sS&. l/ j i ! ERICH von SALZMANN IM KAMPFE GEGEN DIE HERERO .FMHWfwjV» -•«•teSBy mm MM >***. «3? $? 'S-i^aMfafv; syyafe von Salzmann phot Der Waferberg, XWP*^'- ifM«: fr#^: 7*«v ■ ^PiMi r.-v -. : ii.fr C*--iy t«aa^ SfeVilK - c'- ' -! -SsS&iS Ss8f»% &£ -5v*f : jV£, ^ • .*v«*w mm SS&$$ £222 Siii'iifc: 25K Im Kampfe gegen die Herero von Erich von Salzmann Oberleutnant in der Schutztruppe für Deutsch- Südwestafrika. Mit 196 Abbildungen nach Originalaufnahmen des Verfassers, seiner Kameraden u. a. und 14 Originalzeichnungen von Anita Peters, Margarete Persson-Henning und O. Laemmerhirt. Zweite Auflage. ■ Berlin 1905 • DIETRICH REIMER (ERNST VOHSEN). kü.^useumwien BIBLIOTHEK Alle Rechte Vorbehalten. Deutsche Bucli- u. Kunstdiuckerci, G. m. b. II., Zossen—Berlin SW. ll. INHALT, Seite Erstes Kapitel: Von der Kriegsakademie zur Schutztruppe. 1 Zweites Kapitel: Hamburg—Swakopmund. 13 Drittes Kapitel: Ausschiffung und die ersten afrikanischen Eindrücke. 30 Viertes Kapitel: Mobilmachung der Batterie. 44 Fünftes Kapitel: In Owikokorero . 80 Sechstes Kapitel: Am Feinde.102 Siebentes Kapitel: Schwere Wochen.125 Achtes Kapitel: Schwer verwundet.142 Neuntes Kapitel: Zur Küste zurück . . Zehntes Kapitel: Heimwärts.202 vmmmm asisîsJi Mein lieber Peter! Hiermit übersende ich Dir meinen neuesten Herzenserguß über meine afrikanischen Erinnerungen; wie oft habe ich beim Schreiben Deiner gedacht und Deiner treuen blauen Augen, die mich stets begleiteten. Leider aber nicht dahin, wohin meine Wünsche vorauseilten. Meine großen Pläne, von denen ich Dir so oft erzählte, sind ins Wasser gefallen. Eine tückische Kugel hat ihnen ein jähes Ziel gesetzt — Soldatenlos. - Mögen nun andere in den Caprivi-Zipfel, im äußersten Nordosten unserer Kolonie, ziehen. Mögen andere quer durch Südamerika, das Land Deiner Geburt, reiten. Traurige Wehmut beschleicht mich, wenn ich an all das denke, was ich vor hatte. Doch nicht wahr, das ist nicht Soldatenart, Du kennst mich besser. Kopf hoch, geradeaus gesehen, große Fahrt voraus und ran an den Feind. Das steht uns beiden besser. Es wird schon wieder werden. Leb' wohl, beurteile den Inhalt milde und sei recht herzlich gegrüßt von Deinem WIESBADEN, 1905. Erich. Erstes Kapitel. Von der Kriegsakademie zur Schutztruppe. „Meine Herren, Seine Exzellenz lassen Ihnen sagen, diejenigen, die bereit sind, mit den Verstärkungstruppen nach Südwestafrika zu gehen, möchten sich unten im Geschäftszimmer einschreiben.“ Mit diesen Worten trat unser Hörsaalältester, Oberleutnant Fritschi, am 20. Januar 1904 in den Hörsaal 1 a der Kriegsakademie und erregte damit einen allgemeinen Sturm unter den Zuhörern. Wie der Wind waren wir zur Tür heraus, den langen Korridor und die Treppen herunter und durch den Verbindungsgang nach dem Geschäftszimmer geeilt, um uns dort einzuschreiben. Ein kurzer Entschluß ist immer ein guter Entschluß. Ich persönlich hätte nie eine Sekunde gezaudert, mich zu melden, denn der Krieg mit seinen Aufregungen und Gefahren und seinen interessanten abwechslungsreichen Ereignissen ist nun einmal mein Element, nebenbei steckt mir die Reiselust im Blute, und man kann dann ohne eigene große Kosten noch ganz bequem ein Stück unserer großen Erde mehr kennen lernen, das Nützliche so mit dem Angenehmen verbindend. Wozu wäre ich schließlich auch Offizier geworden, wenn ich nicht einmal Gelegenheit haben sollte, das, was ich theoretisch jetzt gerade so schön lerne, in die Praxis umzusetzen. Da unten im Geschäftszimmer lag eine Liste, in der man seinen Namen und wo man früher gestanden hatte, bezw. in welchen Formationen man am China-Feldzug teilgenommen hatte, eintragen sollte. Der Adjutant schien wohl von vornherein angenommen zu haben, daß sich besonders die alten Chinesen, d. h. diejenigen Offiziere, die an der Bekämpfung des Aufstandes in China im Jahre 1900 teilgenommen hatten, melden würden, und er hatte damit nicht ganz unrecht. Denn ich glaube, fast alle, die wir jetzt auf der Kriegsakademie saßen, meldeten sich von neuem, stets bereit, Kopfleiste von Anita Peters, von Salzmann. Im Kampfe gegen die Herero. I 2 für des Reiches Herrlichkeit ihr Schwert zu ziehen. Auch ich gehörte zu den ,,alten Chinesen“, drei volle Jahre war ich damals von der Heimat fern gewesen, und hatte auf diese Weise ein ganz hübsches Stückchen Erde gesehen, notabene auch Teile, in die sich der gewöhnliche Globetrotter nicht so leicht verirrt. Nämlich heimkehrend, d. h. abgelöst von den Besatzungstruppen, schlug ich nicht den Seeweg ein, sondern wählte den im allgemeinen nicht üblichen Landweg quer durch Zentral-Asien, ich habe meine Erlebnisse während dieser schönsten Zeit meines Lebens in dem Buche „Im Sattel durch Zentral-Asien“ niedergelegt. Das soll aber kein Wink mit dem Zaunpfahl für den Leser sein, es zu kaufen. Mancher ahnte damals noch nicht, welche großen Unterschiede der Feldzug in China mit demjenigen, der uns jetzt bevorstand, haben würde. Die lange Liste war im Umsehen mit über 90 Namen bedeckt, von denen aber nur wenige das Glück hatten, späterhin in die Schutztruppe eingestellt zu werden. Ich sage „das Glück“, denn wir Soldaten betrachteten es tatsächlich als eine Bevorzugung, trotz der enormen Strapazen, die uns bevorstanden, in diese Truppe versetzt zu werden. Ich war einer der ersten auf der Liste, und da es mir Ernst war mit meinem Wunsch, versuchte ich noch am gleichen Tage einige ältere mir wohlgesinnte Offiziere in höheren Stellungen aufzusuchen, um so einige Fürsprecher zu erhalten. Meinen guten Eltern teilte ich auch sofort meinen Entschluß mit; mein Vater, der selbst Soldat war, sagte nur: „Na,ich habe, es längst erwartet.“ Meine gute Mutter hatte nur eine stille Träne für ihren nun wahrscheinlich wieder für lange Zeit hinausziehenden Sohn. Als brave Soldatenfrau klagte sie nicht weiter, wie so manche andere wohl getan hätte, die den kaum zurückgekehrten Sohn wieder hinausziehen sah; ich war gerade ein halbes Jahr wieder in der Heimat. Am gleichen Tage noch ließ ich mich vom Arzt untersuchen, der mich für absolut gesund und tropendienstfähig erklärte. Am 22. Januar wurde ich zum Oberkommando der Schutztruppen, zum Oberstleutnant Ohnesorg bestellt, der mir eröffnete, daß ich vorläufig noch nicht verwendet werden könnte, da alle Stellen bereits besetzt wären. Er stellte mir aber in Aussicht, bei den sicher in der nächsten Zeit hinausgehenden Verstärkungstransporten noch Verwendung zu finden. Es folgten nun längere Wochen des Wartens, in denen man wenig aus der Kolonie hörte und schon glaubte, daß der Aufstand niedergeschlagen sei. Meine Eltern fuhren zu ihrer Erholung nach Italien ab. Leider sollte meinem Vater dieser Aufenthalt zum Verhängnis werden; ich sah ihn nicht mehr wieder. Es war am 13. März, als ich spät abends in meine Wohnung in Charlottenburg zurückkehrte. Auf meinem Nachttisch, auf den mein Bursche stets die Postsachen hinlegte, lag ein Telegramm: I 1 a 4 ü 8 10 m a t.r ?3C, - wne&> izfcü* s '\ H. Noack phot. Offiziere der mit „Entre Rios“ und „Markgraf“ nach Südwest-Afrika gehenden Feldartillerie, i. Leutnant Freiherr v. Watt er. 2. Oberarzt Dr. Werner. 3. Leutnant Püschel. 4. Oberleutnant v. Müller. 5. Hauptmann Stahl. 6. Leutnant v. Winterfeld. 7. Oberleutnant v. Madai. 8. St.-A. Dr. Eggel. 9. Hauptmann Rembe, 10. Der Verfasser. 11. Leutnant v. Bötticher, f 12. Leutnant Lehmann. co 11 ir njr 0 \ „Sit haben sofort hierher zu melden, ob Sie noch gesund und , tropendienstfähig und bereit sind, nach Südwestafrika zu gehen. Regiment 54.“ Das war eine Überraschung! Sie kam mir gänzlich unerwartet, denn meine Hoffnung, noch nach der Kolonie zu kommen, war ziemlich gesunken. Also endlich sollte mein Herzenswunsch in Erfüllung gehen! Ich stürzte sofort wieder die Treppe hinunter nach dem nahen Telegraphenamt, um dem Regiment zurück zu depeschieren, daß ich zu allem bereit sei. Leider kamen in diesen Tagen schon ungünstige Nachrichten über das Befinden meines Vaters aus Italien. Er hatte sich zuerst stark erkältet, später stellte sich ein typhöser Scharlach heraus. Diese für mich recht betrübenden Nachrichten dämpften meine Freude recht erheblich. Am 15. März stiegen wir Hospitanten der Kriegsakademie in das Examen, das wir, wie bekanntlich alle Hospitanten, mit dem zum nächsten ersten Oktober einzuberufenden Jahrgang zusammen nachzumachen hatten. Dieses Examen ist stets das Schreckgespenst aller Hospitanten. Denn so ein unglücklicher Hospitant kommt erstens unvorbereitet zur Akademie, es ist dies überhaupt die Bedingung, unter der man als Hospitant aufgenommen wird, da man, wie es ja bei mir zutraf, keine Zeit zur Vorbereitung gehabt hat. Die offizielle Vorbereitungszeit beträgt ein halbes Jahr und umfaßt fast alle Gebiete des militärischen Wissens und Geographie, Geschichte und Französisch. Ich hatte die Erlaubnis, als Hospitant die Kriegsakademie zu beziehen eben infolge der vorher erwähnten Durchquerung Zentral-Asiens im Sattel erhalten. Nun kommt zweitens hinzu, der Hospitant muß alles das, was die anderen schon an Wissen mitbringen, erst während der Zeit auf der Kriegsakademie selbst nachlernen, um überhaupt nur einigermaßen dem Vortrag folgen und die etwa notwendig werdenden Arbeiten anfertigen zu können. Drittens muß er noch während dieser ganzen Zeit sich auf das Examen vorbereiten, das speziell in Geschichte und Geographie ganz abgegrenzte Gebiete umfaßt, in die man sich außerordentlich gründlich hineinarbeiten muß, um das doch immerhin recht schwierige Konkurrenzexamen zu bestehen. Denn man hat nicht etwa mit einer bestimmten Anzahl von Points das Examen bestanden, wie wohl im allgemeinen angenommen werden könnte, nein, von sämtlichen Examinanden kommen nur die 120 besten heran, und es ist ein erfreuliches Zeichen für den Fortschritt des Strebens in unseren Offizierkorps, daß die untere Pointszahl des letzten Einberufenen fortwährend gestiegen ist. Im allgemeinen ist daher vor dem Examen die Redensart, man fühle sich „dumm wie ein Hospitant“ nicht ganz unberechtigt, und ich rate allen denen, die es werden wollen, lieber ihr Glück auf dem gewöhnlichen Wege zu ver- k 6 suchen. Es ist nichts deprimierender, als wenn so ein Unglücks-Hospitant durchfällt, d. h. nicht zum zweiten Jahrgang einberufen wird. Da ich sicher zur Schutztruppe einberufen wurde, wozu die Bestätigung am 17. März eintraf, indem mir das Generalkommando meines Armeekorps depeschierte, daß ich mit dem 28. März des Jahres bei der Schutztruppe eingestellt sei, hätte ich es eigentlich gar nicht mehr notwendig gehabt, das Examen mitzumachen. Aber ich fühlte mich ziemlich sicher und hoffte ganz bestimmt zu bestehen und mir dadurch auch für späterhin nach meiner Rückkehr aus Afrika noch die Möglichkeit offen zu halten, jederzeit auf die hohe Schule des militärischen Wissens von neuem zu ziehen. Schließlich ist doch der Blick eines jeden jungen Offiziers auf dieses nur von so wenigen erreichte Ziel gerichtet, denn ohne Kriegsakademie kein Generalstab, und ohne Generalstab wohl kaum noch die Möglichkeit, einen höheren Posten zu erreichen. Während des Examens, das fünf volle Tage dauerte, kamen immer trübere Nachrichten über das Befinden meines guten Vaters, so daß meine Aufmerksamkeit eine geteilte war, meine Gedanken viel abschweiften und ich dadurch vielleicht schlechter gearbeitet habe, als ich es wohl sonst im allgemeinen getan hätte. Aber im großen und ganzen hatte ich doch das Gefühl, ganz leidlich abgeschnitten zu haben. Am 19. abends, nach Schluß des Examens, gaben wir Hospitanten, von denen lange nicht alle die zweite Lehrstufe erreichen sollten, unserem Privat-Taktik-Lehrer, Oberleutnant v. d. Bergh, ein kleines Diner im Hotel Monopol.. Ich hätte nicht daran teilgenommen, wenn ich nicht kurz vorher etwas bessere telegraphische Nachricht über das Befinden meines Vaters erhalten hätte. Am 21. wanderte ich überall herum, um meine Equipierung zusammenzustellen. An der Hand der während des China-Feldzuges und besonders auf meinem Ritt durch Zentral-Asien gemachten Erfahrungen ging das diesmal sehr viel glatter. Ich wußte ganz genau, was ich brauchen würde, besonders war ich mir darüber klar, daß es besser ist, etwas reichlicher vorzusorgen und das zuviel Mitgenommene bei längerer Abwesenheit auf Expeditionen ruhig an der Küste oder am Ausgangsort der Expedition stehen zu lassen, als sich wie ein richtiger Feldzugssoldat von vornherein auf das Notwendigste zu beschränken. Letzteres ist ja sehr schön und auch für den eigenen Geldbeutel sehr viel ersprießlicher. Aber wenn man dann von einer solchen Expedition, wie sie uns dort unten sicher erwarteten, ziemlich abgerissen zurückkommt, ist es doch sehr angenehm, alles schon vorzufinden und nicht erst nach der Heimat schreiben, oder für teures Geld am Ort kaufen zu müssen. Was es heißt, ohne jeden Komfort und nur mit dem allergeringsten Gepäck lange Strecken durch wüste Länder womöglich in Eilmärschen zu ziehen, weiß ich selbst aus eigener Erfahrung 7 am allerbesten. Man muß eben stets zwischen solch einer überseeischen Expedition und einem Krieg zu Hause einen Unterschied zu machen wissen, was vielen nicht gelingt. Und ich glaube nicht, daß man sich besonders verwöhnt, wenn man etwas reichlicher vorsorgt. — So dachte ich früher. Jetzt, wo ich zurück bin und wiederum die Erfahrung für mich habe, also vom Rathause komme, würde ich nicht die Hälfte mehr von demjenigen mitnehmen, was ich damals mitgeschleppt habe. Ja, mein Gott, was sind Erfahrungen? In Afrika kommt es eigentlich stets anders, wie man denkt. Für mich begann nun die Zeit der Abschiedsbesuche und Meldungen. Am 2i. sagte ich auf der Kriegsakademie dem Direktor und den Lehrern Lebewohl, um noch viele liebenswürdige Worte mit auf den Weg zu bekommen. Jeder von meinen Vorgesetzten freute sich, daß mir ein Herzenswunsch in Erfüllung gegangen war. Am 22. war ich in Frankfurt bei meinem Regiment, um mich dort zu empfehlen. Bei meiner Rückkehr fand ich leider wieder sehr ungünstige Nachrichten über meinen Vater vor, denen am nächsten Tage die mich tief betrübende Nachricht von seinem Tode folgte. Ich konnte nicht einmal mehr nach Italien, um ihm das letzte Geleit zum Grabe zu geben. Es waren recht, recht traurige Tage für mich. Mein Bruder und andere Verwandte fuhren nach der Riviera, um dort meine gute Mutter zu trösten und die nötigen Anordnungen zu treffen. Ich konnte unmöglich weg, da mein Transport sehr bald abging, ich meine Wohnung einpacken mußte und noch sämtliche dienstliche Meldungen zu erledigen hatte. Am 28. März hatten wir uns beim Oberkommando zu melden, wo wir erfuhren, welcher Batterie wir zugeteilt waren. Ich kam zur Batterie Stahl, der ersten, späterhin fünften Feldbatterie. Ebenso hörten wir auch, mit welchem Dampfer wir fahren würden, es war der „Entre Rios“ der Hamburg—Südamerikanischen Dampfschiffsgesellschaft. Am 28. März erledigten wir noch die übrigen Meldungen und Formalitäten und erhielten Gehalt und Einkleidungsgelder ausgezahlt. Am Tage darauf trat die Truppe zusammen, um bei der Finna von Tippelskirch in die ebenso praktischen wie geschmackvollen Uniformen der Schutztruppe eingekleidet zu werden. Was war das für ein Unterschied gegen dieselbe Tätigkeit seinerzeit beim ostasiatischen Expeditionskorps! Für jeden Mann waren nach Nummern geordnet alle zur Ausrüstung gehörenden Stücke hübsch aufgebaut. Der Einzelne trat zu seiner Nummer, es wurde noch einmal alles verlesen, damit auch jeder in richtigen Besitz der verschiedenen Stücke kam. Es war alles da. Dann ging’s ans Umziehen, und innerhalb weniger Stunden standen die beiden Batterien abmarschfertig da, zur Freude der Berliner, die sich bereits in hellen Scharen auf der Potsdamer Straße gesammelt hatten, um das ungewohnte Schauspiel zu genießen. Jeder Mann erhielt zur Aufbewahrung derjenigen Sachen, die er nicht direkt bei sich führte, 8 einen wasserdicht abschließbaren Blechkoffer zugewiesen, eine Einrichtung, die ich den Kleidersäcken unbedingt vorziehe, da der Koffer viel stand- Büdicker Co. phot. An Bord des „Entre Rios“ vor der Abfahrt in Hamburg. 4 .LC^-V' silS hafter ist. Selbstverständlich ist es etwas ganz anderes, einige hundert Mann einzukleiden, als binnen kürzester Zeit viele Tausende für einen Feldzug in gänzlich unbekanntem Klima auszurüsten, wie damals im Jahre 1900. Hier handelt man nach jahrzehntelang gesammelten Erfahrungen, dort stand man vor etwas gänzlich Neuem. Daß sich übrigens wirklich praktische Uniformen mit hübschem Aussehen vereinigen lassen, sieht man an den Corduniformen der Schutz- Dampfer ,,Markgraf“ Bödicker Co. phot. mit der sechsten Feldbatterie an Bord vor der Abfahrt in Hamburg, truppe; allerdings mögen die Stoffe infolge ihres erheblich höheren Preises für größere Truppenkörper unbrauchbar sein. 9 Während nun die Mannschaften zum Essen nach dem städtischen Ordonnanzhause abrückten, fuhren die Offiziere nach dem Schloß Bellevue, um dort Ihrer Majestät der Kaiserin vorgestellt zu werden. Dieser Vorstellung wohnte Generaloberst von Hahnke und der Stadtkommandant General von Hopfner bei. Die Kaiserin unterhielt sich aufs gnädigste nacheinander mit jedem einzelnen der Offiziere. Als Andenken an diese denkwürdige Stunde erhielt jeder der Offiziere später ein Bild der * kaiserlichen Kinder mit der eigenhändigen Unterschrift Ihrer Majestät. Um 7 Uhr sammelten sich die Batterien im Ordonnanzhause, um pünktlich um 7 3 /* Uhr unter Vorantritt der Musik des ersten Garde-Feld- Artillerie-Regi- ments durch die Königstraße, über die Linden, am Reichstage vorbei nach dem Lehrter Bahnhofe zu marschieren. Durch eine"] dichte'‘Mauer von Menschen ging es entlang, aus allen Fenstern wehten weiße Tücher, und von allen Seiten rief man uns „Glückliche Reise!“ und „Kommt gesund wieder!“ zu. Der Himmel sandte leichte Regenschauer nieder, zum Abschiednehmen just das rechte Wetter. Auf dem scharf abgesperrten Bahnhofe hatten sich noch eine Menge Offiziere und mit Einlaßkarten versehene Bekannte und Verwandte eingefunden. Auch mancher Schatz gab dem Liebsten das letzte m* «N**«i**tÄ* Dampfer „Markgraf' Bödiokor Co. phot. vor der'Abfahrt. • IO •Geleite — denn treu ist die Soldatenliebe. Die Musik spielte: ,,Mußidenn, muß i denn zum Städtle hinaus“, und pünktlich um 9 Uhr 45 Minuten ■dampfte der Zug nach Hamburg ab unter dem donnernden Hurra der Zurückbleibenden. Unterwegs wünschten uns die Kameraden vom Feldartillerie-Regiment No. 39, die den langen Weg von Perleberg nach Wittenberge nicht gescheut hatten, Lebewohl. Gegen 5V2 Uhr morgens waren wir in Hamburg am Petersenkai, an dem schon die beiden Transportdampfer ,,Entre Rios“ und „Markgraf“ bereit lagen. Die letzten Tage hindurch war schwer gearbeitet worden, um be- -sonders die innere Einrichtung für die Pferdestände fertig zu stellen, aber Ton Salzmarm phot. Veterinär Dorner. Lt. Lehmann. Hptm. Stahl. Lt. v. MassoXv. Oberlt. v. Madai. alles war glücklich beendet, unsere vorausgesandten Quartiermacher hatten Hie Kabinen und Mannschaftsräume verteilt, und für uns vollzog sich die Übersiedelung aus der Eisenbahn in den Dampfer so glatt, als ob man nur aus einem Zug in den andern stiege. Unsere Leute wurden untergebracht oder ihnen vielmehr nur die Plätze zum Ablegen der Ausrüstungen angewiesen, dann ging’s gleich wieder zurück auf den Pier, denn schon kamen die ersten Pferde an, um verladen zu werden. Zuerst Kavalleriepferde aller möglichen Regimenter. Eins nach dem andern verschwand teils auf Rampen, teils mit dem Pferdekran im Innern des Schiffes, um dort in Ständen eingestellt zu werden. Jedes Pferd ist von dem andern durch ein Brett getrennt, die Stände sind vorn mit einer Barriere geschlossen. Die Pferde können sich während der Fahrt nicht legen; um ein Hinfallen der II Abfahrt von Hamburg. Biidiclor Co. phot. Tiere bei hohem Seegange zu verhindern, ist an jedem Stand eine Vorrichtung angebracht, um das Tier mit Hilfe eines halbmeterbreiten Gurtes aufzuhängen. Nach den verschiedenen Stockwerken führt eine Wasserleitung, die ein ausgiebiges Tränken ermöglicht. Ventilatoren sorgen für frische Luft, in der heißen Zone werden dann noch die Pforten und Luken geöffnet und Windsäcke angebracht. Diegroßen viereckigen Luken bleiben natürlich unbedeckt, um frischer Luft den Eintritt zu ermöglichen, denn vielleicht ist die Hitze und die damit verbundene schlechte Luft von größerem Nachteil als hoher Seegang, abgesehen natürlich von schwerem Sturm. Nach knappen sechs Stunden waren die 1200 Pferde verladen, und die Dampfer hätten beide sofort in See gehen können. Die Schnelligkeit und Präzision mit der die ganze Verladung dank den Vorbereitungen des Oberkommandos der Schutztruppen und der Woermann - Linie vor sich ging, war staunenerregend und erfüllt uns für künftige ähnliche Fälle mit einem gewissen Gefühl der Sicherheit und Abfahrt von Hamburg. Bfidicker Co. phot. Ruhe. Zugleich können wir nur stolz darauf sein, daß wir nun auch auf diesem militärischen Gebiete getrost mit jeder anderen Macht der Welt in Wettstreit treten dürfen. Einen sehr guten Eindruck machten übrigens die kleinen schnittigen masurischen Pferdchen, die sich sicherlich den unge- 12 wohnten Verhältnissen in Afrika schnell anpassen werden. Das scheint ein zäher Pferdeschlag zu sein. Im allgemeinen gingen alle Pferde glatt hinein, ein auch nur nennenswerter Unfall passierte nicht. Auf dem „Kronprinz“' gab’s ein solennes Frühstück, dann dampfte um 2 Uhr programmäßig der „Markgraf“ ab. Der kommandierende General von Bock und Polach verabschiedete sich darauf in einer kurzen Ansprache von uns, ebenso nahm Oberstleutnant Ohnesorg vom Oberkommando der Schutztruppen Abschied von der Batterie, der Transportführer brachte drei Hurras auf den Allerhöchsten Kriegsherrn aus, die Musik spielte noch einige Stücke, dann war die Abschiedsfeierlichkeit beendigt, und wir konnten uns noch etwas Hamburg ansehen, da der „Entre Rios“ erst um 2 Uhr nachts fällig war. Ein Diner beim allbekannten Pfordte beschloß den Tag, und um Punkt 10 Uhr dampfte die Pinaß mit uns vom Katharinenstege nach dem Dampfer. Der Landungssteg wurde eingezogen, und um 2 Uhr morgens fuhren wir vom Kai ab, geschleppt von einem kleinen Dampfer, um dann noch einige Stunden bei Krautsand zur Übernahme der Munition liegen zu bleiben. Ganz stül zogen wir hinaus. Damals, als wir nach China gingen, pflückte man bei einem lärmenden Abschiede die Siegeslorbeeren schon vorher. Möge uns dieser stille Abschied eine gute Vorbedeutung sein, und möge es uns Artilleristen endlich einmal vergönnt werden, auch mit unseren Kanonen dem Feinde zu zeigen, was wir im Frieden gelernt haben! Schlußvignette von Anita Peters. Zweites Kapitel. Hamburg—Swakopmund. Nun sind wir bald in Teneriffa. An Bord herrscht stets emsigste Tätigkeit, die besonders für unsere Leute sehr gut ist, da es bekanntlich sehr schwer hält, die Mannschaften an Bord eines Transportschiffes so zu beschäftigen, daß sie genügende Bewegung haben. Die Pferde, von denen vier bis fünf auf jeden einzelnen Mann kommen, beanspruchen viel Pflege. Natürlich können die Tiere nicht so abgewartet werden wie zu Hause, mit Rücksicht auf die Engigkeit des Raumes, die es mit sich bringt, daß das Führen der Pferde nur in beschränktem Maße erfolgen kann. Trotzdem haben wir noch kein krankes Tier an Bord, was wohl zum größten Teile den praktischen Anordnungen eines unserer Offiziere zu danken ist, der schon den „Alesia“-Transport von China nach Hause mitgemacht hat. Man sieht ihn den ganzen Tag treppauf treppab klettern und mit besorgter Miene jeden einzelnen seiner Lieblinge beobachten. Kaum daß er sich Zeit für die einzelnen/übrigens „erstklassig“ zubereiteten Mahlzeiten gönnt. Die auf dem obersten Deck stehenden Masuren hatten sich anfänglich einen kleinen Schnupfen geholt, was zu erwarten war und belanglos ist. Unser Schiff, 1902 in England gebaut, läuft so schön ruhig und schlingert und rollt auch bei bewegter See so w'enig, daß selbst der gefürchtete Kanal und die Biskayabucht mit ihrer Dünung verhältnismäßig wenige Opfer der Seekrankheit gefordert haben. Jetzt sind wir schon seegewohnt wie die ältesten Seebären, jeder fühlt sich dank der vortrefflichen Verpflegung sehr wohl und bemüht sich, möglichst viel Fett auf Vorrat anzusetzen, denn nach der Ausschiffung in Swakopmund wird es wohl mit den Fleischtöpfen Ägyptens Kopfleiste von Anita Fetors. 14 zu Ende sein. Mit Spannung sehen wir den neuesten Nachrichten aus der Heimat und von den verschiedenen Kriegsschauplätzen der Welt entgegen, Samuel Maherero ein möglichst langes Leben wünschend, damit wir auch noch etwas mit ihm zu tun bekommen. Dank der angenehmen Gesellschaft, die uns bei den Klängen des Grammophons zu jeder Mahlzeit in der kleinen, aber gemütlichen Messe vereinigt, verfliegt die Zeit schnell. Wir sind zusammen „auf die ganze Welt geeicht“. Unser Kapitän und die an der Messe teilnehmenden Schiffsoffiziere kennen Amerika in allen seinen Teilen. Unser Hauptmann ist in Nordafrika gereist, unser Stabsarzt von. Salzmann phot. An Bord des ,.Entre R i o s ‘ war lange Jahre in Ostafrika, und unser Oberleutnant ist ein alter bekannter Kameruner, während unser Pferdeverständiger und ich alte Chinesen sind und Asien kennen. Eine wirklich interessante Gesellschaft ist da zusammengeschneit, und die Erzählungen von Reise-, Kriegs- und Jagdabenteuern reißen nicht ab. Natürlich läuft so manche nette Schnurre unter — wer sollte das auch einem vielgereisten Manne übelnehmen, wenn er es- bei der Elefanten-, Rhinozeros- oder Antilopenstrecke mit der Anzahl nicht so genau nimmt! Auf eine kleine Handvoll kommt’s ja dabei nicht an. Halma und eine sehr fidele Skatpartie, die einen sogenannten Räuberskat spielt, sorgen für Abwechslung und tragen zur Belustigung der anderen bei. Kurzum, es ist ganz gemütlich an Bord. Als wir am 7. April früh noch zu nachtschlafender Zeit aufstanden, lag zur Rechten oder vielmehr steuerbords vor uns die Felsenmasse von 15 \ Teneriffa. Also endlich Land! Unser Grammophon, das uns so manche heitere Stunde verschafft hat, gibt nur noch schmerzlich klagende Töne von sich, es hat bereits genug von der Seefahrt, obwohl diese gerade jetzt anfängt hübsch zu werden. Wir wollten eigentlich den schönen Hafen mit einem ebenso schönen Marsch begrüßen, und nun ist es nichts mehr damit. Immer näher kamen wir den felsigen Bergen, an denen wir schließlich in der Richtung auf Santa Cruz entlang fuhren. Der noch leicht mit Schnee bedeckte berühmte Pik war zuweilen zwischen einer schwarzen Wolken- VI ■->: * .i- St. A. l)r. Effgel ph«»t. Teneriffa. ■' vVi wand über ihm und Weißen, ihn zum größten Teil bedeckenden Nebelgebilden sichtbar, verschwand jedoch bald ganz. Dafür bietet sich die Stadt mit ihren weißen Mauern und grünen Bäumen dazwischen unseren Blicken dar. Um sieben Uhr hegen wir vor Anker auf der Reede, die anderen, übrigens meist deutschen Schiffe begrüßen uns mit ihren Dampfpfeifen. Der aus Südamerika heimkehrende ,,Edfu“ hat die Quarantäneflagge aufgehißt, er kommt wohl aus einem verseuchten Hafen. Vor uns hegt ein wundervolles Panorama; die Stadt wird im Hintergründe von grünen Bergen überragt, über die viele einzelne Häuschen verstreut hegen. Jedes Fleckchen Erde ist zum Anbau geschickt ausgenutzt, meist sind es Tomaten, Mais und Wein. Wir mußten ziemlich lange warten, ehe der Agent der Dampferlinie, der uns wahrscheinlich noch nicht so früh erwartet hatte,. / — 16 — und die Sanitätsbeamten an Bord kamen. Viel früher hatten uns als willkommenes Beuteobjekt die Händler entdeckt, die sich in ihren kleinen Booten wie hungrige Wölfe auf uns stürzten, um uns ihren Schund für teures Geld aufzuhängen. Zigarren, Ansichtskarten, Früchte und Wein sind ihre Haupthandelsartikel; besonders der Wein ist ein abscheuliches Zeug, das zwar sehr gut schmeckt, aber stark ins Blut geht. Unseren Leuten war es daher verboten, solchen Wein zu kaufen. Nur mit Mühe konnte der Posten am Fallreep den Ansturm der Händler zurückhalten, von allen Seiten enterten sie wie Seeräuber auf, und nur mit Hilfe des Wasserschlauches gelang es, sie zurückzutreiben. Kleine Jungen tauchten nach Aus: Klose, Togo. Hafen von Santa Cruz auf Teneriffa. i «ak; ‘-Äff- Geldstücken, jedoch war diese Tätigkeit anscheinend nicht sehr ertragreich, denn schimpfend zogen sie bald wieder ab. Übrigens unterschieden sie schon beim Fallen des Geldstückes, ob man ihnen Kupfer, Nickel oder Silber ins Meer warf, nach Kupfer tauchten sie erst gar nicht. Nun kamen endlich auch Sanitätsbeamte und der Agent an Bord. Unser Kranker wurde besichtigt ; leider machte sein Leiden (Lungenentzündung) die Ausschiffung notwendig. Er wurde später an Land geschafft und kam im Hospital unter. Hoffentlich bringt ihm das milde Klima Teneriffas bald die Genesung. Wir hatten nur wenige Stunden Zeit, in der frisches Wasser übergenommen werden sollte. Mit Ausnahme des diensthabenden Offiziers fuhren 17 wir uns einen wir an Land, um uns die Stadt schnell anzusehen; unterdessen entwickelte sich an Bord zwischen den Händlern und unseren Leuten ein lebhaftes Tauschgeschäft. Am Kai angelangt, nahmen Führer, der etwas Englisch radebrechte, und ließen uns umherführen. Kathedrale, Fruchtmarkt und Stierkampfarena waren das Sehenswerteste. Viel Leben war im übrigen nicht in’dem Städtchen. Einige im großen Stil angelegte Hotels und von Zeit zu Zeit ein schwindsüchtiger Nordländer erinnerten daran, daß man hier im milden Klima Heilung gegen die Schwindsucht findet. Militärpatrouillen durchstreifen die Straßen, die ziemlich sauber sind und überall deutliche Bezeichnungen tragen. Die Soldaten sehen nicht schlecht aus. Bei einem alten Fort mit Kaserne am Hafen war gerade Besichtigung, _ die der spanische General abnahm. Die Armierung des Forts bestand aus uralten schweren Vorderladern, die aber sehr schön grün patiniert waren. In einem Lokal am Markte versuchten wir den einheimischen Wein und erledigten die bei den meisten ziemlich ansehnlichen Verpflichtungen in Ansichtskarten nach der Heimat. In allen Auslagen der verschiedensten Läden konnte man die Karten sehen, ein Zeichen, wie weit verbreitet die Postkartensammelwut ist. von Salzmann, Im Kampfe gegen die Herero. 2 1 .Entre Rios" von Salzmann phot. i8 — Um ii Uhr führte uns die Pinaß an Bord zurück. Der Mann am Steuer schien sein Geschäft schlecht zu verstehen, denn ein paarmal von Salzmann phot Oberleu tnjan t v. Maclai. nahmen wir derartig Wasser über, daß wir völlig durchnäßt an Bord anlangten, was unserer guten Laune jedoch keinerlei Abbruch tat. Wer aber leider nicht um n Uhr in See gehen konnte, war unser Dampfer, denn der Verwalter mit seinem Proviant und besonders dem Schlachtvieh fehlte. Für uns ist jede Minute, die wir verlieren, von Wichtigkeit, denn begreiflicherweise sehnt man sich mit Ungeduld nach militärischer Tätigkeit am Lande und befürchtet, daß uns die schon drüben weilenden Kameraden alle Lorbeeren vorher wegschnappen. Dann kommt der Ehrgeiz zutage: Werden wir den zwölf Stunden vor uns abgegangenen Dampfer „Markgraf“ mit der anderen Batterie an Bord überholen? Jedoch unsere Geduld wurde auf eine harte Probe gestellt. Mau von Salzmann phot ÄSfcr 1 ,, En t re R ios — ig — hatte aus Hamburg zu spät an den Agenten depeschiert; das Telegramm war erst am 7. morgens angelangt, das Schlachtvieh mußte erst aus den Bergen geholt werden und war eben noch nicht da. Endlich um i‘/ 2 Uhr wurde die Barkasse mit dem Leichter am Schlepptau gesichtet, und kaum waren sie längsseit, so war auch schon die erste Kuh, die ein unendlich dummes Gesicht über die ungewohnte Luftreise machte, mit Hilfe des Gurtes an Bord geheißt. Bald folgte die zweite; unsere Leute hatten schon in der Luft das strotzende Euter entdeckt, und sie war kaum auf ihrem Platz angelangt, als ihr auch schon unter allgemeinem Jubel von kundiger Hand die Milch abgemolken wurde. Im übrigen bestanden die Unglückstiere aus Haut und Knochen. Hühner, Tauben usw. waren schon inden verschiedenen Kästen untergebracht, und kaum war die letzte Kuh an Bord, als wir auch schon den Anker gelichtet hatten und losfuhren. Zur Feier des Tages gab’s in der Messe Märzenbier vom Faß. Am Abende ließ außerdem das vom geschickten zweiten Maschinisten in Ordnung gebrachte Grammophon wieder seine lustigen Weisen ertönen, und bald war alles wieder in gewohntem Gange. vom „Entre Rios" nimmt die Sonnenhöhe. Ein Tag verging wie der andere. Es kam kaum eine kleine Abwechselung in das Bordleben. Unsere Leute sind alle derartig durch die Pferdepflege in Anspruch genommen, daß von anderem Dienste wenig die Rede sein kann. „Und das bekommt mich dann so gut und tut gar nicht weh!“, wie unser Kapitän sehr richtig dazu bemerkt. Die Gesichter haben sich gerundet, bei manchen (ich will nicht indiskret sein und Namen nennen) zeigt sich schon ein kleines Bäuchlein. Der Dampfschiffs-Gesellschaft wird beim Essen immer noch nichts geschenkt, dank der vorzüglichen Küche läßt nämlich der allseitige Appetit immer noch nichts zu wünschen übrig. Einmal sahen wir drei ganz große, dicke, fette Haifische und eine einsame von Salzmann phot. Kapitän Meyer 2 20 Schildkröte daherschwimmen; dieser kleine Zwischenfall rief alles schleunigst an die Reeling. Leider erfüllte sich die Hoffnung auf einen Kampf zwischen Hai und Schildkröte nicht. * * * 12. April. Heute kommen wir nach Liberia, der stolzen freien Negerrepublik. Es war gestern entsetzlich schwül, Mensch und Tier ließen die Ohren bedenklich hängen. Besorgten Blickes sahen wir unserer 648 Pflegebefohlenen wegen auf die ganz schlaffen Windsäcke. Kein Lüftchen rührte sich. Im von Salzmann phot. Ställe an Bord des „Entre Rios“. l.V- . '■ Süden vor uns stand abends eine hohe schwarze Wolkenwand, in der es unablässig wetterleuchtete. Wir waren ziemlich spät zu Bette gegangen, ich konnte aber in meiner ungünstig gelegenen Kabine der Hitze halber nicht schlafen. Da plötzlich, es war gegen 2 Uhr, brach das Unwetter los. Ich hörte noch über mir auf der Kommandobrücke den wachthabenden Offizier pfeifen, um irgendeinen Befehl zu geben, dann verschwand jedes andere Geräusch in einem kolossalen, ganz plötzlich einsetzenden Sturmwind, der einige Windsäcke herunterriß und alles, was nicht festgemacht war. in Bewegung setzte. Der Himmel schien alle Schleusen geöffnet zu haben, unendliche Wassermassen stürzten herunter und setzten das Schiff unter Wasser. Als diensthabender Offizier zog ich mich sofort an, um nach den Pferden und Stallwachen zu sehen. Ich hatte noch nicht, mich mit beiden Händen am Geländer entlangziehend, die Treppe erreicht, als ich 21 auch schon bis auf die Haut^durchnäßt war. Es war ein richtiger tropischer Tornado, wie sie besonders zur Regenzeit in diesen Gegenden häufig sind. Unsere Pferde standen ganz ruhig und ließen sich auch durch den Regen gar nicht stören, alle Stallwachen waren auf ihren Posten, so daß ich bald wieder in meine Kammer zurückkehren und mich der nassen Sachen entledigen konnte. In einer halben Stunde war das Unwetter vorüber, das einem Dampfer eigentlich fast nie gefährlich werden kann, da die See merkwürdigerweise ganz ruhig bleibt. Nur das hin und her flutende Wasser in den Gängen, das durch die verstopften Röhren nicht abfließen konnte, erinnerte noch an das soeben durchlebte Naturschauspiel. / , -*• von Snlxmarm phot. .Entre Rios* äitl Heute gegen Mittag konnte man, nachdem wir Kap Mount passiert hatten, mit dem Fernglase Monrovia, die Hauptstadt Liberias, sehen; ein Dampfer lag auf der Reede, am Schornsteine bald als der Woermann-Linie angehörig erkannt. Immer näher kamen wir der im schönsten Grün prangenden Küste, kleine Fischerboote belebten die See, auf dem weit vorspringenden Kap ließen sich die Umrisse eines Forts erkennen, in dem, wie wir später erfuhren, einige alte Kanonenrohre ohne Lafetten ein beschauliches Dasein fristen. Der weiße Leuchtturm, der sich auf dem felsigen Kap, an dem sich die Wogen hochaufspritzend brechen, erhebt, scheint in Ordnung zu sein; auf ihm erkennt man die Woermann-Flagge. Wir haben uns durch dreimaliges Tuten mit der Dampfpfeife angemeldet. Ein Böllerschuß aus der auf dem Achterdeck stehenden kleinen Kanone wurde leider nicht spendiert. Unsere Kanoniere benutzten sie nur, um ein spa ßiges Geschützexerzieren daran zu vollführen. Um 4 Uhr 13 Min. fiel der Anker, womit 22 der erste Offizier einen Kognak gewann; zwei Minuten später, und er hätte verloren. Alles klappte vorzüglich, von weitem konnte man schon das Regierungsboot der Republik erkennen,, das sofort in Marsch gesetzt worden war. Es führte eine der amerikanischen sehr ähnliche Flagge; bekanntlich hat sich Liberia aus freigelassenen amerikanischen Negersklaven gebildet. In die Eingeborenenhütten am Strande kam Leben, und bald stieß eine Menge der langen schmalen Einbäume, von zwei, drei, vier bis sechs Insassen mit kurzen blattförmigen Rudern getrieben, ab, um sich uns schnell zu St. A. Dr. Egg-el phot. An Bord des ,,Entre Rios' nähern. Neugierde trieb diese schwarzen Söhne der freien Republik, vielleicht fiel auch hier und da ein Trinkgeld ab. Geschleppt von der Woermann- Pinasse, kam der deutsche Konsul im Boot mit deutscher Flagge angefahren. Wir müssen ungefähr 50 Kruneger an Bord nehmen, die in Swakopmund als Arbeiter dienen sollen. Vorsichtshalber hat man aus Hamburg gleich 100 bestellt, um sicher wenigstens 50 zu haben, und nun kommen alle hundert, auf Verlangen noch mehr. Schwarze und wei ße Gentlemen von der Regierung steigen an Bord: unsere Papiere sind in Ordnung, Kranke sind nicht vorhanden. Bald sind auch der Konsul und der Woermann-Agent da und werden mit einem Schluck Bier und lustigen Weisen unseres Grammophons willkommen geheißen. Wir hatten alle befürchtet, eine Nacht in diesem wm mm — 23 heißen, ungesunden Hafen liegen zu müssen, doch kaum hatte der Kapitän mit den Beamten und dem Konsul gesprochen, als auch schon die erste Ladung Menschen anlangte, um sich mit Kisten und Kasten bewaffnet schnell auf dem Schiffe zu verteilen, rauchend, schwatzend, schimpfend, hin und her laufend und die wunderbaren weißen Zahnreihen, um die man sie beneiden könnte, zeigend. Nun folgte Ladung auf Ladung, das ganze Schiff wimmelte bald von Schwarzen, großen und kleinen, alten und jungen. Sie redeten eine schreckliche Sprache, die mir viel schlimmer vorkam, als zu Anfang das Chinesische. Man konnte da komische Szenen beobachten. Einige hatten sich kleine, notdürftig mit einem kurzen Hemdchen bekleidete Jungen wahrscheinlich zur Bedienung mitgebracht; sie schichteten die Kisten am Promenadendeck hoch auf und versteckten dahinter die kleinen Kerle, solange das Schiff noch nicht in Bewegung war. Natürlich trieben auch die unvermeidlichen Postkartenhändler ihr Wesen. In unserer Messe hatten sich einige schwarze Gentlemen niedergelassen, um sich am deutschen Biere gütlich zu tun. Einer davon war der Kapitän eines der beiden seinerzeit untergegangenen liberianischen Kriegsschiffe, deren Mastspitzen noch bis vor kurzem als Wahrzeichen der Republik über dem Meeresspiegel zu sehen waren. Kru Boys. von Salzinann phot. Das eine trieb auf die gefährlichen Klippen während eines großen Diners, das der Präsident zur Feier des Ankaufs gegeben hatte. Das andere soll einem Gerücht zufolge, als alles durchgerostet und verkommen war, auseinandergefallen und auf einer Sandbank, wohin man es mit vieler Mühe schleppte, um es auf den Strand zu setzen, einfach versackt sein. Um 5V2 Uhr wurde Musterung gehalten unter Assistenzdes „Hcadmans“ der Schwarzen, die übrigens diesen Rummel schon ganz genau kennen; die meisten von ihnen sind bereits viele Male mit Dampfern der verschiedensten 24 ■ C« wm vor Sahmann ph< ■ t. tre Rios“. Khaynach (machte den Burenkrieg mit) Vizewachtmeister d. Res. Frhr. v. vor Salzmann phot. Wäscher an Bord des „Entre Rios“. m&ti res; Nationen zwischen den Häfen der afrikanischen Westküste hin und her gefahren. Sie sind als Arbeiter jedenfalls unentbehrlich, und das hat sich die Republik zunutze gemacht, indem sie für eine kurze Reise ein Ausfuhrgeld von 4 Mark auf jeden Kopf erhebt, einen Betrag, der dann später dem Schwarzen von seiner Löhnung abgezogen wird. Das Geschäft soll 25 sehr gut gehen, da der Bedarf ziemlich groß ist. Der „Headman“ führt den schönen Namen Teapot, er spricht ganz gut Englisch und scheint ein recht intelligenter Bursche zu sein, dem die anderen unbedingten Gehorsam leisten. Übrigens haben alle einen fremden Namen; da findet man „Bismarck“, „Kameruner“, „Schwein“ und auch noch andere im allgemeinen nicht in Deutschland gebräuchliche Namen. Sie radebrechen meist Pidgin- Englisch und gehören zum größten Teile dem Stamme der Kruneger an, kenntlich an dem breiten, über der Stirn eingeätzten Streifen. Die Leute machen unbedingt einen guten Eindruck; sie sind harmlos, willig, und was die Hauptsache ist, man merkt nichts von ihnen, nur das Geschwatze will I. Offizier Müller. von Snlzmann jilmt. kein Ende nehmen. Auf dem Schiffe sind die hundert Menschen so gut wie verschwunden, einige helfen in der Maschine, andere sind Wäscher, wieder andere in der Küche, in der Messe oder in den Ställen beschäftigt, kurzum sie erweisen sich als recht brauchbar; vor den Pferden haben sie einen großen Respekt. In ganz Liberia soll es nur ein solches Untier geben, das im Besitze des Präsidenten ist. Unsere Postkarten mit den schönsten bunten Briefmarken, von denen es Jahr für Jahr zur geringen Freude der Sammler, aber zum Nutzen und Frommen des Regierungsbeutels neue Ausgaben gibt, nahm der Agent mit. Noch waren nicht zwei Stunden vergangen, als wir schon Liberia Lebewohl sagen mußten; Konsul und Agent fuhren ab, und wir gingen los 2Ô SEwrryy;- y. y. gen Südosten. Die Schwarzen werden mit Glacés angefaßt, denn es soll vorgekommen sein, daß sie noch im letzten Moment, als schon das Schiff in Gang war, im Hechtsatze allesamt über Bord gesprungen sind, schlechte Behandlung befürchtend; schwimmen können sie alle wie die Fische. Den uns von der Woermann-Linie mitgegebenen Kapitän Ihrke kennen sie jedoch ; viele begrüßten ihn als alten Bekannten und haben Vertrauen zu ihm. Auf deutschen Schiffen werden sie übrigens stets gut'ibehandelt. * * * Der 13. April war ein sehr heißer Tag. Am 14. setzte der Südostpassat ein und brachte einige Abkühlung. Wir passierten gegen 11 Uhr den Äquator; unsere Leute beschäftigten sich damit, sich gegenseitig zu taufen mit einem Gusse aus dem Tränkeimer oder mit Hilfe des Schlauches. Die Jagd auf dem Schiffe wollte keiq Ende nehmen und bald waren die meisten naß wie die Katzen. Für Offiziere und Unteroffiziere war auf dem Promenadendeck eine Ecke zur Taufe abgeteilt und mit Flaggen drapiert. In berechtigter Vorahnung dessen, was folgen sollte, hatten wir Täuflinge uns möglichst leicht angezogen. Nur zwei von uns hatten die Linie schon passiert; ganz dicht daran sind wir Chinesen ja bereits inSingapore gewesen, aber nicht hinüber gefahren. Um 3 Uhr traten Neptun und Thetis mit Gefolge an und begrüßten die Täuflinge mit einer Ansprache in Versen, dann ging’s zum Taufbecken, das aus einem über Böcke gehängten Segeltuch voll Seewasser gebildet war. Im Becken standen mit todernstem Gesicht zwei bunt bemalte Neger, die das Ganze wahrscheinlich für eine Haupt- und Staatsaktion hielten. Nun wurden wir einzeln aufgerufen, erhielten unsere Taufnamen, wurden eingeseift, mit einem Riesenholzmesser abrasiert und dann rücklings in die kühlen Fluten befördert. Unter schallendem Gelächter wanderte so einer nach dem andern hinein, Neptun war unerbittlich. Mir gab man den schönen Taufnamen Pulex asiaticus, der Gobi-Floh. Zuletzt packten einige hinterlistige Täuflinge Neptun selbst und duschten ihn gründlichst ab, um dann lachend das Weite zu suchen. Keine Freude ist schöner als Schadenfreude! Die Taüfe beschloß abends in der Messe ein würdiges Taufmahl. Meine Ruh’ ist hin, denn das Karabinerschießen hat angefangen, den ganzen Tag knallt es von der Kommandobrücke nach einer auf einem aus- gefierten Ladebaum angebrachten Kopfscheibe. Die Zeit fliegt nur so dahin, noch wenige Tage trennen uns vom Bestimmungsorte, vor uns steht dann ein neues, reiches Feld der Tätigkeit. — So hoffen wir! St. A. Dr. Eggel phot. Oben von rechts nach links: i. Erster Offizier. 2. von Madai. 3. Kapitän Meyer. 4. v. Massow. 5. Stahl. 6. Dorner. 7. Lehmann. Unten: Der Verfasser. J$\A‘ ESS 29 20. April. Morgen früh sind wir nun endlich am Bestimmungsorte Swakop- mund. Es ist erheblich kühler geworden in den letzten Tagen, so daß Khaki und Weiß wieder verschwunden sind und alles wieder Tuch- oder vielmehr Kordsachen angezogen hat. An Bord herrscht reichliche Tätigkeit. Die Schwarzen scheuern und waschen den ganzen Tag, damit wir mit unserem Schiff auch Ehre einlegen können. Wir packen unsere Sachen, erledigen Briefe, denn wer weiß, ob man dazu später noch Zeit haben wird. Aber alles freut sich, daß es wieder an Land geht, denn man ist in erster Linie nun einmal Landratte. Das nächste Mal schreibe ich dann schon vom Lande und kann hoffentlich interessantere Neuigkeiten bringen als von der Seereise. Schlußvignetto von Anita Peters. “Drittes l^apitel. Ausschiffung und die ersten afrikanischen Eindrücke. Am 20. April feierten wir abends mit den liebenswürdigen Offizieren des Schiffes Abschied. Eine schlimme Nacht hatten wir insofern vor uns, als sich einer der in hiesiger Gegend so häufigen und gefürchteten Nebel eingestellt hatte. Das hiesige Fahrwasser ist schwierig und noch lange nicht so genau bekannt wie z. B. in den heimischen Gewässern. Leuchtfeuer sind selten und nur bei Swakopmund befindet sich eins mit Petroleumlampen, das aber bei so dickem Nebel auch nicht gerade sehr weit zu sehen ist. Am 21. waren wir schon früh auf, es näßte, so stark war der Nebel; das Schiff fuhr halbe Kraft, dann ganz langsam, um schließlich ganz abzustoppen und zu treiben. Alle Schiffsoffiziere waren auf der Brücke; nach Meinung des Kapitäns konnten wir höchstens noch sieben Seemeilen ab sein. Ab und zu tuteten wir mit der Dampfpfeife, um endlich ganz weit entfernt Antwort zu erhalten, es konnte nur einer der auf Reede liegenden Dampfer sein. Ab und zu kam schon die Sonne durch, und allmählich setzte sich der Nebel in dicken Schwaden in Bewegung, immer noch den Durchblick hemmend und uns wieder zum Abstoppen zwingend. Doch endlich siegten Wind und Sonne, und plötzlich rief einer: ,,Da ist ja Land, Herrgott ist das öde!“ Richtig konnte man die gelbe afrikanische Sandküste am Horizont erkennen und an derselben verstreut Häuser. Es war Swakopmund, unser Kurs war genau der richtige gewesen. Ein Schiff lag auf der Reede. Der „Habicht“ war es nicht, es war ein Woer- mann-Dampfer, aber welcher? Endlich hatte es einer heraus: das ist ein Ostafrika-Dampfer, es ist der „Markgraf“. Also hatte er doch früher das Ziel erreicht als wir. Von vornherein hatte er ja einen Vorsprung von 12 Stunden, und wir hatten einmal mehr angelegt; aber trotzdem hofften wir ihn zu schlagen. Damit war’s nun nichts. Kopfleiste von Margarete Persson-Henning. Das Ausbooten von Vieh mittels Floß. m 31 — Kaum lagen wir vor Anker, als auch schon beim „Markgraf“ das Flaggensignal aufstieg: „Wieviel Pferde habt ihr verloren?“ Stolz kam die Antwort zurück: „Keins!“ Auf unsere Anfrage: „Wieviel habt ihr verloren?“ kam keine Antwort. Er hatte zehn verloren, weshalb wir nicht wenig stolz waren. Bald kamen Offiziere vom Lande in der Woermann- Pinasse an und brachten die wenigen neuen Nachrichten. Zwei Gefechte waren geschlagen, vier Offiziere gefallen, andere verwundet. Mehrere gute Bekannte sind darunter, mit Estorff habe ich noch vor kürzester Zeit zusammen die Kriegsakademie besucht und Hauptmann von Bagenski noch beim Abschied in Berlin gesehen. Traurig, so fern der Heimat zu sterben, aber trotzdem schön, den Tod vor dem Feinde zu finden. Unsere Befürchtung, daß schon entscheidende Schläge gefallen und wir zu spät gekommen sind, scheint nicht eingetroffen zu sein, obwohl man hier an der Küste auch wenig über die Gesamtlage orientiert ist. Das ist man bekanntlich in der Heimat .dank der vielen ausgiebigen Telegramme heute sehr viel besser; hier sieht man doch wohl zunächst nur immer das vor Augen Liegende. Unsere Geduld wird wohl auf eine harte Probe gestellt werden. Zuerst müssen unter den denkbar schwierigsten Verhältnissen alle Pferde ausgeladen, dann nach Okahandja oder Kubas getrieben und beschlagen werden, und erst dort können die Batterien mobil machen. “’A**! ^ - .i*.- von Watter. von Snlzmann phot. St. A. Dr. Eggel. Stahl. 32 Wochen werden vergehen, ehe die Batterie fertig dasteht, um in die Ereignisse aktiv eingreifen zu können. Heute ladet erst der „Markgraf“ aus, wir sahen schon zwei der kleinen, höchstens zwanzig Pferde fassenden Leichter längsseit liegen, um, wenn sie vollgeladen sind, von dem kleinen, der Woermann-Linie gehörenden Schlepper einzeln, denn zugleich kann er sie nicht schleppen, an die Mole geschleppt und dort ausgeladen zu werden. Der „Pionier“ ist vorläufig der einzige Schlepper, der den ganzen Tag über unterwegs ist. Dazu sind nur drei Leichter in Tätigkeit, ein vierter liegt St. A. Dr. Effgol plint. Ausschiff n von Pferden. Swakopmund. Ein j ähr.-Frei w. (Referendar) Polko (hält das Pferd am Kopf). auf dem Strande, von der schweren See losgerissen und heraufgetrieben. Also es hieß Geduld und nochmals Geduld. Nachmittags gingen der Hauptmann und einige von uns an Land, um sich zu orientieren, zugleich gingen zwei Unteroffiziere und 48 Kavalleristen, die wir mitgebracht hatten, mit hinüber, um die ausgeschifften Pferde zu pflegen oder Gelegenheit zur Unterbringung der Tiere zu schaffen. Das ist hier ein merkwürdiges, wechselndes Wetter. Kaum eine Stunde vergeht, ohne daß sich Sonne und Nebel abwechseln. Manchmal liegt das Land mit seinen Häuschen und gelben Sanddünen zum Greifen nahe und bald ist es wieder in einer dicken Nebelwand verschwunden. B B B — 33 — Unzählige Quallen, rote und weiße, sind im Meere, und ab und zu sieht man den Wasserstrahl eines Walfisches in der Ferne aufspritzen. Möwen, Albatrosse, wilde Gänse und Taucher sieht man in Menge. Gegen Mittag färbt sich die Luft über den Dünen dunkelgelb, es scheint eine Menge Sand in der Luft zu sein. Die Brandung bricht sich am sandigen Strande, wie schwierig muß hier eine Landung früher gewesen sein. Jetzt tut die kleine, vielgeschmähte und doch so überaus nützliche Mole, die über drei Millionen Mark gekostet hat, vorzügliche Dienste. Dabei hat sie stets unter dem St. A. ])r. Eggel phot. Ausladen von Pferden. Swakopmund-Reede. . sX&ätfär schweren Wogenanprall zu leiden und erfordert oft umständliche Ausbesserungen. Daß sie nicht einmal die kleinen Leichter zu schützen vermag, beweist der auf den Strand geworfene, der an der Mole festgemacht war. Die größeren Schiffe müssen alle draußen auf der freien Reede ankern und sind der das ganze J ahr durch vorhandenen schweren Dünung schutzlos preisgegeben. Die Swakopmunder Reede ist daher berühmt oder wohl mehr berüchtigt, und jeder sieht zu, sobald wie möglich wieder wegzukommen. Diese Dünung setzt auch dem Löschen der Ladung die größten Schwierigkeiten entgegen und bei schlechtem Wetter soll es oft wochenlang unmöglich sein, überhaupt ein Stück zu löschen, die Schiffe müssen stets unter Dampf liegen, um jederzeit die hohe See gewinnen zu können, da von'Salzmann, Itn Kampfe gegen die Herero. 3 34 ihnen die Stürme auf dieser Reede sehr gefährlich werden können. Doch bis auf die dem Vetter Engländer gehörige Walfischbai ist kein besserer Hafen vorhanden, und daß die Dampfer es vorziehen, in Swakopmund zu löschen, trotz der geschützten Reede von Walfischbai, und trotzdem die Engländer bis an die deutsche Grenze unter großen Kosten eine Bahn gebaut haben, um eben die Dampfer zu veranlassen, im englischen Hafen zu löschen, beweist, daß die Reede wohl doch nicht so schlimm ist, wie ich es in den meisten früheren Reiseberichten gelesen habe. Mit Anbruch des Tages am 22. fing das Ausladen in die bereits am Abend vorher längsseit gebrachten Leichter an. Ein Teil der Ställe an Deck war, um Platz zu schaffen, schon weggebrochen. Die Tiere wurden mittels breiten Gurts und vorn über die Brust und hinten um die Kruppe geführten Strickes mit der Dampfwinde gehoben und einzeln in den in den langen Ozeanwellen auf und nieder tanzenden Leichter gelassen. Es war drollig, die einzelnen Tiere zu beobachten, die sich teils ganz ruhig benahmen, teils aber auch wie wild tobten. Es ging aber alles ganz glatt. Besonders gut bewährten sich unsere Kruneger als Arbeiter, nur hatten sie eine begreifliche Angst, auf ihre nackten Füße getreten zu werden. Ein Offizier hatte die Aufsicht an Deck, einer beim Ausladen an der Mole und einer die Aufsicht am Pferdekral, in dem die Tiere losgelassen wurden, um wie wild und toll herumzuspringen, sich zu keilen, zu beißen und sich im Sande zu sielen. So ging das Pferdelöschen den ganzen Tag, der kleine Pionier, der Schlepper, fuhr hin und her, einen leeren Leichter hinziehend, einen vollen zum Kai bringend. Bald waren die Leute so eingefuchst, daß in einer halben Stunde mindestens 20 Pferde in den Leichter gehißt wurden, unter den schwierigen Verhältnissen sicher eine gute Leistung. Hätten wir nur mehr Leichter und Schlepper gehabt, so wäre das Schiff in einem Tage vollkommen ausgeladen worden, so bekamen wir bis zum Dunkelwerden 323 Pferde heraus, was von den Landeskundigen kaum einer für möglich gehalten hatte. Man hatte auf 150 — 200 höchstens gerechnet. Leider kam am Abend die bedauerliche Nachricht, daß wir morgen stilliegen müssen, während der „Markgraf“ weiter auslädt, da er nach Kapstadt soll, um einen neuen Pferdetransport von East London zu holen. So löschten wir am 23. nur 36 Pferde und konnten dann Zusehen, wie der „Markgraf“ auslud; natürlich behauptete jeder, daß es lange nicht so schnell ginge wie bei uns, was ja immer so zu sein pflegt. Am Vormittag lief die „Helene Woermann“, von Hamburg kommend, mit 250 italienischen Arbeitern für die Otawi-Minenbahn ein. Die Leute schrien mit beneidenswerter Ausdauer Hurra, wahrscheinlich aus Freude darüber, daß sie an Land kommen sollten. Wie wir hörten, hatte der Kapitän des Schiffes viel Ärger unterwegs mit der aufsässigen Gesellschaft gehabt, und schließlich waren 35 alle deutschen Passagiere an Bord mit Gewehren bewaffnet worden/jum einer Revolte der Italiener entgegentreten zu können. Am 24. morgens kam die wenig erfreuliche Nachricht an Bord, daß in der vergangenen Nacht gegen vierhundert Pferde in den Kralen aus vorläufig noch unbekannter Ursache scheu geworden waren, die Umzäunungen durchbrochen hatten und weggelaufen waren. Das war ein recht harter Schlag, denn die soeben vom Schiff ausgeladenen Tiere waren doch noch nicht voll bei Kräften und mußten bei längerem Entbehren des Wassers St. A. Dr. Eggol phot. Ausladen von Pferden. Swakopmund-Reede. draufgehen. Es wurden sofort nach allen Seiten Patrouillen zu Pferde ausgeschickt, die auch fortgesetzt Pferde hereinbrachten, später teilweise in recht traurigem Zustande. Ich ging an diesem Tage auch an Land, jeder mußte selbst zusehen, wo und wie er unterkam; ich erhielt ein ganz nettes Zimmer im ziemlich abseits liegenden Bahnhofshotel, die meisten Offiziere lagen im Fürsten Bismarck und im Zentralhol el, deren Räumlichkeiten aus Holzbaracken bestanden, die am Tage glühendheiß, in der Nacht dafür sehr kalt waren. Am 26. ritt ich zum Pferdefangen mit vier Reitern auf Patrouille. Unser Weg führte uns durch steinige Hügel nach Nonidas, wo ein Zweigpferdedepot errichtet war. In der auf einsamer Höhe liegenden, aus zwei 3 * 36 Räumen bestehenden Station wohnt ein Offizier und ein Veterinär, zu ihrem Leidwesen nicht ganz allein, denn gewisse kleine Tierchen machen diesen sonst beliebten Ausflugsort der Swakopmunder nicht gerade zu dem angenehmsten. Hier steht auch der erste grüne Baum der Kolonie in der Nähe der Bahnhofsrestauration, deren Küche rühmlichst bekannt ist. In Nonidas erhielten wir einen Hottentotten als Führer, der uns die „Pad“, um gleich den landesüblichen Ausdruck für Landstraße zu gebrauchen, nach Haigamkab zeigen sollte. Durchs gänzlich wasserlose, mit etwas Gras bestandene Swakop- Flußbett hindurch ging’s bald wieder auf die steinige Fläche, die durch -• •. j ■*£ • "*Jg# Je Jif ^ '• . ” jT V*- 4fr» Mt von Salzmann, pliot. Swakopmuntl. Pferdekral. . m 1 ■aTilTRl« .' * keinen Baum, keinen Strauch, sondern nur durch die Kadaver der hier vor einigen Wochen her auf getriebenen und dabei gefallenen argentinischen Ochsen unterbrochen wird, die nicht gerade Wohlgerüche verbreiten. Wir fingen einmal drei Pferde und dann nochmals zwei Pferde, andere waren bereits derartig scheu, daß sie sich trotz der größten Mühe und Vorsicht unsererseits nicht greifen ließen. An etwas tiefer liegenden Stellen fanden wir kleine Kürbisse, die wir probierten, aber bald wieder wegwarfen, da sie infolge ihrer Bitterkeit ungenießbar waren. Die Sonne brannte entsetzlich, Mann und Pferd hatten dringend Bedürfnis nach Wasser, denn unsere Feldflaschen waren längst geleert. Unser Hottentotte erwiderte stereotyp auf alle Fragen: „Nicht mehr weit.“ Sagte man eine halbe Stunde oder eine 37 Stunde, so sagte er stets jawohl, hätte man zwei Tagemärsche gesagt, so hätte er wahrscheinlich auch jawohl geantwortet. Plötzlich stand ein Wegzeiger am Wege, an eine alte Zementtonne war mit weißer Farbe angemalt „Nach Haigamkab“. Also endlich, wir bogen links in eine felsige Schlucht ein, die allmählich etwas Baumwuchs zeigte. Bei einer Biegung sahen wir vielleicht 400 Meter vor uns unter hohen Bäumen eine Gebäudegruppe, die Station Haigamkab; als wir näher kamen, wurde an einem Flaggenmast die deutsche Flagge gehißt, und ein alter Feldwebel, Kommandant des Platzes, kam auf mich zu und machte seine dienstliche Meldung. Bald waren Pferd und Mann untergebracht, schnell wurde Kaffee für uns gekocht und Essen beigesetzt. Es war ein idyllisches Plätzchen diese Station, mitten zwischen hohen Felsen gelegen. Seit Ausbruch des Aufstandes hatte der Feldwebel Zuwachs bekommen, und zwar zwei Landwehrleute, von denen der eine verheiratet war und mehrere Kinder mitgebracht hatte, die jetzt vergnügt im Sande herumtollten. Von den beiden Landwehrleuten hatte der eine einen kleinen Laden an der Hauptverkehrsstraße, der andere eine kleine Gemüsefarm im Swakop-Flußbett besessen. Beide waren von herumvagabondierenden Schwarzen total ausgeplündert. Nun hofften sie auf die Entschädigung aus Deutschland und besonders die Frau des einen bestürmte mich mit von Salzmann phol S. M. S. ,,Habicht“ in Swakopniund. 38 r- Fragen, aufjclie ich leider die Antwort schuldig bleiben mußte. Nur einmal im Monat fährt der Feldwebel mit seinem Karren nach Swakopmund, um für den nächsten Monat einzukaufen und Rechnung zu legen. Seitdem die Eisenbahn existiert, kommt kaum noch ein Reisender über diese Station, daher waren die Insassen auch gänzlich unorientiert über die ganze Lage und über die letzten Gefechte und dankbar für jede Neuigkeit, die wir ihnen mitteilen konnten. Wir verlebten einen angenehmen Abend, bekamen ordentlich zu essen und ließen uns manche Aufklärung über afrikanische Verhältnisse geben, von Salzmaim phot. Pferdeausladen auf der Mole Swakopmund. ..v.te-.J«' •V? fc*sr; um allmählich zu richtigen alten Afrikanern zu werden. Mich erinnerte diese kleine Station an manche Raststelle im chinesischen Turkestan, der Sonnenuntergang hinter den rötlichen Felsen war genau so wunderbar schön wie in der Wüste Gobi. Ich hatte dank der Liebenswürdigkeit des Feldwebels sogar ein Bett und schlief zum ersten Male im Innern des Landes prachtvoll. Am nächsten Morgen ritten wir mit Sonnenaufgang ab, das Flußbett abwärts nach Richthofen zu, es ging zum Teil durch dicken Busch, dann wieder über sandigeStellen, die noch vom Wasser durchtränkt waren und in denen die Pferde tief einsanken. Zum ersten Male bekam man einen Begriff von afrikanischer Wildnis, ab und zu sah man einen Klippbock, der blitzschnell im Busch verschwand. Wir passierten die kleine Farm des Landwehrmannes, der Hausrat war herausgezerrt und davor verstreut, der abkommende Fluß hatte den Garten zerstört, viel Fleiß war mit einem Schlage dadurch vernichtet worden. Die das Flußbett einengenden Felsen -'S«-“ J *~-v 'r**.**; i&sr+’fi- $ j < A \ .,>i St. A. Dr. Eggel phot. Mole Swakopm und. - * » «tg —sr*.»- " — r&SST' ÈgB0i:. :T-S-. : l: m*ï *•»**•• 1 » fr i i ) i i r i i ii i; 4i traten allmählich weiter zurück und gegen n Uhr waren wir an der Station Richthofen an der Bahn angelangt und tränkten unsere Pferde aus den eisernen, auf der Station stehenden Bassins. Dann ging’s weiter nach Nonidas, unterwegs trafen wir eine ganze Herde Ochsen, die seinerzeit bei einem Ochsentransport weggelaufen sind und nun sich halbwild herumtreiben. Außerdem passierte es auch uns wie noch mancher anderen Patrouille nach uns, daß wir den dem Gastwirt in Nonidas gehörenden, friedlich grasenden Fuchshengst einfingen, um ihn stolz als gefangenes kaiserliches Tier einzubringen. Das Unglücksvieh war schon recht oft eingefangen worden und kannte die Sache schon ganz genau. üfciSU-*' von Salzmann phot. Feldschmiede Swakopmund Von Nonidas ging’s zurück nach Swakopmund. Hier war unterdessen der schon lange Jahre bei der Schutztruppe befindliche und mit allen einschlägigen Verhältnissen wohl vertraute Hauptmann von Heydebreck eingetroffen, der speziell die Batterien mobil machen sollte, mit ihm kam eine ganze Anzahl von Witbois, die uns teilweise beim Einfangen der entlaufenen Pferde helfen und uns späterhin als Führer für die Pferdetransporte dienen sollten. Sie erwiesen sich für den ersteren Zweck als recht nützlich und brachten auch noch eine ganze Anzahl von Pferden herein, teilweise in jammervollem Zustande infolge der Entbehrungen; fünf Tage nach dem Entlaufen waren bis auf einen geringen Teil alle wieder eingebracht. Wir beschäftigten uns in den nächsten Tagen mit Zusammenstellung der Ausrüstung der Batterie, mit Bewegen und Pflege der uns zugeteilten Pferde. Die Batterien waren neu eingeteilt. In dem Buschgelände hatte sich die 42 Leitung der Batterien zu sechs Geschützen als zu schwierig erwiesen, die Batterien wurden daher zu vier Geschützen formiert und aus den über- von Salzmann phot. Pferdetransport. S wakopmund—Oka hand ja. Vizewachtmeister der Reserve Freiherr v. Khaynach. li l't*.' \ M.M •sTi rm von Salzmann phot. Eisenbahn in Swakopmund. •’***'■*> schießenden Zügen eine neue Batterie unter Oberleutnant von Müller und ein selbständiger Zug unter Oberleutnant von Madai formiert. Letzterer ging mit dem Detachement von Zülow nach dem Norden über Out jo nach 43 mm jjy&K*- von Salzraann pliot. Verladen von Gepäck. Swakopmund. Grootfontein, um ein Durchbrechen der Herero in dieser Richtung zu verhindern. Schon am 30. fuhr der Zug Madai ab nach Kubas, um dort mobil zu machen. Wie lange mag es dauern, bis wir die scheidenden Kameraden Wiedersehen werden! Zwischen uns und ihnen befindet sich der böse Feind, also erst nach geschlagener Schlacht. Schlußvignotte von Margarete Persson-Henning. Imqff Viertes Kapitel. Mobilmachung der Batterie. Mit Ungeduld warteten wir auf den endgültigen Abmarschbefehl, alles war fertig bis auf die Bespannung, die bösen Muli, von denen man so viel Schlimmes erzählte. Endlich am 4. Mai konnte ich mit sämtlichen Pferden der Batterie den Marsch nach Kubas antreten, wo wir endgültig mobil machen sollen. Über Richthofen, Khan, Dorstrivier gelangten wir nach Kubas, mußten jedoch wegen Wassermangel an diesem Ort weiterziehen nach Abbabis; dieser fünftägige Marsch gab uns schon einen Begriff von dem, was uns später erwartete, besonders machten sich die Wasserschwierigkeiten bereits unangenehm fühlbar. Für Verpflegung von Mann und Pferd war überall noch gut gesorgt, die Hitze zwang uns zu Nachtmärschen. Wir hatten den breiten Wüstengürtel durchquert und waren in ein steppenartiges Weideland mit schroffen vegetationslosen Bergen gelangt. Am 8. Morgens trafen wir in Abbabis ein. Außer dem über unsere Ankunft trotz vorheriger telegraphischer Ansage gänzlich ahnungslosen Stationsgefreiten fand ich auf einer kleinen Anhöhe in weißen Baracken ein Genesungsheim vor, in dem genesende Offiziere und Soldaten noch einige Zeit zur Erholung vor ihrer Abreise zur Front oder nach der Heimat zubringen sollen. Im übrigen war auch nicht das allergeringste zur Unterbringung der im Laufe desselben Tages mit der Bahn ankommenden Batterie vorbereitet. Trotzdem meine Leute vom Nachtmarsch recht müde waren, Kopfleiste von Margarete Persson-Henning. Abbabis. 45 mußten wir sofort an die Arbeit gehen. Hier in Afrika gilt wie eben in jedem Feldzuge das Wort: Hilf dir selbst. Ich telegraphierte also zuerst nach allen Seiten unsere Verlegung von Kubas nach Abbabis, ferner bat ich um Proviant für die Leute und um Furage für unsere hungrigen Tiere. Aus Vorgefundenem Zeltmaterial konstruierten wir uns eine Art Zelt, um die Leute wenigstens wieder einmal unter Dach und Fach zu bringen, denn bisher hatten wir stets bei Mutter Grün kampiert. Ein ziemlich defekter Pferdekral wurde verstärkt durch abgeschlagenes Dorngesträuch, die Wasserstellen, zwei in den Felsen gesprengte tiefe Löcher, rekognosziert und im nicht demolierten Stationsgebäude für die Offiziere Quartier gemacht. Der Chef des Genesungsheims stellte mir in liebenswürdiger Weise leihweise etwas Reis und Konservenfleisch sowie Brot zur Verfügung, für die Offiziere sogar Betten — welch unerhörter Luxus, denn später schläft man immer hübsch auf der Erde. Jedenfalls gab es Arbeit genug, doch war ich bis zum Eintreffen der Batterie um 2 Uhr nachmittags so weit über alles orientiert, daß ich mit Vorschlägen zur Unterbringung der Leute sowie deren Verpflegung kommen konnte. Ja das ist eben etwas anderes, als wenn man wie zu Hause womöglich das Essen schön hergerichtet vorfindet, jedes Pferd seinen Stand und seine Krippe voll Hafer hat, hier heißt es wie gesagt überall: Hilf dir selbst. Am Abend kamen dann noch unsere Bespannungsmaultiere, 73 Köpfe stark, in einer Herde getrieben an. Ach diese lieben Tiere, wenn ich an sie denke, durchzieht Wehmut mein Herz. Wie sahen nach einigen Tagen meine Hände aus, zerrissen, zerschrammt und voller Wunden, dazu keinen heilen Knochen mehr im Leibe und nichts als zerschundene Stellen und blaue Flecke, das war das Resultat von zwei Tagen Muli einfangen. Wenn man hier als Offizier nicht mit zufaßt, geht die Karre nicht, außerdem hat es mir stets Spaß gemacht, so eine wilde Bestie klein zu kriegen, und ich St. A. Dr. Es^gel phot. Ein Bambuse. n 46 35 k S** '$Eä$ßs$ •.-.S^’ ■.> $& f ‘ ‘r £ &Wmsd 4 Sfe££i.S^! , 5 »- ( gt**'--'*' r £‘ W '*'»*31 'ZtÜLdti '*WW 5C*s~- ■ «i *« jffi '«fei*!;; ;.-*% St. A. Dr. Eggel phot. Material der fünften Batterie verladen auf der Eisenbahn Swakopmund—Windhuk. St. A. Dr. Eggel phot. Genesungsheim Abbabis. ms»? waa? s*f ?««s I&fr.mm 1 - >if f-1 47 kann wohl sagen, daß es uns ganz gut gelungen ist. Das ist eine hübsche Gelegenheit, seine Leute kennen zu lernen. So mancher hielt immer recht weit hinten an dem Strick, der vorn eine Schlinge hatte, mit der man das Tier aus der Herde heraus fing. Wieder andere gingen mit einem famosen Schneid an die wie verrückt um sich schlagenden Tiere heran, um die langen empfindlichen Ohren zu fassen und sanft zu kneifen. Ein seine Übung hier abmachender Unteroffizier der Reserve vom 19. Dragoner-Regiment, Freiherr von Khaynach, und meine Wenigkeit hatten den hübschen Posten, bt. A. Br. Eggel phot. Eisenbahn im Khan-Rivier. •MT«*» ,1 WiUUIpMI I dem in der Schlinge gefangenen Tier sofort an den Hals zu springen, um die Ohren zu fassen. Später machten es dann andere von unseren Leuten, und mit wahrer Freude sah ich den Reiter Pyko vom 4. Kürassier-Reg. und seinen Kameraden Michna, zwei brave Polen, und andere trotz vieler blutender Risse und Schrammen immer wieder ihr gefährliches Amt vollziehen. Am Abend hatten wir 65 Tiere gefangen und nur noch acht trotzten unseren Bemühungen mit der besonders dem Maultier eigenen Schlauheit; immer und immer wieder gelang es ihnen, der drohenden Schlinge zu entgehen. Am nächsten Morgen, den 10., fühlte jeder seine Knochen etwas, und ein Witzbold bemerkte sehr richtig, eigentlich müßte uns der 9. Mai als Gefechtstag gerechnet werden, denn schlimmer könne 4 8 1 ■: ^v> K a f f e r n - W e i b e r. von JSalzinaim phot. es in einem Gefecht mit den Schwarzen auch nicht zugehen. Die Tiere wurden nun eingespannt, immer acht vor ein Geschütz, davor noch ein Paar Pferde als vorderstes Paar. Sie benahmen sich bis auf wenige Ausnahmen ganz vernünftig und zeigten sich besonders recht bald für gute Behandlung sehr empfänglich, obwohl sie stets mißtrauisch blieben, was man schon dem Auge des Tieres ansieht. Schon nach wenigen Tagen Fahrübung waren wir so weit, daß wir auch im tiefsten Sande mit den Geschützen nicht mehr Rast. Dorst-Rivier. von Sakmann phot. 4 ^- 49 stecken blieben, und wiederum begann für uns die Zeit sehnsüchtigen Wartens auf den Befehl zum Vormarsch zur Front. * von Salzinann phot Abbabis. Appell. Ai®gf: St. A. Dr. Eggel phot. Einfangen von Maultieren. Abbabis, :?*i**} Nur einmal kam Abwechslung in unsere Einsamkeit. Am xo. Mai mittags kam plötzlich Oberleutnant d. L. Kuhn aus Karibib an mit einem von Salzmann, Im Kampfe gegen die Herero. 4 ■ — 50 — von Salzmann pliot. Maultierfangen. . mm mmmt. ■KÄS* Sks^aS^".- I MÆ mmm W^m&m iSgSc^&aSfl St. A. Dr. Eg-gel phot. .Er will absolut in die Dornen. iT~i*23 aras vF&i *%■£}?* r '^TtPSb" Al aultierfangen. mEiüi — 51 — Ä-vHf '■'<•- »*sr?r- t. A. Dr. Eggel phot. Geschützexerzieren in Abbabis. jF-jsgg iM* tS@i '■ «iHn Ä^SF isc. A. Ui. pllol. Scharfschießen der 5. Batterie in Abbabis. lüSÜSii &&*?■ Jpsk# - u'Vy aftt 1 s*4? Ruhepause einlegen, ehe an den Weitermarsch gedacht werden konnte. Dieser führte uns dann in einem sandigen Flußbett entlang, in dem wir ■ *S. ’>«& rnrnä dH.'-- ***<,' fr« Fäöäfe •£>>; ,™ jßjg». i ^ St. A. Dr. Efftrel phot. Im Erongo-Gebirge. cL«^^.u>;nwAuuntv9innmftRtm»ravM«BiKKranKThw«iTO4Mt>>>\x;ftv;cu47>KKU9«vH .'- Æ'-*5r i’arv,S#ï risSSft^.j'ÿ. W?** iïîi?, jLiSz •tS*#**» 57 B8**& St. A. I)r. Eggol phot. Scharfschießen in Abbabis. ¥*&£■ " • 'Y s- > t. 63 sichtig vorgegangen, wenn man eine Remonte zuerst einspannt, und hier spannt man gleich acht gänzlich rohe Tiere zusammen, und es geht auch! Genau dieselbe Erfahrung machten wir übrigens seinerzeit mit den Australiern in China. Man konnte in dem sonst in’ gänzlich reizloser Gegend liegenden Karibib noch die Schanzen sehen aus der Belagerungszeit her. Im allgemeinen macht man sich von diesen „Städten“ Deutsch-Südwestafrikas in der Heimat eine ganz falsche Vorstellung. Ein Bahnhofsgebäude, einige St. A. Dr. Eggel pliot. Zerstörte Bahnhofsgebäude in Waldau. Hotels verbunden mit einem offenen Laden, dem „Store“, das ist alles. Hier in Karibib sind einige Gebäude mehr, also ist es eine Großstadt. Wir aßen „teuer und schlecht“, das Bier war auch hier gänzlich ausgegangen, dafür mußten wir Wein trinken. Abends kam Post an aus der Heimat, was immer einen Freudentag im Felde bedeutet. Nachts ging’s weiter nach dem gänzlich zerstörten Johann-Albrechts- höhe, wo früher die Gebirgsbatterie gelegen hatte, von dort nach Wilhelmstal und Okasise, stets durch reizlose Buschsteppe, in der Ferne begleitet von kahlen Höhenzügen. Überall waren die Bahnhöfe zerstört, und die Wasserversorgung machte Schwierigkeiten. In Okasise kam der bei Owi- kokorero verwundete Oberleutnant zur See Herrmann, der noch in der Schulter und in der Hüfte je eine Hererokugel sitzen hatte, durch. Der 64 liebenswürdige Offizier, der trotz seiner schweren Verwundungen den Humor nicht verloren hatte, wurde noch am selben Tage auf der Eisenbahnfahrt von einem irrsinnig gewordenen italienischen Arbeiter ins Bein geschossen. Derselbe Italiener verwundete noch mehrere unserer Leute schwer. Für Herrmann war es jedenfalls ein eigentümliches Unglück, nachdem er mit knapper Not und Mühe den Herero entronnen war, nun beinahe noch der Kugel eines Irrsinnigen zum Opfer zu fallen. Der nächste Marsch brachte uns in bergiges Gelände, wie stets mit dichtem Busch und vereinzelt mit großen Kameldornbäumen bestanden, St. A. Dr. Eggel phot. Bei Okakango. Vt * 1 * die wenigstens etwas Abwechslung in die sonst so einförmige Landschaft bringen. Wild zerklüftete Felspartien finden sich im Gelände verstreut, ab und zu sieht man wilden Kaktus und Aloe wuchern, manchmal ist der Busch so dick, daß man nicht fünf Schritte abseits des Weges sehen kann. Man bekommt hier allmählich einen Begriff von den Schwierigkeiten der Kriegführung und begreift, warum Witbois und Bastards so absolut unentbehrliche Bundesgenossen sind. Ich habe noch keinen Baum und keinen Busch entdeckt, der nicht Dornen trüge und die holländische Bezeichnung „wart en bittje“, d. h. „Warf ein bißchen“, ist absolut zutreffend. Geht man durch den Busch, so wird man bald hier bald dort festgehalten, reißen hilft nichts, denn es gibt nur Löcher in die Sachen, man muß hübsch 65 warten lind recht vorsichtig die Dornen aushaken, für ungeduldige Menschen nebenbei die schönste Kur. In Waldau lagen wir mit der Kompagnie Wilhelmi und noch zwei weiteren kleinen Infanterie-Detachements zusammen. Hier hatten die Schwarzen besonders schlimm gehaust und mit einer gewissen Liebe und Sorgfalt alles zerstört. Wir schlugen unser Quartier in der gänzlich demolierten Villa Wecke auf, mir war es aber zu zugig in den rauchgeschwärzten Mauern, und ich zog es vor, mir ein Nest aus Preßheuballen zu konstruieren. Abends trat dann ein Naturphänomen t—-- je: St. A. Dr. Eggol phot. Okakango. i. Der Verfasser. 2. Hauptmann Stahl. 3. Leutnant Freiherr v. Watter. ein, jedenfalls war es für die jetzige Jahreszeit ein solches, ein Gewitter zog schwarz herauf, und bald goß es wie mit Strippen, alles durchweichend. Meine Heubude hielt leidlich dicht, nur war es mir für die Nacht beinahe zu warm darin, so hatte ich mich schon’an die Kälte gewöhnt. Der 23.'Mai brachte uns endlich nach Okahandja am Swakop- flusse, der noch stellenweise schwach fließendes Wasser zeigte. Unterwegs hatten wir in Okakango an der schönen Farm des Oberleutnants Ziegler gerastet und endlich einmal ein wirklich hübsches Fleckchen Erde gefunden. Auch Okahandja zeigt einige anziehende Punkte. Militärstation, Bahnhofsgebäude, einige Stores um einen mächtigen freien Platz, eine von Salzmann, Im Kampfe gegen die Herero. 5 66 kleine schmuck- und geschmacklose Missionskirche, das ist alles. Im übrigen viele Zelte und noch mehr Soldaten, so ungefähr wie zu Hause auf »■_ a St. A. I)r. Ejrpol phot. Rast. 5. Batterie in Okakango. tfvSö von Snlztimnn phot Witbois bei Okakango. ^ * ^Siäer .... 1 - . x .• dem Truppenübungsplätze sah es hier aus. Von den erhofften Neuigkeiten war nichts zu hören, nur das eine holten wir, daß bei den Eingeborenen 6 ? Pocken wären und bei unseren Truppen viel Typhus herrschte. Wir erhielten die Gebäudegruppe des ermordeten Ladenbesitzers Denker als ■Quartier zugewiesen und richteten uns dort so gut als es eben ging ein. Zugleich fragte unser Führer beim Hauptquartier an, ob wir nicht nach Okakango bis zum endgültigen Abmarsch übersiedeln dürften. Abends traf die Genehmigung hierzu ein und am 24. siedelten wir nacli dem hübschen Okakango über; in der großen Farm war Platz genug für Offiziere und Mannschaften der Batterie, so daß wir endlich einmal wieder unter Dach und Fach schlafen konnten. je - •. *1 • von Siilznmnn phot, Farm Okakango, ■ ■ ! fclf . fr • Mit uns zusammen lag hier die Witboi-Abteilung unter Leutnant Müller von Berneck, die Witbois lagen draußen im Halbkreise um die Farm herum verteilt in einzelnen Gruppen. Ihre Pferde waren den ganzen Tag auf der Weide unter Aufsicht einzelner Leute. Die übrigen lagen den ganzen Tag rauchend, schwatzend und schlafend an ihren Lagerfeuern. Nur ab und zu hatten sie Appell, um zu konstatieren, daß Pferde und Waffen in Ordnung waren. Einen regelrechten Dienst kann man mit diesen freiwilligen Bundesgenossen nicht abhalten, man muß sie nehmen, wie sie sind, und darf sie in ihrer Freiheit möglichst wenig beeinträchtigen, sonst gehen sie ebenso wieder weg, wie sie gekommen sind, und wir haben das Nachsehen. Unter sich halten sie trotzdem auf Disziplin, und der Führer, der Kapitän, straft rücksichtslos mit 25 Hieben, wenn er es für notwendig 68 hält. Der deutsche Führer’verkehrt mit den Leuten durch einen Dolmetscher, einen im Lande aufgewachsenen Deutschen, der jeden Dialekt versteht. Für den Offizier ist es eine außerordentlich schwierige Stellung, die sehr viel Takt und^ besonders Ruhe erfordert. von Berneck ist besonders vom Gouverneur dazu ausgesucht und versteht es allerdings nach unseren Beobachtungen sehr gut, mit den Leuten umzugehen. Sie genießen jetzt für Mann und Pferd Ruhe, um sich für kommende'' Strapazen vorzubereiten, werden frisch beritten gemacht und ausgerüstet. Allmählich lernten wir auch hier den Unterschied zwischen Witbois, Gochassern und Herero zu machen. Die Witbois sind besonders kenntlich an den weißen Hüten, die sich aber auch andere gar nicht zu ihrem Stamm Gehörige anmaßen; die Gochasser haben gelbe Hüte. Bei Oviumbo hatten sich die Herero auf dem rechten Flügel ebenso kostümiert, so daß es zwischen ihnen und der Witboiabteilung zum Handgemenge kam, bei dem — für afrikanische Kriegsweise bezeichnend ■— keiner der Beteiligten Schaden nahm. Vorsicht ist auch hier der bessere Teil der Tapferkeit. Termiten-Hügel. von Salzmann phot 6 9 Wieder kamen arbeitsreiche Tage für uns, die' Pferde mußten frisch beschlagen, alle Tiere mit der Batterienummer gebrannt werden. Die Tiere mußten weiden lernen, hierzu fuhren wir dort, wo gutes Gras war, mit den Geschützen und Munitionswagen einen Kreis, dann wurde abgesattelt, die einzelnen Tiere teilweise unter recht heftigem Sträuben mit der Spannfessel gefesselt und losgelassen. Zuerst stellten sie sich sehr ungeschickt an und kamen mit den beiden gefesselten Vorderbeinen kaum von der Stelle, es dauerte jedoch nicht lange, so konnten sie mit der angelegten Spannfessel ebenso schnell galoppieren, als ob sie ganz frei wären. St. A. Dt. Fggel phot. Kirche Okahandja. Typhuslazarett. t Mancher Kompagnie- und Batterieführer mag die Hände verzweiflungsvoll gerungen haben, wenn die Meldung einlief: sämtliche Pferde sind entlaufen. Wir Artilleristen hatten es mit unsrer natürlichen Eingrenzung, den Geschützen, ganz gut, der Infanterie entliefen die Tiere ziemlich oft. Durch das kleinste Ereignis, z. B. einen auffliegenden Vogel oder einen durch den Busch streichenden Schakal, erschraken einzelne Pferde, galoppierten einige Sprünge, und sofort setzte sich der ganze Trupp in Galopp. Dem Ansturm dieser Masse von Tieren standen natürlich die Posten machtlos gegenüber, und die Tiere verschwanden im Busch. Merkwürdigerweise hielten sie sich hierbei nicht im großen Pulk zusammen, sondern zerstreuten sich zu zweien und dreien weithin, was ihr Einfangen um so mehr 7o erschwerte. Außerdem rissen sie sich die^ Beine an den Spannfesseln auf, was späterhin ihreFesselung erschwerte. Bekanntlich galoppiert aberein frei laufendes Pferd stets mit hoch erhobenem Kopf, wir fesselten nun die Tiere mit dem Halfterstück außerdem ans rechte Bein, also eine sogenannte Kniefessel, auf diese Weise konnten sie wohl bequem grasen, aber nicht mit hoher Nase weglaufen; der Erfolg dieser Maßregel war recht gut und fand derartigen Anklang, daß er von seiten der höheren Führung als allgemein gültiger Befehl ausgegeben wurde. Aber trotz all dieser Maßregeln St. A. Dr. Eggel pliot. Ochsenwagen in Okahandja. -X-*. -'v **>«•*£■ H»££ ■ -jeant fiel uns abends regelmäßig ein Stein vom Herzen, wenn wir all unsere Pflegebefohlenen im Kral zusammen hatten. Ruhige Behandlung ist das beste Mittel und bewährte sich auch bei uns am besten, denn uns sind die Tiere nie weggelaufen, allerdings haben wir vorsichtigerweise eine lange Reihe von Tagen vergehen lassen, ehe wir sie frei, ohne den Geschützkreis grasen ließen. Das Einfangen der ganz frei laufenden Tiere dauert jetzt höchstens noch zehn Minuten. Einzelne sind natürlich immer noch widerspenstig und wollen sich nicht greifen lassen. Bei diesen lassen wir einen besonderen Strick lang schleppen, den man dann ganz vorsichtig herangehend ergreift. Der betreffende Muli ergibt sich hierauf meist auf der Stelle und folgt seinem Führer willig. Unsere Leute haben natürlich ihre Pferde, denen offiziell eine Nummer auf den Huf gebrannt ist, getauft. Da 71 gibt’s eine Else, einen Bello, Liese, viele Lotten, natürlich mehrere Hänse und andere. Jeden Morgen wurde ausgerückt, um das Fahren im Busch zu üben St. A. I)r. Egsol phot. Feste im Ok a handj a. Pferdekral. t.—. «• 5. Batterie in Okahandja. von Salzmann phot. und etwas am Geschütz zu exerzieren, als Ziel gibt’s immer nur Schützen, ein anderes hat man ja nicht zu erwarten. Außerdem bekamen wir vier mit je 20 Tieren bespannte Ochsenwagen überwiesen, die den Proviant für mehrere Wochen, die zweiten und dritten Mannschaftsdecken, Hafer, WS , — 72 — St. A. Dr. Egget phot. Okahandja. Blick nach Osten. %'i •;«£. *si'£. mmm St. A. Dr. Eggel phot. Ochsen wagen in Okahandja. Munitions-Reserve und Vorrats teile mitführten. Diese Ochsenwagen, ebenso plump wie außerordentlich geeignet für dieses Land, sind zur Genügefbe- schrieben. Selbstredend kam mit den Tieren das zugehörige schwarze Personal mit. Am 30. Mai traf Oberst Leutwein in Okahandja ein, da er die Hauptabteilung selbst führt, für uns ein Zeichen des baldigen Abmarsches, zu dem alles vorbereitet wurde. Am 31. fand eine Parade der in Okahandja versammelten drei Kompagnien, drei Batterien und der Witbois vor dem Gouverneur statt, bei der ich die Ehre hatte, die fünfte Batterie vorzuführen. Unser Abteilungskommandeur war krank, und mein Hauptmann führte die Abteilung. Die Parade, der eine Ansprache seitens des Gouverneurs mit einem Kaiserhoch voranging, gewährte ein famoses von Salzmann phot. Mein BurscheJZylinski. ^ A .a A vA-rv-ci TTt-.:. SS» kriegerisches Bild. Hinterher fand ein Feldgottesdienst mit Abendmahl statt. Wir erhielten an diesem Tage noch einen Offizier, Leutnant Zwicke, von den neu Herausgekommenen zugeteilt, so daß wir jetzt wieder drei Leutnants bei der Batterie sind. Am 4. Juni marschierten wir endlich ab auf Otjosasu, biwakierten am Abend an einem trockenen Flußlauf, in dem wir uns Wasserlöcher gruben, in welche das trübe, aber ganz wohlschmeckende Wasser langsam hineinsickerte. Die sehr durstigen Tiere mußten mit aller Gewalt zurückgehalten werden, in die mit vieler Mühe gegrabenen Wasserlöcher zu stürmen. Da das Wasser nur sehr spärlich rann, dauerte das Tränken bis in den späten Abend. Als sehr nützlich erwiesen sich schon hier die auf den Ochsenwagen mitgeführten Tränken aus wasserdichtem Stoff mit ganz einfachem Eisengestell zum Aufstellen. Für unsere Tiere waren übrigens diese beiden ersten Märsche nach der längeren Ruhepause eine 74 schwere Anstrengung, da es den ganzen langen Weg entsetzlich staubte und fortgesetzt bergauf und bergab ging. In Otjosasu bezogen wir westlich der Mission einen Biwaksplatz an der Straße, den wir bald mit einem südlicher jenseits des Swakop Riviers gelegenen vertauschten, da es an der Straße zu sehr staubte. Unsere erste Hauptsorge war auch hier wieder die Versorgung der Truppe mit Wasser. Im trockenen Flußbett wurde an verschiedenen Stellen gegraben und endlich ein größeres Loch ausgehoben, in dem sich allmählich genügend Wasser für den Bedarf der Batterie sammelte. Bei der Mission existiert zwar ein Brunnen, jedoch hätte derselbe begreiflicherweise bei weitem nicht dem Bedürfnis sämtlicher Truppenteile genügt. Wir richteten uns unser Biwak wieder so gut es eben ging ein und verbrachten unsere Zeit hauptsächlich damit, unsere Pferde zu weiden und uns an ein Fahren und an Gefechtsbewegungen im dichten Busch zu gewöhnen. Gerade das Fahren im Busch bietet unglaubliche Schwierigkeiten. Die Tiere, besonders unsere deutschen Pferde, haben einen heillosen Respekt vor den Dornen, und oft genug passierte es im Anfänge einem der Vorderreiter, daß sein Pferdepaar über den zu nehmenden Weg seine eigenen Ansichten hatte. Unsere Stangenmulis werden vom Bock aus, also von der Protze aus, gefahren. Wir machten damit die Erfahrung, daß sie erheblich besser zogen, da ihnen der Reiter bei der zu leistenden Zugarbeit zu schwer wurde. Die anderen tauften uns dafür: von Salzmann jihot. Leutnant Freiherr v. Watter. Vizewachtmeister der Reserve Freiherr v. Khaynach. — 75 — s-£ 5&V V St. A. Dr. E?p;el phot. Rast von Salzmann pliot. Onganjira. i. Stellung der Gebirgsbat terie. W : y ' ‘' -- TtMiMlfri“ t>^vs»3;V jgsKSw L*?#E ■J**- I sic m L 7 6 die Boerenbatterie: die Boeren haben seinerzeit nämlich ihre sämtlichen Tiere vom Bock aus gefahren. Doch dürfte dieses bei unserem Zehner- von Salzmann phot. Onganjira. Schlüsselpunkt der Hererostellung. mm iiliip Wß-00%9 äp»l#Äily@ SSÄ&iläiSä &Sip3fe m?ü£&z i'fcd&.ued'JiiAUlMVflff von Salzmann phot. Onganjira. Hererostellung von der letzten Stellung der Feldbatterie aus. gespann wohl nicht gelingen, da unsere Leute nicht derartig in der Handhabung der langen Ochsenpeitsche geübt sind, wie es jeder Boer durch Leitung des Ochsenwagens ist. 77 Abends gingen wir meist in die Umgebung auf J agd, um so unserem ziemlich einfachen Küchenzettel mal durch ein Perlhuhn oder so etwas einige Abwechslung zu bringen. Leider wurde uns bald dieses einzige Vergnügen unterbunden, da das Schießen verboten wurde, um nicht unnötige Alarmierungen der Truppe hervorzurufen. Am 9. Juni besichtigten wir im Beisein des Obersten Leutwein das Schlachtfeld von Onganjira. Es war sicher ein sehr lehrreicher Tag für uns alle, besonders da uns von Augenzeugen alles an Ort und Stelle erläutert werden konnte. Mit welchem Raffinement hatten die Herero ihre Stellungen befestigt! Es war eine Feldbefestigung unter Ausnutzung des von Salzmann phot. Schlachtfeld Onganjira (Ende der Hererostellung). illpilip BhIIpIII mk yi Geländes, die jedem deutschen Truppenteil Ehre gemacht hätte. Abgesehen von Deckungen für den Schützen und für Unterstützungen hinter der eigentlichen Feuerlinie waren überall vor den Schützenstellungen Dornverhaue in der Hauptfeuerdistanz angebracht, und hätte nicht unsere Artillerie infolge des gebirgigen Geländes hervorragende Gelegenheit gehabt, den Feind zu beschießen, so wäre es wohl kaum ohne die schwersten Verluste geglückt, diese formidablen Stellungen zu erstürmen. Die Herero zogen sich daraus die Lehre, daß ein Kampf im gebirgigen Gelände infolge mangelnder Artillerie aussichtslos sei. Daß sie es verstanden, die Nutzanwendung zu ziehen, beweist das wenige Tage darauf folgende Oviumbo. Ihr Kampfgelände ist der dichte Busch, in dem sie uns ruhig anlaufen lassen und dann wegschießen. Artillerie ist hier wirkungslos, dagegen kommtj das Maschinengewehr hier erst zur vollen Geltung. Es ist die 78 eigentliche Waffe für den Buschkrieg, und so mancher Augenzeuge bebestätigte, daß offensives Vorgehen der Herero bei Onganjira sich nur gegen die Artillerie, bei Oviumbo dagegen gegen die Maschinengewehre richtete. Es beweist, wie schnell die Herero die Hauptstärke des Gegners erkannt hatten, andererseits will der Schwarze um jeden Preis eins der ,,groot Rohre“ erobern, sei es, um es gegen seinen Feind zu richten, oder wohl mehr, damit die Kunde davon das ganze Land durchläuft und ihm neue Anhänger zuführt. Auch hier bei Onganjira hatte die allgemeine Gefechtsaufstellung der Schwarzen Trichterform, in dessen Mitte der Feind is V. tk&S&r von Salzmann phot. Gräber bei Onganjira. Kriegsberichterstatter des Lokal -Anzeigers Hauptmann a. D. Dann hau er. marschieren sollte, um dann von allen Seiten zugleich angegriffen zu werden. Dieses Prinzip der Überflügelung des Gegners tritt stets zutage, besonders sahen wir es bei Owikokorero, wo es glückte, und bei Oviumbo, wo es beinahe glückte. Bei Onganjira dagegen traf die vormarschierende Truppe den linken Flügel des Feindes, ohne dieses zu wissen, denn erst durch die ganz vorzüglichen Meldungen derWitbois unter Leutnant Müller von Berneck wurde die weite Ausdehnung der feindlichen Schlachtlinie festgestellt und diese durch den weiteren Angriff aufgerollt. —Wir folgten mit Spannung der Schilderung des Verlaufs des Gefechtes stets von der betreffenden Stelle aus. Zuletzt besuchten wir noch die Gräber der Leutnants von Erffa urd von Estorff sowie der Reiter Kroll und Scholl. An 4 79 den kleinen inmitten eines Dornkrales gelegenen Grabhügeln hatten die Schakale gewühlt; die Hügel wurden von uns wieder in Ordnung gebracht, leider ist vor diesen Aasfressern eben kein Grab, mag es noch so tief und sorgfältig angelegt sein, sicher. In China sah ich, daß die Japaner ihre Leichen stets verbrennen, ich würde ein solches Verfahren in einem Kolonialkriege auch für äußerst empfehlenswert halten. Nebenbei hat es auch vom hygienischen Standpunkt aus seine Vorteile und last not least wäre es möglich, die Asche der Gebeine in die Heimat überführen zu können, ohne daß Bedenken irgendwelcher Art sich dem entgegen stellten. mm * • _y V * voll Salzmaim pliot. Vizewachtmeister der Reserve Ireiherr v. Khaynach bei seinem .,Soimner“-Pala;s. .■icv.A Vj m%$r. n£M VAä Sä; Spr#y - A* fSfri-j* ■ r ,-.'m-b 1 ’ ,\Sv : gfta Fünftes Hapifel. In Owikokorero. Am ii. Juni endlich marschierten wir ab, vorläufig^bei der^ großen Entfernung vom Feinde noch nicht kriegsmäßig, d. h. es war den einzelnen Truppenteilen gestattet, des entsetzlichen Staubes wegen etwas größere Abstände zu nehmen. Der Weg war wie stets sandig und sehr ausgefahren, besonders von den noch wenig eingefahrenen Maschinengewehren blieb alle Augenblicke eins liegen, während unsere Geschütze ohne Schwierigkeiten vorwärtskamen. Gegen Mittag langten wir auf dem Gefechtsfelde von Oviumbo (13. April) an und bezogen dort Biwak. Meine Batterie lag am Rivier gerade an der Wasserstelle, an der Leutnant Reiß mit der Spitze gefallen war. Auch hier waren die Eindeckungen für die einzelnen Schützen äußerst geschickt unter Ausnutzung des Geländes angelegt. Unsere Leute fanden noch hier und da Hererohausrat, Patronenhülsen und von den Schakalen verschleppte menschliche Knochen. Unsere Gefallenen lagen innerhalb eines Dornkrales in drei Gräbern im Schatten eines hohen Baumes, in dessen Stamm wir noch ein nicht krepiertes Schrapnell fanden. St. A. Dr. Eggel phot. Ochsenwagen auf dom Marsch bei Oviumbo. St. A. Dr. Ejrgol phot. Bei Oviumbo.. IliSiiii •_** • _»?jw" '« St. A. Dr. Eîrgel phot. Rast, in Oviumbo, *V*iV A * 'V* - : -*w* aSsÊiêm WSMß- fy '/tir? jsgsjgsfS iîïiVs- S3*i « mssM ••'Civ ■ i'*U >rAijs ÄsV ■> 4J* ÿ* 's^.c^' .' ; • «r I 7 : eine Einladung des Hauptmanns v. H., der auch der Oberst Leutwein und die Herren seines Stabes Folge geleistet hatten. Wir hörten hier noch manche interessante Einzelheiten aus dem Gefecht, insbesondere wie schwer |»||| Hl^ummuinni I » .. . III r II ii ■■ S-jqraitoe«^. - ~ - - 83 - St. A. Dr. Eggol phot. Busch bei Oviumbo, mmm mm tf-'rsg wSmA 'Jfyp'tf' *\?*bei£L ms* w^at i'^SSr^t; , VS; w-.at- S' jiT* #&}£>-? „-fSCr jSS&sjj fry. t-T: l I ■''*■•*>**- »von Sa’zmami phot. Bei Oviumbo, •Ji ,~v < ! 1 I 6 * 8 4 es gewesen war, in dem flachen, dicht mit Busch bestandenen Gelände die Ausdehnung des Feindes zu erkennen. So war es z. B. hier passiert, daß auf unserem linken Flügel die Bastards mit berittenen Herero handgemein geworden waren, ein auffallendes Zeichen, wie unübersichtlich das Gelände ist. Das ist auch der Grund, warum man die Gefallenen so schwer findet, wenn inzwischen das Gefecht vorwärts gegangen ist. Übrigens war der Erfolg dieses Zusammenstoßes der beiden farbigen Feinde der, daß weder ein Verwundeter noch ein Toter das Feld deckte. Jeder hatte eben so schnell wie möglich Deckung nach rückwärts gesucht; wie schnell das gegangen sein muß, erhellt auch daraus, daß sich die Bastard-Abteilung erst am nächsten Tage wieder ganz vollzählig zusammenfand. Der Herero lacht aber über das, was wir Heldenmut nennen, Draufgehen mit der blanken Waffe ist ihm fremd, bei ihm hat derjenige gesiegt, der die geringsten Verluste hat, gleichgültig, wer das Schlachtfeldbehauptet. Endzweck des Gefechts ist eben nur, dem Gegner unter möglichst großen Menschenverlusten das Vieh abzunehmen. Das ist auch der Grund, warum sie nie eine Offensive im großen Stil ergreifen; seit Beginn der Operationen sind sie eigentlich fortgesetzt im Rückzuge begriffen, eine stra- von Salzmann phot. St. Ä. Dr. Poleck. sie kaum zu kennen, dagegen benutzen sie ihre günstigen Gefechtsmomente stets, um taktisch offensiv zu werden; zumeist an beiden Flügeln ihrer Aufstellung,. die von vornherein mit ihrer Trichterform darauf berechnet ist, den anmarschierenden Gegner zu umklammern. Am 12. marschierten wir nachOtjikuoko, das an einem Rivier ziemlich tief liegt und daher für die Truppe leicht Malaria und Typhus bringt. Die Weide war erheblich tegische Offensive scheinen besser wie in Oviumbo, wo die Herero mit ihren großen Herden viele Kilometer im Umkreise alles kahl gefressen hatten, sie müssen wochenlang an diesem Platze gelegen haben. DieTränken für dieTiere mußten imFlußbett gegraben werden; da das Wasser ziemlich tief stand, benutzten wir schon vorhandene Löcher, um weiterzugraben. Zuerst mußte man eine 7 * Meter dicke Schlammschicht, die nicht gerade schön roch und Kröten enthielt, entfernen, ehe wir auf Wasser stießen. Dieses behielt aber stets einen sumpfigen Beigeschmack und blieb für Menschen ungenießbar. Es war daher auch Befehl ausgegeben worden, das in den Wassersäcken mitgeführte Wasser zum Waschen und Kochen zu verwenden. Am 13. ging’s wieder weiter durch Sand und Busch. Es war drückend heiß, und endlos schien uns der Marsch. Am Horizont hatten wir den kleinen Owikokoreraberg vor uns, der übrigens auf der Karte falsch eingezeichnet war, da der Weg nicht östlich, sondern westlich von ihm vorbeiführte. 85 Endlich gegen i Uhr mittags hatten wir die Vley — eine in der Regenzeit wasserführende Senkung — von Owikokorero erreicht und bezogen am Südrande ein Biwak. Wir sind in die Gegend des Kalkes gelangt. Das Wasser wird hier nicht mehr in Flußbetten im Sande gegraben, sondern aus tiefen, mitten in der Vley im Kalkfelsen vorhandenen Löchern mit Eimern geschöpft. Das Wasser war schön, klar undwohlschmeckend und langte auch annähernd für die Truppe. Später, als das Detachement von der Heyde und dessen Kolonnen abgerückt waren, reichte das Wasser bequem aus. Nur ein einziges dieser Wasserlöcher war durch einen Hundekadaver verseucht, ich wundere mich eigentlich, daß der sonst doch vor keinem Mittel zurückschrecken de Herero nicht auch die anderen Löcher verseucht hat. Das eine verseuchte Loch war wohl nicht feindlichen Absichten zuzuschreiben, sondern der Hund war wahrscheinlich in seinem Durst hineingefallen und ertrunken. Im übrigen bietet Owikokorero als Landschaft genau ebensowenig Abwechselung wie der bisher von uns durchzogene Distrikt. Um die vegetationslose, ungefähr 600 Meter im Durchmesser messende Vley liegt dichter Busch, in dem die verschiedenen Truppenteile ihre Biwaks bezogen haben. Im Norden sieht man die bläulichen, nicht sehr hohen Okakango-Berge liegen, die übrigens falsch auf der sonst gar nicht so schlechten Karte angegeben sind. Im Laufe des Tages treffen die erste und die zweite Staffel ein unter vielem Peitschenknallen und Geschrei der Treiber. Wir von Salzmann phot. Im Busch. 86 haben wieder alles beisammen und richten uns häuslich, so gut es eben geht, ein. Unser größter Schmerz ist, daß die Operationen bis zum Eintreffen St. A. Hr. Kcrcol phot. 5 . R a 1 1 e r i c. G e s c h ü t z - E x e r z i e r c n. A'-’K. * ■ ?s> >, St.’A/Th. F.jrcrol'phot. Ochsen wagen i m**Mar sch ^bei Ovium t bo. mm&i &-W, iSSäfsCJ* •• -M? der noch auf See schwimmenden Verstärkungen aufgeschoben werden und wir damit wieder zu wochenlangem Stilliegen gezwungen sind. Am 18. verabschiedete sich Oberst Leutwein von uns, um nach Okahandja 87 zurückzugehen. Der soviel in Deutschland aber auch hier besprochene Moment, daß vielleicht die Witbois, Bastards und schwarzen Treiber streiken würden, trat nicht ein, sie blieben ruhig alle da und taten ihren Dienst weiter. Zugleich wurde auch die neue Einteilung bekannt gegeben, nach der wir mit dem Bataillon Mühlenfels, der Maschinengewehrabteilung Dürr und der 6. Batterie zusammen unter Kommando des Majors von Glasenapp treten, und w r enn die Abteilung vollzählig versammelt ist, in nördlicher Richtung gegen Otjire vorgehen sollen mit dem ganz ausdrücklichen Befehl, St. A. Pr. Eirjrel phot 5. Batterie, Exerzieren. Hauptmann Stahl. «Sri Vi .via. : nur anzugreifen, wenn der Feind zweifelfrei abzieht. Das klingt nicht sehr tröstlich, denn erstens heißt das mindestens vierzehn Tage warten, bis nämlich die 9. Kompagnie und der Rest der Maschinengewehre heran ist, und dann weiter noch lange nicht angreifen dürfen, denn bis die teilweise noch nicht einmal aus der Heimat abgedampften Verstärkungen mobil gemacht haben und mit uns im Westen in gleiche Höhe gelangt sind, können Monate vergehen. Was Mobilmachen hier in Afrika heißt, haben wir ja in wochenlanger schwerer Arbeit am eigenen Leibe am besten erfahren. Wie hatten wir uns gefreut, endlich so weit zu sein. Nach unserer Berechnung, unter Zugrundelegung der üblichen Marschleistungen und Ruhetage, hätten wir am 17. Juni vor der feindlichen Stellung am Omua Matako gestanden 88 und am 18. voraussichtlich angegriffen, und wieder sind wir hier festgehalten. In Afrika kommt eben tatsächlich alles anders, als man denkt. Am 19. Juni zog die Abteilung von der Heyde ab, mit ihr unsere 4. Batterie, ein Glied mehr in dem großen Kreise bildend, der sich allmählich um den Hererostamm zusammenzieht. Werden sie uns wohl wieder entwischen? In allen Tonarten wird die Frage diskutiert und bildet das stets wiederkehrende Tagesgespräch. Alle Möglichkeiten werden erwogen, doch es hilft alles nichts, wir bleiben vorläufig hier St. A. Dr. Effgol phot. 5 .Batterie. ■ \* - f’. "k’ ’Sr.y liegen. Abends geht man mit der Hoffnung zu Bette oder vielmehr zum Schlafsack: Möchten die Herero doch abziehen, damit wir schleunigst hinterher marschieren. Morgens steht man mit derselben Hoffnung auf. Leider sitzt die Gesellschaft auf den guten Weiden am Omua Matako fest und rührt sich nicht. An sich wäre es ja bei den schwachen zur Verfügung stehenden deutschen Kräften das günstigste, der Feind bliebe ruhig sitzen, bis wir von allen Seiten über ihn herfallen können. Aber anderseits ist es wohl auch begreiflich, daß man sich nach Kugelpfeifen und Kanonendonner sehnt. Zu was ist man sonst hier herausgezogen, und dem jungen Soldaten wird man diesen Wunsch wohl nie verargen. 8 9 Unter Pferdeweiden, Pferdepflege, Exerzieren vergehen die Tage. Die Nächte werden immer kälter, und auch die Sonne hat nicht mehr die Kraft, die sie wenige Wochen vorher hatte. Unsere geringen, zur Aufbesserung der Kost mitgenommenen Vorräte werden immer knapper, und wir begnügen uns mit demselben Essen, das unsere Leute bekommen. In einem Termitenhaufen ist ein Backofen eingerichtet, der vorzüglich funktioniert und in dem Brot und ab und zu etwas gebacken wird, das der Bäcker „Kuchen“ nennt, sogar Pflaumenkuchen mit den zuweilen /gelieferten „Lazarettpflaumen “wird gebacken. [Man wird schließlich ebenso genügsam wie erfinderisch. Manchmal ladet man sich auch einen Kameraden zum Diner ein, dann gibt’s Rotwein mit Wasser, sonst nur Tee mitTruppen-Rum, einem nebenbei scheußlichen Zeuge. Fast täglich steigt der Ballon der Funkentelegraphie'hoch, um Nachrichten nach auswärts zu übermitteln, zuweilen lassen sie zum selben Zweck einen großen Drachen steigen. Uns ließ der Ruhm des Themistokles nicht schlafen, wir konstruierten ebenfalls einen Drachen in seligem Angedenken 1 an unsere Schulzeit, und siehe da, er stieg großartig, so lange bis die Strippe riß und unser schöner Drachen auf Nimmerwiedersehen im Dorngestrüpp verschwand. Die Funkentelegraphie hatte uns glänzend mit mehreren Längen geschlagen. Einmal war ich auf Patrouille nach Norden zu, um Wegskizzen aufzunehmen, bei welcher v. François’ Grab. von Salzmami pilot. O wikokorero. 90 Gelegenheit ich konstatierte, daß die Okongawa-Berge auch falsch in der Karte eingezeichnet sind. Sonst verlief ein Tag wie der andere fast ohne Abwechslung; am 20. traf unser neuer Führer Major von Glasenapp ein. Bei der Toilette. von Salzmann phot. von Salzmann phot. Offizier-Kasino. Bei unseren Pferden trat allmählich eine gewisse Freßunlust ein, wir kamen schließlich dahinter, daß sich die scharfen Gräser den Tieren in der Mundhöhle ins Fleisch gebohrt hatten und dort kleine eiternde Wunden erzeugten, zugleich hatte sich am Gaumen das Blut gestaut, so- Sf. A. Dl-, Eifgol phot. Pferde des Stabsarztes Dr. Egget — vorn australischer Wallach, der bereits den China-Feldzug bei der damaligen ersten Batterie des ostasiatischen Feldartillerie-Regiments mitgemacht hat, d'fC-V- iSöSä dzfe.mar : rgaS^äfci! ..' : ;r • ’ja ‘«Sv J &&»£ ShJsikik ^ 4 " •\ ? ^7 £ ei'M j?IS5R4äp^ i,r ««ii V. *>■' IV -1 W%m saj B I / f 93 daß die armen Tiere vor Schmerzen nicht fressen konnten. All die scharfen Halme mußten entfernt werden, außerdem das angestaute Blut durch einen Einschnitt entfernt werden. Dann wurde der Gaumen noch ausgeflammt. Die Tiere hatten merkwürdig schnell Erleichterung durch dieses Verfahren und fraßen bald wieder gut. Bei den Maultieren machten wir keine solche Beobachtung, ihnen tat die Ruhe sehr gut, im Gegensatz zu unseren Pferden, die allmählich abmagerten, wurden sie stets dicker. Die Tiere, die anfangs so ungemein scheu waren, sind jetzt ruhig wie die Lämmer geworden. Der Gesundheitszustand unserer Leute ist gut, seit wir hier liegen, sind keine Erkrankungen ernster Art vorgekommen. Die Leute sehen brillant gesund aus und haben, wie ich oft bemerkte, einen beneidenswerten Appetit, der kaum mit den reichlich gelieferten Menagebedürfnissen gestillt werden kann. Nur Brot ist etwas knapp, da die Feldbäckerei nicht soviel leisten kann. Wir helfen uns dadurch, daß wir selbst backen. Pro Kopf und Woche gibt’s eine halbe Flasche Rum, so daß jeder Mann abends ein wärmendes Getränk, sei es Tee mit Rum oder Grog zu sich nehmen kann. Man gewöhnt sich eben an alles, auch ans Biwakieren, nur eins fehlt, der endgültige Befehl zum Vormarsch gegen den Feind. St. A. Dr. Eggel. von Salzmann phot. Pferd e-Operation. '- 5 * 3 ^ Am Abend des 29. Juni hatten wir eine' merkwürdige Himmelserscheinung. Von dem Zentralpunkte^am_ westlichen Himmel gingen scharf abgeschnittene Wolkenstreifen radial über den ganzen Himmel. Einen unserer Ochsentreiber, einen Klippkaffern aus Rehoboth namens Gobias, schien diese Erscheinung ganz besonders zu beunruhigen. Mit todernstem Gesicht erklärte er, das bedeute ein schweres Gefecht für die allernächste Zeit, und zwar würden die „Witmen“, also wir, angreifen. Wenn die Wolkenstreifen gekräuselt gewesen wären, so • würden die Schwarzen angreifen. Gobias ist sonst ein sehr vernünftiger, auffallend intelligenter Schwarzer, ...Y j-’ St. A. I)r. Ep-trcl phot. Massengrab bei Owikokorero. •.V.J ÄC mm fTfy*,: der sehr gut Deutsch und Holländisch spricht und zu allem zu gebrauchen ist. Er war von seiner Ansicht durch nichts abzubringen und als sich ganz spät noch im Lager die Kunde verbreitete, daß eine Patrouille vom Major von Estorff nach einem Ritt von 90 km soeben in schärfster Gangart angelangt sei, strahlte es über sein gutmütiges Gesicht, und er war fest davon überzeugt, daß seine Prophezeiung bereits eingetroffen sei. Uns alle plagte natürlich die Neugier, gar zu gern hätten wir gewußt, w'as los sei, aber der Führer der Patrouille, ein Unteroffizier, war verschwiegen, und so mußten wir unsere Ungeduld zügeln. Irgendetwas war jedenfalls los, denn nicht umsonst war noch um neun Uhr abends der Fesselballon der Eunken- telegraphie hoch, es wrnrde also noch hin und her depeschiert, deutlich I 1 i | I 95 hörte man das Surren des Motors bis in unser Biwak herüber. Was mochte da herüber und hinüber gekabelt werden ? Haben die Herero die Kolonne Estorff angegriffen? Im stillen hoffte es natürlich jeder, denn das ist der einzige mögliche Fall, daß auch wir schleunigst vormarschieren, um der Kolonne zu Hilfe zu kommen, sonst müssen wir warten, bis die neuen Verstärkungen in ungefähr gleicher Höhe mit uns sind, damit wir die Herero von allen Seiten zugleich anfassen können. In der Theorie, besonders z. B. für ein Land mit schönen Straßen, macht sich der Gedanke ja sehr schön, •ob es aber hier in diesem Buschlande mit den noch dazu meist falsch eingezeichneten Wegen später in der Praxis gelingen wird, ist eine andere St. A. Br. TCjrgcol phot. 5. Batterie (Vorratswagen) im Marsch. SUP tSc-'ü'Jr-"'”' mmsm ne* Sache, und ich hielte es für einen außerordentlichen Glückszufall. Man bedenke nur, wie blitzschnell sich hier die meisten Gefechte abgespielt haben, und wenn auch der Funkentelegraph die Meldung schleunigst an die vielleicht nur einen kleinen Tagemarsch entfernte Nebenabteilung übermittelt, so wird der schwarze Feind seiner Kampfesweise entsprechend schon längst über alle Berge oder hier vielmehr Büsche sein. Am 30. Juni rückte unsere Witboi-Abteilung auf Otjire vor, zugleich wurde die ro. Kompagnie aufgelöst, um die 11. zu komplettieren, die Etappen- und Heliographenposten zu besetzen und zugleich drei Offizier- patrouillen gegen den Omuramba vorzutreiben. Ach, die glücklichen, viel beneideten Patrouillenführer! Wer von uns Leutnants hätte nicht sofort mit ihnen getauscht, auch mit der sicheren Aussicht, nicht mehr 96 zurückzukommen, nur heran an den .so lange von weitem beobachteten Feind, nur einmal sich mit den Schwarzen herumschießen zu dürfen! St. A. Dr. Eggel phot. Rückzugsgelände der Erkundigungsabteilung Glasenapp am 13. März 1904. O wikokorero. *4 ^ r I ! iw: von Salzmann phot. Grab bei Owikokorero. Leutnants Dziobek, Thismeyer. A . V Jetzt, wo wir schon so lange haben stilliegen müssen auf einem Flecke, versteht man so recht, wie unsere schwachen Abteilungen, wenn sie nach langen strapaziösen Märschen endlich einmal an den Feind kamen, sich 97 sofort mit diesem engagierten, manchmal ja allerdings nicht gerade glücklich, wie seinerzeit hier am Orte. Von anderen Patrouillen war festgestellt, daß Raffern oder Herero die an verschiedenen Straßen neu angebrachten Wegzeiger entfernt hatten. Man hatte deren Spuren gefunden und dabei konstatiert, daß sie z. B. einer weißen Patrouille im Busch auf Schritt und Tritt gefolgt waren. Für uns wieder einmal eine Mahnung, stets vor einem hinterlistigen Feinde auf der Hut zu sein, und andererseits ein Zeichen, daß wir stets von Spionen, die über jede unserer Bewegungen sofort berichten, umgeben sind. Unsere Schwarzen hatten festgestellt, daß die Spuren an den Wegzeigern von Raffern herrührten. Es ist merkwürdig, wie so ein Naturkind auf den ersten Blick hin sagt, diese Spur ist von einem Witboi, einem Gochasser oder einem Herero usw. und so und so viele Tage alt. Einige Übung haben wir alle schon, z. B. einer Spur schnell zu folgen, das lernt sich am besten beim Umherstreifen zur Jagd, man trifft da so oft auf Spuren, und es ist interessant, sie zu verfolgen. Einmal stieß ich dabei auf Eingeborenenpontoks, die natürlich verlassen waren. Im Innern des einen waren Tierszenen in den rußigen Lehm roh eingeritzt, zum ersten Male sah ich in Hererohütten diese geringen Zeichen von Runstfertigkeit, die mir so vorkamen, wie in den Ralkhöhlen des Jura gefundene Zeichnungen aus der Zeit des Höhlenbären und Höhlenlöwen. In der Nähe unseres Biwaks fanden wir einmal im dichten Busch einen anscheinend künstlich aufgeschütteten kleinen Hügel, umgeben von einer Palisadenwand. An zwei dicht dabei stehenden Bäumen waren Ochsenschädel aufgehängt, die Wind und Wetter gebleicht hatten. Unsere Schwarzen waren sich über die Bedeutung uneinig. Einige meinten, es wäre ein Grab, andere meinten, nur eine Opferstätte, an der zur Zeit der großen Viehsterbe Ochsen geschlachtet würden, daher die aufgehängten Ochsenschädel. Wir wollten der Sache auf den Grund gehen und gruben daher den Hügel um. In ungefährer Tiefe von zwei Metern, nachdem mehrere Lagen Steine entfernt waren, stießen wir auf ein Skelett, das in hockender Stellung Richtung Nord—Süd lag. An einem Arm hatte es zwei eiserne spiralförmige Armringe, sonst war dem Toten nichts in sein Grab mitgegeben. Es war das Grab eines Herero-Großen, die Ochsenschädel jedenfalls von den bei der Leichenfeier geschlachteten Tieren herrührend. Nach der Anzahl der Schädel zu urteilen, mußte der Tote ein sehr reicher Mann gewesen sein. Endlich am i. Juli kam etwas mehr Rlarheit in die allgemeine Situation: Während das Detachement v. d. Heyde noch in Okosondusu steht, ist das Detachement von Estorff schon bis an den Omuramba vorgegangen. Offizierpatrouillen haben festgestellt, daß die Orlogsleute der Herero, also die eigentlichen Rrieger, bei Okahitua sitzen. Dort halten sich auch die von Salzmann, Ira Kampfe gegen die Herero. 7 98 Herero-Großen auf, das ganze alte Testament sitzt da zusammen, Samuel mit seinem Sohne Friedrich, dann Michael, Zacharias, Traugott und der berüchtigte Tetjo. Vom Feldhauptmann der Orlogs, dem Herero Asser von Salzmann phot. r • v\ ?. a/ Herero-Grab. Inneres. In der Mitte unser Offizier-Koch Beinhorn. von Salzmann phot. Herero-Grab von außen. i'M/ s 'X, 0 '\*' Ria Rua, war nichts bekannt. Alle diese Angaben hatten gefangene, Feldkost suchende Weiber gemacht, also war denselben wenig zu trauen. Sie hatten unter anderem auch ausgesagt, daß sie Samuel zu Pferde gesehen hätten, stets in Begleitung seines Sohnes, also scheint sich die Mär von seiner Verwundung nicht zu bewahrheiten. Die Herero wären zwar kriegslustig,. 99 aber nicht einig. Jedenfalls war festgestellt, daß sie immer noch da und nicht abmarschiert waren. Mit den kolossalen Viehmengen, die jetzt bei den Wasserstellen im Omuramba-Bette zusammengetrieben sind, marschiert es sich eben nicht so leicht ab, und wenn sie inarschieren sollten, so ■■VMff ,-3 5. Batterie. von Salzmann phot von Salzmann phot •»-v- ns*. Rast. Otu panda. geht es nur sehr langsam. Jetzt ist für die hiesige Gegend die schlechteste Jahreszeit, da das Weidegras ganz trocken und saft- und kraftlos ist und die in guter Jahreszeit wasserführenden Senken, die Vleys, gänzlich ausgetrocknet sind. Man hört schon jetzt, daß, obwohl die Herero von morgens bis abends Wasser für das Vieh schöpfen, sie es nicht mehr schaffen können. Für den von Natur aus faulen Schwarzen dürfte dies wohl mehr noch ein 7 IOO St. A. T)r. Eggel phot. Busch bei Owikokorero mit Graspontok. St. A. Dr. Eggcl phot. 5. Batterie im Marsch. mm -SS* > mm W2§- nMm- ,.,,^J. t SfflE Lai& 1 IOI Grund zur Unzufriedenheit sein, und so mancher der von den herrischen Herero auf das rücksichtsloseste ausgenutzten Kaffernsklaven wird wohl seinem bisherigen Herrn den Rücken wenden, um sich zu drücken. Die Ratten verlassen das sinkende Schiff. Nur unter Vorspiegelung falscher Tatsachen, wie zu erwartender Munitions- und Provianttransporte, hält Samuel die kriegerische Stimmung in seinem Volke noch aufrecht — so sagt man — denn „nichts Genaues weiß man nicht“, und auf die Aussagen gefangener Weiber hin lassen sich keine festen Schlüsse ziehen. Andere Gefangene sagen wieder, daß gerade unser langes Zögern den Herero Mut gemacht habe, sie legen es als Schwäche aus. Schlußvignette von Anita Peters. Sechstes Kapitel. Am Feinde. Am 3. Juli vormittags traf endlich die so lange erwartete Kompagnie von Klitzing in Owikokorero ein, sie brachte uns noch einige frische Maultiere mit, die wir gegen minder brauchbare austauschten. Noch am Vormittag erhielten wir den Abmarschbefehl nachOkatjeru,uird zwar zusammen mit der 11. Kompagnie und der 6. Batterie als erste Staffel des Detachements von Glasenapp unter Führung des Majors von Mühlenfels. Nachmittags 2 30 brach das Detachement auf und marschierte auf der wenig begangenen Straße entlang den Okongawa-Bergen nach Norden. Man merkt schon hier eine kleine Änderung in der Vegetation, der wilde Feigenbaum tritt häufig auf und bringt etwas Abwechselung in die sonst so eintönige Buschlandschaft. Gegen 6 Uhr abends wurde gehalten und an der Straße im dichten Busch Biwak bezogen. Wir fahren dann stets eine Wagenburg, lassen sämtliche Tiere im Innern grasen und verstärken die Zwischenräume zwischen Geschützen und Munitionswagen mit abgehauenen Dornsträuchern. Der Kral wurde heute besonders stark gemacht, da sich im Innern sehr viele Schakallöcher befanden und unsere Pferde vor diesen Tieren sehr ängstlich sind. Eines unserer Pferde litt sehr unter Herzbeklemmungen. Bei den Leuten stellen sich solche Beschwerden hier nach größeren Anstrengungen sehr leicht ein und können zu Herzfehlern führen. Bei den Pferden fiel es uns zum ersten Male auf, allerdings hatten wir von anderen Truppenteilen schon dieselbe Beobachtung an deutschen Pferden gehört. Zurückzuführen sind diese Zustände weniger auf die Strapazen und die Ungewohntheit des Weideganges als auf die dünne Höhenluft. Kopfleiste von Anita Peters. io3 Wir befinden uns andauernd in einer Höhe von 1500 Metern, und man merkt es am eigenen Leibe, wie dünn die Luft ist; z. B. auf der Jagd, wenn von Salzmann phot. Kalkpfanne. Otupanda. Rast. .'!**-• Sliitl g§tgpp c"'.’ pmi von Salzmann phot. Pferde-Operation. K-4 man hinter einem Volk Perlhühner her ist, bekommt man sehr leicht Herzklopfen und Atembeschwerden. Die Nacht zum 4. Juli war sehr kalt, das Thermometer mußte unter Null gegangen sein, denn offen stehendes Wasser war früh gefroren. Um 6 Uhr stand das Detachement zum Abmarsch bereit und marschierte nach 104 Otupanda, wo abgekocht und die Tiere geweidet wurden. Durch die Mittaghitze wird man ganz von selbst dazu gebracht, nur morgens und nachmittags zu marschieren und über Mittag zu rasten, daraus folgt andererseits, daß man seine Tiere an einmaliges Tränken innerhalb 24 Stunden gewöhnen muß, denn die Tränkstellen sind weit auseinander, und früh und spät abends saufen die Tiere der Kälte halber so gut wie gar nichts, während sie nach dem Vormittagsmarsch sehr durstig sind. Trifft man während der Mittagspause und abends auf Wasser, so ist das natürlich doppelt angenehm. Wir hatten in beiden Biwaks am Abend des 3. und 4. kein Wasser, außer dem in den Wassersäcken zum Kochen mitgenommenen. Die Weide war schlecht, da in ziemlich großer Entfernung von den im Kalkstein befindlichen Wasserlöchein schon alles abgefressen war von den Rindern der Herero. Leider ging uns dicht vor dem Abmarsch das gestern abend erkrankte Pferd an Herzkrampf ein, und zwar ganz plötzlich* nachdem es sich anscheinend gut erholt hatte. Der weitere Weg führte uns auf tiefen Sandwegen wieder in dichtem Busch über die Wasserstelle Okatjeru in ein Biwak ungefähr 12 km südlich Okatjeru. Unterwegs beobachteten wir mehrfach seitwärts im Busch plötzlich aufsteigende Rauchsäulen, die nur von angesteckten Grashaufen herrühren konnten. Diese Fanale, denn solche waren es unzweifelhaft, befanden sich stets in Höhe des Anfanges der Marschkolonne und waren wohl von Spähern angezündet, die uns im dichten Busch unbemerkt begleiteten. Sie zu verfolgen wäre absolut aussichtslos gewesen. Durch diese Rauchsignale erhalten die Herero schon von weither Kunde von unserem Anmarsch, in einem Kriege in derartig unübersichtlichem Gelände muß es einem nur einigermaßen geschickten Späher eben stets gelingen, mit einer vormarschierenden Truppe unbemerkt von dieser gleichen Schritt zu halten. Das Biwak lag heute in einem von Busch ziemlich freien Strich, der aber sehr schlechte Weide hatte. Nach Nordwesten zu war ein Grasbrand sichtbar, der zuerst so aussah wie mehrere Lagerfeuer und erst durch eine Offizierspatroüille, Graf Arnim, als Grasbrand festgestellt wurde. Wir hatten wieder einen Kral gebaut wie stets und uns früh zur Ruhe begeben, als wir gegen 10V2 Uhr durch ein donnerähnliches Getrampel aufgeschreckt wurden. Unsere sämtlichen im Kral weidenden Tiere waren an einer Stelle durch diesen durchgebrochen, die Posten hatten sich dem mächtigen Ansturm der 150 Tiere gegenüber machtlos gefühlt und die ganze Herde war im Galopp entlaufen. Noch nie in meinem Leben habe ich ein niederdrückenderes Gefühl gehabt als in diesem Augenblick. Dicht vor dem Feinde seiner sämtlichen Tiere, sowohl Reit- wie Zugtiere, ganz plötzlich beraubt zu sein, ist sehr hart, denn womöglich war die Batterie dadurch zum Stilliegen verurteilt, wenn sich die Tiere nicht wieder einfangen ließen. io5 Wie weit die Tiere in einer Nacht laufen, hatten wir ja schon einmal in Swakopmund erlebt, meist über ioo km, ohne zu halten, und leider sind gerade die besten Tiere diejenigen, die am weitesten laufen, da sie eben am längsten aushalten. Was die Ursache zu diesem Ausbruch gewesen ist, wird sich wohl kaum je feststellen lassen. Hatte sie der Hunger getrieben auszubrechen, da die Weide sehr schlecht war und Hafer nicht gefuttert werden konnte, weil wir außer der für den alleräußersten Notfall berechneten eisernen Portion keinen mitführen? Oder waren Schakale im Kral 1 2 3 ;ira- St. A. Dr. Esrgol phot. Offiziere der ii. Kompagnie i. Feld-Regiments, i. Leutnant Graf Arnim f. 2. Hauptmann Gansser f. 3. Oberleutnant Streccius verwundet. gewesen, vor denen unsere Tiere eine ganz merkwürdige Angst haben und deren Anwesenheit im Kral stets eine Panik verursachte ? Die drei Posten hatten gut aufgepaßt, unsere sämtlichen Leute lagerten rund um den Kral dicht an diesem, und die Katastrophe war so plötzlich hereingebrochen, daß unsere Leute noch nicht einmal Zeit gehabt hatten von ihrem Lager aufzuspringen, als auch schon die ganze Herde geschlossen in der dunklen Nacht verschwunden war. Ein Wunder war es noch zu nennen, daß^der anderen Kompagnie und der 6. Batterie nicht auch die Tiere durchgebrannt waren. An eine Verfolgung war in der stockdunklen Nacht nicht zu denken, da man kaum die Hand vor Augen sah, wir mußten den Morgen abwarten. io6 Die Batterie mußte weiter, da an dieser Stelle kein Wasser war, mit Reservetieren der anderen Batterie und einigen von uns am Morgen in der Nähe des Biwaks weidend aufgefundenen Maultieren und Pferden, teils auch mit Ochsen vom Ochsenwagen, der vorläufig unter Bedeckung stehen blieb. So war die Batterie um 7 Uhr 50 Min. vormittags bewegungsfähig und konnte dem um 6 Uhr abmarschierten Detachement nach Okatjeru nachrücken, um dort ein Biwak zu beziehen. Ich wurde sofort mit einer Patrouille abgeschickt, um Major von Glasenapp eine Meldung über den Vorfall zu überbringen und zugleich nach den entlaufenen Tieren zu suchen, denen zwei weitere Patrouillen des Detachements und später noch einzelne St. A. Dr. Eggel phot. Gelände bei Owikokorero. Witbois nachgesandt wurden. Leider stellte sich durch diese Patrouillen, die den Spuren folgten, heraus, daß sich die ganze Herde bald in kleine Gruppen aufgelöst hatte, also genau wie damals in Swakopmund, wo man die Tiere auch meist einzeln, höchstens zu zweien oder dreien fangen mußte. Ein großer Teil hatte sich zum Glück nach den von uns passierten Wasserstellen gewandt und wurde von den Patrouillen hereingebracht. Bei dieser Patrouille konnte man so recht den Wildreichtum dieser Gegend beobachten. Zuerst hatten wir mehrmals kleine Deuker, kaum i m hohe Antilopen, einzeln vor uns, dann einmal sechs Springböcke in einem Sprung, bald darauf drei Strauße, die zu schießen bei 400 Mk. Strafe io 7 verboten ist; als wir uns der Wasserstelle Katjeru zuwandten, um dort zu tränken, sahen wir Hunderte von Perlhühnern, dann viele Aasgeier und je näher wir der Wasserstelle kamen, desto reicher wurde die Vogelwelt. Unzählige Wildtauben, Webervögel, Finken, entzückende kleine bunte Papageien, große graue Kakadus mit aufrecht stehendem Schopf, dann Pfefferfresser mit einem riesigen krummen Schnabel, Kibitze, vereinzelte Raben mit grauer Brust, und unzählige andere Arten, deren Namen ich nich kenne, bevölkerten den Busch. Sie sind stets das untrügliche Zeichen, daß Wasser in der Nähe ist; mit um so größerer Freude begrüßt man daher die Tiere. Die Antilopen halten sich bis auf den Deuker stets auf der sogenannten „Fläche“ auf, da ihnen der Busch des vielen Raub- von Snlzmann phot. i' ’ & V- Cs* v •***£.■ FW! Leutnant Zwicke. zeuges halber zu gefährlich ist. Wir schossen ein Perlhuhn mit dem Karabiner und brieten dieses am offenen Feuer, was einen delikaten Braten gab. Von 12 bis 3 Uhr warteten wir an der Wasserstelle auf den Rest des Detachements von Glasenapp, um dem Führer die Meldung zu übergeben; kurz vor 3 Uhr, als wir gerade unsere weidenden Pferde einfingen, um zu satteln, kam ein Reiter mit einem Eingeborenen von der Patrouille Graf Stillfried, der eine Meldung zu überbringen hatte. Diesem gaben wir unsere Meldung im Duplikat mit und machten uns auf den Weg nach Okatjeru, passierten dabei die Unglücksstelle, an der uns die Pferde weggelaufen waren, und hörten bei dem dort zurückgebliebenen Ochsenwagen daß schon eine ganze Anzahl Pferde eingebracht sei. Drei Witbois auf unseren Pferden waren noch unterwegs, anscheinend waren sie aber nur auf die Jagd gegangen, denn sie hatten kein Pferd oder Maultier eingebracht, dafür aber einen Springbock geschossen. io8 Gleich am nächsten Morgen, dem 5. Juli, ging ich mit einer Patrouille von zwei Unteroffizieren, drei Reitern und zwei Eingeborenen nach Osten heraus, um festzustellen, ob die Tiere etwa weiter nach Norden gelaufen und somit den Herero in die Hände gefallen seien. Wir ritten zuerst bis zu einer 6 km östlich liegenden Wasserstelle Otjire, wo wir tränkten. Viele Pontoks ließen darauf schließen, daß hier eine große Werft gewesen sei. Mehrfach trafen wir auf frische Spuren von Raffern, ohne einen solchen zu Gesicht zu bekommen. Ungefähr 3 Meilen östlich Otjire hatten wir noch keine nach Norden führende Pferdespur gekreuzt, was uns eine gewisse Beruhigung war, denn es war damit ziemlich sicher bewiesen, daß sich kein Pferd nach Norden gewandt hatte, um dort sicher den Herero in die Hände zu fallen, die diesen Zuwachs natürlich sofort hohnlächelnd einkassiert hätten. Wir wendeten daher nach Süden, und um 11 Uhr machte ich Halt, um abzukochen und die Pferde grasen zu lassen. Kurz vor if- Uhr, als wir gerade anfingen zu satteln, sagte der neben mir stehende Unteroffizier: „Herr Oberleutnant, dort drüben flammt gerade ein Signal auf“, und richtig sah man anscheinend gar nicht weit von unserem Lagerplatz eine dicke Rauchsäule emporsteigen. Von menschlicher Hand mußte das Feuer angezündet sein, denn von selbst entzündet sich das Gras nicht, wahrscheinlich waren es wieder von den Herero ab- gesandte Kaffernspäher, die damit irgendein Signal gaben. Das Satteln wurde beschleunigt, dann ging’s in mehreren Treffen auf das Rauchsignal los. Im ersten rechts und links von mir mit 200 Schritt Zwischenraum die beiden Unteroffiziere, dann mit 100 Schritt Abstand ebenso die Reiter, im dritten Treffen das Packpferd von unserer „Perle“, dem Klipp- kaffern Gobias, geführt. Parole war: bekommen wir ein starkes Feuer, dann wird ausgerissen, da wir zu schwach sind. Sehen wir dagegen einzelne Schwarze, so geht es drauf, was die Pferde laufen können. In jedem Falle sollten die Leute auf mich sehen, da ich die Richtung angeben würde. Kaum war alles in Schritt, um die Pferdekräfte zu schonen, in Bewegung, als vor uns eine mächtige Hyäne aufging. Schießen konnte man nicht, um sich nicht zu verraten. Doch es kam noch besser, zuerst rannte sich ein Klippbock so fest, daß man ihn hätte bequem mit der Pistole vom Pferde aus schießen können, dann gingen in einem Sprung sieben Hartebeeste auf, wundervolle Antilopen, wie Pferde so groß, trotteten in kurzem Trabe die ganze Front entlang und ästen dann eine Weile dicht vor uns, um dann erst abzuspringen. Mir schlug mein Jägerherz in der Brust, ich mußte mich überwunden, um nicht nach der Büchse zu greifen und zu schießen. Aber ein edleres Wild wartete unserer, und doch sollte es später umsonst sein. Wir waren schon ganz dicht heran und hatten ganz frisch verlassene Lager passiert, als rechts ein Kaffer im Busch verschwand. Umsonst war es, — 109 — daß wir in schärfster Gangart hinterher preschten, der Busch wurde immer dichter, der Kaffer war verschwunden. Wir mußten nun eine lange Zeit am sich allmählich nach Westen zu verbreitenden Feuer entlang und gerieten immer mehr in den Busch, in dem ich einmal einen Klippbock krank schoß, ohne ihn zu bekommen. Wenn man diese Tiere nicht sofort tödlich trifft, entkommen sie stets, eine Erfahrung, die ich übrigens ebenso schon in Central-Asien machte. Wir nahmen uns als Marschrichtungspunkt den Omatakoberg, der in bläulichem Schimmer deutlich am westlichen Horizonte sichtbar war. Pferdespuren hatten wir nicht mehr gekreuzt, es war somit erwiesen, daß sich die Tiere sämtlich nach Süden zu gewandt hatten. von Salzmann phot. -f- Stelle, wo Eggers bei Owikokorero fiel. {Vänih-v, Die Sonne sank tiefer und tiefer, es wurde dunkler und’dunkler, und noch hatten wir die große Straße nicht erreicht. Es wurde schließlich ganz dunkel; wir mußten die Pferde führen, um nicht alle paar Schritte in eins der hier zahlreichen Schakal- und Erdmännchenlöcher zu fallen. Als Orientierung diente das Kreuz des Südens, das wir stets zur linken Hand behielten. Endlich gegen 7+ Uhr hatten wir den Weg erreicht, den wir durch Ableuchten mit Streichhölzern an den Wagenspuren feststellten. Nun ging’s mit einem Eingeborenen an der Tete im schlanken Trabe nach Okatjeru zu. Plötzlich hielt der Witboi und rief angstvoll: ,,Da, da liegt was!“ Wir mußten über die Ängstlichkeit des Schwarzen lachen und konstatierten bald, daß das im Wege liegende Etwas ein eingehendes Pferd war, dem ich den Gnadenschuß gab. Bald hatten wir in der Dunkelheit HO eine Ochsenwagenkolonne vor uns, die uns anrief. Man muß schnell antworten, damit man nicht womöglich noch von den eigenen Leuten eins auf den Pelz gebrannt bekommt. Gegen gi Uhr abends waren wir im Biwak hungrig, durstig und müde, aber leider ohne Pferde. Gleich am nächsten Morgen, dem 7. Juli, ging ich mit einerfrischen Patrouille nach Süden. Im Busch fingen wir im Laufe des Tages fünf Maultiere und drei Pferde, die wir in Otupanda einem nach Otjire zurückmarschierenden Infanterietransport übergaben. Ich hatte heute meine ganze Patrouille in vier Partien geteilt, um so den Busch recht gründlich absuchen zu können. Zwei Mann sollten direkt nach der Wasserstelle reiten, um dort ein großes Feuer anzuzünden, das uns als Marschrichtungspunkt beim Sammeln dienen sollte. Der Wind hielt jedoch den Rauch derartig nieder, daß man ihn kaum sah und erst, als ich nach meinem Eintreffen die Eingeborenen-Hütten in der Nähe anstecken ließ, wurde das Rauchsignal weithin sichtbar. Auch Signalschüsse, die wir verabredet hatten, waren nicht gehört worden. In Otupanda wurde abgekocht und gefüttert, dann ging es nach Owikokorero zu, immer abwechselnd 20 Minuten Trab und 20 Minuten die Pferde an der Hand führend. Der Weg markierte sich in der Dunkelheit kaum, man mußte scharf aufpassen, um nicht abzuirren. Ab und zu machte sich als Wegweiser ein verendetes Tier durch seinen Aasgeruch bemerkbar. Schakale und Aasgeier sorgen jedoch als gute Sanitätspolizei stets für deren baldige Beseitigung. Unsere Pferde schnoben jedesmal ängstlich, wenn sie an einer derartigen Stelle vorbei mußten. An vier verschiedenen Stellen waren große Grasbrände sichtbar. Gegen 8 Uhr abends ritten wir in der wohlbekannten Etappe Owikokorero ein, deren Kommandant, Oberleutnant Paschen, ein alter Bekannter von mir aus dem Kadettenkorps und späterhin aus dem Chinafeldzuge ist. So trifft man sich wieder im fernen Afrika. Viel gab’s nicht auf der Etappe, unsere Pferde mußten sich mit etwas Brot begnügen, Hafer war nicht vorhanden. Die Nacht war kalt, ich hatte außer dem Woilach nur eine alte Zeitplan zum Zudecken und fror schauderhaft. Am nächsten Morgen suchten wir die uns gehörigen Tiere zusammen, es waren immerhin zehn Pferde und acht Maultiere, also ein sehr willkommener Zuwachs. Die Etappe ist jetzt fertig ausgebaut. Mit einem starken Schützengraben beherrscht sie die große Vley mit den Wasserlöchern vollkommen. In ihr befindet sich ein Proviantzelt, ein Krankenzelt, in dessen einem P'.nde der Fernsprecher ist, ferner liegt die Bäckerei noch innerhalb des Walles. Es sieht öde und leer aus, seitdem die Truppen aus ihren Biwaks abgezogen sind, und wir konnten uns über die verdutzte Frage der Offiziere einer gerade ankommenden Munitionskolonne amüsieren r „Wo ist denn nun eigentlich Owikokorero?“ Wahrscheinlich hatten sie 111 b St. A. Dr. Eggel phot. Gebeine von Gefallenen im Busch von Owikokorero, die erst später aufgefunden wurden. ;«vj * '■■xtfcyu |; i •• kV. iVVjj-f von Salzmann phot. t’SCSSsi Massengrab. Owikokorero. 112 sich eine Großstadt darunter vorgestellt und waren nun reichlich enttäuscht, nur die drei Zelte innerhalb der Umwallung vorzufinden. Unser Rückmarsch mit den 18 Handtieren, die wir in einer Herde trieben, war nicht ganz leicht, da die Tiere sich anscheinend ungern von Owikokorero trennten. Schließlich hatten wir sie aber doch im Gange und erreichten gegen 4 Uhr nachmittags wieder Otupanda, wo uns eine Patrouille der Batterie, zur Hilfe beim Treiben bestimmt, erwartete. Unterwegs hatten wir viele, viele Aasgeier gesehen, die sich hier zu sammeln beginnen. Man schießt diese Tiere ihrer Nützlichkeit halber nicht, in der Kapkolonie z. B. ist es sogar bei Strafe verboten. Ein Maultier hatten wir unterwegs erschießen müssen, da es anscheinend mit Herzkrämpfen umfiel und doch nicht mehr zu retten war. An der Wasserstelle war gerade ein Treckochse in eins der Löcher gefallen und dabei ertrunken; er mußte nun von den anderen Tieren herausgezogen werden. Ein zweiter Ochse war entlaufen. Wir bezogen im Busch ein Biwak und hatten bis zum Einbruch der Dunkelheit mit Grasschneiden und Kralbauen ein gutes Stück Arbeit zu bewältigen. Eine Patrouille, die zum Wasserloch herunterging, fing dabei den entlaufenen Treckochsen und brachte ihn im Triumph angeschleppt, leider streikte er am nächsten Tage, als wir ihn weiter mitnehmen wollten. Die Posten meldeten mir gegen 9 Uhr, daß im Westen ein Laternensignal stünde, richtig sah man von einem hohen Baum aus ganz deutlich auf immerhin weite Entfernung vier Laternen in einer schrägen Linie aufwärts in einer Reihe. Außen zwei weiße, innen zwei rote. Es mußte wieder irgendein Signal der Schwarzen sein, da wir in dieser Gegend keine Truppen haben. Gegen gl Uhr sah man vom Okongawa-Berg aus helio- graphieren mit Blitzlicht. Ununterbrochen arbeitete der Heliograph, es mußte irgend etwas ganz Besonderes los sein, denn sonst wird der Heliograph nachts fast nie benutzt. Ich beschloß daher, noch nachts weiter zu marschieren, da wir doch der Kälte halber nicht schlafen konnten. An der Feuerseite wurde man geröstet, an der anderen zitterte man vor Frost, alle halben Stunden mußte man aufstehen, um sich durch Herumlaufen etwas zu erwärmen. Gegen 12 Uhr erlosch das Laternensignal im Westen, der Heliograph arbeitete zeitweilig noch. Um 1 Uhr ließ ich satteln und marschierte gegen 2 Uhr ab. Es ging verhältnismäßig langsam, zwei Pferde und ein Maultier spannten uns unterwegs noch aus und mußten am Wege stehen bleiben in der Hoffnung, daß sie ein späterer Transport einmal mitbringen werde. Es wurde Morgen, endlos zog sich der Weg hin, und als wir gegen 10 Uhr 30 Min. uns Okatjeru in der Hoffnung auf einen guten Braten näherten, fanden wir zu unserem höchsten Erstaunen das ganze Nest leer, das Detachement war gegen den Omuramba vormarschiert. Also hatte das nächtliche Helio- ”3 i i i St. A. Dr. Egçol phot. Stabs-Ochsenkarre des Bataillons von Mühlenfels. "dM' r*Af ‘•Nfts..~îr ‘s’“!***' jÜBteÉgg 06 .^ . * ■ - tl >ÂTN 4* ge*^-*v sg8pg$ iggggi i^ssr*? Ä«*' «§ ■fè£zt&- SUS 1 ‘ ; '^ï^§S? r^ff.. <£* ;?s^ 3 £ St. A. Dr. Eggol phot. 5. Batterie (Vorratswagen) im Marsch. von Salz mann, Im Kampfe gegen die Herero. 8 m — 114 — graphieren doch seine Bedeutung gehabt. Unser Erstaunen verwandelte sich bald in eine gewisse Besorgnis, womöglich zu einem Gefecht zu spät zu kommen. Also es gab nur eine Parole und die hieß, so schnell wie möglich der Truppe nach. Wir fanden noch unseren Vorratswagen vor, der mangels Bespannung nicht mehr vorwärts gekommen war, auf ihm war noch Hafer, so daß ich unsere sehr müden Tiere, nachdem sie im Katjeru- Teich getränkt waren, füttern konnte. Die Maultiere gab ich zur Bespannung des Vorratswagens ab. St. A. Dr. Eggel phot. Am Omuramba ua Matako. Pferde gehen zur Weide. VSf r ~ ^ T*. ’mm sr • Was eigentlich los war, wußten weder die Telegraphisten noch der Führer des Vorratswagens, es waren Funkentelegramme von der Abteilung Estorff und Heyde gekommen, die den sofortigen Vormarschbefehl zur Folge hatten. Wahrscheinlich war also der Feind schon im Abzüge vom Omuramba-Abschnitt. Doch hier hieß es nur schnell handeln. Schon um 11 Uhr, nach einer halben Stunde, konnte ich mit zwei Unteroffizieren, sieben Mann und 17 Pferden weiterziehen auf den Wagenspuren des abmarschierten Detachements. Der Weg wäre auch so nicht allzu schwer zu finden gewesen. Denn fast jeden zweiten Kilometer lag oder stand ein verendendes Pferd, von der jedenfalls schnell marschierenden Kolonne zurückgelassen. Nach einer Stunde hatten wir die Ochsenwagen, die am Wege Mittagsrast machten, eingeholt, nach einer weiteren Stunde hatten ”5 wir die Truppen und unsere Batterie erreicht, der der Zuwachs an Tieren hochwillkommen war. Wie ich vermutet hatte, war der Grund des plötzlichen Aufbruches der, daß die Herero vom Omuramba-Abschnitt nach Norden zu abzogen. Von der Batterie war seit zwei Tagen noch eine Patrouille von einem Offizier, Frhr. v. Watter, mit acht Reitern am Feinde, dieselbe war eigentlich schon zurückerwartet worden, und man fing an, ihrethalben Besorgnisse zu haben. Wir biwakierten diesen Abend, den 9. Juli, an der Wasserstelle Okawitumbika, an der noch vor allerkürzester Zeit Herero gesessen hatten. Am Abend traf die Patrouille der Batterie wieder ein, sie hatte festgestellt, daß das Gelände bis zum Omuramba bis auf einzelne Späher vom Feinde frei sei, mit dem sie überhaupt nicht in Berührung gekommen war. Die Fühlung mit dem Feinde war so ziemlich verloren gegangen, er mußte eben unter dem Schutze weit vorgeschobener Posten sein Vieh schon vor längerer Zeit zurückgezogen haben. Am nächsten Morgen trafen unsere Ochsenwagen und der Vorratswagen ein, sie waren unterwegs liegen geblieben, so daß wir wiederum ohne Decken gewesen waren. Wir hatten am 10. einen Ruhetag, am n. ging’s weiter nach Otjurutjondju, das nach der hier recht ungenauen Karte schon am Omua Matako oder Omuramba, wie er wohl meist genannt wird, liegen soll. Der Weg war wie stets tiefer Sand im dichten Busch. Ab und zu stand wieder ein zurückgelassenes Pferd am Wege, das vor Schwäche nicht mehr mit konnte. Auf dem Biwaksplatz wehte auf einem hohen Baume eine von den Witbois aufgezogene rote Fahne; der Platz liegt auf einer geringen, sandigen Anhöhe. Das Flußbett des auf der Karte als breiter Strom gezeichneten Omuramba war nicht so einfach zu finden. Es markierte sich als ein ungefähr sechs bis acht Meter breiter sandiger Streifen, an dem die Uferlinie nur teilweise deutlich erkennbar war. Im Flußbett selbst kamen wir trotz eifrigsten Grabens auch bei fünf bis sechs Meter tiefen Löchern nicht auf Wasser, dagegen gaben die einige hundert Meter neben dem Flusse gelegenen, von den Herero zum Viehtränken benutzten Löcher noch etwas Wasser, das ein trübes, milchiges Aussehen hatte und von unseren Tieren nur ungern genommen wurde. Wir vertieften die Löcher und verstärkten die seitlichen Wände durch Faschinen, um ein Nachrutschen des lockeren Sandes zu verhindern. Trotzdem war auch an diesem Platze die Wasserkalamität eine dauernde zu nennen. Nicht nur, daß das vorhandene keineswegs zum Satttränken der vielen Tiere ausreichte, nein auch zu Koch- und Waschzwecken war es ohne Klären mittels Alaun und nochmaliges Filtrieren durch Berkel'eld-Trichter kaum zu gebrauchen. Einen Beigeschmack behielt es stets. Der Biwaksplatz an sich war verhältnismäßig hoch auf sandigem Untergrund gelegen und daher als gesund zu bezeichnen. Eine entsetzliche 8 * Plage an diesem Platz blieben stets die in Millionen und Abermillionen vorhandenen Fliegen, die von einer Zudringlichkeit waren, wie ich sie kaum je erlebt habe. Bei einer Umschau in der weiteren Umgebung des Lagers erkannte man, daß hier eben Zehntausende von Köpfen Rindvieh der Herero gestanden haben müssen. Es war fast alles Gras, besonders an den günstiger gelegenen Stellen, bis auf den kahlen Boden abgeweidet und niedergetreten, außerdem stieß man allenthalben auf die verlassenen Pontoks der Schwarzen. Aus den Spuren und dem Mist konnte man er- St. A. Dr. Eggcl phot O t j u r u t j o n d j n ’"■MC.- r;. •* V? • V HÄk-jsfatJä - .» kennen, daß dieses Rindvieh schon vor Wochen weggetrieben worden wai, ohne daß es von uns rechtzeitig bemerkt worden ist. Am 12. Juli gingen zwei starke Patrouillen feindwärts ab. Die eine soll westlich herumgreifend auf Omuweroumwe am westlichen Ende des Waterberg-Plateaus aufklären, die andere auf Hamakari südlich des Ortes Waterberg reiten, um sich dort ostwärts nach Okakarara zu wenden und vielleicht Fühlung mit der vom Detachement Estorfi jedenfalls auch vorn befindlichen Bastardabteilung zu bekommen. Die westliche Patrouille, bestehend aus Witbois, hatte zuerst Fühlung mit dem Feinde. Nachdem sie zuerst'am Abend des 12. eine Werft bei Ombuatjipiro überrascht und dem Feind einen Verlust von 8 Toten zugefügt hatte, war sie, Fühlung likift-.zÜHBtM o -r n\ • von Salzmann phot. Im Biwak. O t j u r 111 j on d j u. Erstes Geschütz der fünften Fe ld b at t e r i e. i. Unteroffizier Preußer. 2. Vorderreiter Rüdiger (früher im Feldartillerie-Regiment 5), 3. Stangenreite'r Starzinski (früher im Feldartillerie-Regiment 5). k • I !■ I ik 4, mit dem Feinde haltend, nordwärts auf Hamakari zu geritten, hatte noch weit vor diesem Ort im dichten Busch starkes Feuer erhalten und war, da sie umzingelt zu werden drohte, umgekehrt. Das Gefecht hatte der Patrouille außer zwei Handpferden keinen Verlust zugefügt, trotzdem sie eigentlich mit dem Feinde ins Handgemenge gekommen war. Der Führer, Leutnant Müller von Berneck, hatte selbst einen auf ihn mit einer alten Donnerbüchse losgehenden Schwarzen auf wenige Schritte mit der Browning-Pistole erschießen müssen. Aus diesem Patrouillengefecht ersieht man recht deutlich, welche enorme Schwierigkeiten das Buschgelände für den Kampf bietet, wenn eine so kriegsgewohnte Truppe, wie es unsere Witboi-Reiter sind, unter einem in vielen Gefechten bewährten Führer derartig ins Gedränge kommen kann, denn die Absicht, ein Gefecht zu liefern, hat wohl kaum Vorgelegen. Am 13. nachmittags traf die Patrouille hier wieder ein und danach kam etwas mehr Klarheit in die Lage. Gefangene hatten übereinstimmend ausgesagt, daß die Hauptmasse des Viehes der Herero bereits nördlich des Waterbergplateaus bei Otjenga und Omarasu stände, also die schwierigen Gebirgsdefileen bei Otjahewita und Omuwerumwe bereits passiert habe. Aus der großen Entfernung des Viehes ersieht man, wie frühzeitig sie es bereits von der Omuramba-Linie weggetrieben haben müssen, ohne daß wir es gemerkt haben, wohl schon vor zw 7 ei bis drei Wochen, und daß sie schlau genug sind, es nicht erst südlich des Waterbergplateaus, wo auch viel Wasser sein soll, stehen zu lassen.*) Das Vieh repräsentiert das Nationalvermögen des ganzen Stammes, von ihm und mit ihm lebt und stirbt der Herero, der wie kein Schwarzer sonst an seinem Vieh hängt und nur im allerdringendsten Notfälle ein Tier schlachtet. Mit dem geraubten Vieh geht er allerdings weniger schonend um, denn an all den Orten, wo sie längere Zeit gesessen haben, wie z. B. Owikokorero, kann man auf Haufen von Knochenresten, von großen Schmausereien herrührend, stoßen. Andererseits war durch Aussagen der leider bei dem Gefecht wieder entkommenen Gefangenen und durch eigene Anschauung festgestellt, daß die ganze Flußbet tlinie östlich und westlich Hamakari noch besetzt ist und daß die Herero wohl beabsichtigen, vor ihrem Abzug nördlich des Waterbergplateaus hier noch einmal Widerstand zu leisten, natürlich nur, falls wir in der nächsten Zeit vormarschieren. Wenn wir aus Stärke-, Verpflegungs- usw. Rücksichten wieder so lange warten müssen wie seinerzeit in Owikokorero, dann werden wir wohl beim Vormarsch die Herero ebensowenig noch vorfinden wie jetzt an der Omurambalinie, wo wir doch ganz sicher einen ernsten Widerstand erwarteten. Ein Widerstand der Herero ist anscheinend nur dann zu erwarten, wenn sie dem abziehenden Vieh genügend Zeit zum ) All dies erwies sich später als falsche Annahme. 120 Abzüge schaffen wollen, sie nehmen dann eine Arrieregardenstellung ein, wie es in Oviumbo war. Haben sie wie dort ihren Zweck erreicht, so ziehen sie selbst ab, ohne daran zu denken, dem etwa abziehenden Gegner noch tagelang zu folgen. Besonders dieses für uns gerade nicht glückliche Gefecht zeigt, wie sehr die Herero ihre Schwäche gegenüber unserer Artillerie in bergigem Gelände wie bei Onganjira erkannt hatten. Wir Artilleristen rechnen uns auch nicht umsonst diesen Tag als besonderen Ehrentag, denn wir hatten dort vorzügliche, deutlich erkennbare Wirkung. Bei Oviumbo legten sie ihre Schützenlöcher in den Busch in der flachen Ebene und hatten eine vorzügliche Wirkung, um so unheimlicher für den Angreifer, da er den Verteidiger fast nie zu Gesicht bekam. Die am 15. Juli zurückkehrende zweite Patrouille konnte nur genau dasselbe berichten wie die Witboiabteilung, auch sie war in dichtem Busch auf Herero gestoßen, hatte, ohne einen Schuß zu tun, um sich nicht zu verraten, einige Gefangene gemacht und war mit diesen zurüekgekehrt. Die gefangenen männlichen Herero waren unbewaffnet und wohl nur Viehhirten gewesen, anscheinend waren doch noch größere Viehmengen südlich des Waterberges. Tatsache ist leider, daß bis an den Feind heran auch nicht ein Halm Gras zu finden ist; was nicht abgefressen ist, haben die Herero durch Grasbrand vernichtet, um jedenfalls nach afrikanischen Begriffen eine neutrale Zone zu schaffen, die einem nur auf Weide angewiesenen Gegner zu überwinden immerhin Schwierigkeiten verursachen dürfte. Und damit komme ich zu etwas anderem, nämlich nochmals zum Zustand unserer Pferde. Über dieses Kapitel könnte man nur drei Worte setzen: ,,Wir brauchen Hafer.“ Ich halte den Versuch, die deutschen Pferde nur von dem Weidegang zu ernähren, für mißglückt. Man sehe sich nur einmal unsere armen Tiere an, meist sind sie sehr stark abgemagert, haben dabei aber dicke Heubäuche. Wie ich schon früher schrieb, haben viele infolge der scharfen Gräser Wunden im Maul, können also nicht ordentlich fressen bzw. kauen. Dieses sind die ersten Todeskandidaten, von denen wir noch eine ganze Anzahl haben. Auf jeden Fall haben wir bereits die Erfahrung gemacht, daß das so vielgerühmte Gras, das sich einem unbefangenen Auge als vollkommen vertrocknet, kraft- und saftlos präsentiert, auch nicht im entferntesten den Nährwert hat, der ihm von alten Afrikanern zugeschrieben ward. Es ist eben höchstens Magen füllend, aber niemals Kraft gebend und kann am allerwenigsten, besonders im jetzigen ausgetrockneten Winterzustande, eine Haferfütterung ersetzen. Im übrigen erzählt man sich, daß sogar die alten Afrikaner in Friedenszeiten für ihre Tiere ganz ansehnliche Haferzulagen aus privaten Mitteln zugekauft hätten. Der berühmte mongolische Pony, wohl das genügsamste Reittier der Welt, leistet nach meinen Erfahrungen bei Körnerfutter das Dreifache von dem, was er nur mit 121 Weidefutter leistet. Man beobachte nur den durch die Wüste Gobi ziehenden chinesischen Kaufmann. Trotz stellenweise schönster Weide futtert er stets nebenbei reichlich Körnerfutter, und dieser sparsame, mit geringen Bruchteilen eines Pfennigs rechnende Jünger Merkurs tut dies gewiß nicht umsonst. Er weiß genau, daß ihm sein Tier nicht nur das Doppelte leistet, sondern auch doppelt so lange hält mit dem Körnerfutter, als ohne dieses. Hier kommt nun noch die Schwierigkeit hinzu, daß fast alles bereits abgeweidet ist und daß dasjenige, was stehen geblieben ist, sicherlich nicht gerade das Beste ist. So lange wir unseren Tieren Hafer geben konnten, sahen sie prachtvoll aus, es war eine Freude, die Truppe zu sehen, und jetzt sehe ich tränenden Auges unsere schönen Pferde langsam sterben. Es ist ein Jammer. Nochmals alles zusammenfassend komme ich zu dem Schluß: Klimatische Verhältnisse, wie starke Nachtkälte bei hoher Tageshitze, die dünne Höhenluft machen unser ausgewachsen importiertes deutsches Pferd nur dann in der hiesigen Kolonie zu einem allen Anstrengungen eines Feldzuges gewachsenen Reit- bezw. Zugtier, wenn es eine genügende Haferernährung dauernd erhält. Als Beispiel möchte ich die englische Betschuana-Polizeitruppe anführen, die unter denkbar schwierigsten Transportverhältnissen doch ein tägliches Quantum von 14 Pfund Hafer futtert, wie mir von einem Augenzeugen und Kenner dortiger Verhältnisse mehrfach versichert wurde und die dabei reiterlich Hervorragendes leistet. Wir hoffen jetzt. täglich, den Hafertransport, der unterwegs ist, ankommen zu sehen; die Haferfütterung hat nebenbei auch noch den Vorteil, daß man unabhängig von der Lage der Weideplätze wird. Vergleicht man die Kosten der zwecks Hafertransports anzuschaffenden Ochsenwagen mit dem Wert der mangels genügender Ernährung eingegangenen oder zeitweise unbrauchbar gewordenen Tiere, so würde, glaube ich, das Ergebnis für die Ochsenwagen sprechen, wobei ich noch ganz von der erhöhten Leistungsfähigkeit der Truppe im Vergleich zur augenblicklichen absehe. Nicht ganz so schlimm steht es mit den Muli, die sich trotz der mangelhaften Ernährung immer noch in leidlichem Zustande befinden und ihre Kanonen sehr brav durch den tiefsten Sand schleppen. Im äußersten Notfälle müßte man eben auf Berittenmachung der Geschützbedienung verzichten und diese zu Fuß gehen lassen. Sonst gibt’s wenig Neues aus dem Biwak zu erzählen. Die helio- graphische Verbindung mit Detachement von der Heyde und von Estorff ist noch nicht hergestellt. Die heliographische Abteilung baut augenblicklich einen Turm aus Faschinen und Erde, um von diesem aus via Okongawa- Berg heliographieren zu können. Der Funkentelegraphie fehlt es am nötigen Benzin, das auch täglich mit Ochsenkarren erwartet wird; nur das Kabel ist merkwürdigerweise noch ganz intakt. Wenn dieSchwarzen nur ahnten, wie sie uns durch geringe Unterbrechungen an demselben schädigen 122 könnten, es wäre ihnen ja ein leichtes, in dem dicken Busch dies zu tun. Gefährlich sind dem Kabel jetzt stets die irgendwo wütenden Grasbrände, die es vor einiger Zeit auch südlich Otjikuoko auf 200 Meter zerstört hatten. Am 16. Juli übernahm der neu heraufgekommene Kommandeur des ersten Feldregiments, Oberstleutnant Müller, für den nach dem Süden des Schutzgebiets gehenden Major von Glasenapp die Führung des Detachements. Es gab daher beim alten, allgemein beliebten Führer am 15. abends einen etwas verlängerten Abschiedspunsch . Ich erhielt am 16. abends den Befehl zu einer größeren Patrouille um den feindlichen rech tenFliigel herum, den eventuellen Abmarsch des Feindes auf Otjenga festzustellen. Was kann dem Soldaten willkommener sein als der Befehl, Patrouille zu reiten, nebenbei noch eine derartig wichtige, weit ausgreifende! Nichts konnte mir daher erwünschter kommen als dieser Auftrag. Mit mir ging noch Leutnant Graf Arnim, ferner unser Reserveunteroffizier Freiherr von Khavnach, dann neun Reiter, der Landeskundige Melchior, ein Frachtfahrer, der früher viel in dieser Gegend mit Ochsenwagen gefahren war und dessen Landeskenntnis und besonders Kenntnis der einzelnen Wasserstellen von höchstem Werte sein konnte, und vier Witbois. Also eine ganz stattliche Truppe, im ganzen 17 Gewehre und 20 Pferde, darunter drei vollständig ausgerüstete Handpferde für eventuelle Ausfälle. ... - •r'-.vp.'" von Salzmann phot. Von links nach rechts: Oberstleutnant Müller. Oberleutnant v. Kriegsheim. Unteroffizier Jakobs. 123 Als Gefechtskraft kann man allerdings von vornherein die Witbois abrechnen, denn mit ziemlicher Sicherheit ist darauf zu rechnen, daß sie, sowie auch nur ein Schuß fällt, auskneifen; sie haben das allzuoft schon gezeigt, als daß man sich über ihre Tapferkeit, von der man früher so viel erzählte, Illusionen machen könnte. Diese zeigt sich eben nur, wenn sie um ihren eigenen Besitz kämpfen, am fremden haben sie kein Interesse. Der alte Hendrick Witboi wird auch nicht gerade die Besten seines Stammes hier herauf geschickt haben, denn man sieht nur wenige ältere in der Witboiabteilung. Die Jungen sollen eben den Krieg lernen, und dazu ist ja jetzt die beste Gelegenheit. Man glaube nur nicht, daß die Leute Passion oder Liebe zur Sache zeigen; ganz im Gegenteil, Faulenzen und und Trinken ist ihnen jederzeit lieber, als gegen den Feind zu reiten, höchstens kommt noch die Aussicht auf Beutevieh in Frage, die sie herauslocken könnte. Interesse zeigen sie nur am eigenen weißen oder eingeborenen Führer, der Patrouillenführer ist ihnen gänzlich gleichgültig, und ich habe es erlebt daß sie sich im dichten Busch geringste Herz für ihre Tiere, II. Noack phot. Graf von Arnim, f ir. 8. 04b. Otjiwarongo einfach drückten, um auf Jagd zu gehen. Zu gebrauchen sind sie in der Aufklärung nur zum Spuren finden, Verfolgen oder Beurteilen derselben auf Alter, Anzahl usw.; darin sind sie allerdings unübertrefflich, und man ist auf sie angewiesen, obwohl sich mancher unserer Leute und Offiziere auch schon eine recht hübsche Fertigkeit darin angeeignet hat. Gefürchtet sind sie bei allen Kompagnie-und Batteriechefs insofern, als sie jedes ihnen zur Patrouille gestellte Pferd mit tödlicher Sicherheit drücken oder lahm reiten, während ihre eigenen Pferde stets bis zur Unbrauchbarkeit abgetrieben sind. Sie haben auch nicht das fressen oder zu saufen ob dasselbe zu bekommt, ist ihnen anscheinend völlig gleichgültig; ich habe z. B. nie gesehen, daß sich einer einmal aus Interesse für sein Tier bemühte, etwas mehr Hafer herauszuschlagen, nein, im Gegenteil, mir kam es neulich vor, daß der eine Witboi den ihm mitgegebenen Hafer wieder zurückgab, also hatte er seinem Tiere überhaupt nichts gereicht. Man sieht sie niemals gerade auf den Pferden sitzen, stets schief, daher drücken sie dieselben. Ferner treiben sie im Schritt und Trab das Pferd andauernd, so daß dieses stets leicht in Schweiß kommt und leicht ermüdet. Daß sie nebenbei vor- 124 treffliche Schützen sind, hatte ich Gelegenheit zu beobachten, als sie auf Wild schossen. Übrigens sollen die Herero noch viel schonungsloser mit ihren Pferden verfahren; diese sollen, wie Gefangene aussagten, geradezu in erbärmlichem Zustande sein. Das ist so ein kleiner Teil meiner eigenen Erfahrungen mit der Witboitruppe. Beim Viehstehlen habe ich sie noch nicht gesehen, sie sollen darin Hervorragendes leisten; da das Vieh im afrikanischen Kriege eigentlich die Hauptrolle spielt, denn um seinen Besitz oder Nichtbesitz dreht sich für den Herero ja der ganze Krieg, mag die Witboitruppe unentbehrlich sein. Hoffentlich entspricht sie später auch tatsächlich den in sie gesetzten Hoffnungen in dieser Beziehung. vor* von Salzmann phot. Unsere Schwarzen, rechts Gobias. Siebentes Kapitel. Schwere Wochen. Am 17. Juli früh 6 Uhr trat meine Truppe zusammen und marschierte bald darauf in nordwestlicher Richtung ab. Unter den vier mitgegebenen Witbois befand sich ein Enkel des alten Hendrick, der sich ganz besonders durch Schmierigkeit auszeichnete. Wir ritten quer durch den Busch, uns als Marschrichtung die linke Kante des nach Süden zu ganz schroff abfallenden kleinen Waterberges nehmend. Das Gelände war wechselnd, teils offene Grassteppe, teils ganz dichter Busch, zuweilen mit größeren Bäumen, meist dem Kameldornbaum, untermischt. Mehrfach sahen wir verlassene Eingeborenenwerften, in deren Umgebung die Erde überall nach der sogenannten „Feldkost“ durchwühlt war. Ein Zeichen, daß die Schwarzen hungern, denn ohne Not graben sie nicht nach den nicht allzu schmackhaften Wurzeln und Zwiebeln. Gegen 10 Uhr kamen wir an eine mächtige verlassene Werft; nach den vielen Kralen zu schließen, mußte hier sehr viel Vieh, und zwar längere Zeit gestanden haben. Also mußte auch Wasser da sein, das wir denn schließlich auch in einer langgestreckten Vley in etwa hundert Löchern in reichlicher Menge antrafen. Es war schon ziemlich warm, und der Magen knurrte, daher beschloß ich Mittagspause zu machen. Die Witbois suchten die Gegend nach Spuren ab, fanden aber nur alte; wir tränkten die Pferde und lagerten uns dann einige Kilometer vom Wasser entfernt auf gutem Weidegrunde. Einige Posten wurden ausgestellt, und während die Pferde grasten, kochten wir uns die mit Recht so beliebte Erbswurstsuppe und hinterher Kaffee; da wir noch ziemlich weit vom Gegner entfernt waren, konnte man es ruhig wagen, Feuer anzumachen, außerdem hätte ein auf einem hohen Baum postierter Witboi sicher jede feindliche Annäherung gemeldet. In dieser unbequemen Stel- Kopfleiste von Anita Peters. 126 lung war der Hottentott gezwungen aufzupassen, denn im Grase unten hätte er sich sicher hingelegt und geschlafen. Um 2 } Uhr ritten wir noch einmal zum Wasser, um zu tränken, denn wer wußte, wie lange unsere Tiere kein Wasser würden bekommen können, da die nächsten Wasserstellen mit ziemlicher Sicherheit in Feindeshand waren. Alle Wassersäcke wurden gefüllt, ebenso die Feldflaschen. Das Wasser war prachtvoll, so schön, wie wir es schon lange nicht mehr gehabt hatten. Unser Landeskundiger glaubte, daß diese Wasserstelle in diesem Jahre zum ersten Male von den im Rückzuge befindlichen Herero aufgemacht worden sei und daher auch die einzelnen Wasserlöcher noch nicht so verschmutzt wären, wie es im allgemeinen bei den jahraus jahrein von den Herero benutzten Wasserlöchern der Fall ist. Dann ging’s feindwärts mit vorgeschobener Spitze und Seitenpatrouillen. Das Gelände blieb offen, wir sahen viele Spuren von Hartebeesten, auch von nordwärts getriebenem Vieh, jedoch waren die letzteren schon mehrere Tage alt. Zum Teile war das Gras abgebrannt; die Herero machen dieses alljährlich, da dann das Gras später besser wächst. In diesem Jahie werden sie es wohl mit um so größerer Liebe und Sorgfalt tun, da sie uns damit die unentbehrliche Weide vernichten. Ab und zu zeigte sich ein Deuker, einige Aasgeier zogen hoch in der Luft, und von Zeit zu Zeit flog einer der beim Jäger und Soldaten gleichmäßig unbeliebten Kurrhähne auf, um mit seinem mißtönenden Geschrei weithin zu alarmieren; man nennt ihn nicht mit Unrecht den „Warner“. Gegen 5 Uhr passierten wir die große Straße von Osire nach Water- berg, die wenig frische Spuren zeigte. Es wurde dunkler und dunkler, die Seitenpatrouillen wurden näher herangezogen, der Abstand zur Spitze verringert, und als wir schließlich in dichten Busch kamen, wurden die Seitenpatrouillen ganz eingezogen und auf die Spitze aufgeschlossen. Es war ganz dunkel geworden, im schwachen Mondlichte konnte man noch den Marschrichtungspunkt, die linke Kante des kleinen Waterberges, an lichteren Stellen erkennen, sonst diente uns der Sternhimmel als Wegzeiger. Der Dornbusch zerriß Gesicht und Hände; die Cordsachen halten gut stand gegen die Dornen, dagegen werden Stiefel und Sattelzeug mit der Zeit übel mitgenommen. Schweigend legten wir so Kilometer auf Kilometer zurück. Ab und zu wurde gehalten, um von hohen Bäumen aus Ausschau zu halten; mehrmals sahen wir hierbei im Norden, Nordwesten und Westen ziemlich weit entfernt Lagerfeuer glühen. Vor uns im Westen wütete deutlich erkennbar an zwei Stellen ein größerer Grasbrand, dessen Schein den nächtlichen Himmel rötete. Die Witbois unterschieden deutlich am Brandgeruch, ob er von einem Grasbrand oder vom Lagerfeuer herrührte. Diese Finessen hatte ich mir damals noch nicht angeeignet. Mit leiser Stimme teilten wir uns unsere gegenseitigen Beobachtungen mit; kreuzten wir Spuren, so wurden diese beim Schein eines Streich- 127 holzes untersucht. Je weiter wir vordrangen, desto frischer wurden die von Süden nach Norden führenden Spuren, und als wir gegen n Uhr die an der Ostseite der Berge entlang führende Straße kreuzten, erwies sich diese als vom vergangenen Tage her sehr stark von Vieh und Menschen begangen. Also waren wir dicht heran und Vorsicht in jedem Falle geboten. MeinPlan war, imDunkel der Nacht die Linien des Feindes zu passieren, um dann am frühen Morgen die feindlichen Stellungen und Werften zu erkunden. Bekanntlich liebt es der Herero lange zu schlafen, und er schätzt die Morgenkälte, die jezt ziemlich stark ist, gar nicht. Diesen Umstand wollten wir benutzen, und wir hatten richtig gerechnet. Der Busch wurde immer unpassierbarer, wir mußten von den schon recht müden Tieren herunter, um überhaupt noch vorwärts zu kommen; wir passierten eine Senke, und um 12 Uhr nachts ließ ich halten, um einige Stunden zu ruhen. Nördlich von uns war ein Lagerfeuer sichtbar, sonst zeigte sich nichts Verdächtiges; meiner Berechnung nach mußten wir uns an der sich am Fuße des kleinen Watergebirges entlang ziehenden Reihe von Werften befinden. Natürlich blieben die Tiere gesattelt und gezäumt, an Schlafen war der Kälte wegen kaum zu denken, nach allen vier Himmelsrichtungen standen Posten mit aufgepflanztem Bajonett, einer dem Schwarzen bekanntlich sehr peinlichen Waffe. Feuer konnte nicht gemacht werden, wir aßen etwas trockenes Brot und legten uns auf die harte Erde, einer immer die Beine des anderen als Kopfkissen benutzend, ein Verfahren, das ich jedem in ähnlichem Falle nur Hanptmann Stahl phot. Beobachtungsposten auf einem Baum. empfehlen kann. Einer von uns blieb stets auf, um die Posten zu revidieren und Umschau zu halten; die Posten hatten einmal ein Fohlen wiehern und mehrmals ein kleines Kind schreien hören, also konnten wir uns nicht weit von einer besetzten Weift befinden. Gottlob verhielten sich unsere Pferde ruhig, was man im allgemeinen vom Preußen nicht sagen kann, denn er antwortet sonst auf jedes Wiehern. Die Pferde waren eben auch müde und froren, sie drängten sich dicht zusammen und standen ganz ruhig. 128 Bewunderungswürdig war der feste Schlaf unserer Witbois, die sich durch nichts stören ließen. In Gegenwart des Weißen verlassen sie sich nämlich fest auf diesen, nicht ganz mit Unrecht, denn in solcher Situation paßt eben jeder Posten doppelt auf, das wissen unsere lieben Bundesgenossen auch ganz genau. Gegen 3+ Uhr ließ ich eine Hand voll Hafer abwechselnd füttern, und um 4 Uhr ging’s w r eiter, den Siidhang des Berges entlang; bald kamen wir in dichten Aloewald mit übermannesdicken Stämmen und vielen Schlingpflanzen, die Passage wurde immer schwieriger, wir mußten mehrfach kehrt machen, um einen anderen Weg zu suchen, dazu knackten die trockenen Aloeblätter auf der Erde bei jedem Schritt, ein wenig angenehmes Geräusch. Alle Augenblicke hielten die Witbois an der Spitze, bald sahen sie am Berghang ein Feuer, bald hatten sie Stimmen gehört — w T ir waren eben mittendrin. Mich überkam ein frohes Gefühl, endlich mal heran an den Feind zu sein, mit der berechtigten Aussicht, eine gute Meldung nach Hause zu bringen. Punkt 6 Uhr, es dämmerte schon leicht, passierten wir die Südwestecke des Berges, an der auf kaum 200 Schritte Lagerfeuer sichtbar wurden. Jetzt mußten uns die Schwarzen auch bemerkt haben, denn allmählich verschwand Feuer auf Feuer, lautlos, jeden Augenblicke konnten Schüsse krachen, doch nichts regte sich, und einer hinter dem anderen zog die Patrouille still weiter. Mir juckte es bedenklich in den Fingern, eine Salve in die Werft hinein zu senden, aber ich dachte der Verantwortung als Führer der mir an vertrauten Leute und ließ es lieber sein, r*sa*i» t von Salzmann phot. Meine Lebensretter. Marine-St. A. Dr. Wiemann. Oberarzt Dr. Bremig. — i6o — nicht möglich gewesen. Die Wunde heilte nun gut, aber der Arzt schritt auch jetzt nicht zur Operation, da bei anderen Verwundeten infolge klimatischer Einflüsse recht schlechte Erfahrungen gemacht worden waren. Lieber unterließ er die immerhin große Operation, um nicht womöglich hinterher zu einer Amputation des Fußes gezwungen zu sein. Nun soll diese Operation in der Heimat im nächsten Jahre ausgeführt werden, wenn hier nichts dazwischenkommt. In meinem Lazarett wurde es im Laufe der Woche stiller und stiller, mit jedem nach Okahandja leer zurückgehenden Transporte verließen Rekonvaleszenten Waterberg. Von den sechs Offizieren blieb ich im Anfang Oktober allein zurück, drei sind wohl schon in der Heimat im schönen Wiesbaden, um dort volle Genesung zu finden, und den vierten — Major Osterhaus — deckt nach langem, schwerem Leiden, wie so manchen anderen bei Hamakari Verwundeten, die kühle Erde. Wir sind nun — Ende Oktober— nur noch sieben Verwundete hier. Allerdings alles „schwere“, bei den meisten war eine Amputation notwendig und bis auf einen, der bei Hamakari, dem zwölften Gefecht, das er mitmachte, einen Schuß durch den Kehlkopf erhielt und trotzdem gerettet wurde, kann noch keiner von uns aufstehen. Dafür komme ich jetzt jeden Nachmittag zwei halbe Stunden mit der Tragbahre auf die Veranda, um die frische Luft zu genießen. Hier hat man Zeit und Muße, das für südafrikanische Verhältnisse hübsche Fleckchen Erde im Tale von Waterberg zu bewundern. Der hiesige Missionar hat es unbedingt gut verstanden, sich den schönsten Punkt zur Errichtung der Missionsstation auszusuchen, ob es allerdings auch der gesündeste ist; möchte ich sehr dahingestellt sein lassen. Man hört darüber die verschiedensten, meist ungünstigen Urteile, und ich bin froh, die Regenzeit hier nicht mehr verbringen zu müssen. Das Missionshaus liegt auf halber Höhe des Südabhanges des Waterberges, der in seinem obersten Teil in schroffen und fast senkrechten Felsen zu dem bekannten Omu- weroumwe-Plateau übergeht. Dieses Felsmassiv hat hier nur einen Zugang, der für einen einzelnen Menschen immerhin schwierig zu erklettern ist. Das ermöglichte früher dem Leutnant von Auer, von der Nordseite kommend, noch vor dem Gefechte seinen Heliographen-Apparat verhältnismäßig dicht über den Köpfen der wohl jedenfalls sehr erstaunten Herero aufzustellen und über den gesamten, dicht versammelten Stamm hinweg seine wichtigen Meldungen zu blitzen, ohne daß die Schwarzen ihm etwas anhaben konnten, da er nur mit wenigen Gewehren den schmalen Zugang zur Hochfläche beherrschte. Der Waterberg bildet hier ein ziemlich scharf einspringendes Tal, das gegen die kalten Winde geschützt ist. Durch dieses Tal rauscht ein kleiner Bach, eine große Seltenheit hierzulande. Dank diesem Bächlein, das auch bei größter Trockenheit Wasser führt, ist man auf der Station von Salzmann, Im Kampfe gegen die Herero. von Salzmann phot. äs*,*.***. V* ; ’ '^jfL 'f.'" . v.-*f ; ;■* - •*w»* Waterberg. Blick nach Süden — 163 — nie um frisches klares Wasser verlegen, und besonders hierdurch ist man wohl seinerzeit veranlaßt worden, das Lazarett hier einzurichten. Dem Bach ist in der Ebene kein langes Leben beschieden, er versiegt bald im Sande. Von unserer Veranda aus hat man talabwärts einen Blick in die weite, weite, überall mit Busch bedeckte Ebene, deren einförmiges Grau nur zuweilen von einer grünen Baumgruppe unterbrochen wird, denn wir haben jetzt hier Frühjahr. Das Tal selbst ist mit grünen Bäumen ausgefüllt, denen nach oben die roten Felsen einen wirkungsvollen Abschluß geben. Gegenüber dem Missionshause liegt der Garten des Missionars. Dank der geschützten Lage des Tales gedeihen hier im Freien Oleander und Bambus, Bananen und Feigen und andere an südliches Klima gewöhnte von Salzmann. phot. mm •r.i WM- Verwundeten-Lazarett (F. L. 2, später 4) Waterberg im Missionshause. Kinder der Flora. Oleander und der hier stark wuchernde Kaktus blühen jetzt und gewähren mit ihren roten und gelben Blüten einen sehr hübschen Anblick. Leider haben die Herero auch hier arg gehaust. Viel Edelholz ist unnötig als Brennholz heruntergeschlagen, das den Abschluß des Gartens nach Osten bildende Bambusdickicht stark gelichtet worden, und der Bach selbst ist sehr versumpft; seine Reinigung hat unseren Leuten viel Mühe gekostet. Unten im Tale lagen bisher die vor kurzer Zeit nach dem Süden abmarschierte Gebirgsbatterie, die sogenannte gemischte Abteilung und die Halbbatterie von Winterfeld. Oberhalb des Lazaretts liegt der noch hier verbliebene Teil der Kompagnie von Welck. In der Kirche sind die Typhuskranken untergebracht, deren es leider noch immer allzu viele gibt. Alle diese Truppenteile werden uns über kurz oder lang wieder verlassen, um die ihnen angewiesenen Standquartiere am Omuramba ua Matako zu 11*' i64 beziehen. Ihre sämtlichen Pferde stehen in anderen weiter östlich gelegenen Quertälern des Gebirges, z. B. in Ounjoka und Otjosongombe, da hier fast gar keine Weide mehr vorhanden ist. Zu ihrem Schutze liegt die Kompagnie von Wangenheim draußen. So vergeht hier nun ein Tag wie der andere. Die Hauptfrage ist stets: Wann kommt der nächste Provianttransport? Denn dieser bringt meist Heimatspost mit. Leider habe ich nur einmal seit meinem bald vierteljährigen hiesigen Aufenthalt Briefe aus der Heimat bekommen. Wer weiß, wo sich die übrigen im Lande umhertreiben! Stets hofft man, daß der nächste Transport sie bringen möge, und wie oft ist unsere Hoffnung schon von. Salzmann phot. Typhus-Lazarett in der Kirche Waterberg und zwei Zelten. r*. ■ mm ggagH liSI enttäuscht worden. Jeder berechnet die Tage, die er wohl bis hier herauf brauchen möchte; es ist beinahe wie auf einer einsamen Insel,auf der jeder zum Strande stürzt, um das ankommende Schiff zu empfangen, wenn der Transport mit seinen weißen Planwagen am Horizont sichtbar wird. Keiner kann es erwarten, ich beobachte dann von der Veranda aus mit dem Zeiß- glase das Herannahen, und die Ochsen scheinen uns wie die Schnecken zu kriechen. Man möchte ihnen Flügel geben; teilweise hätten sie diese übrigens auch dringend nötig, denn die armen Tiere sind derartig stark in Anspruch genommen durch die fast über die ganze Kolonie verteilten Truppen, daß sie manche Strecken jetzt in der dreifachen Zeit zurücklegen, die man im Frieden als Maßstab anzulegen gewohnt war. So brauchte der letzte hier angelangte Transport volle 36 Tage von Okahandja aus, außerdem sind seine Ochsen so abgetrieben, daß sie mindestens vierzehn Tage Erholung nötig haben. Für uns Kranke ist dies alles von dem höchsten Interesse, nämlich aus folgendem Grunde. Seit Anfang Oktober sind alle Verwundeten transportfähig, und wir warten nun mit Sehnsucht auf den Befehl des Platzkommandos, der uns die zur Fahrt nach Okahandja nötigen Ochsenwagen zur Verfügung stellt. Seitdem der Aufstand im Süden ausgebrochen ist, werden aber die Wagen alle anderweitig gebraucht. Die Truppen liegen meist im Sandfelde, und wir hier oben sind wie auf einem verlorenen Posten. Daher ist unsere Sehnsucht nach dem endgültigen Abmarschbefehl zur Bahnlinie und damit nach der Möglichkeit, jederzeit von. Salzmann phot. Proviantraum. Typhus-Lazarett. Waterberg. ;.V~ schnell das nach der Genesung bringenden Heimat gehende Schiff zu erreichen, wohl begreiflich. * * * Im November 1904. Nun schlägt endlich bald die Abschiedsstunde für die letzten noch im hiesigen Lazarette liegenden Verwundeten aus den Tagen der Gefechte um Waterberg. Es sind nur noch sechs; der siebente muß noch hier bleiben, die Wunde am amputierten Beine machte einen neuen großen Eingriff nötig, da sie durchaus nicht heilen wollte. Er war auch einer von denjenigen, die zur Verwundung noch den Typhus bekamen, der hier schreckliche Ernte gehalten hat und dessen Ende noch gar nicht abzusehen ist. Die 23 Gräber unten auf dem Soldatenfriedhofe können so manches Leid erzählen. Die wenigsten beherbergen die Gebeine von Gefallenen oder an Wunden Gestorbenen, in den meisten ruhen vom Typhus Hingeraffte. Trat bei einem an den Gliedmaßen Verwundeten Typhus hinzu, so wurde fast stets die Amputation des betreffenden Gliedes notwendig und mancher hielt dann die Operation infolge der durch die Krankheit eingetretenen Schwächung des Herzens nicht mehr aus. Seit einigen Tagen ist eine Proviantkolonne hier, die nun, leer zurückkehrend, uns mitnehmen soll. Darüber herrscht natürlich allgemeine Freude, denn sind wir erst in Okahandja an der Bahn, so ist der Transport nach der Heimat mit jedem die Swakop- munder Reede verlassenden Dampfer möglich. Einigen von uns soll erst 8§it§ii if§i§ s'-E-Ä ÄSU ■ .~„hot. Herero -Weib er. v der Angelegenheit bat. Auf das Geld, das bei dieser Gelegenheit mitgestohlen war, schien der Dieb mehr Wert zu legen, denn er schickte es leider nicht wieder. Da ein bestimmter Verdacht vorhanden war, und ich ihn auf dem Betreffenden nicht unnütz sitzen lassen wollte, brachte ich die Sache meinem Vorgesetzten zur Meldung und weiteren Verhandlung. Am 5. Dezember bekam ich eine ganze Wagenladung von Heimatspost aus Juni und Juli, die an den verschiedensten Orten herumgelegen hatte. Ebenso klärte sich eine Angelegenheit auf, die mir bis dahin viel Kopfschmerz verursacht hatte, nämlich ein hier an mich angekommenes Zelt mit Zubehör erwies sich als ein Geschenk meiner lieben Tante v. E. Leider konnte ich das schöne Zelt nicht mehr benutzen, da meine Schritte sich der Heimat zu lenkten. Schade, daß wir es nicht ein halbes Jahr früher 200 bekommen hatten, da hätte ich so manche Nacht, die ich gezwungen war, unter freiem Himmel zuzubringen, darin schlafen können. Nun verkaufte ich das Zelt an die Intendantur weiter, der es nur sehr willkommen sein konnte, denn die Regenzeit stand vor der Tür und die allerwenigsten auch unserer höheren Offiziere waren zu dieser Zeit im Besitz von Zelten. Ich persönlich habe mich beim Schlafen im Freien immer sehr wohl befunden, hatte allerdings auch eine Pelzdecke mit, die mich vor Frost schützte. Aber von anderen weiß ich ganz genau, daß sie das Übernachten bei Mutter Grün auf die Dauer doch recht wenig schätzten. Wiederum kamen recht betrübende Nachrichten aus dem Süden. Die Hottentotten hatten mehrere Patrouillen abgefangen und vier unserer braven Offiziere hatten dabei ihr Leben auf dem Felde der Ehre gelassen. Unsere Papiere, oder wie sich unser Diener Gleofas ausdrückte, die „Pampiere“, liefen in schönster Ordnung vom Hauptquartier ein, und das ist ja schließlich die Hauptsache, denn wenn die,, Pam- piere“ in Ordnung sind, kann man beruhigt nach Hause reisen. Am 7. Dezember durfte ich zum ersten Male aufstehen und auf zwei Krücken lustwandeln. Mein Bursche König führte mich dabei hinten an der Strippe, damit ich die Balance nicht verlor. Vorläufig kam ich natürlich nur ganz kurze Strecken vorwärts, doch auch hierin macht allmählich Übung den Meister, und nach kurzer Zeit ging es schon ganz gut. Natürlich konnte ich mit dem rechten Bein dabei nicht auf treten. Bevor ich von Okahandja Abschied nahm, verkaufte und verschenkte ich alle nun überflüssig werdenden Ausrüstungsstücke, meine Fernrohrbüchse und meine Flinte gingen in den Besitz von Stabsarzt Dr. Eggel über. Am 9. Dezember abends wurde bei einem besonders zugerichteten kleinen Schlemmerdiner und bei einer Flasche Champagner Abschied gefeiert. Wir waren fidel und lustig, aber trotzdem mischte sich für mich ein Tropfen Wehmut in den Abschied, denn auch ich muß gestehen, daß das Land trotz seiner Trostlosigkeit einen gewissen Zauber ausübt, und ich von Salzmann phot. Apollo, Diener bei Oberstleutnant Müller, später bei Stabsarzt Dr. Eggel, und seine Frau. 201 ! in mancher Beziehung recht ungern aus demselben schied. Ganz besonders wurmte mich immer noch, daß gerade die Batterie, in der ich stand, die einzige war, die mit nach dem Süden ging. Freilich, wäre ich dorthin noch mitgegangen, so würde ich wohl jetzt nicht hier im schönen Wiesbaden sitzen und diese Erinnerungen schreiben, denn dann hätte mich wahrscheinlich in dem unglücklichen Gefecht von Nabas wie alle die anderen Batteriekameraden, das tödliche Blei der Hottentotten ereicht. S-lVSNsäS jj i 1 t nt i i Schaul phot., Dampfer ,,Kronprinz“. irr*“ ssesI: Zehntes l^apitel. Heimwärts. Am io. mittags um 2 Uhr stand der Wagen, der mich nach Swakop- mund bringen sollte, fertig auf dem Nebengeleise vor dem Lazarett. Es war ein offener Güterwagen mit einer Zeltplane darüber. In demselben war eine auf starken, quer zur Fahrtrichtung liegenden Federn ruhende Tragbahre aufgestellt, auf der es sich ganz angenehm lag. Der gute Dr. Eggel hatte mir einen Riesen-,,Freßkorb“, in dem auch die Getränke nicht vergessen waren, hineinstellen lassen, so daß ich keinen Hunger und Durst zu leiden brauchte. Mein Wagen wurde zum Bahnhof geschoben und in den „Schnellzug“ eingehängt. Unter allgemeinem Hallo sagte ich Lebewohl. Punkt 2 Uhr pfiff die Lokomotive, und ab ging’s nach der Küste zu. Die kleine Bahn fährt gar nicht so schlecht, wie manche behaupten; besonders wenn es bergab geht, kommt sie ganz hübsch ins Rollen. In der Nacht kam ich in Ivaribib an und wurde von Dr. J. vom dortigen Lazarett willkommen geheißen. Außerdem fand ich meinen Kameraden von der Kriegsakademie, Heise, vor, der auch schon halb auf dem Sprung wieder nach Hause ist, da er, wie so mancher andere, mit seinem Herzen nicht in Ordnung ist. Ich schlief im Wagen, um am nächsten Morgen um 6 Uhr weiter zu fahren. Wir sausten durch den Busch hindurch, um von Salzmann pliot. Bahn Windhuk — Swakopmund. 203 allmählich auf die weiten, öden Flächen der Namib zu gelangen. Gegen Mittag waren wir in Jakalswater, wo wir zu Mittag aßen. Am Abend trafen wir bei Khan eine ganze Anzahl neu heraufkommender Kameraden und den bei den Automobilversuchen mitbeteiligten Hauptmann Eber- ' hard, der mir Grüße von meiner Mutter brachte. Natürlich fragten mir die Neuheraufkommenden beinahe ein Loch in den Leib. Ich konnte ihre Neugier aber bei der Kürze der Zeit kaum befriedigen, obwohl ich auch nicht gerade auf den Mund gefallen bin, wie meine Kameraden behaupten. Nachts 11,8 Swakopmund alles aussteigen, das heißt eigentlich nicht, denn der Wagen mit den Verwundeten wurde erst vom Bahnhofe auf Nebengeleisen zum Lazarett weitergeschoben und wir dort ausgeladen. Ich kam in die bereits mit zwei Offizieren besetzte geschlossene Veranda des Lazaretts, das vollkommen überfüllt ist. Am 12. sah der Swakop- munder Arzt die Wunde nach, sie war unverändert. Ich beging den Leichtsinn, auf meinen Krücken bis zu dem Grundstück der Firma Tippelskirch zu gehen, um meine dort deponierten Koffer und Kisten zu ordnen. Der tiefe Sand gab mir den Rest, ich überanstrengte mich und hatte infolgedessen eine schlaflose Nacht. Ganz besonders angenehm macht sich für uns aus dem Innern Kommende die kühle Seeluft. Wer das nicht erlebt hat, wenn man so aus dieser Gluthitze in die Kühle einer Küste kommt, kann es auch gar nicht begreifen. Während man in Okahandja schon von Uhr morgens ab bis um 5 Uhr nachmittags kaum ins Freie herauskonnte, konnte man hier den ganzen Tag draußen sitzen. Außerdem setzte in Okahandja jeden Abend, wenn es kühler wurde, ein recht unangenehmer Sandsturm ein, der mir den Aufenthalt im Freien auch noch verdarb. Trotzdem hatte ich mir, um überhaupt herauszukommen, stets eine Matratze im Freien hinlegen lassen, auf der ich mich ausruhte. Fast jeden Tag kamen jetzt verwundete oder sonst erkrankte Offiziere und Mannschaften aus dem Innern zur Küste, um mit den nächsten fälligen Dampfern nach der Heimat transportiert zu werden. Am Nachmittag ließ ich mich mittels Lori, auf die ich meinen Feldstuhl stellte, zum Strand herunterfahren, um mir den Bau des neuen Landungssteges und das Ausschiffen der Ochsen mittels Flößen anzusehen und außerdem mich an dem ewig schönen Anblick des wogenden Meeres zu erfreuen. Leider störten die sich in kurzen Zeiträumen folgenden Nebelschwaden sehr den Genuß. Unsere Pioniere sind außerordentlich fleißig gewesen. Der Landungssteg, der die Mole, zu der die Einfahrt allmählich versandet, entlasten soll, ist schon ein ganz hübsches Stück ins Meer hinausgebaut. Aber ausgerechnet an dieser Stelle mußten unsere Leute auf einen Felsen stoßen, der vorläufig allen Sprengversuchen hartnäckigen Wider- 204 stand entgegensetzte. Es war jedesmal ein prachtvoller Anblick, wenn bei einer Sprengung die riesige Wassersäule in die Luft schoß. Aber es war immer noch kein Erfolg abzusehen. Die aus dem Kapland kommenden Ochsen werden auf ein ebenso ^ einfaches wie praktisches Floß verladen, das zuerst von einer Pinasse herangeschleppt wird, um dann mittels eines starken Seiles ganz herangezogen zu werden. Es ist ein sehr hübscher Anblick, wenn einer der großen Brecher über das ganze Floß hinweggeht und sich die Ochsen ängstlich zusammendrängen. Passiert ist noch nie etwas dabei, es sieht gefährlicher aus, als es tatsächlich ist. Arme Tiere! Welches Schicksal von Salzmann phof. Ochsen werden in Swakopmund mittels Floß ausgeladen. •- • cv «feg wartet euer! Die meisten gehen wohl einem langsamen Hunger- und Dursttod entgegen und helfen mit ihren Gebeinen die Schaustätte des Krieges dekorieren. Am 15. abends sollte der Reichspostdampfer „Kronprinz“ ankommen. Leider aber ist in Swakopmund nie zu erfahren, wann eigentlich die Dampfer ankommen, und obwohl ich an die verschiedensten Stellen telephonierte und meinen Burschen herumschickte, war nichts Bestimmtes zu erfahren. Ich bekam z. B. von dem Agenten der Linie die Antwort, er wisse nicht, wann der Dampfer käme, und ich sollte mich selbst darum kümmern. Eigentlich müßte man den ganzen Tag mit dem Fernglas auf der Lauer liegen, um den ankommenden Dampfer zu erspähen. Nebenbei bemerkt soll es vorgekommen sein, daß der Dampfer weit draußen auf der Reede eine halbe Stunde lang hielt, nur die Post abgab und aufnahm, sofort St. A. Dr. Egeol phot. al ! li I *i7*TTfiffl ;-rni»gf-r~rvy *» '-j&. v4-' Bahnhof Okahandja. 20 7 weiterging und Passagiere, die noch mit wollten, einfach das Nachsehen hatten. Angeblich sollen die ja unter Deutschen unvermeidlichen reichlichen Abschiedsfeiern nicht ganz schuldlos an dieser Tatsache sein. Sehr unangenehm war auch, daß ich mich nicht um die Beförderung meines Gepäckes persönlich kümmern konnte. Die Firma Tippelskirch gab durch ein Versehen mein für die Kabine bestimmtes Gepäck als Fracht auf, und späterhin wollte natürlich der Kapitän des Schiffes absolut nicht die Koffer herausgeben, als ich sie brauchte, da sie unter Verschluß gingen. Am 16. morgens, als ich aus dem Lazarett heraushumpelte, lag der weiß angestrichene „Kronprinz“ auf der Reede. Er war über Nacht angekommen. Zugleich kam ein telephonischer Befehl vom Etappenkommando, mich zur Einschiffung um 7 Uhr bereit zu halten. Ich setzte mich also mit meinem Gepäck auf eine der kleinen Loris und ließ mich zur Mole hinunterfahren. Dort hätte ich eigentlich noch meine sämtlichen Koffer öffnen und vorzeigen müssen, damit ich nicht etwa Straußfedern oder andere in von Salzmann phot. In Swakopmund vor der Heimreise. Oben: Warschau, Gefreiter König (Typhus- Rekonvalescent), Uffz. Grzegorz (Schuß durch den Kehlkopf). Unten: Der Verfasser. der Kolonie auffindbare Wertgegenstände exportierte. Ich sah den betreffenden Beamten, der mich fragte, nur mitleidig lächelnd an. Er mußte allerdings auch lächeln und verzichtete darauf, die Koffer zu durchsuchen. Wie sich allmählich herausstellte, war die Sache nicht so eilig, als es zuerst den Anschein gehabt hatte. Ich mußte erst einmal bis 8 Uhr warten, ehe einer der kleinen Schlepper herankam, der die Passagiere an den Reichspostdampfer bringen sollte. Dann wurde ich per Tragkorb in den an den Schlepper angehängten Leichter hinuntergelassen. Es war etwa 5 Minuten nach acht, als ich den afrikanischen Boden endgültig verließ. Mit mir im Leichter befand sich eine Anzahl nach Deutsch- 9E39S t oMta s rnm 208 land zurückkehrender Ansiedler, die dem ungastlichen Lande für immer Lebewohl sagten und darüber anscheinend gar nicht einmal betrübt waren. Wir fuhren nun bis an den „Kronprinz“, über dessen Reeling gebeugt ich schon von weitem zu meiner Freude einige Damenköpfe entdeckte. Also angenehme Gesellschaft würden wir auf der Fahrt auch haben. Wir gingen längsseits, und ich wurde wiederum mittels Hebekranes in meinem Korb an Bord genommen und in meine Kabine, die unter dem Speisesalon lag, gebracht. Der Dampfer war nicht sehr stark besetzt, und ich bekam daher eine sehr schöne geräumige Kabine für mich allein, so daß ich nicht erst genötigt war, gegen etwaige Kabinengenossen den sogenannten Kabinenkrieg zu eröffnen. Das ist doch etwas anderes, als wie wir seinerzeit nach China gingen, zu vieren in einer winzigen Kabine. Von uns vieren, die wir damals hinübergingen, sind drei im schwarzen Erdteil gelandet und von diesen drei sind zwei schwer verwundet, Waldemar Schultze und meine Wenigkeit. Nach und nach kamen noch einige der Kameraden an Bord. Einesteils wollten sie uns Abfahrenden Lebewohl sagen, andern teils trieb sie wohl die Neugierde und die Aussicht auf ein gutes Frühstück. Außer mir gingen nur noch der Stabsarzt A., dann Schwester T. H. und der Zahlmeister Danz, der mich bereits von Waterberg bis an die Küste begleitet und in der liebenswürdigsten Weise stets für mich gesorgt hatte, nach Deutschland zurück. All die anderen kranken Offiziere gingen mit einem Truppentransporte. Ich hatte die Genehmigung erhalten, mit Reichspostdampfer zu fahren, da ich baldigst operiert werden sollte. Danz wäre gern noch länger in Südwestafrika geblieben. Insofern war er ein Phänomen, als er die Rückreise sehr ungerri antrat. Im allgemeinen findet man eitel Freude unter denjenigen, die der Kolonie den Rücken kehren. Denn meist sind es solche, die nach überstandenen Verwundungen oder Krankheiten nach der Heimat zurückkehren, um dort endgültig Genesung zu finden, während die Gesunden eben weiter dableiben. Ich persönlich hätte sicher nicht den Gedanken bekommen, zurückzugehen, so lange Krieg war, wenn mich nicht meine Verwundung dazu gezwungen hätte. Im ganzen waren wir 16 Passagiere in der ersten Klasse, während die zweite und dritte Klasse sehr voll waren. Der Dampfer hatte hauptsächlich Baumwolle aus Südafrika geladen, die möglichst schnell nach der Heimat transportiert werden sollte. Es war ein schönes, sehr bequem eingerichtetes Schiff der Deutschen Ostafrikalinie. Um i Uhr gingen die Kameraden von Bord, und um 2 Uhr ging der Anker auf, und ab nach der Heimat. Es folgten nun Wochen, in denen ein Tag genau wie ein Ei dem anderen glich. Morgens um 7J Uhr stand man auf, um 8 Uhr war das erste Frühstück, dann langweilte man sich an Deck herum, bis es Zeit war zum 4 — 209 — Lunch, um dann des Nachmittags zu schlafen, und um 7 Uhr wieder das Diner zu essen. Mir tat allerdings diese Langeweile recht gut, ich erholte mich sichtlich und fühlte mich von Tag zu Tag wohler. Weihnachten und Neujahr brachten eine geringe Abwechselung in das einförmige Programm. Der Weihnachtsbaum stand auf dem Tisch im Speisesaal, und es gab nach deutscher Sitte recht reichlich zu trinken. Unter anderen Passagieren aller Nationen befand sich auch ein junges, nettes Mädchen an Bord. Sie war die Gesellschafterin einer alten Dame, die wie ein Cerberus darauf achtete, daß die Jugend keinen Unfug trieb. Bedauernswertes Geschöpf! Ich glaube, sie hätte sehr gerne mitgetan, aber höchstens gestattete die alte Dame mal eine Partie Salta, nicht einmal eine Apfelsine durfte sie mir schälen, das fand die Alte bereits unpassend und untersagte es. Kurz nach Neujahr passierten wir Las Palmas. Da wir einen Typhustodesfall an Bord hatten, durften wir nicht heraus und blieben auf der Außenreede, was unserem Kapitän anscheinend gar nicht unangenehm war, denn er sparte so die Hafenabgaben. Wir durften nicht einmal von den berühmten Stickereien und dem prachtvollen Obst der Kanarier kaufen, wir waren eben in Quarantäne. Man ist dort auf den schönen Inseln sehr streng mit den Quarantänebestimmungen, da eine ausbrechende Epidemie dort natürlich die Hauptlebensader der Inseln, den Fremden- und Durchreisen den verkehr, lahmlegen würde. Das winzige Polizeiboot mit seinen zwei Insassen wachte über unsere Sicherheit und ließ keinen der Händler auch nur dem Schiff nahe kommen. Die Zeitung brachte mir die traurige Nachricht vom schnellen Tode des Leutnants Ehrhardt, der so treu für mich in Waterberg gesorgt hatte. Der tückische Typhus hatte seinem Leben ein Ende gesetzt. Mit ihm starb einer der liebenswürdigsten Kameraden, die ich da unten kennen lernte. Die Nachricht stimmte mich recht traurig. Wir waren vormittags in Las Palmas angekommen. Schon am selben Nachmittag gingen wir wieder in See; nächstes Ziel: Vlissingen, das wir am 4. Januar erreichten, um auch dort wiederum nicht an die Mole zu gehen, der Kostenersparnis halber. Wir ankerten außerhalb und nahmen Kohlen über. Von besonderem Interesse für alle war die Nachricht vom Falle Port Arthurs, die uns hier erreichte. Es war ein recht trüber Regentag, der einem doch die guten Seiten Südafrikas, nämlich die ewige Sonne, in angenehme Erinnerung brachte. Am Land war der Sturmball aufgezogen, so daß ich ernstlich erwog, ob ich nicht von Vlissingen aus die Eisenbahn benützen sollte. Da ich keine Zivilkleider mit hatte und infolge meines verbundenen Fußes ohne Stiefel, in der fremden Uniform ziemlich aufgefallen wäre, unterließ ich es schließ- von Salzmann, Im Kampfe gegen die Herero. 14 210 ! \ lieh doch zu meinem eigenen Schaden. Denn als wir wieder in See waren, kamen wir in den berüchtigten Sturm vom 6. Januar, der unserer ganzen Nordseeküste so schweren Schaden tat. Ich wachte in meinem Kabinenbette von einem donnerähnlichen Anprall gegen die Schiffswand auf und bemerkte erst jetzt, daß das Schiff enorm rollte und schlingerte. Bis dahin hatte ich ganz gut geschlafen. Ich machte Licht und hörte sogleich auf dem Korridor vor den Kabinen die Koffer einen schrecklichen Hexentanz aufführen. Der Obersteward des Schiffes, Herr Kloß, der mich besonders in sein Herz geschlossen hatte, kam zu mir, um sich nach meinem Befinden zu erkundigen. „Nein, ist das ein Pech, Herr Oberleutnant, daß Sie von Salzmann phot. Frau Becker auf dem Dampfer „Kronprinz“. nicht heraus können, sämtliche Damen, auch die ältesten, sitzen im tiefsten Négligé auf dem Korridor. Sie haben reichlich Wasser in die Kabinen bekommen und mußten flüchten“. Ich verzichtete lieber auf diesen doch nur teilweise angenehmen Anblick und keilte mich mit mehreren Kopfrollen in mein Bette fest. An Schlafen war nicht mehr zu denken, das Schiff schlingerte zu stark. Gegen 8 Uhr morgens stand ich auf, zog mich mit vieler Mühe an und ließ mich von drei starken Männern in den Salon hinaufwuchten. Das war gar nicht so einfach, da das Schiff sehr stark überholte. Oben lagen die Damen ziemlich aufgelöst auf den Sofas und waren sehr indigniert über meine schlechten Witze. Ich habe nämlich die angenehme Angewohnheit, niemals an der Seekrankheit zu leiden. Die Fenster konnten nicht aufgemacht werden, da sonst die Wellen hereinspritzten. Dafür 211 war aber die Dampfheizung angestellt, so daß sich eine reichlich angenehme Temperatur im Salon entwickelte. An Essen war natürlich vorläufig nicht zu denken. Der Sturm hatte ziemliches Unheil auf dem Schiffe angerichtet. Unter anderem waren mehrere von den schweren Treppen weggeschlagen worden, auch das eine Fallreep hatte sich empfohlen. Der Sturm legte sich allmählich, und wir nahmen die Richtung nach Bremerhaven, wohin wir in der Nacht kamen. Hier sollte die Baumwolle ausgeladen werden, wodurch die Passagiere, die nach Hamburg wollten und bis dorthin ihr Billett genommen hatten, einfach gezwungen wurden, zu warten, wenn sie es nicht vorzogen, auszusteigen und die Eisenbahn nach Hamburg zu benutzen, Ich sehe darin eine große Rücksichtslosigkeit der durch das Reich subventionierten Reichspost dampf erlinie gegen die Passagiere. Denn in erster Linie ist schließlich ein Reichspostdampfer doch zur Personenbeförderung da und nicht zur Beförderung von Gütern. Wir lagen übrigens wiederum nicht an der Mole, sondern ziemlich weit draußen, so daß der Verkehr mit dem Lande sehr erschwert war. Ich hatte die große Freude, hier meinen Bruder bei mir zu sehen und mit ihm ein fideles Wiedersehen zu feiern. Zuerst war der gute Kerl allerdings sehr traurig über mein lahmes Bein, taute aber bald sichtlich auf, als er sah, daß mein Humor noch lange nicht verschwunden war. Wiederum war der Sturmball aufgezogen, und der Kapitän wollte nicht fahren, da keine Lotsen vorhanden waren. Das Barometer stieg jedoch, und am Nachmittag des io., als die Wolladung ausgeladen war, gingen wir in See; nächstes Ziel: Hamburg. Hier machten wir am Petersenkai gegen 5 Uhr morgens fest. Endlich am Ziel! Gegen 8 Uhr kamen meine liebe Mutter und Schwester an Bord, um mich abzuholen. Einerseits war natürlich große Trauer, aber auch sehr viel Freude über den nun endlich wiedergefundenen Sohn. Ich erhielt hier die Nachricht, daß ich die Schwerter zu dem mir nach dem Chinaritt verliehenen Kronenorden erhalten habe, so daß ich nun das lang ersehnte schwarz-weiße Band — die schönste Auszeichnung für den Soldaten — das mir meine gute Mutter gleich mitbrachte, tragen darf. Es war dasjenige vom Eisernen Kreuz meines verstorbenen Vaters. Im Aufträge der Hamburger Garnison wurde ich durch einen Offizier offiziell begrüßt, und nach einem kurzen Frühstück in Hamburg setzten wir uns auf die Bahn, um nach Berlin in die von Bergmannsche Klinik zu fahren. Hier nahm mich meine Cousine, Schwester Elly von Frankenberg, in Empfang, um mich für die nächsten Monate zu beaufsichtigen. Exzellenz von Bergmann operierte mich am 16. Januar zum erstenmal, da diese Operation erfolglos blieb, am 4. März zum zweitenmal. Beide 212 Male unter Assistenz des Oberarztes der Reserve Dr. Bier. Das verwundete Bein wurde dadurch um 5 Zentimeter kürzer als das andere. Das Fußgelenk bleibt gänzlich steif oder ist, besser gesagt, ganz vernichtet. Nun bin ich im schönen Wiesbaden, um hier Erholung und endgültige Heilung zu finden. Ich habe so viel ebenso liebenswürdige wie reizende Gesellschaft gefunden, daß mir das Traurige meiner augenblicklichen Situation kaum zum Bewußtsein kommt. Denn leider werde ich doch wohl gezwungen sein, meinen Abschied aus dem Militärdienst zu nehmen und in einem anderen Berufe ein Unterkommen zu suchen. Meine Träume von weiteren Reisen abseits der großen Heerstraße sind damit wohl erledigt. Ich hätte wirklich, wie der Obersteward auf dem Schiffe sehr witzig bemerkte, das Bein etwas mehr rechts halten sollen. Eine schöne Genugtuung wurde mir noch zuteil: Am 7. Januar hielt Generalleutnant Litzmann, der hochverehrte frühere Direktor der Kriegs-Akademie, eine Ansprache an die zur Akademie kommandierten Offiziere. In dieser erwähnte er meine schwere Verwundung und betonte, daß ich durch Einsetzen meines Lebens das gesamte Hauptquartier aus einer sehr schwierigen Situation herausgerissen hätte. Diese Anerkennung hat mich tief gerührt, ich bin nun stolz auf meine Verwundung, habe ich doch dadurch vielleicht der allgemeinen guten Sache einen kleinen Nutzen erwiesen. Am 19. Juni hatte ich die hohe Ehre mich bei Seiner Majestät dem Kaiser in Wiesbaden melden zu dürfen. Seine Majestät zog mich in allergnädigster Weise einige Minuten ins Gespräch und gab mir zum Abschied die Hand. Dieser Händedruck durch meinen Allerhöchsten Kriegsherrn, für den ich gerne zu jeder Zeit und wo es auch immer sei mein Leben zum zweitenmal einsetzen würde, soll mir in ewiger Erinnerung bleiben und war mir die allerschönste Anerkennung für den bescheidenen dem Vaterlande geleisteten Dienst, wenn ich ihn auch mit einem kürzeren Bein und steifen Fußgelenk bezahlen mußte. ;7 'äT •//IM Elnain phot. Ôâ?«8Ê»~ gO£ TMW-BibliotheK 00810167 Technisches Museum Wien Bibliothek 42.069