»MNi WM HWWWÄD ÄiüÄiMit m- kx ».> 8 «rr 5 klsnmonn^oi-tin -- -- - ' -^ ^ - - - ^ - --S' - ."- -- -<'*^'''' 2L2!!.^4 ^«-' »» »» > - < W«» e M .» ^ ' M- « » M» 4 , «»> LWrLL- «--»»r ' - mische Neiter Selbsterlebnisse aus den Kämpfen m 2 in Deutsch-Südwestafrika sm Nach persönlichen Berichten bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe Generalleutnant z. D. Mit zahlreichen Porträts und Illustrationen nach Originalphotographien und Zeichnungen von C. Becker, V. Huen, O. Merte Berlin * Leipzig * Wien * Stuttgart Deutsches Verlagshaus Bong L Co. vkknisckss NMZSUMWiSN vivrioruLK Alle Rechte vorbehalten Drulk von C. Grumbach in Leipziq Seiner Hoheit Johann Albrecht Herzog zu Mecklenburg, Regenten des Herzogtums Braunschweig, Präsidenten der Deutschen Kolonialgesellschaft, dem erhabenen Förderer deutsch-kolonialer Interessen, in tiefster Ehrfurcht gewidmet Inhalts-Verzeichnis. Die mit * versehenen Aufsätze sind illustriert. Seite Seite Vorwort. 1 * Einleitung (von Dincklage). 4 * Abenteuer eines Frischlings (H. Alber) . . . 344 Aber jetzt hoch! (H. Sommer).208 "Aber vorher müssen noch viele andere Bestien daran glauben (Neubecker).323 850 Biwaks (Schitteck).318 *Ach wäre es doch Abend und die Preußen kämen! (A. Freistein).270 *Ach wat, lat se man schießen! (G. Nikolaus) 41 Afrikanische Biwaksnacht einer Patrouille (von Diezelsky). 273 Afrikanisches Reiterlied (Goerke).409 Allgemeine Übersicht. 9 Als erster in der feindlichen Stellung bei Ganams (E. Eckardt).430 Als Etavpenkommandant in Lüderitzbucht (Trott) 423 Als Mitkämpfer am Waterbcrge (M. Tötschel) 399 Am Fischfluß (Rossen).296 *Am Totenhügel von Sperlingspütz (P. Fellcr) 450 *An der Kalahari (von der Heyde) .... 356 *Aus dem Verfolgnugsstreiszuge desHauptmanns Klein (M. Hirschmann).463 *A»f dem Wege nach Hartebcestmund (M. Exner) 115 *Auf der Spur der Mörder (K. Hubert) . . 290 *Auf der Spur Morengas (E. Klages) . . . 135 *Auf der Suche nach ausgebrochenen Maultieren und Pferden (M. Wernicke) ..... 347 Auf der Suche nach Hcreros in der Omaheke (W. Warstat).422 * Aufklärungspatrouille gegen die Witboois (H. A. von Herrenkirchen).276 *Auf umstellter 51uppe beiKeidorus (Knillmann) 451 * Aus dem Gefecht bei Aob (Große Karrasberge) (Freiherr Grote).146 Aus den Erlebnissen des Hauptmnuns von Koppy (W. Schütze).416 *Aus den Kämpfen bei Groß-Nabas (Rath) . 76 *Aus den Kämpfen Leutweins gegen Hendrik Witbooi in der Naukluft, August, September 1894 (C. von Perbandt) .... 46 *Aus der Geschichte der 7. Kompagnie 1. Feldregiments (Brentano-Bernarda) .... 307 *Aus Hauptmann Frankes Zug (P. Rossa). . 100 Aus meinem Tagebuche (O. Jäger) .... 322 *Aus schweren Tagen (von Hammerstein) . . 97 * Bedenkliche Tage für die Artillerie am Auob (Moßner).29 *Bei den Speckfahrern (Jacubowsky) . . . 438 Bei der Donkeykolonne (M. Augustin) . . . 254 *Bei der 5. Batterie (W. Lorenz).92 *Bei der Ostabteilung (Witt).179 *Bei der 4. Batterie (von Madai) .... 204 *Bei Gawachab (von Oppen).110 *Bei Naris (K. Schnehage).67 *Bei Uitkomst (Dr. P. Rohrbach) . - . . . 242 * Bis zur englischen Grenze (H. Böttlin). . . 51 Bitte, nehmt mich mit! (M. Völker) .... 230 *Bravo! Der Verwunoete kämvft weiter! (G. Arnold).281 Danki, danki, Mister! (F. Baltruschat) . . . 295 Das Leben unserer Truppen im Felde (von Deimling).474 Das Maschinengewehr kam zur rechten Zeit (P. Wenzlaff).283 *Das war kein Zuckerlecken! (A. Kohlschmidt) . 305 Da wußte ich erst, daß ich unter dem Wagen liege! (A. Spiegel).350 Den werden wir auch bald haben! (I. Graf) . 250 *Der Ausguck in der Baumkrone (Koch) . . 74 Der brave Obotrite (G. Petterson).245 *Der Damaraknabe (Jessen).- 436 *Der Feldbäcker muß alles können (Hilger) . 414 *Der große Angriff (S. Theus).132 Der Hauptmann ist tot! (Mater).55 *Der Heldentod der Leutnants von Heydebreck und Schmidt bei Alurisfontein (H. Heinz) 70 Der Heldentod des Grafen Wolf Werner von Arnim (Puder) ..126 *Der Heldentod zweier Offiziere (Schneider) . 153 *Der Ingenieur unter der Waffe (E Dieterichs) 444 *Ter Kampf um die Wasserstelle Tsannarob (A. Burgemeister).255 *Der Obermeister bei der Arbeit, im Gefecht und als Reiter (P. Baicr).172 Der Simmentaler Bulle (W. Linkt) .... 446 Deutsche Frauen im Kampfe für Südwestafrika (H. von Falkenhausen) ....... 477 *Die 8. Kompagnie 1. Feldrcgiments im September 1904 (von Welck).160 *Die arme Frau! (Engel).267 *Die Eisenbahn durch die Wanderdünen (Schulze) 184 Die gestohleneKuh war da! Aber—(Wenderhold) 287 *Die Hauptabteilung (Frhr. von Walter) . . 235 *Die 9. (Gebirgs-) Batterie (Gross) .... 448 Die schießen aber gut! — O ja, es geht so einigermaßen! (G. Knittel).175 *Die schwarze Wampe und die ersten Blauen (H. Ratzow).177 * Dieser Satan soll die Verwundung unseres Leutnants mit dem Leben bezahlen! (P.Jaron) 108 *Die Überfallstelle (Reiche).466 *Die Waffen gerettet! (Baumecker) .... 404 Drei feindliche Salven! (K. Weber) .... 190 *Du, nimm auch mal deinen Hut ab! (I. Hnber) 249 * Durch unerforschtes Gebiet (Epp) .... 362 Durst (H. Sewing). .113 Ein alter Afrikaner (K. Heidenreich) ... 280 Ein alter Veteran (H. Fischer).473 *Eine kleine Durststrecke (F. Gerlach) .... 247 VI Seite *Eine wilde Jagd (F. I. Mohr).264 Ein gefallener Held (von Kalckreuth) .... 354 *Ein Hubertustag (Krahmer-Möllenberg) . . 284 *Ein Melderitt nnter Oberleninant von Kummer (W. Nieß).396 *Ein Patrouillcnritt (E. von Salzmann) . . 216 *Ein Patrouillenritt in Afrika (von Barsewisch) 401 *Ein Ritt auf Leben und Tod! (R. Arendt) . 49 *Ein schlinimer Tag (M. B. Salomon) . . . 239 *Ein Transport nach der Omaheke (E. Klein) . 392 *Ein treuer Bursche (Wilke) ..333 Ein Truppendichter (O. Pahl).338 Ein unterbrochener Kaiserritt (Lindner) . . . 130 * Eisenbahnfahrt Swakopmund—Okahandja (Henneking).426 *Ende gut, alles gut (von Reinersdorff) . . 258 Episode aus dem Gefecht bei Otjunda (Sturmfeld) (C. von Perbandt).470 * Episoden aus den Kämpfen am Waterberg (I. Krüger).395 *Es ist alles möglich! (Schwiedersky) . . . 163 * Feuertaufe (W- Täubrich).37 * Freiwilliger vor! (M. Barbitzki).316 * Fünffach verwundet (P. Kretschmer) .... 297 *Fllr tot gehalten (P. Helm).149 * Gefecht bei Hartcbeestmnndrivier (O. Rolle) . 200 * Gefecht bei Kawigaus (Traegcr).302 * Gegen die Feldschuhträger (M. Fenchel) . . 420 Gegen die Hereros (Schütte).390 Gegen Morenga (G. Mesech).94 Gerechte Entrüstung eines braven Veteranen! (F. Rantzau).315 *Herr Leutnant, da sind Schwarze! (von Plehwe) 60 Hilfe in der Not! (I. Kippert) .319 *Jm Busch verirrt (A. Schubert).320 Im Dienste der Menschheit (F. Stuck) . . . 282 Immer mit frischem Mut! (M. Hoffmann) . . 330 Im Regen (H. Pütz).335 *Jn der Omaheke (K. Hertel).43 * Kerls, das sind die Hereros! (A. Hesse) . . 155 * Kinder, haltet aus! (R. Arendt).209 *Kinder, ihr habt's gemacht! (W. Preiser) . . 368 ^Krankentransport auf Munilionswagen durch die Omaheke (Ostermann).412 *Krcuz und Schwert (M. Schmidt) .... 371 Kritische Lage (M. Rcimann).106 * Leben und Treiben auf der Reede von Swakopmund (M. Pfannschmidt) . . . 460 Links und rechts sah man schon Roß und Reiter liegen (A. Wcßler).159 * Marineinfanterie bei der Westabteilung (Weyrauther).191 Mißglückter Überfall der Hottentotten bei Norechab (D. Korst).156 *Mit dem Maschinengewehr den Fclshang hinauf (H. Nehbock).466 *Mit dem Prinzen Joachim Albrecht von Preußen in den Karrasbergcn (Roosen) .... 377 *Mit den Wassersäcken (O. Jaeger) .... 428 Mit der Kompagnie d'Arrest (Funk) .... 366 *Mit Heldenmut und letzter Kraft (Ad. Hofmann) 32 Mit Hurra, 5. Batterie! (von Wolf) .... 331 Morengas Ende (von dem Hagen) .... 452 *Nubib (Macrcker).120 Nur schade um die Pfeife! (Schoepe) .... 171 * Patrouille des Leutnants Freiherrn von Bodenhausen (H. Schröder) .... 458 Patrouillenritt im Hererolande (Volley) . . . 198 ^Revanche für den Überfall (Gaertner) . . . 105 * Sanitätsdienst im Gefecht bei Otjihinamaparero (Dr. P. Kühn).212 Seite * Schießt mir die Kerls herunter! (M. Jllgen) 440 Schwarze kommen! (Clemens).251 * Schwester Mary Jonas (Ein Offizier der , 3. Feldbatterie). 479 * Sergeant, da stehen Kaffern! (H. Schütt) . . 328 * Simon Copper machte — den Kessel zu (R. Arendt). 352 *Tom (R. Volkmann). 298 Treue Pflichterfüllung (H. Wolfs).142 *Über die englische Grenze! (F. Kolbcrg) . . 140 *Über die Grenze! (Bech).282 * Überfall bei Nakab, nördlich Ariam (P. Herzog) 64 ^Überfall von Ochsenwagen (H. Schulz) . . . 468 ÜberHereros und Hottentotten (K Schmodojinsky) 355 *Uniere Feinde, die Hottentotten (von Schauroth) 406 * Unser Ritt nach dem Kuiseb (O. Sommer) . 360 *Uns gehörte der Platz! (N. Rogge) .... 292 *1lnter Leutnant von Auer auf dem Waterberg (I. Mumm).442 Unter Major von Freyhold (F- Szameitat) . . 166 * Unter unserm Hauptmann (S. Kocur) . . . 225 ^Verzweifelte Lage (Schultz).257 * Vier Tage allein und verwundet zwischen den Hottentotten (F. Wilke).340 Bon drei Kuppen kam das Feuer! (M. Reiche!) 403 *Vor uns brannten 30 Feuer! (O. Heckel) . . 128 * Vorwärts auf die Düne! (R. Walcher) . . 300 * Weihnachten und Silvester 1904 bei der Abteilung Meister (K. Schnehage) . . . 220 Wenn das die Kerle gewußt hätten! (G. Weber) 126 Wenn nur der Proviant nicht fehlte! (G. Czirwon).272 *Wer im Krieg will Unglück hau, fang es mit den Deutschen an! (Manger).84 * Wie das Wasser kam !P. Bergmeier) . . 244 Wie durch ein Wunder! (W. Czarnetzki) . . 214 Wie es unseren Kranken und Verwundeten in Südwestafrika erging (Dr. Schian) . . . 410 Wie half mau sich beim Durstmarsch durch die Wüste Kalahari? (Vollstedt).252 Wie man sich hilft (Pieper).319 Wie sich unsere Offiziere sehnten und drängten, an den Feind zu kommen (Muther) - . 463 *Wie sieht unsere Kolonie aus? (K.Frydrychowicz) 379 *Wie unsere Techniker in Südwcst arbeiteten (A. Rottler).425 *Wiewir den Tod desLcutnantsvonSchwcinichcn rächten (Dr. Lion).835 *Wie wir Eckhoff fast auf der Pad hätten liegen lassen (Karsten). 90 *Wird uns die Überraschung glücken? (v.Lengerke) 86 *Wir sprachen deutsch mit diesen Lumpen! (A Kröber).57 Wovon nährten sich unsere Reiter in Südwestafrika? (M. Apitz).326 Zähne zusammen (E. Klcpsch).275 *ZumFcldzug gegen dieBondelzwart-Hottentotten (1)r. Schöpwinkel).194 *Z»m letzten Male Statiousältester (O. Müller) 35 *Zu rechter Zeit (Stuhlmann).431 ^Zuviel und zuwenig Wasser! (O. Mietzncr) 168 Zuviel Wasser (M. Lemnitz).435 Zu zweien im Feuer von 130 Gewehren (W. Hauptmann).370 Zwei Brüder (Engler).262 *Zwei 16. Dragoner, Oberleutnant von Brederlow und Leutnant Götz von Olenhusen (G. von Olenhusen, von Brederlow) . . . 226 *Zwei Wochen aus dem Tagebuche eines Gefreiten bei der Kolonne (P. Harrland) .... 288 *Zwölf Tage eingeschlossen (Dammköhler) . . 143 oe> Verzeichnis der farbigen und schwarzen Kunstbeilageu. —^— Seite Der Kaiser besichtigt in Potsdam die Verstärkung der Schutztruppe sür Südwestafrika, 15. Juni 1894 1 Patrouille Diestel im Gefecht bei Gurus, 2. September 1894 9 Aus dem Gefecht bei Gurus, 2. bis 4. September 1894 17 Faksimile des Kommandobefehls des Kaiserlichen Gouverneurs von Trotha.25 Generalmajor von Deimling.29 Gefecht bei Uitkomst, am 18. Januar 1904 . 41 Die Kolonne des Oberleutnants v. Zülow, II. August 1904 .. 49 Hauptmann Franke bei Omaruru, am 4. Februar 1904 . 65 Bei Otjihinamaparero, am 25. Februar 1904 .. 73 Aus dem Gefecht bei Otjihinamaparero, am 25. Februar 1904 . 89 Aus dem Kampfe von Klein-Barmen, 4. März 1904 97 Bei Okaharui, am 3. April 1904 . 113 Siegreicher Bajonettangriff der Kompagnie Epp bei Onganjira, am 9. April 1904 .. . 121 Patrouille des Oberleutnants von Salzmann und Leutnants Grafen von Arnim, 17. Juli 1904. . . 137 Abteilung von Mühlenfels bei Hamakari, 11. August 1904 145 Blätter aus dem Notizbuche Morengas.153 Aus dem Kampfe des Hauptmanns Puder der Abteilung Heyde bei Waterberg, 11. August 1904 . . 161 Die Artillerie bei Hamakari, am 11. August 1904 . 169 Hauptmann Klein in der Omaheke, 30. September 1904 . 185 Oberst Deimling auf der Verfolgung der Hereros, September/Oktober 1904 . 201 Sturm auf die Steinschanzen der Hottentotten bei Naris, am 4. Dezember 1904 . 209 Weihnachtsfeier der Kompagnie Grüner auf den Klippen von Kalksontein 1904 . 225 Aus dem Gefecht bei Groß-Nabas, am 2. Januar 1905 233 Aus dem Gefecht bei Groß-Nabas, 3. Januar 1905 . 249 Aus dem Gefecht bei Gochas, 5. Januar 1905 257 Abteilung Kirchner bei Aob, am 10. März 1905 . 273 Hauptmann von Koppy überrascht Morenga bei Narudas, am 11. März 1905 . 281 Cornelius an der Leiche des Leutnants Bandermann, am 7. April 1906, bei Besondermaid .... 297 Flucht der Hottentotten über den Oranje in englisches Gebiet, 20. Mai 1905 305 Hauptmann von Koppy auf der Fährte des Cornelius bei Gaos, in der Nacht vom 25. bis 26. Mai 1906 321 Hauptmann von Erckert überfällt die Hottentotten bei Narus, am 15. Juni 1905 . 329 Überfall eines Wagentransportes bei Seß-Kameelbaum, 20. Juli 1905 . 345 Aus dem Gefecht bei Aubes, am 29. September 1905 . 353 Bei Hartebeestmund, am 24. Oktober 1905 .. 369 Hendrik Witboois tödliche Verwundung, 29. Oktober 1905 .. 377 Aus dem Kampfe bei Gubuoms, 1. Dezember 1905 .. 393 Gebirgsmarsch der Abteilung von Hornhardt nach dem Oranje, 10. März 1906 .- . 401 Die Hottentotten überfallen eine Pferdewache bei Narudas, am 14. April 1906 ........ 417 Hauptmann Bech bei Van Rooisvlcy, am 4. Mai 1906 . 433 Reiter der Abteilung Sieberg-Rentel finden bei Tsamab am 25. Mai 1906 die Leichen der am 24. aufgeriebenen Heldenschar des Leutnants Karl Fürbringer.449 Auf der Verfolgung der Simon-Copper-Hottentotten in der Wüste Kalahari, 16. März 1908 .... 465 Personen - Verzeichnis. Die mit einem * versehenen Namen haben Porträt. Seite von Abendroth, Leutnant .... 336, 456 Abt, Gefreiter. 52, 54, 176 Achterberg, Wachtmeister.123 *Ackermann, Reiter.274 Advena, Gefreiter.66 *Ahrens, Oberleutnant.434 *Alber, Hans, Reiter.346 Althans, Stabsarzt Dr.119, 240 Altpeter, Reiter.436 *von Alt-Stntterheim, Oberleutnant . . 96 Ambelang, Reiter.84 *von Ameln, Leutnant. 84, 85, 99 Anders, Hauptmann. 62, 128, 167 Anders, Reiter.64, 66 Andres, Gefreiter.84, 94 Antreem, Reiter.. 188 *Apitz, Proviantamts-Assistent . - 327, 328 Arbeit, Reiter. 96, 307 *Arendt, Rudolf, Sergeant . 50, 211, 352, 354 *vo» Arnim, Graf Wolf Werner, Leutnant .... 126, 308, 310, 312, 314, 324 *Arnold, Hauptmann. 95, 96, 97 Arnold, Georg, Reiter.282 *d'Arrest, Hauptm. 119,142,143, 240, 282, 305, 354 von Au er, Leutnant. 442, 443 *Auer von Herrenkirchen, H., Oberl. 278, 279 *Augustin, Max. 254, 255 Bach, Karl, Feldwebel.183 Bachofer, Reiter.115 Backhaus, Reiter ..74 Bader, Reiter.138, 139 Badtke, Reiter.406 von Baehr, Oberleutnant . . 272, 352, 353 Baganowski, Gefreiter.275 *von Bagenski, Hauptmann. 55, 246, 250, 251 Bahr, Reiter.147 *Baier, Reiter.174 *Baltruschat, Friedrich, Sanitätsunteroffizier 295 Barack, Hauptmann . . 90, 117, 240, 267, 420 *Barbitzki, Max, Unteroffizier.318 Barenthin, Reiter. . . 302 Barlach, Oberleutnant. 167, 249 Baron, Gefreiter.64, 66 *von Barsewifch, Oberleutnant . . 402, 403 Bathke, Reiter.404 Batschadt, Gefreiter.442 Battige, Reiter.99 *Baumecker, Gefreiter.406 Baumer, Reiter ...... 158, 404 Baumgärtel, Hauptmann ...... 124 Bayer, Reiter.412, 414 de Beaulieu, Oberstleutnant .... 217, 219 *Bech, Hauptmann. 235, 447 Becker, Reiter.395 Becker, Sergeant.211 Seile Beer, Gefreiter..442 Beermann, Leutnant der Reserve 146, 148, 153 Beermann, Vizefeldwebel der Reserve . 195, 196 Behnert, Unteroffizier.162 Behr, Reiter ..286 Beide, Gefreiter.324 Bender, Leutnant.30, 31 Bend ix, Albert, Leutnant.183 Bennewies, Karl, Sergeant.183 von Bentivegni, Hauptmann . . . 167, 470 Bergau, Gefreiter.86 *Bergmeier, P-, Gefreiter-Hornist . . 244, 245 Berndt, Reiter. 456 Berneck, Gefreiter.456 Befchke, Unteroffizier.251 Bey er, Oberleutnant. 319 Bielefeld, Zahlmeister.398 von Billerbeck, Leutnant.171 Binder, Gefreiter.211, 214 Birkholz, Vrzeseldwebel . 240, 452 Bischofs, Oberleutnant ... 310, 311, 312 Boas, Sergeant.231 von Bodenhausen, Frhr.,Leutn.60,62,403,458,459 Bohne, Gefreiter.250 von Bojanowsky, Leutnant - 119, 239, 282 Bold, Unteroffizier.336 Bolduan, Unteroffizier.138 Bolick, Reiter.412 Volles, Gefreiter der Reserve.74 *von Bönninghaufen, Oberleutnant. . 96, 451 Borrmann, Unteroffizier.113 Bosse, Einjahrig-Freiwilliger .... 458, 460 Böttcher, Unteroffizier. 252, 436 von Bottich er, Oberleutnant . . 125, 172, 174 *Böttlin, Hauptmann 9, 55, 175, 176, 198, 200, 201, 202, 203 *von Brandenstein, Freiherr, Hauptm. 377, 378 Branstner, Gefreiter . ..84 Braun, Gefreiter.106 *von Brederlow,Oberl.226, 227, 228, 230, 296, 297 von Bredow, Oberleutnant.298 Breitwieser, Sanitätssergeant.394 *Brentano-Bernarda, Hauptm. 308, 310, 315 Breustedt, Oberarzt Dr.275 Brockelmann, Stabsarzt 1)r.297 Broll, Gefreiter.354 Brückhändler, Sergeant.286 Brüggemann, Leutnant.164, 166 Brunner, Sergeant. 196, 305, 456 Brüstlc, Sanitätsgefreiter.148 Buchholz, Hauptmann ........ 275 Buch holz, Hermann, Reiter.314 Buchholz I, Richard, Reiter .... 313, 314 Bückmann, Reiter.84 von Bülow, Oberleutnant. . . 57, 58 IX Seite Seite *Burgemeister, Artur, Reiter . . . 255, 256 *von Burgsdorff, Distriktshauptmann . 17, 18, 276, 278, 372 von Burgsdorff, Oberleutnant der Reserve. 470 von Buttlar, Freiherr, Leutnant .... 211 von Carmer, Graf, Oberleutnant . . 208, 209 Chales de Beaulieu, Oberstleutnant. . . 236 Christiani, Oberleutnant. 105 Clemens, Gefreiter.252 Creutzburg, Leutnant.42, 123 Cruse, Oberleutnant.110, 113 Curt, Gefreiter.400 Czarnetzli, Wilhelm, Unteroffizier .... 215 *Czirwon, Gustav, Gefreiter.272 Dame, Oberst.23, 25 Damering, Gefreiter.137 von Damm, Leutnant.84, 85 *Dammköhler, Sergeant . . . 143, 144, 146 Dannert, Oberleutnant. 30, 233, 456 Daubenkropf, Leutnant.110 von Davidson, Oberleutnant.233 Degenkolb, Leutnant. 30, 240, 406 von Deimling, Generalmajor 12, 16, 18, 20, 21, 25, 35, 60, 92, 114, 132, 146, 150, 152, 163, 164, 236, 263, 276, 278, 279, 283, 306, 339, 366, 372, 375, 396, 398, 417, 418, 432, 450, 474, 477 Delius, Leutnant.371 von Detten, Leutnant . 128, 135, 136, 139, 306 Dicckmann, Oberveterinär.282 Diestel, Oberleutnant.46, 47 *Dieterichs, Ingenieur. 444, 446 Dieterici, Oberleutnant der Landwehr. 444, 446 Dietrich, Reiter.256 *von Diezelsky, O., Oberleutnant . . . 274 von Dincklage, Freiherr, Generalleutnant .2, 63 Dinter, Kaufmann.178 Dohler, Unteroffizier.400 Dohlus, Gefreiter.336 Dorsch, Reiter.113 *Dötschel, Max, Gefreiter. 399, 400 Dressen, Reiter.74 Duncker, Fähnrich.434 Ebeling, Leutnant. 260, 262 *Eckardt, Sergeant.431 Eckert, Oberstabsarzt Dr.348 Eckhoff, Reiter.91 Effnert, Leutnant .425 Eggel, Oberstabsarzt Dr.131 Eggers, Oberleutnant .... 183, 298, 473 von Egloffstein, Freiherr, Leutn. 44, 412, 414, 464 Ehrhardt, Leutnant.430 Ein deck, Reiter . 328,329 Elias, Reiter.74 *Engel, Feuertverksleutnant.270 Engel, Oberarzt.368 *Engler, Hauptmann. 262, 263 *Engler, Kurt, Leutnant. 262, 263 Englinski, Reiter.282 Epp, Hauptmann. 49, 366 von Erckert, Hauptm. 22, 62, 63, 158, 171, 283, 404 Erdmann, Unteroffizier.70 von Ersfa, Freiherr, Leutnant 34, 102, 192, 211 *Erhardt, Leutnant. 162, 260 Ermekeil, Rittmeister.122, 124 Eschberger, Feldwebel.231 *von Estorff, Oberleutnant.102 von Estorff, Oberstleutnant 10, 12, 22, 24, 56, 66, 100, 124, 191, 209, 210, 211, 212, 214, 232, 233, 235, 246, 247, 250, 255, 258, 262, 263, 292, 294, 331, 332, 334, 362, 368, 401, 454, 472 Etzel, Leutnant .431 Deutsche Reiter in Südwest. Eversheim, Gefreiter.233 *Exner, Oberleutnant.2, 117, 120 *von Falkenhausen, Frau Helene 3, 477, 478 Fei, Unteroffizier.252 *Feller, Sergeant. 456, 458 * Fenchel, Gefreiter.422 von Fiedler, Hauptmann . - 12, 458, 459, 460 Fischach, Leutnant. 57, 58, 59 Fischer, Oberleutnant.319 *Fischer, Unteroffizier.474 Fischer, Oberveterinär.136, 138 Flamm, Gefreiter.320 Forschte, Gefreiter. 158, 406 *von Franyois, Hauptmann 7, 8, 183, 290, 473 * Franke, Hauptmann 10, 34, 100, 102, 103, 190, 191, 210, 211, 292, 294, 440, 444 Franke, Reiter.272 von Frankenberg, Leutnant. . 246, 250, 310 * Freist ein, Unteroffizier.271 von Freyhold, Major. 166, 456 Freyse, Assistenzarzt Dr.282 Friedling, Reiter.422 Friedrich, Gefreiter.211,>214 Fritz, Reiter.371 Froede, Vizefeldwebel.48 *Frydrychowicz, Karl, Vizewachtmeister 379, 388 Fuhrmann, Gefreiter.182 *Funk, Leutnant. 367, 368 *Fürbringer, Edzard, Leutn. 126, 135, 146, 147, 149, 150, 151, 152, 153, 154, 231, 378, 386, 450 *Fürbringer, Karl, Leutnant . . . 154, 231 von Fürstenberg, Freiherr, Oberleutnant 105, 106 *Gaertner, Reiter.106 *von Gaisberg, Freiherr, Oberleutnant . . 407 Galacky, Bursche.153 Gausser, Hauptmann . . . 159, 390, 400, 422 Gebauer, Reiter.370 Gehlen, Unteroffizier.155 Geißler, Gefreiter.215, 279 Gerber, Unteroffizier.74 *Gerlach, Franz, Unteroffizier . . . 247, 248 *Gdronne, Stabsarzt Or. 377, 378 *von Gcrsdorff, Leutnant ... 96, 270, 417 Gerstetter, Reiter.431 *Gesell, Reiter.369 Giesselmann, Leutnant.115 Gilbert, Elsa, Schwester.480 von Gilsa, Leutnant.432 Glänzel, Reiter.43 *von Glasenapp, Major 10, 182, 183, 882, 425 Gläser, Reiter.233 Glatzel, Feldwebel. 177, 178, 179 Glembowicki, Feldwebel. 308, 314 Gnamm, Reiter.272 Gnies, Reiter.436 Goering, Landeshauptmann Or. 7 *Goerke, Leutnant.410 Gölicke, Reiter.302 Goney, Reiter.450 Gooth, Gefreiter.137, 138 Gorgas, Reiter.233 Gottschalk, Oberveterinär.431 Grab au, Leutnant.247 *Graf, Johann, Gefreiter.251 Graf, Sanitätsunteroffizier.272 Gräff, Oberleutnant. 400, 422 Gräser, Major. . . .21,29, 30,82,142,271 Grasnik, Gefreiter.171 Graßmann, Unteroffizier.312, 315 Grau, Reiter.75 Gleichen, Reiter.75 S X Seite Grigarczick, Unteroffizier.284 Gröninger, Artillerist.422 *Groos, Oberleutnant. 450, 451 *Groß, Sergeant. 43, 124 *von Grate, Frhr., Oberleutn. 146,147,148,153,417 Grotewohl, Lazarettgehilfe.474 Groth, Gefreiter. 95, 96, 128 Groth, Reiter.307 Groth er, Reiter.90 Grund mann, Gefreiter.209 Grüner, Hauptmann.... 64, 66, 114, 220 Grunert, Unteroffizier.234 Grützmacher, Hauptmann.336 Grzegorski, Reiter.452 Guck, Matrose ..147 Guthier, Reiter.43 Gutsche, Gefreiter.66 Gygas, Kapitänleutnant.155 Haack, Oberleutnant.215 Habedank, Kanonier.171 Hackelberg, Gefreiter.347 Haegele, Hauptmann.316 Haegele, Rittmeister.370 Haering.191 Hag ein ei er, Oberveterinär. 255, 256 *von dem Hagen, Hauptmann.455 Hajduczek, Reiter.271 *von Hammerstein, Freiherr, Leutn. 85, 86, 98, 99 von Hanenfeldt, Leutnant.252 Hannemann, Oberarzt Dr.281 Hanuemann, Oberleutnant .... 211, 314 von Hardenberg, Graf, Leutnant.... 279 *Harrland, Paul, Gefreiter.290 Hartmann, Reiter.400 Hartwig, Reiter.302 von Haselberg, Oberarzt Dr. . 110, 113, 315 Haßhagen, Reiter.395 Häublein, Oberleutnant.233 Haucke, Reiter.64, 66 Häusler, Unteroffizier.302 Haupt, Assistenzarzt Dr.171, 172 Hauptmann, Reiter . 43, 370, 371 Häuser, Reiter.336 Häufig, Reiter.364 *Heckel, Sanitätsunteroffizier.130 Heder, Reiter.108, 154 *Heidenreich, Karl, Feldwebel.280 Hei der, Unteroffizier.456 Heidoorn, Reiter.354 Heilig, Reiter.84 ^Heinrich, Reiter.274 *Heinz, Reiter. 74, 226 Held, Reiter.38,40 Hellmich, Leutnant der Reserve . . . 108, 220 Hellwig, Stabsarzt.368 "Helm, Paul, Reiter. 152,163,154 Heimchen, Gefreiter. 158, 404, 406 Helsing, Reiter.66 Henke, Reiter.271 Henkel, Reiter. 252, 436 Henneberg, Kapitän.462 Dtzenneking, Sergeant. 426, 428 Hense, Reiter.307 *Hentschel, Reiter.274 Hermann, Gefreiter.251 Hermann, Oberleutnant der Landwehr . . 470 Hermann, Sergeant.40 *Hertel, Reiter. 44, 46, 233 Herzog, Reiter.115 *Herzog, Paul, Sergeant.66 *Hesse, Reiter. 155, 156, 202 . 305 Heuck, Hauptmann.272 *von der Heyde, Major 12, 207, 235, 247, 308, 310, 314, 356, 358, 360 von Heydebreck, Hauptmann.200 *vonHeydebreck, Leum. 70, 71, 225,226,416,417 Heyse, Sergeant.284 Hilger, Feldbäcker.415 *Hiller von Gärtringen, Freiherr, Leutnant 96 von Hiller, Freiherr.59 von Hirschberg, Freiherr, Leutnant . . . 308 *Hirfchmann, Sergeant. 44, 464 Hoene, Unteroffizier ..240 ^Hoffmann, Max, Gefreiter.331 Hoffmann, Gefreiter.440 Hofsmann, Oberarzt.148 *Hoffmann, Reiter .. 272, 274 Hoffmann, Sergeant.255 Hofffchmidt.446 *Hofmann, Reiter.33, 34 *H 0 hl, Oberleutnant.286 Hollsnbach, Gefreiter.108 Höltke, Friedrich, Bootsmannsmaat . . . 183 Hopf, Reiter.138 Horcher, Reiter. 158, 406 Horn, Reiter.305 Horn, Sanitätsunterosfizier.36, 37 von Hornhardt, Hauptmann.332 Houilliez, Reiter. 244, 245 *Huber, Joseph, Gefreiter.250 Hubert, Karl, Gefreiter.292 Hübner, Sergeant. 74, 149 Hubrig, Reiter.113 Huet, Kriegsfreiwilliger.56 Huhnstock, Sergeant. 271, 452 Hummel, Stabsarzt Dr.280 Hundert mark, Unteroffizier .... 352, 854 Hunger, Oberleutnant.404 Hupfer, Reiter.244 Jhling, Sergeant.310, 312 *Jllgen, Gefreiter. 440, 441 Jndenhock, Reiter.166 Jsing, Unters,fizier.362 Jacobi, Gefreiter.233 *Jacubowsky, Leutnant. 438, 440 *Jäger, Otto, Unteroffizier . . 322, 323, 430 Jäger, Stabsarzt Dr.93 Jäkel, Gefreiter.436 Jakobs, Unteroffizier. 219, 220, 235 Janufchefski, Unteroffizier .... 395, 396 *Jaron, Paul, Reiter.110 Jastrzemski, Reiter.272 Jeudis, Feldwebel.324 Jenseit, Unteroffizier.367 *Jesfen, Reiter.438 Jezorke, Gefreiter.311 ^Joachim Albrecht, Prinz von Preußen 377, 378 Jobst, Leutnant, Distriktschef . 9, 177, 194, 195 *Jodtka, Oberarzt. 251, 479 *Jonas, Mary, Schwester. 251, 479 *Jurgahn, Maat.155, 156 von Kageneck, Gras, Oberl. 55, 74, 195, 225, 226 Kaiser, Gefreiter.194 Kalau, Reiter.84 von Kalckreuth, Leutnant. 231, 365 Kallenbach, Sergeant.233 Kalus, Gefreiter.138 von Kamecke, Vizefeldwebel.302 von Kamptz, Major ... 63, 132, 283, 306 Karle, Matrose.155, 156 Karsdorf, Sergeant.234 ^Karsten, Gefreiter.91 Kartheuser, Reiter.240 Kaschube, Gefreiter.369 Käseberg, Reiter.256 ^Kaufmann, Leutnant .... 160, 161, 458 von Kaynach, Fähnrich.396 Keller, Leutnant.64, 66 Kemmler, Gefreiter.422 Kettker, Reiter.288 *Kikul, Reiter.- - 369 Kimmel, Gefreiter.66 *Kippert, Joseph, Reiter.319 *Kirchner, Hauptmann 135, 147, 148, 149, 150, 151, 152, 154, 378, 379, 417 Kirchner, Reiter.474 Kirsch, Stabsarzt Ör. 93, 108, 220 Kirstein, Gefreiter.464 Kirsten, Oberleutnant.276 Kisfig, Reiter.412 Kister, Reiter.452 Klabecki, Unteroffizier.. 436 *Klages, Polizeifergeant.136, 139 Klapecky, Unteroffizier.252 Klein, Gefreiter.275 Klein, Hauptmann. 412, 463, 464 *Klein, Emil, Sergeant.394 von Kleist, Hauptmann. 95, 307 von Kleist, Oberleutnant. 93, 250 Klemmt, Reiter.284 *Klepsch, E., Sergeant. 275, 276 Kletsch, Gefreiter.171 Kliche, Gefreiter.233 Kliefoth, Hauptmann .... 178, 179, 358 Klinge, Feldwebel.120 Kling er, Leutnant .... 85, 86, 328, 330 Klinke, Reiter.234 von Klitzing, Hauptmann. . . 284, 287, 395 Klockner, Gefreiter.354 Klose, Reiter.70 Klotz, Oberleutnant.168 Kluge, Reiter.436 Kluth, Reiter.404 Knillmann, Sergeant.452 *Knittel, Sergeant .... 52, 54, 175, 176 von Knobelsdorff, Leutnant.300 Knoff, Gefreiter.38 Knoke, Sergeant.302 Knuth, Reiter.234 Koch, Reiter. 70, 403 *Koch, Sergeant.76 Koch, Unteroffizier..108 Koch, Wachtmeister. 352, 353 *Kocur, Stanislaus, Unteroffizier .... 226 Köhler, Gefreiter.113 Köhler, Unteroffizier.80, 94 *Kohlschmidt, Adolf, Reiter.307 Kühn, Gefreiter.422 Kohnert, Gefreiter.44 *Kolberg, Unteroffizier.142 Komdyr, Reiter.436 König, Unteroffizier.474 Konigorski, Sergeant.234 Konrad, Reiter.252 Kopitzki, Gefreiter.57, 58 *von Koppy, Hauptmann 9, 70, 119, 195, 200, 225, 226, 239, 240, 281, 416, 417, 418, 419, 420, 466 Korsch, Assistenzarzt.43 *Korst, Daniel, Sanitätssergeant.158 Korta, Reiter.84 Kösten, Unteroffizier.474 Köttgen, Gefreiter.256 XI Koy, Gefreiter.. ... 65, 66 Kraatz, Unteroffizier.256 Kraemer, Reiter.288 Krähe, Unteroffizier.208 *Krahmer-Möllenberg, Oberleutnant 286, 287 Krause, Reiter. 154, 388 Krause, Unteroffizier.161 Kreißig, Reiter.38 Kreß, Reiter.90 *Kretschmer, Paul, Gefreiter.298 Kreuzer, Gefreiter.275 *Kröber, Gefreiter.59 Krug, Gefreiter. 44,464 *Krüger, Joseph, Gefreiter. 395, 396 Krüger, Reiter.107 Küchenmeister, Gefreiter.443 *Kuhn, Stabsarzt Dr. . . . 211, 212, 214, 441 Kulisch, Gefreiter.66 Kulke, Reiter ..74 von Kummer, Oberleutnant.396 Kummer, Reiter.234 Kuntze, Leutnant.244 Kunz, Vizefeldwebel.392 Küster, Reiter.91 *Kutzbach, Reiter.274 Kuwe, Reiter.452 Lans, Reiter. 256 Lackermann, Reiter.436 Lampe, Leutnant. 46, 47, 48 Landvoigt, Sergeant.312, 314 Lang, Ingenieur.340 Lang, Reiter.74 Lange, Reiter.84 Langhoyer, Reiter. 158, 406 Langner, Reiter.84 Latisch, Sergeant ..332 Lauteschläger, Oberleutnant. ... 84, 92, 94 Lautners, Zahlmeister.306 *Lebendig, Reiter.123, 124 *Lehmann, Reiter.274 Leicht, Unteroffizier.84 Leisn er, Oberleutnant. 436, 438 von Lelow, Oberleutnant - . . .308,323,324 *Lemnitz, Gefreiter. 435, 436 *von Lengerke, Major . . .17,18,90,420,448 Lengowski, Unteroffizier ....... 334 Leplow, Leutnant.159 Lequis, Major. 17, 423 von Lettow-Vorbeck, Hauptmann. . . . 428 von Lettow, Hauptmann. 260, 262 *Leutwein, Generalmajor, Gouverneur a. D. 8, 10, 11, 12, 16, 18, 46, 55, 100, 102, 103, 246, 247, 372, 403, 470, 472 Leutwein, Leutnant.191 Lichterfeld, Gefreiter.- . 65, 66 Lietzau, Reiter.43 Linck, Leutnant. .... 458 *von Lindenfels, Freiherr, Leutnant 310, 312 von Lindequist, Gouverneur.16 von Lindequist, Oberleutnant der Reserve . 470 *Lindner, Zahlmeister.131 *Lindt, Zeugleutnant. 447, 448 von Linsingen, Leutnant. 360, 362 Lion, Stabsarzt Or.338 Lippemeyer, Reiter.305 *Liske, Reiter.167 Liß, Assistenzarzt.207 Litt, Sergeant.70 von Livonius, Oberleutnant. . . . 423, 424 Löb, Sergeant.354 Loewenich, Kriegsfreiwilliger.279 L* XII Löper, Gefreiter. 158, 406 -Lorenz, Willy, Gefreiter.94 Lorenz, Leutnant.120 Loryke, Reiter.474 Lotz, Gefreiter.233 Lüderitz, Kaufmann. 7 Ludwig, Gefreiter.436 -Lufke, Reiter.274 Luhmann.442 Lühmann, Reiter.234 von Lungershausen, Reiter.404 Lupp, Unteroffizier.138 Lützelberger, Gefreiter.314 Maaß, Oberarzt Dr.212 Machon, Reiter.436 -von Madai, Oberleutnant . 23, 204, 206, 207 -Maerker, Major 2, 41, 42, 43, 120, 124, 125, 172, 296, 377, 378 -Mai, Reiter.274 * Mai er, Unteroffizier.56 Maile, Reiter.233 Malinka, Reiter.143 von Maltzahn, Freiherr, Leutnant .... 144 * Mang er, Hauptmann .... 84, 86, 99, 328 Mann, Unteroffizier.251 Marckwardt, Reiter.74 von Marenski, Leutnant der Reierve . . . 176 Martin, Reiter.58 -von der Marwitz, Leutnant. 21b, 276, 278, 276 Marx, Sergeant. 259, 260 Maschke, Gefreiter. 244, 246 von Massow, Leutnant.364 Maurer, Unteroffizier.252 Mausberg, Gefreiter.422 Mayer, Oberarzt.353 -Mayer, Reiter. 167, 431, 452 Mees, Unteroffizier.116 von Meten, Leutnant.110, 312 -Meier, Leutnant .186 -Meister, Major 20, 22, 78, 92, 108, 110, 114, 120, 125, 172, 174, 220, 222, 224, 297, 374, 376 Melchior, Frachtfahrer.220 Melchior, Unteroffizier.278 Menniug, Reiter.84 Merensky, Leutnant der Reserve .... 195 -Mesech, Feldwebel .... 96, 97, 306, 368 Mettge, Leutnant der Reserve.444 Mensel, Gefreiter.211 Meyer, Assistenzarzt Dr.360 Michalek, Unteroffizier.272 -Mietzner, Sergeant.170 Minne, Reiter.305 -von Mitzlaff, Leutnant.286 Mohnsam, Reiter .38 -Mohr, Ferd. Joh., Unteroffizier 264, 266, 267 Molidre, Oberleutnant. 59, 233 Moraht, Hauptmann.164 Moritz, Reiter.412 von Mosch, Leutnant der Reserve . . .49, 215 Moser, Gefreiter.72, 74 -Moßner, Gefreiter.29, 32 Motfchenbacher, Leutnant.234 Msyk, Reiter.137, 138 -Mueller, Oberstleutnant . . 217, 219, 235, 238 von Mühlenfels, Oberstl. 12,16,159, 235, 236, 238 Müller, Gefreiter.240 Müller, Oberleutnant 90, 174, 269, 270, 283, 284 von Müller, Oberleutnant.308 Müller, Reiter. 70, 113, 354 Müller, Sergeant . 195, 196, 422 -Müller, Oskar, Unteroffizier . . 35, 37, 127 Seite Müller von Berneck, Oberleutnant 249, 276, 456 -Mumm, Gefreiter. 442, 443 Mlisch er, Unteroffizier.94 von Nadrowski, Oberleutnant . . 91, 107, 464 Näfe, Reiter .474 Nagel, Sergeant.128 Nagele, Reiter.. . 84, 227 Nagengast, Gefreiter.144 Napiralla, Unteroffizier.328 -Rath, Leutnant. 84, 92, 93, 94 von Nathusius, Oberleutnant . . 32, 280, 440 von Nauendorff, Frh.,Major80,84,92,108,114,375 Naundorf, Sanitätssergeant.307 Ness, Reiter.256 Neidecker, Gefreiter.361 Neubecker, Unteroffizier.' . 326 -Neumann, Reiter.274 Nickel, Sergeant.252 Nickel, Unteroffizier.72, 74 Nicklas, Reiter .271 Nicolaus, Unteroffizier.123, 124 -Nikolaus, G., Vizeseldwebel.43 Nitsche, Gefreiter.43 Ritsche, Kanonier.171, 172 Nordbruch, Reiter.315 Nowack, Reiter.84 Ob erb eck, Leutnant. 79, 84, 92, 108 Oberhofer, Sergeant.436 Oberhoffer, Sergeant.252 Oelze, Unteroffizier. 130, 302 von Oertzen, Hauptmann.422 Olbinski, Feldwebel .275 -von Olenhusen, Götz, Leutnant 226, 227, 228 -von Oppen, Leutnant.112, 113 -Osiander, Leutnant.186 Oskamp, Reiter.74 Ossendorf, Reiter. 74 Osterhaus, Major. 308, 312 -Ostermann, Unteroffizier.412, 414 Ostmann, Reiter.436 Otto, Unteroffizier. 196,441 OVerb eck, Leutnant.374 Overweg, Unteroffizier . ..370 Pabst, Oberleutnant.252 -Pahl, Reiter. 338, 340 Painczyk.240 Pärtsch, Reiter ..370 Pavel, Leutnant.306 Peine, Feldwebel.436 Pelka, Gefreiter. 94, 96, 307 Pell, Unteroffizier.53 Pelzer, Reiter.436 *vonPerbandt,C., Hauptm. a. D. 8,47,48, 472, 473 Petermann, Unteroffizier.233 Peters, Reiter.131 von Peters dorff, Leutnant ... 93, 123, 374 Petersen, Gefreiter.58 -Petterson, Gustav, Reiter .... 246, 247 Petzold, Reiter.249 -Pfannschmidt, Kgl. Bekl.-A.-Ass. . . 461, 463 Pichler, Hauptmann. 30, 270, 452 -Pieper, Proviantamts-Rendant.320 -von Plehwe, Leutnant. 63, 399 Pohl, Gefreiter .58 Pohl, Sergeant.474 Poleck, Stabsarzt vr. 308, 312, 315 Po och, Reiter.240 Poppelsdorf, Gefreiter.335 Pöschel, Unteroffizier.84 Powelskus, Reiter.115 Prangs, Reiter.187 xm Prausewetter, Reiter.115 Preis er, Gefreiter.368, 370 Proch, Feldwebel.233 Prochnow, Reiter.154 Prüß, Unteroffizier.441 »Puder, Hauptm. 10, 1ll6, 245, 308, 310, 324, 479 »Pütz, Hubert, Gefreiter.335 Pytlik, Unteroffizier.332 Quade, Major .398 von Quitzow, Leutnant.146 Rad an, Reiter.443 Radtke, Gefreiter.158 Rahm, Reiter.38 Nahn, Leutnant.123 Nahn, Sergeant.328 »Rakowsli, Reiter. 167 Ramlou, Unteroffizier.442 »Ranzau, Reiter.315, 316 von Rappard, Hauptmann.66 Ratjen, Gefreiter.156 »Ratzow, Hermann, Sergeant.179 Raup ach, OberveterinLr.412, 414 Rauter, Reiter.113 Red Horn, Gefreiter.400 »Rehbock ..468 von Rcibnitz, Freiherr, Leutnant . . 442, 443 Reich, Trompeter. 96, 307 »Reiche, Unteroffizier.466 »Reichet, Gefreiter. 403, 404, 470 »Reimann, Martin, Gefreiter.108 Reiner, Reiter.113 »von Reinersdorfs, Leutnant . . . 259, 262 Reisen er, Reiter.252 Reisner, Reiter.436 Reiß, Oberleutnant. 102, 103, 246 von Reitzenstein, Major.219 Rellstab, Leutnant.269 Rembe, Hauptmann.122, 124 Rentel, Major .231 Reschke, Unteroffizier.246 Reuvke, Reiter.137, 138 Reuter, Reiter. 147, 149, 150, 153 von Rheinbaben, Leutnant. 88, 420 Richard, Hauptmann. 93, 476 Richter, Assistenzarzt Dr.474 Richter, Gefreiter.314 Riesner, Reiter.64, 66 Rieß, Unteroffizier. 396, 399 Ring leib, Feldwebel.260 Ritter, Hauptmann. 239, 425 Ritter, Sanitätsgefreiter.261 Ritter, Gefreiter. 18, 20, 400 Rüdiger, Gefreiter.136, 138 Roeder.37 Roewer, Gefreiter. 158, 406 Rogge, R., Vizewachtmeister .... 211, 295 »Rohne, Leutnant. 140, 300, 302 Rohr, Vizewachtmeister.260 »Rohrbach, Dr. Paul, Reiter.243 Rohrig, Gefreiter.314 Rolle, Otto, Feldwebel . 201, 203 Rolle, Sanitätsunteroffizier 52, 64, 55, 175, 176 Roosen, Oberleutnant. 297, 379 von Rosenberg, Oberleutnant 102, 360, 362, 447 Rosendahl, Oberleutnant.252 von Rosenthal, Oberleutnant 30, 225, 416, 452 Roß, Reiter.338 »Rossa, Peter, Feldwebel.104 Roßbach, Leutnant.113 »Röstlin, Jntendanturrat.407 Rothe, Reiter.154 Seite »Rüttler, Sergeant. 425, 426 Rubin, Reiter.75, 76 Rückert, Reiter.431 Rückforth, Leutnant .398 Rüdiger, Reiter.234 Rüdiger, Unteroffizier.400 Rum, Unteroffizier.234 Runk, Vizefeldwebel.70 Rupp recht, Sergeant.. 332 von Sack, Hauptmann.' . 403 von Saldern, Leutnant. 358, 359 »Salomon, Moritz Bruno, Reiter . . 239, 240 Salzer, Hauptmann . ..239 »von Salzmann, Erich, Ober!. . 216, 218, 220 Samel, Reiter. 158, 406 Sauer, Reiter.215, 216 Schaar, Sanitätsfergeant. 275, 276 Schäfer, Gefreiter. 64, 65, 66 Schäfer, Reiter.74 Schäferlein, gen. Maier, Reiter .... 74 Schalz, Gefreiter.400 Schars, Sergeant.394 »Schaumburg, Leutnant.96 von Schauroth, Oberleutnant.409 Schern, Unteroffizier.404 »Schian, Generaloberarzt Dr. . 219, 898, 411 Schicke, Reiter.474 »Schitteck, Sergeant.318 Schlegel, Gefreiter.412 Schlegel, Reiter . . . 233, 272, 311, 313, 314 Schleuder, Stabsarzt Dr.394 Schlenz, Reiter.148 Schlüter, Leutnant ..272 Schmarfow, Unteroffizier.352 Schmeißer, Artillerist.422 Schmelzer, Reiter.147 »Schmidt, Divisionspfarrer 82, 93, 113, 220, 371 »Schmidt, Gefreiter.84, 124 »Schmidt,Lenin. 70,71, 72, 225, 226, 416, 417, 470 Schmidt, Reiter.. . 111, 271 »Schmodojinsky, Karl, Reiter . . . 355, 356 Schnalle, Feldwebel. 130, 302 Schnalle, Gefreiter.154 »Schnehage, K., Sergeant . . .70, 220, 224 Schneidenberger, Feldwebel.280 Schneider, Leutnant, Eisenbahnkommandant. 268 »Schneider, Oberleutnant z. S. 146, 151, 152, 153 Schneider, Reiter .147 Schneider, Unteroffizier. 264, 267 Schnur, Sergeant .244 »Schoepe, Sanitätsfergeant.172 von Schönau-Wehr, Frhr., Oberl. 210,211,214,292 Schönbau m, Reiter.240 Schönberg, Oberleutnant. 420, 422 Schönewergk, Gefreiter.137 »Schöpwinkel, Stabsarzt Dr. . . . 198, 404 »Schröder, Einj.-Freiw.-Unteroff. . . 458, 460 Schroeder, Friedrich, Reiter.313 Schroeder, R.308 Schroeder, Gefreiter.324 Schroeter, Gefreiter.312, 314 Schrott, Unteroffizier.233 »Schubert, Alfred, Büchsenmacher 320, 322, 371 Schuck, Sanitätsunteroffizier.74, 194 Schlicke, Reiter.474 Schultka, Gefreiter.194 »Schultz, Unteroffizier. 257, 258 Schultze, Oberleutnant .... 211, 214, 292 Schulz, August.362 Schulz, Gefreiter.94 »Schulz, Hsinr., Reiter. 468, 470 XIV Seite *Schulz, Paul, Gefreiter . . . 312, 313, 314 Schulz, Reiter.37, 84 Schulz, Sergeant.434 Schulz, Streckenwärter.446 »Schulze, H., Hauptmann.190 Schulze, Unteroffizier.240 Schumacher, Gefreiter.158, 406 Schünemann, Reiter.234 Schuster, Reiter.187 Schütt, Reiter.436 * Schütt, Vizewachtmeister ..... 328, 330 "-Schütte, Leutnant.390 Schütze, W., Feldwebel . . . '.420 Schwabe, Leutnant. 47, 48, 474 Schwarz, Unteroffizier.164 Schweiger, Oberleutnant.260 von Schweinichen, Leutnant . . . 335, 336 *Schwiedersky, Gefreiter.164, 166 Schwiegt, Gefreiter.313, 314 "-Sebastian, Trompeter, Unteroffizier 313, 314, 315 Sedlmayr, Generaloberarzt Dr.290 Sefz, Reiter.43 Seichter, Unteroffizier.233 Seidel, Unteroffizier.171 van Semmern, Oberstleutnant 23, 117, 239, 240 Semper, Leutnant der Reserve . 80, 84, 92, 93 Senne, Landwehrmann.280 Sepp, Josef, Tierarzt.183 Sertl, Gefreiter.312, 314 Setzkorn, Reiter.164 Seutter von Lätzen, Freiherr, Leutnant . . 94 *Sewing, Heinrich, Gefreiter.115 von Sichart, Leutnant.233 Sieberg, Major.154 Siebert, Hauptmann . 128, 129, 140, 239, 300 Sierszyn, Reiter.64, 66 *S1gl, Reiter.106 Simmeit, Reiter.147 Simon, Reiter.43 Simon, Sergeant -.332 Skrandis, Gefreiter. 244, 245 Snay, Sergeant.194 Solms-Wildenfels, Graf zu, Hauptmann. 257 "-Sommer, Heinrich, Unteroffizier .... 209 * Sommer, Otto, Gefreiter.362 Sonntag, Vizefeldwebel. 271, 452 "-Spiegel, Andreas, Reiter.351 Spindler, Reiter.56 Sprögel, Gefreiter. 353, 354 Spulh. Gefreiter.211 Stadler, Leutnant.249 Städter. Unteroffizier.243 Stage, Oberleutnant. 22, 369 Stahl.84 Stahl, Gefreiter.106 Starck, Hauptmann ..2, 28 Starzynski, Reiter.84 Steinert, Sergeant.99 Steinhaufen, Oberleutnant.312 "-Stempel, Bernhard, Oberleutnant zur Lee . 183 Stenzel, Reiter.414 Stern, Reiter.147 Stiebitz, Reiter.208 von Stillfried und Ratlonitz, Graf, Oberleutnant .200 Stöber, Gefreiter.354 von Stocki, Oberleutnant . . 132, 305, 306, 307 Stoewer, Unteroffizier.240 Stolley, Reiter. 158, 406 Stolze, Reiter.474 von Slosch, Graf, Oberleutnant. . . 420, 422 Seite Strahler, Oberarzt.336 Streccius, Oberleutnant. 159, 238 Strecker, Reiter.282 Strehl, Reiter.207 Streichhardt, Unteroffizier.86 Strödel, Leutnant.390 Strnß, Reiter.147 Stuck, Franz, Sanitätssergeant.283 "-Stuhlmann, Oberleutnant ... 2, 434, 435 von Stülpnagel, Leutn. 178, 210, 211, 214, 294 Stulzus, Gefreiter.66 Stumpe, Reiter.369 Surmann, Leutnant.117 Sworski, Reiter.85, 86 *Szameitat, Franz, Gefreiter . . . 166, 168 Taeubler, Major.24 Tamm, Vizefeldwebel.114 Taube, Gefreiter.252 "-Täu brich, Vizewachtmeister.39, 40 Tekamp, Reiter.328 Tetzlaff, Feldwebel.329 Thelen, Unteroffizier.154 *Theus, Sofonias, Sergeant . . 135, 292, 305 Thiede, Sanitätsgesreiter.196 Thiele, Gefreiter.38 Thiem, Wachtmeister.232 Thieme, Reiter.436 Thiesmeyer, Leutnant der Reserve . . . 183 Tiburtius, Oberassistenzarzt Dr. . . 212, 214 Timsries, Wachtmeister.84 *Traeger,Maj. 142,291,292, 302, 304, 305, 319 Trawiel, Reiter.311, 312, 313, 314 Trenck, Leutnant.220 von Tresckow, Rittmeister.316 Treuersch, Unteroffizier.138 Troost, Oberleutnant.48 *von Trotha, Generalleutn. 12, 17, 21, 22, 28, 104, 119, 216, 235, 239, 318, 339, 356, 395, 396, 418, 442 von Trotha, Leutnant der Reserve .... 85 von Trotha, Oberleutnant.76 von Trotha, Tilo, Leutnant.163 "-Trott, Major. 423,425 Ulrich, Gefreiter.456 Urschlächter, Reiter.286 Uszkoreit, Reiter.249 von Uthmann, Major 107, 120, 125, 172, 174, 368 Väth, Gefreiter. . . ..271 "Welten, Marine-Oberassistenzarzl Dr. . . . 183 von Vethacke, Leutnant.312, 314 Viereck, Reiter.252 Voigt, Gustav, Kaufmann.470 Voigts, Ansiedler.447 Voigts, Leutnant.122 Volker, Reiter.252 "-Völker, Max, Gefreiter. 230, 231 Völker, Reiter.436 "-Volkmann, Hauptm. 8, 23, 242, 243, 299, 300, 442, 466 Volkmann, Leutnant.47 von Vollard-Bockelberg, Leutnant . . 80, 93 Volley, Kriegsgerichtsrat.199 "-Vollstedt, Sergeant.254 Wachs, Reiter.412 Waclawzyk.311, 313, 314 Wagensühr.187, 188 Wagner, Leutnant.44, 312 "-Walcher, Reinhard, Vizewachtmeister . . - 302 Walenda, Reiter.400 Walinowski, Pater.231 Walkhoff, Gefreiter.312 XV Wallner, Gefreiter.105, Walther, Leutnant.412, Wandel, Reiter. von Wangenheim, Freiherr, Hauptmann 247, Wannemacher, Unteroffizier . 72, 74, 225, Wanste, Unteroffizier.412, Warstat, Reiter. Waßmann, Reiter. *von Matter, Freiherr, Leutnant 235, 238, Wawries, Gefreiter. Wawrzyniak, Reiter.208, Wedel, Gefreiter. *Weber, Unteroffizier.127, Wehinger, Sergeant.84, Wehte, Hauptmann. Weigert, Unteroffizier. 352, Weimar, Gefreiter Weinberger, Leutnant Weiser, Unteroffizier . Weifner, Reiter . . Weiß, Reiter . . . Meißel, Gefreiter . . Weißer, Reiter. 264, Weißer, Unteroffizier. Weitzenmiller, Oberarzt. von Welck, Freiherr, Hauptmann . . 163, Weltz, Or. Wenda, Zahlmeisterafpirant ...... Wende, Leutnant.. *Wenderh old, Oberveterinär .... 287 , Wendlandt, Leutnant. Wendt, Reiter. von Wentzel, Fähnrich. *Wenzlaff, Paul, Unteroffizier ..... Werner, Gefreiter. Werner, Oberarzt Dr. *Wernicke, Oberleutnant.. Wefch, Wachtmeister. *Weßler, Anton, Reiter. von Westernhagen, Leutnant ..... Westphal, Assistenzarzt Dr. . . 158, 367, *Weyrauther, Feldwebel. Wezodel, Oberleutnant. Seite Wid decke, Vizefeldwebel.3l6 Wiedemann, Reiter.307 Wiedemeyer, Sanitätsunteroffizier .... 234 Wienecke, Stabsarzt Dr.282 Wieprzkowski, Reiter.371 Wießmann, Reiter.313 Wilde, Leutnant.122 Wildner, Kanonier.300 *Wilhelmi, Major.99, 131 *Wilke, Friedrich. 343, 344 * Wille, Gefreiter.334 Wille, Unteroffizier.340 Wille, August, Gefreiter.335 Willner, Reiter.414 *Wilm, Oberleutnant. 14 Wimmer, Leutnant.297 Winterfeldt, Hauptmann.128 Winzer, Unteroffizier.43, 124 Wirtz, Farmer. 287 *Witt, Vizefeldwebel.164 von Wittenburg, Oberleutnant .... 370 Wittich, Unteroffizier.436 Wobring.25 *von Wolf, Hauptmann . . . 164, 332, 333 Wolfs, Leutnant. 146, 148, 153 *Wolff, Vizewachtmeister.143 von Wöllwarth-Lauterburg, Frh., Ltn. 280, 440 Woon, Kapitän.54, 55 Wulfs, Hauptmann. 335, 336 Wulfs, Vizewachtmeister der Reserve . 195, 196 Wunderlich, Unteroffizier.233 Würker, Reiter.311, 314, 315 von Wurmb, Leutnant.191 Zacher, Reiter.43 Zander, Vizefeldwebel.164 Zedler, Leutnant.228 Zeiser, Reiter.196 Zelter, Reiter.354 Zimmer, Oberarzt.344 Zimmermann, Reiter.240 von Zülow, Oberleutnant.9, 466 von Zwehl, Hauptmann 30, 37, 38, 57, 59, 292, 305, 340, 344 Zwicke, Leutnant. 92, 93, 94 Seite 106 414 148 308 226 414 423 319 395 302 209 452 191 375 420 353 256 319 302 204 113 354 452 267 130 234 238 93 470 206 288 255 58 124 284 144 400 350 441 159 367 404 194 393 ) ! l I -U^MER MMM MM MMD E-T»E NM >7«?Z. >>, - » tzr'Ef M->> 2?. L W MW- rchsH- Der Kaiser besichtigt in Potsdam die Verstärkung der Schuhtruppe für Südwestafrika, 15. Juni 1894. Beilage zu: „Tmcklage, Deutsche Neiter in Südniest. Deutsches Verlagshaus Bong L Co., Berlin 57. D Vorwort Ter blutig-schreckensreiche Kampf ist siegreich beendet! Mit Heldenmut haben deutsche Krieger in jahrelangem Kampfe zurückgewonnen — was uns gehörte. In Deutsch-Südwestafrika ist der Frieden zurückgekehrt — die Rebellen sind vernichtet — unterworfen. Das Vaterland begrüßt mit Stolz und Dank die heimkehrenden Krieger und gedenkt in Trauer derer, die im fernen Weltteile blieben — auf immer, die ihr Leben ließen für des Vaterlandes Ehre und Größe, mögen sie vor dem Feinde verblutet oder den Fiebern zum Opfer gefallen, mögen sie dem schrecklichen Durst erlegen oder vom Sonnenbrände getötet sein. Wohl weiß aus vielen Werken begabter Schriftsteller und Mitkämpfer das deutsche Volk — daß Schreckliches erduldet wurde im „Südwest", wohl gaben das Generalstabswerk und viele bedeutungsvolle Privatschriften ein buntes Bild des Kriegsverlaufes. Was aber der einzelne der Mitkämpfer erlebte, das kann weder in der Weltgeschichte, im Generalstabswerke, noch in solchen Büchern geschildert werden, die einen Teil des Feldzuges festhalten. Was daheim der Reiter, der Unteroffizier, der Offizier, der Arzt, der Beamte den Seinigen, seinen Freunden und Landsleuten erzählt, das sollen diese Blätter zusammenfassen. Nicht eine Kriegsgeschichte, sondern eine Chronik soll hier geboten werden, die von Geschlecht zu Geschlecht weiter vererbt wird in den Familien der Mitkämpfer, von denen einst die Enkel mit Stolz sagen können: „Sieh, hier steht's geschrieben, mein Großvater war auch dabei!" Und mit der Schrift sollen der Heldenmut, die Vaterlandsliebe, die Königstreue und die Disziplin ein Erbe werden für die Epigonen! Von den Vatern sollen sie lernen, wie sie mit Unerschrockenheit eintreten, wenn auch an sie etwa die Ehrenpflicht herantritt, für das Vaterland die Waffen zu ergreifen. Das Wort aber wird schnell vergessen — die Schrift bleibt. Es ist selbstverständlich nicht ausgeschlossen, daß in den Berichten der Mitkämpfer gelegentlich unwesentliche Irrtümer vorkommen — die Ereignisse werden eben im Kriege individuell betrachtet, und es ist eine immer wieder hervortretende Tatsache, daß auch Militärschriftsteller von Fach sich irren oder entgegengesetzte Auffassungen vertreten. Einzelne kriegerische Erlebnisse sind in diesem Werke zusammengestellt — von den Mitkämpfern so wiedergegeben, wie sie eben ihnen erinnerlich waren. Ohne Unterschied des Ranges und des Bildungsgrades wurde jedem Reiter das Wort gegönnt und — wie ergreifend mitunter gerade die einfachste, kunstlose Sprache wirkt, das werden die Leser empfinden. Nicht die Redekunst kommt hier zur Geltung. Es sollen die Kämpfe und Nöte, die Taten und Entbehrungen geschildert werden, wie sie der Heimgckehrte selbst erzählt, ohne Künstelei, ohne stilistische Mithilfe Unberufener. Und wie der Offizier vor dem Feinde Schulter an Schulter kämpfte mit dem Reiter, mit dem Unteroffizier, mit dem Gefreiten, wie er mit diesen die letzten Tropfen teilte aus dem Wasserfalle, wenn der Durst dem Sterben nahebrachte, wie das letzte Stück Brot vom Manne dem Vorgesetzten geboten wurde, wenn der Hungertod drohte und wie der Offizier freudig den wunden Reiter auf das eigene Pferd hob, wenn's galt, sein Leben zu retten, so sollen auch hier die Erlebnisse ohne Rücksicht auf die Rangstufen veröffentlicht werden — wie sie eben eintreffen. Wenn der Humor nur in wenigen Berichten zum Ausdrucke kommt, so ist das bei dem tiefen Ernste, der ununterbrochen — durch Jahre — über den deutschen Truppen lag, wohl verständlich. Ein frischer, fröhlicher, einst sangcsfroher Offizier sagte mir bei seiner Rückkehr: „Gelacht habe ich in den zwei Jahren drüben im Südwesten überhaupt nicht!" Und doch fehlt es auch hier nicht an Frohnaturen, die in den ernstesten Lagen durch ihren Humor wohltuend auf die Kriegskameraden einwirken. Mögen die Kämpfer die Gcneralsuniform oder den Nciterrock tragen — gleich stehen sie da in unerschütterlicher Treue zum Kaiser und Kriegsherrn, in opferfreudiger Liebe zum deutschen Vaterlande und seinen unabtrennbaren Kolonien. Und — so wird's bleiben in den Reihen deutscher Krieger — allezeit!- Noch habe ich an dieser Stelle allen denen meinen aufrichtigsten Dank auszusprechen, die mir bei der Zusammenstellung dieses Werkes geholfen haben. Insbesondere danke ich Herrn Major Maercker, dem stets hilfsbereiten Ratgeber, Herrn Hauptmann Starck, dem Verfasser des historischen Rückblickes, Herrn Oberleutnant Exn er für die Zeichnung vieler Kartenskizzen, und Herrn Oberleutnant Stuhlmann. Berlin-Halensee. Freiherr v. Dincklage, Generalleutnant z. D. „Lrlog!" Fra:i von Falkenhansen, deren Gemahl von den Hereros ermordet wurde, war mit ihren beiden Kindern allein in ihrem Hause inOkahoa bei Epukiro zurückgeblieben. Sie kannte alle Einwohner der Werft genau. Der Aufstand der Hereros war ausgebrochen. Sie selbst erzählt in ihren „Schicksalen": „An einem Januartage 1904 klopft es an die verschlagene Haustür. „Wer ist draußen?" „Ferdinand und Wilfried! Wir bringen Brief deines Mannes!" Ich offne ahnungslos die Tür. In dem Momente stemmen beide Leute sie vollständig auf. Ich streckte die Hand nach dem Briefe aus, da sauste schon ein Schlag mit dem Kirri auf meinen Kopf — ich stürzte zur Tür hinaus — fiel mit dem Oberkörper ln eine Wasserlache. Das Blut rann mir über das Gesicht. „Gib Patronen!" hörte ich die zwei Hercros rufen.-" Einleitung Ein kurzer Rückblick auf die historische Vergangenheit, auf die geographische Lage und die Ethnographie unseres Westafrikanischen Schutzgebietes soll dem Leser, auch dem Nichtsoldaten, Gelegenheit zum leichteren Verständnisse der Mitteilungen bieten, die, von den Mitkämpfern unmittelbar herrührend, in dem vorliegenden Werke zusammengestellt wurden. Das Land, das durch das Blut, durch den Mut „unserer Reiter" dem Deutschen Reiche nun auf alle Zeiten angehört, Deutsch-Südwestafrika, i 48 s wurde zwar schon im Jahre 1485 von den Portugiesen Bartholomäus Diaz und Diego Cäo entdeckt und betreten. Eine Marmorsäule, die von den Felsklippen des Kap Croß — nordwestlich von Swakopmund — auf den sturmbewegten Atlantischen Ozean hinausblickte, verkündete isss in einer Inschrift durch vier Jahrhunderte diese Tatsache — bis 1893 sie auf des Kaisers Befehl nach Berlin übergeführt und durch eine neue ersetzt wurde. Aber Jahrhunderte sollten dahingehen, bis der Landstrich, der sich vorn Kuneneflusse bis zum Oranjeströme erstreckt und der jetzt das deutsche Schutzgebiet im Südwesten Afrikas bildet, — bis dieses weite Land von Europäern aufgesucht wurde, während das benachbarte Kapland längst der Zivilisation und Kultur zugeführt war. Und wer die geographischen Verhältnisse des heutigen deutschen Südwestafrika betrachtet, der wird verstehen, daß nicht schon früher von den Kulturstaaten der Besitz eines so gesunden, teilweise fruchtbaren Landes ergriffen wurde. Eine viele Tagcmärsche breite, unfruchtbare und Wasserlose Sandwüste — die Namib — legt sich zwischen den fast Hafenlosen Ozean und das nach dieser Seite oft in Terrassen schroff abfallende Gebirge, das, von Norden nach Süden ziehend, das Land beherrscht, welches sich nach Osten allmählich in zwar fruchtbaren aber wafferlosen Steppen — Kalahari — abflacht. Dieser Unzugänglichkeit mag es zuzuschreiben sein, daß gerade dieser, an sich für Europäer günstige Landstrich Afrikas uns — den Deutschen — übrig blieb, während fast alle seefahrenden Nationen weit früher die übrigen Küsten des Weltteiles unter ihre Botmäßigkeit brachten. Wie das Land aussieht, das nun deutsch ist, das werden uns „unsere Reiter" in Wort und Bild zeigen. Auch werden sie uns sagen, welcher Art die Völker sind, die es bewohnen. Aber nicht immer waren es die dunkelbraunen, hochgewachsenen und herrischen Hereros, die gelben, kleinen, aber kriegerisch gewandten Hottentotten, die dies Land bewohnten und beherrschten. Die Urbewohner dieser ungeheuren Oasen zwischen den Wüsten waren die kleinen friedlichen Buschmänner und die Bergdamaras, die, unstet nomadisierend, mit ihrem spärlichen Vieh, Jagd treibend, indem JE" rM> M k-tt-D/^i KM Kür>.izr^ü^ti L.^LUSk:^ Deutsch - Südw cstnfrika. 6 für sie unbegrenzten Lande umherzogen, überall sich niederlassend, wo gerade eine Wasserstelle war, und so lange bleibend, wie sie Weide und Wild vorfanden. Das im allgemeinen friedliche Leben der Urbewohner wurde erst ernstlich gestört, als vor etwa 150 Jahren, von Norden und Nordosten kommend, der Stamm der Hereros in ungeheuren Massen in das Land einbrach, vielleicht schon Vieh mit sich führend, wohl angezogen durch die unbegrenzten Weidegründe, die bislang nur sporadisch ausgenutzt waren. Die schwachen und friedlichen Urbewohner zogen sich, von der Übermacht überwältigt, in die unfruchtbaren Hochebenen am westlichen Gebirgsrande, in die wasserarmen Gras- und Buschsteppen an der Kalahari zurück, oder sie wurden die Sklaven, die niedergedrückten Arbeiter der zur Arbeit nicht geneigten Eindringlinge. Wohl wären die schwarzen Hereros dem innewohnenden Dränge nach Landerwerb gefolgt und von Station zu Station weitergezogen nach Süden — bis an den Oranje und wohl darüber hinaus —, wenn nicht zu Anfang des 19. Jahrhunderts auch von Süden her ein mächtiger Volksstamm in das Land gedrungen wäre und sich nördlich des Oranje niedergelassen hätte, gleich den Hereros die Urbewohner einfach unterjochend. Das waren die Hottentotten Neue Kaisersüulc aus Kap Crotz. oder, Wie sie eigentlich hießen, die „Namans". Sie waren, der am Kap sich ausbreitenden Herrschaft der Weißen mehr und mehr weichend, bis in das Gebiet nördlich des Oranje gelangt und betrachteten sich dort als Herren des Landes. Diese gelbe Rasse, die später durch die Mitteilungen „unserer Reiter" noch eingehend charakterisiert werden wird, war zwar nicht an Körperkraft, wohl aber an Intelligenz, an Kriegsund Jagdgewandtheit, an Schlauheit und Verschlagenheit den schwarzen Hereros überlegen, und als es dann, zuerst im Namalande und bei Rehoboth, zu einem Zusammenstoße kam, da lernten die Schwarzen erkennen, daß es mit dem bisherigen Siegeszuge gen Süden sein Ende habe. Es würde zu weit führen, wenn die einzelnen Phasen des endlosen Krieges zwischen den beiden Stämmen, der sich meist um das Swakoptal herum und im Namalande abspielte, hier geschildert werden sollten. Immerhin kannten auch die Hottentotten die Bedeutung des römischen Wahlspruches — „Einigkeit macht stark" —, denn im Kampfe gegen die Hereros hielten die über den ganzen Süden des heutigen Schutzgebietes in selbständigen Gruppen verbreiteten Nordnamans fest zusammen*), mochten sie sich nun Witboois oder Feldschuhträger oder „Rote Nation" nennen, mögen sie bei Berseba oder Bethanien ihr Hauptquartier gehabt haben. tn^alias per laeoknni oa-nnna siusirälibsrn. soll r Drs. äa orea^Lo äo rnnnäo äs bjdjlXXXdo äs 61iristo äs HH1XXX6<> s^eslents s3vlLrsi- oiäo Dez? äoin loäo 86§unäo äs xortu^al nan- Seit Erschaffung der Welt sind 6684 und seit Christi Geburt 1485 Jahre verflossen gewesen, als der erhabenste und durchlauchtigste König Johannes H. von Portugal befohlen hat, daß durch JacobuS Canus, seinen Ritter, die Säule hier gesetzt. CLo-Saulevon 1485. jetzt in Berlin. Im Jahre der Erschaffung der Welt 6684 und Christi 1485 ließ der erhabene und berühmte König D. Joäo H. von Portugal dieses Land entdecken und diese Säule setzen durch Diego CLo, den Ritter seines Hauses. ') Der Despotie des Jonkhecr Afrikaner, später des Moses Witbooi, gelang dieser Zusammenschluß: doch nur der Nordnamans, nicht der Bondels. 7 — Während an allen anderen Küsten des Schwarzen Weltteils bereits blühende Städte und verkehrsreiche Häfen entstanden, lagen in unserm heutigen Schutzgebiet die Rivalen — die Schwarzen und die Roten — in fortdauerndem, verheerendem Kampfe. Das Land schien von der Kultur vergessen. Wohl betraten auch schon weiße Händler das Land, ehe es eine Schutzmacht über sich fühlte, und versorgten die kämpfenden Parteien im vorteilhaften Tauschhandel mit Feuerwaffen, aber als Kulturbringer konnte man sie nicht betrachten. Es diente das Feuerrohr den Roten — Jonkheer Afrikaner nannte sich ihr tapferer Kapitän —, die Hereros zurückzuwerfen bis weit hinein in ihr Gebiet. Diese ziehen teilweise bis an die Salzpfanne — Etosha —. in deren Umgebung der Stamm der Ovambos herrschte und noch lebt, ein Stamm der Schwarzen, der sich am Kriege gegen uns Deutsche nicht beteiligte. Erst im Januar 1863 gelang es den inzwischen besser bewaffneten Hereros, die Macht der Hottentotten im Verzweiflungskampfe von Otjimbingue zu brechen. Noch war aber der beide Stämme vernichtende Krieg nicht beendet, als deutsche Männer in das heutige Schutzgebiet vordrangen — Missionare von Barmen-Elberfeld —, die bald einen gewissen Einfluß gewannen. Das Christentum fand, besonders bei den Hottentotten, Aufnahme, aber — der Krieg dauerte fort. Den Missionaren folgten Jäger, Forschungsreisende, Abenteurer, vor allem Händler, die auf schwerfälligen Fuhrwerken ihre Waren — Waffen, Pulver, Blei, Branntwein — von einem Stamme, von einer Werft zur andern führten, keine Gefahr scheuend, aber reichen Gewinnes sicher. Aber die Waren brachten Verderben in das Land. Mit Elfenbein, Fellen, Rindern und Gehörnen kehrten die Händler über den Oranje zurück. Erst 1863 entstand inOtjimbingue imDamaralande, anschließend an dieMissionsstation, die erste deutsche Niederlassung. Aber ein Einfluß Deutschlands sollte erst im Jahre 1884 zur Geltung kommen, als das Deutsche Reich das gesamte Gebiet zwischen Kunene und Oranje unter seinen Schutz stellte und damit auch die weiten Ländererwerbungen, die der Bremer Kaufmann Lüderitz im Hinterlande von Angra Pequena — jetzt Lüderitzbucht — dem einzigen verwertbaren Hafen unserer Küste — in den vorangehenden Jahren gemacht hatte. Als erster deutscher Reichslommissar betrat jetzt der Landeshauptmann Dr. Goering das Schutzgebiet, doch, ohne Machtmittel, gelang es ihm nicht, den Frieden zwischen Hottentotten und Hereros herzustellen. Erst 1888, als sein Nachfolger, Hauptmann von Franyois, in Begleitung seines Bruders mit einer kleinen Schutztruppe eintraf, machte sich der deutsche Einfluß fühlbar, wenn auch ein direktes Eingreifen gegen die gegebenen Weisungen war und bei nur 50 Gewehren untunlich blieb. Aber von Fran^ois schuf seiner kleinen Macht in den Festen von Wilhelmsfeste und Groß-Windhuk doch die erforderlichen Stützpunkte. Er wurde von den Streitenden respektiert und gab sich die äußerste Mühe, einen Vergleich herzustellen. Das sollte ihm endlich — 1892 — gelingen. Er bewog den begabten, energischen Führer der Hottentotten, Hendrik Witbooi, und den Oberkapitän der Hereros, Samuel Maharero, einen Frieden zu schließen. Die ersehnte Ruhe trat ein, aber Franks erkannte rechtzeitig den Zweck und die Absichten der beiden Oberkapitäne beim Friedensschluß und tat sofort die erforderlichen Schritte, um demnächst 1dL3 IS63 1S84 lv»d ldl'2 8 liss dem gemeinsamen Angriffe beider entgegentreten zu können. Schon im März 1893 trafen 200 deutsche Reiter ein, und der energische und tapfere Gouverneur zögerte nun nicht länger, gegen Hendrik Witbooi, der jetzt seine Pläne durchschaut sah und mit Ingrimm die Kriegserklärung aufnahm, vorzugehen. Vergebens bemühte sich Hendrik, die Kapitäne der Hereros und die Bastards von Rehoboth auf seine Seite zu ziehen. Fran^ois kam ihm zuvor durch die geeigneten Schritte. Wenigstens in der äußeren Form hielten selbst die südlichen Hottentottenstämme, mit denen ein Vertrag geschlossen wurde, zur Regierung, wenn auch der heimliche Zulauf zu Witbooi von allen Seiten nicht ausblieb. In einer Reihe von glücklichen Gefechten warf Hauptmanu von Franyois den verschlagenen Gegner und bereitete seinem Nachfolger, dem Major Leutwein, den entscheidenden 1894 Sieg vor, den dieser nach einer Reihe von schweren Gefechten im September 1894 bei Naukluft errang. Auch aus dieser Zeit und aus diesen Kämpfen finden wir nachfolgend Berichte und Schilderungen von Mitkämpfern, unter denen die Hauptleute von Perbandt und Volkmann hervorzuheben sind. — Die Besiegung der Hottentotten unter Witbooi, die den Feldzug beendete und in einem Pakt zwischen Leutwein und Hendrik auslief, hatte zwar einen erschütternden Eindruck bei allen Einwohnern und über die Grenzen des Schutzgebietes hinaus hervorgerufen. Aber dennoch mußte im Laufe des folgenden Jahres von neuem gegen aufrührerische Stämme vorgegangen werden. Es sei hier nur der Stamm des Simon CoPPer genannt, des einzigen Hottentottenkapitäns, der noch heute unter dem Schutze der Wasserarmut der Kalahari der Schutztruppe mit 150 Gewehren gegenübersteht, stets bereit zu einem räuberischen Überfall auf eine friedliche Werft oder weidende Herden. So kam, unter steten Kämpfen, mit nur scheinbaren Ruhepausen, die vom Feinde zur Vorbereitung für den langerhand beabsichtigten allgemeinen Aufstand benutzt wurden, das Jahr isoi 1904 heran. Und über die wahrhaft heroischen Kämpfe, die im Januar dieses Jahres einsetzten und erst im Jahre 1907 ihr Ende finden sollten, nachdem viele Hunderte deutscher Krieger im Heldenkampfe geblieben waren, die ihr Blut für Deutschlands Macht und Ehre vergossen — über den Verlauf dieses Abschnittes zu schreiben, hat ein Berufenerer, ein Reiteroffizier, der dabei war, übernommen. Dankbar gebe ich ihm jetzt das Wort: , « Frauen der FeldhcreraS. Patrouille Diestel im Gefecht bei Gurus, 2. September 1894. „-- Nach einer halben Stunde Rast brach mein lieber Freund, Premierlentnant Diestel, der mich bat, als Offizicrpatrouille vor der Spitze reiten zu dürfen, aus — ich sollte ihn lebend nicht wiedersehen!" (Aus dem Berichte deS Hauptmanns von Perbandt.) r, WK- Beilage zu: „Dincklage, Deutsche Reiter in Südwest. Deutsches Verlagshaus Bong L Co., Berlin 57. --MM Patrouille des Oberleutnants Starck in schwierigem Gelände. Nach einer Aufnahme des ihn begleitenden britischen Majors Wade. 7MLD ngra Pequena! — der Name klang uns noch als Nachhall aus der Zeit unserer ^ WI jungen Kolonialbegeisterung Mitte der achtziger Jahre. Aber wie viele daheim hatten den Entwicklungsgang in der angeblichen Streusandbüchse des neuen Deutschen Reiches verfolgt, wie viele kannten sie, die südwestafrikanischen Reiter, als im Januar 1904 die Hiobspost von der sizilianischen Vesper im Schutzgebiet uns zu Ohren drang! Und doch hatte in dem von der Natur anscheinend so stiefmütterlich bedachten Lande deutsche Tatkraft trotz unzulänglicher Mittel schon ansehnliche Werke geschaffen, doch war die mit ihrem Schutze betraute Truppe, eine selten kernige Schar, zu Stolz berechtigt auf ihre kurze Geschichte, deren Ruhm Namen wie „die Naukluft" künden. Noch die ersten Ereignisse im äußersten Süden hatten nachhaltige Teilnahme nicht zu wecken vermocht: der Tod des Diftriktschefs von Warmbad, Leutnants Jobft, die Belagerung der Station durch die Bondelzwarts und ihr Entsatz durch den mit 18 Weißen von Keetmannshoop herbeigeeilten Hauptmann von Koppy, das Gefecht bei Sandfontein, die bei Hartebeestmund über den Oranje gedrängte Bastardabteilung unter Oberleutnant Böttlin. — Eher schien der durch Verpflegungsschwierigkeiten beeinflußte langsame Fortgang der Dinge dazu angetan, etwa erwachtes Interesse zu schwächen. Da, am 12. Januar 1904, in dem von Truppen fast entblößten Norden der überraschende Ausbruch des Hereroaufstands, die Ermordung der vereinzelten Weißen und die Zerstörung ihres Besitzes, Gefahr für die Stationsorte, .Unterbrechung der Verbindungen! Die Hereros hätten den Plan nicht besser geheimhalten, nicht zu günstigerer Zeit losschlagen können — es stand alles auf dem Spiele. Aber in diesen kritischen Tagen zeigte sich deutsche Art! Alle größeren Stationen wurden gehalten; nur Namutoni an der Ovambogrenze räumte die kleine Besatzung nach vorbildlicher Gegenwehr. Von Swakopmund bahnte sich Oberleutnant von Zülow den Weg zu dem am schwersten bedrängten Okahandja, zur Sicherung der Verbindung mit der Deutsche Reiter in Südwest. 2 1903 25./10. 1 ./ 11 . 20. U. L1./11. 1904 12 ., 1 . Herero- cuifstaiid 15.,'1. Erster Bon 10 Frühjahrsfeldzug unter Oberst Leurwein Küste folgte ihm bis Karibib die Landungsabteilung S. M. Schiff „Habicht", und der mit der 2. Feldkompagnie auf dem Marsch nach dem Süden in Gibeon umgekehrte Hauptmann Franke erschien als Befreier. In Gewaltmärschen legte er die 380 Kilometer bis 22 ^' Windhuk in 41/2 Tagen zurück, mit der Erstürmung des Kaiser-Wilhelms-Berges entsetzte er Okahandja. Ein Führer, der mit unbeugsamem Willen von jedem Untergebenen das Äußerste verlangte, eine in schärfster Friedensschule erzogene und ausgebildete Mustertruppe, die ihrem Hauptmann mit unbedingter Hingabe folgte. Sie befreite auch ihren Garnisonort g./s. Omarurn nach schwerem Gefecht gegen starke Übermacht. Denn für sie gab es kein Fragen: Wie stark ist der Feind? Nur drauf! — durch! wohin unser Hauptmann führt. — 9./s. Als das Marineexpeditionskorps auf Reede Swakopmund eintraf, war der erste Anprall der Aufstandswogen bereits überstanden. Dem kurz darauf aus dem Süden über 11./2. Port Nolloth in Swakopmund landenden Gouverneur, Oberst Leutwein, wurden die Hereros in vier größeren Gruppen gemeldet: westlich der Straße Omaruru— Outjo dem Waterberge zu, an den Onjatibergen, bei Kehorv und südlich der Bahn am Komashochland bei Otjimbingue. Major von Estorff, der gegen die erstgenannte Gruppe mit der -r,.,s Westabteilung von Omaruru vorging, erfocht über sie den schweren Sieg bei Otjihinama- parero und wandte sich dann über Omusema nach Okahandja, wo er zu der in der Bildung begriffenen Hauptabteilung stieß. Die bei Kehoro gemeldeten Aufständischen fand die von Windhuk vorgehende Ostabteilung unter Major von Glasenapp bereits nach Westen den Onjatibergen zu abmarschiert. Sie folgte, stellte durch das verlustreiche Gefecht ihrer Aufklä- lb./s- rungsabteilung bei Owikokorero den Anschluß der Kehorogruppe an die Hauptgruppe der Hereros fest und blieb dann beobachtend bei Onjatu, um einheitlich mit der Hauptabteilung gegen die versammelten Aufständischen vorzugehen. Während der sich hinziehenden Versammlung der Hauptabteilung unternahm Hauptmann Puder von Okahandja einen Zug gegen die Otjim- binguer Hereros, die sich nach einem Gefecht bei Klein-Barmen über Teufelsbach ihren Neede von Swakopmund. Hier wurden die deutschen Truvven ausgebootet und an die Küste gebracht, da kein Hafen vorhanden. ZWK ^ ^ ^ i .: 11 Kaiser-Wilhelms-Berg. Hier schlug Hauptmann Franke am 28. Januar 1904 die am 27. aus Lkahandja geworfenen Hereros und entsetzte dadurch diesen wichtigen Stationsort. Stammesgenossen am oberen Swakop anschlössen. Die dort nun vereinigte Herero- masse, 3000 Männer an Zahl nach der Schätzung, beschloß Oberst Leutwein mit der Haupt- und der Ostabtcilung anzugreifen. Die Hauptabteilung unter seiner Führung schlug den Feind bei Ongan- r.,«. jira, folgte den nord- westwärts weichenden Teilen, die Zuzug erhielten, und lieferte ihnen das schwere Gefecht bei Owiumbo, ig„>4. ohne daß die Ostabteilung zum Eingreifen gelangte. Da bei der fehlenden Verbindung auf ein Zusammenwirken mit der Oftabteilung nicht zu rechnen, die Hauptabteilung allein aber den vereinigten Hererostämmen gegenüber für einen entscheidenden Schlag zu schwach war, ging Oberst Leutwein nach Okahandja zurück, um die angekündigten Verstärkungen aus der Heimat abzuwarten.— Die Ostabteilung war von Onjatu über Owikokorero nach Otjituo marschiert, um sich dort für ein Eingreifen bereitzustellen, jedoch, da sie keine Verbindung mit der Hauptabteilung fand, umgekehrt. Sie stieß bei Okaharui in dichtem Busch auf überlegenen Gegner, s./t. erwehrte sich seiner in verlustreichem Kampfe und marschierte nach Onjatu, von wo sie infolge Ausbrnchs einer Typhusepidemie in ihren Reihen nach Otjihaönena geführt werden mußte. In weniger als zwei Monaten, seit dem Vormarschbeginn, hatte sich die Lage wesentlich zu deutschen Gunsten verändert. Unter dem Eindruck der für sie recht empfindlicheil Gefechte an den Onjatibergen zog sich die Masse der Aufständischen in der zweiten Aprilhälfte nordwärts, dem Waterberge zu — schwerfällig und bei zunehmender Versammlung sich selbst eine Gefahr. Das südliche und östliche Damaraland waren von stärkeren Banden frei, die Sorge wegen Entkommens der Hereros mit dem geraubten Vieh nach Osten war gewichen. Ein entscheidender Erfolg in der Niederwerfung des Aufstandes war jedoch nicht erzielt. Eher hatte das an sich nicht kriegerische, zum Teil in den Aufstand widerwillig gezogene Volk gelernt, sich den Weißen gegenüber zu fühlen. Die Hereros, die bei Owiumbo gegen die deutschen Linien stürmten, waren andere als die von der Kompagnie Franke zu Paaren getriebenen. — Oberst Leutwein hielt denn auch erheblich stärkere Kräfte als die bisherigen für erforderlich. Vor allem aber trat nun die Notwendigkeit hervor, die Ausrüstung der Truppe, ihre Berittenmachung und den Fuhrpark zu ergänzen, das Nachrichtenwesen zu verbessern, die rückwärtigeil Verbindungen und den Nachschub auf ihnen zu organisieren, damit zugleich das Eintreffen der Verstärkungen vorzubereiten. — Während daher Abteilung Estorff dem Gegner folgte, um Fühlung zu halten und ihm über Okamatangera möglichst die östliche Flanke abzugewinnen, rückte die Hauptabteilung zunächst nur bis Owikokorero vor. i8.,6. 2 * — 12 Kommando- übernabme durch General- leumani v. Trorha 12 ./ 6 . Waterberg 11 ./ 8 . 12.,8 13./8. 14./8. 1S./8. Inzwischen war Generalleutnant von Trotha zum Kommandeur der Schutztruppe ernannt und außer Kommaudo-, Verwaltungs- und Etappenbehörden die Aufstellung weiterer Feldtruppen in der Heimat veranlaßt worden. Der neue Oberbefehlshaber traf am 12. Juni in Okahandja ein; er beschloß, den entscheidenden Kampf aufzuschieben, bis das 2. Feldregiment zur Mitwirkung verfügbar sei. Abteilung Estorff erhielt die Bestimmung weiter auf Osondema, um ein Ausweichen der Hereros nach Nordosten, Omuramba abwärts, zu verhindern. Als Rückhalt für sie hatte Abteilung Heyde nach Okosondusu zu marschieren, während die Hauptabteilung von Süden über Otjiro zum Omuramba vorrückte. Das 2. Feldregiment sollte über Omaruru die Anmarschrichtung aus Westen und Nordwesten gewinnen. Oberst Leutwein begab sich nach Windhuk zur Fortführung der Gouvernementsgeschäfte und zur Leitung der Unternehmungen im Süden des Schutzgebiets. Eine lebhafte Ausklärungstätigkeit setzte ein. Sie ergab, daß die Hereros am Süd- und am Südwesthange des Waterbergplateaus versammelt standen. Über ihre Absichten herrschte völliges Dunkel, wenn auch der Abzug nach Norden oder nordwestwärts in das Kaukaufeld am wahrscheinlichsten galt. Glaubten sie sich von den Deutschen unangreifbar, oder waren sie sich des Ernstes der herausziehenden Entscheidung bewußt? Jedenfalls herrschte Uneinigkeit zwischen den einzelnen Stämmen, die es zu irgendwelchem Handeln nicht kommen ließ. — Die Masse wogt hin und her, bis sie sich vor der stärksten der anmarschierenden deutschen Kolonnen südost- wärts an der schwächsten vorbei ergießt, dann mit Teilen nordostwärts Abfluß sucht und schließlich in breitem Strom nach Südosten zieht. — So vollzog sich die Entscheidung am Waterberge: Am 11. das siegreiche Vordringen der Abteilungen Estorff bis Otjosongombe, Mühlen- fels bis Hamakari, Deimling über Omuweroumue und — vereinigt mit Fiedler — nach Waterberg, während zwischen Estorff und Mühlenfels Abteilung Heyde ungünstig ficht und abends zurückgeht. Am 12. Deimlings Vormarsch nach Hamakari zum Anschluß an Mühlenfels; unter dem Druck dieser Bewegung Abzug der feindlichen Massen nach Südost, in welcher Richtung auch Abteilung Estorff zur Vereinigung mit Heyde rückt. Am 13. Aufnahme der unmittelbaren Verfolgung durch die Abteilungen Deimling und Mühlenfels; Abmarsch der Abteilungen Estorff und Heyde Richtung Omatupa. Am 14. Ab- CEMus brechen der unmittelbaren Verfolgung wegen einer der bewährteflen und gebildetsten Führer der Hottentotten, wurde gänzlichen Waster- Und WeideMUNgels; UM nach dielen Kämpfe» und geschickten Querzügcn am S. März 1SW . - b'strn-ssS «nsammentreNen mit den durch Hauptmanu Volkmann gefangen genommen. ^0. to.fiui.ffv -)UfaiNMeNireffeN NNI ven t». < >k'^ i? » z».- r- ' ^ ,-4M ^ Ansprache des Oberst Leutwci» an die Truppen bei Okahandja vor deren AuSmarsch in den Orlo„ im Frühjahr 1904. — 14 — uordostwärts flüchtenden Teilen des Gegners und Abdrängen derselben in südöstlicher Richtung dem Sandfelde zu. — Der Höhepunkt des Herero- dramas ist überschritten. Das nicht erheblich scheinende tatsächliche Ergebnis war doch ein voller taktischer Erfolg, insofern der Gegner in ungünstigste Richtung geworfen war. Es gestaltete sich unter einer überaus schwierigen, mit bewunderns- werter Tatkraft und Nachhaltigkeit durchgeführten Verfolgung zu einem Siege von entscheidender Bedeutung. Das Schicksal des stolzen HererovolkeS wurde mit Hilfe der Natur seines eigenen Landes schneller und gründlicher besiegelt, als die zahlreichste, mit allem auf das beste versehene Weiße Truppe es vermocht hätte. Der Kaiserliche Dank und die vollste Anerkennung, die Führer und Truppe wurden, gaben jenen Tagen die rechte Weihe. In die nördliche Flanke des Rückzuges wurden die Abteilungen Estorff und Volk- Sandfeid mann entsandt mit dem Auftrage, den Gegner östlich zu umfassen. Um ihn südwärts zu überholen, marschierte die Abteilung Deimling in zwei Kolonnen über Otjosondu und südlich vor, während von Windhuk die Abteilung Heydebreck nach Epukiro in Marsch gesetzt wurde. Abteilung Mühleufels folgte Richtung Orutjiwa. Nach kurzem Halt in Gegend Otjimbinde Ende August setzten die Hereros ihre Flucht nach Osten dem Eiseb- und nach Südosten dem Epukirorivier folgend fort, nur vereinzelt noch zum Kampfe gestellt. Erst im Westrande des Sandfeldes bei Epata und bei Otjimanangombe- Ganas stauten sich die dem Tode des Verdurstens geweihten Massen, von ihren voraneilenden Kapitänen verlassen. Aber dem Vorstoß der deutschen Abteilungen längs des S-pt. Eiseb und imEpukiro- rivier hielten sie nicht mehr stand; auch der kühne Marsch des Deta- chements Klein Epukiro abwärts traf nur aufNach- zügler. Der Todeszug, Unterworfene Witboois marschieren nach Windkmk im Februar lSÜü. Lbcrlcutnant Wilm mit bcr Komvagnie von Zaris nach Namscb marschierend. W^„ .^S-7----H^ >L Abteilung Estorff vor dem AuSmarsch nach Omaruru —Outjo im Februar 1904. L. Schutztruppen-Kompagnie (Hanptmann Franke). Marineinfanterie-Kompagnie (Hauptmann Haering). 16 ZMMZZMMMM dessen grauenvollen Spuren unsere Patrouillen nach der Regenzeit folgten, hatte sich fortgesetzt in das Wüstengrab. — Aber auch bei dem Sieger machten sich die Folgen der vielfach bis zur Grenze menschlichen Könnens geleisteten Anstrengungen und' getragenen Entbehrungen geltend. Die Typhuslazarette nahmen manchen auf, der nur mehr ein Schatten war, und die Gräberfelder von Epukiro, Owiuaua-Naua und Otjimbinde reden eine deutliche Sprache.- Übergang Während die dem Oberst Deimling unterstellten Truppen gegen den neuen Feind Lkatians- im Hottentottenland zogen, hielten die des Oberstleutnants v. Mühlenfels das Sandfeld 0 e?ero,and in weitem Bogen vom Epukirorivier bis zum Großen Omuramba umspannt, bis die im Febr. Februar und Mai 1905 zum Teil bis zur englischen Grenze und durch das Kaukaufeld vorgetriebenen Erkundungen nur noch kleine, widerstandsunsähige Banden fanden. Mai Mitte Mai gingen die Nordtruppen zu einer ständigen, in Postenbezirke eingeteilten Besetzung des Damaralandes über. Denn durch die das Sandseld umschließende Linie hindurch warenHererotruPPsin verschiedener Stärke nach ihren alten Wohnsitzen zurückgelangt, wo sie, namentlich von den Onjati- und Komasbergen her, durch Viehdiebstähle den Wiederbeginnenden Farmbetrieb störten. Eine planmäßige Streife über das Da- maraland und die anschließende Säuberung des Komashochlandes räumten mit der Mehrzahl dieser Werfte auf, von denen ein Teil auf Walfischbaigebiet übertrat. No». So war der Bodeu bereitet für den Aufruf des im November 1905 im Schutzgebiet eingetroffenen Gouverneurs von Liudequist an das Volk der Hereros. In Scharen stellten sie sich besonders bei den Sammelstellen der Rheinischen Mission. Mitte des Jahres 1906 konnte das Damaraland als befriedet gelten, wenn auch Diebstähle seitens unbewaffneter Feldhereros gelegentlich noch vorkamen. * * «ag° Im äußersten Süden des Schutzgebiets, wo der Aufstand begonnen hatte, war Oberst des^Leutwein an dem Tage, an dem die Kompagnie Franke vor Okahandja erschien, in Kalk- " 27./1. sontein zu einem Abschluß mit den Bondclzwarts gekommen, dessen Bedingungen — Wafsenabgabe, Landabtretung und Auslieferung von Rädelsführern — die versammelten Kapitäne des Namalandes zustimmten. Doch war die nach Abmarsch der anderen Truppen wieder allein im Süden verbleibende 3. Feldkompagnie zu schwach, den unruhigen Eingeborenen Achtung vor deutscher Macht, den Ansiedlern das Gefühl der Sicherheit zu geben. Kriegsgefangene Hottentotten auf der HMschinfel in üer LüderitzvuLt. ... ^ ^WWW "-KsH- K5A^ EWW MWG 4 ?"*<' »WHW LM-r KIMM MÄM MGM- -b/ -KHZH Aus dem Gefecht bei Gurus am 2. bis 4. September 1894 (Nauklust). „Leutnant Schwabe hatte, der Hauptabteilung voraneilcnd, schnell die westlich der Stellung Lampes gelegene Kuppe besetzt und verhinderte die Hottentotten daran, den Aufstieg der Hauptabteilung zu sehr zu erschweren. Ich konnte w mit der Hauptabteilung den Berg erreichen." (Hendrik Witbooi stellte sich dem ihn drängenden Hauptniaun von Perbandt auf einer steilen, alles beherrschenden Felsenhöhe im Naukluftgcbirge, und von Perbaudt zwingt ihn nach dreitägigem, hartem Kampse zum Abzüge. D. H.) Beilage zu: „Dincklage, Deutsche Reiter in Südwcst. Deutsches Berlagshaus Bong L Co., Berlin 57. 17 Von den im Juni 1904 eintreffenden Transporten wurden deshalb eine Kompagnie und eine Batterie zur Landung in Lüderitzbucht bestimmt, die mit der bisherigen 3. Feldkompagnie eine Südabteilung unter Major von Lengerke bildeten. Ihre Marschbereitschaft in Keetmannshoop verzögerte sich trotz der außerordentlichen Tätigkeit, die der Generalstabsoffizier des Etappenkommandos, Major Lequis, entfaltet hatte, infolge der Baiwegschwierigkeiten mehr als erwünscht. Denn Anfang Juni 1904 war an der Südostgrenze des Schutzgebiets Morenga erschienen, ein Herero, der als Arbeiter in den Kupferminen des Klein-Namaqualandes mit mancherlei Kultureinflüssen in Berührung gekommen, dann mit seiner Sippe am Osthang der Großen Karrasberge seßhaft gewesen war. Im Kalkfonteiner Frieden als Mörder geächtet, hatte er sich in die Kapkolonie geflüchtet. Von dort her trat er als Freibeuter auf den Plan, dem seine Persönlichkeit und seine Erfolge im Ausrauben wehrloser Farmer schnell Zulauf allerlei Gesindels brachten. Nach einem Patrouillengefecht bei Kouchanas zog sich Morenga vor den über Koes und auf Dawignab vormarschierenden Abteilungen Koppy und Fromm durch die Narudasschlucht in die Großen Karrasberge, gegen die deutscherseits von Kalk- fontein und von Wasserfall aufgeklärt wurde. Zu einer Offensive in das wenig bekannte, schwierige Gebirge gegen die auf mehrere hundert Köpfe angewachsene Morengabande erachtete sich Major von Lengerke jedoch zu schwach, nachdem die bei Wasserfall stehende 8. Kompagnie 2. Regiments durch einen Handstreich Mo rengas auf ihre Pferde bewegungsunfähig geworden und infolge des Aufstandes der Nordhottentotten die Sicherung der Verbindung Ramansdrift bis Warmbad dringend geworden war. Auf den neuen und gefährlichsten Feind im Herzen des Schutzgebiets richteten sich jetzt die Blicke. War es möglich, daß der alte Hendrik Witbooi....?, und gerade jetzt, wo im Hererolande ein Teil der Truppen frei geworden war? Wer vermag in der Seele eines Hottentotten zu lesen! Und doch sind die Gedankengänge jetzt leidlich klar, die aus dem alten Fuchs mit der goldenen Kriegerverdienstmedaille den Mörder seines Wohltäters, von Burgsdorff, und den Verderber seines Volkes werden ließen. Gewiß war Hendrik zu keiner Zeit vertrauend gegenüber den Deutschen gewesen; doch er war ja immer gut mit ihnen gefahren. Bisher wurde jeder Orlog — notgedrungen — durch Paktieren beendet. Nun aber hörte er von einer gewaltigen Machtentfaltung im Hereroland, deren Ernst ihm seine aus dem Norden entlaufenen Krieger bestätigten. Gerüchte drangen ihm zu Ohren Deutsche Reiter in Südwest. Generalleutnant von Trotha. Morenga 30 ./ 8 . 5 ./ 10 . Allsbruch des Hottentottenaufstands 18 4./10. F-ldzug gegen die Hotten- rotten Erste Ge- 22 ./ 11 . 28./11. 4. U. S./12. 25. SrS 28./11. Besiegung der Feldschuhträger 15..12. Kämpfe am Auob und Reden, daß diese Macht nach Niederwerfung der Hereros gegen die Hottentotten bestimmt sei, daß man ihnen die Waffen, das Land nehmen, die Kapitäne absetzen werde. Schon war „der Major" nicht mehr Grootkaptän; er würde bald nach Deutschland gehen, und „der Hauptmann" H würde ihm folgen .... So fand Stürmann Skeppert, der noch Anfang 1904 nichts hatte ausrichten können, mit seinen Hetzreden und Prophezeiungen bei Hendrik Eingang. „Die Zeit ist erfüllt!", wo er für sein Volk handeln muß. Es ist der nationale Gedanke, der aus diesen Worten spricht; die religiöse Einkleidung liebt der Hottentott in der getragenen Sprache seines schriftlichen Verkehrs. Die Ermordung des Bezirksamtmanns von Burgsdorff gab das Signal zur Nieder- metzelung der Weißen männlichen Geschlechts und zum Plündern der Farmen. Der Simon- Copper-Stamm und die Rote Nation von Hoachanas schloffen sich an, Feldschuhträger und Nordbethanier folgten; nur der kleine Kapitänanhang unter den Bethaniern, der Bersebastamm, und die Bastards von Rehoboth blieben treu. Die Verbindung zwischen dem Norden und dem Süden der Kolonie war unterbrochen, keine Bahn erleichterte den Transport in das weite Gebiet, das wasserarmer und weniger bekannt war als der bisherige Kriegsschauplatz. Vielmehr schien der Baiweg gefährdet. Ein neuer Feldzug stand bevor, dessen Schwierigkeiten man ahnte, über dessen voraussichtliche Dauer nur vage Vermutungen laut wurden. — Die zur Begleitung des Gouverneurs nach dem Süden bestimmt gewesene 2. Ersatzkompagnie in Windhuk war die erste bereite Truppe. Durch Landeskenner aus dem Beurlaubtenstande ergänzt, rückte sie unverzüglich zum Schutz des Bastardlandes an dessen Südgrenze ab. Der mit dem Kommando im Süden betraute Oberst Deimling folgte mit der alten 2. Feldkompagnie und ffz Gebirgsbatterie. Weiterhin waren die jungen Truppen des 2. Feldregiments für den Hottentottenfeldzug bestimmt. Den ersten Hereroansturm hatte die alte Garde ausgehalten, die junge sollte im Süden den blutigen Lorbeer pflücken! Auch die Heimat und das Kapland mußten senden. In langer Folge reihte sich Transport an Transport. Truppen und Etappenformationen für den Süden, technische Truppen, Kolonnenabteilungen mit ihrem großen Aufgebot an Personal, Tieren und Material. Die Arbeitslast an den rückwärtigen Verbindungen wuchs. Man rief nach der Bahn für den Süden — doch sie blieb aus. Vor Kub und bei Lidfontein kam es zu den ersten größeren Zusammenstößen mit den Witboois; ihre Masse wurde durch kühn geführte Patrouillen bei Rietmont festgestellt. Oberst Deimling rückte von Kub dorthin vor, schlug die Witboois bei Narus und nahm den Kapitänssitz. Gegenüber dem Auob abwärts auf Gochas ziehenden Gegner blieb Abteilung Meister bei Kalkfontein, während Detachement Ritter gegen die im Hudup- rivier sitzenden Nordbethanier zog. Im äußersten Süden hatte Morenga Ausgang November das wichtige Warmbad zu überfallen versucht. Die Station, die die Kapstädter Presse bereits in den Händen der Aufständischen sah, wurde zwar gehalten, aber die ernsten Gefechte bei Alurisfontein zeigten, was dort auf dem Spiele stand. — Doch vorerst harrten andere Aufgaben der Lösung. Major von Lengerke hatte zunächst mit den Feldschuhträgern abzurechnen. Bei Koes, ihrem Hauptsitz, brachte er ihnen eine entscheidende Niederlage bei, von der ab der Stamm und sein unbedeutender Kapitän haltlos zwischen dem Anschluß an die Nordnamans und an Morenga schwankten. Nun holte Oberst Deimling zum Schlage gegen die Witboois und Franzmannhottentotten aus, die am Auob bei Zwartfontein und bei 1) Gouverneur Oberst Leutwein. 2) Bezirksamtmann Hauptmann a. D. von Burgsdorff. 20 ML-kHOG- D MLL AM MM .2^ Ramansdrist am Oranjcrivicr. Gochas —Persip standen. Abteilung Lengerke rückte von Süden, Abteilung Ritter von Gibeon über den Kalkrand, Abteilung Meister Auob abwärts vor. Die Kämpfe der Abteilung bsggs' Meister bei Stamprietfontein und Groß-Nabas gegen den vereinigten Witbooiorlog bilden eines der ruhmvollsten Kapitel des Feldzuges; sie endeten mit dem Sturmlauf an der Wasserstelle Groß-Nabas, führten jedoch nicht zum Zusammenwirken mit den anderen Abteilungen. Major Meister sah sich genötigt, seine erschöpfte Truppe an das ergiebigere Wasser «.zu Stamprietfontein zurückzuführen, während die Witboois zu den Copperleuten bei Zwart- s./n fontein stießen. Oberst Deimling hatte die letzteren bei Haruchas mit der Abteilung s.,i. Ritter, bei Gochas mit den Abteilungen Lengerke und Ritter zurückgeworfen. Bei 7-U- Zwartfontein jagte er die vereinigten Witboois und Copperleute unter Verlust eines großen Teils ihrer Habe dem Elefantenfluß zu in die Flucht, auf der sie sich in Richtung Nanib- 8.N. kobis und Nunub teilten. Der Auob wurde durch die Abteilungen Lengerke und Meister besetzt; Abteilung Ritter rückte zur Teilnahme an den Unternehmungen gegen Cornelius, Elias und Gorub in den Schwarzrand. -P rj: * Oberst Deimling glaubte nunmehr die Zeit gekommen, gegen Morenga und die zwartgebiet mit ihm in den Großen Karrasbergen vereinigten Bondelzwarts vorzugehen. Dorthin setzte er Anfang März die Abteilung Koppy von Süden und von Keetmannshoop aus die Abteilung Kirchner von Norden, Kamptz über Wasserfall in Bewegung, während Abteilung Lengerke östlich des Gebirges im Backrivier Aufstellung nahm. Katasters- Auf die schwächste dieser Abteilungen, Kirchner, warf sich Morenga bei Aob mit dem Erfolg, daß sie am folgenden Tage au die Wasserstelle Kofis zurückging. Doch das 21 gleichzeitige siegreiche Vordringen der Abteilungen Koppy über Garup und Kamptz über Kraikluft—Garis zur Narudasschlucht vereitelte Morengas Plan, diese Abteilungen der- n/s. einzelt zu schlagen. Nach schweren Verlusten und unter Preisgabe ihres Lagers in der Schlucht flüchteten die Aufständischen in das Gebirge. Die Einbuße fast des gesamten Viehes war ihnen so empfindlich, daß sie der Abteilung Kamptz die Beute noch zweimal zu entreißen versuchten. Der Nimbus der bisher selten von eines Weißen Fuß betretenen Karrasberge war geschwunden; die hohe Verantwortungsfreudigkeit und die hinreißende Energie des Führers hatten die zum Teil eben erst in das Land gekommene Truppe zu schönen Siegen geführt, denen freilich ein nachhaltiger Erfolg gegeben werden sollte. Statt des krankheitshalber in die Heimat zurückkehrenden Oberst Deimling übernahm Major von Lengerke, dann Major von Kamptz März das Kommando im Bondelzwartland. Zur Leitung der Operationen begab sich Generalleutnant von Trotha mit dem Hauptquartier von Wiudhuk nach dem Süden. Während die Witboois sich nach ihrer Vertreibung aus Nunub gleich den Copper- s.,2. leuten in der Kalahari hielten, hatte sich in Westnamaland Cornelius, der Führer der Cornelius Bethanierhilfstruppe im Hererofeldzug, besonders rührig gezeigt. Erst nachdem ihn die Gefechte am Gawachabrivier zum Abzug nach dem Fischsluß südöstlich Jnachab veranlaßt hatten, s.u.s.,s. war es dem Hauptmann von Koppy geglückt, ihn bei Gaos im Lager zu überraschen und Ls.,s. unter Verlust seiner Habe Fischfluß abwärts zu jagen. Gegen die bei Koihas vereinigten Bethanier und die Bondelzwarts unter Morris gingen Ende Mai Major Graeser von Kanibes durch die Trothaschlucht und Abteilung Pichler aus dem Konkip längs des Anihabrivier vor. Nachdem Abteilung Pichler bei Keidorus auf den Feind gestoßen war, 27.,'s. führte Major Graeser beide Abteilungen zum Angriff und setzte die Verfolgung des geschlagenen S 8 ./ 6 . Gegners bis an den Oranje fort. Cornelius und Morris nahmen die Richtung über s.,?. Außenkehr und beunruhigten in der Folgezeit die EtaPPenstrecke Ramansdrift—Warmbad. Auch nach dem Gefecht der Abteilung Traeger bei Kawigaus hielt sich Morris in den is./s. schluchtenreichen unteren Oranjebergen, während Cornelius sich zu Morenga in die Großen Karrasberge begab. Dessen durch Feldschuhträger verstärkte Bande hatte sich nach den Gefechten der Abteilungen Erckert und Winterfeldt in dem östlichen Vor- gelände der Großen Karrasberge zerstreut, war Anfang Mai bei ".,s. Konihanas festgestellt und von Hauptmann Siebert in dem Gefecht am Leukop Herero David Herero Paul Über die Grenze ae- Cornelius FrederickS, Friedrich, " " ^ ^ Bethanier. Bastard v. Witbooi u. Klippkaffer Warfen worden, ohne Sohn von Kapt. Cornelius (war nach Togo deportiert gewesen) - r, st. ^ .st. Bastard Bastard Georg daß die Kappollzer sie Farbige Mitkämpfer. Morenga 37. u. 28./4. Fritz Jscmk. Witbooi, Sohn von Samuel Jsaak 22 13./9. 29./S. Hendriks Tod festnahm oder entwaffnete. So leistete sie auch im Karebrivier der Abteilung Erckert und gxi Narus der Abteilung Kamptz-Siebert zähen Widerstand und flüchtete nach dem Gefecht vom l7. Juni, das Hauptmann von Erckerts Eingreifen in Sieg verwandelte, wieder in den Nordostteil des Karrasgebirges. Von dort knüpfte Morenga Verhandlungen an, auf die Generalleutnant von Trotha hinhaltend einging, um inzwischen einen entscheidenden Schlag gegen die Nordnamastämme führen zu können. Entweichung Denn vor den im April von den Auobtruppen unternommenen Vorstößen wie nach Schworzrandden Gefechten bei Kowes waren Witboois und Copperleute stets in die Kalahari entwichen. Doch jetzt ließen verschiedene Nachrichten und Räubereien auf die Anwesenheit stärkerer feindlicher Kräfte im Schwarzrand und Zwiebelhochebene schließen. Noch ehe das sofort eingeleitete Heranziehen der Abteilungen Maercker, Meister, Eftorff, Lengerke und Koppy um die Hochfläche beendet war, entkam zwar Hendrik Witbooi selbst mit Anhang nach Osten. Doch bewirkte der Vormarsch von Osten, Südosten und Süden über die Hochebene, daß sich die dort verbliebenen Banden nordwestwärts an den Rand der Namib zogen, wo sie durch die Abteilungen Maercker und Uthmann unter Major Meister bei Nubib überraschend angegriffen und nachhaltig geschlagen wurden. Hendrik war an den Auob entkommen; er zog von dort nach dem Gefecht mit Abteilung Moraht bei Aubes südwärts in die Gegend von Koes. Die Besetzung aller Wasserstellen im östlichen Nama- lande seitens der dem Major v o n Estorff unterstellten Truppen übte in der trockensten Zeit indes ihre Wirkung. Weiber und Kinder der Witboois kamen halb verdurstet nach Kiriis; der Orlog wandte sich wieder nach Westen, überfiel bei Fahlgras einen Wagen der 3. Batterie, hatte aber sofort die Verfolger unter Oberleutnant Stage auf den Fersen. In dem sich entspinnenden Gefechte erhielt der alte Kapitän die tödliche Wunde. Er starb, den Friedenswunsch für sein Volk auf den Lippen. — Der Mann, dessen Befehl genügt hatte, den Hottentottenaufstand zu entfesseln, war nicht mehr, und die Folgen zeigten sich schnell. Samuel Jsaak und Hans ^ ^ ^ Hendrik boten ihre Unter- Samuel Maharero. ^ ^ ^ . >, ^ lwerfung an, Sebulon, Elras einer der Führer und Organisatoren der Hereros, verwertete seine bei den Teutschen > 2 ' erworbenen Kenntnisse. Und Gvrub folgten; schließlich 29./10. 23 ergab sich Jsaak Wit- booi, der nur von einem Teil seines Stammes anerkannte Häuptlingserbe. Der Roten Nation und ihrem Kapitän Ma- nasse Noroseb bereiteten die Gefechte des Oberleutnants von Madai bei Gu- buoms das Ende, und dem Copperstamm wurde durch die Abteilung Heyde bei Toasis vorerst die Lust benommen, sich aus der Kalahari hervorzuwagen. — Im mittleren Namalande stand nur noch Cornelius im Felde. Er hatte sich Ende September in den Karrasbergen von Morenga getrennt, war raubend in das Bethanierland zurückgekehrt, von den verschiedensten Abteilungen verfolgt bald am Fischsluß, bald am Baiwege erschienen, schließlich in die Tiras- berge gezogen, von wo seine Bande bei Nunub, Haries und Kunjas stahl. Bei Namtob und bei Dochas mit Erfolg angegriffen, zog er über die Zwiebelhochebene vorbei an Chamasis, wo sich ein Teil seines Anhanges stellte, dann westwärts und im Bogen um Bethanien nach Süden, von den Abteilungen Buchholtz und Volkmann verfolgt, bei Heikoms von Hauptmann Volkmann eingeholt und zur Unterwerfung bewogen. Mit Cornelius verschwand als letzter der tatkräftigste und gefährlichste unserer Gegner im Nord- namaland. Der Rücken war frei zur Bekämpfung des kriegstüchtigsten aller Stämme des Schutzgebietes, der Bondelzwarts. -d » -ic Samuel Jsaak David und seine Söhn- Mal I. u. 5.,12 17./1L. Cornelius Unterwerfung 1906 11. u. 19./1. 3./3. 1905 Die mit Morenga in den Karrasbergen geführten Verhandlungen hatten sich zer- schlagen, als dort Ende August der Bondelskapitän Johannes Christian erschien. Mitte ^»»d September zogen die vereinigten Bondelzwarts aus dem Gebirge unter mehrfachen Überfällen südostwärts in die Oranjeberge. Oberstleutnant van Semmern folgte ihnen dorthin mit den Abteilungen Siebert und Koppy über Udalis in zwei Kolonnen. Im Marsch Oranje abwärts traf Abteilung Koppy östlich Hartebeestmund auf den Feind, gegen den sie in si-sto. ungünstiger Stellung bis zum Einbruch der Dunkelheit eines der schwersten und verlustreichsten Gefechte des Feldzuges führte. Abteilung Siebert fand, über Umeis auf das Geschützfeuer vorgehend, ohne brauchbaren Führer das Gebirge nicht überschreitbar und gelangte nicht auf den Kampfplatz. Beide Abteilungen wurden nach Warmbad genommen und vorerst auf die Sicherung der Etappenstraße von Ramansdrift beschränkt. Es hatte sich gezeigt, daß es zur Niederwerfung dieses Gegners noch größerer Anstrengungen und dazu umfang- No». reicher Vorbereitungen bedurfte. — Generalleutnant von Trotha kehrte nach Übergabe ^b-mahm- des Kommandos an Oberst Dame im November 1905 in die Heimat zurück. Seine Ob-nÜDam- Abschiedsworte an die Truppe, mit der er, ihr erster Reiter, 18 Monate eines an Kämpfen und Siegen, an Anstrengungen und Entbehrungen überreichen Feldlebens geteilt hatte, atmeten die Spannkraft, die den ältesten deutschen Kolonialoffizier niemals verlassen hatte; sie drangen allen zu Herzen. — Eine schwere Zeit des Ausharrens begann nun im Süden, wo Major von Estorff, der seit Februar 1904 ohne Unterbrechung vor dem Feinde stand, den Befehl übernommen hatte. Mit Neuordnung der Etappeneinrichtungen und des Fuhrwesens, Füllung der Magazine und Heranziehen der Verstärkungen verstrichen die Wochen langsam genug für die Kampfbegier der Truppe, geradezu aufreibend für die an der Straße Ramansdrift—Warmbad lsos stehenden Abteilungen. Um so Heller leuchten aus diesem schwersten Abschnitt des Feldzuges s.,i. die Waffentaten der Abteilungen Lettow bei Duurdrift und Erckert-Degenkolb bei WM Abbabis. Station an der Bahn Swakopmund—Okahandja. i4./s. Norechab und die Leistungen unserer todesmutigen Patrouillen gegen den Feind. — Anfang Käm/f?in näherten sich im Vorrücken die zu der erneuten Offensive in die Oranjeberge bestimmten den Oranje- Abteilungen Erckert, Hornhardt, Heuck und Siebert, letztere beiden unter dem Befehl des Majors Taeubler. Die Bondelzwarts wichen vor der über Wasserfall —Pelladrift fechtend vordringenden linken Kolonne Beyer der Abteilung Siebert nordwärts in das Gebirge; vor den über Homsdrift bei Kumkum angreifenden Abteilungen Erckert und Hornhardt gingen sie nach Norden und über den Oranje auseinander. Der Gegner war aus seinen Felsenschlupfwinkeln vertrieben, in denen er sein Lager solange unangreifbar gewähnt hatte; aber wie so oft diesem flüchtigen Feind gegenüber, war trotz außerordentlicher Leistungen ein entscheidender Schlag nicht geglückt. — Die Aufständischen wandten sich nach Osten, den Veldschoenbergen zu, und nachdem sie- dort wie am Oranje ihre Werften über die Grenze gebracht hatten, begann nun ein Flüchten und Verfolgen, das mit kurzen Kaiserlich Deutsches Gouvernement für Südwestafrika. »D^-> > , - » Z F 7 ^— ___ L^^^°--^-»- >^- ^ ^— Faksimile des Kommandobefehls des Kaiserlichen Gouverneurs von Trotha, 4. November ISÜS. !!!!' !! >^—— ^-- Z/^ cr^ ^^r/" — L-^ /" ---- - ^^77 iH'i! ! ^ !s! 1^ W !i 1 ! ! !^H! Beilage zu: „Dincklage, Deutsche Reiter in Südwest/ Deutsches Verlagshaus Bong L Co., Berlin ^V. b7. 25 Unterbrechungen beide Teile in Atem hielt. Die Gefechte südlich Ukamas, an der Fettkluft, bei Oas und bei Wittmund bezeichnen den Weg, den die Bändels in die Kleinen Karrasberge nahmen, während Morenga, der sich ostwärts zur Grenze wendete, von der Abteilung Bech bei Van Rooisvley erreicht und so wirksam geschlagen wurde, daß er sich mit wenigen Begleitern der Kappolizei stellte. Aus den Kleinen Karrasbergen ging die Jagd weiter: Gawachab bis Rosinbusch — Geis — Dakaib — Tsamab — Nukais — immer von neuem spürte die Truppe auf, packte sie an, und immer wieder ward das Wild flüchtig. Auch der bei Sperlingspütz angreifenden Abteilung Freyhold entzog sich der Gegner südwestwärts in die Oranjeberge, um schon am 18. Juni wieder bei Gabis zu erscheinen und mit den dort geraubten Tieren in Richtung Goabdrift zu entkommen. Von dem Oberst Dame, der in schwieriger Zeit das Kommando fortgeführt hatte, ging die Leitung der Operationen auf den truppe, Oberst von Deimling, über. Er veranlaßte den Abtransport alles irgend entbehrlichen Viehes vom Kriegsschauplatz nach dem Norden und stellte eine Anzahl Verfolgungskolonnen bereit, kleine Kerutruppen, die, sobald der Gegner in erreichbarer Nähe erschien, ihm nachsetzen sollten, bis er erreicht war, oder eine andere Kolonne ablösend eingriff. Und mit erneuter Tatkraft ging es an die Hetze, als der Pferderaub bei Alurisfontein dem Feinde wieder auf die Spur führte. Aus ihrem Zuge über Noibis und Nos im Back- rivier zeigtedieAbteilungBech, indenKleinen Karrasbergen die Abteilung Wobring, daß die Truppe zu leisten vermag, was rücksichtslose Energie von ihr fordert, und die Streifen der Abteilungen Freyhold, Anders und Bentivegni durch die unteren Oranje- und die Karrasberge reihen sich würdig diesen Leistungen an. Die Oktobergefechte des Detachements Müller von Berneck bei Holpan, Sandpütz und bei Narus und die Tätigkeit der Abteilungen Möllere, Rausch in den Huib- bergen bilden den Abschluß. — Am 24. Oktober wurden die von dem Bondelskapitän angebahnten Verhandlungen begonnen. Aber eine Summe von Geduld und klugem Geschick war noch erforderlich, bis es am 23. Dezember in Ukamas zum endlichen Abschluß kam. — Drei Jahre erbitterten Ringens lagen zurück; aus dem Schutzgebiet war deutsches, mit den: Blute vieler Söhne erkauftes Land geworden. Es war ein unvermeidlicher Kampf, der beendet war; denn die Hereros sowenig Deutsche Reiter i» Südwest. neu ernannten Kommandeur der Schutz- Morenga, der bedeutendste und erfolgreichste Führer der Hottentotten — selbst Hererobastard — entwich über die englische Grenze, wurde aber vom britischen Major Elliot im wasserlosen Landstrich verfolgt. Nach tapferer Gegenwehr unterlag er an der Spitze seiner 60 Getreuen dem Anstürme des Inspektor Manders. Korporal Henwood büßte seinen Mut mit dein Leben, aber — unter den Gefallenen des Feindes fand man Morenga — von Schüssen durchbohrt. 4 S./4. 8./4. 11./4. 20./4. 4./ö. 4./Ü. 23./S. 25./6. 3. u. 5./6. 18./6. Kommandoübernahme durch Oberst v. Deimling 6./7. 6 ./ 8 . Unter- Bondel- zwarts 24./10. 23./12. 26 Unsere Gegner: Stamm der Hereros Hottentotten Unsere Truppe Wie die Hottentotten hätten auf friedlichem Wege allein dauernd gewonnen werden können. Abgesehen von ihrem ausgeprägten Freiheitsdrang, der in Konflikt mit der fortschreitenden Besiedelung kommen mußte, und den autokratischen Stammesverfafsungen, die unter allen Umständen bedroht waren, bedurften beide Völker der freien Verfügung über die Weideflächen ihres Landes als Bedingung ihrer bisherigen wirtschaftlichen Existenz. Nun der Krieg alles von Grund aus verändert, die freien Eingeborenen zu Lohnarbeitern der Weißen gemacht hat, scheint es doppelt erwünscht, das Bild ihrer schnell schwindenden Stammeseigenart festzuhalten. In dem Bantustamm der Hereros aus dem äquatorialen Afrika trat uns noch überwiegend das Ursprüngliche des friedlichen Hirten-, aber auch des wilden Naturvolkes entgegen. Ein hochgewachsener Schlag von einem gewissen natürlichen Adel, der seine Heimat liebte, die weiten Dornbuschsavannen voll Blütenduft und wogenden Grases, die in zartblauem Duft verschwimmendeu oder sich in den klaren Äther türmenden Felsenberge, und dem seine Herden mehr waren als Mittel zur Daseinsfristung. Gewiß nicht frei von schlechten Charakterzügen, die sich zumal im Verkehr mit den Weißen entwickelten; der christlichen Lehre nur sehr allmählich zuneigend, doch — wie der Aufstand bewies — voll schonender Achtung für die, die sie ihnen brachten — die Missionare. Dagegen die in dem Subtropengebiet des südlichen Afrika schon vor Generationen mit dem weißen Manne in Berührung getretenen Hottentotten, intellektuell höher entwickelt, statt Rassenreinheit eine unsympathische Mischung von natürlichen Anlagen und fremder Beeinflussung zeigend, fast durchweg einem äußerlichen Christentum ergeben, aber ohne die Ehrfurcht der Hereros vor ihren „Lehrern". Schwächlich, doch blitzgewandt, elend, aber zäh, ausgemergelt, doch treffsichere Schützen, scheinbar apathisch, doch alles beobachtend, Diebserscheinungen, aber vorzüglich beanlagte Krieger. Wie auf den Germanenzügen das ganze Volk sich hinter der Walstatt zur Wagenburg schloß, von der aus die Weiber die Kämpsenden anfeuerten, so traten die selten berittenen, ungleich bewaffneten Hereros ins Gefecht unter dem Kriegsgesang ihrer Weiber, hinter sich das gesamte Volk und die Herden. Und wie die flüchtigen Horden des Tamerlan, schnell auftauchend und mit der Beute verschwindend, so führten in den Felswüsten und Sandfeldern ihres Landes die Hottentotten den Krieg, auf zähen Kleppern, wohlbewasfnet, von den Schlupfwinkeln her, in die sie nach den ersten Schlägen die Werften geborgen hatten. Was ist von beiden geblieben? Das Hererovolk, vor dem Aufstande 80000—100000 Seelen, fand in der Omaheke sein Grab. Es ist auf wohl wenig über 20 000 im Schutzgebiet zusammengeschmolzen mit kaum 7000 Männern. Und unter ihnen sind nicht viele, die das Haupt noch erhoben tragen und die Erinnerung wecken an das einst freie und stolze Volk. Auch sie, sicher ihre Kinder, werden sich in das Los schicken, Arbeiter zu sein im Dienste der Weißen. Die Hottentotten, schon vor dem Kriege der Zahl nach in stetigem Rückgänge, sind in einzelnen Stämmen, der Roten Nation, den Witboois, Bethaniern und Feldschuhträgern, fast ausgelöscht. Nur die Franzmannhottentotten, die Bondelzwarts und die Bersebaer behielten den Stammeszusammenhang, insgesamt etwa 1000 Männer, mit denen zu rechnen bleibt. Doch von den Gegnern, deren Kämpfen und Ausharren für die Freiheit wir achten, deren Leiden wir ehren, wendet sich der Blick zu dem, was uns in den Jahren des afrikanischen Feldlebens umgab, was in seiner Gesamtheit jene eigenartige Sphäre ausmachte, in der wir so bald heimisch wurden, und die uns in steter Erinnerung sein wird. — Kein ideales Fahrzeug fürwahr, der Ochsenwagen, der alten Buren Vortrekker; und doch, wie war alle Hantierung mit ihm uns so vertraut! Viel Ärger bereitend und Geduld erfordernd der brave Esel, das harte Maultier, und wie wertvoll doch waren uns ihre Dienste! Nicht zuletzt der treue Gaul, der Afrikaner, der Argentinier, der vom ostdeutschen Pflug oder von sarmatischer Weide geholte. Wie haben sie, für die es keine Rückkehr in die Heimat gibt, «KVSS >! i >M '/N,^?^->»" LL^.^ k Arisc»^ cs^" M ^ j L t/t vn. Q./ L x^. ^ ^ 8 Übersichtskarte zum Hottentottenfeldzug. 28 die Last des Marsches mit den letzten Kräften getragen und wie viele wurden dem Schakal zur Beute. Wo sind die Kriegshunde geblieben, die eine Summe schätzbarer Fähigkeiten in dem afrikanischen Orlog entwickeln sollten? Verdorben, gestorben. — Noch einmal ziehen sie an unserem Auge vorüber: das phantastische Heer des Treiberpersonals, die Kapboys, Klipp- kaffern und Bastarde mit ihren heiseren oder schrillen Lauten und die bunte Schar der stets dienstbeflissenen Bambusen, der sonntäglich geputzten Wäscherinnen. Auch unsere schwarzen und gelben Waffengefährten, die Eingeboreneu-Soldaten, die manch Stündchen auf Viehwache — verschlafen, manche Spitze geführt haben — wenn der Weiße voranging. Es waren Brave unter ihnen wie unter unseren niederdeutschen Blutsgeuossen, den Buren, von denen nicht wenige für unsere Sache das Leben gelassen haben. Wir gedenken der Unteroffiziere und der Reiter, der alten in manch schwieriger Lage erprobten, die das entsagungsreiche afrikanische Feldleben wortkarg gemacht hatte, die gewohnt waren, dem Tode wie etwas Alltäglichem ins Auge zu sehen. Und der jungen, noch unternehmend wie bei der Ausreise dreinschauenden, die den Alten es nachzutun sich bemühten. Zwar harmlose Fröhlichkeit und gemütvollen Humor, diese kostbaren Besitztümer der deutschen Volksseele, suchtest du oft vergebens. Kaum daß fernab vorn Feinde ein frisches Marschlied, selten, daß eine vertraute Weise im Lager erklang. Denn was Anstrengungen und Entbehrungen nicht vermocht hätten, das große Schweigen der weiten, einförmigen Flächen besonders im Namaland legte sich wie ein drückender Bann auf das empfängliche deutsche Gemüt; es erschien ernster, gereifter. — Ja, es war kein schlechter Ausschnitt unseres Volkstums, der sich dort auf kolonialem Neuland zeigte: die aus vaterländischer Begeisterung, aus Lust an Kampf und Gefahr oder aus dem innewohnenden Wandertrieb, der Sucht nach dem Unbekannten ausgezogene deutsche Jugend. Deshalb war es auch unter den so veränderten Verhältnissen, in einem Leben, das große Freiheit bot, nicht schwer, Mannszucht zu halten. Ein schönes Gcgenseitigkeitsverhältnis von Vertrauen und Hingabe verband Offiziere und Reiter und bildete die feste Grundlage einer echten Kriegsdisziplin, die — auch wo die straffe äußere Form schwand — sich in allen Lagen bewährte. Auch der Militärbeamte trat, vorwiegend im Etappendienst, mit der Truppe in Berührung, lernte sie nahe kennen und gewann Wertschätzung. Dem Veterinär, der ein außerordentlich reiches und vielseitiges Tätigkeitsfeld fand, wurde allerseits gern der gebührende Dank. Die Ärzte, deren Kunst manchem das Leben gerettet, viele vor dauerndem Siechtum bewahrt hat, und ihre Gehilfen waren nicht allein Freunde an den Schmerzens- lagern, sie waren ganz Kameraden, rücksichtslos im Einsetzen ihrer Person in der vordersten Gefechtslinie. Die Feldgeistlichen, die Zeugen manches aus sterbender Brust kommenden Bekenntnisses, die Vermittler manch letzten Grußes, hoben die Herzen hinaus über die lastenden Eindrücke des Tages, daß alle inne wurden der läuternden Macht des großen Allbezwingers Krieg. Und jeder der zur Krankenpflege oder zu sonstigem Liebesdienste Berufene wirkte an seinem Teil. Seinen hehren Traditionen würdig zeigte sich das Offtzierkorps. — Der Tod rafft die Besten! — so klagen wir mit dem Dichter, und wehmutsvoll verweilen wir an den stillen Grüften, die unter schattenspendendem Busch oder in sonnen- durchglühtem Geröll die Gebeine unserer Tapferen bergen, wehmutsvoll und doch stolz erhoben; zeugen diese Gräber doch, daß Germanias Söhne zu sterben wissen gleich den Vätern. Fr. Starck, Hauptmanii. MIM M KW IM > Generalmajor von Deimling. Beiluge zu: „Tiucklgge, Deutsche Reiter in Südwcstr Teutsches Berlagshaus Bong L Co., Berlin 55'. 57. Durch von Fischflutz. .kein Tag verging, wo wir nicht im Wasser stecken blieben. Unsere Esel hatten schweren Stand. Ost mußten sie schwimmen. Das Master ging oft über das Geschützrohr. Da hieß es, alle Kräfte einsetzen!" Bedenkliche Tage für die Artillerie am Auob in den letzten Juni- und ersten Julitagen 1905. Aufzeichnungen des Gefreiten der Artillerie Moßuer geben ein Bild der ungeheuren ^ Beschwerden, mit denen die Niederwerfung der Bande des Cornelius am unteren Fischflusse verknüpft war. Die nachfolgenden Episoden in der einfachen Natürlichkeit des bayrischen Reiters vorgetragen, wirken überzeugend. I. Im Fischfluß. Es war am 19. Juni im Jahre 1905, wo sich die Abteilung unter der Führung des Herrn Majors Graeser in Kanibes gesammelt hatte. Es galt, eine Hottentottenbande unter der Führung des Unterkapitäns Cornelius anzugreifen und aus dem unteren Fischfluß, aus den Oranjebergen, herauszutreiben. Der Fischfluß, welcher in den Oraujefluß mündet, schlängelt sich durch sehr hohe, zum Teil sehr steile Felswände bildende Berge. Das Flußtal ist reich mit großen und kleinen, meist runden, glatten Steinen überschüttet, stellenweise mit dichtem, dornigem Buschwerk, darunter auch Bäume, bewachsen und teilweise auch mit hohem Schilf bedeckt. Außerdem ist der Fischfluß im südlichen Teil des Landes sehr wasserreich und erreicht stellenweise eine Tiefe von 3 bis 4 Meter. Der Tag, für welchen der Angriff bestimmt war, kam heran. Meine Abteilung, 10. Kompagnie, drei Gebirgsgeschütze, ein Maschinengewehr und nur eine Batterie, Teutsche Reiter in Südwcst. 6 30 bestehend aus drei Feldgeschützen, marschierte um 2 Uhr morgens weg von Kanibes, dem Feind, welcher durch Patrouillen festgestellt war, entgegen. Alles überzählige Gepäck und Wagen wurden zurückgelassen. Mannschaften, welche sich krank fühlten oder schlechte Füße hatten, blieben zur Bewachung dort. Alles war zu Fuß, die Pferde mußten des schlechten Weges halber auch zurückgelassen werden. Nur die Zugtiere der Geschütze und einige Tiere zum Tragen des Proviants, der Schlafdecken usw. mußten mitgenommen werden. Ununterbrochen marschierten wir querfeldein von morgens 2 Uhr bis Mittag auf für die Artillerie denkbar schlechtem Gelände. Als wir am heißen Mittage den Ftfchfluß, lvo wir die Hottentotten zu fassen glaubten, erreicht hatten, sahen wir das Nest ausgeflogen, nur noch einige Überreste, wie Felle, Knochen, Büchsen usw., waren unsre Beute. Anscheinend waren sie der anderen Abteilung, welche Befehl hatte, den Feind von der südlichen Seite anzugreifen, entgegengezogen, um dieselbe zu vernichten. Die betreffende Abteilung unter Hauptmann Pich! er war ohne Geschütze und bestand aus zwei Kompagnien. Wir hatten auch gar nicht lange Pause gemacht, als ein Reiter ankam und meldete, man habe ein schweres Gefecht bestanden und müsse wegen zu großer Übermacht zurückgehen. Die Toten mußten liegen bleiben, man hatte Not, die Verwundeten in Sicherheit zu bringen. So meldete Oberleutnant von Rosenthal. Unser Rätsel, wo sich der Feind wohl jetzt aufhalte, war gelöst. Unser Herr Major GraeserZ ließ die Abteilung sofort fertig machen, und an demselben Nachmittag marschierten wir der Abteilung Pichler (l. Etappenkompagnie und 9. Kompagnie) zu Hilfe. Jetzt hieß es bei uns, alle Kräfte daran zu setzen, um unsere Geschütze dahin zu bringen, wo sie ihren Zweck erreichen sollten. Es ging über Steine und wieder Steine. Oftmals blieben wir stecken. Unsre Esel hatten schweren Stand, die Steine waren so glatt vom Wasser abgespült, daß sich selbst die losen Tiere, ja sogar meine Kameraden nicht zu halten vermochten und hinfielen. Oft ging's durch dichtes Dorngebüsch, wo kaum ein Mensch zu gehen vermochte. Noch weit schlimmer war das Durchführen des Flusses. Das Wasser ging meistenteils über das Geschützrohr hinweg, und oft mußten die kleineren Esel schwimmen. Wir mußten absitzen, abprotzen und das Geschütz selbst herausfahren. Viele kamen im Wasser über die glatten Steine zu Falle. Das Bad war umsonst, aber nicht sehr angenehm, das auch unser Major Graeser nahm und das auch mir zuteil wurde. Nach einigen Stunden erreichten wir die Abteilung Pichler. Der Hauptmann war bei Keidorus am L6./6. 05 gefallen und auch Oberleutnant von Rosenthal verwundet. Oberleutnant Dannert hatte das Kommando. Mit großer Freude sahen uns am 28./6. 05 die in großer Bedrängnis stehenden Kameraden kommen. Das erste Wort war: „Es ist gut, daß ihr da seid, zehn Minuten von hier sitzt die schwarze Bande." Eine Stunde ließen wir unsre müden Tiere ruhen. Als unsre Führer alles besprochen hatten, machten sich die zwei Abteilungen vereint fertig. Die Spitze wurde vorausgeschickt, und Abteilung Major Graeser: I Etappenkomp. Pichler, 9. Komp. 2. Feldreg-, 10. Komp. 2. Feldreg. von Zwehl, 1- Batterie Bruder, '/z 9. Gebirgsbalterie Barack, 1 Settion Maschinengewehre Degenlolb; zusammen 300 Gewehre, b Geschütze, 1 Maschinengewehr. Gefreiter Motzner. 31 Seitenpatrouillen deckten unsre Flanken. Nicht lange hatte es gedauert, als die Spitze von dem noch immer seine Stellung bei Keidorus behauptenden Feind Feuer erhielt. Unser Leutnant Bender, welcher die Batterie führte, ritt im Galopp nach vorne, suchte eine passende Stelle und kommandierte: „Meine Batterie hier auffahren!" In schnellster Gangart fuhren wir in Feuerstellung. Mit einem heftigen Kugelregen wurden wir begrüßt. Doch es dauerte nicht lange, da fingen unsere Kanonen zu sprechen an.« Die Infanterie war auf die Berge geklettert und hatte auch schon das Feuer auf die feindliche Stellung eröffnet. Auch das Maschinengewehr und die Gebirgsgeschütze waren schon in Tätigkeit getreten. Gesehen hatten wir kaum einen Farbigen — gelegentlich einen Kopf. Aber daß sie da waren und ihren Kram verstanden, das sahen wir an den Verwundeten, hörten wir aus dem fatalen Gesänge der Kugeln. Ungefähr zwei Stunden währte das Gefecht. Länger vermochte der hartnäckige, sehr hinterlistige Feind nicht standzuhalten und suchte das Weite. Die Verfolgung wurde sofort aufgenommen, und am Abend erreichten wir noch die Wasserstelle Aiais. Sie war von einem Gebirgsgeschütz und einigen Gewehren besetzt. Nach Aiais führt der letzte südliche Weg, durch welchen man den Fischfluß erreichen kann. Dort machten wir einen Ruhetag, um uns neu mit Proviant und Munition zu versehen. Die Pferde und Esel wurden auf die Weide getrieben; denn Hafer war knapp. Patrouillen gingen aus, die feindliche Stellung zu erkunden. II. Das zerbrochene Rad. Unaufhaltsam marschierten wir weiter, auf des Feindes Fährte, der vor unserer Macht zurückwich. Einmal versuchten die Hottentotten uns an einem Felspasse aufzuhalten, schössen auch zwei Mann der Spitze nieder, flohen dann aber. Alle Tage mußte mehrfach der Fischfluß durchquert werden. Das Wasser ging bis über die Rohre und wir Fahrer wurden naß. Bei Tage ging das, aber die Nächte waren kalt. Abends — wenn die Posten standen, die Pferde und Esel im Schilfe sich erbärmliche Nahrung suchten — zogen wir uns ganz aus, hingen die nassen Kleider an die Zweige eines , 7 ^. Über Steingeröll und Felsen, aus unwegsamen Pfaden, erllommen die Webirgsbatterien die schroffsten Hänge. ,-ss 32 passenden Baumes und machten Feuer darunter an. Dann war morgens alles trocken. Wir behalfen uns derweile und froren im umgehängten Mantel. Täglich um Mittag Weitermarsch — der Morgenhitze wegen. An einem der folgenden Tage trafen wir einmal wieder auf den Feind. Major Graeser ließ abprotzen und einige Freundschaftsgrüße hinübersenden. Daraufhin keine Antwort. Wir protzten auf und marschierten weiter. Unsere Spitze war kaum in das Loch hineingekommen, und schon wurde von drei Seiten von den Bergen her das Feuer gegen sie eröffnet. Die Geschütze fuhren in Stellung, die Maschinengewehre fingen an zu feuern, und die Infanterie erkletterte so schnell wie möglich auf beiden Seiten des Users die Berge, um uns vor jedem Umgehen zu schützen. Ein unheimliches Krachen wurde hörbar — der Widerhall von dem Geschützdonner, von den hohen, zerrissenen Bergen zurückschallend, gab einen Lärm, daß man nicht imstande war, nur ein Wort von seinem Nebenmann zu verstehen. Ich bemerkte, wie mein Esel immer den Kopf schüttelte, um sich die Pfeifenden Kugeln zu vertreiben. Er dachte jedenfalls, es wären Stechfliegen. Es dauerte ungefähr drei Stunden, bis das Feuer anfing etwas zu stoppen. Die Gelegenheit benutzte unsre Infanterie, um einen Sturmangriff mit aufgepflanztem Bajonett in die Flanke des Feindes zu machen. Dieser Stoß war auch das Ende des Gefechts. Die Hottentotten zogen flußabwärts unter Zurücklassung vieler Toten. Auch einiges Vieh wurde erbeutet. Die Verfolgung wurde fortgesetzt bis zum Anbruch der Nacht. Noch ehe wir die Haltestelle erreichten, brach uns ein Rad am ersten Geschütz entzwei. Wir schleppten das unbrauchbare Geschütz bis an den Halteplatz und blieben dort liegen, bis von Aiais her ein Reserverad, auf einen Esel gepackt, hierher gebracht wurde. Am folgenden Tage marschierte die Abteilung weiter, fand aber, daß die Spuren über die Berge aus dem Fischfluß führten. Ein Maschinengewehr und 30 Reiter bekamen Befehl, die Bande weiter zu verfolgen. Die übrige Abteilung machte kehrt und traf nach zwei Tagen wieder bei uns ein. Unser Geschütz war indessen wieder marsch- sähig geworden, und wir konnten uns wieder anschließen. Fleisch war zum guten Glück immer genügend da; denn Vieh hatten wir immer genug. So traten wir also den Rückmarsch an. Müde Tiere vor den Geschützen, ging es im langsamen Treck dahin. In Aiais angekommen, waren allerhand Lebensmittel herbeigeschafft. Auch Kleidung war da. Jedermann erhielt sein Schnäpschen, und was die Hauptsache war, jedermann hatte Post von zu Hause bekommen. Ich selbst hatte ein Paket und ungefähr zehn Briefe und Karten, darunter auch eine, welche schon ein ganzes Jahr das Land bereist hatte. Das war ein Abend am Biwakfeuer, weit von der Heimat entfernt und doch zu Hause. Einen Tag Ruhe, und dann marschierte unsre Batterie über Kanibes, Gobas nach Keetmannshoop. Da ich nun mehrere Gefechte mitgemacht habe, auch eins am 4. Januar 1905, wo mir das Militärehrenzeichen verliehen worden ist, kann ich mit Stolz zurückblicken auf eine 2^jährige Dienstzeit in der Sckmtztruppe für Deutsch-Südwestafrika bei der 1. Batterie. Gefreiter Moßner, Gunzenhausen (Mittelfranken), Bayern. Mit Heldenmut und letzter Kraft! Erlebnis und Transport eines Schwerverwundeten. Am 4. Februar 1904 erreichten wir nach vierstündigem scharfen Ritt ungefähr 9 Uhr vormittags einen Hügel, und vor uns breitete sich die Ebene von Omar uru aus. Auf dem Hügel traf die Meldung ein, links im Flußtal stände Vieh. Sofort wurde der fünfte Zug, welchen Oberleutnant von Nathusius führte, und zu welchem auch ich mit gehörte, nach dort geschickt, um den Hereros das Vieh abzutreiben. Nach kurzem Gefecht kamen wir auch bald in den Besitz der Herden. O ^ Sa sprengt, wie rasend, vorn Wege, den wir gekommen sind, ein Reiter heran! ES ist der Reiter Hosmann Teutsche Reiter in Lüdwest, 6 Hauptmann Franke war unterdessen mit der Kompagnie weiter Nach Omaruru vorgedrungen. Nachdem wir nun das Vieh in Sicherheit gebracht hatten, erhielt ich Befehl, zurückzureiten, um den Ochsenwagen zu holen. Der vierte Zug war dem Wagen als Bedeckung beigegeben, und dieser hatte Befehl, der Truppe langsam zu folgen. Kaum war ich wenige Kilometer geritten, so merkte ich, wie sich zahlreiche Hereros an den Weg heranzogen. Es war kein Zweifel, daß diese dem Wagen auflauerten. Ich wollte nun denselben Weg wieder zurück, den ich gekommen war. Aber es sollte mir bald klar werden, daß die Hereros mir auch hier den Weg versperrten. Ich überlegte nun kurz, was hier zu tun sei. Nach rechts oder links konnte ich nicht ausweichen, da alles dichter Dornbusch und Felsgeröll war. Ich konnte zu keinem andern Resultat kommen, als einfach auf dem Wege selbst durchzubrechen. Ich gab meinem Pferd die Sporen, und mit Hurra ging es durch. Die Hereros empfingen mich mit einem mörderischen Feuer. Eine Kugel streifte und verletzte leicht das rechte Schulterblatt, während eine andere mir mehrere Rippen sowie das linke Schulterblatt völlig zerschmetterten und die linke Lunge verletzten. Nur mit der größten Anstrengung vermochte ich mich noch auf dem Pferde zu halten. Aber ich kannte das Schicksal, das mich erwartete, wenn ich jetzt nicht meine Energie zusammennahm. Also die Zähne aufeinander und, vorwärts. Die Geschosse pfiffen mir um die Ohren — ich erwartete die Kugel, die der Freude am Leben ein jähes Ende machen würde. Aber — bis sie kam, wollte ich ausharren. Zu meinem größeren Schrecken merkte ich, daß die Kräfte meines Tieres immer mehr und mehr versagten. Ich arbeitete mit den Sporen, was ich tun konnte, um das Pferd immer noch anzutreiben und ritt auf ein altes Eingeborenenhaus los, welches ich auch bald erreichte. Dort angekommen, kamen einige meiner Kameraden herausgesprungen und nahmen mich in Empfang. Ich war vorläufig gerettet, denn der Feind folgte nicht weiter, aber ich hatte bei dieser Sache zwei Schüsse erhalten, und mein treues Tier hat mich, trotz vier erhaltener Kugeln, bis dorthin getragen. Zufällig war unter meinen Kameraden, die sich in dies Haus zurückgezogen hatten, ein Sanitätssoldat. Er verband mich nun, so gut wie es eben ging, und dann wurde beratschlagt, wie ich wohl am besten bis Omaruru zu transportieren sei. Ein Wagen oder Tragbahre stand nicht zur Verfügung. Es setzte sich dann ein Feldwebel auf sein Pferd, und mich packte man auf den Pferdehals. Aber nur eine kurze Strecke waren wir geritten, da lag ich wieder auf der Erde. Nun wurde das Pferd abgesattelt, und von der Decke und zwei Gewehren eine Tragbahre hergestellt. Auf diese Weise brachte man mich nach Omaruru. (Man vergegenwärtige sich diesen Transport eines Schwerverwundeten, denke an die grauenvollen Schmerzen und den Sonnenbrand während der weiten Tour! Der Herausgeber.) Nach monatelangem Krankenlager und mehreren Operationen genas ich, dank meiner sonstigen guten Körperkonstitution, so daß ich im Oktober eingeschifft werden konnte, um nach Deutschland zu fahren. In Hamburg angekommen, fand ich Aufnahme im Garnisonlazarett Altona. Dort wurden wieder mehrere Operationen vorgenommen, so daß mir Teile mehrerer Rippen, sowie fast das ganze linke Schulterblatt und Teile der linken Lunge entfernt worden sind. Als Auszeichnung erhielt ich das Militärehrenzeichen II. Klasse. Adolf Hofmann, ehemaliger Reiter der südwestafrikanischen Schutztruppe. Leutnant Freiherr von Erffa, welcher Augenzeuge war und später bei Onganjira gefallen ist, schreibt darüber in einem Briefe an seinen Vater: „Da sprengt, wie rasend, vorn Wege, den wir gekommen sind, ein Reiter an. Ich sehe, wie er sich krampfhaft an die Mähne klammert — ein Hagel von Geschossen begleitet ihn. Jetzt biegt er um das Haus, wo unsere Pferde notdürftig gedeckt sind und fällt vom Pferde in unsere Arme! sprechen kann er nicht mehr! — Sein Pferd ist über und über mit Blut bedeckt und bricht bald zusammen. Er selbst hat zwei Schüsse durch den Rücken,' es ist der Reiter Hofmann, der unseren Wagen entgegengeschickt worden ist" usw. Ter Herausgeber. 35 Zum letzten Male Stationsältester. 13. Februar 1905. Wie oft habe ich, wenn ich in Frankfurt bei den Betriebsübungen meiner Kompagnie „Stationsältester" spielte, mir vorzustellen versucht, wie es wohl im Kriege auf einer Feldtelegraphenstation aussehen mag! Jetzt wußte ich es. Wieder einmal war ich Stationsältester, aber im Kriege, weit draußen in Afrika. Nicht Übungstelegramme, wie bei den Übungen daheim, gingen durch unsern Apparat hindurch, sondern es war bitterer Ernst. Unsere Linie war ja die einzige Verbindung zwischen dem Hauptquartier und dem Oberst Deimling, der jetzt gerade seine Schläge gegen die Witboois führte. Da gab es auf der Station Geitsabis zu tun. Tag und Nacht liefen Meldungen und Befehle durch den Draht; ich glaube, es war für das Hauptquartier sehr wichtig, daß seit wenigen Tagen unser Kabel bis Gibeon führte. Einsam aber war es in Geitsabis. Von einer kleinen Anhöhe blickte das Stationszelt hinaus auf die wilde, afrikanische Landschaft; Felsen und niedriger Busch, das war alles, was das Auge sah. Natürlich hatten wir Nachbarn, aber die ließen bei Tage nichts von sich hören. Erst wenn es dunkel wurde, dann machten sie sich aus, und rings um uns hörten wir die heiseren Laute der Hyänen und Schakale. Noch weniger gefielen uns andere Besucher, die sich allerdings auch in achtungsvoller Ferne hielten. Mehr wie einmal bemerkten wir ruppige Gestalten mit gelben Gesichtern, die jedesmal schleunigst im Felsgewirr verschwanden. Ich wußte, daß sie wiederkommen würden, und sah dem Besuch in Ruhe entgegen. Wir hatten ja unsere Karabiner, wir hatten uns auch dicht beim Zelt aus Steinen eine Schanze gebaut, an der sich die Herren die Zähne ausbeißen sollten, und unvorbereitet sollten sie uns nicht finden. So vergingen die Tage, einer wie der andere. Die erste größere Abwechslung war die, daß unsere Leitung nach Gibeon nicht mehr funktionierte; ob daran die Feinde schuld hatten oder die Unwetter der Regenzeit, wir wußten es nicht. Ich mußte aber zwei Reiter von meinem kleinen Häuflein zur Signalstation Falkenhorst entsenden, um die eingegangenen Telegramme auf diese Weise vorwärts zu bringen. Nun waren wir nur noch sechs Gewehre stark. Ich weiß es noch, als wäre es erst gestern gewesen: Nach dem Abreiten der beiden saß ich auf der Deichsel unseres Wagens und nähte die Knöpfe der Reithose fest, und dabei schweiften die Gedanken in die Ferne. Ich dachte an meine Heimat, den Spreewald, und es wurde mir wunderbar ums Herz; ich glaubte, ganz leise Glockenklänge zu hören, und sah sie alle, die ich zu Hause gelassen hatte, mit ernsten, friedlichen Gesichtern zur Kirche gehen. Es war ja Sonntag! Und dann erhob ich die Augen und fand mich wieder rings von der fremden, afrikanischen Landschaft umgeben. Ob ich je die Heimat wiedersehen würde? Es sollte früher sein, als ich ahnte. Unteroffizier O. Müll». -4 -L 36 Und dann war Plötzlich die Leitung nach rückwärts auch unterbrochen, und die LeitungsPatrouille, die ich losschickte, kam sehr bald mit der Nachricht zurück, daß zwei bis drei Kilometer des Kabels herausgeschnitten und verschleppt worden wären. Solchem Schaden konnten wir nicht abhelfen; nun waren wir von aller Welt abgeschnitten und nur auf unsere Karabiner und unsern Soldatenmut angewiesen. Wir konnten nicht zweifeln, daß die jetzt drankamen. Am Morgen des 13. Februar weckte uns der Posten. Schnell waren wir für unser Tagewerk gerüstet. Rasch ein frugales Mahl — da krachte und blitzte es auf einmal von drei Seiten her. Aber im selben Moment waren wir auch in unserer Schanze, und unsere Karabiner blieben die Antwort nicht schuldig. Einer von uns fehlte, der Sanitätsunteroffizier Horn. Er war zu weit fort, um die Schanze zu erreichen, und so blieb er, wo er war, am Wagen. Ein über die Deichsel gehängter Woilach diente ihm als Schutz; kein feindliches Geschoß fand seinen Weg dorthin, sie galten alle uns und dem Zelt. Gut war es, daß er so uns gegen M,-/ "pi> Untcrofstzier Müller in Geitsabis, den i3. Februar 1905. „Schulz, der alte 6. Kürassier, hatte einen Schuß durch die Brust und krümmte sich vor Schmerz. Und dann kam's auch an mich! Ein furchtbarer Schlag traf mein Gewehr. Holzsplitter flogen mir ins Gesicht — warm fühlte ich's über Stirn und Backen strömen!" 37 Überraschungen vom Rücken her sicherte; wir konnten unbekümmert die Gelbgesichter vorn, rechts und links aufs Korn nehmen. Und das taten wir, da fehlte nichts dran. Wo ein Blitz aufzuckte, da schlug auch sofort ein Geschoß von uns ein. Eine Stunde vielleicht war so vergangen, und noch hatte das feindliche Feuer uns nichts getan, da hörte ich einen Fall und ein Stöhnen. Der Reiter Schulz neben mir hatte sich einen Augenblick zu weit über der Brustwehr gezeigt, und jetzt lag er mit einem Schuß durch die Brust auf dem Rücken und krümmte sich vor Schmerz. Es war traurig, aber ich konnte ihm nicht helfen, ich mußte jetzt für zwei schießen. Und dann kam es an mich. Ein furchtbarer Schlag traf mein Gewehr, Holzsplitter flogen mir ins Gesicht, warm fühlte ich es über Stirn und Backen strömen, und so heftig waren die Schmerzen, daß ich fast ohnmächtig wurde. „Hier steht eine Flasche Gewehröl", rief jemand. Schnell griff ich nach ihr und goß sie mir über den Kopf. Blut und Öl flössen nun vermischt über mein Gesicht auf den Khakirock. Etwas half es wenigstens. Wenn auch die Schmerzen in der grellen Sonne immer heftiger wurden, und wenn mich auch ein böser Durst quälte, ich sagte mir: „Nur nicht unterkriegen lassen." Ohne viel zu zielen, schoß ich mit dem Gewehr des Schulz unaufhörlich weiter, — da endlich hörten wir drüben etwas, das wie ein Kommando klang, das Feuer verstummte, wir sahen viele Gestalten davonhuschen. Still war es, aber wir blieben unbeweglich auf unserm Posten, bis kein Zweifel übrig blieb: sie waren fort. Nun war ja alles gut. Horn kam zur Schanze, wusch Schulz und mir die Wunden aus und verband uns. Unsern Feldtelegraphenapparat fanden wir im Zelt in Trümmern, von sieben Geschossen zerschlagen! Jetzt aber war guter Rat teuer, was weiter werden sollte. Ich war zur Not be- wegungsfähig, aber wie sollten wir Schulz nach Gibeon schaffen, wo sich das nächste Lazarett befand? Verlassen durften wir ja die Station nicht. Da dachten wir an unsern Heliographenspiegel. Räder stellte ihn auf und blitzte in südlicher Richtung die Bergkuppen ab, wo ungefähr Falkenhorst liegen mußte. Endlich ein Gegenlicht, Falkenhorst meldete sich! Stunden vergingen, es dunkelte, da sahen wir Reiter, teils ausgeschwärmt, teils geschlossen, herankommen. Es war die Kompagnie Ritter, begleitet von einem Arzte, und kurz darauf traf auch unser Leutnant ein mit so viel Mannschaften, als er hatte verfügbar machen können. Wenige Tage später befanden Schulz und ich uns im Lazarett Gibeon in sorgsamster Pflege. Für mich aber bedeuteten die Tage von Geitsabis das Ende meiner militärischen Laufbahn; ich mußte nicht nur die Heimreise antreten, sondern auch des Kaisers Rock für immer ausziehen. Leicht waren jene Tage nicht, aber ich denke mit Stolz an sie zurück; haben sie mir doch Gelegenheit gegeben, mich als Soldaten zu bewähren, haben sie mir doch die schönste Zierde gebracht, die es für den Soldaten gibt: das schwarzweiße Band! Oskar Müller, vormals Unteroffizier in der 1. Feldtelegr.-Abtl. der Kaiserl. Schutztruppe für Südwestafrika. * * Feuertaufe. i. „Herr Wachtmeister, jetzt läßt Cornelius nachexerzieren!" Am 19. August 1905 langte Detachement Traeger bei der Verfolgung der Hottentotten unter Cornelius, Johann Christian und Morris nach mühseligem Marsche in der Nähe von Kawigaus in den Oranjebergen an. Meine Kompagnie, 10. Kompagnie 2. Feldregiments, unter Herrn Hauptmann von Zwehl gehörte zu diesem Detachement. Wir 38 waren auf frischer Spur, und während mehrere Patrouillen in dem furchtbar zerklüfteten, unübersichtlichen Gelände weiter vorgesandt wurden, direkte Fühlung mit dem Feinde zu suchen, sattelte das Detachement in einem Talkessel ab, um abzukochen. Es war 10 Uhr vormittags; unser letztes Wasser kam in das Kochgeschirr, um mit einigen Handvoll Reis die tagtägliche Mittagskost zu liefern. Doch wir kamen nicht dazu, unseren Hunger zu stillen. Gegen 11 Uhr vormittags fielen mehrere Schüsse im Vorgeläude. Da durfte nicht auf lange Detachementsbefehle gewartet werden; mein Kompagnieführer rief: „Patronengurt um, Gewehr in die Hand, mir nach, der Patrouille zu Hilfe!" In wenigen Augenblicken waren wir fertig, ein wehmütiger Blick noch nach dem dicken Reis im Kochgeschirr und nach der leeren Feldflasche, dann ging es in die Mittagssonnenglut in breiter Schützenlinie vorwärts. Wir waren ungefähr 15 Minuten in den Klippen vorwärtsgestolpert, als uns drei Mann der angeschossenen Patrouille entgegenkamen. Ihrer Meldung nach waren sie, wie fast immer der Fall, bis auf wenige Schritte au den Feind herangekommen und dann Plötzlich angeschossen worden. Während drei Mann unter Preisgabe der Reittiere in Deckung zurücksprangen, fiel Reiter Held, wahrscheinlich verwundet, in die Hände der Hottentotten. Ich war mit Gefreiten Thiele, Knoff, Reiter Rahm und Mohnsam sehr weit vorgeprellt und von der Kompagnie abgekommen; ich beschloß, da meine Leute alle einverstanden waren, wenn möglich, den Reiter Held zu retten und die Reittiere zurückzuholen. Reiter Kreißig von der Patrouille erbot sich, uns den Weg zu zeigen, während die anderen zwei Mann die Meldung zurückbrachten. Wir kletterten vorsichtig vorwärts, als von weit hinten der Ruf erscholl: „Alles zurückgehen, Sammeln!" So kurz vorm Ziele wollte ich nicht umkehren und ging noch etwa 100 in vor. Nach dem Überklettern einer kleinen Höhe bemerkten wir in einer Schlucht zwei Reittiere, ruhig an den Sträuchern knappernd. Gleichzeitig sah ich aber auch, daß etwa fünf Hottentotten ebenfalls die Absicht hatten, sich der willkommenen Beute zu bemächtigen. Von dem vermißten Reiter Held war nichts zu sehen. Ich ließ halten und schußfertig machen. Der Feind hatte uns scheinbar nicht bemerkt und war fast an die Tiere heran. Nun ließ ich feuern; zwei Schwarze überschlugen sich, die anderen sprangen zurück. Jetzt ein flotter Sprung unsererseits; die Tiere waren unser. Gefreiten Thiele und Knoff schwangen sich in die Sättel und galoppierten, so gut es ging, zurück. In diesem Augenblicke wurden wir aber vom jenseitigen Höhenrande mit einem wahren Geschoßhagel überschüttet. Wie der Blitz lagen wir in Deckung, und ich überlegte, wie wir uns am besten aus dieser schwierigen Lage befreien könnten. Ich mußte, da ich zu schwach war, weitere Versuche, den vermißten Reiter vor dem Schlimmsten zu bewahren, aufgeben und befahl: „Einzeln zurückspringen". Recht sonderbare Gedanken stiegen in einem auf, als man sah, daß jeder Zurückspringende als Zielscheibe benutzt wurde; man dachte wieder einmal au seinen Herrgott, und ich weiß nicht, wie oft ich Gott in dieser schweren Stunde anrief, uns zu schützen. Ich fürchtete vor allem für das Leben meiner drei braven Reiter, was sollte aus uns werden, wenn wir verwundet wurden? Ehe von hinten Hilfe zu erwarten war, wären wir längst abgeschnitten und auf die abscheulichste Art erledigt gewesen. Ich dachte schon: „Lieber eine Kugel durch und durch" und sprang nun als Letzter zurück, meinen Leuten nach. Die Geschosse pfiffen haarscharf vorüber; ab und zu klatschte mal so'n Bleiklumpen aus einer Pavianspautze (2 am kalibriger Vorderlader) an eine Klippe, aber ich kam glücklich raus aus dem Wurstkessel und fand bald meine drei Reiter, die auch wunderbarerweise unversehrt geblieben waren. Wir kletterten noch ein Stück zurück; der Feind gab nur noch einzelne Schüsse ab und verstummte endlich ganz. Reiter Mohnsam rief nun mit recht trockenem Humor: „Herr Wachtmeister, Cornelius wird wohl jetzt Nachexerzieren abhalten, weil uns die Schufte nicht getroffen Hain!" Trotzdem wir knapp dem Tode entronnen, mußten wir doch herzlich lachen. Daß der Feind nicht nachexerzierte, sollten wir bald empfinden. 39 II. Das rote Taschentuch! Da wir uns ziemlich sicher glaubten, setzten wir uns nun hin, um endlich einmal ordentlich Luft zu schnappen. Uns klebte die Zunge am Gaumen, keiner hatte einen Tropfen Wasser, und dabei brannte die Mittagssonne unbarmherzig auf uns hernieder. Wir suchten vergeblich in dem heißen Steintrümmerfelde nach etwas Schatten. Der Feind war uns unterdessen unbemerkt gefolgt, und wir hatten kaum zehn Minuten geruht, als wir plötzlich von einer ungefähr 150 m entfernten Höhe starkes Feuer erhielten. Ich ließ sofort das Feuer aufnehmen, um ein weiteres Vorgehen des Feindes zu verhindern. Das Detachement hatte sich nun auch hinter uns entwickelt, und dessen linker Flügel, vor dem wir ungefähr 400 na lagen, schien unsere Bewegung bemerkt zu haben. Man hielt uns aber fälschlicherweise für den Feind und nahm uns stark unter Feuer. Wir lagen platt und rührten in diesem unheimlichen Kreuzfeuer kein Glied; wie konnten wir uns bloß aus dieser kritischen Lage befreien? Ich warf mich auf den Rücken und rief aus Leibeskräften: „Viktoria", aber man hörte meinen Ruf nicht, anstatt aller Antwort wurden wir durch Maschinengewehrgeschosse von einem Hagel Steinsplitter und Sand überschüttet. Jetzt war auf der ganzen Linie das Gefecht im Gange. Der Feind hatte uns in einen: 3 bin weiten Bogen umspannt, und ich lag auf 150 rn vor dem feindlichen rechten Flügel. Wir hörten ganz deutlich, wie die Hottentotten über uns lachten, da wir kaum mehr wußten, wie wir unS nach beiden Seiten decken sollten. Ich fürchtete, daß uns nun auch die Artillerie bald ihren Gruß senden würde, und ich mußte auf jeden Fall versuchen, den Unseren ein Zeichen zu geben, daß man uns nicht mehr als Feind ansah. Ich hatte so ein schönes, knallrotes Taschentuch. Das band ich an die Gewehrmündung und schwenkte diese Notflagge so hoch, als es meine Deckung nur irgend erlaubte. Erleichtert atmeten wir auf, das Feuer voir hinten wurde eingestellt, man hatte uns also endlich bemerkt. Der erste Schuß der Artillerie gab mir die Gewißheit, daß nun die richtige Stellung des Feindes erkannt war. Die größte Gefahr von hinten war nun vorüber, obwohl die Geschosse recht dicht über uns hinwegsausten und eine wenig liebliche Musik erzeugten. Nun galt es aber wieder im feindlichen Feuer zurückzuspringen; denn der Feind konnte uns immer noch sehr leicht abschneiden, und wir wußten, wie diese Bestien mit Toten und ' Verwundeten umgehen. Also noch mal Luft geschnappt, dann sprangen wir in Schützenlinie zurück. ES war unser Glück, daß der Feind stark unter Feuer gehalten wurde und er daher sehr unsicher schoß. Nach mehreren anstrengenden Sprüngen langten wir endlich unversehrt beim Detachement an, und ich meldete mich bei meiner Kompagnie, die im Zentrum focht, zurück. Als man uns mit so heilen Knochen sah, wollte keiner glauben, daß wir da vorn so arg in der Klemme gesessen hatten. Wir lagen noch bis 6 Uhr abends im Gefecht und drängten Vizewachtmeifter Täubrich. 40 Dizewachtmeister Täubrich zwischen zwei Feuern. „Ich hatte so ein schönes, knallrotes Taschentuch, das benutzte ich als Notflagge." den Feind zurück. Doch gelang eS uns nicht, dem stark überlegenen Gegner die Wasserstelle zu entreißen. Noch nachts wurde bis in die Nähe von Sperlingspütz zurückgegangen, wo wir am anderen Morgen endlich unseren brennenden Durst löschen konnten. Sergeant Hermann von der Gebirgsbatterie sagte mir nach dem Gefecht, daß sein Geschütz bereits auf uns gerichtet war, als man durch Schwenken meines Tuches den Irrtum erkannte. Bon Reiter Held fand man nichts mehr, und er galt als vermißt. Ich lernte aus diesem meinem ersten Gefechte gegen die Hottentotten, daß dieselben länger standhielten wie die Boxer 1900, und daß man sich hüten muß, von der Truppe abzukommen. Ich habe diese Punkte in meinen späteren acht Gefechten beherzigt, aber noch recht oft habe ich an diese Feuertaufe denken müssen. W. Täubrich, Vizewachtmeister der 10. Komp. 2. Feldregts., früher Feldart.-Regiment Nr. 77, Leipzig. ^ Lec-Le». !S»'"^" ' ck .? Kl V /W is '/ : -/ > Gefecht bei Aitkomst, am 18. Januar 1904. „Am Morgen des 18. Januar rilt Oberleutnant Vollmann mit 12 Mann von Grootsontein auf Uitkomst. Nach dreistündigem Marsche sah die Abteilung plößlich eine dichte Kolonne Hercros auf der Straße im Busche sorglos dahinziehen — vorn die Reiter, dahinter das Fußvolk. Oberleutnant Volkmann erkannte sofort die Gunst der Lage und attackierte unverzüglich den an Zahl bedeutend überlegenen, aber vollkommen überraschten Feind. In scharfem Galopp und mit lautem „Hurra!" ging's auf die Hereros. Erschreckt flüchteten die Reiter in den Busch. Vom Fußvolk wurde niedergemacht, was sich nicht schnell genug retten konnte." Beilage zu: „Dincklage, Deutsche Reiter in Südwest." Deutsches VerlagshauS Bong L Co., Berlin V. l>7. 41 „Ach wat, lat je man schießen!" FM« WKMj «N- „Ach wat, lat se man schießen!" Nubib, 13. September 1905. Am Spätnachmittage des 12. September 1905 stand unsre Abteilung (Major Maercker) zum Vormarsch nach den äußersten Wasserstellen an der Namib, der Sandwüste zwischen Meer und Namaland, an denen sich größere Banden aufhielten, bereit. Bei Eintritt der Dunkelheit ritten wir, einer Schlucht folgend, bis an das Achabgebirge heran. Im alten Lager unterhielten die Wagenbedeckungen zahlreiche Feuer, um die feindlichen Späher zu täuschen. Nachdem wir abgesattelt, die Pferde zur Weide gebracht und ein wenig geruht hatten, begann um 11 Uhr abends der Aufstieg zum Gebirge. Rauchen sowie Sprechen war verboten, und lautlos marschierten wir, den Futterbeutel mit etwas Proviant umgehängt, im Gänsemarsch über ungeheure Felsmassen und durch tiefe Schluchten, bis wir denn auch um 5 Uhr morgens viele Feuer erblickten. Wir meinten schon ganz nahe zu sein, aber es wurde 6 Uhr und Heller Morgen, bis wir auf Schußweite an dieselben heran waren. Im feindlichen Lager herrschte noch vollständige Ruhe. Wir lagen lautlos hinter den letzten Höhen und waren noch nicht bemerkt, trotzdem einige Viehwächter gerade auf uns zu stierten. Die waren aber allem Anschein nach von der soeben aufgehenden Sonne geblendet, so daß sie uns immer noch nicht bemerkten. Deutsche Reiter in Südwest. ^ 42 Plötzlich fällt ein Kanonenschuß (von der Haibbatterie von Boetticher, d. H.), das Geschoß schlägt mitten im Lager ein, und jetzt erst stürmen die Hottentotten im wilden Durcheinander aus ihren Hütten. Wir eröffnen das Feuer, das aber nicht unbeantwortet bleibt, und sofort pfeift es auch schon zwischen und über uns. Ein Teil der Feinde versucht in Eile das Vieh und die Pferde zusammenzutreiben, andere hängen Ziegenfelle und Decken um und suchen, auf allen vieren kriechend, in dem Glauben, wir würden sie für Kleinvieh halten und nicht beschießen, aus unserm Feuer zu entkommen. Unser Zug (Leutnant Creutzburg) war durch einen Felsenvorsprung von der Kompagnie getrennt worden, als auch Herr Major Maercker zu uns kommt und uns zuruft: „Halbrechts marsch, marsch!" Auf abfallendem Hange läuft er mit uns unter heftigem Feuer der Schlucht zu; ein Mann bricht getroffen zusammen, dem Herrn Major reißt eine Kugel die Kokarde vorn Hut. Als wir ungefähr auf 80 Meter an die Schlucht heran sind, sehen wir zahlreiche Hottentotten, die sich in einem Gebüsch versteckten und auf uns feuerten. Major Maercker kommandiert selbst Salven dorthin und ruft uns noch zu: „Das Feuer hübsch verteilen, wie ihr es zu Hause gelernt habt!", als er auch schon, durch die Schulter getroffen, umsinkt. An Ort und Stelle versuchte ich Notverband anzulegen, mußte es aber, da wir zu heftig beschossen wurden und von einschlagenden Kugeln zahlreiche Steinsplitter umherflogen, aufgeben und den Herrn Major in Deckung bringen. Ich kehrte zur Schützenlinie zurück, die eben, da das feindliche Feuer aus der Schlucht nachließ, in dieselbe hinabstieg; hier kam es noch an einigen Stellen zum Handgemenge. Sobald das Geschützfeuer eingestellt war, kletterten wir die gegenüberliegende Felswand, zur eigentlichen Stellung des Feindes, empor. Aber je näher wir dem Rande kamen, desto heftiger wurde das Feuer. Aus allen Felsspalten stiegen die weißen oder doch die rasch verflogenen bläulichen Wölkchen des rauchschwachen Pulvers auf. Hinter jedem Felsblock lagen Hottentotten — völlig gedeckt —, und wer von uns nur für des Gedankens Kürze sich zeigte, den erreichte sicher das tödliche Geschoß. So blieben wir denn liegen und waren andächtige Zuhörer einer über unsern Köpfen pfeifenden Musik. Wir lagen, die Köpfe fest an den Boden gedrückt, und gaben einzelne Schüsse nach den Felsspalten ab, bis ein Holsteiner mit den Worten: „Ach wat, lat se man schießen!" zuerst aufsprang. Als wir den Rand erklommen hatten, hatten bereits die letzten feindlichen Schützen, ihren Weg mit gräßlichen Blutspuren bezeichnend, die Stellung verlassen. Bald darauf ertönte das Signal „Sammeln", und Nubib ward erstürmt. Unser Zug war zuerst in die feindliche Stellung eingedrungen, das ist auch von höherer Stelle anerkannt worden. Es war ein wildes Gelände, in dem wir uns Vizeseldwebel G. Nikolaus. befanden. Unsre Gefallenen wurden an Ort und /.. ------ 43 Stelle eingegraben; zum Transport der Verwundeten bis zum Wüstenrand brauchten wir 1^/z Tag. Unten wurden die später an ihren Wunden Verstorbenen begraben. Es fielen: Sergeant Groß, Reiter Hauptmann. Verwundet wurden: Major Maercker, Assistenzarzt Korsch, Unteroffizier Winzer, Gefreiter Nitsche und die Reiter Glänzel, Guthier, Lietzau, Sefz, Simon, Zacher. Nach dem Gefecht sprach mir Herr Major Maercker persönlich seine Anerkennung aus, und Se. Majestät geruhte, mir später das Militärehrenzeichen 2. Klasse zu verleihen. Gustav Nikolaus, ehem. Vizefeldwebel der Kaiserl. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Trier. Oiccrstolcvö 1:)7AM. Gefecht bei Nubib, 1g. September IZ05. In der Omaheke. Verfolgung im Durstmarsch nach Rietfontein. Am 27.Oktober 1904 brachen wir von Otjimanangombe aus, um eine bei Oz-Ombu versammelte Herero bände anzugreifen. Diese Wasserstelle nannten wir Or log sende. Inder Nacht vom 27. zum 28. legten wir den Weg von 50 Kilometer zurück und griffen am 28. früh den Feind an. Nach kurzem Gefecht floh er nach allen Richtungen auseinander. Die Verfolgung wurde sofort aufgenommen. Wir erreichten nach zweistündigem Marsche eine Wasserstelle, wo wir bis Nachmittag 4 Uhr ruhten, um dann, den Epukiro abwärts, die Verfolgung weiter aufzunehmen. Hier an dieser Wasserstelle bekamen wir wenig Wasser — Reit- und Zugtiere fast gar nichts. Massenweise lag das verdurstete Vieh um die Wasserlöcher — erfüllte die Luft mit einem schauderhaften Geruch. Das Wasser, das wir bekamen, war schlammig und weiß wie Milch, und Hunderte von Maden schwammen darin umher, die von den Kadavern des toten Viehes 44 herrührten. Der Wasservorrat, den wir von Otjimanangombe mitgenommen hatten, ging im Laufe des Tages zu Ende, und an frisches war nicht zu denken. Nachdem am 28. des Nachmittags die Hitze sich etwas gelegt hatte, wurde wieder aufgebrochen. Fußmannschaften von der 1. Kompagnie und ein Munitionswagen der 7. Batterie blieben zurück. Die ganze Nacht hindurch wurde marschiert, ohne Wasser anzutreffen. Die Kräfte bei Mann und Tier ließen nach, besonders bei Zugtieren, die seit Otjimanangombe kein Wasser bekommen hatten. Knapp konnten die Pferde ihre Reiter tragen. Geschütze und Munitionswagen waren in dem tiefen Sande schwer fortzuschaffen. Der Morgen des 29. brach an. Wasser war vollständig verbraucht. Die Verfolgung wurde fortgesetzt in der Hoffnung, an Wasser zu gelangen. Die Hitze war erdrückend. Mittags gegen 11 Uhr wurde halt gemacht, da die Tiere völlig erschöpft waren. Nachmittags sollte der Rückweg angetreten werden. Um 3 Uhr brachen wir auf. Der Munitionswagen wurde stehen gelassen und die Tiere vor die Geschütze gespannt. Aber nur langsam ging es vorwärts. Die Tiere konnten nicht mehr. Massenweise brachen sie vor Entkräftung zusammen. Viele von den Mannschaften waren ohne Pferde und mußten den Weg zu Fuß zurücklegen. Mit Grauen denken wir zurück an diese Strecke. Tote und sterbende Pferde und Maulesel bezeichneten den Weg der Kolonne. Sattel, Neuausrüstungen, Geschirre, Munition. Da die Tiere vor Durst den Dienst versagten, mußten Geschütze zurückbleiben, um nur durchzukommen. Den meisten Pferden, die nicht mehr weiter konnten, wurde die Kehle aufgeschnitten. Von dem ausströmenden Blute stillten wir den Durst. Viele von den Mannschaften wurden bewußtlos vor Durst und konnten nur mit vieler Mühe mitgeschleppt werden. Andere rangen die Hände gen Himmel und flehten um Wasser, was auch, wie ein Wunder Gottes, nicht ausblieb. Am 29. nachmittags setzte ein frischer Regen ein, der vielen zur Rettung wurde. Viele aber holten sich hier auch den Keim zur Krankheit. Ein paar Tage später konnte man in Otjimanangombe die Folgen von dem Durstmarsch sehen. Zahlreiche Reiter wälzten sich auf ihrem harten Lager vor Schmerzen. Etliche Wochen später lagen viele unter afrikanischer Erde. Der Typhus wütete schrecklich. Von Oz-Ombu aus waren Kameraden mit gefüllten Wassersäcken zwei- bis dreimal zurückgeeilt, um die Halbverdursteten zu retten, was auch vielfach gelang. Hierbei zeichnete der Gefreite Kohnert von der 7. Batterie sich besonders aus. Er legte die Strecke dreimal zu Fuß zurück, um seinen verdurstenden Kameraden Wasser zu bringen. Nach und nach trafen sie alle am 29., 30. und 31. Oktober in Oz- Ombu au der Wasserstelle ein. Leutnant Wagner mußte, da er unterwegs schwer erkrankt war, auf einer Eselkarre geholt werden. Sergeant Hirschmann, Gefreiter Krug und zwei Mann der 7. Batterie legten in den Nächten zum 2. und 3. November nochmals zehn Kilometer zurück, um die stehengebliebeneu Geschütze zu holen, was auch unter großen Anstrengungen gelang. Leutnant Freiherr von Egloffstein mit zwei Unteroffizieren und elf Mann hielt Reiter Karl Derlei. >M»1 M:rLS" MMM E ^ MÄ'^ MKW Verfolgung im Durstmarsch nach Nietfontcin. 46 noch bis zum 9. November die durch Tierleichen verseuchten Wasserlöcher von Oz-Ombu und Orlogsende besetzt. Dem edlen Wetteifer der am 29. Oktober selbst erst von dem fürchterlichen Zuge zurückgekommenen Mannschaften ist es zu danken, daß alle zurückgebliebenen Mannschaften gerettet wurden. Mehr als einer ging am Tage nach seiner Ankunft an der Wasserstelle noch 10 bis 20 Kilometer mit Wasscrgefäßen zurück, um den Kameraden Hilfe zu bringen. Viele hörte man sagen: „Wie weit noch zum Wasser?" — „Noch eine Stunde!" — „Noch eine Stunde? das schaff' ich nicht mehr!" Und man schaffte es doch, und dann war die Quelle leer! Wißt ihr, was das heißt, wenn man sich da verzweifelt zu Boden schmeißt? Weinen möcht' man, weinen in einem fort! Aber auch der Tränenstrom, auch der ist verdorrt. Karl Hertel, ehem. Reiter der Kaiserl. Schutztruppe für D.-Südwestafrika, z. Zt. Berlin. -K * * Aus den Kämpfen Leutweins gegen Hendrik Witbooi in der Nauklust, August, September 1894. Skizze des Gefechts von Gurus am 2., 3. und 4. September 1894. I. Todesritt der Patrouille Diestel. Mit den Resten der 1. und 3. Kompagnie war ich Hendrik Witbooi jetzt sechs Tage ununterbrochen auf der Fährte. Wir, Mann wie Pferd, hatten während dieser Verfolgung durch das wildzerklüftete Naukluftgebirge, häufig bei völligem Mangel an Wasser und Proviant, an Überwindung von Strapazen, das Menschenmögliche geleistet. Es war Sedantag. Ich machte mit meinem Detachement gegen 10 Uhr an einer Wasserstelle, in einer tief eingeschnittenen Schlucht, halt. Frühstückspause. Das Frühstück bestand aus frischem Quellwasser. Ich hatte mir vorgenommen, wenn ich heute Hendrik nicht zum Stehen bringen könnte, die nächste Nacht einen Überfall auf sein Lager zu versuchen. Seit dem Gefecht bei Gams, am 30. August, hatten wir die Hottentotten fast stets in Reichweite, ohne sie erreichen zu können. Wir wollten sie nun forcieren. Das ewige Nachlaufen unter so schwierigen Umständen mußte ein Ende haben. Heute sollte es dieses finden. Nach einer halben Stunde Rast brach mein lieber Freund, der Premierleutnant Diestel, welcher mich gebeten hatte, als Offizierspatrouille vor der Spitze reiten zu dürfen, auf. Ich sollte ihn lebend nicht wiedersehen. Wir waren noch nicht lange marschiert, als Diestel die Meldung schickte, die Gänge zu beiden Seiten der Schlucht würden so steil, daß sie für Patrouillen unpassierbar wären, er schlüge vor, das Detachement in kleineren Abteilungen, in Abständen, marschieren zu lassen. Ich konnte mich zu dieser Teilung nicht verstehen und schob lediglich den Leutnant Lampe*) mit zehn Mann zwischen Spitze und Hauptabteilung. Gegen 12 Uhr kamen nacheinander drei Reiter von der Spitze, zwei verwundet, mit der Meldung, die Patrouille Diestel und die Spitze seien von allen Seiten stark beschossen worden. Der letzte Reiter meldete, daß vorn wohl keinesfalls noch jemand lebe. Ich ließ, so gut und so schnell es das Gebirge gestattete, Gefechtsstellung einnehmen und begann nun dort das Gefecht, welches 40 Stunden dauern sollte und in welchem die Hottentotten ihre letzte Wasserstelle im Gebirge bei Gurus mit einer Hartnäckigkeit verteidigten, die uns alle in Erstaunen setzte. Das Tal des meist unterirdisch fließenden Flusses, in dem wir uns befanden, war anfänglich breit und mit Bäumen bestanden, dann verengte es sich immer mehr. An der *) Leutnant Lampe, gefallen im Gefecht bei Gobabis gegen Hereros und Hottentotten, April 1896. Stelle, an welcher Diestel mit seinen Leuten gefallen ist und in der, resp. um welche sich dann das Gefecht abspielte, ist es nur noch schluchtartig eng und führt in Schlangenlinien dahin. Der Untergrund war, wie überall hier im Gebirge, mit spitzigem Gestein übersäet, und die Berge zu beiden Seiten der Schlucht stiegen schroff und jäh aus der Talsohle aus. Die beiden höchsten Erhebungen, diejenigen, auf denen sich später diesseits die Hauptabteilung und bei den Hottentotten der Leiter des Gefechts befanden, erheben sich wohl an 1000 Fuß aus der Talsohle. Über sämtliche Berge führt kein Weg noch Steg, und der Aufstieg über diese schroffen, mit Geröll bedeckten Gänge war ebenso mühsam wie gefahrvoll. II. Bis zur Nacht. Nachdem ich bei den Pferden eine Wache zurückgelassen hatte, entwickelte ich mein Detachement, wie aus nebenstehendem Sitnativnsplan ersichtlich. Leutnant Lampe hatte sofort mit dem Vortrupp einen in die Schlucht hervorspringenden Bergriegel besetzt, den Hendrik Witbooi anffallenderweise zu besetzen versäumt hatte und von welchem aus er in unsere anmarschierende Truppe hätte hinein schießen können. Später versuchte er dann angriffs- weise diesen Fehler wieder zu korrigieren, was ihm aber dank der Aufmerksamkeit und Tapferkeit Lampes und seiner Leute nicht gelang. Leutnant Schwabe^ hatte, der Hauptabteilung voraneilend, schnell die westlich der Stellung LampesgelegeneKuppe besetzt und verhinderte so die Hottentotten daran, den Aufstieg der Hauptabteilung zu sehr zu erschweren, wenn auch, von unsichtbaren Stellen, fortwährend Schüsse auf dieselbe fielen. Ich konnte so mit der Hauptabteilung ungehindert den vorerwähnten Berg erreichen und hatte nun eine ziemlich gute Übersicht über die ganze Gefechtsstellung. Es fielen jetzt von allen Seiten, selbst vereinzelt von hinten, Schüsse auf uns. Leutnant Lampe ließ melden, daß etwa 20 Witboois gegen den östlich unserer Stellung gelegenen Berg vorgingen. Ich schickte darauf den Leutnant VolkmannH dorthin, um den linken Flügel unserer Stellung zu sichern. Volk mann mußte während der l) Jetzt Hauptmann im Kriegsministerium. -) Jetzt Hauptmann a. D., wiederholt rühmlich genannt im letzten Hcrero- und Hottentotteuaufstand in Deutsch-Südwestafrika, 1904—1907. -L. ZknentotK «M-H A ,F ^...> ."--M- ,'./ N -n«' ^ W----.M,SHy«Se M,.,.'Hr ^ . . ^ M . r ss , tp-rteouiile -<><^Heirupia,>>trilü1tg '"«L., Hz- Va.c.hL -- M,, -- ' ' .. F Skizze zum Gesecht des Oberleutnants von Perbandt bei Gurus, 2. und 3. September 1894. 48 kommenden Nacht, nicht ohne eigene Verluste, wiederholt Versuche der Hottentotten, ihn aus seiner Position zu drücken, zurückweisen. Als die Witboois uns auch rechts zu umgehen versuchten, sandte ich den Unteroffizier Froede^) mit einigen Leuten dorthin, welcher sich seinen Posten erst mit Verlusten auf beiden Seiten erobern mußte. Bald nach Sonnenuntergang versuchte ein Trupp Witboois, in die Schlucht einzudringen, wurde aber mit blutigen Köpfen durch heftiges Feuer von der Hauptabteilung zurückgetrieben. Trotzdem gelang es diesen raffinierten Pferdedieben, wie sich später herausstellte, während der Nacht 17 unserer Pferde mit voller Ausrüstung zu stehlen. Die eisig kalte Nacht verbrachte jedermann mit Gewehr im Arm, ohne Mantel, ohne Decke, ohne jeden Proviant. Vereinzelte Schüsse fielen während ihrer ganzen Dauer. Mit Morgengrauen setzte das Feuergefecht auf allen Punkten mit gleicher Heftigkeit wie tags zuvor wieder ein. Aber wir konnten doch sehen, was um uns vorging, und die Sonne durchwärmte wieder die erstarrten Glieder. III. Wo bleibt die Proviantkolonne? Hendrik Witbooi hatte die Nacht nicht ungenutzt vorübergehen lassen. Abgesehen davon, daß er uns Pferde gestohlen hatte, war es ihm gelungen, uns in der rechten Flanke zu umgehen, so daß ich ihn durch ein heftiges Gefecht erst wieder aus meinem Rücken vertreiben lassen mußte. So verging der Tag unter Hoffnungen und Befürchtungen, aber im dauernden Feuergefechte mit unverminderter Heftigkeit. Eine Proviantkolonne, unter Leutnant Troost^), die mir in der Nacht gemeldet worden war und die wir, auch wegen der 10000 Patronen, die sie mit sich brachte, sehnsüchtig erwarteten, traf nicht ein. Leutnant Troost hatte sich, als er vor sich das heftige Feuergefecht hörte, nach vorn begeben und war noch in der Nacht zur Abteilung Volkmann gestoßen, wo er dann während der ganzen Gefechtsdauer verblieb. Der Unteroffizier, dem er das Kommando über die Kolonne übertragen hatte, war nicht weitermarschiert und traf erst zwei Tage nach dem Gefecht bei uns ein. Wir mußten also weiter hungern und dursten, nur einigen Leuten war es gelungen, während der Gefechtsdauer Stücke Fleisch von gefallenen Pferden zu schneiden und sie halb roh zu verzehren. In der feindlichen Gefechtslinie bemerkten wir während des ganzen Tages eine auffallende Bewegung, ein Kommen und Gehen von Trupps, Auftauchen und Verschwinden einzelner Leute, wiederholte Versuche, den Eingang zu unserer Stellung, den Bergriegel, welchen Lampe besetzt hielt, zu nehmen oder zu umgehen. Die Bedeutung aller dieser Manöver haben wir später erst erkannt. Der Feind suchte Wasser. Er wußte, daß hinter dem Riegel, wo unsere Pferde standen, ein Wassertümpel war, an anderer Stelle hatte er solches nicht finden können. Die Nacht brach an, sie verging wie die letzte. Der Morgen wurde wieder mit heftigem Schießen von beiden Seiten begrüßt. Gegen 9 Uhr wurde das Schießen des Gegners schwächer, dann verstummte es ganz. Da trifft vom äußersten Posten die Meldung ein, daß die Witboois beginnen, ihre Stellung zu räumen. Ich lasse, Leutnant Schwabe in der Avantgarde, das Detachement dem Feinde folgen. C. von Perbandt, Hauptmann a. D., _ z. Zt. Feldafing b. München. 0 Vizefeldwebcl Froede zeichnete sich besonders im Aufstande der Owabandjcrn und Khauas- Hottentotten 1896 aus, wurde mit dem Militärehrenzeichen 1. und 2. Klasse dekoriert, hat sich dann später leider erschossen. 2) Oberleutnant Troost richtete später, mit erheblichen eigenen Mitteln, eine Postdampferlinie zwischen Swakopmund und Kapstadt ein, um der Kolonie eine bessere Postverbindung mit Europa zu verschaffen. n - ' 7..<»,- - Die Kolonne des Oberleutnants von Zülow. „Okahandja war von den Hersros hart bedrängt. Der zum Entsatz der Feste entsandte Panzerzug, der auch viel Munition mitfühlte, hatte am 13. Januar 1904 die Station Waldau erreicht. Die Weiterfahrt schien unmöglich; denn die Geleise waren von den Feinden zerstört, und die die Trasse umsänmenden Höhen dicht von Feinden besetzt. Schnell entschlossen ließ Oberleutnant von Zülow den Zug mit Wcllblechplatten, vollen Reis- und Hafersäcken Panzern, einen Wagen mit Schienen und Handwerkzeug ausrüsten, und am 15. früh ging die Weiterfahrt vonstatte». An fünf Stellen hatten die Hcrcros die Geleise aufgerissen; während der Herstellnngsarbeiten gaben sie auf die Arbeiter ein mörderisches Feuer ab. Trotzdem überwand der Panzerzug mit seiner kühnen Besatzung alle Gefahren und Schwierigkeiten und erreichte am 15. mittags Olab and ja. Dort erwarteten neue Kämpfe die tapfere Mannschaft." üeilage zu: „Dincklage, Deutsche Reiter in Südwest.' » ! - ^ ! » ! 49 - -MM !ME' „Das ist egal, hinüber müssen wir!" Ein Ritt aus Leben und Tod! Vor der Schlacht am Waterberg. „Herr Leutnant, Sie bringen mir Meldung, ob die Station Waterberg vom Feinde besetzt ist. Sehen Sie, wie weit Sie kommen können!" So lautete der Befehl des Führers der 4. Kompagnie 1. Feldregiments, Hauptmann Epp, an den Leutnant von Mosch, der mit einer Patrouille von sieben Pferden zum Abmärsche bereitstand. Wir gehörten zur Abteilung von Estorff, die in Okomiparum den allgemeinen Angriff auf die Hereros, der am Deutsche Reiter in Südwest. 8 50 11. August 1904 stattfinden sollte, im Lager erwartete. Unsere Kompagnie war vorgeschoben. Der ganze Hererostamm lag um Waterberg in verschiedenen Werften verteilt — mit Tausenden von Kriegern — mit Frauen, Kindern und zahlreichem Vieh. „Nach Waterberg- Station reiten, das heißt, den Kopf in den Rachen des Löwen stecken", meinte einer meiner Kameraden; „bei der Gelegenheit werden wir am Ende noch mit dem Kirri chloroformiert!" — „Ein schöner Tod, besonders wenn Männer und Weiber die Sache noch etwas in die Länge ziehen!" meinte ein anderer mit einem gewissen Galgenhumor. „Na, lebendig kriegen sie mich nicht, die letzte Kugel spare ich mir auf — für mich!" Das waren so Nebelbilder, die mitunter auftauchten. Aber ebenso schnell waren sie verschwunden, wenn die Pferde sich in Trab setzten, dem Feinde entgegen. So war's auch heute, am 9. August 1904. Wir hatten ausgesuchte Pferde, gute Afrikaner — das gibt Sicherheit. Unser Hauptmann begleitete uns mit zwei Unteroffizieren bis Otjosongombe. Dann noch ein „guter Ritt!", und er bestieg eine Anhöhe am Waterberge, um unser Weiter- reiten noch zu beobachten, während wir die Wasserstelle und den zwei Meter breiten Bach mit hohen Rändern passierten. Schon am Bache fanden wir Tausende von frischen Spuren von Vieh und Menschen. Nirgends aber sahen wir lebende Wesen. „Damaras bring' die Beester an die Water", sagte einer unserer beiden eingeborenen Soldaten. Ja, das sahen wir. Wir wußten auch, sie würden wiederkommen. Aber wir trabten weiter. Kurz vor Station Waterberg stießen wir auf Vieh. Wir hielten, lauschten. Nichts Auffälliges zu bemerken. „Wo sind die Hereros?" fragte ich. Der Eingeborene zeigte auf die Dornbüsche: „Als uns die Beester hat, soll die Damara nett's kiet." Wir ritten weiter, um auf einem Umwege aus dieser Ecke wieder herauszukommen. Da plötzlich wird Vieh vor uns über die Pad getrieben — und rechts von uns brüllte auch Vieh. Was jetzt? „Nach rechts in den Busch!" meint der Leutnant. „Das geht nicht, Herr Leutnant!" sage ich, denn ich war doch schon ein Paar Jahre in Afrika und hatte schon viele Gefechte mitgemacht, der Leutnant war aber noch Neuling. Da schreien auch schon links auf dem 800 Meter entfernten Plateau des Waterberges die Hereros, die uns gesehen haben. Sie rufen die Krieger herbei, zeigen auf die deutsche Patrouille. Wären wir rechts in den Busch geritten, wären wir schon totgeschlagen. Jetzt — kurze Beratschlagung — dann — Entschluß. Das Gewehr aus dem Schuh, dem Pferde auf den Hals gelegt, und dann die Sporen in die Flanken und in langem Galopp zum Wege, den wir gekommen waren, mitten durch das Vieh. Das stäubt auseinander — die Treiber brüllen, einzelne Schüsse fallen. Aber wir vorwärts, was die Pferde laufen können. Dann kommt der Bach — noch ist er frei vom Vieh. Wird er von Kriegern besetzt sein, von einer Viehwache? Das ist jetzt egal — hinüber müssen wir. Jetzt noch einmal die Sporen, und in langem Sprunge sind wir drüben — aus der Mausefalle heraus. Langsamer geht's weiter — die Pferde waren ja blödsinnig gehetzt. Kein Schuß fällt hinter uns. Als wir nach einiger Zeit die Kompagnie erreichen, will sie eben abmarschieren, um uns herauszuhauen. Der Hauptmann hatte vom Plateau aus beobachtet, daß die Hereros mit dem Vieh an den Bach kamen und uns den Rückweg abschnitten. Er selbst war auch schon bemerkt und hatte kaum noch vom Plateau zu seinem Pferde gelangen können, um dann im Galopp zur Kompagnie zu jagen. Wir waren schon verloren geglaubt und nun freudig begrüßt. Am Nachmittage wurden wir durch die Kompagnie Solms abgelöst und ritten ins Lager zurück. Rudolf Arendt, Sergeant der 4. Kompagnie 1. Feldregiments. » * * 51 Bis zur englischen Grenze. i. Ein gelungener Überfall. Kurz vor Sonnenuntergang rückten wir los; die Entfernung von 30 Kilometer mag richtig geschätzt worden sein, jedoch brauchten wir hierzu neun Stunden, da teils dichtes Gestrüpp, teils Felspartien unseren Vormarsch hinderten, dabei wurden mir um Mitternacht von meinen Bastards ganz frische Menschenspuren, die von schmalen Hottentottenfüßen herrührten, gemeldet. War unser gestriges Lager von Spähern bemerkt und unser Abrücken gestern abend gemeldet worden? Wie die Indianer schlichen wir im Gänsemarsch auf dem schmalen, kaum erkennbaren Fußsteig vorwärts; oft standen wir still und schauten angespannt vorwärts nach dem feindlichen Lagerfeuer aus oder lauschten nach dem Gebrüll der Viehherden. Nichts war jedoch zu sehen und zu hören, nur die Fußspuren vermehrten sich bedenklich. Um 3 Uhr ging der Mond unter; bald war es fast ganz finster. Mühsam ging der Marsch weiter. Auf einmal hielt der vor mir gehende Bur vom Berg, so daß ich auf ihn aufrannte. „Hier rechts, Oberleutnant, ist die englische Polizeistation, und hinter diesem Felsvorsprung geradeaus sind die Bondels!" Ich sah nach der Uhr; es war Punkt vier. Im Osten zeigte sich ein schwacher, hellgrauer Streifen. Also waren wir gerade noch rechtzeitig angekommen. Nun ließ ich die beiden Maultiere mit den Lazarettsachen und dem wenigen Proviant unter Bedeckung zweier Bethanierhottentotten zurück, ließ ausschwärmen und lautlos im Orauje- bett vorgehen. Zu sehen war noch nichts, auch nicht, als wir um den Felsvorsprung herumkamen und ich die Schützenlinie etwas links schwenken ließ. Jedenfalls aber wußten die Hottentotten nichts von unserem Anmarsch; denn sonst hätten sie diesen Felsvorsprung besetzt und uns beschossen. Auf einmal hörten wir ganz nahe einen Hund bellen und gleich darauf eine Kuh brüllen. Im Nu lag alles auf dem Boden. Da sah ich in dem schwachen Dämmerschein plötzlich vor mir die grauen Umrisse vieler Pontoks (Eingeborenenhütten) in der Entfernung von 100 bis 200 Meter. Näher durften wir nicht heran. Ich ließ das Seitengewehr aufpflanzen und in der Schützenlinie weitersagen: „Sobald wir das Gewehrkorn sehen können, geben wir fünf Patronen Schnellfeuer ab, und dann geht's mit Marsch, marsch! Hurra!' in die Werft!" Etwa 4^ Uhr vormittags war's soweit: die fünf Patronen waren in wenigen Sekunden verfeuert, und unter Hurrarufen rannten wir in die Werft. Der Überfall war vollkommen geglückt, der Trubel, der folgte, unbeschreiblich. Die Hottentotten stürzten aus ihren Pontoks, feuerten ihre Flinten nach uns Hauvtnmnn Heinrich Böttlin. "4 52 ab, unsere Bajonette blitzten ihnen entgegen. Weiber und Kinder schrien, die Tiere brüllten und stoben auseinander; einige Hottentotten warfen sich auf ungesattelte Pferde und wurden in der noch immer starken Dämmerung bald unsichtbar, einige verschwanden in dem zerrissenen Felsengelände oder zwischen den Viehherden. Etwa 20 Frauen und Kinder kauerten in großer Angst an einem Felsenriff. Ich ließ ihnen zurufen, unbesorgt zu sein, da die Deutschen mit Frauen und Kindern keinen Krieg führen. Nur ein einziger meiner Leute, ein Bastard, war verwundet worden; er hatte einen Schuß zwischen Herz und Lunge, der am Schulterblatt wieder heraustrat. Aber auch wir hatten anscheinend mit unserem Schnellfeuer nicht viel getroffen; in einem Pontok lagen eine Frau und ein Kind tot, am Eingang eines anderen wand sich ein Bondelzwart in den letzten Zügen, krampfhaft sein Gewehr umfassend. Das war alles. Während nun Sanitätsgefreiter Rolle unseren Verwundeten verband (der sich uach wenigen Minuten wieder so weit erholt hatte, daß er seine Holzpfeife in Brand steckte), suchten wir die 22 Pontoks ab, die mit allerlei, zumeist geraubtem, Gut angefüllt waren. Neben reichlichen Vorräten von Proviant fanden wir eine Menge Schlafdecken, Küchengeräte allerart, Munition und sieben Hinterladergewehre; in dem größten, wohl dem Kapitänspontok, stand eine Kiste mit Büchern und Schriften, eine große Spieluhr und ein großer Sack voll Feigen, welcher gleich Liebhaber fand. Was mich aber mit besonderem Staunen erfüllte, waren die vielen herumliegenden Sättel; allein am Kapitänspontok lagen gegen 20! Ich sah den Bur vom Berg an, der kopfschüttelnd dastand und wohl denselben Gedanken wie ich hatte: Der Kapitän Wilhelm Christian war mit seinen Orlogleuten zurückgekehrt! Wie sich später bestätigte, war er kurz nach Mitternacht von seinem Raubzuge zurückgekommen: wir hatten uns also dem ganzen „Orlog" der Warmbäder Bondelzwarts gegenüber befunden. II. Was nun? Nun hieß es rasch handeln; denn ein Gegenstoß war zu befürchten, sobald der Feind unsere geringe Zahl erkannte. Nach einem 300 Meter entfernten Hügel wurde eine Beobachtungspatrouille entsandt, das umherstehende Vieh zusammengetrieben. Decken, Grasbüschel und Sättel wurden aufgetürmt und in Brand gesteckt, sämtliche Pontoks angezündet, die Gewehre zerschlagen und in die Feuerbrände geworfen. Als die Sonne aufging, brannte alles lichterloh; häufige Explosionen bewiesen, daß viel Munition in den Pontoks aufgestapelt war. Bald kam meine Beobachtungspatrouille mit der Meldung zurück, vom Feinde sei weit und breit nichts mehr zu sehen; anscheinend sei er das Hartebeestrivier auswärts gezogen. Vielleicht 10 Minuten nach Sonnenaufgang hatte sich unser Beutevieh mit unseren Verwundeten in Bewegung gesetzt, und ich rief gerade zwei Bastards zu, noch einige abseits stehende Ziegen mitzunehmen, als plötzlich einige Schüsse fielen, die bald zu einem regelrechten Schnellfeuer wurden. Dem Knall nach waren die unsichtbaren Schützen noch mehrere hundert Meter entfernt, daß nach uns geschossen wurde, und zwar gerade dahin, wo die Gefreiten Rolle, Knittel, Abt und ich standen, war kein Zweifel; es sah um uns aus, als ob von unsichtbarer Hand Erbsen in den Sand geworfen würden. Wir knieten nieder Und schössen in der Richtung, woher die feindlichen Schüsse knallten. Plötzlich fühlte ich einen heftigen Schlag gegen meinen linken Unterschenkel; ein Geschoß hatte mich dicht unter der Kniescheibe getroffen und war hinten unterhalb der Wade wieder ausgetreten. An dem intensiven Schmerze merkte ich gleich, daß der Knochen entzwei war. Ich versuchte nun, im Liegen weiterzuschießen, jedoch erhielt ich nun einen Prellschuß gegen die rechte Hand und Brust, so daß die Hand zum Schießen nicht mehr gebrauchsfähig war. Ich sah mich nun nach meiner Patrouille um; die Weißen lagen rechts und links von mir, heftig feuernd, platt auf der Erde, die Bastards 50 Meter zurück in guter Deckung au Oberleutnant Büttlin am Oranjerivier wird durch Knittel und Rolle aus dem Gefecht getragen, 54 dem etwas überhöhenden Oranjeufer gleichfalls feuernd, und meine Hottentotten — liefen über den Oranje, der englischen Grenze zu! Da sagte Rolle zu mir: „Herr Oberleutnant, wir müssen auch zu den Bastards in Deckung zurück; denn die Bondelzwarts wollen uns links umfassen." Ich hatte allerdings auch schon links Schüsse gehört, glaubte jedoch, es seien meine Hottentotten. Nun packten mich die Gefreiten Knittel und Rolle unter der Achsel und schleiften mich zurück, während der Gefreite Abt Schnellfeuer abgab. Nach wenigen Schritten erhielt ich einen Schuß ins Kreuz, während mir fast gleichzeitig der Hut vom Kopfe geschossen wurde. Rolle erhielt einen Schuß durch den Ärmel, und die feindlichen Kugeln pfiffen so dicht um uns herum, daß Knittel und Rolle, um das Feuer zu erwidern, mich fallen lassen mußten — natürlich gerade auf mein eutzweigeschossenes Bein. Da lag ich nun, halb betäubt von Schmerz und Blutverlust, zusammengekauert, mit entblößtem Kopfe und erwartete den Fanaschuß. Diese kritische Lage hatten meine Bastards und die inzwischen gleichfalls in Deckung zurückgegangenen beiden Buren erkannt und hielten durch ein ruhiges, wohlgezieltes Feuer unsere nächsten Gegner in Schach, so daß mich die drei Gefreiten — Abt griff nun auch noch mit zu — glücklich in die Deckung schleifen konnten. Von hier aus feuerten wir etwa noch eine Viertelstunde lang, ohne daß der Gegner weiter nachdrängte; auch ich schoß noch einige Male mit der linken Hand, getroffen werde ich aber wohl kaum etwas haben. Ein englischer Sergeantmajor war auf den Felsen geklettert und schwenkte den Union Jack: „Nicht weiter schießen, das Ufer ist englisch!" m. „Nicht weiter schießen, das Ufer ist englisch!" Plötzlich hörten wir unter uns Stimmen, welche uns auf englisch und holländisch zuriefen: „Nicht weiter schießen, das Nordufer des Oranje ist englisch!" „Seit einer halben Stunde fliegen die Kugeln der Bondels über eure Köpfe hinweg ins englische Lager!" und dergleichen. Es waren einige englische Kappolizisten unter Führung des Kapitäns Woon und einige andere englische Offiziere, mit denen ich vor wenigen Tagen in Ramansdrift den gemütlichen Bierabend hatte. Ein englischer Sergeantmajor war auf einen Felsen geklettert und schwenkte den Union Jack, worauf das feindliche Feuer verstummte. Ich ließ gleichfalls stoppen und bedeutete dem an mich herangetretenen Kapitän Woon, das trockene Oranjeflußbett läge ja noch fast 100 Meter hinter uns. Woon erwiderte, daß in der Regenzeit der Fluß den ganzen 400 bis 500 Meter breiten Einschnitt fülle, also auch den Steilabfall, an dem ich zurzeit mit meinen Leuten lag; wir befänden uns daher bereits auf englischem Boden. Später erfuhr ich, daß der Engländer recht hatte; denn nach dem Caprivischen Grenzvertrag läuft die englische Grenze, nicht wie sonst üblich, in der Mittellinie des Grenzflusses, sondern auf der Nordseite. Von Rechts wegen dürfen uns also die Engländer die Wasserbenutzung aus dem Oranje verbieten! Ich war nun durchaus nicht in der Verfassung, mich des längeren über die richtige Auslegung des Grenzvertrages zu unterhalten; zudem hatte sich bei mir ein stechender Schmerz im 55 Hinterkopfe eingestellt, so daß ich kaum aus den Augen sehen konnte. Ich brach das Gesecht ab und übergab Rolle die Abteilung. Nun legten sie mich auf einen Woilach, an dem drei meiner Leute und ebensoviel Kappolizisten anfaßten, um mich über das Flußbett zu tragen. Kaum waren wir aus dem Schutze des Steinabfalls heraus, als wieder ein heftiges Feuer auf uns begann. Kapitän Woon ließ den Hottentotten zurufen, wenn sie nicht sofort das Feuer einstellten, würde er seine Leute zusammen mit uns auf sie schießen lassen. Drüben im englischen Lager fanden wir unsere tapferen Hottentotten wieder vor. Ich habe den Borfall später zur Sprache gebracht; aus politischen Gründen und vielleicht auch, weil die Leute nicht wie die Bastards regelrecht militärisch ausgebildet waren, erfolgte nichts. Der Vorfall zeigt aber wieder, daß die Eingeborenen nicht an der Sache, sondern nur an der Person hängen. Mich kannten die Hottentotten kaum; beim Grafen von Kageneck, ihrem AbtcllungSführer, hätten sie vielleicht, wie die Bastards bei mir, ausgehalten. Böttlin, Hauptmann und Kompagnicinhrer, Okahandja. * „Der Hauptmann ist tot!" Wir hatten am 9. April bei Otjosasu —Onganjira einen harten Kampf bestanden — gegen die Hereros und gegen den Durst. Noch in der Nacht zum 10. wurde nur spärlich Wasser ergraben. Am 10. begruben wir die Toten. Meine Kompagnie — Hauptmann von Bagens ki — beerdigte allein an 500 Schwarze. Den 11. April benutzten wir zur Ruhe. Am 12. suchten wir wieder mit dem Feinde in Verbindung zu kommen. Am 13. früh 7 Uhr gingen wir vor, aber diesmal in kolossal großen Büschen. Wir ritten früh 4 Uhr von Otjosasu ab in nördlicher Richtung. Als wir in Owiumbo ankamen, ging's schon los. Die ganze Hauptmacht hatte sich dort festgesetzt, um standhaft zu kämpfen. Aber sofort traten unsere Artillerie und Maschinengewehre in Tätigkeit. Unser Hauptmann von Bagens ki beobachtete jeden Granatenschuß voll Aufmerksamkeit. Plötzlich nahm er sein Glas ans Gesicht: „Was, Teufel," rief er, „die Artillerie feuert auf unsere eigenen schwarzen Leute!" In demselben Augenblick krachte ein Schuß, und unser guter Hauptmann lag tot neben mir. Wie ein Blitz ging's durch die ganze Schützenlinie: „Der Hauptmann ist tot!" Alles stockte einen Augenblick. Dann aber ging's mit Todesverachtung vorwärts, um den Tod unseres Führers zu rächen. Wir lagen aber den ganzen Tag vor dem Swakop und konnten nicht hinüber. Es wurde immer und immer wieder der Sturmanlauf erwartet, aber Oberst Leutwein sagte: „Mit diesen wenigen Leuten geht es nicht", und so lagen wir den ganzen Tag vor den Schwarzen, ohne daß man zum Sturm vorgehen konnte. Um 8 Uhr kam dann der Befehl zum Rückmarsch. Langsam ging alles vonstatten. Die ganze Abteilung zerstreute sich. Die Kompagnie hatte den Rückzug zu decken. Wir biwakierten dicht geschlossen. Bei Tagesanbruch kam ein neuer Befehl. Hauptmann von Bagenski 4. — 56 — Alles wurde auseinandergezogen und ging dem Waterberg zu. Die Schwarzen hatten sich nämlich in der Nacht vom 13. zum 14. April zurückgezogen. Nun sah man aber, daß mit uns wenigen Leuten doch nichts mehr anzurichten sei. Es wurde nun auf die Verstärkung gewartet und der 11. August für den allgemeinen Angriffstag bestimmt. Die Abteilung stand bei Owiumbo und stellte kreisförmig, dem Waterberg zu, Posten aus. Richtungspunkt Waterberg. Nun begann man mit dem Patrouillieren, um den Feind einzuspüren. Durch eine Patrouille bekamen wir am 23. Mai die Meldung, die Hererowerft Otjomaso sei stark besetzt, und zwei deutsche Frauen seien dort gefangen. Major von Estorff besann sich, was er Wohl machen wolle, weil erst der 11. August bestimmt war, um gemeinsam auf den Waterberg loszugehen. Dann faßte Major von Estorff den Entschluß, am 24. Mai anzugreifen. Die ganze Abteilung war aufmarschiert und wartete auf den Befehl. Die Schwarzen konnte man von weiter Ferne her schon hören. Sie feierten seinerzeit gerade ein Freudenfest. Der Befehl zum Angriff wurde bekannt gemacht. Alles freute sich, den Gegner wiederzusehen und mit ihm zu ringen. Langsam und vorsichtig ging's vor. Streckenweise gebückt, den größten Teil aber krochen wir auf dem Bauch; denn der Feind sollte überrascht werden. Wir hatten uns angeschlichen bis auf 50 Meter, auf einmal wurde man uns gewahr. Mit unglaublicher Gewandtheit war der Feind verschwunden, aber sein Feuer zeigte uns, daß er nicht willens war, die Stellung zu räumen. Unheimlich knallte es hervor aus dem dichten Gebüsche; hinter jedem Felsblock lag ein Schwarzer verborgen. Ich versuchte, den Kopf etwas emporhebend, mich einmal nach einem Gegner zum Abschuß umzusehen — da — klatsch — schlug auch schon ein Geschoß neben mir ein, daß der Sand mir in die Augen flog. Fünf Stunden dauerte der Feuerkampf, bis ^ wir sie mürbe hatten, bis der Befehl: „Auf! Marsch, marsch!" kam, den wir lange erhofften. Unwiderstehlich ging's vorwärts durch die Deckung, und „Hurra! Hurra!" ertönte es ringsum. Niedergestochen, was nicht alles zurücklassend floh. Wir waren im Besitz der Werft. Unser Hauptmann war gerächt! Ohne Kanonen hatten wir den Kampf durchgeführt. Auf deutscher Seite fielen zwei Mann, ein Reiter — Spindler — und ein Franzose, Kriegsfreiwilliger Huet. Wir hatten bei jenem Überfall von Otjomaso 1000 Stück Großvieh und 500 Stück Kleinvieh erbeutet. Von weißen Frauen aber war keine Spur. Sie waren schon wieder abgeführt. Unteroffizier Maier, Infanterie-Regiment 180, 2. Bataillon, 8. Kompagnie, z. Zt. Schwäbisch-Gmünd, Württemberg. Unteroffizier Maier. — 57 — „Kaum hatte sich üie Spitze ISO Meter enttarnt, da krachte es von links aus dem Gebüsch. Mein Kamerad Kovitzki stürzte — tot — vom Pferde!" MS „Wir sprachen deutsch mit diesen Lumpen!" i. In Not und Gefahr. Am ersten Osterfeiertag 1905 rückte Oberleutnant von. Bülow mit 40 Reitern, darunter noch zwei Offiziere, von Maltahöhe ab nach den Tirasbergen rüber, um gegen Cornelius aufzuklären. Wir kamen am dritten Tage nach dem Chamhawib und überraschten dort eine Hottentottenpatrouille von drei Mann. Zwei davon entkamen, einen nur nahmen wir gefangen. Der Gefangene wurde nun nach verschiedenem gefragt, er sollte Auskunft geben über den Verbleib seiner Kameraden. In seiner Angst sprach er vieles, aber offenbare Lügen. Deshalb wurde er sofort erschossen. Nun schickte Oberleutnant von Bülow acht Reiter zurück an Hauptmann von Zwehl und meldete, daß wir auf der Spur der Hottentotten seien. Jetzt war nun unsre Patrouille nur noch 32 Gewehre stark. Am 27. April frühmorgens rückten wir ab nach Huams, kamen mittags dort an und machten in der Nähe der Wasserstelle halt. Jeder Reiter hatte für drei Tage Verpflegung bei sich gehabt, aber wir waren schon vier Tage unterwegs. Mancher von uns hatte wohl noch ein wenig Reis, mancher aber auch gar nichts mehr. Was uns nun in dieser Wildnis für schlimme Tage bevorstanden, sah wohl jeder ein. „Spare in der Zeit, so hast du in der Not." An diese Worte dachte wohl ein jeder von uns, darum wurden auch die sogenannten Wassermelonen, welche sich dort befanden, auf Feuer gelegt, gebraten und gegessen. Wie sie geschmeckt haben, weiß ich heute noch nicht recht. Für diesen Tag hatten wir nun noch Brot. Es kam aber noch schlimmer. Oberleutnant von Bülow teilte nun die Patrouille. Leutnant Fischach erhielt einen mir unbekannten Auftrag und dazu 15 Reiter, darunter war auch ich. Um 4 Uhr nachmittags hatten wir gesattelt, ritten nach dem Wasser und von da, im Rivier lang, wieder Deutsche Reiter In Südwest. 9 ,1 58 rückwärts. Leutnant Fisch ach schickte eine Spitze von drei Mann vor. Kaum hatte sich diese auf 100 Meter entfernt, da krachte es von links aus dem Gebüsch. Bei der Spitze fiel gleich der Gefreite Kopitzki, mein Kamerad, dicht neben mir. Er bekam einen Schuß durch den Hals und stürzte tot vom Pferde. Hinter mir schrien Verwundete. Wie ein kleiner Hagel prasselten die Kugeln zwischen uns. Doch wir hatten schon öfter Pulver gerochen und waren an derlei Sachen schon gewöhnt. Wer noch konnte, sprang vom Pferde, suchte Deckung und nahm das Feuer mit dem Gegner auf. Da wir nun aber wenig Schutz fanden und entweder zurück oder weiter vor mußten, entschloß sich der Herr Leutnant und kommandierte: „Auf! Marsch, marsch!" In einem Nu erreichten wir die vorliegende Höhe. Wenige waren es, die den Sprung noch machen konnten. Aber doch gaben die Hottentotten ihre Stellung frei. Wir sprachen nun erst mal eine Weile deutsch mit diesen Lumpen. Inzwischen hatte Oberleutnant von Bülow mit seinem Rest, 14 Mann, eine Schwenkung gemacht und fiel dem Gegner in die Flanke. Oberleutnant von Bülow erhielt dabei fünf Schüsse und behielt dennoch die Führung der Schützen. Doch es wurde zu rasch dunkel, und es ließ sich darum nicht mehr viel machen. Die Hottentotten wollten jedenfalls andere Stellung besetzen und zogen sich, trotz fünffacher Übermacht, nach allen Seiten zurück, ließen aber acht Tote auf dem Gefechtsfeld liegen. Blutspuren zeigten noch größere Verluste an. Während der Nacht hörten wir von allen Richtungen her Signalschüsse. Die Hottentotten planten einen zweiten Angriff, wollten aber jedenfalls warten, bis wir halb verhungert wären. Das war uns allen klar, doch ließen wir uns in unserer Arbeit nicht stören. Wir bauten feste Schanzen dort am Wasser und warteten nun der kommenden Dinge. Allerdings hatten wir heiße Arbeit in dieser kalten Aprilnacht. Unsere vier Schwerverwundeten, Leutnant Fischach, Unteroffizier Pell, Gefreiten Petersen und Pohl, mußten wir weit und doch vorsichtig in diesem Klippengelände zurücktragen. Wasser, welches ganz grün, dick und trübe war, wurde im Vorrat in die Schanzen gebracht. Die Pferde waren teils entlaufen, der größte Teil aber erschossen. Eins lag zum Verzehren vor unserer Schanze. II. Nun kam der zweite Tag der Gefahr. Trotz aller Beschäftigung ging er langweilig dahin. Frühmorgens fielen auf feindlicher Seite einige Schüsse, auf welche wir aber gar nichts erwiderten. Wir beerdigten unsere drei Toten, unseren tapferen Oberleutnant von Bülow und die Kameraden Kopitzki und Wendt. Ehre sei den gefallenen Helden von Huams! Vormittags 9 Uhr gingen wir, zehn Freiwillige, noch einmal mit Bajonetten übers Gefechtsfeld, suchten nach Proviant an allen Sätteln, die die gefallenen Pferde noch auf dem Rücken hatten. - Artur Aröbcr. 59 Ohne jede Schwierigkeit gelangten wir nun auch zu des Oberleutnants Packpferd. Noch etwas Reis, Konserven und Feldzwieback bargen seine Packtaschen. Aber was war das für uns alle. Freiherr von Hiller nahm die Sachen an sich und verteilte sie gleichmäßig. Wir bekamen pro Mann zu jeder Mahlzeit sieben Feldzwiebacke. Am Abend wünschte Freiherr von Hiller zwei freiwillige Leute, die sich mit einer Meldung an Hauptmann von Zwehl aus dem Lager schleichen sollten. Ich meldete mich — dazu noch der Reiter Martin. Unsere beiden Pferde waren gerade noch vorhanden und von Kugeln verschont geblieben. Es war schon dunkel, als wir marschbereit vor den Schanzen standen. Beide Offiziere, Freiherr von Hiller und Fischach, reichten uns zum Abschied die Hand und gaben uns ihren letzten Schluck Rum mit auf den Weg. „Und nun reitet! Ihr wißt, daß unser aller Schicksal von der Überbringung der Meldung an Hauptmann von Zwehl abhängt!" Das war unser Geleitwort. Die erste klippige Strecke haben wir leise unser Pferd geführt. Dann kamen wir auf eine Sandfläche, wo wir nun im Galopp lossprengten. Der Gegner hatte uns Wohl gar nicht bemerkt; denn es traten uns keinerlei Hindernisse entgegen. Aber um so mehr Terrainschwierigkeiten haben wir und unsere vierbeinigen Kameraden überwinden müssen. Wir konnten natürlich nicht der Pad nach reiten, da hätten uns die Hottentotten sicher vorgelegt. Also ohne Weg und ohne Steg. Wir ritten die ganze Nacht hindurch, machten nur kleine Pausen und durchquerten unbeschreibliche Schluchten und mußten Berge ersteigen. Man sollte es kaum glauben, was auch so ein Pferd überwinden kann, wenn es eben muß. Als ob auch die Tiere die Gefahr gekannt hätten und die Wichtigkeit unseres Auftrages. Es war nun der 29. April, vormittags 9 Uhr, als wir vor dem Abgrund vom Schwarzrand standen und hinübersahen nach den Roten Bergen. Da gewahrten wir tief unten, aber kurz vor uns, eine Staubwolke. Wir erkannten sofort unser Detachement und sahen unsern Papa Zwehl. Das Herz lachte uns im Leibe vor Freude, und ich sah schon im Geiste, wie die Halbbatterie Stuhlmann vor Huams auffuhr. — Zwei volle Stunden brauchten wir, bis wir den Abstieg hinter uns hatten. Nach unbeschreiblicher Anstrengung trafen wir unsern Hauptmann, der vom Chamhawib aufgebrochen war, und übergaben die traurige Botschaft. Für unsern Ritt erhielten wir später beide das Militärehrenzeichen 2. Klasse. Da die Abteilung auch erst kurz vor uns am Chamhawib eingetroffen war, so wurde noch ein Weilchen gerastet. Wir hatten Gelegenheit, uns wieder einmal zu sättigen und ein wenig zu ruhen. Gegen 2 Uhr nachmittags ging es ab im Eilmarsch nach Huams. Bevor die Sonne unterging, trafen wir dort ein. Doch da war der Feind schon abgegangen, kein Schwanz mehr zu sehen. Die Hottentotten hatten wohl den Anmarsch der Entsatztruppe bemerkt. Wie freuten sich nun die Kameraden in den Schanzen, da sie hörten, daß Proviant mitgekommen sei! Die vier Schwerverwundeten wurden unter schweren Leiden in das Feldlazarett nach Kub gebracht und sind nie wieder zur Kompagnie gekommen. Ich habe noch viele Gefechte mitgemacht. Meinen Kompagnieführer habe ich noch zweimal verloren, auch viele Kameraden sind noch gefallen. Aber für mich war keine Kugel gegossen. Nachdem die 10. Kompagnie aufgelöst wurde, leiste ich Dienste in der Kompagnie Molliöre. Gefreiter Artur Kröber, 10. Kompagnie 2. Feldregiments der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Kompagnie Molliöre (Goeis). * * ritz* 60 „Herr Leutnant, da sind Schwarze!" i. Auf Patrouille mit Freiherr« von Bodenhausen am 30. Juli 1904. Von meiner ersten Patrouille nach Omaruru zurückgekehrt, entsandte mich der inzwischen eingetroffene Oberst Deimling sofort mit einer 30 Gewehre starken Patrouille unter Leutnant Freiherrn vonBodenhausen mit einem Aufklärnngsauftrag. Nach einer Meldung sollte in die am Waterberg sitzenden Hereromassen eineBewegung nach Westen gekommen sein. Der Keil, der sich ihnen im Süden und Osten durch unsere Abteilung bereits vorgeschoben hatte, legte die Vermutung nahe, daß sich das Volk durch eine vorzeitige Flucht nach Westen ins nahe Ovamboland der drohenden Umklammerung entziehen wollte. Wir hatten also festzustellen, ob die Masse des Herero- volkes noch fest am Waterberg säße. Da ich das in Frage kommende Gelände bereits zum Teil kannte, wurde ich dem Leutnant Freiherrn vonBodenhausen beigegeben. Am zweiten Tage unseres Rittes zeigten sich frische Spuren. Zwei uns begleitende eingeborene Soldaten bewiesen uns die Fertigkeit dieser Leute im Spurenlesen, die sich übrigens auch unsere Reiter bald im gewissen Omaruru. Maße aneigneten. Der Eingeborene erkennt aus jeder Pferdespur, wie alt sie ist, ob das Pferd geritten oder lose gelaufen, in welcher Gangart; ja bei steinhartem Boden, wo sich kein Fußabdruck zeigt, erkennt er aus dem gebrochenen Halm die Menschenspur. Da wir in dem dichten Buschgelände auf schmalem Pfade so gut wie keine Seitensicherungen herausschieben konnten und die Menschenspuren sich mehrten, mußte zeitweise abgesessen und im Busch geschwärmt werden. Gegen Abend zeigte sich in unserer rechten Seite schnell verschwindendes schwarzes Volk, bald wurde die nächste Wasserstelle an den Omatako bergen erreicht und unbesetzt gesunden. Da wir in zwei Tagen bereits 120 Kilometer zurückgelegt hatten und ein weiter Weg uns bevorstand, beschlossen wir, an einem freien Platz zu nächtigen und am nächsten Morgen in aller Frühe den an den Omatakobergen verschwundenen Schwarzen zu folgen. Es wurde in Gefechtsbereitschaft mit Doppelwachen genächtigt. Um Mitternacht weckte mich ein auf Posten befindlicher Einjähriger und zeigte mir an den Hängen des Omatakoberges flackernde Lagerfeuer, etwa 20. Die Erwartung auf den ersten Zusammenstoß ließ die Nacht endlos erscheinen. Am nächsten Morgen teilten Leutnant Freiherr vonBodenhausen und ich die Patrouille, um in verschiedenen Richtungen den Berg aufzuklären und uns dann an der Lagerstelle wieder zu treffen, mit der Verabredung, wenn möglich Gefangene einzubringen. Gespannt ritt ich mit meiner Hälfte in den Morgen hinein, der eingeborene Soldat voraus, über jede neue Spur heftig gestikulierend. Die Sonne 'S?' . ^ -"7 '« L 'd- ' '^*ckü' ÄZM «E ä«>» ! Ä » ' Fzjj H' im langen Trabe zurückzureiten, vie Gefangenen zwischen uns herjagend. 62 brannte schon unbarmherziger, die Spuren verloren sich mehr und mehr, als einige meiner Reiter mit dem Ruf: „Herr Leutnant, da sind Schwarze!" davonstürmten, die ganze Patrouille im Jagdgalopp mitreißend. Wir befanden uns plötzlich inmitten eines im Busch flüchtig angelegten Eingeboreneudorfes, einer sogenannten Werft, wo es von Hereros wimmelte. Die Gewehre aus dem Schuh gerissen, schössen wir vom Pferde und erregten eine heillose Verwirrung. Da ich jedoch fürchtete, daß die Eingeborenen bald zur Besinnung und zum ruhigen Schießen kommen würden, begnügte ich mich, drei zwischen den Pferden herumlaufende Hereros gefangen nehmen zu lassen und dann meine Leute energisch zurückzurufen, um im langen Trabe zurückzureiten, die Gefangenen zwischen uns herjagend. Nach drei Stunden stieß ich mit Leutnant Freiherrn von Bodenhausen wieder zusammen. Nach sieben Tagen fiel er mit einer zwölf Mann starken ähnlichen Patrouille in die Hände der Feinde und wurde grausam getötet, mit ihm zwei Leibhusaren, alles Leute, die auch unsere gemeinsame Patrouille mitgeritten hatten. II. Gegen unsichtbare Feinde. Aus dem Gefecht bei Narus am 17. Juni 1905. (Gefechtsweise der Hottentotten.) In derselben Nacht (15. Juni) stieß jedoch eine von uns vorgesandte Patrouille auf der Gefechtsstelle der von Erckertschen Kompagnie auf einen großen Trupp Hottentotten und zog sich zurück. Die merkwürdige Meldung hierüber sollte von unserer Abteilung aufgeklärt werden. Wir brachen mit einem Bataillon auf dem Papier, dabei aber einer Gefechtsstärke von 87 Gewehren in der Front und zwei Gebirgsgeschützen in der Nacht vom 16. zum 17., 2 Uhr, auf. Der Weg auf Narus führte in einem Rivier, einem ausgetrockneten Flußlauf mit etwa 20 Meter hohen, steilen Felsrändern. Um 4 Uhr nachts vor Narus angekommen, vernahmen wir das Brüllen und Blöken von Groß- und Kleinvieh von einer anscheinend sehr großen Herde. Auf die dem Rivier vorgelagerte nächste Felskuppe wurde eine Patrouille zu Fuß gesandt, worauf, mitten in der Dunkelheit, Gewehrschüsse in unsere Kolonnen fielen. Uns in dem toten Winkel der einen Felswand deckend, erhielten wir durch einen Mann der vor- gesandten Patrouille die Meldung, daß sie vorn einem Hottentottentrupp gegenüberlägen. Die Avantgardenkompagnie unter Hauptmann Anders (fr. Kr.-R.) erklomm nun mit ihren 40 Gewehren diese Höhe, wir mit ihr, während das feindliche Feuer immer stärker wurde und bereits in den Flanken sich bemerkbar machte. Da sich um diese Kuppe au dieser Stelle das Rivier in zwei Arme schlängelte, wurde auf die Höhe links jenseit des Riviers ebenfalls ein Zug hinaufgeschickt; die Gebirgsgeschütze wurden von Maultieren in unsere Stellung nachgezogen. Noch vor Sonnenaufgang hatten wir die oberste Höhe erklommen, das Hottentottenfeuer nahm trotz der noch herrschenden Dunkelheit nicht ab, ohne uns jedoch besonderen Schaden zu tun. Etwa um 6 Uhr ging die Sonne mit der der afrikanischen Natur eigentümlichen Schnelligkeit auf. Bei der Tageshelle setzten die Treffer ein, wir hatten im Moment einige Tote, ohne die uns auf 50 Meter gegenüberliegenden Hottentotten in ihren Felsverstecken entdecken, ohne die Flankenschützen erspähen zu können. In der kurzen Zeit hatten sich die Hottentotten Leutnant von Plehwe. in sogenannte Klippenhäuser vollständig eingebaut, die ihnen 63 nur eine schmale Öffnung für das Auge und den Gewehrlauf lassen. Unserem ersten auffahrenden Geschütz war in kurzer Zeit die Bedienungsmannschaft zusammengeschossen, unser Führer Major von Kamptz fiel um 7 Uhr morgens durch einen Schulterschuß drei Schritt links von mir. Wir deckten uns mit den lose umherliegenden Felsstücken nun so gut ein, wie es ging, und nur vereinzelt gelang es, einen Schuß auf einen vorkriecheuden Kopf abzugeben. Der letzte entbehrliche Mann der Handpferde wurde eingesetzt. Inzwischen schickte Morenga — man hörte ihn laut hinter der feindlichen Schützenlinie seine Leute anfeuern und leiten — um unseren nach links detachierten Zug etwa 100 Mann zur Umgehung herum und rollte diesen Zug buchstäblich auf. Die Haltung unserer Leute war geradezu heldenhaft, sie verschossen ihre letzten Patronen, erst dann zogen sich die fünf einzig davongekommenen Reiter zurück, von 17 Mann fielen zwölf. Die Lage wurde kritisch. Sehnsüchtig suchte das Auge eine Staubwolke, die das Heranrücken der nahen Abteilung von Erckert verkünden sollte. Man mußte die Leute daran verhindern, auf die Klippenhäuser vorzuspringen, was bei unserer geringen Gefechtsstärke zum Verderben geführt hätte. Doch auch der Humor ging selbst in dieser Lage nicht aus. So hörte ich einige Schritte rechts von mir einen Mann frohlocken: „Da seh' ich solch dreckiges Gesicht!" Gebirgsbatterie. auf Maultieren verlade». Die Erlösung nahte. Um 1,30 Uhr nachmittags griffen die 100 Gewehre des Hauptmanns von Erckert auf dem linken Flügel ein, wir merkten an dem gegenüberliegenden Gegner ein Nachlassen, und gegen 3 Uhr kam unser Gefecht vorwärts. Bis in die Dunkelheit wurde der ablassende Feind gedrängt; um 6 Uhr waren wir im Besitz des ganzen Geländes um Narus und des größten Teiles der Viehherde, wenn auch einzelne nicht aufzufindende Hottentotten bis in die Nacht hinein schössen und noch mit Sonnenuntergang Leute verwundeten. Wie schwer uns der Tag geworden war, geht aus der Verlustliste hervor: von 87 Gewehren hatten wir 20 Tote, 30 Verwundete; also nur 37 waren heil geblieben, das bedeutet etwa 60°/g Verluste. Doch auch die Hottentotten hatten schwere Verluste, namentlich gegen Abend; Morenga war mürbe und hat sich erst im Oktober 1905 in einem ähnlich schweren Gefecht bei Hartebeestmund gestellt. Im Oktober 1905 wurde mir die Heimreise nach Deutschland gestattet. Ich kehrte mit dem Bewußtsein zurück, daß wir, die wir diese bewegten Zeiten durchgemacht hatten, alle eins waren in dem Wunsch, noch einmal im Leben so ernste und doch so freudige Stunden zu erleben. (Aus den Mitteilungen des Leutnants von Plehwe, z. Zt. 1. Leibhusaren-Regiment.) Ich kann nur bedauern, daß ich den so übersichtlichen, klaren, sachlichen und höchst interessanten Bericht nicht ungekürzt bringen darf. Das geht leider des Raumes wegen nicht. Ich habe nur einige Episoden ausschreiben können. Aber mit Freuden habe auch ich alter Soldat die jugendfrischen Schilderungen des jungen, kampfesmutigen Kameraden gelesen und bedanke mich mit treuem Handdrücke. Freiherr v. Dincklage, Generalleutnant z. D. 64 Überfall bei Nakab, nördlich Ariam. 26. März 1906. I. „Wie retten wir unsern Leutnant?" Nach den Operationen in den Oranjebergen wurde die 7. Kompagnie des 2. Feldregiments nach Groendorn beordert. Wir dachten nun, uns dort nach all den Strapazen etwas häuslich niederlassen zu können. Hauptmann Grüner befahl deshalb: „Kochgruppenweise auf dem Berg verschanzen!" Die Hälfte Leute waren bereits mit Bauen fertig. Da kam ein Eingeborener mit der Meldung: „Die Kompagnie sofort nach Mamas!" Der Marsch ging nun, so schnell es die schlappen Pferde erlaubten, über Heirachabis nach Ukamas. Es wurde von einem Durchbrechen Morengas gemunkelt. Am 25. März 1906, 9 Uhr abends, wurden 15 Gewehre der 7. Kompagnie 2. Feldregiments unter Führung des Leutnants Keller von der Etappe Ukamas zur Bedeckung von sechs Ochsenwagen kommandiert, um an der englischen Grenze (Nakab) Hafer zu holen. Der Marsch ging ununterbrochen bis 1 Uhr, um 2 Uhr morgens ging's weiter. Gegen 5 Uhr waren wir an der letzten Wasserstelle. Die Ochsen kamen auf Weide, und die Leute kochten sich ihren Kaffee, da wir um 1 Uhr nachmittags weiter wollten. Gegen 11 Uhr kam die Meldung (von den Gefreiten Schäfer und Baron), daß auf einem Berge ein Mann mit einem Gewehr stände. Wir nun alle auf die größte Höhe 'rauf! Doch von einem Feinde war nichts zu sehen. Leutnant Keller gebot uns nun beim Abmarsch die größte Vorsicht, übergab mir die Führung und ritt mit seinem Burschen (Reiter Riesner) und Bambusen über die uns umschließenden Höhen. Wir freuten uns sehr über diese Leistung und schauten ihm gespannt nach, da in den Klippen ein Überfall sehr leicht möglich war. Da der Offizier vom Feinde nichts wahrnehmen konnte, ritt er nachher wieder 'runter und trabte in der Schlucht weiter vor, um dann ohne Aufenthalt das Aufladen des Hafers beaufsichtigen zu können. Ihm folgte auf 400 Meter die Spitze, drei Mann stark, 200 Meter dahinter acht Mann unter meiner Führung, darauf die Wagen und dahinter die Nachspitze, vier Mann stark. Der Haupttrupp war ungefähr 300 Meter in die Schlucht hineingeritten, da kracht's plötzlich vorn. Wir konnten gerade noch sehen, wie der Leutnant und Bursche sich überschlugen. Schnell entschlossen wollte ich Galopp kommandieren, doch das „Ga" blieb mir im Halse stecken. Eine neue Salve wurde auf uns abgegeben. Im Nu waren wir unten. Ein Gedanke beseelte uns alle — unsere Verwundeten vorn zu retten. — Ein Pfiff mit der Signalpfeife, und meine Leute waren versammelt. „Jetzt vorwärts!" — Drei Kameraden lagen schon tot (die Reiter Anders, Sierszyn und Haucke). Eine steile Höhe seitwärts von uns war die einzige Möglichkeit, Seracant Paul Herzu«. dem Leutnant zur Hilfe zu kommen. WM^ od^>. <5 , » :> ch^^ ^ - -LchM, -rL'. LML Hauptmann Franke bei Omaruru, am 4. Februar 1904. „Da schwang sich Hauptmann Franke auf seinen Schimmel, sprengte hoch zu Roß vor die Front und wollte allein aus den Feind einbringen. Diese hinreißende Tat zündete. Wie mit einem Schlage erhob sich die ganze Linie, und begeistert, mit lautem „Hurra!" folgte die 2. Kompagnie ihrem geliebten Führer, allen voran die Gefreiten Nuschle und Besse." Beilage zu: „Diniklage, Teutsche Reiter tu Slldwcst. Deutsches Verlagshaus Bong L Co., Berlin V. 57. Wir waren bereits am Fuße des Berges angekommen, als ich einen Kapitän im weißen Anzüge bemerkte, der mit lauter Stimme seine Befehle gab. Eine Salve unserseits, und weg war er. Ein höllisches Feuer war nun die Antwort. Es blieb uns nun nichts anderes übrig, als zu versuchen, quer durch die Schlucht auf der anderen Seite 'rauszukommen. Die Feinde schienen dies zu bemerken; denn plötzlich bekamen wir von drei Seiten Feuer. Um uns nun vollständig zu umzingeln, versuchte eine Bande den Eingang der Schlucht zu verlegen. Doch sie hatten glücklicherweise ihre Rechnung ohne den Wirt gemacht. Die mit Sehnsucht von uns erwartete Nachspitze (Führer Gefreiter Lichterfeld) hatte bei Beginn des Schießens sofort den Eingang der Schlucht besetzt und empfing die vorstürmenden Hottentotten mit wohlgezieltem Feuer. Unter großem Geheul verschwanden sie eilig in die Büsche. .An der Höhe waren wir wähl angelangt, aber wie iahen wir auS2" II. „Nur nicht lebendig in ihre Hände kommen!" Durch dies Eingreifen faßten wir wieder Hoffnung. Doch der Feind rückte jetzt wieder vor — näher und näher, unsichtbar von Busch zu Busch kriechend, ausgezeichnet schießend, und brachte nach ungefähr drei Stunden die tapfere Nachspitze zum Schweigen. Von unserem Offizier und der Spitze war auch nichts mehr zu hören. Der Tod war uns sicher, doch wir wollten unsere Haut so teuer wie möglich verkaufen. Jede Deckung benutzten wir, bald vor-, bald rückwärts- kriechend. Einer machte den andern auf seine Fehler aufmerksam. Endlich gelang es uns, den Feind nach vier Stunden zurückzujagen. An der Höhe waren wir wohl angelangt, aber wie sahen wir aus? Gefreiter Koy war mit einem Schuß durch den Bauch ein paar Schritte hinter uns liegen geblieben. Gefreiter Schäfer hatte einen Beinschuß, ich hatte bereits fünf Schüsse bekommen. Einer davon hatte mir den rechten Zeige- und Mittelfinger mitsamt dem Teutsche Reiter in Südwcil. ^ 66 Pcitronenkastm abgerissen. Dadurch kam ich in die verzweifelte Lage, ich konnte nur immer eine Patrone laden und mußte links schießen. Es dauerte auch nicht lange, da ging das Gepfeife wieder los. Möglichst ruhig, wie auf dem Scheibenstande, erwiderten wir ihre Schüsse. Wir mochten wohl eine Stunde geschossen haben, als ich auch noch einen Schuß durch den Oberschenkel bekam, der mir den Knochen zerschmetterte. Doch auch der Besitzer des feindlichen Gewehres lag auf fünf Schritte tot neben mir. Ein Paar Minuten später fiel auch noch Gefreiter Kimmel, durch Kopf und Brust getroffen. Nun war unser Los besiegelt. „Nur nicht lebendig in ihre Hände kommen und abschlachten lassen!" rief ich dem Gefreiten Schäfer zu, als die Kerle unter Wutgeheul, aufrecht laufend, 'rankamen, um uns den Gnadenstoß zu geben. Das Schnellfeuer des Gefreiten ließ sie aber stutzen. In ihrer Verwirrung schössen sie Salven. Die hatten nur den Erfolg, daß sie sich gegenseitig trafen, und zur Folge hatte, daß ein großes Geschimpfe und Gejammer entstand. Nach zehn bangen Minuten stoben sie auseinander, uns aber riefen sie als letzten Gruß noch „Llours- vouutor" zu. Eine bitterböse Nacht trat nun ein. Der Gefreite Schäfer kroch neben mich. Das Gestöhn der verwundeten Feinde gab die Musik zu unseren Schmerzen. Sonst alles totenstill. Gegen Morgen hörten wir einen Menschen durch die Büsche schleichen. Als er näher kam, erkannten wir den Gefreiten Koy. Rasch wurden einige Löcher gemacht, um bei einem erneuten Angriff gesichert zu sein. Gegen 8 Uhr morgens kamen drei Feinde und setzten sich direkt neben uns aus die Höhe; zwei Schüsse krachten, und wie der Blitz waren sie verschwunden. Ein dumpfes Geräusch galoppierender Pferde ließ uns aushorchen. Punkt 8,30 Uhr kamen Herr Hauptmann von Rappard und Hauptmann Grüner mit Teilen der 7.Kompagnie 2. Feldregiments und 1. Etappenkompagnie. Wir waren gerettet. Der Feind, der uns schon wieder eingeschlossen hatte, setzte in wilder Flucht über die Berge. Es begann nun die traurige Pflicht, die toten und verwundeten Kameraden zu suchen, die überall auf dem Gefechtsfelde herumlagen. Nach einer halben Stunde brachten sie einen Bewußtlosen, der vollständig ausgezogen war, mit einem Kopfschuß; es war der Gefreite Stulzus, der letzte Überlebende der Nachspitze. Noch einen Tag blieben wir dort liegen, bis die Wagen des Feldlazaretts Nr. 11 eintrafen und uns nach Mamas brachten. Gleich nach unserer Ankunft daselbst besuchte uns der Herr Regimentskommandeur Oberstleutnant von Estorff. Er sprach uns für unser tapferes Verhalten seinen Dank aus, reichte sämtliche verwundeten Leute zum Militärehrenzeichen 2. Klasse ein, und mich, da ich schon einmal eingereicht war, zum Militärehrenzeichen 1. Klasse. Paul Herzog, Sergeant 7. Komp. 2. Feldregts. der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. Erklärung zum Snchvcryalt. Nach unserem Abreiten aus Ukamas kam die Meldung von der Grenze an die Etappe Ukamas, daß der Hafer, den wir holen sollten, vom Feinde verbrannt sei. Es wurde sofort ein eingeborener Polizist uns nachgesandt. Derselbe kam aber erst an, als wir bereits im Gefecht waren. Er soll dabei mit erschossen worden sein; denn seit der Zeit ist er verschwunden. In der Nacht vom 26. aus den 27. ritten Hauptmann von Rappard und Hauptmann Grüner nach Ariam, um von Süden aus gegen Nakab zu stoßen. Beim Einbiegen in die Schlucht fanden sie den ganz zerschossenen Leutnant Keller liegen. Nur diesem Umstände ist es zu verdanken, daß wir gerettet wurden. Nach den Meldungen soll ein Mann, der in der Nacht entkam (Gefreiter Kulisch von der Spitze), die Kompagnie benachrichtigt haben. Dies beruht auf Irrtum, da der Mann erst am Morgen des 27. in Ukamas ankam. In dem Gefecht sind gefallen: Leutnant Keller, Reiter Riesner, Gefreiten Lichtcrfeld, Baron, Advena, Reiter Anders, Sierszyn, Haucke, Helsing, Kimmel, Gutfche und der Eingeborene des Offiziers. Verwundet: Unteroffizier Herzog, Gefreiten Koh, Schäfer und Stulzus. — 67 — Bei Naris. 4. Dezember 1904. Bei Naris. — Steil emporstrebende Höhen, mächtige Klippen, davor freies Gelände. Dort hat in mächtigem Bogen Hendrik seine beste Stellung nehmen lassen. Er selbst führt das Kommando. In der hellen Mittagssonne sieht er seinen gefürchtetsten Gegner, ein kleines Häufchen Kämpfer bei sich, anrücken. „Pah, heute sollen sie sich schon die Köpfe einrennen, diese Dütschmanns." Langsam, vorsichtig nähert sich die Kolonne. An der Spitze des Gros reiten die Führer. „Los!" Ein gutgezieltes Schnellfeuer schlägt der Spitze entgegen. Hell leuchtet das Auge im verwitterten Gesicht des Führers. „Oho, Hendrik, das kam nicht unerwartet! Auf zum Kampf!" Ein Blick, die Stellung ist erkannt. Die Befehle fliegen. Weit hat der Gegner sich ausgedehnt. Wir müssen's deshalb auch. „Trrraaab!" Zunächst geradeaus, dann die vordere Kompagnie links, wir rechts abgeschwenkt. In der Front protzt die Artillerie ab. Wir sind noch lange nicht in Stellung, da schlagen schon die Granaten gegen die Felsen. Erfolglos. Hendrik lacht. „Na, warte man!" Über mächtige Klippen geht unser Weg. Die Pferde stolpern, stürzen. Doch immer wieder müssen sie hoch. Den rechten Flügel sollen wir angreifen, und halbrechts rückwärts reiten wir. So weit istHendriks Ausdehnung. Psinng — tsinng — o weh! von links schlagen die Geschosse ein, wo ein alleinstehender Hügel einer kleinen Schar Feinde gute Deckung bietet. Ein Moment des Stockens, doch dann geht's weiter im langsamen, von häufigen Stürzen unterbrochenen Trabe. Doch sitzen die Reiter jetzt nicht mehr auf den Tieren, sondern sie liegen längs der rechten Seite der Pferde. Und wir kommen glücklich durch. Nur einige Pferde sind getroffen. „Haaalt!" „Absitzen!" Im Galopp zu Fuß geht's jetzt weiter. „Ahn, da sind ja unsere Freunde!" Tsinng und tsurrr und knack und tsumm, so schwirrt's und musi- ziert's um und über uns. Aber mit unseren Freunden ist nicht viel Staat zu machen, und nur gebückt und möglichst klein gemacht, geht's weiter. „Hinlegen, Visier 500, Schützenfeuer!" Keuchend ringt die Brust nach Lust. Vorläufig erfolgt noch kein Schuß. Nur die Augen gehen suchend nach den Höhen und entdecken — nichts. Immer noch kein Schuß. „Laß doch die blauen Bohnen singen. Was nützt uns das Schießen, wenn wir keinen Gegner sehen?" Doch wir haben ja unsere Binokels. Heraus mit ihnen und die Kuppen abgesucht, um auch — nichts zu entdecken. „I der Deubel!" Aber jetzt haben wir sie. „Die Kerlchens sitzen ja auf der uns zugekehrten Seite der Anhöhe, versteckt hinter Felsen und Kakteen." Einer ruft's dem andern zu, die Lungen haben sich beruhigt, Sergeant s. -chnehage. 10 * n ! j .Schnell wird, auf dem Bauche kriechend, etwas geschwenkt." !ÄEMW k,.>> ÄMM KNchlLrH -M LWD »BL WM und nun knattcrt's auch bei uns lustig auf. Aber es ist ein schweres Ziel. Und die Sonne! Lustig blitzt und blinkt sie mit positiver Bosheit über die Felsen hinweg, uns in die Augen, so daß sie bald flimmern und tränen, zum großen Vorteil des Gegners. Die Kerle haben sich verflixt gut eingeschossen, und wir verändern unsere Stellung und machen zwei kleine Sprünge. Aber nun merken wir auch zu unserer Enttäuschung, daß wir den rechten Flügel des Feindes doch noch nicht gefaßt haben, und der Kompagnicchef sieht sich genötigt, um eine drohende Umzingelung zu vereiteln, den größten Teil der Kompagnie zurückzunehmen, um weiter rechts einzusetzen. Und während die Kameraden rückwärts kriechen, schieben wir uns noch etwas vor und feuern nun schneller als vorher, damit der Gegner nichts merken soll. Aber bald haben die L... . es herausbekommen, und nun hagelt es man so aus uns 15 Mann hernieder. Jetzt heißt's, die Zähne zusammenbeißen. Kaum die Nasenspitze können wir noch heben. Ich liege als zweiter Mann vom linken Flügel. Da — was ist das? Von links her schlagen jetzt die Geschosse ein. Ich hebe den Kopf, und trotz glühender Hitze und Aufregung werde ich, wie mir später versichert wurde, kreideweiß; sitzen diese Teufel auf kaum 200 Meter Entfernung in unserer freien Flanke und knallen nach Herzenslust. Und siehe da: „Mein linker Flügelmann schießt ja nicht mehr?" Ich rufe oder vielmehr schreie ihn an. Ja, du lieber Gott, einer weniger. Jetzt aber los. Ein Zuruf an den Führer. Schnell wird, auf dem Bauche kriechend, etwas geschwenkt, und eine Minute richten sich alle Gewehre auf den neuen Gegner. Doch was nützt es weiter, als daß wir die Bande am letzten Sturmlauf hindern. Unheimlich mehren sich unsere Verluste. Wir müssen zurück. Platt auf der Erde, das Gewehr im Munde, die Nase tief am Boden, so winden wir uns wie die Schlangen über die spitzen Klippen rückwärts; bei jedem Meter dehnen wir uns weiter aus, um eine größere Front zu gewinnen. Jetzt heißt's: schwarz oder weiß. Es ist kein Kampf zwischen Kraft und Mut, sondern Gewandtheit gegen Gewandtheit, und der wird Sieger bleiben, der mit größter Gewandtheit den anderen überflügelt, umzingelt. Ab und zu ein Halt, ein vorsichtiges Blinzeln, ein Schuß und — weiter. Und näher und näher rückt die Bande; wir sind stark im Nachteil, trotzdem wir schon 30 Meter und mehr Abstand " von Mann zu Mann haben. Doch jetzt können wir nicht weiter; vor unseren Augen erscheint 69 alles rot von der furchtbaren Anstrengung und Aufregung. Wir machen halt und erwarten die Explosion. Unaufhörlich schwirrt und summt es um uns herum. Krampfhaft umspannen die Hände die Waffe; wie Tiger liegen wir zum Sprung bereit, da — — läßt das Feuer von rechts nach, unsere Kompagnie hat angegriffen. Zu gleicher Zeit hat unser rechtes Flügelgeschütz unsere Bedrängnis bemerkt, es schwenkt und donnert einen gutgezielten Schuß zwischen unseren linken Gegner. Im Nu ist bei uns alles auf den Knien, unbekümmert um die immer noch zahlreich schwirrenden Geschosse. Das Schlimmste ist ja überstanden. Langsam weicht der Feind, und jetzt können wir, Gott sei Dank, drängeln. Bald wird das Drängeln lebhafter, und nun der erste Sprung. Noch einmal kommt das Gefecht zum Stehen vor der Hauptstellung, aber es nützt dem Gegner nichts mehr. Von rechts drängt jetzt die Kompagnie lebhaft, bald hören wir das erste „Hurra!", ein Zeichen, daß die erste Stellung erstürmt ist. Dann brechen auch wir vor in mächtigem Sprunge bis an den Fuß der Höhe, wo wir beinahe im toten Winkel zum Gegner stehen, und dann geht's den Berg da»» geht'S den Ber» binar,, den wir keuchend und vuilend erklimmen." ' 7. 70 hinan, den wir keuchend und pustend erklimmen. Oben angelangt, sehen wir von rechts die übrigen Züge der Kompagnie den Feind treiben, und nun kommt das Schönste: das Verfolgungsfeuer. Aber viel Treffer waren wohl nicht zu verzeichnen; denn wir waren so außer Atem, daß die Gewehre zitterten und schwankten. Dann schnell ein Sammeln, bei dem wir leider wahrnahmen, daß die Hälfte des Zuges geblieben. Zu Fuß geht's hinter dem schnellen Feinde her, da unsere Pferde wegen des schwierigen Geländes und des mörderischen Feuers nicht hatten nachgeführt werden können. Ungefähr zu derselben Zeit wurde der rechte Flügel des Feindes gestürmt und aufgerollt, in der Mitte rückte die Artillerie, trotzdem sie scharf beschossen wurde und große Verluste hatte, vor, und damit war der Tag entschieden: der Sieg war unser. Große Verluste hatte er dem Feinde gebracht, aber auch wir hatten schwere, bedauerliche Opfer bringen müssen, und während wir weiter vorgingen, suchten die Kameraden die Toten und Sterbenden oder Verwundeten. Bei der Wasserstelle Naris vereinigte sich die Abteilung, aber viele, viele fehlten. Vizefeldwebel Runk, der alte Burenkämpfer, Sergeant Litt (f am 5.), Unteroffizier Erdmaun, Reiter Koch, Müller (f) und Klose waren verwundet oder tot. Nachdem die Pferde getränkt waren, ging's weiter in Marschkolonne in der Richtung auf Rietmont, die Hauptwerft Hendriks. An der Pad hielt unser verehrter Führer; fest sah er uns, ohne ein Wort zu sprechen, an; fest erwiderten wir die Blicke. Wir hatten uns ausgesprochen. Und dann kam die Nacht. Halbwegs Rietmont machten wir halt, um uns für den nächsten Tag zu ordnen und zu restaurieren. Meine Kompagnie übernahm die Wache. Eisig fegt der Wind über die Steppe; fröstelnd hüllen sich die deutschen Reiter in die nassen Woilachs, um einige kurze Stunden den Schlaf zu suchen, und dann, etwas gestärkt, neuen Gefahren und Strapazen, aber auch neuen Siegen und Ehren entgegenzugehen. Bei den Posten gespannteste Aufmerksamkeit; scharfe Anrufe wechseln mit Schüssen. Bei den Ochsenwagen leises Jammern und Stöhnen der Verwundeten und das Geräusch der in den Jochen stehenden, wiederkäuenden Ochsen. In weiter Ferne heulen die Schakale. Und über alledem liegt beängstigend und finster die Nacht. K. Schnehage, ehemals Sergeant 4. Komp. 2. Feldregts. der Kaiser!. Schutztrnppe f. D.-Südwestafrika. * * * Der Heldentod der Leutnants von Heydebreck und Schmidt bei Alurissontein. 27./28. November 1904. Wir waren für eine kurze Zeit in Warmbad stationiert, als eines Tages von Buren gemeldet wurde, Hottentotten schmuggelten an der Grenze. Am 24. November 1904 wurde zur Untersuchung dieser Angelegenheit eine Patrouille unter Führung des Herrn Leutnants von Heydebreck dorthin entsandt. Gleichzeitig ordnete der Herr Hauptmann vonKoppy eine Patrouille nach Ramans- drift an, in welcher sich Herr Leutnant Schmidt in seiner Eigenschaft als Gerichtsoffizier befand, der mehrere Leute und ich zugeteilt waren. Nachmittags 4 Uhr brach dieselbe von Warmbad auf und kam nach einem anstrengenden nächtlichen Ritt, nur unterbrochen durch eine Ruhestunde, am andern Morgen 10 Uhr in der Station an. In Ramansdrift trafen wir die vorausgegangene Patrouille des Herrn Leutnants von Heydebreck, welche abkochte und neue Kräfte sammelte. Dieser Patrouille wurde nun Herr Leutnant Schmidt mit mehreren Kameraden, unter denen auch ich war, zugeteilt. 71 Gestärkt und mit frischem Mut ritten wir morgens 2 Uhr (25. Nov.) ab, um in kommender Nacht wieder in Warmbad einzutreffen. Es war ein äußerst beschwerlicher Weg, der vor uns lag. Hinweg über felsige Berge, durch schauerliche Schluchten, umlauert vorn Feinde. Und doch leuchtete die Begeisterung aus allen Augen; lustig und frei, der Gefahr spottend, ritten wir weiter, bis die Pferde fast nicht mehr fortkonnten. Dann näherten wir uns einer Wasserstelle (Norda), und freudig eilten wir auf dieselbe zu. Aber die Hoffnung war ver^ gebens; wir mußten weiter, ohne uns gelabt zu haben. Das Wasser war schlecht und verbreitete einen üblen Geruch. Ohne Aufenthalt galoppierten wir bis zur nächsten Wasserstelle in Sandfontein, wo dann endlich die armen Pferde erfrischt wurden und wir eine Portion Reis verzehrten. Nach zweistündiger Rast saßen wir wieder auf und ritten neu gestärkt weiter bis zum Einbruch der Dunkelheit. Gegen 7,30 Uhr, ungefähr 200 Meter von der Wasserstelle von Aluris- fontein, wurde aus einem Hinterhalt, zwei Meter rechts von uns, eine Salve, etwa 25 Gewehre, auf uns abgefeuert. Herr Leutnant Schmidt und mehrere Pferde stürzten getroffen tot zu Boden. Wir übrigen der Patrouille sprengten nach links und verschanzten uns auf einer Anhöhe, Vvn welcher die obere Flüche ungefähr zehn Meter Durchmesser hatte. Während der Nacht war ich zum Pferdehalten kommandiert. Morgens gegen 4 Uhr krachte auf der andern Seite des Gefechts- fcldes ein Kanonenschuß, und das Gefecht wurde wiederaufgenommen. Ich wurde von dem Feinde bemerkt, meine Stellung war unhaltbar. Ich versuchte, die Pferde zu koppeln, als das Pferd, mit welchem ich in dem Moment beschäftigt war, durch eine Kugel in den Kopf vor mir zusammenstürzte. So war ich genötigt, mit einem Sprung in die Schanze zu meinen Kameraden zu gelangen. Wir erhielten von allen Seiten so fürchterliches Feuer, daß es unmöglich war, uns zu retten. Wir verteidigten uns, so gut es ging, in vierstündigem, ununterbrochenem Feuern. Unser tapferer Herr Leutnant von Heydebreck machte uns, trotz seiner schweren Verwundung am rechten Oberschenkel, auf die Lage des Feindes aufmerksam und spornte uns fortwährend zu frischen: Mut an. Unser Anerbieten, ihn zu verbinden, lehnte er ab. Als er nach kurzer Zeit, seines zerschmetterten Oberschenkels nicht achtend, den Kopf etwas über die Schanze erhob, um sich noch mehr zu Leutnant van Heydebreck -p. Leutnant Schmidt -j-. 72 orientieren, streckte ihn eine Kugel, die sein Gehirn durchbohrte, zu Boden. Nun war alle Hoffnung verloren! Als ich mich umsah, um mit meinen übrigen Kameraden zu beratschlagen, bemerkte ich nur noch, außer zwei stöhnenden Verwundeten, meinen Nebenmann (Gefreiter Moser). Sein letztes Wort war: „Es ist vorbei!" In diesem Augenblick gewahrte ich hinter mir drei schwarze Gegner mit erhobenen Kolben auf uns losstürmen. Unter den Hieben erlag mein letzter Kamerad. Mein Gewehr erfassend, rannte ich durch die feindliche Schützenlinie. Mit Kugeln überschüttet, traf mich ein Schuß in den rechten Oberarm. Mein Gewehr entflog mir in großem Bogen. Gleich darauf brach ich hinter einem Busch zusammen. In dem Augenblick erreichte mich einer der Wilden, lud sein Gewehr und zielte bei einer Distanz von drei Schritt auf meinen Kopf. Mein ganzes Leben ging mir nochmals durch mein Gehirn. Da-noch ehe der Todesschuß abgegeben war, wurde ich von hinten gepackt, das Gewehr senkte sich, und in kurzer Zeit war ich meiner Kleider beraubt. Und weiter ging es dann, nicht meinem Wunsche gemäß ans Wasser, sondern vorbei an unserm geliebten Herrn Leutnant Schmidt, der gestern sein Leben, durch eine Kugel durch die tapfere Brust, dem Vaterlands geopfert hatte und entkleidet am Boden lag. — Dann eine Anhöhe hinauf zu dem berühmten Eingcborencn- hänptling Jakob Morenga. Ermüdet ließ ich mich auf einen Stein nieder, umschwärmt von Männern, Frauen und Kindern, welche spotteten und sich über mich lustig machten. Erstaunt erblickte ich zwei unserer eingeborenen Soldaten, die auch die Gefangenen ihrer Stammesgenossen waren. Es machte mich einer auf den Führer Morenga aufmerksam, der stolz auf mich zuschritt, mich von allen Seiten besah und mich fragte, ob ich Hunger oder Durst hätte. Indem ich Hunger verneinte, ließ er mir Wasser bringen, woran ich mich erquickte. Gleich darauf verschwand er mit etwa 25 Reitern, von welchen wenige wieder zurückkamen; denn durch einen gutgezielten Schuß des alten 73er Geschützes, mit welchem unser Herr Hauptmann den Weg nach der Station Warmbad versperrte, hatten viele ihr Leben einbüßen müssen. Als ich eine geraume Zeit gesessen hatte, fragte ich einen unserer schwarzen Soldaten, ob ich gehen könnte. Dieser riet mir dazu. Ich verlangte meine Stiefel, welche er mir brachte, jedoch ohne Schäfte. Er band mir ein Tuch zum Schutz gegen die Sonne um den Kopf und gab mir eine gefüllte Feldflasche. So machte ich mich auf den Weg nach Warmbad, welches ich im Sande und brennender Sonne in fünf Stunden erreichte. Dort angekommen, sank ich, halbverblutet, in der Kirche, welche uns zur Zeit als Quartier diente, nieder, bis ein Sanitäts- unterofsizier mich auffand, mir einen Notverband anlegte und mich nach der Station bringen ließ. Nachdem ich von dem jüngsten traurigen Ereignis Bericht erstattet hatte, holte man die sterblichen Überreste unserer ehrenvoll Gefallenen nach der Station und bestattete sie mit militärischen Ehren auf dem Friedhof zu Warmbad in zwei nebeneinander liegenden Gräbern. Ehre dem Andenken unserer tapferen Führer und treuen Kameraden! Von der 9. Kompagnie 2. Regiments blieben tot oder verwundet außer den beiden Offizieren und einschließlich der Gebliebenen von den Patrouillen der Unteroffiziere Nickel und Wannemacher und des Netter Hermann Heinz. Li? c Ls.s 7 ^ .r». Bei Otjihinamaparero, am 25. Februar 1904. „Die Lage war äußerst kritisch geworden. Der Feind, der aus den Bergen von Osten her zahlreiche Verstärkungen erhalten hatte, zog diese auf seinem rechten Flügel zusammen, um einen umfassenden Angriff gegen den linken, schon zurückgezogenen Flügel der kleinen deutschen Schar unter Oberleutnant Freiherr» von Schönau-Wehr vorzubereiten. Major von Estorfs erkannte sofort die drohende Gefahr und zog alle nur entbehrlichen Gewehre aus der Mitte aus den geiährdeten linken Flügel. Im Augenblick höchster Gefahr sandte er durch einen Reiter dem Führer des rechten Flügels, Hauptmann Franke, den Befehl, mit zwei Zügen die Stellung zu halten und mit den beiden anderen sofort dem linken Flügel zu Hilfe zu eilen, da dieser von der Übermacht des Feindes schon umgangen war. Die unverzügliche Ausführung dieses Befehls brachte der Abteilung den Sieg." (Vgl. die Gefechtsskizze von Otjihinamaparero Seite 210.) Beilage zu: „Dincklage, Deutsche Reiter in Südwest/ Deutsches Berlagshaus Bong L Co., Berlin IV. 57. Deutsche Reiter in Siidlvest. --.HA ' »-/ .In diesem Augenblick gewahrte ich hinter mir drei schwarze Gegner mit erhobenen Kolben auf uns losstürmen." (Zur Mitteilung des Reiters Heinz.) 74 Grafen von Kageneck: Unteroffiziere Gerber, Hübner, Nickel; Reiter Backhaus, Dreesen, Marckwardt, Moser, Oskamp. Verwundet wurden: Unteroffizier Wannemacher, Gefreiter d. R. Bolies, Reiter Elias, Heinz, Kulke, Lang, Ossendorf, Schäfer, Schäferlein genannt Mater, Sanitätsunteroffizier Schuck. Hermann Heinz, ehem. Reiter in der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südweftafrika, z. Zt. Elberfeld. * * * Der Ausguck in der Baumkrone. Eine Episode aus dem Gefecht bei Hamakari (Waterberg), 11. August 1904. Unsere Erwartung, den Hereros schon in aller Frühe die ersten blauen Bohnen zusenden zu dürfen, war an dem ausgezeichneten Kundschafterdienst derselben zunichte geworden. Um 6 Uhr sollte der erste Schuß fallen, und schon war es 8 Uhr, und wir drängten noch immer in steter Gefechtsbereitschaft, die Artillerie rechts gestaffelt der Pad, dem Feinde nach, ohne ihn zu fassen. Während vorher Steppe und dichter Busch abwechselten, nahm die Gegend bald einen waldartigen Charakter an. Zur linken Hand, in bläulichen Schimmer gehüllt, ragte ein kompakter Gebirgsstock, der ungefähr in der Mitte einen tiefen Einschnitt zeigt und in dessen Höhe wir uns befanden, hervor, der Waterberg. Die Artillerie mußte wegen der Unwegsamkeit bald wieder die Pad aufsuchen, auch für uns war es nicht leicht, in dem dichten - ...öd- Sergeant Koch auf seinem treuen Afrikaner. 75 Busch einen Weg zu finden. Ich führte als linke Seitendeckung des Hauptquartiers die Stabswache. Da endlich nach langer, dumpfer Ungewißheit wurde der Feind von der Avantgarde, die von der 10. und 11. Kompagnie gebildet wurde, halb links gemeldet. Gleich darauf um 10,20 Uhr fiel der erste Schuß, und der tief brummende 7 om schlug ungefähr 15 Meter rechts von mir in den Sand; gleich darauf setzte ein raffelndes Schnellfeuer ein. Jetzt kam Leben in uns. Wir besetzten zum Schutze der rechten Flanke das 150 bis 200 Meter entfernte Rivier, dessen Wasser stellenweise noch nicht eingetrocknet war. Die Hereros, die in der Hauptsache in der Front beschäftigt wurden, ließen sich bei uns spärlich sehen, auch verhinderte der dichte Busch eine weite Aussicht. Nur entferntes Vieh- brüllen (denn die Hereros waren vorsichtig genug, alle lästige Habe, wie Frauen, Kinder und Vieh, vorher in Sicherheit zu bringen) ward hörbar, hier und da wurde auch wohl ein schwarzer Gegenstand mit schlangenartigen Bewegungen gesehen. Gegen Mittag ging eine Witbooipatrouille vor, um in unserer Flanke aufzuklären. Da es bei uns ziemlich ruhig wurde, zog Herr Oberleutnant von Trotha, Kommandant der Stabswache, dieselbe zum größten Teil zurück, nur die Reiter Gleichen, Grau, Rubin und ich blieben zur Sicherung zurück. Ich setzte als Beobachtungsposten den Reiter Grau mit meinem Fernglase in einen am Rivier stehenden Kameldornbaum. 11m 12,45 Uhr wurde vom Waterberge her entfernter Kanonendonner hörbar, Abteilung Deim- ling war im Anmarsch. Um 1 Uhr wird es auch bei uns wieder lebhafter. Eine halbe Stunde später sieht Reiter Grau in unserer Schußrichtung auf 400 bis 500 Meter Entfernung einen Eingeborenen in Khakiuniform mit weißer Binde um den Hut in der Krone eines hohen Baumes sitzen. Der Btann spricht, dabei lebhaft auf unsere Stellung zeigend, mit anderen, uns durch den dichten Busch verdeckten, an der Erde befindlichen Eingeborenen. Da die Witbooipatrouille noch nicht wieder zurück war, also ich annehmen konnte, daß es unsere Bundesgenossen waren, aus dem Gebaren aber auf einen Feind schloß, so faßte ich den Entschluß, die rätselhafte Sache zu untersuchen. Breit ausgeschwärmt, vorsichtig spähend, schlug ich mit den drei Reitern und noch einem Eingeborenen die Richtung auf den Baum ein. Gleich bei unserem Antritt war die rätselhafte Person aus dem Freistand verschwunden. Nach Überschreiten einer kleinen Blöße wurde der Busch, aus dem schönsten Hakisdorn bestehend, so dicht, daß man nicht 20 Schritt weit sehen konnte. Wir mochten ungefähr auf 50 Meter herangekommen sein, als uns plötzlich Schnellfeuer und Hurrageschrei von allen Seiten empfing. Wir waren gerade auf den feindlichen Haufen, der uns schon vorher durch den Baumposten beobachtet hatte, gestoßen. Fünf Minuten wohl hielten wir ihrem Angriff stand, da rief uns unser Eingeborener, der sich am weitesten links befand, zu, die Hereros beginnen 11 * Kewberero im Weritgewande. 76 uns von links den Rückweg abzuschneiden. Uns blieb nichts anderes übrig, wenn auch schweren Herzens, den Rückzug Schritt für Schritt anzutreten. Hierbei geriet Rubin noch in einen Dornkral, und es fehlte nicht viel, so war er verloren. Durch das viele Schießen war man auch hinter uns aufmerksam geworden und nahm an, die Hereros beabsichtigten einen Sturmangriff. Maschinengewehre und Artillerie traten in Tätigkeit, und wir waren in die Gefahr gekommen, zwischen zwei Feuer zu geraten. Als wir jedoch die Blöße wieder erreichten, erkannte man uns, und die größte Gefahr war überstanden. Nicht einer von uns war getroffen, wir waren glücklich wieder aus der Klemme heraus. Den Hereros, die eine Umgehung unserer Flanke beabsichtigten, um uns dann in den Rücken zu fallen, ward durch unsere Bohnen die Lust bald vertrieben. Koch, ehern. Sergeant der Stabswache des Hauptquartiers d. Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. -i- * -lc Aus den Kämpfen bei Grotz-Nabas. 2. bis 4. Januar 1905. I. „Außer mir noch sieben!" Am Morgen des 2. Januar wurde, ohne daß etwas vom Feinde gesehen worden wäre, um 5 Uhr abmarschiert. In spätestens einer Stunde hofften wir die Wasserstelle Gei Naba- karus oder Groß-Nabas zu erreichen, und nur wenige dachten infolgedessen daran, ihre Wassersäcke von neuem,wenn auch mit schmutzigem, schlechtem Wasser zu füllen. In der Avantgarde war diesmal die 4. Kompagnie, der noch zwei Geschütze beigegeben waren. Das Gros folgte mit etwa 600 Meter Abstand, die beiden anderen Geschütze in der Mitte; wiederum dicht aufgeschlossen die Ochsenwagen. Da plötzlich — wir waren etwa drei Viertelstunden marschiert und gerade einer Rechtsbieguug des Au ob gefolgt — fallen vorn Schüsse, die bald in rasendes Schnellfeuer ausarten. Kurze Zeit darauf fällt der erste Kanonenschuß von dem vorderen Zuge. Ich gab den Befehl zum Angaloppieren, sah bald die Rauchwolken der LLL- Ä LSM UM Warmbad 88 'Sk'^M-'TMrr- und Tiere stellte. Beim Morgengrauen des 15. Dezember 1904 wollte ich vor Koes sein, d. h. in 2^/2 Tagen 23 deutsche Meilen zurücklegen. Drei Reitstunden waren wir in der Nacht zum 15. noch von unserem Ziel entfernt, da meldeten mir meine beiden Hauptleute, daß die Truppe vor Erschöpfung nicht mehr vorwärts könne. Was tun? Menschliche Rücksichten mußten vor dem Zweck des Krieges zurückstehen, und so erklärte ich, „was liegen bleibt, bleibt liegen, und wenn ich nur mit 30 Reitern der Kompagnie und einem Geschütz an die Werft komme, aber heran will ich". Und es ging! Wenn auch einige Menschen und Pferde liegen blieben, so war ich doch mit fast der ganzen Kompagnie und den drei Geschützen gegen 5 Uhr eine halbe Stunde vor Koes. Fieberhafte Spannung auf allen Gesichtern, überall die stumme Frage: Wird uns die Überraschung glücken? Und sie glückte. Freudestrahlend galoppierte der Führer der Spitze, Leutnant von Rheinbaben, auf mich los und meldete, daß in der Höhe Vieh weide. Dies, sein Hauptgut, läßt der Hottentotte bei etwaiger Flucht nicht im Stich, mithin war er da, und wenn er vyn unserem Anmarsch gewußt, hätte er seine Herden abseits in Sicherheit gebracht. Wie ein elektrischer Schlag ging es durch alle. Die müden Reiter richteten sich auf, die abgetriebenen Pferde und Maultiere trabten plötzlich munter vorwärts. Vorausgeschickt sei, daß die Kompagnie später, um die ihr von mir gestellte Aufgabe zu erfüllen, einen halbstündigen Dauertrab leistete. Bald sausten unsere ersten Schrapnells in die Werft. Wie aus einem Bienenstock schwärmten die Bewohner aus. Seitwärts vor uns, Koes beherrschend, liegt eine ungefähr 80 Meter hohe Sanddüne, das ist der gegebene Platz für meine Geschütze, aber wie hinauf? Es mußte gehen, und es ging; 20 Maultiere vor jedes Geschütz, Offiziere und Keetumnnshoov. „Die Hereros waren im Begriff, den linken Flügel zn umfassen. Nm die Gefahr zu beseitigen, sandte Major von Estorff dem Hauptmaun Franke den Befehl, zwei Züge seiner Kompagnie aus dem Gefecht zu ziehen und dem linke» Flügel so schnell wie möglich zu Hilfe zu kommen. Unverzüglich ritt Hanptmann Franke mit den beiden Zügen des Oberleutnants Hau nein an n in gestrecktem Galopp dem bedrohten Flügel zu!" L L L Aus dem Gefecht bei Otjihinamaparero, am 25. Februar 1904. Mb» .V' ^ Beilage zu: „Tmcklage, Deutsche Reiter in Südwest. Deutsches Verlagshaus Vong L Co., Berlin 57. « 8 «« «W» „Es mutzte gehen, und es ging; 20 Maultiere vor jedes Geschütz. Offiziere und Mannschaften fassen die Tiere an." Deutsche Reiter in Siidwest. 13 i UM ^ l! 90 Mannschaften fassen die Tiere an und in die Räder, das erste Geschütz unter Oberleutnant Barack ist oben. Dicht neben mir fährt es in dem jetzt lebhaften feindlichen Gewehrfeuer auf; eine Kugel klatscht gegen das Geschütz, der Reiter Kreß schlägt hintenüber, beide Hände vor den Leib gepreßt. Tut mir leid, denke ich noch, also der erste, der heute dran glauben muß, da richtet Kreß sich wieder auf, das Geschoß hat eine Radspeiche zerschmettert und die Splitter ihn zwar heftig gegen den Magen getroffen, aber ihn sonst nicht verletzt, und ruhig versieht er seinen Dienst weiter. Bis gegen Mittag dauerte das Gefecht im tollsten Sonnenbrand; wo waren Müdigkeit und Durst hin? Vergessen in der Aufregung des Kampfes und des Erfolges. Reicher Lohn, den wir mit nur vier Toten und drei Verwundeten bezahlten, war aber auch unser. Der Feind ließ 54 Tote mit Gewehren auf dem Platz, 500 Stück Groß- und 3000 Stück Kleinvieh fielen in unsere Hände, die Feldschuhträger hatten aufgehört, als Stamm zu existieren, von Lengerke, Major in der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. -i- -i- rs- Wie wir Eckhoff säst aus der Pad hätten liegen lassen. Ich war Bursche beim Herrn Leutnant Müller von der 2. Kolonnenabteilung. Am 20. November 1904 erhielten wir in Epukiro Befehl, die 4. Halbbatterie von Otjimanan- gombe zu holen. Leutnant Müller mit 10 Mann, 36 losen Maultieren und 1 Wagen rückte am andern Morgen in Kalkfontein ein. Schon dort kam Befehl, sparsam mit Wasser zu sein. Wir treckten die ganze folgende Nacht. Morgens 8 Uhr sahen wir in der Ferne eine Art Zelt. Leutnant Müller ritt voraus, sagte aber, daß dort kein Wasser und daß wir die 130 Kilometer abwärts im Epukirorivier bis Otjimanangombe kein Wasser finden würden. Das Zelt beherbergte einen Sergeanten und einen Reiter. Wir schickten die Tiere auf Weide, aber die schrien nach Wasser. Da hieß es aufpassen, daß sie nicht fortliefen, selbst Wasser zu suchen. Wir luden die zwei Zeltbewohner zum Kaffee ein, und die versprachen uns frisches Fleisch von einem Gcmsbock -— die sind dort so groß wie ein junges Rind. Aber als mein Freund Gröther und ich in einem kleinen Rivier, wo das Fleisch vergraben war, ankamen, sagte mein Freund: „Du, Hermann, riechst du noch nichts?" — „Na ob!" sagte ich, und wir mußten uns die Nasenlöcher zuhalten, so stank der Braten. Da blieb es denn beim Oorusä dosk, was für die Durststrecke nicht gerade geeignet ist. Um 4 Uhr treckten wir weiter. Kein Baum, kein Strauch, kein Schatten! Am andern Morgen 10 Uhr wollten die Tiere nicht mehr. 16 spannten wir vor den Wagen, aber das dauerte auch nur eine halbe Stunde. Die Räder schnitten bis zur Nabe in den Sand, und uns war so trocken im Halse von dem Schreien zum Aufmuntern der Tiere! Wir wollten zum Wasser — aber immer trockener brannte die Sonne. Endlich halt. Niemand dachte an Essen. Alle krochen unter den Wagen. Plötzlich rief der Leutnant: „He, Karsten! Das geht so nicht weiter! Wenn die Wachen schlapp machen und einschlafen, dann laufen die Major von Lenaerle. 91 Tiere fort. Treiben Sie mit fünf Mann die losen Maulesel weiter — ich warte hier mit dem Rest beim Wagen, bis es kühl wird, und folge dann!" So stiegen wir sechs denn auf die Pferde und trieben die Esel zusammen auf die Pad. Es war brennend heiß. Niemand sprach ein Wort. Nur ab und zu hörte man den Schambock auf die schlappen Tiere niedersausen. Da vernehme ich hinter mir ein dumpfes Gurgeln und sehe meinen Kameraden Wilhelm Eckhoff vom Pferde sinken. Ich sprang ab. „Wilhelm, was ist?" — „Laßt mich liegen," sagte er leise, „ich kann nicht mehr!" Wir stellten die Gewehre pyramidenförmig über ihn und legten eine Decke darüber — so hatte er etwas Schatten. Mehr konnte ich nicht tun. Kein Tropfen Wasser! Nach einer Stunde fragte ich: „Eckhoff, kannst du wieder?" Und mühsam raffte er sich auf. Mir wurde auch schon blau. Selbst Freund Küster verlor den Humor. Das war noch nicht dagewesen. Es mochte gegen 6 Uhr sein, da ritt ich voraus auf einen Hügel. Vor Freude hätte ich aufschreien mögen! Da lag — noch fern — ein Gebäude — da war auch gewiß Wasser. „Hallo! Bald sind wir da!" rief ich zurück, und nun kam Leben in Gefreiter Karsten. die Gesellschaft. Auch die Tiere hatten mich verstanden. Um 9 Uhr kamen wir an. Die Batterie Gross hatte die Tränkkübel schon gefüllt! Das war ein köstlicher Labetrunk für Mann und Tier. Und dann wurde in die Weide getrieben. Um 10,50 Uhr sattelten wir wieder und nahmen sechs Wassersäcke mit und ritten unserm Leutnant entgegen. Ach, wie sich das jetzt ritt, in der Kühle und ohne Durst! Wir hörten Schüsse fallen. Was konnte das sein? Gewehre schußbereit. Vorsichtig heran an ein Feuer. Da erkannten wir unsern Wagen. Jetzt im Trabe heran. War das eine Freude. Und wie sie tranken! Und mein Leutnant sagte mir: „Karsten, ich wußte, daß Sie kommen würden — darum ließ ich schießen." Dann wurde eingespannt, und um 4 Uhr kamen wir bei der Batterie an, und Oberleutnant Nadrowski schenkte uns einen Bock und dann — wie schmeckte uns der Braten und das Wasser, und — Kamerad Küster ließ den Kopf nicht mehr hängen, hatte seinen Humor plötzlich wiedergefunden, mitten in der Omaheke bei Otjimanangombe, an der W-«°rst°ll° im Epulir°-i°i.r. ^i„r «-rst.n, 3. Kolonne 2. Abteilung der Kaiser!. Schutztruppe s. D.-Südwestafrika, z. Zt. Essen (West). 13 * 92 Bei der 5. Batterie. i. Vor Groß-Nabas. Wenn ich von elf Gefechten, an denen ich teilnahm, nur die Tage von Groß-Nabas — 2. bis 4. Januar 1905 — zu meiner Mitteilung an die „Reiter in Südwest", die alten Kameraden, wähle, so geschieht das, weil ich dabei so manches braven Vorgesetzten, so manches treuen Kameraden gedenken kann — von denen so viele den Heldentod starben oder ihr Blut vergossen. Die 5. Batterie gehörte zur Abteilung des Majors Meister, der noch drei Konrpagnien kommandierte. Wir hatten vier Geschütze. Die Batterie führte Oberleutnant Lauteschläger. Die Züge führten Leutnant Rath, Leutnant d. R. Semper, Leutnant Zwicke. Auch unser Abteilungskommandeur, Major Freiherr von Nauendorff, war bei der Abteilung. Major Meister marschierte auf unseres allverehrten Oberst Deimling Befehl von Gibeon direkt auf den Auob zu nach Witkrans, während zugleich die anderen Abteilungen den bei Gochas vermuteten Hendrik vom Süden zurücktreiben sollten, uns entgegen. Wir hatten schon am 31. Dezember 1904 den Feind bei Stamprietfontein zurückgeworfen und dann bei schrecklichem Regen Silvester, mit Gewehr im Arm, gefeiert. Am 1. Januar wurde weitermarschiert, auf Witkrans, Auob abwärts. Es ging langsam; denn die Kolonne der Wagen kam nicht vorwärts durch den Sand. Wir blieben die Nacht wieder gefechtsbereit, da ein Gefangener die Hottentotten in großer Zahl bei Nabas gemeldet hatte. Am 2. Januar vormittags erhielt die Spitze Feuer aus den Klippen, die sich in starker Stellung quer vor unsere Marschrichtung, und links weit flankierend, legten. Diese Klippenstellung hielt der Feind stark besetzt und zwang den Major Meister, die Kompagnien zu entwickeln, der feindlichen Stellung entsprechend, den linken Flügel, 4. und 5. Kompagnie, zurückgezogen. Auf dem rechten Flügel fochten drei Züge der 4. Kompagnie und zwei Geschütze, während zwei Geschütze bei der 5. Kompagnie fast in der Schützenlinie auffuhren. Wir standen den Höhen fast ungeschützt gegenüber?) Der Feind benutzte die Nähe der Artillerie, um die Bedienungsmannschaft besonders unter Feuer zu nehmen. Bald sah ich auch unsern Abteilungskommandeur, Frei- herrn von Nauendorff, tödlich getroffen, zusammenbrechen. Von den Kanonieren fiel einer nach dem andern. Schon war auch unser Batterieführer, Leutnant Ob erb eck, ge- Gibeon. 'KAM ') Vergl. Gefechtsskizze Seite 76. 93 t - ^ .^'- t „Wasser! Wasser!' MUM L» «i. fallen, und die Leutnants Rath und Zwicke griffen selbst mit zu, um durch ihr Granatfeuer die Infanterie zu unterstützen; denn die Bedienung wurde schon knapp. Auch Leutnant d. R, Semper erhielt einen Armschuß, blieb aber im Gefecht. Die Sonne brannte so drückend, daß der Sand förmlich glühte und Blasen auf die Haut zog. Der Durst wurde immer unerträglicher. Die Hottentotten wagten gegen Abend um unsern linken Flügel herum sogar einen Angriff auf unsere Schanzen. Leutnant von Petersdorfs-Campen wies sie aber mit seinen paar Reitern energisch zurück. Ein verzweifelter Vorstoß unserseits wurde zurückgewiesen. Besonders die Verwundeten litten entsetzlich unter dem Durst — wir aber auch. Vor uns lag die Quelle! Aber — 11 . Der zweite und dritte Tag in Durst und Kampf. Unter orkanartigem Sturm verging die Nacht auf den 3. Januar — natürlich gefechtsbereit! Und der 3. war fast noch heißer. Der Kampf ebenso. Der brave Hauptmann Richard munterte ununterbrochen an in der Schützenlinie. Leutnant von Kleist wurde verwundet. Viele Leute bekamen Hitzschlag, und die Hottentotten höhnten: „Dütschmann, magst du gutes Wasser?" Leutnant von Vollard-Bockelberg sah ich vorlaufen im Durstwahn, direkt in den Feind hinein — in den Tod. Mit ungeheurer Hingebung nahmen sich die Ärzte, Dr. Kirsch, Dr. Welch und Dr. Jäger, der Verwundeten an, und unser mutiger Divisionspfarrer Schmidt waltete seines Amtes mit Opferfreudigkeit, wenn er nicht selbst in kritischen Augenblicken zur Büchse greisen mußte. Als aber die Hottentotten einen Angriff auf unsere Geschütze wagten, da spannten wir unsere letzten Kräfte an, und noch einmal fegten die Kartätschen zwischen die Angreifer. Wo die Kanoniere tot oder verwundet waren, kamen die Reiter der 4. und 7. Kompagnie zu Hilfe. — 94 — Unteroffizier Köhler und Gefreiter Schulz retteten ein Geschütz, das ich schon verloren glaubte, Leutnant Freiherr Sentier von Lötzen kämpfte verzweifelt um ein anderes Geschütz, und Oberleutnant Lauteschläger bediente ein Geschütz fast allein und schmetterte die Angreifer zurück. Unteroffizier Müscher, Gefreiter Andres lagen erschossen neben dem Geschütz. Leutnant Rath verbrachte Wunder an Energie und Mut, bis auch er zusammenbrach. Doch als auch Oberleutnant Lauteschläger einen Schuß bekam, raffte er sich auf und übernahm die Führung der Batterie. Nachmittags wurde eine Pfütze entdeckt, und mit Wonne tranken wir das lehmige Wasser. Als aber spät abends gemeldet wurde, der rechte Flügel des Feindes räume die Stellung, da erwarteten wir mit Durst und Ungeduld den Morgen des 4., d. h. den Angriff auf die Wasserstelle. Kaum konnten wir uns noch auf den Füßen tragen. Als dann der Befehl zum Angriffe kam, trat neues Leben, neue Hoffnung ein. Mit dem Bajonett ging's drauf, und die letzten Granaten wurden hineingeworfen in den hartnäckig kämpfenden Feind. Als aber die Hottentotten erkannten, daß selbst verdurstende deutsche Streiter mit verzweifeltem Mute draufgingen, entflohen sie mit wildem Geschrei — die Wasserstelle war genommen. Aber die Leutnants Zwicke und Nath ruhten nicht, bis auch die letzten drei Granaten den Flüchtigen noch Verderben brachten. 54 Stunden waren wir im Kampfe, und in welchem Kampfe! Aber der Sieg war unser! Für Kaiser und Reich hatten wir gestritten. Freilich hatten wir schwer gelitten: 4 Offiziere, 18 Mann tot, 5 Offiziere, 42 Mann verwundet, 3 vermißt. Aber der Feind ließ allein 70 Tote zurück. Das waren die Tage von Groß-Nabas. Bietet ein Kampf mit wilden Völkern auch unsägliche Schwierigkeiten, kann es sich doch jeder als eine hohe Ehre anrechnen, sein Blut eingesetzt zu haben zum Wohle des Vaterlandes. Willy Lorenz, früher Gefreiter der 5. Batterie. * * * Gegen Morenga. i. Ehre dem braven Gefreiten Pelka. Es war nach den blutigen Tagen von Narudas und Kofis am 9., 10. und 11. März 1905, nach der Zersprengung der Hauptmacht des Hottentottenführers Morenga, als der Gefreite Pelka mit noch sieben Mann der Ersatzkompagnie 4a von dem Führer der letzteren beauftragt wurde, nach der Wasserstelle Kraikluft resp. Wasserfall zu marschieren und Proviant zu empfangen und der in einigen Tagen folgenden Kompagnie entgegenzubringen. Der wenige Proviant, den jeder Mann bei sich trug, sowie derjenige, den Gefreiter Will» Lorenz. - Ast« ^ 95 einige Tragtiere fortbewegten, war aufgezehrt. — „Viel Steine gab's und wenig Brot!" heißt's in einem alten Liede. Am 17. März verließ diese kleine Abteilung, welche nur aus Freiwilligen bestand, die Kompagnie; bei dieser Gelegenheit gab der Kompagniechef, Hauptmanu Arnold, dem Führer und den Leuten kurze Anweisung über die Ausführung des zukünftigen Marsches. Unter den letzteren befand sich auch der Gefreite Groth, welcher sich schon im Chinafeldzug das Militärehrenzeichen 2. Klasse verdient hatte. Diesen belobte der Kompagniechef noch insbesondere über sein tapferes Verhalten während des letzten Gefechts und versprach demselben die alsbaldige Beförderung zum Unteroffizier als Wohl das zunächst er- ringenswerteste Ziel. Der Brave, der sich herzlich darüber freute, sollte den Erfolg nicht mehr erleben. Die kleine Abteilung schloß sich bis zur Wasserstelle Garis der Halbbatterie des Hauptmanns von Kleist, welche mit der Kompagnie von Stocki das Beutevieh nach Keetmannshoop bringen sollte, an. Der Aufenthalt an dieser Wasserstelle dauerte aber dem pflichteifrigen Gefreiten und seinen Leuten zu lange, er bat den Hauptmann von Kleist am 18. früh um die Erlaubnis, vorausmarschieren zu dürfen. Diese Bitte wurde demselben auch gewährt. Das Gelände aber, schon ein Kilometer von der Wasserstelle entfernt, ist sehr unübersichtlich; die kleine Abteilung ging infolgedessen, eingedenk der Mahnung des Hauptmanns, ausgeschwärmt vor. Plötzlich erhielt sie ein mörderisches Feuer von einer wohl um das Zehnfache stärkeren Hottentottenbande. Die kleine Abteilung, obwohl das Vergebliche einsehend, begann sich sofort mit dem Aufgebot aller Kräfte gegen den anstürmenden Gegner zu wehren; denn allen war der Zweck dieses Angriffes sofort klar. Es galt, das in Narudas abgenommene Vieh der nachfolgenden Abteilung wieder abzunehmen. Nach kurzer Zeit wurden die Braven .. < o» Felvwebel Gustav Mesech. Hauvkuiann Arnalv und Bursche. W?SWkMS»iM«rMM'W^ZWMkUM>M«WW?^M>r. jedoch auch von beiden Seiten mit einem Geschoßhagel beschüttet. Der Trompeter Reich, die Reiter Ardelt und Groth erhielten tödliche Schüsse, Pelka wurde verwundet. Da die Stellung von den wenigen Leuten gegen den inzwischen auf etwa 200 Mann angewachsenen Gegner, der schon auf etwa 100 Meter heran war, nicht mehr zu halten, entschlossen sich die noch wenigen kampffähigen Reiter, um eine vollständige Einschließung zu vermeiden, bis zu einer etwa 50 Meter dahinter gelegenen Bodenerhebung zurückzugehen. Der Gefreite Groth, welcher von zwei Mann, schwer verwundet, zurückgebracht werden sollte, erhielt in diesem Augenblick den Todesschuß. Kurz zuvor hatte derselbe seine Kameraden noch gebeten, ihn doch liegen zu lassen. Die Kameraden sollten sich lieber eine tüchtige Deckung suchen und von da aus versuchen, den Gegner in Schach zu halten; denn so nahe bis zu ihm selbst würden sich dieselben wohl nicht heranwagen. In der neuen Stellung wehrten sich die wenigen noch Kampffähigen mit dem Mute der Verzweiflung; denn in jedem Augenblick mußte doch die Batterie, auf den Gefechtslärm hin, zu Hilfe kommen. KM' Offiziere und Unteroffiziere der 4. Ersatzkumpcignie 1904. I. Hauplmann Arnold, H. Oberleutnant von Alt-Stutterheim, III. Leutnant Freiherr Hiller von Gartringen, IV. Leutnant von Bönninghausen, V. Leutnant Schaumburg, VI. Leutnant von Gersdorff, VII. Feldwebel Mesech. Schon war der Feind bei unseren zurückgelassenen Toten angelangt und nahm ihnen die letzte Rahmenmunition, als er die von hinten anrückende Batterie erblickte. Bei dem schwierigen Gelände konnten die Geschütze nicht gefahren werden, sondern wurden stückweise von Tragetieren im Schritt vorwärts gebracht. Sobald die Batterie heran war, brachten die flinken Kanoniere schnell die Geschütze in Stellung und schlugen den Angriff der nunmehr vorstürmenden Hottentotten siegreich zurück. In diesem Gefecht war es auch, wo der berühmte Führer Morenga durch einen Granatsplitter verwundet wurde. Sein sinnreich angelegter Plan war, in natürlicher Felsschlucht die Batterie, deren demontierte Geschütze nicht sofort gefechtsfähig sein konnten, gefechtsunfähig zu machen und sich dann sofort auf die das Beutevieh transportierende kleine Abteilung zu werfen. Durch die Tapferkeit der kleinen vorangegangenen Abteilung war seine Absicht zunichte geworden. Der sonst so wortkarge Führer der Batterie sprach dieses Verdienst auch unverhohlen den wenigen Überlebenden aus. Das Militärehrenzeichen 2. Klasse war der Lohn für ihr tapferes Aushalten. Der Führer, Gefreiter Pelka, jedoch hat das von allen so begehrte schwarzweiße Band nicht mehr tragen können: er starb wenige Monate später den Heldentat. ^ H. ^ ^W-K Gs>: »K^r' - M»K8 >^ÄW Aus dem Kampfe von Kleiu-Barmen, 4. März 1904. „Die Artillerie war bis an den Höhcnrcmb vorgegangen nnd senerte anf die in den Felsen versteckten Feinde, während die Marineinfanterie nur durch das entschlossene Vorgehen des Oberleutnants Paschen vor ernster Gefahr bewahrt wurde. Da erhielt Leutnant von Rosenberg vom Hanptmann Puder den Befehl: „Greifen Sie, den rechte» feindlichen Flügel umfassend, an!" „Wer Schneid hat, sammelt sich hinter jener Kuppe bei mir!" rief der Leutnant vorstürmend; und dann: „Sprung aus! Marsch, marsch!" über die blendend weiße Sandflächc des Swakop." Beilage zu: „Dincklagc, Deutsche Reiter in Südwest." Deutsches Verlagshaus Bong L Co., Berlin 87. --^ 1 - 7,^- 97 II. Wie ich mein Militärehrenzeichen errang. Nach tagelangen beschwerlichen Märschen waren wir endlich am 11. März 1905 nach den Angaben unserer Führer in den Großen Karrasbergen vor der Hauptstellung Morengas angelangt. Die Kompagnie 3g, und Gebirgsbatterie von Kleist eröffneten etwa 9 Uhr vormittags das Feuer gegen den versteckt liegenden Gegner, jedoch zuerst mit wenigem Erfolg; denn aus der vor- und seitwärts gelegenen Schlucht und dem vorliegenden Höhenzug prasselte ein gutgezieltes Feuer. Wir hatten in kurzer Zeit einen Toten und zwei Verwundete. Die Kompagnie 4g erhielt den Auftrag, links zu verlängern, und schickte der Führer derselben einen Zug vor. Sobald der Zug die Feuerstellung eingenommen hatte, begab sich Hauptmann Arnold mit mir, seinem etatmäßigen Feldwebel, nach der äußersten linken Flanke, um die Stellung des Gegners mit dem Glas genau zu erkunden und danach die weiteren Maßnahmen zu treffen. Nachdem wir beide erst kurze Zeit in kniender Stellung Umschau gehalten hatten, bemerkten wir an den vielen neben und vor uns einschlagenden Geschossen, daß dieser Gruß uns galt. Ich machte denn auch den Hauptmann Arnold darauf aufmerksam; wir beschlossen daher, im Liegen weiter zu beobachten, hatten wir doch nun auch schon gesehen, daß der Gegner gerade an dieser Stelle uns in keiner geringen Anzahl gegenüber lag. Hauptmann Arnold beschloß daher, mit dem Rest der Kompagnie, geteilt in zwei Hälften, den Gegner durch eine weitere Umgehung von links her aufzurollen. Wir mußten nun beide aus unserer Stellung heraus, um jeder seine Abteilung an den richtigen Platz zu führen (Offiziere waren nicht mehr vorhanden). Ungefähr 20 Meter mochten wir beide rückwärts gelaufen sein, als ich Plötzlich in der linken Brustseite einen stechenden Schmerz verspürte, ohne im ersten Augenblick an eine Verwundung zu denken. Jedoch nach einigen Schritten wurde der Atem kürzer und kürzer, auch merkte ich das Herunterlaufen des warmen Blutes. Kurze Zeit darauf fiel ich, ob des starken Blutverlustes ermattet, zur Erde. Jetzt wußte ich, daß ich schwer verwundet war, wie ich dies auch aus dem Munde des mich bald darauf verbindenden Arztes erfuhr. Ich bin kurze Zeit darauf in eine Ohnmacht gefallen, aus welcher ich erst am andern Morgen erwachte. Heute bin ich wieder leidlich hergestellt und denke oft und gern an die schwere Zeit in Südwest zurück. Das Militärehreuzeicheu 2. Klasse war meines Königs Dank für mein Verhalten vor dem Feinde. Gustav Mesech, vorm. Feldwebel der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, jetzt Bureauassistent. * * -i- Aus schweren Tagen. i. Wie wir Omuweroumue nahmen. Die Hereros hatten die dichten Dornbüsche am Waterberg besetzt. Am 11. August 1904, 6 Uhr morgens, begann die Artillerie der Abteilung Deimling ihr Feuer auf den Ort Omuweroumue zu richten, gleichsam das Vorspiel zu dem nun folgenden blutigen Tage. Deutsche Reiter in Südwest. n — 98 — Eine gehobene Stimmung ergriff die deutschen Streiter. Trotzdem niemand den Ernst der Situation verkannte, beherrschte doch flammende Begeisterung den Geist der Truppe; jedermann war von dem Wunsche beseelt, an dem heimtückischen Feind den qualvollen Tod der hingemordeten Kameraden blutig zu rächen. Um 6,50 Uhr erhielt der Zug des Leutnants Frecherm von Hammerstein 2. Kompagnie 2. Feldregiments den Befehl, in Richtung Omuweroumue zum Angriff vorzugehen. Im dichten Dornbusch entwickelte sich der Zug zwischen dem Okosongoberg und dem Water- berg in Schützenlinie. Der Dornbusch war jedoch so dicht, daß Leutnant Freiherr von Hammer- stein den Befehl gab, so dicht wie möglich an ihm heranzubleiben. Plötzlich bekam der Zug heftiges Feuer. Er war auf die Werften von Omuweroumue gestoßen, die dicht von Hereros besetzt waren. Ein kurzes Schnellfeuer wurde abgegeben, dann stürzte sich der Zug mit dem aufgepflanzten Seitengewehr dem Feinde entgegen. Der I'uror tsutouious war erwacht, ihm vermochten die Hereros nicht standzuhalten. Jede einzelne Werft wurde genommen. Eilig wandten sich die Hereros zur Flucht. Was noch standhielt, fiel der Kugel oder dem Seitengewehr zum Opfer. Leutnant Freiherr von Hammerstein durchbohrte selbst einen Herero, der sich mit geschwungenem Kirri auf ihn stürzen wollte, um ihm den Schädel zu zertrümmern, mit dem aufgepflanzten Seitengewehr. Lautlos sank der Herero zu Boden. Gegen Mittag war vom Zuge der Ort Omuweroumue genommen. Der Paß war von den Hereros geräumt, die in östlicher Richtung auf Hamakari flohen. Der Abteilung Deimling gelang es währenddessen, bis zur Station Waterberg vorzudringen. In dem erbitterten Kampfe in den Wersten wurden 29 Hereros vom Zuge erschossen oder erstochen. > .Leutnant Freiherr von Hammerftein durchbohrte ielbst einen Herero mit dem aufgepflanzten Seitengewehr." 99 Es war eine Freude, die Reiter kämpfen zu sehen. Niemals hat ein einziger die Geistesgegenwart verloren, obwohl eine Leitung im dichtesten Dornbusch fast unmöglich war. Besondere Kaltblütigkeit zeigte der Sergeant Steinert. Reiter Battige wurde verwundet. II. „Dem Mutigen gehört die Welt." Im Dezember 1904 erhielt die 2. Kompagnie 2. Feldregiments den Befehl, von Epukiro nach Windhuk zu marschieren, um von hier aus an dem Hottentotte nfeldzug teilzunehmen. Am 7. Dezember marschierte der Zug des Leutnants Freiherrn von Hammerstein über Kanduwe nach Ke- horo. Während der Zug über Okat- jekuri auf Okasewa weitermarschierte, wurde der Sergeant Steinert mit vier Reitern über Kapaue - Otjiaha auf Okasewa vorgesandt, um in der rechten Flanke aufzuklären. Des Morgens bemerkte die Patrouille an den Otjihangwebergen mehrere kleinere Feuer. Es war kein Zweifel, hier mußten Hereros sitzen. Sergeant Steinert, ein in allen Gefechtslagen erprobter und energischer Afrikaner, erkannte sofort, daß hier nur durch rasche Benutzung des Augenblickes ein Erfolg zu erreichen sei. Er ließ die Patrouille mit weiten Zwischenräumen ausschwärmen und ritt im Galopp auf die Feuerstellen zu. Hier hatten sich etwa 50 Hereros niedergelassen. Durch das plötzliche Erscheinen der Reiter waren die Hereros so sehr überrascht, daß sie nach nur kurzem Feuergefecht in die Berge flohen. Mehrere Gewehre wurden erbeutet. „Dem Mutigen gehört die Welt." Auszug aus deni Tagebuch des Leutnants Freiherrn von Hammerstein, 2. Kompagnie 2. Feldregiments (jetzt im Garde-Grenadier-Regiment Königin Augusta). * Leutnant Freiherr von Hammerstein. 14 * Hauvtmann Manger. Leutnant von Amel», Haulitmann Wilhelmt. 100 Aus Hauptmann Frankes Zug. i. Osona-Otjirumbu, 16. März. Otjinan, 19. März 1904. Am 16.März nachmittags nach Inständigem Marsch stieß bei Osona-Otjirumbu die Spitze der Kolonne unerwartet auf feindliche Hereros, die in kunstvoll angelegten, den spähenden Blicken der Reiter unsichtbaren Schützengräben sich versteckt hatten. Die Hereros ließen die Reiter vorbeiziehen und versuchten sie zu umzingeln und abzuschießen. Auf die fallenden Schüsse sauste die Kolonne im rasenden Galopp zur Stelle und ging mit einer Geschwindigkeit, die jeder Beschreibung spottet, in Gefechtsformation. 2. Kompagnie rechten Flügel, 4. Kompagnie linken, Artillerie im Zentrum. „Mit Kartätschen geladen!" und brrr! — mähten die Kugeln durch Gras, Busch und Feind. Wir stürmten sofort, und eins — zwei — drei — war die Stellung genommen. Zwei der Spitzenreiter büßten hierdurch ihr Leben ein. Am 19. März (Gefecht in Otjinan) folgte die ganze Abteilung den Spuren des Feindes. Unterwegs fielen der Kolonne zwei Gefangene in die Hände, — Kundschafter, die etwas unvorsichtig gewesen waren. Nachtlager wie gewöhnlich im Freien. Auf dem Marsche wurden der Spitze Eingeborene (Offizierburschen) zugeteilt. Der Eingeborene sieht mit anderen Augen als der Weiße, entdeckt leichter und früher, namentlich da, wo es sich um seine eigene Schliche und Kniffe handelt. Dies der Grund. Den Feind wußten wir in der Nähe, und es prickelte jedem in Händen und Füßen, wieder nähere Bekanntschaft mit ihm zu machen und ihn auf seine Widerstandsfähigkeit zu prüfen. Es fängt schon an zu dämmern. Da — in einiger Entfernung, brüllten Rinder und blökten Kälber. Um jegliches Geräusch zu vermeiden und den Anzug der Kolonne nicht zu verraten, geht's im Grase links und rechts vom Wege dahin. Pustende Pferde bekommen leichte Handschläge auf den Nacken, das gegenseitige Zuverstehengebeu besteht lediglich in pst! pst! — nur Lispeln, keine lauten Worte. Die Spitze bringt die Meldung: Da sind sie! — und da waren sie. Die brennenden Feuer zeichneten die Größe der Werft. Ahnungslos waren die Hereros zum Teil mit dem Einkralln der Rinder und mit Melken beschäftigt, zum Teil saßen sie schwatzend vor den Pontoks. DieKolonne hatte sich still und unbemerkt herangeschlichen. Jetzt wurde die Werst unter Hurrarufen gestürmt. Was Widerstand bot, wurde ein Opfer des Bajonetts. Und mit welcher Eile und Hast wurde die Werst geräumt. Es hieß Aupuka! (Ausreißen). Die Beute betrug etwa 850 Rinder und Kleinvieh. Die Kolonne erhielt Befehl, nach Okahandja zu kommen. Die Abteilung unter Major von Estorff wurde aufgelöst und der in Bildung begriffenen Hauptabteilung unter Oberst Leutwein einverleibt. II. Bei Onganjira, 9. April 1904. Am 9. April, 5 Uhr morgens, marschierte die Kolonne aus dem Biwak ab. Etwa 11 Uhr marschierten wir, die 2. Kompagnie, im Galopp vor und erhielten unerwartet ein höllisches Feuer. Es wurde sofort abgesessen, Pferde in Deckung und die Front nach dem Dickicht genommen. Da ging es recht heiß her. Der Feind erhielt Nachschub aus Owiumbo, einige hundert Kämpfer zur Verstärkung desselben. Wie sollte der Tag noch enden? Alle Art Gattungen Schießprügel knatterten „schauerlich schön". Im Galopp an den Feind . >' > >-'E 102 s. ^-' L^rcro, 5 Skizze zum Gefecht des Hauptmanns Franke vei Onganjira. 9. April 1904. Gegen Abend erhielt unsere Kompagnie den Befehl, einen vorliegenden Berg zu stürmen. Vor dem Berge lag etwa 300 Meter breites Rivicr. Um den Verlust unserer Kompagnie zu vermeiden, batHanptmann Franke den Oberst Leutwein, die Attacke zu Pferde auszuführen. Die Artillerie hat uns durch Feuer unterstützt. Am Berge angelangt, abgesessen, und im Nu war die Höhe erreicht. Der Feind floh. Die verhältnismäßig geringen Verluste sind der sorgfältig durchgeführten Vorbereitung des Angriffes durch Artillerie zu verdanken. Gefallen waren: zwei Offiziere (Leutnant d. R. Freiherr von Erffa, Oberleutnant von Estorff) und vier Mann; schwer und leicht verwundet: ein Offizier und elf Mann. Später Leutnant von Rosenberg und drei Mann an Wunden erlegen. Am 13. April trat Oberst Leutwein mit der Kolonne den Vormarsch auf Okatumba- Owiumbo an. 111 . Bei Owiumbo, 13. April 1904. Die Avantgarde erhielt Auftrag, die Wasserstellen bei Owiumbo festzustellen. Sie durchkreuzte das Flußbett uud machte am Ufer halt. Als die Spitze, neun Mann unter Leutnant Reiß, mitten im Rivier die Pferde tränkte, bemerkte sie Eingeborene, und der Umstand, daß diese weiße Bänder um die Hüte trugen, führte zu der Annahme, daß es Witboois seien. Es waren aber Hereros und die weißen Abzeichen eine List, die sie auch mit andern Farben als Truppenabzeichen versucht haben (blau). Auf die Spitze wurde sofort ein wahnsinniges Feuer eröffnet. Der größte Teil der überraschten Mannschaften fiel auf der Stelle, tot oder tödlich verwundet. 103 .«^4n^ l A. 't. L? Der bereits verwundete Leutnant Reiß versuchte Widerstand zu leisten, aber nicht lange; denn eine feindliche Kugel streckte ihn nieder. Von den Mannschaften fiel den Feinden einer lebend in die Hände; drei retteten sich durch schnelle Flucht. Die Kirriträger blieben diesen so nahe auf den Fersen, daß sie jeden Augenblick den tödlichen Schlag erwarten konnten. Mit den Toten und Verwundeten beschäftigten sich hauptsächlich die Weiber, die ihnen die Geschlechtsteile, Herz usw. vom Körper abtrennten, mit Rindfleisch vermengt kochten und verzehrten, um nach Ansicht der Eingeborenen sich deutschen Mut anzufressen. Der ganze Vorgang spielte sich mit ungeahnter Schnelligkeit ab, zudem war die feindliche Übermacht eine erdrückend große. In Erkenntnis der kritischen Lage ließ Oberst Leutwein von der ganzen Kolonne ein Karree formieren. Als die Abteilungen die ihnen zugewiesenen Stellungen im Karree eingenommen hatten, erfolgte von allen Seiten ein verzweifelter feindlicher Angriff; die Hereros stürmten mit Gewehr, Keule, Beilen, Wurfspießen und allen nur erdenklichen Mordwaffen und kamen bis auf 30 Schritte heran. Der Kampf wogte durch Angriff und Gegenangriff. Mit einbrechender Dunkelheit machte sich ein Mangel an Munition stark fühlbar; die Artillerie hatte ihre Vorräte so gut wie verschossen. Sie an dieser Stelle zu ergänzen, war aussichtslos; denn die spionierenden Witboois meldeten starkeHererohaufen zwischenOkatumba und -Otjosasu. Alle Anzeichen sprachen dafür, daß für die Truppe der Rückweg verlegt werden sollte. Der Rückzug fand um 8 Uhr abends in größter Ruhe und Ordnung statt unter Beobachtung der schärfsten Sicherheitsmaßnahmen. Die Verluste der Kolonne bestanden in: tot zwei Offiziere und sechs Mann; verwundet ein Offizier und zwölf Mann. In Otjosasu blieb die Kolonne längere Zeit liegen, da eine Neugliederung der Truppe stattfand. IV. Die Kompagnie Franke in der Schlacht am Waterberge, 11. August 1904 (bei Otjosongombe). Am 11. August 1904, morgens 3,30 Uhr, knatterten unsere Maschinen-, Handgewehrc, und die Geschütze brüllten „schauerlich schön" an allen Ecken und Kanten. Die 2. Kompagnie hatte den rechten Flügel. Die Hereros kamen unter Kriegsgeschrei herbei, heftig feuernd und durch die Zurufe der hinter ihnen befindlichen Weiber aufgestachelt, so daß der Busch von ihnen wimmelte. Um 9,45 Uhr war die Schützenlinie bis auf etwa 500 Meter an das Rivier herangekommen, und die Hereros, die inzwischen in einer Schlucht und auf einem ansteigenden Klippengelände sich festgesetzt hatten, beschäftigten gehörig den rechten Flügel, den sie mit gewaltiger Übermacht angriffen. Die Artillerie kämpfte mit einem selbständigen Schnellfeuer, wobei die 2. Kompagnie am rechten Flügel kräftig mit eingriff, so daß die Feinde durch den Busch flohen. Die Artillerie nahm die ganze Schlucht unter Feuer, damit die 2. Kompagnie die Felsen, welche die Stellung der Hereros beherrschten, besetzen konnte. Der Feind ging unter 104 dem Feuer der Maschinengewehre und der L. Kompagnie in wilde Flucht über, Tote, Hausrat und Vieh zurücklassend. Um 3 Uhr nachmittags war Otjosongombe frei vom Feinde und das Gefecht beendet Gefallen waren von der Ostabteilung: ein Offizier, zwei Mann; verwundet: ein Offizier, acht Mann. Die Abteilung von Estorff, mit der das Bataillon von der Heyde vereinigt worden war, trat die Verfolgung an. Die Verluste des fliehenden Feindes an Menschen und Vieh waren erschreckend. Am Wege überall Verwundete, Tote, weggeworfene Waffen, stehengebliebene Wagen usw. In den verlassenen Pontoks blieben Weiber, Kinder, alte Leute, bald wehklagend, bald in stumpfsinnigem Brüten. Es waren entsetzliche Szenen. Mit ängstlichem Gebrüll irrten allenthalben ziellos Hirtenlose Herden umher. Am ganzen Wege von Hamakari bis Okosondusu lag totes Vieh. An einigen Wasserstellen waren die Wasserlöcher voll Viehkadaver. Zum Beerdigen ihrer Toten fanden die Hereros wenig Zeit; so luden sie die Leichen auf Wagen, führten sie hinweg und begruben sie, wenn Ort und andere Umstände es erlaubten. Es wurde ein tiefes, mit Hereroleichen ausgefülltes und dünn mit Erde bedecktes Wasserloch festgestellt. Die Verfolgung war mit vielen Schwierigkeiten verbunden, namentlich im Hinblick auf die erschöpften Pferde und Maulesel. Der schlechte Zustand der Zugochsen und die schlechten Wege verursachten große Beschwerden beim Transport von Lebensmitteln. Die fliehenden Hereros sind so weit in die Sandwüste getrieben worden, daß wir aus Mangel an Wasser und Proviant umkehren und viele Hunderte Hercros verhungern und verdursten mußten. Die 2. Kompagnie ging mit General von Trotha nach Windhuk. Inzwischen wurden die Hottentotten aufständisch, und die 2. Kompagnie mußte nach dem Kriegsschauplatz im Süden sich in Marsch setzen. Peter Roisa, Feldwebel d.L.Il d. Kaiser!. Schutztruppef.D.-Südwest- afrika, z. Zt. Wolsenbüttel. * * * >v.. «' > ^ M-X, Feldwebel Rossa. „Eben fiel an meiner Seite mein Nebenmann und Freund Sigl.-aber wir mutzte» vorwärts-!" Revanche für den Überfall. Dassiefontein, 2. Oktober 1906. Am 1. Oktober 1906 traf in Wasserfall die Nachricht bei uns ein: „Transport mit 20 Mann Bedeckung durch Johannes Christian mit Übermacht überfallen — liegt noch im Gefecht bei Dassiefontein!" Das lag zwischen Wasserfall und Kaimas am Oranjerivier. Sofort wurden zwei Kompagnien unter Oberleutnant Christiani abgesandt. Auch die unsere war dabei, unter Oberleutnant Freiherrn von Fürstenberg. Die andere Kompagnie war die 9. Ersatzkompagnie. Schon in der Nähe von Wasserfall begegneten wir dem Transport, der starke Verluste gehabt hatte. Acht Mann waren tot und fünf verwundet — dazu sieben Pferde. Natürlich brannten wir darauf, unsere gefallenen Kameraden zu rächen, und weiter ging's dann, so rasch wir konnten, zum Kampfplätze. Wir suchten das Gefechtsfeld ab, fanden aber vorläufig nur ein paar Gewehre. Es war inzwischen Mittag geworden, als wir Posten und Seiten- deckungen aufgestellt hatten. Um uns herum lagen, durch Schluchten getrennte, kleinere Höhen, dahinter größere Berge — in denen mußten die Kerle noch sitzen. Der Führer der 9. Kompagnie schickte nun eine Patrouille vor — zwei Eingeborene. Aber kaum hatten sie die Schlucht betreten, da krachten auch schon die Schüsse von den überragenden Höhen. Einer wurde verwundet, der andere kam durch und brachte Meldung. Sofort „Schwärmen!" und die Schützenlinie bis an den Berg. Eine Spitze unter Gefreiten Wallner ging vorauf, ein Zug in die Flanke, um des Feindes Rücken zu gewinnen. Wir waren nur noch etwa 40 Gewehre. Die Spitze erreichte oben die Höhe, als auch mein Zug fast oben war. Teutsche Reiter in Südwest. 106 Dann aber kam von drei Seiten Feuer, man wußte kaum woher; denn sehen konnte man den Feind nicht. Also Übersicht bekommen, daher schnell vollends hinauf. Eben fiel an meiner Seite mein Nebenmann und Freund Sigl, ein Bayer, er war durch den Leib geschossen — aber wir mußten vorwärts — vollends auf die Höhe. Etwa 300 Meter mochten wir gestiegen sein, dann lag das Plateau in 200 Meter Breite vor uns. Sofort verteilte uns Oberleutnant Freiherr von Fürstenberg — aber 20 Mann auf die Ausdehnung, in dem Gelände —. Das schien anfangs schlimm; denn der Feind hatte die Koppjes besetzt, die über die Höhe hinausragten — 50 Meter höher. Wir deckten uns, so gut es ging, und nahmen das Feuer auf; denn erstürmen ließen sich die Koppjes nicht, dazu hatten sie zu steile Hänge. So lagen wir denn im Feuer — bis in den späten Abend. Aber wir mußten wohl gut geschossen haben! Ich selbst hatte eine gute Deckung ganz vorn gefunden und — na, ab und zu konnte ich so einen schwarzen Kopf über dem Gestein gegen den Horizont erkennen und dann — nun — dann ließ ich eben Funken fliegen. Immer schwächer wurde des Feindes Feuer, und etwa um 8 Uhr hörte es ganz aus — der Platz gehörte uns. Wir gingen vor — wir suchten den Kampfplatz beim Mondenschein ab. Noch drei Kameraden fanden wir, die waren tot. Nachts blieben wir auf dem Platze, und am 3. Oktober, morgens, nahmen wir unsere Toten mit — die Gefreiten Wallner, Braun und Stahl — nach Wasserfall, auch den armen Sigl trugen wir mit. Er sollte am folgenden Tage seinen Wunden erliegen. Die gefallenen Helden begruben wir bei Wasserfall. Oberleutnant Freiherr von Fürstenberg sprach ergreifend am Grabe: „Ehret das Andenken der braven Deutschen, die auf afrikanischer Erde für Deutschlands Ehre fielen — als Helden!" Gaertner, ehem. Reiter der 2. Ersatzkompagnie der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. Für sein tapferes Verhalten vor den Koppjes im feindlichen Feuer erhielt Gaertner das Militär- ehrenzeichen II. Klasse. D. H. -i- » * Kritische Lage. „Erschießen lassen von den schwarzen Lumpen oder verdursten?" Es war am Abend des 15. Mai 1905, wo ich mit dem 3. Geschütz der 5. Batterie (ein Offizier und sieben Mann) zur Besetzung der Wasserstelle Haruchas kommandiert war, als gegen 11 Uhr ein Heliogramm aus Gochas kam, daß sofort der Unteroffizier mit drei Mann von uns wegreiten sollte, um Spuren der wahrscheinlich nach dem Auobtal gezogenen Hottentotten festzustellen. Als Zielpunkt war uns eine wasserlose Stelle, Hunirob, gesetzt, ungefähr 50 Kilometer. Da ich bereits diese Gegend durch Patrouillenritte kannte, so wurde auch ich kommandiert. Frohen Mutes ging es los, gegen 2 Uhr nachts kamen wir an die Reiter Gaertner. 107 im Tal liegende Wasserstelle Kowes, wo wir bis auf wenige Barfußspuren alles in Ordnung fanden. Es wurde etwas Rast gemacht, da wir jetzt 60 Kilometer bis zur Rückkehr an diese Wasserstelle ohne Wasser machen mußten. Die Pferde wurden abgesattelt und an vorhandene Bäume vor einer zerstörten Farm festgebunden. Jeder von uns stand eine Stunde Posten. Als Dritter stand Reiter Krüger, der mich während seiner Wache weckte, da hinter der Mauer der Farm ein Pferd gefesselt auf uns angewackelt kam. Wir banden das Tier an, um es mit zurückzunehmen. Gegen 5 Uhr morgens begann der Weiterritt. Wir langten um 10 Uhr vormittags in Hunirob an; nach einstündiger Rast wurde über Mittag der Rückmarsch angetreten, da wir hier kein Wasser hatten. Um 2,45 Uhr nachmittags kamen wir wieder in die Gegend von Kowes. Vor dem Wasserloch schwärmten wir aus, da uns, den Spuren nach, die Sache nicht ganz sicher war, obgleich das Pferd, welches wir eingefangen hatten, noch angebunden stand am Baum, wohl, damit wir nicht stutzig werden sollten. Als wir ungefähr zehn Schritte vom Brunnen noch entfernt waren, blitzten uns aus den neben dem Brunnen liegenden Schluchten eine Anzahl Gewehrläufe entgegen, und ehe uns das Kritische der Lage bewußt wurde, knatterten auch schon die Schüsse. Mein Kamerad Krüger sank, von fünf Schuß getroffen, vom Pferde, letzteres war auch tödlich verwundet. Mit dem Unteroffizier ging das Pferd nach der Richtung der Farm los, wo es auch niedergestreckt wurde, der Unteroffizier jedoch konnte sich durch günstiges Gelände retten, wo er noch am selben Abend bei meinem Geschütz anlangte. Ich aber mußte kehrt machen, da ich auch von der Farm aus Feuer bekam. Bei dem Rückzug erhielt auch mein Roß einen Schuß durch die Nase, der das Tier unfähig machte. Zu Fuß mußte ich mein Heil versuchen, bereits von feindlichen Reitern verfolgt und beschossen. Ich habe nun zwei Tage und Nächte, umschlossen von Hottentotten, zugebracht. Dieselben waren zu feig, mich aus meiner Deckung herauszuholen, und auf 30 Meter konnte ich sie mir mit meinem Karabiner vom Leibe halten. Aber der Durst fing an unerträglich zu werden, und in der zweiten Nacht gab's nur die Frage: „Entweder erschießen lassen von den schwarzen Lumpen oder verdursten." Gegen 3,30 Uhr nachts, als der Mond verschwand, wagte ich einen Fluchtversuch, der mir unter größter Vorsicht gelang. Als der Morgen graute, konnte ich von weitem noch feindliche Posten auf den Höhen sehen. Gegen 8 Uhr morgens kam ich wieder in die Gegend von Kowes, welche bereits von unsern Truppen besetzt war, und um das am Tage vorher ein Gefecht stattgefunden hatte. Meine Batterie verlor noch drei Tote dabei. Als ich ankam, war gerade unser Major von Uthmann zugegen mit seinem Stäbe; ich wurde aufs herzlichste begrüßt, Oberleutnant von Nadrowski reichte mir einen Schluck Kognak aus seiner Flasche, und der Herr Major drückte mir tüchtig die Hand und freute sich, daß ich vor allen Dingen meine Waffe gerettet hatte. Mit etwas von Dornen zerstochenen Beinen (ich hatte meine kaputten Stiefel ausgezogen, damit die Schwarzen meine Spur nicht finden sollten) und einer kleinen Erkältung kam ich von diesem Gefreiter Martin Reimann. 15 108 Kesseltreiben unversehrt davon, nur meinen Hut hatten sie mir angeschossen, und einen Schuß in den Sattelknopf. Mein anderer Kamerad, der sich auch gerettet hatte, ist Weihnachten 1905 an Typhus gestorben, er hieß Hallendach. Gefreiter Martin Reimann, 5. Feldbatterie der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestasrika, z. Zt. Liegnitz. * * * „Dieser Satan soll die Verwundung unseres Leutnants mit dem Leben bezahlen!" Nach dreistündigem Gefecht, am 31. Dezember 1904, in Stamprietfontein, unter der Abteilung des Majors Meister, zog sich der Feind nach der Wasserstelle Groß-Nabas, welche etwa 25 Kilometer entfernt war, zurück, nur einzelne Schüsse noch zurücksendend. Bei wolken- bruchartigem Regen, begleitet vom schwersten Gewitter, lagen wir die Nacht zum Neujahr 1905 ausgeschwärmt in Schützenlinien, aus den Klippen, in der Annahme, daß der Feind uns in seiner bedeutenden Überzahl noch angreifen würde. Aber er kam nicht. Am Neujahrstage wurden zwei von nieiner Abteilung gefallene Kameraden mit Ehren beerdigt, worauf es hieß, den Feind wieder einzuholen. Ohne etwas genießen zu können, denn an ein Feuermachen konnte wegen der gewaltigen Regenmassen nicht gedacht werden, zogen wir nach Tränkung der Pferde nach Groß-Nabas, wo ich mich mit an der Spitze befand. Ich ritt mit dem Unteroffizier Koch und drei Mann auf einer Sanddüne, zur besseren Übersicht des Geländes. Gegen Mittag bemerkten wir bei Witkrans feindliche Patrouillen. Ich erhielt Befehl, die Abteilung davon zu benachrichtigen. Es wurde halt gemacht und eine starke Patrouille aus- gesandt, die Stellung des Feindes zu ermitteln. Jetzt war es infolge der Sonnenglut möglich abzukochen und etwas zu genießen. Nach ungefähr Inständiger Ruhe begann der Vormarsch auf den Feind. Gegen Abend 6 Uhr erreichten wir diesen, welcher über 1000 Gewehre zählte, unter denen sich die tüchtigsten Anführer, Hendrik Witbooi, Simon Copper, Manasse und andere mehr, befanden. Da die Dunkelheit plötzlich hereinbrach, konnte ein Angriff nicht erfolgen, und wir zogen uns in gedeckte Stellung zurück. Am 2. Januar, um 5,30 Uhr früh, begann der Kampf unserer kleinen Abteilung gegen den an Zahl fünfmal stärkeren Feind, wobei wir 24 Tote, unter diesen die Herren Major Freiherr von Nauendorff und Leutnant Oberbeck, und 56 Verwundete zu beklagen hatten. Ich selbst erhielt einen Rückenschuß, den ich kurz schildern will. Auf Befehl meines Zugführers, Herrn Leutnant d. R. Hellmich, begab ich mich nach dem Ochsenwagen der Kompagnie, um etwas für den schrecklichen Durst zu holen; ich erhielt aber nur zwei Flaschen Rum und einige Zigarren, die statt Priemtabak zum Kauen verwandt wurden. In kniender Stellung versuchte ich die Schützenlinie zu erreichen, wurde aber vom Feinde bemerkt, und einige Schritt von den Kameraden traf eine Kugel des Feindes eine Flasche, von welcher ich nur den Hals in der Hand behielt. Den Inhalt verzehrte der brennend heiße Sand. Trotz des fast tödlich wirkenden Durstes verzichteten die Kameraden auf den Genuß des Rums und tranken teils das Blut der getöteten Pferde, ja sogar eigenen Urin, weil nach Genuß von Rum sich noch größerer Durst einstellt. Kurz darauf wurde der an meiner Seite mitkämpfende Leutnant Hellmich durch einen Brustschuß schwer verwundet. Mit Hilfe zweier Kameraden brachte ich den Verwundeten in Sicherheit, wo er vom Stabsarzt Or. Kirsch verbunden wurde. Zur Schützenlinie zurückgekehrt, bemerkte ich einen Hottentotten im Anschlage gegen uns. Ich sagte meinem neben mir liegenden Kameraden namens Heder: i i ! *-Xv.<-» - ?^is^ MMOs- ML. . /< M 1 v -' ? Hier. mein Sohn, trinke den Rest meines Masters!" n. Paul Jaran. Für diesen Klasse dekoriert. Kampf wurde „Dieser Satan soll die Verwundung unseres Leutnants mit dem Leben bezahlen!" Ein Schuß aus meinem Gewehr, und der Feind fiel, durch den Schädel getroffen, tot zu Boden. Die Richtung des tödlichen Schusses bemerkend, richtete der Feind seine Gewehre gegen die Stellung, in welcher ich mich befand, und kurz darauf erhielt auch ich einen Schuß durch die linke Schulter, welcher mich kampfunfähig machte. Durch die Verwundung und zweitägiges Dursten war ich fast dem Tode nahe, Herr Major Meister aber, der in unmittelbarer Nähe seine Befehle erteilte, bemerkte meine trostlose Lage und reichte mir seine Feldflasche mit den Worten: „Hier, mein Sohn, trinke den Rest meines Wassers!" was ich auch gierig mit einem Zuge tat. Das Gefecht dauerte noch am nächsten Tage weiter, der Feind mußte dem Sturmangriff der nur noch kleinen Schar der Abteilung weichen und gab die Wasserstelle frei. ich-" von Sr. Majestät mit dem Militärehrenzeichen ehemaliger Reiter der Paul Jaron, Kaiser!. Schutztruppe D.-Südwestafrika. 4 4 4 Bei Gawachab. 5. Mai 1906. Am 2. Mai 1906, abends gegen 11 Uhr, kam ich bei der Kompagnie in Gawachab an. Ich wurde vom Kompagnieführer, Oberleutnant Cruse, und dem Arzt der Kompagnie, Oberarzt Or. von Haselberg, sehr liebenswürdig empfangen. Ich war außer dem Kompagnieführer der einzige Offizier bei der Kompagnie. Leutnant von Meien war mit den Wagen zurückgeblieben, und Leutnant Daubenkropf kurz vorher erkrankt. Am Abend meiner Ankunft war prächtiger Mondschein; das Tischchen, an dem wir aßen, stand dicht an der von Dornengebüsch umwachsenen Wasserstelle, in der sich der Mond spiegelte. Wir saßen noch lange zusammen, und es war sehr gemütlich. Vom Feinde wußten wir nur, daß er in den Kleinen Karrasbergen stand. Die Patrouillen hatten bis zu unseren Nachbarpostierungen, Nanebis nördlich, Holoog (auch Hoamus genannt) südlich, in den letzten Tagen keine frischen Spuren gefunden. Der nächste Tag war herrlich. Die Kleinen Karrasberge, in Wirklichkeit über 30 km entfernt, schienen kaum 5üm entfernt zu sein. Vormittags erlegten wir noch einige Tauben, deren es sehr viele gab, und hatten dadurch eine sehr angenehme Abwechslung im Menü unseres Mittagessens. Als die Pferde und Esel zur Tränke kamen, wunderte ich mich über ihr frisches Aussehen. Trotz der Märsche, die hinter ihnen lagen, waren sie alle rund und glatt. Der Tag ging zu Ende, ohne daß wir etwas Neues vom Feinde gehört oder gesehen hätten. Am 4. Mai 1906, nachmittags, sahen wir auf der Ebene zwischen uns und den Kleinen Karrasbergen eine Staubwolke, die sich mit großer Geschwindigkeit auf uns zu zu bewegen schien. Der auf den benachbarten Klippen stehende Posten hatte noch nichts gemeldet. Die 111 Pferde der Kompagnie kamen gerade von der Weide, um in den Dornkral getrieben zu werden. Auch sie wirbelten eine große Staubwolke auf. Wir ließen schnell einen von unseren eingeborenen Soldaten kommen, der nach kurzer Beobachtung aussagte, es seien Hottentotten, die uns da entgegenkämen. Mit größter Schnelligkeit wurde gesattelt. Eine Lagerwache blieb zurück, und wir ritten, so schnell es die Bodenverhältnisse erlaubten, dem Feinde entgegen, um ihn womöglich noch in der Ebene zu fassen, ehe er das bergige, unübersichtliche Gelände am Löwenfluß erreichte. Wir kamen aber doch zu spät. Der Feind hatte schon einen Höhenrand rechts von uns besetzt, und als die Spitze, aus der Spur nachreitend, sich diesem näherte, erhielt sie heftiges, aber wirkungsloses Feuer. Sofort nun zum Gefecht abgesessen! Ich kam mit dem 3. Zuge in Reserve, die anderen drei Züge gingen vor, um die Höhe zu nehmen. Die Handpferde wurden hinter Büschen, so gut es ging, gegen Sicht gedeckt. Mittlerweile war es schon ziemlich dunkel geworden, und man sah schon jeden Schuß kurz und grell aufleuchten. Die Hottentotten leisteten nicht lange Widerstand. Nach etwa einer Stunde war der Höhenrand in unseren Händen. Nun saßen wir wieder auf und ritten auf der Spur noch ein Stück nach. Aber schon nach kurzer Zeit erhielt ich bei der Spitze den Befehl, umzukehren. Bei Nacht schien eine Verfolgung in dem sehr unübersichtlichen Gelände nicht ratsam, und wir kehrten in das Lager bei Gawachab zurück. Die Wegnahme der Höhe hatte uns einen Leichtverwundeten gekostet, Reiter Schmidt. Im Lager wurde er verbunden. Obgleich er erhebliche Schmerzen haben mußte, war er guten Mutes und aß mehrere Stullen mit Pflaumenmus, die ich ihm zurecht machte. Am 5. Mai fand uns der Tag schon auf den Pferden. Auf dem Gefcchtsfeld fanden wir einen krankgeschossenen Esel, der von seinen Leiden erlöst wurde. Dann fingen wir einen alten Buschmann, der, mit einem Stück Fleisch und einem Wassersack auf dem Rücken, dort vor uns flüchtig wurde und sich nach seiner Gefangennahme den Anstrich des harmlosen Wanderers zu geben bemüht war. Er wurde, da er zuerst nichts aussagen wollte, ins Lager zurückgebracht. Dort hat er nachher ziemlich zutreffende Angaben über den Feind gemacht. — Wie aus den Spuren ersichtlich, war der Feind im trockenen Bette des Löwenflusses nach Südwesten gezogen. Der Kompagnieführer gab nun folgenden Befehl: „Die Kompagnie verfolgt den Feind. Es werden zwei Spitzen vorgenommen. Die eine reitet auf der Spur im Flußbett entlang, die andere auf dem nördlichen Flußufer. Die Kompagnie folgt der letzteren." — In Ausführung dieses Befehls gestaltete sich der Vormarsch der Kompagnie sehr mühsam. II. „Herr Leutnant, nicht so hoch!" Der Löwenfluß ist sehr tief eingeschnitten, und von beiden Seiten münden in ihn häufig ebenso tiefe Nebenriviere. Letztere sind an der Mündung, ihrer steilen und felsigen Ufer wegen, meist nicht zu überschreiten und nötigten die Kompagnie oft zu zeitraubenden Umwegen. Außerdem war fast das ganze Gelände mit Steingeröll bedeckt, was das Vorwärtskommen wesentlich erschwerte. Trotzdem holten wir den Feind gegen Mittag ein. Er hatte wohl gedacht, daß die Kompagnie im Flußbett folgen würde und hätte dann durch Besetzung der Ufer uns leicht eine empfindliche Niederlage bereiten können. — Um 12,30 Uhr bemerkte ich in dem an dieser Stelle wohl weit über 100 Meter eingeschnittenen Bett des Löwenslusses, als Führer der oben reitenden Spitze, den Feind. Die Kompagnie hatte fast gleichzeitig dieselbe Entdeckung gemacht. Es wurde der Rand des Riviers besetzt; in die rechte Flanke schob ich einen schwachen Posten zur Sicherung vor. Der Feind mochte vielleicht 30 Gewehre stark sein. Außerdem hatten sie viele Weiber und Kinder und einiges Vieh mit sich. Auf unsere ersten Schüsse waren die Hottentotten wie der Blitz von ihren Pferden herunter, und sie versteckten sich in 112 dem gerade dort ziemlich dichten Gebüsch. Pferde und Vieh ließen sie stehen. Nachdem ohne erkennbaren Erfolg das Feuergefecht etwa eine Stunde geführt war, bekam ich vom Kompagnieführer folgenden Befehl: „Gehen Sie mit Ihrem Zuge flußabwärts. Suchen Sie sich eine zum Abstieg geeignete Stelle, und treiben Sie das Vieh fort!" Mit 16 Gewehren machte ich mich auf. Um die Leute gegen das Feuer aus dem Flußlauf zu decken, ließ ich sie so weit davon ab marschieren, daß sie nicht mehr gesehen werden konnten. Ich selbst ging, nach einer Abstiegstelle spähend, dicht am Fluß entlang. Wir mochten ungefähr 200 bis 300 Schritt gegangen sein, als wir plötzlich von rechts auf ganz nahe Entfernung Feuer bekamen. Die Leute warfen sich hin, wo sie gerade waren, und so kam es, daß ich mich etwa 50 Schritt hinter der Schützenlinie befand. Der Entschluß aufzuspringen und nach vorne zu laufen, während die Kugeln ringsherum Pfiffen, ist mir — ich kann es nicht leugnen — schwer gefallen. Vorn angekommen, konnte ich sogleich übersehen, daß die Hottentotten uns weit überlegen waren. Ihre Schützenlinie war viel länger als die unsrige. Man hörte dies am Knallen der Schüsse, und man sah auch hin und wieder die Rauchwolke einer „Paviansplautze" weit rechts und links von unseren Flügeln. Ich faßte deshalb den Entschluß, auf die Kompagnie zurückzugehen. Als ich sagte: „Freiwilliger zur Meldung an die Kompagnie!" wollte trotz der Gefährlichkeit des Auftrages jeder die Meldung bringen. Der ganze Zug stützte die Gewehre auf und sah mich an. Von der nun gänzlich veränderten Gefechtslage gab ich dem Kompagnieführer durch mündliche Meldung Nachricht. Das Zurückgehen der Kompagnie ließ ich in der Weise ausführen, daß ich die Leute immer einzeln, vom linken Flügel auf den rechten, laufen ließ. Aber weit kamen wir nicht; denn bald wurde ein Mann auf dem linken Flügel verwundet, und den konnten wir doch nicht liegen lassen. Ich ließ also beide Flügel nach dem Fluß zurückbiegen, so daß wir gegen Flankenseuer halbwegs gesichert waren. Außer einer Bewegung hin und wieder hinter einem Busch oder dem Pulverdampf eines Vorderladers sah man von den Hottentotten nichts. Wohl aber hörte man sie sprechen. Um etwas mehr zu sehen, richtete ich mich auf. Ein Unteroffizier rief mir zu: „Herr Leutnant, nicht so hoch!" Da kam auch schon, gleichzeitig mit dem Aufgehen des Rauches eines Vorderladers, ungefähr 100 Meter vor mir, eine Kugel an meinem Kopf vorbeigesaust. Diesmal war's noch gut gegangen; aber ich richtete mich wieder auf und bekam, es mochte vielleicht 3 Uhr sein, von halblinks eine Kugel durch Arm und Brust. Mittlerweile war nach dem Arzt geschickt worden. Er kam sofort, trotz heftigsten Feuers, wurde aber durch einen Streifschuß über den Kopf außer Gefecht gesetzt. Mein Gedächtnis hat mich in der Zeit unmittelbar nach der Verwundung etwas verlassen. Ich weiß noch, daß ein Unteroffizier mich einige Schritte aus der Schützenlinie zog. Als es dunkel geworden war und der Mond wieder schien, kamen zwei Reiter und trugen mich nach der Stellung der Kompagnie, während die Hottentotten noch mehrfach schössen. Dort wurde ich verbunden und bekam Morphium, und dann begann der achtstündige Transport nach Gawach ab. Ich erinnere mich auch, daß ich nach meiner Verwundung sehr starken Durst verspürte, ja ich ließ mich sogar hinreißen, noch während des Gefechts um Wasser zu Leutnant van Ovven. ^ « E 4 '': L - 3L L. c tc. L iL^ »M« 'r. ÄL-M« !^'Ä1 W ^ Bei Okaharui, am 3. April 1904. „Die Arrieregarde der Abteilung von Glasenapp — 1. Marine-Jnsauterie-Kompagnis unter Hauptmann Fischel — war durch berittene Hereros umfasiend angegriffen. Zu wiederholten Malen stürzte sich der Feind in Massen auf die Seesoldateu, wurde aber jedesmal von den ruhig feuernden Deutschen mit schweren Verlusten zurückgeworfen. Trotz der hervorragenden Haltung der Kompagnie wurde die Lage immer kritischer, und die Zahl der Verwundeten und Toten wuchs bedenklich. Auch der Führer der Nachspitze, Leutnant d. N. Nörr, war gefallen. Da kamen, von den Hercros mit Kugeln überschüttet, der Trompeter Lehman» und der Laudwehrmaun Jakobs auf Mumenden Pferden angesprengt und überbrachten dem in der Schützenlinie liegenden Hauptmann Fischel den Befehl des Majors von Glasenapp, aus die Kompagnie des Oberleutnants Grafen von Brockdorsf, die eins Ausnahmestellung vorbereitete, zurückzugehen. Die 1. Marine-Jnfanterie-Kompaguie hatte in diesem Kampfe einen Verlust von 28 Toten und 8 Verwundeten erlitten." Beilage zu: „Dincklage, Deutsche Reiter in Südwest.' Deutsches Verlagshaus Bong L L°., Berlin l,V. S7. 113 „Ich weitz nach, Satz ein Unteroffizier mich einige Schritte aus der Schützenlinie zog." bitten. Ich konnte aber glücklicherweise niemandem mehr sein Wasser austrinken, weil niemand mehr etwas hatte. Erst als ich verbunden war, bekam ich etwas kalten Kaffee vom Wachtmeister. Der Transport nach Gawachab kam mir sehr lang vor. Der Kaffee hatte meinen Durst nicht stillen können, und als morgens in der Nähe von Gawachab ein Reiter Wasser fand und mir brachte, da schmeckte mir das so gut, wie noch nie irgendeine Flüssigkeit in meinem Leben. Für die Leute war der Tag sehr anstrengend gewesen. Sie waren über 20 Stunden, ohne zu schlafen oder viel zu essen, unterwegs gewesen. Auf dem Rückweg mußten sie noch zwei Verwundete tragen. Der Tag kostete uns drei Tote: die Reiter Weiß, Dorsch und Hubrig; sechs Verwundete, außer mir: Oberleutnant Cruse, Dr. von Haselberg, Gefreiter Köhler, Reiter Rauter und Müller. von Oppen, Leutnant, z. Zt. im Dragoner-Regiment Nr. 2. * * Durst. Groß-Nabas, 2. bis 4. Januar 1905. I. Groß-Nabas. Den Monat Dezember verlebten wir ohne weitere Bedrohung vom Feinde. Freilich von einer Patrouille unter Führung des Leutnants Roßbach, die Mitte Dezember abging zur weiteren Aufklärung über den Feind, elf Mann stark, kamen nur acht Reiter wieder retour; der Leutnant, Unteroffizier Borrmann und Reiter Reiner fielen bei Witvley. Wir verließen Lidfontein und rückten über Schürfpenz nach Kalkfontein. Hier verlebten wir Weihnachten; wir, zusammen mit der 4. und 5. Kompagnie und 5. Batterie. Ich hab' noch nie ein so rührendes Weihnachtsfest verlebt wie da. Ein Dornbaum, behängen mit Watte und ein paar Kerzen darangesteckt, war statt eines Tannenbaumes aufgestellt; wir standen kompagnieweise ringsherum, und so hielt Herr Feldprediger Schmidt die Deutsche Reiter in Südwest. Ib 114 WeihnachtsPredigt, wobei ein jeder Wohl an die liebe Heimat zurückdachte. Aber es sollte auch noch wieder anders kommen. Am 31. Dezember rückten wir von Kalkfontein ab und trafen gegen Abend in Stamprietfontein ein. Aber auch diese Station war besetzt und mußte erst nach schwerem Ringen genommen werden. Unter wolkenbruchartigem Regen schlugen wir doch innerhalb vier Stunden den Feind aus seiner Stellung. Wegen der furchtbaren Dunkelheit mußten wir aber bis zum andern Morgen in der Gefechtsstellung liegen. Das war eine Silvesternacht, wie ich sie noch nie erlebt habe und auch hoffentlich nie wieder erleben werde. Am Neujahrsmorgen, nachdem wir unser Vieh getränkt hatten, ging es wieder weiter; wir kamen bis Witkrans, wo wir übernachteten. Am andern Morgen, nachdem uns unser Herr Major Meister mit den Worten aufmunterte: „Kameraden, ich denke, innerhalb einer Stunde haben wir die Wasserstelle Groß-Nabas erreicht", ging's wieder weiter. Aber kaum waren wir eine halbe Stunde geritten, da kam die Sache anders, wie wir gedacht hatten. Hier, in Groß-Nabas^), hatte sich die Hauptmacht der Hottentotten gesammelt unter Führung des Oberhäuptlings Hendrik Witbooi, und hatte sich dermaßen verschanzt, daß es uns erst sehr viel Blut gekostet hat, um sie zu vertreiben. 52 Stunden lagen wir dem erbitterten Feind gegenüber. Er war gar hartnäckig, aber der Durst war noch schlimmer. In Deutschland hört man öfter sagen: „Ach, was habe ich für Durst!" aber was Durst heißt, ich glaub', das hat da noch keiner erlebt. Wir haben es erlebt in Groß-Nabas. Ich habe noch gesagt, lieber acht Tage ohne jeden Bissen zu essen, wie drei Tage ohne Wasser, und dann noch in der glühenden afrikanischen Sonne. Unser Herr Major Freiherr von Nauendorff, der am ersten Tage schwer verwundet wurde, bat noch in seiner letzten Stunde um einen Schluck Wasser. „Zehntausend Mark", rief er, „für einen Schluck Wasser!" aber es konnte ihm nichts gereicht werden, es war nichts da! Vom Feinde hörten wir spöttisch uns zurufen: „Du, Dütsch- mann, du hast wohl banja Durst, hier is stief Water." Ja, die Aufgabe, die wir dort zu lösen hatten, die war mehr wie menschlich, und doch haben wir den Feind, der sechsmal stärker war wie wir, nach drei Tagen aus dem Felsenneste zurückgeworfen. Obschon die Hälfte unserer Leute tot, verwundet und alle halb verdurstet waren, kannten wir doch kein Zurückgehen. „Siegen oder sterben!" So haben wir auch hier den Sieg davongetragen und den Feind zurückgeschlagen. Die Zeit vom 26. Mai 1904 bis zum 30. Juni 1906 werde ich nie wieder vergessen, solange ich lebe. Es waren schwere und auch gute Tage. Als Belohnung erhielt ich das Militärehrenzeichen 2. Klasse, worüber ich mich sehr freue. II. Lidfontein, 29. November 1904. Ich gehörte zur 7. Kompagnie 2. Feldregiments. Wegen Weidemangel hatten wir Hoachanas verlassen — ein Leutnant und ungefähr 15 Mann blieben dort zur Verteidigung gegen die Hottentotten zurück. Wir rückten nach Lidfontein, das ungefähr 25 Kilometer davon entfernt. Hier hatten wir reichlich Weide und Wasser für unsere Reit- und Zugtiere. Lidfontein bestand damals aus drei Farmen, und wir richteten uns hier zur Verteidigung ein, um nähere Befehle des Herrn Oberst Deimling abzuwarten. Unser Herr Hauptmann Grüner, damals noch Oberleutnant, ließ alle drei Farmen besetzen, und so kamen auf jede Farm ungefähr 24 Mann. Ich war bei dem Zuge des Vizefeldwebels Tamm, und wir hatten sozusagen die Farm zu einer Festung eingerichtet. Da auf einmal, es war am 28. November, meldete der Posten, der auf dem Dache der Farm stand, das Aufblitzen 0 Vgl. Gefechtsskizze, Heft 3, S. 76. 115 mehrerer kleiner Feuer in der Ferne. Es war ungefähr 11 Uhr abends. Wir begaben uns alle oben aufs Dach, um die Sache näher zu beobachten. Telegraph und Heliograph, wie wir, hatte der Feind nicht. Darum verständigten sie sich durch diese verabredeten Feuerzeichen. Wir machten unserm Kompagnieführer, der Wohl zwei Kilometer von uns entfernt lag, Mitteilung (so weit lagen unsere drei Farmen voneinander). Zur Vorsicht hatten wir unsern Posten verstärkt. Nichts Schlimmes ahnend, legten wir uns ein paar Stunden zur Ruhe. Da plötzlich, morgens um 5 Uhr, fielen gleich nacheinander zwei Salven. Jeder griff nach seinem Gewehr, was jeder alte Orlogsmann, wenn er sich für einen Augenblick zur Ruhe legt, geladen neben sich liegen hat, und so stürmten wir los, unser Feldwebel voran. Aber wir kamen kaum 200 Schritt vor, da schlug uns ein heftiges Feuer entgegen, so daß wir uns erst hinlegen mußten, um dann sprungweise vorzugehen. Es gelang uns, die erste Sanddüne zu erreichen, wo wir möglichst Deckung fanden. Wir schlugen dann den Feind zurück. Ich erbeutete mir noch ein Pferd mit einem 88 er Gewehr im Gewehrschuh. Aber ich hatte es nicht lange; kaum hatte ich es in Deckung geführt, da wurde es mir von der Hand weggeschossen. Jetzt wollten wir unsern beiden andern Zügen zu Hilfe eilen, aber es war unmöglich. Der Feind hatte uns gänzlich von den beiden Zügen abgesperrt. Aber es half alles nichts. Nach Verlauf von vier Stunden hatten wir den Feind unter schweren Verlusten zurückgeworfen. Er flüchtete unter Zurücklassung seiner Toten, die er sonst gewöhnlich verscharrte oder mitnahm, in der Richtung auf Schürfpenz. So war der Feind geschlagen, der uns mindestens fünfmal an Zahl überlegen war. Wir hatten unsererseits nur wenig Verluste: ein Offizier, Leutnant Giesselmann, und Unteroffizier Mees tot; vier Mann verwundet — Bachofer, Herzog, Powelskus und Prausewetter. Heinrich Sewing, ehem. Gefreiter der 7. Komp. 2. Feldregts. d. Kaiser!. Schutztruppe f.D.-Südwestafrika, z.Zt. Herford. * Aus dem Wege nach Hartebeestmund. Nach mehrwöchigem Aufenthalt in Sandfontein, Gaobis und Norechab zur Sicherung der Etappenstraße Warmbad — Ramansdrift wurde das Detachement d'Arrest —- 10. Kompagnie des 2. Feldregiments, Ersatzkompagnie 3 a, ein Zug der 2. Gebirgsbatterie und 16 * Gefreiter Heinrich Sewing. 116 ein Zug der 2. Maschinengewehr-Abteilung — am 26. September 1905 nach Kalkfontein- Süd in Marsch gesetzt. Die Hottentotten, unter ihren Führern Johann Christian, Morenga und Morris, hatten sich durch Überfälle und Raub in den Karrasbergen unliebsam bemerkbar gemacht. Man wollte ihnen mit den sich dort befindlichen Truppen zu Leibe gehen; sie entzogen sich aber einem Schlage und wandten sich dem für ihre Zwecke sehr geeigneten, schutzbietenden Oranjegebirge zu. Die zerklüfteten, unwegsamen und schroffen Felsmassen dieses, das Oranje- rivier begleitenden, oft bis dicht an den Fluß herantretenden Gebirgszuges boten ihnen Gelegenheit, überall überraschend auftreten und fortwährend beunruhigen zu können. Unser Detachement erhielt nun Befehl, von Kalkfontein aus ein Entweichen der Banden nach diesem, für uns schwer passierbaren und großenteils noch unerforschten Oranjegebirge zu verhindern. Hier ereilte uns die Nachricht, daß ein Wagenzug bei Heirachabis am 30. September überfallen sei und daß die Hottentotten die Wagen mit reichlicher Beute in östlicher Richtung auf Springpütz abgefahren hätten. Die verlassene Farm Springpütz wurde aber von mir durch eine am 4. Oktober abgesandte stärkere Patrouille vom Feinde bereits frei gefunden, wenn auch noch die Reste der verbrannten Wagen, die zerrissenen Postsendungen, ein Gewehr 88, ein Schutztruppenmantel, von dem Überfall Zeugnis boten. Ich konnte aus den Spuren und anderen Anzeichen konstatieren, daß der Gegner aus etwa 300 Köpfen bestand, und brachte diese Meldung nach l^tägigem Ritte nach Kalkfontein zurück. Dort rüstete man bereits zum Abmärsche. Noch an demselben Tage wurde abgerückt und über Amas, Noibis nach Springpütz marschiert, von woher ich wenige Tage vorher zum Detachement nach Kalkfontein geeilt war. Hier traf der Befehl ein, uns mit dem Detachement vonKoppy, dessen Führer ja schon in einer Reihe von Gefechten und bei zahlreichen Unternehmungen eine für uns vorbildliche Entschlossenheit zur Geltung gebracht hatte, und das der Regimentsführer, Oberstleutnant - ...» - S-HZ Sandfontein mit Pferdekral. 117 Leutnant Exner bei Hartebeestmund. 24. Oktober 1905. van Semmern, begleitete, bei Tsamab zu vereinigen und dann dem Gegner gemeinsam nachzusetzen. Dieses Detachement bestand aus der 2. Kompagnie des 1. Regiments, 9. Kompagnie — von Koppy — des 2. Regiments und einem Zug Gebirgsartillerie — Oberleutnant Barack. Mit größter Eile wurde nun die Verfolgung fortgesetzt; denn es galt, den beabsichtigten Schlag wegen der drohenden Verpflegungsnot bald zu führen. Ein Vorstoß bis Beenbreck am Oranje zeigte aber, daß der Gegner doch schneller gewesen war, als wir gehofft hatten. Wir kehrten nach Udabis, der nächsten Wasserstelle auf der Hochfläche, zurück, mußten aber viele Tiere auf der Pad wegen Überanstrengung zurücklassen und sie dem Tode des Verhungerns und Ver- durstens preisgeben. Bei dieser ebenfalls völlig zerstörten Farm trafen wir mit dem Detachement Siebert zusammen, das an der Ostgrenze entlang nach Süden marschiert war. Es war nun bereits der 18. Oktober, der letzte Tag, für den wir noch Verpflegung hatten. Aber trotzdem konnten wir unsere braunen Gegner, die kurz vorher die Station Jerusalem überfallen hatten, wobei Leutnant Surmann den Heldentod gefunden hatte, nicht zur Ruhe kommen lassen, wußten wir doch, daß sie ihre Werften bei Hartebeestmund auf englisches Gebiet bringen wollten. Ein neuer Plan zur weiteren Verfolgung wurde geschmiedet, nach dem Detachement Siebert durch das Gebirge den Gegner von Norden her angreifen, Detachements von Koppy und d'Arrest am Oranjefluß entlang marschieren sollten. Der 22. Oktober sollte uns im gemeinsamen Angriff in der Gegend von Hartebeestmund wieder vereinigen. Die Verfolgung wurde gleich ins Werk gesetzt. Die Mitnahme einiger Ochsen sollte uns über die Schwierigkeit der Verpflegung hinweghelfen. Am 20. Oktober wurden bei Velloor Wagen und Reittiere unter Bedeckung zurückgelassen und der Marsch zu Fuß angetreten. Es ging, so schnell es das 118 Gelände gestattete, vorwärts, aber so manches Hindernis stellte sich uns in den Weg. Der tiefe Sand im Rivier verlangsamte unsern Marsch beträchtlich; noch größere Anstrengungen erforderte das Überklettern vieler hoher Berge, die so steil nach dem Flusse abfielen, daß ein Passieren zwischen beiden unmöglich war. Glühend heiß brannte die Sonne auf die Klippen. Je weiter wir kamen, um so frischer wurden die Spuren, und die Hoffnung, unser Ziel bald erreicht zu haben, wuchs mit jedem Schritt und flößte uns trotz Anstrengungen und Entbehrungen neuen Mut ein. Einige Ochsen hatten die Hottentotten auf ihrer eiligen Flucht stehen lassen müssen, die nun in unsere Hände fielen und uns zur Aufbesserung der Verpflegung sehr willkommen waren. Der 22. Oktober war hereingebrochen, das Ziel aber noch nicht erreicht. Der Gedanke an die Vereinbarung mit dem Detachement Siebert trieb uns zu noch größerer Eile an. Glaubten wir doch, daß dieses auf besserem Wege Hartebeestmund erreicht haben und gegen die Hottentotten vielleicht schon jetzt im Kampfe liegen könnte. Eine Heliographische Verbindung war leider des Geländes wegen vergeblich gesucht worden. Der 23. Oktober 1905 verstrich in ebensolcher Weise wie die vorhergegangenen Tage; nie konnte mau wissen, was die nächsten Augenblicke bringen würden. II. Gegen 500 Hottentotten. Am 24. Oktober führte uns der Weg über eine schwer passierbare Stelle. Von Klippe zu Klippe mußten wir am Rande des Oranj eflusses springen. Ich hatte dabei noch das Pech, von einer solchen abzurutschen und ins Wasser zu fallen, wurde aber durch schnelles Zufassen einiger Mannschaften bald aus der gefährlichen Lage befreit. Vergnügt, wieder ein Hindernis glücklich überwunden zu haben, führte uns unser Weg über eine Fläche, die auf drei Seiten von hohen Bergen und auf der vierten Seite vom Oranje eingeschlossen war, als plötzlich wie auf Kommando von den Bergen ein Hagel von Geschossen auf uns herniederplatzte. Etwa 500 Hottentotten hatten sich in den Bergen sichere Verstecke gesucht, so daß man von ihnen nichts sehen konnte. Die klippenreichen und zerklüfteten Abhänge kamen ihnen, wie auch in anderen Gefechten, sehr zustatten. Wir suchten nun Deckung hinter einigen nahegelegenen, am Fluß sich entlcmgziehenden, niedrigen Dünen und eröffneten sofort das Feuer. Die Möglichkeit, stirb ^ Skizze des Gefechts bei Hartebeestmund. 24. Oktober 1905. 119 die Abhänge zu erklimmen oder eine Umgehung zu machen, war ausgeschlossen; denn jede Bewegung unsererseits wurde vom Gegner mit wohlgezielten Schüssen begleitet. Den Versuch, vorzuspringen, mußten gleich bei Beginn des Gefechtes mehrere Leute mit dem Tode bezahlen. So waren für diesen Tag unsere Bewegungen gelähmt, eine Verbindung zwischen den einzelnen Formationen konnte deswegen auch nicht unterhalten werden, und so brachten wir erst bei Einbruch der Dunkelheit in Erfahrung, was der Tag für Opfer gefordert hatte. 21 Tote, darunter Hauptmann d'Arrest, Leutnant vonBoja- nowsky und Stabsarzt Dr. Althans, und 34 Verwundete hatte uns das Gefecht gekostet. Hauptmann von Koppy befahl nun, unter dem Schutze der Dunkelheit das bisherige Gefechtsfeld zu verlassen und eine etwas östlicher gelegene Höhe zu besetzen, die wir auf demselben Wege über die Klippen erreichten. Der Verwundetentransport war bei diesem Gelände und dem Mangel an geeigneten Transportmitteln und in Anbetracht der großen Zahl der Schwerverwundeten, die auf Mänteln oder Zeltbahnen getragen wurden, nicht leicht zu bewerkstelligen und ging nur langsam vonstatten. Die Hottentotten hatten aber selbst diese mit größter Ruhe ausgeführte Bewegung bemerkt und unterhielten das Feuer bis spät in die Nacht hinein. Beim ersten Morgengrauen fielen wieder mehrere Schüsse, die von uns zunächst nicht beantwortet wurden. Die Hottentotten waren nun im Glauben, wir hätten ihnen das Feld geräumt, und kamen aus ihren Verstecken heraus, um das Gefechtsfeld vom vorhergegangenen Tage nach ihrer Gewohnheit abzusuchen. Wir warteten einen günstigen Augenblick ab, der sich denn auch bald bot, und sandten ihnen als Morgengruß ein lebhaftes Feuer entgegen, dem sie aber durch schnelles Davonlaufen entwichen. In ihren Verstecken angelangt, nahmen sie von neuem das Feuer auf, zogen aber gegen 8 Uhr doch vor, in einzelnen kleinen Trupps in den Schluchten des Gebirges zu verschwinden. So endete denn auch dieses schwere Gefecht mit einem Zurückweichen des Gegners und einem schönen, wenn auch sehr teuer erkauften Sieg für die deutsche Truppe, der Se. Exzellenz Generalleutnant von Trotha alsbald seine vollste Anerkennung über die hervorragenden Leistungen und Ausdauer im Kampfe in einem Telegramm aussprach. Eine weitere Verfolgung war in Rücksicht auf den Zustand der Truppe und die Notwendigkeit, wieder zum Proviant zu gelangen, unausführbar — wir hatten, nachdem wir zwei Tage gar nichts gegessen, unseren Hunger mit Maultierflcisch stillen müssen. Außerdem verstehen es die Hottentotten vortrefflich, sich stets der Verfolgung durch eilige Flucht in kleinen Trupps zu entziehen. Am 25. Oktober wurde abends aufgebrochen und am 27. Kambreck, ebenfalls am Oranje, erreicht, wo die Verwundeten auf englisches Gebiet gebracht wurden. In der Missionsstation Pella erhielten sie die erste Pflege. Hier erhielten wir durch einen Buren endlich Nachricht vom Verbleib des so sehnlichst erwarteten Detachements Siebert. Noch mehr wie wir hatte es unter den heißen Sonnenstrahlen, unter Hunger und Durst in dem gänzlich ungangbaren Gebirge leiden müssen, daß es schließlich zur Rückkehr nach der Wasserstelle Um eis gezwungen war. Leutnant Erner. 120 Englische Polizisten teilten uns mit, Morenga habe bereits die naheliegenden Pella- berge besetzt, er wollte uns also in eine ähnliche Sackgasse wie einige Tage vorher locken. Diesen Gefallen taten wir ihm aber nicht. Der vom Detachement Siebert zu uns gesandte Bur hatte eine Schlucht gefunden, durch die er uns nun aus dem Gebirge herausführte. Auf diesem Marsche gab es auch noch manches Geländehindernis zu überwinden, Hunger und Durst zu ertragen; aber die Aussicht auf bessere Tage half uns über Sorgen um die Verpflegung hinweg. Am 30. Oktober, 10 Uhr vormittags, hatten wir das Ziel unserer Hoffnungen, die Station Warmbad, erreicht und konnten uns, wenn auch nur auf kurze Zeit, der wohlverdienten Ruhe hingeben. Aus den Mitteilungen des Oberleutnants Max Exner, z. Zt. im Jnf.-Regt. König Georg Nr. 106. * * * Nubib. 13. September 1905. Stärkere Herero- und Hottentottenbanden waren anfangs September in den Schluchten des Achabgebirges festgestellt, und Major Maercker hatte durch persönliche Kundschaftsritte und aus Meldungen des Feldwebels Klinge, der mit einer Patrouille in nördlicher Richtung auf den Kamm des Gebirges entsandt gewesen, und anderen festgestellt, daß der Feind zwar die Wasserstelle Haruchas verlassen, aber unfern, und zwar hoch oben im Gebirge, sich erneut festgesetzt habe. Major Maercker war bei der Erkundung am 9. mit seinen Begleitmannschaften in der Haruchasschlucht plötzlich angegriffen worden, wobei Leutnant Lorenz schwer verwundet und zwei Reiter gefallen waren. Die Reiter hatten ihr Bestes getan, nicht weniger als 32 Stunden waren sie unter den schwierigsten Umständen unterwegs gewesen. Infolge dieser Erkundungen der Abteilung Maercker ordnete der Major Meister (Sieger von Nabas) für die Abteilungen von Uthmann und Maercker einen gemeinsamen Angriff an, der auf den 13. September festgesetzt wurde und zu dem glänzenden Siege der letzteren über die feindliche Bande bei Nubib führte. Die nachfolgende, überaus klare und interessante Schilderung des Gefechts ist aus dem Tagebuche des Majors Maercker entnommen. „Am 12. September, abends 6,45 Uhr, steht meine Abteilung (4. Kompagnie 2. Feldregiments, 2. Ersatzkompagnie, Ersatzkompagnie 1a, 6. Batterie) zum Abmarsch fertig im Lager; von Uthmann ist bereits mittags durch die Haruchasschlucht zum Westrand des Gebirges marschiert. Ein Geschütz von ihm steht in der Schlucht, um ein Entweichen des Feindes durch sie zu verhindern. Meister begleitet uns. Um 8,30 Uhr sind wir am Aufstiegpunkt angekommen. Ich lasse hier bis 11,30 Uhr ruhen. Um 11,30 Uhr spreche ich nochmals sämtliche Offiziere, verbiete Rauchen und Sprechen und mache jeden Zugführer persönlich dafür verantwortlich, daß sein Zug heranbleibt. Um 11,45 Uhr beginnt der Aufstieg. Mein Stab marschiert hinter, ich selbst vor der Tetenkompagnie. Klinge hat die Spitze. Es ist heute Vollmond, und der Aufstieg ist deshalb ein Kinderspiel gegen den Aufstieg vor acht Tagen. Trotzdem ist etwa um 12,50 Uhr die Verbindung zwischen Spitze und Tetenkompagnie abgerissen. Die Verbindungsleute haben nicht aufgepaßt! Nach halbstündigem Suchen, wobei ich einen infam steilen Berg umsonst nehme, ist die Verbindung hergestellt. Ich lasse alles ausschließen, lasse die Offiziere nach vorn kommen und erkläre ihnen, daß ich fortan jeden ! ^ * ^.X)EXD«-. 'XM X^ v ^ . E- Siegreicher Bajonettangriff der Kompagnie Epp bei Onganjira, am 9. April 1904. „Da das Dorngebüsch jede Übersicht verwehrte, ritt Oberleutnant Epp auf eine Heine Anhöhe, nw sich zu orientieren. Plötzlich drang der Feind in unmittelbarer Nähe in hellen Hansen durch das Gebüsch — die Geschosse sausten in die Kompagnie. Im Nu war alles von den Pferden und ftnrmie vor gegen jetzt gedeckt liegenden Feind und nahm Feuer auf. Major von Estorff befahl Angriff. Mit lautem Hurra ging? vorwärts — allen voran Oberleutnant von Estorff, Bruder des Major-, und Leutnant Freiherr von Erffa. Das Hurra auf den Lippen, brachen beide, tödlich getroffen, zusammen. Aber voll Ingrimm drangm die Reiter mit dem Bajonett in den Feind." Beilage zu: „Dincklage, Deutsche Reiter in Lüdwest. Deutsches Verlagshaus Voug L Co., Berlin 'V?'. 57. Deutsche Reiter in Südwcst. ZMLM Major Macrcker bei Nubib 122 Mann, der nicht strikt seinen Platz inne hielte, zur Strafe zu den Pferden zurückschicken würde. Dann wurde erneut angetreten, ich ging jetzt mit der Spitze vor. Nachtragen muß ich noch, daß mein Adjutant, Leutnant Voigts, sich im Gefecht in der Haruchasschlucht einen Fuß verstaucht hatte. Statt seiner hatte ich den Leutnant Wilde von der 4. Kompagnie zum Adjutanten genommen. Um 4,15 Uhr waren wir am Gebirgskamm. Ich ließ unten Tiefkolonne formieren und erstieg mit der Spitze den Quarzrücken, der den Kamm bildet. Vom Feinde war nichts zu sehen. Ich schob eine Patrouille von drei gewandten Leuten nach links heraus, um nach den Feuern zu suchen. Nach einer Viertelstunde kam die Meldung: „Die Feuer brennen." Hurra, wir kriegen sie! Es wurde erneut angetreten — der Weg wurde sehr schlecht, man mußte über immense Blöcke turnen. Um 4,45 Uhr sahen wir 14 Feuer vor uns. Sie schienen so nah, daß Leutnant Wilde mir beim Vorgehen sagte: „Herr Major wollen doch nicht noch näher heran?" Ich schätzte die Entfernung jedoch noch auf 700 bis 800 Meter. Ich ließ nun die Hauptleute nach vorn kommen und gab den Angriffsbefehl aus. Wir befanden uns südöstlich vom Feinde. Der Angriff mußte von Osten und Norden kommen. Der Weg nach Westen, in die Namib, konnte freibleiben. Dort war die Abteilung von Uthmann zur Empfangnahme der Flüchtlinge. Ich befahl, daß die 4. Kompagnie von dem Punkt, an dem wir standen, möglichst vorsichtig direkt auf die Werft losgehen, jedenfalls aber nicht vor dem rechten Flügel mit dem Angriff beginnen solle. Mit den drei anderen Abteilungen machte ich rechtsum und führte sie, durch einen flachen Gebirgskamm gedeckt, nördlich vor. Nach etwa acht Minuten machte ich halt und ließ links einschwenken. 2. Ersatzkompagnie besetzte eine rechts vor uns gelegene Spitzkuppe, die uns den Blick auf den Feind verdeckte. Links daneben entwickelte ich Ersatzkompagnie In, meinen Stab und 6. Batterie in Linie. Dann wurde Seitengewehr aufgepflanzt, die Offiziere traten vor ihre Züge, und es wurde zum Angriff angetreten. Die wilde Gebirgslandschaft und die im Mondlicht blitzenden Bajonette gaben ein wundervolles kriegerisches Bild ab. Aber schon nach 100 Metern mußte ich „Halt" und „Seitengewehr an Ort" kommandieren. Die Entfernung betrug immer noch etwa einen Kilometer, und vor allem sahen wir, daß uns vom Feinde noch zwei Schluchten trennten, die wir im fahlen Lichte des nahenden Morgens gerade erkennen konnten. Jetzt war keine Zeit zu verlieren, sollte der Überfall noch gelingen. Ich rief Wilde zu: „Alles rechtsum, marsch!" Dann sprang ich mit Einsatz aller Kraft zur 2. Ersatzkompagnie, deren Führer mir schon vom Berge entgegeneilte. Wir gingen rasch nach Norden, und ich wies ihm seinen Weg an in die rechte Flanke und Rücken des Feindes. Was ich hier vom Gelände sah, war nicht ermutigend. Die Kompagnie mußte eine wohl 60 Meter tiefe, ganz enge, von senkrechten Wänden eingefaßte Schlucht überschreiten. Dann lief ich zurück, traf die Kompagnie Buchholz und führte sie frontal vor. Auf dem ersten Höhenrücken fand ich bereits, ausgeschwärmt in Deckung, die 4. Kompagnie, Rittmeister Ermekeil, rechts daneben die 6. Batterie, Hauptmann Rembe. Die Kompagnie Buchholz setzte sich auf dem rechten Flügel fest. Es war 6 Uhr geworden und ganz hell. In der Werft rührte sich noch nichts. (Wie wir spater hörten, hatte die Bande tags vorher Hochzeit gefeiert und die ganze Nacht hindurch getanzt.) Nur ein paar Viehhüter gingen über den Berg, noch waren wir unbemerkt, wenn auch ein Kaffernhirt, der mitten in der Werft stand, gerade auf uns zu döste. 400 Meter vor uns lag noch eine niedrige Höhe, die wir erreichen mußten. Ich ging mit meinem Stäbe zuerst hinüber, zugleich wurde staffel- weise vom linken Flügel vorgegangen. Vorn angekommen, sah ich rechts in der Tiefe die 2. Ersatzkompagnie herumklettern. Vor einer guten halben Stunde war auf ihr Eingreifen nicht zu rechnen, so lange mußten wir mit dem Angriff warten. Ich gab deshalb den Befehl aus: „Der Angriff beginnt vom rechten Flügel." 123 Der verhängnisvolle Kanonenschuß. Da fiel. gegen die bestimmte Verabredung, um 6,20 Uhr ein Kanonenschuß in der Haruchasschlucht. Der Schuß saß brillant auf 5000 Meter direkt mitten in der Werft — aber uns war das Konzept verdorben. Die Umzingelung war noch nicht beendet. Ich hatte mich eben noch mit dem kühnen Gedanken getragen: „Wenn die 2. Ersatzkompagnie gedeckt und unbemerkt herumkommt. dann braucht vielleicht überhaupt nicht geschossen zu werden. Dann schicke ich zu den Hottentotten hinunter, lasse ihnen unsere Stellungen zeigen und fordere sie zur bedingungslosen Übergabe auf." Mit diesem schönen Traum war es jetzt vorbei. Die 4. Kompagnie, die bereits die vordere Höhe erreicht hatte, nahm nun sehr verständigerweise sofort selbständig das Feuer gegen die aus ihren Pontoks herausstürzenden Feinde auf. Es war ein wildes Bild. das sich uns darbot. Wir hatten bisher nur einen Teil der feindlichen Werft sehen können, der oben auf dem Berge lag und der jetzt vom Geschütz unter Feuer genommen war. Wie aus einem aufgestörten Ameisenhaufen kroch es aus den Strauchhütten hervor. Ein Teil der Leute versuchte, Vieh und Pferde über die Höhe fortzutreiben, ein anderer, und zwar der größte Teil. stürzte die Schlucht abwärts. Um sich möglichst schwer sichtbar zu machen, hatten sich die meisten dunkle Decken, einzelne Ziegenfelle, umgehängt und krochen so an den Felsen entlang. Sie glaubten wohl. wir würden sie für Kleinvieh halten und dann nicht auf sie schießen. Es war mir sofort klar. daß jedermann, der den Weg die Schlucht abwärts wählte, dem Tode oder der Gefangenschaft verfallen war. Ein Mann aus meinem Stäbe (Bursche des Leutnants Nahn) war einige Schritte vorgegangen und machte plötzlich lebhafte Zeichen des Erstaunens. Ich ging zu ihm. Man konnte in die Schlucht Hinuntersehen. Dort stand eine Menge Vieh. In der Schlucht wimmelte es von Hottentotten, die im Begriff waren, das Vieh anzutreiben. Ich schickte darauf Wachtmeister Achterberg zum linken Flügel mit dem Befehl, der linke Flügelzug solle in die Schlucht hinabsteigen und sich quer vorlegen. An Leutnant von Petersdorff gab ich persönlich Befehl, dasselbe weiter oberhalb zu tun. Das alles spielte sich von 6,20 bis 6,27 oder 6,28 Uhr ab. Der Gegner hatte inzwischen in mir jedenfalls den Führer erkannt. Es pfiff mir beständig um die Ohren. Dann ging ein Schuß in den Hut. riß die Kokarde ab und streifte das Schweißleder, ohne mich selbst im geringsten zu berühren. Vielleicht hat das Gummiband den Hut ein wenig vom Kopf abgehalten. Um 6,30 Uhr kam der Zug des Leutnants Creutzburg (37. Artillerie) eingeschwärmt. Der Zug ging zu wild vor, ein Mann lief hinter dem anderen. Alles stürzte vor und schoß in das feindliche Menschengewimmel. Ich ließ den Zug antreten, richten, auf der Grundlinie schwärmen und 20 Schritt vorgehen. Von dort hatte man 80 Meter vor sich ein graugrünes Gebüsch, in das ich viele Hottentotten hatte hineinkriechen sehen. Ich kommandierte nun selbst eine Salve dorthin. Im gleichen Augenblick, als ich „Feuer!" kommandierte und meine Pistole abfeuerte, bekam ich einen furchtbaren Schlag auf die linke Schulter, und zwar. wie mir schien, von hinten. Ich hatte mich unter der Gewalt des Schlages auf meine vier Buchstaben gesetzt, drehte mich nach links um und sah etwa zehn Schritt hinter der Schützenlinie einen Mann knien, den ich nun anbrüllte: „Was machst du Kerl da hinten? Du hast mich ja angeschossen!" Schreckensbleich antwortete der Mann: „Nein, Herr Major, ich habe überhaupt nicht geschossen." Im gleichen Augenblick war Unteroffizier Nicolaus von der Ersatzkompagnie 1a links neben mir und sagte: „Nein. Herr Major, das war ein angefeilter von vorn. Der Ausschuß ist hinten." Ich sah dann. daß allerdings vorn im Rock nur ein kleines Loch. hinten aber eine ziemliche Ausschußöffnung, die gerade an der Naht war. Lebendig, mein treuer Bursche und Begleiter auf allen Kriegspfaden, war inzwischen hinzugesprungen, und ich hörte, wie er sagte: „Donnerwetter, der Major muß von hier fort." Erst später erfuhr ich, 17 * .. A — 124 — daß etwa acht Schüsse unmittelbar neben mir in den Klippen gesessen haben. Die Hottentotten hatten mich wohl daran erkannt, daß ich keinen Patronengurt trug. Nicolaus und Lebendig taten, als ob ich zu Tode verletzt sei, wollten mich tragen und benahmen sich ganz dramatisch. Inzwischen war der erste Schmerz vorüber, ich sah, daß das Gelenk kaum gefaßt sein konnte, und hatte tatsächlich kein anderes Gefühl, als das der Genugtuung über die Verwundung. Hinter der Höhe waren unterdes zwei Verwundete (mit leichten Lungenschüssen) niedergelegt, und während der Arzt diese verband, legte mir Nicolaus sein Verbandpäckchen auf die Wunde. Da mir der Arzt absolute Ruhe empfahl, gab ich das Kommando an Hauptmann Rembe ab, weil Hauptmann Baumgärtel zu weit entfernt war und mir gemeldet wurde, daß Ermekeil sich den Fuß verstaucht habe. Dann legte ich mich hin. Lebendig^) war rührend, zog seinen Rock aus, um ihn mir als Kopfkissen zu geben, gab mir Rum und Brot und tat, als ob ich nie wieder aufstehen würde. Von Ruhe war nicht viel die Rede. Einmal hatte ich gerade beim Liegen starke Schmerzen, dann konnte ich mich auch nicht enthalten, Anordnungen für das Gefecht zu geben. Um 8,30 Uhr stand ich wieder auf, ging in die Schützenlinie zurück und übernahm wieder das Kommando. Mit Rembe, Ermekeil und einigen anderen Offizieren und Mannschaften stand ich auf einer erhöhten Klippe in der Schützenlinie, und sofort pfiffen uns wieder die Kugeln um die Ohren. Einem Unteroffizier wurde der Hut verschossen, und wir alle drückten uns schleunigst. Die Lage war um diese Zeit folgende: Am linken Flügel stand die 4. Kompagnie, deren linker Flügelzug in der Schlucht. Nach rechts folgte die 6. Batterie. Jenseit der Schlucht stand Ersatzkompagnie 1a. Auf dem rechten Flügel der Batterie und dem linken der Ersatzkompagnie 1a war es mit den die Schlucht aufwärts dringenden Hottentotten zum Nahkampf mit Bajonett und Kolben gekommen?) Die L.ErsatzkomPag- nie war auf sehr starken Feind gestoßen und zu- weit nach Norden gekommen. Der Batterie hatte ich schon um 8Uhrvergeb- lichLeuchtpistol- zeichen gegeben, mit dem Feuern aufzuhören, da ich fürchtete, daß mir meine Leute totgeschossen würden. Ich gab jetzt der 4. Kompagnie den Be- 1) Lebendig war der stete Begleiter des Majors Maercker bet allen Unternehmungen, Erkundungen und Märschen. Der stets unerschrockene Bursche sorgte mit Aufopferung und Selbstentsagung für feinen Herrn und war dazu ein äußerst findiger Reiter. Er wurde später Unteroffizier in der Stabswache des Oberstleutnants von Estorff. 2) Fähnrich von Wentzel hatte sich mit Hurra auf einige in den Felsen überraschte Hottentotten geworfen und sie niedergemacht; dabei fiel Sergeant Groß, Unteroffizier Winzer wurde verwundet. Sergeant Grotz, Gesreilen Schmidt und Lebendig. 12ö fehl, mit zwei Zügen den Hang südwärts zu ersteigen, um oben der 2. Ersatzkompagnie die Hand zu reichen. Dieser Befehl kam aber schon zu spät. Im Kreise befand sich kein Widerstand leistender Feind mehr. Was nach der Schlucht zu geflohen war, war tot oder gefangen, was nach oben geflohen war, entkommen. Ersteres waren meist Hottentotten, letzteres meist Kaffern. Die Hottentotten waren feige gewesen, die Hereros zum Teil tapfer. Mein Freund vom 3. September mit dem schönen Khakirock stand auf einer kleinen Anhöhe, dirigierte von dort seine Leute und beantwortete unser Schießen mit höhnischem Lachen. Unsere Verluste wurden mir um 8,30 Uhr auf keinen Toten und sechs Verwundete, also sehr günstig, gemeldet. Um 9 Uhr ging ich zu Major Meister und machte ihm vom Stande des Gefechts Meldung. Ich hielt die Lage noch immer für sehr günstig, da ich der Ansicht war, daß die Abteilung von Uthmann die Flüchtlinge in Empfang nehmen würde. Um 9,30 Uhr kam Major von Uthmann selbst aus der Namib herauf. Ich sprach ihm mein Bedauern wegen des Schießens seiner Halbbatterie aus?) Um 10 Uhr befahl ich: „Alles geht in breiter Front nach der Schlucht zu, Gefangene und Vieh vor sich hertreibend!" Um 10,30 Uhr ließ Meister das Signal „Adjutantenruf" blasen und übernahm den Befehl. Meine Rolle war zu Ende." Aus dem Tagebuche des Majors Maercker. 0 Das Generalstabswerk sagt hierzu: Oberleutnant von Boetticher (Abteilung von Uthmann) hatte von der Stellung seines Geschützes aus Bewegung in der feindlichen Werft zu bemerken geglaubt. Da ihm jedoch kein Heliograph zur Verfügung stand, konnte er sich nicht über die Lage der Abteilung Maercker unterrichten. Jede weitere Verzögerung für untunlich haltend, eröffnete er das Feuer. Dadurch wurde die fast gelungene, völlige Umzingelung der Hottentotten vereitelt. * » Major Maercker. M 4 ^! 126 Der Heldentod des Grasen Wolf Werner von Arnim. Über den Heldentod des in einer Reihe von Beiträgen genannten Leutnants Grafen Wolf Werner von Arnim die begleitenden Umstände zu erfahren, wird allen Offizieren, die ihn kannten, den Reitern, die ihn liebten, und jedem deutschen Manne des Volkes in Waffen, der ihn bewundert, von Interesse sein. Es soll deshalb aus dem Gefechtsbericht des Hauptmanns Puder über den 11. August der den Tod des Grafen von Arnim betreffende Abschnitt hier Platz finden: „Als die Abteilung von der Heyde am 11. August gegen Hamakari zum Angriff vormarschierte, hatte sich Leutnant Graf von Arnim, der am Vormittag von der Abteilung vonMühlen- fels als VerbindungsPatrouille angekommen war, dem Vormarsch angeschlossen. Im Laufe des Gefechts lagen die vordersten Schützen, Teile der 5. und 7.Kompagnie, im dichtesten Dornengebüsch im Gefecht gegen die zirka nur 30 Schritte entfernten Hereros. Da die Hereros von drei Seiten angriffen, waren die Schützen zu einem Halbkreis herumgeschwenkt. Als ein Angriff der Hereros, die bis auf sechs Schritte herangekommen waren, abgeschlagen und momentan nur vereinzelte Schüsse von hohen Bäumen auf uns fielen, hörte ich hinter mir eine laute Stimme sprechen: „Ach, dir armem Kerl hilft ja keiner, ich werde dir helfen." Ich drehte mich um und erblickte zirka drei Schritte hinter mir Leutnant Grafen von Arnim im Begriff, sich das Gewehr umzuhängen, um sich über einen Verwundeten zu beugen. Ich rief ihm zu: „Hinlegen, Herr Graf, die Hereros greifen wieder an!" Ehe ich die Worte ausgesprochen, wurden wir von drei Seiten heftigst beschossen, und ich sah Leutnant Grafen von Arnim niederstürzen; er hatte einen Schuß durch beide Oberschenkel erhalten. Nachdem auch dieser Angriff glücklich abgeschlagen, drehte ich mich wieder nach Graf von Arnim um. Ich erblickte ihn halb aufgerichtet liegen. Einen Moment darauf sah ich ihn hinfallen und regungslos liegen bleiben. Graf von Arnim hatte einen zweiten Schuß in die linke Brustseite, wahrscheinlich Herzschuß, erhalten, durch den er wohl sofort getötet war." gez. Puder, Hauptmann und Kompagniechef im 1. Feldregiment H » „Wenn das die Kerle gewußt hätten!" Am 7.Januar 1905 (kurz vor dem Gefecht von Kurikuribis), ritten wir — 10 Reiter — unter Führung des Leutnants Fürbringer abends 6 Uhr von Zwartfontein ab, um Verbindung mit der Kolonne Meister zn bekommen. Wir ritten der Sicherheit halber nicht auf der Leutnant Graf Wolf Werner von Arnim. 127 Pad, sondern oben auf dem Rande zwischen dem tiefeingeschnittenen Auobrivier und den Dünen. Blitz auf Blitz erhellte die stockfinstere Nacht, während wir schweigend hintereinander ritten, scharf auf jedes verdächtige Geräusch achtgebend. Wir mochten ungefähr zwei Stunden geritten sein, als plötzlich ein Windstoß vor uns ein Feuer entfachte, in dessen Schein wir etliche Bockies stehen sahen. Dann hörten wir auch Stimmen. Im Galopp machten wir linksum und sprengten die Dünen entlang; denn der Zweck unserer Patrouille war nur, die Verbindung der beiden Kolonnen Deimling und Meister zu suchen, die bereits acht Tage nichts voneinander wußten. Gegen 10 Uhr war der erste Halt; der Leutnant fragte jeden: „Geht Ihr Pferd noch?" Natürlich sagte jeder ja, denn zurück will keiner, da wir uns bereits in der Nähe des Feindes befinden. Dennoch kommandiert der Leutnant einen Gefreiten der 8. Feldkompagnie, der mit den dreien, welche schlappe Pferde haben, umkehren muß. Wir ritten Weiter, immer vorsichtig ausspähend. Gegen 12 Uhr früh am 8. sahen wir plötzlich fünf Feuer hoch auf den Dünen. Der Leutnant vermutete, daß es Signalfeuer wären, um die sich die im Gefecht zersprengten Hottentotten wieder sammelten. Sobald wir näher kamen, hörte man auch Geschrei und Musik. Wir bogen links aus und ritten im Galopp vorbei. Morgens um 7 Uhr machten wir wieder halt, ließen die Pferde etwas grasen ohne abzusatteln und wollten uns Kakao kochen. Einer hatte ein Kochgeschirr, aber Wasser keiner, Brot auch keiner, außer dem Leutnant, der dann auch ehrlich mit uns teilte. Wir wollten eben den inzwischen fertig gewordenen Kakao trinken. Plötzlich meldete Unteroffizier Müller: „Es kommen 20 Berittene aus dem Rivier heraus!" Wir in den Sattel! Schon hörten wir Geschrei; die Hottentotten, welche jedenfalls eine größere Truppe vermuteten, trieben schon ihre Ochsenwagen die entgegengesetzte Höhe hinauf. Kaum waren wir 1000 Meter davongaloppiert, als die berittenen Feinde auch schon den Rand erreicht hatten; aber unser Vorsprung mag ihnen wohl zu groß gewesen sein, sie folgten nicht weiter. Und das war mein Glück. Ich hätte sonst daran glauben müssen, denn mein Gaul konnte nicht mehr. Die Patrouille mußte mich zurücklassen, und mir blieb nichts übrig, als meinen Schecken im Schneckentempo vor mir herzutreiben. Wenn das die Kerle gewußt Hütten! Nachmittags 2 Uhr kam ich halb verdurstet in Kalkfontein auf die Heliographenstation, wo ich auch meine Patrouille wiederfand; von dort war Verbindung nach Stamprietfontein, wo die Abteilung Meister lag; so war jetzt unser Auftrag erfüllt. Aber wir hatten doch einen Mann verloren. Einer von den dreien, die nachts umkehren mußten, wurde zwei Tage darauf tot aufgefunden. Unterosfizier Georg Weber. Georg Weber, Unteroffizier der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Dettingen. 128 „Vor uns brannten 3V Feuer!" Gefecht bei Leukop-Bisseport, 19. Mai 1905. Am 13. Mai 1905 kam von unserm Hauptmann Anders, der nach dem etwa ^Kilo- meter entfernten Dawignab (hier lagen außer dem 2. Zug unserer 11. Kompagnie noch zwei Gebirgsgeschütze der 9. Batterie unter Hauptmann Winterfeldt) geritten war, der Befehl, daß eine Patrouille von 22 Mann mit zehntägiger Verpflegung nach Hasuur über Dewenischpütz, Plattbeen, Kais abgehen soll, um einen für unser Detachement bestimmten Pferdetransport, den Hauptmann Siebert von Keetmannshoop aus leitete, in Empfang zu nehmen und nach Dawignab zu bringen. Leutnant vonDetten war als Patrouillenführer bestimmt. Ich war als Sanitätsunteroffizier der Patrouille zugeteilt. Da wir sehr wenig Pferde hatten, wurde der größte Teil der Patrouille mit Maultieren beritten gemacht, deren störrisches Wesen sehr oft zu unfreiwilligen, komischen Vorfällen Veranlassung gab. Am 13. Mai rückte denn die Patrouille von Hudab ab. Wir ritten am 13. bis nach Sonnenuntergang und lagerten an der Pad; heute durften wir noch Feuer anmachen. Am 14. rückten wir über Dewenischpütz und Plattbeen in der Richtung nach Kais vor. Nichts ließ auf die Nähe von Hottentotten schließen. Ungefähr 5 Kilometer südwestlich Kais ließ Leutnant von Detten haltmachen; die Tiere wurden gefesselt und weideten in nächster Nähe des Lagers. Wir wachfreien Leute legten uns, den Sattel als Kopfpolster, wie schon so oft, zur Ruhe nieder; denn mit Tagesgrauen sollte der Ritt weitergehen. Am 15. wurden wir von der Wache geweckt. Kaum 1000 Meter vor uns brannten zirka 30 Feuer, die nur von Hottentotten herrühren konnten, da der nächste Militärposten, eben unser Detachement, 80 Kilometer entfernt war. Sergeant Nagel und Gefreiter Groth*) schlichen sich ans feindliche Lager und brachten die Meldung, daß es eine Bande von 180—200 gut bewaffneten Hottentotten war, die viel Vieh bei sich hatte. Wir wunderten uns nach dieser Nacht oft, daß unsere Maultiere, die gewöhnlich, wenn sie etwas hören, in ein ... Skizze Ses Gefechts bei Leukvp, 19. Mai 1905. ') Gefreiter Groth, später zum Unteroffizier befördert, starb anfangs 1906 im Lazarett Ramans- drift an Typhus. 129 „Wir anderen bevbnchtete» das Beginnen der HiMcntutten." ohrbetäubendes Geheul ansbrechen, keinen Laut von sich gaben. Wäre das eingetreten, wären wir sicher verloren gewesen. Die Tiere wurden eingesungen, gesattelt und von sechs Mann der Patrouille in Richtung Dewenischpütz zurückgeführt, während wir anderen das Beginnender Hottentotten beobachteten, wobei uns das Gelände, mit dichtem Buschwerk bewachsene Sanddünen, sehr znstatten kam. Die Bande zog gegen 2 Uhr morgens in östlicher Richtung auf die Grenze zu ab, ohne von unserer Gegenwart eine Ahnung zu haben. Da wir zu einem Angriff in der Zahl zu schwach waren, ritten wir nach Dewenischpütz (Signalstation) zurück und meldeten von hieraus heliographisch unsere Begegnung mit der Bande. Am 16. Mai vereinigten wir uns mit unserm Detachement, das auf unsere Meldung hin sofort nach Plattbeen aufgebrochen war, und rückten nach Kais, wo inzwischen Hauptmann Siebert mit der 3. Ersatzkompagnie eingetroffen war. Nun begann die Verfolgung der Bande. Unser Detachement bestand aus 3. Ersatzkompagnie, 11. Kompagnie 2. Feldregiments und zwei Gebirgsgeschützen der 9. Batterie, alles zusammen etwa 110 Gewehre und zwei Geschütze. Hauptmann Siebert übernahm die Führung. So zogen wir nun, immer die Spur der Hottentotten verfolgend, über Witpan, Klippdamm nach der Grenze. Am 19. Mai, morgens gegen 9 Uhr, meldete eine Patrouille dicht an der Grenze, bei der englischen Grenzpvlizeistation Bisseport, ein großes Hottentottenlager. Darauf gingen wir über Leukop vor. Etwa 1500 Meter südlich Lenkop liegt, inmitten von mit hohem Riedgras bewachsenen Sanddünen, eine Klippenhöhe, auf der sich unser erstes Geschütz postierte. Die beiden Kompagnien schwärmten aus und umgingen die Stellung der Hottentotten. 10,30 Uhr flog die erste Granate über unsere Köpfe hinweg: das Gefecht hatte begonnen. Die Eingeborenen setzten sich verzweifelt zur Wehr; es blieb ihnen nur die Möglichkeit, entweder unsere Linie zu durchbrechen, oder über die Grenze geworfen zu werden. Inzwischen zog sich, die Schützenlinie immer enger um die Hottentotten zusammen, die sich auf der höchsten Düne sehr vorteilhaft im Sande verschanzt hatten. Der Gegner war uns in allem Deutsche Reiter In Südwest. t8 130 voraus: er ist die Hitze gewohnt, war ausgeruht und kann in seiner Deckung liegen bleiben, während die Truppe fünf Tage hindurch Tag und Nacht marschiert war, dazu die Verpflegung mehr als mangelhaft und dann der Durst, unser ärgster Feind. Trotzdem vermochte der Feind unserm Vordringen nicht standzuhalten. Wie die Katzen schlängelten sie sich durch das hohe Riedgras, eine unglaubliche Gewandtheit entwickelnd. Als von unserer Seite das „Marsch, marsch!" ertönte, konnte ich nicht mehr teilnehmen, da ich in meiner Eigenschaft als Sanitätsuntcroffizier einem schwerverwundeten Kameraden, dem Unteroffizier Weißer der 3. Ersatzkompagnie, mitten im feindlichen Feuer und ungedeckt, den ersten Verband anlegte und denselben aus seiner gefährlichen Lage befreite. Inzwischen hatten unsere Truppen die ganze Bande, zirka 150 Mann, über die Grenze geworfen, wo dieselbe von der englischen Polizei entwaffnet wurde. Das Lager mit allen Vorräten war in unsern Händen, mehrere Gewehre, Pferde, Esel, Neuausrüstungen, sowie alle möglichen Gegenstände wurden erbeutet. Leider mußten wir zwei unserer Kameraden auf dem Felde der Ehre lassen. Feldwebel Schnalle und Unteroffizier Oelze waren gefallen, acht Blaun verwundet. Die Hottentotten ließen acht Tote zurück. Oskar Heckel, Sanitätssergeant 1. Kompagnie Königl. Bayer. 3. Infanterie-Regiments, z. Zt. Augsburg. * -t- * Ein unterbrochener Kaiserritt. Nach mehr als einjährigem, an Anstrengungen und Entbehrungen überaus reichem Aufenthalt im äußersten Nordosten des Schutzgebietes, dort, wo die älteren Karten einen großen weißen Fleck mit der Querschrift „Omaheke" (Sandfeld) zeigen, obgleich es ein recht viel versprechender, Vegetationsreicher Gebietsteil ist, war unser Stab Anfang 1906 an die Eisenbahnlinie — die Bierstraße — zurückverlegt worden. Unter Offizieren und Mannschaften herrschte eitel Freude, sich nun mal wieder einiger Kulturgenüsse erfreuen zu könuen, Briefe aus der fernen Heimat vier Wochen früher zu erhalten und, was im Sandfeld nur alle paar Monate mal als großes Ereignis vorkam, sich hin und wieder eine Flasche Bier zu dem für Südwest mäßigen Preise von 80 Pfennigen leisten zu können. Kaisers Geburtstag nahte heran, aus welchem Anlaß der Bataillonsführer folgendes Programm für die Festfeier der Mannschaften des Stabes in Okahandja genehmigt hatte: „Morgens, nach dem Salntschießen, verbessertes Frühstück; um 10 Uhr Teilnahme am Festgottesdienst; mittags, im Anschluß an die Parade der ganzen Stationsbesatzung, besseres Mittagessen mit Bier und Zigarren; nachher Spazierritt der Unteroffiziere und Mannschaften nach Osona; abends Bierabend mit den übrigen Mannschaften der Station bei den Klängen der berühmten Eisenbahnerkapelle." Die Offiziere und Beamten hatten sich gegen Mittag zu einem Frühstück im Garnisonlazarett vereinigt und saßen nachher bei der Zigarre auf der Veranda, als plötzlich die SanitiUssergeant Oslar Heckei. — 131 — Reiterschar des Stabes auf ihrem Spazierritt in elegantem Trabe vorbeisegt, dabei einige recht bedenkliche Bilder zeigend. Da nicht alle Leute auf Pferden beritten gemacht werden konnten, hatten einige Reiter vor kurzem frisch überwiesene, noch nicht zugerittene Maultiere bestiegen, die, der Last noch ungewohnt, in lustigen Kapriolen dahersausten, ohne jedoch sich ihrer mutigen, zum Teil übermütigen Reiter entledigen zu können. Ganz zuletzt kam auf der „Liese", einem wunderschön gebauten Tier, unser Eselkutscher, Reiter Peters, ein biederer Rheinländer. Als flotter, couragierter Reiter bekannt, hatte er sich die Ehre, das unruhigste Tier zu besteigen, nicht nehmen lassen. Liese hatte schon früher wiederholt den 1^ Meter hohen Dornenkral und andere erhebliche Hindernisse übersprungen und suchte auch jetzt mit Gewalt, Peters in den Sand zu setzen. Dieser bot bei den vor Stallübermut äußerst lebhaften und wilden Sätzen des Maultiers ein ebenso komisches wie fesselndes Bild. Man kam teils aus dem Lachen über das Tier, teils aus dem Bewundern der Ge- schicklichkeit des Reiters nicht heraus. Sekundenlang auf den Vorderbeinen stehend und mit den Hinterfüßen wild in der Lnft herumfahrend, suchte Liese ihren Bezwinger abzuwerfen, bis dieser plötzlich, durch Rutschen des Sattels aus dem Gleichgewicht gebracht, kopfüber im Bogen zur Erde flog. Sofort war Hilfe zur Stelle, und nach kurzer Zeit schon brachten einige Leute den mit Blut und Staub bedeckten Gestürzten ins Lazarett geschleppt. Der Chefarzt, Oberstabsarzt Dr. Egget, der Oberarzt, Sanitätsunterofsiziere mit Verbandszeug eilten hinzu. Der Bataillonsführer, Major Wilhelmi, die Offiziere, die dem Ritt zugesehen hatten, traten heran, und auf die Frage: „Nun, Peters, sind Sie schwer verletzt?" antwortete dieser im gemütlichsten, rheinischen Dialekt: „Nein, Herr Stabsarzt." „Ja, aber Sie bluten doch!" „Och, dat macht nix, Herr Stabsarzt, ich hau mich bloß der Dummen (Daumen) jet verstucht!" „lind wo tnt's Ihnen weh am Beine? Haben Sie was gebrochen?" „Nein, Herr Stabsarzt, auf die Beine bin ich janz jesund geblieben!" „Aber, Mensch, warum lausen Sie denn nicht?" „Ja, Herr Stabsarzt, die Käls (Kerls) han mich jo gedrogen!" Eine homerische Lachsalve löste jetzt die ängstliche Spannung bei allen Anwesenden, und die nicht ganz militärische Antwort ward, angesichts des festlichen Tages und des glücklichen Ausgangs, gern verziehen. Peters mußte aber doch, nachdem der „Dummen" verbunden war, auf die Fortsetzung des Kaiserrittes für dieses Mal verzichten und bis zum andern Tag im Lazaretl verbleiben. Lindner, Zahlmeister des ehem. III. Bataillons 1. Feldregiments. * * * Zahlmeister Lindner. WW 18 * 132 Der große Angriff. Am 5. März früh sollte es losgehen, so hatte unser Oberst und Regimentskommandeur Deimling seinen Reitern befohlen, die um die Großen Karrasberge Aufstellung genommen hatten, um der Räuberbande, die unter Führung von Kapitän Morenga sich in der Narudas- schlucht festgesetzt, das Licht auszublasen. Nach längerem Stillstand der Operationen, zu welchem unsere Truppe infolge Mangel an Lebensmittelu und Munition gezwungen, war der Jubel unserer Reiter groß, nun endlich an den Feind zu kommen. Zu Fuß erstieg unsere Westabteilung, der sich unser Oberst Deimling angeschlossen hatte, das riesige, wildzerklüftete Gebirge bei Garub, um sich am 11. März mit den andern drei Abteilungen in Narndas zu vereinigen. Die Reittiere und Wagen mußten am Fuße des Gebirges zurückbleiben, da in dem ungangbaren und Weglosen Gelände ein weiteres Reiten und Fahren nicht möglich war. Nur wenige Pferde und Tragetiere, auf welche das Notwendigste verpackt war, konnten mitgenommen werden. Plötzlich, ganz unerwartet zum Fußvolk gestempelt, erkletterten unsere Reiter den ersten Gebirgskamm unter unsagbaren Schwierigkeiten und erreichten am Abend das hohe Plateau, auf welchem die Hottentotten große Grasbrände angelegt hatten, um unsere Abteilung am schnellen Vorrücken aufzuhalten. Dort wurde Rast gemacht. Der Feind war, wie es schien, ganz nahe. Unser Kompagnieches, von Stockn, instruierte: „Kerls," sagte er, „paßt mir auf und geht drauf los wie einst Blücher, wenn möglich, legt im Gefecht, wenn es der Sonnenbrand erlaubt-den Hut einen Meter neben euch auf eine Klippe, so 'daß er von den Hottentotten gesehen wird, und diese nur den Hut unter Feuer nehmen." Gegen 3 Uhr früh, als die Grasbrände erlöscht waren, wurde der Marsch wieder fortgesetzt. Um 10 Uhr kamen wir an den Feind, der uns am Nordausgang der Narudas- schlucht mit einem Hagel von Geschossen überschüttete. Schon nach wenigen Minuten waren unsere Kompagnie sowie die Geschütze in reger Tätigkeit und entsandten den Eisenhagel nach dem Rand der Schlucht, welcher vom Feind stark besetzt war. Nachdem die feindliche Front längere Zeit heftig beschossen, wurde der starke Widerstand der Hottentotten gebrochen, und die ganze Abteilung setzte im Sturm zur Verfolgung ein. Nach einer erfolgreichen Umgehung, die unsere Kompagnie von Stocki auf dem linken Flügel ausführte, wurde der Widerstand der Hottentotten bald gebrochen. Bei der Verfolgung hatte unsere Kompagnie zahlreiche tiefe Querschluchten zn überwinden, wobei es im Laufe des Mittags noch zu ernstem Scharmützel kam mit dem in den östlichen Schluchten abziehenden Feinde, der sich in wilder Flucht, unter Zurücklassung seiner Viehherden, davon machte. Am Abend erhielt ich von meinem Kompagnieches, von Stocki, noch einen Auftrag au den Regimentsstab, den unsere Kompagnie am Mittag verlassen hatte. Als zu dieser Meldung an unseren Kommandeur ein Reiter gesucht wurde — auf die Aufforderung nach Freiwilligen hatte sich nur ein Reiter gemeldet — wurde mir dieser Dienst zuteil, worauf ich noch stolz bin. Trotz aller Ermüdung hielt mich mein Kompagnieches zu weiterem freiwilligen Dienste für geeignet; und feste Willenskraft half dann auch weg über alle Müdigkeit. Erst spät erreichte ich das Lager vom Regimentsstab, wo ich die mündliche Meldung unserem obersten Führer — Deimling — überbrachte, der mit Major von Kamptz zusammen war. ML iÄ>L- -FM LßA^'' MLÄ .,Dec»r.L«r- „Wir erreichten dar hohe Plateau, auf dem die Hottentotten grotzc Grasbrändc anncleht hatten." ^SS» 134 Leider gelang es beim Überwinden der ungeheuren Schwierigkeiten nicht, die vier Abteilungen, welche Morengas Kriegsleute einschließen sollten, an der Wasserstelle Narudas, wie geplant war, am 11. März zu vereinigen, weil das zerklüftete Gebirge dem Anmarsch unserer Truppen zuviel Schwierigkeiten in den Weg stellte. Andererseits vereitelte unsere Absichten die gewitzte Taktik und Gewandtheit, mit der Morenga gegen unsere Abteilungen getrennt zu operieren wußte, indem er sich die schwächste Abteilung, Kirchner, aussuchte und derselben vom 10. auf 11. März schwere Verluste beibrachte. Die Kompagnie, an Munition vollständig erschöpft und gebrochen, war am 11. nicht mehr imstande, mit den anderen drei Abteilungen in den Kampf eingreifen zu können. Die Hottentotten hatten am 10. fast Unglaubliches geleistet, und Morenga operierte mit seinem Kriegsvolk gegen unsere vier anrückende Abteilungen mit einer Sicherheit, die jedem deutschen Führer Ehre gemacht haben würde. Durch seine Gewandtheit und Ausdauer gelang es ihm, nachdem er der Abteilung Kirchner schwere Verluste beigebracht hatte (— die schwächste Abteilung verlor 14Tote, darunter Lkizzc zu den vlcfeckte» i» den Wrutzen Klirrasbergen. 135 Hauptmann Kirchner und Leutnant Fürbrittger, und 26 Verwundete —), während der Nacht in kurzer Zeit eiue große Strecke in fast ungangbarem Gelände zurückzulegen, um unseren beiden Abteilungen, welche von Süd und West anrückten, entgegenzutreten. Durch die zahlreichen Grasbrände auf dem hohen, flachen Plateau westlich der Narudasschlucht versuchte Morsn ga unsere Westabteilung am schnellen Vormarsch am 10. März zu verhindern und Zeit zu gewinnen, mit jeder Abteilung einzeln abzurechnen. Die angelegten Grasbrände erloschen jedoch infolge Mangel an Nahrung bis zum 11. März früh und ermöglichten somit einen weiteren Vormarsch unserer Westabteilung, die eben zu rechter Zeit in Narudas eintraf, als Morenga mit seiner Haupttruppe mit der Abteilung von Kopph in ein Gefecht verwickelt war. Der Widerstand der Hottentotten, die unserer Westabteilung am Nordausgang der Narudasschlucht entgegentraten, war nach wenigen Stunden gebrochen, wobei die Lage für Morenga und seine vereinigten Kriegsleute sehr kritisch wurde.- Der weitere Vorstoß der Abteilung von Kamptz am Mittag des 11. März mit der Linksumfassung der Kompagnie von Stocki brachte durch den Rückangriff, der gegen die Abteilung von Koppp kämpfenden Morengaleute eine Wendung, welche für Morenga und sein ganzes Volk verhängnisvoll wurde, da sein ganzes Lager zwischen zwei Feuer kam. Durch dieses Zusammenwirken unserer beiden Abteilungen gelang es, die ganze Habe Mvrengas, nahezu 8000 bis 10000 Stück Vieh, 25 teils gesattelte Pferde, drei Wagen und nahezu 100 Weiber, in unsere Hände zu bekommen-. Sofonias Theus, ehem. Sergeant der Kaiserl. Schutztruppe f. D.-Südwestasrika. -j- * -i- Aus der Spur Morengas. i. „Morenga ist verschwunden!" Am 26. April 1905 bei Ganams in den Großen Karrasbergen. „Morenga ist verschwunden!" Wie ein Lauffeuer ging die Nachricht durch das Lager! Die Ostertage waren vorüber, nun sollte von neuem das Blutvergießen beginnen! Uns war das ja gleich, denn ohne eine Kugel pfeifen gehört zu haben, wollte keiner in die Heimat zurückkehren. — Unsere Kompagnie bekam den Auftrag: „Durch eine stärkere Patrouille den Verbleib des Gegners feststellen!" Um 3 Uhr früh rückten wir ab, 30 Gewehre stark, unter Führung des Herrn Leutnants von Detten. Durch Klippengeröll, über Berge uud Täler ging der Weg, sehr oft mußte abgesessen und geführt werden. Schon um 8 Uhr erblickten wir östlich von uns auf etwa drei Kilometer Entfernung eine Anzahl feindlicher Feuer. Eine Meldung wurde sofort ans Detachement geschickt. Wir dagegen rückten noch einige 100 Bieter vor und sattelten ab. um die Tiere Sergeant Sofonias Tgeus. 136 fressen zu lassen. Mehrere Posten wurden rechts und links nach vorn zur Sicherung herausgeschoben. Herr Leutnant von Detten, der Gefreite Rüdiger und ich gingen nun zu Fuß einige 100 Meter auf den Feind zu; Plötzlich hatte Gefreiter Rüdiger bemerkt, daß die Höhen vor uns schon von Hottentotten besetzt waren. Schnell legten wir uns auf den Boden und hatten uns bald von der Richtigkeit durch unsere Görzgläser überzeugt. Den Weg zu den Pferden legten wir kriechend zurück, wobei uns die Kaktusbüsche und Dorngestrüpp eine gute Deckung gegen Sicht gewährten. Nach unserer Ankunft bei den Pferden wurden diese schnell eingefangen und gesattelt. Ein Unteroffizier und ein Gefreiter brachten Meldung nach dem etwa drei Stunden von uns entfernten Detachement. Angeschossen waren wir bis jetzt noch nicht. Sollte Morenga uns wirklich noch nicht gesehen haben? — Aber wozu waren dann die Höhen vor uns besetzt? — Wir setzten nun unseren Marsch in südöstlicher Richtung fort, um, wie der Herr Leutnant sagte, „im Bogen um den Feind herumzureiten und dessen Stärke festzustellen". — Die Spitze unter Führung des Herrn Leutnants ritt ab. Wir folgten auf etwa 100 Meter unter Führung des Oberveterinärs Fischer. Über breite Plateaus und durch tiefe Schluchten ging abermals der Weg. Hunger verspürten wir wohl alle, aber unsere Büchse Gulasch wollten wir für die längere Rast aufsparen. — Plötzlich sahen wir vor uns eine berittene Abteilung von ungefähr 30 Mann vorbeitraben; sie kam aus südlicher Richtung. Im Galopp verschwand sie in einer Schlucht. Waren es nicht Hottentotten? Um diese zu erkennen, war die Entfernung zu groß. Wir setzten daher unsern Marsch unverdrossen fort. — Mühselig hatten wir soeben eine Anhöhe erklommen und ein Plateau erreicht, als wir uns wieder auf die Pferde schwangen, um der Spitze zu folgen. Da fällt in unmittelbarer Nähe ein Schuß. „Zum Gefecht zu Fuß nach links usw." hören wir unsern Herrn Leutnant rufen. Instinktiv fliegt alles von den Pferden herunter. Schnell war eine Schützenlinie im Halbkreis gebildet und alles lag platt auf dem Boden, das Feuer kräftig erwidernd. — „Unteroffizier Klages, sichern Sie die linke Flanke!" rief mir der Herr Leutnant zu. Aber schon mußte ich zurückrufen: „Herr Leutnant, wir sind schon umgangen, wir bekommen schon von hinten Feuer!" — „Alles zurückziehen!" rief jetzt der Herr Leutnant. „Wohin?" rufe ich zurück; keine Antwort. Nochmals rufe ich: „Sollen die Pferde mitgenommen werden?" — Wieder keine Antwort. Sollte der Herr Leutnant tot sein? Den rechts und links von mir liegenden Leuten rufe ich dann leise zu: „Langsam auf die Pferde zurückkriechen!" II. Ohne Kommando. Indem wir dauernd das Feuer erwiderten, legten wir ohne Verluste diese Strecke zurück. Wir waren dabei ziemlich eng zusammen gekommen. Jeder hatte nun sein Pferd am Zügel, um den Rückzug fortzusetzen. Ich wunderte mich, daß noch einige Pferde lose 1: V,> > Pvlizeilergeant Ernst Mages. ! l ^ 7 ^ 8 i^WWMiMü V »-. ! MK-M >F^» "> «M ^K»L MKD ML- Patrouille des Oberleutnants von Salzmann und Leutnants Grafen von Arnim, 17. Juli 1904. (Nach dem Kriegstagebuche des bei Waterberg gefallene» Grase» von Arnim.) „Nebe» Oberleutnant von Salzmann sind Unteroffizier Freiherr von Khapnach, neun Reiter, vier Witboois und Kriegsfreiwilliger Frachtfahrer Melchior von der Partie."-„Darüber war niemand im unklaren — wir waren mitten im Feinde! Wir hielten eS für angezeigt, n»S hinter den Hügel mit den Kandelabcrkakteen zu ziehe», um uns von dessen Gipfel aus vorsichtig zu orientieren. — — Salz in an», Melchior und ich krarelten vorsichtig über Sieingeröll den Hügel hinan. — borten vor uns Schritte, Lachen, ungeniertes Geschwätz. Ein Trupp Hereros zog vorüber, wir blieben unbemerkt. Nun konnten wir Umschau halten." Beilage zu: „Dinckiagc, Deutsche Reiter in Sndwcst. Teutsches Verlagshaus Bong L Co., Berlin V. Ü7. 137 „Dieses warschvnvcr dritte, der sein Leben ausgebaucht batte!" 7 herumliefen, wo waren denn ihre Reiter? — „Wir können unmöglich zurück!" hörte ich sagen. — Warum kam aber kein Kommando? „Ich bin getroffen," ruft laut der Gefreite Damering, er lag rechts von mir; „grüßt mir Vater und Mutter!" dann war es still, nur das schnelle Feuer des Gegners schien immer heftiger zu werden. — „Herr Unteroffizier, wir müssen liegen bleiben und uns wehren!" riefen mir der Gefreite Gooth und noch andere zu. — Gut, wir bleiben liegen. Die Pferde, die wir noch immer am Zügel hatten, brachen eins nach dem andern zusammen. Das war unser Glück, denn wir fanden eine gute Deckung hinter ihren Körpern. Einen richtigen Überblick über die Situation hatte ich nicht. Ich sah nur neun Mann, drei rechts und sechs links von mir. Was hinter uns lag, sah ich nicht, nur ab und zu kamen feindliche Schüsse von hinten, ein Zeichen, daß der Rest, den ich nicht sehen konnte, den andern Halbkreis bildete. Über die Frechheit des Gegners waren wir nicht wenig verwundert. Bis auf zehn Schritt lagen die Hottentotten vor uns, aber sehen konnte ich keinen. Da ich wußte, daß die Hottentotten nicht stürmen würden, rief ich sehr oft: „Langsamer feuern!" Wir mußten mit unsern 120 Patronen haushalten und erst, wenn unsere letzte Patrone verschossen war, galten wir für verloren. Es wurde Mittag, die Hottentotten feuerten lustig weiter, ohne daß wir bis dahin weitere Verluste gehabt hätten. Jetzt vernahmen wir auf feindlicher Seite deutsche Kommandos. Sollten wir mit unserer eigenen Truppe in Gefecht liegen? Der Gefreite Schönewergk rief daher auch laut herüber: „Seid ihr Landsleute?" Lautes Gelächter war die Antwort von drüben. „Dütschmann, hast du noch viel Patronen?" rief laut ein Hottentott herüber. Dies ermähnte uns wieder zum Sparen! Reiter Msyk frug: „Herr Unteroffizier, kann ich dem Gefreiten Damering die Patronen abnehmen?" — „Gewiß," sagte ich, „aber vorsichtig, richten Sie sich nicht auf!" Auch das Gewehr nahm Msyk ihm dann ab. Um 3 Uhr fragte ich den Reiter Reupke, Deutsche Reiter in Südwest. tb 138 ob Unteroffizier Bolduan auch tot sei. „Ja, es scheint so", sagte Reupke, „er liegt schon seit einer Viertelstunde im Anschlag und rührt sich nicht!" — Dieser war schon der dritte, der sein Leben ausgehaucht hatte, denn einer hatte den Gefreiten Kalus gleich bei den ersten Schüssen tot vom Pferde fallen sehen. Um 4 Uhr rief der Reiter Bader: „Reiter Hops ist auch schon tot!" Ich sagte noch zum Gefreiten Gooth: „Wenn wir uns bis zum Abend halten, kommen wir vielleicht mit dem Leben davon." — Die Sonne brannte immer noch heiß; ohne Schatten, ohne einen Schluck Wasser; Hunger machte sich auch bemerkbar, zwar hatte jeder eine Büchse Gulasch in seiner Packtasche, aber wer wollte sich der Gefahr aussetzen und sie Herauslangen? Hatten wir nicht schon genug Tote? Und war nicht jedes Gewehr von großem Nutzen für uns? Um 5 Uhr meldete Reiter Bader: „Reiter Bader beide Beine durchschossen!" Als ob er in Deutschland in der Schützenlinie, wo mit Platzpatronen geschossen wird, läge, so ruhig meldete er dies. — Trotz der ernsten Situation mußten wir alle lachen; auch die Hottentotten schienen laut aufzulachen, denn sie wußten, daß schon wieder einer kampfunfähig war. Unser Galgenhumor schien sich sogar zu steigern, denn bald darauf rief der Reiter Mshk laut: „Verdammte Schweinerei, haben die verdammten Schweine mir den ganzen Fuß und Schnürschuh kaputt geschossen!" dies hörte sich nun in seinem polnischen Dialekt ganz besonders komisch an, wieder mußten wir lachen — wir, die wir schon mittags mit dem Leben abgeschlossen hatten. Auch beten hörte ich einen! Unteroffizier Treuersch meinte fortwährend, wir müßten zum Sturm vorgehen; aber ich hatte gelernt, daß man einen Feind zuerst mit Feuer niederkämpfen mußte, und gab es nicht zu. — Die Sonne stand am Horizont, es fing an zu dämmern, nun wurde das Feuer des Feindes immer schwächer, und wie es dunkel war, hörte es fast ganz auf; auch wir schwiegen, es war ganz still, nur ab und zu krachte ein Schuß! Waren die Hottentotten fort? Plötzlich kamen mächtige Klippen angeflogen; hierfür boten aber selbst unsere Pferde keine Deckung mehr. Eine kurze Pause, und alles rechts und links von mir trat den Rückzug an, natürlich auf dem Bauche. Damit sich keiner verlor, sagte ich: „Nach der Mitte zusammenhalten!" So leise dies auch geschah, die Hottentotten hatten es doch bemerkt, und ein rasendes Schnellfeuer ließ uns halten. III. „Wo ist der Herr Leutnant?"' Jetzt hörten wir auch hinter uns Leute, es war der andere Halbkreis, den wir den ganzen Tag nicht gesehen hatten. Das Feuer des Gegners verstummte bis zum ruhigen Einzelfeuer. Ich frug einen Mann des anderen Halbkreises, es war der Gefreite Rüdiger: „Wo ist der Herr Leutnant?" — „Der ist schon seit heute mittag fort, auch Herr Oberveterinär Fischer und die Burschen!" — „Auch Herr Unteroffizier Lupp ist mit einigen Leuten weg!" riefen andere. — Ich war wie vom Blitz getroffen, warum waren wir nicht mit zurückgegangen? Aber konnten wir denn? Wären wir denn nicht alle verloren gewesen? Sind nicht alle, die zurückkamen, unter unserem Schutz zurückgegangen? Aber jetzt hieß es handeln! Das ganze verantwortungsvolle Gefühl, das mich auf einmal überkam, ließ mich alle Gefahr vergessen. „Herr Unteroffizier," sagte dann Gefreiter Rüdiger zu mir, „das beste ist, wir bleiben hier während der Nacht liegen!" — Auch der Gefreite Gooth meinte dasselbe. „Gut, wir bleiben liegen", sagte ich, und da an dieser Stelle eine kleine Mulde war, ließ ich wieder einen kleinen, geschlossenen Kreis bilden und befahl noch, daß sich jeder so gut als möglich verschanzen solle. Ich zählte jetzt die kleine Streitmacht, wir waren noch 16 Gewehre; drei davon waren verwundet, aber sie klagten nicht. Ich kroch dann in der Stellung herum, um mich zu überzeugen, daß sich jeder eine gute Deckung gebaut hatte, die Stellung war aber so klein, daß ich immer über die Füße der Leute klettern mußte! — Auch ließ ich die Patronen ausgleichen; etwa neun hatte dann noch jeder. — 139 — „Was machten nun die Hottentotten während dieser Zeit?" wird jeder fragen.— Längst schon hatten sie ihre Stellungen verlassen und lagen in unserer Tagesstellung hinter unseren Pferden; wir dachten an unser schönes Gulasch, das noch überall in den Packtaschen steckte. Nun sammelt sich etwas vor uns unter Geschrei ein ganzer Haufen Hottentotten an. „Die haben unseren Proviantesel gefunden!" sagte einer leise zu mir; die Schlägerei dort war also kein Wunder, denn wir hatten einige Flaschen Schnaps auf unserm Esel verpackt! — In aller Stille legte jeder sein Gewehr an, auch die Verwundeten. „Jeder zielt, so gut er kann," sagte ich leise, „und wenn ich Feuer sage, drückt jeder ab und alles ist dann wieder ruhig! — Ist alles fertig?" — „Ja." — „Feuer!" Ein Schreien und Schimpfen auf feiten des Gegners, auch glaubten wir menschliche Körper fortschleifen zu hören. Ein rasendes Schnellfeuer gaben dann die Hottentotten auf uns ab, aber ich glaube in ganz anderer Richtung, denn wir waren mäuschenstill, der Feind war durch die Salve so erschrocken, daß er nicht wußte, von welcher Seite sie kam. Auch das Schnellfeuer hörte wieder auf, und truppweise schien der Gegner zurückzugehen, indem er immer ein kurzes Schnellfeuer abgab, dem ein Laufen nach rückwärts folgte. Dann wurde es etwa um 12 Uhr still. Wir froren, keiner hatte Decke oder Mantel, Hunger und Durst plagten uns, was sollte uns der nächste Morgen bringen? Im Kreise rechts und links um uns steckten sich vereinzelt Hottentotten die Pfeife an; wir wurden also bewacht. IV. Morgenrot. Endlich, endlich graute der Morgen; purpurn färbte sich der Horizont, dann dachte ich an das schöne Lied: „Morgenrot, Morgenrot, leuchtest uns zum frühen Tod!" Aber diesmal traf es nicht zu; kein Hottentott ließ sich hören oder sehen. — Was nun machen? Ich besprach mich kurz mit den Leuten. Auf mein Kommando sprang alles, mit Ausnahme der Schwerverwundeten, auf; schnell wurde eine Schützenlinie gebildet. Aber wir erhielten kein Feuer! Ich bestimmte zwei Mann, die den Reiter Bader tragen sollten, denn er konnte nicht gehen. Alle anderen Verwundeten wollten gehen! So gingen wir nun ausgeschwärmt in südlicher Richtung zurück. Tiefe Schluchten waren zu überwinden, und ich mußte die Träger des Reiters Bader oft wechseln lassen. Nach etwa einer halben Stunde standen wir auf einer Höhe, das Gelände vor uns fiel sanft nach Süden zu ab, aber was war dort unten? — Eifrig sah man eine Menge Gestalten und Reiter hin und her jagen; waren es wieder Hottentotten? Nein, es war unser Detachement. — „Warum kommt das Detachement jetzt erst, da es doch nur drei Stunden entfernt war?" Ich will versuchen, darauf zu antworten. Bei Beginn des Gefechtes war Herr Leutnant von Detten bei der Spitze. Letztere war von uns etwa 50 Meter entfernt. Gewiß hat der Herr Leutnant von dort gleich gesehen, daß ein Gefecht für uns verhängnisvoll sein würde, darum gab er den Befehl zum Rückzug; seine nächste Umgebung folgte ihm, unterdessen wurden wir vollständig umzingelt und mußten liegen bleiben. Konnte nun der Herr Leutnant anders denken, als daß wir alle verloren wären? Konnte er etwas anderes dem Detachementsführer melden? Darum wartete auch der Führer des Detachements erst das Detachement des Herrn Majors von Kamptz ab, um mit vereinten Kräften den Gegner zu verfolgen. Wir hatten mit 21 Gewehren dem 300 Gewehre starken Gegner Morenga gegenübergestanden, und zwar 18 Stunden lang. Wir 16 kamen lebend davon. Ich gehörte früher dem Infanterie-Regiment Nr. 112 an. An Auszeichnungen erhielt ich das Militärehrenzeichen 2. Klasse und die badische silberne Verdienstmedaille. Ernst Klages, Polizeisergeant, Windhuk (Deutsch-Südwestafrika). 140 Über die englische Grenze! Kampf in den Dünen von Leukop^) vor Bisseport, am 19. Mai 1905. I. Beschwerlicher Marsch. Am 14.Mai 1905 erhielt unser in Dawignab an der Ostgrenze stationierter Zug Gebirgsartillerie, Leutnant Nohne, den Befehl, so nach Kais zu marschieren, daß wir an dem am 16. Mai beabsichtigten Angriff gegen Morenga teilnehmen könnten. Wir marschierten am 15. Mai nachmittags mit zwei Geschützen, einer Munitionseselkarre und einer Ochsenkarre und 24 Gewehren, einschließlich Offiziere und Sanitätspersonal, ab und trafen nach sehr beschwerlichem Marsche — die Pad führte durch Dünengelände, und unsere Fahrzeuge versanken oft bis an die Achsen im Sande — am 16. Mai früh in Plattbeen, zwei Stunden vor Kais, ein. Hier trafen wir auf die 11. Kompagnie 2. Feldregiments, von welcher wir erfuhren, daß unser Gegner, wahrscheinlich durch AufklärungsPatrouillen beunruhigt, dem Gefecht durch die Flucht aus- gewichen sei. Nachmittags zogen wir nach Kais und das Detachement blieb vorläufig dort liegen unter Befehl des Hauptmanns Siebert, bis unsere Patrouillen die Abzugsrichtuug des Feindes festgestellt hätten. Am Vormittag des 17. Mai wurde durch eine Patrouille ein feindlicher Spion eingebracht, nach dessen Verhör der Abmarsch für den Nachmittag befohlen wurde. Nach Aussage des Gefangenen sollte Morenga in Sandpütz, einer Wasserstelle, zirka 35 bis 40 Kilometer von Kais entfernt, sein. Am 18. Mai, morgens zwischen 2 und 3 Uhr, kamen wir dort an, konnten zu unserem Bedauern aber nur feststellen, daß die Hottentotten dort gewesen, aber schon wieder weitergeflohen waren. Wir treckten sofort auf den Spuren hinterher, immer drei Stunden Marsch, ein bis zwei Stunden Halt, und erreichten am Mittag Witpan, am Morgen des 19. Mai Klippdamm. Der Weg führte seit Kais nur durch Dünen und litten sowohl Menschen wie Tiere furchtbar unter den Anstrengungen, manch ein Reiter hatte sein Tier schon liegen lassen müssen und sich zu Fuß der 11. Kompagnie angeschlossen. Nach kurzer Rast in Klippdamm ging es wieder weiter, und zwar führten die Spuren direkt auf die Grenze zu. Es wurde bekannt gemacht, daß auf Feinde, die das englische Gebiet betreten hätten, nicht geschossen werden dürfe. Vormittags gegen 10 Uhr erreichten wir Leukop, dicht an der Grenze gelegen, und hier meldete die Spitze feindliche größere Banden auf deutschem Boden lagernd. Es war uns also doch gelungen, ihnen noch so nahe zu kommen, daß wir sie zum Gefecht zwingen konnten. Während eins unserer Geschütze auf einer in der Nähe befindlichen Kuppe in Stellung gebracht wurde, ging unsere Infanterie, zu der auch wir, die an den Geschützen entbehrlichen Mannschaften usw., auf unseren Wunsch kommandiert wurden, sowie das andere Geschütz auf unserer rechten Flanke vor, um dem Feinde eine eventuelle Flucht auf englisches Gebiet abzuschneiden. Das auf der Kuppe befindliche Geschütz eröffnete auf 2200 Meter das Feuer, welches zuerst unter den Hottentotten einige Verwirrung anrichtete. Dann besetzten sie aber schnell, anscheinend schon vorher bestimmte, Stellungen und erwiderten das Feuer aufs lebhafteste, so daß bei der Infanterie auf 1000 Meter schon die ersten Verwundeten zusammenbrachen. Wir erhielten nun den Befehl, in breiter Schützenlinie sprungweise vorzugehen und Pürschten uns, so gut gedeckt wie bei dem schlechten Gelände — kleine lichte Büsche auf sandiger Fläche — möglich war, an die Stellung heran. Der Gegner hatte seine Position so gut gewählt, daß es ihm möglich war, uns zeitweise unter Kreuzfeuer zu nehmen. tz Vgl. Gesechtsskizze von Leukop, S. 128 . .- > sM- „Zum Sturm! Marsch, marsch!" ML 142 II. Mit der blanken Waffe. I Nachmittags gegen 2^ Uhr waren wir am Fuße der I besetzten Dünen angelangt und erhielten Befehl: „Seitengewehr I aufpflanzen! Zum Sturm sprungauf! Marsch, marsch!" Als I wir uns nun erhoben, wurden wir mit lebhaftem Feuer I empfangen. Nachdem wir aber im vollen Lauf auf dem I Dünenkamm anlangten, hatte der Gegner die Stellung schon I geräumt und empfing uns von der gegenüberliegenden Düne ^ mit heftigem Schnellfeuer, so daß wir uns sofort hinlegen und I gleichfalls Schnellfeuer abgeben mußten. Plötzlich sahen wir I die Hottentotten in hellen Haufen der Grenze zulaufen und I schössen wir nun, was aus dem Rohre wollte. Leider kam I gleich darauf der Befehl zum Stoppen, da der Gegner die I Grenze überschritten hatte. I Zahlreiche Tote fanden wir in den Stellungen, eine I Menge Tiere, Kleidungsstücke und Proviant fiel in unsere Hände. I Unter Zurücklafsung unserer Waffen führten wir nun unsere I Tiere zur englischen Station Bisseport zur Tränke und I standen nun unseren Gegnern auf neutralem Boden gegenüber. I 156 Mann, einschließlich Morenga und dem Feldschuhträger- I kapitän Hans Hendrik, hatte die englische Polizei entwaffnet, und wir gaben uns der angenehmen Hoffnung hin, diese wenigstens unschädlich gemacht zu haben. Während wir noch Unteroffizier Friedrich Kolberg. tränkten, wechselte unsere Lagerwache mit auf deutschem Gebiet befindlichen Hottentotten Schüsse, so daß wir eiligst in unser Lager stürmten. Die Nacht ruhten wir auf dem Gefechtsfelde unter starken Wachen. Unser Detachement war zirka 120 Gewehre stark. Wir erwarteten vergebens einen Nachtangriff von den auf deutschem Gebiet gebliebenen Feinden. Am Morgen zogen wir nach Klippdamm zurück, da alle Spuren einzeln weiterführten und so eine weitere Verfolgung unmöglich machten. Am Mittag schon kam seitens der englischen Polizei die von uns nicht gerade mit Schmeichelworten auf besagte Truppe aufgenommene Mitteilung, daß die entwaffnet gewesenen Hottentotten bis aus wenige (anscheinend die Verwundeten) entflohen seien. Dank der Aufmerksamkeit der englischen Polizei waren unsere Mühen und Anstrengungen nun erfolglos geworden, und unsere zwei Toten und fünf Verwundeten waren nicht die letzten, die von den Kugeln der Bande Mvrengas zu leiden gehabt hatten. Friedrich Kolberg, früher Unteroffizier in der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. Treue Pflichterfüllung. Als im Juli 1905 der Major Gräser den Bethanierhäuptling Cornelius in den Fischflußbergen verfolgte, bekam Hauptmann d'Arrest den Auftrag, mit seiner Kompagnie, zwei Maschinengewehren und einem Geschütz, die Linie Aiais —Gaibes—Kanibeam und Marinkadrift nach Osten hin abzusperren. Nachdem Major Traeger das Kommando 143 — übernommen hatte, zog derselbe die Truppen wieder zusammen, um Johannes Christian, welcher in den Oranjebergen südlich Warmbad gemeldet war, anzugreifen. Hauptmann d'Arrest, der mit einem Teil seiner Kompagnie und einem Maschinengewehr Marinka- drift besetzt hatte, marschierte am 16. Juli, nachmittags 5 Uhr, von Marinkadrift aus Kanibeam ab. Unsere Ochsenwagen sowie zehn schlappe Pferde und deren Reiter waren schon um 2 Uhr abmarschiert. Unterwegs brach ein Wagen zusammen. Gepäck und Proviant wurden anf den andern und letzten Wagen geladen und auch die nun frei werdenden Ochsen vorgespannt, so daß der Wagen wohl setzt doppelte Last, dafür aber 40 Ochsen vorhatte. Erst nachts 1 Uhr erreichten wir unsere Bagage wieder. Aber alle zehn Pferde und der Reiter Malinka, ein Ostpreuße, fehlten. Die Tiere waren in der Dunkelheit scheugeworden und konnten nicht mehr zusammengehalten werden. Durch in der Frühe ausgesandte Patrouillen wurden sechs Tiere wieder eingebracht. Nicht lange nachdem erschien auch der Reiter Malinka mit den fehlenden vier Tieren im Lager. Auf die Frage des Hauptmauns, wo er herkomme, erwiderte er: „Wir hatten doch den Befehl, bei den Pferden zu bleiben, und als die Pferde scheu wurden, habe ich die vier, welche ich noch zusammenhalten konnte, in ein Schilfdickicht getrieben und gewartet, bis es Tag wurde, da konnte ich mich doch leichter zurechtfinden." Heinrich Wolfs, Vizewachtmeister, Dragoner-Regiment Nr. 5, z.Zt.Hofgeismar. * * 4 - Zwölf Tage eingeschlossen. Während die wilden Horden der Hereros durch unsere mutigen Truppen in die nötigen Grenzen zurückgewiesen waren, gefiel es unerwartet dem alten Witbooi, Kapitän Hendrik Witbooi, in den bis jetzt so friedlichen BezirkGibeon dieKriegsfackel heimtückisch hineinzuschleudern. Und unerwartet wurden einzelne Soldaten und Farmer auf ihren einsamen Posten grausam ermordet. Doch Gott sei Dank, nicht alle so Exponierte fielen in seine ruchlosen Hände. Und unter diesen wenigen befand sich auch die Besatzuug der Heliographenstation „Falkenhorst". In dem ganzen Bezirk, welcher Hunderte von Kilometern im Umkreise zählt, befanden sich damals nur Sergeant Dammköhler. Vizcwachtmeister Heinrich Wolfs. 144 ungefähr 30—40 Soldaten oder Polizisten zur Sicherung, die den nach Hunderten zählenden Witbooi-Hottentotten wehrlos in die Hände gegeben waren. Von der Hauptstadt Windhuk zog sich durch die Mitte des Landes nach dem Süden eine Signallinie hin, die den damals dort noch nicht verwandten Telegraph ersetzte. Mit Spiegelapparat wurde die Sonne aufgefangen und der Telegrommverkehr ermöglicht. Diese Stationen waren meist nur mit zwei Mann besetzt und lagen einsam, je nach dem Gelände, 50—100 Kilometer auseinander, auf hohen Bergen. Die Heliographenstation „Falkenhorst" lag ungefähr 15 Kilometer nordöstlich von Gibeon am Fischrivier. Die Lage derselben war für Friedenszeiten idyllisch, leider für den Krieg nicht günstig. Man denke sich ein kleines Tal, umgeben von hohen Bergen. Nur nach Osten gewährte das Fischrivier einen weiteren Ausblick. Aus diesem Rivier bezog auch die Station ihr nötiges Wasser. Das Wohnhaus war von dem Signalberg wegen des Wassers fünf bis sieben Kilo- meter entfernt. Am Morgen des 6. Oktober 1905 ritt ich, Unteroffizier Dammköhler, mit dem Gefreiten Werner auf den Signalberg zum Dienst. Der dritte Mann, Gefreiter Nagengast, blieb zurück, um den häuslichen Dienst (Kochen usw.) zu verrichten. Oben auf dem Signalberge angelangt, wurden die Pferde gekoppelt und die Apparate aufgestellt. Plötzlich kam von zwei Seiten ein heftiges Feuer. » Werner sank sofort getroffen zu Boden, es gelang ihm aber noch zu dem Unter- > offizier heranzukriechen, der hatte sofort das Feuer aufgenommen. Schuß um Schuß sandte ^ er dem fast unsichtbaren Gegner entgegen. ! Diesen Widerstand hatten die Witboois anscheinend nicht erwartet, und so gelang es dem Verwundeten, der einen schweren Oberschenkelschuß hatte, den Berg herunterzukriechen > und in die Nähe der Pferde zu gelangen, während Unteroffizier Dammköhler deckend folgte. Dann den Verwundeten in den Sattel gehoben, und in Karriere davon! > Ehe die verblüfften Witboois sich erholt hatten, waren unsere Reiter aus der Schuß- j linie, und die nachgesandten Kugeln schlugen klatschend in den Sand. Nagengast, ebenfalls beschossen, hatte sich in die Station retten können und hielt nun durch die Schießscharten Ausschau. Herangejagt und den Verwundeten vom Pferd heruntergerissen — das muß wohl das Werk eines Augenblicks gewesen sein. Nagengast hatte die Gefahr klar übersehen und ohne Zögern die Station geöffnet. Der Verwundete, welcher durch den schnellen Ritt stark blutete und seine letzten Kräfte verbraucht hatte, um im Sattel zu bleiben, wurde in die Station gerettet. j Einige Schüsse schlugen noch klatschend an die Mauer, dann war Ruhe. ! Zwölf lange Tage mußten dann wir drei auf einsamem Posten stehen, umringt ! von den mordlustigen, verschlagenen Witboois, die auf die entschlüpfte Beute Tag und Nacht wartend im Hinterhalt lagen. ! Mehrere Angriffe des Feindes wurden hartnäckig und mit Verlust des Feindes i von den Eingeschlossenen zurückgewiesen. Man kann sich denken, daß wir jedesmal unsern ! Mann aufs Korn nahmen. Mehr wie zweimal mußten Dammköhler und Nagengast sich aus der Station zum Wasser schleichen an die Rivier, um nicht zu verdursten. In der einen Hand den Revolver, in der andern den Wasserbehälter, so ging es gewissermaßen dem ! Tode entgegen. Und es gelang, endlich kam Rettung. Eine kleine, mutige Schar, unter der Führung des tapferen Leutnants Freiherr» von Maltzahn (später leider verwundet in die Heimat zurück), war auf einem gewagten » «—' U / ^ 5/ tz ^L'-! K ' Abteilung von Mühlenfels bei Harnakari, 11. August 1904. „Um dem schwerbedrängten linken Flügel der 11. Kompagnie mehr Halt zu geben, sandte Major von Mühlenfels zwei Maschinengewehre unter Leutnant Degenkolb dorthin, so daß hier nun drei, auf dem rechten Flügel ein Maschinengewehr, in Tätigkeit waren. Im kritischen Augenblicke versagt- hier das besonders gut wirkende Maschinengewehr. Im heftigste» Feuer aus nächster Nähe ließ Unteroffizier Janoczewski ruhig und unerschrocken einen neuen Lauf einziehen und konnte noch im legten Augenblicke durch lebhaftes Feuer abwenden, daß das Gewehr in Feindcshand fiel." Beilage zu: „Dincklage, Deutsche Reiter in Südwesi.' Deutsches Nerlagshaus Bvng L Co., Berlin 57. L chMMUÄksAtzM ß Deutsche Reiter in Südwest. l, S LLc-icenr.- ri"M ' .Dann den Verwundeten in den Sattel gehoben, und in Karriere davon!" 146 Erkundigungsritt von Rehoboth bis nach Gibeon vorgedrungen. Die nächsten kleinen Stationen wurden aufgesucht, und mitten durch den Feind brachte die Schar allenthalben die langersehnte „Hilfe". Über verwüstete Farmen hin gelangte man auch zur Station „Falkenhorst", — mit einigen Picken und Schaufeln, um den Totgesagten die letzte Ehre zu erweisen. Aber wer wäre wohl imstande, die Freude zu beschreiben, als ich dem Patrouillenführer vorschriftsmäßig die Station melden konnte. Und wer von den harten Kriegern hätte nicht ein stilles Dankgebet gesprochen? Dammköhler, Sergeant der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, 2. Feldsignal-Abteilung, z. Zt. Chamis (Post Keetmannshoop). * * * Aus dem Gefecht bei Aob (Große Karrasberge). 10. März 1905. Froh, endlich den beinah' legendenhaft gewordenen Morenga in seinem als unüberwindlich geltenden Felsenhorst, den Karrasbergen, die deutschen Waffen fühlen lassen zu können, war die Kolonne Kirchner, welche mit den Abteilungen von Kamptz, von Koppy und von Lengerke unter dem Oberbefehl des Oberst Deimling stand, am 4. März von Keetmannshoop aufgebrochen und den weithin sichtbar werdenden Karrasbergen zu marschiert. Die Abteilung bestand aus zwei Jnfanteriezügen unter den Leutnants Fürbringer und Beermann, sowie aus einem Zug der 9. Batterie unter Leutnant d. N. Wolfs. Als Detachementsführer fungierte Hauptmann Kirchner, dem als Landeskundiger Leutnant a. D. von Quitzow, ein schon im Burenkriege erprobter alter Afrikaner, beigegeben war. Am 6. März traf noch ein Zug Maschinengewehre der 2. Abteilung unter Oberleutnant Freiherrn Grote (zugeteilt Oberleutnant z. S. Schneider) als Verstärkung bei der Abteilung Kirchner ein. Um den von Oberst Deimling gegebenen Befehl, am 11. März 1905 das Lager Morengas bei Narudas angreifen zu können, auszuführen, wurde flott marschiert. In dem täler- und schluchtenreichen Gelände wurden bei der glühenden Sonne an Menschen und Tiere die größten Anforderungen gestellt. Auch machte sich der Mangel an Wasserstellen sehr bemerkbar. Am 9. März 1905 erreichte das Deta- chemeut die Wasserstelle Kofis. Am 10. brach es mit größter Vorsicht und peinlichster Marschsicherung in der Richtung Gaitsames (an der Pad nach Narudas) auf. Bis gegen Mittag ging der Marsch ohne jede Störung vor sich, auch das Gelände wurde flacher, nur ab und zu mußte die Truppe tiefeingeschnittene, trockene Flußriviere Passieren. Ein dichter Heuschreckeuschwaxm verdunkelte die Gegend. „Grade wie bei Hamakari," meinte ein alter Schutztruppler, der beim Waterberg dabei war, „nun wird's Wohl bald losgehn!" Um 3 Uhr erreichte die Spitze eine Fläche, zirka 800 Meter Oberleutnant Freiherr Grote. 147 nördlich der Wasserstelle Aob, und erhielt plötzlich von vorn und aus den Flanken ein überraschendes Feuer. Ein Moment des Stutzens, dann aber ertönen scharf die Befehle der Führer, und nicht zwei Minuten sind verstrichen, da knattern die Gewehre der beiden bereits entwickelten Jnfanteriezüge, da rattern die Maschinengewehre, und dumpf erdröhnen die ersten Kanonenschüsse. Keine Feinde! Nur der scharfe Knall der feindlichen Gewehre, das Zischen und Pfeifen der Geschosse, und ab und zu ein Rauchwölkchen auf der zirka 800 Meter gegenüberliegenden Höhe verriet die Stellung des vorzüglich gedeckten Gegners. Sprungweise schob sich nun die Infanterie näher heran. Diesen Moment benutzte der Gegner, um auch von den Flanken her ein wohlgezieltes Feuer gegen die vorwärtsstrebenden Truppen zu richten. Hierbei sielen die Reiter Bahr, Reuter, Schmelzer, Simmeit, und auch der Matrose Gück, der seinem Herrn freiwillig gefolgt war, brach tödlich getroffen zusammen. Beim weiteren Vorwärtsbringen sielen dann der Leutnant Ed- zard Fürbringer, der todesmutig seinen Leuten, ein leuchtendes Beispiel, weit voraus war, ferner die Reiter Stern und Struß. — Eine große Anzahl war schwer verwundet worden. Batterie und Maschinengewehre waren abschnittsweise ebenfalls näher herangekommen, letztere auf dem rechten Flügel, die Flanke deckend. Hauptmann Kirchner, welcher sich mit dem Oberleutnant Freiherrn Grote bei den Maschinengewehren aufhielt, gab nun das Zeichen zum Sturm. Auch die Maschinengewehre drangen soweit wie möglich vor. Von einer günstigen Stellung aus unterstützten sie den Sturmanlauf. Hierbei siel der Reiter «Schneider, und mehrere 20 » Maschinengewehre auf Tragtieren (Große Karrasberge). ÄL..-. Maschinengewehre durchsahrcn den Fischflutz. 148 ' WMMM „Ein dichter Heuschrcckcnschwarm verdunkelte Sie Gegend/ Leute des Maschinengewehrzuges wurden verwundet. Der Gegner ging wohl aus der ersten Schanzenstellung zurück, aber dicht dahinter lag eine zweite, noch stärker verschanzte Stellung. Beim Eindringen in die feindliche Stellung war der Hauptmann Kirchner tödlich verwundet worden. Beim Versuch, seinen Hauptmann zurückzutragen, fiel der Sanitätsgefreite Brüstle. Inzwischen war es 6 Uhr geworden. Immer mehr wurde es klar, daß der Gegner die so viel schwächere Abteilung zu umzingeln versuchte. Ein Maschinengewehr war sogar gezwungen, nach rückwärts zu schießen, um einem von rückwärts drohenden feindlichen Angriff entgegenzutreten; bei den weiter rückwärts stehenden Fahrzeugen wurde ein feindlicher Sturmanlauf mit der blanken Waffe abgewiesen. Oberleutnant Freiherr Grote gab der Artillerie den Befehl, alle verfügbaren Kanoniere in die Schützenlinie zu schicken. Auch die Reihen der braven Kanoniere waren arg gelichtet, Reiter Wandel und Schlenz gefallen, Leutnant Wolfs und mehrere Unteroffiziere und Reiter verwundet, auch Leutnant d. R. Beer- mann war verwundet. Die Gesamtverluste betrugen 12 Tote und 28 Verwundete. Das Feuer wurde nunmehr gegen Einbruch der Dämmerung schwächer, auch beim Feinde, der ebenfalls starke Verluste erlitten hatte. Nur die beiden Maschinengewehre konnten, dank ihrer großen Patronenzahl, das Feuer bis zum letzten Augenblick aufrechterhalten, was nicht wenig zur Hebung der Zuversicht der tapferen Truppe beitrug. Oberarzt Hoffmann und ein Sanitätsnnter- offizier der Maschinengewehr-Abteilung walteten unermüdlich ihres schwierigen Amtes, welches durch gänzlichen Mangel an Wasser und auch sonstigem Sanitätsmaterial ganz bedeutend erschwert wurde. Bis gegen Mitternacht dauerte der Kampf noch fort, dann verstummte das Feuer gänzlich. Nachdem die Toten und Verwundeten geborgen waren (letztere mußten, da die Sanitätswagen bei Kofis zurückgeblieben waren, auf die Protzen und Lafetten der Batterie und Maschinengewehre geladen werden), trat das Detachement gegen 1 Uhr morgens den Rückmarsch auf Kofis an. Beim späteren Überschreiten des Gefechtsfeldes von Aob wurde den für Deutschlands Ehre gefallenen tapferen Kameraden ein schlichtes Holzkreuz als Denkmal gesetzt. Freiherr Grote, Oberleutnant in der Maschinengewehr-Abteilung 9. Für tot gehalten Der Tag von Aob. 10. März 1905. Ich gehörte dem 1. Pionier-Bataillon an und trat am 5. November 1904 zur Schutztruppe über. Am 9. Dezember landeten wir in Swakopmund, wurden aber dann sofort weiter nach Lüderitzbucht eingeschifft. Dort achttägige Ruhe, dann Weitermarsch über Kubub auf Keetmannshoop. Ich gehörte der 10. Kompagnie unter Oberleutnant von Stockt an. Schon während des Vormarsches hatte ich das Unglück, bei einem Patrouillenritt am Löwensluß mein Pferd zu verlieren — nicht durch dort vielfach gespürte Löwen, sondern infolge zu heftigen Trinkens. Es zitterte anfangs heftig — ging nicht vorwärts, und auf die Frage des Patrouillenführers, Sergeanten Hübner, wer bei mir zurückbleiben wolle, meldete sich freiwillig der Reiter Reuter, Bursche des Leutnants Fürbringer. Da ich hoffte, daß mein armes Pferd sich wieder erholen würde, sattelten wir dasselbe ab und schlugen uns etwa 100 Meter seitwärts in die Büsche, während die übrigen ins Lager zurückritten. Nachdem wir auch das Pferd meines Kameraden vom Sattelzeug befreit, wickelten wir uns in unsere Woilachs (die Nächte find im Gegensatz zu den heißen Tagen immer empfindlich kühl) und versuchten zu schlafen. Ich träumte gerade schön von daheim, als wir plötzlich durch unruhiges Schnaufen und Stampfen des Pferdes gestört wurden. Und dann begann ein Konzert, das ich mein Leben lang nicht vergessen werde. Durch das Geschrei und Gekreische von allerhand Tieren tönte schauerlich das widerliche Geheul der Schakale, die durch mein sterbendes Pferd schon angelockt worden waren. Mit dem Schlafe war es natürlich vorbei. Gegen Morgen nahmen wir ein Bad und füllten, da unser Essen „kaie" (alle) war, gehörig unsere Wassersäcke, natürlich auch unsere Magen. Hierbei wurden gewöhnlich die Augen zugedrückt, damit man das vielerlei Gewürm, das schon möglichst beiseite geschaufelt wurde, beim Trinken nicht sah. An den Weg zurückgekehrt, fanden wir mein Pferd leider verendet und mußten nun zu Fuß das Lager zu erreichen suchen, das Pferd Reuters mit den Sätteln hinter uns herführend. Gegen 10,30 Uhr vormittags trafen wir glücklich wieder ein, während die Patrouille abends 11,30 Uhr bereits zurück war. Unvermutet traf jetzt Hauptmann Kirchner mit zwei Gebirgsgeschützen auf Station Huns ein. Die Kompagnie von Stockt wurde sogleich geteilt, und Hauptmann Kirchner erhielt von uns zwei Züge überwiesen. Letzterer hatte bereits feindliche Spione wahrgenommen und orientierte _und Iah, wie er plötzlich mit seinem Pserde stürzte," M« MAL 150 uns deshalb über Gelände, Verhalten vor dem Feinde und den Kameraden gegenüber, sowie über die verantwortungsvollen Viehposten und feuerte uns mit beredten, zündenden Worten an. Abends, um 6 Uhr, brachen wir auf, unter Vorausschickung der Spitze und der üblichen Verbindungsleute. So ging es nun einige Tage hindurch. Am siebenten Tage stießen wir auf ein Flüßchen, wo nach Wasser gegraben wurde. Hauptmann Kirchner wies wiederholt auf die Nähe des Feindes hin. Ein Posten wollte abends denn auch Licht in der Ferne gesehen haben und meldete dies meinem Zugführer Leutnant Fürbringer. Dieser beobachtete hierauf scharf gemeinschaftlich mit Hauptmann Kirchner; uns wurde größte Ruhe empfohlen, auch dursten wir kein Feuer mehr anzünden. Als wir am frühen Morgen dem Lager kaum den Rücken gekehrt hatten, da war es unser Abteilungsführer selbst, der durch sein Glas in Richtung auf die Karrasbcrge bei Aob feindliche Reiter erspähte. Die Karrasberge waren das Ziel, wohin die Truppe auf Anordnung des Oberst Deimling bis zum 11. März gelangen mußte, an welchem Tage der gemeinschaftliche Angriff auf die Baude Morengas stattfinden sollte. Aob ist die Bezeichnung eines Berges oder vielmehr des hinter demselben liegenden Wasserloches; von dem Vorhandensein des letzteren erfuhr die Abteilung leider erst später. Hätte sie es gleich gekannt, wäre vielleicht nach dem Gefechte der Rückzug wegen Wassermangel unterblieben, und der Feind gänzlich aufgerieben worden. — Gerade die leidige Wassernot ist es, welche oft die völlige Ausnutzung eines errungenen Sieges durch Verfolgung des Gegners vereitelt. Den nach einem längeren Gefechte erschöpften Soldaten kann die schwere Arbeit des Wassergrabens nicht mehr zugemutet werden, und so darf sich der Führer mit seinen Truppen in unbekanntem Gelände nicht aufs Geratewohl von der letzten Wasserstelle entfernen. Am 10., also schon einen Tag früher wie beabsichtigt, kam unsere Abteilung bei Aob an, bedingt durch die gewonnene Fühlung mit dem Feinde. Unser allverehrter Leutnant Fürbringer, ein bewährter Spitzenführer, ließ sich diesen verantwortungsvollen Posten nicht nehmen und war somit immer als erster voran. Um ein Abschneiden der Spitze zu verhüten, sicherten wir uns stets durch Seitenpatronillen. Mir wurde die Auszeichnung zuteil, für gewöhnlich die rechte Seitenpatrouille zu haben, während mein Kamerad Reuter die linke hatte. Da jeden Augenblick ein Zusammenstoß erfolgen konnte, ermähnte uns unser Leutnant noch, tüchtig „dreinzuhalten". Es war am 10. März 1905, 3,15 Uhr nachmittags, als Reuter eine Bergspitze erklomm. Ich konnte ihn von der gegenüberliegenden Höhe beobachten und sah, wie er plötzlich mit seinem Pferde stürzte und von demselben herabfiel. In demselben Augenblicke fielen von drüben auch schon einige Schüsse, und glaubte ich zunächst, Reuter wäre getroffen worden. Glücklicherweise war dies jedoch noch nicht der Fall, er konnte sich wieder aufrappeln, eilte zurück und meldete 200 bis 300 Hottentotten, zu der Bande Moreuga gehörend. Sein Gaul war spornstreichs ins feindliche Lager gerannt. Ich konnte von den schwarzen Teufeln nur vereinzelte sehen, weil die zerklüüewv Felsen ihnen ungezählte natürliche Festungen boten, bemerkte aber durch das 151 Einschlagen von Kugeln in meiner Nähe, daß ich bereits gefeben worden war, und galoppierte deshalb zur Spitze, was gleich ein starkes Feuern des Feindes veranlaßte. Wir warfen uns nieder und erwarteten, fortwährend feuernd, unser Gros. — Ein eigentümliches Gefühl ist es doch, wenn man das erstemal im Leben die todbringenden Geschosse vorbeipfeifen hört. Wie eine Ernüchterung von der unwillkürlichen Aufreguirg wirkte es aber, als ich plötzlich einige Schritte von mir einen Kameraden aufschreien höre, den ersten Schwerverwundeten; ihn hatte ein Schuß von der Seite quer durch beide Fußsohlen getroffen. Jetzt wurde ich vollständig gleichgültig der Gefahr gegenüber und nahm mir einen nach dem andern der schwarzen Gesellen aufs Korn. Einige der zunächst Anstürmenden hatte ich schon glücklich „erledigt", da sehe ich zufällig, wie gar nicht weit von mir hinter einem Felsstück ein Kopf auftaucht und ein Gewehr vorgeschoben wird. Zum Unglück war mein Karabiner gerade leergeschossen. Ich will schnell laden, um mir auch diesen Kunden, der es auf mich abgesehen hatte, kaufen zu können. Ich habe mich jedoch kaum auf die linke Seite gelegt und die Ladebewegung mit dem rechten Arme gemacht, als ich auch schon einen stechenden Schmerz in der rechten Seite fühle und der Karabiner meinen Händen entfällt. Gleich darauf bekam ich fürchterlichen Durst, was meinen Leutnant Fürbringer veranlaßte, mir seine Feldstasche zuzuwerfen. (Gott lohne es ihm, er sollte ihrer leider auch nicht mehr bedürfen!) Ich konnte noch wahrnehmen, wie Oberleutnant z.S. Schneider von S.M.S. „Habicht" (ein freiwilliger Teilnehmer an diesem Gefechte, der sich im Norden der Kolonie mehrfach ausgezeichnet hatte) unseren zweiten Halbzug heranbrachte, da der erste unsere Spitze bildete. Weiter hörte ich, wie Oberleutnant z. S- Schneider meinen Leutnant frug, ob er (Sch.) nicht lieber die Führung übernehmen solle, da Leutnant Fürbringer kolossal angestrengt war. Letzterer hatte sich selbst mit einem Karabiner bewaffnet und getreu seiner uns gegebenen Ermahnung fortwährend tüchtig „dreingehalten", und zwar mit gutem Erfolge, da er ein ausgezeichneter Schütze war. Mit den Worten: „Ich danke dir, lieber Freund, ich führe selbst weiter!" lehnte er das Anerbieten ab und stürmte jetzt an der Spitze unseres Zuges auf den Feind los, nachdem er mir noch kurz ein Adieu zugerufen hatte. Jetzt wandte sich Oberleutnant z. S. Schneider zu mir, schnitt mir das Zeug vom Körper und verband mich notdürftig mit meinem Verbandpäckchen, unter Zuhilfenahme seines eigenen. Soviel er feststellen konnte, war der Schuß in die rechte Seite eingedrungen und zur linken wieder hinausgegangen, so daß ich stark blutete. Nachdem mein eigentlicher Retter sich in Eile meinen Namen notiert und einen Posten bei mir aufgestellt hatte, stürmte auch er mit einem Adieu weiter. Der Posten deckte mich zu, da ich fror, und brachte mich in eine bequemere Lage. Ich hörte noch ein furchtbares Geschützfeuer und verlor dann die Besinnung. — Mein Schlaf muß aber wie ein ewiger erschienen sein; denn in der Annahme, ich sei tot, hatte mich der Posten verlassen und auch vorschriftsmäßig als tot gemeldet — um bald darauf selbst den Heldentod zu finden. Gegen 10 Uhr war ich jedoch durch das Geschützseuer und das fürchterliche Geschrei und Gewimmer um mich her erwacht, selbst von den wütendsten Schmerzen gepeinigt. In meiner Verzweiflung sehnte ich eine erlösende Kugel herbei, doch sie kam nicht, und zu meinem Glück; denn ich bin, was die Ärzte zuerst kaum annehmen konnten, von der geradezu furchtbaren Verwundung genesen. Leise flüsternd nur konnte ich dem wackeren Oberleutnant z. S. Schneider danken, der sich meiner in selbstloser Nächstenliebe gleich nach dem Gefechte wieder erinnerte und mich durch sechs Mann auf einen Ochsenwagen tragen ließ. Die Verwundeten wurden gesammelt, die Toten in Zeltbahnen gewickelt und vorläufig mit Felsstücken bedeckt, damit die Tiere nicht herankonnten. Hauptmann Kirchner hatte man mit einem Brust- und Kopfschüsse tot aufgefunden, ebenso Leutnant Für bring er mit einem Kopfschüsse. Es wurde nun wegen Wassermangel mit drei Ochsenwagen voll Verwundeter der Rückmarsch noch Kofis angetreten, wo ein Arzt die 29 größtenteils schwer Verwundeten, welche 153 lM L Helm wird durch Oberleutnant z. S. Schneider verbunden. auf der holprigen Fahrt noch furchtbar aushalten mußten, verband. 15 Tote und zwei Vermißte waren zurückgeblieben, von letzteren wurde einer später noch tot aufgefunden. Als man uns in Kofis abgeladen hatte, war mit einem Male auch — die Leiche von Leutnant Fürbringer da. Einige seiner Getreuesten hatten ihren tapferen, geliebten Leutnant ohne Wissen der anderen unter den größten Mühen mittransportiert, um ihn in Kofis begraben zu können. Sein Freund, Oberleutnant z. S. Schneider, hat später das Grab photographiert. Als man nach dem Kampfplätze zurückkehrte, um die Toten zu bestatten, fand man sie völlig entkleidet vor, mit eingedrückten Gesichtern. Die schwarzen Ungeheuer hatten die Leichen ihrer sämtlichen Kleidung beraubt und dann noch auf genannte Weise geschändet, mit Ausnahme von Hauptmann Kirchner, dem sie auch seine Uniform gelassen hatten, weil sie vollständig mit Blut durchtränkt war. Seine Leute bereiteten ihrem Hauptmaun pietätvoll ein Grab. — Möge unseren Tapferen die Erde dort drüben leicht sein! Am 30. April wurde vom Lazarett in Kofis nach Keetmannshoop aufgebrochen. Hier war auch Oberst Deimling eingetroffen, der die Verwundeten mit herzlichen Worten bedauerte, sich nach jedem einzelnen erkundigte und ihnen gute Besserung wünschte. Nach 14tägiger Verpflegung in Keetmannshoop wurden wir nach Lüderitzbucht transportiert, wo wir mit anderen Transporten am 27. Juni auf „Hans Woermann" eingeschifft wurden. Die Ankunft in Hamburg erfolgte am 24. Juli. Dank der Fürsorge des Reiches wurden wir nach der Entlassung aus dem Lazarett zur völligen Genesung in Bäder geschickt, und ich erhielt das Militärehrenzeichen 2. Klasse. Unser fernerer Lebensweg möge sich nach den ausgestandenen Strapazen so glücklich gestalten, daß wir nach langen Jahren noch erzählen können, wie wir einst freiwillig für das Vaterland in den Kampf zogen und die jungen Krieger ermähnen dürfen zu Vaterlandsliebe und Königstreue. Paul Helm, ehein. Reiter d. Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. * * * Aus dem Wotizbrtche Wovengcrs, / -6 xx 5. LL. ^ / -- ^ - ck X - > t - e. /L ' ^5' Iweitor- Ueil'. 10. Kam am 10. in Klipdnm an. Die Bondels feuerten einige Schüsse als Salut, schlachteten einen Ochsen und brachten nur Kaffee (?), Salz und Milch und reichten mir Fleisch in dem Deckel eines Feldkcssels. 11. Nichts Außergewöhnliches geschehen, abgerechnet, daß eine Patrouille unter Führung des Kommandanten B l aw er (?) vom Karrasberg ankam, um Kaffee, Tabak und Kleider zu holen. 12. Eine weitere Patrouille kam in Klipdam an; Kommandant Hendrik dahinter. Heute sah ich, wie ein Mensch sich Hilfsmittel verschaffen kann. ^ e /^ ->- ^ ^ -. 7 v '. ^ S-'^'. .2<.,'^'-l , ,^« >^^c.-r( 5'/ . ^ » 'L-^/ . <^.ckki. -^<. " >-^Ls q^L- -l ^,, j l^<.^ ^ ^ ' c -^tz-s-r - ^i---^-x.s< '»n. ^ ^'1^4-^- r 7»^ < / / >- -< , . / L^- K. i.^ / .« l . . ^ Aus Türen und Brettern der Häuser zogen sie die Nägel, feilten sie »nd beschlngen die Pferde damit, was seinen Zweck sehr gut erfüllte. Die Bondeis sind bemüht, die Belschoens für sich zu gewinne». (?) t3. 2. 0ö. Eine nach Witlrans ausgesandte Patrouille fing den Boercn und das Rindvieh eines Mannes namens Jekner (?) ab. Jekner floh mit seinem Gewehr über die Grenze. Die Bondels sagen, daß er in Kran (?) Weiber und Kinder kaltblütig ermordete. Sie fanden die Munition des Boeren, die dieser vergraben hatte. Ein Mann namens Esau mit seiner Familie war znr Zeit auch dort. /---ö'-tz - - ' f. ^ ' < >^zr ^>^- q^/ F ' -/< , , / ^... /,/ . , ^ / >- ' ' '. .' 1 i - X-. l . ' " "-<^> >^0 - . .. v'/ . s. - i / --- -i.- " ^ / .--... c^<- -s ^>.',L.,' / V / ^ -L> ^ ^ / r„ //- r./ > x .. Kcrctctzcrncrs. 10. 8. 05. Die Bondeis kämpften gegen die Deutschen bei Kactchanas. Die Bondels beabsichtigten in einem Engpaß zu fechten, zögerten aber zn lange und erlaubten dadurch den Deutschen die Ebene zu erreichen. Die Bondels erwarteten nun die Deutschen im Hinterhalt und ließen sie heranreiten. Ein Mann ritt den andern voraus, und den nahmen die Bondels unter Feuer. Die Deutschen stürmten, wurden aber mit schweren Verlusten zurückgeworfen. Nach einem Buch, das einem Deutschen abgenommen wurde, ! // - 'L. LL--^"L7<.-s^ .. >- . ^ ^«. ^- ? f.-c ^ .-< --... ».,. -- -<- -—-^-S"^ ^ Einen Postkarre>r und eiuen Boer abgesungen. 6. 4. 05 ^ > -5 ! . ' . - o-/- ^ ^ ^ 1 4. 2. 05. Eine andere Patrouille nach Scance-Kalk (?) ausgesandt. 15. Li. 05. Eine Patrouille heute in LUpdam angelommen. 153 Der Heldentod zweier Offiziere. i. Leutnant Edzard Fürbringer, gefallen bei Aob, 10. März 1905. Ein tragisches Geschick hat es bestimmt, daß zwei Offiziere des Namens Fürbringer den Heldentod in Südwestafrika finden sollten. Aus den schlichten Mitteilungen des braven Reiters Paul Helm, denen diese Worte ehrender Anerkennung sich anschließen sollen, spricht so recht deutlich, welcher Liebe der hervorragend tüchtige und bewährte Offizier sich bei seinen Leuten erfreute. Wie sehr er bei den Offizieren in Ansehen stand, wie sehr er kameradschaftlich verehrt wurde, das geht aus einem Schreiben des Leutnants z. S. Karl Schneider an den Vater des Leutnants Edzard Fürbringer hervor, aus dem hier ein kurzer Auszug sich den Berichten des Oberleutnants Freiherrn Grote und des Reiters Helm anschließen soll. „Die Abteilung Kirchner hatte am 10. März 1905 58 Gewehre, unter Leutnant Fürbringer, 2 Gebirgsgeschütze (Leutnant Wolfs), 2 Maschinengewehre (Freiherr Grote). Unter Fürbringer stand noch Leutnant d. R. Beermann, unter Grote Leutnant z. S. Schneider. Am Morgen um 11 war der Abmarsch aus Kofis. Fürbringer führte die Spitze. Gegen 3 Uhr erhielt diese Feuer, als sie sich dem Defilee näherte. Fürbringer erhielt einen Schuß durch den Sattel, der sein Bein streifte und durch den gerollten Mantel hinausging. Die Spitze saß ab und blieb 100 Meter vorn Feinde liegen. Um 3,45 Uhr führte Leutnant z. S. Schneider den Zug heran und legte sich neben Fürbringer. „Na, Schneiderchen, leben Sie noch?" rief dieser ihm entgegen. Znr Rechten Fürbringers lag ein Reiter der Spitze, der durch beide Fersen geschossen war, znr Linken ein Btann mit einem Brustschuß. Es wurde „Avancieren" geblasen." Wörtlich schreibt dann Leutnant z. S. Schneider: erstürmten, geschossen, L - Hererdkricger mit gestlidleiien deutschen Ausrüstungsstücken. Deutsche Reiter In Südwest. fiel links Von Edzard mein Bursche, durch Mann durch einen Schuß in die Brust. Wir krochen auf dem Bauche weiter. Bei kurzer Atempause meinte Fürbringer: „Na, langsam, aber sicher kommen wir vorwärts." Bald darauf bäumte er hoch und fiel dann vornüber, die Hände ausgestreckt, — aufs Gesicht. Ich rief ihn an — erhielt keine Antwort. Ich kroch links an ihn heran, — fühlte nach dem Puls. — Das Leben war schon entflohen! Es war kurz nach 4 Uhr. Er hatte zwei Schuß erhalten, einen von rechts oben, durch die Schlagader, an der linken Brustseite heraus, einen durch das Herz. Sein Bursche Galacky -x, und seilt Pferdehaltcr Reuter sielen mit ihm." 21 154 Leutnant Fürbringers Koffer kam abhanden, da der Karren für Verwundete entladen wurde. Sein Tagebuch') kam dadurch in Mvreugas Hände, der es als Notizbuch benutzte. Später nahm es diesem die Kappolizei au der englischen Grenze ab, und es kam als letzte Erinnerung in die Hände des Vaters zurück. II. Tod des Leutnants Karl Fürbringcr, 24. Mai 1900 bei Tsamab. In dem Bericht des braven Reiters Helm ) Faksimile einiger von Morenga beschriebenen Blätter dieses Tagebuches siehe Beilage Seite 153. H rjr 'Leutnant Karl Fürdringer. Eeittmmt Edzard niirbriiiger. — 155 — „Kerls, das sind die Hereros!" Gefecht am Liewenberg, 16. Februar 1904. Am 15. Februar 1904, gegen 5 Uhr, marschierten wir von Otjimbingue ab, in der Richtung nach Groß-Barmen. Erst spät in der Nacht wurde halt gemacht, und der erste Zug zog auf Vorposten. Es durfte kein Feuer angemacht werden; auch war größte Ruhe befohlen, da der Feind in der Nähe sein mußte. Ich stand mit einem schwarzen Ochsen- treiber Doppelposten, und wir paßten scharf aus. Morgens 5 Uhr wurde der Weitermarsch angetreten. Bor uns lag der Liewenberg. Um 7 Uhr, es war schon recht warm, die Feldflaschen waren leer, und wir ließen schon die Köpfe hängen, da knallte rechts von dem Berg plötzlich ein dumpfer Schuß. Wir horchten sofort auf, wußten aber nicht, was eS war. Jetzt krachten wieder mehrere Schüsse, und in demselben Augenblick jagte Kapitänleutnant Gygas an uns vorbei und rief: „Kerls, das sind die Hereros!" Alle Müdigkeit war nun vergessen, ging es doch endlich in das lang ersehnte Gefecht, und als Unteroffizier Gehlen nun kommandierte: „Ausschwärmen!" da ging es im Laufschritt durch das Gebüsch gegen den Berg. Jetzt pfiffen aber die Kugeln, und auf dem Berg knallte es ganz gewaltig. Als wir das trockene, etwa 200 Meter breite Flußbett des Swakop durchliefen, schlugen die Kugeln vor und neben uns ein, daß uns der Sand oft ins Gesicht spritzte. Der dritte Zug lag schon ausgeschwärmt am Fuße des Berges, und wir gingen rechts daneben in Stellung. Ich nahm mein Gewehr vor und suchte die Schwarzen, aber die hatten sich hinter Gebüsch und Felsen so gut gedeckt, daß nichts zu sehen war. Überall knallte es und stieg Pulverdampf auf. Da ich von meinem Platz aus schlecht sehen konnte, stand ich auf und ging hinüber nach links, dabei flogen aber die Kugeln um mich herum, daß es brummte. Ich legte mich nun zwischen einen Maat und einen Matrosen hinter einen Stein. Jetzt sah ich zwischen den Büschen und Felsen hier und da einen schwarzen Kopf auftauchen und schoß nun auch drauf. Da rief der Bootsmannsmaat Jurgahn neben mir: „Ich habe einen Schuß!" Ich sah hin, da stand er auf und ging zurück, wobei ihm dunkles Blut den rechten Arm hinunterlief. „Schuß durch den rechten Oberarm!" rief er. Plötzlich knallte es hinter einem kleinen Strauch nicht weit von mir, und die Kugel flog dicht über mir hinweg. Ich gab nun fünf Schuß auf diesen Strauch ab, und es rührte sich dann nichts mehr dahinter. Als die Hereros einige Zeit unter Feuer genommen waren, wurde der Berg erstürmt. Doch die schwarzen Kerle hatten sich dünne gemacht. Bor mir standen Felsen und Dornenbüsche. Matrose Karle, welcher links neben mir war, rief mir zu: „Hier können wir her!" Doch ich rief ihm zu: „Komm, hier können wir auch herauf!" Karle kam nun hinter mir her, und als wir bis auf vier Schritt an die Felsen heran waren, krachte vor uns ein Schuß, und wir beide stürzten getroffen zu Boden. Hinter dein Felsen hatte sich ein Herero versteckt und, als wir dicht vor ihm waren, auf meinen Kopf geschossen. Nun, er hatte schlecht geschossen! Die Kugel, es war eine Henry-Martiui-Bleikugcl, war durch meine 21 * Reiter Adam Hesse. 156 linke Backe gegangen, dann unterhalb des Ohres her, hatte die Halsmuskel durchschossen, war dicht an der Schlagader vorbei und hinten am Hals wieder herausgekommen, und dann dem hinter mir gehenden Karle in die Brust gedrungen. Der arme Kerl war gleich tot. Die Kameraden sprangen gleich hinzu und machten dem Herero den Garaus. Der Feind hatte sich hierauf auf die Hauptstellung am Liewenberg zurückgezogen und leistete zähen Widerstand; erst nach sechsstündigem Gefecht wurde er geschlagen. Mein toter Kamerad und ich aber lagen noch zwei Stunden oben, ehe wir geholt werden konnten. Ich hatte großen Blutverlust und war gleich besinnungslos, erst zwei Tage später kam ich zum Bewußtsein. Als am Nachmittag der Weitermarsch angetreten wurde, lud man die Verwundeten auf einen Ochsenwagen. Es war ein schwieriger Transport, da es über Stock und Stein ging; meine Wunde hatte sich entzündet, und ich litt fürchterliche Schmerzen. Am 19. Februar morgeus wurde ich durch heftiges Schießen geweckt, und ich fragte Maat Jurgahn: „Was ist denn los?" Er sagte: „Wir sind in einer Schlucht von den Schwarzen überfallen, und es wird uns wohl schlecht gehen!" Der Wagen fuhr im schnellsten Galopp, so daß ich hin und her geworfen wurde. Einigemal hielt er still, und Maat Jurgahn sagte: „Sie haben uns Ochsen vor dem Wagen weggeschossen!" Das Schießen wurde immer heftiger, dazwischen ertönte das Krachen des Geschützes und der Revolverkanone. Mehreremal klatschte es gegen die Seitenwaud des Wagens, und es pfiff über mir hinweg. Beim Hinsehen entdeckte ich große Löcher in der Wand, es waren Kugeln hindurchgeflogen. Es tat mir bitter leid, das; ich nicht mitkämpfen konnte, aber ich war hilflos und konnte mich nicht rühren. Der Feind wurde auch in diesem Gefecht (bei Groß-Barmen) nach hartem Kampf in die Flucht geschlagen. Am Abend wurden die Verwundeten aufgeladen und unter starker Bedeckung nach Okahandja gefahren, wo wir Sonnabend, den 20. Februar, früh, ankamen. Während die andern Verwundeten hier ins Feldlazarett kamen, wurden Gefreiter Ratjen und ich mit der Bahn nach Windhuk befördert und in das dortige Lazarett gebracht. Ich war fünf Tage auf dem Transport gewesen und war gänzlich erschöpft. Nachdem meine Wunde vernäht war, heilte sie rasch, aber ich blieb auf dem linken Ohr taub, und außerdem war die linke Gesichtshälfte gelähmt. Ich war also invalid und wurde am 7. April wieder nach Hause geschickt. Das tat mir sehr leid, denn ich wäre noch gern drüben geblieben und wieder mit ins Feld gezogen. Ich habe fast geweint, als ich von meinen guten Kameraden Abschied nehmen mußte, aber ich mußte mich fügen. Ich wurde als ganzinvalid entlassen, bekam Pension und den Zivilversorgungsschein, auf letzteren auch bald Anstellung. Auch erhielt ich das Militürehrenzeichen 2. Klasse am schwarzweißen Band. Adam Hesse, ehem. Reiter der Eisenbahnbetriebskompagnie der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. * * -i- MiWückter Überfall der Hottentotten bei Norechab. 14. Februar 1906. Anfang Februar 1906 lag die 12. Kompagnie 2. Feldregiments, bei der ich mich befand, zur Sicherung der Etappenstraße Namansdrift—Warmbad in der Norechabschlucht stationiert. Am 14. Februar 1906, morgens 5 Uhr, wurden wir durch Kanonendonner eines Geschützes der 2. Gebirgsbatterie unsanft aus dem Schlafe geweckt. Für uns hatte es einen Angriff der Hottentotten zu bedeuten. Da wir stets angezogen, mit Gewehr im Arm, schliefen. »7 77L * MjD LL?7^ Da rief der Bootsmannsmaat Jurgahn: ,,^ch bade einen Schutz in den rechten Lbcrarm!" 158 dauerte es bloß einige Sekunden, bis das Kommando kam: „Kompagnie ausschwärmen, Richtung ausgangs der Schlucht!" Ich sollte heute die Feuertaufe erhalten. Schon lange hatte ich mich danach gesehnt. Bkit Begeisterung ging ich in Mitte der Schützenlinie vor. Wir hatten noch nicht den Ausgang der Schlucht erreicht, da wurden wir auch schon durch starkes Feuer begrüßt. Sprungweise gelaugte die Kompagnie vor, jedoch nicht ohne Verluste. Es wurde mir zugerufen : „Dort liegt ein Verwundeter!" Nachdem ich auf freier Fläche den Mann verbunden hatte, vollständig den Kngeln der Bande preisgegeben, hörte ich auch schon einen andern Beklagenswerten einen Schrei ausstoßen. Ich konnte ihm nicht mehr helfen. Bei meiner Ankunft war er bereits tot — ein Herzschuß hatte seinem Leben ein Ende gemacht. — Die Hälfte der Kompagnie ging aus den linken Höhenrand vor, während die andere Hälfte eine kleine Krippe links der Pad (Weg) besetzte. Ein Geschütz der 2. Gebirgsbatterie stand rechts der Pad auf der Höhe. Detachementsfllhrer Herr Hauptmann von Erckert stand aufrecht auf einer Klippe, von wo er die Befehle erteilte. Trotzdem Herr Hauptmann stark beschossen wurde, blieb er aufrecht stehen, eine Kaltblütigkeit, die man bewundern mußte. Ich hatte noch zu tun mit den Verwundeten, als auch die 10. Kompagnie auf dem Gefechtsfelde erschien. Nach mehrstündigem Schießen war der Gegner einigermaßen zurückgeschlagen. Aber in die Siegesfreude mischte sich tiefes Bedauern. Auch mein Kompagniearzt, Herr Assistenzarzt Dr. Westphal, wurde verwundet. Es lag mir allein die Sorge für die Verwundeten ob. Dazu hatte die Hitze ihren Höhepunkt erreicht, und der Durst sing an, unverschämt zu werden. Gegen 5 Uhr nachmittags hatten wir die Hottentotten vertrieben. Die Kompagnie zählte fünf Tote und sechs Verwundete. Blich erwartete jetzt noch die Hauptarbeit. Vor allem mußten die Verwundeten untergebracht werden. Es wurde ein Zelt mit Hilfe einer Wagenplane aufgeschlagen. Gras wurde in Säcke gestopft, welche dann als Strohsäcke dienten und worauf die Verwundeten ein einigermaßen weiches Lager hatten. Nach fünf Tagen waren alle so weit, daß sie mittels Krankenwagens nach Kranken- sammelstelle Ramansdrift transportiert werden konnten. Meine gefallenen Kameraden waren: Gefreiter Förschle, Reiter Baumer, Heimchen, Horcher, Radtke; die Verwundeten: Gefreite Löper, Noewer, Schumacher, Reiter Laughoyer, Samel und Stolleh. Unser so hochverehrter Dr. Westphal ist glücklich hergestellt von seinen schweren Wunden. Wie es sich herausstellte, hatte die Bande im Sinn, uns im Lager zu überfallen, was ihnen aber fest versalzen wurde. Wieviel Verluste sie hatte, konnte nicht genau festgestellt werden; aber jedenfalls hatte sie eine tüchtige Schlappe erhalten, da sie auf ihrem Rückzüge noch von einem Maschinengewehr überrascht wurde, welches ihr noch bedeutende Verluste beibrachte. Es wird ihr dieser mißglückte Überfall etwas in ihrem blöden Gedächtnis haften bleiben. Nach diesem Gefecht wurde ich zum Militärehreuzeichen 2. Klasse vorgeschlagen und erhielt auch das Königl. Bayer. Verdienstkreuz mit Schwertern. Daniel Korst, Sanitätssergeant, früher 12. Komp. 2. Feldregts. der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, jetzt 8. Bayer. Infanterie-Regiment, Metz. Slinitätsseraeaiit Taniel Körst. — 159 — „Links und rechts sah man schon Rotz und Reiter liegen." Am 22. Mai 1904 langten wir an unserem Bestimmungsort an. Die Brandung in Swakvpmund war so stark, daß wir nur mit Lebensgefahr gelandet werden konnten. Jeder brannte vor Ungeduld, mit dem verhaßten Feinde zusammenzutreffen, doch noch lange sollte es ein frommer Wunsch bleiben. Endlich nahmen wir die Verfolgung auf, und nach schweren Märschen erreichten wir den Feind am Waterberge. Unsere 11. Kompagnie unter Hauptmann Gansser, die zur Abteilung des Majors von Mühlenfels gehörte, hatte schon viele Leute und Pferde zurückgelassen, die nicht mehr vorwärts konnten. Am 11. August blitzten die ersten Kanonenschüsse. Todesschauer ging durch die müden Reiter; denn jeder war sich bewußt, es geht auf Leben und Tod. Geschosse zischten schon durch unsere Linien. Wir standen 4000 Mann gegenüber. Es war ein heißes, schweres Ringen um die Wasserstelle Hamakari. Unser Hauptmann Gansser stürmte vor, wurde aber durch den Kops geschossen; die Kompagnie nahm aber die Wasserlöcher, trotzdem auch Oberleutnant Streccius verwundet war und Leutnant Leplow siel. Mit fürchterlichem „Hurra Dütschmann!" kamen uns die Herervs entgegen, aber sie konnten unsern Kugeln nicht widerstehen. Abends 8 Uhr ging alles zurück. Am dritten Tage begann die Verfolgung. Nur Weiber, Kinder und Vieh ließen die Schwarzen zurück — mau konnte kaum durch. Die Wasserlöcher lagen voll totem Vieh — aber mutig ging's weiter. Links und rechts sah man schon Roß und Reiter liegen, die nicht mehr weiter konnten. Ein Schluck Wasser, und zu Fuße ging's wieder vorwärts — das Pferd blieb liegen. Abends konnten wir nicht weiter. Wir hatten entsetzlichen Durst und Hunger. Fleisch war genug da, aber kein Wasser zum Kochen. Da wurde das Fleisch in das offene Feuer geworfeu und so gebraten. Noch nachts ging's dann wieder zur Wasserstelle Hamakari zurück. Mancher Offizier und Reiter hätte sich lieber den Tod gewünscht, als noch weiter! Aber das Losungswort hieß „Vorwärts!" Die Verfolgung begann. Die Schwarzen waren in das Sandfeld geflohen — wir zogen ihnen nach. Leichen, von den Schakalen angefressen, bezeichneten die Spur. Erst am 17. September langten wir wieder in Otjosasu an und bekamen drei Monate Erholung. Wie der einzelne Mann sich dein Tode geweiht hat, darf ich für mich behalten. Es wird kaum bekannt werden, was der deutsche Soldat dort geleistet hat. Anton Weßler, ehem. Reiter der 11. Komp. der Kaiser!. Schutztrnppe f. D.-Südwestafrika. * Reiter A»t»n Wetzler. 1611 Die 8. Kompagnie 1. Feldregiments im September 1904. i. In den Okawlikabcrgen. Wenn man die Hochfläche des Waterbergs auf dem von den Pionieren der 8. Kompagnie 1. Feldregiments durch Felsensprengung und mühsame Bauarbeit geschaffenen Wege erstiegen hat, so öffnet sich nach Süden ein weiter Blick über Steppe und Busch: rechts begrenzt durch den etwa 15 Kilometer entfernten Nordrand des Höhenznges von Okawaka, hinter dem die einsame Größe des Omatakoberges aufragt, sich dehnend bis zu der noch in 100 Kilometer Entfernung von der klaren Luft sich abhebenden Höhe von Otjo- sondu und links sich verlierend in das scheinbar endlose Sandfeld. Dorthin war im August 1904 die Masse des Herervvolkes gezogen, anfangs noch ein stattlicher Zug mit Wagen und gewaltigen Viehherden, dann immer mehr zusammenschrumpfend, bis endlich nur der Oberhäuptling Samuel mit wenigen Begleitern den jenseitigen Rand, das englische Betschuanaland, erreichte. Schon in der nächsten Umgebung des Waterbergs hatten sich Menschen und Vieh in verschiedenen Trupps vom großen Haufen getrennt, um in den schluchten- und wasserreichen Bergzügen Ruhe und Sicherheit zu finden. Bei Okamuru, am Südrand des Waterbergs, war am 28. August 1904 eine stärkere Bande, die sich durch nächtlichen Feuerschein verraten hatte, im Morgengrauen überrascht und zersprengt worden, bei Okosongominja hatten bald darauf deutsche Kugeln die Lust zur Niederlassung genommen, und zahlreiche Spuren führten nun, von dem unsicher gewordenen Waterberg weg, nach dem Südrand der Oka- wakaberge, wo die über ebenes, wenig bedecktes Land aufragenden Felsen dem aufmerksamen Feinde günstigen Unterschlupf boten. Die Nordseite der Okawakaberge zeigt, ebenso wie die des Waterbergs, keine den Aufstieg erleichternde Schluchten, sondern einen senkrecht abstürzenden Rand von verschiedener Höhe, und darunter eine steile, mit Felstrümmern und Dorngebüsch bedeckte Böschung. Wollte man die am Südrand sitzenden Hereros erfolgreich angreifen, so bildete die Ersteigung des Nordrands eine hierfür unerläßliche Aufgabe. Mitte September gelang es einer Patrouille der 8. Kompagnie unter Leutnant Kaufmann, oberhalb Okosongominja am Tage den Steilrand zu erreichen, und, durch einen Kamin einzeln hinaufklimmend, die Höhe zu gewinnen. Als die Abteilung auf der Hochfläche ein Stück in nördlicher Richtung marschiert war, sah sie eine von einem Hercro bewachte Herde Kleinvieh langsam auf sich zu weiden. Die Gelegenheit zur Wegnahme des Viehs schien günstig, und die Mühe des Aufstiegs lohnend, aber wo Kleinvieh ist, ist wahrscheinlich auch Großvieh, und wo ein Herero ist, sind ganz gewiß noch mehr, und darum entschloß sich der Führer, unbemerkt weiter zu beobachten, um das Ergebnis später besser ausnützen zu können. In geringer Entfernung von den hinter Felsblöcken gedeckten Reitern zog die Herde vorüber, und als sie außer Sicht war, drang die Patrouille weiter zum Nordrand vor. Die geübte Entsagung belohnte sich reichlich; denn in der Tiefe wurde eine große Werst sichtbar, die im Gefühle völliger Sicherheit mit zahlreichem Groß- und Kleinvieh sich zu schaffen machte. Vorsichtig um sich spähend, trat die Abteilung den Rückweg an. Am 18. September 1904, 2 Uhr nachmittags, bei drückender Hitze, marschierte die 8. Kompagnie vom Waterberg ab, durch die Pforte von Omuweroumue auf dem Wege nach Okateitei. Als sie Okosongominja hinter sich hatte und die Dämmerung hereingebrochen war, hielt sie. Es mußte damit gerechnet werden, daß der Feind die Spuren der WW »>- ?" SLt.»« /MM , ^ Aus dem Kampfe des Hauptmanns Puder der Abteilung Heyde bei Waterberg, 11. August 1904, gegen Abend. „Um die Abteilung aus dem eigenen Arüllcriefeuer zu bringen, befahl Hauptmann Puder, unter Mitnahme der Verwundeten lOO in zurückzugehen. Die Hcrcros folgten sofort, anscheinend im Glauben, die Deutschen wollen abziehen. Sie unternahmen einen erneuten Angriff, angetrieben durch die Zurufe und Schambocks der Kapitäne. Doch schon hatten die Deutschen nach allen Seiten wieder Front gemacht. Wurde jetzt durch das Feuer der kleinen Schar der Gegner stutzig? War seine Angriffslust gebrochen? Der Gedanke belebte die Widerstandskraft der Deutschen. Es gelang, den Angriff blutig abzuweisen." Beilage zu: „Dincklage, Teutsche Reiter in Sndwefw Deutsches Verlagshans Bong L Co., Berlin rv. S7. 161 Patrouille gefunden hatte und sich nun durch Bewachung des Nordrands den bisher für gesichert gehabenen Rücken deckte. Deshalb war die „Unter Führung des Leutnants Kaufmann begann dann der mühsame Ausstieg." -E Kompagnie am Tage in der Ebene vorbci- maschiert, als ob sie weiter nach Oma- ruru wollte und suchte nun durch Lagerfeuer ihre Harmlosigkeit zu bestätigen. Sobald es aber völlig dunkel geworden war, wurde eine Abteilung unter Unteroffizier Krause bei Pferden und Lagerfeuer zurückgelassen und zu Fuß der Rückweg nach Okosongominja angetreten. Doch der Erfolg sollte nicht ausbleiben. II. Nächtlicher Aufstieg und erfolgreicher Überfall der Werft. Unter Führung des Leutnants Kaufmann begann dann der mühsame Aufstieg, langsam, in lautloser Stille, Schritt für Schritt. Als nach mehreren Stunden der Steilrand erreicht war, wurde von den an Wurzeln und Steinen sich klammernden Reitern Atem geschöpft. Dem rückwärts über die Tiefe gewandten Blick enthüllte sich ein Bild von ergreifender Schönheit. Gegen den tiefblauen Nachthimmel hoben sich die scharfen Kanten des mächtigen Tafelbergs von Omuweroumue ab, zu dessen Füßen die dunkleren Farben des Waldes durcheinanderwogten. Kein Laut drang durch die Stille, kein lebendes Wesen verriet sich in der unermeßlich weiten Landschaft. Nur ganz fern, am Westrand des Waterbergs, über steilem Absturz, flackerte das einsame Feuer eines in diese Höhe geflüchteten Eingeborenen. Der schwierigste Teil, die Überwindung des Steilrands, stand noch bevor; denn ein einziger Herero, am oberen Rande lauernd,konnte dasAufklimmenimKaminund damit den Vorteil der Überraschung vereiteln. Als daher einem nach dem andern das mühsame Werk gelungen war, und eine lautlose Zählung oben ergeben hatte, daß keiner fehlte, konnte man erleichtert aufatmen; denn nun war so viel gewiß, daß die Patrouille damals unbemerkt geblieben, daß der Feind sorglos war wie bisher. 22 Deutsche Reiter in Südwest. Nach der Anstrengung des Aufstiegs erschien der Marsch über die mit niedrigem Buschwerk und zahlreichen Felsstücken bedeckte Hochfläche wie ein Spaziergang. Nach längerer Zeit — sechs Stunden nach dem Verlassen der Lagerfeuer — deutete die zunehmende Größe der Steine an, daß man sich dem Südrand näherte. Noch war nichts zu sehen, aber die Spannung wuchs, und wenn der Tritt eines ermüdeten Fußes auf den Steinen sich hörbar machte, hielt man an, um zu lauschen, ob der Feind das Geräusch gehört habe. Da zeigen sich plötzlich zwei Feuer, die Bewegung stockt, der Südrand ist erreicht. Die Feuer können nicht zur eigentlichen Werft gehören, sie sind nur wenig unterhalb der Hochfläche, es sind Posten, die den Zugang decken. Das war eine neue Prüfung der Geduld; denn die Überraschung der Werft war wieder unsicherer geworden; die lautlose Aufhebung der Posten war des Geländes und der Dunkelheit wegen unmöglich. So blieb denn nichts übrig, als das erste Morgengrauen hier oben abzuwarten, um sich dann von den fliehenden Posten den Weg zur Werft zeigen zu lassen. Zwei Stunden lang kauerte man lautlos, in bitterkalter Nacht, hinter den Felsen. Als das erste schwache Morgenlicht die Umgebung erkennen ließ, zeigte sich, daß die Feuer verlassen waren. Schnell wurde abwärts geklettert, gedrückter Stimmung, denn wenn die Posten etwas bemerkt hatten, so war kein Erfolg mehr zu hoffen. Sandige, ausgetretene Pfade führten in vielen Windungen die Schlucht abwärts, immer zahlreicher, immer frischer wurden die Spuren. Einen Augenblick stockte man freudig überrascht, deun der Bergdamara Andreas zeigte auf Pferdespuren; das deutete auf einen wertvollen Zuwachs zum gelichteten Bestände. Wieder macht Andreas ein Zeichen, ein Herero erscheint, gebückt aufwärts, der Truppe cntgegensteigend. „Nieder! Sehen, ob mehr kommen, dann vorwärts!" Der Herero ist allein, aber vorwärts muß man jetzt, denn die Werft muß ganz nahe sein. Ein wohl- gezielter Schuß von Leutnant Erhardt streckt den Herero zu Boden, es ist das Signal zum Sturm. Nur wenige Schritte noch, da zeigte sich hinter einem die Aussicht bisher sperrenden Felsen ein buntes Gewimmel von Menschen und Tieren, mit Geschrei und Gebrüll durch- einanderlaufend. („In Deckung! — Feuer!" kommandierte der Führer, und eine wohlgezielte Salve knattert in die Werft. Die Hereros erwidern das Feuer, hinter Felsblöcken kauernd und aus der Menge des wild durcheinanderlaufenden Viehs hervor schießend, nur mit wenigen, schlecht gezielten Schüssen. Niemand von unserer Kompagnie wurde getroffen. Zwischenbemerkung eines Mitkämpfers. D. H.) Die völlig überraschten Hereros gaben den Widerstand auf, ihr Führer Kleeghas, ein Neffe des Häuptlings Zacharias, siel durch einen Schuß des Unteroffiziers Behnert, die übrigen flohen: Pferde, Groß- und Kleinvieh und alle Habe in den Händen der Kompagnie zurücklassend. (Unteroffizier Behnert erhielt zum Andenken einen goldenen Ring mit Inschrift, den Kleeghas an seinem Finger getragen hatte. Zwischenbemerkung eines Mitkämpfers. D. H.) Eine Zählung ergab 2 Pferde, 150 Stück Großvieh in vorzüglicher Verfassung, und etwa die doppelte Zahl Kleinvieh. Leutnant ErdarSt. 163 Das Treiben des Viehs auf weitem Umweg war eine zeitraubende, beschwerliche Arbeit; es wurde dunkel, bis der Halteplatz vom Abend vorher wieder erreicht wurde, und dann begann der Rückmarsch zum Waterberg. Gegen 2 Uhr morgens traf die Kompagnie dort ein, nachdem sie 36 Stunden — meist zu Fuß — unterwegs gewesen. Ein mitgenommenes altes Hereroweib, das nach dem Ort ihrer Gefangennahme „Okawaka" genannt wurde, verkörperte durch diesen Namen noch lange Zeit die Erinnerung an den erfolgreichen Beutezug vom 19. September. Okawaka hat bis zu ihrem Ende treu und unermüdlich Holz und Wasser zur Küche getragen. Aus den Mitteilungen des Freiherrn von Welck, Hauptmann in der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. „Es ist alles möglich!" i. Der Sturm auf die Schanzen. Es war am 9. August 1904. Wir lagen in Okateitei, 36 Kilometer von Omu- weroumue, als Leutnant Tilo von Trotha^) von Patrouille zurückkehrte und zugleich einen Auftrag zu einer andern Patrouille von Oberst Deimling erhielt. Er gab zur Antwort: „Herr Oberst, ich glaube fast, es ist nicht möglich!" Dem Herrn Oberst war diese Antwort nicht angenehm. Er sagte kurz: „Herr Leutnant, es ist alles möglich! Ich weiß, daß es hier schwieriger ist, einen Auftrag zu erfüllen, als in Deutschland, aber es muß geschehen!" Der Leutnant entfernte sich, und der Auftrag wurde ausgeführt. Am andern Tage kehrte er zurück und machte eine Meldung, die für uns von großer Bedeutung war. Da der 11. August zum gemeinschaftlichen Angriff bestimmt war, marschierten wir am 10. August abends ab. Es war ein unangenehmer Marsch. Weil wir uns den Hereros nicht bemerkbar machen wollten, durfte nicht gesprochen und nicht geraucht und nur in: Schritt geritten werden. Endlich hatten wir die Stellung, die von Leutnant von Trotha erkundet war, um 5 Uhr morgens, erreicht. Die Artillerie nahm sogleich Stellung auf einer kleinen Höhe; die vier Kompagnien, zu je zwei auf den Flügeln, schwärmten aus in Schützenlinie. Das ganze Gelände voll Dornengestrüpp, daß man den Nebenmann auf sieben Schritte nicht sehen kann. Alles wartet gespannt auf das Kommando. Die Sonne tritt in ihrer goldenen Gestalt am Horizont hervor, als wollte sie einen blutigen Tag verkünden. Es ist 6 Uhr. Das mittlere Geschütz gibt den ersten Schuß, und die andern greifen in das Vernichtungswerk mit ein. Das war der ersehnte Moment, und alles atmet leichter auf. Nach einer Stunde meldet die rechte Gefechtspatrouille, daß der Gegner abzieht. Wir nahmen die Verfolgung auf, und ein schwerer Tag begann für uns. Um 10 Uhr erhielt die Spitze bei dem Omuweroumuerivier Feuer. Zwei Mann von uns wurden verwundet. Nachmittags um 4 Uhr erreichten wir die Station Waterberg, wo sich der Gegner verschanzt hatte. Wiederum begann die Artillerie mit dem Feuer, und es entspann sich ein heißes Gefecht. Das Vieh, welches in einer Schlucht hinter der Mission gehalten wurde, brach aus. Es war ein wüster Lärm, das Viehgebrüll mit dem Geschütz- und Gewehrfeuer. ') Leutnant von Trotha, ein hervorragend tüchtiger junger Offizier, wurde später als Unterhändler im Lager des Cornelius ermordet. 22 * — 164 Die Artillerie hatte sich auf die Schanzen gut eingeschossen, aber der Gegner machte keine Miene, sie zu verlassen. Plötzlich sehe ich auf etwa 80 Meter aus einer dichten Baumkrone eine Rauchwolke aufsteigen, und kleine Stückchen Eisen, Glassplitter und kleine Steine schlagen um uns ein. Ich bezeichne den Baum dem rechts von mir liegenden Vizefeldwebel Zander, und wir sandten unser Blei dorthin. Im selben Augenblick wurde Zander tödlich getroffen. Indes hatte der linke Flügel den Bergrand erreicht, und ein stärkeres Feuer verhinderte uns, unsere Stellung zu halten. Ohne Befehl machte ich einen Sprung, wobei sich drei Mann mir anschlössen. Kaum hatten wir den untersten Klippenrand erreicht, da erscholl auch schon vom Oberst Deimling das Kommando zum Sturm. Wir viere waren die ersten, die die Schanzen erreicht hatten; die Herervs konnten unser blankes Eisen nicht sehen und waren übern Berg verschwunden. Sie hatten, wie es sich später herausstellte, die Station als uneinnehmbar betrachtet. Somit war jetzt ihre Kraft gebrochen. II. Jetzt begann eine üble Zeit. Die Verfolgung wurde nun mit aller Macht aufgenommen, und in einer Hetzjagd ging es hinterher. Sehr wenig und schlechtes Wasser, keine Weide, und spärlich Proviant. Die Hälfte der Pferde war eingegangen, und die Mannschaften mußten den Marsch zu Fuß mitmachen. Inzwischen waren die Banden in mehreren Gefechten ziemlich aufgerieben, und ein jeder freute sich schon auf die Heimreise. Aber wie schrecklich wirkte die Nachricht, die wir in Epukiro erhielten, daß im Süden die Hottentotten aufständisch seien. In aller Eile mußten die Truppen abmarschieren, und ein jeder zog auch dort freudig hin, um den neuen Gegner niederzuwerfen. Die Wasserverhältnisse waren hier etwas besser, und die Krankheit, zumal der Typhus, herrschte nicht so schlimm. Dagegen war der Hottentott viel gefährlicher als der Herero. Unter andern Gefechten hatten wir eins am 29. September 1905 bei Aubes. Die 5. Batterie, Hauptmann von Wolf, hatte aufgeklärt und eine Werft als die von Simon Copper festgestellt. Wir rückten, 101 Gewehr und 2 Geschütze, unter Hauptmann Moraht am 29. früh von Gochas ab. Um unbemerkt zur Werft zu gelangen, marschierte Hauptmann Moraht mit der Abteilung in die Dünen und schwenkte dann rechts. Leutnant Brüggemann mit einem Zuge marschierte am Rivier entlang, um dem Feinde in den Rücken zu fallen, und er hatte Befehl, beim Eintreffen sogleich anzugreifen. Um 5,15 Uhr stießen wir auf die Werft und eröffneten auch sogleich das Gefecht. Die Abteilung hatte sich durch das weite Ansgreifen um eine Stunde verspätet, und der Gegner hatte Zeit, sich auseinanderzuziehen. Die Werften von Hendrik Witbooi und Samuel Jsaak lagen tiefer in den Dünen und waren von uns nicht entdeckt. Nach kaum einer Stünde vom Eintreffen der Abteilung hatten die Gefreiter Paul SchwiederSky. Aber mein Kamerad Indenhock hatte den Mnt. mich bernuszubolen. Ich klammerte mich an seinen Steigbügel und bin sä drei Kilometer neben dem Pferde mitgaloppiert." 166 Feinde sich herangezogen und die Abteilung eingeschlossen. Leutnant Brüggemann schickte einen Unteroffizier mit drei Mann als Aufklärungspatrouille nach dem Rivier. Aber es war nicht möglich, durchzukommen, weil sie stets beschossen wurden. Um eine Umgehung, die uns den Rückzug auf Gochas abschnitt, zu verhindern, mußte das Rivier erreicht werden. Ich wurde bestimmt, mit demselben Unteroffizier mitzureiten; er meldete aber, sein Pferd wäre schlapp und könnte nicht mehr. Ich erbot mich deshalb, allein zu reiteu, und Leutnant Brüggemann gewährte es mir. Ich galoppierte, von den feindlichen Geschossen oft umpfiffen, etwa zwei Kilometer am Rivier entlang und konnte feststellen, das; das Rivier frei war. Nach ständigem Gefecht mußten wir uns zurückziehen, weil Mangel an Munition eintrat, und wurden bis Gochas verfolgt. Auf dem Rückwege wurde mein Pferd von einer Kugel getroffen, und ich wäre den Hottentotten zum Opfer gefallen, wenn nicht ein Kamerad namens Jndenhock den Mut gehabt hätte, mich hier rauszuholen. Ich klammerte mich an seinen Steigbügel und bin so drei Kilometer neben dem Pferde mitgaloppiert. Hier habe ich als Christ erkannt, daß nur Gott über die Schicksale des Menschen bestimmt. Für das kühne Unternehmen hat mir der Leutnant Brüggemann seine Anerkennung ausgesprochen und wollte dafür Sorge tragen, daß es mir belohnt wird. Schwiedersky, Gefreiter der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Hasuur. Unter Major von Freyhold. Es tönt' ein Ruf: „Nach Afrika! Freiwillige vor! Gefahr ist da!" Da schwoll manch Herz in Kampfesmut, Auch ich griff schnell zum Tropenhut! Aus den interessanten Aufzeichnungen des Gefreiten Franz Szameitat kann, des Raumes wegen, nur eine Episode geboten werden. Ich kam zur 12. Kompagnie, Abteilung Major von Freyhold. Am 2. Juni 1906 trafen wir in Gaobis ein, und schon am 3. Juni brachen wir auf, um die Verfolgung der Spuren von Hottentotten aufzunehmen, die uns durch Patrouillen im Haibrivier gemeldet wurden. Am 4. Juni, abends 9 Uhr, trafen wir bei Sperlingspütz auf den Feind, der nach vierstündigem Gefecht in wilder Flucht sich über den Oranjefluß in englisches Gebiet rettete. Nach weiterem Absuchen der Oranjeberge waren wir gezwungen, auf die Station Nhabis zu machen, weil unsere Reittiere durchweg schlapp und für einige Zeit nicht mehr brauchbar waren. Am 22. Juli brach unsere Abteilung abends zur neuen Operation in die Oranjeberge auf. Zu zwei Maschinengewehren und einem Gebirgsgeschütz waren nur fähige Packtiere vorhanden, die Mannschaften mußten ihr Gepäck auf den Rücken schnallen, und nun ging es: „Üb' immer Treu und Redlichkeit!" Von 12 bis 2 Uhr nachts haben wir Rast gemacht, den 23. Juli l906, 6 Uhr morgens, erreichten wir die Oranjeberge; nun ging das Kraxeln in den Bergen los. Mittags sprach ich noch zu meinem Feldwebel: „Himmel, sollen wir die Hottentottenbande heute wieder nicht erwischen?" „Na, warte nur, noch ist nicht Abend!" antwortete er. Kaum waren wir eine halbe Stunde marschiert, da wurde die Spitze von den schwarzen Lumpen mit eiserner Mundportiou empfangen. Nun giug's ins Gefecht, wo wir von 12,50 Uhr bis zur Dunkelheit im Feuer lagen. Wie's nun den Schwarzen in der Dunkelheit doch zu heiß wurde, nahmen sie die 167 Hu»» Melier. Richtung Haibrivier. In diesem Gefecht, bei Uhabis, fiel der kühn voranstürmende Oberleutnant Barlach, der zu einem Reiter, der rechts von ihm lag, sagte: „Komm, laß uns die Stellung wechseln!" Kaum hatten sie diese gewechselt, bekam er einen Kopf- und Herzschuß; außerdem sind noch drei Reiter verwundet (am 23. Juli 1906. D. H.). Nachtquartier hatten wir mit trockener Kehle auf dem Gesichtsfelde, weil Wasser in der Umgegend nicht vorhanden war. Am 31. Juli morgens brachen wir auf, die Berge weiter zu durchstöbern, und gelangten abends an den Oranjefluß, wo wir einen Tag Rast hielten. Nun bekam unsere Abteilung den Befehl, den Oranje zu besetzen. Unsere Kompagnie hatte die Strecke Aub, Henkries und Nohasebmund zu patrouillieren, wo uns die Pferde zum Patrouillen- reiten von Ramans- drift gestellt wurden. Am 29. August erhielt ich mit drei Reitern von meiner Kompagnie, Rakowski, Meyer und Liske, den Auftrag, nach Aub Patrouille zu reiten, wo wir einen Berg, der an den Oranjefluß stößt, passierten, auf welchem sich derartig große Klippen befanden, daß ein Durchreiten unmöglich war. Nur ein mühsames Durchziehen der Pferde gelang. Abends in der Dunkelheit trafen wir in Aub am Oranje ein. Kaum hatten wir die Pferde abgesattelt, kam ein schwarzer Herervjunge, der fast atemlos war und hinfiel, ins Lager gelaufen. Wir fragten ihn, was er vor habe, ob er Orlog machen wolle. Er gab uns zur Antwort: „Nee Meester, ick nich Orlogs- mann sin, ick Hauptmann von Bentivegni sien Fritz Liste. Hermann Rakawsli. Bambus bin, ick hab hartlopp (weggelaufen) gemacht von Hottentotten!" Nun fragten wir ihn, wo denn die Hottentotten stecken. Er zeigte auf den Berg. Wir sind so dicht an ihnen vorbeigeritten, daß sie uns gut gesehen haben, sie haben uns aber nicht angeschossen, weil sie am Oranjefluß tränken wollten. Der Junge war bei Hauptmann von Bentivegni als Bambuse gewesen, wurde in einem Gefecht von den Hottentotten erhäscht und als Viehtreiber benutzt. Er ist von den Hottentotten weggelaufen, weil er schon deutsch gewöhnt war, und sagte: „Dütschmann moi Kost (gutes Essen), Hottentotten Dongki Kost!" (Eselfutter). Nun wurde es dem Hauptmann Anders gemeldet, der zur Zeit Abteilungsführer war. Derselbe gab Befehl, ein Geschütz mit der 10., 11. und 12. Kompagnie bereitzumachen, und wir begaben uns 10 Uhr abends Gefreiter Franz Szameitat. 168 den Hottentotten auf die Spur und kamen mit denselben am 30. August 1906, 8 Uhr morgens, zum Gefecht bei Sperlingspütz-Süd. Nach fünfstündigem Gefecht zerstreute sich die Bande nach allen Himmelsrichtungen, daß eine weitere Verfolgung aufgegeben werden mußte. Am 20. September bekam unsere Kompagnie den Befehl nach Warmbad hin. Am 10. Oktober wurde ich nach ärztlicher Untersuchung als Heimatsbedürftiger nach der Heimat gesandt. Franz Szameitat, Gefreiter der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. * * * Zuviel und zuwenig Wasser! Marsch der 1. Funkenstation. Am 19. Dezember 1905 waren wir von Hasnur an der Ostgrenze abmarschiert und bis zum 26. Dezember 1905 nach Witpan gekommen. Am Nachmittag des 26. Dezember 1905 marschierten wir um 6 Uhr in südlicher Richtung auf Dawignab, das Ziel unserer Reise. 8,30 Uhr abends wurde eine Stunde gerastet, zum Verschnaufen der Tiere, und um das Abendbrot zu bereiten. Dann wurde weitermarschiert. Ich zog mit den mit Ochsen bespannten Karren und einigen Reitern voraus. Herr Oberleutnant Klotz blieb mit den Maultierkarren und den übrigen Reitern noch eine Zeitlang in der Weide liegen. Festgesetzt war die Marschzeit bis 1 Uhr nachts, mußte aber um 12 Uhr mitternachts abgebrochen werden, weil es bei einer kolossalen Finsternis wie mit Gießkannen vom Himmel goß, und ein furchtbares Gewitter tobte. Wir waren trotz unserer Zeltbahnen bis auf die Haut durchnäßt. Jeder wickelte sich nun in den vom Sattel trocken gebliebenen Woilach und schlief einige Stunden. Am 27. Dezember 1905, früh um 2 Uhr, kamen die Maultierkarren an; um 5 Uhr brach die ganze Kolonne auf und marschierte bis 7 Uhr morgens. Die Sonne brannte nach dem Gewitterregen furchtbar heiß, und der Durst machte sich bei uns wie bei den Tieren bemerkbar; darum wurde bei einer Regenpfütze haltgemacht. Die Tiere wurden zum Tränken in das Wasser hineingejagt; denn mit dem Futterbeutel zu tränken, war zuwenig Wasser vorhanden. Nachdem die Tiere sich satt gesoffen hatten, verblieb für uns nur wenig Wasser; wir machten mit Eßlöffeln kleine Löcher, damit es sich in diesen sammeln sollte. Der mit diesem Wasser gekochte Reis und Kaffee sah aus wie Schokolade, so lehmig war es. 7 Uhr abends langten wir bei der Farm Koichas an, die Brunnen hatte; jedoch konnten wir dieses Wasser nicht benutzen, da es fürchterlich von verwesten Tieren stank, die da drin lagen, und so mußten wir, ohne unsere Wasserbehälter zu füllen, weitermarschieren. 10 Uhr abends merkten wir, daß wir uns aus falscher Pad befanden, da sie andauernd westlich führte und wir, um Dawignab zu erreichen, südlich mußten. Es wurde gehalten, und der Morgen abgewartet. Der Oberleutnant sandte eine Eingeborenenpatrouille fort, um die Pad zu suchen; ergebnislos. Die Pad, auf der wir uns befanden, führt nach Kais; wir durften aber nicht über Kais marschieren, da dort starke Hottentottenbanden gemeldet waren, und so marschierten wir in südöstlicher Richtung querfeldein, mußten demnach auf die Pad nach Dawignab stoßen. Um 8 Uhr vormittags mußte wegen der starken Hitze ausgespannt werden. Der Durst quälte uns und die Tiere sehr. Wir machten uns daher auf die Suche nach Regenwasser, allen voran unser Herr Oberleutnant Klotz. Nach vielem Umhersuchen fanden wir denn auch einige kleine Regenpfützen. Wenn sie auch nicht mehr so wasserreich waren, wie die gestrige, so war unsere Freude doch groß. Zuerst bekamen die Tiere etwas, und den kleinen Rest behielten wir für uns, um wenigstens den irs » X * Die Artillerie bei Harnakari, am 11. August 1904. „Hauptmann Stahl erhielt den Befehl, mit der 5. Batterie auf einer kleinen Anhöhe hinter dem linken Flügel der Abteilung von Mühlenfels in Stellung zu gehen, um die hinter der feindlichen Front liegenden Werften unter Feuer zu nehmen und zugleich den immer heftiger vordringenden Hercros Halt zu gebieten. Beide Aufgaben wurden von der Artillerie glänzend erfüllt; denn am nächsten Tage stellte sich heraus, dast die Werften vollkommen zerstört und zum Teil in Brand geraten waren." Beilage zu: „Diucklage, Deutsche Reiter in Sudwest. Deutsches Verlagshaus Bong L Co., Berlin V. 57. Deutsche Reiter in Südwest. Nnterwcgs warf beim Hinabfnliren einer Düne eine Karre nm." 170 //-?- t/c/t- I größten Durst löschen zu können. Um 5 Uhr nachmittags setzte sich die Kolonne in Bewegung. Es ging nur langsam vorwärts, weil die Tiere große Sanddünen zu überwinden hatten, dazu der Durst. Nach einer Stunde Marsch wurden die Dünen so hoch, daß wir an einem Durchkommen zweifelten. Es hatte sich ein starker Sturm aufgemacht, der uns den seinen Dünensand in die Augen wehte. Da wir nicht mehr sehen konnten, ob wir auch in südöstlicher Richtung marschierten, wurde gehalten und zum Aufsuchen der Pad eine Patrouille vorgeschickt. Wie ein wildbrausendes Meer sah das Gelände vor uns aus. Nach bangem, zweistündigem Warten kam die Patrouille mit der Meldung zurück, daß die Pad in zwei bis drei Stunden zu erreichen wäre. Um 10,30 Uhr abends erreichten wir nach den größten Anstrengungen die Pad. Alles atmete auf. Unterwegs warf beim Hinabführen einer Düne eine Karre um. Die Tiere waren vollkommen erschöpft, deswegen wurde bis 5 Uhr früh gerastet. Aber auch die Mannschaften bedurften dringend der Ruhe. Abgekocht wurde nicht, es war kein Wasser vorhanden. Nachdem am Morgen drei Stunden marschiert war, mußte schon wieder gehalten werden. Die Tiere versagten. Von jeder Karre waren zwei bis vier Tiere ausgespannt worden, welche langsam nachkamen, auch mit einigen Reittieren ging es so. Wasser fanden wir heute nicht, da die Sonne alles aufgetrocknet hatte. Wir ertrugen den Durst geduldig, in dem Bewußtsein, des Abends Dawignab zu erreichen. Abends verlor ich infolge der Überanstrengung und des Wassermangels mein treues Roß, nachdem es mit mir schon sechs Monate alle Freuden und Leiden geteilt hatte. Um 6,30 Uhr abends erreichten wir Dawignab. Der brennende Durst wurde am reichlichen Wasser gelöscht, und unsere Tiere fanden gute Weide. Sergeant Otta Mietzner. tarn ! Ohne die gestern gefundenen Regenpfützen wären wir nicht durchgekommen und hätten in der Wüste elend verdursten müssen. Zur Erholung wurde befohlen, daß wir einige Zeit in Dawignab verbleiben sollten. Otto Mietzner, Sergeant der 1. Funkenstation der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Süd- westafrika. cu M o W L- ca Marschsklzze van Hasuur nach Tawignab. 171 „Nur schade um die Pfeife!" Es ist der 15. September 1905. Goldig scheint die Sonne aus dem Osten in das rege Treiben des Lagers in Nochas. Schon seit einigen Tagen befindet sich die 12. Kompagnie und unsere Batterie (2. Gebirgsbatterie) zur Beobachtung Morengas hier. Heute soll Scharfschießen abgehalten werden, und die Pferdewache, welche über Nacht draußen war, sollte um 5,30 Uhr eintreffen. Alles ist bereit. Da kommt unser Bastardsoldat Josef d'Klerk und meldet, daß die Pferdewache überfallen sei. Gleich darauf treffen auch schon vier unserer Leute ein (die Wache war stark: ein Gefreiter, fünf Weiße und ein eingeborener Soldat). Unter diesen befand sich der Gefreite Kletsch, welcher Wachthabender war, als erster Verwundeter (Fleischschuß linker Oberarm). Es fehlten noch zwei Mann unserer Wache, über deren Schicksal wir nichts wußten. Unser Batteriechef Leutnant von Billerbeck gab, nachdem das Lager zuvor gesichert und die Bedienung an den Geschützen war, Befehl zum Abmarsch. Assistenzarzt Dr. Haupt erteilte mir den Befehl, für den Transport der noch fehlenden Mannschaften, falls dieselben verwundet sein sollten, Sorge zu tragen. Da keine Tragen zur Hand waren, bestimmte ich einige Leute, Woilachs (Decken) mitzunehmen. Auf halbem Wege trafen wir den Kanonier Habedank. Derselbe teilte uns mit, er habe den noch fehlenden Kanonier Nitsche fallen sehen. Er selbst habe einen Schuß (rechtes Ellbogengelenk) erhalten und sei von den Eingeborenen verfolgt worden, bis er stürzte und so aus ihrem Gesichtskreis kam. Nachdem derselbe verbunden und zum Lager gesandt war, folgte ich mit meinen Leuten der Batterie nach. Als wir auf dein Weideplatz, welcher ungefähr lU/z Stunden vom Lager entfernt war, eintrafen, war die 12. Kompagnie unter unserem Detachementsführer Hauptmann von Erckert schon zur Stelle. Durch günstige Lage des Terrains (indem der Weideplatz von Bergen begrenzt wurde), und durch genaue Kenntnis über die Stärke unserer Pferdewache glückte den Feinden der Überfall. Um von der Übermacht des Gegners nicht erdrückt zu werden, mußte die Wache die Pferde preisgeben und sich zurückziehen. Bei unserem Eintreffen kam der Befehl: „Ausschwärmen!" — „Hinlegen!" Als wir so liegend eine Zeit das Terrain beobachtet hatten, rief der Gefreite Grasnik vom rechten Flügel, er sehe sich etwas bewegen. Leutnant von Viller- beck erteilte dem Unteroffizier Seidel Befehl, mit einigen Leuten nachzusehen. Als wir näherkamen, erkannten wir den noch mit Hemd und Unterhose bekleideten Kanonier Nitsche. Der Schwerverwundete hatte sich, nachdem ihn die Eingeborenen ausgezogen hatten, auf den Weg zum Lager begeben (Verwundung: Brustschuß etwas oberhalb des Herzens, Halsschuß, Einschuß im Nacken, Ausschuß durch die Nase und Oberschenkelschuß). Auf Befragen, wie es ihm ginge, äußerte er: „Gut, nur schade, daß die Eingeborenen mir die Pfeife mitgenommen haben." Um Uhr und Bekleidung gebe er nichts, aber diese wäre ein Andenken gewesen. Nachdem ich ihn verbunden TanitSrsIergeant Schoeve. SS* 172 und auf einer inzwischen eingetroffenen Ochsenkarre nach dem Lager transportiert hatte, rückten auch die 12. Kompagnie wie 2. Batterie zurück. Dank der tüchtigen Behandlung des Assistenzarztes Dr. Haupt genas Nitsche schnell und wurde dem Lazarett Dawignab zur vollständigen Wiederherstellung übergeben, aus welchem er bald als geheilt entlassen wurde. Schoepe, Sanitätssergeant, früher 2. Gebirgsbatterie der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Kalk bei Köln am Rhein. Der Obermeister bei der Arbeit, im Gefecht und als Reiter. Aus den Tagen von Nubib, 12. bis 18. September 1905. Am 5. August 1905 verließ der 2. Zug der 8. Batterie, unter Führung von Oberleutnant von Bötticher, die Station Nictmont, um die Gegend von Gibeon bis Maltahöhe abzustreifen. Wir zogen durch die von allen Truppen so sehr gefürchtete Hudupschlucht und kamen auf den Sammelplatz Lebis, wo Major Meister die Führung übernahm und der Batterie den Auftrag gab, sich zum Gefecht bei Nubib st vorzubereiten. Oberleutnant von Bötticher gab nun Befehl, sämtliche Handwerker seien verpflichtet, zur Linderung der Wassernot beizutragen. Ich als Oberhandwerker sollte meine Ansicht zur Geltung bringen. Ich kam mit Herrn Oberleutnant sowie mit meinen Kameraden überein, aus unseren Zeltbahnen Säcke zu nähen. Selbst nachts beim Mondenschein freuten wir uns unserer Arbeit. Für die Tiere nähte ich ganze Ochsenhäute zusammen. So ausgerüstet, auf zwei Ochsenwagen Wasser, haben wir die Wanderung in die Sandwüste in Richtung Südwest angetreten. Es wurde uns bekannt gegeben, daß das Aufsteigen von gelben Leuchtkugeln bedeuten soll: „der Feind ist abgezogen", während rot den Feind bezeichnen sollte. Einen ganzen Tag sind wir nun in der Sandwüste herumgeirrt. Erst spät abends sahen wir rote Kugeln aufsteigen, und es war ungefähr nachts 12 Uhr, da kam ein Offizier mit verschiedenen Eingeborenen auf schaumbedeckten Pferden angesprengt und verlangte nach Major Meister, von Uthmann und Maercker, und kaum war seine Meldung bekannt, da hieß es wieder satteln und schirren zum Anmarsch auf den Kampfplatz. Am 12. September 1905, morgens 6 Uhr, kam ich mit dem Munitionswagen am festgesetzten Platze an, mußte aber sofort mit den Tieren 45 Kilometer aus Wasser reiten zur Tränke; denn Pferde nehmen kein Wasser aus den Häuten. Während dieser Zeit mußten meine Kameraden eine Art Straße auf den Berg bauen, um mit dem Geschütz hochzukommen. Bemerken möchte ich noch, daß zuerst eine andere Batterie den Auftrag hatte, ein Geschütz auf den Berg zu schaffen, doch hielt sie es für eine Unmöglichkeit. So kam Major von Uthmann zu Oberleutnant von Bötticher, und dieser gab zur Antwort: „Meine Leute sind es imstande, doch werde ich zuerst Rücksprache nehmen." Und jeder willigte ein. Abends 6 Uhr begann der Aufstieg. Das Geschütz wurde mit 24 Eseln bespannt und, soweit es ging, hochgezogen; doch als die Schlucht zu enge wurde, erscholl das Kommando: 0 Vgl. Beitrag des Herrn Majors Maercker, S. 120. (D. H.) ' 4 , Als die Schlucht zu enge wurde, erscholl das Kommando: „Kanoniere, in die Räder!' MM 174 „Kanoniere, in die Räder!" und so wurde unter großer Anstrengung und Schweiß das Geschütz hochgebracht. Um 12 Uhr nachts war die Kanone in Stellung. Nun galt es noch, auf Lasteseln Munition hochzuschaffen. Am 13. September 1905, kurz nach 6 Uhr, fiel der erste Schuß vom emporgezogenen Geschütz des Oberleutnants von Bötticher, und zwar mit einer Sicherheit, die kaum glaublich ist. Die Hottentotten kamen in Verwirrung, denn sie glaubten nicht, daß der „Dütschmann" auf diesen Berg ein „Grotrohr" bringen könnte. Das Kanonenfeuer dauerte ungefähr 4stz Stunden. Da kam eine Meldung, die Hottentotten hätten die ganzen Berge besetzt und könnten uns, da wir nur noch wenig Munition hatten, gefährlich werden. Auf dies hin bekam ich von Herrn Oberleutnant von Bötticher einen Zettel zugeschickt, mit der Meldung: „Funken Sie nach Nam: Wir haben die Schweine fest, werden sie jedoch einen halben Tag mürbe schießen müssen. Wagen mit voller Munition sofort auf dem Gefechtsfeld eintreffen. von Bötticher." Als ich auf die Funkenstation kam, erhielt ich zur Antwort: „Wir haben keine Verbindung mit Nam; reiten Sie die 50 Kilometer, so sind Sie schneller dort und können den Wagen selbst begleiten." Auf diese Auskunft hin bin ich mit meinem Pferde die ganze Strecke in 3 stz Stunden ganz allein geritten und kam um 3 Uhr des anderen Morgens wieder mit dem Wagen an. Oberleutnant von Bötticher konnte die ganze Nacht nicht schlafen, weil ich allein weggeeilten war und er keine Nachricht bekommen konnte. Am anderen Morgen hat er mir seinen Dank ausgesprochen mit der Mitteilung, daß die Meldung falsch war und das Gefecht um 1 Uhr mittags schon als beendet anzusehen gewesen wäre, ich möchte so schnell wie möglich Leutnant Müller benachrichtigen, daß das Geschütz heruntergebracht werde. Die Hottentotten hatten eine große Niederlage bei Nubib; an 80 Tote, viele Verwundete, und das ganze Vieh kam in unsere Hände, sowie eine Anzahl Gefangener. Major Meister und von Uthmann gaben uns ein großes Lob für unsere Leistungen und das schönste Stück Beutevieh zum Schlachten. Reiler Paul Baier. Paul Baier, ehem. Reiter der Kaiserl. Schutztruppe f. D.-Südwestasrika, z. Zt. Schwenningeu in Baden. 175 „Die schießen aber gut!" —„O ja, es geht so einigermaßen!" „Ja, hätten wir nur von vornherein mit einigermaßen entsprechenden Kräften auftreten können und hätten Bahnen rechtzeitig gebaut, wie das die Engländer tun, dann hätte der Krieg gar nicht solche Ausdehnung angenommen, hätte nicht so viel deutsches Blut gekostet und nicht so viel deutsches Geld verschluckt!" Das ist die Erwägung, der man bei jedem deutschen Afrikaner begegnet, und wie schon im Kampfe gegen die kriegerisch geschulten Bondelzwarts der Löwenmut der deutschen Schutztruppe der Überzahl des Feindes kein Äquivalent bieten konnte, das läßt sich aus der anschaulichen, fast bescheidenen Schilderung erkennen, die uns in die klippenreichen Felsenufer des breiten, flachen Oranjeflusses führt: Es war am 11. Dezember 1903, als wir nach tagelangem, mühevollem und anstrengendem Suchen nachmittags 2 Uhr die sich gut versteckt haltende Werft der Bondelzwarts festgestellt hatten. Unser Herr Oberleutnant schickte eine Meldung durch einen Witbooi- hottentotten nach Sandfontein. Groß war unsere Freude, daß wir solch Glück hatten und mal nach Herzenslust knallen konnten. Gegen 4 Uhr rückten wir dann so langsam ab, ostwärts, den Oranje aufwärts. Um 7 Uhr wurde gerastet, und Herr Oberleutnant Böttlin befahl, nur etwas kalten Grog zu machen, und kalt zu essen. Mit Mondaufgang, um 1 Uhr nachts, sollte der Vormarsch nach der Werft, welche auf vier bis sechs Kilometer Entfernung vor uns lag, erfolgen. Kurz nach 1 Uhr wurden wir von unserm Führer geweckt; nachdem wir nun eine bis anderthalb Stunde durch schweres Gelände mühsam marschiert waren, befanden wir uns dicht (etwa 600 Meter) vor der Werft. Wir entdeckten eine der Werft vorlagernde Klippbank, hinter diese gingen wir in Deckung. Unser Führer teilte die Patrouillen ein. Sanitätsunteroffizier NolleZ bekam die rechte Gruppe, Oberleutnant Böttlin nahm die mittlere, und ich bekam die linke Gruppe. Um 4,15 Uhr morgens fiel von unserer Seite der erste Schuß in die schlafende Werft; wir jagten zehn Patronen in dieselbe, dann stürmten wir. Links von mir wurde ein Witbooikaffer schwer verwundet (Schuß durch die linke Schulter). Zwischen 5 und 6,30 Uhr war die Werft unser, wir fanden fünf Tote, außerdem hatten wir einen Gefangenen. Beim Durchsuchen der Pontoks fanden wir Sättcl, Mantel, Uniformstücke, Grammophone, Bleikugel» und andere Dinge. Ich trieb sofort mit einigen Leuten das Vieh zusammen, in der Absicht, gleich die Werft zu verlassen, und die freie Fläche zu gewinnen. Die Werft lag nämlich zwischen drei hohen Felsen. Gegen 7,30 Uhr begab ich mich zum Herrn Oberleutnant und meldete ihm, daß ich mit dem Vieh abrücken wollte. Während wir noch so standen, fiel plötzlich halbrechts rückwärts ein Schuß; das Geschoß schlug dicht bei uns ein. Dann noch einer und noch einer. Auf die Frage des Herrn Oberleutnants: Sergeant Gustav kinnei. >) Vgl. Beitrag des Herrn Hauptmanns Böttlin, S. 51. (D. H.) 176 „Was ist denn das?" erwiderte ich: „Die schießen!" Dann Kommando: „Sämtliche Pontoks, Sättel usw. vernichten; den Gefangenen niederschießen, und in Deckung Feuer aufnehmen!" Der Gefangene fiel während der Flucht. Pontoks und Sättel gingen in Flammen auf. Ich hatte mich zunächst auf die Erde geworfen. Schließlich wurde mir die Sache bei der nun beginnenden Schießerei doch zu bunt. Ich sprang auf und warf mich hinter eine 10 Bieter nach rückwärts entfernte Klippe. Hinter dieser lagen schon der Führer und noch drei Mann. Die Klippe war ungefähr ^ Meter hoch, und vier bis fünf Meter lang. Auf einmal schlugen die Geschosse dermaßen dicht bei uns ein, daß ich sagte: „Wenn wir hier alle fünf liegen bleiben, sind wir in kurzer Zeit zusammengeschossen." Dieses einsehend, machten sich drei Mann hinter eine andere Klippe, während der Herr Oberleutnant und ich Schulter an Schulter liegen blieben. „Knittel," sagte unser Oberleutnant, „die schießen aber gut!" Darauf ich: „O ja, es geht so einigermaßen!" Um uns hagelten die Geschosse nur so. Wir bekamen von drei Seiten Feuer. Wie wir noch so liegen und schießen, schreit der Herr Oberleutnant auf einmal: „Au! Knittel, ich habe einen Schuß, ich bin verwundet!" Ich sagte noch: „So, wo denn?" Die Antwort lautete: „Im Bein." Wir riefen Sanitätsunteroffizier Rolle, derselbe kam, nahm die Knochen zusammen und sagte: „Herr Oberleutnant befehlen?" Antwort: „Der Herr Oberleutnant ist verwundet." Dann sagte unser Chef: „Kinder, laßt mich nicht liegen, nehmt mich mit!" Darauf antworteten wir: „Solange wir leben, braucht der Herr Oberleutnant keine Sorge zu haben." Nun ging die Karre los. Mit einem: „Mit Gott!" faßten wir an, und fort ging's, Schritt für Schritt. Bei jeder kleinen Erschütterung klagte der Verwundete. Ab und zu legten wir den Herrn Oberleutnant auf die Erde, und seinen Körper als Auflage benutzend, schössen wir zurück. Beim Weitergehen schrie unser Führer wieder auf: „Au! mein Rücken!" Der bedauernswerte Verwundete hatte vielleicht eine Handbreit rechts vorn Rückgrat einen zweiten Schuß bekommen. Während des Tragens kam der Reiter Abt von der 3. Kompagnie hinzu und half uns. Nach und nach kamen wir mit Gottes Hilfe an den Oranje. Von dort schickte mich der Herr Oberleutnant nach der englischen Station, um für ihn Hilfe zu holen. Ich gab mein Gewehr ab und segelte los, heftig von den Bondels beschossen. Ich kam drüben gut an und bat den englischen Offizier, Kapitän Seims, um Hilfe. An meiner Rückkehr aus deutsches Gebiet wurde ich verhindert, indem mir die Kappolizei die Flinte auf die Brust setzte und sagte, ich wäre auf englischem Gebiet und dürfte am Gefecht nicht mehr teilnehmen. Der andere Teil der Patrouille kam auch nach und nach, von der Übermacht über die Grenze gedrängt, auf englischem Gebiete an. Gewehre, Patronen und Seitengewehre wurden von den Engländern abgenommen. Der Beinschuß unseres Oberleutnants war 26 Zentimeter lang (Fleischschuß). Der Schuß im Rücken war ein Querschläger und vier Zentimeter tief. Außerdem erhielt Herr Oberleutnant Böttlin noch drei Streifschüsse während des Hinaustragens. Herr Oberleutnant Böttlin kam nach der englischen Station Pella und wurde dort geheilt, Ende Januar kam derselbe wieder zurück und übernahm unsere Abteilung (die Bastards). Wir gingen zur englischen Station Namansdrift, von wo wir durch Leutnant der Reserve von Marenski geholt und mit neuen Gewehren und Munition versehen wurden. Wir hatten am 12. Dezember, 22 Mann, 150 Hottentotten gegen uns. Unsere Abteilung machte dann den Herero- und Witbooi-Orlog mit. Herr Oberleutnant Böttlin (jetzt Hauptmann) ist noch im Schutzgebiet. Sanitätsunteroffizier Rolle ging 1905 nach Deutschland als Feldwebel und ist jetzt Kassenrendaut in Massow (Pommern). Ich bin am 1. März 1907 aus der Schutztruppe ausgetreten und gehe zum Staatsdienst über. Gustav Knittel, ehem. Sergeant der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Bockswiese im Harz. * * * 177 Die „schwarze Marnpe" und die ersten „Blauen". Mein erstes Gefecht am 15. Januar 1904. Längst hatten wir neidisch zugesehen, wie unsere Kameraden sich im Süden mit den aufständischen Hottentotten — Bondelzwarts — herumschlugen. Seit der Leutnant Job st tot und einige Reiter tot oder verwundet waren, entbrannte in uns eine wahre Kampfeswut. Jetzt sollte auch für uns die Zeit kommen. Die 4. Kompagnie war nur noch allein im Norden, die 1. und 2. nebst Batterien waren nach dem Süden beordert. Am 12. Januar 1904 kam die Heliographische Meldung zur 4. Kompagnie in Outjo: „Eine starke Offizierspatrouille nach dem Waterberg senden, da die Hereros des Aufstandes verdächtig!" Ich war diesen Morgen gerade von Wache gekommen, hatte bis 9 Uhr frei gehabt und arbeitete dann an der Kasernenplaniernng, als um 10,30 Uhr der Feldwebel Glatzel angestürzt kam: „Schnell ein Pferd satteln, auf die Weide reiten, und die Pferde hereinholen!" Dies war nun etwas für mich! Reiten, und noch dazu so schnell wie's ging! Also das Pferd gesattelt und los, vorwärts, bis die Dornbüsche und das felsige Gelände etwas Einhalt geboten. Ich war bereits ^ Stunden geritten, als mit einen: Male mein „Ncx" einen gewaltigen Seitensprung machte, daß ich mich nur mit der größten Anstrengung im Sattel halten konnte. Neugierig, wovor der Gaul gestutzt, sehe ich ganz erstaunt eine riesige Schlange — schwarze Mampe — wie wir sie nannten. Sie hatte sich um einen großen Ast eines Baumes gewunden, worunter sich ein Termitenhügel mit mehreren Höhlungen befand. Als ich nun vorbeiritt, war sie, wohl ebenso wie mein Pferd, erschreckt, und jetzt sah ich sie gerade in eins der Löcher verschwinden. Ich schätzte sie auf 4 bis 5 Bieter Länge, und ungefähr 25 Zentimeter im Durchmesser. Mein Pferd beruhigte sich erst, als ich bei den andern Pferden war, die dann schleunigst nach Outjo getrieben wurden. Hier wurden nun schon - .. Vorbereitungen zum Ausrücken „Ich sehe ganz erstaunt eine riesige Schlange. o " 24 Deutsche Reiter in Südwest. 178 getroffen. Durch Herrn Hauptmann Kliefoth war der Kriegszustand über den Nordbezirk verhängt worden. Alles war in freudiger Erregung. Am 13. Januar ging dann die Patrouille ab. Unser Hauptmann selbst führte sie. Ein Geschütz (6. 73) ging mit, dann 50 Reiter. Der Rest blieb mit schwerem Herzen zu Hause. Den ersten Abend hielten wir in Okatoweni, einer Farm, ungefähr 18 Kilometer von Outjo. Hier ruhten wir unter strömendem Regen des Nachts, nur in unsere Zeltbahnen gewickelt. Am Morgen ging s dann weiter, und des Mittags lagen wir ohne Wasser in der glühenden Hitze. Am 15. Januar 1904 kamen wir an eine alte verlassene Hererowerft, wo wir bis zum 16. Januar liegen blieben. Hier liefen uns am hellen Tage unsere Rößlein infolge eines Schusses weg, jedoch nach zwei bis drei Stunden hatten wir sie alle wieder, und sie wurden nun des Nachts in einen Kral gesperrt. Um 3 Uhr morgens ritten wir ab von diesem Platz. Einige Erregung machte sich schon bemerkbar. Waren doch schon zwei Pferde des Nachts zugelaufen, die jedenfalls den Hereros ausgerückt waren. Wir hatten sie einstweilen annektiert. Um 6,30 Uhr kamen wir durch ein Flußbett, welches mit Gras bewachsen war; es reichte uns bis an die Knie. Unsere Pferde verschwanden ziemlich in diesem üppigen Graswuchs. Naß waren wir, als wären wir aus dem Wasser gezogen. Um 7 Uhr kamen wir auf Otjitasu (Okanjande) an, welches den Tag vorher Wohl erst von den Hereros mit Weib und Kind verlassen war. Unser Hauptmann setzte gleich einige Reiter auf die Spuren, um sie zu verfolgen. Gedachten wir sie doch einzuholen, was uns auch gelang. Um 8 Uhr sahen wir Rauch vor uns auf dem Wege. Nach einigen Minuten kamen wir denn auch an die Feuerstelle, die ein Posten der Hereros die Nacht innegehabt hatte, der jetzt aber ausgerissen war. Einige Kerle liefen auch noch in der Nähe herum. Sie wurden gleich durch eine Patrouille geholt. Durch diese erfuhren wir nun, daß die Hereros mit dem Dütschmann „Orlog" machen wollten. Wir ritten noch ungefähr 10 Minuten, als uns aus einem sehr dichten Gebüsch ein heftiges Feuer empfing. Auch Lärm machten die Kerle, als wollten sie einen fressen. Alles war natürlich gleich herunter von den Pferden, und der erste Zug, unter Leutnant von Stülpnagel, schwärmte links vorn Wege, der andere Zug, unter Feldwebel Glatzel, rechts. In der Mitte hielt der Hauptmann hoch zu Roß neben dem Geschütz. Wie wir das Feuer aufgenommen und einige Schüsse in die Dornen gesandt, verstummte das Feuer etwas. Die Hereros zogen sich zurück auf ihre Werft, die etwas frei und auch erhöht lag. Man sah einige Lehmhäuser — Pontoks —, die den Eingeborenen als Wohnung dienten. Ich war rechte Seitenpatrouille für die Pferde, die zusammen hinter der Kompagnie nachgeführt wurden. Sprungweise ging nun die kleine Abteilung vor, bis wir eine etwas erhöhte Stelle trafen, von wo wir das Gelände, hauptsächlich die Werft und das Haus vom Kaufmann Dinter, gut übersehen konnten. Die Hereros hatten sich nun in Hütten und hinter Klippen verborgen, von wo aus sie uns mit ihren „Blauen" bedachten. Sie hatten jedenfalls noch viele Vorderlader; denn wenn mal so 'ne Kugel oder Schraube — was es war — geflogen Sergeant Hermann Ratzow. — 179 — kam, hörte es sich an, als käme ein „Maikäser" geslogen, und wir machten noch unsere Witze hierüber. In einem Hause hatten sich die Hereros ganz besonders festgesetzt. Es war das größte, welches sich am Platze befand, außer dem Dinier sehen Hause. Unser Hauptmann befahl, das Geschütz auf diese stark besetzte Hütte zu richten, und mit Granaten zu laden. Nach einigen Sekunden sauste denn auch so'n Brummer hinüber in die „gute Stube". Unsere Artilleristen hatten gut getroffen; denn, als hätten sie Feuer unter den Sohlen, trabten die Insassen aus der Werft. Nur einige, die noch immer das Feuer heftig erwiderten, blieben zurück. Jetzt befahl der Hauptmann: „Sturmangriff!" und verschwunden war der Feind von seinem Platze — nach ungefähr Zuständigem Gefecht. Leider hatten wir einen Schwerverwundeten. Der Feldwebel Glatzel hatte einen Schuß — Bleigeschoß im Oberschenkel (Knochenschuß) — erhalten, außerdem hatten wir mehrere tote und verwundete Pferde und Maultiere. Von den Hereros fanden wir drei Tote und einige alte Gewehre. Die Verwundeten hatten sie jedenfalls mitgenommen. Die Gewehre, die wir nicht mitnehmen konnten, wurden demoliert. Dann ging die Reise zurück, nachdem wir die Feinde noch verfolgt hatten. Wir hatten seit dein vorigen Tage nichts gegessen. Der Kaffee in der Feldflasche war längst alle, und nun brannte die Sonne wieder heiß auf den Rücken. Auch die Pferde dursteten. Um 2 Uhr kamen wir wieder in Otjitasu (Okanjande) an, und jetzt kam die schwerste Arbeit vom ganzen Tag. Ein Wasserloch war da, aber es war mindestens 10 bis 12 Bieter tief, und mußte alles mit Futter- beuteln geschöpft werden. Erst um 7 Uhr abends waren wir fertig mit dem Tränken und konnten Hauplmanii a. T. von Fran^oiS s. 24 * .. ^ NUN auch au uns denken. Unser Hauptmann Kliefoth hatte jedoch schon für seine Kompagnie gesorgt; denn als wir heraufkamen zum Lagerplatz, war unser „Moncoria" — Reis — schon fertig; wir brauchten nur zu essen und dann auf unseren noch sehr frischen Lorbeeren auszuruhen. Die Ruhe dauerte indes nicht lange; denn um 11 bis 11,30 Uhr wurden wir alarmiert, und um 3 Uhr morgens stand die ganze Abteilung schon wieder Vorposten. Hermann Ratzow, ehem.Sergeant derKaiserl.Schutztruppef.D.-Südwsstafrika, z. Zt. Hoheupieritz. * * * Bei der Ostabteilung. Wer das Glück gehabt hat, im Februar und März 1904 in Südwestafrika die heißen Gewaltmärsche bei jener Abteilung zu Fuß mitmachen zu dürfen, dem schwindet die Erinnerung daran nicht leicht aus dem Gedächtnis. Galt es doch zu jener Zeit, den Hereros den Weg nach der Ostgrenze zu verlegen und sie zu verhindern, die eigenen und die geraubten Viehherden über die deutschenglische Grenze zu treiben. In 18 Marschtagen legte die Ostabteilung, bei deren Stab ich mich damals befand, rund 500 Kilometer in afrikanischer Hitze und auf afrikanischem Boden in schwierigstem Buschgelände zurück, ohne einen 180 Marschkranken zurückzulassen. Sie erreichte es durch diese außergewöhnlichen Marschleistungen, daß sich die Hereros nach der Mitte des Landes zusammenschlössen. Wohl hatte die bei unserer Abteilung befindliche kleine, berittene Schar in steter Aufklärung versucht, mit dem schnellen und behenden Gegner Fühlung zu erlangen, aber immer vergebens. Selbst eine weitgehende, bis zum Eiseb gerittene Patrouille, in den letzten Febrnartagen 1904, hatte nicht vermocht, den Gegner festzustellen. Endlich, am 9. März, waren wir auf die Spur der zurückgehenden Hereros gestoßen und, diesen folgend, bis Onjatu gelangt. Hier aber mußte gehalten werden, um der Fnßtruppe Ruhe zu gönnen. Von unserer Mannschaft — bei jeder Kompagnie hatten wir zirka 40 Rekruten, welche überhaupt noch keine Rekrutenbesichtigung mitgemacht hatten — hatte bis dahin keiner versagt, jedenfalls ein famoses Zeichen von Pflichttreue. Die Zwischenzeit sollte zu einer größeren Erkundung benutzt werden, um mit der in Okahandja stehenden, aber noch nicht marschbereiten Hauptabteilung die Verbindung aufzunehmen und anderseits festzustellen, ob die Hereros weiter nach Norden, nach dem Waterberg, ziehen würden, oder aber in den Onjatibergen standhalten wollten. Für diese Zwecke war eine Abteilung von 11 Offizieren und 39 Mann (erstere mit Gewehren bewaffnet) zusammengestellt. Ich führte die mit Proviant, Munition und Sanitätsmaterial beladene Karre, zur Bedeckung derselben gehörten sieben unter meinem Befehl stehende Seesoldaten. Am 13. März 1904, 6 Uhr vormittags, brachen wir von Onjatu aus, unsere Reiter trabten flott voraus in Richtung Otjikuara und von hier auf Owikokorero. Meine Karre, mit zehn guten Treckochsen bespannt und unter Bedeckung der genannten Seesoldaten, folgte, und wir erreichten gegen 10,30 Uhr vormittags eine kleine Bley, wo Mittagsrast gehalten wurde. Von hier aus wurde in der bisherigen Marschformation, Spitze, rechte, linke Seitendecknng, dahinter die Erkundungsabteilnng und meine Karre, weiter- marschiert. Im weiteren Vormarsch verloren wir die antrabende Kolonne bald aus den Augen und folgten der großen sich durch den dicken Busch windenden Straße auf Owikokorero. So weitermarschierend, erreichten wir gegen 6 Uhr abends eine größere Lichtung und hörten bald darauf heftiges Infanterie- feuer von dort herübertönen. Nach dem Schall zu urteilen, schien das Gefecht zu stehen. Ich ließ meine Karre, so schnell unsere Ochsen und die Bedienungsmannschaften lausen konnten, links vorn Wege ab in der Fenerrichtung vorrücken, da ich nach dem schweren Feuer annahm, daß die Abteilung in heftigem Gefecht stand, und meine sieben Seesoldaten eine wertvolle Hilfe sein konnten. Ich war kaum auf die Lichtung gekommen, als ich auch schon mit einem Blick LM-' Major von Glasenapp. i ^L. k c. < e- L- „Unser Major lebt!" 182 E Marine-LberaMenzarzt vr. Veiten s. übersah, daß die Abteilung in schwerstein und verlustreichstem Gefecht stand. Nur Trümmer fochten noch gegen eine gewaltige Überzahl der Hereros, welche sich zusehends verstärkten. Von den zirka 30 im Gefecht befindlichen Offizieren und Leuten sah ich nur einige Verwundete, welche unter Major von Glasenapp im lebhaftesten Feuer der sie auf kurze Entfernung begleitenden und in dichten Scharen umklammernden Hereros in langsamstem Schritt zurückgingen, ab und zu haltend, und das Feuer aufnehmend. Überzeugt davon, daß von unserer kleinen Schar die Rettung der Verwundeten abhing, ließ ich meine Seesoldaten zur Aufnahme der Verwundeten im Busch ausschwärmen, und unversehens die sich ganz sicher wähnenden Hereros in beiden Flanken beschießen. So gelang es, die bereits umzingelten Reste der kleinen Abteilung zu retten und deren Verladen auf die Karre zu bewerkstelligen; das letzte war der schwierigste Teil unserer Aufgabe. Auf drei Seiten aus nächster Entfernung von den Hereros beschossen, mußte die schwerfällige Karre im Busch erst kehrtmachen, ehe wir die Verwundeten verladen und abfahren konnten. Kaum aber war dies geglückt, als beim Anziehen ein Hinterachse erschossen wurde, und wir von neuem 20 Minuten im heftigsten feindlichen Feuer halten mußten, ehe die Ochsen umgespannt wurden. Nur dem vorzüglichen Schießen und anhaltenden lebhaften Feuer meiner sieben Seesoldaten, welche sich außerordentlich brav benahmen, war es zu danken, daß die Hereros die Karre nicht stürmten. Bei ihrer Überlegenheit wäre es ihnen ein leichtes gewesen. So kamen wir endlich, unter anerkennenswerter, energischer Hilfe des Gefreiten Fuhrmann, nach längerem Aufenthalt, ohne weitere Verluste zu erleiden, in Bewegung. Aber der Marsch mit den Verwundeten durch den dichten Busch war äußerst schwierig und anstrengend. Alle Augenblicke saß die Karre fest, die zu Tode ermüdeten Tiere, welche den ganzen Tag unterwegs waren, waren kaum von der Stelle zu bewegen. Da hieß es anfassen, und alles, vom Führer bis zum jüngsten Soldaten, half die Karre vorwärtsschieben. Bei dieser Gelegenheit war es, wo ich, nachdem ich all den Fährnissen des Tages entgangen, beinahe tödlich verletzt wurde. Die über 15 Zentner schwere Karre überfuhr mir in der Dunkelheit das Bein, und nur dem tiefen Sandboden, in welchen mein Bein wie in eine Gußform hineingepreßt wurde, verdanke ich es, daß mir dasselbe nicht zermalmt wurde. So wurde denn auch ich zu den Verwundeten in die bereits überladene Karre gelegt. Nach dreiwöchigem Krankenlager aber war ich so weit, um bereits wieder an dem schweren Gefecht von Okaharui teilzunehmen. War es auch unserer kleinen Abteilung in dem Angriffsgefecht von Owikokorero nicht vergönnt, den Oberleutnant z. s. Stemve, > , — 183 — s!ff Sieg an unsere Fahnen zu ketten, so hat sich doch in ^ ^ zs dem l^/z stündigen schweren Kampfe gegen vielfache Überlegenheit in überraschendem Angriff und Helden- !! si hafter Abwehr gezeigt, was deutsche Offiziere und ^ Soldaten zu leisten vermögen. Von den in den ! Kampf getretenen 11 Offizieren, 22 Mann waren 7 Offiziere, 19 Mann gefallen, der Rest größtenteils ! verwundet. Unter den ersten Gefallenen waren der ^ ff Marine-Oberassistenzarzt Dr. Veiten vom Landungs- ! ^' korps S. M. S. „Habicht" und der Oberleutnant z. S. s ^ Stempel sowie der altbewährte Afrikaner, Haupt- ; ! mann a. D. von Fran^ois. Das Ergebnis des Tages bedeutete die Tatsache, daß man sich den gesamten Hereromassen, welche am oberen Swakop saßen, gegenüber befand. In einem Grabe vereint ruhen auf dem ! ! Kampfplätze: Oberleutnantz. S. Bernhard Stempel, ! ^ Oberleutnant Otto Eggers, Leutnant Albert l > Bendix, Marine-Oberassistenzarzt Dr. Wilhelm Ü Veiten, Tierarzt Josef Sepp, Feldwebel Karl fi>! Bach, Bootsmannsmaat Friedrich Höltke, Ser- ! ^ geant Karl Bennewies.» Nicht fern davon, auf ! ^ einem andern Grabe, trägt der Denkstein die l ^ Namen des Hauptmanns a. D. von Fran^ois und des Leutnants der Reserve . : s Thiesmeyer. I s; Erwähnen möchte ich noch, daß mir der Augenblick unvergeßlich bleiben wird, als wir von unserer Gefechtsstellung unter dem Häuflein der noch Lebenden unsern Kommandeur j! erblickten, und einer meiner Seesoldaten mir zurief: „Unser Major lebt!" Und welche aufrichtige Freude herrschte unter den Kameraden, als sie bei unserer Rückkehr ins Lager gegen ! 11 Uhr abends unseren Führer, Herrn Major von Glasenapp, zu dem jeder Mann, ob j ^ Schutztruppler, Matrose oder Seesoldat, Offizier oder Mann, mit dem gleichen Vertrauen s: und gleicher Verehrung emporblickte, unversehrt sahen. Gott hielt seine Hand über unsern s ' Führer; zwei Schüsse des Feindes streiften ihn nur am Kopf. Er blieb uns erhalten, und Vizefeldmebel Witt. ^ .es. 3 O Skizze zum Gefecht von Owikvkoreru. 13. März 1904. 184 Massengrab Owikokorero. hvM- wir konnten unter seiner Führsing weiter unsere Pflicht tull, wie wir sie unserm Kaiser gelobt hatten. Witt, früher Vizcfeldwebel n. Schreiber im Marine-Expeditionskorps s. D.-Südwestafrika, jetzt Registrator ine Hofstaat Sr. K. u. K. Hoheit des Kronprinzen. * * -t- Die Eisenbahn durch die Wanderdünen. AIs der Orlog mit den Hottentotten begann, war das deutsche Oberkommando von vornherein überzeugt, daß der Neubau einer Bahn von Lüderitzbucht nach Knbub die Beendigung des Feldzuges wesentlich beschleunigen würde. Es wurde daher der nach Lüderitz- bncht entsandten Eisenbahn-Baukompagnie schon im November 1904 die Trassierung dieser Bahnlinie übertragen und von dieser bis zum April 1905 durchgeführt. Die Schwierigkeiten der Vorarbeiten für den Bahnbau sind mit zwei Worten bezeichnet: „Wanderdünen" und „Wüste". Zwischen Lüderitzbucht und Kubub steht kein Haus, kein schattenspendender Baum, kein grüner Strauch; nur Wüstensand, Klippen und Steingeröll bedecken den Boden, auf den die afrikanische Sonne erbarmungslos ihre glühenden Strahlen niedersendet. Lediglich zweimal — bei den Ukama und Kaukausib benannten Wasserstellen — findet man Wasser, das aber „brackig", d. h. salzhaltig ist. Vergegenwärtigt man sich weiter, daß gebahnte Wege unbekannte Begriffe sind, so kann man sich wohl unschwer vorstellen, welche Mühsale hier zu erdulden sind. Hauptmann Klein in der Omaheke. „Nur von zwei Reitern begleitet, war er noch 30 Kilometer weit in die Wüste vorgeritten, hatte hinansgespäht in die unabsehbare Öde! Nirgends eine Spur von Leben — nirgends AuSsicht, Wasser zn finden!" (Vergleich- Beitrag Hirsch mann.) Beilage zu i „Tincklage, Deutsche Reiter in Sndwcst. Deutsches Vcrlagshaus Bong L Co., Berlin 'lV. 57. n Baiweg in 0er Wüste Nnmib. E>/rr«W»^ . L^,< -r^^X Wß>, .«HSÄSKZ^' ^^Lsr' Bis 40 Ochsen müssen oft vor einen Ochsenwagen gespannt werden, um die 40 Zentner- ladung durch den metertiefen Sand und über die haushohen „Klippen" zu schleppen. Doch damit nicht genug! Zu all den Schrecknissen der Wüste kommen noch die Wanderdünen, die sich zehn bis zwölf Kilometer von der Küste entfernt erheben und parallel dieser einen fünf bis zehn Kilometer breiten Sandwall bilden. Diese Dünen sind etwas derart Eigenartiges, daß ich den Leser schon bitten muß, mich in Gedanken dahin zu begleiten. Nach etwa zweistündigem Ritt von Lüderitzbucht reiten wir in die Dünen ein, und da es ein windstiller Tag ist, stören uns zunächst die zusammengewehten drei bis vier Bieter hohen Sandberge in keiner Weise. Nach etwa einer Viertelstunde verlieren die Dünen aber ihre Harmlosigkeit, das Gelände wird immer unübersichtlicher, ein Felsenberg schiebt sich vor den anderen, und die Hänge und Schluchten sind mit haushohen Dünen bedeckt, zwischen denen wir uns nur mit Mühe hindurchwinden. Die Dünen steigen ausnahmslos von Südwest nach Nordost ganz allmählich an, um dann steil nach Nordostcn abzufallen. Blickt man über den obersten Rand wie über daS Visier eines Gewehrs nach dem ewig blauen Himmel, so sieht man, wie die oberen Sandschichten von dem leisen Wind aufgewirbelt werden und dann den Steilabfall hinabrieseln, so daß sich der Dünenfuß ganz allmählich nach Nordosten zu verschiebt. Ganz anders aber und sehr viel ungemütlicher wird die Lage, wenn der Südwcst- wind einsetzt und über den Sand braust, das ganze Gelände in eine graubraune Wolke einhüllend. Da wird uns der Sand mit solcher Gewalt in das Gesicht gepeitscht, daß die Wangen blutig werden und man kaum fünf bis zehn Schritt weit sehen kann. Bei solchem Sturm vollzieht sich das Wandern der Dünen natürlich viel schneller, aber immer in Richtung Südwest-Nordost, da die Stürme regelmäßig aus Südwest gehen. Durch diese Berge mußten wir die Bahn legen, zu umgehen waren sie nicht. Deutsche Reiter in Südwest. 25 — 186 — Die eigentliche Trassierung begann unter Leitung des Leutnants Meier am Tage nach dem Geburtstage unseres Allerhöchsten Kriegsherrn (1904) und bestand darin, daß die Winkelpunkte der Bahnlinie mit Instrumenten gemessen, ein genaues Längennivellement ausgeführt und alle 100 Meter eine kleine Steinphramide errichtet wurde, die man mit bunter Farbe anstrich. Verpflegt wurden wir mit Hilfe kleiner Eselwagen, die zwischen Lüderitzbucht und den Arbeitsstellen hin und her gondelten. In den Dünen haben wir etwa 14 Tage in zwei kleinen Zelten gehaust, und manches Projekt zum Überwinden der Sandberge ist hier aufgestellt und wieder verworfen worden. Schon glaubte ich, nicht ohne Tunnel- und große Brückenbauten auskommen zu können, da fand ich eines Tages bei meinen Erkundungsritten die Trümmer eines alten Ochsenwagens, und hierdurch aufmerksam geworden, bald darauf eine Wagenspur in den Felsen angeschnitten. Wir ritten den Spuren nach und erkannten bald ganz klar, daß wir uns auf dein Wege befanden, den früher die Frachtführer „getreckt" sein mußten. Diese hatten sich einen Felsengrat ausgesucht, der in einem nach Norden geöffneten Bogen die Dünen in ganzer Breite durchsetzt und fast ganz dünenfrei ist, da der Sand auf dem glatten Granitrücken nicht haften bleibt, sondern erst an dessen Fuß sich zu Bergen auftürmt. Der Weg war später anscheinend verlassen, da der Aufstieg auf den Felsen recht schwierig ist. Für die Eisenbahn war er aber die einzig mögliche Stelle, wo man einwandfrei durch die Dünen bauen konnte, und heute schon führt uns das Dampfroß diesen Weg entlang, durch die einst so gefürchteten Dünen. Nach Auffindung und Festlegung der Eisenbahntrasse durch die Dünen war das Hauptproblem gelöst, wesentliche technische Schwierigkeiten fand man weiterhin nicht. Dagegen wurden wir späterhin in der Gegend der Tsirubberge dauernd von bewaffneten Hottentottenbanden beunruhigt, die uns jedoch dank der großen Umsicht und Gewandtheit des Leutnants Osiander, welcher die Arbeiten hier leitete, keine Verluste beifügen konnten. Leider blieb es der Trnppe versagt, den Bau der Bahn auch selbständig durchzuführen. Innenpolitische Rücksichten führten vielmehr dazu, daß der Bahnbau erst im Dezember 1905 vom Reichstag bewilligt und dann der Firma Lenz L Co. übertragen wurde. Immerhin wird es die Eisenbahner stets mit Genugtuung erfüllen, daß sie für ein großes Kulturwerk die grundlegenden Vorarbeiten aufgestellt haben. H. Eine Erkundung in der Wüste. Als wir im November 1904 in Lüderitzbucht eintrafen, hieß es dort allgemein, zwölf Neitstunden südlich des Platzes, etwa in Höhe des Postens 1, münde ein breites Flnßrivier, welches die Dünen nach Süden zu abgrenze, zum mindesten unterbreche. Auch auf den Kriegskarten, die uns dienstlich übergeben waren, war dort ein schöner blauer Fluß eingezeichnet, von dem die alten Afrikaner sogar Einzelheiten zu erzählen wußten — Hauvtmann Schulz.. dagewesen war allerdings keiner. - 187 — Diesen Gerüchten und Angaben mußte ich natürlich auf den Grund gehen, denn wenn sie sich bewahrheiteten, hätte man die Bahn zunächst die Küste entlang führen können, wäre dann dem Rivier gefolgt und hätte damit die Dünen umgangen. Den Umweg hätte man fraglos in den Kauf genommen. Die Gegend südlich Lüderitzbucht ist gänzlich Wasser- und vegetationslos. Sollten also Erkundnngsritte hier Erfolg haben, so war eine kleine Expedition auszurüsten: 60 Fässer mit Trinkwasser, Ration und Verpflegung für sechs Mann und sechs Pferde auf zehn Tage wurden auf die „Manila", eines unserer Depeschenboote, verladen und nach dem Posten 1 gebracht, hier in Brandungsboote eingeladen und an der Küste niedergelegt. Der Leutnant Wagenführ, die Reiter Prangs und Schuster begleiteten diesen Transport, der bei einem regelrechten Orkan ausgeführt werden mußte. Besorgten Herzens sah ich die kleine Nußschale um die Diazspitze verschwinden in das unbekannte, klippenreiche, überaus gefährliche Wasser. Nach 24 bangen Stunden kam aber das Boot mit der Meldung zurück, daß die Ladung glücklich übergebracht sei, worauf ich dann mit drei Reitern und einem uralten Hottentotten — „die alte Aujek" — als Führer auf dem Landwege nach der verabredeten Landungsstelle aufbrach. Der Sturm tobte noch immer ungeschwächt, belästigte uns jedoch in dem Felsengelände südlich Lüderitzbucht recht wenig; wir hatten vielmehr von Zeit zu Zeit ein herrliches Schauspiel vor Augen, wenn uns die Klippen einen Ausblick auf den tosenden Ozean gestatteten. Um Mittag hatten wir das Felsen- gebirge hinter uns, vor uns lag die Elisabethbai, links ein in eine dunkelblaue Wolke eingehülltes Gelände. Das waren die vom Sturm aufgewirbelten Dünen, die hier direkt bis an das Meer herantraten; da mußten wir durch! Es folgten nun fünf Stunden, wie man sie in Europa gottlob! nicht zu durchleben braucht. Der heiße Sandsturm drohte uns zu ersticken und machte uns so blind, daß mir dieser Ritt in der Erinnerung steht, als habe ich ihn im Finstern gemacht. Böse, schwere Stunden, wo man die Zähne ordentlich aufeinander beißen muß. Endlich, endlich erreichten wir den Meeresstrand, auf dem wir schnell entlang trabten und nach kurzer Zeit den Leutnant Wagenführ erreichten, der schon in banger Sorge nach uns ausgeschaut hatte. Das kleine Depot war unmittelbar am Meere hinter einer Felsenklippe eingerichtet und lag so einzig schön, daß alle Mühsale und Strapazen bald vergessen waren. Was gibt es Wohl Herrlicheres, als solch unendliche Einsamkeit und die Natur in ihrer jungfräulichen Unberührtheit! Nur ein klein wenig träumen und — der Ozean zu deinen Füßen, an dessen Küste zahllose Schiffstrümmer angeschwemmt sind, erzählt dir die schönsten Märchen: von kühnen Seefahrern und entschlossenen Forschern, von harter Not und jähem Schiffbruch, von zertrümmerten Existenzen und rosiger Hoffnung. Die folgenden Tage führten uns dann in ganz unbekannte Gebiete, die wohl noch nie eines Europäers Fuß betreten hatte. Unser Flußrivier fanden wir gar bald, aber es teilte das Los des ganzen Küstenstriches — die letzten zehn Kilometer waren durch haushohe Dünen völlig abgesperrt. Am sechsten Erkundungstage, nachdem wir nirgends einen Weg durch die 28 * Leutnants Meier uno Oliander in Lüoeritzbucht. 188 Dünen gefunden hatten, stiegen Wagenführ und ich auf den höchsten Berg der ganzen Umgegend — den Amicis oder Stranßenberg — und konnten an dem herrlich klaren Tage dort oben ganz deutlich erkennen, daß der braune Dünengürtel südlich Lüderitzbucht bis auf endlose Strecken nicht unterbrochen war. Ein betrübendes Ergebnis nach fechstägigen mühseligen Ritten, aber doch sehr wertvoll für uns — es gab eben keinen anderen Weg durch die Dünen für die Bahn wie den längs des Baiweges. Nun ging es heim. Unsern Führer hatten wir schon vorher entlassen, da er keine Ahnung vom Gelände hatte, die Soldaten warteten am Mecresstrand auf das Schiff, ich war mit Wagenführ und dem Reiter Antreem ganz allein geblieben. Wir hatten uns auf dem Amicis unsere Marschrichtung — den Albatrosfelsen südlich Lüderitzbucht — genau gemerkt und eine Stelle ausgesucht, wo die Dünen verhältnismäßig schmal waren. Es war 1 Uhr mittags und glühend heiß, aber weshalb sollten wir warten; wir hatten" nichts zum Fressen und Saufen für die Pferde, Schatten gab es nirgends, da galt es, möglichst schnell heimkehren. Doch wie so oft in Afrika, wurden wir auch dieses Mal durch die klare, durchsichtige Luft genarrt; die Dünenbreite, die wir aus wenige Kilometer geschätzt hatten, betrug niindestens 15 Kilometer, dabei waren die Sandberge so hoch und steil, daß wir erst beim Sonnenuntergang aus dieser fürchterlichen Gegend herauskamen. Was uns widerfahren wäre, wem, uns ein Sandsturm hier überrascht hätte, ist gar nicht auszudrillen. Ich bin fest überzeugt, daß wir dann in dieser Einöde verschüttet oder verirrt und verdurstet wären. Kaum war der letzte Sonnenstrahl verschwunden, da war es auch schon Nacht und, seltsam für Südwest, kein Stern kam hervor, dichtes Gewölk bedeckte den Himmel. Doch wir mußten weiter, wir hatten ja keinen Tropfen Wasser, und nichts zu essen. Zuerst ging es noch zu Pferde, aber bald mußten wir absteigen und die Tiere führen, man sah nichts mehr. Schon lange hatten wir den kleinen Fußpfad ganz verloren und orientierten uns lediglich nach dem Kompaß. Da tauchten helle Lichter in der Ferne auf, erst wenige, dann immer mehr, ohne Frage die Schiffe in unserm Hafen. Nun konnten wir nicht mehr fehlgehen, nur immer auf die Lichter zu. Doch plötzlich wurde der Boden immer weicher, es war als ginge man aus einem Morast, wir ,nutzten sofort scharf rechtsum machen, wenn wir mit den Pferden nicht einbrechen wollten. Dann waren die Lichter auf einmal wieder verschwunden, und zuletzt wußten wir weder aus noch ein. Es blieb uns nichts übrig, als auf den Felsen liegen zu bleiben. Keinen Tropfen Wasser seit 20 Stunden! Geschlafen haben wir nicht, nur immer nach Osten ausgeschaut, nach dem Aufgang der Sonne. Kaum wurde es hell, da kletterte ich auf den nächsten Berg und konnte zu unserer Freude feststellen, daß wir uns nur wenige Kilometer von Lüderitzbucht befanden, wir hatten die Hauptrichtung nicht verloren. Nur die Lichter hatten uns irregeführt: es waren nicht die Schiffe im Robertshafen, wie wir annehmen mußten, sondern die der russischen Kriegsschiffe gewesen, die während unserer Abwesenheit eingelaufen und draußen an der Diaz- spitze vor Anker gegangen waren. Alan kann sich leicht vorstellen, welche Aufregung diese Flotte hervorrief: Die russische Flotte auf ihrer Fahrt nach den: fernen Osten in unserm Hafen. Wir, die wir in eigener Kriegsnot uns wenig um die großen Ereignisse der übrigen Welt kümmern konnten, sahen uns Plötzlich ganz in den Russisch-Japanischen Krieg versetzt. Wir tauschten die üblichen Höflichkeiten mit den Russen, die draußen auf der Reede vor MWW LS-LLL ?WW- AMD '.^ 7 ^ ,«B»22 Wanderdünen in der Wüste Namib, durch welche die Trasse der Bahn Lüderitzbucht—Kubub sühn. ISO stelle, wo die Bahn durch die Dünen geht. Bau der Eisenbahn von Lüderihbncht nach Knbnb. Anker lagen, aus und winkten dann am Tage nach unserer Rückkehr den Schiffen ern letztes Lebewohl zu! Wer konnte damals ahnen, daß keiner dieser stolzen Niesen die Heimat wiedersehen würde; wer konnte voraussetzen, daß, trotz numerischer Übermacht, die russische Flotte von den bislang kaum als Großmacht anerkannten „Gelben" auf einen Schlag vernichtet Werden und aus den Beständen der europäischen Kriegsflotten spurlos verschwinden sollte! Aus den Mitteilungen des Hauptmanns H. Schulze, im Eisenbahu-Negiment Nr. 3, früher in der Kaiserl. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. * H * Drei feindliche Salven! Aus dem Gefecht am Kaiser-Wilhelms-Berg, 28. Januar 1904. Es war am 28. Januar. Am Tage vorher waren die Hereros von uns, der Kompagnie Franke, zurückgewiesen. Heute hieß es, die bei Otjosasu vermuteten Feinde zufassen. Wir marschierten, um den Gegner zu täuschen, zuerst aus Okakango, dann aber schwenkte die Tete rechts ab, um die Pad Okahandja — Otjosasu zu gewinnen. Der vor uns aufsteigende Kaiser-Wilhelms-Berg bot vorläufig unsere Marschrichtung. Doch waren wir kaum fünf Minuten marschiert, als wir, ganz unerwartet, drei Salven aus dem dichten Gebüsch erhielten. Im Galopp linksnm — Pferde in Deckung und vorwärts in den Busch. Auf dem Bauche kriechend ging's durch ein kleines Rivier, den tief Angeschnittenen Kandubay, auf die Schwarzen im Hinterhalt! Unsere beiden Geschütze fuhren auf der Anhöhe neben dem Wege auf und ließen ihren Donner rollen, während wir sprungweise vorrückten. Die Hereros hatten den Bergrand besetzt und weiter vorn Schanzen aufgeworfen. Eine Stunde hatten wir die Ver- schanzung vor uns unter Feuer gehalten, um unserm rechten Flügel eine Flankenumgehung zu ermöglichen. Wir wußten, daß wir den Feind unter unserm heldenmütigen Hauptmann schlagen würden, das lag von vornherein so in ihm drin und hat sich ja auch immer bewährt. Wir konnten daher den Befehl zum Angriff kaum abwarten. Endlich ertönte das Kommando unseres „eisernen Führers" (Hanptmann Franke) zum Sturm. Vorwärts ging!s, die blutdürstigen Schwarzen aus den Schanzen zu schlagen. Bei der Eroberung der Hauptstellung des Feindes lagen die aus den Stores (Geschäftshäuser) geraubten Gegenstände, z. B. Koffer, Kleider, 191 Handwerkszeug usw., noch da. Sie wurden von uns mitgenommen. Unsere Kompagnie hatte in diesem Gefecht zwei Schwer- und zwei Leichtverwundete. Die Verluste des Feindes ließen sich schwer feststellen, da jeder Tote aus der Schützenlinie mitgeschleppt und weit zurück verscharrt wurde. Karl Weber, Unteroffizier, 2. Kompagnie (Franke) der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwcstafrika. He ^ >!- Marineinfanterie bei der West- abteilung. Omuscma, 16. März 1994. »Donnerwetter! da ist mir grade so ein Kerl durch mein Fernglas gesprungen!" Keine schlechte Kriegerschar war es, die am 16. März 1904 am Fuße des hochaufragenden Omatakoberges entlang trabte. An der Spitze die verwetterte Kernkompagnie Franke, und dann die mit uns berittenen Seesoldaten vereinigte 4. Kompagnie Haering, die auch schon mehrmals den Hereros die Zähne gezeigt hatte. Hinter uns knirschten die Geschütze im tiefen Sande der Pad. Eben hatte die Spitze — Leutnant Leutwein —, bei der auch Major von Esrorfs und Hauptmann Franke ritten, eine anscheinend verlassene Werft Passiert, und die Kompagnie Franke bog auf den freien Platz daselbst ein, als plötzlich einige Schüsse fielen, denen ein endloses Geknatter folgte. Ein Kugelregen prasselte aus die ungeschützte Kompagnie ein, getroffen wälzte sich eine Anzahl von Pferden mit den Reitern am Boden — ein kurzer Wirrwarr, und dann war die Kompagnie im Schutze der rückliegenden Büsche abgesessen und hatte den Gegner, der sich vor allem im Flußbette des Omuramba-u-Omatako eingenistet hatte, unter Feuer genommen. Die bereits abgeschnittene Spitze schlug sich bis auf zwei Reiter glücklich durch. Auf die ersten Schüsse hin setzten sich die 4. Kompagnie und wir in Galopp, marschierten auf, und nun sprang alles herunter von den Gäulen, die Büchse wurde aus dem Schuh gerissen, und vor ging es gegen den rechten Flügel des Feindes. Vor uns aus dem dichten Gebüsch erscholl lautes Geschrei, dort krachte es heraus, und dorthin erwiderten wir eifrig das Feuer, ohne jedoch viel von dem gut verborgenen Gegner zu sehen. „Donnerwetter," rief da Leutnant von Wurmb, der die Busche mit seinem Goerz absuchte, „da ist mir grade so ein Kerl durch mein Fernglas gesprungen!" Nun begannen aber die Hereros, durch eine Biegung des Riviers begünstigt, uns zu überflügeln und schössen beinahe von links in unsere Linie. Ich paßte scharf auf, woher Unteroffizier Karl Weber. Hauptmann Viktor Franke. 192 die Schüsse kamen und feuerte mehrmals dorthin, wo der dünne Pulver- schleier aufstieg. Nach dem Gefecht fand ich dort Wohl einen Hut, uicht aber den erhofften Erlegten, der von feinen Kameraden weggeschleppt worden sein mag. Unsere beiden anderen Züge verlängerten jetzt links und jagten die verwegen vorgedrungenen Herervs vor sich her, unseren linken Flügel wieder entlastend. Auch die Artillerie griff nun ein und säuberte über unsere Köpfe hinweg die vorliegenden Büsche, so das; bald das nun die Verfolgung aufnehmen konnten, lösung. Bald da, bald dort krachten aus gestürzten Baum, der nur im Wege lag. Stellung der Hottentotten Skizze zum ««elecht bei Luiuiemo. Major von Estorff. Geschrei und die Schüsse verstummten, und wir Durch den dichtesten Busch ging es in weiter Auf. den Büschen Schüsse. Da kam ich an einen um» Ich stellte den Fuß auf einen Ast, wippte einigemal, um die Haltbarkeit festzustellen, und sprang dann darüber. Dieser zufällige Sprung rettete mir das Leben. Denn während ich zu Boden sah, war acht Schritte vor mir ein Herero aus dem Grase aufgetaucht und feuerte gerade, als ich sprang, sein Gewehr auf mich ab. Erst dadurch, daß mir der Pulverdampf ins Gesicht kam, merkte ich die Gefahr. Dort stand der Bursche, halb im hohen Grase verborgen, und wartete offenbar den Erfolg seines Schusses ab; rasch den Kolben hoch und auf ihn abgedrückt. Doch -— klapps! Das war alles. Durch den Sprung war der Kammerstengel meiner Waffe verschoben worden, und die Patrone versagte. Wie der Blitz war der Schwarze im Grase verschwunden. Ich folgte sofort. Plötzlich lag ich mutterseelenallein unmittelbar vor einer Menge schwarzer Kerle. Rasselndes Schnellfeuer, daß die Geschosse durch die Zweige klatschten! Da hörte ich plötzlich links von mir Leutnant der Reserve Freiherrn von Erfsa: „Schießt, schießt, da auf zehn Schritte vor euch, im hohen Grase, liegen sie ganz dicht!" Es war der Ncbenzug, der eingetroffen war, und nun hagelte es aber. Als ich den Kopf erhob, sah ich gerade noch die beiden letzten meiner schwarzen Nachbarn hinter die Büsche Deutsche Reiter in Südwest. >AllcS herunter von den Gäulen, und vor ging es gegen den rechten Flügel des Feindes W- 194 huschen, und ich sandte ihnen nebst einigen frommen Wünschen ein paar blaue Bohnen nach. Kurze Zeit darauf wurde uns von unserer Batterie durch Geschützsignal das Zeichen zum Abbrechen der Verfolgung gegeben, und zufrieden mit dem Siege kehrten wir zum Sammelplätze, der Werft Omusema-Okadjembo, zurück. Dort fanden auch die beiden Gefallenen, die Gefreiten Kaiser und Schnltka, ihre letzte Ruhestätte. Ehre ihnen und allen anderen Tapfern, denen keine liebende Hand das einsame Grab schmückt! Feldwebel Weinauther. UZM Weyrauther, ehem. Feldwebel der 3. Feldkompagnie Marineinfanterie-Bataillons der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. * * * Zum Feldzug gegen die Bondelzwart-Hottentotten. 20. Oktober 1903 bis 25. Januar 1904. I. Kriegsbeginn. In Keetmannshoop, dem Standort der früheren 3. Feldkompagnie und Sitz des Bezirlshanptmanns für den Süden (Namaland), kam am 26. Oktober 1903 plötzlich eine Eilpatrouillc, SanitätSunteroffizier Schuck und ein eingeborener Polizist, welche den zirka 300 Kilometer weiten Weg in 2^ Tagen zurückgelegt hatten, mit der Meldung aus Warmbad an, daß dort der Bondelzwartkapitän aufsässig sei und der Distriktschcf von Warmbad, Leutnant Job st, eine Verstärkung der schwachen Besatzung von Warmbad für nötig halte. Zwei Tage darauf schon traf dann der schwarze Diener des Leutnants Job st auf schäumendem Pferde — das zweite Pferd war unterwegs erschöpft liegen geblieben — mit der Nachricht ein, daß bei einem Kampfe in Warmbad Leutnant Jobst mit Sergeant Snay und einem Ansiedler gefallen und zwei Mann verwundet seien, aber auch von dem tapfern Snay gleichzeitig der Kapitän erschossen wäre; die übrigen Mannschaften und Weißen seien im Stationsgebäude von den Eingeboreneil eingeschlossen. Das war also Krieg! Die in den Karrasbergen befindliche 3. Feldkompagnie wurde sofort zurückgeholt und verschiedene Reservisten eingezogen. Während alles zur Expedition 195 vorbereitet wurde, stellte Hauptmann von Koppy eine kleine Patrouille aus auserlesenen Mannschaften und Pferden (15 Deutsche und 3 Eingeborene) zusammen und unternahm schon am 29. Oktober den nicht ungefährlichen Ritt durch feindliches Gelände zur Befreiung der in Warmbad Eingeschlossenen, welche ihm schon am 1. November glücklich gelang. Die Kompagnie, welche mit dem Geschütz und der Wagenkolonne nicht sofort marschbereit war und nur langsam vorwärts kam, folgte am 1. November. Da die Gras- und Wasserverhältnisse denkbar schlecht waren und der Weg meist durch gebirgiges und feindliches Gelände führte und auch die Ochsen unterwegs oft im Stich ließen, kam die Kompagnie natürlich nur Schritt für Schritt vorwärts und langte erst am 16. November in Warmbad an. Die Kompagnie, zirka 70 Weiße stark, wurde von Leutnant der Reserve Merensky geführt; ich befand mich bei derselben als einziger Arzt und außerdem noch der Vizefeldwebel der Reserve Landmesser Beermann. Unterwegs erreichten uns die schlimmsten Gerüchte über die Einnahme von Warmbad, vollständige Vernichtung der Abteilung von Koppy und dergleichen. Am gleichen Tage traf nach uns Graf von Kageneck mit Vizewachtmeister der Reserve Wulfs, Sergeant Müller, 22 Weißen und zirka 40 Witboois aus Gibeon bei unserer Kompagnie ein. Bis hierher war somit alles über Erwarten gut gegangen, doch nun mußten weitere Vorbereitungen getroffen werden, um dem Feinde, der südlich von Warmbad sitzen mußte, entgegenzutreten. Ich übernahm unterdes die Behandlung der beiden Verwundeten — eines Ansiedlers und eines Gefreiten, die mit Leutnant Jobst gekämpft hatten — und verschiedener Kranken und richtete im unbewohnten Missionsgebäude ein Lazarett ein. Dann, nachdem alles bereitgestellt war, noch ein paar Zeilen an Weib und Kind gerichtet, die schweren Herzens in Keetmannshoop zurückgeblieben, und weiter ging es am 19. November, einem ungewissen Schicksal entgegen. Ein schwieriges Suchen in dem zum Teil romantischen, wildzerklüfteten Gelände begann. Einmal fanden wir in einem tief eingeschnittenen Talkessel die verlassene Werft einer feindlichen Abteilung, doch nichts vorn Feinde selbst. Am zweiten Tage ritt ich nachmittags in heißer Sonnenglut mit der Abteilung des allzeit fidelen Oberleutnants Grafen von Kageneck nnd sprach gerade mit letzterem darüber, daß wir wohl auch an diesem Tage nichts vom Feinde sehen würden, als plötzlich von unsrer Spitzenpatrouille die Meldung eintraf: „Sandfontein, der vor uns liegende, von Bergen ringsumgebene Wasserplatz, ist stark vom Feinde besetzt." Das war eine Freudenbotschaft! Also in aller Eile dorthin! Menschen und Tiere waren durstig, wir brauchten daher Wasser, und dies war anscheinend in Feindeshand. Hauptmann von Koppy war mit der Hauptabteilung im weiten Bogen um die vor uns zur Linken liegenden und das Wasser beherrschenden Berge geritten, während ich mit Graf von Kagenecks Abteilung dicht an diesen Bergen entlang ritt. Wir befanden uns glücklicherweise im Trabe, als wir plötzlich von einer etwa 100 Meter entfernten hohen Felskuppe aus eine Menge Rauchwölkchen aufsteigen sahen und zugleich das so wohlbekannte Pfeifen vieler Kugeln um uns herum hörten. Daß nicht der größte Teil von uns siel, ist mir noch jetzt ein Rätsel. Graf von Kageneck und zwei Witboois stürzten sofort wie vom Blitz getroffen mit den Pferden, ebenso dicht vor mir Oberstabsarzt Nr. Schövwinkel. 26 * 196 der Sanitätsgefreite Thiede und ein Witbooi, doch keiner war verwundet, nur die Pferde tot. Wie der Wind stieben wir nun nach allen Seiten auseinander, der größte Teil sprang von den Pferden, diese ihrem Schicksal überlassend, und suchte Deckung in Geländevertiefungen oder hinter Klippen, um nun das feindliche Feuer kräftig zu erwidern. Das Ganze war zunächst ein Bild großer Berwirrung. Doch bald hatte jeder seinen Platz gefunden, die herumgaloppicrenden gesattelten Pferde wurden von unsern Eingeborenen größtenteils zusammengetrieben; auch die Abteilung von Koppp griff in daS Gefecht ein, nachdem sie inzwischen ebenfalls von den vor ihr liegenden Höhen aus beschossen worden war. Der Feind hatte in langer Front die Höhen zu unsrer Linken und auch eine hohe Kuppe zur Rechten besetzt, so daß wir uns kurze Zeit im Kreuzfeuer befanden. Nachdem allmählich das Geschütz unter Vizewachtmeister der Reserve Wulfs trotz des tiefsandigen Weges herangezogen war, verließen die Feinde aus der rechts gelegenen Kuppe nach der dritten, gut sitzenden Granate in Heller Flucht ihre Stellung, während auf der linken Front daS Gefecht sich bis Sonnenuntergang hinzog und dann erst durch einen schneidigen Sturmlauf des Sergeanten Bruuner mit 16 Mann eine vor uns gelegene, durch größere Felskuppen gut gedeckte feindliche Stellung genommen wurde, wobei drei Kerle in unsre Hände sielen. Mit eintretender Dunkelheit kam endlich das Gefecht zum Stehen, und ein jeder legte sich, mit dem schußbereiten Gewehr im Arm, zu kurzem Schlaf nieder. II. Eine kühne Tat der Eingeborenen unter Sergeant Müller, am 20./21. November 1903. Inzwischen war es dem Vizefeldwebel der Reserve Beermann mit einer kleinen Bedeckung gelungen, die Wagenkolonne, trotz feindlichen Feuers, ebenfalls an die Truppe heranzubringen. Da Menschen und Vieh dursteten, unternahm, trotz der Dunkelheit, Sergeant Müller mit den Gibeonern und Witbvois den Angriff aus die das Wasser beherrschende Hauptkuppe; teils kriechend, teils springend kamen diese Wackeren Schritt für Schritt vorwärts, und nachts 2 Uhr etwa ertönte das Hurra der Angreifenden wie eine Erlösung für alle, uns ein Zeichen, daß endlich die Kuppe ganz genommen war. Eine derartige Leistung in der Nacht war auch nur mit Hilfe der gewandten und scharfäugigen Eingeborenen möglich. Am folgenden Tage, mit der Dämmerung, begann dann in breiter Linie der Angriff gegen die Hauptfront des Feindes, das Geschütz dabei mithelfend. Hin und wieder hörten wir einen getroffenen Kerl heulen, oder auch Weiber und Kinder, die hinter einer hohen Kuppe in Deckung fitzen mußten, jammern. Nach einem letzten Sturmlauf mit Hurra aus der ganzen Linie war gegen 10 Uhr vormittags der Feind aus allen Schanzen herausgeworfen; nur einen Toten fanden wir, die übrigen Toten und Verwundeten hatten die Hottentotten, ihrer Gewohnheit gemäß, mit sich genommen. Dagegen erbeuteten wir einige Ziegen, Ochsen, Kühe und zwölf abgetriebene Pferde, viele alte Sattel, Fleischtöpfe, die teils noch ganz mit Fleisch gefüllt waren, große Stücke frisch geschlachteter Ochsen und zwei Frachtwagen, welche die Feinde kurz vorher auf dem Wege vom Oranje nach Warmbad geraubt hatten und deren Inhalt (Proviant, Kaffee, Bonbons, Sirup usw.) zum größten Teil schon verzehrt oder (Anzüge usw.) vollkommen in Gebrauch genommen war. Die Kerls schienen ein wahres Schlemmerlebcn geführt zu haben. Unter der Beute befanden sich auch ein Pferd und verschiedene Gegenstände (darunter 130 Patronen iVl/88) der Besatzung der Station UhabiS, ein Beweis für uns, daß diese abseits gelegene Station (Unteroffizier Otto und Reiter Zeiser) gefallen sein mußte. WWM X «v* »' LÄ« » 8MH WKW teils kriechend, teils springend kamen diese Wackeren Schritt siir Schritt vorwärts 198 Der Feind hatte die Flucht nach den schwer zugänglichen Oranjebergen genommen, und es begann nunmehr ein mühsames Suchen und Verfolgen desselben, bis es Oberleutnant Böttliu mit seiner Bastardabteilung am 12. Dezember gelang, einen Teil der Hottentotten bei Hartebeestmund zu stellen. Dr. Schvpwinkel, Oberstabsarzt der Kaiserl. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. WM WE M Patrouille durchreitet den Lmaruru. Patrouillenritt im Hererolande. Im welkenden Grase wieget ein Traum den Reiter in lockende Ferne, Des Himmels Zeltdach decket ihn zu und die eisig blinkenden Sterne, Der flammende Gurt des Orions strahlt, und das Kreuz es glimmet im Süden, Und der Sirius glitzert so kalt und fern, so höhnisch herab aus die Müden. Eine eisige Nacht, sie schneidet und sticht durch den Woilach wie spitzige Klingen. Die Kälte umklammert das Steppenland als Kette mit eisernen Ringen, Und schon verklingt der Hyäne Gekreisch und des Schakals heulende Klage, Und ein flackerndes Glimmen am Horizont bringt Kunde vom nahenden Tage. Und die Kette klirret dem weidenden Pferd an dem rastlos scharrenden Hufe, Im dornigen Baume das Perlhuhn erwacht mit lautem, hellgackerndem Rufe, Des Lagerfeuers verglimmende Glut schließt ihre funkelnden Augen, Von dem Sattelkissen erhebet den Kopf der Schläfer — die Träume verrauchen. Und den Woilach schleudert er von sich und sieht der Büsche starre Silhouetten, Die blattlosen Bäume im Tagesgraun mit ihren Dornenskeletten. Noch klirret im Wasserbeutel das Eis mit seinen harten Kristallen, Doch nach einer Stunde schon drückt voll Wut die Sonne mit glühenden Krallen. 199 Und jegliche Lebenslust schwindet dahin im sengenden, bleiernen Glühen, Drum schnell gesattelt und angetrabt, eh' die Lebenskräfte versprühen. Mit Vorsicht pürscht er durchs Dornengcstrüpp, der Hottentott' ihm zur Seite, Auf dem braunen Kopfe den weißen Hut, des Witbooistamms Zeichen im Streite. Und des Reiters Blick durch die Büsche dringt, der Witbooi sucht an der Erde, Sein Falkenblick in den Spuren liest, herab von dem mageren Pferde. Der Koffern kaum sichtbare Fußspur er zeigt, die er rasch an,dem Boden erkannte, Doch des Deutschen Auge sucht umsonst in dem roten, körnigen Sande. Da raschelt's im Busch, jetzt heißt es gezielt, doch kein Schuß darf die Stille durchdrängen. Der Zwergantilope graziöse Gestalt entschwindet mit zierlichem Springen. Gespannt das Gewehr, von Busche zu Busch, so kann er nach vorwärts nur streben, Wer zuerst seine Büchse am Kopfe hat, der mag den Abend heut noch erleben. Liegt nicht am Termitenhügel geschmiegt ein regungslos lauernder Schlitze? Hängt nicht in der Krone des Baumes ein Feind, den dürren Ast dort als Stütze? Ach was! Der Tod kann aus jedem Versteck die Schicksalskugel ihm senden, Und wenn der sich deckende Feind ihn gefehlt, dann wird er sein Schicksal noch wenden. Schon zücket vom ehernen Himmel herab ein anderer Feind seine Strahlen, Die Sonne, sie will mit ermattender Glut die Lebenskraft ihm zermahlen. Es stolpert träge das müde Pferd, nach Wasser lechzend und Schatten, Zu dem Wasserloch dort, da müssen sie hin, sonst stürzet das Tier vor Ermatten. Und der Witbooi erklettert den stachligen Baum und sendet die forschenden Blicke, Kein Schwarzer zu sehn, drum schleichen sie hin und vertrauen dem blinden Geschicke. Die Büchse im Arm, so tränkt er sein Roß in dem gelblichen, sandigen Schlamme, Dann löscht er selbst in dem schmutzigen Trank seines Durstes zehrende Flamme. Doch weiter! Bei gierigem Schlürfen Pflegt der Küster den Feind zu beschleichen, Und mancher mußte am tödlichen Blei, übers Wasser gebeugt, schon erbleichen. Drum vorwärts! Nur Dornbusch und Sonnenbrand und am Himmel ein dunkler Reifen, Der Waterberg, endlos, dem Meere gleich, ein blauer, unendlicher Streifen. Und wieder drückt die ermattende Glut; ach, wollte es endlich doch knallen; Denn besser ist es, vom feindlichen Blei als von lähmender Hitze zu fallen. Da endlich senkt sich der Sonnenball, von glühenden Farben umblinket, Und es naht sich die einzige Stunde des Tags, wo das Leben hier lieblich noch winket. Nach der Hitze des Tags, vor der Kälte der Nacht, die Stunde der Vesperglvcken, Die Stunde, erfüllt mit Zikadengezirp und der Tauben gurrendem Locken. Der Reiter sitzet verträumt auf dem Roß und wähnt sich so ferne den Flächen Der Steppe, er denkt an ein waldiges Tal, durchrauscht von rieselnden Bächen. Dort schöpfet ein Mädchen mit goldenem Haar aus silberner, murmelnder Quelle Kristallklares Wasser und reicht ihm den Trank, — da zeigt ihm der Witbooi die Stelle Da vor ihm — er sieht nicht — jetzt krachet ein Schuß, und er liegt unter dornigen Bäumen! — Was hat er im afrikanischen Busch vom deutschen Wald auch zu träumen! Aus den Südwestafrila-Liedern des Kricgsgerichtsrats Volley, jetzt beim XIV. Armeekorps. -t- * * 200 Gefecht bei Hartebeestmundribier. 12. Dezember 1903. I. Zur Situation. Siegreich waren die deutschen Truppen nach dem heißen Gefecht bei Groß- und Kleiu- Sandfontein nach Warmbad, der südlichsten Militärstation im Groß-Namaland (Deutsch- Südwestafrika), zurückgekehrt. Wohl waren diese beiden Wasserplätze besetzt geblieben, wohl wurden kleinere Streifpatrouillen dem flüchtenden Feinde nachgesandt, aber es war und blieb vorerst ein Rätsel, wohin sich der geschlagene Gegner gewendet haben könnte. Die braven deutschen Mannschaften der 3. Feldkompagnie, unter Führung des äußerst tatkräftigen und umsichtigen Hauptmanns von Koppy, die seit dem Tage des Aufstandes, also bereits schon Vier- Wochen lang, sich nicht hatten Ruhe gönnen können, die Pferde dieser Abteilung und die Wagen- bespannungen — die Zugochsen — waren so erschöpft resp. mitgenommen, daß eine kleine Pause in dem steten Umherstreifen auf der Suche nach dem Feinde bei diesem Detachement eintreten mußte. Wohl rückte die bereits angekündigte Verstärkung, die Bastardabteilung sowie die 1. Kompagnie unter der Führung des Oberleutnants Grafen von Stillfried und Rattonitz und die Gebirgsbatterie unter der allzeit tüchtigen Leitung des Hauptmanns von Heydebreck, näher. Aber würden diese Truppen, die in Eilmärschen die über 900 Kilometer lange, tiefsandige Pad von Rehoboth bis Warmbad zurücklegen mußten, sofort marsch- und gefechtsbereit sein? Dieses war eine so wichtige Frage; aber trotzdem konnten sich die Pferde der Südabteilung noch lange nicht mit denen der Nordabteilung messen. Unsere Abteilung, die Bastard-Neiter- kompagnie, unter dem schon soviel gerühmten, braven und tüchtigen Oberleutnant Böttlin, hatte durchweg wohlgepflegte Tiere, die die Strapazen gewohnt waren und stets gutes Kernfutter reichlich bis soweit erhalten hatten. Wie sahen dagegen die Pferde des soeben aus dem Sandfelde zurückgekehrten Süddetachements aus! Völlig abgemagert und eingefallen, machten sie einen geradezu kläglichen Eindruck auf uns, die wir doch auch soeben am 1. Dezember 1903 in Warmbad eingerückt waren. Am 2.Dezember nachmittags erhielt nun unsere Kompagnie den Befehl, die von den deutschen Truppen besetzt gehaltenen Wasserplätze Groß- und Klein-Sand- fontein zu verstärken. Gleichzeitig aber wurde uuS der Befehl zuteil, den Spuren Feldwebel Otto Rolle auf einer Expedition im Kaffcrnland. LF «.»c L Oberst Deimling auf der Verfolgung der Hereros, September/Oktober 1904. „Am 30. September trat Oberst Deimling von Kalks ontein auS den Vormarsch über die 8ö Kilometer lange Durststrecke an „ Das Unternehmen war um so schwieriger, als die Kompagnien infolge der gewaltigen Anstrengungen der letzten Wochen fast alle Pferde eingebüßt hatten, Aus alle» drei Kompagnien (1., 3. und 6./2. Regiments) konnte nur eine SO Pferde starke berittene Abteilung ausgestellt werden. Auch die 7. Batterie mudte ihre Geschütze durch Ochsengespanne fortbringen." Beilage zu: „Dincklagc, Deutsche Reiter in Südwest/ Deutsches Berlagshaus Bong L Co., Berlin V. 57. 201 Vor dem Lager der Bondelzwarts. WM des geschlagenen Feindes zu folgen und nach dem Verbleib desselben auszuspähen. Mit hoher Begeisterung und übermenschlicher Freude wurde von uns dieser Befehl aufgenommen; wußten wir doch jetzt, daß wir unseren Waffenbrudern mithelfen konnten und unsere Hilfe nicht unterschätzt wurde. Unsere Bastardabteilung, eine Eingeborenenkompagnie, bestand aus 70 aus der Umgegend Reh oboths zusammengesuchten Bastardreservisten, die sich selbst beritten gemacht hatten, und die sich nun während des Marsches unserer militärischen Ausbildung wieder unterziehen mußten. Wir alle, die wir der Abteilung angehörten, waren erfreut über die guten Fortschritte, die diese Soldaten machten; wir wußten ganz genau, im Falle der Not waren sie zuverlässig und treu und deutsch. Am 3. Dezember 1903, frühmorgens, rückten wir vor. Die vorgeschobene Spitze ritt langsam, bedächtig und weit ausgeschwärmt, jeden Hügel vorsichtig nehmend; jedoch ohne besondere Ereignisse langten wir am 5. Dezember am Bestimmungsplatze an. Wie traurig, wie öde war der Platz! Kein Futter, kein Grashalm für Pferde und Ochsen, und wie sollte nun für unsere Tiere gesorgt werden! Etwas Hafer wurde durch Proviantwagenkolonnen nachgeschoben, aber wie mußte gespart werden mit den Rationen! Eine Patrouille, die noch mit den besten Pferden der Kompagnie ausgeführt wurde, war ergebnislos ausgefallen. II. Die Freiwilligen unter Oberleutnant Böttlin. Am 9. Dezember 1903 waren wir von Ramansdrift von Streifpatrouille zurückgekehrt, und schon am folgenden Tage sollte eine erneute Rekognoszierungspatrouille nach den Oranjerivierbergen vorgeschoben werden, die — wie vermuten ließ — auf den verborgenen Feind stoßen mußte. Freiwillige aus dem ganzen, inzwischen von Warmbad eingetroffenen Süddetachement sollten sich melden, und Führer dieser mutigen, auserwählten Schar sollte der Oberleutnant Böttlin sein. Als führender Unteroffizier dieser unberittenen Patrouille wurde ich, Feldwebel Otto Rolle, auserkoren und erhielt gleichzeitig als Diensttuender den Befehl, die Anordnungen Deutsche Reiter in Sndwcsi, 27 202 für den Abmarsch zum 10. Dezember zu treffen. Die Patrouille sollte zu Fuß ausgeführt werden; der nötige Proviant und einige Decken sowie Kochgeschirre wurden auf einem Esel mitgeführt. Nach Sonnenuntergang rückten wir ab, 24 Mann stark, unter Führung des vorgenannten Offiziers, nicht ahnend, daß uns unheilvolle, nie aus meinem Gedächtnis schwindende, aber ehrenvolle Tage bevorstanden. Zwei Buren, die den Weg am Oranjerivier kannten, dienten als Pfadfinder, und diese sollten uns sehr dienlich werden in den zerklüfteten Oranjerivierbergen. Alte verwehte Viehspuren führten am Flusse entlang; frische Spuren waren nur spärlich zu beobachten, und so war es schwer für uns, den Weg zu finden, der uns nach dem Verstecke des Feindes führen konnte. III. Die Buren finden den Lagerplatz des Feindes. Die beiden Buren erboten sich freiwillig — wie überhaupt diese Leute im ganzen Aufstande sich überaus deutschfreundlich gesinnt gezeigt hatten —, am jenseitigen Ufer auf englischem Gebiete Erkundigungen von den zerstreut umherwohnenden Hotteutottenfamilien auszuhorchen und versicherten, unserem Führer auf diese Weise wichtige Aufklärungen zu machen. Der Vorschlag wurde angenommen. Die Buren verließen uns bei einer Furt und überschritten das Flußbett, uns führte der überaus sandige Weg am Oranjerivier weiter bis zu einer Stelle, die uns von den beiden Buren als Lagerplatz bezeichnet worden war. Hier wurde gerastet und abgekocht, und hier sollten wir auf die Rückkunft der von uns ausgesandten Spione warten. Es war am 11. Dezember 1903, gegen Mittag, als ich von dem ausgestellten Posten auf zwei unserem Lager zueilende Menschen aufmerksam gemacht wurde, deren Gang kriechend und vorsichtig schleichend war. Am Ufer nahm ich sie schon in Empfang und geleitete sie zu unserem Führer, Herrn Oberleutnant Böttlin. Sie erzählten nun in ihrer holländischen Sprache feurig und begeistert, daß sie von einer erhöhten Aussicht aus in der verflossenen Nacht in einer Schlucht, die höchstens zwei Stunden von hier entfernt gelegen sei, mehrere Feuerscheine gesehen hätten. Wildes Feuer sprühte aus ihren Augen, Haß verzerrte ihre Gesichter, und sie beteuerten fest: „Dies und kein anderer ist der Lagerplatz des Feindes!" was ihnen auch eine angetroffene Hottentottenfrau bestätigt hatte. Der Entschluß unseres Führers war schnell gefaßt. Die Werst, die schwach besetzt sein sollte, mußte ausgenommen werden. Das Vieh, das in Unmengen vorhanden sein sollte, mußte unsere Beute werden. Wie begeistert und wie kampfesmutig nahmen unsere Soldaten diesen soeben von mir weitergegebenen Befehl auf, und am liebsten hätte sich alles gleich aufgemacht und sich dem Feinde entgegengeworfen. Gegen Abend des 11. Dezember wurde aufgebrochen, vorsichtig den Pfad suchend, immer am Oranjerivier entlang. Es war gegen 2 Uhr nachts, als wir bei einer Stelle am Fluß anlangten, die das Vorwärtskommen unseres Packesels hinderte. Dieser mußte hier zurückbleiben, und nun krochen wir förmlich weiter, jeden Schritt vorsichtig wählend, da wir in der Nähe der ausspionierten Werft sein mußten. Ich, als Führer der Spitze, halte Plötzlich an. Ich höre Hundegebell, und schnell verschwinden wir hinter einem vor uns liegenden und uns deckenden Hügel. Alles lauscht. Leise ertönt noch einige Male in die Nacht hinein das Bellen des Hundes, doch allmählich verstummt auch dieses, und wir sitzen noch immer in Deckung, angespannt auf jedes Geräusch lauschend. Mein Führer ruft mich heran, erteilt kurze Befehle, die ich weitergeben soll, und nachdem ich die Mannschaften gefechtsbereit gemacht und für das Vorgehen vorbereitet hatte, brachen wir um 4 Uhr des 12. Dezember aus unserem Versteck zum Angriff auf. Wir rückten auf die Werft los. Unser Schnellfeuer prasselte zwischen die Pontoks, und völlig überrascht flüchtete der Feind aus seinen notdürftig aufgebauten Grashäusern. Im Sturmschritt und mit weithin schmetterndem, brausendem deutschen Hurrageschrei wurde das 203 Dorf genommen. Der Feind hatte sich mir wenig widersetzt, und nur zeitweise sielen noch einzelne Schüsse von den umliegenden Höhen in unsere Mitte. Wir legten die gefallenen Hottentotten zusammen. Auch wir hatten einen Schwerverwundeten auf unserer Seite, dem ich mich nun nach völligem Sieg widmete, um seine Schmerzen zu lindern. Ein Schuß durch die Brust hatte ihn kampfunfähig gemacht. Nur mit größter Mühe konnte ich den Blutverlust stillen. IV. „Nur wir beide noch!" Im Vollbcwußtsein unseres so schnellen Sieges wurde das Vieh zusammengetrieben, und im Begriff, den Gefechtsplatz zu verlassen, geschah etwas Unerwartetes. Die Höhen, die Gebirgskette, die sich um die Schlucht zeigte, wimmelten Plötzlich von Hottentotten, und ein furchtbares Schnellfeuer prasselte zwischen uns. Uns war der Rückzug nun abgeschnitten, und nur ein Kampf auf Leben und Tod war uns beschieden. Jeder suchte, so gut es ging, Deckung und nahm das Feuer des Gegners auf. Wer mochte noch am Leben sein? so war meine Frage, als ich noch immer in Deckung lag und ein Schießen von unserer Seite aus nicht mehr vernahm. Plötzlich hörte ich eine Stimme vor mir: „Rolle! Rolle!" tönte es. Ich lauschte und vernahm die Stimme meines geliebten Offiziers. Schnell sprang ich auf, und etwa zehn Meter vor mir lag mein braver Oberleutnant Böttlin schwer verwundet. Nur wir beide noch auf offenem Felde! Ich nahm den blutenden, völlig matt gewordenen Offizier auf meine Schultern und, verfolgt von dem anhaltenden Gewehrfeuer des Feindes, brachte ich ihn in eine Deckung. Der Feind rückte näher und näher. Ich mußte den teuren Verwundeten hinter einen kleinen Hügel legen, um den heranstürmenden Feind durch ein wohlgezieltes Schnellfeuer abzuhalten, er rückte jedoch immer näher und suchte mir meinen ihnen soeben entrissenen Offizier wieder abzuringen. Wieder nahm ich den schon Totgeglaubten auf meine Schultern. Aus sieben Wunden rann das Blut. Ermattet und völlig erschöpft legte ich ihn endlich wie leblos nieder. Das jenseitige Ufer des Oranjerivier war erreicht! Wir waren gerettet! Hier, auf englischem Gebiet, wurden wir im englischen Feldlager aufgenommen. Von den englischen Offizieren wurden wir entwaffnet — die übrigen Leute meiner Abteilung waren inzwischen auch eingetroffen. Wie viel lieber wäre ich auf dem Schlachtfelde geblieben und hätte gekämpft bis zum letzten Atemzüge, aber die ungeheure Übermacht des Feindes schloß diese Möglichkeit aus. Unser Los war, entweder uns wehrlos dem Feinde preiszugeben — und was dann mit uns geschah, welchen Grausamkeiten wir noch vor dem sicheren Tode ausgesetzt wurden, das war uns allen bekannt — oder Gefangenschaft im englischen Lager. Unsere beiden Verwundeten erhielten denn auch gute Pflege im englischen Lager und wurden noch am selben Tage zur weiteren Behandlung nach Pella überführt. Wir, der Rest der Patrouille, wurden unter englischer Bedeckung nach der englischen StationRamansdrift eskortiert. Achtzehn volle Stunden führte unser Rückweg durch tiefsandiges Gelände am Oranjerivier entlang. Es war nachmittags des 12. Dezember, als ich meine so schwer geprüfte Patrouille antreten ließ; aus ihren Gesichtern sprühte noch das alte Feuer. Wohl lag Mattigkeit in ihren Gliedern, aber sie alle wußten zu gut, was ich jetzt noch auf meinem Herzen trug. Mögen meine Worte meinen alten treuen Kameraden alte Erinnerungen wachrufen, und mögen sie alle, die damals mit mir in dem heißen Kampfe treue Waffenbrüderschaft Pflegten, diese ehrenvollen Soldatentage, trotz ihrer Entbehrungen, niemals vergessen. Otto Rolle, ehem. Feldwebel der Kaiser!. Schutztruppe s. D.-Südwestafrika. Inhaber des Militärehrenzeichens 1. Klasse, Militärehrenzeichens 2. Klasse, Ehrenzeichens 2. Klasse mit den Schwertern. 27 * 204 Bei der 4. Batterie. i. Tod der Hottentottengroßleute Manasse Noroseb und Hendrik Hektor. Am 30. November 1905 erhielt der Führer der 4. Batterie, Oberleutnant von Madai, durch eine Patrouille die Meldung, das; Hottentotten mit vielen-Reittieren und Pferden bei Toasis getränkt hätten und im Abmarsch anf Gubuoms seien. Er brach sogleich mit 43 Reitern seiner Batterie von Aminuis auf und erreichte Toasis in der Morgendämmerung des 1. Dezember 1905. Diesmal hatte der Feind wirklich standgehalten. Als die Abteilung sich der Wasserstelle näherte, wurden einzelne Reiter beobachtet, und mau erkannte, daß die Dünen weiter östlich von Hottentotten besetzt seien. Oberleutnant von Madai entwickelte sogleich seine beiden Züge zum Angriff, und es kam zu einem heftigen Feuergefecht in der Front. Gleichzeitig wurde einer der beiden Züge umfassend angesetzt, und dadurch gelang es, den linken Flügel des Gegners einzudrücken. Die Hottentotten räumten darauf ihre Stellung, besetzten aber nochmals die weiter rückwärts liegenden Dünen, so daß das gleiche Manöver wiederholt werden mußte. Als die Abteilung von Madai sich der Pfanne Neu-Gubuoms (etwa 6 bis 8 Kilometer südöstlich Gubuoms) näherte, erhielt sie abermals von allen Seiten heftiges Feuer. Der Führer gewann den Eindruck, daß die Hottentotten alles daran setzten, das Entweichen von zwei Reitern, anscheinend ihrer Großleute, zu ermöglichen. Blau muß sich daran erinnern, daß Hottentotten und Hereros nicht gewohnt sind, ihre Anführer in vorderer Kampflinie zu sehen. Sie kennen es nicht anders, als das; diese weit außerhalb des Feuerbereichs den Ausgang des Gefechts abwarten. Ist er günstig, so beanspruchen die Kapitäne den Löwenanteil an der Beute als ihr gutes Recht; geht es schlecht, dann sind sie die ersten, welche fliehen. Daher kam es so selten vor, daß Großleute im Kanipfe gefangen oder getötet wurden. Diesmal freilich wurde die Absicht der Hotteutotteu, ihre Kapitäne zu rette», durch die Entschlossenheit und das scharfe Vorwärtsreiten des Oberleutnants von Madai vereitelt. Er überblickte die Lage rasch und nahm im schärfsten Galopp mit allen Reitern die Verfolgung auf, ohne auf die feuernden Hottentotten Rücksicht zu nehmen. Es entspann sich nun ein verzweifelter Kampf. Ganz vorn die beiden Reiter, im Halbkreis dahinter etwa 20 bis 25 Hottentotten, welche dauernd versuchten, die Deutschen durch ihr Feuer zum Absitze» zu zwingen und Zeit für ihre Großleute zu gewinnen. Dieses glückte ihnen aber nicht. Unsere Reiter erwiderten das Feuer vom Sattel aus auf nächste Entfernung, oft nur auf 10 bis 15 Schritt. Dabei wurde sogar mit aufgepflanztem Bajonett, Mann gegen Mann, gekämpft. Endlich, nach einstündiger Verfolgung, und nachdem fast alle Hottentotten abgeschossen waren, gelang es, in gleiche Höhe mit den beiden Reitern zu kommen, von denen der eine vom Reiter Weisner durch einen Bajonettstich bereits verwundet war. Beide wurden im Handgemenge getötet. Man erkannte nun erst, welchen Erfolg der energische Entschluß gezeitigt hatte. Einer der beiden Großleute war Manasse Noroseb, der Kapitän der Roten Nation. Der andere Häuptling, ein junger, sehr gut gekleideter Witbooi mit schwarzen! Schnurrbart, konnte anfangs nicht festgestellt werden. Später wurde bekannt, daß es Hendrik Hektor war, der noch in den Kämpfen am Waterberg auf deutscher Seite die mit uns verbündeten Witboois befehligt hatte. >^'>H UZ Einer der Züge mutzte sich im gestreckten Galopp seinen Weg durch den Feind bahnen, der ihn bereits umgangen hatte. 206 Dieses Gefecht, in dem besonders die rücksichtslose Verfolgung anzuerkennen ist, bedeutete somit eine reichliche Entschädigung für die vorausgegangenen Mühen und Strapazen unserer Leute. Außer dem Tode eines ihrer bedeutendsten Führer zählte man beim Gegner 23 Gefallene. 7 Gewehre, reichliche Munition, 4 Pferde und 15 Reitochsen wurden erbeutet. II. Im Nachtkampfe bei Gubuoms. 5. Dezember 1905. Nach dem Gefecht zerstreuten sich die Manasseleute, hielten sich jedoch noch versteckt in der Kalahari auf. Leutnant Wende, der damit beauftragt war, festzustellen, wo der Gegner geblieben sei, meldete dem Oberleutnant von Madai bald darauf, daß die Hottentotten sich wieder gesammelt hätten. Sie seien in Tugais, einer Wasserlosen Pfanne, fünf Stunden südöstlich Gubuoms, und durch ihre völlige Erschöpfung gezwungen, in Gubuoms zu tränken. Oberleutnant von Madai beschloß daher, den Feind im Morgengrauen zu überfallen und marschierte am 5. Dezember abends vpn Toasts ab. Zum Verständnis des folgenden Gefechts muß mau sich vergegenwärtigen, daß der Hottentotte, wie sich in einer ganzen Anzahl von Gefechten zeigte, im Gegensatz zu der Gepflogenheit der Herervs, den Nachtkampf keineswegs scheut. Er ist vielmehr in der Abenddämmerung und während der Nacht ganz besonders unternehmend. Seine geschickte Taktik, sich an den Feind heranzuschleichen und einen ahnungslosen Gegner zu überfallen, kann er am besten im Schutze der Dunkelheit anwenden. Wie schon erwähnt, nötigte überdies der Wassermangel die Hottentotten, nachts an die Wasserlöcher heranzukommen. Das führte zu dem folgenden Kampfe. Die Abteilung von Madai marschierte durch sehr unübersichtliches Gelände, durch Busch, hohes Steppengras und hohe Dünen. Die Spitze, unter Leutnant Wende, hatte soeben, kurz nach 9 Uhr abends, die Wasserstelle Gu- buoms Passiert, als sie plötzlich im Busch auf zahlreiche Simon-Copper-Leute stieß, die Wasser holen wollten. Sofort sprang alles, Freund und Feind, von den Pferden herunter, und es entwickelte sich ein äußerst heftiges Feuergefecht. Gleich bei den ersten Schüssen wurde der Führer der Spitze, Leutnant Wende, verwundet, konnte aber in der Schützenlinie bleiben. Für die kleine Abteilung entstand nun angesichts der großen Überlegenheit des Feindes eine sehr kritische Lage. Oberleutnant von Madat. 207 In dem dichten Busch und bei der Dunkelheit war eine Leitung des Gefechts durch die Offiziere sehr erschwert. Jeder kämpfte, wo er gerade stand; ein Überblick über den Verlauf des Kampfes, ein Durchdrängen der Kommandos war nicht denkbar. In diesem schwierigen Gefechtsmomente behielten indessen die Leute ihre Ruhe und Kaltblütigkeit, und diesem Umstände ist es zu danken, daß die Abteilung nicht aufgerieben wurde. Augenzeugen berichten, daß bei dem ersten Zusammenstoß Freund und Feind kaum zu unterscheiden waren. Feuernde Hottentotten standen mitten in der deutschen Schützenlinie, und als der schwerverwundete Reiter Strehl zurückgeschafft werden sollte, befanden sich feindliche Schützen sogar schon im Rücken der Abteilung. Da dieser Kampf im Busch wenig Erfolg versprach, beschloß Oberleutnant von Madai, eine günstigere Stelle aufzusuchen, die es dem Gegner nicht gestattete, seine Überlegenheit auszunutzen. Er nahm daher die Züge einzeln aus dem Gefecht heraus und ließ eine Anhöhe südlich des Weges Aminuis—Gubuoms besetzen. Hierbei war es ganz besonders schwierig, in unmittelbarer Berührung mit dem Feinde und im heftigsten Feuer an die Pferde zu gehen und aufzusitzen. Einer der Züge mußte sich im gestreckten Galopp seinen Weg durch den Feind bahnen, der ihn bereits umgangen hatte. Dann galt es wieder, mehrmals Front zu machen, um gestürzte oder zurückgebliebene Reiter aufzunehmen. Nach Besetzung der Anhöhe wurde das Feuergefecht bis Mitternacht weitergeführt. Die Hottentotten sahen die Nutzlosigkeit ihrer Angriffe ein, brachen bald darauf das Gefecht ab und gingen in östlicher Richtung zurück. Oberleutnant von Madai schreibt über das Gefecht: „Wenn nicht die Feuerdisziplin, die Ruhe in den einzelnen Zügen eine solch hervorragend straffe gewesen wäre, würde es für mich nicht möglich gewesen sein, in dem Nachtgefecht die Übersicht über die Abteilung zu behalten. Es verdienen die Zugführer hierfür ganz besonderes Lob. Die schwierige Über- bringung von Befehlen an die einzelnen Abteilungen verdient ungeteilte Anerkennung." Schon oft fand Erwähnung, daß unsere Sanitätsoffiziere in Südwestafrika sich im Gefecht durch Unerschrockenheit und kaltblütige Ruhe ausgezeichnet haben. Assistenzarzt Liß, der einzige Arzt der Abteilung, verband die Verwundeten im heftigsten Feuer. Mehrfach mußte er hierbei Licht anzünden und wurde dadurch ein Ziel für die feindlichen Schützen. Eine Verfolgung des Gegners nach dem Gefecht war für die schwache Abteilung nicht möglich, da anzunehmen war, daß die Simon-Copper-Leute in großer Stärke noch in der Gegend ständen. Oberleutnant von Madai kehrte daher nach Aminuis zurück und ließ von dort aus die Hottentotten zur Unterwerfung auffordern. Nach Gefangenenaussagen befand sich der Gegner in verzweifelter Lage. Tatsächlich stellten sich auch bis zum 16 . Dezember 1905 — 250 Hottentotten, darunter jedoch nur 27 Männer, meistens Manasseleute. Der „Orlog" Simon Coppers blieb noch im Felde. Unterdessen war Major von der Heyde nach Säuberung der Gegend von Doorn- fontein wieder in Aminuis eingetroffen und vereinigte dort seine Abteilung. Allgemein wurde angenommen, daß die Hottentotten nach den schweren Gefechtsverlusten, ihrem erneuten Rückzug in die Kalahari und wegen Wassermangel ihre Unterwerfung bald anbieten würden. Hier zeigte sich aber von neuem, wie zäh der Gegner seinen Verzweiflungskampf bis zuletzt führte. Aus den Aufzeichnungen des Oberleutnants von Madai. * * * 208 „Aber jetzt hoch!" Der abgewehrte Angriff auf Awadaob! „Die Hottentotten kommen!" Mit dieser Meldung sprengte am Morgen des 28. Oktober 1905 der Reiter Stiebitz gegen die von nur 18 Btann mit einem Geschütz besetzte und von ihrem Besitzer verlassene Farm Awadaob. ES ist die östliche, am weitesten vorgeschobene Besatzung in der Kalahariwüste am Tale des ausgetrockneten Nossobflusses. Wir lagen noch unter den Decken, jedoch schon wach, als der betreffende Reiter die wichtige Botschaft dem gerade Posten stehenden Reiter Wawrzyniak zurief: „Aber jetzt hoch!" Halb angezogen bringen wir das Geschütz zuerst in den vorderen, in westlicher Richtung befindlichen Geschützstand. Die Munition wird auf Brennzünder gestellt, mit einer Brennlänge von nur 400 Meter; denn das ist die Entfernung über die von uns vorher abgemessene Fläche bis zur nächsten Sanddüne. Kaum war das Geschütz in Stellung, da kamen auch schon die beiden anderen Reiter derselben Patrouille, welche den Feind beobachtet hatten, im Galopp bis vor die vorhin angegebene Düne. Und da waren auch schon die gelben Gesellen! Zuerst recken einige allzu freche Burschen die Köpfe zu hoch, so daß wir sie mit dem Gewehr scharf auf das Korn nehmen können, doch dann wird es wieder ruhig. Nach Verlauf von etwa einer halben Stunde schickt Oberleutnant Graf von Carmer eine Patrouille, den Unteroffizier Krähe und den Reiter Wawrzyniak, zur Erkundigung fort, ob die Düne noch vom Feinde besetzt ist. Die beiden ritten zuerst in nördlicher Richtung von der Station gegen Hoagousgais; dann, nach etwa 800 Meter, schwenkten sie links, und im Galopp ging es die Düne hinan. Doch kein Feind regte sich dort. Hierauf ritt die Patrouille in südlicher Richtung auf der Düne entlang, die oben und auf beiden Seiten mit sehr starkem Busch bewachsen ist. Ungefähr 30 Meter links vom Wege nach Guigamdes erhielt der Reiter Wawrzyniak eine Salve auS nächster Entfernung. Das Pferd stieg sofort mit den Vordersätzen hoch, doch hatte der Reiter die Geistesgegenwart, dasselbe noch herumzureißen, und halb die Düne herunterzugaloppieren. Hier stieg es zum zweitenmal und schlug hin. Wawrzyniak sprang aus dem Sattel und hüpfte auf einem Fuße nach links auf den Weg zu. Jetzt sandten wir gegen die von der Salve herrührenden Rauchwölkchen eine Granate, auf 400 Meter Brennzünder gestellt. Doch noch eine Anzahl von Schüssen wurde auf uns gerichtet — alle zu hoch. Wir schössen hierauf noch zwei Granaten gegen die Düne, welche auch, nach späteren Gefangenenaussagen, gut gewirkt haben. Jetzt kamen auch die beiden Reiter wieder an. Krähe zu Pferde und Wawrzyniak — verwundet — auf einem Beine springend. Die Sache war sehr günstig verlaufen. Der Schuß war dein Pferde vorn in die Brust eingedrungen und kam hinter dem linken Schulterblatt wieder heraus. Das Geschoß schlug dem Reiter Wawrzyniak noch den Stiefel halb durch und fiel dann wirkungslos zu Unteroffizier Heinrich Sommer. ^ ' — - —-—-—--- ! I > Wk A / uMW UM vWW ^ZM ,,»- 'M; M^F. WEÄWV ^>kck-t- tül. k-- WiDUM« M'E. 2 ,-r ^ .^n ss«V,»s- Sturm auf die Steinschanzen der Hottentotten bei Naris, am 4. Dezember 1904. „Am Nachmittag des 4. Dezember 1904 nahm die 5. Batterie die Hauptstellung der Hottentotten bei Naris unter Gefchlltzseuer, um den Angriff vorzubereiten. Um 5,30 Uhr schritten die Deutschen auf der ganzen Linie zum Sturm. Der Feind — mehrere hundert Gewehre stark — wich endlich, vom Feuer der 5. Batterie verfolgt, auf Rietmont zurück. 50 Hottentotten lagen tot auf dem Kampfplätze. Der Sohn Jsaaks wurde verwundet. Aus deutscher Seite fielen die Sergeanten Litt und Voigt, sowie Reiter Müller. Leutnant Mannhardt, Vizefeldwebel d. R. RunI, Sergeant Wendler, Unteroffiziere Erdmann und Kleeberg, Gefreiter Kunisch sowie drei Reiter wurden verwundet." (Vgl. Bericht des Sergeanten Schnehage, Seite 67.) Beilage zu: „Dincklage, Deutsche Reiter in Südwest. Teutsches Lerlagshaus Bong L Co., Berlin W. 57, 209 Buden. Wäre der Schuß weniger matt gewesen, so wäre dem Reiter der Fuß oberhalb des Knöchels abgeschlagen. Nach einiger Zeit sahen wir in mehr südlicher Richtung einige Reiter auf der Düne stehen. Sofort wird ein Schrapnell gegen sie gesendet, welches auch die Burschen vom Erdboden wegfegte. Das vorhin angeschossene Pferd sahen wir, wie es um sich schlug und sich im Todeskampfe wälzte. Auch war bei demselben noch der Karabiner des Reiters Wawrzyniak. Ich erbot mich, den Karabiner nebst Sattel und Zaumzeug zu holen. Das wurde mir vom Oberleutnant Grasen von Carmer gestattet. In Schlangenlinie und im Laufschritt, das entsicherte Gewehr schußbereit in der Hand, und die Augen scharf gegen die Düne gerichtet, kam ich bei dem noch lebenden Pferde an, riß ihm den Sattel vom Leibe und das Zaumzeug und jagte ihm noch eine Kugel durch den Kopf, um das treue Tier von seinen Leiden zu erlösen. Nach einigen Minuten langte ich unversehrt wieder im Lager an; mir war doch bei dem Danerlauf warm geworden. Nur durch Wachsamkeit und entschlossenes, rasches Handeln hatten wir die auf 50 bis 60 Mann geschätzten Feinde von uns abgehalten. Auch Gefreiter Grundmann wurde bei diesem Gefechte verwundet. Heinrich Sommer, ehem. Unteroffizier der 4. Batterie der Kaiserl. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Hirrweiler bei Löwcnstcin. * * * „Kinder, haltet aus!" Oberleutnant Freiherr von Schömm-Wehr bringt ieiner Kvmvagnie Woher in die Ge- fechtslinie. Den ach? Reiter in Siidwest. Auf dem äußersten linken Flügel. Unter unserm alten beliebten Führer Major von Estorff waren wir auf dem Marsche nach Otjihinama- Parero. Dort, an einer der ergiebigsten Wasserstellen, die von einer vollständig sturmfreien Klippenwand zu beiden Seiten flankiert wurde, also in vorteilhaftester Stellung, waren zahlreiche Hereros mit großen Viehherden gemeldet, und ihnen galt der Zug des Majors, der zwei Feldkompagnien, die 2. nud 4., drei Geschütze (Modell 73), ein Gebirgsgeschütz, eine Maschinenkanone und außerdem den berittenen Teil der Marineinfanterie mit sich führte. Am 25. Februar 1904 bildete der erste Zug der 4. Feldkompagnie die Spitze. Ich selbst war dabei. Wir hatten nachts gerastet, weil die Spuren verloren gingen. Um 8 Uhr morgens sahen wir die Felswand, wohl 4000 Meter lang, vor uns — schroffe, zerklüftete Steinmassen, in deren Mitte die Wasserstelle —, dahinter das Vieh. Sehen konnte man vom Feinde bislang nichts. 28 210 Die Werft, die wir passierten, unten vor dem Bergzuge, war verlassen. Wir marschierten weiter; nirgends etwas vom Feinde zu sehen. — Da löst sich aus einem kleinen Busch auf der Felshöhe eine Khakigestalt — schleicht weiter nach oben. Jetzt rührt es sich an mehreren Stellen. Einzelne Leute im Anzüge der Schutztruppe lösen sich aus dem rötlichgrauen Gestein ab und eilen weiter hinauf zum Rande. Am ganzen Felszuge dieselbe Beobachtung. Die ganze mächtige Position war besetzt, das wußten wir jetzt. Die so schon feste Stellung war durch zusammengerollte Felsblöcke, zwischen denen hier und da die Gewehrläufe blitzten, noch verstärkt. Aber kein Mensch zu sehen. Da sandten unsere Geschütze den ersten Gruß; aber wirkungslos schlugen die Granaten gegen das Gestein. Wir lagen in Schützenlinie, 15 bis 20 Schritt voneinander, auf dem Bauche — auf 500 Meter vom Feinde. Es wird gruppenweise vorgesprungen, dann gekrochen auf allen vieren, das Gewehr am Riemen mit den Zähnen tragend. Aber von da oben konnten wir frei gesehen werden — wir sahen nichts. Meine Kompagnie, Oberleutnant Freiherr von Schönau-Wehr, lag auf dem linken Flügel, während Hauptmann Franke mit der 2.Kompagnie eine erhöhte Stellung am rechten Flügel gewonnen hatte. Die Marine war bei der vierten; ich war bei der äußersten linken Seitendeckung. Seit 8 Uhr lagen wir in hinhaltendem Feuer — ohne sichtbare Wirkung. Da erkenne ich, von meinem äußersten Flügel aus, daß die Hereros auf ihrem rechten Flügel, uns gegenüber, andauernd Verstärkungen von rückwärts bekommen. Ich krieche zum Zugführer, Leutnant von Stülp - nagel, und melde; der schickt mich melden zum Major von Estorff. Ich fand ihn auf einem kleinen Ein- geboreuenstuhl sitzend. Nachdem ich gemeldet, sagte er: „Mein Sohn, legen Sie sich hin!" Ich mochte Wohl SS. r. ! 7 _' , Vom raschen Laufe erschöpft erscheinen; denn ich hatte seit mehreren Tagen Fieber und fieberte auch jetzt — es war mir einerlei, ob die Kugeln Pfiffen. Dazu den schrecklichsten Durst; denn die Sonne brannte furchtbar. Ich zögerte dennoch, mich zu legen. „Legen Sie sich hin, und dann melden Sie!" sagte er nochmals. Einen Augenblick überlegte er und sagte dann: „Der Herr Leutnant soll aushalten — die 2. Kompagnie hat schon den weißen Felsenrand drüben!" Ich also zurück. In der Schützenlinie ist ein Wassersack — Gott weiß, woher er kam. Wie neu belebend wirkt der warme Trunk. Ein Unteroffizier will einen Baum besteigen, um Rundschau nach dem Verbleib der Verstärkungen zu halten. Da fällt schon ein Schuß — ganz nahe, aber er trifft nicht. „Diese Halunken wollen mich wie einen Vogel vom Baume schießen!" sagte der Unteroffizier. Schon hatte er das Gewehr am Kopfe. Ich laufe vor und sehe noch einige Hereros im Busch verschwinden. Jetzt kommt Oberleutnant Freiherr von Schönau-Wehr zu Pferde. Er bringt Wassersäcke und Brot, die er von den Geschützen holte, und verteilt sie, die Feuerlinie entlang sprengend. Dann kommt er zu Fuß zurück. „Was ist das?" ruft er plötzlich. „Von hinten und aus der linken Flanke Feuer?" Sofort läßt er die Schützen nach links schwenken, die neuen 211 Feinde mit Schnellfeuer zu empfangen. Unbemerkt waren sie durch ein trockenes Flußbett aufwärts gekommen. Aber ein schlimmer Kampf entbrannte hier jetzt gegen die Übermacht. „Aushalten!" hatte unser Major besohlen, und der sollte sich nicht in uns irren. Schon ist Leutnant von Stülpnagel der Oberarm zerschmettert, da erhält auch unser Kompagnieführer Freiherr von Schönau-Wehr einen Schuß durch das Knie. Noch befiehlt er dem Oberleutnant Schnitze, sich den verwundeten Arm verbinden zu lassen. „Nein," sagt dieser, „Ihre Verwundung ist schwerer —die zuerst! Ich will erst meinen Schuß rächen!" Oberleutnant a. D. Schnitze war unser bester Schütze. Er hatte seinen Gegner eben aufs Korn genommen. „Warte, jetzt habe ich dich!" sagte er, da knallte es auch schon. Der Herero sank tot zusammen, aber auch sein Blei war dem Oberleutnant Schultze durch das Herz gedrungen. Ein kühner Streiter weniger. Oberleutnant Freiherr von Schön au-Wehrch wurde fortgetragen. „Kinder, haltet aus, bis die letzte Patrone verschossen ist!" rief er uns noch zu. Und wir hielten aus. Unsere Kompagnie war nun ohne Offiziere. Wir hatten schweren Stand der Übermacht gegenüber, aber unser Major ließ uns nicht sitzen, das wußten wir. Er hatte uns schon seinen eigenen Adjutanten, Leutnant Freiherr« von Buttlar, als Führer geschickt. Auf meine Meldung hin hatte er zwei Züge der 2. Kompagnie unter Oberleutnant Hannemann von der Stellung auf dem Felsrande am rechten Flügel nach dem linken befohlen, und im langen Galopp kamen die Reiter heran, von dem immer rechtzeitig kommenden Kompagnieführer, Hauptmann Franke, selbst begleitet. Herunter von den Pferden und mit Hurra vor! Die unerwartete Hilfe kam dem Feinde so überraschend, daß er bald, trotz bedeutender Übermacht, sehr eilig den Rückzug antrat. Bis an das Flußbett des Omaruru ging die Verfolgung — dann aber blieb dem Hauptmann Franke noch ein anderes Stück Arbeit. Nach der Niederlage des feindlichen rechten Flügels beschloß Major von Estorff, nun die Wasserstelle in der Mitte der feindlichen Stellung direkt anzugreifen. Er nahm zusammen, was verfügbar war. Auch wir durften dabei sein. Alle Geschütze traten in volle Tätigkeit und unterstützten das Vorgehen im Laufe eines trockenen Flußbettes. Wieder war Hauptmann Franke an der Spitze, mit ihm der Major. Ein kurzer, erbitterter Nahkampf — das Maschinengeschütz wirkt dabei vernichtend, und die Wasserstelle ist genommen. Den Verlauf dieses Schlußkampfes mag ein anderer Kamerad schildern. Ich will nur noch des Vizefeldwebels der Reserve Freiherr« von Erffa gedenken. Mit fünf Reitern räumte er eine von 50 Hereros besetzte und unsere Flanke bedrohende Anhöhe. Es war 6 Uhr abends, als wir den Sieg errungen hatten. „Uns gehörte der Platz!" das war eine deutliche Antwort auf die Frage: „Wem gehört der Platz?" die sich in dem Worte „Otjihinamaparero" ausdrückt^). Die 4. Kompagnie verlor, außer den schon genannten, noch an Verwundeten den Sergeanten Becker und die Gefreiten Binder, Friedrich, Mensel und Sputh. Rudolf Arendt, Sergeant der 4. Kompagnie 1. Feldregiments der Kaiser!. Schutztruppe für D.-Südwestafrika, z. Zt. Windhuk. ') Über Oberleutnant Freiherr» von Schbnau-Wehr vgl. den Beitrag des Stabsarztes Dr. Kühn, S. 212. 2) Vgl. Schilderungen des Vizemachtmeisters Rogge. (D. H.) * » * 28 * — 212 — Sanitätsdienst im Gefecht bei Otjihinamaparero. Nachdem am 4. Februar 1904 Omaruru, welches ich mit der 2. Ersatzkompagnie seit dem 17. Januar verteidigt hatte, durch die 2. Feldkompaguic entsetzt und der Feind vertrieben war, wurde unter Majvr vvu Estorff aus der 2. Feldkompaguie nebst einem Feldgeschütz und einem Gebirgsgeschütz svwie einer Kvmpagnie deS Marine-ExPeditionSkorPs nebst ztvei Marinegeschützen eine Nordabteilung gebildet, bei der ich den Dienst als leitender Sanitätsoffizier übernahm. Bei der 2. Kompagnie tat Oberarzt Dr. Maas; Dienst, bei der Marinekompagnie Oberassistenzarzt Dr. Tiburtins, welcher bereits im Dienst des Roten Kreuzes die Chinaexpedition mitgemacht hatte. Der Feind hatte sich nach Nordosten gewandt, und wir marschierten zunächst bis Okowakuatjiwi, wo die 4. Feldkompagnie nebst zwei Feldgeschützen aus Outjo zur Nord- abteilung hinzutrat. Sie hatte keinen Arzt, da der Arzt der Kompagnie sehr viele Kranke in der Garnison Outjo zu behandeln hatte und dort geblieben war. Am 24. Februar ritten die 2. und 4. Feldkompagnie, fünf Geschütze und ein berittenes Viertel der Marinekompagnie ab, während drei Viertel der Marinekompagnie zur Sicherung der Etappenlinie Omaruru—Outjo verwandt wurden. Auf einer kleinen Karre, auf den Geschützen und in den Packtaschen der Ärzte und der Sanitätsmannschaften wurde, in Ermangelung von Wagen, das Notwendigste an Verbandzeug und Arzneien mitgeführt. Nachdem wir die ganze Nacht geritten waren, um den Feind zu überraschen, stießen wir nach 50 Kilometer Weg in Otjihinamaparero auf den Feind, welcher mit allem Volk und Vieh stark verschanzt hinter Felsen saß. Es mögen Wohl 1000 waffentragende Männer gewesen sein. Die 4. Kompagnie ging sofort in Schützenlinie nach links vor. Zu ihr hatte ich Oberassistenzarzt Dr. Tiburtins vom Marine-Expeditionskorps kommandiert. Die Kom- Unsere Schützen lagen hinter den niedrigen Dornafrikanischen Gefecht muß der Arzt meist in der Schützenlinie mit vorgehen, um sofort zur Stelle zu sein, wenn jemand getroffen ist. Er kennt dann das Gelände des KampfeS, weiß, wo die einzelnen Züge liegen und kann unter Benutzung der Deckungen deS Geländes zu den Verwundeten gelangen. Der Feind kennt kein rotcS .Kreuz und schießt auf jedermann. Den Arzt erst aus der Ferne zu rufe», wenn Verwundungen vorkommen, ist meist sehr schwierig. Die 2. .Kompagnie ging gegen die Wasserstelle vor, auch hier war Oberarzt Dr. Maaß mitten unter den Stürmenden. Ich befand mich in der Umgebung des Majors auf der verlassenen Hererowerft, welche auf einer Anhöhe lag und durch ein tiefes Tal von den befestigten Höhen getrennt war, auf denen die HereroS saßen. Auf der Anhöhe richtete ich den Verbandplatz ein. Am Nachmittag begann der Feind den linken Flügel der 4. Kompagnie zu umgehen. Es fiel Oberleutnant a. D. Schnitze. Schwer verwundet wurde Pagnie war bald im heftigsten Feuer, büschen, auch Dr. Tiburtius. Im Ah p-' Stabsarzt »r. Hub». KIM » <- Stabsarzt Dr. Kühn leitet den Verwundctentransport nach dem Gefecht von Otjihinnmaparcro 214 der Führer der 4. Kompagnie, Oberleutnant Freiherr von Schönau-Wehr, welcher einen Schuß in das rechte Knie erhielt; Leutnant von Stülpnagel wurde am rechten Oberarm verwundet. Der Gefreite Binder erhielt einen Schuß, der durch den linken Oberarm und die linke Brustseite ging. Dem Gefreiten Friedrich ging eine Kugel durch den Hals und zerschmetterte den linken Unterkiefer. Als die Nachricht von den Verlusten zu mir kam, ritt ich in die Schützenlinie, um vr. Tiburtius zu unterstützen. Auf dem Rückweg wurde ich samt einer Ordonnanz von Hereros, welche seitwärts im Busch lagen, auf das heftigste beschossen, kam aber heil nach dem Verbandplatz zurück. Nachdem der Kampf bis zum Nachmittag bei dem glühenden Sonnenbrand keine Entscheidung gebracht hatte, wurde er in der Abenddämmerung durch einen Sturm auf die Wasserstelle siegreich beendet, wobei Oberleutnant Hannemann einen Schuß in die linke Schulter erhielt. Der Feind floh. Unsere braven Truppen hatten zehn Stunden gedurstet und waren völlig erschöpft. Die 2. Kompagnie hatte außer Oberleutnant Hannemann nur Leichtverwundete. Während der Nacht und in den kühleren Morgenstunden des 26. Februar ging es den Verwundeten verhältnismäßig gut. Aber die Hitze wurde gegen Mittag sehr drückend. Die Verwundeten wurden unter kleine Dornbüsche gelegt, die den einzigen Schatten spendeten. Oberleutnant Freiherr von Schönau-Wehr und Leutnant von Stülpnagel lagen zusammen mit dem Oberassistenzarzt Or. Tiburtius und mir unter einem Baum. Wir versuchten durch Zeltbahnen den Schatten zu vergrößern, aber die beiden Offiziere baten, in eine der großen Hererohütten geschafft zu werden. Ich warnte wegen allerlei Ungeziefer, aber die Sehnsucht nach Kühle war zu groß, die beiden Herren wurden auf Tragbahren hineingesetzt. Es vergingen kaum zehn Minuten, da spazierten die Wanzen in Scharen auf ihren Decken, und der Rückzug nach dem Baum wurde schleunigst angetreten. Allen Verwundeten ging es gut, sogar eine schwere Blutung des Gefreiten Binder aus der Brustwunde kam zum Stillstand, nur Oberleutnant Freiherrvon Schönau-Wehr wurde unruhig, war ab und zu leicht benommen und begann zu fiebern. Am 28. Februar zeigte das Knie Anzeichen einer beginnenden Entzündung. Eine Eröffnung des Kniegelenks erschien notwendig, aber bei dem Fehlen eines Hauses und bei dem fortwährenden Winde mit seinem feinen, aus Sand und Mist bestehenden Staub war nicht daran zu denken. Major von Estorff hätte gern die Verwundeten mit einem Etappenposten aus dem Platz gelassen, um mit der Hauptmacht weiter vorzugehen; jetzt aber mußte er seine Einwilligung dazu geben, daß die Verwundeten nach Omaruru zurücktransportiert wurden und daß eine Bedeckung von 20 Mann mitging. Dr. Philalethes Kühn, Stabsarzt der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. -t- * * Wie durch ein Wunder! Am 2. November 1904 rückte ich mit der 2. Kompagnie des 1. Feldregiments (Kompagnie Franke) von Windhuk nach Kub. Hier traf die Kompagnie am 9. November ein. Am 22. November 1904 traf eine Meldung von der Pferdewache der 1. Gebirgsbatterie ein, daß die Hottentotten sämtliche Tiere der Batterie weggetrieben und dabei einen Mann verwundet und zwei totgeschossen hätten. Sofort wurde eine Patrouille unter Leutnant d. R. von Mosch vorgeschickt, um die Räuber zu verfolgen und ihnen die Beute abzujagen. Unser Führer schickte zwei eingeborene Soldaten zur Sicherung voraus. 215 Als wir in Höhe von Kuis angekommen waren, meldeten die beiden Eingeborenen unserem Leutnant, daß die verfolgten Feinde Witboois seien. Jetzt gewahrten wir auch zwei berittene Hottentotten, die in aller Eile ein Stück Großvieh in Sicherheit bringen wollten. Leutnant von Mosch ließ die Patrouille aufmarschieren, und im Galopp ging's hinter den beiden Hottentotten her. Nachdem wir etwa 200 Meter geritten waren, erhielten wir plötzlich von drei Seiten heftiges Feuer. Die Patrouille, die bis jetzt geschlossen vorgegangen war, schwärmte schleunigst auseinander und machte kehrt. Nach einigen Sekunden wurde mein Pferd von einer Kugel tödlich getroffen und brach mit mir zusammen. Ich riß mein Gewehr aus dem Gewehrschuh und lief zu Fuß der Patrouille nach, hart verfolgt von den Hottentotten, die auf etwa 70 m sich mir genähert hatten. Nachdem ich etwa 100 m angestrengt gelaufen war, fand ich den ersten Toten von uns, den Reiter Sauer (Kopfschuß). Die Patrouille war mittlerweile in einer Bodensenkung abgesessen und schwärmte gegen den Feind aus. Glücklich langte ich bei den Unsrigen an und hörte, wie Leutnant von Mosch die Kameraden fragte, wo der Verwundete wäre. Als er mich kommen sah, wollte er mich wieder zurückschicken, um den Verwundeten zu holen, worauf ich ihm meldete, daß der Reiter Sauer bereits tot wäre. Der Feind versuchte nun, uns einzuschließen. Daher mußte die Patrouille, ohne einen Schuß abgeben zu können, schnell aufsitzen und davonsprengen. Auch ich mußte wieder niein Heil in der Flucht suchen. Auf meinen Zuruf hielt der Kriegsfreiwillige Geiß ler (später, am 2. Dezember 1904, im Patrouillen- gefecht bei Rietmont unter Leutnant von der Marwitz gefallen) sein Pferd an und bot mir an, mit aufzusitzen. Infolge des äußerst angestrengten Laufens war es mir jedoch nicht möglich, das Pferd zu besteigen. In diesem Augenblick der höchsten Gefahr bekam ich einen rettenden Einfall. Ich gab Geißler mein Gewehr, faßte sein Pferd am Schweif und lief nun im heftigen Feuer hinterher. In Deckung angekommen, bat ich Geißler, mir mein Gewehr zurückzugeben, da ich vor Erschöpfung nicht weiter lausen konnte. Geißler sprengte dann der Patrouille nach. Mir gelang es noch, mit Aufbietung meiner letzten Kräfte die nächste Höhe zu erreichen, wo ich zusammenbrach. Die Verfolger waren wieder auf etwa 100 m herangekommen. Um sie etwas aufzuhalten, feuerte ich rasch hintereinander einige Schüsse ab, worauf die Hottentotten, einen zahlreichen Feind vermutend, stutzten. Diese günstige Gelegenheit benutzte ich, kroch zurück und lief in der Deckung wieder auf Kub zurück. Auf der nächsten Höhe angekommen, erhielt ich wiederum heftiges Feuer von der Stelle aus, wo ich vorhin gelegen hatte. Ab und zu schoß ich aus gedeckter Stellung auf den Feind, um frische Kräfte zur weiteren Flucht sammeln zu können. Eine berittene Abteilung der Hottentotten hatte mittlerweile der Patrouille den Rückweg abgeschnitten. Ungefähr einen Kilometer vor Kub gewahrte ich einige Leichen und Pferdekadavcr von meiner Patrouille. Darunter erkannte ich auch die Leiche des Oberleutnants Haack, der sich unserer Patrouille angeschlossen hatte. Endlich erblickte ich zu meiner großen Freude eine Schützenlinie unserer Truppen, die gegen die Hottentotten auf der Höhe vorging. Nach einigen Minuten brach ich bewußtlos zusammen und wurde von den Unsrigen aufgenommen. Nach kurzer Erholung machte ich das Gefecht bis zum Schlüsse mit. Die Strecke, die ich unter dem heftigen Feuer des Feindes zurücklegen mußte, beträgt etwa vier Kilometer. Wie durch Zufall wurde ich gerettet. Von den Hunderten von Schüssen, die auf mich abgegeben wurden, haben zwei meinen Hut, einer den Rock, zwei die Hose durchlöchert und ein Schuß den Gewehrkolben getroffen. Wilhelm Czarnetzki, ehem. Unteroffizier der 2. Eskadron des Drag.-Regiments König Albert von Sachsen Nr. 10, z. Zt. Farm Otjenga. Ein Palrouillenritt. .Schnell war ich herunter vmn Pferde . . . . und hatte den Baum erklettert." 10. August 1904 am Waterberg. Aus den Aufzeichnungen des schon durch seinen Anteil am Feldzuge in Ostasien und seinen Ritt quer durch Asien so rühmlich bekannt gewordenen Oberleutnants Erich von Salzmann kann, des Raumes wegen, nur eine kurze Episode gebracht werden, die aber in ergreifender Weise zeigt, was ein deutscher Reiter an Initiative und fast mit Frohsinn ertragenen Leiden für das Vaterland leisten kann. „Wir saßen ab und Exzellenz (von Trotha) wurde von uns auf den Termitcnhaufen hinausgehoben, ich kroch mit hinauf und erklärte ihm nun die Gegend. Vor uns lag das Panorama der Waterberge, zur linken der Kleine Waterberg, in der Hererosprache der Okawakaberg, dann kam der drei Kilometer breite Omnweroumuepaß, den das vormarschierende 2. Feldregiment sperren sollte, und dann anschließend mit seinen schroffen, unersteigbaren Steilhängen der Große Waterberg, dessen rote Felsen im obersten Steilhaug man gut erkennen konnte. Am Fuße ragten im schmalen Streifen weiße Nebelschleier, die ein Unkundiger für Rauch halten konnte. Im übrigen präsentierte sich das Gelände auf die Berge zu als eine unendliche graugrüne Fläche: der Busch, aus der nur vereinzelt hohe Feigenbäume herausragten. Der Anblick ist etwa so, als ob man in der Heimat von einem Aussichtstnrm auf dichten Laubwald herabblickt. Ich erklärte nun Sr. Exzellenz die einzelnen Punkte. Da lag im Paß Omuweroumue, dann unter einem scharfen Einschnitt im Plateau die Station Waterberg selbst, weiter nach Osten zu Otjosongombe und all die anderen Orte mit unaussprechlichen Namen, die meist nur eine Wasserstelle bedeuten, an der man achtlos vorbeireitet, wenn man ihre Lage nicht genau kennt, oder aus sonstigen Anzeichen darauf schließt, daß Wasser in der Nähe ist. Meist sind es die vielen verschiedenen Vögel, die die Nähe des Wassers verraten: entzückende bunte Tigerfinken, Webervögel in ganzen Kolonien, kiebitzähnliche Vögel, Blau- stare und unzählige andere Arten, deren Namen ich nicht kenne, auch graue Kakadus mit hochstehendem Schöpf, dann Pfefferfresser mit riesig krummem Schnabel, auch der Warner, der Korran, ist häufig. Jede Patrouille fürchtet ihn, denn 217 mit mißtönendem Geschrei fliegt er dauernd vor der Patrouille her, so die Annäherung ankündcnd. Er trägt seinen Namen nicht mit Unrecht. Vom Termitenhaufen aus sah man ferner auf 1000 bis 1500 Meter über dem Busch eine feine, dünne Rauchlinie, die die Stellung des Feindes bezeichnete. Man konnte diese Linie ziemlich weit verfolgen; weiter östlich bog sie sich allmählich nach Süden zu vor, so unsere früheren Beobachtungen bestätigend. Der Rauch kam von den Kriegswerften der Hereros, die wahrscheinlich gerade dabei waren, ihren Morgenimbiß zuzubereiten. Die Pontoks selbst konnte man natürlich in dem hohen Busch nicht sehen, auch die hier etwas zahlreicheren Kamcldorn- und Feigenbäume erschwerten die Übersicht wesentlich. Exzellenz schien mit dem Ergebnis des Gesehenen nicht recht zufrieden zu sein, und es schien mir so, als ob er noch weiter vorreiten wolle, um eine bessere Übersicht zu haben. Da ich das für eine recht gewagte Sache, so dicht am Feinde, hielt, nahm ich kurz Rücksprache mit dem Chef des Stabes, Oberstleutnant de Beaulieu, und ritt schnell allein halblinks vorwärts, um vielleicht einen geeigneteren Punkt zu finden, der bessere Übersicht bot, und um selbst zu erkunden, was vom Feinde in der Nähe war. Kurz nach mir ritt zu gleichem Zwecke mein Oberstleutnant Mueller nach rechts vorwärts. Im Galopp ging's quer durch den dichten Busch, bis ich an einer verlassenen großen Werft einen einzelnen hohen Feigenbaum antraf, von dem aus ich mir gute Übersicht versprach. Schnell war ich herunter vom Pferde, hatte dieses unten angebunden und den Baum erklettert. Mein erster Blick war in die Ferne auf den Waterberg zu, ich wollte dann, da die Übersicht gut war, als Erkennungszeichen mein Taschentuch festbinden und warf dabei einen Blick auf die nächste Entfernung vor mir. Doch wer beschreibt meinen Schrecken, als ich, auf ungefähr noch 60 Schritt entfernt, bewaffnete Hereros auf mich zulaufen sah. Sie hatten mich jedenfalls auch erst im letzten Moment gesehen, denn noch schoß keiner. Deutsche Reiter in Südweft. Termitenhügel. 1 v>s>t - ie„ . - EH 218 Wie der Wind war ich vom Baum herunter und ohne Bügel auf meinem Schimmel. Mein Bestreben war, so schnell wie möglich zurückzureiten und zu warnen; denn im dichtenBusch war eineÜberraschung des gesamten Stabes natürlich sehr leicht möglich, und es hätte dieselbe Katastrophe eintreten können, wie am 13. März bei Owikokorero. Schärfste Gangart reitend, erreichte ich die Straße vielleicht 300 Meter vor dem Termitenhaufen, an dem der Stab gehalten hatte. Zugleich erhielt ich von links und von hinten starkes Feuer. Die Hereros hatten augenscheinlich versucht, mich abzuschneiden. Gleich einer der ersten Schüsse traf mein Pferd hinten durch die Keulen. Es knickte einen Moment zusammen, ging aber sofort weiter. Das Feuer verstärkte sich noch. Ich sah, bis auf den Pfcrdehals heruntergebeugt, links, gar nicht weit, einzelne Schützen stehen. Es ging nun ums Leben, das wußte ich genau; denn fiel mein Pferd, so schlugen sie mich sofort mit dem Kirri tot. Ich ritt daher, was ich konnte, und, obwohl es nur wenige kurze Minuten waren, kam es mir wie eine Ewigkeit vor. — Mit einem Male fühlte ich einen schweren Schlag am rechten Fuß, der Bügel flog mir bis zum Hut empor, und der Fuß hing mir wie Blei herunter. Als ich hinblickte, sah ich ein Loch im Stiefel, gerade mitten im Spornriemen, und daraus Blut hervorsickcrn, also „Schuß durchs Fußgelenk". Einen Moment hatte ich doch durch den gewaltigen Schlag die Balance verloren, hielt mich aber an der Mähne fest, und weiter ging's nun, mit dem linken Fuß allein spornierend; denn der rechte war unbrauchbar. Noch zwei Kugeln erhielt mein guter Schimmel, eine quer durch den Bauch, gerade durch die Gurte, und die andere ins Hochblatt. Es war ein bildschöner Blattschuß und daher ein Wunder, daß der Gaul immer noch ging. Die Kugel muß dicht am Herzen vorbeigegangen sein und wohl die große Blutader verletzt haben. Das Blut spritzte bei jedem Galoppsprnng im hohen Bogen heraus, und mein braver Schimmel sah bald mehr rot als weiß aus. Er hat mir aber so das Leben gerettet. Es war Oftecke des Waterberges. Patz von Omuweroumue. durch den am 11. August 1901 die Abteilungen Dcimling und von Fiedler vordrangen. WUÄ Oberleutnant Erich von Salzmann. 219 ein Glück für mich, daß ich auf dem frisch angekommenen Pferde saß; denn eins von unseren Pferden wäre wohl sofort zusammengebrochen. Die arnien Tiere konnten kaum noch traben, geschweige denn galoppieren. — Kurz hinter dem Termitenhaufen traf ich auf Oberstleutnant Mueller mit Unteroffizier Jakobs und noch einem Reiter unseres Stabes. Ich parierte durch, und Oberstleutnant Mueller rief mich an: „Was ist denn los?" Ich sagte nur kurz: „Schuß durchs Fußgelenk." Zu langem Besinnen war keine Zeit; denn von allen Seiten pfiffen die Kugeln. Oberstleutnant Mueller rief schnell: „Na, dann vorwärts!" und weiter ging's. Der Schimmel ging immer noch, obwohl sehr matt. Das Feuer hinter uns ließ nach, und kurze Zeit darauf trafen wir Oberstleutnant de Beaulieu, Major von Neitzenstein und andere Herren, die auch gänzlich im unklaren über die Situation waren, da in dem dichten Busch eben nichts zu sehen ist. Da es absolut nicht die Sache einer Erkundung ist, sich iu ein Gefecht einzulassen, und wir ja außerdem den äußersten besetzten Punkt festgestellt hatten, ritten wir weiter rückwärts; mein Schimmel wurde durch den Blutverlust matter und matter und brach schließlich unter mir zusammen. Wir hatten gerade den dichten Busch verlassen und waren auf der vorerwähnten Fläche angelangt. Ich wurde von: Pferde gehoben und mir von: Oberstabsarzt > Dr. Schian ein Notverband angelegt. Man trug mich in den dürftigen Schatten eines Baumes. Der Arzt versuchte mir den Stiefel auszuziehen, es ging nicht, daher schnitt er ihn kurzerhand herunter, dann untersuchte er die Wunde. Man konnte schon erkennen, daß der innere Knöchel vollkommen zerschmettert war, er sah ganz eingefallen aus, und als mir der Arzt einen Sublimatmullstreifen durch die Wunde zog, bekam ich den ersten Vorgeschmack der Schmerzen, die meiner noch warteten. Die Kameraden hatten unterdessen vorne eine Schützenlinie gebildet zum Schutze des provisorischen Verbandplatzes. Oberstleutnant Mueller ließ meinem braven Schimmel durch einen alten Schutztruppler den Gnadenschuß geben, und wie er mir später schrieb, vergaß er nie den letzten Blick dieses treuen Tieres, das mir das Leben gerettet hatte und ohne das ich jetzt wohl zusammen mit Oberstleutnant Mueller und seinen beiden braven Leuten auf den: Felde der Ehre läge; denn Oberstleutnant Mueller hätte mich sicher nicht in: Stich gelassen, das weiß ich ganz genau. Mein Verband war schnell beendigt, das Reservepferd wurde für mich gesattelt uud ich hinausgehoben. Gott sei Dank war es ein ruhiges Tier, denn allmählich stellten sich starke Schmerzen ein. Vom Traben, das anfangs versucht wurde, war bald keine Rede mehr; wir mußten den langen Weg zum Lager, ungefähr noch elf Kilometer, im Schritt zurücklegen; denn bei einem Versuch zum Traben steigerten sich meine Schmerzen bis zur Unerträglichkeit; im kurzen Galopp ging's noch eher, aber jede ungeschickte Bewegung war eine Folterqual für mich, darum zog ich den Schritt vor. Endlos zog sich der Weg unter der glühenden afrikanischen Sonne hin, bis wir endlich das Lager vor uns hatten. Mir wurde glühend heiß, ich entledigte mich erst meiner Lederweste und ritt dann mit offenem, Rock. Die Wunde blutete 29» „Es liing nun mns Leben. ... ich ritt Salier, was ich kannte." 220 verhältnismäßig gering, nur alle paar Schritt sickerte ein Blutstropfen zur Erde nieder. Kurz vor dem Lager kam uns ein Eselwagcn, der mich aufnehmen sollte, entgegen. Vorausgerittene Reiter hatten von meiner Verwundung im Lager erzählt, und es hatte sich sogar schon die Nachricht verbreitet, ich wäre gefallen. So schlimm war es gottlob! noch nicht, und um unsern Leuten kein schlechtes Beispiel zu geben, ritt ich, gestützt von meinen ständigen Begleitern auf vielen früheren Patrouillenritten, dem Frachtführer Melchior und dem Unteroffizier Jakobs, ins Lager, bis vor das für mich auf Befehl Sr. Exzellenz in der Nähe des Hauptquartiers aufgeschlagene Zelt. Ich war der erste Verwundete im Lager und an diesem Tage der einzige, so daß sich sämtliche Ärzte um mich bemühen konnten. Nach einer weiteren Stunde war ich frisch verbunden und bekam sogar ein Feldbett aus dem am Tage vorher angelangten Feldlazarett, ein Genuß, den ich seit Swakopmund nicht mehr gehabt hatte; denn stets war die blanke Erde oder höchstens die Krankentrage der Batterie mein hartes Lager gewesen. Nach dem Verbände fühlte ich mich leidlich wohl, auch die Schmerzen waren nicht mehr allzu schlimm. Ich bekam Essen von der Messe des Hauptquartiers und durfte auch Besuche von Freunden und Kameraden empfangen. Recht schmerzlich war es mir, nun kaltgestellt zu sein; man tröstete mich zwar noch, es würde nicht allzulange dauern, aber ich glaubte nicht recht daran; denn auch als Laie konnte ich mir denken, daß ein schwerer Knochenschuß zu langem Krankenlager verurteilt." Aus „Ein Patrouillenritt" von Erich von Salzmann, ehcm. Oberleutnant der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. * * Weihnachten nnd Silvester 1904 bei der Abteilung Meister?) i. Weihnachten auf den Klippen von Kalkfontein. Fern aller Kultur, mitten in afrikanischer Wildnis, begingen wir dies hohe Fest. Am heiligen Abend hielt unser hochverehrter Pfarrer Schmidt, den wohl von allen Afrikanern, die ihn kennen lernten, im Leben niemand vergessen wird, eine Andacht, welche wir bewegten Herzens hörten, und gar manche Träne rann uns in die struppigen Bärte. Weihnacht, Weihnacht, welcher Zauber! und doch empfindet ihn richtig nur der, der sein Weihnachtsfest fern der Heimat, rings umgeben von Gefahren, verleben muß. Nach der Andacht gingen die Kompagnien still zurück nach ihren Lagerplätzen. Wir gruppierten uns um unsern Weihnachtsbaum, bestehend aus einem mächtigen Dornbusch, den wir mit etwas Wundwatte aus der Sanitätskiste der Kompagnie beworfen hatten. Die Feuer wurden angezündet, und jede Gruppe kochte ab, und zwar alle Kakao, den wir vor kurzem durch eine Proviantkolonne erhalten und zum Fest aufgehoben hatten. Unsere Offiziere veranstalteten eine Verlosung, bei der die Gewinne aus Rum, etwas Tabak und Zigarren bestanden. Unser Herr Hauptmann hielt eine Ansprache, die darin ausklang: „Ein dreifaches Hurra unserm obersten Kriegsherrn, der auch Wohlseiner Soldaten im Felde am heutigen Tage gedenkt, nnd dem deutschen Vaterlande", und dann erscholl aus rauhen, verstaubten Kehlen machtvoll und mit Begeisterung die alte Hymne: „Deutschland, Deutschland über alles", und von neuem gelobte sich still ein jeder, seine schwere Pflicht zu tun bis zum Tode. Und all die lieben alten und ewig neuen Weihnachtslieder folgten: „Stille Nacht, heilige Nacht", usw. Dann nahm jeder seinen Kessel mit Punsch zur Hand, und nach einigen Worten eines Kameraden erdröhnte es aus ehrlichem Soldatenherzen: „Ein Hurra unserm hochverehrten Kompagniechef Oberleutnant Grüner und seinen Offizieren, Leutnants Trenck, Hellmich, und dem StabsarztOr. Kirsch, die trübe und frohe Stunden in treuer Kameradschaft Vgl. den ersten Bericht des Sergeanten Schnehage auf Seite 67. 222 mit uns durchlebt, in Not und Gefahr uns stets vorangingen", und das von unserm Hauptmann gedichtete, zum Schutz- und Trntzlied der Schutztruppe gewordene „Ich bin ein junges Reiterblut" erklang in die Nacht. Dann wurde es still und stiller, nur flüsternd unterhielten sich noch einige Gruppen; die meisten der Reiter lagen und schauten sinnend in den klaren Sternenhimmel, und ihre Gedanken wanderten gar weit übers Meer in stille, deutsche Stuben, zum Vater und zum Mütterlein, zu Bruder und Schwester, zum Liebchen. Und von deutschen Landen her kamen deren Gedanken gewandert zu uns, und wo sie den unsrigen begegneten, da erzählten sie gar wundersame Weisen von Tannengrün und Lichterglanz, von Kinderjubel und Elternglück, und die in Kampf und Entbehrung gestählten Männerherzen lauschten still und wehmütig und träumten, sie wären daheim, bis ein scharfer Anruf der nächststehenden Posten sie in die rauhe Wirklichkeit zurückrief. So begingen wir den 24. Dezember 1904; am folgenden Tage trat nach dem Gottesdienst der gewohnte Gang der Tagesarbeit wieder in seine Rechte. Im Lager. WPMW ,,W II. Kampf um den Steinkral. Täglich, stündlich erwarteten wir den Befehl znm Vormarsch, aber erst am 30. Dezember 1904, abends, kam ein Heliogramm, welches befahl, daß wir, Abteilung Meister, uns so mit unserem Marsch einzurichten hätten, daß wir am 5. Januar morgens den Feind bei Gochas angreifen könnten. Etwa sich uns auf dem Vormarsch entgegenstellende Abteilungen wären zurückzuwerfen. Am Mittag des folgenden Tages setzte sich unsere Kolonne in Marsch. An Gefechtskraft waren wir stark: 150 Gewehre, 4., 5., ^7. Kompagnie 2. Feldregiments und vier Geschütze der 5. Batterie. Auf Kalks»ntein blieb eine Bedeckungsmannschaft in Stärke von etwa 20 Mann zurück, da wir den Ort als Operationsbasis benutzen wollten und dort Hafer liegen hatten. Unser Marsch sollte an diesem Tage nur bis Stamprietfontein gehen; dort wollten wir die Nacht bleiben. Durch unsere Patrouillen wußten wir, daß unser Gegner noch bis vor einigen Tagen der Annahme gewesen war, die Gefahr drohe ihm von Rietmont her; denn alle seine Patrouillen hatten nach dort aufgeklärt. Im letzten Augenblick mußte er nun erfahren 223 haben, wie die Sache stand, und hatte sofort seine Maßnahmen getroffen. Er wußte, daß er unserer Abteilung numerisch überlegen war, und daher beschloß er, uns zu vernichten, ehe er sich gegen die anderen wendete. — Die Pad, auf welcher sich unsere Kolonne fortbewegte, wird rechts von einem Hochplateau flankiert, das unsere Kompagnie benutzte, um nach rechts zu decken. Des Nachmittags gegen 4,30 Uhr näherten wir uns der Wasserstelle. Ich ritt rechte Seiten- patrvnille der Spitze und trabte mit meinen Leuten vergnügt in der Richtung des auf einer Höhe liegenden Krals los, als plötzlich von links her ein kolossales Schnellfeuer ertönte. Dem Befehl gemäß zog ich mich im weiteren Bormarsch an die Spitze heran, als auch schon der Befehl kam: „Der 1. Zug sammelt sich im Galopp Richtung Steinkral!" Ich kannte den Kral von früheren Patrouillen her und wollte unsern Zugführer darauf aufmerksam machen, daß diese famose Stellung unbedingt besetzt sei; aber ehe ich mich in schnellem Galopp an ihn herangearbeitet hatte, waren wir bis auf 100 Meter an den Kral heran, und da schlug uns ein aller Beschreibung spottendes Schnellfeuer entgegen, das aber auch glücklicherweise aller Beschreibung spottend schlecht gezielt war. Ich springe vom Pferd und werfe mich hin, um das Feuer zu eröffnen, da sehe ich, daß der Zug zurückprescht. Auf — meinen noch neben mir stehenden Gaul beim Zügel — und hinterher! In meinem Leben bin ich noch nicht so gelaufen und werde ein zweites Mal Wohl kaum dazu kommen. Meine treue „Berv- lina" mußte ahnen, was auf dem Spiele stand; denn in unheimlich langen Sätzen riß sie mich mit fort, daß ich kaum den Boden berührte und mir Hören und Sehen verging. Endlich kamen wir auch in Deckung. Getroffen war niemand, nur ein Pferd war verwundet; hätten wir aber, wie es meine Absicht war, uns auf eine Erwiderung des Feuers eingelassen, so wären wir wohl in wenigen Minuten abgeschossen gewesen. Nun ordneten wir uns zum Angriff, und mit zwölf Gewehren ging's los. Aber auf 80 Meter war der Kral, der übrigens von etwa 150 Gewehren besetzt war, sturmfrei, und wir mußten zurück. Vereint mit zwei weiteren Zügen, ging's nochmals vor. — 80 Meter — ein weiteres Vordringen wäre sicherer Tod. Nun geht's nach einer kleinen Pause in Deckung zum drittenmal unter Führung des Kompagnicchess mit sämtlichen verfügbaren Gewehren, etwa 55, vorwärts. „Ganz ruhig gezielt und geschossen!" Mancher Treffer wird verzeichnet. Schon warten wir aus das Zeichen zum Sturm, da -— bums — platzen die Geschosse unserer Artillerie auf und über den Platz, und um nicht in deren Feuer zu kommen, müssen wir wieder zurück. Von dem Kral hatten wir nun aber vollständig genug, wir ließen von ihm ab, krabbelten durch eine rechts davon liegende Schlucht und griffen den Feind in einer halbrechts hinter dem Kral liegenden natürlichen Stellung an. Bei diesem Angriff hatte ich die rechte Seitenpatrouille und war mit drei Mann auf eine weithin sichtbare Anhöhe gekrabbelt, als wir plötzlich von links, aus welchem Grunde weiß ich nicht, von eigenen Leuten beschossen wurden. Schleunigst verließen wir den exponierten Punkt. Während dieser Vorgänge bei uns waren auch die andern Kompagnien links scharf ins Feuer gekommen. Der Gegner kämpfte mit verzweifelter Heftigkeit und machte einen Sturmangriff nach dem andern. Natürlich erfolglos; aber man sah doch, daß ihm alles daran lag, uns nicht weiter vorzulassen. Wir konnten aber auch nicht vorwärts kommen; stundenlang ging das Gefecht hin und her, und als die Dunkelheit hereinbrach, hatten wir erst wenig Terrain gewonnen. „Die Artillerie hat ja hineingefunkt!" Im ganzen standen unS, der Kolonne, etwa 700 Mann, die mit äußerster Erbitterung kämpften, gegenüber. Es wurde nun immer finsterer; wir stellten deshalb das Feuer ein. Auch beim Feinde ließ es etwas nach. Während nun einige von uns unsere Toten und Verwundeten aus der Gefechtslinie schafften, schoben wir uns langsam vor und dehnten uns aus, indem wir versuchten, die Stellung aufzurollen. Der Feind machte einen Umgehungsversuch, und 224 so gerieten wir nochmals aneinander. Der Gegner maßte zurück. So war es etwa 10 Uhr abends geworden, als von unserm Major Meister der Befehl kam, das Gefecht abzubrechen. Leise, vorsichtig zogen wir uns zurück. Der Gegner hatte es bemerkt und versuchte nachzudringen. Er wurde aber abgewiesen. Bei dieser ganzen Geschichte waren wir nun aber ein bißchen sehr durcheinander und weit auseinander gekommen, und „Viktoria!" schallte nun unser Erkennungsruf durch die Nacht. Schließlich hatte sich wieder alles gesammelt, und wir setzten unsern Marsch in Schützenlinie auf die Anhöhe zu, auf der sich die Kolonne sammeln sollte, fort. „Na, Schnehage, wird denn der Kral wohl schon leer sein?" fragt mich ein Kamerad. „Ach," erwidere ich sorglos, „was soll denn da wohl noch drin stecken, die Artillerie hat ja hineingefunkt!" So gehe ich auf kaum 30 Meter an der Stellung vorüber, da singen und surren uns auch schon die blauen Bohnen über die Kopfe. Ich springe zwei Schritte vor, um besser sehen zu können, da — ein Aufstöhnen — ich schlage hin; das Gewehr entfällt meiner Hand. Die nun folgenden Minuten gehören zu den schrecklichsten, die ich durchlebt. Ich hatte die Besinnung nicht verloren und höre die kaum 30 Meter entfernten grausamen Feinde schwadronieren und spektakeln und erwarte, sie jede Sekunde bei mir auftauchen zu sehen. Der Zug entfernte sich immer weiter, da er sich auf das Geschieße nicht einließ. Tausend Gedanken durchkreuzten mein Hirn, bewegen konnte ich kein Glied. Fiel ich dem Feind lebend in die Hände, so hatte ich keinen Revolver, kein Gift bei mir, um mich zu töten, sondern mußte mich totschlagen lassen wie ein Hund. So lag ich und grübelte. Endlich, nach einer Ewigkeit, wie mich dünkte — nach 10 bis 15 Minuten, wie mir später gesagt wurde —, hörte ich jemand kommen. Wer, was, wußte ich nicht. Ich konnte leise rufen, und Gott sei Dank, es waren Kameraden, die mich an Armen und Beinen packten und im Trabe unter erneutem heftigen Schießen deS Feindes aus dessen gefährlicher Nähe brachten. Nach einer halben Stunde kamen wir bei der Kolonne an. Die Toten und die Verwundeten wurden in der Mitte bei der bespannten Artillerie niedergelegt; auch die Haudpferde standen dort gesattelt. Die Reiter bildeten eine weite Schützenlinie um das Ganze. Posten waren ausgestellt. Und nun brach ein Unwetter los, das jeder Beschreibung spottet. Ich habe manches Wetter in den Tropen erlebt, aber etwas Derartiges nie. Der Regen rauschte wie mit Eimern gegossen, so daß wir bald vollständig im Wasser lagen, dazu entluden sich mehrere Gewitter mit furchtbarer Gewalt, daß die Erde bei den Schlägen bebte, als wäre ein Erdbeben. In das Rauschen des Regens und das Krachen des Donners mischte sich das Gestöhn und Geschrei der delirierenden Verwundeten, das Anrufen und Schießen der Posten, und diese entsetzliche Szene wurde erleuchtet von fortwährenden grellen Blitzen. Eine furchtbare Nacht, die wohl jeder, der sie mitmachte, im Leben nicht vergessen wird. So vollzog sich für die Kolonne Meister die Jahreswende, während im deutschen Vaterlande die Silvesterglocken läuteten und in überschäumender Freude das neue Jahr begrüßt wurde. Aber auch diese schrecklichen Stunden vergingen wie so viele andere und tauchten unter ins Meer der Vergangenheit, und als am nächsten Morgen die Sonne aufging, erstrahlte der Himmel im reinsten Blau, und neue Wärme durchrieselte uns. In die ermüdeten Kämpfer kehrte neuer Mut; sie begrüßten und gratulierten sich zur Feier des Tages und wünschten sich ein gesegnetes Jahr. Auch wir Verwundeten einpflügen mit schmerzverzogcneu Gesichtern die Glückwünsche unserer Offiziere und Kameraden, von denen mich viele nicht erkannten, so hatte mich die eine Nacht verändert. Durch vorgeschickte Patrouillen war indessen festgestellt worden, daß der Feind während der Nacht in südlicher Richtung den Au ob abwärts gezogen sei. Die erste unS entgegentretende Abteilung war dem Befehl gemäß also zurückgedrängt; wie das aber weiter werden sollte, wußte niemand; nur das wußte jeder, daß Hendrik es uns unmöglich machen würde, am 5. Januar bei Gochas zu stehen. K. Schnehage, ehern. Sergeant 4. Komp. 2. Fcldregts. der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Berlin. Weihnachtsfeier der Kompagnie Grüner auf den Klippen von Kalkfontein 1904. „Wir stunden nm unsern Weihnachtsbaum — einen mächtigen Dornbusch, mit Wnndwatts aus der Sanitätskiste verziert. — „Deutschland, Deutschland über alles!" erklang es machtvoll aus den verstaubten Kehlen, und von nettem gelobte sich jeder still, seine schwere Pflicht zu tun. Und dann lotgte das alte, ewig neue Weihnachtslied: „Stille Nacht, heilige Nacht!" Wie viele von uns sollten wenige Tage später den Heldentod finden nn verzweifelten Kampfe von Groß-Nabas." Beilage zu: „Dincklage, Deutsche Reiter in Südwest/ Deutsches Bcrlagshaus Bong L Co., Berlin V. 57. > , ! — 225 — unserm Hauvtmann. Szene aus dem Gefecht bei Aluris- fontein,am25.und26.November1904. Ich gehörte zur 9. Kompagnie 2.Regiments des Hauptmanns von Koppy. Am 25. November 1904, nachmittags, als ein Hirt von der Weide kam und meldete, daß einige Hottentotten Vieh stehlen wollten, wurde sofort eine Patrouille von Warmbad nach der benannten Stelle entsandt. Zum Führer wurde Unteroffizier Wannemacher bestimmt, und die Patrouille zählte 12 Gewehre; alles Leute, die sich freiwillig gemeldet hatten. Bald waren wir fertig, und fort ging es, Schritt und Trab; jeder hielt die Waffe bereit. Auf einmal blitzte und krachte es aus den Bergen; zwei Reiter fielen gleich vorn Pferde. Unsere Patrouille schwärmte aus und nahm das Feuer auf. 'Ein Reiter jagte sofort nach Warmbad, um Meldung zu erstatten. Dort waren ungefähr 60 Mann der 9. Kompagnie 2. Regiments, ein schweres Feldgeschütz 0/73 und ein 6 Zenti- meter-Gebirgsgeschütz unter dem Befehl des Herrn Oberleutnants von Rosenthal stationiert. Sofort schickte er 30 Mann und das 6 Zentimeter-Gebirgsgeschütz der vorausgesandten Patrouille zu Hilfe. Führer dieser Abteilung war Oberleutnant Graf von Kageneck. Abends 7 Uhr marschierte er ab und erhielt schon gegen 8 Uhr Feuer, ohne mit der ersten Patrouille in Verbindung gekommen zu sein. Jetzt aber kam auch noch die Meldung, daß die Patrouille des Herrn Leutnants Schmidt, die auf dem Wege von Ramansdrift nach Warmbad marschierte, ebenfalls angeschossen sei. Diese Patrouille (die dritte) zählte zwei Offiziere — Schmidt und von Heydebreck — und war zehn Mann stark. Alle drei Patrouillen blieben die ganze Nacht in Bereitschaft liegen und erwarteten den Anbruch des Tages, wo sie sich alle drei vereinigen wollten, um dann gemeinsam vorzugehen. Die erste Patrouille kam mit der zweiten zusammen, „Unter Hurrarufen und Geschützseuer stürmte die 9. Kamhagnie die steilen Felsen hinauf." DrvtsLe Reiter in Südwest. 30 226 aber die dritte wurde am nächsten Tage vom Feinde umgangen. Sie verteidigte ihre Stellung bis zum letzten Atemzüge; aber nur ein Mann dieser Patrouille, Reiter Heinz, entkam aus dieser gräßlichen Lage. Mit einem Schuß durch den Arm kam er blutend nach Warmbad und brachte die traurige Nachricht, daß die dritte Patrouille, bis auf ihn, den Heldentod gefunden — dieLeut- nants von Heydebreck, Schmidt und 13 Mann!- Zu derselben Zeit kam auch Herr Hauptmann von Koppy von Ramansdrift, der von der ganzen Sache nichts gewußt hatte. Er nahm sofort den Rest seiner Kompagnie und das Geschütz 0/73 und marschierte los. Ein Teil der Leute mußte aber noch Warmbad bewachen, da dort 63 Gefangene Bondel- zwarts und verschiedene Gewehre und Munition waren. Dreiviertel Stunden nach dem Abmarsch war Hauptmann von Koppy an den Feind heran. Der hinterlistige Gegner, Morenga, der den Überfall ins Werk gesetzt hatte, schickte eine kleine Bande ungefähr 3 Kilometer voraus und ließ die dort sehr geeignete Stellung besetzen, um die Abteilung von Koppy aufzuhalten, damit er mit Vieh und Leuten zurückgehen konnte. Das machte aber der 9. Kompagnie nichts aus. Sie stürmte die steilen Felsen hinauf, unter Hurrarufen und Geschützfeuer, uud verjagte die Schwarzen. Jetzt aber hinterher, und auch gleich zu der Abteilung des Grafen von Kageneck, die bereits eine Nacht und einen Tag in der Hitze gedurstet und gekämpft hat. „Kinder, haltet aus!" sagte unser Hauptmann von Koppy. Jetzt zählten wir zwei Geschütze und ungefähr 70 kampffähige Soldaten. Mit Hurra gingen wir vor, und die Schwarzen mußten unter schweren Verlusten die schöne Wasserstelle Alurisfontein verlassen. Das war immer so, wenn Hauptmann von Koppy erschien! Auch von unserer Patrouille waren der Unteroffizier Wannemacher und mehrere Reiter verwundet. ^ ^ ^ Stanrslaus Kocur, Unteroffizier der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Dembnica (Posen). Unteroffizier StanislauS Kocur. Zwei 16. Dragoner, Oberleutnant von Vrederlow und Leutnant Götz von Olenhusen. i. Die Schlange. Wir waren im Januar 1905 in Lüderitzbucht gelandet und sogleich zur Besetzung der Stationen am Baiweg ins Innere geschickt worden. Wir zählten 15 Gewehre und richteten uns in Kubub so gut ein, als es gehen wollte. Aus Klippen, alten Kisten und Zeltbahnen bauten wir uns ein Haus, während unsere Pferde draußen in der Steppe weideten. Diejenigen Pferde jedoch, die zum sofortigen Gebrauch stets zur Stelle sein mußten, hatten wir im Kral in der Nähe der Station untergebracht. Dort fütterten wir sie mit mühsam gepflücktem Gras, doch konnten wir es zunächst nicht hindern, daß bald eines der Tiere ausbrach, 227 bald eines plötzlich verschwand. Um diesem Übelstand abzuhelfen, wurde beschlossen, einen Reiter bei dem Pferdekral schlafen zu lassen, und als Wohnung wollten wir eine am Kral in den Klippen befindliche Höhle einrichten. Als wir aber gerade dabei waren, die Höhle auszuräumen, schoß Plötzlich eine riesige Puffotter, eins der giftigsten Reptilien dieses Landes, aus dem Dunkel heraus auf uns zu, uns wütend anzischend. Ehe wir uns von dem ersten Schreck erholen konnten, eilte das Tier an uns vorbei und verschwand in den Klippen- Wir waren durch das unerwartete Erscheinen dieser Schlange sehr erschrocken, und ein Grauen vor der „Schlangenhöhle" hatte alle erfaßt. Auf die Frage: „Wer will denn nun freiwillig in der Höhle wohnen?" erfolgte keine Antwort, verlegen sahen die meisten zu Boden; der Gedanke, daß die Schlange in ihr Heim zurückkehren würde, war jedem, zumal unter dem Eindruck des eben erhaltenen Schreckens, zu unheimlich. Da trat der Reiter Nagele vor, nahm stillschweigend seine Sachen und legte sie in die Höhle. Er hatte mannhaft das Grauen, welches alle ergriffen hatte, überwunden und wohnte fortan als Pferdewächter in der Höhle am Kral. Von der Schlange aber hat man niemals mehr etwas gesehen. Den die Schlange verschonte, schonte der tückische Tod nicht. Auf Patrouille bei Veldschuhhorn schwer erkrankt, hielt er sich mit eiserner Energie aufrecht. Fiebernd brachte er noch Meldung nach Naiams zurück, dann brach er zusammen, und jetzt kündet ein einfaches Kreuz auf dem Friedhofe zu Keetmannshoop, daß hier ein tapferer Mann ruht, der den Tod fürs Vaterland fand. II. Der Kamerad. Einsam floß das Leben auf der Station Brakwater dahin, ab und zu allerdings unterbrochen durch den Besuch durchreisender Offiziere, die entweder ins Innere gingen, oder, heimgesandt, der Küste zustrebten. Da gab es dann wieder Nachricht, entweder vom Orlog oder von der Heimat; man freundete sich schnell an, und die Stunden verflogen im kameradschaftlichen Gespräch. Welche Freude aber war es, wenn man gar einen alten Bekannten nach langer Trennung wiedersah! So jubelte ich auf, als mir ein durchkommender Relaisreiter einen Zettel überbrachte mit der Nachricht, daß mein alter Freund und Regimentskamerad, von Brederlow, in den nächsten Tagen bei mir eintreffen müßte; er sei krank, auf der Heimreise begriffen und liege in einem Ochsenwagen im Gusibrivier, eine Tagereise von Brakwater. Schnell war mein Pferd gesattelt, mein Bursche begleitete mich, und ich ritt dem Gusibrivier zu, zugleich das Angenehme mit dem Nützlichen verbindend, indem ich die Herden revidierte, die nachlässigen Buren beim Trecken beobachtete und, wo es not tat, auf den Schwung brachte. Als die Sonne sank, erreichte ich das Rivier, wo an einem eben neu gegrabenen Brunnen einige Ochsenwagen standen. Ich ritt heran und sprang vom Leutnants von Brederlow und Götz von Olenhusen. 228 Pferde. An der Pütz stand ein vollbärtiger Mann mit stark mitgenommenem Anzug, hatte einen Strohwisch in der Hand und seifte seinen Bambusen, einen jungen Hottentottenbengel, höchst eigen- händig ab. Ich sah ihn mir genauer an, und endlich erkannte ich in dem verwitterten Reiter meinen Freund, den Leutnant von Brederlow. Wir eilten aufeinander zu und schüttelten uns wieder und immer wieder die Hände. Die Freude eines solchen Wiedersehens läßt sich schwer schildern. Wir hatten uns, die wir früher eng befreundet gewesen waren, nun zwei Jahre lang nicht gesehen. Viel hatten wir seitdem erlebt, was Wunder, daß nun das Erzählen kein Ende nehmen wollte! Was wir im fremden Lande erlebt hatten, wurde berichtet, dazwischen kamen alte Erinnerungen aus der Garnison, und mancher Satz begann mit: ..Weißt du noch?" Dann, am Abend, lasen wir, im Ochsenwagen sitzend, die Briefe vor, die Brederlow von den Kameraden geschickt waren. Wie schön war es, nun wieder von den heimischen Verhältnissen zu hören. Und als Brederlow gar noch eine Flasche Schwedenpunsch hervorholte, die ihm das Regiment geschickt und die er sorgsam bis zu diesem Moment des Wiedersehens gehütet hatte, leerten wir sie mit geradezu weihevollen Gefühlen. Zu uns gesellte sich noch Leutnant Zedler, der mit einer Eselskolonne ins Innere zog. Er brachte eine besonders schwere Kiste mit, die ihm als Stuhl diente. Als wir ihn fragten, warum er sich gerade diese schwere Kiste ausgesucht habe, erzählte er, daß in ihr eine halbe Million baren Geldes sei, das er der Distriktskasse Keetmannshoop abzuliefern habe. Fürwahr, ein wertvoller Stuhl! Am nächsten Tage schwang sich mein Regimentskamerad auf das Pferd meines Burschen, der mit dem Ochsenwagen folgte, und ritt mit mir nach Brakwater. Wenn er gehofft hatte, hier in ein üppiges Wohlleben zu geraten, so mußte er enttäuscht sein. Wir saßen hier am nächsten Abend in einer engen Höhle und lasen nun meine Briefe gemeinsam, nachdem wir uns an einem mehr als frugalen Male gestärkt hatten; denn wie anderswo, wurde auch hier oft „Kohldampf geschoben", d. h. gehungert. Leider mußten wir uns bald trennen und taten das in der Hoffnung auf ein frohes Wiedersehen in Deutschland. — Jetzt sind wir wieder im alten Regiment; oft sitzen wir abends beisammen, alte Erinnerungen austauschend, und wieder beginnt mancher Satz mit: „Weißt du noch? Götz von Olenhusen. III. Goliath. Der schlaue Kapitän der Bersebahottentotten, Christian Goliath, hatte vor Beginn des Hottentottenaufstandes sich und seinen Stamm als „neutral" erklärt. Dem Offizier, welcher den dortigen schwachen Heliographenposten befehligte, war jedoch das Verhalten der Bersebaleute verdächtig vorgekommen, und so wurden auf sein Ansuchen sofort von drei Seiten Truppen nach Berseba herangezogen, die binnen 24 Stunden dort eingetroffen waren. Dies half. Goliath wurde sehr klein, entschuldigte sich und behauptete, nicht er wolle den Orlog, sondern eine Partei seines Stammes, die ihm nicht wohl wolle, dränge, ihm zum Trotz, zum Orlog. Bereitwilligst wurde nun unsere Abteilung nach Berseba geschickt, wo wir am 2. Pfingsttage 1905 eintrafen, lediglich um Goliath gegen diese Rebellen zu unterstützen. Für uns, die wir schon über ein Jahr im Lande herumgezogen waren, bedeutete dies eine willkommene Ruhepause. Obgleich wir Goliath wohl sehr unangenehm waren, freundeten wir uns doch mit ihm an, und er verschaffte uns auch manche interessante Stunde. Goliath ist ein sehr gebildeter Hottentotte, der die deutsche Sprache gut beherrscht, lesen und schreiben kann. Vor seinem weißen Asbesthause war auf seiner Visitenkarte zu lesen: „Christian Goliath, Kapitän Berseba." Goliath hielt sich den „Swakopmunder Anzeiger", den er sich Freitags durch seinen Postboten aus Keetmannshoop holen ließ. Sonnabends mittags brachte er uns, die wir 239 Ein schlimmer Tag. i. Bis zum Angriff am 24. Oktober 1908. Nach der Verteidigung von Warmbad gegen die Bondels unter Hauptmann von Koppy, nach vielem Umherziehen im Süden — ich hatte in der 1. Ersatzbatterie gedient und war zum Generalstabe (Exzellenz von Tro th a) kommandiert, hatte mit Hauptmann Salzer Patrouille geritten, am Fischfluß gefochten und bei Mukorob am Weißrandgebirge, 7. Mai 1905, den Feinden die Herden fortgenommen —, also nach ereignisreichem und wcchselvollem Feldzugsleben wurde ich aus meinen Wunsch zur 2. Kompagnie (1. Feldregiments) unter Hauptmann Ritter versetzt. Nach einigen Aufklärungsexpeditionen, zuletzt von Berseba nach Chamis, wurde die Kompaguie nach dem Süden beordert und trat unter dem Oberbefehl des Oberstleutnants van Semmern in die Abteilung des Hauptmanns von Koppy. Die Hottentotten hatten in letzter Zeit sich wieder mausig gemacht, hatten am 7. Oktober die Station Jerusalem überfallen und die Besatzung vonSchuitdrift (Naob) über denOranje vertrieben. Alle Spuren ließen darauf schließen, daß die Räuber am Gainab und Ham abwärts gezogen waren, dem Oranje zu, und im furchtbar felsigen und unwirtlichen Oranjeberglande steckten. Nun hieß es — den Feind zu finden und zu fassen. Anfangs war alles Suchen vergebens. Die Spuren führten den Oranje abwärts. Man fürchtete Überfall von Ramansdrist. Oberstleutnant van Semmern wollte dem vorbeugen und ordnete an, daß Hauptmann Siebert mit seiner Abteilung bei Velloordrift denOranje erreichen, Hauptmann vonKoppy auf dem Abschnitt Velloordrift—Pelladrift vorgehen solle — da hoffte man, die Hottentotten zu fassen. Am 22. Oktober war das Zusammentreffen bei Hartebeestmund. Also wir — Abteilung von KoPPP — erreichten am 20. Oktober den Oranje. Das Gelände war schwierig, so daß Pferde und Wagen zurückbleiben mußten. Eingeklemmt zwischen Strom und Fels, zogen wir stromab. Es blieben noch etwa 200 Gewehre, zwei Maschinengewehre und drei Geschütze. Andauernd herrschte bei Tage glühende Hitze. Am 22. Oktober erreichten wir Pelladrift. Der Feind wurde von Kundschaftern nahe gemeldet und mußte jetzt eingeholt werden. Nachts ging's weiter. Bei Hartebeestmund sollten die Hottentotten ihren Sammelplatz haben. Unsere Kompagnie, die zweite 1. Regiments, marschierte an der Tete. Am 24. Oktober, morgens, kamen wir an eine Talbreite, rings von Bergfelsen umschlossen Z. Das war eine gefährliche Situation; aber es zeigte sich nichts, und wir marschierten weiter hinab in die Ebene, immer den Strom entlang. Eben sollte am Ende derselben von der Spitze wieder der hohe Uferrand erstiegen werden, da begann unerwartet ein mörderisches Feuer von allen Höhen. Man sah vom Feinde nichts, aber man fühlte ihn. Die Spitze, Leutnant von Bojanowski mit seinen Leuten, wurde zuerst vernichtet. Wir waren fast deckungslos und saßen in einer richtigen Falle. Reiter Moritz Bruno Salomon. u Vgl. die Gefechtsskizze Seite 118. 240 II. Zwölf Stunden ohne Deckung. Von vorn, von rechts Feuer aus völliger Deckung von den felsigen Höhen, von links Feuer aus dem dichten Gebüsch der englischen Oranjeinseln, und wir — konnten keinen Schuß anbringen; denn wir sahen nichts! Natürlich sofort Entwicklung der Schützen der 2. und 9. Kompagnie auf den schmalen Dünenwellen da unten. Die rückwärtigen Kompagnien machten Front gegen des Feindes linken Flügel. Der Führer, Hauptmann d'Arrest, siel schon bei Beginn des Kampfes in den Dünen. Der Feind war offenbar bedeutend überlegen und lag in Etagen übereinander eingenistet. Unsere Entwicklung geschah in glänzender Ordnung, aber unser Feuer blieb wirkungslos. Wir waren fast ohne Deckung; wer den Kopf hob, wurde zusammengeschossen. Die Feinde im Rücken (auf den Inseln) wurden durch die Ersatzkompagnie und das Maschinengewehr (Leutnant Degen- kolb) endlich zum Schweigen gebracht. Einen Mann aber nach dem anderen von unserer Kompagnie sah ich zusammenbrechen. Unser Dr. Althans siel in Ausübung seines Berufes. Vizefeldwebel Birkholz, Unteroffiziere Schulze, Stoewer, Gefreiter Müller und viele andere noch sah ich den Heldentod sterben, und viele von der Kompagnie wanden sich — verwundet — in Schmerzen. Ich sah noch den Unteroffizier Hoene, den Painczyk und Pooch und Kartheuser und Schönbaum und Zimmermann, und doch konnte ich nur einen Teil überblicken von der Kompagnie. Etwas mehr Hoffnung kam uns, als au des Feindes linkem Flügel zurückgewichen wurde und die Batterie Barack dort wirksame Stellung nahm. Während wir so im heißen Feuerkampfe lagen, jeden Augenblick das tödliche Geschoß erwartend, hatte Oberstleutnant van Semmern sehnlichst, aber vergebens, das Eintreffen der Abteilung Siebert erwartet. Sie sollte am 22. Oktober Hartebeestmund erreichen, mußte also doch heute am 24. Oktober nahe sein. Auch wir in der Schützenlinie riefen uns zu: „Wann kommen endlich die anderen?" — „Wo bleibt die Abteilung Siebert?" Aber unser Hoffen blieb unerfüllt. Es wurde Abend. Da bemerkten wir Bewegung in der feindlichen Stellung. Die Hottentotten rückten vor — hielten uns wohl für völlig erschöpft und glaubten, uns nun vernichten zu können. Aber neues Leben kam sofort in unsere Schützenlinien. Wir ließen sie vorkommen, dann aber gab's ein vernichtendes Feuer, und die Gelben bezahlten ihr Vorgehen mit zahlreichen Verlusten. Es wurde völlig Abend. Sollten wir über Nacht nicht völlig von der Übermacht eingekreist werden, mußten wir heraus aus dem Kessel. Das Feuer hörte auf — es wurde still — Grabesstille. Hauptmann von Koppy führte sein Detachement aus die Höhe zurück. Als unsere Kompagnie die Verwundeten sammelte, um auch sie zurückzubringen, wurden wir noch einmal beschossen, dann aber kam die Nacht. Todmüde — ja — aber-wer verstände nicht, wie uns um die Seele war? Von unserem schwachen Detachement fehlten doch 6 Offiziere und 47 Mann! Früh am Morgen des 25. Oktober versuchte der Feind einen Angriff, wurde aber kräftig zurückgewiesen und zog dann nach Westen ab. Wir marschierten auf Warmbad, um zu neuer Arbeit Munition und Proviant zu holen. Zuvor aber wurden die Verwundeten über den Oranje in englischen Schutz, nach Pella, zu den katholischen Missionaren gebracht, wo sie aufopfernde Pflege fanden. Das für uns so unglückliche Ausbleiben der Abteilung Siebert war durch ungeheure Terrainschwierigkeiten und falsche Wegführung veranlaßt. Aber auch am 24. Oktober traf es zu: „Erst in schwierigen Lagen lernt der Soldat seine Führer kennen und schätzen!" Moritz Bruno Salomon, Reiter der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. Deutsche Reiter in Südwcst. MM i '»,1». »! ^! r ! i I — 246 — so daß der Feind uns immer unbemerkt in der Flanke sein konnte, und wir stets einen Angriff erwarteten. Wir wußten, daß wir auf einen weit stärkeren Feind zumarschierten, und daß unsere Artillerie in den Dornen wenig helfen konnte. Wir hatten Meldung, daß bei Owiumbo, wo gute Wasserstellen und Wiesen sind, der Feind in starker Zahl versammelt sei, und den wollten wir angreifen. Ohne Gefecht erreichten wir Okatumba, wo die Feucrstellen noch warm, die Hereros also noch vor Stunden gewesen waren. Ich hörte in der Ferne noch deren Rinder brüllen. Es war schon schrecklich heiß. In Owiumbo sollte Rast gehalten werden. Um 9 Uhr ging's also weiter. Um 10,30 Uhr waren wir an der Wasserstelle, und freudig begrüßten wir das edle Naß, froh, ohne unliebsame Zwischenfälle den Ort erreicht zu haben. Nahe am Swakop, der hier ein ziemlich trockenes, steiniges Flußbett von 300 Schritt Breite bildet. Rund um unsern Lagerplatz, wo wir bereits zu tränken begonnen hatten, war, wie fast überall hier, dichtes Dornengebüsch. Da die Avantgarde auf daS südliche Swakop- ufer gegangen war, um uns dort zu sichern, hatte unsere Kompagnie die Sicherung nach vorn. Aber kaum waren die ersten Pferde getränkt, als vorn im Flußbette Hereroreiter auftraten und auf uns feuerten. Oberleutnant Reiß lief sofort mit einem Halbzuge vor und vertrieb sie; aber da bekam er aus den nahen Büschen Feuer und fiel. Ich sah ihn mitten im Swakop tot niedersinken; auch mehrere Reiter sielen. Das ging so schnell, wie ich's nicht erzählen kann. Oberst Leutwein kommandierte jetzt selbst: „Schwärmen!" und wir waren im Umsehen auseinander und begannen zu feuern; denn auch uns gegenüber lagen die Schützen der Hereros in Deckung. Zu sehen war fast nichts. Als mein Hauptmann von Bagens ki sich etwas aufrichtete, um die Lage der Gegner zu erkennen, wurde er durch den Kopf geschossen und war sogleich tot. Ebenso fiel Unteroffizier Neschke neben ihm. Leutnant a. D. von Frankenberg, der den ersten Zug kommandierte, ließ lins vorrücken, damit die Artillerie hinter uns auffahren konnte, und als die anfing zu feuern, da wurde es besser. Wir konnten für die Artillerie ohne Verluste Munition heranholen. Aber da uns der Feind links umgehen wollte, wurden dahin nach und nach die anderen Kompagnien vorgeschoben. Es war ein furchtbares Feuern von allen Seiten; denn die Hercros holten immer mehr aus, um uns auch von rückwärts zu fassen. Und sehen konnte man ja kaum einen Feind in den dichten Dornen. Dazu die schreckliche Sonne und der Durst! Gerade in der größten Hitze kam Herr Major von Estorff noch zu Pferde und brachte uns selbst Wasser in die Schützenlinie, für jeden Mann eine Kartusche voll. Das Gefecht dauerte bis zum Abend; wir bildeten zuletzt einen Kreis um die Handpferde und Protzen. Die Maschinengewehre rollten noch, als wir nur noch wenig Munition hatten; denn der Feind bekam immer frische Verstärkungen. Aber heran kamen sie nicht, aus dem Busch wagten sie sich nicht hervor zu einer ordentlichen Attacke. Um uns nicht selbst anzuschießen, hatten wir rote Fähnchen angebracht, die unsere Stellungen bezeichneten. Reiter Gustav Petterlvn. 247 Es war schon 8 Uhr — wir hatten zehn Stunden im Feuer gelegen —, und es dunkelte schon, als Oberst Leutwein den Rückmarsch auf Otjosasu befahl. Meine Kompagnie hatte die Nachhut. Wir hatten Lagerfeuer angemacht, und so merkte der Feind nichts von unserm Abmärsche. Major von Estorff führte selbst die Arrieregarde. Um 10 Uhr hielten wir Rast in Okatumba, und vor Otjosasu stand so viel Wasser auf der Pad, daß wir noch unsern Durst gestillt haben, als alle Geschütze schon durch waren. Um 5 Uhr morgens kamen wir nach Otjosasu zurück. Ich habe dann noch viele Kämpfe mitgemacht unter meinem neuen Hauptmann Freiherrn von Wangenheim. Wo der uns führte, da waren wir stets im Schutze. Oft haben wir vergebens nach Wasser gegraben. Durst und Hitze sind fast schlimmer als die Hereros. Unter Major von der Heyde habe ich die Schlacht am Waterberg miterlebt. Aus den Mitteilungen des ehem. Reiters Gustav Pettersou, früher 6. Komp. 1. Feldreqts. der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Metelsdorf b. Wismar. * -i« > 1 - Eine kleine Durststrecke. 26. September 1906. Im westlichen Teil des Hererolandes wohnen nur Buschmänner, die, von Statur klein und schwächlich, ungeheuer listig und verschlagen sind. Hierhin wurde eine Patrouille von der 10. Kompagnie 1. Feldregiments geschickt, um Wege und Wasser festzustellen. Am 17. Juli 1906 ging die Patrouille unter Führung des Leutnants Grab au ab, der auch ich zugeteilt war. Die ersten Tage blieben wir auf der Pad, dann mußten wir uns mit Karte und Kompaß zurechtfinden. So kamen wir am 26. September morgens an die Wasserstelle Awachab, an der ein unterirdisches Wasser fließt. Wir hatten einen Reiter bei uns, der Bescheid wußte. Wer den Ort nicht genau kennt, findet das Wasser nicht. Ich bin selbst mit hinabgestiegen; zuerst geht ein ziemlich großes Loch senkrecht in die Erde, das ungefähr acht Meter tief ist, dann kommt man in eine geräumige Höhle, zwölf Meter lang, fünf Meter breit und vierMeterhoch. Hieristesstockdunkel; man muß ein Feuer anmachen, wenn man sich nicht mit Kerzen versehen hat. In der Mitte der Höhle gähnt dem Wassersuchcnden wieder eine schwarze Öffnung entgegen, nochmals ein Loch von fünf Meter Tiefe, so groß, daß ein nicht zu starker Mann an einer Leine heruntergelassen werden kann. Nun endlich das Wasser. Ein Büchlein fließt hier unten, ein kleines Plateau umspülend, das das Schöpfen sehr erleichtert. Das MM Unteroffizier Franz Geriach. S48 Wasser wird mit Futterbeuteln, an Riemen befestigt, heraufgezogen, eine Arbeit, zu der mehrere Mann erforderlich sind. Das Tränken dauerte für unsere Patrouille zwei Stunden. Am Nachmittag desselben Tages, um 1 Uhr, ging es wieder weiter, weil wir am 27. September in Stein-Rocko sein wollten, das als reiche Wasserstelle auf der Karte verzeichnet ist. Wir hatten uns etwas von dem edlen Naß in den Wassersäcken mitgenommen und dachten am andern Morgen daselbst an frisches Wasser zu kommen. Dieses Mal hatten wir uns in der Karte arg getäuscht. Wir ritten den 27. September den ganzen Tag und Hostien noch immer an Wasser zu kommen, denn unser Vorrat war alle geworden. Wenn man den ganzen Tag in der brennenden Tropcnsonne reitet, dann bekommt man eben Durst, Mann und Tier. Es wurde Abend, wir mußten halt machen, denn des Nachts kommt man nicht durch den dichten Dornenbusch. Die Nacht war recht kühl, und so verging der Durst etwas. Am 28. September, beim Morgengrauen, ging es wieder weiter. Im Laufe des Vormittags erreichten wir die Hawasiesberge. Wir lechzten nach Wasser und hofften bestimmt, es dort zu finden. Wir kamen im dichten Busch sehr langsam vorwärts. Ich erkletterte die höchsten Bäume, um Umschau zu halten; aber es war nichts zu entdecken. Die Sonne brannte immer heißer, der Durst Plagte immer ärger, kein Lüftchen regte sich zwischen den hohen Felsen. Nachmittags 1 Uhr wurden die Felsen niedriger, so daß wir sie durch einen Spalt übersteigen konnten. Vor uns dehnte sich eine Fläche aus, die etliche Kilometer lang und fast ohne Busch war. Plötzlich tauchte vor uns eine dunkle Gestalt auf. Ich erkannte sofort einen Buschmann. Jetzt war uns geholfen; denn wo ein Buschmann ist, ist's auch nicht weit zum Wasser. Unser Eingeborener Zacharias, der immer als Dolmetscher mit war, mußte ihm sagen, er solle uns zur nächsten Wasserstelle führen, was er auch versprach. Unsere Pferde und Maultiere mußten schon mit Gewalt weitergetricben werden. Um 4 Uhr nachmittags am 28. kamen wir an die Wasserstelle Aigab. Hier war nur ein Loch von fünf Dieter Tiefe bis zum Wasser, aber das Wasserheranfholen war mit großen Schwierigkeiten verknüpft; es mußte in Futtcrbeuteln hinaufgebracht werden, wobei jeder Mann nur einen Beutel tragen konnte. Denn eine Hand mußte er frei haben, um sich festzuhalten. Nach zweistündiger Arbeit waren die Tiere getränkt. Alles sagte: „Gott sei Dank", als wir nach sechsundzwanzigstündigcm Dursten uns wieder satt getrunken hatten. Die Tiere waren 52 Stunden ohne Wasser und vor Erschöpfung dem Verenden nahe gewesen. Franz Gerlach, ehcm. Unteroffizier der Kaiserl. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Ragoßen. Das Wasser wird mit Futter- * * beuteln heraufgezogen. * ^/>P« X ^ L«. ir, s M r '/ Aus dem Gefecht von Groß-Nabas, 3. Januar 1905, „Bei dem Versuche, das Geschütz am weitesten links zurückzuziehen, erhielt, schon verwundet, Leutnant d, Rest Sempcr den zweiten tödlichen Schutz in den Unterleib, Er kommandierte noch: „Mit Kartätschen geladen!" dann wurde er fortgetragen und verschied, Leutnant Frei Herr Sentier von Lötzen mit einigen Leuten der 5, Kompagnie sowie llnterossizier Köhler und Gefreiter Schulz vom Nachbargeschütz eilten herbei und zogen das Geschütz zurück. Doch jetzt stürzte sich der Feind auf das verlassene Geschütz, ungeachtet des Schrapnellscuers des rechten Flügelznges, In diesem kritischen Momente eilte Leutnant von Sentier mit seinen wenigen Leuten wieder herbei und schlug nach hartnäckigem Ringen die Hottentotten zurück — das Geschütz war gerettet, aber Unteroffizier Müscher war gefallen, — Am rechten Flügel bediente der verwundete Gefreite Endretz allein noch sein Geschütz, bis auch er tödlich getroffen war. Beim zweiten Geschütz wehrte Oberleutnant Lauteschläger den vordringenden Feind mit Kartätschen mannhaft ab. Dann traten Reiter in die Stellen der gefallenen Kanoniere," Beilage zu: „Dincklage, Deutsche Reiter in Südweft. Deutsches Berlagshaus Bong L Co,, Berlin rv. 57. 249 ... > er zuckte zusammen, und ich sah, datz an der rechten Schläfe Blut herauskam. „Du, nimm auch mal deinen Hut ab!" Die Bande des Johannes Christian machte im Oktober 1906 die Umgegend von Bisseport an der Grenze unsicher. Die 3. Kompagnie 2. Regiments, bei der ich schon seit den Maitagen stand und mit der ich die Verfolgungen der Viehräuber bis zum Oranje unter Oberleutnant Barlach, der am 23. Juli bei Gams siel, mitgemacht hatte — also die 3. Kompagnie, unter Oberleutnant Müller von Berneck, hatte Befehl, dem Treiben Christians ein Ende zu machen. Zwischen Klippdamm und Koichas war der Feind gemeldet, und dahin ritten wir am 12. Oktober 1906. Um 4 Uhr brachen wir von Lifdood auf und waren um 9 Uhr in den Dünen hinter Koichas bei Sandpütz, wo auch eine Bley liegt. Ich ritt mit Herrn Leutnant Stadler vorn als Spitze zur Aufklärung mit zwölf Mann. Auf einmal fiel rechts von uns ein Schuß und gleich darauf eine Salve von den Schwarzen; denn rechts von uns zog sich eine Sanddüne hin, und die hatte die Bande besetzt. Von unserer rechten Seitenpatrouille wurde Reiter Uszkoreit vom Gaul heruntergeschossen. Wir sprengten bis auf 80 Meter drauf los, dann herunter von den Pferden und krochen auf dem Bauche vor. Nur 10 bis 18 Meter vom Feinde weg lagen wir jetzt, ich als zweiter Mann am linken Flügel — links von mir lag nur noch mein Kamerad Petzold, ein Schlesier. Wir hörten die Schwarzen sprechen, sahen aber keinen; denn die hatten gute Deckung. Es Pfiffen uns nur ihre Kugeln um die Ohren, und eine furchtbare Hitze war über Mittag. Man konnte sich nicht bewegen, um aus der Feldflasche einen Labetrunk zu nehmen. Mein Kamerad Petzold meinte: „Du, nimm auch mal deinen Hut ab!" Wie er das gesagt hatte, zuckte er zusammen, und ich sah, daß an der rechten Schläfe Blut herauskam. Ich nahm ihn beim Fuß, zog ihn aus der Schützenlinie und rief meinem Zugführer zu, daß Petzold schwer verwundet sei; aber er war gleich tot. Teutsche Reiter in Südwest. b3 250 Nun, ich nehme das Feuer wieder in der Schützenlinie mit auf. Dann merke ich, etwas weiter weg, eine Unruhe, und wie ich meinen Nebenschützen frage: „Was ist da los?" da antwortet der: „Du, eben haben die Hunde auch den Vize- wachtmeister Rohr angeschossen; und der Gefreite Bohne liegt auch schon!" „Das werden wir dem Stürmann heimzahlen!" sage ich; denn Stürmann war der Unterkapitän der Hottentotten vor uns; und da guckt gerade so ein Schwarzkopf über die Düne. Ich lag gerade im Anschlage. „Du oder ich!" hieß es da, und da hielt ich's für besser, er war's. Als nach und nach mehrere von den Kerlen dran glauben mußten, ließ ihr Feuer nach, und wir gingen nun drauf. Aber das „Hurra!" und das aufgepflanzte Seitengewehr lieben sie nicht, und fort liefen sie, der englischen Grenze zu. — Wir fanden mehrere Tote. Am 23. Oktober hatten wir den Stürmann noch einmal in den Karrasbergen vor; da ließ er zehn Tote, und wir nahmen ihm 40 Pferde und zehn Gewehre. Am 15. November kam er dann und stellte sich uns in Lifdood mit 30 Männern und 50 Weibern. Das hätte er eher haben können. Joseph Huber, ehem. Gefreiter der Kaiserl. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Dettenschwang (Oberbayern). * * „Den werden wir auch bald haben!" Aus den Gefechten bei Onganjira und Owiumbo am 9. und 14. April 1904. „Heute bekommen wir zum erstenmal den Pulverdampf zu riechen", so hieß es am 9. April in der Frühe bei unserem braven Hauptmann von Bagenski. Unsere Kompagnie war die 6./1. Feldregiments, bestehend aus 20 Pferden, und bildete die Spitze; sie gehörte zur Abteilung Major von Estorff, bei welcher noch die 2., 4., 5. Kompagnie, eine Kompagnie Bastards und eine Kompagnie Witboois waren. Beim Schwärmen sollten wir die linke Flanke bilden. Um 9 Uhr waren wir den Hereros schon auf den Fersen. Unser Hauptmann und unser Oberleutnant von Kleist, mit ungefähr noch 18 Reitern, rückten im Galopp vor und kamen gleich mit ungefähr 300 Hereros ins Handgemenge. Ich war im Zug, welchen Leutnant von Frankenberg führte, und wir bekamen den Befehl zur rechten Seitendeckung, da wir noch unbcritten waren. Sofort erhielten wir von einem kleinen Hügel von den Hereros Grüße entgegengesandt, die uns wie ein Schwärm Bienen um den Kopf sausten. Da kam der Zorn über uns, und der kleine Berg war bald erstürmt. Dann nahmen wir nochmal eine kleine Höhe, und die Hereros besetzten jetzt einen zirka 700 Meter hohen Berg. „Den werden wir auch bald haben!" dachte ich; aber das ging diesmal nicht so schnell. Wir lagen nämlich noch 800 Meter von dem Berge entfernt und fanden keine Deckung. Da hieß es: „Auf der rechten Seite vorgehen!" Ich sprang gleich vor, und ungefähr 15 Mann folgten mir noch nach, während die anderen lebhaftes Feuer auf den Gefreiter Joseph Huber. O --«VA . > > ' 251 Berg abgaben und uns dadurch deckten. So langten wir unten am Berge an. Es war ein steiler, steiniger Hang, welcher schwer zu besteigen war. Aber hinauf müssen wir, so dachte ich, und wo's die Beine allein nicht machten, da halfen die Hände; denn auf solchem Steingeröll hat's was an sich mit dem Steigen. Ein Gefreiter, mit Namen Hermann, und ich waren zuerst oben auf der Spitze. Aber die Hereros waren schon wieder 1000 Meter entfernt. So ging es den ganzen Tag, bei glühender Hitze, bis in die Nacht, wo sich die Kompagnie wieder sammelte und nach Wasser suchte. Wir blieben drei Tage bei Ongansira liegen, bis wir wieder Munition hatten. Dann ging es wieder los. Am 14. April, bei Owiumbo, fiel gleich am Anfang unser Hauptmann von Bagenski und Unteroffizier Beschke von unserer Kompagnie. Diesmal war es noch viel schlimmer als am 9. April, denn diesmal saßen die Hereros im dichten Gebüsche. Sie kamen öfters auf sechs bis acht Schritte wie ein Bienenschwarm heran, und wenn da die Artillerie und Maschinengewehre nicht gewesen wäre, so hätten uns die Hereros mit Leichtigkeit gefressen. So ging es wieder vom frühen Morgen bis spät in die Nacht hinein, wo wir dann, weil wir keine Munition mehr hatten, in aller Stille zurückgingen; das tat uns sehr wehe! Unsere Kompagnie deckte den Rückzug. So kamen wir wieder nach Otjosasu und Okahandja, wo wir dann alle Pferde bekamen. Ich selbst erkrankte bald am Typhus und kam nach Okahandja in das Lazarett. Daß ich wieder davongekommen biw, habe ich bloß Herrn Oberarzt Jodka, Schwester Mary und Sanitätsgefreiten Ritter zu verdanken; denn diese haben mich Tag und Nacht aufopfernd gepflegt. Mit dem nächsten Transport fuhr ich am 7. September mit mehreren Kameraden nach Deutschland. Ich blieb dann bis April 1906 bei meinen Eltern. Später kam ich als Waldaufseher, was meiner Gesundheit sehr zugunsten ist, zu Seiner Erlaucht Graf Fugger in Oberkirchberg in Dienst, wo ich jetzt noch tätig bin. Ich erhielt das preußische Militärehrenzeichen und die Württembergische silberne Militärverdienstmedaille. Johann Graf, ehem. Gefreiter der Kaiserl. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. -i- -i- * „Schwarze kommen!" Am 7. August 1905, abends kurz vor 8 Uhr, stand ich in Hoachanas auf Posten, als ich mit dem Befehl abgelöst wurde, mich zu nachts 12 Uhr zum Patrouillenritt fertig zu machen. Ich erfuhr dann, daß ein Eingeborener bei Schürfpenz Hottentotten mit Vieh bemerkt hätte. Nach fünf- bis sechsstündigem Ritt erreichten wir Schürfpenz, wo die Schwarzen aber schon wieder abgezogen waren. Wir lagerten nun in einer Schlucht und kochten Kaffee, als Unteroffizier Mann, welcher den Berg hinaufgestiegen war, mit dem Ruf „Schwarze kommen!" heruntergelaufen kam. Wir griffen zu den Gewehren und legten uns in Schützenlinie, um die Schwarzen zu erwarten. Dieselben kehrten aber um, da sie Gefreiter Jvhann Graf. 252 jedenfalls unsere Pferde hatten weiden sehen. Es waren nur sechs Mann, und wir nahmen die Verfolgung auf, in deren Verlauf ein Schwarzer von uns erschossen wurde, während die andern, da das Gelände zu schlecht war, entkamen. Wir folgten den Spuren der Hottentotten und dem Vieh mach. Als wir nun geraume Zeit in die Sanddünen zwischen Nunub und Stamprietfontein hineingeritten, sahen wir von einer Düne aus das Vieh auf der nächsten weiden. Es waren noch etwa 20 Schwarze bei dem Vieh, welche aber bei unserem Ansprengen die Flucht ergriffen. Das Vieh, etwa 100 bis 110 Schafe und Ziegen, fiel in unsere Hände, und wir trafen an: andern Tage mit unserer Beute wohlbehalten in Hoachanas ein. Der Führer der Patrouille war Leutnant von Hanenfeldt. Unter ihm nahmen teil: Sergeant Nickel, Unteroffizier Fei, Gefreiter Clemens, Reiter Konrad, Reiter Viereck und drei eingeborene Soldaten. Am 1. November 1905 ritt eine Patrouille von 30 Gewehren unter Führung von Oberleutnant Pabst von Kalkfontein ab, um gegen Simon CoPPer aufzuklären. Am 2. morgens lagerten wir bei Koms, wo wir gegen Mittag einen Buschmann gefangennahmen, der aussagte, daß fünf Dünen weiter eine kleinere Werft sei. Sofort ritten wir ab, um dieselbe aufzuheben. In der Nähe angekommen, teilten wir uns in zwei Züge. Der erste Zug, unter Oberleutnant Pabst, sollte von hinten hervorbrechen, während der andere, unter Oberleutnant Rosendahl, von vorn angriff. Vorwärts ging's, erst im Trab, dann im Galopp. Plötzlich sehe ich dicht vor mir einen Hottentotten im Anschlag liegen; sofort pariere ich, um abzusitzen und ihn niederzuschießen; aber schon kracht der Schuß, und ich sehe auch, daß mein Rock und Patronengurt zerfetzt sind. Da ich nichts fühle, nehme ich mir zuerst mal meinen Gegner vor, der wohl nicht wieder aufstand. Leider bekam mein braves Pferd in demselben Moment einen Schuß in die Hinterfessel, denn jetzt lag die ganze Patrouille im Feuergefechte. — Es sollte aber nicht lange dauern, denn Oberleutnant Rosendahl ließ zum Angriffe vorgehen. Das vertrugen auch hier die Hottentotten nicht, und schnell ergriffen sie die Flucht, sieben Tote zurücklassend. 20 Gefangene fielen in unsere Hände. Der schnelle Sieg hatte auch uns Opfer gekostet. Wir mußten unsern braven Unteroffizier Klapecky an der Düne begraben und Sergeant Oberhoffer wurde verwundet vom Platze getragen. Außer den Genannten waren noch an der Patrouille beteiligt: Unteroffizier Maurer, Böttcher; Gefreite Henkel, Taube, Clemens, Reiter Volker, Reisener u. a. m. Gefreiter Clemens, früher 1. Ersatzkompagnie 1. Feldregiments der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, jetzt: 6. Kompagnie 1. Feldregiments Outjo. * * - 1 « Wie hals man sich beim Durstmarsch durch die Wüste Kalahari? Ende April des Jahres 1905 kam die Meldung, Hottentotten säßen in der Kalahariwüste an der englischen Grenze. Auf diese Meldung hin wurde ein Detachement, ungefähr drei bis vier Kompagnien und zwei Geschütze, beauftragt, den Feind daselbst zu schlagen. Da nun der Vormarsch sehr schwierig und mit großem Wassermangel verbunden war, wurde schon tagelang vorher daran gearbeitet, Ochsenwagen zu Wasserwagen einzurichten. Alles mögliche wurde versucht, um recht viel Wasser fortzubewegen und in einer Durststrecke von ungefähr 100 Kilometer Sanddünen künstliche Wasserstellen zu errichten. So z. B. wurden mit Flaschen und Blechkisten Versuche gemacht; da aber von den Flaschen nicht genügend vorhanden waren, konnte aus dieser Sache nichts werden. Die Blechkisten, in denen wir unser Mehl bekommen hatten, waren nur zum Teil gelötet und hielten somit auch kein Wasser. Jetzt wurden Zeltbahnen mit einem Riemen >' 2i»^ >V WSW r. .-:^K ^-»Ur.'r- «2. S! ^ Hottentottcnwcibcr vor ihrem Pontok. 254 zusammengebunden und mit Wasser gefüllt. Das bewährte sich dann vorzüglich; denn in jede Zeltbahn gingen 20 Liter Wasser. Auf jedem Ochsenwagen waren 14 Zeltbahnen. So waren aus unsern Proviant-Ochsenwagen Wasserwagen geworden. Überall, wo Wassertonnen aufzutreiben waren, wurden sie herbeigeschafft, um sie zu dem schwierigen Unternehmen zu benutzen. Am Tage vor dem Aufbruch des Detachements fuhr die erste Staffel in die Wüste, am andern Morgen die zweite, am Nachmittag desselben Tages die dritte. Vor der dritten Staffel marschierte das Detachement. Von nachmittags 3 Uhr bis 12 Uhr nachts wurde marschiert, mit Ausnahme kleinerer Pausen, bis 2 Uhr morgens wurde geruht; während dieser Zeit mußten sich unsere armen Pferde ihr Futter suchen. Dann ging es wieder unaufhaltsam vorwärts, und alles freute sich aus den herannahenden Morgen, wo der Angriff stattfinden sollte, um dem jetzt schon 1^2 Jahr dauernden Kriege ein Ende zu machen. Um 8 Uhr morgens wurde halt gemacht; bis hierher hatten wir noch nichts vom Feinde gehört noch gesehen, trotzdem wir schon 68—70 Sanddünen überschritten, die ungefähr ein bis zwei Kilometer voneinander entfernt lagen. Von diesem Halteplatz wurde noch eine Patrouille ungefähr 18 bis 20 Kilometer weiter vorgeschickt, die aber leider keine Spuren fand, viel weniger Hottentotten. Nach Meldung dieser Patrouille wurde nachmittags kehrtgemacht, um unsere Pferde bei der uns folgenden Wasserstaffel zu tränken. Auch war den Mannschaften das Wasser, welches mitgenommen worden war, in den Wassersäcken längst alle geworden, und manchem klebte die Zunge wohl am Gaumen fest. Nachmittags 5 Uhr waren wir an der zuerst abmarschierten Staffel. Hier bekam jedes Pferd einen Freßbeutel voll Wasser, in welchen ungefähr sechs Liter gehen. Daß die Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften ihren Durst stillten, braucht wohl nicht erwähnt zu werden. Am nächsten Morgen wurde weitermarschiert, und am folgenden Tage trafen wir in unserm alten Lager ein. Vollstedt, z. Zt. Sergeant, 4. Batt. 4. Bad. Feld-Artill.-Negts. Nr. 66, Lahr. * * * Bei der Donkeykolonne. Ein Briefausschnitt aus Gibeon. In Gibeon hatten uns die Hottentotten wieder einmal Kleinvieh abgetrieben. Sofort brach eine Patrouille, bestehend aus sieben Köpfen, zur Verfolgung auf, der bald eine zweite, gleichstarke, worunter auch ich mich befand, folgte. Am 16., mittags 12 Uhr, marschierten wir in der glühendsten Sonnenhitze in der Richtung H an aus ab, immer den Spuren der Bockies folgend. Am Abeud stießen wir auf eine von Felswänden verdeckte Wasserstelle. Wir Serucani 'LivUaeol. Max Augufttn. — 255 — tränkten unsere Pferde oder Mulis und kletterten dann auf der entgegengesetzten Seite die Wand wieder hinauf. Oben angekommen, erblickten wir in nicht weiter Entfernung etliche Männer an einem Dornenstrauche stehen; sie sahen uns nicht sogleich; aber es mochten kaum zwei Minuten vergangen sein, als sie uns gewahr wurden. Wir alle waren in der festen Meinung, wir hätten die andere Patrouille vor uns; es kam aber bald anders. Wir ritten vorsichtig, Gewehr im Arm, in die Flanke der vermeintlichen Patrouille, so daß wir sie genau gegenüber hatten. Bald bemerkten wir, daß die anderen kriechend ausschwärmten und sich uns näherten. Das vollzog sich ganz genau so, wie es bei uns gehandhabt wird. Wir waren immer noch zu Pferde. Auf unser Anrufen kam keine Antwort. Da befahl der Sergeant Hoffmann in Betracht unserer kleinen Stärke: „Um kehrt, marsch, Galopp!" Doch kaum hatten wir den nächsten Hügel erreicht, da hieß es wieder: „Um kehrt, marsch! Auf den Feind!"; denn ein anderer Ausweg blieb uns des Geländes wegen nicht offen. Als wir nun den Berg erklommen hatten und an den zurückgelassenen Töpfen ersehen konnten, daß wir Hottentotten vor uns hatten, gingen wir einfach drauf, was die Riemen halten wollten und rannten nieder, was wir noch erreichen konnten. Alles floh — es fiel kaum noch ein Schuß. Wie es sich an den folgenden Tagen herausstellte, hatten wir einen uns stark überlegenen Feind vor uns gehabt, welcher der Maschinengewehr-Abteilung auch noch Verluste beigebracht hatte. Nur unser kühnes Draufgehen hatte sie irregeführt; denn höchst wahrscheinlich hatten sie sich gedacht, wir wären die Spitze einer Kompagnie. Wir ritten nun zurück zur Station Hanaus, wo wir auch die andere Patrouille antrafen. Am andern Tage nahmen wir die Verfolgung auf Befehl des Herrn Majors von Estorff wieder auf. Die Leute von der Etappe, die an der Patrouille teilnahmen, hatten für einen Tag Proviant mit, wir für drei Tage. Wir teilten dann unseren Proviant und ritten noch bis zum Schwarzrand, mußten aber notgedrungen umkehren; denn nun kamen wir in ein Gelände, wo wir drei Tage lang kein Wasser fanden, und die Kost war auch verzehrt. Max Augustin, ehem. Reiter der Kaiscrl. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Sachsenhausen. * 4 - * Der Kamps um die Wasserstelle Tsannarob. Wir hatten am 13. April 1905, nachdem wir die ganze Nacht geritten waren, morgens gegen 5 Uhr den Packriem (Fluß) erreicht. Das war ein bei den Hottentotten, wegen des klüftigen Geländes, sehr beliebter Ort, wo sie schon manchen ahnungslosen braven deutschen Reiter abgeschossen und des Gewehrs, der Patronen und auch der Kleidung beraubt hatten. Leutnant Wendlandt gab der Spitze den Befehl, unter Führung des Oberveterinärs Hagemeier vorzureiten, um die Wasserstelle zu suchen. Da die Nacht erheblich kalt war, ritten wir im scharfen Trab vor, um uns dadurch ein wenig zu erwärmen. So waren wir ungefähr zwei bis drei Kilometer vorgeritten, als wir von weitem grüne Bäume sahen, ein Zeichen, daß dort Wasser sein mußte. Unter den Bäumen Reitcr Artur Burgemcistcr. 256 GesechtSselV Tilinnarob. » . »- WMää ^ 7 ?^. 7^-S.' MNWMH KMM -fÄÄLÄ ^ü-. r^> "1ÄÄ M?LV- ^....' .'.'Sr.-A KrFÄ M'LL Li^WKÄU>M^S sahen wir gesattelte Pferde, die am Zaum geführt wurden, und glaubten, daß es deutsche Reiter wären. Langsam, vvrsichtig umherschauend, ritten wir weiter. Weit und breit war aber nichts als Steine und Dornbüsche zu sehen. Plötzlich erhielten wir von der linken Flanke ein mörderisches Feuer. Wir versuchten, im Galopp zu unserer Abteilung zurückzureiten; aber die Kugeln pfiffen zu dicht. Reiter Reff erhielt sofort einen Schenkelschuß, so daß er zur Erde stürzte. Das Pferd des Reiters Laas und das meinige waren ebenfalls verwundet, das eine hatte einen Hals-, das andere einen Schenkelschuß erhalten. Wir liefen beide, gedeckt durch die Pferde, den Zurückreitenden nach, um eine günstige Deckung zu erlangen. Die Hottentotten hatten uns vollkommen abgeschnitten. Wir sahen, daß alle andern an einer bestimmten Stelle aus dem Sattel fielen. Oberveterinär Hagemeier bekam Kopf- und Beinschuß, Unteroffizier Kraatz Kopfschuß, Gefreiter Weimar Herzschuß, Reiter Käseberg Kopfschuß. Alle waren tot, nur Gefreiter Köttgen ritt mit einem Schenkelschuß durch die Feuerlinie bis zum Gros, das dann sofort zum Gefecht vorging. Mein Pferd erhielt weitere fünf Schuß und stürzte tot zu Boden. Nunmehr eröffneten Laas und ich aus der Deckung Feuer gegen die Hottentotten. Bald jedoch erhielt Reiter Laas einen Schuß. Die Kugel riß ihm die Kinnlade weg, so daß auch er kampfunfähig war. Die Hottentotten versuchten nun, mich zu umzingeln. Ich hatte aber gute Deckung gefunden und mir fest vorgenommen, mein Leben teuer zu verkaufen. Ich schoß ununterbrochen, wo sich nur so ein Wollkopf zeigte, und muß manchen Treffer gehabt haben. Munition hatte ich ja, denn ich verteidigte mich mit den Gewehren der Gefallenen, bis die Abteilung zu Hilfe kam. Nicht eine Patrone siel in die Hände der Schwarzen. Nach zweistündigem Gefecht gaben sie die Wasserstelle frei. Zu den Verwundeten gesellte sich noch Reiter Dietrich. Durch die Gnade Sr. Majestät wurde den Verwundeten und mir das Militärehrenzeichen 2. Klasse verliehen. Artur Burgemeister, ehem. Reiter der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Kaub a. Rh. I x bL.'- Aus dem Gefecht bei Gochas, 5. Januar 1905. „Während Oberleutnant von Livonins im Kampfe gegen die am Anobrande eingenisteten Schützen nur mühsam vorwärts kam, fuhr Oberleutnant Stuhlmann init seinem Ochsengespann initten im feindlichen Feuer über die Düne hinweg an den Au obrand hinunter. Darauf kam die Linie des Gegners ins Schwanken — — und floh gegen 8,30 Ilhr abends auf der ganzen Front, verfolgt vom Feuer der Schützen und Geschütze," Beilage zu: „Dincklage, Deutsche Reiter in Südwest,' Deutsches Verlagsbaus Bong L Co,, Berlin ^V, 57, / 257 Verzweifelte Lage. Ich diente während des ganzen Krieges in der Kompagnie des Hauptmanns Grafen zu Solms-Wildenfels (1. Kompagnie 1. Feldregiments) und machte mit dieser alle Kämpfe mit. Nie ist mir der Gedanke gekommen, daß ich fallen würde. Ich habe in jedem Gefecht stets das Gefühl gehabt, daß ich unverletzt wieder herauskäme. Nur einmal, im Gefecht bei Otjosongombe, am 11. August 1904, dachte ich, mein letztes Stündlein hätte geschlagen. Das Gefecht war schön, es ging immer drauf. Das sprungweise Vorgehen hatte uns schon ordentlich müde gemacht, und wir mußten dicht vor der feindlichen Hauptstellung sein — wie wir später sahen, lagen die Kerle vor uns in einem langen, einen Meter tiefen Wassergraben — dem Otjosongombebach. Da bemerkte ich bei dem zweitletzten Sprung, daß vor mir bis zur feindlichen Stellung eine vollständig freie Fläche kam, ohne Busch, ohne Deckung. Die Schwarzen waren nur noch ungefähr 60 Meter entfernt. Meine Kameraden neben mir hatten schon die Fläche gemieden und gingen seitwärts, in den dort befindlichen Büschen, vor. Auch ich wollte von der Fläche herunter und rannte nach links vorwärts. Die Schüsse bewiesen mir, daß es gezielte waren, und ich rannte daher, das Gewehr krampfhaft fest unter dem Arm haltend, den Deckung bietenden Büschen zu. Aber ich sollte sie nicht erreichen. Bei dem schnellen, tiefgebückten Laufen stieß ich mit dem aufgepflanzten Seitengewehr gegen eine hervorstehende Wurzel. Ich bekam mit dem Gewehr unter den rechten Arm einen gewaltigen Schlag und flog infolgedessen ein Ende vorwärts, beim Aufschlagen heftig auf die linke Schulter fallend. Im ersten Augenblick wußte ich nicht, ob ich nur gefallen oder von einer Kugel getrosten sei, so heftig schmerzte mich die Schulter. Ich wollte mein Gewehr zum Schießen anlegen, doch es ging nicht. So lag ich denn als lebende Zielscheibe, unfähig, mich zu rühren, den Her er os gegenüber, und die nächsten von ihnen, fünf oder sechs an der Zahl, eröffneten sofort das Feuer auf mich. Zu allem Unglück war die Stelle, auf die ich gestürzt war, dicht mit niedrigen Kaktnsstauden bestanden, so daß ich etwas über dem Erdboden zu liegen kam und infolgedessen ein ausgezeichnetes Ziel bot. In jedem Augen- -ML-r- Unteroffizier Schnitz auf den Kakteen. Denliche Reiter in Eüdwest. 34 258 blick dachte ich, mein letztes Stündlein sei gekommen. Die Schüsse krachten um mich her, als ob sie unmittelbar neben meinen Ohren abgegeben worden seien. Es war eine qualvolle Lage. Aufspringen und weiterlaufen wäre sicherer Tod gewesen. Ich verspürte ordentlich den Ruck, wenn mir eine Kugel über den Rücken fuhr. So lag ich denn still da, des Todes gewärtig. Ich versuchte, mich tiefer zu legen, aber es gelang mir nicht; nur das Gesicht vermochte ich zwischen die mit feinen Stacheln versehenen Kaktusstauden zu drücken. Ein paar bange Minuten verharrte ich so — mir kamen sie stundenlang vor — dann hörte mit einem Male das Feuer auf; entweder hielten mich die Hereros für tot, oder ihre Aufmerksamkeit wurde durch etwas anderes in Anspruch genommen. Ich blieb liegen, bis ich hörte, daß mein Zug vorsprang, dann versuchte ich mich aufzurichten, was auch mit zusammengebissenen Zähnen gelang, und ging in die Büsche, um mit meinem Zuge weiter vorzugehen. Wunderbarerweise bin ich bei der ganzen Beschießung nicht verwundet worden, nur mein Anzug und meine Ausrüstung wiesen Spuren der feindlichen Geschosse auf. Die Schmerzen in der Schulter überwand ich und blieb bei der Truppe. Mit der Zeit ist die Schulter auch von selbst geheilt, aber etwas schief geworden, damit ich zeitlebens ein Andenken an jene schwere Stunde behalte. ^ ^ ^ Unteroffizier Schultz, 1. Kompagnie 1. Feldregiments der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika*). Unteroffizier Schultz. Ende gut, alles gut. i. Auf dem Marsche. Von Major von Estorff, dem Leiter der Operationen im südlichsten Teile des Schutzgebietes, hatte ich den Befehl erhalten, Signalverbindung zwischen Warmbad und Blydeverwacht und somit zwischen ihm und dem Detacheuren! Siebert an der Ostgrenze herzustellen. Zur Verfügung standen mir drei Signalapparate, fünf Signalisten und für die zuerst zu errichtende Station acht Mann Bedeckung. Die vereinigten Bondelzwart-Hotten- totten saßen bei Hartebeestmund am Oranje in sehr schwer zugänglichem Gelände und machten unter ihrem tatkräftigen Feldkornett Morenga häufige Ausfälle. Am 3. Januar 1906, frühmorgens, brachen wir von Warmbad auf. Der uns unbekannte Weg war uns kenntlich gemacht durch die Spuren eines größeren Ochsentransportes, der etwa acht Tage vorher von Blydeverwacht nach Warmbad gekommen war. Gegen Mittag erreichten wir die Stelle, wo die erste Signalstation errichtet werden mußte. Da es hier kein Wasser gibt, mußte die Station während ihres neunwöchigen Bestehens von Warmbad, also von einem etwa 25 Kilometer entfernten Orte aus, mit Wasser versorgt werden (! d. H.). Jeden zweiten Tag brachte eine Eselkarre ein großes mit der kostbaren Flüssigkeit gefülltes Faß. y Schultz wurde nach 7'/z Jahren Dienstzeit zum überzähligen Feldwebel ernannt, er hat das Militärehrenzeichen 2. Klasse und wurde zur 1. Klasse eingereicht. (D. H.) 259 Nachdem die Station eingerichtet war, rückten wir, d. h. außer mir noch drei Signalisier! und eine von zwei Kapboys bediente Mauleselkarre, die die Signalapparate trug, am Nachmittag weiter gen Osten. Spät in der Nacht kamen wir nach Velloor, wo wir die Tiere tränkten und einige Stunden ruhten. Als wir gegen 4 Uhr morgens am folgenden Tage aufbrachen, entdeckten wir die frischen Spuren von Reitern und Fußgängern, die von 50 bis 60 Hottentotten herrühren mußten und in derselben Richtung führten, die auch wir einzuschlagen hatten. Erleichtert atmeten wir auf, als wir nach einigen Stunden Marsches bemerkten, daß die Bande in südöstlicher Richtung auf Udabis abgebogen war. Es war bereits dunkel geworden, als wir von der Hochfläche nach dem Hamrivier hinabstiegen. Plötzlich — wir mochten noch etwa 500 Meter von der im Flußbett gelegenen Wasserstelle Duurdrift entfernt gewesen sein — machte mich Sergeant Marx, einer der drei Signalisier:, auf eine Anzahl Lagerfeuer aufmerksam, die wenige 100 Meter oberhalb der Wasserstelle und etwa 600 Meter von uns entfernt zu sehen waren. Es war mir sofort klar, daß es Hottentotten sein mußten. Von uns war Duurdrift nicht besetzt, das wußte ich; es fragte sich also nur, ob es vielleicht eine Patrouille von unseren Truppen wäre? Eine schwache Patrouille brennt nachts kein Feuer an, eine starke legt sich aus Wasser, um im Falle eines feindlichen Angriffs nicht von diesem abgeschnitten zu werden. Es mußten also Hottentotten sein, und zwar eine ganze Menge, da wir etwa 15 Feuer zählten. Eine sehr üble Situation für uns. Da wir so nahe daran waren, mußten wir bei der uns bekannten Wachsamkeit und Sinnesschärse dieser Kerls damit rechnen, von ihnen bereits bemerkt worden zu sein, zumal die schwere Karre beim Fahren über die Klippen mächtig gepoltert hatte. Was sollte nun geschehen? Wir hatten keinen Tropfen Wasser mehr bei uns; die Tiere waren gänzlich erschöpft und wären ohne Wasser sicherlich nicht mehr weit gekommen, so daß wir bei einem Zurückgehen auf Velloor der Tiere und somit auch der Signalapparate verlustig gegangen wären. Auf einem Umwege nach Blydever- wacht zu gelangen, konnten wir nicht wagen, da keiner von uns die Gegend kannte. Ich beschloß daher, obgleich ich mir wohl unserer verzweifelten Lage bewußt war, in dem sehr klippigen und mit vielen kleinen Koppjes bedeckten Gelände ein Versteck aufzusuchen und das weitere dem Schicksal zu überlassen. So ließ ich denn die Karre wenden; wir fuhren eine kurze Strecke zurück, bogen von der Pad ab in ein kleines Rivier hinein und mußten sehr bald an einer recht ungünstigen Stelle halten bleiben, da die Tiere das Weiterziehen verweigerten. So gut es ging, verschanzten wir uns in unserem Versteck, das höchstens 1000 Meter vom feindlichen Lager entfernt und so ungünstig gelegen war, daß wir im Falle eines Angriffs — und mit einen: solchen bei Tagesanbruch mußten wir sehr rechnen — mit Leichtigkeit von überhöhenden Kuppen aus abgeschossen werden konnten. Mit zwei Signalisten versuchte ich noch, das Lager genauer einzusehen, was aber nicht gelang, da wir zu diesem Zweck sehr nahe hätten herangehen müssen, und das 34 * Leutnant von ReinerSdorü. 260 Wäre gleichbedeutend mit Selbstmord gewesen. Wir stellten nun die Anzahl der Feuer auf 15 fest, was auf die Stärke von mindestens 60 Hottentotten schließen ließ. II. Eine angenehme Überraschung. Trotz der gefährlichen Lage, in der wir uns befanden, konnten wir uns doch nur mit Mühe des Schlafes erwehren. Wenn man aber fast zu jeder Stunde mit der Möglichkeit eines plötzlichen feindlichen Angriffs rechnen muß, dann verliert auch bald eine unmittelbare Lebensgefahr ihre Schrecken. Während abwechselnd immer zwei von uns wachten, konnten die andern beiden sich der Ruhe hingeben. Der anbrechende Tag aber fand uns alle vier mit schußbereitem Gewehr in den Schanzen liegend vor. Jetzt muß sich unser Schicksal entscheiden! Wenn uns nicht jetzt bald die Kugeln um die Ohren Pfeifen, dann wissen sie nichts von unserer Anwesenheit, dann sind wir gerettet. Doch halt! Noch eine Möglichkeit gibt es. Die Kerls denken: wir müssen doch ans Wasser kommen, und dann haben sie leichteres Spiel, als wenn wir in den Schanzen liegen. Damit haben sie auch ganz recht. Und um nach längerem Warten endlich eine Entscheidung herbeizuführen, gehe ich mit Sergeant Marx nach dem Wasser, vollständig darauf gefaßt, bei diesem Versuch mein Leben einzubüßen. Scharf ausschauend, das Gewehr schußbereit in beiden Händen, gingen wir vorwärts. Plötzlich sehe ich in der Gegend, wo die Nacht über die Feuer brannten, Pferde und Maulesel weiden und einige Hottentotten dazwischen herumlaufen, damit beschäftigt, die Tiere zusammenzutreiben. Fast im selben Augenblick stößt mich Sergeant Marx an mit den schnell geflüsterten Worten: „Hier rechts, Herr Leutnant!" Ich fahre wie der Blitz mit dem Gewehr herum, in der Erwartung, daß wir von rechts angegriffen würden. Wer beschreibt aber mein Erstaunen, als ich etwa 30 Schritt rechts von uns zehn reichsdeutsche Soldaten aus den Büschen des Riviers auf uns zukommen sehe. Ein Feldwebel — Ringleib heißt dieser rettende Engel — tritt an mich heran und meldet: „Zehn Mann der 3. Ersatzkompagnie auf dem Wege nach Duurdrift." Ich wäre ihm beinahe um den Hals gefallen. Er muß uns Wohl in diesem Moment für verrückt gehalten haben. Als ich ihn fragte, wo er herkäme, erzählte er in aller Eile, daß die 8. Kompagnie unter Hauptmann von Lettow bei einem. Streifzug am vergangenen Abend unterhalb Duurdrift auf die frischen Spuren der Hottentotten gestoßen und diesen sofort gefolgt sei. Als die Kompagnie dann nach Mitternacht ebenfalls die Feuer bemerkte, blieb sie in angemessener Entfernung und guter Deckung halten, und Hauptmann von Lettow ließ den Feldwebel Ringleib, der mit seinen 10 Mann eine weiter unterhalb gelegene Wasserstelle besetzt hielt, zur Verstärkung heranholen. Daher unser Zusammentreffen. Ringleib fügte noch hinzu, der Herr Hauptmann hätte ihm auf den schriftlich gesandten Befehl noch mitgeteilt, daß er bei Tagesanbruch den Feind angreifen werde. Ehe der brave Feldwebel noch ausgesprochen hat, wird auch das Gefecht schon durch ein heftiges Schnellfeuer eingeleitet. Nun sehen wir auch vor uns die Schützen der 8. Kompagnie, und schnell laufen wir alle dahin, um uns am Gefecht zu beteiligen. Hauptmann von Lettow, den ich durch einen Steinsplitter im Auge schwer verwundet antraf, hatte einen Zug seiner Kompagnie unter Leutnant Erhardt dem Feind in den Rücken geschickt, mit zwei Zügen unter Oberleutnant Schweiger und Leutnant Ebeling hatte er ihm den Weg nach Osten verlegt und mit dem Rest hielt er selbst die Höhen, die den Gegner vom Wasser trennten, besetzt. Die Hottentotten mußten sich mit dem ihnen aufgezwungenen Gelände, so gut es ging, abfinden; und sie hatten Glück, denn die Stellung war durch starke Klippen wie durch „Hter rechts, Herr Leutnant!" 262 natürliche Schanzen nach allen Seiten vorzüglich gedeckt. Das Gefecht dauerte den ganzen Tag bis gegen Einbruch der Dunkelheit; dann erst gelang es den Hottentotten, die überdies noch durch ein außerordentlich heftiges Gewitter begünstigt wurden, in dem sehr klippigen Gelände zu entkommen. Der Gegner hatte außer seinen schweren Gefechtsverlusten, unter denen sich als Toter auch der Bruder des Morenga befand, noch den Verlust sämtlicher Reittiere nebst Sätteln und Zaumzeug zu beklagen. Auf unserer Seite war ein Feldwebel gefallen, Hauptmann von Lettow, Leutnant Ebeling und ein Reiter schwer, sechs Reiter leicht verwundet. So endete dieses Erlebnis, das unter so ungünstigen Voraussetzungen für uns begonnen hatte, mit einem schönen Erfolg über Morenga, der, wie sich später herausstellte, die Hottentotten selbst angeführt hatte. von Reinersdorff, ehem. Leutnant in der Feldsignalabteilung der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Leutnant im Dragoner-Regiment von Bredow (1. Schles.) Nr. 4. * -i- Zwei Bruder. Im Generalstabswerke über die Kämpfe in Südwest heißt es auf Seite 282: „Johannes Christian brach nach Osten durch und wurde am 16. Mai 1906 von dem Leutnant Engler am Kameldornfluß festgestellt. Fest entschlossen, mit dem flüchtigen Gegner die Fühlung nicht mehr zu verlieren, folgte Leutnant Engler, ohne Rücksicht auf die ihm drohende Gefahr, der feindlichen Spur. Allein auch diese Braven sollte das Schicksal so vieler kühner deutscher Patrouillen ereilen; der tapfere Offizier wurde am 19. Mai mit seinen wenigen Reitern westlich Gais von den Hottentotten ausdemHinterhaltabgeschossen." Über den braven Leutnant schreibt sein älterer Bruder in einem Privatbriefe: Mein Bruder Kurt ist im Juni 1904 nach Afrika gefahren. Ich sagte ihm in Hamburg Lebewohl und versprach: „Ich komme nach, und zwar sehr bald!" Er wollte es mir nicht glauben, aber als ich ihm von Okahandja im September 1904 heliographierte: „Auf afrikanischem Boden gelandet, begrüße dich herzlich, — Hurra!" — da hat er gesehen, daß ich damals schon meinen Entschluß gefaßt hatte! Über Jahr und Tag kämpften wir gemeinsam gegen den Feind, bis mein Bruder mit seinen drei Reitern den Heldentod fand. Oberstleutnant von Estorff sagt in einem Briefe an unseren Vater: „Ich kannte ihn (Kurt Engler) schon lange und schätzte ihn, als einen unserer tüchtigsten Offiziere, Sauvtmann a. D. Engler. außerordentlich hoch. Er hatte als erster damals 263 den Marsch der Hottentotten vom Fischfluß wieder nach Osten festgestellt. Die Spur führte westlich des Weges Kanus—Wasserfall auf die Kleinen Karrasberge. Ihr Sohn erhielt den Auftrag, nach Wasserfall zu reiten und die dorthin beorderte 2. Kompagnie 1. Regiments auf diese Spur zu setzen. Er fand aber, daß die Spur inzwischen den Weg nach Kanus—Wasserfall nach Osten gekreuzt hatte — nicht sehr weit nördlich von Kanus — und folgte ihr nunmehr selbständige um den Verbleib der Hottentotten festzustellen. Es war ein sehr gewagtes Unternehmen, allein auf der frischen Spur zu folgen. Wenn ihm aber seine Absicht, den Verbleib des Feindes festzustellen, geglückt wäre, so hätte ihm sein überaus kühnes Handeln zweifellos hohes Lob eingebracht. Er wurde ein Opfer seines kühnen Mutes. Die Hottentotten müssen ihn bei dem schwierigen Gelände eher bemerkt haben, als er sie, und so gelang ihnen der Hinterhalt, dem er mit seiner kleinen Patrouille zum Opfer fiel. Die überaus große Gewandtheit der Hottentotten, verbunden mit dem für Verstecke so sehr geeigneten Gelände ist es ja leider, die uns die meisten und schwersten Verluste gebracht hat. — Eine stärkere Patrouille, von Kanus nachgeschickt, konnte nur den traurigen Ausgang feststellen. Ihr Sohn war, durchs Herz getroffen, gefallen und seine drei Leute mit ihm. Er hat sich in jeder Beziehung vorzüglich bewährt, wurde von seinen Vorgesetzten hochgeschätzt, von seinen Kameraden geliebt und seinen Untergebenen verehrt. Er war oft in schweren und gefährlichen Lagen gewesen^) und hatte sich noch im März 1906 am Oranje^) besonders ausgezeichnet." Oberstleutnant von Estorff erwähnt dann, daß er selbst beim Tode seines im April 1904 gefallenen jüngsten Bruders einen Trost gefunden habe in dem schönen Verse: „Was wir bergen in den Särgen Was wir lieben, ist geblieben, Trägt der Erde flüchtig Kleid! Bleibt in Ewigkeit!" Engler, Hauptmann in der Kaiserl. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. Wenn aber der ältere Bruder nur über den Heldenmut des jüngeren berichtet, so ist es eine Pflicht des Herausgebers, zu erwähnen, daß auch Hauptmann Engler in einer Reihe von Gefechten — am 22. November 1904 bei Ku b, am 3. Januar 1905 bei Haruchas, am 6. Januar 1905 bei Gochas, am 7. Januar 1905 bei Zwartfontein — focht und sich als echter und treuer Bruder des Gefallenen bewährte. Im Stäbe des Oberst von Deimling, des so energischen Führers, hat er sich dessen volle Anerkennung erworben. Auch als äußere Ehrenzeichen wurden ihm, neben dem preußischen Schwertorden, das heimische — Königl. Sächsische — Ritterkreuz des Mbrechtsordens, die Österreichische Eiserne Krone, der Orden der Italienischen Krone usw. verliehen. Wo viele solche Brüderpaare, da hat die Vaterlandsliebe tief gewurzelt. >) Er hatte sich bereits den Kronenorden und den Albrechtsorden, beide mit Schwertern, erworben. -) Ein Mann war im Gefecht in den Oranjefluß gefallen. Im feindlichen Feuer, unter großer Lebensgefahr, rettete ihn Leutnant Engler. (D. H.) Leutnant Kurt Engler. 204 Eine wilde Jagd! i. „Kameraden," sagte Korporal Schneider zu uns, als wir an dem sonnigen Nachmittag des 29. August 1905 frohen Mutes durch die dunklen Klippen bet Spitzkopp ritten, „ich glaube, wir machen einen guten Fang." Wir (Unteroffizier Schneider, Reiter Mohr, Reiter Weißer und Bur van Niekerk) waren nach der friedlichen Eingebornenwerft Spitzkopp, etwa 40 Kilometer östlich Keetmannshoop, abkommandiert, weil von dort in letzter Zeit größere Viehdiebstähle gemeldet waren. Am dritten Tage unsres Aufenthaltes ritt unser Korporal auf Jagd. Bei seiner Rückkehr teilte er uns mit, daß er gute Anhaltspunkte habe, wo die Viehräuber steckten. Eine Stunde von hier war eine Farm, die von einem Engländer (Smid) und einem Teutschen (Pitters) bewohnt war. Farmer Pitters hatte die Spuren der Viehräuber entdeckt und forderte unsern Unteroffizier auf, mit uns eine Patrouille nach der von ihm bezeichneten Stelle zu reiten. Ohne Zögern brachen wir auf. Nach einem strammen Ritt von einer Stunde kamen wir auf der Farm Daweb an. Hier machten wir eine kurze Rast und setzten dann mit dem Farmer Pitters und einem Eingebornen unsern Ritt fort. Als die Sonne im Westen sank, hatten wir die Felsen Passiert, und eine endlose Fläche mit wogendem gelben Gras breitete sich vor unsern Blicken aus. Inmitten dieser Ebene zog sich ein Rivier (ausgetrocknetes Flußbett) hin, das mit seinen hohen Bäumen einen schönen Anblick bot. Wir waren jetzt von der Pad abgebogen und suchten uns auf Wunsch des Farmers einen geeigneten Lagerplatz. Da an den vorhergehenden Abenden immer große Feuer in dem bezeichneten Rivier gesehen wurden, sollten wir liegen bleiben, bis auch uns solche sichtbar würden. Dann sollte gesattelt, die betreffende Stelle umgangen und die dort vorhandenen Hottentotten eventuell lebendig gefangen werden. Nach Angabe des Farmers waren es zwölf Mann mit acht Gewehren; wir waren jetzt fünf Gewehre, also konnten wir auf einen hartnäckigen Kampf rechnen. Nachdem wir abgesattelt hatten, fesselten wir unsre Pferde und ließen sie weiden; darauf legten wir uns, abwechselnd wachend, nieder. Die Nacht verging, ohne daß wir Feuer sahen. Bei Sonnenaufgang wurde geweckt und gleich gesattelt, um den Rückmarsch anzutreten. Kaum waren wir eine halbe Stunde geritten, da fanden wir ein frisch abgesatteltes Pferd. Vorsichtig ritten wir weiter und trafen auf so viele Spuren, daß wir zuerst ganz verblüfft waren. Wir beschlossen, den Spuren zu folgen. Nach einem viertelstündigen Galopp, als wir eben durch eine Schlucht kamen und um einen Felsrand reiten wollten, standen wir plötzlich vor einer mindestens löOköpfigen Witbooibande. Die Kerle waren bei unserm unerwarteten Auftauchen so überrascht, daß sie uns Zeit ließen, unsre Pferde herumzureißen und auf dem Wege nach der Farm fortzujagen; denn an die Aufnahme eines Kampfes war natürlich nicht zu denken. Wir hatten aber noch nicht ganz die Pad erreicht, da empfing uns schon ein mörderisches Feuer. Das Gewehr in der Hand, mit dem Körper vornübergebeugt, jagten wir wie der Sturmwind über Stock und Stein. In der Höhe der Farm Dawel hielt ich an und sah mich nach den Kameraden um. Farmer Pitters hatte einen Vorsprung und jagte in der Richtung nach Spitzkopp davon. Kamerad Weißer und Bur van Niekerk kamen auf mich zu, unser Korporal war nicht da. Wir mußten vor allen Dingen dem Farmer Smid unsre Hilfe anbieten. Da er aber Engländer war und die Witboois diesen nichts taten, lehnte er unsern Beistand ab. Nun hieß es, eine geeignete Stellung einnehmen und uns so lange verteidigen, bis unser Unteroffizier da war. Wir ritten auf eine einzelstehende Kuppe zu, begleitet von dem Feuer der Eingebornen. Doch kaum hatten wir dieselbe erklettert, da erkannten wir, daß es eine verlorene Sache war; denn teils zu Fuß, teils beritten suchte uns der listige Feind jeden Ausweg abzuschneiden. Schnell beschlossen wir jetzt aufzubrechen, damit wenigstens einer von uns die Spitzkopp erreichte, um so bald wie möglich Meldung zu bringen. DeutsSe Reiter in Südwekt. Or « r'.- „Bei einer kleinen Anhöhe sprangen wir ab und warfen uns hin." 266 II. „Das Gewehr in die Hand, den Wassersack vom Sattel!" 30. August 1905. Wir hatten wieder glücklich die Pad nach Spitzkopp erreicht. Das Schießen aus uns ließ auch nach, doch machten wir eine neue Entdeckung, die uns zur größten Vorsicht mahnte. Wir fanden nämlich etwa 30 Pferde- und 20 Fußspuren und konnten mit Bestimmtheit annehmen, daß auch die Eingebornenwerft Spitzkopp überfallen und das Vieh geraubt sei. Wir hatten uns auch nicht getäuscht. Als wir nach etwa Isty Stunde an den Kalkrand kamen, von wo wir die ganze Fläche bei Spitzkopp übersehen konnten, sahen wir, wie die Halunken alles Vieh in der Richtung nach Daweb trieben. Wir beschlossen, direkt durchzureiten und bei einer etwaigen Verfolgung dem Feinde möglichst einige Mann Verluste beizubringen, um ihn dadurch einzuschüchtern. Wir kamen, gedeckt durch Buschwerk, ungesehen bis in die Höhe der ganz freistehenden Spitzkopp. Auf derselben stand ein Kerl, am Fuße derselben, an der dort befindlichen Tränke, zählten wir 18 Mann mit Pferden. Schon dachten wir gewonnenes Spiel zu haben, als plötzlich der ganze Haufen aufsaß und uns im großen Bogen umkreiste. Der Abstand zwischen uns und dem Feinde wurde immer geringer, und mit Spannung verfolgten wir jede Bewegung desselben. Plötzlich rissen die Hottentotten ihre Pferde herum und kamen auf uns zu, auck wir trieben unsre Pferde an, so gut es ging. Bei einer kleinen Anhöhe sprangen wir ab und warfen uns hin. Der Feind stutzte, schon krachten unsre Schüsse, und die beiden nächsten überschlugen sich. Wie der Blitz waren die andern von den Pferden, aber noch einmal boten sie uns ein schönes Ziel. Auch auf die Pferde schössen wir, und unsere Schüsse hatten eine größere Wirkung, als wir erwarten konnten. Die vordersten Reiter der Hottentotten, von denen einige getroffen waren, drängten zurück in die Deckung, die rückwärtigen drängten vor, — der Staub wirbelte auf, — ein wildes Durcheinander machte sich bemerkbar, — wir hörten schreien und rufen. - ... ^ - -L Niitcrosfizirr Ferd. Joh. .Mohr. 267 Das war der günstigste Moment, um uns der Übermacht zu entziehen. Gedeckt durch die Anhöhe saßen wir auf und jagten im Galopp los. Doch die Kugeln waren schneller als unsre Pferde. Ich lag plötzlich auf der Erde, das treue Pferd war getroffen. Hier half kein Zögern. Das Gewehr in die Hand nehmen, den Wassersack vom Sattel reißen und so schnell wie möglich in das Buschwerk verschwinden, das war das Werk eines Augenblicks. Zu meiner Überraschung kam noch mein Kamerad Weißer zu mir. Nur der Bur war mit dem Pferde entkommen. Wir beide, nun jeglichen Schutzes beraubt, beschlossen, beieinander auszuhalten bis in den Tod. Wir entzogen uns schleunigst den Blicken des Gegners, so daß dessen Feuer ganz verstummte. Erst nach einer halben Stunde strammen Laufens gönnten wir uns einen Moment Ruhe. Vor uns, aber in noch weiter Ferne, lag das Aurosgebirge, die Pforte winkte uns entgegen; doch erst nach deren Passieren erwartete uns Rettung. Hinter und neben uns der heimtückische Feind und über uns die unbarmherzig brennende afrikanische Sonne! Jetzt machte sich auch der Durst bemerkbar. Mein Wassersack war durch den Sturz meines Pferdes ausgelaufen, so daß wir uns kaum die Lippen netzen konnten. Anfangs kamen wir flott vorwärts, doch durch das längere Marschieren in dem Sande, bei zunehmender Hitze, schmerzten bald die Füße. Wir mußten uns gegenseitig aufmuntern. Das Bewußtsein, daß ein deutscher Soldat niemals verzagen soll und darf, und daß ihm in der größten Not Gott der Herr als treuer Führer zur Seite steht, gab uns neuen Mut. Wir erreichten dann auch glücklich nach achtstündigem, beschwerlichem Marsch die Pforte. Als wir diese passiert hatten, zogen wir unsre Stiefel aus, um unsre wunden Füße etwas abzukühlen. Der schreckliche Durst trieb uns wieder auf, und barfuß setzten wir unsern Weg fort. Doch hielten wir es so nicht lange aus, der Sand war heiß, und Disteln und Dornen gruben sich ins Fleisch. Die Stiefel wurden angezwängt, und nach nochmals drei Stunden batten wir Auros, das Lager unsrer achten Batterie, erreicht. Mit Jubel wurden wir Totgeglaubten empfangen, mancher liebe Kamerad weinte Tränen der Freude. Unsre erste Frage galt unsern Gefährten. Wir erfuhren, daß Farmer Pitters um 9 Uhr, Bur van Niekerk um 11 Uhr vormittags eingetroffen waren, und beide unsern Tod gemeldet hatten. Unser lieber Unteroffizier Schneider kam zwei Stunden später als wir. Als sein Pferd am Morgen erschossen worden war, hatte er sich zur Farm Daweb geschlichen, dort ein gesatteltes Pferd bestiegen und war davongejagt. Sein Pferd war aber bald schlapp geworden, so daß auch er den Weg zu Fuß zurücklegen mußte. An demselben Abend ging noch eine Patrouille von 30 Mann fort, welche am andern Tage mit dem Farmer (Smid) zurückkam. Der Feind mit dem Vieh war verschwunden. An unserm Gefechtsplatz (Spitzkopp) wurden zwei tote Witboois gefunden, auch waren nach Aussage des Farmers noch einige verwundet. Das war Hendrik Witboois letzter Viehdiebstahl. Monat später hatte ihn das Schicksal ereilt, und wir waren einen großen Schritt dem Frieden näher gekommen. Wir wurden zum Militärehrenzeichen 2. Klaffe eingereicht. Ferd. Joh. Mohr, ehern. Unteroffizier der Kaiserl. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. * * * Die arme Frau! In anregendster Unterhaltung über das Land, das uns so gut gefiel und das wir von Herzen liebgewonnen hatten, saßen wir gestern nach dem Abendessen im Kasino zusammen, als Plötzlich unser verehrter Etappenkommandant, Herr Hauptmann Barack, hereintrat: 35 * -Ä jSEMSrW'' ! > '»«»»E^ "-h-.otA»2»S — 268 — „Meine Herren, wir müssen uns rüsten; hier ein Telegramm: ,Die Stationen Waldau, Okasise von Schwarzen überfallen."' — „Verdammte Kerle!" — „Freche Bande! bei dieser starken Besatzung das zu wagen!" so tönte es im Kreise, und als es wieder ruhig geworden, erfuhren wir, daß eine Farm, etwa zwei Stunden südlich Okasise, niedergebrannt sei und die Räuber mit dem gestohlenen Vieh gegen 10 Uhr an den Stationen vorübergezogen wären. Der Farmer selbst sei hier im Ort. „Was war aus seiner Frau geworden?" Das war wohl unser allererster Gedanke in Erinnerung an die Greuelszenen vom Januar v. I. — Sogleich wurde die Station alarmiert, unser Eisenbahnkommandant, Leutnant Schneider, ließ ein Zwillingspaar — die Maschinen für das „Bähnele" —heizen, der Zug wurde rangiert, und zur Vorsicht wurden zwei Schutzwagen, mit Schienen beladen, vor die Maschine geschoben; denn mit der Möglichkeit mußte ja am Ende gerechnet werden, daß die Schwarzen auch das Bahnzerstören hinzugelernt hätten und wir unser Ziel wohl nicht ohne Störung erreichen könnten. Auf der Veranda des Eisenbahngebäudes stand die Frau eines Kameraden, die sich ihrem Manne eben vor seiner Abreise noch hatte antrauen lassen und ihm bis nach Windhuk das Geleit gegeben. Mit welchen Gefühlen mag sie diesen nächtlichen, kriegerischen Vorbereitungen zugeschaut, mit welchen Gedanken bei ihrem Gatten geweilt haben! Gegen 12 Uhr waren die „Zwillinge" gestärkt zu der Fahrt, die Erwählten bestiegen die Wagen, und hinaus ging es in die sternenklare, kühle Nacht. Je weiter wir aus die Höhe kamen, um so kälter wurde es. Immer schneller arbeiteten die Maschinen, so daß wir bald mit doppelter Geschwindigkeit (d. h. 20 Kilometer) dahinfuhren. Unheimlich erschallte ihr Geächze und Stöhnen in die schweigende Nacht, donnerten die Wagen über kleine Brücken, krachten die Räder gegen die Kopfenden der Schienen. Und noch ging es uns zu langsam. Die Ungewißheit ließ uns im Geiste die Strecke überfliegen, aber der Körper blieb an den Zug gebannt.-Und immer weiter ging es, schneller sausten wir an den dunkeln, schwarze Schatten werfenden Bäumen, an den geheimnisvoll rauschenden Sträuchern vorüber. Werden wir noch zur rechten Zeit ankommen, werden wir Rache nehmen können? Nach einstündiger Fahrt machten wir endlich in Waldau, der einen der bedroht gemeldeten Stationen, halt. Doch hier war alles ruhig gewesen, auf der Nachbarstation dagegen war heftiges Gewehrfeuer gehört. Dort war also Gefahr. Und noch einmal vernahmen wir die Kunde von dem Überfall der Farm.-Da löste sich aus unserer Mitte ein Schatten und wankte davon: der Farmer, der frühmorgens sein Weib und Kind, seine Die von den Hercros bedrohte Station Waldau. 269 Feste Okahandla. Besitzung verlassen hatte, um in Okahandja Gemüse und sonstige Erträgnisse seines Landes zu verkaufen. Vernichtend kam ihm die Kunde! Wo waren die Seinen? Gerettet, auf der Flucht? Oder-hatte auch sie das Schicksal so manches Eingewanderten ereilt?- Und weiter ging es. Noch immer strahlten die Sterne, freundlich blinkend, auf uns nieder, gleich, als wollten sie uns Führer sein; doppelt schwarz wäre ohne sie die Nacht gewesen, denn es war die mondlose Zeit.-Endlich sahen wir die Umrisse der anderen Station, unseres Endzieles. Es war gegen 2,30 Uhr morgens. Was war eigentlich geschehen? Noch fehlte jede sichere Meldung: Gegen 10 Uhr war wenige 100 Meter seitwärts Vieh vorübergetrieben, im nahen Rivier waren laute Stimmen gehört worden. Die nur vier Mann starke Besatzung hatte in der Dunkelheit natürlich nicht viel unternehmen können, Schüsse waren gewechselt, immerhin mußte das Hauptaugenmerk der Station gelten. So hieß es nun: „Zur Farm!" Zwei Offiziere, Leutnant Rellstab und Müller, mit den nötigen Mannschaften ließ der Hauptmann zurück, von denen der eine bei Dämmerung die Verfolgung aufnehmen sollte. Wenigstens gelang ihm hierbei die Einholung des Viehes; die Räuber hatten sich leider — wie so oft — flüchten können. Wir rückten also in den dunkeln Busch hinein. Wie eine lange Schlange wand sich die Schar vorwärts, lautlos, schweigend; hin und wieder stieß ein Fuß an einen Stein, ertönte ein halblauter Fluch, wenn jemand den Dornen zu nahe gekommen war. Nicht schnell genug konnten uns unsere Füße vorwärts tragen. Was würde uns erwarten? Könnten wir wenigstens noch Rache nehmen? Denn daß Frau und Kind den Schwarzen in die Hände gefallen, war uns jetzt zur traurigen Gewißheit geworden. Wehe ihnen! Nach zweistündigem Marsche erreichten wir das Haus — der Besitzer war längst vorausgeeilt. Schnell umzingelt, Eingänge besetzt. Da-in der Ecke ein schwarzer Klumpen, ein Körper, eine verhutzelte Hererofrau — Posten daneben. Wo die Pontoks? 270 Der erste leer; sein dürres Gesträuch zeigt, hell auflodernd, uns den Weg zu den übrigen. Auch diese leer! Doch dort liegt etwas-ein Hottentotte mit durchschnittener Kehle, in der Wunde noch das Messer. Ein Aberglaube der Hereros sagt, daß die Waffe beim Gemordeten verbleiben muß, sonst erleidet der Mörder durch sie selbst den Tod. Er war einer der Arbeiter, der seine Herrin Wohl hatte schützen wollen. Sonst nirgends jemand.-- Drinnen im Hause lag der Farmer auf den Knien neben seiner Frau, er konnte nicht fassen, daß er sie so wiedersehen mußte, entkleidet, hingeschlachtet von den Bestien und daneben das wimmernde, zwei Monate alte Kindchen.- Der Hauptmann zog zurück zur Station, um weitere Anordnungen zu treffen. Leutnant Müller und ich blieben mit einigen Soldaten zurück. Vor dem Hause stand ein alter, breitästiger Akazien- baum, unter dem die Gemordete so manches Mal mit ihrem Manne, ihrem Kindchen so glücklich gesessen hatte; unter diesem sollten wir sie nun betten! Eine unsäglich traurige Arbeit. Dornengestrüpp, auf das Grab gesteckt, sollte sie vor den gefräßigen Hyänen und Schakalen schützen.- Dann ging es mit dem Manne, dem Kindchen — in Kissen gehüllt — zurück, hinein in den dämmernden Morgen, in die erwachende Natur. Bald tauchte die rotleuchtende Sonne hinter den Bergen hervor, Leben erweckend.-Und ich gedachte des Bibelwortes: „Denn Er läßt seine Sonne aufgehen über Gute und Böse." Aus dem Tagebuche des Feuerwerksleutnants Engel, ehem. in der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Hannover. * rir * „Ach wäre es doch Abend und die Preußen kämen!" Heiß schien die Mittagssonne am 27. Juni 1905 auf die ermatteten Kämpfer herab. Wir hatten uns bis dahin gegen eine vierfache Übermacht tapfer verteidigt und die Hottentotten wiederholt aus wohlverschanzten Stellungen geworfen. Unser geliebter Führer, Hauptmann Pichler, war als erster gefallen. Von unserem 68 Mann starken Detachement waren bereits 20 Mann kampfunfähig, als der Befehl gegeben wurde, Keidorus zu stürmen, das inmitten der Fischflußberge liegt. Ich befand mich beim Zuge des Leutnants von Gersdorff. Wir hatten die Aufgabe, den linken Flügel des Feindes anzugreifen. Die Berge, über die wir vorgehen mußten, waren wohl bis 1000 Fuß hoch und mit losem Geröll besät, was den Aufstieg besonders erschwerte. Mit Aufbietung aller Willenskraft war es mir gelungen, allen voran, die letzte Höhe zu gewinnen, und das war unser Glück; denn der Feind war bereits im Anzüge und hätte sicher unsern Zug dem Untergang geweiht. Lebhaft fing ich sofort an zu feuern FeuerwerkSIcutnant Engel. ck' '-L '-7 271 ^ 1 . so ooo >ÜL^ A. 5. ckA^es. und zwang den Feind zum Rückzug. Gegen 3 Uhr nachmittags erhielten die Hottentotten Verstärkung, und es war keine Hoffnung mehr, dasGefecht zuh alten. Wir hatten auf Major Gräser gerechnet, welcher über Au b zu uns stoßen wollte, aber ohne Führer in dem unwirtbaren Gelände den Weg verfehlt hatte. „Ach wäre es doch Abend und die Preußen kämen!" hörte ich in schwerer Bedrängnis einen Kameraden zitieren. Der Rückzug in der Richtung nach Gochas wurde in Ruhe ausgeführt. Ich habe hierbei im stärksten FeuerdenScrgeantHuhn- stock mitgetragen. 2 Kilo- meter westlich von Kei- dorus wurde in guter Stellung haltgemacht. Ich ritt aus eigner Initiative mit meinem Signalapparat durch die stark gefährdeten Berge nach Gochas ab. Bei Sonnenuntergang hatte ich bereits mit dem Detachement Major Gräser Anschluß gefunden. So konnte ich doch nun der Truppe die Himmelsrichtung andeuten, in der sie zu uns stoßen konnte; denn es wurde Zeit. Der Feind hatte bereits naheliegende Höhen besetzt und auch wohl gemerkt, daß bei uns Munitionsmangel eingetreten war. Am 28. Juni traf Major Gräser bei uns ein, und nun gingen wir vereint vor. Keidorus wurde vom Feinde unter Zurücklasfung von Vieh usw. geräumt. Am 29. Juni nahm mein verwundeter Führer von mir mit den Worten Abschied: „Freistein, Ihnen ist das Schwarz-Weiße sicher!" In der Kompagnie Pichler sind vom 26. bis 28. Juni bei Keidorus noch außer dem Hauptmann den Heldentod gestorben: Reiter Schmidt und von der 9. Kompagnie, Feldwebel Sonntag und Sergeant Huhnstock. Verwundet wurden von der 1. Etappen- kompagnie: Gefreiter Väth, Reiter Hajduczek, Henke, Nicklas. A. Freistem, ehem. Unteroffizier der Feldsignalabteilung der Kaiser!. Schutzkuppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Bremen. c. Unteroffizier A. Freistem. 272 Wenn nur der Proviant nicht fehlte! Bei Wittmund, 20. April 1906. Wir waren auf der Verfolgung der Hottentotten in den Karrasbergen, östlich vom Gebirge. Am 10. April fand bei Oas ein Gefecht stach in dem Oberleutnant von Baehr verwundet wurde; trotzdem blieb er bei der Truppe. Wir hatten die Absicht, dem Feinde in die Oasschlucht zu folgen, aber wir hatten leinen Proviant mehr. Zwei Tage mußten wir warten, bis dieser eintraf, den zweiten Abend konnten wir gar nicht einschlafen, so wühlte der Hunger in unsern Eingeweiden. Da war aber ein Berliner in meiner Kochgruppe, und weil der immer dreist war, schickten wir ihn zur Batterie, da die in ihren Protzen immer etwas aufbewahren konnte. Er ging nicht umsonst; zwei Hände voll Reis und ein Päckchen Fadennudeln brachte er triumphierend zurück. Da wurde schnell aufgesprungen und gekocht — zwei Kochgeschirre voll — und das Mahl tat uns gut. Am anderen Tage kam für sechs Tage Proviant, und nun ging's wieder auf die Spur — immer hinein in das Gebirge, wo noch keine deutschen Truppen gewesen waren. Durch Felsschluchten und über Gestein erklommen wir die Karrasberge, und endlich hatten wir den Feind an der Westseite des Gebirges, bei der Wasserstelle Wittmund, eingeholt. Die Hottentotten zählten 150 Gewehre unter Johannes Christian. Wir waren wohl drei Kompagnien unter Hauptmann Heuck, aber doch nur 110 Gewehre in der Schützenlinie; denn es blieben immer Mannschaften bei den Wagen und als Pferdehalter. Christian konnte nicht weg, er saß bei Wittmund fest und hatte den Rand der Schlucht besetzt; wir zogen die Höhe entlang. Das Feuergefecht war bald im vollen Gange. Zum Stürmen gegen die in Felsen gedeckten Hottentotten waren wir zu schwach, und so dauerte der Kampf erbittert fort. Da rief Oberleutnant von Baehr: „Auf! Sprung vor! Mir nach!" Er wollte mit seiner Kompagnie zum Angriff vorgehen, es dauerte ihm zu lange. Aber kaum war die 11. Kompagnie aufgesprungen, da siel auch schon der tapfere Offizier — diesmal, um nicht mehr aufzustehen. Auch ein Unteroffizier, Michalek, und Leutnant Schlüter von meiner Kompagnie lagen verwundet auf dem Kampfplätze, außerdem der Sanitätsunteroffizier Graf und noch fünf Reiter: Franke, Gnamm, Hoffmann, Jastrzemski, Schlegel. Noch lange dauerte der Feuerkampf, dann endlich entflohen die Hottentotten. Wir konnten noch einige der Kerle zu Gefangenen machen. In ihrer Stellung fanden wir furchtbare Blutspuren; die Verfolgung ging nach den Kleinen Karras- bergen. Oberleutnant von Baehr starb noch am Abend in Wasserfall. Mit unserm Proviant für sechs Tage mußten wir 14 Tage auskommen. Das kommt vor im Kriege. Gustav Czirwon, Gefreiter der 1. Komp. 1. Batt. der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. -t- * ^ ' V Gefreiter Gustav Czirwon. . W 'EM' /F'x L5(Ä'< M/ ' -> >«r.^ ' Abteilung Kirchner bei Aob, am 10. März 1905. „Als sich gegen 3 Nhr nachmittags die Marschkolonne einer Höhe nördlich der Wasserstelle Aob näherte, erhielten sowohl die Spitze wie das Gros überraschend Fener. Hanptmann Kirchner ließ sofort seine beiden Jnfanteriezüge rechts »nd links des Weges ausschwärmen nnd die Geschütze und Maschinengewehre auf einer kleinen Anhöhe am rechten Flügel >n Stellung gehen. Vom Feinde war nichts zn sehen. Nur aus den Schüssen konnte man erkennen, daß die ganze vorliegende Höhe besetzt war." Deutsches Verlagshaus Bong L Co., Berlin rv. 57. 273 uns wir befanden »IIS in wenigen Minuten am feindlichen Lager. M Afrikanische Biwaksnacht einer Patrouille. Am 2. September 1904 befanden wir uns auf einem Patrouillenritt vonOparakane nach Epata. Wir hatten gegen Mittag eine kleine Wasserstelle, Okawehonina, erreicht und dort einige Stunden gerastet. Um 4 Uhr nachmittags brachen wir nach Okatawbaka auf, wohin uns ein unterwegs gefangen genommener Buschmann führen sollte. Eine nur schwer erkennbare alte Pad führte durch eine weite, sandige Grassteppe, die sich bis zum Horizont ausdehnte und nur ab und zu von meist niedrigem Buschwerk durchsetzt war. Die Sonne hatte tagsüber heiß gebrannt und begann nun im Westen zu verschwinden. Wir erreichten alsbald einen dichten Busch, vor dem einzelne frische Viehspuren unsere Aufmerksamkeit erregten. Vorsichtig hineinreitend, trafen wir alsbald auf zahlreiche neue Vieh- und Menschenspuren, die auf die Nähe einer Wasserstelle und eines größeren Hererolagers hinwiesen. Es war noch zu hell für eine weitere Erkundung in diesem dichten Buschwerk, in dem eine Orientierung sehr schwer ist und eine Patrouille dem Späherblick der Eingeborenen nicht verborgen bleiben kann. Es mußte eine Passendere Zeit gewählt werden, die für eine genauere Beobachtung Gelegenheit bot. Erfahrungsgemäß sind die Posten, die die Hereros ausstellen, am Tage und in der Nacht wachsam, nur gegen Morgen pflegt alles sanft zu schlummern. Wir ritten nun zu unserer alten Wasserstelle Okawehonina zurück, wo wir bei anbrechender Dunkelheit eintrafen. Tagsüber hatten wir uns bei zirka 40° 0 ganz wohl gefühlt; denn diese Temperatur ist in der trockenen afrikanischen Höhenluft gar nicht so unerträglich. Nach Sonnenuntergang erhob sich ein eisiger Südsturm, der über die flache Steppe, die weder Menschen noch Tieren irgendwelchen Schutz bot, mit ungehemmter Gewalt dahin- brauste. Wir hatten uns ein kleines Loch gegraben und Feuer darin gemacht, um durch heißen Kaffee die erstarrenden Glieder von innen zu erwärmen; denn es war bitter kalt geworden, und das Thermometer auf 1 bis 2 ° 0 gesunken. Gegen den quälenden Hunger mußte der Schlaf helfen, da das kleine Quantum Reis, Mehl und Oornoä Pool, das wir in einer Packtasche mitführtcn, noch zwei Tage reichen sollte. Unterdessen war es ganz dunkel geworden, der Mond schien nicht, nur die Sterne strahlten in prachtvoller Klarheit über unserem kleinen Deutsche Reiter in Südwcsl. b6 si si 5? A? a - 7^7^ ^ >Li ^r« . rü»j^ iF'it^>^2^.; — 274 — Heinrich, Mai, Lehnn»»!, nun Diezclskl,, Kutzbach, Hvffmnnn, Lüfte, Neumann, Ackermann, Hentschel. rri-iit-s L8kL->4 ÜS'-- Lager. Von Norden her blitzte ab und zu eine Heliographenlampe, die den dunklen Horizont nach allen Seiten absuchte, um Verbindung mit einer anderen Abteilung zu erlangen. Nach Osten war ein starker Feuerschein am Himmel sichtbar, der nur von großen Lagerfeuern herrühren konnte; da war der Feind, und dort mußten wir vor Sonnenaufgang sein. Ein Posten mit stündlicher Ablösung sorgte für unsere Sicherheit, und bald lag alles in die trefflich schützende Zeltbahn eingewickelt, trotz Sturm und Kälte, in tiefem Schlaf. Um 3 Uhr morgens weckte der Posten; der Sturm tobte noch mit derselben Heftigkeit, und die Temperatur war noch auf 5 bis 6° 0 unter Null gesunken. Das Wasser in den Säcken war zu Eis gefroren, und die Pferde, die sich gelegt hatten, waren zum Teil so steif geworden, daß wir sie hochheben mußten. Endlich, gegen 4 Uhr morgens, war alles zum Abritt fertig. Nach scharfem Ritt hatten wir wieder den Busch erreicht und befanden uns in wenigen Minuten am feindlichen Lager. Es begann bereits hell zu werden, und die Sonne mußte jeden Moment aufgehen. Die Hereros hatte der Sturm und die Kälte auch nicht lange schlafen lassen; denn sie standen in kleineren und größeren Gruppen um ihre Feuer herum und wärmten sich. Einige von ihnen waren fast unbekleidet, andere trugen unsere Korduniform und Gewehre. Ein großer Ochsenwngen, auf dem der Kapitän seine Habe mit sich führte, stand dicht in der Nähe, und in verschiedenen Dornkralen brüllte das Vieh. Aber lange durften wir dieses Schauspiel nicht bewundern, da wir schnell bemerkt wurden und nicht abwarten wollten, bis man uns mit einigen Kugeln begrüßen würde. Im dichten Busch ließ sich die Erkundung nicht weiter ausdehnen, zumal wir beim Versuch einige schlafende schwarze Wächter fast überritten hätten. Daher kehrten wir um und erreichten den alten Lagerplatz, von wo aus Meldung nach Oparakane gesandt wurde. Aus: „Patrouillenritte in Südwestafrika" von O. von Diezelsky, ehem. Oberleutnant im 2. Feldregiment der Kaiserl. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. 275 „Zähne zusammen." Angenehm war es nun gerade nicht, als ich am 12. Mai 1905 im Gefecht bei Hosasis am Gaob, verwundet durch einen Schuß durch das rechte Schienbein, 200 Meter vor dem Feinde lag. Rechts, links und vor uns der Ersatzkompagnie 1a unter Herrn Hauptmanu Buch holz — steile Felswände, deren oberer Rand durch eine etwa 150 Gewehre starke Herero- bande unter dem Kapitän Andreas geziert war, das ausgetrocknete Flußbett des Gaob und die liebe Sonne, die es an diesem Tage besonders gut meinte, schufen ein Stimmungsbild, das wenig geeignet war, mich in meiner durchaus nicht beneidenswerten Lage zu ermutigen. Das Blut im Stiefel war schon längst zu einer festen Masse geronnen. — „Und noch nicht verbunden worden?" So wird mancher Leser, der die afrikanischen Gefechte nicht kennt, fragen. Nun, vom Sanitätspersonal arbeitete jeder für zehn, und ich benutze diese Gelegenheit, den Akut, die Pflichttreue und die Kameradschaft unseres Sanitätspersonals zu beleuchten. Seit 9,30 Uhr vormittags lag ich in meiner Stellung auf mich selbst angewiesen, und da mau sich doch nicht allzuschnell für verloren hält, habe ich mich meiner Haut gewehrt, d. h. ich schoß wie alle anderen, wenn auch nur mit dem Bewußtsein, daß ich auf keine Hilfe rechnen konnte. Als die Sonne schon hoch am Himmel stand, wurde es aber derart ungemütlich, daß ich mich entschloß, auf gut Glück nach rückwärts znm Arzt zu gelangen. — Unter solch schwierigen Verhältnissen werde ich wohl mein Lebtag nicht mehr auf einem Beine springen. Aber es gelang über Erwarten bis zur Hälfte des Weges, trotz der mir noch zugedachten Kugeln. „Endlich Deckung!" Ich hatte die noch am weitesten vorn am jenseitigen Ufer liegenden sechs Mann unter Feldwebel Olbinski erreicht. Durch diese mußte wohl die Nachricht, daß ich verwundet sei, zu dem Sanitätssergcanten Schaar gekommen sein. Der einschlagenden Kugeln nicht achtend, drang er bis zu mir, vor Erschöpfung keuchend und in Schweiß gebadet. Ihm folgte der Gefreite Kreuzer, der mir Gewehr und Patronengurt abnahm. Nun zum Arzt! Teils nahm mich mein Kamerad Schaar auf den Rücken, teils versuchte ich wieder selbst einige Meter zu springen, natürlich nur auf dem linken Beine; denn das rechte war in der langen Zeit in den Zustand gekommen, in welchem die leiseste Bewegung Schmerzen verursachte, aber — Zähne zusammen — und endlich lag ich neben meinen Leidensgenossen. Herr Oberarzt Dr. Breustedt hatte das Kommando über die sich noch im Flußbett — Rivier — befindenden Mannschaften, während der Rest der Kompagnie auf die Plateaus zu gelangen suchte. Der Verbandplatz war größtenteils dem Feuer des Gegners ausgesetzt; aber kaltblütig verrichtete der Arzt sein schweres Amt. Ich entsinne mich noch, daß der Gefreite Klein neben uns im Anschlag kniete. Mir schnitt der Gefreite Baganowski mit seinem Taschenmesser den Stiefel (Reitstiefel) ab, und — nebenbei erwähnt — bin ich bis in den Juli hinein im Besitz nur eines Stiefels gewesen. Unser Rücktransport nach der Wasserstelle, der erst drei Tage später möglich wurde, könnte ein Kapitel erkennt E. Mensch. 36 * - 276 für sich bilden. Ich will nur hervorheben, daß jeder, so abgespannt er auch nach den durchgemachten Strapazen war, seine letzten Kräfte hingab, um uns Verwundete auf provisorischen Krankenbahren zur Wasserstelle zu bringen. Mein Kamerad Schaar erhielt für seine Pflichttreue das preußische Militärehrenzeichen 2. Klasse. Ich nehme gleichzeitig Gelegenheit, Teilnehmer an der Andreas-Expedition, die diese Zeilen lesen, kameradschaftlich zu grüßen. E. Klepsch, Sergeant der Halbinvaliden-Abteilung des XII. Armeekorps, z. Zt. Festung Königsteiu. -t- -i- Ausklänmgspatrouille gegen die Witboois. 29. November bis 3. Dezember 1904. Die Patrouille unter Oberleutnant Kirsten und Müller von Berneck hatte Narib von. Feinde besetzt gefunden. Oberst Deimling beschloß nun, eine neue Patrouille unter dem Kommando des Leutnants von der Marwitz, ehemaligen 18. Dragoner, in derselben Richtung zu schicken, um die Fühlung mit dem Feinde zu behalten. Er ließ durch den Oberleutnant Kirsten bei mir anfragen, ob ich die Patrouille begleiten wollte, was ich selbstverständlich schon aus dem Grunde nicht ablehnte, um die Gegend behufs Aufstellung meiner Heliographen zu erkunden. Nachdem ich auf der Signalstation in Kub noch alles in Ordnung gebracht und für einen eventuellen Angriff und Vormarsch, falls ich bis dahin nicht zurückgekehrt wäre, meine Befehle gegeben hatte, traten wir am 29. abends 6 Uhr mit 20 von Leutnant von der Marwitz aus allen Abteilungen zusammengestellten Reitern unsern Patronillenritt an, der leider für Leutnant von der Marwitz wie für mich der letzte in Deutsch-Südwestafrika sein sollte. Oberst Deimling entließ uns selbst, indem er uns noch einmal bei der Gefährlichkeit der Lage dringende Vorsicht anempfahl. Am nächsten Morgen kamen wir in die Nähe der Wasserstelle Narib, beobachteten sie bei Tagesgrauen von einer kleinen vorgelagerten Höhe aus, fanden sie nunmehr vom Feinde frei und besetzten sie unserseits. Den die Patrouille begleitenden Bastard schickten wir mit diesbezüglicher Meldung um 3 Uhr nachmittags zu Oberst Deimling zurück, während um dieselbe Zeit die Patrouille in südöstlicher Richtung auf die Farm Dabib vorrückte. Auch diese Wasserstelle war am Morgen des 1. Dezember vom Feinde frei. Frische Spuren allerdings bewiesen uns sowohl hier als auch in Narib, daß beide Plätze erst kürzlich vom Gegner verlassen sein konnten. Eine Witbooipatrouille, die wir auf dem Marsche zwischen Narib und Dabib in der Ferne gesehen hatten, hatte sich eiligst zurückgezogen. Auf unsere durch den Bastard an Oberst Deimling gelangte Meldung hin hatte uns dieser eine Patrouille unter dein Oberleutnant Kirsten nachgesandt mit der Nachricht, daß ein Angriff des Feindes auf Hoachanas von der 7. Kompagnie abgeschlagen sei, der Feind vim BurgSvurff 1-. Tistriktshauptmann von Gibeon. ^'KÄÄD' L ^ ^ t- i5. e. ,Durch den Kopf getroffen, fank der Führer der Patrouille, Leutnant von der Marwitz, lautlos zu Boden, um nie wieder aufzustehen." 278 sich in der Richtung aus Kalkfontein zurückgezogen und die 7. Kompagnie den Befehl erhalten habe, ihn dort anzugreifen. Rietmont, die Residenz Hendrik Witboois, in der als erstes Opfer des Krieges gegen die Hottentotten der tapfere Distriktshauptmann von Burgsdorff durch Mörderhand fiel, sei daher vermutlich vom Feinde unbesetzt. Um dieses festzustellen, ritt unsere Patrouille ungesäumt nach dem etwa I sig Stunden entfernten Naris in südöstlicher Richtung weiter. Auch dieser Platz, den wir um 10 Uhr vormittags erreichten, war unbesetzt, schien jedoch gleichfalls erst kürzlich eiligst verlassen zu sein. Mit dieser Nachricht versehen,wurde sofort einePatrouille von zweiMann an Oberst Teimling zurückgesandt. Kurz nach Mittag bemerkten wir eine Witbooipatronille, die sich jedoch nach kurzem Gefecht mit Hinterlassung von sechs Pferden in eiligster Flucht zurückzog. Unsere in der Richtung auf Rietmont aufgenommene Verfolgung blieb ohne Erfolg. Nach kurzer Rast am Nachmittage, bei der jedoch die Pferde unter Sattel blieben, beobachteten wir bei weiterem Vorrücken im Südvsten ausgedehnte Staubwolken und erkannten alsbald die Häuser der Farm und die alte Station Mariental. Die Staubwolken rührten von starken Herden an Groß- und Kleinvieh her. Auch einen Reitertrupp, ungefähr 50 Pferde stark, sahen wir in der Richtung Naris. Weiteres Vordringen auf das etwa noch ^ Stunden entfernte Rietmont verhinderten in dieser Richtung auftauchende einzelne Witboois, die uns anscheinend beobachteten. Da die Dunkelheit allmählich hereinbrach, war es unmöglich festzustellen, ob es nur einzelne Reiter waren oder größere Abteilungen, und so sahen wir uns veranlaßt, mit der Patrouille zurückzugehen, um nach halbstündigem Ritte ungefähr ein Kilometer nördlich vom Wege NariS—Rietmont haltzumachen. Den Unteroffizier der Landwehr Melchior schickten wir mit drei Mann an Oberst Teimling zurück, um unsere Meldung zu überbringen und gleichzeitig um Verstärkung zu bitten. Wie in der vergangenen Nacht sicherte sich unsere Patrouille auf folgende Weise: Ein Drittel der Mannschaften ließ die Pferde am Zügel weiden, das zweite Drittel bildete eine Postenkette um die Lagerstätte, während die übrigen Mannschaften ruhten. Bei jeder Gruppe befand sich ein Unteroffizier. Stündlich wurde gewechselt, und ebenso wechselten Leutnant von der Marwitz und ich stündlich im Nachtdienst ab. Am Freitag, dem 2. Dezember, früh 3,00 Uhr, suchten wir im weiten nördlichen Bogen den Rand des nach Rietmont abfallenden Kalkbcrges zu erreichen, um bei TageSgrauen die Werft beobachten zu können. Nach einstündigem Ritt erreichten wir unser Ziel, stellten die Pferde in einen: Gebüsch versteckt auf und gingen Oberleutnant H. Auer von Herrenkirchen. - ^ 1 Leutnant Kurt van der Marwitz 2c9 dann, d.h. Leutnant von der Marwitz, ein Kriegsfreiwilliger namens Loewcuich, ein Bur und ich, zu Fuß zur weiteren Rekognoszierung vor. Wir hatten uns kaum 200 Bieter vorgeschlichen, als Leutnant von der Marwitz am abfallenden Rand vor uns einen an seinem weißen Hut erkenntlichen Witbooi entdeckte, der vorsichtig seinen Kopf zur Beobachtung hob. Wir warfen uns sofort zu Boden und feuerten. Im gleichen Augenblick aber eröffnete auch der Feind, der, allerorts verdeckt, knapp 50 Meter vor uns in Schützenlinie lag, ein außerordentlich starkes Feuer auf uns. Gleich einer der ersten gegnerischen Schüsse sollte leider verhängnisvoll werden. Durch den Kopf getroffen, sank der Führer der Patrouille, Leutnant von der Marwitz, der kniend geschossen hatte, lautlos zu Boden, um nie wieder aufzustehen. Hilfe konnten wir ihm nicht bringen, obwohl er nur wenige Schritte von mir entfernt lag, und wir mußten, als das feindliche Feuer sich immer mehr verstärkte und unsere Pferde fortliefen, den entseelten Körper 'unseres braven Kameraden, der seine Tapferkeit mit dem Heldentode besiegelt hatte, dem Feind überlassen. Im Begriffe, uns zurückzuziehen, erhielt auch ich einen Schuß durch den linken Oberschenkel, während der Bur gleichfalls durch zwei Schüsse an den beiden Oberschenkeln und einen Streifschuß an der Hand verwundet wurde. Die Pferde hatten sich, wie schon gesagt, durch das heftige Feuer deS Feindes erschreckt, losgerissen, und da auch vom Gros der Patrouille fünf Leute gefallen waren, konnte der Rest sie nicht am Davonjagen verhindern. Ein Teil wurde jedoch durch einige Leute gekehrt und festgehalten. Bei der vollständigen Überlegenheit und der verdeckten Stellung des Feindes sah ich wegen der beträchtlichen Verluste keine Möglichkeit eines weiteren Widerstandes und versuchte, nachdem wir die Pferde eingefangen hatten und aufgesessen waren, indem ich den Kriegsfreiwilligen Loewenich und den verwundeten Buren an die Spitze kommandierte, die Abteilung in der Richtung Dabib zurückzuführen. Dies gelang mir unter ständigem starken Verfolgungsfeuer des Gegners, der uns in der Flanke durch vorgeschickte Reiter, die in geschickter Weise Stellung zu finden wußten, hart bedrängte. Zunächst kamen wir bis kurz vor NariS, das wir iu nördlicher Richtung umgingen. Etwa Isig Stunden nach Sonnenaufgang erreichten wir Dabib, wo die inzwischen uns zur Verstärkung nachgeschickte Patrouille des Leutnants Grafen von Hardcnberg die rückwärtige Sicherung übernahm, so daß wir nun endlich an das Verbinden der Verwundeten gehen konnten. Zu ihnen gehörten außer dem Bur und mir zwei weitere Leute, von denen der eine einen Arm-, der andere einen Milzschuß davongetragen hatte. Zugleich mit meiner schriftlichen Meldung an Oberst Teimling bat ich um Vorsendung eines ArzteS, der auch bald eintraf. Mein Verband, den ich mir nach zwei Stunden provisorisch selbst umgelegt hatte, lag gut, so daß vorläufig nichts daran geändert wurde. Schlimmer daran war der durch die Milz geschossene Gefreite Geißler, der an Ort und Stelle operiert werden mußte. So gut eS ging, wurden wir zunächst alle in einer kleinen zerstörten Farm untergebracht. Hellmut Aucr von Herrenkirchen, ehem. Leutnant der Kaiser!. SchntztrnPPc f. D.-Südwestafrika.x». BastarSreiter. . ,.....-.'^'1-7^n!f77-- -'->ml «, ,, , ^. . „., . » — 280 — Ein alter Afrikaner. Am 28. Januar 1904 trat unsere Kompagnie — die 2. Feldkompagnie unter Haupt- mann Franke — von Okahandja aus, nachdem sie am Tage zuvor diesen von Hereros belagerten und eingeschlossenen Ort befreit hatte, den Anmarsch nach den Hererowerften bei Onjati an, um die dort stehenden Hereros anzugreifen. Nach kaum einer Stunde Marsch erhielt die Kompagnie von den rechts über dem Swakopfluß liegenden Höhenzügen Plötzlich heftiges Feuer. Ich ritt mit dem Feldwebel Schneidenbcrger an der Queue der Kolonne. Fast ohne Kommando bog die Kompagnie vom Wege nach links in die Büsche aus, saß ab und ging zu Fuß gegen die Hohen vor, wo unsere rechte Seitenpatrouille unter Leutnant Frecherm von Wöll- warth-Lauterburg schon ins Gefecht verwickelt war. Im Sturmschritt wurden die ersten Hänge genommen und bis an den letzten Höhenzug an der linken Seite des Swakops vorgedrungen. Hier mußte ein längerer Halt gemacht werden, weil die Hereros uns mit Feuer aus ihren Verschanzungen förmlich überschütteten und wir zu dem ungeschützten Überschreiten des Flusses alle Kräfte sammeln mußten. Unser Zugführer — Oberleutnant d. L. von Nathusius — war vom Kompagnieführer mit der Heranführung des Gebirgsgeschützcs beauftragt. Während wir aus der Deckung das Feuer auf die Höhen unterhielten, spürte ich Plötzlich einen Schlag gegen die rechte Schulter, als ob ein Steinwurf mich getroffen hätte. Ich sagte das auch zu meinen Nebenleuten, worauf der Landwehrmann Senne, der etwas rechts hinter mir lag, rief: „Ja, ein schöner Steinwnrf, hinten blutest du schon." Ich kroch aus der Schützenlinie in bessere Deckung und merkte nun, daß ich verwundet war. Schmerzen fühlte ich nicht, nur konnte ich den rechten Arm nicht mehr gebrauchen. In diesem Augenblick kam das Kommando, die Kompagnie solle eine Verschiebung der Angriffslinie vornehmen. Die Züge lagen, dem bergigen Terrain entsprechend, weit auseinander, und da unser Zugführer noch abwesend war, blieb ich in der Front, behielt das Kommando und brachte unsern Zug, der uur aus eingezogenen Landwehr- und Lcmdsturmleuten bestand, in die befohlene Stellung. Nach etwa einer halben Stunde wurde ich vom Stabsarzt Dr. Hummel dicht hinter der Schützenlinie verbunden. Die Kugel war von vorn links in meinen rechten Oberarm eingedrungen, während ich im Anschlag lag, und oberhalb der Schulter wieder herausgetreten; der Schußkanal zeigte deshalb bei richtiger Armstellung eine gebogene Form. Nachdem ich verbunden war, wurde ich trotz meines Protestierens zur Sanitätskarre zurückgeschickt. Als gegen Mittag nach Abbrechen des Gefechts die völlig ermattete Kompagnie wieder im Lager eintraf, ritt ich mit noch einem Unteroffizier nach Okahandja zurück, um anzusagen, daß Essen bercitgehalten würde, da in zwei Stunden die Kompagnie zurückgehen sollte. Am nächsten Tage kam ich mit der Bahn nach Windhuk in LazarettbehandlungZ. Karl Heidenreich, ehcm. Feldwebel der Kaiserl. SchutztrnPPe f. D.-Südwestafnka. 0 Feldwebel Heidenreich erhielt das Militärchrenzeichen l. Klasse und das Verdienstkreuz 2. Klasse mit Schwertern voin großherzogl. braunschweig. Orden Heinrichs des Löwen. Tas Militärehrenzeichcn 2. Klasse hatte ihm schon der Witbooifeldzng 1894 eingetragen. (T. H.) Feldwebel Karl Heidenreich. WtzWMKA MM^WMW 'Ä8,- >"«»»-- )L'K' <- <. L -^K»LLäL»- KW 'EV NNA >V^L Hauptmann von Koppy überrascht Morenga bei Narudas, am 11. März 1905. „Hauptmanu von Koppy Übersah mit einem Blick die Lage: der schnell vorcilende Feind wollte die Narudasschlucht vor den Deutschen geununeu.-Schnell rief der deutsche Führer der Fußabteilung zu. „So schleunig wie möglich vor! — Die zwei kleinen Kuppen rechts (der Voriuarschstraße) besetzen!" Sofort wurde die längs der Front auf 800 Meter vorbeireitende Neitcrkolonne Morengas unter Feuer genommen prasselnd schlugen die Geschosse in die feindlichen Streiter ein Augenblick höchster Spannung. Morenga kam zu spät. Dank dem schnellen Entschlüsse der Deutschen mußte er, unter Preisgabe von Pferden, die Vergabhänge östlich der Schlucht erklimmen." Beilage zu: „Dincklage. Deutsche Reiter in Südwest/ Deutsches Verlagshaus Vyug L Co., Berlin 57. 281 <' -Le »Da rufe ich: .Hier, Herr Doktor!'" Bravo! Der Verwundete kämpft weiter! In der Avantgarde des Detachements von Koppy, bei der Ersatzkompagnie 3 a, diente auch ich, als das blutige Gefecht bei Hartebeestmundsi, am 24. Oktober 1905, stattfand. Wir waren auf beschwerlichem Wege — d. h. natürlich ohne Weg — zu Fuß am Oranjerivier hinabmarschiert und sollten schon am 22. Oktober mit der Abteilung Siebert^) bei Hartebeestmund zusammentreffen, um die Hottentotten unter Morenga zu schlagen und über den Fluß zu werfen. Aber erst am 24. Oktober waren wir bis in die Nähe unseres Zieles gekommen. Wir marschierten gerade in einer von zwei Seiten durch Felsberge umgebenen kleinen Ebene mit Dünen — rechts und vor uns felsige Berge, und links der Fluß mit buschbewachsenen Inseln. Unsere Kompagnie war vorn. Plötzlich, 7 Uhr morgens, bekamen wir von allen Seiten Feuer — auch von den Inseln aus. An den Felsbergen lagen mehrere Reihen Schützen übereinander — man sah das aber nur an den Schüssen. Wir schwärmten gleich auf den Dünen unten aus, aber die gaben gegen oben gar keine Deckung. Unsere Maschinengewehre und Kanonen fanden kein Ziel. Wir hatten furchtbar viel Verluste und konnten doch nichts machen. Wer nur den Körper zu heben suchte, wurde auch schon angeschossen. Die andere Abteilung — Siebert — kam auch nicht, und unser Führer, Hauptmann von Koppy, der sonst immer siegte, war schlimm daran. Ich lag an einer Düne, hinter einem Grasbüschel — es war so gegen Mittag. Da sehe ich einen Kaffernkopf hinter einem Felsen hervorgucken. Ich denke: „Den nimmst du dir!" und will eben anlegen — da bekomme ich's wie einen Schlag, und schon hat mich die Kugel getroffen. Ich sagte aber nichts und kämpfte weiter, denn helfen konnte mir doch niemand^. Wie ich aber unsern Oberarzt Dr. Hannemann gebückt hinter der Schützenlinie entlang laufen sehe, von einem Verwundeten zum anderen, da rufe ich: „Hier, Herr Doktor!" Er wollte auch gleich kommen, aber dann hatte er schon selbst einen Schuß. So lag ich denn bis Abend — bis es dunkel wurde, und Hauptmann von Koppy uns zurückziehen konnte auf die Höhe. Als man Verwundete zurücktrug und führte, da schössen y Vergl. Gefechtsskizze S. 118. 2 ) Vergl. den Artikel des Reiters Salomon S. 239. ») Der brave Reiter, der noch als Verwundeter kämpfte, erhielt von, König vom Bayern das Militär-Verdienstkrcuz. (D. H.) Teutsche Reiter in Südwest. 282 die häßlichen Kerle noch auf uns. Jetzt erst hörte ich, daß auch mein Hauptmann d'Arrest, Leutnant von Bojanowsky und die Reiter Englinski und Strecker von der Kompagnie gefallen sowie Oberveterinär Dieckmann verwundet seien. Am andern Morgen ging's schon früh wieder los — aber der Angriff wurde abgeschlagen, die Feinde zogen ab. Wir Verwundeten aber wurden über die Felsen zum Oranje hinab und durch den Fluß viele Stunden weit getragen oder geführt und bei Kambreck den Engländern übergeben, die uns in die katholische Mission zu Pella brachten. Dort wurden wir sehr freundlich behandelt und sehr gut verpflegt — was hier dankbar gesagt sein soll. Der Rest der Abteilung von Koppy ging aber nach Warmbad, denn Patronen und Proviant waren alle geworden. Trotz Entbehrungen und Strapazen hat es mich niemals gereut, daß ich freiwillig mitgegangen bin nach Afrika, für des Vaterlandes Ruhm und Ehre zu kämpfen und zu bluten. Daß wir manchmal tagelang ohne Proviant und Wasser waren, dafür konnte man nicht; denn in diesem Lande ist's nicht wie in Deutschland, daß man von einer Kneipe in die andere wandern kann. Dort war Kriegszustand! Georg Arnold, ehem. Reiter der Kaiser!. Schutztrnppe f. D.-Südwestasrika, z. Zt. Hütten. H * * Im Dienste der Menschheit! Am 28. Februar 1905 landeten wir in Swakopmund, und ich wurde dem Feldlazarett 15 zugeteilt, welches dort und in Okahandja in Bereitschaft nach dem Süden lag. Am 13. April 1905 kam das Feldlazarett 15 in Lüderitzbucht an. Ich wurde zur Dienstleistung den: Feldlazarett 12 zugeteilt, wo ich gleich einen traurigen Einblick gewann, da gerade Typhusepidemie herrschte. Nach 36 Tagen Marsch durch die Durststrecken, Gebirge usw. kam ich zu meinem Truppenteil nach Hasuur an der Ostgrenze unseres Schutzgebietes. Dort dasselbe Bild, noch viel trauriger als an der Küste; denn der Typhus wütete hier und forderte seine Opfer; die meisten Schwerkranken kamen von Koes und Kiriis. Sah man aber auch diese Pfützen dort, aus denen unsere Truppen das Wasser trinken mußten, war es leicht erklärlich, daß die Leute krank werden mußten. Schmutz und Schlamm sowie Kadaver befanden sich darin. Dazu kamen noch die mangelhafte Verpflegung, Strapazen und die furchtbare Hitze in den Sanddünen der Kalahari. Eine kurze Schilderung unseres Bezirksfeldlazaretts 15: es bestand aus zwei mittleren Zelten mit 16 kompletten Betten. Chefarzt war Stabsarzt Dr. Wienecke, assistierender Arzt Assistenzarzt Dr. Freyse. Das Unterpersonal bestand aus vier Unteroffizieren und fünf Mannschaften. Wir hatten bis Anfang Oktober 1905 58 Mann Bestand an Kranken. Die armen Typhuskranken lagen auf dem Sande gebettet, denn der Nachschub von Betten usw. war zur Zeit nicht möglich. Den schwersten Dienst hatten die Herren Sanitätsoffiziere. Aufopfernd für das leibliche Wohl der Kranken, sind sie Tag und Nacht auf dem Posten gewesen, um abzuhelfen, wo es fehlte. Aber auch wir hatten es nicht leicht, jeden Tag auf Krankenwache, Patrouille oder Abholen von Kranken und Verwundeten, Bauen von sogenannten Pontoks zur Verbesserung der Unterkunft für Kranke und Personal. Letzteres lag im Freien, im Sande, keine Stunde vor dem Feinde sicher, der sich um Hasuur ringsum herumtrieb; da sieht man erst, was ein Mensch aushalten kann. 283 Am 20. September 1905 wurde unser Feldlazarett 15 aufgelöst, und ich kam zur Kompagnie von Erckert. Manchen Schweißtropfen hat es noch gekostet, bis wir sagen konnten, die Macht des Feindes ist gebrochen, und wir können bald zu unseren Lieben nach Hause gehen. Nach 2st^ Jahren kam ich wieder nach Deutschland, und zwar am 27. April 1907 nach Kuxhaven. Das Herz schwoll uns, als wir von ferne das geliebte Vaterland sahen und im Namen Sr. Majestät begrüßt wurden. Aber noch höher schlug mein Herz, als ich durch A. K.-O. das Militärehrenzeichen 2. Klasse am schwarz-weißen Bande und die Kriegsdenkmünze für Deutsch-Südwestafrika als Lohn bekam. Außerdem besitze ich noch die Königl. Bahr. Jubiläumsmedaille und das Königl. Bahr. Verdienstkreuz 2. Klasse mit Schwertern. Ich diene jetzt wieder bei meinem alten Regiment (Königl. Bahr. 8. Infanterie-Regiment, Metz). Es waren traurige, aber mitunter auch lustige Zeiten im Feldzuge, und ich gedenke oft der ernsten und fröhlichen Stunden in Südwestafrika, auch meiner gefallenen und verstorbenen Kameraden. Es sind deren viele, die unter dem Tropenhimmel ruhen. Ruft uns das Vaterland einst wieder, so wird jeder Schutztruppler dem Rufe freudig folgen. Mein Schluß dieser Mitteilung soll sein: „Mit Gott für Kaiser und Reich. Seine SanitLtssergeant Franz Stuck. Majestät Kaiser Wilhelm II. ,Hurrab" Franz Stuck, ehem. Sanitätssergeant der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. Das Maschinengewehr kam zur rechten Zeit. Am 19. März 1905, als Herr Generalmajor von Deimling nach der ersten Expedition in den Großen Karrasbergen seine Heimreise antrat, wurde der dritte Zug der Maschinengewehr-Abteilung 2, bei dem ich stand, unter Führung des Herrn Oberleutnants Müller, zu seiner Bedeckung kommandiert. Uns folgte der Viehtransport unter Führung des Herrn Majors von Kamptz. Zur Sicherung des Weges mußte ein Maschinengewehr in Uchauaris, halbwegs der Strecke, zurückbleiben. Das Detachement traf am 21. nachmittags inUchanaris ein. Das Vieh war wegen der Langsamkeit unter Bedeckung von 40 Mann auf zwei Stunden zurückgeblieben. Der Feind folgte unsern Spuren, um uns das Vieh wieder abzutreiben. Ich war auf Posten. Um 5 Uhr nachmittags hörte ich lebhaftes Gewehrfeuer, gemischt mit dem Knall der Donnerbüchsen, welche die Eingebornen führen. Das ließ mich darauf schließen, daß der Transport überfallen war, und ich meldete es sofort dem Wachthabenden, der es dem Herrn Major meldete. Alsbald kam Befehl „Pferde einsangen!", „Satteln!", „In schnellster Gangart nachkommen!" — „Maschinengewehr bleibt zurück!" Der Zusatz erfreute uns umeromzier Paul Wenzlaff. 284 nun gar mcht! Aber da gab auch schon Herr Oberleutnant Müller den Befehl, das Maschinengewehr zu bespannen. Nach fünf Minuten standen wir marschbereit. Fort ging es, was die Tiere laufen konnten, zum Kampfplatz, wo unsere Kameraden beinahe auf Bajonettweite kämpften, und der Feind bereits im Besitz des Viehes war. Nach einer halben Stunde lagen auch wir im Gefecht. Als das Feuern des Maschinengewehrs ertönte, wurden wir mit Freudenrufen empfangen. Nach einer Zeit von zehn Minuten war der Feind auf 200 Meter zurückgegangen. Nach drei Stunden war das Gefecht beendet, der Feind mußte unter großen Verlusten und ohne Erfolg abziehen. Meinem Gewehrführer, meinem Kameraden und mir wurde von Sr. Majestät das Militärehrenzeichen 2. Klasse verliehen. Paul Wenzlaff, ehem. Unteroffizier der Kaiser!. Schntztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Loschwitz. -P -i- * Ein Hubertustag. Die 9. Kompagnie des 1. Feldregiments lag am 3. November 1904, am Hubertustage, an der Wasserstelle Okunjahi, um in Verbindung mit anderen Truppen die Absperrung des Sandfeldes durchzuführen. Trotz des frischen unternehmungslustigen Reitergeistes, der vom unermüdlichen Hanptmann von Klitzing wahrlich genügend belebt wurde, dachte hier niemand auch nur im entferntesten an die daheim übliche Schnitzeljagd. Aber eine Schießjagd! Das war zu machen! In dem dichten Busch, der jener Gegend wie weiten Strecken des Schutzgebietes eigen, fand sich trotz unserer Besetzung noch manches Wild. Der so nahe liegende Gedanke, das einförmige Essen am Hubertustage zu verbessern, erhielt naturgemäß in den frühen Morgenstunden neue Nahrung. In Begleitung eines Bambusen, dessen Orientierungs- und Spürsinn trotz seiner Jugend schon vorzüglich ausgebildet war, verließ ich das Lager. Doch die Perlhühner hielten heute nicht, der bedeutsame Tag begann wenig verheißungsvoll. Indessen „erstens kommt es, zweitens anders, drittens als man denkt und viertens ganz besonders in Afrika", das hört und erprobt man dauernd. Der Dienst verlangte unter anderem genaue Anfertigung von Skizzen. So wurde denn bestimmt, gerade an diesem Tage die Richtung nach Okarondokatiti festzulegen. Es war verabredet, daß nach eingetretener Dunkelheit in Okunjahi einige Leuchtkugeln abgefeuert werden sollten, während die ausgesandten Beobachter mit Hilfe des Kompasses die nötigen Feststellungen auszuführen hatten. Um 5 Uhr nachmittags sah man daher eine stolze Patrouille von einem Offizier, einem Unteroffizier und zwei Mann abreiten, deren Erlebnisse ein Tagebuchauszug etwa wie folgt wiedergibt: „Schon bald nach Verlassen des Lagers in östlicher Richtung fiel eins unserer Pferde auf die Knie. Es machte schlapp, so lautet der Fachausdruck. Um nicht in der weiteren Fortbewegung behindert zu sein, schickte der Führer den einen Mann zurück. Bald darauf wurde eine nach Nordwesten führende ziemlich frische Spur, die auf den Durchzug zahlreicher Hereros mit wenig Vieh schließen ließ, gekreuzt. In Rücksicht auf Schonung der Pferde und das im Sandboden nicht ganz einfache Ansprechen von Spuren — sie konnten auch ein bis zwei Tage alt sein — wurde ruhig nach Osten weitergeritten. Allerdings wurde das Gewehr nicht mehr im Schuh gelassen, sondern schußbereit in die rechte Hand genommen. Der Busch war dicht und mittelhoch, daher bewegte sich die Patrouille in der Kolonne zu einem, der Führer vorn. Plötzlich fiel ein Schuß. Das vorderste Pferd, ein Schimmel, machte kurz kehrt, sein Reiter lag nuten, während die beiden anderen absprangen. Klemmt hielt sogleich die Pferde, während der Führer mit Sergeant Heyse auf die hinter einem dichten Busch in der Ruhe überraschte UM WMÄ MM Durch einen mächtigen Satz entzog er sich noch gerade der heftig emporzischenden und spritzenden Flamme." 286 Nachzüglerbande von etwa 15 bis 20 Köpfen ein heftiges Feuer eröffnete. Unter Zurücklassen der Bagage und ihrer Toten, drei an der Zahl, waren die übrigen sehr schnell im Busch verschwunden. Wir vermuteten, daß sie den schleunigen Anschluß an die Hauptmasse zu gewinnen suchten. Unversehrt durften ihre Habseligkeiten keinesfalls bleiben. Jegliches Existenzmittel mußte dem stolzen Volk geraubt werden, um es zur Unterwerfung zu zwingen. Mit der nötigen Vorsicht, d. h. einer sicherte und einer hielt die Pferde, ging man aus Werk. Nr. 3 nahm die Durchsuchung des Gepäckes vor, schichtete alles Verbrennbare auf einen Haufen und bereitete in größter Eile die Entzündung des kunstvollen Scheiterhaufens vor. Dabei lief, wie so häufig in der Aufregung, eine grobe Unvorsichtigkeit mit unter. Nr. 3 steckte nämlich die erhebliche Menge Pulvers, die er gefunden, ohne besondere Vorrichtung oder Leitung mit der Hand an. Durch einen mächtigen Satz entzog er sich noch gerade der heftig emporsehenden und spritzenden Flamme. So wurde er zum Glück nur wenig versengt. Die Spuren der Explosion trug er später auf dem Rückenteil und den Ärmeln seiner Uniform zur Erinnerung weiter. Senkrecht war die Feuer- und Rauchsäule hochgestiegen und im Lager, ebenso wie das vorherige Schießen, bemerkt worden. Die Pferde hatten sich erschreckt losgerissen und waren abgaloppiert. Zum Glück fanden wir sie aber bald wieder, und zwar friedlich weidend im Grase. Nunmehr ritten wir den Hauptspuren nach. Als wir uns dabei einem sehr dichten und hohen Gebüsch näherten, knatterte plötzlich eine rollende Salve los, deren Geschosse zum Teil aus Donnerbüchsen oder Paviansplautzen, so nannte man die großen Kaliber, herrührten. Herunter von den Pferden und Abgabe von Schnellfeuer war das Werk eines Augenblickes. Zu erkennen war natürlich nichts. Wir befanden Ms somit in einer recht unangenehmen Lage und entzogen uns der gefährlichen Umklammerung, heftig weiterfeuernd, durch deu Rückzug nach Süden. Seitlich von uns bewegte man sich ebenfalls dorthin. Es war der mit fünf Mann zu unserer Verstärkung ausgesandte Sergeant Brückhändler. Bald wurde die Patrouille von der inzwischen mit einem Maschinengewehr zu Fuß ausgerückten Kompagnie aufgenommen. Es wurde nun festgestellt, daß Reiter Urschlächter, der kräftig auf die schwarzen Halunken in bayrischer Mundart schimpfte, am linken Knie erheblich verletzt war. Dem Reiter Behr war der linke Stiefelabsatz abgeschossen, zwei Pferde waren verloren und eins verwundet. Für die Kürze der Zeit bedeutete das entschieden einen starken Ausfall an Gefechtskraft. Man schätzte die Bande nach dem heftigen Gewehrfeuer und den Spuren auf 200 bis 300 Köpfe mit wenig Vieh. In der Nacht meldete die 10. Kompagnie, die etwa 50 Kilometer südöstlich von uns lag, daß eine starke Hcrerobande vom Objosondjou-Omu- ramba nach Westen zöge. Am 4. oder 5. November sollte von dort aus vorgegangen werden; Leutnant von Milzlaff schneidet dem Oberleutnant Äralnner-MöUen- bera die Haare. Oberleutnant Holil steht daneben. 287 die 9. Kompagnie wurde zum Mitwirken aufgefordert. Da unser Hubertuserlebnis gut zu den Nachrichten stimmte — unvermutet hatten wir scheinbar die gemeldete Bande aufgestöbert —, so beschloß der Hauptmann von Klitzing mit allen verfügbaren Kräften der 9./1. und der Maschinengewehrsektion anzugreifen. Trotz frühzeitigsten Aufbruchs am Morgen des 4. November fanden wir das Nest vom 3. November leer. Es galt also den Spuren folgen, die sich mehrfach zweigten. Nur zwei kleine Nachzüglertrupps, von denen sieben Männer erschossen wurden, holten wir ein. Hierbei beobachteten wir, wie geschickt sie sich auf der Flucht der Waffen entledigten. Nur ein Gewehr erbeuteten wir mit Mühe, dagegen viel Munition, die von Weibern getragen wurde. Endlich gelangten wir, nach Westen abbiegend, auf eine Pad, und zwar die, welche die Hereros vom Waterberg her im August getreckt waren. Grauenvoll war der Geruch und der Anblick der unzähligen Viehkadaver an der Wasserstelle Okasjawewa, wo aus einem freigemachten Loch getränkt wurde. Durch Hitze und Anstrengung stark ermüdet, kehrten wir am Spätnachmittag mit drei eingefangenen Bambnsen nach Okunjahi zurück. So verlief unser Hubertustag 1904 im Sande und Sandfelde." Krahmer-Möllenberg, ehem. Oberleutnant der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. 4 - * * Die gestohlene Kuh war da! Aber- Gegen Ende des 'Jahres 1905 wurde ich nach dem Viehposten Khabus bei Keet- mannshoop versetzt, der damals fast nur mit felddienstunfähigen Leuten und ebensolchen Reittieren belegt war. Zur Schonung und Erholung! Aber die seinerzeit überall von Hottentotten ausgeführten Diebstähle verschonten auch diese Station nicht und sorgten so dafür, daß Reiter und Pferd von der Erholungsstation nicht immer den erhofften Vorteil hatten. Welchen Strapazen die Mannschaften auch hier ausgesetzt waren, mag eine zum Teil erfolgreiche Patrouille zeigen, die ich am 16. Dezember mit sieben Freiwilligen reiten mußte, von denen einigen jede körperliche Anstrengung verboten war. Am 15. abends hatte mir der benachbarte Farmer Wirtz gemeldet, daß ihm am 14. eine Kuh gestohlen sei. Sobald brauchbare Pferde von der Weide herbeigeschafft waren, wurde die Verfolgung aufgenommen. Die Mitwirkung des ortskundigen Farmers erleichterte diese insofern, als ich mich, von der Spur abweichend, direkt nach dem Schlupfwinkel der Hottentotten, der verlassenen Wasserstelle Blaukehl, wenden konnte. Hier lagen in einer Entfernung von etwa 300 Metern zwei Riviere mit je einem Brunnen. Flußbett und Umgebung waren ausgedehnt mit Strauchwerk und Bäumen bewachsen. Da wir erst zur späten Mittagszeit, einer der herrschenden Hitze halber ungeeigneten und ungewohnten Marschzeit, dort ankamen, so war unser Abmarsch nicht bemerkt worden, obwohl dieser über weite Ebenen stattfand. Sofort gingen wir gegen den ersten Brunnen vor. Er war unbesetzt, zeigte aber in nächster Umgebung frische Fußspuren. Während deren Untersuchung waren die Reiter cberveterinär Wender»»,!,. 288 Kraemer und Kettker, welche linke Seitendeckung bildeten, bis auf einen Hügel vorgedrungen, der den zweiten Brunnen verdeckte. „Da sind die Kuhdiebe — sind eben beim Abkochen!" brachte jetzt Reiter Kraemer die Meldung, wahrend Kettker ohne Besinnen gegen die Hottentotten vorritt. Sofort dirigierte ich alle Leute auf das Lager, und es gelang uns, drei gefangen zu nehmen. Sie behaupteten, im Auftrage eines Farmers auf Viehsuche zu sein. Natürlich fanden sie keinen Glauben, da sie versäumt hatten, sich vollständig ihrer Waffen und Munition zu entledigen. Später gestanden sie ein, daß flußabwärts noch ein „heeler Klump" Hottentotten mit nur einer Stute mit Fohlen lagerten. Der Lagerplatz wurde ebenso falsch angegeben, wie dies für die anderen Angaben zutraf. Endlich, nach dreistündigem Marsch, wurden vom linken Ufer Weidetiere gemeldet. Alle Leute zog ich hierhin zusammen, und die Gefangenen wurden hinter Schußfeld bietender Anhöhe in Sicherheit gebracht. Dann wurden im Galopp ebendahin die nahe dem Gebüsch weidenden Reittiere der Hottentotten abgetrieben und auch unsere Pferde dort zurückgelassen. Ein Vordringen zu Pferde war durch das Gestrüpp von Dornen und das Felsgeröll unmöglich. In Schützenlinie ging's alsdann weiter zur Suche nach dem Lager. Erst nach langer Zeit verriet ein hochgehängter Sattel, wo es lag. Es wurde sofort angegriffen, aber leider schon verlassen gefunden. Die gestohlene Kuh — ja, die fanden wir auch, aber sie war leider geschlachtet und nur einzelne Teile waren zurückgelassen — die unbrauchbaren. Sofort ging's weiter zur Verfolgung. Die Spuren von mindestens 15, teils berittenen Hottentotten waren deutlich erkennbar und frisch, aber im völlig buschigen Gelände auf steinigem Boden blieb unser Mühen vergeblich. Mit drei Gefangenen und acht Reittieren nebst Sattelzeug traten wir den Rückmarsch an und kehrten nach weiterem 14stündigen Ritt zur Station zurück. Der Reiter Kettker hatte dabei während 28 Stunden — 2 Nachtstunden abgerechnet — ununterbrochen im Sattel gesessen. Trotzdem wurden ähnlich anstrengende Patrouillen lieber geritten, als zu Hause der leichte Dienst verrichtet. Wenderhold, ehem. Oberveteriuär der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. * * * Zwei Wochen aus dem Tagebuche eines Gefreiten bei der Kolonne. Gefangenentransport. Am 29. Januar 1905 erreichten wir Otjimbinde, woselbst wir unseren Proviant abluden. Hier lag die 9. und 11. Kompagnie vom 1. Regiment. Nachmittags platzte ein Regen los, der während des ganzen Marsches anhielt. Zu allem Überfluß haben wir auch noch zwölf Typhusrekonvaleszenten zum Rücktransport erhalten, außerdem zirka 150 Gefangene, welche vor Hunger und Ermattung fast nicht mehr können, zum Abtransport nach Okahandja. Hier zeigte sich wieder der durchweg gutmütige Zug der deutschen Soldaten, die den armen Teufeln alles Entbehrliche gaben — mit ihnen teilten. Unsere Kochgruppe hat sich einen Bambusen „engagiert", der für uns in der rührendsten Weise sorgte. Trotz des ununterbrochen strömenden Regens ist er morgens unermüdlich dabei, Feuer zu machen. — In der Nacht überholte uns eine Patrouille der 9. Kompagnie, welche auf das Gerücht hin, Zacharias, der gefangene Hererokapitän, wolle umkehren, abgeschickt ist. Auch von Otjosondu ist eine Patrouille hinterher. Ein sprechender Beweis unser mangelndes Vertrauen zu den Hereros. Trotzdem ist es allemal eine Pein für uns, hoch zu Roß, mit dem Schambock (Peitsche) in der Hand, diese halbverhungerten Geschöpfe nachtreiben zu müssen. Hunger und abermals Hunger! Bedauert haben wir die Kinder, die für alles nichts können. Nur den stolzen „Großmännern" war keine Not anzusehen. Der eine war mit einem sehr guten schwarzen Gesellschaftsrock Teutsche Reiter in Südwest. fMS MM MM.. -Kit.'' . KMi ' .'Ä ' ^ HM k'>, Transport gefangener Hereros und ihrer Grotzmanner< 290 bekleidet, während die anderen tadellos gewaschene Truppen- anzüge anhatten. Bei unserem Weitermarsch verschmähten es die stolzen Großmänner nicht, bei uns nm Kost zu betteln, die ihnen auch bereitwilligst gegeben wurde. Unter allen erregte ein junges, bis zum Skelett abgemagertes Weib das Mitleid aller Kameraden. Mit kindlicher Liebe führte sie ihre alte, erblindete Mutter an einem Ochsenricmen nach. — Männer und Weiber hegen das gleiche Interesse für Tabak. — Einsam in der Wildnis, bei Owikokorero, lag ein Grab, von einem Dornbuschkral umgeben. Ein roh zusammengezimmertes Kreuz mit Inschrift zeigte uns, daß hier Hauptmann von Franyors ruhe. — Das scheußliche Regenwetter hielt noch immer an, von uns spaßhalber „Glasenappsches Wetter" genannt. Das Fortkommen war auf der vollständig durchschlagenen Pad sehr erschwert. Die Riviere sind keine Sandriviere mehr; trübe, schlammige Wassermengen wälzen sich unter Tosen und Brausen den Flußlanf entlang. Unsere Sorge ist nur, durch den Swakop zu kommen. — Gestern, gerade beim Kaffeetrinken, machte sich in unmittelbarer Nähe ein pestilenzialischer Gestank bemerkbar; wir sanden hinter einem Busche, nur wenige Schritte von unserem Lager entfernt, einen toten Herero. Der Kopf war vom Rumpfe getrennt, und der Körper infolge der Hitze und des Regens stark aufgetrieben. Wir machten uns mit Schaufeln daran, den Leichnam zu beerdigen, worauf wir uns wieder zum Kaffeetrinkcn setzten. So abgestumpft ist man schon. — Am 12. Februar 1905 kamen wir wieder in Okahandja an, nachdem wir den Swakop glücklich durchkreuzt hatten. Allerdings hatten wir von 150 Gefangenen nur 90 mitgebracht, da die übrigen vor Ermattung elendiglich umgekommen waren. — In Okahandja erfuhren wir unsere Versetzung nach dem Süden, worüber wir uns Gefreiter Paul Harrland. natürlich sehr freuten. Paul Harrland, ehem. Gefreiter der Kaiserl. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Tangermünde. Aus der Spur der Mörder. Bei Kawigaus, 19. August 1905. Am 15. August 1905 ritt Herr Generaloberarzt Dr. Sedlmayr unter Begleitung seiner zwei Burschen von Warmbad nach Ramansdrift ab. Noch am selben Tage kamen die Burschen wieder zurück mit der Meldung, daß der Herr Generaloberarzt erschossen worden sei. Sofort wurde eine Patrouille von drei Unteroffizieren und sieben Reitern, zu denen auch ich zählte, weggeschickt, den Feind auszusuchen. Nach etwa vierstündigem Ritte kamen wir an der Stelle an, wo der Gencraloberarzt erschossen wurde. Auch das Pferd lag tot am Boden, — daneben zwei Ochsenwagen, die zerschlagen und halb verbrannt waren. Der Proviant war geplündert. Die Spuren zogen sich in südöstlicher Richtung nach den Oranjebergen. Die Leiche des Herrn Generaloberarztes wurde auf einer Eselkarre nach Ramansdrift gebracht. Da es bereits Nacht wurde, konnten wir die Spuren am selbigen Tage nicht weiter verfolgen. Die Nacht über blieben wir liegen; die Pferde wurden hinter einer kleinen Anhöhe festgebunden und bekamen 291 Grenzstation Ramansdrist. etwas Hafer, den wir von Warmbad mitgenommen hatten. Wir selbst legten uns auf die Anhöhe. Es wurde ein Doppelposten aufgestellt mit einstündiger Ablösung. Die Nacht verlies ruhig. Am andern Morgen verfolgten wir die Spuren weiter; sie zogen sich meist in Schluchten entlang und über kleine Anhöhen. Es war so um 9 Uhr morgens, als wir vom Feinde Feuer bekamen. Unsern Auftrag, den Feind aufzusuchen, hatten wir erfüllt; — in ein Gefecht sollten wir uns nicht einlassen. Zur selben Zeit, da wir unterwegs waren, hatte sich ein Detachement gebildet, das Major Traeger befehligte. Diesem Detachement wurden wir als Spitze zugeteilt. Es bestand aus der 10. Kompagnie, der 3. Kompagnie, einer Maschinengewehr-Abteilung, der 9. Batterie und den Mannschaften der Etappe Warmbad. Am 17. August rückte das Detachement von Sandfontein ab. Der Weg war sehr beschwerlich. Die ganze Nacht vom 18. auf den 19. ritten wir und kamen am 19. morgens in die Nähe des Feindes. Die Spuren waren meistens noch frisch und zogen sich in eine tiefe Schlucht. Es wurden drei Patrouillen von je einem Unteroffizier und zwei Mann vorgeschickt. Eine Patrouille ritt in der Schlucht entlang, eine links und eine rechts von der Schlucht. Ich war bei der linken Seitenpatrouille. Der Weg.wurde immer beschwerlicher. Es konnte so gegen 10 Uhr morgens sein, als Plötzlich fünf bis sechs Schüsse auf uns abgegeben wurden. In demselben Augenblick fiel mein Kamerad, der rechts von mir ritt, vom Esel. Der Unteroffizier, links von mir, drehte sein Pferd um und ritt zurück. Auch ich wollte mein Pferd wenden, es stürzte aber im selben Augenblick, so daß ich mit dem linken Fuß darunter zu liegen kam. Als ich mich frei gemacht hatte, lief ich zurück, war aber noch keine 10 Schritte gelaufen, als mir plötzlich einfiel, daß mein Gewehr noch am Sattel im Gewehrschuh steckte. „Was Teufel, was nütze ich in dem Lande ohne mein Gewehr?" so dachte ich, und schon sprang ich zurück, riß mein Gewehr aus dem Gewehrschuh heraus, und lief dann zu dem Detachement. Als ich bei diesem ankam, war der 38 * - 292 — größte Teil des Tetachements ausgeschwärmt. Ich lief zur Abteilung, der ich angehörte, und ging wieder mit vor. Wir waren noch keine 200 Meter vorgerückt, als wir von vorn und von rechts Feuer bekamen. Sofort ließ der Major die 3. Kompagnie nach rechts schwenken. Zugleich wurden von der 3. Kompagnie mehrere Leute verwundet. Später wurde auch der Major durch einen Streifschuß an der Hand verletzt. Wir lagen schon zwei Stunden im Gefecht, als erst die Maschinengewehre in Funktion traten. Auch die Artillerie kam erst lange nachher zum Schießen, da das Gelände sehr schlecht war, und die Geschütze von einem Felsen zum andern hochgezogen werden mußten. Im Laufe des Nachmittags rückten die einzelnen Abteilungen noch mehrmals vor. Es war eine glühende Hitze. Wir lagen im Feuer, bis die Sonne unterging. In der Nacht ging der Feind zurück, und der Wassermangel zwang unsern Führer, die Verfolgung aufzugeben. Der Feind war ungefähr 450—500 Mann stark. Von unserer Seite fiel Reiter Hesse. Major Traeger, Hauptmann von Zwehl, Unteroffizier Theuß und neun Mann wurden verwundet. Nach schwerem Marsch kamen wir in Gaobis an, wo wir endlich Wasser erhielten. Die Verluste des Feindes konnten nicht festgestellt werden. Karl Hubert, ehem. Gefreiter der Kaiserl. Schutztrnppe f. D.-Südwestafrika. * „Uns gehörte der Platz!" Episode aus dem Gefecht bei Otjihinamaparero am 25. Februar 1904. Major von Estorff hatte Meldung, die Omaruruhereros lagern an der Wasserstelle Otjihinamaparero. Am 24. Februar marschierte er mit der Kompagnie Franke und der 4. unter Oberleutnant Freiherrn von Schönau-Wehr und mit drei 73er Feldgeschützen, einer Gebirgs- und einer Maschinenkanone auf Otjipaue ab. Dort, an der letzten Wasserstelle, noch 30 Kilometer von Otjihinamaparero, rasteten wir — zusammen 164 Mann und 12 Offiziere — bis nachts 1 Uhr; dann ging's vorwärts. Um 8 Uhr früh erreichte meine Kompagnie — Franke — eine Werft, hinter der sich eine wenigstens drei bis vier Kilo- meter lange, steile, zerklüftete Felswand hinzog. Es wurde viel Vieh gesehen', und bald wurden wir auch der feindlichen Schützen gewahr, die sich an den zackigen Felsrändern eingenistet hatten. Mitten zwischen der formidablen Stellung, hinter einer Schlucht, lag die Wasserstelle, das wußten wir. Der Feind war uns an Zahl mindestens zehnfach überlegen, das wußten wir aber auch. Aber wenn man unter Führern wie von Estorff und Franke dient, dann verschlägt das nicht. Unsere Kompagnie wurde gegen den feindlichen linken Flügel dirigiert. Da lag eine vorgeschobene Erhöhung, ein Koppje, aus der warfen wir die Hereros mit Sturm heraus und konnten nun einen Teil der Felsenstellung flankieren. Zwei Geschütze waren auch aus unserem Flügel, die übrigen drei auf dem linken, wo die 4. Kompagnie focht. Bon dem gutgedeckten Feinde war wenig zu sehen, aber wir waren fast ohne Deckung; dazu die Bärenhitze und mörderischer Durst. So lagen wir viele Stunden lang im Feuer, ohne recht vorwärts zu kommen. Da kam eine Ordonnanz oder ein Offizier angejagt und meldete, die Hereros hätten auf ihrem rechten Flügel Verstärkung bekommen und umgingen unsern linken mit bedeutender Übermacht. Im Nu war Hauptmann Franke auf dem Pferde. „Ein Zug bleibt hier und hält die Erste dauernd unter Feuer!" Uns andere nahm er mit, und im Galopp ging's nach dem linken Flügel, immer von den Höhen aus beschossen. Wir kamen noch gerade recht, um der 4. Kompagnie zu helfen, deren Offiziere, Oberleutnant Freiherr von Schönau-Wehr und Oberleutnant Schultze, schwer verwundet auf U-MM EvM S.F^/L MMZ IM 3"'.^ MM -NWS - - ^ 7 ' ^S^sd. . ^t- SM 7/.^- Und dlnm — Hauptmann Franke voran, wie immer — ging's mit „Hurra!" auf den ganz überraschten Feind. 294 '- As - ,. ^ "7 Beilage zu: „Dincklagc, Deutsche Reiter in Südwest.' Cornelius an der Leiche des Leutnants Bandermann, am 7. April 1905 bei Besondermaid. „Wir hatten uns bet Gawaoab vorgelegt und eröffneten aus 70 Meter das Feuer. In einem Augenblut fielen fünf der 13 Reiter. Der Leutnant hat noch sechs Schuß aus feinem Gewehr abgegeben. Ais er am linken Arm verwundet war, hat er sich mit dem Revolver gewehrt und meinen Bruder Rüben verwundet; dann ist er gefalle». Er war ein sehr tapferer Mann. Ich habe nicht erlaubt, daß er entkleidet wurde." (Aus dem Bericht des Cornelius.) Deutsches Berlagshans Bong L Co., Berlin VV. 57. 397 ihm will man an den Kragen. Schnell hat er die veränderte Lage erfaßt, mit lautem Grunzen — fast klingt es wie Lachen — gestattet er einen Augenblick den Anblick seiner schöneren Seite und ist verschwunden. Die glühenden Strahlen der Mittagssonne heben leider nur zu bald die Wirkung des kühlenden Wassers wieder auf. Aber oft werden die Jagdgenossen noch sehnsüchtig dieses Bades gedenken. Der kleine Bastardjunge Georg, der vielgeprüfte und gepriesene Küchenchef, nimmt mit großen Augen die seltene Fischbeute in Empfang, die er gleich in delikater Weise — ein wahres Festessen — zubereitet. Es ist 4 Uhr geworden; die Karre ist bespannt, die Pferde sind gesattelt — wo ist Georg? Kein Suchen hilft, er ist verschwunden! Schon wird man ungeduldig, da taucht er keuchend auf, schleppt einen langen Holzspieß, in jeder Hand zwei große Fische, ist naß von Kopf zu Fuß, aber stolz wie ein Spanier. Nichts hätte ihn davon abgehalten, sich heimlich zu entfernen und auch den Fischfang zu versuchen. Noosen, Oberleutnant in der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Slldwestafrika. -j: 4 Fünffach verwundet. Am 1. Juni 1904 erfolgte die Ausreise mit dem Dampfer „Aachen" aus Hainburg. Während meines Dienstes bei der Schutztruppe hatte ich Gelegenheit, mich an den verschiedensten Gefechten gegen die Hereros zu beteiligen, so am 11. und 12. August 1904 bei Waterberg, 5. September 1904 bei Okowindombo, 1. bis 10. Oktober 1904 an der Expedition nach Ganas und am 7. April 1905 an dem Gefecht bei Nanib- kobis, 35 Kilometer östlich des Elefantenflusses. In letzterem Gefecht wurde ich verwundet. Der Feind, die Hottentotten unter HendrikWitbooi, hatte eine Düne in der Kala- hari wüste zwischen dem Elefantenfluß und dem Nossob besetzt. Unser Detachement unter Major Meister griff den an Zahl bedeutend stärkeren Feind, den wir vorher von einer „Bley" —Teich—- verscheucht hatten, in seiner Stellung an. Leutnant Wimmer war bereits gefallen, und Stabsarzt Or. Brockelmann verwundet. Leutnant von Brederlow war eben mit einer Patrouille auf des Feindes umfassenden „ . „Nach einstünüinem Gefecht erhielt ich Weichteilschüsse in Sen rechten Ober- und Unter- rHtUget geritten, aU ich, schenke!, ven linken Ober- und Unterarm." Deutsche Reiter in Südwest. 39 298 Gefreiter Pnul Kretschmer. als linker Flügelmann unserer Schützenlinie, nach einstündigem Gefecht Weichteilschüsse in den rechten Ober-- und Unterschenkel, den linken Ober- und Unterarm erhielt. Ich schoß aber trotzdem weiter, da wegen der geringen Zahl unserseits jedes Gewehr erforderlich war, um uns die Schwarzen vom Leibe zu halten. Ein Knochenschuß in den linken Oberschenkel machte mich kampfunfähig. Nun war auch bereits die 7. Batterie unter Oberleutnant von Bredow eingetroffen, mit deren Hilfe wir nun den Feind in die Flucht schlugen. Leider konnten wir ihn nicht weiter verfolgen, da wir schon 90 Kilometer von der nächsten Wasserstelle entfernt waren. Der Transport war grausig schmerzhaft, aber noch schlimmer der Durst, bis uns endlich ein Wasserwagen vom Auobflusse entgegen kam. Freilich, bis ich dann in die Pflege des Lazaretts kam, vergingen noch schlimme Tage. Später erhielt ich das Militärehrenzeichen 2. Klasse. Paul Kretschmer, chem. Gefreiter der 1. Kompagnie 2. Feldregiments der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Liegnitz. * Tom. Er war nur ein armer Bcrgdamara. Als Kind kam er in den Dienst des berühmten schwedischen Jägers Axel Ericson, der ihn mit aus seine Jagdzüge nahm. Da lernte Tom auf schnellem Pferde den flüchtigen Strauß hetzen, er lernte der Fährte des Elefanten folgen, der damals noch weite Strecken Südwestafrikas bewohnte, und er verstand die scheue Antilope zu beschleichen und mit wohlgezieltcm Schusse niederzustrecken. Später heiratete er und wohnte mit seiner Familie an einer Wasserstelle nördlich Grootfontein. Er hütete dort sein weniges Vieh, baute etwas Tabak, Mais und Kürbis und schoß wohl auch vcrbotenermeise einen Stranßenhahn, dessen Federn er mit gutem Nutzen an die Reiter der Schutztruppe verkaufte. Als ich Distriktschef von Grootfontein wurde, sagte mir mein Vorgänger, Leutnant Eggers: „Da ist der Tom, der ist treu wie Gold, er kennt jeden Weg und Steg, beherrscht alle Sprachen der Eingeborenen und ist der beste Jäger weit und breit." Das habe ich mir gemerkt, und selten habe ich eine Expedition unternommen, ohne daß Tom als Führer und Dolmetscher mitging. So war ich mit wenigen Reitern zum Oka- vangoflusse geritten. Hier hatten die räuberischen Owakwangari die Niederlassung der Oblatenmission überfallen, beraubt, und die Missionare vertrieben. Wir lagen, durch den Fluß getrennt, der starkverschanzten feindlichen Werft gegenüber, ein heftiges Gefecht war seit dem frühen Morgen im Gange. Spät abends wurde das Feuer des Gegners schwächer und verstummte schließlich ganz. Plötzlich hörte ich ein lautes Schreien. Da stand Tom auf einer kleinen Anhöhe und beschimpfte die Feinde drüben in der Werft; er schimpfte, wie ich es selten im Leben gehört habe, den rechten Arm hoch erhoben, die Faust geballt. Ich verstand die Worte nicht, aber sie müssen nicht schön gewesen sein; denn jeder Ausbruch von Tom wurde von den feindlichen Owakwangari mit wahrem Wutgeheul und erneutem Feuern beantwortet. Mit Mühe beruhigte ich ihn, der durchaus durch den 299 hvchangeschwollenen Fluß zur Wcrsl des Gegners wollte. Wir zogen dann stromabwärts, und als wir beim sagenhaften Andara waren, mußte Tom mit mir zur Werft des Häuptlings, wo wir ganz freundlich aufgenommen wurden. Beim Abschied wollte ich den Häuptling photographieren, der hatte aber Angst vor dem Apparat, bis sich Tom neben ihn setzte und ihm gütlich zuredete. Als 1904 der He- rerokrieg ausbrach, stellte sich Tom wieder ein. Er war unermüdlich im Wachtdienst und auf zahlreichen Patrouillen. Nach dem Gefecht am Waterberg zog ich mit der mir unterstellten Abteilung den Hereros nach in die unwirtliche Omaheke. Ich wollte zunächst die Abteilung von Estorfs einholen, die schon drei Tagemärsche voraus war, und ritt daher mit den Reitern in Eilmärschen vorwärts; die Wagenkolonne mußte langsamer folgen. Mühsam zogen die übermüdeten Ochsen die schwerbeladenen Wagen durch den tiefen Sand der Omaheke. Futter gab es kaum, auch das Wasser war knapp, und die Wasserlöcher waren durch Hunderte von Kadavern eingegangener Ochsen verpestet. Tom hatte ich bei der Wagenkolonne gelassen, wo er von unschätzbarem Werte war. Wenn ein Wagen im tiefen Sande stecken blieb, so sprang er vorn Pferde, ergriff die lange Ochsenpeitsche, ermunterte die Ochsen durch lauten Zuruf zum gleichmäßigen Anziehen und brachte bald den Wagen wieder in Gang. So kam die Kolonne nach vielen Tagen wieder zu uns und brachte die erwünschte Verpflegung. Leider war Tom nicht mehr der alte. Seine immer gute Laune war geschwunden, er klagte über allerlei Schmerzen und war immer müde. Ich glaubte, es wäre altes Fieber, und ließ ihm Chinin geben oder auch einen Kognak, für den er besonders empfänglich war. Wenn jetzt eine schwierige Patrouille geritten wurde, sagte ich wohl: „Tom, du bist krank; es wird besser sein, wenn du im Lager bleibst." Aber Tom antwortete: „Oberleutnant, wie soll das gehen, wenn Tom nicht dabei ist?" So war es auch Anfang September, als nach dem Gefecht beiOwinaua-Naua zwei starke Patrouillen aus- ritten, um die Hereros zu suchen. Tom war ganz krank, bat aber so sehr, mitreiten zu dürfen, daß ich es schließlich erlaubte. Nach mehrtägigem anstrengenden Ritte kamen die Patrouillen zurück, nachdem sie den Auftrag glänzend erfüllt und sämtliche Stellungen der Hercros ausgekundschaftet hatten. Tom und der Grdkmami. Hauvtman» VvUmann. 39 * 300 Offiziere wie Mannschaften waren des Lobes voll über Tom, der unermüdlich gewesen war, den Spuren der Hereros zu folgen. Aber Toms Kraft war auch erschöpft, er konnte nicht mehr zu Pferde steigen und bekam ein weiches Lager auf einem Ochsenwagen. Als wir das Feldlazarett Otjimbinde passierten, mußten wir ihn dort lassen, weil sich herausstellte, daß Tom schweren, langverschleppten Typhus hatte. Leider konnte die beste Pflege den Kranken nicht mehr retten, nach wenigen Tagen ist er gestorben. Der Feldprediger, Offiziere und Mannschaften haben den braven Tom zur letzten Ruhe geleitet und ein Kreuz mit seinem Namen auf seinem Grab errichtet. Unvergessen bleibt er allen, die ihn gekannt haben. R. Volkmann, ehcm. Hanptmann der Kaiserl. Schntztrnppe f. D.-Südwestafrika. * „Vorwärts aus die Düne!" 19. Mai 1905. Wir lagen mit zwei Gebirgsgeschützen der 9. Batterie unter Leutnant Nohne (De- tachement Winterfeldt) in Dawignab an der Ostgrenze, als am 14. Mai 1905 folgender Befehl von Hanptmann Siebert eintraf: „Detachement Winterfeldt trifft am 16., 5 Uhr nachmittags, in ,Kais< ein." Das Detachement bestand aus zwei 7 Zentimetcr-Gebirgs- geschützen der 9. Batterie und 30 Gewehren der 11. Kompagnie 2. Regiments. Nach sehr anstrengendem Marsche, meistens über hohe Sanddünen und Dorngestrüpp, trafen wir zur befohlenen Zeit dort ein. Morenga, der sich mit seiner Bande bei Kais aufhielt, war bei unserem Eintreffen nach der englischen Grenze abgezogen. Am folgenden Tage (denn unsere Tiere mußten unbedingt einen Tag Ruhe haben) rückten wir: zwei Gebirgsgeschütze der 9. Batterie, 30 Gewehre der 11. Kompagnie und 60 Gewehre der 3. Ersatzkompagnie, unter Befehl des Hauptmanns Siebert nach der englischen Grenze ab. Nachdem wir zwei Tage und zwei Nächte fast ununterbrochen marschiert waren, trafen wir am 19. Mai, vormittags, an der Wasserstelle LeukopZ ein. Durch Patrouillen wurde die Bande im Lager an der Grenze festgestellt. Der Stab ritt auf eine an der Grenze gelegene Anhöhe und gab bald darauf Befehl zum Angriff. Auf eine Entfernung von 2500 Meter eröffneten wir mit einem Geschütz das Gefecht; die Infanterie ging unter dem Schutz des Artilleriefeuers vor. Leutnant von Knobelsdorff, 11. Kompagnie, mit zehn Mann und ich mit einem Geschütz vom Zuge des Leutnants Nohne unter meinem Befehl bildeten den linken Flügel, an die englische Grenze gelehnt. Gegen 12 Uhr mittags ging die Infanterie auf die vor mir liegende Sanddüne vor, und ich mußte das Feuer einstellen. Mein Zugführer, der tapfere und immer energische Leutnant Nohne, eröffnete nun das Feuer mit dem zweiten Geschütz auf dem rechten Flügel. Sofort machte sich der Einfluß bemerkbar. „Aufprotzen, vorwärts auf die Düne!" so lautete jetzt auch mein Befehl, und schon saßen die Kanoniere auf ihren Maultieren. Leutnant von Knobelsdorff zu Pferde, seine Leute zu Fuß, gingen in Schützenlinie 40 Schritt vor mir her. Wir waren etwa 300 Bieter vorgegangen, als wir plötzlich mörderisches Feuer aus der linken Flanke erhielten; etwa 20 schwarze Halunken hatten sich zwischen uns und unsere Infanterie geschoben und feuerten auf ungefähr 60 Schritt. Zwei Tiere der Bespannung fielen sofort, und vier wurden schwer verwundet und mußten später erschossen werden. Bitt Visier und Korn feuerte ich mit Granaten ins Gestrüpp, denn sehen konnte man die Kerls nicht. Gleich nach dem ersten Schuß erhielt der Richtkanonier Wildner einen ') Vgl. die Gefechtsskizze S. 128 . „Aufprotzen, vorwärts auf die Düne!" — 302 — Schuß durch den linken Oberarm, und der Geschützführer, Unteroffizier Hauf- ler, Schuß durch den rechten Oberschenkel und Streifschuß am Unterleib. Die Munition war bald verfeuert, und immer enger schloß sich der Kreis der Schwarzen um mein Geschütz; ich bekam Feuer von drei Seiten. Endlich, nach einer langen Stunde, kam Vizefeldwebel der Reserve von Kamecke mit einem Halbzug Infanterie, und zu gleicher Zeit traf auch Munition ein. In glühender Hitze lagen wir nun noch bis 2 Uhr. Dann: „Vorwärts auf die Düne!"; denn dort mußten wir hin. Durch Dorn und Steine, unter fortwährend feindlichem Feuer, brachten wir das Geschütz mit großer Anstrengung bis zur Düne. Jetzt hinauf; sobald sich ein Hut über dem Kamm zeigte, da prasselte auch eine Salve. Nach einer halben Stunde wurde durch das Feuer des zweiten Geschützes die Düne frei. Mit Hilfe der Infanterie brachte ich das Geschütz über die Düne in unsere Schützenlinie. Ich richtete nun das Geschütz selbst und feuerte auf 400 Bieter. Gleich nach den ersten Schüssen verließ der Feind seine Stellung und ging in wilder Flucht ins englische Gebiet. Das Feuer mußte verstummen, nnd mit ihm zwei brave Helden, Wachtmeister Schnalke und Unteroffizier Oelze, außerdem wurden noch zwei Mann schwer und vier leicht verwundet (Sergeant Knoke, Unteroffizier Weiser, Gefreiter Wawries, Reiter Barenthin, Gölicke, Hartwig). Der Gegner verlor 24 Tote und acht Verwundete. Dieser Tag brachte mir das Militärehrenzeichen. Reinhard Walcher, ehem. Vizewachtmeister der Kaiser!. Schutztrnppe s. D.-Südwestafrika, z. Zt. Nordenstadt. Gefecht bei Kawigaus. 19. August 1905. Schlimme Zeiten voller Entbehrungen und Mühsale hatte das Fischflußdetachemeut Mitte 1905 im Kampfe gegen die vereinigten Cornelius- und Morrishottentotten in schier unwegsamem Gelände durchgemacht, ohne daß es bei der affenartigen Behendigkeit des Gegners und den schlupswinkelreichen Hängen der granitenen Fischflußberge mit den zahlreichen Quertülern möglich geworden war, die Vernichtung des Gegners herbeizuführen. Vielmehr war es dem verschlagenen Feinde gelungen, über den Oranje zwischen Fisch flußmün düng und Marinka- drift zu wechseln und sich an die Etappenstraße Ramansdrift-Warmbad heranzupirschen. Bei dem damaligen Mangel an Truppen in diesem südlichsten Teile des Schutzgebietes treckten Transportkolonnen ohne militärischen Schutz, und so fiel eine solche von vier Wagen den Räubern iu die Hände. Auf die Nachricht hiervon eilte das Fischflußdetachement unter Major Traeger in Gewaltmärschen herbei und gelangte über Gaibes und Haib am 12. August nach Warmbad. Leutnant v. Nvtinc. Vizewachtmeister l>. Reserve R. Walcher. L M NKEL ^SEHW-L » «! „Die Maschinengewehre waren zu Beginn des Gescchts auf die Flügel der langen Angriffe «« - 304 — ! ! l Um Mitternacht wurde aus Warmbad aufgebrochen und am nächsten Tage Sandfontein erreicht. Hier wurde dem De- tachement , einige Ruhe gegönnt, während der Führer mit einer Patrouille nach Ramansdrift durchstieß,undvier weitere Offizierpatrouillen den in den wilden Schluchten der Oranjeberge verschwundenen Gegner erkundeten. Die Patrouille des Oberleutnants Freiherrn von Gaisberg, die über Gaobis und Sperlingspütz aufzuklären hatte, erhielt am 16. August aus sehr schwierigem Klippengelände überraschend Feuer aus etwa 60 Gewehren der gegnerischen Nachhut. Ohne Verluste zu erleiden, gelang es, sehr schnell Meldung zu erstatten, so daß Major Traeger bereits am 18. August sein Detachement bei Gaobis versammelt hatte und die Verfolgung des Gegners alsbald aufnehmen konnte. Ohne Führer mußte daher den Feuerstellen und den sehr geringen Spuren, die das Klippengelände gelassen hatte, nachmarschiert werden. Es geschah dies mit Aufbietung aller Kräfte, freilich unter Verlust von zwei Wagen, deren Ochsen in diesen wilden Gebirgsschluchten nicht standhielten. Endlich, am 19. August hinter der Wasserstelle Kawigaus, die die Hottentotten beim Abzüge noch eiligst durch Tierleichname, Unrat, Seifenlauge usw. verseucht hatten, wurde der Gegner gestellt. Er hatte in einer taktisch vortrefflich gewählten Stellung zahlreiche einzelne Bergkuppen und Höhenzüge, die voneinander und der Stellung der Deutschen durch tiefe Schluchten und Mulden getrennt waren, in einem Halbkreise von etwa 4 Kilometern Ausdehnung mit etwa 300 Gewehren besetzt, während deutscherseits nur 92 Gewehre, 4 Maschinengewehre und 2 Gebirgsgeschütze ins Gefecht treten konnten. Die Maschinengewehre waren zu Beginn des Gefechts auf die Flügel der langen Angriffsfront verteilt worden, und diesem Umstände ist es «dMWS» Hottentotten. Erste Stellung Zweite Stellung Nachistellung der Deutschen. i Kompagnie Sn; L Etappe Warmbad; S Maschinengewehrabteilung, l.Zug; tlv. Kompagnie; S t.Etappen- kompagnie; 6 Maschinengewehrabterlniig, s. Zug; 7 s. GebirgSbatteric. Skizze des Gefechts bei Kawigaus, 19. August 1905. Major Traeger. MMtz HMD MD^d 'W-U L*j Ke^.' -^tzWD«ÄH^ Flucht der Hottentotten über den Oranje in englisches Gebiet. „Am 16. November gelang es Oberleutnant Rausch mit 35 Reitern der Abteilung Moltöre, die Feinde zu überraschen. Von der Tierkluft aus war die kleine Schar durch das Nnvbrivier zum Oranje vorgedrungen und stieß an der Nuobmündung auf die Hottentotten. Unter Zuriiölassung seines gesamten Viehs und der sonstigen Habe rettete sich der Gegner in regelloser Flucht durch den Oranje auf englisches Gebiet." Beilage zu: „Tincklage, Deutsche Reiter in Südwest. Deutsches Verlagshaus Bong L Co., Berlin ^V. b7. M - 1 '. 305 zu danken, daß die Umklammerungsversuche des Gegners, der nach dem dahinterlicgenden deutschen Lager strebte, mißlangen. Dennoch erhielt die auf dem rechten Flügel fechtende 3. Kompagnie von drei Seiten Feuer. Der unerschrockene Führer dieser Kompagnie, Hauptmann d'Arrest, der später bei Hartebeestmund gefallen ist, kam persönlich im heftigsten Kugelregen zu dem nebenan bei der Abteilung Warmbad, unter Oberleutnant von Stockt, befindlichen Führer zur Meldung. Der daraufhin befohlene Angriff wurde von Hauptmann d'Arrest mit großer Bravour eingeleitet und von allen Formationen mutvoll mitgemacht; auch Geschütze und Maschinengewehre nahmen nach vorn Stellungswechsel vor. Der Rückzug, den der Gegner nach sechsstündigem Feuergefecht antrat, erfolgte unter Mitnahme der Toten und Verwundeten nach unzähligen Richtungen einzeln und ungesehen. Infolgedessen wäre bei der unvermittelt eintretenden Finsternis eine lange Fortsetzung der sofort aufgenommenen Verfolgung in das völlig unbekannte Gelände, ohne Kenntnis einer Wasserstelle, ein zweckloses und höchst verlustreiches Abenteuer geworden. Wir hatten einen Toten (Reiter Hesse) und sieben Verwundete (Major Traeger, Hauptmann von Zwehl, Unteroffizier Theuß, Gefreiter Brunner, Reiter Horn, Lippemeyer, Minne). Der Gegner hatte bedeutende Verluste erlitten und sich tatsächlich erst nach tagelangem Zurückgehen wieder gesammelt. Er ist dann nicht wieder in diese Gegend zurückgekehrt und hat sich im Frühjahr 1906 in der Nähe des Baiweges unterworfen. Cornelius soll sehr erstaunt gewesen sein, daß ein Detachement, sogar mit Geschützen, ihm in solches Gelände nachgerückt ist. Traeger, ehem. Major der Kaiser!. Schutztruppe s. D.-Südwestafrika. Das war kein Zuckerlecken! Narudas, 11. März 1905; Garis, 18. März 1905, und Uchanaris, 21. März 1905. Ich war Dragoner im 1. Badischen Leib-Dragoner-Regiment Nr. 20, meldete mich aber nach einem Dienstjahr zur Schutztruppe. Nach schöner Fahrt, mit fünftägiger Unterbrechung in .mich einmal versuchten sie, an das Vieh zu kommen, aber diesmal aingcn wir ihnen sest aus den Leib." Deutsche Reiter in Eüdwcst. 40 W ,, Ä»' 306 Las Palmas, landeten wir am 12. Dezember 1904 in Lüderitzbucht. Nach vierzehntägiger eingehender Instruktion durch Leutnant von Detten erfolgte unser Abmarsch auf Keet- mannshoop. Sand, Hitze, Durst — aber wir kamen doch hin nach dem Orte, der bei uns ein Dörfchen wäre, hier aber eine Stadt heißt. Kleine Häuser, Zelte und Pontoks, in denen die Eingebornen wohnen. Kaisers Geburtstag kamen wir an, froh, daß der Marsch vorüber; denn das war „kein Zuckerlecken". Wir glaubten, nun ginge es gleich gegen die Hottentotten. Aber keine Spur! Ein paar Patrouillen — nach Wasserstelle Huns — sonst — Garnisondienst. Und wir wollten doch auch gern an den Feind heran. Endlich, am 4. März, Abmarsch gegen die Karrasberge, wo Morenga gemeldet war, und wo wir am 10. eintrafen. Meine Kompagnie — Oberleutnant von Stocki — stand unter Major von Kamptz, während die ganze Expedition Oberst Deimling kommandierte, dem auch noch die Abteilungen von Koppy, Kirchner und von Lengerke unterstellt waren. Sämtliche Offiziere standen schon längere Zeit im Felde, und wohin die gekommen waren, hatte es noch immer Kloppe gegeben. Das Gebirge Karras lag sehr steil vor uns; wir ließen daher unsere Reittiere und Wagen unter Zahlmeister Lautners Kommando bei Wasserfall zurück, und nun ging's zu Fuß durch Berg und Tal — unsere kühnen Führer, Oberst Deimling und Major von Kamptz, stets voran. Abends 9 Uhr — es war am 10. März — sahen wir ein großes Lagerfeuer in der Ferne. Der Major ließ halten, und wir blieben bis zum Morgen im Gestrüpp liegen, stets auf der Hut. Am 11. März früh gingen wir vor und stießen bald auf den Feind, der von Stürmann geführt wurde und eine vorzüglich verschanzte Stellung eingenommen hatte. Bald war der Feuerkampf heftig entbrannt, und wir suchten nach Möglichkeit Deckung. „Hallo,voran!" feuerte uns unser Major an, und wir drangen vor, wenn's auch Späne kostete. Schon waren Leutnant Pavel, Feldwebel Mesech und ein Reiter verwundet. Als endlich der Feind auf -kizze des Gefechts bei Naruvas, 11. März 1905. seinem linken Flügel umfaßt 307 wurde, zog er ab; sofort setzten wir ihm nach, und eilig floh er in die Narudasschlucht. So gab's kein Zögern, immer vorwärts — dranf los, bis er völlig ausriß — nun auch von der Abteilung vonKoppy gedrängt. Unsere Kompagnie — von Stockt — hatte noch Gelegenheit, ihm in die Flanke zu feuern. Es war ein heißer Tag; aber wir machten auch riesig viel Leute zu Gefangenen, auch Weiber und Kinder, und nahmen eine Menge Groß- und Kleinvieh. Unsere Kompagnie mußte später die Leute nach Keetmannshoop bringen. Am 18. März marschierten wir von Wasser- fall-Kraiklnft ab, aber schon bei Garis wurden wir von den Hottentotten überfallen, die uns das Vieh wieder nehmen wollten. Wer mit solchen verschlagenen Kerls noch nicht zu tun hatte, kann sich keinen Begriff davon machen, wie schlau das Volk ist, aber wir waren ihnen über; nur Gefreiter Pelka wurde verwundet, und die Reiter Groth, Ardelt und Trompeter Reich starben den Heldentod für das Vaterland. Fast hätten sie unsere Halbbatterie Nr. 2, unter Hauptmann von Kleist, genommen, trotz der tapferen Gegenwehr. Aber da kamen wir Reiter, Oberleutnant von Stockt voran, und warfen uns auf die gelben Halunken, und das fluschte; aber wir haben fechten müssen wie die Löwen. Am 21. März, abends, überfielen sie uns bei Uchanaris im Rücken, aber flugs machten wir kehrt. Wieder war es unsere Kompagnie, die die Sache machen mußte; energisch gingen wir drauf und umfaßten sie, und nach zwei Stunden Feuern» flohen sie unter Zurücklassuug ihrer Toten in das dichte Gebüsch. Und doch versuchten sie es im Halbdunkel noch einmal, uns an das Vieh zu kommen; aber diesmal gingen wir ihnen fest auf den Leib. Die Geduld war uns ausgegangen — na, das ließen wir sie fühlen. Fünf Reiter und einen Buren mußten wir begraben, und noch vier Reiter wurden verwundet. Ich hatte ein paar gute Bekannte darunter, die Reiter Wiedemann und Hense und unter den Gefallenen den Sanitätssergeant Naundorf, einen alten Ostasiaten. Am 24. März brachten wir unsere Beute nach Keetmannshoop. Adolf Kohlschmidt, ehem. Reiter der Kaiserl. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. rjc * * Aus der Geschichte der 7. Kompagnie 1. Feldregiments, betreffend das Gefecht von Otjiwarongo am 11. August 1904*). Etwa um 1,30 Uhr nachts stieß die Spitze der Wagenbedeckung auf die Abteilung von der Heyde, die neben einer alten, verfallenen Friedenswerft — vielleicht Oruinjorongom- bonde — lagerte. Der Major war gerade dabei, die Verteidigungsstellungen für die Nacht den einzelnen Truppenteilen zuzuweisen. Gegen 2 Uhr früh traf der Nachtrupp der Kompagnie -) Der beschränkte Raum gestattet leider nur ganz kurze Szenen aus der ruhmreichen Geschichte dieser Kompagnie hier mitzuteilen. (D. H.) Reiter Adelt Kohlschmiüt. 40 * 308 (7./1. Feldregiments) im Lager ein. Bereits um 3 Uhr wurde wieder angespannt und gesattelt. Eine Viertelstunde später erfolgte der Weitermarsch der Abteilung, der die Kompagnie mit den Fahrzeugen, nach Einspannen der Ochsen, nachkam. Während des Marsches ritten die beiden Offiziere der Kompagnie an Hauptmann Brentano heran und sprachen die Befürchtung aus, der derzeitige Auftrag werde die Truppe an einem tätigen Eingreifen in das zu erwartende Gefecht hindern. Der Hauptmann beruhigte sie mit dem Hinweis, daß der Tag noch lang sei und bis zum Sonnenuntergang sich noch manches ereignen könnte. Nach einer kurzen Rast gegen 12,15 Uhr kam der Befehl zum Vorgehen auf Hamakari, von wo Geschützdonner herübertönte. Den Vortrupp bildete die 5. Feldkompagnie unter Hauptmann Puder, verstärkt durch die Patrouille des Leutnants Grafen von Aruim. An der Spitze des Haupttrupps, der den Stäben auf 50 Meter zu folgen hatte, ritt die 7. Feldkompagnie in Stärke von 3 Offizieren, 7 Unteroffizieren, 33 Reitern. Ihr folgten unmittelbar die 2. Feld-(Gebirgs-)Batterie unter Leutnant Freiherrn von Hirschberg, dann zwei Geschütze der 4. Feldbatterie unter Oberleutnant von Müller. Den Beschluß bildete die 6. Feldkompagnie unter Hauptmann der Reserve Freiherrn von Wangenheim. Nach etwa einhalb- stündigem Ritt fielen vorn Schüsse. Die Spitze unter Oberleutnant von Lekow, einem Vergleiche Skizze auf Seite 311. Skizze des Gefechts am 11. August 1904. „alten Afrikaner", hatte fünf bewaffnete Hererospäher entdeckt. Major von der Heyde rief Hauptmann Brentano zu sich und teilte ihm mit, daß die Hauptabteilung, einem Funken- spruch zufolge, in bedrängter Lage sei. Er würde deshalb mit der 5. und 7. Feldkompagnie beschleunigt vorreiten, um rasch Hilfe bringen zu können. Major Osterhaus sollte mit den sechs Geschützen, unter Bedeckung der 6. Feldkompagnie, folgen. Kurz nach dieser Unterredung, etwa um 2,45 Uhr nachmittags, fielen vorn sechs bis acht Schüsse von Mehrladern und Henry-Martini-Gewehren. Wir dachten, die Spitze knallt wieder einige Hereros nieder; denn vom Gefechtsfeld von Hamakari waren wir noch entfernt. Der Stab war abgesessen. Die Kompagnie tat auf Wink dasselbe. Major von der Heyde gab Hauptmann Brentano den Befehl, die linke Flanke zu sichern und da zu halten, wo die Kompagnie augenblicklich stände. Dementsprechend erfolgte die Besetzung des hier sehr dichten Busches etwa 30 Meter links der Pad. Die Pferde, deren Sicherung ein für allemal dem Feldwebel Glernbowicki übertragen worden war, wurden beim Rückwärtsführen von zwei Feldhereros angefallen, die im Handgemenge erstochen wurden. Da vorn kein Schuß weiter gefallen war, wurde nach zwei Minuten der Weitermarsch angetreten. Der eingeborene Soldat Augustin, ein Berg- damara-Neger, war tödlich verwundet von vorn zurückgekommen. Stabsarzt Or. Poleck und R. Schroeder II nahmen sich seiner an, bis er verschied. Vorn setzte sich der Abteilungsstab zu Fuß in Bewegung. Nach noch nicht 50 Metern hub vorn und links abermals heftiges ----- >Der dichte Buschbestnnd ermöglichte ein so nahes Herankommen: und ein heftiges Schienen von allen Seiten, auch von den Bäumen herab, begann. 310 Feuern an. Es mochte zwei bis drei Minuten dauern. Die Schützen warfen sich alsbald links der Pad, etwa 50 Meter in Richtung auf Hamakari, im dichtesten Busch hin. Die feindlichen Geschosse, dieses Mal offenbar gut gezielt, flogen von links und vorn her auf die Schützen. Vorn Gegner war indessen nichts zu sehen. Kaum waren wir in Stellung, da kam von links ein eingeborener Soldat, ein Hottentotte, zurückgelaufen. Er hatte die blaue Erkennungsbinde abgestreift, strich sie aber mit blitzartiger Geschwindigkeit auf den Ärmel, als Zweifel an seiner Zugehörigkeit zur Truppe laut wurden. Ihm folgten Schützen der Patrouille des Leutnants Grasen von Arnim und der S.Feldkompagnie, denen Hanptmann Puder und Oberleutnant Bischofs nachkamen. Der Feind, an Zahl vielfach überlegen, hatte sich zwischen Spitze und Vortrupp geworfen nnd die Spitze größtenteils vernichtet. Ein Halten der Stellung vorn war darum nicht denkbar gewesen. Der Vortrupp hatte zurückgehen müssen. Die Mannschaft der 7. Feldkompagnie bildete von nun an den Kern des Widerstandes der Jnsantcriegruppc, die, außer den Leuten der 5. Feldkompagnie und der Patrouille des Leutnants Grafen von Arnim, auch aus Maunschnslcn der 6. Feldkompagnie unter Leutnant von Frankeuberg sich zusammensetzte. Ältester anwesender Offizier war der Abteilungsführer Major von der Hehde, der sich in der Gruppe des Sergeanten Jhling auf der rechten rückwärtigen Seite der einem Hufeisen ähnelnden Schützenlinie befand. Hauptmann Puder, als letzter von vorn in die Front der neuen Stellung zurückeilend, hatte sich eben hingeworfen, da hörte man im dichten, auf nicht 60 Meter zu durchblickenden Busch ein Geräusch, wie wenn eine Fußtruppe auf hartem Boden einen Anlauf ausführt. Ein anderer Vergleich ist schwer zu finden für die zu Hunderten laufende, heranhuschende, kriechende Masse, von der man größtenteils nur für Sekunden gute Ziele sah. Der Angriff erfolgte wellenartig von links, um die Flügel herumgreifend. Sah man so gut wie nichts, um so mehr hörte man. Weithin erschollen Rufe wie „Hurry, Hurry, Tuitchmcn!" — „Trululu!" — „Whumwhum" — „Owirombi!" Alles übertönt vom hundert- stimmigen Orlogsfeldgeschrei: „Asfa-Kajaeta!" und dem deutlich hörbaren Geräusch fallender Schambokhiebe. Das Feldgeschrei aber bewies uns, daß wir den besten Orlog vom Damaraland, Swakop- und Nossob-Lente unter ihren alten Führern, die mit der Schutz- truppe manchen Feldzug Schulter an Schulter gegen eigene Landsleute und Hottentotten gefochten, gegenüber hatten. Offenbar hatten die Hcreros den Glauben, vor sich nur ein kleines Häuflein zu haben, mit dem leichte Arbeit sei. Sie gingen mit außerordentlichem Tatendrang vor. Während die vorn befindlichen Gewehr- träger, von Baum zu Baum, von Busch zu Busch huschend, im Zickzack laufend und springend, schössen, folgten weiter rückwärts die Kirriträger in Trupps, aber jede, auch die geringste Leutnant Freiherr von Li»de,neis. Hautitmann Brentana-Bernarda. 311 Deckung benutzend. Dieser erste Ansturm, vom Schnellfeuer der Schützen gebrochen, erlahmte stellenweise erst auf 25 bis 30 Meter vor der Linie. Der dichte Buschbestaud ermöglichte ein so nahes Herankommen; ein heftiges Schießen von allen Seiten, auch von Bäumen herab, begann. Nach ungefähr 15 Minuten erfolgte ein zweiter Angriff, mit viel weniger Geschrei, durch gutgezieltcs Feuern eingeleitet. Auch er wurde abgeschlagen. Reiter Trawiel erschoß einen Orlogsmann auf 20 Schritt. Es entspann sich nun ein Feuergefecht, das, bis Sonnenuntergang dauernd, unserseits nur dann lebhafter geführt wurde, wenn der Feind zum Angriff ansetzte. Derartige Angriffe konnten wir wenigstens fünf deutlich unterscheiden. Durch feindliches Feuer waren mittlerweile erhebliche Verluste eingetreten. Bon MUnr V. cX LtLbsäi-N ?«Nectz r Lcki-oeäsi'T V vldtiß. i) ch l/Vebe,' I Skizze ver Schützenlinie. der 7. Kompagnie war Reiter Waclawzyk auf der Vorderfront der Schützenlinie, gegen Hamakari zu, gefallen; Schuß durch die linke Schläfe. Gefreiter Jezorke, ein Mann, der sich schon am 24. Juli durch Entschlossenheit hervorgetan, nahm dem Gefallenen im heftigen Flankenfeuer Gewehr und Munition ab. Die Waffe nahm Oberleutnant Bischofs, der auch auf der Vorderfront lag, nachdem er aus seinem Karabiner das Schloß entfernt hatte. Um diese Zeit, gegen 5,45 Uhr nachmittags, war das feindliche Feuer besonders heftig. Reiter Schlegel, schon vorher am Knie verwundet, wurde durch einen Kopfschuß getötet. Reiter Wnrker erhielt einen Schuß in den Schenkel. Trotz der Schmerzen schoß er weiter, die Umliegenden durch sein Beispiel und durch Worte anfeuernd. -l — 312 — Dem Umstand, daß die Artillerie auf Befehl des Majors Osterhaus rückwärts eine Stellung nahm, ist es wohl zuzuschreiben, daß die Hereros längere Zeit die rückwärtige Seite der Schützenlinie nicht umschlossen. Späterhin versuchten sie es. Leutnant Gras von Arnim machte sich verdient, daß er die zum Teil in Knäueln, zum Teil an Termitenhügeln oder besonders dichte» Büschen liegenden Schützenpulks veranlaßte, ihren seitherigen Platz zu verlassen und dem Nahfeuer des Gegners aus der neuen Schußrichtung entgegenzutreten. Nach dieser Anordnung warf er sich in der Nähe der Leutnants von Vethacke und von Meten nieder. Letzterer nahm dem schwerverwundeten Gefreiten Sertl, 11. Feldkompagnie, das Schloß aus dem Gewehr. Sertl, vor der eigenen Linie zusammensinkend, wurde von Leutnant Grafen von Arnim unter Beihilfe der Gefreiten Paul Schulz, Walkhoff und des Reiters Trawiel hinter die Front geschleppt. Gefreiter Schulz verband später noch einen Verwundeten der 5. Feldkompagnie auf diesem Teile der Feuer- frout, vom Feinde scharf beschossen. Bei dem Beginnen, den Gefreiten Sertl zu verbinden, empfing Leutnant Gras von Arnim eine Schußwunde. Er fiel über den Reiter Trawiel hinweg. Dieser und Leutnant von Vethacke zogen ihn etliche Schritte zurück und lagerten ihn an einem Termitenhügel. Der Verwundete wurde mehrfach ohnmächtig. Trawiel nahm dessen Karabiner und vergrub das Schloß. Leutnant Graf von Arnim schoß bei den nachfolgenden Angriffen des Gegners mit seiner Browningpistole, die ihm Trawiel jedesmal lud. Stabsarzt Dr. Poleck, bemüht, den Verwundeten zu helfen, kam herbei. Die Verletzungen der drei auf engem Raum liegenden Verwundeten erwiesen sich indessen als schwer. Leutnant Wagner wollte die Artillerie zum Vorgehen veranlassen. Dahin unterwegs, wurde er von Hereros beschossen. Oberleutnant Steinhaufen, ein „alter Afrikaner", Ordonnanzoffizier der Abteilung, legte aus gleicher Veranlassung zweimal diesen Weg zurück. Beim zweitenmal wurde er von den Hereros verfolgt, die, den alten Stationschef von Gobabis erkennend, mit den Rufen: „Lütnant Steinhaufen! Lütnant Steinhaufen!" förmlich Jagd auf ihn machten. Ein Wurfkirri flog ihm in den Rücken. Mit Aufbieten der letzten Kräfte gelang es dem Offizier, zu den Geschützen zu laufen, seinen Auftrag zu melden. Dann brach er ohnmächtig zusammen. Die Artillerie vermochte zu diesem Zeitpunkt nicht mehr Gelände nach vorwärts zu gewinnen, da der Gegner in bedeutender Überzahl ringsum das Feuer unterhielt. Gefreiter Schroeter, 7. Feldkompagnie, vom Abteilungsadjutanten Oberleutnant Bischofs aus ebendenselben Gründen entsandt, war noch nicht 50 Meter von der Infanterie- gruppe entfernt von Hereros angegriffen worden. Zwei schoß er nieder, erhielt aber dann selbst einen Streifschuß an der Brust. Der Mann hatte die Energie und Geistesgegenwart, sich tot zu stellen, als die Angreifer ihn bis aufs Hemd ausraubten. Dann warfen sie ihn in einen Busch, jedoch ohne ihm, nach ihrer Gewohnheit, den Schädel mit Kirris eingeschlagen zu haben. Schroeter schloß sich später, splitternackt, über und über mit Dornen bespickt, den Schützen wieder an, die ihn, trotz des Ernstes der Lage, mit Heiterkeit begrüßten. Es zeigte sich dabei, daß die Truppe, welche müde nach mehreren, fast schlaflos verbrachten Nächten, ermattet von Hunger und Ritten, gepeinigt von zahllosen Fliegen, den lästigen Begleitern aller Menschen und Tiere in diesem Lande, fast durchgängig von vorzüglichem Soldatengeist beseelt war. Von der 7. Kompagnie verdienen als besonders brav und umsichtig in diesem Gefecht genannt zu werden: Leutnants Freiherr von Lindenfels und von Vethacke, die Sergeanten Jhling und Landvoigt, Unteroffizier Graßmann, die Gefreiten Walkhoff, Unteroffizier Paul Schulz. 313 Tränken an der Wasserstelle Hamakari. -> k Paul Schulz, Schwiegt, die Reiter Richard Buchholz I, Friedrich Schroeder I, Trawiel, Wießmann, Trompeter Unteroffizier Reinhold Sebastian u. a., endlich die gefallenen Reiter- Schlegel und Waclawzyk. Sie haben in sehr schwierigen Augenblicken, gerade zu Beginn des Gefechts, durch ihr Beispiel und Verhalten Außerordentliches geleistet. Etwa um 5,15 Uhr nachmittags gingen Schrapnells von Geschützen L1./96 erst weit rechts, dann vor der Linie nieder. Bei den ersten Schüssen war höhnisches Lachen der Hereros vor der Front hörbar. Es verstummte jedoch, als die Geschosse in nächster Nähe der Jnfanteriegruppe Deutsche Reiter in Südwest. 314 einschlugen. Gefreiter Schwiegk machte den Abteilungsführer, der in seiner Nähe lag, auf die näher und näher platzenden Schrapnells aufmerksam. Major von der Heyde verließ hierauf die Schützen; es gelang ihm, zur Artilleriegruppe zu kommen und weiteres Feuern in dieser Richtung zu verhindern. Einige Schützen wurden durch Geschosse verwundet. Die Reiter, mitsamt den Verwundeten, gingen in eine etwa 80 bis 100 Meter links rückwärts gelegene Stellung zurück; vier Tote mußten dabei liegen gelassen werden. Es waren Leutnant Graf von Arnim, den ein Geschoß in die Brust von seinem Leiden mittlerweile erlöst statte, während Reiter Schlegel und Gefreiter Sertl kurze Zeit nach ihrer ersten Verwundung, Reiter Waclawzyk noch nicht eine Stunde nach Beginn des Gefechts, den Heldentod fanden. Gegen die nunmehrige zweite Stellung liefen die Hereros sofort unter Schießen und Geschrei an. Der Angriff kam durch das Schnellfeuer zum Stocken. Reiter Würker erhielt einen Streifschuß am Kopf, Reiter Trawiel einen unschädlichen Prellschuß, Leutnant von Vethacke wurde die Feldflasche abgeschossen. Hier hielten wir uns bis zum Eintritt völliger Dunkelheit, vom Gegner im Umkreise umschlossen. Sergeant Landvoigt war das Zurückeilen in die nunmehrige Position nicht sofort gewahr geworden. Es gelang ihm, seine Mannschaft in die Schützenlinie zu bringen. Er hatte den nackten Gefreiten Schroeter bei sich, dem Gefreiter Rohrig seinen Rock abtrat. Es war bitter kalt. Gefeuert wurde nur dann, wenn der Feind sich zu nähern suchte und Rufe einzelner oder aufblitzende Schüsse uns den Liegeort des Gegners verrieten. Solche Rufe waren: „Artillerie kommt!" — „Herr Major!" — „Viktoria!" — „Puder!" Lagen doch beide Parteien sich derart nahe gegenüber, daß man in der eingetretenen Stille jedes Wort hören konnte. Jede Hoffnung auf Unterstützung hatten wir aufgegeben, zumal das Feuer unserer Artillerie schon lange schwieg. Offiziere und Mannschaften waren auf einen letzten Angriff gefaßt; aber kein Schuß fiel mehr. Durch einen gewissen Humor zeichnete sich der Gefreite Paul Schulz und die Reiter Richard und Hermann Buchholz aus. Der erstere, der sich schon am 24. Juli als tapferer Soldat bewährt, hatte seinen langen Körper in ein Schakalloch gezwängt, so daß von ihm buchstäblich nur Kopf, Brust und Arme zu sehen waren. Aus dieser Deckung schoß er ab und zu. „Hier können mich die Schufte nur als Leiche herauskriegen", meinte er. Reiter Richard Buchholz hatte schon zu Beginn des Gefechtes, in einem sehr bedenklichen Augenblick, Proben großer Kaltblütigkeit gegeben. Ohne feuern zu brauchen, lagen die Schützen noch eine Zeitlang, dann — ein kurzes Gerassel der Waffen — ging es mit außerordentlich schnell gefundenem Zusammenschluß quer durch den Busch. Es war 7,40 Uhr nachmittags, als die kleine Truppe die Pad erreichte. Die Schwerverwundeten wurden getragen. Etwa eine halbe Stunde vom Lager entfernt, trafen wir auf den Trompeter Sebastian mit wenigen Leuten, die mit einem großen Teil der Handpferde der Kompagnie im dichten Busch hielten. Der Energie des Feldwebels Glembowicki, der Pflichttreue des Trompeters und der Pferdewache dankt die Kompagnie den immerhin geringen Verlust an Tieren. Von der Pferdewache machten sich Gefreite Lützelberger und Richter besonders dadurch verdient, daß sie den Gegner durch sicheres Feuern abhielten. Trvmpeter (Unterosfizier) Reinhald Sebastian. 315 Hauptmann Brentano, gefolgt von Trompeter Sebastian, Unteroffizier Gr aß mann und Reiter Wnrker, ritt zum Lager voraus. Die Verwundeten kamen sofort in Behandlung des Abteilungsarztes, Stabsarztes Dr. Poleck, und des Oberarztes Dr. von Haselberg. Hauptmann Brentano wurde noch am späten Abend vom Abteiluugsführer befragt, ob die Kompagnie am anderen Morgen erneut vorzugehen vermöge. Er bejahte, da er aus dem ganzen Gefechtsverlauf den Eindruck gewonnen halte, daß die Mannschaft dazu wohl in der Lage war. Am Nachmittag des 11. August ist die Jnfanteriegruppe höchstens 7 bis 7^ Kilometer von der kämpfenden Hauptabteilung bei Hamakari entfernt gewesen. Brentano-Bernarda, Hauptmann und Kompagniechef im Infanterie-Regiment von Goeben. -i- * Gerechte Entrüstung eines braven Veteranen! Das unvergeßne Südwestafrika. Am 16. Anglist 1901 kam ich mit dem Dampfer in Südwestafrika an, und als ich zum erstenmal von Bord aus die Küste erblickte, hoffte ich bestimmt, das; dieses Land mir noch zur neuen Heimat werden würde; denn mein Entschluß stand fest, wenn irgend möglich in unserer Kolonie zu bleiben. Wie schön muß es erst im Innern sein, sagte ich bei mir, und ich sollte mich nicht getäuscht haben, — je mehr ich diesen Flecken Erde später kennen lernte, je mehr Freude empfand ich an der mir vollkommen fremden, üppigen tropischen Schönheit dieses Landes. Leider brach im Januar 1904 der Ausstand der Eingeborenen aus; eine traurige Zeit hub an, besonders für die kleineil, schwach besetzteil Stationen. Schlimm erging es uns aus Oas bei Gobabis am Schwarzen Nossob, wo nur sechs Mann Besatzung waren, zwei Soldaten, zwei Ansiedler und zwei Buren. Es sollte nicht lange dauern, bis wir angegriffen wurden, und eines Tages standen wir einer zehnfachen Übermacht gegenüber. Was wollten wir wohl machen? Zwei Mann fielen, bevor sie zum Schuß kamen, und gleich nachdem wurde Reiter Nordbruch schwer verwundet. Ich selbst erhielt einen schweren Knieschuß. Am zweiten Tage nach der Verwundung mußten wir mit schwerem Herzen den Platz räumen und in die Klippen flüchten. Wir waren bloß noch zwei Mann von der Besatzung, da die beiden andern zur Meldung nach Gobabis geeilt waren. 1?/? Tag mußten wir in den Klippen zubringen — ich mit schwerem Schuß. Am andern Morgen trafen wir eine Patrouille, die uns von Gobabis entgegen- gesandt worden war, um uns nach dort zu bringen. Leider war kein Arzt bei der Patrouille, auch auf Gobabis war keiner anwesend, sondern bloß ein aktiver Sanitätsgefreiter. So kam es, daß, nachdem ich am 30. Januar 1904 verwundet wurde, erst am 18. Februar 1904 in richtige ärztliche Behandlung kam. Es ging aber leider nicht anders. Für das schöne Land habe ich schwer dulden müssen und vieles durchgemacht. Wenn man heute unter dem Volke reden hört, da sagen viele, unsere Kolonien haben keinen Wert für unS, — nun, die Reiter Friedrich Ranzau. 41 * 316 kennen sie eben nicht. Nicht umsonst haben so viele von unseren tapferen Jungen für Kaiser und Reich gekämpft und haben viele den Heldentod erlitten! lind wenn man sogar Persönlich zu hören bekommt: wir können die Schwarzen ja zufrieden lassen, empfindet man es fast als persönliche Beleidigung. Ich bin der Meinung, daß das Land einst ein Goldland werden und Deutschland guten Ertrag bringen wird. Ich bedaure nur unendlich, daß ich mich nicht als Farmer dort niederlassen kann. Friedrich Ranzau, ehem. Reiter der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Leisten. „Freiwilliger vor!" Diese Worte richtete unser Kompagnieführer, Herr Rittmeister von Tresckow, an uns, als wir am 8. Dezember 1905, morgens 6 Uhr, vom Feinde überraschend angegriffen wurden und uns zunächst in Deckung sammelten. Das war auf der Zwiebelhochebene bei Bethanien, und wir befanden uns im Kriege gegen den Bethanierkapitän Cornelius. Unsere Abteilung, 2. und 5. Kompagnie 2. Feldregiments, durch Hauptmann Haegele geführt, verfügte kaum über 100 Gewehre. Es galt, über eine vom feindlichen Feuer bestrichene und von Felsstücken überaus zahlreich bedeckte Fläche einen Befehl zu dem Vizefeldwebel Widdecke zu bringen, der zur Sicherung unseres Rückens in der alten Stellung mit einigen Leuten zurückgelassen wurde. Von den sich meldenden Unteroffizieren und Mannschaften erhielt ich den Vorzug und bestieg meinen alten braven Gaul, der mich schon aus mancher Gefahr herausgetragen hatte. Als wüßte es das Tier, daß von seiner Schnelligkeit sein und seines Reiters Leben abhinge, jagte es über die etwa 400 Meter betragende freie Fläche hinweg und langte, trotz lebhaften Feuers, unversehrt drüben an. Nach Ausführung des mir übertragenen Befehls ging es in derselben Weise wieder zurück. Doch hatte sich die Gefechtslage inzwischen verändert, so daß ich nochmals den soeben vollbrachten Ritt wagen mußte. Der Hinritt glückte wiederum, aber ich merkte Wohl, daß das Feuer sich erheblich verstärkt hatte. Meinen Gaul in Deckung stehen lassend, schlich ich mich, nur langsam vorwärtskommend, bis auf Hörweite an die Abteilung heran und entledigte mich meines Auftrags. Als ich nun wieder auf der Höhe sichtbar wurde, empfing mich ein heftiges Schnellfeuer, nicht nur wie bisher von vorn, sondern auch von der rechten Seite. Ich befand mich in einer kritischen Lage, ein Zurück zu der eben verlassenen kleinen Abteilung hatte dieselben Nachteile für mich, wie ein schnelles Vorwärtsbringen. „Für einen deutschen Reiter gibt es kein Zurück!" hatte einst unser Zugführer in den Hererokämpfen zu uns gesagt. Die Mahnung beherzigte ich und sprengte in rasendem Galopp etwa bis halbwegs der Fläche. Da stutzte plötzlich mein Gaul, wahrscheinlich waren ihm einige sogenannte blaue Bohnen zu nahe an der Nase vorbeigeflogen, und ich, ohne mich zu besinnen, sprang aus dem Sattel. Auf dem Bauche vorwärts kriechend, gelangte ich wieder zur Kompagnie, gerade noch zur rechten Zeit, um in der Schützenlinie mit vorgehen zu können. Nach fast sechsstündigem Kampfe war das Gefecht zu unseren Gunsten entschieden. Der Feind stob nach allen Richtungen auseinander. Eine kurze Verfolgung — und dann konnten wir die so heiß umstrittene Wasserstelle betreten und unsern von der Hitze des Gefechts stark entfachten Durst mit dem in Afrika so wenig vorhandenen köstlichen Quellwasser stillen. .KA'IW > . > - > » 'x.,,." . 4^Z. .-.^5 ^ „Als wüszte es das Tier, dasz von seiner Schnelligkeit sein und seines Reiters Leben abhinge, jagte es über die etwa 4VÜ Meter betragende freie Fläche." 318 Durch die Gnade Sr. Majestät wurde mir für den oben geschilderten zweimaligen Melderitt im feindlichen Feuer das Militärehrenzeichen 2. Klasse verliehen. Max Barbitzki, ehern. Unteroffizier der Kaiserl. Schutztruppe f. D.-Südwest- afrika, z. Zt. Danzig. -i- -r- -i- 850 Biwaks. Bei meinem Eintritt in die Kaiserliche Schutztruppe, im Jahre 1904, kam ich nicht zu einer Feldkompagnie, sondern zur ersten Kolonnenabteilung. Da die Eisenbahn erst eine kurze Strecke gebaut ist, so mußte das Weiterbefördern der Verpflegung durch Kolonnen stattfinden, denen wir als Bedeckung dienten. Wer das nicht durchgemacht hat, kann sich die schivere Lage gar nicht vorstellen: 1. die mangelhaften Wasser- verhältnisse; 2. die schlechten, bergigen Wege. Der furchtbaren Hitze wegen konnten wir unsern Dienst fast nur bei Nacht versehen. Unsere Märsche mußten mit einer Peinlich-aufmerksamen Sicherung stattfinden. Der Gegner hielt sich in dem unübersichtlichen Gelände versteckt, ließ uns vorbeiziehen und schoß dann aus dem Hinterhalt alles nieder. Als am 12. August 1904, im Gefecht bei Waterberg, die Hcreros durchbrachen und in das Sandfeld ausrückten, trat eine besonders schwere Lage für die Kolonnen ein, weil die verfolgenden Truppen drei Tage mit Wasser zu versorgen waren. Nach Rückkehr von dem anstrengenden Marsch, halb verdurstet und verhungert, haben die Reiter von unserm in Epukiro zurückgebliebenen Transport Verpflegung erhalten. Nachdem Kapitän Hendrik Witbooi die Kriegserklärung an Generalleutnant von Trotha geschickt hatte, traten neue Schwierigkeiten auf. Auf meinem Rückmärsche von Epukiro nach Okahandja wurden uns in einer Nacht an der Wasserstelle Okandjesu 100 Ochsen abgetrieben, nach dreistündiger Verfolgung hatten wir sie jedoch alle wieder. Wenn auch ganze Nächte ohne Schlaf vergingen, die Tage oft Hunger, Durst und Hitze brachten, — die deutsche Schutztruppe ließ den Mut nicht sinken. Zwei Jahre habe ich den Dienst bei der 1. Kolonnenabteilung treu versehen, wofür ich als schöne Anerkennung von Sr. Majestät das Militärehrenzeicheu 2.Klasse erhalten habe. Wer in einem Manöver zwei oder drei Biwaks mitgemacht hat, der denkt, viel geleistet zu haben. Ich habe in meiner afrikanischen Zeit über 850 Nächte unter freiem Himmel zugebracht. Viele meiner Kameraden sind von Kugeln oder von dem Typhus getötet worden; ich trat am 24. Januar 1907 gesund meine Heimreise an und erreichte am 25. April mein Elternhaus. Schitteck, ehem. Sergeant derKaiserl. Schutztruppe f.D.-Südwestafrika. Sergeant Schitteck. . A Unterusfizier Max BarbitzU. 31.9 Hilfe in der Not! Im Dezember 1905 wurde ich mit meinem Kameraden Waßmann von Kalkfontein aus zur Bedeckung von Ochsenwagen kommandiert, die wir über Warmbad, Duurdrift und Jerusalem nach Stvlzenfels zu führeu hatten. Wir empfingen für zwölf Tage Proviant, aber die Reise dauerte 14 Tage. In Duurdrift angekommen, wurden die Ochsen getränkt und geweidet, da sie 50 Stunden ohne Wasser waren. Hier benachrichtigte uns eine Burenpatrouille, daß die Hottentotten in der Nähe seien. Wir sahen auch ein großes Feuer in der Richtung auf Farm Ondermaitje, die in unserer Marschrichtung lag. Die Treiber weigerten sich nun aus Furcht weiter zu marschieren, aber gegen Abend brachten wir sie doch vorwärts, und wir erreichten später über Groendoru endlich Stvlzenfels. Die Wagen wurden abgeladen, und am folgenden Tage ging die Rückreise los. In Jerusalem war die 3. Ersatzkompagnie eingetroffen, und da der Weg sehr von den Hottentotten bedroyt war, ging Waßmann zum Kompagniechef Oberleutnant Beyer zur Meldung und fragte, ob wir denn weiter marschieren sollten. „Kinder, macht's, wie Ihr wollt!" sagte er, und wir verstanden die Antwort; und mit Gottvertranen und frischem Mut ging die Reise weiter. Und das war gut. Die Hottentotten ließen uns ungeschoren, aber nach einigen Tagen Marsch — es war etwa 20 Kilometer nördlich von Warmbad — fanden wir einen in die Knie gesunkenen Mann und einen Bambusen. Sie konnten nicht mehr sprechen — sie waren am Verdursten. Ich gab ihnen meine Feldflasche, die schnell leer war, und bald konnte der Kniende sagen, er sei der Oberleutnant Fischer von der 10. Kompagnie des 2. Regiments — aber es seien noch drei Mann hinter ihm liegen geblieben — und vielleicht schon verdurstet. Da nahm ich einen Treiber, jeder trug einen Wassersack, und wir gingen der Spur des Oberleutnants rückwärts nach. Nach 20 Minuten fanven wir die Unglücklichen, es waren Leutnant Weinbergen von der Maschinengewehr-Abteilung und zwei Burschen. Alle drei tranken gierig das Wasser, und dann brachten wir sie an die Wagen. In Kalkfontein erfuhren wir, daß schon 400 Mark Belohnung für das Finden der nun Geretteten ausgesetzt waren — wir gaben ein Telegramm an Major Traeger auf. Joseph Kippert, ehem. Reiter der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Chateau-Salins (Lothringen). -j- rsr * Wie man sich hilft. Im Laufe der Operationen sammelten sich auf den Stationen immer mehr Pferde an, die schlechte Fresser waren; zum Teil war dies eine Folge der überstandenen Maulseuche, bei den meisten jedoch hatte es seine Ursache in dem Überwachsen des Zahnfleisches. Man machte allgemein die Bemerkung, daß im Dung unverhältnismäßig viele unverdaute Haferkörner sich befanden und die Tiere täglich mehr abmagerten; es mußte unter allen Umständen Abhilfe geschafft werden. Reiter Jpiepl, Kippert. — 320 Wir hatten damals in Okahandja einen überaus tüchtigen und zuverlässigen Gefreiten (Flamm von den 2. Garde-Ulanen), der seines Zeichens ein Müller war, aber sich auch nebenbei etwas mit dem Bau von Mühlen befaßt hatte. Dem Gefreiten Flamm wurde der Auftrag, eine Mühle einzurichten, eine Arbeit, die bei den dortigen primitiven Hilfsmitteln keine Kleinigkeit war. Die ersten Versuche, die afrikanischen Basalte zu Mühlsteinen zu verwenden, scheiterten an der Sprödig- keit und der geringen Haltbarkeit des Materials. Bald wurde auch hierfür Rat geschafft, denn nun wurden die Formen der Mühlsteine im Boden in Lehm ausgearbeitet, und hierin zwei Steine von je 1 Meter Durchmesser aus Zement, Kalk, Sand und Klippen gegossen. Die Sache geriet über Erwarten gut, und nun wurde eine regelrechte Schrotmühle mit Göpel- antrieb eingerichtet. Die Zahnräder der Übertragungen hatte Flamm zum Teil aus dem harten Holz desKameldorns mit großer Mühe zurechtgeschnitzt. Mit nicht geringem Stolz betrachtete Flamm das Werk seiner Hände; und mit Recht: es funktionierte alles vorzüglich, wir konnten täglich bis 50 Zentner Hafer schroten, und unsere abgemagerten Pferde erholten sich zusehends. Pieper, Proviantamts-Rendant der Kaiserl. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. -i« * Im Busch verirrt. Wir befanden uns mit zwei bis drei Wagen auf einer größeren Durststrecke und mußten mit dem Wasser in den Säcken und Fässern haushalten. Nach mehreren wasserlosen Tagen lagerten wir im Busch. Ich hatte eben abgesattelt, da kam der Wagenführer der 3. Kompagnie 2. Feldregiments, der etwas vorgeritten war, zurück und sagte: „Hier sieht das so grün aus — wir wollen doch mal sehen, ob kein Wasser nahe ist!" Ich sattelte nicht erst, hing mein Gewehr um und ging neben dem Pferde. Als wir nach einigen Kilometern vergeblichen Suchens kehrt machten, wollten wir zum Lager zurück. Aber in dem überall mit Dornbusch bewachsenen, unübersichtlichen Terrain verfehlten wir die Richtung. Wir suchten und suchten. Vergebens gaben wir Doppelschüsse ab. Keine Antwort. Stunde auf Stunde verrann. Immer rascher wurden unsere Schritte — unwillkürlich — und doch wußten wir nicht, wohin wir gingen. ' « I- Prvbiantamts-Rendant Pieper. NMWNM Ast MB Büchsenmacher Alfred Schubert. ^K-V «s" M^W Hauptmann von Koppy auf der Fährte des Cornelius bei Gaos, in der Nacht vom 2 S./ 26 . Mai 1905 . Wille, dem Feinde an der Klinge zu bleiben, überwand alle Müdigkeit. Wie die Meute hinter dem Wilde, jagten die Reiter durch die mondhelle Nacht hinter den Fliehenden her. Ging die Spur einmal verloren, wurde sie durch findige Reiter wieder aufgesucht. Plötzlich — ein Zeichen des Führers-- ein halbunterdrückter Freudenschrei! Die Mühen und Opfer waren nicht umsonst gewesen! — — —" Beilage zu: „Dinstage, Teutsche Reiter in Siidwcst. Deutsches Verlagshaus Bong L Co., Berlin V. S7. ziE^Ä'i?!^^ iÄWtlsj — 321 — Kein Wasser, und wenig Patronen hatten wir bei uns. Ringsum nur Busch, und darüber die brennende Sonne. Immer stechender wurde der Durst. Sollten wir hier elendiglich umkommen? Ein Grauen überkam uns. — Wir sprachen wenig — suchten weiter. An dein Tage habe ich meinen Herrgott erst erkannt, und ich glaube, mein Kamerad auch! Wir erreichten eine Lichtung auf einer Höhe. Dort stand ein Dornbnschbaum, ein Kameldorn. Mein Kamerad bestieg ihn. Aber auch von oben nirgends die weißen Wagenplanen zu entdecken! Wir beschlossen, die Nacht hier zu verbringen — es war schon spät geworden, die Hitze ließ nach. Totenstille umgab uns. Was sollte aus uns werden? Ein jeder hing seinen Gedanken nach. Ich glaube, wir beteten. Ich bat Gott um Hilfe, das weiß ich. Ich hatte in Deutschland Weib und Kind! Vor der Nacht noch ein letzter Rettungsversuch! Es war eine zuversichtlichere Stimmung über mich gekommen. Ich gab drei Schüsse ab und lauschte dann gespannt. Und „Rettung!" rief ich jetzt. Zwei Antwortschüsse kamen aus weiter Ferne. Freude durchrieselte und belebte uns — es laßt sich solch ein Gefühl nicht beschreiben. In der Richtung aus die Schüsse zu brachen wir auf. Abwechselnd bestiegen wir das müde Pferd und gaben von Zeit zu Zeit einen Schuß ab. Immer näher klangen die Antwortschllsse. Die dichten Dornen zerrissen Kleidung und Haut. Wir achteten nicht darauf. Endlich, ganz nahe, ein Ruf! „Ein Witbovi!" sagte mein Kamerad mit Erstaunen. Und schon stand er vor unS — einer der Unseren „Ich gab drei Schüsse ab und lauschte bann gespannt." >) Die Wilbvois waren »vch nicht abgefallen iui Herervlriege und dienten besonders zahlreich bei den Kolonnen als Fahrer. Deutsche Reiter in Südivest. ^ 322 Er deutete auf die Pferdespur, und wir bekamen heraus, daß er uns auf dieser Spur gefolgt sei, als alle anderen geschlafen hätten und er dann seinen Wagenführer vermißte. Dann hörte er unsere Schüsse und gab Antwort. Wir waren dem braven Eingeborenen als unserm Retter dankbar. In weitem Kreise waren wir um das Lager gelaufen, das wir nun, unter unseres Witboois Führung, nach l?/g Stunde erreichten. So kann's im afrikanischen Buschfelde ergehen, und so ist es so vielen ergangen, die auf diese Art den Tod fanden! Alfred Schubert, ehem. Büchsenmacher im 1. Batl. 2. Feldregts. der Kaiserl. Schutztruppe f. D.-Südwestasrikn. -i- * -t- Aus meinem Tagebuche. i. aus dem Witbooikriege am Auob. deu Witboois am Auob uud ihrer Verfolgung gaben wir Während wir vom Feinde unbelästigt blieben, trat für uns die Heuschreckenplage um so störender auf. Wenn wir uns z. B. einen Topf voll Wasser, den wir oft stundenweit mühselig geholt, zum Kochen ans Feuer gestellt hatteu, und nach einiger Zeit einmal hineinsahen, so wurden wir gewahr, daß eine enorme Zahl Heuschrecken hineingeflogen und das Wasser bereits zu Bouillon gekocht war. Die Regenzeit hatte gut eingesetzt, und das Gras war schön aufgegangen, als plötzlich so ungeheure Mengen von Heuschrecken erschienen, wie sie seit vielen Jahren nicht mehr beobachtet worden waren, und große Strecken wie mit einer Decke von der jungen Brüt bedeckt blieben, so daß die Weide vollständig vernichtet wurde. — Auch auf der Verfolgung der Witboois im Au ob ta t waren wir furchtbarem Wassermangel ausgesetzt. Eines Mittags hatte sich unser Durst so gesteigert, daß wir uns trotz Verbots an eine schon lange Zeit stehende, sehr übelriechende gelbe Auobpfütze auf den Bauch warfen und so das „edle Getränk" hinunterschlürften, nicht der unzähligen, in ihm umherschwimmenden Würmer achtend, die von darin befindlichen toten Tieren herrührten. II. Stimmungsbild aus den Morengagefechten am Oranje. Auf dem Vormarsch nach Hartebeestmund am Oranjefluß war ich bei der Avantgarde, die ungefähr zwölf Mann stark war und zu Fuß marschierte. Wir zogen immer den Oranje abwärts, am Ufer entlang. Zu beiden Seiten des Flusses dichtes Dornengebüsch, und oft reichen die Berge so nahe ans llfer heran, daß nicht einmal ein Pferd dort gehen kann. Ich ging mit einen: Kameraden ungefähr 100 Meter voraus, um nicht die ganze Spitze in Gefahr zu bringen. Wir marschierten noch spät abends, der Mond schien hell, den Feind wußten wir vor uns. Da tarnen wir an eine mächtige, ungefähr drei Bieter im Quadrat Episoden Nach dem Gefecht mit uns einige Tage der Ruhe hin. Untcrvsftzier Ottu Jäger. 323 messende Klippe, die rechts von uns lag, sie war unten vollkommen hohl; links breitete sich das dichte Dornengebüsch aus. Dazu das Rauschen des Flusses. Über uns hingen die Baumäste über die Klippe hinweg und gaben dem ganzen Bild, noch durch den hindurchfallenden fahlen Mondschein erhöht, einen äußerst romantischen Anblick. Unwillkürlich stand ich mit meinem Kameraden still, keiner sprach auch nur ein Wort, und keiner traute sich weiterzugehen; denn es war gerade, als stiegen wir in eine schauerliche, todbringende Grotte hinab. Kurz vor uns wußten wir den fürchterlichen Feind, dem in die Hände zu fallen ein entsetzlich grausames Los war. Otto Jäger, ehem. Unteroffizier in der Kaiser!. Schntztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Gotha i. Thüringen. * „Aber vorher müssen noch viele andere Bestien dran glauben!" Bei der Abteilung von der Hehde am 1l. August 1904. (5. Kompagnie, Hauptmann Puder.) Am Morgen des 11. August staud unsre Abteilung, nach anstrengendem Nachtmarsche, etwa 15 Kilometer südöstlich des Waterberges in Gefechtsbereitschaft. Langsam, nach allen Seiten spähend, bewegt sich die ausgeschwärmte Schützenlinie vorwärts. Hinterher folgen die Pferdehalter mit den Reittieren. Aber die Werft, gegen die sich unser Angriff richtet, ist verlassen. Oberleutnant von Lekow sprengt nun mit einer AufklärungsPatrouille gegen Waterberg. Nach kurzer Zeit hören wir Gewehrfeuer; die Patrouille ist angegriffen worden und kehrt schleunigst zurück. Oberleutnant von Lekow bezeichnet die Stellung des nahe vor uns liegenden Gegners. Nach einigen Minuten hat die Artillerie eine günstige Aufstellung gefunden und schickt den Schwarzen ihre eisernen Morgengrüße hinüber. Große Staubwolken und Geschrei von drüben zeigen uns auch sofort an, daß die Treffer unserer Artillerie nicht ganz einzeln sind. So schnell, wie es nur Eingeborenen möglich ist, verschwand dann der Gegner im dichten Busch. Jetzt ließ sich auch Kanonendonner von verschiedenen Seiten hören, ein Zeichen, daß unsere Abteilungen sämtlich am Feinde waren. Wir warteten nun weiteren Befehl des Hauptquartiers ab. Da aber keine Verbindung möglich war, rückten wir um 11 Uhr nach der nächsten Fesselballon der Funkenabteiluna. 42 * 324 Wasserstelle, ohne auf Gegner zu stoßen. Auf einer freien Anhöhe wird das Lager bezogen, und die Pferde werden getränkt. Die Funkentelegraphisten erhalten Verbindung mit der Hauptabteilung, die bei Hamakari in schwerem Gefecht steht. „Sofort gegen Hamakari vorgehen!" lautet der Befehl des Hauptquartiers. Kurz vor 2 Uhr wird nun gesattelt und abgerückt. Die Bagage bleibt unter sicherem Schutz zurück. Unsere 5. Kompagnie unter Hanptmann Puder hat die Avantgarde; die Spitze führt Oberleutnant von Lekow. Bald sind wir im dichtesten Busch. Frisch geschlachtetes Vieh und brennende Feuer beweisen, daß hier noch soeben sehr viel Schwarze gelagert haben. Leutnant Graf von Aruim stößt mit einer Verbindungspatrouille zu uns. Der Busch wird noch dichter, da erhält die Spitze plötzlich heftiges Feuer; und gleichzeitig pfeifen auch uns die blauen Bohnen um die Ohren. Alles springt von den Pferden und stürzt schnell in die Schützenlinie, die Pferde den vorher bestimmten Pferdehaltern überlassend. Hauptmann Puder erhält einen Prellschuß am Oberschenkel, aber dessenungeachtet bleibt er bei uns in der Schützenlinie und ermähnt, mit Ruhe zu schießen und Munition zu sparen. „Jeder Schuß muß eiu Treffer sein!" Einige Leute von der Spitze kehren zurück; die andern sind gefallen, darunter auch Oberleutnant von Lekow. Ein Schuß durch die Schläfe bereitete diesem uns allen lieb gewordenen, schneidigen Reiteroffizier den frühen Soldatentod. Leutnant Graf von Arnim brach mit einem Schuß durch beide Oberschenkel zusammen; eiu zweites Geschoß durchbohrte bald daraus seine Brust. Vom Gegner sieht man sehr wenig; aber die Geschosse kommen auS nächster Umgebung. Unser Feldwebel Jendis liegt schwer verwundet, und niemand kann ihn: Hilfe bringen. Da ertönt plötzlich der Ruf: „Die Koffern nehmen unsre Pferde!" „Sprung auf, zurück, marsch marsch!" befiehlt Hauptmann Puder. Schnell entschlossen springt der Gefreite Beide hinzu, seinen Feldwebel mitzunehmen. Der war aber bereits tot. Als ihm Beide nun die Waffen abnimmt, damit sie nicht den Schwarzen in die Hände fallen, erhält er einen Schuß durch die Backen und wird von Feinden umringt, die mit KirriS auf ihn einschlagen, daß er sich ihrer kaum erwehren konnte. Nach einigen kräftigen Hieben bekam er dann etwas Luft, und nun befreiten ihn ein Paar gut gezielte Schüsse unsrerseits von seinen Peinigern. Wir waren jetzt auf ein kleines Häuflein zusammengeschmolzen und von einer großen Übermacht umzingelt. Die Artillerie hatte auch vollauf mit sich selbst zu tun, um sich zu halte», und kau: auch nicht durch. „Wir sind verloren!" ertönten einige Stimmen. „Aber vorher müssen noch sehr viele andere Bestien dran glauben!" wurde geantwortet. Mit unserem Feldgeschrei „Viktoria!" kamen uns die Schwarzen immer wieder zu Leibe; sie riefen auch: „Herr Major, Herr Major!" und „Herr Hauptmann, nicht schießen, nicht schießen!" Zuerst hätten wir uns dadurch beinahe täuschen lassen, aber bald hatten wir ihre List gemerkt und ließen sie dann ganz nahe heran, um sie richtig zu Gesicht zu bekommen. Der Gefreite Schroeder der 7. Kompagnie hatte sich erboten, eine Meldung zur Artillerie zurückzubringen, kehrte aber nicht wieder. Mittlerweile war es dunkel geworden, als plötzlich eine Weiße Gestalt in den Büschen auftauchte und sich uns näherte. ES war Schroeder, der einen Streifschuß über die Brust erhalten hatte und dann von den Schwarzen, die ihn für tot gehalten hatten, vollständig ausgezogen war. So kam er mit dem bloßen Schrecken und einigen Blutstropfen davon. Gegen 7 Uhr verstummte das feindliche Feuer. In einiger Entfernung hörten wir auf Ochsenhörnern blasen; damit sammelten die Kapitäne ihre Leute, und nun ließ der Gegner von uns ab. Wir traten jetzt, im Karree marschierend, den Rückmarsch an. Die Verwundeten wurden je von zwei Mann auf Gewehren oder in den Armen getragen. Plötzlich von rechts -2 ... - 4 Kk > > >Nach einigen kräftigen Hieben bekam er bann etwas Luft." 326 Wieder der Ruf: „Viktoria!" Sofort kniet alles im Anschlage, denn wir erwarteten einen Überfall, hatten uns aber getäuscht. Es waren einige Pferdehalter mit Handtieren, die sich im Busch verirrt hatten und nun glücklicherweise zu uns stießen. Jetzt konnten wir wenigstens die Leichtverwundeten auf die Pferde setzen. Um 9,30 Uhr langten wir im Lager an, wo man uns schon verloren gab. Wenn wir an diesem Tage auch keinen ersichtlichen großen Erfolg errungen hatten, so hatte von uns doch jeder das Bewußtsein, ganz seine Pflicht erfüllt zu haben. Neubecker, ehem. Unteroffizier der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. H -j- -I- Wovon nährten sich unsere Reiter in Südwestasrika? In den Feldzügen aller Zeiten hat die Verpflegungsfrage eine große Rolle gespielt. Ist sie schon bei europäischen Kriegen oft recht schwer zu lösen, so gestalten sich die Verhältnisse noch schwieriger, wenn Truppenmassen in von der Heimat entfernteren Teilen der Erde Verwendung finden sollen. Vorausgesetzt, daß hier die Verpflegungsmittel nicht im Überfluß vorhanden sind. Die nachfolgenden Mitteilungen sollen dartun, daß neben den Verpflegungsmitteln auS der Heimat auch unsere Kolonie selbst weit reichere Nahrung bot, als das gewöhnlich angenommen wird. Als Landeserzeugnisse kamen Brot, Backwaren, frisches Fleisch, Fische, Butter, Eier, Kartoffeln, Gemüse, Hafer und Gras in Frage fi. Daneben boten einige Feldfrüchte zeitweise Ersatz für fehlende Nahrungs- und Genußmittel. Wohl in keinem anderen Lande ist aber das für Menschen und Tiere unentbehrliche Wasser zeitweise so selten oder mangelhaft, wie in Südwestafrika. Wassermangel und fehlende Nahrungsmittel bildeten vielfach den einzigen Grund, daß geplante Unternehmungen nicht ausgeführt werden konnten oder vorzeitig eingestellt werden mußten. In einzelnen Gegenden, wie Windhuk, Warmbad, Barmen usw., sind heiße Quellen vorhanden, aus denen fortwährend Wasser fließt, das 60 Grad Celsius und mehr Wärme hat. In Wassersäcke gefüllt, kühlt es sich in etwa einer Stunde ab und bildet dann ein vorzüglich erfrischendes, gesundes Getränk. Das Brot wurde mit dem aus der Heimat gesandten Mehl hergestellt. Die Fleisch- arten lassen sich in zwei Gruppen trennen, und zwar 1. von den Haustieren, 2. vom Wilde. Von den erstgenannten Arten kamen als Großvieh das afrikanische Rind und als Kleinvieh die Ziege und das Afrikanderschaf in Betracht. Während früher nur zwei Ninderrassen: das Steppenrind des Hererolandes und das nördliche Owamborind vorkamen, gibt es seit einigen Jahren im Süden des Schutzgebiets mit holländischem Blut gemischte Rinder, sogenannte Namarinder. Neuerdings sind wertvolle europäische Zuchttiere zur Aufbesserung der einheimischen Rassen eingeführt worden. Schließlich kamen als Schlachttiere noch die abgetriebenen und nicht mehr verwendungsfähigen Zugochsen in Frage. Diese Art frischen Fleisches war am wenigsten beliebt. Die Tiere hatten auf den starken Knochen nur geringe, zähe Fleischteile und fast kein Fett. Beim Kauen kam jedem die gründliche Untersuchung der Zähne gelegentlich der Beurteilung der Tropendienst- sählgkeit in Erinnerung. Das wichtigste ist das Steppenrind. Es hat vierjährig im Durch- l) Doch wohl zum Teil nur in der Nähe der europäischen Farmen und Orte. (D. H.) 327 schnitt allerdings nur 200 Kilogramm Schlachtgewicht. Das Owamborind ist aber noch kleiner und leichter. Bon den Namarindern besagen gleichaltrige Ochsen häufig 300 Kilogramm Schlachtgewicht. Die Ziege, das afrikanische Haustier im eigentlichen Sinne des Wortes, gedeiht im Namalande in besserer Rasse als im Hererolande. Die Namaziegen erreichen fast die doppelte Größe der Hereroziegen. Wahrscheinlich ist dies eine Folge des Vorhandenseins bestimmter Futterbüsche im Süden der Kolonie, die ihre Wirkung in ähnlicher Weise auf das Afrikander- schaf äußern. Das Ziegenfleisch hat einen etwas strengeren Geschmack als das Schaffleisch, schmeckt indessen keineswegs unangenehm. Unendlich übertroffen wird es allerdings von dein der Fetthämmel, wie solche unter den Afrikanderschafen häufig in stattlicher Größe vorkommen. Die im Namalande gehaltene Rasse erreicht das hohe Schlachtgewicht von 30 Kilogramm. Das Fleisch besitzt einen außerordentlichen Wohlgeschmack und erinnert in nichts an den unangenehmen Talggeschmack europäischer Wollhümmel. Das auffallendste Merkmal dieser Tiere ist der Fettsteiß. Er wird ausgebraten und liefert dann eine weiche weiße Blasse, die sich längere Zeit hält und als afrikanisches „Gänseschmalz" berühmt ist. Für die Verpflegung in den Etappenorten kamen Wild oder Feldfrüchte wenig oder gar nicht in Betracht. Marschierende Truppen und Kolonnen hatten dagegen öfter Gelegenheit, den Wildreichtum des Landes kennen zu lernen. Von dem Wilde ist die Familie der Antilopen am reichsten vertreten. Am größten ist das Eland oder die Elenantilope, die immer mehr auf den äußersten Osten verdrängt wird. Ihr in der Größe am nächsten kommt das Kudu, das in Rudeln bis 15 Stück die bergigen Landschaften der Kolonie durchstreift. Es ist größer als ein Rind und liefert daher eine Menge sehr schmackhaften Fleisches. Vom Leder werden wegen seiner großen Festigkeit die Schwippen der langen Ochsenwagenpeitschen geschnitten. In denselben Gebieten lebt auch das Kaama oderHarte- beest. Der Gemsbock kommt nicht allein in den inneren Landschaften, sondern auch in den öden westlichen Gegenden vor. Er hat die Größe eines Esels und ist in Rudeln bis 50 Stück gesehen worden. Das Gnu oder Wildebeest im Osten und Norden scheint in mehreren Arten vorhanden zu sein. Entschieden die schönste von allen Antilopen- arten ist der Springbock, der unser Reh an Größe etwas übertrifft. Er belebt die freieren Ebenen in großen Scharen und kann in regenarmen Zeiten durch Vernichtung größerer Grasflächen recht unbequem werden. Ferner müssen noch derSteinbock,Taucher,Klippbock, die Schimmelantilope, der Wasser- bock und auch der Hase genannt werden. Von denVogelartenstehtderStra nß obenan. Während dessen Eier nähr- und schmackhaft sind, ist dasFleisch ein weniger gutes Nahrungsmittel. Tauben- und Hühnerarten gibt es mehrere. Besonders das Perlhuhn kommt zahlreich vor. Fische sind nur in den stets Wasser haltenden größeren Flüssen oder in der Nähe der Küste zu bekommen. Proviant«,»ts-Am«n,t Mar Arntz. 328 — Die frischen Kartoffeln des Landes kamen mir als Leckerbissen in Frage, da sie 40 bis 75 Mark für 50 Kilogramm kosteten. Dagegen brachte frisches Gemüse eine angenehme Abwechslung in die leider sehr eintönige Tageskost. Die frische Butter konnte nur in Garnisonen Verwendung finden. Für die aus Europa eingeführten Pferde wurde frischer Hafer in der Milchreife gemäht. In dieser Grasform war er ein gutes Futter. Haserkörner sind aus der Heimat eingeführt. Die eingeführten Pferde gewöhnten sich allmählich, in Ermangelung anderer Ware, an das strohartige GraS. Für Maultiere war es allerdings kein Futter, sie magerten Dabei zusehends ab. Dieses Gras wird oft bis zu 1 Meter hoch. Es erhält unmittelbar nach dem Aufhören der stärkeren Regenfälle eine gelbe Farbe; sein Nährwert soll aber, nach dem durch die Luftbeschaffenheit verursachten AustrocknungSprozeß, nicht beeinträchtigt werden. Es gibt auch noch ein kleines, rötliches Gras, sonne das Taogras und verschiedene Blumenbüsche lFutterblumen), welchen ein großer Nährwert beigemesscn wird. Das Kleinvieh ernährt sich mit Vorliebe von den Blättern und Früchten der Gebüsche und niedrigen Bäume. Als Nahrungsmittel für Menschen gibt eS eine Menge eßbarer, wasserhaltiger Früchte und Knollengewächse. Sie haben sich bei der Wasserarmut des Landes schon oft als das Leben erhaltende Produkte erwiesen. Da sind der Feigenbaum, die Narastaude, die Uientjes, Tsamamelone, Elefantenwurzel, Kabba und andere zu nennen. Milder Tsamamclone haben sich Burentrccks 40 Tage ohne Wasser behalfen. Apitz, ehe,». Proviantamts-Assistent der Kaiserl. Schntztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Bromberg. -i- „Sergeant, da stehen Knssern!" Wie ich mir das schwarzweiße Band erwarb. „Sergeant Schütt, Sie müssen gleich auf Patrouille reiten!" — Dieser persönliche Befehl vom Kompagniechef — Hauptmann Mauger — scheuchte mich am 28. Oktober 1304 schon um 4,30 Uhr morgens aus den Federn heraus. — „Federn!" — Am Sandfelde in Afrika aus den Federn! Wie das klingt! Ja, ja! Beinahe FedernI Sergeant Nahn, Unteroffizier Napiralla und ich, wir drei alte Kriegskameraden, hatten uns auf unserer Station Sturmfeld aus Kistenbrettern einen Pontok gebaut und mit Zeltbahnen überspannt, groß genug, daß wir drei nebeneinander schlafen konnten, ohne zu sorgen, daß unsere Füße Freilustaufenthalt genössen. Als Lagerstelle hatte sich jeder aus zwei Hafersäcken einen Strohsack verfertigt, mit Gras gefüllt, und so hatten wir ein ganz gutes Lager für die Nächte. Dies waren also unsere „Afrikaner Federn". Am Morgen des 28. Oktober stand Hauptmann Manger schon vor Tagesgrauen vor unserm Pontok und gab mir den Befehl zur Patrouille. — Leutnant Klinger, PosteMhrer in Okatjekuri, hatte am Tage vorher einen Hottentotten gefangen, diesen sollte ich mit einer Patrouille von zwei Mann von Okatjekuri abholen. Die Reiter Ein- beck und Tekamp nahm ich als Begleiter mit. Schnell -Mr- M VUcwachlmeister H. Lchütt. <2 - ,rL -v Ls:OÄ 0MÄ <. i Hmrptmann von Erckert überfällt die Hottentotten bei Narus, am 1b. Juni 190b. „,Jm Karebrivier ziehe» zahlreiche Hottentotten mit großen Viehherden znr Tränke!' So lautete die Patrouilicmeldung an Hauptmann von Erckert. — Der Zug Kirchheim kroch bis zur Patrouille heran, Zug von Letten ging auf einen ausspringenden Winkel des Nivierrandcs, Zug Pavel auf eine» Bergklotz dahinter. — Da fällt ein Schuß beim Feinde. Die Bewegung ist bemerkt. Nun kein Zaudern mehr. Leutnant Kirchheim stürmt mit seinen Schützen den Abhang hinunter — feuert in die durcheinander drängenden Hottentotten und Viehhaufen, von oben nimmt der Zug von Letten den Feind unter Feuer. Das Geschütz, seitwärts in Stellung gebracht, sendet seine Schrapnells auf 2000 Meter in den Haufen von Vieh und Menschen, und auch der Zng Pavel richtet sein Feuer aus vorgeschobener Stellung dahin. '— Der Schlag kommt überraschend nnd einheitlich." Beilage zu: „Dmcllage, Deutsche Reiter in Sndwcst,' Deutsches Perlagshaus Bong L Vo., Berlin >V. 57. wurde gesattelt, und fort ging es in den Morgen hinaus. Sechs Reitstnnden war Okatjekuri entfernt, deshalb trabten wir, soviel es unsere mageren Gäule erlaubten, um vor Eintritt der großen Hitze am Ziele zu sein. In Okowarumende beim Posten vom Feldwebel Tetzlaff labten wir uns an einem Kopse Kaffee, und weiter ging der Ritt. Bisher hatten wir immer übersichtliches Gelände gehabt. 1^ Stunde hinter Okowarumende tauchte vor uns ziemlich dichter Busch auf. Ich war meinen beiden Begleitern um ungefähr 30 Schritt voraus und ritt gerade in den Busch hinein, als Einbeck rief: „Da stehen Kaffern!" Mit einem Ruck parierte ich mein Pferd, und da sah ich denn die Bescherung. Kaum 150 Meter vor uns an der Pad stand, von Büschen gedeckt, ein Trupp von ungefähr zehn bewaffneten Hereros. Dies waren aber nicht die einzigen. Links auf die gleiche Entfernung zeigten sich „Kaum waren wir 200 Meter aeritten, als liniier einer lnirsnrinaenden Bnschecke uielirere Kaffern sichtbar wurden." LD L nr, - am Buschrand auch vereinzelte Schützen. Die hatten uns aber wohl noch nicht bemerkt, während die an der Pad uns beobachteten. Das Los der Patrouille von Boden Hausen schien auch uns beschieden. Sonderbar war, daß die Hereros noch nicht schössen; anscheinend war ihnen unser Erscheinen überraschend gekommen. Durchreiten mit müden Pferden konnten wir nicht, umkehren wollten wir nicht, also umbiegen. Es schien mir geboten, nicht mit ihnen anzubinden. Wir steckten die Gewehre in den Schuh und bogen nach rechts ab am Buschrand entlang, behielten aber diese Burschen, so gut es ging, im Auge. Kaum waren wir 200 Meter geritten, als hinter einer vorspringenden Buschecke mehrere Kaffern sichtbar wurden. Ausbiegen ist nicht mehr möglich, also drauf! Im Moment sind wir dazwischen und haben sechs Männer und mehrere Weiber gefangen. Zum Widerstand hatten sie wohl keine Zeit gefunden. Teutsche Reiter in Südlvest. 48 330 Die Gefangenen mitnehmend, schlagen wir jetzt wieder die Richtung nach Okat- jekuri ein. Noch sind wir aber nicht aus dem Busch heraus, als vor uns und links von uns auf nahe Entfernung größere Hererotrupps, teils bewaffnet, teils unbewaffnet, auftauchten. Aus diesem Wurstkessel mußten wir heraus. Die Meldung über die Anwesenheit so vieler Hereros war jedensalls wichtiger, als die paar schmutzigen Gefangenen. Totschießen konnten wir sie nicht, ohne alle anderen auf uns zu locken. Wir waren daher gnädig und ließen sie laufen, trabten, so gut es ging, wieder nach rechts ab und gelangten nach einiger Zeit auf freies Feld. Nach eineinhalbstündigem Ritt kamen wir wohlbehalten bei Leutnant Klinger an, und ich meldete ihm mein Zusammentreffen mit den Hereros. Um 3 Uhr nachmittags trat ich mit dem Hottentotten und begleitet vom Leutnant Klinger den Rückmarsch an. Die Hereros hatten das Gras angezündet und waren abgezogen. Jedoch gelang es uns, einen einzelnen Herero Anzufangen, von dem wir, da er Deutsch sprechen konnte, sehr viel Wichtiges erfuhren. Abends 8 Uhr gelangte ich mit meinen beiden Begleitern und zwei Gefangenen wohlbehalten in Sturmfeld an. Für mein Benehmen in der Gefahr wurde ich zum Militärehrenzeichen 2. Klasse eingegeben, die beiden Reiter belobt. H. Schütt, ehcm. Sergeant der 2. Kompagnie 2. Feldregimcnts der Kaiferl. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. * * -k- „Immer mit frischem Mut!" Das war die Parole, mit der wir am 17. August 1904 westafrikauischen Boden betraten, und — das blieb sie auch, wie das meine kurzen Schilderungen zeigen werden — selbst dann, wenn's arg ungemütlich wurde, da unten im Innern des deutschen Afrika. Bon Swakopmund bis Okahandja waren elf Marschtage. Sand, Klippen, Hitze, hier und da Dornbusch; und das Wasser obendrein mit salzigem Beigeschmack. Am 20. September langten wir im Kriegsgebiet bei der 10. Kompagnie 1. Feldregiments an und unternahmen von Otjosondjo aus den ersten Patrouillenritt. Am 24. September hatten wir bei der Wasserstelle Epata den ersten Kampf mit Hererokriegern. Mit aufgepflanztem Seitengewehr und „Hurra!" jagten wir den Feind in die Flucht und 1200 Stück Vieh war die Beute. Ich führte als Reiter selbständig einen Transport von 600 Stück nach Otjinene —, immer mit frischem Mut! Am 6. November, 20 Kilometer südlich Otjosondjo, machte ich im Gefecht meine ersten Gefangenen. Am 8. Dezember 1904 galt es, Wasser zu suchen; 75 Kilometer durch tiefen Sand, ohne Weg; zum Überfluß erkrankte unterwegs mein treues Streitroß. Ich führte es, der Patrouille folgend, ungefähr 15 Kilomerer am Zügel — dann — Durst. Ich dachte an den Vers: „Bald mußte der Reiter die Mähre tragen!" Bei der Ankunft an der Wasserstelle — kein Wasser! Kaum brachte die trockene Zunge über die Lippen: „Immer mit frischem Mut!" Aber etwas half der Selbstzuspruch doch. Um 12 Uhr mittags kam ich au; um 4 Uhr ging die Reise wieder los. lT/z Tag schon ohne Wasser, und beim Laufen durstet man mehr als beim Reiten. Tann — legte sich mein armes Tier bald hin — ich blieb bei ihm, bis es sein Leben aufgab. Rings endlose Öde — Sand — Felsen — Dornen. Also weiter auf Schusters Rappen. Ich war der letzte — hinter mir die Wüste — die Patrouille weit voraus; „— mit - — 331 frischem-Mut —!" sagte ich schon ganz langsam, als 2^ Tag ohne einen Trunk Wasser verstrichen waren, und noch lagen 50 Kilometer vor mir. Die letzten Kräfte wurden zusammengenommen — kaum ging's noch! „Mit frischem-!" — Dann half auch mein Mut nicht mehr. 500 Meter vom Lager — es war nachts 3 Uhr — blieb ich liegen — so wie einen Tag früher mein treues Streitroß. Als es Tag wurde, rief ich mir noch einmal zu: „Vorwärts — mit frischem Mut!" Und, siehe da, es ging, wenn's auch schlecht ging — verdurstend und mit wunden Füßen! Ich meldete mich — der schon verloren Geglaubte. Freude, Anerkennung bei Offizieren und Kameraden. „Eine Leistung" sagte mein Hauptmann, „dieser Marsch von O tj o s o n d j o nach O m a tup a und zurück!" Bei Oka Handja versagte eine Henry-Martini- Patrone, die meinem Leben eben ein Ende machen sollte. Der Hererokrieger — hm — der fiel dann, und sein Gewehr, das nahm ich mit und noch zwölf Gefangene dazu. — Das macht frischen Mut! An einem Streifzuge durfte ich teilnehmen, der einen Monat dauerte, und der uns in etwa 20 Erstürmungen von Werften 400 Gefangene, 50 Gewehre und 20 Stück Vieh einbrachte. Mehrfach wurde ich von meinem Hauptmann mit Transporten betraut. Jn Kaukaufeld wurde der Proviant verdammt knapp — „25 Gramm Gemüse" pro Mann und Tag. Da mußten wir uns wieder an dem „Vorwärts mit frischem Mut!" erquicken, und das ging auch; wenn auch eine andere Strophe des bekannten Gedichtes: „Viel Steine gab's und wenig Brot," manchmal in die Erinnerung trat. Wir verloren auf der Expedition zwei Drittel der Reittiere und nährten uns von Beeren und Roßsleisch. Auch dem knurrenden Btagen galt das: „Immer mit frischem Mut! Nur noch acht Tage!" Und wenn auch klapprig — wir kamen doch alle zurück aus der Steppe. Und mit frischem Mut bin ich am 17. Januar 1907 in der Heimat eingetroffen und freue mich nun der Erinnerung an die Kriegszeit. Schwer wurde der Abschied von treuen Kameraden, aber — „immer mit frischem Mut" — auf Wiedersehen. Max Hoffmann, ehem. Gefreiter der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. * - * Gefreiter Max Hanmann. Mit „Hurra, 5. Batterie!" Patrouillengefecht am 13. Oktober 1905 bei Zwartfontein. Ich erhielt am 13. Oktober 1905 abends 8,60 Uhr auf die Heliographische Nachricht hin, daß ein Donkeywagen der 5. Batterie und eine Eselkarre der 3.Kompagnie zwischen Zwartfontein und Gochas von Hottentotten überfallen sei, vom Major von Estorff den Befehl, mich mit zehn Mann zur schleunigen Unterstützung der überfallenen Wagen auf den Weg zu machen. Wenige Minuten vor 9 Uhr setzte ich mich mit elf Gewehren und zwei Pferdehaltern in Marsch und ritt, über das ganze Rivier verteilt, in beschleunigter Gangart nach Zwartfontein. Da ich annahm, 43* 332 daß die Hottentotten von unserm Herannahen zeitig in Kenntnis gesetzt seien und darum versuchen würden, uns durch wenige entgegengeschickte Leute in ein Gefecht zu verwickeln, um uns dadurch von einer unmittelbaren Hilfeleistung für die bedrohten Wagen abzuhalten, ordnete ich an, daß auf den ersten Schuß hin sich die gesamte Abteilung, laut und andauernd „Hnrwa, 5. Batterie!" rufend, in Galopp zu setzen habe. 10,16 Uhr abends, zirka acht Kilometer von Zwartfontein entfernt, wurde die Spitze vom rechten Rivierrande aus stark beschossen; die Abteilung setzte sich instruktionsgemäß, laut Hurra rufend, in Galopp und passierte unversehrt den Feuerbereich des Feindes. Unmittelbar danach erhielten Sergeant Rupprecht und Sergeant Latisch mit drei Reitern den Auftrag, im Rivier sprungweise, Hurra rufend, vorzugehen, während ich mit fünf Reitern auf dem westlichen Plateau, gleichfalls Hurra rufend, nach dem Eselwagen hingaloppierte. Nach wenigen hundert Metern tönte uns ein „Hurra! Viktoria!" entgegen. Trotzdem ritt ich nicht sofort ins Rivier hinunter, sondern schickte erst einen Späher aus, um mit Sicherheit festzustellen, ob dieser Ruf nicht eine von den Hottentotten schon mehrfach angewendete Falle bedeute. Wir sahen noch einige Hottentotten im ungewissen Lichte des Mondes in den Büschen verschwinden, im übrigen aber hatte sich der Feind uns gegenüber nicht bemerkbar gemacht. Über seine Stärke vermag ich aus eigner Anschauung nur anzugeben, daß ich die im Rivier vorgelagerten Hottentotten auf höchstens acht bis zehn Gewehre geschätzt habe, die allerdings durch ausgiebiges Schnellfeuer vermutlich den Eindruck einer größeren Anzahl zu erwecken gedachten. Die Blenge der um den Eselwngen selbst liegenden Hottentotten wird von dein Sergeant Simon, dem Führer der Kolonne, und auch anderen auf 40 bis 60 Gewehre geschützt, eine Ansicht, die sie damit beweisen zu können glauben, daß eine geringere Anzahl unmöglich die beiden Rivierränder und auch das Rivier selbst in so ausgedehntem Maße hätte besetzen können. Da vom Feinde nichts mehr zu sehen war, ließ ich drei Maultiere von der Patrouille an Stelle der erschossenen fünf Esel einspannen und fuhr mit den nötigen Sicherheitsmaßregeln nach Gochas zurück. Verluste beim Überfall: Unteroffizier Pytlik, Schuß durch den linken Fuß, fünf Esel, zwei Pferde tot. Die Anzahl der verwundeten Pferde und Maultiere konnte bis jetzt nicht festgestellt werden, da sie von den Pferdehaltern größtenteils nach Zwartfontein zurückgebracht worden sind. gez. von Wolf, ehem. Hauptmann der Kaiserl. Schutztruppe f. D.-Sndwestasrika. Der Bericht des Kommandeurs in Gochas. Anbei die Meldung des Hauptmanns von Wolf über seinen Patrouillenritt am 13. Oktober 1905, abends, anläßlich des Überfalls eines Eselmagens durch Hottentotten bei Zwartfontein: Gochas war zur Zeit sehr schwach besetzt, die 3. Kompagnie in Haruchas. Der Patrouillenritt stellt sich als eine besonders kühne und erfolgreiche Tat dar. Der Feind wurde durch den Hauptmann von Hornhardt der 3. Kompagnie, welcher dann die Verfolgung aufnahm, nach den Spuren auf 60 Blaun geschützt. Gochas, den 15. Oktober 1906. gez. von Estorff. * * * Hau-tmann Hans Hoinnch »>>» Wvtf. — „Znriit rüt, als Vas Gefecht sich entwickelte, Hanvtman» van Wolf allein vor der Abteilung." Ein treuer Bursche. Gochas, 27. Juni 1905. Ich bin mit meinem Hauptmann nach Südwest gegangen, und aus dem königlich sächsischen Kanonier ist ein kaiserlicher Reiter geworden. So kam ich denn mit in den Bericht über das Gefecht von Kowes, wo unsere Batterie am 17. Mai arg gelitten hat. Was von mir zu sagen ist, das hat der Herr Hauptmann von Wols schon gesagt; aber was der Herr Hauptmann selbst durchmachte, das hat er nicht mit berichtet. Und weil ich doch dabei war, so will ich's hier erzählen; denn bei Kowes, das war ein schlimmer Tag, und ich gab damals nichts mehr für das Leben meines Hauptmanns. Zuerst ritt, als das Gefecht sich entwickelte, Hauptmann von Wolf allein vor der Abteilung, und als er mich dann vorrief und zur Spitze schickte, da wußten die braunen Lumpen schon, wo der Führer ritt und — wie nun mal die Kerle schießen — ist das fast immer der sichere Untergang des Führers. Na, Mühe genug haben sie sich auch gegeben; denn einmal schössen sie dem Hauptmann durch die Feldflasche, wo zum Glück nicht mehr viel drin war, und zweimal durch den Gewehrschuh. Dann wurde ihm seine schöne Browningpistole durch einen Schuß vom Gürtel gerissen. Und als wir zurück mußten, da Pfiffen die Kugeln, sobald der Herr Hauptmann sich nur zeigte. Die Lumpen behielten ihn immer im Auge. Und gegen Schluß des Gefechtes, als sie schon Patronen sparten, und wir schon aufhörten, zu feuern, und aufrecht gingen, flogen sofort wieder die Kugeln, wenn der Hauptmann sich aufrichtete. Ein 334 Geschoß traf ihn auf die linke Brustseite, schlug sich aber Platt auf der Patronentasche, in der noch vier Patronenrahmen hintereinander lagen. Wie gut, daß der Herr Hauptmann zuerst die Rahmen, von der rechten Seite benutzt hatte! Als das Gefecht beendet war, und wir nach Kowes zurückkehrten, war es uns wie wohl immer nach einem Rückzugsgefechte, wenn auch heldenmütig gegen solche Übermacht ge- kämpft wurde. Wir sagten uns: „Wie wird man darüber denken, daß wir eine Lafette stehen lassen mußten, nachdem alle Tiere abgeschossen waren?" Aber unser Vorgesetzter, der rühmlich bekannte Major von Estorff, hatte die schwere Lage richtig erkannt und ließ meinem Hauptmann heliographisch seine Anerkennung aussprechen. Mein Hauptmaun meinte damals: „Es hätte mich auch nicht gewundert, wenn man mich vor ein Kriegsgericht gestellt hätte." Na, das konnte er wirklich nicht glauben, denn er hatte sich doch gehalten wie ein Löwe. — Aber ich selbst, ich will meine Fehler nicht verschweigen, wenn auch mein Hauptmann sie mir nicht nachtrug. Ich hatte mein und des Hauptmanns Pferd während des Gefechtes zu halten. Weiß Gott, was den Tieren einfiel; vielleicht wußten sie, was das Pfeifen der Kugeln bedeutete, kurz — beide Tiere rissen mir die Zügel aus der Hand, und fort machten sie, direkt nach Kowes, und meines Hanptmanns Gewehr, das am Sattel hing, nahmen sie mit. So war denn später der Hauptmann, 100 Schritt von den Leuten und 150 von den Hottentotten, ohne Schußwaffe. Na, ich kroch hin und gab ihm wenigstens meine Parabellumpistole und dann nahm der Hauptmann im Zurücklaufen das Gewehr des toten Unteroffiziers Lengowski. Mit diesem Gewehr schoß dann mein Herr noch einige Hottentotten ab, die, über eine freie Flüche laufend, sich in unserer linken Flanke einnisten wollten. Ich sah, wie der eine einen komischen Lustsprung machte und dann mit dem Rücken auf einem Dornenstrauch liegen blieb. Die Kugel hatte den Schädel durchbohrt. Daß wir uns nicht verleiten ließen, vorzugehen oder halten zu bleiben und das Geschütz auf das andere Ufer herüberzuziehen, war sehr gut; denn durch Aussagen von Gefangenen stellte sich heraus, daß wir Simon Copper mit über 500 Gewehren uns gegenüber hatten. Dies ist alles, was ich zu sagen habe zum Gefecht von Kowes. Fast hätte ich vergessen, daß mein Hauptmann leider auch seinen Drilling einbüßte, den der eingeborene Soldat Bock- wete trug, der noch vermißt wird und wohl erschossen in irgendeinem Dornbusch liegt. Gefreiter Wilke, ehem. königl. sächs. Kanonier, dann Reiter der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. 4 -i- * : ' r.-Z; --WEN Gefreiter Richard Wille. 8 — 335 — Im Regen. Im Februar 1906. Meine Kolonne befand sich im Februar 1906 auf Station Kuis, acht Kilometer südlich von Kub, und hatte den Auftrag, den Proviant von Kub nach Gibeon, Berseba und Kalkfontein zu befördern. Da trat plötzlich die Regen- periode ein. In Zeit von zwölf Stunden wuchs der Fischfluß zu einem gewaltigen Strom an. Ihn zu durchschreiten, daran war nicht zu denken, und man konnte auch nicht wissen, wie lange das Hochwasser anhalten würde. Unser eigner Proviant ging bald zu Ende, und es mußte Rat geschafft werden, wie man eigentlich den Fischfluß passieren könnte. Außerdem war durch das Hochwasser die Telephonleitung zerstört worden und konnte erst nach vielen Mühen von mehreren Kameraden, welche tüchtige Schwimmer waren, fertiggestellt werden. So wurde die Verbindung mit Kub wiederhergestellt, aber das Wasser blieb unpassierbar. Es mußte sogar die Postpatrouille, welche von Gibeon kam, bei uns ein paar Tage bleiben, da sie wegen des Hochwassers nicht weiter konnte. Mein Kolonnenchef, Hauptmann Wulfs, kam nun auf den Gedanken, ein Floß zu bauen. Es wurden acht Blechkoffer geleert und mit Stricken aneinander befestigt, und obendrauf kamen ein paar Türen. An jedes Ende wurde eine lange Leine gebunden, womit das Floß über den Strom hin- und hergezogen wurde. Inzwischen war von Kub aus schon Proviant an die andere Seite des Fischflusses geschafft worden. Die Kameraden, Gefreiter August Wille und Gefreiter Poppelsdorf, schwammen nun über den Strom und zogen das Floß hinüber. Der Proviant wurde aufgeladen und das Fahrzeug wieder auf unsere Seite gebracht. Alle waren froh, daß wieder genügend Proviant vorhanden war. Diese Regenzeit wird allen Kameraden, welche mit mir zu der Zeit in Kuis waren, in steter Erinnerung bleiben, und daheim wird man erfahren, daß auch im wasserarmen Südwest des Wassers einmal zu viel werden kann. Hubert Pütz, ehem. Gefreiter der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. * rft * Wie wir den Tod des Leutnants von Schweinichen rächten. Seit acht Tagen lag das Feldlazarett Nr. 13 in Kub in Bereitschaft. Ungeduldig harrten wir des Befehls, nach dem Kriegsschauplatz im südlichen Namalande aufzubrechen. Eine schwere, arbeitsreiche Tätigkeit von zehn Monaten in Kalkfontein am Auob lag hinter uns. Auf ödem Snndhügel, ohne festes Obdach, hatten wir dort gegen 600 Kameraden, Verwundeten wie Kranken, wenn auch nicht immer Heilung, so doch liebevolle Pflege zu bringen, ihnen das Elternhaus zu ersetzen vermocht. Da schlug am 2. Dezember 1905 in unsere Ruhe die Nachricht ein, daß in der Morgendämmerung der Viehposten Gurus überfallen und 2000 Stück Kleinvieh dem 'WL Gefreiter Hubert Pütz. 336 Witbooikapitän Sebulon in die Hände gefallen seien. In unerschrockenem Wagemut war Leutnant von Schweinichen, der Kommandant des Postens, mit nur drei Reitern den Räubern nachgeeilt. An den steilen Rändern des Fischflusses wurde er/von vielen Geschossen durchbohrt, ein Opfer seines Heldenmutes, mit ihm zwei Reiter. Nur einer kam verwundet davon. Der Etappenkommandant von Kub, Hauptmann Grützmacher, ersuchte alle in der Umgebung befindlichen Formationen um Abgabe von Reitern zur Aufnahme der Verfolgung. Leute hätte es zur Not gegeben, doch mangelte es an Reittieren. Zufällig war gerade in Kuis die Kolonne des Hauptmanns Wulfs der 5. Kolonnenabteilung eingetroffen, die 25 Berittene stellen konnte. Die 1. Kolonnenabteilung stellte 15 Reiter, während ich mich mit acht Reitern (Oberarzt Strahler, Unteroffizier Bold, Gefreiter Dohlus, Häuser und vier Mann) des Feldlazaretts Nr. 13 anschloß — die Hälfte auf Pferden, die andere auf Maultieren beritten. Den Spuren des Gegners folgten wir durch die Täler des Fisch flusses und das Nebental des Packriem. Vom Nachmittage des zweiten Tages an mußte» wir die Täler verlassen und durch das wilde Geröll der zerklüfteten Fischflußberge ohne jede Pad die mühevolle Verfolgung fortsetzen. Bergauf, bergab, mit unheimlicher Geschwindigkeit hatte der Gegner das Vieh vor sich Hergetrieben. Oft trafen wir halbverzehrte Tiere neben noch glimmenden Kochfeuern. Jeden Augenblick hofften wir an den Gegner zu kommen. Da bot sich uns plötzlich ein entsetzlicher Anblick. In einer Schlucht sahen wir 600 tote Schafe und Ziegen liegen. Die Hottentotten hatten alles erschlagen, was nicht mehr mitkommen konnte, um uns den Besitz des Viehes nicht zu gönnen. Und so erreichten wir an diesem Tage den Gegner nicht mehr. Die Nacht, die die Spuren verdeckte, machte- der Verfolgung ein Ende. Wir verbrachten sie gefechtsbereit. Beim nächsten Morgengrauen genossen wir das letzte Stück Eierzwieback. Dann ging es weiter. Nach zwei Stunden erhielt plötzlich die rechte Seitenpatrouille Feuer. So schnell es das schwere Geröll und die huflahmen Tiere, die trotz der unermüdlichen Fürsorge unseres Fahnenschmiedes zum Teil ohne Eisen waren, erlaubten, gingen wir im Trabe vor. Doch der Gegner war wie vom Boden verschlungen. Einen Toten mit Gewehr, ein Dutzend Weiber und Kinder mit einigen Stück Vieh hatten sie zurücklassen müssen. Wir suchten nun von den Weibern Näheres über die Abzugsrichtung des Gegners zu erfahren. Aber mit einem gewissen Heroismus suchten sie uns mit der unschuldigsten Miene auf eine falsche Spur zu führen. Mit dem frechsten Gesicht leugneten sie, überhaupt etwas von einem Viehdiebstahl zu wissen, und wiederholten fortwährend nur Sebulon, Sebulon — und zeigten dabei nach einer ganz falschen Richtung. Aber die beiden Buren, die uns als Führer dienten, hatten die Spur nicht verloren, die auf dem nackten Felsen nur dem geübten Auge sichtbar war. Bei glühendster Hitze folgten wir ihr, bis wir wieder nach vielem Kreuz und Quer an den Fischfluß gekommen waren, etwa 90 Kilometer südlich von Kub. Wir waren 24 Stunden ohne Wasser. Unsere Hoffnung, es in dem trockenen Flußbett zu finden, wurde getäuscht. Aber das Durstgefühl wurde unterdrückt durch die gespannte Erwartung auf kommende Ereignisse. Die Spitze, unter Führung des bald darauf gefallenen Leutnants von Abendroth, überschritt das trockene, 300 Meter breite Rivier. Der Haupttrupp blieb hinter den steilen Uferfclsen am diesseitigen Ufer zurück; ich hatte die Verbindung zwischen Spitze und Hnupttrupp herzustellen. Als längere Zeit drüben alles ruhig blieb, sandte ich meine Pferde hinüber und war gerade selbst in der Mitte des Riviers angelangt, als es auf einmal um mich herumpfiff und Hauptmann Grützmacher mir zurief, den Haupttrupp heranzuholen. Also wieder zurück, und mit dem Hut die Abteilung herangewinkt. Die Sache war bald erledigt. Drei tote Hottentotten mit 98 er Gewehren hatte der Gegner zurücklassen müssen. Im dichten Busch auf weniger als 30 Schritt hatte sich das kurze, erbitterte Gefecht abgespielt. Mittlerweile war es 1 Uhr mittags geworden, wir mußten mit allen Kräften sehen, ans Wasser zu kommen. Endlich, nach mühseligen zwei Deutsche Reiter in Südwest. KWWDDWz «LM «Wir suchten von den Weibern Näheres über die Abzugsrichtung des Gegners zu erfahren." — 338 — Stunden, kamen wir an eine Stelle, wo im Rivier Wasser stand. Lehmig zwar, aber es war doch Wasser. Zahlreiche Viehspuren bewiesen, daß die Hottentotten dort eben getränkt hatten. Das hinderte aber die durstigen Leute trotz aller Warnung nicht, das Wasser ungekocht gierig einzuschlnrfen. Mein braver Bursche, der frühere Bamberger Ulan Roß, holte sich dabei den Typhus und den Tod. Die vernünftige Überlegung zeigte, daß wir ohne Hafer, ohne Proviant mit unseren müden Tieren keinen weiteren Erfolg gegen den gewandten Gegner, dessen Spuren in den verschiedensten Richtungen auseinander gingen, erhoffen konnten. Unsere drei Toten waren wenigstens gerächt, fünf tote Hottentotten lagen dafür auf der Strecke. Wenige Tage darauf ergab sich Sebulon mit 49 Gewehren in Gibeon. Als ich ihn dort sprach, gab er unumwunden zu, daß er nie geglaubt hätte, daß deutsche Soldaten ihm auch in seine unwegsamsten, verborgensten Schlupfwinkel folgen würden. Er zog es daher vor, Frieden zu schließen. Dr. Lion, Stabsarzt der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. Notiz des Herausgebers. Deutlich geht aus diesem Beispiele hervor, daß auch die Mitglieder des Sanitätskorps gelegentlich in den Kampf eingreifen mußten. Die segensreichen Vorteile des „Roten Kreuzes" blieben ihnen, wie den Kranken und Verwundeten, in diesem Kriege versagt — es lag ihnen daher nicht selten die doppelte, chrcnreiche Tätigkeit ob, nach schwerem Waffengange sich der Sorge um die Ver- -i° * Ein Truppendichter. An das „Zelte-, Posten-, Werdarufen" wird man unwillkürlich erinnert durch die Verse, die der Dichter der 7. Kompagnie im Feldlager niederschrieb — am Auob. Solche Kameraden frischen nicht selten Stimmung und Energie in der Truppe auf und find wahrlich nicht zu unterschätzen, besonders, wenn sie, wie Otto Pahl, auch im Kampfe sich das schwarzweiße Band erringen. Ich erinnere an den braven Kutschke von 1870/71, den ich selbst später in Breslau kennen lernte. Auch er trug das Eiserne Kreuz. Übrigens schrieb mir Pahl mit Stolz, daß auch sein Vater den Deutsch-Französischen Krieg mitgemacht hat. D. H. mundeten zu widmen. Stabsarzt vr. Lion. Reiter Otto Pahl. — 33ö — Orlog im Südwesten. 1. Im Süden von Südwest Rumort's! Man feuert fest, Dieweil der Hendrik klein Möcht' Herr in Windhuk sein. An alle Hottentotten Schickt Hendrik seine Boten: „Herbei in Wehr und Waffen! Wir werden das schon schaffen! Wie herrlich wär's geworden, Wenn Dentschmann blieb im Norden, In Windhuk wir gesessen, Die Wampe vollgefressen!" 2. So ähnlich sollt' es kommen, Hatt' Hendrik vorgenommen. Und eh' man fich's gedacht, Hat Orlog er gemacht, Die Farmer totgeschlagen, Die Habe fortgetragen. So, dacht' der Hottentott', Wär's recht vor Welt und Gott. Trotha läßt fich's nicht bieten, Schickt Truppen nach dem Süden, Das 2. Regiment, Daß Deimling mach' ein End'. 3. Im Kub war viel Proviant, Dem Hendrik wär's bekannt. Er ruft die gelbe Rasse Zu einem kleinen Spaße: „Wir nehmen die Station (Er glaubt, er hat sie schon!) Und fressen uns recht voll!" Manasse meint: „Jawohl!" Bald kracht's zu aller Schrecken Im Kub an allen Ecken! Bedenklich sah's schon aus-- Die 7. warf sie 'raus! 4. Um Rietmont zu verschonen Vor unseren Kanonen, Bestimmt der Hendrik jetzt, Wird Naris stark besetzt. Als unsere Kolonne Bei heißer Mittagssonne Durch Naris sollte ziehn Direkt nach Rietmont hin: „Bautz!" fing es an zu krachen, Das war nicht mehr zum Lachen. Doch Hendrik, warte nur, Wir komm'n dir auf die Spur. 5. Es dauert auch nicht lange, Da ward ihm doch schon bange; Die 7. Kompagnie Geht drauf, man glaubt nicht wie! Geschosse der Kanonen Und unsre blauen Bohnen Die treffen ihn zu dicht, Das paßt dem Hendrik nicht. „Hört — Hottentottenleute, Wir machen kehrt für heute!" Es war, eh' man's versah, Vom Schweinpack nichts mehr da! 6. In Rietmont angekommen, Das Nest war bald genommen, Und dann „Marsch, marsch!" hinaus Nach Gochas rissen s' aus. Was wir in diesen Tagen Marschiert, 's ist nicht zu sagen. Den Schlaf wir holten ein Sodann in Kalkfontein. Da kamen beßre Zeiten, Brauchten nicht Hunger leiden. Rum gab's — Tabak dazu, Dann pflegten wir der Ruh'! 7. Doch mit des Jahres Wende Nahm auch die Ruh' ihr Ende, In der Silvesternacht Hat's fürchterlich gekracht. Beim Donner der Geschütze Und bei des Himmels Blitze Hieß es in unsrer Schar: „Viel Glück zum bleuen Jahr!" Wie wir im Patsch gesessen, Wird keiner mehr vergessen. Nicht Punsch, nicht Grog, nicht Bier! Im Feuer liegen wir. 8. Die nächste Wasserstelle Besetzte Hendrik schnelle. Bei Nabas saß er lange Zu unserem Empfange, 44* I 340 Und erst am dritten Tage, Nach großer Müh' und Plage Und manchem blut'gen Strauß, Riß Hendrik endlich aus. Gewonnen war die Schlacht, Der Not ein End' gemacht. Das Wasserloch — mehr braucht's ja nicht. Die Gelben hatten Wichs' gekriegt. 9. Der Au ob ist vom Feinde frei. Allein man munkelt allerlei, Hendrik sei in Verlegenheit, Weil er die Hottentottenleut' Nun hat ins Unglück doch geführt Und er den Strick am Halse spürt. Denn für den Kopf des Hottentotten 5000 Mark sind schon geboten. 's ist viel, das sieht der Hendrik ein, Und unsere 7. möcht' es sein, Die unter ihre braven Jungen Den Preis verteilt, den sie errungen. 10. Doch sollt's uns nicht gelingen, Den Kopf uns zu erringen — So macht's uns auch nichts aus, Wenn wir nur komm'n nach Haus Gesund und ohne Schaden Und reich an Ruhmestaten. Es schlägt in uns ein deutsches Herz Wie Gold so echt und fest wie Erz. Welch Glück, das Vaterland begrüßen, Das wir voll Mut so stolz verließen! Und sind wir erst im Elternhaus — Nicht lang — dann ziehn wir wieder 'naus. Otto Pahl, ehem. Reiter der 7. Komp. 2. Feldregiments der Kaiserl. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Kägelin, Kr. Neuruppin. * -i- Vier Tage allein und verwundet zwischen den Hottentotten. Erlebnisse auf einer Patrouille am Hudup, 2. bis 9. März 1905. „Fassen sie mich, dann sterbe ich eines elenden Todes nach schmachvoller Verstümmlung! Gnade kennt der Feind nicht. Wer gefangen wird, der stirbt!" In diesen wenigen Worten läßt sich die Erklärung für die große Zahl heroischer Taten finden, wie sie in Kriegen zwischen Kulturvölkern selten erreicht werden. Was ein Mann an Überwindung von Hindernissen, selbst mit Wunden bedeckt, leisten kann, das zeigt die einfache Erzählung des Unteroffiziers Wille. Gerade in der Schmucklosigkeit liegt die Überzeugungskraft: „Am 2. März 1905 hatte ich wieder einen Patrouillenritt — einen Befehl von der Abteilung in Kub an die Abteilung des Hauptmanns von Zwehl zu überbringen. Wir waren zwei Mann. Am Nachmittag faßten wir beide, Ingenieur Lang und ich, Proviant für fünf Tage und ritten dann gegen 5 Uhr ab. Als wir drei Tage unterwegs waren, mitten im Hudupgebirge am Keitsub, wurden wir, als wir im Trabe um einen Hügel ritten, plötzlich von 16 bis 18 Hottentotten, die hinter den Sträuchern lagen, mit einer Gewehrsalve überschüttet. Mein Kamerad Lang preßte die Hand auf die Brust und sank nach hinten mit dem Rufe „Eu!" (bedeutet „Ach") vom Pferde. Er war durch Kopf und Brust getroffen. Mein Pferd stand gleich kerzengerade auf den Hinterfüßen und stürzte dann zusammen. In dem Moment hatte ich schon mein Gewehr aus dem Gewehrschuh und nahm gleich hinter meinem Pferde das Feuer auf. Längs Pferd lief noch drei bis vier Meter und brach dann, auch getroffen, zusammen. Ich bekam nun auch einen Schuß nach dem andern. Von den Gegnern hatte ich schon zwei tot und einen kampfunfähig geschossen. Jetzt wurde mir auch noch das Gewehr zerschmettert. Ich verlor dabei den rechten Zeigefinger und konnte nicht mehr weiter feuern. Das Gewehr von Lang konnte ich unmöglich holen, da der Feind nur 15 Meter im Halbkreis von mir entfernt lag, und zu dem anderen Pferde .L." , ' ^WMWL W^M LdAW NEW .- '- S/V-5^ „Auch diesseits gingen Vieh abtreibende Hottentotten dicht an mir vorbei." 342 hätte ich vier bis fünf Meter auf ebenem Boden, direkt' vor den Gewehrläufen der Gegner, hinspringen muffen, um das Gewehr zu holen. Es war einfach unmöglich. Als ich noch einen Moment hinter meinem Pferde sann, was ich nun machen sollte, da kamen fünf Mann vom rechten Flügel des Feindes mit aufgepflanztem Seitengewehr unter Hurrageschrei auf mich zu. Ich hielt ihnen das leere Gewehr noch einmal entgegen, und da warfen sie sich sofort wieder hin. Sie hatten sicher geglaubt, ich wär' auch schon tot. „Lang!" rief ich noch einmal, aber der rührte und regte sich nicht mehr. Ich rollte mich ein paarmal um, zurück bis an die kleinen Sträucher, und dann lief ich im Zickzack, was ich laufen konnte, davon. Freilich bekam ich dabei noch einige Schüsse durchs Zeug. Mein Gewehr nahm ich nur noch ein Stück mit, dann warf ich es fort, da es doch nicht mehr zu gebrauchen war. Das Schießen hatten die Hottentotten schon einige Zeit eingestellt, aber sie waren auch schon bis einige Schritt mir nahe. Ich lief und lief. Es dauerte ungefähr eine halbe Stunde, daß sie mir so dicht auf den Fersen waren, dann ging es zum Glück in ein Nivier bergab, und da bekam ich etwas Vorspruug. Nun hatten sie das Laufen eingestellt und fingen wieder au zu schießen; ich setzte mich einen Moment auf eine Klippe, um etwas zu verschnaufen. Das Blut kam bei mir aus dem rechten Auge, Nase, Mund, rechten Zeigefinger, Brust und Rücken gequollen. Ich fühlte richtig, wie ich immer schwächer wurde. Da die Geschosse aber immer dichter neben mir einschlugen, und ich hier nicht bleiben konnte, brach ich wieder auf, — lief noch eine Viertelstunde im Dickicht weiter, dann hörte das Schießen auf. Da wir schon den dritten Tag unterwegs waren, glaubte ich, nicht mehr weit von der Abteilung von Zwehl entfernt zu sein und schlug den Weg nach dieser Richtung ein. Endlich kam ich an etwas Wasser, welches noch vom Regen in einem Loch zwischen den Steinen übrig geblieben war, trank, wischte das Blat etwas ab und verband mich, soweit es ging. Nachdem ich fertig war mit Abwäschen, war das Wasser ganz rot geworden. Aber ich hatte mich wieder gestärkt und setzte meinen Marsch fort. Da sah ich ungefähr 600 Meter vor mir Pontoks und Vieh dazwischen herumlaufen. Ich bog in nordwestlicher Richtung links ab, die Höhe hinan. Aber als ich oben angelangt war, kamen auch die Hottentotten von weitem mit der Beute, welche sie bei dem Überfall gemacht hatten. Ich mußte retour und stieg entgegengesetzt wieder in die Höhe. Der Abhang war sehr dicht mit Milchbüschen und Kakteen bewachsen, so daß sie mich hierbei nicht sehen konnten. Auf dieser Seite oben war auch alles dichter Busch, und ich drehte nun mehr nach Osten zu, um den Hudupfluß zu erreichen; denn der Zustand, in welchem ich mich befand, war einfach grauenhaft. Den Wassersack hatte ich am Pferde hängen gelassen, und die Feldflasche war mir abgeschossen. Endlich gelangte ich an den großen Fluß, den Hudup. Hier stillte ich den Durst und kühlte die Wunden etwas ab. Dann wollte ich wieder nordwärts, aber ich konnte nicht wegen der Werft, welche an der Mündung des kleinen Riviers stand. Ich ging daher ostwärts durch das Rivier auf die entgegengesetzte Seite, bog nach Norden und ging ungefähr eine Stunde. Dann mußte ich aber die Richtung nach Nordwesten einschlagen, um zur Truppe zu gelangen. Hier mußte ich wieder das große Rivier kreuzen. Als ich aber vom Rande in das Rivier blickte, sah ich allenthalben Vieh und Hottentotten, wußte also, daß in jeder Weise mir der Weg zur Truppe abgeschnitten war. Nun bekam ich wieder Durst und drehte um und schlug den Weg südöstlich nach Gibeon zurück ein. Als ich nun wieder am Wasser war, ruhte ich erst einmal eine Stunde aus. Gegen 1 Uhr ging ich wieder weiter, durchkreuzte das Rivier wieder und kam bis ziemlich an die Werft heran. Da die vor mir liegende Strecke keine Deckung bot, wartete ich hier im Gesträuch, gegenüber der Werft, bis es dunkel wurde. Dann kroch ich auf dem Bauche zum Wasser, trank noch einmal tüchtig und nahm noch eine Blechdose, welche ich erst gefunden hatte, voll Wasser mit. 343 Ich durfte es nicht wagen, in aufrechter Haltung nach dem Wasser zu gehen; denn auf der anderen Seite kamen viele Eingeborene ans Wasser. Auch diesseits gingen Vieh abtreibende Hottentotten dicht an mir vorbei. Ich lag ruhig und beobachtete alles. Dann lief ich über die Fläche nach Südwesten und stieg die steile Felswand in die Höhe. Als ich oben angelangt, war es so dunkel geworden, daß man nicht die Hand vor Augen sah. Es drohte jede Minute zu regnen. Hier oben drehte ich wieder nach Südosten, ging ein paar Stunden auf dem Nananibplateau, dann ging's wieder in einem Rivier abwärts. Ziemlich unterhalb des großen Flusses hörte ich öfters Vieh schreien und vernahm ganz plötzlich eine Hottentotteustimme. Ich machte hinter dem nächsten Busch halt und überlegte. Umkehren, das Rivier wieder bergauf, das ging nicht; denn der Durst machte sich bei mir wieder sehr bemerkbar. Ich zog nun meine Stiefel aus, hielt sie fest zusammen, damit sie nicht klapperten, und ging dann in Strümpfen mitten durch die Werft. Links und rechts standen Pontoks, ich schlich mich zwischen dem Vieh durch — es war meist Großvieh. Dann lief ich in dem kleinen Rivier meist auf den Klippen, damit meine Spur nicht so zu sehen war. Als ich an das große Rivier kam, stieß ich wieder auf Hottentotten, die unter Bäumen lagerten. Ich hätte bald drauf getreten, denn sie sahen im Finstern gerade aus wie Klippen. Ich ging nun den Hudup abwärts, nach Süden zu. Als ich ein Stück von der Werft weg war, trank ich erst einmal tüchtig und ging dann weiter. Da sah ich vor mir etwas kommen. Sofort warf ich mich in das meterhohe Gras und versuchte, meine Spur zu verwischen. Es warenHottentotten,jedenfalls einePferde- wache. Ich zitterte förmlich vor Angst, auch wohl vor Schmerzen; denn der abgeschossene Finger und die anderenWunden machten sich argbemerkbar. AberGott war bei mir und führte die Feinde an mir vorüber. Nach einer Weile ging ich, gebückt, im Grase weiter und traf hier auch Pferde und Esel an. Ich blickte noch einmal zurück nach der Werft, wo jetzt 16 Feuer brannten. Mittlerweile war es Tag geworden. Ich zog meine Stiefel wieder au und ging in dem großen Rivier vorwärts. Es wurde immer breiter, und die Berge immer niedriger. Noch ein paar Kurven, dann hatte ich die letzten hohen Berge des Hudup hinter mir. Ich machte halt und ruhte erst ein paar Stunden, denn außer der kurzen Zeit tags zuvor, als ich gerade gegenüber der Werft lag, und wo ich auch kein Auge schließen konnte, hatte ich keine Minute Ruhe gefunden. Ich war von gestern morgen gleich nach Sonnenaufgang bis jetzt immer nur neuen Gefahren ausgesetzt gewesen, deshalb suchte ich mir jetzt ein günstiges Plätzchen, wo ich glaubte ungestört schlafen zu können. Höchstens vier Stunden hatte ich geruht, den richtigen Schlaf aber nicht gefunden. Die Aufregung war zu stark, und die Schmerzen zu groß, der Hunger stellte sich auch bald ein. Es waren bis jetzt gerade zwei Tage, daß ich keinen Bissen mehr eingenommen hatte; mein Glück war ja, daß ich bei der Tour öfters an Wasser kam. Es mochte 11 Uhr abends sein, als ich wieder aufbrach. Bald hatte ich das letzte Wasser im Gebirge, den Airob, überschritten. Ich hatte zwei leere Flaschen gefunden, füllte Reiter Friedrich Wiike. WMe 344 sie mit Wasser und nahm sie mit. Nach fünf Stunden kam ich aus dem Gebirge, und jetzt ging es immer bergab, bis ich wieder den Fluß überschritt. Ich ruhte hier kurze Zeit, füllte wieder meine Flaschen und ging dann das Kaigurubplateau entlang. Gegen Mittag des folgenden Tages kam ich auf der Heliographenstation Hanaus an. Die Freude war groß, nach dieser Tour wieder die ersten Deutschen anzutreffen. Ich gab nun gleich ein Telegrarnm nach Gibeon auf und benachrichtigte über den Überfall und einzelne Punkte von den Werften, wo die vielen Eingeborenen noch saßen. Auch bekamen wir Licht aus dem Hudup und von der Abteilung von Zwehl, die gerade bei Keitsub, an der Überfallstelle, angelangt war. Mir wurde gleich etwas Brot und Kaffee gereicht. Nachdem ich mich etwas gereinigt hatte, machte ich mich abends 5 Uhr wieder auf die Beine und ging noch bis Gibeon. Es war 12,30 Uhr, als ich, ganz ermüdet, hier ankam. Weinen mußte ich vor Freude, als ich die ersten Häuser von Gibeon passierte. Ich wurde nun gleich von Herrn Oberarzt Zimmer verbunden, und dann ins Bett gebracht. Am nächsten Tage mußte ich den ganzen Sachverhalt erzählen und wurde dann zum Lohn dafür zum Kriegsverdienst eingegeben, was ich nun auch mit Dank erhalten habe, auch das Preußische Militärehreuzeichen 2. Klasse wurde mir zuteil." Friedrich Wilke, ehem. Reiter der Kaiserl. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. * Abenteuer eines Frischlings. Wir erreichen auf dem Dampfer „Lulu Bohlen" die Küste. Kurz vor Swakopmund liegt der im Januar 1905 gestrandete Dampfer „Gertrud Woermann". Wir kommen näher an Land; wie sehnten wir uns danach; denn seit Monrovia sahen wir acht Tage lang nur Himmel und Wasser; rasch werden die Goerzgläser hervorgeholt, um die Kolonie zu beobachten, doch so weit das Auge sieht, nichts als Sand. Im Hintergründe tauchen die Erongoberge auf. — Bei Swakopmund münden die im Sommer meist wasserlosen Flüsse Swakop und Khan in den Atlantischen Ozean. Die Brandung ist hier so groß, daß die Schiffe oft wochenlang vor der Reede liegen, ohne ausladen zu können. Die neue Mole verbessert indessen vieles. Zwischen Swakopmund und Lüderitzbucht liegt die englische Walfischbai. Sieben dieser Walfische schwimmen stolz an uns vorüber; allmählich erblicken wir Angra Pequena oder Lüderitzbucht. Vor ungefähr 80 Jahren siedelte sich dort ein Bewohner der Kapkolonie, namens Lüd eritz, an und benannte das Land nach seinem Namen. Sein Sohn ist heute noch Besitzer in Lüderitzbucht und stand lange in Regierungsdiensten als Konduktor. Wir fahren in den Roberthasen ein, ein sackartiger Naturhafen, der der Brandung und den Winden Trutz bietet. Rechts von der Einfahrt liegt die Haifischinsel, auf welcher sich das Feldlazarett 12 mit einem Bezirk für Gefangene befindet. Vor uns liegt das Ufer, auf dem einige Zelte und Wellblechbuden errichtet sind. Aus Stein ist bloß das Offizierkasino. Wo das Auge hinsieht, erblickt es Sand, hellgelben Sand, im Hintergründe hohe (200 bis 500 Meter) Dünen und nackte Klippen. So ist ziemlich überall der Strand von Deutsch-Südwestafrika beschaffen; die Sanddünen bilden einen Gürtel bis 120 Kilometer ins Land hinein. Man nennt sie „Namib". Es läßt sich denken, wie sehr sich jeder von uns an das Land sehnte. Doch wurden wir auf eine harte Geduldsprobe gestellt. Falsche Gerüchte, sogenannte „Blechparolen", liefen täglich zu Hunderten ein. Man sprach von Eilmärschen, da man ohne uns nicht weiter - V» < '- ^As - ' ^ . '' Überfall eines Wagentransportes bei Seß-Kameelbaum. „Am 20. Juli 1905 überfiel Hendrik Witbooi bei Seß-Kameelbaum, aus dem Hinterhalts feuernd, eine» WageutranSport. Die schwache Bedeckung trat sofort dem Angreifer entschlossen entgegen, mußte aber nach hartem Kampfe endlich der allzugroßen Übermacht weichen. Tie Reiter Jauaszak und Laubsch zahlten ihr mutiges Vorgehen mit ihrem Blute." Beilage zu: „Tincklage, Teutsche Reiter in Südwest. Deutsches Verlagshaus Bong L Co., Berlin ^V. 57. 345 operieren könnte, und was dergleichen Unsinn mehr ist. Die fieberhafte Unruhe stieg noch, als wir angesichts der Küste zwei lange Tage auf dem Schiff verbleiben mußten. Es gab ja noch so viel Arbeit. Alle Stallungen mußten von uns reingemacht werden. Die Pferde wurden aus folgende praktische Art ausgeladen: der Gaul wird in einen mit zwei Türen versehenen Kasten geführt und mittels Kran in ein großes Floß, worauf 40 Tiere Platz finden, heruntergelassen. Eine Pinasse fährt das Floß nahe ans Land. Nun werden die Pferde ins Wasser getrieben, damit sie vollends das Land erreichen. Dort stehen Buren und Kapboys, die, mit Mauleseln beritten, die Tiere von der Bai in den etwa eine Viertelstunde landeinwärts gelegenen Kamp treiben. Dort schafft man die Pferde in Krale. Endlich wurden auch wir ausgeschifft. Das Herz pochte mir lauter, als ich den Fuß auf afrikanischen Boden setzte. Eine Welt von Gedanken durchschauerte mich, und ich mußte mich fragen: was wirst du hier alles erleben? Zwar hatte ich nicht lange Zeit, mich meinen Gedanken zu überlassen; denn so wüst und öd alles war, bot es doch einen fremdartigen, ungewohnten Anblick dar und hatte einen geheimen Zauber für uns. Einige kleine „Bambusen" jagten auf ungesattelten Pferden heran, wie kleine Teufel reitend. Das Wort „Angetreten!" riß mich aus meinen Betrachtungen. Wir gehörten zur 4. Fnhrparkkolonnenabteilung und hatten unsern Sitz im Kamp. Dort empfing uns ein großes Zelt, worin wir es uns recht bequem machten. Wir erhielten jeder vier Decken und verbrachten so die erste Nacht im Sande auf afrikanischem Boden. Später lernten wir auch unsere Umgebung genauer kennen und erstaunten, mit welcher Leidenschaft hier dem Spiel gefrönt wurde. Kleine Tischchen, auf welchen sechs numerierte Felder gemalt waren, bildeten die ganze Spielbank. Man setzte beliebig auf ein Feld, und warf der Würfel die gleiche Zahl, hatte man den Einsatz und den Betrag des Einsatzes dazu gewonnen. Im Nu hatten einige Kameraden viel Geld gewonnen oder verloren. Einer, der auch bis spät am Spieltische stand, hatte dritte Nummer und sollte um 2 Uhr nachts auf Posten ziehen. Den Patrouillen- gang hatte er durch das Kamp und durch die Zelte des Durcheinanders von Menschen zu machen. Es waren Spanier, Portugiesen, Russen, solche, die nicht in den Krieg gegen Japan wollten, Australier, Amerikaner, Franzosen und andere mehr. Dann mußte er um die Krale, die ziemlich groß und lang waren. Lüderitzbucht war damals noch das Hauptdepot für die Tiermassen der Kolonnenabteilung. Mürrisch und verschlafen zog der Posten auf. Er war noch ein 45 Deutsche Reiter in Südwest. „Mürrisch und verschlafen zag der Puste» auf." 346 Reiter Hans Alber. Sollte er nähertreten? Frischling in Afrika, denn sein Transport war kaum vier Wochen am Land. Wie er von dem Kamel- kral zum Donkeykral einbog, fesselte etwas seine Blicke. Der Mond schien mit wunderbarem Lichte auf das Gelände; es war ein schöner Anblick, eine Nacht, so herrlich, wie es ja in Afrika viele gibt. Er schien etwas Besonderes zu sehen und trat hinzu, ohne aus der ganzen Sachlage klug zu werden. Schon ahnte er ein seltsames Abenteuer. Am Boden lag eine Donkeyeselin, andre standen neugierig umher. Aber was war das? Was erschien denn so glänzend im Mondenschein? War das die glitzernde Haut einer Schlange, einer Boa? Des Neulings Phantasie sah schon, wie das gräßliche Die Bestie konnte sich ja Ungeheuer den armen Donkey umschlingt, auch gegen ihn wenden. „Schnell herkommen, Alber, Alber, schnell— ehe es zu spät!" ruft er, angstvoll die Schußwaffe umklammernd. Wir eilen herbei, treten in den Kral — heran an die Eselin und erkennen statt der Boa ein eben geborenes Füllen. Die Heiterkeit, die dieser unerwarteten Entdeckung folgte, läßt sich schwer beschreiben; noch am selben Abend faßte ich die Schreckensszene in ein Gedicht, dessen letzter Vers lautete: „Nicht einer Schlange schrecklich Grausen, Nein, einen Neuling durft er schaun. Enttäuscht jetzt, wendet er den Rücken, Beschämt er sich von dannen stahl. Am Mutterglück nimmt mit Entzücken Jetzt teil der ganze Donkeykral." Hans Alber, ehem. Reiter der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Basel. H * * 347 Aus der Suche nach ausgebrochenen Maultieren und Pferden. Vom 1. bis 6. Oktober 1905. Am 30. September 1905 war ich noch Kolonnenoffizier und hatte einen Transport von Windhuk über Gobabis nach Aminuis zu bringen. Ungefähr in der Mitte zwischen Gobabis und Aminuis, an der Wasserstelle Ums, brachen mir, in der Nacht vom 30. September zum 1. Oktober, meine sämtlichen Maultiere und Pferde aus dem Kral aus; dieser war hier eine Art Wagenburg; die Wagen waren kreisförmig aufgefahren und mit Stricken verbunden. Es waren zusammen etwa 165 Stück. Eine angekommene Kamelpatrouille hatte sie dermaßen in Angst versetzt, daß sie nicht zu halten waren. Es gelang nur, etwa 30 Maultiere in den Kral zurückzutreiben; die übrigen Flüchtlinge waren verschwunden. Nun ist das Weglaufen der Tiere in Afrika nichts Außergewöhnliches. Ein Schakal, eine Hyäne, ja ein bloßer Schatten bringen nachts öfter Paniken unter den weidenden oder im Kral stehenden Tieren hervor, und diese laufen dann oft meilenweit, ehe sie haltmachen. Da wir keinen Mondschein hatten, und der Himmel bewölkt war, hatte ein unmittelbares Nachreiten in derselben Nacht keinen Zweck. Die Spur war nicht zu erkennen. Am andern Tage, also am 1. Oktober, setzte ich mich selbst mit meinem Burschen, dem Gefreiten Hackelberg, meinem Wachtmeister und noch einem Reiter auf die Spur, die in die Kalahari hineinführte; begleitet waren wir noch von zwei eingeborenen Soldaten, zwei Zwartbooi-Hottentotten. Die Spur war deutlich zu sehen, und ich glaubte, daß ich spätestens in zwei Tagen mit den Tieren wieder zurück sein würde. Die Wasserbeutel hatten wir gefüllt und Proviant für etwa drei Tage mitgenommen. Der ganze erste Tag verging; von den gesuchten Ausreißern war nichts zu sehen. An der Spur konnte man erkennen: die Tiere hatten nur einmal einen kurzen Halt gemacht, um zu weiden, sonst waren sie immer Trab oder Galopp gelaufen. Da kein Mondschein war, mußten wir leider darauf verzichten, die Nacht zur Verfolgung der Ausreißer zu Hilfe zu nehmen, und konnten wir nur während des Tages in der Hitze reiten, was Tier und Reiter natürlich sehr anstrengte. Am Ende des zweiten Tages hatten wir noch nichts von den Gesuchten bemerkt; zwei meiner Maultiere machten bereits schlapp; ich mußte sie zurücklassen. Da auch unser Wasser längst zu Ende war, beschloß ich, die Spur vorläufig aufzugeben und auf die nächste Wasserstelle Kaichab loszumarschieren. Das war die Wasserstelle, die wir auf dem Marsche von Gobabis nach Ums unmittelbar vor diesem passiert hatten. Da die Spuren auch ungefähr nach dieser Richtung weitergingen, vermutete ich, wie sich nachher herausstellte, mit Recht, daß die Tiere dorthin zurückgelaufen wären. Wie weit die Wasserstelle noch war, wußten wir nicht; ich taxierte ungefähr noch zehn Stunden; tatsächlich waren es aber vierzehn. Am Morgen des 3. Oktober wurde es, da die Wolken fort waren, schon früh heiß. Um 7 Uhr brannte bereits die Sonne wie toll. Meine Leute fingen an, schlapp zu werden. Um 8 Uhr morgens schon mußte ich haltmachen und entschloß mich schließlich, von den übriggebliebenen vier Maultieren zwei zu erschießen, um durch Blut unseren quälenden Durst einigermaßen zu löschen. Wir öffneten den Leib der Tiere und schöpften mit unseren Koppjes, Trinkbecher mit Henkel, das Blut in Futterbeutel. Der Reiter, den ich mit hatte — der Name ist mir leider entfallen — konnte sich nicht mehr halten; halb wahnsinnig vor Durst trank er sofort von dem warmen Saft und wurde bald schwindlig: er hatte das Dicke vom Blute mitgetrunken, was sehr unangenehme Folgen haben kann. Wir ließen das Blut einige Augenblicke stehen, bis sich das Dicke gesetzt hatte, und schöpften dann die obere gelblich-rötliche dünne Flüssigkeit ab, die ganz kühl war und wie Eiweiß schmeckte. Das half in der Tat eine Weile über den Durst hinweg und fühlten wir uns 45 * 348 einigermaßen frisch. Mit dem Rest des Blutes füllten wir unsere Feldflaschen. Inzwischen war es sehr heiß geworden; deshalb brachen wir erst gegen 4 Uhr nachmittags auf; die letzten beiden Maultiere, die wir hatten, wollten aber nicht mehr weiter; wir mußten sie zurücklassen. So gingen wir denn alle zu Fuß. Unterwegs schössen wir noch eine tragende Ricke und tranken gierig das Fruchtwasser. Weit jedoch kamen wir nicht. Etwa eine Stunde nach dem Aufbruch machte sich bei meinen weißen Leuten eine so bedenkliche Erschlaffung bemerkbar, daß ich halt machen mußte. Vor allem der Reiter, der das Dicke Nom Blute getrunken, war total erschöpft. Ich schickte daher die beiden Hottentotten, die noch ziemlich munter waren, mit unseren Wasserbeuteln nach der Wasserstelle voraus, um Wasser heranzuholen. Die Zeit, bis die Schwarzen wiederkamen, war entsetzlich. Würden sie überhaupt wiederkommen? Von Speise bekam man keinen Bissen herunter, die Zunge war ganz dick. Gehör- täuschungen traten ein. Um den Durst nur einigermaßen zu ertragen, zogen wir uns ganz nackt aus. Die kalte Nacht brachte etwas Linderung. Die Hitze war aber schon am nächsten Morgen wieder entsetzlich. Wir tranken schließlich das in der Nacht gekühlte eigene Wasser; für einen Moment feuchtete das wenigstens den Gaumen an. Bald aber brannte es wieder furchtbar in: Mund. Wenn jetzt feindliche Hereros gekommen wären, wir hätten kaun: die Energie gehabt, unsere neben uns liegenden Gewehre auf sie abzufeuern. Es war uns alles egal. -— Mittags plötzlich ein Freudenstrahl! Wolken verdüsterten plötzlich die sengende Sonne, und unwillkürlich beteten wir zum Himmel, daß es doch regnen möchte. Wirklich, es fielen ein paar Tropfen. In Stiefeln und Hüten fingen wir sie auf und leckten sie gierig ab; zum Trinken war es leider zu wenig. Es hatte aber etwas erfrischt. Doch bald war's vorbei: die Sonne kam wieder vor und brannte aufs neue herunter. Wieder ein kleiner Hoffnungsstrahl: wir wühlten verzweifelt im Boden und fanden einige Wasserwurzeln, die wir aussogen. Von den Schwarzei: aber immer noch nichts zu sehen. Der Abend brach herein; da endlich gegen 7 Uhr tönten die drei verabredeten Schüsse. Wir schössen wieder; es wurde noch einmal geantwortet; wir waren sicher: die Hottentotten kehrten zurück. Eine halbe Stunde darauf erschienen sie auch mit Wasser! Wie Tiere stürzten wir uns darauf. — Man lernt in Afrika, wenn man es vorher noch nicht weiß, daß Wasser gut schmeckt. Wir konnten jetzt auch wieder essen. Ich beschloß, noch eine Stunde zu ruhen und dann gestärkt die kühle Nacht zu benutzen, um die Wasserstelle zu erreichen. Um 9 Uhr abends ging's los. Wir fühlten uns frisch, um mindestens fünf Stunden marschieren zu können. Aber wir kamen nur eine Stunde weit, dann kau: die Reaktion. Wir konnten nicht mehr weiter. Den einen Hottentotten schickte ich nochmal voraus nach Wasser, und wir kamen am Morgen des 5. Oktober noch vier Stunden vorwärts, so daß wir noch etwa sechs Stunden bis zur Wasserstelle hatten. Der mit Wasser zurückkehrende Hottentott brachte uns die erfreuliche Nachricht, daß ein Ochsenwagen, den er zufällig an der Wasserstelle getroffen, uns entgegenfahre. Dieser langte auch gegen Abend bei uns an und brachte uns endlich am Morgen des 6. Oktober an die heißersehnte Wasserstelle. Im Laufe des Tages traf dort noch Oberarzt Dr. Eckert aus Gobabis mit einem Krankenwagen ein, um uns zu Hilfe zu kommen; wir waren bereits tot gesagt. Dr. Eckert hatte stärkende Getränke bei sich und viel zu essen. Uns hat Wohl niemals etwas so gut geschmeckt als das Mittagessen mit Dr. Eckert zusammen am 6. Oktober 1905. Ihm sei hier nochmals unser bester Dank entgegengebracht! — Die weggelaufenen Tiere waren tatsächlich an der Wasserstelle gewesen und mir von befreundeten Buschleuten nach Ums entgegengetrieben worden; auf dem Wege dorthin aber waren sie, erschreckt durch eine Kamelpatrouille, nochmals ausgebüchst. -- ARM G'MA HGWäWMA -^.v ^ ^7L >- --'X M5- ^ „Eine halbe Stunde darauf erschienen sie auch mit Wasser wie Tiere stürzten wir uns darauf. -MMkUW- — 350 — Nach drei Tagen hatte ich sie jedoch alle bis auf 20 Stück wieder, die wohl verdurstet sind. Sie waren zum Teil 200 Kilometer gelaufen, und zwar den Weg zurück, den wir gekommen. Ein großer Teil wurde in Gobabis gefangen. Zwei Tage nach der eben geschilderten Durstpatrouille ritt ich allein mit meinen beiden Hottentotten von Kaichab aus nach Westen, um eventuell noch Spuren von vermißten Maultieren zu schneiden. Unterwegs nahm ich einen mit einem Martini-Gewehr bewaffneten Herero gefangen, der sich hinter einem Busch verborgen hatte; ich war an die Stelle gekommen, bis zu der ich wollte, hatte keine Spuren gesehen und machte halt, um zu rasten. Am andern Morgen um 3 Uhr traten wir den Rückmarsch an; direkt nach Ums, wo meine Kolonne lag. Die beiden Hottentotten ritten mit dem Gefangenen voraus; ich hinterher. Nach einer Viertelstunde fiel mir auf, daß sie ja ganz verkehrt ritten. Ich merkte es an einem Stern, der unterging; wir ritten gerade drauf zu und mußten doch entgegengesetzt reiten. Ich rief den Kerls zu: „Wir reiten ja falsch"; da antworteten sie: „Ja, Lütnant, wir reiten falsch!" Das war mir doch sehr verdächtig, zumal die Hottentotten sich fortwährend mit dem gefangenen Herero unterhielten. Diese Naturmenschen sollten sich so in der Richtung geirrt haben? Es war nach den bisherigen Erfahrungen geradezu undenkbar. Ich machte kehrt. Während des weiteren Verlaufs des Rittes machten die Kerls nochmals den Versuch, mich irrezuführen. Endlich kamen wir an die bekannte Pad (Weg), die uns direkt nach Ums führte. Ich übergab den Gefangenen einer dort gerade liegenden Kompagnie, die in den nächsten Tagen, von dem Herero geführt, eine ziemlich starke Werft aufhob, die in derselben Richtung lag, wohin die Hottentotten mich hatten irreführen wollen. Diese bekamen nun, wo ihre Tücke klar war, ihre 25 aufgezählt. Das Benehmen der beiden Hottentotten, die mich doch zuerst vom Verdursten gerettet hatten und dann dem Feinde überliefern wollten, ist ganz charakteristisch für ihren Stamm. Sie suchen sich zuerst bei ihren: Herrn durch eine Guttat einzuschmeicheln, um ihn nachher um so sicherer betrügen zu können. Nur so erklärt sich auch das Verhalten Oberleutnant Martin Wernicke. Von Hendrik Witbooi. Martin Wernicke, ehem. Oberleutnant der Kaiser!. Schntztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Baden-Baden. „Da wußte ich erst, daß ich unter dem Wagen liege!' Ich bin von der 5. Speckkolonne. Wenig Erlebnisse, aber ruheloses Leben, wie die Zigeuner! Mal schlechte, mal gute Zeiten! Wie's gleich am ersten Tage nach der Landung in Swakopmund zuging, das will ich erzählen; es ist ein Bild aus dem vollen. »«W 351 Wir hatten alle ausgeruhte Tiere bekommen, die lose im Kral, ohne Halfter liefen. Wir mußten sie einsangen. Bei den älteren ging das auch ganz gut. Aber die jüngeren schlugen wie verteufelt, und mancher von uns fiel dahin, wo der Rücken aufhört. Ich hatte auch so ein Tier gefaßt, führte es zur Wagenstaffel und wollte es an meinen Wagen bringen. Aber die Bestie ging mit mir im Kreise herum, daß mir die Beine in die Luft flogen, und dann. lag ich auch schon -— mit meiner Eßmaschine und meinem Leuchtturm im frischen Mist und —na -— da verging mir der Appetit. Meine Embouchure schwoll mächtig an, und der Leib tat mir weh, als wenn ich Kolik hätte. Ich mußte dennoch mit zugreifen, denn viele der Kerls hatten keine Ahnung vorn Einspannen. Um 11 sollten wir zum Abmärsche von Swakopmund fertig sein. Um 1 Uhr waren wir noch nicht fertig. Endlich ging's los. „Am rechten Flügel anfahren!" Ja — prosit die Mahlzeit! „Hü! hü!" schreit jeder, aber nichts rührt sich; wenigstens nicht nach vorwärts. Einer hatte die lange Schweppe, traf aber nicht die Mulis, sondern die eigenen Ohren. Die alten Reiter sahen zu und lachten, und nachdem sie sich weidlich über unsere Fahrkunst lustig gemacht, brachten sie uns dann raus aus Swakopmund. Na, und dann ging's los! Nicht wie wir, sondern wie die Pferde wollten. Die Pad war auch nicht allzu- glatt — man mußte sich festhalten, wenn's zu toll stieß. Aber nach Nonidas kamen wir endlich doch ohne Unfall. „Ausspannen!" „Futtern!" usw. Die Mulis waren schon mittlerweile ein bissel zahmer geworden, und wir durften uns nach getaner Arbeit gütlich tun und uns eine Flasche Bier kaufen. Dann ging's zum Schlafen. In einen alten Pferdestall? Nein! Ich legte mich unter einen alten Wagen, machte mir eine Kompresse auf meinen geschwollenen Sprech- organismus und schlief ein. Auf einmal wache ich auf. Mir war übel, Wohl in der Traumerinnerung an mein erstes Frühstück in Afrika. Rasch richte ich mich auf — aber blau und braun wurde mir vor den Augen — ein furchtbarer Schlag und dann mächtiges Sausen, und das Blut lief mir über den geschwollenen Mund. Ich hatte vergessen, daß ich unter dem Wagen lag. Nun wußte ich's! Man lernt rasch zu in Afrika! Mächtig schwoll nun auch meine Rübe an, und nach acht Tagen schillerte ich in allen Farben, so daß meine Kameraden mich den „Herero" nannten. Und ich träumte doch in der Nacht so schön — ich wäre zu Hause beim Mütterlein! Der Traum hat mich arg betrogen! Die Lehre habe ich aber doch aus diesem Unfall gezogen: „Afrika ist nicht der Ort zum Träumen"; später — na, da erlebte ich Schlimmeres — aber darüber mögen andere schreiben. Jetzt ist alles eine schöne Kriegserinnerung, und man freut sich, daß man auch dabei war! Andreas Spiegel, ehem. Reiter in der Kaiserl. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. Reiter Andreas Spiegel. * * * 852 „Simon Copper machte — den Kessel zu." Am 24. März 1905, nachts 11,30 Uhr, kam eine Patrouille von Huguis nach Aminuis in der Kalahari gejagt und meldete, daß dort Hottentotten wären. Unteroffizier Weigert habe gerade ein an der Wasserstelle gesatteltes, frei dastehendes Pferd am Zügel nehmen wollen, als auch schon zehn Arme nach ihm griffen. Nur seinem flotten Afrikanerpferd habe er es zu verdanken, daß er mit einigen Sätzen aus dem Bereich der gelben Rasse kam. Da es stockfinstere Nacht war, fanden es jedenfalls die Hottentotten zwecklos, hinterher zu schießen. So meldete Unteroffizier Schmarsow an den Oberleutnant von Baehr. Gegen 4 Uhr morgens, am 25. März, trabten wir, 31 Gewehre stark (von der 4. Kompagnie 1. Regiments unter Oberleutnant von Baehr) von Aminuis in der Kalahari auf Huguis zu. Von den 31 Gewehren waren 13 Unteroffiziere; denn da diese die besten Pferde hatten, gingen sie lieber überall hin, als daß sie die Tiere abgaben, und dieses erklärt auch zur Genüge die hohe Zahl. Dann rechneten der Oberleutnant, der Oberarzt, zwei eingeborene Soldaten und 14 Mannschaften zu den 31 Gewehren. Halbwegs wurde haltgemacht, um den Anbruch des Tages abzuwarten. Alsdann wurde mit Sicherung bis kurz vor Huguis geritten. Ungefähr 800 Meter von der Wasserstelle entfernt wurde im Galopp aufmarschiert und in derselben Gangart die vorliegende Fläche bis an das Wasser durchritten. Allgemeines Staunen, daß wir kein Feuer erhielten. Zwei Patrouillen jagen sofort nach rechts und links vorwärts, um hinter die ungefähr 1000 Meter entfernten Dünen zu sehen. Die linke Patrouille kehrt nach einigen Minuten mit der Meldung zurück: „Ungefähr 200 Pferdespuren sind in der Richtung nach Aminuis gefunden!" Also während wir aus Aminuis ausrückten, marschierten die Hottentotten dahin, um das Vieh von den dort wohnenden Betschnanen zu holen! Das wäre eine nette Beute gewesen, denn es waren an 2000 Stück Großvieh und noch mehr Kleinvieh da. Wir setzten uns nun auf die Spuren der Hottentotten und trabten scharf vorwärts. Drei Kilometer vor Aminuis, in einem Dünenkessel, bekamen wir auf 150 Meter Feuer. Es war, als wenn ein Landwirt Erbsen säet! Die Hottentotten dachten entweder, sie hätten uns schon, oder sie waren verblüfft. Jedenfalls schössen sie dieses Mal ganz gegen ihre Gewohnheit schlecht. Unteroffizier Hundertmark rind drei Mann waren verwundet und einige Pferde gefallen. Hinter , einer kleiner Düne bekamen wir etwas Deckung, sprangen ab und nahmen das Gefecht auf. Jetzt schössen die Hottentotten aber besser. In kurzer Zeit waren die meisten Pferde erschossen, und wo jemand den Kopf etwas zu hoch hob, Pfiffen ihm auch schon ein Dutzend Kugeln an der Nase vorbei. Simon Copper, der die Hottentotten befehligte, machte jetzt den Kessel zu. Oberleutnant von Baehr ließ die Verwundeten zurückbringen. Er und Wachtmeister Koch deckten mit je zehn Mann den Rückzug. Als die Verwundeten an der nach rückwärts gelegenen Düne ankamen, tauchten oben auf derselben schon die Hottentotten, stehend, wie eine Bildergalerie, auf. Wie unsinnig schössen sie aus uns, die letzten Pferde Sergeant R. Arendt. Aus dem Gefecht bei Aubes, am 29. September 1905. „Die 1. und 3. Kompagnie 2. Feldregiments waren im Morgengrauen des 29. September von Gochas her zum Angriff auf das feindliche Lager vorgegangen. Der Feind erhielt jedoch Vcrstärlnugen, und als die Munition zu mangeln begann, mußte Hauptmann Moraht das Gefecht abbrechen. Zwar gelang der Rückzug, aber hierbei mußte noch eine vorgelagerte Düne im furchtbaren Kreuzfeuer der Hottentotten passiert werden. Die Bespannung eines Geschützes der Batterie des Hauptmanus von Wolf (5.) brach zusammen, und dieses mußte zurückgelassen werden. Gegen Mittag gelaugte die Abteilung nach GochaZ zurück; sie hatte abgesehen von dem Geschütz einen Verlust von 12 Verwundeten erlitten." Beilage zu: „Diucklage, Deutsche Reiter in Südwest.' Deutsches Berlagshaus Bong L Co., Berlin V. 57. 352 — oben tauchten auf der Düne schau die Hottentotten wie eine Bildergalerie aus." fielen. Jetzt pfiff Oberleutnant von Baehr von links und rief: „4. Kompagnie mir folgen!" Fünf Mann und zwei Verwundete leisteten dem Ruf Folge. In demselben Moment war aber Oberleutnant von Baehr mit den fünf Mann und zwei Verwundeten auch schon von den, den Rückzug deckenden Leuten abgeschnitten. Über die zurückgebliebenen eingeschlossenen Leute und Unteroffiziere übernahm Wachtmeister Koch das Kommando. Er ging auf eine kleine Düne und besetzte diese ringsum. Jeder buddelte sich in den Sand ein und wartete, bis einer der Hottentotten sich erhob oder zu nahe durch das Gras herankroch. Eine ruhig gezielte Kugel machte dann jedesmal der Sache ein Ende. Simon CoPPer sowie seine Unterkapitäne trieben ihre Leute mit der Nilpferdpeitsche an; aber die von den Deutschen ruhig abgesandten Kugeln waren wirksamer. Die paar Mann, die da noch eingeschlossen lagen, wollten ihr Leben so teuer wie möglich verkaufen. Da, mittags 1 Uhr, überall Bewegung bei den Hottentotten. Wir denken unser Teil und umspannen das Gewehr noch einmal krampfhaft. Aber nein! — Ringsum halten einige Hottentotten die Deutschen in Schach, während die andern zurückgehen, aufsitzen und dann verschwinden. Bald folgen auch die noch Zurückgebliebenen jenen nach. Als wir sicher waren, daß der Gegner wirklich abgegangen war, nahmen die noch Gesunden die Verwundeten auf den Rücken und marschierten drei Kilometer bis zur Station Aminuis. — Mitten im Gefecht war der Unteroffizier Weigert mit zwei Reitern durch die Linie der Hottentotten gejagt, um auf alle Fälle die Station zu benachrichtigen. Dabei wurde ihm das Pferd erschossen; er kroch schnell unter einen dichten Dornbusch, und die verfolgenden Hottentotten jagten an ihm vorbei. Einem der Reiter, Gefreiten Sprögel, wurde das Pferd verwundet. Er schlug eine falsche Richtung ein und kam nach neun Tagen wieder in der Kalahari an. Dem anderen Reiter brachte eine Kugel einen Rahmen Patronen im Gurt zum Explodieren, ohne ihn zu verwunden. Sein Pferd bekam einen Schuß in die Schulter, aber das brave Tier brachte den Reiter, dem derselbe Schuß durch das linke Bein gefahren war, noch bis zur Station, sie war also gewarnt. Auf dieser befand sich ein Maschinengewehr, das die Hottentotten, wenn sie es versucht hätten, Vieh zu holen, etwas beknattert hätte. Der Vormittag kostete uns von den 31 Reitern 6 Tote (Oberarzt Mayer, Teutsche Reiler in Südwest. 46 354 Unteroffizier Hundertmark, Gefreite Broll, Meißel, Reiter Häufig, Heidorn), 6 Verwundete (Sergeanten Löb, Arendt, Gefreite Klockner, Stöber, Reiter Müller, Zeller) und l Vermißten (Gefreiter Sprögel); dazu noch 26 Pferde tot. Nach Aussagen von einige Monate später gefangenen Hottentotten hatte der Feind 8 Tote und 7 Verwundete, wovon noch 2 gestorben sein sollen. R. Arendt, ehem. Sergeant der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. Ein gefallener Held. Über den Tod des Hauptmanns d'Arrest bei Hartebeestmund schrieb einer seiner Offiziere am 1. November 1905 an dessen Mutter: „-Am 24. Oktober, morgens um 7 Uhr, erzählte er uns noch lustige Geschichten aus seiner Leutnantszeit. Trotz der vorhergegangenen enormen Strapazen war er immer noch frisch und machte Zukünftspläne. Da plötzlich gegen 8 Uhr früh erhielten wir rasendes Schnellfeuer von einer überhöhenden Stellung. Wir suchten schleunigst hinter großen Steinen, die hier am Oranje in Menge herumliegen, Deckung, und Hauptmann d'Arrest ließ uns das Feuer gegen die Hottentotten, die in überwältigender Überzahl waren, erwidern. Ihm selbst ließ es aber keine Ruhe. Er wollte sich nach der Lage der anderen Truppenteile, die unter seinem Befehl standen, erkundigen und ging trotz meines dringendsten Rates, doch noch damit zu warten, bis das feindliche Feuer etwas nachließe, zu der weiter rückwärts liegenden 10. Kompagnie zurück. Auch in früheren Gefechten war er so leichtsinnig gewesen, im heftigsten feindlichen Feuer aufrecht und im gewöhnlichen Schritt von einen: Truppenteil zum anderen zu gehen, gerade als ob ihn die feindlichen Kugeln nicht erreichen könnten, allerdings den Leuten dadurch ein großartiges Beispiel von Kaltblütigkeit gebend. Oft hatten wir ihm dies vorgehalten, doch er ließ sich nicht warnen. Diesmal hatten die Hottentotten ihn offenbar als Offizier erkannt und es auf ihn abgesehen; denn es prasselte förmlich auf ihn ein, während er zurückging. Als er 50 Schritt von der Kompagnie entfernt war, bekam er die tödliche Kugel — im Rücken hinein, auf der Brust heraus. Sein Fernglas, das er umgehängt hatte, und das mit dem übrigen Nachlaß Ihnen, gnädigste Frau, zugehen wird, ist ein trauriges Denkzeichen dieses bösen Schusses. Er war gleich tot und liegt nun unter hohen Bäumen am User des Oranje. Wein: ihm nicht die Erinnerung an diesen bösen Tag anhaftete, wäre es einer der schönsten Plätze in diesem sonst so öden Lande. Hauvtmann d'Arrest. 355 Es war 8,30 Uhr morgens, als er fiel. — Elf Stunden noch, bis 7,30 Uhr abends, lagen wir auf unsern! Fleck, vom feindlichen Feuer zugedeckt, konnten nicht vor- — noch rückwärts. Doch die glühende Sonnenhitze, der Durst und Hunger, alles war nichts gegenüber dem Gedanken, der uns den ganzen Tag quälte: unser Hauptmann ist tot -— was nun? Es waren keine leichten Stunden, die wir damals durchlebten, gnädige Frau; so wie ich, dachte wohl jeder Reiter der Kompagnie." von Kalckreuth, Leutnant der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. Über Hereros und Hottentotten. Man darf die beiden Stämme kaum in einem Atem nennen, denn gemeinsam ist ihnen nur die Feindschaft gegen die deutschen „Eindringlinge", die Verschlagenheit, Falschheit, Verschlossenheit und Hinterlist. Was nun das Eindringen betrifft, so sind beide Stämme selbst eingedrungen in das jetzt deutsche Land und haben die schwächeren Damaras und Buschmänner, die Ur- bewohner, mit Gewalt verdrängt. Aber nicht, um Kultur zu bringen, sondern nur aus Purer Selbstsucht — der guten Weiden wegen; denn beide Stämme sind Viehzüchter. Die Hereros aber, die hochgewachsenen, kraftvollen, selbstbewußten Neger mit tiefschwarzer Hautfarbe und stolzer Haltung sind ein Herrenvolk — der Arbeit abgeneigt. Sie benutzen die schwächeren Buschmänner nur für ihre Zwecke. Sie erbauen ihre Wohnungen — Pontoks —, Hütten aus Fasern und Lehm hergestellt, in der Nähe der Wasserstellen und Viehweiden. Zwar sind sie kriegerisch veranlagt, aber ihre Kriegskunst erstreckt sich nur auf den gegebenen Moment. Es fehlt ihnen das nachhaltige Durchführen eines Kriegsplanes, wie es sich bei den Hottentotten zeigt. Tapfer, ja heldenhaft im Kampfe, verfallen sie nach dessen Ende einer oft apathischen Sorglosigkeit. Anders die Hottentotten, die Witboois, die Bondelzwarts, die Feldschuhträger, die den Süden bewohnen. Die tief braungelben Stämme sind körperlich kleiner als die „Schwarzen", aber unvergleichlich kultivierter und unterrichteter. Erstaunlich ist z. B. stellenweise ihre Sprachkenntnis. Am zivilisiertesten sind die — uns treugebliebenen — Bastards von Hottentotten und Buren oder Holländern. Die Hottentotten sind durchaus kriegerisch veranlagt und haben im Kleinkriege eine große Gewandtheit entwickelt. Freilich war ihr bedeutendster Feldherr — Morenga — ein Schwarzer. Im Grunde sind sie alle Räuber und Viehdiebe. Auch sie, gleich den Hereros, zeigten die hervorragendsten Soldatentugenden, wenn es sich um die Sicherung von Vieh und Wasserstellen handelte. Bewaffnet waren beide Rassen mit modernen Hinterladern, Modell 88, oder doch mit guten Feuergewehren, von denen sie selbst die minderwertigen mit Geschick handhabten. Ihre Feuerdisziplin und Munitionssparsamkeit muß vollauf anerkannt werden. Die Waffen der Wilden. 46 * Reiter Karl Schmadainsky. 356 Bogen und Speer, kennt man in Südwest nicht mehr. Dagegen dient das Kirri, eine schwere, meterlange Keule aus härtestem Holze, als Handwaffe. Beide Stämme trugen vielfach die Uniformen deutscher Gefallener oder solche, die in Transportüberfällen geraubt waren. Sogar deutsche Fahnen führten sie und brauchten deutsche Losungsworte. Im Ertragen von Hunger und Durst waren sie den deutschen Truppen durch von Jugend auf gewohnte Entbehrungen weit überlegen. In unseren Truppen legten fast alle Offiziere die Erkennungsabzeichen ab, weil die äußerst scharf sehenden Feinde die Führer besonders aufs Korn nahmen. Ja, schon ein leitender Wink mit der Hand genügte ihnen, an dieser Bewegung den Vorgesetzten zu erkennen. Den gewohnten Kulturannehmlichkeiten mußten übrigens auch wir Europäer gründlich entsagen lernen: „Wegen Wassermangel ist das Waschen verboten!" Das war gar kein Ausnahmebefehl. Wie sahen wir aus nach wochenlangem Biwak! Und wie sehnten wir uns nach Brot, Milch, Kartoffeln, Eiern! Immer Reis, Büchsenfleisch und schlechtes Wasser. Dürftige Nahrung hatte uns Typhus, Malaria, Skorbut und Herzkrankheit gebracht; denn das Klima ist ungünstig — warme Tage, kalte Nächte — nicht selten Eis. Das Land ist durchweg kulturfähig, und wenn erst der Wassermangel durch Brunnen und Stauwerke beseitigt ist, versprechen ungeheure Landslächen für später eine blühende Kultur. Karl Schmodginsky, ehern. Reiter der Kaiser!. Schutztrnppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Schönlinde. * * * An der Kalahan. In einer Reihe von Berichten dieser Sammlung aus dem Kreise der ihm unterstellten Offiziere und Mannschaften wird des Majors von derHeyde vielfach gedacht in der Erinnerung an den schweren Kampf, den er am 10. August gegen einen übermächtigen Feind unter schweren Verlusten so mutvoll bestand. In einen späteren Abschnitt seiner bedeutungsvollen Tätigkeit — an die Grenze der Kalahariwüste — führt uns der tatkräftige Offizier nun selbst durch Tagebuchblätter aus den Monaten Dezember 1905 und Januar 1906. Es galt damals, mitunter in harten Kämpfen, die gegen das Betschuanaland zurückgewichenen Hottentottenbanden von den Wasserstellen zu vertreiben und sie entweder zu vernichten oder auf britisches Gebiet zu drängen. Major von der Heyde lag in Gobabis, von wo aus er mit seinem Stäbe allein bis zur Station Aminuis vorritt, als die Meldung über Ansammlungen von Hottentotten eintraf. Aus den Tagebuchblättern folgen hier einige kurze Auszüge: „Seeis, den 12. September 1905. Soeben trifft Telegramm von Exzellenz Trotha ein: „Hottentottenbanden sind- von Aubes in nordöstlicher Richtung abgezogen. Kommando des Ostbezirks begibt sich nach Aminuis; Awadaob ist zu besetzen!" So muß ich denn meine Truppen hier im Stich lassen, mit meinem Stäbe über Gobabis nach Aminuis eilen. Die Besetzung von Awadaob war bereits von mir angeordnet, so habe ich weiter keine Sorgen, als möglichst schnell nach dem bedrohten Süden meines Bezirks zu kommen. Aminuis, den 10. Oktober 1905. Die etwa 300 Kilometer lange Strecke von Seeis bis hierher habe ich in sieben Tagen zurückgelegt. Es reitet sich angenehmer und schneller nur mit dem Stäbe allein als " 4 » .MW^GL -. 7 - - M"!>" ? ! Häuptling mit Fnmilie 358 mit der Truppe. Der ganze Stab besteht aus zwei Offizieren, zwei Unteroffizieren, fünf Reitern und zwei schwarzen Bainbusen. Unser Gepäck, das im wesentlichen aus der Akten- kiste, der Verpflegung für Roß und Reiter und unseren Schlafdccken besteht, wird auf einer gut bespannten Eselkarre befördert, die mit den Reitern trotz schlechter Wege im großen und ganzen Schritt halten kann. Natürlich wird nur in den späten Abend- und den frühen Morgenstunden marschiert, über Mittag muh man Rast an einer Wasserstelle machen. Die nächtlichen Nastpausen richten sich nach Auf- und Untergang des Blondes, d. h. solange der Mond scheint, wird marschiert, und nur während der Dunkelheit geruht. Natürlich sind diese nächtlichen Ritte auf die Dauer doch angreifend, und ich war daher froh, als ich von der letzten Anhöhe aus Aminuis im scheidenden Sonnenschein vor mir liegen sah. Der Anblick von Aminuis hat bisher noch immer seinen eigenen Reiz auf mich ausgeübt. Da liegt vor dem Beschauer anscheinend ein großer verschneiter See, umgeben von bewaldeten Höhen, und an einer Ecke dieses Sees erblickt man die vier Häuser, welche im Verein mit den Zelten eines Feldlazaretts und den Hütten des Betschuanendorfes die Station Aminuis ausmachen. Bald ist das See- ufer erreicht, doch nicht Eis und Schnee ist es, was die weiten Flächen bedeckt, sondern Salz. Derartige Salzpfannen gibt es in dieser Gegend mehrere, doch keine reicht an Größe und Schönheit der Landschaft an die von Aminuis heran. Aminuis ist eine katholische Missionsstation und war bis zum Ausbruch des Nufstandes militärisch nur mit drei bis vier Reitern besetzt. Jetzt liegen seit Monaten eine Kompagnie und eine halbe Batterie, ein Feldlazarett und eine Funkenabteilung hier, und zwei ehemalige Reiter der Schutztruppe, welche hier als Farmer und Kaufleute fitzen, machen infolgedessen gute Geschäfte. Hauptmanu Kliefoth, der Stationskomman- dant, konnte mir über die Hottentotten nur die beruhigende Nachricht geben, das; weit und breit nichts von ihnen zu spüren gewesen ist, dahingegen machte ihm das lange Ausbleiben der Verpflegungskolonnen Sorgen. Darüber konnte ich ihn beruhigen; denn eine Maultierkolonne mit zwanzigtägiger Verpflegung war im Anmarsch und mußte 11ms, eine Wasserstelle etwa 60 Kilometer nördlich Aminuis, erreicht haben. Nur noch drei bis vier Tage muß der Proviant gestreckt werden, wie der Kunstausdruck heißt, aber dann ist sicher neue Verpflegung da, und wir können Fettlebe machen — worunter der Südwestafrikaner gut leben versteht. Für alle Fälle hatte ich nach Beendigung der Streife gegen die Bahnlinie Karibib-Wind- huk die 9. Kompagnie und eine halbe 4. Batterie nach Aminuis beordert. Aminuis, den 18. Oktober 1905. Die 4. Batterie ist nun hier vereint und die 9. Kompagnie steht im Nossobtal bei Nao- sanabis. Der Posten Awadaob meldet, daß bei Ar ahoab eine Hottentottenwerft gespürt worden ist Leutnant von Saldern reitet nach Naosanabis Major von der Heyde. 359 mit einer Patrouille, um die 9. Kompagnie nach Awadaob heranzuziehen; ich reite morgen nach Awadaob. Awadaob, den 26. Oktober 1905. Bei meinem Eintreffen in Awadaob fand ich die 9. Kompagnie nicht vor und mußte noch eine Patrouille den Nossob aufwärts schicken, um sie heranzuholen. Am 23. abends war die Kompagnie auch nach anstrengendem Marsche in Awadaob angekommen, doch ohne den Leutnant von Saldern, welcher erst am 24. früh bei uns eintraf. Dieser Offizier hatte sich verritten und war infolgedessen vier Tage ohne Wasser umhergeirrt, ehe er Naosanabis erreichte, wo er dann den Spuren der 9. Kompagnie folgte. Während seines Durstrittes hatte er sich mit seiner Patrouille nur einmal mit dem Blut eines geschossenen Springbockes, das mit Odol etwas verdünnt und verlängert wurde, laben können. „Ihr Vieh im Stich lassend, flehen die Hottentotten." Am 24. abends ritten wir bei Dunkelwerden den Nossob abwärts bis nach Arahoab, wo wir in der Nähe der Wasserstelle das Morgengrauen abwarteten. Sobald man die Spuren am Erdboden erkennen konnte, ritten wir zur Wasserstelle selbst, wo ganz deutlich zu merken war, daß tags zuvor hier getränkt wurde. Spuren von Menschen und Vieh wiesen nach Westen; wir folgten ihnen und stießen auch sehr bald auf Groß- und Kleinvieh, das zur Tränke getrieben wurde. Ihr Vieh im Stich lassend, flohen die Hottentotten nach der wenige Kilometer entfernten Werft. Wir folgten im Trabe, und es gelang daher, die Werft zu überraschen. Es entspann sich ein kurzes Feuergcfecht, das uns zum Glück keine Verluste brachte; hingegen ließen die Hottentotten acht ihrer Kriegsleute tot auf dem Platze. Von Düne zu Düne hatten wir sie verfolgt, bis ihr Feuer gänzlich verstummte und ihre Spuren völlig auseinanderliefen, so daß eine weitere Verfolgung zwecklos war. Die Werft, in der sich noch Munition und viel Hausrat vorfand, wurde verbrannt. Dann ging es zum Wasser, 360 das kaum hinreichte, um unsere erschöpften Pferde zu tränken. Am späten Abend trafen wir wieder mit dem erbeuteten Vieh in Awadaob ein. Doornfontein, den 30. November 1905. Unser Zug den Nossob aufwärts war völlig erfolglos. Nirgends weit und breit waren Spuren irgendwelcher Hottentottenbanden zu finden. Ich kehrte daher nach Gobabis mit der 9. Kompagnie zurück, während die 4. Kompagnie in Ais (Avis) zur weiteren Beobachtung blieb. In Gobabis angekommen, fand ich durch einen Sturm das Dach von meinem Hause abgerissen, und so konnte ich denn auf meiner eigenen Station biwakieren. Lange sollte es jedoch nicht dauern; denn sehr bald trafen wieder Meldungen ein, wonach sicheren Nachrichten zufolge der Kapitän Manasse mit seinem Stamm in Doornfontein am Elefantenflusse fitzen solle, und ich erhielt den Auftrag, ihn dort aufzuheben. Sowie die Verpflegung sichergestellt war, marschierte ich mit der 9. Kompagnie von Gobabis ab, vereinigte mich in Ais mit der 4. Kompagnie und zog dann hierher. Das Gelände im weiten Umkreise ist abgesucht, und nur eine armselige Hottentottenwerft von etwa 40 Köpfen haben wir aufgehoben, die wahrscheinlich glücklich ist, daß wir sie gefunden haben. Da auch die Patrouillen aus Amiuuis festgestellt haben, daß die Spur der Simou-Copper-Leute in östlicher Richtung bis au die englische Grenze weiterführte, so halte ich das Gebiet zurzeit frei von Hottentotten, werde die Kompagnien in ihre Stationen Amiuuis resp. Gobabis schicken und selbst nach Gobabis zurückkehren." von der Heyde, ehem. Major der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. -l- * * Unser Ritt nach dem Kurseb. 28. April 1905. Ich wollte doch auch mitkämpfen für die deutschen Kolonien! Das war mein Entschluß und ich wurde denn Reiter der Schutztruppe. Am 15. Februar 1905 fuhren wir ab und landeten nach vier Wochen in Swakop- mund. Was ich da sah — na — ich hatte es mir schöner gedacht. Keine Apfelsinenbäume, keine alten Urwälder; nur Sand und dahinter klippige Felsenberge. Da hindurch marschierten wir mit der Proviantkolonne — Wagen mit Ponys und Mauleseln — nach Windhuk, 25 Tage — bei schrecklicher Hitze und brennendem Durst. Keine Spur vom Feinde! Und wir wollten doch für die Kolonien kämpfen! Windhnk — nun, das ist schon so ein größeres Dorf. Aber wir freuten uns doch, als wir nach zwei Tagen von der Proviantkolonue zu einer Patrouille kommandiert wurden. Oberleutnant von Rosenberg führte sie, auch Leutnant von Linsingen war dabei und Assistenzarzt Dr. Meyer. Ich ward Bursche beim Leutnant von Linsingen. Am 18.April ging's los — direkt gegen den Feind. Wir sollten auskundschaften, wo der Hereroführer Andreas sich aufhalte, der iu dem Komashochland zwischen Otjim- bingue und Windhuk die Hottentotten um sich sammelte und am Kuisebflusse vermutet wurde. Wir stiegen auf unsere mageren Pferde und Maulesel, und vorwärts ging's — aber langsam, denn die Tiere bekamen nichts zu fressen als das schlechte, vertrocknete Gras, das sie sich suchen mußten; und zu saufen selten, denn die Wasserstellen sind da nicht so nahe beisammen wie bei uns die Wirtshäuser. Zehn Tage waren wir schon marschiert, immer bergauf — bergab. Und was für Berge — toller als das Riesengebirge und ohne Wege, denn 301 die „Pads" sind kaum Wege. Am 28. April stießen wir auf ein kleines Feuer, das war verdächtig. Wir suchten nach und fanden emen Herero mit seinem Jungen, die nur eben die Nase aus einem Wasserpfuhl steckten — dicht dabei, im Dornbusch, die Frau des Herero mit einem Mädel. Das Weib hatte ein altes Dumdumgewehr, das aber nur mit Pulver geladen war. Der Herero, der einen Khakianzng anhatte, worin noch der Name eines Reiters stand, sagte, er wolle von Andreas fort und sich in Okahandja stellen. Wir nahmen ihn als Führer mit. Die Frau ließen wir mit den Kindern und den Beuteln mit Linsen und Tabak, die sie mit sich führten, zurück auf Station Claratal. Der Herero — den schwarzen Jopp nannten wir ihn — versuchte, uns zuerst falsch zu führen. Eine kriegsmäßige Ermahnung machte ihn zuverlässig. Am 3. Mai hatten wir ein Gefecht bei einer Wasserstelle, wobei dem Gefreiten Neidecker das Pferd unter dem Leibe erschossen wurde. Der Mann, der ans dem Dornbusch schoß, hatte schon vier Kugeln. Jetzt traf ihn die fünfte. Die Kerle sind zähe. Er war mit einer Soldatenhose, schwarzem Frack und Soldatenmütze bekleidet. Auf dem Rücken trug er einen gelben Woilach; dessen Wolle hatte er abgerupft und sämtliche Wunden damit zugestopft. Er hatte ein 98 er Gewehr und noch 18 Patronen. Im Weitermarsche, nahe einem Viehkral, fanden wir einen Ochsen, den wir schlachteten. Dicht am Gansberg brannten wir eine Werst von 200 Pontoks nieder und lagerten dann an der nahen Wasserstelle. Schon war der Proviant zu Ende. Da trafen wir mit der 3. Ersatzkompagnie und Etappenkompagnie zusammen und marschierten nun wieder vor. Am Morgen gingen die Kompagnien im Rivier vor; wir, unsere Patrouille, 800 Meter zurück. Plötzlich schwärmten auf dem Klippenrande vom Rivier die Orlogleute von Andreas aus — genau wie deutsche Soldaten. Sie waren auch wie wir gekleidet. Erst aus dem „Wir suchte» nach und fanden einen Hererv mit seinem Jungen." Teutsche Reiter in Südwest. 47 .--AM///, L AM"' WWÄW 36L furchtbaren Schnellfeuer erkannten wir den Feind. Feuernd gingen wir auf eine Seiteuschlucht zurück, um auf den Berg zu kommen. August Schulz und ich mußten unsere Reittiere vor den Klippen zurücklassen, denn sie waren nicht hinaufzubringen. Kaum oben, wurden wir mit Feuer empfangen. Hinter uns drängte der Feind. Durch eine andere Schlucht gelangten wir zu unserer Patrouille, die im Feuer lag. Unteroffizier Jsing winkte, und wir legten uns zu ihm. Nicht lange, da gewahrten wir, daß sich 30 Reiter von rückwärts näherten. Ich brachte freiwillig Meldung an Oberleutnant von Rosenberg, der weiter rechts auf einer Höhe lag. Auf dem Wege schlugen die Kugeln um mich ein, aber ich kam glücklich an. Mein armer Leutnant von Linsingen war schon durch Schuß mit Hufnageln schwer verwundet. Wir lagen den ganzen Tag im Feuer. Abends, um 7,30 Uhr, stürmte der Feind unter dem Rufe „Dütschmann keya Ochsen!" mit großer Übermacht gegen uns vor. Wir gaben uns fast verloren, aber durch unsere Energie wurden die Schwarzen zurückgewiesen. Der Angriff wiederholte sich noch dreimal, und unser Oberleutnant von Rosenberg bekam noch einen Schuß durch die Hand; auch war unsere Munition verbraucht. Der Oberleutnant sagte: „Wenn sie jetzt noch einen Sturmangriff machen, gehen wir mit aufgepflanztem Seitengewehr vor!" Aber sie kamen nicht wieder. Um 10,30 Uhr war das Gefecht zu Ende. Das war ein schwerer Tag, an welchem ich mit noch einigen Kameraden das Militärehrenzeichen erwarb. Auch die Friedrich- August-Medaille habe ich erhalten. Ich war noch an den Karrasbergen, machte mit meiner Kolonne eine Pad nach Maltahöhe, wurde aber später krank und lag im Lazarett in Karibib. Am 4. April 1906 wurde ich nach Deutschland entlassen. Otto Sommer, ehem. Gefreiter der Kaiserl. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. * H * Durch unerforschtes Gebiet. i. Ein Sandfeldmarsch. Als gegen Ende April im Jahre 1904 die Hereros das Buschland zwischen Owiumbo und Owikokorero verließen und sich langsam auf den Waterberg zu zogen, hängte sich die Abteilung von Estorff ihnen an und folgte vorsichtig, gleichzeitig bestrebt, auf ihre östliche Flanke zu gelangen. Seit Ende Mai stand sie bei Okosondusu, im westlichen Teile des Sandfeldes. Von dort sollte sie nördlich an den Großen Omuramba rücken, um in der gegen den Waterberg geplanten konzentrischen Operation zu verhüten, daß die Hereros den Omuramba abwärts entwichen, wenn der Druck der von Süden und Westen sich heranschiebenden Glieder wirksam wurde. MM Gefreiter Otto Sommer. 363 Landschaft bei Windhuk. MLM Wenn man den weißen Fleck der Karte betrachtet, sieht man der Aufgabe nichts Besonderes an; damals hatte sie aber einiges auszuweisen. Niemand in der Abteilung kannte die Gegend genauer; die Karte war nicht zuverlässig. Einwohner, die der Gegend kundig gewesen wären, waren nicht da, und Wege gab es nicht. Wasser war auf der mindestens 50 bis 60 Kilometer betragenden Strecke nicht zu erwarten. Die Hauptmasse des Feindes war am Omuramba, in nordwestlicher Richtung, gemeldet, möglich also, daß er auch weiter nach Norden Wasserstellen besetzt hielt oder Kräfte dorthin schob, wenn er unseren Anmarsch gewahr wurde. Dann mußte nian nach einem Tagemarsch in der grellen Sonne um eine Wasserstelle im dichten Omuramba- busch kämpfen. Die Abteilung war klein: drei Kompagnien, vier Geschütze, vier Maschinengewehre, eine Abteilung Rehobother Bastards. Eine Kompagnie hieß nicht viel; mehr als 70 bis 80 Weiße konnte sie nicht ins Gefecht bringen. Der Kräftezustand der Pferde war mangelhaft, seit Wochen hatten sie nur das trockene Gras. Die Zugochsen waren ermüdet. Patrouillen gingen in der beabsichtigten Marschrichtung vor, waren aber nicht bis zum Omuramba selbst gekommen. Einen Tag vor der Abteilung ging eine Kolonne von fünf bis sechs Wagen, mit Wasser beladen, ab. Als Wasserbehälter mußten Tränktröge aus Segeltuch, Proviantkisten mit Blecheinsätzen und leinene Futterbeutel, in Kisten nebeneinandergestellt und so abgesteift, herhalten. Am 22. Juni nachmittags trat die Abteilung den Marsch in nördlicher Richtung an in der bestimmten Erwartung, am 23. Juni früh den Omuramba zu erreichen und dort Wasser zu finden. Nur das Nötigste wurde an Bagage mitgenommen. Um 7 Uhr abends erreichte sie die vorausgesandteu Wasserwagen, nach etwa 25 Kilometer Marsch. Pferde und Maultiere erhielten etwa einen Futterbeutel voll Wasser, Feldflaschen und Wassersäcke 47 * 364 der Leute wurden nachgefüllt. Um 9,30 Uhr ging es weiter, ein Ochsenwagen mit Wasser folgte, die andern gingen nach Okosondusu zurück. Von 12,30 Uhr nachts bis 5,50 Uhr morgens Rast. Mit dem anbrechenden Tag weiter in nordöstlicher Richtung, immer über Sand, streckenweise durch mehr oder weniger lichten Busch. Der Sand war für die Kolonne das größte Hindernis. Zwar trug seine Decke die Pferde, aber die Räder der Geschütze und Fahrzeuge sanken fußtief ein, und nur langsam und mit den größten Anstrengungen ging es vorwärts. Der aufgewirbelte Staub war so dicht, daß man trotz des Mondscheines fast nichts sehen konnte; kein Windzug machte ihn erträglicher, und die Abteilung ritt wie in einer Nebelwolke. Einen derartigen Staub hatte noch niemand erlebt. Gegen 9 Uhr sollte nach Meinung eines Eingebornen, der mit einer der Patrouillen auf Erkundung gewesen war, der Omuramba nahe sein. (Der Offizier, der sie geführt hatte, war nicht mehr bei der Abteilung.) Nichts deutete aber auf den Omuramba. Ringsum einförmige Fläche, bedeckt mit dem niederen blaugrünen oder braunroten Gras des Sandfelds und mit einzelnen Büschen oder Bäumen. Vom blauen Himmel begann die Sonne zu brennen. Die Abteilung stellt den Marsch ein, sattelt ab, spannt aus und bringt die Tiere auf die Weide; Patrouillen sollen erst Klarheit bringen, in welcher Richtung der Marsch fortzusetzen ist. Ein Teil der Munition der Artillerie und der Maschinengewehre wird einstweilen vergraben, damit die Fahrzeuge leichter, die Zugtiere nicht schlapp werden. Von Zeit zu Zeit späht ein Mann von einem der Termitenhügel nach den abgegangenen Patrouillen aus, sonst legt sich die träge Ruhe der Mittagshitze über das Lager. Auch die Tiere stehen ruhig und fressen nicht mehr, die Köpfe zusammensteckend, wo ein Baum seinen dürftigen Schatten wirft. Sie haben Durst. II Wasser gefunden. Gegen 4 Uhr entsteht wieder Leben: Leutnant von Massow ist zurückgekommen, er hat einen Flußlauf getroffen. Wir brechen auf. Um 10,30 Uhr abends ist eine kleine Bley erreicht, die noch wenig lehmiges Wasser hält; bei ihr wird genächtigt. Die Pferde werden abgesattelt, die Maultiere ausgespannt und zum Tränken herangeführt. Mittlerweile hat aber der Führer der Wagen die Ochsen von den Jochen lösen lassen. Die haben das Wasser schon in der Nase und sind, zum Teil den dritten Tag durstend, von den Eingebornen nicht mehr zu halten. Wie wild rennen sie in die flache Pfütze und rühren sie zu einem dicken Lehmbrei auf; mit dem Tränken ist es vorbei. Schimpfen und Ärger machen das Wasser nicht wieder klar, also zur Ruhe. Wer nicht aus Wache muß, legt sich schlafen, den Kopf auf den Sattel, den Woilach über den Kopf gezogen, damit die kalte, streichende Nachtluft weniger zu spüren ist. Feuer anzuzünden hatte ich verboten, da diese uns leicht dem möglicherweise nahen Feinde verraten hätten. Wer auf Wache ist, mag die Pracht des glitzernden Sternenhimmels genießen! Mit dem anbrechenden Tag sinkt der Schleier von der Parklaudschaft des Großen Omuramba. Hohe Dornbäume säumen das ganze flache, breite, mit hohem, gelbem Gras bestandene Flußbett, in dem wir nun nordwärts ziehen auf eine in der Zwischenzeit ausgekundschaftete Wasserstelle zu. Gegen 9 Uhr ist sie erreicht, vier oder fünf große, drei bis vier Meter tiefe Löcher in der Mitte des Bettes, die bis aus weiteres den Wasserbedarf zu decken versprechen; ein mitgeführter gefangener Herero nennt sie Osomba-Karupuka. Die Aufklärung der Umgebung trifft auf keinen Feind; damit läßt die Spannung der Lage nach. Gegen spätere Bedrohung soll uns eine entsprechende Einrichtung des Lagers schützen, die ungesäumt begonnen wird. ^ - Eine Llcn 366 Dem Vormarsch folgte eine etwas trübe Zeit. Aus der Heimat kamen lange keine Nachrichten mehr, für die zerlumpten Kleider und Stiefel kam kein Ersatz, die Nächte waren stets unter Null, lautlos, aber unaufhaltsam kroch der Typhus von einem zum andern. Zwölf Tage etwa lagen wir an dem Platze, dann machten wir wieder einen Schritt auf den Waterberg zu. Es dauerte aber dann noch fünf Wochen — bis zum 11. August —, bis die andern Abteilungen dem Feinde so nah auf den Leib gerückt waren, daß wir gleichzeitig losschlagen konnten. Von dort ging's wieder zurück ins Sandfeld und tiefer hinein. EPP, Hauptmann und Kompagniechef im Infanterie- Leib-Regiment, früher Führer der 4. Kompagnie 1. Feldregts. der Kaiser!. Schutztruppe s. D.-Südwestafrika. Hauptmann EPP. -r- Mit der Kompagnie d'Arrest. Am 21. Dezember 1904 habe ich afrikanischen Boden betreten, seit dem 24. Januar 1905 befand sich die Kompagnie d'Arrest, der ich angehörte, in Keetmannshoop. Auf dem Marsche dorthin hatten wir von dem furchtbaren Ringen bei Groß-Nabas und den schweren Kämpfen im Auobtale gehört, die zum entscheidenden Siege über Witbooi geführt hatten. Wann werde ich an den Feind kommen? Das war die Frage, die jeder neu Eintreffende sich vorlegte. Oder werde ich zum Dienste auf einer Etappe verurteilt? Man sprach von Einrichtung einer Etappenstraße KeetmannshooP-Warmbad. In Afrika sind stets mehr oder weniger begründete Gerüchte im Umlauf. Die Ansprache, die Oberst Deimling am Geburtstage Sr. Majestät des Kaisers an die Truppen hielt, nahm uns jeden Zweifel. Aus die nahe liegende Spitzkopp zeigend, rief er uns zu: „Geht hinauf auf die Höhe, von dort seht Ihr die Karrasberge, da steht der Feind, bald werde ich Euch hinführen!" Das waren Worte, die durch Mark und Bein gingen und freudigen Widerhall in aller Herzen fanden. Am 11. März sollte der konzentrische Angriff stattfinden. Morenga stand mit seinem Anhange in der Narudasschl.ucht in den Großen Karrasbergen. Keines Weißen Fuß hatte bisher diese entlegene Felsenschlucht betreten, jetzt sollte sie der Schauplatz schwerer Kämpfe werden. Die Kompagnie d'Arrest verließ am 5. März Jeetruaunshoop; sie war der Abteilung von Kamptz unterstellt. Der Oberst begleitete die Kolonne. Am 10. nachmittags hatten sich an der Kraikluft die ersten Hottentotten gezeigt, die vor dem Feuer unserer Posten zurückgingen. 367 Nach beschwerlichem Marsche hielten wir hoch oben in den Karrasbergen eine kurze Nachtruhe auf hartem Lager. Am Horizont loderten die Grasbrände zum Himmel empor. Die Hottentotten hatten das Steppengras angezündet, um unseren Tieren die Weide zu vernichten. Es war ein stimmungsvolles Bild am Vorabende eines Gefechtes. In Erwartung des kommenden Tages sprachen wir bis in die Nacht hinein von den bevorstehenden Kämpfen. Was wird uns die nächste Zukunft bringen? „Man träumt von Siegeskränzen, Man denkt auch an den Tod." Beim Morgengrauen des 11. März wurde der Vormarsch angetreten. Die Kompagnie d'Arrest und zwei Geschütze der Batterie von Kleist bildeten die Avantgarde. Nur mühsam gelangten wir über Felsgeröll hinweg in den wildzerklüfteten Karrasbergen vorwärts. Es war ein wundervoller Morgen, die Sonne lachte vom ewig blauen südafrikanischen Himmel zu uns hernieder, manchem vielleicht zum letzten Male. Es ist für den jungen Soldaten ein eigenartiges Gefühl, zum ersten Male in den Kampf zu treten und die ernste Probe zu bestehen, auf die alle Friedensarbeit gerichtet ist. Man fühlt sich gehoben in dem stolzen Bewußtsein, sein junges Leben einzusetzen für Kaiser und Reich, man ist ernst gestimmt; aber es ist ein freudiger Ernst. Um 9 Uhr vormittags hatte das Detachement soeben eine jener gefährlichen Schluchten des Karrasgebirges durchschritten, und eine ausgedehnte Hochfläche lag vor uns, als Leutnant von Westernhagen, der die Spitze führte, die ersten Hottentotten sah. Ich erhielt Befehl, mich mit meinem Zuge links davon zu entwickeln. Um 9,15 Uhr vormittags fiel der erste Schuß. „Hinlegen!" Nichts zu sehen. „Auf! Marsch, marsch!" Nachdem wir etwa 300 Meter vorgegangen waren, erhielten wir Feuer aus Front und Flanke; aber kein Gegner war zu sehen, so vorzüglich hatten es die Hottentotten verstanden, sich an dem 400 Meter entfernt liegenden Rande einer Schlucht einzunisten. Rechts und links schlagen die Geschosse ein, ein Schuß sauft dicht an meinem Kopfe vorbei; Unteroffizier Zeusen meines Zuges, der links von mir auf einer kleinen Anhöhe liegt, ist eben im Begriff, sein Gewehr abzudrücken, als ihm ein feindliches Geschoß den rechten Arm und rechten Oberschenkel durchschlägt. Reiter Stern, mein rechter Nebenmann, fällt; ein Schuß ins Herz hatte seinem Leben ein Ende bereitet. Bald fühle auch ich einen heftigen Schlag im linken Unterschenkel, ich bin getroffen. Man möchte die Gegner unter Feuer nehmen und es ihnen heimzahlen, aber man sieht nur ganz vereinzelte. Jetzt habe ich verstanden, was die Leere des Schlachtfeldes bedeutet, von der im Burenkriege so oft die Rede war. Es ist ein unangenehmes Gefühl, beschossen zu werden von einem Gegner, der selbst fast unsichtbar ist. Unterdessen wurde vom Führer das Gros eingesetzt und der Gegner — in der Besorgnis, umgangen zu werden — räumte die Stellung. Assistenzarzt West- phal verband mich. Wir waren zusammen hinausgefahren und hatten manchen Scherz an Bord des Schiffes getrieben; daß ich der erste sein würde, den er verbinden sollte, hatte er nicht geglaubt. Zugleich mit dem verwundeten Unteroffizier Jensen wurde ich unter einen Dornbusch getragen. Leutnant Funk. 368 Krause, mein Bursche, den ich in Krassen a. O. selbst als Rekruten ausgebildet hatte und der mir bis zum Schluß im Felde treue Dienste geleistet hat, breitete einige Woilachs über die Dornzweige, damit wir Schatten hatten, dann schickte ich ihn fort, um sich der Truppe anzuschließen. Zwei Krankenwärter blieben bei uns. Nach einiger Zeit erscholl aus südlicher Richtung Kanonendonner. Das mußte die Abteilung von Koppy sein, die von Warmbad her gegen Morenga vorgerückt war. Bald erscholl in größerer Nähe der Donner der Geschütze; es war bei unserer Abteilung, die weiter vorwärts dringend abziehende Hottentotten unter Feuer genommen hatte. Am Nachmittage kam ein Sergeant der Kompagnie Arnold, der Handpferde nach- führte. Auf unseren Zuruf: „Verwundete!" fuhr er zusammen, und sein Erstaunen wurde noch größer, als er hörte, daß der Feldwebel Mesech seiner Kompagnie einige Schritte weiter als Schwerverwundeter liege. Es kam die Nacht. Wir schliefen auf unserem harten Lager unter dem Dornbüsche. Am Nachmittage des 12. März holten Stabsarzt Hellwig und Oberarzt Engel mit den erforderlichen Begleitmannschaften uns ab. 30 Stunden hatten wir unter dem Dornbüsche zugebracht; es wird mir unvergessen bleiben. Bergauf, bergab, hinweg über Felsgeröll wurden wir mehrere Stunden auf einer Bahre durch das Gebirge getragen bis zum Lager des Regiments- und Bataillonsstabes, das am Eingänge der Narudasschlucht auf einem hohen Berge aufgeschlagen war. Am kommenden Tage (13. März) wurde der Transport durch die Narudasschlucht zur Abteilung von Koppy fortgesetzt; dort war eine Krankensammelstelle errichtet. In der Narudasschlucht fiel ein Schuß. Instinktiv gingen die Begleitmannschaften in Deckung, sie wählten hierzu meine Tragbahre. Erst als ich sie darauf aufmerksam machte, daß die, Tragbahre keine Deckung gegen Schuß sei und das Feuer auf einen Punkt gelenkt würde — für mich ein sehr zweifelhafter Genuß — suchten sie Deckung hinter den Klippen. Nachdem wenige Schüsse auf beiden Seiten gewechselt waren, verschwand der Gegner; es hatte sich um einige Versprengte gehandelt. Nach zwei Stundewchatten wir die gefährliche Narudasschlucht Passiert und erreichten das Lager der Abteilung von Koppy, wo uns in verlassenen Hottentottenpontoks eine Unterkunft bereitet wurde. Es war nicht die friedliche Stille eines Lazaretts, wir waren in einem Kriegslager, und wenn unsere aktive Beteiligung an den kriegerischen Ereignissen zu unserem Bedauern zunächst ausschied, so haben wir doch manche harte Probe, auf die unsere Kameraden in der kommenden Zeit gestellt wurden, miterlebt und mitempfunden. Funk, ehem. Leutnant der Kaiserl. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. -r- „Kinder, Ihr habt's gemacht!" Bei Haigasib, am 29. Oktober 1905. Ein wechselvolles Kriegsleben schildert Gefreiter Preiser von der 3. Batterie. Seit November 1904 im Lande, ist er fast in allen Teilen der Kolonie tätig gewesen, vom Water- berg bis zum Oranje, von Epukiro bis durch die Schwarzrandberge. Unter den Majoren von Uthmann und von Estorff hat er in zahlreichen Gefechten gekämpft. Hier kann leider nur eine Episode Platz finden, aber eine ebenso kurze, wie interessante und folgenreiche. „Schon glaubte man den Einfluß Hendrik Witboois gebrochen und dachte kaum noch an eine Gefahr von seiner Seite. Die halbe 3. Batterie, bei der ich stand, war Oktober 1905 H O» «« » rkLd-r-^^ ^' « " . Ls°L t^ b k^ - Bei Hartebeestmund, am 24. Oktober 1905. „Oberstleutnant van Semmern hatte sich zur Kompagnie Ritter in die vorderste Gefechtsliuie begeben. Da die Hottentotten auch die Oranjeiuseln besetzt hatten und von dort aus die linke Flanke arg bedrohten, ließ Hauptmann von Koppy die 3. Kompagnie gegen sie vorgehen, und es gelang ihm, unterstützt von Leutnant Degenkolb mit einem Maschinengewehr, den Feind von den Inseln zu verjagen. Nun konnte Oberleutnant Barock eine neue Stellung einnehmen und mit seinen Geschützen (^/^ 9. Batterie) das Feuer der 9. und 2. Kompagnie unterstützen. Aber auch die Artillerie konnte den unsichtbaren Feinden wenig anhaben, deren Feuer ungeschwächt von den Bergen herabschlug." (Vgl. Gesechtsskizze Hartebeestmund, Seite 118.) Beilage zu: „Dincklage, Deutsche Reiter in Südwest.' Deutsches Berlagshaus Bong L Co., Berlin vv. S7. 369 in Fahlgras (Haigasib) detachiert, die andere Hälfte befand sich in Koes. Wir lagen in einem kleinen Busche und waren immer guter Dinge; denn unsere Pferde fanden endlich gute Weide, und wir bekamen regelmäßig Proviant von Keetmannshoop. Wir freuten uns auch am 29. Oktober 1905 unseres schattigen Biwaks und dachten an nichts Böses. Da kommt plötzlich im stärksten Galopp unsere Patrouille zurück. „Die Hotteutotten, unter Jsaak Witbooi, haben unsern Proviantwagen, eine Stunde von hier, überfallen!" Oberleutnant Stage besann sich auf die Meldung hin nicht lange: „20 Mann sofort zu Fuß mir nach, die anderen auf die Weide, Pferde einsangen und nachbringen! Vorwärts!" Schon hatten wir den Patronengurt umgehängt und los ging's. Eine Stunde festen Marsches — dann fanden wir unsern Wagen — ausgeplündert. Die Ochsen waren geraubt. Beim Wagen aber lagen unsere Kameraden, die Reiter Gesell und Kikul — beide tot. Die Feinde, von denen sie überfallen wurden, waren fort. Aber schon kamen die „Beim Manen aber lagen nniere Kameraden, die Reiter Gesell und Kikul — beide tat." r- K 'EU Pferde, und in wenigen Sekunden war Oberleutnant Stage auf der Spur — wir, 65 Reiter, hinter ihm. Was unsere Pferde rennen konnten, ging's vorwärts, und nach zwei Stunden — da hatten wir die Bande! Die Hottentotten stellten sich. Aber diesmal ließen wir ihnen keine Zeit zum Einnisten in Deckungen. Wir griffen von zwei Seiten an, und schon begann das Schnellfeuer — wir erkannten die Wirkung, und vorwärts ging's, dicht heran. Aber das warteten die Hottentotten, es mochten an 80—100 sein, nicht erst ab. In wilder Flucht stoben sie auseinander. Wir ihnen nach, solange unsere Pferde Atem hatten; dann befahl Oberleutnant Stage den Abbruch der Verfolgung. Die Hottentotten hatten fünf Tote liegen lassen und dazu den uns geraubten Proviant, die Ochsen und mehrere Reittiere und Gewehre. Aber die Zahl unserer Gefallenen vermehrte noch ein braver, lieber Kamerad; der Reiter Stumpe war geblieben, und der Gefreite Kaschube war verwundet. Ein gefangener Verwundeter teilte uns mit, daß Samuel Jsaak wohl den Überfall leitete, daß aber der alte Hendrik dabei war und einen Schuß bekam. Das war ein unerwarteter Erfolg für das frische und entschlossene Neiterunteruehmen unseres Oberleutnants. „Kinder, Ihr habt's gemacht!" sagte er Deutsche Reiter in Südwest. 48 370 zwar, aber — wir halfen doch nur. Das ist im Kriege so — über dem Sieg vergißt man die Trauer wegen der Helden, die ihn mit ihrem Blute bezahlten. Aber nur für den Augenblick. Erst ein paar Tage später erfuhren wir, daß der alte Urseind, einst unser gefährlichster Gegner, an den erhaltenen Wunden schon nach einer Stunde gestorben sei. Er war ein treuloser Charakter, aber ein tapferer Krieger!" Wilhelm Preiser, ehem. Gefreiter der Kaiserl. Schutztrnppe f. D.-Südwestafrika. Zu zweien im Feuer von 130 Gewehren. 8. Dezember 1905. Es war am 6. Dezember 1906, vier Uhr nachmittags, als wir, die 5. Kompagnie und 2. Kompagnie 2. Feldregiments, in südöstlicher Richtung auf die kleine Wasserstelle Eliaskluft zuritten; dort wurde getränkt, und dann ging es wieder weiter auf die Wasserstelle Aub zu. Oberleutnant von Wittenburg war mein Kompagnieführer. Rittmeister Haegele führte das Detachement. Am 7. Dezember, früh 3 Uhr, machten wir halt, ließen die Pferde bis 6 Uhr morgens weiden, um dann nochmals zwei Stunden zu reiten. Jetzt mußten wir ruhen, schon unserer Pferde wegen; denn die armen Tiere waren ganz müde und machten teilweise schlapp. Wir waren ziemlich nahe an den Aub herangekommen, fanden aber im ganzen Umkreis keinen Tropfen zu trinken, bis wir eine gute Stunde vom Lagerplatz in einen: Rivier (Tal) durch Scharren und Graben endlich auf ganz wenig Wasser stießen. Es langte gerade zu, um unsere und die 2. Kompagnie vor großem Durst zu bewahren. Mittags 1 Uhr zogen drei Mann, Pärtsch (Württemberger), Gebauer (Bayer) und ich (ein Sachse), auf Außenwache, ungefähr einen Kilometer von den Kompagnien, auf eine kleine Anhöhe, einen Ausläufer der Howesis- berge, wo wir ein paar Klippen aufeinanderlegten und uns oben drauf stellten — das heißt ein Mann immer zwei Stunden lang — und Wache hielten. So verging die Nacht vom 7. zum 8. Dezember. Die Kompagnien schliefen, während wir getreu wachten. Plötzlich hörte unser Kamerad Pärtsch, der gerade seine zwei Stunden wegschraubte, wie einige Hottentotten quatschten. Sofort lief Kamerad Gebauer zur Kompagnie und alarmierte. Das sahen aber die Hottentotten und wollten das Melden jedenfalls verhindern, denn sie gaben ein mörderisches Feuer auf uns zwei Mann ab. Doch Gebauer hatte trotz des Feuers seine Meldung der Kompagnie überbracht. Während dieser Zeit hatten wir beide den Feind aufzuhalten, was natürlich leichter zu schreiben als auszuführen ist. Geschossen haben wir, was aus der Flinte heraus konnte, um bloß die schwarzen Feinde nicht heranzulassen. Das hatte ungefähr fünf Minuten gedauert, als der erste Zug von unserer Kompagnie ausgeschwärmt ankam und das Feuer der Feinde von uns ablenkte. Da atmeten wir etwas freier auf; denn ein Wunder war es, daß wir noch lebten, wenn man bedenkt, daß 100 bis 130 Gewehre auf zwei neben- einauderliegende Reiter gerichtet waren. Die übrigen Reiter von meiner und der 2. Kompagnie, zusammen 55 Gewehre stark, griffen mit Erfolg von der rechten und linken Flanke an, bis der Feind gegen 11 Uhr das Feld räumte. Die Verfolgung wurde aufgenommen. Wir blieben aber immer mehr und mehr, der schlappen Pferde wegen, zurück, bis wir die Verfolgung aufgaben. Einen Denkzettel habe ich aber doch bekommen. In dem Augenblick, als ich auf einen Strauch, hinter dem etliche Feinde lagen, schoß, riß mir eine feindliche Kugel ein Loch in den rechten Arm. Ich konnte aber immer noch schießen, natürlich links. Mein Nebenmann, Kamerad Pärtsch, ging unversehrt aus dem Kampfe hervor. Das ganze Gefecht dauerte von früh 6 bis vormittags 11 Uhr. Unteroffizier Overweg war — 371 — tot. Verwundet wurden drei Reiter: Wieprzkowski, Fritz und ich. — Die Verluste des Feindes konnten nicht genau festgestellt werden, da er die Toten mitten im Gefecht begräbt und Verwundete mit fortnimmt. Nach dem Gefecht rief mich mein Zugführer, Leutnant Delius, und schenkte mir seine letzte Zigarre. Es war meine erste, seit ich vom Dampfer „Eduard Woermann" herunter war; darum die große Freude. Nachmittags 3 Uhr ritten wir weiter nach Süden auf Etappe Bethanien zu, wo die Verwundeten ins Feldlazarett kamen. Infolge dieses Gefechts verlieh mir Seine Majestät König Friedrich August von Sachsen die Friedrich-August-Medaille für Kriegsverdienste. Wilhelm Hauptmann, ehern. Reiter der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. * * * Kreuz und Schwert. Aus einer ganzen Reihe von Reiterbeiträgen zu diesem Ernmerungsbuche tritt dem Leser in schöner und erhebender Weise die Erkenntnis entgegen, daß unsern deutschen Soldaten gerade in den Zeiten der höchsten Gefahr, in den Augenblicken, in denen das Schwert entscheiden sollte oder entschieden hatte, auch das Wahrzeichen des Christentums vorschwebte. Die Bitte zum Allmächtigen um den Sieg, der Dank für den gnädigen Schutz kamen über so manche braven Reiterslippen — auch in diesen Erinnerungsblättern, und immer wieder tritt der Reiterdank gegen die Männer hervor, die vor der Schlacht, im Biwak, am Schmerzenslager der Verwundeten und auf der Leidensbahn der Durststrecken durch Wort und Vorbild zum Gottvertrauen anhielten, im Troste Linderung brachten — die Feldgeistlichen. Und daß die Vertreter des Glaubens in diesem Kriege denselben Gefahren ausgesetzt waren wie die Reiter, daß sie sich mit der Waffe in der Hand der grimmigen Feinde erwehren mußten und selbst im heißesten Kampfe unter den Schützen, bei den Verbandplätzen und Sammelstellen ihres Amtes walteten, das brachte sie der kämpfenden Truppe näher als wohl je in einem europäischen Kriege und verschaffte ihnen die Liebe der Mannschaften. Eine besondere Liebe und Dankbarkeit erwarb sich aber der Divisionspfarrer Max Schmidt, und in einer Reihe von Beiträgen wird er mit Dankbarkeit genannt (Bericht des Büchsenmachers Alfred Schubert u. a.). Der Divisionspfarrer Max Schmidt, dem auch schon im ostasiatischen Feldzuge dieSeel- sorge für die evangelischen Deutschen oblag, der auch diesmal mit hinauszog über den Ozean und, wie seine herrlichen Aufzeichnungen beweisen, stets da war, wo der Kampf entbrannte, hat dem Herausgeber einige kürzere Abschnitte aus seinem Werke „Aus unserem Kriegsleben in Südwestafrika", bei Edwin Runge in Lichterfelde erschienen, gewährt. Ohne Zusammenhang lasse ich einige Bilder aus seiner vielseitigen Tätigkeit folgen. In der Beschreibung eines Feldgottesdienstes vor einem Kampfe heißt es: -Um so ernster war deshalb die Stimmung, als am 26. September in Okatawbaka für die Vorhut und am 27. September 1904 für die Hauptmasse kurze Feldgottesdienste unmittelbar vor dem Vormärsche abgehalten wurden. Das Gotteswort für den ersten mahnte an den Frieden, der selbst in den Stürmen der Schlacht ein getrostes Herz sichert: „Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch .... Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich 48* 372 nicht." (Joh. 14, 27) — und ein Führer, der schon manchen heißen Kampf bestanden hatte, äußerte hernach in der Stille: „Wie oft habe ich dies Wort vor dem Vormarsch für mich gelesen!" Die Schriftstelle für den anderen Gottesdienst unmittelbar vor dem Aufbrnch wies auf die letzte Zurichtung zum Kampfe hin: „Zuletzt, meine Brüder, seid stark in dem Herrn .... ergreifet den Schild des Glaubens, . . . nehmet den Helm des Heils und das Schwert des Geistes!" (Ephes. 6, 10. 16. 17). Wenige Stunden darauf begann der nächtliche Vormarsch. --" Über den Kommandeur, Oberst Deimling, sagt der Autor: -Der Oberst rief mich in die Nähe des Biwakplatzes, wo ich schweigend Zeuge der Erwägungen und Befehle sein durfte, die für die Möglichkeiten solcher Nacht schnell und klar zu durchdenken waren. Staunend ward man inne, welcher Spannkraft des Geistes wie des Körpers, welcher Geistes- und Charakterkräfte der Truppenführer bedarf. Schon während des Gefechtes hatte der Truppe, wie man vielfach freudig rühmen hörte, die ruhige Überlegenheit der Führung das Bewußtsein der Sicherheit und die Gewißheit des Erfolges gegeben.-" * * * Interessant sind die Mitteilungen über Hendrik Witboois Heim in Rietmond am 5. Dezember 1904 — unmittelbar nach der Besetzung durch Oberst Deimling: „-Der Kapitän, schon ein Siebziger, hatte sein schlichtes, aber kühles und praktisches Lehmhaus beibehalten. Vor dessen Türe sitzend, blickte er auf sein Rietmond mit allen Pontoks, mit der reichhaltigen Wasserstelle und mit allen Herden, die sich hier zur Tränke drängten. Talabwärts reichte sein Blick weit über Mariental hinaus. Das Häuptlingshaus war ein niedriger Lehmbau mit drei Eingängen. Es ähnelte den besseren Bastardhäusern in Rehoboth. Die beiden Haupttüren führten jede in zwei zusammenhängende, kühle Räume. In eiligster Flucht müssen diese verlassen sein. Nur das Allernot- wendigste ist schnell für die Flucht herausgerissen worden, so daß eine wüste Unordnung auf den Tischen zurückgeblieben war. Dort lagen in krausem Wirrwarr Meldungen und Briefe der Unterkapitäne über den Anmarsch unserer Truppen, über unsere Patrouillen und deren Verluste, daneben Gewehre, Patronen, Kugelzangen, sogar Browning-Patronen, Spiegel, Zigarrenspitzen, Verbandwatte, eine Taschenuhr, ferner Bücher, eine holländische Bibel und ein Gesangbuch; dazu Teller, Gläser, neue gelbe Schnürschuhe, Schildkrötengehäuse für allerlei Salben u. a. Etwas Backpulver, Weinessig und leider nur wenige Pfund Hafer waren willkommene Funde. Aus seinem Lehnstuhle an der Wand scheint sich Hendrik erst eben erhoben zuhaben; die Unterlage der weichen Felle ist halb zu Boden geglitten. Seitwärts hängt ein kleiner Wandschrank. Aus dem Tische steht eine Schüssel mit Vorbereitungen zur „Kost". Die Wände sind schwärzlich grau und haben spärlichen Schmuck. Den Wandspruch mit den beiden Engeln der Sixtinischen Madonna und der deutschen Aufschrift „Ich und mein Haus wollen dem Herrn dienen" hat wohl der Missionar geschenkt, wenn er nicht aus dein Hause des Ermordeten hierhergebracht worden ist. Auch ein Bild der deutschen Kaiserfamilie finden wir hier, vielleicht von Hauptmann von Burgsdorff, dem ebenfalls Ermordeten, geschenkt; dazu eine Photographie (Hendrik nebst Samuel Jsaak mit Gouverneur Leutwein auf dessen Veranda in Windhuk), eine Ansichtspostkarte, die Hendrik mit seinem Stäbe zu Pferde abbildet, und ein winziges, verkümmertes Bildchen eines greisen Häuptlings. Mehr Kunstbedürfnisse hat der begabte Barbar nicht empfunden. . "V? „Bringen Sie meiner Mutter meine letzten Grütze und sagen Sie ihr, datz ich im Glauben an meinen Erlöser sterbe. 374 Im Nebenraum war sein kühles Schlafgemach. Auf dem niedrigen Bettrahmen, der mit einem Riemengeflecht überspannt war, lagen die beliebten „Kompersen", Decken und Schakalfelle, auch aus Ziegenfellstücken in bunter Mosaik zusammengenähte Decken, wie sie die Eingeborenen fertigen." Aber auch in den Kampf — bei Groß-Nabas — wohl einen der schwersten des Krieges — in das dreitägige Ringen der Abteilung Meister gegen beide schlimmen Feinde, die Hottentotten und den Durst, wollen wir den treuen Seelsorger begleiten: „-Das Gesträuch wird dichter, die Hochfläche faltiger, durch beides die Übersicht in bedrohlichem Maße verdeckt. Neben den Geschützen des Haupttrupps reitend, höre ich auf meine halblaute Frage: „Wieviel Schuß haben wir noch?" von Leutnant Overbeck, dem Führer der Batterie, die besorgte Antwort: „Nur 150!" Mit kaltblütiger Freundlichkeit hatte er eben vorher seinen Leuten ein Paar ermunternde Worte zugerufen und dabei gescherzt: Artilleristen werden in der Schlacht Wie andere Menschen umgebracht. Zum Abteilungsstabe vorgeritten, werde ich von Major Meisters neuem Adjutanten angeredet: „Passen Sie auf, in kurzer Zeit liegen wir in schwerstem Gefechte!" Schon nach wenigen Minuten zischen uns die Kugeln um die Ohren. Im Nu ist alles abgesessen, und kurze, scharfe Befehle setzen die Truppe an. Rechts von der zuerst ins Gefecht getretenen vierten Kompagnie wird die siebente vorgeschickt, links die fünfte. Die Geschütze kämpfen alsbald zwischen den Kompagnien auf beiden Flügeln. Die Wagen und Karren werden nahe herangezogen und zu einer Wagenburg zusammengefahren. Der Gegner weicht eine Strecke zurück, liegt aber dann erst in seiner besten Stellung, in einer Felsenstellung mit klippigen Schluchten und bombensicheren Laufgräben, die von der Natur in den gewachsenen Fels geschnitten sindZ. Diese Felsenburg sollte die kleine deutsche Abteilung einer, wie sich herausstellte, fünf- bis sechsfachen Übermacht entreißen.-" * H „— — — Als eine Überflügelung durch den Feind die Wagenburg — auch Verbandplatz und Sammelstelle — bedrohte, ruft der mit einem Zuge schützende Leutnant von Petersdorff möglichst viele Reiterin die Schützenlinie; denn immer drohender wird die Gefahr: „Ein Mann hält zehn Pferde!" schallt es durch die in flacher Bodensenkung aufgefahrenen Fahrzeuge, bei denen die Pferde in einiger Deckung stehen. Bald werden die Rufe dringlicher: „Ein Mann hält zwanzig Pferde! Vorwärts! Es wird brenzlig; ihr werdet gleich angegriffen!" Der Leutnant hat diese Gefahr abgewehrt; der Feind wurde sogar durch kühnen Ansturm mit aufgepflanztem Seitengewehr an die Düne zurückgeworfen. Wieder verrinnt Stunde auf Stunde; und eine Gefechtsstunde dauert lange. Auf dem Verbandplätze bei der Wagenburg liegen schon eine Reihe Verwundeter und einige zurückgebrachte Tote. Die Leichtverwundeten werden schnell verbunden und kriechen zur nahen Schützenlinie zurück. i) Vgl. Gefechtsskizze S. 7S. 375 Major Freiherr vonNauendorff muß schwer verletzt sein. Er hat nach seiner Ver» wundung mit dem gleichfalls verwundeten Sergeanten Wehinger eine Zeitlang hinter einem Busche gelegen. Schon hier trug er seinem treuen Kampf- und Leidensgefährten die hochherzige Bestellung auf: „Wenn Sie heimkommen, so versichern Sie meinem Bruder (einem heimischen Stabsoffizier): ,Es ist doch wahr; es ist schön, fürs Vaterland zu sterben!'" Eine Weile später zum nahen Verbandplätze zurückgeschafft, ruft mich der Major an sein Schmerzenslager im Schatten eines Ochsenwagens und bestellt für alle Fälle Grüße an die Seinen: „Bringen Sie meiner Mutter meine letzten Grüße und sagen Sie ihr, daß ich im Glauben an meinen Erlöser sterbe!" Dann — eine Stunde später: Major Freiherr von Nauendorff leidet schwer. Er bittet um Morphium. Daun forscht er wieder nach dem Gefechte, nach Deimlings Herannahen. Wer ihn doch mit Wasser laben könnte! Er ruft mit ermattender Stimme: „Tausend Mark für einen Schluck Wasser!" — nach einer Weile von neuem: „Zehntausend Mark für einen Schluck Wasser!" Still kriecht auf diesen Ruf Sergeant Wehinger von der 5. Batterie, selber am Fuß verwundet, zu seinem seufzenden Major und bietet ihm seinen Rotwein, den er -— der Reiche — noch besaß! Der Major sieht ihn dankbar an, aber wehrt mit auflodernder Entschlossenheit ab: „Lieber Sergeant, Sie brauchen das nötiger als ich, Sie müssen wohl noch zu Ihrem Geschütz; mit nur ist's doch bald aus!" Es war der letzte Sieg, den der Sterbende errang. Die Schmerzen betäubten hernach seine Sinne, und einige Stunden später war er still entschlafen. Und nach ferneren schweren Stunden: Doch plötzlich eine neue, große Gefahr. Der Feind scheint zur Vernichtung der erschöpften Abteilung vorzubrechen. Auch die Verwundeten, deren Zahl sich stündlich vergrößert, merken es und fordern ihre Waffen zur äußersten Verteidigung. Ein durch die Brust geschossener Leutnant hat schon seine Browning-Pistole in der Faust. —--" * -t- Ergreifend wirkt die Schilderung, in der der dritte Tag des furchtbaren Kampfes schließt: „Am Morgen des 4. Januar, unseres dritten Gefechtstages, setzte das Feuer schwächer ein. Von der hohen Düne zu unserer Linken fiel kein Schuß mehr. Es ist auch flußabwärts ein Trupp in scheinbarem Abzüge gesehen worden. Zieht der Feind auf den gestrigen Kanonendonner ab, oder hat der alte Schakal Hendrik nur eine Kriegslist ersonnen? Nach einiger Zeit steht bei der Leitung jedoch fest, daß große Hausen der Feinde abgezogen sind. Die Wasserstelle ist trotzdem noch so stark besetzt geblieben, daß unsere hungernde und durstende Truppe neuen Qualen, vielleicht trotz alledem ihrem Verderben entgegensieht. Der Kommandeur berät mit einigen Offizieren, ob der Zustand in ihren Reihen das Wagnis eines Sturmes noch irgend gestatte. Die Truppe soll möglichst mit Wasser versorgt werden und ihre letzte Kraft zum Sturmangriff sammeln. Es muß gewagt werden! Aber gefährlich genug sieht's bei der Abteilung aus." -i- H * Major Freiherr von Nauendorff. 376 „-Ein von seinem Zuge herbeigerufener Leutnant der Batterie stürmt in hochgradiger Raserei heran. Er war einige Tage vor unserem Aufbruch mit besonderem Auftrag von Kalkfontein nach Kub gewesen, hatte unterwegs schon zwei Dursttage überstanden und seine Batterie darauf mitten im Gefecht in höchst kritischer Lage wiedergefunden. Neuer Durst und neue Anspannung erschöpften vollends seine Kraft. Am ganzen Leibe zitternd schreit er: „Was kann ich dafür, daß ich noch lebe?" Dann wehrt er sich gegen einen Vorwurf, den niemand gegen ihn erhoben hatte: „Ich bin nicht feige!" Mit Mühe zwingen wir ihn an einem schattigen Platze bei einem der Verbandwagen nieder. Bebend springt er wieder auf: „Ich muß zu meinen Geschützen!" Nur schwer ließ er sich besänftigen. In seinen erregten Rufen hatte er aber ausgesprochen, was wir alle empfanden: „Was kann ich dafür, daß ich noch lebe?" — — —" Divisionspfarrer Lie. M. Schmidt. - - „-- Bald darauf wird der Führer der 7. Kompagnie vom rechten Flügel von zwei Mann zurückgetragen. Wehe durchzuckt's uns, nun ist auch dieser Tapfere dahin! Gottlob, es ist nur eine tiefe Erschöpfung. Im Schatten eines, Wagens hat er sich kaum etwas erholt, als es ihn zu seiner Kompagnie zurücktreibt. Nur Major Meisters Befehl hält ihn noch eine Weile fest: „Ich befehle Ihnen, hierznbleiben; ich habe mit Ihnen zu reden!" Hernach kann ihm der Arzt noch einen Schluck des schon längst zur Neige gehenden Rotweins reichen. „Geben Sie her, vielleicht ist's der letzte Schluck auf Erden!" — damit eilt er laufend, kriechend auf seinen rechten Flügel zurück.-" * * „-Eine herzstärkende Freude war's iu solchen Augenblicken, mit welcher Treue die Soldaten — bei diesem, wie bei den anderen Truppenteilen — an ihrem Führer hingen. Die beiden Träger des eben erwähnten Kompagnieführers wollten sich weder von dem Arzt noch M ? / Hendrik Witboois tödliche Verwundung, 29. Oktober 1905. „Der bei Fahlgras am 29. Oktober 1905 durch Oberleutnant Etage geschlagene und verfolgte Hendrik Witbooi wird, tödlich verwundet, von seinen Hottentotten auf dem Pferde gehalten. Noch im Sterben rief er seinem Sohne Jsaak Witbooi die Worte zu: „Es ist genug. Mit mir ist es vorbei! Die Kinder sollen jetzt Ruhe haben!" Beilage zu: „Dincklage, Teutsche Reiter in Slldwest. Teutsches Berlagshaus Bong L Co., Berlin 7V. 57 W 377 sonst jemand von der Seite des Erschöpften entfernen lassen. „Unser lieber Oberleutnant!" — schreit der eine, ein Sergeant, mit fliegendem Atem — „wir müssen wissen, wie es unserem Oberleutnant geht!" Dann ergriff ihn selber eine rasende Erregung. Er will Wasser für seinen Oberleutnant und alle Kameraden herbeizwiugen. „Wer kommt mit, die Wasserstelle zu stürmen? Ob sie uns dabei totschießen, oder ob wir hier verdursten, ist ja doch gleich. Sonst stürme ich allein!" Mit solchen Rufen rast er davon, und es kostet festes Zugreifen, ihn zu retten. Die Ärzte äußerten mir leise ihre Besorgnis, solche Falle von Raserei könnten zunehmen. Die Hitzschläge vermehrten sich ebenfalls. Darum sollte erst nach einiger Ruhe der Sturm beginnen.-" * -k- „-Es war eine bange Stunde, die wir pochenden und doch gehobenen Herzens durchlebten. Die beiden Geschütze, für die noch Bedienung und Munition übrig war, erhoben wieder ihre langvermißte eherne Stimme und halfen mit einigen Treffern zum Gelingen des Sturmangriffs. Die anfangs zäh und heftig feuernden Feinde flohen schreiend vor den blitzenden Bajonetten davon, und Geschütze wie Sturmkolonnen stießen erfolgreich nach. Die Wasserstelle Groß-Nabas war gestürmt, die furchtbare Felsenfeste des Feindes in unseren Händen! — — —" Und wie viele andere Tage sollten noch kommen, die dem Seelsorger Gelegenheit boten, sich als treuer Tröster derer zu bewähren, die ihm vertrauten! -t- ritz Mit dem Prinzen Joachim Albrecht von Preuszen in den Karrasbergen. Anfang Januar 1907 unternahm Seine Königliche Hoheit Prinz Joachim Albrecht von Preußen von Keetmannshoop aus einen Ritt durch die Karrasberge. Außer seinem Adjutanten, Hauptmann Freiherrn von Brandenstein, und dem Stabsarzt Dr. Gsronne waren Major Maercker und ich zu seiner Begleitung kommandiert. In Narudas-Süd, dem alten Raubuest Morengas, welches im März 1905 aufgehoben wurde — leider ohne den schlauen Fuchs selbst zu erwischen —, hatten wir einen Ruhetag eingelegt. Tann ging es nach Zandmund in nördlicher Richtung weiter. Bald hinter dieser Wasserstelle erreichte uns ein Befehl des Hauptquartiers, der die Mitteilung enthielt, daß in den Karrasbergen Hottentotten gespürt seien; wir sollten auf der Hut sein. Von Beginn des Rittes an war des Prinzen sehnlichster Wunsch gewesen, mit unseren Gegnern zusammenzustoßen. Jetzt war Aussicht auf Erfüllung dieses Wunsches vorhanden, denn eben befanden wir uns in der Nähe eines ihrer beliebten Wechsel an der Ostseite der Karrasberge. Wie immer, marschierten wir mit den nötigen Vorsichtsmaßregeln. Ein Teil der Bedeckung sicherte nach vorn, ein Teil nach hinten, und Seiteupatrouillen deckten, wo es das Gelände zuließ, die Flanken. „Sollte es uns heute nicht glücken, eine frische Spur zu entdecken?" Diese wiederholte Frage des Prinzen, der die Pad mit größter Aufmerksamkeit beobachtete, kennzeichnete so recht seine Ungeduld, an den Feind zu kommen. Immer unübersichtlicher wurde das Gelände Deutsche Reiter in Südwest. 49 378 zu beiden Seiten des Weges, und nur selten tauchte rechts oder links der Hut eines Reiters der Seitenpatrouillen auf. Friedlichste Ruhe lag auf den Bergen und Schluchten, kein Hottentotte wollte unseren Pfad kreuzen. Nur Milliouenschwärme von Heuschrecken brausten stundenlang, einem heftigen Schneetreiben gleich, an uns vorbei und bedeckten weithin den Boden, den spärlichen Blättchen und dem kostbaren Weidegrase Vernichtung bringend. Sonst stritten sich nur die Eingeborenen mit mancherlei Raubvogeln und dem Pavian um den leckeren Braten. Heute morgen beim Frühstück aber zeigte der Ausruf eines unserer Herren: „Donnerwetter, schmecken die Dinger prachtvoll!" — daß auch Europäer diesen Geschmack zu würdigen wissen. Der Herr war allerdings schon längere Zeit im Lande. Immer weiter geht es, schroffes Felsgewirr ist Passiert, und ein allmählich breiter werdendes Tal nimmt uns auf. Da plötzlich fällt ein Schuß in unserer linken Flanke! Wie ein Ruck fährt es durch die kleine Reiterschar, und mit der Hand am Gewehr blickt alles in gespanntester Aufmerksamkeit dorthin. Eben will Major M aercker zwei Reiter entsenden, als ein zweiter Schuß herüberschallt, dem, anscheinend schon näher, kurz hintereinander drei weitere folgen. „Da ist etwas los!" ruft der Prinz und jagt in vollem Galopp querfeldein über Klippen und Dornbüsche, direkt auf den Punkt zu, wo die Schüsse fielen. Kaum vermögen sich die ihn begleitenden Herren an seiner Seite zu halten, und ungehört verhallen die dringenden Vorstellungen: Seine Königliche Hoheit möge sich nicht der Gefahr aussetzen, aus sicherem Versteck angegriffen zu werden! Mit verdutzten Gesichtern erwartet die linke Seitenpatrouille die Attacke der von Major Maercker persönlich so schnell als möglich herangeführten Bedeckuugsabteilung. Auf eine derartige Unterstützung hatte sie nicht gerechnet; längst war das Gefecht beendet, und der Gegner in wilder Flucht davongeeilt. „Wir haben ihn nicht getroffen!" lautete die Meldung, „hier läuft die Spur — des Bockes!" Jetzt war es an uns, verdutzt zu sein, und mit einer nicht allzu liebevollen Kritik endete das „Beinahegefecht" bei Zandmund. Die unerwartete Aufklärung brachte dem Prinzen wieder eine Enttäuschung, uns in gewisser Weise eine Erleichterung; denn darüber waren wir uns klar: Hätten Hottentotten uns gegenübergestanden, der Prinz hätte leicht sein tollkühnes Drauflosreiten mit dem Leben bezahlen können. Die Nacht verbrachten wir auf einem wirklichen Gefechtsfelde, dort, wo Hauptmann Kirchner an der Spitze seiner stürmenden Abteilung und Leutnant Edzard Fürbrinaer am Hauvtmann Freiherr von Brandenstein, Prinz Joachim Albrecht von Preutzen und Stabsarzt vr. Gerönne auf Kirchners Geiechtsfeld. 379 10. März 1905 den Tod gefunden. Morenga selbst, der erfolgreichste unserer Gegner, hatte einen Hinterhalt gelegt. Die deutschen Reiter, welche den zurückgehenden Hottentotten auf eine Höhe folgten, erhielten auf die nächste Entfernung von den ain jen seitigen Hange eingegrabenen Schützen vernichtendes Feuer. In wenigen Minuten war Hauptmann Kirchner und fast die Hälfte seiner Abteilung außer Gefecht gesetzt. Der Prinz besuchte am Morgen die Kampfstütte, welche uns einen tiefen Eindruck hinterließ. Die Schützengräben der Hottentotten, die schnell aufeinandergelegten Klippen unserer Reiter, und die dort liegenden zahlreichen Patronenhülsen gaben ein klares Bild vom Verlauf des Gefechtes. Deutlicher noch kennzeichneten den heißen Kampf die aus Steinhügeln bestehenden Grabstätten der Gefallenen, die sich zum Teil in trauriger Verfassung befanden. Der Felsboden hatte die Anlage tieferer Gräber verhindert, die Klippen waren von Raubtieren aus- einandergeworfen, und die Gebeine blvßgelegt. Die weite Entfernung von einer Station und die Orlogszeit hatten bisher eine Wiederherstellung der Gräber verhindert. Nun ordnete der Prinz an, daß die Überreste von neuem bestattet würden; wir alle halfen mit, und bald war dieser traurigen Pflicht genügt. Dann wurde der Weitermarsch angetreten. Lange noch standen uns das schmucklose Hvlzkreuz und die einfachen Ruhestätten der fern der Heimat, aber auf deutschem Boden mit ihrem Führer gefallenen tapferen Reiter vor Augen. Roosen, ehem. Oberleutnant in der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. Wie sieht unsere Kolonie aus?") l. Landung. Am 29. August 1904, vormittags, tauchten aus dem dicken Nebel, der unser Schiff („Wittekind") umgab, allmählich ein halbes Dutzend dunkler Schisfsrümpfe hervor, und voller Spannung erwartete ich jeden Augenblick die afrikanische Küste zu sehen. Wir waren vor Swakop- mund angekommen. Ich hatte mir schon aus vielen Büchern und auch aus den Erzählungen eines ehemaligen Schutztrupplers von dem Lande, für welches ich viel Interesse hatte, eine Vorstellung gemacht. Ich war aber etwas enttäuscht, als mittags der Nebel wich und die verstreuten Gefechtsfeld bei A»l>. Ist. März 1905V- -) Vgl. Artikel S. 153. Aus den eingehenden Mitteilungen, besonders den vortrefflichen Naturschildcrungen des Vize- wachtmeisters Karl Frydrychowicz, können leider, des Raumes wegen, nur einzelne Auszüge mitgeteilt werden, die aber dennoch des Interessanten genug bieten. (D. H ) 49 * 380 niedrigen Häuser auf dem flachen gelbsandigen Strande sichtbar wurden. Weißschäumende wütende Brandung tobte an der Küste. Nach einigen Tagen durch daS Warten aufs höchste gespannt, wurden wir bei hohem Seegang durch einen Leichter gelandet. So wenig war mein Leben noch nicht Wert, als bei dieser Landung; denn der sogenannte Hafen war zu der Zeit schon fast völlig unbrauchbar, und bei dem Pech, welches wir durch Hineinfallen des Schlepptaues ins Meer hatten, so daß wir eine Zeitlang hilflos in der hohen Dünung immer näher auf die wildumtosten Klippen trieben, hätte es, zumal es inzwischen stockdunkel geworden, leicht zu einer Katastrophe kommen können, und 50 blühende Menschenleben wären umsonst geopfert. Als ich endlich auf der Mole stand, kam mir sofort der Gedanke, wie es nur möglich sei, daß das mächtige Deutsche Reich so eine unzulängliche Hafenanlage haben kann für ein so großes Land, welches so sehr auf den Hafen angewiesen ist. Es war das erstemal, daß ich es selbst verspüren mußte, lvie wenig man sich bisher um die Kolonie gekümmert hatte; es war nicht das letztemal. 11 . Abmarsch von Swakopmund. In aller Frühe des nächsten Morgens spazierte ich durch Swakopmund nach dem Swakop, um möglichst viel vom Lande kennen zu lernen. Dort entdeckte ich auch eine Vegetation, die ich vom Schiff aus absolut nicht hatte erblicken können. Mit welcher Spannung und Wißbegierde man dieses Land betritt, kann ich nicht schildern, sie sind zu groß. Sogar die niedrigen Brack- und Dornbüsche, welche im Swakop standen, erfreuten das Auge. — Nach Ordnung unserer Signalapparate usw. fuhren wir mehrere Tage darauf bei schönem Sonnenschein mit der Kleinbahn in offenen Wagen ins Innere. Je tiefer man ins Land kommt, desto interessanter wird die Landschaft, und erwartungsvoll hielt ich nach dem ersten Pflanzen- wuchs Umschau. Schon in Nonidas ist das Swakoptal dicht mit Büschen bewachsen, und staunend sah ich die mir fremdartigen Pflanzen an. Außerhalb des Swakoptals konnte ich auch nicht eine Spur von Vegetation erblicken, also war es doch richtig mit der 80 bis 100 Kilometer breiten Wüste am Meer entlang. Weit im Osten stieg während der Fahrt eine wildgezackte blaue Gebirgswand immer höher empor; ein wundervoller Anblick! Durch die klare, durchsichtige Luft, im hellsten Glanz der afrikanischen Sonne, rückten wir diesen Bergen näher. Nachmittags sah ich eigentümliche auf dem Sande liegende kürbisähnliche Früchte und immer dichter stehenden grauen blattlosen Dornbusch. Aus der gewelltm Sandebene wurde jetzt eine immer wilder zerklüftete Gebirgslandschaft, überhängende, spitzgezackte Felsen wechselten mit tief ausgewaschenen, engen Talspalten ab. Es war das Khangebirge. Wir sausten in einer solchen Talspalte in den unglaublichsten Windungen dem Khanrivier entgegen. Das Tal wurde allmählich etwas weiter, und wie freute ich mich, als ich die ersten im schönsten Grün prangenden Bäume sah! Die Baumgruppeu wurden, je mehr wir uns dem Khan näherten, üppiger, und im schönsten Grün prangten noch verschiedene Büsche. Auch, wenn man genauer hinsah, konnte man ab und zu ein Grasbüschel in den Felsenritzen entdecken. III. Weitermarsch über Owiumbo. Zunächst führte der Weg durch bergiges Gelände mit hohem Busch, teilweise Wald. Nach Owiumbo zu wurde das Gelände flach, nur einzelne Berge ragten aus der Ebene hervor. An den Soldatengräbern, welche unter hohen Akazien in Owiumbo waren, ergriff mich ein mit Wehmut und Rache gemischtes Gefühl. Die Landschaft macht mit den dicht beieinander stehenden breitästigen, riesenhaften Akazien, die lebhaft an die heimatlichen Eichen erinnern, einen Mole von Swakopmund MSZV- .i WM I»!«»I>»I« »» ,, MüiÄ'kW E -E> ' W« «SSSZ8' Swakopmund. 382 tiefen Eindruck auf den Beschauer. — Das Gelände, durch das uns unsere Marschroute führte, war mit dichtem, waldartigem, hohem Dornbusch bedeckt. Bei Owikokorero ist der Busch so dicht, daß mau nur kriechend den Weg verlassen kann, um sich durch den wirr durcheinander gewachsenen Dornbusch zu zwängen. Selbstredend war es hier den Hereros mit ihrer großen Überzahl leicht, die kleine Schar des Majors von Glasenapp am 13. März 1904 fast zu vernichten. Der Boden ist hier stellenweise so feucht, besonders in der Gegend von Owiumbo, daß es hier ohne künstliche Bewässerung möglich wäre, Ackerbau zu treiben. Bei den Nachtmärschen sahen wir auch unsere früher Hinausgesandten Kameraden mit den Signallampen arbeiten, die eine Verbindung des Owikokoreroberges mit dem Okongawaberg herstellten. Mit Bewunderung sah ich, mit welcher Schnelligkeit die Morsezeichen gegeben und aufgenommen wurden. Man wird nach Feststellung durch die aufgehobenen Telegrammblocks Station Khan. staunen, wie leistungsfähig die Signalisten mit ihren Lampen und Heliographen sind. Durch meine fast dreijährige Erfahrung in diesem Dienst bin ich zu der Überzeugung gekommen, daß das Signalsystem sogar für einen europäischen Krieg von ausschlaggebender Wichtigkeit ist. IV. Signalstation Otjosongombe. Nach vierzehntägigem, beschwerlichem Fußmarsch wurde Otjosondu erreicht. Hier hörte ich auch die erste zuverlässige Nachricht über den Feind, er sollte sich weit nach Osten in das Sandfeld geflüchtet haben. Nach wenigen Rasttagen wurde ich mit noch drei Kameraden und zwei Signalapparaten weiter nach dem Osten, zur Verstärkung zweier Signalstationen, gesandt. Der Marsch ging glatt vonstatten. Die Pferde, welche wir in Otjosondu erhielten, waren noch frisch und blieben es, bis wir unser Ziel, Otjosongombe, östlich Otjosondu, im 383 Sandfeld erreichten. Abends hatten wir die 60 Kilometer weite Strecke zurückgelegt. Hier wurde nur nachts mit der Lampe gearbeitet; denn die Gegeustationen waren auf hohen Bäumen angebracht, und eS war daher unmöglich, den Heliographen zu verwenden, weil die fortwähren- Tignalstativ» bei Ltjlisviiniimbe. den Bewegungen der in den höchsten Ästen des Baumes errichteten Plattformen dieses verhinderten. Der ganze Telegrammverkehr drängte sich daher auf die Nacht zusammen, die auch vollständig in Anspruch genommen werden mußte, zumal es die einzige Verbindung zwischen den operierenden Truppen und den Etappen war. Mittags jeden Tages wurden die Pferde, welche in der Nähe weideten, geholt, und zur Tränke geritten; gleichzeitig wurde in Wasser- säcken das notwendige Trinkwasser herbeigeschafft. Die nächste Wasserstelle war Okauha, eine 15 Kilometer weiter östlich gelegene Kalkpfanne, die, wie fast alle Wasserstellen im Sandseld, mit tiefen Wasserlöchern versehen, sehr wenig und sehr schlechtes, stinkendes Wasser enthielt. In das etwa 8 Meter tiefe brunnenartige Loch stieg ein Schutztruppler wie ein Kaminfeger hinunter und schöpfte mit einem Becher den an zusammengebundenen Zügeln heruntergelassenen Freßbeutel voll Wasser; so wurden die sechs Pferde der Station getränkt. Zwei Stunden dauerte es jedesmal; denn da wir wegen der großen Entfernung nur einmal am Tage tränken konnten, hatten die Pferde großen Durst und soffen ungeheuer. Das für die Station mitgebrachte Wasser reichte nie, und diejenigen Leute, welche auf der Station zurückblieben, erwarteten, halb verdurstet, die Wasserholer mit Sehnsucht. Die Wassertransport- mittel waren vollkommen ungenügend, und das wurde auch manchem zum Verderben. Mit welchen Schwierigkeiten solch einsamer Posten zu kämpfen hat, ist kaum denkbar. Alles, und wenn's das Geringste ist, wird nur mit schwerer, mühevoller Arbeit errungen. Die Gefährdung durch den Feind, was bei der einsamen Lage schwer ins Gewicht fällt, tritt bei diesen ewigen Kämpfen mit den Verhältnissen fast in den Hintergrund. V. Weidereichtum und Baumwuchs in der Sandwiiste. Nach einigen Tagen wurde ich mit meinen Kameraden und unserm Signalapparat zum Hauptquartier nach Owinaua-Naua kommandiert. Wir schlössen uns einer mit Sauerstoff und Karbid beladenen Ochsenkarre an, welche dasselbe Marschziel hatte, und zählten nun fünf Soldaten und zwei eingeborene Treiber. Unser Weg führte uns zunächst über 384 Weite, dicht mit Busch und Gras bewachsene Flächen, unterbrochen von kleinen Wäldern; um säst jede Wasserstelle grünte ein einige Quadratkilometer großes Wäldchen. Okau ha hatte wahre Baumriesen. Es werden sicher ganz falsche Ansichten über das Sandfeld herrschen; von einer Wüste kann hier nicht im geringsten die Rede sein, im Gegenteil, eine für Großviehzucht sehr geeignete Steppe mit viel Baum-, Strauch- und Graswuchs ist vorhanden. Die Weide ist hier unerschöpflich und wurde bisher niemals, trotz des Krieges, abgeweidet. Außer den natürlichen Wasserstellen, habe ich viele Senkungen, wo durch Brunnenbau Wasser erschlossen werden kann, gesehen. Viele Wasserstellen sind sogar für Ackerwirtschaft geeignet, Gärten können überall angelegt werden. Auf unserem Marsch Passierten wir Oparakane, Eware und Okawehonina, alles sehr schöne Wasserstellen, besonders Oparakane mit einer Menge nebeneinander liegender Teiche, ringsum fruchtbarer schwarzer Boden, und ein sehr schönes Wäldchen mit riesenhaften Akazien. Der Wildreichtum ist außerordentlich; Springbock- herden von mehreren Hundert Stück, Strauße, Hasen und verschiedene Arten von kleinen Antilopen kreuzten unsern Weg. Auch waren Kudus, Hartebeester, Wildebeester und Zebras in großen Mengen vorhanden. Wir kamen jetzt in das Gebiet, wo die Reste des FeindeS ruhelos von einer Wasserstelle zur andern verfolgt wurden. Auf dem Marsch von Eware nach Owinaua-Naua sahen wir nördlich vom Wege, etwa ein Kilometer entfernt, Staub und auch undeutlich Gestalten, Und als wir die Ferngläser dorthin richteten, erblickten wir zu unserm Erstaunen eine große Herde Vieh und mehrere Hundert Menschen eiligst nach Westen ziehend, jeder trug ein Bündel Habseligkeiteu auf dem Kopf und die meisten Männer ein Gewehr. Die Hereros, denn solche waren es, hatten uns auch erblickt, blieben zum Teil stehen; da sie aber eine größere Truppe vor sich vermuteten, beschleunigten sie ihre Flucht noch mehr, wahrscheinlich werden sie auch keine Patronen mehr gehabt haben. VI. Wie sieht es bei Epukiro aus? Wir bekamen Befehl, nach Epukiro zu marschieren. Es galt hier, den ganzen Telegrammverkehr der operierenden Truppen zu bewältigen. An jeder Wasserstelle sah man die auf Plattformen in den höchsten Baumkronen aufgebauten Signalapparate. Auf dem Marsch nach Epukiro passierten wir Sturmfeld; eine sehr schöne Wasserstelle mit ziemlich großem Wäldchen und ausgezeichnetem Wasser. Die Farm war leider verlassen Bleu im Lanöseld. unddieWirt- schaftsge- büude standen öde und verwüstet da. Hier machte sich auch schon der Proviantmangel fühlbarer geltend, und die Halbbatterie, welche in Sturmfeld lag, schlachtete schon ihre Zugochsen. Der letzte Tagemarsch nach Epukiro führte im Epukirorivier entlang. An beiden Seiten des Riviers zieht sich eine hohe Galeriewaldung mit sehr starkem Baumwuchs hin. Die Wasserstelle Epukiro ist ein Sumpf, das Wasser wird aber daraus so abgeleitet, daß man eine ansehnliche Strecke sehr guten Ackers erzielt hat. Die hier angesiedelten Betschuanen müssen sehr fleißig gewesen sein, man konnte es noch an den zerstörten Maispflanzungen sehen. Es sollte in dieser Gegend so stark regnen, daß man sogar ohne künstliche Bewässerung Mais pflanzen kann. — Unsere Abteilung erhielt den Auftrag, eine Signallinie von Epukiro nach Gobabis zu bauen. Abends wurde mit 20 Mann der 4. Kompagnie 2. Feld- RegimentS, welche alle zu Fuß gingen, abmarschiert, da schon lange alle Pferde der Kompagnie an Krankheiten und verkehrter Behandlung eingegangen waren; denn die meisten Leute hier, zumal sie uicht unter Aufsicht Pferdeknndiger standen, wußten gar nicht, wie man ein Pferd Pflegt. Ich bemerkte, daß bei den meisten Kompagnien ehemalige Jnfanterieunter- ofsiziere Feldwebel waren, daher konnte es nicht ausbleiben, daß viele Fehler in der Pferdebehandlung gemacht wurden, da ihnen das Verständnis dafür vollständig fehlte. Auch den Leuten sah man es an, daß in den meisten schon der KrankheitSkeim steckte, und wie viele Kameraden sind an Typhus und Skorbut in Epukiro gestorben! Wir waren nach einigen Tagen mit dem Bau der Signallinie bis Owingi, einer Wasserstelle südlich Epukiro, gekommen. Die Wasserstellen in dieser Gegend haben mir des Baumwuchses und außerordentlich guten Wassers wegen besonders gefallen. Zahlreiches Wild konnte man auf Schritt und Tritt feststellen. Es war auch schon alles von der Hoffnung auf ein baldiges Ende dieses Krieges erfüllt, und deshalb dachte auch ich, daß es nun bald wieder nach dem lieben Deutschland zurückgehen sollte. Es war ein schwerer Irrtum. Hauptquartier an dem auhersten von ihm erreichten Punkte im Sandseid. UM VII. Landschaftsbilder aus Windhuk, Rehoboth und vorn Fischfluß. Wie ein Blitz aus heiterm Himmel traf mich die plötzliche Nachricht von dem aus- gebrochenen Aufstande im Süden. Mit frischer Unternehmungslust traten wir den Marsch nach diesem Gebiete an. Nach einigen Wochen wurde Windhuk erreicht. Auf dem letzten Treck Deutsche Reiter in Südwest. 50 386 Marsch) vor Windhuk wurde ich angenehm von dem herrlichen Anblick Klein-Windhuks überrascht. Aus dem frischesten Grün lugten die hellfarbigen, anmutig gebauten Häuser hervor. Nichtige Weinberge, Getreidefelder, Obst- und Gemüsegärten; im ganzen den Eindruck eines Dorfes im Mittelgebirge Deutschlands hervorrufend. Nur das Gebirge war hier noch weit romantischer und wilder. Das ganze Tal war mit den mächtigen, überall wohltuenden Schatten verbreitenden Akazien bestanden. Wie viele öde Strecken würden sich in solche fruchtbaren Landschaften verwandeln, wenn unsere Auswanderer hierher kämen, statt nach anderen Ländern zu ziehen, wo sie bald im fremden Volkstum verschwinden. Hier erwachte in mir ein Gefühl wie Liebe zu diesen: eigentümlichen Erdteil, und still entwickelte sich der Entschluß, wenn ich glücklich durch alle Kriegsgefahren gekommen, mit an der Erschließung dieses Landes zu helfen, indem ich als Farmer hier bliebe. In Windhuk rüstete sich alles zum Feldzug gegen die Hottentotten. Auch 40 Sig- nalisten, worunter auch ich mich befand, marschierten unter Führung des später gefallenen Leutnants Fürbringer im November 1904 nach dem Süden. Jetzt war alles beritten, denn es waren inzwischen genügend Pferde angekommen. Nach mühseligein Marsch durch die zerklüfteten Auasberge erreichten wir Rehoboth, die große Bastardausiedelung. Nehoboth hat auf mich mit seiner ruhigen, schon mehr der weißen Rasse zuneigenden Bevölkerung und der schönen waldigen Umgebung einen unvergeßlichen Eindruck gemacht. Leider wurde hier nur ein Tag gerastet. Auf dem Weitermarsch merkte ich, daß die Gegend jetzt einen andern Charakter annahm. Der Busch wurde lichter und niedriger, das Gras stand in Büscheln, während es im Norden ungemein dicht steht. Wenn das Gras im Süden auch nicht in solchen Mengen vorhanden ist, so hat es demgegenüber einen viel höheren Nährwert und ist auch weit zarter. Besonders den Pferden bekam dies Gras sehr gut, wie überhaupt der Süden sich für die Pferdezucht besonders gut eignet. Nach verschiedenen Kommandierungen 2 »^ ^4 Am Flichllutz. 387 Windhuk von der Höhe westlich des Flusses. MWkZ - 7 ^ auf die einzelnen Stationen des Südens kam ich auch nach der Signalstation Falkenhorst bei Gibeon. Infolge der anfangs Januar 1905 unternommenen Operationen gegen Hendrik Witbooi nahm hier der Telegraphenverkehr so zu, daß fast ständig am Tage vier Heliographen und nachts zwei Signallampen in Anspruch genommen werden mußten. Die Station Passierten täglich 100 bis 200, mitunter mehrere Seiten lange Telegramme. Leider wurde der Verkehr durch die jetzt mit Macht einbrechende Regenzeit häufig unterbrochen, und eines Morgens wurden wir durch ein mächtiges Rauschen geweckt: der Fischfluß kam. Es ist ein sonderbarer Anblick, hier im Lande solche Wassermassen zu sehen, wo sonst nur Wasser in Brunnen, Löchern, Teichen und Quellen zu haben ist. Bei Gibeon beginnt die Tafellandformation mit den langgestreckten, sargähnlichen Tafelbergen mit steilen Rändern. Die Niviere ziehen sich wie grüne Bänder durchs Land, besonders der Fischfluß hat einen üppigen Baum- und Strauchwuchs. In Gibeon erhielten wir Befehl, an den Operationen in den Großen Karrasbergen gegen Morenga teilzunehmen. In Eilmärschen gingen wir über Keetmannshoop, das den Eindruck eines mittleren Dorfes macht, nach der Ostgrenze, wohin wir zur Verfügung des Detachcments von Lengerke befohlen wurden. Die Großen Karrasberge wurden sichtbar und blieben von jetzt ab unsere treuen Reisebegleiter. Es ist ein wunderbar schöner Anblick, diese noch so weit (etwa 100 Kilometer) entfernten Berge mit den zackigen Bergspitzen so im schönsten Blau zu sehen. VIII. Über die Wüste Kalahari. Nach achttägigem Marsch wurde Hasuur erreicht. 20 Kilometer nordwestlich Hasuur tritt der Weg in das Dünengelände der Kalahari; eine neue Welt erschien uns dieser rotgelbe Sand mit der Prachtvollen grünen Weide und den grünen Büschen, von „Wüste" keine 50 * 388 Spur. Unterwegs wurden an geeigneten hohen Punkten (Bergen) Signalstationen errichtet und somit Heliographische Verbindung von Keetmannshoop bis Hasuur erreicht. In Hasuur wurde durch einen Farmer, welcher mit Depeschen zum Detachement von Lengerke geritten war, eine in der Nähe des Ostrandes der Ausläufer der Großen Karrasberge liegende Hottentottenbande gemeldet. In aller Stille wurde das Abreiten einer Abteilung vorbereitet, und nach Einbruch der Dunkelheit aufgebrochen. Das Wetter war günstig für einen Überfall; denn es wurde stockdunkel, und ein heftiges Gewitter fing an zu toben. Die Wasserstellen (Farmen) Hana- pan und Arinab wurden vor dem Passieren in Gefechtsbereitschaft abgesucht; denn die Gegend war vollständig unerkundet. Aber nirgends regte es sich, und immer weiter trabten wir in der von grellen Blitzen unterbrochenen Dunkelheit den phantastisch geformten Bergen zu. Dumpf grollend und krachend ertönte der Donner in den tiefzerklüfteten Bergen. Gegen Morgen bemerkte dieSpitze einen ganz schwachen Feuerschein. Vorsichtig wurde in einer Senkung haltgemacht, abgesessen und ohne Kommando in breiter Schützenlinie vorgekrochen, von Busch zu Busch, zwischen riesigen Felsblöcken immer näher aus feindliche Lager, welches jetzt bei der Morgendämmerung ab und zu durch die Büsche sichtbar wurde. Alte Jugendträume von wilden Jndianerkämpfen schienen wahr zu werden, aber auch der ganze Ernst der grausamen Wirklichkeit trat mir mit blutigen Leichen und Menschenelend vor Augen. Unsere Schützenlinie hatte in: weiten Halbkreis das feindliche Lager Umklammert, und das zwischen den Hütten stehende Vieh hatte uns schon bemerkt, denn die wachsamen Hunde singen an zu heulen. Wir waren auf ungefähr 30 Schritte heran. Aufs höchste gespannt, erwarteten wir das Zeichen zum Sturm. Durch das Heulen der Hunde geweckt, stürzt ein Hottentott schlaftrunken aus einer Hütte, einen wilden Ruf ausstoszend, eilt er auf ein in der Nähe stehendes Pferd, und sich aufschwingend, entflieht er in rasendem Galopp. Gleichzeitig stürzen aus allen Hütten die aufs höchste überraschten Hottentotten. Unser wütendes Schnellfeuer aus nächster Nähe läßt jeden Widerstand aussichtslos erscheinen, und in wilder Flucht sucht sich die ganze Bande auf die nächste Höhe zu retten. Fast in demselben Augenblick erreichten uns von dort auch schon die ersten bleiernen Willkommensgrüße. Im Sturm nahmen wir die Anhöhe. Die feindlichen Geschosse Pfiffen und surrten brummend in unsere Schar, aber mit dem Widerstand des Feindes war es jetzt vorbei, denn im Nu verschwanden die schlanken gelben Gesellen in Klippen und Strauchgewirr. Einen Posten zurücklassend, trieben wir das Vieh zusammen, gleichzeitig die Toten feststellend. Es wurden fünf gefallene Hottentotten gefunden; 50 Stück Großvieh und etwa 300 Stück Kleinvieh, außerdem sieben Pferde zusammengetrieben. Karl Frydrychowicz, Vizewachtmeister der 2. Feldsignalabteilung der Kaiserl. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. Vizewachtmeister Karl Frydriichvwicz. AM) >wk>r- E»»«r I.LM, V8M „Im Sturm »nlimen wir die Anliöl,e." 390 Gegen die Hereros. i. Bei Hamakari. Am 11. August, nachts 3 Uhr, geht's kriegsmarschmäßig nach Waterberg, leider alles zu Fuß. Kurz nach Tagesanbruch finden wir bereits rückgängige Hererospuren und viele in der Eile zurückgelassene Hausstaudgeräte. In der Ferne hört man das Gebrüll Vvn Viehherden. Die 10. Kompagnie marschiert rechts des Weges, die 11. Kompagnie links, in der Mitte die Maschinengewehr-Abteilung, die Artillerie und die 9. Kompagnie, dahinter das Hauptquartier mit der Funkenabteilung usw. Um 8,40 Uhr, als wir gerade eine Lichtung überschreiten, kommen von links vorwärts kräftige Gewehrsalven, die den aufklärenden Witboois und der 11. Kompagnie gelten, aber glücklicherweise zu hoch gehen. Dies ist für uns das Signal zu einem heftigen Feuer auf der ganzen Front wie auf den Flanken. Vor uns ist dichter Busch, in den wir uns gleich hineinwerfen. Die 11. Kompagnie stürmt sofort mit aufgepflanztem Seitengewehr die vor ihr liegenden Wasserlöcher, in denen die feuernden Hereros sitzen bleiben und erstochen werden. Beide Kompagnien gehen nun sprungweise vor, zunächst ohne Verluste. Von allen Seiten erhalten wir jetzt Feuer. Die 11. Kompagnie versucht sodann die halblinks liegende, mit Dornen verschanzte Werft zu stürmen, Wobei Hauptmaun Gansser und alle Offiziere fallen! Der rechte Flügelzug der 10. Kompagnie, unter Leutnant Strödel, erstürmt nach zweimaligem Ansetzen schließlich unter Mitwirkung von zwei Geschützen halbrechts eine ebensolche stark besetzte Werft. Der linke Flügel der 11. Kompagnie zog sich inzwischen führerlos im heftigsten, aus nächster Nähe gegebenen Feuer bis hinter die Wasserlöcher zurück. Ich erhalte nun den Befehl, mit etwa 15 Mann aus der Schützenlinie die 11. Kompagnie zu verstärken, und das Kommando über diese führerlose Abteilung zu übernehmen. Unter Mitwirkung von zwei Maschinengewehren wird nunmehr der linke Flügel wieder vorgebracht, und die Wasserlöcher werden von neuem gestürmt und genommen. Jetzt liegen die Kompagnien halbkreisförmig um die weit ausgedehnten Wasserstellen, von allen Seiten einem wahrhaft mörderischen Feuer ausgesetzt, das unsere Leute aber mit bewundernswerter Ruhe erwidern. Die Artillerie und Maschinengewehre, in die Schützenlinie vorgezogen, beschießen nun den abziehenden Gegner. Mit einem Male werden wir auch ini Rücken angegriffen; wir erhalten jedoch sofort Deckung durch das Hauptquartier und die 9. Kompagnie mit ihren Geschützen. Wir haben, obgleich wir von 8 Uhr vormittags bis zur Dunkelheit im heftigsten Feuer lagen, nicht mehr als durchschnittlich 20 Patronen pro Mann verschossen, man sah eben zu wenig vom Feinde, zeigte sich aber mal ein schwarzer Kopf, so wurde ruhig und gut gezielt, und wohl fast jeder Schuß saß. Noch in derselben Nacht befestigten wir unsere Stellungen und bauten sie zum Lager aus. Unsere kleine Bagage wurde in die Mitte genommen. Die Hereros haben starke Verluste gehabt. Am folgenden Tage fanden wir noch etwa 50 Tote, alle gut Leutnant Schütte. 391 bekleidet und ausgerüstet, zum Teil sogar mit Gewehr und Patronen versehen. Da bekanntlich die Hereros ihre Toten, wenn irgend möglich, mitnehmen, so ist dies ein Beweis für den überstürzten Abzug des Feindes. Hinter jedem Hererokrieger liegen im Gefecht fünf bis sechs Kirriträger, die, falls der Krieger schwer verletzt ist, sofort nach seinen: Gewehre greifen, sowie die Toten ausziehen und fortschleppen; dies geschieht mit fabelhafter Geschwindigkeit und gänzlich unsichtbar. II. Der Kaffer. Wasserstelle bei Okateilei, 1. August 1904. Eine kleine, wenn auch bedeutungslose, so doch gewiß interessante Episode von unserm Marsche hierher: Wir reiten in: Schritt den ganzen Weg zurück. Der eine Witbooi, Johannes, starrt nachdenklich auf den Boden und die dort im Gras kaum sichtbaren Spuren. Plötzlich tuschelt er dem Führer zu: „Herr Liutnan, acht! Spur vandag (heute)! Kaffer (Herero)!" Auf die Frage: „Wieviel?" antwortet er prompt, mit den Fingern zeigend: „Twe." — Es ist 6 Uhr; die Sonne steht glutrot hinter den Büschen, diese selbst bereits in schwarzer Finsternis lassend. Die beiden Führer wollen nicht weiter und gestikulieren stumm aber lebhaft. Wir springen von den Pferden und reißen den Karabiner von: Rücken. Der Witbooi: „Fir (Feuer, mit dem Finger zeigend) tre!" Erst bei ganz scharfem Zusehen bemerke ich gar nicht w?it ihr Glimmen. Der Führer spreizt die Arme, zwei Mann halten die Pferde, alles andere spritzt zur Schützenlinie auseinander, und nun vor. — Wir fingen keinen von den riesengroß erscheinenden Kerlen, kamen auch nicht zum Schuß. Höchstens 20 Schritt von uns sprangen sie in den Busch und wurden auch nicht wieder gesehen. Als wir zu ihren verlassenen Feuern zurückkehrten, fanden wir dort ihren ganzen Hausrat: Messer, Kessel, Felle, Kürbiswasser- flafche, eine Holzschale voll frischer Feldkost und dergleichen vor. Auch Weiberschmuck für die Waden ans Eisenperlen (etwa 30 Pfund schwer und deshalb zum Mitnehme,: nicht geeignet) fand sich vor. Als wir zu den Pferden kamen, war es ganz dunkel. Wir lagen an einer Wasserstelle; das übelriechende Wasser langte kaum, unsere durstigen Pferde zu tränken. Ungefähr 1 Kilometer abseits der Wasserstelle biwakierten wir. III. Kugelsicher. Otjituo, 8. Oktober 1905. Mittags hatte eine kleine Patrouille mehrere Leute des Häuptlings Timothens im Busch gestellt und nach heftigem Widerstände einen der Kerle ergriffen, während die andern entkamen. Da der Gefangene dauernd widerspenstig blieb und sich dazu noch an einen: unserer Reiter tätlich vergriff, so sollte mit ihm kurzer Prozeß gemacht werden. Drei Mann legten auf kurze Entfernung an, die Gewehre krachten und — der Kerl war verschwunden. In demselben Augenblick, als die Schüsse fielen, war der gewandte Kaffer einen Schritt zur Seite gesprungen, und die Geschosse verfehlten somit ihr Ziel. In: gleichen Moment war der herkulisch gebaute Neger auch schon in dem hinter ihm befindlichen dichten Dornbusch verschwunden. Sofort wurde die Verfolgung im schnellsten Tempo vorgenommen; das dichte Gestrüpp machte aber alle Versuche, ihn zu fassen, erfolglos. Bei diesem tragikomischen Vorgang mußte ich unwillkürlich au Ssuwvrows AuSsPruch denken: „Die Kugel ist eine Törin . . . ." Schütte, ehe,,:. Leutnant der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. 392 Ein Transport nach der Omaheke. i. Perlhuhnjagd. Ende August 1904 erhielt unsere Kolonne den Befehl, mit elf Ochsenwagen (Pro Wagen 24 Ochsen), mit Proviant, Munition und Ausrüstung beladen, den Marsch von Okahandja nach der Omaheke anzutreten. Zunächst galt es, den westlichen Teil des Kaiser-Wilhelm-Berges zu durchsahren. Der Kaiser-Wilhelm-Berg wird hier durch viele Riviere in tiefe Schluchten und Täler zerrissen und ist von Dornbüschen bestanden, jenen eichenartigen Hakis- und Kameldornen, welche fast undurchdringlich sind. Die Pad ist durch die großen und vielen Klippen sehr schlecht. Im ersten Rivier angekommen, geriet der vorderste Wagen mit dem rechten Vorder- und Hinterrad so tief in den Sand, daß er umschlug; jedoch war das Fahrzeug ganz geblieben, nur viele Proviantkisten waren zerbrochen. Nach einer Stunde konnten wir glücklicherweise weiterfahren. Der Marsch ging so langsam, daß wir in den ersten fünf Tagen nur durchschnittlich 5 Kilometer zurücklegen konnten, um die nächste Wasserstelle Otjosasu zu erreichen. Jeder Wagen mußte durch Vorspann von weiteren 24 Ochsen durch den tiefen Sand im Riviere und über die steilen Berge gefahren werden. Die Reihe der Zugtiere war so lang, daß die vorderen Ochsen schon halb den steilen Berg erklommen hatten, während der Wagen noch immer im Flußbett war. Die Tiere mußten in den ersten vier Tagen nach Okahandja zur Tränke zurückgetrieben werden. Den fünften Tag hatten wir in Otjosasu genügend Wasser. Von hier aus ging es zunächst besser, denn der Weg wurde ebener. Bei solch einem Transport ist man mehr Viehtreiber und Viehwächtec als Soldat. In Owiumbo brachte einer von unseren schwarzen Viehwächtern (Klippkaffer) die überraschende Meldung in halb deutscher und halb holländischer Sprache: „Mister, Mister, de Herervs hebbe de Ochse weggedreve!" Wir sattelten sofort und ritten in verschiedenen Richtungen, um die Spur im Busch zu suchen. Nach einstündigem Ritt im dichtesten Dornbusch hatten wir die richtige Spur gefunden. Als wir diese eine halbe Stunde verfolgt hatten, trafen wir die Ochsen in mannshohem Grase, von den Hereros war jedoch keine Spur; und nun kam Klarheit in die Sache. Der Viehwächter war, wie er nachher eingestand, an seinem Lagerfeuer eingeschlafen und sein Gespann von 28 Ochsen hatte sich bessere Weide gesucht. Als wir im Begriff waren, unsere Ochsen zurückzutreiben, ruft Vizefeldwebel Kunz: „Sind hier aber eine Menge Perlhühner!" Es war hier eine Wasserstelle, welche nur noch feuchte Erde auswies., In derselben scharrten eine Menge Perlhühner (wohl über 300). Ohne zu beraten, waren wir abgestiegen, hatten die Pferde an die Dornenbäume gebunden, und das „Gefecht" hatte seinen Anfang genommen. Die Tiere waren durch unser plötzliches und schnelles Geschieße so erschreckt, daß sie sich nicht von der Stelle rührten und nur ihre Hälse reckten. Nachdem jeder ungefähr 20 Schuß abgegeben hatte, bekamen wir Verstärkung. Durch unser Schnellfeuer hatten wir unsere Kameraden an die Stelle gelockt. Im Nu waren auch sie aus dem Sattel, hatten, ehe wir es in unserem Eifer gesehen, ihre Pferde neben die unseren gebunden, und als erster ohne Atem und mit von den Dornen zerrissenem Gesicht und Anzug kam der Oberleutnant Wieczorek an mich heran mit der lauten Frage: „Wo sind dit schwarzen Bestien?" Ich vermochte ihm nicht zu antworten. Da stand ein Unteroffizier auf, hielt einen Arm voll Perlhühner hoch und rief mit lachendem Gesicht: „Hier, Herr Oberleutnant!" Der Oberleutnant machte Miene, uns -7 L. Aus dem Kampfe bei Gubuoms. „-^— Der Führer (Oberleutnant von Madai) gewann den Eindruck, daß die Hottentotte» alles daran setzte», das Entweichen von zwei Reitern, ihren Großleute», zu ermögliche». — Es entspann sich ein verzweifelter Kampf. Ganz vorn die beiden Reiter, im Halbkreis dahinter etwa 25 Hottentotten, immer feuernd, um die Deutschen znni Absitzen zu zwingen und Zeit für die Großleute zu gewinnen. Unsere Reiter feuerten im Vorreiten aus dem Sattel — oft auf 15 Schritt. Es wurde sogar mit aufgepflanztem Bajonett, Mann gegen Man», zu Pferde gekcimpft. Nach einstündigcm Kampfe — fast alle Hottentotten waren abgeschossen oder niedergestochen — gelang es, mit den beiden Großleute» in eine Höhe zu kommen. Reiter Weisner traf den Großmann Manasse Noroseb von Hoachanas mit dem Bajonett, und auch der andere, Hendrik Hektor, ein gut gekleideter Witbooi mit schwarzem Schuurrbart, fiel im Handgemenge."-Außer den Führern wurden bei den Hottentotten 23 Gefallene gezählt. — Diese rücksichtslose Verfolgung war einzigartig. Oberstleutnant von Miihlenfels, der Truppenkommandenr im Norden, bezeichnete das Gefecht von Gubuoms als die „schönste Waffentat" und zollte dem energischen Führer der Teutschen, Oberleutnant von Madai, seine „uneingeschränkte Anerkennung"." Beilage zu: „Dincklage, Deutsche Reiter in Südwest/ Deutsches VerlagshauS Bong L Co., Berlin l-V. 57. — 393 — durch ein paar Kraftausdrücke zu strafen, konnte sich jedoch des Lachens nicht erwehren und ordnete dann unseren Rückzug an. Bei den Kameraden wollte dann die Spöttelei über unser „Gefecht" kein Ende nehmen! Am Abend ließen wir uns den Braten trotzdem gut schmecken, da frisches Fleisch zu dieser Zeit eine Seltenheit war. Das Wild war fast von allen Wasserstellen durch die vielen Truppentransporte verscheucht worden, und das Beutevieh war noch am Waterberg. II. Wie sie mich ankratzten. Am 17 . September 1904 erhielt ich vom Oberleutnant Wieczorek den Befehl, zur Kolonne von Reitzenstein nach Otjomaso zu reiten, um von dort neue Ochsen zu holen, da es unmöglich war, mit unseren abgetriebenen Tieren vorwärts zu kommen. Mittags, nach dem Abkochen, trat ich allein meinen Ritt an. Gegen Abend au der Wasserstelle Okamatangara angekommen, sah ich am Wege wohl 30 bis 40 Hereros, welche einen verendeten Ochsen abzogen. Kaum hatte ich meine gefährliche Lage erkannt, da krachten von halb links hinter mir mehrere Schüsse. Dort war ich an einem Trupp Hereros, welche sich im Busch versteckt hatten, vorbeigeritten. Als sie weiter keine Deutschen mehr sahen, erhielt ich Feuer. Die Schüsse Ein Transport nach der Omalieke. 51 Deutsche Reiter in Südiu-st. 394 gingen aber in der Dunkelheit fehl. Ich stieg schnell ab und suchte im Dornbusch Deckung; dann war auf kurze Zeit alles ruhig. Mein Pferd hatte mich aber bald wieder durch seine Unruhe verraten, und ich mußte mich schnell aus dem Staube machen. Meinen Rücken machte ich mir durch mehrere Schüsse etwas frei und stieg dann in den Sattel, um im schnellsten Tempo zurückzureiten und meiner Kolonne die Meldung zu überbringen. Mehrere Kugeln folgten mir nach. Ich entkam, aber erst jetzt fühlte ich, daß ich verwundet war. Ein Bleigeschoß hatte mir sämtliche Mittelhandknochen der linken Hand zerschmettert. Nach langem Ritt im schnellsten Tempo brach mein müdes Pferd zusammen. Ich war noch nicht verbunden, denn ein Verbandpäckchen besaß ich nicht mehr. Ich entschloß mich daher, das schmutzige Taschentuch um das Handgelenk zu wickeln, damit das Bluten etwas nachließe. Ich hatte hierbei meine Marschrichtung verloren, wußte nicht mehr, wo ich mich befand, und beschloß, zu übernachten, wo ich mich befand, um am nächsten Morgen meine Truppe zu suchen. Nach einer Stunde wurde ich durch ein lautes „Halt, Werda!" aufgeschreckt. Es war Sergeant Scharf, welcher die Spitze führte. Ich antwortete: „Hier Sergeant Klein, hole schnell Verbandzeug!" Darauf erhielt ich vom Sanitätssergeanten Breitwieser einen Notverband und ging gleich wieder freiwillig auf Patrouille. Der Feind war aber nicht mehr zu finden; er war abgezogen. Nun erst begann mein Leiden, der ganze Arm war angeschwollen. Der Unterarm ist in dreimaliger Operation amputiert worden. Im Feldlazarett 7 zu Otjimbinde (im Sandfeld) wurde nach vier Tagen meine Hand vom Stabsarzt I)r. Schleuder behandelt. Das Lazarett sollte erst aufgebaut werden. Da ich in den letzten Tagen vor Schmerz nichts mehr gegessen hatte, machte sich der Hunger jetzt auch recht fühlbar bemerkbar. Der Stabsarzt kochte in seinem Kochgeschirr Gries. Ich sah ihm von weitem zu. Ich hatte ihn nicht erkannt, da er nur mit Hemd und Hose bekleidet war. Als er auf mich aufmerksam wurde, fragte er: „Haben Sie auch Hunger?" Ich sagte: „Aber nicht zu knapp!" — „Na warten Sie, Sie sollen gleich etwas bekommen!" Darauf gab er mir in einem Kochgeschirr etwas ab, und ich wollte, auf einem Steine sitzend, anfangen zu essen, als ein Kaffer, welcher bei der Truppe als Viehwächter diente und sehr an Malaria litt, im Fieberwahn auf mich zusprang und mich mit Faustschlägen bearbeitete; mein Kochgeschirr mit Gries war in weitem Bogen in den Busch geflogen. Der Hunger war mir vergangen. Am selben Nachmittag, als die Lazarettzelte aufgebaut waren, wurde ich operiert, und ich habe hier im Sandfeld sechs Monate neben meiner Verwundung noch an Typhus, Ruhr, Skorbut und Gelbsucht gelegen. Später wurde ich mit dem Militärehrenzeichen 2. Klasse dekoriert. Emil Klein, ehem. Sergeant der Kaiser!. Schutztruppe s. D.-Südwestafrika. Sergeant Emil Klein. * * 395 Episoden aus den Kämpfen am Waterberg. i. Ohne Flagge! „Für den Hauptangriff hatte Exzellenz von Trotha den 11. August 1904 festgesetzt und in seinen Bestimmungen gesagt, daß jede Abteilung eine farbige Flagge zu führen habe: unsere Ostabteilnng blau, Nordabteilung grün, Westabteilung rot, Südabteilung gelb. Auf die deutschen Flaggen sollte geschossen werden, weil es bekannt geworden, daß die Schwarzen, mit deutschen Flaggen versehen, häufig in Sicherheit abzogen, wenn des dichten Busches wegen auf weite Entfernungen nichts zu sehen war als Staubwolken und Flagge. Während der Kämpfe bei Hamakari, 11. August, kam Herr Hauptmann von Klitzing der 9. Kompagnie zu unserm Maschinengewehr und sagte, wir sollen aufpassen, er habe Reiter gesehen, die in der Nähe herumschlichen. Ringsumher breitete sich dichter Dornbusch aus. Es dauerte nicht lange, da bekamen wir unter dem Gebüsch Pferdefüße zu sehen, weiter nichts — keine Flagge. Das Gewehr begann zu feuern, und wir dachten, wir hätten einige von den Schwarzen erwischt, leider war es aber eine zurückgedrängte Patrouille der Unseren. Der Anführer, Leutnant Freiherr von Matter^), wurde schwer verwundet, einem Manne ein Bein abgeschossen, ein anderer am Unterleib verwundet, letzterer starb noch in der Nacht. Die ersten beiden sind nun ausgeheilt — einer kam glücklich davon. Alle vier Pferde wurden erschossen. Als der Leutnant verbunden wurde, ließ er unsern Gewehrführer kommen und bat ihn um Verzeihung; denn der Gewehrführer hätte schießen müssen, weil er, der Leutnant, dem Befehl, die Flagge zu führen, nicht nachgekommen sei. Der Führer habe keine Schuld." II. Zur rechten Zeit! „-- Am Nachmittage (11. August 1904) gingen Reiter Becker und Haßhagen von der Maschinengewehrabteilung, um von den Fahrzeugen Munition zu holen. Als sie bei der Artillerie vorbeikamen, sahen sie, daß bei zwei Geschützen die ganze Bedienung verwundet am Boden lag, und die Schwarzen schon nahe den Geschützen waren. Schnell entschlossen sprangen beide an ein Geschütz, bei dem nur noch der Führer war, und fingen an zu feuern. Da wurde den Schwarzen angst und bange, und sie mußten zurück. Becker hatte bei der Artillerie gestanden und wußte mit Geschützen umzugehen!" III. „Sie kannten Januschefski nicht!" Während des Kampfes versagte nach längerem Schießen ein Maschinengewehr — es mußte eiu frischer Laus eingezogen werden. Als die Schwarzen sahen, daß das Gefreiter J»iet>!> Krüaer. 0 Bgl dessen Bericht L-. 2L8. 51 * 396 Geschütz nicht mehr funktionierte, liefen sie im Sturm darauf los. Sie kannten aber den Unteroffizier Januschefski, den Gewehrführer, nicht! Der sprang zu, und in einem Handumdrehen hatte er einen neuen Lauf eingezogen, und gerade, als die Schwarzen dicht heran waren, da rollten wieder die Schüsse, und wie abgemäht lag fast die ganze Bande. Dafür erhielt Januschefski das Militärehrenzeichen 1. Klasse. Mitunter bringt's der Mut im rechten Augenblick. IV. Da lagen sie alle fünf! Am 12. August 1904, abends, lagerte die Truppe in Schützenlinie im Kreise, rings umher viel Dornbusch. Maschinengewehr und Geschütze waren so zwischen der Infanterie verteilt, daß nach allen Richtungen gefeuert werden konnte. An jeden: Geschütz und Gewehr standen drei Mann der Bedienung Wache. Nachts ging ein Reiter, der durstig war, 30 Schritt vom Lager an ein Wasserloch, um Wasser zu holen. Fünf Schwarze, die sich wie die Schlangen herangeschlichen hatten, erschlugen ihn mit Kirris und wollten sich dann in der Dunkelheit fortschleichen. Aber ein Maschinengewehr bemerkte eine auffällige Bewegung und feuerte. Am anderen Morgen fanden wir den Reiter. Sie hatten ihm den Kopf zerschlagen, so daß das Gehirn hervorquoll. Aber die es getan, waren nicht entkommen. Dicht neben dem Opfer lagen die fünf Angreifer, mächtige Hereros. Das Maschinengewehr hatte sie alle erreicht und festgehalten, da, wo sie ihr Verbrechen begangen. Joseph Krüger, ehem. Gefreiter d. Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. * * * Ein Melderitt unter Oberleutnant von Kummer! „Rieß, kommen Sie mit nach Afrika?" so fragte mich eines Morgens mein Oberleutnant von Kummer, und ihm konnte ich nicht nein sagen. Außerdem tat ich's von Herzen gern, denn ich hatte mit ihm in China die beste Zeit meines Lebens zugebracht." Mit dieser Einleitung beginnen die sehr anschaulichen und anregenden Mitteilungen des ehemaligen Unteroffiziers Rieß, aus denen leider, des nur noch geringen verfügbaren Raumes wegen, nur einzelne kurze Ausschnitte im nachfolgenden gebracht werden können. Weiter heißt es dann: „Kaum ausgeschifft, erhielten wir eine Meldung mit drei Kreuzen, und fort ging's nach Karibib, Omaruru, Okateitei, als Ziel den Waterberg. Dort am 11. und 12. August 1904 Gefecht, Sturm und blutiger Sieg, und am 13. und 14. die Verfolgung bis in die wasserlose Wüste. Auf der Verfolgung der bei Waterberg versprengten Hereromassen in die Omaheke erreichte uns bei Epukiro am 19. September der Fähnrich von Kaynach (gest. 1905). Er kam aus dem Großen Hauptquartier und brachte von Exzellenz von Trotha neue Befehle für die Abteilung Deimling. Während nun der Oberst Deimling einen Antwortbericht an Exzellenz von Trotha schrieb, sollten wir (der Oberleutnant von Kummer, zwei Reiter und ich) uns fertig machen, um das Schreiben zu überbringen. Wir konnten gerade noch die eben mit einem Transporte eingetroffenen Kartoffeln — vier pro Mann — verzehren, und dann ging's auch schon los, auf den Ritt zum Hauptquartier. KLL WM M«1 ! . ! ^Aber ein Maschinengewehr bemerkte eine auffällige Bewegung und feuerte." 398 Wir jagten bei Hellem Mondschein querfeldein immer auf den Leitstern los. Aber frühere Gelegenheiten hatten uns schon gelehrt, daß nach den Sternbildern nur bedingt zu reiten ist; denn sie wechseln genau wie Sonne und Mond ihre Plätze. In vier Stunden brauchten wir drei Sterne, dann wurde Rast gemacht, und als die Sonne aufging, sahen wir, daß wir genau da geruht hatten, wo wir es gewollt, nämlich hart östlich Sturmfeld, einer für sndwestafrikanische Verhältnisse sehr schönen Wasserstelle. Hier zu Lande denkt man sich unter Afrika ein Land, wo man zu schwitzen nicht aufhört. Und wie sieht es in Wirklichkeit aus? Während der Nacht war uns das Wasser in den so sorgfältig gehüteten Wassersücken steif gefroren. Waren uns nachts die Sterne willkommene Wegweiser gewesen, so trat jetzt die Sonne an deren Stelle; denn das eiserne Muß lehrt, auch ohne Generalstabskarte auszukommen, und es gelang, denn fast auf den Zentimeter genau stießen wir auf die Wasserstelle Okowarumende, wo wir am 11. September gelagert. Der Not gehorchend, ließen wir damals dort etwa 20 Typhuskranke ohne jedwede Hilfe, nicht mal einen Lazarettgehilfen hatten wir mehr, zurück; und später lasen wir einmal in den Zeitungen, daß für ein derartiges Zurücklassen von Maladen der Ausdruck „Krankensammelstelle" geprägt sei. Wir ritten nach kurzer Tränkpause bis Okatjekuri weiter. Die hereingebrochene Hitze und die Müdigkeit der Pferde zwangen uns, bis nachmittags 3 Uhr zu rasten. Mit sinkender Sonne kamen wir in Oparakane an; dort war das Hauptquartier, und wir gaben die Meldung ab. Das Hauptquartier hatte eine ganze Anzahl grüner Zelte, die mit den darüber gespannten Sonnensegeln recht einladend aussahen. Aber für uns war leider kein Platz mehr. Da erbarmte sich der Telegraphenoffizier Leutnant Rückforth unser und lud uns in den Ochsenwagen, um zu rasten. Das war schöner noch als daheim das beste Manöverquartier. Den Tag über bearbeitete Major Qnade die Meldung des Obersten Deimling und nachmittags wurden wir mit neuen Instruktionen entlassen und ritten, wie wir gekommen. Es schloß sich uns der Generaloberarzt Dr. Schian an, um das Krankenwesen zu inspizieren. Die Nacht brachten wir in Eware zu. Noch bei Dunkelheit machten wir uns auf den Weg nach Okowarumende. Dort war der Zahlmeister Bielefeld und es zeigte sich, daß nicht nur im Manöver der Zahlmeister am besten verpflegt wird, sondern auch in Afrika. Dieser sagte aber nicht: „Selber essen macht fett", war vielmehr echt kameradschaftlich und lud uns zu einem gebratenen Oornsck-bosk und Kartoffeln ein. Es mundete Prächtig, denn die Abteilung Deimling ist nicht verwöhnt. AuSmarsch zum Waterbcrg. 399 Leutnant von Plehme hatte hier eine Lcnnpenstation errichtet und mit dieser Verbindung mit dem Obersten bekommen, so daß wir melden konnten: „Befehl ist ausgeführt!" Der Oberst war nun beruhigt, daß seine Briefe im Hauptquartier abgegeben und wir wieder glücklich auf dem Rückwege seien. Wir hatten nun Zeit und konnten den Pferden etwas Ruhe gönnen. Wir selbst gingen zu der Farm, die dicht an dieser Wasserstelle liegt. Es waren allerdings nur drei armselige, auf einem Hügel gelegene Lehmhäuser, aber wenigstens ein ganz schöner Fernblick. Hinter den Häusern lag anscheinend ein großer Park, wenn man aber näher hinsah, waren es nur einige Bäume, die an die einstigen erinnern, dahinter wieder der elende afrikanische Busch aus Dornen und Dornen und wieder Dornen. Die Bäume verdanken ihr Dasein der nahen Wasserstelle, die am Fuße des Berges liegt. Das Farmhaus besteht aus drei Räumen, allerdings ohne Fenster und Türen; aber es war doch ein Dach darüber, und das begegnete uns seit dem Verlassen des Schiffes zum ersten Male. Lange blieben wir nicht in diesem seltenen Genuß; denn wir mußten aus Satteln denken, um vor der Hitze wieder beim Obersten zu sein. Diesen erreichten wir auch in Epukiro, wo wir um 9 Uhr eintrafen. Der Oberst war mit unserem Ritt sehr zufrieden, hatten wir doch in dieser kurzen Zeit über 300 Kilometer zurückgelegt. Woldemar Rieß, ehern. Unteroffizier der Kaiserl. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. * q- * . Als Mitkämpfer am Waterberge. i. In den verlassenen Werften. Am 13. August 1904 nahmen wir die Verfolgung der Hereros auf und gingen bis Omapandu vor. Doch bald mußten wir wieder nach dem Gefechtsfeld bei Hamakari zurück und von da gegen Erindi-Endeka vorgehen, da einesteils hinterOmapandu absoluter Wassermangel herrschte und andernteils die Hereros nach Süden abgeschwenkt waren. Der Anblick, der sich der verfolgenden Truppe auf ihrem Wege bot, zeigte erst den ganzen Erfolg des Kampfes vom 11. August. Mehrere Kilometer weit längs des Hamakari- riviers befindet sich Werft an Werft. Soweit unsere Geschosse gereicht hatten, waren sie in eine Trümmerstätte verwandelt und überall anscheinend in wilder, kopfloser Flucht verlassen worden. In den Pontoks hockten alte Weiber, Greise und kleine Kinder, die man nicht hatte mitnehmen können. Verwundete, Kranke und Sterbende erwarteten irgendwo in einer Ecke eines Krales ihr Schicksal. Überall stand zahlreiches, in der Eile zurückgelassenes Vieh, das Heiligtum der Hereros. Ganze Ochsenwageu, gefüllt mit Stoffen, Pelzen und Hausrat, waren in der Not stehen gelassen, zahlreiche Felle, Decken, Weiberschmuck, Kochgeräte lagen unter zersprengten Artilleriegeschossen umher. Gefreiter Max Dötfchel. 400 Auf dem Rückmärsche wurden 30 Mann abkommandiert, die das Gelände von Omapandu bis Hamakari nach Vieh absuchen mußten. Es gelang uns, zirka 4000 Tiere zusammenzutreiben und auf Station Waterberg abzuliefern. So hatten wir wenigstens Fleisch zu essen; andere Nahrungsmittel gab es so wie so nicht, da die Proviantwagen noch nicht in Waterberg eingetroffen waren. Am 17. August, abends 7 Uhr, stellten wir uns wieder bei unserer Kompagnie in Hamakari ein. Bis wir mit unseren schlappen Pferden, die kaum mehr vorwärts zu bringen waren, am 19. August, 2 Uhr nachmittags, in Erindi-Endeka ankamen, waren die Hereros schon wieder im Abzug begriffen. Unsere Artillerie konnte sie noch auf 2000 Meter beschießen, doch war eine weitere Verfolgung bei dem traurigen Zustand unserer Pferde und der unzureichenden Proviantzufuhr für uns ein Ding der Unmöglichkeit. II. Die Buschleute verschwinden im Busch. Am 31. März 1906 stießen wir in Karvkowisa auf eine Buschmannswerst. Die Buschleute, welche bei unserem Erscheinen nicht wenig erschraken, da sie noch nie Weiße gesehen hatten, erzählten uns durch den Dolmetscher, daß ungefähr 45 Kilometer entfernt sich eine Hererowerft befinde, die 40 bis 50 Köpfe zähle und fünf Gewehre und zwanzig Stück Vieh besitze. Auf diese Mitteilung suchte unser Oberleutnant Gräff sofort die acht besten und zuverlässigsten Leute mit guten Pferden heraus, darunter auch mich, und wir rückten am nächsten Morgen, den 1. April, unter Begleitung von vier Buschleuten, die uns den Weg zeigen sollten, gegen den Feind vor. Wir ritten bis 10 Uhr, kochten dann etwas Reis und brieten einen Bock, den wir unterwegs geschossen hatten. Da wir am Abend noch die Werft stürmen wollten, wurde am 2. März um 3 Uhr wieder aufgebrochen; doch wurde es dunkel, ohne daß wir das Lager der Feinde zu Gesicht bekamen. Wir mußten deshalb um 7 Uhr haltmachen und unseren Plan für den nächsten Tag aufsparen. Früh 4 Uhr wurde wieder aufgebrochen. Gegen 7,15 Uhr blieben die Buschleute plötzlich stehen, zeigten mit der Hand nach einer bestimmten Richtung und — verschwanden im Busch. Wir trabten heran und sahen den Rauch der Lagerfeuer der Hereros. In aller Stille wurden wir geteilt. Nach rechts ritten Oberleutnant Gräff, Oberarzt Dr. Werner, Unteroffizier Dohler, Gefreiter Schalz, Reiter Hartmann und Walenda, während Unteroffizier Rüdiger, die Gefreiten Redhorn, Ritter, Cnrt und ich links vorgingen. Leise ritten wir auf 800 Meter an die Werft heran, dann ging es im Galopp vor; 50 Meter von der Werft entfernt, sandten wir unter Hurrarufen die ersten blauen Bohnen hinüber. Dann sprengten wir an die Hütten heran und saßen ab. Nun wurde es in der Werst lebendig, bald fielen auch Schüsse von feiten des Feindes. Reiter Hartmann schwankte, eine Kugel hatte ihm den linken Oberschenkel durchbohrt, so daß er schon nach einer Stunde verstarb. Oberleutnant Gräff erhielt einen Schuß in den Patronengurt. Plötzlich sahen wir, wie die Hereros das Vieh auf der Rückseite der Werft davontreibcn wollten. Unteroffizier Rüdiger, Redhorn und ich liefen hinzu und schnitten ihnen den Weg ab. Nun lief alles so schnell als möglich davon, und wir waren im Besitz der Werft. Wir erbeuteten 61 Stück Groß- und 16 Stück Kleinvieh, außerdem neun Gewehre, darunter den Karabiner des Hauptmanns Gausser der 11. Kompagnie, welcher am 11. August 1904 im Gefecht am Waterberg gefallen war. Beim Durchsuchen der Werft fanden wir sieben Tote vor. Eine Verfolgung der zirka 150 Köpfe erschien für uns zehn Mann nicht rätlich. Die Buschleute, die sich vor dem Kampfe gedrückt hatten, waren bei der Verteilung der Beute zugegen und nahmen mit, was nicht niet- und nagelfest war. Max Dötschel, ehem. Gefreiter der 10. Feldkompagnie der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Mitwitz. ,-«- * * Unsere Feinde die Hottentotten. i. Zur Charakteristik der Bondels. Vielfach macht man sich von dem Charakter der Hottentotten falsche Vorstellungen. Der Unterschied zwischen Hottentott und Herero ist äußerlich wie innerlich ein ganz gewaltiger. Der Hottentott ist mittelgroß, mager, sehnig, von gelbbrauner Gesichtsfarbe, mit mongolischem Gesichtstypus und intelligenten klugen Augen. Geistig ist er vortrefflich bcanlagt, von klarem, gesundem Urteil, gerissener Schlauheit und überlegter Logik. Diese Eigenschaften traten so recht bei den Friedensverhandlungen im November und Dezember 1906 zutage. Das waren keine Verhandlungen mit „Wilden", sondern mit geistig vollkommen auf der Höhe stehenden Leuten, die keineswegs mit leeren Redensarten abzuspeisen waren. Sie wußten genau, was sie wollten und was sie verlangen und erreichen konnten. Klipp und klar machten sie ihre Bedingungen, alle ihre Forderungen waren gut begründet. „Wir können noch lange Orlog machen", sagte der Kapitän Johannes Christian, „aber unsere Frauen und Kinder gehen dabei zugrunde, und der Stamm der Bondels muß durch den langwierigen Krieg und andauernde Verfolgung allmählich aussterben. Um meinen Stamm zu erhalten, will ich Frieden machen. Ich beanspruche Wohnsitze in meinem Lande bei Warmbad, mit genügender Weide, um das für meine Leute notwendige Vieh zu erhalten. Damit meine Krieger nicht wieder auf Raub und Diebstahl verfallen, muß ich genügend Muttervieh haben, denn zurzeit besitze ich kein Vieh mehr. Der Friede soll erst endgültig geschlossen werden, wenn ich alle meine Leute gesammelt und ihr Einverständnis zum Friedensschluß habe. Dann will ich die Gewehre abgeben, in den mir zugewiesenen Reservaten bleiben und meine Leute zur Arbeit bei der Regierung und den Farmern anhalten." Vergebens suchten wir ihnen nördlicher bei Keetmanushoop liegende Reservate aufzureden, um sie in größerer Entfernung von der englischen Grenze und unter- besserer Aufsicht zu haben, vergebens redeten wir auf sie ein, sogleich die Gewehre und 407 Patronen abzugeben, um dadurch zu beweisen, daß sie es diesmal wirklich ernst mit dem Frieden meinten und nicht wieder, wie früher so oft, nur Zeit gewinnen wollten, sich wieder etwas auszuruhen. „Ohne Gewehr ist der Hottentott nichts, mit Gewehr ist er viel!" damit lehnte der Kapitän kurzerhand diese Forderungen ab. Wochen und Wochen verstrichen, und immer noch nicht waren die im Lande weit zerstreuten Banden gesammelt. Wir machten ihm nun klar, daß er sich mit seinem nächsten Anhange jetzt ergeben müsse, da das Sammeln des ganzen Stammes noch viele Monate dauern könne. Er sah das auch von unserem Standpunkte vollkommen ein, erklärte aber auf das bestimmteste, daß er sich nicht darauf einlassen könne; „denn", sagte er, „wenn ich Frieden mache und ein Teil des Stammes führt den Orlog weiter, werdet ihr mich mit meinen wehrlosen Leuten gefangen setzen, damit wir uns nicht auch noch am Aufslande beteiligen können. Dann werden wir aber niemals Frieden bekommen, sondern meine Leute werden euch nicht mehr trauen und bis zum letzten Mann weiterkämpfen!" Wir mußten also wohl oder übel warten, bis der Herr Kapitän sein Häuflein gesammelt und von den nicht Erschienenen, wie z. B. von seinem einflußreichen Bruder Joseph Christian, schriftlich das Einverständnis zum Frieden erhalten hatte. Dann schloß er Frieden, aufrichtig und ehrlich, wie es in den Bedingungen ausgemacht war. II. Schonung Verwundeter. Verwundete haben die Bondels vielfach geschont. Einen verwundeten Reiter nahm Cornelius bei sich aus und gab ihm später Begleitung mit, weil er den Rückweg zur Truppe nicht kannte. Jakobus Christian ließ zwei Schwerverwundete, die Reste einer von seinen Leuten in dem Hamrivier abgeschossenen Patrouille, an dem Weg im Schatten niederlegen, damit sie von der Truppe bald gefunden würden. Letzteres trat auch ein. Der eine wurde wieder gesund, der andere starb leider an den Wunden. Als Morenga den Offizier-posten in Jerusalem überfiel, schenkte er den Verwundeten und, soviel ich mich erinnern kann, auch einem Unverletzten das Leben. Wenige Tage darauf überfiel er einen Transport bei Heirachabis. Er schickte sofort einen Eingeborenen nach Ukamas, um einen Arzt ohne Waffen zur Pflege der Verwundeten zu holen. In Vertretung des abwesenden Arztes kam der Veterinär, legte inmitten der Hottentotten die ersten Verbände an und schaffte die Verwundeten nach der katholischen Missionsstation Heirachabis. Auch Morenga ließ sich bei dieser Gelegenheit eine alte Wunde an der Hüfte verbinden und sprach dem Veterinär dafür seine Anerkennung aus. In dem schweren Gefecht beiHarte- beestmund war den Bondels ein Packtier mit Verbandmaterial und chirurgischen Bestecken in die Hände gefallen, sie schickten es auf englisches Gebiet, wo unsere Verwundeten lagen. Hauvtuiann von Hagen. Oberstleutnant von Estorff. Oberleutnant von Schauroth. Jntendanturrat Röstlin unv Oberleutnant Freiherr von Gaisberg in Warmbad. 408 III. Achtung vor gefallenen Offizieren. Der erste Tag des Gefechts bei Keidorus war unglücklich verlaufen, wir waren blutig zurückgeschlagen und hatten die Tvten liegen lassen müssen. Als wir am zweiten Tage nach heftigem Gefecht auf das Kampffeld vom Tage vorher kamen, waren die beiden gefallenen Offiziere unter einem Erdhügel gut bestattet. Den Kopf beider hatten sie freigelassen. Erkennungsmarke und Briefschaften lagen, mit einem Stein beschwert, auf der Brust der Toten. Auch die Leichen der bei Hartebeestmund gefallenen Offiziere und der meisten Reiter waren mit Klippen zugedeckt. Daß sie die Toten meistens bis aufs Hemd, Unterhosen und Strümpfe ausziehen, kann man ihnen nicht verdenken; denn Bekleidung ist im Orlog wertvoll und schwer zu ersetzen. Aus diesen wenigen Beispielen wird man erkennen müssen, daß man dem Hottentotten eine gewisse soldatische Ritterlichkeit nicht absprechen kann. Daß er im Gefecht und auf Patrouille möglichst viel niederschoß, um uns Verluste beizubringen und Gewehre und Patronen zu erbeuten, ist selbstverständlich und durch den Krieg geboten. IV. Frohsinn. „Suppi". Verträglichkeit. Familienleben. Mag es ihnen gut oder schlecht gehen, immer vergnügt, aufgelegt zur Musik, Lachen, Gesang und Tanz. Hauptsächlich letzterer ist ihnen ein Bedürfnis. Bei Vollmond wird nach der Mundharmonika die ganze Nacht getanzt, auch sonst bei Mondenschein, nach anstrengenden Märschen oft bis spät in die Nacht hinein. Leider spielt bei diesen Festen auch der „Suppi", d. h. der Schnaps, eine große Rolle. Auf Schnaps sind sie ganz versessen, auch brauen sie sich selbst aus Honig und Wurzeln ein Getränk, welches sie stark berauscht. Sogar der Kapitän steht ganz unter dem Einfluß des Alkohols. Die Friedensverhandlungen in Mamas mußten an dem ersten festgesetzten Tage wegen gänzlicher Betrunkenheit der einen Partei — ich meine natürlich die Eingeborenen — aufgeschoben werden. Von Diebstahl oder Blord untereinander habe ich bei ihnen niemals etwas gehört; niemals hat ein Hottentott auch nur im entferntesten daran gedacht, sich den Preis, welcher auf das Haupt einiger ihrer Führer gesetzt war, zu verdienen. Die Werften leben einträchtig und friedlich untereinander. Alte, hilflose Leute, Kranke und Gebrechliche werden mit uneigennützigster Gastfreiheit bei ihren Verwandten aufgenommen und versorgt. Auch das Familienleben ist ein durchaus gutes; der Hottentott hängt sehr an seiner Frau. Solange es irgend durchführbar war, sind Frauen und Kinder, die sogenannte Werft, stets mit den Orlogleuten ins Feld gezogen. Zum Schutze der gefährdeten Werft kämpften sie mit äußerster Zähigkeit und Tapferkeit. Schweren Ki'rlvvl' rlnrs Pontoks. I — 409 — Eine Hlitteiitnttenflimilie. WW Herzens haben sie sich im letzten Jahre des Feldzuges dazu entschließen müssen, Weib und Kind, die bei den unausgesetzten Verfolgungen schwer litten und den Krieger in der Beweglichkeit hinderten, auf englisches Gebiet abzuschieben. Einige „Orlogweiber" sind auch bis in die letzte Zeit hinein als Allgemeingut bei den einzelnen Banden gewesen. Die Sehnsucht nach Frauen und Kindern war ein Hauptzugmittel zum Friedensschluß. Nach Unterzeichnung des Vertrages wollte jeder zuerst Urlaub ins Englische haben, um seine Frau und Kinder zu holen. Die Rückkehr der Werften zu ihren Männern entbehrte nicht einer gewissen Feierlichkeit. Als Ende Januar l907 ein größerer Schub bei Ramansdrift die deutsche Grenze überschritt, wurde er vvm Kapitän in Empfang genommen. Alles war sonntäglich gekleidet. Jeder Frau gab der Kapitän die Hand und sprach mit ihr einige Worte, die vornehmsten und hübschesten küßte er zum Gruß. ^ ^ E. von Schauroth, ehem. Oberleutnant der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. Afrikanisches Reiterlied. (Melodie: 1. Hallo, ich treck' mit Reiterlust Die Pad entlang zu Pferd! Das Herz frohlockt tu weiter Brust, Gleichwie an Mutters Herd! Es kennt nicht Sorg', es kennt nicht Plag', Kein Reiter grämet sich. Und dennoch ich voll Sehnsucht frag': Wann kehr' zur Heimat ich? Deutsche Reiter in Südwest. .Ich schieß' den Hirsch usw.") 2. Und reit' ich so die Pad entlang Im bunten Sonnenschein, Durch blaueu Äther tönt mein Sang Dann in den Busch hinein. Er trägt das Lied in alle Welt, Was grad' mein Herz erfüllt. Doch merkt, daß mir kein Lied gefällt, Was meinem Lieb nicht gilt. S3 410 3. Das Kudu und das Wildebeest, Der Gemsbock und der Strauß, Ich scheuch' sie auf aus ihrem Nest Und schieß' sie mir zum Schmaus. Bei Hottentotten, Hereros, Find' tausend Frauen ich, Und dennoch sehn' ich immer bloß Zu meinem Liebchen mich. 4. Durch Berg und Tal hinauf, hinab, So reit' ich fort und fort, Hinauf, hinab im Schritt und Trab, So geht's von Ort zu Ort. Auch den Galopp verschmäh' ich nicht. Frei liegt die Pad vor mir! Doch ist die Heimat erst in Sicht, Zum Halten ich Parier'! Goerke, Leutnant der Kaiser!. SchutztrnPPe s. D.-Sndwestafrika. Wie es unseren Kranken und Verwundeten in Südwestasrika erging. Krankentransport. _Und wie sahen jene Fahrzeuge aus, die im Ansang des Krieges dem Transport der Kranken und Verwundeten dienten? Wahre Ungeheuer von Wagen waren es, ohne Federn, ohne vorbereitetes Lager, von je 20 Ochsen rücksichtslos über die unglaublichsten Klippen gezogen. — Und auf diesen Wagen mußten Verwundete und Typhuskranke, dicht aneinander gedrängt, oft mit gemeinsamer Decke versehen, von demselben Pfleger versorgt, mit demselben Löffel gespeist werden. — Ja, auch die Leichen der unterwegs Gestorbenen ließ man auf dem Wagen liegen, um sie erst im Schutze einer Ansiedelung der Weißen zur letzten Ruhe zu bestatten, damit nicht der leichenschändende Herero oder Schakale und Hyänen sie aus ihren Gräbern wühlten. Mußte dies sein? — Wäre es nicht möglich gewesen, auch für den Krankentransport des Krieges schon im Frieden vorzusorgen? — Nun, wir würden den Männern bitteres Unrecht tun, die wir hier einer Nachlässigkeit zeihen wollten. Wer hat einen Krieg voraussehen können, der vom Gebiet der Bondelzwarts im äußersten Süden bis hinauf an die Grenze des Ovambolandes seinen Schauplatz haben sollte? Wer hätte so viele Fahrzeuge, so viele Zugtiere, so viele Treiber bereitstellen können, wie nach europäischem Begriff für den Krankentransport erforderlich waren? Wer hätte sie ernähren, wer das Wasser finden können, das für so viele Menschen und Tiere erforderlich war? — Wohl wurden sofort bei Beginn des Krieges Krankentransportwagen beschafft; aber wie konnten sie bei allen kleinen Abteilungen sein, wie konnten sie der berittenen Truppe überallhin folgen? — Unvermeidlich war daher — auch noch nach Schaffung eines eigenen Sanitätssuhrparks — der Transport unserer Kranken und Verwundeten auf jenen Leutnant Gverke. 411 Kapstädter Wagen, die den Truppen den Proviant zugeführt hatten, die vonBuren gebaut und geeignet waren, nicht nur Klippen, sondern auch die Knochen unserer Verwundeten zu zermalmen.— Warum? Und war es nötig, die Kranken gar so weit zu fahren? Folgten den Truppen denn keine Lazarette? Waren unterwegs keine Orte zu finden, wo genächtigt, erfrischt, verbunden werden konnte? Nun, wohl ließen wir den Truppen Lazarette folgen, aber wir konnten sie doch nur dort errichten, wo auch Proviantmagazine errichtet waren; denn wie hätten wir sonst für Verpflegung, Sicherung und Abtransport der Lazarette sorgen können? Wohl errichteten wir Krankensammelstellen, wo Sanitätspersonal und Material postiert wurde, um den Krankentransporten unterwegs das Bestmögliche zu gewähren; aber wie mußten wir uns Maß auch im Notwendigsten auferlegen! — Für den Transport von Sanitätsmaterial konnten auf der kleinen Bahn von Swakopmund nach Windhuk allwöchentlich nur wenige Wagen gewährt werden, und für den weiteren Transport ins Innere zu den Feldtruppen konnte auf jeder Proviantkolvnne nur ein beschränkter Laderaum gegeben werden. Und wie langsam nur war die Beförderung möglich! Wieviel von dem kostbaren Gut mußte unterwegs abgeladen werden, weil die Zugtiere verendeten! Wie vieles erreichte seinen Bestimmungsort nicht, weil uns der „schwarze Feind" in ungeahnter Weise durch die endlosen Steppen führte! Und das Land selbst bot in jenen Gebieten, wo gekämpft wurde, nichts, gar nichts, was für die Pflege der Verwundeten hätte nutzbar gemacht werden können. Wasser, womit wir das Los der Verwundeten hätten lindern können, war im Hererolande nur ungenügend an Menge und unbeschreiblich an Qualität, auf Hunderte von Kilometern gar nicht vorhanden. Alles mußte über See ins Land gebracht, mit größten Schwierigkeiten gelandet, in mehrtägiger Eisenbahnfahrt bis Oka- tz a n d j a oder W i n d h u k und von da in w o ch e n l a n g e m Transport den Feldtruppen zugeführt werden. . Daß unter diesen Umständen oft auf das Wünschenswerteste verzichtet wurde, ist klar; daß unsere Kranken und Verwundeten wochenlang die Bettstellen entbehrten, ist glaubhaft; daß sie gern die mehrwöchige Reise bis in die Lazarette an der Bahn auf sich nahmen — selbst wenn es auf Kapstüdtcr Wagen war — wird verständlich. Niemals ein Murren. Aber nie, das muß ich hier rühmend erwähnen, habe ich ein Murren gehört von unseren Soldaten; sie sahen ja selbst, daß alles geschah, was zu ihrer Erleichterung zu tun möglich war, sie waren begeistert noch auf ihrem Sterbelager und gaben willig zu, daß dem Kriegszweck der Vortritt gebührte. Vieles ist geschehen im Laufe des Krieges, um das Los der Verwundeten und Kranken zu lindern, und in den an der Bahn gelegenen Lazaretten ist vielfach Mustergültiges geschaffen worden; freilich mit europäischem Maßstab darf auch hierbei nicht gemessen werden. Keiner war berufener, hierüber zu urteilen, als der Kranke und Verwundete selbst, und diesen sah ich stets zufrieden, auch unter den größten Entbehrungen. Ein rühmlicher Tod war es, den unsere Leute im fernen Südwestafrika starben, sei's unter der Geißel des männermordenden Typhus, sei's Gewehr im Arm auf sandigem Lager, oder auf klippenreicher Pad, oder nach wochenlangem Weh im Feldlazarett. Generaloberarzt Dr. Schian, chem. Korpsarzt der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. Generaloberarzt vr. Schian. 53 * 412 Krankentransport aus Munitionswagen durch die Omaheke. Von Otjimanangombe nach Kalkfontein. Der Rückmarsch der 7. Batterie aus der Omaheke erfolgte im November 1904, leider nicht in der geschlossenen Batterie, sondern immer nur teilweise; denn die Expedition des Hauptmanns Klein hatte uns wieder viele Tiere gekostet. Am 4. November 1904 sollte der Munitionswagen als erstes Fahrzeug, mit Kranken beladen, den Rückmarsch antreten. Ich wurde als Wagenführer bestimmt. Kranke: Leutnant Freiherr von Eglofsstein, Oberveterinär Ranpach, Reiter Bvlick (Bursche der beiden Herren), Unteroffizier Wanskc, Reiter Kissig und ein Reiter, dessen Name mir leider entfallen ist. Als Fahrer: die Reiter Bayer, Moritz, Wachs und Gefreiter Schlegel. Wagenführer: Unteroffizier Ostermann. Am Sonnabend, den 19. November 1904, nachmittags 6 Uhr, wurde angespannt. Um 6,30 Uhr setzte sich der Wagen langsam in Bewegung. Gegen 9 Uhr mußte ich absitzen, da mein Pferd mich nicht mehr tragen konnte. Ich band es an den Wagen und ging, den Karabiner auf dem Rücken, neben dem Gespann, um die Tiere anzutreiben. Für die Pflege der Kranken sorgte, soweit sie sich nicht selber helfen konnten, der Reiter Bolick. So ging der Marsch weiter bis früh um 8 Uhr. Es wurde ausgespannt, die Tiere kamen in der Nähe des Wagens auf die Weide. Wir mußten bis hierher ungefähr eine Strecke von 40 Kilometer zurückgelegt haben. Nachmittags, am 20. November, um 4,30 Uhr, wurde wieder angespannt und weitermarschiert. Ich ließ, um es den Tieren zu erleichtern, alle Fahrer absitzen. Der Wagen selbst wurde dadurch entlastet, daß Reiter Bolick und der Oberveterinär unter Anspannung aller Kräfte liefen. Die Fahrt ging bedeutend langsamer als in der ersten Nacht; die Vorderesel wichen, durch den Durst getrieben, von der Pad ab, um Wasser zu suchen. Um dies zu vermeiden, ging ich mit dem Oberveterinär abwechselnd als Tauleiter, d. h. einer nimmt die Zügel der Vorderesel und geht vor diesen auf der Pad. Dies versagte jedoch auch bald, alles Antreiben der Tiere half nicht. Außerdem wurde die Pad sehr sandig. Da entschloß ich mich, den Hinterwagen abzuprotzen und stehen zu lassen. Leutnant Freiherr von Eglofsstein setzte sich mit auf die Protze und um 11 Uhr wurde weitermarschiert. Aber nicht lange, nach 1?/g Stunde hatten wir nur einen Kilometer zurückgelegt. Mit Einverständnis des Leutnants und des Oberveterinärs wurde ausgespannt, die Kranken und Reiter Bolick blieben bei der Protze; Wasser war für die Zurückbleibenden noch zur Genüge vorhanden. Um 1,30 Uhr (nachts) ließ ich die Tiere durch die Fahrer nach Kalkfontein treiben, um sie dort zu tränken und dann die Protze zu holen. Es wurde gegen 5 Uhr hell, außer einigen Krähen war nirgends ein lebendes Wesen zu erblicken. Ich ging vor den Tieren, um die Pad festzustellen. Um 8 Uhr machte ich halt, und zn meinem größten Erstaunen war nur noch der Reiter Bayer mit zwei Eseln bei mir, während die übrigen Reiter mit den andern Tieren fehlten. Als ich auf drei Signalschüsse keine Antwort erhielt, ging ich allein weiter und erreichte gegen 11 Uhr (vormittags) glücklich die Wasserstelle Kalkfontein. Herr Leutnant Walther, der diese Station mit einem Zuge der 3. Kompagnie 2. Regiments besetzt hielt, sandte gleich eine Patrouille nach Epukiro, um den Krankenwagen zu holen, und eine Patrouille mit Wasser zu den zurückgebliebenen Kranken. Um 12 Uhr trafen die Reiter mit den Tieren in großen Abständen ein. Da unterwegs einige Esel eingegangen waren, sandte ich den Gefreiten Schlegel an die Kommandantur in Epukiro mit der Bitte um Ersatz. Außerdem mußte auch gleich Proviant für die 7. Batterie und 1. Kompagnie abgesandt werden. Die Reiter Wachs und Moritz blieben in Kalkfontein. Die beiden letzten rüstigsten Esel bestiegen Reiter Bayer und ich, um wieder zur Protze zu reiten. Um 12,45 Uhr erreichten „Da cntschlotz ich mich, bc» Hinterwaqen abzuprotzen und sticht» zn lasse» " -,S- 414 wir diese zur Freude der Kranken. In der Zeit, wo letztere in der Wildnis allein gewesen waren, hatte es dort stark geregnet. Sie hatten sich in der Zeltbahn das Wasser aufgefangen und alle leeren Wassersäcke frisch gefüllt, auch war die Patrouille von Kalk- fontein mit Wasser glücklich eingetroffen. Leutnant Freiherr von Egloffstein schlug vor, daß der Unteroffizier Wanske den einen und Reiter Bayer den andern Esel reiten, Oberveterinär Raupach und ich zu Fuß nach Kalkfontein gehen sollten. Früh um 7 Uhr gingen resp. ritten wir von der Protze nach Kalkfontein. Bis mittags 12 Uhr wurde marschiert, und dann bis um 3 Uhr nachmittags haltgemacht. Als Nahrung nahmen wir einige Wassermelonen zu uns. Dann wurde aufgebrochen. Ich ging mit dem Oberveteriuär Raupach; dieser blieb nach und nach zurück, als ich mich umsah, war ich allein. Ich machte kehrt und fand ihn völlig erschöpft im Schatten eines Busches liegen. Auf Zureden stand er auf und weiter ging's bis kurz vor Kalkfontein. Dort brach er abermals zusammen, in dem Glauben, daß die letzte Stunde für ihn geschlagen habe. Aber nein, mit Aufbietung aller Kräfte und meiner Unterstützung raffte er sich wieder auf, und Arm in Arm erreichten wir endlich die Station Kalkfontein, wo auch bald darauf Unteroffizier Wanske und Reiter Bayer eintrafen. Durch den Leutnant Walther wurden Maßnahmen getroffen zur Verpflegung und Unterbringung der Angekommenen. Noch an demselben Abend kam auch der Krankenwagen unter Reiter Stenzel wieder an. Ich war in drei Nächten und einem Tage annähernd 150 Kilometer zu Fuß gegangen. In dieser Zeit waren mir nur sechs Stunden Schlaf vergönnt. Der Munitiouswagen wurde acht Tage später durch mich nach Kalkfontein geholt. Ostermann, chem. Unteroffizier der 7. Batterie der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. * * * Der Feldbäcker rnusz alles können. Am 22. Juni 1906 wurden wir in Swakopmund gelandet. Kaum fühlten wir afrikanischen Boden unter unseren Füßen, als sich die Einflüsse des ungewohnten Klimas schon unliebsam bemerkbar machten; die Lippen sprangen uns auf, und die Haut schälte sich ab. Vom 23. auf den 24. Juni kampierten wir, feldmarschmäßig ausgerüstet, im Sande und verbrachten nicht gerade angenehm unsere erste Nacht in den Kolonien. Am Morgen fuhren wir mit der Bahn nach Windhuk, wo uns eine zehntägige Ruhepause gegönnt wurde, dann ging's weiter nach Kub. Unterwegs war uns das Schanzzeug abhanden gekommen, und mein Kamerad Willner und ich mußten uns beim Essen mit einem Holzspan behelfen. In Kub angekommen, mußte ich mich in den verschiedensten Berufsarten betätigen. Gewerbe, die ich früher nur dem Namen nach kannte, wurden von mir ohne lange Lehrzeit ausgeübt. Mit gutem Willen und gesundem Humor ging es auch ganz leidlich. Zuerst mußte ich Ziegelsteine streichen und diese auch brennen. Als sich später die Notwendigkeit herausstellte, einige Häuser neu zu Polieren, und zum Schutze gegen den Regen zu firnissen, wurde mir auch diese Arbeit übertragen. Zwischendurch mußte ich auch mal Ochsen schlachten, Wasser tragen usw. Am 28. August wurde ich als Bäcker nach Rehoboth versetzt. Auch an diesem Seraeant Ostermann. 415 Ort herrschte, wie überall, ein großer Mangel selbst am Notwendigsten. Einen Ofen fand ich bei meiner Ankunft in dem neuen Wirkungskreise zwar vor, aber wie war der beschaffen? Er war aus ungebrannten Ziegeln aufgebaut. Da hieß es nun: „Mensch, hilf dir selbst und zeige deine Kunst, wozu bist du im Feindesland!" Die Arbeit, die meiner harrte, war wirklich keine leichte. In der glühenden afrikanischen Sonne mußte ich des Tages am Ofen stehen und backen, und dazu alle fünf bis acht Tage eine Nachtwache. Bei dem herrschenden Wassermangel mußte das Wasser eine Viertelstunde weit geschleppt werden. Meine Lieferungen erfolgten an die Krankensammelstelle, für die ich ein leicht verdauliches Brot buk, ferner an Relais, Patrouillen, Telegraphenabteilungen, durchgehende Kolonnen, Kompagnien,Transporte usw. Mein durchschnittlicher Umsatz belief sich bis November auf mindestens 180 bis 200 Brote Unsere Meldböckerei in Gibeon. täglich. Nachdem ich allen Anforderungen nach Brot gerecht geworden, mußte ich zum Überfluß auch noch zur Feder greifen, um Buch über die Ausgänge zu führen. Trotz aller Anstrengungen und Mühsale habe ich immer freudig und gern meinen Dienst versehen und manche Anerkennung meiner hohen Vorgesetzten geerntet, und diese nahmen häufig Gelegenheit, mir persönlich ihre volle Zufriedenheit auszusprechen. Leider war es mir nicht vergönnt, in Afrika zu bleiben; denn ich wurde von einem schweren Herzleiden befallen und mußte im Lazarett Windhuk drei Wochen zubringen. Die Behandlung, die ich dort erfuhr, war eine sehr gute, nur litten wir furchtbar unter der Heuschreckenplage, indem die Tiere massenweise ins Essen und ins Krankenbett kamen. Am 1. März trat ich die Heimreise nach Deutschland an. Wir dienten dir, lieb' Vaterland, Ein jeder seinen Mann dort stand, Im deutschen Afrika! Treu, Kaiser, dir! Hurra! Hilger, ehem. Feldbäcker der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. 416 Aus den Erlebnissen des Hauptmanns von Koppy. i. Gefechte bei Alurisfontein—Warmbad. Am 26. November 1904 kehrte Hauptmaun von Koppy in Begleitung eines Unteroffiziers und zweier Ein- g eborenen von R a mansdrift, wohin er sich zur Bestellung von Proviant für die Südabteiluug begeben hatte, nach Warmbad zurück. Als er die Wasserstelle Alurisfontein, etwa 10 Kilo- meter südlich Warmbad, am 26. morgens erreichte, wurde er Plötzlich aus geringer Entfernung von heftigstem Feuer empfangen. Nur mit Blühe entkam er dem Gegner durch einen scharfen Nitt und erreichte Warmbad. Tort wurde ihm gemeldet, daß drei starke Patrouillen seiner Kompagnie bei A lnrisfontein eingeschlossen seien und um Unterstützung bäten. Selbst dao mitgeführte GcbirgSgeschütz könne den Gegner nicht zurückhalten. Mit dem Geschütz 0/73 und dem Rest der Kompagnie (28 Blaun einschließlich Geschützbedienung/ rückte Hauptmann von Koppy mittags zum Entsalze der Patrouillen ab. An einem KliPPenrande halbwegs Alurisfontein kam es zum ersten Zusammenstoß. Nach kurzem Gefecht, in dem das Geschütz, geführt von Oberleutnant von Rosenthal, erfolgreich mitwirkte, wandte sich der Gegner nach Warmbad, offenbar um die dort gefangen gehaltenen Bondelzwarts, worunter sich auch der.Kapitän befand, zu befreien. Dieser Plan wurde durch Oberleutnant von Rosenthal, der den Gegner mit dem Geschütz auf alle Entfernungen unter wirksamstes Feuer nahm, vereitelt, so daß nur noch ein kleiner Teil dieses Trupps nach Alurisfontein zurückkehrte. Nachdem Hanptmann von Koppy die kleine Abteilung möglichst nahe an die feindliche Stellung herangeführt und später das Geschütz in eine erhöhte Position an: linken Flügel gebracht hatte, von wo es die Wasserstelle erfolgreich bestreichen konnte, zwang er nach heftigem Gefecht den Gegner, bei Einbruch der Dunkelheit seine Stellungen auf dem östlichen Gesechtsfelde zu räumen. Zwei Patrouillen waren somit befreit, während die dritte, unter den Leutnants Schmidt und von Heydebreck, schon am Vormittage des 26. November fast völlig aufgerieben war. Am 27. November, um 3 Uhr morgens, traf Hauptmann von Koppy mit der Abteilung und den Verwundeten auf Warmbad ein, wo sofort mit Verschanzung der Stationen, der Mission und der Kirche begonnen wurde. Diese schweren Befestigungen sollten nicht umsonst aufgeführt sein; denn schon am Abend des 27. November machte der Gegner einen heftigen Angriff auf Warmbad, der jedoch nach kurzem Gefecht zurückgewiesen wurde. .. Leutnant van (ttersdarff und Marenaa. ! >i II > ! 4 . !7 » MK. K ?M>-^ V -< .ch < ^ sMMr, z E,' Die Hottentotten überfallen eine Pferdewache bei Narudas, am 14. April 1906. „Abteilung Henck verfolgte die weichenden Hottentotten nach den Großen Karrasbergen, wo sie sich mit der Bande des Johannes Christian vereinten. Am Abend des 14. April überfielen, durch das zerklüftete Terrain begünstigt, die so verstärkten Feinde die Pfcrdewache der 4. Kompagnie 2. Feldregiments bei Narudas, töteten resp. verwundeten einen Unteroffizier und 6 Reiter und trieben einen Teil der Pferde ab. Erst am 20. April gelang es Hauptmann Henik, den fliehende» Feind bei Wittmnnd zu sagen und zu schlagen. Eine Anzahl der Pferde wurde wiedergewonnen." Beilage zu i „Tincklage, Deutsche Reiter in Südwcst.' Teutsches Bcrlagshaus Bong L Co., Berlin 4V. 57. M 417 II. Narudas. Auf Befehl des Oberst Deimling hatte Hauptmann von Koppy am 11. März 1905 die Stellung Morengas bei Narudas in den Karrasbergen von Süden her anzugreifen. Seine Abteilung war etwa 250 Gewehre und 3 Gebirgsgeschütze stark. Beim Marsche dorthin kam es am 10. März zu einem Zusammenstoß mit dem Feinde. Es war die Bande der Brüder Morris, die von Moreuga beauftragt war, die von Süden her im Anmarsch gemeldete deutsche Abteilung aufzuhalten, bis er die von Norden vorrückende Abteilung besiegt und zu Hilfe kommen würde. Hauptmann von Koppy, der das Gelände von früher her kannte, wußte, daß die von den Hottentotten gewählte Stellung eine vorzügliche war und allgemein als uneinnehmbar galt. Schnell hatte er seinen Entschluß gefaßt und ließ die Fußtruppen dem Feinde gegenüber sich entwickeln und entsandte die berittenen Mannschaften und die Geschütze in westlicher Richtung, um den Gegner zu umgehen und ihm den Rückzug auf Narudas abzuschneiden. Kaum hatten die Hottentotten den geschickt entworfenen Plan des deutschen Führers erkannt, als sie in blinder Flucht ihre vorzügliche Stellung verließen und sich auf Narudas zurückzogen. Die deutsche Abteilung verblieb nach diesem leichten Siege die Nacht in Gefechtsbereitschaft an der Wasserstelle Garup und setzte am 11. März den Vormarsch fort. Am Morgen des 11. März traf Hauptmann von Koppy vor Narudas ein. Zugleich mit seiner Abteilung rückte von Norden her ein geschlossener Reitertrupp gegen die Pforte von Narudas vor. Aus dieser Richtung war die Abteilung Kirchners angesetzt, demnach mußte diese es sein. Bald hegte Hauptmann von Koppy jedoch Verdacht und sandte der Abteilung seinen Ordonnanzoffizier, Leutnant von Gersdorff, entgegen. Sofort löste sich auch drüben ein einzelner Reiter und sprengte Leutnant von Gersdorff entgegen. Nur noch wenige 100 Meter waren beide auseinander, da drehten sie plötzlich ihrePferde herum und jagten zu ihren Abteilungen zurück. Leutnant von Gersdorff und Mo- renga hatten sich erkannt. Nun begann ein Wettrennen um den Besitz des Eingangs der Schlucht. Moreuga gelang es nicht, seine starken Schanzen noch rechtzeitig genügend zu besetzen. Dennoch erforderte es einen hartnäckigen Kampf, um diese gefährlichste Schlucht der wilden KarraS- berge in unsern Besitz zu bekommen. Gegen 5 Uhr nachmittags ließ Hauptmann 0 Hauptmann Kirchner war aber am Tage vorher bei Kosis — Aob im verzweifelten Kampfe den Heldentod gestorben — seine Abteilung zurückgegangen. (Vgl. Beitrag Freiherr Grate, S. 146.) Teutsche Reiter in Sitdweft. o4 Hauptmann Kirchner. 418 vonKoppy die Stellungen des Gegners stürmen und drang mit der Abteilung gegen den Nordeingang der Schlucht vor. Der Gegner wich in nordöstlicher Richtung aus, da die Abteilung von Kamptz, bei der sich der OberstDeimling befand, den Nordausgang der Schlucht bereits erreicht hatte. Wegen Einbruch der Dunkelheit mußte das Gefecht abgebrochen werden. Über 700 Stück Großvieh und etwa 6000 Schafe kamen durch dieses Gefecht in unsern Besitz. Die Verluste des Gegners waren bedeutend. Als am Abend des 11. März durch die Heliographen Verbindung mit der Abteilung von Kamptz hergestellt war, konnte Hauptmann von Koppy dem Oberst Deimling melden, daß die Wasserstelle Narudas in seinem Besitze sei. III. Fischfluß. Als Hauptmaun vonKoppyim Mai 1905 auf dem Marsche nach Holoog war, um die dort befindliche Heliographenstation, die von Hottentotten überfallen war, zu entsetzen, erhielt er den Befehl von Kcetmannshoop, mit seiner Kompagnie die Verfolgung des Bethanier- kapitänS Cornelius, der sich nach Süden gewandt hatte, aufzunehmen. Die Farm Jnachab hatte dieser gänzlich ausgeplündert. Von hier aus sandte Hauptmann von Koppy ihm eine Patrouille nach, die seinen Verbleib feststellen sollte. Diese Patrouille stieß am Nabasrivier auf den Gegner und mußte sich nach kurzem Gefecht zurückziehen. Als Hauptmann von Koppy mit der Kompagnie am Nabasrivier eintraf, war der Gegner in eiliger Flucht abgezogen und hatte sich dem Fischflusse zugewandt. Wir nahmen sofort die Verfolgung auf. In dem unaufhörlichen Felsgeröll des Flußbettes folgten wir den Spuren des Feindes, eingeschlossen an beiden Usern durch hohe, steile Felsenwände. Proviant war fast nicht vorhanden. Endlich, nach viertägigem, anstrengendem Marsche erreichten wir am 26. Mai, morgens gegen 3 Uhr, den Gegner, der sorglos am Fischfluß lagerte. Mit 45 Reitern war Hauptmann von Koppy der nur 96 Gewehre starken Abteilung vorausgeeilt und konnte so fast unbemerkt bis nahe an die feindliche Stellung heran. Der Überfall glückte vollkommen. Schnell brachte er die starke Patrouille auf einer Anhöhe in Stellung und ließ die von dort sichtbaren Lagerfeuer, um die herum alles geschlafen hatte, unter Feuer nehmen. Nur ein kleiner Teil des Gegners hielt bis zum Morgengrauen stand. Nach Tagesanbruch machte dieser einen Versuch, sein verlorenes Vieh wiederzugewinnen, wurde aber mit Unterstützung des inzwischen eingetrofsenen Restes der Abteilung und den Gebirgsgeschützen erneut zurückgeworfen und wandte sich in wilder Flucht dem Fischflusse zu. Gegen 100 Stück Großvieh, 90 Pferde, 700 Schafe und 15 Gewehre wurden erbeutet. IV. Hartebeestmund. Im Oktober 1905 mußte Hauptmann von Koppy auf Befehl Sr. Exzellenz des Generalleutnants von Trotha mit seiner Abteilung, etwa 250 Gewehre, 3 Gebirgsgeschütze Hauvtmlin» W. Von Kovvv. 419 und 2 Maschinengewehre stark, die Verfolgung Morengas, der plündernd von den Karrasbergen nach dem Oranje gezogen war, aufnehmen. Morengas Ziel war angeblich das reichlich gefüllte und nur schwach besetzte Magazin Ramansdrift. Dessen Überfall sollte durch einen raschen Angriff verhindert werden. Am 20. Oktober erreichte Hauptmann von Kop py mit seiner Abteilung Velloordrift am Oranje und setzte von dort aus denWeiter- marsch Oranje abwärts fort. Die Pferde wurden mit den Sätteln nach Velloor zurückgetrieben. Mühsam und schwerfällig ging der Fußmarsch in den fast unwegsamen Ufergebirgen des Oranje vorwärts. Der Proviant war bereits am 20. aufgebraucht gewesen. Hungrig und müde bewegte sich der Zug in der glühenden Sonnenhitze fort. Nach zweitägigem Marsch wurden die Spuren des Gegners frischer, ein Hoffnungsstrahl belebte den ganzen Zug. Dann erfuhr man von englischer Seite, daß der Feind weiter nach Hartebeestmund ziehe. Wieder mußten wir vorwärts. Am 23. waren wir nahe vor Hartebeestmund. Mit neuer Hoffnung trat ein jeder am Morgen des 24. Oktober den Weitermarsch an, wußten wir doch, daß am gleichen Tage die Abteilung Siebert mit uns zusammentreffen müsse, und daß sie Proviant für uns mitführe. So ziehen wir an den Bergabhängen entlang. Die Spitze meldet fortdauernd verlassene Schanzen, aber ganz frische Spuren in ihnen. Sonst ist vom Feinde weit und breit nichts zu sehen. Als die Spitze einen Bergrücken, über den die Spuren führen, überschreiten will, fällt plötzlich ein Schuß, ihm folgen Salven und ein rasendes Schnellfeuer. Jeder muß sich hinwerfen, wo er steht. Aus einer Stellung von etwa 1 Kilometer Ausdehnung hageln die Geschosse hernieder. Die 2. Kompagnie 1. Regiments hat den linken Flügel, dann folgt die 9. Kompagnie 2. Regiments. Beide liegen nur wenige Schritte vorm Feinde und können weder vor- noch rückwärts. Wer sich bewegt, ist schon getroffen. Nur mit Mühe gelingt es, die Geschütze und die 10. Kompagnie sowie die 3u Kompagnie 2. Regiments in Stellung zu bringen. Unaufhörlich prasseln die Geschosse in unsere Reihen nieder. Wiederholt will der Gegner zum Sturm schreiten, nur das gefürchtete Feuer der Maschinengewehre hält ihn zurück. So wogt der Kampf hin und her, keiner erreicht auch nur den geringsten Vorteil. Verwundete stöhnen. Ein Arzt fällt, einer wird verwundet. Stillschweigend liegt jeder und feuert seinen Schuß, sobald er etwas sieht. Nach Einbruch der Dunkelheit muß die Abteilung zurückgehen. Es war unmöglich, gegen diese steilen Felsenwände Sturm zu laufen. 21 Tote, 32 Verwundete kostete dieser Tag der Abteilung. In der Nacht wird eine Stellung bezogen. Am Morgen des 25. bricht der Gegner vor, wird aber mit Geschützfeuer sofort in seine Stellungen zurückgetrieben. Nachmittags zieht er scheinbar ab. Unser Schlachtvieh ist während des Gefechts entlausen. Proviant ist nicht mehr vorhanden. Nachmittags wird ein Esel geschlachtet, um die Truppe überhaupt noch zu ernähren. Um 5 Uhr treten wir den Rückzug an. Die Verwundeten werden auf provisorisch errichteten Tragbahren getragen, und langsam, Schritt für Schritt, zieht die Abteilung den Weg zurück, den sie gekommen war. Zwei Tage wird mit den Verwundeten marschiert, dann werden sie auf englisches Gebiet hinübergetragen, wo sie die Mission von Pella abholt und sich ihrer in liebenswürdigster Weise annimmt. Die englische Polizei aus Pella teilt uns mit, daß Morris mit 100 Mann die gefährlichen Berge bei Pelladrift besetzt hat. So ist uns der Rückweg abgeschnitten. Eine von der Abteilung Siebert kommende Burenpatrouille führt uns durch ein schmales Flußbett nach Norden durch die Berge hindurch. Während der ganzen Nacht hindurch wird marschiert. Oft ist der Paß so eng, daß die Esel, die die Geschütze tragen, nicht bepackt hindurch können. Am andern Morgen treten wir aus den Bergen heraus. Kein bekanntes Gelände, keine Wasserstelle weit und breit. Der Marsch wird fortgesetzt fast den ganzen Tag hindurch und die darauffolgende Nacht. Endlich, am zweiten Tage mittags, erreicht die Abteilung Umeis. 40 Stunden Fußmarsch waren ohne Wasser und hungrig zurückgelegt worden, nachdem wir die Verwundeten abgegeben hatten. Auf Umeis fanden 54 * 420 sich zehn schlappe Ochsen vor; das Eselschlachten hörte auf. Am nächsten Morgen trafen unsere Pferde ein. Am 30. Oktober, abends, rückten wir in Warmbad ein, um endlich wieder einmal Proviant empfangen und anständig essen zu können. Der Abteilung war es gelungen, Morenga auf seinem Marsche tagelang festzulegen, so daß es der Abteilung Siebert, die nicht in das Gefecht mit eingreifen konnte, möglich wurde, schnell in Ramansdrift zu erscheinen und so den Angriff Morengas, falls er dennoch erfolgen sollte, abzuwehren. * * -X Auf Befehl des Herrn Hauptmanns von Koppy werden Euer Exzellenz die anliegenden Aufzeichnungen, die ich für Herrn Hauptmann von Koppy zusammengestellt habe, übersandt. Ich habe diese Aufzeichnungen gemacht, weil ich an all den Operationen persönlich teilgenommen habe. Außerdem habe ich an den Gefechten 1904 bei Alurisfontein-Warmbad dadurch, daß ich bis in die feindliche Stellung hineinjagte und das Feuer von etwa 50 Hottentotten gänzlich auf mich zog, meinem Hauptmann, der mit mir in den Hinterhalt geraten war, das Leben gerettet. Hierfür wurde ich mit dem Militärehrenzeichen 2. Klasse dekoriert. Im Gefecht bei Hartebeestmund, am 24. Oktober 1905, habe ich, 200 Meter vom linken Flügel unserer Stellung entfernt, über sechs Stunden lang dem ungestümen Andränge des Gegners, der aus meiner Position uns auf kürzeste Entfernung im Rücken fassen mußte, allein standgehalten und so eine für uns höchst ungünstige Verschiebung der Gefechtslage verhütet. Hierfür wurde ich mit dem Militärehrenzeichen 1. Klasse dekoriert. Herrn Hauptmann von Koppy haben diese Aufzeichnungen zur Durchsicht vorgelegen. W. Schütze, ehern. Feldwebel der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. -X -X -X Gegen die Feldschuhträger?) 170 Kilometer in 2^ Tag. Ich stand bei der 8. Kompagnie 2. Feldregiments. Im Oktober hatte Hendrik Witbooi, der Oberkapitän der Hottcntottenstämme, den Krieg erklärt. Am 12. Dezember 1904 rückte Major von Lengerke mit unserer Kompagnie und der 8. Feldbatterie -— 150 Gewehre und 3 Geschütze — gegen Koes vor, wo der Stamm der Feldschuhträger seinen Hauptsitz hatte. In 2^/2 Tag marschierten wir 170 Kilometer — eine Durststrecke lag im Marsche — und überraschten den Feind in Koes vollständig. Die Hottentotten wollten eben eine Verteidigungsstellung in den Dünen vor Koes besetzen, als die ersten, unerwarteten Schüsse fielen. Während die Batterie und die Spitze unter Leutnant von Rheinbaben den Gegner unter Feuer behielten und Oberleutnant Graf von Stosch mit seinem Zuge gegen des Feindes rechte Flanke zu kommen suchte, ging Hauptmann Wehte weiter vor. Nach längerem Geschützfeuer griff Leutnant von Rheinbaben, unterstützt von den Artilleristen unter Oberleutnant Barack und Oberleutnant Schönberg, die mit in die Sturmkolonne eintraten, die Werft an; diese wurde mit dem Bajonett genommen. Major von Lengerke beteiligte sich selbst am Sturm. Nach hartem Kampfe entfloh der Feind und wurde verfolgt. Der Zug des Oberleutnants Grafen von Stosch stieß aber im dichten Dornbusch auf zähen Widerstand. Direkt kam er nicht aus Ziel, daher versuchte er's indirekt, unterhielt durch einige Schützen in der Front ein lebhaftes Feuer und umging mit dem größeren Teile seiner Reiter den Feind bis fast in dessen Rücken. Der kühne Zug sollte vollen Erfolg haben. Mit y Vgl. Beitrag des Majors von Lengerie, Seite 86. W < Mit dem Bajonett warf sich die Schar von Stosch auf den Kenner ' .'M-' ^ V ^ ^ -'- ^ t 422 dem Bajonett warf sich die Schar von Stvsch auf den Gegner, der in blutigem Handgemenge vernichtet wurde. Was aber noch entfliehen wollte, fiel der Abteilung von Artilleristen, die Oberleutnant Schönberg, von der Verfolgung ablassend, znr Unterstützung herbeiführte, in die Hände. Wir hatten einen völligen Sieg errungen, trotz der feindlichen Übermacht. Der Feind verlor 54 Tote, 40 Gewehre, 3500 Stück Vieh. Freilich, ein hartes Stück Arbeit war's für uns — nach 70 Kilometer Nachtmarsch, bei brennender Hitze und noch brennenderem Durste! Aber im Kampfe und nach einem Siege vergißt man die Opfer. Sieben Kameraden hatten auch wir verloren. Den Heldentod starben am 15. Dezember 1904 bei Kves: die Gefreiten Kemmler und Köhn von der 8. Kompagnie und die Artilleristen Gröninger und Schmeißer. Verwundet wurden: von unserer Kompagnie Reiter Friedling, von der 8. Batterie Sergeant Müller und Gefreiter Mausberg. Wir blieben zunächst in Koes. Welche Arbeit wir später noch bekamen, das mögen andere Kameraden erzählen. Martin Fenchel, ehern. Gefreiter der Kaiserl. Schutztruppe f. D.-Südwest- afrika, z. Zt. Darmstadt. -i- Aus der Suche nach Hereros in der Omaheke. Im März 1905 rückte Herr Oberleutnant Gräff mit einer Patrouille von 25 Mann von Grootfontein (Nord) aus, um zu erkunden, ob sich in dem fernen Osten noch Banden von Hereros herumtrieben, und um die Sicherheit der Farmer aufrecht zu erhalten. Also marschierte der Herr Oberleutnant mit seiner Patrouille am 15. über die Wasserstellen Bubus, Okana- kaseua, Otjituo nach Nordost ab. Auf einer Ochsenkarre nahmen wir Proviant für drei Wochen mit. Als wir zwischen die Wasserstellen Otjituo und Erikson-Pütz kamen, wurde dieser für eine Zeit von sechs Wochen eingeteilt. Nach sechs Tagen trafen wir bei Karakowisa, das am Kaukaufeld nordwestlich von Guru liegt, auf Spuren von Hereros, die zwei bis drei Tage zuvor dort mit Vieh vorbeigezogen sein mußten. Also sechs Tage waren wir hinter ihnen her- marschiert, bis wir endlich die Bande erwischten. Nach einem kleinen Gefechte bei Guru, bei dem wir einen Reiter verloren, erbeuteten wir 95 Stück Großvieh, fünf 88 er und sechs 71er Gewehre und den Karabiner des Herrn Hauptmanns Gansser, der in dem Gefecht bei Hamakari gefallen war. Das erbeutete Vieh wurde von einem Unteroffizier, drei Mann und zwei Eingeborenen nach Otjituo zurückgebracht. Wir behielten uns aber fünf Stück Vieh zum Schlachten zurück. Herr- Oberleutnant Gräff schickte Patrouillen in die Umgegend von Kurv (Kung?) und Kautscho (?), und auch diese entdeckten noch Spuren von Hererobanden. Sie haben auch Buschleute getroffen und von ihnen erfahren, daß sich eine große Menge von Hereros in der Gegend aufhalte. Jetzt schickte Herr Oberleutnant Gräff eine Patrouille von einem Unteroffizier und zwei Mann nach Grootfontein (Nord) mit einer Meldung an den Herrn Hauptmann von Oertzen zurück. Dieser sandte sofort den Befehl zum Rückzüge. „Er kommt gleich mit einer Patrouille zu Hilfe!" Gefreiter Martin Fenchel. 423 Aber das schlimmste war, daß auf der Station Grootfontein (Nord) kein Proviant vorhanden, auch in den ersten fünf bis acht Tagen keine Kolonne zu erwarten war! Was war zu machen? In solchem Falle kann man nicht lange zögern. Jetzt wurde dem Proviantraum an Dörrgemüse und Reis entnommen, was eben noch vorhanden war, und dann ging der Eilmarsch voran. Es dauerte aber doch mehrere Wochen, bis die Patrouille uns erreichte. Die Hereros waren alle über das Sandfeld zur englischen Grenze gezogen und nicht mehr zu erwischen. Die Kriegführung ist doch in Afrika anders, als es sich mancher daheim im lieben Vaterlande vorstellt. Das Gelände wurde in der Umgegend von Kurv und Kautscho abgesucht, und auch ins Englische waren wir ein Stückchen hinein marschiert, aber von den Hereros war nichts zu finden. Der Proviant war fast völlig verausgabt. Jetzt wurde der Rückmarsch angetreten, und wir hatten einen Marsch von 700 bis 800 Kilometer zu machen. Mannschaften, Pferde und Ochsen waren schlapp und schwach im Magen. Als wir von der Patrouille zurückkehrten, da war das eine Erinnerung an die Rückkehr Napoleons und seines Heeres aus Rußland. Wir haben die Feldkost, von der die Buschleute und Hereros gelebt haben, auch mit großer Vorliebe gegessen. Das Lazarett in Grootfontein (Nord) wurde aber gefüllt mit denen, die auf dem Marsche wegen mangelhafter Ernährung krank geworden waren. Wilhelm Warstat, ehem. Reiter der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. * * * Als Etappenkommandant in Lüderitzlmcht. i. Erste Rekognoszierung des neuen Baiwegs. Nach wunderschöner Seefahrt über Madeira, Teneriffa, Liberia, Lagos kamen wir, das Eisenbahnbataillon für Südwestasrika, am 25. September 1904 mit dem Dampfer „Ernst Woermann" aus der Reede von Swakopmund an. Während der ganzen Dauer der Fahrt zeigte sich uns der launische Meeresgott Neptun nur von der besten Seite, und auch der Führer des Schiffes, Kapitän Schade, tat sein möglichstes. Zwei Tage nach meiner Ankunft in Swakopmund wurde ich als damaliger Hauptmann beim Stäbe des Bataillons, mit Genehmigung meines Kommandeurs und aus Befehl des Etappenkommandeurs Major Lequis, auf eine Ertündungsfahrt den neuen Baiweg nach Wind- huk entlang geschickt, da ich die Sicherung der Straße Swakopmund—Windhuk übernehmen sollte. In meiner Begleitung befand sich der Oberleutnant von Livonius, und zur Bedienung waren uns zwei schwarze Boys attachiert. Aus einer Eselkarre mit sechs Eseln bespannt ging der Zug vorwärts. Der frühere Baiweg ging an der Bahntrasse entlang, mußte aber aufgegeben werden, weil daS Wasser schon für die Maschinen nicht reichte, also für die Ochsen- und Eseltransporte nicht mehr in Frage kommen konnte. Wir kreuzten bei Nonidas den Swakop nach Süden, einem alten Baiweg folgend, sahen die herrlichen Gebirgsformationen des SwakoptalS Major Trott. 424 Alte Landungsbrücke in Lüderitzbucht. » ^ immer zur Linken liegen, um bald wieder, den südlichen Hang gewinnend, auf langer Fahrt über eine große Hochebene, die mosaikartig wie mit kleinen Steinchen gepflastert war, den Swakop zu erreichen. Hier hielten wir die erste Rast bei der Station Haigamchab und wurden von dem Stationsleiter, einem alten Feldwebel, sehr gut ausgenommen. Unterwegs hatte ich Gelegenheit, mehrere Springböcke und Blauböcke zu schießen. Am nächsten Tage fuhr ich weiter nach Salem. Oberleutnant von Livonius verließ mich. Er hatte eine Kompagnie im Norden erhalten. Über Dorstrivier-Mund, Kubas, Ubib, Habis kam ich nach Usakos, wo ich bei dem Chefingenieur der Otawi-Minen- und Eisenbahngesellschaft eine äußerst liebenswürdige Aufnahme fand. Seine Frau bereitete uns noch an demselben Abend den von mir geschossenen Pauw (Trappe) und eine Straußenleber zu (die schönsten Federn hatte ich ihr mitgebracht). Der Postdirektor von Karibib beteiligte sich an dem Mahl und dem danach folgenden Trunk angelegentlichst. Mich erwartete der telegraphische Befehl zur sofortigen Rückkehr nach Swakopmund. Da die Bahn von Usakos nach Karibib noch nicht fertig war, fuhr ich mit meiner Esel- karre und den beiden schwarzen Boys nach Karibib, übernachtete dort in dem Hotel Nubien, fuhr am folgenden Tag nach Jakalswater und den nächsten Morgen nach Swakopmund zurück. II. Lüderitzbucht im Jahre 1904. Hier erhielt ich den Befehl, am nächsten Morgen mit der Eisenbahnbaukompagnie Nr. 1 nach Lüderitzbucht abzudampfen, um dort als Etappenkommandant die Geschäfte zu übernehmen, wozu mir die Eisenbahnbaukompagnie in technischer Beziehung unterstellt wurde. Nach 36 Stunden sehr stürmischer Fahrt langten wir in Lüderitzbucht an. Die Ausbootung geschah in dem alten Hafen bei starkem Südweststurm; die Hälfte unserer Leute war seekrank. 425 In Lüderitzbucht standen damals drei kleine Kaufhäuser, zwei aus Holz bzw. Wellblech, eins aus Stein, und das hölzerne, zweistöckige Haus des Distriktschefs Hauptmanns a. D. Freiherrn von Houwald. An der Landungsbrücke, die notdürftig von Mannschaften S. M. S. „Habicht" ausgebessert war, empfing uns Freiherr von Houwald mit großer Freude als Befreier des Südens. Wir wurden in denkbar liebenswürdigster Weise von ihm und den Kaufleuten aufgenommen, die Offiziere wurden bei diesen und dem Distriktschef untergebracht, die Mannschaften in einem großen Zelt. Helle Freude herrschte unter den Anwohnern, da seit dem Durchzug des Pionier- detachements des Leutnants Effuert sich noch keine Truppe gezeigt hatte und die wenigen Leute in Lüderitzbucht ein Vorstoßen der Morenga- und Christian-Goliath-Leute fürchteten. Trott, ehem. Major der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. * Wie unsere Techniker in Südwest arbeiteten, um das für den Transport größerer Truppenmassen gar nicht zulängliche Eisenbahnmaterial einigermaßen verwendbar zu erhalten, das lassen wir uns von einen: verdienstvollen Manne erzählen, aus dessen eingehenden Mitteilungen hier nur ein kurzer Auszug Platz finden kann. Sergeant Adam Nottler, ein Württemberger vom 1. Eisenbahn-Regiment, ging im Januar 1904 unter Major von Glasenapps Führung mit dem Eisenbahndetachement des Oberleutnants Ritter nach Afrika. Da er im Maschinenfach ausgebildet war, wurde er sofort der Maschinenreparaturwerkstatt in Swakopmund zugeteilt und bewährte sich in der Folge so gut, daß das wahrlich nicht leicht zu erwerbende schwarzweiße Band ihm verliehen wurde, ein Beweis, daß die von ihm so einfach geschilderte Tätigkeit hervorragende Neue Landungsbrucke in Lüderitzbucht. Teutsche Reiter in Südwest. 4NM ^ -L- - 5 " 426 Verdienste gezeitigt hat. Rottler sagt über seine ersten Eindrücke: „Daselbst sah es schlecht aus; alles Werkstätten- personal stand im Felde. Mit fünf Mann von S. M. S. „Habicht" blieb ich da — bei zwölf defekten Maschinen (Lokomotiven), von denen nur noch eine Doppelmaschine und cin Jlling einigermaßen brauchbar waren. Alle anderen Mannschaften des Transportes gingen Per Bahn nach Kari- bib oder begleiteten Ochsenwagentransporte dahin. Wir sechs mußten zurückbleiben und — sofort begann die Arbeit. Da wurde zuerst eine Doppelmaschine demontiert, eine Feuerkiste repariert, Stehbolzen und Siederohre erneuert. Wir arbeiteten mitunter von 6 Uhr früh bis 12 Uhr nachts — und machten nur eine Mittagspause. Was von Maschinen auf Strecke war, kam fast immer defekt zurück. Dann ging's die Nacht durch — Stehbolzen wurden erneuert, Kessel repariert und am anderen Morgen mußte das Ding wieder betriebsfähig sein. Auf der Strecke Swakopmund — Karibib hielten die Siederohre nur sechs Wochen — des Wassers wegen — und die Feuerkisten, Stehbolzen usw. 18 Wochen; während zwischen Karibib und Windhuk eine Maschine zwei bis drei Jahre verwendbar bleibt. Im März 1904 bekamen wir Verstärkung — die Bahn wurde Militärbahn unter Hauptmann Witt; Betriebsleiter wurde Leutnant Lange. Nach und nach brachten wir's auf drei Züge täglich. Im April kam ich zur Hauptwerkstatt Karibib und arbeitete beim Brunnentrupp — denn die Maschinen bedürfen vor allem guten Wassers. Die Brunnen im Durstrivier bis Okasise sind an 50 Meter tief, mit Handbetrieb, andere — bei Kubas, Ababis, Karibib (drei Brunnen) — haben Petroleummotoren oder elektrischen Betrieb; einige auch Göpel (z. B. Johann-Albrechts-Höhe, 45 Meter). Später wurde ich mit 20 Mann nach Swakopmund kommandiert — und dann als Werkführer der Maschinenstation Okahandja zugeteilt, wo ich bis zur Heimreise blieb." Rottler schließt seine schlichten Mitteilungen folgendermaßen: „Die besten Arbeiter sind die Hereros, dann kommen die Klippkaffern, und auch die Ovam- bos sind bei guter Behandlung brauchbar, werden sogar anhänglich. Aber ab und zu müssen sie Schläge bekommen, sonst werden sie faul und frech. — Ich selbst gehe wieder zur Schutztruppe nach Südwest, wenn eine Stelle frei wird." Adam Rottler, ehern. Sergeant der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwest- afrika, z. Zt. Göttingen (Württemberg). * * * Eisenbahnsahrt Swakopmund—Okahandja. Am 2. März 1905 waren wir in Swakopmund gelandet. Am 3. März traten wir auf der Reichseisenbahnitrecke die Fahrt ins innere an. Sanitätssergennt Henneking. s" Sergeant Rüttler. Karibib. KM--' -NWU ^ '' Okahandja, im Hintergründe der Kaiscr-Wilyelmsberg. 7>-K^ Ls-».- 55 ^ 428 Der Zug wurde rwu zwei Zwillingsmaschinen gezogen. Wir süßen, da der einzige vorhandene Personenwagen gerade für die Offiziere ausreichte, auf den vollbeladenen Güterwagen. Das hatte den Vorteil, daß wir uns an die afrikanische Sonne gleich gründlich gewöhnen konnten. Vormittags gegen 10 Uhr ging es los. Die ersten fünf Kilometer find die traurigsten, die man sich denken kann — Sand, weiter nichts als Sand. Dann treten ganz vereinzelt kleine Büsche auf, die aber den trostlosen Anblick kaum mildern können. Doch wir sollten nicht vergebens auf bessere Gegenden warten. Der erste wirklich großartige Teil, den wir durchführen, war das Khanrivier. Es sind ja kahle Felsengebirge mit vereinzelten Bäumen und Sträuchern in kleinen Ebenen, aber doch ist die Wirkung dieser Fclsmassen, die jeden Augenblick ein anderes Bild geben, einfach großartig. Auf Station Khan, wo Kohlen und Wasser genommen und der Zug wegen sehr starker Steigung bis zur nächsten Station geteilt wurde, konnten wir uns das Gebirge genauer ansehen und waren auf das Kommende schon recht neugierig geworden. Die Fahrt war denn auch recht interessant. Man fuhr bald bergauf, bald bergab, in starken Kurven durch das Land hindurch. Abends gegen 10,30 Uhr trafen wir in Jakalswater, 96 Kilometer von Swakop- mund, ein. Hier wurde in einem Zelt übernachtet, da die Bahn nur am Tage führt. Am 4. März, morgens 6 Uhr, ging es weiter. Jetzt wird's ebener, die Vegetation dichter. Höhenzüge begleiten die Bahn zu beiden Seiten. Abends gegen 6 Uhr waren wir in Karibib (194 Kilometer). Dort übernachteten wir auf den Eisenbahnwagen, weil es im Zelt eine Unmenge sechsbeiniger Sommergäste, auch „Urips" oder — Flöhe genannt, gab. Am 5. März, morgens 6 Uhr, ging es weiter über den schönsten Teil der ganzen Strecke. Die Bahn durchläuft zum großen Teil eine lange, ziemlich breite Ebene. Den Abschluß dieser Ebene bilden Gebirgszüge, die auf einem mehr erdigen mit Steingeröll übersäten Unterbau einen steil aufsteigenden, ziemlich scharf abgegrenzten Felsaufbau haben. Hier sah ich auch die ersten Termitenbauten, und zwar in ziemlich bedeutender Anzahl. Abends gegen 6,30 Uhr, nach einer Fahrt von 297 Kilometer, Ankunft in Oka Hand ja. Dieser Etappenort ist einer der schönsten von ganz Südwest. In Okahandja war ich die ersten sieben Wochen im Etappenlazarett und habe manchen schweren Tag, aber auch viele schöne Stunden verlebt. Zu Ostern 1905 ging es dann weiter nach dem Süden in eine Krankensammelstelle. Henneking, chem. Sanitätssergeant der Kaiscrl. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. „Mit den Wassersäcken." Aus dem Gefecht bei Duurdrift, 5. Januar 1906. Morengas Bruder beunruhigte im Januar 1906 mit einer Bande von etwa 60 Hottentotten die Umgegend von Blydeverwacht und Duurdrift. Vieh wurde abgetrieben, Patrouillen wurden überfallen, und keine Farm war sicher. Ernstliches mußte geschehen. Am 4. Januar marschierte Hauptmann von Lettow-Vorbeck mit unserer Kompagnie, der 8., zur Wasserstelle Duurdrift ab, wo der Feind gemeldet war. Nach schwierigem Ritt in der Nacht wurde 1000 Meter vor der Wasserstelle abgesessen. Während der Rast erkundete der Hauptmann selbst, begleitet von seinem treuen Buren van der Vavel, daß der Gegner „Jetzt bricht das Tier unter mir zusammen." ,^'U .V 7 Ls' N 430 zwischen zwei Bergkegcln am Hamrivier Nachtruhe hielt. Es wurde noch 500 Meter weit vorgeritten, dann abgesessen und die Pferde in sicherer Stellung gekoppelt. Alles in totenähnlicher Stille! Kein Rauchen, kein Sprechen! Vor uns der Talkessel — fern ein Feuer! 30 Meter hohe Felskuppen umschlossen das Tal. Nasch disponierte unser Hauptmann. Unser Zug, unter Leutnant Ebeling, sollte die Kuppe links des Feuers, der erste Zug die Höhe rechts und der dritte das Flußbett desHamriviers besetzen. Es war 1 Uhr nachts —- stockfinster! Mit äußerster Vorsicht erklommen wir den Bergkegel — auf allen vieren kriechend. — Kein Ton! In der Ferne heult eine Hyäne. — Mann hinter Mann kletternd, erreichen wir den Kamm. Vorsichtig spähen wir aus — richten uns geräuschlos zur Verteidigung ein —, jeder rollende Stein konnte uns verraten, — dann — eine Art Halbschlaf — die Natur verlangt ihr Recht. Um 4,30 bricht der Tag au. Ein Posten steckt sich die Pfeife an — das genügt — es fällt der erste Schuß und als Antwort wohlgezielte Schüsse unter die noch friedlich lagernden Hottentotten. Unglaublich schnell sind sie in ihren Stellungen verschwunden. Kein Schwarzer zu sehen — aber lebhaftes Feuer von hüben und drüben, sobald sich nur etwas im Gelände regt. Rasch steigt die Sonne. Die Hitze wird unerträglich, der Durst quält! Im Tale weiden Tiere der Hottentotten. Viele sind abgeschossen. Dann fällt mir die Aufgabe zu, von der Wasserstelle — 700 Meter von uns — in Säcken Wasser zu holen. Ich klettere hinab — Gewehr schußbereit. Unten gewahre ich im dichten Busch ein gesatteltes Pferd. Ich stutze! Wo ist der Reiter? Vorsichtig trete ich vor — dann hinauf auf den elenden Gaul — besser reiten als laufen! Und vorwärts im Galopp — was die Mähre und die Sporen leisten können — verfolgt von Geschossen — zur Wasserstelle. Die lag geschützt durch Klippen. Schnell sind die Säcke gefüllt, ist die Mähre getränkt und — wieder hinauf auf das Roß. Das Feuer ist noch ärger als vorher. Jetzt bricht das Tier unter mir zusammen. Wie die Kugeln pfeifen! Ich habe aber keine Zeit zu verlieren — ergreife die Wassersäcke. Von Busch zu Busch, von Klippe zu Klippe in Deckung springend, erreiche ich den Abhang — die Kameraden! Ach, wie sie dursteten!-Und weiter dauert der Feuerkampf. Schon ward es Abend, als plötzlich ein schweres Gewitter niederkam — eine wahre Sonnenfinsternis brachte es mit sich. Als es wieder Tag wurde — war der Feind, geschützt durch das Unwetter, aus seiner Stellung verschwunden. 40 gute Reittiere hatten die Hottentotten zurückgelassen und 3 Tote — darunter den Bruder Morengas. Wir aber hatten einen Toten — Vizefcldwcbel Block — und 7 Verwundete verloren — auch unser tapferer Hauptmanu und Leutnant Ebeling waren dabei. Otto Jaeger, ehem. Sergeant der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. * * * Als erster in der feindlichen Stellung bei Ganarns. 27. April 1905. „Endlich nahen die langweiligen Friedensverhandlungen sich ihrem Ende!" wird wohl mancher von der Kompagnie von Erckert mit mir am dritten Osterfeiertag ausgerufen Sergeant Ltto Jaeger. 431 haben. Der Aufenthalt Morengas war unbekannt. Einigen Nachrichten zufolge hielt er sich mit seiner Bande in den Karrasbergen versteckt. Um so schnell wie möglich wieder mit ihm Fühlung zu bekommen, brachen wir schon am nächsten Tage zur Verfolgung auf. Am Nachmittage stießen die 11. Kompagnie und ein Zug der 9. Batterie zu uns, und als Detachement von Winterfeld zogen wir weiter. Als wir mit Abkochen beschäftigt waren, erreichte uns eine wichtige Meldung, die besagte, daß die Patrouille von Detten bei Ganams im heftigsten Gefecht mit dem Feinde liege. Ohne zu zögern, brachen wir noch an demselben Abend auf und erreichten am 27. April morgens den tapfer kämpfenden Rest der Patrouille, der bis kurz vor unserem Eintreffen von den Eingeborenen hart bedrängt worden war. Die Feinde hatten sich auf eine naheliegende Höhe zurückgezogen und sich dort gut verschanzt. Die Artillerie eröffnete auf zirka 3000 Meter das Feuer, während die berittenen Züge, durch Schluchten und Wasserläufe weiter reitend, später aufmarschierten. Trotz heftigen Feuers ging es im Trab und Galopp vorwärts, unser Hauptmann weit voran, bis wir auf zirka 400 Meter nahe waren. Absitzen, Ausschwärmen und Vorgehen waren das Werk einer Minute. Bei der großen Breite der Schützenlinie war von einem Kommando der Offiziere nichts mehr zu hören. „Nur drauf!" war die Losung. Bis auf zirka 100 Meter hatten wir uns in dem mit Kakteen und Dornbüschen bewachsenen Gelände herangepirscht. Nun gab ich für meine Gruppe, da vor dieser das Schießen weniger heftig war und ich eine schwach besetzte Stelle vermutete, den Befehl zum Sturmangriff. Mit aufgepflanztem Seitengewehr ging es, jeden Busch und jede Klippe als Deckung benutzend, die Höhe hinan. Während bei den Eingeborenen der Angriff überraschend wirkte und ein wildes Durcheinander hervorrief, waren wir auch schon mitten in der feindlichen Stellung. So erreichte die Gruppe als erste die Höhe. Fast hinter jedem Busche lag einer der braunen Halunken, die nun versuchten, sich schleunigst zu drücken. Das wurde jedoch den meisten, und zwar auf das gründlichste, vereitelt. Nachdem die Feinde das Gefechtsfeld geräumt hatten, wurde noch einiges Vieh zusammengetrieben und etliche Gewehre erbeutet. Der Angriff hatte meiner Gruppe einen Toten gekostet; Sergeant Groth fiel dicht neben mir, etwa 60 Meter vor dem Feinde; ein Schuß durch den Kopf hatte seinem Leben ein Ende bereitet. Von unserer Kompagnie, der 12./2. Feldregiments, wurden verwundet: Leutnant Etzel, Oberveterinär Gottschalk, Reiter Gerstetter, Mayer und Rückcrt. Edwin Eckardt, ehcm. Sergeant der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. * * * Zu rechter Zeit. Halbbatterie Stuhlmann bei Gochas, 5. Januar 1905. Die Kompagnie Ritter und die Abteilung von Lengerke waren am 5. Januar 1905 aufgebrochen, um den vor ihrer Front bei Gochas gemeldeten Feind anzugreifen. Meine Halbbatterie sollte bis auf weiteres die Wasserstelle Haruchas besetzt halten. Es vergingen ergraut Edwin Eckardt. * - -!> 432 jedoch keine 40 Minuten, da hörten wir den ersten Kanonenschuß. Wie elektrisiert das doch, zumal wenn man dem Kampfplätze so nahe sitzt wie wir! Bald sahen wir einige tausend Meter nach links hinüber die Geschosse in der Luft zerspringen. Sofort ließ ich eine Patrouille unter Leutnant von Gilsa satteln, und sie sprengte auf das Gefechtsfeld, um die Erlaubnis zum Eingreifen zu holen. Leider kam der Bescheid zurück: „Wasserstelle Haruchas weiter besetzt halten." Das hinderte mich aber nicht, alle Vorbereitungen zum sofortigen Abmärsche zu treffen. Es dauerte auch nicht lange, da kam der Ordonnanzoffizier des Obersten Deimling mit dem Befehl, schnellstens vorzufahren; die Situation sei sehr ernst. Um 4,15 Uhr nachmittags marschierten wir ab. Beim Näherkommen erhielten wir schon ein flankierendes Feuer, obgleich der Anmarsch durch die davorliegende Düne gedeckt war. Während die Batterie Heranfuhr, suchte ich mir eine Stellung aus. Einen sehr ermutigenden Eindruck machte das Ganze nicht. Mehrmals wurden Verwundete an mir vorüber nach deni Verbandplätze getragen, der gleich hinter der Düne, durch Karren notdürftig geschützt, errichtet war. Eben waren zwei Mann in der Schützenlinie verwundet worden, in der aufzufahren ich mich entschlossen hatte. Inzwischen war das besser bespannte erste Geschütz eingetroffen; den letzten Teil des Weges bis auf den Kamm der Höhe mußte es unter Mithilfe der nebenliegenden Schützen beim heftigsten Pfeifen der Kugeln geschoben werden — in dem tiefen Sande ein schweres Stück Arbeit! Ich ließ auf der etwa zehn Meter hohen steilen Sanddüne gedeckt abprotzen. Kurz darauf konnte auch das zweite Geschütz sein Machtwort ertönen lassen. Wie unangenehm dies den braunen Kerlen in die Ohren klang, ging aus dem geradezu wahnsinnigen Feuer hervor, mit dem wir nun überschüttet wurden. Alles nahm uns zum Ziel: leider boten wir ihnen, frei auf der Höhe stehend, ein nur allzu günstiges! Rechts und links, vor und hinter uns spritzte der Sand auf; dann sauste es einmal in die Geschoßkörbe, die am Geschütze standen; dann wieder splitterte eine Speiche, und ein Treiber schrie, daß ein Zugtier getroffen sei. Wir standen kaum zehn Minuten, als Leutnant von Gilsa mir vom zweiten Geschütz her zurief: „Ich bitte um Ersatz, zwei Mann gefallen!" Ich lief an der Schützenlinie entlang und erwischte glücklich zwei ehemalige Artilleristen, die ich schleunigst an das Geschütz beorderte; denn der Rest meiner Bedienung bestand nur aus Infanteristen und Kavalleristen. Dann lief ich zum zweiten Geschütz, wo es allerdings traurig aussah: das Geschütz selbst war von mehr als einem Dutzend Schüssen getroffen und angesplittert; zwei Mann lagen schwer verwundet in ihrem Blute da, und der eine von ihnen starb schon nach wenigen Minuten. So exponiert wir standen, so wenig Wirkung hatten wir gegen die im toten Winkel sitzenden feindlichen Schützen. Wenn wir Erfolg haben wollten, mußten wir den ganzen Hang der dem Feinde zugekehrten Dünenseite hinunter und dann noch vorgehen — alles im stärksten .r . Skizze des Gefechts bei Gochas, 5. Januar 1905. ^ -4P. -Ls^, Lec k-e L- ' ' ^»-» - l r>'/> Hauptmann Bech bei Van Nooisviey, am 4. Mai 1906. .Bei der Verfolgung Morengas gelang es Hauptmann Bech, die Hottentotten bei Van Rooisvley zu überraschen. Während die Züge von Slchart und Tannert den Lagerplatz umschlossen, galoppierten die Züge von Davidson und Häublein, weit ausholend, aus die noch offene Seile des Kessels und trieben die Entweichenden zurück. Beilage zu: „Tincklage, Teutsche Reiter in Südwest. Deutsches VerlagShaus Bong L Co.. Berlin 57. Deutsche Reiter in Südwest. V, «2S _ H 7^-"^ >> ' » V -den letzten Teil des Weges, bis auf den Kamm der Höhe, mutzte es unter Mithilfe der ncbenlicgcndcn Schützen beim heftigsten Pfeifen der Kugeln geschoben werden." 434 Feuer auf 400 bis 600 Meter vom Feinde, der diesmal bedeutend besser schoß, als in den letzten Gefechten. Viel mehr Leute durfte ich nicht verlieren, sonst wäre die Bedienung in Frage gestellt gewesen. Und was das Schlimmste war: würden die Kapstädter Treiber, bei dem andern Geschütz sogar Hottentotten — die doch gar kein Interesse daran hatten, sich totschießen zu lassen, nicht im kritischen Momente versagen? Ich hielt es, offen gesagt, unter diesen Umständen fast für unmöglich, vorzugehen. Ganz anders dachte die Bedienung vom ersten Geschütz, insbesondere ihr Geschützführer Sergeant Schulz, ein Hüne von den mecklenburgischen Dragonern, der schon seit sechs Jahren im Lande war. „Wir müssen vorgehen!" war ihre Meinung. Die Protzen wurden heranbeordert, den schwarzen Treibern nochmals viel Rum und Tabak versprochen, und „Aufprotzen!" ertönte das Kommando. Aber wie so oft: wenn der Augenblick kritisch ist, geht's schief! Die schwerfälligen Tiere, denen die Protze in die Fersen rollte, konnten im richtigen Momente nicht zum Stehen gebracht werden. Es gelang das erst auf halber jenseitiger Düncnhöhe durch Herumfahren. Ohne sich zu besinnen, packten die braven Kanoniere, vom Fähnrich Dunckcr angefeuert, selbst zu und rollten die Lafette abwärts, bis aufgeprotzt werden konnte. Dann ging's in dem für unsere Ungeduld viel zu langsamen Ochsentcmpo unter dem Geschrei der Treiber bis in die Schützenlinie vor. Es ist mir jetzt noch unbegreiflich, daß wir — außer einigen angeschossenen Zugtieren — keinen Verlust zu verzeichnen hatten. Allerdings entlastete uns die Halb- kompagnie von Livonius, welche die ganze Zeit über Schnellfeuer abgab, so daß sich der Feind wohl scheute, den Kopf hochzustecken. Bald revanchierten wir uns, und das feindliche Feuer, das wir auf 300 und 400 Meter erhalten hatten, entfernte sich. Die Kompagnie konnte vorgehen — endlich! — nachdem der Kampf hier lange gestockt hatte. Wir folgten mehrmals sprungweise mit in der Schützenlinie. In der dritten Stellung mußte ich zehn Minuten lang auf 100 Meter schießen. Die Kartätschen, für uns neuangefertigt, bewährten sich dabei—wie auch sonst — vorzüglich. Blutige Hüte, Gewehre, angeschossene Hottentottenpferde usw. erzählten uns genug von unseren Treffern. Außer meinen Verlusten hatten die anderen Truppenteile noch zwei Tote, zehn Verwundete verloren. Oberleutnant Alirens. Oberleutnant Stuhlmann. 435 Den Beschluß dieser Kämpfe machte das Gesecht bei Zwartfontein am 7. Januar, und damit war der heißumstrittene Anobabschnitt, wo sich die Eingeborenen so sicher gewähnt hatten, in unserer Hand und die Kolonne Meister, die seit Tagen bei Groß-Nabas im blutigen Ringen gestanden, entsetzt. Von meinen Unteroffizieren und Reitern wurden 21 dekoriert und fast der ganze Rest zur nächsthöheren Charge befördert. Mir hatten diese Gefechte zu dem für „Waterberg" verliehenen Kronenorden 4. Klasse mit Schwertern den Roten Adlerorden 4. Klasse mit Schwertern eingebracht. Stuhlmann, ehem. Oberleutnant der Kaiser!. Schntztruppe f. D.-Siidwestafrika. Zuviel Wasser! Alan sollte es kaum glauben, es könne in Afrika vorkommen, daß zuviel Wasser vorhanden ist. Wir, 5. Kompagnie 1. Feldregiments, lagen im Januar 1906 in Kranzplatz unweit von Gibeon. Kranzplatz liegt linksseit des Fischflusses. Unsere Weide für das Vieh befand sich rechts vom Fischsluß. Eines Tages ward ich bestimmt, mit auf Viehwache zu ziehen. Am Mittag trieben wir mit unseren Pferden und Ochsen nach der anderen Seite des Flusses, um auf die Weide zu gelangen. Bemerken will ich hier, daß der Fischsluß das ganze Jahr wenigstens etwas Wasser führt, wogegen andere Flüsse zum Teil nur während der Regenzeit wasserhaltig sind, dann aber häufig zu reißenden Strömen anschwellen. Unser Vieh stand ungefähr 1000 Meter vom Ufer entfernt. Plötzlich hörten wir ein Rauschen und sahen erschreckt, daß der Fischfluß sich immer mehr mit Wasser füllte. Es dauerte nicht lange, so sing es auch heftig zu regnen an. Was sollten wir jetzt anfangen? Das Wasser stieg immer mehr, wir konnten mit dem Vieh das andere User, wo die Kompagnie lag, nicht mehr erreichen und waren gänzlich abgeschnitten. Der Regen goß in Strömen auf uns nieder. Wohin mit den Tieren? Es war mir gelungen, eine Unterkunft für die Nacht zu finden. Ich war am Nachmittag während der Zeit, als ich nicht Posten stand, auf die Jagd gegangen, dabei hatte ich, 20 Minuten von unserer Wache entfernt, ein verlassenes Haus stehen sehen, in dessen Nähe sich auch ein großer Viehkral (abgehauenes Buschwerk bildete eine Umzäunung für das Vieh in der Nacht) befand. BeideS war uns für die Nacht sehr angenehm, und schnell nahmen wir Besitz davon. Die Tiere wurden in den Kral getrieben und Posten aufgestellt, die übrigen Leute brannten sich in dem Hause ein Feuer an, um die durchnäßten Kleider zu trocknen. So verbrachten wir die Nacht. Am anderen Tage war der Fisch- fluß noch nicht Passierbar, denn es hatte während der ganzen Nacht geregnet. Einzelne Kameraden der Kompagnie versuchten vergebens, durch Schwimmen unser Ufer zu erreichen, um uns mit Proviant zu versorgen, sie hatten auch ein Holzstoß gebacit, die Strömung aber war zu reißend, um durchzukommen. Einigen gelang es endlich, durchzuschwimmen, Gefreiter M. Lemnitz. 56 * 436 indem sie sich einen Riemen um den Hals banden und daran eine Blcchkiste befestigten, worin sich der Proviant befand. Kamerad Jäkel wäre dabei bald ertrunken. Die nächste Nacht verbrachten wir wieder wie die vorige. Aber nun schien uns die Lage doch bedenklich. Die Kompagnie hatte keine Pferde und Ochsen zur Verfügung und wir keinen Proviant. Endlich, im Laufe des Tages, nahm das Wasser wieder ab; denn so schnell die Flüsse anschwellen, so geschwind verfließen sie auch. Mir war es gelungen, eine Stelle ausfindig zu machen, wo der Wasserstand am niedrigsten war, doch das Durchtreiben des Viehes verursachte uns immerhin noch Schwierigkeiten; denn es befanden sich Schafe und Ziegen darunter, und diese wollen durchaus nicht durchs Wasser. Nach vieler Mühe war es doch gelungen; aber es war auch die höchste Zeit; denn die Kompagnie hatte den Auftrag erhalten, den gefangenen Cornelius mit seiner Bande nach Rehoboth zu bringen, und am nächsten Morgen wurde abgerückt. Wie dieses Beispiel zeigt, hatten wir in Südwestafrika nicht nur die Schwarzen, sondern auch viele andere uns entgegentretende Hindernisse zu bekämpfen. Max Lemnitz, ehem. Gefreiter der 5. Koinp. 1. Feldregts. der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Sergeant im Regiment Nr. 114, Konstanz. Der Damaraknabe. In den Maitagen des Jahres 1905 waren wir, die erste Ersatzkompagnie (Abteilung von Estorff), auf der Suche nach dem Verbleib der Hottentotten. Ein weites Terrain hatten wir schon durchstreift, hatten glücklich alle Schwierigkeiten des Geländes, Felsen und Klippen, überwunden, aber keinen Feind getroffen. Das Bett des Fischflusses, in dem wir vorwärts strebten, war mit Felsblöcken wie übersät. Oberleutnant Leisner, ein Bayer, war der Führer unserer Patrouille, die aus 20 Berittenen bestand. Peine hieß unser Feldwebel, Oberhofer der Sergeant, und die Unteroffiziere waren: Böttcher, Klabecki und Wittich. Außerdem nahmen noch Gefreiter Ludwig und die Reiter Thieme, Ostmann, Völker, Komdyr, Pelzer, Reisner, Machon, Altpeter, Kluge, Gnies, Henkel, Schütt, Lackermann und ich an dem Ritt teil, der uns den Fischfluß abwärts führte — den Spuren des Feindes folgend. Eines Morgens — es war am 24. Mai — überraschten wir, noch in der Morgendämmerung, nicht etwa feindliche Krieger, sondern einen alten Damara mit zwei Knaben. Der ältere entsprang uns, doch den kleineren führten wir mit uns fort. Ich nahm das Kind bis zur nächsten Wasserstelle mit auf mein Pferd, und während des Abkochens verfertigten wir dem Jungen aus unsern Zwiebacksäcken einen Anzug — er sah ganz Patent aus. Eine Weile später entdeckte die Wache auch den vorher entlaufenen, zwölfjährigen Jungen draußen im Busche. Voll Angst und Grauen kam er heran — halb verhungert. Als wir ihm von unserem Zwieback gaben, wurde er vertrauter, und der Oberleutnant nahm ihn ganz freundlich ins Verhör. Mit Freuden hörten wir, daß nicht allzuweit, bei der Wasserstelle Dabib, eine Werft sei. Auch gutes Wasser sollte dort vorhanden sein, wie der Damarajunge lobend erwähnte. „Satteln!" befahl der Oberleutnant, und — vorwärts ging's. Als es dämmerte, zeigte uns der Junge einen auf einer Höhe stehenden einsamen Baum: dahinter sollte die Werft liegen — wie er uns zu verstehen gab. Der Oberleutnant ließ absitzen, und voller Spannung zogen wir vorsichtig der Höhe zu. Nach kurzer Wanderung sahen wir die Werft vor uns liegen; der Junge hatte uns richtig geführt. Schon konnten wir die Pvntoks erkennen. Alles schien EU .Ky-B'ES^ - », ^ÄL- r-»Lk - Die ganze Werft war Plötzlich in Aufruhr, und schon knallten die Schüsse." 438 noch in tiefem Schlafe. Leise entwickelte der Oberleutnant seinen Gefechtsplan. Die Werft sollte umzingelt und dann, auf einen Schuß, überraschend angegriffen werden. Alles ging gut — tief gebückt krochen wir an der Lehne des Hügels weiter. Ta — flog ein verdammter Gockelhahn, durch den Fuß eines Reiters gestört, mit lautem Geschrei auf und — vorbei war's mit der Ruhe unter den Namans. Die ganze Werft war plötzlich in Aufruhr, und schon knallten die Schüsse. Aber fest an den Boden geschmiegt, gedeckt durch das Gestrüpp, gaben wir unsere Schüsse ab. Eine ganze Stunde dauerte der Widerstand der Hottentotten — dann räumten sie in voller Flucht den Kampfplatz — alles zurücklassend. 16 Tote und einige Verwundete fanden wir in der Werft — auch zwei unverwundete Gefangene fielen in unsere Hände und außerdem des Feindes ganze Habe. Da es uns an allem Proviant fehlte, befahl Oberleutnant Leisner den Rückmarsch zum Lager, das wir noch am Abend des folgenden Tages erreichten. Jessen, ehem. Reiter der 1. Ersatzkompagnie 1. Feldregiments der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Sonderburg, Alsen. Bei den Speckfahrern. Wer jemals einen Feldzug mitmachte, der lernte gewiß auch die Wichtigkeit und Unentbehrlichkeit der Kolonnen — ob sie nun Proviant, Munition oder anderen Kriegsbedarf führten — kennen und schätzen. Weit mehr aber noch als in kultivierten Ländern tritt die Bedeutung der Kolonnen in den Vordergrund, wenn es an Eisenbahnen fehlt, geebnete Wege kaum vorhanden sind und alle und jede Verproviantieruug im Kriegsgebiete selbst ausgeschlossen ist. Wenn der fechtende Teil der Truppen nach dem Kampfe ruhen darf — der Dienst der Kolonnen hört niemals auf. Mögen auch die körperlichen Anstrengungen nicht immer so groß gewesen sein wie bei ganz besonderen, immerhin Ausuahmeleistungen der Feldtruppe, mag auch die Verpflegung regelmäßiger gewesen sein — reicher an Abwechslung war sie deshalb auch nicht immer —, der ausschlaggebende Unterschied in der Tätigkeit beider Truppen Leulmint Jlinibmvsk». war jedoch der, daß die Kolonnen niemals zu einer Reiter Jenen. Ätz 7 Ä. 432 richtigen Ruhe- und Erholungözeit kamen und aus triftigen Gründen auch nicht kämmen konnten. Die Feldtruppen gingen nach anstrengenden Gefechten oder energischer Verfolgung des Gegners zur wohlverdienten, meistens durch Mannschafts- und Tierznstand bedingten Ruhe an einer Wasserstelle über, während die Kolonnen tagein, tagaus oder, besser gesagt, nachtein, nachtaus unterwegs auf der Pad waren und ihr undankbares (? d. H.) Geschäft, nämlich das des Proviant- oder, wie man es drüben nannte, des Spcckfahrens, betrieben. Zwischen Ankunft in Windhuk, oder welchen anderen Ausgangspunkt sie sonst hatten, und Wiederabmarsch nach dem nicht immer neuen Ziel lagen wohl offiziell drei bis vier Ruhetage. Tatsächliche Ruhetage waren es aber nur für die Tiere, die Mannschaften hatten alle Hände voll zu tun, um sich für die nächste Pad in marschfähigen Zustand zu versetzen. Durch Ausfall von Mannschaften — Ersatz erhielten die Kolonnen naturgemäß so gut wie gar nicht, da zunächst dem Mangel an Leuten in der Front abgeholfen werden mußte — wurde der Dienst später immer beschwerlicher, vor allem deswegen, weil ja der einzelne jetzt Schwieriger Transport durch den Weitzen Nossob. öfter zum Nachtdienst herangezogen werden mußte. (Und Wachen waren wahrlich nötig, denn grade Überfälle auf Kolonnen boten dem beutegierigen Feinde einen besonderen Reiz. D. H.) Um die Tiere in dauernd brauchbarem Zustande zu erhalten, war es geboten, der Hitze wegen möglichst wenig am Tage zu marschieren. Zur Bewältigung größerer Strecken bis zur nächsten Wasserstelle mußte deswegen die Nacht zu Hilfe genommen werden. Der Weidegang in der Nichtregenzeit war unbedingt zur Nachtzeit erforderlich, und der Nachtdienst wurde infolgedessen noch anstrengender. Daß auch die Märsche nicht immer so glatt und ohne Überwindung von Schwierigkeiten Verliefen, geht aus der beigefügten Photographie hervor. Auf dem Marsche Windhuk—Epukiro mußten im Februar 1905, also in der Regenzeit, der Weiße Nossob dreimal und der Schwarze Nossob einmal, außerdem noch eine Menge kleinerer Riviere, die jedoch alle Wasser führten, überschritten werden. Die betreffende Aufnahme ist gemacht, als meine Kolonne zum ersten Male den infolge starker Regengüsse abgekommenen Weißen Nossob bei Orumbo durchführen mußte. Neun Stunden dauerte es, bis sämtliche 19 Wagen das vielleicht 100—150 Meter breite Flußbett durchquert hatten. Die Mannschaften, die damals bei der ersten Kolonne der dritten Kolonnen- abteilung standen, werden sich dieses anstrengenden TageS noch gut erinnern. Die meisten hatten sich ihrer Kleider mehr oder weniger ganz entledigt, nur im Wasser besser zugreifen zu 440 können. Infolge dieser Unvorsichtigkeit, den nackten Körper stundenlang der afrikanischen Sonne zur Mittagszeit auszusetzen, mußte leider eine große Zahl der Beteiligten in den nächsten Tagen arge Schmerzen ertragen; denn am ganzen Leibe bildeten sich, ähnlich wie bei Brandwunden, Blasen, und die Haut schälte sich ab. Auch die Gebirge bei Windhuk sind mancher Kolonne infolge schlechter Padverhältnisse, meistens znr Nachtzeit, verhängnisvoll geworden. Trotzdem haben die Leute ihre Pflicht voll und willig getan, die Disziplin war gut, wenn auch der größte Teil der Mannschaften, genau wohl wie jeder Offizier, im Innern öfters mißgestimmt war, daß gerade er bei den „Speckfahrern" stehen mußte; denn wir hatten uns doch alle in der Heimat zur Schutztruppe gemeldet, in der Hoffnung, mal in den Kampf vor den Feind zu kommen. Daß Anstrengungen sich leichter ertragen lassen, wenn man in Spannung ist und in der Erwartung, in absehbarer Zeit an den Gegner heranzukommen, wenn man vormarschiert oder ihn nach einem siegreichen Gefecht, voll Stolz, mit dabei gewesen zu sein, verfolgt, als wenn man den eintönigen, ziemlich gefahrlosen (? d. H.), allmählich abstumpfenden Kolonnendienst tut, ist klar. Aber man erfüllt eben seine Pflicht da, wo man hingestellt wird, das ist auch klar. Jacubowsky, ehem. Leutnant der Kaiserl. Schutztrnppe f. D.-Südwestafrika. -r- * . * „Schicht mir die Kerls herunter!" Omaruru, 3. Februar 1904. An dem Siegesznge der 2. Kompagnie des Hauptmanns Franke — den Tagen von Okahandja, Kaiser-Wilhelms-Berg, Omaruru, Otjihinamaparero — nahm auch der damalige Gefreite Jllgen überaus ehrenvollen Anteil. Aus seinen ausführlichen Aufzeichnungen, die verspätet eintrafen, kann des Raumes wegen nur ein kurzer Abschnitt gebracht werden, der sich den übrigen Berichten über Omaruru einfügt. Jllgen, der schon für die mit Hauptmann Franke gemeinsam ausgeführte Rettung des Leutnants Freiherrn von Wöllwarth aus dem reißend abkommenden Swakoprivier nahe Teufelsbach am 23. Januar 1904 die Rettungsmedaille erwarb und dann weiter zur Befreiung seiner eigenen Garnison Omaruru vorrückte, sagt aus der Zeit des Vorrückens am 3. Februar 1904: „Ein Teil der Eingeborenen machte einen Umgehungsversuch, um der Kompagnie in den Rücken zu fallen. Die Nachspitze, zu der auch ich gehörte, entwickelte sich sofort gegen die Feinde, und sandte ihnen ein wirkungsvolles Schnellfeuer entgegen. Im Verlauf des Gefechts wurde Oberleutnant von Nathusius an der Schulter verwundet; Gefreiter Hoffmann kam mit zwei Schuß im Rücken mit seinem verwundeten Pferde bei uns angesprengt. Die Verwundeten wurden in das Kapitänshaus gebracht, und so gut es ging verbunden. Während des Verbindens schössen wir acht durch die Fenster. Im stärksten Feuer kam plötzlich unser Hauptmann auf Sergeant Max Jllgen. 441 „Im stärkste» Feuer kam plötzlich unser Hauptmann auf seinem Schimmel auaesvrennt: ,Schiebt mir Sie Kerls herunter!' rief er mit mächtiger Stimme." -^-7 V/. /t aa»-—- 8»L!- MW seinem Schimmel angesprengt. „Schießt mir die Kerls herunter!" ries er mit mächtiger Stimme, und fort war er, zur Kompagnie zurück. Mit „Hurra!" ging es im Sturmlauf auf den im Busch und hohen Grase liegenden Gegner, der sich auf 30 Nieter herangeschlichen hatte. Ein Geschoßhagel Prasselte uns entgegen, aber wir gaben's ihnen reichlich aus acht Gewehren zurück. Da sank rechts von mir Unteroffizier Otto, in den Kops getroffen, tot ins Gras nieder. Ein Paar Minuten später brach auch Unteroffizier Prüß mit den Worten „Jllgen, wir wollen —" zusammen, weiter kam er nicht, ein kurzes Stöhnen, auch er war tot. Unterdessen war es 2 Uhr nachmittags geworden, die Sonne brannte fürchterlich! Keinen Tropfen in der Feldflasche. Der Feind erhielt dauernd Verstärkungen — die Orlogleute der Außenwerften waren noch vom Omarnrurivier eingetroffen. Da — Hufschlag! erleichtert atmen wir auf. 14 Mann Verstärkung unter Führung des Wachtmeisters Wesch! Noch ein mörderisches Schnellfeuer, und der Feind war niedergekämpft! Schnell setzten wir die Verwundeten auf Pferde, und vorwärts ging's; kaum waren wir 100 Meter vorgerückt, als wir von neuem angegriffen wurden. Runter vom Schlachtroß, und die Pad freigemacht, war das Werk weniger Minuten. Unbehelligt langten wir jetzt in der Kaserne an, wo die Kompagnie schon eingetroffen war, und die der tapfere Stabsarzt Dr. Kühn mit einem Dutzend Männer so heldenhaft gehalten hatte!" Max Jllgen, ehem. in der 2. Feldkompagnie der Kaiser!. Schutztruppc f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Maltahöhc. rj« * * Deutsche Reiter in Südwest. 57 442 Unter Leutnant von Auer aus dem Waterberg. Die Abteilung Volkmann sollte nach dem von General von Trotha für die bevorstehenden Entscheidungstampfe am Waterberg festgesetzten Gefechtsplan ein Ausweichen der Hereros nach Norden verhindern. Am 8. August 1904 erteilte Oberleutnant Volkmann dem Leutnant von Auer den Befehl, von Otawi aus am 9. mit einer Patrouille gegen den Waterberg vorzugehen. Der Zweck der Unternehmung war, den Südrand des Plateaus zu gewinnen, um von dort durch Licht und Lampe die Beobachtungen über die Hereros den vorgehenden Abteilungen zu melden, deren konzentrischer Angriff am 11. August erfolgen sollte. In der nächsten Nacht folgte Leutnant Freiherr von Neibnitz mit noch zehn Reitern und der Lampenausrüstung. Unsere Patrouille war aus der Besatzung Grootfontein, der 3. Kompagnie, der Halbbatterie von Madai, der Maschinengewehrabteilung und der Signalabteilung zusammengesetzt — alles ausgewählte Leute; denn Oberleutnant Volkmann sprach uns selbst von der Wichtigkeit des Auftrags. Am d. August abends begann unser beschwerlicher Aufstieg, nachdem die Pferde, die hier natürlich nicht gebraucht werden konnten, nach Otjenga zurückgeschickt waren. Es mußte mit großer Vorsicht Verfahren werden, da ein Bemerktwerden durch die Hereros den wichtigen Auftrag hätte vereiteln können. Doch nicht nur die Gefahr — auch die Anstrengung war groß. Wir waren beim Erklimmen der steilen Felswände schwer beladen. Die Heliographenapparate, die Kohlensäureflaschen, die Munition in den Packtaschen, dazu unsere Gewehre und Patronengurte, und auch etwas Proviant und Wasser — das alles trugen wir auf dem Rücken während des Aufstieges. Aber wir überwanden die steilen, pfadlosen Felshänge, durchkrochen die Klüfte und langten auf dem Plateau an. Durch den tiefen, heißen Sand da oben wateten wir weiter — immer geführt durch unsere unerschrockenen und umsichtigen Führer. Bei Anbruch der Dunkelheit, am 10. August, wurde die Lampe am Südrande des PlateanS aufgestellt, an einem Platze, den Leutnant von Auer, der bereits vorher eingetroffen, als besonders gut geeignet ausgewählt hatte, und schon um 10 Uhr abends hatten wir Verbindung mit dem Oberkommando — Exzellenz von Trotha —, sowie mit den Abteilungen Fiedler, Deimling, Mueller, von der Hepde, von Estorff und Volkmann. Wir standen fast direkt über der Wasserstelle der Station Waterberg. Am 11. August, 6 Uhr früh, donnerten die Geschütze und rasselten die Maschinengewehre aus allen Richtungen. Wir standen an einer Schlucht — rechts und links waren Posten ausgestellt. Gefreiter Batschadt und Gefreiter Beer sicherten unsere Stellung gegen Überraschung durch kleine Patrouillen. Auch Unteroffizier Ramlou war zur Sicherung vorgesandt. Wir anderen waren in der Schlucht zur Verteidigung verteilt. Ich selbst saß mit meinem Kompagniekollegen Luhmann hinter einem großen Felsen, der Mannshöhe hatte und unten zerklüftet war. Bald sausten die feindlichen Kugeln zu uns herauf, am Gestein zerschellend, und pflichtschuldig .k Ä' Gefreiter Mumm. 443 Slgnalstativn. MM, - L WML4 WM? antworteten wir; denn es war unser Bestreben, die Arbeit am Heliographen ungestört zu erhalten. Um 11 Uhr bekam ich einen Streifschuß am linken Oberarm, konnte aber meine Beobachtung fortsetzen, gleich darauf wurde Leutnant Freiherr von Reibnitz an der linken Hand verwundet. Die Sache war aufregend, nicht nur durch Gefahr, sondern auch durch die große Verantwortung. Dazu quälende Hitze in der sengenden Sonne zwischen den brennend heißen Felsen der Schlucht — und — na — der Durst! Ja — wer hätte an dem langen Tage nicht gewünscht, daß das Gefecht bald vorüber sei!? Der Heliograph — immer in Tätigkeit — konnte von unten nicht gesehen werden, da er 100 Meter von der Felswand stand. So kam es, daß wir beim Sturm der Deutschen auf das Missionshaus, 5 Uhr nachmittags, plötzlich erhebliches Feuer bekamen. Unsere eigenen Granaten krachten in die Bergschlucht/ Es mußte etwas geschehen, um den Heliographendienst ausrecht erhalten zu können. Ohne Besinnen faßten Leutnant von Auer, Gefreiter Küchenmeister und ich — mit noch ein paar Kameraden — den Entschluß, durch den Kugelregen nach unten zu stürmen. Mit dem Rufe „Viktoria!" ging's die steilen Felswände hinab. Wir kamen unten an, waren gerettet. Bei der 0. Kompagnie traf ich meinen Freund, den Reiter Rad an. Wir tranken gemeinsam, auf dem Bauche liegend, aus einer Wasserpfütze und feierten Wiedersehen — dann ging's wieder zurück. Johannes Mumm, chem. Gefreiter der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, z- Zt- Kiel. -i- -r- * 57* 444 Der Ingenieur unter der Waffe. Den Briefen des Ingenieurs Ernst Dieterichs an seine Mutter sind die nachfolgenden Aufzeichnungen entnommen: Windhuk, 14. Februar 1904. Wie ich aus dem „Hannoverschen Anzeiger" ersehe, seid Ihr ja ganz genau unterrichtet, so das; ich nur eine Schilderung der Kriegslage ersparen kann. Am 12. Januar bekam ich Gestellungsbefehl. Tags darauf wurde ich in den bunten Rock gesteckt. Eine Hiobspost nach der andern traf von den umliegenden Farmen ein, wo die Hereros ganz entsetzlich gehaust hatten. Gleich in der Nacht mußte ich am Pulverschnppen, zirka ^ Kilometer vor Windhuk, Posten stehen. Als ich um 6 Uhr morgens zurückkam, lag die ganze Festung voll Weiber und Kinder, und es war ein furchtbarer Trubel. Dann wurde ich mit 30 Mann unter Befehl des Leutnants d. R. Mettge als Batteriewache abkommandiert. (Die Batterie bildet die Seitendeckung der Festung und kann als Fort angesehen werden.) Hier haben wir Verschanzungen und Verhaue allerart angelegt. Der Leutnant hatte mich besonders gern, und ich kann Wohl sagen, daß es mir dort oben sehr gut gefiel. Am 17. Januar gingen wir in einer Stärke von zirka 100 Mann (drei Viertel der ganzen Macht) gegen Osten vor. Es fand bei Farm „Hoffnung" ein Gefecht statt, in dem aber nur unser kleines Gebirgsgeschütz zu Worte kam, worauf sich zirka 70—80 bewaffnete Kaffern eiligst drückten. Dann gab es wieder die alte Leier: Postenstehen, Scheibenschießen (ich bester Schütze), Gewehr reinigen. Am 20. Januar endlich kam Hauptmann Franke mit 130 Mann und einem Feldgeschütz aus Gibeon zurück und entsetzte Windhuk durch das Gefecht bei Hares. Am Tage darauf wurden alle Bahnangestellten wieder zur Bahn abkommandiert, und am 22. Januar ging es unter dem Befehl von Oberleutnant d. L. Dieterici nach Okahandja vor. Fünf Tage schwerer Arbeit folgten, denn der Sand hatte im Verein mit kolossalen Regengüssen die Strecke furchtbar demoliert, Brücken und Telegraphen vernichtet. Endlich, aber ohne einen Schuß, kamen wir am 27. an der großen Okahandja- Nivier- Brü cke, 3 Kilo- meter vor Okahandja, an. Oberleutnant Dieterici ging mit einer Patrouille von vier Mann durchs Rivier. (Hauptmann Franke war mit zwei Geschützen von Osten gleichzeitig gegen Okahandja vorgegangen, und V. K - -i V -E Wir, etwa 20 Mann, legten uns hinter den Bahndamm 446 dort knallte es ganz gefährlich; die Brücke, zirka 150 in lang, war durch Abbrennen einzelner Joche vollkommen zerstört worden und das Gleis auf weite Entfernungen aufgerissen worden.) Wir Eisenbahner sahen uns die zerstörte Brücke an und disputierten, auf dem Brückenköpfe stehend, über die Art und Weise, wie die Kerls das gemacht hatten. Plötzlich knallt es von den gegenüberliegenden Höhen und sft sft sft pfeifen die blauen Bohnen uns um die Ohren. Wir, etwa 20 Mann, legten uns hinter den Bahndamm und ballerten aus die schwarzen Köpfe, die sich hinter den Klippen zeigten. Ab und zu verschwand einer. Eine halbe Stunde mochten wir so gelegen haben, als Dieterici in vollem Feuer zurückkam. Unser Zug mußte verteidigt werden, da wir drei Wagen Artilleriemunition und ebensoviel Jnsanteriepatronen daraus hatten. Da hieß es: „Freiwillige vor zum Borgehen!" und zwei Mann meldeten sich, und zwar zwei Hannoveraner, Herr Hoffschmidt und ich. Wir beide und der Oberleutnant gingen nun gegen die Klippen vor. Hei! wie das brummte und pfiff. Auf einmal findet Hoffschmidt eine menschliche Leiche, er ruft uns. Wir sehen unsern alten Streckenwärter Schulz, halbverwest und entsetzlich verstümmelt. Da gab's kein Halten mehr. Vorwärts hieß es, drauf! Im Laufschritt nahmen wir eine kleine Hererowerft, von der ein paar Kerls eiligst ausrüsten. „Krach!" „krach!" „krach!" und drei blieben liegen! Hier waren wir dicht vor den Klippen. Jetzt saß jeder Schuß, aber um uns herum pfiff und brummte es in allen Tonarten. Ungefähr 700 Nieter waren wir jetzt vorgegangen; doch weiter durften wir nicht, wollten wir nicht ins eigene Feuer kommen, also schössen wir. Eine schwarze Gestalt sah ich oben aus der Klippe stehen, das Gewehr nach mir gerichtet. „Krach!" da knallt's, und mir flogen die Splitter des Baumes, hinter dem ich stand, ins Gesicht. „Krach!" ging's bei mir, und der Kaffer da oben brach zusammen. Und so ging's noch eine halbe Stunde, da sahen wir die Hereros verschwinden. Noch ein paar Abschiedsgrüße sandten wir ihnen nach und warteten ab, bis die Munition auf Ochsenwagen geladen und nach Okahand ja gefahren war. Als dies geschehen, begruben wir die Leiche und schössen die drei Ehrensalven. Dann kehrten wir zum Zuge zurück. Ernst Tieterichs. Ernst Dieterichs, chem. Freiwilliger der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Ingenieur in D.-Südwestafrika. Ernst Dicterichs wurde siir sein tapferes Verhalten am 27. Januar 1901 mit dem Militär- Ehrenzeichen 2. Klasse dekoriert. (D. H.) Der Simmentaler Bulle. Erschrick nicht, lieber Leser, vor der Überschrift meiner Erzählung. Du weißt, Deutsch- Südwestasrika hat herrliche Weideplätze und ist deshalb für Viehzucht sehr geeignet. In der Viehzucht aber spielt unser Held eine große Rolle, besonders wenn er so ein Prachtkerl ist und 447 extra zur Verbesserung der afrikanischen Viehrassen aus dem schönen Simmental nach dem fernen Afrika gebracht wurde. -i- -i- „Soeben haben die Hcreros an der ersten Brücke Z mein Vieh abgetrieben, darunter auch den Simmentaler Bullen!" — rief, sein schreckensbleiches Angesicht durch die Türspalte steckend, der Ansiedler Voigts in das Kasinozimmer der Feste Okahandja, und weg war er wieder. -t- Die nach dem gerade beendeten Mittagessen noch gemütlich bei Bier und Zigarre sitzenden Offiziere — es war Sonntag — sahen verwundert auf. „Was ist los?" — „Wer war das?" — so fragte man durcheinander. Als die der Tür zunächst Sitzenden Aufschluß gegeben hatten, herrschte allgemeines Erstaunen über die Kühnheit der Hereros. „So 'ne Frechheit! Die Kerle holen uns ja noch das Vieh hier vom Platz fort!" hieß es. Sofort bestimmte der Etappen- kommandant, Hauptmann Bech, daß eine Patrouille den Viehräubern nachsetzen solle. Leutnant von Rosenberg sollte sie führen. Dieser war an demselben Morgen erst von der Pad gekommen und labte sich jetzt an dem solang entbehrten Naß edeln Gerstensafts; er tat noch einen gewaltigen Zug und verließ dann das Zimmer, sich für den Ritt zu rüsten. Wir begleiteten ihn hinaus. Hei! was herrschte auf dem in der Mittagsvnne glühenden Platze für ein Leben. Alles lies und rannte: Koffern, Buren, Soldaten. Die Kaffern, sogenannte Kapboys ^), rannten nach dem Flusse, schwangen sich aus die dort grasenden Pferde oder trieben sie schreiend und schlagend nach der Ansicdlung; die aus ihrem Mittagschlaf aufgeschreckten Buren stürzten aus ihren Hütten und Zelten hervor und sattelten in größter Hast ihre Rosse; die für die Patrouille bestimmten Soldaten ergänzten in aller Eile ihre Munition in der Feste und liefen dann nach dem Kral, in dem sich die Pferde der Etappe befanden. Alles gleichzeitig und viel schneller, als man es schreiben kann! Kaum waren ein paar Minuten vergangen, da galoppierte auch schon der Ansiedler Voigts auf seinem Schimmel über den Platz, das Gewehr schuß- fertig in der Rechten. Wie die Männer eben fertig wurden, schloß sich einer nach dem andern an, so daß man schließlich eine lange Reihe einzeln hintereinander galoppierender Reiter den Bergen im Süden zustreben sah. Einige waren nur notdürftig bekleidet; hier schnallte einer noch während des Reitens an seinem Sattelzeug, dort lud ein anderer im Galopp sein Gewehr — man sah sofort, daß es „alte Afrikaner" waren, die da hinter den Schwarzen hersetzten. Hing doch alles davon ab, daß man sich so schnell wie möglich den Räubern an die Fersen heftete. — Voigts auf seinem Schimmel war schon längst hinter den Büschen verschwunden, und immer noch jagten einzelne Reiter über den Platz, den in der Ferne aufstrebenden Staubwolken nach. Auch Leutnant von Rosenberg mit seiner etwa 20 Mann starken Patrouille entschwand bald unseren Blicken. *) Eisenbahnbrücke über den Aland», Nebenfluß desSwalop, etwa eine Viertelstunde von Okahandja entfernt. 2) Junge Farbige aus der Kapkolonic, die als Treiber verwendet werden. Zeukleutnant Wilhelm Liildt. 448 In der Frühe des nächsten Tages kehrten die Verfolger heim. Das Großvieh, darunter auch den Simmeutaler Bullen, hatten sie den Räubern abgejagt. Zum Kampf war es nicht gekommen. Beim Nahen so vieler Gegner hatten die Hcreros es vorgezogen, das Großvieh laufen zu lassen, und während die Weißen dieses einsingen, gelang es den Schwarzen, sich mit dem schnellfüßigen Kleinvieh in Sicherheit zu bringen und wohl zur nächsten Wasserstelle zu treiben oder Zu einer Vlei, einem Regen-Sammelbecken, von Weidegrund umgeben. Den Stier hatte die Parforcctour in die Berge stark mitgenommen. Er erholte sich aber bald und versieht heute wieder seinen Dienst zu Nutz und Frommen seines Herrn und seiner Herde. Wilhelm Lindt, Zcugleutnant, früher beim Munitionsdepot Okahaudja, z. Zt. Königsberg i. Pr. * Die 9. (Gebirgs-) Batterie. i. Auf dem Baiwege. Gegen Ende der regcnlosen Zeit 1904 befand sich die eben gelandete 9. Gebirgsbatterie auf dem Marsche von Lüderitzbucht nach KeetmannShoop, um sich der Abteilung des Majors von Lcngerke anzuschließen. Menschen und Tiere waren noch nicht au die afrikanischen Verhältnisse gewöhnt. Die Wasserstellen an der Pad waren weit voneinander entfernt und wenig ergiebig. Lange, heiße Märsche und großer Durst waren die Folge. So kam mau eines Abends bei Brackwasser an. Eifrig ließen die Reiter die Eimer der beiden Brunnen hinab. Die durstigen Tiere drängten hinzu; aber der eine Eimer kam ganz leer herauf, der andere enthielt kaum ein Liter schlammigen Wassers, und gegen Mitternacht war alles versiegt. Nur die Hälfte der Tiere hatte etwas bekommen; den übrigen aber sah man an, daß sie die nächste, einen starken Tagemarsch entfernte Wasserstelle nicht mehr erreichen würden. So wurde denn am nächsten Tage im Flußbett nach Wasser gegraben. Man tat es zum erstenmal, und gering war bei vielen die Zuversicht. Bald aber sammelte sich zum Erstaunen der Ungläubigen Wasser in den Löchern, und um 3 Uhr nachmittags hatten alle Tiere einmal saufen können. Der Weitermarsch führte am folgenden Tage durch das Rivier. Bis dahin konnten die Wasserlöcher sich ganz füllen und den Tieren neuen Trank spenden. Jetzt tat Ruhe und Weide not. Die Reiter setzten sich froh ins Lager und fühlten sich ganz als „alte Afrikaner". Hatten sie doch im trockenen Sande Wasser gefunden. Doch bald bescherte ihnen Afrika eine neue Überraschung. Ganz plötzlich bezog sich der Himmel, und unter Donner und Blitz ging ein Platzregen nieder, wie man ihn noch nicht erlebt hatte. Als man sich nun an: nächsten Morgen dem Rivier näherte, erblickte man statt des trockenen Sandes einen reißenden Strom. Alles frohlockte, und im nächsten Augenblick trank Mensch und Tier in langen Zügen. Doch dann hieß es, den Fluß überschreiten. Die Pad führte als Furt hindurch; das Wasser war aber so tief, daß die Geschütze ganz darin verschwanden, und die Strömung stark. Die Reiter waren bald drüben, aber die Fahrzeuge hatten es schwerer. Sie waren mit je zehn Maultieren bespannt. Alle Augenblicke wollten die Tiere stehen bleiben, saufen oder sich hinlegen. ?> » MM MKs MMv- WLM Reiter der Abteilung Sieberg-Rentel finden bei Tsamab am 25. Mai 1906 die Leichen der am 24. aufgeriebenen Heldenschar des Leutnants Karl Fürbringer von der Südsignalabteilung. „Bei Anlage einer Berbindung mit Heirachabis durch Johannes Christian überfallen, fochten die bravin Reiter, bis auch der letzte Mann niedersank. Kameradenhand bereitete ihnen ein ehrenvolles Kriegergrab." Beilage zu: „Dincklage, Deutsche Reiter in Südwest? Deutsches Verlagshaus Bong L Co„ Berlin V. S7. Deutsche Neiter in Südwest. das Wasser war aber so tief, das; die Geschütze ganz darin verschwanden ^«1 450 Als man bald darauf einen zweiten Fluß überschritten hatte, benutzte man die Gelegenheit, am rauschenden Wasser, im Schatten der Bäume zu rasten und abzukochen. Dann wurde in Afrika das erste Vollbad mit Seife genommen. Es blieb für lange Zeit das einzige. Besonders Unternehmungslustige begannen sogar zu fischen. Die jungen Afrikaner hatten nunmehr die Erfahrung gemacht, daß man innerhalb 24 Stunden in demselben Flußbett dem Verdursten und dem Ertrinken nahe sein kann, und — daß ein solcher Fluß keine Fische enthält. So blieben die erhofften Forellen zwar ungegessen; aber Mensch und Tier hatten ihre alten Kräfte wiedergewonnen, und der Weitermarsch war durch die Aussicht auf ergiebige Wasserstellen wesentlich verschönt. II. Die Schrapnells der GeLirgsgeschütze. Der Feind war nahe; deshalb verbrachte die Abteilung Deimling die Nacht vorn 6. zum 7. Januar 1905 in völliger Gefechtsbereitschaft. Man lagerte auf dem rechten Auobufer, unmittelbar am Rande der senkrecht zur Talsohle abfallenden Felswände. Die Pferde durften nicht zur Tränke hinabgetrieben werden, denn schon einmal hatte der Feind den Moment wahrgenommen und das Lager angegriffen, während ein Teil der Reiter die Tiere im Tal tränkte. Oberst Deimling selbst hatte mit den sieben Gewehren seines Stabes den ersten Ansturm abgewehrt, bis Leute und Pferde den steilen Pfad zum Lager erklommen hatten. Nun zeigte sich wieder, wie vorzüglich die Ochsen für die afrikanische Kriegführung waren. Nicht nur, daß sie mehr ziehen und länger dursten konnten als Pferde und Maultiere — diese mußte man unter starker Bedeckung die ganze Nacht über auf der Weide lassen. Sie hätten uns sonst am nächsten Tage im Stich gelassen. Die Ochsen aber brauchten nur zwei Stunden Weide, dann wurden sie wieder vor die Geschütze und Wagen gespannt; sie legten sich in den Jochen nieder und ruhten, wiederkäuend, die ganze Nacht im Lager. Am Morgen sah man Hottentotten auf dem anderen Ufer. Doch nach einigen Schüssen der Gebirgsgeschütze gingen sie nach Norden zurück. Es schien, als ob der Feind uns auszuweichen suchte. Schon wollten wir flußaufwärts weitermarschieren, da kam jene berühmte Meldung des Leutnants Fürbringer, daß Witbooi uns hier eine Falle gestellt habe. Sofort ließ Oberst Deimling links abbiegen. Dadurch gewann er die Dünen, die sich in etwa 800 Bieter Abstand längs des Auob dahinziehen. Zwischen der ersten und zweiten Düne ging's dann wieder nach Norden. So hatte man auf beiden Flanken Schutz. Plötzlich schlugen von vorn die ersten Kugeln ein. Die Avantgarde, Kompagnie Ritter, schwärmte aus, die Artillerie sollte auf der Düne rechts auffahren. Doch kaum zeigten sich hier die ersten Köpfe, als auch vom Auob her die feindlichen Geschosse geflogen kamen. Es war eine Freude, zu sehen, wie eifrig die Leute in den Rädern arbeiteten, um die letzte Steigung zu nehmen. Reiter Gorny wurde verwundet. Man achtete Oberleutnant Graos. 451 kaum darauf. Nur der Sanitätssergeant waltete im Kugelregen seines Amtes. Im Nu war die Munition von den Protzen und der Karre herangebracht, und dann begann ein eifriges Suchen, mit und ohne Glas, nach dem Feind. Aber menschenleer schien die weite, mit niedrigem Dornbusch bestandene Ebene. Nicht einmal das geringste Rauchwölkchen war zu sehen. Nur die Richtung, aus der die Schüsse kamen, fühlte man deutlich heraus. Das war auch vorerst genug. Mit Schrapnells-Brennzündern feuerten wir dorthin und legten so lange an Entfernung zu, bis auf einmal das feindliche Feuer schwieg. Jetzt hatten wir sie. Noch ein paar Schüsse, dann Feuerpause! Denn was half es, gegen Leute zu schießen, die sich hinter unsichtbaren Deckungen verkrochen. Günstigere Gelegenheiten mußten kommen! Daß dies das letzte Gefecht sein werde, konnte man sehr bezweifeln, und an einen Ersatz der ohnehin knappen Munition war nicht zu denken. Und richtig, nach einiger Zeit bekam man drüben wieder Mut und schoß, wenn auch vorsichtiger. Da fegten wieder die Schrapnells hin, bis Ruhe eintrat. Nun erhielten wir Feuer aus der linken Flanke. Es war eigentlich der dort kämpfenden Kompagnie Ritter und der Halbbatterie Stuhlmann zugedacht, ging aber über diese hinweg. Alle entbehrlichen Leute der Bedienung mußten nun in den Geschützzwischenräumen ausschwärmen, um mit dem Karabiner wegzuschießen, was sie vorn Feinde sahen; denn einzelne Schützen mußten ganz nahe liegen. Gleichzeitig wurde dadurch gegen das Flankenfeuer ein schmaleres Ziel gebildet. Im trockenen Dornbusch raschelte es jetzt häufiger, immer zahlreicher wurden die kleinen Sandwölkchen, die um uns aufwirbelten. Das leise, geschwinde Zischen des modernen Kleinkalibers mischte sich mit dem Sausen der Geschosse älterer Konstruktion. Dann hoben sich wohl die Leute vom Boden und meinten grimmig: „Wenn man nur einen sähe, dem würde man's schon geben!" Der feindliche rechte Flügel verlängerte sich inzwischen bis in unsern Rücken hinein, und bald kamen auch von dort die Kugeln. Ab und zu konnten wir dort sogar einen Witbooi sehen. In solchen Fällen hat man den sehnlichen Wunsch, den unverschämten Kerlen eins auf die Nase zu geben, besonders wenn man seinen eigentlichen Feind nicht sieht und sich ihm überlegen weiß. Unsere Wünsche gingen bald in Erfüllung. „Die 8. Kompagnie greift den feindlichen rechten Flügel an. Die Gebirgsartillerie begleitet den Angriff!" So hieß der freudig begrüßte Befehl. Jetzt ging es in die zweite Stellung, in die Schützenlinie der braven Kompagnie! Auch hier wurden wir im Auffahren heftig beschossen. Ein Kaffer, der beim ersten Geschütz als „Tauleiter" das vorderste Ochsenpaar führte, siel vor Schreck auf die Erde. Doch ruhig setzte der Gespannführer, ein langer Bur mit deutschem Namen, seine riesige Peitsche in kreisende Bewegung. Klatschend traf sie, und der Schwarze flog mit ungeahnter Elastizität wieder empor. Kaum waren wir in Stellung, da setzte der Feind einen Gegenangriff an. Endlich konnte man nun gegen sichtbare Ziele schießen, und bald machten die Hottentotten kehrt. Im Zurückweichen mußten sie eine Düne überschreiten. Dies sah die Batterie, ließ von ihrem bisherigen Ziele ab und verwandelte mit ihren wirksamen Brennzündersalven den feindlichen Rückzug in Flucht. Die Gebirgsgeschütze hatten nun ihre Feuertaufe erhalten. Groos, ehern. Oberleutnant der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. * -i- * Aus umstellter Kuppe bei Keidorus. Das Gefecht am Fischfluß hatte am 27. Juni 1905 bereits eingesetzt, als mein Zugführer, Leutnant von Bönninghausen von der 9. Kompagnie 2. Feldregiments, dem Unteroffizier 58 * 452 Weißenborn befahl, mit vier Mann (Reiter Kuwe, Meier, Eingeborenem Klaas Cooper nnd mir) die linke Flanke zu sichern. Wir erreichten feuernd eine Kuppe. Schon auf dem Wege dahin erhielt Reiter Meier einen Schuß. Wir richteten uns, so gut es ging, dort oben eine kleine Schanze ein; aber die Lage war doch bald brenzlig, denn von mehreren Seiten wurden wir beschossen. Der Unteroffizier hatte schon vor dem Ersteigen dem verwundeten Gefreiten Webel zugerufen, er möge um Verstärkung bitten; aber die blieb aus. Näher und näher kamen die Hottentotten unserer Kuppe. Der Veterinär der 1. Etappenkompagnie, der sich uns angeschlossen hatte, konnte durch sein gutes Glas genau erkennen, wie 900 Bieter von uns entfernt der Vizefeldwebel Sonntag am Wasser im Rivier, wo er seine Wunde kühlen wollte, überrascht und grausam erschlagen wurde. Unser Feuer dahin blieb erfolglos, aber dafür bekamen wir's von neuem. Bis zur Nacht dauerte das Schießen. Ein einziges kleines Brötchen teilte ich mit den Kameraden. Aber was nun? Die Nacht hindurch — von zahlreichen Feinden völlig umschlossen — dort oben bleiben? — Wir beschlossen, uns durch die Hottentotten durchzuschleichen. Es war dunkel geworden. Vorsichtig brachen wir auf — das Seitengewehr aufgepflanzt. An der Spitze Klaas Cooper und ich. Der Mann sah wie ein Fuchs — jetzt erkannte er Hottentotten. Auf Händen und Füßen krochen wir abwärts — jeden Busch als Deckung benutzend. Nur kein Schuß! Der hätte uns den Schwärm auf den Hals geladen. Jetzt waren wir im Fischfluß — tranken uns satt und füllten die Flaschen — dann weiter auf der Pad von gestern. Unterwegs finden wir ein wundes Pferd und — meinen Mantel, der wohl gestern vom Pferde gefallen. Noch immer ist äußerste Vorsicht vonnöten! — Bei Tagesanbruch erreichten wir die 9. Kompagnie. Man hatte uns alle für tot gehalten. Acht Stunden hatten wir zu einem Wege von 3 Kilometer gebraucht. Wir erfuhren erst jetzt, daß außer Vizeseldwebel Sonntag noch Sergeant Huhnstock von der 9. Kompagnie gefallen und Oberleutnant von Rosenthal, Sergeant Birkholz, Reiter Grzegorski, Kister und Webel verwundet waren. Auch Hauptmann Pichler war gefallen. Der 28. brachte neuen Kamps, aber jetzt waren 4 Geschütze, 2 Maschinengewehre und die 10. Kompagnie zu uns getreten. Knillmann, ehem. Sergeant der 9. Kompagnie 2. Feldregiments d. Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. * >!- Morengas Ende. Mitte August des Jahres 1907 kam aus dem Süden des Schutzgebietes die Nachricht, Morenga sei mit 400 Mann, darunter etwa 250 Bewaffneten, von der Kapkolonie aus in unser Land eingefallen und halte sich in der Gamsibkluft, der äußersten Südostecke des Schutzgebietes, auf. Ein neuer Feldzug schien bevorzustehen. Wenn auch die Stärke von Morengas Bande scheinbar sehr übertrieben war, so bedeutete doch schon die Persönlichkeit des Morenga, dieses tapferen und gewandten Hottentottenführers, eine große Gefahr. Es war nicht ausgeschlossen, daß sich die Bondels, welche erst vor kurzem unterworfen waren, Morenga anschlössen. Auf Grund dieser Lage wurden starke Truppenvereinigungen im Süden angeordnet, außerdem wurde ein gemeinsames Handeln mit den englischen Grenzpolizeitruppen, der Oapo Llouuteä Kollos, verabredet, welche in der Stärke von etwa 120 Mann unter Befehl des Majors Eliott in Npington (zirka 180 Kilometer südöstlich Ukamas amOranje) zusammengezogen wurden. Vorsichtig brachen wir auf das Seitengewehr aufgepflanzt. 454 Ich erhielt von Oberstleutnant von Estorff den Befehl, mich zu Major Eliott zu begeben, um die Verbindung zwischen den deutschen und englischen Truppen bei den Operationen gegen Morenga herzustellen. Nach siebzehntägiger Fahrt über Swakopmund, Kapstadt, de Aar, Prieska und Upington traf ich am 13. September in Longklip, halbwegs Ukamas—Upington, ein, wo die englische Polizeitruppe zur Beobachtung Morengas stand. Dieser hielt sich noch immer in den äußerst unwegsamen Bergen bei Bakrivier- mund auf und hatte bisher noch nichts Kriegerisches unternommen. Der Abfall von etwa 40 bei ihm befindlichen Bondels und die TruPPenzusammenziehungen bei Ukamas hatten ihn wohl eingeschüchtert. Er schickte sogar Boten nach Ukamas mit der Bitte um Frieden. Aber Morenga war es nicht Ernst mit diesen Friedensverhandlungen; er wollte dadurch nur Zeit gewinnen, aus der unangenehmen Situation zwischen deutschen und englischen Truppen zu entkommen. Als die Friedensboten zu ihm zurückkehrten, fanden sie das Nest leer. Der Zufall wollte es, daß eine englische Offizierpatrouille am 17. September etwa 8 Kilometer westlich Longklip auf Morengas Spur und bald darauf auf ihn selbst stieß. Morenga äußerte zu dem Führer der Patrouille, Leutnant Currie, er mache unter keinen Umständen mit den Deutschen Frieden, bitte aber Major Eliott um eine Unterredung am 18. September vormittags bei Longklip; er schien geneigt, sich den englischen Truppen zu stellen. Am 18. September früh ritt Leutnant Currie von Longklip nach der Stelle, wo Morenga sitzen sollte, um ihn zu holen. Voll Spannung sahen wir von den Höhen von Longklip aus dorthin, von wo Morenga erscheinen sollte. Gegen Mittag sahen wir in der Ferne Staub, aber Leutnant Currie kam ohne Morenga. Dieser war, nach den Spuren zu urteilen, kurz vorher abgezogen. Major Eliott befahl sofort die Aufnahme der Verfolgung — zunächst durch einen Zug, bis die nähere Abzugsrichtung festgestellt war. Am 19. mittags traf vom Führer dieses Zuges, Leutnant Mauder, die erste Meldung ein, wonach Morengas Spur nördlich Longklip vorbei nach Osten in Richtung Upington führe. Gleich nach Eingang dieser Meldung, etwa 3 Uhr nachmittags, brach Major Eliott mit dem Rest der Abteilung auf. Es begann nun eine vierundzwanzigstündige, von nur kurzen Pausen unterbrochene Verfolgung. Um 12 Uhr mitternachts in der Nacht vom 19. zum 20. September tränkten wir die Pferde zum letztenmal bis zum 21. September, 5 Uhr morgens. Noch führte Morengas Spur nach Osten. Da, gegen 2 Uhr vormittags, bog die Spur plötzlich nach Norden ab. Nun war kein Zweifel mehr, daß Morenga nicht etwa nach Upington gehen wollte, um sich dort zu stellen, sondern durch die Kalahari zu Simon CoPPer. Der schlaue Fuchs rechnete damit, daß wohl wenige Menschen, wie er mit seiner Bande — etwa 30 Köpfe —, durch die Wasserlose Kalahari ziehen und sich von Tsamas nähren könnten, daß aber Truppen mit Pferden sich scheuen würden, die Verfolgung in die Kalahari aufzunehmen. Uns wurde beim Eintreten in die Kalahari klar, daß nur eine ununterbrochene, rücksichtslose Verfolgung zum Ziel führen konnte. Wir mußten Morenga im Laufe des 20. einholen und zum Gefecht stellen. Glückte das nicht, dann hätten wir wegen Wassermangels auf der frischen Spur Morengas kehrtmachen müssen; Morenga wäre entwischt und in Sicherheit bei Simon CoPPer. Diese Erkenntnis gab dem Führer, Major Eliott, und seiner Truppe einen außerordentlichen Schwung. Höchst spannend war die Verfolgung. Die „Scouts", eingeborene Polizisten, leisteten hierbei große Dienste. Während der Mondscheinhellen Nacht hielten sie immer vom Pferde herab die Spur Morengas, so daß diese nie verloren wurde oder länger gesucht werden mußte. Fast ohne Pause ging es weiter, Wohl über 300 schwere Dünen hinweg, in nördlicher Richtung. Gegen 7 Uhr morgens kamen wir an die Stelle, wo Morenga kurz 455 Vorher gerastet hatte. Mehrere zurückgelassene Decken, Felle, Kochgeräte usw. zeugten von der großen Eile, mit welcher die Bande, Wohl überrascht, weitergezogen war. Die Fußspuren ließen lange Schritte erkennen, ein'Zeichen, daß die Bande in schnellem Tempo ausriß. Unverkennbar war hierbei die große Fußspur Morengas. Inzwischen wurde es Mittag. Der Zug des Leutnants Mauder, welcher als Avantgarde voraus war, hielt jetzt und meldete, Morenga könne nur noch einen kurzen Vorsprung haben. Die Verfolgung ging weiter. Gegen 1,30 Uhr nachmittags begann ein etwa halbstündiger Galopp. Um 2 Uhr kamen wir in eine landschaftlich ganz andere Gegend, nicht mehr kahle Dünen, sondern bergiges Gelände mit Busch. Hier konnte Morenga vielleicht die Absicht haben, sich zum Gefecht zu stellen. Major Eliott ließ sofort den vordersten Zug zum Gefecht absitzen und sich in großer Breitenausdehnung entwickeln. Unsere Annahme bestätigte sich. Morenga saß, wie vermutet, auf den Höhen. Es entspann sich nun ein längeres Feuergefecht. Der Gegner hatte sich so gut versteckt, daß lange Zeit nichts von ihm zu sehen war. Allmählich erkannten wir aber, daß eine besonders ausgeprägte Höhe der Schlüsselpunkt der Stellung war. Die Höhe wurde genommen und in der feindlichen Stellung vier Gegner erschossen und einer verwundet; bei uns siel hierbei ein Korporal, ein Mann wurde verwundet. Auf der Höhe angelangt, erhielten wir aus dichten Büschen, etwa 400 Meter vor uns, wiederum Feuer. Aus einem der Büsche hörte man eine tiefe Stimme laute Kommandos abgeben. Gegen diese Büsche, besonders aber gegen letzteren, denn hinter ihm konnte Morenga liegen, richtete sich nun von unserer Seite aus ein lebhaftes Feuer, so daß drüben bald Hauvtmann von dem Hagen, das Feuer verstummte. Bei dem darauffolgenden Absuchen des Gefechtsfeldes fanden wir Morenga tot vor. Er hatte drei Schüsse, zwei durch den Kopf, und einen durch das Herz. Es war ein erhebender, unvergeßlicher Augenblick, als wir plötzlich vor der Leiche dieses Gegners standen, der unseren braven Truppen über zwei Jahre hindurch so viel zu schassen gemacht hatte. Wie mir einer der gefangenen Verwundeten sagte, hat Morenga tatsächlich nie die Absicht gehabt, Frieden zumachen, weder mit den Deutschen noch mit den Engländern: er wollte die Freiheit oder mit der Waffe in der Hand fallen. Dieser Tod hat ihn getroffen. Neben ihm lagen sein Gewehr, einige Hülsen und Patronen. Er hat diesen Soldatentod verdient, denn er hat auf seine Weise anständigen Orlog geführt. Morenga und seine Bande war vernichtet, nur ganz wenige entkommen. Wir erfüllten noch die traurige Pflicht, unseren gefallenen Kameraden zu beerdigen; dann wurde in einer prachtvollen Mondscheinnacht der Marsch nach Upington angetreten. Wenn auch das Abkommen von Ukamas vorn 23. Dezember 1906 dem Süden den langersehnten Frieden brachte, bedeutet doch der Tod Morengas im Grunde den Schluß des Orlogs im Süden; an diesem Schlußakt teilgenommen zu haben, ist eine unvergeßliche Erinnerung. von dem Hagen, ehem. im Generalstab der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Hauptmann und Kompagniechef im Garde-Füsilier-Regiment. * * * 456 Am Totenhügel von Sperlingspütz. Endlich, am 3. Juni 1906 — Pfingsten —, trafen wir, die Abteilung von Frey- hold, bei Sperlingspütz auf den Feind. Es sielen Schüsse. Als Spitze hatten uns die Hottentotten auflaufen lassen. „Jetzt gibt's ein Pfingstschießen!" rief ich einem Kameraden zu. Also herunter von den Tieren und auf den rechts vor uns liegenden Bergrücken, Oberleutnant Danuert voran. Oben waren wir zwar, aber — gegenüber lag, gut eingerichtet, der Feind in großer Überzahl. Zeigte sich ein Hut bei uns, war auch schon das Blei da. Nichts zu sehen! Das Feuer rief die Abteilung eilig herbei! Eilig? Du lieber Gott, die Reiter mußten teilweise die übermüdeten Tiere schieben! Dann, neben uns die 3. Kompagnie des Oberleutnants Müller von Berneck zum Sturme! Gewehrknattern, Geschützdonner, das Aufschreien Verwundeter! — Wunderbar Heller Mondschein beleuchtet den entbrennenden Kamps. Unsere ganze Linie rückt vor — dem Feinde auf den Leib. Der weicht zurück — das Feuer schläft nach und nach ein. Aber wir — bleiben wach. Wir haben nichts als ein Stück trockenen Brotes und dazu die Eiseskälte der afrikanischen Nacht! So kam der Morgen. Von neuem entbrannte der Kampf. Die Gebirgsgeschütze und Maschinengewehre donnern und rasseln. Jetzt ertönt Major von Freyholds Kommando: „10. Kompagnie rechts umfassen!" Sofort eilt Oberleutnant Dannert uns allen voran. Ein furchtbares Flanken- feuer! Nur 12 Gewehre erreichen die rechts vor uns liegende Kuppe. Gefreiter Bern eck wird getroffen, ich knie neben ihm, und während ich seine Wunde untersuche — fällt ein Hagel von Geschossen. Wir sind umgangen — abgeschnitten. Ein heftiger Schlag! — Ich habe einen Schuß im rechten Fuß. In Deckung? Ja, wo? Jetzt wird auch Oberleutnant Dannert verwundet. Ich suche, selbst hinkend, ihn in eine geringe Deckung zu bringen. Als das geschehen, blieb ich in seiner Nähe. Eben habe ich einen schwarzen Kopf auf dem Korn, — da wird mein linker Arm mit festem Ruck weggerissen. Ich rufe laut auf vor Schmerz: „Herr Oberleutnant, mein linker Flügel ist kaputt!" Und jetzt wird auch Leutnant von Abendrot!) verwundet; Gefreiter Brunner, Ulrich und Reiter Berndt werden tödlich getroffen. Berndt leidet furchtbar: „Grüßt meine arme Mutter!" Oberleutnant Dannert sucht ihn zu trösten, ihm Hoffnung zu machen — dann trifft auch ihn das tödliche Blei. Ich bin dann eingeschlafen, mitten im verzweifelten Kampfe — wohl vom Blutverluste. Plötzlich erwache ich und sehe auf zehn Meter die schwarzen Schlangen mit blitzenden Augen heran- kriechen. „Feuern!" ruft unser Führer. Es war sein letzter Ruf. Drei Schüsse fallen, und drei Schwarze wälzen sich im Blute. Jetzt fällt auch Leutnant von Abendroth, mein tapferer Zugführer. Ich suche mich zu erheben; eine Kugel schlägt durch meinen Hut — ich breche zusammen. Von neuem bemühe ich mich aus dem Kugelregen zurückzukriechen. Man kann ja viel, wenn's ums Leben geht! In Hörweite vor der feuernden Kompagnie falle ich abermals nieder. Unteroffizier Heider holt mich zurück, des eigenen Lebens nicht achtend. Dann — wird die Höhe genommen, auf der wir eingeschlossen waren. Unsere Offiziere, unsere gefallenen Kameraden waren entkleidet. ergraut Paul Feller. Deutsche Reiter iu Südwest. V. Drei Schüsse fallen, und drei Schwarze wälzen sich im Blute. 458 verstümmelt. Ich aber — vergesse nie der aufopfernden Fürsorge, die mir von Ärzten und Kameraden in meiner langen Leidenszeit gewährt wurde — seit dem Pfingstschießen am Totenhügel zu Sperlingspütz. Paul Feller, ehem. Sergeant der Kaiserl. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. * * * Patrouille des Leutnants Freiherrn von Vodenhausen^. Es ist vor Waterberg in den ersten Tagen des August 1904. Wir liegen mit der Abteilung von Fiedler in den Osondjachebergen dicht am Feinde und erwarten sehnsüchtig den Angriffsbefehl. Von meiner Kompagnie (der 8./1. Feldregiments), ist eben eine Patrouille unter Leutnant Kaufmann zurückgekehrt. Sie war auf dem Waterbergplatean dicht über dem feindlichen Lager und bringt wertvolle Nachrichten. . Bald darauf wird Leutnant Freiherr von Bodenhausen von der 1. Kompagnie 2. Feldregiments mit einer anderen Patrouille weggeschickt, um Verbindung mit Abteilung Volkmann zu suchen. Kurz vor dem Abreiten lerne ich einen Einjährigen Bosse von der Patrouille kennen. Er zieht gerade die Sattelgurte noch einmal an, bedauert, daß wir uns nicht länger sprechen können, und ruft mir vom Pferde ein frohes: „Auf Wiedersehen übermorgen!" zu. Er scheint ein lieber, netter Mensch zu sein, und ich freue mich auf seine Rückkehr. Am andern Tage nehmen unsere Späherpostcn eine große Staubwolke wahr, die sich sehr viel weiter wie sonst die der Viehherden aus dem Omuweroumuepaß in die Steppe nach Norden und gegen uns hin bewegt. — Das sieht verdächtig aus! Herr Hauptmann von Fiedler schickt sofort unsere Kompagnie aus, um die Sache näher zu untersuchen. Wir reiten lange Zeit quer durch den Busch jener Staubwolke zu. Eine Zeitlang ist sie verschwunden, und dann steigt statt ihrer der braune Rauch eines Steppenbrandes an derselben Stelle auf, den wir nun als Ziel behalten. Immer weiter reiten wir vorwärts, bis unsere Spitze plötzlich im dichten Busch verloren geht. Nun wird haltgemacht. Der letzte Verbindungsreiter hat in dem Dickicht nicht Vordermann und Gros im Auge behalten können und hat das zu spät gemeldet. Rufen half nichts. So greifen wir denn zu unserem alten Mittel und geben aus einem Gewehr drei Schuß Schnellfeuer ab. Kaum eine Viertelminute später haben wir aus nächster Nähe Antwort. Aber wer beschreibt unser Erstaunen, als wir statt unserer Spitze zwei einsame Kameraden der Patrouille von Bodenhausen finden, von denen einer mit zerschossenem Fuß vor uns im Grase liegt. Was los war? Wir hörten es nicht mehr; denn achtzehn von uns saßen sofort zum Gefecht zu Fuß ab und gingen unter Leutnant Linck in Schützenlinie vor. — Vom Feinde ist nichts zu sehen. Aber wieder durch einen unglücklichen Umstand verloren wir i) Nur ein kurzer Auszug aus „Südwest", Kriegs- und Jagdfahrten, den interessanten Mitteilungen des Herrn Schröder-Stranz, kann hier gebracht werden, zeugt aber von der lebendigen und lebenswahren Auffassung dieses Mitkämpfers. (D. H.) Unteroffizier Schröder. 459 unsere Kompagnie und die Pferde. — Erst spät gegen Mitternacht kamen wir, vom Kreuz des Südens geleitet, aber wie immer von Dornen zerrissen, im Lager von Osondjache an. Müde sinken wir auf unser hartes Lager. Verstümmelt. Jedoch um 2 Uhr nachts wurden die Pferde schon wieder gesattelt. Herr Hauptmann von Fiedler rückt mit einem Geschütz und zwei Zügen aus. Die beiden gestern Gefundenen haben nämlich gemeldet, daß Leutnant Freiherr von Bodenhausen aus dem Rückritt plötzlich von einer großen Übermacht angegriffen worden ist. Nur durch ganz besonderes Glück wären sie beide entkommen und müßten für die übrige Patrouille das Schlimmste befürchten. Stumm reiten wir durch die kalte Nacht. Ich bin bei der linken Seitenpatrouille. Mein Walter, den ich jetzt wieder reiten muß, strauchelt aber schon im Schritt, und trotz festen Aushaltens bin ich im Trab dreimal mit ihm gestürzt. Es geht nicht mehr so weiter im Busch; ich werde zur Nachspitze abgelöst. Stunde um Stunde verrinnt, bis wir am Vormittag eine Pad kreuzen, die die Spuren der vermißten Patrouille trägt, und bald darauf halten wir an einer Stelle, die uns wohl die grausamste Tat der teuflischen Bestien, unserer schwarzen Feinde, zeigt. Sechs nackte, weiße Leichen liegen vor uns, kaum kenntlich vor grauenhaften Schnitten und Verstümmlungen. Es ist der Leutnant Freiherr von Bodenhausen mit einigen seiner Leute. — Schrecklich! — Ihr könnt euch den entsetzlichen Anblick der armen Menschen nicht vorstellen. Nasen, Ohren und Lippen sind abgeschnitten, die Augen ausgestochen. Tiefe, blutige Schnitte entstellen den ganzen Körper. Blutige Knochenstummel zeigen die Stellen, wo sonst die Hände sitzen, und das Haar ist durch die Glut des brennenden Grases verkohlt. Weiter suchen wir nach den anderen Kameraden. Alles um uns her ist, wie zur Trauer, durch den Brand schwarz gefärbt, einige Baumstümpfe glimmen noch. — 50 Schritte weiter, dem Waterberg zu, liegt ein angefressenes Pferd, — dort wieder ein Mensch. Und wie ich, in Gedanken versunken, etwas abseits der anderen, allein suche, da fällt mir am Boden eine breite, blutige Spur auf. — Ich folge. — Nach 15 Schritten weist sie in ein dichteres Dornengebüsch, und auf der anderen Seite liegt wieder ein nackter Leichnam mit zwei leichten Schüssen, aber mit fast noch unkenntlicher und schrecklicher zugerichtetem Körper als die andern. — Einen Moment bleibe ich regungslos auf dem Pferde halten. Ist nicht in den so von Kirrihieben entstellten Zügen irgend etwas Bekanntes, was mich mächtig ergreift? „Übermorgen auf Wiederseht:!" klingt mir da Plötzlich der Abschiedsruf jenes netten, lustigen Reiters von vorgestern in der Erinnerung nach. — Wirklich, es ist Bosse; und dieser traurige Moment läßt sein letztes Wort so ganz anders in Erfüllung gehen, N. tt. „Tiefe, blutige Schnitte entstellen den ganzen Kürver." 460 als wir es noch gestern gehofft. Erschüttert machen wir uns an die Bestattung. — Aber der Arzt stellt noch fest, daß unsere armen Kameraden zum Teil bei lebendigem Leibe so furchtbar gemartert sind, daß einem Verwundeten das Genick bei gräßlichen Qualen langsam umgedreht ist. Unser Zorn und Haß kennt keine Grenzen. Könnt ihr glauben, daß da nicht jeder einfache Reiter seine Gefühle so bezwingen kann, daß er bei diesem Seelentumult noch an Milde und Vergebung im Kampf denkt? Zwei flache Gräber sind fertig. Wir erwarten einen Überfall, denn es wurden eine feindliche Reiterpatrouille und Krieger zu Fuß gesehen. Schnell kommt noch ein wenig Erde aus die Toten, ein Kranz von Dornenbüschen über die Stätte, damit Schakal und Hyäne wenigstens jetzt den Leib ruhen lassen, und dann wird ein Gebet gesprochen. Leise tut's jeder für sich in der heißen Sonne; der Schlapphut ist gegen die Brust gedrückt. Wieder werden Hereros gesehen. Hauptmann von Fiedler hat seine Instruktionen, und wir brechen auf, obwohl zwei der Kameraden noch nicht gefunden sind. Aber wir suchten genau. Sie können hier nicht mehr liegen. Entweder sind sie entkommen, und wir sehen sie vielleicht glücklich wieder, oder sie sind lebendig als Gefangene im Lager der Feinde am Waterberg, dann wehe ihnen! Aber das soll uns nicht niederdrücken. Wir sind ja wohl alle bei den Patrouillen und'Zügen aufs Schlimmste gefaßt. Auf dem schnellen Marsch blieb ich mit zwei Reitern weit hinter den andern zurück. Unsere Tiere waren zu schlapp. Trotzdem gelingt es uns, im Feldlager glücklich wieder einzutreffen. Die beiden Geretteten sehen noch etwas angegriffen aus. Der Unverwundete hat aber wahre Kameradschaft gezeigt. Er schleppte seinen armen Gefährten meilenweit mit sich fort, obgleich er sich dadurch Schlimmerem, als der Todesgefahr, aussetzte und Durst, Hunger und schwere Strapazen litt. Herbert Schröder, ehem. einj.-freiw. Unteroffizier der 8. Kompagnie 1. Feldregiments der Kaiserl. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. * -i- * Leben und Treiben aus der Reede von Swakopmund. Schon seit 48 Stunden war der Woermanndampfer aus der Heimat überfällig. Es war aber auch kaum anders zu erwarten. Drei Tage lang lag bereits der dichte, undurchdringliche Seenebel über dem Meere und Swakopmund. Den ganzen Tag und die Nacht hindurch tönten, weithin hörbar, die Torpedopfeife von dem Dampfkrane auf der Mole und die Dampfsirenen der augenblicklich aus der Reede liegenden zwölf großen transatlantischen Dampfer als Warnungssignale für etwa ankommende oder abgehende Dampfer. Das Getöse der donnernd sich überschlagenden Brandung hörte ich bis in das Zimmer, das ich im Hotel „Zum Fürsten Bismarck" bewohnte. Auch heute, wie schon seit Wochen alle Tage, da ich als Rekonvaleszent zur Genesung am Meere weilte, führte mich mein Weg an den Strand. Die Wellenberge, „Brecher" genannt, überschlugen sich, zu zwei bis drei Meter Höhe angewachsen, brüllend und warfen ihren Gischt auf den Strand, bis dicht an die weithinaufgezogenen Boote. Schon zwei Tage konnte der hohen Dünung, der Brandung und des Nebels wegen keine Ladung von den Dampfern übergenommen und gelandet werden. Selbst an dem von unserer vortrefflichen Eisenbahnbaukompagnie errichteten 300 Meter langen Pier, welcher seit einigen Tagen fertig und mit einem Hilfskran in Benutzung genommen worden war, konnten keinerlei Ausladearbeiten verrichtet werden. Die vom Meere kommenden hohen Dünungen schlugen sogar von unten den Bretterbelag des Piers fort. 461 Blick liom Molenkopf aus den südliche» Stadtteil von Swakovmund. Mein Spaziergang nach der Mole belohnte mich. Hier kamen die Brecher mit voller Wucht aus dem Meere ohne Hindernis bis an den Molenkopf, wo sie haushoch, donnernd anschlagend, ihren Gischt weit über die Mole spritzten und gegen 100 Meter weit auf den Strand liefen. Endlich, gegen elf Uhr, mit dem Einsetzen der Ebbe, hatte auch der Nebel ein Einsehen. Swakopmund wurde immer mehr sichtbar, gleich, als ob ein Schleier fortgezogen würde. Schon sieht man den Leuchtturm, jetzt das Bezirksamt, nun die Post, das Hotel „Zum Fürsten Bismarck", dann allmählich die ganze Häuserfront auf dem hohen Dünenrande. Auch über dem Wasser erblickte man jetzt den Pier, und der Strand mit den vielen umgestülpten Booten war sichtbar geworden. Die afrikanische Sonne schien endlich wieder nach diesen beiden langen, feuchtkalten Nebeltagen. Wie aus tiefem Schlafe erwachend, war es am Strande lebendig geworden. Die schwarzen Arbeiter, Neger aus Liberia und demOvambo- lande, machten ihre Brandungsboote klar und schoben sie unter lautem Gesang in das Wasser. Einige Boote hatten bereits vom Lande abgestoßen und kämpften gegen die Brandung. Trotz aller Seemannskünste ihrer Steuerleute, trotz des kräftigsten Ruderns ihrer Mannschaft, sechs bis acht Krunegern, wurden sie immer wieder durch die heranbrausenden, sich überschlagenden Brecher zurückgeworfen. Jeden Nerv mußte der Steuermann anspannen, um ein Querschlagen des Bootes zu verhindern; denn dann war ein Vollschlagen und Kentern die unvermeidliche Folge. Ein aufregendes Schauspiel für den Zuschauer am Lande. Draußen, etwa 300 bis 400 Meter vom Lande entfernt, an der verankerten roten Boje, nach der hin eine Bekleidungsanits-Asststeut M. Pfannschrnidt. 462 Stahltrosse ohne Ende durch einen Flaschenzug vom Lande aus gezogen wird, ist inzwischen ein Floß, mit Pferden beladen und durch eine Dampfpinasse gezogen, festgemacht worden. Ein Pfiff zeigt den Leuten der Dampfwinde am Ufer an, daß sie die Stahltrosse anziehen sollen, um das Floß an das Ufer zu schleppen. Man muß die Ruhe bewundern, mit welcher die Tiere alles über sich ergehen lassen. Manches hierzu mögen die mitfahrenden zwei Männer, deren Füße in hohen Wasserstiefeln steckten, beitragen. Endlich stößt das Floß auf den Grund. Seine vorderste Wand wird heruntergeklappt und dient den Tieren als Brücke beim Aussteigen. Doch bis zum Bauche müssen sie durch das Wasser waten, um mit einigen Sprüngen aufs Trockne zu gelangen. Dort erwartet sie schon ein berittenes Kommando Schutztruppler, und unter Hallo und Peitschen- geknall geht es im flotten Trabe dem nicht fernen Viehkral zu. Ein Blick auf die Brandung zeigt uns gerade ein ausführendes Boot hoch oben auf dem Kamm eines Brechers, um im Augenblicke hinabzuschießen, noch anderen entgegen. Da, ein plötzliches Hallo und Geschrei! Ein einfahrendes Boot, schwer beladen mit Kisten und Tonnen, ist durch die Gewalt eines schlecht abgepaßten Brechers quergeschlagen, und seine Mannschaft bis auf den Steuermann aus Angst vor dem Kentern über Bord gesprungen. Der brave Steuermann, treu hält er auf seinem Posten aus, aber er muß sehen, wie ein Brecher nach dem andern über sein Boot hinwegschlägt; in wenigen Augenblicken haben die Wellen die ganze Ladung über Bord gespült, und diese wird nun lustig im Wasser dem Ufer zugetrieben; das ist natürlich wenig vorteilhaft für den Inhalt, aber bequemer für die Bootsmannschaft. Herr Kapitän Henneberg, der Hafenkommandant der Woermannlinie in Swa- kopmund, begibt sich soeben, um den Dampfer zu begrüßen, mit einigen Schutztruppen-Offi- zieren und Beamten in einer Dampfpinasse hinaus, welcher drei Boote angehängt sind. Nicht lange währte es, und es erschienen die ersten Boote mit neuen Ankömmlingen. Fast alle sind es Schutztruppler als Ersatz der Feldtruppe; aber die langersehnte Heimatspost haben sie auch mitgebracht. Schnell geht das Ausladen vor sich. Die Frauen und Kinder werden mittels des Kranes, in einen: Korbstuhle sitzend, aufgewunden, doch auch viele Ängstliche des starken Geschlechts ziehen diesen Weg dem gefährlicheren Hinausklimmen an der Leiter vor. Gepäck- und Postsäcke sind schnell auf die bereitstehenden Lowries verladen und fortgerollt. Das Ein- und Ausladen der Boote längsseits der Dampfer geschieht für Menschen, Vieh und Lasten auf die gleiche Art, und zwar immer mittels des Kranes. So zwischen Himmel und Wasser zu schweben, ist zwar keine Fahrt im Lift, doch sind hierbei viele humorvolle Szenen zu verzeichnen, die es wert gewesen wären, in der Heimat kinematographisch wiedergegeben zu werden. Die Sonne nähert sich dem Horizont, es wird schnell dunkel. Plötzlich ergießt sich der lange, breite Lichtkegel des Scheinwerfers vom Lande her durch die Luft und erleuchtet taghell den Kopf des Piers und das ihn umgebende Wasser mit den auf ihm sich wiegenden Pinassen und Booten. Das Landen der Boote am Strande ist natürlich eingestellt, und alle Kräfte müssen am Pier eingreifen, bis die Feierabendstunde schlägt. Daß auf dem glatten Wasserspiegel der Jnnenmole still und tätig gearbeitet werden kann, sehen wir auf unseren Bildern. Wie ruhig liegen dort die Prähme, Pinassen und Boote, wie schnell arbeiten die Dampfkräne, und wie ganz anders ist das Bild am Pier und am Strande. Sieht man die vor Frost zitternden, durchnäßten Neger, die in der Brandung kämpfenden Boote, das Landen des Viehs, das gefahrvolle Ein- und Ausbooten, so kann es nur von allen beteiligten Seiten mit Freude begrüßt werden, daß jetzt von deutschen Männern, mit deutschem Kapital, deutschem Fleiß und Energie eine große Mole erbaut werden soll, die allen Kalamitäten abhelfen wird. 463 WM Dieser Bau wird eine Flut von Menschen nach Swakopmund führen, der Häuserkomplex wird sich verdoppeln, Geld- und Warenumsatz werden sich verzehnfachen, Handel und Verkehr, Kaufmanns-, Handwerker- und Farmerstand in nie geahnter Weise aufblühen. Gesunden, unternehmungslustigen und fleißigen Handwerkern und Arbeitern mit kleinem Kapital kann nur geraten werden, ihren Wirkungskreis nach Swakopmund zu verlegen, sie werden es nicht zu bereuen haben. Mut und Fleiß, deutsche Kraft und Treue werden, wie schon immer in der Welt, auch hier zum Ziele gelangen. Langsam, aber sicher! M. Psannschmidt, Königl. Bekleidungsamts-Assistent, ehem. in der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. Wie sich unsere Offiziere sehnten und drängten, an den Feind zu kommen, dafür spricht folgende miterlebte Episode: Leutnant d. R. Dauben von der 1. Feldbatterie des Hauptmanns von Oertzen wurde beim Vormärsche von Karupuka gegen den Water- berg typhuskrank, und da sein Zustand bereits besorgniserregend war, sollte er in das Feldlazarett Otjosongombe zurückgeschickt werden. Unterwegs hört er durch einen Zufall, daß seine Abteilung am Abend aufbrechen will, um bei Otjatjin- genge gemeldete Hereros zurückzuwerfen. Leutnant Dauben verläßt seinen Krankenwagen, meldet sich bei dem den Wagenzug führenden Offizier — trotz dessen energischen Widerspruches — gesund und kommt am Abend zur Abteilung von Estorff zu aller Verwunderung hoch zu Pferde zurück. Leutnant Dauben ist wenige Tage später im Lazarett zu Grootfontein (Nord) am Typhus gestorben. gez. Muther, Oberleutnant Z im Jnfanterie-Regt. Nr. 76. Oberleutnant Muther. WW * Aus dem Versolgungsstreiszuge des Hauptmanns Klein. Nach der Vertreibung des Feindes von der Wasserstelle Orlogsende beschloß Hauptmann Klein, mit nur 25 Mann die Verfolgung aufzunehmen, da die Wasserversorgung für eine größere Truppe eine Unmöglichkeit gewesen wäre. Zuerst zogen wir in östlicher i) Oberleutnant Muther war damals Adjutant des Majors von Estorff. 464 Richtung und fanden am Wege viele verdurstete Hereros und verendetes Vieh. Schon war unser Wasservorrat erschöpft und bemühten wir uns vergebens, eine Quelle zu finden. Als unser Zustand und der unserer Pferde bedenklich wurde, zog unser Führer von nur 4 Mann begleitet, die sich freiwillig gemeldet hatten, vorwärts, um für die Truppe Wasser zu suchen. Schon nach kurzer Zeit kamen zwei der Reiter zurück, da ihre Pferde zusammengebrochen waren. Lange Stunden des Wartens folgten; endlich sahen wir Hauptmann Klein heran- reiten. Wir sahen es schon — er hatte kein Wasser gefunden. 30 Kilometer war er noch in die Wüste vorgeritten, nur vou 2 Reitern begleitet, nirgends eine Spur von Leben — nirgends Aussicht, Wasser zu finden. Und nun sah er die Schrecken des Durstes vor sich — bei Mann und Roß! — — Wir traten den Rückmarsch an. Aber wie? Der Munitionswagen mit allem Entbehrlichen blieb stehen. Die Geschützmunition wurde vergraben, nur die Geschütze konnten noch bespannt werden. Schritt vor Schritt ging's zurück. Auf jedem Geschütz hingen 6—10 Mann. Ein Esel, ein Pferd nach dem andern fiel — blieb liegen oder wurde erstochen, und die Reiter tranken gierig das Blut. Bis 8 Uhr hatten wir 11 Kilometer zurückgelegt. Ich erhielt von Oberleutnant Nadrowski Erlaubnis, mit 4 Mann nach Oz-Ombu vorzureiten, um au der Wasserstelle Tee vorzubereiten. Nach einer Stunde hatte ich schon 2 Mann verloren. Die Pferde waren gefallen. Nur Gefreiter Krug und Kirsten: waren bei mir. Die ganze Nacht ging's weiter — zu Fuß — zu Pferde — abwechselnd. Am 29., um 8 Uhr morgens, kamen wir bei Oz-Ombu an. Aber — o Schrecken — die Wasserstelle war von Hereros besetzt — 30—40 Köpfe. Wasser war die Losung! Ohne Besinnen mit Hurra! die Karabiner abfeuernd — was die Pferde noch laufen konnten — ging's drauf los. Die Hereros gaben einige Schüsse — dann flohen sie, alles im Stich lassend. Die Täuschung war gelungen — wir hatten die Wasserstelle. Schon stand der brave Landwehrmann Krug in seinem schwarzen Vollbarte Posten auf einem Felsen. Die Pferde drängten zum Wasser. Aber mühsam schöpften wir — Kirstein unten, ich oben stehend — aus 20 Löchern einige Eimer. Die Hereros hatten ausgeschöpft. Dann wurde Tee gekocht. Mit dem Löffel nahmen wir die Maden und den Schmutz ab. Um 9 Uhr kam Hauptmann Klein mit Oberleutnant Freiherrn von Egloffstein und Oberleutnant Nadrowski. Sie fielen beinahe vom Pferde. Unser Trank half ihnen wieder auf. Nach und nach kamen einmal ein Mann, ein paar Esel, dann Leute in Strümpfen, zu Pferde und zu Fuß. Jeder bekam einen Kochgeschirrdeckel Tee. Die Geschütze waren stehengeblieben. Mit den drei Protzen glich die Batterie einem Leichenzuge. Dann kam nur noch eine Protze vorwärts — und dann mußte auch die stehen bleiben —^). Max Hirschmann, ehem. Sergeant der 7. Batterie der Kaiserl. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. i) Durch einen kurzen Satz aus dem Generalstabswerke (3. Heft, Seite 210) glaube ich diesen Abriß ergänzen zu müssen: „Sergeant Hirschmaun, Gefreiter Krug und zwei Mann der 7. Batterie legten in den Nächten zum 2. und 3. November nochmals die 80 Kilometer zu Fuß zurück und holten die stehen- gebliebenen Geschütze." (D. H.) * Sergeant Hirschmann. r i - < vi, M>»« WMU -L- Lx ik^ ^WM W^KZ ^^7>!NLLLj Auf der Verfolgung der Simon-Copper-Hottentotten in der Wüste Kalahari. Der siegreiche Kampf unserer Schutztruppe über Simon Copper, am 16. März 1908, bei dem der tapfere Führer der deutschen Trnppcn, Hauptmann von Erckert, und der brave Lentnant Ebinger den Heldentod fürs Vaterland starben, fand inmitten der wasserarmen Wüste Kalahari statt. Die Expedition gegen den Feind war anf Kamelen beritten gemacht, und an 700 dieser Wüstenschiffe kamen zur Verwendung, teils für die Reiter, teils zum Transport der Nahrungsmittel, Munition nnd des Trinkwasscrs. Hier erblicken wir eine Patrouille von Kamelreiter» inmitten der Kalahari, vielleicht Tagemärsche entfernt von der nächsten, spärlichen Wasserstelle. Beilage zu: „Dincklage, Deutsche Reiter in Sildwest.' Deutsches Verlagshaus Bong L Co., Berlin IV. 57. Deutsche Reiter in Südwest. V- ^ «« ^ Aus dem Vcrfolgiinstsstrcuzilste des Hniiptmumis Klein. 466 Die Mersallstelle. 8. März 1905. Die 1. Kompagnie des 2. Feldregiments erreichte die Stelle deS Überfalls vom 4. März bei Klein-Nabas. Ein schauriger Anblick bietet sich unS dar. Halb im Freien liegt ein toter Kamerad, ein anderer nur notdürftig begraben, nicht weit davon ein dritter — tot — am Wasser. Ringsum verendete Maultiere und Ochsen. Aufgebrochene Mehlkistcn und leere Rumflaschen liegen nmhergestreut und bedecken den Boden. Aasgeier warten auf der Klippe des Augenblickes, in dem sie ihr begonnenes Mahl fortsetzen dürfen — ein Pcst- geruch erfüllt die Luft! Schauerlich wirkt dieser Anblick auf den Beschauer, und stillschweigend erfüllen wir die traurige Pflicht, den toten Kameraden die letzte Ruhestätte zu bereiten. „Verirrt." Am 20. Mai ritten wir Patrouille und war verabredet worden, daß wir am Rivier zusammentreffen sollten. Alle kamen — nur der Bursche des Leutnants fehlte. Der Unglückliche hatte die Pad verlassen, um Wasser zu suchen und war nicht zurückgekommen. Alarmschüsse hatten keinen Erfolg. Um den Verlorenen wiederzufinden, gingen: wir auf die Suche, dem Leutnant nach. Nach 2 Stunden sattelten wir seitwärts der Pad ab und ließen die Pferde weiden. Um denn Verlorenen ein Zeichen zu geben, machten Nur ein großes Feuer an und unterhielten es während der ganzen Nacht. Ich stand gerade Posten, alle anderen schliefen, und hatte mein Gewehr an den Busch gelehnt, um das Feuer anzufachen. Geblendet, konnte ich nicht weit sehen. Plötzlich finde ich mich von 10 —12 dunklen Gestalten umringt. Ich greife in: Schreck nach meinem Gewehre und stoße den Leutnant an. „Hottentotten!" rufe ich. Der Leutnant springt auf — da kommt aus dem Dunkel Hauptmann von Kvpph heran — seine Spitze hatten wir für Feinde gehalten. Den verlorenen Burschen sah niemand wieder. Reiche, ehe:::. Unteroffizier der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. * » Mit dem Maschinengewehr den Felshang hinaus. Die Abteilung Volkmann stand am Frühmorgen des 11. August 1904 kampfbereit am Nordhange des Waterberges. Wir horten die Geschütze der Abteilungen Deimling und von Fiedler, die den Feind durch die Pforten bei Omuweroumne zurückwarfen. Alle brannten vor Kampfbegierde, leider mußten wir die befohlenen Stellungen an den Pässen innehalten. Hauptmann Volkmann entsandte Oberleutnant von Zülow mit 25 Mann und 1 Maschinengewehr auf das Plateau, um von dort den etwa flüchtenden Schwarzen entgegenzutreten. UntervMiier Reiche. Hottentotten!" rufe ich 468 Wir waren 9 Mann beim Maschinengewehr. Die 2 Zentner und die dazu gehörigen 1000 Rescrvepatronen mußten beim steilen Aufstieg getragen werden, außerdem noch das eigene Gewehr, den Patronengurt und — natürlich — die Feldflasche. Langsam, von Fels zu Fels kletternd, kamen wir vorwärts. ' Mitunter erschien es unmöglich, die Steinblvcke mit der schweren Last zu überwinden, — aber es ging doch. Zuerst ein Mann hinauf, der zog den nächsten am Kragen nach; dann wurden die Tragegurten zusammengebunden und Gewehr und Patronen hinaufgezogen. War die Arbeit vollbracht, ging's weiter zur nächsten Klippe. Die Sonne brannte entsetzlich auf das Gestein. Die Feldflaschen waren bald leer. Aber was half's? Wir waren wie aus dem Wasser gezogen. Immer höher hinauf — Klippe für Klippe! lind dann kam noch eine riesige Felswand, die gar nicht zu ersteigen schien — auch nicht mit Hilfe der Kompagnie. Wir waren noch lange nicht auf der Spitze des Berges, aber weiter ging's nicht. Wir brachten unser Gewehr in Gefechtsstellung, und dann trat eine unendliche Mattigkeit ein. Aber die Spannung blieb doch! Welch ein Anblick von da oben! Bon unserem Fels aus sahen wir in der Ferne die Kämpfe der Abteilungen von Estorfs, von Mühlenfels, und ganz fern von der Heyde. Geschützdonner, Gcwehrknattern traf unser Ohr — ununterbrochen. Große Viehherden, von Schwarzen getrieben, zogen staubaufwirbelnd davon. Granaten sausten dazwischen. Rauchsäulen brennender Pontoks! Lange Grasflächen gerieten in Brand. Wir sahen die Kapitäne, hoch zu Roß, mit der Peitsche die Untertanen vortreiben. Wir aber mußten fünf Stunden lang untätig bleiben. Da — plötzlich kommt unten eine Hererobande mit Vieh vor uns in Sicht, und sofort rollt unser Feuer aus dem Versteck — vernichtend. Was noch lebt, flieht! Drei Hereros und das gesamte Vieh fallen in unsere Hände. Die Sonne sank. Ein Blick noch auf das Tal des Kampfes! Wie mancher Kamerad und Freund mochte dort den Heldentod sterben? Dann unser mühsamer Abstieg. H. Nehbock, chem. im Maschinengewehrzug Namutoni der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Helmstadt. * -jr * Überfall von Ochsenwagen. Am Gausobrivier, 22. April 1906. Die 6. Kompagnie 2. Feldregiments, von Benti- vegni, hatte den Auftrag, die Karrasberge von zurückgebliebenen Hottentotten zu säubern und marschierte am Sonnabend, den 22. April 1906, am Abhänge des Gebirges H. Rehbnik. Reiter Heinrich Schulz. - WE'-.K. ' v Langsam, von Fels zu Fels kletternd, kamen wir vorwSrtS." 470 Von der Wasserstelle Kue-Kue nach Osten, um das ehemalige Mvrengalager, wo mehr Wasser und Weide sein sollte, zu beziehen. Ich gehörte zur Deckung des Esclkarrens. Die Ochsen- wagen waren bei dem Marsche in dein klippenreichen Terrain auf unwegsamer Pad unter Deckung etwas zurückgeblieben. Während in der Nacht Hauptmann von Bentivegni mit dem größeren Teile der Kompagnie wieder vorrückte, um eine Hottentottenbnnde beim gemeldeten Lagerfeuer aufzuheben, wurden am Sonutagmorgen, den 23. April, unsere Ochsenwagen von zahlreichen Hottentotten überfallen. Nach tapferer Gegenwehr, bei der Zahimeisteraspiraut Wenda tödlich getroffen wurde, trieben die Hottentotten unsere 60 Ochsen ab. Wir folgten mit Patrouillen der Bande, die einen Rest der nach Westen abgezogenen Leute Johannes Christians bildeten. Aber natürlich wäre das nutzlos gewesen, wenn nicht unser Hauptmann vorn das Schießen und den Lärm gehört hätte und herbeigeeilt wäre. Nun kam die Sache anders, als die Hottentotten eS sich gedacht hatten! Mit „Hurra!" ging's vorwärts, und um 2 Uhr nachmittags hatte die 6. Kompagnie die Räuber am Kragen und ließ sie nicht los. Zwei Stunden hielten sie noch im blutigen Kampfe aus, aber unaufhaltsam drang Hauptmanu von Bentivegni vor — endlich floh der geschlagene Feind, seine Toten (6) zurücklassend, in die Berge. Wir aber nahmen unsere Ochsen zurück, von denen die Räuber leider schon 10 geschlachtet hatten. 2 Stunden Ruhe, — Begräbnis — und dann Weitermarsch. Heinrich Schulz, ehern. Reiter der 6. Kompagnie 2. Feldregiments d. Kaiser!. Schutztruppe s. D.-Südwestafrika. * * -i« Episode aus dem Gefecht bei Otjunda (Sturmseld), am 6. Mai 1896. ch I. Unter Leutwein. Der Morgen des 6. Mai hatte noch nicht zu grauen begonnen, das Lachen der Hyänen und das Gekläff der Schakale war kaum verstummt, als sich unsere Truppe mit den verbündeten Hereros und Witboois unter Führung des Landeshauptmanns in Bewegung setzte. Die Werften der vereinigten Onabandjern (Hcrervstamm) und Khanashottentotten waren uns von Kundschaftern tags zuvor bei den Wasserlöchern von Otjunda gemeldet worden, und Major Leutwein wollte heute den entscheidenden Schlag gegen den Feind führen, den wir schon tagelang verfolgt hatten. In halber Dunkelheit traten wir den Vormarsch an. Der Major sagte zu mir: „In zwei Stunden wird mancher von uns nicht mehr die Sonne sehen!" denn wir machten uns auf heftigen Widerstand gefaßt. Unser Auf- und Vormarsch ging, trotz reichlichen Dornengestrüpps, fast wie auf dem Exerzierplatz vor sich. Die drei Geschütze unter dem Oberleutnant der Landwehr a. D. Hermann, der bei Ausbruch des Witbooianfstaudes 1904 von den Witboois ermordet wurde, ungefähr in der Mitte, die drei Kompagnien, unter dein Oberleutnant der Reserve von Linde- quist (jetzt Uuterstaatssekretär im Neichskolonialamt), dem Leutnant Schmidt und mir, rechts und links von der Batterie. Unsere Bundesgenossen: die Hercros unter ihrem Oberhäuptling Samuel Maharero und dem der Hererosprache mächtigen Kaufmann Gustav Vvigt, auf dem linken Flügel; die Witboois unter ihrem Kapitän Hendrik Witbooi und dem Oberleutnant der Reserve von Burgsdorff, der ebenfalls als Opfer des Witboviaufstandes y Unter den Mitkämpfern von 1894 und 1896 tritt auch der bei Bleßkranz verwundete Gefreite der 2. Kompagnie (von Sack) Martin Reichet ruhmvoll hervor, der jetzt als Ganzinvatide in Berlin lebt. WM/ ' «W^ ' -> MSM LLEM-M ?r- W A' E U .Nach tapferer Gegenwehr ... trieben die Hottentotten unsere 60 Ochsen ab 472 fiel, marschierten als Oberführer, mit einigen 20 deutschen Reitern, auf dem rechten Flügel. Das Ganze, wie schon gesagt, geführt vom Landeshauptmann Major Leutwein (jetzt Gouverneur a. D. und Generalmajor a. D.), das Detachement der Schntztruppe unter dem Befehl von Hauptmann von Eftorff (jetzt Oberstleutnant und Kommandeur der Truppe in Deutsch- Südwestafrika). Bevor wir noch die Pontoks und Ochsenwagen des Feindes sehen konnten, hatte uns schon das Gebrüll der Rinder und das Geblöke der Schafe die Nähe der feindlichen Werft verraten. Vom Gegner selbst war nichts zu sehen. Die Krale schienen unverteidigt. Ich war mit meiner Kompagnie so dicht an den vor uns liegenden Dornenkral gekommen, daß man ihn fast mit der Hand erreichen konnte, und noch immer nichts vom Feinde zu sehen. Ich ritt vor meiner Kompagnie und traf so als erster auf den Kral. Plötzlich sah ich hinter den Dornen eine schwarze Gestalt sich bewegen, ich feuerte meinen Revolver auf den geduckt stehenden Schwarzen, mußte ihn aber gefehlt haben. Nun sprang hinter mir ein Bur, ein Kriegsfreiwilliger bei meiner Kompagnie, vom Pferde und gab Feuer. Mit lautem Stöhnen brach der Hercro, der sein Gewehr auf mich angelegt hatte, zusammen. Mein Revolverschuß war der erste Schuß an diesem Morgen gewesen; ein Zeichen dafür, wie nahe der Gegner unS hatte herankommen lassen! War dieses berechnete Absicht des Feindes, oder war es sträfliche Unaufmerksamkeit? II. Kampf um den Kral. Jetzt entwickelte sich das Gefecht auf allen Seiten, dem Major Leutwein wurde schon in der ersten Viertelstunde das Pferd unter den: Leibe erschossen. Die Artillerie stand hinter unserer Feuerlinie, sv nahe, daß sie zunächst Kral und Gegner weit überschoß. Trotzdem dauerte das heftige Feuergefecht fast eine Stunde. Endlich das erlösende „Auf! — Marsch, marsch! — Hurra!" — eine Wohltat für die gespannten Nerven. Als diese Stunde vorbei, und Kral und Wasserlöchcr im Sturm genommen waren, sahen wir, waS geschehen. Außerhalb des Krals lagen unsere Toten und Verwundeten: Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften, Europäer, Neger und Hottentotten durcheinander. Sie ruhten jetzt stumm auf der heißen Fläche von Otjunda. Innerhalb des KralS war daS Bild weniger friedlich. Verwundete Feinde, Weiber und Kinder, welche die Flucht der Ihren nicht mehr hatten mitmachen können, duckten sich ängstlich, den Tod erwartend, hinter Buschwerk und Dornengestrüpp. Tief ergriffen hat mich ein Bild, daS ich nie vergessen werde: An einer Stelle Hauvtml»,» a. D. v»n Peibandt. 473 bemerkte ich einen dunkeln Körper, der sich noch zu bewegen schien. Ich ging auf denselben zu und fand auf der Erde einen toten Herero und eine scheinbar noch lebende Hererofrau. Ich hob die Felldecke, die ihren Körper bedeckte, ein wenig in die Höhe und gewahrte an der Brust der toten Mutter ein kleines Kind, welches ängstlich wieder die Decke an sich zog und sich an die kalte Brust der Mutter schmiegte. — Armes Kind! — Ich nahm es mit mir in das Lager und übergab es einer der gefangenen Hererofrauen. Gleich darauf bot sich mir ein nicht minder ergreifendes Bild dar. Ein schwer verwundeter Freund (Leutnant Eggers, später im Gefecht von Owikokorero 1904 gegen die Hereros gefallen) wand sich in Schmerzen und sehnte sich nach Erlösung von seinen Leiden. Es wollte an diesem Tage keine rechte Siegesfreude über mich kommen. Als sich der Abend über die Ebene von Otjunda neigte, begruben wir unsere Toten. „Jesus meine Zuversicht" ertönte es von der kleinen Kapelle unserer Schutztruppe, ein stilles Gebet vor den sich schließenden Gräbern und ein „Hoch!" aus unsern Allerhöchsten Kriegsherrn beendete die Arbeit des Tages. C. von Perbandt, ehern. Hauptmann der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika. ^ ^ Leutwein. H Generalmajor a. D. und Gouverneur a. D. Ein alter Veteran. Den Aufzeichnungen eines alten Veteranen ist der nachstehende Bericht entnommen; leider können wir, des Raumes wegen, nur einen kurzen Auszug veröffentlichen. „Am 19. Mai 1893 standen wir unter Hauptmann von Franyois in Hornkranz. Nach einigen kurzen Gefechten mit den Hottentotten beschloß der Führer, in der unvollendeten Kirche von Hornkranz, einem Mauerviereck, eine Besatzung zurückzulassen, um die entflohenen Feinde, wenn sie in ihr altes Lager zurückkehrten, gebührend zu empfangen, während er mit der Truppe nach Windhuk abrückte. 24 Freiwillige und 3 Unteroffiziere erklärten sich bereit, den schwierigen Posten zu übernehmen. Am 20. trat die Truppe den Rückmarsch an. Nicht lange sollten wir den Feind erwarten; schon nach kurzer Zeit zeigten sich sechs feindliche Deutsche Reiter in Südwest. 61 474 Reiter, die sich unserm Versteck näherten. Auf zehn Schritt ließen wir die harmlos plaudernden Hottentotten herankommen; dann krachte unsere wohlgezielte Salve, und die Feinde wälzten sich in ihren: Blute. Ein schneller Ausfall, und die Gewehre und die Munition waren unsere gute Beute. Gegen 1 Uhr nachmittags waren wir beschäftigt, eine in der Nähe befindliche Schanze einzureihen, um freieres Schußfeld zu bekommen; doch kaum hatten wir unsere Arbeit vollendet, als wir überraschend Feuer erhielten. Schnell wollte ich hinter den Mauern unserer „Festung" Deckung suchen, als ich einen furchtbaren Ruck im linken Fuß verspürte; eine Kugel hatte mir das Fußgelenk zerschmettert. Die Kameraden Pohl und Stolze eilten sofort zurück und trugen mich unter dem heftigsten Schnellfeuer des Feindes in Deckung. Am Abend des 23. Mai machten sich die Kameraden Schicke und Kirchner auf den Weg, um nach Windhuk die Nachricht von meiner Verwundung zu bringen. Vor unserer Feste lärmten die Hottentotten, riefen uns Spottnamen zu und schrien höhnisch „Hurra". Einige Kameraden fertigten eine mannsgroße Puppe, setzten ihr eine eroberte weiße Mütze auf und banden das Machwerk außerhalb der Feste an eine Stange. Zu unserem größten Vergnügen überschütteten die Hottentotten die Puppe mit Feuer. Endlich, am 30. Mai, ertönten Trompetensignale; die Truppe nahte. Die Kameraden hatten also ihr Ziel glücklich erreicht. Nun bekam ich erst einen ordentlichen Verband; man bettete mich auf den mitgebrachten Wagen, und dann wurde der Rückmarsch angetreten. Es war ein schwieriger Transport. Mehrere Male wurden wir von den Hottentotten überfallen, und ich hatte zweimal das zweifelhafte Vergnügen, als Zielscheibe zu dienen, da mein Verband in der Nacht weithin sichtbar war. Bei diesen Gefechten tat sich besonders Unteroffizier König hervor, der im heftigsten Kugelregen die größte Kaltblütigkeit bewahrte und sich als geschickter Führer bewies. Eines dieser Gefechte endete nur durch das unverhoffte Eintreffen einer Verstärkung aus Rehoboth zu unseren Gunsten. An: 7. Juni trafen wir endlich in Windhuk ein, wo ich im Lazarett aufs beste verpflegt wurde. Trotz aller Gefahren und Leiden denke ich doch mit Stolz an jene Tage zurück, die mir das von jedem so heiß erstrebte schwarzweiße Band brachten. Hans Fischer, ehem. Unteroffizier der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Pankow bei Berlin. * Das Leben unserer Truppe im Feldes Die Truppe kennt draußen nur das Biwak. Nur in größeren Stationen, wie Windhuk, Okahandja, Keetmanshoop, liegt sie in Kasernen oder unter Zelten. 0 In einer Anzahl von deutschen Städten hat Generalmajor von Deimling einen Vortrag gehalten, der beim deutschen Volke von großem Einfluß für das Verständnis des Kolonialkrieges und des Wertes der Kolonien werden sollte. Wenn für dieses Werk aus der kurzen und doch so bedeutungsvollen Ansprache ein Abschnitt ausgewählt wurde, der nur das Leben der Truppe und nicht den hervorragenden Führer selbst betrifft, so geschah dies, weil der Leser den Generalmajor selbst aus den Schilderungen der Mit- käiichfer im ruhmreichen Kriege genauer kennen und ehren lernt. (D. H.) Umeroffizier Fischer. 475 Im Biwak zieht der Mann seinen Mantel an. hüllt sich in die Pferdedecke und in die Zeltbahn ein; sein Kopfkissen bildet der Sattel. So schläft man, den strahlenden Sternenhimmel über sich, prachtvoll! . . . Eigentlich ist der südliche Himmel nicht so reich an Sternbildern wie der unsrige; aber trotzdem erscheint er viel Heller und schöner, weil die dünne, durchsichtige Luft ihn näher zu uns zaubert. Die am hauptsächlichsten in die Augen fallenden Sternbilder sind das „Südliche Kreuz": vier in Kreuzesform angeordnete helle, strahlende Sterne, und der „Orion": drei große Sterne nebeneinander, in deren Zwischenräumen viele kleine funkeln; das Ganze sieht aus wie die Diamantenbrosche einer Dame. In der kalten Zeit wird im Lager, sofern es die Nähe des Feindes gestattet, bei Nacht Feuer angezündet; in der heißen Zeit liegt kein Bedürfnis dazu vor. Während sich die Truppe im Biwak der wohlverdienten Ruhe hingibt, weiden in der Nähe die Pferde, Ochsen und Esel unter dem Schutze von Viehposten, welche, das Gewehr im Arm, sorgfältig Wache halten und nicht nur dafür zu sorgen haben, daß die Tiere nicht weglaufen, sondern auch scharf gegen den Feind aufpassen müssen, der stets auf das Abtreiben, oder wie man es dort nennt, auf das „Klauen" von Vieh bedacht ist. — Sie lesen oft in der Verlustliste: „Auf Viehposten gefallen" — das find solche Posten, wie ich sie eben erwähnt. Sobald die Sonne aufgeht, etwa 5 Uhr — was, nebenbei bemerkt, ein großartiges Schauspiel ist und immer von neuem das Auge entzückt —, werden die Tiere eingefangen; es wird gesattelt und abmarschiert. Zum Kaffeekochen ist keine Zeit; denn die Morgenkühle muß zum Marschieren ausgenutzt werden. Sind die Pferde und Esel nicht schlapp, d. h. haben sie in der letzten Zeit ordentlich Hafer bekommen, so kann abwechselnd Schritt und Trab geritten werden. Leider find die Tiere aber häufig schlapp, weil kein Hafer da ist. Das soll kein Vorwurf für die Etappe sein; die tut, was sie kann, mit nicht genug anzuerkennender Energie. Es liegt eben in den schwierigen Verhältnissen infolge der großen Entfernungen, welche der Nachschub zurücklegen muß. Die Weide allein hält die Pferde nicht leistungsfähig genug für die Anforderungen, die wir bei den Operationen an die Tiere stellen müssen. Dabei ist es ganz einerlei, ob das Pferd ein Ostprenße oder ein Afrikaner oder ein Argentinier ist. Bekommen sie ordentlich Hafer, so sind sie alle drei gleich gut; bekommen sie längere Zeit kein Kraftfutter, so werden sie eins wie das andere schlapp. Das Klima an und für sich vertragen unsere Ostpreußen gut. Sind die Tiere schlapp, so muß zu Fuß marschiert werden, und dann zieht der Reiter, ein betrübendes Bild, sein Rößlein hinter sich her. Manchmal sind mir bei solchem Anblick die Uhlandschen Verse eingefallen: „Da mußt' er mit dem frommen Heer Und mancher deutsche Reitersmann Durch ein Gebirge, wüst und leer, Hat dort den Trunk sich abgetan. Daselbst erhob sich große Not, Den Pscrden wurde schwach im Magen, Viel Steine gab's und wenig Brot- Fast mußte der Reiter die Mähre tragen." Nebenbei bemerkt, besteht der größte Teil unserer südwestafrikanischen Reiter aus Infanteristen, Pionieren, Fußartilleristen, Eisenbahnern, die bisher nie etwas mit einem Pferd zu schaffen gehabt haben, zunächst weder reiten noch satteln, noch pflegen können, sich vielmehr diese Eigenschaften erst im Krieg allmählich aneignen müssen. Die achttägige Vorbildung im Reiten und in der Pferdepflege, welche die Truppen vor der Ausreise auf dem Übungsplatz Munster erhalten, ist nur ein dürftiger Notbehelf. Diese anfängliche Unvertrantheit eines großen Teils der Reiter mit dem Pferdematerial wirkt naturgemäß ungünstig auf dessen Zustand ein und beschleunigt den Verbrauch an Pferden. Dieses ist einer der vielen Gründe, welche die Forderung nach Schaffung eines ständigen Kolonialkorps immer dringlicher machen, eines Kolonialkorps, in dem berittene Infanterie systematisch auszubilden sein wird. 61 * 476 Doch nun zurück zu unserem Marsch. In der „kalten" Jahreszeit gegen 11, in der heißen schon gegen 9 Uhr morgens muß der Hitze wegen zur Ruhe übergegangen werden. Der Platz dazu muß an einer Wasserstelle liegen, während man die Nachtruhe nicht ans Wasser, sondern an möglichst gute Weide verlegt; denn in der kühlen Nacht fressen die Tiere am besten. An der Wasserstelle angelangt, laben sich Menschen und Tiere; die Leute fangen an zu kochen; Strauchwerk zum Feuermachen findet sich überall. Was die Leute kochen? Entweder frisches Fleisch von tags zuvor geschlachteten Ochsen oder Hammeln, dazu Reis; oder Erbswurst mit 6ornsä bssk; auch Speck, getrocknetes Gemüse, Kohl usw. wird geliefert. Falls Mehl da ist, wird ein schmackhaftes Brot gebacken, sonst muß der vorzügliche Konservenzwieback als Brot dienen. Unsere Reiter haben es schnell gelernt, Abwechslung in das Einerlei ihrer Kost zu bringen. So z. B. gibt es Ooraoä boek, das man in der Heimat nur als kalten Aufschnitt kennt, dort gekocht, gebraten und als Salat zurechtgemacht. Ab und zu bereitete uns unser Koch beim Regimentsstab als ganz besonders feines Dessert: „Reis ü In Malta", wie er es nannte, d. h. mit Wasser gekochten Reis, mit den Händen in die Form eines Eingeborenenpontoks gebracht und einige Backpflaumen hineingesteckt. Immer wird so opulent, wie ich es eben beschrieben, nicht gelebt. Mitunter, namentlich wenn man längere Zeit dem Feinde scharf auf den Fersen gefolgt ist, tritt Mangel ein, weil die Ochsenwagen mit dem Proviant der Truppe nicht so schnell folgen können, und weil der Nachschub von hinten stockt. Aber der Mangel ist doch immer nur ein zeitweiser; verhungern kann in Afrika niemand, schon weil immer Schlachtvieh da ist. Unseren Leuten macht das ungebundene Lagerleben entschieden Freude. Drei oder vier tun sich zum Kochen zusammen; nach dem Essen lagern sie sich im Schatten; ist kein Baum oder Strauch da, der Schatten spendet, so wird eine Zeltbahn ausgespannt; dann rauchen sie ihre Pfeife mit Plattentabak, der entsetzlich beißt, aber wegen seines geringen Volumens praktisch ist — und erzählen sich etwas — meist von der Heimat, oder sie singen wohl auch eines der Kriegslieder der Baronin von Liliencron in Schwerin oder das aus der Schutztruppe heraus entstandene, von Hauptmann Richard gedichtete Schutztruppenlied, nach der Melodie des Flaggenliedes: „Ich bin ein junges Reiterblut — in kaiserlichem Sold, — Trag' aus dem Ohre keck den Hut, — frag' nicht nach Lieb' und Gold. — Hab' unter mir ein flottes Pferd — und führ' ein gut Gewehr, — Was sonst der Himmel mir beschert, — das wiegt bei mir nicht schwer. — Wir dienen dir, lieb Vaterland, — in Südwestasrika; — Schutztruppe werden wir genannt, — zum Schutze sind wir da. — Brennt noch so stark der Sonne Glut — auf heißem Wüstensand, — Wir krempen um den breiten Hut — und ziehn vergnügt durchs Land; — Quält uns der Durst auch noch so sehr, — quält uns der Hunger schier, — Wir nehmen's alle nicht so schwer; — denn alle denken wir: — Wir dienen dir, lieb Vaterland, — usw. Und haben wir so manche Nacht — zu Fuß und auch zu Pferd — Dem Schlaf getrotzt und treu gewacht, — es hat uns nicht beschwert. — Für deutsche Brüder tun wir's gern, — und Stolz füllt unsre Brust, — Für unsern Kaiser, unsern Herrn; — denn wir sind uns bewußt: — Wir dienen dir, lieb Vaterland, — usw. Wir fochten schon so manchen Strauß — im Busch und Felsgeröll — Mit diesen schwarzen Teufeln aus — und färbten rot ihr Fell. — Sie rissen aus, wir hinterdrein — soweit der Himmel blau, — Und holten wir sie selten ein, — sie wissen doch genau: — Wir dienen dir, lieb Vaterland, — usw. 477 Doch ach, so mancher Kamerad — in voller Lebenskraft, — Bei todeskühner Reitertat — ward er dahingerafft. — Für unsern Kaiser, für das Reich — gab er dahin sein Blut, — Auf sein Gesicht, so todesbleich, — da legten wir den Hut. — Wir dienen dir, lieb Vaterland, — usw. Und kommt auch mal an uns die Reih', — wir bleiben unverzagt; — In jedem Kampfe wird aufs neu — das Leben frisch gewagt. — Wir kämpfen ja für deutsche Macht, — für deutsche Herrlichkeit! — Der fernen Heimat wird gedacht — treulich in Freud' und Leid. — Wir dienen dir, lieb Vaterland, — in Südwestafrika; — Schutztruppe werden wir genannt, — Schutztruppe hoch, Hurra! —" Nachmittags, etwa 5 Uhr, sobald die ärgste Hitze vorüber, wird gesattelt und weiter- marschiert. Vor diesem Weitermarsch müssen die Tiere noch einmal tüchtig getränkt, Wassersäcke und Feldflaschen noch einmal gefüllt werden; denn erst am andern Mittag kommt man wieder ans Wasser. Meist wird bis gegen 10 Uhr abends marschiert; alsdann Biwak auf einem guten, vorher erkundeten Weideplatz. Ist aber die Wasserstelle, die man am andern Tag erreichen will, noch weit entfernt, dann muß nach einer Ruhe von einigen Stunden noch in der Nacht aufgebrochen und weitermarschiert werden. Der klare Sternenhimmel und der viel Heller als bei uns scheinende Mond erleichtern den Nachtmarsch. von Deimling, Generalmajor. Deutsche Frauen im Kampfe für Südwestasrika. Ich habe dieses Werk begonnen mit einer kurzen Schilderung aus dem Aufstande der Hereros beim Kriegsbeginn. Wir sahen eine mutige deutsche Frau unter den vernichtenden Schlägen der Kirris niedersinken. Meiner Bitte um eine kurze Schilderung aus ihrem schreckensbleichen Kriegsleben ist diese Dame, Frau von Falkenhausen, deren Gatte von Mörderhänden siel, gütig nachgekommen, und ich danke ihr an dieser Stelle — gewiß im Sinne aller Mitkämpfer — für den nachfolgenden Beitrag. Kaisers Geburtstag 1904. „Wie feierlich und echt stimmungsvoll war es stets an dem Geburtstag unseres Kaisers in Südwestafrika gewesen. Wie anders sollte jener denkwürdige 27. Januar 1904 verlausen, der mir unauslöschlich in die Seele eingegraben ist. Furchtbare Tage lagen hinter mir: des Gatten und der Heimat beraubt, hatte ich — schwer verwundet — mit meinen Kindern in dem Hause der Missionare in Otjihaenena Aufnahme gefunden*). Immer von neuem war das bittere Leid, das ich erfahren, entfacht worden durch die grauenvollen Schilderungen von den Kriegsvorgängen, welche die Hereros mit bestialischer Freude uns entwarfen. Stündlich hatten wir den Anblick wilder Hererohaufen, die, geraubte Herden vor sich hertreibend, mit dem Hausrat der ermordeten Farmer — auch von uns hatte ich manches Stück erkannt — vorüberzogen. Was nützte es, daß Samuel Maharero uns Schutz zugesichert, daß er den alten Großmann Jonas als Hüter und Wächter über uns gesetzt hatte? Die mordlustigen Hereros waren jeder neuen Greueltat fähig, wir standen ganz in ihrer Macht. ') Der Gemahl der Frau von Falkenhausen wurde von den Hereros ermordet, sie selbst in ihrer Wohnung überfallen und, durch Kirrischläge schwer verwundet, sür tot liegen gelassen. lD. H.) 478 Diesen Gedanken gaben wir auch am Morgen des 27. Januar 1904 Ausdruck, als der Missionar mit den Worten zu uns trat: „Die Hereros haben sich von ihren Werften zurückgezogen, wahrscheinlich, um einen plötzlichen Angriff auf das Haus auszuführen." Vorsichtig traten wir hinaus: wie ausgeftorben lag der bis zum Abend vorher noch so belebte Ort vor uns. Weit und breit kein Mensch zu sehen! Die Krale leer! War uns früher der unaufhörliche Zustrom von Hereros beängstigend gewesen, so war die plötzliche Stille am Morgen des 27. Januar noch viel unheimlicher. Was anders konnten die Vorgänge bedeuten, als die vom Missionar ausgesprochene Vermutung? Es hieß nun, sich bereithalten für den Tod, für einen qualvollen entsetzlichen Tod; denn die Mordlust der Hereros war aufs äußerste gestiegen. In tiefem Schweigen verharrten wir beieinander. Wieder kehrten meine Gedanken zurück zu den Ereignissen der letzten Wochen, dann eilten sie in die alte Heimat. Ich sah den Kummer unserer Ungehörigen bei Empfang der Nachricht von unserem Schicksal. Heute einte das Geburtstagsfest unseres Herrschers daheim alle Herzen. Heiße Gebete um Rettung vor dem grauenvollen Tode stiegen empor — und sie fanden Erhörung. Noch an diesem Tage wurde uns der Weg zu unserer Rettung gewiesen! Der Missionar hatte Ausschau gehalten und — noch in weiter Ferne — zwei in der Richtung auf das Haus fahrende Wagen bemerkt. Endlich waren sie angelangt. Von den Bastards, denen sie gehörten, erfuhren wir die ersten authentischen Nachrichten vom Kriegsschauplatz. Gott sei Dank, es waren günstigere, als wir erwartet hatten. Am Tage zuvor hatten die Hereros bei Seeis eine Niederlage erfahren und waren in wilder Panik geflüchtet. Weiber, Kinder und den gesamten Besitz hatten sie weit in das östliche Hereroland gebracht. So hatten die Vorgänge im Hererolager am 27. Januar ihre Erklärung gefunden. Dem Rat der Bastards folgend, beschlossen wir, uns so schnell als möglich in den Schutz einer Militärstation zu begeben. Die Hoffnung, eine solche zu erreichen, war zwar gering, aber aus dem Gehörten hatten wir die Zuversicht geschöpft, daß das Vaterland die Deutschen in Südwestafrika nicht im Stich und die Toten nicht ungerächt lassen würde." Frau Helene von Falkenhausen. Frau Helene van Falkenhaufen. * Wir haben die Aufmerksamkeit und das Mitgefühl der Leser auf eine deutsche Ansiedlerfrau gerichtet, die mit Heldenmut die schwersten körperlichen und seelischen Schmerzen 479 479 — durchlebte. Nun wollen wir vor dem Abschlüsse des Werkes auch nicht versäumen, den Blick auf die Frauen zu lenken, die die Gefahren und Anstrengungen des Krieges nicht scheuten, um kranken und verwundeten Streitern hilf- und trostreich zur Seite zu stehen. Wenn die folgenden Worte eines bei Owiumbo am 13. April 1904 schwer verwundeten Offiziers seine Dankbarkeit für seine treue Pflegerin zum Ausdruck bringen, so gibt er Wohl damit zugleich ein Zeugnis für die volle Anerkennung, die von den Kriegern den Schwestern überall, wo sie walteten und pflegten, dargebracht wurde. Ein Beispiel nur für viele: Schwester Mary Jonas. Nicht von Gefechten und Märschen der Truppen will ich sprechen! Ich will eine Ehrenpflicht erfüllen denen gegenüber, die still und bescheiden im Hintergrund ihrer ernsten Arbeit genügen. Ich meine damit die Schwestern vorn Roten Kreuz, die draußen unter den schwierigsten Verhältnissen sich mühten, ebenso wie der Soldat vorn in der Front. Da ist mir und sicher allen, die von ihr gepflegt worden sind, besonders eine — Schwester Mary Jonas — in bleibender Erinnerung. Unter Leitung des Oberarztes Jodtka war sie im Genesungsheim Ababis tätig. Vom Lazarett Okahandja kommend, traf ich mit der Bahn dort ein. „Na, Gott sei Dank, daß ich Sie hier habe." — „Nanu, Schwester, Sie konnten Wohl die Zeit nicht erwarten, bis ich verwundet wurde?" — „Was, wollen Sie mich noch ärgern, ziehen Sie lieber Ihre alte Uniform aus, man fürchtet sich ja vor Ihnen!" — Neue Schuhe, frische Wäsche, ein weißer Anzug — Liebesgaben vom Noten Kreuz — lagen auf dem weißüberzogenen Bett in der freundlichen Stube. „Noch immer nicht fertig? Kommen Sie doch endlich zum Frühstück! Wir haben heute größere Gesellschaft, die Herren der 5. Feldbatterie essen bei uns!" — „Sagen Sie mal, Schwester, wie machen Sie denn das nur alles? Sie haben doch wahrhaftig mit den Kranken genug zu tun?" — „Ach, das geht alles, so schlimm ist der Dienst nicht!" Von der Ausdehnung dieses Dienstes bekam ich aber bald den richtigen Begriff. Stand man früh auf, so hatte die Schwester schon die Runde in den Krankenstuben gemacht, ihre 40 Pflegebefohlenen nach Anordnung des Arztes versorgt und mit jedem ein freundliches Wort gesprochen. Schaute man aus dem Fenster, so sah man sie selbst den Operationsraum oder die Apotheke fegen oder scheuern, keine Minute rastend. „Schwester, kommen Sie zur Operation!" — „Schwester, haben Sie schon die Medizin für den Reiter A. herausgegeben?" — „Schwester, Sie müssen dem Unteroffizier B. den Verband erneuern!" Kurz, Schwester hier und Schwester dort. Da kommt ein Offizier vom 2. Feldregiment angeritten und teilt mit, daß seine Koinpagnie bald nach ihm eintrifft. „Sie wohnen natürlich bei uns im Lazarett, essen tun Sie auch hier! Geben Sie nur Ihre Portionen ab, das besorgen wir schon, Sie haben später noch genug zu tun!" Hauptman» Puder, Oberarzt Jodtka, Lchwefter Mary Jonas. W Ä, M M 480 Dieses Bild wiederholte sich, da alle von Swakopmund kommenden Verstärkungen Ababis passierten, wochenlang beinahe täglich. Also immer wieder kochen, waschen und Betten beziehen! Wer aber einmal im Manöver mit starker Einquartierung bedacht war, weiß, was damit für Arbeit verbunden ist. Und die Hilfskräfte? Eine schwarze Waschfrau, die nicht allzuviel zur Schonung der Wäsche beitrug, und als Hauptstütze Herr Willy, ein schwarzer Junge von zirka 12 Jahren mit großen Ohren und noch größeren klappernden Holzpantoffeln. Man sollte meinen, diese vielen Aufgaben gingen über die Kräfte einer Frau. Keine Spur! Immer vergnügt und heiter, war sie in der Tat die „Mutter des Lazaretts". „Hören Sie, die Schwester muß fort, ich fürchte, sie hat Typhus. Besuchen Sie sie doch mal!" — In der kleinsten Stube der Baracke lag sie mit hohem Fieber. „Nanu, Muttel, was machen Sie für Geschichten?" Muttel hatten sie die schlesischen Offiziere des Transportes, mit dem sie gekommen war, genannt, und der Name war ihr geblieben. — „Ach, das bißchen Genesungsheim Ababis. Fieber!" — „Na, na, Sie werden nach Karibib müssen, in die Pflege der nächsten Schwester!" — „Um Gottes willen, sagen Sie bloß dem Doktor, er soll mich hier lassen, ich mag hier nicht weg von meinen Reitern!" Zwei Tage blieb sie noch bei uns, sie litt an einem heftigen Malariaanfall, angewiesen lediglich auf die Pflege einer Eingeborenenfrau und sonst auf die von Männern. Dann wurde sie trotz heftigen Sträubens nach Karibib in die Pflege der Schwester Elsa Gilbert gebracht, die später leider den Anstrengungen ihres schweren Berufes erlegen ist. Nach einigen Wochen kehrte sie in das ihr an das Herz gewachsene Ababis zurück. Wenn wir Soldaten stolz sind auf das schwarzweiße vor dem Feinde erworbene Band, so kann sie nicht minder stolz sein auf den Luisenorden, der ihr durch die Gnade Ihrer Majestät der Kaiserin in Anerkennung ihrer Verdienste verliehen wurde. Dies ist eine von den vielen Schwestern, die stets gern und freudig ihre Pflicht erfüllt haben zu unserem Besten. Da heißt es in der Tat: Hut ab vor den Frauen, welche als treue Kameradinnen mit uns des Krieges Leid und Freude geteilt haben! Ein Offizier der 3. Feldbatterie. * * * > i l'IVIW-SiblioWsk 00810204 I'ectinkctier >VIu8eum Wien Sibiioikelr Z 42.214