OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3 UNTER REDACTION VON DR. CARL TH. RICHTER, K. K. 0. Ö. PROFESSOR IN PRAG. MEHL, MEHLFABRICATE UND DIE MASCHINEN UND APPARATE DER MÜLLEREI UND BÄCKEREI. ( Gruppe IV, Section 1.) BERICHT VON FRIEDRICH KICK, k. k. Regierungsrath und Profeffor am deutfchen polytechnifchen Inftitute in Prag. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 1873. MEHL, MEHLFABRICATE UND DIE MASCHINEN UND APPARATE DER MÜLLEREI UND BÄCKEREI. ( Gruppe IV, Section 1.) Bericht von FRIEDRICH KICK, k. 1. Regierungsrath und Profeffor am deutfchen politechnifchen Inftitute in Prag. Die Schwierigkeit gründlicher Unterfuchung des Mehles ift bekannt und ebenfo wenig bedarf es der Begründung, dafs die vorzügliche Qualität ausgeftellter Mehle noch lange nicht vollgiltiger Beweis ift für rationelles Gebahren in der Mühle. Gutes Mehl und diefes zum erreichbaren Percentfatze aus einer beftimmten Waizenforte herftellen, diefes beides gibt zufammen erft das Maafs zur Beurtheilung rationellen Betriebes. Die Ausftellung bot zahllofe Mehlproben aus verfchiedenen Ländern, höchft felten aber waren Angaben über die Erzeugungsmengen der einzelnen Mehlforten aus einer beftimmten Weizenquantität oder Angaben des Verkaufspreifes u. dgl. an den Ausftellungsobjecten erfichtlich gemacht. Diefe Angaben waren wohl der Jury in den Fragebogen ziemlich vollständig vorgelegen, der Berichterstatter konnte diefelben aber trotz des Bemühens der Redaction nicht erhalten. Es ftellt fich die Frage: Soll der Bericht erftatter die ausgeftellten Mehle nach ihrer Weisse oder nach ihrem Klebergehalte taxiren. Soll er z. B. hervorheben, dafs Auguft v. D elhaes in Piechamin bei Czempin eines der weifseften Mehle nach dem Flachmahlverfahren erzeugt exponirte? oder, dafs zu den ſchönften Mehlen der Hochmüllerei die von Oeconomo bei Trieft, jene der Kleinmünchner Kunftmühle etc. gehörten? Derartige Claffification hätte weder technifchen noch mercantilen Werth, da fie nur auf der Grundlage der Ausstellungsobjecte erfolgen könnte und allwöchentlich auf der Mehlbörfe ihre Berichtigung fände. Wir wollen daher zunächft von folchen 2 Friedrich Kick. Ausftellungsobjecten des Näheren fprechen, welche durch die beigefügten Angaben Vergleiche und Folgerungen geftatten. So trat uns in der Ausftellung des öfterreichifchen Unterrichtswefens eine von Berichterstatter als Lehrmittel exponirte vergleichende Zufammenftellung der Mehle der Hoch- und Flachmüllerei entgegen. Die Mehle nach dem erfteren. Verfahren ftammen aus Odkolek's Mühle in Prag, jene nach dem zweiten wurden bei möglichst forgfältigem Schälen oder Putzen des Getreides von Herrn Ingenieur Scheib in einer Mühle bei Frankfurt am Main hergestellt. Aus 100 Theilen Weizen wurden erhalten: Mehle der Hochmüllerei. oo Nr. 00 und o Auszugsmehle 18.9 Perc.) I " 9 29 97 " 77 2345 Bäckerauszug 13.8" 77 Mehle der Flachmüllerei. fehlen. Nr. o fogenanntes Blumenmehl I Plattmehl zwifchen Hochmehl Nr. 2 und 23.92 Perc. 12'0 29 Mundmehl 13.7 99 " Semmelmehl II 9 " 9 Weifses Pohl3 ftehend 40.16 " 6 mehl Schwarz. Pohlmehl 7.3" 2 Griesmehl zwifchen " 4'5" " 82 1 Perc. Nr. 3 u. 4 ftehend 6.26 3 Kornmehl gleich Nr. 6 " 8.91 " 79:25 Perc. " 9 4 Futtermehl 5 Kleiemehl 4:28" 9.43" Diefe letzteren beiden Mehle find nur zur Viehfütterung verwendbar. Der Reft ift Kleie, Fufsmehl und Verluft. Mithin ift bei beiden Vermahlungsmethoden aus 100 Theilen Weizen circa 80 Percent vom Menfchen geniefsbares Mehl erhalten worden. Während die Hochmüllerei 447 Percent Auszugsmehle lieferte, ergab die Flachmüllerei nur 23 92 Percent. Den hervorragenden Ausftellungsobjecten der Kleinmünchner Kunftmühle und Teigwaaren- Fabrik waren nachftehende Mahlergebniffe beigegeben. Refultate der Vermahlung. 500 Zollztr. zum Effectivgewicht von 83 bis 84 Wiener Pfund per Wiener Metzen: Gries A und B Mehl Nr. O I. " " 99 ทา 99 99 27 17 99 99 99 " 27 " 2 " و, 套 29 13 17 2520655 ± 250 123456789 ΙΟ وو 2 Percent, " 16 " " 9 " 14 " 9 " Kleie Verluft. 83 . 18 و" " 41 Percent Auszugsmehle, 38 Percent mittlere und ordinäre Mehle. 79 Percent Mehl Nr. I. Mehl- und Mehlfabrikate. Roggenvermahlung. 2. 99 " 99 3. 97 Kleie Verftaubung. Maisvermahlung. Gries und Polenta Mehl. Kleie. Verluft 15 Percent 38 14 99 وو 67 Percent 31 99 2 " 80 Percent 12 " 92 Percent 6 99 2 27 3 အ Wir erfehen aus diefer Weizenvermahlung, verglichen mit den vorerwähnten, dafs die Numerirung der Mehle eine fehr verfchiedene ift, und behufs Beurtheilung der Farbe der Vergleich mit Normalmehlen unerlässlich ift*. Zu diefem Zwecke empfiehlt fich ein feit einiger Zeit hie und da in Ungarn und Wien gebräuchliches Verfahren ganz vorzüglich, und wollen wir dasfelbe an diefer Stelle kurz befprechen. Auf einem etwa 9 Centimeter langen, 5 Centimeter breiten, ½ Centimeter dicken, mit Handgriff verfehenen Bretchen ift ein zweites aufgeleimt, welches eine Holzfchichte, darüber eine Schichte weichen Papieres und endlich ein kräftiges ungeglänztes Papier trägt. Die Form diefes zweiten Bretchens und der Filzlage ift eine folche, dafs das Polfterchen eine fchwache convexe Form erhält. Auf diefes Polfter werden die zu prüfenden Mehle knapp neben einander aufgetragen und dann mit einem zweiten Pölfterchen, welches mit möglichft glattem Papier( Metallpapier) überzogen, fonft aber dem erfteren ganz gleich ift, über die Mehlproben mit kräftigem Drucke hingefahren, wodurch beide Proben, welche fich innig berühren eine ganz gleichglatte Oberfläche erhalten und die geringften Farbunterfchiede auf das Deutlichfte erfichtlich werden. Die Vergleichung der Mehlforten wird dadurch leicht und empfiehlt fich der Gebrauch diefer Vorrichtung in den Miſchkammern von felbft. Wenn wir nun im Vorftehenden eine Befprechung der einzelnen ausgeftellten Mahlproducte als werthlos bezeichneten, fo wird ein Gleiches wohl nicht behauptet werden können, wenn wir die Mahlproducte nach den hiebei verwendeten Mahlverfahren und nach den hauptfächlich exponirenden Ländern befprechen, denn gerade in diefer Richtung herrfcht noch manches erheiternde Vorurtheil. So ift z. B. in dem fonft trefflichen deutfchen Specialkatalog, Seite 140, 141 zu lefen:„ Die dritte Periode der neueren Müllerei charakterifirt fich zunächft durch den Kampf zwifchen Flach- und Hochmüllerei, dann durch die Bemühungen, völlig zufriedenftellende Getreidefchäl- Mafchinen zu ftruiren, den Oberftein ruhen und nur den Unterftein laufen zu laffen, die Walzenarbeit zum Gries machen zu verwenden etc. Die hiebei auftretenden Streite haben( nach allen Richtungen hin) zur Zeit noch zu keinem entfcheidenden Ende geführt, indefs hat man doch in Bezug auf die Mahlmethode fo viel erkannt(!), dafs die Griefsmüllerei mehr für Süddeutſchland, mehr für con* Daher auch die Jury bei Prüfung der Mehle fich folcher Normalmehle( Typen) bediente und zwar eigener für Mehle der Hochmüllerei, der Halbhoch- und der Flachmüllerei. Die Type für Flachmehl Nr. o war nahe gleich jener für Hochmehl Nr. 2. 4 Friedrich Kick. die Kipfel-, Knödel( überhaupt Mehlfpeifen-) Effer, als für die an gröbere Koft gewöhnten Norddeutfchen und ferner dahin pafst, wo man weifs, was man bei der geringen Menge(?!) edleren Mehles mit der grofsen Maffe ordinärer Mehlforten anfangen kann." Diefer Gallimathias dürfte aus dem Journal„ die Mühle" abgefchrieben fein, welches fich oft in diefer Logik gefällt! Alfo die" Kipfeleffer" wiffen mit der grofsen(!) Maffe ordinärer Mehlforten fertig zu werden, aber die an ordinäre Koft gewöhnten Norddeutfchen haben dafür keine Verwendung? Und achtzehn Zeilen tiefer fteht gedruckt:„ Auf dem Felde der Mehlwaaren-( Teigwaaren-) Fabrication, insbefondere in der Maccaroni-, Faden- und FaçonnudelFabrication hat auch Deutfchland bereits mit Erfolg begonnen, den älteren crfahreneren Vorgängern in Italien, Oefterreich- Ungarn etc. Concurrenz zu machen." Es fcheint alfo faft, dafs auch Deutſchland Mehlfpeifen confumirt und hält diefes Concurrenzmachen noch länger an, fo dürften Kipfel- und Knödeleffer in Norddeutſchland auch entdeckt werden können!?- Es zeigt fchon jetzt die Ausftellung der Mahlproducte Deutfchlands, dafs das Beifpiel der erfahreneren Vorgänger" in der Hochmüllerei in Oefterreich und Ungarn nicht unberücksichtigt blieb, und ift ein Vierttheil der ausgeftellten Mehle nach diefem Syfteme erzeugt. So haben Hochmehle ausgeftellt: Beiffert in Dresden, Hildebrand Söhne in Weinheim, Berg in Stuttgart, Genz in Heidelberg, Gramer in Schweinfurt, Wiss in Nürnberg, Bartfch in Jatzdorf bei Ohlan u. A. m., alfo fchon jetzt Hochmüller in verfchiedenen Theilen Deutfchlands, ja felbft Nord- Deutfchlands! Die Mehle der Halb- Hochmüllerei und jene der Flachmüllerei ftehen naturgemäfs im Allgemeinen zurück, doch waren auch folche von hervorragender Weifse ausgeftellt. Befondere Erwähnung verdienen die fchönen Graupen und die vorzüglichen Roggenmehle von Beiffert in Dresden u. A., die fchönften der Aus ftellung; auch Erbfen- und Bohnenmehl in Oefterreich wenig gekannt wurde von drei deutfchen Ausftellern exponirt. - Die Ausfteller von Mehlen nach dem Syfteme der Hochmüllerei bezeichneten dasfelbe zum Theile als" Dauermehl", welche Benennung darin ihre Begründung und Berechtigung findet, dafs die Vermahlung trocken erfolgt, der Griesputz- Procefs an fich auch trocknend auf die Griefe wirkt, und das gewon nene Mehl feines geringen Waffergehaltes wegen einen hohen Grad der Dauerhaftigkeit befitzt. Der in Deutfchland zumeift vermahlene milde oder Weifsweizen geftattet ein längeres Stehenbleiben bei der Flachmüllerei eher als die harten Weizen forten, er liefert geputzt und genäfst vermahlen bis 72 Percent Mittelmehle. Doch ift derfelbe nach, dem Syfteme der Hochmüllerei ebenfalls leicht zu behandeln und liefert fehr fchöne Producte, wenn auch nicht über 27 Percent Klebergehalt. Letztere Angabe, welche aus Proben des Herrn Mühlenbefitzers und Jurors Franz Schmid in Lanzendorf ftammt, veranlafst den Berichterftatter, nachstehende Tabelle einzufügen, welche Schmid's Verfuchsergebniffe enthält und Intereffe für fich in Anfpruch nimmt. Die Mehlfabrication Oefterreichs und Ungarns nahm entfchieden den erften Rang ein. Die ungarifchen Mehle überrafchten durch die auffallende Uebereinstimmung der Mehle Nr. 00 bis 1, eine Uebereinstimmung, welche gewöhnlich in diefem Mafse nicht ftattfindet, fich aber wohl dadurch erklären läfst, dafs man die Ausftellungsobjecte nach einer Sorte von Normalmehlen numerirte. Diefe Uebereinstimmung fand fich in den öfterreichifchen Mehlen nicht vor. Die Ausftellungen der Müller der verfchiedenen öfterreichifchen Kronländer, ferner Ungarns und Kroatiens laffen im Allgemeinen keinen wefentlichen Unterfchied in der Entwicklung der Müllerei wahrnehmen, denn es Mehl- und Mehlfabrikate. Weizen Mehl forte Bei der Teigbildung Kleberausabforbirtes Waffer in beute* Durchfchnittsergebnifs der Mehle aus der Collectivausftellung der Wiener Mehl- und Fruchtbörfe . Durchfchnittsergebnifs aus den Flachmehlen der deutfchen Collectivausftellung* Percent 48 37.5 41 25.5 Auszugmehl von Economo in Trieft. 49 44° 25 Ungarifche Collectivausftellung Weizen) von Vochrameieff 48 37 0 Ruffifches Weizenmehl, Hartmehl( Canadura 60.5 48.65 dto. von Liafchkoff( aus weifsem Weizen) 47 35.3 Amerika( Weifsweizen) Mehl von Thilenius 445 32.5 Algerifches Hartmehl 42.6 32.5 Italien( Cefaretti, Ancona) 38.5 25.0 Spanifches Mehl 40.6 30.0 Japanifches Mehl. 43.0 37.5 hatten fich die kleinen Mühlen, die Schiffmühlen und dergl. von der Concurrenz in der Qualität des Erzeugniffes felbft ferngehalten, während fie am Markte in Folge ihrer Billigkeit immerhin mitfprechen; die öfterreichifchen Kunftmühlen aber arbeiten alle in der Hauptfache nach derfelben Methode. Die vorhandenen Unterfchiede in der Fabrication waren zumeift nicht erfichtlich gemacht, nur C. Hannak aus Brandeis in Böhmen hatte feinen Producten eine tabellarifche Darftellung der Fabrication beigefügt; bei A. Hlavač aus Poděbrad erfuhr der Berichterftatter, dafs die befonders fchönen Mehle Nr. 2 bis 5 diefes Ausftellers theilweife in Folge befonders forgfältiger Reinigung des Getreides entstanden; L. F. Daubek in Brünnlitz ftellte gereinigten Dunft aus, deffen Reinigung nicht durch die Putzmafchinen mit faugender oder blafender Wirkung, fondern durch einen eigenthümlichen Siebprocefs ( Abfauberung) bewirkt wurde; Joachim Nigrin in Swarow, ftellte aus brandigem Weizen erzeugte Mehle aus, welche ihres Gleichen wohl fuchten. Die Vorzüglichkeit der öfterreichifchen Mehle läfst mit Recht vorzügliche Teigwaaren( Maccaroni, Nudeln und Schnittware) erwarten und die Leiftun* Die Kleberbeftimmung aus je 20 Gramm Mehl erfolgte in der bekannten Weife durch Auskneten, und zeigt diefe Methode überall dort zu wenig Kleber an, wo derfelbe durch nachtheilige Veränderung des Mehles( z. B. als Folge von naffer Vermahlung) feine Eigenfchaft im Waffer aufzuquellen verlor. Hingegen wird bei kleiereichen Mehlen um diefe mehr Kleber gefunden, da die Kleie nicht durch das Säckchen geht. Die Zahlen bezeichnen das Gewicht naffen Klebers auf 100 Theile Mehl. Bei der Teigbildung wurde fo lange Waffer zugefetzt, bis ein gut knetbarer, nicht klebriger Teig entftand. 5. 6 Friedrich Kick. gen der betreffenden Fabriken Kleinmünchen in Oberösterreich, R. Hofer in Fünfhaus, Fifcher von Röslerftam in Hundsthurm in Wien, ferner von Pafentto's Söhne in Trieft u. A. find den italienifchen ebenbürtig und liefsen Nichts zu wünſchen übrig. Eine eigenthümliche ungarifche Suppen- Mehlfpeife die Tarhonya, exponirte J. Bartok in St. Miklos und Oblat& Comp. in Szegedin;, auch die Maccaronifabrication war gleichfalls durch ungarifche Ausfteller vertreten. Trotz des Auffchwunges der Pafta oder Teigwaarenfabrication in Oefterreich- Ungarn und Deutfchland blieb doch die fo vielfeitig beliebte engliſche Theebäckerei( Bisquits) unnachgeahmt und hatten felbe nnr Hnutley& Palmers in London, Peek, Frean& Comp. in London und Gaetani Guelfi in Pifa ausgeftellt. Von gröfserer Wichtigkeit als die ausgedehntere Befprechung der ausgeftellten Mehle und Mehlwaaren erfcheint uns die Frage nach den Fortfchritten im Mühlenwefen oder der Mehl- und Graupenfabrication und jene der Bäckerei. In diefer Richtung zerfällt unfere Aufgabe in die Befprechung der Getreidereinigungs- und Trockenmafchinen, der Putz- und Schälmafchinen, der Mahlgänge und fonftigen Mittel zur Mehlerzeugung, der Mühlfteine und SteinSchärfmafchinen, der Beutelvorrichtungen, der Schrot- und Griesputzmafchinen, der Graupenmaſchinen und endlich der Hilfsmittel des Bäckers. In dieser Reihenfolge entſprechen wir zugleich im Wefentlichen der Eintheilung unferes Buches:„ Die Mahlfabrication" Leipzig, Arthur Felix 1871, welches dem Lefer dort Auffchlufs geben kann, wo der Bericht vielleicht unklar erfcheint, deffen Aufgabe methodiſcher Aufbau nicht ift, da er nur die Ausftellung und zumeift das Neue daran zu befprechen hat. Getreide- Reinigungsmaschinen. Die Maſchinen mit Siebwerken und Ventilator, die fogenannten Säube rungsmafchinen und ebenfo die in reicher Auswahl ausgeftellten Trieur können hier übergangen werden, weil fie einerfeits mehr in das Gebiet der Landwirthfchaft fallen, anderfeits hinlänglich bekannt find. Zum Zwecke der Entfernung der Steine aus Weizen und Gerfte( bei letzterer namentlich dann von befonderer Nothwendigkeit, wenn die Gerftenkörner zur Graupenfabrication auf Schneidwerken getheilt werden) dienen J. Hignette's Stein- AuslefeMafchinen und arbeiten diefelben, wenn gut geftellt, tadellos, doch mit geringer Lieferung. Die Figuren I und 2 auf Tafel I zeigen Grundrifs und Vorderanficht. Das Getreide fällt bei a, von einer Gofse kommend, auf die Ebene A B C, welche auf Holzfedern F ruhend, eine geringe, dem Zwecke angemeffene Steigung hat. Der Hauptfache nach haben wir einen dreieckigen, geneigten Kaften mit niederen Wänden. Die fchweren Theile werden naturgemäfs durch das Rütteln in Folge der geneigten Lage des Bodens gegen die tiefer liegende Spitze gleiten, die leichteren Theile gehen gegen oben und verlaffen die Mafchine bei O, O. Die Mittelwände haben neben dem Zwecke der Verthei* Trieur's in reicher Auswahl für die Abfcheidung der verfchiedenen runden im Getreide enthaltenen Saamen, fo wie für Abfcheidung von Gerfte und Hafer aus Weizen hatte J. Pernollet, Paris rue Saint- Maur- Popincourt 116, ferner M. Bauer in Wien u. A. ausgeftellt. Die Trieur's arbeiten gut aber mit geringer Leiftungsfähigkeit; M. Bauer rühmt feinen Trieur's oder Radenfängern die dreifache Leiftungsfähigkeit nach u. z. Nr. 1 mit 3 Cylindern foll 1200 Kilogramm per Stunde mit 3/4 Pferdekraft, Nr. 2, 800 Kilogramm mit Pfund Kraft und Nr. 3( mit 1 Cylinder) 400 Kilogramm mit 1/4 Pferdekraft liefern. Mehl- und Mehlfabrikate. 7 lung, auch die Aufgabe, ein zu rafches, erfolglofes, nach abwärts Gleiten des Getreides zu hindern. Der Kaften D ift bei der Operation des Steinauslefens gefchloffen, es fammelt fich in denfelben Anfangs Getreide an, diefes wird aber bald durch die angefammelten Steine verdrängt, welche, nachdem der Kaften damit gefüllt ift, abgelaffen werden. Diefe oder ganz ähnlich conftruirte, kleinere Mafchinen werden auch zur Trennung fchweren Weizens von leichtem oder Weizen von Hafer etc. verwendet und wird dann D offen gelaffen, unter demfelben aber ein Sieb angebracht, durch welches im Weizen enthaltene kleine Samen abgefondert werden. Es ift bekanntermafsen leicht, das Getreide von, der Gröfse nach, wefentlich verfchiedenen Verunreinigungen zu befreien, durch Hignette's Steinauslefer werden aber gerade Steinchen von Weizenkorngröfse fehr leicht entfernt. Die rüttelnde Bewegung wird von einem Vorgelege, das je nach der Gröfse der Mafchine zwifchen 90 und 115 Touren der Kurbelwelle beſitzt, hervorgebracht. Die gröfsten Maſchinen Nr. 5 follen bis 4000 Liter tägliche Leiftung erreichen, es würden alfo auf vier Mahlgänge drei Mafchinen erforderlich fein. Diefe geringe Leiftung fteht der Anwendung der fonft vorzüglich arbeitenden Mafchinen von Hignette im Wege. Zum Zwecke der Trennung leichter Theile vom Weizen wird weit vortheilhafter die Saugputzmafchine( Tarare, Aspirator) angewendet, welche in Fig. 3, Tafel I dargestellt ist. Durch A fällt das zu putzende Getreide in die Mafchine und wird in B von der durch den Saugventilator angefaugten Luft getroffen. Die fchweren Körner fallen bei B herab, leichte Körner gelangen nach C und Spreu und dergl. wird durch den Ventilator ausgetrieben. Diefe Mafchine wird häufig auch dazu verwendet, das von den„ Schälmafchinen" kommende Getreide von den noch anhängenden Kleietheilchen zu reinigen. Eine Mafchine diefer Art war mit der Bezeichnung M. Bauer's Patent Saug- Putzmühle ausgeftellt; es blieb uns aber gänzlich verborgen, worin bei diefer vielerorts gebauten Mafchine das„ Patent" beftehen foll. Getreide- Trockenmafchinen. Davey& Paxmann von Colchefter haben eine Getreide- Trockenmafchine ausgeftellt, welche der Schnitt Fig. 4, Taf. I zeigt; A ift ein hohler rotirender Cylinder, in welchem rechts durch a Dampf eintritt, welcher durch 6 austritt und durch ein in der Figur nicht gezeichnetes Rohr in den Dampfmantel B, B gelangt und endlich mit dem Condenfationswaffer bei c abgeleitet wird. Der Cylinder A ift mit vier fchwach fchraubenförmig gebogenen durchlöcherten Treibern befetzt, welche Bürften tragen. Das zu trocknende Getreide wird in die Gaffe G gefchüttet, durch Walzenzuführung gleichförmig in den Raum C gebracht, von den Bürften und Leiften erfafst und allmälig zum Auslaufe D befördert. Die Löcher in den Treibern bezwecken ein Wenden des Getreides. Auf diefem Wege befinden fich ftets ober und unter dem Getreide mit Dampf geheizte Wände, welche eine Verdunftung des Waffers bewirken. Zum Zwecke der Abführung des entwickelten Dunftes ift für Luftwechfel im Trockenraum geforgt, indem ein Ventilator E die Luft aus dem Raume Fausfaugt, in welchen durch die Löcher i i Luft von Aufsen nachtritt, diefe( erwärmte) Luft treibt der Ventilator bei G in den Trockenraum, welchen die Luft der Länge nach bis C durchzieht und bei d gefchwängert mit Dünften verläfst. Es ift aus der Zeichnung erfichtlich, dafs A die rotirende Bewegung von ferhält, der Antrieb von f, fowie des Ventilators ift jedoch weggelaffen. 8 Friedrich Kick. Die Mafchine hat eine Länge von circa 4 Metern und foll per Stunde 17'5 Wiener Metzen oder 1080 Liter Getreide trocknen. Der Cylinder macht 34 Touren per Minute und wird angegeben, dafs per Metzen zu trocknenden Getreides circa ein Pfund guter Kohle verbraucht wird. Für Mühlen wird diefe Mafchine übrigens nur ausnahmsweife zu empfehlen fein, weil das Wafchen des Getreides fehr felten angewendet wird. Getreide- Putz- und Schälmafchinen. Die Zahl der Getreide- Putzmafchinen auf der Ausftellung war keine geringe und waren fowohl Mafchinen, welche mit fcharfen Theilen( Reibblech, Sägen) als folche, welche nur mit kannelirten Flächen wirken, vertreten. Wir fahen Proben von den meiften derfelben, welche Nichts zu wünſchen übrig laffen und folgt hieraus eben, dafs das Getreide nach mehrerlei Façon geputzt,„ gefchält" werden kann. Wie bei den Nähmaschinen faft jede Firma ihre Waare als die allein ausgezeichnete hinftellt, fo treffen wir auch hier auf die bitterfte Concurrenz und oft überlautes Selbftlob und als Ergebnis der Betrachtungen kömmt man immer wieder zu dem Schluffe, dafs der Weizen- diefe wichtigfte der Getreidearten eben nie vollständig gefchält werden kann, und dafs die Arbeit eine befriedigende genannt werden mufs, wenn ein tüchtiges Putzen auf trockenem Wege bewerkstelligt wird, ohne zu viele Körner zu brechen oder zu zerreiffen. Wefent lich ift, den abgeriebenen Putzftaub möglichft bald und vollkommen wegzutreiben, damit er fich nicht wieder an die Körner anhängt. Schäl oder Putzmafchinen mit Reibblech oder dergl. hatten in konifcher Form der Trommel ausgeftellt: L. Nemelka in Simmering bei Wien, Hauptftraffe 106; Wenzel Jonas in Pfaffftätten Niederösterreichs, in cylindrifcher Form Franz Holtzhaufen in Bieberftein bei Siebenlehn in Sach fen, Oskar Reifsmann in Mittweida und Millot in Zürich. Nemelka's Mafchinen find folid gebaute Konufe, die innere Trommel mit Sägen ftatt Reibblech armirt( Syftem Aumann); die Mafchine von Jonas konnte in ihrer inneren Einrichtung nicht befehen werden, und blieb eine briefliche Anfrage diefsbezüglich unbeantwortet, da nur mitgetheilt wurde, dafs diefe Mafchine drei Pferdekräfte benöthigt und in 24 Stunden 300 Metzen Frucht reinigt und fortirt. Die Mafchine von Holtzhaufen ift cylindrifch, der Reibblech- Cylinder ift innen durch Ringe in mehrere Etagen getheilt, wodurch der Weg, welchen das Getreide zu durchlaufen hat, verlängert wird; an der verticalen Welle fitzen Flügel, Treiber und unten Windflügel, wodurch das aus der Mafchine fallende, geputzte Getreide noch vollftändiger ausgeblafen wird. Reissmann's Mafchine ift circa fieben Fufs hoch und der Mantel theils aus Reibblech, theils aus Steinen gebildet. Sie foll bei einem Kraftverbrauch von vier Pferdekräften bis zwölf Centner Weizen per Stunde reinigen. Millot's Putzmafchine unterfcheidet fich von den letztgenannten fehr wefentlich dadurch, dafs der Cylinder horizontal liegt, nicht in Abtheilungen getheilt wird und das Getreide durch acht fchwach fchraubenförmig gewundene Leiften, deren vier Drahtbürften tragen, während die anderen vier eiferne Treiber bilden, herumgetrieben und langfam von dem einen Ende des Cylinders gegen das andere bewegt wird. Fig. 6, Taf. I ftellt eine Skizze des Verticalfchnittes dar, aus welcher zu erfehen, wie der Cylinder geformt ift. Bekanntlich nützen fich Drahtbürften allmälig ab, und find zu diefem Zwecke die Arme, welche die Bürften tragen, zum Verlängern eingerichtet. Der Mantel ift aus Reibblech gebildet, welches jedoch nicht mit einem dreieckigen Durchfchnitt, fondern einem circa fechs Millimeter langen Meifsel durchbrochen wurde, und daher Längsfpalten Mehl- und Mehlfabrikate. 9 obbezeichneter Dimenfion enthält. Der aus der Mafchine kommende Weizen paffirt den Wind eines Ventilators. Betriebskraft zwei Pferde. Leiftung nicht angegeben. Zu den Schälmafchinen mit ċannellirten Arbeitstheilen, welche alfo ohne Reibeifen arbeiten, gehören die von M. Bauer ausgeftellten Mafchinen nach Seck's Syftem, die Mafchinen Puhlmann's, Kohn's und zwei etwas abweichende Schälmafchinen ,, Eureka" genannt, von Howes& Babcock & Comp. Es haben die Schälmafchinen diefer Kategorie den grofsen Vortheil, dafs fie keiner Nachfchärfung bedürfen und auch weniger getheilte Körner vorkommen. Wenn die Mafchinen mit Reibblech noch weiter in Gebrauch ſtehen und neu aufgeftellt werden, fo mag diefs feinen Grund in der meift gröfseren Einfachheit der Conftruction und den von manchem Müller noch geliebten fchärferen Angriff haben, fo wie manche gar keine ,, Schälmafchinen" anwenden, fondern die Arbeit durch Spitzgänge beforgen laffen, welche fcharf angreifen, dafür aber auch etwas Verluft mit fich bringen. Wir haben uns bei Bauer's, Puhlmann's und Howe's Mafchine überzeugt, dafs die Arbeit eine ganz vorzügliche ift, und dafs von Staubbrand befallener, und dadurch ganz graufchwarzer Weizen rein aus der Mafchine herausgekommen ift. Diefes gleiche Refultat ift durch das gleiche Princip diefer Mafchinen erklärt. Die Mafchine von M. Bauer in Wien, Praterftrafse 78, ift in allen drei Variationen, welche fie feit ihrer Erfindung durchlief, in des Berichterstatters Lehrbuche„ Die Mehlfabrication" befchrieben und abgebildet und mag hier nur erwähnt werden, dafs die anfänglich complicirte Zuführung durch eine ganz einfache erfetzt und ebenfo der Weg des Getreides vereinfacht wurde. Gegenwärtig beſteht die Mafchine aus einem Cylinder aus cannelirtem Bleche, welcher durch angebrachte Ringe in Etagen getheilt wird. In dem äufseren feftftehenden Cylinder rotirt ein Siebcylinder, welcher aufsen Treiber trägt, die den Weizen zwingen, fich gegenfeitig und an den Wänden reibend, fämmtliche Etagen zu durchlaufen. Die Wand des äufseren Cylinders ift gegen die Staubkammer zu durch ein Sieb erfetzt, durch welches der abgeriebene Staub vermittelft des Windes getrieben wird, welcher durch grofse Flügel die im Innern des Siebcylinders angebracht find, erzeugt wird. Die Schäl- oder Putzmafchine von Puhlmann, Berlin, Lankwitzftrafse. Nr. 14, ift der vorftehenden fehr ähnlich. Der gleichfalls cylindrifche Mantel ift mit Verticalreihen von Erhöhungen oder Buckeln verfehen, durch welche der Cylinder gleichfalls wellig wird. Jede Erhöhung hat an ihrer höchften Stelle einen Schlitz, durch welchen die abgeriebenen Staubtheilchen in die äufsere Umhüllung und von diefer in die Staubkammer gelangen. Der die Mafchine verlaffende Weizen wird von dem Winde eines unter der Mafchine angebrachten Ventilators getroffen, welcher Weizen, leichte Körner und Kleie fcheidet. Die Mafchine von Albert Kuhn in Halle an der Saale foll ebenfo gut arbeiten und ift auch ähnlich conftruirt; Genaueres können wir, da die Mafchine gefchloffen war und nicht arbeitete, nicht angeben. Die Putzmafchine„ Eureka" von Howes, Babcock& Comp. in Amerika, Vertreter J. N. Sears& Comp. in London, Fenchurch- Street 17, ift in Figur 5, Tafel I im Durchfchnitte gezeichnet, und ift diefer Durchfchnitt dem Profpecte des Erfinders entnommen, welcher fich dadurch vortheilhaft auszeichnet, dafs er an dem fonft im Mühlenfache fo beliebten Blindekuhfpielen nicht theilnimmt; er bot eben etwas mehr als die blofse Zeichnung eines Kaftens, wie viele Andere dies fo fehr lieben. Das Getreide tritt bei A ein, paffirt den Cylinder B, gelangt durch C nach D, wo dem Weizen der angefaugte Luftftrom entgegentritt, welcher die leichten Körner nach E, die Kleie nach F zum Ventilator und vor diefem in die Staub- und Kleiekammer führt. Diefer Ventilator faugt, wie die Pfeilchen andeuten, die Luft auch aus dem Staubmantel. Wir fügen zum Vergleiche der letzten vier Maſchinen nachftehende Daten nach Angabe der Ausft eller bei. Bezeichnung der Mafchine Leiftung der Mafchine in Zollcentnern Touren Friedrich Kick. KraftPreis verbrauch in ,, Pferdeloco Wien Gulden öfterr. kräften" Währung 300 M. Bauer 6-30 2-6 ( e) 35° Höhe Länge in Metern Breite Anmerkung Wird in vier verI- 2 1-16 1-15 fchieden. Gröfsen gebaut. Nr. 1 20-30 212-3 480( 260) I'57 I'26 I Puhlmann Nr. 2 40-50 32-4 525( 315) 1.67 1'36 I Howes& Babcock 5-100 700 450 ( e) 2-3 0'75 bis 0.75 bis I 2 I'2 20 820 Kuhn 30 40 125, 150, 175 615 1/ 2-2-21/ 2 Thaler loco 510 Halle verBaut zwei fchiedene Gröfsen. Die Preife in() find für Holzgeftelle. In zehn verfchiedenen Gröfsen gebaut. In drei verfchiedenen Gröfsen. Die Mahlgänge. Die eminente Mehrheit der ausgeftellten Mahlgänge waren Steingänge mit bewegtem Oberftein und dürfte die Aufzählung derfelben, da fie keine befonders hervorragenden Einzelheiten boten, unterbleiben können. Einen Mahlgang mit beweglichem Unterftein hatte Turner in Ipswich ausgeftellt. Die Steinftellung erfolgt durch Hebung des Bodenfteines, zu welchem Zwecke die Mühlfpindel wie gewöhnlich gehoben wird. Der Oberftein kann horizontal geftellt werden, fteht aber fonft feft. Die Walzenmühlen waren durch eine Stuhlung mit drei Paar Walzen, ausgeftellt von der Mafchinenfabrik von Efcher Wyss& Comp. in Leesdorf bei Wien vertreten. An den principiellen Theilen diefer Mafchine ift Nichts eingeführt worden, doch ift eine conftructive Verbefferung angebracht, welche erwähnt zu werden verdient. Bei den Stuhlungen früherer Conftruction waren die Lager der Walzen in Schlitzen der Ständer verfchiebbar und wurde die richtige Einſtellung durch Schrauben bewirkt. Hiedurch war weder ein Nachlaffen der Schrauben, noch die Uebelftände des todten Ganges vermieden. Diefe Mängel find durch die neueſte Conftruction befeitigt. Das Lager L des Walzenzapfens z, Figur 7, Tafel I ift in einer grofsen cylindrifchen Höhlung des Ständers eingefchoben, und kann in diefer Höhlung gedreht werden. In dem fcheibenförmigen Lagerkörper ift das Zapfenlager excentrifch eingedreht. Zum Zweck der Drehung des Lagerkörpers im Ständer trägt erfterer die aus der Figur erfichtlichen gefchlitzten Anfätze, deren unterer in ein Zahnfegment endet, welches die Bewegung von der Schraube ohne Ende s erhält. Wird der Lagerkörper um den Winkel a gedreht, fo macht diefe Drehung der Zapfenmittelpunkt mit, wodurch die Walze um den Sinusversus von( bei den in der Figur erfichtlichen Conftructions Verhältniffen) mal dem Abftande des Zapfen- und Lagermittels gegen rechts( das ift gegen die zweite Walze) bewegt wird. Es verhindert fchon der Eingriff des Segmentes in die Mehl- und Mehlfabrikate. 11 Schraube ohne Ende jede beabsichtigte Drehung des Lagerftückes und dadurch Verfchiebung der Walze, zur gröfseren Sicherheit jedoch wirken zwei Klemmfchrauben i i, fefthaltend in der jeweilig gegebenen Stellung. Es mag hier erwähnt werden, dafs beide Lager der ftellbaren Walze durch diefelbe Vorrichtung aber von einander unabhängig ihre Pofition bekommen. Eine geringfügige Aenderung in der Conftruction der Sättel, welche das Mehl gut von den Walzen abftreifen, kann unbefprochen bleiben. Man kommt allmälig in weiteren Kreifen zu der Erkenntnifs der grofsen Bedeutung der Walzenmühlen und mehrt fich deren Anwendung in Oefterreich wefentlich. Das hervorragendfte Beifpiel liefert die Walzenmühle in Peft, welche alle Schwierigkeiten der Mahlmethode mit Walzen glücklich überwand und den durchfchlagenden Beweis der ökonomifchen Zuläffigkeit diefes Verfahrens liefert. Es mag hier erwähnt werden, dafs in diefer Mühle die Walzen nicht nur zum Schroten und Grieserzeugen, fondern auch zur Herftellung des Mehles verwendet find. Die Schrotgänge find von den Weifsgängen wie ich bereits in meinem Lehrbuche, in welchem die Zeichnung der Stuhlung gegeben ift, angeführt habe dadurch verfchieden, dafs erftere geriffelte Walzen, letztere vier glatte Walzen befitzen. Man rechnet drei Walzengänge in ihrer Leiftung als gleichwerthig mit zwei Mahlgängen. Der Kraftverbrauch beträgt je vier Pferdekräfte. - Walzengänge oder Schrotmühlen mit einer Walze waren auf der Ausftellung nur durch Zeichnungen der St. Georger Mafchinenfabrik und Eifengiefserei vertreten. Ein Walzftuhl diefer Art ift in Figur 8, Tafel I dargeftellt und befteht aus der rotirenden mit Stahlhülfe verfehenen Walze W und der Stahlfchale S, welche durch Kurbelrad und Schraube, wie aus der Figur erfichtlich ift, der Walze entſprechend genähert werden kann. Diefe Walzenmühlen werden nur zum Schroten und Erzeugen von Feingries verwendet, welcher dann auf Steingängen feine weitere Verarbeitung findet. Per Mafchine foll 2 bis 1 Pferdekraft erforderlich fein, die Leiſtung ift nicht angegeben. Statt der Stahlfchale wird häufig auch ein Stein gegen die rotirende Walze gedrückt. Die Fabrik fügte ihrer Zeichnung ein Mahlergebnifs bei, nachdem aber keine Mehlproben, welche einen Vergleich geftatteten, vorlagen und das Ergebnits der Vermahlung 103 95 Percent(!) auswies, fo verzichten wir auf die Wiedergabe, als völlig werthlos. Handmahlmühle mit Mahlfcheiben von Franz Sautner's Söhne in Graz, Rebengaffe. Für ganz ausnahmsweife, ländliche Verhältniffe mögen noch Handmühlen am Platze fein, induftrielle Bedeutung haben diefelben natürlich nicht. Figur 9 zeigt eine Skizze des Sautner'fchen Mahlmechanismus. S, S find die beiden Mahlfcheiben. S fitzt an der Welle w und wird durch Umdrehung von R in Bewegung gefetzt, S' ift am Schuber B feft und kann längs A A durch die Schraube C verfchoben und fo die Scheibe S beliebig genähert werden. In das Loch i der feften Scheibe S'( vergl. Figur 9 b) fällt die zu vermahlende Frucht und gelangt fo zwifchen die Mahlfcheiben, wird von diefen vermahlen und endlich ausgeworfen, um in einen unterhalb liegenden Bürftencylinder zu gelangen, welcher das Sieben beforgt. Den Lohnmüllern wird. diefe patentirte Erfindung wohl ungefährlich bleiben!!! Ueber die„ Univerfalmühle" von Ferdinand Rechtberger in Iglau, welche in ihrer äufseren Form eine Kaffee- Reibmafchine höherer Ordnung zu fein fcheint, kann der Berichterftatter trotz feiner Bemühungen den Schleier zu lüften, keinen Bericht erftatten. Die Müllerei ift, fobald es fich um Erzeugung halbwegs befferer Mehlforten handelt, ein Gewerbe, welches Kenntniffe und Routine verlangt, es handelt fich hier nicht blofs um Verkleinerung, wie beim Mahlen von Cement, Gyps, Knoppern, Caffé und dergl. Der Müller hat mit Berücksichtigung der Eigenfchaften des Getreides bei möglichfter Mehlausbeute doch dahin zu trachten, die äufserften Theile des Getreidekernes( Kleie) nicht ins Mehl zu bringen, alſo 12 Friedrich Kick. möglichft wenig zu verkleinern, dennoch aber keine Mehltheile an den Kleien zu belaffen, diefe möglichft auszumahlen. Aus diefem Grunde ift es nichts weiter als ungerechtfertigte Reclame, wenn Sautner's Söhne von ihrer Handmühle fagen, dafs damit alle Mehlforten erzeugt werden können." Der Bauer, der fie benützt und in zehnftündiger Arbeitszeit einen Metzen Getreide vermahlen hat, wird eben nur ein ganz mittelmäfsiges Mehl erhalten können, fchlechter wie das unferer heimifchen Schiff- und Windmühlen durchfchnittlich ift. Die in der Müllereibranche wohlbekannte Firma L. Nemelka in Simmering bei Wien, gab fich bei einem ihrer Ausftellungs- Objecte einem ähnlichen Irrthume hin. Die transportable Kunftmühle", gegen deren compendiöfe Conftruction Nichts einzuwenden ift, foll den Vortheil bieten, keine Verbindung mit dem Gebäude zu verlangen, daher auch in proviforifchen Nothfchupfen untergebracht werden zu können und transportabel zu fein; fie befteht aus einer Frucht- Reinigungsmafchine, einem Coppcylinder, der Spreu- Abblafemafchine, dem Mahlgang, je einem Schrot, Sortir- und Mehlcylinder und Gries- Putzmafchinen; zur Verbindung find Elevatoren und Mehlfchrauben angebracht. Während Drefchmafchinen unter Verhältniffen, wie fie Ungarn bietet, häufig beſtimmt find auf dem Felde hier und dort zu arbeiten, können wir uns doch keinen Fall denken, wo transportable Mühlen zum Bedürfniffe würden. Diefe Zufammenftellung kann an fich, weil fie compendiös ift, die Müllerei als landwirthschaftliches Nebengewerbe erleichtern, aber darüber darf man fich nicht täufchen, dafs jener Arbeiter, welcher den Gang diefer transportablen Mühle leiten foll, Müller fein und als folcher auch möglichft fortwährende Verwendung hierbei finden mufs. Nicht umfonft kam das Princip der Arbeitstheilung im Mühlenfache fchon im grauen Mittelalter zur Durchführung und wurde es von der Landwirthschaft ausgefchieden, dasfelbe wieder vereinigen, wäre verfehlt. Beachtenswerth erfcheint uns hingegen die Idee des Herrn W. Jonas in Pfaffftätten, welcher das Getreide ftatt auf Mahlgängen zu fchroten, feiner Fruchtfchneide Mafchine übergibt, welche die Verkleinerung zu grobem Gries mit der halben Kraft eines Mahlganges und der doppelten Leiftung beforgen foll. Leider gehört Herr Jonas zu jenen Mühlenconftructeuren, welche wünfchen, dafs man die Katze im Sacke kaufe, denn es wurde der Berichterftattung nicht ermöglicht, mehr als das Gehäufe der Mafchine zu befehen, und eine briefliche Anfrage hatte von Seite des Erfinders gar keine, von Seite der Vertreter Gebrüder Pichler nur die Mittheilung obiger Daten zur Folge. Wir würden den Gegenftand unerwähnt gelaffen haben, wenn nicht die Idee an fich Erwähnung verdiente. Zu den intereffanteften Neuerungen im Mühlenwefen gehört Carr's Desintegrator oder Schleudermühle, welche die Zerkleinerung nach einem neuen Principe bewirkt. Zwei Syfteme von Stahlbolzen, an gegeneinander rotirenden Scheiben befeftigt, bewegen fich mit circa 70 Fufs( 23 Meter) Gefchwindigkeit per Secunde und fchleudern das zwichen gebrachte Getreide mit folcher Gewalt zwifchen den Bolzen hin und her, dafs dasfelbe in ein ziemlich feines. mehlreiches Schrot verwandelt wird. Figur I und Figur 2, Tafel II zeigen uns zwei Conftructionen der Carr'fchen Schleudermühle, die auf der Ausftellung durch zwei, von Carl Selbach& Deiters in Mannheim, im deutfchen Pavillon für Ziegelei und Eismafchinen ausgeftellte Exemplare vertreten war, welche jedoch zur Kohlenverkleinerung, für welche fich die Schleudermühlen ganz befonders eignen follen, beftimmt fchienen.* * Vergleiche: Dingl. polytechnifches Journal Band 201 S. 387; Hiftory and defcription of the desintegrating flour mill by Thomas Carr. Birmingham. M. Billing& Son 1872. Mehl- und Mehlfabrikate. 13 In beiden Figuren bezeichnet A den Einlauf des Getreides( Goffe); B und C die beiden, nach entgegengefetzen Richtungen rotirenden Scheiben, an welchen die Bolzen i, i und o, o befeftigt find, E, F, die Antriebs- Riemenfcheiben und G die Mehlfchraube zur Hinausbeförderung des Mahlgutes aus der Mafchine. Die Mafchine ift, um das Herumfchleudern von Mahlgut zu verhindern, durch eine Haube humfchloffen. Wird die Carr'fche Mafchine zum Mahlen verwendet, refp. in den Mechanismus der Mühle eingeführt, fo fällt ihr nur die Aufgabe zu, ein fehr mehlreiches Schrot zu liefern. Der Weizen wird zuvörderft geputzt, dann auf Walzen leicht gequetfcht, wobei die Körner fich zumeift in je zwei etwas flachgedrückte Theile ( Hälften) fpalten, hierauf der Wirkung der Schleudermühle oder des Desintegrators ausgefetzt. Das von diefem gelieferte, fehr mehlreiche Schrot wird abgebeutelt, hierdurch Mehl, Griefe und reines Schrot erhalten. Die Griefe werden geputzt und getrennt vermahlen; das Schrot wird gleichfalls auf Mahlgängen weiter verkleinert. Die Leiftungsfähigkeit diefer Mafchine ift überrafchend grofs, ebenfo bedeutend aber auch der Kraftaufwand. Ein Defintegrator von 18 Meter Durchmeffer und o 23 Meter Scheibenabftand, liefert bei 400 Touren der Mahlfcheiben 5814 Liter oder 94'5 Metzen Weizenfchrot per Stunde. Auf 24 Stunden gerechnet gäbe diefs ein Mahlquantum von circa 2200 Metzen, oder nach des Erfinders Angabe die Arbeitsleiftung von 25 Mahlgängen, bei einem Kraftverbrauch von 145 Pferdekräften. Nachdem jedoch nach hiefigen Einführungen 1200 Zollzentner Weizen( circa 1300 Metzen) in fechzehn Stunden auf vier Gängen à 7 Pferdekraft gefchrotet werden, fo wären nur circa fünf Gänge oder, wenn die Verkleinerung des Desintegrators als doppelt fo intenfiv genommen würde, zehn Gänge erforderlich. Der Erfinder könnte entgegnen, die durch die Schleudermühle bewirkte Verkleinerung fei fo grofs wie die vom viermaligen Schroten der Hochmüller, ja fie fei noch grösser und darin liege der Gewinn. Wir erfehen aus diefer Betrachtung, dafs es fich zunächft um die Frage handelt: Welches find die Eigenfchaften des vom Desintegrator gelieferten Productes? Der Berichterstatter verdankt der Freundfchaft des Herrn Docenten J. Zeman eine kleine Sammlung von Mahlproducten der mit Carr's Desintegrator arbeitenden Getreidemühle von Gibfon& Walker in Bonnigton bei Edinburgh, und war hierdurch in der Lage, diefe Producte zu prüfen, wenn auch die geringe Menge der Probe des Desintegratorfchrotes die Auffuchung des Percentgehaltes von Mehl, Griefs und Schrot nicht zuliefs. Das vom Desintegrator kommende Schrot enthält viel Mehl und gröfsere Bruchftücke der Körner, hingegen wenig Griefs. Nach einer Angabe in Dinglers polytechniſchem Journale, Band 204 S. 449, enthält dasfelbe 33 Percent Mehl 20 Dunft 99 14 Gries 29 31 " grobe Theile( Schrot) Wie verhält fich nun diefes Ergebniſs gegenüber den Anforderungen der Flach und der Hochmüllerei? Der Hochmüllerei liegt befonders viel an einem reichen Ertrage der fogenannten feinen Züge; diefe laffen fich aber nur durch den ausgebildeten Griesputz und Vermahlungsprocefs erlangen, daher mufs der Hochmüller möglichfte Griesausbeute anftreben, auf welche er nur dann verzichten könnte, wenn er auf anderem Wege ebenfo fchönes Mehl in entſprechender Menge erhielte. Nachdem nun der Desintegrator wenig Gries liefert, das von ihm genommene Mehl aber nicht zu den feinen Zügen gehört, wie aus nachftehendem Vergleiche zu erfehen ift, fo folgt, dafs fich der Desintegrator für Zwecke der Hochmüllerei nicht verwenden läfst. 14 Friedrich Kick. Man erhält nämlich aus hundert Theilen Weizen beim öfterreichifchen Mahlverfahren: Mehl Nr. 00 oder Kaiferauszug 39 17 11 11 29 11 99 " O I 23 4560 27 23 "" Auszugmehl Bäckerauszug 11 Mundmehl Semmelmehl mit Anwendung des Defintegrators*; diefe Züge fehlen gänzlich } 18.9 13.8 12 O Semolina 26 Percent 13.7 Mehl direct vom Desintegrator 45 II 9 weifses Pollmehl 7.3 Kleie- Mehl und dergl. 1175 Kleie, Fufsmehl fchwarzes 11 4.5 16.4 98.5 15.75 11 98.5 Die Flachmüllerei befindet fich in einer anderen Situation. Sie producirt die feinen Züge entweder ebenfalls nicht, oder in geringerer Menge. Eine gut geführte Vermahlung nach diefem Syftem, welches wir bereits Eingangs unferes Berichtes erwähnten, lieferte: Blumenmehl( ziemlich gleich mit vorbenanntem Mehl Nr. 2) 23.92 Percent Plattmehl( zwifchen Nr. 2 und Nr. 3 ftehend) Griesmehl( zwifchen Nr. 3 und 4 ftehend) Kernmehl( gleich Nr. 6) Kleie und Futtermehl( zu Kleie zu rechnen) 40.16 6.26 11 11 8.91 11 13.71 " 91-96 Percent Im Allgemeinen kann als Ergebnifs der Flachmüllerei angenommen werden: 73 Percent Mehl Nr. 1, 2 und 3 7 "" 17 4 bis 6 17 Kleie 17 Vergleicht man diefe Ergebniffe mit dem oben citirten Mahlrefultate Carr's, fo geht hieraus hervor, dafs die Carr'fche Schleudermühle für die Flachmüllerei eher Bedeutung haben könnte, dafs jedoch auch hier die Vortheile fraglich find. Carr fagt zwar: ,, Wie fehr auch die Rafchheit und Oekonomie der Arbeit durch den Desintegrator gefördert wird, fo fällt doch die Güte des erhaltenen Mehles mehr in Betracht, welche fich befonders in feiner Backfähigkeit manifeftirt". In dem Schlufsfatze mag volle Wahrheit liegen, denn das Mehl vom Desintegrator ift körniger als folches von Steinen, und fogenanntes todtgemahlenes Mehl kann hier kaum vorkommen. - Mehl diefer Art, welches die Flachmüllerei manchmal liefert, ift eben fehlerhaft, und auch der Flachmüller vermeidet es, durch gute Führung der Steine. Diefer eine Vortheil kann allein nicht mafsgebend fein. Es ift allerdings wahr, dafs im Producte der Schleudermühle die Kleie meift in gröfseren Partien, alfo weniger zerfplittert vorkommt, doch würde der hierdurch bedingte Vortheil nur dadurch ausgenützt werden, wenn Gries und Schrot nach der Abfonderung dem Putzproceffe unterworfen würde, wie bei der Hochmüllerei, wodurch eine befondere Art von Halb- Hochmüllerei entſtehen würde. In ihr könnte vielleicht ein lokaler Fortfchritt fich finden laffen; gegenüber dem öfterreichifchen Mahlverfahren oder der Hochmüllerei bliebe es aber doch nur eine halbe Mafsregel. Nachdem die Qualität des Productes des Desintegrators deffen Anwendung bei der Hochmüllerei geradezu verbietet, bei der Flachmüllerei nicht * Diefes Mahlergebniſs ift einer im Auguft 1872 erfchienenen Brochure Carr's entnommen. Die dort befindlichen Angaben: Bran flour 4'5 Percent, Exhauft flour 1'5 Percent, Seconds 4 Percent, Parings 175 Percent wurden hier unter Kleiemehl etc. zufammengezogen. Mehl- und Mehlfabrikate. 15 fonderlich empfiehlt, fo müffen wir zum Schluffe noch einen Blick auf die Quantität der Arbeitsleiftung werfen. Wie wir oben angegeben haben, liefert ein Desintegrator 5814 Liter per Stunde, von welcher Lieferung ein Drittel Mehl( 1938) oder fertiges Product ift, während die anderen beiden Drittheile weiter vermahlen werden müffen. Ein Mahlgang hingegen verarbeitet per Tag 3690 Liter, per Stunde 154 Liter vollkommen. Die Arbeitsleiftung bezogen auf ausgemahlenes Product verhält fich alfo wie 1938: 154 oder nahe wie 13: 1. Der Kraftverbrauch wie 145: 8 oder nahe wie 18: 1. Während alfo dreizehnmal mehr Arbeit geliefert wird, verbraucht die Schleudermühle achtzehnmal mehr Kraft. Hierbei ift allerdings auf jene Arbeitsleiftung, welche in Gries und Schrotbildung befteht, nicht volle Rückficht genommen worden, weil diefs nur fchätzungsweife und fehr annähernd möglich wäre; immerhin werden aber die obigen Zahlen einiger Mafsen zur Orientirung dienen können. Carr fagt felbft, dafs feine Schleudermühle obiger Dimenfionen 63 Pferdekräfte zum Leergange verbraucht, alfo eigentlich zur Arbeit nur 145-163, gleich 82 Pferdekräfte bleiben. Diefer enorme Kraftverluft kann nur im Luftwiderftande begründet fein, und da die Mafchine nicht im Vacuum arbeiten kann, fo bliebe nur übrig, durch entſprechende Formung der Bolzenquerfchnitte oder Schlagftifte die Luftwirbel möglichst zu mindern, ohne dabei die Leiftungsfähigkeit zu gefährden, eine wahrfcheinlich fchwierige Aufgabe. Es mag noch Erwähnung finden, dafs der Mühlenbefitzer Franz Schmid in Lanzendorf vor circa zehn Jahren eine Getreide- Schälmafchine conftruirte, die nach demfelben Principe arbeitete, deren Leiftung jedoch nur in den erften Stunden eine fehr gute war, fowie aber die abgeriebene Hülfe fich anfammelte, zu functioniren aufhörte. Mühlfteine und Mühlftein- Schärfmafchinen. Sowie die Wiener Weltausftellung abermals glänzend die Vorzüglichkeit des öfterreichifchen Mahlverfahrens bekundete, fo verhalf diefelbe den franzöfifchen Mühlfteinen zur allfeitigen Anerkennung. Die belgifchen, öfterreichiſchen und deutfchen Mühlftein- Fabrikanten wetteiferten, gut gearbeitete Mühlfteine, aus forglich ausgewählten la Ferté- Steinen, auszuftellen. Die, Belgier Daffonville, St. Hubert, Namur, die Oefterreicher, Ofer in Krems, Gebrüder Israel in Wien, Hübner& Opitz in Pardubitz; die Deutfchen Lüders& Kubon in Dresden, A. Fauqueux& Behrlé in Renchen, Baden; Friedrich Wegner in Stettin und Andere hatten mehr minder vorzügliche franzöfifche Steine zu ihren Mühlfteinen verwendet, und auch fehr folid verbunden. Die Mehrzahl diefer Firmen hatten Cement ftatt Gyps für den Aufgufs; gefchweifste, ftatt genieteter Eifenringe für die Bindung angewendet. In den meiften Fällen find für die Equilibrirung mit Blei auszufüllende Käftchen an der Rückfeite der Steine angebracht, ausnahmsweife, fo von Lüders& Kubon, Gebrüder Israel und Andere, auch ftellbare Gewichte. Hier fehlt es jedoch noch merklich an Verftändnifs der Theorie der Rotationserfcheinungen, und habe ich diefs in meinem Buche ausführlich bewiefen und gezeigt, wie equilibrirt werden follte. Der Stein follte eigentlich nur vollkommen richtig laufend die MühlfteinFabrik verlaffen, hierauf wird aber meift nicht gefehen. Zu der foliden Fügung und Bindung der Steine der obgenannten Firmen( Alexander Fauqueux in La Ferté Sous Jouarre, wiefs diefsbezüglich gleichfalls Mufterleiftungen auf) gefellen fich noch einige kleinere Verbefferungen, welche wir weiter unten berühren. Zunächft wollen wir der Bemühungen gedenken, die franzöfifchen Steine zu erfetzen. J. Schwarz in Wien hatte ein reiches Sortiment inländifcher Quarz 2 16 Friedrich Kick. Mühlfteine aus den Karpathen ausgeftellt, welche wohl auch fehr porös find, doch lange nicht jene zähe Feftigkeit der franzöfifchen Steine aufweifen. Die kleinen Quarzkriftall- Drufen, welche die mannigfach geformten Löcher füllen, bröckeln leicht ab und ift dadurch die gleichmässige Bearbeitung der Mahlfläche, wie fie die La Ferté- Steine geftatten, nicht möglich, die Schärfe wird minder gleichmäfsig und dauernd. Noch weniger für Weizenmüllerei geeignet find die Trachyt- und die Sandfteine. Letztere, befonders die Walfeer Steine, in reicher Auswahl von Johann Mayr& Comp. zu Inzersdorf bei Wien ausgeftellt, eignen fich zum Kleieausmahlen und befonders als Spitzfteine, nicht aber zum Weizenmahlen. Nur ein Steinpaar aus inländifchem Materiale konnte den Anfpruch erheben, den franzöfifchen Steinen zur Seite geftellt zu werden. Diefelben wurden von Geittner& Rauch in Peft ausgeftellt und rühren die Steine aus Bars Geletnek. Die Steine waren in Farbe faft weifs, mit röthlichen Stellen, und glichen den Steinen von E pernon zumeift. Wie fich diefe Steine bewähren, ift uns nicht bekannt geworden. Nachdem die öfterreichifchen Mühlftein- Fabriken trotz verhältnifsmäfsig kurzer Dauer ihres Beftehens den öfterreichifchen Markt vom Bezuge ausländifcher Mühlfteine unabhängig gemacht haben, felbftverftändlich bei Bezug des Steinmaterials aus Frankreich, fo dürften nachftehende Angaben einiges Intereffe beanfpruchen. Die Fabrik der Gebrüder Israel, oder vielmehr die Fabriken diefer Firma in Währing, Dresden, Graz, Jonsdorf und Hoffnung wurden 1867 bis 1872 ins Leben gerufen, und verarbeiten aufser franzöfifchen, auch Jonsdorfer, Hieflauer, Wenizeller, Hoffnunger und andere Steine. Von erfteren follen jährlich 1000 Mühlfteine erzeugt werden, welche nicht nur in Oefterreich, fondern auch in den verfchiedenften Theilen Deutſchlands Abfatz finden. Diefe Firma hält grofse Stücke von den in Hoffnung bei böhmifch Zwickau aufgefundenen Quarzftein, von welchem fie glaubt, derfelbe werde nächft den franzöfifchen Steinen den erften Rang einnehmen, eine Meinung, welcher wir der derben Natur des Steines wegen durchaus nicht beipflichten können, obwohl wir gerne der guten Meinung betreffs der Verwendbarkeit für die Roggen- und Kukurutzvermahlung zuftimmen. Nebenbei fei hier bemerkt, dafs diefe Firma den Saverner Schleifftein in Oefterreich einführte, der in vielen Mafchinenfabriken in Verwendung fteht. Die Ausftellung felbft beftand nicht allein aus tadellos hergestellten fran zöfifchen Mühlfteinen, fondern auch einer gröfseren Zahl diverfer Steine für Graupenfabrication, Hirfe-, Haidekorn- und Hafervermahlung, endlich( in eigenem Pavillon) in einer intereffanten Sammlung von circa 100 ein- bis anderthalb füfsigen Steinen, Proben der in Oefterreich, Deutſchland, Ungarn und Rufsland gebräuchlichen Mühlfteine, fowie diverfer Müllerei- Utenfilien. Die Muhlftein- Fabrik von Jofef Ofer in Krems wurde 1862 gegründet, derfelbe verfuchte anfänglich die franzöfifchen Steine durch inländifches Material zu erfetzen, fabricirt aber gegenwärtig die Mühlfteine für Weizenmüllerei ausfchliefslich aus franzöfifchen Steinen und hatte auch ein Steinepaar aus trefflichem blauem La Ferte- Stein ausgeftellt. Ofer behauptet, in Oefterreich der erfte gewefen zu fein, welcher die Erhöhung in Portland cement ausführte, und es fei ihm kein Fall einer Lockerung einzelner Theile vorgekommen. Bei feinen Ausftellungsobjecten ift als Neuerung hervorzuheben: ein Steinepaar mit conifcher Mahlbahn, wie felbe in Amerika bereits feit längerer Zeit angewendet werden, und bei weniger Kraftaufwand mehr grobkörnigen Griefes liefern follen; ferner Läufer ohne Mittelftück und Bodenfteine mit tiefer gelegtem Mittelstücke, fo, dafs die Arbeit des Vertiefens desfelben gänzlich entfällt, auch die Mahlhöhe controllirbar wird. Mehl- und Mehlfabrikate. 17 Gebrüder Pichler in Wien und Floridsdorf hatten auch gut gearbeitete Mühlfteine exponirt, und ift bei denfelben die Mühlftein- Glafurhohle( aus Terracotta mit Kali- Kalkglas glafirt) hervorzuheben; diefelbe foll gegen andere Hohlen den Vorzug haben, dafs fich das Mahlgut an diefelben nicht anlegt, daher Verftopfungen nicht vorkommen können, und alle hiedurch bedingten Uebelftände wegfallen. Mühlftein- Schärfmafchinen, theils mit Diamant, theils mit Picke wirkend, find auf der Ausftellung mehrere und in ziemlich abweichender Conftruction ausgeftellt gewefen; einen bemerkenswerthen Fortfchritt haben wir jedoch nur an der Diamant- Steinfchärfmafchine von Adler& Rivenc in Genf gefunden. Diefe Mafchine, der von Golay ähnlich, wirkt in der Breite eines Feldes felbftthätig, indem fowohl die längs des Sprengfchlages fortfchreitende, als die Querbewegung durch einen einfachen, gut conftruirten Mechanismus erfolgt. Hiedurch wird der Arbeiter erfpart, und ift nur eine überwachende Perfon nöthig, welche gleichzeitig ganz wohl zwei Mafchinen beauffichtigen kann. Die Vertretung diefer Mafchine hat in Wien Herr L. Martin, Getreidemarkt 14, übernommen. Beutelvorrichtungen oder Sichtemaſchinen. Die Ausstellung bot in diefer Gruppe von Hilfsvorrichtungen der Müllerei nichts Beachtenswerthes, denn die Horizontal Centrifugal- Sichtmafchine von Johann Wern z in Erpolzheim, Rheinpfalz, das einzig Originelle, kann mit der Leiftungsfähigkeit der Cylinderfiebe oder Mehlcylinder die Concurrenz nicht aufnehmen, da die Tagesleiftung nur 800 Kilogramm beträgt, und fallen daher die vom Erfinder angegebenen Vortheile der leichten Zugänglichkeit zum Zwecke des Wechſelns der Gazenummern und der Schmierung, ferner geringer Gaze und Kraftverbrauch nicht in die Wagfchale. Der fehr wefentliche Vortheil der allerorts gebräuchlichen Mahlcylinder ift eben der, dafs eine grofse Menge Mahlgut in kleinem Raume gefiebt werden kann, die bedeutendere Menge erforderlichen Gazes kommt hierbei nicht in Betracht. Bezüglich der Conftruction der Wernz'fchen Mafchine wird es daher genügen zu bemerken, dafs fie aus einer rotirenden, mit Gaze überzogenen Scheibe beftand, deren Mittelpunkt felbft in einem Kreife von geringem Durchmeffer rotirte. Das Mahlgut wurde nahe der Mitte continuirlich aufgegeben, die feinen Theile fielen durch das Sieb, die Kleie aber lief über die Peripherie ab.* Nachdem die Mehrzahl der Müllerei- Hilfsmafchinen ziemlich viel Raum bedürfen, und zum Transporte des Mahlgutes viel Kraft gebraucht wird, fo mufs jede Conftruction begrüfst werden, welche in beiden Richtungen fpart. Diefsbezüglich ift eine an mehreren Orten in der Nähe Wiens angewendete, zuerft aber vom Herrn Franz Schmid in Lanzendorf gebaute Einrichtung zu erwähnen, welche jedoch auf der Ausftellung nicht vertreten war. Diefelbe befteht darin, dafs in einem Kaften zwei Mehlcylinder neben einander aber auch in entgegengefetzter Richtung geneigt angeordnet find, fo zwar, dafs der tieffte Punkt des einen, neben dem höchften des zweiten liegt. Das Mahlgut nun, welches den erften Cylinder verläfst, wird von diefem durch ein Auswurfrad gegen den zweiten befördert, welcher es durch ein Schöpfrad aufnimmt. * Die Wernz'fche Mafchine foll fich ihrer foliden Bauart und guten Verfchluffes wegen zum Formfand- Sieben in Eifengiefsereien recht gut eignen. 2* 18 Friedrich Kick. Schrot- und Griesputz- Mafchinen. Seit den zwanziger Jahren ift in Oefterreich das Putzen der Griefe allgemeiner in Gebrauch gekommen, und hat zu der eigenartigen Entwicklung des öfterreichifchen Mahlverfahrens der Hochmüllerei den Anftofs gegeben, einem Verfahren, welches immer weitere und weitere Kreife zieht. Man bläft oder faugt bekanntlich die Kleie von den Griefen weg, um aus diefen befferes Mehl zu erhalten. Was liegt im Grunde näher, als fchon beim Schrot ein Putzen vorzunehmen? Natürlich mufs das, von den Steinen kommende Schrot eher von Mehl, Dunft und Griefen getrennt werden. Das reine Schrot kann aber mit derfelben Berechtigung dem Putzen unterworfen werden, wie die Griefe und gefchieht dies auch mit trefflichem Erfolge in neuefter Zeit. Figur 10 auf Tafel I zeigt uns eine Schrot- Putzmafchine mit faugender Wirkung. A ift der Einlauf des Schrotes, deffen fchwere Partien nach B, B', die leichteren nach C, C und die Kleie nach D gelangt, denn während des Fallens wird das Schrot von dem durch O, O angefaugten Luftzuge getroffen. Das fo geputzte Schrot gibt natürlich bei der weiteren Vermahlung, beim weiteren Schroten, beffere Mehle, reinere Griefe. Von den Gries- Putzmafchinen find die alten, von Ignaz Paur in Vöslau erfundenen, noch immer in Gebrauch und waren von Nemelka, Efsbüchl und Anderen folche Maſchinen ausgeftellt. Für die feineren Griefe find neuerer Zeit die Mafchinen mit faugender Wirkung häufiger in Gebrauch gekommen, und haben Nemelka, Millot, Efsbüchl, Bauer und Efcher Wyfs folche Mafchinen ausgeftellt. Die drei erftgenannten find in ihren Conftructionen der Werner'fchen Saugmafchine fehr verwandt. Millot hat den Saugventilator durch richtige Conftruction desfelben kräftiger gemacht und kann daher die Luftfpalte vielmal vergröfsern, wodurch eine gleichmäfsigere und vollständigere Wirkung erzielt wird. Dafs er den Abfauberer von zwei Kurbelzapfen bewegt werden läfst, ift nicht nachahmenswerth, denn bei nur etwas ungleicher Wirkung der beiden läuft das Siebgut auf eine Seite und wird in Folge deffen unvollständig fortirt. Die Mafchine ift exact ausgeführt und billig( 600 Francs). Bei Efsbüchl in Wien wäre nur die Verbefferung hervorzuheben, dafs er den Einlauf( die Goffe) verfchiebbar angebracht hat, wodurch eine weitere Regulirung ermöglicht ift. Hier mag auch Erwähnung finden, dafs man neuerer Zeit bei Aufhängung der Säuberer über den Gries- Putzmafchinen die Federn fchräge anbringt, wie es in Figur 3, Tafel II angedeutet ift, hierdurch findet beim Rütteln ein Aufwerfen der Griefe ftatt, wodurch fich die leichteren Kleien nach Oben begeben und einerfeits den Durchgang des Griefes durch das Sieb nicht hindern, andererfeits die Kleie fchon hiedurch theilweife abgefondert wird. Nemelka und Millot hatten an den ausgeftellten Putzmaschinen die unter dem Sauberer angebrachten Federn mit einem Zahnfegmente verfehen, welches durch ein Zahnrad bewegt, eine mehr minder grofse Schrägftellung der Feder geftattet. Bauer hat zwei Mafchinen verfchiedenen Syftems ausgeftellt: die für Griefe Nr. 4 bis 8( der Pefter Numerirung) verwendete, in Figur 4, Tafel II fkizzirte Mafchine und die bekannte Seck'fche Putzmafchine für Griefe Nr. 9 una 10( Dunft). Wir erfehen, dafs der Gries vom Säuberer kommend über die Brettchen i, i abläuft, die fchwereren Theile gelangen nach o, o, dann n, n und endlich I und I. Der Gries fammelt fich alfo in I in befter Sorte, in I' in minderer Sorte an; nach II und III gelangen die durch den angefaugten Wind etwas zurückgehaltenen Theile, Ueberfchläge und die leichteften Theile, die Kleie, geht den Pfeilen folgend, zum Ventilator. Man erhält hiebei zwei Sorten von Ueberfchlägen, welche Mehl- und Mehlfabricate. 19 auch weiter getrennt behandelt werden follten, falls der Zweck diefer etwas complicirten Einrichtung nicht werthlos werden follte. Für ein allzuweit getriebenes Scheiden der Producte ift der Berichterstatter nicht, da dasfelbe fchliefslich doch wieder zum Zufammengeben früher getrennter Theile führt. Die zweite Gries- Putzmafchine M. Bauer's, nach Seck's Syftem, wurde bereits in dem vom Berichterstatter herausgegebenen Lehrbuche befchrieben und kann als bekannt wohl hier übergangen werden, wenn fie auch für fehr feine Griefe( Dünfte) ganz vorzüglich ift. Hingegen mag die Mafchine von Efcher Wyss' Zweigfabrik in Leesdorf bei Wien als eine Verbefferung der bekannten Haggenmacher'fchen Mafchine hier Erwähnung und in Figur 5 a Tafel II ihre fkizzenhafte Darftellung finden. Der Gries kommt von a, b auf den Conus c, den Teller d, von diefen hergleitend vor den Saugwind und wird in Gries, Ueberfchlag und Kleie, welche nach e, fund g gelangen, gefchieden. Es erfolgt hier ein dreimaliges Putzen, was ein wefentlicher Vortheil ift. Das Innere und das Mittelrohr ift, wie angedeutet, ftellbar, das äufsere Rohr kann durch einen aufgefetzten Ring, welcher in Figur 5 b befonders gezeichnet ift, höher oder niederer gemacht werden, denn fowie der Ring nach rechts gedreht wird, gleiten die fchrägen unteren Kanten am Bolzen z in die Höhe und kann der Ring in jeder Lage durch die Klemmfchraube s feftgeftellt werden. Man erhält bei diefer Mafchine fchliefslich nur je eine Sorte Gries( Dunft) in e", Ueberfchlag in f' und Kleie, welche vom Ventilator in die Kleiekammer geführt wird. Am Schluffe der Betrachtung über Gries- Putzmafchinen kann der Berichterftatter nicht umhin, fein Bedauern auszufprechen, dafs das vom Engländer Bucholtz mit beftem Erfolge angewendete Syftem der Combinirung der Wirkung der Centrifugalkraft mit jener angefaugter Luft, zum Zwecke der Reinigung der Griefe, auf der Ausftellung keine Vertretung fand. Maschinen für Rollgerfte- Fabrication. Graupengänge. von Diefe Gruppe von Maſchinen hatte in der vertikalen Schäl- und Graupenmafchine mit Selbstbedienung bei drehender Bütte M. Martin in Bitterfeld, eine, wie wir glauben, wefentliche Verbefferung aufzuweifen. Indem wir von unferen Lefern Vertrautfein mit den Operationen der Graupenerzeugung und dem gewöhnlichen Graupenholländer vorausfetzen, fo können wir fogleich bemerken, dafs das Wefentliche an Martin's Mafchine in der vollkommenen Selbftbedienung liegt, dafs diefelbe im Uebrigen die Arbeit des Holländers, Schälen der Gerfte und Rundiren derfelben oder ihrer Bruchftücke, durch Zufammenwirken des ziemlich rafch rotirenden, feinkörnigen Steines und der im Abftande von 20 Millimeter in entgegenfetzter Richtung weit langfamer fich drehenden Bütte, bewirkt. Die Skizze Figur 6, Tafel II, zeigt bei A den Füllkaften, in welchen das Graupengut gebracht ift. Diefer Füllraum ift durch zwei Walzen, welche die Function von Schiebern verrichten und demgemäfs entſprechend durchbrochen find, in drei Theile getheilt. Der oberfte ift der eigentliche Rumpf, der zweite, zwifchen den beiden Walzen liegend, ift der Mefsraum und daher auch durch Charnierklappe und Schraube in feinen Gröfsenverhältniffen verftellbar, und der dritte, unterfte Theil communicirt unmittelbar durch den Büttenzapfen mit dem Büttenraum. Soll nun felbftthätig die Mafchine gefpeift werden, fo mufs felbftthätig und rechtzeitig das Stellen der beiden Walzen erfolgen, damit im Mittelraum das Abmeffen, hierauf die Entleerung der abgemeffenen Menge in den Unterraum, refp. die Bütte erfolgen kann. Diefe Bewegung der Walzen oder nennen wir fie bezeichnender Speifehähne erfolgt durch Vermittlung der an der Büttenwelle und mit ihr fich drehenden Schraube s, das 20 Friedrich Kick. Schneckenrad r und die beiden Doppel- Curvenfcheiben c, c' welche auf eigenmühtlich geformte, an den Achfen der Speifehähne fitzende Dreiecke wirken. Die felbftthätige Entleerung der Mafchine erfolgt in ähnlicher Weife. Mit der Bütte feft verbunden rotirt die Welle w, welche einerfeits das Schneckenrad randerfeits die Curvenfcheiben c" trägt. Die Schraube s' ift mit dem Lager feft verbunden und umgreift als freigehaltener Ring die Büttenwelle. Nachdem nun die Welle w mit der Bütte fich drehend, die Schraube umkreift, fo mufs das Rad r eine Drehung um feine Achfe erhalten, welche der Welle und den Curvenfcheiben c" mitgetheilt wird. Hiedurch vermitteln die Curvenfcheiben c" das rechtzeitige Oeffnen und Schliefsen durch entſprechendes Drehen des im Büttenkranze eingefetzten Entleerungshahnes. Nachdem es erforderlich ift, die Oeffnungszeit für die Entleerung zu reguliren, fo befteht c" aus zwei Theilen, die fich zu einander verfetzen laffen, während c und c' aus einem Stück find, denn die Zeit für den Einlauf läfst fich ein für allemal feftfetzen. Der Mechanismus der Füllung und Entleerung ift in folchem Zufammenhange, dafs, fowie der Entleerungshahn gefchloffen wird, fich der Füllungshahn fogleich öffnet. Die Zeit zwifchen Füllung und Entleerung oder die Arbeitsperiode des Steines ift abhängig von der Gefchwindigkeit der Bütte und diefe läfst fich durch ein Riemenvorgelege oder bei gröfseren Mafchinen durch ein Rädervorgelege reguliren. Noch mag bemerkt werden, dafs die rotirende Bütte mit einer ftillftehenden aus Holz und Blech gefertigten Umhüllung verfehen ift, welche mittelft Filz genau abgedichtet ift. Diefe Hülle hat den Zweck, die durch die fchwachen Zwifchenöffnungen der Eifenftäbe, welche die Stirnfläche der Bütte bilden, herausgetriebenen Staubtheilchen aufzunehmen. Ein Saugventilator führt diefelben continuirlich ab. Es wird dadurch der Vortheil erreicht, dafs alles beim Schälen Abgefonderte fofort aus der Mafchine entfernt wird. Das nach Beendigung des Schälproceffes eben dahin entleerte Arbeitsquantum wird mittelft Elevators( oder Schnecke) nach den Sortirmafchinen transportirt.-Wir erfehen, dafs fich das Quantum der Charge( gleichzeitiger Bearbeitungsmaffe), die Zeitdauer der Einwirkung und die Dauer der Entleerung reguliren läfst und dafs die Mafchine vollkommen felbftthätig wirkt. In conftructiver Beziehung ift fie geiftreich durchgebildet, doch liegen Details nicht in der Aufgabe des Berichtes. Nebft der Mafchine und dem zugehörigen Sortirapparat, waren Producte derfelben, als: gefchälte Erbfen, Reis, Hirfe, Gerfte und Graupen verfchiedener Gröfse ausgeftellt, welche die tadellofe Arbeit diefer Mafchine bekundeten. Die Reifs mafchine desfelben Fabrikanten bezweckt das Zertheilen der Gerftenkörner in mehrere( drei) Stückchen, um eine gröfsere Zahl kleiner Graupen zu erzeugen, als es fonft aus derfelben Gerftenquantität möglich. Sie vertritt alfo die Stelle der Schneidemaschinen. Die Zerkleinerung erfolgt hier durch das Zufammenwirken zweier nach entgegengefetzten Richtungen bewegter Mahlfcheiben, deren gegen einander gekehrte Flächen fraifenähnliche Zähne befitzen. Wietzheimer& Pini in Wien hatten gleichfalls einen Graupengang ausgeftellt, welcher jedoch ohne Selbftbedienung arbeitet; derfelbe ift in den arbeitenden Theilen dem Martin'fchen Gange ähnlich, nur ift ein Theil des Büttenumfanges aus Steinfegmenten gebildet; nicht alfo aus Eifenftäbchen. Zur Graupenfabrication verwendete Steine hat in mehreren Varietäten die Firma Gebrüder Ifrael ausgeftellt und empfiehlt diefelbe als Schälftein einen grobkörnigen fächfifchen Sandftein, als Rollftein mittelgroben fchlefifchen und als Polirftein einen feinkörnigen harten Sandftein aus Hannover. Mehl- und Mehlfabricate. 21 Mafchinen und Oefen zur Teigwaaren- Fabrication. in Die hydraulifche Maccaronipreffe der Mafchinenfabrik St. Georgen in der Schweiz verdient ihrer vorzüglichen Conftruction und Ausführung wegen eine nähere Befprechung: Es ist bekannt, dafs diefe Preffen auf demfelben Grundprincipe wie die Thonröhren- oder Bleiröhren- Preffen beruhen. Die Teigmaffe wird in einen Cylinder gebracht, in deffen Boden ein Model eingefetzt ift, welcher Durchbrechungen in jener Querfchnittsform zeigt, welche der zu erzeugenden Nudel zukommen foll. Bringt man unter der Aufsenfläche des Modells ein rotirendes Meffer an, fo werden die ausgetriebenen Teigcylinderchen fogleich in dünne Blättchen gefchnitten, welche Blättchen die Form der Durchgangsöffnungen zeigen, diefen entfprechend alfo Sternchen, Kreuzchen, Buchftaben etc. darftellen können. Es kann als drückendes Organ ebenfowohl eine Schraube als eine hydraulifche Preffe verwendet werden; die Anwendung von letzterer ift aber rationeller, weil ohne grofse Reibungsverlufte durch vielfache Ueberfetzungen der erforderliche grofse Druck von 1700 bis 2400 Pfund per Quadratzoll( welcher bei feiner Schnittwaare des fefteren Teiges wegen bis 3600 Pfund fteigen kann) fich herftellen läfst. Figur 7 a, Tafel II, zeigt eine Durchfchnittsfkizze diefer Mafchine, in welcher A den hydraulifchen Druckcylinder, B den hydraulifchen Cylinder zum Heben der Prefskolben, c, c die beiden Teigcylinder, D, D die Teigprefs- Kolben, m die unten im Teigcylinder eingefetzten Model und E das Quer- Schneidwerk bezeichnet, welches in Figur 7 b gröfser dargestellt ift. Wir erfehen aus diefer Figur, dafs an einer verticalen Welle a die Meffer s, s fitzen, welche fich dicht unter dem Model im Kreife drehen, die rotirende Bewegung der Meffer, deren Gefchwindigkeit fich durch Stufenfcheiben und ein Rädervorgelege abändern läfst, wird vom Riemen und den Rädern p, q vermittelt. Der untere Theil der Teigcylinder C ift von einer Hülfe Fumfchloffen, welche zwifchen C einen Zwifchenraum o läfst, in welchen Dampf eingeleitet wird, durch welchen die Model, fowie die Teigmaffe warm erhalten werden. Durch diefe Erwärmung trocknen die ausgeprefsten Paftawaaren fchnell und kleben beim Legen auf die Trockenhürden nicht aneinander. Befördert wird diefes rafche, oberflächliche Trocknen noch durch feitlich aufgeftellte Windflügel. Es bedarf wohl kaum der Erwähnung, dafs beim Preffen das Waffer des Hebecylinders B und anderfeits beim Heben das Waffer des Prefscylinders A in ein Refervoir frei entweichen kann. Ausführliche Zeichnungen diefer Maſchine finden fich in Uhland's praktiſchem Mafchinenconftructeur, Jahrgang 1873, Nro. 12. - Nachdem die Model von oben ein und ausgehoben werden und die Teigcylinder überhaupt zugänglich fein müffen, fo find die Prefsftempel fo eingerichtet, dafs fie nach Ausziehen eines Stiftes in einem Charnier beweglich find und aufgeklappt werden können.* Die St. Georger Mafchine koftet mit zwei Teigcylindern 5500 Francs, ein Model aus Kanonenmetall 55 Francs, ein folcher für Buchftaben 100 Francs. Die Leiftung der Mafchine beträgt in zwölf Arbeitsftunden 8 bis 10 Centner. Dauer des Niederganges 10 Minuten, des Aufganges I Minute. Höhe der Mafchine 17 Fufs, Breite 3 Fufs, Länge 5 Fufs, Gewicht 108 Centner. Kraftbedarf 11 bis 2 Pferde. * Für die Hand des Arbeiters ganz ungefährlich ift jene Conftruction, welche Franz Schmid an einer für die Paftawaaren- Fabrik von Eduard Fifcher von Röslerftamm in Wien gebauten Prefse anbrachte, bei welcher der Prefsftempel an einer horizontal drehbaren Platte feftfitzt, und hiedurch zur Seite gebracht wird, ohne feine verticale Lage zu ändern, ohne alfo niederfallen und hiedurch den Arbeiter befchädigen zu können. 22 Friedrich Kick. Continuirlicher Backofen, ausgeftellt und in Betrieb gefetzt vom Mafchinenfabrikanten Hailfinger in Wien, Alfervorftadt, Sechsfchimmel- Gaffe Nro. 5. Schon lange wünſchten die Bäcker in den Befitz continuirlicher Backöfen zu gelangen, welche fie der bedeutenden Uebelftände überheben, die mit den gebräuchlichen intermittirend wirkenden Backöfen verbunden find. Es ift bekannt, dafs die gewöhnlichen Backöfen kräftig geheizt werden müffen, damit tiefere Schichten des Mauerwerkes erhitzt werden, welche ihre Hitze ſpäter abgebend, dem Ofen jene Eigenfchaft geben, die der Bäcker mit der Bezeichnung„ vorhaltend" ausdrückt. Nachdem jedoch das Brennmaterial hiebei unmittelbar die Wände des Backraumes erhitzt, werden diefe zu heifs, um das Einlegen des Gebäckes ohne weiters zu geftatten. Es folgt dem Heizen das fogenannte„ Auswafchen", eine Operation, bei welcher durch naffe Lappen der Boden des Ofens oberflächlich gekühlt wird, wobei bei gröfseren Oefen ein Verbrauch von circa 50 Liter Waffer erforderlich wird. Diefer Menge verdampften Waffers entfprechend ift felbftverſtändlich der Brennmaterial- Verbrauch gröfser als zum eigentlichen Backen erforderlich ift und zudem mufs man Holz als Brennmaterial verwenden. In dem continuirlichen Backofen Hailfinger's, welcher 1600 Semmeln oder 300 Laibe Brot( à 20 Centimeter Durchmeffer) fafst, findet SteinkohlenFeuerung ftatt und genügen per Tag 123 Centner oder 80 Kilogramm. Der Brennmaterial- Verbrauch ftellt fich in Wien dem Koftenpreife nach auf kaum 1/5 des gewöhnlichen; die Herftellungskoften des Ofens belaufen fich auf 2000 bis 3000 fl. öfterreichifcher Währung.* Der Berichterstatter hatte wiederholt die Gelegenheit zu beobachten, dafs das Gebäck in allen Theilen des Ofens vollkommen gelang und waren fehlerhafte Stücke bei vorfichtigem Einfchiefsen und Ausziehen faft keine zu finden. Eine Zeichnung kann hier nicht gegeben werden, da der Erfinder zunächft nur felbft derlei Oefen bauen will. Hailfinger hatte ferner noch feine bekannten Teig- Theilmafchinen, welche die Aufgabe verrichten, aus einer gewogenen Teigmenge 32 gleich fchwere Stücke( für 32 Semmeln und dergl.) zu fchneiden und die„ Semmel- Wirkmafchine" ausgeftellt, welche mit zwei Mann Bedienung fo viel Semmeln wirken ( formen) foll, als fonft fünf Arbeiter aus freier Hand liefern. * 40 liche Ziegel. bis 50 Centner Eifentheile à 40 fl., 600 feuerfefte Ziegel, 100 à 18 fl. und 8000 gewöhn Fig.1. Hignette's Steinauslese- Maschine. A F D F B B Fig. 5. Getreide Schäl- von Homes, Babcock Fig. 2. D Fig. 3. Aspirator oder Tarare. B a F F Maschine & Co. B A Fig.6. Millot Putzmaschine. # Schrot- Putzmaschine. Fig.10. A B D C' B' AA f i i Davey- Paxman's GetreideTrockenmaschine Fig. 4. C A A ff B E D B' B' Fig. 7. Z L ט. S Detail zur Walzenmühle von Escher Wyss. m Sautner's Handmühle. Fig.9 a. A A Fig.9 b. R Walzenmühle von St. Georgen bei St. Gallen. G Fig. 8. 0 Aus d. k.k. Hof- u. Staatsdruckerei Taf. I. F Fig. 2. h 元 h Fig. 1. C fh sautin Ο B A Fig. 7 b. 000 Carr's Desintegrator oder Schleudermühle fh 0 Fig. 3. Fig.5 b. 77 Taf. II. Putzmaschine von Escher Wyss& Co. Fig. 6a. a Fig. 5 a. E Hydraulische Maccaroni- Presse Fig.7 a. Martin's Graupengang. m B A E m S' Bauer's Saug- Griesputzmaschine. Fig.4. C e e' 卡 e' 肉皮 .1'. 9" fe Aus d. k.k. Hof- u Staatsdruckerei