OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3. APPRETURMITTEL UND HARZ PRODUCTE ( STÄRKE UND STÄRKEPRODUCTE, ALBUMIN, CASEIN, LEIM, HAUSENBLASE, DANN LACKE, FIRNISSE, SIEGELLACKE etc.) ( Gruppe III, Section 7.) BERICHT VON DR. WILHELM FRIEDRICH GINTL, o. ö. Profeffor am deutfchen polytechnischen Landesinftitute und Mitglied des k. k. LandesSanitätsrathes zu Prag etc. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1874. APPRETURMITTEL UND HARZPRODUCTE. ( STÄRKE UND STÄRKEPRODUCTE, ALBUMIN, CASEIN, LEIM, HAUSENBLASE, DANN LACKE, FIRNISSE, SIEGELLACKE etc.) ( Gruppe III, Section 7.), Bericht von DR. WILHELM FRIEDRICH GINTL, o. ö. Profeffor am deutfchen polytechnifchen Landesinftitute und Mitglied des k. k. LandesSanitätsrathes zu Prag. Die unter dem Titel„ Anderweitige Producte der chemifchen Induftrie" bei der officiellen Gruppeneintheilung in die Section 7 der Gruppe III eingereihten Induftrie producte fcheiden fich in ziemlich natürlicher Weife in Appreturmittel und Harzproducte. In die Claffe der Appreturmittel, das heifst folcher Stoffe, welche vornämlich der Schönung und Fertigstellung der Erzeugniffe der Textil- und Papierinduftrie dienen und von denen einzelne wohl auch als Klebe- und Fixirungsmittel anderweitige Verwendung finden, fallen die Stärke, das Dextrin und die Kunft- Gummiforten, dann der Kleber, das Albumin, Cafeïn, der Leim und die Haufenblafe, während gebleichte und in anderer Weife zubereitete Harze, dann Siegellacke, Firniffe, Lacke, wohl auch gewiffe Kitte ungezwungen als Harzproducte bezeichnet werden können, unbefchadet des Umftandes, dafs auch fie in gewiffem Sinne Appreturmittel find, oder dafs einzelne von ihnen, wie etwa die reinen Oelfirniffe, im ftrengften Sinne des Wortes nicht als Harzproducte angefprochen werden können. Indefs werden wir einer im Intereffe der Ueberfichtlichkeit erwünſchten Syftematik immerhin, und ohne einen wefentlichen Fehler zu begehen, die wiffenfchaftliche Rigorofität zum Opfer bringen können. Wir beginnen mit den APPRETURMITTELN. Diefelben fcheiden fich je nach ihrer Abftammung in folche pflanzlichen und folche thierifchen Urfprungs. Unter den Appreturmitteln pflanzlichen Ursprungs nimmt zunächft die Stärke die erfte Stelle ein. Nicht blos an fich in der Haushaltung fowohl, wie auch in der Induftrie als Appreturmittel verwendet, bildet fie auch den Ausgangspunkt für die Darftellung der diverfen Sorten von Kunftgummi, die nächft der Stärke die wichtigfte Rolle in der Hand des Appreteurs fpielen. 2 Dr. Wilh. Fried. Gintl. Stärke und Stärkegummi. Als in dem Organismus der Pflanze fertig gebildetes Product des Vegetationsproceffes kann die Stärke nur infoferne als ein Product der chemifchen Induftrie angefehen werden, als ihre Abfcheidung und Gewinnung aus Pflanzentheilen unter Umftänden auf die Mitwirkung chemifcher Proceduren bafirt ift, und man fich doch bei der Herftellung derfelben in handelsgerechter Form des Chemismus nicht ganz entfchlagen kann. Für die fabriksmäfsige Gewinnung der Stärke, deren Vorkommen im Pflanzenreiche ein fehr allgemeines ift, kommen, wiewohl viele, namentlich tropifche Pflanzen einen fehr erheblichen Stärkemehl- Reichthum aufzuweifen haben, gegenwärtig nur wenige in Betracht. Vornämlich find es die Knollen der Kartoffel, dann die Weizen-, Reis- und Maisfrucht, weiters aber auch die Wurzel von Maranta arundinacea( Pfeilwurz), dann die Knollen der Batata, von Iatropha Manihot, fowie von Helianth. tuberosus, das Mark der verfchiedenen Sagusarten, endlich die Früchte der Eiche und der Rofskaftanie, welche in gröfseren Maffen zur Stärkegewinnung herangezogen werden. Für techniſche Zwecke haben indefs blos die Stärkemehle aus Kartoffeln, dann aus Weizen, Mais und Reis, fowie die Bataten und Maniocftärke, denen fich etwa noch die aus Eicheln und Kaftanien gewonnene Stärke anreiht, Bedeutung, während alle anderen Stärkemehl- Sorten faft ausfchliefslich als Nahrungsmittel Verwendung finden oder doch nur ausnahmsweife technifchen Zwecken dienen. In den Gewinnungsmethoden der techniſch wichtigen Stärkeforten hat fich feit der Zeit, als wir die Stärkemehl Induftrie auf der Parifer Ausftellung fahen, nur wenig geändert. Zumal ift die Methode der Kartoffelftärke- Gewinnung, die auch heute noch vornämlich in Deufchland und Oefterreich geübt wird, die alte geblieben und nur fehr langfam finden die Fortfchritte, welche die jüngsten Jahre auf dem Gebiete der Mafchinentechnik gefehen haben, in diefem Zweige der landwirthschaftlichen Induftrie allgemeinen Eingang. So finden wir noch manche Kartoffelftärke- Fabriken, zumal Oefterreichs, in welchen die alte, nach dem Thierry'fchen Principe conftruirte Reibe neben Rüttelfieben oder wohl gar Handfieben in Verwendung fteht, und nur einzelne Fabrikanten haben den alten Schlendrian verlaffen und durch Einführung rationeller Vorrichtungen gewifs nur fich felbft den beften Dienft geleiftet. Bei den entfchiedenen Vorzügen, welche die neueren, befonders durch Fesca eingeführten, Mafchinen für Stärkefabrikation bieten, ift die verhältnifs mäfsig geringe Verbreitung derfelben fchwer begreiflich, und wohl nur theilweife durch den Umftand erklärlich, dafs für die fo glimpflich befteuerte Stärkeinduftrie der Sporn fehlt, der zur Erhöhung des Ertrages durch Vervollkommnung des Betriebes aufmuntern würde, und dafs insbefondere durch die verhältnifsmäfsig fo fchwere Belaftung der Branntweininduftrie eine folche Fülle von Rohmaterial der Stärkefabrikation zur Verfügung bleibt, dafs der weniger ftreng calculirende Fabrikant keinen directen Anlafs findet, an eine vollkommnere Ausbeutung feines Rohmateriales zu denken. Indefs follte das Auskommen des Fabrikanten hier nicht allein mafsgebend fein, und es möchte namentlich nicht vergeffen werden, dafs gewiffe Fortfchritte im Betriebe nicht nur die Ausbeute erhöhen helfen, fondern, wie das namentlich von der Benützung guter Extractionsmaschinen und etwa der Anwendung von Centrifugen, unter ihnen befonders der Fesca'fchen Raffinirungscentrifuge, gilt, neben der gewifs nicht nebenfächlichen Erfparnifs an Zeit und Arbeitskraft, fowie endlich an Räumlichkeiten auch eine nicht zu läugnende Verbefferung des Productes in feiner Qualität * Auch Völkner und in neuerer Zeit Director Markel haben recht brauchbare Extractionsmafchinen conftruirt. Appreturmittel und Harzproducte. 3 erreichen laffen, die fchon in Hinficht auf die Erhöhung der Concurrenzfähigkeit des Erzeugniffes nicht unterfchätzt werden follte. In rationell eingerichteten Kartoffelftärke- Fabriken ift gegenwärtig faft allgemein das mechaniſche Verfahren, unter Anwendung von Wafchmafchinen, Reiben und Bürftmafchinen, meift Fesca'fcher Conftruction*, in Uebung und hie und da, zumal in gröfseren Betriebsstätten, haben mit gutem Erfolge auch die Centrifugen Eingang gefunden. Die von der Parifer Ausftellung her bekannte Kartoffelreibe von Champonnois fcheint trotz der Vortheile, die fie wenigftens der Thierry'fchen Reibe gegenüber bietet, fich wenigftens in Deutfchland und Oefterreich nicht eingebürgert zu haben. Das Völkner'fche Verrottungsverfahren ist nur vereinzelt in Anwendung und wird mit Vortheil wohl nur für die Ausbeutung des Stärkerückhaltes der Pulpa dort verwendet, wo man für diefe als Futtermittel keine genügende Verwendung hat. Auf dem Gebiete der Fabrikation von Weizenftärke, welche neben der Kartoffelftärke in Deutfchland, Oefterreich und Frankreich eine hervorragende Rolle fpielt, hat in den letzten Jahren das ältere Säuerungsverfahren ziemlich allgemein dem rationelleren Martin'fchen Verfahren Platz gemacht, und nur fehr vereinzelt, faft nur in kleineren Betriebsftätten, trifft man die auch in fanitärer Hinficht nicht ganz vorwurfsfreie Gährungsmethode noch an. In der Praxis des Martin'fchen Verfahrens felbft hat fich nichts Nennenswerthes geändert, und liefse fich in Bezug auf die in Anwendung ftehenden mechanifchen Vorrichtungen kaum ein nennenswerther Fortfchritt bezeichnen, ausgenommen etwa die auch hie und da mit Vortheil eingeführte Centrifugirung des zu raffinirenden und endlich zur Trocknung vorzubereitenden Productes. Hand in Hand mit der Verallgemeinerung des Martin'fchen Verfahrens geht die rationelle Verwerthung des als Nebenproduct fallenden Klebers, und faft alle gröfseren Weizenftärke- Fabriken haben es vorgezogen, diefen, früher wenig gefchätzten Abfall der Weizenftärke- Fabrikation in eine Form zu bringen, in welcher er nicht nur für den allgemeinen Handelsverkehr geeignet, fondern auch beffer verwerthbar ift, als das vordem der Fall war. Neben der Weizenftärke haben in der jüngsten Zeit auch die Reis- und ferner die Mais ftärke eine befondere Bedeutung erlangt. Erftere, fchon zur Zeit der Parifer Ausftellung, namentlich in England in bedeutender Ausdehnung erzeugt, hat fich feither auch auf dem Continente eingebürgert und wird namentlich in Belgien, dann aber auch in Deutfchland, Frankreich und Oefterreich, fowie in Italien in gröfserem Mafsftabe erzeugt. Für die Gewinnung derfelben bildet der Bruchreis ein vortrefflich geeignetes Rohmateriale, und die Schwierigkeiten, die der fabriksmässigen Erzeugung derfelben anfänglich im Wege ftanden, fcheinen durch die ziemlich allgemein gewordene Anwendung des Macerationsverfahrens mit Alkalien ziemlich befeitigt. Namentlich für die Zwecke der Appretur ift Reisftärke vortrefflich geeignet und ift in diefer Hinficht, wie fchon Fesca nachgewiefen hat, trotz des höheren Preifes*** der Weizenftärke entfchieden vorzuziehen. Befonders für die Appretur feinerer Waaren hat fie vor der Weizenftärke den Vorzug geringerer Klebrigkeit und überdiefs insbefondere das voraus, dafs fie, weil faft ausfchliesslich mittelft eines Schlemmproceffes gewonnen, frei von Sand und anderen Verunreinigungen ift, die felbft in hochfeinen Weizenftärke- Sorten nicht immer fehlen. * Die Völkner'fchen Extractionsmafchinen erfreuen fich insbefondere in Oefterreich einer gleichfalls ziemlich allgemeinen Anwendung. ** Obwohl fie neueftens durch die fich billiger ftellende Reis- und Maisftärke gewaltige Concurrenz bekommen hat. *** Der Preis der Reisftärke, der vor wenig Jahren noch 25 fl. und darüber betrug, ftellt fich heute im Durchschnitte kaum höher als 18 fl. öfterreichifcher Währung per Centner, fo dafs fie gegenwärtig auch in Hinficht auf den Koften punkt der Weizenftärke ziehen ift. vorzu 4 Dr. Wilh. Fried. Gintl. In gleichem Mafse, wie die Reisftärke, beginnt auch die Maisftärke unferen heimifchen Stärkeforten immer mehr Concurrenz zu machen, und ift die Maisftärke- Fabrikation, die vor wenig Jahren faft nur in Nordamerika und Brafilien, wo fie fich vor etwa 30 Jahren eingebürgert und dort feither die Fabrikation von anderen Stärkeforten völlig verdrängt hat, dann aber auch in Auftralien heimifch war, neueftens auch am Continente in Aufnahme gekommen, obwohl fie da noch lange nicht jene Bedeutung gewonnen hat, die fie für gewiffe maisbauende Länder, namentlich für Ungarn haben könnte. Bei dem Umftande, dafs, wie J. Wiesner durch feine bemerkenswerthen Unterfuchungen nachgewiefen hat, der Maisftärke ein gröfseres Steifungsvermögen zukommt als der Weizenftärke, ift fie für Appretarzwecke befonders fchätzenswerth, und wäre es gewifs der Erwägung werth, ob unfere maisproducirenden Länder ihr Bodenerträgnifs durch die Verwerthung der Maisfrucht für Stärkefabrikation nicht wefentlich zu erhöhen vermöchten. Eichel und Kaftanienftärke haben in der Praxis fich nicht eingebürgert und dürften fchon wegen der Schwierigkeiten, die fich der fabriksmäfsigen Gewinnung eines reinen, namentlich gerbftofffreien Productes entgegenstellen, trotz der Billigkeit des Rohmateriales wohl nie eine befondere Bedeutung erlangen. Ebenfo ift auch Roggenftärke nur ziemlich felten in Verwendung. Dagegen fcheint in neuerer Zeit die Topioca( Stärke von Manihot utiliffima) und die Batatenftärke( Convolvulus batatas), namentlich in England, auch für technifche Zwecke einige Bedeutung zu gewinnen. Als eine befondere Specialität von lediglich localer Bedeutung ift endlich die in Württemberg ziemlich allgemein für Appreturzwecke verwendete Dinkelftärke zu nennen, die aus dem in Württemberg in gröfserem Mafse cultivirten Spelz( Tricitum spelta) nach Art der Weizenftärke gewonnen wird. Anderwärts kommt folche Dinkelftärke wohl nur felten vor. Die handelsübliche Form, in welcher Stärke zu Markte gebracht wird, ift für die befferen Qualitäten faft durchwegs die der Strahlenftärke( fälfchlich auch Stärke in Kryftallen genannt); das ift Stärke in Maffen von jener ftänglig- ftrahligen Abfonderung, wie fie fich bei dem Trocknen des nicht völlig kleberfreien Stärkebreies bildet. Nur hochfeine Sorten werden in Mehlform in den Handel gebracht und nur einzelne Fabrikanten liefern für gewiffe Confumenten, die auf diefe Form einen befonderen Werth legen, folche auch in Geftalt von Stäbchen. Ge ringere Stärkeforten, fowie faft allgemein auch die Kartoffelftärke, werden in Form von Brocken in den Handel gebracht. Ziemlich gewöhnlich werden die fertigen Producte durch fchwache Nüancirung in Blau geblendet und ift für diefen Zweck Smalte, Berlinerblau und wohl auch Ultramarin im Gebrauche, wiewohl letzteres, namentlich für nicht völlig neutrale Waare, keineswegs empfehlenswerth erfcheint. Auch intenfiver gefärbte Sorten von Stärke kommen vereinzelt noch vor. Sie find meift mit Anilinfarben tingirt und follen den Zweck haben, bei der häuslichen Appretur auch gleichzeitig als Färbemittel zu dienen. Offenbar haben, wie das bei der Schwierigkeit, gleichmäfsige Färbungen damit zu erreichen, vorauszusehen war, derartige Producte den Erwartungen nicht entfprochen, die man urfprünglich von denfelben hegte. Als in humanitärer Beziehung bemerkenswerth ift das Bemühen zu bezeich nen, mit welchem feit einer Reihe von Jahren namentlich englifche Fabrikanten einem Präparate Eingang zu verfchaffen fuchen, das den Zweck hat, Geweben, welche mit demfelben appretirt find, die Eigenfchaft der Unentflammbarkeit zu ertheilen. Bei den nur zu häufig vorkommenden beklagenswerthen Unglücksfällen, die dadurch entſtehen, dafs die luftgewobenen modernen Toiletten unferer Damen bei zufälliger Annäherung an eine Flamme Feuer fangen und fo die nichts ahnende Trägerin nicht felten einem fchmerzlichen Krankenlager, wo nicht etwa Appreturmittel und Harzproducte. 5 gar dem unerbittlichen Tode überliefern, kann es nur freudig begrüfst werden, wenn die Induftrie fich bemüht, unferen Hausfrauen ein Mittel in die Hand zu geben, bei deffen Anwendung fie fich folcher, oft bei der gröfsten Vorficht nicht zu verhindernder Verbrennungsgefahr zu entziehen vermöchten. Die Idee, ein folches Mittel in Geftalt einer geeignet präparirten Stärke einzuführen, ift eine entfchieden glückliche zu nennen und die Tragweite derfelben wird von demjenigen nicht unterfchätzt werden, der da weifs, wie fchwer es hält, gerade das fchöne Gefchlecht zur Einführung von Neuerungen zu bewegen, die nicht von der Mode dictirt find. Solchen Schwierigkeiten gegenüber ift der Gedanke, einer folchen Neuerung in der verblümten Form der Stärke, die ja in jeder Haushaltung als Appreturmittel eine Rolle spielt, Eingang zu verfchaffen, ein gewifs recht praktifcher, und der Umftand, dafs bei der Wahl diefer Form jede befondere Arbeit, jede ungewohnte Manipulation zur Erzielung des beabfichtigten Zweckes entfällt, ift gewifs danach angethan, die Einführung eines folchen Schutzmittels zu begünftigen. Was die Wahl der Mittel betrifft, durch deren Zufatz zur Stärke man den damit appretirten Stoffen den Charakter der Unentflammbarkeit ertheilen kann, ift bekannt, dafs zu diefem Zwecke einerfeits die Ammoniumfalze der Schwefelfäure, wohl auch der Phosphorfäure und Borfäure, dann aber auch das Natriumfalz der Wolframfäure empfohlen und mit mehr oder weniger günftigem Erfolge angewendet werden. Es fcheint indefs von Seiten der Herren Fabrikanten bei der Anwendung diefer Mittel nicht immer mit dem richtigen Verſtändniffe vorgegangen und deffen nicht gedacht zu werden, dafs das zu wählende Präparat ein vollkommen neutrales fein müffe und man z. B. nicht ohne Weiteres das käufliche wolframfaure Natrium, das häufig erhebliche Mengen von Natriumcarbonat enthält, oder etwa ein rohes Ammoniumsulfat verwenden dürfe; welch letzteres übrigens fchon aus dem Grunde nicht ganz empfehlenswerth ift, weil Stoffe, welche mit diefem Salze imprägnirt find, das Plätten mit etwas heifserem Plätteifen nicht vertragen, ohne fowohl an der Farbe als auch an der Feftigkeit wefentlichen Schaden zu nehmen.* Dergleichen Fehlgriffe mögen wohl auch Schuld tragen, wenn fich die Anwendung der fogenannten Feuerficherheitsftärke noch nicht recht eingebürgert hat, denn die Furcht, diefes oder jenes mit dem Aufgebote aller Kunftfertigkeit gefchaffene Toillettenftück durch das Appreturmittel Schaden nehmen zu fehen, fchreckt Viele von dem Gebrauche eines folchen ab. Infolange daher von Seiten der Fabrikanten folcher Präparate nicht mit der gröfsten Gewiffenhaftigkeit und Sorgfalt vorgegangen wird, ift an die fo fehr erwünſchte allgemeine Einführung eines folchen Schutzmittels nicht zu denken, felbft dann nicht, wenn der ungerechtfertigte Preisauffchlag für folche Präparate entfällt. Wiewohl ein erheblicher Theil der Production an den diverfen Stärkeforten in der unveränderten Form des Stärkemehls der Verwendung zugeführt wird, find die Quantitäten an Stärke keineswegs unbedeutend, welche behufs ihrer weiteren Verwendung als Appreturmittel eine Verarbeitung auf Dextrin und ähnliche Umwandlungsproducte des Amylums erfahren, deren Reihe mit dem Stärkezucker fchliefst, deffen Verwendung für Zwecke der Melioration des Weines, fowie auch für jene der Bierbrauerei, dann der Lebzeltnerei in der neueren Zeit bekanntlich einen erheblichen Auffchwung genommen hat. Hat die Verwendung von Stärkezucker wefentlich erft feit der Zeit an Boden gewonnen, feit man den erfolgreichen Bemühungen Anthon's den Impuls zur Auffuchung von Verfahrungs* Ich benütze die fen Anlafs, um darauf aufmerkfam zu machen, dats meinen Erfahrungen nach fich Ammoniakalaun, wie auch unterfchwefligfaures Natron für folche Zwecke fehr gut eignen. Beide find billige Präparate, leicht rein zu befchaffen und ohne Einfluss auf die meiften Farben. Das letztere hat, wenn es auch nicht fo exact wirkt, wie andere Mittel, immerhin den Effect, ein völliges Entflammen zu verhindern, und ift auch infofern beachtenswerth, als es das Appreturvermögen der Stärke nicht merklich alterirt. 6 Dr. Wilh. Fried. Gintl. arten verdankt, die es geftatten, diefes Umwandlungsproduct der Stärke in einer genügend reinen und allfeitig brauchbaren Form fabriksmäfsig darzuftellen, und datirt alfo die Verarbeitung von Stärke auf Stärkezucker* erft aus der neueſten Zeit, fo ift dagegen die Fabrikation jener Abkömmlinge des Amylums, die den Namen Stärke gummi führen, eine feit Langem geübte und allenthalben eingebürgerte. Bezüglich diefer Umwandlungsproducte der Stärke, die als eigentliche Appreturmittel einen Gegenftand unferer Betrachtungen bilden, ift in den letzten Jahren nichts wefentlich Neues zu verzeichnen. Allerdings zeigt fich eine nachweisliche Erhöhung der Production, die durch den Auffchwung der Textil- und Papierinduftrie und die Heranziehung der Stärkegummi- Producte zu Zwecken, zu denen man folche vordem nicht verwendete, völlig erklärlich ift, aber in Hinficht auf die Fabrikationsweife haben feit 1867 nur fpärliche Neuerungen fich ergeben. Der weitaus häufigfte Weg für die Erzeugung des Stärkegummis ift der der Einwirkung von Temperaturerhöhungen auf Stärkemehl, und ift es vornämlich Kartoffelftärke, die folchergeftalt auf die unter dem Namen Leiogomme( Leiocome), Amidon grillé, gebrannte Stärke, Róft gummi etc. vorkommenden dunkleren Sorten, oder auf jene lichteren bis weifsen Sorten von Stärkegummi verarbeitet wird, die als Gommelin, Gommeïn, Lefèvregummi, Dextrin etc. im Handel fich finden. Nur für die dunkleren Sorten des Röftgummis, zu denen wohl meiftens Schlammftärke verwendet wird, hat man die ältere Methode der Röftung in Keffeln** oder Trommeln beibehalten, während alle lichteren, zumal die weifsen Sorten des Stärkegummis, nach der von Payen vorgefchlagenen Methode des Erhitzens in Heizkammern*** mit oder ohne Zufatz von die Dextrinbildung begünftigenden Subftanzen dargestellt werden. Von letzteren ift es vornämlich die Salpeterfäure, feltener die Oxalfäure, welche bei der Dextrinbereitung verwendet werden, während Salzfäure nur vereinzelt. Schwefelfäure aber nur dort angewendet wird, wo es fich darum handelt. flüffiges Dextrin zu erzeugen. Die von Pinel empfohlene Verwendung von Salzfäure und Salpeterfäure fcheint ebenfowenig wie die Dextrinbereitung mittelft fauerer Milch( Pochin) oder das O'Neill'fche Verfahren mittelft Salzfäuregas in die grofse Praxis übergegangen zu fein. Ohne Ausnahme wird für die Dextrinbereitung mittelft Säurezufatzes das vorher trocken gemachte Stärkemehl( für die lichteften Dextrinforten ftets eine möglichft weifse Waare) mit der entsprechend verdünnten Säure( 1 Theil conc. Salpeterfäure auf 150 bis 200 Theile Waffer per 1000 Theile Stärke) angerührt, und fodann wieder getrocknet, um endlich erft der geeigneten Temperaturerhöhung( 110 bis 130 Grad Celfius) ausgefetzt zu werden. Seit wenigen Jahren kommt auch eine durch Behandeln mit verdünnter Salpeterfäure für die Dextringewinnung vorbereitete trockene Stärke unter dem Namen ,, weifses Dextrin" in den Handel. Sie liefert felbftverftändlich erft bei geeigneten Temperaturerhöhungen ein Product, das den Namen Dextrin wirklich verdient. Die weitaus gröfsten Mengen der Abkömmlinge des Amylums, zu deren Herftellung zwar vorherrfchend Weizen- und Kartoffelftärke verwendet werden, obwohl felbftverſtändlich nach Mafsgabe localer Verhältniffe auch andere Stärkeforten in gleicher Weife ihre weitere Verwerthung finden können, kommen in Geftalt eines Mehles auf den Markt, das je nach feiner Darftellungsweife und * Eine eingehendere Würdigung der Stärke zucker- Induftrie fällt nicht in den Rahmen unferer den Appreturmitteln gewidmeten Betrachtung. ** Meift mit mechanifchen Rührvorrichtungen. *** Die fo naheliegende Idee, die Dextrinbereitung durch Einwirkung von überhitztem Wafferdampf auf Stärkemehl auszuführen, fcheint noch nicht praktif ch verwerthet oder doch verfucht worden zu fein. Appreturmittel und Harzproducte. 7 Beftimmung bald von rein weifser, bald ftärker oder fchwächer ins Bräunliche ziehender bis brauner Färbung ift; feltener find es ähnlich gefärbte Klümpchen. und pflegen meift nur die geringften Dextrinforten in folcher Geftalt in Verkehr zu kommen. Ebenfo ift der Dextrinfyrup( flüffiges Dextrin) keine allgemein handelsübliche Form. Dagegen wird von einzelnen Fabrikanten das Dextrin in Geftalt von durchfcheinenden bis durchfichtigen, glänzenden Schüppchen oder neuerer Zeit wohl auch in Bruchftücken einer glafigen Maffe( fälfchlich Kryftalle genannt), welche dem arabifchen Gummi ähnlich fehen, in Handel gebracht. In diefe Form, welche fpeciell den Namen Kryftallgummi führt, kann das Dextrin bekanntlich leicht durch allmäliges Eintrocknenlaffen und Zerbröckeln der trocken gewordenen glafigen Maffe gebracht werden. Vor gewöhnlichem Dextrin hat derartiges Kryftallgummi keinen wefentlichen Vorzug, und die Darftellung deffelben hat wohl nur dann einen Zweck, wenn mit der Wahl diefer Form, die allerdings durch die Aehnlichkeit mit dem arabifchen Gummi dem Präparate auch da Eingang verfchaffen kann, wo man fich mit dem Stärkegummi nicht recht befreunden wollte, dem Käufer auch eine Garantie für die Reinheit des Productes geboten werden foll. An die Befprechung der Stärke und Stärke producte fchliefst fich naturgemäfs jene der Verwerthung der Nebenproducte der Stärkefabrikation an. Es ift eigentlich blos der bei der Darftellung der Stärke aus Körnerfrüchten abfallende Kleber, der uns unter diefen intereffirt, da die Schlamm- und Schabeftärke für die Herftellung geringerer Qualitäten von Leiogomme fehr gut verwendbar ift, und alfo als Nebenproduct eigentlich nicht mehr in Frage kommt.* Wie bereits oben erwähnt, wird es mit der Einführung des Martin'fchen Verfahrens für die Production der Getreide-, namentlich der Weizenftärke, möglich, den Kleber in einer weit brauchbareren Form zu gewinnen, als das bei irgend einem Gährungsverfahren thunlich ift. So hat man fich denn auch ziemlich allgemein gewöhnt, den Kleber in Blättern oder Scheiben getrocknet in einer des allgemeinen Verkehres fähigen Form in den Handel zu bringen, und befchränkt fich nicht mehr auf den nur localen Abfatz deffelben als Klebemittel für Lederarbeiter, welches neben der Verfütterung oder gar der Anwendung zu Dungzwecken, früher die faft allein übliche Verwendung diefes Nebenproductes der Stärke- Induftrie war. In folcher Geftalt, in welcher er nicht mehr das eckelhafte, vor jedem Verfuche einer anderen Verwendung abfchreckende Wefen der Schufterpappe hat, findet er auch mehr und mehr in anderen Induftriezweigen Anwendung. So ift namentlich für die Zeugdruckerei der Kleber unter dem Namen Lucin fchon längft als in manchen Fällen anwendbares Surrogat für Albumin empfohlen worden und hat erft in jüngerer Zeit in Thom und Rofenftiel, fowie in G. Schäffer warme Fürfprecher gefunden. Wenigftens für geringere Waaren wird fich hier für ihn gewifs Verwendung finden laffen. Als Nahrungsmittel für Menfchen, als welches ihn Lichtenftein, dann die Gebrüder Veron und endlich Grünsberg in Geftalt von mit Mehlzufatz hergeftelltem Klebergries, Klebergraupen und Klebermehl einzuführen fich Mühe gaben, hat er noch nicht viel Anklang gefunden, wiewohl er feines relativ hohen Stickftoffgehaltes wegen entfchieden einen bedeutenden Nährwerth repräfentirt. Das Publicum hat fich eben noch nicht gewöhnt, dem theoretifchen Werthe feiner Nahrungsmittel eine befondere Beachtung zu fchenken und findet in der ungewohnten Form oder der Fremdartigkeit der Eigenfchaften nur allzu leicht Anftofs, fich an ein Nahrungsmittel zu gewöhnen, felbft wenn der Nahrungseffect * Die Verwerthung der bei der Stärkefabrikation refultirenden Wäffer, die bekanntlich wegen der Leichtigkeit, mit der fie der Fäulnifs anheimfallen, nicht felten wefentliche Uebelftände für die Nachbarfchaft folcher Fabriken im Gefolge haben, ift neuerlich durch Markl in der Weife verfucht worden, dafs er diefelben in Sammelbaffins mit Kalkmilch fällt, wobei ein Niederfchlag refultirt, der für Dungzwecke ganz geeignet ift, während das überftehende Waffer als weniger fchädlich abgelaffen werden kann. 80 Dr. Wilh. Fried. Gintl. deffelben noch fo fehr zu deffen Gunften ſpricht. So wird fich denn wohl die Verwendung des Klebers als Nahrungsmittel auch noch ferner auf die Mitbenützung desfelben für die Fabrikation von Macaroni und Suppenfpeifen befchränken, in welcher er bekanntlich feit Langem ein ganz brauchbares Surrogat für die koftfpielige Eifubftanz abgibt und fich in diefer Verkleidung felbft in die Küchen unferer Gourmands eingefchlichen hat. Wenn fich alfo für die Verallgemeinerung des Klebers als Nahrungsmittel fchwer Propaganda machen läfst, fo könnte diefer dem Leim theilweife verwandte Körper wenigftens in der Induftrie immerhin noch manche Verwendung finden, und wäre namentlich die Frage feiner Verwendbarkeit für die Zwecke der Papierinduftrie( Animalifiren) immerhin einer Erwägung werth. Wie aus diefem allgemeinen Ueberblicke über den dermaligen Stand der Stärke- und Stärkegummi- Induftrie hervorgeht, find in den letzten Jahren eigentlich epochemachende Fortfchritte auf diefen Induftriegebieten nicht gethan wor den und kann es demnach auch nicht befremden, wenn uns auf der Ausftellung in diefen Induftriezweigen keine befondere Novität entgegentrat. Im Ganzen genommen waren Stärke und Stärke producte auf der Ausftellung gut vertreten und namentlich war es Deutſchland, welches eine reiche Collection von einfchlägigen Erzeugniffen zur Ausftellung gebracht hatte und durch die vortreffliche Qualität feiner Fabrikate imponiren konnte. Nicht minder hat aber auch Oefterreich ein reiches Materiale an Erzeugniffen diefer feiner, in der beften Entwicklung begriffenen, Induftrie zur Ausftellung gebracht und namentlich darf Böhmen auf die Vertretung diefer feiner Induftrie mit vollem Rechte ftolz fein. England und Amerika konnten vornämlich durch die auch auf diefem Gebiete zur Geltung gebrachte Maffenproduction imponiren, und nahmen zudem durch die beftimmte Richtung ihrer Stärke- Induftrie, die in England faft ausfchliefslich Reisftärke, in Amerika dagegen ausfchliefslich Maisftärke producirt, die Aufmerkſamkeit des Fachmannes in Anfpruch. Einiges Intereffe erregten die von Venezuela, dann auch die von einigen italienifchen Fabrikanten ausgeftellten Proben von aus ftärkemehlreichen Theilen gewiffer tropifchen Pflanzen ftammendem Stärkemehl, von welchen allerdings einzelne fchon von der Ausftellung in Paris her bekannt waren, und es bleibt nur zu bedauern, dafs trotz eifrigen Bemühens des Berichterftatters nichts darüber zu erfahren war, ob die Gewinnung des Stärkemehls aus diefen Pflanzen einen eigentlichen Induftriezweig bilde und in welchem Mafse er etwa betrieben werde, oder ob die ausgeftellten Proben nicht etwa blos wiffenfchaftlich intereffante Schauftücke feien, welche vorerft kein Intereffe für den Induftriellen haben. Die meiſten übrigen Induſtrieftaaten waren, wenn fie auch nicht gerade befonders Hervorragendes boten, im Ganzen auf diefem Induftriegebiete gut vertreten und felbft Länder deren Induftrie noch im Keime liegt, blieben auf diefem Gebiete nicht unvertreten. Die entfchieden fpärlichfte Vertretung diefer Induftrie hatte Frankreich aufzuweifen, wiewohl die Stärke und Kunftgummi- Fabrikation dort bekanntlich auf ziemlich hoher Stufe fteht. Indem wir zur Befprechung der Leiftungen der einzelnen Länder im Befonderen übergehen, müffen wir vor Allem beklagen, dafs es trotz aller Bemühung unmöglich war, verlässliche Daten über die Verhältniffe diefes Induftriezweiges in den einzelnen Ländern zu fammeln, ja dafs auch bezüglich Oefterreichs nur fehr fpärliche ftatiftifche Angaben über den Stand diefer Induftrie gemacht werden können. Das geringe Steuererträgnifs, das gerade diefe Induftrie abwirft, mag wohl Urfache fein, dafs man der Statiſtik derfelben allenthalben weniger Aufmerksamkeit zuwandte, und fie in den ftatiftifchen Ausweifen mit einer Anzahl anderer, theils verwandter, theils völlig heterogener Gewerbe verquickt, in einer gemeinfamen Rubrik führt. Auch feitens der einzelnen Ausfteller waren nur fehr ärmliche Angaben über Betriebsverhältniffe, Productionsgröfse etc. zu erhalten, woran vornämlich Appreturmittel und Harzproducte. 9 der Umftand Schuld trägt, dafs die meiſten diefer Ausfteller keine, oder doch nur rein kaufmännifche Vertreter für ihre Objecte unterhielten. Dafs auch aus dem Fragebogen der Jury keine Auskunft über Fragen diefer Art gefchöpft werden konnte, wird jeder begreifen, der da weifs, wie fich ein grofser Theil der Induftriellen der Geheimnifskrämerei noch immer nicht zu entfchlagen vermag, und wie vielerlei Rückfichten die Ausfüllung der Fragebogen zu beeinfluffen pflegen. Vielleicht hilft die Zeit auch diefen kleinlichen Krämergeift überwinden und läfst auch in weiteren Kreifen die Ueberzeugung wach werden, dafs kleinliche Geheimthuerei das fchlimmfte Hemmnifs des Fortfchrittes ift. Der Anordnung der einzelnen Länder im Ausftellungspalafte entsprechend, beginnen wir mit Nord- Amerika. Die Stärke- Induftrie diefes Staates hat das Eigenartige, dafs fie fich dermalen faft ausfchliefslich auf die Gewinnung von Maisftärke( Corn Starch) befchränkt. Die Bodenbefchaffenheit und die klimatifchen Verhältniffe des Landes im Vereine mit der leichten Cultur der Maispflanze laffen diefem Rohmateriale gegenüber den eigentlichen Cerealien den Vorzug geben, und fo kommt es, dafs feit etwa 30 Jahren die Maisftärke- Fabrikation fich in Nordamerika völlig eingebürgert und die Stärkegewinnung aus Weizen oder Kartoffeln ziemlich verdrängt hat. Es mag hiebei auch insbefondere der Umftand von Gewicht gewefen fein, dafs die Stärke- Induftrie Nordamerikas nicht fo fehr den Charakter eines landwirthschaftlichen Nebengewerbés, als vielmehr den einer Grofsinduftrie hat, für welche bei der Wahl des Rohmateriales die Unabhängigkeit von der Jahreszeit, Ergiebigkeit und möglichfte Vermeidung von Transportaus lagen für werthlofe Beftandtheile etc. und vornämlich die Productiensausbeute mafsgebend fein mufste. Die Ausftellung hatten im Ganzen vier Firmen befchickt. Als die bedeutendfte derfelben dürfte A. Erkenbrecher( St. Bernhard Starch Works, Cincinnati, Ohio) zu nennen fein. Diefelbe hatte zwei Sorten von Maisftärke ausgeftellt, deren eine als Kryftall- Glanzftärke, die andere als raffinirte Maisftärke bezeichnet war. Beide Producte waren von vorzüglicher Qualität und erfchienen, ohne geblendet zu fein, rein weifs. Erkenbrecher verwendet zur Stärkegewinnung vornämlich die weifse Varietät des Wälfchkorns, und wendet für die Gewinnung der feineren, befonders für Nahrungszwecke beftimmten Stärkeforten ein dem Martin'fchen Verfahren im Principe ähnliches Schlemmverfahren an, welchem die vermahlene Maisfrucht unterworfen wird. Für die Gewinnung des Stärkemehlgehaltes aus der hornigen Körnerfubftanz wird endlich ein Macerationsprocefs unter Anwendung alkalifcher Macerationswäffer eingeleitet, der indefs nur geringere Stärkeforten liefert. Die Abfälle und Rückftände der Fabrikation werden zum Theil verfüttert, zum Theil direct als Dungmittel verwendet, während die Kolbenhüllen und Zapfen als Brennmaterialien verwerthet werden. Die St. Bernhard Starch Works find auf Mafchinenbetrieb eingerichtet und in ihrer Anlage auf eine Tagesproduction von circa 400 bis 500 Centner Stärkemehl berechnet. Für die Grofsartigkeit des Gefchäftsbetriebes diefer Firma fpricht übrigens auch die Thatfache, dafs diefelbe Agenturen in den meiften bedeutenderen Staaten Europas und Amerikas unterhält und dem Exporte eine befondere Aufmerkfamkeit zuwendet. Von anderen gleichfalls bedeutenderen Stärkefabriken Amerikas hatten George Fox, gleichfalls in Cincinnati, dann Stein- Hirfch& Comp. in Chicago und endlich Chr. Morning ftar in New- York die Ausftellung befchickt. Die ausgeftellten Stärkemufter fämtlicher genannten Fabrikanten waren von trefflicher Qualität, und namentlich ftanden die von G. Fox ausgeftellten Proben von ,, Silken gloss Starch" und raffinirter Maisftärke den Producten der St. Bernhard Starch Works in nichts nach. Ebenfo war insbefondere die von Chr. Morningftar zur Ausstellung gebrachte Maisftärke für Nahrungszwecke ein vorzügliches Präparat zu nennen. 10 Dr. Wilh. Fried. Gintl. Die Preife der amerikanifchen Mais- Stärkeforten betreffend, fei erwähnt, dafs fich diefelben einfchliefslich des Seetransportes für geringere Qualitäten der Appreturftärke auf 10 bis 12 fl., für feinere Sorten auf 12 bis 15 fl. pro Zollcentner ftellen, während die für Nahrungszwecke beftimmte Qualität zu circa 16 fl. pro Centner im Preife fteht. Stärke gummi war von Nord Amerika nicht zur Ausstellung gebracht worden. Venezuela hatte fich mit einer fehr intereffanten Collection von hierzulande nicht oder doch nur wenig bekannten Stärkeforten an der Ausftellung betheiligt. Unter diefen fanden wir Mufter der Stärke von Colocasia esculenta Schott. ( Ocumo), die bereits von Wiesner und Hübel* befchrieben wurde, von Calathea Allouya Lindl( Lairenes), von Arrachea escul. Bancr.( Apio), von Dioscorea spec. ( Mapuey) und die bereits von J. Wiesner in feinem Ausftellungsberichte über Stärkemehl auf der Parifer Ausftellung gewürdigte Stärke von Musa paradisiaca L.( Platáno) neben Proben des Stärkemehls von Dioscorea alata L., Ipomea Batatas und Mais. Völlig neu dürfte das durch feine röthlich braune Farbe von den übrigen meift blendend weifsen Sorten abftechende unter dem Namen Stärke von Chiga ausgeftellte Stärkemehl fein, welches nach den Mittheilungen von Dr. A. Ernft wahrfcheinlich einer von Humboldt bereits erwähnten, am oberen Orinoco heimifchen Inga Species entftammt. Leider war weder über die Darftellungsweife diefer einzelnen Stärkeforten, noch darüber etwas zu erfahren, ob und in welchem Mafse diefelben Gegenftand des Handels feien oder doch zu fein vermöchten. Brafilien hatte von Stärkemehlproben nichts Bemerkenswerthes aufzu weifen. Dagegen glänzte England durch die reichliche Vertretung diefer Induſtrie. Bekanntlich ift in England vornämlich die Stärkefabrikation aus Reis zu Haufe, wofür der von den Seeplätzen leicht und billig zu befchaffende Bruchreis ein treffliches Rohmateriale abgibt, und es war demgemäfs auch vornämlich Reisftärke, welche von England aus zur Ausftellung kam. Als die bedeutendften Fabrikanten diefes Productes find wohl J. und J. Colman in London anzufehen, welche denn auch Proben von theils rein weifser, theils fchwach gebläuter Reisftärke ausftellten, die als tadellofe Erzeugniffe bezeichnet werden konnten. Neben diefer fchon von der Ausftellung zu Paris im Jahre 1867 vortheilhaft bekannten Firma hatten auch Jones Orlando& Comp., dann Parfon Fletcher& Comp. und endlich Samuel Berger& Comp. in London fehr fchöne Proben von Reisftärke zur Ausstellung gebracht. Meift war es Strahlenftärke und nur die geringeren, aber immerhin noch fehr weifsen Sorten hatten die Form von nufs- bis fauftgrofsen Brocken. Befonders erwähnenswerth ift auch die von D. Nicoll& Comp. in London ausgeftellte Feuer- Sicherheitsftärke, deren Bedeutung wir bereits eingangs gewürdigt haben. Das ausgeftellte Präparat bildete ein in Papierpäckchen emballirtes Pulver von ziemlich rein weifser Farbe, das nach dem Eindrucke einer flüchtigen Prüfung wefentlich ein Gemenge von Stärkemehl mit fchwefelfaurem Ammonium gewefen fein dürfte. Endlich möchte noch einer fehr verfteckten und in Aufftellung und An ordnung fehr vernachläffigten Collection von Stärke producten gedacht werden, welche in der von P. L. Simond's, London, ausgeftellten reichen Sammlung von Producten der Abfallverwerthung enthalten war. Sie enthielt Proben von faft allen gebräuchlichen Arten technifch verwendeter Stärkemehle, fowie eine Zufammenstellung verfchiedener Handelsforten von Tapioca und Sago, wie auch * Siehe Dr. Jul. Wiesner ,, Mikroskop. Unterfuchungen"( Stuttgart 1872). Appreturmittel und Harzproducte. 11 Arrowroot. Wir können an diefer Stelle auf die Aufzählung der einzelnen Nummern diefer übrigens fehr intereffanten Sammlung nicht weiter eingehen, da diefelbe wefentlich den Charakter eines Unterrichtsmittels hatte und keinerlei Anhaltspunkte über die Quellen der ausgeftellten Proben bot. Die englifchen Colonien hatten zahlreiche Proben von Arrowroot zur Ausftellung gebracht, von welchen befonders die von F. A. Hagenauer, Lake Wellington, Victoria ausgeftellten von trefflicher Qualität waren. Stärkegummi oder ähnliche Producte aus Stärkemehl hatten weder Südamerika noch England zur Ausftellung gebracht. Spanien war durch zwei Firmen repräfentirt. Die bedeutendere derfelben D. Ramon Monroig, Barcelona, hatte neben Kartoffelftärke die Röftproducte derfelben, und zwar ein ziemlich dunkles und ein blafsgelbes Röftgummi, erfteres unter dem Namen Leogomme, letzteres Gommalin genannt, zur Ausftellung gebracht. Beide Producte, deren Handelspreis per 100 Kilo zu 250 Realen notiit war, ftanden ähnlichen Erzeugniffen unferer Induftriellen nur infoferne nach, als fich die Röftung als nicht fehr gleichmäfsig erwies, was wohl feinen Grund in der Darftellungsmethode hat, die eine ziemlich primitive fein foll. Antonio Tato& Comp. in Salamanca hatten die Ausftellung mit Muftern von völlig vorwurfsfreier Kartoffelftärke befchickt. Portugal hatte zwei Ausfteller von Kartoffelftärke aufzuweifen, von denen jedoch nur das Erzeugnifs von Ant. J. Alve in Redondo ein unferen Begriffen von guter Qualität entfprechendes genannt werden konnte. Frankreich war, wie fchon erwähnt, auf dem Gebiete der Stärke Induftrie auffallend ärmlich vertreten und nur eine einzige Firma, Leconte Dupond fils in Paris, hatte die Ausstellung mit ihrem Erzeugniffe befchickt. Diefe brachte prachtvolle Proben von Maisftärke, welche den beften amerikanifchen Erzeugniffen nicht nur völlig gleichkamen, fondern diefelben in Hinficht auf die vollendete Weifse theilweife noch übertrafen. Diefe Firma betreibt die Maisftärke- Fabrikation in ziemlich grofsartigem Mafsftabe, und hat diefer Stärkeforte in Frankreich bereits allgemeinen Eingang verfchafft, fo dafs auch von diefer Seite der Einführung der Maisftärke- Fabrikation am Continente, die zweifellos eine bedeutende Zukunft vor fich hat, vorgearbeitet wird. Aufser der genannten Firma fcheinen fich keine anderen Induftriellen Frankreichs derzeit mit der Maisftärke- Erzeugung zu befaffen, dagegen leiftet Frankreich bekanntlich fehr Lobenswerthes auf dem Gebiete der Weizen- und Kartoffelftärke- Induſtrie, fowie namentlich in der Fabrikation künftlicher Gummate, und es war entfchieden zu bedauern. dafs diefe Induftriezweige Frankreichs, von welchen zumal der letztere muftergiltige Producte liefert, gar nicht vertreten waren. Algier hatte eine Serie von drei durch Dr. E. Berther and eingefand ten Sorten der Stärke von Arum italicum zur Ausftellung gebracht. Leider war nichts darüber zu erfahren, ob die Fabrikation diefes fehr fchönen Stärkemehles einen entwickelten Induftriezweig bilde und ob dasfelbe überhaupt eine mehr als locale Bedeutung habe. Angeblich wird dasfelbe in Algier fowohl als Nahrungsmittel als auch für Appreturzwecke verwendet.* * Von den indifchen Colonien Frankreichs wurden neue Rohmaterialien für Stärkegewinnung in den Knollen von Amorphophallus fativus, Hipoxis curculioides und Typhonium minutum vorgeführt Das angeblich fehr weifse Stärkemehl der letzteren Pflanze( Karanikotti) foll fich zu dem Preife von 1 Franc per Kilogramm herftellen laffen, was gegenüber unferen heimifchen Stärkeforten nicht fehr günftig ift, es wäre denn, dafs bei rationeller Fabrikation fich eine Preiserniedrigung erreichen liefse. Stärkemehl- Proben aus diefen Rohmaterialien fanden fich leider nicht vor. 12 Dr. Wilh. Fried. Gintl. Die Schweiz, deren Bodenproductions- Verhältniffe der Entwicklung eines Induftriezweiges, wie die Stärkefabrikation ein folcher ift, keineswegs günftig find, hatte begreiflicher Weife auf diefem Induftriegebiete nicht concurrirt und auch die dort feit der Entwicklung der Kattundruckerei ins Leben gerufene Dextrininduftrie hat fich von der Ausftellung völlig ferne gehalten Dagegen war Italien vortrefflich vertreten. Barbieri Fr. Carol& Comp. in Venedig hatten eine bemerkenswerthe Collection ihrer zum Theile ganz gut zu nennenden Erzeugniffe ausgeftellt. Sie brachten fehr fchöne Proben von Reisftärke, dann Weizen und Roggenftärke, meift in Stängelchenform, theils naturfärbig, theils geblendet. Auch Kartoffelftärke, diefe freilich in einer ziemlich geringen Qualität, war unter ihren Erzeugniffen vertreten. Von wefentlich befferer, völlig vorwurfsfreier Qualität erwies fich die von Fratelli Giordano, Salerna zur Ausftellung gebrachte Kartoffelftärke, wie nicht minder die Erzeugniffe von Palumbo Ant. Cava dei tirreni. Auch die Giunta fpeciale di Salerno hatte vorzügliche Producte aufzuweifen, darunter befonders bemerkenswerth die Proben von Stärkemehl aus Arum italicum und Pancratium maritimum. Künftliche Gummate hatten Orlandi Franc. in Mailand und SchläpferWenner& Comp. in Salerno ausgeftellt. Erfterer brachte fünf Sorten von hellgelb bis dunkelbraunem Gommelin neben Proben eines tadellofen Dextrins und Stärkegummi und ein Dextrin von einer, den beften deutfchen Erzeugniffen diefer Art in nichts nachftehenden Qualität. Schweden hatte von den Producten feiner Stärke Induftrie, die dort feit der Entwicklung der Zündhölzchen- Fabrikation fich von der Stufe der einfachen Hausinduftrie zu einem felbftftändigen, durch mehrere Fabriken in Smaland, Weftergrönland und anderen Provinzen vertretenen eigentlichen Induſtriezweige aufgefchwungen hat, einzelne fehr bemerkenswerthe Proben zur Ausftellung gefandt. Namentlich ift es Kartoffelftärke, welche Schweden producirt, aber auch Weizen wird zur Stärkegewinnung herangezogen. Die bedeutendfte StärkemehlProduction dürfte N. Möller in Yftad aufzuweifen haben und die Producte diefer noch ziemlich jungen( 1872 gegründeten) Fabrik, vornehmlich Weizenftärke für technifche, fowie für Genufszwecke, dann Pflanzenleim etc. verdienen alle Anerkennung. Weizenftärke erzeugt auch die Firma Gadd& Krufe in Malmöe, während P. W. Lundgren in Stockholm und S. Oertendahl in Hössna fich mit der Fabrikation von Kartoffelftärke befaffen. Im Allgemeinen ift die Stärkeinduftrie Schwedens noch in der Entwicklung begriffen und das heimifche Product deckt noch bei Weitem nicht den Eigenbedarf Schwedens an Stärkmehl und Stärkeproducten. Norwegen fcheint diefe Induftrie bislang noch gar nicht gepflegt zu haben, wenigftens brachte die Ausftellung keinerlei hierhergehörige Producte zur Anfchauung. Ebenfo hatten Dänemark und die Niederlande auf diefem Induftriegebiete nichts zur Ausftellung gebracht. Belgien war durch die, ob ihrer Verdienfte um die Einführung der Reis ftärke- Fabrikation am Continente, bekannte Firma E. Remy& Comp. in Wygmael- Louvain vertreten. Diefe, bereits feit dem Jahre 1857 im Betriebe ftehende, ziemlich bedeutende Fabrik erzeugt ausfchliefslich Reis- Stärkemehl und liefert dasfelbe in vortrefflicher Güte, Reinheit und blendender Weifse. Neben folchem hatte diefelbe auch färbige Reisftärke( violett, rofa und gelb) ausgeftellt. Erwähnenswerth ift der billige Preis der Producte diefer Fabrik, welche z. B. ihre fein weifse Reisftärke zu 68 Francs per 100 Kilogramm berechnet. Appreturmittel und Harzproducte. 13 Deutfchland, deffen Stärke- Induftrie auf einer bekanntlich fehr hohen Stufe fteht, war zwar durch eine gröfsere Zahl von Firmen vertreten, aber die Art der Ausftellung trug fo fehr den Stempel deutfcher Nüchternheit, dafs gegen uber der effectvollen Ausftellungsmanier der Engländer und Franzofen diefer bedeutende Induftriezweig Deutfchlands nicht in jenem Lichte erfchien, in welchem er hätte erfcheinen müffen, wenn man der äufseren Form der Ausftellung etwas mehr Aufmerkfamkeit zugewendet haben würde. Es waren im Ganzen etwa 16 Firmen, welche die Ausftellung befchickt hatten. Die ältefte derfelben ift wohl W. Krufe in Stralfund, welche feit 1729 arbeitet. Sie erzeugt blos Weizenftärke, wie es fcheint, nach älterem Verfahren. Das Product läfst nichts zu wünfchen übrig. Ein tadellofes Product hatten auch J. Mack in Ulm( Inhaber C. Laible) und Wilh. Janfen in Duisburg( Rheinprovinz), dann auch A. Berliner in Mittel- Neuland bei Neiffe, endlich Baffermann, Herfchel& Diffenbacher in Mannheim ausgeftellt. Sämmtlich genannte Fabrikanten hatten fehr fchöne Proben von Weizenftärke, meift nach den Martin'fchen Verfahren gewonnen, ausgeftellt und nur A. Berliner, deffen Etabliffement bereits feit 1845 befteht, und Baffermann& Comp. brachten auch Proben von fehr fchöner Kartoffelftärke. Die meiften derfelben hatten auch trockenen Kleber zur Ausftellung gebracht und war derfelbe faft durchwegs von trefflicher Qualität. Kartoffelftärke hatten übrigens auch in tadellofer Qualität H. Engelhart in Lauban und Max Friedel in Dahfau, dann Fr. Krieg in Alt- Tfchan, endlich Th. Blumenthal & Krieg in Denkwitz( fämmtlich in Schlefien) ausgeftellt. Die letztgenannte Firma, deren Production eine fehr erhebliche ift( 170.000 Centner Kartoffelverbrauch pro 1871) hatte auch muftergiltige Proben von Dextrin und Leiogomme und als befonders bemerkenswerth fogenanntes kryftallifirtes Stärkegummi( Kryftallgummi), gelbe und weifse Waare, ausgeftellt. Die letztere ftand zwar dem gleichen Erzeugniffe einer öfterreichifchen Firma etwas nach, war aber immerhin gut zu nennen. Auch Fr. Krieg hatte neben Kartoffelftärke, die er auch gefärbt ( violett und roth) zur Ausftellung brachte, Mufter von Dextrin aufzuweifen, von welchen namentlich die lichten Qualitäten eine vorzügliche Waare darftellten. Erwähnenswerth ift auch die Ausftellung von H. Hochftätter in Langen, welcher vier Sorten von Kunftgummi( vegetabilifches Leimpulver) für Zwecke von Farbanftrichem, dann für Appretur, für Zündwaarenfabrikation und endlich für Filzhut- Fabrikation zur Ausftellung brachte, Erzeugniffe die fowohl in Hin ficht auf Qualität als auch auf Billigkeit alle Anerkennung verdienten, und ebenfo jene von E. Reimann und Gebrüder Renz, Durlach( Baden), welche Proben von tadellofem Gommelin, dann Dextrin und gebrannter Stärke enthielt. Auch Ed. Pommier in Neufchönfeld bei Leipzig hatte Gommelin, Dextrin, und ein„, Adragantin" genanntes Kunftgummi, fämmtlich von guter Qualitat, ausgeftellt. Endlich möchte noch befonders die Ausftellung von A. Beftelmayer& Comp. in Langenau( Würtemberg) hervorgehoben werden, eine Firma, welche fchon feit der letzten Ausstellung zu Paris durch ihre Bemühungen um die Verwerthung des Dinkels( Triticum spelta) zur Stärkefabrication vortheilhaft bekannt ift. Die ausgeftellten Proben von Dinkelftärke waren durchwegs vorwurfsfrei, und nicht minder konnten die aus Dinkelftärke gewonnenen Gummate, befonders das Adra* Es war derfelbe Fehler, an welchem auch die fo reichhaltige Ausftellung Deutſchlands in den übrigen Sectionen der Gruppe III überhaupt laborirte. Zufammengepfercht in einem Schranke, der zudem keines guten Lichtes fich erfreute, ftanden die grofsentheils vorzüglichen Waarenmufter da, und die Befcheidenheit des Arrangements ging fo weit, das hie und da nicht einmal leferlich gefchriebene Signaturen fich vorfanden. So gewifs das übermässige Prunken in der Wahl der Ausftellungsweife zwecklos, ja oft geradezu verwerflich ift, fo ift doch auch das andere Extrem forgfäftig zu vermeiden, und das ausgeftellte Object in einer dem Zwecke einer Ausstellung entsprechenden Weife vorzuführen. geftellt. ** Ein derartiges Product wurde von keinem anderen Fabrikanten Deutfchlands aus 14 Dr. Wilh. Fried. Gintl. gantin als ähnlichen Erzeugniffen aus anderen Stärkeforten in nichts nachstehend bezeichnet werden. Freilich hat die Fabrikation von Dinkelftärke bisher nur eine völlig locale Bedeutung und es fteht in Frage, ob die Cultur von Dinkel für den speciellen Zweck der Stärkefabrication einer allgemeinen Verbreitung fähig ift. Andere Stärkeforten waren von deutſchen Fabrikanten nicht ausgeftellt worden und bilden thatfächlich in Deutſchland keinen Gegenftand der Fabrikation. Eine Ausnahme möchte höchftens die Reisftärke machen, deren fabriksmässige Darftellung bekanntlich in neuefter Zeit auch in Deutſchland* aufgenommen worden ift. Ob diefe verhältnifsmäfsig noch junge Induſtrie fich mit der unter fo günftigen Bedingungen arbeitenden Reisftärke- Induftrie. Englands wird concurrenzfähig erweifen können, fteht dahin. Es möchte noch bemerkt werden, dafs, foviel über die Productionsgröfse der deutfchen Stärkefabriken zu erfahren war, die meiften derfelben eine durchfchnittliche Jahresproduction von 35000 Centner aufzuweifen haben. Faft alle befaffen fich nur mit der Darftellung von Brocken- und Strahlenftärke neben Gummaten, und nur einzelne, darunter befonders A. Schönfeldt in Heiligenhafen( Schleswig), liefern Stärke in Stäbchenform. Im Allgegemeinen hält die deutfche Stärkeproduction dem Eigenbedarfe ziemlich das Gleichgewicht, und nur einzelne Firmen, beifpielsweife Blumenthal& Krieg, befaffen fich mit dem Exporte ihrer Producte, welcher vornehmlich nach England gerichtet ift. Oefterreich hatte eine der Bedeutung diefes feines Induftriezweiges völlig würdige Vertretung feiner Stärke- Induftrie aufzuweifen. Diefe fteht aber. auch, zumal feit den letzten Jahren, auf einer hohen Stufe der Entwicklung und es darf ohne Ueberhebung gefagt werden, dafs fie der gleichen Induftrie Deutſchlands entfchieden den erften Rang ftreitig zu machen beginnt. Namentlich hat Böhmen, wo man feit dem Erblaffen des Glücksfternes der Rübenzucker- Induftrie der Stärkeproduction eine gröfsere Aufmerkfamkeit zuzuwenden beginnt, ein bedeutendes Contingent an einfchlägigen Ausftellungsobjecten geftellt. Böhmen ift überhaupt ein günftiges Terrain für die Entwicklung folcher Induftrien, welche, wie die Stärke Induftrie, gewiffermafsen ein Supplement der rationellen Landwirthfchaft bilden, und feine Stellung als Grenzland begünftigt auch den Abfatz des Productes, den die öfterreichifche Stärke- Induftrie neueftens in nicht unerheblichem Mafse im Auslande findet. In der That betrug der Export in den Jahren 1869 bis 1871 durchfchnittlich 30.000 Centner, während derfelbe in den Jahren 1867 und 1868 nur 13.756 und 15.966 Centner betrug. Die Einfuhr an Stärkeproducten bezifferte fich dagegen 1867 auf 19.054 Centner, 1868 auf 17.421 Centner, 1869 auf 13.597 Centner, 1870 auf 7289 Centner, 1871 auf 5204 Centner, war alfo feit 1869 entfchieden bedeutend geringer als die Ausfuhr, welche z. B. im Jahre 1871 die Höhe von 37.156 Centner erreicht hatte. Im Jahre 1872 ftellte fich dagegen, theilweife in Folge mittelmäfsiger Ernten, namentlich aber durch die Bemühungen Amerikas und Englands um den Vertrieb ihrer Erzeugniffe von Mais- und Reisftärke, der Import wefentlich höher, indem er zu der Höhe von 19.276 Centner fich erhob, während der Export, bedingt durch die allenthalben erwachende Concurrenz der Mais- und Reisftärke, auf 20.898 Centner fiel. Faft alle öfterreichifchen Stärkefabriken arbeiten nach dem Martin'fchen Verfahren. Bezüglich der Extractionsmafchinen ſteht vorherrfchend das Fesca'fche Syftem theils in feiner ursprünglichen Geftaltung, theils in wenig veränderter Form in Anwendung. Auch das Völkner'fche Syftem ift vielfach mit Vortheil in Verwendung, während andere, zumal ältere Syfteme, faft nicht mehr angetroffen werden. Neueftens beginnt auch das Syftem Markl fich Eingang zu verfchaffen. * Aufser einer fchon feit einigen Jahren in Altona etablirten gröfseren Fabrik für Reisftärke ift in neuefter Zeit auch in Ulm eine derartige Fabrik errichtet worden. Appreturmittel und Harzproducte. 15 Ein Theil der gröfseren Fabriken arbeitet mit Centrifugen. Von den einzelnen Stärkeforten find es vornehmlich die Kartoffelftärke und Weizenftärke, welche in Oefterreich producirt werden, und zwar liefert Böhmen vorherrfchend Kartoffelftärke, während die Weizenftärke- Fabrikation hauptfächlich ihren Sitz in den der Grenze Ungarns näher liegenden Ländern Cisleithaniens hat. Von anderen Stärkeforten wird in Oefterreich fowohl Reis- als auch Maisftärke fabriksmäfsig erzeugt, doch hat diefe Production bislang keine hervorragende Bedeutung. Die einzelnen Ausftellungsobjecte betreffend, möchten vor Allen jene der Camill Fürft Rohan'fchen Stärke producten- Fabrik zu Dařenic in Böhmen hervorgehoben werden. Die Leiftungen diefes erft feit 1868 beftehenden Etabliffements dürfen ungefchmeichelt als die beften bezeichnet werden, welche fich auf der Ausftellung fanden. Die ausgeftellten Kartoffelftärke- Sorten waren von der hochfeinen bis zur ordinären Qualität herab muftergiltige Producte, und nicht minder kann. diefs von den ausgeftellten künftlichen Gummaten: Adragantin, Dextrin und Gommelin gefagt werden. Befondere Aufmerkfamkeit erregten mit Recht die ausgeftellten Proben von Kryftallgummi, von welchem namentlich das weifse unbeftritten das befte Erzeugnifs diefer Art war, welches die Ausftellung fah. Das in Rede ftehende Etabliffement hat übrigens auch eine erhebliche Productionsgröfse aufzuweifen und beläuft fich feine Jahresproduction auf circa 2000 Centner Stärke und etwa 5000 Centner künftlicher Gummate bei einem Rohmaterialverbrauche von jährlich etwa 30.000MetzenKartoffeln. Auch die alt gräflich Salm'fche Stärkefabrik zu Světlá in Böhmen hatte vorzügliche Proben von Kartoffelftärke, fowohl weifs als auch mit intenfiven Färbungen, fowie ein gleichtalls treffliches Kunftgummi, dann tadellofes Gommelin etc. ausgeftellt. Auch diefes Etabliffement hat eine ziemlich bedeutende Production( 5 bis 6000 Centner jährlich). Befonders bemerkenswerth war übrigens auch die Ausftellung von J. Fr. Gärtner jun. in Rannersdorf und WienerHerberg. Diefe Firma erzeugt fowohl Kartoffel als auch Weizen- und endlich Maisftärke, fowie künftliche Gummate, wie: Amidon und Leogomme. Die ausgeftellten Stärkemehl- Proben, zumal die fogenannte Mouffeline- Weizenftärke, waren als ganz gute Erzeugniffe zu bezeichnen. Gärtner ift unferes Wiffens bisher die einzige Firma, welche fich in Oefterreich mit der Maisftärke- Fabrikation befafst. Sonft hatten noch H. Fiedler in Bruck an der Leitha, F. Wawrik in Gaudenzdorf, Götzen's Erben in Wiener Neuftadt und L. Chiozza in Cervignagno Weizenftärke von guter Qualität ausgeftellt. Die Meiften der Genannten ftellten auch Proben trockenen Klebers aus, von welchen namentlich jene von Wawrik und jene von Götzen's Erben befonders fchön waren. Unter den ange führten Firmen dürften C. Gr. v. Götzen's Erben die relativ gröfste Production. ( 100 Centner Weizen täglicher Rohmaterialverbrauch, Wawrik 50 Centner, Chiozza 30 Centner) aufzuweifen haben. Fiedler gibt eine Jahresproduction von 2500 Centner feiner, 1200 Centner ordinärer Stärke und 400 Centner Stärkegummi neben 700 Centner Kleber an. Reisftärke hatte Hermann Hirfch in Hohenems( Vorarlberg) ausgeftellt. Sein Erzeugnifs, das er je nach Qualität im Preife von 14 bis 19 fl. öfterreichifcher Währung per Zollcentner hält, war, wenn auch dem englifchen unftreitig nachftehend, doch gut zu nennen. Aufser den angeführten Ausftellern find noch einige Firmen zu nennen, welche fich vornehmlich oder ausfchliefslich mit der Darftellung von künftlichen Gummaten befaffen und die Stärkewinnung felbft gar nicht oder doch nur zur Deckung des Eigenbedarfs betreiben. An der Ausftellung hatten fich mehrere diefer Firmen betheiligt und die meiften derfelben hatten fehr gute Producte aufzuweifen. Befonders feien hier erwähnt die Ausftellungen von Julius Hofmeier und Jofef Nowak in Prag. Die erftgenannte, um die öfterreichifche Induftrie befonders verdiente Firma unterhält in Wien, Prag, Peft, Prefsburg, dann aber auch in Berlin grofsartige Etabliffements, die, in erfter Linie der Albuminfabrikation dienend, nebenbei fich auch mit der Fabrikation von künftlichen Gummaten befaffen. Die ausgeftellten 2 16 Dr. Wilh. Fried. Gintl. Proben von Amidon, Dextrin und Leogomme find durchwegs vorzügliche Erzeugniffe, die auch in Bezug auf Preis mit den beften Fabrikaten anderer Firmen concurriren können. In der That hat die genannte Firma in diefen Artikeln auch einen bedeutenden Export, zumal nach Deutfchland aufzuweifen. Die zweite Firma, Jofef Nowak in Prag, welche in neuefter Zeit auch die Stärkefabrikation in gröfserem Mafsftabe betreibt, hatte neben einer bemerkenswerthen Collection von Farblacken für Schafwolldruck, in welchem Artikel diefelbe fich einen wohlverdienten guten Ruf erworben hat, gleichfalls muftergiltige Proben von künftlichen Gummaten ausgeftellt. Unter diefen möchte befonders der für die Appretur feiner Leinen und Baumwoll- Waaren beftimmte Glanzapprêt hervorgehoben werden, welcher, aus einer Mifchung von mehreren Stärkeforten dargestellt, durch Kochen unter Hochdruck zu einer blendend weifsen gummöfen Maffe umgewandelt werden kann, die eine glatte und glänzende Appretur liefert. Auch das Kunftgummi, fowie ein fehr fchönes Patentgummi und endlich eine prächtige Probe von Kaftanienftärke verdienten alle Anerkennung. Ausserdem hatten auch Kern& Lindauer in Waldmühle bei Liefing, David Bloch in Jungbunzlau, S. Engelmann in Prag, Franz Eduard Wonka in Křinec in Böhmen und R. Löhnertin Böhmifch- Leipa Proben von Dextrin, Amidon, Gommelin, Druckkleifter etc. ausgeftellt Producte, von welchen namentlich jene von Kern& Lindauer, fowie jene von David Bloch als durchwegs gute zu bezeichnen waren, während die Erzeugniffe der Uebrigen zum Theile Manches zu wünſchen übrig liefsen. Erwähnt möchte noch werden, dafs Dr. G. Thenius in Wiener- Neuftadt als befondere Specialität ein Cellulofe Dextrin ausgeftellt hatte, deffen Qualität eine vorwurfsfreie war. Ob diefes Erzeugnifs mit dem bereits 1819 von Braconnot und später auch von Béchamp, Payen und Anderen dargestellten Holzdextrin identifch ift und etwa auch auf ähnlichem Wege gewonnen werden kann, oder aber ein neues Product ift, war nicht zu eruiren. Bisher ſcheint diefer Artikel übrigens noch keine befondere Bedeutung gewonnen zu haben. Ungarn hatte feine Stärke- Induftrie in einem recht günftigen Lichte gezeigt, und wiewohl die ungarifche Ausftellung hier keine befondere Mannigfaltigkeit aufzuweifen hatte, fo bewies fie doch, dafs man auch in Ungarn für den Fortfchritt auf diefem Induftriegebiete empfänglich war. Ausgeftellt war faft ausfchliesslich Weizenftärke und das neben der Gewinnung diefer fallende Nebenproduct, Kleber, in trockener Form. Die Induftrie der künftlichen Gummate fcheint fich in Ungarn noch nicht eingebürgert zu haben; wenigftens war nichts Bemerkenswerthes von derartigen Producten zur Ausstellung gebracht worden. Von den einzelnen Ausftellungsobjecten ift in erster Linie die Collection von Weizenftärke- Proben der Erften Pefter vereinigten Weizenftärke Fabriksniederlage zu nennen. Als Theilnehmer an diefer Collectivausftellung fungirten die Stärkefabrikanten Chr. Kutfcher, J. Strafsenreiter, S. Gruber& Sohn, J. Linhart& Sohn, P. Raufch und J. Högl. Die ausgeftellten Producte, Weizenftärke in Kryftallen, Kernftärke, Puder und ordinäre Stärke, fowie der trockene Kleber, waren recht gut zu nennen, und namentlich war der Kleber, was Trockenheit und Helligkeit anbelangt, vortrefflich. Neben diefer Collection möchte noch die Ausftellung der Gebrüder Strobentz in Peft erwähnt werden, welche Proben von einer gleichfalls ganz guten Prima- Weizenftärke und Weizenftärke in Kryftallen ausgeftellt hatten. Auch bei diefer Firma war der Kleber in trockener Form recht gut. Von Kartoffelftärke, welche nachweislich auch Ungarn producirt, hatte die Ausstellung nichts Erwähnenswerthes aufzuweifen, und was befonders auffällig erfcheint, ift, dafs Ungarn, das Land, das doch eine fo erhebliche Maisproduction hat, die Stärkefabrikation aus Mais noch nicht aufgenommen hat. * Diefer Theil der Ausftellung des J. Nowak entzieht fich der Würdigung an diefer Stelle und wird feine Besprechung in dem Berichte über Farbwaaren zu finden haben. Appreturmittel und Harzproducte. 17 Rufsland, deffen Stärkefabrikation fich in der neueren Zeit von dem Charakter der Hausinduftrie mehr und mehr zu jenem einer Grofsinduftrie erhoben hat, hatte zwar nur eine fpärliche Vertretung diefer Induftrie aufzuweifen, das aber, was die Ausstellung zeigte, erwies fich als ein in jeder Hinsicht tadellofes, den beften Erzeugniffen anderer Staaten völlig gleichkommendes Product und zeugte von dem Auffchwunge, den Rufsland auf induftriellem Gebiete nimmt. Von den ausgeftellten Producten waren befonders jene der Stärkefabrik des Gutes Karlowka( Gouvernement Poltowa)*), Eigenthum Ihrer kaiferlichen Hoheit der Grofsfürftin Helene Pawlowna, bemerkenswerth. Es waren diefs Proben von Weizenftärke, von trefflicher Qualität und blendender Weifse, deren Preis 4 bis 8 Kopeken per Pfund( das ift etwa 7 bis 14 kr. öfterreichiſcher Währung), ein im Verhältniffe zu der Trefflichkeit des Productes ftaunenswerth mäfsiger ift. Die genannte Fabrik, welche feit dem Jahre 1865 befteht, hat eine Jahresproduction von circa 30.000 Pfund und ift ein fprechender Beweis dafür, dafs auch Rufsland in der rationellen Verwerthung der Reichthümer feiner Bodenproduction nicht hinter den anderen Staaten zurückgeblieben ift. Das Fabriksetabliffement fteht in der zweckmäfsigften Verbindung mit einer auf jenem Gute ſchwunghaft betriebenen Viehzucht und liefert in Geftalt der andernorts in ihrem Werthe noch allzufehr unterfchätzten Abfälle des Stärke- Fabriksbetriebes ein treffliches Maftfutter, das denn auch in der rationellften Weife verwerthet wird. Es möchte diefs manchem unferer Oekonomen ein belehrendes Beiſpiel fein. Ein ebenfalls fehr lobenswerthes Product hatte M. Epftein in Sakhry ( Gouvernement Lublin) ausgeftellt. Es war Weizenftärke und Kartoffelftärke von tadellofer Qualität. Auch diefes Etabliffement hat eine verhältnifsmässig bedeutende Production aufzuweifen( circa 36.000 Pfund), und ift jedenfalls nicht das kleinfte Etabliffement feiner Art in Rufsland. Bemerkenswerth ift, dafs Rufsland, deffen Getreidereichthum danach angethan wäre, faft ganz Europa mit Stärkeproducten zu verforgen, immer noch nicht feinen Eigenbedarf in diefem Artikel deckt und bedeutende Mengen von Stärke und Stärkeproducten von ausländifchen Fabrikanten importiren läfst, die zum Theile ihr Rohmaterial dem ruffifchen Markte entnehmen. Hoffentlich wird die Erkenntnifs, dafs hierin ein nicht geringer volkswirthschaftlicher Nachtheil liege, den Auffchwung, den die mit den Intereffen einer rationellen Landwirthschaft fo innig verwebte Stärkefabrikation in Rufsland thatfächlich genommen hat, noch weiter begünftigen. Von der Stärke- Induftrie anderer Länder, die an der Ausftellung fich betheiligt hatten, ift wenig zu berichten. Zwar hatten die meiſten derfelben Stärkeproben ausgeftellt, aber mit Ausnahme Egypten's nur als Product häuslicher Thätigkeit und nicht als Ergebniſs eines eigentlichen Induſtriebetriebes. Egypten hatte dagegen Proben einer Weizenftärke von blendender Weifse und neben diefer Kleber in Blättern, von ganz ähnlicher Qualität, wie ihn unfere, nach dem Martin'fchen Verfahren arbeitenden Stärkefabriken produciren; Objecte, welche darauf fchliefsen laffen, dafs auf dem egyptifchen Boden die Stärkefabrikation als eigentlicher Induftriezweig betrieben wird.** Als Product häuslicher Thätigkeit fanden wir Weizenftärke in der Abtheilung Rumäniens, wo folche feitens der Ackerbaufchule in Bukarest ausgeftellt war, dann in jener Japans und Chinas. Das japanefifche Product ftellte eine fehr fchön weifse, unferen befferen Sorten ziemlich gleichftehende Waare dar, während die chinefifche, fogenannte„ ordinäre Stärke für den Hausgebrauch" ein Erzeugnifs ziemlich geringer Qualität war. * Merkwürdiger Weife war diefes Ausftellungsobject weder im Generalkataloge noch im ruffifchen Specialkataloge aufgenommen. ** Leider konnte uns der Vertreter der egyptifchen Ausstellung keine Auskunft über die Verhältniffe diefer Induftrie geben. 2* 18 Dr. Wilh. Fried. Gintl. Dagegen hatte China auch noch Proben einer Stärke aus grünen Bohnen aufzuweifen, die guter Weizenftärke dem Anfehen nach fehr ähnlich fchien. Nach den uns gemachten Mittheilungen foll diefe Stärkeforte in China in erheblichen Mengen producirt werden. Albumin und Cafeïn. Die umfaffenden Fortfchritte und Neuerungen, welche fich auf dem Gebiete der Zeugdruckerei in den letzten zwanzig Jahren ergeben haben, gaben den Impuls zur Entwicklung jener Induftrie, welche fich die Aufgabe fetzt, den für die Zwecke der beftimmten Gewerbe erforderlichen Bedarf an Eiweifsftoffen in einer Form darzuftellen, welche die Einführung und den Verfandt diefer fo wichtig gewordenen Hilfsftoffe als eigentlichen Handelsartikel möglich macht und fo nicht nur die Unabhängigkeit des Confumenten von dem Mafse der Ergiebigkeit localer Quellen für die Deckung des jeweiligen Bedarfes herbeigeführt, fondern auch all die Unannehmlichkeiten befeitiget hat, denen der Confument gröfserer Maffen von folchen thierifchen Eiweifskörpern, bei der leichten Zerfetzbarkeit derfelben im frifchen Zuſtande, ftets ausgefetzt war. Die Albuminfabrikation ift demnach ein verhältnifsmäfsig fehr junger Induftriezweig, der, wenn wir nicht irren, ursprünglich in Frankreich aufgenommen, alsbald weitere Verbreitung gefunden hat und heute in faft allen civilifirten Ländern in ziemlichem Umfange betrieben wird. Das Rohmateriale für die Albuminfabrikation bilden einerfeits Eier( vornehmlich Hühnereier), andererfeits der frifche Blutabfall der Schlächtereien, und zwar wird diefsfalls das Hauptcontingent von dem Rinderblute gebildet, während Schweineblut, Hammel- und Lammblut in, wie begreiflich, geringerem Mafse zur Verwendung kommen. In Bezug auf die Heranziehung des Blutabfalles der Schlächtereien zur Albuminfabrikation bedeutet diefer Induftriezweig in einem gewiffen Sinne auch eine Abfallverwerthung, deren Werth nicht unterfchätzt werden möchte, wenn man bedenkt, welche Maffen von Thierblut, die andernfalls unbenützt verloren gegeben würden, auf diefem Wege einer rationellen Verwendung zugeführt werden, abgefehen davon, dafs durch die Einführung einer forgfältigen Auffammlung des Blutes ein fanitärer Vortheil erreicht wird, der darin begründet ift, dafs durch die Samm lung und Verarbeitung des Blutes auf Albumin die fanitären Uebelftände, welche der Betrieb gröfserer Schlachthäufer unleugbar im Gefolge hat, entfchieden verringert erfcheinen. Die Fabrikationsmethode, die ja bekanntlich nur darauf ausgeht, das von dem Eigelb forgfam gefonderte Weifs der Eier nach erfolgter Klärung zur Trocknung zu bringen, oder, wo es die Erzeugung von Blutalbumin gilt, die Gewinnung eines möglichft klaren und fchwach gefärbten Serums bezweckt, das im Weiteren gleich dem Eieralbumin zur Trockenheit gebracht wird, ift heute allenthalben noch diefelbe, wie fie bereits im Jahre 1865 von Hirzel befchrieben wurde, und hat die von Kuhnheim in Anregung gebrachte Methode der Serumgewinnung durch Schlagen des Blutes und Centrifugiren der coagulirten Maffen unferes Wiffens nirgends Eingang gefunden, ebenfowenig wie fein Vorfchlag, die Trocknung durch Verdampfen im Vacuum zu befchleunigen, fich in der Praxis eingebürgert hat. Ueberall gewinnt man ein für beffere Sorten Blutalbumin brauchbares Serum durch freiwilliges Abträufelnlaffen des durch ungeftörte Coagulation des Blutes erhaltenen Blutkuchens, der behufs möglichfter Ausbeutung meift gefchnitten wird. Es hat die Erfahrung gelehrt, dafs alle Mittel, welche bisher angewendet wurden, die Serumsausbeuten durch Kunftgriffe, wie Preffen, Abnutfchen oder gar Centrifugiren des Blutkuchens zu erhöhen, ein für Prima- oder felbft SecundaAlbumin völlig unbrauchbares Serum liefern, da die Menge des fich dem Serum beimengenden Blutfarbftoffes auf folchem Wege wefentlich gefteigert wird. Das Trocknen des Eiweifses oder des Serums gefchieht, wie diefs wohl urfprünglich Appreturmittel und Harzproducte. 19 der Fall war, auch heute noch auf Tellern, Taffen und dergleichen, die in Trockenräumen, deren Temperatur gut regulirt werden kann und die felbftverſtändlich gut ventilirbar find, aufgeftellt werden, und es beftehen wohl nur in Hinsicht auf das Materiale diefer Taffen, deren Herftellung aus Porcellan( obwohl diefs das befte Materiale wäre) felbftverſtändlich für den Grofsbetrieb viel zu koftfpielig wäre, gewiffe Verfchiedenheiten, die nicht felten auch in der Qualität des erzielten Albumins zum Ausdrucke kommen. Es fehlt auch heute noch an jedweder brauchbaren Methode, um aus einem ftärker gefärbten Serum ein blaffes Albumin zu gewinnen, ebenfo wie bisher ein dem Eieralbumin im Anfehen völlig gleichkommendes Blutalbumin in gröfserem Mafsftabe noch nicht dargestellt zu werden vermochte. Auch die von Köchlin bereits vor Jahren befprochene Methode des Bleichens von Albumin durch Peitfchen mit Terpentinöl( etwa 4 Percent), obwohl diefe für fchwach gefärbte Serumforten immerhin mit gutem Refultate verwendet werden kann, ift bei ftärker farbigem Rohmateriale ziemlich erfolglos, abgefehen davon, dafs fie nicht ohne Nachtheil für die Qualität des erzeugten Productes ift. Dafs diefer Vorwurf felbftverſtändlich in noch höherem Mafse von der Anwendung von Säuren( Schwefel- Effigfäure) und anderen zum Zwecke des Bleichens( Herftellung von Patentalbumin) vorgefchlagenen und nicht felten auch verwendeten Mitteln gilt, ift klar, denn es wird trotz der Neutralifation mit Ammon, die natürlich bei Verwendung von Säuren nicht unterlaffen werden darf, die Gegenwart eines fremdartigen Salzes im Albumin nicht für alle Fälle der Verwendung desfelben gleichgiltig fein. Die Praxis hat fich daher der Verwendung von reinem Eieralbumin, namentlich für die Zwecke des Kattundruckes, fowie auch für die Herftellung photographifcher Papiere und Platten, nicht entfchlagen können, und wird diefer Artikel in immer noch ganz koloffalen Maffen fabricirt, wiewohl fein Preis felbftverftändlich ein nicht nur bedeutend höherer als jener des Blutalbumins iſt, fondern auch einem ftetigen, nicht felten bedeutenden, Schwanken unterworfen ift. So koftete der Centner Eieralbumin im Jahre 1860 und 1861 500 fl ö. W., der Centner Blutalbumin im felben Jahre 250 fl.; kurz nach Beginn des amerikanifchen Krieges fielen in Folge der für die Cattuninduftrie hereingebrochenen Krife die Preife auf 200 fl. für Eieralbumin und circa 90 fl. für Blutalbumin, um im Jahre 1868 und 1869 wieder die enorme Höhe von 900 fl. für Eieralbumin und 450 fl. für Blutalbumin zu erreichen. Als Mittelpreife laffen fich für Eieralbumin 400 fl. und für Prima- Blutalbumin 200 fl. ö. W. per Centner anfetzen. Der Verbrauch an Blutalbumin, das bei gleicher Tauglichkeit zum Zwecke der Farbenfixirung nur in Hinficht auf feine Färbung mit zarteren Farben unver träglich ift, erweift fich geringer als jener des Eieralbumins, und namentlich wird für dunkle Nuancen Blutalbumin felbft in Secunda- Qualität noch mit ganz vorzüglichem Erfolge verwendet. Die Verwendung der Tertia- Qualität des Blutalbumins befchränkt fich im Allgemeinen auf jene für Zwecke der Zuckerraffinerie, und nur vereinzelt pflegt eine beffere Tertiawaare noch für den Druck von Schwarzfarben verwendet zu werden. Dafs fich bei dem hohen Mittelpreife des Albumins, der felbft das BlutAlbumin immerhin noch als ein ziemlich koftfpieliges Materiale erfcheinen läfst, allenthalben Bemühungen geltend machten, das Albumin wenigftens in der Cattundruckerei durch andere, billigere Mittel von gleicher Wirkungsweise zu erfetzen, ift leicht einzufehen; doch hat trotz des hohen Preifes, den die„ Société induftrielle" zu Mühlhaufen auf die Beifchaffung eines folchen Erfatzes ausgefetzt hat, fich bisher kein wirkliches Subftitut des Albumins gefunden, und alle diefsfalls vorgefchlagenen Mittel haben fich nur mehr oder weniger einfeitig bewährt. Am meiſten hatte dem Albumin noch das bereits im Jahre 1854 von Grüne empfohlene Cafeïn, wenigftens für den Ultramarindruck, Concurrenz gemacht, wiewohl es jenem gegenüber den entfchiedenen Nachtheil hat, trübe Farben zu geben. 20 Dr. Wilh. Fried. Gintl. Man hat dasfelbe bekanntlich in alkalifchen Löfungen angewendet und der Trübung der damit fixirten Farben durch Zufatz von Oel abzuhelfen gefucht. Das für folche Zwecke in den Handel gebrachte trockene Caseïn( Lactarin oder Lactrin) einfach durch Trocknen von gut ausgewafchenem Topfen( Quark) gewonnen, fowie ein mit einem Alkalizufatz bereitetes Lactarinextract hat lange Jahre hindurch einen bedeutenden Handelsartikel gebildet, der indefs gegenwärtig nur fehr wenig gefucht ift. Es fcheint, dafs auch das fchon 1850 von Wagner empfohlene Magneſiumcafeïnat, felbft in der durch Schlumberger 1871 verbefferten Form der Anwendung mit Barytwaffer, fich nicht allgemein eingebürgert hat, wiewohl diefes letztere Verfahren unftreitig ein fehr rationelles genannt werden darf. Vornehmlich dürfte die nur bedingt mögliche Verwendung der Cafeïnfixage für Anilinfarben die Schuld daran tragen, dafs bei dem gegenwärtigen Herrfchen der Anilincouleurs diefes Fixirungsmittel nur befchränkte Anwendung findet. Noch weit weniger Verwendung haben die diverfen Albuminfurrogate aus Kleber gefunden, und wenn es fich auch nicht leugnen läfst, dafs dem bereits 1855 von Martin für den Cattundruck empfohlenen Kleber ein gewiffes Fixirungsvermögen zukommt, fo ift doch die bindende Kraft diefes Körpers dem Albumin gegenüber eine relativ nur geringe und dürfte derfelbe wenigftens für feinere Waaren wohl nie befonders in Betracht kommen. Ebenfo find auch die durch verfchiedene Proceduren aus dem Kleber gewonnenen Albuminfurrogate, wie der von Meffager und Perdrix im Jahre 1860 empfohlene Kleberleim, dann der im felben Jahre von Hanon in Vorfchlag gebrachte Eiweifsleim( gefaulter Kleber), fowie das fchon früher von Scheurer Rott anempfohlene Albuminfurrogat ( Kleber, durch Einwirkung fchwacher Säuren verändert), nur ephemere Erfcheinungen geblieben, von denen fich keine recht Bahn gebrochen hat, oder doch wie das beiſpielsweife von dem bereits früher erwähnten Lucin gefagt werden kann, nur für die Fabrikation geringerer Waaren Anwendung gefunden haben. Die feinerzeit von der Société induftrielle in etwas vorfchneller Weife belohnte, mit grofsen Erwartungen begrüfste Idee, welche G. Leuchs bezüglich der Verwendbarkeit des an den nordifchen Fifchfchlächtereien fo maffenhaft refultirenden Fifchrogens für die Gewinnung eines dem Albumin völlig gleichkommenden Proteïnates fafste, ift bisher Idee geblieben*, und fcheint Dollfus Recht gehabt zu haben, wenn er derfelben eine befondere Bedeutung abfprach. Thatfächlich hat das Fifchalbumin, das wiederholt verfuchsweife zu Markte gebracht wurde, bisher dem Eier oder Blutalbumin gar keine Concurrenz gemacht. Es fchliefst diefs indefs die Möglichkeit keineswegs aus, dafs durch ein geeigneteres Verfahren fich die Mängel des bisher aus Fifchrogen erzielten Productes befeitigen laffen und diefes Materiale denn doch zu Ehren gebracht werden könnte. Wenigftens dürften heute noch nicht alle Hoffnungen in diefer Hinficht aufzugeben fein. Eine befonders wichtige Frage bildet für den Albuminfabrikanten die Verwerthung der Nebenproducte feiner Induftrie. Es find diefs bei der Fabrikation des Eieralbumins die Eidotter, bei jener des Blutalbumins die vom Serum befreiten Blutkuchen. Wie grofs die Wichtigkeit der Löfung diefer Frage ift, erhellt, wenn man erwägt, dafs für die Erzeugung von 1 Pfund Eieralbumin durchfchnittlich 180 bis 200 Stück Eier verwendet werden müffen. dafs fomit eine gleich grofse Anzahl von Eidottern refultiren, die bei irgend gröfserem Fabriksbetriebe nicht leicht preiswürdig an Mann gebracht werden könnten, wenn, wie es bei der leichten * Die durch längere Zeit im Betriebe geftandene Fabrik von Sahlftröm in Jönköping, welche die Albuminfabrikation aus Fifchrogen betrieb, fcheint neueſtens aufgelaffen worden zu fein. Appreturmittel und Harzproducte. 21 Zerfetzbarkeit der Subftanz des Eigelb Erfordernifs ift, der Vertrieb diefes Nebenproductes rafch von Statten gehen muſs. Die erfte Verwendung, welche das bei der Albuminfabrikation abfallende Eigelb gefunden hat, war jene, welche Sacc in Weffenling( Elfafs)( der, wenn ich nicht irre, überhaupt der Erfte war, welcher mit der Fabrikation von trockenem Albumin fich befafste) einführte, indem er dasfelbe auf eine ziemlich weiche Seife, Eierfeife, verarbeiten liefs. Eine derartige Verwerthung konnte aber offenbar auf die Dauer nicht rentiren, und fo verfuchte man zunächft das Eigelb durch paffende Zufätze auf längere Zeit zu conferviren. Solcher Confervirungsmethoden find ziemlich viele, mit mehr oder weniger Erfolg, in Anwendung gekommen. Von den bekannten Mitteln, welche diefsfalls angewendet werden, find die älteften das 1856 von Moffelmann vorgefchlagene Verfetzen mit neutralem Natriumsulfit ( etwa 5 Percent) oder ein Zufatz von Chlornatrium( bis 12 Percent) während das neueftens von Jakobfen zu gleichem Zwecke für Albumin empfohlene Chloralhydrat fich ebenfalls für Eigelb verwenden läfst. Weniger empfehlenswerth dürften die in erfter Linie für die Confervirung des Albumins vorgefchlagenen, aber felbftverſtändlich in gleichem Sinne auch für Eigelb brauchbaren Zufätze von chlorf. Ammoniak( G. Schäffer) oder arfenf. Natron( C. Köchlin) fein. Solchergeftalt in flüffiger Form confervirtes Eigelb ift indefs in der Regel doch nur für die Zwecke der Handfchuhledergerberei brauchbar, denn wiewohl namentlich das gefalzene Eigelb fich recht gut confervirt und auch der höhere Kochfalzgehalt kein Hindernifs einer Verwendung desfelben als Nahrungsmittel bilden würde, fo hat das grofse Publicum doch eine gewiffe Scheu vor der Verwendung eines derartigen Präparates und kauft dasfelbe nicht gern, fo lange der Bezug von frifchen Eiern noch möglich ift. Dafs mit anderen Mitteln confervirtes Eigelb als Nahrungsmittel überhaupt gar nicht verwendbar ift, ift klar, und fo kommt es, dafs die Verwerthung diefes einen erheblichen Werth repräfentirenden Nebenproductes der Albuminfabrikation auf folchem Wege keineswegs eine völlig entſprechende ift. Neueftens ift in Bezug auf die Löfung diefer Frage ein erheblicher Fortfchritt gethan worden. Jul. Hofmeier, bekanntlich der eigentliche Begründer der Albumininduftrie, hat, nachdem er zunächft mit gutem Erfolge den Eierausfchlag auf allen gröfseren Marktplätzen eingeführt und alfo die Eierhändler veranlasst hat, frifche Eidotter allein abzugeben, während er das Eiweifs von denfelben abnimmt, eine bisher geheim gehaltene Methode ermittelt, das Eigelb in Form eines lockeren, leicht und vollkommen löslichen Pulvers darzuftellen, welches dem Geruche und Gefchmacke nach einem frifchen Eigelb völlig gleichkommt. Da diefes trockene Eigelb ohne Zufatz irgend eines fremdartigen Körpers hergeftellt ist, und auch im Verhalten kaum eine Verfchiedenheit von frifchem Eigelb zeigt, vor dem es jedoch den grofsen Vortheil der vollkommenften Haltbarkeit voraus hat, fo obwaltet kein Anftand, diefes Präparat als Nahrungsmittel zu verwenden. In der That findet diefes Erzeugnifs allenthalben einen nicht geringen Anklang und wird namentlich von deutfchen und englifchen Cakesbäckereien in bedeutenden Maffen confumirt. In diefer Form kann Eigelb mit Vortheil als Nahrungsmittel verwendet und alfo in einer feinem Werthe entſprechenderen Weife an Mann gebracht werden. Ueberdiefs hat Hofmeier auch eine befondere, von den bisher bekannten Methoden angeblich verfchiedene Art der Confervirung des Eigelbs in Anwendung gebracht, die fich insbefondere durch die Ausgiebigkeit und Nachhaltigkeit des angewendeten Confervirungsmittels auszeichnet und ein weithin verfendbares, für die Zwecke der Handfchuhgerberei gut verwendbares Product liefert. In Betreff der Verwerthung der bei der Fabrikation von Blutalbumin abfallenden Blutkuchen, die früher nach einer keineswegs völlig rationellen 22 Dr. Wilh. Fried. Gintl. Gepflogenheit einfach auf Compofthaufen verführt, und da einer die Gegend weit und breit verpeftenden, allmäligen Zerfetzung anheimfallen gelaffen wurden, hat fich jetzt faft durchwegs die jedenfalls rationellere Praxis eingebürgert, welche die vom Serum befreiten Blutkuchen möglichft rafch trocknet und fo ein haltbares Product liefert, das unter dem Namen„ getrockneter Blutkuchen" theils für Dungzwecke, theils für die Zwecke der Blutlaugenfalz- Fabrikation in den Handel gebracht wird. Bei dem relativ ziemlich hohen Stickftoffgehalte diefes Materials ( derfelbe beträgt 12 bis 14 Percent) hat dasfelbe für beide Verwendungsweifen einen nicht unerheblichen Werth und wird ohne Schwierigkeit um den die Trocknungskoften fattfam deckenden Preis von 5 bis 8 fl. per Centner abgefetzt. Eine befondere Verwendungsweife diefes Nebenproductes hat Campe in Brünn in Anwendung gebracht und befteht diefelbe darin, dafs er die trockenen Blutkuchen ver mahlen mit feften menfchlichen Excrementen und Knoppernmehl vermengt auf ein " Blutpoudrette" genanntes Düngermaterial verarbeitet. Ein ähnliches Verfahren fcheint auch von der, öfterreichifchen Actiengeſellſchaft zur Erzeugung künftlichen Phosphatdüngers" für die Herftellung ihres Blutdüngers in Anwendung gebracht zu werden. Die Vertretung, welche die Albumininduftrie auf der Ausstellung aufzuweifen hatte, war eine durchaus befriedigende. In erfter Linie ftand unftreitig die Firma Jul. Hofmeier in Prag, deren Erzeugniffe als die weitaus beften bezeich net werden dürfen. Hofmeier kann mit Recht als der Begründer der Albumininduftrie angefehen werden, denn feiner Intelligenz und feinem regen Bemühen ift es zu danken, dafs die urfprünglich auf franzöfifchem Boden in Ausführung gebrachte Idee, Albumin in trockener Form in den Handel zu bringen, zur Grundlage einer eigenen, in ihrer Art grofsartigen Induftrie wurde, deren Entwicklung für die Cattundruckerei von gröfstem Vortheile war. Die Gründung des Hofmeier'fchen Unternehmens fällt in das Jahr 1858, alfo kurze Zeit nach dem Auftauchen der Idee, getrocknetes Albumin zu erzeugen. Ihr erftes Etabliffement errichtete diefe Firma in jenem Jahre in Prag. In Folge des Anklanges, den fein Fabrikat allenthalben fand, fah fich Hofmeier veranlafst, im Jahre 1859 ein gleichartiges Etabliffement in Peft und im Jahre 1860 ein folches in Wien zu begründen und verfah nunmehr mit feinem allfeits gefuchten Fabrikate nicht nur Cattunfabriken Oefterreichs und Deutſchlands, fondern betrieb mit demfelben auch einen fchwunghaften Export nach England, Frankreich, Italien, Rufsland und felbft Amerika. Bei dem fich immer mehr fteigernden Bedarfe und der allfeitigen Nachfrage nach dem inzwifchen völlig eingebürgerten Fabrikate vermochten endlich die drei Etabliffements den Anforderungen nicht mehr gerecht zu werden, und fo fand fich Hofmeier in den Jahren 1868 und 1869 bewogen, neue Zweigetabliffements zu errichten, deren Anzahl endlich 42 betrug. Darunter waren zehn in den gröfseren Städten Oefterreich- Ungarns, die übrigen in Deutſchland, fo in Berlin, Frankfurt, Mannheim, Carlsruhe, Augsburg, Nürnberg, Stettin, Lübeck und anderen Städten fituirt. Diefe koloffale Ausbreitung des Gefchäftes hatte indefs einen nur kurzen Beftand, da die bei dem allmäligen Erwachen der Concurrenz eintretende Ueberproduction eine nicht unbedeutende Entwerthung des Artikels zur Folge hatte, der gegenüber die Weitererhaltung einer fo grofsen Zahl von Zweigetabliffements nicht räthlich erfchien. Derzeit unterhält Hofmeier nur noch fünf Etabliffements, und zwar in Prag, Wien, Peft, Prefsburg und Berlin, deren Leiftungsfähigkeit er jedoch durch erhebliche Erweiterung und zweckmässige Verbindung mit auswär tigen Sammelftätten für das Rohmateriale in bedeutendem Mafse erhöht hat. Die Gröfse der Production diefer Firma läfst fich beurtheilen, wenn man erfährt, dafs Hofmeier jährlich etwa 25 Millionen Eier und das Blut von 350.000 Stück Rindvieh( ungerechnet das nebenbei verarbeitete Blut von Hammeln, Schafen und Schweinen) für die Albuminfabrikation verwendet. Nebenbei erzeugt Hofmeier Appreturmittel und Harzproducte. 23 auch Lactrin, von dem er bis vor kurzer Zeit, als diefer Artikel noch gefucht wurde, jährlich 3000 Centner geliefert hat.* Die von diefer Firma ausgeftellten Fabrikate entſprachen den weitgehendften Forderungen, welche man an dergleichen Erzeugniffe ftellen kann. Das Prima- Eieralbumin, fowohl die Winter als auch die Sommerwaare, fowie auch das Prima- Blutalbumin waren Mufterpräparate, an welchen fich mancher Concurrent ein empfehlenswerthes Beiſpiel nehmen konnte. Auch das Secunda- und felbft das für Zuckerraffinerie beftimmte Tertia- Blutalbumin waren faft durchwegs beffer als die analogen Producte anderer Fabrikanten. Bemerkenswerth waren ferner die Proben des confervirten flüffigen Eigelbs, fowie jene des bereits oben als neu bezeichneten pulverifirten Eidotters für Nahrungszwecke. Wir hatten Gelegenheit der Eröffnung mehrerer, ein halbes Jahr vorher unter ämtlichen Verfchlufs gelegter Büchfen beizuwohnen, welche diefe Präparate enthielten, und waren überrafcht, namentlich das flüffige Eigelb in einem faft völlig unveränderten Zuftande, kaum Spuren von Zerfetzung zeigend, vorzufinden. Diefs Refultat war um fo bemerkenswerther, als die fraglichen Büchfen durch mehrere Wochen der in dem Ausftellungsraume herrfchenden tropifchen Hitze ausgefetzt waren. Auch das pulverifirte Eigelb** fcheint uns nach den Wahrnehmungen, die wir an den erwähnten Proben zu machen Gelegenheit hatten, in hohem Grade der Beachtung werth zu fein. Da es fich trotz der langen Aufbewahrung weder im Geruche noch im Gefchmacke irgendwie von frifchem Eigelb unterfchied, möchte die allgemeine Verwendbarkeit diefes Präparates als Nahrungsmittel nicht in Zweifel zu ziehen fein, und es fteht zu erwarten, dafs dasfelbe namentlich für Grofsftädte, wo die an fich abnorm hohen Preife der frifchen Eier zur Winterszeit oft geradezu unerfchwinglich werden, eine praktiſche Bedeutung gewinnen werde. Die Scheu, welche unfere Hausfrauen heute meift noch vor Allem, was ihrer Anficht nach nicht natürlich ift, haben, wird gegenüber dem auch in Frauenkreifen ftets mehr zur Geltung kommenden Momente naturwiffenfchaftlicher Bildung wohl bald fchwinden, und ift fie einmal gefallen, dann dürfte auch für die Einführung eines Präparates, wie es das befprochene ift, in die Haushaltung jede Schwierigkeit behoben fein. Neben den genannten Producten hatte Hofmeier auch fehr fchön es Lactrin und endlich trockene Blutkuchen ausgeftellt. Nebft Hofmeier hatten fich noch mehrere andere Fabrikanten von Albumin an der Ausftellung betheiligt. So waren zunächft faft alle Repräfentanten diefer Branche in Oefterreich vertreten. Unter diefen hatte Ad. Pollack in Meidling bei Wien ein nicht übel ausfehendes Eieralbumin und ein gutes Blutalbumin neben gedarrten Blutkuchen und Cafeïn ausgeftellt. Ein unter dem Namen " Präparirtes Eieralbumin" ausgeftelltes Erzeugnifs zeichnete fich durch befondere Helligkeit aus. In welchem Sinne das Epitheton„ präparirt" zu nehmen fei, war leider nicht zu eruiren. Die von derfelben Firma ausgeftellten confervirten Eidotter, fowie nicht minder das eingedampfte Eidotter, liefsen Manches zu wünſchen übrig und namentlich fprach der ziemlich üble Geruch, den das confervirte Eidotter in verrätherischer Weife verbreitete, nicht fehr zu Gunften der gewählten Confervirungsmethode. Gut waren die Mufter von Eieralbumin und Blutalbumin zu nennen, welche S. Kopperl in Prag zur Ausftellung gebracht hatte, während das von der gleich* Dafs Hofmeier auch die Fabrikation küuftlicher Gummate in ziemlich ausgedehntem Mafse betreibt, wurde bereits bei Gelegenheit der Besprechung der Stärke producte erwähnt. ** Es möchte befonders bemerkt werden, dafs das pulverifirte Eigelb Hofmeiers ohne Zufatz von Kochfalz dargestellt und nicht entfettet ift, Umftände welche die von Hofmeier gewählte Darstellungsmethode diefes Präparates namentlich beachtenswerth erfcheinen laffen, da bekanntlich Eigelb in gewöhnlicher Weife und ohne Anwendung von Kochfalz- Zufatz oder vorherige Entfettung getrocknet, eine hornartige, fehr fchwer lösliche und kaum pulverifirbare Maffe liefert. 24 Dr. Wilh. Fried. Gintl. falls in Prag etablirten Firma S. Engelmann ausgeftellte Albumin fich durch offenbar auf mangelhafte Sortirung des Fabrikates zurückzuführende Ungleichartig. keit der Farbe unvortheilhaft von den Erzeugniffen anderer Fabrikanten unterfchied. Ein ganz gutes Eieralbumin, dagegen ein minder gutes Blutalbumin hatte auch S. B. Berg in Krakau ausgeftellt, der auch eine Probe von tadellofem confervirten Eiweifs in flüffiger Form aufzuweifen hatte. Endlich möchte von öfterreichischen Ausftellern auch noch die Firma F. Zailenthal jun. in Penzing bei Wien genannt werden, welche fich an der Collectivausftellung des niederösterreichifchen Gewerbevereines( Darftellung der Abfallverwerthung, im Pavillon des Welthandels) betheiligt hatte. Diefelbe brachte drei Sorten von Blutalbumin von mittelguter Qualität, dann Eieralbumin und Lactrin, letztere beide in ganz guten Proben zur Ausftellung. Nebenbei zeigte diefelbe auch eine Verwerthung der bei der Albuminfabrikation abfallenden Eierfchalen, die darin befteht, dafs fie diefelben auf Kalk verarbeitet. Ob die Verwerthung von Eierfchalen überhaupt jemals eine praktiſche Bedeutung zu gewinnen verfpricht, läfst fich allerdings nicht vorfchnell entfcheiden, doch von einer Verwerthung derfelben auf Aetzkalk, den man fich reiner und billiger auf anderen Wegen verfchaffen kann, möchten wir glauben, dafs eine folche lediglich den Charakter einer intereffanten Spielerei behalten wird, die als ein fehr lehrreiches Exempel in ein Laboratorium, nimmermehr aber für die Praxis pafst. Neben Oefterreich, das durch die bereits gewürdigten Bemühungen Hofmeier's gewiffermafsen zum Stammlande der Albumininduftrie geworden ist, und deffen Albumininduftrie jene aller anderen Staaten überragt*, hatte zunächft noch Deutfchland eine achtenswerthe Vertretung diefes Induftriezweiges auf der Ausftellung aufzuweifen. Sie war hier durch die Fabricate von M. Häffner in Hamburg, Fritz Seydler in Königsberg und G. Sumper in München vertreten. Sämmtliche hatten Eieralbumin und Blutalbumin, die letztgenannte Firma auch trockene Blutkuchen ausgeftellt, und kann den vorgeführten Proben das Zeugnifs nicht vorenthalten werden, dafs namentlich das Eieralbumin fich durchwegs fchön und auch das Blutalbumin recht gut erwies, obwohl das letztere bei keinem der genannten Ausfteller fo hell und klar befunden wurde, wie es beiſpielsweife bei Hofmeier und Pollak fich fand. Von den drei angeführten Repräfentanten der deutſchen Albumininduftrie ift die Firma Sumper in München die ältefte( 1859 gegründet), wogegen die beiden anderen verhältnifsmässig junge Unternehmungen find( Häffner 1869 und Seydler 1870 gegründet). Seydler hat übrigens eine im Verhältniffe zu den meiften übrigen Albuminfabrikanten, namentlich Oefterreichs, ganz erhebliche Productionsgröfse aufzuweifen, die fich beifpielsweife im Jahre 1872 auf die Verarbeitung von 7500 Schock Hühnereier und das Blut von 12.500 Stück Rindvieh erftreckte. Diefem Rohmaterial- Verbrauche entſprach angeblich eine Ausbeute von 30 Centner Eieralbumin und 100 Centner Blutalbumin. Auch Dänemark hat feit Kurzem eine Albuminfabrik. Diefe ,, Albuminfabrik in Kopenhagen" brachte ein vortreffliches Eieralbumin zur Ausftellung, das dem Hofmeier'fchen Fabrikate kaum nachftand. Blutalbumin fcheint diefe Fabrik, über deren Betriebsverhältniffe nichts Verlässliches in Erfahrung gebracht werden konnte, nicht zu erzeugen. Von anderen Ländern waren Producte der Albumininduftrie nur feitens Rufslands, Italiens, dann Nord- und Südamerikas zur Ausstellung * Die Gefammtproduction an Albumin läfst fich beiläufig zu 12.000 Centner Albumin befferer Sorte, und etwa ebenfoviel der für die Zuckerraffinerien beftimmten geringeren Sorte fchätzen. In Oefterreich producirt Hofmeier allein etwa die Hälfte diefer Ziffer und neben ihm beſteht in Oefterreich als zunächft bedeutendftes Etabliffement noch eines zu Obergerfpitz bei Brünn, deffen Rohmaterialverbrauch fich auf circa 150,000 Schock Eier und etwa 2000 Centner Rinds- und Schöpfenblut beläuft. Appreturmittel und Harzproducte. 25 gelangt, während weder England noch Frankreich auf diefem Gebiete etwas aufzuweifen hatten. Rufsland war durch die Ausftellung der Blutalbumin- Fabrik von A. Panof & Comp.( A. Panof, A. Schagnin und W. Prokowjef) in St. Petersburg vertreten, die in den grofsen Schlachthäufern der Refidenz gewifs fehr ergiebige Quellen für die Beifchaffung ihres Rohmateriales hat. Diefes erft im Jahre 1869 gegründete Etabliffement, deffen Jahresproduction zu 7000 Pud Albumin und 15.000 Pud trockenen Blutes angegeben wird, producirt ein unbeftritten fehr fchönes Prima- Blutalbumin und ein ebenfo lobenswerthes Eieralbumin. Auch fein Secunda- Blutalbumin ift von fehr guter Qualität, wogegen allerdings die Tertiawaare anderen Erzeugniffen gleicher Qualität in etwas nachfteht. Die ruffifche Cattuninduftrie, die bekanntlich neueſtens einen ganz erheblichen Auffchwung nimmt, darf fich freuen, auf heimifchem Boden eine fo fchätzenswerthe Quelle für die Deckung ihres Albuminbedarfes zu befitzen. Italien, welches gegenüber von Deutſchland, Oefterreich und insbefondere Rufsland mit ungünftigeren Verhältniffen für die Fabrikation von Albumin in gröfserem Mafsftabe zu kämpfen hat, hatte auf dem Gebiete der Albumininduftrie fehr anerkennenswerthe Leiftungen aufzuweifen. Befonders bemerkenswerth waren die von der Gefellfchaft der öffentlichen Schlachthäufer zu Florenz ausgeftellten Proben von Blutalbumin, das diefe Firma in vier Nummern, o, I, II und III erzeugt. Namentlich das Albumin Nr. o war ein vorzügliches Erzeugnifs von heller Farbe und fchönem Glanze, und auch die übrigen Mufter waren recht befriedigend. Weniger gut waren die von der Firma L. Fino in Turin ausgeftellten Proben von Ei- und Blutalbumin, von welch letzterem die Tertiaqualität unter d'em Namen Ematofina ausgeftellt war. Nordamerika hatte in den von Stein Hirfch& Comp., Chicago, Illinois, ausgeftellten Proben von Blutalbumin und getrocknetem Blute zwar nicht befonders bemerkenswerthe, aber annehmbare Producte aufzuweifen, welche, obwohl man die dort eingeführte Uebung das Blut für Zwecke der Zuckerraffinerie einfach, ohne vorherige Scheidung des Blutkuchens, zu trocknen, für nicht ganz rationell zu halten geneigt fein möchte, doch befriedigen konnten, während von Südamerika ein Gleiches nicht gefagt werden kann. Die Republik Uraguay, die feit der Einführung der dort fo fchwunghaft betriebenen Fleifchextractgewinnung über Maffen von Rohmateriale für Blutalbuminfabrikation verfügen mufs, fcheint diefen Schatz noch keineswegs richtig auszunützen. Lucas Ferrara in Montevideo hatte zwar Proben von Blutalbumin in zwei Sorten ausgeftellt, aber welch ein Product! Sein Nr. II, die beffere Sorte, war ein in Farbe und Anfehen völlig ungleichartiges, nur hie und da lichtere Blättchen enthaltendes Allerlei, das eher dem Kehricht aus der Trockenftube einer Albuminfabrik als einer Handelswaare ähnlich fah, und fein Albumin Nr. I mochte jeder eher für gedarrten Blutkuchen als für Albumin halten. Möglich, dafs fich die locale Cattuninduftrie des Südens mit folchem Fabrikate begnügt, für den Export auf unfere Märkte hat aber folches Product keine Eignung, und man wird fich, will man die Nebenproducte der Fleifchextractinduftrie nicht verfchleudern, fchon etwas mehr Mühe mit der Verwerthung des Blutalbumins nehmen müffen. Will man das nicht, dann ift es klüger, jene Verwerthung zu wählen, welche uns die Ausstellung des Dr. Jo fé in Montevideo zeigte, der fich damit begnügt, das Blut zu trocknen und es als Blutguano für Dungzwecke in den Handel zu bringen. Surrogate für Albumin hatte die Ausftellung kaum aufzuweifen; ein fprechender Beweis dafür, dafs auch die neuefte Zeit noch keinen Erfatz für diefes Fixirungsmittel gefunden hat. Aufser dem, wie oben erwähnt, von den meiften Stärkeproducenten ausgeftellten Kleber, deffen Beziehungen zum Albumin die freilich bisher noch nicht realifirte Hoffnung rege erhalten, in ihm das Materiale für die Gewinnung eines geeigneten Erfatzes für Albumin zu finden, 26 Dr. Wilh. Fried. Gintl. hatte blos die als fehr ftrebfam bekannte Firma Jofef Nowak in Prag ein Albuminfubftitut zur Ausftellung gebracht. Diefes Präparat foll nach Mittheilung des Herrn Erfinders aus reinem Eiweifs, einer ätherifchen Harzlöfung und Oel beftehen und ftellt eine breiige weifse Maffe von ziemlich deutlichem Terpentinölgeruche dar. Die Manipulation mit diefem Präparate ift eine ziemlich einfache, da es lediglich durch Anrühren mit lauwarmem Waffer zur fofortigen Verwendung bereitgeftellt werden kann. Als Vorzüge diefes Präparates, das gleichwohl für Zwecke der Cattun- als auch der Wolldruckerei verwendet werden kann, werden namentlich der bedeutend billigere und kaum fchwankende Preis, bei gleicher Brauchbarkeit und gleicher Ausgiebigkeit wie Albumin, gerühmt. Die mit Anwen dung diefes Präparates gedruckten Mufter, welche wir zu fehen Gelegenheit hatten, fprechen fehr zu Gunften diefes neuen Surrogates. Es fcheint uns endlich hier am Platze, einiger Ausftellungsobjecte zu gedenken, die fich ihrer Natur nach den im Vorhergehenden befprochenen InduftrieErzeugniffen am natürlichften anfchliefsen. Es war diefs einerfeits das von Traugott Brunnfchweiler in St. Gallen ausgeftellte Leimpulver aus Cafeïn, andererfeits der Cafeïnfirnifs von M. Kittary in St. Petersburg. Die Verwendung des Cafeïns für die Herftellung von Kitten fowie zu Anftrichen ift bekanntlich nicht neu, und namentlich findet die Mifchung von Cafeïn und Kalk vielfach Anwendung als Klebemittel, zumal für die Zwecke der Tifchlerei, als fogenannter kalter Leim. Bei dem ausgeftellten Präparate nun foll, wie der Ausfteller angibt, die Anwendung des Aetzkalkes völlig vermieden und hiedurch namentlich ein gut haltbares Präparat erzielt fein. Welcher Erfatz für den Kalk in diefem neuen Leimpulver gewählt ift, und ob es nicht namentlich eines der bereits bekannten Mittel, wie Kaliumcarbonat, Borax, Magnefia o. dgl. ift, mufs vorläufig unentfchieden bleiben. Das Bindevermögen diefes neuen Leimpulvers fcheint in der That ein vorzügliches zu fein, wenigftens hielt ein angeblich mit diefem Leimpulver aus dünnen Bretchen geleimtes Käftchen, welches fich in der Ausftellung befand, den Zug eines erheblichen Gewichtes aus, ohne dafs eine Trennung der geleimten Flächen erfolgt wäre. Der von M. Kittary ausgeftellte Cafeïnfirnifs, von welchem eine Reihe von Anftrichproben vorlagen, fcheint aller Wahrfcheinlichkeit nach nichts weiter als eine alkalifche Cafeïnlöfung zu fein, wie folche feit Langem als Bindemittel für Anftrichfarben verwendet werden. Ohne Zweifel kommt auch diefem angeblich neuen Präparate keine gröfsere Beftändigkeit der damit erzielten Anftriche zu, als fie fich z. B. bezüglich der Löfungen von Cafeïn in Soda, Borax oder Ammoniak erwiefen hat. Leim und Gelatine. Es ist wohl kaum ein Induftriezweig fo alt, wie jener der Gewinnung von Leim; aber auch kein Induftriezweig hat im Laufe der Zeiten fo wenig fich geändert, als gerade diefer, fo dafs die im deutfchen Volksmunde eingebürgerte, in nicht gerade fchmeichelhaftem Sinne gebräuchliche Bezeichnung ,, Leimfieder" zur Zeit noch wohl begründet erfcheint. In den letzten Decennien ift zwar das fich aller Orten rührende Streben nach Fortfchritt auch auf die Leimfabrikation nicht ohne Einfluss geblieben, aber es gibt noch fo Manches auf diefem Gebiete, das nicht fo ift, wie es fein könnte. Freilich ift daran viel das ängftliche, fich jeglicher Neuerung verfchliefsende Wefen jener Kleininduftriellen fchuld, in deren Händen fich grofsentheils diefer Induſtriezweig noch findet, und es ift nur von der allmälig fich auch auf diefem Gebiete entwickelnden Umwandlung des fchleppenden Kleingewerbes in auf gefunde Bafis geftellte Fabriksunternehmungen ein Befferwerden zu erwarten; aber es darf auch nicht verkannt werden, dafs das Gefchäft der Leimfabrikation Appreturmittel und Harzproducte. 27 allenthalben auf nicht unerhebliche Schwierigkeiten ftöfst, die der Entfaltung eines Grofsbetriebes ganz wefentlich abträglich fein können. So ift es namentlich die Rückficht auf das öffentliche Sanitätsintereffe, die die Behörden in der Regel veranlaffen mufs, gegen Fabriksunternehmungen von in fanitärer Beziehung fo üblem Rufe, wie ihn die Leimfiederei hat, mit allerhand befchränkenden Bedingungen aufzutreten, wo nicht gar die Bewilligung zur Errichtung folcher in bewohnten Gegenden gänzlich zu verfagen, und fie in Einöden zu verweifen, wo die Arbeitskraft rar und theuer und die Verkehrsmittel meift fehr koftfpielig find. Indefs duldet es keinen Zweifel, dafs auch in diefer Richtung die Einführung gewiffer Fortfchritte manchen Vortheil im Gefolge haben würde; denn mit der Vervollkommnung der Methode geht meift auch eine Verringerung jener beläftigenden, die öffentliche Salubrität mindeſtens nicht fördernden Momente Hand in Hand, die das Gewerbe des Leimfieders nicht ganz mit Unrecht in den Verdacht der eminenter Sanitätswidrigkeit gebracht haben. Die gegenwärtig allenthalben übliche Methode der Leimgewinnung ift, abgefehen von den nach der Natur des Rohmateriales verfchiedenen Vorberei tungsarbeiten des Leimgutes, die des Siedens in gefchloffenen Gefäfsen unter erhöhtem Drucke, wie fie vor etwa 15 Jahren zuerft von Vickers in Mancheſter zur Ausführung gebracht worden ift. Das Kochen in offenen Sudkeffeln ist, wenn auch noch nicht gänzlich aufgegeben, fo doch nur mehr in ganz kleinen Betriebsftätten üblich. Zweifellos ift das Extrahiren des Leimgutes unter erhöhtem Drucke nicht blos in Hinficht auf Erhöhung der Ausbeute, fondern auch in Bezug auf Herabfetzung des Mafses der Beläftigung unbedingt dem älteren Verfahren vorzuziehen, und der Einwand, dafs bei Anwendung gefpannter Dämpfe die Qualität des refultirenden Leimes leide, hat fich als ein völlig haltlofer erwiefen. Als Rohmaterialien kommen neben den Abfällen der Gerbereien vornehmlich die Knochen in Betracht, während andere thierifche Abfälle nur eine untergeordnete Rolle spielen. Ebenfo werden Abfälle lohgaren Leders nicht fehr allgemein als Rohmateriale für Leimgewinnung verwendet. Die im Jahre 1859 für Jennings patentirte Idee der Verarbeitung von Fifchen auf Leim fcheint keine Anhänger gefunden zu haben. Die Hauptbezugsquellen für das Rohmateriale des Leimfieders find Rufsland, die Walachei und feit dem Auffchwunge, den die Fleifchextract- Induſtrie dort genommen hat, Südamerika. Rufsland fpeciell exportirt die gröfsten Mengen Knochen nach Deutfchland, Oefterreich, England und Frankreich, und betrug beifpielsweife im Jahre 1871 die Ziffer des Exportes* an rohen Knochen für England 688.488 Pud, für Deutfchland 146.597 Pud, für Frankreich 7782 Pud, wovon die gröfste Menge( 641.078 Pud) via St. Petersburg ausgeführt wurde. Diefe Zahlen find allerdings in den letzten Jahren, theils in Folge der Concurrenz der füdamerikanifchen Knochen, theils durch die Hebung der heimifchen Induftrie in etwas gefunken und im erften Quartale 1873 betrug der ruffifche Export an Rohknochen nur mehr 476 Pud, während er im gleichen Quartale 1872 noch 3348 Pud betragen hatte.** Betreffs der Verwerthung der Knochen für die Zwecke der Leimfabrikation ift bekannt, dafs gegenwärtig fehr häufig die Spodiumfabrikation neben der Leimgewinnung, die allerdings einen fehr lohnenden Theil der Knochenverwerthung bilden dürfte, hergeht. Es find demzufolge die andernfalls zuläffigen Methoden der * Rohe Thierknochen zahlen in Rufsland einen Ausgangszoll von 10 Kopeken per Pud. Das Erträgnifs diefes Zolles betrug im Jahre 1872 101.553 Rubel gegen 29.721 Rubel im Jahre 1861.( Siehe Matthäi ,, Der auswärtige Handel Rufslands" 1874.) ** Siehe übrigens Matthäi ,, Der auswärtige Handel Rufslands". Hermann Fries, Leipzig 1872 und 1874. 28 Dr. Wilh. Fried. Gintl. Vorbereitung der Rohknochen durch Maceration mit Salzfäure( deren durch Jullion und Pirie im Jahre 1859 vorgefchlagene Variation mit Anwendung des Vacuums jedoch nicht durchgegriffen hat), fowie die von Gerland( 1864) und Bobierre( 1869) vorgefchlagene Extraction der Knochen mit fchwefliger Säure, die wefentlich auch auf eine glatte Gewinnung der Phosphate hinzielten, immer feltener geworden und haben allenthalben der Maceration mit Kalkwaffer Platz gemacht, während nur für beftimmte Zwecke, zumal zur Erzielung befonderer Leimqualitäten, die Anwendung von Säuren meift neben jener von Bleichmitteln im Gebrauche fteht. Die Leimausbeuten aus Knochen find, abgefehen davon, dafs fie bekanntlich mit dem Alter der Knochen fehr fchwanken, überhaupt fehr verfchieden, und mufs da, wo die Spodiumfabrikation nebenher gehen foll, im Allgemeinen mit geringerer Leimausbeute fürlieb genommen werden, foll die erzielte Spodiumqualität nicht allzu arm an Stickftoffkohle und alfo geringwerthig* werden. Während man für die Zwecke der Gewinnung von ordinären Leimforten fich der Anwendung von Säuren entfchlagen und die directe Extraction des Leims ausführen kann, wird für die Gewinnung hellen Leims, immer aber für Gelatinefabrikation die Maceration mit Salzfäure angewendet. Als ein fehr brauchbares Verfahren für Gelatinegewinnung dürfte das von C. Simeons& Comp.( 1867) angewendete bezeichnet werden können, welches bekanntlich dahin geht, die an der Sonne gebleichten Knochen vorerft fo lange mit Salzfäure zu maceriren, bis der gröfste Theil der Phosphate gelöft ift, die rückständige Knochengallerte dann zu wafchen, hierauf mit Kalkmilch zu digeriren und nach abermaligem Wafchen zu trocknen, um die fo gewonnene Rohgelatine dann nochmals einem Bleichproceffe( Luftbleiche) zu unterziehen. Der heim Verfieden der völlig gebleichten Gallerte übliche Zufatz von Alaun, fowie die Einwirkung von fchwefeliger Säure auf die Leimfuppe, find für die Erzielung möglichft blaffer Gelatine befonders vortheilhaft. Von anderen Rohmaterialien für Leimgewinnung haben neuerdings die Abfälle lohgarer Leder, wenn auch keineswegs allgemein verwendet, mehrfach Verwendung gefunden, und find für die Entgerbung derfelben, neben der im Jahre 1856 von O. Reich angegebenen Methode der Behandlung mit Natronlauge, mehrfach neue Entgerbungsmethoden empfohlen worden. Namentlich möchte unter diefen jene erwähnt werden, welche die Entgerbung durch Digeftion mit Oxalfäurelöfung, Verfetzen des hiebei refultirenden Breies mit Kalk und Verwitternlaffen der Maffe durch Einwirkung der Luft zu erreichen fucht, wobei diefelben nach endlicher Entfernung des Kalkes mit Salzfäure ein direct verfiedbares Leimgut liefert. Betreffend die weitere Verarbeitung der gewonnenen Leimfuppen, deren Klärung, namentlich bei Anwendung von Knochen als Rohmateriale, den Leimfabrikanten noch manche Schwierigkeit bereitet,** ift die Praxis des Schneidens der Leimgallerte und Trocknens der gefchnittenen Gallerte auf Netzhorden noch immer am häufigften in Uebung. Für das Trocknen der gefchnittenen Leimgallerte haben fich offene Schupfen, wiewohl die Benützung folcher wefentlich von Witterungsverhältniffen abhängig ift, vorherrfchend erhalten, und die künftliche Trocknung der Gallerte in geheizten Trockenkammern ift meift nur bei gröfseren Unternehmungen eingeführt worden. Das Tucker'fche Verfahren der Vortrocknung des Leims ift unferes Wiffens ebenfalls nur fehr vereinzelt im Gebrauche. * Die Anficht, dafs der Gehalt an Stickftoffkohle den Wirkungswerth des Spodiums ganz wefentlich bedingen hilft, dürfte trotz der gegentheiligen Meinungen Einzelner kaum unberechtigt erfcheinen. ** Mit Vortheil wendet man mehrfach zur Erzielung klarer Leimfuppen aus Knochen den Kunftgriff an, dafs man bei der Extraction der Knochen, gleichzeitig Gerbereiabfälle mitverfiedet. Namentlich dürften Weifslederabfälle für diefe Zwecke vermöge ihres Thonerdegehaltes befonders wirkfam fein. Appreturmittel und Harzproducte. 29 Nur für rein localen Bedart pflegte man Leimgallerten als folche in den Handel zu bringen, da, wie begreiflich, nicht nur der relativ hohe Waffergehalt gewöhnlicher Gallerten die Verfrachtungsfpefen unnütz erhöht und folche Gallerten auch nicht haltbar find. In der neueften Zeit ift jedoch durch Stalling in Piefchen bei Dresden eine Leimgallerte in den Handel gebracht worden, welche den wefentlichen Vortheil einer hochgradigen Haltbarkeit mit den für den Producenten und theilweife auch für gewiffe Confumenten unverkennbaren Vortheilen diefer Form des Fabrikates verbindet. Namentlich für den Producenten bringt die Möglichkeit, Leim in der Form einer Gallerte in den Handel zu führen, den wefentlichen Vortheil mit fich, dafs er die läftige und zeitraubende Arbeit des Trocknens wenigftens für einen Theil feines Productes erfpart, und fo mit dem Gewinne an Zeit und dem Wegfalle eines gröfseren Bedarfes an Raum fein Gefchäft ertragsfähiger geftalten kann, als das andernfalls möglich ift; dem Confumenten aber wird es in der Mehrzahl der Fälle nicht nur gleichgiltig fein, ob er Hartleim oder Leimgallerte bezieht, fondern in vielen Fällen fogar willkommen fein müffen, die leicht und gleichmässig zu verflüffigende Leimgallerte verwenden zu können, zumal wenn diefelbe, wie das bei dem Stalling'fchen Erzeugniffe der Fall ift, keinen allzuerheblichen Waffergehalt hat und haltbar ift. Der Confument gewinnt aber entfchieden auch in dem Sinne, als der Gallerteleim bei dem Wegfalle des Trocknungsproceffes, der nicht felten das Bindevermögen des Leimes ganz wefentlich verringert, in feiner Qualität beffer fein kann, und als er, wie begreiflich, nicht nur die durch die Koften der Trocknung auflaufende Mehrauslage bei der Deckung feines Leimbedarfes erfpart, fondern auch, da Stalling einen beftimmten Leimgehalt garantirt, jener Unficherheit nicht ausgefetzt ift, welche der Bezug trockenen Leims, deffen Waffergehalt ein fehr fchwankender ift, mit fich bringen kann. In der That hat fich das Stalling'fche Product theilweife fchon eingebürgert und wird namentlich von Papierfabriken, Filzfabriken und mehrfach auch von Holzarbeitern gerne bezogen. Die Art des Verfahrens, das Stalling für die Herftellung feiner Leimgallerte in Anwendung gebracht hat, wird bisher noch geheim gehalten, doch fcheint aus den intereffanten Unterfuchungen H. Fleck's* hervorzugehen, dafs diefes Product durch einen Ausfalzungsprocefs aus wafferreicherer Leimgallerte gewonnen ift; wenigftens fpricht für die Richtigkeit diefer Annahme fehr die Thatfache, dafs die Stalling'fche Leimgallerte, wie Fleck nachgewiefen hat, 2.5 Percent an Ammoniumfulfat enthält, deffen Vorhandenfein in derfelben fchwer erklärlich wäre, wenn man nicht annehmen wollte, dafs die von Fleck für diefes Salz nachgewiefene befondere Eignung zum Ausfalzen des Leimes hier praktiſch verwerthet erfcheint. In Betreff der Anwendung des Leimes ift gleichfalls wenig Neues zu berichten. Neben der Verwendung für Holzarbeiten, dann für Cartonnage- und Galanterie- Arbeiten, wird Leim nach wie vor als Appreturmittel, namentlich von Tuch- und Filzfabriken verwendet. Auch die Papierinduftrie, zumal die BuntPapierfabrikation, confumiren nicht unerhebliche Mengen von Leim. Die Verwendung des Leimes zur Herftellung von Walzenmaffen hat fich ziemlich allgemein eingebürgert und hat fich die Qualität der Walzenmaffe durch die Verwendung des bereits 1866 von C. Pufcher für folche Zwecke vorgefchlagenen Glycerinzufatzes an Stelle des früher verwendeten Syrups wefentlich verbeffert. Bezüglich der feineren Leimforten ift der Confum an Leimfolien im Allgemeinen geringer geworden; dagegen hat die Verwerthung zumal der Gelatine für die Zwecke der Einhüllung von Medicamenten in der Geftalt der fogenannten Gelatinekapfeln * S. Dingl. Journal, Band 201 pag. 365. 30 Dr. Wilh. Fried. Gintl. einen nicht unerheblichen Auffchwung genommen, fowie auch die namentlich von Almén cultivirte Methode der Dispenfirung von Arzneimitteln durch Herſtellung der Gelatina medicata mehrfach Anwendung findet. Als befonders bemerkenswerth find die namentlich von Fichtner Söhne in Atzgersdorf bei Wien mit befonderem Erfolge durchgeführten Verfuche zu bezeichnen, welche dahin gehen, den Leim zur Herstellung von Horn-, Bein- und Schildpattimitation zu verwerthen. Die Herftellung von künftlichem Elfenbein aus Leim hat bekanntlich im Jahre 1844 zuerft Franchi mit Erfolg unternommen und fpäter, 1857 ift ein für diefen Zweck brauchbares Verfahren von May all befchrieben worden. Fichtner hat nun die Idee, Leim für folche Zwecke zu verwerthen, nicht nur auf die Herftellung von Schildpatt* etc. ausgedehnt, fondern namentlich den äusserft glücklichen Gedanken zur Ausführung gebracht, einen in befonderer Weife gehärteten Leim als ein dem Horn ähnliches Materiale für die Zwecke der Knopffabrikation zu benützen, und hat fo einer gewifs fehr beachtenswerthen neuen Verwendung des Leimes Bahn gebrochen. Wollen wir noch in Kürze den Standpunkt kennzeichnen, auf welchem die Verwerthung der Nebenproducte der Leiminduftrie fteht, fo kann in diefer Hinficht kein wefentlicher Fortfchritt namhaft gemacht werden. Nach wie vor werden die Rückftände der Leimfiederei, fofern fie nicht, was bei der Knochenleim Gewinnung ziemlich allgemein der Fall ift, ihren Weg in den Spodiumofen nehmen, lediglich zu Dungzwecken verwendet, und es ift auch kaum abzufehen, dafs ihnen eine wefentlich andere Verwerthung zu Theil werden möchte. Die in beftimmten Fällen refultirenden fauren Macerationswäffer werden noch gewöhnlich auf Phosphat verarbeitet, und höchftens in Bezug auf eine rationelle Ausbeutung des Knochenfettes ift infofern ein Fortfchritt zu verzeichnen, als man fich an vielen Orten Mühe gibt, dasfelbe möglichst vollftändig zu fammeln, es vielfach läutert und namentlich für die Zwecke der Seifenfiederei anftandslos und felbft für beffere Seifen verwendbar macht. Auch der im Jahre 1867 von Vohl ausgegangene Vorfchlag, die bei der Maceration der Knochen im Aefcher refultirenden Kalkfeifen auf Fettfäuren zu verarbeiten, ift nicht ungehört verhallt, und kann die Aufarbeitung derfelben, die fich fchon mehrfach eingebürgert hat, namentlich da ohne Schwierigkeit platzgreifen, wo auch fauere Macerationswäffer zur Verfügung stehen. Gehen wir nach diefer allgemeinen Charakteriſtik zur Befprechung deffen über, was die Ausstellung auf dem Gebiete der Leiminduftrie bot, fo müffen wir vor Allem conftatiren, dafs diefelbe in quantitativer Beziehung überaus reich ver treten war. Es hatten aus aller Herren Ländern die Leimfabrikanten fich meift ziemlich zahlreich betheiligt, und nicht wenige von ihnen brachten auch qualitativ fehr Lobenswerthes zur Ausftellung. Es dürfte diefe reiche Betheiligung nicht mit Unrecht dahin gedeutet werden können, dafs eine rege Concurrenz unter den Induftriellen diefer Branche fich geltend macht, und der Einzelne fich mit feinem Producte nicht auf den localen Abfatz befchränkt fehen, fondern auch auswärts Verbindungen anknüpfen will eine Erfcheinung, die Zeugnifs davon gibt, dafs fich denn auch auf diefem Induſtriegebiete ein regerer Geift geltend zu machen beginnt. Die Zahl der Ausfteller einzelner Länder war eine fo grofse, dafs wir dar auf verzichten müffen, die Leiftungen jedes derfelben in Betracht zu ziehen, und uns begnügen werden, nur bemerkenswerthe Erfcheinungen und qualitativ befonders Gutes anzuführen. - Während Nordamerika fich in diefer Branche gar nicht und der Süden nur durch eine von Brafilien eingefandte Probe von Leim, welcher fich als eine * Siehe weiter unten bei Oefterreich. Appreturmittel und Harzproducte. 31 ziemlich geringwerthige blafige Maffe von dunkler Farbe erwies, an der Ausftellang betheiligt hatte, war England durch mehrere hervorragende Firmen auf diefem Gebiete vertreten. Befonders bemerkenswerth war hier die Ausftellung von John Green in London, welcher vorzügliche Gelatine, weifs und färbig, und Gelatinefolien ausgeftellt hatte, deren Verwendbarkeit für die Zwecke der Kunftblumen Fabrikation er durch ein nettes Bouquet aus Leimfolien illuftrirte. Auch Freeman Wright, Needham Market, hatte vorzügliche Leim- und Gelatinemufter aufzuweifen, neben welchen er die zu ihrer Darftellung dienenden Rohmaterialien, als Abfälle von Peitfchen- und Handfchuhleder. Schafköpfe, dann auch Kaninchenfelle und die als Emballage für Tabak verwendeten Häute etc. zur Ausftellung brachte. Vorzügliche Gelatine hatte auch J. Bell& Comp. in London ausgeftellt Nicht unintereffant waren ferner die von Britifch Indien ausgeftellten Leim. mufter. Die dunklen, glanzlofen, fchaumigen Maffen welche den von Cownpore ausgeftellten Leim bildeten, zeigten, dafs die Leimfabrikation dort noch Manches zu wünschen übrig laffe. Gleich England hatte auch Frankreich vorzügliche Producte zur Ausftellung gefandt. So fanden fich namentlich Gelatinemufter von faft unerreichter Klarheit und Weifse bei Coignet père et fils& Comp. Paris vor, welche Firma auch nicht minder hervorragende Erzeugniffe an ordinärem Leim aufzuweifen hatte. Auch Jacquand père& fils. in Lyon hatten neben Knochenleim von vorzüglicher Klarheit eine blendend weifse Gelatine ausgeftellt, fowie auch die Proben des Knochenfettes nichts zu wünfchen übrig liefsen. Neben diefen waren noch befonders bemerkenswerth die Ausftellungen von Tancrède frères in Paris, welche einen vortrefflichen Knochenleim und ein ebenfo vorzügliches Knochenfett ausgeftellt hatten und jene von A. Michaux in Bonnières ,, welcher Leim aus den Abfällen der Knopfdreherei ausftellte, der allerdings an Klarheit den Erzeugniffen Anderer nachftand. Michaux macerirt diefe Abfälle mit Salzfäure und verfiedet den Macerationsrückftand auf Leim, während er durch Neutralifation der fauern Macerationswäffer in gewöhnlicher Weife Calciumphosphat gewinnt. Die Verwerthung von Leim zu Gelatinekapfeln für medicinifche Zwecke, war in der vollkommenften Weife durch die Au ftellung von Thevenot in Dijon vertreten. Auch J. Pujol in Caftrès hatte vorzügliche Leimmufter ausgeftellt, unter denen insbefondere die Proben von Colle de Flandre nichts zu wünſchen übrig liefsen. Die Leiminduftrie Italiens, welche gegenüber jener Frankreichs, die insbefondere in Hinficht auf Gelatinefabrikation unübertroffen ift, fich faft ausfchliesslich auf ordinäre Leimforten befchränkt, war in einer gleichfalls fehr reichlichen Anzahl von Ausftellungsobjecten vertreten. Bemerkenswerth waren namentlich die Leimproben von Fratelli Miralta in Savona, welche Colla forte in zwei Qualitäten ausgeftellt hatten. Diefe Leimforten, welche die für Italien charakteriftifche Form mondfichelförmiger Platten zeigten, waren fowohl was Klarheit, als auch Härte und Färbung anbelangt, tadellos zu nennen. Gleich gute Mufter von Colla forte fanden fich bei Giuſeppe Santo canale und Bend. Sommariva in Palermo vor, deren Letzterer felbft eine ziemlich dunkle Tertia- Qualität von überrafchender Klarheit aufzuweifen hatte. Einen fehr blaffen Rohknochen Leim fah man bei L. Fino Turin, während Giuſeppe Flavio Banfi, Serrono, einen angeblich nach einem befonderen Verfahren extrahiren dunklen, aber fehr klaren Knochenleim aufzuweifen hatte, der indeffen auffallend glanzlos war. Sein in gewöhnlicher Weife gewonnener Knochenleim liefs Manches zu wünſchen übrig, . 3 32 Dr. Wilh. Fried. Gintl. und war nicht blos faft undurchfichtig trübe, fondern auch völlig weich ein Mangel, der übrigens auch bei den Erzeugniffen mehrerer anderer Ausfteller Italiens wahrgenommen wurde. Pietro Baromini& Comp. in Bologna und Guftavo de Verolio in Livorno hatten auch ganz fchöne Mufter von Knochenleim ausgeftellt, und zwar Erfterer in der, wie fchon erwähnt, in Italien wenig gebräuchlichen Form von rechteckigen Tafeln, wie fie anderwärts üblich find. de Die Verwendung von Leim für die Zwecke der Dofirung von Arzneimitteln durch Herftellung von Gelatinetäfelchen mit beftimmtem Gehalte an Arzneiftoffen, war durch eine Collection von Gelatine medicinali, welche Pietro de Cian in Venedig ausgeftellt hatte, illuftrirt. smaller Schweden, wo die Leimproduction vielfach noch einen Gegenftand der häuslichen Nebenbefchäftigung bildet, hatte als bemerkenswerth nur die Ausstellung von A. W. Fries ftedt in Stockholm aufzuweifen. 10 Diefe Firma gewinnt Knochenleim lediglich als Nebenproduct bei der Spodiumfabrikation und der Herftellung von künfllichen Düngemitteln, für deren Erzeugung die im Jahre 1856 gegründete, mit einem jährlichen Umfatze von circa 250.000 Reichsthaler arbeitende Fabrik, eingerichtet ift. Der ausgeftellte Leim war als ein ganz gutes Erzeugnifs zu bezeichnen. 10 Dänemark hatte von Leimproducten lediglich jene aufzuweifen, welche J. Holm& Sonner in Kopenhagen zur Ausftellung brachten. Diefelben hatten namentlich fehr lichte und klare Leimproben( Lederleim) ausgeftellt, die vorwurfsfrei genannt werden konnten. on Belgien, das fich gleich den Niederlanden bekanntlich eines befonderen Rufes in Betreff feiner Leimproducte erfreut, wufste denfelben auch diefsmal glänzend zu rechtfertigen. Die von zwei Firmen ausgeftellten Leimproben können entfchieden als das Befte bezeichnet werden, was die Ausstellung in diefer Branche bot. Wir nennen in erfter Reihe die Firma G. Dewit& Comp. in Vilvorde nächft Brüffel. Diefelbe hatte Knochenleim und gemifchten Leim in ver fchiedenen Qualitäten und Formen ausgeftellt, von denen die Prima- fowie die Secunda- Sorten neben der koloffalen Gröfse der Platten, die kaum eine Krümmung wahrnehmen liefsen, befonders durch die überrafchende Klarheit, verbunden mit fehr lichter Färbung, fich auszeichneten. Wir fahen Platten von einer bis o 5 Quadratmeter betragenden Gröfse, die bei einer Dicke von etwa o 5 Centimeter und völliger Trockenheit nicht allein vollkommen eben, fondern auch fo blafs und klar waren, dafs man bequem durch diefelben lefen konnte. Hiebei find die Preife fehr mässig zu nennen, und betrugen diefelben beispielsweife im Jahre 1872 für die befte Sorte( Colles fortes furfin), je nach dem gröfseren oder kleineren Formate per Kilo I Franc 60 Centimes bis I Franc 80 Centimes; für gemifchten Tifchlerleim, Appreturleim etc.( Colles fortes Mixtes, wovon 3 Qualitäten, ruffifcher Leim, Zeichen TM- BOB, türkifcher Leim, Zeichen O und Kölner Leim, Zeichen C, geführt werden), 1 Franc 50 Centimes bis I Franc 60 Centimes, für ordinären Leim( Colles fortes ordinaires) und zwar H englifchen Leim, A deutfchen, DX deutfchen, kleines Format, 1 Franc 40 Centimes bis 1 Franc 60 per Kilo. I 807 Das Etabliffement diefer Firma, welche feit 1856 befteht, gehört zu den gröfsten diefer Art und breitet fich derzeit auf einer Fläche von 12,617 Quadratmeter aus und befchäftigt 200 Arbeiter nebft vier Dampfmaschinen. Die monat liche Production beläuft fich auf 850.000 bis 900.000 Kilo Leim, während nebenbei 8 bis 9 Millionen Kilo an Phosphaten für Düngzwecke producirt wer den. Die Leimgewinnung gefchieht durch Extraction mittelft directen Dampfes, welcher von 3 circa 50 pferdekräftigen Keffeln geliefert wird. Neben den genann ten Leimmuftern hatte Dewit auch fehr bemerkenswerthe Proben von Knochen Appreturmittel und Harzproducte. 33 ett ausgeftellt, das fich vornämlich durch befondere Weifse und fefte Confiftenz auszeichnete. Nicht minder trefflich waren die von der Firma Ch. Verbeffem in Gand ausgeftellten Leimmufter, welche dem Dewit'fchen Fabrikate kaum irgend nachftanden. Das Etabliffement diefer Firma gehört zu den älteften Belgiens( 1825 gegründet), und hat felbe Firma bereits auf mehreren Ausftellungen Auszeichnungen für ihr Fabrikat, deffen Mittelpreis derzeit zu 210 fr. per 100 Kilo gehalten wird erworben. Der einzige Repräfentant der niederländifchen Leiminduftrie war P. W. van Calker in Zeift. Die Productionsgröfse feines angeblich fchon über 100 Jahre beftehenden Etabliffements ift keine erhebliche. Die Zahl feiner Arbeiter beträgt 14. Die ausgeftellten Leimforten waren höchft befriedigend zu nennen und zeigten namentlich auch einen hohen Grad von Klarheit. Deutfchland hatte die Ausftellung mit den Producten feiner Leiminduftrie reichlich befchickt. Wir zählten an zwanzig verfchiedene Ausfteller in diefer Branche. Von denfelben wäre zunächft W. Stalling in Piefchen bei Dresden zu nennen, deffen Bemühungen um die Einführung der Leimgallerte wir bereits oben befprochen haben. Er hatte neben Muftern feiner freilich etwas dunkelfärbigen Leimgallerte auch die bei der Vorbereitung der Knochen refultirenden anderweitigen Producte ausgeftellt und möchte befonders fein Knochenfett als ein ziemlich gutes Product bezeichnet werden. Stalling gehört übrigens zu den bedeutendften Induſtriellen diefer Branche in Deutfchland. Er arbeitet mit 57 Arbeitern und 2 Dampfmafchinen à 40 Pferdekraft und verarbeitete im Jahre 1871 60.000 Centner Knochen im Werthe von 135.000 Reichsthaler. Sein Etabliffement beſteht feit 1866. Neben Stalling hatten allein noch Steinhäufer und Petri in Offenbach am Main, Leimgallerte zur Ausftellung gebracht, ein Erzeugnifs, das dem Stalling'fchen, foweit man diefs dem Ausfehen nach beurtheilen konnte, ziemlich gleichkam. Das feit 1858 beftehende Etabliffement diefer Firma, welches 14 bis 20 Arbeiter und 1 Dampfmafchine von 4 Pferdekraft befchäftigt, verarbeitete im Jahre 1871 Rohmaterialien im Werthe von 72 000 Gulden und erzielte einen Umfatz von 91.500 Gulden füdd. Währ. Die von derfelben Firma ausgeftellten Proben von ruffifchem Leim etc. waren von geringer Bedeutung. Sehr fchönen, befonders durch Klarheitund Hellfärbigkeit ausgezeichneten Kölner Leim und Mühlhaufener Tuchleim, fowie nicht minder fchönen ruffifchen Leim hatte G. Elberlein Sohn in Mühlhaufen aufzuweifen. Sein feit 1800 beftehendes Etabliffement arbeitet mit 38 Arbeitern und 1 Dampfmafchine von 18 Pferdekraft; producirt wurden 1871 3.600 Centner Leim aus 12.000 Centner Rohmateriale. Auch J. Kremfer in München hatte befonders fchönen Tafelleim aufzuweifen. Sein Kölner Leim, fo wie der fogenannte Münchner und endlich der ruffifche Leim liefsen nichts zu wünfchen übrig. Producirt wurde in der feit 1860 beftehenden Fabrik im Jahre 1871 für 62.000 Reichsthaler Leim. Sehr lobenswerth waren ferner die Fabrikate von A. Brauer in Lüneburg, Leim aus mit Säure macerirten Knochen, fehr hell und ziemlich klar, fowie jene von Corn. Heyl in Worms, A. Grofsner in Altona, G. Bodenfick in Bakum bei Melle( Hannover) und Veit Weil in Oberdorf( Württemberg), fowie A. Dade in Lübeck. Von diefen producirte Brauer in feiner feit 1856 beftehden Fabrik im Jahre 1871 1.850 Centner Leim nebft 18.400 Centner Knochendünger aus 23.000 Centner Knochen. Er befchäftigt 44 Arbeiter und I Dampfmafchine von 6 Pferdekräften. A. Grofsner, welcher Knochen und Leimleder verarbeitet, hatte im Jahre 1871 1600 Centner Production( 15 Arbeiter, 2 Dampfmafchinen von 12 Pferdekraft). G. Bodenfick verarbeitete in zwei Etabliffements im felben Jahre 44.200 Centner Rohmateriale( 44 Arbeiter, 2 Dampfmaschinen à 46 Pferdekraft) und producirte 4300 Centner Waaren, incl. des erzeugten Knochenmehls, Superphosphates etc. 3* 34 Dr. Wilh. Fried. Gintl. Corn. Heyl erzeugt lediglich Lederleim, während V. Weil Mifchleim aus 60 Percent macerirten Knochen und 40 Percent Leimleder fabricirt. Letzterer, welcher auch Gelatine und ein Modell eines Leimextracteurs zur Ausftellung brachte, verarbeitete in feinem feit 1830 beftehenden Etabliffement mit 60 Arbeitern und I Dampfmaschine( 6 Pferdekraft) im Jahre 1871 Rohmaterialien im Werthe von 112.000 Gulden füdd. Währ. Sein Lederleim liefs an Klarheit etwas zu wünſchen übrig, dagegen waren feine Gelatinen Nr. I und Nr. 2 fehr fchön zu nennen. A. Dade, deffen Knochenleim durch befondere Hellfärbigkeit und Klarheit ausgezeichnet war, arbeitet vornehmlich für den Export, während die genannten übrigen Firmen vorherrfchend für Deutſchland allein produciren Gelatine von vorzüglicher Qualität, dem franzöfifchen Fabrikate kaum nachftehend, hatten Fifcher und Schmitt in Höchft am Main ausgeftellt, eine Firma von verhältnifsmäfsig jungem Beftande( 1869), welche indefs bereits im Jahre 1871 einen Umfatz von 51.000 Reichsthaler aufzuweifen hatte. Die Hälfte ihres jedenfalls fehr bemerkenswerthen Fabrikates wird exportirt. Auch Frd. Creutz in Michelftadt hatte recht hübfche Gelatinen, von welchen indefs die weifse Waare jener von Fifcher und Schmidt entfchieden nachftand. Seine Production an Gelatine belief fich im Jahre 1871 auf einen Werth von 22.400 Reichsthaler. Die Gelatinefabrikation war überdiefs auch noch durch O. Efchborn in Bonn, der ein ganz hübfches Fabrikat ausftellte, vertreten. Gelatinekapfeln von recht gutem Ausfehen hatte die Firma L. Boltzmann in Danzig ausgeftellt, welche in ihrer erft feit drei Jahren beftehenden Fabrik bereits einen Abfatz von mehr als zwei Millionen Stück Kapfeln pro Jahr aufzuweifen hat, wovon fie die Hälfte in Deutfchland abfetzt Elaftifchen Leim für Buchdruckerwalzen hatten neben Bodenfick, der drei Sorten derfelben ausftellte, befonders R. Gyfae in Oberlöfsnitz bei Dresden und E. Neffelträger in Hanau ausgeftellt. Trotz der an amerikanifches Wefen erinnernden Reclame, die R. Gyfae für fein" the Beft" genanntes Fabrikat zu machen wufste, fchien es, als ob dasfelbe gegenüber den anderen Erzeugniffen diefer Art keine wefentliche Verfchiedenheit aufzuweifen hätte. O efterreich war hinter dem Nachbarreiche keineswegs zurückgeblieben und fah feine Leiminduftrie durch eine ganz achtenswerthe Zahl von Ausftellern vertreten. Den erften Rang unter ihnen nahm unbeftritten die Firma J. Fichtner Söhne in Atzgersdorf bei Wien ein. Als erfte Knochendüngerfabrik Oefter reichs im Jahre 1853 etablirt, befchäftigt diefelbe in ihrem grofsartigen Etabliffe. ment derzeit an 150 Arbeiter und producirt neben Knochenmehl und Spodium Leim in einer bedeutenden Ausdehnung. Als Rohmateriale werden Knochen und neben diefen das Mark der Ochfenhörner verarbeitet, welches letztere Materiale zuerft von diefer Firma als Leimgut verwerthet worden ift. Der Rohmaterialbedarf wird zum grofsen Theile in Oefterreich felbft aufgebracht und nur wenig transatlantifches Materiale bezogen. Die ausgeftellten Leimforten, von ordinärem Tifchlerleim bis zur feinften Gelatine, waren durchwegs vorzügliche Erzeugniffe, die fich fehr wohl mit den deutfchen und franzöfifchen Fabrikaten meffen konnten. Befonderes Intereffe erregten die von diefer Firma aus gehärteter Gelatine fo wie aus Leim hergeftellten Imitationen von Schildpatt, Perlmutter, Elfenbein, Bernſtein, Malachit etc., von denen lediglich jene von Perlmutter weniger gelungen waren, während alle anderen von einer io täufchenden Aehnlichkeit und Vollendung waren, dafs fie nicht beffer gedacht werden konnten. Neben diefen namentlich für Galanteriewaaren Arbeiter beftimmten Imitationen bei welchen namentlich der fehr beftändige hohe Glanz befonders rühmenswerth ift, hatte die Firma durch ihre bereits oben erwähnte neue Verwendung für Leim zur Herftellung von imitirten Hornknöpfen einen fehr Appreturmittel und Harzproducte. 35 intereffanten Fortfchritt zur Geltung gebracht, und wenn auch vorläufig diefer Artikel fich noch nicht eingebürgert hat, fo ift doch kaum zu bezweifeln, dafs er bei den Eigenfchaften, die ihm nachgerühmt werden( gleiche Härte wie Horn, Unlöslichkeit, dauerhafter Glanz und vornehmlich bedeutende Billigkeit) fich werde behaupten können. Die Firma arbeitet faft ausfchliefslich für den Bedarf der öfterreichifchen Länder, und hat den gröfsten Abfatz ihrer Fabrikate in Böhmen, Mähren, Schlefien, Galizien, Ungarn und Niederösterreich. Von anderen Ausftellern wäre zunächft noch Carl Kunath in Wien zu nennen, welcher, wenn auch an Gröfse des Betriebes der Firma Fichtner wefentlich nachftehend, doch in Bezug auf Qualität feines Fabrikates eine befondere Beachtung verdient. Seine Gelatinen entſprechen allen Anforderungen und waren, was Klarheit und Färbung betrifft, fehr gut zu nennen. Intereffant war auch feine Collection von den in verfchiedenen Ländern üblichen Handelsforten des Leimes, die meift in recht guten Exemplaren vertreten waren. Auch Ign. Grawatfch in Neu- Erlaa bei Wien hatte zum Theil recht gute Fabrikate aufzuweifen, darunter ein ,, chemifcher Knochenleim" genanntes Erzeugnifs, an dem indefs nichts befonders Vorzügliches bemerkt zu werden vermochte. Sehr gut war fein Kölner Leim und die Mufter feines Appretur- und Vergolderleims, wiewohl letztere nicht den höchften Grad von Klarheit zeigten. Auch fein ruffifcher Leim, fowie die in der Färbung etwas matten, weil nicht völlig klaren, gefärbten Leime, würden noch eine Vervollkommnung zulaffen. Recht hübfch ausgeführt war ein Bouquet aus Folien des fogenannten chemifchen Knochenleims. Mangel an Klarheit wurde auch bei den meiften Leimmuftern bemerkt, welche L. Grawatfch, gleichfalls in Neu- Erlaa, ausgeftellt hatte, und wenn deffen Fabrikat auch fonft allen billigen Anforderungen entſprach. fo ift ein folcher Mangel doch mindeſtens nicht empfehlend für dasfelbe und follte nach Kräften vermieden werden. Die praktifchen Schwierigkeiten, die fich der Erzielung klarer Leimfuppen entgegenftellen, find endlich nicht fo grofs, als fie gewöhnlich hingeftellt werden, und der gröfste Fehler, deffen fich die meiſten Fabrikanten hierin fchuldig machen, liegt in einer mangelhaften Sortirung und Vorbereitung des Rohmateriales. Von bedeutenderen Induſtriellen in der Leimbranche wäre noch zu nennen F. C. Grillo in Sukdol bei Prag. Diefe Firma, welche ein recht rationell eingerichtetes Etabliffement für Verwerthung thierifcher Abfälle befitzt, in dem fie 60 Arbeiter und einen 30 pferdekräftigen Mechanismus befchäftigt, verarbeitet jährlich an 60.000 Centner Knochen und fonftige Abfälle auf Leim, Knochenfett, Spódium, Superphosphat etc. Der ausgeftellte Knochenleim und die Proben von gemifchtem Leim ftanden den befferen Erzeugniffen anderer Firmen wenig nach, wiewohl es auch hier in Bezug auf Klärung etwas zu thun gäbe. Befonders klaren und lichten Knochenleim hatte C. Schick, Wien, aufzuweifen, und war namentlich auch deffen ruffifcher Leim ein tadellofes Fabrikat. Auch Marguelis& Comp. in Rannersdorf bei Wien brachten fehr hellen und klaren Appretur- und Vergolderleim, fowie auch die Collectivausftellung der Leimfabrikanten von Grofs- Meferitfch mehrere ganz treffliche Erzeugniffe an Tifchlerleim enthielt, welche Leimforte befonders auch die Firma Fr. Schaumberger in Wien, A. Schatzmann in Feldkirch, Fr. Schmitt in Krems und A. Michel in Rehberg bei Krems in durchwegs recht guten Qualitäten zur Ausftellung brachten. Im Allgemeinen ift die öfterreichifche Leiminduftrie nicht unwefentlich hinter dem durch den Auffchwung anderer heimifchen Induftriezweige bedingten erhöhten Bedarfe an Leimproducten zurückgeblieben, und während noch im Jahre 1867 der Einfuhr von 2.295 Centner an Leim eine Ausfuhr von 10.218 Centner gegenüberftand, wuchs feither von Jahr zu Jahr der Import, während der Export rafch fank. So betrug 36 Im Jahre Dr. Wilh. Fried. Gintl. die Ausfuhr* die Einfuhr 1868 3.997 Centner 1869. 1870 3.271 4.694 " 4-429 Centner 4.284 " " 2.492 " 1871. 1872. 7.794 10.006 27 2.176 " 99 3.086 " In den Einfuhrziffern ift freilich auch Haufenblafe mit inbegriffen, aber es iftbekannt, dafs namentlich der Import an Gelatine und feinerem Appreturleim erheblich geftiegen ift, während faft nur ordinärer Leim zur Ausfuhr kam. Unfere Induſtriellen möchten daraus entnehmen, dafs noch Manches zu thun übrig bleibt und follten namentlich die Fabrikation feinerer Leimforten nicht länger vernachläffigen. Ungarn zählte auf dem Gebiete der Leiminduftrie nur wenige Ausfteller und bot auch qualitativ nichts befonders Bemerkenswerthes. Relativ das Befte hatte Ad. Schmidt in Kronftadt aufzuweifen. Mindeſtens ftand fein Fabrikat an gewöhnlichem Leim dem anderer Länder nicht wefentlich nach. - Rufslands Leiminduftrie war nur durch zwei Ausfteller vertreten eine zu der nicht unerheblichen Entwicklung diefes Induftriezweiges in Rufsland in keinem Verhältniffe ftehende Betheiligung. Nach Matthäi's ,, Induftrie Rufslands" zählte Rufsland zu Ende der fechziger Jahre 102 Leimfiedereien mit 552 Arbeitern und einer Production im Werthe von 152.745 Rubel. Sind hiebei auch die im Innern von Rufsland, namentlich in den WolgaGouvernements Ssimbirfk, Ssaratow etc., wo es grofse Schlächtereien gibt, beſtehenden Leimfiedereien eingerechnet, wo die dort lebenden Tartaren in völlig primitiver Weife die Gewinnung von Leim, namentlich auch des in Rufsland fehr beliebten Tafelbouillons, gewiffermafsen als Hausinduftrie betreiben, fo beſteht doch kein Zweifel, dafs namentlich in der jüngsten Zeit, wo in Rufsland mehrfach grofsartige Etabliffements für die Gewinnung von Knochendünger, Spodiumfabriken etc. entstanden find, auch die Leiinduftrie eine nicht unbedeutende Ausdehnung gewonnen habe. Trotzdem producirt Rufsland keineswegs eine für den Eigenbedarf zureichende Menge an Leim und importirt noch erhebliche Maffen desfelben zunächft aus Deutfchland, Belgien, Frankreich und England( aus Frankreich namentlich Gelatine). Der Import an Leim repräfentirte im Jahre 1871 den Werth von 221.559 Rubel, ungerechnet jenen von Gelatine, der fich auf 73.510 Rubel belief. folche Liegt in diefen Belegen dafür, dafs Rufslands Bedarf an Appretur und Klebemitteln in den letzten Jahren fich erheblich gefteigert hat( 1861 wurden feine Leimforten blos für 6.209 Rubel eingeführt), ein fprechender Beweis für den Auffchwung, den Rufslands Induftrie allenthalben genommen hat, fo regen Zahlen auch den Gedanken an, dafs Rufsland feinen Reichthum an thierifchen Abfällen noch nicht in völlig rationeller Weife ausnützt, und ein Product, das es eben fo leicht felbft erzeugen könnte, vom Auslande beziehen mufs, welches feinen Bedarf an Rohmaterialien vielfach aus Rufsland holt. Indeffen ift in der neueften Zeit auch hierin Manches beffer geworden, und es fteht noch, wie wir vernehmen, die Errichtung von mehreren Induftrie- Anlagen bevor, welche der Verwerthung des Reichthums an Rohmaterialien für Leim und Kunftdüngergewinnung zu dienen beftimmt find. Der eine der Repräfentanten von Rufslands Leiminduſtrie war M. Kobyzeff in St. Petersburg. Derfelbe erzeugt neben Leim auch Spodium und * Wir verdanken diefe, fowie mehrere andere auf den öfterreichischen Handel bezüg liche officielle Daten der Freundlichkeit des Herrn Zd. Skraup, welcher die Güte hatte, uns bei der Sammlung derfelben behilflich zu fein. Appreturmittel und Harzproducte. 37 Knochendünger und befchäftigt in feiner bereits feit 1839 beftehenden Fabrik 30 Arbeiter und eine 16 pferdekräftige Dampfmafchine. Der Werth feiner Production beläuft sich auf 80 bis 100.000 Rubel pro Jahr. Er hatte lichten und dunklen Knochenleim in Form von etwa ein Centimeter dicken Platten und von ziegelförmigen Stücken zur Ausftellung gebracht. Von diefen Erzeugniffen war der lichte Knochenleim durch hohen Glanz und befondere Klarheit ausgezeichnet, während die ordinärere dunkle Sorte ziemlich trübe war. Der Preis diefer Fabrikate, die eine fehr trockene Waare darftellten, beträgt per Pud für dunklen Leim 5 Rubel 50 Kopeken; für lichten 7 Rubel 50 Kopeken( 19% Reichsthaler bis 242 Reichsthaler per 50 Kilo) ift alfo nicht unbedeutend höher als in Deutfchland und Oefterreich( im Durchschnitte 15 bis 19 Reichsthaler). Der zweite Ausfteller war B. Fominsky, Kounghour im Gouvernement Perm. Das von diefem ausgeftellte Fabrikat, Leim in Ziegelform, war durch hohe Klarheit ausgezeichnet und fchien überhaupt ein ganz vorzügliches Erzeugnifs zu fein. Von anderen europäifchen Ländern hatten noch Rumänien durch Salomon Hechter in Bukareft und endlich die Türkei Leim zur Ausstellung gebracht. Das Fabrikat von Hechter konnte immerhin noch auf den Namen eines mittelguten Tifchlerleims Anfpruch machen, während die Mufter des türkifchen Fabrikates fich als ein fehr geringwerthiges, nur unferen ordinärften Sorten zu vergleichendes Product erwiefen. Höchft intereffant waren die von den Culturvölkern des afatifchen Oftens, den Japanefen und Chinefen, ausgeftellten Proben ihrer heimifchen Leimproducte, unter welchen namentlich die Mufter des japanefifchen Fabrikates eine überraschende Vollendung zeigten. In der Ausftellung Japans fah man Mufter von weifser und rother Gelatine, die den befferen europäiſchen Erzeugniffen gleichgehalten werden konnten, und ebenfo mufsten die ausgeftellten Leimproben als tadellofe Fabrikate bezeichnet werden. Diefe letzteren hatten die Form von 2'5 bis 3 Centimeter breiten, etwa 20 Centimeter langen und I bis 2 Millimeter dicken Streifen von ziemlicher Zähigkeit bei völlig trockener Maffe. Eine andere Form war die von wefentlich fchmäleren, höchftens o 25 Centimeter breiten und faft ebenfo dicken prismatifchen Stäbchen. Als Rohmateriale für die Gewinnung diefer, fich fämmtlich durch befonders lichte Färbung und hohen Grad von Klarheit auszeichnenden Leimforten, dienen angeblich neben Abfällen von Thierhäuten Floffen von Haififchen, die bekanntlich in Japan fowie in China auch als Nahrungsmittel verwendet werden. Eine fehr reiche Collection von Leimforten hatte China aufzuweifen. Hier fanden fich zunächft fehr lichte und klare Leimforten in der Form von ähnlichen Streifen wie bei Japan. Diefe aus Amoy zur Ausftellung gebrachte Leimforte wird per Picul( 60 479 Kilogramm) im Preife von 15 Dollars gehalten. In derfelben Form war aus Tientfin eine andere, etwas dunklere Leimforte ( Chih- le) ausgeftellt im Preife von 8 Dollar per Picul; ebenfo ein Haififchleim und endlich aus Shanghae ein Ochfenleim( aus Abfällen von Häuten), der an Klarheit und Helligkeit der Farbe nichts zu wünſchen übrig liefs.. Aufser in diefer Streifenform hatten die Chinefen auch Leim in der Form von etwa 2: 5 bis 3 Centimeter breiten, ebenfo langen und etwa o 5 Centimeter dicken Täfelchen ausgeftellt, denen meift eine chinefifche Chiffre in Roth aufgedrückt oder deren Rand weifs oder roth bemalt war. Diefe Leimforten von ziemlich dunkler Farbe, oft faft fchwarz ausfehend, werden fowohl aus Rindshäuten, als auch aus Efelshäuten, fowie endlich aus Geweihen in ziemlich primitiver Weife hergeftellt und verdanken ihre dunkle Färbung angeblich abfichtlichen Zufätzen. 38 Dr. Wilh. Fried. Gintl. Solche Leimforten waren namentlich von Shanghae( Ochfenleim), Amoy ( Efelleim) und Newchwang( Geweihleim Deerhorn Gelatina) ausgeftellt. In China bilden übrigens Haut und Lederabfälle, Geweihe etc. als Leimgut einen Handelsartikel, der namentlich in Honkong und Swatow feinen Markt hat. Der Werth desfelben beträgt per Picul 160 Haikw. Tael= 2 Reichsthaler 10 Silbergrofchen. Im Jahre 1871 wurden 34 Picul abgefetzt. 2046 2 Kilo folchen Leimgutes Aufser folchen Erzeugniffen an thierifchem Leim hatte China wie auch Japan ziemliche Quantitäten des unter dem Namen„ chinefifche Gelatine" ( japan. Agar Agar) bekannten Productes pflanzlicher Abftammung( von Gelidium Amanfli, G. cartilagineum und G. Tenax) ausgeftellt, und zwar fowohl weifs, als auch farbig. Diefes Product, das fich bekanntlich von thierifcher Gelatine durch den völligen Mangel an Klebrigkeit, bei wefentlich höherem Gallerte- Bildungsvermögen( 1 Percent chin. Gelatine gibt fo viel aus wie 10 Percent befter franzöfifcher Gelatine), gröfserer Haltbarkeit etc. auszeichnet, bildet fchon jetzt einen Gegenftand des chinefifchen und japanefifchen Exportes und dürfte wegen feiner befonderen Eignung für gewiffe gewerbliche Zwecke, namentlich aber für die Zwecke der Kochkunft, der Knochengelatine nicht unerhebliche Concurrenz zu machen beftimmt fein. Unfere häufig an der Genefis der Knochengelatine Anftofs nehmenden Hausfrauen werden für diefes Product des Oftens um fo mehr Sympathien haben, als, wie die ausgeftellten Proben zeigten, man feitens der Producenten der Waare ein recht einladendes Aeufsere zu geben fich bemüht. Dafs diefe Gelatine fich mit befonderem Vortheile auch als Erfatz des Leimes für die Zwecke der Kunftblumen- Fabrikation eignet, für die fie auch bereits mehrfeitig verwendet wird, dürfte derfelben eine erhöhte Bedeutung für den europäifchen Markt erwerben. Die chinefifchen Theefiguren( The efpiele) find meift aus folcher Gelatine verfertigt. Haufenblafe. Von diefem durch die Verbreitung der billigeren und in den meiften Fällen gleich brauchbaren thierifchen Gelatine allmälig mehr und mehr an praktifcher Bedeutung abnehmenden Producte, das wohl nur noch von den Porterbrauereien Englands und den Weinproducenten des Continentes als Klärungs- und Schönungsmittel in gröfseren Maffen verbraucht, fonft aber fehr allgemein durch die franzöfifche Gelatine erfetzt wird, hatte die Ausftellung Proben aus nur wenigen Ländern aufzuweifen. Am stärksten war diefer Artikel in der Ausftellung Rufslands vertreten, welches fich feit jeher eines befonders guten Rufes als Bezugsquelle für Haufenblafe erfreut und einen erheblichen Exporthandel mit diefer Waare betreibt. Der Hauptfitz des ruffifchen Handels mit Haufenblafe ift Aftrachan, von wo aus die gröfste Menge diefes Artikels via St. Petersburg Kronftadt exportirt wird. Im Jahre 1871 betrug der Export an Haufenblafe aus Rufsland in fumma 3498 Pud, wovon via St. Petersburg- Kronftadt allein 2856 Pud ausgeführt wurden. Die Ausfuhr an Haufenblafe hat übrigens feit 1868, wo fie 3492 Pud betrug, fich nicht gehoben, war fogar im Jahre 1870 auf 2664 Pud gefunken, woran gewifs wefentlich die Concurrenz der Knochengelatine Schuld tragen dürfte. Als Confumenten ruffifcher Haufenblafe erfcheinen vornehmlich Deutſchland, England, Oefterreich, Frankreich, Belgien und endlich Norwegen und Schweden und vertheilte fich im Jahre 1871 der Export auf diefe Länder fo, dafs Deutſchland mit 2091 Pud im Werthe von 104.550 Rubel und England mit 1085 Pud im Werthe von 158.500 Rubel als die ftärksten Confumenten fich erwiefen, während Oefterreich nur für 56.000 Rubel, Frankreich für circa 40.000 Rubel, Belgien für Appreturmittel und Harzproducte. 39 20.300 Rubel und Norwegen- Schweden für 14.000 Rubel an ruffifcher Haufenblafe importirten. Italien, Spanien, Griechenland, fowie Dänemark bezogen im Jahre 1871 direct keine ruffifche Haufenblafe. Von den Ausftellern find insbefondere J. Ananoff in Salianfk und J. Makaroff, Aftrachan, endlich Carl Müller in St. Petersburg zu nennen, welcher Letztere eine fehr intereffante Collection der Handelsforten ruffifcher Haufenblafe der Firma G. A. Hauff& Co. in St. Petersburg ausgeftellt hatte. Diefelbe enthielt Proben fehr fchöner gedrehter Haufenblafe" Wefiga" von Accip. Hufo, dann einer ungebleichten Prima- Blätterhaufenblafe von Accipenfer Güldenftädtii,„ Offetrowa" und einer Prima gebleichten Blätterhaufenblafe derfelben Abftammung, fämmtlich im Preife von 180 Rubel per Pud; ferner„ blutige Offetrowa" à 160 Rubei per Pud, fowie Bellug a- Blätter( Accip. Hufo). gleichfalls zum Preife von 160 Rubel, endlich Samowoi- Haufenblafe( von Silur. Glanis) zum Preife von 80 Rubel, fowie eine künftliche, übrigens recht gut ausfehende Samowoi- Haufenblafe zum Preife von 60 Rubel per Pud. J. Ananoff und J. Makaroff hatten gleichfalls fehr hübfche Proben von Prima- Blätter- und Prima gedrehter Haufenblafe ausgeftellt. Von anderen Ländern war fogenannte Haufenblafe nur aus BritifchIndien, den franzöfifchen Colonien und der Türkei zur Ausstellung gebracht worden Indien ftellte zwei Sorten diefes Productes aus, und zwar Fish maw von Polynemus plebeijus und Fish maw von ,, Labomigus", die einander ziemlich gleichkamen und das bekannte Ausfehen der oftindifchen Haufenblafe zeigten. Aus den franzöfifchen Colonien war von St. Pierre und Miquelon die bekannte Haufenblafe von Gadus Morhua ausgeftellt, während die Türkei einige Sorten theilweife ziemlich unanfehnlicher Haufenblafe von nicht näher bezeichneter Abftammung aufzuweifen hatte. Ein der Haufenblafe angeblich im Verhalten fehr ähnlicher Fifchleim war von China( Ningpo) ausgeftellt worden. Der Preis diefer Waare war zu 12 sh. per Picul angegeben. DIE HARZPRODUCTE Die in den letzten Decennien, genährt durch den ftetig wachfenden Luxus und nicht minder den Auffchwung des Verkehrswefens, mächtig herangewachſene Harzinduftrie fcheidet fich ziemlich fcharf in die Fabrikation der Harzfirniffe, Lacke und Anftrichfarben einerfeits und die Siegel- und FlafchenlackFabrikation andererfeits, denen die meift felbftftändig betriebene Harzbleicherei, zumal die Schellackbleicherei, das Rohmateriale geeignet vorbereiten hilft. Nur diefe, gewöhnlich unabhängig von einander betriebenen, feltener in einer Hand vereinigten Zweige der Harzinduſtrie können an diefer Stelle in Betracht kommen, wogegen jene Induſtrien, welche, wie die Harzdeftillation und ihre Producte, in den Rahmen der Section 3 und 4 fallen oder wie die Fabrikation von Bernſteinund Korallenimitationen aus Harzen, ihrer Natur nach in die Gruppe X gehören, anderwärts ihre Befprechung finden. Was nun den dermaligen Stand diefer Induftriezweige gegenüber jenem, den fie zu Zeit der letzten Ausftellung in Paris zeigten, anbelangt, fo mufs gefagt werden, dafs fich fowohl auf dem Gebiete der Lack- und Firnifsfabrikation fowie auf jenem der Fabrikation von Siegel- und Flafchenlack, ein nur fehr fpärlicher Fortfchritt geltend gemacht hat, wiewohl namentlich die Lack- und Firnifsinduftrie in den letzten Jahren ohne Zweifel höchft günftige Verhältniffe in Bezug auf den Abfatz ihrer Producte aufzuweifen hatte und es an Anregung zur Einführung mannigfacher Verbefferungen wahrlich nicht gefehlt hat. Halten wir zunächft Rundfchau auf dem Gebiete der Firnifs- und Lackfabrikation, fo finden wir vielfach noch die urwüchfigften Methoden der Firniſsfiederei und nicht minder der Bereitung fetter Harzlacke in Verwendung. Die Mehrzahl der Fabrikanten kann fich nicht entfchliefsen, die in mehr als einer Hinficht zu verwerfende Methode des Leinölfiedens über freiem Feuer aufzugeben, und weifs jeglichem Vorfchlage mit der Ausrede zu begegnen, dafs anders erzeugter Firnifs diefe oder jene von den Confumenten geforderte Eigenfchaft nicht befitze und alfo nicht verkäuflich fei. Bei Lichte befehen find folche Motive unhaltbar, und es ift wohl nicht zu ftreng geurtheilt, wenn man fagt, dafs das wahre Motiv nicht in den Anforde rungen der Confumenten, fondern allein in der Bequemlichkeit der Fabrikanten liegt, die im altgewohnten Schlendrian fo lange fortfahren, als fich überhaupt noch ein Confument für ihre oft gar nicht mehr concurrenzfähigen Producte findet. Andererfeits trägt wohl auch Manches der Umftand dazu bei, dafs jede neue Methode, wenn fie auch noch fo rationell wäre, meift nicht bei dem erften oder zweiten Verfuche in der Praxis fich bewährt und dafs, zumal wo es fich um Maffenarbeit handelt, die erften Verfuche nicht felten ungenügende Refultate liefern, einfach weil diefs oder jenes überfehen oder doch nicht richtig beachtet wurde. Wer da nach einigen Verfuchen fchon mit feinem Urtheile fertig ist und die Methode unbrauchbar nennt, weil es ihm nicht fofort gelungen ift, ein tadellofes Reſultat zu erzielen, der wird nur zu leicht vor jedem Fortfchritte zurückfcheuen und folange beim Alten bleiben, bis ihm die Concurrenz die Augen öffnet; freilich oft zu einer Zeit, wo es zu fpät ift. Appreturmittel und Harzproducte. 41 Man mag nicht mit Unrecht fagen, dafs die Methoden der Firnifsbereitung auf kaltem Wege, wie fie zuerft Liebig vorgefchlagen, fo lange man bei Bleifirniffen bleibt, nicht leicht das gleiche Product liefern, wie es die Kochmethode liefert, und man mag auch zugeben, dafs die kalt bereiteten Manganfirniffe nach älteren Vorfchriften unter gleichen Verhältniffen von geringerer Brauchbarkeit find, als die auf dem alten Wege der Kochung erzeugten. Nicht fo aber fteht es mit den neueren Verfahrungsarten, und die Erfahrung hat gelehrt, dafs man bei richtiger Manipulation Manganfirniffe erhalten kann, die nicht blos eben fo gut und fchnell trocknen wie gekochte, fondern auch die gleiche Haltbarkeit des Anftriches erzielen laffen, wenn man nur allen Erforderniffen genügend Rechnung trägt. Von Seiten vieler Fabrikanten gefchieht diefs leider nicht. So ift es eine nur allzu häufig vorkommende irrige Anficht, dafs jedes beliebige Leinöl unter denfelben Verhältniffen gleich gute Producte liefere, eine Anficht, die manchen mifslungenen Verfuch verfchuldet. Da, wo es fich um das Verfieden des Leinöls unter Zufatz der üblichen Trockenmittel handelt, ift diefe Anficht infoferne gerechtfertig, als man es hiebei in der Hand hat, durch die längere oder kürzere Dauer des Kochproceffes gewiffe Verfchiedenheiten des Rohmateriales auszugleichen und bei felbft fehr verfchiedenem Rohmateriale doch noch Producte von ziemlicher Gleichartigkeit zu erhalten. Nicht fo bei der Firnifsbereitung auf kaltem Wege, wo die Verfchiedenheiten des Rohmateriales auch im Producte noch fcharf zu Tage treten, wenn man nicht von Fall zu Fall von der Schablone abweicht, die, weil fie einmal ein gutes Refultat geliefert hat, für alle Fälle paffend erachtet wird. Es kann in diefer Beziehung nicht dringend genug an den Umftand erinnert werden, dafs namentlich das Leinöl, was feinen Gehalt an fchleimigen und eiweifsartigen Pflanzenftoffen betrifft, fich fehr verfchieden verhält, je nach der Qualität der Samen, aus welchen es gewonnen wurde, und nach der Art feiner Gewinnung felbft, und es ift bekannt, dafs gerade diefe Gemengtheile einen nicht geringen Einfluss auf die Qualität des erzielten Firniffes nehmen, wenn man ihrem Vorhandenfein bei der Firnifsbereitung nicht entsprechend Rechnung trägt. Hat Wiederhold felbft für die Vorbereitung des zu Kochfirniffen beftimmten Oeles darum nicht mit Unrecht die Entfernung diefer Stoffe aus dem Leinöle anempfohlen, fo möchte, namentlich für die Herftellung von Manganfirniffen auf kaltem Wege, der Wiederhold' fche Vorfchlag ganz befonders beher zigt werden, und wenn auch nicht gefagt werden will, dafs das Wiederhold'fche Verfahren zu diefem Zwecke ein für die Praxis durchaus empfehlenswerthes fei,* fo liegt doch in feinem Vorfchlage eine Mahnung, die um fo mehr beachtet werden follte, als fie von einem Manne kommt, der auf dem Gebiete der Firnifsfabrikation zu den Beftbewanderten zählt. Aus gleichem Grunde fcheint das von Dullo( Dingl. p. Journ. CLXXXI., p. 151) empfohlene Verfahren der Firnifsbereitung mittelft Braunftein- und Salzfäure, wie fehr es auch von mancher Seite belächelt worden fein mag, immerhin einiger Beachtung werth zu fein, und die Verfuche, die hie und da mit diefem Verfahren angeftellt wurden, lehren, dafs es bei geeigneter Handhabung ganz brauchbare Refultate liefern könne. Vielleicht verdient auch das in der neueften Zeit vorgefchlagene Verfahren der Firnifsbereitung mittelft Kupferfalzen( A. Ford.- fein Patent f. Berichte d. deutfchen chem. Gefellſchaft, Berlin 1872 pag. 400) in diefer Hinficht einige Beachtung.** * Die von Wiederhold( Neue Gewerbeblätter für Kurheffen 1866, p. 765) vorgefchlagene Methode der Behandlung des Leinöls mit wäfferiger Aetzkalilöfung, Wafchen des Oeles und Raftenlaffen desfelben durch lange Zeit hat für die Praxis gewifs manches Unangenehme und dürfte unfchwer durch ein anderes der bekannten Verfahren erfetzbar fein, ohne dafs der Erfolg wefentlich gefchmälert würde. ** Vergl. übrigens auch das treffliche Werk von G. J. Mulder ,, Chemie der trocknenden Oele." Deutfch von J. Müller. Berlin 1867. Verlg. v. J. Springer. 42 Dr. Wilh. Fried. Gintl. Gehen wir zur Fabrikation gekochter Firniffe über, fo finden wir, namentlich was die Arbeit des Kochens felbft betrifft, mit Ausnahme einiger gröfserer Fabriksetabliffements, von denen namentlich die englifchen fich jeglichen Fortfchritt mit Verftändnifs zu Nutze zu machen wiffen, meift noch das Kochen in offenen Hafen und über freiem Feuer in Uebung, obwohl man meinen follte, dafs fchon der erhebliche Schwund an Oel, fowie die unvermeidliche Beläftigung die diefes Verfahren mit fich bringt, längft fchon zur Wahl rationellerer Methoden gedrängt haben könnten Als eine folche ift zweifellos die von C. W. Vincent( Chem. news. 1871, No. 596; auch Dingl. p. Journ. CCI p. 65) angewendete, feit Jahren mit beftem Erfolge ausgeführte Methode der Kochung des Leinöls mittelft Dampf in doppelwandigen Kochkeffeln zu bezeichnen, und follten namentlich gröfsere Firnifsfiedereien nicht fäumen diefelbe einzuführen. Diefes Verfahren, bei welchem durch Einblafen von Luft durch das erhitzte Gemifche des Leinöls mit dem entſprechenden Trockenmittel die Trocknungsfähigkeit auf den höchften Grad gebracht werden kann, liefert nicht nur blaffe und helle Firniffe von vorzüglicher Qualität, die frei find von den brenzlichen Producten, die in gewöhnlichen Firniffen wegen der fchwer zu vermeidenden Ueberhitzung faft nie fehlen, fondern bietet auch den entfchiedenen Vortheil der weit fichereren und ungefährlicheren Arbeit und geftattet den Schwund fowie die Beläftigung, die das Firnifsfieden ftets in hohem Grade mit fich bringt, auf das geringfte Mafs herabzufetzen. Letzterer Vortheil läfst fich allerdings auch durch Anwendung des von Feichtinger befchriebenen( Bayer.Induftrie und Gewerbeblatt 1872 p. 18) in Eng land für die Zwecke der Harzlackfiederei ziemlich allgemein üblichen gefchloffenen Kochapparates erreichen, doch ift unter allen Umftänden der Dampfkochung der Vorzug einzuräumen. Ein Moment, welchem auch weit weniger Aufmerkfamkeit zugewendet wird, als es in der That verdient, ift das der Lagerung der Firniffe. Es bleibt eine unbeftrittene Thatfache, dafs junge Firniffe eines gewiffen Lagers bedürfen, um vorwurfsfrei zu fein. Freilich ift das Erfordernifs der länger währenden Lagerung für den Kleinfabrikanten infoferne nicht gleichgiltig, als oft die Raumfrage dabei ganz wefentlich mit ins Spiel kommt, und als endlich gerade diefem es oft fchwer fallen wird, fein Capital für eine Zeit aufser Verkehr zu fetzen und Zinfenverlufte zu gewärtigen. Aber gerade hierin liegt der wunde Fleck und ein Fabrikant, der feinen Qelbedarf nicht zur Zeit der günftigen Conjunctur zu decken vermag, und dem es an Fonds gebricht, um feiner Waare Lager zu geben, der unterlaffe es, Firnifs produciren zu wollen. Darin liegt gröfstentheils auch das Geheimnifs der renommirten Firmen, zum Beifpiel Englands, und die Meinung, die man von Einzelnen vorbringen hört, als würden diefe die beften Leinölqualitäten aufkaufen und nur geringere Waaren ihrer Concurrenz überlaffen, ift eine Fabel, an die wohl Niemand ernftlich glauben kann. Selbstverständlich ift es hiebei, dafs die Qualitätsänderung, welche der Firnifs bei längerem Lager erleidet, wohl beachtet werden mufs und das Beiſpiel der grofsen Exportfirmen, welche fogar der möglichen Aenderung ihrer Firniffe während der Zeit des Transportes durch entſprechende Zufätze an ungekochtem Oele( Standöl) Rechnung tragen, dürfte ein fehr nachahmenswerthes fein. Ganz ähnlich, wie mit der Fabrikation von Leinöl- Firnifs, fteht es um jene der Erzeugung fetter Copal- und Bernfteinlacke. Kommt allerdings die Qualität des verwendeten Harzes hiebei nicht unwefentlich in Betracht, fo trägt doch auch die Methode erheblich dazu bei, von welcher Befchaffenheit das refultirende Product fällt. Seit dem Bekanntwerden der fchönen Unterfuchungen von H. Violette ( Annal. du Génie civ. Octobre 1866), ift die früher hartnäckig vertheidigte Anficht, Appreturmittel und Harzproducte. 43 als könnte ein guter Copal- oder Bernfteinfirnifs nicht anders als durch das von altersher übliche Schmoren der Harze erzeugt werden, gefallen, und die Möglichkeit ift erwiefen, dafs auf bequemere und weit rationellere Art brauchbare Harzfirniffe zu erzielen find. Bietet nun auch das Violette'fche Verfahren der Schmelzung unter Hochdruck mancherlei Schwierigkeiten die feiner allgemeineren Einführung in die Praxis vorläufig noch im Wege ftehen, fo ift doch der Weg gezeigt, der einzufchlagen ift, um auch hier zum Befferen zu gelangen. Sehr empfehlenswerth kann auch das verbefferte Verfahren der Copallackbereitung von G. Hoedfield( Mon. fcient. 1870, p. 127; auch Dingl. pol. Journal CXCVI, p. 483) genannt werden, fowie auch der fchon oben genannte, von G. Feichtinger befchriebene Apparat zur Lackfiederei unter allen Umständen den üblichen Schmelzhafen vorzuziehen ift. Dafs endlich namentlich bei Copal- und Bernftein-, fowie Damarlacken auf längeres Lagern der Waare einiges Gewicht zu legen ift, bedarf für jeden Praktiker keiner befonderen Erörterung. Haben wir im Vorftehenden ein flüchtiges Bild der in den jüngften Jahren angebahnten, wenn auch leider von der Mehrzahl der Induftriellen noch nicht zu gute gemachten Fortfchritte auf dem Gebiete der Lack- und Firnifsfabrikation entrollt, fo würde uns nur noch erübrigen, einiger anderer fortfchrittlicher Beftrebungen zu gedenken, die diefes Gebiet betreffen. Hierher gehören zunächft die Verfuche der Anwendung anderer Löfungs mittel, namentlich für Copal und Bernfteinharz, behufs der Herftellung rafch trocknender Lacke. In diefer Hinficht ift bekanntlich der fchon zu Anfang der 60er Jahre von Wiederhold gemachte Vorfchlag Aceton als Löfungsmittel für Copal zu verwenden, bisher nicht recht in die Praxis übergegangen, wiewohl der Aceton unftreitig für diefen Zweck fich befonders geeignet erweift. Es trägt offenbar der immerhin verhältnifsmäfsig hohe Handelspreis diefes Körpers oder richtiger der Umftand daran Schuld, dafs fich bisher Niemand gefunden hat, der die Kaftanien aus dem Feuer holen und den Verfuch wagen will, fich ohne genügend fichere Garantien auf eine Maffenproduction des Acetons einzurichten. Die fpäter namentlich von Violette( Compt. rend. LIII, pag. 461 auch Dingl. p. Journ CLXXXII, pag. 64) gemachten Vorfchläge zur Herftellung von ätherifchen Copallacken dürften bezüglich des Aethers ebenfowenig wie die vorgefchlagene, aber fchon aus Rückficht auf die Bedenken, die fich der Einführung folcher Löfungsmittel in die Werkstätte des Lackirers entgegenftellen, zu verwerfende Anwendung von Chloroform, Schwefelkohlenft off etc. in der Praxis Anklang finden. Lediglich für die Erzielung möglichft blaffer Vignetten- oder Emaillacke könnten folche Löfungsmittel Anwendung finden, und das Gleiche gilt wohl auch von der Vorfchrift R. Böttger's( polyt. Notizblatt, 1867, pag. 209), welcher fich der Vermittlung des Kamphers zur Herftellung eines weingeiftig- ätherifchen Copallackes bedient. Beftrebungen, Firnifs- und Lackfurrogate zu erzeugen find mehrfach zu Tage getreten. So hat F. Capitaine zu diefem Zwecke die Herftellung einer Lölung von Colophonium in Benzin und C. Pufcher die Löfung, der bereits früher von Varren trapp für Kitte empfohlenen Thonerdeoleinate in Terpentinöl vorgefchlagen. Weit bemerkenswerther und für die Praxis entfchieden wichtiger ift aber die in der jüngsten Zeit von der Firma A. Lemme& Comp. in Stolp( derzeit Berliner Harzöl- Farbenfabrik, Berlin Chaufféeftrafse 39) in die Praxis eingeführte Verwendung von Harzölen zur Firnifsfabrikation. Die Heranziehung der Harzöle zur Herftellung von Firniffen ift unbedingt eine fehr glückliche Idee und geftattet nicht allein ein relativ fehr billiges( der Centner Harzölfirnifs wird zu 10 Thaler notirt), fondern auch ein in feiner Eigenartigkeit ganz vorzügliches Erfatzmittel eigentlicher Firniffe zu befchaffen. 44 Dr. Wilh. Fried. Gintl. In ähnlicher Weine verdient auch die Verwendung des Afphalts( Theerafphalt) für die Herftellung von Firnifsfurrogaten einige Beachtung, um fo mehr, als, wie die Ausftellung gezeigt hat, man fich nich mehr auf die Herftellung von fchwarzen Eifenlacken aus Afphalt befchränkt, fondern auch Anftrichfarben anderer Art mit Zuhilfenahme von Afphalt herzuftellen fich bemüht. Die Fabrikation farbiger Lacke und Anftrichfirniffe hat überhaupt in den letzten Jahren einen Schritt vorwärts gethan und find es namentlich die Anilinfarben, deren Einführung in die Lackinduftrie wir all die prächtigen BrillantFarblacke zu verdanken haben, über welche wir derzeit verfügen. Während indefs diefer Gewinn faft ausfchliefslich fich auf die Verbefferung farbiger Spiritu slacke befchränkt hat, haben wir auch eine ganz fchätzenswerthe Neuerung auf dem Gebiete der Herftellung von farbigen Anftrichfirniffen in dem Hugoulin'fchen Verfahren( Les mondes XV, pag. 720) zu begrüfsen, das an die Stelle des zeitraubenden und koftfpieligen Anreibens der Körperfarben mit Firnifs die Anwendung von in Waffer aufgefchlemmten Farben fetzt, die einfach mit Firnifs angerührt werden, um nach der leicht erfolgenden Abfcheidung des Waffers zum Gebrauche fertig zu fein**. Ohne anderer namentlich auf dem Gebiete der Firnifsfarben- und Farblackinduftrie mehrfach zu Tage gekommener fogenannter Fortfchritte zu gedenken, an denen meift nichts als der Name, unter welchem das oft ganz erbärmliche Fabrikat angepriefen wird, neu ift und ein Fortfchritt eigentlich nur in der Art zu fuchen ift, mit welcher für folche Wunderfabrikate*** Reclame gemacht und die Leichtgläubigkeit des Publicums geködert werden foll, möchten wir noch in Kürze des Standes der Siegellack Induftrie Erwähnung thun und einen flüchtigen Blick auf die Verbefferungen werfen, welche die letzten Jahre in Bezug auf die Herftellung von Harzkitten gebracht haben. Die Fabrikation der Siegel- und Flafchenlacke hat feit Jahrzehnten kaum irgend eine nennenswerthe Neuerung oder Verbefferung erfahren und wenn man ihr überhaupt einen Fortfchritt in dem letzten Decennium zugeftehen will, fo kann man wohl kaum mehr fagen, als dafs eine den erhöhten Anfprüchen des Luxus der jüngsten Zeit Rechnung tragende Verfeinerung in der äusseren Ausftattung und mit diefer in der Herftellung frifcher und feuriger Farben und Farbenmifchungen fich geltend gemacht hat, ohne dafs indefs die Brauchbar keit des Fabrikates hiedurch wefentlich gewonnen hätte. Im Gegentheile liefse fich behaupten, dafs bei der auch auf diefem Gebiete ziemlich regen Concurrenz die Fabrikation von Siegellacken, die vornämlich aus Fichtenharz beftehen, gang und gebe geworden ift und Schellack Siegellacke ziemlich felten geworden fin. Nur in den blaffen und zartfarbigen Siegellacken befferer Qualität, für deren Fabrikation der gebleichte Schellack, in deffen Herftellung man ganz erhebliche Fortfchritte zu verzeichnen hat, faft unentbehrlich ift, findet man noch Siegellacke, die von Schellackfurrogaten frei find. Der Sparfamkeit in der Anwendung von Schellack, deffen vielverfprechendes Erfatzmittel, das Akaroidharz bekanntlich die Erwartungen, die man davon hegte, nicht erfüllt hat, ift allerdings ein nicht unerhebliches Zurückgehen der Preife des Siegellackes zu danken, wiewohl diefer Vortheil unftreitig auf Koften jener ſchätzenswerthen Eigenfchaften errungen wurde, die allein der Schellack erzielen läfst. So finden wir gegenwärtig felbft unter den feinften Siegellackforten, die durch lebhafte Farbe und angenehmes Parfüm unfere Sinne befriedigen, nur allzugewöhnlich * Siche unten bei Oefterreich. ** Laut Bericht der D. Induftriezeitung 1869, pag. 127 hat fich diefes höchft einfache Verfahren auf einer Dresdner Schiffbauftätte trefflich bewährt. *** Ohne folche Fabrikate namentlich brandmarken zu wollen, möchten wir nur erwähnen, da's beispielsweife in einem Circulare, welches der Anpreifung einer in der neueſten Zeit mit befonderer Rührigkeit in Vertrieb gebrachten Univerfalfirnifs- Farbe dienen foll, auch unter Anderem gefagt wird, dafs der Anftrich mit diefem Fabrikate felbft das Brechen von Wagenfedern zu hindern vermöge! Appreturmittel und Harzproducte. 45 Erzeugniffe, welche durch Tropfen und übermäfsiges Erweichen uns verrathen, dafs bei ihrer Herſtellung mit Schellack forgfältig gefpart worden fei. Ohne auf eine Befprechung einzelner Vorfchriften für Siegellack- Fabrikation, deren Zahl Legion ift( da faft jeder Siegellack Fabrikant eigene, womöglich forgfältig geheim gehaltene Recepte für fein unübertreffliches Fabrikat hat), eingehen zu wollen, fei uns geftattet kurz zu erwähnen, dafs faft durchwegs das Colophonium, dann das weiche Fichtenharz, der Terpentin, weiters aber als härtende Zufätze Maftix und Copal, neben Schellack, endlich als Parfüm, Benzoe, Perubalfam, Storax u. f. w. in Verwendung ftehen, wobei jedoch gegenwärtig Siegellacke, die mehr als 30 Percent Schellack enthalten, nur felten mehr angetroffen werden.* Als körpergebende und für fchellackarme Siegellacke behufs der Vermeidung des Tropfens durchaus nothwendige Zufätze, werden Magnefia, Kreide, Gyps, Kaolin, dann aber auch fchwefelfaueres Baryum( Permanentweifs) und fchwefelfaures Blei verwendet, und ift neuerlich nach einem Vorfchlage von C. Pufcher Kiefelguhr verwendet worden. Infoferne dem Fabrikanten, der fein Fabrikat nach dem Gewichte verkauft, die Frage nach dem Gewinne wie begreiflich zunächft nahe geht, wird das fpecififch fchwere Permanentweifs und der Kaolin, der leichten und fchon in geringer Menge fehr ausgiebigen Magnefia in der Regel vorgezogen, wiewohl keineswegs zum Vortheile des Productes. Schwe felfaures Blei ift als körpergebender Zufatz entfchieden zu verwerfen. Gyps, wenn nicht gebrannt, und Kreide geben beim Schmelzen des Siegellackes fchäumende Maffen und werden nur in geringer Menge oder nur für ordinäre Sorten mit Vortheil verwendet. In Bezug auf Farbe ift durchwegs die rothe Farbe die herrfchende, und es hat die fonft Alles beeinfluffende Mode die Vorliebe für rothe Siegellacke unberührt gelaffen. Andere Farben, mit Ausnahme der Trauerfarbe find wenig begehrt und meift nur in feinen Sorten zu finden. Als Farbftoffe finden Zinnober dann Englifchroth und Bolus für feine und ordinäre Rothlacke, daneben Flammrufs, Spodiummehl und Schwarzpech oder Afphalt für fchwarze Siegellacke die bei weitem überwiegende Verwendung und die Verfuche, namentlich für Roth auch organifche Farblacke heranzuziehen, haben fich bisher refultatlos erwiefen. Für Grün wird als das geeignetfte Farbmaterial Chromgrün und Zinkgrün( Rinman'fches Grün) für Blau, Smalte, Kobaltblau, feltener Berliner Blau und Ultramarin empfohlen, während für Weifs, am häufigften das Permanentweifs und Zinkweifs, für Gelb, das übrigens nicht ganz empfehlenswerthe Bleichromat, dann auch Zinkgelb fowie Ocker in Verwendung ftehen. Die eine Zeit lang fehr beliebten Flitter- Siegellacke, die bekanntlich durch Zumifchung von gefchnittenem meift unechtem Blattgold oder Blattfilber zur Schmelze hergeftellt wurden, find ebenfo, wie die mit Bronzepulver verfetzten Lacke ziemlich aufser Mode gekommen. Was Flafchenlacke anbelangt, fo haben diefe, die faft durchwegs nur aus Colophonium und Terpentin oft unter Zufatz von etwas Wachs, Parrafin oder neueftens auch Harzöl hergeftellt werden, in den letzten Jahren fich allgemein eingebürgert und werden von einzelnen Fabrikanten ziemliche Maffen davon producirt. Dagegen hat die Verwendung der Harze zur Herftellung von Kitten für Glas, Thonwaaren, Metalle, Holz u. dgl. erheblich abgenommen, und nur vereinzelt werden dergleichen, für welche es bekanntlich an Vorfchriften oft der barockften Art nicht mangelt, zumal für wafferdichte Kittungen noch gebraucht. Bei dem Umftande, als wir in den Leim, Cafein-, Guttapercha- und Kautschuk, * Die Anwendung von Carnaubawachs als Zufatz zu Siegellacken ift trotz der Vorzüge, die ein mäfsiger Zufatz davon dem Siegellacke ertheilt, von vielen Fabrikanten gar nicht gekannt. 46 Dr. Wilh. Fried. Gintl. kitten, dann in den diverfen Wafferglas- und Silikatkitten, dann den Firnifskitten, von welchen der in neuerer Zeit von Böttger( Dingler's pol. Journal CXC, p. 80) vorgefchlagene aus Leinölfirnifs, Bleiglätte, Kalkhydrat und Kiefelguhr herftellbare Kitt befonders empfehlenswerth ift, und endlich in dem zuerft von Hirzel angegebene, fpäter auch von anderen empfohlenen fo von( Pollack fiehe Dingler's pol. Journal CXCII, p. 171) Glycerin- Bleiglättekitt vorzügliche und meift weit verläfslichere Kitte haben, ift das Aufgeben der ehemals für unerfetzbar gehaltenen Harzkitte leicht begreiflich, um fo mehr als die meiſten von ihnen den Anforde rungen nicht mehr entſprechen, die man gegenwärtig an einen guten Kitt zu ftellen bemüffigt ift. Wenden wir uns nunmehr zu der Berichterstattung über das, was die Ausftellung auf dem Gebiete der Harzinduftrie aufzuweifen hatte. Es ift begreiflich, dafs eine objective Berichterftattung über die Producte diefer Induftrie ebenfo wie eine vorwurfs freie Beurtheilung derfelben durch eine felbft noch fo gewiffenhafte Jury auf unüberwindliche Schwierigkeiten ftöfst. Die Güte und Brauchbarkeit eines Firniffes, eines Lackes, einer Anftrichfarbe läfst fich weder nach dem blofsen Anfehen, noch auch nach dem Refultate einer flüchtigen Anftrichprobe beurtheilen, und wenn es wohl auch aufser Zweifel fein darf, dafs gewiffe äufsere Merkmale, wie Klarheit, in einzelnen Fällen Hellig. keit der Farbe u. dgl. bei beſtimmten Firniffen und Lacken, Gleichartigkeit der Maffe und feine Vertheilung des Farbkörpers bei den Anftrichfarben nicht vermisst werden dürfen, wenn ein fragliches Fabrikat den Anforderungen entſprechen foll, welche man an dergleichen zu ftellen berechtiget ift, fo ift doch der wahre Werth derartiger Induftrieproducte nicht zu beurtheilen, folange keine Erfahrung über das Verhalten derfelben bei der Arbeit, über die Dauerhaftigkeit, Feftigkeit des Anftriches den fie liefern u. dgl., vorliegt. Darüber könnte bei dem völligen Mangel einer untrüglichen und auf ficherer Bafis fich erhebenden anderen Beurtheilungsmethode nur die Vornahme praktifcher Proben entfcheiden, die vornehmlich vergleichender Art fein müfsten, Proben, die indefs nicht in Stunden oder Tagen abgethan fein dürften, und über welche man Wochen und Monate hingehen laffen müfste, um zu untrüglichen Refultaten zu gelangen. Woher follte man anders Anhaltspunkte nehmen, um z. B. zu beurtheilen, welcher von zwei im Preife gleichftehenden und auch äufserlich gleichartig erfcheinenden Copallacken, die gleiche Ausgiebigkeit haben und im Trockenen fich ähnlich verhalten, der beffere ift, wenn man nicht weifs, welcher von ihnen den unter gewöhnlichen Verhältniffen haltbareren Anftrich liefert; und doch ift gerade das das mafsgebendfte Moment für die Beurtheilung der relativen Qualität derartiger Producte. Es müsste darum eine Jury, welche die unparteiifche Beurtheilung folcher Induftrie- Erzeugniffe fich angelegen fein laffen will, fordern, dafs die Ausfteller bei Beginn einer längere Zeit währenden Ausftellung mit ihren Lacken, Firniffen und dergleichen in Gegenwart von Commiffären kunftgerechte Anftrichproben herftellen, welche von der Jury in Verwahrung genommen, feiner Zeit das eigentliche Object für die Beurtheilung zu bilden hätten.* * Es fcheint uns hier der Ort, einen Gedanken auszufprechen, der vielleicht Anlass zu Erwägungen geben könnte, die wir für zeitgemäfs halten. Ohne Zweifel ift fich Jeder darüber klar, dafs das moderne Prämiirungswefen der Ausftellungen ein völlig unhaltbares, um nicht zu fagen geradezu demoralifirendes ift, und keineswegs dem Zwecke entſpricht, dem es dienen foll. Soll die Arbeit einer Jury und die Vertheilung von Preifen an Ausfteller nicht eine reine Komödie fein, bei der der Juror trotz aller Mühe den meift nur fchlecht entlohnten Acteur fpielt, dann wird es unausweichlich fein, an eine zeitgemäfse Reformation des Jury- und Prämiirungswefens zu denken. Wer da weifs, wie unverlässlich meift die auf Ausftellungen eingeholten Informationen über diefe oder jene Firma eines fremden Landes find, wer all die Winkelzüge und die oft bis hart an die Grenze des Erlaubten gehenden Kniffe preisdurftiger Ausfteller kennt und Gelegenheit gehabt hat, zu erfahren, wie felbft das Inftitut der Fragebogen völlig werthlos ift, fo lange man nicht die Beftätigung ihres, leider nur zu oft ein Gewebe von Lügen der frechften Art darftellenden Inhaltes durch die hierzu competenten Ortsbehörden, Gremien u. dgl. fordert, der wird zugeftehen müffen, dafs der Werth einer nach dem üblichen Prämiirungs Appreturmittel und Harzproducte. 47 Bei dem Umftande, als folche Anhaltspunkte zur Beurtheilung der Harzproducte meift fehlten, mufs fich die Berichterstattung lediglich darauf befchränken, bei Besprechung der einzelnen Ausftellungsobjecte auffallende, fchon äufserlich kenntliche Mängel oder aber bemerkenswerthe Eigenthümlichkeiten derfelben zu nennen, ohne dafs damit, foweit diefs Lacke, Firniffe oder Lackfarben betrifft, auch endgiltig über den wahren Werth der einzelnen Fabrikate abgefprochen werden wollte. Folgen wir der Anordnung der einzelnen Länder im Ausftellungspalafte, fo finden wir zunächft Nordamerika, deffen chemifche Induftrie ja durchwegs nur fehr fpärlich vertreten war, durch einen einzigen Ausfteller repräfentirt. Es waren C. L. Hauthaway& Söhne, Bofton, welche einen Lederlack zur Ausftellung brachten, der, zunächft für das Glänzendmachen von Schuhwerk beftimmt, fich für diefen Zweck jedenfalls trefflich eignete. Einer flüchtigen Prüfung nach ſchien diefes in Geftalt von in mehreren Farben vorhandenen Flüffigkeiten erfcheinende Fabrikat eine ammoniakalifche Löfung von Schellack oder vielleicht Xantorrhoea- Harz zu fein, welches einem Zufatze von Kienrufs oder Broncelack feine Färbung verdankte. Wiewohl die Anwendung von ammoniakalifchen Schellacklöfungen für die Zwecke der Herftellung von Lacken nicht neu ift und namentlich von C. Pufcher( Fürther Gewerbezeitung 1869, pag. 18) auch für wafferdichte Anftriche empfohlen wurde, fo hat man bisher doch gerade für das Lackiren von Leder und Schuhwerk keinen allgemeinen Gebrauch von derartigen Lacken gemacht, und hat diefs vielleicht auch mit Recht unterlaffen, da fich kaum denken läfst, dafs bei fortgefetzter Ein wirkung von ammoniakalifchen Flüffigkeiten die Lederfubftanz keinen Schaden nehmen follte. Jedenfalls wird man auf diefe Möglichkeit Bedacht zu nehmen haben, ehe man fich entfchliefst, diefes Fabrikat, das übrigens durch die Bequemlichkeit feiner Anwendung und den trefflichen Effect, den es erreichen läfst, fich für den erften Moment fehr empfiehlt, an die Stelle der landesüblichen Wichfe treten zu laffen. Aus dem Süden Amerikas fanden wir von Producten der Harzinduftrie nichts Bemerkenswerthes vor. Ziemlich gut war diefe Induftrie in der Abtheilung Englands vertreten. Bei dem Umftande, als der Fortfchritt der Firnifs- und Lackfabrikation ganz wefentlich im Gefolge des Auffchwunges fteht, den das Verkehrswefen und insbefondere das Eifenbahnwefen nahm, und als es namentlich die ziemlich hochgefpannten Anforderungen, die die Wagenfabrikation an die Lackinduftrie ftellte, modus erworbenen Auszeichnung ein höchft zweifelhafter ift. Solchen Uebelftänden gegenüber fcheint es nur einen Weg zu geben, der ohne koftfpieligen Apparat geftatten würde, das Ausftellungswefen dem Zwecke, dem es dienen foll, entfprechender zu geftalten. Es wäre diefs die Einführung der Verkaufs verpflichtung in dem Sinne, dafs Jeder, der als Ausfteller auftritt, auch die Verpflichtung übernehme, nach dem Mufter feiner Ausstellungsobjecte, deren Verkaufspreife Jedermann erfichtlich fein müfsten, in gefchäftsmäfsiger Weife in Verkäufe einzu. gehen, beziehungsweife Aufträge zu übernehmen, für welche in Bezug auf Qualität und Preis das Austellungsobject die Bedeutung eines Mufters hätte. Es brauchte für die Durchführung einer folchen Mafsregel nur eine paffende Form gefunden zu werden, um mit einem Schlage all' den Unzukömmlichkeiten, wie fie fich vornämlich hinfichtlich der eigentlichen Induftrie- Erzeugniffe vielfach eingefchlichen haben, ein Ziel zu fetzen. Mindeſtens würde die ganz gewöhnliche Praxis der Notirung übermäfsig billiger Preife, der Herftellung von Scheinobjecten, die eben nur für die Ausstellung gefertigt find und Anderes mehr, wefentlich erfchwert werden und wenn man die bindend abgefchloffenen Verkäufe in verläfslicher Weife zur Evidenz bringen laffen würde, liefse fich ein wefentlich richtigeres Urtheil über die Leiftungsfähigkeit der einzelnen Ausfteller gewinnen, als diefs der Fall fein kann, wenn man fich lediglich auf das Hörenfagen ftützt. Der reelle Ausfteller vermöchte hiebei nur zu gewinnen, und es würde fo Manchem die Luft dazu benommen werden, die Ausstellung zu einem Felde des Humbugs und der unredlichen Concurrenz zu machen!- 4 48 Dr. Wilh. Fried. Gintl. A waren, welche diefe zu erhöhter Leiftung anfpornten, kann es nicht Wunder nehmen, dafs gerade England, wo nächft Belgien das Eifenbahnwefen fich am früheften und vollkommenften entwickelt hat, auch auf dem Gebiete der Lack induftrie Treffliches leiftet. wan Unter den Firmen, die fich an der Ausftellung betheiligt hatten, dürfte als die bei Weitem hervorragendfte Denton& Jutfum, Bow Common, London, zu nennen fein, welche durch die reichliche Collection von meift trefflich fcheinenden Lacken, Firniffen und Anftrichfarben imponirte. Insbefondere in Kutfchen- und Waggonlacken leiftet diefe Firma anerkannt Vorzügliches und die beredteften Zeugen für die Trefflichkeit ihrer Waggonlacke waren wohl die in der Mafchinenhalle ausgeftellten Waggons der Waggonbau Anftalt von F. Ringhoffer in Prag, welche, mit diefen Lacken adjuftirt, an Glanz und Klarheit ihres Lackes und, was das Wefentlichfte ift, an Dauerhaftigkeit desfelben faft alle anderen übertrafen. Diefe Firma erfreut fich denn auch eines befonders guten Rufes und zählt die gröfsten Waggonbau Anftalten Englands zu ihren Confumenten. Erwähnenswerth find auch die von diefer Firma ausgeftellten ,, Anticorrofivfarben", die für Anftriche von Brücken, Gebäuden, Schiffen u. f. w. beſtimmt find und befonders durch ihre billigen Preife auffallen. Die Anftrichproben mit folchen Farben waren recht befriedigend und nur einzelne derfelben zeigten nicht jenen Grad von Härte des Anftrichs, der denn doch auch für folche Verwendungsweifen wünſchenswerth fein dürfte. 81 1989 0081 possediows Von anderen Ausftellern wären zunächst noch Mander brothers, Wolverhampton, zu nennen, welche Firniffe von ziemlicher Klarheit und Glanz, fowie Firnifsfarben mit Farbftofflöfungen gefärbt ausgeftellt hatten, von welchen namentlich die blauen und rothen durch befonders feurige Farben fich hervorthaten. Auch A. Sander fon& Comp., fowie Siffon brothers& Comp., beide in Hull, hatten, und zwar die erfteren feine Firniffe und Malerfarben, die letzteren Wagenlacke und fehr klare und helle Firniffe ausgeftellt; endlich hatte T. S. Jakfon in London Weingeiftlacke und Holzpolituren zur Ausftellung gebracht, bezüglich welcher letzteren die vorgelegten Politurproben fehr befriedigend waren. Die auch am Continente fehr bekannte Fabrik von Waggon- und Kutfchenlacken, W. Harland& son in Merton nächft London, hatte fich gleich anderen hervorragenden englifchen Firmen diefer Branche an der Ausftellung nicht betheiligt und auch die Siegellack- Induftrie Englands hatte keinen Repräfentanten aufzuweifen. Englands in difche Colonien hatten von Producten der Harzinduftrie einiges Intereffante zur Ausftellung gebracht. Da fanden fich zunächft Proben des dem japanifchen ziemlich gleichkommenden fchwarzen Firniffes von Melannorhoea ufitata( Wall) von Burmah ausgeftellt, und ferner Mufter eines dort landesüblichen Siegellackes, das fich von dem bei uns gebräuchlichen durch fein eigenthümliches durchfcheinendes Wefen, das es auch nach dem Schmelzen beibehält, wefentlich unterfchied. Diefes von Madras eingefendete„ Sealing- Wax", von dem Proben in Roth, Gelb, Grün und Schwarz vorhanden waren, haftet fehr feft am Papier, ift nicht fpröde und dabei doch nicht weich und hat alle Eigenfchaften eines guten Siegellackes. Leider konnte man nichts darüber erfahren, welcherlei Harz zu feiner Darftellung dient und wie die offenbar ohne Anwendung von Körperfarben gegebenen ziemlich frifchen Färbungen erzielt werden. Recht intereffant waren auch die von M. Jardine, Skinner& Comp. und von M. Shoene, Hilburn& Comp., beide in Mirzapore( N. W. India province), ausgeftellten Mufter der verfchiedenen Handelsforten von Schellack und Lack dye* * Der Lack der Ringhoffer'fchen Waggons hatte trotz der tropifchen Hitze, der diefelben in der Mafchinenhalle ausgefetzt waren, bis zu Ende der Ausstellung keinerlei Schaden genommen und zeigte den gleichen Glanz und das felbe Feuer wie zu Beginn der Ausstellung. ** Siehe auch den Bericht von Dr. J. Wiesner über fremdländifche Pflanzenftoffe zu induftriellem Gebrauche. asdasar us Appreturmittel und Harzproducte. 49 Spanien und Portugal hatten nichts Erwähnenswerthes von Producten der Harzinduftrie zur Ausftellung gebracht; dagegen war Frankreich auf diefem Induftriegebiete glänzend vertreten. Von den ziemlich zahlreichen Ausftellern diefer Branche möchten wir zunächft G. Hadfield in Levallois- Perret bei Paris nennen, der unter den mannigfachen Muſtern von meift fehr empfehlend ausfehenden Waggon- und Kutfchenlacken einen durch feine Klarheit und feine Helligkeit auffallenden„ Surfine cryftall varniſh" ausgeftellt hatte, bezüglich deffen die vorgelegten Anftrichproben die vollfte Befriedigung erregen konnten. Auch von feinem allerdings ziemlich dunkelfarbigen „ Varnish univerfal" lagen fchöne Anftrichproben vor, doch fchienen uns im Allgemeinen die Preife etwas hoch gehalten zu fein. Einem von derfelben Firma in zwei Qualitäten ausgeftellten Siccativ:„ Ozonine pâle" und ,, Ozonine fonce" wurde, was Befchleunigung des Trocknungsproceffes anbelangt, ein befonderer Effect nachgerühmt. Weiters war hervorragend die Ausstellung von Firniffen und Wagenlacken der Firma L. E. Renard in Paris, die fich namentlich durch Proben von äusserft hellem gekochten Leinölfirnifs auszeichnete und fich hierauf jedenfalls mehr zu gute thun könnte, als auf ihren ,, infectentödtenden" und wafferdichten Firnifs, den wir wohl nur für eine auf die Kenntnifslofigkeit gewiffer Claffen des Publicums berechnete Speculation halten möchten! A. Julien& Comp. in Marſeille, dann J. Seurin in Paris, E. Lefebvre in Paris und Vaquier in Paris hatten gleichfalls( Julien's Manganfirnifs allein ausgenommen) Firniffe und Lacke von recht gutem Ausfehen, ausgeftellt. Befonders erwähnenswerth find ferner die von mehreren Fabrikanten zur Ausftellung gebrachten Brillantlacke, meift Geiftlacke mit Anilinfarben gefärbt, von welchen namentlich A. Dida in Paris und J. Shoenée frères in Paris fehr fchöne Mufter aufzuweifen hatten. Sowohl die erftere als auch die letztere Firma brachte in kunftvoll ausgeführten Proben die Anwendbarkeit diefer Brillantlacke namentlich für Zwecke der Kunftblumen- Fabrikation, der Imitation von Glasmalereien u. f. w. zur Anfchauung und insbefondere erregte ein von J. Shoenée frères ausgeftelltes Glasgemälde, das mit feinen Brillantlacken ausgeführt war, fowohl in Hinficht auf Frifche und Transparenz der Farben als auch auf Mufterhaftigkeit der Ausführung die Aufmerkfamkeit der Befchauer. Auch die Anftrich proben auf Metall*, die befonders Dida in fehr gelungener Weife vorführte, waren vollkommen befriedigend. Nebft den beiden Genannten hatte auch Gve. Chalmel, Chateaudun( Paris), unter dem Namen„ Vernis français à l'alcool" dergleichen Brillantlacke und Proben ihrer Anwendung ausgeftellt, die jenen der beiden Erftgenannten nicht wefentlich nachftanden. Den Brillantlacken folcher Art dürfte überhaupt einige Zukunft nicht abzu fprechen fein, und wenn es gelingt, diefelben dahin zu bringen, dafs fie weniger fpröde Anftriche liefern, wofür namentlich die fchwer flüchtigen Antheile des Harzöles ins Auge zu faffen wären, fo dürfte ihrer Anwendung zur Herftellung bunter Metallfolien nichts im Wege ftehen. Wünfchenswerth wäre jedoch dabei, dafs dem Mangel, an dem die meiften derfelben noch leiden, der geringen Lichtbeftändigkeit ihrer Farben durch Wahl möglichft lichtechter Farbftoffe fo gut als möglich abgeholfen würde. shtat Die von mehreren anderen Fabrikanten ausgeftellten diverfen Mufter von Firniffen, Lacken und angeriebenen Farben boten nichts Bemerkenswerthes; ebenfo wie wir auch über ein von Ch. Dubois, Marſeille, ausgeftelltes, peinture hydraulique" genanntes Anftrichmateriale für Schiffs keffel nichts berichten kön nen, da über die möglichen Vorzüge diefes Fabrikates gar nichts zu eruiren war. sib nadal * Ohne Zweifel fcheint für diefe Art der Anwendung bereits von dem bekanntlich in neuefter Zeit empfohlenen Zufatze von Borfäure Gebrauch gemacht worden zu fein, deren Gegen wart thatfächlich das Haften des Lackanftriches auf Metall wefentlich begünftiget. 4* 50 Dr. Wilh. Fried. Gintl In Bezug auf Siegellacke hatte Frankreich, wiewohl in diefer Branche nur durch zwei Ausfteller vertreten, Vortreffliches aufzuweifen und trug hierin fo recht den dem Franzofen eigenthümlichen Hang zum ausgewählteften Luxus zur Schau. Namentlich können die von L. Antoine et fils, Paris, ausgeftellten Siegellacke, die in allen Farben- Nuancen und zumal in zahlreichen Schattirungen jeder einzelnen Farbe vertreten waren, als das Vollendetfte bezeichnet werden, was in diefem Fache geleiftet werden kann. Ihnen kaum nachstehend waren die von Gr. Toiray- Maurin aus Paris ausgeftellten Mufter von Siegellacken in allen Farben und waren es hier namentlich die Schattirungen in Roth, die als trefflich bezeichnet werden konnten. Bezüglich der, in Hinficht auf das zu ihrer Darftellung verwendete Rohmateriale, als Harzproduct anzufehenden Imitationen von Bernftein und Corallen aus Copalmifchungen, welche J. Belladina& Comp., Paris, ausgeftellt hatten, mufs auf den Bericht über Section I der Gruppe X verwiefen werden. Von franzöfifchen Colonien hatte nur Franzöfifch- Indien Mufter von Schellack und Lack dye aufzuweifen*; eigentliche Producte der Harzinduftrie fehlten hier völlig. Die Schweiz war auf dem Gebiete der Harzinduftrie nur durch einen Ausfteller von Firniffen und Lacken vertreten. Es waren C. Landolt& Comp. aus Aarau, welche neben Kutfchenlacken, Polirlack etc. auch ein„ Terebine" genanntes neues Trockenmittel zur Ausftellung brachten, dem als Vorzug vor anderen Siccativs befonders die Eigenfchaft nachgerühmt wurde, dem Anftrich einen befonderen Glanz und vorzügliche Härte verleihen zu können, eine Eigenfchaft, die, wenn fie diefem Trockenmittel wirklich zukommt, thatfächlich fehr fchätzenswerth wäre. Die von diefer Firma ausgeftellten, als befondere Specialität bezeichneten feinen englifchen Firniffe kränkelten an dem Mangel völliger Klarheit, hatten indefs im Uebrigen recht gute Confiftenz, und können, wenn ihnen Zeit zum Lagern gewährt wird, immerhin ganz vorwurfsfreie Producte fein. Italien hatte von Producten der Firnifs- und Lackfabrikation als bemerkenswerth nur die von Alman Felice aus Turin ausgeftellten Lacke und Lackfarben für Terracottawaaren aufzuweifen, deren letztere fich durch befonderes Feuer der Färbung, und, wie die ausgeftellten Anftrichproben auf Kacheln zeigten, auch durch gutes Haften auszeichneten. Die von L. Niccolini aus Florenz zur Ausftellung gebrachten Firniffe boten nichts Bemerkenswerthes. Auch die durch zwei Ausfteller vertretene Fabrikation von Siegellacken liefs noch Manches zu wünſchen übrig, wenigftens waren die von Giac. Buf fano aus Turin ausgeftellten Siegellackproben weder in Hinficht auf Farbe noch Glanz den Anforderungen, die man andern Orts an dergleichen Fabrikate ftellt, entſprechend, und auch die von Crifpino Otavianelli e figl. aus Rom vorgelegten Mufter feines Fabrikates waren, wiewohl wefentlich beffer als die des Vorgenannten, doch noch nicht von der Art, dafs man fie mit einem befferen Fabrikate deutfcher oder gar franzöfifcher Fabriken in eine Parallele hätte ftellen können. Schweden, deffen Lack- und Firnifsinduftrie wie jene Norwegens noch ziemlich jung ift, lieferte nichtsdeftoweniger in der Ausftellung der Firma W. Becker, Stockholm, den Beweis, dafs diefe hinter jener anderer Länder nicht zurückzubleiben beftrebt fei. Namentlich war ein von diefer Firma ausgeftellter ,, Kryftalllack" als ein, dem Anfehen nach, allen billigen Anforderungen entfprechend fcheinendes Präparat zu bezeichnen und auch die Firniffe und Firnifsfarben diefer Firma machten den Eindruck guter Fabrikate. * S. den Bericht über Section 1 der Gruppe II. Appreturmittel und Harzproducte. Norwegen war in diefer Branche nicht vertreten. 51 Dagegen hatte Dänemark in der Ausftellung der Firma F. J. Nielfen & Comp., Kopenhagen vorzügliche, namentlich durch Helligkeit und Klarheit imponirende Lacke, darunter befonders fchöne Copallacke und nicht minder bemerkenswerthe Damar- und Maftixlacke aufzuweifen, und wir müffen geftehen, dafs uns diefe, ihrer äufseren Erfcheinung nach, viel mehr befriedigten, als diefs die Fabrikate zu thun vermochten, durch welche die gleiche Induftrie Belgiens vertreten war. Allerdings war diefe, unferes Wiffens auf keiner niedrigen Stufe ftehende Induftrie Belgiens lediglich durch zwei Ausfteller repräfentirt, deren einer, J. H. Vanday, Nouri( Brüffel), unter anderen ziemlich gewöhnlichen Erzeugniffen an Lacken und Firniffen, befonders auch ein ,, vernis faible" und ein ,, vernis extra fort" genanntes Präparat ausgeftellt hatte, die jedoch ihrem Ausfehen nach lediglich in die Kategorie mittelguter Firniffe rangirten, während der zweite Ausfteller, Guft. Levis aus Brüffel, der fo befcheiden war, im Ausftellungskataloge Belgiens von feinen Fabrikaten zu fagen: ,, ces produits font exposés pour leur excellence, jointe à leur bon marché" durch feine Ausftellungsobjecte uns keineswegs von der Berechtigung diefer feiner Ausfage zu überzeugen vermochte, vielmehr Firniffe, Firnifslacke und Siccative zur Ausftellung gebracht hatte, deren erftere namentlich an Klarheit viel mehr zu wünſchen übrig liefsen, als durch die allerdings ziemlich mäfsigen Preife diefer Fabrikate fich rechtfertigen liefs. - Die Niederlande hatten in dem einzigen Ausfteller, den fie auf diefem Induftriegebiete aufzuweifen hatten, W. H. de Witt Sohn aus Gröningen, einen trefflichen Vertreter diefer Branche. Die von diefer alt bekannten( 1795 gegründeten) Firma ausgeftellten Firniffe waren ausnahmslos vorwurfsfrei und zeichneten fich in erfter Reihe durch die vollkommene Klarheit aus, die fie mit befonders blaffer Färbung verbanden. Siegellackfabrikate waren von den genannten Ländern keine zur Ausftellung gebracht worden. Deutfchland, das auf allen Gebieten der chemifchen Induftrie, ,, im weiteren Sinne des Wortes", einen hervorragenden Rang einnahm, zeigte auch feine Harzinduftrie in einem glänzenden Lichte, und wenn man auch heute noch Anftand nehmen darf, zu fagen, fie übertreffe die englifche und franzöfifche Concurrenz, fo wird man doch ohne Schmeichelei zugeftehen müffen, dafs fie ener nicht allein faft ebenbürtig, fondern am beften Wege fei, jene zu überholen. Von den zur Ausftellung gebrachten Producten der Firnifs-, Lack- und Lackfarben- Induftrie intereffirten befonders die von der Berliner Harz ölfarbenFabrik der Herren Dr. E. Jakobfen und H. L. O. Fritze ausgeftellten Anftrichproben mit Harzölfarben. Diefe durch ihre namhafte Billigkeit( 8 bis 13 Thaler per Centner) ausgezeichneten Anftrichfarben find zweifellos eine Novität auf dem Gebiete der Firnifsfarben- Induftrie, die, wie uns fcheint, alle Ausficht auf einen durchgreifenden Erfolg hat. Die Anwendung von Harzöl für die Zwecke der Firnifsfabrikation bringt, wenn, wie angenommen werden darf*, die höher fiedenden Fractionen des Harzdeftillates benutzt werden, ganz entfchiedene Vor* Das Verfahren der Darstellung des Harzölfirniffes ift dem Verfaffer bisher nicht bekannt; doch möchte er bemerken, dafs nach dem Ergebniffe feiner vor mehreren Jahren begonnenen Arbeiten über Harzöl, deren Refultate demnächft der Oeffentlichkeit übergeben werden follen, das Harzöl mit Leichtigkeit die verfchiedenften Harze zu löfen vermag, und mit mehreren derfelben beim Zufammenfchmelzen Gemifche von eigenthümlicher Zähigkeit liefert, die in geeigneten Löfungsmitteln gelöft Flüffigkeiten liefern, welche fich den gewöhnlichen Firniffen ziemlich ähnlich verhalten. 52 Dr. Wilh. Fried. Gintl. theile für die Befchaffenheit des Firnifsanftriches mit fich, deren einer gewifs auch der ift, dafs ihre Gegenwart dem Anftriche bei völliger Trockenheit und zureichender Härte einen gewiffen Grad von Zähigkeit verleiht, der nicht allein die Gefahr des Riffigwerdens wefentlich verringert, fondern auch die Anwend. barkeit derfelben für fo manche Zwecke ermöglicht, für welche man gewöhnliche Firniffe richt wohl verwenden kann. Allerdings haben die Anftriche mit folchen Farben keinen hohen Glanz, vielmehr ein mehr mattes Ausfehen, das indefs für viele Fälle nur angenehm fein kann, und umfoweniger einen Mangel bedeutet, als fich die Harzölfarben fowohl mit Leinölfirnifs als auch mit Firnifslacken fehr gut mifchen laffen. Eine befondere Verwendbarkeit haben diefe Harzölfarben für die Herftellung von Anftrichen auf Holz, Dachpappe, Eifen, Zink, dann aber auch auf rohem oder verputztem Mauerwerk, alfo namentlich für den immer moderner werdenden Häuferanftrich, welcher mit folchen Harzölfarben, deren Verbrauch per Quadratmeter höchftens Ein Pfund betragen foll, jedenfalls fehr billig herftellbar ift. Die Fabrik liefert die Harzölfarben bereits fertig angerieben in allen Grundfarben und den häufiger vorkommenden Farbenmifchungen, die, wie die Anftrichproben zeigten, eine fehr gleichmässige Maffe und felbft in den lich teren Nuancen eine fehr reine Färbung haben; aufserdem liefert fie auch reinen Harzölfirnifs, zum Preife von 10 Thalern per Centner, zum Zwecke der namentlich für Grundirungen empfehlenswerthen Verdünnung der Farbe, endlich auch einen befonderen Glanzlack zum Preife von 25 Thalern per Centner. Von fonftigen Ausftellern möchten wir noch befonders hervorheben J. C. Schultz e, Berlin, welcher neben einem mufterhaft hellen und dabei doch gut confiftenten Leinölfirnifs, Lacke und Lackfirniffe fpeciell für Eifenbahnbedarf ausgeftellt hatte, deren Probeanftriche fehr befriedigend waren; dann in der gleichen Branche die Firma Däcke& Comp., Heidelberg, welche fehr fchönen Copallack und ebenfo befriedigende Leinölfirniffe neben Proben eines chemifch gebleichten Leinöls ausgeftellt hatte. Auch Knauth& Weidinger, Dresden, deren Oellack und Afphaltlack, wie nicht minder die farbigen Geift. lacke als recht gut zu bezeichnen waren und deren Kartenlack uns zufolge der Befchaffenheit eines vorgelegten Probe- Anftriches befonders beachtenswerth erfchien, verdienten alle Anerkennung. Eine fehr bemerkenswerthe Ausftellung war ferner jene von Pfannfchmidt& Krüger in Danzig, welche als Forceartikel treffliche Bernfteinlacke, unter gleichzeitiger Verwerthung der bei der Bernfteinfchmelzerei refultirenden Nebenproducte an Bernfteinfäure und Bernfteinöl etc. erzeugen. Namentlich war ein von diefer Firma ausgeftellter Waggonlack der hohen Klarheit und Helligkeit wegen bemerkenswerth. Auch J. Kröning, Leipzig, hatte mehrere fehr befriedigende Proben feiner Lackund Firnifsfabrikate, darunter namentlich fchöne Politur- und Geiftlacke, dann auch Brillantlacke ausgeftellt, während C. Th. Merz in München einen, wenig. ftens dem Anfehen nach, tadellofen Goldgrundlack( Mixtion) aufzuweifen hatte. Sonft hatten namentlich noch Sturmfels& Pape, Friedberg bei Frankfurt am Main, prächtige Spirituslacke, darunter eine nach der Befchaffenheit der Anftrichproben vorzüglich zu nennende Copal Möbelpolitur, dann J. P. Göffer in Iferlohn gleichfalls in Spirituslacken fehr befriedigende Leiftungen ausgeftellt. 195 Einer befonderen Würdigung werth erfchien übrigens auch die Ausstellung der Firma R. Gyfa e in Oberlöfsnitz bei Dresden, welche durch die reiche Collection ihrer Fabrikate an Buch- und Steindruckfarben von meift vorzüglicher Qualität, diefe ihre Specialität in das befte Licht zu ftellen wufste. Von Siegel- und Flafchenlackfabrikaten hatte Deutfchland ziemlich viel zur Ausftellung gebracht, zumeift Erzeugniffe, die, wenn auch der vollendeten Schönheit der franzöfifchen Producte nicht ganz gleichkommend, fo doch allen Anfpruch auf Anerkennung hatten. Befonders wären hier zu nennen die Fabridsif Appreturmittel und Harzproducte. 53 kate der Firma E. Held fel. Erben, Nürnberg, welche fich zumeift durch prachtvolles Feuer ihrer Farben, hohen Glanz und Güte der Maffe hervorthaten.d Diefe Firma, eine der älteften Deutſchlands( 1778 gegründet), hatte übrigens auch eine Novität in Geftalt eines Dochtfiegellacks ausgeftellt, das wegen des die Stängelchen ihrer ganzen Länge nach durchfetzenden Dochtes für den Gebrauch mancherlei Vortheile bieten dürfte, d now Gleichfalls neu war das von H. van der Moolen, Geldern in Rheinpreufsen, ausgeftellte Frictionsfiegellack, eine an Holzftäbchen befeftigte, zum Siegeln einiger Briefe hinreichende Maffe von Siegellack, die an ihrer Spitze mit einer Zündmaffe armirt war, eine Idee, die an fich gut, doch in dem Zeitalter der Zündkerzchen füglich nicht viel Ausficht auf einen durchgreifenden Erfolg hat.bd oid dail- 29 Buber nov A solow us on Von Siegellacken gewöhnlicher Art hatte auch J. Bergeré, Vallendar ( Rheinprovinz), ganz fchöne Fabrikate aufzuweifen, während W. Kremer, dann C. Jakobs in Mainz, endlich W. Rothe in Lübeck namentlich fchöne Mufter von Flafchenlacken zur Ausftellung gebracht hatten. illoy doin aft Endlich möchte noch der Ausftellung gebleichten und gefärbten Schellacks von C. Mellinger in Mainz gedacht werden, die durch die Vorzüglichkeit der einzelnen Proben nicht allein das Auge der fchauluftigen Menge befriedigte, fondern auch unbeftritten jedem Kenner imponirte. ad vitales Idows w don A Mamaia bidat od ugg bildeman gausiladre/ Oefterreich, deffen Harzinduftrie, namentlich in Bezug auf Fabrikation von Lacken, Firniffen und Anftrichfarben in den letzten Jahren einen erheblichen Auffchwung genommen hat, war durch zahlreiche Ausfteller in diefer Branche vertreten. diam dan man sed odia vistusid Den erften Rang unter diefen nehmen unbeftritten die beiden Wiener Firmen Andés& Froebe in Simmering bei Wien und L. Gromann in St. Veit bei Wien ein, die fowohl in Hinficht auf die Betriebsgröfse ihrer zum Theile mufterhaft eingerichteten Etabliffements als auch in Betreff der Qualität ihrer Fabrikate einander faft völlig gleichkommen, adolesed soubor sing song zis all Die ältere diefer Firmen, L. Gromann( 1842 gegründet), producirt jährlich circa 5000 Centner diverfer Lack- und Firnifsfabrikate. Ihre Erzeugniffe find ganz vorzüglich zu nennen und namentlich brauchten die ausgeftellten Copallacke, fowie die Damar- und Bernfteinlacke den Vergleich mit den Erzeugniffen der Concurrenz nicht zu fcheuen. Vortrefflich klar und befonders hell war eine Probe von Leinölfirnifs Nr. I, und ebenfo fchien uns die fuperfeine Copalpolitur allen billigen Anforderungen entsprechend zu fein. diablos sib miodol bas ods Die jüngere erft feit 1860 beftehende Firma Andés& Froebe, deren jährliche Production gleichfalls 5-6000 Centner beträgt, hatte ganz prächtige Proben bleifreien Leinölfirniffes, fowie eine namentlich bemerkenswerthe Probe von faft farblofem, gebleichtem Leinölfirnifs aufzuweifen, und lieferte mit diefen muftergiltigen Erzeugniffen den fprechendften Beweis für die Vortheile des Dampffied everfahrens, deffen fie fich zur Herftellung ihrer Firniffe bedient.dl Auch die Mufter. der verfchiedenen Lacke waren faft durchwegs untadelhaft und nur zwei Proben von Damarlacken, fowie eine Probe von Monogrammlack liefsen an Klarheit etwas zu wünſchen übrig. Sehr befriedigend waren auch die Mufter von gebleichtem Schellack, wiewohl fie jenen Mellinger's in Mainz nicht völlig gleichkamen. Diefelbe Firma, die auch Proben eines fehr gut empfohlenen Maftix- Metallkittes aufzuweifen hatte, ftellte auch intereffante Farbenreibmaschinen( Gruppe XIII, Section 1) und eine fehr inftructive Darftellung der Harzung von Schwarzföhren aus.* dodam ni dous 19de modisteil oli Von andern Ausftellern ift zunächft noch Otto Borkowsky in Bodenbach, auch Befitzer einer Lackfirnifsfabrik in Dresden, zu nennen, welcher Woy asta aliiboud ban asdsbombal * k * Siehe Dr. H. Schwarz, Ausstellungsbericht über Gruppe III, Section 3 und 4. bitt 54 Dr. Wilh. Fried. Gintl. gleichfalls durchgehends fehr befriedigende Lackproben, darunter namentlich bemerkenswerthe Mufter fehr fchöner Brillantlacke ausgeftellt hatte. Befonders rühmenswerth waren die Mufter von gebleichtem Schellack, welche diefer Ausfteller aufzuweifen hatte, Fabrikate, welche jenen Mellinger's vollkommen gleichkamen. L. Pofelt in Wien, der gleichfalls gebleichten Schellack zur Ausftellung brachte, könnte fich diefes Erzeugnifs füglich zum Mufter nehmen. C. Britfch& Comp. in Wien hatten recht befriedigende Mufter von Kutfchenlacken, darunter namentlich helle und klare Copal- und Damarlacke und einen tadellofen Leinölfirnifs ausgeftellt. Auch die Lackproben von A. Keil in Wien erfchienen meift recht befriedigend, doch war aus den aparten Krämernamen, mit welchen diefer Induftrielle feine Fabrikate zu bezeichnen beliebt, nicht zu entnehmen, um welche Art von Producten es fich hier handle. Weniger vorwurfsfrei waren die Proben eines auf kaltem Wege erzeugten Firniffes, welchen St. Mayer in Ebelsberg bei Linz ausgeftellt hatte. Derfelbe erfchien zwar fehr hellfarbig, fetzte aber maffenhaft Flocken ab und fchien auch in der Confi. ftenz nicht völlig entſprechend zu fein. Den gleichen Mangel trafen wir bei einem Leinölfirnifs, den J. Klein in Prag unter Anderem ausgeftellt hatte. Auch die Copal und Damarlackproben diefes Ausftellers liefsen an Klarheit viel zu wünschen übrig. Klein hatte übrigens auch Siegellack ausgeftellt, das, wiewohl relativ beffer, als feine Lackmufter, doch immerhin noch einiger Verbefferung, namentlich in Bezug auf Farbe, fähig wäre. Ein Unicum an Mangelhaftigkeit waren aber die Lack- und Firnifsproben, welche Vincenz Wagner in Auffig zur Ausftellung gebracht hatte. Seine Lacke, die durchwegs dunkel und bis zur Undurchfichtigkeit trübe waren, fein Leinölfirnifs, welcher von faft braunfchwarzer Farbe war, hätten kaum mehr mangelhafter gedacht werden können. Wefentlich beffer, zum Theile fogar völlig befriedigend, waren dagegen die Ausftellungsobjecte von Jofef Kranich in Auffig, deffen Copal- und Bernfteinlacke zwar noch nicht den höchften Grad von Vollendung zeigten, aber doch als ganz gute Producte bezeichnet werden konnten, während fein Doppelfirnifs völlig befriedigend erfchien. Vorwurfsfreie Proben von Brillantlacken fanden wir in der Ausftellung von F. Paudler, Dobern bei Benfen, und auch E. Weinzierl in Feldkirch hatte namentlich von Brillantlacken fchöne Proben aufzuweifen. Der Letztere hatte auch recht fchön ausfehende Waggon und Kutfchenlacke, fowie einen nicht minder befriedigenden gebleichten Oelfirnifs ausgeftellt, und fcheint die Harzlackfabrikation auch infoferne rationell zu betreiben, als er, wie die ausgeftellten Proben von Bernfteinöl und Copalöl zeigten, die Nebenproducte der Bernftein- und Copalfchmelzerei nicht unbenützt entweichen läfst. Einer befonderen Beachtung werth waren ferner die von C. König in Wien zur Ausstellung gebrachten Afphaltlacke in Farben, die, wie die Anftrichproben zeigten, fowohl in Hinficht auf Färbung, als auch auf Härte und Glanz fehr befriedigende Refultate erzielen laffen. Diefe Anftrichfarben haben, wenn auch nicht gerade allein Afphalt der Träger des Charakters derfelben iſt, vor gewöhnlichen Firnifsfarben unbedingt den Vortheil der gröfseren Billigkeit voraus( 20-28 Gulden öfterreichifcher Währung per Centner) und find namentlich für dem Wetter preiszugebende Anftriche auf Holz, Blech und Mauerwerk völlig geeignet, da fie ebenfogut haften und gleich ausgiebig find, wie die theueren Firnifsfarben. Den Harzölfarben, vor welchen fie unbeftritten den Vorzug des gröfseren Glanzes haben, kommen fie an Billigkeit zwar nicht gleich, übertreffen diefelben aber auch in manchen Stücken bezüglich des Feuers der Färbung. Ohne Zweifel können wir auch in diefen Anftrichfarben einen fehr fchätzenswerthen Erfatz für die gewöhnlichen Firnifsfarben begrüssen. Steindruckfarben und Buchdruckerfirnifs waren von F. Wüfte in Pfaff. ftädten bei Baden, jener bekannten und mit Recht des beften Rufes fich Appreturmittel und Harzproducte. 55 erfreuenden Firma ausgeftellt, die in diefer Branche auch faft die einzig nennenswerthe ift. Die Vorzüglichkeit und Preiswürdigkeit der Erzeugniffe diefer Firma ift fo allgemein anerkannt, dafs es„ Eulen nach Athen tragen" hiefse, wollten wir über diefelben noch Weiteres bemerken. Die Siegellackinduftrie Oefterreichs hatte nur wenige und unter diefen nur einzelne Vertreter gefunden, deren Fabrikate befonderer Befprechung werth erfcheinen. Das relativ befte Fabrikat hatte unbeftritten A. F. Richter in Wien aufzuweifen, deffen Siegellacke, fowie auch Flafchenlacke fowohl in Hinficht auf Farbe, als auch auf Glanz und Härtegrad vollkommen befriedigend waren. Auch das Fabrikat von L. Andreazzi in Wien war ein durchaus befriedigendes zu nennen. Nicht das Gleiche konnte man von den Siegellackfabrikaten der Firma Hartmann& Mittler in Wien fagen, deren Erzeugniffe zwar fehr befriedigend in Bezug auf Farbe, aber in der Maffe fo weich waren, dafs die einzelnen an den Kaftenwänden befeftigten Stängelchen zu unförmlichen Maffen zufammen gefchmolzen waren, was ein halbwegs gutes Siegellack, wenn auch die Temperatur in dem Ausftellungsraume eine zu Zeiten refpectabel hohe war, denn doch nicht thun darf. Als recht gelungen waren dagegen die von derfelben Firma ausgeftellten Proben durchfichtigen oder doch gut durchfcheinenden Siegellacks zu bezeichnen. Von fonftigen, wahrfcheinlich der Claffe der Harzproducte zuzuzählenden Induftrie- Erzeugniffen fanden fich in der Ausftellung als erwähnenswerth noch Mufter eines angeblich neuen, fchnell trocknenden und hohen Glanz liefernden wafferdichten Lederlackes, der von Dr. G. Thenius in Wiener- Neuftadt ausgeftellt war und in der That, wenn er die ihm nachgerühmten vorzüglichen Eigenfchaften wirklich befitzt, um fo beachtenswerther wäre, als fein Preis( 80 kr. öfterr. Währung per Pfund) ziemlich mäfsig erfcheint; weiters eine von Gius. Moravia in Trieft ausgeftellte, gleichfalls als neu bezeichnete grüne Lackfarbe zur Bewahrung des Eifenpanzers von Schiffen"; defsgleichen eine rothbraune Tünchfarbe, über deren befondere Vorzüge indefs keine Mittheilung gemacht war. Ungarn hatte eine nur fehr fchwache Betheiligung feiner Harzinduftrie aufzuweifen. Es waren lediglich zwei Ausfteller, welche diefe Branche vertraten, die doch auch in Ungarn keineswegs auf niederer Stufe fteht. Von Lack- und Firnifs-, fowie Lackfarben- Fabrikaten hatte allein die Firma Gebrüder Strobentz in Peft Einzelnes zur Ausftellung gebracht, und zwar durchwegs Erzeugniffe, die ihrem Aeufseren nach als durchaus befriedigend bezeichnet werden konnten. Auch recht fchöne Siegellackmufter hatte diefe Firma aufzuweifen. Der zweite Vertreter von Ungarns Harzinduftrie war H. Schönwald in Peft, welcher die Ausftellung mit vortrefflichen Proben von Siegellack befchickt hatte, die namentlich tadellos in Farbe( er hatte nur rothes Siegellack aufzuweifen) und von fchönem Glanze waren. In höchft achtenswerther Weife war die Harzinduftrie Rufslands vertreten, und es kann ohne Schmeichelei gefagt werden, dafs die ausgeftellten Erzeugniffe ruffifcher Fabrikanten jene fo mancher deutfchen und öfterreichifchen Firmen, ja felbft einzelner franzöfifcher Firmen entfchieden in den Schatten ftellten. Von den einzelnen Ausftellern möchte zunächft L. Marx in St. Petersburg genannt werden, welcher fowohl Firniffe als auch Lacke von vorzüglicher Klarheit und Helligkeit ausgeftellt hatte, darunter eine faft wafferklare Copalpolitur, welche, nach den Anftrichproben zu urtheilen, als trefflich bezeichnet werden konnte. Befonders hervorzuheben aber erfcheinen die Mufter von gebleichtem Schellack, welche, wenn ihnen nicht der Vorrang vor dem gleichen 56 Dr. Wilh. Fried. Gintl.qq Fabrikate der Mainzer Firma C. Mellinger zuzuerkennen war, diefem doch entfchieden vollkommen gleichftanden.io ban tiedoilgusto V sid Ji odnaw Hollow Auch P. Poïteling in St. Petersburg, welcher Mufter vong Spirituslacken zur Ausftellung brachte, hatte vollen Anfpruch darauf, feine Fabri kate den beften Erzeugniffen deutfcher und felbft franzöfifcher Firmen gleichgehalten zu fehen. 1919bnoted sandindamoob noble 1919 onlexis Vorzüglich erfchienen ferner die von Ch. Berg in Odeffa ausgeftellten Proben von Lacken und angeriebenen Anftrichfarben, welche letzteren fowohl vollendete Vertheilung des Farbkörpers, als insbefondere auch fehr frifche und feurige Nuancen zeigten, wie nicht minder die von L. Spiefs in Warfchau ausgeftellten Mufter von Damar- und Copallack, die fich durch vollendete Klarheit und Bläffe hervorthaten, fehr bemerkenswerth erfchienen, umfomehr, als namentlich auch die ordinäreren Sorten diefer Fabrikate noch von untadelhaftem Ausfehen waren. Einen befonders bemerkenswerthen Leinölfirnifs fanden wir auch unter den Ausftellungsobjecten der Firma Otto& Scheller in Warfchau, welche nebftbei von Harzproducten namentlich Brauerpech ausgeftellt hatte und fiel derfelbe insbefondere durch feine bei ziemlich dicker Confiftenz vollkommene Klarheit auf. Auch die Comp. induftr. etcommerc. d'Ouladovka, Vinitsa in Podolien, hatte völlig befriedigende Proben von Politurlacken zur Ausftellung gebracht, während dagegen die von der Fabrique technico chémique de Tourenguis, Janakala, neben Proben einer Lederfchmiere ausgeftellten Mufter von Firniffen wohl nicht als hervorragend bezeichnet werden konnten. bms Durchaus vorzüglich waren die von ruffifchen Fabrikanten ausgeftellten Siegellackmufter. Namentlich liefsen die von G. Thalheim in Riga ausgeftellten Proben von rothen, fowie von andersfärbigen Siegellacken nichts zu wünschen übrig und kamen dem Erzeugniffe franzöfifcher Fabriken faft völlig gleich. Nicht minder befriedigend waren die rothen und bunten Siegellacke, welche J. Ka diffon in Warfchau ausftellte und auch die Mufter von rothem Siegellack des A. Leljanow in St. Petersburg waren zum mindeſten als fehr befriedigend zu bezeichnen. bold as19b19ddelden sand tear decor Andere europäiſche Länder hatten von Harzproducten nichts aufzuweifen und von den übrigen aufsereuropäifchen hatten nur China und Japan Mufter ihrer intereffanten und vielbefprochenen Lacke zur Ausftellung gebracht, für deren vortreffliche Eigenfchaften fich in den von diefen Ländern zu Markte gebrachten Erzeugniffen der Kurzwaaren- Induftrie herrliche Belege fanden. Wie bekannt, verdanken die chinefifchen fowohl wie die japanefifchen Lacke ihre, vielleicht nicht mit Recht in jeder Hinficht fo angeftaunten Vorzüge vornehmlich der Eigenartigkeit des Rohmateriales, aus welchem fie auf meift fehr primitive Weife hergeſtellt werden, und der Umftand, dafs man andern Orts über diefes Rohmateriale nicht verfügt, läfst es begreiflich erfcheinen, dafs all' die verfchiedenen Verfuche, die chinefifchen Lacke zu imitiren, bisher noch wenig günftige Refultate geliefert haben. Wenn, was wir nicht unbedingt zugeftehen möchten, unfere Copal- und Damarlacke in ihrer vollendetften Qualität den chinefifchen und japanefifchen Lacken nicht gleichkommend erachtet werden können, dann wird Alles darauf ankommen, dafs man fich das gleiche Rohmaterial zu verfchaffen fucht, welchem die Firniffe der Chinefen und Japaneſen unftreitig allein ihre Vorzüge verdanken. Ob es thunlich wäre, das Rohproduct zu bezie hen, oder etwa möglich fei, die Pflanzen felbft zu cultiviren, deren Saft die Hauptrolle bei den fraglichen Lackfirniffen fpielt, darüber müfsten erft Verfuche entfcheiden; der Bezug fertiger Firniffe aus Japan oder China dürfte jedoch keineswegs rentiren, denn die Preife diefer Producte find an Ort und Stelle fchon fo hohe, dafs fie die Transportkoften nicht vertragen würden, follen fie fich nicht wefentlich höher im Preife ftellen, als die beften europäiſchen Copaloder Bernfteinlacke.o ab idoin nondi new adolow all madili 199 Appreturmittel und Harzproducte. 57 me Auf der Ausftellung waren von chinefifchen Lacken und Firniffen mehrere Proben zu fehen, die jedoch, wie es den Anfchein hatte, fei es durch Alter, fei es durch mangelhafte Aufbewahrung, nicht unwefentlich gelitten haben dürften. ib Die Ausftellungsobjecte beftanden theils in rohen Firniffen, theils in farbigen Firniffen und Lacken. So fanden wir zwei Proben von rohem Firnifs von Shanghae, und zwar eine lichter und eine dunkler braune Sorte, von eigenthümlich gelatinöfer, dabei aber zäher Befchaffenheit, wobei die lichtfärbige faft durchfcheinend war. Der Preis diefer Firniffe, die von eigenthümlich ranzigem Geruche waren, war für die dunkelbraune Sorte zu 38 Taels,* für die lichtere zu 20 Taels per Pikul notirt. Ein als präparirter Firnifs bezeichnetes, ebenfalls gelatinöfes, braunfärbig durchfcheinendes Präparat von ähnlichem Geruche, wie die beiden genannten Proben, war von Ning po ausgeftellt; ebenfo eine Probe eines ähnlich gelatinös zähen, aber faft fchwarzbraunen als roher Firnifs bezeichneten Productes. Nebft diefen, wie man uns mittheilte, aus dem Safte der im indifchen Archipel einheimifchen Stagmaria verniciflua hergeftellten Firniffe waren fowohl von Honkow als auch von Swatow Proben eines lichtgraubraunen zähen und fich fett anfühlenden Lackes ausgeftellt, deren Preife zu 30 Dollars per Pikul angegeben war, fowie endlich ein unferen Afphaltlacken ähnlich fehender, halbflüffiger fchwarzer Lack von eigenthümlichem Geruche. Leider war von dem übrigens fehr zuvorkommenden Vertreter der chinefifchen Ausftellungsobjecte nichts über die Herftellungsart oder die Verwendungsweife diefer Fabrikate zu erfahren. 14 mibogado gantimiss Mathadian mullsfHus tiho Von dildejlic idowsin ind bay Judo Japan hatte fowohl Proben eines von Rhus vernicifera ftammenden, dem dunkelbraunen Firniffe von Shanghae fehr ähnlich fehenden Firniffes, als auch angeriebene Firnifsfarben von meift fahlen Nuancen ausgeftellt, doch fehlten leider auch hier nähere Angaben über die Art der Herftellung diefer jedenfalls intereffanten Erzeugniffe. dibiarged sin dab tod gumilofter sid qqu Japan hatte übrigens neben feinen Firnifslackmuftern und Proben von Lackanftrichen auf Metallen diverfe zur Lackbereitung verwendete Ingredienzen und Werkzeuge ausgeftellt. Unter den erfteren fanden wir eine thonähnliche Maffe, dann Zinnober, Fichtenholzkohle, Lampenrufs, Hirfchhornrufs u. f. w., welch' letztgenannten wefentliche Gemengtheile ihrer fchwarzen Lacke zu fein fcheinen. Von ähnlichen Harzen, wie fie die europäiſche Lackfabrikation verwendet, war nichts zu bemerken und namentlich fehlte auch Schellack, bezüglich deffen von mehreren Seiten behauptet wurde, dafs derfelbe neuerer Zeit von den Japanefen zur Herftellung ihrer Goldlacke verwendet werde. is suist ob Isalin astisbanded slagro im doladowo maloib ni nogalladmob songal noget us sin ma tis Immo indai alib rodolew med Es würde nun nur noch erübrigen, einer Induftrie zu gedenken, deren Producte, welche, wiewohl fie nichts mit jenen der Harzinduftrie gemein haben und nur im weiteften Sinne des Wortes als Appreturmittel aufzufaffen find, in die Reihe der anderweitigen Producte der chemifchen Induftrie" eingereiht wurden und daher an diefer Stelle befprochen werden müffen. 2 g sib bal ine Wir meinen jene Fabrikate, die unter dem Namen der Schuh- und Stiefelwichfe bekannt find.102 919bacted sais site is ins M " Es läfst fich über diefe bei allen cultivirten Völkern eingebürgerten Induftrie producte kaum etwas Neues fagen, da die Fabrikation derfelben ziemlich auf der gleichen Stufe geblieben ift, auf welcher fie bereits vor Decennien ftand. Durchwegs haben wir es in diefen Fabrikaten entweder mit Mischungen zu thun, die der Wefenheit nach aus Knochenfchwarz beftehen, deffen Calciumphosphat meift durch entsprechende Zufätze von Schwefelfäure, wohl auch roher * S. pag. 38. 2* H2** 58 Dr. Wilh. Fried. Gintl. Phosphorfäure in das faure Phosphat umgewandelt, aufgefchloffen ift, dem ein zur Erzielung des Glanzes beſtimmter Zufatz von Melaffe gegeben wird, während feltener auch Kienrufs zur Erhöhung der Schwarzfärbung oder andere meift nebenfächliche Zufätze beigegeben werden, oder aber fie find weniger auf die Erzielung eines Glanzes berechnet, vielmehr dazu beftimmt, dem Leder des Schuhwerkes neben der gewünſchten Schwärze einen erhöhten Grad von Wafferdichtigkeit, wohl auch gröfsere Gefchmeidigkeit zu geben und find dann in der Regel Mifchungen von Fetten und Harzen( oft auch unter Zufatz von Kautfchukoder Guttapercha- Löfungen in Fetten), mit Kienrufs, Knochenkohle u. dgl. Bezüglich der erften, häufiger in Verwendung ftehenden Art von Wichfen, den fogenannten Glanzwichfen, hat fich, wenn man von einem in der neueften Zeit von J. Hamilton* gemachten Vorfchlage abfieht, welcher das Naphthalin zur Wichfebereitung verwenden will, eine Neuerung wohl wefentlich nur infoferne ergeben, als man feit einer Reihe von Jahren Wichfen unter Zufatz von Glycerin herftellt. Die Anwendung von Glycerin zu diefem Zwecke hat ganz entfchiedene Vortheile und geftattet, Wichfen zu erzielen, welche dem Leder einen gewiffen Grad von Gefchmeidigkeit erhalten, ohne, wenn mit Mafs verwendet, der Lederfubftanz irgend abträglich zu fein und dabei doch einen fchönen Glanz geben. Die zweite Art von Wichfen, Fettwichfen, wird nach wie vor vornehmlich aus Thran, mit Zufatz von Wachs, Talg und den verfchiedenften Arten von Harzen, unter Beimifchung fchwarzer Pulver, wie Spodium- Mehl, Rufs etc., hergeſtellt und hat, wiewohl alljährlich neue Vorfchriften zur Herftellung„ unübertrefflicher" wafferdichter Wichfen auftauchen, im Principe eine Neuerung fich auf diefem Gebiete nicht ergeben, es wäre denn, dafs man die in Anwendung gebrachten ammoniakalifchen Schellacklöfungen, die wir oben** befprochen haben, den Wichfen gleichhalten wollte. Die Ausftellung bot daher, wie begreiflich, auch nichts Neues auf dem Gebiete diefer Induftrie und all' das, was etwa als neu hingeftellt war, entpuppte fich bei näherer Einficht als eine oder die andere Variation des Alten, die nur in unwefentlichen Dingen von diefem abwich. Es hatten fich übrigens nur aus wenigen Ländern Ausfteller diefes Induftrieproductes gefunden und waren nebft Oefterreich, Deutfchland und der Schweiz faft nur Frankreich und Italien auf diefem Induftriegebiete vertreten. Intereffanter Weife hatte Frankreich das Meifte auf diefem Gebiete aufzuweifen, vielleicht weil man dort dem Glanze der Fufsbekleidung eine gröfsere Beachtung zu fchenken fcheint als anderswo, und es zeigte fich felbft an diefem, gewöhnlich mit wenig Sorgfalt behandelten Artikel der feine Gefchmack der Franzofen in der Nettigkeit, um nicht zu fagen Eleganz der Emballagen, in welcher diefes Fabrikat zu Markte kommt. Wir zählten aus Frankreich allein fünf Ausfteller von Wichsfabrikaten, und zwar J. Bernhard in Paris, L. Chiraux in Cambray, A. Favier in Marfeille, Jacquand, père& fils in Lyon und Jacquot& Comp. in Paris, von denen Favier eine wafferdichte Wichfe für Pferdegefchirre und Wagenleder, die Uebrigen Schuhwichfe, und zwar durchwegs in fehr netter und gefälliger Emballage ausgeftellt hatten, auf die namentlich bei dem„ Cirage MartinMartine" genannten Fabrikate eine befondere Sorgfalt verwendet war. Nächft Frankreich zählte die Schweiz die meiſten Ausfteller diefes Fabrikates, von welchen wir El. Favre aus Nyon, Jenny& Suter, Wädensweil( Zürich) und Sutter, Kraufs& Comp. aus Oberhofen- Münchweilen namentlich nennen möchten. Die Fabrikate diefer Firmen, meift„ Schnellglanz* S. Deutfche Induftriezeitung 1871, p. 358. ** S. Harzproducte unter Nordamerika. Appreturmittel und Harzproducte. 59 wichfen", hatten fowohl im Ausfehen, als auch theilweife noch in der Emballage den Charakter der franzöfifchen. Italien zählte zwei Ausfteller von Wichsfabrikaten, und zwar E. de Luigi Corfina aus Florenz, welcher eine dem Anfcheine nach fette Glanzwichfe, und L. Urfini aus Neapel, der eine in Blechdofen verpackte Stiefelwichfe gewöhnlicher Art ausgeftellt hatte. Aus Schweden hatte die technifche Fabrik" Barnängen" der Firma Holftröm& Dahlberg aus Stockholm Mufter von Schuhwichfe in recht netter und praktiſcher Emballage zur Ausftellung gebracht, während Dänemark durch J. Fredikfen aus Kopenhagen vertreten war, welcher gleichfalls Stiefelwichfe gewöhnlicher Art, indefs in weniger netter Emballage ausgeftellt hatte. Deutfchland hatte zwei Ausfteller von Wichsfabrikaten, und zwar von fetten Stiefelwichfen aufzuweifen, nämlich A. H. Saeger& Comp. aus Berlin, welcher fchwedifche Stiefelfchmiere, deren Wirkung er an damit behandelten Stiefeln vorführte, und W. Rofenftein aus Stettin, welcher fogenannte fchwedifche Jagdftiefelfchmiere ausgeftellt hatte. Oefterreich hatte von hervorragenden Ausftellern diefer Branche nur wenige aufzuweifen. Zu nennen wären von diefen zunächft J. Parger aus Wien, welcher zu den bedeutendften Fabrikanten diefes Artikels zählt( tägliche Production 20 bis 25 Centner), und deffen in etwas langathmiger Weife als„ IndigoOelglanzwichfe" bezeichnetes Fabrikat fich eines guten Rufes erfreut weiters die Firma Hartmann& Mittler aus Wien, welche eine gleichfalls gern gekaufte ,, Wiener Wichfe" fabricirt. - Einer Anwandlung von Heiterkeit konnten wir uns nicht erwehren, als wir auch einer, Kräuterwichfe" begegneten, weiche von Sal. Beran aus Boskowitz ausgeftellt war. Glückliches Boskowitz, wo felbft zum Wohle der Stiefel Kräuter wachfen und Dank dem weifen Manne, der ihre Wunderkraft erkannt und es verftanden hat, eine Kräuterwichfe zu bereiten!! ea shubong buloqq sgalladm³ 15b ni doon slowlisdi dous als andeleu A mi lowol moedasidate odation 19 19 ash b. news bausteidetadiW nov zalloff lows sildix a sill anal te doen nie mob sais odlow as 10 igie - roy astobdosi aisais nobisqus aus tili U baldoiv otted Jilologer Adolfowog oldare smil ob glinda odolindos sib sed as bow 20 tdoor ni sldoiwdydo not ofta mlodalootenaue godded moAIGH näⱭ basdasdog gulls us galled dating bay n allaidoiola odole nogen aus molibdamb dam allatagan gulled ginow ni labai A doladowag aldoiwiolon nov Jews bon solideled iW monollostad isws and braidstons Ɑ nihs aun quod H.A dailma oliswxtus nosiviele onl nosisbanded imbogato dalibadal odolew - 1200 missle bar studio istoč W- 2015 sib mailoft asbasgemoved cow sind die O doux alib nov now on Soliswustus opinew -ortodoilght) idx din leib stands asithastusbod nolaus hole -ogibar, als slis Waginuitage is at allobban maid os goldbab issues on doing sale of elinde 2015ndaised rela mog allsdsisly snis sdslow naiwan sait 11.nishdal toldos ala nosdowne dɔin an iwa tishesisHnos gulba sib Isle sb sideW max fidial ou aliwood call walletagens stiv Jos marobnu Wadi ob 900Malis mob sa ban as day 2 วิก ธา ต่าง notised us to saised about as lin