens zu entziehen suchte. Wenn aber selbst in vereinzelten §ällsn den Berero hier Dnrscht geschehen sein sollte, und wenn ferner auch hier und da (Zewalttätigkeitsn und Boheitsn von einzelnen Personen verübt worden sind, so darf man weder für die §shlsr einer bestimmten Kategorie der wsitzen Bevölkerung noch kür die vereinzelten §älls von Oebsrgriffen die gesamte weitzs, und zumeist deutsche Bevölkerung des Schutzgebiets verantwortlich machen! Dieser Crwägung gibt auch die obengenannte Denkschrift Baum, wenn sie sagt: „Der Bersroaufstand wäre nach Lage der Dings auch aus- Der Husbruch des Hufstandes. 71 gebrochen, wenn es nie einen weihen Händler im löererolande gegeben hätte" und dann weiterhin bemerkt: „Die ) die noch nicht eingezogenen Reservisten und Landwehrleute I, sowie die infolge von Deklamationen einstweilen zurückgestellten Reservisten, b) die Landwehr- leute II, c) die Ersatzrsservisten zur Verstärkung der Schutztruppe zum Dienst eingezogen. Die Windhuksr haben sich sofort, die Duswärtigsn spätestens binnen 3 Dogen zu melden. Sämtliche bisher als unabkömmlich bezeichneten Oouvernementsangehörigen, mit Susnahms der bei der Eisenbahn beschäftigten, sind eingezogen worden." Lind später findet sich noch folgende bemerkenswerte Dotiz: „hoffentlich werden jetzt ohne Zeitverlust ausreichende Verstärkungen aus Deutschland herangezogen, damit das Notwendige durchgesetzt werden kann, d. h. die Entwaffnung." Such vom Waterberg wurden durch eine Meldung des dortigen Stationscheks, Sergeanten Nademacher, am 10. Januar in Windhuk Nachrichten bekannt, die von höchst verdächtigen und bedenklichen Ereignissen berichteten. Der hersro schien sich dort plötzlich ein Daumsl, eine geradezu wahnsinnige Kauflust bemächtigt zu haben. Dag und Nacht hindurch umlagerten sie die Kaufläden, die „Store", auf dem Platze und kauften, was sich ihnen nur bot und wessen sie habhaft werden konnten. Natürlich wollten sie die Waren ausnahmslos ohne Sezahlung — „auf Schuld" — erwerben, und wo ihnen dies verweigert wurde, zeigten sie sich gewalttätig und herausfordernd und raubten und stahlen. — In Wind huk Netzen erst die in der Nacht zum I I. )anuar und am I I. vormittags einläutenden telephonischen Meldungen des Distriktschsks von Okahandja, Oberleutnants der Nsssrvs Zürn, die Negisrungsorgans das lZedrohliche der Lage voll erkennen. Insbesondere schien der Umstand höchst verdächtig, datz der Obsrhäuptling Samuel Maharsro in Okahandja nicht aufzufinden war und auch verschwunden blieb, als noch am II. vormittags der Sezirkshauptmann von Windhuk, Hergrat Duft, der älteste d. h. am längsten im Lande befindliche der oberen hsamtsn des Schutzgebiets, in Okahandja erschien, um von dem Oberhäuptling Llufschlutz über die auffallenden Ereignisse zu verlangen. Dies mochte Samuel, im (Zrunde genommen ein ganz energieloser, dem Drunke ergebener, nichtsnutziger Mensch, vorausgesehen haben. Der Ausbruch IZekremdend mutzte sein, datz er, der bei seinem Volks keinen Oinklutz besatz, vor seinen Untsrhäuptlingsn — besonders vor Assa Aiarua und f^aijata — zitterte und der deutschen Legierung alles verdankte, sich hier an die Spitze des Hutstandes stellte. Cr wird sich jedoch der zweifellos bereits von langer löand geplanten und vorbereiteten IZewegung schon frühzeitig angeschlossen haben, um sein Leben zu retten, löätte er sich ablehnend verhalten, so wäre er als erstes Opfer des Ausstandes von seinen Landsleuten ermordet worden. lZegleitet von dem Leutnant der Aeserve (Zroning, 6 Unteroffizieren und I t Mann traf IZsrgrat Duft mittags unbelästigt in Okahandja ein. Weitere Verstärkungen — im ganzen 40 Mann - folgten noch am selben Uags. Uie Aufregung auf dem Platze war eine hochgradige, die §ests befand sich im Ver- tsidigungszustand, Ansiedler aus der Umgegend hatten sich bereits nach Okahandja geflüchtet. 74 Der Aufstand der Berero. 6m Nachmittag fand eins Besprechung mit dem Bererokapitän Quanjo statt, der erklärte, der Oberhäuptling sei geschäftlich außerhalb des Ortes beschäftigt, und die Ansammlungen bewaffneter Berero gälten der Schlichtung von Streitigkeiten in Erbschaktsangelsgenheiten einiger Kapitäne. Ihm schenkte von den an der Unterredung Beteiligten jedoch nur der als Dolmetscher hinzugezogene Missionar Diehl Olauben. Die Lage wurde durch fortwährenden Zuzug bewaffneter Bersro immer bedrohlicher, so daß die am Orte ansässigen und dorthin geklüchteten Weißen die Dacht teils in der §ests, teils im Bahnhofsgebäude verbrachten. Inzwischen hatte Oberleutnant Zürn über die Ereignisse des Eages telephonisch nach Windhuk und Swakopmund berichtet und zugleich von Kapstadt die Büke des dort vermuteten Kanonenboots „Babicht" erbeten. Auch wurde von Windhuk und Okahandja aus noch am 11. versucht, die entkernter wohnenden §armer durch sofort ausgesandte Patrouillen zu benachrichtigen und zu retten. Dies führte zur Vernichtung der Patrouille kühne! (1 §eldwebs>, 4 Dsitsr), die nachmittags von Okahandja auf Otji- mongombs reiten sollte. Sie wurde von den Berero überfallen und niedergemacht. In Okahandja verlief die Dacht vom 11. zum 12. ruhig. Alle Bewaffneten waren auf dem Posten, da man einen nächtlichen Deberkall vermutet hatte, kurz nachdem sich am andern Morgen die weißen Bewohner wieder in ihre Bäussr begeben hatten, brachen Bergrat Duft und Oberarzt Dr. Maaß auf, um in der Eingeborenenwerft eine weitere Besprechung mit Quanjo abzuhalten. Unterwegs trafen sie den von dort zurückkehrenden Missionar Ms^er, der sie beruhigte, worauf sie ihren Weg weiter fortsetzten. Der Ort ist hier durch Baumgruppen, viele Steinhäuser und hohe Klippen sehr unübersichtlich, so daß die beiden Deutschen die großen Bauten bewaffneter Bersro bei der Werkt des Oberhäuptlings erst in dem Dugenbliär sahen, als sich bereits eine Kolonne derselben in Dichtung auk die Station in Marsch setzte. Zugleich rief ihnen ein angesehener Berero, Johannes, ein kirchen- ältester, an dessen Baus sie gerade vorbeigingen, wiederholt warnend zu, ihren Weg nicht weiter fortzusetzen. Eilends kehrten sie nun zur §ests zurück; aber der sofort unternommene Versuch, die in ihren Bäusern weilenden Weißen zusammenzurufen, gelang nur noch zum Esil. Wenige Minuten SwakopmunL. nach dem Eintreffen der beiden Zerren in der Feste kielen bereits die Schüsse, unter denen die ersten Opker des Sereroaukstandss verbluteten. - Swakopmund. Ebenso wie in Windhuk rieten auch in Swakopmund die alarmierenden Nachrichten aus Okahandja die ganze Energie der dortigen Militärbehörden wach. Die „Südwestakrikanische Zeitung" berichtet unter dem 12. ssanuar aus Swakopmund: „Oberleutnant von Zülow geht morgen mit 50 Mann, zumeist Reservisten und Landwehr- leuten, nach Okahandja ab. - Schon seit einer Woche etwa war man in Swakopmund darauf gefaßt, daß möglicherweise auch von hier Leute ihre lZeschäktigung unterbrechen und zu den Waffen würden greifen müssen, um die nach dem Süden abgerückten aktiven Druppen zu ergänzen. Mit einer wohltuend ruhigen Sicherheit - die in Südafrika so überaus wichtig ist - und mit einem verständnisvollen Eingehen auf die lZsdürknisse des wirtschaftlichen Lebens hatte die Militärbehörde in Swakopmund jedes überhastete Sandeln vermieden. Es wurde nur dafür Vorsorge getroffen, daß, wenn es zum äußersten käme, ein jeder darauf vorbereitet war, was seiner wartete, und daß dann ohne Verzug die Bereitschaft hergestellt sei. Deshalb war, als gestern früh die Dachricht von der bedenklichen Lage in Okahandja eintraf, die ein sofortiges Einschreiten erheischte, Swakopmund, wie man hierzulande sagt, sehr bald klar. Die Gestellungsbefehls wurden ausgesandt, auch jetzt noch immer Oberleutnant von lüloro. 75 Der Oufsland der löororo. mit möglichster Schonung der wirtschaftlichen Interessen der Bevölkerung, und um 4 Ohr nachmittags trat die erste Obteilung der Einberufenen an, um eingekleidet zu werden. Da von der Einberufung auch Ersatzressrvistsn betroffen waren, die noch keine Osbung gemacht hatten, so war es kür manche der Ontrstsnden etwas ganz neues, was jetzt vor sich ging. Ober auch von den gedienten Leuten zogen viele die echt krisgsmätzig ausschauende afrikanische Uniform heute zum erstenmal an; ein Dell der Eingezogenen freilich bestand aus alten Leuten der Lruppe. Um 5 Ohr fand die Einkleidung der zweiten Obteilung statt, und am Obend hatte Swa- kopmund SO Soldaten mehr. Das Bild Swakopmunds war während der Morgenstunden bis zur Obfahrt ein ganz anderes als sonst. Der friedliche und kür südwestafrika- nische Verhältnisse betriebsame Ort schien ein §sldlager in sich zu schließen. Vor der Station traten die Mannschaften an. Om '/OO Ohr wurde zum Bahnhof abmarschiert, sseder Mann trug eine Decke, etwas Wäsche, Proviant usw. in ein Bündel geschnürt mit sich. Eins große Menge gab dem Zuge das Geleit, während eine anders ihn bereits am Bahnhof erwartete. Schnell waren die Mannschaften auf die zum Schutz gegen die Sonne mit Lsinwandplanen versehenen offenen Wagen verteilt, ein letztes Obschied- nehmen, ein Signal des Bornisten und unter dem brausenden Burrah der Zurückbleibenden setzte der Zug sich in Bewegung — ein stattlicher Zug: außer den drei Mannschaftswagen enthielt er einen vierten Personenwagen, in dem u. a. der §ührsr der Erupps, Oberleutnant von Zülow, ferner Stabsarzt Dr. Jakobs, Ossessor Dr. Osswald, der als Osssrveoffizisr eingetreten war, Veterinärrat Oickmann, gerade von Kapstadt zurückgekehrt, Betriebsassistsnt paschasius als begleitender Bahnbeamter fuhren. §srnsr wurden drei Gepäckwagen und drei Güterwagen, auf denen Pferds verladen waren, mitgsführt." Ond weiterhin heißt es dann: „Die Dachrichten aus Okahandsa waren im Laufe des gestrigen Eages (ll.) immer bedenklicher geworden. Ober man hatte doch immer noch nach Okahandja und selbst bis Windhuk telegraphieren können. Ouch heut früh noch waren telephonische Gesprächs mit Okahandsa geführt worden.... Dann hörte man durch das Eelephen noch die Mitteilung: „es fängt eben an zu schießen", und damit härte'die Verbindung auf. Die Leitung war also zerstört, und die Oukständischen SwukopmunL. 77 hatten das getan, was man schon gestern von Stunde zu Stunde erwartet hatte. Nur noch eins sehr böse, aber auch zu erwartende Nachricht hatte der Dslegraph noch melden können: die Nachricht von der Zerstörung der grohen, dreihundert Meter langen Lissnbahnbrücke bei Osona. Die kösrero sollten die hölzernen Pfeiler der lZrücke gekappt haben." Die Osonabrücks überschreitet ganz nahe bei Okcchandja auf dem XVege nach XVindhuk das Sstt des Swakop. Durch die Zerstörung der Drücke war also die Verbindung zwischen VVindhuk und Okahandja gestört. u.' > Lilenbatinbrücke bei Olona. Auf die Zerstörung dieser Verbindung muhte es den lösrsro besonders ankommen, denn von XVindhuk aus war die Okahandjaksste bereits durch 70 Mann besetzt worden, von da aus besorgten die lösrsro also gewitz auch eins Verstärkung der Dssatzung. Line solche, und zwar in der Stärke von 50 Mann mit einem Maschinengewehr, erhofften andererseits die in Okahandja Ssdrängtsn und zwar heute Abend. Von Okahandja hatte man am Morgen noch gehört, dah sämtliche IZswohnsr sich in die §este begeben hätten. Längs hätten bei Dags noch zwischen der §este und ihrem Sause verkehrt; andere hätten das Saus abgeschlossen und sich nicht mehr aus der §este hinausbsgsben. Die Serge rund um Okahandja seien von Serero dicht besetzt. Nachmittags. Am Nachmittag traf von Oberleutnant v. Zülow aus l^han ein Telegramm ein, Inhalts dessen aus Anlah der Meldung des Distriktsamts Okahandja, daß die Station belagert, die Osonabrücke zerstört, gestern 78 Oer 5>ukstand der l5ersro. Ltbend der Eissnbahnzug bei Waldau zurückgeworfen und die telegraphische Verbindung dort abgeschnitten sei, kür die Bezirks Swakopmund und lzaribib der l^riegszustand erklärt werde. Pas Telegramm enthielt ferner die Mitteilung, daß nach soeben eingegangener Meldung Waldau angegriffen sei. Die Lage ist also ernst, viel ernster, als man noch gestern vermuten konnte. Man hätte diesen Bsrsro nicht ein so energisches Vorgehen zugetraut. Offenbar hat die Entblößung des mittleren Gebietes von Militär sie dazu ermutigt. Bezirksamtmann pr. §uchs kehrts von Baigamkhab, wo er sich wenige Page aufgehalten, auf die Benachrichtigung von den Ereignissen schleunigst nach Swakopmund zurück und traf am Mittag hier ein. Unter seinem Vorsitz fand nachmittags eins Besprechung statt über die zur Sicherheit des Platzes zu ergreifenden Maßnahmen. Lin dem Platze und in dem Bau- lager der Otavibahn bei ponidas befinden sich etwa 600 Eingeborene. Llus dem Baulager waren gegen 50 Leute bereits weggelaufen. Ein weiteres Weglaufen der Eingeborenen, namentlich der Bsrero unter ihnen, mutzte verhindert werden. Llus diesem Grunds wurde eine Bewachung der §arbigen während der pachtzsit angeordnet und daneben ein allgemeiner Wachtdienst eingerichtet. 13. Januar. Die gestrige Pacht ist ohne Störung verlaufen, pur gegen l t Uhr wurde kurz hintereinander zwei mal geschossen. pach den Schüssen blieb es aber vollkommen ruhig, pn zwei Stellen sollen Eingeborene scheinbar pnstalt gemacht haben, sich zu entkernen. )e ein Schreckschuß genügte, sie «uf ihr Lager zurückzutreiben. pm Morgen wurde folgende Bekanntmachung veröffentlicht: § 1. Es ist den Eingeborenen verboten, sich nach 8 Uhr abends und vor 6 Uhr morgens ohne schriftlichen Ltuswsis außerhalb ihrer Unterkunkts- räums aufzuhalten, tz 2. )sder pichteingeborsne hat solche Eingeborene, öis er nach 8 Uhr abends und vor 6 Uhr morgens außerhalb ihrer Unter- kunttsräums antrifft, festzunehmen und sie unverzüglich der Polizeiwache zuzuführen, sofern sie sich nicht schriftlich ausweisen können. § 3. Wer mehr wie 10 Eingeborene in Dienst hat, ist verpflichtet, sie in der Zeit von 8 Uhr abends bis 6 Uhr morgens in geschlossenen Untsrkunttsräumen durch picht- oingeborsne, mit Schußwaffen versehene Ltuksehsr bewachen zu lassen. Swakopmund. 7Y Arbeitgeber, die zusammen nicht mehr als 30 Eingeborene in Dienst haben, können sich zu einer gemeinschaftlichen Bewachung vereinigen. § 4. Wer im Sinne des § 3 zur Bewachung verpflichtet ist, hat unverzüglich die Namen der Aufseher dem Unterzeichneten schriftlich anzuzeigen. § 5. Den nach 3, 4 bestellten Aufsehern werden polizeiliche Befugnisse übertragen. Sie unterstehen insoweit der Aufsicht der Ortspolizeibehörde. § 6. Die Polizeibsamten, einschließlich der nach den Ztz 3, 4 zu bestellenden Aufseher, sind bei Gefahr im Verzugs befugt, von ihren Schußwaffen gegen Eingeborene Gebrauch zu machen bei a) tätlichem Angriff gegen sie selbst oder andere; b) Widerstand in offener Gewalt und mit Waffen oder gefährlichen Werkzeugen oder zu mehreren gemeinschaftlich gegen sie selbst oder andere; c) §Iucht aus dem Wohnort oder aus der Gefangenschaft; d) Befreiung eines Gefangenen. Z 7. Wer verdächtige Bewegung oder sonstige verdächtige Vorkommnisse unter den Eingeborenen wahrnimmt, hat dies unverzüglich anzuzeigen, 8. Das Waffenträger, ist allen Dichteingeborenen gestattet. § y. Wer Schußwaffen, Munition oder sonstige auffällige Waffen im Besitz von Eingeborenen findet, hat sie in Beschlag zu nehmen und der Ortspolizeibehörde abzuliefern. § tO. §alls bei Eage oder Dacht kurz hintereinander 3 Böller- oder D^namitschüsse abgefeuert werden, haben sich alle waffenfähigen Bewohner Swakopmunds, möglichst mit Schußwaffen versehen, auf dem Platz vor dem Garnison-Kommando sinzufindsn. § tl. Zuwiderhandlungen Eingeborener gegen diese Verfügung werden mit Gefängnis und Zwangsarbeit bis zu 3 fahren sowie den zulässigen Prügelstrafen, Zuwiderhandlungen Dichtsingsborsner mit Geldstrafe bis zu 600 Mark oder Gefängnis bis zu 6 Wochen bestraft. Schwerere Strafen der allgemeinen Straf- oder I^risgsgesstzs bleiben vorbehalten. § 12. Diese Verfügung tritt mit ihrer Vsrkündung in l^rakt. jssdsr Arbeitgeber ist verpflichtet, sie seinen eingeborenen Bediensteten unverzüglich in eindringlicher und unzweideutiger Weise, denjenigen, die nicht Deutsch verstehen, durch Dolmetscher bekannt zu geben. — Die SO Berero, die aus dem Lager der Otavibahn weggelaufen waren, haben sich wieder eingskunden. Es ist festgestellt worden, daß eins Botschaft von Samuel Maharsro an sie gelangt war, in der sie aufgefordert wurden, zu ihm zu kommen. Weshalb sie dann, nachdem sie sich einmal entfernt hatten, wieder zurückgekehrt sind, ist nicht aufgeklärt. Sie mögen 80 Der ftuhland der kerero. sich überlegt haben, daß der Weg bis zu Samuel doch zu weit sei und sie in der Namib leicht wieder eingskangsn werden könnten. . . . Nm späten Nachmittag drang plötzlich, durch eine Meldung aus Nonidas vsranlaht, das Gerücht in den Ort, datz in dem dortigen Lager sich Unruhen zeigten. Die zur Verstärkung der Nachtwache bestimmte, aus IZürgern bestehende Mannschaft war gerade zur Nbkahrt nach Nonidas bereit. Sie wurde um noch einige Mann verstärkt, fand aber in dem Lager zu Nonidas alles in bester Nuhs und Ordnung vor. Oer Meldung hatte ein Mißverständnis zugrunde gelegen. Nm Nbend gelangte noch die sichere Meldung hierher, datz die Abteilung v. Zülow, die inzwischen auk 120 Mann angewachsen war, Okasise, die letzte Station vor Waldau, passiert habe. Während der Nacht versahen Ooppelpatrouillen von IZürgern Wacht- dienst am Platze. Nie Nacht verlief ohne jede Störung. den 14. jscmuar. Nuch heute ist noch keine Nachricht über die Abteilung v. Zülow eingegangen. Na bereits vorgestern ein Zug, der von ßaribib aus nach Okahandja wollte, Waldau nicht mehr passieren konnte, so mutz angenommen werden, datz auch diesseits Okahandja die Eisenbahn unkahrbar gemacht worden ist, wie dies zwischen Okahandja und Windhuk durch Zerstörung der Osonabrücks geschehen ist. Es mutz ferner eine bedeutende Störung der Telegraphenleitung stattgefunden haben. Denn von ßaribib war ein mit dem Material kür die Wiederherstellung der Leitung versehener Seamter mitgegangen. Eine nicht allzu umfangreiche Reparatur hätte also schon ausgeführt sein müssen, pur bis Okasise blieb die telegraphische und telephonische Verbindung möglich. Dank dieser Möglichkeit ließen sich einige der aufregenden Nachrichten von gestern als glücklicherweise unbegründet feststellen. Man erfuhr, datz die kleinen Stationen zwischen Karibik und Okasise, die zum peil verlassen und ausgeplündert worden waren, wieder besetzt seien, die Lage schien sich wieder etwas ruhiger ausnehmen zu wollen. Nuch der Platz begann im Laufe des Eages ein wenig mehr sein altes Gesicht zurück zu erhallen. Das änderte sich, als gegen 11 Llhr abends plötzlich die Sürger nach dem pureau des Garnison-Kommandos zusammengerufen wurden. Nachrichten höchst beunruhigender Natur waren eingelaufen und wurden den Versammelten durch den Gezirksamtmann Swakopmund. 81 und Garnison-Aeltesten bekannt gegeben. I^aribib und Otjimbingwe ersuchten dringend um Verstärkung. eins Abteilung von 32 Mann wurde zusammengestellt, die unter dem Lskehl des zur Dienstleistung als Leutnant d. A. eingezogenen Asgierungs-Laumeisters Laubschat am frühen Morgen nach ßaribib abgehen sollte. Aber noch bevor der Dag graute, waren die früheren ernsten Dach- richten durch viel schlimmere, die sich, wie schon jetzt bemerkt werden mag, später als weit übertrieben oder mißverständlich herausstellten, überboten. Der bei Otjimbingwe wohnhafte löerr v. Lroen sollte auf zusammenbrechendem Pferde in l^ubas eingetroffen sein und berichtet haben, daß Otjimbingwe stark angegriffen werde und sich nicht halten könne. Man sah deshalb schon die gesamte Lewohnerschakt von Otjimbingwe gelötet und wunderte sich, daß auch die Otjimbingwer, die ja eins so überaus Eingeborenen-freundliche Laltung stets eingenommen haben, nun doch nicht geschont werden sollten. Die Nachricht erregte selbstverständlich aufs höchste, der Lilkstransport wurde sofort, um 2 Uhr morgens, auf den Weg gebracht und durch die stockfinstere Dacht tönte laut das Lurrah der Abfahrenden herüber, denen ihr §ührer unmittelbar vor der Abfahrt vor der §ront das soeben eingegangene Delsgramm vorlas. Der heutige Morgen brachte neue Schreckensnachrichten, denen scheinbar mehr tatsächliches zu Grunds liegt, als den Berichten über Otjimbingwe: verschiedene in der Legend zwischen Otjimbingwe und Lärmen sitzende §armer sollen ermordet, die §armen zerstört sein. Lanz unglaubwürdig aber mutz ein Gerücht erscheinen, wonach die §este Okahandja von den löerero eingenommen sein soll. Das Löse ist, datz es an jeglicher Verbindung zwischen I^aribib, der zwischen ßaribib und Okahandja, jedenfalls bei Waldau stehenden Abteilung v. Zülow, Okahandja und Windhuk fehlt. Dies läßt darauf schlietzen, datz Okahandja und die Abteilung v. Zülow stark eingeengt sind. §ür Swakopmund schien es am wichtigsten, zunächst jede Möglichkeit zu beseitigen, datz die hier vorhandenen gegen bOO Eingeborenen den Aufständischen sich anschlietzen könnten. Schon in der Dacht hatte man deshalb beschlossen, die eingeborenen auf die beiden auf der Leede liegenden Dampfer zu bringen und dort in Gewahrsam zu halten. Der Leschlutz wurde am frühen Morgen ausgeführt. Durch die Gntkernung der eingeborenen war Swakopmund von der Sorge der Ls- kMeg IS04-IS0«. 6 82 Der Aufstand dsr lösrsro. wachung frei, und es wurden mehr Leute für den Dachtpatrouillsndienst verfügbar, dsr jetzt wesentlich auf die Beobachtung dsr wsichbiidsgrsnzs gerichtet wurde, um den Platz vor dem nächtlichen Usberkall durch eins Bererohords zu sichern. Ein wachthabender und 1b Mann, sämtlich aus der Bürgerschaft, haben von 7 Llhr abends bis b Uhr morgens die wache. Vier Doppelpatrouillen sind stets auf dem Wege. Die Instruktion gibt dsr hier stationierte Polizei-Wachtmeister Weber, dessen unermüdliche und umsichtige Tätigkeit bei allem, was jetzt zur Sicherung des Platzes geschieht, die höchste Anerkennung verdient. Und es ist mit unerwarteten Schwierigkeiten zu kämpfen, auf die später noch einmal zurückgekommen werden mutz. Ueber Dacht gingen einige §rauen und Minder an Bord eines dsr Dampfer. 1b. Januar. Die gestrige Dacht ist ruhig verlaufen. Abends gegen 11 Uhr lief ein Zug ein, mit dem eine Anzahl Bewohner vereinzelt liegender Plätze, namentlich §rausn und Minder, eintrafen. Unter den Ankommenden befand sich auch Berr v. Broen, der die früheren Mitteilungen von der Ermordung der §armer bestätigte. Die Dachricht über Otjimbingwe klärte sich dahin auf, datz nur dsr vom Landmesser v. §ranksnberg befehligte Posten der kleinen Barnison von 10 Mann, die durch 3 Beservisten verstärkt worden war, als unhaltbar bezeichnet worden sei, wenn es zum Angriff kommen sollte. Der Stamm des Bapitäns Zacharias ist selbst noch ruhig und würde den Bewohnern von Otjimbingwe nichts anhaben. Der Kapitän könnte aber von den Okahandjasr Leuten gedrängt werden, seine neutrale Baltung aufzugeben, wenn dsr Posten besetzt bleibe und habe deshalb um Zurückrukung des Postens gebeten. Dsr Befehlshaber hat die Aufforderung zurückgewiesen. Beute morgen ist ein Proviantzug mit noch 18 Mann abgegangen, die zum Eeil die Besatzung dsr Eisenbahnstationen verstärken sollen. Der Best soll nach Baribib mitgehen. Am Mittag traf eine erste Dachricht von windhuk ein. Sergeant Dietrich war es gelungen, von Baribib nach windhuk und von dort mit Dachrichten wieder zurückzukommen; auf dem Bückwsge wurde er bei der Baribiber Pforte verwundet. Die Dachrichtsn aus windhuk lauteten ernst. Auch windhuk ist stark bedrängt, Plätze in dsr Llmgegend sind ausgeraubt, Swakopmund. 83 §armsr ermordet. Der Versuch, Okahandja zu entsetzen, ist gescheitert, das Maschinengewehr beschädigt und zum Esil gebrauchsunkähig geworden. Die Windhuk bedrängenden Horden von Hsrero sind gut bewaffnet, beritten und in Eruppenunikormsn. Es ist um schleunige Entsendung eines Sss- bataillons gebeten. Die Uniformen haben die Eingeborenen vielleicht in Otjimukoka (Johann Albrechtshöhs) erbeutet, wo sie die Eisenbahnstation ausgeraubt haben. Es waren 30 Listen Montierungsstücks - wohl für die Gebirgs- battsrie bestimmt - nach Otjimukoka gesandt. Von Okahandja und der Abteilung v. Zülow kehlt noch immer jegliche Nachricht. Von Haribib kommt bestimmte Nachricht, datz der Eisrarzt Hämpnv auk einem patrouillenritt getötet ist. Nie §arm Okakoara und die benachbarte bakteriologischs Station sind vollständig zerstört. 17. )anuar. Heute Abend wird die Ankunft des Kanonenboots „Habicht" erhofft, das von Kapstadt hierher abgegangen ist. vem verhängnisvollen Mangel an Geschützen wird dann in etwas abgeholfen werden. Nachmittags traf die Nachricht ein, datz der Streckenwärter Lehmann bei Habis, der mit einer mit Eseln bespannten Lowrv allein die Strecke abfuhr, ermordet worden ist. Ein trotz seiner Unbedeutendheit charakteristischer Vorgang hat sich gestern Abend abgespielt: Ein Herero kam in einen Laden und verlangte irgend etwas. Als er bezahlen sollte, erklärte er, er sei Okahandjasr Hsrero und brauche nicht zu bezahlen. Man hat jetzt auch die übrigen Eingeborenen am Platze, auch die Weiber, in Gewahrsam genommen, um zu verhindern, datz sie den Auk- ständischsn Gotschakt bringen. 18. )anuar. Die Nacht verlief ruhig. Der »Habicht" ist bis jetzt, vormittags ^10, noch nicht in Sicht. Von Okahandja und der Abteilung v. Zülow ist immer noch keine Nachricht da. Gestern Abend kam Nachricht aus Serlin: Ein Sesdataillon brich! 84 Der LlufstanL der Iberers. sofort nach dem Schutzgebiet auk, 500 Mann Schutztrupps folgen demnächst nach. 18. )anuar. Mittags I2V- Lthr „Sabicht" in Sicht. Mittags gegen Vr2 Ohr geht S. M. 3. „Sabicht" auf der hiesigen Seede vor Linker. Ls hatte den Sefshl zum Auslaufen nach Swakopmund noch gerade rechtzeitig erhalten, bevor es ins Trockendock ging. Linsn Lag später, und die lang ersehnte Silke wäre ausgeblieben. Sofort entfaltete sich eins rege Lätigkeit an Sord des „Sabicht" und an der Mole, und um 5V- Ohr war das Landungskorps des »Sabicht", 54 Mann mit 2 Sevolverkanonen und einem Maschinengewehr unter §ührung des l^apitänleutnants (Z^gas bereit, die §ahrt ins Land anzutreten. Ls kiel auk, daß die sonst weitzs Onikorm der Marinetruppen gelb, mehrfach recht schmutzig-gelb war. Die Leute hatten die weitzs Onikorm in ßakkes- und Labakextrakt gelb gefärbt, um sie weniger auffällig zu machen und der gelben Srundkarbs des Landes möglichst anzupassen. Leider entstand ein längerer Liukenthalt dadurch, datz die Maschine bei der scharfen I^urvs am Moienfutz entgleiste. Die ^Vagen wurden losgekoppelt und von der Mannschaft unter fröhlichem Sang auf dem südlichen Slsise zum Sahnhor geschoben. Dort mutzte man warten, bis eine neue Maschine angeheizt war, und um 7'/2 Ohr setzte sich der Zug unter dreimaligem kräftigen Surra der zahlreich erschienenen Zuschauer in Sewegung. Den Zug begleiteten autzer dem Marine-Oberarzt Vr. Veiten vom „Sabicht" noch L>r. Lichtenberg von der Otavibahn, da an Aerzten in Okahandja sowohl wie in XVindhuk Mangel ist, ferner Segierungs-Saumsistsr Sendi-c mit 4 Vorarbeitern von der §irma Doppel, um nötigenfalls zerstörte Sahnstrecksn wiederherzustellen, und als l^riegsberichtsrstatter löerr Sechtsanwalt Wasserkall. Oeber den Verlauf der §ahrt lassen wir unseren Sriegsbsrichterstatter erzählen: „)akalswatsr, ty. I. 04. Soeben 5V« Ohr in )akalswater eingetroffen. Das §eld schon weit vor )akalswater grün; bis ßm. Y4 Habs ich geschlafen, erst von da ab kann ich urteilen. Ich habe die Landschaft hier noch niemals in diesem Süds gesehen und mutz sagen, das Land ist doch wert, sich darum zu schlagen. Station Ktian. 8b Der Bufstand der kZersro. In )aka!swater ein Schälchen Ssetzsn und ein Butterbrot. Um b Uhr soll die §ahrt weiter gehen. Die Beise bis hier ist gut verlauten. Nur bei Shan mutzte man vorsichtig sein. In Bössing wurde umrangiert, die wagen an die Spitze, die Maschinen an das Ende gebracht, so datz der Zug geschoben wurde. Zugführer pönitz setzte sich vorn auf den ersten wagen. Etwa 1500-2000 m vor Station Shan wurde alles in vier wagen vereinigt, die Maschinen und die übrigen wagen zurückgelassen und die vier wagen geschoben. Die Gruppe in langem Zuge hinterher. Ein malerisches Bild in der Nacht. So ging es bis kurz vor der Station. Der Boden zwischen den Schienen war morastig, nur stellenweise trocken, an der Seite des Bahndammes rauschte das Wasser. Der Llnkang der schlimmen Stelle war durch eine rote Laterne kenntlich gemacht. Bis Leute der Eisenbahn, die den Damm gehalten hatten, nahmen den Zug in Empfang und gaben Bescheid. Surz vor der Station wurden die 4 wagen getrennt und in Zwischenräumen durch das Wasser hindurchgeschoben; die Leute im (Zänse- marsch hinterher, vorsichtig einer hinter dem andern, um das (Zlsiss nicht zu verfehlen. Dr. Lichtsnbsrg geriet dabei zu tiek ins Wasser, aber wurde eben nur natz. Das Wasser war stellenweise wohl 5 Zoll tief. Die Strecke mutz gehörig und sofort repariert werden, sonst kann überhaupt kein Zug mehr durch. In ^akalswater höre ich, datz Bäsemann beim patrouillenritt durch zwei Schüsse in den Llrm verwundet sein soll. Subas, ld. I. 04, 9h, Uhr. In Subas. Bingsum gelbes §eld, hohes (Zras. In der Veranda des Stationshausss, hinter einer wand von duftenden winden ist ein herrlicher Platz zum Schreiben. Bas kriegerische Bild des Militärzuges nimmt sich in dieser so recht friedlichen Umgebung ganz sonderbar aus. Bur datz das Bossssche Saus geschlossen ist, deutet darauf hin, datz irgend etwas hier nicht in Ordnung ist. Bas Wetter ist einstweilen noch sonnig und heiter, aber Wolken ziehen ringsum auf, so datz man für den Mittag und Bachmittag noch auf Begen rechnen mutz. wir werden uns beeilen, zu der schadhaften Bahnstrecke zu gelangen, um jedenfalls noch bei Eage Saribib zu erreichen. MLL, WWW - -GHWßM -,-TS^ « Liienbalmltotlon üdbabis. 88 Der Aufstand der Serero. Ueber die Ermordung des Strscksnwärtes Lehmann in Sabis hörte ich authentisch Dähsrss. Wsrnscks Hot die Leiche gefunden und mit begraben. Lehmann ist nicht, wie gsrüchtweise laut geworden war, mit einer Lowrv allein auf der Strecke gefahren. Er war zu Sause und hatte seine eigenen Srbeiter als Wachen ausgestellt. Da kamen 4 Okahandjasrlsuts aus den Sergen und stifteten die )ungens zum Morde an. Gemeinschaftlich drangen sie in das Saus, schleppten den Lehmann heraus, legten ihn vor der Eür des Sauses nieder und schlugen ihm mit einem Seil und einer löacks den Schädel ein. Die Leiche lag auf dem Gesicht mit gekrümmten Llrmen, gräßlich zerschmettertem l^opf. Sus dem Sause raubten die ssungsn dann ein oder zwei Gewehrs, Proviant, Settzeug bis auf die Matratze und flohen. Sie sollen von Raffern'), die den Mord bemerkt hatten — von einem solchen stammt auch obige Schilderung — an eine Patrouille verraten und von dieser gefangen worden sein. Morgen sollen sie in ßaribib erschossen werden. Wernecke und auch ein anderer der Leute von der Sahn sprachen von dem furchtbaren Satz der Raffern gegen die Ssrero bei Gelegenheit des jetzigen Liukstandss. Damit stimmt ja auch das Verhalten der )ungsn in dem Swakopmunder §a» bei k^üstner. Sisher nichts Verdächtiges irgendwo bemerkt. Libbabis, 19. t. 04, I'V, Uhr. In I^ubas ist Wachs von 8 Matrosen gelassen. Zwischen I^ubas und Libbabis mutzte an 5 Stellen die Strecke geflickt werden, teils nur durch Unterstopfen, teils durch Aufschütten des durch den Segen an den Sündern abgerissenen Dammes, an einer Stelle durch Liusfüllsn einer Drücke. Erstes Liustlicksn t t Uhr, letztes ^t. I^urz vor Libbabis meldst bei einem Saiten des Zuges einer vom Strsckenpsrsonal, datz Station Sbbabis über Dacht demoliert ist. Eslegraph durchschnitten, aber wieder hergestellt. Pater Krieger sieht von dem Serge einen Schwarzen in schnellen Sprüngen in der Schlucht verschwinden. Lindere bemerken noch mehrere Schwarze ebenso hinabspringen. Indessen kommt Sümann und erstattet Meldung: Uffz. Sümann von l^aribib mit Patrouille: Gestern Dacht Ltbbabis ausgeplündert; Telegraphenleitung soeben von ihm wieder hergestellt. Swakopmund. 89 Wir fahren weiter zur Station. Seim Abfahren kommt ein Sund, der von Karibik mit der Patrouille mitgelaufen war, unter die Aäder und bleibt mit zerbrochenem Sein auf dem lZahndamm liegen. 10 Minuten vor l sind wir an der Station Abbabis. Station demoliert. Türfüllungen eingeschlagen, in den Zimmern Schränke und leisten erbrochen. Sei einem tasten Schloß nicht vollständig aufgerissen. Proviantraum nicht angegriffen. Die Sühnsr laufen um das Gebäude herum. Augenscheinlich sind also nur wenige lösrero dagewesen, die die Wohnung demoliert haben. Strecke bis Sabis soll stark beschädigt sein. Die eingeborenen Arbeiter und ein Kommando der Matrosen gehen vor, um die Strecke zu reparieren. Während dessen werden die bei Abbabis stehenden Zelte abgebrochen und mit den planen die Wagen, die bisher offen waren, überdacht. Ein ^ungs muh den verwundeten Sund holen, der totgeschossen und verscharrt wird. Sümann teilt mit, daß Genaues von Zülow und Okahandja nicht bekannt ist. Gs hsiht, Zülow soll mit starken Verlusten nach Okahandja gekommen sein. Aber das ist lediglich Gerücht. Segen kchz Uhr, also etwas weniger als 24 Stunden nach der Abfahrt von Swakopmund in Saribib eingetroffen. Auf dem lZahnhok ganz Saribib versammelt, die männlichen Gewohner tast durchgängig als eingezogen oder Dienst tuend angetreten. Auch unsere Swakopmundsr Mannschaft befand sich dabei. Der Platz vor dem lZahnhok und der Sahnhof selbst ist mit Sandsäcken usw. umgeben und zu einer kleinen §estung gemacht. Viel Menschen sind hier. Ich hoffe, man wird sich bald zu einem bestimmten Vorgehen entschließen; meines Grachtsns muh man auk der Sisenbahn gegen Waldau eine Verbindung mit Zülow und Okahandja herzustellen versuchen. Das, denke ich, wird auch beschlossen werden. Genaueres ist hier nicht bekannt, weder von Zülow noch von Okahandja. Unter den Vermißten (seit einem patrouillenritt am l b.) ist auch Ganz- horn aus Salem. Saribib, 20. 1. 04, 12^ Uhr. §rauen und Minder bis auk die zu kleinen und kranken gehen jetzt nach Swakopmund ab, um hier größere IZewsgungsfreiheit zu schaffen. Um I Uhr fährt Marineabteilung mit Geschütz auf der Strecke gen Okahandja vor, um die Verbindung mit Okahandja herbeizuführen. Ich 90 Der Aufstand der kZerero. schließe mich ihr wieder an. Wenn erst Verbindung hergestellt ist, wird alles besser werden durch Möglichkeit einer einheitlichen Leitung des Ganzen." — 5wakopmund, 20. Januar. Beute Nachmittag 4^/z Uhr sind noch die letzten verfügbaren Mannschaften 3. M. 3. „Babicht", 3 Unteroffiziere und 2b Matrosen mit einer Bevolver-I^anone unter §ührung des Leutnants zur 5se Lckhold, zur Verstärkung der am l8. abgegangenen Krupps nach ßaribib aufgebrochen. 21. Januar. Gin amtliches Telegramm aus Baribib vom heutigen Lage berichtet: Lin Ovambo brachte heute früh die Nachricht, daß Bsrsro im IZegrikke seien, von dem Bosssschen Vishposten bei Bubas das Vieh wegzutreiben. Line Patrouille von 4 Mann wurde sofort zur Verfolgung der Diebe aus- gesandt. 5ie stieß in den Bergen auf einen Lrupp von etwa 200 Berero und Witbois (sehr unwahrscheinlich. D. Ned.) und schlug dieselben in die §lucht. 10 Berero wurden getötet. Der 3anitäts-Untsrokkizier patriok wurde verwundet. Der anfangs vermißte Wisssmann hat sich später wohlbehalten wieder eingekundsn. Bier tauchte das Gerücht auf, daß ein Detachement Marinetruppen unter Leutnant z. 5. Bsrrman bei einem Vorstoß von Baribib nach Okasise zu angegriffen und zurückgeschlagen sei. Die Wahrheit ist folgende: Line starke Abteilung unter §ührung des Leutnants Berrman hat die Aufgabe, die Bahnstrecke von Baribib aufwärts wieder herzustellen. Der Abteilungsführer hat den Befehl, sich zurückzuziehen, falls er angegriffen werden sollte, auch jeden Abend nach Baribib zurückzukehren Aus dem im Lelegramm etwas kurzgefaßten Befehl: „angegriffen zurückziehen" hat die §ama die Latsache des Angriffs und Bückzugs konstruiert. Man hofft, das Gleis von Baribib bis Okasise spätestens bis zum 28. vollständig ausgebessert zu haben Lhe man von Okasise weiter vorgeht, wird man wahrscheinlich die Verstärkung durch das Landungskorps 5. M. 5. „Wölk" abwarten. 22. Januar. Von Omaruru wird gemeldet, daß alles ruhig sei und der Platz kür durchaus sicher gelten könne. Swakopmund. 2t Mittags. Telegramm aus karibib. Soeben Sote (Eruppsnwächtsr der Station Okahandja), der Mittwoch, den 20. abgegangen, hier eingetroffen. Derselbe, angeschossen, flüchtete nach karibib und gibt an: Das Dstachement Zülow, den er ' persönlich kennt, Habs mit Zug Okahandja erreicht. Zülow hätte Okahandja so stark befestigt, daß vorerst Einnahme der Station ausgeschlossen. Von Okasiss bis Okahandja hätten Sersro Sahn und Eelegraph zerstört, Schienen ab- AM; RWM der koknliok in Xarlbib. geschraubt, löolzbrücks, wie bei Osona, verbrannt. Von Okasiss bis karibib fast keinen Serero mehr gesehen. Sei Okasise jedoch seien Donnerstag Sersro beim Zerstören tätig gewesen. Mehrere Weiße seien tot. gsz.: kühn. Swakopmund, 23. Januar 1904. Seute sind hier noch 34 Militärpflichtige (Ersatzrsssrve, Landwehr und Landsturm) eingezogen worden. 10 derselben wurden sofort zur Sedeckung eines proviantzugss nach karibib kommandiert, während der Sest ständig den Wacht- und patrouillendienst in Swakopmund versehen wird, zu dem bisher zum großen Lei! die Zivilbevölkerung herangezogen worden war. Weitere Einberufungen werden voraussichtlich nicht stattfinden. Das 92 Der Suhlend der Derero. wäre auch kaum möglich, ohne die verschiedenen Geschäftsbetriebs, die jetzt nur noch in notdürftigstem Umfange aufrecht erhalten werden können, vollständig lahm zu legen. Soeben trifft folgende Depesche aus VVindhuk vom 17. Januar ein, die ein eingeborener Bote nach l^aribib gebracht hat: „VVindhuk dauernd belagert und stark besetzt, durch Landsturm, sämtliche Wehrpflichtige und Suren auf 230 Mann verstärkt, zum Esil beritten. 2. Compagnie im Snmarsch vom Süden, Bsbirgsgsschütz von Sehoboth zurückbeordert, hier außerdem 2 Maschinengewehre. Von Okahandsa seit polkeiitcition l^itvls^. - dem 12. keine Nachricht, Entsatzvsrsuche gescheitert. Sm 15. erfolgreiches Erkundungsgetecht bei §arm „Sokknung". - Wir ersehen aus den vorstehenden Depeschen und Berichten, wie unerschrocken, tapfer und tatkräftig sich die deutsche Bevölkerung Swakop- munds den überraschenden und schreckensvollen Ereignissen gegenüberstellte. Und so war es im ganzen Lande. Ein Schrei der Entrüstung und Wut gellte durch das Schutzgebiet; jeder Weiße, der nur die l^raft dazu hatte, ergriff das Bewehr und verstärkte die Seihen der Verteidiger von VVindhuk, Otjimbingws, Okahandja, Omaruru, I^aribib, Waldau, Outjo und Orootkontein. Such einige kleinere Stationen, deren Besatzungen durch umwohnende §armer verstärkt worden waren, hielten sich, so Seeis, löatsamas und Bohswarts im Bezirk VVindhuk. Swakopmund. 93 Llber viele andere - Watsrberg, Wilhslmstal, Okasise, Witvley, Gas und Otjituo — waren auch unter dem unerwarteten Ansturm der lösrero- hordsn gefallen und die lZesatzungen ebenso wie die weit im Lande verstreut wohnenden §armer ermordet worden. Grst allmählich verdichteten sich die zuerst unbestimmten, schwankenden Nachrichten zu dem entsetzlichen, bluterküllten Gilde des Mordtages vom 12. Januar. Lln diesem Eage begannen die lösrsro im ganzem mittleren Damaralande ihr teuflisches Werk des Mordsns, Grennens und Raubens. WW 2er!törtes äaus in vkoiiancljll. Lln diesem Eage stürzten sich auf die wehrlosen §armer, die einzelwohnenden Kaufleute, die Llnsiedler und Geamten der kleinen Ltationen der Eisenbahn die mordlustigen, blutgierigen Garden der §sldherero. Gewehr und ßeule, Llxt und Messer taten ihr Werk, bestialische Grausamkeiten wurden vollbracht. Geschont wurden nur Engländer, IZuren, lZastarde und Missionare. In den vom Zentrum des Llufstandes, dem Distrikt Okahandja, entfernteren Landesteilen spielten sich die gleichen Vorgänge an den auf den 44 Der ^urftand der Zersro. 12. folgenden klagen ab; an einigen Orten, wie einwandfrei festgestellt werden konnte, erst auf die unmittelbare Einwirkung dort eingetroffensr Okahandja-Zersro t)in. Okahandja und Windhuk. In Okahandja hatte bereits am 12. vormittags die Veschietzung der §este begonnen. Die Weißen, die noch nicht in die Station geflüchtet, sondern in ihren Zäusern geblieben waren, ereilte in ihnen der Eod durch die löerero. Zugleich begann eine allgemeine Plünderung des Ortes, wobei den Aebsllen große Vorräte aus den Kaufhäusern und dem Zollspeicher in die Zünde fielen. Die 7 t Mann starke IZssatzung hatte sich in der §este verbarrikadiert und erwiderte das §euer des vorzüglich hinter Zlippen und Zäussrn gedeckten Oegners zeitweilig, sobald es, ohne Munitionsvsrschwsndung zu treiben, Erfolg versprach. Segen l Ohr mittags knatterte plötzlich von Osona - aus der Dichtung von Windhuk her - Maschinsngewshrkeusr herüber, worauf Oberleutnant Zürn mit 2t Mann einen Ausfall versuchte, der jedoch nach ^stündigsm Oekecht an dem überlegenen §susr der Zsrsro scheiterte. Das gleiche Schicksal erlitt ein zweiter Ausfallversuch am folgenden Lage, als sich wiederum Maschinengswehrksuer von Osona her hören listz. Die IZssatzung mutzte sich nun auf die Verteidigung der §este beschränken, die von den Gebellen eingeschlossen und ab und zu beschossen wurde. In Windhuk war man am 12. auf einen Angriff gefaßt und vorbereitet und hatte bereits am 11. zwei stärkere Patrouillen unter den eingezogenen Leutnants Voigts und Maul im Okahandjasr Eal an der Eisenbahn bis Grakwater und Eeukelsbach vorgeschoben, um die Verbindung mit Okahandja möglichst aufrecht zu erhalten. Am 12. wurde eine stärkere Abteilung unter dem Leutnant der Reserve Soffen auf Okahandja in Marsch gesetzt, die an diesem Eags und am 13. früh über Osona hinaus bis zu den ersten Zäussrn Okahandjas vordrang, dann aber nach heftigen Gefechten vor dem weit überlegenen §einds zurückgehen mutzte. Lieber diese Zämpfe berichtete ein IZrief aus Windhuk folgendes: „Als der Zug kurz vor Okahandja war, hatten die §einds das Gleise aufgerissen, und der Wagen mit dem Maschinengewehr war zum Entgleisen gebracht worden. Ein kritischer Moment trat ein. Von allen Windhuk. yö Leiten kamen nun die löerero heran und schassen, gut hinter lZüschen versteckt, aut unsers Leute, die das Maschinengewehr auf einen anderen Wagen umbauen mutzten, um es wieder schutzfertig zu machen, Saum war das geschehen, da erschossen die §einde den Zugführer, und auch der Leizer sank schwer verletzt zu Soden. Schon glaubten sie, datz alle Deutschen, Zug, Maschinengewehr und Proviant in ihren Länden seien, da sprang der Laffer, der als Lilfsarbeiter auf der Maschine half, auf den Zug, stellte viL liokomotwen lieg ltiligruges. - den Lsbel um, gab Volldampf, und rückxvärts ging der Zug aus den §einden heraus. Wer den Zug nicht mehr erreichte, war verloren. Lotsen fiel, einer kam ihm zu Silke, der kiel auch, ein zweiter, ein dritter sprangen ab und wollten die Verwundeten holen, aber von Lugeln durchbohrt blieben sie zurück. Von den belagerten aus Okahandja wurde während des Ltngriffs flsihig geschossen und alles versucht, den Llngrikk durch einen Lluskall zu unterstützen - aber vergeblich." Ein lebhaftes Süd von den namenlosen Schwierigkeiten und Strapazen 9b Der Aufstand der Iberers. der Kriegführung gibt ferner eine Schilderung desselben Briefschreibers von der nächtlichen Tahrt des Eissnbahnzuges: „Zwei Mann ritten vor dem Zuge her und untersuchten die Schienen und Brücken, ob nicht etwa die Oleiss aufgebrochen seien. Zwei Mann ritten rechts und links zur Deckung, wir übrigen, etwa 3b Mann stark, ritten einer hinter dem anderen auf dem Bahndamm hinter dem Zuge her. Es war ein toller Bitt. Tinsters Nacht, lautloses Schweigen, nur unterbrochen durch das möglichst geräuschlose Tahren des Zuges und die leise abgegebenen Kommandos. Immerwährend kam der Zug zum Stehen; einmal hatten die Bsitsr ihre Vordermänner verloren - sie schliefen zumeist auk den Pferden; dann mutzten wir bei jeder Drücke runter von dem steilen Damm und setzten über das Wasser. Dabei blieb mal einer mit dem Oaul bis an die Brust im Sumpf stecken und wurde abgeworfen." Sei dem Versuch, nach Okahandja vorzudringen, fielen am 13. früh der Tührer der Druppsn, Leutnant Donjen, und 6 Mann, mehrere Verwundete wurden nach Windhuk mit zurückgeführt. - Windhuk selbst konnte als gegen jeden Ltngrikk gesichert gelten. Seine Wehrmacht bestand, wie bereits bemerkt, nach Libgabe der Okahandja- Verstärkung noch aus 230 Waffenfähigen mit 2 Maschinengewehren. Llus Behoboth wurde ein Oebirgsgeschütz herangezogen. In weitem Umkreise um den ausgedehnten Ort wurden an geeigneten Punkten Schanzen errichtet, die Däuser verbarrikadiert und zur Verteidigung eingerichtet, Proviant und Wasser für die Besatzungen bereitgestellt. Die Zitadelle des Platzes bildet die auf einem die Umgegend weit überhöhenden Dügel liegende viertürmigs Teste, ein starker, trotziger Bau. )m )ahrs 1890 vom Dauptmann und premisrleutnant von Trancois gegründet, war sie seit dieser Zeit das festeste Bollwerk der Deutschen im Lande und konnte den Eingeborenen gegenüber für uneinnehmbar gelten. In sie wurden jetzt nachts die weitzen Trauen und Minder gebracht. Eine einzige Spitzkuppe am Wege nach ßlsin-Windhuk - „Sperlingslust" — überhöht die Teste, ist aber durch eine starke Schanze gesichert und blieb dauernd besetzt. Dagegen gab man nachts die am entferntesten und ungünstigsten liegenden Däuser des Orts ganz auf. LUs Beobachtungsposten wurden im Borden und Osten des Orts die Wasserstellen Oammams (bakteriologisches Institut), Bokkiesdraai, Llvis und Mein-Windhuk mit ständigen Besatzungen belegL Stabsarzt Dr. IZuhn mit der 2. Srsatzkompagm'e in Omaruru. > - l > ÄLSÄM L! vor cler veruncka eines rur Verteidigung eingerickteten ^?olintiauiss in iöimltiuk, ^UW LÄÄL tsrisg 1404 ->» 0 tz. 7 98 Der Aufstand Ler tösrero. Auch mit der IZurenansiedlung in Llvis, am Südabsturz des Nuasgebirges, wurde Verbindung gehalten. Schon am 14. Januar konnte es für Windhuk heißen: „§einds ringsum!" Durch Patrouillen wurden starke feindliche Kräfte bei §arm löoffnung, ^apps- und ftbrahams-§arm, bei Nvis, Sarris und Seusis gemeldet. Das Kommando über die Garnison hatte bereits am 12. der von seiner §arm nach Windhuk geeilte löauptmann a. D. von Zran^ois, der erfahrenste und weitaus am längsten im Schutzgebiet weilende *) der Offiziere, übernommen und unter seinem IZetehl entwickelte die Sesatzung Windhuks eine umfassende und erfolgreiche Tätigkeit. - Wenn auch die zur Verfügung stehenden Kräfte nicht ausreichten, um die Verbindung mit Okahandja herzustellen und diesen Ort zu entsetzen, so säuberten doch die weitvorstoßenden Abteilungen und Patrouillen der Wind- huker das umliegende Gelände in weitem Umkreis von den feindlichen IZanden und nahmen den Sersro jede bliuplmann von kransvis. Lust zu einem ernstlichen Dngriff auf den Platz. Gin solcher, und zwar von allen Seiten, war nach den Eingaben eines am 14. von Süden her eintreffenden Suren von den Nebellen kür den 16. geplant. Sei 51vis, etwa 4 km von Windhuk, sollten bereits 1300 löersro stehen. Unter der IZsteiligung der gesamten lZsvölkerung wurde am 15. die §sste als Zufluchtsort für alle Weißen eingerichtet, und am Dachmittage desselben Uagss brach löauptmann von §ran^ois mit der Sesatzung gegen Ltvis auf, um den löerero zuvorzukommen. Dur die notwendigsten Wachen blieben zurück. )n der Dähs der §arm löoffnung traf man auf einen starken Gegner, der geworfen und durch Gsschützfsusr verfolgt sich eilends *) Hauptmann von §ran?ois ist identisch mit dem öden ais Erbauer der XVmdhuker §este genannten premierieutnant von Sran^ois. Er kam bereits im ^ahre 1889 mit seinem Bruder, dem nachherigen Major und Landeshauptmann von Deutsch-Südwestakrika, a!s OMzier der Schutztruppe ins Land, nahm ais k^ompagnietührer am ersten >Vitboikriege teil, trat 1894 in preußische Dienste zurück und ging später ais §armer wieder in das Schutzgebiet. 6m 13. März 1904 fand er bei Oviko- korero den Heldentod. Omaruru und Okombahe. 99 zurückzog. 6m 17. wurde der Vorstoß wiederholt. Weitere erfolgreiche Patrouillen, durch die den Gebellen bald hier, bald dort Verluste zugefügt wurden, fanden statt: am 15. unter Leutnant Voigts gegen Farm Unverzagt und IZrakwater; am 21. unter Leutnant Maul und Obervsterinär 6assau gegen die Farm löokfnung, l^opps- und 6brahams-§arm; am 22. unter Oberksuerwerker von Diswitecki über Sohewarte, das in gutem Vertsi- digungszustand angetroffen wurde, und löatsamas, dessen IZesatzung, 4 Mann, ungebeugten Mutes war, auf Seeis. Die Station wurde hart umlagert gefunden, der 500 bis bOO Mann starke (Zsgnsr aber in wütendem (Zetecht von der 27 weiter starken Patrouille Diewitecki verjagt, so daß am 26. nachts mit den nach Seeis gsklüchtetsn Familien Dhalhsim, Fischer, 6ust, 6lisch und leichter auf 3 darren nach Windhuk aufgebrochen werden konnte, das am 28. erreicht wurde. 6m 4. Februar unter von Diswitecki gegen löarris, am 27. Februar unter Leutnant d. 6. (Zehlshorn auf (Zammams und IZrakwater Neben diesen wurden zahlreiche kleinere Patrouillen in die unmittelbare Umgegend Windhuks ausgeführt, teils zu Erkundungszwecken, teils um geraubtes Vieh wiederzugewinnen. Die löerero beschränkten sich seit dem 16. Januar auf die IZeobachtung des Platzes aus größerer Entfernung. Die ununterbrochene Tätigkeit und Wachsamkeit der IZesatzung ließ sie den allgemeinen 6ngriff nicht wagen, an dem sich zu beteiligen Samuel Maharero am 11. und 12. Januar lösndrik Witboi und den IZastardkapitän lösrmanus van Wijk brieflich aufgefordert hatte. Omaruru und Okombahe. )n Omaruru brach der 6ufstand erst am 17. Januar aus, obwohl die dortigen löerero sich bereits einige Eage vorher unruhig gezeigt hatten. Die Frist, die sie durch diese Llnschlüssigkeit den Deutschen gaben, wurde von dem Kommandanten des Platzes, Stabsarzt Dr. I^uhn, und der die IZesatzung bildenden 2. Ersatzkompagnis dazu benutzt, sich auf den erwarteten Sturm vorzubereiten. )n fliegender Eile wurden die im Norden von Omaruru liegenden, nur mit wenigen Leuten besetzten lösliographsnstationen Okawakuatjiwi und Etaneno eingezogen, die drei nebeneinander liegenden Kasernen der nach dem Süden abgerückten 2. Feldkompagnie zu nachhaltiger Verteidigung eingerichtet und sämtliche Weiße mit Frauen und 7 ' >00 Der Aufstand öer kerero. Mindern in ihnen geborgen. Die Besatzung bestand aus 3d gedienten Mannschaften, wozu noch einige freiwillige kamen. Linsr stärkeren Patrouille gelang es noch, nach Okombahe zu gelangen zum Schutz der dortigen Weißen und um dem deutschfreund- lichen Bergdamarakapitän Cornelius einen Bückhalt gegen die lösrero zu bieten. - Wie es in Okombahe aussah und unter welchen Befahren die wenigen Weißen dieses Platzes lebten, schildert der Brief einer tapferen Okcnnbahe. 101 deutschen Dame, der §rau des §armsrs Chsmistokles von Lärenbrecher. )n ihm heißt es: „Okombahs bei Omaruru, 20. Januar - 2. §ebruar. Lllle weißen Einsiedler mit §amilisn wurden auf der dortigen Station (Omaruru) untergebracht. Eine Patrouille von zwei (Dann kam hierher, um die sämtlichen Pferde von Sorris-Sorris, dem Pferdeposten, zu holen und nach Omaruru zu bringen. Sie brachte auch gleich den Sekehi mit, Dhemis sowie der hier stationierte Sergeant hätten sich unverzüglich nach Omaruru zu begeben. Schweren Ssrzens packte ich Ichsmis seine Sachen, die ein Träger nach Omaruru zu schaffen hatte. . . . §rsitag Dachmittag kamen die Pferde, Sonnabend, den 1b. Januar, früh um ^5 Dhr ging's los. Wie mir zumute war, so allein zurückzubleiben, könnt Ihr Luch denken! l^sin Schutz, nichts, garnichts, keine getreuen Leute, mit dem kleinen Gab^ allein! Mittags kam ein Läufer, der mir sagte: „Dein Mann und die anderen Deiter sind schon tot. Sie sind zwischen l^awab und Okarundu abgeschossen worden; es haben dies die l^awabsr Serero getan, unter der §Uhrung von Daniel l^ariko und Gerhard Dkrika. Zweihundert Serero sind auk dem Wege hierher und liegen in den Klippen. Dein und §rau M.'s Saus sollen zuerst an die Dsihs kommen, lassen sie dir sagen." Ich überlegte, was zu tun sei, und ging zum Missionar, damit dieser die Gotschakt dem Kapitän Cornelius tolkte.*) Wohlweislich legte ich mir eins Decks, ein Stück Grot, einen Limsr Milch und einige Sab^sachen zurecht. Ich zog mir feste Schuhs an und hatte vor, einfach über die Klippen durch die Damib mich allmählich vorwärts zu schlagen - Dsvolver um und Dabv auf dem Dücken. Geld hatte ich keins, etwas anderes zu retten blieb keine Zeit — außerdem wohin? Da kam vor Sonnenuntergang ein Griek von Dhemis, sie seien unverwundet und mit dem ganzen Transport an Säulen bis hinter Okarundu gelangt. Dort begegnete ihnen der Sachenträger. Lr war in die Sünde der Serero geraten, sie hatten ihm alles geraubt und es unter sich verteilt. Scharen von Serero begegneten ihnen, die meisten bewaffnet, aber eine weiße Ginde am Drm, als Zeichen der Neutralität. Wahrscheinlich beabsichtigten sie, die Pferde zu stehlen. ') tolken — Dolmetschen. 102 Der Bukstand der löerero. trauten sich aber nicht, als sie die fünf weiter sahen. Sie benahmen sich sehr freundlich. Mit der einen Band grüßten sie und rieten: „Morrow, morrow, Mister!" und mit der andern Band wurde der Bahn am Oewehr gespannt. Einer erzählte auch, daß in derselben Nacht Okombahs gestürmt werden solle. Nies alles erkuhr ich also aus Bhsmis' Brist. Mit welchen Befühlen Bhemis nach Omaruru weiterritt, könnt Ihr Euch denken. Er dachte sicher, uns hier nicht wieder lebend anzutreffen. Zugleich erzählte der Bote, vor Omaruru lägen große Bauksn Berero. Nie umliegenden §armen seien alle geplündert und ausgebrannt, das Vieh geraubt. Buf Omaruru würde schon tüchtig geschossen. Bort hätten die löerero bereits die Store geplündert, die "Weißen, die nicht auf die Station gegangen, abgeschossen und in bestialischer Weiss gehaust. Inzwischen hatte ich mir überlegt, daß es vielleicht ratsamer sei, mit dem Busrsißen zu warten, und ging zum Missionar. Der gab mir ein Zimmer, in das ich das Kinderbett und die wertvollsten von unseren Sachen schaffen ließ, sowie Eßvorräts und Becken. In der Bacht kam ein Brief vom lösreroführer Baniel Bariko, in dem er den Cornelius aufforderte, auf seine Seite zu treten, widrigenfalls er bei Morgengrauen Okombahs angreifen würde; er liege dicht vor Okombahs. Cornelius schrieb wieder, er sei §reund der Weißen und sei vorbereitet auf die löerero. Bun dachten wir sicher, es ginge los. In der Bacht regnete es in Strömen. Im Zimmer vom Missionar kam der Begen durch. Es floß an den Wänden und drang durch das undichte Wellblech. §r. M. war auch gekommen mit ihrem 14 Böge alten ^inds. Oer Biß schlief so schön. Ich war in Bodss- angst um Mann und l^ind. Wie der Morgen graute, hörte man plötzlich Pfsrdsgetrappsl. Ba kam Bhsmis, ein Sergeant, 3 Beiter und ein Bastard im tollsten Brake, von Omaruru zurück — zur Büke. Bas beruhigte. Sie waren also bis kurz vor Omaruru weitergsritten, als ihnen eine Patrouille von y Mann entgegenkam und ihnen half die Pferds glücklich hereinzubringen. Bis löerero hotten Schanzen gebaut, kurz, es herrschte ein toller Betrieb. Bis sich Bhsmis auf der Station meldete, wurde ihm die Erlaubnis erteilt, sofort nach Okombahs zurückzukehren, und zwar in Begleitung von fünf wohlausgerüsteten Bsitsrn. Bachdem die Pferde schnell krisch beschlagen waren, ging's los in die dunkle Bacht hinaus. Es kam ein schweres Bswittsr. Oer Omaruru rauschte und brauste, ringsum Okombahe. 103 Serero, die von dem Ausritt Wind bekommen hatten und aufpaßten. Zu sechs ging's vorwärts, immer an den Süschen entlang, quer über die Sersroschanzen, durch ihre Lager hindurch. Dechts und links hörten sie das knacksn der Sühne, sahen dunkle Schatten huschen und kamen doch glücklich durch. Immer ärger wurde das Wetter, dazu eins Dunkelheit, daß sie nicht die Sand sehen konnten, die den Zügel hielt. Dabei ging's im Salopp vorwärts, das Sswshr schußbereit, denn es galt ja, hier den Ueberkall zu verhindern. Die ganze pad*) entlang saßen die Serero, überall lauerte der Lod. Dazu der Asgen. Dur beim Schein der IZlitze konnten sie die Dichtung erkennen. Sieben Stunden lang ritten sie so querfeldein, und als der Morgen graute, waren sie hier. Durch Spions hatten die Serero erfahren, wie es hier stand, und da hatte sich Daniel l^ariko noch nicht herangewagt. Cr wartete offenbar noch Verstärkungen ab. Um 6 Uhr spannten wir die Sarrs an und räumten das Wertvollste aus dem Sause nach der Station. Von Mittag bis in die sinkende Dacht wurden Schanzen gebaut; denn die Station war gerade im Umbau begriffen: da fehlten zwei der wichtigsten Sokmausrn. Ich selbst habe mit schwere Steine gereicht, fortwährend kamen und gingen Sotsn. Die Serls hier waren bis zum Code erschöpft, und immer noch hieß es: „Arbeiten; Arbeiten!" Ich hatte mit §rau M. und deren zwei Mindern ein Zimmsrchen. Ihr Mann kehrte von seiner §arm nicht zurück. Cs kamen IZoten, die sagten, er sei erschossen. Dachher stellte sich es heraus, daß alles erlogen war. Lr hat sein ganzes Vieh und seine Pferds verloren. Uns ist bisher ein Ceil des Großviehs weggetrieben worden. In der Dacht blieb alles auf. Morgens gegen 4 Uhr hielten sie sich bereit - kein Daniel Sariko ließ sich sehen. Cs kamen täglich lZriske von ihm an Cornelius, er solle doch mit den Damara mitmachen und die Weißen „abdämpfen". Gleiche lZotschakt schickte Michael von Omaruru. Okt kamen fragen: „lZist du denn noch nicht fertig mit der Sand voll Weißen?" Schöne Aussichten! Wir sind eingeschlossen von den Serero, sie wagen sich aber nicht heran. Mehrere Goten, die wir nach verschiedenen Dichtungen schickten, sind erschossen worden. Dieser Zustand dauert kort. Von Omaruru hörten n paü — weg, Strohs. Wagenkolonne vor dem Haus des ermordeten karmers Ioolt In Ctlro. IÜ4 Der plutstand der tZerero. wir Seschützdonner. Da es ganz eingeschlossen ist, besteht keine Möglichkeit, eine Nachricht dorthin gelangen zu lassen. Cinem Weißen irn §slde haben sie den löals abgeschnitten. Spitzkoppies ist geplündert, Vieh weg, löaus demoliert, der Verwalter ermordet. Sie Hausen wie die IZestien." - Die Weißen Okom- bahes blieben in der zu einer kleinen §sste ausgebauten Station vereint. Ein Nngritt seitens der löersro erfolgte nicht. Der IZerg- damarakapitän Cornelius hielt treu zu den Deutschen,trotzdem seine Stellung gegenüber den Gebellen, die ihn mit Aufforderungen zum Einschluß an den Kuk- stand überschütteten, eins äußerst schwierige war. - Wir kehren nun nach Omaruru zurück, wo sich am 1b. und 17. Januar immer Okombahe. — Der Osten. 105 größere Mengen bewaffneter Herero zeigten. Am 17. begann auch bereits die Plünderung der von den Deutschen verlassenen Häuser. In den nunmehr gut befestigten Kasernen, in deren Nähe auch die Pferde und das Vieh untergebracht wurden, war man kampfbereit, und die Eröffnung der Feindseligkeiten erfolgte denn auch an demselben Lage. AIs nämlich am Dachmittage auf dem XVege von Etiro her das Herannahen einer l^arre gemeldet wurde, auf der sich die Frau des ermordeten Farmers ^oost-Etiro mit zwei Mindern unter dem Schutz des Deservsunteroftizisrs Schneidewind befand, schickte der Barnisonkommandant Stabsarzt Dr. k^uhn den Ankommenden eins berittene und eine §uß- patrouille entgegen. Auf diese eröffneten die Herero ein wütendes Feuer und zwangen sie zum Bückzugs, wobei sie — allerdings vergeblich - versuchten, den Deutschen den Bückwsg abzuschneiden. Zu gleicher Zeit überschütteten die Aebellen die Kasernen mit Feuer, das von der Besatzung kräftig und erfolgreich erwidert wurde. Hier wie später zeigte sich ein Feldgeschütz L/73 von vorzüglicher Wirkung. Unteroffizier Schneidewind, ein hervorragend tapferer, in der ganzen Drupps noch aus dem ersten XVitboikriegs bekannter Mann, wurde ermordet; Frau )oost und die Minder dagegen dem Missionar Dannert übergeben. Am Morgen des 18. erneuerte sich das Bskecht, in dem erhebliche Verluste die Herero zu höchster XVut aufstachelten. Mehrfache Versuche, sich im Dunkel der Dacht den Verschanzungen zu nähern und die Hassrnsn zu stürmen, wurden von der Besatzung blutig abgewiesen, so daß die Bebsllen sich mit der Zeit in größere Entfernung zurückzogen und die von ihnen eingeschlossenen Deutschen lediglich beobachteten. Ein letzter erfolgloser Sturmvsrsuch fand am Abend des 27. Januar statt, nachdem die Besatzung einen Ausfall gemacht und den vollständig überraschten Herero bedeutende Verluste beigebracht hatte. Die Deutschen verloren hier einen Daten und einen Verwundeten. Drotz des unverzagten Mutes der Verteidiger blieb aber doch die Lage der in Omaruru Eingeschlossenen eine höchst unsichere und gefahrvolle. Der Osten. Fern im Osten in der Dähs der Grenze des Schutzgebiets und an der Halaharisteppe hatte sich im Bezirk Bobabis und bei Epukiro schon Die kette Sodabis. Osr Aufstand der löerero. '.Ob frühzeitig — im Dezember 1903 - eine gewisse Unruhe und Raublust unter den löerero bemerkbar gemacht. Infolgedessen wurden von dem Distriktschef von Oobabis, Oberleutnant Streitwolf, bereits im Anfang Januar Maßnahmen zur erhöhten Sicherheit der zahlreichen im Distrikt ansässigen Weißen getroffen, die bei dem späteren Dusbruch des Uufstandss sehr günstig auf die allgemeine Lage im Osten einwirken sollten. So wurden nicht allein die zur Verstärkung der §sldtruppen im IZonüelzwartgebist bereits abgerückten Mannschaften noch im Dezember wieder zurückbeordert, sondern auch am 3. Januar §sld- wsbsl Dach mit sieben Mann nach der Missionsstation Cpukiro zum Schutze der dortigen Weißen in Marsch gesetzt, l^urz darauf begab sich Oberleutnant Strsitwolk mit neun Dsitern auf eins Streife in nördlicher Dichtung, von wo erneute Viehdiebstähle gemeldet waren. Vorher — am 6. Januar — war der Kapitän der lösrero von Sobabis, Draugott, auf dem Platze erschienen und hatte in heuchlerischer Weise seinen energischen IZeistand zur Unterdrückung der Däubsrsisn in Dussicht gestellt. Dls dem Distriktschek auk dem Marsch Der Osten. 107 nach Oparakane eins Horde Berero den Weg verlegen wollte, erkannte dieser den furchtbaren Ernst der Lage und begann unverzüglich, die Ansiedler dieses Gebiets in Epukiro zu sammeln. Nachdem der Ort in Vertsidigungszustand gesetzt war, ritt Oberleutnant Streitwolf mit sieben Mann nach Gobabis zurück. Am 17. )anuar wurde er kurz vor dem Orts angegriffen, doch gelang es ihm nach heftigem Zeuergekscht und unter Verlust der Pferde, sich zur §este durchzuschlagen. Am 21. Januar trafen in Gobabis auch die in Epukiro versammelten 18 Weihen mit 90 dort ansässigen Betschuansn, 20 treu gebliebenen Berero, etwa 400 Stück Groß- und 300 Stück Kleinvieh und 4 Wagen ein. Sie hatten Epukiro verlassen, weil die Wasserstellen von der Station fast 600 m entfernt lagen und sie daher mit lischt glaubten, eine längere Belagerung nicht aushalten zu können. Unter den Weihen befanden sich fünf Angehörige der katholischen Mission. Hurz vor Sobabis wurden auch sie angegriffen, schlugen jedoch nach heißem Gefecht die Berero zurück. Inzwischen war die nur mit dem Unteroffizier Sah besetzte Stuba» Witvlev überfallen und Gah ermordet worden. Als die Hunde hiervon in Oobabis eintraf - am 15. )anuar -, wurde sofort die Station, auk der sich nur wenige Leute unter dem inzwischen aus Epukiro zurückgekehrten §sld- wsbsl Bach befanden, zur Verteidigung eingerichtet und die am Uossob sitzenden §armer durch den Sergeanten Hubitza, der von §arm zu §arm jagte, gewannt. So wurde die Mehrzahl der Ansiedler gerettet. Einigen, so dem Ehepaar OHIssn, gelang es noch im letzten Augenblick und nach scharfem Gekecht mit den anstürmenden köerero, sich nach (Zobabis durchzuschlagen. Am 16. bereits schlössen die Asbellen die §sste ein und beschossen in den nächsten Lagen vorn Bikodemus - Berg aus mehrfach den Platz. Am 22. )anuar war nach dem Eintreffen des Zuzugs aus Epukiro die Besatzung der §ssts 46 weihe Männer stark. Burz darauf wurde die Besatzung der kleinen Station Oas, die überfallen und zwei Lage hindurch beschossen worden war, nach Oobabis herangezogen. Sie bestand noch aus einem Ansiedler, zwei Buren und einem verwundeten Soldaten. Ein Ansiedler und ein Soldat waren gefallen. Auch der in Oas lagernde Proviant wurde durch eine Patrouille unter §eldwsbel Bach gerettet. Die Asbellen zogen sich gegen Ende )anuar aus der unmittelbaren 108 Der Aufstand der Bsrero. Nähe von Bobabis zurück, beobachteten jedoch den Ort dauernd und sperrten die Straße nach Seeis-Windhuk mit starken Tratten. In einem nach Windhuk gesandten Bericht vom 4. Februar meldete Oberleutnant Streitwolk die Vereinigung der gesamten Ostherero unter Braugott und Bjstjo bei Behoro in Stärke von etwa 1000 Mann mit 500 Bewehren. Der Norden. In den nördlichen Bezirken Outjo und Brootfontein war die Lage durch die Anwesenheit einer stärkeren aktiven Gruppe, der 4. Feldkompagnis, eine mehr gesicherte als im übrigen Bamaralands. Zudem saßen hier die Bsrero nicht so dichtgsschlossen wie in den südlichen und östlichen Heilen ihres Landes, und der offensive Seist der Feldtruppe machte sich frühzeitig bemerkbar und hielt viele unschlüssige unter den Bsrero im Zaum. Baum nämlich waren die ersten alarmierenden Nachrichten von den bedrohlichen Vorgängen in Waterbsrg und Okahandja in Outjo bekannt geworden, als bereits am 12. Januar Bauptmann Bliekoth, der Lhsk der 4. Fsldkompagnie, mit 2 Offizieren, einem Arzt, 47 Bsitern und einem Beschütz von Outjo aus in der Bichtung auf Waterbsrg vorstieß. Bin 1b. zersprengte er bei Okanjands eine starke Bsbellenhorde, wobei Feldwebel Blatzsl schwer verwundet wurde, kehrts aber dann auf die Nachricht, daß Outjo von den Bsrero bedroht sei, am 18. dorthin zurück. Bier war inzwischen die Mehrzahl der rechtzeitig gewarnten Farmer mit ihren Berden eingetroffen, andere hatten sich in Otjikondo und Bauas verschanzt und wurden von Outjo aus verstärkt und mit Munition und Proviant versehen. Nur wenige Ansiedler waren der Mordgisr der Bsrero zum Opfer gefallen, unter ihnen der Frachtführer Peter, dessen zwei, Uniformen enthaltende Wagen ausgeraubt wurden. In energischer Weise wurden nun die in der Umgebung Outjos umherschweifenden Banden Aufständischer zersprengt und vertrieben und am 27. Januar ein zweiter Vorstoß unternommen. In Stärke von 4 Offizieren, einem Arzt, 60 Mann und zwei Beschützen rückte die Krupps auf Omaruru vor und traf am 24. am Btanenoberge auf den Feind. Bas heftige Bskscht, das sich entwickelte, schildert ein Mitstreiter, der Berichterstatter der „Bölnischsn Zeitung", folgendermaßen: Das Sekcht am Ltansnoberg. lOd ,6m 28. zogen wir durch ziemlich flaches Land, meist Steppe, an einer von Säumen reizend eingefaßten Vlev (Wasssrloch), die sich wie ein schöner Deich aus- naßm, vorüber nach Otjikango, wo kurz vor einer seit längerer Zeit verlassenen §arm ausgespannt wurde. Line Patrouille unternahm die Erkundung des Btanenobsrges, der sich zucker- hutkörmig aus der Bbene erhebt- Sie bemerkte zahlreiche lösrero, die sich in die von Peters Wagen gestohlenen Uniformröcke gekleidet hatten. Darauf wurde der 6ngriff der am §utze des Serges gelegenen Werkten beschlossen. Um I Uhr nachts am 29. Januar wurde geweckt, um 2 Uhr aufgebrochen. Die Compagnie ritt in einiger Entfernung vom Serge vom Wege ab und gerade auf die nächste Werkt zu. Wir waren bei der Sagage geblieben und kür deren Verteidigung mit verantwortlich; mit der Se- deckungsmannschakt waren 18 Bewehre bei der Sagage. 61s wir an einem freien Platz inmitten des Gebüsches ankamen, hörten wir Bewehr- und Beschützfsuer. Der Sampf war in vollem Bange. Die Compagnie hatte zuerst die südlichen Sänge des Bebirges erkundet und unbesetzt gefunden; an der Sante des Bebirges wurden dann einzelne Serero klusmarick der Lruppen aus vut>o. Osr sslukstand der löersro. tlO und eine Anzahl Kleinvieh wahrgenommen. Zwei Werkten waren iin Gau. Um 6.30 wurde abgesessen. Die Compagnie feuerte in den Gusch hinein; die Gerero erwiderten das Feuer lebhaft. Nach weiterem Vorrücken löste sich die Compagnie in zwei Züge auf. Mittlerweile waren auch die Geschütze in Tätigkeit getreten. Oie Gsrero flüchteten vor ihrem §euer, das sie auf 600 Meter trat, hinter ziemlich hohe Felsen, die, von unserm Galteplatz erkennbar, sich auk der pnhöhs erhoben. Dann sah die Gruppe eins größere Rinderherde, auf deren Spitze, um die löerde abzulenken, eines der Geschütze auf jetzt 200 Meter Feuer gab. Line kleine Abteilung erhielt Gekehl, aufzusitzen, um das Vieh abzuschneiden, sah sich aber genötigt, unter dem Feuer von 25 Gsrero zurückzugehen; in der auk dem Sattel aufgeschnallten Zeltbahn eines der weiter fand sich ein Geschoß M. 7t. Oie Pferde waren bei den Geschützen, vorthin richteten die Aufständischen ihr Feuer. Zuerst wurde der eingeborene Oiener des Oberleutnants v. prmin in das Gnie geschossen; die später herausgezogene Gugel kam aus einem M. 88. Oann erhielt Gauptmann Gliekoth, der sich neben den Geschützen befand, einen Schutz, offenbar aus einem Vorderlader, durch die Schulter. Sein weißer Lordrock war alsbald mit Glut überströmt. Lr blieb einstweilen zu Pferde. Mehrere Mannschaften versichern, daß sie den Schützen, der den Führer traf, als einen bisherigen eingeborenen Soldaten der Compagnie erkannt hätten. Llk solcher Soldaten, Gsrero, waren vor zehn Lagen durchgsbrannt; drei von ihnen konnten wieder eingekangen werden und befinden sich auk der Station in Gewahrsam. Oie Schüsse, die so traten, kamen von hinten. Lines der Geschütze wurde deshalb gekehrt und gab auf etwa 200 Gsrero in einer Lntkernung von 200 bis 300 Meter Feuer, wobei diese große Verluste hatten, va jedoch ein Lsil der Lruppe diese Gsrero angriff, und es schwierig war, den in deutsche Uniformen gekleideten Feind zu erkennen, ließ der Gauptmann zum Sammeln blassn. Line pnzahl Mannschaften unter Oberleutnant Schultze schoß in diesem Augenblick noch mit Lrkolg auf die über die Felsen kletternden Gerero. Osr Feind erwiderte das Feuer zuletzt kaum mehr. Man sah eins Gruppe Gerero nach der Fläche in der Dichtung auf die Gagags fliehen, die somit gefährdet schien. Ver Gaupt- mann gab das Kommando an Oberleutnant Schultze ab, nachdem er die Rückkehr zu der Wasserstelle von Otjikango angeordnet hatte." 5luk beunruhigende Oachrichten aus Outjo kehrte die Lruppe nochmals Sroolfontein. IN dorthin zurück und wurde von nun an in kleineren Abteilungen zum Schutze des Sszirks bald hier, bald dort eingesetzt. Zu weitergehenden Unternehmungen autzerhalb desselben war sie jedoch zu schwach, auch mußten die den Deutschen zum Deil feindlich gesinnten Ovambo und die löottentotten des ßaokokelds um §ranztontein und Zeskontsin dauernd beobachtet werden. Stärkere Erkundungen fanden öfter in die nach Waterberg und Omaruru zu liegenden Deile des IZezirks statt, um Stärke und Stellung der löerero festzustellen. Auch in Orootkontein, wo Oberleutnant Volkmann mit etwa 20 Leitern stationiert war, gelang es dank der umsichtigen und energischen Maßnahmen die kelle in Siootiontsin. dieses Offiziers, die Mehrzahl der Ansiedler zu retten. Die Verhältnisse in diesem nördlichsten und an das Amboland grenzenden Distrikt waren von jeher besonders schwierige gewesen, und dies umsomehr als sowohl löerero wie Ovambo auf das Orootfontein-Oebiet Anspruch machten. Seide übrigens mit Unrecht, wie aus dem Nachstehenden hervorgeht: Die Ovambo hatten bereits um die Mitte des vorigen Jahrhunderts viel unter der Unruhe ihrer westlichen und südlichen Nachbarn zu leiden. Im Westen bildeten die kriegerischen und raublustigen löottentotten des ^aokotelds, die Zesfontsiner und die Zwartbois von Iranzkontein, eine stets Oekahr für die dortigen Ovambo-Stämms, während im Südosten Der Aukstcmd der kZerero. 112 die Serero von der Legend des Waterbergs her in dauernden Vorstößen gegen die Landschaften um Srootfontein und Otavi Esrrain zu gewinnen suchten, was ihnen jedoch gründlich mißlang. In diesen Wirrwarr gerieten die Surenzüge, die um 1874 das Transvaal verlassen hatten und westwärts das Setschuanaland durchziehend unter unsäglichen Strapazen und nach furchtbaren Leiden über den Sgami-Sse die Lüsten des Saokokeldss erreichten. Ihre fasste waren von der portugiesischen Legierung im Jahre 1878 aufgenommen und in Sumpata angesiedelt worden. Sold jedoch kam es zu Streitigkeiten, sowohl mit den Portugiesen wie mit den Eingeborenen, wobei man gerechterwsise die Suren nicht von aller Schuld freisprechen kann. Infolgedessen wurde im Jahre 1884 ein allgemeiner Auszug — ein „Ersck" — beschlossen und die „Vortrecker" zogen unter §ührung des Sändlers Jordan quer durch das Amboiand südwärts. Im Jahrs 1885 erwarb Jordan von dem Ovambo-Säuptling Sambonds ein bedeutendes Ssbist südlich und südöstlich der Etosa-Salzpfanns. löier wurde ein neuer §reistaat, „Sping- tonia", gegründet, dem aber eine nur kurze Dauer bsschisdsn sein sollte, denn nach der 1886 in Omandonga auf Anstiften Dschales, eines jüngeren IZrudsrs Sambondes, erfolgten Ermordung Jordans wurde Srootfontein nach kurzer Zeit von den Suren wieder verlassen, nachdem sie, was bemerkenswert ist, kurz zuvor sich und ihr Gebiet unter den Schutz des Deutschen Seiches gestellt hatten. Im Jahre 1895 wurde Srootfontein von neuem mit Suren besiedelt, und der Distrikt später dem bewährten Oberleutnant Volkmann unterstellt, der seit 1894 ununterbrochen der Schutztruppe kür Südwsstakrika angehört. Wie bereits erwähnt, hatte Samuel (Saharero zwar den Sekehl erteilt, alle Suren zu schonen, dennoch aber lockte der Vishreichtum der im Sezirk Srootfontein ansässigen die Sebellen an und durch zahlreiche Ss- raubungen trieben sie die Suren von ihren §armsn. Oberleutnant Volkmann rückte mehrfach mit kleineren Abteilungen aus, um den Zusammsnzug der §armer zu decken. Sisrbei kam es am 18. Januar auf der §arm Llitkomst zu einem scharfen Sekecht einer 22 (Sann starken, aus Soldaten und Suren bestehenden Patrouille unter Volkmann gegen etwa 200 Serero, die im Anmarsch auf Srootfontein waren. In mehreren wütenden Attacken, bei denen 7 Pferds erschossen wurden, zersprengte Volkmann die Serero und griff dann zu §uß an. Die Aufständischen leisteten kräftigen Widerstand Mit dem Panzerzug zwischen Karibik und Okahandja No.!) einer Originalzeichinmg von C. !)anetzog. (Zrootkontein. 113 und wandten sich erst zur §lucht, als ihr Kapitän Satona, sieben §ührer und über 20 ihrer Krieger gefallen waren. Ruk der Verfolgung wurden zahlreiche Sewehre, Munition und Pferde erbeutet. Dieser Schlag nahm den lösrero die Lust, sich noch ferner im Distrikt Srootfontsin zu zeigen. Sie zogen sich nach Süden, auf den Waterberg zu, zurück und wurden von Oberleutnant Volkmann durch Patrouillen und Auschmann - kiundschaktsr keabachtet. lm Distrikt Srootkontein v^a? den Rebellen nur Sie ntsins Station Otjituo durch den Verrat eines eingeborenen poichistsn in die stände gefallen. Dach tapferster Gegenv/khr fanden hier am Tags des Gefechts bei Llilkomst ein Linlsrofkizisr und drei Reite? den Reiben tod. - in. Laute der Seit hatten sich in Kroatkonisin slwa 2k»6 Weifte ue- samnleit: der Ort wa stark irskeftigt worden und man konnte mit einiger 114 Der SufstcmL der Serero. Nuhe in die Zukunft sehen, trotzdem aber blieb die Lage eine überaus gefahrvolle, und man war gezwungen, nach zwei Seiten Front zu machen, nachdem der Nechale-Stamm der Ovambo einen Lingrikk auf die kleine, nur mit dem Sergeanten Orohmann und 4 Leitern besetzte Station Namutoni am Ostende der Stosa-Salzpfanne gemacht hatte. Llm 2. Februar nämlich, gerade als die Sesatzung Namutonis den IZekehi erhalten hatte, sich nach Oroottontein heranzuziehen, wurde plötzlich der Anmarsch einer großen Ovambohords gemeldet. Die Sesatzung hatte kaum Zeit, sich auf den festen Lurm zurückzuziehen, als bereits 600 Ovambo unter Kapitän Nschale in die Station eindrangen und zu plündern begannen. Das Feuer der fünf tapferen jagte sie zurück, und bald darauf begann der Nngrikf auf den Lurm, der mit einem Saget von Osschosssn überschüttet wurde. Dann folgten mehrere Sturmvsrsuche, die unter dem wohlgszielten Feuer der Deutschen zusammenbrachen. Nls über 100 Leichen den Kampfplatz bedeckten, zogen die Ovambo gegen Nbend ab, und die deutsche IZssatzung, die sich fast ganz verschossen hatte, konnte sich nach (Zroottontsin retten. Die Ovambo unternahmen in der Folgezeit zwar keinen neuen Angriff, bildeten aber doch durch ihre unsichere Saltung eine dauernde Oefahr für die in (Zrootkontein versammelten Weißen. Den „Seiden von Namutoni" ist es neben der umfassenden Lätigksit des Oberleutnants Volkmann zweifellos in erster Linie zu verdanken, daß sich nicht Massen deutschfeindlicher Ovambo im Februar 1004 den Serero anschlössen. V^aterbsrg. Sin schwerer Schlag für die deutsche Sache war die Ermordung sämtlicher deutschen Männer in Waterberg. Sier hatte die unsinnige Kauflust der Serero kurz vor dem Nusbruch des Nufstandes in Okahandja zwar bereits den Verdacht der Weißen erregt, und der Stationschef, Sergeant Nademachsr, hatte hierüber nach Windhuk berichtet - dennoch aber blieb bis zum 14. Januar alles ruhig. Nn diesem Lage aber stürzten sich die Mordbuben auf die deutschen Männer, von denen, außer dem Missionar Sich, nicht einer ihren Seulsn entrann. So wurden in den Säusern, auf der Straße und am Neubau des Stationsgebäudes zwei Unteroffiziere, drei Neiter und sieben Zivilpersonen erschlagen. Zu erfolgreicher (Zegenwehr kam es an keiner Stelle. Wsilsrs Mordtaten der ksrsro. IIS Weitere Mordtaten der köerero. Mit bestialischer Orau- samkeit und Heimtücke wurden ferner 12b Weitze — tast ausschließlich Deutsche — an folgenden Orten ermordet: In Okatjongsama, Oka- sands, Omarasa (Distrikt Orootfontein), in pala- fontein, Savannes, Has- saneirob (Dezirk Outjo), in Spitzkoppje, bei Okombahe, am Dossob, in Otjosasu, Omburo, Otjiseva, Hlein-IZarmen, Lnsv - Divier, Grauen- stein, Oviombo, bei Okasise, in Okanatje- kums, Habis, Okahandja, Hersomorob.bei Ctiro, bei Omaruru, in Okatjapia, Otjimbing- we, Otjituesu, Otjison- gati, Hamakari und an zahlreichen anderen Orten, deren Damen zum Deil unbekannt geblieben sind. Was den Herero hier an Waffen und Munition, an Proviant, Kleidern, Handwerkszeug, an Lattslzeug, Wagen und Harren, Pferden und Vieh in die Hände kiel, verstärkte die später von ihnen bewiesene Widerstandskraft in hohem Matze. Die (Zärten und sonstigen landwirtschaftlichen Dnlagsn Station Spitzkopse. Der Llukstcmd der öersro. Nb der Stationen und Farmen wurden in vandalischer Weiss vernichtet, die Gebäude zerstört und verbrannt, der Sausrat zerschlagen und umhergestreut. So boten alle Orte, an denen die Mordbrenner gehaust hatten, das traurige Bild entsetzlichster Vernichtung und grauenvollster Verwüstung. Dn vielen Orten wurden die Leichen der Ermordeten noch Wochen nach dem Dode unbegraben aufgefunden. Die Liste dieser Opfer des Ssreroaukstandes enthält die Llnlage 1. Oljimbingwe. Llm spätesten brach der Llukstand in Otjimbingws aus, wo der alte, schwache und durchaus friedliebende Säuptling Zacharias Zeraua gern ganz Duhe gehalten hätte. Dennoch wurden die Farmen in der LImgegsnd ausgeplündert, und als am 23. Januar die falsche Nachricht vom Dnrücken deutscher Druppen von Saribib her kam, konnte Zacharias seiner durch Sendboten des Okahandja-Stammes bereits erregten jungen Leute nicht mehr lösrr werden und floh mit seinen Frauen in die Serge. Die Sersro eröffneten nun die Feindseligkeiten und erschlugen den Llnsisdler I^ronewitter. Die in Otjimbingws versammelten 35 Deutschen hatten sich bereits unter dem Kommando des Leutnants a. D. von Franksnberg in dem vorzüglich gelegenen, durch Mauern und steinerne (Zebäuds abgeschlossenen Gehöft der Familie Sälbich verschanzt. Die weniger günstig gelegene alte Militärstation hatte verlassen werden müssen und wurde von den Serero ausgeplündert. Sin energischer Llngriff auf die Deutschen fand übrigens nicht statt; die Aufständischen begnügten sich vielmehr damit, ab und zu aus grötzsrer Entfernung mit den Wachen Schüsse zu wechseln und Vieh zu stehlen. Sisrbsi wurden sie sinigsmals von der IZssatzung unter empfindlichen Verlusten in die Flucht gejagt. Doch im Januar zogen sie dann nach Osten in das l^omashochland, ein wildes, unwegsames und wenig bekanntes Gsbirgs- visreck, in dem sich Räuberbanden noch ^ahr und Dag gehalten haben. Dm t4. Februar befreite die Llnkunkt der Kolonne des l^apitänleutnants Gygas vom „Sabicht" Otjimbingws von den letzten Plagegeistern, die sich allerdings nur noch oeobachtend verhalten hatten. — Lluch die nördlichen Dsile des an das ßomashochland grenzenden Gastardlandss waren stark gefährdet, nachdem die Gastards sich kür die deutsche Sache erklärt hatten. Die Farmen an der Grenze und das Gestüt Dauchas wurden durch Dnsisdisr und Gastarde gedeckt. 117 ver Zug des Oberleutnants von Züloxv. Am 12. Januar, demselben Lage, an dem von XVindhuk aus ein vergeblicher Versuch zum Entsatz Okahandjas gemacht wurde, hatte zu gleichem Zweck Oberleutnant von Zülow mit Leutnant d. A. Osswald, Stabsarzt Dr. Jakobs und 60 Mann in einem Zuge Swakopmund verlassen. Am 13. wurde ßaribib erreicht, dessen nachhaltige Sicherung der Eisenbahn-Asparaturwsrkstättsn und des mannigfachen dort lagernden Materials wegen besonders dringlich war. Der Distriktschsk, Oberleutnant der Landwehr Fuhr», trat erst später von Omaruru her ein, um das Kommando in ^aribib zu übernehmen. In Omaruru war, wie eine unter dem Leutnant d. A. Schluckwerder am 13. in l^aribib eintreffende Patrouille meldete, noch alles ruhig. Oberleutnant von Zülow traf alle zur nachhaltigen Verteidigung des wichtigen Platzes notwendigen Matznahmen, wozu etwa 40 Mann zur Verfügung standen, und verließ an demselben Lage den Ort in Dichtung auf Okahandja, nachdem er seine Lruppe auf rund 100 Mann gebracht hatte. In lohann-Albrschtshöhs verstärkte sich die Abteilung um weitere 8 Mann und den Landmesser Leutnant d. Aes. Steffen, die sich vor den köerero hierher geflüchtet hatten. Die Stationen Wilhslmsta! und Okasise wurden zerstört vorgefunden, vor dem Oebäuds der letzteren lagen die ermordeten Deutschen köerrmann und Uhlhorn. Ueber Okasise hinaus war die Verständigung nach rückwärts unmöglich infolge nachhaltiger Zerstörung der Lelephonleitung. Die IZahnstrecks, ebenfalls stellenweise zerstört, lieh sich leicht reparieren. Von nun an kehlte lange Zeit hindurch - in Swakopmund bis zum 22. Januar — jede Nachricht über den Verbleib und das Schicksal der Kolonne Zülow. IZald hieß es, sie werde in Waldau von den lösrero umschlossen gehalten - bald. sie sei, bei Okahandja zurückgeschlagen, im Aückzug auf ßaribib und endlich sogar, die lösrero hätten sie zum größten Leil vernichtet und die Neste zersprengt. Allen diesen, augenscheinlich von den löerero verbreiteten (Zerüchten zum Lrotz hatte Oberleutnant von Zülow seinen Vormarsch energisch fortgesetzt. Schon am 13. abends traf er in >Valdau ein. Er fand die Station im Vsrtsidigungszustand und konnte die Entsatztrupps wiederum durch Sahnangsstellts, geflüchtet« Ansiedler und 14 Mann, die bereits am Lage Der Susitand der löerero. 118 zuvor von ßaribib in Waldau eingetroffen waren, verstärken, Bier zeigte sich auch zum erstenmal der Feind in stärkerer Zahl: Die bis nach Okahandja sich hinziehenden Sähen waren von den Ssrero besetzt, die Eisenbahn stark zerstört. Mit dem Oegner wurden die ganze Nacht hindurch Schüsse gewechselt. Ueber den weiteren Verlauf der Expedition berichtete Oberleutnant von Zülow aus Okahandja unter dem 19. Januar: »Waldau, 14. Januar. Morgens in aller Frühe sende ich eine zehn Mann starke Patrouille zu §uh auf das zwei Stunden entkernte Okombahs, wo Ansiedler Wecke nebst 17 Suren auf Entsatz warten sollen. Spät nachmittags kehrt die Patrouille zurück. Wecke und die Suren hatten sich bereits zu Pferds und mit Ochsenwagsn geflüchtet. Okombahs war vom Feinde besetzt. Letzterer lieh unsere Leute bis auf 150 m herankommen und eröffnete alsdann das Feuer. Das Feuer wurde erwidert, wobei ksind- licherseits zwei Mann fielen. Diesseits waren keine Verluste. 8 Uhr vormittags geht ein Zug unter Veterinärrat Sickmann längs der Sahnlinie zur Erkundung vor. Es werden bewaffnete Ssrero getroffen, von denen einer im Fsuergekecht fällt. Dach etwa drei Stunden kehrt dieser Zug zurück, da inzwischen in Waldau auf herumstreifende Ssrero heftig geschossen wird. Abends werden von dem Zuge des Leutnants der Ssservs Oswald noch zwei Ssrero erschossen. Der andere Lsil der Eruppe hatte schweren Arbeitsdienst durch Serstellen des gedeckten Eissnbahnzugss und Einpacken sämtlicher auk der Station befindlichen Stücks. Vor allem wurde das Maschinenpersonal äußerst angestrengt. In der Sacht fortwährend Beunruhigung durch feindliche Patrouillen. 15. Januar. Die Station Waldau wird von mir aufgehoben, da sie zu gefährdet ist. Morgens 5 "2 Uhr Abfahrt nach Okahandja. Unterwegs muh die Sahn viermal repariert werden, davon zweimal in heftigem feindlichen Feuer. Eine Brücke war durch Dynamit gesprengt, drei Serero werden erschossen. Etwa 11,2 km vor Okahandja erstes Feuer aus starken feindlichen Schützenlinien, von allen Seiten, das aus dem gepanzerten Zuge erwidert wird. Es entsteht durch das Fehlen eines Joches, das wieder von uns eingefügt werden muh, eins halbe Stunde Aufenthalt. Die Arbeit wird während heftigen Feuers ausgeführt. Ein Zug schwärmt zur Deckung der Zülow in Okahandja. IIY Arbeiter aus. Um 11 Uhr fährt der Zug, der die deutsche Flagge führt, langsam in Okahandja ein. Sier entspinnt sich ein äußerst hitziges Gefecht, die Ltationsbesatzung greift wirksam mit ein. Der erste Zug und ein Lleil des zweiten (etwa 60 Mann) begeben sich sofort nach der Station, der andere Ueil erhält von mir den lZetehl, den Gahnhok und den Zug unter allen Umständen zu halten. Sei dem weiteren Oekecht kiel der Arbeiter Stockamp aus karibib. Cr erhielt einen Schuß in den Unterleib. Der Gingeborens )acob erhielt einen Schuß oberhalb des linken Ohres. Vie Kugel konnte bisher noch nicht entkernt werden. Den lZahnhok gebrauchte ich als zweiten Stützpunkt, ferner um die Sahnlinie nebst Grunnsn halten zu können und um den Lisenbahnzug in meinen Sünden zu behalten, Auk dem Zugs befanden sich etwa 50 000 Patronen sowie unentbehrliche IZsklsidung. 12 Uhr vormittags ist alles besetzt, kein Mann verwundet. Letzteres muß ich fast als ein Wunder bezeichnen. Ich übernehme sofort das Kommando am Platze. Der Feind schießt bis in die Nacht hinein noch ziemlich heftig. 16. Januar. Morgens wird das feindliche Feuer erst spät eröffnet. Ich teile sämtliche Mannschaften in eine Sesatzungstruppe und in eine §eld- truppe ein. Falls letztere in Tätigkeit tritt, übernehme ich die Führung, während Oberleutnant der Aeserve Zisgler so lange die Sesatzung befehligt. Nachmittags werden die umfassendsten Maßregeln kür die Grundhaltung der beiden besetzten Stationen getroffen. Ich hoffe, daß durch diese, trotz der engen Selegung, ansteckenden Krankheiten vorgebeugt wird. Zier befindet sich noch Oberarzt Dr. Maaß. Der Gesundheitszustand ist bis jetzt zufriedenstellend. 17. )anuar. Am 17. werden beide Stationen in besseren Vsrteidigungs- zustand gesetzt, was dadurch erleichtert wird, daß der Feind sich schon am vorhergehenden TIage aus Okahandja nach den 800 bis 1200 m entkernt liegenden Sähen zurückgezogen hat. jedoch können die Arbeiten sowie das Verlassen der Stationen nur mit der größten Vorsicht erfolgen, da der Feind sehr wachsam ist. Ctwa um 7 Uhr abends kam Frau Lange mit zwei Kindern ganz erschöpft bei der Station an. Sie war seit vier ^agen unterwegs gewesen. Ihre Angehörigen wurden in ihrer und der Kinder Gegenwart mit kirris totgeschlagen, sie selbst durch einen Schlag auf den Kopf betäubt, so daß die Sersro glaubten, sie sei tot. Unterwegs nährte 120 Der bufstand der bersro. sie sich nur von §sldkost. 51m dritten Lage wurde sie eingesungen und auf die bauptwerkt von 5issa biarua auf den Kaiser Wilhelmberg gebracht, bur durch die bitte einer Eingeborenen wurde sie nicht getötet. Abends kam der Einsiedler brems, der seit ungefähr fünf Eagsn flüchtig war. 18. Januar. Erneuerung des gedeckten Eissnbahnzuges und Zumauern des großen §sstungstores. §rüh morgens bat ich den Missionar viehl auf die Station. Er erschien unter dem Schutze der weißen §laggs. Viel war von ihm nicht zu erfahren; ich gab ihm ein an den Kapitän Quanja gerichtetes Schreiben mit. Quanja hat es wohl nicht erhalten, da der Missionar auch §eusr erhielt. 51m 19. Januar morgens 7 Uhr Abfahrt von 100 Mann §eldtruppe in der Dichtung nach Windhuk zur Erkundung der Bahnstrecke. Es wird festgestellt, daß am Südausgang von Okahandja in einer Längs von 200 m die Eisenbahn aufgerissen ist. burz vorher wird wieder im feindlichen §euer ein fehlendes Joch eingebaut, L>a ein weiteres Vorgehen unmöglich, lasse ich zwei Züge ausschwärmen und den weit ausgedehnten Ort absuchen, um noch alles brauchbare, namentlich Munition und Lazarsttbeständs, zu retten. Dies geschieht, während der §e>nd nur mäßig feuert. Nur als die Erupps in die bähe des battsrisgebäudes kommt, wird heftig geschossen. Das auf dem Platze befindliche Dynamit ist hierbei auch in unsere bände gelangt. Wie ich schon bemerkt, sind vorläufig Operationen meinerseits unmöglich, da weder Pferds noch Ochssnwagsn zur Verfügung stehen. Ich warte daher auf die beschütze des „babicht". Die lösrsro und baffsrn sind reichlich und gut bewaffnet. Die Eingeborenen haben viel Vieh und Proviant, da sie den Weißen alles geraubt haben; ein langer §eldzug wird uns also bevorstehen. Es regnet hier tagtäglich in Strömen, und ich glaube, daß dadurch die Eingeborenen sehr viel an Lungenentzündung zu leiden haben werden. Dies könnte den brieg vielleicht etwas abkürzen. Das Verhalten sämtlicher Offiziere und Mannschaften, die mir jetzt unterstellt sind, ist in jeder Weise tadellos; der Mannschaftsbestand besteht zu neun Zehnteln aus bsssrvistsn und Landwshrleuten I. und 2. Llufgebots." Der Versuch, am 20. Januar mit dem panzsrzuge nach baribib vorzudringen, mißglückte, da die große, 20 m lange Eisenbahnbrücke westlich Waldau zerstört war. Die bsrero griffen die 70 Mann starke besatzung Zülow in Okapo.ndja. 121 SÄ Ei;- ÄW des Zuges an, die 4 ^ote und 4 Verwundete hatte, während die losketten 50 Hote verloren. Vorstötze nach allen Dichtungen, besonders gegen Osona, füllten die nächste Zeit aus. 5Us die sichere Nachricht von den erfolgreichen dämpfen der Expedition 122 Der Aufstand der fZerero. von Zülow und von ihrem glücklichen Durchbruch nach Okahandja sich verbreitete, ging es wie ein flutatmsn durch das ganze Schutzgebiet. War es doch die erste günstige Nachricht, der erste große Erfolg gegenüber den Ssrsro! _ Das Eingreifen S. M. S. „Habicht". Wie bereits erwähnt trat der „Sahicht", von Kapstadt kommend, am 18. Januar vor Swakopmund ein. Er hatte die 72b Seemeilen betragende Strecke trotz schwerer See in etwa 89 Stunden zurückgelegt! Schon während der §ahrt wurden alle Vorbereitungen getroffen, um das Landungskorps sofort verwendungsbereit in der Sand zu haben. Der amtliche IZericht sagt hierüber: „Die Ausrüstung jedes Mannes bestand aus: 1 Llrbsitsanzug, 1 blauen Llnzug, 1 Stell Unterzeug, 2 paar Strümpfen, schwarzen Schuhen mit 6a- maschen, Segeltuchschuhen, Tropenhelm, §eldtlasche, Vorratstasche mit Wasch- utensilien, 2 wollenen Decken und Unterlage. Dazu kam noch eine eiserne Portion (Saribrot und Süchssnwurst), I Päckchen Verbandzeug zur ersten Silkeleistung. Lln Munition trug der Mann bei sich: 120 Patronen. §erner waren vorgesehen: 4000 Patronen für das Maschinengewehr in Gurten, 1170 Patronen für jede der beiden mitzunehmenden I^evolverkanonsn und als Reserve 6400 Sewehrpatronen sowie 3200 Patronen für das Maschinengewehr .... Proviant kür einen Monat war bereitgestellt, die Seitengewehrs geschärft. Llls letztes wurden die l^ucksäcke gepackt" Die Lage im Schutzgebiet war bei Eintreffen des Kanonenboots eine höchst unsichere. Llus Okahandja, von der Kolonne von Zülow und aus dem Norden kehlten neuere und bestimmte Nachrichten vollständig, und aus dem Süden war nur das Gerücht laut geworden, dah die 2. §eldkompagnie auk dem Rückmarsch nach Windhuk begriffen sei. Wenn diese Nachricht, wie anzunehmen, auch zu den Serero gedrungen war, so konnte man damit rechnen, dah sie die größten Anstrengungen machen würden, um noch vor dem Eintreffen der Eruppen aus dem Süden Erfolge zu erringen. In Erwägung dieser Sachlage traf der Kommandant des „Sabicht", Korvettenkapitän Gudewill, nachdem er für den noch im Süden des Schutzgebiets weilenden Gouverneur den Oberbefehl übernommen hatte, rasch und energisch Das Lingreiken S. M. S. „löabicht". 123 seine Maßnahmen. Die nächsten Ziele waren: Verstärkung, beziehungsweise Gntsatz der Abteilung von Zülow, kalls sie, wie die Gerüchte besagten, in der Hat in Waldau eingeschlossen war, und die Wiederherstellung und Sicherung der Gisenbahn. Diese war, nachdem die Expedition Zülow die Strecke passiert hatte, hinter dieser von den Gsrero und durch schwere und anhaltende Wolkenbrüche wieder zerstört worden. Der Iührer der Lruppen, deren Jährt nach ßaribib wir schon früher verfolgt haben, erhielt den Gskehl, lzaribib zu sichern und die Verbindung mit Swakopmund aufrecht zu erhalten, «weitere Unternehmungen jedoch, wenn nicht dringend geboten, in Anbetracht der geringen Stärke des Landungskorps zu unterlassen." Ueber die Tätigkeit unserer tapferen unermüdlichen Matrosen und über die Lage in Izaribib sei anschließend der lebensvolle Gericht eines Mitstreiters*) gegeben. „Schon von Izubas ab hatte der Gegen am löimmsl gehangen, ohne daß er sich jedoch entladen hätte. Weiße Wolken lagerten, tief hsrab- gsssnkt, den Gsbirgszügen seitwärts der Gähn vor. lzurz vor l^aribib durchbrach die untergehende Sonne noch einmal die Wolken und ließ zuerst einige Gsrgpartien und dann auch den freundlichen Ort mit seinen hellen, reich beflaggten Gäussrn aus der blaugrausn Gsgenlukt greifbar hervortreten. Ein Gsgenbogen stieg gerade über ßaribib empor und verschwamm in dem dunklen Gewitterhimmel. Auf dem Gahnhok war ganz lzaribib versammelt. Die Gssatzung, das heißt käst die gesamte männliche Bewohnerschaft des Platzes und der Umgegend, sowie die vor einigen Lagen von Swakopmund abgesandten Mannschaften, war unter dem Kommando des Distriktscheks, Oberleutnant Fuhn, angetreten. AIs Offiziere befanden sich ferner dabei die Geserve- leutnants Gauber, Laubschat, Lsutnsgger, einer der Ingenieure von der Otavibahn, Schweizer von Geburt, der sich jedoch kür den Dienst zur Verfügung gestellt hatte, und Okfizierdisnst-tuend Vizsfeldwsbsl d. G. jlhristsnsen. Von den Mannschaften hatte mancher in der Landsturm-Abteilung aus der Montisrungskammer wohl keine Uniform mehr erhalten können und stand da in Gsihe und Glied mit den Uniformierten in seinem bürgerlichen Meide. '> Nus der Deutsch-SüLwestasrikanischen Zeitung vorn 2. 2. IS04. 124 Der Aufstand der sbersro. nur durch das Bewehr in der Band anzeigend, daß er jetzt auch zur bewaffneten Macht gehöre. Man rückte in die kür den Augenblick geschaffene Befestigung ein. Das Bahnhofsgebäude von Saribib ist ein ansehnlicher, etwa 55 in langer Bau in der Bichtung von Osten nach besten sich erstreckend. Die breite Bordfront ist dem Bahnkörper zugewandt, die Südkront der einzigen Straße des Orts. Berade vor dem Bahnhof erweitert die Straße sich halbkreisförmig zu einem Platze, an dem die drei Bastwirtschaften von Sahl, Bubien und Bössmann liegen. Die Baulichkeiten dieser drei Wirtschaften, das Bahnhofsgebäude und der von diesen Bäusern umschlossene Platz ist zu der §sstung gestaltet. Von den beiden Enden des Bahnhofsgebäudes aus ist je eine aus Proviant- und Bandsäcken und mit Band gefüllten leisten gebildete mannshohe Mauer quer über die Straße gezogen und mit vorgelegtem Oornsngssträuch verstärkt; desgleichen sind die dem Bahnkörper zugewandte Veranda des Bahnhofsgebäudes und die nach dort und nach den Seiten bslegsnsn §snster mit solchen Säcken bis zu Mannshöhe geschützt, und auf der entgegengesetzten Seite vor den Hinterfronten der drei Wirtschaften ist im freien §elde ein Stacheldrahtzaun mit Braben angelegt. Nur je ein schmaler Zugang ist an den beiden Seiten des Bahnhofsgebäudes gelassen. Innerhalb dieser Umwallung, an die freilich an verschiedenen Seiten anders Bäuser des Orts nahe herantreten, ist ganz Saribib vereinigt. Die Bäume der Wirtschaften und des Bahnhofsgebäudes dienen den Mannschaften und den am Platze befindlichen §amilien und sonstigen Weitzen als Unterkunft. Mehrere Zimmer in dem Bubisnschen Sause sind zum Lazarett eingerichtet. Außerhalb der Umwallung ist wohl nur die ffamilie Bälbich in ihrem festen Wohnhause verblieben, bei der ich freundliche Aufnahme fand. Ein buntes Leben war am Vormittage des Eages, nachdem die Marine-Abteilung eingerückt war, innerhalb der Umwallung zu beobachten. Bier waren die Matrosen in Zügen angetreten, dort die Saribiber und Swakopmundsr Mannschaften. Broße Leinwandpläns waren am Boden ausgebreitet und mit Baker überschüttet, dem §utter kür die im kreise darum stehenden, scharrenden, wiehernden, nach einander schnappenden und einander wohl auch schlagenden etwa 50 Pferde. In der Mitte des Platzes siedete in großen Sesseln der Sakkes, das unentbehrliche Labe- kabnäurckiticb bei Station Piorte. 126 Der Gukslcmd der löerero. mittet des afrikanischen Reiters, Gier stand auch mit gefesselten bänden und stumpfsinnigem Ausdruck in dem auch nicht einen sympathischen Zug ausweisenden Gesicht, von einem Soldaten bewacht, ein befangener, der der Teilnahme an der Ermordung des Streckenwärters Lehmann überführt war. vas Urteil über ihn war gesprochen; um 3 Uhr nachmittags sollte er durch den Strang vom Leben zum Eods befördert werden. Ein und wieder blieb ein Vorübergehender stehen oder es bildete sich eins kleine Gruppe um die häßliche schwarze Gestalt. lZoten und Ordonnanzen gingen hin und wieder, Gruppen traten zur Gesprechung zusammen und teilten sich. 6m Morgen war angeordnet worden, daß die §rauen und Finder noch an demselben Vormittag mit der Eisenbahn nach Swakopmund befördert werden sollten. Wenig beglückt nahmen die meisten der Getroffenen den Gefehl entgegen. Soweit kleine Finder am Platze waren, denen mit Rücksicht auf ihren Gesundheitszustand die Ueberkührung nach dem rauheren Flima Swakopmunds nach ärztlichem Gutachten hätte schädlich werden können, durften sie mit den Müttern denn auch am Platze verbleiben. Die anderen fuhren gegen Mittag mit hinreichender militärischer Gedeckung nach Swakopmund ab, wo sie denn auch, wie hierher gemeldet wurde, am folgenden Eags glücklich eintrafen. Was die Friegslags anbelangt, so war es noch nicht gelungen, über das Schicksal der Abteilung von Zülow und das Schicksal Okahandjas irgend etwas zu erfahren. Ein eingeborener Gots hatte, durch Aussetzung einer ansehnlichen Gelohnung veranlaßt, es unternommen, sich nach Okahandja durchzuschleichen. Er war von den löerero abgefangen und mit dem Lade bedroht worden, wenn er noch weiter ginge. Oaß er nicht getötet wurde, hatte er nur der List zu verdanken, daß er angab, er sei in Faribib gefangen gewesen und es sei ihm gelungen aus dem Gefängnis zu entkommen. va dies früher tatsächlich schon einmal der §all gewesen war, schenkten die löerero, denen dies bekannt war, der Angabe des Goten Glauben. Nach diesem mißglückten Versuch verfingen alle Versprechungen um das vielfache erhöhter Gelohnungen nicht, noch einen Eingeborenen zu dem gefährlichen Gotsngange zu bewegen. Ein solcher Spähsrgang erfordert die Fenntnis des Eingeborenen vom Gelände, die Gekanntschakt mit der §eldkost, die vollkommene Vertrautheit mit den Gewohnheiten des §sindes, wie sie einem Weißen nur in Aus- Das Lingreiksn S. M. S. „babichl". 127 nahmekällen einmal zu Oebote stehen werden. Es kommt vor, datz der eingeborene Späher einen ganzen Lag und länger an einer Stelle bewegungslos liegen bleibt, um den günstigen Augenblick abzuwarten, in dem er eine Unaufmerksamkeit des ihn umgebenden §eindes benutzen kann, um hindurch- zuschlüpken. So kann die Erreichung des Zieles sich lange hinziehen und währenddessen ist der Späher, der sich mit allzuviel Proviant nicht belasten darf, auf §eldkost angewiesen: die Wurzeln, die der lZoden ihm bietet. Ausgezeichnete Späher hat es unter den IZastarden gegeben, bei denen die Landsskenntnis des Eingeborenen sich mit der größeren Intelligenz und dem größeren Mut des Weißen vereinigt, namentlich unter den älteren, in den unaufhörlichen kriegen der verschiedenen Stämme aufgewachsenen Leuten. Durch eine starke Patrouille eine Aufklärung nach der Abteilung von Zülow und nach Okahandja hin zu versuchen, erschien der Srisgs- leitung mit Aufsicht auf die dadurch bedingte sehr erhebliche Schwächung der Verteidigung von Saribib aber wohl unzulässig. Die lZesatzung von Saribib hatte bis zum Eintreffen der Marine- abteilung durch patrouillenrsitsn bereits funk Mann an Lotsn, Verwundeten und Vermißten verloren; sämtliche Verluste hatten an einem und demselben Lage, Sonnabend, den 16. )anuar, sich ereignet. Der Lierarzt Sempn^, der Leiter der bei Okatjimukuju, 15 km von Saribib gelegenen, jetzt vollständig demolierten bakteriologischen Station, war auf dem Aitt nach dieser Station aus dem Sintsrhalt erschossen worden, der zweite Aeiter der Patrouille, (Zanzhorn, wird vermißt, nur der dritte, Leutnant d. A. Sauber, dessen §arm Okakoara von den Serero geplündert worden ist, kam von dieser Patrouille nach Saribib zurück. Von der zweiten, aus zwei Aeitern bestehenden Patrouille, die nach der Saribiber Pforte hin aufklären sollte, kehrte auch nur ein Aeiter, aber verwundet, zurück, der (Zastwirt und §arm- besitzer Aösemann. Er hatte zwei Schüsse in den Arm erhalten und befindet sich jetzt im Lazarett, glücklicherweise auf dem Wege der Sesssrung. Der andere, namens Schröder, wurde erschossen. Die Leiche ist noch nicht aufgefunden. An demselben Sonnabend kam auch der ehemalige Sergeant Dietrich von seinem kühnen Aitt nach Windhuk zurück und wurde bei der Saribiber Pforte verwundet. Die Verwundung, die anfangs sehr bedenklich aussah, scheint zu allgemeiner §rsude sich besser anzulassen, als man glaubte hokken zu dürfen. 128 Der Aufstand der Sersro. Größere Massen von Serero sind offenbar bisher in der Nähe von Karibik noch nicht versammelt; nur einige kleine Landen scheinen längs der Eisenbahnlinie ihr Wesen getrieben zu haben. Nachdem das Marinekommando in l^aribib eingetroffen war, wurde das Augenmerk zunächst darauf gerichtet, die Eisenbahnverbindung sicher zu stellen, damit die später zu erwartenden Verstärkungen ohne Verzug auf den Kriegsschauplatz geworfen werden könnten. Das Kommando über den Platz übernahm l^apitänisutnant lZ^gas. Noch am Mittwoch, den 20., nachmittags ging eine Abteilung hiesiger Mannschaften und Matrosen mit einer Anzahl Oekangener als Arbeiter und mit Schanzzeug ausgerüstet in drei Esellowr^s auf der Strecke nach Okat- jimukuju vor. An mehreren Stellen waren Eisenbahndamm und (Ziehe unterspült und muhten aufgeschüttet und gestopft werden. Auf der Station Okatjimukuju wurde das Stationsgebäude demoliert gefunden. Vom §einde wurde nichts bemerkt. Am nächsten Morgen, Donnerstag den 2l., g Uhr wurde in einer gröheren Abteilung mittels Eisenbahnzuges unter §ührung des Leutnants z. S. tösrmann wiederum aufgebrochen; bei dem Zugs befand sich auch Baumeister Laubschat. Da möglichst weit vorgedrungen werden sollte, wurde eins auf einer Lowr^ montierte Devolver- kanone mitgeführt. Der Zustand der Bahnstrecke lieh den Zug aber nicht weit kommen. Bereits die gestern ausgebesserte Strecke war durch den über Dacht gefallenen Degen stellenweise wieder beschädigt, konnte indessen mit leichter Mühe wiederhergestellt werden. Um 8 Uhr hatte der Zug die Station Okatjimukuju, um ch/2 die Station Otjimukoka (Johann Albrschrshöhe) erreicht. Auch die letzte Station war ebenso wie Okatjimukuju vollkommen demoliert. Einige beim Zugs wußten von der Zerstörung der etwa */, Stunde entkernt liegenden Gebäude der Gebirgs- oatteris zu erzählen. Sie waren dort gewesen, hatten aber nur drei Bsrero angetroffen, die sich schleunigst flüchteten. Auch nur wenige Spuren wurden gefunden, sodah scheinbar Otjimukoka und die Batterie- gebäude, die seit dem Abmarsch der Batterie nach dem Süden ja leer standen, durch kleine Banden ausgeraubt worden sind. Sinter Otjimukoka, wo man auf den Schienen zwei Lowr^s fand, mit denen die Eingeborenen heruntergskahren sein muhten, gab es wieder an verschiedenen Stellen hintereinander Ausbesserungen der Strecke, bis bei §orm vöbra. F, Das Eingreifen 3. M. 5. .löabichl'. I2d 223,5 km, wo die Dahn eine nach beiden Seiten kaum merklich ansteigende weite Fläche durchschneidet, die Unterspülungen eine solche Ausdehnung annahmen, daß zwei Stunden hintereinander fortgesetzt gearbeitet werden mutzte und der Zug nur schrittweise, so wie die Ausbesserungen vor sich gingen, nachfolgen konnte. Dach Ueberwindung dieser sich auf etwa l >/» km ausdehnenden Strecke kiel ein gewaltiger Oewitterrsgen ein, der die eben vollendete Arbeit wieder zu zerstören drohte und deshalb zur Rückkehr zwang, tatsächlich fanden wir denn auch auk der Dückkahrt die Strecke an verschiedenen Stellen auf dem besten Wegs, wieder unkahrbar zu werden. In wildem Strudel stürzten die Wassermasssn über die Gleise und wühlten das Erdreich längs der Schwellen auf. Die vor wenigen Stunden noch trockenen kleinen Diviers hatten sich in reißende (Zistzbächs verwandelt. Dabei strömte der liegen unaufhörlich weiter, erst zwischen Otjimukoka und Okatjimukuju nachlassend. Um 3 Uhr nachmittags traf der Zug in Saribib wieder ein. Um folgenden Morgen (22. Januar) 5^/z Uhr wurde mit einem noch stärker besetzten und mit Eisenbahnbaumatsrial, wie Schwellen, Durchlässen u. dergl. reichlich ausgerüsteten Zugs unter dem Kommando des Sapitänleutnants 6ygas selbst wiederum aufgebrochen. Deim Zuge befanden sich lZaumeistsr Laubschat und Ingenieur Weidenhaupt von der Otavibahn. Ohne wesentlichen Aufenthalt ging es durch Okat- jimukuju bis Otjimukoka, das kurz vor 8 Uhr erreicht war. Sinter Otjimukoka begannen die Zerstörungen des gestrigen Degens sich zu zeigen. An einigen Stellen wurden durch halbe Wellblechrohre und Schwellen kleine Durchlässe hergestellt, die schlimme Stelle von gestern war aber wiederum gänzlich unkahrbar und erforderte heute eins Reparatur von nahezu 3 Stunden Dauer, damit der Zug darüber hinweg konnte. Als dies endlich erreicht war, gebot bei 226,5 km eine kleine Drücke, deren Seitenwangen unterspült waren und unter der man bereits ein löolzgerüst als Stütze angebracht hatte, einen mäßigen Aufenthalt, weil eine neue Unterspülung mittels großer Steine gestopft werden mußte. Dach weiteren 2 km aber wurde dem ferneren Vordringen kür heute endgültig löalt geboten. Die eine Seitsnwangs einer kleinen Drücke mit mäßigem Fundament war unterspült und vollkommen umgestürzt, während die andere die ersten Spuren eines Disses zeigte. Die kurzen eisernen Drägcr, die die krieg IS04-IS0b. 4 130 Der Llukstand der Herero. Krücke gebildet hatten und daran anschließend ein Stück (ZIeises, unter dem, der Damm infolge des Einsturzes der Brückenwaage kortgerutscht war, hingen ohne kalt in der Lukt. Man konnte nur feststellen, welche Materialien notwendig seien, um die Krücke etwa wiederherzustellen, und dann die Rückfahrt antreten. Zur selben Zeit wie gestern setzte auch der liegen wieder ein, der diesmal seine Hauptwirkung auf der Strecke zwischen Okatjimukuju und karibib erprobte, sodatz die Strecke, die in 2 klagen 3 mal anstandslos befahren worden war, jetzt mehrfach Ausbesserungen erforderte, damit der Zug hinüberkam. Während eines solchen Aufenthalts wurde durch einen mitgskührten Anschlußapparat geprüft, ob die telephonische Verbindung nach karibib noch ungestört sei. Sie erwies sich als ungestört, und das Telephon brachte eins erfreuliche Kunde: die Abteilung von Zülow war nach Okahandja hineingekommen. Etwas besseres konnte im Augenblick nicht gemeldet werden, aber die §reuds wurde gedämpft, als wir, bei schon hereingsbrochener Dunkelheit karibib wieder erreichend, die Einzelheiten des kerichtss aus Okahandja erfuhren. Ein Eingeborener, Viehwächter im Dienste der Erupps, war, durch drei Schüsse verwundet, nachmittags von Okahandja in karibib eingetroffen. Er erzählte, daß er den Zug mit vielen Soldaten in Okahandja habe einfahren sehen. Er Habs auch noch gesehen, wie Oberleutnant v. Zülow die kekestigung von Okahandja verstärkt Habs durch krustwehren von Wellblech und Säcken. Er selbst, der Kote, Habs sich längs der Eisenbahnlinie bis karibib durchgeschlichen. An der Strecke zwischen Waldau und Okasise habe er zahlreiche Leichen von Weißen liegen sehen. Mehrere davon Habs er erkannt, so namentlich einige Kuren. Man muß danach leider befürchten, daß eine Anzahl der längs der Bahnstrecke wohnenden §armer nicht mehr rechtzeitig die Eisenbahn erreicht hat, um von dem Zuge der Abteilung v. Zülow aufgenommen zu werden. In karibib trafen wir die zweite Landungsabteilung des „Habicht" an. Sie war am Dachmittag eingetroffen und hatte eine gute Eisenbahn- fahrt gehabt. Zur weiteren kekestigung des Platzes war im Laufs des Dages eins Aevolverkanons auf dem Wasssrturm der Eisenbahn aufgestellt worden, die von diesem Punkts aus die Gegend rings um karibib bsstreichen kann. Heute, am 23^ ist unter §ührung des Distriktschsks, Oberleutnants Das Eingreifen S. M. S. „Habicht". 131 l^uhn, ein starker Zug mit Daumaterial abgegangen, um die Drücke bei km 238,5 herzustellen. Man hat sich darauf gekotzt gemacht, wenn nötig mehrere Hags wegzubleiben. Es hat aber über Nacht sehr stark geregnet und es erscheint leicht möglich, datz der Zug nicht weit kommen wird. Cs ist ein Unglück, datz das erste rechte Degenjahr seit Verstellung der Eisenbahn, das zeigt, mit welchen elementaren Trakten bei einer südafrikanischen Sahn zu rechnen ist, und welcher Mittel es bedarf, um mit diesen Kräften einigermaßen fertig zu werden, - datz dieses Degenjahr mit Ereignissen zusammenfällt, bei denen ein Versagen der Sahn so unendlich viel schwerer in's Gewicht fällt als in gewöhnlichen Zeiten, ja geradezu verhängnisvoll werden kann. Solange der Degen anhält, kann kür die ungestörte lZetrisbskähigkeit der Sahn niemals Gewähr geleistet werden. )eder Zug hat darauf gekotzt zu sein, kür seine §ahrt die Strecke sich selbst klar machen zu müssen. Das Degenjahr äußert gleichzeitig aber auch nach einer anderen Dichtung seine Wirkung in einer Weise, datz man doppelt und dreifach den Ausbruch des Aufstandes jetzt beklagen mutz. Das Land stellt sich in einer geradezu wundervollen Schönheit dar. Wo während der letzten )ahrs der Anblick der dürren Steppe das Auge ermüdete, dehnen sich jetzt in unbegrenzte Weiten saktig-grüns Gras- und Duschklächen aus; bis zu den obersten Sängen der sonst kahlen und unwirtlichen, nur durch ihre gross- artige Schroffheit eindrucksvollen §elsengebirgs zieht sich die grüne Decke empor. §ür Tausende und Abertausende von Dindern müssen diese §Iächen- und Gebirgsweiden Nahrung bieten. Das Land ist wert, darum zu kämpfen. Das mutz ein jeder empfinden, der heute hier weilt. Das empfinden vielleicht aber auch die Eingeborenen und deshalb kann der Sampf ein hartnäckiger werden . Saribib, 24. )anuar. In Saribib war zur §e!er des Sonntags vormittags §eldgottesdisnst durch Pater Srieger abgehalten worden. Der Lag verlief wieder ohne Zwischenkall. Erinnerten nicht die Verschanzungen und die große Zahl der Soldaten an den Sriegszustand, so würde man glauben können, im tiefsten §risdsn zu leben. §risden atmet das köstliche Landschaftsbild, die frisch grüne von bunten IZIumen übersäte §läche, begrenzt von Gergzügsn in charakteristischen §ormen, in der §erne von blauen Schleiern umhüllt. Das 4 " 132 Der ttulsland der keroro. Vieh ist zusammengetrieben, wohlan 180 Zugochsen, dazu Kühe und Kälber, auch die prächtigen, erst jüngst eingeführten Simmenthaler und pinzgauer Zuchttiers, und von jenseits des IZahnkörpsrs tönt das IZIäken der Minder, das Meckern des Kleinviehs herüber. Ein wildes Verlangen erlaßt einen, diese lösrero, die die schöne Entwicklung so jäh und so grausam gestört haben, zu paaren zu treiben. Der nächste Eag wurde mit weiteren Vorbereitungen für die nach Eintreffen der Verstärkungen zu unternehmenden Operationen ausgefüllt. Es wurden noch mehr pkerde requiriert, einzelne Eiere, die noch nicht geritten waren, an die Longe genommen, den beritten zu machenden Mannschaften pkerde zugeteilt und eine kleine Neitübung draußen veranstaltet; es wurde geschossen und exerziert. Ein kür ein afrikanisches fluge eigenes Schauspiel war es, auf dem köoks der Umwallung Mannschaften im löalbkreiss um ein aufgezäumtes, nur mit Decke versehenes Pferd stehen und die Llnkongsgründe der Zügelhaltung und des Aufsitzens üben zu sehen. Die Umwallung wurde mit Fußangeln und Drahtzaun weiter verstärkt, je eins Nevolverkanone, auf einer Ochsenkarre montiert, hinter den beiden Wällen aufgestellt, während die Rückseite der Dskestigung mit einem Maschinengewehr ausgerüstet war. Llm Llbend kam der gestern nach k^ubas entsandte Sicherungszug zurück. Er hatte zum erstenmal auch eins gewaltsame Deschädigung der Strecke durch den Feind festgestellt. Unmittelbar vor einer Drücke in einer l^urvs und im Osfälls war ein Schisnenjoch abgerissen und bei Seite geschleppt worden. Der Eisenbahndamm war mit Sand bedeckt worden, sodaß der Eindruck einer geringen Sandverwehung, wie wir sie bei den früheren Fahrten an einigen Stellen schon gefunden hatten, hervorgerufen wurde. Zum Olück wurde das Fehlen des Joches noch rechtzeitig bemerkt und der Zug unmittelbar vor der gefährdeten Stelle zum Stehen gebracht. Das Joch war bald wieder eingefügt. In der Frühe des nächsten Morgens (2b. Jan.) kam endlich die lang ersehnte erste sichere Nachricht von Okahandja. Zwei IZoten waren am 1Y. mit Derichten von Oberleutnant v. Zülow und mit lZrieken abgeschickt worden. Sie hatten sich unter sorgfältiger Vermeidung jedes Pfades quer durch die Fläche durchgeschlichen und fünf Eags zu dem längs der Eisenbahn 117 km langen Wege gebraucht." - vas Eingreifen S. M. S. .Habicht". 133 Inzwischen hatte Korvettenkapitän Oudewill in Swakopmund eins umfassende Tätigkeit entwickelt, die sich in erster Linie auk die gründliche Wiederherstellung der Eisenbahn richtete. Da die Arbeiten an der - gleich der Staatsbahn nach Windhuk - von Swakopmund ausgehenden Eisenbahn der Otavi-Ssssllschaft nach den Kupferminen von Esumeb infolge des Auk- standes ruhten, wurden die Ingenieurs und Arbeiter der bauausführendcn §irma 6. Koppel L- komp. zur Arbeit an der Strecke Swakopmund — karibib herangezogen, vis Ingenieure unter Leitung des Chefingenieurs Solioz widmeten sich mit größter Bingabe dieser überaus schweren Aufgabe, deren IZsendigung durch die verheerenden Regengüsse des Januars gefährdet und verzögert wurde. Die Verbesserung der Bahnstrecke an schwierigen Stellen - besonders am khanrivier - mußte durch Einbau des schwereren Schienen- matsrials der Otavibahn, durch vammbautsn und Verlegen der vracs bewirkt werden, vis 600 Bsrero-Arbeiter der Otavibahn, die sich in Swakopmund befanden und eine (Zekahr kür den Ort bildeten, wurden von Kapitän Oudewill auk Dampfern interniert und später 300 von ihnen über Kapstadt in die südafrikanischen Minendistrikts geschickt, während der Best zur Arbeit nach dem Khan ging. vis Arbeiten an der Strecke Kubas - karibib kielen dem durch Mannschaften der Besatzung des letztgenannten Orts verstärkten Landungskorps zu. vas technische personal des „Babicht" und des Landungskorps fand ununterbrochene Arbeit in den Maschinen- und Aepa- raturwsrkstätten in Swakopmund und karibib, da auch das rollende Material der Bahn, vor allem die Lokomotiven, in schlechtestem Zustands vorgefunden wurde. Ein veil der Beizer fand als Lokomotivführer Verwendung. Wenn auch die Aufständischen die Wisdsrhsrstsllungsarbsitsn bei vage nicht störten, da die Arbsitsrtrupps durch vorgeschobene Wachsn geschützt wurden, so nahmen doch die nächtlichen gewaltsamen Zerstörungen der Strecke dauernd zu. Durch Okkizierpatrouillsn wurde mit Erfolg Abhilfe geschaffen, und am t. §ebruar im Osten von Karibib die Beparaturen bis Wilhslmstal beendet. Während dieser arbeitsreichen Zeit hatte Kapitänleutnant Otzgas durch Bsrgdamaraboten Nachrichten über den Stand der Dinge in Windhuk, Omaruru und Otjimbingws erlangt, vis einlaufenden Meldungen ergaben, daß diese Orts zwar mehr oder weniger fest eingeschlossen und untereinander ohne Verbindung waren, daß man aber ernstere Befürchtungen kür sie 134 Der flukstanv der IZercro. augenblicklich noch nicht zu hegen hatte. Die Lage in Okahandja klarte sich durch die Meldung von dem eindringen der Kolonne Zülow. Infolgedessen wurden Entsatzversuchs von l^aribib aus nicht unternommen, besonders da die zur Verfügung stehenden Kräfte nicht ausreichten, um neben einer derartigen Expedition die Sicherung der Bahnlinie zu gewährleisten. Es wurde vielmehr unter äußerster Anspannung aller Kräfte in Swakopmund sowohl wie in l^aribib darauf hingearbeitet, die Verkehrsmittel so zu vervollkommnen und zu sichern, daß der Llbmarsch der aus der löeimat erwarteten Verstärkungen in das Innere sofort nach Eintreffen erfolgen könne. Es waren dies ein fälliger, regelmäßiger Ltblösungs- transport der Schutztruppe, der vor Llusbruch des pukstandss die Llusreise von löamburg angetreten hatte, und das Marine-Inkanterisbataillon, dessen Berannahen bereits telegraphisch gemeldet worden war. Sämtliche Ochsenwagen und Pferde, deren man habhaft werden konnte, wurden auk Unordnung Kapitän (Zudswills in ^akalswatsr gesammelt; Verbindungen zur weiteren Beschaffung von Transportmitteln aus Kapstadt wurden angeknüpft. Bis gleichfalls vom Kommandanten des „löabicht" versuchte Beran- ziehung des Landungskorps des Kanonenboots „Wölk" mißlang, da die Nachricht das Schiff nicht rechtzeitig erreichte, dagegen sandte das gleichfalls um Silke angegangene Schutzgebiet Kamerun 5 Unteroffiziere, 2 §eld- gsschütze E73 und ein Maschinengewehr. Die Deutschen gehen zum Angriff über. Die 2. Jeldkompagnie. Während westlich von Okahandja die Lage bis in das letzte Drittel des Januar noch unsicher und gefahrvoll erschien, hatte sich um dieselbe Zeit bei Windhuk und Okahandja selbst das Bild bereits wesentlich verschoben: Bauptmann §ranke mit der 2. §sldkompagnie war auf dem Plan erschienen! Ihn hatte am 14. )anuar die Nachricht von dem pukstande erreicht, als er auk dem Vormarsch gegen die Bondslzwarts in Bibeon eingerückt Die 2. §c>dkompa§nie. 135 war. Sofort reikte in ihm der Entschluß, umzukehren und in Eilmärschen die gefährdeten Gebiets zu gewinnen. Oberst Leutwein erklärte auf die hsliographischs Nachricht vom Nusbruch des Nukstandes sein Einverständnis, und am 15. bereits befand sich die Compagnie auf dem XVegs nach Norden Nie Nukgabs, die Sauptmann §ranks sich gestellt hatte, war er überaus schwere - schwer selbst kür seine abgehärteten und kriegsgewöhnte Nsitsr. In fünf Dagen bc schloß er die rund 380 k lange Strecke Gibson —l^uu - Nshoboth - >Vindhuk zu rückzulegen, also 76 km täglich zu reiten. Dabei ist das Gelände zwischen Gibeon und Nshoboth durchaus schwierig. Bald berg auf, bald bergab geht es ununterbrochen über steinige Sähen und durch sandige Eäler und dichtbuschige Niviers; die Uebersicht ist auf das äußerste erschwert, das lUima der Sochklächen am Eags heiß, nachts okt kalt und rauh. Zudem war die Jahreszeit kür längere und anstrengende Märsche in jeder Sinsicht ungünstig. Man be fand sich in der Periode der ersten liegen, die den Organismus von Mensch und Eier durch die mit okt stundenlang währende' Durchnässung abwechselnde stechende Sitze besonders hart mitnehmen. Vor mittags erdrückende Schwüle, mittags subtropischer Gewitterregen und nach mittags wiederum außerordentlich hohe Eempsraturgrade — das sind die unangenehmen Merkmale der im übrigen meist so sehnlich erwarteten erste- Diedsrschlägs. irauptmann kranke k. Hoack ptiol. i'M 136 Der Bukstand der Zerero. Dazu kommt, daß in diesen Monaten — Januar bis Bpril — die bis dahin trocken liegenden IZetten der IZergtlüsse und Bäche sich ott in wenigen Stunden mit wildbrausenden, §elsen und Baumstämme mit sich führenden §luten füllen und dem Schritt des Wanderers ein gebieterisches löalt zurufen, — daß die tiefer liegenden Stellen des Bodens sich in Moräste verwandeln, und daß die mit Stsingeröll bedeckten Sänge der Bergs und löügsl — von talwärts rinnenden Wasseradern überrieselt - glitschig werden und den Pferden ein sicheres und kräftiges Busschreitsn unmöglich machen. Mit all diesen Schwierigkeiten hatte die zurüächastends Compagnie zu kämpfen, aber der feste Wille, die eiserne Energie des §ührsrs übertrug sich auf jeden der Beiter und ließ sie die tausend Widrigkeiten des weiten Weges spielend überwinden. Surz vor Suis erreichte den löauptmann §ranke die Sunds von schweren (Zekschtsn bei Windhuk und trieb ihn zu noch größerer Eile an. Bereits am 19. morgens stand er südlich des Buasgebirgss vor Bris, wo gerade starke Ssrerohorden im Begriff standen, das Vieh der dort wohnenden Buren abzutreiben. Die Sompagnis setzte aus dem Marsch sofort zum Bngriff an, jagte die überraschten Bsrero durch eine Schwarmattacks auseinander und folgte ihnen — zu §utz nachkletternd - in das Bsbirgs. Der Gegner floh köals über Sopf nach Borden, und dieser eine energisch ausgeführte Schlag genügte, um die Bufständischen aus der Umgegend von Windhuk zu verscheuchen. Schon an demselben Eags mittags zog die Sompagnie unter dem ssubel der Bsvölksrug in Windhuk ein - frisch, vollzählig an Mann und Boß, gehobenen Mutes durch den Erfolg bei Bris und bereit zu neuen Eatsn. Bm folgenden Eage wurde in Eile die gesamte Busrüstung erneuert und ergänzt und durch Einstellung von Offizieren und Mannschaften der Windhuker Besatzung der bisherige Stand von 4 Offizieren, 90 Mann auf 6 Offiziere, 1 Brzt und 137 Mann (davon 27 Brtilleristsn) gebracht. Büßer einem bereits von Oibson aus mitgskührten Feldgeschütz E 73 wurde in Windhuk ein Bsbirgsgeschütz eingestellt. Bm 21. bei Sonnenaufgang begann der Vormarsch gegen Okahandja, dessen Entsetzung sich Sauptmann §ranks als nächstes Ziel gesteckt hatte. Von dem Verjagen der löerero aus Okahandja selbst durch das Eindringen Osr Vormarsch gegen Okahcmdja. 137 desOberleutnants v. Zülow war in XVindhuk noch nichts bekannt. Oas liebliche ^al, das sich von Windhuk über Srakwater und Okapuka nach Okahandja zieht, wurde vollständig verwüstet vorgefunden. Die §armhäuser und Stationsgebäude der Lisenbahn waren zerstört und zum Ueil verbrannt, die Särten zertreten, die Cisenbahnstrecke,Telephon und Telegraph unbrauchbar gemacht. Unter verstärkten Sicherhsitsmatz- regeln ging es vorwärts, nachdem kurz hinter Srak- water die frischen Spuren berittener Serero gefunden worden waren. Sm 22. wurde die zerstörte Station ^eukels- bach passiert und der Marsch auf Osona fortgesetzt. Nach kurzer Zeit bereits stietz die Spitze auf neue Spuren in so eigentümlicher §orm - dielöerero waren genau einer hinter dem anderen geritten, - dah Sauptmann §ranke einen Sinterhalt vermutete. 5tls seitwärts - östlich der Strotze in Dichtung der fortlaufenden Spuren auf einem etwa 1000 m entfernten lööhenzug dünner Das öereroclork Oiona. 138 Der Aufstand der Serero. stauch aufstieg, wurde ein peil der Compagnie dortt)in entwickelt und erhielt im Vordringen bald heftiges §suer. Nun griff auch der Hest der Compagnie in das Gefecht ein. Unterstützt durch Gsschützkeusr wurde der Hngrikk bis auf etwa 350 m an die Stellung des Gegners herangetragen und zum Sturm auf die Sähen geschritten, als nach einer Stunde heftigsten §euer- gekechts der rechts §>ügsl des §sindes erschüttert war. In wilder §lucht verließen die Serero ihre Stellung. XVährsnd die Compagnie nur zwei Pferds einbüßte, fielen ihr 42 Pferde des Gegners in die Sünde. Nach kurzer Verfolgung wurde die alte Marschrichtung wieder aufgenommen und spät am Hbend auf dem südlichen Ufer des Osona-Hiviers Salt gemacht und das IZiwak bezogen. per §luß, der hier zwischen fruchtbaren, von dichten Samen hoher Säume umsäumten Ukern dahinströmte, war durch anhaltende, heftige Regengüsse hoch angeschwollen und konnte, da die Gisenbahnbrücks zerstört war, nicht überschritten werden, protzdem am 23. das XVasser noch höher stieg, beschloß Sauptmann §ranks, nachdem eine anscheinend günstigere Stelle aufgefunden war, den Übergang zu erzwingen, mutzte aber von dem Versuch abstehen, da die ersten Pferds, von der Strömung fortgerissen, in den §luten versanken. Leutnant von ^Völlwarth wurde von dem Som- pagnieführer unter Lebensgefahr aus den ^Veiten gerettet. Such ein Versuch, in der Sähe von SIein-Sarmen den §luß zu durchqueren, mißlang, und die Compagnie kehrte am 24. nach Ueukelsbach zurück. „pach den beiden siegreichen Gefechten bei Hris und peukelsbach", berichtete ein Unteroffizier, „hatte sich unser aller das brennende Verlangen bemächtigt, am §einds zu bleiben und vor allem Okahandja zu entsetzen. Um so schwerer und furchtbarer traf uns der Schlag durch den unüber- schreitbaren §luh bei Osona, und unsere Ungewißheit stieg, weil wir so nahe bei Okahandja vom §einde nichts mehr bemerkten!" — Inzwischen blieb aber die Compagnie nicht untätig, sondern stellte im Verein mit den von Windhuk aus arbeitenden Sesatzungstruppsn die Sahn- strecks zwischen VVindhuk und peukelsbach wieder her. Hm 24. abends traf bereits der erste Zug mit langersehnten proviantvorrätsn in psukels- bach ein. Hm 27. früh endlich konnte man, nachdem bereits seit dem 25. die Hegengüsss nachgelassen hatten, den Übergang bei Stein-Osona jubelnd und 8kirr6 von 0I^3ln3ncI^3. ^_>c>iivv3!cHK6 mit Oo>"ndüsctie»i Oictit bö^sclisen Z /'eL/'e. ^/V/SL/ 0 /?. <1. - //e/'e/'o - / 2 . 50 S 0 , 140 Der tbukstand der Iberers. ohne Verlust bewerkstelligen. Nun ging es auf Okahandja zu. In der Nähe des Platzes wurden Schützenlinien formiert und — dle (beschütze dicht hinter der §ront — die ersten Säussr des Ortes gewonnen. In jedem Augenblick war die Compagnie auf einen Nngrikk gefaßt - aber kein Schutz kiel, alles blieb ruhig. — Orst als die Vordringenden nur noch etwa 1000 m von der §ests entkernt waren, wurden sie von der IZesatzung erkannt, die auk die Meldungen der Posten von den sich nähernden Schützenlinien vom Appell zur §eier des (Zeburtstags Seiner Majestät des Kaisers zu den (bewehren geeilt und gefechtsbereit war. Die allgemeine §reude wurde zwar durch einen Angriff der Iberers von den im Nordosten der §ests liegenden Sähen aus gestört, doch gelang es bald, den (Zsgner auk seine Stellung zurückzutreiben. 51>s die 2. §eld- kompagnie ihm hierhin folgte, zogen die Iberers nach Nordosten ab. Nuch die IZesatzung Okahandjas war in der Zwischenzeit nicht untätig geblieben. Nls am 22. der Kanonendonner des (Zskechts bei Osona gehört wurde, schickte Oberleutnant von Zülow einen Zug unter dem Veterinärrat Nickmann nach den IZarmer-Slippen, um der Sntsatzkolonns den Übergang über den §lutz zu erleichtern. Die Abteilung kehrte jedoch abends zurück, ohne datz die erwartete Silke sich gezeigt hätte, pm folgenden Dage rückte Oberleutnant von Zülow selbst mit einer starken Patrouille auf Osona vor, geriet, nachdem er einige den §lutz beherrschende Sähen besetzt hatte, in ein (Zekecht mit einer feindlichen Streifkolonne und ging später auk Okahandja zurück. - Schon am 28. morgens brach die 2. §sldkompagnie von neuem auk; auk der Spur der Serero, die man bei Otjosasu vermutete. Cs zeigte sich jedoch bald, datz der etwa 3 km östlich der §ests gelegene 1675 m hohe, steile und wildzsrklüktsts Saiser Wilhelm-IZerg, das weithin sichtbare Wahrzeichen Okahandjas, vom (Zegner noch stark besetzt war. Vorgelagert und von ihm durch das tiekeingeschnittene IZett des Sandu-Sachs getrennt liegen im Nordosten niedrigere Sähen, puk diese, die sich gleichfalls in §sindes- hand befanden, richtete sich der erste Nngrikk der Sompagnis. Sauptmann §ranke lietz die Sähen im Sturm nehmen und richtete dann den weiteren Nngrikk gegen den IZerg selbst. Drotz des fast undurchdringlichen Dornbusch- walds, der weithin die Sbene vor dem Serge und seine Sänge bedeckt, trotz des von Triebsand erfüllten Siviers und trotz der schwer zu erklimmenden Der Vormarsch auk Omaruru. 141 Steilabstürzs des Oebirges gelang es den unermüdlichen tapferen der 2. Feldkompagnie nach sechsstündigem, scharfem Osfecht, die Ssrero von dem IZerge zu vertreiben. Dis an den l^andubach wurde sogar das Oebirgs- geschütz vorgebracht. Die Compagnie blieb nun bei Okahandja stehen. Mann und 6oß waren der Erholung dringend bedürftig. 6m 30. wurde ein Vorstoß gegen Otjosasu gemacht, man fand den Ort jedoch vollständig verlassen und kehrte nach Diederbrennung der Eingeborenen-Werkt nach Okahandja zurück, von wo am folgenden Eage der Vormarsch auf ßaribib angetreten wurde. Zugleich fuhr der Panzerzug auf der Strecke vor, um die Verbindung zur 0er Kalter Viltielin-Kerg. l^üste endgültig wiederherzustellen. Ohne auf den (Zegner zu treffen wurde am 2. Februar ßaribib erreicht und hier die Compagnie neu formiert. Ein Eeil der XVindhuker Freiwilligen kehrte dorthin zurück und an ihre Stelle traten Mannschaften der Sesatzung l^aribibs. Zum Sichrer der Artillerie erbot sich der schweizerische Artillerieoffizier und Ingenieur der Otavibahn Leutenegger, der in der Folgezeit der deutschen Sachs die wertvollsten Dienste leistete. 6m 3. Sebruar nachmittags trat die Compagnie in Stärke von sieben Offizieren, zwei 6srzten und 126 Mann mit einem Feld-, einem Oebirgs- geschütz und einem Ochssnwagen den Marsch auf Omaruru an. Die voll- 142 Der Aufstand der Serero. ständig ausgeraubte §arm ^joost bei Etiro wurde passiert und 5 km nördlich derselben das Lager bezogen. 6m folgenden Morgen gegen 4 Uhr traf die Compagnie über Osombimbambe marschierend vor Omaruru ein. Als man sich dem Saus des Säuptlings Manasse, das etwa 2000 m südlich des Sauptorts liegt, auk rund 1500 m genähert hatte, sah man östlich der Straße eins große Viehherde, die von ihren Sirtsn schleunigst nach Norden getrieben wurde, Sauptmann §ranks setzte auk sie den Zug des Oberleutnants von Nathusius an, der jedoch bereits nach wenigen hundert Metern §euer erhielt. Auch die Spitze unter Oberleutnant Oriesbach, die zu dieser Zeit das Saus Manassss erreicht hatte, sah hier Vieh, das in östlicher Dichtung fortgetrieben wurde. Als sie diesem folgte, kielen jetzt auch von Omaruru her vereinzelte Schüsse und eine größere feindliche Abteilung besetzte die südlichen Sänge am Nebenflüsse des Omaruru-Niviers. Sauptmann §ranke ließ nunmehr die beiden Geschütze neben dem Saus des Säuptlings Manasse auffahren und entwickelte die Compagnie zu beiden Seiten der Straße in folgender Weise: Nechter §lügel, vorgebogen: 2. Zug unter Vizewachtmeister d. A. §reiherr von Erkka; Mitte: 3. Zug, Leutnant Leutwein; linker §lügel: 1. Zug, Leutnant §rhr. von Wöllwarth. Nie dem 2. Zug ungehörige Spitze war weit nach rechts abgekommen. Der 4. Zug, Oberleutnant von Dathusius, der nach Wegnahme der Viehherde bereits wieder zur Sompagnis gestoßen war, deckte den Lroß. Das Gelände war für den Angreifer nicht günstig; es kiel nach den vom Gegner besetzten Sähen zu ab und bot den Gruppen wenig Deckung, während die Ssrero solche überall hinter den in der Grassteppe verstreuten zahllosen §elsblöcken und Steinen fanden. Gegen diese vorzügliche Deckung mußte auch die Wirkung der Artillerie gering sein. Sauptmann §ranks, der zuerst gehofft hatte, durch das bloße Erscheinen der 2. §eldkompagnie die Serero zum Abbrechen der lZslagsrung Omarurus und zum Abzug aus der Umgegend des Orts zu bewegen, sah jetzt ein, daß es zu ernstem Sampf kommen werde. Die Serero waren zwar durch das schnelle Erscheinen der Som- pagnis vor Omaruru zweifellos überrascht worden, doch aber keinesfalls gewillt, ihre günstigen Stellungen ohne energischen Widerstand aufzugeben. Die Züge der Compagnie waren nur sehr schwach, da ihnen die Mannschaften zum pkerdehaltsn, zur Geschützbedienung und zum Sanitätsdienst entnommen werden mußten. äkirrs ös,-OmHsHsnö von Omsnunu. -1. - " ^ E /^S§S/"/7L> . "- // / ///§5/0^§- ^ »»/ ^e^St/c/e^ ^ M /(- -7i?L / ^s/ec//s^F / .?ssss. 144 Der Aufstand der kZcrero. Es entspann sich nun zunächst ein äußerst lebhaftes und anhaltendes Feuergefecht auf größere Entfernungen. Vorn Gegner war fast nichts zu sehen, da er zum großen Lei! mit erbeuteten Gewehren M. 88 schoß, und nur hier und dort schwache Sauchwölkchen die feindlichen Schützenlinien kennzeichneten. Um eins Entscheidung zu erringen, mußte man näher heran. Sauptmann Franke gab daher den beiden links liegenden Zügen den tZekehl, sprungweise vorzugehen — unter dem Schutze des feuernden rechten Flügelzuges. Sei dem ersten Sprunge kielen vom I. Zug der tapfere Führer, Leutnant von Wöllwarth, und 2 Seiten Ueber diesen Gefechtsmoment und den weiteren Fortgang des schweren Sampkes, in dem die Sersro den hartnäckigsten, immer wieder von neuem aufflammenden Widerstand leisteten, wird in dem seitens des Großen Generalstabes veröffentlichten Gefechtsbericht') gesagt: „Llls den Leutnant v. Wöllwarth das tätliche Geschoß traf, kniete gerade der Wachtmeister der Compagnie, Wesch, neben ihm. Mit einem markerschütternden Wutschrei: «Die Schufte haben mir meinen Leutnant erschossen", sprang der heldenmütige Mann hinter der deckenden Klipps hervor, und vor l^ampkwut brennend und mit blutunterlaufenen Llugen stürzte er allein vor, um sich auf den Feind zu werken. Doch der in unmittelbarer Nähe liegende Sauptmann Franks sprang eiligst mit einigen Leuten herbei, um den Aasenden festzuhalten und niederzudrücken; sonst wäre es auch um diesen Sraven geschehen gewesen, der «eine wahre Mutter" der Compagnie war, und der stets und besonders in diesen letzten Lagen, die gerade von ihm fast Uebermenschliches forderten, seinen Sauptmann mit nie erlahmender Latkrakt unterstützt hatte. Sei aller Fürsorge für seine Untergebenen führte Wachtmeister Wesch ein eisernes Ssgiment in der Compagnie, bei der er ebenso gefürchtet wie beliebt war- Für Wesch gab es keine Anstrengung, die zu groß war, und seine Lapkerkeit grenzte an Lollkühnheit. Inzwischen arbeiteten sich die drei Züge abwechselnd springend und feuernd immer näher an die feindliche Stellung heran. Llls die löerero die Compagnie, die jetzt die Seitengewehre aufpflanzte, immer näher auf sich zukommen sahen, zogen sie beim Llnblick der gekürchteten Seitengewehre doch vor, beizeiten das Weite zu suchen. Erst einzeln, dann immer zahl- »1 Die Nämpte der deutschen Iruppen in Süücvestafrika. Nut Srund amtlichen Materials bearbeitet von der kriegsgeschichtüchen Abteilung I des Seneraistabes. erstes kekt. veriin Idvb. e. S. Mittler und Sohn, königl. kokbuchhanLiung. Die 2. §elLkompc>gnic bei Omaruru. 145 reicher räumten sie ihre Stellungen und gingen über das kleine lavier zurück, einzelne löerero, die ausharrten, wurden in den Schanzen selbst überrascht und niedergemacht. Die Compagnie wollte mit den drei entwickelten Zügen den fliehenden §eind über das kleine Aivisr hinaus verfolgen, doch löauptmann §ranks erkannte noch gerade zur rechten Zeit. dah die jenseitigen Sähen von köererobanden stark besetzt waren. Er hielt deshalb die Compagnie in der genommenen Stellung fest und befahl mit lauter Stimme, dah zunächst alles liegen bleiben solle. Er selbst begab sich nach rückwärts, um die Artillerie und den beim Irotz befindlichen Zug Nathusius heranzuholen, und, mit diesen Kräften vereint, den Angriff auf die zweite Stellung des §eindes durchzuführen. Der Zug Nathusius war jedoch, mit der §ront nach Süden, in ein heftiges (Zskecht gegen köerero- banden verwickelt worden, die anscheinend das ihnen zu IZsginn des Dampfes abgenommene Vieh wisdererobern wollten, löauptmann §ranks führte daher nur die beiden (Zsschützs nach vorwärts in die neue Stellung und lieh sie die vom §einde stark befestigten und besetzten Steinschanzen, später Müllsrschanzen genannt, unter §suer nehmen. Als er wieder nach vorne zur Compagnie galoppierte, bemerkte er im Vorbeireiten den armen schwsrvsrwundeten Wöllwarth in der prallen, glühenden Sonne liegen; schnell sprang er vom Pferde, um seinen lieben §reund und Kampfgenossen, der die furchtbarsten Schmerzen ausstand, ein wenig zur Seite in den Schatten einer deckenden Klipps zu tragen und den halb Verschmachteten mit einigen Schluck XVasssr zu erquicken. Auf die §rags, wie es ihm nun ginge, antwortete Wöllwarth mit ermattender Stimme und doch leuchtenden Auges: „Ach, lieber löerr löauptmann, um mich ist's jetzt gleich; wenn wir nur hineinkommen in die §ests!" Noch länger durfte der löauptmann nicht bei seinem sterbenden §reunde weilen, ihn riefen neue Eaton: Der Angriff gegen die zweite, noch stärkere Stellung des §eindes auf dem anderen Ülksr des Aiviers. )etzt kam es zum wirkungsvollen Eingreifen der lZesatzung Omarurus in den l^ampk. Die aus 24 Mann bestehende Ausfallabteilung unter Feldwebel Müller warf sich indsnAücken der mit der Compagnie §ranks im (Zskecht liegenden lösrero am Nebsnrivier des Omaruruklusses, während der Kommandant, Stabsarzt I^uhn, mit dem Aest seiner Mannschaften die §ssts hielt, die starke feindliche Abteilungen von Norden her bedrohten. Erotz eines heftigen (Zegen- strleg is»-l9as. 10 146 vor fluksland Der lZersro. angrüks der nun zwischen zwei §euer geratenen löersro stürmte §sldwebsl Müller, längs der Strotze nach I^aribib vorstoßend, mit todesvsrachtender Tapferkeit die starke feindliche Stellung auf dem rechten Uker des Neben- riviers mit aufgepflanztem Seitengewehr. Der tapfere §ührer selbst fiel Ciüürmte berero-Ttellung bei vmaruru. hier, und an seine Stelle trat Feldwebel Sötte, der, nachdem der §eind nach einem Verlust von 17 Hoten die Stellungen fliehend verlassen hatte, seine kleine Schar mit der Spitze der 2. §sldkompagnie vereinigte. Die löerero waren bis in die Sähe des Mndschsn Sehökts zurückgewichen, die Compagnie §ranke folgte unverzüglich bis zur Sähe der alten Station. Vie 2. §eldkompagnie bei Omaruru. 147 Wir folgen nunmehr wieder der Vorstellung des Seneralstabes: „löier zwang erneutes heiliges §euer zum Saiten. vie löcrero hatten in den Klippen südlich des k^Indschsn Gebäudes erneut Stellung genommen, und zum dritten Male mutzte die Compagnie zum Angriff schreiten. Von neuem begann der §euerkampk. vie Züge waren jedoch in dem klippenreichen Gelände so zersplittert, datz die Sichrer ihre Leute nicht mehr übersehen konnten und an eine Leitung des Seuers nicht mehr zu denken war. Mehr und mehr löste sich das Gefecht in Einzelkämpks auf, in denen die persönliche Gewandtheit und Schistzkertigkeit des Einzelnen den Ausschlag geben mutzten. Besonders taten sich hierbei der Vizewachtmeister Lante, sowie der Schietzunterokfizier, Sergeant Prütz, hervor, die beide ihr tapferes Vorwärtsstürmen mit dem Leben bezahlten. Nicht minder zeichneten sich durch Entschlossenheit und Mut der (Zekreits Lorenz, sowie die Bsiter Wilke, Zeglewki und der l^risgsfreiwilligs, Oberlandmesser chergens aus. sjstzt versuchten die Schwarzen einen Vorstoß gegen die rechte Slanks der dünnen Schützenlinie. Es gelang ihnen, bis auf 30 m heranzukommen, als die mit der Spitze vereinigte Ausfalltrupps unter Oberleutnant (Zrissbach von rückwärts herankam und sie nach kurzem Oefecht wieder verjagte. Daraufhin gewann die Abteilung (Zrissbach wieder den Anschluß an den rechten Slügsl der Compagnie, ver Widerstand, den die Schützen bei diesem dritten Angriff fanden, war außerordentlich zäh. Unter dem Schutze des Artilleriekeuers begann die Compagnie indessen von neuem vorzugehen, vie Wirkung der (Zeschütze war jetzt vorzüglich dank der ruhigen und sicheren Leitung durch den schweizerischen Leutnant Leutenegger, obwohl dieser mit den deutschen Verhältnissen nicht vertraut war und hier in seinem ersten Gefechts stand. Wirksame Unterstützung fand die Artillerie durch das gegen den Bücken der löersro gerichtete Seucr des Stationsgeschützes, das in das (Zekecht eingrikf, sobald erkannt war, datz der von Norden gemeldete Seind dem (Zekecht gegen die Compagnie Sranke zustrebte. Auf dem linken Slügel gelang es dem Wachtmeister Wesch mit seinen Leuten, den §eind aus den §eldschanzsn am Omaruruklutzbett herauszuschieben und dadurch den linken §lügel vor weiterer Gefahr zu sichern. Segen den rechten §lügel versuchten die lösrero einige Zeit später von neuem einen umfassenden Vorstoß, der dank dem kühnen und entschlossenen Verhalten des Oberleutnants (Zrissbach glücklicherweise wiederum rechtzeitig 10 ' 148 Der Dusstcmd der IZarero. von der Spitze und der Llusfallabteilung zurückgewiesen wurde. Oberleutnant Griesbach wurde hierbei verwundet. LUIsin trotz dieser Erfolgs begann die Lage der Compagnie kritisch zu werden. löeiß brannte die Sonne von wolkenlosem löimmel hernieder, die Leute hatten so gut wie nichts gegessen, das Nasser und die Munition wurden knapp. Die Trakte der seit sechs Stunden in schwerem krampte stehenden Druppe begannen nachzulassen, drohte eins neue ernste Gefahr. löinten am Manassshauss stand der Zug Dathusius im schweren 6e- tschts gegen überlegene Ssrerobandsn, die gegen den Bücken der Compagnie vorgehen wollten. Der §ührer selbst war verwundet worden und hatte durch Leutnant z. L>. Sauber ersetzt werden müssen» der bisher den Droß geführt hatte. Letzterer war der Sompagnie nachgerückt und hielt wenige hundert Meter hinter dieser in Deckung. Vorn rechten §Iügel kam die Meldung, daß die mehrfachen Vorstöße der löerero zwar zurückgewiesen seien, die Lage jedoch schwierig wäre, da der §ührer, Oberleutnant Griesbach, schwer verwundet sei. Das feindliche §euer gegen die Schützen in der §ront nahm an lösktigkeit zu. Den Geschützen war die Munition aus. gegangen; sie wirkten nur noch durch die §urcht, die allein ihr Ltnblick dem §eind damals noch einflößte. Das Wasser war zu Ende, die Leute hatten nicht einen Eropksn mehr. Die Sitze und der Durst steigerten sich fast bis zur Dnerträglichkeit. Die Verluste nahmen zu. Sauptmann §ranke erkannte, daß die Lage auf die Dauer unhaltbar sei und nur eins rasche und kühne Lat Bettung bringen konnte. Das beste Mittel, dieser gefährlichen Lage ein Ende zu bereiten, schien ihm ein Sturmangriff gegen den §sind in der §ront. Dbsr in diesem Augenblick, es war gegen 12°° mittags, schien ein neuer Llnschlag des §eindss gegen die links §lanks zu drohen. Das Vorstürzsn zahlreicher Ssrero aus der Dichtung des Sindschen Gebäudes ließ auf das nahe IZsvorstehsn eines Llngrikks von dieser Seite schließen. Sofort wurde das §eusr gegen das Gebäude aufgenommen, plötzlich ertönte aus jener Dichtung ein lautes dreifaches Surra aus deutschen Sehlen, und man erkannte zur allgemeinsten Überraschung, daß das Gebäude von einer deutschen Abteilung besetzt war. Stabsarzt Sühn hatte von der Saserns aus gegen 11°° vormittags das Vorgehen der Sompagnie gegen die alte Station und ihre schwierige Lage erkannt. Sofort raffte er alles, was er an wehrfähigen Leuten üukbringen Stabsarzt kühn greift die löerero im Bücken an. 14Y Konnte, zusammen, um gegen den Bücken der löerero vorzugehen. An der Spitze von nur 12 Mann, 6 Weißen und b eingeborenen, drang er unter Mitnahme des alten Stationsgeschützes in der Aichtung auk die Klippen südlich des kindschen Gebäudes vor und suchte hier das (Zeschütz in Stellung zu bringen, löierbei brach jedoch die Deichsel der protze entzwei, so daß das Auffahren unmöglich wurde. Stabsarzt kühn entschloß sich nun, die das kindschs Gebäude und die anliegenden Klippen besetzt haltenden löerero zu verjagen, um von hier aus den mit der Kompagnie im Kampfs liegenden (Zsgner zu beschießen. Nach kurzem §eusrgekecht stürmte er mit seiner kleinen Schar gegen den §sind vor, der unter Zurücklassung von mehreren Daten eiligst das jenseitige §lußuker zu gewinnen suchte. Die kleine Drupps besetzte nun die genommenen Klippen und eröffnete das §eusr gegen §lanke und Aücken der Aufständischen. Doch plötzlich erhielt sle lebhaftes §euer von dem linken §lügsl der Kompagnie, — glücklicherweise ohne Verluste zu erleiden, da sofort alles hinter der Deckung verschwand. Stabsarzt kühn hatte in der Meinung, sich durch sein (Zeschütz am besten bemerkbar machen zu können, in der Gils keine §laggs mitgenommen. )stzt ließ er, um der Kompagnie ihren Irrtum begreiflich zu machen, ein kräftiges, dreifaches löurra ausbringen. Das half; das §euer wurde sofort eingestellt. löauptmann §ranke brachte nunmehr seinen Entschluß, zum Sturm zu schreiten, unverzüglich zur Ausführung. Gr rief der Schützenlinie den Sekehl zu, zum Sturm anzutreten. Sei es, daß die Mannschaften zu erschöpft waren, sei es, daß der IZefehl in der weit zerstreut liegenden Schützenlinie nicht weitergegeben wurde, gleichviel, er wurde nicht sofort allgemein befolgt. Da schwang sich löauptmann §ranks auk seinen Schimmel, sprengte hoch zu Aoß vor die §ront und wollte allein auf den §eind eindringen. Diese hinreißende Dat zündete; wie mit einem Schlags erhob sich die ganze Linie, begeistert und mit lautem löurra folgte die 2. §eldkompagnie ihrem geliebten §ührer, allen voran die Gefreiten Duschke und Lossow. Dem todesmutigen Ansturm der tapferen Männer hielt der §eind nicht stand. Seins bis jetzt so zähe Widerstandskraft brach zusammen; er floh in nordwestlicher Aichtung über den Omaruru-§luß, noch wirksam beschossen von der Abteilung kühn. Gs war wie ein Wunder, daß der löauptmann, obwohl die löerero ihn und seinen Schimmel mit einem letzten mörderischen §cuer überschüttet hatten. Die Kasernen In oniaruru. ISO Der Llukstand der Sercro. ^ ch' samt seinem Pferds unverletzt geblieben war. Das Gelingen des Sturmangriffs war nicht zum wenigsten dem rechtzeitigen Eingreifen der Abteilung Sühn zu danken, wie überhaupt die Umsicht und Latkrakt, die Stabsarzt Dr. Sühn und der tapfere §eldwebel Müller sowohl bei der lZelagerung wie bei dem Sskecht an den Eag gelegt hatten, sehr wesentlich zudem 6s- samterkolg beigetragen haben." Etwa um 2 Uhr mittags waren die deutschen Eruppsn an den Kasernen vereint, wo kurz darauf auch die Sagage mit dem 4. Zug unter Leutnant Sauber eintraf, der ebenfalls schwere und verlustreiche Sümpfe gegen die ihn heftig angreifenden und seiner Schar weit überlegenen Serero zu bestehen gehabt hatte. Usberhaupt waren die Siegs der Deutschen überall gegen eine mehr als zehnfache Übermacht errungen worden. Das mutz sie uns um so wertvoller machen, und den Ssrsro werden die unermüdlichen, immer wieder von neuem ansetzenden Sturmangriffs der deutschen Streiter eins ernste Lehre gewesen sein. Mutlos flohen sie auseinander und zerstreuten sich so, datz eine Verfolgung zur Unmöglichkeit wurde. Maßnahmen in der kZeimat. 151 Der große und nachhaltige Erfolg der kämpfe um Omaruru gipfelte in dem Umstand, daß die löersro die Umgegend des Ortes verließen und - wahrscheinlich zum größten Heil in nordöstlicher Dichtung - in weitere Entfernung zurückwichen. Sie verloren etwa 100 köpfe, aber auch die Verluste der deutschen Druppen waren bedeutende: Sechs Mann an Loten, 3 Offiziers und 12 Mann an Verwundeten. Von den verwundeten Offizieren — Oberleutnants von Dathusius, Srissbach und Leutnant von Wöllwarth — erlagen die beiden letztgenannten, von den Mannschaften noch ein Mann ihren XVunden. - Maßnahmen in der Heimat. Inzwischen waren in Deutschland umfassende Maßnahmen zur Verstärkung der Strsitkräkte des Schutzgebiets getroffen worden. Lluf lZskehl Seiner Majestät des Kaisers wurde am 17. )anuar 1Y04 ein Marine- ExpeditionsKorps gebildet und dessen Mobilmachung so beschleunigt, daß es bereits am 21. Januar die Llusreiss nach Südwestakrika antreten konnte. Major von Olasenapp, bis dahin Kommandeur des II. Ssebataillons, ein bereits vielfach im Duslandsdienst bewährter Offizier, wurde an die Spitze des aus Mannschaften des I. und II. Ssebataillons gebildeten Marins-lnfanterisbataillons gestellt und übernahm bis zum Eintreffen des später ausreisenden Obersten Dürr, des Inspekteurs der Marine-Infanterie, das Kommando über das gesamte Expeditionskorps. Dieses bestand aus dem Marine-Inkanteriebataillon zu 4 Compagnien, einer Maschinenkanonsn-Llbteilung (8-3,7 cm Maschinenkanonen), einer Sanitätskolonns und dem Proviant- und Matsrialiendepot. Die (Zesamt- stärks betrug 30 Offiziers, 648 Unteroffiziers und Sessoldaten und 25 Pferds. IZeigegsben war dem Transport auf Dampfer „Darmstadt" ein Ersatztransport kür den „löabicht", 4 Offiziere, 60 Mann und I Maschinengewehr, sowie eins Llbtsilung der Schutztruppe, 2 Offiziere, 55 Mann (Eisenbahn-IZau- abteilung). Zugleich trat der aus den früheren kämpfen in Südwestakrika wohlbekannte Major von Estorff die Llusreiss in das Schutzgebiet an. — Zur Verstärkung der Schutztrupps wurde ferner auf Llllerhöchsten lZefehl die Aufstellung von 22 Offizieren und 516 Mann durchgeführt, die in 2 Lransportsn unter lZekehl der löauptleute Puder und von Sagenski am 30. )anuar und 2. §ebruar von löamburg aus die l^eiss antraten. 152 Der AukstanL der IZsrero. Sechs Feldgeschütze 9b, die vier 5,7 cm Schnellkeuergeschützs, die sich zur Reparatur in Deutschland befanden, eine 3,7 Maschinenkanone und sechs Maschinengewehre waren den Gruppen beigegeben. Im Oegensatz zu den inobiigsmachten Heilen der Marine bestanden die Vsrstärkungstransports kür die Schutztruppe aus sich freiwillig für den Dienst im Schutzgebiet meldenden tropendienstkähigen Offizieren und Mannschaften der gesamten deutschen Armee. Diese Art und Weise der Aufstellung wurde als die zweckentsprechendste auch bei allen späteren Verstärkungen und Neuaufteilungen beibehalten. An Freiwilligen hat es niemals gekehlt; die Meldungen und Sewerbungen liefen im Gegenteil meist so zahlreich ein, daß sie nur zum Deil berücksichtigt werden konnten - ein schönes Zeichen für den unserem Volks innewohnenden Unternehmungsgeist und Mut. - Ls wurden ferner je 500 Pferde und Maultiers in Argentinien angekauft, und von diesen 100 Pferde und 250 Maultiers am 20. Februar nach Südwestafrika abgesandt. Das Eintreffen der ersten Verstärkungen. Am 3. Februar traf der Crsatztransport unter den Oberleutnants der Schutztruppe von Winklsr und Oggsrs — 4 Offiziers, 1 Arzt, 22b Aeiter - vor Swakopmund ein. Da am 5. Februar die gesamte Dahnstrscke bis VVindhuk wieder betriebsfähig hergestellt war, konnte der Abtransport der Druppen ungesäumt beginnen. Schon am 5. trat daher die Abteilung, die zum Sntsatz von (Zobabis vorgehen sollte, in VVindhuk ein, mutzte jedoch am 7. noch einmal nach k^aribib zurückkehren, da aus Omaruru die erneute Ansammlung starker feindlicher Sonden um diesen Ort gemeldet worden war. Ehe jedoch die Kolonne VVinkler bei Omaruru erscheinen konnte, räumten die köerero am b. Februar aufs neue die Umgegend des Platzes. Oberleutnant von VVinkler konnte daher am 8. den Vormarsch nach Osten, (Zobabis, antreten, wo sich am 9. Februar die köerero zwar aus der unmittelbaren Dähs der Station zurückzogen, aber nordwestlich des wichtigen Platzes, im Flutztal des Schwarzen Dossob, in grotzer Zahl sammelten. — Am 9. Februar traf das Marine-Sxpeditionskorps nach schneller, glatt verlaufener Fahrt auf der Aeede von Swakopmund ein. Korvettenkapitän Oudewiil und Oberleutnant Dechow, der aus VVindhuk gekommen war, AM ^EZ Zbkaiirt eine? ?ruppenlran?port? au? 6amburg> Melier Lcliaul, kemburg. 154 Der Ausstand der kZsrerc». begaben sich sofort an lZord der „Darmstadt", um den Major von (Zlasenapp, der nunmehr den Oberbefehl über die gesamten Strsitkräkte übernahm, über die allgemeine l^riegslags zu unterrichten. Die laut Allerhöchster Fabinsttsordre vom 20. Januar dem Expeditionskorps zugewiesenen Auk- gaben waren folgende: «1. Wiederherstellung der Ordnung im Schutzgebiet mit allen zu Sebots stehenden Mitteln, 2. Besetzung der Zauptstadt des Landes, 3. Sicherung der Verbindung dieser mit der l^üsts und, 4. falls die Eisenbahn unterbrochen, Wiederherstellung derselben." Der amtliche lZericht des Admiralstabss der Marine über die Tätigkeit des Marine - Expeditionskorps knüpft hieran folgende Detrachtungsn: „Die Zusammensetzung des Expeditionskorps entsprach diesen Aufgaben. §ür Expeditionen ins Innere des Landes kehlte es aber an Pferden, um den beweglichen (Zsgnsr zum Ixampfs zu stellen. Die von der deutschen Legierung in Argentinien beabsichtigten pfsrdsankäuks konnten frühestens im Laufs des Monats März den militärischen Operationen nutzbar gemacht werden. 25 aus Deutschland mitgenommene Pferds reichten notdürftig kür lZsrittenmachung der Offiziers aus. In ausgedehntester Weiss war von den heimatlichen IZshördsn kür ein längeres Verweilen des Expeditionskorps in Afrika §ürsorge getroffen, und man konnte hoffen, daß die Organisation der kleinen Eruppe, ihre Ausstattung in personeller und materieller löinsicht die (Zswähr kür eins zufriedenstellende Lösung der zu erwartenden Aufgaben bieten würde. Die §rags, ob diese Aufgaben nicht über die lxräkte des Expeditionskorps hinausgingen, konnte damals noch nicht beantwortet werden; dazu waren die militärischen Verhältnisse in der Kolonie zu wenig geklärt; es kehlte auch an richtiger Einschätzung der Widerstandskraft des (Zsgnsrs. Dur ein Adelstand erschien bedenklich. Infolge Unfähigkeit einer größeren Zahl abgedienter Mannschaften für den Dropendienst mutzten von der Marine-Infanterie zwei §ünftel Dovsmber-Dekruten, also Mannschaften, welche noch keine volle Askrutenausbildung genossen hatten, mit ins §eld rücken." — Inzwischen hatte sich jedoch die Lage im Schutzgebiet bedeutend ver- Das Eintreffen der ersten Verstärkungen. 155 ändert:*) Die Eisenbahn war wieder in Getrieb; Windhuk, Okahandja, l^aribib und Omaruru entsetzt. Ois Oberleutnants von Winklsr und Eggers rückten mit 200 Mann in Eilmärschen auk Gobabis vor, und der Gouverneur, Oberst Leutwein, hatte über Port Nolloth in der lxapkoionie aut dem Seewegs Lüderitzbucht erreicht und wurde in einigen Eagen in Swakopmund erwartet, Aus dem Süden des Schutzgebiets wie aus dem Norden (Outjo) kehlten dagegen jegliche Nachrichten. „Vorn Osgner verlautete gerüchtwsise, dah er westlich und nördlich 60 - babis stehe - bei kxehoro sollte er sich in einer Wagenburg verschanzt halten -, während ein anderer Eeil am Waterberg stände. Nie bei lzehoro versammelten köerero wurden auk etwa 1000 Mann geschätzt, die Stärke der anderen Abteilungen war auch nicht annähernd bekannt. Allgemein wurde die Ansicht geäußert, daß die löersro sich bemühen würden, ihr eigenes und das gestohlene Vieh über die englische Grenze im Osten zu treiben und sich jenseits derselben niederzulassen. Aietkontsin (am Epukiro) und Otjituo (am Omuramba-u-Omatako) wurden als die wahrscheinlichen vurchgangspunkte bezeichnet. Eile erschien unter diesen Umständen dringend geboten, und so mutzte denn ungesäumt, obgleich die Eruppe hierfür nicht ausgerüstet war, den neuen Verhältnissen Aechnung getragen werden. War es doch immerhin noch möglich, eine oder die andere köauptgruppe des Gegners zu fassen und zu schlagen. §rsilich nahm man den schweren Uebelstand in den Ixauf, datz das Expeditionskorps geteilt wurde. An Stelle von Gahnschutz oder Unternehmungen in der Nähe der Sahn und der größeren Ortschaften des Landes traten also nunmehr ausgedehnte Operationen im freien §elde gegenüber einem leicht beweglichen, teilweise gut berittenen Gegner, dessen augenblickliche Stellungen und Stärkeverhältnisse erst festzustellen waren. Es wurde auf Grund der neueren Nachrichten beabsichtigt, Major v. Estorkf mit einer Compagnie und zwei Maschinenkanonen nach dem Norden zu entsenden und den Nest des Expeditionskorps im Verein mit dem bereits von Windhuk auf Gobabis vorgerückten Oberleutnant ') Nie folgenden Nachrichten und angaben sind ebenfalls dem amtlichen verlcht des Ndmiral- stabes entnommen. 156 Oer Bukstond der IZerero. v. XVinkler gegen die feindliche Orupps bei Behoro zu verwenden. §ür die Abteilung von Estorkk sollte kür 30 Bage Verpflegung nach Baribib, kür den Best des Expeditionskorps kür ebensoviel Bags Proviant nach XVindhuk vorgeschoben werden. Bn Oberleutnant v. XVinkler, welcher im Marsch von ^Vindhuk nach Bobabis begriffen war, wurde entsprechende Mitteilung geschickt und das Ersuchen gerichtet, seinen Vormarsch noch zu verzögern, wenn nicht besonders Verhältnisse dies untunlich erscheinen ließen. Die vorläufig angeordnete Bruppierung der Strsitkräkte konnte naturgemäß noch keine bindende sein. Bsnauere Nachrichten, welche man in Baribib zu erhalten hoffte, ließen immer noch die Möglichkeit einer Verschiebung der Kräfte zu. Band in Band mit diesen lZekehlen gingen die Unordnungen kür Landung, Unterbringung an Land und Bahntransport. Swakopmund wurde Etappsnankangsort und mit einem Etappen- kommandantsn (Leutnant Eckstein) besetzt. Eins Bahnhofskommandantur wurde eingerichtet (Leutnant Boehm). Oberleutnant Bitter, §ührer der Eissnbahn-Bauabteilung, übernahm die vorläufige Oberleitung der Bahn, während der Betrieb von dem bisherigen Bahnpsrsonal ausgeführt wurde. Bn Bord leitete Oberleutnant Brak v. Brockdorkk die Ausschiffung. Biese ging bei verhältnismäßig ruhiger See schnell vonstatten. >Varsn auch die zur Vertilgung stehenden Buslademittel kür Zwecke des §riedens- verkshrs und kleinere Truppentransporte gerade ausreichend, so genügten sie bei gesteigerter Inanspruchnahme durch größere Transports natürlich nicht mehr." Doch wurden noch am y. der Stab, die 1. und 3. Compagnie, zwei Züge Maschinenkanonen, das Etappenkommando und 8 Pferds gelandet; der Best am folgenden Bags. Bm 20. war die gesamte Ladung der „varmstadt" — Proviant, Munition, Sanitätsausrüstung — gelöscht. Bm 10. früh um 9 Llhr begann bereits der Bbtransport der ersten Staffel, die der Stab und Major von Estorff nach Baribib begleiteten. „Schon während der §ahrt," sagt der amtliche Bericht, „ging spät abends von Bauptmann §ranke aus Omaruru ein Eelegramm in )akals- water ein, in welchem für den Borden 300 Mann kür erforderlich gehalten wurden, und um Baker und Brtillsriemunition gebeten wurde. Ba die Die Lage im Nnkang §ebruar 1904. 15? heliographischs Verbindung Karibik - Omaruru nur tags arbeiten konnte, muhte mit der Nntwort bis zum Eintreffen in lxaribib am nächsten Morgen gewartet werden. Die am II. §ebruar nach Nnkunkt (b^° morgens) von Bauptmann §ranke (Omaruru) und iöauptmann von §ran^ois (Windhuk) eingeforderten Meldungen über IZeurteiiung der Lage ergaben folgendes Bild: Nach §rankes Nnsicht bestand in Omaruru keine Notlage; seine Krupps, in Stärke von 140 aktiven Mannschaften, 30 Nsservistsn mit 150 Pferden und 40 Eseln, stand in Omaruru. §ür eins Verfolgung hielt §ranke aber mindestens 250 Mann mit 4 (Zsschützsn kür erforderlich, außerdem 150 Mann Besatzung kür die festen Plätze. Nis wichtigste Nufgabs erachtete er, nach Outjo zu gehen, da die Verhältnisse dort noch nicht geklärt und von der Compagnie kMekoth Nachrichten nicht eingegangen waren. §ran^ois meldete aus Windhuk: Winkisr sei im beschleunigten Vormarsch über i^aukurus auk (Zobabis und Habs die Nbsicht, sich der bei I^ehoro gemeldeten feindlichen Llnsammiung gegenüber abwartend zu verhalten. Llus dem Süden eingegangene Nachrichten besagten, dah die dort befindlichen Gruppen vollauf beschäftigt wären, und mit diesen fürs erste im Norden nicht zu rechnen sei. Endlich lauteten die über Windhuk aus Otjimbingws eingehenden Meldungen insofern ungünstig, als lösrsroabteilungsn den Weg nach ixaribib sperrten, und stärkere Nbteiiungsn Otjimbingws bedrohten. Nach dieser Nichtung muhten also sofort Schritts getan werden. Wo endlich diejenigen Nbteiiungsn der löersro, weiche Okahandja bedroht hatten, geblieben waren, konnte nicht festgestellt werden. Es erschien nicht ausgeschlossen, dah diese in den Onjatibergen sahen." Infolge dieser Nachrichten wurde die Entsendung einer Marins- Infanteriskompagnis, der verfügbaren Mannschaften des Landungskorps mit 2 Maschinenkanonen und der Eisenbahnbau-Nbteiiung unter Oberleutnant Nittsr auk Otjimbingws beschlossen, während die Masse des Expeditionskorps sich nach Norden wenden sollte, um zunächst zwischen Omaruru, Okahandja und Waterberg Klarheit zu schaffen. Nm II. brach Major v. Estorkk mit der Compagnie Baering und 2 Maschinenkanonen von kxaribib auf Omaruru auf. Nm 12. wollte ihm 153 Der Bukstand Der löerero. Major v. (Zlasenapp mit den Compagnien Schering und Lieber, 4 Maschinenkanonen und V- Sanitätskolonne folgen, als folgendes Lelegramm des am 1l. in Swakopmund gelandeten Bouvernsurs eintraf: »Telegramm an Major v. (Zlasenapp. Zuerst geplante Verteilung der Compagnien bleibt bestehen mit der Maßgabe, daß Sie mit zwei Compagnien und vier Beschützen in Okahandja zu meiner Verfügung bleiben. Ich werde in zwei bis drei Hagen dort eintreffen. Line Compagnie und zwei Beschütze sollen von VVindhuk nach Bobabis marschieren. §ür landeskundige §ührer sorgen. Line Compagnie soll nach Omaruru weitergehen» wo Major v. Estorkk das Kommando übernimmt. Swakopmund, 1I.§ebruar 1904. gez. Leutwein." Infolge dieser Oepeschs setzten sich nunmehr die Gruppen in folgender Verteilung weiter in Bewegung: a) Kolonne von Estorkk; wie bereits berichtet, auf Omaruru. b) Kolonne B^gas; etwa 50 Mann Eisenbahn- und 40 Mann Landungstruppen S. M. S. „Babicht", ein Beschütz L 73 und eins Bsvolvsr- kanons am 12. §ebruar von kxaribib auf Otjimbingws - Brotz- Barmen — Okahandja. c) Kolonne §ischel; 1. Marine - Inkanteriskompagnis, 2 Maschinenkanonen, Sanitätspersonal am 12. §ebruar von Ixaribib auf VVindhuk - Bobabis. d) Der Best des Expeditionskorps, Compagnien Schering und Lieber, ^ Maschinenkanonen-Abteilung und die Sanitätskolonns, war am 13. in Okahandja versammelt, wo ungesäumt die zahlreichen, kür einen etwaigen Vormarsch notwendigen Vorbereitungen getroffen wurden. ßurz darauf trafen weitere Meldungen aus dem Osten ein, die neue Entschlüsse erforderten: Der vistriktschsk von Bobabis berichtete, daß die Berero sich bei lxshoro in Masse sammelten, anscheinend, um mit ihrem Vieh nach Osten zu ziehen und die englische Brenze zu überschreiten. Er empfahl dringend, Epukiro, Ombakaha und Bietkontein stark zu besetzen, um den Übertritt zu verhindern. Zu gleicher Zeit traf die Meldung der Die §ormierung der „Ostabtcilung". 15Y Compagnie §ischel ein, datz am 15. nachts zwischen Windhuk und Sesis bei den „schwarzen Klippen" einer ihrer flutzenposten von den löerero angegriffen worden sei und 3 Hots und 2 Verwundete verloren habe. Infolgedessen wurde vom Gouverneur der sofortige Vormarsch eines starken Dstachements nach dem Osten beschlossen, und mit der Leitung der Operationen der Major von Olasenapp betraut. Die Compagnie §ischsl wurde an ihrem Standort bei den „schwarzen Klippen" festgehalten und bezog dort ein befestigtes Lager. Die Kolonne Winklsr hatte im Vormarsch von Windhuk nach Osten am 11. §sbruar eins feindliche Werkt überfallen und war am 16. in Oobabis eingetroffen. Ihr sollten die übrigen Leile der „Ost-- abtsilung" in zwei Staffeln folgen. In Deutschland hatte inzwischen Seine Majestät der Kaiser den Lhek des Gsneral- stabes der Drmee, Generalobersten (Zraksn v. Schliessen, mit der Oberleitung der Operationen beauftragt. Oberst Lsutwein, der sich zunächst — bis zum Eintreffen der Pferdstransports und bis zum Ende der Pfsrdsstsrbe: etwa 15. Ltpril - den löersro gegenüber abwartend verhalten wollte, erhielt den Gskehl, die Operationen gegen Outjo und Grootkontein- Dord so bald als möglich aufzunehmen. Der Gouverneur hatte, als er noch im Süden weilte und nur ungenau über die Ausdehnung des flukstandes unterrichtet war, nach Gerlin berichtet. Major von Slalenapp. Der Ausstand der IZerero. 160 datz die im Schutzgebiet befindlichen Gruppen zur Niederwerfung der Unruhen genügen würden. In Deutschland war man jedoch wesentlich anderer Auffassung gewesen, die Entsendung des Marine-Expeditionskorps und der ersten Verstärkungen der Schutztrupps war angeordnet worden, und der Gouverneur überzeugte sich nach seinem Eintreffen auf dem Kriegsschauplatz, daß er die Landung des letzten Mannes der Verstärkungen abwarten müsse, ehe von einem energischen Vorgehen gegen die lösrsro die Aede sein konnte. An dieser Stelle wird ein kurzer Überblick über: Die allgemeine Lage und die Schwierigkeiten der Kriegführung am Platze sein, Schwierigkeiten, die für die neu aus Deutschland ein- gstrokksnen Mannschaften weit größere sein mutzten, als für die bereits längere Zeit im Lande dienenden Aeiter der Schutztruppe, kür die Aeservsn und kür die Freiwilligen. Unter dem Druck der gelandeten und sich nach und nach in Marsch setzenden deutschen Kolonnen veränderte sich die Lage wesentlich. Während die Deutschen von ihren an der Eisenbahn gelegenen löauptsammelpunkten l^aribib, Okahandja und Windhuk aus sich teilten und strahlenförmig nach den gskährdetsten Punkten ouseinandermarschiertsn, trat beim Feinde die gegenteilige Erscheinung ein. Im Jahre IY04 schrieb ich hierzu:*) „Die löerero schlössen sich allmählich enger zusammen und besetzten mit starken ßriegshauksn die infolge ihrer natürlichen Deschakkenheit kür die Verteidigung günstigen Punkts und Landschaften, die den zahlreichen Serden genügend Wasser und Weide boten. Die Okahandja- und Onjatigebirgs, das l^omashochland mit seinen Ausläufern, das Lievengebirgs und der Waterbsrg sind solche natürlichen Festungen, Fels- und Oebirgswildnisss, deren schwer zugängliche, schroffe Abstürze und Aandgebirgs die reichen Weidsgründe, Läler voll saftigen Orases, und die ergiebigen Wasserstellen des Innern decken. Aber schon zu dieser Zeit verhielten sich die IZerero nicht nur abwartend in ihren Zufluchtsorten, sondern sie versuchten an einigen Stellen die vormarschierenden Kolonnen aufzuhalten oder, wie der Afrikaner sagt, sich ihnen „vorzulegen", köierin ist, ebenso wie früher in ') Vierteljahrshekte kür Xruppenkührung und IZesreskunds IS04, 3. Sekt, Die Schwierigkeiten der Kriegführung. Ibl der Einschließung der Hauptorts der Damaralandes, zweifellos bereits dos Hervortreten offensiven Geistes zu erkennen. Dieser machte sich, nachdem energische Sichrer Einfluß auf die mehr und mehr sich zusammenschließenden Horden gewonnen hatten, in den späteren dämpfen als Gekschtsokkensive in hohem Maße bemerkbar. Die Sechtwsiss unserer Eruppen in Südwestafrika kann sich im allgemeinen in den einkochen Sormsn und Grundsätzen der heimischen Vorschriften halten. Wo diesen gegenüber Änderungen notwendig sind, werden sie durch das Gelände oder durch klimatische Einflüsse bedingt. Llber die unter Umständen durch die Verbindung dieser Saktoren entstehenden un- gemessensn Schwierigkeiten in der Kriegführung können in ihrer ganzen Größe und IZedsutung nur Landeskundige beurteilen. Sie werden in der Heimat daher dauernd stark unterschätzt. /Aufklärung, Sicherung und Marsch sind es vor allem, die in Südwestatrika ungleich schwieriger und zeitraubender sich gestalten als im europäischen lkriege. Daneben fällt kür die Gekschtstätigksit die hohe Eageshitze der Sub- tropsn besonders erschwerend ins Gewicht; aber auch das Überwinden wild- zerrissener, schroffer Gebirge, das Erklettern der durch den Einfluß der Sonnenstrahlen glühendheißen Selsmauern und das Durchkrischsn verworrene^ verkilzter Dornbuschwäldsr kann im europäischen kriege nicht zu den täglichen Ereignissen gerechnet werden. Auch das Mitführen und der Dachschub von Proviant und Munition bildet bei den schlechten Wegen, okt auch durch den Mangel an geeigneten Zugtieren, eins Aufgabe, von deren Schwierigkeit sich der Laie schwer einen Gsgriff machen kann. Diese §rage besitzt aber eins kür alle kriegerischen Operationen entscheidende Sedeutung durch das Sehlen aller natürlichen Hilfsquellen im Lands. Es erhellt aus diesen Ausführungen, daß die deutschen Eruppen kein leichtes Spiel in einem Lande haben konnten, in dem sie neben den Schwierigkeiten des Geländes und eines ungewohnten Klimas einen tapfer fechtenden, modern bewaffneten und ihnen an Zahl weit überlegenen Gegner fanden, der bei allsdem eine gewisse instinktive Strategie und eine verschlagene Eaktik sich zu eigen gemacht hatte. Diese Erscheinungen traten einige Zeit, nachdem durch den Entsatzzug der Compagnie Sranke und das Eingreifen des „Habicht" sich die Lage vorübergehend zu gunstsn der deutschen Sachs verschoben hatte, immer Nrieg IS04-I406. II 162 Der Aufstand der Serero. deutlicher hervor. Fast hat es den Anschein, daß die Ssrero Scham empfanden, den kühnen Angriffen dieser kleinen vetachsments nicht energischer Widerstand geleistet zu haben. I^urz, sie besannen sich auf sich selbst und gingen daran, den frisch eingstroffenen Verstärkungen gegenüber ihre Widerstandsfähigkeit von neuem zu erproben." Der Zug des i^apitänleutnants (Z^gas ins Zxvakoptal und der ^ruppenbetehl vorn 15. §ebruar 1904. Die erste der deutschen Abteilungen, die Gelegenheit hierzu bekam, war die Kolonne des k^apitänleutnants G^gas, die über Otjimbingws in das Swakoptal vorrückte. Der Sereroplatz, den Leutnant a. O. Landmesser von Franksnberg mit 44 Gewehren hielt, wurde am tä. Februar passiert, ßapitänleutnant G^gas konnte hier über den Aufenthalt des abgezogenen Feindes nichts Genaueres erfahren, als daß er östlich von Otjimbingwe am Swakop sitzen solle. Der deutsche Führer beschloh sofort, den Gegner unter allen Umständen aufzusuchen, und traf ihn am 1b. in starker, befestigter Stellung am Liewsnberg, die unter gewaltigen Anstrengungen der tapferen kleinen und den Sersro an Zahl weit unterlegenen Schar in 7^ ständigem Gefecht gestürmt wurde. Auf dem weiteren Marsch über Quaipütz und Sne^rivier auf Grotz- IZarmen kam es am 19. bei l^lein-Garmen nochmals zu einem sehr heftigen Gefecht, in dem die Ssrsro versuchten, die marschierende Kolonne zu überfallen, von dieser aber auf das kräftigste zurückgewiesen wurden, löiermit erzwäng sich ßapitänleutnant G^gas den Zugang nach Groh-Garmsn, das bisher ganz abgeschnitten gewesen war und das Vetsrinärrat Aickmann mit einer Patrouille von 20 Aeitsrn aus Okahandja trotz zweimaliger Versuchs am 17. und 18. nicht hatte erreichen können. Am 20. traf das vstachement in Okahandja ein. An Verlusten waren in beiden Gefechten zu verzeichnen: 2 Mann tot und 8 Mann verwundet. Nach einem nochmaligen Zug mit der Compagnie Schering nach Okamita, wo jedoch der Gegner nicht mehr angetroffen wurde, kehrts das Landungskorps unter l^apitänleutnant G^gas- am 27. wieder nach Swakopmund und an lZord zurück. An Land blieben noch Oberleutnant zur See löermann und L>r. Veiten mit 14 Mann bei der Compagnie Winklsr und 6 Mann auf verschiedenen Der Lruppsnbekehl vom .15 Februar 1404. 163 Stationen, Der Bericht des Bdmiralstabes sagt über die Tätigkeit des Landungskorps S. M. S. „Babicht": „Bis erste Lrupps in dem vom Bukstands verwüsteten, von ausreichenden Streitkräften entblößten Lande eingetroffen, hatte sich das Landungskorps mit Lnergie der ihm nach Lage der Dinge zufallenden Bufgabe gsmidmet. Statt, wie erhofft, sofort dem Feind entgegenrücken zu können, war es, weil zum selbständigen Vorgehen zu schwach, gezwungen, den folgenden Verstärkungen die Wegs zu ebnen durch Wiederherstellung der Bahn. Diese Bufgabe wurde gelöst. Buk dem Zuge nach Otjimbingws - auf dem Marsche wie im (Ze- kecht — zeigten sich die Mannschaften der Marine jeder Situation voll gewachsen und erbrachten erneut den Beweis dafür, daß sie auch Bukgaben, die außerhalb des eigentlichen Bereiches ihrer Tätigkeit liegen, voll gerecht zu werden vermochten." — Bm 15. Februar gab Oberst Leutwein in l^aribib folgenden Lruppen- bekehl, den das II. Beiheft der „Marine-Bundschau" im Buszuge wiedergibt: „Lruppenbekehl. l^aribib, 15. Februar 1904. Eingegangen Okahandja, 16. Februar 1904, 2 Llhr nachm. (2. bis 4.) Die im Felde stehenden Lruppen werden in drei Bbteilungen gegliedert, und zwar: a) Westabteilung unter Major von Cstorkk: 2. und 4. Fsldkompagnie, eine Compagnie des Seebataillons, einige Osschützs verschiedenen Systems. Bufgabe: Säuberung des Distrikts Omaruru. b) Bauptabteilung, unter mir selbst, zunächst bestehend aus: einer Compagnie des Seebataillons nebst zwei Maschinenkanonen. Bierzu treten die am 28. Februar landenden rund 500 Mann der Schutztruppe, welche in die 5., 6., 7. Compagnie und eine Fsldbatterie eingeteilt werden. Möglicherweise landet eine weitere Fsldbatterie. Bufgabe: Bis zu beendeter Formierung: Balten von Okahandja, Beunruhigung des Oegners, soweit ihr dies möglich. Dach Formierung: n' 164 Oer Aufstand der löorero. Angriff der Hauptmacht des Gegners, deren Verbleib zunächst erkundet werden wird. Die Gesndigung der §ormierung ist frühestens in etwa 1 Monat zu erwarten. c) Ostabteilung unter Major v. Glasenapp: Compagnie v. Winklsr, Compagnie Gggers, zwei Compagnien des Seebataillons, einige Geschütze verschiedenen Systems. 5. Die Ostabteilung säubert den Distrikt Gobabis und nimmt alle erreichbaren Gewehrs ab. Ihre fernere Aufgabe ist Sperrung der über die Ostgrsnze führenden Übergänge gegen etwa mit Viehherden flüchtende Herero. Die ersteren sind tunlichst festzuhalten. Der eine dieser Übergänge (Aiettontsin) liegt im Distrikt Gobabis, der andere (östlich Otjituo) im Distrikt Grootfontsin. Mit dem letzteren ist baldtunlichst Verbindung herbeizuführen. Hierbei ist in Gemeinschaft mit den vistriktscheks zu handeln, welche beide hervorragende Landesksnner sind. 6. Hauptmagazin wird für die Ostabteilung in Gobabis errichtet. Den Nachschub von den Magazinen nach den Abteilungen regeln diese selbst. 7. Der §sind scheint in zahlreiche kleinere Gruppen verteilt zu sein, mit der Hauptmasse aber sich bei Waterbsrg zu sammeln. Eine stärkere Abteilung - anscheinend der Djetjostamm ist auch bei Hehoro im Distrikt Gobabis gemeldet. gez. Lsutwein." vie Operationen der Ostabteilung.*) Der Vormarsch nach Osten. - Das Orkundungsgekecht bei Owikokorsro. — Im Lager von Onjatu. — Der Sieg bei Okaharui. — Abmarsch nach Otjchaensna. — Auflösung der Ostabtsilung. In Windhuk hatte unterdessen Hauptmann von §rangois umfassende Maßnahmen getroffen, um den Vormarsch des Detachements von Glasenapp nach Osten vorzubereiten. Gs waren landeskundige §ührer und Drsiber- personal, Pferds, Zugochsen und Wagen bereitgestellt worden. Hauptmann von §rangois selbst trat zum Stabs des Detachements, das nun in ihm und den später hinzutretenden Oberleutnants von Winkler, Gggers und Streitwolf Vgl. Skizze auk Seite I4L. Der Vormarsch nach Osten. 165 über eine Beihe vorzüglich landeskundiger Offiziere verfügte. Ebenso leisteten die bei der berittenen Abteilung befindlichen Reservisten, Landwehr- leute und Kriegsfreiwilligen - meist §armer und kandier - ausgezeichnete Dienste. Das Pferdematerial allerdings war ein durchaus minderwertiges und bestand — außer den vom Expeditionskorps aus Deutschland mitgsfichrten Pferden - zumeist aus verbrauchten und von Krankheiten notdürftig wiederhergestellten Eieren, die von früher durchmarschierten Abteilungen in Windhuk und Okahandja zurückgelassen worden waren. Dmso höher müssen die späteren Leistungen der Berittenen eingeschätzt werden. Dur die sorgfältigste Pflege und Beaufsichtigung der Pferde hat sie ermöglicht; unter den so überaus schwierigen Verhältnissen der Märsche in den unbekannten wasserarmen Landschaften des Ostens eins doppelte und dreifache Anstrengung. Am 17. §ebruar verließ der 3tab der Ostabteilung mit der Kompagnie Lieber, 2 Maschinenkanonen unter Leutnant z. 3. Ehrhardt c>n lanileskuncliger külner und 30 Aeitern unter Oberleutnant der Landwehr Köhler Windhuk im Vormarsch auf Oobabis. Proviant für 30 Eage wurde auf Ochsenwagen mitgeführt. Dach den ersten, infolge des mangelhaften Zugtiermaterials und der Llngeübtheit der Ereiber sehr erschwerten Märschen hat die Wagenkolonne unter Rührung des Oberleutnants Orafen von Brockdorkk und mit 31 Leesoldaten Bedeckung glänzende Leistungen vollbracht. Am 19. vereinigte sich das Detachement bei den „schwarzen Klippen" mit der Kompagnie §ischel und traf am 20. in Leeis ein. Am 21. wurde nach Absuchung der verwüsteten Missionsstation und der Werkte in Otjihasnena Orumbo, am 23. Otjiwarumende am Dossob Ibb Oer Aufstand der löerero. polten mit Illllsctiinengeiostir. erreicht. Zier trat eine Odeldung Winklers ein, nach der er beabsichtigte, die mit ihrem Vieh noch in und nördlich Owikango stehenden lösrero über Owingi auf kshoro zu drängen. Major von Olasenapp bog infolgedessen von Okaseva auf Kehoro ab, auf das unter Verständigung Winklers kür den 25. der Angriff geplant wurde. 6m 23., 24. und 25. legte das aus §utztruppen bestehende Oetachement im ganzen 126 km zurück! 61s es am 25. morgens gefechtsbereit vor kehoro erschien, war der Gegner jedoch entschlüpft, eine herbe Enttäuschung für die tapferen, unermüdlichen Lee- soldaten. Noch am 25. nachmittags wurde Groß - Owikango erreicht und damit durch eins dort angetroffene Patrouille der Kolonne Winkler unter Oberleutnant Streitwolf die Verbindung mit dieser Abteilung hergestellt. 6m 26. wurde in Owingi die Vereinigung vollzogen. Der Gegner war nach Westen entwichen; sofort mit dem ganzen Oetachsment seiner Spur zu folgen, verbot die Erschöpfung der §utztruppsn, auch war Verpflegung nur noch bis zum 29. vorhanden; weiterer Proviant wurde zu diesem Eage in Owingi erwartet. Zunächst galt es aber auch ksstzustsllsn, ob in der Eat — wie allgemein vermutet - die Masse des Viehs der lösrero bereits auf dem Wege nach Osten, den Grenzen des IZritisch-Getschuanalandes zu, begriffen sei. Während in Verfolg dieser Aufgabe die 1. Kompagnie (§ischel) mit einem Maschinengewehr am 27. nach Okarosomisse zur Sperrung dieser wichtigen Wasserstelle rückte, wurde aus den bestbsrittenen Mannschaften eine noch durch Zuteilung von Offizieren verstärkte Erkundungs- abtsilung gebildet, um energisch nach Norden aufzuklären. Der Stab schloß Der Vormarsch nach Osten. 167 sich der von dem altbewährten Oberleutnant Eggers geführten fliegenden Kolonne an. Nur eine Ochsenkarre mit Proviant, Munition und Sanitätsmaterial begleitete die Deiter, die von ßanduwe über Otjinene am Eiseb, Owinaua-naua, Eware und Okowarumsnds weit nach Westen ausholend vom 28. §ebruar bis zum 3. März 200 km zurücklegten. Die wenigen gefundenen Spuren bewiesen, daß die löerero nach Westen gezogen waren, in 2 Kolonnen folgte ihnen das Dstachsment am 6. März. In l^anduwe wurde hierzu am 3.März folgender Operationsb ekehl*) gegeben: „l. Durch Erkundung ist festgestellt, daß ein Abzug von löerero mit Vieh in östlicher oder nördlicher Dichtung nicht stattgefunden hat. Alles deutet auf eine Versammlung des Oegners in den Onjati-Sergen hin. 2. Die Ostabteilung marschiert in 2 Kolonnen westwärts und erreicht bis 14. d. M. abends Erindi, bezw. linke Kolonne Ekuja .... Entgegentretende feindliche Abteilungen sind auf die Onjati-IZerge zurückzuwerfen. 3. 4. Die nach I^anduwe abgegebene Kavallerie der linken Kolonne verbleibt zunächst bei der nördlichen Kolonne und erreicht bei Omitiomire (östlich Ekuja) die Marschstratze der Kolonne Lieber. 5. Otjituesu wird voraussichtlich von Windhuk aus besetzt. 6. Meldungen der linken Kolonne an mich bei der rechten (löaupt-) Kolonne. (gez.) v. Olasenapp. Ostabteilung (rechte Kolonne). I^anduwe, 6. 3. 04. Operationsbefehl Dr. 5. 1. Das Detachement steht heute 3 °" nachm. auf den Siwaksplätzen zum Abmarsch bereit. 2. Marschordnung: Kavallerie (Oberleutnant (Eggers). Detschuanen auf Dsitochsen. 1 Inf. l^omp. mit Sicherung, ihre Artillerie am Ende. 1 Inf. I^omp. mit ihrer Artillerie am Anfang: - Diese Compagnie stellt die Dachspitzs, welche am Ende der IZagags, hinter dem Schlachtvieh, marschiert. Dagage: §ührer: 1 Offizier der Hinteren Compagnie, welcher sich, mit Sergeant Ehalheim in Verbindung setzt. ') Siehe II. Veihekl zur Morine-NunLschau 1905. I 168 Der Sukstand der l^erero. 3 M " » 1 Medizinkarrs, l Lazarettwagen, sämtliche Munitionswagen (darunter t leerer Krankenwagen mit Munition beladen), t kavallsriewagen, 3 Wagen des Stabes, 3 bez. 4 Wagen der vorderen Compagnie, 3 bez. 4 Wagen der Hinteren Compagnie, Wagsnbeglsitung stellen die Compagnien usw. für ihre Wagen selbständig (mindestens t Sektion pro Compagnie). Die Reihenfolge der Compagnien beim Marsch wechselt täglich. Seute marschiert Compagnie Fischel vorn. Die Fahne stets bei der Compagnie Fischsl. 3. Lager bei Liag: Sicherung erfolgt durch die Kavallerie. 4. Lager bei I^acht: Sicherung durch Infanterie, und zwar je l Llnteroffizisrposten in Front und linker Flanke von vorderer, in Bücken und rechter Flanke von Hinterer Compagnie. vis Wagen und Seschützs fahren hintereinander zum kreise, Vorderachsen unmittelbar an den vorhergehenden Wagen heran; Offizier- und Lazarettwagen innen in den kreis. - L>ie Ssschütze werden abgeprotzt in die Linie der Infanterie geschoben. Der Vormarsch nach Osten. 169 5. Im allgemeinen wird das vstachement nur mittags ans Wasser kommen, alle Oskätze sind stets gefüllt zu halten. b. Osr IZagageführsr holt sofort nach Eintreffen im Lager Befehl vorn Adjutanten über ftusspannsn der Ochsen usw. - Die Befehlsempfänge»- versammeln sich ebenfalls sofort am Offizierwagen des Stabes. 7. bis 9. usw. Oberleutnant Cggers. S. lloock pliot. (gez.) v. Slasenapp." Die rechte Kolonne, §ührer Major v. Blassnapp, (Compagnie §ischel, 2 Maschinenkanonen, t Ma schinengewehr; l Schutztruppsn- Compagnie, l Osschütz L/73, 1 I>e- volvsrkanone, I Maschinengewehr; Beiter-Ltbteilung Eggsrs) marschierte im Lal des Omuramba- Cpukiro; die linke Kolonne, §ührer Sauptmann Lieber, (Compagnie Lieber, 2 Maschinenkanonen; Beiter-Libteilung Köhler) über k^shoro im Lal des Schwarzen Bossob aufwärts. Von Okaseka wurde auf die Meldung eines Befangenen, datz Ljstjo mit viel Vieh in Okandjesu sitze, von der rechten Kolonne der Marsch querfeldein auk diesen Platz fortgesetzt. Oberleutnant Eggers mit den Berittenen ging über Otjiarua von Bordwestsn gegen Okandjesu vor. Die Baupt- kolonne erreichte den Ort über Okatgongoro am 9. März früh; der Gegner war jedoch bereits in westlicher Dichtung abgezogen. Buch die linke Kolonne traf am 9. über Owingi — ^ehoro in Okandjesu ein und rückte am lO. auf Ojiso —Osindi weiter, während die rechte Kolonne am t l. Okatjuri erreichte, wo man auf die sicheren Spuren starker löererobanden mit zahlreichem Vieh traf. Bier wurden deshalb Zettel am Wege zurückgelassen 170 Der Aufstand der kZerero. mit dem Gekehl kür die Unke Kolonne, sofort auf Onjatu zu marschieren, um dort den Anschluß an die Gauptkolonne zu bewirken, die selbst am 12. Onjatu erreichte. Um nicht während der nunmehr kür die §utztruppsn dringend notwendigen Duhs - in 18 Marschtagen waren etwa 470 km zurückgelegt worden! — die mühsam erlangte §ühlung mit dem Gegner zu verlieren, wurde eine Erkundung gegen Westen beschlossen. Dort lag die bekannte wichtige Wasserstelle Owikokorsro. War diese frei vom §einde, so sollte über Otjikuoko gegen die Onjati-Gerge vorgestoßen und die Verbindung mit Okahandja, die von dem größten Wert sein mußte, gesucht werden. Dem Eruppenkommando wurden von den Gewegungsn und Absichten des Detachements dauernd Meldungen übersandt. Die noch brauchbaren 37 Pferds der rechten Kolonne wurden für die Erkundungsabteilung bestimmt und zur Verstärkung der Sskechtskraft der kleinen Schar ihr die in Onjatu entbehrlichen Offiziere nebst einem Maschinengewehr zugeteilt. Der Stab begleitete die Abteilung zu seiner Orientierung. §ür die Dauer der Erkundung waren 3-4 Eage vorgesehen. „Gis dahin", sagt der amtliche Gericht des Admiralstabs der Marine, dem wir nun folgen, „konnte die Ostabteilung in Onjatu aufgeschlossen sein und die noch ausstehende Proviantkolonne (sieben Wagen) des Oberleutnants §rhrn. v. Dobsneck eintreffen. Alsdann war die vereinigte Ost- abteilung in der Lage, den Vormarsch, je nach dem Ergebnis der Erkundung, nach Westen oder Norden fortzusetzen. Am 13. März, 6 Uhr vormittags, trat die kleine Abteilung den Marsch an. Um 7 Uhr vormittags wurde Otjikuara erreicht und daselbst bis 8 Uhr gehalten. Das wenige dort befindliche Wasser war zum Eränken der Pferde zu kalt. Um 8 Uhr in westlicher Dichtung weiter reitend, wurden bald darauf seitwärts des Weges zahlreiche Vishspursn gefunden, welche vorübergehend verloren gingen. Segen 10 Uhr wurde an einer kleinen im Dusch gelegenen Vle^ geruht, 2chz Ohr nachmittags in westlicher Dichtung weiter geritten; die Farrs folgte unter Gedeckung von sieben See- soldaten. An die Ostabteilung war GekshI gesandt, einen 3ug als Dückhalt an die Wegegabel von Otjikuara zu legen. Segen 4 Uhr nachmittags brachte die Spitze eine am Wege ruhende ältere löererokrau mit l^ind ein. Von Oberleutnant Eggsrs verhört, gab sie an, daß die Abteilung auf der Spur Ejstjos sei, dieser selbst wäre noch in Das Gefecht bei Owikokarero. 171 der südlich des Weges liegenden Werkt, der größte Heil des Stammes aber bereits im Weitermarsch, nur noch wenige Leute seien in der Werkt. Während des Verhörs ging die Meldung ein, daß südlich des Weges eine löerde Großvieh stände. Die Lage erforderte kurzen Entschluß: entweder durch Entsendung von schwachen Patrouillen die Wahrheit der gemachten Angaben zu prüken oder die Gelegenheit zu ergreifen und durch überraschenden Angriff sich Klarheit zu verschaffen. Waren die Eingaben der löererokrau richtig, dann konnte es gelingen, in den lZssitz des vielleicht stehengelassenen Viehs zu gelangen und die zurückgebliebenen Lsile des Gegners zu schlagen; waren sie falsch, stieß man auf stärkere Kräfte, so war die §eststellung dieser Tatsache von größter Wichtigkeit. Schwächere Patrouillen zu entsenden, erschien nicht ratsam, da sie in dem schwierigen Gelände überhaupt nicht wiedergekommen wären; sie wären, wenn stärkere feindliche Kräfte anwesend, umzingelt und abgeschnitten worden. Major von Glasenapp entschloß sich daher in Uebereinstimmung mit den alten Afrikanern Dauptmann von §ran^ois und Oberleutnant Eggsrs zum Angriff. Ein langer Galopp über eine große, mit wenig IZüschen besetzte Lichtung brachte die überraschend auftretende Abteilung in den Dssitz der Viehherden. Die Wächter wurden erschossen, Patrouillen zum Abtreiben des an verschiedenen Stellen weidenden Viehs zurückgelassen. Weiter reitend wandte sich die zum Gefecht in breiter §ront (etwa 300 m) entwickelte und durch Patrouillen gesicherte Abteilung gegen die mutmaßliche Dichtung der Werkt, wohin im dichten Dusch zahlreiche §ußpkads führten, jeden Augenblick bereit, mit dem Gegner in Derührung zu kommen. Einzeln auftauchende Schwarze liefen fluchtartig davon! Gegen 4^ Uhr nachmittags fielen am rechten blügel aus dem Dusch die ersten feindlichen Schüsse; es wurde abgesessen. In entwickelter Schützenlinie war man in einem Sprunge dem bisher unsichtbaren, aber anscheinend schwachen Gegner ohne Verluste nahe gekommen. Zur Drschung des Widerstandes wurde das Maschinengewehr in die Mitte der §suerlinie in die Nähe eines Termitenhügels genommen; die Pferde, von einigen pkerdehaltern gehalten, folgten, um im dichten Dusch nicht abzukommen. Der linke §lügel, Oberleutnant Eggers, bisher keinen Gegner sich gegenüber findend, erhielt Dekehl, rechts zu schwenken 172 Der Aufstand der lZerero. und das Feuer aufzunehmen. Die Ansicht, daß man es nur mit wenigen feindlichen Schützen zu tun hatte, schien sich zu bestätigen. Erst nach Verlauf von einer Viertelstunde fing das bisher schwache, aber wohlgszielte und aus nächster Entfernung abgegebene Feuer an, sich zu verstärken. Das Sekecht nahm allmählich einen heftigen, erbitterten Charakter an. Erotz des Maschinengewehrs gelang es nicht, den Widerstand des an Zahl nicht starken, aber geschickt postierten Gegners zu brechen.*) Aus der Dichtung, welche das feindliche Feuer nahm, war aber zu ersehen, daß der Gegner allmählich seine Flügel verlängerte und die Absicht Halts, die Abteilung auf beiden Seiten zu umfassen. Von kern her ertönte zugleich wüstes Getöse von löundsrtsn von Msnschsnstimmen. Es war klar, und Oberleutnant Eggers' Meldung bestätigte dies, man hatte in kürzester Zeit das gesamte Kriegsvolk des Stammes sich gegenüber. Eins Fortsetzung des Kampfes mit den geringen Kampfmitteln hatte, nachdem festgestellt worden war, daß man sich einem starken und in guter Stellung befindlichen Gegner gegenüber befand, keine Aussicht auf Erfolg. Deswegen wurde auf Ssfshl das Gefecht vom linken §lügel abgebrochen und zurückgegangen. Nur einige Leute des linken Flügels vermochten dem Gekehl zu folgen, die Mehrzahl war dem aus nächster Entfernung (70 m und weniger) abgegebenen, mörderischen Feuer erlegen. Fast alle Pferde waren von der Flanke her getötet oder schwer verwundet. Während vom linken Flügel die wenigen Überlebenden unter dem Schutz des noch feuernden rechten Flügels zurückgingen, tobte in der Mitte der Feuerlinie der Kampf weiter, löisr, wo das Maschinengewehr stand, häuften sich die Verluste. Schon einmal war es zum Abfahren aufgeprotzt, dann aber zur Abwehr stärkerer, heranstürmender Scharen des Gegners wieder in die Feuerlinie gebracht. Dreimal hatte die Bedienungsmannschaft gewechselt, der tapfere Führer, durch zwei Schüsse schwer verwundet, war kaum be- wsgungskähig, die beiden Zugtiers erschossen. Alls Versuche, das Gewehr aus der Feuerlinie zu bringen, scheiterten und brachten sicheren Eod. So muhte es schließlich stehen bleiben, nachdem Obermatrose EHIers es unbrauchbar gemacht hatte, für den Gegner eine nicht mehr verwendbare Wake. ') Nach Meldung des Bastards käme rieten die Berero einander zu: ,,>K)ir wollen nicht weglaufen, es sind ja nur 30!" Das Sekecht bei Owikokorero. 173 Langsam, von Nuknahmsstellung zu flufnahmestellung zurückgehend, hielten die geringen Neste der Abteilung den Ansturm des in der §ront und den §lanken nachdrängenden Gegners durch §euer ab. Es schien nur eine §rage der Zeit, wann der übermächtige Gegner das kleine löäutlein erdrücken würde. Gegen 5^/z nachmittags erschien die Sanitätskarre auk dem Gekechts- telde. Oer §ührer, Sergeant Witt vom II. Seebataillon, war dem heftigen ülcktung im kuick bei vioikokoreio. (3m voniergninrie ein Trab.) §suer, welches über die große Lichtung herübsrtönts, zugeeilt, vas kräftige Schnellfeuer*) der wenigen, gewandt verteilten Seesoldaten erweckte in dem Gegner anscheinend den Glauben, daß stärkere Massen im Llnmarsch seien. So gelang es, den Llbtransport der Verwundeten ins Werk zu setzen**). 3 Offiziere, 7 Mann, 2 Eingeborene fanden sich vom Gefechts- *) Einzelne Seesoldaten verschossen in kurzer Zelt über loo Patronen. ") Ms hierbei ein Kchterochse erschossen wurde, versagte das schwarze 7reiderpersona! vollständig. vem gewandten und tatkräftigen Eingreifen des Sekreiten d. Landw. §uhrmann war es zu danken, datz nach etwa 20 Minuten Aufenthalt im feindlichen §euer die karre weiterfahren konnte. 174 Der Aukstand der IZsrsro. felde an der l^arre zusammen. Von ihnen waren 7 verwundet. Nur vorsichtig folgend, begleiteten die löerero den Abzug durch lebhaftes §euer, und auch dieses erstarb in der Dunkelheit gegen Uhr abends. An der Wegegabelung von Otjikuara nahm der nach dort vorgeschobene Zug die Zurückkehrenden auf. Segen Mitternacht traf die l^arre mit der IZedeckung und den Verwundeten in Onjatu ein.*) Aitterlichsr, wie am Eags von Owi- kokorero gskämpft wurde, - das mutz hier ausgesprochen werden -, ist schwerlich je gekämpkt worden. Die Elite der alten afrikanischen Soldaten, an ihrer Spitze lZauptmann von §ran^ois und Oberleutnant Eggsrs, und mit ihnen 5 Offiziere**) und 19 Mann, darunter 3 Offiziere und 4 Mann des Marine - Expeditionskorps, waren gefallen, 2 Offizierei') des Marine- Expeditionskorps schwer verwundet. Schon während des Sekechts war Oberleutnant zur See Mansholt durch Major von Slassnapp nach dem etwa Oberleutnant rur See Stempel. zg km entfernten Lagerplatz der Ost- abteilung zurückgesandt^) zur Übsrbringung des lZsfehls, sich zum Vormarsch kür die Nacht bsrsitzuhalten. Die Vermutung dieses Offiziers, datz die gesamte Erkundungsabtsilung aufgerieben und der §ührsr gefallen sei, veranlahts den ältesten Offizier, löauptmann §>schel, aus eigener Initiative den Vormarsch zum Angriff auf 11 Uhr abends festzusetzen. Satte der §ührer der Ostabteilung anfangs an der Absicht festgehalten, am 14. März von neuem anzugreifen, und so das Ergebnis der Erkundung auszunutzen, so mutzte nach reiflicher Überlegung davon Abstand genommen vie Pflege der Verwundeten übernahm der Cinjährig-§reiwillige kaerger der l. komp. (Mediziner), da der Marine-Oberassistenzarzt Dr. Veiten gefallen war. **) Oberleutnant z. S. Stempel (Maschinenkanon.-6bt.); Leutnant Oziobeck; die k. lZaver. Leutnants d. N. Ichiesmever und Vendix; Marine-Oberassistenzarzt Dr. Veiten (Landungskorps S. M. S „Habicht"). s) Oberleutnant z. S. Hermann (Landungskorps); Leutnant Schäfer (Adjutant des Kommandeurs der Ostadteilung; leicht verwundet durch zwei Streifschüsse am Kopf wurde auch Major v. Olasenapp. ff) vem Oberleutnant z. S. Mansholt wurden hierbei 2 Pferde unter dem Leibs erschossen. 175 Der Angriff der Ostabtsilung wird aufgeschoben. werden. Ginmal waren nach Zurücklassung der kür die Verwundeten, kranken und Wagen nötigen Gedeckung in Onjatu nur etwa 200 Gewehre und 4 Geschütze zur Verwendung in der §ront verfügbar; dann aber hatte der Augenschein gelehrt, daß der Gegner mit überlegenen Grüften in einer für ihn außerordentlich günstigen IZuschposition stand. Auf Mitwirkung der Artillerie war in diesem Gelände nicht zu rechnen, an eins Überraschung -licht zu denken. Der Gegner war imstande, sich dort zu schlagen, wo ihm das Gelände die meisten Chancen bot, und verfügte über Gerittene, während bei der Ostabteilung gerade hierin großer Mangel war. Diese Dmständs veranlaßten, den anfangs auf den 14. März angesetzten Angriff bis zum Gintreffen der linken Kolonne zu verschieben. Ihr wurde noch am 14. März Gekehl gesandt, womöglich an diesem Gags Onjatu zu erreichen. Der Gekehl traf die Kolonne in Okatjeru; aufgeweichte Wege hatten sie nördlich Gkuja aufgehalten. Am 14. März abends traf Meldung hierüber, sowie daß die Aufklärung gegen die Onjatiberge am 12. März auf keine feindlichen Spuren gestoßen sei, in Onjatu ein. Gleichzeitig damit kamen Gekehle und Nachrichten aus Windhuk. Gine von dort aus nach Norden in die Onjatiberge entsandte stärkere Patrouille hatte diese bis Otjosongati frei gefunden. Altere Viehspuren sowie frische von Gerittenen wiesen nach Norden auf Okatumba. Seit dem 9. März wußte man in Windhuk, daß Samuel mit 2000 Mann, gut bewaffnet und beritten, bei Otjosasu stehe. Im Laufe des 14. März traf der seit dem Gekecht vermißte schwarze Diener eines gefallenen Offiziers aus der Gefangenschaft ein. Seine Aussage, wonach er Samuel am 13. März bestimmt bei den Gsrero in Owikokorero gesehen habe, erschien unglaubwürdig. Gins war aber jetzt sicher: daß die Onjatiberge geräumt und die versammelten Gerero am Wegs nach Okahandja nördlich des Gebirges saßen. Um genaue Dachrichten einzuziehen, war schon am frühen Morgen des 14. März ein Gerg- damara an den Weg Owikokorero-Otjikuoko entsandt. Am 15. März vormittags brachte er die Meldung, Samuel sei mit seiner ganzen Macht nach Owikokorero gezogen, dort wollten die „Damara" die Gruppe empfangen. In einem Gebüsch an der Straße verborgen, Habs er dies von den vorbeireitenden Gsrero gehört. Die gleichlautenden Dachrichten beider Gingeborenen zerstreuten die anfänglichen Zweifel an der Dichtigkeit. Der Aufstand der kZerero. 17b Die Ostabteilung stand also einem weit überlegenen §einde gegenüber. Ein Angriff mit höchstens 300 Gewehren, welche in die §euerl>nie gebracht werden konnten, bot keine Aussicht auf Erfolg. So blieb nichts anderes übrig, als stehen zu bleiben, durch Patrouillen zu beobachten und §ühlung zu halten. Meldung über Absicht, Gssamtlags und Gefechtsbericht gingen in doppelter Ausfertigung sowohl durch Meldereiter über Ekuja - Seeis nach VVindhuk, wie durch IZergdamara quer durch die Ansammlungen des Gegners nach Okahandja ab. Der IZergdamara wurde von den Sersro abgefangen, und mit ihm ging die Oisnstpost verloren. §ür den beabsichtigten späteren Angriff wurde die aus dem Süden eingetrokkene Abteilung v. lös^debreck (I berittene Compagnie und I Gebirgs- lZatterie) erbeten. Am 15. März traf die Kolonne Lieber in dem nunmehr abseits der Wasserstelle verlegten Lager ein. Am 17. und 21. März kamen die Proviantkolonne des Oberleutnants §rhrn. v. Oobeneär und Marine-Stabsarzt L>r. Wiemann mit der Sanitätskolonne aus Sseis an, desgleichen mehrere Offiziers als Ersatz kür die am 13. März Gefallenen, sowie ein zweites Feldgeschütz L/73/9I. Am 2b. März wurden kranke und Verwundete nach Seeis abgeschoben, mit ihnen gingen die eingezogenen Landwehrreiter dorthin zurück." Die Ostabteilung verblieb nun vorläufig - bis zum 28. März — in Onjatu, wo ein festes Lager bezogen wurde. Gegen Owikokorero, das bis zum 21. März von den löersro besetzt war, wurde dauernd patrouilliert. An diesem läge trafen neue Meldungen und Gefühle des Eruppen- kommandos aus Windhuk ein. Nach ihnen sollte die Hauptabteilung am 1. April opsrationsbereit sein. „IZis dahin", so hieß es weiter, „halten Sie Ihre Kräfte vereinigt und verwehren Sie dem Gegner nach Möglichkeit einen Abzug in nordöstlicher Dichtung. Sollte er versuchen, um Ihre §lügel herumzugehen, so tun Sie ihm nach Möglichkeit Abbruch. Ein Eingreifen in ein etwaiges Gefecht der anderen Abteilungen wird Ihnen nach Lage der Verhältnisse anheimgestellt. Major v. Estorff hat am 14. März vom Etjoberg aus den Vormarsch in östlicher oder südöstlicher Aichtung angetreten und ist aufgefordert, mit der Hauptabteilung, die am 1. April von Okahandja in nord- „Vorwärts die Artillerie!" Über Owikokorero auf Otjikuoko. >77 östlicher Dichtung vormarschiert, tunlichst zusammen zu wirken. §alls Sie durch eingeborene IZotsn Verbindung mit Lstorkk erhalten, übergeben Sie ihm einliegende tZekehls und fordern Sie ihn auf, Linzelgekechts möglichst zu vermeiden und mit der Hauptabteilung zusammen zu wirken," AIs am 2t. eine Patrouille Owikokorero von den Hsrero geräumt fand, wurde der Platz sofort von der berittenen Abteilung besetzt und die erstrebte Verbindung mit der Westabteilung (v. Lstorkk) durch Erkundungen auf Otjikuoko und Okatumba gesucht, aber nicht gefunden, da diese am 2t./22. März bei Otjiamongombs stand. Oer Abzug des Gegners in zwei Kolonnen auf Okatumba wurde festgestellt. Da der Nest der Pferds der Ostabtcilung infolge des ununterbrochenen patrouillendienstss so erschöpft war, daß die Liere bei der Wagenkolonne geführt werden mutzten, blieb, um dem Osgnsr bei einem Herumgehen um die §lügsl der Ostabteilung nach Möglichkeit Abbruch zu tun - wie es der Hetehl des ^ruppenkommandos vorschrieb -, nichts übrig, als mit der gesamten Abteilung aufzubrechen und so Aufklärung zu suchen. Die Hranksn und der größte Heil der Wagen blieben mit 71 Mann unter Leutnant Huguenin zur Sperrung des Weges Okaharui-Onjatu in Onjatu zurück. Die Ostabtsilung rückte am 28. März auf Owikokorero vor. Von der hohen Spitzkuppe von Owikokorero aus war seit dem 21. allabendlich der Versuch gemacht worden, durch Leuchtraketsn mit der Westabteilung in Verbindung zu treten. Oatz diese schon am 24. in Okahandja eingerückt war, blieb der Ostabteilung unbekannt. Nach Norden oder Osten führende Spuren des Oegners wurden nicht gefunden, wohl aber sagten gefangene Hereroweiber aus, datz Hjetjo von Owikokorero auf On- ganjira abgezogen sei. Um einen für das Zusammenwirken mit der Hauptabteilung geeigneten Punkt zu erreichen, wurde nach Otjikuoko aufgebrochen und dies am 1. April nach beschwerlichen Märschen erreicht. Auch Leutnant Huguenin mit der Wagenkolonne traf über Okaharui dort ein. L)a hier jedoch weder am 1. noch 2. April irgend etwas von dem für den I. beabsichtigten Vormarsch der Hauptabteilung bemerkt wurde, und auch die nach der Heliographenstation Seeis entsandte Aeitsrpatrouille, die Nachrichten vom Lruppenkommando bringen mutzte, nicht zurückkehrte, tauchte die lZekürchtung auf, datz der Oegner die Ostabteilung im Süden umgehen könne. Ein weiterer Vormarsch und Angriff der Ostabteiiung krieg I404-IS0S. 12 178 Osr 5>ukstand der lzerero. allein konnte zudem von Orkolg nicht begleitet sein; nur der gleichzeitige 5lngritk der löaupt-, West- und Ostabteilung konnte ihn dem starken Oegner gegenüber bringen. Da aber bei dem Ausbleiben jeder Nachricht seitens des Uruppsnkommandos Major von Olasenapp — wie sich später herausstellte: sehr mit Aecht - annahm, daß die Hauptabteilung den Vormarsch am I. April garnicht angetreten habe, beschloß er, unverzüglich in die lZereitschattsstsilung bei Onjatu zurückzukehren. Oort konnte er sich am besten dem Oegner vorlegen, falls dieser es versuchen sollte, aus den Onjatibsrgsn nach Osten auszubrechsn. Die berittene Abteilung sollte nach Otjihangws rücken, um festzustellen, ob der Oegner im nördlichen ^sil der Onjatibsrgs sei, und um die Verbindung mit Seeis zu bewirken, eins Unordnung, die später, nachdem sich die volle Sicherheit des Weges nach Sseis herausgestellt hatte, unnötig wurde. Am 3. April um 5— früh wurde auk Otjikuara angetreten. Auf dem Marsch trafen um 8^ fünf von Seels kommende Proviantwagen mit Post und den langersehnten IZefshlen des ^ruppenkommandos ein. Major von Olasenapp sah sofort die Oisnstpost durch, die neben der Nachricht, daß löauptmann a. v. §romm mit 2 Oeschützsn und Munition kür die Ostabteilung im Anmarsch sei, folgenden lZekehl erhielt: Hauptquartier Windhuk, 29. 3. 04. usw. (betr. Otjosasu und Otjimbingwe-löerero). Oas gemeinschaftliche Opsrationsziel der löaupt- und Ostabteilung bleibt der um den oberen Swakop herum sitzende Oegner. Die Wsstabteilung ist in Okahandja eingetroffen und hat sich mit der Hauptabteilung vereinigt. ver gemeinschaftliche Vormarsch wird um den 6. April herum über Otjosasu erfolgen. Suchen Sie Verbindung mit Orootkontein durch Spions herzustellen. (gsz.) Lsutwein. Die berittene Abteilung wurde jetzt nach Onjatu vorausgeschickt und dann wieder angetreten. Die Marschordnung der 2^/z km langen Kolonne war folgende: Der Sieg bei Okaharui. 179 Compagnie 4 (Lieber). Artillerie (Mansholt): 2 L/73/9I, 4 Masch. kan., 1 ksv. kan., I Masch. Sevv. Lchutztruppen-Compagnie (Sraf v. Vrockdorfh. Wagenkolonne: Anfangs 22 Wagen, im Lauts des Marsches traten noch 5 prov. Wagen ein — 27 Wagen (etwa 1300 m Marschlängs). vsi jedem Wagen 2 Mann Bedeckung, außerdem eins Anzahl Leichtkranksr. Kompagnie 1 (§ischel) als Llrrisregarde. Das Selände war eben und mit dichtem IZuschwald bedeckt. Segen 8^ 7itt Major von Slasenapp mit dem Stäbe zum Aussuchen eines Mittagsrastplatzes von der Arrisrsgards zu den vorderen Abteilungen der Kolonne. In dieser Zeit gab die Dachspitze unter Leutnant d. A. Dörr §euer auf sich nähernde berittene lösrsropulks, wurde aber plötzlich mit einem von allen Seiten kommenden rasenden §euer überschüttet. Der Sichrer der Arrisrs- gardsnkompagnie, löauptmann Sischel, griff sofort mit aller Snsrgie ein und warf zunächst den Aest des hinstersten Zuges dem heftig andrängenden Segnsr entgegen. Da dieser auf den Slügsln immer neue Schützen entwickelte, wurden nach und nach sämtliche Züge in das Sekecht geworfen 'bis auf den größeren Leil des ersten Zuges, mit dem löauptmann Sischel, um den vorgeschobenen Abteilungen Luft zu machen, mit aufgepflanztem Seitengewehr zum Sturm vorging. Kreuzfeuer von allen Seiten empfing -die tapfere Schar und machte die Durchführung des Angriffs mit blanker Waffe im dichten löusch zur Unmöglichkeit, löauptmann Sischel ließ den ersten Zug daher sich in lööhs der anderen einnisten und das Seuer- gekecht aufnehmen. In dichten Massen und unter tierischem Sebrüll stürzte der um mehrere löunderts überlegene Segnsr wild auf die 81 deutschen Sewehre vor, aber seine während 40 Minuten immer von neuem einsetzenden heftigen Angriffe scheiterten an dem ruhigen, wohlgszielten Seuer der Kompagnie, die sich vollständig in der löand ihres Sührers befand. Major von Slasenapp erhielt die Meldung von dem sich entspinnenden Sekecht an der Spitze der Marschkolonne. Sofort wurden die Schutz- truppenkompagnie Srak lZrockdorik und die Artillerie aus der Marschkolonne gezogen mit dem löskehl, zunächst eins 800 bis 900 m südlich der letzten Wagen befindliche größere Lichtung zu erreichen und von dort - IZrockdorff links der Kompagnie Sischel — in das Sekecht einzugreifen. Im Laufschritt setzte sich die Kompagnie, die Artillerie im Lrabs und Salopp in Sewegung. Der Stab sprengte gleichfalls zur Lichtung zurück. Die Compagnie Sischel erhielt den löekehl, auf die Kompagnie Srockdorsk 12 ' - 'E ^ Unterokkirit-rpolten üer Marine-Hnkanterie, Osr Sieg bei Okah2ru^. I§l zurückzugehen, den Trompeter Lehmann und weiter der Landwehr Jakobs, im rasenden Schnellfeuer des §eindss in der Karriere bis in die vorderste Schützenlinie jagend, überbrachten. Seide Compagnien und die Artillerie trafen fast gleichzeitig auf den ihnen durch Sekehl zugewiesenen Plätzen an der Lichtung ein, wo nun der I^ampk, von beiden Seiten mit wilder Snergis geführt, weiter wogte. Die Artillerie war zeitweilig gezwungen, die heftigen, bis in die nächste Nähe durchgeführten Angriffe mit kartätschen zurückzuweisen. Inzwischen war der Compagnie Lieber der Sekehl zugegangen, eine Wagenburg zu bilden und zu ihrem Schutze einen Zug zurückzulassen, mit zwei Zügen aber nach der Suschlichtung zu rücken. Nach ihrem Eintreffen sollte zum Sturm geschritten werden. Als jedoch statt der erwarteten zwei Züge die Meldung eintraf, datz die Compagnie Lieber selbst in ein heftiges (Zekecht verwickelt sei, wurde nach energischer §eusrvorbsreitung durch Infanterie und Artillerie um 11^ zum Sturm geschritten. Dem hielt der (Zegner nicht Stand; sein §susr verstummte, seine Schützen verschwanden im dichten lausch, unmittelbar gefolgt von den vorbrechsnden Deutschen. lZis um t Uhr mittags führte Major von (Zlasenapp die Verfolgung auf Okaharui durch. Inzwischen hatte die Compagnie Lieber, gerade als dem lZefshls gemäß 2 Züge nach dem südlichen Kampfplatz abmarschieren sollten, Sücken- feusr erhalten und in I V-stündigem schweren (Zekecht den hier ebenfalls weit überlegenen (Zegner zurückgeworfen. Zur Offensive vorgehend hatte Saupt- mann Lieber durch umfassendes Eingreifen des 3. Zuges allmählich während des Dampfes 500 m (Zelände gewonnen. Der berittene (Zegner entzog sich der Vsrkolgung durch Abzug nach Nordosten, als er seine Absicht, die Wagenkolonne zu nehmen, vereitelt sah. Die Mannschaften bei den Wagen griffen tapfer und geschickt in das (Zekecht ein. Um 2 Uhr waren alle Abteilungen wieder vereinigt auf dem blutgetränkten (Zefechtskelde, wo nach Sestattung der Gefallenen die Dacht gerastet wurde. Die berittene Abteilung, die seit dem 3. mittags in Onjatu stand, hatte 'von dem (Zefschtslärm nichts gehört. Nachgesandte Meldereiter erreichten sie nicht, da der Weg nach Onjatu von den Serero gesperrt war. — Se- zsichnsnd für die ausgezeichnete §eusrdisziplin der Uruppsn ist der Munitionsverbrauch, der pro (Zewehr bei der Compagnie §ischcl etwa 20, 182 Der Llukstand der IZercro. bei Srockdorkf 15, bei Lieber 12 Patronen betrug. Lluch die Llrtillerie feuerte sparsam; das Maschinengewehr verbrauchte nur 69 Schuh! Die Stärke der Compagnien betrug: §ischel 81, IZrockdorff 72, Lieber 81 Oewehre. Der Gegner wurde von den Compagnien auk etwa 600 Mann geschätzt, soll aber nach den Angaben des von den iösrsro gefangen gehaltenen englischen löändlsrs Wallace über 1000 Gerittene stark gewesenem. Über die beiderseitigen Verluste meldet der amtliche Bericht: „Der Verlust betrug auf deutscher Seite 32 Gefallens (einschließlich 1 Offizier)"), 17 Verwundete (sinschlishlich 2 Offiziere)""). Die Compagnie 1 (§ischsl) hatte anfangs den Llnprall des Gegners allein auszuhalten und daher auch die schwersten Verluste, zumal die Dachspitzs käst völlig aufgerieben wurde. Die seitwärts im tausch liegenden Oekallensn hatten die Ssrero entkleidet und der Waffen, soweit sie nicht von der Compagnie mitgenommen waren, beraubt. 42 tote käersro lagen auk dem südlichen Kampfplatz in nächster Entfernung vor der §ront der deutschen Infanterielinis; etwa 50 Lote lieh der Gegner vor der §ront der Compagnie 4 (Lieber) liegen. Diejenigen Loten und Verwundeten, welche er bei dem Leilgskecht der Compagnie §ischsl eingebüßt hatte, waren größtenteils zurückgebracht worden. Diesige IZIut- lachen kennzeichneten die Plätze, wo die Oeschosse der Compagnie die wagemutigen §einde ereilt hatten. Einige der bei den gefallenen löerero- aufgefundenen Güte, mit roten Lüchern umwickelt, kennzeichneten die iZesitzsr als Oroßlsute. Ltlle Dachrichten, welche später von Missionaren über das Oekecht eingingen, stimmten darin überein, daß die kösrero schwere Verluste an den tüchtigsten und besten ihrer l^riegsleute erlitten hatten. Lage- lange Lrauerkeierlichkeiten im lösrsrolagsr bewiesen es." Dm 4. wurde nach Onjatu weitergerückt. Dort ging ein weiterer,, durch den bei Okaharui eingstrofksnen übrigens überholter Gskshl des Lruppenkommandos vom 23. 3. 04 ein, der besagte, daß Einzslgekechta zu vermeiden seien und die Ostabteilung nicht früher zum Llngriff schreiten solle, als bis sie von dem bevorstehenden Llngrikk dei7 Hauptabteilung Kenntnis Habs. Major von Olassnapp blieb daher in Onjatu stehen. In der §olgezeit »1 Leutnant d. N. Narr, ZoNamtsvorlteher. läauptmann kischel, Leutnant lZULebrandt. Im Lager von Onjatu. I3Z wurde unausgesetzt nach allen Seiten patroulliert, ohne auf den §einü zu stoßen. Die durch eins mit köauptmann §romm eingetragene Lichtsignal- adtsilung allnächtlich gemachten Versuchs, mit der Hauptabteilung Verbindung herzustellen, mißlangen ebenso wie die, durch Meldereiter Näheres über die Ereignisse bei der Hauptabteilung zu erfahren. Die weiter wurden von Seeis nach Windhuk bekohlen und kehrten nicht zurück. - Llm 20. Llpril traten durch 2 Eingeborene Nachrichten und lZekehle vom Oruppen- Zm lioger von Onjatu. (Major v. Olasenapp und Offiziere des Stabes am Stabswagen.) Kommando ein, die erkennen ließen, daß der Vormarsch der vereinigten löaupt- und Westabteilung nach den schweren Oekechten bei Onganjira und Okatumba aufgegeben worden war. Da vor Wiederaufnahme der Operationen neue Verstärkungen aus Deutschland abgewartet werden sollten, und somit etwa 6 Wochen vergehen konnten, wurde der Ost- abteilung der Linksabmarsch nach Otjihangws freigestellt. Während dieser Seit sollte ihre Llukgabe eine rein defensive sein. Cin Verbleiben in Onjatu erschien nunmehr zwecklos. Zudem hatte 134 Ocr sslukslanü der lerere. sich infolge der übergroßen Strapazen, der Unbilden des Klimas und der mangelhaften Ernährung trotz aller nur möglichen Vorsichtsmaßregeln und der schärfsten ärztlichen Controlle ein furchtbarer Gast bei der Ostabtsilung eingestellt: der E^phus! Von 12 kranken am 6. April hatte sich die Zahl auk 28 am 12., auf bb am 1b. gehoben! täglich kamen Nsuerkrankungen hinzu. Major von Glasenapp beschloß daher nach Otjihaenena, in der vom Eruppsnkommando freigestellten Dichtung, abzumarschieren. In der dortigen Missionsstation sollte ein Lazarett errichtet werden, und die Abteilung dann nach Neuausrüstung mit Pferden und Gekleidung wieder auf ihren Posten nach Otjihangwe rücken. pazu sollte es indessen nicht kommen. Am 3. Mai wurde vielmehr infolge der immer mehr um- sichgreikendsn E^phusepidemie die Ostabteilung in Quarantäne gelegt und schied damit kür die §olge aus den militärischen Operationen aus. Die berittene Abteilung, die zuletzt in Sesis gestanden hatte und vom Typhus mehr verschont geblieben war, marschierte 5celolckat nack vleruSckentlickem Maikü im kmckkelö 15. Mai zur Sperrung der Ostgrenze nach (Zobabis. Mitte Mai verlieh der Stab Otjihaenena, um sich zu neuer Verwendung nach VVindhuk zu begeben. Am 4. ssuni folgten 2 Offiziere, 118 Mann — Gesunde und Askonvaleszenten — unter löauptmann Lieber. 1 Offizier und 30 Mann blieben zum Schutz des Lazaretts zurück. Die Aeste der Marine-Inkanteriskompagnien, der Maschinsnkanonen- abteilung und des Landungskorps S. M. 3. „löabicht" sollten als Etappen- truppen Verwendung finden. Die Gesamtverluste des Marine-Expeditionskorps an Krankheiten — tast ausschließlich E^phus — betrugen 1 Offizier, 1 Sanitätsoffizier und 39 Mannschaften. Die Erfolge der Oftabteilung. 185 „Ohne zu übertreiben*) darf man sagen, daß die Anstrengungen, die Gefahren, die Mühen und Entbehrungen, welche die Kolonne Glasenapp zu überwinden hatte, übergroße waren. Sie hat die ihr zugefallenen Auk- gabsn glänzend gelöst, denn der kür die zukünftige Kriegführung so wünschenswerte Zusammenschluß der lösrsrobandsn ist kür den östlichen Kriegsschauplatz ihr Werk. In monatslangsn ununterbrochenen Märschen, bald im Dunkel der Nacht, bald unter der glühenden Eagsshitzs der Omahsks hat das Detacheuren! 700 km zu §uß zurückgelegt und Landschaften von 200 km Grsits mit wenigen Gerittenen erkundet. Dabei ist zu bemerken, daß, wenn man der §rags nähertritt, ob die für das Dstachsment (Zlasenapp sich ergebende Aufgabe im Verhältnis zu seiner Stärke, seiner Gsfechts- krakt und Zusammensetzung stand, nur geantwortet werden kann, daß sie diese überstieg. Der Mangel an Pferden und, wie Major von (Zlasenapp selbst hervorhebt, an zuverlässigen, berittenen eingeborenen Spähern trat überall hemmend hervor. Das (Zelände ferner war das schwierigste, das sich im Schutzgebiete findet: Das Sandksld, die Omaheks, meilenweit bedeckt mit den undurchdringlichen Dornbuschwäldcrn, dem „Niederwald", in dem jede Aufklärung, jedes Eindringen Gerittener zur Unmöglichkeit wird. wenn ich weiter nochmals hervorhebe, daß die Mannschaften der Marine-Infanterie zum Esil Gekrutsn waren, so ist das Gefecht bei Okaharui nur noch höher - einzuschätzen. Zier wurden die im dichtesten Dornwald zugleich auf Vor- und Nachhut erfolgenden heftigen Angriffs überlegener, gut berittener Gereroscharen siegreich abgeschlagen und der Gegner verjagt und verfolgt. Lind doch hat ein Dell der Eagespresse den läämpkern von Owikokorero den Vorwurk gemacht, unüberlegt vorgegangen zu sein. Man hat sogar, rind das ist der Gipfel urtsilsloser Unwissenheit, Vergleiche, besonders in bezug auf das Gelände, mit den Ereignissen des südafrikanischen Krieges gezogen. Um diesen Punkt vorwegzunehmen, erkläre ich, daß der Schauplatz des Gurcnkrieges, die mir aus eigener Anschauung bekannten Landschaften der ehemaligen §reistaatsn, nichts Gemeinsames hat mit den Gebieten Südwestakrikas, in denen heute der l^risg tobt. Wohl finden sich auch dort steile, schwer zu überwindende Gebirge, enge §lußtäler, weite Grasebenen und unübersichtliche Gügellandschatten; es finden sich aber nicht ') aus Leu Vierteliahrsheftsn für rruppenführung u. s. w. IS04. 3. Sekt. Sauptmann Schwabe: ,,Sinige Lehren aus dem kriege in Südwestafrika." 186 Der Aufstand der IZcrero. die §elswildnisss des mittleren köercrolandes, nicht die weg- und wasserlosen Grassavannen der Omaheke, nicht ihr furchtbarer, undurchdringlicher Vorn- buschwald. Zum zweiten aber billige ich nur dem die Tätigkeit zu, hier klar sehen und ein Urteil fällen zu können, der als Soldat in Südwestafrika gekochten hat. Nur dieser kann nach Secht und Gilligksit abwägen und urteilen. Sei Major v. Glasenapp befanden sich zwei alte Afrikaner, v. §ran^ois und Gggsrs, beide in zahlreichen Gefechten in Südwestakrika glänzend erprobt und bewährt. Urteil mutzte in erster Linie maßgebend sein, und da sie keine Sedenken trugen, in das Gefecht einzutreten, so ist es kür mich außer aller §rage, dah wir in Owikokorero einen der in jedem kriege sich ereignenden Zusammenstöße vor uns haben, die infolge einer Seihe nicht vorauszusehender Greignisse stets mit großen Verlusten verbunden sind. Die Zuteilung so zahlreicher Offiziere an die Grkundungsabtsilung, die einzelne dem §ührer der Ostabteilung zum Vorwurk machen wollen, erklärt sich durch die besonderen Umstände. Ich verweise in dieser Seziehung auf die durchaus gleichartigen Verhältnisse des Sulukrisges und des Matabeleaukstandes. Auch hier sind, als an Gerittenen Mangel war, Patrouillen ausgerückt, denen lediglich zur Stärkung der Gskechtskrakt zahlreiche berittene Offiziere beigcgeben wurden, vie Verhältnisse liegen dort unten eben anders als in unserer europäischen löeimat, und diese anders gearteten Verhältnisse erfordern veränderte Maßnahmen. Im Sulu- und Matabelekriegs waren auch wsitausgreifcnde patrouillsnritte hö hersr Offiziers mit nur geringer IZegleitung durchaus keine Seltenheit." Die Gsrero nutzten übrigens die ihnen durch den Abmarsch der Ost- abteilung gebotene Gelegenheit, nach Osten zu marschieren, nicht aus, sondern begannen sich nach dem XVaterberg zu ziehen. — Vie VV?estabteilung. In Omaruru waren unter Major von Gstorsf am 14. §ebruar die 2. §eldkompagn>s der Schutztruppe (§ranke), die 3. Compagnie des Marine- Sxpeditionskorps (löaering), ein §eldgeschütz L 73, ein 6 cm Gebirgsgsschütz und zwei 3,7 cm Maschinenkanonen vereinigt. kiukbruck der V?sltableilung au; vmaruru. Der Ausstand der Sercro. 188 Der Oegner Halts nach den Erkundungen der 2. Compagnie den Distrikt Omaruru geräumt und war nach Osten abgezogen. Dach den Unordnungen des Oouvsrneurs brach Major von Estorkk am 20. in der Dichtung auk Outjo auf, um zunächst die Vereinigung mit der 4. §eldkompagnie durchzuführen. Diese erfolgte durch die dem Detachement vorausmarschierte Compagnie §ranks am 21. in Okowakuatjiwi. Den Befehl über die 4. Compagnie hatte für den verwundeten Bauptmann l^liekoth Oberleutnant §rhr. von Schönau-Wehr übernommen. Durch die Vereinigung vermehrte sich auch die Artillerie um zwei Oeschützs O 73. Dachdem die 4. Compagnie durch eins Erkundung festgestellt hatte, daß die Oegend von Okowakuatjiwi und Otjipaue vom §einde frei sei, beschloß Major von Estorff den Vormarsch auf die bekannte und wichtige Wasserstelle Otjihinamaparcro, wo man die Omaruru-Bsrero mit ihrem Vieh vermutete. Am 24. setzte sich die Abteilung in Stärke von 2 (Schutztruppsn)- k^ompagnien, einer Abteilung berittener Sessoldaten und Matrosen und 5 Beschützen auk Otjipaue in Marsch. Da in Omaruru, Okowakuatjiwi und Outjo Besatzungen zurückgeblieben waren und die unberittenen Mannschaften der Marine mit dem Eroß nachfolgten, hatte die Abteilung eine Stärke von 12 Offizieren, 3 Sanitätsoffizieren und nur 164 Mann. Über den Verlauf des Oekechts bei Otjihinamaparero schrieb der Verfasser in den bereits mehrfach erwähnten „Vierteljahrshektsn kür Eruppsn- führung": „Die Wasserstelle war nach den eingegangenen Meldungen vom §einde stark besetzt, und der Major hatte infolgedessen den Entschluß gefaßt, die Druppsn durch einen Dachtmarsch noch unter dem Schutze der Dunkelheit möglichst nahe an die feindliche Stellung heranzuführen. Die Ausführung dieser Absicht wurde jedoch durch die Ungunst des Oeländes verhindert, denn der stark zugewachsene Weg wurde in der Dunkelheit häufig verloren. Schließlich mußte gegen 4^ Balt gemacht und der Sonnenaufgang abgewartet werden, so daß das Detachement erst kurz vor 8^ morgens vor der feindlichen Stellung erschien. Dieser Vorfall gibt ein lebendiges Beispiel für die Dichtigkeit und Unzuveriässigkeit aller militärischen Verabredungen in einem Lands, in dem kein geordnetes Wegenetz, kein erschöpfendes klarten- und Dachrichtenmateriat zur Verfügung steht, und in dem mit Ausnahme weniger enger Bezirke die Beschaffenheit des Oeländes Das (Zekecht bei Otjihinamaparsro. 18Y nicht allein ganz unbekannt, sondern sogar durch den ungehemmten Einfluß klimatischer §aktoren alljährlich bedeutenden Veränderungen ausgesetzt ist. Es ist daher meist ganz unübersehbar, welcher Zeitspanne eins Gruppe zur Überwindung einer größeren XVegstrecke bedarf, und wenn auch kür weiter und §ußgänger bei günstigen XVittsrungsvsrhältnissen und einigermaßen bekannten XVegen leidlich zutreffende Berechnungen angestellt werden können» so versagt kür die aus den schweren Ochsenwagen oder -karren bestehenden Drains jeder Versuch eines Voranschlags vollkommen, sobald der Marsch durch entlegenere, wenig bekannte Landschaften führt, oder querfeldein abseits der XVege oder in der Bsgenzeit ausgeführt werden muh. Bis Major von Estorkk sich der Stellung der Berero bei Otjihinama- parero näherte, erkannten, wie der (Zckechtsbsricht sagt, die seine Kolonne begleitenden Bottentotten mit ihren scharfen trugen den Bauch der §euer- stsllen und den Staub von Viehherden weit früher als die Europäer, die sich diese einzigen Bnzsichsn des nahen Oegners erst mühsam mit dem §ernglas suchen mußten. Die Stellung des §sindes erwies sich bald als eins außerordentlich ausgedehnte und wohlüberlegte. Zunächst lag vor dem Bngreiker ein mit Oras und niedrigen Büschen bewachsener Bang, der sankt nach dem Bett des Omaruruklussss abfällt. Dieses, trocken und ziemlich breit, wird auk der gegenüberliegenden Seite von einem niedrigen Bügel- und Blippsn- gebiet begrenzt, hinter dem ein überhöhender, langgestreckter Bücken liegt. Zunächst war das klippigs (Zelände, später der Bücken in einer Busdehnung von 4500 m stark vom §sinds besetzt, ebenso der den linken §lügel schützende schroffe Bbsturz des massigen Otjihinamapareroberges. Über tOOO Berero, die vielfach mit rauchschwacher Munition feuerten, standen den Deutschen gegenüber. Major von Estorkk, der mit geübtem Blick erkannte, daß hier ein schwerer Bampf bevorstände, entschloß sich zum Vorgehen gegen beide §lügsi des Oegners, der in der §ront nur durch schwache Bräkte beschäftigt werden sollte. Ein §rontalangrikf war ausgeschlossen, da Bang und Flußbett dsckungslos zu durchschreiten waren. Die Bvantgardenkompagnis §ranke mit dem (Zebirgsgeschütz erhielt zunächst den Bekehl, den linken §lügel des (Zegners anzugreifen. In der ausgesprochenen Bbsicht, ihn zur Eröffnung des §cuers und zum Verraten Der Aufstand der kZercro. 190 seiner Stellung zu bewegen, ritt die Compagnie auf 1000 m vor der mutmaßlichen Stellung entlang, teilweise unter Benutzung einer Bodensenkung. Der Plan gelang vollkommen, und sie erreichte ohne Verluste den ihr zugewiesenen Punkt, von dem aus der Angriff angesetzt wurde. Von 6S0 m an mutzte unter heftigem gegnerischen §euer sprungweise vorgegangen werden. Segen den Otjihinamaparerobsrg wurde bald das Ausscheiden eines besonderen §lankenschutzes notwendig, dessen §susr das der feindlichen Schützen niederhielt. Im Laufe des (Zekechts nahm der Zug des Oberleutnants löannsmann unter geschicktester (Zsländsbsnutzung eine kleine, der gegnerischen Stellung vorgelagerte 2 m hohe §elsgrupps, deren taktische Sedeutung die §ührung erkannt hatte. Von hier aus wurden in einem langen Sprungs die feindlichen Schützengräben erreicht und genommen. Die lösrero flohen in ihre zweite Stellung zurück, wobei sie starke Verluste erlitten. Von 11 °« bis gegen 1" lag die Avantgarde hier im §euergskecht, die Möglichkeit weiteren Vordringens war ausgeschlossen. Um diese Zeit zwang die äußerst bedrohliche Umgehung des linken §lügsls durch die infolge Zuzugs dauernd verstärkten und scharf gegen die Compagnie Schoenau vorgehenden Ssrero den §ührer, zwei Züge der Compagnie §ranks zur Unterstützung herbeizurufen. Diese wurden vom l^om- pagniekührer zurückgezogen, galoppierten nach dem linken §Iügel und griffen dort in das Oekecht ein, als eben die feindlichen Schützen, durch dichten Dornbusch gedeckt, schon bis auf ISO m herangekommen waren. Ein überraschender, energischer Oegenangriff trieb sie unter Verlusten bis über das §lutzbstt zurück. Nachdem man bis gegen 5^° im §euergekecht gelegen hatte, wurden alle verfügbaren Kräfte in der Mitte der Stellung gesammelt und die Entscheidung durch die Erstürmung der dort gelegenen Wasserstelle herbeigeführt. Der durch das zehnstündige §euergetscht ermattete (Zsgner floh und hatte bedeutende Verluste. Ein schwacher Oegen- stotz seines rechten §lügsls wurde zurückgewiesen. Die Dunkelheit verhinderte die Verfolgung und machte dem Oekecht ein Ende. — Die löerero hatten in geschickt ausgewählter Stellung mit glacis- artigem Vorgeländs den Angriff des Detachements erwartet. Aus Steinen hergestellte Schützsndeckungen, gedeckte Verbindungswegs und starke Dornverhaue in den Einsattelungen des (Zeländes zeigten ihr Verständnis für eins künstliche Verstärkung ihrer Stellung. Ihr §cuer wird als ein durch- Das Lekscht bei Oljihinaniaparero. 191 -aus ruhiges, überlegtes und sparsames bezeichnet. Nur wirklich günstige Ziels vermögen es zu steigern. Die mit rauchstarkem Pulver feuernden Schützen verändern nach jedem Schutz ihre Stellung. Das Bestreben, aus der Defensive zum Angriff vorzugehen und zu umfassen, macht sich bis zum Schluß des Sekechts dauernd bemerkbar, besonders auk dem rechten §Iügsl, wo dichtes Buschgeländs die Annäherung und Umfassung begünstigt. Segen Abend erlahmt die Widerstandsfähigkeit, die löersro feuern gegen die untergehende Sonne, und der Dag endet mit dem Verlust ihrer Stellung. Demgegenüber setzt Major von Estorkk mit einer dem Segner an Zahl bedeutend unterlegenen Drupps den Angriff an. In vorsichtigem löeran- tühlen wird die gegnerische Stellung aufgeklärt und auf einem §Iügsl durch die Wegnahme eines vorgeschobenen Punktes ein Erfolg errungen. Dann kommt das Sekscht notgedrungen zum Stehen, und in stundenlangem Teucrgskscht wird versucht, in gemeinsamem Wirken von Infanterie und Artillerie die Feuerüberlegenheit zu erringen. Bereits vormittags machen sich die Oualsn des Durstes und der Bitze derartig bemerkbar, datz der Tührer beschließt, die Entscheidung erst in der sichle des Abends zu suchen. Segen Mittag macht der durch Zuzug verstärkte Segner energische Dm- gshungsversuche gegen den schwachen linken Flügel. Diesen gegenüber ersetzt Major von Estorff die aus Mangel an Kräften fehlende Tiefengliederung durch volle Ausnutzung der Beweglichkeit der berittenen Infanterie: zwei Züge des weniger bedrängten rechten Flügels werden aus dem Sekecht gezogen, im Salopp auk den linken Flügel geworfen und stellen hier das Sekecht wieder her, ein Manöver, das durchaus der Eaktik der Buren im südafrikanischen Kriegs entspricht. Der für den Abend geplante Sturm auf die feindliche Stellung wird zu dieser Zeit siegreich durchgeführt und der weit überlegene, aber erschütterte Segner zersprengt und verjagt. Der Angriff der Infanterie hält sich durchaus in den heimischen Formen, die Vorteils des sprungweisen Vorgehens und der wechselseitigen Feuerunterstützung werden voll ausgenutzt und in den Sekechtsbcrichtsn mehrfach hervorgehoben. Die Wirkung der Artillerie wird in dem buschigen Selände und gegenüber dem hinter Steinschanzen gut gedeckten Segner als durchaus mangelhaft bezeichnet; nur das Seblrgs- geschütz, das, der Schützenlinie folgend, stets aus dieser heraus Osr Dukstand der IZerero. 192 feuerte, hatte großen Erfolg. Das (Zekecht stellt sich, wie viele südafrikanische» als ein Gingen um das Wasser dar, in dem schon allein der quälende Durst den Llngreiker zu höchster Energie anspornt. - — Doch während der Dacht trafen die in Okowakuatjiwi zurückgelassenen §ußmannschaftsn mit Infanterie- und Drtillsrismunition ein, nachdem sie SO km in lO Stunden zurückgelegt hatten, eins Leistung, die mit Rücksicht auk die klimatischen Verhältnisse als eine hervorragende bezeichnet werden mutz." Die Verluste der Kolonne von Estorkk betrugen: Gefallen: Oberleutnant Schultze; verwundet: die Oberleutnants §rhr. von Schönau-Wehr, Sänne- mann, Leutnant von Stülpnagel, 5 Unteroffiziere und Mannschaften. 50 tote Serero wurden aufgefunden; viele Eote und Verwundete, besonders Orotzleuts, mögen sie außerdem vor Gssndigung des Dampfes fortgeschafft und auk dem der §Iucht der Krieger vorausgehenden Dückzug der Werkte mit sich geführt haben. Die Deute der Deutschen war bedeutend. Dsbsn einer Dnzahl von Wagen und darren kielen den Siegern 950 Stück Groß- vieh und 1200 Stück Kleinvieh in die Sünde, das nach Omaruru gesandt wurde. — Die über alles Lob erhabene Saltung der Eruppsn belohnte das folgende, jubelnd begrüßte Lelegramm Seiner Majestät des Kaisers: „Zu dem siegreichen Oskecht am 25. §ebruar spreche Ich der Abteilung Estorkk Meinen Saissrlichsn Glückwunsch aus und freue Mich der tapferen und entschlossenen Saltung der Compagnien der Schutztruppe und Marineinfanterie. Den Verwundeten sind Meine besten Wünsche kür ihre baldige Oenesung auszusprschen. Wilhelm I. D." Verfolgt wurde der nach Dorden und Osten fliehende §sind nicht, wie Major von Estorkk erwähnt, um ihm Zeit zu neuer Sammlung zu lassen und ihn nicht durch scharfes Drängen in alle Simmelsrichtungsn zu zerstreuen — eine Eaktik, die sich bereits in den früheren südwestakrikanischen Sriegsn (1893,94, I89S) vielfach auk das beste bewährt hatte. Durch vorsichtige Erkundungen wurde der Verbleib des Gegners, von dem Leils noch am Etjo - Serge saßen, festgestellt. Das Dstachement blieb vorläufig bei Otjihinamaparero stehen. Der §ührsr begab sich auk lZskehl des Obersten Leutwsin nach Saribib und erhielt dort am 7. März neue lZskehle, nach denen er, unter Ausschluß irgend einer Unternehmung in nördlicher Dichtung, versuchen sollte, den vor ihm stehenden Gegner in nordöstlicher Dichtung zu Vormarsch auf konjati. 193 verdrängen und Okahandja zu erreichen. 51uch wurde ihm bekanntgegeben, daß Samuel Maharero mit der Masse der lZerero bei Otjosasu stände und die Osthersro sich unter dem Druck der Ostabteilung gleichfalls dorthin zu wenden schienen. Die Westabteilung wurde inzwischen verstärkt und ausreichend mit Proviant und Munition versehen. Nachdem festgestellt worden war, daß die Sersro ihren Bückzug nach Nordosten - in Dichtung Waterbsrg - und Livrre ru äen Opsrstionsn im februsr. klsrr u, April 190 ^. 7 . in kleineren Drupps nach Südostsn fortgesetzt halten, brach die Kolonne am 14. März in Stärke von 18 Offizieren, 298 Mann (einschließlich 34 eingeborener Soldaten), 5 Geschützen und 388 Nsit- und Zugtieren (Pferden und Mauleseln) nach ßonjati auf. Der Marsch war der schlechten Wege und des mangelhaften Zugochsenmatsrials der Wagenkolonne wegen äußerst beschwerlich, sslm 15. wurde der Omuramba-u-Omatako bei Crindi- Okasarandu erreicht und am 1b. rivierabwärts weitermarschierl. Bisher hatte man vom §einde nichts bemerkt, am Ib. gegen Albsnd jedoch geriet Nrieg IS04-IS0«. >3 194 Der Aukstand der Iberers. die Spitze der 2. Compagnie unter Leutnant Leutwein, gerade als eine verlassene Werkt passiert wurde, in einen köinterhalt. Zwei Mann kielen sokort tätlich getroffen. Major von Estorkk ritt selbst an der Lete der 2. Compagnie, die löauptmann §ranke sofort im Salopp vom Wege zog und zum §eusrgekecht entwickelte. Die Wirkung der Artillerie, die den Gegner auf die nächsten Entfernungen mit Schrapnells beschoß, war durch das dicht mit lZusch bewachsene Gelände behindert, aber ein energischer Stoß der 4. Compagnie unter Sauptmann köasring *) gegen die rechte §Ianke der mit der 2. Compagnie im Dampfs liegenden löerero rollte diese auf und brach ihren Widerstand. Durch die verfolgenden Züge der 4. Compagnie unter Oberleutnant von Estorkk und Leutnant Muther erlitt der §sind noch weitere Verluste. 10 tote Sersro, darunter 2 (Zrotzleuts, wurden gefunden. Die Deutschen hatten den Verlust von 2 Befallenen und 2 Verwundeten zu beklagen. Der Gegner war, wie später festgestellt wurde, in nördlicher Dichtung geflohen. Die Wsstabteilung wandte sich nun dem erhaltenen Befehle gemäß nach Süden. Vielfach - so bei Okaksua und Okomaja - stieß man auf die Spuren des mit seinem Vieh nach Osten flüchtenden Gegners. Sei der VIev Otjinaua wurde ein erfolgreicher Überfall auf eine große Werkt ausgeführt, wobei 900 Stück Vieh erbeutst wurden. Am 24. trat die Abteilung über Otjiamongombe - Okamita in Okahandja ein und wurde dort aufgelöst. Ein Leil der Lruppen trat zur Sauptabtsilung, ein anderer - die Marine-Infanterie — wurde zur Besetzung des Ortes bestimmt. Das Gelände, das die Kolonne von Estorkk durchquert hatte, gehört zum großen Lei! zu dem schwierigsten des Schutzgebiets. Weitab von den bekannten Verkehrswegen war es unerforscht und unbeschrittsn geblieben und bot zudem kür die Kriegführung durch seine Unwsgsamksit und Unübersichtlichkeit die denkbar größten Gefahren und Mühsale. Auf ungebahnten Pfaden, okt querfeldein und nur nach dem Kompaß oder Aichtungspunkten — wie der Etjo- und Omatakobsrg — marschierend hatte die Westabteilung ihre Aufgabe voll erfüllt, trotzdem auf die Menge des ') Vom Marine-Cxpeditionskoros. Die Hauptabteilung. 195 Beuteviehs und auf eins nicht unbedeutende Zahl Malariakranker Rücksicht zu nehmen war. Out beritten, konnte sie ferner mehrfach überraschend auftreten und den Berero sehr empfindliche Verluste an Kriegern und Vieh, ihrem wertvollsten Besitz, zufügen. Die Hauptabteilung. Die Verhältnisse im Bondelzwartgebiet hatten sich inzwischen scheinbar gebessert und kür die Deutschen günstig gestaltet. Oberst Leutwein zog infolgedessen durch Befehl vom 20. §ebruar die l. §eldkompagnis unter Oberleutnant Oraf Stillkried und die Oebirgsbatteris unter Bauptmann von Be^debreck aus dem Süden zur Verstärkung der Bauptabteilung heran. Im März trafen diese Eruppen in Windhuk ein, nachdem sie auf dem (Barsch die Bottentottsn von Boachanas entwaffnet hatten. Der Oebirgsbatteris war unterwegs ein großer Eeil ihrer eingeborenen Soldaten desertiert. Im Süden, wo nur die 3. §eldkompagnie unter Bauptmann von koppv zurückblieb, machte sich infolge der Abberufung der anderen Gruppen eins lebhafte Erregung unter der weißen Bevölkerung geltend. Man traute dem ffrisden mit den Bondelzwarts nicht, und zudem tauchten hier und dort Räuberbanden — Beste der Aufständischen - auf, die Leben und Besitz der §armer bedrohten. Dennoch aber blieb vorläufig die Buhe im großen und ganzen gewahrt, was vor allem der Baltung Bendrik Witbois zu danken war. Der alte Kapitän schickte Bilkstruppsn nach Okahandja, und andere Bama-Bäuptlinge folgten seinem Beispiel. Doch einmal schien der Baß der Bottentottsn gegen ihre Erbfeinde, die Berero, emporzulodern - noch einmal bot sich ihnen Gelegenheit zu einem „heiligen kriege" gegen die Damara, und diesmal im Bunde mit den Deutschen. — Am 23. §ebruar und I. März trafen vor Swakopmund die Transports Puder und v. Bagsnski ein. Aus ihnen wurden in Okahandja und Kubas die 5. (Puder) und 6. §eldkompagnie (v. Bagenski), sowie die l. (v. Oertzen) und 3. §sldbattsris (Oberleutnant Bauszus) formiert. Der §ührer der weiteren, 60 Mann starken Verstärkung der Eisenbahntruppen, Bauptmann VOitt, übernahm nunmehr den Befehl über den gesamten Etappen- und -Eisenbahnbetrieb. 13 Der Aufstand der Derero. lyb Der mit dem Transport Sagenski eingetroffen« Kommandeur des Marine - Expeditionskorps, Oberst Dürr, übernahm den tZefehl über die in der Hildung begriffene Hauptabteilung, deren Truppenteile jedoch zunächst noch nicht beritten gemacht werden konnten, da die in Argentinien aufgekauften Pferde und Maultiere erst im Laufe des März und zu Anfang April eintrafen. Da sich somit das offensive Vorgehen der Hauptabteilung noch verzögern muhte, wurde zunächst eine zweite Unternehmung gegen die noch südlich der Eisenbahn sitzenden Hsrero beschlossen, die durch ihre Anwesenheit im Swakoptal und ßomashochland eine dauernde Oekahr für den Platz Otjimbingwe, die Eisenbahn und die Etappenstrahen bildeten. Erneuter Vorstoß ins Swakoptal. Hierzu wurde in Okahandja unter dem IZefehI des Hauptmanns Puder ein vstachement in Stärke von rund 230 Sewehren zusammengestellt, das aus der 5. Feldkompagnie, der 2. Marine-Infantsriekompagnis (Schering), 15 Mann des „Habicht" und 30 Aeitern bestand. Ein Feldgeschütz L 73» eine Aevolver- und zwei Maschinenkanonen waren der Kolonne bsi- gegsben. Am 2. März wurde von Okahandja aus der Vormarsch auf Groh- lZarmen angetreten. Die Aeitsr unter Oberleutnant Aitter hatten durch einen patrouillenritt am 3. bereits Spuren des Oegners, in Aichtung l^lein- IZarmen, festgestellt. Als man sich in der Morgenfrühe des nächsten Eagss dieser Wasserstelle näherte, geriet die vor der Marschkolonne aufklärende berittene Abteilung auf ganz kurze Entfernung überraschend in feindliches Feuer, das 5 Mann und 14 Pferde tötete. Das Oetachement entwickelte sich im Vorgehen zu beiden Seiten der Marschstrahe gegen eine diese sperrende Höhenstellung. Die 5. Feldkompagnie unter Leutnant v. Aosenbsrg erhielt sofort Flankenkeusr auf 770 m von links, worauf die Artillerie auffuhr und den Oegner aus seiner sehr günstig vorgsbogensn Höhenstellung vertrieb. Der 2. Compagnie des Seebataillons (Hauptmann Schering), die nördlich der Strahe und des Swakopklusses vorgestohen war, gelang es ebenfalls, durch ihr Feuer den Oegner zur Aufgabe seiner Stellung zu zwingen, aus welcher er ein heftiges Etagenkeuer unterhalten hatte. Oie Herero- Das (Zeischt bei klein-IZarmen. 197 machten jedoch bald von neuem §ront und es entwickelte sich nun ein 4 Stunden dauerndes §euergefscht, ol)ne daß Dsrrain gewonnen wurde. Lrst als Dells der 5. Compagnie unter Leutnant v. Aossnberg auf IZefehl des Detachementskührers umfassend gegen den rechten §lüge> des Gegners vorgingen, wobei ein flankierendes Eingreifen des §sindes durch Artillerie- feuer verhindert wurde, gelang es beiden Compagnien, gegen 12°° mittags in gleichzeitigem Ansturm auch diese Stellung der löerero zu nehmen. I^urz vorher hatte die Compagnie Schering auf ihrem rechten §lügel mehrere Umfassungsversuchs des Gegners abweisen müssen. Gins einstündigs Verfolgung beschloß den Hag, der unseren Gruppen 5 Eots und 2 Verwundete kostete. Der Gegner erlitt bedeutende Verluste, führte jedoch seine Daten und Verwundeten mit sich. Dies wurde, als er auf dem Rückzug 2000 m von den Druppsn entkernt das §lußbstt durchschritt, deutlich bemerkt. Drotz der Überraschung der aufklärenden Abteilung war der Verlauf des Gefechts vom ersten bis zum letzten Schutz ein durchaus planmäßiger und wohlüberlegter. Die Aufklärung konnte jedoch nicht in einer den Schwierigkeiten des Geländes entsprechenden XVsise gehandhabt werden. Der Mangel an Pferden machte sich hier wie überall in der ersten Zeit des Krieges bitter bemerkbar, denn 30 Aeiter müssen zu Aufklärungszwecken kür ein aus mehreren Compagnien bestehendes Dstachement als durchaus ungenügend bezeichnet werden. Der Zustand der Pferde mag bewirkt haben, daß die berittene Abteilung sich zu lZeginn des Gefechts anscheinend nicht allzuweit vor den marschierenden Compagnien befand und überraschendes §susr erhielt. Die Schwierigkeiten des von zahllosen §els- komplexen durchsetzten, stark buschigen und ganz unübersichtlichen Geländes, das mir sehr genau bekannt ist, sind kür die Aufklärung sehr große und ohne einen bedeutend größeren Aufwand an Zeit, als wir ihn in Europa gewöhnt sind, nicht erfolgreich zu überwinden. Der Dienst der Sicherungs- abtsilungen ist ein maßlos anstrengender und aufreibender, weil sie abseits der XVegs durch Steppe und Dornbusch, über lZerg und Dal, durch Drümmerkeldsr und tiefsandige, dichtbswachsene Aiviere zu reiten gezwungen sind. In unübersichtlichem Gelände aber ist eins Aufklärung bis auf 2000 m zu beiden Seiten der Marschstraße bei der Leichtbeweglichkeit des §eindes das mindest zu §ordernde. Daß dies bei aller Geschicklich- vor Hufsland der Iberers. 198 ksit, bei allem Eifer und Mut auch Zeit und oft viel Zeit erfordert, ist erklärlich. Huf deutscher Seite geht aus dem Gskechtsvsrlauf hervor, datz man unter Vermeidung jedes Frontalangriffs nach erkannter Erkämpfung der §susr- übsrlegenheit von einem Flügel umfassend zum Hngriff vorging, k^urz nach dem hier ein Vorteil errungen war, setzten beide Compagnien zum Sturm an, und dieser gelang. Der lZskehl zum Vorgehen, den Sauptmann Puder an den Leutnant v. Sossnbsrg schickte, war kurz und klar. Unter dem löinwsis, dah der Gegner erschüttert erscheine und sein rechter Flügel an einem weit sichtbaren Saum stehe, wurde angeordnet, diesen Flügel umfassend anzugreifen. Erwähnenswert ist ferner, datz läauptmann Schering einen seiner Stellung nahen löügel mit Signalgästen besetzte, deren Flaggenzeichsn die Compagnie in bester Weiss über die lZswegungen des (Zegners unterrichteten. Ganz besonders erfreulich ist wiederum das Süd, das Feusrdisziplin und Munitionsverbrauch bieten. Leutnant v. Sossnbsrg erwähnt zwar einmal, datz es schwer gewesen sei, die Mannschaften von sinnlosem Schlehen zurückzuhalten, dennoch aber haben seine Leute in dem sechsstündigen Gefecht nur 15 Patronen pro l^opf und die Marine - Inkantsriskompagnie insgesamt nur 430 Patronen verschossen, läauptmann Schering berichtet, datz einzelne Leute autzer den auf Kommando abgegebenen Verkolgungs- salvsn keine Patronen verschossen, da sie kein Ziel gefunden hatten. Ebenso sparsam war die Hrtillerie, von der das Feldgeschütz nur 11 Sprsng- granaten, die drei Ssvolvsr- und Maschinenkanonen (mit je 1000 Granaten ausgerüstet) zusammen 420 Granaten verbrauchten. Satz die Wirkung der Hrtillsrie bei l^l.-Sarmen als eine gute geschildert wird, verdient besonders hervorgehoben zu werden. Osr Gegner, der auf etwa 600 Mann geschätzt wurde, zum Lei! in Schutztruppenunlkorm gekleidet und meist mit modernen Gewehren und rauchschwacher Munition ausgerüstet war, ging in südwestlicher Sichtung in das l^omashochland zurück. Das vetachsment ruhte nachts in der Sähe des Kampfplatzes und marschierte am folgenden Lage bis zum Sne^rivisr. Hls jedoch am b. eine Patrouille unter Leutnant von Sossnbsrg am Sord- rand des ßomasplatsaus, direkt südlich von Grotz - Sarmsn, ein großes Sererolager - 1500 bis 2000 I^öpfe — erkundete, führte lZauptmann Puder, der voll erkannte, datz er gegen diese Übermacht nichts auszurichten ver- VVoilors Vorbereitungen kür den Angriff der Hauptabteilung. 199 möge, sein Ostachement über Okasise nach Okahandja zurück, das am 8. März erreicht wurde. Der Zweck der Unternehmung, die fsststellung des Gegners südlich der Eisenbahn, war.voll erreicht, sa noch mehr: denn die köerero scheinen sich nunmehr dort nicht mehr sicher gekühlt zu haben. In der Nacht vom 29. zum 30. März überschritt ihre Masse die Eisenbahn bei Eeukelsbach im Marsch nach Osten, während kleinere Eeils sich noch tiefer in das l^omas- 76ul6l8bge!i die Leiatzung 6er Liiendaknitotion Leutelsdock. Hochland zurückzogen. Eins bei Grotz-IZarmen zur lZeobachtung stationierte IZastardabteilung erbeutete auf der Verfolgung des abziehenden Gegners noch Vieh. weitere Vorbereitungen für den Angriff der köauptabteilung. Inzwischen war durch zahlreiche Erkundungen, sowie Nachrichten von Spionen und Gefangenen festgestellt worden, datz die Sammlung der einzelnen lösrerostämms und löordsn zu gewaltigen l^riegshauken weitere starke fortschritte gemacht hatte. Über 4000 Mann standen am XVestabkall des 200 Der AukslcmL der loersro. Onjatigsbirgss, weitere Kräfte am Waterbergs. Anlah zu dieser Aeu- gruppierung, die den testen Willen des Gegners zu energischem Widerstand zweifellos erkennen lieh, hatten sowohl die lZstshls Samuel Ma- hareros, als auch - wie bereits erwähnt - die Operationen der Ost- und Wsstabteilung, sowie der Ostachsments G^gas und Puder gegeben. bezüglich des Verbleibs der Werkten - der nicht mehr kampffähigen Männer, der §rausn, Minder und des Viehs — der tösrsro war man der Ansicht, dah die Masse derselben nach Aordosten gezogen sei, um entweder in der Nähe des Watsrbergs den Ausgang der dämpfe im Süden abzuwarten oder, dem Laufe des Omuramba - u - Omatako folgend, im Ambo- oder Sritisch-IZetschuanaland Schutz zu suchen. Vielfach vermutete man daher, dah die Zusammsnziehung so zahlreicher Krieger gegenüber der deutschen Hauptabteilung keinen anderen Zweck habe, als den, den Abzug der Werkte zu decken, während auf der anderen Seite die Meldungen, dah die Onjatiberge noch voll von Werften seien und sich zahlreiches Vieh am oberen Swakop befände, darauf hindeuteten, dah die lösrero entschlossen seien, ihr Land nicht zu räumen, ehe nicht das Waffenglück gegen sie entschieden habe. Auf diesen festen Willen lieh auch der Umstand schließen, dah sie — wie die Ostabtsilung feststellte — keinesfalls die Absicht gehabt haben, nach Osten abzumarschieren, löier stand ihnen der Weg zum Sritisch-Setschuana land vollkommen offen, und die schwache und unbsrittene Ostabteilung hätte den Ansturm der gewaltigen Massen nicht aufzuhalten vermögen. (Zsgenübsr dieser veränderten Lage und infolge der in den letzten Gefechten bewiesenen hohen Widerstandsfähigkeit des Gegners beantragte Oberst Leutwein am y. März eins weitere Verstärkung der Schutztrupps um 800 Aeiter und 2 Satterien, sowie die gleichzeitige Absendung einer entsprechenden Anzahl von Pferden. Oennoch aber schien es dem Gouverneur nicht geraten, den Angriff bis zum Gintreffsn dieser Verstärkungen zu verschieben, weil die lösrero - anscheinend übermütig gemacht durch die notwendige Verzögerung des Angriffs der löauptabtsilung - sich energisch zu regen begannen und hier und dort Vorstöhs gegen die Sahn und die Vishpostsn der Weihen bis in die unmittelbarste Nähe von Windhuk ausführten. Anfangs April war die Organisation der Hauptabteilung beendet. L>a Das Gefecht bei Onganjira. 201 Oberst Dürr erkrankt war, übernahm Oberst Lsutwein selbst den Gekshl. Mit Einschluß der XVestabteilung und nach dem Eintreffen der aus dem Süden herangezogenen Eruppsn betrug die Stärke der Sauptabtsilung etwa 700 Gewehre mit 12 Geschützen und b Maschinengewehren. Sie bestand aus der l., 2., 4., 5., b. Schutztruppen- und 2. Marine- Infanteriskompagnie, der t. und 3. §eld- und 2. Gebirgsbatterie, einer Maschinengswshrabteilung, sowie je einer Abteilung Gastarde und ^Vitboi. Geritten waren jedoch lediglich — da der große pksrde- transport aus Argentinien noch nicht eingetroffen war — die I., 2., 4. sowie Eeils der 5. und b. Compagnie der Schutztrupps und die eingeborenen löilfstruppen. Das (Zeucht bei Onganjira. Mit dieser Eruppsnmacht trat Oberst Leutwsin am 7. April den Vormarsch von Okahandja auf Otjosasu an, in der Absicht, die in der Gegend von Onganjira — Onjati stehenden Okahandja- und Ejstjo- vderlt üsutusin. töerero anzugreifen. Die zu dem Angriff erstrebte Mitwirkung der Ostabteilung konnte der Ungunst des Geländes wegen, sowie deshalb nicht erreicht werden, weil Major von Glasenapp auf die den Zeitpunkt des Vormarsches der Hauptabteilung „um den b. April herum" bezeichnende Dachricht noch einen weiteren, diesen Zeitpunkt bestimmt angebenden Gskehl erwartete. Dieser 202 Der sslukstanL der Serero. blieb jedoch aus, und die Ostabteilung stand daher, wie bereits erwähnt, während der (Zstechte der Hauptabteilung in Serertschaftsstellung in Onjatu. Llm 8. Llpril erreichte Oberst Leutwein Otjosasu, wo die tracht zürn 9. hindurch gerastet wurde. Durch Erkundung der Witboi-Llbteilung war bereits am 8. festgestellt worden, datz ein etwa 5 km südöstlich von Otjosasu liegender Serg vom §sinds schwach besetzt sei, auch hatten sich Späher desselben auf den Otjosasu umgebenden Sähen gezeigt. Endlich war — ebenfalls am 8. — bei den Eruppen der von Watsr- bsrg kommende Missionar Eich eingetroffen, dessen Angaben von höchstem Wert waren. Dach dieser» standen die Watsrbsrg- und Omaruru-Iöersro nur zum kleineren Dell am Waterberg versammelt, während sie mit dem größeren zu Samuel Maharsro bei Onganjira gestoßen waren. Lluch bei Okatumba - Oviumbo ständen zahlreiche Ssrsro. Da ferner bereits bekannt war, datz die früher südlich der Eisenbahn — am Somashochland - versammelten Sersro sich mit Samuel vereinigt hatten, mutzte dieser über eins sehr starke Kriegsmacht verfügen. Llm 9. Llpril um 6 Dhr morgens wurde der Vormarsch in direkter Dichtung auf den besetzt gemeldeten Serg in folgender Eruppeneinteilung angetreten: Linke Soitsndeckung: (gegen Okatumba und Otji- kuoko, wo man die Ost- abteilung vermutete). IZastarL-Llbteilung. Svantgards: löauptmann von Ssvdsbrsck. 1. und 6. §eldkompagnis. Osbirgsbatterie. XVitboi-Sbteilung. . Compagnie." Inzwischen waren die 2. Compagnie und die Sebirgsbatteris links der 1. Compagnie im Salopp in Stellung gegangen, während die 1. und z. Datterie einige hundert Meter hinter ihr das beuer eröffneten. Aber auch das Einsetzen dieser Eruppen brach die Otkensivkrakt der Serero keineswegs. Die linke blanke der 2. Compagnie war dauernd scharfen Angriffen weit überlegener feindlicher Scharen ausgesetzt, und ebenso erschienen auf den südlichen, in der rechten blanke der I. Compagnie und der beldbatterien liegenden Sähen feindliche Schützen, die ein heftiges beuer auf blanken und Aücken der deutschen Eruppen eröffneten. Silfe tat dringend not; die Eruppen der vordersten Linie befanden sich in kritischer Lage, die Sebirgsbattsrie erwehrte sich des heftigen Ansturms der Ssrero mit kartätschen. In diesem Augenblick warf Oberst Leutwein den berittenen Zug der b. Compagnie und die Maschinengewehrabteilung links von der 2. Compagnie in das Gefecht. Durch ein verheerendes beuer dieser Eruppen, das die hier die 2. Compagnie umfassenden und völlig überraschten Serero 206 Der Auistand der kösrero. in Flanke und Bücken traf und ihnen schwere Verluste zufügte, wurde die Lage völlig wiederhergestellt. Die beiden anderen, unbsrittenen Züge der 6. Compagnie vertrieben den tZsgner von den südlichen lööhenzügsn und besetzten diese. Inzwischen waren die 4. und 5. Compagnie eingetroffen und hatten links rückwärts der Artillerie als Reserve Stellung genommen. Oberst Leut- wein beauftragte nunmehr den Major von Estorff, mit der 4. Compagnie und den Gruppen des linken Flügels zu umfassendem Vorstoß gegen den rechten Flügel des Ssgners vorzugehen. Auch die t. IZatterie wurde zur Vorbereitung des Angriffs nach dem linken Flügel gezogen und trat links neben der Maschinengewehrabteilung ins Sefecht. Im Salopp preschte die 4. Compagnie in Zugkolonne über das Aivier, wo sie im dichtesten IZusch auf einen mit starken Trakten und energisch ausgeführten Segenangriff des Feindes traf. Die weiter flogen von den Pferden und stürmten zum Sskecht zu §utz an eine lichtere Stelle des Dornbuschwaldes, wo sich nun ein heftiges Feuergekecht auf kaum 100 m Entfernung entspann. Nach kurzer Zeit rief der Sskehl des Majors von Estorff zum Sturm, und unter lautschallendem löurra warf sich die Compagnie mit aufgepflanztem Seitengewehr auf den Feind, der dem wilden Nnsturm der Deutschen nicht standhielt und seine günstige Stellung räumte, löier fanden — an der Spitze ihrer Züge — Oberleutnant von Estorff, ein Sruder des Majors, und Leutnant d. A. §rhr. von Erika den löeldentod. Unmittelbar nach der Sesstzung der genommenen Stellung erfolgte ein mit größter Tapferkeit ausgeführter Segenangriff wild vorstürmender kösrsro- scharen, der jedoch — ebenso wie ein zweiter — an dem vernichtenden Schnellfeuer der Infanterie,der Seschützs und Maschinengewehrs zerschellte. Aber auch diese Schläge brachen den Mut des Segnsrs nicht: Ein dritter, wiederum mit überlegenen Kräften unternommener Sturmangriff brachte die feindlichen Krieger bis auk wenige Meter an die ruhig feuernden deutschen Linien. Die Lage erschien kritisch, und schon hatte Major von Estorkk durch seinen Adjutanten, Leutnant §rhrn. von Suttlar, den Oberst Leutwein um Verstärkung durch die noch zurückgehaltene 5. Kompagnie gebeten, als auch dieser dritte Angriff unter dem Feuer der deutschen Eruppsn, vor allem der Maschinengewehrs unter Leutnant Srak Saurma, zusammenbrach. Als die lösrero zu weichen begannen, gab der Führer der 4. Kompagnie, Das Gefecht bei Ongcmjira. 207 Oberleutnant Epp, den IZekehl zum Sturm. AIs erster sprang Leutnant von "Wurmb vor die Linie, die sich wie ein Mann erhob und unter wildem Surraruken dem Gegner folgte und auf den Fersen blieb. Dem Sturm schlössen sich der Zug der 6. Compagnie und die 2. Compagnie an. Seitengewehr und Kolben taten ihre Arbeit unter den eingeholten Serero. Die Masse des Gegners flutete in regellosen Saufen und unter lauten Schreckensrufen bis in die Sauptstellung (E) zurück. Die vorgeschobene Stellung (D) war in ihrer ganzen Ausdehnung genommen. Zier stockte der Angriff zunächst, da von der gegen Okatumba gesandten IZastardabteilung die Meldung eintraf, datz von Okatumba her 360 berittene und große Saufen unberittener Serero im Anmarsch seien. Sie mutzten die Deutschen in Flanke und Aücksn treffen. Diese neue Gefahr vermochte jedoch den Obersten Leutwein in seinem Entschluß zum weiteren Angriff auf die feindliche Saupt- stellung nicht wankend zu machen. Major von Estorff erhielt den Auftrag, mit der 4. und 5. Kompagnie dem Angriff des nsuauktauchsnden Gegners zu begegnen. Er besetzte eins nördlich des bisherigen linken deutschen Flügels gelegene Söhs und wies Oberleutnant von Cltorkk. von hier aus den Angriff der Okatumba-Serero mit der 4. Kompagnie erfolgreich zurück; die 5. Kompagnie hatte er als entbehrlich auf den linken Flügel der inzwischen zum Sturm auf die Sauptstellung der Serero ansetzenden Eruppen geschickt. Drotz des heftigen feindlichen Feuers gelang es den gegen die Söhsn- stellung vordringenden Kompagnien, sich bis auf wenige hundert Meter an den Feind heranzuarbeiten, unterstützt vor allem durch das Feuer zweier Gebirgsgeschütze, die unter den größten Anstrengungen auf den Onganjira- IZerg gebracht worden waren. Das Gefecht stand hier geraume Zeit, eins Entscheidung mutzte aber fallen, bevor der Abend hereinbrach. Diese Entscheidung kiel auk beiden Flügeln. Zu gleicher Zeit nämlich, als die 2. Kompagnie auk Gskehl Oberst Lsutweins den linken Flügel der keind- 208 Der Aufstand der löerero. lichsn Stellung umging — eine Lewegung, die löauptmann §ranke mit der ganzen Compagnie zu Pferds und im Salopp ausführte gelang es der 5. Compagnie, den rechten §lügel des Gegners zu umfassen. )etzt erst brach der Widerstand der lösrero. §Iiehend gaben sie ihre Stellung den Siegern preis. §ür die deutschen Gruppen war der 9. Lpril 1904 ein harter, ihre Kräfte bis aufs Mark erschöpfender Dag gewesen, aber auch ein großer, glanzvoller Sieg! Unter löinzurschnung der von Okatumba her vorstoßenden Trakte waren die löersro den Gruppen um das Siebenfache überlegen. Ein Mitkämpfer berichtet: «Der §sind floh in großer Eile aus allen von ihm besetzten Positionen in der Hauptsache nach Nordosten, kleinere Abteilungen nach Osten. Samuel Maharero und Lssa wie verschiedene kleinere §ührsr der löersro, die in Onganjira stationiert waren, hatten einige Zeit an dem Gefecht teilgenommen, flohen aber rechtzeitig in der Lichtung nach Ovi- umbo. In den umliegenden l^rals wurde viel geraubte Leute gefunden. Die Verluste auf deutscher Seite waren folgende: Getötet: Oberleutnant von Gstorkf vom Stabs des Marine - Gxpeditions - I^orps, Leutnant d. L. §rhr. von Grffa und 2 Leiter. Verwundet: Leutnant von Losenberg und b Leiter. — Von den löersro wurden auf den umliegenden löügeln mehr als 80 Dote gefunden. Cs ist jedoch kein Zweifel, daß die Verluste viel größer waren. Ls ist sehr schwer, eine ungefähre Schätzung vorzunehmen, da die lösrero ihre Verwundeten und Daten, wenn es ihnen irgend möglich ist, mit sich nehmen. Lut dem Schlachtfelde wurden mehrere Gräber gefunden und etwas weiter entkernt noch einige. Die Dunkelheit, das außerordentlich dichte Gehölz und die felsige Gegend machten es den Deutschen leider unmöglich, die fliehenden lösrero zu verfolgen. In aller §rühs des 10. wurde eine Lbtsiluug berittener Infanterie zur Lskognoszierung und Verfolgung des §eindss ausgeschickt. Viel löornvieh wurde erbeutet und die verlassenen Positionen der löersro besichtigt. Der ganze Druppsnkörper blieb vorläufig im Lager bei Onganjira, um vor allen Dingen den Pferden, die sehr mitgenommen waren, einige Zeit Luhe zu gewähren. Llm Morgen des 11. wurden die Gefallenen beerdigt. Der Leiter der r IZei den Maschinengewehren. Nach einer Originalzeichnnng von L. sZanetzog. t « i Das Sekecht bei Oviumbo. 209 katholischen Mission hielt (Zottesdienst ab. Dann hielt Oberst Leutwein eine kurze Einsprache an die versammelten Gruppen, in der er auf den ehrenvollen Dod der Kameraden hinwies und auch der Verwandten und §reunde der Oekallenen mit sympathischen Worten gedachte. Er erinnerte an den römischen Spruch «Duice et decorum est pro patria mori" und schloß mit einigen ermutigenden Worten. Es war eine eindrucksvolle §eisr und übte eine um so größere Wirkung durch die Anwesenheit des Majors von Estorki aus, dessen brudsr der gefallene Leutnant von Estorkk war." Die Verfolgung des geschlagenen Osgners nach Osten durchzuführen war für Oberst Leutwein unmöglich, solange noch starke feindliche Kräfte bei Okatumba-Oviumbo standen. Diese beschloß er daher zunächst anzugreifen und zu verdrängen. Das Sekecht bei Oviumbo. In Otjosasu ergänzte die Hauptabteilung Munition und Proviant für das erneute Vorgehen. Daß schwere, heiße Stunden bevorständen, war §ührern und Mannschaften nach dem Dage von Onganjira nicht zweifelhaft. Und doch brannten die Druppen auf den Kampf, über dessen Verlauf wir dem bericht eines ungenannten Mitstreiters folgen: „Am Morgen des 13. April um 5 Uhr marschierte die Hauptabteilung unter Oberst Leutwein von Otjosasu nach Okatumba. Die Avantgarde, bestehend aus der 2. und 5. Compagnie, einer Abteilung berittener bastards und vier Maschinengewehren, wurde von Hauptmann Puder geführt. Das 6ros setzte sich zusammen aus der 1,. u. 4. Compagnie, der l., 2. und 3. IZattsris und ^ 2. Compagnie der Marine-Infanterie. In der rechten §lanks befanden sich die berittenen Witboi. Die andere Hälfte der 2. Kompagnie des Marine-ExpeditionsKorps blieb in Otjosasu, um die Mu- nitions- und Proviantwagen, die zurückgelassen wurden, zu schützen. Die erste Staffel des Drains mit einigen bsgieitmannschakten als bedeckung hatte den bskehl erhalten, in Marschbereitschaft zu bleiben, um sofort aufbrechen zu können. krieg IS04-IS0S. 14 210 Der AukstcmL der kZsrsro. Unmittelbar östlich von Otjosasu beginnt eins Zone dicken, undurchdringlichen Duschlandes, das sich zu beiden Seiten des Swakopflusses bis nach Owikokorero und Otjikuoko erstreckt. Streifwachen und l^undschakts- diensts sind in dieser Legend fast unmöglich. Die IZastarde konnten deshalb auch ihren Spähsrdienst unter grotzen Anstrengungen von Menschen und Pferden nur in der nächsten Umgebung ausführen, um die Druppen soviel als irgend möglich vor Überraschungen und etwaigen Attacken des §eindss zu bewahren, während die Sastarde ihren Dienst an dieser Stelle mit vielem Geschick ausführten, kundschafteten zu gleicher Zeit die Witboi das Südufer des Flusses aus, dabei jedoch immer mit der Avantgarde in IZe- rührung bleibend. Die Werkte westlich von Okatumba waren von den löersro verlassen, wahrscheinlich erst kurz vor Anzug der Druppen, da man einzelne Feuer noch brennend vorfand, während man von den umgebenden löügeln das IZrüllsn des Viehes hören konnte. Legen '/zy Uhr erreichte die Avantgarde Okatumba, wo ein kurzer löalt gemacht wurde. Dach einer Meldung der Witboi, datz die Werkte auk der Südseite des §lusses gleichfalls verlassen seien, wurde der Marsch auf Oviumbo fortgesetzt und nach einer weiteren Meldung, datz die Wasserstelle dort ebenfalls frei von Feinden sei, beschlotz Oberst Lsutwsin gegen 10 Uhr, zu halten, um vor allen Dingen den Eieren eine ausreichende Aast zu gönnen. Einer Abteilung Witboi wurde aufgetragen, zunächst die Avantgarde nach der Wasserstelle zu führen. Diese durchritt den Flutz und machte am Aand des Südukers löalt. Die übrigen Eruppsn marschierten käst in derselben Aichtung auf dem Dorduker entlang, in der Front und auf beiden Flanken durch Patrouillen gedeckt, die im Dusch verteilt waren. Die 1. Compagnie, die an der Spitze der Eruppen marschierte, tränkte ihre Pferds in der Mitte des Flusses, während ein paar hundert Meter weiter entkernt Eingeborene gesehen wurden, die ebenfalls ihre Pferde tränkten. Allgemein glaubte man zuerst, datz es Witboi wären, da sie wie diese wsitzs Uebsrzügs auk ihren löüten hatten, doch waren es tatsächlich lösrero, die auk diese Weise die Deutschen zu täuschen versuchten. Die Pferde der 1. Compagnie erhielten plötzlich lebhaftes Feuer von den vermeintlichen Witboi. Oberleutnant Asitz, der die 1. Compagnie führte, stürmte sofort mit 17 Mann in den Dusch zu beiden Seiten des Oas Sskecht bei Oviumbo. 211 §>usses. Die Ssrero zogen sich vor dieser unerwarteten Dttacke zurück?, obwohl sie mehr als SO (Dann zählten. Oberleutnant I^eiß verfolgte sie in der tapfersten VOeise, obwohl er sah, daß sich die §einde mittlerweile außerordentlich verstärkt hatten. Das Resultat war, daß die kleine 5lb- tsilung in ein schweres Kreuzfeuer geriet, in dem Deiß und drei Soldaten fielen. Die ganze Dkkärs spielte sich so schnell ab, daß es kür die §ührer unmöglich war, die eben geschilderte Mtacks der braven i. Compagnie wurde im Salopp nachgeschickt, um zu versuchen, Oberleutnant l^eiß aus seiner gefährlichen Lage zu befreien. Ss glückte ihr auch, die Überlebenden unter heftigem Sewehrksuer des §eindss in ihre Deihen aufzunehmen. — Deiß war ein vielversprechender junger Offizier, der in allen Sekschten, an denen er teilgenommen hatte, große IZravour bewiesen hatte. Er war allgemein beliebt und sein Dod wurde in der ganzen Krupps tief betrauert. Die 6. und 4. Compagnie, die weiter zurücklagen, stellten sich schleunigst in Sekechtsstellung, und die t. Compagnie zog sich auf sie zurück, da sie in Sefahr war, umgangen zu werden. Die Ss- birgsbatterie wurde vorgezogen und protzte in der §eusrlinis ab, während die l. §sldbatterie auf dem linken §lügel in Stellung ging. Sinter ihr stand stafkelförmig die 2. (Darme-Inkanteriskompagnie. Dank der Schnelligkeit, mit der sich die Druppen trotz des überaus schwierigen Seländss entwickelten, wurde der löauptsturm der Sersro mit schweren Verlusten kür sie zurückgewiesen. Mittlerweile hatte die Dvantgards auf dem Süduker des §lusses eins kleinen Dbtsilung zu verhindern- Die vdeileutnllnt üelh k. lloack, pkiot. 212 Der Aufstand der löerero. halbkreisförmige Stellung eingenommen, deren linker §lügel am Aand des Ukers stand, gedeckt durch die Witboi-Abteilung, die etwas zurückgezogen zur §lanksndeckung bestimmt war. Die löerero griffen auch hier wiederholt mit aller Cnergie und todesverachtendsr Tapferkeit an, wurden jedoch durch verheerendes Gewehr- und Maschinengewshrkeuer unter schweren Verlusten zurückgeschlagen. Die 3. §eldbatterie griff ebenfalls in diesen Deil des I^ampkes ein, indem sie vom Dordufsr schräg über den §lutz feuerte. Um zu vermeiden, daß die löatterisn sich möglicherweise gegenseitig beschössen» wurden rote §ahnsn aufgepflanzt, an denen man im Gewirr des dichten Guschgeländes die gegenseitigen Stellungen erkennen konnte. Diese Unordnung bewährte sich außerordentlich, doch mutzte vor jedem Gefecht die §arbe der §ahnen verändert werden, da die löerero im Dachahmen derartiger Matznahmen schnell bei der löand sind. — Vom Uordufsr aus wurde im Laute des mörderischen Gefechts bemerkt» datz die löerero die größten Anstrengungen machten, die Druppen vollständig zu umzingeln. Oberst Lsutwein zog daraufhin die zweite Compagnie und die Aeste der Avantgarde vom Süduker zurück, auf diese Weise die §eusrlinis des linken §lügels ausdehnend, und stellte zur selben Zeit eine Compagnie mit der §ront nach der Rückseite auf. Die Druppen standen so nach drei Seiten hin im Carres. Auf der rechten §lanke befand sich der Swakop, der über 200 Schritt breit ist und ein freies Schußfeld gewährte, während das IZuschland den Gebrauch der Artillerie sehr schwierig machte und die gedeckte Annäherung des Gegners begünstigte. Das geschickte Manöver des Zurückzishsns der Avantgarde nach dem Dorduksr wurde schnell und ohne Verluste ausgeführt. Harun hatten die Druppen ihre neuen Stellungen eingenommen, als die löerero gegen Ghr einen neuen energischen Vorstoß nach allen Seiten hin unternahmen. Dieser wurde ebenfalls mit schweren Verlusten für die §einde zurückgeschlagen, wobei die Maschinengewehre abermals gute Dienste leisteten, und nun setzte sich das ganze Harree gegen den §eind in IZewegung. ^sder Schritt vorwärts wurde vom Gegner mit erneutem schweren §eusr begleitet, was die Druppsn jedoch nicht hinderte, etwa 1000 Schritt vorzugehen, wobei man die Gefallenen barg. Ss dunkelte bereits, als der Artillerie die- Das (Zefscht bei Oviumbo. 213 Munition fast ausgegangen war und auch die Infanterie den größten Teil der ihrigen verschossen hatte. Ss war unmöglich, die Transportkolonne vorwärts zu bringen, da die *Witboi gemeldet hatten, auf dem Wege von Oviumbo nach Otjosasu köerero gesehen zu haben. Oberst Leutwein entschloß sich deshalb, mit der Hauptabteilung auf die Kolonnen zurückzugehen, um sich vor allem wieder mit Munition zu versehen. Die Artillerie, die Sanitäts- und anderen Wagen wurden in die Mitte des Karrees genommen und angetreten. Der Rückzug wurde in solcher Auhe ausgeführt, daß der §sind vollständig übertölpelt wurde und lange, nachdem die Gruppen abgezogen waren, ein wildes §euer auf die verlassene Stellung eröffnete. Sobald er jedoch den Abzug der Gruppen erkannt hatte, versuchte er die Nachhut unter Major von Lstorkk abzuschneiden, wurde jedoch zurückgewiesen. In Anbetracht des schwierigen Terrains, durch das der Weg führte, kann man den Nachtmarsch nur als musterhaft bezeichnen. Nach einer dreistündigen Aast in Okatumba erreichte die Abteilung unbehelligt in der §rühs des nächsten Tages Otjosasu. Von den Patrouillen, die man täglich von Otjosasu aussandte, wurde gemeldet, daß der §eind seine Werkte verbrannt habe und allmählich in nordöstlicher Aichtung abziehe. Der Schauplatz des Setechts vom 13. April war das schwierigste Terrain, das man sich denken kann; nichts als dicker Susch und als einzig freundlicheres Zeichen nur der Swakop-§luß in der rechten §lanke. Zweifellos hat übrigens trotz der Ungunst des Geländes die Artillerie gute Wirkung ausgeübt. Der Versuch der Herero, gegen die Deutschen zu umgehen, mutz ihnen teuer zu stehen gekommen sein, denn allein vor der §ront eines Maschinengewehrs wurden 14 tote §sinde gezählt. Während des ersten Teils des Gefechts bemerkten die Witboi einen Mann, der mit einem weißen §e» bekleidet war und der von einigen Leuten unter großem Geschrei hinwsggetragen wurde. Offensichtlich war es ein Häuptling, der verwundet worden war. Die Verluste der Deutschen waren: Tot: Hauptmann von Sa- genski, Oberleutnant Aeiß und 8 Soldaten. Verwundet: Leutnant Windeis und 9 Soldaten. Wenn man das schwere §eusr der Herero inbetracht zieht, 214 Der Dukstand der ksrero. und die Längs der Zeit, dis das Gefecht dauerte, so sind diese Verluste verhältnismäßig leicht zu nennen. Der größte Deil fiel während der ersten halben Stunde, so auch löauptmann von Dagenski. Die Leichen wurden nach Otjosasu gebracht und dort mit militärischen Lhren begraben. Das Verhalten der Offiziere und Mannschaften war bewundernswert, besonders auch auf dem Rückzug unter dem heftigen ununterbrochenen Feuer des Feindes." Oberst Leutwsin schrieb damals*) — am "Lage nach dem Oekecht — über dis Lage im Schutzgebiet: „Die öffentliche Meinung in Deutschland einschließlich zahlreicher Ltkrikaksnner hat die lösrero weit unterschätzt. Lluch wir hier hatten einen solchen Widerstand nicht erwartet. Die löerero sagen sich anscheinend, daß sie doch keine Gnade zu erwarten hätten und sind zum äußersten entschlossen. Sie lassen sich mit Gleichmut totschießen, wo auch das Schicksal es mit sich bringt. Der krieg wird daher erst aufhören, wenn der Feind seine letzte Patrone verschossen hat. ltauptmolui von kagenski. Das Gefecht von Owiumbo hat klar bewiesen, daß die Druppe in ihrer gegenwärtigen Stärke in der Dat nicht ausreicht, um den Dufstand niederzuwerfen. Die lösrero, zu denen offenbar ein großer Deil der Water- bsrg- und fast alle Otjimbingweleute gestoßen sind, zählen mindestens 5000 Gewehre. Um ihren Widerstand zu brechen, muß dis Druppe so stark sein, daß sie imstande ist, alle Kräfte des Feindes gleichzeitig anzugreifen, und nicht wie jetzt erst den rechten Flügel und dann den linken. Selbstverständlich kann hierbei von einer „Umzingelung" der köerero niemals die l^ede sein, denn um eins Masse von 50 000 Menschen zu umzingeln, würde die Versammlung einer so starken Druppenmacht gehören, wie sie hier in diesem wasssr- und Kulturarmen Lande in enger Vereinigung mittelst Ochsengespannen nicht unterhalten werden kann." ') Nus Srotzer generaistab: „Die kämpfe der deutschen Gruppen in SüLvvestalrika". 2. 6sft. Organisatorische Maßnahmen. 215 Infolge der bei Onganjira und Oviumdo erkannten starken Widerstandsfähigkeit des §eindes und infolge des Buskalls der in E^phus- quurantäne bekindiia-en Ostabterlung wurde in Deutschland eine weitere Verstärkung der Druppen um 650 berittene, 500 nichtbsrittene ^Mannschaften und 2 §eldbatterisn L 9b erbeten. 150 Berittene und eins Batterie waren hiervon kür den Süden des Schutzgebiets bestimmt. Bleichzeitig wurde der Ersatz der vier 5,7 cm Beschütze durch solche L 9b beantragt. — Die Bekechte bei Onganjira und Oviumbo sind als schwere Dieder- iagen der Berero einzuschätzen, besonders wenn man ihre gewaltige numerische Überlegenheit den deutschen Eruppsn gegenüber gebührend in Rechnung zieht. Der Übermut der Berero war stark eingeschränkt. Sie hatten eingesehen, was sie von den deutschen Druppen zu erwarten hätten, wenn sie sich in Einzelunternehmungsn diesen gegenüber einließen. Das Auftreten kleinerer, umherstreitender köererohorden wurde in der §olgezsit merklich seltener, die Viehdiebstähle und sonstigen Bäubereien nahmen ab, und allen einlaufenden Nachrichten zufolge machte die Versammlung des iösrerovolkss weitere, entschiedene §ortschritte. - vie weitere Tätigkeit der deutschen Iruppen bis Mitte ^uni 1904. Organisatorische Maßnahmen. Da vor dem Eintreffen der im Dpril erwarteten Verstärkungen von einem nochmaligen Bngrikk auf diese Massen keine Bede sein konnte, entstand eine pause in den Operationen, die dazu benutzt wurde, dem späteren erneuten Vormarsch in jeder Beziehung die Wege zu ebnen. Vor allem mußte es sich um die Bereitstellung der nötigen Eransport- mirtel — Beit- und Zugtiere, Wagen, darren - sowie um die Anhäufung von Kriegsmaterial — insbesondere von Proviant und Munition — an solchen Orren handeln, an denen es von den operierenden Eruppsn leicht und sicher entnommen werden konnte. 21b Osr ssiufstand der löersro. In der zweiten löälkts des Bpril traten die ersehnten Verstärkungen in Swakopmund ein. Es waren dies vier Transports*) unter den Majoren von der lös^ds und von Mühlenkels, sowie den löauptlsuten Bernde und Stahl in Stärke von 55 Offizieren und Merzten, 11 Beamten, 1164 Mann, 1200 Pferden, 18 §eld geschähen L. 96 und einer 3,7 Maschinenkanone. Zum ersten Mal hatte man hier zu Zwecken einer größeren überseeischen Expedition auf das Pferdsmaterial des Heimatlandes zurückgegriffen. Die Wahl der Sachverständigen fsel auf das kleine ostpreußischs Bauernpksrd, in seiner Heimat „Klepper, Gunter oder l^ujel" genannt, dessen E^pus dem des russischen Landpferdes ähnelt. Zäh und genügsam ist der „Mepper" an schmale Host und harte Llrbeit gewöhnt; Stallpflsge wird ihm nur in beschränktem Matz zu teil und in den Sommermonaten sucht er sich seine Nahrung auk der Weide. 5UI diese Eigenschaften schienen dies pksrd besonders kür die Verwendung in Südwsstatrika zu befähigen, und man hatte sich in dieser Hoffnung nicht getäuscht. In Eilsit ließ das Hriegs- ministerium Vorversuchs anstellen, bei denen des seitens unkundige Musketiere des 41. Infanterie - Bsgiments auk Kleppern beritten gemacht wurden und unter Leitung eines vom Rittmeister Beisch des 1. Dragonsr- Begimsnts geführten Kommandos größere Bitte ausführten. Diese Versuchs verliefen zur vollsten Zufriedenheit, und in der Eat haben sich die kleinen „Ostpreußen" im Sonnenbrand der südafrikanischen Steppen vorzüglich bewährt. Die Llnkäuks führte - jetzt und später - die Bemonte-lnspektion des preußischen Hrisgsministeriums durch. Der Transport der Pferde, zu dem die Erfahrungen der Expedition nach Ehina in den fahren 1900/01 zur Verfügung standen, verlief in jeder Hinsicht vorbildlich. Von 1200 Eieren gingen auf der weiten Bsiss durch die Eropen nur 10 an Lungenentzündung ein! Inzwischen nahmen die Vorbereitungen für den Empfang und die Mobilmachung der Verstärkungen die Kräfte aller Beteiligten bis zur Erschöpfung in Bnspruch. Die Unordnung und Osbsrwachung dieser gesamten Dienstgeschäfts lag dem „Hauptquartier" ob, dem unter Leitung des im Bpril sin- getrokkenen Majors Quade vom Großen (Zsnsralstabs die Hauptlsute Salzer '> eins Übersicht sämtlicher nach Südwsstatrika entsandter Transporte enthält Nnlage r. Organisatorische Maßnahmen. 217 und IZa^er vom (Zensralstabs,*) Oberleutnant von Sosse,*) Marine-Oberstabsarzt Dr. Metzke*) und derSeldintendant, Intendanturassessor vonLagiewski angehörten. Über diese Periode unausgesetzter, angestrengtester und mühevollster organisatorischer Arbeit wird in dem Werk der ßriegsgeschichtlichen Abteilung**) des tZrotzsn Oeneralstabes gesagt: „Debsn der unter den vorliegenden Verhältnissen besonders schwierigen Durchführung der Mobilmachung der zahlreichen neu singetroffsnsn Verstärkungen traten in diesem Zeitabschnitt an das köaupt- guartisr unzählige Anforderungen heran. Mit dem Anwachsen der Streitkräkte machte sich gebieterisch die Notwendigkeit einer einheitlichen Ausgestaltung der Stärken der einzelnen Eruppsnverbänds und ihrer Ausrüstung mit Sahr- zeugsn, sowie deren einheitlicher IZeladung mit Verpflegung, Schiehbsdark, Sanitätsmaterial und Seldgerät geltend. Die Notwendigkeit, jedsmneuen Verbände einen Stamm an alten, mit dem Lande vertrauten Leuten sowie zuverlässige Eingeborene als Sichrer mitzugeben, zwang zu zahlreichen Schiebungen. Die Sicherstellung des Nachschubes bedingte umfassende Maßnahmen für den weiteren Ausbau des Stoppen- und Eisenbahnwesens, Aufstellung von Etappenkuhrparks, Einrichtung von Pferds-, Esel-, Ochsen- und Wagsn- ') iZishsr vom Stabs des Marine-Expeditionskorps. Marine - Oberstabsarzt Dr. Metzke war bereits aus der Expedition nach Ostasisn, IS00/0I, ci)et des Feldlazaretts des Expeditionskorps der Marine-Intanterie gewesen. lässt 2, Seite 120 und folgende. ülolor Qualle. «M I . 218 Der Aufstand der lZerero. sammelstellen, besonderer Wagenwerkstättsn, Beklsidungs-, Ausrüstungs-, Munitions- und Lazarett-Aessrvedepots. Auch der Nachrichten- und §eld- signaldienst mutzte weiter ausgestaltet werden, lm Schutzgebiet bei der Aeichspostverwaltung noch vorhandener Lelegraphsndraht wurde unter Benutzung zweier bei der Bahn- und Postverwaltung entbehrlicher Morse» apparats zum Bau einer §eldtslegraphsnleitung von Okahandja nach Otjosasu und später weiter nach Owikokorero benutzt. Der Mangel an Eelegraphsntruppen machte sich überaus störend fühlbar. Höchste Anspannung aller Ungehörigen des Hauptquartiers war notwendig, um in kurzer Zeit alle diese Maßnahmen zur Ausführung zu bringen . . . Schon bei der Landung in Swakopmund machten sich Schwierigkeiten geltend, da die zunehmende Versandung des Hafens die Arbeit des Landens in immer empfindlicherer Weiss störte, und alle Aushilfen sich als unzulänglich erwiesen. Nach ihrer Ausschiffung mutzten die Lruppen mit Aüärsicht auf die Verpflegung und Unterbringung auf die größeren Stationen zwischen Swakopmund und Okahandja verteilt werden. An allen diesen Stationen mutzten Zweigproviantdepots errichtet, große Stallzelts zur Unterbringung von Mann und Pferd aufgeschlagen werden. Oanz besonders Vorkehrungen erforderte die Wasserversorgung, da einzelne Stationen kaum das kür die Speisung der Lokomotiven nötige Wasser aufbringen konnten. Die ganzen umfangreichen Mannschafts- und Matsrialtransporte mutzten auf der wenig leistungsfähigen Eisenbahn bewirkt werden. Bis Pferde gingen in der Mehrzahl mit §utzmarsch von Swakopmund nach den Mobilmachungsortsn ab, blieben aber auch der Wasserversorgung und Verpflegung wegen nahe der Bahn, da die Verpflegung bei der erst in ßaribib oder Okahandja möglichen Ausstattung mit §ahrzeugsn auf der Bahn bereitgestellt werden mutzte . . . Oer Umsicht und Tatkraft des Leiters des §eldeisenbahnwesens, Hauptmanns Witt, und der Hingabe aller im Eisenbahndisnst tätigen Offiziere, Beamten und Mannschaften ist es zu danken, daß die Eisenbahn in dieser Zeit die ununterbrochen auf die Höchstleistung gesteigerten Anforderungen ohne wesentliche Störungen bewältigt hat. An den Mobilmachungsorten begann die Einteilung und Zusammenstellung der Mannschaften in Compagnien und Batterien. Im ganzen war die §ormierung von sechs neuen Compagnien und zwei §eldbatterisn Orgamsalonsche Maßnahmen. 21 y beabsichtigt. Alls diese Arbeiten waren um so schwieriger, als es allenthalben auf dem fremden Kriegsschauplatz, der in seiner l^ulturarmut ohne Wege und Wasser streckenweise einer Wüste glich, unter dem Zwang dringlicher Verhältnisse völlig Neues zu schaffen galt, für das es an Erfahrungen kehlte. Die getroffenen Maßnahmen bewährten sich indes überall und wurden vorbildlich kür die Mobilmachung aller später eintreffenden Verstärkungen. Nie hierbei gemachten Erfahrungen sind von dauerndem Werts kür spätere überseeische Unternehmungen. Die in jenen wenigen Wochen bewältigte Arbeit ist eine Leistung, die der Bingabe, der Umsicht und dem Anpassungsvermögen jedes einzelnen der Beteiligten ein glänzendes Zeugnis ausstellt. Auch für die Ausbildung der neu aufgestellten Truppenteile war längere Zeit erforderlich; denn es galt, die in den Aprilkämpfen gemachten Erfahrungen auszunutzen und die hier zutage getretenen Mängel und Lücken auszufüllen. L>er Unterschied zwischen der kriegerischen Brauchbarkeit der alten und neuen Schutztruppensoldaten war in den bisherigen Gefechten deutlich hervorgetreten. Auch die lösrero sollen diesen Unterschied erkannt haben. Wenigstens wird einem ihrer Großlsuts die Äußerung zugeschrieben: „Die alten deutschen Soldaten fürchten wir, die neuen aber nicht, die kommen direkt von der Mutter." Den Infanteristen fehlten Kenntnisse im Beitsn und in der Pksrdepflege, während bei den Kavalleristen die Ausbildung im Schießen und Gekechtsdienst nicht den Anforderungen entsprach. Das §echtsn im Busch mußte für alle Usueingstroffenen zum Gegenstand gründlichster Übung gemacht werden; auch die Artillerie hatte zu lernen, sich mit den besonderen Schwierigkeiten eines Dampfes im Busch abzufinden. Die Selbständigkeit des einzelnen Mannes muhte bei der Schwierigkeit der Gefechts- und §euerleitung im Busch mit allen Mitteln gehoben, auch die Schwierigkeit des Munitionsersatzes und der Wert, der deshalb jeder einzelnen Patrone zukommt, mit eiserner Strenge erneut zum Bewußtsein gebracht werden." 220 ver Aufstand der öerero. vie Lage im Mai und die Wiederaufnahme der Operationen. Oberst Leutvvein gibt den Oberbefehl an (Zeneralleutnant von Lrolha ab. Segen Ende April machte sich unter den bei Oviumbo-Hatjapia versammelten lösreromassen eine starke Unruhe geltend: Sie setzten sich all- mählig gegen Dordwssten — in der Dichtung aut Otjiamongombe - in Marsch. Wenn eine derartige IZewsgung auch zu erwarten war, weil man voraussetzen mutzte, datz die bei Hatjapia auf verhältnismäßig sehr kleinem Naum zusammengedrängten ungeheueren Rinderherden die dortigen Weiden bald verbraucht haben würden, so mutzte doch die Dichtung des Abzugs auffallen. Sie ließ darauf schließen, datz eine Absicht der lösrsro, mit der Masse des Volkes die östliche Orenze zu überschreiten und britisches Sebiet zu gewinnen, in der Eat nicht bestand. Damit gewann aber die Vermutung, datz sie planen könnten, nach Norden zu ziehen, um dort - unter Umständen nach Vereinigung mit den Ovambo — entweder Widerstand zu leisten oder auf portugiesisches oder britisches Oebiet überzutreten. §ür das letztere sprach allerdings wenig, vielleicht nur die Annahme, datz die lösrero versuchen könnten, ihr altes, im achtzehnten Jahrhundert verlassenes Heimatland wiederzugewinnen*), und der immerhin höchst zweifelhafte Anschluß an die Ovambo - dagegen aber eine §ülls gewichtiger Oründe, vor allem der weite Weg, dessen Zurücklegung unter Mitnahme der Viehherden viele Monats erfordern mutzte, dann die allen Nennern der Herero wohlbekannte Abneigung, ja §urcht dieses Volkes vor Landstrichen mit tropischem Hlima**) und anderes mehr, dessen Erörterung zu weit führen würde. Wahrscheinlicher schien es, datz die Hauptmasse des Volkes sich um den Waterbsrg zu versammeln und dort energischen Widerstand zu leisten beabsichtige. Dies nahm auch Oberst Leutwein an, und diese Annahme sollte bald ihre tatsächliche IZsstätigung erhalten. Die deutschen Uruppen im Norden und Osten des Schutzgebiets waren *) In den südöstlichen Landschaften des portugiesischen Schutzgebiets finden sich noch kleine Siedlungen versprengter Berero, die bei dem einstigen Vurchzuge des Volkes nach Südwestafrika dort zurückgeblieben sind. ") Bereits im ttmdolande sind schwerere §ieber überall endemisch. . Oie Lage Im Mai. 221 viel zu schwach, um eventuelle Abzugsversuche selbst schwächerer Leile oer löerero verhindern zu können. Llmsomehr war es nötig, diese Lruppen so schnell als möglich zu verstärken und ihnen eine gewisse Widerstandsfähigkeit und die Möglichkeit zu geben, weite Landstriche beobachten und sichere Meldungen schicken zu können. Endlich erschien die Besetzung solcher wichtiger Punkte geboten, die von den löerero bei einem Abmarsch nach Norden oder Dordostsn nicht umgangen werden konnten. Diese Absicht konnte infolge der Geländeverhältnisse im Norden und Nordosten als durcyfüqrdar gelten, denn die Omaheke- (Sandksld)- Landschaften sind zwar durchaus nicyt — wie vielfach angenommen wurde — eins wasserlose Wüstenei, dennoch aber bindet ihre Wasserarmut den §uß des Gehenden o>: wenige, ganz bestimmte, bekannte Straßen. Von einem Marsch großer Volksmasssn mit vielköpfigen Viehherden konnte aber schon auf diesen Wsst-Ost-Strahsn kaum die Aede sein, um so weniger also abseits dieser Wegs quer durch das „veld". Dur eins Straße schien für die §ortbswegung größerer Massen geeignet: das §lutzbett des Omuramba-u-Omatako mit seinen zahlreichen ergiebigen Wasserstellen. In seiner Nähe und von ihm aus zugänglich liegen auch zwei im Sandfeld eingebettete Oasen, d. h. wasserreichere Landschaften: das Debra- und das l^aukaufeld. Sie konnten kür die löerero zu einer wertvollen Etappe auf dem Marsch nach Dordostsn werden. in Ansehung der eben geschilderten Verhältnisse befahl Obersr Lsutwsin zunächst die Verstärkung der Lruppen im Norden und Osten. Nach Groottontem, wo Oberleutnant Volkmann mit seinen 35 Schutz- truppsnrsitsrn die wichtige Wasserstelle Loblenz am Omuramba-u-Omatako besetzt hatte, marschierte die neugebildsts 8. Zeldkompagnis unter Ober» leutnant von Zülow (17b Mann, 2 Geschütze, 2 Maschinengewehrs) von ßaribib über Omaruru — Outso vor. Oberleutnant Volkmann besetzte nach Eintreffen dieser Verstärkung — Ende Mai — Grootkontsin und Otavi. Die Besetzung von Lodlenz wurde aufgegeben, da infolge geringer Bieder» schlüge in der letzten Aegsnzeit auch am Omuramba Wassermangel eingetreten war und die Straße nunmehr als unbrauchbar kür die löerero gelten konnte. An der Ostgrenze wurden die schwachen Besatzungen von Gobabis (Oberleutnant Strsitwolt) und Aistfontsin-Bord (Leutnant Evmasl) durch die 222 Der Hufstand der täsfsro. ehemalige ^Asitsrabteilung" des Detachsments von Glasenapp unter Oberleutnant von VOinkler verstärkt. Dach den Meldungen des Leutnants Evmasl hatten einzelne föersrohordsn mit zahlreichem Vieh bereits die Grenze überschritten. Die englische Legierung hatte zwar erklärt, die Flüchtlinge nach ihrer Entwaffnung aus der Nähe der Grenze entkernen und in Konzentrationslagern unterbringen, sowie die Mörder und alles geraubte Vieh ausliekern zu wollen, ihre Grenzwachen waren jedoch so schwach, daß es im wesentlichen bei der guten Absicht blieb. Dem Major von Glasenapp wurde das gesamte Etappsnwessn unterstellt, zu dem auch die nicht in Evphusquarantäns befindlichen Dells des Marine-Expeditionskorps traten. Transport von linegsinulonal au: äsi Süsnbalin Suakopmunli-lömilliuk. föauptmann Franks marschierte im Mai mit der neu aufgestellten 12. Compagnie in die Distrikts Omaruru und Outjo, wo die löersro verschiedentlich Angriffe auf Etappen- und lösliographenstationen gemacht hatten. Die Auhs wurde nach Verjagung der feindlichen löorden in kurzer Zeit wiederhergestellt. Um die Fühlung mit dem zurückgehenden Gegner nicht zu verlieren, wurde ferner ein Dstachsment unter dem Major von Estorff gebildet, das dem Gegner vorsichtig folgen, sich aber in keinen ernsthaften k^ampk mit ihm einlassen sollte. Die Abteilung — t., 2., 4., 6. Feldkompagnie, die 3. Feld- und 2. Gsbirgsbatteris, 4 Maschinengewehrs und die tZastardhilfs- 4ruppen, insgesamt rund 700 Mann - verlieh am 4. Mai Otjosasu im Die Wiederaufnahme der Operationen. 223 Vormarsch auf Okatumba. Über Otjikuoko, Okaharui und Oijikuara wurde Onjalu erreicht, wo die Abteilung eine Zeitlang stand, um später über Engarawau-Omukuatjiwanu-Otjekongo am 23. Mai auf Okamatangara vorzugehen, Hier wurde gehalten, um den Anmarsch der Hauptabteilung unter Oberst Leutwein abzuwarten. Diese — aus der 5., 7., y., 10., II. §sld- kompagnie, der 4., 5., 6. §sldbatterie, der Maschinengewshrabteilung Dürr, der §unkentelsgraphenabtsilung und den Witboihilkstruppsn bestehend — hatte inzwischen ihre Mobilmachung beendet und den Vormarsch von Otjo- sasu aus angetreten. Am 18. )uni stand sie bei Owikokorero. Die Erkundungen der Abteilung von Estorff hatten ergeben, daß der Gegner in zahlreichen Horden aus seinen letzten Stellungen in der Linie Owikokorero - Otjikuara in nördlicher, nordöstlicher und nordwestlicher Sichtung im Sückzuge begriffen war. Mehrfach gelang es, einzelne der zurückgehenden Hereropulks zu überraschen und ihnen Verluste an Menschen und Vieh zuzufügen - so bei Otjikuoko und Otjekongo. Am 24. Mai überfiel Major von Estorff bei Otjomaso eine starke, aus östlicher Sichtung dem Waterberge zustrebende Sande von Ejetjoleuten. Der Dsberfa» gelang vollkommen. Durch einen Angriff mit blanker Waffe wurde der völlig überraschte (Zegner zersprengt und ihm ein Eeil seines Viehs abgenommen. Zwei Mann der Abteilung von Estorff fielen. Außerordentlich wichtig war es, daß, wie nach den übereinstimmenden Aussagen von Gefangenen bekannt wurde, Samuel Maharero die bereits im Marsch nach Osten begriffenen Eeile der Herero, vor allem die Ejstjo- leute, durch Goten aufgefordert hatte, sich zu ihm heranzuziehen. Zahlreiche Horden gaben dieser Aufforderung §olgs. Der allgemeine Sammelpunkt schien der Waterbsrg und der südlich desselben gelegene Lauf des Omuramba-u-Omatako zu sein. Sevor es jedoch zu einem erneuten Angriff am den in der Versammlung begriffenen §sind kam, wie ihn Oberst Leutwein mit der gesamten Eruppenmacht ursprünglich geplant hatte, traf aus Deutschland im Anschluß an die Nachricht, daß der durch Allerhöchste I^abinsttsordre zum Oberbefehlshaber der Eruppen in Südwestafrika ernannte Generalleutnant von Erotha an der Spitze weiterer bedeutender Verstärkungen die Ausreise angetreten habe, die Weisung ein, bis zum Eintreffen des Generals Operationen von entscheidender Sedeutung nicht einzuleiten. 224 Der Huksland der löererc». Oberst Leutwein gab den Oberbefehl am Eage des Eintreffens des Generalleutnants von Erotha in Swakopmund — l l.^uni — an diesen ab. Das zweite köskt der vom Großen Generalstabe bearbeiteten Geschichte des löereroaukstandes schließt mit der folgenden Würdigung der erfolgreichen» schweren und aufreibenden Tätigkeit des Obersten Leutwein als Oberbefehlshaber: „Wenn es dem Oberst Leutwein während seiner kommandokührung nicht geglückt war, den erhofften entscheidenden Schlag gegen die löerero zu führen, so lag die Schuld hieran an einer l^eihe ungünstiger Umstände» die vorauszusehen außer der Macht der Eruppsnkührung lag. Vor allem war es die anfänglich irrige IZswertung der feindlichen Widerstandskraft, die verhängnisvoll wurde und bewirkte, daß die Zeit dieser dämpfe eins Periode der Kriegführung mit unzulänglichen Mitteln wurde, vaß aber in dem an sich stumpfen und phlegmatischen löerero die Erkenntnis von der Notwendigkeit eines Dampfes auf Eod und Leben ein so hohes Maß kriegerischer Tüchtigkeit und zäher Willenskraft auslösen würde, wie er es in den letzten dämpfen gezeigt hatte, das konnte wohl niemand, selbst nicht der beste Nenner dieses Volkes, weder in dem Schutzgebiet noch in der köeimat, voraussehen, zumal die ersten Gefechte keineswegs eins solche Entschlossenheit erkennen liehen. Immerhin hat die Kommandoführung des Obersten Leutwein das wichtige Ergebnis gehabt, daß er die Lage sehr viel gewisser und geklärter seinem Nachfolger hinterließ, als er sie seinerzeit vorgefunden hatte; hierdurch sowie durch seine weitreichende und umsichtige Organisationstätigkeit bei der Mobilmachung der neu eintreffenden Verstärkungen hat er die Wegs kür den späteren Erfolg in der glücklichsten Weise geebnet. Oberst Leutwein schied aus seiner Stellung als Eruppenbekshlshaber mit dem ungeschwächten Vertrauen aller derer, die unter seinem Kommando im §elde gestanden hatten." Vorlailen von pkerclen elnsg Lronzportklainplors In ibamburg. Melier Lckliul, Iramdurg.) 22b Der Autstand der l^erero. Der Lntscheidungskampf am VX?a1erberg. Seneralieutnanl von Irotha und die neuen Verstärkungen. Durch die Meldungen des Obersten Leutwein war in Deutschland bekannt geworden, daß die um Mitte Mai im Schutzgebiet befindlichen Streitkräfte von 210 Offizieren und Beamten, rund 3620 Mann und 2800 Pferden zur Nledsrkämpkung der lösrero nicht ausreichend seien. Es wurde infolgedessen beschlossen, die Stärke der neu hinauszusendendsn Eruppsn von vornherein in einer ihrer schwierigen Aufgabe in jeder Binsicht entsprechenden Weiss zu bemessen, Bierbsi war vor allem auch auf die Sicherung des sich immer weiter ausdehnenden Netzes von Etappsnlinisn Bedacht zu nehmen, sowie auf die Ausstattung des Expeditionskorps mit technischen Druppen aller Art, mit Lazaretten und Sanitätspersonal, mit Magazinen und Depots zur Stapelung und Konservierung des mannigfachen Kriegsmaterials. Pferde und Schlachtvieh mutzten aufgekauft und in das Schutzgebiet transportiert werden. — Bisher waren sämtliche Verstärkungen — mit Ausnahme des Marine - Expeditionskorps — ausgesandt worden, ohne in der Beimat bereits in taktische Verbände gegliedert zu sein. Dies, sowie die Schaffung besonderer §ormationen kür den Etappen- und Sanitätsdienst war vielmehr erst im Schutzgebiet erfolgt, löierin trat nunmehr eins einschneidende Änderung ein. Durch Allerhöchste Ordre wurde die Aufstellung der neuen Verstärkungen dem preutzischen lxriegsministsrium übertragen, da das Oberkommando der Schutztruppsn seiner ganzen, nur auf kleinere Verhältnisse zugeschnittenen Organisation nach den sich dauernd steigernden Anforderungen nicht mehr gewachsen sein konnte. Zugleich wurde eins peusintsilung der gesamten Streitkräfts eingeleitet. Während aus den bereits im Schutzgebiet befindlichen Compagnien der Schutztruppe ein berittenes §eldrsgiment, das l., formiert werden sollte, wurde die Neuaufteilung eines 2. berittenen §eldrsgimsnts (zu 3 Bataillonen zu je 3 Compagnien) und von 2 §eldbatterien in Angriff genommen. Sämtliche Eruppsn sollten vollständig vsrwendungsbereit im Schutzgebiet eintreffen. Der Mannschaktsbedarf wurde — wie bisher und in der §olgs — aus- Oie neuen Verstärkungen. 227 schließlich durch tropendienstkähigs §reiwillige sämtlicher Kontingente des deutschen Heeres gedeckt. — Die Eruppenkörper formierten sich auk dem Eruppen-Übungsplatz Munster, wo sie ausgerüstet wurden und I0-l4Eage hindurch eins besondere Ausbildung erhielten, zu der auch die vom l^riegs- ministerium beschafften Pferds zur Verfügung standen. Die Einkleidung, Ausrüstung und der Abtransport lag dem Oberkommando der Schutz- truppen ob. XVaffen, Munition und eins große Menge verschiedensten Kriegsmaterials wurden den Eruppen teils aus den Beständen der Heeresverwaltung beigegeben, teils auf besondere Anforderung des Oberkommandos vom lzriegsministerium beschafft. Außer den bereits erwähnten Eruppenteilsn wurden aufgestellt: Der Stab des Kommandeurs (Oberbefehlshabers, mit Stabswachs, §eld- intsndantur, l^orpsarzt, §eldjustizbeamten, §eldgeistlichen) ferner eins Etappe, ein Proviantamt, Artilleriedepot, lZsklsidungsdepot, Lazarett, Pkerdedepot und eins ßolonnenabteilung. ' Die vom I^riegsministerium geschaffene Organisation hat sich in jeder Hinsicht bewährt und wurde auch kür die zahlreichen späteren Anforderungen beibehalten. Oerings Abänderungen wurden durch die in der §olgezeit auk dem Kriegsschauplatz gemachten Erfahrungen bedingt. Besonders Erwähnung verdient hier nochmals die Tatsache, daß es an §reiwilligen trotz des so überaus hohen Bedarfs niemals gekehlt hat — ja der Andrang zur Beteiligung an der großen überseeischen Expedition schien umsomehr zu wachsen, je mehr die Gefahren, Mühen und Strapazen des kernen Kriegsschauplatzes im deutschen Volks bekannt wurden. >Vsnn aber, wie erwähnt, an §reiwilligen niemals Mangel war und bis in die neueste Zeit zahlreichen Gesuchen um Einstellung in die Schutztruppe nicht §olge gegeben werden konnte, so ist dieser Umstand umso erfreulicher und bemerkenswerter, als nur ein Leil der sich Meldenden, nämlich die Eropendienstkähigen, für die Einstellung in die Eruppen in §rags kommen konnte. Bezüglich der an die §reiwilligen zu stellenden Anforderungen wurde nach den in der „Schutztruppenordnung" enthaltenen Grundsätzen verfahren. Diese spricht sich über die Anforderungen, welche an die in den afrikanischen Dienst einzustellenden Militärpersonen gestellt werden müssen, folgendermaßen aus: 228 Oer Bufstand der kerero. „sieben den erforderlichen körperlichen Eigenschaften sind gute dienstliche und außerdienstliche Führung, absolute Zuverlässigkeit, solider Lebenswandel, gute militärische Ausbildung, vor allem im Felddienst und im Schießen, Zähigkeit zu selbständigem Bandeln für alle Chargen unbedingtes Erfordernis. Die dem losere und der Marine entnommenen Offiziers müssen nach einer wenigstens dreijährigen Dienstzeit als Offizier eine gute dienstliche Qualifikation besitzen. Ruhiger, fester Charakter, klares Urteil, Sicherheit und Festigkeit im Entschluß, Verständnis in der Behandlung Untergebener, taktvolles Verhalten gegen Vorgesetzte, kameradschaftlicher Sinn, Schulden- srsihsit und geordnete ökonomische Verhältnisse sind weiter unbedingte Erfordernisse." Und über die körperlichen Eigenschaften: „Die bezeichneten Militärpsrsonsn sollen frei fein von denjenigen » Fehlern und Gebrechen, wodurch die Felddienstfähigkeit aufgehoben wird, und sollen, um die mit dem afrikanischen Dienst verbundenen bedeutenden Anstrengungen und klimatischen Schädlichkeiten ertragen zu können, besonders auch einen kräftigen Körperbau und völlige Gesundheit, namentlich ein gesundes, kräftiges Berz und gesunde Dtmungs- und Verdauungswerkzeugs besitzen. Dazu gehört auch das Fehlen jeglicher durch Erblichkeit bedingten krankheitsanlagsn dieser Organe." „Erwähnenswert") ist fernerhin die Bemerkung, daß die ärztlichen Untersuchungen „mit aller Gründlichkeit" vorzunehmen seien, denn nichts ist hemmender, als wenn kurz nach der Snkunkt am Bestimmungsort es sich herausstellt, daß Untaugliche sich bei den Cruppen befinden. Einmal, weil ein Ersatz schwierig und zeitraubend ist, und zum anderen, weil derartige Zwischenkälle die kosten der Expedition in unnötiger XVeise vergrößern. Daher sind die für eine Expedition bestimmten Militärpersonen vor der ärztlichen Untersuchung nachdrücklichst darauf hinzuweisen, Fehler und Gebrechen, die der Lirzt übersehen sollte oder überhaupt ohne eigene Eingabe der damit behafteten Person nicht festzustellen vermag, keinesfalls zu verheimlichen. Schwere dauernde Schädigungen der Gesundheit können die Folge dieser Bandlungsweise sein. ') aus: Sauptmann Schu-abe. Dienst und Uriegkichrung in den Ixolonien und auk überseeischen Expeditionen. vis neuen Verstärkungen. 229 Sei den Mannschaften wird man nach Feststellung der geistigen und körperlichen Tauglichkeit, falls eine weitere Auswahl möglich ist, zweckmäßig dazu schreiten, nach IZeruksart und löand- werk eine möglichst brauchbare Zusammenstellung zu treffen. Weder IZüchsen- machsr, Klempner, Schlosser, Schmieds, Stellmacher, Tischler, Zimmsrlsute und Maurer, noch Landwirte, Gärtner, Schreiber, Schneider, Schuhmacher und Sattler, IZäcker, Fleischer und Ixöchs dürfen fehlen. Ourch eine nach diesen Gesichtspunkten bewirkte Zusammenstellung und durch die sofortige Mitnahme der nötigen Gerätschaften (löandwsrkszsug) ist die Expedition selbständiger und wird weniger kosten verursachen, als wenn man sich auf eventuell im Sestim- mungslande anzutreffende Silksmittel verläßt. lm übrigen ist in bszug auk Verpflegung, lZekleidung, Ausrüstung, lZe- wakknung und überhaupt alles mitzukührends Material zu bemerken, daß das Geste, Neueste, praktischste zur Ver» k'-r Iruppen vor ilsr Clnlckltkung am peterlenquol In köomburg. kkltollcr Zlticnil, Samburg.) 230 Osr Aufstand der lösrero. Wendung auf einer überseeischen Expedition gerade gut genug ist. Minderwertiges und Veraltetes aus Sparsamkeitsrücksichten mitzugeben, ist tatsch und zwecklos, denn die bedingte Brauchbarkeit eines (Zsgenstandes macht sich unter neuen Verhältnissen doppelt schnell fühlbar." - Ois kriegsgeschichtlichs Abteilung I des Orotzen Seneralstabss bemerkt*) zu der Neuorganisation der südwestafrikanischen Streitkräfte: „Nicht weniger als fünf Sehörden waren an den Arbeiten beteiligt und hatten sich in vielen Kragen untereinander zu verständigen: Der kolonialabtsilung kiel die Verrechnung der gesamten kosten, dem Seichs- Marins-Amt die Verwaltung des Marine-Expeditionskorps zu; das kriegs- ministsrium und das Oberkommando der Schutztruppsn teilten sich in die Organisation und Verwaltung der Verstärkungen für die Schutztruppe, und dem Lhsk des Oensralstabes der Armes war die Leitung der Operationen übertragen. Sei der IZildung und Verwendung der aus Kreiwilligsn des ganzen loseres zusammengesetzten Verstärkungstruppen traten zudem alle die Mitz- stände hervor, die in der Cile geschaffenen Neukormationsn stets anhaften und anfangs ihren kriegerischen Wert hsrabdrücken. Sei dem dringlichen Ssdarf war es indessen nicht möglich, die Lruppe vorher innerlich zusammenzuschweißen und mit der Sigsnart der kolonialen Kriegführung vertraut zu machen; man war gezwungen, die aus der löeimat nachgskührten Verstärkungen in unfertigem Zustands an den §sind zu bringen. Das Kehlen dauernd vorhandener, kür überseeische Zwecke stets verwendbarer Lruppsn, einer Art kolonialarmes, wurde in dieser Zeit von allen Seiten besonders unangenehm empfunden, und die zutage tretenden Mitzstände lehrten, daß das Seich eins kolonialtruppe in der löeimat dringend nötig hat, um den Anforderungen überseeischer Machtentfaltung genügen zu können. Cs bedurfte der angespanntesten Tätigkeit aller beteiligten Stellen in der löeimat, um bei der kürze der verfügbaren Zeit der entstehenden Schwierigkeiten lösrr zu werden. Dank der hingebenden Arbeit wurde es möglich, bereits Ende Mai mit der Verschiffung der neuen Verstärkungen zu beginnen. ') ln loeft 3 der bereits mehrfach erwähnten Veröffentlichung. ^ , III ' ^c- 7 MMM Abkakrt ort zu tränken, sahen wir Bunderte von Perlhühnern, dann viele Aas- Huf Patrouille. 241 geier und je näher wir der Wasserstelle kamen, desto reicher wurde die Vogelwelt. Unzählige Wildtauben, Webervögel, Linken, entzückende kleine bunte Papageien, große graue Kakadus mit aufrecht stehendem Schöpf, dann pfefkerkrssser mit einem riesigen krummen Schnabel, l^ibitze, vereinzelte traben mit grauer Brust und unzählige andere Wirten, deren Namen ich nicht kenne, bevölkerten den täusch. Sie sind stets das untrügliche Zeichen, daß Wasser in der Nähe ist; mit umso größerer Lreude begrüßt man daher die liiere. Nie Antilopen halten sich bis auf den Neuker stets auk der sogenannten „Llächs" auf, da ihnen der Busch des vielen Raubzeuges halber zu gefährlich ist. Wir schössen ein Perlhuhn mit dem Karabiner und bristen es am offenen Lsusr, was einen delikaten Braten gab. Von 12 — 3 Uhr warteten wir an der Wasserstelle auf den Best des Oetachements von Olasenapp, um dem Lührsr die Meldung zu übergeben; kurz vor 3 Uhr, als wir gerade unsere weidenden Pferds einsingen, um zu satteln, kam ein weiter mit einem Eingeborenen von der Patrouille Orak Stillkried, der eine Meldung zu überbringen hatte. Diesem gaben wir unsere Meldung im Duplikat mit und machten uns auf den Weg nach Otjire, passierten dabei die Unglücksstelle, an der uns die Pferds weggelaufen waren, und hörten bei dem dort zurückgebliebenen Ochssnwagen, daß schon eine ganze Dnzahl Pferde eingebracht sei. Drei Witboi auk unseren Pferden waren noch unterwegs, anscheinend waren sie aber nur auf die ^agd gegangen, denn sie hatten kein Pferd oder Maultier eingebracht, dafür aber einen Springbock geschossen. Oleich am nächsten Morgen, dem 5. ^suli, ging ich mit einer Patrouille von zwei Unteroffizieren, drei Leitern und zwei Eingeborenen nach Osten heraus, um festzustellen, ob die Eiere etwa weiter nach Norden gelaufen und somit den Bsrsro in die Bände gefallen seien. Wir ritten zuerst bis zu einer b km östlich Otjire liegenden Wasserstelle, wo wir tränkten. Viele pontoks ließen darauf schließen, daß hier eine große Werkt gewesen sei. Mehrfach trafen wir auf frische Spuren von Raffern, ohne einen solchen zu Ossicht zu bekommen. Ungefähr 2 Meilen östlich Otjire hatten wir noch keine nach Dorden führende Pferdespur gekreuzt, was uns eine gewisse Beruhigung war, denn es war damit ziemlich sicher bewiesen, daß sich kein Pferd nach Dorden gewandt hatte, um dort zweifellos den Berero in die Bände zu fallen, die diesen Zuwachs natürlich sofort hohnlächelnd einkassiert hätten. Wir wendeten Krieg IS04-I406. 16 242 Der Aufstand der lZersro. daher nach Süden, und um II Ohr machte Ich Halt, um abzukochen und die pksrds grasen zu lassen. Hurz vor I ^ Ohr, als wir gerade anfingen zu satteln, sagte der neben mir stehende Onteroktizier: „Herr Oberleutnant, dort drüben flammt gerade ein Signal auf", und richtig sah man anscheinend gar nicht weit von unserem Lagerplatz eine dicke Rauchsäule emporsteigen. Von menschlicher Sand muhte das Feuer angezündet sein, denn von selbst entzündet sich das Gras nicht, wahrscheinlich waren es wieder von den Hersro abgesandte ßafksrn- späher, die damit irgend ein Signal gaben. Oas Satteln wurde beschleunigt, dann ging's in mehreren treffen auf das Rauchsignal los. Im ersten rechts und links von mir mit 200 Schritt Zwischenraum die beiden Ontsrokfiziers, dann mit 100 Schritt Abstand ebenso die weiter, im dritten treffen das Packpferd von unserer „perle", dem Hlipp koffern (Zobias, geführt. Parole war: bekommen wir starkes Feuer, dann wird ausgerissen, da wir zu schwach sind. Sehen wir dagegen einzelne Schwarze, so geht es drauf, was die Pferde laufen können. In jedem Falls sollten die Leute auk mich sehen, da ich die Dichtung angeben würde, Haum war alles in Schritt, um die pferdekrätts zu schonen, in Sewsgung, als vor uns eine mächtige H^äns aufging. Schiehen konnte man nicht, um sich nicht zu verraten. Doch es kam noch besser, zuerst rannte sich ein Mippbock so fest, daß man ihn hätte bequem mit der Pistole vom Pferds aus schießen können, dann gingen in einem Sprung sieben Hartsbeeste auf, wundervolle Antilopen, wie pksrde so groß, die in kurzem L^rabe die ganze §ront entlang trotteten und eins Weile dicht vor uns ästen, um dann erst abzuspringen. Mir schlug mein ^jägsrhsrz in der IZrust, ich muhte mich überwinden, um nicht nach der IZüchse zu greifen und zu schießen. Aber ein edleres Wild wartete unser und doch sollte es später umsonst sein. Wir waren schon ganz dicht heran und hatten ganz frisch verlassene Lager passiert, als rechts ein Raffer im IZusch verschwand. Omsonst war es, daß wir in schärfster Gangart hinterher preschten, der IZusch wurde immer dichter, der Raffer war verschwunden. Wir muhten nun eine lange Zeit am sich allmählich nach Westen zu verbreitenden §eusr entlang und gerieten immer mehr in den IZusch, in dem ich einmal einen Mippbock krank schoß, ohne ihn zu bekommen . . . Wir nahmen uns als Marschrichtungspunkt den Omatakobsrg, der in bläulichem Schimmer deutlich am westlichen Horizonte sichtbar war. Pferdespursn hatten Suf Patrouille. 243 wir nicht mehr gekreuzt, es war somit erwiesen, daß sich die Diere sämtlich nach Süden zu gewandt hatten. Die Sonne sank tiefer und tiefer, es wurde dunkler und dunkler, und noch hatten wir die große Straße nicht erreicht. Os wurde schließlich ganz dunkel ; wir mutzten die Pferde führen, um nicht alle paar Schritts in eins der hier zahlreichen Schakal- oder Erdmännchen- löchsr zu fallen. SIs Orientierung diente das Sreuz des Südens, das wir stets zur linken Sand behielten. Endlich gegen 7^ Uhr hatten wir den Weg erreicht, den wir durch Ableuchten mit Streichhölzern an den Wagenspuren feststellten. Nun ging's mit einem Eingeborenen an der Este im schlanken Erabs nach Otjire zu. plötzlich hielt der Witboi und rief angstvoll: „Da, da liegt was!" Wir mußten über die Ängstlichkeit des Schwarzen lachen und konstatierten bald, daß das im Wege liegende Etwas ein eingehendes Pferd war, dem ich den Gnadenschuß gab. IZald hatten wir in der Dunkelheit eine Ochssnwagenkolonne vor uns, die uns anrief. Man muß schnell antworten, damit man nicht womöglich noch von den eigenen Leuten eins auf den pelz gebrannt bekommt. Gegen y'/z Uhr abends waren wir im Giwak hungrig, durstig und müde, aber leider ohne Pferde. Gleich am nächsten Morgen, dem 7. )uli, ging ich mit einer frischen Patrouille nach Süden. Im lZusch fingen wir im Laufe des Dages fünf Maultiers und drei Pferds, die wir in Otjimbuka einem nach Otjire zurück- marschierenden Infanterietransport übergaben. Ich hatte heute meine ganze Patrouille in vier Parteien geteilt, um so den IZusch recht gründlich absuchen zu können. Zwei Mann sollten direkt nach der Wasserstelle reiten, um dort ein großes §eusr anzuzünden, das uns als Marschrichtungspunkt beim Sammeln dienen sollte. Der Wind hielt jedoch den stauch derartig nieder, daß man ihn kaum sah und erst, als ich nach meinem Eintreffen die Eingeborenen - Sütten in der Nähe anstecken ließ, wurde das Rauchsignal weithin sichtbar. Such Signalschüsse, die wir verabredet hatten, waren nicht gehört worden. In Otjimbuka wurde abgekocht und gefüttert, dann ging es nach Owikokorsro zu, immer abwechssnd 20 Minuten Drab und 20 Minuten die Pferde an der Sand führend. Der Weg markierte sich in der Dunkelheit kaum, man mußte scharf aufpassen, um nicht «bzuirren. Sb und zu machte sich als Wegweiser ein verendetes Disr durch seinen Gasgeruch bemerkbar. Schakale und Sasgsisr sorgen jedoch als 16' 244 Der Llufstand der lösrero. gute Sanitätspolizei stets für deren baldige Beseitigung. Unsers Pferde schnoben jedesmal ängstlich, wenn sie an einer derartigen Stelle vorbeimußten. Lln vier verschiedenen Stellen waren große Srasbrände sichtbar. Segen 8 Uhr abends ritten wir in der wohlbekannten Etappe Owi- kokorero ein, deren Kommandant jetzt ein alter Sskannter von mir aus dem Kadetten Korps und späterhin aus dem Lhinakeldzuge ist. So trifft man sich wieder im fernen Afrika. Viel gab's nicht auf der Etappe, unsere Pferde mußten sich mit etwas lZrot begnügen, löaker war nicht vorhanden. Die Nacht war kalt, ich hatte außer dem Woilach nur einen alten Zeitplan zum Zudecken und fror schauderhaft. Um nächsten Morgen suchten wir die uns gehörigen Eiere zusammen, es waren immerhin zehn Pferde und acht Maultiere, also ein sehr willkommener Zuwachs. Die Etappe ist jetzt fertig ausgebaut. Mit einem starken Schützengraben beherrscht sie die große VIev mit den Wasserlöchsrn vollkommen. In ihr befindet sich ein pro- viantzslt, ein Sranksnzelt, in dessen einem Ende der §ernsprechsr ist, ferner ist die lZäcksrsi noch innerhalb des Walles. Es sieht öde und leer aus» seitdem die Eruppen aus ihren Siwaks abgezogen sind, und wir konnten uns über die verdutzte §rage der Offiziere einer gerade ankommenden Munitionskolonns amüsieren: „Wo ist denn nun eigentlich Owikokorsro?" Wahrscheinlich hatten sie sich eine (Zroßstadt darunter vorgestellt und waren nun reichlich enttäuscht, nur die drei Zelte innerhalb der Elmwallung vorzufinden. Einser Rückmarsch mit den t8 Eieren, die wir in einer Serde trieben, war nicht ganz leicht, da die Eiere sich anscheinend ungern von Owikokorero trennten. Schließlich hatten wir sie aber doch im Lange und erreichten gegen 4 Elhr nachmittags wieder Otjimbuka, wo uns eine Patrouille der Sattsris, zur Silke beim Ereiben bestimmt, erwartete. LIn der Wasserstelle war gerade ein Ersckochss in eins der Löcher gefallen und dabei ertrunken; er mußte nun von den anderen Eieren herausgezogen werden. Ein zweiter Ochse war entlaufen. Wir bezogen im Susch ein IZiwak und hatten bis zum Einbruch der Dunkelheit mit Orasschneiden und Sralbauen ein gutes Stück Llrbeit zu bewältigen. Eine Patrouille, die zum Wasserloch herunterging, fing dabei den entlaufenen Ersckochsen und brachte ihn im Eriumph angeschleppt, leider streikte er am nächsten Eage, als wir ihn weiter mitnehmen wollten. Die Posten meldeten mir gegen 9 Elhr, daß im Westen ein Laternen- 6uk Patrouille. 245 signal stünde, - richtig sah man von einem hohen Saum aus ganz deutlich auk immerhin weite Entfernung vier Laternen in einer schrägen Linie aufwärts in einer sieche. Llußsn zwei weiße, innen zwei rote. Es mußte wieder irgend ein Signal der Schwarzen sein, da wir in dieser Legend keine Eruppsn haben. Legen yi/z Uhr sah man vom Okongawa-Lsrg aus Heliographieren mit lZlitzlicht. Ununterbrochen arbeitete der Heliograph, es mußte irgend etwas ganz lZesonderss los sein, denn sonst wird der Heliograph nachts fast nie benutzt, ich beschloß daher, noch nachts weiter tleliogroplienitaiion. 6 «.. . ' ' -r. tzu marschieren, da wir doch der Hälte halber nicht schlafen konnten. LIn der §eusrseits wurde man geröstet, an der anderen zitterte man vor Trost, alle halben Stunden mußte man aufstehen, um sich durch Herumlaufen etwas zu erwärmen. Legen 12 Uhr erlosch das Laternensignal im besten, der Heliograph arbeitete zeitweilig noch. Um l Uhr ließ ich satteln und marschierte gegen 2 Uhr ab . . . Es wurde Morgen, endlos zog sich der Weg hin, und als wir gegen 10 Uhr 30 Min. uns Otjire in der Hoffnung auf einen guten IZraten näherten, fanden wir zu unserem höchsten 246 Der Aufstand der lösrero. Erstaunen das ganze Nest leer, das Betachemsnt war gegen den Omuramba vormarschiert. Blso hatte das nächtliche Bsliographiersn doch seine Bs- deutung gehabt. Unser Erstaunen verwandelte sich bald in eine gewisse Besorgnis, womöglich zu einem (Zekecht zu spät zu kommen. Blso es gab nur eine Parole und die hieß, so schnell wie möglich der Eruppe nach . . » Wie ich vermutet hatte, war der (Zrund des plötzlichen Bukbruchs der, daß die löerero vom Omuramba-Bbschnitt nach Norden zu abzogen. Von der Batterie war seit zwei Lagen noch eine Patrouille von einem Offizier mit acht Bsitern am §einde, dieselbe war eigentlich schon zurückerwartet worden und man fing an ihrethalben Besorgnisse zu haben. Wir biwakierten diesen Bbsnd, den y. )uli, an der Wasserstelle Okawitumbika, an der noch vor allerkürzester Zeit löerero gesessen hatten. Bm Bbend trat die Patrouille der Batterie wieder ein, sie hatte festgestellt, dah das Oeländs bis zum Omuramba bis auk einzelne Späher vom §einds frei sei, mit dem sie überhaupt nicht in Berührung gekommen war. Bis §ühlung mit dem §sinds war so ziemlich verloren gegangen, er mutzte eben unter dem Schutze weit vorgeschobener Posten sein Vieh schon vor längerer Zeit zurückgezogen haben . . . Wir hatten am lO. einen Buhstag, am N. gings weiter nach Otjurutjondjou, das nach der hier recht ungenauen l^arts schon am Omuramba liegen soll. Der Weg war wie stets tiefer Sand im dichten Busch. Bb und zu stand wieder ein zurückgelassenes Pferd am Wege, das vor Schwäche nicht mehr mitkonnte. Buk dem Biwaksplatz wehte auf einem hohen Baums eine von den Witboi aufgezogene rote §ahne; der Platz liegt auk einer geringen, sandigen Bnhöhe. Bas §Iutzbstt markierte sich als ein ungefähr 6-8 Meter breiter sandiger Streiken, an dem die Llkerlinie nur teilweise deutlich erkennbar war. Im §lutzbett selbst kamen wir trotz eifrigsten (Zrabens auch bei 5 — 6 Meter tiefen Löchern nicht auf Wasser, dagegen gaben die einige 100 Meter neben dem §lusss gelegenen, von den löerero zum Viehtränken benutzten Löcher noch etwas Wasser, das ein trübes milchiges Aussehen hatte und von unseren Eieren ungern genommen wurde. Wir vertieften die Löcher und verstärkten die seitlichen Wände durch §aschinsn, um ein Bachrutschen des lockeren Sandes zu verhindern. Erotzdem war auch an diesem Platze die Wasserkalamität eine dauernde zu nennen. Bicht nur, datz das vorhandene keineswegs zum Satttränksn der 5lut Patrouille. 247 vielen Liers ausreichte, nein auch zu Hoch- und Waschzwecksn war es ohne klären mittels Lllaun und nochmaliges §iltrieren durch Serkefeld-Drichtsr kaum zu gebrauchen. Linsn Beigeschmack behielt es stets. Der Biwaks- platz an sich war verhältnismäßig hoch auk sandigem Untergrund gelegen und daher als gesund zu bezeichnen. Line entsetzliche Plage an diesem Platz blieben stets die in Millionen und Llbermillionen vorhandenen §lisgen, die von einer Zudringlichkeit waren, wie ich sie kaum je erlebt Habs. Bei einer Umschau in der weiteren Umgebung des Lagers erkannte man, daß hier eben Zehntausende von köpfen Rindvieh der Bersro gestanden haben müssen. Ls war tast alles ie Witboi suchten die Gegend nach Spuren ab, fanden aber nur alte; wir tränkten die Nie Patrouille v. Satzinan». 25 l Pferde und lagerten uns dann einige Kilometer vom Wasser entkernt auf gutem Weidegrunde. Lunge Posten wurden ausgestellt, und während die Pferde grasten, kochten wir uns die mit lischt so beliebte Lrbswurstsuppe und hinterher l^akkee. Da wir noch ziemlich weit vom Segnsr entkernt waren, konnte man es ruhig wagen, §suer anzumachen, außerdem hätte ein auf einem hohen Saum postierter Witboi sicher jede feindliche Annäherung gemeldet. In dieser unbequemen Stellung war der Sottentott gezwungen aufzupassen, denn im (Zrass unten hätte er sich sicherlich hingelegt und geschlafen. Um 2^ Uhr ritten wir noch einmal zum Wasser, um zu tränken, denn wer wußte, wie lange unsere Liere kein Wasser würden bekommen können, da die nächsten Wasserstellen mit ziemlicher Sicherheit in §eindsshanü waren. Alle Wassersäcke wurden gefüllt, ebenso die Feldflaschen. Das Wasser war prachtvoll, so schön, wie wir es schon lange nicht mehr gehabt hatten. Unser Landeskundiger glaubt, daß diese Wasserstelle in diesem ^ahre zum ersten Male von den im Nückzuge befindlichen Serero aufgemacht worden sei und daher auch die einzelnen Wasserlöcher noch nicht so beschmutzt wären, wie es im allgemeinen bei den jahraus, jahrein von den Serero benutzten Wasserlöchern der §all ist. Dann ging's feindwärts mit vorgeschobener Spitze und Seitsnpatrouillsn. Das Gelände blieb okken, wir sahen viele Spuren von Sartebsestsn, auch von nordwärts gezogenem Vieh, jedoch waren die letzteren schon mehrere Lage alt. . . . Segen 5 Uhr passierten wir die große Straße von Osire nach Water- berg, die wenig frische Spuren zeigte. Ls wurde dunkler und dunkler, die Ssitenpatrouillen wurden näher herangezogen, der Abstand zur Spitze verringert, und als wir schließlich in dichten Susch kamen, wurden die Seiten- patrouillen ganz eingezogen und auf die Spitze aufgeschlossen. Ls war ganz dunkel geworden, im schwachen Mondlichte konnte man noch den Marschrichtungspunkt, die linke l^ante des kleinen Waterberges, an lichteren Stellen erkennen, sonst diente uns der Sternenhimmsl als Wegzeiger. Der Dornbusch zerriß Gesicht und Sünde; die Lordsachen halten gut Stand gegen die Dornen, dagegen werden Stiefel und Sattelzeug mit der Zeit übel mitgenommen. Schweigend legten wir so Kilometer auf Kilometer zurück. Ab und zu wurde gehalten, um von hohen Säumen aus Ausschau zu halten; mehrmals sahen wir hierbei im Norden, Nordwesten und Westen 252 Der Aufstand der lbersro. ziemlich weit entkernt Lagerfeuer glühen. Vor uns im Westen wütete deutlich erkennbar an zwei Stellen ein grähersr Brasbrand, dessen Schein den nächtlichen löimmsl rötete. Die Witboi unterschieden deutlich am Brandgeruch, ob er von einem Brasbrand oder vom Lagerfeuer herrührte. Diese Finessen hatte ich mir damals noch nicht angeeignet. Mit leiser Stimme teilten wir uns unsere gegenseitigen Beobachtungen mit; kreuzten wir Spuren, so wurden diese beim Schein eines Streichholzes untersucht, ^ss weiter wir vordrangen, desto frischer wurden die von Süden nach Norden führenden Spuren, und als wir gegen 11 Uhr die an der Ostseits der Berge entlang führende Straße kreuzten, erwies sich diese als vom vergangenen Lage her sehr stark von Vieh und Menschen begangen. Nlso waren wir dicht heran und Vorsicht in jedem Falls geboten. Mein Plan war, im Dunkel der Bacht die Linien des Feindes zu passieren, um dann am frühen Morgen die feindlichen Stellungen und Werkten zu erkunden. Bekanntlich liebt es der löersro lange zu schlafen und er schätzt die Morgsnkälte, die jetzt ziemlich stark ist, garnicht. Diesen Umstand wollten wir benutzen und wir hatten richtig gerechnet. Der Busch wurde immer unpassierbarer, wir mutzten von den schon recht müden Uisrsn herunter, um überhaupt noch vorwärts zu kommen; wir passierten eins Senke, und um 12 Uhr nachts ließ ich halten, um einige Stunden zu ruhen. Nördlich von uns war ein Lagerfeuer sichtbar, sonst zeigte sich nichts Verdächtiges; meiner Berechnung nach mutzten wir uns an der sich am §utzs des kleinen Watergebirges entlang ziehenden Bsihe von Werkten befinden. Natürlich blieben die Liere gesattelt und gezäumt, an Schlafen war der Kälte wegen kaum zu denken; nach allen vier Bimmelsrichtungsn standen Posten mit aufgepflanztem Bajonett, einer dem Schwarzen bekanntlich sehr peinlichen Waffe. Feuer konnte nicht gemacht werden, wir atzen etwas trockenes Brot und legten uns auf die harte Erde, einer immer die Beins des anderen als Kopfkissen benutzend, ein Verfahren, das ich jedem in ähnlichem Falle nur empfehlen kann. Einer von uns blieb stets auf, um die Posten zu revidieren und Umschau zu halten; die Posten hatten einmal ein Fohlen wiehern und mehrmals ein kleines Kind schreien hören, also konnten wir uns nicht weit von einer besetzten Werkt befinden. Bottlob verhielten sich unsere Pferde ruhig, was man im allgemeinen vom Preußen nicht sagen kann, denn er antwortet sonst auf jedes Wiehern. Die Pferds Nie Patrouille v. Salzmann. 25 ) waren eben auch müde und froren, sie drängten sich dicht zusammen und standen ganz ruhig. IZewunderungswürdig war der feste Schlaf unserer Witboi, die sich durch nichts stören liehen. In Gegenwart des Leihen verlassen sie sich nämlich fest auf diesen, nicht ganz mit Unrecht, denn in solcher Situation patzt eben jeder Posten doppelt auf, das wissen unsere lieben Sundss- gsnossen auch ganz genau. Gegen 3^ Uhr ließ ich eins Sand voll Saker abwechselnd füttern, und um 4 Uhr gings weiter, den Südhang des vsrges entlang; bald kamen wir in dichten Nloewald mit übermannsdicken Stämmen und vielen Schlingpflanzen, die Passage wurde immer schwieriger. Wir muhten mehrfach kehrt machen, um einen anderen Weg zu suchen, dazu knackten die trockenen Nloeblätter auk der Lrde bei jedem Schritt, ein wenig angenehmes Geräusch. 5»le Augenblicke hielten die Witboi an der Spitze, bald sahen sie am lZerghang ein §eusr, bald hatten sie Stimmen gehört - wir waren eben mitten drin. Mich überkam ein frohes Gefühl, endlich mal heran an den §sind zu sein mit der berechtigten Nussicht, eine gute Meldung nach Sause zu bringen. Punkt b Uhr, es dämmerte schon leicht, passierten wir die Südwestscks des Serges, an der auk kaum 200 Schritts viele Lagerfeuer sichtbar wurden. )etzt mutzten uns die Schwarzen auch bemerkt haben, denn allmählich verschwand §suer auf §eusr, lautlos, wie von unsichtbarer Sand ausgelöscht. Gs war L^jetjos Werkt. Nils Augenblicks konnten Schüsse krachen, doch nichts regte sich, und einer hinter dem anderen zog die Patrouille still weiter. Mir juckte es bedenklich in den Ringern, eine Salve in die Werkt hinein zu senden, aber ich dachte der Verantwortung als §ührer der mir anvertrauten Leute und ließ es lieber sein, denn eine Patrouille soll nicht fechten, sondern sehen, und ich halte es kür einen größeren Grkolg, ohne einen Mann oder ein Pferd zu verlieren und ohne einen Schutz getan zu haben, eine Meldung nach Sause zu bringen, als umgekehrt. Osr Morgen dämmerte herauf, man konnte weiter und weiter sehen; wir wendeten uns nach Norden, so den lZerg allmählich zwischen uns und unsers Gruppen bringend. Wir kamen in lichteren Susch und mit zunehmender Seiligkeit bemerkten wir, daß wir in ein sich nach der Marschrichtung (Norden) zu verengendes ^al ritten. Nm IZerghangs rechts würd? Nauch sichtbar, und nach und nach erkannte man Werkt an Werkt. Das Lial verengerte sich, und die Wände waren rechts und links kaum noch 254 Oer Aufstand der lösrero. 200 m entkernt. Der Landeskundige mahnte zur Umkehr, ehe es zu spät würde; ich konnte mich der Einsicht, daß wir in eine Llrt Trichter ritten, aus dem bei der bekannten (Zewandtheit des Feindes im Umzingeln beim Llngrikks kein Entrinnen mehr möglich war, nicht länger verschlissen und gab traurig den lZekshl kehrt zu machen. Unser Ziel, Omuveroumue im passe zwischen dem kleinen und dem großen Watergebirgs, lag dicht vor uns, deutlich hörte man das Vieh dort brüllen und die Sunds bellen. Wir wandten uns vielleicht t km nach Südwesten, dann ließ ich halten und erkletterte mit Vir waren, ohne es zu ahnen, dicht am Lager, vielleicht nur dreihundert iDorerowerkt cim Waterborg. W > erneuter Vormarsch. 257 Meter von demselben, gelandet. Mein Hauptmann hatte in richtiger Erkenntnis, daß die Patrouille zurückkam, auf seiner Signalpfeife gepfiffen. lZald rief uns der äußerste Posten an: „Halt, wer da?" „Viktoria!" klang's schleunigst zurück von uns, denn das ist unser §eldgsschrei. Segen 12 Ohr war alles bei seinem Truppenteil, und ich konnte sofort unserem §ührer über das Ergebnis der Patrouille Bericht erstatten, der dann im Auszuge telegraphisch ans Hauptquartier ging. 6m nächsten Morgen sollte gerade vormarschiert werden an eine anders Wasserstelle, die sich später als mit der von uns gefundenen identisch erwies. Otjurutjondjou mußte geräumt werden, da das vorhandene, nebenbei miserable Wasser bei weitem nicht ausreichte und auch die Weide schon spärlich wurde. Zurück konnten wir nicht mehr, also mußten wir vorwärts, obwohl dies absolut nicht in den Absichten des Hauptquartiers lag, das darin eins Beunruhigung des Gegners erblickte. Erst am 19. Juli um 9 Ohr früh kam die Erlaubnis zum Vormarsch, per Weg mutzte zum Esil erst durch den dichten Busch geschlagen werden, so daß wir erst gegen 2 Ohr unser neues Biwak an der Wasserstelle Erindi-Ongoahsre, wohl der letzten Station vor dem Angriff, beziehen konnten. Auch bei diesem Vormärsche war wieder eine ganze Anzahl Pferde am Wegs liegen geblieben, ein Zeichen, wie gefährlich ein noch längeres Verbleiben der Eruppe in Otjurutjondjou der (Zefechtskähigkeit derselben geworden wäre. Bas jetzige Biwak wurde als Bechteck angelegt, das von Infanterie und Witboi auf der dem §eind zugewendeten Seite, von den beiden Batterien auf den beiden §>anksn und von Infanterie und Maschinengewehrabteilung nebst §sldpost, §unkentelegraphie und Hsliographsntrupps auf der Bückseite gebildet wurde. AIs Längsachse war die langgestreckte Linie der Wasser- löcher gedacht. Bingshsrum erhob sich bald ein hoher Bornkral mit Schützengraben; durch den Hral streckten Beschütze und Maschinengewehre drohend ihre Mündungen. Bas Vorfeld wurde abgeräumt, um genügend Schußfeld zu schaffen. Im Inneren blieb ein großer Platz kür das Biwak des wohl bald zu erwartenden Oberkommandos frei; rechteckig zu einander angelegte Lagsrstraßen mit Wegzeigern zu den einzelnen Eruppenteilen gehen durch das Innere des Biwaks. Mit wahrem Behagen schlürften unsers Eiere das prachtvolle Wasser, auch die Weide sagte ihnen viel mehr zu, denn das Aussehen der Eiere besserte sich zusehends. Schon am 21. !^rieg IS04-ISVL. 17 258 ver lZukstand der lösrero. war ich wiederum mit einer stärkeren Patrouille unterwegs, diesmal käst direkt nach Westen, um auf Okateitei, das an der IZauptvormarschstratze des von Omaruru her vormarschierenden zweiten Negimsnts liegt, aufzuklären. . . . pm 24. ^uli verlor unsere Llbtsilung einen tüchtigen Mann, indem einer zum Ostachement v. Seiden fahrenden Eselkarrs der Vorderreiter hinterrücks am ladend aus dichtem IZusch erschossen wurde. Lins Verfolgung des Schützen erwies sich als ergebnislos. Nachts in dem dichten IZusch einzelne köerero zu verfolgen, ist von vornherein aussichtslos." - - Inzwischen wurde, um die Versorgung der vormarschierenden Abteilungen mit Proviant, Munition, Kraftfutter für die Pferde und dem sonstigen vsrschiedenkachsn Kriegsmaterial sicher zu stellen, das bereits bestehende Etappennetz weiter ausgedehnt. Mannschaften der Marineinfanterie und des IZeurlaubtenstandss, sowie ^Konvaleszenten und Schonungsbedürftige aller Truppenteile fanden hier in erster Linie Verwendung. Die Zahl der Stoppen-Kommandanturen wurde zunächst auk 6 erhöht.*) Welchen Llmkang die vienstgeschäkte mit der Zeit annahmen, und eine wie große Zahl von Offizieren, lZeamten und Mannschaften zur Llufrecht- srhaltung eines gesicherten vienstbetriebss notwendig war, geht aus der nachfolgenden Übersicht der Einrichtungen einzelner Etappen-ßommandan- turen hervor: I. Etappsnkommandantur Swakopmund (iöauptmann Witt). lZs- satzung 5 Offiziers, 81 Mann, darunter 20 nicht - marschfähige. Eisenbahntruppsn: 1 Offizier, 60 Mann, 7 Pferde. §erner: iZahnhokskommandatur; Etappen - Magazin mit IZäckersi und Schlächterei; IZskIeidungs-Oepot; Materialien-Oepot; Artillerie- Depot; z.Zt.§eldlazarett 3 —8; Lazarstt-Nsssrve-Depot; pkerde- und Vieh-Depot; Eissnbahn-IZetriebs-Werkstätte. Dntsrstationen:**) Donidas (1), Mchthoksn (4), I^össing (2), ßhan (13), Welwitsch (3), Pforte (3), ^okälswater (4 und 21 IZahnangsstellts, IZahnhofskommandantur, Zwsigmagazin, Eisenbahnwerkstätte). *1 es sei hier bemerkt, bah die Ausgestaltung üss etappsnnetzss, dem Vormarsch der Truppen folgend, immer «eitere Ausdehnung gewann und immer mehr Nrgfte erforderte, besonders nachdem später der §eiüzug in das Srotz-Namoiand getragen wurde. Ois Unordnungen dort waren ähnlich aber schwieriger wie im Sereroiande. "I Ois eingeklammerten Zahlen geben die Stärke der Sssatzung an. Die Ltappenkommcmdanturen. 259 2. Etappenkommandantur Karibik (Oberleutnant d. L. kühn). Desatzung: l Oktizier, 43 Mann, 18 Pferds. Eisenbahntruppen: I Offizier, 33 Mann, 8? Dahnangsstellte. Dahnhokskommandantur; Etappen - Magazin mit Däckerei und Schlächterei; Munitions-Depot; kaupt - Dekleidungs - Depot; Eisenbahn - Detriebs-Werkstätte; Etappen - Lazarett; Lazarett- reserve - Depot; Etappen - §ichrpark; Etappen - Pferds- und Vieh-Depot. Untsrstationen: km 108 (2), Sphinx (2), Dorstrivier (3), Kubas (8, Zwsigmagazin, 30 kranke Pferde), Llbabis (2, Genesungsheim: 1 Offizier, I Sanitätsoffizier, 12 Mann, davon I I kranke), Kabis (3, Viehposten: 1 Unteroffizier, 9 Mann, 3 eingeborene Polizisten, 3 Wächter, 300 Stück Deutevieh), Friedrichsfelde (3), Johann Lllbrechtshöhe (2 Unteroffiziere 7 Mann,Zweigmagazin), Wilhelmstal (2 Unteroffiziere, 15 Mann, 1 Maschinenkanone, 3 Pferde), Okasise (1 Offizier, I Unteroffizier, 15 Mann, 1 Maschinenkanone, 3 Pferde), Otjimblngwe 1 Offizier, 4 Mann, 17 Dastarde, 8 Dergdamara). 3. Etappsnkommandantur Outjo (kauptmann von Fiedler). De- satzung: 3 Offiziere, bb Mann, davon 1 Offizier, I I Mann nicht marschfähig; 17 Pferde, 4 eingeborene Soldaten. Etappen- Magazin, Munitions-Depot, Etappen-Lazarett. Unterstationsn: Omaruru (3 Offiziere, 52 Mann, davon I Offizier, 10 Mann nicht marschfähig, 19 Landwehrleute, 5b Pferde, davon 15 nicht brauchbar, Etappen - Magazin, Munitions- Depot, Etappen-Lazarett), Okawakuatjiwi (1 Offizier, 22 Mann, 2 eingeborene Soldaten, 20 Pferde), Etaneno (7 Offiziere, 9 Unteroffiziere, 47 Mann, b eingeborene Soldaten, 29 pkerde). In den Etappenkommandanturen Okahandja, Windhuk und Otjosondu waren die Einrichtungen ähnliche. Dereits zu dieser Zeit bereiteten die Landungsverhältnisss in Swakopmund dem Oberkommando in Südwsstafrika und den Dehörden in der lösimat schwere Sorge. Dachdem schon früher der Kopf der Mole, die den Wellenbrecher kür den Doots- und Leichterhaksn bildet, von einer Sturmflut zerstört worden war, drangen im Lauf des Wahres 1904 un- 17 ' 2b0 Der Ausstand der löerero. vermutet*) ungeheuere, von dem starken Süd-Nord-Strom nach Norden gedrückte Eriebsandmassen gegen Mole und Satsnemgang vor. vurch sie wurde der Gebrauch der Mole und des Bootshakens allmählich in erheblicher Weiss beschränkt, da das §ahrwasssr immer mehr verflachte, bis es endlich - im )ahrs 1905 - zu einer flachen und schmalen §ahrrinne zusammenschrumpfte, die für Schlepper und vollbsladsne Leichter nicht mehr passierbar war. Man sah sich daher bald gezwungen, auf die vor der Erbauung der Mole geübte, durchaus nicht gefahrlose und sehr schwerfällige Llrt des Landens: mit Brandungsbooten an freier k^üste, zurückzugreifen, und behalf sich späterhin auch mit dem Gebrauch an Ort und Stelle hergestellter §lötze, mittelst derer Eiere - Pferds, Schlachtochsen, Kamele - mit Vorteil an Land gebracht wurden. Es sei hier gleich bemerkt, datz die Landungsverhältnisse an der Mole sich auch in den fahren 1905 und 190b dauernd verschlechterten, da selbst zwei aus Deutschland nach Südwsstafrika gesandte Ssebagger der andringenden Sandmassen nicht löerr zu werden vermochten. Eine Besserung in den gesamten Landungsvsrhältnisssn trat erst ein, als die Eisenbahntruppen und Pioniere das in jeder Binsicht bewundsrnswsrte Meisterstück vollbracht hatten, durch die Brandung eine schwere, widerstandsfähige hölzerne Landungsbrücke - einen Pier - zu bauen, die sich vorzüglich bewährt hat. Wer die Spalten der „Deutsch-südwestafrikanischsn Zeitung" seit 1904 durchkliegt, sieht sie erfüllt mit Befürchtungen und klagen über die sich dauernd verschlimmernden Landungsverhältnisse. Erat dann noch schlechtes Wetter — heftiger Seegang und starke Brandung — hinzu, Umstände, die ein Landen mit Brandungsbootsn zur Unmöglichkeit machten, so war der Verkehr zwischen der lxüsts und den Schiffen auf. Neede oft tagelang unterbrochen. Diesen Verhältnissen mutzte bei Llbssndung der Eransporte aus der Beimat voll Rechnung getragen werden. Wenn es auch gewitz das Idealste sein mag, eine überseeische Expedition vollzählig und geschlossen ihrem Bestimmungsort zuzuführen, so wird dies stets schwer durchführbar sein und war für Südwestafrika schon aus den oben ge- *) Vatz hier in der ?at Naturereignisse vorliegen, die sich in keine Berechnung und kein System zwängen lassen, beweist die bereits erwähnte, vollkommen überraschend eingetretene Versandung des Ogden- und Sandwich-Hafens, vergl. S. 25 . Schwierigkeiten des Vormarsches. 261 schilderten Gründen unerreichbar. Man war gezwungen, die einzelnen Transporte in größeren Zwischenräumen abzulassen, um zu verhindern, daß Schifte untätig und ohne entlöschen zu können auf der Aeeds lagen, was hohe kosten — sogenannte „Liegegelder" - verursacht. Der seinerzeit von einem Deii der deutschen presse erhobene Vorwurk, daß die Transporte zersplittert und zusammenhanglos im Schutzgebiet eingetroffen seien, ist darnach völlig unbegründet. Weise Vorsicht der Dehörden war es lediglich, die gebot, so große Fristen zwischen den einzelnen Sntsendungsn vorzusehen, daß der Voraussicht nach der eins Dampfer entlöscht haben mußte, wenn der nächste auf der Aeede eintraf. Lrotzdem hat öfter eine größere Anzahl von Schiffen gleichzeitig auf Aeede gelegen, ohne entlöschen zu können - meist infolge schlechten Wetters, mehrfach auch infolge zeitweiliger Onbrauchbarksit der Schlepper und Leichter. — Aber noch ein weiterer Umstand verbot gebieterisch den geschlossenen Vormarsch größerer Lruppenmassen von der l^üste Südwestakrikas in das Innere: der Mangel an geeigneten, mit Wasser und Weide genügend ausgestatteten Straßen, löierzu kam noch, daß die Lissnbahn Swakop- mund-Windhuk ihrer gesamten Anlage nach den gesteigerten An- korderungen des Krieges - besonders im ersten Lei! desselben - nicht nachkommen konnte. Sie wurde erst leistungsfähiger, nachdem die Cissnbahn- truppsn mehrfach verstärkt worden waren *) und man das rollende Material auf eins den Anforderungen entsprechende lööhs gebracht hatte. — Unter der Ungunst dieser Verhältnisse hatten die Verstärkungen zu seiden, die im )uni und )uli im Schutzgebiet eintrafen und unter angestrengtester Arbeit dort ihre Mobilmachung beendeten. Aund 3500 in der I^apkolonie aufgekaufte Pferde und Maultiere wurden in derselben Zeit im Schutzgebiet gelandet, zum Deil in Lüderitzbucht zur tZerittsnmachung des kür den Süden des Schutzgebiets bestimmten Transports.") An weiteren Lruppenentsendungen wurden in Voraussicht der im Felds zu erwartenden bedeutenden Abgänge 4 Srsatzkompagnien und 2 Crsatz- '1 Noch im Juni wurde eine Verstärkung derselben auf ein IZataillon zu zwei IZaukompagnisn beantragt. "> 7. und s. Nomp. 2. Ngts. und 8. IZatterie unter Major von Lengerks. Mit der bereits im Süden befindlichen 4. Nomp. (von troppv! bildeten Liess rruppen das III. IZataillon 2. kelörsgiments. vie 7. lZomp. blieb jedoch vorläufig als Nrbeitstruppe in Swakopmund. 262 Der Aufstand der Lerero. batterien in der Leimat beantragt, von wo gleichzeitig eine §eldtelsgraphen- abteiiung und das Material zur Aufstellung einer §sldhaubitzbatteris abgingen. — Den Juni und Juli hindurch waren die Lerero durch eins große Zahl mit vorzüglicher IZravour durchgeführter Offizierpatrouillsn scharf beobachtet worden. Legen Ende des Juli wurde der von den deutschen Gruppen um die Waterbsrg-Landschaft gezogene Ling nach dem Eintreffen des 2. §eld- regiments unter Oberst veimling enger geschlossen. Ledeutsnds Lücken hatte die Umstellung vor allem im vordwestsn ausgewiesen. Um diese zu schließen, wurde die 3., bisher in Outjo stehende Marins-Inkantsriekompagnie (Lrat Lrockdorkk) nach vaidaus dirigiert, und ein vstachement unter Laupt- mann von Siedler (8. Lomp. t. Lgts., 1. Lomp. 2. Lgts. und Hz 1. Lotterie) von Okowakuatjiwi über Onjakawa aus Otjiwarongo und Orupemparora *) vorgeschoben. Das 2. §eldrsgiment mit der 7. Lotterie rückte in 2 Kolonnen über Omaruru auf Omussma-Uarei vor. Von der ersten Kolonne (Major von Wahlen-Jürgaß mit 2. und 3. Lomp. 2. Lgts.) wies die vormarschierende 2. Compagnie unter Lauptmann Manger am 2. August bei Okateitsi den Angriff von 150 Lerero ab, wobei 50 Lerero fielen. Die deutsche Lruppe hatte einen Verlust von 4 Verwundeten- Las II. Lataillon 2. Lgts. und die 7. Lotterie unter Major Meister erreichten Omusema-Uarei am 5. August. In diese Zeit kiel ein herber Verlust für die deutschen Iruppen: die Vernichtung der Patrouille des Leutnants §reiherrn von Lodenhausen vom vstachement von §isdler am 6. August. Lach Erkundung des Westrandes des Waterbsrges wurde die l Offizier und tO Leiter starke Abteilung auf dem Lückweg in der vähs des Osondjachsbsrgss von etwa 300 Lerero angegriffen und nach tapferster Gegenwehr bis auf 2 Mann, die schwer- verwundet entkamen, niedergemacht, vie Loten wurden von den Lerero in der gräßlichsten Weiss verstümmelt, die Verwundeten grausam getötet. Am 4. August gab (Zeneralleutnant von Lrotha von Erindi-Ongoahsre aus die „Direktiven kür den Angriff gegen die Lerero": I. Der §eind steht heute mit seinen vorgeschobenen postierungen in der Linie Westrand des Sandsteinplateaus nordwestlich Omuwsroumue - längs des Lamakari-Liviers von Omuwsroumue bis Lamakari-Okam- eintreffen dort am 21. 1u!i. Der Angriffsbefehl. 263 bukonde und bei Station VVatsrbsrg; er hat sich im dichten Dornbusch verschanzt. Seine löauptkräkte sollen bei löamakari versammelt sein. - Cs ist keineswegs ausgeschlossen, daß der §eind jeden Augenblick seine Aufstellung ändert oder Durchbruchsversuchs macht; aufmerksamste, dauernde Deobachtung des §eindes durch alle am §eind befindlichen Abteilungen, regste Verbindung der Abteilungen untereinander und sofortige Meldung an mich vorkommenden- kalls ist daher geboten. üutbructi einer 1'ruppenadteilung In vmoniiu. 2. Ich werde den §eind, sobald die Abteilung Deimling versammelt ist, gleichzeitig mit allen Abteilungen angreifen, um ihn zu vernichten. Den Dag des Angriffs selbst werde ich noch durch §unken oder Nützen bestimmen. 3. Am Nachmittag des Dages vor dem Angriff haben alle Abteilungen bis auf einen kurzen Marsch an die feindliche Stellung heranzurücken, vorsichtig vortastend und ohne Seunruhigung des §eindes unter sorgsamster Sicherung gegen den §eind und unter fortgesetzter Erkundung seiner 264 Der flukstanL der lZerero. Stellung. §suer anmachen ist untersagt, ^ede Abteilung sorgt für engste Verbindung mit der Nachbarabtsilung und meldet ihre Aufstellung durch blitz- oder §unksntslegraph oder Nachrichtenoffizier sofort an das Hauptquartier. (Vgl. Nr. 16.) 4. Am Uage des Angriffs marschieren sämtliche Abteilungen nachstehenden Angriffszielen entsprechend so vor, daß um 6 Uhr morgens der Angriff beginnen kann, und zwar, wo angängig, zunächst mit der Artillerie. 8kir/s ru c!sn ksfscktsn sm Wgtsrbkrßs. 5. Ss greifen an: Abteilung von Sstorff: Station Watsrberg unter starker Sicherung gegen Okambukonde. Sie hat danach zu streben, nach Inbesitznahme von Station Watsrberg baldmöglichst in Dichtung auf Okambukonde - Sama- kari - je nach Umständen - gegen §>anks und bücken des §eindss vorzugehen. Station Waterberg mutz besetzt bleiben. Abteilung von der be^ds: löamakari, nördlich des Streitwolfschen Weges bleibend. Abteilung Müller: läamakari, mit dem rechten §>ügel den Anschlutz an Abteilung v. d. Hs^de suchend. Der Angriffsbefehl. 265 Abteilung Deimling: Omuwsroumus im Streben, in das dortige Ealdekilss einzudringen und, wenn die Umstünde dies irgend gestatten, den Angriff auk löamakari zu unterstützen. Oberst Deimling verwendet Abteilung von Fiedler noch eigenem Ermessen zum Angriff auf den Westrand des Sandsteinplateaus und zur Verhinderung eines Ausbrechens der Serero nach Dordwestsn in enger Verbindung mit Abteilung Volkmann. Abteilung Volkmann sperrt am Lage des Angrikks die Strotzen von Waterberg und Omuwsroumue auf Omaongombs und Otjenga und verhindert ein Ausweichen der löersro nach Norden. 6. Alle Abteilungen haben die Wegs der ihnen aufgegebenen Vor- marschrichtungsn und das zu durchschreitende Gelände aufs sorgsamste auch fernerhin zu erkunden, die Wsgslängen genau festzulegen, zur Verwendung der Artillerie geeignete Stellungen auszusuchen und durch Entsendung von Nachrichten-Offizieren kür dauernde Verbindung mit den Nachbarabtsilungen zu sorgen. Ganz besondere Aufmerksamkeit ist der dauernden Sicherung der flanken und des Nückens während des (Zekechts zu widmen, hierbei werden die Witboi und lZastarde zweckmäßig Verwendung finden, aber nur unter unbedingter Zugabe zuverlässiger Unteroffiziere und Asiter der Schutztrupps', in vorderster Linie vor der Front sind dieselben nicht zu verwenden. 7. Enges Zusammenhalten aller Abteilungen in sich ist dauernd geboten, vor allem Wahrung des zusammenhängenden, ununterbrochenen Vorgehens und Verhütung gegenseitigen lZeschietzens. An die Erbsutung von Vieh darf während des Gefechts nicht gedacht werden; alle Kräfte sind zur Vernichtung des kämpkenden Feindes einzusetzen. Als Erkennungszeichen und zur Vermeidung gegenseitigen lZeschietzens haben die einzelnen Abteilungen auf ihren äußeren, an die Dachbar- abteilungen angrenzenden Flügeln auf hohen, durch den Dornbusch hinausragenden Stangen flaggen folgender Farben zu tragen: Abteilung v. Estorkk: weiß. Abteilung v. der lös^bs: rot. Abteilung Müller: blau. Abteilung Deimling: grün (evsntl. aus den geliekerten Zeltbahnen kür Offiziere herzustellen). 266 Der Aufstand der lZererc». 8. Die einzelnen Abteilungen führen an Verpflegung am LÄgs des 5lngrikfs mit sich: kür jeden Mann kür sechs Lage eine eiserne Mundportion, §leisch event!. in Strähnen gedörrt, kür jedes Pferd drei eiserne Kationen zu je I kg köaker. Sämtliche Wasssrsäcke sind dauernd gefüllt mitzukühren. §ür weitere Mitkührung von löaksr und Munition durch Packtiere ist Sorge zu tragen. 4. An Munition sind beim Angriff mitzukühren: bei jeder Abteilung mindestens ein Ochsenwagen mit Infanterie- munition, bei jeder lZatteris ein Ochsenwagen mit Artillsrisrnunition. 10. ^lsds Abteilung hat kür die vollzählige Mitkührung der den Truppenteilen überwisssnen Sanitätsausrüstung auf das Oskschtskeld zu sorgen. Auf den Sanitätskarrsn, ßapstüdter Aeisewagsn und den zum Krankentransport sonst bestimmten Wagen sind sämtliche Krankentragen, l^avalleriepacktaschen, die zu den Sanitätskoffern gehörigen Aeservskisten und reichlich abgekochtes und geklärtes Masser, Laternen, Petroleum und Kerzen zu verladen. Auf ärztliches Orkordsrn sind Krankenträger sowie Pferds für die k^avallsrispacktaschsn zur Verfügung zu stellen. Nicht gekechtskähige Lsichtkranke und Leichtverwundete haben sich auf nächstem Wege zum letzten Lagerplatz ihrer Abteilung zu begeben. An §eldlazaretten werden überwiesen: Der Abteilung v. der Se^de: Vom §sldlazarett Nr. 1 (in Otjosondu) eins Sektion unter Stabsarzt §ranz (in Marsch auf Omutjatjewa gesetzt). Der Abteilung Müller: Feldlazarett Nr. 2 unter Stabsarzt vansausr (befindet sich über Otutundu im Marsch). Der Abteilung veimling: Feldlazarett Nr. 3. Nie §sldlazarette sind soweit als möglich nachzuziehen und erst bei Bedarf zu etablieren. Abteilungen v. Cstorff und Volkmann haben ihre kranken und Verwundeten auf Orootfontein, Abteilung v. §iedlsr auf Outjo oder Omaruru zurückzusenden. 11. Sämtliche Verpflegungswagen der Abteilungen bleiben auf den letzten Lagerorten unter dem Kommando von Offizieren zurück. An diesen Punkten sind Beduits für die Besatzung schon jetzt einzurichten, außerdem ist kür die Unterbringung Verwundeter Vorsorge zu treffen. 12. Alle Otappenposten und löeliographenstationen werden auf Der Angriffsbefehl. 267 besondere Sorgsamksit beim Sicherheitsdienst in der nächsten Zeit hingewiesen, da ein Ausweichen kleinerer feindlicher Abteilungen keineswegs ausgeschlossen ist. 13. Das Etappenkommando wolle kür schleunige Vorführung weiterer Feldlazarette zu den am §eind befindlichen Abteilungen Sorge tragen. 14. Ich verbiete die Verwendung aller eingeborenen Soldaten mit Ausnahme der V?itboi und IZastards kür den Dag des Angriffs in vorderster §ront, dieselben sind bei der ll. Staffel der Verpklsgungsfahrzeuge unter strenger Beobachtung zu halten. 15. Jeder Mann der diesseitigen Abteilungen ist darauf hinzuweisen, datz er bei nicht sofortigem Zuerkennengebsn des Losungswortes „Viktoria" rücksichtslos niedergeschossen wird. 16. Ich werde meinen Standort durch den Ballon der §unksn- abteilung mit der l^ommandoklagge besonders kenntlich machen und begleite zunächst beim Vormarsch die Abteilung Mueller. gez. Lrotha." Dieser bedeutsame Befehl zeigt die ungeheueren Schwierigkeiten, mit denen die Druppenkührung sowohl wie die Druppen selbst auf Schritt und Lritt zu kämpfen hatten — Schwierigkeiten, welche die eines europäischen Kriegsschauplatzes weit übertreffen. Am 7. August, dem Dags des Sammslns der gesamten Abteilung Deimling in Okateitei, erfolgte der Befehl: „Das Vorrücken aller Abteilungen an die feindliche Stellung erfolgt am 10. August nachmittags, der allgemeine Angriff am 11. 6 Uhr morgens. v. Lrotha." Die Erkundungen der letzten Dage hatten wesentliche Veränderungen beim §sinde nicht ergeben. Am 10. August geriet (Zsneral von Drotha, der mit dem Stäbe gegen Bamakari erkundete, durch plötzlich im dichten IZusch angreifende Bersro in grotze tZskahr. Oberleutnant von Salzmann wurde schwer verwundet. Am 10. August morgens hatten die Druppsn in der Bssamtstärks von rund 1500 Bewehren") (16 Compagnien, 30 Geschütze, 12 Maschinengewehre) folgende Stellungen inns: Abteilung von Estorff bei Okomiparum, *) einschließlich der Lmgeborenen-6Ufstruppen. 268 Der Aufstand der Bersro, Bbteil. Volkmann 3./I. V. Zülow V. Madai ^ossidlo Ltwa vier Offiziere, 200 Bewehre, Zwei Beschütze, zwei Maschinen- Bswshre ^ruppeneinteilung für die Sefechte am X^aterberg, N. August 1904. Kommandeur: Bsneralleutnant v. TIrotha. Lhsf des Seneraistaoes: Oberstleutnant Lhalss de Beaulieu. Bsnsralstab: Major Quade, Bauptlsute Salzer, Bayer. Bdjutantur: Bauptmann v. Lsttow-Vorbeck, Oberleutnant v. Bosse. Bbtsil. v. Siedler 1 ./ 2 . 8 ./ 1 . §rhr. Bbteil. Oeimling Maj. Meister II.,2. 6. 4. §rhr. v. VOslck v. Bumbracht Maj. v. XVahlen I./2. 3. 2. v. Born hardt Manger Bbteil. Muellsr Maj. v. Mühlenksls Ill./t. tl. 10. d. Lansssr Bbteil. v. der Beyde ll./t. 7 . 6 . 5 . Bren- ^hr. tan"'v fangen- Puder Bbtsil. v. Lstorff I./t. 4. 2. 1. epp Bitter i. V. XVinterfeld i 7. Bemmert v. Oertzsn Bsthanisr etwa vier Offiz., etwa 20 Offiziers, 478 Bewehre, 180 Bewehre, sechs Beschütze zwei Beschütze ^ ^ Maj. §rhr. v. Bsitzenstsin 6 . 5 . Bsmbe Stahl 1^1 Maj. Osterhaus 4. 2. v. Müller v. Birschberg 'I-'I.iI-'I' 3. Bauszus 1- vürr Br. Saurma I l -I I- I- -I I I I -I §unkenstation §unkenstation §unkenstation XVitboi Müller v. Berneck etwa 20 Offiziere, 219 Bewehre, acht Beschütze, sechs Maschinengewehre 22 Offiziers, 164 Bewehre, acht Beschütze Bastarde Böttlin 26 Offiziere 247 Bewehre, vier Beschütze, vier Maschinen- gewehre. Die lZlitzstation v. IZuer. 2b9 Abteilung von der Se^öe bei einer VIev etwa 15 km nordöstlich Samakari, „ Müller unddasSauptquartierbeiOmbuatjipiro, „ Oeimling bei Okateitsi, „ von §i,edler am Osondjachebergs, „ Volkmann bei Otjenga. Der 11. und 12. August 1904. Die Oskechte am Waterbsrg wurden eingeleitet durch eine kühne Lat des Leutnants von Nusr von der Signalabteilung des Oetachements Volk- inann. Sauptmann a. L>. Oannhauer, der Spszialberichterstatter des „lZerlinsr Lokal-Llnzeigers" berichtete hierüber: „Leutnant von Lluer, früher >m 2. (Zards-Oragoner-IZegiment, gehört, seitdem er zur Schutztruppe übergetreten ist, dem Signal - vetachement der Abteilung Estorkk an; von dieser zur Ltbteilung des Oberleutnants Volk- mann geschickt hatte er mit diesem Landeskundigen die Möglichkeit der Llnlage einer Waterbsrg-lZlitzstation besprochen, und der gemeinsam hierzu entworfene Plan hatte die Genehmigung des löauptquartisrs gefunden. *So trat denn Leutnant v. Lluer zusammen mit dem Leutnant v. Geibnitz, 30 Gerittenen und einigen Sandpferden am 9. Llugust von Otjenga aus seine gefahrvolle Expedition an und erreichte um 10 Uhr abends den Nordfutz des Waterbsrges. Die Pferde muhten von hier aus zurückgeschickt werden, da der Llukstieg nur kür §uhgängsr möglich war. Wasser gab es oben nicht. Die Leute füllten also nochmals ihre Wasser- beutel. Dann wurden jedem noch Proviant und ein Lei! der Nsserve- Munition zum Eragen zugeteilt. Vorsichtig begannen sie zwischen den scharfen Klippen, über massiges Oeröll hinweg, den ziemlich steilen Sang emporzuklettern; als Spitze, ein tüchtiges Stück voraus, Leutnant von Llusr mit 6 Mann. Nur sehr langsam kam die kleine Schar vorwärts, zumal der spärliche Mondschein den halb verwischten, selten benutzten Pfad kaum erkennen lieh. L>is Uhr zeigte bereits die erste Stunde des neuen Lages an, als sie endlich das Sochplateau und damit zugleich vollkommen ebenes 270 Der Aufstand der Serero. Terrain betraten, das streckenweise mit üppigstem Laubwald bestanden war. Der sonst überall stereotype Dornbusch fehlte hier oben ganz. Dach kurzer Dost setzten sie ihren Vormarsch auf dem auch hier nur schwach markierten §utzpkade kort. Dieser durchquert in gerader Dichtung das ganze 10 km breite Plateau und mündet am Südrande in den patz, durch den man zur Station Watsrberg niederstecht. Dort, wo dieser patz sich oben abzweigt, lag ihr Marschziel; der Weg dorthin war also nicht mehr zu verfehlen. Doch je mehr sie sich diesem Ziels näherten, desto größere Vorsicht war geboten, denn es schien kaum denkbar, datz die Ssrero den patz unbesetzt gelassen oder nicht wenigstens oben auf der Sähe einen Ausguckposten haben sollten. Weder das eine noch das andere war der §all. Das Plateau wie die Sänge erwiesen sich vielmehr als vollkommen frei von lösrero, als Leutnant von Ausr um b^/z Ohr früh mit einem Eeil seiner Leute am Südrands anlangte und nun selbst sofort den patz und einige vorspringende Klippen des zerklüfteten Sanges besetzte. Ein günstiger Platz zur Aufstellung der Zlitzlampe war etwa 300 Schritt rückwärts vom Dands auch bald ausfindig gemacht, und als die Mannschaften mit dem Lampenmaterial am Dachmittag anlangten, wurde der Apparat sofort aufgebaut, um gleich nach Eintritt der Dunkelheit die Verbindung mit der Zlitzstation des Sauptquartisrs (in Ombuatjipiro) zu suchen. Die §srnsicht und Umschau von der Ausrschen Zlitzstation erwies sich als geradezu ideal. Dazu kam noch, datz man von der Sähe des ^)ier steil abfallenden platsaurandes aus vollkommene Einsicht in die unten am §slssnhang liegenden zahlreichen Serero-Werkte hatte. Orlogmännsr waren dort am 10. August zuerst nur wenige vorhanden; die meisten von ihnen waren wohl schon zu den vorliegenden stark besetzten Punkten bei Samakari und Omuweroumue abgerückt. Dagegen trieben Massen von Weibern und Mindern zwischen den pontoks ihr Wesen, und die §rauen zeigten besonders Erregung, als gegen 5^ nachmittags (am 10. August) berittene Säuptlings aus den vorbezeichnstsn Dichtungen zurückkamen und zu gemeinsamer Deratung zusammenzutreten schienen. Sleich darauf wurden berittene Zoten abgesandt. Diese mutzten den vorgeschobenen Orlogs den Zekshi übsrbracht haben, sich nach Waterberg heranzuziehen; denn kaum leuchteten zwischen den pontoks die Dachtksusr auf, so erschienen von Süden und Westen her immer größere Mengen berittener, Die vlitzstation v. Auer. 271 sattelten ab, kesselten bis Vorderbeine ihrer Pferde und liehen die Diers sich selbst ihr §utter suchen. Leutnant v. Auer hatte nur die völlige Dunkelheit abgewartet; dann blitzte er sofort seine IZeobachtungen dem Sauptquartier nach Ombuatjipiro und nahm darauf die Verbindung zur Abteilung löe^de nach Omutjajswa auf. Von beiden Punkten erfolgte umgehend Antwort, und es wurde ihm bestätigt, daß der lZekehl kür den I I. zum gemeinsamen Angriff sämtlicher Abteilungen bereits ausgegeben sei. Es stand ganz außer Zweifel, daß die lösrero längst das intensive IZlitzsn der Station Auer bemerkt haben muhten, vorläufig aber unternahmen sie nichts dagegen. Den §eind in der Dunkelheit anzugreifen ist niemals ihre Sachs gewesen, und so hielten sie es auch hier wieder, ßaum aber wurde es am anderen Morgen he», so knallten aus den unseren vorgeschobenen Posten gegenüberliegenden Klippen die ersten Schüsse, und es entspann sich ein ziemlich hartnäckiges, bis zum Mittag währendes §susr- gekecht. Die Angreifer verschossen dabei eins Menge Munition, doch ohne irgendwie nennenswerten Erfolg. Leutnant von Deibnitz erhielt einen Streifschuß an der Sand, der Deiter Mumm einen solchen an der Schulter. Unsere Leute dagegen, die mit ihrer Munition sparsam umgehen muhten (denn viel Asrssrvemunition war nicht vorhanden) - fanden später, als sie sich mit der herangekommensn Abteilung Deimling vereinigten, drei von den Ihren zurückgelassene tote lösrero in den Slippen vor. Seins Verwundeten hatte der (Zegnsr dagegen fortgeschafft. Während des eigenen, viele Stunden anhaltenden §eusrgefechts wurde vom Leutnant von Auer. unentwegt weitergsblitzt. Dur ein einziges Mal, mittags gegen ein Uhr, trat eins kleine pause ein. Als da General v. Erotha vom (Zekschtsfelde von löamakari einen lZekehl zur Weitergabe an Oberst Deimling hinüberblitzen lieh, meldete Auer plötzlich: „Meine Station wird soeben besonders heftig angegriffen. Muh Weile aussetzen!" Aber nicht lange, da meldete sich wieder die Station Waterberg und nahm von neuem die Verbindung auf. Schon um elf Uhr hatte Leutnant v. Auer mitgeteilt, daß die Station und die Werkte von Waterberg noch von 500 Orlogleuten besetzt seien, jedoch viel Vieh fortgetrieben werde, ferner gegen 12 Uhr, daß bei Omuwsroumue starke Staubwolken aufstiegen und von dort Seschützfsuer zu hören sei (dah also die Abteilung Deimling nahe!) 272 ver Lluhland der kerero. Als er am Nachmittag von Hamakari aus den bskehi erhielt, Deimling möglichst bald mitzuteilen, daß kür den t2. August allgemeiner Vormarsch gegen den Waterberg geplant sei, vermochte Auer sofort zu melden, soeben habe Deimling bereits die Station Waterberg und die Werkte genommen und dabei viel Vieh erbeutst! kurzum, aus diesen herausgegriffenen wenigen Beispielen ist zur Genüge zu ersehen, welch treffliche Dienste die Ausrschs Station auf dem Waterbergs am (Zekechtstage leistete. Nur mit löevde, der im Morgengrauen gegen den §eind vorgerückt war, konnte den Lag über keine Verbindung vom Watsrberg aus hergestellt werden, und mit Lstorff erst am Nachmittag nach Otjosongombe hinüber, nachdem seine Abteilung dies erstürmt hatte. Übrigens machte das nichts aus, denn Lstorff stand durch drahtlose Lelsgraphie in direktem Konnex mit dem Hauptquartier, wo Oberleutnant Häring seinen ballon mit dem Lmpfangsdraht gleich zu beginn des Gefechts bei Hamakari hatte aufsteigen lassen. Hochinteressant waren die beobachtungsn Auers während der Gefechte der einzelnen Abteilungen. Wie bei einem biesenpanorama lagen die verschiedenen, weit voneinander getrennten Gekechtskeldsr vor ihm. Deutlich markierten sich unsere Artilleriestellungen. Deutlich ließ sich das Ixrspieren unserer Schrapnells hoch in der Luft erkennen. Die Dichtung, weiche, von den einzelnen Gefechtsfeldern ausgehend, große Staubwolken nahmen, ließen ihn Schlüsse über den Stand der Gefechts ziehen. Von Mittag ab nahmen diese Staubwolken, die sich, immer dichter und länger werdend, über den unabsehbaren Dornbuschwäldern zusammenballten, fast alle die Dichtung nach Osten. Sie rührten von den abziehenden Oroßviehherdsn der Herero her. Linzeins dünne, südwestliche Dichtung nehmende Staub- streiken markierten dorthin abgetriebene HIeinvishherdsn. Alle diese beob- achtungen wurden fortlaufend dem Hauptquartier nach Hamakari hinübsr- gsblitzt. Dicht wenig interessiert horchte Herr v. Auer auf, als von dorther gegen 4 Ohr nachmittags plötzlich von neuem ganz formidabler Geschützdonner vernehmbar wurde. Lins Stunde später erfuhr er auf dem blitz- wege, daß dieses Geschützfeuer die Linleitung zur §ortnahme der Wasser- löcher gebildet hatte. In den Werkten am Waterbergs, unterhalb seines Postens, hatte bei beginn der Gefechte am frühen Morgen noch ziemliche buhe und Ordnung Der Vormarsch zum Sokecht. 273 geherrscht. Das änderte sich aber sehr bald, als der Kanonendonner näher zu kommen schien. Immer hastiger, unsteter liefen §rausn und Minder durcheinander. Dann begann ein eiliges Zusammentragen aller möglichen Holdseligkeiten, die schleunigst auf darren und Ochsenwagen geladen wurden, Haum fertig damit, wurde beim Abfahren umbarmhsrzig auf die schwerfälligen Diere so lange singshauen, bis sie sich in vollen Drab setzten. Mindere §rauen, die ihr Sigsntum bereits in Sünde! zusammengerafft hatten, warfen schließlich alles wieder von sich und liefen mit ihren schreienden Mindern den wagen nach." — Dells noch am Abend des tO., teils in der Nacht zum II. August war der Aufbruch der einzelnen Abteilungen erfolgt. Von allen Seiten zogen die deutschen Kolonnen lautlos durch die finstere Nacht und den dichten Dornbusch dem §einde entgegen. Nie Druppen brannten vor k^ampkbegier. Nie Abteilung Müller und das Hauptquartier setzten sich kurz nach 2 Ohr nachts von Ombuatjipiro aus auf Hamakari in Marsch, in der Avantgarde unter Hauptmann Gansssr die witboihilkstruppen, die I I. Compagnie und einige Maschinengewehre. „In tiefster Dunkelheit rückten wir dahin", berichtet ein Mitkämpfer aus den Seihen der II. §eldarti»erie Abteilung*), „man konnte kaum zwanzig Schritts weit sehen und mutzte gehörig aufpassen, datz die 6e- schützs und Munitionswagen den Anschlutz nicht verloren. wir zogen auf der pad nach der Wasserstelle, die wir so oft verwünscht hatten - lagen die letzten Löcher, aus denen wir tränkten, doch eine volle Lcunde vom Lager, wir hatten jetzt wegen des fünf- und sechstägigen Proviants die zweite Packtasche auf dem Pferde, mutzten deshalb den Harabinsrschuh abgeben und den Karabiner auf dem Sticken tragen. An der Spitze marschierten die II. Compagnie und die Maschinengewehre, vorn am Gros wir. Om öV- Ohr entwickelte sich rechts und links von uns die 9. und 10. Compagnie, neben uns zog in Marschkolonne die b. Satterie. Es war ein famoses Süd, das jedes Soldatsnhsrz erfreuen muhte, wie die Druppen in ihren malerischen Onitormen in dem hohen Grase und Gebüsch vorgingen, als Hintergrund klar im Morgenlichte der lange §elsenrücken des waterbergss. Alle Augenblicke sprengten Ordon- Veröffentlicht im »Berliner Tageblatt*. l^riec, i-»04-lN)6. 18 274 Der SukstanL der Iberers. nanzoffiziere und Meldereiter vorüber, und die bunten Fähnchen der Stöbe flatterten lustig im Winde. Doch bald gab es den ersten Zwischenfall. Unser 5ibtsilungsführer Oberstleutnant Müller stürzte schwer mit dem Pferds, so daß er lange besinnungslos blieb, und Major v. Michlenkels übernahm das Kommando. )sdsn Moment erwarteten wir, auf die Ssrsro zu stohsn, doch hatten sie die Stellungen, die sie noch wenige Oags vorher innegehabt hatten, geräumt. Wir waren die pad über Orusu-Vley marschiert und gingen nun an einem l^ivier entlang auf löamakari los, wo jetzt die Hauptmacht der löerero stehen :. Cs wurde später und :r, und viele meinten >, wir würden auch heute nicht an die iöerero nkommen. Doch es sollte !rs kommen. » '.F - Um y Uhr ertönten in der linken §lanke einige Schüsse, bald vermehrten sie sich, und nach kurzer Zeit knatterten auch schon zwei Maschinengewehre dazwischen. Da war die §reude grotz; hatten wir doch mit Neid schon lange vorher Kanonenschüsse von der Abteilung v. Sstorff herübsr- vbsrltleutnant Müller. schallen gehört, letzt erschollen auch bei uns die Kommandos. Vis 6e- schützs protzten auf einer kreisn §Iächs ab, die Munitionswagsn und protzen etwa bO Schritt dahinter. 5lber die Geschütze muhten schweigen, denn es war von den Schwarzen nichts zu sehen. Man hörte nur das pfeifen ihrer kugeln, die dicht an uns und hauptsächlich über uns vorüberflogen. Gs ist ein eigentümliches Gefühl, zum ersten Mal diesen ^lon zu hören und zu wissen, dah diese Grühs einem selbst zugedacht sind. Gin Stabsarzt und ein Veterinär waren fortwährend bei einem Munitionswagsn und unterhielten sich mit uns. Wir hatten vorläufig nichts zu tun, so lange die Der Dsginn des Gefechts bei tdamakari. 275 Batterie nicht schoß, und so lagen wir denn gemütlich, aber doch in großer Aufregung da, verzehrten unsere Vorräte und folgten gespannt dem §ort- gang des Gefechtes. Die kugeln pfiffen fortwährend an uns vorbei, die meisten zu hoch. Bach einer halben Stunde erzählten uns Vorbeireitende, daß die' l l. Compagnie, die auf dem linken §lügsl bisher allein kämpfte, schon erhebliche Verluste hätte. Gleich darauf kam der erste Verwundete, Oberleutnant Streccius, zu Pferde an, den linken Arm in der Binde, auf Brust und Bücken kam in der Bähe der Schulter das Blut durch. Es fiel ihm sichtlich sehr schwer, sich auf dem Pferde zu halten. Als er bei uns vorbeikam, sagte er: „Oas ist gar nicht so einfach da vorn mit den paar Gewehren, die man hat." Gleichzeitig erzählten uns vorüberkommende Soldaten der N. Compagnie, daß Bauptmann Gansser tot*), Leutnant Leplow verwundet und mehrere Leute tot und verwundet seien. Und das alles in der ersten halben Stunde! Bald knallte es nun auch von rechts und von vorn auf uns los, und das pfeifen der kugeln wurde immer häufiger. Unsere Batterie fing an, in langsamem §euer mit Schrapnells den Busch zu bestreichen. Auf jeden Schuß erfolgte die Antwort in Gestalt einiger kugeln. Wir mußten Munition vorbringen; aber auch von der §susrstsllung aus konnte man vom §sinde nichts sehen, obwohl die Schüsse aus nächster Nähe kamen, Bann erfolgte ein schärferer Angriff von rechts. Die Geschütze wurden dorthin geschoben und schössen mit kürzeren §euerpaussn. Auch die Maschinengewehre beteiligten sich. So entwickelte sich ein lebhaftes Gefecht. Der Stab begab sich in unsers Nähe, nachdem die Offiziere mit Exzellenz v. Erotha an der Spitze vorher von den Pferden gestiegen waren, ver Gallon mit der Stabs- flaggs ging in die Sähe. Nie Ixakkern griffen uns von allen Seiten nacheinander an, mitunter auch von zwei Seiten zugleich. Nie Compagnien und Maschinengewehrs mußten bald hierher, bald dorthin geschickt werden, die b. Batterie und die Maschinsngswehrabteilung wurden geteilt. Von den letzteren hätten wir noch viel mehr gebrauchen können, es ist entschieden die beste Waffe hier. ') löauptmann Sansser und Leutnant Leplow fanden den Heldentod vor der §ront der I I. Kompagnie beim Sturm auf die vordersten Wasserstellen des Hamakari-Niviers, die die tapfere Kompagnie nach Verlust sämtlicher Offiziere - Oberleutnant Streccius wurde schwer verwundet — trotz des rasenden gegnerischen keuers mit aufgepflanztem Seitengewehr nahm. 18 * 27b Der Aufstand der löerera Ss war geradezu auffallend, wie Offiziers und Leute nach ihnen riefen, sobald etwas los war. Sing es irgendwo heitz her, so hietz es immerfort: „Maschinengewehrs her!" Der l^ampf dauerte bis gegen Nachmittag, da die löerero uns immer wieder angriffen und von uns zurückgeschlagen wurden. Das §eusr war bald schwächer, bald stärker, ab und zu unterbrochen von dem vonnsr der Oeschütze und dem Nattern der Maschinengewehrs. Wir alle glaubten, datz wir den §eind amWater- berg zusammendrängen und dort vernichten würden. Segen 2* „ Ohr holte sich Major v. Mühlenrels vom Oberkommando, das sich gerade in unserer Nähe befand, die Erlaubnis, die vor uns liegenden Wasserstellen mit Sturm zu nehmen. Lins Compagnie, die Witboi- fibteilung und zwei Maschinengewehrs blieben beim Stabs, die beiden anderen Compagnien und beide lZatterien setzten sich um 3^ Ohr in Sewsgung Die Infanterie voran, die Batterien dicht dahinter, um direkt in der Schützenlinie abzuprotzen. Im Lrabs ging es vor, und es entwickelte sich ein (Zefscht kauptmonn Sonilei. lramakari. 277 von ungeahnter Nettigkeit. Die Bersro verteidigten die Wasserstellen mit größter Hartnäckigkeit und sandten einen wahren Kugelregen gegen uns. Unsere Infanterie antwortete natürlich gehörig, und die vier Maschinengewehrs sowie die beiden Batterien gaben tast unaufhörlich Schnellfeuer ab. Die Munitonswagen protzten dicht hinter "den Beschützen ab, und wir mutzten mit Volldampf die Beschotzkärbs heranschakksn. Bald fingen die Raffern an vorzugehen und kamen im dichten Busch bis auf lOO, ja sogar bis auf 50 Schritt heran. Von der löektigkeit, der Wildheit eines solchen Dampfes kann sich nur der eine Vorstellung machen, der ihn mitgemacht hat. Die Sonne stand schon ziemlich tief, und die ganze Atmosphäre war mit Staub und dem Bauch des Beschütz- und Bswehrteuers erfüllt. Bs herrschte eine düstere Bewitterstimmung. Durch den kahlen Dümmer zuckten und blitzten die Schrapnells und Branaten, die in rasendem Schnellfeuer über Visier und ßorn auf 100 Meter in die anstürmenden Schwarzen hinein gesandt wurden. Ohrenbetäubend donnerten die Beschütze und ratterten die Maschinengewehre. Im heftigsten §susr wurden unsere Beschütze noch ein Stück vorgebracht. Beradszu sinnverwirrend wirkten die fortwährend vorübsrsaussnden Beschösse des §eindes, das sang und schwirrte nur immer so, glücklicherweise meist etwas zu hoch. Am zweiten Beschütz waren unmittelbar hintereinander vier Mann verwundet worden, und das Beschütz wurde von unserem löauptmann und Wachtmeister v. ß. unter größter Bekahr selbst zurückgebracht. Die Munition fing an knapp zu werden, und ich mutzte solche mit einer protze vom Ochsenwagen schleunigst heranholen. Bs lag natürlich alles platt am Boden, und es fiel einigen nicht gerade leicht, zu Pferde zu steigen. So schnell wie irgend möglich wurde gefahren, aber die Disre konnten nicht mehr viel leisten. Mochten uns die Raffern gesehen haben, oder planten sie sowieso einen Angriff auf diese Stelle - jedenfalls umpfiktsn uns hier die kugeln ganz unheimlich, und da wir zu Pferds waren, jetzt auch in richtiger lööhe. Blücklicherweise kamen uns verschiedene Wagen entgegen, darunter auch der Munitionswagen. Wie ich später hörte, hatten die löerero den Stab mit seiner Bedeckung und den Wagenpark sehr heftig angegriffen, und es war ein Blück, daß dort zwei Maschinengewehrs zurückgeblieben waren. Ich kam mit der protze glücklich zur Batterie durch. — Die Wut des Bskschtes hatte sich etwas gelegt, und da sämtliche 278 Oer Dukstand der kerero. Munition zu den Geschützen gebracht war, begab ich mich in die §susr- linie zu einem Geschütz. Es waren flachs Schützengräben gegraben worden, in ihnen lag die ganze verfügbare Mannschaft und schoß sich mit den Schwarzen herum. Mit den Geschützen sollte nur noch geschossen werden, wenn der §eind direkt angriff. Das tat er aber nicht, und wir alle warteten sehnsüchtig auf das Einbrechen der Dunkelheit. Wir waren jetzt alle in einem großen Karree, die Dagage in der Mitte, vereinigt und verschanzten uns mit Schützengräben und Dornverhauen aus vorhandenen Kraals, so gut es ging. Wir empfanden etwas Ähnliches wie Wellington bei Waterloo: „Ich wollte, es wäre Dacht oder die Preußen kämen." Ebenso warteten wir auf Oberst Dsimling. Seine Abteilung war durch §unkentslsgramm angemeldet, kam aber an diesem Lage noch nicht. Gegen 7 Uhr erhielt ich den Dekehl, das zweite Geschütz zu übernehmen. Ich suchte es auf und kam dabei über unseren alten Lagerplatz, der ja zuerst auch einen Lei! des Gefechtsfeldes gebildet hatte. Da sah es wüst aus: hier ein toter Dsrero, dort ein gefallener deutscher Soldat mit voller Ausrüstung, niemand konnte sich im Augenblick um sie kümmern. Überall lagen fortgeworfene Nusrüstungsgegenstände herum. Ein Verwundeter, das Gesicht vollständig mit Glut bedeckt, kragte mich ängstlich nach dem Lazarett. Endlich kam ich zu meinem Geschütz. Die Leute waren überanstrengt, und ich gab an alle ein ganzes lZrot und zwei Dächsen Leberwurst, und dann ließ ich jeden für sich ein flaches Loch aus- graben, aus dem man liegend schießen konnte, holte mir drei umherirrende Infanteristen heran und stellte zwei Posten mit stündlicher Ablösung auf. ich selbst stand mit von 9 bis 10 und von 1 bis 2 Llhr. Erst hielten die Leute das für sehr überflüssig, weil doch niemand schlafen könne — nach zehn Minuten aber schliefen alle einen totenähnlichen Schlaf. Der Daupt- mann kam noch einmal, um zu revidieren, trotzdem er totmüde war und nkolge der kolossalen Anstrengungen und Aufregungen kaum noch sprechen konnte. Ich schlief einen festen Schlaf mit dem beruhigenden und beglückenden Gefühl, aus den Gefahren des Gefechts unbeschädigt hervorgegangen zu sein und meine Schuldigkeit nach Kräften getan zu haben." Nachdem gegen b Llhr abends auch der letzte wütende Sturmangriff der Dsrero an der unerschütterlichen Duhe der Kämpfer der Llbteilung Mühlenksls gescheitert war, befand sich diese im sicheren Desitz der Dama- Der entscheidende Bngriff wird verschoben. 27V Kari-Wasssrstellen. Die Gruppen sahen auf einen Lag voll Buhm und Glanz zurück. 2 Offiziere, 10 (Dann waren gefallen, 3 Offiziere, 30 (Dann verwundet worden. Zur Verstellung der Verbindung mit den Abteilungen Heyde und Deimling, von denen am Vormittags des I I. jede Nachricht fehlte, waren Offizierpatrouillen entsandt worden, von denen es jedoch nur einer, dem Hauptmann Salzsr mit einigen Beitern, gelang, sich zur Abteilung He^de durchzuschlagen. Die anderen mutzten, von starken Hersrobandsn angegriffen, umkehren, Leutnant §rsihsrr von Watter schwer verwundet. Srst nach I Uhr mittags hatte sich die Gesamtlage geklärt. Leutnant von Auer meldete um diese Zeit vom Watsrberge, daß Sstorff Otjoson- gombe genommen habe und nunmehr die Station Waterberg anzugreifen beabsichtige, sowie datz die Abteilung Deimling im Besitz des Passes von Omuveroumue sei. Major von der He^de meldete kurz darauf, datz er von einer Vley etwa 15 km nördlich von Hamakari um 1^ nachmittags den Vormarsch auf Hamakari angetreten habe. Dach diesen Meldungen und den Beobachtungen der Signalstation Auer schien der Oegner auf allen Seiten gegen den Waterberg zurückzuweichen, und die Vermutung brach sich Bahn, datz er sich in der Lat entschlossen habe, mit allen Kräften eng um die Station Waterberg massiert den letzten Sntscheidungskampf anzunehmen. Dur dem Drängen der Abteilung Mühlenkels leistete er noch heftigen Widerstand. War dieser — wenn auch vielleicht erst mit Hilfe der anmarschierenden Kolonne He^de - gebrochen, und wurden die Herero auch von Hamakari aus auf Waterbsrg zurückgetrieben, so waren die Maschen des Detzes noch dichter zugezogen. Der gemeinsame Angriff der Abteilungen Deimling, §iedler, Mühlenfsls und He^de mutzte dann den Gegner nach Westen und Dorden werfen, wo die Abteilungen Volkmann und Lstorff ihm den Weg versperrten. General von Lrotha beschloß daher, den entscheidenden Angriff auf den 12. August zu verschieben. Furz nach 2 Uhr nachmittags wurde an die /Abteilung Cstorff folgender Befehl durch §unkspruch gegeben: „Abteilung Mühlenkels verbleibt heute an der Wasserstelle Hamakari, wohin Abteilung Hs^de gleichfalls herangezogen werden wird. Dortssits beabsichtigter Angriff auf Waterberg heute nicht mehr vorzunehmen. §ür 280 Der Aufstand der berero. morgen gemeinsames Vorgehen oller Abteilungen auf Waterberg beabsichtigt. IZekehl hierüber folgt, Hauptquartier verbleibt heute Samakari." Line gleiche Nachricht wurde der Abteilung Dsimling, die man bereits im Vormarsch auf löamakari vermutete, geblitzt. - AIs jedoch in den Nachmittagstunden die erwartete und erhoffte Einwirkung der Abteilung lös^ds sich bei Samakari nicht fühlbar machte, trat beim Hauptquartier von neuem eine Zeit peinlichster Ungewißheit über das Schicksal dieses Ostachemsnts ein. Nie Spannung löste sich erst nach 7 Uhr abends, als löauptmann Salzsr durch §unkspruch meldete, daß er die Abteilung Se^de in ihrer Anmarschrichtung schwer von weit überlegenen feindlichen Kräften bedrängt angetroffen habe. Der §ührer wolle versuchen, mit einem Deil der Infanterie noch abends nach löamakari zu gelangen, die Artillerie könne vorläufig nicht herangezogen werden. Dieser Versuch gelang jedoch nicht, es traf vielmehr erst gegen 12 Uhr nachts ein weiterer §unkspruch des Majors von der lös^de ein, des Inhalts, daß er im Vormarsch auf löamakari im dichten IZusch heftig angegriffen bei Einbruch der Dunkelheit zurückgegangen sei. Das war eins schlimme Nachricht, die noch verstärkt wurde durch die Antwort, die von Major von der lös^de auf die nunmehr an ihn ergangens Weisung des Oberkommandos einlief, am 12. morgens bei löamakari einzutreffen. Er meldete nämlich, daß dies für ihn unmöglich sei. - §ür die Entschließungen des Generals von Drotha war das ein harter Schlag, denn war die Abteilung löevds nicht mehr marschfähig, so stand das Zustandekommen des gemeinsamen Angriffs für den 12. in §rage — war sie aber geschlagen worden, so konnte der Gegner ungehindert nach Südostsn abmarschieren. Auch über den Verbleib der Abteilung Dsimling war nichts bekannt geworden. Diese Ungewißheit und bange Sorge wurde erst tief in der Dacht - gegen 2 Uhr - durch die Meldung der Signalstation Ausr behoben, daß Oberst Deimling die Station Waterbsrg genommen habe und beabsichtige, am Morgen des 12. auf löamakari zu marschieren. Der Sskehl zum Aufschub des Angrikks auf den 12. hatte die siegreiche Abteilung nicht rechtzeitig erreicht. Dennoch blieb die Lage unsicher und zweifelhaft. In erster Linie mußte festgestellt werden, ob die Masse des §eindes noch am Waterbsrge WM Seneralleutnant von ^rottia. iüteüer M. Lätr Li-jer.) 282 ver Aufstand der öerero. stand oder ob sie bereits im Abzüge nach Osten oder Südosten begriffen sei. Noch in der Nacht wurde der Major von Estorff angewiesen, Otjoson- gombe besetzt zu halten und dem Hauptquartier Nachrichten über etwa beim §einde bemerkte Veränderungen sofort zugehen zu lassen. Erst nach der Vereinigung der Abteilungen veimling und Mühlenksls werde der weitere Angriff auk die löerero erfolgen. An Major von der löevde erging ebenfalls in der Nacht die noch- ünillerteitellung. tzWH malige Weisung, wenn irgend möglich am Morgen des 12. den Anschluh an die Abteilung Mühlenfels bei löamakari durchzuführen. - Nie Ereignisse bei den Abteilungen Estorff, Volkmann, Siedler und veimling hatten sich am II. folgendermatzen abgespielt: Oie Abteilung Estorff trat am II. um 5 Uhr morgens den Vormarsch von Ounjoka auf Otjosongombs an, das nach den eingstroffenen Meldungen stark vom §sinde besetzt war. Als die Abteilung sich kurz nach b vhr Otjosongombs näherte, stistz man bald auf energischen Widerstand, Die Abteilung Estorff bei Otjosongombe. 283 und das vetachement wurde entwickelt. Der ßampf, der erst um I^o nachmittags mit dem vollen Llbzug des starken und tapker fechtenden (Zegners auf Waterberg endete, war ein äutzsrst erbitterter. Mehrfach halten sich Leile der Abteilung durch die mit verzweifelter Wut ausgeführten Sturmangriffe der löersro in kritischer Lage bekunden, aber stets zerschellte die l^rakt des verwegenen (Zegners an der IZravour und unerschütterlichen §susrdisziplin der Lruppen vie vorzügliche Wirkung der Llrtillerie und der Maschinengewehre wird in den dienstlichen Berichten mehrfach hsrvor- Verdamiplotz. gehoben. Der (Zegner wurde trotz seiner heftigen und immer von neuem wiederholten Gegenangriffs während des ganzen (Zekechtsverlaufs zurückgedrängt, seine Verluste waren sehr schwere. Ein >m „Lag" veröffentlichter Briek eines Mitstreiters berichtet: „Endlich, es war Bhr früh am I I. Llugust, kielen vorn die ersten Schüsse. Klles ging im Lrabe vor, als mit einem Male auch schon die kugeln unter uns pfiffen, fllles im Moment von den Pferden herunter und von der Strotze kort in den Busch hinein. Mehrere Pferde waren 284 Oci sslutstand der Iderero. gefallen. Ich ging auf dem linken §lügel in der Schützenlinie vor. Gs ist doch zuerst ein ganz niederträchtiges Gefühl, wenn einem die Dinger um die Ohren pfeifen, und ich, wie wohl jeder, machte denn auch zuerst vor jeder heranpfeikenden I^ugsl eine tiefe Verbeugung, über die man nachher selber lacht. Denn wenn man das Geschoß erst hört, ist es doch zu spät. Diese Gefechte im dichtesten Dornbusch sind grätzlich, denn man sieht nichts vom (Zegner. Dem Militär-Wochenblatt entnommen. 288 Der Aufstand der lZcrero. Marschstunde den Strsitwolfschen Weg und bog dann nördlich in den Dusch ab. Der Marsch war im Dickicht und bei völliger Dunkelheit sehr beschwerlich; wiederholt mußte die Abteilung halten und ausschließen und erreichte erst am Abend des 10. eine Vlsz>, bei der bereits am Vormittag dieses Dages hatte getränkt werden sollen. Dach wenigen Stunden Dast wurde um 10 Uhr abends wieder angetreten. Lskow ritt wiederum mit der Spitze und hatte den Auftrag, die Abteilung bis etwa auk eine Marschstunde an den zu erreichenden Punkt heranzuführen. Segen 1 Ohr nachts meldete Lekow, daß er zu weit nach Dordostsn abgewichen und noch drei Marschstunüen von dem Angriffspunkt entkernt sei. Da um b Ohr der Angriff beginnen sollte, so wurde nach kurzer Aast um 3 Ohr morgens wieder aufgebrochen. Segen b Ohr erhielt die Spitze von löersro-postsn §euer und bemerkte kösrero-löaufen im Dückzuge auf löamakari. Diese sowie Staubwolken, die sich in der Dichtung auf Waterberg bewegten, wurden von der Artillerie um kö /2 Ohr unter §suer genommen und demnächst der Weitermarsch auf löamakari angetreten. Dald aber stellte sich heraus daß die Abteilung in dem überaus schwierigen Selände an einen erheblich weiter östlich gelegenen Punkt gelangt war, als sie gewollt hatte und sich etwa bei Okakarara befand. Die §unksnstation suchte seit 7 Ohr vergeblich Verbindung, und von der Abteilung Müller, die um b Ohr löamakari angreifen sollte, war keinerlei Sskechtslärm vernehmbar. Major von der löeyde schloß hieraus, daß der §eind bei löamakari, ohne Widerstand zu leisten, vor der Abteilung Müller auk Waterberg zurückgegangen sei, und da plötzlich - es war gleich nach y Ohr - lebhaftes Seschützfeuer in der rechten §lanks von Otjosongombe her ertönte, so faßte er den Entschluß, die Dichtung auf löamakari zu verlassen und auk den lzanonendonner loszumarschieren. Dach einiger Zeit verstummte dieser; gleichzeitig wurde starkes §euer der Abteilung Müller von löamakari her hörbar. Die alte Marschrichtung auf löamakari wurde daher wieder aufgenommen. Doch die Drupps war seit über vierzig Stunden unterwegs, und an Mann, Pferd und Zugtier waren so erhebliche Anforderungen gestellt worden, daß ein löalt unbedingt nötig war, wenn die Druppe überhaupt gskechtskähig bleiben sollte. Die Abteilung rastete deshalb 11 Ohr 45 Min. vorm. an einer Wasserstelle etwa 5 km südwestlich Otjiwarongo, um abzukochen und zu tränken. Dort ging 12 Ohr 55 Min. nachm. folgender §unksnbskehl des Lamusl Mahcirsro. f i > » Die Abteilung v. d. Bs^de. 289 Hauptquartiers ein: „Ungesäumtes Vorgehen auf Bamakari zum Anschluß an Müller." Um 1 Uhr 30 Min. nachm. wurde wieder aufgebrochen. Die 5. Compagnie unter Bauptmann Puder hatte die Spitze, es folgten die 7. Compagnie, 2. und 4. IZatterie, 6. §eld-Bompagnis. An der Wasserstelle blieben die Wagenstakkel, die halbe 4. Batterie, welche bewegungsunfähig war, und als Bedeckung 21 Mann der 6. §eld-Bompagnie zurück. Ois Gefechtsstärke der 6. §eld-Bompagnie betrug jetzt nur noch 39 Gewehre; aber auch die 5. und 7. §eld-ßompagnie waren außerordentlich schwach und wiesen nur Stärken von 57 und 40 Gewehren auk. Als gegen 2 Uhr 15 Min. nachm. sich das §suer aus Bichtung Bamakari erheblich verstärkte, befahl Major von der Bs^de der 5. und 7. §eld-Bompagnie anzutraben. Oberleutnant von Lekow ritt mit der Spitze voraus; vorbei an Oralen, die soeben vom §einds verlassen waren und in denen noch die §euer glimmten, führte der Weg. Auf einem hohen Baums seitwärts der pad wurde ein Bersro-Späher bemerkt, der von dem Offizier heruntergeschossen wurde. Etwa 2 Uhr 30 Min. erhielt die Spitze im dichten Dornbusch überraschend Schnellfeuer; der Gegner war, wie meist, unsichtbar. Um die Pferds aus dem §suerbereich zu bringen, wurde ßshrt gemacht und etwa 50 Schritt im Galopp zurückgeritten; dann wurde abgesessen und zu beiden Seiten der pad ausgeschwärmt. Die inzwischen auf 80 Schritt herangekommene 5. §sldkompagnis der sich eine von der Abteilung Müller entsandte Verbindungspatrouille unter Leutnant Graf von Arnim angeschlossen hatte, schwärmte ebenfalls aus und versuchte in die Bähe der Spitze vorzudringen. Aber nur einem kleinen Ueil gelang dies, da die Bersro sich zwischen die Spitze und die 5. Compagnie geschoben hatten; doch war die Spitze auf 1b Mann verstärkt worden. Unter ihnen befand sich auch Leutnant Graf von Arnim mit einigen Leuten seiner Patrouille. Beben der 5. §eldkompagnis entwickelte sich die 7. §eldkompagnis unter Bauptmann Brentano. Hatte man anfangs den Gegner nicht erkennen können, so tauchten jetzt viele Hunderte von Berero auk, die besonders die Spitze angriffen und sie abzuschneiden drohten. Bauptmann Puder erteilte deshalb der kleinen Schar von 1b Beitern, die bisher wacker in ihrer Stellung ausgeharrt hatte, den Befehl, den Anschluß an den etwa 20 Schritt rückwärts befindlichen Best der 5. Compagnie zu gewinnen. Im Nrieg IS04-IS06. >9 290 Der Aufstand der IZerero. dampfe (Dann gegen Mann, auf 3 bis 4 Schritt auf die löerero schießend und mit dem Kolben dreinsch lagend, erwehrten sich die weiter des überlegenen Gegners und erreichten truppweise die Leihen der 5. und 7. Compagnie, die Carres gebildet hatten und nach allen Seiten feuerten. In diesem erbitterten dampfe hatte sich der Gefreite Seide (früher im Pionier - Sataillon 5) besonders ausgezeichnet. Cr sah seinen Wachtmeister schwer verwundet stürzen und erhielt in dem Sestreben, ihm zu helfen, selbst einen schweren Schutz durch beide Wangen, trotzdem wich er nicht eher zurück, als bis ihm die Sersro mit lUrris ins Gesicht schlugen und er vollständig gekschtsunkähig geworden war. Unter den letzten am §einde hatte sich Leutnant Graf von Arnim bekunden. AIs er sich bald darauf in der Schützenlinie trotz des heftigen §suers erhob, um einem verwundeten (Dann bsizustehen, erhielt er einen Schutz durch beide Oberschenkel, nahm aber trotzdem weiter am Gefecht teil. Oberleutnant von Lskow hatte schon zuvor den löeldentod gefunden. AIs die 5. und 7. Compagnie vorgstrabt waren, hatte die Artillerie nur im Schritt folgen können, da die Gespanne durch die vorausgegangenen Anstrengungen aufs äußerste erschöpft waren und die sandige pad die Vorwärtsbewegung außerordentlich erschwerte. So hatte sich zwischen den vorderen Compagnien und der Artillerie ein Zwischenraum von etwa 600 m gebildet. Oer Kommandeur der Artillerie, Major Osterhaus, hatte deshalb sogleich die Sälkts der 6. Compagnie — ungefähr 20 (Dann! — an die Spitze der Artillerie vorgezogen, während die anders löälkte an ihrem Ende folgte. AIs bei den vorderen Compagnien das Gefecht begann, griff öouptmlmn puiler. n. Noack pkot. Die Abteilung v. d. lösvbs. 291 der an der Spitze der Artillerie befindliche Lei! der 6. Compagnie unter Leutnant von §rankenbsrg rechts neben der 5. Compagnie in das Gefecht ein; er teilte auch den Best des Vages die Schicksale dieser Compagnie. Sei ihm befand sich auch der §ührer der Abteilung, Major von der Be^ds. Der Best der b. Compagnie unter Bauptmann Freiherr von Wangen- heim verblieb bei den Batterien und bildete später, als diese - kurze Zeit nach dem Angriffe der Berero auf die 5. Compagnie - ebenfalls angegriffen wurden, irn Verein mit den Bedienungsmannschaften Carres um sie. ,-V V keuernüe Sedirgrbatterie. Nachdem ein Versuch des Artilleriekommandeurs, eine rückwärts gelegene Stellung einzunehmen, sich infolge der heftigen Angriffe der Berero als undurchführbar erwiesen hatte, wendeten die Bedienungsmannschaften die Beschütze wieder zur §ront und bemühten sich, sie >m heftigsten feindlichen §euer wieder vorzubringen. Bei der Stärke der angreifenden Berero erwies sich dies aber als unmöglich. Bierbei wurde Major Osterhaus gegen 4 Uhr nachmittags bei dem vordersten Beschütz verwundet. Die vorn kämpfende Infanterie hatte unterdessen schwere Stunden durchzumachen und erwartete sehnsüchtig die Unterstützung durch die Schwesterwaffe. Mehrere Offiziere hatten schon die Verbindung mit ihr herzustellen versucht. Schließlich wurde auch der Befreite Schröter (früher 19' 292 Der fluksland der lSerero. im Husaren-Regiment 12) der 7. §eld - Compagnie zurückgeschickt. Er war noch nicht fünfzig Schritte gelaufen, als er von zahlreichen kösrsro angegriffen wurde. Er schoß zwei nieder, erhielt dann aber selbst einen Streifschuß an der IZrust, der ihn zu Soden warf. Die Sersro stürzten sich auf ihn, er hatte aber die Energie und Geistesgegenwart, sich tot zu stellen. So wurde er nicht mit Mrris geschlagen, sondern nur bis aufs Semd ausgeplündert und dann in einen lZusch geworfen. Er vermochte sich später der Gruppe wieder anzuschließen und nahm seinen Platz in der Schützenlinie wieder ein. Das von der 5. und 7. §sld - Compagnie gebildete Karree war andauernd das Ziel heftiger Dahangritke des Gegners, der, teilweise in Schutztruppenunikorm und mit modernsten Gewehren schießend, unter wüstem Geschrei anstürmte. Zurufs und Peitschenhiebe der §ührer belebten den l^ampkssmut der löerero, die auch zum Geil von den Säumen herab feuerten. Sechsmal versuchte der §eind, das lzarrse von allen Seiten zu stürmen und gelangte auch bis auf wenige Schritte an dasselbe heran. Doch alle seine Llngriffe scheiterten an dem wirksamen, ruhigen und wohl- gszielten Schützsnfsusr und an der zähen Widerstandskraft der kleinen deutschen Schar. Um diese Zeit empfing Leutnant Graf von Llrnim, der trotz seiner schweren Verwundung tapfer weitergekämpft hatte, einen tätlichen Schuß durch die Srust. Schließlich schlugen noch einige zu kurz gegangene Geschosse der eigenen Ltrtillerie — glücklicherweise ohne Schaden zu tun — in das Karree ein. Major von der löe^ds versuchte sogleich bis zur Llrtillsris hindurchzukommen, um sie hiervon zu benachrichtigen, was ihm auch gelang. Das Carres selbst ging SO Schritt zurück und hatte sich auch in seiner neuen Stellung noch vielfacher Lingrifke zu erwehren. Gin schöner Seweis, mit welcher Suhs das §euer geleitet wurde, und wie die Gruppe trotz ihrer gefährlichen Lage fest in der Sand ihrer §ührer war, liegt darin, daß bei Einbruch der Dunkelheit, als ein Zielen nicht mehr gut möglich war, das §euer des Karrees eingestellt wurde, obwohl der §eind noch immer heftig weiter feuerte. Erst als das feindliche §euer bei völliger Dunkelheit erloschen war, traten die Compagnien langsam mit aufgepflanztem Seitengewehr den Marsch zum Lager an; die Verwundeten wurden mitgekührt. Gegen 9 Llhr 30 Min. abends erreichten sie die Wasser- Der Erfolg der kämpts am Walerde,5. 293 stelle 5 km südwestlich Otjiwarongo, wo die Artillerie schon etwas früher eingetroffen war. Der §eind hatte schwere Verluste erlitten, aber auch die Verluste der Abteilung waren groß: 3 Offiziere und 20 Mann waren tot und verwundet. Die 5. §eld-l3ompagnis hatte 19 v. lö. ihrer Gefechtsstärke eingebüßt." — plm Vormittag des 12. August ließen die beim Hauptquartier einlaufenden Meldungen im Verein mit den eigenen IZeobachtungsn keinen Zweifel darüber, daß der auk allen Seiten geschlagene §eind im vollen Abzugs nach Osten sei. Um 10 Uhr vormittags vereinigten sich die Abteilungen Oeimling und Mühlsnkels bei löamakari, um 5 Uhr nachmittags kölilllirarstt viüiirenä äs; Selens. st» Estorff und löe^de bei Otjiwarongo. Die Verfolgung wurde der Erschöpfung der Gruppen wegen und weil man hoffte, daß der nicht zu stark gedrängte Gegner sich am Omuramba von neuem setzen werde, auf den 13. morgens festgesetzt. — Der große Erfolg der ruhmvollen dämpfe am Waterberge, deren Plusgang allerdings infolge der unglücklichen Umstände bei der plbtsilung Ze^ds ein anderer als der von der Leitung erstrebte war, zeigte sich immer deutlicher in den Ereignissen der Folgezeit: Die löerero, abgeschnitten von den ihnen günstigen Rückzug slinien nach Westen. 294 Der Aufstand der I5srerc>. Norden und Nordosten, wurden von den verfolgenden Gruppen in die wasserarme Omaheks getrieben und dort vollendete sich ihr hartes, aber gerechtes Schicksal! Nie Verluste der deutschen Gruppen am It. August betrugen: 5 Offiziers, 2t Mann tot; 7 Offiziers und 53 Mann verwundet. Die unerschütterliche Tapferkeit und unvergleichliche lö'ingabs der Gruppen belohnte das folgende Telegramm Seiner Majestät des Kaisers an den Oeneral von Erotha: „Wilhelmshöhs, 16. August 1904. — Mit Dank gegen Sott und hoher Freude habe ich Ihre Meldung aus löamakari über den erfolgreichen Angriff des I I. August auf die Hauptmacht der lösrsro empfangen. Wenn bei dem zähen Widerstand des Feindes auch schmerzliche Verluste zu beklagen sind, so hat die höchste Sravour, welche die Gruppen unter größten Anstrengungen und Entbehrungen nach Ihrem Zeugnis bewiesen, Mich mit Stolz erfüllt und spreche Ich Ihnen, den Offizieren und Mannschaften Meinen kaiserlichen Dank und meine vollste Anerkennung aus. Wilhelm." Die Verfolgung der löerero. Am 13. August begannen die gesamten Eruppen den Vormarsch zur Verfolgung nach Osten; nur die Abteilung Fiedler blieb bei Omuveroumus. Zier und dort wurden versprengte löersrobanden angetroffen und auseinandergejagt. Ein wüstes Süd bot sich den Slicken der verfolgenden Kolonnen in den sich meilenweit ausdehnenden verlassenen Werkten und auf den Aückzugsstratzsn des fliehenden Feindes: löilflose Greise, Weiber und Minder, Verwundete und kranke irrten und lagen umher, Massen zurückgelassenen Viehs, darren und Wagen standen an den Oralen, in der Eile der Flucht fortgeworfener Sausrat bedeckte weithin den IZodsn. Den vereinigten Abteilungen Estorkf-läe^ds gelang es am 15. im Oskecht bei Omatupa, starken Eeilsn der köerero den Durchbruch nach Dordosten zu verwehren. Die deutschen Eruppen verloren 5 Eots und 7 Verwundete. Die Verluste der Serero waren sehr starke. Dntsr Zurück- lassung ibrss gesamten Viehs flohen sie nach Südosten. Die Veriolgung der Hsrero. 295 §ür die §olge mutzte es vor allem darauf ankommen, dem zurückweichenden Gegner die Wege nach Norden und Süden zu versperren, um ihn voll nach Osten in die Omaheke zu drücken. Ein weiteres Ausholen nach Norden und Süden war damit kür die deutschen Gruppen geboten. Gegen Gnde August war der §eind in der Sammlung bei Oko- windombo und Otjimbinde gemeldet. Nie Gruppen wurden demgemäß, wie folgt, angesetzt: 1. Nie Abteilung Gstorkk, der die Abteilung Volkmann unterstellt war, über Okosondusu - Otjomaso - Okamsa-Pehi auk Okowindombo, um den §eind östlich zu umfassen, und unter Gntsendung einer Kolonne über Otjomboja-Hutuse - Otjosondjou auf Gpata am Gissb. 2. Nie Abteilung (Nühlenfsls über Okosongoho (am Omuramba- u-Omatako) - Orutjiwa (Okatjise) auk Okahandja*) am Giseb. 3. Nie Abteilung Oeimling von Owikokorsro aus mit der Kolonne Meister (4. und b. Compagnie Negimsnts 2), der die bisher bei der Abteilung (Nühlenkels befindliche 5. lZatteris und das seitherige Oetachsmsnt Winkler zugeteilt wurden, über Otjosondu in der Aichtung auf Okatjekonde (etwa 25 km östlich Okahandja-Aord); mit der Kolonne Wahlen (I. und 3. Compagnie Asgimsnts 2, Halbbatteris Stuhlmann), die durch die I. lZattsrie verstärkt wurde, über Otjikuara —Okajainja — Haridona auk Oparakane unter Aufklärung auf Swars und Sperrung aller Wasserstellen am Giseb sowie mit dem Auftrag, ein Ausweichen des §eindes auf Gpukiro zu verhindern. 4. Die inzwischen in Windhuk nsugsbildsts Abteilung He^debreck (5. l^omp. 2. Agts. und 2 Maschinenkanonen) auf Gpukiro, um ein etwaiges Ausweichen des §eindes über Cpukiro zu verhindern. 5. Die Abteilung Siedler verblieb am Waterbsrge. Sei dem Angriff auk die Hauptmasse der Hsrero in der Gegend von Okowindombo - Otjimbinde sollten die Kolonnen Mühlenkels und Meister das Herumgreiksn der Abteilungen Lstorff und Wahlen abwarten. Vas Hauptquartier begab sich von Owikokorsro nach Otjosondu. Im Anfang September standen: l. die Abteilung Oeimling mit der Kolonne Wahlen, bei der sich 29b ver sslufsland der lZsrsro. Oberst vsimling befand, in der Gegend östlich I^aridona, mit der l^olonns Meister bei Okai)andja am Siseb; 2. die Abteilung Mühlentels in der (Zegend östlich Otjekongo; 3. die Abteilung Gstorkf bei Okosondusu, mit der unterstellten Abteilung Volkmann bei Okamatangara. ver (Zegner wartete jedoch diesen Stoß nicht ab, sondern klol) eiligst weiter nach Osten und Südosten. Nur der stolonne Wahlen glückte es, am 5. September einen Veit der löersro noch bei Okowindombo zu stellen und zu schlagen, und ebenso der Abteilung Gstorff am 9. bei Owinaua-Naua. Nlle Nnzsichen deuteten auk eine eilige und kopflose §lucht des Gegners den Giseb- und Gpukirokluß entlang. Zur weiteren Verfolgung wurden daher die vruppen des l. §eldregiments am Giseb bei Okatawbaka — Ot- jinens, die des 2. §eldrsgiments am Gpukiro in dem vrsieck Gpukiro — l^alkkontein - Sturmfeld vereinigt. Oie Abteilung lös^debreck stand bei Ombakaha und I^lsin-Okahandja. §iedler befand sich im Marsch nach dem Omurambu-u-Omatako, um ein Nusweichen feindlicher Kräfte nach Norden zu verhüten. IZssatzungen befanden sich in (Zobabis (7. stomp. 2 Ngts.> und Niettontein (I Zug unter Leutnant G^mael), ferner kleinere Posten an den Wasserstellen zwischen l^anduws - Oparakane und Okowindombo- Okosondusu. ver §sind stand am Gpukiro bei Otjimanangombs - Ganas, am Gissb bei Gpata. Nm l. Oktober meldete (Zensral von vrotha aus der Gegend nordöstlich Gpata: „Ich ging am 28. September mit Gstorff, Volkmann und Mühlenkels auf Gpata vor, das in eiliger §lucht Giseb abwärts von den löersro geräumt wurde, Nach Patrouillen- und Gefangenenaussagen sollten die Kapitäns Salatiel, vimothsus und andere noch bei Osombo-Windimbe, einer bisher noch unbekannten Wasserstelle 13 km nordöstlich Gpata, sitzen. Ich setzte sofort mit Gewait-Nachtmärschen die Verfolgung kort und stieß bei Osombo- Windimbe auf eine schwache feindliche Nachhut, die nach kurzem Widerstände flüchtete, beschoß darauf mit Nrtillsris Gissb abwärts nach Nordosten abziehende Staubwolken, klärte am 29. nordöstlich weiter auf und lieh durch Streikabteilungsn in Nmgebung von Osombo-Windimbe zahlreiches Vieh und Gefangene betreiben. Samuel Mahareros Massen, aber ohne die weit vorausgeklüchteten Kapitäne, sollten nach Gefangenen-Nussagen, Ois Verfolgung der löerero. 297 noch einen Tagesmarsch weiter östlich am Liseb bei Lrindi-Ombahe sitzen. Dorthin wurde am 30., früh t Uhr, Verfolgung fortgesetzt. Weiteres zahlreiches eingefangsnss Vieh, ergriffene (Zefangens, zurückgelassene Weiber und Minder bestätigen frühere 6ekangenen-5tussage, daß Widerstand des §sindes gebrochen. Uneinigkeit soll unter den Kapitänen herrschen. Cin 298 Der Sufsland der löerero. Leil des Volkes möchte sich ergeben, fürchtet ober Erschießen und Bestrafung. Der §eind soll schwer unter Wassermangel leiben. Leute, selbst besseren Standes, sollen zahlreich verdurstet sein. Entgegen allen bisherigen Schilderungen ist im Sandfeld keinerlei Mangel an Weide, auch frisch aufgemachte Wasserlöchsr. Mit stärkeren Abteilungen daselbst zu operieren ist aber unmöglich. Abteilung Estorff wird die Verfolgung des ins Sand- feld ausgswichensn §eindes übernehmen. Vermute, daß der größte Dell des §eindes wieder nach Westen zurückzugehen versuchen wird, anders Eeile nach Sanas durchzubrechen. Besetze daher die Wasserstellen Epukiro- §Iuß von Otjimanangombs bis Epukiro, in nordwestlicher Bichtung von Sturm- feld bis Okasonduso, hieran nördlich anschließend Omuramba-§luß durch die Abteilungen §iedler und Volkmann bis Otjituo. Oberkommando geht zunächst nach Epukiro." Anfang Oktober gelang es dem Obersten Deimling, unter ungeheueren Schwierigkeiten und nach Überwindung der 85 km langen Durststrecke I^alkkontein-Otjimanangombs die letztgenannte Wasserstelle zu erreichen. Von hier aus wurden mit stärkeren Offizisrpatrouillsn sehr erfolgreiche Vorstöße nach Norden und Osten unternommen, zahlreiche lösrero im dampfe getötet und viel Vieh erbeutet. Auf den weitausholendsn patrouillsnritten zeichneten sich als §Uhrsr besonders die Oberleutnants von Diezelsk^, von Kummer und Kirsten aus. Auf die Meldung einer Patrouille unter Oberleutnant von Kummer gelang es am 9. Oktober dem Oberst Deimling in Verbindung mit Major Meister, an den Wasserstellen 45 km östlich von Otjimanangombs starke löererobanden zu treffen und völlig nach Norden und Nordosten zu versprengen. Die Artillerie brachte dem §einde Verluste bei, während auf deutscher Seite keine zu verzeichnen waren. Es wurde viel Vieh erbeutet. Am 10. trat Oberst Deimling den Bückmarsch nach Epukiro an. In Otjimanangombs blieben die 1. Compagnie und 7. Batterie unter köaupt- mann l^Isin zurück. AIs dieser am 20. Oktober die Meldung erhielt, daß der Ort des Sekechts vom 9., „Orlogsende", von neuem von den Bersro besetzt sei, brach er am 2b. dorthin auf. Ueber diese Unternehmung, die unter furchtbaren Strapazen und Sefahren vor sich ging, berichtete das Militär-Wochenblatt: „Mit einer größeren Abteilung hatte Bauptmann l^lein am 27. Oktober Oie Verfolgung der löersro. 294 morgens bei Orlogsende einen Erupp löerero in die §Iucht geschlagen und bis zur Wasserstelle Oz-Ornbu verfolgt, Bier wurde das Wasser bereits so knapp, daß eins Versorgung der ganzen Abteilung für den Weitermarsch unmöglich erschien. Bauptmann Mein beschloß daher, die Verfolgung nur mit 25 Mann des Beiterzuges unter Leutnant Wagner und drei Beschützen, einem Munitionswagen unter Oberleutnant Badrowsk^ fortzusetzen. Am 27. Oktober 4^" nachm. trat die Abteilung den Vormarsch an. Am 28. Oktober 7° morg. hatte sie etwa 50 km zurückgelegt. Längs des Weges lagen einige tote Bersro und etwa 1000 Ltück verendetes Vieh. Wasser war nirgends gefunden worden; der von den Mannschaften mit- geführte Vorrat reichte nur noch knapp für den 28. aus. Bauptmann Mein beschloß nunmehr, mit den vier frischesten Bettern allein weiter zu reiten. Oberleutnant Nadrowskv sollte mit dem Best der Abteilung nach Maßgabe der Kräfte von Mann und Eier folgen. Bereits nach 15 km mußte Bauptmann Mein zwei Beiter wegen Erschöpfung ihrer Pferds zurückschicken. Er selbst legte mit seinen letzten beiden Begleitern noch weitere 15 km zurück, ohne auf Wasser oder Anzeichen von der Bähe Bistkonteins zu stoßen. Ein weiteres Vorgehen machte der Zustand von Mann und Pferd unmöglich. Der Rückmarsch mußte angetreten werden. Um 2^ nachm. erreichte Bauptmann Mein die noch etwa 10 km vorgerückte Abteilung Badrowsky. Ihr Zustand gab zu Besorgnissen Anlaß. Infolge der ungeheueren Bitze des Eagss war das Wasser fast verbraucht. Um 5 Uhr nachm. wurde der Rückmarsch fortgesetzt. Der Munitionswagen blieb stehen, um seine Bespannung für die Beschütze verfügbar zu machen. Bach einem Marsch von 10 km rastete die Infanterie, die Artillerie konnte noch weitere 3 km zurücklegen. Bann weigerten sich die Eiere, die Beschütze weiter zu ziehen. Oberleutnant Badrowsk^ ließ die Lafetten unter Entfernung des Beschützzubehörs und der Verschlüsse stehen und verwandte die protzen zum Eransport matt gewordener Leute. Zwei Unteroffiziere blieben zur Bewachung der Beschütze zurück. per Infanteriezug konnte erst am 24. 1 Uhr morgens folgen. Inzwischen war Bauptmann Mein mit zwei Mann nach Oz-Ombu vor- ausgeritten, um Vorbereitungen für den Empfang der Eruppe zu treffen. Porthin waren auch bereits sieben Mann der Batterie vorgeschickt worden. 300 Der Llukstand der löerero. Llm 29. Oktober 9 Ohr morgens erreichte löauptmann l^lein Oz-Ombu; er hatte — von Oz-Ombu aus gerechnet — in 40 V? Stünde 160 km zurückgelegt. Um 11^° morgens trat Oberleutnant Badrowskv mit den ersten Leuten ein. Er hatte unterwegs auch die drei protzen — die letzte 10 km vor Oz-Ombu — stehen lassen müssen. Im Laute des Bagss fanden sich sämtliche Mannschaften der Batterie, mit Llusnahms von sieben Mann, die sich bei dem lnkanteriszug befanden, in verhältnismäßig gutem Zustande in Oz-Ombu ein. Ein Mann, der seinen eigenen Urin getrunken hatte, war schwer erkrankt. Die Batterie verlor 12 Pferde, 26 Esel. Llm 31. Oktober erreichte der Infanteriezug Orlogsends. Bin Offizier mit vier Mann war zur Bewachung der protzen, in deren Nähe Wasser gefunden war, zurückgeblieben. Er traf am 1. November in Orlogsends ein. Bis Compagnie verlor 13 Pferde. Ein Mann war schwer erkrankt. Geschütze und Munitionswagsn wurden durch von Otjimanangombe heran- bsorderts Ochsengespanns nachgebracht. löauptmann Mein starb am 29. November in Epukiro am L^phus. Bller Voraussicht nach hat er sich den k^eim zu dieser Krankheit bei der geschilderten Unternehmung zugezogen, die - nach dem Urteil Osnsral von Brothas - mit großer Energie und übermenschlichen Anstrengungen durchgeführt war. Vas Ende des iDererovolkes. Im Nnschluß an die Verfolgung der lösrero bis zum Oktober 1904 berichtete Oensral von Erotha nach der köeimat: „. . . . Nils Zusammenstöße mit dem Feinde seit dem Gefecht am Waterberg haben gezeigt, daß den lösrero jede Willsns- krakt, jede Einheit der Führung und der letzte Best von Widerstandsfähigkeit abhanden gekommen ist. Biese halb verhungerten und verdursteten Banden, die ich noch bei Osombo-Windimbe im Sandkslde traf und mit denen Oberst veimling östlich Ganas zu tun hatte, sind die letzten Erümmsr einer Bation, die aufgehört hat, auf eine Bettung und Wiederherstellung zu hoffen." vas Ende des löererovolkes. 301 Dennoch mutzte damals noch mit einer Wiederaufnahme der Operationen im Bererolande gerechnet werden, aber davon konnte erst nach Monaten, nach Einsetzen der Regenzeit, die Bede sein. Vorläufig verbot der sich immer mehr fühlbar machende Wassermangel jede weitere weit- ausgreifende Unternehmung in diesen östlichen Landschaften. Oeneral von Erotha beschlotz daher eins völlige Absperrung der Omaheke, die von Otjimanangombe über Epata - Otjosondjou - Osondema bis Otjituo durchgeführt wurde. Es nahmen an ihr teil und besetzten unter dem Oberbefehl des Majors von Mühlsnkels: 1. die Abteilung Bumbracht - I. Bataillon 2. Begiments, 7. Batterie, 2 Maschinenkanonen und l Maschinengewehr - die Wasserstellen am Epukiro von Otjimanangombe bis ßanduwe unter Besetzung von Sturmkeld und Ombakaha und mit postierungen bei Okowaru- msnde, Okatjekuri und Eware; 2. die Abteilung Estorff — l. Begimsnt I., 1. und 4. Compagnie; II., 5. und 7. Compagnie, 4 Maschinengewehrs, 3. und 4. Batterie — die Wasserstellen in der Begend Ombu-Atogo - Owinaua - Naua - Otjinsne-Epata; 3. die Abteilung Mühlenkels - l. Begimsnt III., Maschinengewehr- Abteilung Dürr, b. Batterie — die Wasserstellen von Okowindombo bis Okosondusu und Otjosondjou; 4. die Abteilung §iedler mit der 8. Compagnie l. Begiments und der Balbbatteris Winterfeld die Legend von Okaundja (am Omu- ramba-u-Omatako), mit der 6. Compagnie und 2. Batterie Water- berg und Otjosongombe und mit der Marine - Intanteriskompagnie Brak Brockdorkk Otawi und Naidaus. 5. die Abteilung Volkmann 3. Compagnie I. Begiments, 2 Maschinengewehrs, Balbbatterie Madai und Besatzung von Lroot- fontein — Osondsma, Otjituo, Orootkontein und Namutoni. Inzwischen war gänzlich überraschend die Nachricht von dem Ausbruch des Witboi-Aufstandss beim Bauptquartier eingetroffen. General von Erotha begab sich mit seinem Stäbe nach Windhuk, um dem südlichen Briegsschouplatz näher zu sein; sämtliche im Bererolande entbehrlichen 302 Der Aufsiand der Bersro. Gruppen wurden unter Oberst Dsimling nach dem Süden in Marsch gesetzt. - Im Bsrerolands kam es erst wieder im §ebruar 1905 zu größeren Unternehmungen. In der Zwischenzeit durchstreiften zahlreiche Patrouillen und kleinere Abteilungen das Land, die den versprengt umherirrenden Bererobanden schwere Verluste zufügten. Im §ebruar 1905 stieß Major von Mühlenkels nochmals in die Gegend südöstlich von Epukiro vor, ohne auf erheblichen Widerstand zu treffen. - Bemerkenswerte Unternehmungen in dieser Zeit waren ferner der Zug des Bauptmanns von Bornhardt nach Bistkontein, durch den festgestellt wurde, daß die Gegend zwischen der obsngsnannten Wasserstelle und der Station Oobabis vorn §einds frei war, und der Bitt des Oberleutnants Graf von Schwsinitz zur Aufklärung der Omaheks - von Otsimbinds über Otjo- sondjou und Buschmanns-Pütz nach Srootkontein in der Zeit vom 17. Januar bis I. März. Sein Weg führte ihn durch außerordentlich schwierig zu passierende Gebiets, deren Wasserlosigkeit bekannt und gefürchtet ist. Im jsuni erreichte nach großen Schwierigkeiten der Bauptmann Bsmbs auf einem Streifzuge längs des Epukiroklusses und der mit ihm zusammenhängenden Groot Laagte die englische Grenze und fand das Sandfeld und die Gegend östlich der Linie Garns Vle^ — Otjimanangombe von den Berero frei. Infolgedessen wurde die Besetzung der Wasserstelle Otsimbinds aufgegeben und die dort bisher stationierten Gruppen an anders Orte verlegt, und zwar die 11. Compagnie §eld-Begiments Dr. 1 nach Otjosondu, die 6. Batterie nach Okahandja. Biermit war wieder eins der entlegensten Stationen geräumt worden, was insofern von besonderer Bedeutung sein mußte, als die Verproviantierung dieser entkernten Posten dauernd mit den größten Schwierigkeiten verbunden war. Die Straßen hierher — soweit sich von solchen im Bereich der Oma- heke überhaupt reden läßt - sind tiefsandig und stellen die härtesten Anforderungen an das Eransportmatsrial. Die Entfernungen sind große, und vasserloss — sogenannte Durst- — Strecken nicht selten. — Einen großen §ortschritt im Verkehrs- und Verpflegungswesen brachte zu dieser Zeit die §ertigstellung der Strecke Swakopmund — Baribib der Otavibahn. Biermit hatten sich die Verhältnisse im Bererolands soweit geklärt, daß General von Erotha die größeren, weit ausgreifenden Operationen auf Oas Lüde des tzererovolkes. 303 diesem ^eil des südwsstafrikanischen Kriegsschauplatzes für beendet erklären konnte. Statt der „fliegenden" Kolonnen, die das Land nördlich des Swakopklusses nunmehr seit vielen Monaten durchstreiften, um unter um säglichen Mühsalen und den schwersten Strapazen und Gefahren, in harten dämpfen und zahllosen Scharmützeln den ersehnten Frieden zu erkämpfen, sollten von jetzt an eine größere Anzahl von Stationsbssatzungen die endgültige Beruhigung des ehemaligen Bererogsbiets durchführen. Die letzten in die östlichen Grsnzdistrikte gerichteten Unternehmungen hatten ergeben, daß auch dort sich geschlossene Bererobandsn nicht mehr befanden. Die Otkensivkraft des Bsrerovolkes war als vollständig gebrochen zu betrachten, ->Ä»I I I ^ »««i I I t--" i Of! § 18 I^itcken Vkalillri6ja — Oioikokorero verkelirencler Automobil - ilaitruc> <1e; Oberlsut a. d. ?rc>ost. und die Regelung der Verhältnisse im vamaralande konnte in eins neue Periode eintreten. XVenn in dieser dämpfe auch nicht rundweg ausgeschlossen erschienen, so war doch anzunehmen, daß sich dieselben in gewissen Grenzen halten und den Nahmen kleinerer Gefechte nicht überschreiten würden. Stärkere Patrouillen oder kleinere ldetachsments mit geringer Artillerie konnten von nun an des Gegners, der in zahlreichen, aber wenig widerstandsfähigen Urupps das Land durchirrte, überall Bsrr werden. General von Urotha teilte infolgedessen den gesamten Kriegsschauplatz !m Schutzgebiet in zwei Abschnitts. Die Linie Gobabis — I^owas - VVindhuk - Otjimdingwe bildete die Grenze zwischen ihnen. Nördlich dieser Linie - also im löersrolande - wurden 10 Compagnien des t. Fsldregimsnts, 2^ Batterien und eins Sektion Maschinengewehre 304 Der Aufstand der löersro. c>n folgenden Orten stationiert: In Otjimbinde I I. Compagnie und b. Batterie; Epukiro 9. I^omp. und ^/z4. Batterie: Gobabis 1. und 4. l^ornp. und ^^4. Batterie, 2 Maschinenkanonen; l^owas 7. I^omp.; Otjihangwe 5. ^omp.; in Bezirk Brootkontein (Stationen: Grootfontsin, Otavi, Otjituo, Bamutoni) 3. und 10. l^omp., löalbbatteris von Madai und 2 Maschinengewehre; Waterberg 8. l^omp.; Outjo b. I^oinp. In Otjosondu, Owikokorero, Otjosasu, Gr. Barmen, Otjimbingws und Omaruru standen Etappentruppen. §erner waren besetzt: Swakopmund, wo sich das Etappenkommando kür den Borden befand, l^aribib, Windhuk, Okahandja und eins Beihe kleinerer Stationen längs der Eisenbahn Swakopmund — Windhuk. — Bachrichten von köersro-Ansammlungen im I^aukaufelde veranlaßten im März und April 1905 den Major von Mühlenksls zu einer Erkundung dieser Gebiets. Bas l^aukau- und das Bebrakeld gehören zu den sogenannten „Oasenlandschakten", d. h. zu Gebieten, die von einem Gürtel wasserloser und schwer zu durchschreitender Landstrecken umgeben sind und durch diese von den umliegenden bewohnbaren Landesteilsn geschieden werden. Beide Oasenlandschatten enthalten ausgedehnte Weideflächsn und zahlreiche und ergiebige Wasserstellen im zu Eage tretenden ßalkgestein, so daß die Baltung selbst größerer Vishmasssn durchaus möglich ist. Bisher waren diese Landesteile fast ganz unbsgangsn und unbekannt, da nur wenige Wege vom Omuramba-u-Omatako aus nach Osten führen. Lediglich nach besonders günstigen Bsgenzeiten vergrößert sich deren Zahl, und dann auch nur für kurze Zeit, denn das lUima der Omaheke begünstigt den Ver- dunstungsprozetz der an der Erdoberfläche angesammelten Bisderschläge in jeder Weise. Biese Schwierigkeiten zwangen die zur Erkundung des I^aukaufsldss ausgesandts stärkere Patrouille der 10. Compagnie unter Oberleutnant Gräff zu einem großen Umweg. Bie Abteilung (30 Beiter mit b Kamelen) brach am 15. März von Otjituo (am Omuramba) aus auf und versuchte, quer durch die Omaheke längs des Apatotlusses auf Bsinei im Bebrakeld — 190 km südöstlich Otjituo — vorzustoßen. Undurchdringliche Dornbusch- waldungen und Wassermangel zwangen indessen dazu, diesen Versuch aufzugeben und den Weg über l^arakuwisa (ebenfalls am Omuramba) zu wählen. Am 12. April stieß Oberleutnant Gräff bei f^aurama auf eins Hendrik VVitboi und seine Unterführer. Saniuel Isciak. ^itboi. Das Lnde des löererovolkss. 305 löersrowsrft, die nach heftigem widerstand erstürmt wurde. Von der Abteilung kiel ein Asitsr; 9 löerero wurden getötet und 90 Stück Grotzvieh erbeutet. Sei dem weiteren Vorgehen stellte die Patrouille stärkere Kräfte des Gegners bei Gautscha fest. Da ein Angriff auf diese bei der geringen Stärke der Deutschen aussichtslos erschien, ging Oberleutnant Gräkk nach Ukeidis zurück, löauptmann von Oertzen, der mit 40 Aeitern und zwei Maschinengewehren zur Unterstützung Gräffs von Grootkontein nach Ukeidis aufbrach, fand jedoch das gesamte Gebiet bis zur englischen Grenze bereits ?m September 1905 wurde nochmals von sämtlichen lössatzungstruppen eine Durch streikung des lösrerolandes vorgenommen, auf der über 260 löerero fielen und 800 Gefangene gemacht wurden. Vishdisbstähls und IZsunruhigungen einzelner schwach besetzter Posten ereigneten sich zwar nach wie vor seitens der aller Subsistenzmittel beraubten und unstät im Lande umherschweifenden Aeste des einst so stolzen und mächtigen Volkes, aber jeder widerstand den Druppen gegenüber hatte aufgehört. Das löererovolk, das soviel Unheil über unser Schutzgebiet gebracht hatte, war in dem wasserlosen Sand- feld von einem furchtbaren, aber verdienten Schicksal ereilt worden. Dausende waren gefallen und verdurstet, andere — unter ihnen Samuel Maharero und ein Deil der Unterhäuptlinge — hatten sich nach beispiellosen Mühsalen und unter Verlust ihres gesamten IZesitzes auf englisches Gebiet geflüchtet und waren dort entwaffnet worden, — noch andere irrten hungernd und ziellos im Damaralands umher. Am 30. Dovember 1905 meldete der kür den inzwischen abberufenen Obersten Leutwsin zum Gouverneur des Schutzgebiets ernannte bisherige Generalkonsul in Kapstadt, von Lindequist, daß er den widerstand der noch im Schutzgebiet befindlichen löerero für gänzlich gebrochen halte und daher krieg IS04-IS0S. 20 von den löerero geräumt. 30b Der Llufstand der kerero. das vorläufige Aussetzen aller militärischen Operationen sowie die lZskannt- machung einer zur sofortigen Unterwerfung auffordernden Proklamation angeordnet habe. MlM ^ ^ » Diesem Aufrufe folgten im Laufe der Zeit Tausende, die in Konzentrationslagern in der Nähe der Eisenbahn gesammelt wurden. Die Zahl der Gefangenen betrug im )uli 1Y06 etwa t? 000 ßöpfe. Der Aufstand der Hottentotten Die Ereignisse im Orotz - Namaland bis zum Oktober 1904. ^^ach dem Friedensschlüsse mit den Sondslzwarts am 27. Januar 1964 schienen sich die Verhältnisse im Süden des Schutzgebiets zum besseren wenden zu wollen. Die Haupl-Llnruhestifter Morenga und Morris waren auf britisches (Zebiet entflohen, die IZondelzwarts verhielten sich ruhig und begannen - wenn auch recht zögernd und anscheinend nur zum Heil - mit der vereinbarten Abgabe ihrer Sewehrs, und die §armer des Heet- manshoop- und Warmbad-Sebiets kehrten allmählich zu ihrer friedlichen Beschäftigung zurück. Aber die Hoffnung auf eine längere Dauer dieser friedlichen Verhältnisse sollte sich nicht erfüllen: Bereits im März begann es im Bondel- zwart-Sebiet von neuem zu gären, und die allgemeine Unsicherheit nahm von Woche zu Woche bedrohlichere Formen an. Hier und dort tauchten von neuem kleine Sonden räuberischer Hottentotten auf, so datz die weihe Bevölkerung des platten Landes in steter Angst und Sorge schwebte und zum Esil ihre Farmen verlieh, um auf den militärisch besetzten Stationen Schutz kür Leben und Eigentum zu suchen. Demgegenüber bestanden die Machtmittel der deutschen Begierung im Süden nur aus der 3. Feld- kompagnie ") (von l^oppv) - rund 200 Mann - und wenigen Zivil- polizisten. Einen äußerst kritischen Anstrich erhielt die Lage, als - wahrscheinlich bereits im Mai - Morenga und Morris wieder auf deutschem Bediel erschienen, um in den folgenden Monaten eins systematische Plünderung der Farmer zu beginnen, wobei es besonders auf den Baub von Walken, Munition und Vieh abgesehen war. Das Hauptquartier Morengas befand sich in den l^arasbergen, wo seine aus Hottentotten und Mischlingen be- Die nachherige s. Kompagnie r. SelLregiments. 308 Der Aufstand der löottsrttotten. stehende Lande sich rasch durch Zulauf von beutegierigen Lottsntottsn aber Stämme vermehrte. - Lm 2. chili traten aus Deutschland die für den Süden bestimmten Verstärkungen, 8. Soinp. 2. Lgts. und 8. Satterie, unter Major von Lsngsrks in Lüderitzbucht ein und vereinigten sich nach anstrengenden Märschen Ende )uli in Seetmanshoop mit dem Laupttsil der Uruppsn I^opp^s. Von hier aus wurde auk Lskehl des Obersten Lsutwsin im Lugust in 2 Kolonnen auk Lasuur und Warmbad der Vormarsch gegen Morenga angetreten. 571117 NI77II1 l>!e kette in ttsetman^koop. Dieser hatte am 2Y. Lugust eine deutsche Patrouille östlich der (Zroßsn Sarasbsrgs eingeschlossen, zu deren Lskreiung der mit einem Zuge an der Ostgrenze stehende Oberleutnant Laron von Stempel von (Zarabis (platt- been) aus am folgenden Doge aufbrach. Lm 30. stieß er am Schambock berg auf Morenga, dessen 100 (Zewshren er nur 34 gegenüberstellen konnte, trotzdem griff der tapfere Offizier die Übermacht unverzüglich an, fand aber mit einem Unteroffizier und 5 Leitern den Leidentod. Mit dem Lest der kleinen Schar verschanzte sich Unteroffizier Ebsrnicksl in (Zarabis und wies hier am 4. September wiederholte Lngriffs Morengas ab, bis er am Lbend durch einen von Lasuur zur Silke herbeieilenden Zug der Abteilung von lzoppv entsetzt wurde. vie Lage im Süden. 30Y Boppv, der mit 5 Offizieren, 85 Leitern und 40 eingeborenen Soldaten von Beetmanshoop auf Basuur marschiert war, besetzte nunmehr tZarabis, während Morenga sich zunächst in die ßarasbergs zurückzog, aus denen er zahlreiche Vorstöße nach allen Bimmslsrichtungsn unternahm. 6m 21. September stieß auf einer Erkundung Bauptmann a. D. §romm bei Gais auf die Bottentottsn und lieferte ihnen ein scharfes Gefecht, das mit dem Rückzüge Morsngas auk Nurudas (in den Barasbsrgen) endete. Aber bereits am 5. Oktober überfiel er wiederum die in Burub stehende 8. Compagnie (Bauptmann Wehls). Diese wies den Angriff, der Morenga 11 Eote kostete, zwar mit einem Verlust von I Offizier und 2 Leitern an Boten, 1 Offizier, 2 Unteroffizieren und 3 Leitern an Verwundeten ab, konnte jedoch nicht verhindern, daß ihr fast alle Leittiere von den Bottentottsn abgetrieben wurden. Welche Beweglichkeit hier die löottentottsn trotz des schwierigen, gebirgigen Geländes des von ihnen gewählten Kriegsschauplatzes entwickelten, welche Entfernungen sie spielend überwanden, um heut hier, morgen dort überraschend aufzutreten, zeigen die eben geschilderten Ereignisse zur Genüge, Die äußerste Anspannung, die ganze löingabe jedes einzelnen Beitsrs der schwachen, im Süden verfügbaren Bruppsn mußte gefordert werden - und wurde gegeben -,um dem übermächtigen §einds die Wage zu halten. Ein größerer Mißerfolg — das war damals die allgemeine und wahlberechtigte Ansicht der gesamten weißen Bevölkerung des Bamalandes - konnte die Beihen der im §elde stehenden Bebellen in einem Augenblick um löundsrte von Kriegern vermehren. Und wenn auch Witboische, Gochassr und Bethanier im löersrolande auf Seite der Deutschen fochten, so vermochte selbst dieser Umstand die Befürchtungen der Nenner des löottentotten-Lharakters nicht zu zerstreuen. Nur eins hatte wohl niemand erwartet und vorausgesehen: den Abkall des alten, der deutschen Sache anscheinend völlig ergebenen Bäupt- lings Bsndrik Witboi - und doch trat dieses eine, dieser schwere Schlag für die Deutschen, im Oktober 1904 unerwartet und wie ein Blitz aus heiterem Bimmel ein! 310 Oe> >3uksland der »oNenloNsn. ver Aufstand der X^itboi und ihrer Dundes- genossen bis zum Ende des Wahres 1904. 6m 14. Oktober würbe in löerlin folgende Depesche veröffentlicht: „6us windhuk wird unter dem 13. Oktober gemeldet: Noch IZericht aus I^eetmanshoop über Lüderitzbucht - Swakopmund hat löendrik witboi durch Samuel Isaak am 3. Oktober Surgsdorkk*) Kriegserklärung gesandt. Morenga leistet krakligen widerstand. Lr erbält dauernd Zulauf gut Sswaffneter und Serittensr. Zahlreiche löottentottenansammlungen am Orootbroekkarros (80 km südlich von Sibson). Die Verbindung mit Oibson ist abgeschnitten." Dieser Unglücksbotschaft folgten bald andere, die schnell genug die ganze Tragweite des 6bkalls löendriks und das äußerst Sedrohliche der Lage voll erkennen ließen. So meldete am 17. Major von Lengsrke über Kapstadt: „Seit dem 5. Oktober ist der Witboi-Stamm im 6ukruhr. 6m selben Dage haben starke löottsntottsnbanden unter Morenga die Compagnie wshle bei löurueis, westlich von den l^arasbsrgen, angegriffen, sind mit Verlust zurückgeworfen. Ich stehe mit hundertundkünkzig Mann und 4 Geschützen in Warmbad und Sandkontein, in I^eetmanshoop 130 Mann und 2 Oeschützs; die Verbindung mit dem Norden ist unterbrochen." Diesen Meldungen lagen folgende Tatsachen zugrunde, über die §rau von Surgsdorkk, die Oattin des Sezirkshauptmanns von (Zibeon, berichtet: ,6m 3. Oktober saßen wir gerade beim Nachmittagskaffee; da ließen sich der Unterkapitän Samuel Isaak und der ITirchenälteste Petrus ^sot bei meinem Manne melden. Sie erzählten, daß der alte löendrik witboi in schlechten köänden sei, und nur mein Mann ihn umstimmen und veranlassen könne, wieder vernünftig zu sein. Sie zeigten einen Zettel, auf welchem in holländischer Schrift stand: .wagt Ihr beide nicht, hierherzukommen, Ihr werdet mich nicht umstimmen. Man hat den Oberbefehl vom Süden unserem löauptmann genommen. Ss kommt eine höhere, größere Oswalt ins Land. Der löerr hat mir gezeigt, daß es Zeit ist, mein Volk zu erlösen. Ich rufe daher '> Souptmann ü. N. von Nurgsdorff, IZszirkshauptmann von Sideon. Die Ereignisse in Sibeon. 311 sämtliche Kapitäne des Nama - Landes auf gegen die deutsche Legierung. Hendrik Witboi, Kapitän.' ,l?ur du', sagten Samuel Isaak und Petrus ^ot zu meinem Manns, nachdem dieser den lZriek gelesen, .bist derjenige, der unseren Kapitän auk andere Hinge bringen kann'. .Hommt beide mit mir', entgegnsts mein Mann. ,Wir dürfen nicht', lautste die Llntwort, .weil wir fürchten, daß er (Hendrik) uns erschießen läßt'. ,Hommt mit; ich übernehme eure Sicherheit'." pls bald darauf der Hauptmann zu satteln befahl, bat §rau von lZurgsdorkk ihren Satten, den §eldwebel lZsck mitzunehmen, was aber Herr v. 6. mit den Worten ablehnte: „Wenn da irgend etwas ist, kann mir Seck nichts nützen!" Dann ritt er fort. Erst nachträglich kam §rau von lZurgsdorkk der Sedanks, es sei doch eigentümlich, daß der IZriek Hendriks an die beiden genannten Hottentotten ganz gegen sonstigen IZrauch in holländischer anstatt in der Namaqua- Sprachs geschrieben sei, die Herr von lZurgsdorkk nicht lesen konnte, und damit zugleich stieg ihr der Verdacht auk: „Ois haben deinen Mann von hier kortlocken wollen!" §eldwebel Heck, mit dem §rau v. H. hierüber sprach, stimmte ihr bei und berief ohne Säumen alle Weißen in die §ests. Zum Slück; denn seitens der Witboi hat in Wirklichkeit die Llbsicht bestanden, in jener Nacht alle Weißen zu ermorden. Die letzten Weißen, denen Herr von lZurgsdorkk auk seinem Nitt begegnete, waren Huren. Sr hatte an ihrem Wagen gehalten und, wie sie später erzählten, sie gefragt: „Ihr kommt direkt aus Mariental? Mir ist gesagt, dort hätten sich große Massen von Eingeborenen zusammen- gekunden, und die Hevölkerung sei unzuverlässig? Habt Ihr etwas bemerkt?" „Nein" - entgegneten die Leute -, „dort ist alles so wie immer!" lZurgsdorkk ritt nunmehr nach Mariental weiter, um nicht wiederzukehren. Ob der tapfere, unerschrockene Mann auk direkten Hekehl Hendriks in Mariental erschossen worden ist, oder ob ihn die tückische Hügel eines Witboi ohne Wissen des Häuptlings und noch auk dem IZitt zu diesem ereilte, wird wohl niemals aufgeklärt werden. — Mit furchtbarer Heftigkeit und einer lZestialität, die man den Hottentotten - im Seaensatz zu den Herero! - nicht zugetraut hatte, brach nun 312 Der Aufstand der Hottentotten. der /Aufstand im ganzen Witboilands aus, um nach wenigen Zeigen auch auf die benachbarten Gebiets überzuspringen. Simon I^opper von Gochas und die «rote Nation" in und um löoachanas schlössen sich den Nebelten an; nur wenig später die Bsthanisr, die Vsldschosndragsr und die geringen, bisher noch nicht aufständischen Beils der Bondslzwarts. Ein gewaltiger, verheerender Brand hatte das weite Grotz-Bamaland erkatzt - treu blieben allein die Bastards von Nehoboth und der Kapitän der Bottentotten von Berssba, Goliath. Bis deutsche löerrschakt im Süden des Schutzgebietes schien ernstlich gefährdet! /An die Kapitäne der anderen Bottentottsnstämms und den löäupt- ling der Bastarde von Nehoboth hatte Bendrik Briske geschrieben und sie zur Bsilnahme am /Aufstand aufgefordert. Eines dieser Schreiben lautet in der Übersetzung: Bietmont, t. Oktober 1904. „/An meine lieben Söhne und meine Brüder und Kapitäns Christian Goliath von Bsrseba und Paul §rsdsriks auf Bethanien. Ba ich nicht genügend Papier habe, so schreibe ich Euch beiden diesen Brief zusammen. So mutzt vu, edler Christian, den Brief erst lesen und schnell an Paul schicken. (Beins Söhne! XVie Ihr alle witzt, bin ich seit geraumer Zeit unter dem Gesetz, in dem Gesetz und hinter dem Gesetz (der Deutschen) gelaufen, und zwar wir alle mit aller Gehorsamkeit, doch in der Boffnung und mit der Erwartung, datz Gott der Vater die Zeit kommen lassen möchte, wo er uns erlösen würde aus dieser zeitlichen Mühsal. So weit Habs ich in §risdsn und mit Geduld getragen, und alles, was auf mein kösrz drückte, Habs ich an mir vorbeigehen lassen, weil ich die Büke des lösrrn erwartete. Doch ich will nicht viele XVorte an Euch öottsntott. Pwk. Dr. S. kritÄi pkot. lZenbrik Wilboi ruft zum Aufstande. 313 schreiben, nur auf zwei Punkte will ich kommen, und ich hoffe, daß ihr mich verstehen werdet. Erstens: Meine Arms und Schultern sind müde geworden, und ich Habs gesehen und glaube, datz die Zeit nun erfüllt ist, datz Sott der Vater die Welt nun erlösen wird, darum sende ich diesen Driek und bitte ihn auch eilig an Paul zu senden, datz er ihn lese. Zweitens: Dieser Punkt betrifft, datz ich nun aufgehört habe, noch weiter hinterherzulaufen, und ich werde auch demgemäß an den Daupt- mann (von IZurgsdorff) einen solchen Drisf schreiben und ihm sagen, datz ich nun müde geworden sei und die Zeit vorbei sei, wo ich hinter ihm herlief. Die Zeit ist vorbei, und der Deiland will nun selber wirken und uns erläsen durch seine große Snads und Darmherzigkeit. Ich wünsche, daß Ihr diesen Driek an Kapitän Paul bald senden werdet, denn wenn ich an den Dauptmann schreibe, dann wißt Ihr, was und wie er die Lache wird angreifen. Das alles habe ich auch an alle anderen Kapitäns geschrieben. Ich schließe mit herzlichen Srützsn und bin Euer Vater Kapitän Dsndrik Witboi." Unmittelbar nach der „Kriegserklärung" Dendriks erfolgten - wie im Januar im lZsrerolands — Morde auf Morde an wehrlosen, nichtsahnendsn Weißen. Überall flohen die §armer auf die Militärstationen oder rotteten sich, wenn sie diese nicht erreichen konnten, an einzelnen günstig gelegenen Orten zu gemeinsamer Abwehr zusammen. Ermordet wurden gleich zu Dsginn des Aukstandss: l. Dezirkshauptmann von IZurgsdorff, 2. Unteroffizier Maurer, 3. Unteroffizier der Reserve Leid, 4. Sskrsiter der Landwehr zweiten Aufgebots löittcher, 5. weiter Sröber, b. Missionstschniker löolzapfel, 7. Schäkerei-Direktor ^leudgen, 8. Schäkerei- Verwalter löutzkeld, d. Ansiedler Johannes Mühler, 10. Ansiedler Oskar Mühlsr, 11. Dur E. Delport, 12. Ansiedler Scheidweilsr, 13. Dur Lmeer, 14. Ansiedler Doek, 15. Ansiedler löermann, 1b. Ansiedler §riccius, 17. Ansiedler Msinig, 18. Eierarzt Dr. Albrecht, 19. §räulein Dräuer, 20. Ansiedler Walter, 21. Ansiedler Wieprecht, 22. Dändler I^ohn, 23. Ansiedler Darris (Engländer), 24. Polizist §icke, 25. Ansiedler Dauthal, 2b. bis 31. die Duren Louw, )acobus Ste^n, der zehnjährige ^nabe Stein, §ourie, Denrik Smit 314 »er Lufftand der Hottentotten. und potgister, 32. Lsgierungslandmssssr (Zärtner, 33. Legierungsland- messsr-Oehilke )unga, 34. Ansiedler Adalbert Hrietz, 3S. Ansiedler Lloss. Sämtliche Militärstationsn wurden unverzüglich in Vsrteidigungszustand gesetzt. Inzwischen waren bereits am 12. Oktober die nächstverkügbarsn Gruppen aus dem Hererolande nach dem Süden in Marsch gesetzt worden. Ss waren dies die 7. Compagnie 2. Lgts. aus Oobabis und die 2. Lrsatz- kompagnis aus Windhuk. Am 16. meldete (Zenerallsutnant von TIrotha: „vsimling ist mit 2. Compagnie Feldregiments 1, II. IZataillon §eld- regiments Nr. 2 (2 Compagnien), 5. und halben 1. Lotterie über Windhuk nach dem Süden. Hauptquartier marschiert heute über Hehoro nach Windhuk." Am 17. trat Oberst Leutwsin in Leho- both ein und besetzte mit der 2. Crsatz- kompagnis Hub-I^uis, während die 7. Homp. 2. Lgts. nach löoachanas marschierte, va man mit Lecht annahm, daß Hendrik Witboi in kurzem zur Offensive übergehen werde, entwickelten die am Feinde stehenden Gruppen trotz ihrer Schwäche eine ununterbrochene rege Thätigkeit, um die Sammelplätze des Feindes zu erkunden. Lald wurde bekannt, daß die Masse der Aufständischen bei Lietmont, Mariental und (Zeitsabis stehe. Ihre Zahl wurde auf 600-700 Lewakknete geschätzt und vermehrte sich täglich durch Zuzug neuer Hrieger. Im Hauptlager der Lebellen in Mariental befand sich der alte 80 jährige Hendrik Witboi, die Seele des Aufstandes, ein Mann, dessen Leben von Hriegstatsn erfüllt war und der nun im hohen (Zrsisenaltsr nochmals die Krieger seiner Nation zu den Fahnen - und diesmal zu den Fahnen des Aufruhrs — geruken hatte. - Nach seiner Niederwerfung in der Nauklukt im September 1894 hatte Hendrik Urfehde und tatkräftige Hilfe gegen alle Feinde der deutschen Legierung gelobt. Zehn ^ahrs hindurch hielt er sein Wort in guten wie in bösen ^agen und leistete 1896 gegen die vereinigten Herero- und Hauas- öottentottdaiiinki-lllükctien. Prok. Dr. S. krikscti pkol Hendrik Witboi. 315 Hottentotten und später gegen die Zwartboi willig löserestolge. In neuerer Zeit allerdings schien der Eiker des Häuptlings zeitweilig zu erlahmen. So sollte er bei Llusbruch des lZondelzwart - Llufstandes im Jahre 1903 nur widerstrebend auf Leite der deutschen Legierung getreten sein. Das konnte zu denken geben - aber nach der (Zestellung von Hilfs- truppen gegen die Herero war man im Lüden des Schutzgebietes, und vor allem im Lezirk (Zibeon selbst, weit davon entkernt, sich Lefürchtungsn hinzugeben. Es erscheint auch - besonders im Hinblick auk den Zeitpunkt des ftbkalls Hendriks - vollkommen unerfindlich, welche (Zründe den alten Häuptling bewogen haben können, sein >Vort zu brechen und das Kriegsbeil von neuem auszugraben. Daß er etwa dem Drängen seiner Leute allein gefolgt sein könne, darf bei der Ltarrköpkigkeit und Energie Hendriks als ausgeschlossen gelten. Ebenso die vielbesprochene Llnnahme, daß ein „XVanderprediger der äthiopischen Kirche" einen ausschlaggebenden Einfluß auf ihn gewonnen habe, denn obwohl der Häuptling anscheinend religiös- mistischsn Dingen stark zugänglich und unterworfen war, kann als erwiesen angenommen werden, daß er sich dieser Mittel nur bediente, weil ihm ihr Einfluß auf die Mehrzahl seiner Leute bekannt war. Lluch hat er durch die (Zsschichte seines Lebens bewiesen, daß er sich außerordentlich schwer beeinflussen ließ. Lind diesem alten „Eisenkopf", der gleichwohl die Welt mit offenen Liugen sah, sollte ein armseliger XVandsrprsdigsr die Offenbarung von seiner Mission gebracht haben? Das ist ausgeschlossen, aber ebenso sicher ist es, daß bei Hendrik selbst der starke innere (Zlaubs an eins solche Mission schon seit vielen Jahrzehnten bestand. Lei es nun, daß religiöse Dings in §rags kamen, sei es, daß der starke, unerschütterliche (Zlaubs an seine Person, seine Kraft, seinen Einfluß ausschlaggebend war - das kommt kür die §olgeerscheinungsn nicht in §rage, denn der alte Häuptling hatte es so oder so verstanden, seine Leute und zahlreiche Ungehörige anderer Hottentottenstämme jedem seiner XVinks gefügig zu machen. - Die Kerntruppen der Gebellen versammelten sich unter seinem Kommando, und diejenigen älteren Offiziers und Llnsisdlsr, die sich der (Zskahren und Mühsals des Krieges gegen Hendrik in den Jahren 1893/94 entsannen, wußten wohl, daß dem Schutzgebiet eins Zeit erneuter schwerer, verlustreicher kämpfe bevorstand. „Vielfach", so schrieb ich kur^ nach dem Llusbruch des V?itboi-6uk- 316 Der Hufsland der kZotlentottcn. standes, „Habs ich bis löoffnung äutzsrn hören, daß der §eldzug !m Groß- Bamalande schneller und müheloser beendet sein werde, als der gegen die Berero, aber ich kann diese Bokknung nicht teilen - es sei denn, daß ganz besonders Glücksfälle sich ereigneten. Denn die Wucht der geschlossenen Masse der Bsrsro ersetzen die Bottentottsn durch eins weit höhere Beweglichkeit, die alle Befürchtungen übertrifft, und der Wert des einzelnen Mannes als Krieger ist bei ihnen ungleich höher anzuschlagen. Bewaffnung aber und fatalistische Tapferkeit werden sich die Wage halten, auch kann es nicht zweifelhaft sein, daß die Narnan im Besitze reichlicher Munitionsvorräte sind, und dah aus dem Britisch-Betschuanaland eine starke Zufuhr von solchen stattfindet. Die llnwegsamkeit aber der Oornbuschdickichte des Bererolandss wird durch die Gnzugänglichkeit der Bergwildnisss des Nama- landes reichlich ausgewogen." Lins Würdigung der Baman als Krieger entnehme ich einem Briste, den ich im )uni 1893 nach der Bsimat schrieb. Bort heitzt es: „Die Bottentotten, mit denen wir hier kämpfen, gehören entschieden zu den beachtenswertesten Gegnern, die jemals in einem Kolonialkriegs europäischen Lruppsn gegenübergestanden haben. Wenn sie auch von Batur jeder firbsit abhold und unverschämte Bettler von maßlosem Stolze sind, so werden sie doch von ihrem energischen Bäuptling in strenger Zucht und straffer Disziplin gehalten. Im Kriegs aufgewachsen, geschickte weiter von leichtem Gewicht, im §slddienst fast unübertrefflich, auch im Gebrauch hoher Visiere geübte sichere Schützen, sind sie, ausschließlich mit Binterladsrn modernster Konstruktion und meist englischen Ursprungs bewaffnet, sehr gefährliche Gegner. Ihre §schtweiss ist die unserer Infanterie, und sie stehen in dieser Beziehung vollständig auk der Böhs der Zeit. Sie bringen §ußvolk und Bsiter ins Gefecht, doch schießen sie nie vom Pferde, sondern springen stets ab. Marschiert wird meist ohne Benutzung der Wegs querfeldein, okt in breiter §ront, doch sind sie außerordentlich geschickt, aus der Kolonne Schützenlinien herzustellen. Bald wie die Schlangen kriechend, bald in gestrecktem Lauf von Busch zu Busch, von Klippe zu Klippe sich deckend, pürschen sie sich auf günstige Schußweite an den Gegner heran. Bisraus erhellt, daß die Ziels, die sie unseren Schützen darbieten, fast nie größer als kopfschsibsn sind, daß wirklich gute Schützen dazu gehören, um einem solchen Gegner irgendwie nennenswerte Verluste zuzufügen, und daß Die ersten Zusammenstöße. 317 man andererseits nur im Selddienst ausgezeichnet ausgebildete Leute verwenden kann, wenn man nicht große Verluste erleiden will. Es war einmal die Bede davon, einige Compagnien Sulu oder Sudanesen in Süd- westatrika zu verwenden. Daß diese von den Bottsntotten gehörig zusammengeschossen worden wären, kann keinem Zweite! unterliegen. löendrik Witboi, ihr Sichrer, ist in vieler Beziehung mit Männern wie der Mahdi, religiösen Sanatiksrn, schlau berechnenden Nennern der Macht der Bsligion, zu vergleichen. Er war früher Schullehrer, wie viele der Namahüuptlinge. Buch der Unterkapitän Samuel Isaak, sowie des Bäuchlings jüngster Sohn, BIsen-lösndrik, und einige der Batsleuts sind immerhin bedeutende Männer zu nennen. Blies hat löendrik geordnet und organisiert. Blicht allein seine Briegsr, sondern auch die Bevölkerung der Lager und löauptplätzs, vor allem in Oibeon und köoornkrans, war schart eingeteilt und überwacht. Ich besitze eine Liste, die eine Uebersicht über das Lager von löoornkrans gibt, und in der dasselbe in einen Nord-, Süd-, Ost- und Westdistrikt unter bestimmten Beamten, und diese Distrikte wieder in Unterabteilungen eingeteilt werden." Solcherart waren die Männer - diese kühnen, nimmermüden, trotzigen Nomaden —, die uns damals gegenüberstanden auf den weiten Oras- ebenen und in den finsteren Selsengebirgen ihres Landes, und die jetzt wiederum das Kriegsbeil ausgegraben hatten, um für — Sott weiß, welche — Ideale in den Bampf zu ziehen. - Bm 27. Oktober fand der erste Zusammenstoß mit den Bukständischsn am Packriem-Bivisr südlich Bub statt, wo die 2. Ersatzkompagnie - nur 57 Oswshre — den Witboi ein scharfes Oekecht lieferte. Von nun an ereigneten sich häutig kleinere Scharmützel und patrouillsngefechte. So focht Oberleutnant von Brandt am l. November auf dem Wege nach Oibeon bei Setz-Bamelbaum, Oberleutnant Böttlin mit seinen tapferen Bastarden am 4. und b. November bei Oirichas. — Junger koktarS. ps»k. Nr. s. rutsct, plwl. 318 Der 6ukstand der kZottsntottsn. Inzwischen war auf die I^unde von der Erhebung köendriks in Deutschland ein Bataillon zu 3 Compagnien aufgestellt worden und hatte am l2. November die Ausreise angetreten. Weitere Druppennachschübe folgten.*) Segen Ende November ergriff Bendrik Witboi die Offensive. Zu dieser Zeit waren bereits Verstärkungen aus dem lösrsrolande im Süden eingetroffen, sodah die Nebelten, die am 22. November in Stärke von 250 Mann l^ub angriffen, hier energischen Widerstand fanden. Das Sekecht endete nach dem Eingreifen des im Nnmarsch befindlichen Obersten Deim- ling mit einer vollen Niederlage der Witboi. Nber löendrik Netz sich nicht abschrecken. Bereits am 29. griff er den mit 2/g der 7. Compagnie 2. Negiments bei Lidkontein - südlich löoachanas - stehenden Oberleutnant Srüner an, um abermals zurückgeschlagen zu werden Die Verluste der Deutschen in diesen beiden (Zefechten betrugen an Daten: 2 Offiziere, 2 Unteroffiziere, 5 Mann; an Verwundeten: 2 Offiziers, l Unteroffizier, 6 Mann. Die Verluste des §eindes waren gleichfalls bedeutende. Die um diese Zeit im Srotz - Damalands verfügbaren Druppsn waren folgende: l Compagnie (2. Ersatz-Compagnie) bei packriem (zwischen ßub-ßuis und Pforte an der löeliographsnlinie Windhuk-I^setmanshoop), l Compagnie (7. Compagnie 2. §sld-Begiments) in löoachanas, 1 Compagnie (2. Compagnie l. §eld-Begiments) und Sebirgs- batterie, bei 2 Compagnien (5. und 6. Compagnie 2. §sld-Bsgiments) und >^ub, l ^/2 Batterien (5. und '/U. Batterie) 1 Compagnie und 2 Beschütze in ßestmanshoop, l Compagnie und 4 Beschütze in Warmbad und Sandfontein, 1 Compagnie (Wehle) am Wsstabhang der I^arasberge, und endlich 2 Compagnien (l Eisenbahnbau- und l Etappenkompagnis) auf der §ahrt von Swakopmund nach Lüdsritzbucht. Das waren insgesamt lO Compagnien und 3 Batterien, die sich auf einen Kriegsschauplatz von etwa bOO km Längs und 400 km Breite verteilten, löierzu kamen noch die Stationsbesatzungen - bis auf Bibeon, wo 90 Oswshre versammelt waren, allerdings recht gering an Zahl. §erner N Vgl. Nnlags 2. Oberst Oeimling bei Doris. 310 blieb zu bedenken, daß die in ßeetmanshoop, Warmbad und Sandkontein stehenden Gruppen kür weitergehende Unternehmungen nicht verfügbar waren, sondern sich vielmehr nur zum Schutz ihrer Stationsorte und zum Eingreifen in deren unmittelbarer Nähe bereithalten konnten. Das Gleiche galt kür die Eisenbahnbau- und die Etappsnkompagnis. Die Compagnie in Warmbad hatte zudem starke postierungen an den Oranjeklutz vorgeschoben, um die Verbindung mit der ßapkolonie offen zu halten. §ür das angriffsweise Vorgehen gegen die Aufständischen kamen daher zunächst nur die fünf Compagnien zwischen Windhuk und packrism und im Süden die Compagnie Wehle in Detracht. Mit den ihm augenblicklich zur Verfügung stehenden Lruppsn, 3 Compagnien und 2^/z lZattsrien, marschierte Oberst Deimling am I. Dezember von ßub aus gegen Sendrik vor. Zwei von I^ub und löoachanas aus gegen den §eind vorgeschickte Patrouillen unter den Leutnants von der Marwitz und Aoßbach stießen am 2. und 4. Dezember bei Aietmont und Doris auf starke gegnerische l^räkts und wurden in äußerst verlustreiche Gefechte verwickelt. Seide patrouillenkührer und d Mann fielen, l Offizier und 3 Mann wurden verwundet. Am 4. Dezember erschien Oberst Dsimling vor Daris und warf die dort stehenden 200 Witboi, die verzweifelten Widerstand leisteten, unter Verlust von 60 Lotsn zurück. Auf deutscher Seite kielen 2 Unteroffiziers, 4 Unteroffiziere und 3 Mann wurden verwundet. IZereits am folgenden Lage nahm der Oberst nach leichtem Gefecht Aietmont. Die Sottentotten flohen in Überstürzung in östlicher Dichtung und ließen 15 000 Stück Vieh, die Sriefschakten löendrik Witbois, viele Wagen, Gewehre und Munition in den löänden der Sieger. Von l^alkkontein aus wurde am 8. Dezember die weitere Verfolgung der Asbesten in der Dichtung auf Gochas von Major Meister mit 3 Compagnien und einer Datierte aufgenommen. Eine Compagnie und eine Datteris besetzten Distmont und griffen am 21. eins etwa 200 Mann starke löottentottenbande an, die sich am Sudup-Divier verschanzt hatte. Dach zehnstündigem Gefecht wurde der §eind völlig zersprengt. Auch hier fiel den Siegern reiche Deute zu, u. a. 12 beladene Ochsenwagen, 50 Pferde, mehrere tausend Stück Vieh, Gewehre und Munition. An demselben Lage schlug Major Meister bei Stampristkontein eine 320 Der Aufsland der kbotlentotten feindliche Abteilung, und Oberleutnant Witter überfiel bei Esubgaus eins VVitboiwerkt, tötete 12 löottsntotten und erbeutete über 1000 Stück Viel). Inzwischen war von l^setmanshoop aus Major von Lengerks mit der Compagnie Wehle und einer Sattsrie gegen die aufständischen Veldschoen- drager bei l^oss vorgegangen. 51m 15. Dezember zersprengte er den Gegner vollständig und verfolgte ihn bis zum 18. Die deutsche Abteilung verlor 4 Dole und 3 Verwundete. 54 Vsldschoendrager fielen; 45 Gewehre, viele Munition, über 3000 Stück Vieh und 50 Pferds wurden erbeutst. — Die deutschen Eruppen hatten im Dovsmber und Dezember 1904 unleugbare große Erfolge errungen, aber diese Erfolgs waren mit schweren Verlusten erkauft worden. And wenn auch der §sind an allen Orten, an denen man mit ihm zusammengetroffen war, geschlagen wurde, so war doch die allgemeine Lage im Damalands am Ende des Wahres 1904 schwierig genug: der Aufstand hatte allenthalben an Ausdehnung gewonnen; der ganze Süden des Schutzgebiets stand gegen die Deutschen in Waffen; ein langwieriger, mühevoller und verlustreicher §eldzug war vorauszusehen, ein §sldzug, über dessen voraussichtlichen §ort- gang ich Ende 1904*) schrieb: «Der Verlauf der kriegerischen Operationen im Damalands wird, wie mit Sicherheit anzunehmen ist, grundverschieden von dem gegen die löersro sein. Dicht eins geschlossene Masse von Kriegern, wie in den späteren Phasen der dämpfe im Damaralands: bei Onganjira, Oviumbo und am Watsrberg, werden unsere Eruppen sich gegenüber sehen, sondern überall dort, wo nur immer ein wildes, unzugängliches Gebirge sich erhebt, werden löorden Aufständischer sich festsetzen. Die Daukluft und die sich südwärts anschließenden meilsnweiten Eafelbergländer, die Gebirge des §ischflusses, die Soms-, Sanami- und löuibhochebsnen, das ßarasgebirge und die Oranjeklüfte sind derartige, schwer zugängliche und zum großen Esil noch kaltarij. prok. vr. s. futicti pkot. ') ln Ser Oeutjchen kolonialzeitung. Oberst Oeimling im Suob-Lai. 321 unerforschte Osrgwildnisss, die den verschlagenen Hottentotten zahllose Schlupfwinkel bieten. Ihnen in diese Linöden zu folgen, wird mit großen Schwierigkeiten und Anstrengungen verbunden sein, und zwar nicht allein für die in vorderster Linie stehenden Gruppen, sondern vor allem auch für diejenigen Oeile, denen der Nachschub an Proviant und Munition obliegt. Die heut bald hier bald dort, bald bei Aietmont und Maltahöhs, bald bei packriem und Oomtsas auftauchenden Abteilungen und Patrouillen des lsichtbeweglichen, flüchtigen Gegners geben ein Oild von dem „kleinen l^rieg", der unsrer im Orotz-Oamalande wartet. Zu hoffen ist nur, daß die kommende Aegenzeit eine kür den Süden des Schutzgebiets ergiebige sei. Von diesem unberechenbaren Umstand dürfte der günstige §ortgang der kriegerischen Operationen wesentlich beeinflußt werden." Das 1905. Die Operationen bis Mitte Mi. Die kriegerischen Oreignisss des Wahres 1905 begannen mit den Operationen des Obersten Oeimling gegen die im Auob-Oal versammelten Hottentotten unter Hendrik XVitboi. Über diese schweren dämpfe wurde im „Militär-XVochenblatt" *) berichtet: „Die dämpfe des Obersten Oeimling im Auob-Oal. Die Urteile der öffentlichen Meinung hier in Deutschland über unsere Kriegführung in Südwestakrika lauten manchmal wenig zustimmend; man macht deren verfehltes Verfahren dafür verantwortlich, daß der Aufstand nicht schon längst niedergeworfen sei. Ois mit so großen Opfern an Zeit, Oeld und Menschenleben ausgeführten Sinkreisungsoperationen wären, obwohl sie vielleicht Musterlsistungen deutscher Strategie seien, in Südwsst- atrika völlig verfehlt, und sie seien daran schuld, daß keine großen und entscheidenden Orkolgs errungen würden. Statt dessen solle man lieber dem '> „Militär-wochenblatt" IS0S, Nr. so und SI. krieg l40»-140S. 21 322 Der Aufstand Lsr Hottentotten. Gegner dauernd an der klinge bleiben, wodurch er in seiner Bewegungsfreiheit viel mehr geschwächt würde. Oas Arbeiten mit weitschauenden Plänen von östlicher und westlicher Umfassung — ein solches Schema solle man doch endlich einmal aufgeben und darauf verzichten, deutsch-militärische Begriffe auf einem Kriegsschauplatz wie Südwestakrika zur Anwendung bringen zu wollen. Daß zunächst diese Einkreisungsoperationsn mittels konzentrischer Vormärsche getrennter Gruppen garnicht immer eins Einschließung und Waffen- streckung des Gegners im freien §elde ä la Ssdan bezwecken können, scheint hier nicht überall erkannt zu werden. Sei der Weite des Kriegsschauplatzes und der zahlenmäßigen Llntsrlsgenheit der deutschen Gruppe wird es dem überlegenen Gegner stets gelingen, an irgend einer Stelle durchzuschlüpfen. Die gleichzeitige Verwendung überlegener Trakte aber verbietst sich bei den so mangelhaften Verkehrsverhältnissen ohne Eisenbahnen und Straßen sowie bei der Schwierigkeit der Verpflegung und Wasserversorgung von selbst; aus dem gleichen Grunds ist ein andauerndes „an der klinge bleiben" völlig ausgeschlossen. Mit einer bloßen „Schwächung der Bewegungsfreiheit" des Gegners würde zudem in einem solchen dampfe nicht viel erreicht werden; hier gilt es vor allem, die Gefechtskraft des §sindes zu brechen. Dies kann aber auch nach alter Erfahrung aller kriegserprobten Afrikaner bei einem rohen, nomadenhaften Naturvolk nur durch die rücksichtslose Vernichtung menschlichen Lebens erreicht werden — ein Grundsatz, der für jede Kriegführung, gleichviel ob europäische oder koloniale, seine Gültigkeit hat. Was nun diese konzentrischen Operationen betrifft, so haben sie nur den Zweck, einen Gegner, der jeder Entscheidung ausweicht und dessen Stärke in seiner Beweglichkeit, Kenntnis des Landes und dessen Hilfsquellen, seiner Bedürfnislosigkeit sowie in der ungeheuren Ausdehnung des Kriegsschauplatzes liegt, zum dampfe zu stellen und seine Widerstandskraft zu brechen. Sie sind nichts weiter als ein großes Hesseltrsiben, das das Wild vor die §Iints bringen soll. Ein anderes Verfahren, solche das Land durchziehenden Aäuberbandsn zum dampfe zu zwingen, gibt es nicht. Die wegen ihrer kolonialen Erfahrungen so viel gepriesenen Engländer haben es im südafrikanischen Kriegs, in dessen späterem Verlaufs ein ganz ähnlich fechtender Gegner in einem ähnlich gearteten Lands zu bekämpfen war, Oberst veimling >m ssluob-Lal. 323 mit allen möglichen Mitteln und selbst so kostspieligen Anlagen wie die Blockhäuser versucht; als ultima ratio, den nie zu fassenden Buren die Bewegungsfreiheit zu nehmen und ihre Widerstandskraft zu brechen, haben auch sie schließlich immer wieder zu konzentrischen Operationen ihre Zuflucht nehmen müssen. In Südafrika, das über ein weit verzweigtes Eisenbahn- und Straßennetz verfügt und dessen Cultur die Bewegungen und die Verpflegung selbst größerer Druppsnmassen ohne Schwierigkeiten ermöglichte, waren derartige Operationen eher auszuführen, und doch ist es den Engländern trotz ihrer Osbsrlegsnheit an Zahl fast nie gelungen, ihre (Zegner am Entschlüpfen zu verhindern. Was es aber heißt, in einem Lande wie Südwestafrika, wo das §ehlen von Eisenbahnen und gepflegten Straßen, der große Wassermangel und niedrige l^ulturzustand die einheitliche Leitung und das Operieren weit von einander getrennter Eruppenabteilungsn ungeheuer erschweren, derartige Unternehmungen mit unterlegenen Trakten erfolgreich durchzuführen, davon scheint man sich in Deutschland nicht überall eine richtige Vorstellung zu machen. Welch einer Kühnheit und Eatkrakt der §ührung, welcher Bingabe und Ausdauer der Eruppe es bedarf, um der gewaltigen Schwierigkeiten löerr zu werden, zeigen von neuem die jetzigen dämpfe im Süden des Aufstandsgebiets. Ueber die Operationen zur Säuberung des Auob-Eals durch Oberst Dsimling sind jetzt genauere Berichte eingegangen. Dach verschiedenen kleineren Oefechten im Damalande standen gegen Ende des Wahres 1904 die im Süden befindlichen Eruppsn unter Oberst Dsimling folgendermaßen: Die Abteilung Meister — drei Compagnien 2. §eld-Begimsnts und eins Batterie, wenig über lyO Mann und vier (Zeschützs - stand bei l^alk- kontein, die Abteilung Bitter - eins Compagnie I. §eld-Bsgimsnts und eine halbe Batterie, etwa 75 Oewehre und zwei Beschütze - bei Bikeon, die Abteilung Lengerke — anderthalb Compagnien und anderthalb Batterien, etwa 300 Bewehre und sechs Beschütze in der Legend von l^oes. Oberst Dsimling befand sich bei der Abteilung Bitter. Die Bottentottsn unter Bendrik und Manasse hatten sich in das Auob- Eal zurückgezogen, um sich dort mit Simon Lopper und seinen Leuten zu 21 * 324 Der Auisiand der lroktentonen. vereinigen; auch eine von Norden gekommene löersro-Gande unter §rederik, Mahareros Sohn, war hier zu ihnen gestoßen. Der Gegner zählte alles in allem 1500 bis 1600 Gewehre. Oberst Oeimling beschloß, den §eind im Auob-Eals unverzüglich anzugreifen. In dem nach Westen zu in ein steiniges löochplatsau übergehenden Wüstenland der l^alahari bildet das Auob-Eal im Norden und Lüden von Gochas eine langgestreckte, schwer zugängliche Oase. Line Annäherung ist nur von Norden, Westen und Süden möglich und auch hier nur unter großen Schwierigkeiten. Der Vormarsch sollte aus diesen drei Dichtungen erfolgen und zwar mit der Kolonne Meister Auob-abwärts, mit der lzolonne Nitter von Gibeon, mit der Kolonne Lsngerke von l^oes her. Das Vorgehen dieser Abteilung bot gleichzeitig den Vorteil, daß die Nichtung ihres Vormarsches dem Gegner ein Entweichen in die südöstlich Izestmanshoop gelegenen l^aras- berge zur Vereinigung mit Morenga verbot. Den Sottentotten durch einen Vormarsch von Osten her auch den Ausweg durch die lZalahari zu verlegen, verbot die große Wasssrarmut des Aossob und Eletantenklusses von vornherein. Es war indessen mit Sicherheit zu hoffen, daß die löottsntotten nicht ohne ernsten I^ampf sich aus dem Auob-Eal in die öde, wasserlose Wüste der k^alahari zurückdrängen lassen würden. Wo der Gegner mit seinen löauptkräkten stand, wußte man nicht; er war an verschiedenen Stellen, bei Psrsip, Gochas und Stamprietfontsin festgestellt. „An welchen Punkten und in welchen Gruppen in dem langgestreckten Auob-Eals der Gegner sich sammeln und meinem Angriff entgegentreten würde", berichtet Oberst veimling, „war naturgemäß vorher nicht zu übersehen, auch durch Patrouillen nicht zu ermitteln; dieselben wären nur dem Schicksal des Abgeschossenwerdsns oder, da der Gegner alle Wasserstellen besetzt hielt, dem des Verdurstens verfallen. Spione standen nicht zur Verfügung. Ich bestimmte daher als gemeinschaftlichen Marschrichtungspunkt der drei Abteilungen das ungefähr in der Mitte zwischen l^alkkontein und Persip gelegene Gochas, das außerdem seines Wassers wegen und als Sauptsitz der Simon Lopper-Lsute der wichtigste Platz des ganzen Auob- Obers! Osimling im 5>uob-ricU. 325 Lals ist. Die drei Abteilungen sollten ihren Marsch so einrichten, Satz sie Gochas am 4. Januar früh erreichten." Die einzelnen Kolonnen standen weit von einander getrennt; von Soes bis Gibeon sind es etwa 190 km Luftlinie, von dort bis l^alkfontsin annähernd 120 km. Die von lkoes anrückende Kolonne hatte bis Persip eins 110 km lange Durststrecke, die lkolonns Nitter auf ihrem Marsch von Gibeon nach Gochas ein äußerst schwieriges Dünengeländs zu durchziehen, in dem nicht weniger als 70 quer zur Marschrichtung liegende steile Dünen und lange Durststrecken zu überwinden waren. Stellte schon die weite räumliche Trennung in Verbindung mit der Unsicherheit der Verkehrs- und XVasssrverhältnisse einem einheitlichen Zusammenwirken der einzelnen Gruppen große Schwierigkeiten entgegen, so wuchsen diese noch durch die völlige Ungewißheit über den Gegner. Sei der bisher so unternehmungslustigen Kriegführung der Sottentottsn mußte damit gerechnet werden, daß sie sich mit vereinter ^rakt auf eine der drei weit getrennten Ikolonnen stürzen würden, um sie zu vernichten, ehe die anderen zu Silke eilen konnten. Die Möglichkeit, die in der Gegend von Warmbad bereits eingstroffenen Verstärkungen vorher heranzuziehen und dadurch die einzelnen Ikolonnen an Zahl stärker und widerstandsfähiger zu machen, war bei der Wasssrarmut des zu durchschreitenden Geländes sowie bei den großen Ver- pflsgungsschwierigkeitsn von vornherein ausgeschlossen. Das Land selbst Oberlt velmling. 326 Der BukstcmL der sZollenIoNen. vermochte garnichts zum Unterhalt der Gruppen zu bieten, zumal die Aufständischen auch noch alles Viel) weggetrieben hatten. Der Gruppe mutzte jeglicher Bedarf von rückwärts her nachgeschoben, selbst das Wasser oft meilenweit auf Wagen nachgefahren werden. Line Lisenbahn gibt es nicht; alle Nachschübe an Verpflegung, Munition, Ausrüstung und Bekleidung erfolgen mittelst Ochsengespannen auf schlechten, teilweise völlig unbrauchbaren Landwegen. Bis zurückzulegende Lntfernung von Oibeon nach der Lüderitzbucht beträgt über 500 km, also etwa so viel wie von Berlin bis Nürnberg, die von kalkkontein bis Windhuk rund 300 km. Na die zahlreichen Lransportkotonnen nebst ihrer starken Bedeckung für ihren eigenen Unterhalt ebenfalls auf den Inhalt der §ahrzeuge angewiesen sind, kann naturgemäß ihre Leistung für die am §einds stehenden Lruppsn nur gering sein. Nie §olge davon ist, datz, solange keine Lissnbahnsn vorhanden sind, trotz reichlichster Ausstattung mit Lransportmitteln vorn am §einde nur verhältnismäßig schwache Abteilungen unterhalten werden können. Linsn Lag vor dem für den Vormarsch der Kolonne Bitter bestimmten Zeitpunkt erhielt Oberst Oeimling durch Major von Lengerke die Nachricht, datz nach Aussage des in Persip ansässigen §armers Ouncan die Baupt- masse der Bottsntotten sich südlich Oochas befände. „Ls lag daher die Vermutung nahe", berichtet Oberst Oeimling, „datz die verhältnismäßig schwachen Kolonnen Bitter und Lengerke vereinzelt von stark überlegenen Bottentottsn-Bandsn angefallen würden. Ich änderte daher für die Kolonne Meister den Zeitpunkt ihres Vormarsches dahin ab, datz sie Oochas nicht erst am 4., sondern bereits am 3. früh zu erreichen Habs: bei ihrem Vormarsch Auob - abwärts sollte sie alles, was sich ihr in den Weg stelle, unverzüglich angreifen und energisch auf und über Oochas hinaus vorstoßen." In Wirklichkeit lagen die Verhältnisse indessen gerade umgekehrt, läendrik mit den Witboi und lösrsro befand sich nördlich Oochas zwischen diesem Ort und Stamprietfontein, während zwischen Psrsip und Oochas nur die an Zahl schwächeren Simon Loppsr-Leute standen. So kam es, datz Major Meister mit den Bauptkräktsn des §sindss bereits zusammenstieß, ehe die beiden anderen Kolonnen das Auob-Lat überhaupt erreicht hatten; hierdurch war der Lrfolg der gerade auf das einheitliche Zusammenwirken aller drei Kolonnen angelegten Operation eins Zeitlang ernstlich in §rags Oberst Deimling im sstuob-tlal. 327 gestellt, zumal eins Verbindung der südlichen Abteilungen mit der Kolonne Meister nicht hergestellt werden konnte. Oberst Deimling hatte am I. Januar 1905 mit der Kolonne Silier den Vormarsch von Oibeon auk Oochas angetreten. Östlich Aukam bereitete die Überwindung des steilen Dünengeländes namentlich den Fahrzeugen grotze Schwierigkeiten, wodurch deren Marsch erheblich verzögert wurde, trotzdem erreichte die Kolonne löaruchas im Auob-Eal mit den Seitern bereits am 3. nachmittags. Diese wurden hier kurz nach ihrem Eintreffen von einer sehr überlegenen, 300 bis 400 Oswehre zählenden Sands angegriffen, die vor der über Persip anrückenden Abteilung Lengsrke zurückgewichen war. In etwa sechsstündigem hsitzem dampfe, in dem jedes Oewehr eingesetzt werden und zuletzt auch die Offiziere und Mannschaften des Stabes des Obersten Deimling miteingreiken mutzten, gelang es gegen Abend, als endlich die zurückgebliebene Artillerie eingetroffen war und ein wirkungsvolles §euer eröffnet hatte, den §sind aus seinen Stellungen zu verjagen. Er floh unter dem Schutze der Dunkelheit in nördlicher Sichtung auf Oochas. Am nächsten Morgen machten sich noch einige löottsntottenbanden vor der §ront der Abteilung Sitter bemerkbar. Sie wurden durch mehrere gutsitzende Oranatsn vertrieben. Im übrigen lietz Oberst Deimling die Abteilung bei löaruchas halten, obwohl von der Kolonne Meister, die bereits am 3. früh in Oochas hatte eintreffen sollen, noch keinerlei Meldung eingegangen war. Aber mit der an sich schwachen und durch das Oekecht bei Ankam noch weiter geschwächten Abteilung Sitter vereinzelt gegen den als überlegen erkannten Oegner vorzugehen, ohne das Eintreffen der von Süden anrückenden Kolonne Lengsrke abzuwarten, erschien nicht ratsam. Diese war am 30. Dezember 1904 von l^oes aufgebrochen und hatte bis zum 2. Januar die furchtbare, 110 km lange Durststrecke ßoes —Persip in zwei durch Eagsmarsch-Abstand getrennten Staffeln trotz der herrschenden glühenden löitzs mit grotzem Geschick überwunden, eine „ganz hervorragende, von grotzer Energie und Ausdauer des §ührers und der Eruppe zeugende Leistung". Die bei Persip stehenden löottentotten waren durch das plötzliche und unerwartete Erscheinen der Deutschen so erschreckt, datz sie den Ort nach kurzem Oekecht unter Zurücklassung zahlreichen Viehes fluchtartig räumten. Von Persip über Amadab nach Norden vorrückend, ver- 328 Der Hufsland der ScNlentotlen. einigte sich Lengsrke am Abend des 4. Januar mit der bei Saruchas stehenden Abteilung Witter. Durch das Ausbleiben jeglicher Dachricht von der Kolonne Meister beunruhigt, ging Oberst Deimling in der Trühe des 5. mit den beiden vereinigten Abteilungen längs des westlichen Auob-Lalrandes auk Oochas vor. Wenige Kilometer nördlich Saruchas stieß man von neuem auf eine starke Abteilung Sottentotten. Dach mehrstündigem dampfe wurde die Stellung des Teindes genommen und dieser in das Dünsngelände westlich des Auob zurückgetrieben. Oochas, der in Aussicht genommene Vereinigungspunkt sämtlicher Kolonnen, wurde von den Abteilungen Aitter und Lengsrke am b. Januar früh ohne Widerstand besetzt. Da auch hier von der Abteilung Meister noch keine Meldung vorlag, auch kein Oeschützksusr gehört worden war, entschloß sich Oberst Deimling in ernster Sorge um das Schicksal dieser Kolonne, sofort nach wenigen Stunden trotz der furchtbaren Sitze in nördlicher Aichtung, das Auob-Lal aufwärts, weiterzumarschisrsn. Alle Versuchs, durch Patrouillen oder durch den Lichtfsrnsprschsr die Verbindung mit Meister aufzunehmen, waren sowohl an diesem wie an den vorhergehenden Lagen ergebnislos geblieben. Am 3. früh sollte diese Kolonne schon in Oochas sein - und heute am 6. hatte man immer noch keine Kunde von ihr! Was war vorgegangen? - Das war die alle Gemüter bedrückende Trage im Stabs Deimlings. Satte sich der Teind etwa mit vereinter Kraft auk Meister gestürzt und ihm eins Katastrophe bereitet? Die Ungewißheit wurde immer quälender. Da endlich am späten Dachmittag schienen sich die Zweifel lösen zu wollen, in weiter Tsrns bemerkte man große Staubwolken, die sich Auob-abwärts den Abteilungen Deimlings entgegen bewegten; das mußte die Kolonne Meister sein, und alles war wie von schwerem Drucke befreit. Sofort wurden mehrere Patrouillen entsandt, um die Verbindung aufzunehmen, aber wie groß war die Enttäuschung, als diese am späten Abend mit der Meldung zurückkehrten, daß die Staubwolken von sehr starken aus Dorden heranrückenden Sottentottenbanden hergerührt hätten, die wenige Kilometer nördlich Zwartkontein lagerten. Anscheinend stand man jetzt den vereinten Sottentottenscharen gegenüber. Die schlimmsten Sekürchtungsn über das Schicksal Meisters wurden laut. Oberst Oeimling im 5tuob-LcU 329 Die Abteilungen bezogen bei Zwartfontein ein Lager und verbrachten die Nacht in Gefechtsbereitschaft. Llm frühen Morgen meldeten Patrouillen, daß der §sind von der Stelle, wo er am Llbend zuvor gelagert hatte, verschwunden sei. Oberst Oeimling kam die Sachs verdächtig vor, er kannte die Hinterlist Hendriks und beschloß, mit den Abteilungen gefechtsbereit stehen zu bleiben, bis der Verbleib des §sindss festgestellt sei. Leutnant §ürbringer von der Signal- abteilung wurde zur Aufklärung auf dem westlichen Ealrand mit einer stärkeren Patrouille vorgesandt. Oiese war vielleicht 5-b km vorgeritten, als sie plötzlich sehr heftiges §euer von rechts, aus dem Guschgslände des nahen §Iutztalss, und von links von den etwa 1400 m entfernt liegenden Sanddünen erhielt, vis Patrouille verschwand sofort hinter einer in der Nähe befindlichen schützenden vüne. Leutnant §ürbringer erkannte sogleich die Situation: Hendrik hatte den Deutschen eine §alle stellen wollen, bei dem weiteren Vormarsch auf dem westlichen Ealrand sollte die Holonns Oeimling in einen Sack hineinlaufen. Ein verhängnisvolles Schicksal drohte ihr, eswar keine Minute zu verlieren. Schnell ritz Leutnant §ürbringer aus seinem Melde- block ein Glatt, auf das er nur vier Striche einzeichnete; rechts ein Strich: „Lluob-Lal", links ein Strich: „Oüne", an jedem ein roter Guntstiftstrich; so schickte er es ab. Oiese Meldung, die in ihrer klassischen Hürze und Einfachheit an den Hrisgsplan des alten Zisten mit den sieben Tintenklecksen erinnert, bewahrte die Deutschen vor einer ernsten Gefahr. Oberst Oeimling fügt diese Skizze des Leutnants §ürbringer seinem Gericht bei und bemerkt dazu: „Sie gab, als das Ergebnis der Erkundung, einen ganz vortrefflichen Llnbalt für meine weiteren Dispositionen zum Gefecht." Oichts war jetzt einfacher, als Hendrik empfindlich zu strafen. Oberst Oeimling ließ das Oetachement sofort „linksum machen und die Oüne gewinnen". „Dadurch kamen wir", heißt es in dem Gericht, „von vornherein in die beherrschende Lage auf der Oüne." Ltuk dieser wurden die Abteilungen entwickelt und eröffneten gegen die feindliche Oünenbssatzung auf etwa 400 m das §euer. Die Gatterisn fuhren auf zwei steilen, beherrschenden Dünen auf und beschossen den gut gedeckten Gegner mit Schrapnells. Der §eind war durch das schnelle, unerwartete Erscheinen der Deutschen auf der Oüne, durch das ihm sein schön angelegter Plan vereitelt wurde, zwar anfänglich sehr bestürzt, er fand sich indes schnell in die veränderte Lage, zog die Gesatzung des 330 Der Hufsland der lroNenroNen. §lußtales heran und besetzte mit großem Geschick eine neue Stellung in den Dünen mit der §ront nach Süden, Lier leistete er zähen und energischen Widerstand. Oberst Deimling mutzte nach und nach alle Tratte einsetzen. Mehrere Versuchs, den feindlichen rechten §Iügsl zu umfassen, mißlangen, da der Gegner hier sehr überlegene Kräfte hatte und seine §ront dauernd verlängerte. Die Entscheidung kiel erst kurz vor Mittag auf dem rechten §lügel der Deutschen, hier zeigte sich das auf nahe Entfernungen abgegebene §eusr der Lattsrien so wirksam, daß der feindliche linke §lügel bald nach 11 Uhr vormittags plötzlich seine Stellung räumte. Das schlechte IZeispisI wirkte ansteckend; kurz darauf wich der §eind auf der ganzen Linie. Lllles eilte über das Lluob-Dal in östlicher Dichtung durch das Dünengslände der öden, wasserlosen ßalahari entgegen. Die Abteilungen Lsngsrke und Imitier folgten sofort bis in die Dünen hinein, plötzlich bemerkte Laupt- mann Kirchner, der §ührer der Lotterie, in einer. Entfernung von bOOO bis 7000 m eine lange feindliche Wagenkolonne, die unter starker Ledeckung aus nördlicher Lichtung kommend den östlichen Dünen zustrebte. Sofort ließ er seine Lotterie auf einer nahen Düne von neuem auffahren und das §euer dagegen eröffnen. Es gelang, trotz der sehr großen Entfernung einige vortrefflich sitzende Granaten in die Wagenkolonne zu schicken, und man konnte erkennen, wie die Ledeckungs- und Legleitmannschakten, ihre Wagen im Stichs lassend, eiligst davonliefen. Eine wertvolle Leute war den Deutschen in die Lände gefallen; der §sind hatte nicht weniger als 22 Ochssnwagsn zurücklassen müssen, die „allerlei Lab und Gut, Lebensrnittel, Munition und Gewehre sowie Pulver und Dynamit bargen, aber auch viel Wasser in Gekätzsn und Läuten, um den Dreck durch die wasserloss ßalahari zu erleichtern". Der §eind hatte seine Daten und Verwundeten, wie gewöhnlich, mitgeschleppt; er soll aber nach Lussagsn von Gefangenen namentlich auf dem fluchtartigen Lückzugs durch das Llrtillerisksuer schwer gelitten haben. Das deutsche Dstachemsnt verlor nur einen Doten und sieben Verwundete, obwohl ihm bei Zwartkontein, wie später festgestellt wurde, sämtliche Witboi sowie die Simon Loppsr-Leute gegenübergestanden hatten. Llm flbend bezogen die Abteilungen ein Lager nördlich Zwartkontsin. Ueber dem Schicksal der Lolonns Meister schwebte immer noch völliges Dunkel. Oberst Deimling entsandte noch spät abends den Leutnant §ür- Die Kolonne Meister. 331 bringer mit zehn Leitern das Buob-Dal aufwärts nach Stampristkontein, um den Verbleib Meisters festzustellen. Leutnant §ürbringer stieß auf seinem nächtlichen Bitt im Buob-Dals auf zahlreiche feindliche Nachzügler, mit Dagesgrauen erreichte er Stamprietkorstein und traf hier endlich die so lange gesuchte Kolonne Meister an. - Die Kolonne Meister hatte am 31. Dezember 1904 bald nach 4 Ohr nachmittags mit drei Compagnien und einer Batterie bei glühender Bitze von l^alkfontein den Vormarsch, zunächst auk Stamprietkontein, angetreten. )sde der drei Compagnien verfügte über nicht mehr als 40 bis 50 Bewehre, so daß, wie schon erwähnt, die Besamtgekechtsstärke der Abteilung einschl. der §eldbatteris wenig über >90 l^öpfs betrug. Die 4. und 5. Compagnie hatten je vier Züge, die 7. drei Züge, die Batterie zählte vier Beschütze. Dach etwa zweistündigem Marsche, gegen abends, stieß die Kolonne unweit Stamprietkontein auf starken §sind. Dach mehrstündigem zähem Widerstand räumte dieser unter dem Schutze der Dunkelheit seine Stellungen. Die Abteilung Meister hatte an Daten 2 Beiter, an Verwundeten 3 Offiziere, 4 Bester verloren. Ein sehr schweres, mit gewaltiger l^rakt sich entladendes Bewitter mit strömendem Begen und heftigem Donner, das eine Verständigung in der Befschtslinis außerordentlich erschwerte, sowie die völlige §insternis machten eine Verfolgung des §eindes in dem sehr schwierigen und klippenreichen Bslände unmöglich. Major Meister zog deshalb bald nach 10 Ohr abends die Kolonne in Bekschts- formation nach der Batterie hin zusammen. Die Druppen verblieben während der sehr kalten Dacht in Schützenlinien aufgelöst, alles ruhte völlig durchnäßt, vor l^älte zitternd, Bewehr im Brm. — — So erwartete man den §sind und das ^ahr 1905! In der §rühe des 1. )anuar war ein sofortiges Dachstoßsn nicht möglich. Da in absehbarer Zeit nicht mit Sicherheit auk Wasser gerechnet werden konnte, muhten zunächst sämtliche Diere ausreichend getränkt Major Meister. KM« 332 Der ttukstcmd der Hottentotten. werden, was trotz des bei Stamprietkontein befindlichen Schöpkräderwerks mehrere Stunden in Einspruch nahm. Erst um 9 Uhr vormittags konnte der Weitcrmarsch über Witkrans auf Groh-Dabas angetreten werden. An den hier befindlichen Wasserstellen wurde der §eind vermutet, zumal das l^lippsngslände seine I^ampf- weise sehr begünstigte. Der Marsch verlangsamte sich erheblich, da die §ahrzeuge der IZagagen, die bei der Nähe des §eindes mit der Lruppe eng zusammengehalten werden muhten, in dem tiefen Sande des öfteren stecken blieben und nur sehr langsam vorwärts kamen. Um 5 Uhr abends bezog die Kolonne halbwegs zwischen Witkrans und Groh-Babas in einer von Natur starken Stellung auf dem östlichen Lalrand ein Lager. Bald darauf meldete eine Patrouille der 7. Compagnie, dah ungefähr 5 km südlich 400 — 500 Bottentotten, teils beritten, teils zu §utz, das §luhtal in westlicher Aichtung gekreuzt hätten und in südlicher Nichtung auf Gochas zurückgingen. Ein von der Patrouille gemachter Gefangener sagte aus, diese Abteilung Habs den Auftrag gehabt, die Wagenkolonne abzufangen, was ihr jedoch bei dem geschlossenen Vormarsch der Abteilung nicht möglich gewesen sei. Die Lruppen verblieben während der Dacht wiederum in voller Gefechtsbereitschaft. Die Nacht verlief indessen ruhig. Am 2. Januar wurde 5^" morgens der Weitermarsch angetreten. Es schien ein glühend hsihsr Lag werden zu sollen. Glücklicherweise war es möglich gewesen, vor dem Abmarsch die Wasssrwagen, Wassersücke und §eldflaschsn mit frischem Wasser zu füllen. Die 4. Compagnie mit der halben Batterie (zwei Geschütze) unter Baupt- mann Aichard bildete die Vorhut; ein Zug dieser Compagnie unter Leutnant v. petersdorkk marschierte als Bedeckung bei den unmittelbar hinter der Lruppe folgenden Wagen. Der Vormarsch erfolgte auf dem östlichen Lalrand. Zur löschten lief das breite, tiefliegende §Iuhbett, zur Linken erstreckte sich in einer Entfernung von etwa 1500 m eins hohe, dem Nutztal parallel lautende Sanddüne, auf der eine stärkere Patrouille in Böhs der Spitze ritt. Südlich Witkrans wurde das Gelände infolge des stellenweise dichten Buschwerks unübersichtlicher; zahlreiche, die Marschrichtung kreuzende Geländefaltsn und Einschnitte mit steilen ßalkrändern zogen sich von den Dünen nach dem §luhtal hin. Das (Zelocht bei Grotz-Dabas. 333 Legen morgens erhielt die Spitze heftiges §euer auf nahe Entfernung von mehreren Klippen, löauptmann Richard entwickelte sofort die ganze Kompagnie und eröffnete mit dieser und den beiden Geschützen das §suer. Die Ausdehnung des Gegners war von vornherein so groß, daß Major Meister, um die vereinzelt fechtende Vorhut nicht der Gefahr der Umzingelung preiszugeben, sofort die beiden anderen Kompagnien einsetzen mußte, und zwar rechts der 4. die 7., links die 5. Kompagnie. IZald darauf räumte der §eind seine Stellung. Die Kompagnien, mit ihnen die Geschütze, stießen sofort nach; allein sie hatten kaum 300 m zurückgelegt, als ihnen auk 500 - 600m von neuem ein äußerst heftiges Schnellfeuerentgegen- schlug. Der Gegner hatte seine vorgeschobene Stellung nur geräumt, um in einer zweiten, wohlvorbsrsiteten, fsstungsartig verschanzten um so zäheren Widerstand zu leisten. Gr hielt einen klippenreichen, in der §ront fast sturmfreien lööhenzug besetzt, der sich von dem höheren Dünengelände nach dem §lußtal allmählich herabsenkte. Wie später durch Gekangsnenaussagen festgestellt wurde, standen hier der größte Dell der Witboi unter löendrik, die §ranz- mann-Iöottsntotten und die Leute aus löoachanas; mit ihnen hatten sich noch etwa 300 lösrsro unter §redsrik vereinigt, alles in allem 1000 bis 1100 Gewehrs mit reichlicher Munition — mithin eine fünf- bis sechsfache Usbsrlegenheit. Gs war klar' daß es hier einen ernsten Widerstand zu brechen galt, und es war ein Kampf eröffnet, wie ihn deutsche Soldaten wohl selten härter, aber auch selten ruhmreicher zu bestehen gehabt haben. Das feindliche §euer war von Anfang an derartig heftig, daß an ein weiteres Vorgehen garnicht zu denken war. Die Kompagnien richteten sich, wo sie gerade lagen, hinter felsigem Geröll, so gut sie vermochten, ein und erwiderten das §eusr. Am günstigsten lag auf dem rechten Ilügel die 7. Kompagnie unter Oberleutnant Grüner; sie hatte mit dem rechten §Iügslzug eine das §lußtal beherrschende, sehr vorteilhafte Stellung inne, von wo aus dieser eine vom §einde stark besetzte Klippe teilweise flankieren konnte. Dach einiger Zeit begann der Gegner seinen rechten §lügel nach den Dünen zu verlängern, allmählich erschienen auch auk den Dünen immer zahlreichere §einde und versuchten, den linken §lügel der 5. Kompagnie zu umfassen. Diese mußte infolgedessen die beiden linken §lügelzüge zurück- biegen und die §ront nach den Dünen nehmen lassen. Um diesen §lügel zu stärken, setzte Major Meister hier den Aest der Datierte ein; je ein 3Z4 Der Ausstand der Zottentatten. Geschütz fuhr hinter dem rechten §lügel und der Mitte der 5. Compagnie auf. Da kür die weiter rückwärts befindlichen Wagen ernste Gefahr bestand, lieh Major Meister sie näher herankommen, soweit es die Wirkung des feindlichen §euers zuließ. Allein der Gegner hatte „diese lZsute schon in der Nase"; immer zahlreicher stürmten die Hottentotten von den Dünen herunter, den heranführenden Wagen zu. Der mit ihrem Schutz beauftragte Leutnant von petersdorff erkannte die Gefahr, er lieh den Zug die Seitengewehrs aufpflanzen, und, kurz entschlossen, warf er sich mit seiner Sandvoll Leute auf die heftig vordrängenden Gegner. Dieser energisch ausgeführte Gegenstoß imponierte ihnen, laut schreiend flohen sie wieder nach den Dünen zurück. Der Zug petersdorff jagte dicht hinter ihnen her, bis er die Dünen erreicht hatte. Das hatte gewirkt — einen zweiten Versuch, die Wagen wegzunehmen, wagte der §eind nicht mehr. Die §uhrwerks bildeten jetzt eins Wagenburg, innerhalb deren der Verbandplatz angelegt wurde. Die gesamte feindliche Linie, die verhältnismäßig dicht besetzt war, hatte mittlerweile eins Ausdehnung von 4-5 km erhalten, und das kleine löüuflein des Majors Meister schien von der Ueberzahl erdrückt werden zu müssen. Die Verluste nahmen mehr und mehr zu. Namentlich die Gatteris hatte schwer zu leiden, sie verlor einen Geil der Gsdienungsmannschakt und kurz hintereinander vier Offiziere, den Major von Nauendorfk, die Oberleutnants v. Neubronner und Lauteschlägsr sowie Leutnant Oberdeck. Leutnant der Geserve Semper harrte, obwohl am rechten Arm verwundet, bei der Gatterie aus. „Gin weiteres Vorgehen gegen die jäh abfallenden Sänge und die vom §einde besetzten Schanzen wäre gleich Vernichtung gewesen", schreibt Major Meister in seinem Gericht. Nichtsdestoweniger versuchte die 4. Compagnie gegen Mittag gemeinsam mit den beiden linken §lügelzügen der 7. Compagnie an einzelnen Stellen, durch das Guschwerk begünstigt, in längeren Sprüngen näher an den §eind heranzukommen; es gelang ihr auch, etwa 200 m vorzukommen, das überlegene feindliche §eusr und „die starken Verluste der schwachen Züge (Zugstärke 8-10 Mann) zwangen jedoch bald, in die alte Stellung zurück- zukriechen", zumal die 5. Compagnie, die in einem heftigen Kreuzfeuer gegen §ront und linke §Ianks lag, keine Unterstützung bringen konnte. Während des ganzen Nachmittags wurde von beiden Seiten ein heftiges §euer unterhalten. Oas (Zsfechl bei Sroß-Nabas. 335 Obwohl die Sonne glühend heiß hernisderbrannte, hatte die Sekechts- kähigksit der Gruppe nicht gelitten, da es möglich war, sie tagsüber mit frischem Wasser zu versehen, Dllsin im Laufs des Nachmittags begannen sich die Wassersäcks und Wagen zu leeren. Segen 5 Ohr nachm. wurde der letzte Drunk Wasser gereicht dann war's zu Ende, und nun stellte der schrecklichste §eind südafrikanischer Kriegführung, der Durst, die Widerstandskraft der braven Druppsn auf eine harte probe. Mit Einbruch der Dunkelheit wurde das §susr auf beiden Seiten schwächer, um wieder aufzuflackern, sobald irgendwie lZewegung beim (Zegner bemerkt wurde. Es konnte etwas Srot in der Schützenlinie gereicht werden, aber keiner vermochte es zu schlucken, die Zunge klebte allen am Säumen. Vor allem litten die Verwundeten unter dem Wassermangel. Solange der §eind nicht von der besetzten Wasserstelle verjagt wurde, bestand jedoch keine Möglichkeit, auch nur einen Dropsen Wasser zu erhalten. Segen 10 Ohr abends bezog sich der löimmel mit schweren, dunklen Wolken, es schien ein Sewittsr niedergehen zu wollen. Llm den erhofften liegen aufzufangen, wurden alle Zeltbahnen ausgespannt, und manch heißes Lebet um liegen mag zum löimmel emporgestiegen sein. Allein es erhob sich ein sturmartiger Wind und zerstreute die Wolken. Die Druppen verbrachten die Dacht, das Sewshr im firm, in der Schützenlinie, jeder zweite Mann durfte schlafen; aber vor brennendem Durst vermochten nur wenige den ersehnten Schlummer zu finden. Der Morgen des 3. begann kaum zu grauen, als das Sekecht auf beiden Seiten lebhaft von neuem entbrannte. Ein heißer Dag hatte wieder Major krlu. von ümiemlorkl. vor Aufsland der DoNenloUen. 3Zb begonnen; die Sonne brannte auf die am Boden liegenden Schützen glühend hernieder und vermehrte die Qualen des Durstes. Schon in den ersten Morgenstunden wurden einzelne Leute vor Erschöpfung und Durst in der Schützenlinie bewußtlos. Im Laufs des Vormittags gestaltete die Lage sich immer ernster. Die (Zeschützmunition begann auszugehen, die Bedienung der Beschütze war stark gelichtet, und nur noch von Zeit zu Zeit feuerte eins von ihnen. Das feindliche Feuer nahm an Bektigkeit zu, der Begner schien über eins große Munitionsmenge zu verfügen. Die Verluste steigerten sich, namentlich bei der 5. Compagnie und der Batterie. Alle irgend entbehrlichen pkerdehaltsr wurden zur Auffüllung der Lücken in die Front geholt. Der Zustand der in der prallen Sonne in nahezu ZOstündigem, ununterbrochenem l^ampks liegenden halbvsrdursteten Schützen begann bedenklich zu werden. Mehrere Leute hatten bereits angefangen, das aufgefangene Blut getöteter Pferds zu trinken. Eine Anzahl Sitzschläge waren schon eingetreten, einzelne Leute wurden vor Durst wahnsinnig; hier und dort stürzten sie, delirierend und Bebete ausstoßend, vor, um die XVasserstelle allein zu stürmen. Sie büßten diesen Versuch mit dem Leben, am nächsten Eags fand man ihre Leichen vor der Front. Der Feind höhnte noch obendrein die Salbvsrdursteten, indem er, die eigenen, wohlgsküllten >Vassersäcke emporhaltsnd, laut hin- überriek: «Dsutschmann sehr durstig - gutes >Vasser hier." Als Masor Meister gegen Mittag die ßompagnieführsr zu einer Besprechung zu sich befahl, rannte der Oberleutnant v. Bockslberg, der vor Durst und Erschöpfung in irren Zustand verfallen war, trotz des Zurufs seiner Leute delirierend in den Feind und wurde am 4., von mehreren Sugeln durchbohrt, tot aufgefunden. Am meisten hatten die Verwundeten zu leiden, die noch nicht hatten in Sicherheit gebracht werden können und nun in der glühenden Sonne verschmachteten. Einzelne Verwundete boten in ihren wüsten Delirien Unsummen für einen Schluck XVasser. Der Feldprediger Schmid, der die Abteilung begleitet hatte, stand den Verwundeten und Sterbenden voll Aufopferung bei, sprach ihnen zu und suchte sie zu beruhigen. Um Mittag erschien dem Major Meister die Lage sehr ernst, kampffähige Leute aus der Schützenlinie zu nehmen, um nach XVasser zu suchen, war bei der Usberlegenheit des Feindes nicht möglich, hier war jedes Oer letzte stnlaut. Nach einer Origincüzeichnung von L. IZanehog. E -- ^ 7 "' ? ""-A. l I ! I Das (Zekecht bei Lrotz-Nabas. 337 Bewehr dringend nötig. Durch Versprechen sehr reicher Beschenke gelang es ihm schließlich nach vieler Mühe, einige Eingeborene zu bewegen, im §>ußtal weiter rückwärts nach Wasser zu suchen. Es war inzwischen zwei Llhr nachm. geworden. Die Bedienungsmannschaften des rechten und linken §lügelgeschützss sowie die daneben Hegenden Schützen der 4. und 5. Compagnie waren sämtlich gefallen oder verwundet. Dies veranlaßte den §eind, zur Wegnahme der Beschütze einen Vorstoß zu machen. AIs der §ührer der 7. Compagnie die Befahr für das rechts §Iügslgeschütz bemerkte, ließ er den linken §lügelzug im feindlichen §eusr links schwenken. Das §euer dieses Zuges brachte hier den feindlichen Anlauf zum Stocken und zwang den Begnsr bald darauf, in seine alte Stellung zurückzugehen. Ernster war der l^ampf um das linke §>ügelgsschütz. Bei dem Versuch, dieses zurückzuziehen, wurde der bereits am Arm verwundete Leutnant Semper durch einen Schuß in den Hinterleib getötet. Leutnant v. Seuttsr mit einigen Leuten der 5. Compagnie sowie Unteroffizier Köhler und der Befreite Schulz vom Dachbargeschütz eilten herbei und zogen das Beschütz schleunigst zurück. Hetzt stürzte sich der §eind auf das verlassene, daneben stehende Beschütz, um dieses wegzunehmen. Leutnant v. Seuttsr sprang jedoch sofort mit seinen Leuten herbei, und nach hartnäckigem Dingen gelang es ihm, die löotten- totten zum Dückzug zu zwingen und auch dieses Beschütz in Sicherheit zu bringen. Die mißlungenen Vorstöße hatten dem Begner zahlreiche Verluste gekostet. Dach diesem aufregenden Vorfall ließ der l^ampf auf beiden Seiten an Bektigkeit nach, und das §eusr wurde nur noch matt unterhalten. Es trat ein Zustand fast bewußtloser Erschöpfung ein, und die Widerstandskraft der mit dem Mute der Verzweiflung Dingenden schien gebrochen. Da endlich, in der höchsten Dot, nahte die Dsttung. Es war den auf die Wassersuche gesandten Eingeborenen geglückt, etwa t Vz stunden rückwärts, unweit Witkrans, eine Dinne angestauten Degenwassers zu finden. Ein mitgesandtsr Wasserwagen wurde gefüllt und zur Eruppe vorgeführt. AIs die ersten Wasssrsäcks in die Schützenlinie gebracht und bechsrwsise gespendet wurden, da kehrte den ermatteten Kriegern neues Leben, Mut und l^rakt zurück. Als ein Offizier der 5. Compagnie den Leuten seines Zuges zurief, hinter der Deckung das so heiß ersehnte Wasser zu trinken, rief ein Mann, l^rieg IS04-IS06. 22 338 Der Aufstand der Hottentotten. der die Stimme seines Leutnants nicht erkannte und einen seiner Kameraden für den Sprecher hielt, obwohl selbst halbverschmachtend: „Aber Mensch, wir dürfen doch jetzt unsere Stellung nicht verlassen!" - - Größere Hingebung und pflichttreue hat wohl selten eine Gruppe in solch schwerer Lage bewiesen! Allein noch ernstere proben sollten von der Widerstandsfähigkeit der IZraven gefordert werden. Segen Abend erhielt Major Meister die Meldung, Latz abgezählt 243 Hottentotten, davon 12l beritten, 122 zu §uß, im Bücken der Holonns das §lußtal von Westen nach Osten gekreuzt Hütten. Ss war klar - der Gegner nutzte die Gebsrlegsnheit aus, um auch noch gegen den Bücken der kleinen deutschen Schar vorzugehen. Die Lage wurde äußerst kritisch; nur der Mut der Verzweiflung hielt die Hämpfer noch aufrecht in der Ungewißheit, was die nächsten Stunden bringen sollten. Dazu begannen die Qualen des Durstes von neuem, denn das wenige Wasser war bald ausgetrunksn und frisches konnte bei der im Bücken drohenden Gefahr nicht geholt werden. Bespannt hatten sich die Sticke der §ührer während des ganzen Lagss gen Süden, das Auob-Oal abwärts, gerichtet, nach der sehnsüchtig erwarteten Hilfe durch Oberst Deimling. Die Hoffnung, durch dessen Anmarsch aus der immer unerträglicher werdenden Lage errettet zu werden, hatte den Mut und die Ausdauer eines jeden angespannt. Sollte auch diese Hoffnung jetzt zuschanden werden? Nichts zeigte sich am Horizont, und fast schien es, als sollte man der feindlichen Uebermacht erliegen. Alls Versuche, mittels des Lichtkernsprschers über Dietmont oder direkt mit der Holonns Deimling Verbindung zu erhalten, waren vergeblich. Schon senkte sich die Dämmerung hernieder - da vernahm man plötzlich aus weiter §srne Kanonendonner — Deimling nahte! Alles atmete erleichtert auf. Neue Hoffnung belebte den gesunkenen Mut und spannte ihn zur Ausdauer an. Das §eusr wurde trotz der hereinbrechenden Dunkelheit wieder lebhafter und verstummte erst gegen Mitternacht. Während der Dacht wurde glücklicherweise ein Degenloch entdeckt und soviel Wasser, wie möglich, herbeigeschafft, so daß alle Leute damit erquickt werden konnten. Die §ührer fanden, in Erwartung des Angriffs im Aücken, jedoch auch in dieser Dacht nicht viel Schlak. Segen Morgen wurde lautes Schimpfen in den Schanzen des Segners Das Sekechl bei (Zrotz-Nabas. 339 gehört, die Kapitäne schienen mit ihren Schambocks auf ihre Leute einzuschlagen. Wollten die löottentotten ihre Stellungen verlassen? LUs der Lag dämmerte, bemerkte man zur freudigen Llsbsrraschung, datz die Oe- satzung der Dünen in der linken §lanks verschwunden war - offenbar infolge des Anmarsches der Kolonne Dsimlmg. Von einer nach den Dünen entsandten Patrouille wurde die §Iucht einiger hundert weiter gemeldet. Der §s>nd schien sich zu schwächen. Später wurde durch Oekangenen- aussagsn festgestellt, datz auch der am vorhergegangenen Lage im Bücken aufgetauchte §eind abziehende löersro unter §rsderik gewesen waren, die auf die Nachricht von dem Ltnmarsch des gekürchtetsn Deimling die Sache ihrer lZundesgenossen im Stich gelassen und sich beizeiten aus dem Staubs gemacht hatten. Mit Lagssanbruch wurde wieder Kanonendonner aus südlicher Dichtung vernehmbar, ^setzt fatzte Major Meister den Entschluß, zum Sturm gegen den in der §ront immer noch mit starken Kräften standhaltenden Oegner zu schreiten, trotzdem über den Verbleib des §eindes im NUcken noch keinerlei Meldung eingetroffen war. löietz es nicht Llebermenschliches verlangen — war es nicht Verwegenheit, mit dieser bis zur Willsnlosigksit erschöpften Lruppe, die in einem mehr, als 50 ständigen dampfe unsagbare Leiden hatte ausstehen müssen und die mehr als die Sältts ihrer Streiter verloren hatte, die feindliche Stellung mit stürmender löand nehmen zu wollen?! Es war der starke, durch keine Leiden zu bezwingende Wille zum Sieg, der den §ührer und durch ihn diese kleine lösldenschar erfüllte und der durch den in der §erns rollenden Kanonendonner neu belebt worden war. Major Meister befahl mehrere Offiziers zu sich. um ihnen Unordnungen für die Ausführung des Sturmes zu geben. Einzelne waren indes schon so erschöpft, datz sie kaum dem tZsfehl nachkommen konnten. Major Meister berichtet hierüber: „. . . Ich bestellte den Oberleutnant Orüner, Leutnant l^lswitz sowie Leutnant Zwicke zu mir. Oberleutnant Orüner mutzte von zwei Mann getragen werden, von denen der eine delirierte. Leutnant l^lswitz, welcher den Sturm mit den frischesten Leuten vom §lutztal aus unternehmen sollte, kiel in eine schwere Ohnmacht und mutzte zunächst zwei Stunden in ärztliche lZshandlung gegeben werden. Leutnant Zwicke mutzte von vier Mann gehalten werden, da er laut delirierend auf mich eindrang 22 ' 340 Der ^ukstand der lZottsntotten. und mich erschießen wollte. Llus diesem Zustand der sichrer ist aus die Ausdauer der Leute zu schließen." Zunächst wurde durch einen letzten Kraftaufwand der begner kurze Zeit mit einem gewaltigen §euer aus bewehr und beschütz überschüttet. Von den vier beschützen konnten nur noch zwei bedient werden, aber diesen beiden gelang es gerade jetzt, einige besonders glücklich sitzende Granaten in den §eind zu werken und dadurch den Sturm sehr wirksam vorzubereiten. Gegen I t Uhr vormittags wurden die Seitengewehrs aufgepflanzt, und nunmehr erhob sich die dünne, stark gelichtete Linie zum letzten Sturmlauf. bin mörderisches §euer schlug ihr entgegen. Der §eind schien seine Stellung behaupten und den bampf Mann gegen Mann annehmen zu wollen. Llls er aber die in der Sonne blitzenden, aufgepflanzten Seitengewehre immer näher auf sich zukommen sah, brach seine Widerstandskraft zusammen, in wilder §lucht und laut schreiend verließ er seine Stellungen. Der nahende Sieg verlieh der stürmenden brupps neue Frische; mit einem letzten gewaltigen Kraftaufwand stürzte sich alles in die eroberte Stellung, um dem im Flußtal fliehenden begner noch ein vernichtendes Feuer nachzusenden. Die beiden noch verwendungstähigsn beschütze eilten nach und schickten noch drei wirksame branaten, die letzte Munition, in die feindlichen Leihen. Die Wasserstelle broh-babas war in besitz genommen, und die Freuds über einen solchen Sieg ließ die Erschöpfung vergessen. LUIes erquickte sich zunächst an dem frischen, labenden Wasser, und erst jetzt - am Mittage des dritten bages — konnte, die bruppe einige Uahrung zu sich nehmen. ver starke, überlegene Wille eines Führers, welcher wußte, daß er von einer kleinen Schar von beiden das böchsts fordern konnte, hatte allen unüberwindlich scheinenden bindernissen brotz geboten und schließlich den Sieg an die deutsche Fahne gefesselt. L>as dreitägige bskecht bei broßMabas hatte der Llbteilung Meister schwere Verluste, etwa 50 v. b. der Gefechtsstärke, gekostet, befallen waren 4 Offiziere, 24 Unteroffiziers und Mannschaften, verwundet 5 Offiziere, 38 Unteroffiziers und Mannschaften; außerdem waren 148 Pferde und Maultiere getötet. Die Verluste des Gegners entziehen sich selbst ungefährer Schätzung, Das Gefecht bei Groß-Nabas. 341 da er seine listen und Verwundeten bis auf wenige bei seinem Rückzüge mitgeschleppt hatte. Er soll indessen schwer gelitten haben. Major Meister erwog die Verfolgung des „zweimal geschlagenen, stark überlegenen" §eindes. Allein, da die Artillerie keine Munition mehr besaß und die Wasserstelle nur ungenügend Wasser zum kränken des Viehes lieferte jedes Pferd konnte am 5. nur einen halben liränksimer voll bekommen -, mutzte hiervon Abstand genommen werden. lZeim Versuch, nach Wasser zu graben, setzten die Kräfte der Mannschaften völlig aus, einzelne kielen bei der Arbeit ohnmächtig um. IZsi der Schwierigkeit der Wasserversorgung entschloß sich Major Meister, nachdem er am 4. und 5. Januar in der eroberten Stellung verblieben war, am b. nach Stamprietkontein zu marschieren, um hier die Krupps bei reichlichem Wasser sich erholen zu lassen und die Munition zu ergänzen. Am Abend des b. Januar traf die Abteilung dort ein. Vom Oberst Osimling war selbst an diesem Liags noch keine Nachricht eingegangen. Grst in der §rühs des 8. Januar wurde durch die Patrouille des Leutnants §ürbringer die Verbindung mit den südlichen Kolonnen hergestellt. Am 10. Januar vereinigten sich alle drei Abteilungen bei Stamp- rietkontein. „Gemsrkenswert", so schließt der Gericht des Obersten vsimling, „ist der besonders zähe Widerstand, den die löottentottsn in allen Gefechten gezeigt haben, und ferner die ganz vortreffliche Art, mit der sie das Gelände als Schützen auszunutzen verstehen, wodurch die Wirkung unserer Artillerie, welcher sich nur schwer sichtbare Ginzslzisls bieten, herabgemindert wird. IZemerkenswsrt ist auf der anderen Seite die große Gravour, mit der sich unsere Gruppen bei außerordentlichen Strapazen geschlagen haben. Gs gilt dies nicht nur kür die Kolonne Meister, sondern auch kür die Gruppen des Majors v. Lsngsrke und Oberleutnants Gitter, von denen ich nach jedem der drei überstandenen schweren Gefechte trotz glühendster Sitze als- baldigen Weitermarsch unter Aufbietung aller Kräfte verlangte, um an die Kolonne Meister heranzukommen und sie zu entlasten." pur durch die außergewöhnliche Singabe und Ausdauer der Gruppe und die überlegene Tatkraft und Kühnheit der §ührung war es möglich geworden, allen diesen furchtbaren Schwierigkeiten zum ^irotz den 342 Der Aufstand der löoNenIoNen. Gegner mehrere Male zu entscheidendem lxampke zu stellen und ihn in überaus schwerem Gingen empfindlich in seiner Gekschtskraft zu schwächen, sowie den schwer zugänglichen Lluob-Llbschnitt, in dem der §eind einen gesicherten Unterschlupf zu haben wähnte, von ihm zu säubern. ^ener Sturmanlauf der Abteilung Meister mit den halbverdursteten, durch ein 54 ständiges Gefecht erschöpften Gruppen ist eine Eat, die ihresgleichen in der Kriegsgeschichte sucht. Wahrlich, das deutsche Volk kann mit Stolz und Dankbarkeit auf seine Söhne blicken, die kern von der löeimat in einem so harten dampfe mit nie versagender Lrsue und Eingebung ihre Pflicht tun!" - Nach den Gefechten, die Oberst Oeimling und Major Meister bei I^ub, Gistmont, Stamprietfontsin und an anderen Orten am Laufs des Ltuob- §lussss zwischen löoachanas und Gochas zu bestehen hatten, war im §ebruar und im Llnkang des März eine pause eingetreten, die durch mancherlei schwerwiegende Umstände veranlaßt wurde. In erster Linie trat ein empfindlicher Mangel an Proviant ein, hervorgerufen durch die Unmöglichkeit, genügende Vorräte an solchem von Windhuk aus auf den außerordentlich schwierigen Straßen nach den Gegenden um Gochas hsranzu- schakfen. Die Wegsverhältnisss dieser östlichen und entlegenen Leils des Schutzgebiets sind sehr ursprüngliche und nur wenig bekannt. Selten hatten bisher stärkere Abteilungen der Schutztruppe sich hierher begeben und wenn — dann fast stets auf kriegerischen Expeditionen. Die Schwierigkeit des Verkehrs und die geringe Erforschung der Landschaften im Gereiche des Lluob-, des Elephanten- und des Uossob-§lusses ist erklärlich, wenn man berücksichtigt, daß diese Gebiete lediglich die südliche Fortsetzung der Oma- Heks-Länder bilden. Gleich diesen sind sie wasserarm und daher wenig zugänglich und begangen. LUlsrdings fehlen hier schon die fast undurchdringlichen Oornbuschdickichte der Omaheks, und dafür tritt die reine, unabsehbare Grassteppe hervor, aber in vielen anderen Geziehungsn weisen beide Gebiete eine überraschende Gleichartigkeit der Verhältnisse auf. Mit Unrecht werden sie von Laien okt den Wüsten zugerechnet, während sie in der Eat wildreiche Weidskelder darstellen, die, wenigstens zum Eeil, durch das Vorhandensein von Saum- und lZuschgruppen dem Suge kein unerfreuliches Gild bieten. Was aber den Verkehr in den an die Ixalaharistspps grenzenden Die Lage im m Westen Dauchas, Domtsas und Maltahöhe (2. Ersatz-l^omp.) besetzt; im Öfter Llminuis, die ehemalige Missionsstation der Setschuanen, in deren Sähe dsi katholische Missionar ^jägsr von Sottsntotten ermordet worden war, und Soachanas (i/z 1. Ersatz-l^omp. und Salbbattsris Winterkeldt). Lln §eld- truppen operierte in den überaus schwierigen Gebirgen, die der Sudup-§lutz durchschneidet, das Detachement des Sauptmanns von Zwehl (2. l^omp. 344 Der Aufstand der I^oNsnloNen. Agts. 1, 10. I^omp. Agts. 2, Balbbattsrie Stuhlmann). Diese Abteilung, die schon einmal die hier gesammelten Dordbethanier zersprengt t)atts, grikt dieselben am 7. März nochmals an und brachte ihnen bedeutende Verluste bei. 350 Stück Orotzvish und 700 Kleinvieh wurden erbeutet. Der §eind, der auf 400 Mann unter den §ührern Cornelius und l^amadam geschätzt wurde, machte Anstalten nach Süden, nach den Aruab- und Cirasbsrgen zu auszuweichen. Dort wäre er der Ctappenstratze Lüderitzbucht - l^est- manshoop sehr nahe gewesen und hätte den auf dieser verkehrenden Wagenkolonnen gefährlich werden können. Dach Aussagen von Ueber- läufsrn sollte übrigens Bendrik Witboi an Cornelius den Befehl gesandt haben, nach den ßaras-Bergen abzurücken und nur Weiber und Minder in den Aruab-Bergen zurückzulassen. Das würde einen Marsch von rund 300 km bedeutet haben, für berittene Bottentotten ein Kinderspiel, löaupt- mann von Zwehl erhielt infolgedessen den Befehl, in Osmeinschakt mit der um Maltahähs stehenden 2. Crsatzkompagnis energisch gegen diese gegnerischen Kräfte vorzugehen. Im Dordosten lagen die Verhältnisse noch verwickelter. Dach dem LZstecht bei Stampristkontein war der Abzug der Oegner, der Witboi unter Bendrik Witboi, der Leute der „roten Dation" unter Manasse Doressb und der Bochas-löottentotten unter Simon I^oppsr, nach Osten, später nach Süden gemeldet worden. Sie sollten, so berichteten Oskangene, die Absicht haben, zu den Banden von Morenga und Morris in die l^arasberge zu ziehen. Später lauteten die Dachrichten anders. Cleberläufsr und 6e- « kangens sagten aus, dah die Bottsntotten unter den oben genannten Bäupt- lingsn noch östlich des Auob-§lusses am Zusammenflüsse des Orotzen und kleinen Dossob und etwa 37 km südlich bei (Zeiab am Dossob säßen, doch sei das Wasser auch hier knapp, und wenig „Cschammas", süße Wasser melonen, die wild wachsen und als Crsatz kür Wasser gelten können, vorhanden. Der nördliche Dossob war, wie Patrouillen festgestellt hatten, frei vom §einde. Am Auob-§lutz zwischen Boachanas und (Zochas stand Major Meister mit der 1., 2., 4., 5., 7. und 8. l^omp. Begiments 2, der 5., 7. und halben 8. Batterie. Cr hatte auch Aistmont besetzt und sollte die Operationen wieder aufnehmen, sobald es gelungen war, genügend Munition und Proviant heranzuschaffen, und sobald die Abteilung eingetroffen war, die vie Lage im Srotz-Ncimalcmds. 345 von Oobabis aus den Vormarsch längs des Nossob nach Lüden zu angetreten hatte. Ls war dies Major von Lstorkf mit der 3. und b. I^omp. Regiments 2, der 3. tZattsrie und der t. Maschinengewehr- abteilung. Cs erschien jedoch, wie der amtliche Bericht sagt, zweifelhaft, ob größere Operationen in östlicher Dichtung möglich sein würden, da der XVassermangel am Slephantsnflutz und Nossob groß sein sollte. Immerhin aber sollte alles versucht werden, nach Osten hin vorzustoßen. Südlich von (Zibson bis zum Oranjsflutz waren folgende Orts und Stationen mit größeren oder kleineren Besatzung struppen oder Posten besetzt: Lüderitzbucht, wo sich das Ctappsnkommando kür den Süden befand, üüileiitzbuckt. und die Straße Lüderitzbucht - >3ubub mit einer Sisenbahnbau- und der t. Ltappenkompagnie, von der ein Lieii auch in Bsthanisn stand. §ernsr: Berssba, l^setmanshoop und I^oes im §sldschuhträgsr-6ebiet; XVarmbad. Sandfontein, Bamansdrikt am Oranjs und endlich I^alkfontein und Llkamas im Südostsn der I^arasbergs und dicht an der Ostgrsnzs. Die §eldtruppsn des südlichen Bamalandes waren unter Oberst Osirn- lings Befehl sämtlich in den l^arasbsrgsn zusammengezogen, um gemeinsam gegen die starken IZanden der §Uhrer Morris und Morenga vorzugehen, die hier noch hausten und ihre Baubzüge in die Ltmgegend ausführten. In der §olgezsit gestalteten sich die Verhältnisse für die deutschen Gruppen überaus schwierig: zu gleicher Zeit mutzte auf verschiedenen, weit von einander entkernten Kriegsschauplätzen gegen mehrere starke, getrennt von einander operierende, aber doch in einem gewissen Zusammenhange 34b Der Ausstand der HoNenloNen. stehende Gegner gekämpkt werden. Cs waren dies: Morenga und die Srüdsr Morris; Sendrik Witboi und seine Verbündeten; der Sethanier Cornelius §rsderiks und endlich eine vorwiegend aus Serero bestehende starke Sands, die unter dem Serero Andreas im nordwestlichen Damalands den deutschen Truppen viel zu schatten machte. Wir werden die Operationen gegen diese feindlichen Tratte gesondert betrachten, obwohl sie häutig ineinander übergingen und einzelne Truppenteile bald aut diesem, bald auf jenem Kriegsschauplatz fochten. Cin großes (Zlück war es, daß die Lage im Ssrerolande es gestattete, immer mehr Druppen dort loszulösen und nach dem Lüden in Marsch zu setzen. Lluch aus Deutschland wurden während des ganzen Wahres 1905 sehr bedeutende Verstärkungen nach Lüderitzbucht entsandt. Wjr wenden uns nunmehr zunächst den Operationen gegen Morenga und die Srüder Morris zu. Diese dämpfe schildert ein Ssricht im „Militär-Wochenblatt" wie folgt: „Die dämpfe Deimlings in den Sarasbsrgen. Die großen Sarasberge erheben sich halbwegs zwischen Seetmans- hoop und Warmbad bis zur Sähe von 2000 m. Sie bilden einen der in Südwestakrika so zahlreich auftretenden Oebirgsstöcke, die man sich mit Staunen ansieht und mit einer Sekreuzigung verläßt, wenn man mit heilen Gliedern glücklich an ihrem §uße wieder angekommen ist. Seine grünen Matten, keine Laubhölzer, nichts §reundiiches trifft das umherschweifende 51uge. Simmelhohe Serge, unpassierbare Stsinfelsen, schauerliche Llbgründe, in denen sich kein Wild, kein Vogel aufhält, bilden die immer gleich bleibende Szenerie. (Zanz wenige Wasserstellen, nur dem kundigen §ührer bekannt, sind vorhanden. Diese Serge hatten sich Morenga und die Gebrüder Morris mit ihren Sonden als Operationsbasis aussrsehen. )akob Morenga, ein 50 jähriger Serero, hatte früher in den Sap- minen gearbeitet, sich Seid verdient und war 1897 auf deutsches Sebiet übergesiedelt. Libraham Morris, 35 )ahrs alt, war Lreiber der postkarrs in Warmbad gewesen, sein Sruder Lduard, 30 ^jahre alt, ebendaselbst eingeborener Polizist. Oders! Oeimling in den Karasbergen. 347 Der Vater, ein Gngländer, besaß die §arm Lilienfontsin in der I^ap- kolonie, die Mutter war eine löottentottin. Diese drei waren im Sondelzwart-Llufstands so hervorgetreten, daß sie als Mörder erklärt und geächtet wurden. Lnde ^suli 1904 kamen sie aber ins Land zurück, entwaffneten neun §armer in Dawignab, errichteten am Sjambok-(Schambock-)Serg ein befestigtes Lager und raubten und plünderten von dort aus. Die Zahl der Llnhänger der anfangs nur zwölf Gewehre zählenden Sande stieg schnell." Dach den bereits geschilderten Zusammenstößen an den ßaras- bergsn im Ltugust und Oktober 1904 hatte Morsnga am 25. und 26. Do- vembsr Warmbad angegriffen, das von löauptmann von l^oppv mit 100 Mann und 2 Geschützen besetzt war. Der wütende ^ampk, in dem Mo- rsngas Llngrikf blutig zurückgewiesen wurde, brachte den Deutschen herbe Verluste. Gs fielen 2 Offiziere (die Leutnants von Seydebreck und Schmidt) und 10 Unteroffiziere und Mannschaften, 10 Mann wurden verwundet. Morenga zog sich nach mehreren weiteren Gefechten an der Gtappenlinie Samansdrikt - Warmbad nach Dordosten zurück. „Seide Morris saßen Mitte Dezember mit starkem Snhange südlich Warmbad U!d vereinigten sich späterhin mit Morenga, der mit 500-800 Gewehren in den k^arasbergsn hauste. Der treu gebliebene Sottsntottsn-ßapitän Goliath, von dem einige Leute aus dem mitgemachten Witboi-Orlog zurückgekommen waren, bestätigte dies in folgender heliographischsn Meldung aus Ssrseba: „Gin Geil der Witboi wolle nach den l^arasbergsn gehen, sobald Samuel Isaak mit Munition von der englischen Grenze zurückgekehrt sei. Sie glaubten, in den l^arasbsrgsn einen Sergungsort für Weiber, Minder und Vieh zu finden und wollten von dort aus den Guerillakrieg betreiben." Man hatte also im Süden der Kolonie mit einem beachtenswerten Gegner zu rechnen, und Oberst Deimling wurde mit seiner Niederwerfung beauftragt. Gr war nach den dämpfen am Ltuob Llnfang )anuar 1905, die zu einem Zurückwerfen des §eindss in die ßalahari geführt hatten, über l^alkfontein, Sistmont, Gibeon, Serseba nach ßeetmanshoop marschiert, um den Ltngriff gegen die l^arasberge vorzubereiten. Ihm standen die Compagnie I^oppv und die I I. und 12. Compagnie 348 Der <3uss1cint> der l5ottentc>Nen. des §eldregiments 2, 3 Ersatzkompagnien sowie die Stäbe des III. und IV. Gataillons §eldrsgiments 2 mit den Majoren v. l^amptz und v. Lengerke zur Verfügung, ferner 6 Geschütze E. Y6, 7 Gsbirgsgeschützs, 1 Geschütz L. 73 und 6 Maschinengewehrs. Zahlreiche Kundschafter und Patrouillen hatten Morenga mit den beiden Morris, mit Weibern, Mindern und sehr vielem Vieh an und bei der Wasserstelle Darudas (auch Durudas genannt) festgestellt. Diese augenblickliche Versammlung des §sindes wollte Oberst Deim- ling zu einem konzentrischen Angriff ausnutzen. Er bildete dazu Anfang März folgende Abteilungen: Abteilung Eengerke: I Compagnie, 2 Geschütze. Sie trat am 2. März den Vormarsch von I^oss an, mit dem Gekehl, bei I^ouchanas die l^aras- berge gegen Osten abzusperren. Abteilung Kirchner: t Compagnie, 2 Geschütze, 2 Maschinengewehre stark, marschierte am 4. März von ßsermanshoop ab, um über Groendorn Laudabis — Arus — Gaitsames — Gotsagaus von Dordsn her anzugreifen. Abteilung l^oppv hatte den Gekehl, von Süden anzugreifen. Ihr Marsch ging am 8. März von l^alkfontsin aus und führte über Stink- doorn Arieis Zandmond - Gotsagaus. Abteilung l^amptz war 2 Compagnien, 4 Geschütze, 4 Maschinengewehre stark. Oberst Deimling begleitete sie am 5. März von I^eetmans- hoop nach Wasserfall und ßraiklukt. Ihr Angriff sollte von Westen angesetzt werden. Verfolgen wir zunächst die Ereignisse bei der Abteilung Kirchner. Sie brach am 10. März, vormittags 11 Ohr, in einer Stärke von nur 65 Gewehren nebst 2 Geschützen und 2 Maschinengewehren in der Aichtung Üderückklkirrs ru äen Kämpfen in 6en Er. Korasbergen. öauptmcmn Kirchner fäM bei sslod. 349 nach Ootsagaus auf. Die Spitze marschierte mit einem Vorsprung von 500 m vor dem Oros und erhielt, als sie nach anstrengendem Marsch gegen 3 Uhr nachmittags die lööhsn nördlich Pob erreichte, plötzlich §eusr. löauptmann Kirchner ließ sofort die beiden Infanteriszüge rechts und links der pad ausschwärmen und nahm die Artillerie mit den Maschinengewehren auf den rechten §Iügs>. Die protzen und Fahrzeugs gingen hinter einer SeländewsIIs in Deckung, während die entbehrlichen Unteroffiziere und wahrer die linke §lanke sicherten. Unter dem Schutze der Artillerie ging die Infanterie mit geringen Verlusten bis auf 50 m an die feindliche Stellung heran, ohne etwas vom Osgner sehen zu können. Erst als unter starken Verlusten die pnhöhe genommen war, wurde der §eind sichtbar, der im lZegriff stand, in eine 20 m weiter zurückliegende Stsinschanze zu eilen. Diese bildete die eigentliche Stellung des Oegners, und aus ihr prasselte den pngreikern ein wohl- gezisltes §euer entgegen. stuk dem linken §lügel mutzten in wenigen Minuten vier Schwer- verwundete zurückgelassen werden, während in der Mitte und am rechten fflügsl die Verluste noch stärkere waren, löier fielen Leutnant §ürbringer und zwei weiter. Unmittelbar darauf wurde löauptmann Kirchner in der Schützenlinie durch einen Schutz in den Unterleib tödlich verwundet und der Sanitätsgefreite IZützbs, der seinen Sauptmann verbinden wollte, brach, durch den l^opk getroffen, tot zusammen. In dieser Lage übernahm der Oberleutnant ffreihsrr Orote das Kommando. Die prtillsris hatte schon um 4^ Uhr ihren letzten Schutz verfeuert und die Sedienung konnte nur noch als Infanterie in der Schützenlinie mitkämpfen. Selbst die §ahrer mutzten in den I^ampk mit eingreifen. Da trat gegen 5 Uhr auch bei der Infanterie Munitionsmangel ein. So blieb der tapferen Krupps nichts anderes übrig, als bei Einbruch der Dunkelheit die §euerstellung zu räumen, die Verwundeten auf die Maschinengewehre zu laden und gegen Mitternacht nach der nächsten Wasserstelle l^osis zurückzukehren. Der dortige kööhenrand wurde zur Verteidigung eingerichtet. Die Abteilung hatte käst die löälkte ihrer Infanterie verloren. Dot waren autzer den beiden Offizieren 9 Mann, schwer verwundet 15, leicht 350 Der ssiufstand der Hottentotten. verwundet die Leutnants IZsermann und Walkt nebst t I Leitern, Saupt- ntann Kirchner hatte, wie sich später herausstellte, gegen die besten Krieger Morengas unter dessen persönlicher §ührung gskämpkt. - Die Abteilung Foppv vereinigte sich in Stärke von 4 berittenen und 2 unberittenen Zügen mit 22b Gewehren und 3 Gsbirgsgeschützen von ßalkkontein aus in Stinkdoorn und erreichte am 10. vormittags ohne Zwischenkall Ariams. Diese Wasserstelle war aber verschüttet und ein erneutes Aufmachen wäre zu zeitraubend gewesen. Es war anzunehmen, daß Garup, der letzte nur zwei Stunden von Darudas liegende Wasssrplatz, vom §sinde besetzt sei. löauptmann von ßoppv schickte daher um 2 Ohr nachmittags eine Patrouille von 12 Seitern mit 8 Suren zur Aufklärung dorthin voraus und folgte mit der Abteilung eine Stunde später. Etwa Stunden vor Garup kam die Meldung, datz aus diesem Ort gefeuert worden sei, 2 Suren wären verwundet. lzoppy entwickelte die §utzmannschakten und setzte die Serittenen zu einer westlichen Umgehung an, doch der Gegner erkannte leider frühzeitig diese Absicht und ging nach wenigen Schüssen auf Darudas zurück. Die Eruppe blieb die Dacht in der eroberten Wasserstelle. Am 11. März, früh b Uhr, wurde der Vormarsch weiter fortgesetzt und die Sochfläche südlich des Eingangs der Darudas-Schlucht erreicht. Sald zeigten sich grotze Staubwolken einer von Osten kommenden Abteilung, die kür die des Sauptmanns Kirchner gehalten wurde. Leutnant von Sersdorff sprengte voraus, erkannte aber noch im letzten Moment, datz er löottentottsn vor sich habe.*) Diese setzten in schnellster Sangart ihren Marsch nach dem Eingänge der Darudas-Schlucht kort. Inzwischen hatte Sauptmann von I^oppv die Schützen beiderseits der pad entwickelt, und ihnen gelang es, aufs wirksamste unterstützt durch die vom Oberleutnant von Sossnthal befehligte Artillerie, dem Gegner die Se- sstzung der Darudas-Schlucht streitig zu machen. Dur ein Lei! des §sindes gelangte nach Darudas hinein, die Sauptmacht des Gegners setzte sich in den kleinen Schluchten an den Südostabhängsn der Serge fest. ') 5>us einem privatbriske des Leutnants v. (Zersdorkk geht hervor, üah der kührer dieser Nb> teiiung, kenntlich an einem Lruppenhut, blauem Noch mit «eitzsr Kinde und einen halben reitend, Morenga rvar. Die Abteilungen v. f^opp^ und v. l^amptz. 351 Nach kurzem §euergskecht wurden sie aber auch von dort vertrieben. Um 12b° nachm. wurden die Wasserstellen gestürmt, die Artillerie konnte aut den jenseitigen Sähen auffahren und den über die IZergränder fliehenden §emd mit §suer verfolgen. Gegen 4 Uhr nachm. war der Gegner nach allen- Dichtungen zersprengt, und das Biwak konnte in der genommenen Stellung bezogen werden. Noch am Abend war Lampenvsrbindung mit der Abteilung l^amptz hergestellt, die sich mittlerweile in den Besitz des Nordeingangs der Narudas-Schlucht gesetzt hatte. So konnte Bauptmann von l^oppv dem dort befindlichen Obersten Veimling seinen Grkolg in folgendem Telegramme melden: „Am 10. abds. leichtes Gefecht bei Garup, am 11. gegen (Norenga und Morris bei Narudas. Nachmittags 4 Uhr diese Wasserstelle gestürmt. Diesseits schwer verwundet 3 Neiter, 1 Unteroffizier, 2 Kriegsfreiwillige. Leicht Leutnant Pavel, 2 Unteroffiziere, 1 Neiter. Verluste des Gegners schwer. 50 Pferde, 700 Binder, 6000 Stück Kleinvieh und mehrere Wagen erbeutet. Etwa 120 Weiber und Minder gefangen. Dieselben sagen aus, datz bei Wasserkall Stürmann geführt habe." Die Westabteilung I^amptz hatte am 0. März früh 5 Uhr in Stärke von 15 Offizieren, 205 Gewehren, 4 Geschützen und 4 Maschinengewehren von Guigatsis den Vormarsch auf Wasserkall und Stürmanns Werft angetreten. Bier erforderte das sehr zeitraubende Wasserholen und Dränken der Druppe einen längeren Galt. Der Weitermarsch konnte erst spät fortgesetzt werden, sodatz l^raiklukt abends gegen 6 Uhr erreicht wurde. Von dieser l^lukt aus führte nur eine §utzpad die etwa 250 m hohe, steile, zerklüftete Sähe hinan. Gins Mitnahme von §ahrzeugen war vollständig ausgeschlossen. Gs mutzte daher von den Druppsn ein 5tägiger Proviant und die Bsssrvemunition auf Dragstiere umgeladen werden. Auch die Geschütze und Maschinengewehre mutzten auf Diere gepackt werden. Den unermüdlichen Anstrengungen der Druppen war es zu danken, datz das Detachement am Abend des 10. eins Wegstunde jenseits der ^raiklukt auk 352 Der Aufstand der Hottentotten. einer die Umgebung beherrschenden Höhe versammelt werden konnte. Dort wurde die Nacht verbracht. Da das zerklüftete, steinige Hochgebirge ein Aeiten nicht ermöglichte, waren sämtliche Pferde mit Ausnahme von einigen Offizier- und patrouillsn- pfsrden nach Wasserkall zurückgesandt worden. In l^raiklukt blieben die Wagen, zu einer Wagenburg zusammengefahren, zurück. Schon am 10. im Laufe des Vormittags war eins feindliche Abteilung von etwa Ib (Dann, die zur Hälkte beritten war, auf der pad im Anmarsch nach der Hraiklukt bemerkt worden. Das §euer des dort stehenden Unteroffizierpostens hatte den §e!nd aber sichtlich überrascht und ihn zum schleunigen Zurückgehen veranlaßt. Die abziehenden Hottentotten zündeten hinter sich das hohe Steppengras an, und die hell lodernden §lammsn beleuchteten malerisch das IZiwak der deutschen Gruppen unter afrikanischem Himmel. Am 11. früh 5 Uhr trat das Ostachement den Vormarsch auf Uarudas an und erreichte nach dreistündigem Marsche die Wasserstelle Saris, wo getränkt wurde. Nach kurzer Aast wurde der Vormarsch weiter fortgesetzt. Das Seländs war hier übersichtlich, sankt ansteigend, aber mit spitzem Stein- geröll bedeckt. Aach Süden zu lag ein sehr hoher IZergsattel. Nach Westen, auf 2 km entkernt, war ein Höhsnzug. Auf diesem begleitete Leutnant Hirchheim mit 12 Aeitern als Seitsnpatrouille die Abteilung, die selbst wieder eine in breiter §ront reitende Spitze vorgetrieben hatte. Segen ^9 Uhr stieß die Spitze auf bewaffnete Hottentotten, die sich in der Aichtung auf den Sattelberg zurückzogen. Leutnant Hirchhsim, der von der Höhe das Sslände des Sattelbergss einsehen konnte, meldete, daß diesseits des IZergss in einer Schlucht eine feindliche Abteilung von etwa 20 Mann stände. Weitere Hottsntottsn- Schwärme seien am Sattelberge und jenseits desselben in Stellung. Major von Hamptz ließ eins Hompagnis ausschwärmen und sie infolge des heftigen feindlichen Sewehrkeuers sehr bald rechts durch eins zweite verlängern, auch setzte er zwei Beschütze ein. In diesem Lei! des Sskschts wurden Leutnant §unk und §sldwebel Mehreck verwundet, Asiter Stern kiel. Das gesamte Sros zog sich nun in eine vorwärts gelegene Mulde und näher an die §eusrlinie heran. Unter dem Eindruck, daß der Frontalangriff auf die Sattelhöhe viele 'WSI-V0SI 5ctiluckt in ilen liorarbergen. 354 Der 5>ufstanL der Hottentotten. Opfer kosten würde, befahl Major von I^amptz eins Umgehung links, l^aum hatte der Gegner diese Gewegung erkannt, so trat er eiligst den Rückzug an, wobei die Artillerie dem fliehenden §sinde noch empfindliche Verluste beizubringen vermochte. Die Infanterie folgte und besetzte die verschiedenen Zugänge zum Aarudas-Gal. War es sonach auch dem Ostachsmsnt I^amptz nicht beschisden, unmittelbar in das Gefecht l^opp^s einzugreifen, so hat es doch durch sein Erscheinen den Sieg erleichtert, den §sind zum Verlassen seiner starken Stellungen genötigt und den feindlichen Rückzug schwer bedroht. Aus den verschiedenen, getrennt vorgenommenen Vernehmungen der Gefangenen ergab sich, wie löauptmann v. I^oppv berichtet, folgendes lZild: Morenga war zwar nicht über den Gag, an welchem der gemeinschaftliche Angriff geplant war, wohl aber über den Anmarsch der Angriffs- kolonnsn auf den verschiedenen Wegen genau unterrichtet und hatte seinen Wandlungen folgenden Plan zugrunde gelegt: Gr selbst mit seiner löauptmacht wollte sich auf die schwächste Abteilung Kirchner werten und sie möglichst vernichten; das ist ihm wenigstens insofern geglückt, als er ihr so schwere Verluste beibrachte, daß sie bei dem Angriff am 1l. nicht mehr mitwirken konnte. Der dem löauptmann v. k^oppv unterstellten, von Süden anmarschierenden Abteilung hatte Morenga bei Garup etwa 100 Mann unter Morris entgegengestellt und hatte, wie die Gefangenen übereinstimmend aussagten, geglaubt, die Abteilung mehrere Gags aufhalten zu können. Gegenüber der Abteilung k^amptz, auf dem Anmarschwegs von Wasser- fall nach Narudas, hatte Morenga eine verhältnismäßig schwache Abteilung unter Stürmann bei ßraiklukt zurückgelassen, die nach kurzem Gefecht in die tief eingeschnittene Narudas-Schlucht zurückfließen und so die in der Verfolgung begriffene Abteilung l^amptz in die Schlucht hsrablocken sollte. Morenga selbst wollte, der Abteilung Kirchner gegenüber nur schwache Kräfte unter einem der Söhne Tresors zurücklassend, die steilen lösrg- abhängs in der Aarudas-Schlucht mit seinen löauptkräftsn schon vor Gin- treffen der Abteilung l^opp^ besetzen und sich dann auf diese werken. per außerordentlich schnelle Grfolg bei Garup hatte jedoch zur §olgs, daß die Gruppen l^opp^s fast zu gleicher Zeit mit Morenga die Narudas- Schlucht erreichten. Der Lrkolg der dämpfe in den Karasbergen. 355 Von der Abteilung Kirchner kehlte am Abend des I I. jede Nachricht. Sorgenvoll schaute Oberst Oeimling nach ihrem lösrannahsn aus und entsandte schließlich eine Kompagnie und zwei Geschütze unter Sauptmann v. Sr Zm kager Morengas Mlirend der Verhandlungen. (Morenga, Pater MaUnowski und löauptmann Salz-er.) 358 Der Sufstand der botterttottsn. es, den Gegner zu werken und nach Osten zu verdrängen, Auf deutscher Seite kielen b weiter (10 wurden verwundet); auf gegnerischer zählte man 15 Note. Morengas Leute, die sich anfangs zerstreut hatten, sammelten sich nach kurzer Zeit bei kuchanas (an den östlichen Ausläufern des Karasgebirges). Im Vormarsch auf diesen Wasssrplatz befand sich Major von Kamptz. Morenga aber hatte sich bereits wieder nach Norden gewandt und war in die Nähe der Station Sasuur gelangt. Zier stellte ihn und den §sldschuhträgerkapitän löans löendrik am 19. Mai der löauptmann Siebert und zwang nach scharfem, vierstündigem Gefecht die 150 Gewehre starken löottentotten, die englische Grenze zu überschreiten. Auf britischem Gebiet wurde ein Neil der löottentotten - etwa 100 Mann - zwar festgenommen, es gelang ihnen jedoch bis auf wenige Leute wieder zu entkommen. Nie Nachhut Morengas, der seine Krieger bereits wieder gesammelt hatte, wurde am 24. Mai von löauptmann d'Arrest bei kuchanas angegriffen; d'Arrest erbeutete eine Anzahl Vieh und Gewehrs. Am 14. jjuni überraschte die Compagnie des löauptmanns von Grckert, die schon am b. jjuni ein erfolgreiches Gefecht am karib- (Gamtoap) Sivier hatte, erneut eins feindliche XVerkt an diesem Sivisr. Oer §sind verlor fünfundzwanzig bis dreißig Note, 250 Stück Großvieh, 40 Pferde und Gsel. Diesseits wurde ein Mann verwundet. Major von Kamptz mit der Abteilung Siebert marschierte, von der Ostgrenzs kommend, ebenfalls längs des karib- (Gamtoap) Sivisrs vor und stieß am 17. jjuni auf die gesamte Sands Morengas, die in dem außerordentlich schwierigen Gelände verzweifeltenXViderstand leistete. Nie Abteilung Grcksrt eilte auf den Kanonendonner herbei, und nach vierzehnstündigsm, schwerem Kampf gelang es, die feindliche Stellung zu nehmen. Nie deutschen Nruppen verloren fünfzehn Note, drei Vermißte und fünfundzwanzig Verwundete, unter diesen Major von Kamptz. löauptmann Sisbert übernahm das Kommando. Am 18. )uni verfolgte die Abteilung den §elnd und vereitelte hierdurch die Versuche der löottentotten, ihr zahlreiches versprengtes Vieh wieder zusammen zu treiben. Der Gegner flüchtete nach Narus, der wichtigsten Zufluchtsstätte der Sande Morengas, das in beherrschender, wasserreicher Stellung am Karib-Sivisr gelegen ist. Am 19. )uni nahm löauptmann Siebert Narus. Nie löottentotten flüchteten zunächst in südlicher Sichtung, indem sie sich teilten, um sich später wieder Hendrik wilboi und seine Verbündeten. 35Y an einem vorher verabredeten Ort zu sammeln. So erklärte es sich, daß die Mehrzahl der Spuren plötzlich wieder von Narus aus in nordwestlicher Dichtung führend gefunden wurde, löauptmann Siebert folgte in dieser Dichtung mit 3'/z Compagnien und 4 Geschützen und fand den Gegner bei Llob (18 km nordöstlich Uarudas) am Ostabsturz der Großen ßarasberge, wo Morenga wieder 200 Mann gesammelt hatte - noch immer eins ansehnliche Macht in diesem so überaus schwierigen Gelände. Eine zweite Abteilung (löauptmann Witter mit einer Compagnie und einem Geschütz) traf von l^eetmanshoop her anmarschierend am 28. ^suni in Ltob ein, um sich gemeinsam mit löauptmann Siebert gegen Morenga zu wenden. — Die weiteren Operationen gegen Hendrik XVilboi und seine Verbündeten. L>er Major von Estorff, der mit der 3., 5. und 6. Compagnie 2. Regiments, der 3. Satterie und zwei Zügen der t. Maschinengewehrabteilung von Gobabis aus nach Süden vorstoßend dem Laute des Uossob- klusses folgte, hatte am 23. März Ltwadaob erreicht. Von hier aus stellte er, wie geplant, die Verbindung mit den Gruppen des Majors Meister her, die seit längerer Zeit zwischen Stampristkontein und Gochas standen — am ftuobklusse, der sich in einer Entfernung von 50 bis 70 km westlich und parallel dem Laufs des Nossob hinzieht. Seide Abteilungen sollten nunmehr gemeinsam die Verfolgung der Streitkräfte löendrik witbois übernehmen, die man in der Gegend zwischen l^owise - l^olk und Geiab (beide am Nossob gelegen) vermutete. Ltber die zunächst vorgetriebenen Patrouillen fanden im Eal des Großen Uossob nur bis Nabus Wasser. Die Wasserarmut des Elephantsnflusses und des kleinen Nossob war ebenfalls bereits durch Aufklärungsabteilungen festgestellt worden. Die Lage war somit schwierig genug, aber während Major v. Estorfk noch in Llwadaob hielt, lief bei ihm eine Meldung aus I^owise - l^olk ein, daß dort die Spuren hottentottischsr Seiter, von Osten kommend und nach Nordosten führend, aufgefunden worden seien. Major von Estorff, wohlbekannt mit der Eaktik und dem Unternehmungsgeist seiner Gegner, vermutete sogleich, daß von diesen ein 360 Der Llukstand der löottsntotten. größerer Schlag in seinem Bücken geplant sei. löier lag als günstiges Dngrikfsobjskt - etwa 55 km in nordöstlicher Dichtung - die nur schwach besetzte frühere lZetschuansn-Missionsslation Dminius, und hierhin sandte der f Major sofort die 3. Compagnie mit einem Geschütz. Die Vermutung erwies sich als vollkommen richtig, denn eine starke Patrouille der zum Detachement Meister gehörigen 4. Compagnie, 31 weiter unter Oberleutnant von Gär, stieß am 25. März in dem hügeligen Gelände 4 km südlich von Dminius auf 150 bis 200 löottentotten. Gin schweres Gefecht entspann sich, in dem auf deutscher Seite ein Sanitätsoffizier, ein Unteroffizier und 4 Dsitsr fielen und I Unteroffizier und 5 weiter verwundet wurden. Gin weiter blieb vermißt. Ueber die Verluste des Gegners kehlten Dngaben. Derselbe ging eilig auf l^owiss - lzolk zurück, augenscheinlich infolge des Anmarsches der vom Major von Gstorff entsandten 3. Compagnie. Wer weiß, welchen Dusgang der ßampk bei der großen Überzahl der löottentotten sonst genommen hätte! Die 3. Compagnie setzte zwar zur Verfolgung ein, diese blieb aber erfolglos, da die löottentotten einen zu großen Vorsprung hatten. Die Gruppe kehrts dann nach Llwadaob zurück, und Major von Gstorff trat trotz der gemeldeten Wasssrarmut der Gegend den weiteren Vormarsch Dossob-aufwärts auf Geiab an. In der Folgezeit sollte es nun in der Gat zu einem Zusammenstoß mit den Streitkräften löendrik Witbois kommen, aber leider konnte nur ein kleiner Gruchteil der am Duob und Dossob versammelten Gruppen hier eingreifen. Das Detachsment Meister (1., 4., 7. Compagnie 2. Degiments, 7. IZatterie und 3 Geschütze der 5. IZatterie) war im Dnkang Dpril in der Linie Gochas - Dubes versammelt und zum Vormarsch nach Süden bereit. In löaruchas (15 km südlich Gochas) traf den löauptmann Mangsr des ebenerwähnten Detachemsnts die Nachricht eines Guschmanns, daß löendrik Witboi an einer „Vle^", einem Gsich, südwestlich der Wasserstelle ßowise-I^olk, also zwischen Glephantenkluß und Dossob, lagere. Sofort wurde mit 279 Deitern und 2 Geschützen aufgebrochen und am 7. Llpril die Dachhut löendrik Witbois östlich der Vle^ eingeholt. Gs entspann sich ein Gefecht, in dem unsererseits 1 Offizier und 3 Dsiter fielen und 3 Dsitsr verwundet wurden. Weiter gefolgt konnte den löottentotten nicht werden, Hendrik Witboi im Nückzug nach Osten. ZH> da die Abteilung fast 90 km in wasserloser Steppe zurückgelegt hatte und die Aeit- und Zugtiere gänzlich ermattet waren. Der Marsch wurde noch dadurch erschwert, daß zahlreiche Sanddünen überwunden werden mutzten, und die enormen Strapazen der Kriegführung in diesen Legenden kennzeichnen sich durch den Umstand, datz der zurückkehrenden Gruppe vom Auobklutz her Wasser entgegengefahren werden mutzte! Am 8. April, also einen Uag nach dem Lekecht an der Vle^, erreichte Major von Lstorkk einen Punkt etwa 45 km südöstlich von kowiss - kolk am Uossob, wo er wegen Wassermangels umkehren mutzte. Cr war damit bis dicht an Leiab heran, ohne jedoch auk den Legner getroffen zu sein. fluch am Meinen Nossob wurde vom §einde nichts bemerkt. Am 18. April erreichte Major von Cstorkk Lochas und stand nunmehr mit kf/z Compagnien, 1b Leschützen und 4 Maschinengewehren am Auob. Awadaob blieb besetzt. Den Legnsr unter Hendrik Witboi vermutete der Major zwischen dem Llephantenfluh und dem Lrotzsn Uossob, und zwar in der Legend südlich des 25. IZreitengrades. Das Vordringen in diese östlichen Steppengebiete erschien aber des Wassermangels und der Sanddünsn wegen so schwierig, datz ein Versuch hierzu kür aussichtslos gehalten wurde. Oer Verbleib der Hottentotten unter Hendrik Witboi, Simon kopper und Manasse Uoreseb blieb in den Monaten Mai und 7uni unbekannt. Infolgedessen hielt Major von Lstorff seine Gruppen am Auobklusss zwischen Lochas und kowes bereit; Aufklärungsabteilungen stietzen bis zur englischen Lrenze nach Osten vor. Samuel Isaak dagegen, der bekannte Unterführer Hendrik Witbois, wurde bei Loamus (50 km nordöstlich Libeon) gemeldet und zog dann über Auls nach Süden ab. Den verfolgenden Gruppen gelang es bei Mukorob (60 km nordöstlich von Libeon) die Nachhut Samuels unter Leschützkeuer zu nehmen. 28 Hottentotten, meist allerdings nur Weiber und Kinder, wurden gefangen genommen, 50 Stück Lrotzvieh erbeutet. Dann scheinen sich die Hottentotten nach Nordostsn und dem Auobtal zugewendet zu haben. Wenigstens kam es am 16. und 18. Mai hier zu heftigen kämpfen gegen starke ^eile des Lsgners, der nach bedeutenden Verlusten nach Uordosten, dem Nossob zu, verdrängt wurde. Unsererseits kielen I Offizier, 8 Unteroffiziere und Mannschaften. 12 wurden verwundet, 1 vermißt. - 362 Der Aufstand der löoUeMottsn. Oie dämpfe in den Oistrikten (Zibeon, Srootfontein und IZethanien. Nicht ohne Absicht hatte lösndrik Witboi sich einst (Zibeon als Stammsitz erwählt. Ihn hatte nicht allein die günstige Lage des Platzes am (Zrotzen §ischfluß, sein Wasserreichtum und die Nähe guter Weiden dazu bewogen, als vielmehr auch das wilde lZerggsländs, das sich weithin nach allen Seiten ausdehnt und, zahllose Verstecke und Schlupfwinkel bietend, im Westen in die löochlandschakten des Nananib-Plateaus und in die §slsen- gebirge von Zarris und (Zrootfontsin übergeht. In diesem (Zelände haben denn auch Scharmützel, Plänkeleien und Lleberfälle nicht aufgehört, und leider fordert, wie die Ereignisse gelehrt haben, gerade dieser Kleinkrieg, in dem die Sottentottsn Meister sind, unverhältnismäßig hohe Opfer. So überfielen am 26. März löottentotten den Viehposten der löalb- batterie Stuhlmann in I^ranzplatz 10 km nördlich von (Zibeon, wobei 2 Ssitsr und 2 Suren fielen. Die Vishräubsr, die 60 Ochsen forttrieben, wurden von der 10. Compagnie verfolgt, doch hatten Segen die Spuren verwischt. Lind schon am 31. März fielen wiederum 3 Ssiter der 2. Ersatz- kompagnie auf einem patrouillenritt südlich des Sudupklussss, der, westlich von (Zibeon in den Leberfluß mündend, das Nananib - Plateau von der nördlicheren löanami-löochebens scheidet. Im oberen Eeil dieser letzteren entspringt das Packrism-Sivier, an dem eins löottentottsn-Sorde unter einem gewissen (Zorub gemeldet war. Oer unermüdliche Oberleutnant IZöttlin mit seinen Sastarden und einem Zug der 3. Etappenkompagnie sollte hier Ordnung schaffen, während gegen eins am Sudup sich zeigende Sande unter dem §eldkornet löendrik Witbois Ellas von Maltahöhe aus die 2. Ersatzkompagnie, von (Zibeon die Abteilung Zwehl (10. >3omp. 2. Sgts., ',2 1- Satteris, Stuhlmann) sich in Sswsgung setzten. (Zorub und Elias aber hatten sich inzwischen am oberen Esub-Sivisr (in der Mitte des löanami-PIateaus) vereinigt, und hier stellte sie Sättlin. Nach vierstündigem l^ampf wurde die Werkt des §sindes, die zweifellos stark befestigt gewesen sein wird, erstürmt und ihm der größte Eeil seines Viehs abgenommen. 14 Sottsntotten fielen, 70 wurden gefangen genommen, viele Sswehre erbeutet. Cornelius §rederiks. 363 Das war ein weiterer, prächtiger Lrfolg der Sastardabteilung, die unter Oberleutnant Söttlin seit dem Seginn des Sondslzwartaufstandss schon so manchen Strauß in Süd und Dord ruhmvoll durchfochten hatte. Die weitere Säuberung dieser Legend und des südlich an sie grenzenden Distrikts „Dord-Sethanien" wurde dem Major Läublsr über- > tragen, dem Hauptmann von Zwehl unterstellt war. Mit 3 Compagnien, 2 Geschützen und 2 Maschinengewehren sollte der Major den bei Groot- iontein gemeldeten Ssthanier-Häuptling Lornslius §rederiks angreifen. Dieser sollte am „thaten Serge" (Garup), etwa 20 km südlich von Sroot- kontsin, stehen. Lornslius, ein alter Parteigänger und der Schwiegersohn Hendrik Witbois, hatte diesem schon 1893 und 1894 Hesreskolgs geleistet. Seine Leute gehörten zu den kriegslustigsten und am besten bewaffneten Hottentotten des ganzen Südens. Reiters patrouillsngekechte spielten sich noch dicht — 9 km — nord östlich von Ssthanien bei Gamdau und südlich des Packriem-Divisrs bei Lsanarob ab, in denen wiederum I Offizier, I Oberveterinär und 8 Unteroffiziere und Deiter fielen, während 5 Deiter verwundet wurden. In dem erstgenannten Gefecht war bereits ein Versuch des §eindes zu erkennen, die Ltappenstratze Lüderitzbucht - Hubub - Hsetmanshoop zu beunruhigen. Dach Gibeon wurde Hauptmann Manger mit der 1. und 2. Homp. des 2. Dgts. herangezogen. General von Lrotha war inzwischen auf dem südlichen Kriegsschauplatz eingetroffen und hatte gegen Lnds März mit dem Hauptquartier Hub — etwa 115 km nördlich von Gibeon - erreicht. Zur Ssdeckung befand sich bei dem Hauptquartier die 2. Hompagnie des 1. Dsgimsnts. In der §olgezeit begab sich der General weiter nach dem Süden, um vom Zentrum des Dufstandsgebietes aus die Oberleitung über die auf den verschiedenen Schauplätzen operierenden Lruppen zu übernehmen. Diese Oberleitung mußte sich naturgemäß auf die Verteilung der Streitkräfts, die Unordnung und Inspektion der Ltappenlinisn, die Dsgelung der Zufuhren und ähnliches beschränken, während den Hommandeuren der verschiedenen Dstachements, Streifkolonnen, Stationen und postierungsn volle Selbständigkeit in ihren augenblicklichen Lntschliehungen dem Gegner gegenüber belassen wurde. - 364 Der Aufstand der löottsnlottsn. Dem Detachsment Cäubler, das den Häuptling Cornelius §rederiks verfolgte, stand eine schwere Aufgabe bevor. Am 27. April traf Oberleutnant von lZülow bei löuams, 40 km südlich des südlichen Grootkontein, auf die Streitmacht der lZsthanier unter Cornelius. Obgleich diese chm fünffach überlegen war, griff lZülow an und schlug den Gegner, der 6 Cots verlor. Leider besiegelte der tapfere deutsche §ührer seinen Sieg mit dem Code, und mit ihm kielen 2 Asiter, 4 wurden schwer verwundet. Cornelius wandte sich weiter nach Süden, wo bei ku- makams, 80 km nördlich von Gethanien, am I. Mai die dem Major Cäubler unterstellte Abteilung Zwshl die Werkten der lZethanier traf. Die Lager wurden erstürmt und der Gegner mit einem Verlust von 24 Mann in südöstlicher Aichtung verjagt, während auf deutscher Seite keine Verluste eintraten. 500 Stück Grotzvieh und 2000 Stück Kleinvieh wurden erbeutet. Sieben Cage später kam es zu einem neuen schweren Gefecht, in dem auch unsererseits erhebliche Verluste eintraten. Major Cäublsr nämlich hatte in der Erwägung, daß er mit der geschlossenen Masse seiner Cruppen, 4^ Compagnien und 2 Geschützen, den flüchtigen Gegner in dem überaus schwierigen, unübersichtlichen Gelände kaum treffen werde, seine Streitkräfte geteilt und lieh dieselben in verschiedener Aichtung das Land durchkreuzen, löauptmann von Aappard mit der ersten Ctappenkompagnis traf von Süden kommend am 8. Mai allein auf den ihm weit überlegenen Gegner, der über 300 Mann verfügte. Am oberen Ganachab (Akazienklutz) kam es zum Gefecht, in dem 6 Aeiter kielen, während löauptmann von Aappard und 6 Asiter verwundet wurden. Erst am folgenden Cags gelang es, den Gegner aus seinen Stellungen zu vertreiben, und zwar infolge überraschenden Eingreifens der Compagnie des löaupt» manns lZaumgärtel. Diese Abteilung (90 Aeiter) erschien auf dem Kampfplätze, nachdem sie 46 Stunden lang in schwierigstem Gelände marschiert war. Cornelius flüchtete nach kurzem Widerstand mit etwa 100 Aeitern in der Aichtung auf lZerseba, verfolgt von der t. Ctappenkompagnis und weiteren Ceilen des Dstachements Cäubler, die inzwischen herangezogen worden waren. Die Kompagnie lZaumgärtel war zu erschöpft, um an der Verfolgung teilnehmen zu können. Der Aest der Streitkräfte des Cornelius sollte sich - P ^ Cornelius krederiks und leine Unterkülirer. Der 5lukstand der tZottsntotten. 3bb zerstreut haben; 4 tote Lottentotten und ein Verwundeter blieben auk dem Gefschtsfelde zurück. Große Viehmassen wurden erbeutst. Nach weiteren Meldungen stand Lornelius selbst in der Gegend von Lesondsrmaid, von wo ^eile seiner Lands nach Lordostsn, anders in Lichtung der M. ßarasbsrge abgezogen waren, vie Verfolgung der IZsthanier wurde energisch fortgesetzt, um die Wiedervereinigung zu einer üg? untere kisckiluh- unas Vorgehen gegen Cornelius war mit unermeßlichen Schwierigkeiten verknüpft, denn die Llker des Fischflusses sind in seinem südlichen Lauf von hohen, unwegsamen und wiiden Lebirgszügen begleitet, die ein Eindringen in das Flußtal nur an wenigen Stellen zulassen, und auch an diesen noch unter erheblichen Lekahren und oft nur kür einzelne Fußgänger. In diesem unwirtlichen tZeländs glaubte sich Cornelius vor den deutschen Cruppsn vollständig sicher. Die einzige Anmarschstrahe von Hanibes ist ein Saumpfad, der, wie der amtliche lZsricht sagt, „kilometerweit durch eine schmale Schlucht mit unersteigbaren Ländern führt." Diesen Engpaß hatte Cornelius besetzt und gesperrt und die noch weiter südlich gelegenen Werkten durch eins Zwischenbekestigung, eine Steinschanzs, gesichert Aber dennoch führten unsers Cruppen den Angriff durch. In der Dacht vom 26. zum 27. 7uni wurde der Vormarsch zu §uß auf Saumpfaden angetreten. Cragstisrs folgten den Cruppen. Cornelius zog sich vor den von Westen und Dordosten vordringenden Angriffskolonnen (pichler und von Zwehl) zurück und wich auf l^eidorus aus. „Auf die Nachricht," führt der obengsnannts Bericht weiter aus, „daß die feindliche Werft nach Süden abgezogen wäre und bei l^eidorus stände, war pichler noch an, 26. bis auf 1 Stunde westlich Heidorus herangerückt.. >>> - - H Im I^oirlQshochlcmd. Nach einer Originalzeichnung von O. sZanetzog. 7 ^ ! i i ! l Major Sräser im F'ischklußlal. 364 Durch die Patrouille des Leutnants von löönning Hausen war dann festgestellt worden, daß die abgezogene feindliche Werkt mit anscheinend wenigen ßriegsleutsn nunmehr 2 km südlich l^sidorus stand, pichler beschloß, sie am 27. im Morgengrauen zu überfallen. Er brach daher um Zb» morg. auf und erreichte über I^eidorus um 6 Ohr vorm. den Fischkluß. während die 1. Etappsnkompagnie ausgeschwärmt im lavier vorrückte, marschierte die 4. Compagnie an den löängsn des östlichen lööhenzugss entlang. Der weitere Verlauf des Oekechts sei einem Drieke des Oberleutnants Dannert entnommen: „Om b'° vorm. gingen die Compagnien entwickelt gegen das feindliche Lager im Flußtal vor. IZald sahen wir die Feuer rauchen und hofften, den Feind überraschen zu können. löauptmann pichler befand sich zwischen beiden Compagnien, plötzlich ertönten vom linken lööhenrand scharte Kommandos in löotten- tottensprache und wir wurden mit einem löagel von (Zeschosssn aus überhöhenden, völlig unsichtbaren Stellungen überschüttet. Die 4. Compagnie hatte gute Deckung unter den Klippen, während die t. Etappsnkompagnie im kahlen Flußtal derart zugedeckt wurde, daß an eine Erwiderung des Feuers zunächst nicht zu denken war. Während der linke Flügel der Compagnie sich nach links an die Klippen zog, gelang es der Mitte und dem rechten Flügel nur mühsam, den Schutz der Düsche am Flußuker zu gewinnen. Oleich bei den ersten Schüssen wurde löauptmann pichler ins Sein getroffen. Er rief ruhig nach dem Llrzt, flssistsnzarzt Dr. löorn. LUs letzterer hinzukam, erhielt pichler den zweiten Schuß in den k^opk. Er lebte aber noch und ermähnte einen von vier Schüssen getroffenen, laut jammernden weiter, sich als Soldat zu benehmen. Lluch schlug er noch die Liugsn auf, als Leute der Compagnie hinzukamen, um ihn fortzutragen. Dann verschied er, während löorn durch einen Kopfschuß sofort tot war. So sind beide einen schnellen, schönen Soldatentod gestorben." Lluch Oberleutnant v. I^osenthal wurde bald verwundet, worauf Oberleutnant Dannert die Llbteilung führte. IZis I I 3" vorm. blieben indessen beide Compagnien trotz des heftigen Feuers im Vorrücken und erstürmten mehrere Stellungen mit dem Dajonnet. Llllein das Oeländs wurde immer ungünstiger. Die Wegnahme der Werkt mit so schwachen Kräften erschien aussichtslos, dagegen wurde die (Zskahr einer völligen Einkreisung durch die weit überlegenen löottentotten immer größer. Die löoffnung aber auf eins rechtzeitige krieg 1104 1-we. 24 370 Der sslukstand der Hottentotten. Unterstützung Lurch die Abteilung Sräser mutzte aufgegeben werden. Daher entschloß sich Oberleutnant Dannert schweren Herzens, zurückzugehen. Die Züge Peter (l. Etappsnkompagnis) und Bönninghaussn (4. Compagnie) brachten die Verwundeten zurück und nahmen dann eine Ltuknahmestsllung am westlichen §ischklutz-Ufsr bei ksiüorus. Dannert selbst hielt unterdessen noch mit dem Best der l. Etappenkompagnie das Buschwerk am Bivier, Leutnant von Sersdorkf mit der Dachspitze die Höhen am östlichen Liter besetzt. Dann zogen sie sich auch zurück, nahmen aber nochmals hart südlich ksidorus Stellung, um den letzten Vsrwundstentransport zu decken. Hierbei kam Leutnant von Sersdorff der feindlichen Überlegenheit gegenüber in eins sehr bedrängte Lage. Er hatte seinen Leuten bereits gesagt: „Die letzte Kugel in den Mund", da machten Esils der 4. und der l. Etappen- kompagnie, die die Bedrängnis ihrer Kameraden bemerkten, nochmals einen Vorstoß und ermöglichten dadurch dem Leutnant von Sersdorff den Llbzug. Segen 4-^ nachmittags waren die Eruppsn in der Stellung des Leutnants von IZönninghaussn etwa 1 km westlich des §ischflusses vereinigt. Es war Dannert gelungen, Verwundete sowie die Sewshre und Patronen der Sekallenen mitzunehmen. Lim 28. nachmittags traten die nunmehr unter Major Sräser vereinigten Llbteilungsn auf Lliais an, von wo am vergangenen Eage Ssschütz- feusr der Abteilung Hasssler gehört worden war. Der Weg nach dem §ischflusss führte durch eins 100 m breite, von hohen §elswänden eingefaßte Schlucht. Nahe dem §luß war diesem Engpaß noch ein steiler, 150 m hoher Bergrücken vorgelagert. Llls die Spitze an diesen auf ungefähr 100 m herangekommen war, erhielt sie von dort aus und von den seitlichen §slsen heftiges §euer. Die vier Seschützs fuhren sofort auf und nahmen die Höhen unter §eusr. Die 4. Compagnie entwickelte sich auf den westlich, ein Zug der 10. Compagnie auf den östlich der Schlucht gelegenen Höhen, ein Zug der 10. Compagnie und der Best der 1. Etappenkompagnie blieben in Bessrve. Wirksam von der Llrtillsrie unterstützt ging die Infanterie auf den Höhen von kuppe zu Kuppe vor und warf um 4-°*° nachmittags den §eind aus seinen Verschanzungen. Er ging auk dem westlichen §ischfluß-Llker zurück, verfolgt von der halben 4. Kompagnie unter Leutnant von Ssrsdorff. Major Gräser >>u §>schklutzlal. 371 Im Dunkel der Dacht gelang es jedoch den Hottentotten bald, sich der Verfolgung zu entziehen. Die deutschen Verluste betrugen am 27. und 28. )uni zusammen: 2 Offiziers und 3 Mann tot, l Offizier und y Mann verwundet. Die Verluste des §eindss waren in dem IZerggeländs nicht zu ermitteln. Der Vormarsch wurde nach dem Gefecht fortgesetzt. 8 Uhr abends erreichte Gräser Mais, wo er die Abteilung Haeseler voriand. Hier hatte sich inzwischen folgendes zugetragen: 6m 26. war Haeseler in Mais eingetroffen. 6m 27. ging er Kischflutz-aukwärts vor, um die Verbindung mit pichler aufzunehmen. Er nahm eine Werkt unter §euer, wurde aber bald darauf vorn §ischflutz aus und von den Gsitsnhängsn so heftig beschossen, datz er Halt machen mutzte. Er hielt sich bis zum Einbruch der Dunkelheit in seiner Stellung, die den §lutz völlig absperrte und ging dann nach Mais zurück. 6m 28. morgens wurde er auk dem östlichen §ischflutz - Ufer angegriffen, wobei ein weiter schwer verwundet wurde. Dach halbstündigem §euergskscht gingen die Hottentotten zurück. 61s Haessler nachmittags den Kanonendonner des Gefechts bei keidorus hörte, ging er erneut vor. Es gelang ihm wiederum, eine im Mvisr liegende Werkt zu beschießen, bald darauf stietz die Hauptabteilung zu ihm. Ihr Mrmarsch war ihm von weither durch Leuchtkugeln kenntlich gemacht worden." Dach einem Duhetage wurde am 30. die Verfolgung aufgenommen und die Gouchassib-Mündung erreicht. 6m l. und 3. ssuli kam es bereits wieder in schwierigstem Gelände zu Gefechten, in denen Masor Gräser den 24- lüojor Triller. 372 Der Hufstand der lZallentotten. Gegner nach hartnäckigstem Widerstand aus seinen §eisenste»ungen vertrieb. Am 4. wurde die ßonkip-Mündung erreicht. Über die Schwierigkeiten dieser Märsche und die weiteren Operationen des Dstachemsnts Gräser sagt der genannte Gericht: „Der Marsch hatte sich unter ständig wachsenden Schwierigkeiten vollzogen. Die Dnwsgsamksit des Giviers nahm täglich zu. Die protzen der 7 cm Gsbirgsgeschützs und die wenigen mitgenommenen darren zerbrachen bereits in den ersten Hagen. Die 9b er Geschütze dagegen hatten wider alles Erwarten sämtliche Geländehindernisse glatt überwunden. Erst am 4. Mi wurde das eins durch Gadbruch unkahrbar. Die Zug- und Tragtiere, die schon lange als einzige Nahrung dürktigss Schilf gefunden und Saker seit Eagen nicht mehr gesehen hatten, waren völlig erschöpft. Die letzten Geittiere waren an der Lagerstelle des 2. )uli zurückgelassen worden. Das Schuhzeug war schon bei Geginn der Operationen mangelhaft gewesen und ging bei dem dauernden Marsch über §slsen und Steingeröll und durch Wasser völlig zugrunde. Ein großer Esil der Leute hatte sich die §ützs wund gelaufen. Am 4. abends hatte das Detachemsnt zum 25. Male den §ischkluß durchschritten. §ast jeder Kilometer des Vormarsches machte einen neuen §lußübergang nötig. Dabei sanken Geschütze und protzen, die abwechselnd von Ochsen und Eseln gezogen wurden, bis über den oberen Gadrand in das Wasser, die Tragtiere stürzten zwischen den §elsblöcksn und große Leile des mühsam mitgekührten Proviants verdarben im Wasser. Der Vormarsch, der sich dauernd in unmittelbarer Nähe des sseindes in einem Lngweg vollzog, muhte in voller Gefechtsentwicklung ausgeführt werden. Auf diese Weise betrug die Marschleistung in der Stunde kaum mehr als 1 km und trotz äußerster Anspannung der Kräfte täglich nur etwa I Meile. Aber auch der §sind kam trotz eiligster §iucht nicht schneller vorwärts. Wiederholt konnte die Artillerie auf das Ende seiner Marschkolonne feuern. Zahlreiches, in den Klippen zugrunde gegangenes Vieh bewies, daß er noch mehr Schaden erlitt als unsere Eruppsn. Am 4. ging die Nachricht ein, daß Gendrik Witboi im Vormarsch gegen Koss (150 km nordöstlich I^eetmanshoop) sei und daß Morsnga aus den Großen l^arasbergen in westlicher Gichtung abmarschiert wäre. Gräser setzte daher auch am 5. )uli den Marsch kort, um den Oranje Major Gräser im Iischklutzlal. 373 wenigstens mit einem Eeile seiner Gruppen zu erreichen und den Verbleib des (Cornelius sicher festzustellen. Der Marsch auf den Spuren des Gegners führte 6 km unterhalb der Sonkip-Mündung aus dem §ischf>utz-Aivier in einer Schlucht nach Südosten weiter, während Leutnant v. Siller mit 20 Mann und einem Maschinengewehr so schnell als möglich den Marsch längs des §ischflusses fortsetzte und glücklich am 6. den Oranss erreichte, blieb die Hauptabteilung in der eben erwähnten Saeselsr-Schlucht halten. Der von dort vorgeschickte Leutnant Oegenkolb stellte fest, daß die löottsn- tottsn in einem etwa 15 km oberhalb des §ischklusses in den Oranje mündenden Aivisr den Oranje erreicht hatten. Gräser beschloh jetzt, die unmittelbare Verfolgung abzubrechen, Die rückwärtige Verbindungslinie von der löaeseler-Schlucht bis Sanibes betrug 100 km. Sei §ortsetzung des Marsches den Oranje aufwärts wäre es unmöglich gewesen, den Nachschub sicherzustellen. Die bisher gemachten Erfahrungen hatten zur Genüge gezeigt, daß bei einer unmittelbaren Verfolgung in dem Engwege trotz aller Anstrengungen eine Entscheidung nicht zu erzwingen war. Am Oranje stand es zudem den löottsntotten jederzeit frei, sich durch Llebertritt in die Sap- kolonie der Verfolgung zu entziehen. Lilie weiteren Versuche, unterhalb des Gouchassib aus dem Aivisr einen Aufstieg zur Sochklächs nach Osten zu gewinnen, wodurch die Nach- führung der Verpflegung mit §ahrzeugen ermöglicht worden wäre, blieben erfolglos. Es mutzte daher der Rückmarsch auf dem nämlichen >Vsgs zurückgelegt werden. L>a auch mit einem Eingreifen Morengas von Aordosten und mit einem Ausweichen des Cornelius nach Norden zu rechnen war, wurde die Abteilung nach Aiais zurückgenommen. Am 12. Juli traf sie dort ein. Es blieben zurück: an der §ischklutz-Mündung der Offizierposten Silier, in der Sasseler-Schlucht 15 Mann, an der Sonkip-Mündung 12 Mann mit einer löeliographenstation. Die der Abteilung unterstellte Ersatzkompagnie 3 a und zwei Maschinengewehre unter Sauptmann d'Arrest waren aus l^alkkontein am 9. Juli in Sanibes eingetroffen. v'Arrest erhielt den lZekehl, nach Aiais zu rücken und traf dort am 12. ein. Er besetzte in den folgenden Eagen Gaibss, 374 Der Aufstand der Hottentotten. ßanibsam und Marinkadrikt, um dem Gegner ein Ausweichen nach Osten zu verwehren. Die y. Compagnie mit dem 6 cm Gebirgsgeschütz und der löalbbatterie Stuhlmann wurden auf Gskehl des Hauptquartiers nach l^sstmanshoop in Marsch gesetzt. pm 18. Juli übergab der mittlerweile erkrankte Major Gräser das Kommando an Major Eraeger. Wenngleich der Abteilung Gräser keine großen, greifbaren und dauernden Erfolge beschiedsn waren, so haben sich doch §ührer und Mannschaften bei der tagelangsn Überwindung käst ungangbaren Geländes unter fortwährenden Gefechten und bei knappster Verpflegung durch hervorragende Ausdauer und großen Mut ausgezeichnet und dem §sind beträchtliche Verluste zugefügt." Die dämpfe gegen den Dandenführer Andreas. 51uch an den südlichen Grenzen des lösrerolandes - im Distrikt Ot- jimbingwe dicht südlich des Swakopflusses - waren die Verhältnisse in den ersten Monaten des Wahres 1905 noch ungeklärte. Patrouillen, die von Ot- jimbingwe und Windhuk aus in das wenig bekannte und unwegsame l^omashochland vorgestoßen waren, hatten dort stärkere Ansammlungen von läerero angetroffen, die späterhin noch durch löottentotten verstärkt wurden. Da diese Sonden, die sich unter der §ührung des läsrsro Andreas zusammengeschlossen hatten, eine stets Gefahr für die Eisenbahn und für die in der Umgebung Windhuks versammelten Viehherden bildeten, wurden energische Maßnahmen zu ihrer Vernichtung notwendig. Die zu diesem Zweck ausgesandten Eruppsn stießen auf sehr starken Widerstand. pm 26. Mai traf eins halbe Etappenkompagnie 48 km westsüdwestlich von Windhuk bei Groß-Iösusis auf die Sands des Sndreas, die den ßuisebflutz abwärts zog. Das Gelände dieser Gegenden ist ein besonders wildes und schwieriges. Die tisksingeschnittenen Qusllklüsse des l^uissb und ein unübersichtliches und schroffes Sergland bieten den Eingeborenen zahllose Schlupfwinkel. Es konnte daher kaum überraschen, wenn die Ssrsro hier wieder einmal einen recht bedeutenden Widerstand leisteten. Erst nach fünfstündigem Gefecht gaben sie ihre Stellungen mit einem Verlust von 20 Mann auf. Die deutsche Die kämpfe gegen den korero sslndreas. 375 Gruppe, die I Offizier, 2 weiter und 3 eingeborene Soldaten verlor, mutzte zum Proviantersatz nach Windhuk marschieren, doch wurde die Verfolgung des §eindes sofort durch andere Truppenteile aufgenommen. Giner starken Patrouille unter Oberleutnant Grak von Königsmark folgte von Windhuk aus die dort krisch eingetrosfens 4. Ctappenkompagnie, während von Otjim- bingws aus über Lsarachsibis eine aus Gtappentruppsn und Freiwilligen zusammengesetzte, 90 Mann und t Bevolverkanone starke Abteilung unter Oberleutnant der Landwehr kühn nachstieß. Andreas war inzwischen aus den komasbergsn nach dem Laie des kuissb gezogen, um das englische Walfischbaigebiet zu erreichen. Der Weg dorthin wurde ihm durch Gtappsntruppen versperrt, von denen er am 12. Mai bei löudab geschlagen wurde. Als er sich nun nach Norden wandte, warf ihn löauptmann Blume am 27. Mai im Gefecht bei Goagas nach Süden zurück. Wahrscheinlich in dem Bestreben, sich mit löendrik Witboi zu vereinigen, wich Andreas jetzt nach löoornkrans (70 km westlich von Bshoboth) aus. AIs am 7. ^uni seine Leute bei Lhamasetz, 25 km südwestlich von Behoboth, Vieh raubten, gingen von den Gtappsntruppen sofort drei Offizier- patrouillen zur Verfolgung vor, nämlich Leutnant Stübel von Behoboth, löauptmann Wunsch von Dsumis, 45 km südöstlich von Behohoth, und Oberleutnant Krüger von kub, südöstlich Behoboth. Am 8. )uni stellte die Patrouille des Leutnants Stübel den Feind fest, und am y. )uni griffen die vereinigten drei Patrouillen, zusammen etwa 100 Gewehre, bei Atis, 45 km nordwestlich kub, den stark überlegenen Feind an. Nach dreistündigem Gekecht floh Andreas in größter Panik nach Westen zu. Gr verlor im ganzen 14 Mann, darunter seinen Sohn, 250 Stück Großvieh, 800 Stück Kleinvieh, sowie löausgerät aller Art. Von den deutschen Gruppen fiel Leutnant von Versen, Oberleutnant Krüger wurde leicht verwundet. L>is unter löauptmann Wunsch vereinigten Patrouillen verfolgten den Feind im Zusammenwirken mit Gtappentruppen, die über Dauchas im Vormärsche waren. Andreas flüchtete nun das Kam-Bivier entlang, und als ihn auch hier deutsche Gruppen von zwei Seiten hart bedrängten, entwich er mit nur wenigen Begleitern in das Gebirge von Zarris. Dieses Bergland, das zu den wildesten und unerforschtesten des Schutzgebiets gehört, liegt südlich des Dauklukt-Gebirges und erstreckt sich in einer Längenausdehnung von über 37b Osr ssluhtand der Hottentotten. 100 km bis zu den nördlich von IZethanien sich erhebenden löorns- und ^iras-Sochsbsnsn. vie Verfolgung nahm löauptmann Saumgärtsl auf, während zugleich die Srsatzkompagnis 1a und die 4. Stappsnkompagnie Maltahöhs, l^lein- penz, Nomtsas, löoornkrans, 51rsb, Nauchas und 6babes besetzten und die Gegend durch Streifzüge säuberten. Andreas' Spur ging in der §olgs zeitweise verloren, und erst im September tauchte er wieder westlich von Zarris auk, nachdem es ihm gelungen war, sich mit den dort stehenden löottsntottenbanden zu vereinigen. Segen diese operierten stärkere deutsche Kräfte*) unter den Majoren Meister, Maercker und von llth- mann. ftm 13. September wurde der Ssgnsr bei Nubib gestellt, nachdem Major Maercker durch zahlreiche persönliche Erkundungen in dem völlig unbekannten, wildgebirgigen Gelände den Schlupfwinkel desselben erforscht hatte. Nach sechsstündigem Nukstisg in den Schroffen des Sebirgss wurde der Nngriff begonnen, der nach fünfstündigem Sekecht, wobei es zum l^ampks Mann gegen Mann kam, mit der völligen Zsr- sprengung des §sindes endete. Von den 300 löottentotten und Serero unter Andreas, die hier den deutschen Gruppen gegenüberstanden, fielen 80, daruter 20 löersro. 30 Pferde und viel Srotz- und ß'einvieh wurden erbeutst. 6uf deutscher Seite fielen zwei weiter, verwundet wurden Major Maercker, Oberarzt Dorsch und 10 weiter. Infolge dieses Sskechts traten im Oktober 107 löerero des Sndreas auf englisches Walfischbai-Gebiet über, darunter 45 Männer; 28 Sewshre wurden von der englischen Polizei beschlagnahmt. 'i 7. ttomp. I. ttgts., 4. ttoinp. 2. Ngts., Srsatz.Nomp. 1a, 2. Srsatz-ttomp., 4. Stoppen-^omp., -i. Satterie, Saldbattsrie Nadroivski und V» Majchinsngevvelirabteilung I. Maler Maercker. 377 ver §ortgang der Operationen bis zum Ende des Wahres 1905. Hendrik >Vitbois Cnde. Die Spuren löendrik Witbois und seiner Verbündeten hatten sich im )uni in dem Sandmeer der ßalaharisteppe verloren. Wilde (Zsrüchte über seinen Verbleib und seine Absichten drangen von Zeit zu Zeit aus jenen östlichen Legenden nach Westen — (Zsrüchte, deren Zuverlässigkeit zu prüfen unmöglich war. IZald sollte der löäuptling mit zahlreichen, wohlbewaffnstsn und gut ausgerüsteten Kriegern auf englischem (Zebiet bei Lihutitu stehen, jederzeit bereit, wieder in das deutsche (Zebiet einzufallen - bald histz es, daß er bereits im Anmarsch auf die Linie ßoes-ßiris sei, um sich in den l^arasbergen mit Morenga zu vereinigen. Diese Nachricht nahm im ^juli so bestimmte §ormen an, daß alle am Auob entbehrlichen Eruppen unter Major von Estorff bei Oaberas und Persip versammelt, sowie löasuur und einige andere Wasserplätze stark besetzt wurden. Die Erkundungen dieser Eruppen ergaben indessen keinen Anhalt für die Nichtigkeit der Nachricht von dem Nnmarsche köendriks, dagegen wurde festgestellt, daß zahlreiche kleinere löottentottenabteilungen den Auob von Ost nach West überschritten hatten. Sei (Nukorob, am löudup, bei (Zibeon und Sstz-k^amelbaum, wo am 20. ^uli eine Wagenkolonne überfallen wurde, zeigten sich Witboi- hordsn. Im August wurden in Deutschland folgende Nachrichten veröffentlicht: Am 5. August: „Nach den letzten Nachrichten ist nunmehr bestimmt festgestellt, daß löendrik Witboi mit starken Kräften am Esacheib, einem zwischen dem löudup und dem l^sitsub nach dem Leberklutz führenden Aivier, sitzt. (Zsneral v. Erotha gedenkt ihn dort anzugreifen und ist im lZegrikk, seine Eruppen hierzu zu versammeln. Die Ausführung dieser Eruppenverschisbung wird mit Nücksicht auf die weiten Entfernungen erst in der zweiten löälkte des August beendigt sein. Auch die unbedingt erforderliche Auffüllung der Magazine wird erhebliche Zeit beanspruchen." Am 27. August: „Die Versammlung der Eruppen zum Angriff auk löendrik Witboi war am 19. August beendet. Es standen an diesem Lage: 378 Der ssiufstand der Isottentotten. I Die Abteilung Maercker (2 Compagnien, 4 Geschütze) in der Gegend von Maltahühe, 2. die Abteilung Meister mit 2 Compagnien, 4 Geschützen und 2 Maschinengewehren am unteren löudup, mit 1 Compagnie in Gibeon, 3. die Abteilung Cstorkk mit 3 Compagnien und 4 Geschützen am unteren Leberflutz, mit t Compagnie und 2 Geschützen bei Asab, 4. die Abteilung Lengerke (2 Compagnien, 4 Geschütze) am l^anibeb bei löornkrans, 5. die Abteilung l^oppv (1 Compagnie, 2 Geschütze) in Lhamis. Generalleutnant v. Drotha ist in IZsrseba eingetroffen und beabsichtigt, zunächst die Gegend zwischen dem löudup und dem l^utip und I^anibsb sowie das Zarris-Gebirge mit Aufklärungsabteilungen abzusuchen. Die bisherige Aufklärung hat ergeben, datz die Gegend des Dsacheib, wo löendrik Witboi zuletzt vermutet wurde, vom §sinde frei ist, dagegen weiter südlich sich zahlreiche köottsntotten befinden." Am 8. September: „Die zum Angriff gegen löendrik Witboi versammelten Gruppen haben am 25. August den Vormarsch angetreten. Die Abteilungen Gstorkk und Lengsrke erreichten nach Säuberung des Dananib- und löanam-plateaus die Linie l^leinkontsin - Lhamis. Der Marsch über die mit §elsgeröl> bedeckte, von tief eingsschnittsnen Schluchten durchzogene löochfläche war außerordentlich schwierig. Die Gruppen fanden tagelang kein Wasser. Sie mutzten daher teilweise die Pferde zum kränken nach dem Lsberklutz zurücktreiben. Vor der §ront wichsn mehrere kleinere löottentottsn-Danden nach Westen zurück. Line stärkere, auf etwa 150 Aeiter und 200 §utzgängsr geschätzte Sande mit zahlreichem Vieh überschritt die Linie Gorab — Duwisib in nordwestlicher Aichtung und wandte sich in lööhs von Dam nach Westen. Sie wird vom unteren Gorab aus durch die Abteilungen Maercker und Meister unter dem lZekehl des Majors Meister verfolgt. Die Abteilung I^opp^, verstärkt durch die 7. IZatterie der Abteilung Lsngerke, marschiert von Dumis über Damtob auf Sinclair-Mine zur Säuberung des Diras-Gebirgss und der Aruab-Gsrge." In der §olge kam es am 13. Dezember zu dem bei den Operationen gegen den föerero Andreas bereits geschilderten Gefecht bei Dubib. Ob löendrik Witboi an diesen dämpfen teilgenommen hat oder auch nur in der Nähe war, ist höchst unsicher. Wenige Dage nach dem Gefecht wurde eine IZewegung von löottentottenbanden nach Osten zu gemeldet. In- lbendrik VVitbois Lnvs. 379 zwischen nahm (Zensral von ^rotha, da der §sind nach allen Seiten aus- einandergsstoben schien, eins Neuverteilung der Gruppen im Orotz-Nama- lande vor, das er in I. den Sszirk Nordbsthanien und Serseba (Major Meister, 6 Compagnien, lZatterisn), 2. den lZezirk Ost-Namaland (Major von Cstortt, b Compagnien, 3^/z Batterien, 4 Maschinengewehre), 3. den IZezirk Süden (Oberstleutnant van Ssmmern, 8 Compagnien, 3 IZattsrien, b Maschinengewehre) und den Ltappsnbszirk Lüderitzbucht- klm öderen kiickilluh. I^eetmanshoop (4 Compagnien) teilte. Nm Nntang Oktobe erst tauchten löendrik Witboi und Simon k^opper wieder östlich von Nubes in der Nähe der Ostgrenze auf, und Major von Sstorkk sammelte seine 6 Compagnien und Satterisn zum Angriff gegen sie. Die köottentotten wichen jedoch aus und flohen in südöstlicher Dichtung auf ßiris-Ost. Nachdem jedoch inzwischen alle Wasserstellen zwischen dem eben genannten Ort und Mris- West am Nuob und §>schflutz von deutschen Gruppen besetzt worden waren, wandte sich löendrik nach dem vergeblichen Versuch, eine der Wasserstellen 380 Der Aufsland der LoNsniotten, zu nehmen, in anscheinend planloser §lucht wieder nach Westen, aus Wassermangel und um der von feiten der deutschen Gruppen ihm drohenden Umklammerung zu entgehen. Seine Landen teilten sich dann und standen am Lnde Oktober bei §ahlgras und Gründorn. Als am 29. Oktober die eine, aus etwa 30 berittenen und 100 unbsrittenen Kriegern bestehende Lande bei §ahlgras einen Proviantwagen wegnehmen wollte, wurde sie von einer an dieser Wasserstelle stehenden Lalbbattsris verjagt und floh unter Verlust von fünf Noten nach Westen, dem §ischf>utz zu. Auch die anders, bei (Zründorn gemeldete Lands zerstob bei dem Lerannahen der unter dem Kommando des Majors von Gstorkk stehenden deutschen Gruppen (2 /z Compagnien, 4 Geschütze und 4 Maschinengewehre) und wurde von Lauptmann Lrentano in nördlicher Lichtung verfolgt. Ein Neil so» sich später dem Lethanier Cornelius angeschlossen haben. Die Abteilung des Majors von Lengerke, deren Tätigkeit im Verein mit der v. Gstorkfs der Laupttsil der hier errungenen Grkolgs zuzumessen ist, sperrte inzwischen weiter alle Wasserstellen zwischen Liris-Ost und -West; Gruppen des Lezirks Nordbethanien die des §ischflusses. Las anscheinend so kleine und unbedeutende (Zekecht bei §ahlgras am 29. Oktober hatte aber einen Crkolg gebracht, der erst geraume Zeit später bekannt wurde und die erfreulichsten Veränderungen auf dem südlichen Kriegsschauplatz zeitigen sollte. Wie nämlich Generalleutnant v. Nrotha am 20. November kabelte, sollte nach einer Meldung des treuen Kapitäns Christian Goliath, aus Lerseba Lendrik Witboi bei §ahlgras durch einen schweren Schutz in den Oberschenkel verwundet worden und am 3. November gestorben sein, nachdem er am Hags vorher seinen Sohn Isaak Witboi zu seinem Nachfolger in der l^apitänschakt habe einsetzen lassen. Niese Nachricht fand bald darauf erneute Lsstätigung mit dem Zusatz, daß Lendrik bereits am Nage seiner Verwundung verschieden sei, und bereits am 27. November konnte Gouverneur von Lindeguist, der inzwischen die Geschäfte übernommen hatte, melden, datz sich der bekannte Nlntsrhäuptling Samuel Isaak mit 17 Grotzlsuten und deren Anhang, sowie der Kapitän von ßoes, der Veldschosndrager Lans Lendrik, in Lerseba ergeben hätten - insgesamt 74 Männer; 34 Gewehre wurden abgeliefert. Niese an sich hocherfreuliche Nachricht wurde zunächst in Deutschland doch insofern stark überschätzt, als man annahm, datz der gesamte Stamm Morenga und Morris. 381 der Witboi sich ergeben habe. Dem war jedoch nicht so, denn weitere starke Deils des Stammes waren unter Isaak Witboi nordwestwärts nach dem löudupklusse gezogen. Ihre Spuren konnte man in dem Überfall eines Proviantwagens am 13. November südlich von (Zibeon bei „Oeutschsrds" am §ischfluß erkennen, wobei 4 deutsche weiter kielen und 4 verwundet wurden, während es am 18. November dem Leutnant §ischer mit 25 Neitern und 2 Maschinengewehren gelang, 20 km südlich von (Zibeon bei Nauro- roams ein Lager des §sindss zu überfallen. 7 löottentotten fielen hierbei. Wenn somit der Dod des berühmten löäuptlings die Wakkenstreckung seiner gesamten Kriegsmacht nicht mit sich brachte, so wirkte doch das Verblassen seines Sterns niederschmetternd auf viele der noch im §elde stehenden l^sbellen. Die Unterwerfung der Witboischen in IZsrseba erfolgte unter der IZe- dingung der Lluslieksrung von Waffen, Munition und Pferden. Dagegen wurde ihnen - mit Ausnahme der Mörder - das Leben zugesichert und soviel Vieh belassen, wie zum Unterhalt von §rauen und Mindern notwendig erschien. Dach vorläufiger Internieruna in (Zibeon wurde kür später die Überführung nach einem anderen Dells des Schutzgebiets vorbereitet. Morenga und Morris. Morenga und Morris, die während der Operationen gegen Sendrik Witboi im Llugust nur durch schwächere Kräfte beobachtet werden konnten, waren im September bereits aus den (Zrotzen Karasbergen nach Süden marschiert, nachdem die deutschen Cruppen das höchst unwegsame und schwierige (Zebirge mehrfach durchzogen hatten und einige der bemerkenswertesten Örtlichkeiten besetzt worden waren. Cs mag ihnen dort zu heiß geworden sein, besonders nachdem Cornelius §redsr>ks nach den zahlreichen (Zekschten, die er als Verfolgter längs des §ischklusses zu bestehen gehabt hatte, stark geschwächt ebenfalls in den Karasbergen erschien und seinen §reunden noch die deutschen Cruppen unrer Major Dräger, die ihn längs des Oranje verfolgt und am 19. Llugust bei (Zaobis geschlagen hatten, auf den löals zog. Cornelius trennte sich denn auch sehr bald wieder von Morenga, verließ die karasbsrge in nordwestlicher Dichtung und umging Keetmanshoop, von wo aus er sofort verfolgt wurde, um im westlichen Namalande wiederum die Gegenden zu gewinnen, in denen er im Llpril 382 Der Ausstund üsr löoltonlolten. und Mai bereits gekochten hatte. Nach einem Gefecht am 24. Oktober bei Gorabis hatte Cornelius das Schwarzrand-Gebirge (dicht westlich Gibeon) erreicht, Sauptmann von Lettow verfolgte ihn mit 3 Compagnien. Morsnga und Morris waren inzwischen nicht untätig geblieben, sondern hatten sich im äußersten Süden sehr unheilvoll bemerkbar gemacht. Sie überfielen am 7. Oktober die Station Jerusalem, die durch den Verrat eines eingeborenen Polizisten in ihre Bände geriet, und zogen dann weiter südwärts dem Oranjs zu. Oberstleutnant van Semmern folgte ihnen mit 7 V 2 Compagnien, 3'/z Batterien und 4 Maschinengewehren in 2 Kolonnen. Nachdem Morsnga nochmals bei Schuitdrikt am Oranjs sich durch Gebern fall in den Besitz von 15 proviantwagen gesetzt hatte, wurde die links deutsche Kolonne (l^oppch, die über Velloordrikt längs des Grenzflusses vorging, am 24. Oktober bei Bartsbsestmund (20 km südöstlich Bomsdrikt) in ein schweres Gefecht mit ihm verwickelt, das uns an Noten, Verwundeten und Vermißten einen Verlust von 55 köpfen brachte! Der sehr starke Gegner, mindestens 400 Mann in wohlverschanzter Stellung, leistete bis zum Morgen des nächsten Nages Widerstand und zog dann nach Westen ab. Sein weiterer Verbleib blieb znnächst unbekannt, da eine Verfolgung der Erschöpfung der Nruppsn und des Munitions- und proviantmangsls wegen ausgeschlossen war. Über das Gefecht bei Bartebsestmund berichtet der Brief eines Offiziers:*) .Wir wurden dann gegen Morenga geschickt, der sich in die Oranje-Bsrgs zurückgezogen hatte. Die Schwierigkeiten, die sich uns entgegenstellten, waren die denkbar größten. Die Oranje-Bsrgs sind ein wildes, zerrissenes und zerklüftetes Gebirge ohne Weg und Steg. Nichts als kahles Gestein ohne die geringste Vegetation, eins trostlose Einöde. In zwei Abteilungen (l^oppy und Siebert) sollten wir gegen Morenga. der bei Bartsbsestmund gemeldet war, vorstoßen. Abteilung Siebert sollte von Norden vorgehen, wir, Nbt. Boppv, von Osten her am Oranjekluß entlang. Mit Mühe und Not hatten wir einige Buren, die behaupteten, landeskundig zu sein, aufgstrieben. Pferde und Esel wurden zurückgelassen, nur die nötigsten Packtiere kür den Proviant und die Necken wurden mit- ') 6us der »,Magd. Zeitung". Das Ssfecht bei DartebeestmunL. 383 genommen, ebenso die Lragetiere für 2 (Zebirgsgeschützs und 2 Maschinengewehre. Unser Proviant war fast ganz zu Ende. Wir waren nur noch kür drei Dags verpflegt und hatten einiges Schlachtvieh. Nach Angabe der Suren konnten wir in drei ^agen in löartebeestmund und aus den Sergen heraus wieder bei unserer Staffel sein. Das war aber eine arge Täuschung! In vier Uagen erst waren wir in Sartebeestmund, und die Umstände bedingten nachher eins Aückkehr mit den Verwundeten, so daß wir 11 Dage brauchten, bis wir wieder an der Verpflegungsquelle waren. Also es ging los, immer am Oranjs entlang. Wenigstens ein Urost! Wasser! Wenn dies fade, lehmige Segenwasser auch nicht gerade schön schmeckte, es war doch wenigstens Wasser und löschte den Durst. Ssrgauf, bergab, ohne Weg und Steg! Die Sonne stieg höher und brannte entsetzlich vom Simmel herab. Man kragte sich, ob's denn kür heut noch nicht genug sei; aber nein, die Suren hatten sich geirrt, wir mutzten weiter, denn wir mutzten den mit der Abteilung Siebsrt verabredeten Dsrmin innehalten. Segen 12 Uhr hielten wir. Eine sengende Slut strahlte vom löimmel herunter, kein Lüftchen wehte, §ützs und Ssinmuskeln schmerzten. Man warf sich unter den nächsten Strauch am Sivier, um erst wieder zu Atem zu kommen, und dann listz man den Inhalt eines ganzen Wassersackss den Schlund hinunterlaufen. Nachmittags um ^6 Uhr ging es dann weiter über §elsgeröll und Platten, auf denen die Uisre mit ihrer Last ausglltten. Mit dem Dunkelwerden wurde gerastet, um mit Mondaufgang um 3 Uhr weiterzurücken. Die Suren wurden jetzt zuversichtlicher in ihren Aussagen. In einigen Stunden sollten wir an unserem Ziels angelangt sein. Sei Tagesanbruch kamen wir an ein krisch verlassenes löottentotten- lager. Unsers Sokknung stieg, wir konnten zur rechten Zeit am Sestimmungs- ort sein. — Dann hietz es, noch über diesen Serg, und wir sind am Ziel. Wir sammelten das etwas auseinandsrgezogene Detachement und erkletterten den Serg. Von der Sähe aus sahen wir einen kleinen Dalkessel vor uns liegen, der aber leer war. Auf englischer Seite wohnten einige Raffern. Ein Sur von uns schwamm über den §lutz, um sie auszukragen. Er erfuhr von ihnen, datz dies garnicht das Sartebsestmund sei, das wir suchten. Das sei mindestens anderthalb Eagemärsche entkernt. Das war eine wenig erfreuliche Nachricht. Unser Proviant ging trotz aller Sparsamkeit zu Ende. Die Suren hatten sich also als so unzuverlässig erwiesen, 384 Der Aukstand der Hottentotten. datz es sehr in §rage stand, ob sie uns nachher in der angegebenen Zeit aus den Sergen herausführen würden, und dann würde sich doch die Dngenauigkeit der Zeitangaben noch empfindlicher bemerkbar machen, da wir dann ohne Wasser marschieren mutzten und eventuell Verwundete haben würden, die den Marsch verlangsamten. Mit Geld und guten Worten bekamen wir denn auch Nachrichten über die löottsntotten aus den Raffern heraus. Wir erfuhren, datz sie am Abend hier gelagert hätten und in der Nacht weitergezogen seien. Niese Nachricht gab wieder etwas Spannkraft, und so gings am nächsten Morgen um 4 Nhr mit aufgehendem Mond weiter. Über Mittag machten wir Salt, dann wurde wieder marschiert. Segen 3 Ohr kamen wir an ganz frisch angelegten und wieder verlassenen löottentottenschanzen vorbei. Neste eines frischgeschlachteten Ochsen lagen in der Nähe. Ss war also klar, wir hatten die Sottentotten vor uns, und sie wollten sich nicht stellen, sei es, Latz sie ihre Werkten erst in Sicherheit bringen wollten, oder sei es, datz sie sich zu schwach kühlten. Wie es sich erst später herausstellte, war das letztere der §all gewesen, denn sie waren in mehreren Krupps getrabt, und das war der letzte. Um 5 Uhr sahen wir einzelne köottsntotten auf einem vorliegenden IZerghange stehen, die unseren Anmarsch beobachteten. Ss kam Leben in die stumm dahinziehende Kolonne. Der eine oder anders wirkt noch einen kurzen lZIick auf sein Sewshr, betastet die Patronentaschen. „Alles in Ordnung, es kann losgehen", ist Parole. iZekshl an die Artillerie und die Maschinengewehrs wird zurückgeschickt. Die Uragstisrs werden zurückgehalten und in Deckung gestellt. Die vorderste Compagnie schwärmt aus. Die löottsntotten sind unterdessen verschwunden. Die Compagnie ist schon ganz nahe an der Sähe — noch immer kein Schutz. Doch das will nichts sagen. Der köottsntotts macht sich bis auf wenige Schritt Entfernung unsichtbar und lätzt den Gegner ganz dicht herankommen, um dann plötzlich mit verheerendem §suer über ihn herzufallen. Vorsichtig wird vorgefühlt. Cs ist nichts! Also wieder nichts! Os waren nur einzelne kTsrls, die letzte Nachhut der Sottentottsn. Ärgerlich und mißgestimmt gehts weiter. Wir müssen sie doch noch einholen! Cs wurde weitsrmarschisrl bis zum Dunkelwerden. Die Kräfte begannen immer mehr nachzulassen. Vier Dage waren wir nun schon Oas Gefecht bei Gartsbsestmunb. 385 so marschiert, immer in dem Glauben, das Ziel vor Llugsn zu haben, unter Anspannung aller Trakts vorwärts. pm 24. Oktober, ungefähr 4hz Ohr, wurde aufgebrochen. Osr Saum zwischen dem §luß und den Sergen wurde immer kleiner, stellenweise nur einige Meter breit. Links das lavier, mit dichtem, undurchdringlichem Susch bestanden, rechts hohe, steile, mit großem und kleinem §elsgeröll bedeckte Serge: und dazwischen kletterten wir in der Kolonne zu einem in einer kleinen, schmalen Sasse mühsam vorwärts. Oas Schuhzeug ließ sehr zu wünschen übrig, das meiste war schon entzwei, und ein großer Eeil der Leute hatte nur noch Lederketzen an den §üßen. Es war Hz 8 Ohr. vis Serge traten vom Oker mehr zurück und bildeten einen kleinen Ealkesssl, der von drei Seiten von großen Sergen, die mit vielen §elsblöcksn besät waren, und von einer Seite von dem mit dichtem Suschwerk bestandenen Oranje eingeschlossen war. Erotz der allgemeinen um sich greifenden Ermattung wurde scharf aufgepaßt. Ois Sähen wurden mit dem Slass genau abgesucht. Nichts war zu sehen! Nur ein brauner §sls am anderen, Stein an Stein. Osr Ealkessel war sehr eng, die nächsten Ssrgwände waren nur l OO bis 200 m entkernt. Zwischen §luß und Sergen zogen sich kleine, mit Suschwerk bestandene Oünen entlang. Ein Gefühl der Erleichterung griff Platz, daß man endlich von dem schmalen, auf beiden Seiten begrenzten Saumpfads herunter war und wieder etwas Ellbogenfrsiheit hatte; weiter vorwärts jedoch schien sich, soweit zu übersehen war, der Weg wieder zu verengen. Om aus dem Lal- kessel wieder herauszukommen, mußten wir einen vorliegenden §slsbsrg übersteigen. Ois Spitze, bestehend aus neun Mann und drei Suren unter Leutnant von Sojanowsky, fühlte vorsichtig vor. Immer wieder wurde gehalten und gesehen, da wir kurz vorher frische Spuren bekommen hatten, die in die Serge führten. Oa plötzlich ein Signalschuß, und dann ein mörderisches brachen von allen Seiten von mindestens 500 (Zewehren. sssdem war klar, wir sind umstellt und befinden uns in übler Lage. Oie Spitze war bis auf wenige Schritt an die löottentotten herangekommen, sie hatte nichts gesehen; selbst die Suren und die eingeborenen Soldaten mit ihren vorzüglichen Llugen hatten nichts wahrgenommen. Oer Sottentott ist eben ein Meister im Verstecken. Er versteht es, sich tast unsichtbar zu machen. Oa hockt solch kleiner l^erl, der in seiner Gesichtsfarbe nicht vom §els zu unterscheiden ist, Krieg > 904 - 190 ». 25 38b Der Suksland der Hottentotten. hinter einer Klippe, in einem Loch oder in einer Felshöhlung. Nichts ist von ihm zu sehen, und so wartet er mit seinen Nerven von Stahl geduldig, bis sein Führer, der einzige, der während der ganzen Zeit beobachtet, den Signalschuß löst. Der Platz jedes einzelnen Sottsntottsn ist mit mustergültiger Sorgfalt und Überlegung ausgewählt. Vo?" - „löier!" Lind wieder mußte er durchs heftigste §eusr weiter. Dann rief einer vom anderen §tab8orrt Dr. ülüian;. ') Stabsarzt Dr. Mtbons. Das Gefecht bei lZartsbssstmund. 389 §Iügsl: „Bsrr Oberarzt, ich habe noch ein Verbandpäckchen!" Also wieder zurück und dann wieder hin zum Verwundeten. Er schien unverwundbar zu sein. Ein braver, alter Schutztruppler sagte: „Donnerwetter, das könnt ich nicht!" Dann wurde der Arzt wieder wo anders hingeruken- Einige Leute rieten ihm zu: „Bleiben Sie hier, Berr Oberarzt, sonst holt Sie's!" Er lief aber an der Schützenlinie entlang und erhielt dabei zwei Schüsse in die Unterschenkel; nur, daß einige Leute ihn noch schnell zu sich heraufzogen, rettete ihn vom Dode. XVas ich hier in ärztlicher und soldatischer Beziehung gerade von den jüngeren Militärärzten gesehen und gehört habe, war, so weit ich es beurteilen kann, nur Gutes. Und gerade hier haben sie viel mehr Gelegenheit, sich in ihrem Berufs zu betätigen. Ich glaube, daß, wenn die Allgemeinheit der Arzte so tüchtig ist wie hier der kleine Stamm, die Armes sich im §alle eines lzrieges in guten Bänden bekindsn wird. Die Sonne stieg immer höher, und die Bitze wurde größer und größer. Mein Schädel tat mir entsetzlich weh. Ich fürchtete jeden Augenblick, einen Sonnenstich zu bekommen. Meine Bände legte ich abwechselnd auf den Bopf, um mich so einigermaßen zu schützen. Ich hatte versucht, mein Taschentuch mir überzudecken. Das mußte jedoch geleuchtet haben, denn im selben Augenblick pfiff es von beiden Seiten, so daß ich es vorzog, meinen ßopf noch etwas schmoren zu lassen. Mit dem Gesicht lag ich im Sands, der glutheiß war. Zu trinken hatte ich nichts. Mir wurde immer schwindliger im lzopf und schwarz vor den Augen, und ich vermochte mich mit der größten Energie nicht mehr aufrecht zu halten. So nickte ich denn gegen Mittag sankt ein. Eine Stunde wohl mochte ich so gelegen haben, als ich durch ein Schrapnell, das dicht über uns platzte, unsanft aufgeweckt wurde. Das §eusr der Bottentotten, das allmählich schwächer geworden war, wuchs wieder an. Man hörte deutlich laute Zurufe und Befehle der Kapitäns; auch hörte man den Schambok auf den Bücken der Leute klatschen. Dann wurden Büke wie „Bupmann Siebert" laut. Ein Bokknungsstrahl erhellte die Gemüter. XVir glaubten, Siebert träfe ein. Es wurde heftiger geschossen; die Artilleriegeschosss platzten mit lautem brachen dicht vor unserer Linie, das scharfe, unheimliche Geknatter der Maschinengewehre wirkte erleichternd. So ging es wohl eine Stunde; aber es kam kein Entsatz. Alls beseelte 300 Der Sukstand der löottsntotten. wohl der eins unausgesprochene Gedanke: „Wenn es doch bald dunkel würde, hier können wir uns nicht halten, wir müssen zurück!" Und ein Zurückgehen bei Dage wäre der Dod der ganzen Gruppe gewesen; ebenso ein Sturm auf die §elsberge. Gegen 4 Uhr verstummte auf das laufen der Kapitäns hin das §euer der Dottentotten, nichts war zu sehen, und so blieb es ungefähr eins halbe Stunde. Optimisten und schlechte Nenner der Dottentottenkriegkührung glaubten, der §eind sei abgezogen, und ermutigten zum Vorgehen. Dieraus wurde zum Glück nichts; denn alles war nur eins §inte. Die löottsntotten markierten den Llbzug und wollten uns aus der Stellung hervorlocksn, um uns dann niederzuknallen, Dald begann auch das §euer wieder. Links mutzte mich ein l^erl, den ich nicht sehen konnte, entdeckt haben. Ich war auf dieser Seite ganz ungedeckt. Zuerst wurde mein Hier beschossen und auch an der Schulter verwundet. Dann kam ich an die lösche. Ich bot nur ein geringes Diekenziel, da sie mich überhöhend und von der Seite beschossen. Das war mein Glück! Sie schössen sich richtig auf mich ein. Davor! — dahinter! Die Lage war keine rosige. Ich war aber so teil- nahmslos geworden, datz mir das ßugelpfeifen gleichgültig war. Ich schrieb einige Worts in mein Notizbuch, nachdem der 11. Schutz dicht neben meinem I^opk im Sands eingeschlagen war - ich habe die früget mitgenommen und mir aufbewahrt - und entschloß mich dann, das Pferd stehen zu lassen, um durch die üble Passage zur Schützenlinie vorzulaufen. (Deine Glieder waren natürlich so steif, datz ich mich kaum aufrecht zu erhalten vermochte. Ich stürzte daher auch dreimal, so lang wie ich war, hin. Cs war mein Glück, denn dadurch pfiffen die Döhnchsn alle über mich weg. Das letzte (Dal fiel ich dicht vor der Linie auf meinen ausgetrockneten Schädel, so datz man dachte, ich sei erledigt, und sich sehr wunderte, als ich mich wieder erhob. Ich warf mich zwischen die Leute und war gänzlich fertig. Gin (Dann gab mir noch ein Destchen Wasser, kür das ich 1000 (Dark gezahlt hätte, wenn's verlangt worden wäre. Dach einer Weile begannen die Dottentottsn ein kleines Streu- verkahren auf den §Ieck, wo ich mich hingelegt hatte, zu eröffnen. (Deine ganze Umgebung zog die Deine etwas mehr ein und steckte den l^opk etwas tieker; einer wurde noch verwundet. Mir war alles wurscht! Mein Schädel tat mir so maßlos weh und brummte in allen Donarten. Llb und Das Gefecht bei Lartebeestrmmv. 391 zu wurde mir schwarz vor den frugen. Ich wünschte im Stillen, sie möchten herankommen. Die Wut unserer Leute war grenzenlos. Es wäre wohl kein Lottentottenschädel ganz geblieben, wenn er erst mal mit den deutschen Oswshrkolben Lekanntschakt gemacht hätte. Der Lottentott neigt aber garnicht zu dieser l^amptesweise; er sitzt viel lieber gedeckt wie eine I^atzs hinter seiner Klippe und fällt dann über seine Leute her. Er vermeidet es ängstlich, sich der (Zekahr auszusetzen. Man sieht hieraus, unter wie fester, sicherer und energischer §ührung die ßerle stehen. Lei Einbruch der Dunkelheit wurde Lskehl geschickt, daß die Compagnien sich zum Livier auk die Maschinengewehrs und die Artillerie zurückziehen sollten. Die Stellung, die wir inne hatten, war keinesfalls zu halten; wir wären am nächsten Dage einfach zusammengeschossen worden. Wir mutzten also zurück und schon unserer Verwundeten wegen eine Auk- nahmestellung nehmen. Das Zurückgehen mutzte sehr schnell ausgeführt werden, da die Lottentotten schon am Livier vorgingen, um uns in den Lücken zu fallen. Einer nach dem anderen von uns mutzte sich sprungweise zurückziehen. Die Lottentotten schössen auch noch im Lalbdunksl. An der Sammelstells des Liviers trat ich den einzigen übriggebliebenen Mann des Legimsntsstabes, der mir mitteilte, datz die anderen alle gefallen und datz unsere vier Dragesel und ein Pferd des Oberstleutnants abgeschossen oder in Länden der Lottentotten seien. Ein anderer Mann sagte jedoch, er hätte meinen Lurschen, der acht Schuh habe, noch lebend angetroffen. Ich ging zurück und fand ihn mit Lilke des Mannes. Der brave )ungs war der ehemalige Lursche Laacks (als Oberleutnant und Latteriekührer gefallen am 22. November 1904 bei Lub) und seit dessen Dod der meinigs. Er war ein durchaus zuverlässiger und tapferer Mann und war mir in dem gemeinsam in Anstrengungen und Entbehrungen durchlebten ^ahre sehr ans Lerz gewachsen. Das Verhältnis zwischen Offizier und Lurschen ist hier naturgemäß ein ganz anderes wie zu Lause. Es wird mit der Zeit ein fast kameradschaftliches. Dadurch, datz man auf Patrouillen und ähnlichem oft gezwungen ist, mit ihm aus einem Dopf und mit einem Löffel zu essen, ja unter einer Decke zu schlafen, fällt die zu Laus bestehende Schranke mehr und mehr. Der arme Mensch war gräßlich zugerichtet. Er hatte einen Schulter-, einen seitlichen Lrust-, zwei Oberschenkel- und einen §utzschutz, also wenn auch nicht 8, so doch 5 Schüsse. Er lebte noch und bat um Wasser. Ich hatte 3Y2 Der sslufstand der Hottentotten. nichts und lief daher zurück, um etwas zu holen. Der Mann legte sich in Deckung neben ihn. Das Nasser des §lusses war noch eine halbe Stunde entkernt. LUs ich es erblickte, stürzte ich mich, lang auk dem IZauch liegend, wie ein durstiges Hier hinein. Ich habe noch nie in meinem Leben eins §lüssigksit in solchen Mengen und mit solcher Wollust in mich aufgenommen, wie dieses dreckige, lehmige Oranjswasssr. Nachdem ich mich genügend vollgssogen hatte, ging ich mit gefülltem Wassersack zu Schroeder zurück und fand ihn auch durch Duken. Wir richteten ihn auf und gaben ihm zu trinken. Dann wollten wir versuchen, ihn fortzutragen. Lr schrie aber entsetzlich und bat, ihn liegen zu lassen. Wir gingen darauf zurück, um eine Zeltbahn oder einen Woilach zu holen. Lr hatte mir vorher noch gesagt, daß er sterben müsse und mir Srütze an seine Litern aufgetragen. Ltls wir zurückkamen, erhielten wir auf unsers Duke hin keine Llntwort, statt dessen aber auf 20 Schritt §eusr und zwar von der Stelle her, wo unsere toten Lssl lagen. Wir ließen uns einige Minuten lang in ein kurzes Zeuergekscht ein. Die l^srls schienen aber zu 15 oder 20 schon an unseren Liersn zu sein und schnallten an ihnen herum. Schroeder war wohl schon gestorben, und so mutzten wir, da unsers löoffnung, wenigstens einige Decken oder etwas Proviant zu retten, auch geschwunden war, uns schleunigst zurückziehen. Wir hatten uns in der Dunkelheit verloren, und so ging ich auf ein großes §suer in den Duschen des Diviers los, wo ich die Compagnien vermutete. LUs ich mich auk ungefähr 50 Schritte genähert hatte, so daß ich grell beleuchtet war, rief mir jemand zu: „Schnell hierher, Zerr Leutnant!" Ich lief auch instinktiv in der angegebenen Dichtung und im selben Moment krachte es auch schon ganz dicht hinter mir, so daß ich mich auf den Soden warf und auf allen Vieren in einen Sraben kroch, in dem ich dann zurückging. Wie sich dann herausstellte, war das §euer von den löottentotten angezündet, wahrscheinlich, um als Sammelzeicheu zu gelten. Darauf war ein Zug unter einem Sergeanten, der mich kannte, auk 80 m an das §euer herangeschoben worden. Lr hatte mich zu rechter Zeit entdeckt und angerufen. Lin Mann der 2. Compagnie, der eine halbe Stunde nach mir ebenfalls auf das §suer zusteuerte, wurde von den Sottsntotten umzingelt. Ls war ein sehr tüchtiger Soldat, der schon bei der Patrouille v. d. Marwitz Das Gefecht bei kartebsestmund. 343 vor Sistmont als einer der wenigen infolge seiner Geistesgegenwart mit dem Leben davonkam. Gr schlug sich mit dem Gewehr durch die Sotten- tottsn durch, die dann hinter ihm Herschossen und ihm drei kugeln durch den Sock jagten. Sie hetzten ihn durch den IZusch bis zum Oranjs. Zum Glück konnte er schwimmen. So schwamm er in „füll dreß", Patronengurt, Trompete und Gewehr durch den reißenden §Iuß und übernachtete auf einer der Inseln, die alle mit über mannshohem, fast undurchdringlichem Schilf und Säumen bewachsen sind. Llm nächsten Morgen sah er auf deutschem Gebiet (die Inseln sind, wie der Oranjs selbst, englisch) eins aus- gsschwärmte Schützenlinie vorgehen. Gr durchschwamm wiederum den Oranje, ging im Glauben, es seien unsers Leute, rufend auf diese zu und war nicht wenig erstaunt, als man ihn sehr unfreundlich mit einigen Schüssen empfing, zum Glück auf größere Gntksrnung, sonst hätte er wohl noch daran glauben müssen. Gr mußte also wieder zurück in die kühle §lut und kam dann nach einigen Irrfahrten glücklich wieder zur Lruppe. Nachdem am Llbsnd sich unser Oetachemsnt in den Süschsn des Siviers gesammelt hatte und Sicherungen ausgestellt worden waren, hieß es unsere Verwundeten zu versorgen und sie transportfähig zu machen. Die Loten hatten wir liegen lassen müssen. Das ist hart, aber unvermeidlich. Nun wurden Lragbaren hergestellt aus Saumstämmen und Zeltbahnen bszw. XVoilachs. Nie am schwersten Verwundeten wurden notdürftig verbunden, und dann hieß es: Zurück! Ich habe da zum ersten Male empfunden, was es heißt, zurückzugehen. Gs bäumt sich alles dagegen auf! Oer §sind hatte aber seine Stellung behauptet, wir mußten unsers räumen und durften froh sein, wenn er sich uns nicht erst noch einmal vorlegte. Sie Llbsicht hatte er gehabt, denn beim Llusgang der Schlucht hatte er Schanzen gegen uns errichtet. Oer Zug setzte sich in Sswsgung. §ast die ganze Infanterie des Ostachements wurde dazu gebraucht, die Verwundeten zu tragen. Schritt für Schritt ging es vorwärts, durch Susch und XVasssr, über §slsplatten und Stsingerö». Gs waren unter den Verwundeten sehr viel Schwerverletzte mit Sauch- und Srust-, Llrm- und Seinknochsn-, auch Kopfschüssen. Oer kleinste Stoß, der geringste §ehltritt der Lrägsr in der stockdunklen Sacht schmerzte die Srmstsn entsetzlich. Und es gehörten die stärksten Nerven dazu, um das Schreien und Stöhnen, das Sitten und Setteln der Ltrmsn anhören zu können. 394 Der Aukslcmv der SollentoNen. Gegen 4 Uhr morgens waren die letzten am Lagerplatz angekommen Dieser befand sich auf einem kleinen Saumpfade zwischen dem lavier und den Sergen. Die Sottsntottsnschanzen am Ausgangs des Lalkessels und ebenso die Serge wurden besetzt. Mit Morgengrauen begannen die Arzte ihre Tätigkeit. Ls waren nur noch zwei beim Detachement. Liner war gefallen, einer schwer verwundet. Das nötigste Verbandmaterial war gerade noch vorhanden. Ssstecks und Medikamente waren mit den Lragetieren abhanden gekommen. Die Arzte leisteten mit dem geringen Material das Menschenmöglichste. Dann forderte der Magen sein Aecht. Verpflegung! Aber woher! Die meisten hatten seit dem Vorabend des Gefechtes nichts gegessen. Die wenigen Ochsen, die wir noch besessen hatten, waren ebenfalls in die Sands der Sottentotten gefallen. Der kleine Best Proviant, den vielleicht noch einige ihr eigen genannt, gleichfalls. Dur etwas Deis war noch vorhanden, der gerade zu einer Mahlzeit für die Verwundeten reichte. Ls blieb uns also nichts anderes übrig, als einige Esel der Artillerie zu schlachten. Sein sehr leckerer Sraten, aber immerhin etwas zu essen. Salz hatten auch nur einige wenige. Man bereitste sich dann sogenanntes Sottentotten-Sssf. Das §leisch wird, so wie es ist, in die glühende Asche geworfen und durchgebraten. Man gab dem Gericht die schwungvollsten Damen, um den Genuh dadurch vielleicht etwas zu erhöhen. So zum Seispiel „Beefsteak a la Meyer", wenn der Soch so hieß, oder „mit Sinder- nissen", wenn es nicht ganz gelingen wollte. Oder „auf Solsteiner Art", wenn der Vsrkertiger aus dieser schönen Gegend stammte. Lin ganz geistreicher Witzbold ließ sich A - frica - della machen. Mit Sitte von Zähnen, Taschenmesser, Seitengewehr und Srakt konnte man es zerkleinern und essen. Ltwas Oranje-Limonade war das Getränk. Dachmittags i/zb ging es weiter. Wir mutzten zurück an eins Drift, wo wir unsere Verwundeten über den Oranje setzen konnten, um sie nach pella, einer englischen katholischen Missionsstation, bringen lassen zu können. An der Drift Lambreec satz auf englischer Seite ein Sur, der kür Geld und gute Worte einen Brief an den Bischof von pella brachte. Dieser schrieb einen sehr freundlichen Brief wieder und teilte gleichzeitig mit, datz Ochsen- wagen und Lebensmittel nach Lambreec in Marsch gesetzt und in pella alles kür die Verwundeten vorbereitet sei. Lebensrnittel kür uns über den Das Sekecht bei löartebeestmund. 345 §Iuß zu schaffen, sei ihm leider unmöglich, da die englische Polizei es verhindert habe. Den 2b. wurde den ganzen Dag mit pausen marschiert. Ss war dies für die Träger eine ganz enorme Anstrengung. Sie brachen käst an den Sahren zusammen. IZeim Dunkelwerden wurde gehalten. Dann kam die Dacht! Man fror scheußlich, denn es war nachts sehr kalt in den Sergen, und die meisten Woilachs hatten die löottentotten. Die übriggebliebenen waren käst alle für die Verwundeten verwandt worden. Ich konnte mit Mühe kür meinen Oberstleutnant eine Decke und Mantel auftreiben; ich selbst deckte mich, wie die meisten anderen, mit dem Mantel der Liebs zu, der in der kalten Dacht nicht sehr wärmte. Meinen schönen Artillsrismantel mit der Sranate auf den Achselstücken wird wohl jetzt Morenga tragen. Am nächsten Dage ging's um 3 Uhr früh weiter. Um b Uhr waren wir in Lambreec. Dun begann sofort das Übersetzen der Verwundeten. )eds einzelne Sahre wurde von Mann zu Mann transportiert. So wurden sie dann von Insel zu Insel weitergegeben. Dachmittags 4 Uhr war der letzte auf englischem Sebiet. Im Ostachemsnt war Seid gesammelt worden, um von den Suren Sockis (Ziegen) zu kaufen. Wir bekamen auch nach vielem Sin und löer 25 Stück von ihnen, was wenigstens für einen Dag reichte. Als das letzte Socki drüben war, erschien eins englische Polizsipatrouills, um das zu verhindern. Am Dage des Sekechts befand sich auf englischer Seite übrigens ebenfalls eine solche, um aufzupassen, daß von den Deutschen nicht ihr neutrales Ssbiet betreten würde. Sie haben auch unsere sämtlichen nach pella entsandten Soten (Suren, Unteroffiziers und Soldaten) festgenommen und uns dann über Port Dolloth zurückgeschickt. Andererseits hat man hier noch nichts davon gehört, daß löottentotten, die nach pella kamen und Pferde verkauften, festgenommen worden seien. in Lambreec erhielten wir durch Suren die Dachricht, daß die Sotten- totten sich uns bei Pella-Drift schon wieder vorgelegt hatten. Wir hatten keine Verpflegung, wenig Munition und waren stark dezimiert, außerdem größeren Anstrengungen nicht mehr gewachsen. Die Diere der Artillerie und Maschinengewehre waren auch am Snde, so daß wir käst dazu gekommen waren, ein beschütz in den Oranje zu werken. Etwa 40 — 50 Sewehre der 39b Der Ausstand der Hottentotten. Verwundeten und Eoten hatten wir schon zerschlagen und dem §lutz überantwortet. Wir mutzten also einem nochmaligen Zusammentreffen mit den Sottentotten aus dem Wege gehen. Das Olück war uns hold! Sald nach dieser Nachricht stietz eine Surenpatrouills zu uns, die von der Abteilung Siebert auf unseren Kanonendonner hin abgesandt war und versuchen sollte, quer durch die Serge auf den Oranjs und dann auf unsere Spuren zu stoßen. So hatten wir wenig stens §ührsr, die uns aus den Sergen nach Norden herausbringen konnten. Nun kam allerdings zu der Proviant- auch noch die Wasserkrags, und das ist die schlimmere. Nenn wir wußten nicht, wann wir Wasser erreichen konnten, ^eder versah sich so reichlich wie möglich damit, und dann gings abends 9 Uhr los. Nie ganze Nacht bis zum nächsten Morgen um 3 Uhr wurde, mit Ausnahme von kleinen pausen, ununterbrochen marschiert und zwar immer in einer höchstens 50 bis 80 Meter breiten, tisk eingsschnittenen Schlucht. Dann waren wir aus den gröbsten Sergen heraus. Um Uhr ging es schon wieder weiter bis 8 Uhr. Sierauf wurde bis 2 Uhr gerastet; dann Marsch mit pause bis V 28 Uhr abends, Aast bis 2 Uhr nachts. Es war schauderhaft kalt, und es durften keine §eusr gemacht werden, so daß man herumlaufen mutzte, um sich zu wärmen. Um 7 Uhr morgens waren wir dann in Umsis, der nächsten Wasserstelle, wohin auch unsers Staffel dirigiert war. Mit deren Eintreffen hatte aller Schmerz ein Ende. Man schlief auch wieder herrlich - unter Decken. Die Verluste unseres kleinen Oetachements betrugen 21 Eote, 34 Ver- ttauptmann il'ürrslt. E.MM Der Sethcinier Lornslius. 397 wundste, darunter 3 Offiziers tot, 2 verwundet. Nächst Oroh-Nabas war Hartebeestmund das verlustreichste Oskscht bisher und im Einblick darauf, daßNabas 52 Stunden, Hartebeestmund nur 12 stunden dauerte, das verlustreichste." Dieser IZsricht und die schweren Verluste der deutschen Druppsn zeigen mit ergreifender Deutlichkeit, mit welch ungeheueren Schwierigkeiten die Märsche und (Zekechte im IZsrsich der Oranjsklüfts verknüpft waren. Unter den Oekallenen befanden sich Hauptmann d'Nrrest, der sich so okt auf dem südlichen Kriegsschauplatz ausgezeichnet hatte, Stabsarzt ftlthans und Leutnant von IZojanowsky. Oberstleutnant van Ssmmern marschierte zur Ergänzung seiner Vorräte über Eendorn nach Warmbad. Die rechts Kolonne (Major Drägsr) war inzwischen mit 300 Sswshrsn, 5 Leschützsn und 4 Maschinengewehren bei Sandkontein (zwischen Warmbad und Namansdrikt) eingetroffen. — vsr Dethanier Cornelius stand in den letzten Dagen des Oktober dicht westlich Sibson im Schwarz- rand-Ssbirgs, verfolgt vom Hauptmann v. Lettow mit drei Compagnien. 51m Lhamhawibrivier wurde er zu kurzem Hampf gestellt, entrann jedoch der anrückenden deutschen Hauptmacht, durchzog abermals das öde Oebirge und erschien wie im §tuge bereits am 2. November am Ubibrivisr nördlich (Zsllap, wo beim Überfall einer Wagenkolonne vier deutsche weiter fielen. Die drei Compagnien des Hauptmanns v. Lettow folgten ihm mit zwei weiteren Ltbteilungsn über IZerseba und Dses in die Legend von Heet- manshoop. Der Häuptling wutzte jedoch einem Hampf erneut auszuweichen, wandte sich wiederum nach Nordwesten und wurde endlich, nachdem er über die Zwiebelhochsbene fliehend wieder nach Süden, nach dem Wege Lüderitzbucht - Heetmanshoop zu, ausgebogen war, am 21. November bei Oarunarub (westlich Heetmanshoop) von der Hompagnis tZrüner gestellt. In dem sich entspinnenden (Zskecht wurden ein Offizier und zwei Neitsr verwundet, während es Cornelius gelang, nach Norden zu entkommen. IZersits acht Dags später überfiel er die §arm Haries (60 km südwestlich bethanien). Nach weiteren Meldungen teilte sich dann seine Sande, um 3Y8 Der Ausstand der löottenrattsn. sich in kleineren Pulks dem ^irasgsbirgs zuzuwenden und mit anderen die Legend am fischklutz westlich von ßsstmanshoop unsicher zu machen. Die deutschen Verfolgungstruppen blieben den Sethaniern auf den fersen. Weit weniger glücklich als diese fochten die löäuptlings Simon I^opper von Lochas und Manasse Soressb von köoachanas, die sich von lösndrik >Vitboi getrennt hatten und am Ende Oktober östlich des Huobkiusses nach Norden zogen. Sie vereinten unter ihrer Rührung die franzmann-löottsn- totten und die „rote Nation". Legen diese Schnapphähns, die wohl weniger kriegerisch als ihre Slutsbrüder im XVesten und Süden, aber seit (Nsnschsngsdsnksn Meister des feigen Meuchelmordes und des löinterhalts waren, setzten sich von Süden, von Stamprietfontsin her, Sauptmann Moraht mit 2 Compagnien, von Norden die in Nminuis stehenden Gruppen unter Major von derSe^de in Sewegung. Zwischen Nunub und Nwadaob kam es in der Zeit vom 27. bis 24. Oktober zu kleinen Lekschten mit der Sands Simon I^oppers, wobei 30 Sotten- totten getötet wurden, und am 2. November gelang es dem Oberleutnant pabst mit der ersten Crsatzkompagnie, nördlich Koms am Nuob eins XVerkt zu überrumpeln. Nach einem Verlust von 4 Tioten und 4 Gefangenen strebte die Sande koppers der englischen Lrenze zu. jenen Legenden, in denen die Spuren der fliehenden in den Sinnenlanddünen des Sossob und der kalahari nicht mehr zu verfolgen sind, und in denen die XVasserarmut und Oeds die Verfolger schon okt gezwungen hatte, umzukehren. XVährsnd Simon l^opper sich so der rächenden löand der deutschen ltauptmcuui liliekotii. Die Vsrpflegungsschwisrigksitsn im Drotz-Namalands. 3YY Gruppen entzog, ereilte den Häuptling Manasse Doressb am t. Dezember bei Oubuonis sein Schicksal. Hier — östlich der alten Betschuanen - Missionsstation Dminuis - gritk die 4. Batterie seine lZands an und zersprengte sie mit einem Verlust von 23 Kriegern. Duch der Häuptling selbst kiel; (Ze- vvshre, Pferds, Beitochssn und Orotzvish wurden erbeutet. In weiteren kämpfen östlich von sslminuis im Llnkang Dezember fiel unsererseits der tapfere, bereits im )ahrs ld04 im Distrikt Outjo zweimal verwundete Hauptmann kliekoth mit zwei Leitern. Dach diesen Befechten stellten sich freiwillig 250 Hottentotten. Unter Hinzurechnung dieser betrug die Oesamtzahl der freiwillig in Bskangenschakt befindlichen Hottentotten rund 1500, darunter etwa 320 Männer. Vie Verpflegungsschwierigkeilen im (Zrotz-Namalande und die Lisenbahn Lüderitzbucht — I^udud. Seit geraumer Zeit bereits bestanden schwerwiegende Verptlsgungs- schwierigkeitsn für die im (Zrotz-Damalande operierenden Lruppsn. §ür das Dord-Damaland hatten die ungenügenden Leistungen der Landungsanlagen in Swakopmund und der Eisenbahn Swakopmund — Windhuk, für den Süden die Länge und Unsicherheit der vom Dorden nach dem Süden führenden Etappenstratzen, die Schwierigkeiten des Weges Lüderitzbucht — kubub, und endlich ein nach und nach immer schärfer hervortretender Mangel an Wagen und an Zugvieh zu gleichen Ueilen Dnteil an der stets wachsenden Kalamität. Bschnet man dann noch den in vielen Distrikten infolge geringer Niederschlüge eingetretenen §uttermangel hinzu, so wird man sich die Mühe und Sorge vergegenwärtigen können, die diese sich dauernd verschlechternden Verhältnisse dem Oberkommando in Südwest- akrika verursachten. Datz es im (Zrotz-Damalands nicht bereits zu Beginn des Wahres 1Y05 zu einer vollständigen Katastrophe kam, verdankte man lediglich der 400 Der 6ufftand der löoksntottsn. eisernen Energie der Militärbehörden, vor ollem neben dem Oberkommando in Südwestafrika den Etappsnkommandantursn und der Tätigkeit der Eisenbahntruppsn out dem Wege Lüderitzbucht - l^ubub. Es gibt kein Mittel zur Verbesserung der Verkshrsverhältnisse, das hier nicht versucht worden wäre, und was — neben den althergebrachten Ochsenwagen - die militärisch organisierten und in Deutschland aufgestellten Proviant- und §uhr- parkkolonnen geleistet haben, das ist über jedes Lob erhaben. lieben der lZereitstellung, Verteilung und Ergänzung dieser Eransport- formationen mutzte in erster Linie auf die Verbesserung der Strotzen lZedacht genommen werden. Dammbautsn und Sprengungen an gefährdeten und schwierigen Wegsstrecken (besonders in den unwegsamen Gebirgslandschaften) gingen löand in Sand mit der Erkundung und Erschließung neuer Wasserstellen. Auch hierin waren die Arbeiten in der Linie Lüdsritzbucht - Subub besonders schwierige. Eine fieberhafte Tätigkeit entwickelte sich auf diesem sogenannten „IZaiwege." Erkundungs- abteilungsn, lZohrkolonnsn und Arbsitsrtrupps waren unausgesetzt am Werk; zum erstenmal wurde das Gelände nördlich und südlich der alten Strotze in weitem Umkreis durchforscht, am eingehendsten anläßlich der §eststellung einer Erasse kür die so dringend ersehnte Eisenbahn, britisch gestalteten sich die Verhältnisse dann, als im November 1905 die Rinderpest auf dem Gaiwege ausbrach und jeder Verkehr mit Ochssnwagen eingestellt werden mutzte. Man hatte zwar einige Zeit vorher bereits Lastkamele eingeführt, aber deren Zahl genügte den nunmehr ins ungsmessene gesteigerten Anforderungen in keiner Weiss, auch waren zahlreiche Eiere infolge der unausgesetzten Inanspruchnahme durch Sattsldruck erkrankt, so daß man sie - eins ultima ratio! - vor darren spannen und als Zugtiere arbeiten lassen mutzte. Generalleutnant von Erotha hatte diese Schwierigkeiten seit langem vorausgesehen. „Sobald der General", berichtet Oberstleutnant Quads*), „nach seiner in Eilmärschen aus dem Sandfelds nach Windhuk erfolgten Aückkehr — Ende Oktober 1904 — einen Überblick über die lZedeutung und die Ausdehnung des neu ausgebrochenen Aufstandes im Süden gewonnen hatte, *) Oamals Ltzef des (Zeneralstabes der Schutztruppe, jetzt Lhet des Stabes des Oberkommandos der Schutztruppen. - Veröffentlicht im ,,^ag", 1906, Nr. 424. Quer durch das Nargland. Nach einer Originalzeichnung van L. löanetzog. -öv r"> >7.,^ - 7 ». ' ^ I » ! i « i Die Eisenbahn Lüderitzbucht-Hubub. 401 telegraphierte er bereits am 30. Oktober 1904 - nach Berlin, datz er wegen der besonderen Schwierigkeiten kür die Zufuhr von Lüdsritzbucht über Hubub nach Hsstmanshoop den sofortigen IZahnbau von Lüdsritzbucht bis Hubub kür unbedingt erforderlich halte und die Erkundung der Lrasss durch Offiziere des Eisenbahnbataillons angeordnet Habs. Das war alles war (Zensral v. Erotha zunächst tun konnte. Material - -- - AM Itmderpelt! ein Nilü vom „Daivvege". 6us: 6ptm. Logen Krieg in Tüduoitoknko. kür den Bau selbst stand ihm nicht zur Verfügung! in dieser Beziehung war er auf dessen Heranführung aus der Bsimat angewiesen. Schon nach dieser Bichtung ist ein Hinweis auf die Verhältnisse in einem europäischen Hrisgs nicht zutreffend; in einem solchen Hriegs steht eben der obersten Heeresleitung ein schon im §rieden beschaffter Vorrat an §eldbahnmatsrial und zahlreiches Material im Lands selbst zur Verfügung. (Zensral von Lrotha hatte zunächst zur Überwindung der ersten Schwierigkeiten die Beschaffung von Hamelen auf eigens Verantwortung Nrieg IS04 -IMS 26 402 Oer Aufstand der löottentotren. angeordnet. Bezüglich des Bahnbaues erfolgte bis Ende Dezember 1004 noch keine Entscheidung. Ende Dezember 1004 wies General von Erotha erneut in zwei unmittelbar aufeinander folgenden Eslegrammsn auk die ungsmsin großen Schwierigkeiten der Verpflegung im Lüden l)in und betonte die Notwendigkeit einer baldigen Entscheidung wegen des Bahnbaues Lüdsritzbucht — kubub. Mitte Januar 1005 konnte General von Erotha das Ergebnis der Bahnerkundung melden und ordnete den Beginn der Trassierung der neuen Bahnstrecke an. Mitte §sbruar 1005 ging vom General von Erotha der schriftliche Bericht über den Bahnbau in Berlin ein, der am 23. §ebruar 1005 in der ßolonialabteilung Gegenstand einer Konferenz war, der auch ein Vertreter des Eheks des Gsneralstabes der Armee beiwohnte. Obwohl hierbei militärischerssits die Auffassung vertreten wurde, daß schon jetzt ein l^riegs- erkordsrnis kür den Bau dem Asichstage gegenüber vertretbar sei, kam man doch zu dem Entschluß, dem General von Erotha den verlangten Bahnbau nicht zu gestatten, bevor die Genehmigung des Reichstages kür den Bahnbau nachgesucht sei. Man glaubte zunächst einen Ingenieur der §irma Lenz zur Erkundung der Geländeverhältnisse an Ort und Stelle entsenden zu müssen. Bis zur Vorlage eines eingehenden Kostenanschlages sollte die Einbringung der Vorlage ausgesetzt werden. Seitens der l^olonialabtsilung wurde die Entscheidung über die Einbringung der Vorlage weiter von der §rage abhängig gemacht, ob die Bahn kür die militärischen Operationen auch dann unumgänglich notwendig sei, wenn ihre Fertigstellung erst in Jahresfrist erfolge. Diese §rage war schwer zu beantworten, General von Erotha faßte sein Urteil dahin zusammen, daß trotz der bevorstehenden Niederwerfung des Aukstandes im Süden anzunehmen sei, daß der Bandenkrisg fortdauern und die Anwesenheit stärkerer Eruppen weit über Jahresfrist benötigen werde. Die Verpflegung der Eruppen sei von dem Entgegenkommen der I^apregierung abhängig. Der Bahnbau Lüderitzbucht k^ubub werde die Eruppe daher wenigstens von der ßapkolome unabhängiger machen und eine gesicherte Verbindung mit einem zuverlässigen löaken gewähren. Im Mai 1005 zwang die starke Versandung des Bakens Swakopmund Die Eisenbahn Lüderitzbucht-Kubub. 40Z Dazu, die Eisenbahnfrage erneut in den Vordergrund treten zu lassen, um damit kür den Süden eine unabhängige und sichere Vsrpklsgungsbasis zu schatten. Auf einer zu diesem Zwecks Mitte Mai ItzOS abgehaltenen Konferenz kam man aber zu dem Ergebnis, datz in Anbetracht der demnächst zu erwartenden Vertagung des Reichstages das als Unterlage für den (Zesetzsntwurk dienende Material sich in der kurzen noch zur Verfügung stehenden Zeit nicht werde beschatten lassen und deswegen von dem Ein- üan6ung von Kamelen in üüilentzbuctit. bringen der Sahnvorlags in der gegenwärtigen Session abgesehen werden müsse. General von Erotha konnte also auk den Sahnbau Lüdsritzbucht — l^ubub zunächst nicht rechnen. Der Verpflegungsnachschub mutzte wie bisher durch Ochsen und Kamele aut dem lZaiwsg erfolgen. Ende ssuli ly05 meldete (Zeneral von Erotha, datz die Leistungsfähigkeit der Transportmittel auf dem lZaiweg das lööchstmatz erreicht Habs. Er halte es kür unbedingt notwendig, datz der lZahnbau sofort in Angriff genommen werde. Das Anlagekapital kür diese Sahn bedeute zugleich 26 Der Aufstand Sei' lIottentottsn. qoi eine Ausgabe von bleibendem wirtschaftlichen Wert gegenüber den Millionen» die jetzt tast durchweg der ßapkolonie zugute kämen. Aber obwohl militärischsrseits tür den sofortigen Sau der Sahn eingetreten wurde, konnte auch jetzt die Legierung den IZeginn des Dahnbaus vor der Genehmigung durch den Reichstag nicht gestatten." Erst am 15. Dezember 1905 wurde — nach dem bereits erwähnten Ausbruch der Rinderpest auf dem IZaiwege - der IZau einer Lahn von Lüderitzbucht bis iZubub in dritter Lesung vom Reichstage genehmigt. Satte der General somit kein Mittel unversucht gelassen, um den rechtzeitigen Dau der IZahn — durch den viele Millionen Mark erspart worden wären — durchzusetzen, so hatte er gleichzeitig, also bereits zu IZeginn des allgemeinen löottsntottenaukstandss, versucht, der Verproviantlerung des Damalandes neue Zutuhrstraßen zu öffnen, und zwar aus den benachbarten englischen (Zsbieten. An den §urtsn des Oranjsklusses und an der Ostgrenzs entwickelte sich denn auch mit der Zeit ein mehr oder weniger lebhafter Verkehr. Da dies „mehr oder weniger" jedoch ganz von den Entschließungen der kapkolonialsn Legierung abhing, die diesen Verkehr eine Zeitlang durch Sperrung der Grenzen gänzlich unterband, so mußte auch dieser Weg der Verproviantlerung als unzuverlässig und nicht genügend erkannt werden, löierzu kam, daß gerade an der Südgrenze, in den Oranje-IZergen, das besonders wildgebirgigs Gelände die Sicherung der Transports ungemein erschwert, so daß die Wegnahme von Proviantkolonnen durch umherschweifende Sottentottsn durchaus nicht zu den Seltenheiten gehörte. Auch durch Sonkurrenzstreitigkeiten der Unternehmer entstanden höchst unliebsame Störungen und Ausfälle. Drotzdem wurde alles versucht, um diesen Verkehr aufrecht zu erhalten: An der Ostgrenze waren etwa im ^suli 1905 drei Etappsnkomman- danturen in Sasuur, Dawignab und Ukamas zur Übernahme von Ver- pflsgungsmitteln aus Dritisch - IZetschuanaland errichtet worden; jede von ihnen mit eigenem Wagenpark und Viehdepot. Um die IZeteiligung der Zivilbevölkerung am Dransportkahren möglichst zu erleichtern und zu beleben, wurden Ochsenwagen und Gespanns unter der IZedingung der Abzahlung innerhalb zweier ^sahre an geeignete Personen abgegeben, eine höchst praktische Maßregel, von der jedoch natürlicherweise nur solange Gebrauch gemacht wurde, als nicht Viehseuchen Die Etappenkommandanturen an der Ostgrenze. 405 und Nasser- oder XVeidemangel dem §rachtkahrer das Unternehmen von vornherein als unrentabel erscheinen ließen. Die Einrichtung dieser Etappen an der Ostgrenze, insbesondere die iZeschattung von Material aller Urt zur Herstellung der notwendigen Unterkunktsräums und Betriebe, wie Schmieden, XVagen-Bsparaturwerkstättsn, und zum Brunnenbau usw. machte die größten Schwierigkeiten. Dennoch wurde auch hier unter enormen Anstrengungen in kurzer Zeit ein geregeltes und gut funktionierendes Zufuhrwesen geschaffen, so daß nach Leladsns Kamels. Busbruch der Binderpest auf dem Wege Lüderitzbucht — Bubub Beetmans- hoop und Umgegend von Basuur und Dawignab aus verproviantiert werden konnten. (Zroße Trockenheit im Osten unterbrach jedoch diesen Verkehr wieder. Seit dem Oktober lyOS lag die 5. Etappen - Compagnie in Basuur, Dawignab und Ukamas, um die Transporte zu decken und dem an der Orenze blühenden Schmugglerunwesen zu steuern. Später konnte zwar die Aufhebung der Binderpsstspsrre auf dem Baiwsgs gemeldet werden, jedoch mit dem bemerkenswerten Zusatz, daß ein XViedsrausbrechen der Seuche keineswegs als ausgeschlossen gelten könne. Es bedarf keines weiteren Beweises, daß die hier in großen Zügen 406 Der Aufstand Der löottentottsn geschilderten Verhältnisse dringend der Abhilfe und gründlichen lZesssrung bedurften. Aber die bereits bewilligte und im Gau begriffene Eisenbahnstrecke Lüdsritzbu6)t - l^ubub kann hier allein nicht genügen; sie bedarf unter allen Umständen der Wetterführung bis in das löcrz des Landes, bis nach k^est- manshoop, und, wenn irgend erreichbar, bis zur Ost- und Südgrenzs. Dann erst werden wir - politisch und wirtschaftlich! - Gerren des Südens unseres Schutzgebietes sein, denn, so führt die „Südwestakrikanische Zeitung" aus, „nichts führt den Eingeborenen ihre «-ndliche Ohnmacht, die Notwendigkeit des Unterliegens so klar zum Gs- wuhtsein, wie der Anblick des unwiderstehlich vordringenden Schienenstranges. Wenn etwas, so wäre dies geeignet, den Grieg nicht durch Vernichtung oder Vertreibung der Gottentottsn aus dem Lande, sondern durch ihre Unterwerfung zu beenden. Und wenn dem Lands doch noch ein langer dauernder Zustand der Unsicherheit nicht erspart bleiben sollte, so würde die Eisenbahn die Grundlinie bilden, von der aus Gsruhigung und Sicherung allmählich vorschreiten könnten. In der Eat erscheint der Eissnbahnbau jetzt als die wichtigste Waffe, zu deren Anwendung man endlich schreiten mutz, und deren Gebrauch am letzten Ende die Summen der Aufwendungen verringern wird." Und ebenso treffend schreibt der Stabsarzt in der Schutztruppe Or. Lion:*> „Wer je selbst den Wüstenweg gesehen hat, gepflastert mit unzählbaren Eierkadavern - ich kann eins Photographie davon jedem Zweifler zeigen — die eine stumme, aber beredte Anklage zum Gimmel schleudern, wer diese Eiere ermattet unter der peitsche hat zusammenbrechen sehen, würde schon im Namen der Gumanität den Gahnbau gebieterisch fordern. Es ist nichts schmerzlicher, als Opfer zu bringen, ohne davon einen Erfolg zu sehen. Alles, was an Millionen bereits der Gaiweg verschlungen, war nur kür den Augenblick geschaffen und ist glatt verloren. Was oft in wenigen Monaten aufgewendet werden mutzte, hätte für den Gahnbau gereicht, der nicht nur für den Augenblick, sondern für alle Zukunft geboren worden wäre. Wer in vorgekatzter Meinung sich noch der Notwendigkeit einer Sahn Lüdsritz- bucht - Gcstmanshoop verschließt, der handelt höchst unökonomisch in ver- ') Veröffentlicht im »berliner Lokal-Nnzciger", ISOb, Nr. 4bS. Oie (Zekungsnnahme des Lornelius. 407 meintlicher Sparsamkeit. Dessen Gewissen möge sich auch damit abkindsn, daß er mitschuldig ist an allem Mangel und allen Entbehrungen, an löungsr und Durst, an der Einbuße von Leben und Gesundheit, die seine Volksgenossen im kernen Lands bei glühender Sonne am Eage und nächtlichem Wintsrfrost zu erleiden haben. Zum Schluß sei der Offiziere und Mannschaften der Kolonnen rühmend gedacht. Mit Anspannung aller ihrer l^rakt bei Dag und bei Dacht sind sie in selbstloser Weiss tätig, ihren Kameraden der §sldtruppe die Existenz zu ermöglichen; sie vermitteln ihnen, auch den Verkehr mit der Außenwelt, der köeimat. Dur selten winken ihnen trotz Anstrengungen und Gefahren Lorbeeren, nicht ist ihnen Duhe nach getaner Arbeit gegönnt wie so okt den §eldtruppsn, rastlos und ruhelos sind sie stets unterwegs, ihre schwere, aber ehrenvolle Pflicht zu erfüllen." Am 19. Dovembsr trat Generalleutnant von Erotha von LUderitzbucht aus die kösimreise an, nachdem er 17 Monats hindurch an der Spitze der Eruppen gestanden hatte. Was der General — unter zahllosen Anstrengungen und Gefahren, unter den klimatischen Unbilden und besonderen §ährnisssn des kernen Kriegsschauplatzes im glühenden Sonnenbrand der Omaheke und in den eisigen Dächten der löochsteppsn das Schicksal seiner Eruppsn teilend - dort vollbracht hat, gehört der Geschichte des Schutzgebiets an. Mit dieser ist sein Dame verbunden kür alle Zeiten. - Das 1906. Die Gefangennahme des Cornelius. Der Gethanier Lornelius hatte sich seit dem Dezember 1Y05 in die Aruab- und Eirasbsrge etwa 60 km nordwestlich von lZethanien - geworfen und von dort aus zahlreiche Streifzüge unternommen. Sein Anhang war noch stark und wohlbswakfnet. Stets hatte er es verstanden, sich den ihm drohenden Angriffen rechtzeitig oder doch nach nur geringen Verlusten zu entziehen. Anfangs )anuar war ihm die Streifabteilung des Kriegsgliederung der Schutztruppe für Oeutsch-Südvvestafrikci, nach dem Stande vom I. I. IdOb. Kommando: Stab mit Stabswache, §eldvermessungstrupp, §eldintendantur, l^orpsarzt, §eldjustizbeamten, §eldgcistlichen. IV. Bataillon. 12. II. 10. ^ ^ ^ 2. §eld-Aegiment. III. Bataillon. II. Bataillon. 9. 8. 7. 6. 5. 4. ^ ^ ^ ^ ^ (Nasch.-Lew.-Adteilungen. 2. I. 2. 6eb. (->.) j 1-111 f 1 1- 1' 1- 1- WWW §eldtruppen: l. Bataillon. ^ ^ rh 2. §eldartillerie-6bleilung. 8. 7. 6. III. Bataillon. II. 10. 9. 8. ^ ^ ^ ^ 5. 1. §eld-Negiment. II. Bataillon. 7. 6. 5. ^ ^ I. Bataillon. 4. 3. 2. 1. ^ ^ ^ I. §eldartiIlerie-Abtsilung. 4. z. I.Seb. <2.> I. ersatzbatterien. totzne Beschütze) 2 . Lrsatz-TIruppen: ersatzkompagnien. Stappe: Kommando mit Stäben (Nord und Süd), Proviantamt mit iZächsrei, Artillerie-, Sekleidungs-, Pferdedepot und Lazarett. Samt.- Signal- Scheinw.- §utzr- ab- 5ld- I^olonnenabteilungen park teilung teilungen 2. 1. 5. 4. 3. 2. Lisenbatzn-VataUlon 2. Bau-k^. 1. Bau-K. Betriebs t. §unken- telegraphen- abteilungen 2 . 1 . §eldte1egraphen- abteiluNgen 2 . 1 . Masch. kan. Ctappen- kompagnien 4. 3. 2. I. 1 l I !_I_ I l l-I >>lW>lu>un Außerdem zugeteilt: IZastarde Gesamtstärke etwa: 750 Offiziere, Sanitätsoffiziere und Seamte, 15 000 Unteroffiziere und Mannschaften, 40 Geschütze, 12 Maschinengewehre, 6 Maschinenkanonen. Die Selcmgsnnahms des Lornslius. 409 Leutnants von Lrailsheim hart auf der Spur, aber trotzdem gelang es dem verwegenen Bäuptling, am 13. einen Viehposten bei Umub in Dordbethanien zu überfallen. Die IZeute wurde ihm von der 5. l^omp. 2. Regiments unter Oberleutnant von Wittenburg wieder abgejagt, und dieser gelang es im Verein mit der Abteilung von Lrailsheim und der 4. l^omp. 2. Regiments (Leutnant §reiherr von Stein), die Bottentotten am l 9. Januar in den Liras- bergsn an der LIribansaspforte zu stellen und nach dreistündigem Gefecht in die §lucht zu schlagen. Der über 100 mit Gewehren Bewaffnete starke und auch von zahlreichen Llnbswaff- nstsn begleitete §sind verlor 12 Lote, unter ihnen einen löerero- kapitän (angeblich Andreas, der zu Beginn des Wahres 1905 im l^omashochland focht), und ließ eine Anzahl von Gewehren, Bsit- tisren und Großvieh auf dem Kampfplätze. Von den Lruppen fielen drei (Dann und ebensoviel wurden verwundet. Die Compagnie von XVittenburg verfolgte bis I^orrais, wo sich der Gegner nach seiner bekannten Laktik in verschiedene kleine Banden teilte. In der §olgezeit übernahm der soeben aus Deutschland in das Schutzgebiet zurückgekehrte und aus dem Beginn des Berero- aufstandes rühmlichst bekannte ümiptmann vclkmann. Bauptmann Volkmann den Oberbefehl gegen Lornslius. Da dieser nach Gobis an den Band der Damib- wüste ausgewichen sein sollte, rückte Volkmann mit 2 Compagnien nach ßunjas und schob die 5. l^omp. 2. Begimsnts nach der Sinclair-Mine vor. Leile der Grsatzkompagnie 1 a, der 4. Gtappenkompagnis und die 2. Grsatz- kompagnie wurden zur Unterstützung nach Grootkontein herangezogen und die 7. Compagnie 1. Begiments zum Absuchen des Schwarzrandplateaus 410 Der 5>ukstanü üsr Hottentotten. nach lVietkühl verlegt. Oa Cornelius hier südlich löucnns, wo bereits am 5. §ebruar eine kleinere Werkt aufgehoben worden war — sitzen sollte, gingen Volkmann mit 2 Compagnien von Tanjas und löauptmann Vuchholz mit 7/ - ^ / > ... ' ^. ><- S ^ r>7 " - // 7,. -. «> .r ./ .77, .»7 27 ./7,. . . ^7 , < 7 . 7 7ic 7 <>27-7 7-7/7 ^^77^ 7S^/V .77c ,^,7, 7^77^>77 .-77^ /rL/7 7 ,>/»«^»v«7r -7--7'..-.-E^ »7«/L > kakiiinils eines krieles cles Lerieba-liopitäns Svliatk an 61 s b. Compagnie. 2'/z Compagnien von Sroottontein gegen ihn vor. Cornelius, mürbe gemacht durch die ununterbrochene scharfe Verfolgung, wartete diesen 5ln- Die Gefangennahme des Cornelius. 411 griff jedoch nicht ab, sondern floh in südwestlicher Dichtung und stellte sich am 18. §ebruar mit 260 Männern bei Chamasis dem Bsrsebakapitän Soliall) zur Unterwerfung, während die Cruppsn Volkmanns in unmittelbarer Nähe zum .. /'i /r ' // V! ri^ t ^ F Nngrikk bereitstandsn. 51ls während der Verhandlungen plötzlich etwa 100 seiner Leute unannehmbare §orderungen stellten und wieder ins §eld ritten, schloß Cornelius sich diesen an, wurde jedoch nach erneuter hartnäckiger und unter den schwersten Strapazen durchgeführter Verfolgung von Bauptmann Volkmann mit seinem gesamten Llnhang am 3. März bei löeikoms gefangen genommen. Damit wurde ein hochbsdsutender Erfolg errungen, der um so einschneidender kür die gesamte Lage im Süden war, als die Banden des Cornelius die Verbindung mit der I^üste, den XVeg l^eetmanshoop — k^ubub Lüderitzbucht, dauernd gefährdet hatten. Seine Majestät der Kaiser belohnte 412 Der sstukstand der löottenloNen. die Eingabe der Gruppen durch folgendes Telegramm an den Hauptmann Volkmann: „Ich spreche chnen wie den bei der Unterwerfung des Lornelius beteiligten Gruppen meine warme finerkennung aus und verleihe Ihnen den Hronenorden dritter blasse mit Schwertern. Wilhelm l. G." Inzwischen hatte sich auch der Gest des Witboistammss, darunter 40 Männer mit 14 Gewehren unter Isaak Witboi, dem ältesten Sohn und Nachfolger Hendriks in der l^api- tänschakt, am 3. §ebruar in Nunub bei Stamprietkontsin ergeben. Die Gesamtzahl der Kriegsgefangenen Hottentotten betrug damit 2300, darunter 730 Männer. Verdächtig muhte überall die geringe Nnzahl der abgelieferten Gewehrs erscheinen. Über einen Gesuch des Gouverneurs von Lindequist bei den gefangenen Witboi berichtete die „Südwsstakrikanische Zeitung": „51m 13. März hat der Gouverneur von Deutsch-Südwestafrika in Windhuk eins Ansprache an die Witboi gerichtet, die vor einigen Wochen freiwillig die Waffen abgeliefert haben. Gr wies darauf hin, dah von allen Eingeborenen, die die Waffen gegen die deutsche Gsgierung erhoben haben, die Witboi am meisten zu verurteilen seien, weil sie seit längeren Jahren vom Deutschen Geich nur Wohltaten empfangen hatten. Besonders verwerflich sei ihr heimtückischer Überfall auf ihren Wohltäter v. IZurgsdorff. Die gebührende Strafe für ihre Verbrechen sei der Dod, wenn indessen der Gerechtigkeit nicht im vollen Umfange kreier Lauf gelassen werde, so geschehe dies in der Einnahme, dah sie sich der Tragweite ihrer Handlung nicht völlig bewuht gewesen wären. »Kapitäns gibt es selbstverständlich nicht mehr bei euch. Ich Habs aber das Vertrauen, dah du, Samuel Isaak, und du, Hans Hendrik, soviel Soavemeul von tunclequilt. Morenga, Morris und Johannes Lhnstian. 413 Oinklutz auk euers Volksgenossen habt, um sie an ferneren unvernünftigen Sandlungsn zu verhindern. Ihr werdet zur Arbeit herangezogen werden; ich rate euch: seid fleißig und koigt den Einweisungen derer, welche in meinem Namen euch dazu anhalten. Wer den Versuch macht, davon zu laufen, ist dem Code verfallen, ln (Zibeon ist dies bereits vorgekommen; einige Witboi sind entflohen und mit der Waffe in der Sand wieder ergriffen, sie wurden vom IZezirksamtmann in (Zibeon zum Code verurteilt, ich Habs das Urteil bestätigt und sie sind bereits hingerichtet. Laßt euch dies zur Warnung dienen! Wer sich gut beträgt, wird gut behandelt werden. Sabt ihr das verstanden und wollt ihr danach handeln?" Antwort: »)a!"« - Der weitere §eldzug gegen Morenga, Morris und Johannes Christian. Nach dem (Zekecht am Sartebsestmund am 24. Oktober Id05 blieb man über Morenga, Morris und Johannes Christian, die hier gemeinsam gegen die Kolonne des Oberstleutnants van Ssmmern gefochten hatten, geraume Zelt im unklaren. Die Kolonne Semmern war, wie erwähnt, nach Warmbad marschiert und ergänzte dort Munition und Proviant, um ein erneutes Vorgehen gegen Morenga zu ermöglichen. fluch letzterer mag die nunmehr in den Operationen eingetretene Unterbrechung nicht unwillkommen empfunden und in gleicher Weise wie die deutschen Druppsn ausgenutzt haben. Im pnkang Dezember erst rührten sich die Sottentotten von neuem: pm 4. Dezember wurden von Abteilungen Morengas die Pferdeposten der d. Compagnie bei Sandkontsin und die der 10. Compagnie bei Dorechab überfallen. 15b bezw. 34 Leittiere wurden geraubt und fortgetrieben, trotzdem sofort energische (Zegsn- matzregeln getroffen worden waren. Wenn sich Morenga hier mit den nötigen Leittieren versehen konnte, so setzte er sich am 7. Dezember durch einen ebenso kühn ausgeführten Streich gegen den Viehposien von l^alk- kontsin auch in den IZesitz von 200 Mindern und Pferden und 400 Stück Kleinvieh. Die Verfolgung dieser etwa 100 löottentotten starken Sands nahm die 2. Compagnie §eldregiments 1 von flluriskontein aus in Sichtung auf Saobis auf. 414 Der Aufstand der löottsntottsn. Wie der amtliche Bericht bemerkte, sollte nunmehr der Verkehr auk den Etappsnstraßen des Südens durch Anlage befestigter Stützpunkts erleichtert, weiterem Viehraub durch Einkraalung der Bsrden bei Nacht vorgebeugt werden. Inzwischen war kür den erkrankten Oberstleutnant van Semmsrn der Major von Estorkk an die Spitze der gegen Morenga operierenden Gruppen getreten. Der letztere griff am 8. Dezember die Station Sandfontsin an, wobei künk Aeitsr kielen und vier verwundet wurden. Die Bottsntotten zogen sich dann dicht an den Oranjeklutz, wo sie bei löartebesstmund und Violsdrikt gemeldet wurden. Die deutschen Lruppen standen bei Warmbad (Bauptmann von Crckert), südlich von Okamas (Bauptmann von Lsttow- Vorbeck) und in der Linie Dawignab-Basuur (Bauptmann lösuck). Von diesen griff löauptmann von Lsttow am 5. jsanuar bei Duurdrikt mit 62 Aeitern eins ungefähr gleichstarke löottentottsnbande, angeblich unter Morengas persönlicher §ührung, an und warf sie nach Norden zurück. Drei Eingeborene (unter ihnen ein Bruder Morengas) kielen; 44 ausgerüstete Aeittiers wurden von den Deutschen erbeutet, die selbst einen Lotsn, 3 Schwer- und 6 Leichtverwundete zu beklagen hatten; unter den Schwerverwundeten befanden sich löauptmann von Lettow und Leutnant Ling. Die löottsntotten schienen sich geteilt zu haben, denn sowohl am Oranjsflusss wie bei Bsirachabis (8. jsanuar) und Springpütz wurden stärkere Banden gemeldet. Bei letztgenanntem Ort sollte angeblich Morenga selbst mit 300 bis 400 Kriegern stehen, woraus man auf die erneute Absicht Deinerseits schloß, eine Stellung bei Aietkontsin an der englischen Grenze zu nehmen. Infolgedessen wurde die folgende neue Lruppenverteilung im Süden vorgenommen: 1. Bei löeirachabis: Abteilung Siebsrt; 3 Bomp., 2 Maschinengewehrs, 2 Beschütze. 2. In Linie Oas-Budab: Abteilung lösuck; 2 Bomp., 2 Beschütze. 3. Bei Dorechab, Sandkontein, Aamansdrikt und zur Sicherung der Straße Bamansdrikt - Warmbad: Abteilung Ercksrt; 3 Bomp., 5 Beschütze. 4. Bei Alurisfontein, Aooifontsin, Skumberg-Quslle bis k^inderzit und Eendoorn: Abt. Anders; 2 I^omp., 4 Maschinengewehre, 2 Beschütze. Morenga, Morris und j)ot)annes Christian. 413 5. In Lasuur und Linie Oawignab-Lam: 5. Etappenkompagnie. 6. Lei Ondermaitjs und Schuitdrikt: 3. Ersatzkompagnis. Auf dem Marsch nach chrsm neuen Lsstimmungsort Looifontsin geriet am y. Januar die Spitze der 2. Lomp. l. Regiments in einen Linterhalt, wobei Leutnant v. Oitkurth und zwei weiter kielen. Ehe noch die eben bezeichneten Cruppenverschisbungen beendet waren, wurden jedoch Morenga und Johannes Christian bereits wieder am Oranje bei Lartebeestmund gemeldet. Die deutschen Patrouillen fanden die Legend östlich der Linie Eendoorn-Eaimas vorn §einds frei. Major von Estorff verlegte infolgedessen die Abteilung Leuck von Oroendoorn nach Velloor. Man hatte es übrigens in dieser und der folgenden Zeit nicht nur mit den Landen zu tun, die als geschlossene und durch die Zahl der Streiter besonders widerstandsfähige Abteilungen bald einzeln, bald vereinigt hier und dort unter den Lauptkührern Morenga, Morris und Johannes Christian auftauchten, sondern auch mit zahlreichen kleineren Lorden, Pulks und Patrouillen, die das Land von Leetmanshoop und den Larasbergen bis hinunter zum Oranje durchschwsikten und in den zahllosen Schlupfwinkeln verschwanden, sobald sie verfolgt wurden. So wurde am 3t. jsanuar von Leetmanshoop aus einer Lottentottenbande von 30 bis 40 Oewehren nachgesetzt, die westlich des genannten Orts Vieh geraubt hatte. Der energischen Verfolgung des Lauptmanns Wobring mit 70 Oewehren gelang es, die Läuber am t. §sbruar abends in den kleinen Larasbsrgen einzuholen, ihnen die größere Lälkts des Viehes abzujagen und einen Verlust von 5 Coten beizubringen. Da die Lottentotten aus den Orotzen Larasbergen gekommen waren, hatte man es auch hier zweifellos mit Morengalsuten zu tun. Am 7. §ebruar traf die deutschen Cruppen ein herber Verlust: Lei Eendoorn wurde eine aus 5 Leitern und einem Lur bestehende Patrouille unter Leutnant Lsnder von Lottentotten umzingelt. Der tapfere Offizier, der sich mit seinen Leuten bereits mehrfach durch verwegene patrouillenritte hsrvorgetan hatte, fiel mit sämtlichen Mannschaften. Am 9. §sbruar wurden bei Arus, 27 km südöstlich von Warmbad, von einer Patrouille unter Leutnant Llsve stärkere feindliche Kräfte festgestellt, und am 14. zeigten sich plötzlich an der Lorschab- schlucht bei Sandkontein, 30 km südwestlich Warmbad, 200 Lottentotten anscheinend in der Absicht, einen Pferdsraub bei der dort stehenden Abteilung 416 Der 5>ufsta»ü der Hottentotten. von Ercksrt auszuführen. Von dieser wurden sie jedoch sofort angegriffen und nach y*/g ständigem Gekscht auf das löomrivier zurückgeworfen. Von der Skumbergquslle bei Hinderzit eilten Leutnant Oegenkolb mit zwei Maschinengewehren, von Warmbad und Llluriskontsin 50 weiter der Llb- teilung Hornhardt zur Unterstützung herbei. Ersterem gelang es, die fliehenden Hottentotten, die sich dann in kleine Krupps auflösten und 6e- wehrs und Leittiers zurücklistzen, wirksam unter §euer zu nehmen, Haupt- mann von Erckert verlor 5 weiter; I Sanitätsoffizier und 6 weiter wurden verwundet. Der §eind schlug auf seiner §lucht die Dichtung auf Hartebeest- mund ein, wo sich nach erneuten Hundschaktermeldungen Morenga mit seiner Hauptmacht befand. Morris sollte westlich Gaobis und bei löenkris auf dem südlichen (britischen) Ufer des Oranjs stehen. Er mag dort mit den bereits früher auf englisches Gebiet übergetretenen und bei Steinkopf, 65 km südwestlich löenkris, sitzenden Witboi in Verbindung getreten sein. Wenigstens behaupteten das privatnachrichten, nach denen Morris sowohl wie Morenga Zulauf und Lieferungen aus dem englischen Gebiet erhielten, und wenn dieser Verkehr auch selbstverständlich ohne Gilligung der kap- kolonialsn Legierung stattgefunden Habs, so sei doch die bedauerliche Tatsache nicht kortzulsugnen. 51m 10. §ebruar traf die zur §ortführung der Operationen im Süden sehnlichst erwartete Verstärkung von 600 Hopfen in Lüderitzbucht ein. Der Vormarsch ins Innere begann sofort. Das Hauptquartier (Oberst Dame mit der 2. Homp. 2. Regiments) verlieh am 12. Heetmanshoop im Vormarsch nach dem Süden über Hrei- kluft-Halkkontsin. Dort entwickelte in der zweiten Hälfte des §ebruar Major von Estorkk eine rege Tätigkeit, deren Endziel die Einschließung und der konzentrische Angriff auf die Hottentotten am Oranjs bilden sollte. (Allmählich wurde auk Orund zahlreicher Erkundungen der Hreis der deutschen Eruppsn enger und enger gezogen, wobei die erschwerende Einwirkung des wildbsrgigen, unwegsamen Geländes, der Mangel an genügender Weide, sowie die Schwierigkeit des Proviant- und Munitionsersatzss sich dauernd in hsmmendstcr Weise bemerkbar machten. Zu lZeginn des März standen bereit: 1. IZei und westlich löomsdrikt: Abteilung von Erckert; 4 Homp.» 2 Maschinengewehrs, 5 Geschütze. ,»N»° - c--^4. ck°° ' ^- 7 . ÄML < ^ .ÄMK Lebirgsbatleris auf dem Marsch. W» ! ! i > i i > i i vie Kriegslage im März. 417 2. bei bmeis: Abteilung von bornhardt; 2 komp., 4 beschütze. 3. In zwei Kolonnen bei pilgrimsrust und wassertall: Abteilung Siebsrt; 4 komp., 2 Maschinengewehre, b beschütze. Durch Patrouillen waren in den ersten Märztagen feindliche Wachtfeuer südlich bmeis und westlich pelladrift festgestellt worden. Am 6. März wurde eins von Aluriskontsin nach bmsis marschierende §unksnstation angegriffen, deren §ührer, Vizswachtmeistsr von Parpart, kiel, und am 7. wurde eine Signalpatrouills nördlich bomsdrikt beschossen. Der §eind hatte längs des Oranseklussss noch auk einer Strecke von 50 km (pelladrift- bomsdrikt) bewegungsfreihsit; seine Patrouillen wichsn beim Anmarsch der deutschen Druppsn ausnahmslos nach Süden zurück. Am 3. März begann die allgemeine Angriffsbewegung der Druppen mit dem Vorrücken der linken Kolonne der Abteilung Siebert unter Oberleutnant be^er (2 komp., l Maschinsngsw., 2 beschütze) vom Wasserfall längs des Oranss nach Westen. Ihr trat östlich von pelladrift ein starker §eind entgegen, der erst nach dem Eintreffen von Verstärkungen in der Dacht vom y. zum 10. den Dückzug antrat. Am 10. morgens wurde der Vormarsch fortgesetzt. An demselben Dage stieß Major laubler mit der verstärkten rechten Kolonne der Abteilung Siebert (2 komp., 1 Maschinengewehr, 4 beschütze) von pilgrimsrust nach Süden gegen den Oranje vor, den er abends, etwa 12 km westlich von pslladrikt, erreichte. Da nach bsobachtungen und Meldungen von der britischen Seite des Oranje sich Morenga zwischen diesen beiden Abteilungen befand, wurde kür den 11. ein allgemeiner konzentrischer Angriff auk ihn beschlossen und auch nach zehnstündigem Dachtmarsch der Abteilung be^sr durchgeführt. Leider gelang es den etwa 100 bewehre starken bottentotten, die in der Lat unter dem persönlichen Kommando Morengas gestanden haben sollen, nach hartnäckigem widerstand durchzubrechen und in nordöstlicher Dichtung ins bebirgs zu entfliehen. Die Verfolgung wurde durch beide deutsche Kolonnen aufgenommen, und die sofortige Besetzung der Wasserstellen Arus, Velloor und Dantsis angeordnet. Inzwischen hatten auch die Abteilungen brckert und bornhardt von löomsdrift nach Osten, resp. von Llmeis quer über die berge nach Süden, den Vormarsch auk bartebesstmund begonnen. Vereint stießen beide am 12. früh 3 km östlich von bartebesstmund auf den begner, der geworfen Nrieg IS04-IS05 27 418 Der Gukstand der Hottentotten. wurde und teils flußaufwärts, teils nach Dordostsn floß. Noch an demselben Llbend wurde die Verfolgung aufgenommen; Geschütze, Maschinengewehrs und die Verpflegung mußten auf Gragetisrsn mitgeführt werden. Nach anstrengendem Nachtmarsch, auf dem die Kolonnen mehrfach von dem auf hohen §elswändsn eingerüsteten §eind beschossen wurden, erreichten die Gruppen am Morgen des 13. das eben verlassene Lager des Gegners, in dem zurückgelassener Hausrat, Gewehrs und Sattel von der Überstürzung der Geflohenen Zeugnis gaben. Niese hatten teils die dichtbswachsensn Inseln im §luß, teils das Südufer des Grause - beides britisches Gebiet - erreicht. Nie hier vertriebenen Hottentotten schienen, wie der amtliche Gericht besagte, Morrisleuts gewesen zu sein, da das Tagebuch des von solchen am 2b. )uli 1905 bei Gamansdrikt ermordeten Generaloberarztes Ssdlma^r im Lager aufgefunden wurde. Oberst Name begab sich in der Nacht vom 12. zum 13. nach Gooiberg, von wo frische Gruppen auf pilgrimsrust in Marsch gesetzt werden sollten, und traf am 15. mit dem Major von Lstorkk in Warmbad zusammen. Von den deutschen Gruppen fielen in den Gefechten am Oranss vom 8. bis 13. März 7 Unteroffiziere und Gsitsr, 4 Mann wurden schwer, 15 (darunter 2 Offiziere) leicht verwundet. Der unbestreitbar errungene Erfolg, der den umsichtigen Maßnahmen des Majors von Gstorkk und der Tapferkeit und Hingabe aller beteiligten Gruppen zu verdanken war, gipfelte darin, daß es gelang, den §eind auf allen von ihm besetzten Punkten vom Oranje- flusse und von den Verbindungen zum englischen Gebiet zu vertreiben. Hindernd und erschwerend wirkte hier wie auk die nun folgenden Operationen die Unmöglichkeit ein, den Gruppen in vorderster Linie rechtzeitig Proviant und Munition zuführen zu können. Und hierbei mutz nochmals betont werden, daß bereits seit vielen Monaten mit aller nur menschenmöglichen Anspannung seitens aller beteiligten Dienststellen und IZehörden im Schutzgebiet gearbeitet worden war, um diese Schwierigkeiten zu beseitigen. Llbsr es gibt einen Punkt und ein Matz, über die hinaus die Ungunst der Verhältnisse allen, selbst übermenschlichen Anstrengungen und Mühen ihr eisernes, unerbittliches „Veto" entgegenstellt. Die Gegenzeit war im Süden des , Schutzgebiets längst vorüber. Weide- und Wajssrverhältnisse verschlechtern sich bis zum Geginn der '-'-d Dos Oiltriktskommunclo in Varmbüd. ^ruppeneinteilung in Südwestakrika. v. 10. z os. Kdr. der Schuhtruppe: Oberst Dame. (M, XV. d, S. b,1 Seneralstab: läptlt. Salser, v. Sagen, Starck. chef des Stabes: Masor Scherbening, (M, XV. d. S. b.) Adjutant: löptm. v, Sasse. Norden: (10 Nomp., 6 Sesch., 2 Mosch. Nan., 2 Mosch. Sew.) IX d r.: Obstlt, V. Mllhlenfels, lXdr. des I, Seld-Negts. 3./1. epp. k./i. , Srh. v. XVangenheim. 8./1. §rl). v. Welck. 4-/1. l0./t. kZalbbattr. Lehmann. (2 (Zesch. 5- Sattr.) 4. »/»M. 1 LZraf Saurma kh >!> 7 >>l >!> 7 >' 1' Nuk den rückwärtigen Verbindungen: Süden: (24 Nomp., 3b Sesch,, b Masch.-Nan,, 10 Masch,-6ew.) 1 HxH lx, 7 7 lÄ lZ IZ lx, lx, lZ lx, lÄ s Vezirk Nordbethanien-Verseba. Maj. pierer (7—6—4) IZsz. Ostnamaland. (I 776 ) Sezirk Süden. Masor v. estorff. (15—>4—S>. (Zr.f^aras Ostgrenze vae. Volkmann v.Sentivegni V. Crckert. V. l5ornhardt. fZeuck Siebert. S./I. 7./I. 2 , Srs, H/ 2 , S./2. H/I." n Srentano. v.XVittunberg, I, ers. pobst. S./ 2 . I0./2. t2./2. Srosig v. Zwehl 2./I. 2,/2. 3.2. ll,,2, v. Tirssckovv-NnLers, l./l. 7./2. N./l. Sr. Srünsr 1./2. 8./2. 3. Lrs. lZe^er. i.et. s.et. ^ ^1 V-I. V. Winter- 5. selb v. Wolf 1 ^ ^ ^ ^ ^ b,l, 3. Na- IZauszus drorvski, -/, M, l -/» 2 . (Seb., >/rS. >/,M .2 4,2, (Seb,> '/.M .2 >,4. tSeb.) V- 8 . V.M .2 (Seb.) 7. (Seb.s 77 7777 7777 777 7 7 17 7 7 7 7 7 7 77 77 77 7777 77 Su. St. Su. St. §u. St. ?u. St. ! § Nut den rückwärtigen Verbindungen: 2.Seldtel. Nbt. 2.Scheinx».5lbt. Pkerde-Vepot. >/, Sän. Spark. 3, pr, Sol 5lbt, 4, Sp, lXol. Sdt, 3 pr, IXol, 5lbt, s Masch, IXan, 0173 2 , Su, St, l. eis, Sau-IX, Sundes, Stach. poerting. Mahner, lx) ü IX, lxl ciÄ llxD 777777 7 ^ IZaixx'eg, (I—4> 4. ers. v. eipons. Im Schutzgebiet verteilt: Seldsign, Sdt, V, Stülpnages. (Leonhardl), 51 n m, XVo die Namen der Compagnie- und Satterie-Sllhrer fehlen, sind die ursprünglichen Sichrer ausgefallen. Erneute tlruppsnvsrschisbungsn. 421 "kommenden Diedsrschlagsperiode im Dezember überall, und selbst dort, wo Überfluß an diesen, vor allem anderen der Hriegkührung unentbehrlichen Hilfsmitteln war, tritt allmählich Mangel ein. Morenga und seine Verbündeten hatten all' diese Umstände seit langem gekannt. Sie waren gewissermaßen unter ihrem Druck aufgewachsen, sie haben von jeher — auch in friedlichen Zeiten - mit ihnen rechnen müssen und sie hatten sie jetzt in der Stunde der Dot wiederum mit Erfolg in ihre Rechnung gestellt. Denn allem Anscheins nach hat Morenga niemals beabsichtigt, am Oranje ernsten Widerstand zu leisten. Er hatte nur gewartet, bis die Etappen und Magazine dort eingerichtet, bis die deutschen Eruppsn in immer mehr sich verengendem Halbkreise um ihn versammelt waren, um nach längst gefaßtem Plan entweder durchzubrechen oder sich auf dem einen Katzensprung entkernten britischen Gebiet vorübergehend zu sichern. Den Engländern im Süden und Osten der Grenze muß die beste Absicht, die übergetretenen Äebellen entwaffnen zu wollen, zugebilligt werden - dann aber sind ihnen diese südlich der Grenze ebenso entgangen, wie unseren Eruppsn nördlich des §lusses. Wer die sich gerade >m §Iußgebiet des Oranje ins Maßlose steigernde Wildheit der Gebirgslandschaften Südwestakrikas aus eigener Anschauung kennt, — dieses Wirrnis von Huppen, Spitzen und Äücksn, von Abstürzen, Gergtälern, tiefen Schluchten und §elslöchern - der wird zugeben, daß trotz der nur irgend denkbar aufopferndsten Tätigkeit der Eruppsn es doch überall in diesem Gelände kür einen besonderen Glückszufall angesehen werden mußte, wenn es gelingen sollte, den — zudem noch sehr beweglichen, verschlagenen und ortskundigen - Gegner zur Entscheidung zu stellen. Ähnlich liegen die Verhältnisse in den Harasbergsn, und in den unendlichen Ebenen des Südostens wiederum, an der englischen Grenze und Süd- kalahari, ist es die Weite des zu durchstreifenden Aaumes, die die Wahrscheinlichkeit eines schnellen Erfolges zu einem Minimum zusammenschrumpfen läßt. — Dach den Hämpken am Oranje zwischen dem 8. und 13. März mußten umfangreiche Eruppenverschiebungen vorgenommen werden. Es wurden besetzt: die Wasserstellen am Oranje von Homsdrikt bis halbwegs pella- drikt von der Abteilung Erckert (lV. Gataillon Äegiments 2, 5 Geschütze, 2 Maschinengewehre); anschließend bis Haimas, ferner pilgrimsrust, Ära- 422 Der Ausstand der Hottentotten. gauras, Aooibsrg und Nantsis von der Abteilung löeuck (3 I^ompagnien^ 1 Batterie); das Gebiet zwischen Veiioor - Oavis — Stolzentels — Llkamas— Groendoorn durch die Abteilung Siebsrt (4 Compagnien, 4 Geschütze, 2 Maschinengewehrs); die Wasserstellen zwischen Alurisfontein — l^inderzit— LImeis - Eendoorn von der Abteilung löornhardt (3 Compagnien, 4 Geschütze, 2 Maschinengewehre). Endlich wurde die Ostgrenzs in der Linie Llkamas - Basuur von der t. u. 5. Etappsnkompagnis gesperrt. Der Schluß des hierüber am 2t. März erstatteten amtlichen IZsrichts lautste: „Sämtliche Abteilungen haben das ihnen zugewiesene Gelände zu durchstreifen. L>er §sind scheint in kleine Erupps auseinandergesprengt im Gebirge zu sitzen. Einzelne seiner Leute versuchen am Oranje Wasser zu schöpfen." lzurzs Zeit darauf traten jedoch bereits wieder bedeutende Gruppen- Verschiebungen ein. Die Bottentotten schienen von neuem in der Sammlung begriffen zu sein. In dem wildzerklüktsten Gelände wurden die nach Osten führenden Spuren zahlreicher kleinerer Grupps festgestellt, die Serge nördlich der Linie pslladrift Bomsdrikt dagegen vom §einds frei gefunden. Am 31. März überfielen etwa 30 Bottentotten eine ptsrdswachs bei Jerusalem, von der ein Glntsroffizier und drei Beiter fielen, tö Pferds wurden geraubt. Infolge dieser §eststellungen und Vorfälle ging Major von Estorff sofort in vier Kolonnen zur Verfolgung vor, während die Abteilung von Ercksrt am Oranje die Linien Aamansdrikt pelladrikt und Aamansdritt - Warmbad sicherte. Bis Verfolgungskolonnen wurden wie folgt angesetzt: 1. Major Gäubler (5 Compagnien, 2 Ssschütze, 2 Maschinengewehre) auf Stolzenkels, 2. Bauptmann Beuch (3 lzompagnien, 2 Geschütze) auf sserusalsm- Bl^deverwacht (davon 1 Compagnie in Ondermaitje), 3. Bauptmann von Bappard (2 Compagnien, t Batterie) auf Ariams- Gapütz, 4. löauptmann von Bornhardt (I Compagnie, 2 Geschütze, 2 Maschinengewehre) auf Gdabis. Außerdem besetzten t Compagnie Baib, ^/zBatterie Gabis zum Schutze dort stehenden Viehs. Nachdem am 24. März die verfolgenden fzolonnen mit den vordersten Der Ueberfall bei Dakab. 423 teilen die Linie Stolzenkels-Dkamas erreicht hatten, wurde bereits am 27. der allgemeine Vormarsch nach Osten durch die Meldung unterbrochen, datz am unteren löamklutz, der bei I^ummernais westlich von Stolzsntsls in den Oranje mündet, feindliche Kräfte festgestellt worden seien. Ein Rückmarsch war unvermeidlich, und Major von Estorff führte ihn in drei Kolonnen von Stolzenkels, sssrusalsm und Ondermaitje in Dichtung auf den löamklutz aus. Leider gelang es jedoch nicht, den (Zegnsr zu stellen, dieser war vielmehr kurz vor dem Eintreffen der Eruppsn durch eins der zahlreichen zum löam führenden Seitenschluchten nach Osten entwichen, wie frische Spuren und noch brennende Lagerfeuer verrieten. Ebenso wurde auch der Lauf des Oranje zwischen Stolzenkels und Davis vom §einde frei gefunden. „Ein §armer," fügte hier der amtliche IZericht ein, „will am 25. März Morsnga bei Davis persönlich gesprochen haben." Unmittelbar nach diesen §sststellungen wurde die Verfolgung in östlicher Dichtung von neuem aufgenommen, und zwar mit der Abteilung des Majors Eüublsr über Stolzenkels und mit den Kolonnen von löornhardt und lösuck über IZI^dsverwacht, bezw. aus der Linie Dababis-LIKamas. Östlich des letztgenannten Ortes wurden am 25. an der (Zrenzs löottentotten angetroffen, die nach Süden — anscheinend auf Ltriam — zogen. Datz man wiederum ganz nahe am §einde war, wurde zur traurigen (Zswitzheit durch den Uebsrkall einer Wagenkolonne mit l7 IZedeckungsmannschaftsn am 26. zwischen Ukamas und der Ostgrsnze. In dem sich mit der starken feindlichen Sande entspinnenden (Zskscht kielen der §ührsr der Kolonne, Leutnant Geller, und zehn Seiter, verwundet wurden vier Ssiter, davon zwei schwer. Nachdem die löottentotten die sechs leeren Wagen verbrannt hatten, zogen sie mit den erbeuteten Ochsen nach Südwesten ab. Lluk die Meldung hiervon, die von einem der Nsiter nach Ukamas gebracht wurde, brachen sofort 24 Mann der dort befindlichen 7. Compagnie 2. Segiments auf, und ebenso von Llriam aus der löauptmann von Sappard mit 40 (Zswehrsn. Dieser traf am Platze des Überfalls auk 30 bis 40 löottentotten, die nach kurzem Oskecht und unter Verlust von sechs Eoten nach Osten zu zurückwichen. Die östlich Llkamas an der (Zrenzs liegende Wasserstelle Dakab, in deren Nähe der Überfall auf die Wagenkolonne stattgefunden hatte, wurde am 28. März von unseren Eruppsn besetzt. Eins am 27. von Llriam aus auf (Zamsibklukt - in südöstlicher 424 Osr SukstanL der Hottentotten. Dichtung - vordringende Okfizierpatrouille stieß am Nande der klukt auf den Gegner. Auf die Nachricht hiervon ging noch am Abend des 27. die Kolonne lösuck von Nababis ant Ariam vor. Inzwischen hatten in der ersten löälkte des März sich auch in den karasbergsn wiederum Campte abgespielt. AIs nämlich der löauptmann von Gentivegni mit der 6. Compagnie 2. Aegiments von keetmanshoop aus die kleinen Karasbergs absuchte, stieß er am 12. März am Südrands des Gebirges auf ein eben verlassenes großes Lager. Auf der sofort eingeleiteten Verfolgung stellte er am folgenden Lage bei einer Wasserstelle östlich der kleinen karas- bsrge die köottentottsn, die - etwa 50 Gewehre stark - aus versprengten lZondsl- zwarts, Gethaniern und Veldschoendragern bestanden. Mit Verlust von Pferden, Vieh und köausgerät wurde der Gegner geworfen und floh nach den Großen karasbsrgen, wo er am 14. abends nach scharfer Verfolgung nochmals eingeholt und geworfen wurde. Die löottsntottsn verloren 3 Lots, 35 gesattelte Pferds und Maultiers, 97 Stück Großvieh und 280 Stück Kleinvieh. Morenga war unterdessen erneut östlich von Ariam auf britischem Gebiet gs- April ging Major von Gstorkk mit den Kolonnen löeuck und Läubler auf Gamsibklukt vor und verscheuchte von hier starke löottsntottenwsrkte, die in Stärke von 40 Männern und 300 Weibern und Kindern nach Getschuanaland übertraten und hier von der kappolizei gefangen genommen und nach Aietfontein überführt wurden, kurz darauf - am 5. April - erschien Morenga mit rund 70 Gewehren wieder auf deutschem Gebiet. Gr kreuzte den Weg Nababis-Ukamas in der Dichtung auk löeirachabis und Limas - wie mit Sicherheit anzunehmen war, um von neuem die Großen karasbsrge zu gewinnen. Auk dem Marsche bereits wurde ein Lsil der löorde Morengas von der von Nababis her anrückenden §unksntelegraphenstation von Milczewski angegriffen und nach Norden meldst worden. Anfangs Morenga erscheint wieder auf deutschem (Zediet. 423 verdrängt, während über Ukamas auf lösirachabis die Abteilung v. Born- hardt unter Major Siebsrt folgte. Die Abteilung lösuck sammelte sich in löudab und besetzte Lapütz, Bawignab und Oas. ln diesen nach Südosten offenen Vagen hinein stieß Morenga — der sich inzwischen mehr nach Bordosten gewandt hatte — über Wehlsrs Damm, dicht nördlich köeirachabis auk §ettkluft, wo der Lsiabkluß sich durch ein schroffes Lebirge Bahn bricht, um sich scharf nach Lüden abbiegend dem Oranje zuzuwenden. In dem Schluchtgswirr des Lsiab-Burchbruchs kam es am 8. April zum Lskscht mit einem Zug der 1. Compagnie 2. Bsgimsnts, der 8 Bsiter tot, 1 Offizier — Leutnant Lasde — und 4 Beiter schwer- und I Beiter leicht verwundet verlor. Vermißt wurden 1 Unteroffizier und I Beiter. Der Legner floh, als Beile der kZolonne lösuck anrückten, in der Bichtung auf Oas, von wo die 11. Compagnie 1. Begiments ihm weiter nachsetzte und ihn am 10. nördlich Oas einholte. Bach scharfem, zweistündigem Lekecht wurden die löottentottsn aus ihrer Ltsllung gedrängt und flohen nach Osten. Bsr §ührer der Compagnie, Oberleutnant von Baehr, und 1 Unteroffizier wurden verwundet. An demselben Bags kam es nachmittags noch westlich Oas gegen andere von Lüden kommende löottsntotten zu einem patrouillengekecht, nach dem zwei Beiter der 11. Compagnie als vermißt gemeldet wurden. Bis Verfolgung der feindlichen Banden wurde von Major v. Lstorkk energisch fortgeführt, unterstützt von Major v. §rs^hold, der mit einer Compagnie und zwei Maschinengewehren von Warmbad nach k^aikfontein marschierte, während andere Gruppen seiner Kolonne die Linie Warmbad — Bamansdrikt besetzt hielten. Line weitere Compagnie rückte von Udabis auf Lroendoorn vor. Bas erste Resultat der Verfolgung war die Feststellung, daß die Legend südlich Oas und westlich der Linie Stinkdoorn — Buurdrift von den löottentottcn verlassen worden war. Oas Llsichs wurde für die Bezirke Ost-Bamaland, Bsrseba und Bord-Bethanien gemeldet. Oer flüchtige Legner hatte sich, wie bald darauf bekannt wurde, nach seinem alten Schlupfwinkel, den Lroßen ßarasbergen, gewendet. Bei Barudas nämlich überfiel am 14. April eine etwa 50 Mann starke löotten- tottsnhorde die pksrdewachs der 4. Compagnie 2. Begiments; ein Unteroffizier fiel, sechs Beiter wurden verwundet. Ein Beil der Pferds wurde 425 Der LUüstanL der löottenlotten. geraubt, trotzdem sofort die Compagnie und die IZssatzung von Darudas zur Silke herbeieilten. Inzwischen war auch der Gondelzwart Johannes Christian aus dem englischen wieder auk deutsches Gebiet zurückgekehrt. Segen ihn wurden die Abteilungen des Majors Läublsr (zwei Compagnien, zwei Gebirgs- geschütze und zwei Maschinengewehre) und des Majors v. §re^hoid (in derselben Stärke) entsandt; die ersteren über Udabis vorrückend und mit dem Auktrage, sich mit der bei löomsdrikt stehenden zweiten Abteilung zu vereinigen. Auch gegen Morsnga wurde die Verfolgung mit allen Trakten und Mitteln fortgesetzt. Während die Kolonne Siebert, um einen Durchbruch zu verhüten, die Wasserstellen Sais, Dawignab, Gapütz und lösirachabis besetzt hielt, folgte die Abteilung löeuck (l., 2., N. Compagnie I. Dsgiments, 2 Gebirgsgeschütze) in Eilmärschen der Spur des Gegners. Dach zehntägiger anstrengender ununterbrochener Verfolgung, auf der die südlichen Sarasbsrge auf bis dahin unbekannten Gsbirgspkadsn durchquert wurden, traf man am 20. April am östlichen Abstieg der Großen Sarasbergs bei „Wasserstelle" auk den etwa lOO Gewehrs starken §smd, der geworfen wurde, aber im Dunkel der Dacht entwich. Von der Abteilung löeuck kielen der bereits am 10. im (Zskscht bei Das verwundete Oberleutnant von IZaehr und ein Dsiter. Verwundet wurden Leutnant Schlütsr, der später seinen Wunden erlag, 2 Unteroffiziers und 5 Dsiter. Der Gegner, dessen Dückzug über Aunus in Dichtung auk die kleinen Sarasbsrgs führte, verlor 2 Gefangene und einige Pferds und Gewehrs. Ihm folgten vom Westabsturz der Großen Sarasberge aus Druppsn der Kolonne des Dittmeistsrs Grmekeil (4. und 5. Compagnie 2. Degiments), während zugleich die um die kleinen Sarasbsrgs liegenden bedeutenderen Wasserstellen besetzt und gesperrt wurden. Gs waren dies: im Dordsn Seeheim und Danebis; im Süden Amkous und löoamus. Surze Zeit darauf gelang es jedoch den löottentottsn durchzubrechen. Sie flüchteten in die Gegend am unteren Löwenklutz, verfolgt von der bei Gawachab stehenden 7. Compagnie t. Degiments, die den Gegner am 4. und 5. Mai stellte. Am 5. kam es im Gebirge zu einem schweren Gefecht, in dem der §eind seine Stellungen verließ, verfolgt von sämtlichen Druppen» die sich in der Dühe befanden. Morenga stellt sich der englischen Polizei. 427 Nachzuholen bleibt noch ein k^ampf, der sich dicht an der Ostgrenze abspielte. Dort hatten sich südöstlich der Wasserstelle ßlipüam köottentotten — vermutlich Morsngaleute — gezeigt, die in starker Stellung in den vünen standen, löauptmann von Sappard mit der halben I. Etappenkompagnis und einem Geschütz warf sie am 18. ftpril aus ihrer Stellung, wobei der deutsche §ührer leicht und ein Seiter schwer verwundet wurde. Der Gegner entfloh nach Osten aui britisches Osbiet. — Von Morenga hatte inzwischen jede Nachricht gefehlt, bis man am 2Y. und 30. Npril erfuhr, datz er sich in dem ganz nahe der Grenze gelegenen britischen Ort Sisseport — östlich l^lipdam — aufhalte. Nm l. Mai trat er dann ganz unvermutet auf deutsches Gebiet über. Oer Kommandeur der deutschen Absperrungstruppen an der Ostgrsnze, Sauptmann Sech, brach sofort zur Verfolgung auf, und angesichts dieser energischen Maßnahmen flüchtete Morenga mit seinem Anhang wieder auf britisches Gebiet. Na die an der Grenze stationierte l^appolizei nicht stark genug war, um die Entwaffnung und Gefangennahme der Sebellen durchführen zu können, überschritt löauptmann Sech mit seinen Seitern ebenfalls die britische Grenze und überraschte am 4. Mai bei Somis Vlev — 20 km östlich von Gapütz - Morenga mit 40 seiner Krieger. Ein heftiges Gefecht entbrannte, in dem 2b löottsntottsn fielen. Sie Pferds Morengas, 23 Gewehre und l 00 Patronen wurden erbeutet. Morenga selbst, der zwei Streifschüsse erhalten hatte, entkam mit sieben unbewakkneten Segleitern und stellte sich nach kurzer Zeit der l^appolizei, von der er nach Upington gebracht werden sollte. Später wurde sein Eintreffen in priska (in Griqualand-West am südlichsten Punkt des Oranje- klussss) gemeldet. — föauptmann Sech kehrts, nachdem er noch kurz verfolgt hatte, auk deutsches Gebiet zurück. Er hat durch sein energisches, rücksichtsloses Vorgehen das Schutzgebiet von einem der wildesten Sandenkührer befreit. - Sie Sottsntottenhords, die am 5. Mai am Löwenklutz gegen die 7. Compagnie 1. Segiments gekochten hatte, war vor den sie verfolgenden Eruppcn nach Süden zurückgewichen. Es wurde festgestellt, datz am 10. Mai Johannes Lhristian, Morris und ein neu hervortretender Sandenchek namens §i!ding vereinigt am Großen §ischklutz bei Sosinbusch standen. Es ist dies 428 Der ttukstand der Hottentotten. das wilde, unwegsame (Zelände, in dem sich seinerzeit bereits schwere l^ämpks bei der Verfolgung des Cornelius §redsriks abgespielt hatten. Die löottentotten — rund 300 (Zewshrs — flüchteten vor den anrückenden Drvppen und verliehen am 15. Mai das Dal des §ischklusses in östlicher Dichtung. Leutnant Gngler, der mit wenigen Leitern ihrer Spur gefolgt war, griff sie am 1d. bei Gais an, wobei der deutsche Offizier und ein weiter fielen, während die löottentottsn weiter nach Osten zogen und am 20. die große Straße nördlich l^alkkontein überschritten. Nm 21. kiel hier ein weiter. Lluk das Gewehrfeuer eilte der in der Nähe befindliche Oberleutnant von Milczewski mit den Mannschaften seiner ffunkenstation herbei, fand bei k^ubub eins starke feindliche Schar und schritt unverzüglich zum Nngrikk, bei dem drei weiter kielen. Dann gelang es ihm noch am Nbend des 21., mit der Abteilung des Majors Nentel, der bei Noibis stand, Lichtverbindung herzustellen. Dieser trat sofort den Vormarsch an und zwang den Gegner am 23. zwischen Limas und Springpütz zum fzampk, der nach heftigem Widerstand mit dem Rückzug des §s>ndss in südlicher Dichtung - anscheinend auf Dsamab - endete. Die Verluste der Druppe betrugen: 4 weiter tot, ein Offizier und 15 weiter verwundet. Llm 24. wurde die Verfolgung fortgesetzt. In der §olgezeit wurden, um die Zugänge zur Ostgrenzs und zum Oranjekluß zu sperren, die Wasserstellen Likamas, Gl^deverwacht, Jerusalem und Ondermaitje von deutschen Druppsn besetzt, ebenso die Großen und Alainen f^arasberge und die wichtigeren Wasserstellen- am Großen §ischfluß. Major von Fre^hold, der bereits aus dem Gebiet des Oranjs nach Niais am Großen §ischkluß marschiert war, kehrte auf die Meldung, daß sich in der Gegend von Namansdrikt eine Sottentottenbande gezeigt habe, dorthin zurück. — Mit der Abteilung Nentsl vereinigte sich noch am Nachmittags des 24. bei Groendoorn die Kolonne des Majors Sieberg, die bei köudab gestanden hatte und auf den Kanonendonner des Gefechts am 23. losmarschiert war. Vereint zogen nun beide Abteilungen weiter nach Süden und holten den Gegner am 25. nachmittags bei Nukais am köamkluß ein. Nach scharfem Gefecht, das sich bis zur Dunkelheit fortzog und in dem ein Offizier und 4 Nsiter verwundet wurden, wurde der §eind nach Osten zurückgeworfen und die Verfolgung aufgenommen. - ^ . MffM « I D ÜWM!MW IM» --?' - VWWW MW 48M8Ü »E' - -- P 7 ^ ''! S . ' I siamanrdrikt, 423 Oer Ausstand der BoNcntottcn. 6m 25. morgens fand man an der Wasserstelle Lsamab den Leutnant §ürbringer und 8 weiter erschossen aut. Oer amtliche Bericht sagt, daß sie »bei Verstellung der Signallinie Bubub - Llkamas anscheinend am 24. abends überwältigt worden" seien. Leutnant §ürbringer hatte sich bereits mehrfach rühmlichst hervorgstan. Die Verfolgung der Bottsntotten in den Lagen vom 21. bis 25. Mai hatte wiederum schwere, beklagenswerte Verluste gekostet. Oer Oesamt- abgang betrug 4 Offiziere und 3b weiter, davon an Loten 2 Offiziere und 17 weiter. Oer §eind war, wie bereits bemerkt, unmittelbar nach dem Oekscht bei Oukais in östlicher Dichtung geflüchtet. Bald jedoch wandte er sich nach Norden, als ihm von Ouurdrikt aus die 9. Compagnie 2. Begiments entgegenging. Zudem wird den Bottsntotten die Besetzung der Wasserstellen des Osiabflussss durch deutsche Lruppsn nicht verborgen geblieben sein. Nördlich Lsamab kreuzten sie abermals das Bett des Bamklussss und wandten sich dann über Nagais und Oakeib auf (Zabis. Oie Kolonne §re>?hold war bereits am 28. in Baib eingetroffen. Nachdem durch Orkundunasn ermittelt worden war, datz die Bottsntotten in Stärke von etwa 250 Mann den Weg Baib-Warmbad gekreuzt und den Marsch nach Süden zu fortgesetzt hatten, wurde die Verfolgung aufgenommen. Auch die Abteilung Siebert nahm an ihr teil, unter Bergabe der letzten Bräkte von Mann und Pferd. Sie stand Snds Mai bei Warmbad, während Major Bentel den Befehl über die Lruppsn an der Ostgrsnzs übernommen hatte und Rittmeister Crmsksil, der früher an den Orotzen Barasbergsn stand, die Wasserstellen am unteren §ischklutz besetzt hielt. Oer schon öfter genannte Bauptmann von Bsntivegni durchstreifte die Orotzen Barasbergs und zersprengte dort am 2b. Mai eins Bottentottsn- bande, deren Vieh ihm in die Bände kiel. Anders kleinere Banden zeigten sich bei Stampriet am Löwenklutz, bei Boms am §ischklutz und südlich von Murutabis. Am 3. )uni holte Major von §re^hold den Oegnsr westlich von Oaobis ein und schlug ihn nach heftigem, zweitägigem Oefecht, in dem Oberleutnant Oannert und Leutnant von Abendroth kielen, sowie 10 Beitsr verwundet wurden. Verfolgt von den Abteilungen §rs^hold und Cstorff flohen die Bottsntotten zunächst in die Oranjebergs nordwestlich Violsdrikt vberitleutnant von Lltorkt ni!t OkUrieren keines Stabes. 432 Der 6ukstand der Hottentotten. und dann weiter auf Auros, in dessen Nähe sie am 21. von Oberleutnant von Stockn mit 70 Mann aus Warmbad und Major von Asntsl mit einer Compagnie und 2 Geschützen der Sesatzung von Halkkontein angegriffen und nach Südwesten zurückgeworfen wurden. Der Kanonendonner des Gefechts zog den Major Sisbsrg mit 2 Compagnien, zwei Maschinengewehren und einem Geschütz herbei, der jedoch erst nach Seendigung des Dampfes auf dem Gefschtsfeld eintraf und nunmehr gemeinsam mit der Abteilung Sentsl die Verfolgung aufnahm. Sei Auros kielen 5 Ssitsr, drei wurden verwundet, einer blieb vermißt. Die Verfolgung gestaltete sich überaus schwierig; die Abteilung Siebsrg war drei Lage hindurch ohne Wasser und mutzte infolgedessen an den Oranje rücken. An ihrer Stelle nahm von Violsdrikt aus Major von §rsv- hold von neuem die Verfolgung auf. Er folgte dem Gegner in die Oranjs- bergs östlich Autzsnkehr und griff am 23. sjuli die vereinigten Streitkräkte von Morris und Johannes Christian bei Uhabis an. Nach hartnäckigem Widerstand wurde der §eind gegen Abend vollständig zersprengt. Auf deutscher Seite kiel Oberleutnant Sariach, Leutnant Schwink und 3 Seiter wurden verwundet. Auch bei Garunarub, südwestlich von Heetmanshoop, kam es am 21. sjuli zu einem Gefecht zwischen einer deutschen Patrouille und einer etwa 30 Gewehre zählenden Sottentottenbands, anscheinend Aests der Sethanier des Cornelius. Cin Aeiter kiel, Leutnant Slock wurde schwer verwundet. Verkolgungstruppsn setzten sich sofort auf die Spur des Feindes. Seit diesen Gefechten gingen bis zum 1. Oktober Nachrichten über größere dämpfe nicht mehr ein, aber zahlreiche Überfälle, Scharmützel und patrouillsngefechts haben gezeigt, daß die noch im Felds stehenden Sottsn- tottenbanden vorläufig nicht an Unterwerfung denken. Noch stellen sie einen überaus gefährlichen, widerstandsfähigen und entschlossenen Gegner dar. - Immer wieder tauchen die Fragen auf: Woher nahmen die Hottentotten das Menschsnmaterial, die Munition und den Proviant, um einen derartig langwierigen Hrieg durchführen zu können!? Von diesen Fragen ist die anscheinend am schwierigsten zu lösende die erste, wenn man in Erwägung zieht, daß dieser lzrisg reich auch an vsrlustvollen Hämpken kür die Eingeborenen war, daß außer den im Gefecht Gefallenen bald hier, bald Die Zahl und die Hilfsquellen des §eindss 4Z3 dort Gefangene gemacht worden sind, und daß es auch an Mutlosen nicht gefehlt hat, die sich teils unseren Gruppen ergeben haben, teils nach Überschreitung der britischen Grenze sich dort entwaffnen liehen. Wenn trotzdem der Gegner immer wieder in überraschend starker Anzahl aufgetreten ist, so kann sich dies durch folgende Erwägungen erklären lassen: Einmal scheint es unzweifelhaft festzustehen, datz man von vornherein und stets die Zahl der im Grotz-Damalande lebenden Hottentotten, Bottsntottbastarde und Bottentottbuschmänner stark unterschätzt hat, und zwar besonders, weil die weitentlegenen öden Bochlandschakten des westlichen und südwestlichen Damalandes und ebenso die an die kalahari grenzenden Steppenländer zum gratzen Leil unbekannt und unerforscht waren, und daher die Zahl der sie bewohnenden, resp. sie rastlos durchstreifenden nomadischen Bewohner schwer oder garnicht geschätzt werden konnte. Dann aber werden die liebelten, nachdem sich ihre Niederwerfung in die Länge gezogen hatte, wie man mit Gewißheit annehmen kann, auch starken Zuzug aus britischem Gebiet erhalten haben. Das konnten aber die dortigen Behörden nicht verhindern, und es ist ihnen deshalb auch keineswegs ein Vorwurk aus dieser Entwicklung der Verhältnisse zu machen. Es muß vielmehr hervorgehoben werden, datz die an den Oranjeklutz grenzenden Leite der kap- kolonis mit ihren überaus schwierigen Geländeverhältnissen von jeher der Zufluchtsort und Tummelplatz allerhand lichtscheuen Gesindels waren. Darin hat sich seit den Zeiten im ersten Drittel des vorigen Jahrhunderts, in dem die koranna - Bottentottsn der Schrecken der Ansiedler der nördlichen Kap - Kolonie waren, wenig geändert, so datz das korannaland und die östlichen Leite des öden Buschmannslandes dicht südlich des Oranje noch heute verrufen sind. Auch die Kupferminen von Ookisp im Klein-Damalands mit ihrer eingeborenen Arbeiterschaft tragen nicht dazu bei, den Buk dieser Landesteile sonderlich zu heben. Zu bemerken bleibt ferner, datz auch noch Leite der Bondelzwarts und der Afrikaner-Bottentottsn dicht südlich des Oranje sitzen, und diese werden nicht gezögert haben, ihren aufständischen Verwandten zu gelegener Zeit zu Büke zu eilen und ihnen jeden Vorschub zu leisten. Auch Waffen, Munition und Proviant haben die Bebellsn ziemlich mühelos und unangefochten auf diesem Wege ergänzen können, und bei den ganz unglaublich schwierigen Lerrainverhältnissen gerade in den Bekrieg IS04-INS, 28 434 Der Llukstand der Hottentotten. bieten zu beiden Seiten des Grenzflusses darf es als kein Kunststück bezeichnet werden, irgend eins deutsche Station, einen Posten oder eins Kolonne unbemerkt zu umgehen. Unsere Gruppen als die Verfolgenden, Aufsuchenden, hatten es — wie stets die weihen Gruppen in Kolonialkriegen - hierin weit schwerer als die flüchtigen und zudem jeden Winkel und jedes Versteck ihres Landes kennenden Eingeborenen. Llus dieser ihrer Überlegenheit leitet sich auch der Umstand her, dah es ihnen in vielen Fällen gelang, gröhsrs und kleinere Uransporte zu überfallen und wegzunehmen, ja selbst in einigen §ällen Militärstationen mit geringerer IZesatzung, von denen, wie erwähnt, Jerusalem durch den Verrat eines eingeborenen Polizisten kiel. Gs liegt auf der Sand, dah auch durch diese Vorfälle Waffen, Munition und Proviant der liebelten in okt bedeutender Menge ergänzt wurden. Nahm doch Morenga allein innerhalb eines Zeitraumes von etwa drei Wochen 24 mit Proviant kür die Schutztrupps bsladsns Wagen kort, deren Sauptteil allerdings, von privaten Unternehmern aus der kapkolonis geleitet, sich ohne jede Bedeckung in §sindssland bewegte. Die durch dieses unsinnige Verhalten hervorgerufene Stärkung der Bebellen gab dem General von Urotha seinerzeit 6nlah, diesen Unternehmern das Marschieren ihrer Wagenkolonnen ohne Bedeckung energisch zu untersagen. Gndlich aber muh es als erwiesen erachtet werden, dah die Stämme des Südens, ebenso wie die Berero, bereits vor Beginn der Sukständs systematisch bedeutende Vorräte an Waffen und Munition angesammelt und an sicheren, nur Wenigen bekannten Orten versteckt hatten. Wann der so überaus schwierige Bandenkrieg im südlichsten Beil des Schutzgebiets endgültig beendet sein wird, lieh sich im Oktober noch nicht übersehen. - Inzwischen hatte das Kommando über die Schutztruppe der wieder aus Deutschland nach Südwestakrika zurückgekehrte Oberst von veimling übernommen. Oberst Dame verlieh das Schutzgebiet nach erfolgreichster Tätigkeit an der Spitze der Bruppen. Llm 2d. flugust IY06 schrieb Dr. L>. Merensk^ in Br. 43 der Oeutsch- Südwestafrikanischen Zeitung aus kestmanshoop: , Gestern ist Serr Oberst von Osimling mit seinem Stabs von hier nach Warmbad im äuhsrsten Süden unseres Schutzgebietes aufgebrochen, begleitet von den besten Wünschen der hiesigen weihen Bevölkerung, dah Die krisgslags im sssugusl. 4Z5 es ihm bald gelingen möge, die noch aufständischen Lottentotten zu vernichten. Llber was heißt hier zu Lands bald? Nicht von heute auk morgen! Nein, so schnell geht es hier nicht. XVir können höchst dankbar und zufrieden sein, wenn es unseren braven Gruppen innerhalb des nächsten Wahres gelingen wird, den südlichsten Ceil unseres Landes vollständig vom §sinds zu säubern. Zwar sind die großen Izarasbergs, diese gefährlichen und ausgedehnten Schlupfwinkel der Lottentotten, frei von größeren geschlossenen Landen. Nur in den östlichen und südlichsten teilen dieses Lebirges streifen noch einzelne Lottentotten umher, auf Viehraub und Oiebstahl ausgehend. Zwar ist ^sakob Marinka (Morsnga) und sein Llnhang unschädlich gemacht. Nbsr noch stehen Johannes Christian, Morris und anders feindliche §ührer gegen uns im §elds, und mancher brave Lsitsrsmann wird noch ins Grab sinken, ehe ihre Landen völlig aufgerieben sind. Lind eher werden wir im Süden keine Luhe haben, bis nicht der letzte Lottsntott tot oder gefangen ist. >Vas das aber unseren Cruppsn noch kür Llnstrengungen kosten wird, kann sich auch hier im Schutzgebiet nur derjenige vorstellen, der die wilden Oranjsbsrge aus eigener Llnschauung kennt. Las sind Legenden, von denen die englischen Offiziere und Soldaten jenseits des Oranje sagen, sie hätten es überhaupt nicht kür möglich gehalten, daß weiße Cruppsn in ihnen vorwärts kommen, geschweige denn dabei noch gegen einen derartig verschlagenen und flüchtigen §sind wie den Lottentotten kämpfen könnten. Dort in diesem unwirtlichen und schwierigen Lerglande hält sich der §eind verborgen, dort müssen unsere Soldaten ihn aufspüren, hetzen und stellen. Die ßriegslage ist folgende? Die Lauptmacht der Londelzwarts, unter Johannes Christian und Llbraham Morris, sitzt, ungefähr 200 Lswehrs stark, in den Oranjebergsn südlich Llhabis in der Linie Laibrivisr —Laibrivisrmund - Llußenkshr. Sie lassen sich nicht sehen, haben anscheinend wenig Vieh. Eine weitere, etwa 40 — 50 Lewehre starke feindliche Lande steht unter §ilding am unteren §ischf>uß. Llußsrdsm sind in den unzugänglichen Lunsbergsn westlich des unteren l^onkib noch kleinere Lottentottenbanden festgestellt worden. Verwendung gegen diesen §eind findet unsererseits das ganze zweite Legiment und die Lälkte des ersten. Las macht natürlich auf den ersten Llick den Eindruck, als ob wir dem §sinde an Zahl weit überlegen seien. 43b Der Aufstand der Eottsntotten. Die Lache bekommt aber gleich ein anderes Süd. wenn man sich vergegenwärtigt, was allein von diesen Gruppen zur Besetzung der Wasserstellen und zur Sicherung der Straßen von I^setmanshoop nach Warmbad und Ohabis abgeht. Dazu sind die Abgänge an kranken infolge der maßlosen Anstrengungen des §sldzugss und der großen Entbehrungen bei den enorm schwierigen Eransportverhältnissen kür den Nachschub von Proviant ganz kolossale, sodaß die Compagnien zur Zeit nicht stärker als 50 — bO Bewehre sind. Es rächt sich eben andauernd bitter, daß man nicht früher an den Sau der Eisenbahn von Lüdsritzbucht nach ßeetmanshoop herangegangen ist. Also müssen wir bei dem großen Aeinsmachen auch die Südwesters unseres Schutzgebietes ganz gründlich aufräumen. In diesem Eeile des Landes haben wir sowieso noch nie recht festen §uß gefaßt. Das muß aber endlich geschehen, wenn wir Eerren im Süden sein und bleiben wollen. Das wir aber dieses Ziel erreichen werden, dafür bürgt uns der Seist unserer Erupps. Also seien wir guten Mutes und guter Zuversicht!" - Schlußwort. Wir sind am Schluß unseres Buches, am Schluß der Beschreibung dreier schwerer und an Opksrn reicher l^riegsjahrs. §ür das ferne Deutsche Land aber ist das Blut so visier Eapfersr nicht vergebens geflossen. Dem blutgetränkten Soden ist als Saat eine neue Ära entsprossen: Die Erlösung aus dem Sänne der Eingeborenen-Serrschakt! All' die wechselvollen Ereignisse, die an unserem Auge vorübergezogen sind, weisen darauf hin, daß wir eine in jeder Einsicht neue Eingeborenenpolitik einschlagen müssen, wenn wir die Entwicklung unseres Schutzgebietes - sowohl in Einsicht auf die Weißen wie auf die §arbigsn — einer glücklichen Zukunft entgegenführen wollen. Die Eingeborenen haben es uns bewiesen, daß ihnen die Selbstbestimmung und die Verantwortlichkeit kür ihr Eun und Lassen fernerhin Schlußwort. 437 nicht mehr anheimgegeben werden kann. Sie haben bewiesen und beweisen es noch heute, daß sie einer starken, leitenden Sand bedürfen, um sie zu nützlichen Mitgliedern der menschlichen Gesellschaft machen und ihre Zukunft in sichere IZahnen lenken zu können. Die hier entstehenden Fragen sind überaus schwierige und mannigfaltige. Zollen sie in vollendeter >Vsise gelöst werden, so dürfen nicht sentimentale Gefühlsregungen, sondern der praktische Standpunkt und Aecht und Gerechtigkeit allein uns leiten. Es sind nicht humanistische Probleme, die hier der Lösung harren, sondern sozialwirtschaftliche, und deshalb so» in ihnen nicht der idealistische Volksbsglücker, sondern der Wirtschaftspolitiksr allein zu XVorts kommen. Daß alle diejenigen Stämme, die sich dem Aufstands angeschlossen hatten und niedergekämpft worden sind, das lischt auf ihren bisherigen Landbesitz verwirkt haben, wird allseitig anerkannt werden und auch den Aechtsanschauungsn der Eingeborenen, die sie als Eroberer selbst in dieser Sinsicht bstätigt haben, voll entsprechen. Ebenso berechtigt ist die Forderung einer allgemeinen Entwaffnung sämtlicher Eingeborenen, und in Verfolg dieser Forderungen wird, mit Ausnahme des Gebiets der treuen Bastarde von Aehoboth, an die Stelle der Asservatpolitik die der Lokationen zu setzen sein. Das hsitzt, kurz gesagt: Beseitigung der löäuptlingsherrschakt und der Stammesvsrbände und An- siedlung der Eingeborenen unter unmittelbarer deutscher Obrigkeit innerhalb fest abgegrenzter Gebiete, der „Lokationen". Diese Maßregeln bedeuten zugleich das Aufgeben der nomadischen Freizügigkeit und die gesetzliche Einführung der Seßhaftigkeit. Aber die Beantwortung dieser Fragen — der wichtigsten für unser Schutzgebiet, denn wir werden aus einer starken, friedlichen und arbeitsamen Eingeborsnsnbevölkerung den größten Nutzen ziehen - ist leichter auf dem Papier gegeben ais in der Praxis durchzuführen. Dem Lebensunterhalt einer solchen Menschsnmasss eins neue Grundlage zu geben, dürfte eine der schwierigsten, aber allerdings auch dankbarsten zivilisatorischen Aufgaben sein. In erster Linie wird das von den Farbigen stets vernachlässigte Aecht auf Arbeit durch den Zwang zur Arbeit ersetzt werden müssen. Lausende von ihnen werden bei allgemeinen öffentlichen und privaten kultur- tschnischen Arbeiten ihr Brot finden können, aber das wird nicht genügen, 'iMpuiA Uj jgjiox Zig 433 Der Ausstand der kZoiw-ntotten. »vlMk ! und man wird daher zu gleicher Zeit, je nach Charakter und Leistungsfähigkeit der Eingeborenen und der Beschaffenheit der Lokatio- nsn, zur Einführung neuer Culturen schreiten müssen. Ich nenne als solche nur den Anbau von Körnerfrüchten, von süßen und europäischen Kartoffeln, von Obstbäumen, von Südfrüchten, Cabak und Baumwolle, den rationellen (Zartsnbau und die Zucht des Kleinviehs, insbesondere des Wollschafs und der Angoraziege. Auch wird man der versuchsweisen Einführung gewisser Industriezweige nähertreten können. Die Unsumme von kultureller und erzieherischer Arbeit, die hier zu leisten ist, wird neben der Legierung den Missionen ein überaus reiches Arbeitsfeld sichern. Durch den Arbeitszwang der §arbigsn wird aber auch der Besiedlung des Schutzgebiets und der Kulturarbeit der weißen Basse eins weitaus gün- Schlußwort. 434 stigere Grundlage gegeben werden. Bisher mutzte die Besiedlung des Landes durch Deutsche mit äußerster Vorsicht gehandhabt werden. Sie konnte nur vorwärts gehen, solange die Zahl der Einwanderer nicht im Mißverhältnis stand zu den im Lands vorhandenen Absatzmärkten, und mutzte zum wirtschaftlichen Buin vieler führen, wenn diese keine Absatzmöglichkeit kür ihre Produkts fanden. Wenn nun auch bei den guten Aussichten des Bergbaus die Schaffung von Absatzgebieten im Lands gesichert erscheint, so ist doch auch kür den südwestakrikanischen §armsr und Dauern die gesundeste iZasis kür den wirtschaftlichen Aufschwung die Gewinnung solcher Produkte, die ihm eine Beteiligung am Weltmarkt sichern. Auf unseren rissigen Weidsgebisten ist das neben der Zucht des Großviehs und des Straußes vor allem die Gewinnung von Wolle und Mohär, aber all' diese wirtschaftlichen Getriebe sind durchaus abhängig von billigen und zuverlässigen Arbeitskräften, die wir in den auk die Lokationen verteilten Eingeborenen in Zukunft besitzen werden. Ich will mit meinen Ausführungen aber nicht etwa einer binnen kurzem ins uferlose gesteigerten Besiedlung des Landes das Wort reden. Diese darf vielmehr durchaus nicht ein Eilmarschtempo annehmen, sondern soll ruhige und sichere Bahnen gehen; aber die kür die Zukunft zu erobernde Beteiligung am Weltmarkt, die neben den Märkten des Landes ebenfalls kür die Eingeborenen-l^ulturen in §rage kommen mutz, wird allmählich doch einen lebhafteren §ortgang der Besiedlung zulassen. Diese Ziels müssen zunächst erstrebt werden, denn dann erst wird unser schönes Schutzgebiet im wechselseitigen Austausch der Produkte aus seiner Zurück- gezogenheit heraus dem Mutterlands und der Welt näher treten. Dann werden wir auch das vielleicht erreichen, was unseren Kolonien heute noch kehlt, daß sie nämlich ein einmütiges Arbeitsfeld der Dation werden. «Eine deutsche l^olonialpolitik", sagte §ürst Bismarck, «ist nur möglich, wenn sie von der Mehrheit des nationalen Woliens mit Entschlossenheit und Überzeugung getragen wird!" Eingedenk dieser mahnenden Worte haben wir insgesamt die nationale Pflicht, auk dieses Ziel hinsteuern zu helfen und das große Werk zu fördern, wo wir nur können. Und ich bin gewiß, daß dann einst die Bürger des mit dem Blute so vieler Eapkeren erworbenen Deu-Deutschlands 440 Der ssluhtand der HottenMNen. auch ihre Heimat mit den stolzen Versen preisen können, die das „Deutsche Haus" auk der Weltausstellung in Lhikago zum I^uhms des Vaterlandes trug: Wehrhaft und nahrhaft, Voll k^rakt und Cisen, Voll Horn und Wein, HIangreich, gedankenreich, Dich will ich preisen, Vaterland mein! ! Anlagen. Llnlags l. Verzeichnis der während des kösrsro-5lufstandss ermordeten Personen, sowie der im (Zetecht gefallenen Personen der Zivilbevölkerung. (Nach der Oeutsch-Südwestafrikanischen Zeitung.) ^ o t e n I i st s. N. Ermordete. I. Karmer. 1. Nähre, §arm (Zub, Out.*) dortselbst. 2. Blohm, auf Okatjapja. 3. Breit, klsin-Windhuk, Nowas dorts. 4. Bremsn, Otjozonjati, OK., dortselbst. 5. Sraf zu Oohna, auf Waterbsrg. 6. Kreiherr v. Kalkenhaussn auf Otjitwesu. 7. Sräfe, Otjimukandi, So., dortselbst. 8. Sütl), Otjomikambo, 6r., b. Bamakari. 9. Noth, Orutsiva, OK., dortselbst. lO. Boy, Lhasanonib, Out. „ I I. Büdner, Okahoa, So., „ 12. Mrstsin, Särt., Sr. Barmen, OK. „ 13. koczarski, Otjiseva, Wi., „ 14. koczsrowski, Stamprist, So., „ 15. kulbe, Omihi, OK., 16. külbel, Oviumbo, OK. „ 17. Lange, Nlsin-Barmsn, OK., „ 18. Müller, Okanatsikuma, OK., 19. Merkel, Suigab, Sr., „ 20. Peter, Karrn Petersburg, Out, bei palakontsin 21. Peters, Okatjirute, OK., dortselbst. 22. pllst, Krauenstsin, Wi. 23. polzin, Otjisemba, OK., „ 24. Robertson, Witfrouw, Na.. „ 25. Schneider, Okarupa-Otjihangue, OK., 26. w. Schröder, Okandjose, OK „ 27. Schwarz, Bsuwandss, Out. „ 28. Steinfurth, Okatjongeama, Sr. „ 29. Utz, Omussrakomba, OK., „ 30. Vorbsrg, Ongsama, Wi., auf dem Wegs nach Krauenstsin. 31. Wittmsr, Otsomikambo, Sr., aufOtjituo. 32. Zimmsrmann, Osombanda, OK., dorts. 2. Karmangsstsllte. 33. Lllisch, §arm Bokknung, Wi., im Kslde. 34. Bisrmansky, §arm §ran>;ois, Wi, dorts. 35. Böhme, Okombahs, OK., dortselbst. 36. Bamss, Krauenstsin, Wi., 37. von Lstorff, bei Sraf zu Oohna, auf Waterbsrg. 38. Lange jun., Klein-Barmen, OK., dorts. 39. Lshrke, Orutsiva, OK., dortselbst. 40. Loutsch, Spitzkoppjes, Sw. „ 41. Lücking, Ongombeanavita, OK., dorts. 42. Meinz, Okombepera, OK., dorts. 43. Schauwecker, Otjimukandi, So., » 3. Kaufleute und Bändler. 44. Orts, Otjihaenena, Wi., bei Seeis 45. Bahr, Otjiruss, OK., dortselbst. 46. Bsrtermann, Owikokorsro, auf der Klucht nach Okahandja. 47. Bolz, Wi, bei Seeis. 48. Vebald, Waterbsrg, OK., doriselbst. 49. Berieth, Seeis (als Unteroffizier eingezogen), dortselbst. 50. viekmann, OK., dortselbst. 51. Sngbart, Ösukelsbach, OK., b. Otjiseva. 52. Ksedler, Otjisemba, OK., im Kelds. 53. Kranke, Otjisasu, OK, dortselbst. 54. Krisdrichs, Okatjapja, OK., auf Otjisasu. 55. Kuchs, Omburo, Om., dortselbst. 56. ^ohr, Okombahe-Batbout, Om., dorts. 57. )oost, Stiro, Om, unterwegs. 58. krause, Om., auf Omapia. 59. kronswittsr, Otjimbingwe, ka., dorts 60 kuntzs, Otjimbuko,OK., aukOkahandja. 61. Lange, Otjimbuko, OK., dortselbst. > 62. Lindner, Otjisongatti, OK., bei Seeis. 63. Mengis, Okaharui, OK., dortselbst. 64. Me^er, Otjimbuko, OK., auf der Klucht nach Okahandja. 65. Müller, Stiro, Om., auf Viehposten. 66. Beinicke, Otjikurume, OK., auf dem Wege nach Waterberg 67. Bisks, Okatumba, OK., dortselbst. 68. Bolle, Sundo, OK., » 69. Bossnhausr, Otjimbuko, OK., auk der Klucht nach Okahandja. 70. Bosenthal, KIsin-Barmsn, OK., dorts. 71. Schäker, wahrschsinlichOvambohändler, bei Okaukwsjo. 72. Schmidt, Orumbo, Wi., dortselbst. 73. Schmidt, Shsameno, OK., dortselbst. 74. Schneidewindt, war als Unteroffizier eingezogen, Omaruru, auf dem Wegs nach dort 75. Schreiber, Otjomangombs, OK., dorts. 76. Schubert, Okatumba, OK., „ 77. Sonnenberg, Waterberg, OK., „ 78. Warnks, Bamakari, OK, „ 79. Wende, Otjitsrasu, OK., 80. Wille, Segend von Otjikurume Die Abkürzungen bedeuten: So. — Distrikt (ZObabis, Or. ^ Distrikt Oroottontem, OK. — Distrikt Oknbnndjcl, Out. ^ Dezirk Outjo, Wi. 6ezirk Windi)uk. 4. Buren. 81. Botha, im vislr. Sobabis. 82. Bis, k^aukurus, So., dortselbst. 8Z. Broblsr, Buplats, 6r., nahe Otjo- mangombs. 84. Mac Donald, Okombahs, OK., dorts. 85. van Heerden, im Distr. Sobabis. 86. Boos, 6r., nahe Otjomangombe. 87. Uz?s, l^owas, Sibeon, dortselbst. 5. Handwerker. 88. Böttcher (Schlächter), Okanjande, OK., dortselbst. 89. Lenzet (Maurer), Sr., auf VVaterberg. 90. Slofkka (Maler), OK., Otjosonjati. 91. Herbst (Tischler), l^a., auf Okombahe. 92. Hermann (Maler), OK., auf Okasise. 92. >3oza (Maurer), Otjihaenena, Wi., dortselbst. 94. Schmidt (Maurer),VVi.,aufOtjihasnena. 95. Stübsr (Bergmann), Otjosonjati, OK., dortselbst. 6. Bsgierungsangestsllts 96. Hackelberg, Mstzgshülfs. Windhuk b. Sssis. 97. Hoepnsr, Lsgationsrat, Berlin, aus Waterbsrg. 98. Lehmann, Streckenwärter, löabis, >3a., dortselbst, 99. Mossnhausr, Mstzgehülfs, Windhuk bei Sseis. 100. prengel, Brunnenbohrsr, l^aribib, am Omatakobsrgs. 101. Schulz, Streckenwärter, Okahandja bei Osonna. 102. Lausendkrsund, Livilpolizist, Otjissva, Wi., dortselbst. 102. Hoffmann, Stisksohn des vorigen, bei Otjissva. 104. Uhlhorn, Bahnmeister, Okasise, OK., dortselbst. 105. Waterme^er, Landw. Sachverständig., Windhuk, auf Waterbsrg. 7. Ungehörige der Schutztruppe. 106. Bergmann, Beiter, OK., auf Impfposten. 107. Lolberg,Beit,BrootfonteinaufOtjituo. 103. Domschks, Bsitsr, VVaterberg, dorts. 109. Latz, Unteroffizier, Witvlsv, Lo., dorts. 110. Hülschsr, Bsiter, VVaterberg, dortselbst 111. frottier, Unteroffizier, VVaterberg, dorts. 112. Nordbruch, Bsitsr, So., auf Oas. 112 Pispho,6sfr., LrootfonteinaufOtjltuo. 114. placzeck, Serg., OK., auf Otjisongati. 115. Bademacher, Serg., VVaterberg, dorts. 116. Bakete, Bsitsr, VVaterberg, dortselbst. 117. Stehle, Befreiter, OK., auf Impfposten. 118. Lröltzsch, Lefr., Windhuk auf Otjissva. 8. §rauen. 119. §rau viskmann, Okahandja, dorts. 120. §rau Lroblsr, bei Otjomangombe. 121. §rau Müller, Okanatjikuma, OK., dorts. 122. §rau Boos, bei Otjomangombe. 122. §rau Utz, Omuserakomba, OK., dorts. Mißhandelt oder verwundet sind außer- dem noch acht fronen. 1Z. Gefallene aus der Zivilbevölkerung. I. Landesangehörige. Setalien bei: 124. Bhlsnberg, Maurer, Windhuk Owikokorsro 125. Bachmann, farmangsstellter auf Hsusis, Wi. „ 126. Bendi)c, Bsgier.-Baumeister, Ingenieur der Otavibahn „ 127. Bönsch, Särtn. in Kl.-Wi. Okatumba 128. Boz'ssn jun., l^fm. in Wi. Okahandja 129. v Lrffa, Beksrsndar, Wi. Onganjlra >30. fackert, Lokomotivf., Wi., Okahandja l31. §shr, Händler, OutjoOtjihinamaparero >32. v. §ran;ois, farmsr, form §ran;ois, Wi. Owikokorsro 133. Sanzhorn, Särtn., l^aribib Baribib >34. Berlitz, Zimm.-Pol., Wi. Omaruru 135. Berwinsk^,Mag -Buks.,VVi Okahandja 136. Brundmann, Min -Brb., OK. „ 137. Heilige, Maurer, OK. „ >38. l^ämpny, Lisrarzt, l^aribib Baribib >39. >3U)c, Händl., Otjitsrasu Okahandja l 40. Mvkitta, Händler u. farmer, Otjomangombe, OK. Barmen >41 Dörr, Zollamtsass, Wi. Okaharui >42. Obermayr, Schuhm., Om. Omaruru 143. Bock, Lissnbahnass., Sw Okahandja 144. Budolph, Bauuntsrn, Wi „ 145. Schliepen, Lokomotivf, lkar. „ 146. Schiomka, farmvsrw., Bunt- sas, Sr. Koblenz 147 M. Schröder, Händler und farmsr, ka. l^aribib 148. Schultzs, Obsrlsutn., farmer, Out. Otjihinamaparero 149. Seelmann, Maurer, >3a. Omaruru 150. Sepp,Beg-Lierarzt, Wi. Owikokoreo 151 Stegmann, Lischler, Wi. „ 152. Stokamp, Lissnbahnarb. Okahandja 153. Lhiesms^er, Begierungs- landmesser, Wi. Owikokorsro 154. VVellstsin, farmer im vistr. Bob. 155. Zöllner, Brbsitsr in Sw. Barmen 156. Zulott. Bauuntern in Wi. Okahandja 2. Busländer, die sich als freiwillige in den Dienst der Landesverteidigung gestellt hatten. Befallen bei: 157. fossati (ltaliensr), Lissn- bahnarbsiter, Swakop- mund, Okahandja 158. Huz>t (franzose) Otjomaso 159. pietro (Italiener), Bisen- bahnarbsiter, Swakop- mund Okahandja. L. Nachträglich gemeldet: 160. Hutschsnreiter, Händler, Ltaneno erm. 161. Schumacher, Bauuntsrn, Otjenga „ 162. Seufferheldt,Larl,l^aufm.,vaidaus „ Anlage 2. o l) e r s i ch t der in den fahren 1404 bis 140b nach Osutsch-Südwsstairika entsandten Truppentransports. 1904 . 51. Vorn Oberkommando der öchutztruppsn aufgestellte Transports.*) Nr. Name des Dransportführsrs Stärke Offiziere, Sanitätsoffiziere, Obsr- bsamts des Urans Mannschaften und Unterbeamte rorts **) Pferds auf Dampfer Datum der Nbfahrt ^ Nnkunkt in***) Demsrkungen 1 Obsrlt. v Winklsr . . 3 214 Ornst VVoermann 6. 1. 3. 2. Llblösungstransport; trat die Dusrsise vor Nusbruch des Nukstandes an. 2 Marine-Oxpsd. - l4orps, 34 644 Darmstadt 21. I. 4. 2. darunter 2 Offiziere, 60 Mann Oisen- Major v. Slasenapp bahntruppen 3 löatiptmann Puder . . 4 180 Ndolf VVoermann 30. 1. 23. 2. 4 Sauptm. v. Oagsnski . 18 340 6 Lueis VVoermann 6. 2. 1. 3. S „ v. Oertzsn . . 2 3 800 Langton Orange 17. 3. 3. 4. darunter rund 250 Maultiers aus Hrgen- Innen 6 Major v. d. lösvds . . 1b 400 Teldmarschall 25 3 17. 4. . 7 Sauptm. Nsmbs . . . 4 125 500 Markgraf 30. 3. 20. 4. 1 Datterie 8 „ Stahl . . . 8 125 650 Ontrs Nios 30. 3. 21. 4. 1 Satten e y Major v. Mühlenfels . 37 514 50 Lucie VVoermann 7. 4. 28. 4. 10 Obsrlt. v Darsewisch 4 30 Omilie VVoermann 16. 4. 16. 5. Oisenbahntruppen 11 köauptm. v. klitzing . . 17 165 Ssrzog 30. 4. 24. 5. Maschinengewehr-Llbt. und Tunken- telsgraphen-Dstachsmsnt zusammen . . . 162 2850 2006 4 vas Marine-LicpsLitionskorps wurde vom tlslchsmorlnsamt aufgestellt, "i Nie Zalilen sind z. d. abgerundete. "'> Wenn nichts besonderes bemerkt: Swakopmund. 6. Vorn preußischen ^riegsrninlstsrlum aufgestellte Transporte. Dr. Bezeichnung der §ormation Stärke Offiziers pp. des Eran Mannschaften pp Sports Pferds auf Dampfer Dat dc Sbfahrt UM r Ankunft in Bemerkungen Übertrag. 162 2850 2006 12 Oberkommando u. Etappenkdo. 73 496 420 Eleonore XVosrm. 20. 5. 11. 6. u. Montevideo 13 Stab und I. Bataillon 2. Begiments 32 533 780 flachsn u. Schlesrv. I.6.U.7. 6. 23. u. 27.6. 14 III. Bataillon 2. Bgts; I Batterie 26 485 Lucie VOoermann 7. 6. 30. 6. Lüderltzb. 15 II. Bataillon 2. Bgts, u 2. Batterie 38 671 920 palatia 17. 6. 10. 7. 16 2., 3. Ersatzkompagnie 53 575 750 OertruLVVoermann 23. 7. 16. 17. 8. u. Montevideo 17 §sldtslegrapl)sn- u. §eldsignalabteilung 18 358 550 XVittekind 6. 8. 30. 8. 18 2. Kolonnen- u Schsinvverfsrabt. 32 812 200 Silvia 20. 8. 12. y. 19 1. Ersatzbatterie 7 135 ftlcxandra Woerm. 30. 8. 25. y. 20 Eisenbahn-Bataillon 16 391 Ernst XVoermann 30. y. 26. 10. 21 4. Ersatzkomp., 2. Ersatzbatterie, 25 376 300 Oertrud Woerman n 26. 10. 19. 11. bei Srvakopmund §eldvermessungstrupp gestrandet. Verluste sind nicht eingetreten. 22 Bebirgsbattsris 7 213 220 Bans XVoermann 17. 10. 13. 11. Lüderltzb. 23 IV. Btln. 2. Ngts. u. Stab d. Etappen- 45 565 630 Erich u. Eduard 12. 11. 9. 12. Kommandos Süd XVoermann Lüderltzb. 24 Eransportbataillon zu 5 Bomp. 22 860 Pros. XVoermann 22. 11. 20. 12. 25 2 Eransportkomp., l. Etappenkomp. 40 531 1000 palatia 6. 12. 27. 12. u. Sanitätspersonal Svvakop- mund und Lüderltzb. 2b 2. §eldtelegrapl)sn u. 2. §unkente>egr.- 16 394 580 Wittskind 17. 12. 31. 12. Abteilung Lüderltzb. 27 Stab u. 2 Proviantkolonnen der 3. Bo- 23 672 94 Prinzregent 23. 12. 13. 1. 05. lonnenabteilung. — 4. Bolonnenabtlg. — Verstärkung der 1. Bolonnenabtlg. Lüderitzb. 1904: SZ5 10 917 8420 1905 Nr. Bezeichnung der Formation Stärke Oktizisrs pp. des Erar Mannschaften pp. Sports Pferde auf Oampfer va d Llbfahrt tum er Ankunft in Bemerkungen 28 3 proviantkol. der 3. Bolonnenabtlg., 3b 1045 500 Lulu Bohlen 16. 1. 12 2 2., 3. Etappenkomp., Pferdedepot u Bans Woerrnann Sxvakopm. Süd, Sanitätskuhrpark u.Lüderitzb. 29 2. Scheinvverferabtlg., Feldsignalisten, 32 115 Belgrano 30. 1. I. 3. Sanitätspersonal Svv.u.Lüd. 30 Stab u. 5 Proviantkolonnen der 5. Bo- 34 800 210 Eduard u Nnna 15. 2. 10. 3. lonnenabteilung Woerrnann 31 4. Etappenkomp., 2 Eransportkomp., 40 500 200 Pros. Woerrnann 28 2. 24. 3. Sanitätspersonal Svv. u. Lud. 32 2 Eransportkomp. u. Verstärkungen 30 342 435 Lulu Bohlen 20. 4. 15. 5. verschied. Formationen 33 4 Eransportkomp. u. Verstärkungen 50 620 355 Eduard Woerrnann 31. 5. 22 6 34 5. Etappenkomp. u. Verstärkungen 1b 290 500 Lulu Bohlen 29. 7. 23. 8. Lüderitzb. 35 4 Eransportkomp. 70 674 500 Ld. u. Me)c. Woerrn. 31. 8. 22 u 26.9 3b 1 Eransportkornp. u. Verstärkungen 17 100 Bons Woerrnann 30. 10. 27 11. 37 1 Eransportkomp. 5 64 prof. Woerrnann 15. 12. >0 I 06 1905: 330 4550 2700 I 1906 . 38 4 Eransportkomp. 30 590 Erna Woerrnann 18 I. 10 2 Lüderitzb. 39 4 42 550 800 (Zertr. W. u L Bohl 5. 2. I. 3 40 6 42 750 840 Ed u prof Woerrn 28 2. 21. 3 41 I Eransportkoinp. u. Pfsrdstransport I 200 1000 Sertr.W. u L. Bohl 30. 4. 25. 5 42 Pferdetransport 1000 Montev. u. Ed. W. 15. 5. 7. 6 i Den Pferdeiransporten t waren Degleitkommandos 43 1000 pisa u. prof. W 30. 5. 20 6. 1 bsigegeben, Sie alsbalS noch 44 160 Erna Woerrnann 30. 7. 22. 8. Deutschland zurückkehrten 1906: 115 2090 4800 ! >904 . . . 635 10917 8 450 1905 . . . 330 4 550 2 700 1906 . . . 115 2 090 4 800 Insgesamt: 1080 17 557 15 950 Druck von IZoolenstein k Vogler ss>. S. Derlin S. 42. Xu: Doi'm.8ü(^68tuü'1I^ 1304-1306. - - - § § MMtz ,x>» ' »Ur/Ärs^ XL. Okrrolmoo > "4''<»«8, « L> ^ >>L?r/ÄT^L«5 8-7/r ^/r^/^Lw/rE N7«2" ^rsr/s » Z^rms/v/^o! . o V.Vnse^n /L -^s Lien«k0^e ^ LAAL§ . r/Ä?Ü^r^s^ / ' SQ4/>^ 7 ^ '"-»^Za^ ^ > -l'«,L-r! - T'SM» M-- /SATT? / ^öxÄaÄsM^ ^vr <ÄÄ??W0 I ) ^ E, ^ ^ ^ ^ ^SWEE ^ ^ ^ ^ . , X.' .» _ ^EsErH^s^ .^i - ^ X > o>. -»^B,t?LsL»?«v cx^v^ - kMSMV SAL?usr«>k- x!o o«K^-L« ^ ^ ^ S»7?N^ V>^ SL/SS/V-V-1/V-VL'/? "! L.Lr'osr x ^ " ^/) iü^ 8 ^ !"Z"Z ^ 8'^ » ä^z. tz'F?Z^ ^ '- -L -L Lv?d 7"»^'-,. ^ ss^L-s»»^ - Vs»LM?^ Sl^'rHSr-r si.^M-iLLk >) orv««ov '---s ' XXM7-D^s ^W?.^s U. 5 -? ! > 7"^ ^-?sM ^ >8 ! o ^ r»^ i Er D.K7""^«' -Z ^ - ^ - L sV:.. . 'i j x , - L. ///k>I/?/! sx/ ^SE -^-> M ^ > ^L s ) o^LLv/VS . , ^ . . ^ // -h'^SoSL'/V ?L ^ ! -7- fL'^. /'v.^ 2s^7L V ^ l ^SMvr/! hs«rj.i.rH ""' üs^^mVM^s'n. XtLLrrvVi. ^ ^A>rL/^L-L^L >.; ;^7>vA S /»IL X7- /- -/? 0 ä° ^ i TE x ^,v ^v ^ u ^ , ^ >v ^ - ^«Si? Hber»! clrt «Icsrt v VON MIH80H- 8i l^V^8 I ' VIUIXV . 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