OFFICIELLER AUSSTELLUNGS- BERICHT HERAUSGEGEBEN DURCH DIE GENERAL- DIRECTION DER WELTAUSSTELLUNG 1 8 7 3 UNTER REDACTION VON DR. CARL TH. RICHTER, K. K. O. ö. PROFESSOR IN PRAG. WEIN. ( Gruppe IV, Section 3.) BERICHT VON FRANZ LEIBEN FROST, Wein- Grofshändler in Wien, Mitglied der internationalen Jury. WIEN. DRUCK UND VERLAG DER K, K, HOF- UND STAATSDRUCKEREI, 1873. BE WEIN. ( Gruppe IV, Section 3.) Bericht von FRANZ LEIBENFROST, Wein- Grofshändler in Wien, Mitglied der internationalen Jury. Seit Taufenden von Jahren haben fich diejenigen Völker, in deren Heimat die Weinrebe gedeiht, mit der Pflege derfelben und der Weinerzeugung und Bereitung befchäftigt. Dauernder Fleifs und ernfte Studien haben Jahr für Jahr neue Refultate der Erkenntnifs, der Behandlung und Bereitung des Weines gefchaffen und die Weincultur eben fo wie den Weinhandel zu immer grösserer Entwicklung gebracht. Die verfchiedenften Länder ftreiten heute auf dem Weltmarkte, feitdem in allen cultivirten Ländern die Weinproduction rationell betrieben, der Weinhandel nach ficheren wirthfchaftlichen Gefetzen geleitet wird, alle diefe Länder ftreiten mit ihren Erzeugniffen auf dem Weltmarkte und ftreben mit Entfchloffenheit vorwärts, um die mächtige Quelle des Reichthums der Landwirthfchaft immer kräftiger und immer ergiebiger zu machen. Man konnte diefs auf der Weltausftellung, durch die Zahl der Ausfteller, mehrere Hunderte, und die kaum genau zu zählende Menge von Weinforten, welche zur Verkoftung der Jury vorgelegt worden, leicht erkennen; man konnte fehen, wie die Wein producirenden Staaten in einem reichen, Wein bauenden Staate um die Siegespalme ftritten und gerade hier als gut und handelsfähig anerkannt fein wollten. Nirgends war je die Zahl der Ausfteller und der ausgeftellten Weine fo grofs und neben Amerika war Afrika durch die Weine Egyptens und des Caplandes, neben Europa, das Frankreich, Griechenland, Italien, Oefterreich, Portugal und Spanien, felbft Russland und die Schweiz repräfentirten, war Afien durch türkifche und perfifche Weine vertreten. Es ift unfere Aufgabe die Refultate der Ausstellung in diefem Berichte zu verzeichnen und wir wollen dabei dem Vorgange unferer Collegen folgen und die einzelnen Länder alphabetifch nach einander charakterifiren. Wir brauchen uns dabei nicht zu entfchuldigen, dafs wir keine Namen der Ausfteller nennen. Wir müfsten, wollten wir nach diefer Richtung hin gerecht und darum ausführlich fein, die ungeheure Menge der Ausfteller vollständig aufzählen. Bei der Allgemeinheit und allgemeinen Anerkennung der Fortfchritte der Weincultur, der Weinbereitung und Kellerwirthfchaft liefse fich hier bei der Angabe der einzelnen Producenten eben nur dann eine Einfchränkung finden, wenn man die je in einem Lande beftrenommirten alten Firmen von den jüngeren, aufftrebenden Handelshäufern und Producenten trennen würde. Dabei müfsten wir, wenn wir die erften blofs ver 2 Franz Leibenfroft. zeichnen, allgemein bekannte Namen wiederholen und wären doch ungerecht gegen die anderen, die jüngeren. Diefe aber können wir wieder nicht allein hervorheben, denn fie müffen zum grofsen Theil das Renommée, das fie auf der Weltausftellung errungen haben, im weiteren Verkehr erft zu erhalten wiffen. Wir verweifen daher betreffs der einzelnen Firmen auf die Refultate der Jury und müffen uns damit in unferem Berichte begnügen, dafs wir aus den allgemeinen Charakterzügen der Production der einzelnen Länder genügendes Material der Belehrung für uns felbft bieten. Doch fei eine Bemerkung geftattet. Die internationale Jury hat für ihre Entfcheidungen fich dahin geeinigt, dafs nicht allein jene ausgezeichnet werden follen, welche das vorzüglichfte Product zur Ausftellung eingefendet haben, fondern dafs auch jene Firmen beachtet werden follen, welche fich durch Export und ausgedehnte Handelsverbindungen, durch Gründung von Weinbau- Schulen, Vereinen u. f. w. und dafs endlich auch die önologifchen Gefellſchaften und jene Bezirke, welche die Weinbau- Cultur befonders unterſtützen und zu befördern fuchen, für diefe ihre befonderen Verdienfte gleichfalls ausgezeichnet werden follen. Wir gehen nach diefen nothwendigen, die Art der Auffaffung unferer Aufgabe erklärenden Bemerkungen zur Betrachtung der Länder, welche die Wiener Weltausftellung befchickt haben, über. Die Weinausftellung. Amerika. Amerika hatte die verfchiedenften Sorten feiner Weine und felbft auch fchon künftlich behandelte, mouffirende Weine ausgeftellt. Was die einzelnen Sorten anbelangt, fo müffen wir unbedingt den mittleren Weinen aus San Francisco und California, die recht befriedigend im Gefchmacke waren, den Vorzug geben. Die Weine aus Columbia, wo die Traube felten mehr als zwei bis drei grofse Beeren hat und auch von einem, fchlechten Gefchmack ift, find in gar keiner Weife beachtenswerth aufgetreten. Dagegen ift die Erzeugung von füfsen Weinen recht entwickelt, und haben einige Sorten einen ganz eigenthümlichen, dem Europäer widrigen Gefchmack. Der Amerikaner mufs denfelben freilich lieben, da gerade die fo gearteten Weine mit grofser Vorliebe von ihm getrunken werden. Einige Imitationen von Malaga- und Portwein, ebenfo wie die fehr fchönen mouffirenden Weine zeigten eine recht gut entwickelte Kellerwirthfchaft und rafch vorgefchrittene Manipulation. Im Uebrigen aber ift die Productionsfähigkeit Amerikas keineswegs bedeutend und find die Handelsbeziehungen des amerikaniſchen Weines durchwegs und ftreng localifirt. Deutfchland. Liebig fagt an irgend einem Orte, dafs der Deutfche, wenn er von feinem Weine fpricht, nur in der Blume reden kann. Wir müffen von vornhinein geftehen, dafs wir uns ganz klar und deutlich ausfprechen wollen und dafs wir dafür keineswegs der Blumenfprache uns bedienen werden. Stellen wir den Hauptgrundfatz, der uns leitet, an die Spitze. Seit fünfzehn oder zwanzig Jahren hat fich der Gefchmack auf den Genufs jüngerer Weine verlegt und den ganz richtigen Satz aufgeftellt, dafs man den Wein dann geniefsen müffe, wenn er den Höhepunkt feiner vollkommenften und reifften Ausbildung und Kraft erreicht hat. Man hat die Erfahrung gemacht, dafs jeder Wein von diefem Moment an eben fo fchnell zurück geht, als er in erfterer Zeit fich entwickelt hat. Als diefer wohlbegründete Gefchmack mit beftem Erfolge ins grofse Publicum gedrungen war, hat man auch fehr bald das Ziehen der alten Weine aufgegeben und die früher für fo werthvoll gehaltenen Schätze der Keller bedeutend zu vermindern gesucht. Dagegen war man beftrebt, durch die Pflege des Weines Wein 3 und die Manipulation, durch Aus- und Spätlefe, forgfältiges Sortiren der edelften Traubenforten, durch geregelte Vergährung und rationelle Kellerbewirthschaftung das Product immer mehr und mehr zu veredeln. Das feinfte und edelfte Product in haltbarfter Weife auf den Markt zu bringen, das ift der Grundfatz, welcher die Weinwirthschaft unferer Zeit leitet oder wenigftens leiten foll. Von diefem Gefichtspunkte aus wollen wir die deutfchen Weine betrachten und müffen gleich hier erwähnen, dafs man fich heute in Deutfchland nicht mehr mit den oben ausgefprochenen Grundfätzen begnügt und mit aller Haft darauf losarbeitet, um in der Richtung der Liebhaberei die enormften Preife zu erzielen und ganz füfse Weine zu erzeugen. Die dabei angewendete Manipulation befchränkt fich auf die Anwendung von fehr viel Schwefel, wie diefs in Frankreich längft gebräuchlich ift, dann auf die unterdrückte Gährung, um die Weine auf Jahre hinaus füfs zu erhalten, eine Manipulation, welche trotz aller Mühe und Sorge niemals ein ganz fertiges Product, das man mit ficherer Ueberzeugung von feinem Gehalte in den Handel bringen könnte, fchafft; eine Manipulation, welche das grofse Renommée, welches die Rheinweine von jeher genoffen haben und noch geniefsen, fchädigen mufs. Nach diefer kurzen Betrachtung wollen wir die ausgeftellten Weine einer Prüfung unterziehen und zuerft die viel wichtigeren Sorten der weifsen Weine durchgehen. Baden und Württemberg pflanzt zum grofsen Theil in ziemlich bedeutenden Quantitäten billige und gewöhnliche Tifchweine, welche dem Lande eine bedeutende Grundrente abwerfen. Die zur Ausstellung eingefandten mittleren und geringen Weifsweine blieben jedoch nicht klar, eine Eigenfchaft, die den Wein überhaupt auf ein enges Handelsgebiet einfchliefst. In der That gelangen diefe Weine felten über Süd- Deutfchland hinaus. Manipulation und Kellerwirthschaft find übrigens recht gut. Die Mofelweine find wegen der Lieblichkeit ihres Bouquets, der Schönheit ihrer Farbe und ihrer Dünnflüffigkeit wegen fehr beliebt und allgemein begehrt. Einige Sorten der Mofelweine gehören mit zu dem Feinften, was Deutfchland producirt, und werden wie die beften Rheinweine bezahlt. Eigenthümlich ift es, dafs es doch wieder Mofelweine gibt, die ohne befondere Farbe ein ganz unbedeutendes Bouquet haben und ganz gewöhnlichen Gefchmackes find. Die Ausftellung brachte übrigens wenig Neues und zeigte uns nur die altbekannten Sorten in gleichem, gleichfalls bekanntem Gefchmacke. Ein Fortfchritt dagegen war in den mouffirenden Mofelweinen zu erkennen, wovon einige Sorten, auffallend glänzend und gut im Gefchmacke, allgemeinen Beifall fanden. Diefe Weine dürften in nächfter Zukunft fchon von befonderer Wichtigkeit werden. Der Handel mit Mofelweinen erftreckt fich über ganz Deutfchland, hat jedoch in Nord- Deutfchland feine Haupt confumenten. Die Saarweine, von denen auch einige zur Ausftellung gefchickt waren, ftehen den Mofelweinen bedeutend nach und finden auch nirgends einen folchen Anwerth wie diefe, obgleich die Weine ganz angenehm und kräftig in Gefchmack und Bouquet find. Von befonderer Wichtigkeit aber werden in neuerer Zeit die Elfafs- und Lothringer Weine, die durch ihren vermehrten Abfatz in Deutfchland fehr bedeutend im Preife geftiegen find. Es find durchwegs gute Mittelweine, welche aber im Handel gerade fowie auf der Ausftellung manches Mal trüb werden und auch öfters im Gefchmacke verlieren, was offenbar ein Zeichen ift, dafs die Weine nicht mit der genügenden Sorgfalt behandelt werden. Was nun die Rheinweine anbelangt, fo haben fich faft alle und auch die fchönften Sorten auf der Weltausftellung eingefunden. Die Rheingau- Weine, aus der edlen Frucht des heimatlichen Riesling, gehören, wie fattfam bekannt, zu den werthvollften und hochfeinften Bouquetweinen der Welt. Sie wurden auf der Ausftellung 1873 eben fo hoch gehalten wie 1867 und zu anderen Zeiten. 4 Franz Leibenfron. Etwas Defonderes, uns und anderen Fremdes haben wir nicht gefunden. Nur fiel eine grofse Auswahl von eleganten Weinen auf, welche durch ihre Preife, per Flafche 10 bis 15 und auch 20 Thaler, allgemeines Staunen, aber keineswegs gerechtfertigte Anerkennung finden konnten. Weiter waren dann bemerkenswerth einige Proben alter Jahrgänge, welche vereinzelt vorgeführt in manchen Fällen recht gut erhalten, in den meiften Fällen aber zu viel gezehrt und vertrocknet waren. Diefe Sorten entſprechen keineswegs dem heutigen Gefchmacke, werden einerfeits aus Pietät, andererfeits aus Curiofität und Originalität gehalten und reihen in allen Fällen unter die Liebhabereien. Die Kellerwirthschaft und die Behandlung des Weines ift wie die Pflege der Rebe allenthalben eine äufserft forgfältige und rationelle und kennzeichnet überall die Qualität der beften ebenso wie der einfachen und Mittelweine. Was die mouffirenden Rheinweine betrifft, fo ftehen diefelben dem franzöfifchen Champagner in nichts nach, und haben fchon lange bewiefen und bewiefen es auch in Wien, dafs fie in jeder Hinsicht mit grofsem Verftändnifs erzeugt werden. Man hatte zur Wiener Weltausftellung verfchiedene Sorten diefer Weine gefendet und alle waren rein und fein im Gefchmack und ohne jeden Beigefchmack. Und diefs ift bei den mouffirenden Weinen immer die Hauptfache und leicht kann man an dem Mangel derfelben die Fälfchung erkennen. Die Rheinchampagner werden nicht allein in Deutſchland, fondern auch im Auslande in grofsen Quantitäten verzehrt und machen in guter Qualität dem franzöfifchen Champagner eine ganz beachtenswerthe Concurrenz. Wenn man am Rhein für die Zukunft nur etwas das Streben nach billigeren Preifen im Auge behält, was beim gröfseren Export für gewöhnliche Weine fowohl wie für feine den Ausfchlag gibt, fo ift es unzweifelhaft, dafs der Rheinchampagner einen grofsen Markt behaupten kann. Rothe Weine waren durch Zeller, Affenthaler und LützelSachfener in reichen Mengen und in guter Qualität vertreten. Wenn aber in Betreff des viel gerühmten Afsmannshaufer nicht beffere Sorten auf den Markt gebracht werden als jene, welche man zur Ausftellung fchickte, fo ift entweder der alte Ruhm diefes Rothweines nicht gerechtfertigt, was wir bezweifeln, oder die Cultur des Rothweines ift feit den letzten Jahren in Deutſchland ftill geftanden und ohne jede Entwicklung geblieben, was wir eher annehmen können. Die Summe der Rheinweine findet ihren Abfatz nach den couranten Preifen im mittleren, weftlichen und nördlichen Deutfchland, geht nach Holland, Dänemark, Schweden, in den feinften Sorten nach Amerika und den beiden Indien, vor Allem aber nach Rufsland und England. Wie die Fabrication ift auch die Ausfuhr der mouffirenden Weine im beftändigen Steigen begriffen. Im Durchfchnitt kann man für ganz Deutfchland 60 Quart oder 17% 10 öfterreichiſche Eimer per Kataftraljoch Productionsmenge annehmen. Erwähnen wir zum Schluffe noch, um nicht unvollständig zu fein, den deutfchen Obftwein. Es waren einige Sorten zur Ausftellung gefchickt worden, aber fo unbedeutend in ihrer Qualität, dafs wir kaum mehr davon fagen können, als dafs fie eben vorhanden waren. England, oder beffer die englifchen Colonien, Auftralien, insbefondere Victoria, dann das Cap der guten Hoffnung hatten ganz vortreffliche Weine ausgeftellt, die ihren Ruf vollſtändig rechtfertigten. Für den Handel, zumeift nach England, werden diefelben immer wichtiger. Das Capland mag heute 230.000 Eimer, Auftralien von feinen kräftigen Weinen wohl etwas mehr als 25.000 Eimer erzeugen. In Auftralien, im Gebiete von Victoria, hat man feit beiläufig 15 Jahren mit dem beften Erfolge die deutfche und franzöfifche Rebe eingeführt und find die Refultate gerade in Betreff der weifsen Weine von Victoria wenigftens nach den Proben, die der Jury vorgelegt waren, ganz ftaunenswerth. Ein unläugbarer Fort Wein. 5 fchritt ift gegen die früheren Jahre hier zu verzeichnen und dürfte die Weincultur bei der rafchen Entwicklung und rationellen Behandlung derfelben die Grundrente ganz bedeutend erhöhen. Von den Capweinen, die längst bekannt find, kann man blofs hervorheben, dafs fie auch in Wien ihr altes Renommée und ihre Bedeutung für den Handel rechtfertigten. Frankreich hat wie bekannt eine grofse Anzahl von Rothweinen, mehrere Sorten weifser, dann verfchiedenartige mouffirende und eine bedeutende Anzahl von Deffertweinen. Faft alle Sorten waren zur Ausftellung gefchickt worden und behaupteten wie fchon fo oft und auf anderen Ausftellungen fo auch in Wien für Frankreich den erften Rang unter den Wein producirenden Ländern, wenngleich weltbekannte Firmen fich an der Ausftellung nicht betheiligt hatten. Die Gefammtproduction Frankreichs mag durchſchnittlich 70 Millionen Eimer in einem Werthe von 700 Millionen Francs betragen und werden 2,276.915 Hektaren Land fo bebaut, dafs man im Durchfchnitt ein Geringes mehr als 23 öfterreichifche Eimer auf das Kataftraljoch Production rechnen kann. Was die Burgunder Weine anbelangt, fo waren diefelben auf der Ausftellung fehr verfchieden vertreten. Man fand ordinäre und mittlere Sorten und fo manchen fehr feinen Bouquetwein mit würzigem Gefchmack, kräftig und voll, fo dafs man unverkennbar die Rebe und die Cultur auch ohne Vignette fehr leicht erkennen konnte. Von den feinen Bordeaux- Weinen waren faft alle Sorten vorhanden und abgefehen von den hohen Preifen liegt eben gerade in diefer Verfchiedenheit der Behandlung und Gefchmacksbildung ein nicht zu unterfchätzender Werth für die Exportfähigkeit und die Ausdehnung des Confums. Abgefehen aber davon, dafs Frankreich die verfchiedenen Gefchmacksrichtungen genau zu treffen verfteht und durch die Eleganz der Ausftattung feiner Weine vor allen anderen Ländern einen grofsen Vorfprung hat, kann kein Land, zumeift in Betreff der kleinen Rothweine aus den verfchiedenen Departements, die Richtigkeit der angegebenen Preife vorausgefetzt, auf dem Weltmarkte mit ihm con curriren. Qualitätshaltige Mittelweine aber werden höher im Preife gehalten, fo dafs diefen Sorten gegenüber die Rothweine producirenden Länder, OefterreichUngarn an erfter Stelle, dann Italien, immerhin mit Vortheil exportiren können, wenn fie eben mit forgfältiger Auswahl des Productes und fachmännifcher Gebahrung den Markt zu gewinnen ftreben. Von kleinen weifsen Weinen hatte Frankreich wenig Bedeutendes ausgeftellt, dagegen fand man fehr fchönen Sauterne nebft dem altberühmten Chateau Iquem. Betreffs der füfsen Weine, Frontignan, Muscatlunel u. f. w. waren fehr fchöne und harmonifch gehaltene Sorten zur Ausftellung gefchickt worden. Doch trat bei vielen Cognac oder Sprit und ein unnatürliches. übertriebenes Bouquet hervor, was man vielleicht auf Rechnung der hohen Temperatur mit zu fetzen hat, unter welcher die Weine eingelagert wurden und verkoftet werden mussten. In Betreff des franzöfifchen Champagners denken wir, nachdem der Artikel der ganzen Welt bekannt ift, nichts Befonderes hervorzuheben. Frankreich beherrscht damit den ganzen Weltmarkt und hat in letzterer Zeit mehrere neue Firmen wachgerufen, welche fchon heute neben den altrenommirten mit viel Glück den Markt auszubeuten verfuchen. Man fuchte daher auch von Seiten der Jury durch Prämiirung einiger mouffirender Weine, welche dem Gaumen nicht befonders mundeten, den Wetteifer in Production und Handel ermuthigen. zu Am Schluffe erwähnen wir noch, dafs auch Corfica einige Weine ausgeftellt hatte, die fich übrigens bis heute noch keines befonderen Rufes erfreuen und auch zum gröfseren Theil fo fchlecht im Gefchmacke waren. dafs man mit Recht annehmen kann, dafs die Cultur auf einer fehr niedrigen Stufe ftehe. Nicht viel beffer waren die vielen Weine, welche durch das franzöfifche Regierungsdepartement von 6 Franz Leibenfroft. Algier ausgeftellt waren. Die Menge und Verfchiedenheit zeigte, dafs wohl ein reiches Material vorhanden ift, aber dafs weder die Cultur noch die Behandlung des Weines auf einer befonders hohen Stufe ftehe. Die vielen fehlerhaften und trüb gewordenen Weine erdrückten einzelne aus anderen Diftricten eingefandte; wie fehr auch deren vorzügliche Qualität zeigte, dafs man Vorzügliches und Ausgezeichnetes leiften könne. Woran es da mangelt, wird Frankreich in der That am beften felbft wiffen, wir können nur Vermuthungen aufftellen. Möglich, dafs der rafche Wechfel der Temperatur zumeift in der Zeit der Reife ein Haupthindernifs für die Entwicklung der Qualität ift. Dennoch ift das rafche Wachfen der Weincultur befonders bemerkenswerth. Im Jahre 1864 betrug das Weinland 9715 Hektaren, im Jahre 1870 dagegen fchon 22.055 Hektaren. Die Production ift von 64.000 Hektoliter im Jahre 1864 auf mehr als 100.000 im Jahre 1870 geftiegen. Faffen wir daher unfer Gefammturtheil über Frankreich zufammen, fo müffen wir anerkennen, dafs das Mutterland wie feine Colonien feit dem Erlöfchen der Traubenkrankheit, Oidium, wieder dauernd in fortfchrittlicher Entwicklung begriffen ift. Wollte Jemand nach den ausgeftellten Weinen diefe unfere Anficht dennoch bezweifeln, fo bitten wir wohl zu beachten, dafs fämmliche franzöfifche Weine vom Beginne der Ausftellung an in keinem Keller lagerten und auch bei grofser Hitze im franzöfifchen Pavillon gekoftet werden mufsten. Und dennoch haben fowohl die kleinen als die hochfeinen Weine die hohe Temperatur ebenfo wie die fchlechte Lagerung vollkommen gut ausgehalten, ein Vorzug, den wir bei Weinen aller anderen Länder vergeblich fuchen würden. Dazu kommt noch, dafs alle franzöfifchen Weine eine vorzügliche Ausftattung, gute Wahl der Flafchen und vortreffliche Verkorkung auszeichnet; es ift daher kein Wunder, dafs Export und Handel fich von Jahr zu Jahr vergrössern, dafs Frankreichs Weine auf allen Märkten der Welt Abfatz finden und nur fehr felten Vorräthe von altem Weine fich anfammeln, die, wenn fie vorhanden find, natürlich mit fehr hohen Preifen bezahlt werden. Griechenland hatte eine nicht bedeutende Zahl feiner Weine zur Beurtheilung ausgeftellt. Und felbft unter den wenigen waren noch mehrere krank und fchlecht geworden. Eigenthümlich und dem Fremden widerwärtig ift der fcharfe Harzgefchmack des griechifchen Weines. Der Grieche verwendet Harz, um die Haltbarkeit des Weines zu erhöhen, und wie er daran gewöhnt ift, mundet ihm auch das fo mifsgeftaltete Product. Uebrigens werden auch diefe Weine und einige andere fyrupartige nur im Lande felbft confumirt. In den Handel nach Aufsen kommen nur die guten Weine der jonifchen Infel, die Korfu und Korinth Weine. Der Handel ift mit diefen Weinen auch im glücklichen Steigen begriffen und entwickelt fich feit dem Jahre 1867 mit der von der Regierung fehr gepflegten Production. Junge Griechen werden nach Spanien und Frankreich zu ihrer Ausbildung gefchickt. Vereine und önologifche Gefellſchaften find gegründet worden und haben anerkennenswerthe Refultate geliefert. Diefe Entwicklung ift um fo mehr zu wünſchen, als eben das Land allenthalben ein vorzügliches Material liefert. Der Abfatz der griechifchen Weine aller Art ift auf den Märkten der Türkei, Rufslands, Englands und auch Triefts für weiteren Export. Italien bot eine fehr grofse Anzahl verfchiedener Weinforten und eine bedeutende Menge von Sicilianer, Piemontefifchen und Lombarder Weinen waren ausgeftellt. Die gewöhnlichen Rothweine Italiens, dünne, leichte und wenig herbe Weine bilden einen guten Handelsartikel und ftehen den franzöfifchen kleinen Weinen wenig nach. In guten Jahren können fie auch hinfichtlich der Preife mit diefen concurriren. Die dickeren, vollen, ftarken, gedeckten und auch ziemlich herben Weine bilden gleichfalls ein vorzügliches Product Italiens und werden auf allen Wein Wein. 7 märkten gefchätzt. Leider kamen auf der Ausftellung wie faft von allen füdlichen Ländern auch in Italien mehrere kranke Weine vor, die unzweifelhaft darauf hinweifen, dafs Behandlung und Kellerwirthschaft noch fehr mangelhaft find. Was die füfsen, weifsen und rothen Deffertweine anbelangt, fo hatte Italien mehrere fo vortreffliche Sorten ausgeftellt, dafs man bei der Aehnlichkeit derfelben mit den fpanifchen und portugiefifchen Weinen und dem vorzüglichen Stoffe wohl erwarten kann, dafs diefelben, wenn man es eben in Italien verfteht, die Verhältniffe auszunützen, den Weinen der pyrenäifchen Halbinfel bedeutende Concurrenz machen können. Es ift diefs um fo eher zu erwarten, als die ganze Weinbereitung Italiens feit den letzten Jahren überall fichtbare Fortfchritte gemacht hat. Der Entwicklung der Production kann mit Leichtigkeit die Entwicklung des Handels folgen. Portugal hat füfse, herrliche und kräftige Weine, welche altberühmt find, neben einigen wenigen weifsen und rothen Weinen gewöhnlicher Sorte ausgeftellt. Nur die feineren Weine verdienen Beachtung, da fie vor allen durch ihre Kräftigkeit für den grofsen Handel und weiten Transport berechnet find und in den fernften Ländern ihren Abfatz finden. Zu diefen Sorten zählen die altportugiefifchen Sectweine und der blaublutige Madeira, insbefondere der trockene, Dry Madeira genannt, welch' letzterer nach der langen und endlich überftandenen Traubenkrankheit für den Handel wieder bedeutend wird und die zahlreichen Imitationen zu verdrängen beginnt. Eine Specialität Portugals find die vorzüglichen Portweine, die einen Weltruf geniefsen. Der gröfste Confument derfelben und auch der anderen portugiefifchen Weine ift England. Amerika, Rufsland, theilweise auch Deutfchland und Frankreich find die Abnehmer portugiefifcher Weine, die, von einem gut organifirten Handel geleitet, feit langen Jahren den Markt behaupten. Spanien ift, wie bekannt, reich an köftlichen Weinen und producirt viele verfchiedene Sorten weifs und roth zumeift geringerer Qualität. Doch ift bekannt, dafs diefe Weine wenig haltbar find. Anders verhält es fich mit den berühmten Weinen von Malaga, Pietro, Xiemenos, Malvafier, Tinto und anderen dicken, ftarken Weinen. Malaga ift der ältefte der in den Handel gebrachten fpanifchen Weine und repräfentirt für das Volkseinkommen einen bedeutenden Werth. Auch der berühmte Xeres( Scherry), ein bekannter weifser Wein von vorzüglicher Güte, erhält einen bedeutenden Handel. Die anderen oben genannten Weine find liqueurartig, füfs und mit feinem Bouquet und werden im Lande felbft, in England und in einzelnen überfeeifchen Staaten confumirt. All' diefe ausgeftellten Weine zeigten, dafs die Weincultur wie die Weinbereitung eine gut entwickelte ift, und dafs es fchwer fein wird, abgefehen von der günftigen geographifchen Lage, diefen fchon von Natur aus vorzüglichen Weinen Concurrenz zu machen. Rumänien. Die von diefem Lande zur Ausstellung gefchickten Weine boten wenig Erfreuliches und zeigten wie andere agricole Producte den niederen Stand der landwirthschaftlichen Cultur. Die Weine waren zumeift fchlecht und krank und nur einige Sorten liefsen errathen, dafs eine fachverständige Erziehung und fachmännifche Behandlung manches Gute erzielen könnte. Aber die Weincultur gedeiht in einem Lande nur dann, wenn die Landwirthfchaft überhaupt entwickelt ift und den Landmann ein gewiffes Mafs von Bildung auszeichnet. Rufsland hat allgemein mit feinen ausgeftellten Weinen überrascht. Befonders beachtenswerth waren die fchönen Muscatweine und die weifsen und rothen Weine aus Taurien, da diefelben zeigten, wie richtig man erkenne, welche Sorten, den Verhältniffen entſprechend, im Lande gepflanzt werden follen. Aus 8 Franz Leibenfroft. Warfchau war eine Sammlung von alter Tokayereffenz ausgeftellt, die man mit ihren 200 Jahren und riefigen Preifen nur als Specialität beachten kann. Die leichten Weine der Krim werden im Lande confumirt und kommen noch nicht in Handel. Aufser Wein hatte Rufsland ganz allein noch Meth ausgeftellt und zwar Proben aus dem vorigen Jahrhunderte neben folchen von einem Alter von zwei bis drei Jahren. Wie gerühmt diefe füfsen Getränke auch fein mögen, fo ftehen fie doch jedem Traubenweine nach und find dabei unverhältnifsmäfsig theuer. Die älteften Sorten waren mit 10 bis 15 Rubel, die jüngeren mit 2 bis 5 Rubel angefetzt. Die Schweiz fucht mit grofser Sorgfalt die Weincultur zu heben, allein die wenigen Sorten, welche ausgeftellt waren, gehören unter die gewöhnlichen Tifchweine und zeigten wenig Befonderes. Nach den Proben übrigens kann man fogar behaupten, dafs Cultur und die Kellerwirthschaft noch ziemlich weit zurückftehen. Die Weine der Schweiz werden ohnediefs nur im eigenen Lande confumirt. Die Türkei. Die hier erzeugten Weine haben den Charakter der ordinären griechifchen Sorten und befitzen auch den Harz- und Pechgefchmack der felben. Ein Handel mit diefen Weinen exiftirt nicht, da diefelben im Productionsgebiete vollſtändig verzehrt werden. Nur die Sorten von den griechifchen Infeln Samos und Cypern machen davon freilich eine Ausnahme und können bei ihrer natürlich guten Qualität und mit rationeller Behandlung für einen gröfseren Handel allmälig Bedeutung gewinnen. Oefterreich- Ungarn. Wir können diefe beiden Länder wohl nach ihrer Production, aber nicht nach ihren handelspolitifchen Beziehungen trennen. Ohne dafs wir uns auf eine weite Motivirung einlaffen, die Jeder fich felbft machen kann, gehen wir von der Anficht aus, dafs der öfterreichifch- ungarifche Weinhandel und insbefondere der Weinexport durch die Art des Productes, die Märkte und Handelswege, ein untrennbares Ganzes bildet. Was die Production anbelangt, fo können wir nur die einzelnen Diftricte, ohne auf Bezirke und Gegenden einzugehen, und hier wieder nur jene befonders hervorheben, welche exportfähige Weine produciren und wirklich am Weinhandel fich betheiligen. Die Ausstellung war überwiegend mit den kleinen weifsen Landweinen aus Oefterreich und Ungarn befchickt worden. Der leichte, dünne, je nach der Sorte harte und weiche Gefchmack diefer Weine ift bekannt und erwähnen wir nur, dafs diefelben wegen ihrer guten Eigenſchaften fich fehr gut zum Verfchnitt mit anderen Weinen eignen und auch für die Provinzen Oefterreich- Ungarn und den täglichen Bedarf einen grofsen Handel unterhalten. So grofs das Erträgnifs an folchen Weinen in guten Jahren oft auch ift, fo häufen fich diefelben nur felten in gröfseren Vorräthen auf, da fie eben der Bedarf des Inlandes verzehrt und felbft das Ausland in guten Jahren grofse Mengen confumirt Die fünfjährigen Durchschnittspreife find bei diefen geringeren weifsen Weinen 5 bis 7 fl. und bei guten Mittelweinen 8 bis 12 fl. per öfterreichifchen Eimer. I öfterreichifcher Eimer= 56% I " I 99 I " 99 4 59 I 27 99 - 49 14 12 - I franzöfichen Liters preufsifchen Quart polnifchen Garnit englifchen Gallonen Oxhoft gibt circa 75 Rheinweinoder Bordeauxflafchen. Gewicht I öfterreichifcher Eimer= 100 Zollpfund. Wein. 9 Unter den öfterreichifchen Provinzen producirt zumeift Mähren die eben befchriebenen Mittelweine und macht fehr lobenswerthe Anftrengungen, Qualität und Quantität fortgefetzt zu erhöhen. In Ungarn find es die Gegenden von Fünfkirchen, Prefsburg, Waizen u. f. w., wo diefe leichten billigen Mittelweine gezogen werden. Von feinen weifsen öfterreichifchen Weinen, welche in Fäffern und Flafchen auch exportirt werden, find in erfter Richtung die Gebirgsweine des Hügellandes von Klofterneuburg, Weidling, Kahlenberg, Nufsberg, Grinzing, Gumpoldskirchen und einige von Vöslau zu nennen. Alle diefe Weine zeichnet Zartheit, feines Bouquet und fchöne Farbe aus und werden bei ihrer vorzüg lichen Behandlung nur von den Weinen des deutfchen Reiches erreicht. Sie finden daher auch im Lande felbft wie im Auslande grofsen Anwerth. Man zahlt für den Eimer feinfte Waare 20 bis 25 fl., ein Preis, welcher gleichfalls die Exportfähigkeit bedeutend unterſtützt. In den genannten Gegenden wird auch Strohwein als eine Specialität erzeugt, auf welche die einzelnen Eigenthümer grofsen Werth legen. Wir müffen uns gegen die Erzeugung diefes Weines ganz entfchieden ausfprechen. Erftens bildet derfelbe keinen Handelsartikel und kann ihn nicht bilden, da er nicht haltbar ift und auch der Urftoff nicht genügend vorhanden; zweitens durch die Bereitung von Strohwein die beften Trauben und Trockenbeeren dem anderen Wein entzogen werden, was bei dem geringen Vorhandenfein folcher edlen Qualitäten als eine fomit ganz verfehlte Manipulation, das urfprüngliche Product nur fchädigt. Schliefslich ift diefes Product ein füfses Getränk, das den Namen eines Deffertweines gar nicht verdient. Ungarn producirt eine ziemliche Anzahl feiner weifser Weine, unter denen als eine Perle von hohem Werthe der Tokayer hervorragt. Wir brauchen bei dem grofsen Ruhme, den diefer Wein geniefst, denfelben nicht weiter hervorzuheben. Nur können wir die Bemerkung nicht unterdrücken, dafs die zur Weltausftellung gefchickten Sorten keineswegs einen Fortfchritt in der Cultur und der Behandlung zeigten. Schade um die koftbarfte Effenz, welche die Natur ohne allen Beifatz erzeugt und die man doch eigentlich nicht zu verwerthen verfteht. Tokayer Weine, Ausbrüche und Effenzen finden ihren gröfsten Abfatz in Galizien, Russland und Nord- Deutfchland und gehen feit den letzten Jahren auch nach England, Amerika, Frankreich und Süd- Deutfchland, wo man allmälig Gefchmack gefunden hat an Ausbrüchen und fetten Effenzen, die fich in der That unter die feinften Deffertweine einreihen laffen. Am beften werden diefelben in. Rufsland und Polen bezahlt. Zu Originalflafchen verfendet, kann man für Tokayer Ausbruch als Deffertwein I fl. 50 kr. bis 8 fl., für feine und hochfeine Tokayer Effenz 4 bis 8 fl. per Flafche= 12 Liter erhalten. Feine weifse Weine werden noch in den Gegenden von Somlau, Nefzmélye, Bádacfony, Villány, Magyarát, Diófzeg und Oedenburg erzeugt und in den Handel gebracht. Ueberrafchend fchöne Sorten waren zur Ausftellung zumeift von Bádacfony gefchickt worden, die kräftig, voll Saft und reinem Gefchmack, eine vortreffliche Behandlung verriethen. Erft in neuerer Zeit find die Diófzeger Weine bekannt und beliebt geworden. Es ift bemerkenswerth, dafs ein hochgeftellter ungarifcher Cavalier mit grofsen Opfern fich bemüht hat, die Weincultur in diefen Gegenden zu heben und es in der That dahin gebracht hat, dem Diófzeker und Bádacfonyer Wein einen guten Ruf zu verfchaffen. Auch die Rufter und Oedenburger Weine, dann die Ausbrüche und Effenzen derfelben, die als Deffertweine eine nicht unbedeutende Rolle im Handel ſpielen, waren auf der Ausstellung in vorzüglicher Weife vertreten. Sie werden mit Vorliebe in den öfterreichifch- ungarifchen Provinzen und in Deutfchland confumirt und gehen nach Holland, Schweden, Norwegen und Amerika, wo fie in Folge ihrer Haltbarkeit und durch ihre immer beffere Entwick 10 Franz Leibenfro ft. lung, je älter fie werden, dann endlich auch durch ihre Billigkeit einen guten Markt behaupten. Man bezahlt den Eimer mit 30 bis 60 fl. Vor allen haben die Siebenbürger Weine auf der Ausftellung einen wefentlichen Fortfchritt bekundet und ebenfo Aufmerkfamkeit wie Anerkennung allgemein gefunden. Es ift bemerkenswerth, dafs die Weine von eingeführten fremdländifchen Reben weniger bedeutend waren als die von den urfprünglichen einheimifchen und forgfältig gepflegten. So hat, um nur ein Beiſpiel zu geben, Bákator ein wundervolles Product geliefert. Die angeblichen Tifch- und Tafelweine Siebenbürgens find fehr angenehm und lieblich, allein im Preife wegen der noch geringen, aber heute fich fehr entwickelnden Production und des ftarken Confums im Lande felbft fehr hoch. Auch einige füfse Deffertweine, durchwegs Specialitäten und weniger bedeutend, erzeugt Siebenbürgen. Die Weinbereitung und Kellerwirthschaft mufs wenigftens nach den ausgeftellten Proben eine ganz vortreffliche fein. Steiermark producirt keine feinen und hochfeinen Weine und felbft die in bedeutender Menge producirten geringen und mittleren Weifsweine erlangen trotz aller, übrigens fehr rühmenswerthen Bemühungen und auch in den beften Jahrgängen erft nach langer Lagerung ihre vollſtändige Flafchenreife. Die Weine werden faft alle im Lande felbft, zum Theil auch in Kärnten und Oberöfterreich verbraucht. Einige vortreffliche Anftalten, Vereine und Schulen fuchen die Weincultur zu heben und haben auch fchon manchen Erfolg erreicht. Görz hat mancherlei Gutes geliefert und ift es wohl zu hoffen, dafs diefe fchöne Provinz im Laufe der Zeit noch viel Befferes produciren wird. Man verwendet auch viel auf die Veredlung des Productes und dürfte Ausdauer und Fleifs in kürzester Zeit gute Früchte bringen. Görz confumirt den grofsen Theil feines Productes felbft und exportirt den Reft nach Trieft und Kärnten. Das übrige Iftrien, das Gebiet von Trieft und Krain, dann auch Kroatien und Slavonien hatten ihre verfchiedenartigen Weine ausgeftellt, unter welchen die Triefter ganz vortheilhaft hervorragten. Es find zumeift ordinäre und mittlere Weine, die wegen ihrer Billigkeit in manchen Gegenden den Weinhändler und Speculanten wohl heranziehen, aber in Folge mangelhafter Cultur und Behandlung noch wenig für den Export fich eignen. Tirol erzeugt in den Gebieten von Meran, Bozen uud Brixen viel weisse und rothe Trauben für einen kleinen und mittleren Wein. Die wafferreiche, aber zuckerarme Traube liefert kein befonders edles Product, das fich auch wegen feiner geringen Haltbarkeit für den Export wenig eignet. Er wird daher im Lande felbft confumirt und geht zu einem Theil nach Vorarlberg, Salzburg und Kärnten, zum Theil auch nach Baiern und der Schweiz. Die letztgenannten Provinzen produciren auch einigen rothen Wein, deffen wir noch für die Hauptproductions- Orte gedenken müffen. In Kärnten, Steiermark, Krain und Iftrien ift er von geringerer Bedeutung. Am Schluffe unferer Betrachtung über die weifsen Weine erwähnen wir noch in Kürze die öfterreichifchen mouffirenden Schaumweine, von denen jedoch auch nur Vöslau, Graz und Retz und einige ungarifche Productionsorte einige Sorten ausgeftellt hatten. Betreffs der Productionsmenge und der Handelsbeziehungen ift wenig bekannt und es fcheint, als ob man in den letzten Jahren aus uns unbekannten Gründen auf die wichtige Fabrication der mouffirenden Weine kein befonderes Gewicht mehr legt. Am bedeutendften und am wichtigften ift die Production noch in Vöslau und Graz, von wo aus das In- und Ausland, hier zumeift England und Schottland grofse Mengen mouffirender Weine und Schaumweine bezieht. Auch der ungarifche Schaumwein fucht feit den letzten Jahren den lange vernachläffigten Markt zu gewinnen, und das für den öfterreichiſch- ungarifchen Weinhandel fehr wichtige Product ernfter zu cultiviren. Es ift kein Zweifel, dafs, wenn nicht oberflächlich, Wein. 11 fondern mit Verſtändnifs betrieben, die Production der mouffirenden Getränke von hohem Werth für Oefterreich fein kann. Wir gehen nun zur Betrachtung der Rothweine Oefterreichs über. Der Grund der fcharfen Trennung von den weifsen Weinen ift leicht erklärlich. Es gibt eben in Oefterreich- Ungarn Productionsgebiete, welche nur weifsen und folche, welche nur rothen Wein erzeugen. Auch hat man in früheren Jahren auf die Production von rothem Wein wenig Gewicht gelegt, da erftens die Vorliebe für weifsen allgemein herrfchend war und zweitens die Ausfuhr der öfterreichiſchungarifchen rothen Weine durch lange Jahre fo gering war, dafs zahlreiche Mengen in den Kellern liegen blieben und häufig verdarben. Die jetzigen Verhältniffe find anders geartet und kann der verftändnifsvolle Weinhändler in der Entwicklung des Handels mit rothen Weinen der Heimat viel nützen. Zu gleicher Zeit hat fich in den letzten Jahren der Confum von Rothwein auch in den öfterreichisch ungarifchen Provinzen faft um das Dreifache gefteigert. Die Erkenntnifs der Gefundheit nährenden Kräfte des Rothweines, die forgfältigere Pflege von Seiten der Producenten haben diefs in folcher Weife entwickelt, dafs die Vorräthe der rothen Weine fehr gefucht find und theuer bezahlt werden. Das für Oefterreich wichtigfte Gebiet der Rothwein- Production ift Vöslau fammt Umgebung. Es find aufserordentlich fchöne rothe Gebirgsweine, welche hier producirt werden, und heute auch fchon Lieblingsweine zahlreicher Confumenten find. Auch gute mittlere Rothweine und einige feine Weine, von denen mehrere wegen ihres geringen Gerbeftoffes zum Verſchnitt mit anderen Rothweinen fehr geeignet find, werden auf dem flachen Lande von Niederöfterreich producirt. Auch Südtirol zu Trient und Roveredo producirt zumeift Rothwein und darunter einige Sorten, welche für den Handel der Zukunft ficherlich ein vortreffliches Materiale bieten werden. Heute fchon forgen önologifche Gefellſchaften und Vereine für die Hebung der von Natur aus fehr günftig angelegten Cultur. Der Handel führt ihn heute nach Nordtirol, dann nach Kärnten, Krain und Steiermark. Auch ift der Confum im Lande felbft ein fehr bedeutender. Dalmatien ift reich an gediegenen und verfchiedenartigen Rothweinen und zeigte auf der Ausftellung gar manchen bisher noch verborgenen Schatz. Der Dalmatiner Rothwein zeigt in feiner Jugend einen vollen und kräftigen, etwas füfslichen Gefchmack und enthält dabei fo viel ftarken Gerbftoff, dafs diefe Weine als Verfchnittweine für dünne leichte Rothweinforten fich ganz befonders gut eignen. Daneben fanden wir auf der Ausftellung leichte, angenehme und bouquetreiche Weine von ganz aufserordentlichem Gefchmack. Auch vino seco wird in freilich primitiver Weife erzeugt und bildet mit andern Deffertweinen eine Specialität, für welche Dalmatien in Hülle und Fülle das fchönfte Material befitzt. Man hat in neuefter Zeit Beweife geliefert, dafs alle Dalmatiner Weine bei richtiger und forgfältiger Behandlung haltbar und exportfähig find. Allein es wird unbedingt nothwendig, wenn man den Handel mit Dalmatiner Weinen heben will, dafs die möglichft weitgehenden Handelserleichterungen und genügende Verkehrsbeziehungen gefchaffen werden. Es ift jedoch in den letzten Jahren fchon fehr viel Wein nach Oefterreich, Ungarn, Steiermark und auch nach dem Auslande exportirt worden, und dürften diefe Abfatzquellen mit dem Bekanntwerden, der dalmatinifchen Weine in kurzer Zeit fehr bedeutend werden. Das kaiferlich- königliche Ackerbauminifterium hat auch feit den letzten zwei Jahren auf das kräftigfte und von gutem Erfolg begleitet, diefen Handel unterſtützt. Ebenfo hat eine in jüngfter Zeit gegründete önologiſche Gefellſchaft einen bedeutenden Wirkungskreis fich gefchaffen und es ift kein Zweifel, dafs diefe Bemühungen ebenfo wie die Aneiferung der landbauenden Bevölkerung durch die Landesvertretung von grofsem Erfolge fein werden, fobald eben nur auch noch die fo hemmenden Zollfchranken zwifchen Dalmatien, Oefterreich und 12 Franz Leibenfroft. Ungarn fallen und die Verkehrsverhältniffe durch den Bau der Eifenbahnen geregelt fein werden. Ungarn producirt hervorragend Rothwein in den Gegenden von Ofen, Erlau, Vifzonta, Menes, Carlowitz, Villany, Szeghzard und an noch andern Orten, wo neben mittleren und ordinären Weinen auch feine Sorten gedeihen. Die erfteren find in guten Jahrgängen in grofsen Mengen und zu billigen Preifen zu haben. Doch find fie theilweife wenig haltbar. Man gibt die Schuld davon einerfeits klimatifchen Verhältniffen und der Bodenbefchaffenheit, anderfeits aber auch der fchlechten Cultur, der mangelhaften Anlage und vor Allem der noch fehr ungenügenden Kellerwirthfchaft. Wenigftens haben Fachmänner fchon feit Langem bewiefen, dafs fie diefe kleinen Weine, wenn fie diefelben frühzeitig erhalten, mit dem beften Erfolge durch Jahre hindurch vollkommen gut erhalten haben. Das ift von grofser Wichtigkeit, denn gerade mit diefen und mit den Mittelweinen kann Ungarn ein viel gröfseres Gefchäft fchaffen, als mit feinen hochfeinen Sorten. Mit der Entwicklung der Production und Behandlung des Weines, mit der Ausnützung der Wafferftrafsen und der Eifenbahnen kann Ungarn bei der grofsen Preiswürdigkeit feiner Weine allen franzöfifchen und italienifchen Weinen eine ganz empfindliche Concurrenz bereiten. Was die feinen und feinften Rothweine aus den oben angeführten Gegenden betrifft, fo haben die ausgeftellten und heute fchon fehr bekannten Sorten ihren ehrenvollen Ruf wieder bewährt. Nur müffen wir das Syftem der Erzeugung von zu füfsen rothen Weinen auch hier tadeln, da diefelben wenig haltbar find und diefelben immer bei einem Temperaturwechfel einer fpäteren fchädlichen Nachgährung unterliegen, was natürlich dem Ruf diefer Weine fehr nachtheilig ift. In Betreff des Handels ift es gar kein Zweifel, dafs diefe Weine bei richti ger und verftändnifsvoller Behandlung wenigftens allen mittleren franzöfifchen Sorten ebenbürtig find. Wir können dabei einige allgemeine Bemerkungen nicht unterdrücken. In Ungarn und zum Theile auch in Oefterreich liegt der Weinhandel oft in den Händen von Speculanten und nicht in jenen von fachmännisch gebildeten Weinhändlern. Man betrachtet da oft den Wein wie ein gewöhnliches Rohproduct, das man eben nur kaufen mufs, um es dann unter einem renommirten Namen wieder zu verkaufen. Dabei wird das oft koftbare und edle Product ganz vernachläffigt und der gefammte auch der gefchulte Weinhandel gefchädigt. Der Fremde kann in Oefterreich nicht wie in Frankreich oder am Rhein felbftftändig als Käufer auftreten. Die Handelsbeziehungen find durch zahlreiche Verkehrsbeläftigungen erfchwert. So hat man z. B. in Ungarn in einem Umkreife von 5 bis 6 Stunden oft drei verfchiedene Maafse, die felbft dem Oefterreicher nicht immer genau bekannt find. Auch ift man dafelbft gezwungen, nach einem alten verrotteten Gebrauch, der den Handel fehr fchädigt, den Wein mit fammt dem Lager( Hefe) zu übernehmen und zu zahlen. Diefe Verhältniffe und noch andere Uebelftände müffen in Kurzem geändert werden, wenn die hoffnungsvolle Handelsentwicklung nicht wieder geftört werden foll. Betrachten wir noch am Schluffe die rothen füfsen Ausbrüche oder Deffertweine. Zwei Sorten haben auf der Ausftellung erneute Anerkennung gefunden und werden feit längerer Zeit fchon nach Deutfchland, Holland, Amerika u. f. w. exportirt. Es iſt diefs in erfter Richtung der Ménefer Ausbruch und dann der Carlowitzer Deffertwein. Die Preife diefer Weine find faft gleich den bereits oben angegebenen Preifen der Weifsweine. Im grofsen Ganzen ift die Productionsfähigkeit Oefterreich- Ungarns zumeift an kleinen und mittleren, rothen und weifsen Weinen fehr grofs. Nach Frankreich producirt Oefterreich mit einer Durchfchnittsfumme von 35 Millionen Eimern am meiften Wein unter allen anderen Ländern. In Ungarn allein find 621.671 Kataftraljoch à 1600 Quadratklafter dem Weinbau zugewiefen, das Wein. 13 höchfte Durchfchnittserträgnifs per Joch mag in Ungarn und auch in Oefterreich 20 Eimer fein, eine Angabe der amtlichen ungarifchen Statiſtik, welche fehr geeignet und auch fehr günftig ift, um die fchädlichen Irrthümer und Illufionen über die Productionsfähigkeit Ungarns zu zerftören. Die reiche Menge producirten Weines reicht felbft in ungünftigen Jahren hin, den fteigenden Confum des Inlandes zu decken und dabei auch noch gröfsere oder kleinere Mengen zum Export zu bringen. In Betreff der Preife find alle öfterreichifch- ungarifchen Weine trotz der grofsen Preisauffchläge in den letzten Jahren doch noch fo billig, dafs man noch niemals Veranlaffung gehabt hat, zur Erzeugung von Kunftweinen zu fchreiten. In Betreff der Adjuftirung, der Wahl der Flafchen und der forgfältigen Verkor kung der Flafchenweine kann man den günftigen Urtheilen der Confumenten glauben, dafs man allen Anforderungen gerecht zu werden fich bemüht. Die Ausstellung gab übrigens auch Gelegenheit, über den guten Gefchmack und die nette Ausftattung fich ein vollkommen felbftftändiges und gewifs günftiges Urtheil zu bilden. Um nun fchliefslich unfer Urtheil zufammenzufaffen, können wir getroft behaupten, dafs trotz der ungünftigen Jahre feit 1867 ein wefentlicher Fortfchritt zu verzeichnen ift, der auch auf der Weltausftellung zu Wien vollkommen hervortrat. Die Producenten und Weinhändler haben gezeigt, dafs fie die Entwicklung und den Bedarf der Zeit verftehen und geneigt find, jeden Fortfchritt anzunehmen, und jede neue Geftaltung der Production und des Handels auszubeuten. So hat man das Verfahren Pafteur's gründlich ftudirt und bei nicht haltbaren. kleineren und feineren Weinen, ebenfo wie bei überfeeifchen Sendungen anzuwenden verfucht. So hat man erkennen gelernt, dafs der Weinhandel nicht blofs darin befteht, dafs man Wein kauft und wieder verkauft, fondern dafs er auf einem ganz beftimmten Studium der Bedürfniffe und Wünfche der Menfchen, die im Often und Weften, im Süden und Norden ganz verfchieden find, beruht, und dafs darnach die verfchiedenen Arten und Sorten der Weine beftimmt ausgewählt, ganz befonders behandelt und ausgeftattet, und fo dem Verkehr übergeben werden müffen. Ift diefs überall von Wichtigkeit, fo ift es für den öfterreichifch- ungarifchen Weinhändler geradezu die Grundlage feiner ganzen Exiſtenz und feiner Gefchäftsentwicklung. Mit hundert verfchiedenartigen Sorten hat er es zu thun, mit exportfähigen Weinen und mit folchen, die einen Transport nicht vertragen, mit Vorurtheilen, die bewältigt werden müffen, mit einer Gefchmacksrichtung, die erft erzogen und dann erhalten werden mufs. So hat der öfterreichifch- ungarifche Weinhändler eigentlich Alles erft neu zu begründen und Bahnen erft zu eröffnen, welche noch grofse Opfer koften, aber dann auch gewifs lohnend fein werden. Nach all diefen Richtungen, welche wir als unfere Aufgabe gekennzeichnet haben, hat die Klofterneuburger Weinbau- Schule ganz fichere Anregungen gegeben und fchon bedeutende Erfolge erzielt. Aber auch der öfterreichifche Weinhändler war in den letzten Jahren nicht müffig und hat, was Fachkenntnifs, Bewirthschaftung und Kellermanipulation anlangt, den deutfchen und franzöfifchen, den fpanifchen und portugiefifchen Weinhändler bereits eingeholt und durch eine Anzahl grofser Firmen im Auslande alle Anerkennung fich verfchafft. Die internationale Jury hat diefs auch vollkommen anerkannt und durch eine grofse Reihe von Auszeichnungen der Ueberzeugung Ausdruck gegeben, dafs der öfterreichifche Wein für den Weltmarkt beftimmt und auf denfelben hinzuftreben vollkommen berechtigt ift. Wir entnehmen der Koblenzer Zeitung Nr. 186 den 30. Juli 1873, die Aeufserung eines Mitgliedes der internationalen Jury, welcher über die öfterreichiſch- ungarifchen Weine zu dem Schluffe kommt,„, dafs der deutfche Weinbau wohl einfehen werde, dafs ihm durch Oefterreich eine grofse Concurrenz, begünftigt von klimatifchen Verhältniffen entſtehen mufs, und dafs es nicht gerathen ift, auf den erreichten Lorberen zu ruhen, fondern ftets fort99 14 Franz Leibenfroft. zufchreiten. In ähnlicher Weife fpricht fich das Londoner Blatt„ Monthlay Vine and Spirit Trade", Circulär vom 12. September 1873 und das amerikanifche Blatt , Bouforts Vine and liquer" Circular, New- York, vom 18. September 1873 aus. Wir führen diefs nur an, um zu beweifen, welche Achtung der öfterreichifch- ungarifche Weinhandel fich fchon erworben hat. Mag es dazu dienen, Producenten und Weinhändler anzueifern, auf dem eingefchlagenen Wege muthig fortzuftreben. Die günftige geographifche Lage Oefterreichs begünftigt alle Bemühungen und weift darauf hin, dafs der öfterreichifche Handel mit allen Producten in erfter Richtung berufen ift, den Markt im Orient und in allen füdlichen Ländern zu beherrfchen. Bis heute hat man getrachtet, die öfterreichifch- ungarifchen Weine in Deutfchland, England und Amerika abzufetzen und es ift in diefen Ländern, ja felbft in Japan, Indien und fo weiter theilweife mit Glück gelungen. Auch Rufsland bietet einen günftigen Markt, obgleich die enorm hohen Zölle ieden Export bedeutend beeinträchtigen. Am Schluffe wollen wir bekennen, dafs das k. k. Handels- und AckerbauMinifterium Vieles und Nachhaltiges für die Hebung des öfterreichiſch- ungarifchen Weinhandels gethan hat. Allein es bleibt noch viel zu thun übrig, um das ergiebige Feld der Landwirthfchaft zum Beften des Gefammt- Nationalreichthums auszubeuten. Es fei geftattet, hier unfere Wünſche auszudrücken, und dabei zugleich die Hinderniffe anzugeben, welche der vollen Entwicklung des Weinhandels und der Weinproduction entgegen ftehen. In erfter Richtung erwähnen wir hier unfere mangelhafte und ungeregelte Grundfteuer, die den Weinbau fehr belaftet; dann die hohe, ungerecht vertheilte Erwerb- und Einkommenfteuer, welche in Verbindung mit den drückenden Verzehrungssteuern den Weinhandel fchädigt. Die im eigenen Lande beftehenden Zölle und die allgemeinen Zollbeläftigungen an den Grenzen des Reiches, die verfchiedenartigen Maafse und Gewichte, namentlich in Ungarn und die fchlechten Wege und Strafsen find Momente, welche Production und Handel ftören. Endlich werden die hohen Frachtfätze für Wein bei den Eifenbahnen, die willkürliche Behandlung von Seiten der Directionen, die fchlechte Gebarung derfelben, der faumfelige Transport, die Mifsbräuche und Befchädigungen der Waare und endlich die ausgedehnten Privilegien der Eifenbahnen gegenüber der Gefchäftswelt überhaupt, wenn fie nicht bald und durchgreifend reformirt werden, niemals den Weinhandel zu jener Blüthe gelangen laffen, welche er nach Lage und Verhältnifs des Landes leicht erreichen kann. Diefe Forderungen und Wünfche find ohne durchgreifenden Erfolg fchon oft ausgefprochen worden, und es bleibt uns eben nichts anderes übrig, als fie fo lange zu wiederholen, bis sie erfüllt worden find. Wenn dann im eigenen Lande Alles gefchehen, was nothwendig ift, dann dürfte es auch für die öfterreichifch- ungarifchen Confulate in der Fremde leichter werden, die Bemühungen der Production und des Handels ihres Heimatslandes kräftig zu unterſtützen. Mögen diefe unfere Wünfche richtig erkannt und beurtheilt werden. Man wird daraus leicht erkennen, dafs wir von dem Wunfche befeelt find, die öfterreichifche Weinproduction und den Weinhandel nach der Gunft der natürlichen Verhältniffe auf jene Stufe empor gehoben zu fehen, auf welcher er ebenbürtig mit allen anderen, bereits hoch entwickelten Ländern concurirren kann. Kellereinrichtung und Geräthfchaften. Wie wir uns mühevoll in diefer grofsen Ausftellung die verfchiedenartigften Gegenftände zufammenfuchten, welche von mehreren Ländern eingefandt worden waren, fo haben wir uns auch leicht die Ueberzeugung verfchafft, dafs es Wein. 15 nahe unmöglich ift, hierüber in einem vollſtändigen Berichte die verfchiedenften Gegenftände mit all ihren Details wiederzugeben. Die Schwierigkeit liegt darin, dafs fo viele Objecte der Anfchauung nach recht fchön und zweckmäfsig fcheinen, dem praktiſchen Gebrauche aber keineswegs entſprechen. Da fanden wir z. B. Geräthfchaften, die fich für den kleineren Hausund Kellergebrauch gut eignen mögen, für gröfsere Bewirthschaftungen aber nicht ausreichen. Andere Gegenftände und Vorlagen wieder waren erft Gedanken und noch keineswegs fo durchgedacht, dafs fie der Praxis dienen könnten. Wir können uns nun aber nicht allein mit der Theorie begnügen, fondern müffen deren gute Erkenntnifs und Leiftungsfähigkeit auch in der Praxis erproben, was namentlich bei Weinpreffen, Mafchinen, Pumpen, Apparaten und noch mehreren anderen Gegenftänden in erfter Richtung nothwendig ift. Demzufolge ift es uns auch nicht ermöglicht, die einzelnen hieher gehörigen Ausfteller namentlich anzuführen, weil jeder Einzelne fein Princip und feine Modelle oder feine Erfindung als die beften anpreift, anderfeits aber wir auch den Gebräuchen und Manipulationen der verfchiedenen Länder überall Rechnung tragen und das anerkennen müffen, was durch die Oertlichkeit erheifcht, in einer verfchiedenartigen Weife der Arbeit fich ausgebildet hat. Wir befchränken uns daher auf die Angabe einiger uns zweckentfprechend erfcheinenden Gegenftände, Verbefferungen und neueren Erfindungen, und müffen dabei auch einiger Induftriezweige, die für den Weinhandel wichtig find, gedenken. Ausgeftellt waren theilweife in verfchiedenen Ländern und Abtheilungen Weingarten- Werkzeuge, Fafspipen, Spunde, kleine und gröfsere diverfe Kellergeräthfchaften, Haufenblafen, Gelatine, Weinpumpen, Weinpreffen, Rebel- und Quetfchmafchinen, Filtrirmafchinen, Verkorkungs- und Kapfelirmafchinen, Gährbottiche und Moftlüftungs Apparate, Pafteurifeurs, Fafsausdämpfungs- und Flafchenfüllungs- Apparate, Flafchenmetall- Kapfeln, Etiquetten, Weinfchläuche und Flafchen. Weingarten Werkzeuge, Fafspipen, Spunde und diverfe kleinere und gröfsere Kellergeräthfchaften fanden wir von der Obft- und Weinbau- Schule aus Klofterneuburg fehr reichhaltig ausgeftellt. Es ift eine vollkommene Mufterfammlung von allen Arten Gegenftände gewefen, die man gröfstentheils zur rationellen Bearbeitung der Reben haben foll. Diefe Mufter bleiben permanent in obbenannter Weinbau- Schule zu Klofterneuburg behufs Befichtigung für Jedermann, und auch für die Zukunft ausgeftellt. Diefe vortreffliche Einrichtung ift umfo lobenswerther, als man fich jeden einzelnen Gegenftand durch die Anftalt felbft verfchaffen kann. Wir empfehlen daher auf das Ernftefte das Studium diefer Sammlung und brauchen bei dem dauernden Beftande derfelben nicht weiter darauf einzugehen. Von Meffing- Fafspipen fanden wir einige in der englifchen Abtheilung, die uns vermöge ihrer guten Einreibung und ihres Schlufses gefielen. Die übrigen aus anderen Ländern ausgeftellten hölzernen mit Zinn- und auch Korkverreibungen ausgeftellten Pipen boten nichts Neues, entfprachen zumeift dem kleinen Bedarfe. Eine nicht unbedeutende Anzahl von verfchiedenen kleineren Kellergeräthfchaften war dann weiter vorhanden, unter denen befonders fehr praktiſche Korkzieher, Flafchenkörbe und Flafchenftellagen aus Eifen, letztere leicht zerlegbar hervorragten. In den franzöfifchen und englifchen Abtheilungen fahen wir Haufenblafen in allen Sorten, ordinär, fein und feinft( deren befte Sorte in der ruffifchen Abtheilung), dagegen war wieder in der franzöfifchen Abtheilung die befte Gelatine ausgeftellt. Weinpumpen und Weinpreffen waren in ziemlich grofser Anzahl aus Frankreich eingefchickt worden, ebenfo wie vom deutfchen Reich, Oefterreich und Ungarn. Etwas Neues und Bedeutendes aber wurde nicht geboten. Es ift nur zu erwähnen, dafs die Pumpen mit Kolbendruck, da diefelben noch nicht in Gebrauch find, einige Aufmerkfamkeit erregten. 2 16 Franz Leibenfroft. Rebel und Quetfchmafchinen. von den oben angeführten Ländern eingefchickt, boten nichts befonders Neues. Von Verkorkungsmafchinen, zumeift nach älteren Principien, fiel nur eine aus Lübeck mit neuerer Conftruction und fehr zweckmäfsig erfcheinend, auf, doch mufs auch hier die Verwendung in der Praxis erft ihre Nutzbarkeit entfcheiden. Von Flafchenkapfelir- Mafchinen war eine in der englifchen Abtheilung als neue Erfindung zu bezeichnen, von deren guter Leiftungsfähig. keit man fich auch fchon überzeugt hat. Allein fie ift bereits bekannt und dem Fachmann nicht neu. Auch einige Filtrirmafchinen, aus dem deutfchen Reiche ausgeftellt, mit neueren erprobten Verbefferungen erfchienen fehr zweckmässig. Die ausgeftellten Gährungs- und Moftlüftungs Apparate aus Deutfchland, Frankreich und Oefterreich boten nichts Erwähnenswerthes. Mit Pafteurifeur- und Fafs ausdämpfungs- Apparaten, wurden feit der letzten Parifer- Weltausftellung die verfchiedenartigften Verfuche gemacht, da man deren Wichtigkeit immer mehr und mehr kennen lernte. Es ift dabei auch ein grofser Fortfchritt bemerkenswerth und wie die gegenwärtige Ausftattung zeigte, wurden obbenannte Apparate von Frankreich, Deutfchland, Oefterreich- Ungarn in allen Gröfsen für kleinere und gröfere Unternehmungen neu erzeugt. Eine wefentliche Verbefferung in jenen grofsen Pafteurifeur- Apparaten, wo man den überflüffigenDampf gleichzeitig zum Ausdämpfen mitWeingeläger für neue Fäffer verwenden kann, fand viel Beifall. Flafchenfüllungs- Apparate waren in der englifchen und franzöfifchen Abtheilung fehr fchön für das Auge ausgeftellt. Es mufs aber fehr bezweifelt werden, dafs diefe Apparate in ihrer eigenthümlichen Conftruction für den grösseren Gebrauch zweckentfprechend find. Unter den Flafchenlacke dürften an Schönheit der Farben und Feinheit die franzöfifchen und deutfchen unbedingt die öfterreichifchen übertreffen. Ebenfo find die öfterreichifchen Flafchenkapfeln, fowohl die weifsen als die gefärbten, am wenigften fchön, zweckmäfsig und gut, und find von jenen aus Frankreich und Deutfchland bei Weitem übertroffen worden. Es ift kaum zu glauben, dafs diefer Artikel vermöge feiner guten Qualität und fchöner Farbe, wie fie eben in Frankreich und Deutfchland angewendet wird, durch die Jahre hindurch noch immer aus dem Auslande nach Oefterreich eingeführt werden foll. Etwas Sorgfalt und Mühe könnte auch in Oefterreich ein fehr gutes Gefchäft begründen. Freilich ftellen fich heute noch die vom Ausland bezogenen Kapfeln trotz des hohen Zolles billiger als die im Inland erzeugten. Weinetiquetten haben wir frühere Jahre der Billigkeit und Eleganz wegen viele aus Deutſchland bezogen; in den letzteren Jahren aber haben die inländifchen Anftalten fo viele Fortfchritte gemacht, dafs fie die auswärtige Concurrenz fo ziemlich befeitigt haben. - Weinfchläuche aus Guttapercha waren nur einige nach alten Syftemen ausgeftellt, die übrigens auch ganz zweckmäfsig find, wenn fie bei Biegungen nicht fo leicht gebrechlich wären. Amerika, England, Frankreich, Deutfchland und Oefterreich hatten hatten auch einige Kautfchukfchläuche ausgeftellt, die wenig Befonderes zeigten. Wie uns durch die Jahre hindurch die Erfahrungen gezeigt haben, find die amerikanifchen und englifchen Schläuche noch die beften Fabricate gewefen, jedoch vollkommen gut können wir auch diefe für alle gröfseren und kleineren Etabliffements doch fo wichtigen Artikel noch lange nicht nennen und ift es fehr zu bedauern, dafs auch bei diefer Ausftellung nichts Neues oder irgend eine Verbefferung aufgetreten ift. Alle diefe Schläuche erfüllen ihren Zweck recht gut als Waffer- oder Bierfchläuche; beim Gebrauche für Wein aber zeigen fie viele Uebelftände. Im fteten Gebrauch nämlich löft fich durch die Weinfäure der innere Theil leicht auf und die Schläuche wachfen inwendig fo fchnell zufammen, dafs keine Flüffigkeit mehr durchgehen kann. Man hat verfucht, die Kautfchukfchläuche defshalb inwendig Wein. 17 mit einer Maffa oder Compofition zu überziehen, damit die Weinfäure nicht durchdringt. Ein Verfuch, der die Sache nur noch fchlechter machte, da die Weine den Geruch und Gefchmack davon angenommen haben. Endlich hat man verfucht, die Einlage durch Leinwand zu machen, um diefelbe und die Schläuche länger zu erhalten, was wohl einigermassen als beffer, jedoch auch nicht als dauerhaft fich erwies. Was nun die Flafchen und Weinbouteillen, ein für den Weinhandel höchft wichtiger Factor, anbelangt, fo ftellt man an diefelben drei Anforderungen: Gutes haltbares Glas, fchöne gefällige Form, und hübfche reine Farbe. Diefe Forderungen finden wir in allen Richtungen in dem franzöfifchen und deutfchen Fabricate auf das Vollkommenfte erfüllt. - Wenngleich die öfterreichifch- ungarifche Induftrie in der Production von Weingläfern und Glasgegenständen auf einer hohen Stufe fteht, und darin auch auf der Weltausftellung einen Fortfchritt nachgewiefen hat, fo können wir uns in Betreff der Fabricationen der Weinflafchen nur ungünftig ausfprechen. Es ift erwiefen, dafs die meiften gröfseren Firmen von Wein- Grofshändlern und Weinhändlern der öfterreichifchen und ungarifchen Provinzen ihre Flafchen gröfstentheils aus Deutſchland und theilweife aus Frankreich beziehen. Diefe Bezüge dehnen fich auf Millionen von Flafchen aus und wenn wir nach der Urfache fragen, warum man dem fremden Producte vor dem einheimifchen den Vorzug gibt, fo begründet fich es dadurch, das die ausländifchen Flafchen viel ftärker und haltbarer find, wefentlich weniger Bruch geben, reines Glas mit fchöner Farbe und egaler, gefälliger Form haben, endlich hauptfächlich fammt allen Spefen und entfernter Fracht noch billiger zu ftehen kommen als das inländifche Fabricat. Wenn wir noch zudem erfahren, dafs man felbft Bierflafchen für Exportbiere auch vom Auslande bezieht, fo mufs es doch gerechtfertigt fein, anzunehmen, dafs man auf diefen Induftriezweig in Oefterreich- Ungarn gar keinen Werth gelegt hat, oder dafs man nicht fähig ift, mit den vorhererwähnten Ländern zu concurriren. Und gerade hier könnte fich unfere Glasinduftrie, die im Luxusglas fo kräftige Concurrenten zu überwinden hat, eine fehr ergiebige Einkommensquelle erfchliefsen.